Decision ID: ae205e16-a21b-5f8d-8ff0-bb97b059833a
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Mit Verfügung vom 12. Juni 2007 entzog das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen X den Führerausweis der Spezialkategorie M
wegen mangelnder Fahreignung aufgrund einer Suchtmittelabhängigkeit (Kokain) auf
unbestimmte Zeit. Am 11. März 2009 verfügte es die Wiedererteilung des
Führerausweises mit Auflagen. Am 1. September 2009 erwarb X den Führerausweis der
Kategorie B. Mit Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 28. März 2011 wurde ihm
der Führerausweis wegen mangelnder Fahreignung für unbestimmte Zeit entzogen. Als
Bedingung für die Aufhebung des Führerausweisentzugs wurden eine kontrollierte und
fachlich betreute Drogenabstinenz (Arzt und Beratungsstelle) von mindestens sechs
Monaten und eine verkehrsmedizinische Besprechung vorgeschrieben. Am 11. Januar
2012 hob das Strassenverkehrsamt den Sicherungsentzug auf, erteilte den
Führerausweis wieder und versah diesen mit der Auflage einer vollständigen,
kontrollierten Drogenabstinenz. Mit Verfügung vom 18. Juni 2014 verbot das
Strassenverkehrsamt X das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien vorsorglich
ab sofort. Ein dagegen erhobener Rekurs hiess die Verwaltungsrekurskommission des
Kantons St.Gallen mit Entscheid vom 21. August 2014 gut (IV-2014/90) und hielt fest,
allein gestützt auf das Ergebnis der Haaranalyse vom 21. Mai 2014 sei nicht erstellt,
dass die Abstinenzverpflichtung gebrochen worden sei. Am 19. August 2015 hob das
Strassenverkehrsamt die festgesetzten Auflagen auf. Mit Strafbefehl des
Untersuchungsamts Uznach vom 26. November 2019 wurde X unter anderem der
mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (Besitz von Haschisch und
Marihuana sowie Konsum von Marihuana und Kokain) schuldig gesprochen. Am 1.
April 2020 ordnete das Strassenverkehrsamt eine verkehrsmedizinische Untersuchung
im Begutachtungszentrum Verkehrsmedizin (bzvm), Zürich, an und mit Verfügung vom
26. August 2020 versah es den Führerausweis erneut mit der Auflage einer
vollständigen, kontrollierten Drogenabstinenz inklusive monatlicher Urinkontrollen auf
Cannabis (ohne Suchtberatung) und der Kontrolle inklusive Haaranalyse alle sechs
Monate am Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen (IRM St. Gallen).
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B.- Bei der ersten Verlaufskontrolle am IRM St. Gallen vom 11. Dezember 2020 ist die
Haarprobe von X positiv auf Kokain (2'000 pg/mg) und dessen Metaboliten
(Abbauprodukte) Benzoylecgonin (240 pg/mg) und Norcocain (22 pg/mg) getestet
worden. Im verkehrsmedizinischen Bericht zur Verlaufskontrolle vom 12. Januar 2021
wurde die Fahreignung deshalb verneint. Das Strassenverkehrsamt entzog den
Führerausweis mit Verfügung vom 13. Januar 2021 vorsorglich. In der Folge wurde am
Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM Zürich) eine zweite Haaranalyse
durchgeführt und am 5. Februar 2021 ein Bericht erstellt. Das IRM St. Gallen nahm
dazu am 16. Februar 2021 Stellung. Mit Verfügung vom 11. März 2021 entzog das
Strassenverkehrsamt den Führerausweis auf unbestimmte Zeit und machte die
Wiedererteilung vom Nachweis einer kontrollierten und fachlich betreuten
Drogenabstinenz (Arzt und Beratungsstelle) von mindestens sechs Monaten sowie
einer positiv lautenden verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung abhängig. Einem
allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 11. März 2021 erhob X mit
Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. März 2021 Rekurs bei der VRK und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei der Führerausweis
unverzüglich und unbelastet zurückzugeben, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Staates. Auf die Ausführungen zur Begründung der
Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Das
Strassenverkehrsamt verzichtete am 4. Mai 2021 auf eine Vernehmlassung. Am 10. Mai
2021 wies der Verfahrensleiter das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
ab (ZV-2021/26).
Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 29. März 2021 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des bis
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Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent machte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 26. Mai 2021
geltend, der Rekurs vom 29. März 2021 habe keinen Antrag und entsprechend keine
Begründung zur Aufhebung der aufschiebenden Wirkung des Sicherungsentzugs
enthalten. Die Zwischenverfügung vom 10. Mai 2021 behandle einen angeblichen
Antrag, welcher als solcher gar nicht gestellt und begründet worden sei. Diesbezüglich
seien somit keine Parteikosten angefallen und die Kosten für die unnötige
Zwischenverfügung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
Die Vorinstanz entzog in der Verfügung vom 11. März 2021 einem allfälligen Rekurs die
aufschiebende Wirkung, d.h. sie ordnete aus wichtigen Gründen (Verkehrssicherheit)
die Vollstreckbarkeit (Entzug des Führerausweises) an (vgl. Art. 51 Abs. 1 VRP). Mit
Eingabe vom 29. März 2021 liess der Rekurrent durch seinen Rechtsvertreter unter
anderem ausdrücklich die "unverzügliche" Rückgabe seines Führerausweises
beantragen (vgl. Ziffer 2 der Anträge). Auch wenn er keinen ausdrücklichen Antrag auf
Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung stellte, ist eine unverzügliche Herausgabe
des Führerausweises nur mit Erteilung der aufschiebenden Wirkung für den Rekurs
möglich, weshalb Ziffer 2 der Anträge der Eingabe vom 29. März 2021 gestützt auf den
Grundsatz von Treu und Glauben nur als Antrag auf Wiedererteilung der
aufschiebenden Wirkung verstanden werden kann. Materiell ist die Wiedererteilung der
aufschiebenden Wirkung im VRP nicht ausdrücklich geregelt. Da die Rekursinstanz mit
der Wiedererteilung verneint (resp. mit der Abweisung der Wiedererteilung bejaht), dass
wichtige Gründe für einen Entzug der aufschiebenden Wirkung gegeben waren bzw.
sind, gelten für die Wiedererteilung die gleichen Voraussetzungen wie für den Entzug
(PK VRP/SG-T. Zuber-Hagen, Art. 51 N 36). Eine weitergehende Begründung eines
Antrags auf Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung ist somit nicht erforderlich.
Dem Einwand des Rechtsvertreters, es sei mit Verfügung vom 10. Mai 2021 ein Antrag
behandelt worden, der als solcher nicht gestellt und begründet worden sei, kann
deshalb nicht gefolgt werden.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz den Führerausweis zu Recht wegen
Missachtung der Abstinenzauflage auf unbestimmte Zeit entzogen hat.
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a) Nach allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen kann eine Bewilligung mit
Nebenbestimmungen verbunden werden, wenn dafür eine ausdrückliche gesetzliche
Grundlage besteht oder wenn die Bewilligung aufgrund des Gesetzes ohne
Nebenbestimmungen verweigert werden müsste. Auflagen stellen eine Art solcher
Nebenbestimmungen dar. Sie müssen dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit
genügen, das heisst geeignet und erforderlich sein, um das der Verfügung
zugrundeliegende öffentliche Interesse zu erfüllen, sowie für den Betroffenen zumutbar
sein. Im Strassenverkehrsrecht dienen Auflagen generell dazu, Schwächen hinsichtlich
der Fahreignung zu kompensieren. Sie sind im Vergleich zur Verweigerung oder zum
Entzug des Führerausweises als milderes Mittel zulässig, wenn sich die Fahreignung
nur mit dieser Massnahme aufrechterhalten lässt. In Frage kommen auch Auflagen, um
einer Suchtgefährdung zu begegnen, namentlich die Pflicht zur Einhaltung einer
Alkohol- oder Drogenabstinenz. Solche Auflagen werden in der Praxis häufig mit der
Wiedererteilung nach einem Sicherungsentzug verbunden, können aber auch mit der
erstmaligen Ausweiserteilung angeordnet werden (BSK SVG-Rütsche, Basel 2014,
Art. 17 N 29, 36; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.61/2005 vom
12. Januar 2006 E. 2.1; BGE 125 II 289 E. 2b mit Hinweis auf R. Schaffhauser,
Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III: Die
Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz. 2224; Ph. Weissenberger, Kommentar SVG
und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 17 SVG N 14).
Im Strassenverkehrsgesetz gibt es zwei Bestimmungen, welche den Entzug des
Führerausweises für den Fall vorsehen, dass zuvor verfügte Auflagen missachtet
wurden. Nach der Generalklausel von Art. 16 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR
741.01, abgekürzt: SVG) sind Ausweise und Bewilligungen zu entziehen, wenn
festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht
mehr bestehen; sie können entzogen werden, wenn die mit der Erteilung im Einzelfall
verbundenen Beschränkungen oder Auflagen missachtet werden. Werden hingegen
Auflagen verletzt, die bei der Wiedererteilung nach einem Sicherungsentzug verfügt
worden waren, kommt Art. 17 Abs. 5 SVG als Spezialnorm zur Anwendung (vgl. Art. 17
Abs. 3 SVG; BGE 140 II 334 E. 2). Art. 16 Abs. 1 SVG ist als "Kann"-Vorschrift
abgefasst. Der Entscheid, welche Massnahme im Einzelfall angemessen ist, liegt im
pflichtgemässen Ermessen der Behörde. Demgegenüber führt die Verletzung von
Auflagen, die im Rahmen von Art. 17 SVG verfügt wurden, nach dem Wortlaut von
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Art. 17 Abs. 5 SVG zwingend zum Entzug des Führerausweises, ohne dass zuvor noch
einmal verkehrsmedizinische oder -psychologische Abklärungen hinsichtlich der
Fahreignung notwendig wären (BSK SVG-Rütsche/Weber, a.a.O., Art. 17 N 29 und 36).
b) Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen mit dem
verkehrsmedizinischen Bericht des IRM St. Gallen zur Verlaufskontrolle vom 12. Januar
2021 und der Stellungnahme vom 16. Februar 2021. Im Bericht des bzvm vom 12.
August 2020 sei aus verkehrsmedizinischer Sicht empfohlen worden, den Rekurrenten
im Sinne einer Chancengewährung wiederum unter der Auflage einer vollständigen,
kontrollierten Drogenabstinenz inkl. monatlicher Urinkontrollen auf Cannabis als
Motorfahrzeugführer zuzulassen. Bereits die erste Haaranalyse vom 11. Dezember
2020 habe in der Folge ein positives Ergebnis auf Kokain erbracht, welches durch das
IRM St. Gallen als Konsum gewertet worden sei. Das IRM Zürich sei nach der
Auswertung der B-Probe zum Schluss gelangt, dass das Kokain durch Kontamination
von aussen in die Haare gekommen sein dürfte. Wie sich der verkehrsmedizinisch-
toxikologischen Stellungnahme des IRM St. Gallen vom 16. Februar 2021 entnehmen
lasse, bestehe vorliegend die Möglichkeit einer Kontamination oder eines Konsums. Ein
Kokainkonsum im untersuchten Zeitraum werde nicht mit Sicherheit ausgeschlossen,
in jedem Fall würden die Untersuchungsergebnisse aber für einen sehr engen Kontakt
mit der Substanz sprechen. In Anbetracht der vorliegenden Berichte sei davon
auszugehen, dass die Suchtproblematik nicht überwunden sei. Trotz der gewährten
Chance zur erneuten Bewährung mit Verfügung vom 26. August 2020 scheine der
Rekurrent nicht gewillt oder in der Lage zu sein, auch nur auf den Umgang mit Kokain
verzichten zu können, weshalb der Führerausweis gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b
SVG in Verbindung mit Art. 17 Abs. 5 SVG für unbestimmte Zeit zu entziehen sei.
Der Rekurrent hält dem zusammengefasst entgegen, das IRM Zürich, welches die B-
Probe untersucht habe, sei zum Schluss gekommen, dass lediglich ein Kontakt mit
Kokain (Kontamination von aussen) habe festgestellt werden können. Dieses
unterschiedliche Testergebnis von der A-Probe zur B-Probe werde in der
verkehrsmedizinisch-toxikologischen Stellungnahme vom 16. Februar 2021
dahingehend erklärt, dass es lediglich mit Sicherheit einen Kontakt mit der Substanz
Kokain gegeben habe und die Kontamination von aussen für die entsprechenden
Testergebnisse verantwortlich sein dürfte. Die festgestellten Verhältnisse der A- und B-
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Probe des gleichen Haar-Asservats und die damit zusammenhängende Erklärung des
IRM St. Gallen müssten dazu führen, dass die Nichteinhaltung der Auflage nicht
erwiesen sei. Es sei plausibel aufgezeigt worden, wie die entsprechende Kontamination
stattgefunden haben könnte. So habe er sich wegen seiner Eventtätigkeiten im
Sommer und Herbst 2020 häufig in der Zürcher Clubszene aufgehalten, wo häufig in
grossem Umfang Drogen, insbesondere Kokain, konsumiert werde. Obwohl er selber in
Bezug auf Drogen (Kokain) nur im Frühjahr 2020 einen kurzen Rückfall während den
Ferien in Kolumbien habe verzeichnen müssen, komme es vor, dass er durch Dritte
passiv mit Kokain in Kontakt komme. Die Vorinstanz mache nicht geltend, dass die
Auflage nicht eingehalten worden sei. Stattdessen solle für den Ausweisentzug
ausreichend sein, dass er keine nachhaltige Verhaltensänderung gezeigt habe und
somit Zweifel an der Überwindung der angeblichen Drogenproblematik bestünden.
Somit werde bereits der Umgang mit Kokain als ausreichend erachtet, damit von einer
Nichtbewährung ausgegangen werden müsse. Dies sei nicht haltbar,
unverhältnismässig und willkürlich. Es habe weder eine Verletzung der Auflage gemäss
Art. 17 Abs. 5 SVG festgestellt werden können, noch seien weitere Beweise erhoben
worden. Mit der mehrjährigen belegten Abstinenz habe er gerade das Gegenteil
bewiesen, nämlich, dass keine Sucht bestehe, welche die Fahreignung beeinträchtige.
c) aa) Nachdem die Vorinstanz die Auflagen im wiedererteilten Führerausweis des
Rekurrenten zwischenzeitlich aufgehoben hatte, versah sie diesen mit Verfügung vom
26. August 2020 erneut mit der Auflage einer vollständigen, kontrollierten
Drogenabstinenz inklusive monatlicher Urinkontrollen auf Cannabis (ohne
Suchtberatung) und der Kontrolle inklusive Haaranalyse alle sechs Monate am IRM St.
Gallen. Somit handelt es sich um eine Auflage, welche nach der Wiedererteilung nach
einem Sicherungsentzug erneut verfügt und nicht um eine Auflage, welche mit der
erstmaligen Ausweiserteilung angeordnet worden war. Der Verweis in Ziffer 2 lit. e der
Verfügung vom 26. August 2020 auf Art. 16 Abs. 1 SVG, wonach der Rekurrent bei
Missachten der Auflagen mit dem Entzug des Ausweises – allenfalls auf unbestimmte
Zeit – zu rechnen habe (act. 8/309 f.), war falsch. Allein dieser Hinweis vermag die
korrekte Anwendung von Art. 17 Abs. 5 SVG indessen nicht zu hindern. Insbesondere
verweist die Vorinstanz in der Verfügung vom 26. August 2020 einleitend korrekt auf
Art. 17 SVG ("Wiedererteilung der Führerausweise"). In der angefochtenen Verfügung
vom 11. März 2021 erwähnte die Vorinstanz zudem richtigerweise Art. 17 Abs. 5 SVG.
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Ebenso wenig vermögen die Ausführungen des Rekurrenten, wonach fraglich sei, ob
die Auflagen in der Verfügung vom 26. August 2020 zu Recht angeordnet worden seien
(act. 6, Seite 6 f., insbesondere N 23), da er bezüglich Drogen eine unbelastete
Verkehrsvorgeschichte aufweise und sich seit mehreren Jahren bewährt und somit
bewiesen habe, dass keine Suchtproblematik vorhanden sei, etwas an der
Anwendbarkeit von Art. 17 Abs. 5 SVG zu ändern. Mit Schreiben des Rechtsvertreters
vom 25. August 2020 hielt der Rekurrent denn auch fest, er wolle die Auflagen
grundsätzlich akzeptieren (act. 8/306). Die beanstandete Verfügung vom 26. August
2020 ist zudem mittlerweile längst in Rechtskraft erwachsen.
bb) Bei der Analyse wird mit sogenannten Cut-off-Werten gearbeitet. Diese werden
allgemein in zweierlei Hinsicht verwendet: Einerseits zum Ausschluss analytisch
unsicherer Ergebnisse, d.h. zur Vermeidung falsch-positiver Resultate. In diesem Sinne
werden bei chromatographisch-spektroskopischen Verfahren Nachweis- oder
Bestimmungsgrenzen verwendet. Andererseits dienen sie bei sicher nachgewiesener
Konzentration zur Abgrenzung von für die Fragestellung irrelevanten Werten, z.B. durch
einmaligen oder Probierkonsum. Bei einmaligem oder vereinzeltem Substanzkonsum
innerhalb eines längeren Zeitraumes liegt die Konzentration im Haar unterhalb der
Nachweisgrenze und ergibt somit einen negativen Befund (M. R. Baumgartner,
Nachweis des Konsums von psychotropen Substanzen und Alkohol mittels
Haaranalyse, in: Therapeutische Umschau 2011, S. 272, im Internet abrufbar unter:
www.irm.uzh.ch/downloads). Der Cut-off-Wert von Kokain liegt gemäss der
Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin [SGRM] bei 500 pg/mg (vgl. SGRM,
Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von Drogen und Medikamenten in
Haarproben, Version 2017, Anhang; vgl. auch Society of Hair Testing [SOHT],
Recommendations for Hair Testing in Forensic Cases, im Internet abrufbar unter:
www.soht.org/consensus). Andere Autoren setzen den Cut-off-Wert wesentlich tiefer
an, nämlich bei 100 pg/mg (Madea/Musshoff/Berghaus [Hrsg.], Verkehrsmedizin,
2. Aufl. 2012, S. 188). Die im Haar des Rekurrenten gemessene Kokain-Konzentration
lag mit 2'000 pg/mg deutlich über dem von der SGRM definierten Cut-off-Wert. Es ist
zudem zu berücksichtigen, dass zusätzlich Benzoylecgonin in einer Konzentration von
240 pg/mg festgestellt wurde. Die Nachweisgrenze für diese Substanz liegt bei 20 pg/
mg (vgl. SGRM, a.a.O., Anhang). Bei Benzoylecgonin handelt es sich um ein
Abbauprodukt (Metabolit) von Kokain (vgl. Baumgartner, a.a.O., S. 3). Dies ist insofern
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von Bedeutung, als die aktive Aufnahme von Kokain nur anhand von Metaboliten
nachgewiesen werden kann (vgl. Madea/Musshoff/Berghaus [Hrsg.], a.a.O., S. 191),
wobei die beiden Stoffe in einem gewissen Konzentrationsverhältnis auftreten müssen.
So liegt das Verhältnis von Benzoylecgonin zu Kokain in der Regel unterhalb von 1 zu
20 (vgl. Pragst/Sachs, Die Haarprobe als Untersuchungsmatrix zur toxikologischen
Fahreignungsdiagnostik, in: Aktuelle Beiträge zur Forensischen und Klinischen
Toxikologie, Bad Vilbel 2008, S. 94, im Internet abrufbar unter: www.gtfch.org;
Musshoff/Lachenmeier/Madea, Cocain und Cocainmetaboliten, in: Madea/Musshoff
(Hrsg.), Haaranalytik, Köln 2004, S. 165 und 171). Beim Rekurrenten wurden die beiden
Substanzen in einem Verhältnis von 1 zu 8,3 gemessen. Die Grenze zum
Konsumnachweis wurde damit deutlich überschritten (vgl. zum
Konzentrationsverhältnis auch VRKE IV-2016/92 vom 5. Januar 2017 E. 2c/bb, im
Internet abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Zudem wurde in der vorliegenden
Haaranalyse, im Unterschied zur Analyse vom 21. Mai 2014 (act. 8/130 ff.), welche dem
Entscheid der VRK vom 21. August 2014 (VRKE IV-2014/90) zu Grunde lag, gleichzeitig
Norcocain festgestellt, was gegen eine Kontamination von aussen spricht (vgl.
Baumgartner, a.a.O., S. 271). Die Feststellung des Facharztes für Verkehrsmedizin im
Bericht vom 12. Januar 2021, die Laborresultate sprächen für einen Kokainkonsum im
untersuchten Zeitraum ca. fünf bis sechs Monate vor der Untersuchung, erscheint
demnach plausibel.
Entgegen der Auffassung des Rekurrenten (vgl. act. 2/12, N 4) wurde im
Untersuchungsbericht zur Haaranalyse vom Januar 2021 die Messunsicherheit von 30
Prozent zudem zu Recht nicht berücksichtigt. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung ist in Verfahren, die einen erneuten Sicherungsentzug wegen
Nichteinhaltung einer Totalabstinenz zum Gegenstand haben, auf den ermittelten Wert
abzustellen, da dieser nach unten und nach oben mit der gleichen Messunsicherheit
behaftet ist (vgl. BGE 140 II 334 E. 6).
cc) Auf Veranlassung des Rekurrenten (vgl. act. 2/12) wurde am IRM Zürich eine
weitere Haaranalyse aus derselben Probenahme vom 11. Dezember 2020
durchgeführt. Hierbei wurden Rückstände von Kokain in einer Konzentration von
4'500 pg/mg, Benzoylecgonin in einer solchen von 240 pg/mg sowie Norcocain in einer
Konzentration von 35 pg/mg nachgewiesen (act. 8/383 ff.). Im Bericht vom 5. Februar
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2021 wurde festgehalten, das Resultat beweise den Kontakt mit Kokain. Aufgrund der
bei eigentlichem Kokain-Konsum zu erwartenden Metaboliten-Verhältnisse würden die
vorliegenden Resultate dafürsprechen, dass Kokain durch Kontamination von aussen in
die Haare gekommen sein dürfte.
Wie dargelegt, kann die aktive Aufnahme von Kokain nur anhand von Metaboliten
nachgewiesen werden, wobei die beiden Stoffe in einem gewissen
Konzentrationsverhältnis auftreten müssen. So liegt das Verhältnis von Benzoylecgonin
zu Kokain in der Regel unterhalb von 1 zu 20. Bei der Haaranalyse durch das IRM
Zürich wurden die beiden Substanzen in einem Verhältnis von 1 zu 18,75 gemessen.
Die obere Grenze für einen Konsumnachweis wurde damit knapp unterschritten. Die
Berichterstatterin ging von einer Kontamination durch Kokain von aussen aus. In der
Stellungahme des IRM St. Gallen vom 16. Februar 2021 (act. 8/379 f.) wurde in der
Folge einlässlich begründet, weshalb der kokain-positive Haaranalyse-Befund des IRM
St. Gallen als Kokainkonsum gewertet wurde. In beiden Analysen würden sich nun die
Konzentrationsverhältnisse, wahrscheinlich auch aufgrund analytischer Unsicherheiten
oder leicht unterschiedlicher Haarproben-Entnahmestellen, so unterscheiden, dass die
jeweilige Möglichkeit (Konsum resp. Kontamination) als wahrscheinlicher angesehen
werde. Weiterhin sei es möglich und sogar sehr wahrscheinlich, dass es trotz eines
Konsums zu einer zusätzlichen Kontamination der Haare über kontaminierte Finger etc.
komme. Insofern lasse sich zusammenfassen, dass im vorliegenden Fall sicher ein
Kontakt mit der Substanz Kokain in nicht unerheblichem Ausmass stattgefunden habe.
dd) Der Rekurrent machte geltend, bei unklaren Ergebnissen einer Haaranalyse, welche
nicht eindeutig darauf schliessen liessen, ob eine Einhaltung der Auflage gegeben sei,
dürfe nicht allein aufgrund dieses Ergebnisses entschieden werden. Es gelte in diesem
Fall, die individuelle Gesamtsituation der untersuchten Person (Aussagen über ihren
Drogenkonsum und weitere Beweismittel) zu berücksichtigen (vgl. auch
Weissenberger, a.a.O., Art. 17 SVG N 28). Mit der mehrjährigen belegten Abstinenz
habe er gerade das Gegenteil bewiesen, nämlich, dass keine Sucht bestehe.
Gemäss Strafbefehl vom 28. November 2019 wurde der Rekurrent wegen Konsums
einer unbekannten Menge Cannabis und Kokain kurz vor dem 21. März 2019 schuldig
gesprochen (act. 8/257 f.). Nach dem Bericht des bzvm vom 12. August 2020 gab der
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Rekurrent an, er habe in Südamerika Ende 2018 wieder Kokain konsumiert. Danach
habe er anfangs 2019 an einer Bachelor-Party in Amsterdam noch einmalig Kokain
konsumiert (act. 8/291). Nachdem er mit dem Kokainnachweis in der Haaranalyse des
bzvm vom 29. Juni 2020 konfrontiert worden war, hielt der Rekurrent fest, er habe in
den Ferien in Kolumbien anfangs Februar 2020 - und nicht Ende 2018 bzw. anfangs
2019 - mehrere Tage Kokain konsumiert (act. 8/293). Es fällt auf, dass es, teilweise
entgegen den Angaben des Rekurrenten (act. 2/12 N 6 am Schluss) und in Anpassung
seiner Ausführungen je nach Resultat der Haaranalyse, doch immer wieder zu einem
Kokainkonsum gekommen ist. Der Rekurrent hielt über die Jahre (act. 8/36 und act.
8/164) und auch in der Eingabe seines Rechtsvertreters vom 25. Januar 2021 (act. 2/12
N 6) fest, er bewege sich wegen seiner Eventtätigkeiten häufig in der Zürcher
Clubszene. In der dortigen "Nightlife"-Gesellschaft würden gerichtsnotorisch häufig
und in grossem Umfang Drogen, insbesondere Kokain, konsumiert. Er komme so
durch Dritte, die sich bei ihrem Konsum in seiner unmittelbaren Nähe aufhalten würden,
passiv mit Kokain in Kontakt. Wenn dem so wäre, müsste jede Haaranalyse positiv auf
Kokain gewesen sein. Dies war jedoch nicht der Fall, weshalb Kontaminationen nicht
allein der Grund für die positiven Kokainbefunde sein konnten und die Angaben des
Rekurrenten nicht vollständig sind.
Gestützt auf den Bericht vom 12. Januar 2021 sowie die Stellungnahme vom 16.
Februar 2021 des IRM St. Gallen, welche in Kenntnis und Würdigung der Untersuchung
und Schlussfolgerung des IRM Zürich erfolgte, hat der Rekurrent im untersuchten
Zeitraum sehr wahrscheinlich Kokain konsumiert. Dafür spricht insbesondere auch die
Berücksichtigung der individuellen Gesamtsituation des Rekurrenten.
d) Somit ergibt sich, dass dem Rekurrenten ein Verstoss gegen die
Drogenabstinenzauflage anzulasten ist. Aus dem Gutachten des IRM St. Gallen ergibt
sich begründet und nachvollziehbar, dass im untersuchten Zeitraum ca. fünf bis sechs
Monate vor der Untersuchung Kokain konsumiert wurde; unter Mitberücksichtigung der
individuellen Gesamtsituation des Rekurrenten ist somit eine Verletzung der
Drogenabstinenzauflage zu bejahen. Die Vorinstanz entzog den Führerausweis zu
Recht auf unbestimmte Zeit (Art. 16d Abs. 1 lit. b und Art. 17 Abs. 5 SVG). Der Rekurs
ist abzuweisen.
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4.- Die Massnahme des Sicherungsentzugs soll sicherstellen, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn der Rekurrent während eines
Rechtsmittelverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.–, worunter die
Kosten der Zwischenverfügung zur aufschiebenden Wirkung vom 10. Mai 2021 von Fr.
200.–, erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist damit zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).