Decision ID: 060747d8-4ee7-54f2-ba07-2a9efe201e54
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Beweismassnahmen (medizinische Abklärung)
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1956 geborene A._ meldete sich am 25./28. April 2008 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Berufsberatung,
Arbeitsvermittlung und eine Rente. Er sei noch bis Mai 2008 als Hilfsarbeiter angestellt.
Seit einem Unfall am 19. September 2007 leide er an schweren körperlichen und
psychischen Krankheiten. Die Arbeitgeberin erklärte in der Arbeitgeberbescheinigung
vom 19. Mai 2008, der Versicherte sei aufgrund von Tätlichkeiten im Betrieb nicht mehr
integrierbar. Am 21. Mai 2008 (IV-act. 11) gingen die Unfallversicherungsakten ein.
Daraus liess sich unter anderem entnehmen, dass der Beschwerdeführer Strafanzeige
wegen Körperverletzung (Angriff, einfache Körperverletzung) erstattet habe. Er sei am
19. September 2007 von zwei Personen angegriffen worden und habe sich dabei einen
Kieferbruch und Prellungen zugezogen. Die polizeilichen Befragungen ergaben, dass
die Angeschuldigten ihrerseits dem Beschwerdeführer und seinem Sohn vorwarfen,
einen von ihnen angegriffen zu haben. Dr. med. B._, Facharzt Innere Medizin FMH,
gab im Arztbericht vom 4. Juni 2008 (IV-act. 17; im Wesentlichen) bekannt, es habe am
19. September 2007 ein Überfall mit Unterkieferfraktur rechts und diversen Prellungen
stattgefunden und der Versicherte leide ferner an einer posttraumatischen
Belastungsstörung mit Angst und diversen somatischen funktionellen Beschwerden. Er
sei zu 100 % arbeitsunfähig. Die Leistungsfähigkeit in einer anderen als der Arbeit im
bisherigen Betrieb sei zurzeit noch nicht hinreichend sicher beurteilbar. Die
Psychiatrische Tagesklinik St. Gallen teilte im Arztbericht vom 9. Juli 2008 (IV-act. 19)
mit, der Versicherte sei vom 11. Februar bis 11. Juli 2008 in teilstationärer Behandlung
gewesen. Er sei infolge der posttraumatischen Belastungsstörung voll arbeitsunfähig.
Die Symptomatik beeinträchtige die Teamfähigkeit und die Kognition. Die bisherige
Arbeit oder andere leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten seien aber noch
zumutbar, und zwar zunächst noch für etwa vier Wochen zu 50 % und nach einem
Arbeitsversuch (dieser geplant auf Ende Juli 2008) je nach Verlauf zu 70 bis 80 %
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während einer vollen Arbeitszeit. Etwa zwei Monate nach Beginn des Arbeitsversuches
sei eine neue Beurteilung vorzunehmen. Im Dezember 2008/Januar 2009 fand eine
stationäre psychosomatische Rehabilitation in der Klinik Gais statt (IV-act. 37). Die
Psychiatrische Tagesklinik beschrieb in einem Arztbericht vom 11. März 2009 (IV-
act. 38) die Lage im November 2008. Dr. B._ erklärte im Verlaufsbericht vom
13. Februar 2009 (IV-act. 41), trotz mehrmonatiger intensiver psychiatrischer Therapie
und hochdosierter neuroleptischer Begleitmedikation hätten die diffusen Ängste und
die Schlafstörungen nicht wesentlich verbessert werden können. - Am 6. Mai 2009
gingen die Akten der Krankentaggeldversicherung ein. Darunter befand sich ein von
dieser veranlasstes psychiatrisches Gutachten von Dr. med. C._, FMH Psychiatrie
und Psychotherapie, spez. Neuropsychiatrie, vom 24. Februar 2009. Nach diesem
bestanden ein gereizt-dysphorischer Verärgerungs- und Verstimmungszustand und
eine histrionische und vor allem narzisstisch stigmatisierte Persönlichkeit.
Fremdanamnestisch gebe es Hinweise auf querulatorische Züge und eine Tendenz zu
aggressiven Verhaltensweisen, und anteilig lägen einige typische Merkmale einer
sogenannten posttraumatischen Verbitterungsstörung vor, doch sei auch an eine
Schmerzverarbeitungsstörung bzw. Symptomausweitung zu denken. Der Versicherte
sei zu 100 % arbeitsfähig.
A.b Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung veranlasste
daraufhin am 12. Juni 2009 eine Rückfrage an Dr. B._ betreffend die Arbeitsfähigkeit
des Versicherten aus rein somatischer Sicht und eine Vorlegung des Gutachtens
ausserdem auch an die Klinik Gais und die Psychiatrische Tagesklinik. Dr. B._
berichtete am 8. Juli 2009 (IV-act. 49), es bestünden ein Verdacht auf eine
posttraumatische Belastungsstörung, ein St. nach konservativer Therapie nach
Unterkieferfraktur rechts, und neu eine koronare Herzkrankheit, ein Diabetes mellitus
Typ II und chronische Refluxbeschwerden. Zurzeit werde der Versicherte in der
Psychiatrischen Tagesklinik betreut. Nach der Begutachtung sei es wieder zu einer
deutlichen Verschlechterung und zunehmend zu Spannungen in der Familie
gekommen. Ergänzend hatte Dr. B._ gemäss RAD-Bericht vom 10. September 2009
am 24. August 2009 mitgeteilt, der Versicherte sei körperlich in der Leistungsfähigkeit
deutlich reduziert, doch wäre eine leichte Arbeit in Wechselbelastung wahrscheinlich
zumutbar. Die Psychiatrische Tagesklinik gab in ihrem Austrittsbericht vom
30. September 2009 (IV-act. 57) an, es lägen eine mittelgradig depressive Episode, eine
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posttraumatische Belastungsstörung nach tätlichem Angriff im September 2007, der V.
a. eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ein Status nach PTCA und
Stenteinlage am 29.09.2008 bei proximalem RCX-Verschluss bei neu aufgetretener
typischer Angina pectoris CCS II sowie ein Diabetes mellitus Typ II und eine
Dyslipidämie vor. Der Versicherte habe am 18. Juni 2009 die zweite teilstationäre
Hospitalisation angetreten. Er sei im Tageszentrum D._ angemeldet worden. Die
Arbeitsfähigkeit bei Austritt betrage null; sie sei in der Folge durch die
Nachbehandelnden zu bestimmen. Idealerweise sollte der Versicherte einer
Beschäftigung nachgehen, doch sei die Prognose ungünstig.
A.c Der RAD befürwortete am 3. November 2009 (IV-act. 58) eine psychiatrische
Verlaufsbegutachtung, vorzugsweise wieder durch Dr. C._. Nach der ersten
Begutachtung des Versicherten habe vom 8. Juni bis 20. September 2009 eine
Behandlung in der Tagesklinik stattgefunden. Es würden von der Klinik im
Austrittsbericht grundsätzlich ein günstiger Verlauf und dem Versicherten verfügbare
Ressourcen beschrieben. Angesichts dieses Umstands und des beschriebenen
Psychostatus erstaune aber die attestierte volle Arbeitsunfähigkeit. Bei der
vorzunehmenden Begutachtung liege das Hauptinteresse bei der Arbeitsfähigkeit und
der Art einer leidensangepassten Tätigkeit und erbeten seien auch Angaben über den
Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit der Begutachtung und eine Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Austrittsbericht. Am 30. November 2009 (IV-act. 61)
wurde der entsprechende Auftrag erteilt und am folgenden Tag dem damaligen
Rechtsvertreter des Versicherten Mitteilung davon gemacht.
A.d Mit Schreiben vom 8. Dezember 2009 (IV-act. 65) teilte Dr. B._ mit, der
Versicherte sei gern bereit, eine medizinische Abklärung durchführen zu lassen, wolle
aber wegen massiver Vorbehalte unbedingt einen anderen Psychiater aufsuchen. Der
RAD hielt am 15. Dezember 2009 (IV-act. 66) dafür, bei einer Begutachtung durch die
gleiche Person herrschten für eine Verlaufsbeurteilung optimale Bedingungen. Es seien
keine Anhaltspunkte ersichtlich, die auf eine Befangenheit des Gutachters schliessen
liessen.
A.e Mit Zwischenverfügung vom 16. Dezember 2009 (IV-act. 67) hielt die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen an ihrem
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Begutachtungsauftrag an Dr. C._ fest. Die Einwände hätten keinen schützenswerten
Ausstands- oder Ablehnungsgrund aufgezeigt. Komme die versicherte Person den
Auskunfts- und Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so könne
der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen, die Leistungen kürzen oder
Nichteintreten beschliessen. Einer Beschwerde werde die aufschiebende Wirkung
entzogen.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng für den
Betroffenen am 21. Januar 2010 erhobene Beschwerde. Dieser (damalige)
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt in der Hauptsache, die
angefochtene Verfügung aufzuheben, das Ausstands- bzw. Ablehnungsbegehren des
Beschwerdeführers gutzuheissen und einen anderen Gutachter zu bestellen, sowie
verfahrensmässig, die aufschiebende Wirkung wieder herzustellen. Für die Frage der
Voreingenommenheit entscheidend sei, ob das Ergebnis der Abklärung offen und nicht
vorbestimmt sei, was vorliegend bei der vorgesehenen Begutachtung nicht der Fall sei.
Denn Dr. C._ werde dieselben Fragen ein zweites Mal zu beantworten haben, ergänzt
durch die Frage nach einer allfälligen Verschlechterung des Zustands. Er sollte somit
ein Obergutachten bezüglich seines eigenen Gutachtens erstellen. Der Gutachter habe
sich entgegen dem Auftrag nicht allein zu den krankheitsbedingten, sondern auch zu
unfallbedingten Faktoren geäussert. Er habe die Auseinandersetzung als Prügelei
bezeichnet und wesentlich bagatellisiert. Der Beschwerdeführer sei beinahe zu Tode
geprügelt worden. Es werde auch im neuen Gutachten von einem unzutreffenden
Sachverhalt ausgegangen werden. Es bestehe kein Anlass, an den Aussagen des
Beschwerdeführers zu zweifeln. Unzutreffend sei insbesondere die Annahme des
Gutachters, der Sohn des Angreifers sei lediglich am Rande beteiligt gewesen, habe
dieser doch mit dem Baseballschläger auf den Beschwerdeführer eingeschlagen. Da
von unzutreffenden Voraussetzungen ausgegangen worden sei, sei verständlich, dass
auch die medizinische Schlussfolgerung nicht richtig sei, so wenig wie die
Hervorhebung des kulturellen Hintergrunds, der Persönlichkeitsfaktoren und der
familiären Dynamik. Der Gutachter habe ferner ein Telefongespräch mit einer bei der
ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers angestellten Person geführt. Diese
habe offenbar die Darstellung des Angreifers übernommen, was dann der Gutachter
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ebenfalls unbesehen getan habe. Wäre der Angreifer wirklich Opfer des
Beschwerdeführers gewesen, wäre nicht erklärbar, weshalb er erst nach Ablauf der
Frist einen Strafantrag gestellt habe. Unverständlich sei ausserdem, dass der Gutachter
die weiteren traumatischen Umstände unerwähnt lasse, nämlich, dass man sich im
Anschluss an den Vorfall im Sekretariat der Arbeitgeberin geweigert habe, die Polizei zu
rufen, und dass man den blutüberströmten Beschwerdeführer erst nach einiger Zeit
zum Firmenarzt begleitet habe. Das sei umso mehr unverständlich, als der Gutachter
demgegenüber die Kündigung des Arbeitsverhältnisses und die Leistungseinstellung
durch die Unfallversicherung als zusätzliche schwere narzisstische Kränkung des
Beschwerdeführers betrachtet haben wolle. Dabei handle es sich aber um
unbewiesene Hypothesen. Während er wesentliche Aspekte unberücksichtigt lasse,
hebe der Gutachter unverständlicherweise den Umstand hervor, dass der
Beschwerdeführer entgegen seiner Anweisung in das Testbuch geschrieben habe. Der
Gutachter erfülle die angesichts der Bedeutung eines Gutachtens strengen
Voraussetzungen der Unparteilichkeit nicht.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 25. Februar 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin,
der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung wieder zu erteilen und im Übrigen sei
die Beschwerde abzuweisen. Für einen Entzug der aufschiebenden Wirkung gebe es
keinen Grund. Die Notwendigkeit einer Begutachtung sei unstrittig, da nicht
auszuschliessen sei, dass sich der Zustand seit dem Gutachten verschlechtert habe.
Es gehe daher nicht um die Veranlassung eines Obergutachtens, welche tatsächlich
nicht zulässig wäre, sondern um den Auftrag zu einem Verlaufsgutachten. Gemäss dem
polizeilichen Bericht widersprächen sich die Darstellungen der Kontrahenten diametral.
Der Gutachter habe von unterschiedlichen Parteidarstellungen berichtet. Dass er von
einem falschen Sachverhalt ausgegangen sei, treffe nicht zu. Er habe auch in neutralem
Ton über die Drittauskunft berichtet. Da feststehe, dass der Beschwerdeführer wegen
seiner aggressiven Persönlichkeit entlassen worden sei, erschienen die Auskünfte im
Übrigen glaubhaft. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Gutachter den Vorfall
bagatellisiert oder falsche Schlüsse gezogen habe. Zu berücksichtigen sei, dass der
Beschwerdeführer erheblich aggraviere. Bei den neuropsychologischen Screeningtests
habe das Verhalten des Beschwerdeführers sogar Anlass zum Verdacht auf ein
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absichtlich vorgetäuschtes Unvermögen gegeben. Es ergäben sich insgesamt keine
Hinweise auf eine Befangenheit des Gutachters gegenüber dem Beschwerdeführer.
D.
Mit Replik vom 29. März 2010 wendet der damalige Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ein, weder aus dem Vorbescheid noch aus der angefochtenen
Verfügung gehe hervor, dass es sich um eine Verlaufsbegutachtung handle. Die RAD-
Stellungnahme liege dem Beschwerdeführer nicht vor. Das erste Gutachten sei nicht
von der Beschwerdegegnerin, sondern von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag
gegeben worden. Der Gesundheitszustand sei also im Hinblick auf deren
Leistungspflicht zu beurteilen gewesen. Die IV-spezifischen Fragen, wie jene nach
Verbesserungsmöglichkeiten durch medizinische Massnahmen oder nach dem Beginn
der Arbeitsunfähigkeit, seien nicht gestellt worden. Es fehlten auch eine Stellungnahme
zur Selbsteinschätzung und zu früheren ärztlichen Einschätzungen. Da also kein IV-
Gutachten vorliege, könne der Gutachter nun auch kein Verlaufsgutachten erstellen.
Ein IV-Obergutachten sei, wie die Beschwerdegegnerin selber einräume, unzulässig.
Die Auffassung der Verfahrensleiterin (act. G 10), dass angesichts des
Gutheissungsantrags der Beschwerdegegnerin zur Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung kein richterlicher Zwischenentscheid erforderlich sei, werde
geteilt. Bei Abweisung der Beschwerde sei diesem Umstand allerdings bei den Kosten
Rechnung zu tragen.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 12. April 2010 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.
F.
Am 24. September 2010 wurde dem Gericht ein Wechsel in der Rechtsvertretung des
Beschwerdeführers angezeigt. Der neu bestellte Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur.
Rainer Niedermann, hat am 1. Dezember 2010 nach Einsichtnahme in die Akten auf
eine Stellungnahme verzichtet.

Erwägungen:
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1.
1.1 Mit der angefochtenen Zwischenverfügung vom 16. Dezember 2009 hat die
Beschwerdegegnerin an ihrem Begutachtungsauftrag an Dr. C._ festgehalten, das
Ablehnungsgesuch des Beschwerdeführers vom 8. Dezember 2009 also abgewiesen.
1.2 Der Versicherungsträger hat nach Art. 49 Abs. 1 ATSG unter anderem über
Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht
einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Die Anordnung einer
Begutachtung ist als verfahrensleitende Verfügung im Sinne von Art. 52 Abs. 1 ATSG
zu verstehen. Gegen solche Zwischenverfügungen kann gemäss Art. 56 Abs. 1 ATSG
(vgl. Art. 52 Abs. 1 ATSG) Beschwerde erhoben werden. Der Gesetzgeber wollte
allerdings - obwohl er sie im Wortlaut unerwähnt liess - die bis anhin praktizierte
Eintretensvoraussetzung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils für
Zwischenverfügungen nicht aufheben (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A., N 9 zu
Art. 56; vgl. Art. 45 Abs. 1 VwVG). Diese Voraussetzung kann als gegeben betrachtet
werden (vgl. AHI 1998 126 E. 1). Im Weiteren ist die selbständige Anfechtbarkeit einer
Begutachtungsanordnung anerkanntermassen dann geben, wenn - wie hier -
Ausstandsgründe nach Art. 36 Abs. 1 ATSG geltend gemacht werden (BGE 132 V
107 f. E. 6.3 und 6.5). Die prozessualen Voraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die
materielle Behandlung der Streitsache einzutreten ist.
2.
2.1 Nach Art. 43 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die
notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte
ein (Abs. 1). Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhalts ein
Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der
Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen
Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG). Die versicherte
Person hat kein Recht auf einen Sachverständigen ihrer Wahl (RKUV 1998 S. 457; vgl.
Ueli Kieser, a.a.O., N 19 zu Art. 44). Nach der Rechtsprechung gelten für
Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie
sie für Richter vorgesehen sind (vgl. Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 30 Abs. 1 BV). Danach ist
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Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in
die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um
einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die
Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person
tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den
Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen
vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung
solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei
abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet
erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein
strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93; BGE 120 V 364 E. 3).
2.2 Vorbefassung begründet, was vorliegend unbestritten ist, nicht zwingend den
Anschein der Befangenheit. Nach der Rechtsprechung kann ein Sachverständiger nicht
allein deshalb abgelehnt werden, weil er den Exploranden schon früher einmal
begutachtet hat (BGE 132 V 93 E. 7.2.2). Als massgebendes Kriterium für die
Beurteilung dieser Frage im Einzelfall hielt das Bundesgericht fest, es sei generell zu
fordern, dass das Verfahren in Bezug auf den konkreten Sachverhalt und die konkret zu
entscheidenden Rechtsfragen trotz der Vorbefassung als offen erscheine und nicht der
Anschein der Vorbestimmtheit erweckt werde. Es ist somit danach zu fragen, ob das
Ergebnis der Begutachtung nach wie vor als offen und nicht vorbestimmt erscheint.
Kann die Offenheit bejaht werden, ist die Besorgnis der Voreingenommenheit trotz
Vorbefassung unbegründet. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Experte andere
Fragen zu beantworten oder sein erstes Gutachten lediglich zu erklären, zu erläutern
oder zu ergänzen hat, nicht aber, wenn er die Schlüssigkeit seiner früheren Expertise
zu überprüfen oder objektiv zu kontrollieren hat (Bundesgerichtsentscheid i/S G. vom
14. September 2009, 9C_273/09).
3.
3.1 Wie der Stellungnahme des RAD vom 3. November 2009 zu entnehmen ist, war
eine neuerliche Begutachtung deshalb befürwortet worden, weil nach der ersten
Expertise eine Behandlung des Beschwerdeführers in der Tagesklinik stattgefunden
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habe und diese trotz günstigen Verlaufs eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiere, was
angesichts des beschriebenen Psychostatus erstaunlich sei. Gleichentags (IV-act. 59)
fragte der RAD den Gutachter an, ob er die Verlaufsbegutachtung annehme. Das
Hauptinteresse richte sich auf den Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit der Begutachtung
vom Februar 2009 und einen Vergleich mit dem Austrittsbericht der Tagesklinik. Es
kann daher davon ausgegangen werden, dass der Auftrag dahin geht, zu beurteilen, ob
und gegebenenfalls inwiefern sich der medizinisch relevante Sachverhalt (samt der
Arbeitsfähigkeit) seit der Erstbegutachtung verändert habe. Der Gutachter wird somit
nicht dazu aufgefordert, seine eigene Beurteilung des Sachverhalts vom Februar 2009
neu zu überdenken. Für die Beurteilung einer allfälligen Veränderung ist er
prädestiniert, weil er den Sachverhalt bereits früher begutachtet hat. Dass er dies für
eine andere Versicherung (mit entsprechender Fragestellung) tat, ist nicht von
wesentlicher Bedeutung. Die Vorbefassung gibt nicht Anlass anzunehmen, dass das
Begutachtungsergebnis vorbestimmt erscheine.
3.2 Der Beschwerdeführer lässt seinen Einwand der Vorbestimmtheit des zu
erwartenden Ergebnisses damit begründen, dass der Gutachter bei der ersten
Abklärung von einem unzutreffenden Sachverhalt ausgegangen sei, indem er den
Vorfall vom September 2007 als Prügelei bagatellisiert und wie die befragte Person aus
dem Betrieb der Arbeitgeberin die Version des Angreifers übernommen habe. Der
Gutachter hatte diesbezüglich indessen zu Recht festgehalten, dass unterschiedliche
Darstellungen der damaligen Kontrahenten bestünden, dass dies aber für die
Begutachtung nicht von Bedeutung sei. Ferner wird beanstandet, dass der Gutachter
die weiteren traumatisierenden Umstände des Vorfalls unerwähnt gelassen habe,
während er anderen, lediglich hypothetischen Umständen wie der Kündigung und der
Leistungseinstellung der Unfallversicherung grosses Gewicht beigemessen und einen
Verstoss des Beschwerdeführers gegen eine Testanweisung hervorgehoben habe. Der
Gutachter hatte die Schilderungen des damaligen Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers über die dramatischen Begleitumstände (aus der UV-Einsprache)
zur Kenntnis genommen (IV-act. 71/4). Er hat in der Folge die aus den Akten und den
Angaben des Beschwerdeführers gewonnenen Informationen und die erhobenen
Befunde ärztlich bewertet. Für die Annahme, es habe sich dabei beim Gutachter eine
Voreingenommenheit dem Beschwerdeführer gegenüber eingestellt, können dem
Gutachten keine Anhaltspunkte entnommen werden. Die Vorbringen des
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Beschwerdeführers vermögen nicht seine Annahme zu begründen, der Gutachter
erscheine als voreingenommen und das Ergebnis einer weiteren Begutachtung als
bereits vorbestimmt. Die materielle Stichhaltigkeit der medizinischen Würdigungen und
Schlussfolgerungen der ersten Expertise stehen als solche hier nicht zur Debatte.
3.3 Die Beschwerdegegnerin hat das Ablehnungsgesuch des Beschwerdeführers
demnach zu Recht abgewiesen.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Eine
Kostenpflicht besteht auch für dieses Verfahren, obwohl es nicht um die Bewilligung
oder Verweigerung von Versicherungsleistungen (hierzu der Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. Oktober 2000, I 31/00) geht. Mit Art. 69
Abs. 1 IVG sollte die Verfahrensvorschrift von Art. 61 lit. a ATSG in Bezug auf die
Kostenlosigkeit ausser Kraft gesetzt werden (vgl. BBl 2005 3089). Das hat nach der
Praxis des Versicherungsgerichts trotz der einschränkenden Formulierung für alle IV-
Verfahren zu gelten (unveröffentlichter Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S H. vom 5. Dezember 2007). Als unterliegende Partei hat der
Beschwerdeführer die Gerichtskosten zu bezahlen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Diese sind
ermessensweise auf Fr. 400.-- zu veranschlagen. Der Verzicht auf die Anordnung des
Entzugs der aufschiebenden Wirkung durch die Beschwerdegegnerin rechtfertigt keine
Aufteilung dieser Kosten zwischen den Parteien. Mit dem geleisteten Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist die geschuldete Gerichtsgebühr getilgt. Der Restbetrag von Fr. 200.--
ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
4.3 Beim Anspruch auf Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf
den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP), ist
bis
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vorliegend zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer dazu veranlasst war, die
von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung angeordnete
vorsorgliche Massnahme des Entzugs der aufschiebenden Wirkung als rechtswidrig
anzufechten, da das Interesse der Verwaltung an einer umgehenden Begutachtung
weitaus geringer wog als sein entgegenstehendes Interesse, die Ablehnungsfrage
zuerst entschieden zu haben. Eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 800.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) erscheint angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP