Decision ID: f30ffa13-ae07-546a-ba70-15917b0bb808
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der österreichische Staatsangehörige A._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) wurde (...) 1963 geboren und ist in seiner Heimat wohn-
haft (Akten der IV-Stelle für Versicherte im Ausland [nachfolgend: IVSTA
act.] 2, 6). Er ist seit (...) 2001 (IVSTA act. 9) einvernehmlich geschieden
und kinderlos. Nach der Bescheinigung des Versicherungsverlaufs vom 16.
Juli 2013 (IVSTA act. 13) leistete er als Arbeitnehmer 1981 und von 2000
bis 2012 während insgesamt 152 Monaten Beiträge an die schweizerische
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV; vgl. auch IV-
STA act. 12).
B.
Der Beschwerdeführer besuchte die Sonderschule und brach eine Lehre
(...) nach einigen Monaten ab. Danach arbeitete er als Hilfsarbeiter (...)
(unpaginierte Fremdakten, Gutachten B._, Seite 3). Zuletzt arbei-
tete er in der Schweiz als Kunststoffverarbeiter. Die Anstellung wurde per
31. August 2013 wegen Arbeitsunfähigkeit gekündigt (Akten der Sozialver-
sicherungsanstalt des Kantons C._ [nachfolgend: SVA act.] 30, Sei-
ten 1, 2). Am 3. Mai 2013 (Eingangsdatum) meldete er sich als Grenzgän-
ger bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons C._ (nachfol-
gend: SVA C._) für berufliche Integration und Rente an (SVA act.
10). Mit Schreiben der SVA C._ vom 7. Mai 2013 (SVA act. 15, 17)
erhielt die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: Vorinstanz)
eine Kopie der Anmeldung.
C.
Auf der Grundlage des Gutachtens von Psychiater Dr. D._ vom 28.
Juni 2013 (SVA act. 39) und des Gesamtgutachtens von Allgemeinmedizi-
ner Dr. E._ vom 6. August 2013 (SVA act. 29) wies die
österreichische Pensionsversicherungsanstalt (...) mit Bescheid vom 22.
August 2013 den Antrag des Beschwerdeführers auf Invaliditätspension
und berufliche Rehabilitation ab, was im Wesentlichen mit einer fehlenden
Invalidität begründet wurde (IVSTA act. 30; SVA act. 49).
D.
Auf Anforderung des Landesgerichts F._ als Arbeits- und Sozialge-
richt verfassten der Neurologe und Psychiater Dr. B._ am 7. No-
vember 2013, der Internist Dr. G._ am 8. Oktober 2013 und der
Orthopäde Dr. H._ am 5. Dezember 2013 auf ihrem jeweiligen
Fachgebiet arbeitsmedizinische Gutachten über den Beschwerdeführer
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(Fremdakten). Im Gesamtgutachten vom 17. Dezember 2013, das der
Orthopäde Dr. H._ unter Berücksichtigung der drei vorgenannten
Teilgutachten erstattete, wurden im Wesentlichen folgende Diagnosen ge-
stellt: 1. depressive Episode in mässiggradiger Ausprägung, 2. de-myelini-
sierende Polyneuropathie bei HIV-Erkrankung, 3. Spannungskopfschmerz,
4. medikamentös kontrollierte HIV-Infektion, 5. behandlungs-bedürftiger
Bluthochdruck, 6. Blutfetterhöhung, 7. prämature Arteriosklerose, 8. wie-
derholte Halswirbelsäulenschmerzen bei Bandscheibenvorfall,
9. Lendenwirbelsäulenschmerzen bei mehrsegmentaler Abnützungser-
scheinung, 10. Zustand nach zweimaliger Arthroskopie des rechten Knie-
gelenks und einmaliger Arthroskopie des linken Kniegelenks mit geringen
Abnützungserscheinungen beidseits (Fremdakten, Gesamtgutachten,
Seite 3).
E.
Nach Durchsicht der medizinischen Unterlagen stellte Dr. I._, Ärztin
(mit unbekannter Fachrichtung) beim regionalen ärztlichen Dienst (...)
(nachfolgend: RAD), mit interner Notiz vom 27. Februar 2014 (SVA act. 68,
Seite 3) fest, leichte und mittelschwere Tätigkeiten seien dem Beschwer-
deführer unter Vermeidung von schweren und überwiegend mittelschwe-
ren Hebe- und Trageleistungen in vollem Umfang zumutbar. Wiederholte
Zwangshaltungen in gebückter und nach vorne geneigter Stellung seien zu
vermeiden, ebenso Tätigkeiten mit Nachtarbeit und besonderem Zeitdruck.
Mit Mitteilung vom 7. April 2014 (SVA act. 72) wies die SVA C._ das
Leistungsgesuch ab. Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 13. und
30. April 2014 Einwand (SVA act. 73, 79). Er machte im Wesentlichen gel-
tend, aus medizinischer Sicht werde er nie wieder zu 100 % arbeiten kön-
nen. Arbeiten an einer Maschine, im Freien und im Büro seien nicht mehr
möglich (SVA act. 73). Dies werde sich auch durch den bevorstehenden
Kuraufenthalt vom 15. Oktober 2014 bis zum 26. November 2014 nicht än-
dern (SVA act. 79). Nach erneuter Prüfung durch die RAD-Ärztin Dr.
I._ (SVA act. 75, 82, 83) wies die Vorinstanz mit Verfügung vom 4.
Juni 2014 die beantragten Leistungen, berufliche Massnahmen und Invali-
denrente, ab (IVSTA act. 34; SVA act. 88). Zur Begründung führte die Vo-
rinstanz im Wesentlichen aus, in einer leidensadaptierten Tätigkeit bestehe
(wieder) eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Die angestammte Tätig-
keit als Kunststoffverarbeiter sei als adaptiert anzusehen. Mit den Einwand-
schreiben seien aus medizinischer Sicht keine neuen Tatsachen geltend
gemacht worden.
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Seite 4
F.
Mit Eingabe vom 4. Juli 2014 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht (Akten des Bundesverwaltungsgerichts
[nachfolgend: BVGer act.] 1). Er beantragte eine Überprüfung seiner Inva-
lidität. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, seine psychische
Erkrankung habe sich trotz einer adäquaten Behandlung nicht verbessert.
Im Herbst (2014) müsse er für mindestens sechs Wochen für einen statio-
nären Aufenthalt in eine psychiatrische Klinik eintreten. Daher sei nicht
nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz von einer uneingeschränkten Ar-
beitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten ausgehe. Er sei bereit für eine be-
rufliche Eingliederung, sobald es sein Gesundheitszustand erlaube.
G.
Mit Vernehmlassung vom 22. August 2014 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Ver-
fügung (BVGer act. 3). Die Vorinstanz verwies auf eine Stellungnahme der
SVA C._ vom 14. August 2014, in der im Wesentlichen festgehalten
wurde, der Beschwerdeführer sei nach der schlüssigen Einschätzung der
medizinischen Sachverständigen in rückenadaptierten Tätigkeiten voll ar-
beitsfähig.
H.
Mit Replik vom 12. September 2014 (BVGer act. 7) führte der Beschwer-
deführer sinngemäss im Wesentlichen aus, es sei medizinisch nicht belegt,
dass eine mittelgradige depressive Episode mittels Psychotherapie und
Medikamenten gut therapierbar sei. Die in der Stellungnahme der SVA
C._ vom 14. August 2014 (BVGer act. 3, Beilage) vertretene An-
nahme, die depressive Symptomatik sei Folge psychosozialer Probleme,
sei nicht korrekt. Gemäss ICD 10 stelle eine mittelgradige depressive Epi-
sode ein erhebliches Leiden dar. Die Betroffenen könnten soziale, häusli-
che und berufliche Aktivitäten nur unter erheblichen Schwierigkeiten fort-
setzen. Die Vorinstanz habe sich nur auf eine Krankheitsphase von fünf-
zehn Monaten (nach dem Stellenverlust) bezogen und somit nicht den ge-
samten Verlauf berücksichtigt. Die Auswirkungen der psychiatrischen Er-
krankung seien unzulässigerweise nicht ausschliesslich von einem Psychi-
ater, sondern auch von einem Orthopäden (Dr. H._; Fremd-akten,
Gesamtgutachten) und einem Allgemeinmediziner (Dr. E._; SVA
act. 29) mitbeurteilt worden. Mit der Replik reichte der Beschwerdeführer
zudem diverse Berichte von behandelnden Ärzten (namentlich von Psychi-
ater und Neurologe Dr. J._ und von Psychiaterin Dr. K._) ein
(BVGer act. 6).
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Seite 5
I.
Mit Duplik vom 3. November 2014 beantragte die Vorinstanz unter Beilage
einer Stellungnahme der SVA C._ vom 21. Oktober 2014 die Ab-
weisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfü-
gung (BVGer act. 10).
J.
Mit unaufgeforderter Eingabe vom 2. Februar 2015 (BVGer act. 13) reichte
der Beschwerdeführer einen ärztlichen Entlassungsbericht für einen stati-
onären Aufenthalt in einem Zentrum für psychosoziale Gesundheit im Zeit-
raum vom 15. Oktober 2014 bis zum 26. November 2014 ein.
K.
Mit Stellungnahme vom 24. April 2015 beantragte die Vorinstanz die Ab-
weisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfü-
gung (BVGer act. 15). Die Vorinstanz verwies auf eine ausführliche Stel-
lungnahme vom 16. April 2015, in der der RAD-Psychiater Dr. L._
an der bisherigen Beurteilung des Leistungsvermögens im Wesentlichen
festhielt.
L.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf Schlussbemerkungen (BVGer act.
18), reichte aber mit unaufgeforderter Eingabe vom 2. Juli 2015 (BVGer
act. 20) einen neuropsychodiagnostischen Befund vom 21. August 2013
ein, der sich bereits in den Vorakten befand (SVA act. 57). Mit Verfügung
vom 6. Juli 2015 (BVGer act. 21) schloss der Instruktionsrichter den Schrif-
tenwechsel ab.
M.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Un-
terlagen wird – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nach-
folgenden Erwägungen näher eingegangen.
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Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen, ob die Prozessvo-
raussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Beschwerde einzutreten ist
(BVGE 2007/6 E. 1 mit Hinweisen).
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrens-
gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern kein Aus-
nahmetatbestand erfüllt ist (vgl. Art. 31 und 32 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Zulässig sind Beschwerden
gegen Verfügungen von Vorinstanzen gemäss Art. 33 VGG. Die IV-Stelle
für Versicherte im Ausland ist eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d
VGG (vgl. auch Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni
1959 über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831. 20]). Deren Verfügung
vom 4. Juni 2014 stellt eine Verfügung nach Art. 5 VwVG dar. Eine Aus-
nahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist
zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.
1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men, ist als Adressat durch die angefochtene Verfügung in besonderer
Weise berührt und hat an deren Aufhebung oder Änderung ein schutzwür-
diges Interesse (Art. 48 Abs. 1 VwVG; vgl. auch Art. 59 des Bundesgeset-
zes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche-
rungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Er ist zur Beschwerde legitimiert.
1.3 Die angefochtene Verfügung datiert vom 4. Juni 2014 und wurde per
Einschreiben an die Adresse des Beschwerdeführers (...) versandt. Ein
Nachweis für den Zeitpunkt der Zustellung ist trotz dieser Versandart nicht
aktenkundig. Die Beschwerdeschrift wurde nach dem Poststempel am 4.
Juli 2014 (...) aufgegeben und ging am 7. Juli 2014 beim Bundesverwal-
tungsgericht ein (BVGer act. 1). Die Beschwerde wurde fristgerecht inner-
halb von dreissig Tagen nach Eröffnung der angefochtenen Verfügung ein-
gereicht (Art. 60 ATSG in Verbindung mit Art. 38 Abs. 1 ATSG).
1.4 Die Beschwerde enthält einen Antrag und eine Begründung und wurde
vom Beschwerdeführer unterschrieben. Eine Kopie der angefochtenen
Verfügung wurde beigelegt. Die Beschwerde wurde formgerecht einge-
reicht (Art. 52 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Gesuch des Beschwerdefüh-
rers um unentgeltliche Prozessführung gutgeheissen wurde (BVGer act.
8), ist auf die Beschwerde einzutreten.
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Seite 7
2.
Zum Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht im Allgemeinen und
zum Sozialversicherungsprozess im Besonderen ist Folgendes vorauszu-
schicken:
2.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt. Gemäss Art. 3 Bst.
dbis VwVG bleiben in den sozialversicherungsrechtlichen Verfahren die be-
sonderen Bestimmungen des ATSG vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind
die Bestimmungen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten
Sozialversicherungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozial-
versicherungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmun-
gen des ATSG auf die Invalidenversicherung (Art. 1a - 26bis und 28 - 70
IVG) anwendbar, soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom
ATSG vorsieht. In formellrechtlicher Hinsicht finden nach den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln mangels anderslautender Übergangsbe-
stimmungen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im
Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
2.2 Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsge-
richt die Gesetzmässigkeit einer Verwaltungsverfügung in der Regel nach
dem Sachverhalt, der zur Zeit des Verfügungserlasses (hier: 4. Juni 2014)
gegeben war (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachver-
halt seither verändert haben, sollen im Normfall Gegenstand einer neuen
Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b mit Hinweisen). Tatsa-
chen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück-
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in einem engen Sachzusam-
menhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Ver-
fügungserlasses zu beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 9C_
101/2007 vom 12. Juni 2007 E. 3.1 mit Hinweisen auf BGE 118 V 200 E. 3a
und das Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.1). Medizi-
nische Berichte und Gutachten, die nach Erlass der angefochtenen Verfü-
gung vorgebracht werden und die in einem engen Sachzusammenhang mit
dem streitigen Leistungsanspruch stehen, sind daher zu berücksichtigen,
soweit sie Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zur Zeit des Verfü-
gungserlasses zulassen.
2.3 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG; Kognition, vgl.
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Seite 8
BENJAMIN SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich 2008, Rz. 1 ff. zu
Art. 49). Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begeh-
ren der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Im Rahmen seiner Kog-
nition kann es die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemach-
ten Gründen gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis
mit einer Begründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht
(vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983,
S. 212; vgl. BGE 128 II 145 E. 1.2.2, BGE 127 II 264 E. 1b).
2.4 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versiche-
rungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu wür-
digen. Dies bedeutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, unabhän-
gig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden
hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strei-
tigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Dabei sind die rechtsanwendenden Behör-
den in der Schweiz nicht an Feststellungen und Entscheide ausländischer
Versicherungsträger, Krankenkassen, Behörden und Ärzte bezüglich Inva-
liditätsgrad und Anspruchsbeginn gebunden (AHI-Praxis 1996, S. 179;
ZAK 1989 S. 320 E. 2). Vielmehr unterstehen auch aus dem Ausland stam-
mende Beweismittel der freien Beweiswürdigung des Gerichts (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit 1. Januar 2007: Sozi-
alrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 11. Dezember 1981 i.S.
D.; zum Grundsatz der freien Beweiswürdigung: BGE 125 V 351 E. 3a).
2.5 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der
Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahr-
scheinlichste würdigen (BGE 126 V 353 E. 5b, BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen). Der Sozialversicherungsträger als verfügende Instanz und –
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Seite 9
im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewie-
sen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (Urteil des
BGer 8C_494/2013 vom 22. April 2014 E. 5.4.1).
2.6 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren ist vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 43 ATSG). Danach hat die Verwaltung und im
Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des erheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser
Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet zum einen sein
Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (Art. 28 ff. ATSG; BGE
125 V 195 E. 2, BGE 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zum anderen
umfasst die behördliche und richterliche Abklärungspflicht nicht unbesehen
alles, was von einer Partei behauptet oder verlangt wird. Vielmehr bezieht
sie sich nur auf den im Rahmen des streitigen Rechtsverhältnisses (Streit-
gegenstand) rechtserheblichen Sachverhalt. Rechtserheblich sind alle Tat-
sachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch
so oder anders zu entscheiden ist (GYGI, a.a.O., S. 43 und 273). In diesem
Rahmen haben Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn
hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten er-
gebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E.
4a mit Hinweis; Urteil des EVG I 520/99 vom 20. Juli 2000).
2.7 Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beur-
teilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende
Klarheit besteht. Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum –
auf Verwaltungs- und Gerichtsstufe geltenden – Grundsatz der freien Be-
weiswürdigung auf. Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsat-
zes von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungs-
träger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger, objektiver und in-
haltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 393 E. 4.1) zur Überzeu-
gung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich
(BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2) zu betrachten und es könnten
zusätzliche Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts
mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (antizipierte Beweiswür-
digung; BGE 134 I 140 E. 5.3; BGE 124 V 90 E. 4b; zum Ganzen: Urteil
des BGer 8C_392/2011 vom 19. September 2011 E. 2.2).
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2.8 Die objektive Beweislast beurteilt sich nach dem materiellen Recht und
damit unabhängig davon, ob der Untersuchungs- oder Verhandlungs-
grundsatz gilt. Der vor der IV-Stelle geltende Untersuchungsgrundsatz än-
dert demnach nichts an der objektiven Beweislast: Ergibt die Beweiswürdi-
gung, dass für eine rechtserhebliche Tatsache der Beweis nicht erbracht
ist, trägt die beweisbelastete Partei die Folgen der Beweislosigkeit (BGE
115 V 44 E. 2b; BGE 117 V 264 E. 3b). Dies bedeutet, dass für rechtser-
zeugende oder anspruchsbegründende Tatsachen diejenige Person die
Folgen der Beweislosigkeit trägt, die das Recht geltend macht. Dies ist im
IV-Verfahren in der Regel die versicherte Person. Ergibt beispielsweise die
Beweiswürdigung, dass keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt,
hat die versicherte Person, welche einen Rentenanspruch geltend ge-
macht hat, die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Für rechtshindernde
oder rechtsaufhebende Tatsachen trägt dagegen diejenige Person die Fol-
gen der Beweislosigkeit, die sie behauptet. Dies ist im IV-Verfahren in der
Regel die IV-Stelle (URS MÜLLER, Das Verwaltungsverfahren in der Invali-
denversicherung, Bern 2010, S. 292, Rz. 1536 ff.).
3.
Das anwendbare Recht bestimmt sich wie folgt:
3.1 Der Beschwerdeführer besitzt die österreichische Staatsbürgerschaft
und wohnt in seiner Heimat, so dass vorliegend das am 1. Juni 2002 in
Kraft getretene Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft andererseits über
die Freizügigkeit vom 21. Juni 1999 (Freizügigkeitsabkommen, im Folgen-
den: FZA, SR 0.142.112.681) anwendbar ist (Art. 80a IVG in der Fassung
gemäss Ziff. I 4 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 2001 betreffend
die Bestimmungen über die Personenfreizügigkeit im Abkommen zur Än-
derung des Übereinkommens zur Errichtung der EFTA, in Kraft seit 1. Juni
2002). Das Freizügigkeitsabkommen setzt die verschiedenen bis dahin
geltenden bilateralen Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidge-
nossenschaft und den einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union
insoweit aus, als darin derselbe Sachbereich geregelt wird (Art. 20 FZA).
Gemäss Art. 8 Bst. a FZA werden die Systeme der sozialen Sicherheit ko-
ordiniert, um insbesondere die Gleichbehandlung aller Mitglieder der Ver-
tragsstaaten zu gewährleisten. Nach Art. 3 Abs. 1 der bis zum 31. März
2012 in Kraft gewesenen Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom
14. Juni 1971 (SR 0.831.109.268.1) hatten die Personen, die im Gebiet
eines Mitgliedstaates wohnten, für die diese Verordnung galt, die gleichen
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Seite 11
Rechte und Pflichten aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaa-
tes wie die Staatsangehörigen dieses Staates selbst, soweit besondere
Bestimmungen dieser Verordnung nichts anderes vorsehen. Dabei war im
Rahmen des FZA und der Verordnung auch die Schweiz als „Mitgliedstaat“
zu betrachten (Art. 1 Abs. 2 von Anhang II des FZA).
3.2 Mit Blick auf den Verfügungszeitpunkt am 4. Juni 2014 und eine frü-
hestmögliche Berentung ab 1. November 2013 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG)
finden vorliegend auch die am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verordnun-
gen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (SR
0.831.109.268.1) sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten
für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordi-
nierung der Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109. 268.11) An-
wendung. Gemäss Art. 4 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 haben Perso-
nen, für die diese Verordnung gilt, sofern in dieser Verordnung nichts an-
deres bestimmt ist, die gleichen Rechte und Pflichten aufgrund der Rechts-
vorschriften eines Mitgliedstaats wie die Staatsangehörigen dieses Staa-
tes. Im Rahmen ihres Geltungsbereichs tritt diese Verordnung an die Stelle
aller zwischen den Mitgliedstaaten geltenden Abkommen über soziale Si-
cherheit. Einzelne Bestimmungen von Abkommen über soziale Sicherheit,
die von den Mitgliedstaaten vor dem Beginn der Anwendung dieser Ver-
ordnung geschlossen wurden, gelten jedoch fort, sofern sie für die Berech-
tigten günstiger sind oder sich aus besonderen historischen Umständen
ergeben und ihre Geltung zeitlich begrenzt ist. Um weiterhin Anwendung
zu finden, müssen diese Bestimmungen in Anhang II aufgeführt sein. Ist es
aus objektiven Gründen nicht möglich, einige dieser Bestimmungen auf
alle Personen auszudehnen, für die diese Verordnung gilt, so ist dies an-
zugeben (Art. 8 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004). Die Bestim-
mung des anwendbaren Rechts ergibt sich aus Art. 11 ff. der Verordnung
(EG) Nr. 883/2004. Die Bestimmung der Invalidität und die Berechnung der
Rentenhöhe richten sich auch nach dem Inkrafttreten des FZA nach
schweizerischem Recht (BGE 130 V 253 E. 2.4).
3.3 In materiellrechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechts-
vorschriften anwendbar, die bei Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Sachverhalts Geltung haben (BGE 134 V 315 E. 1.2; BGE 130 V 329 E.
2.3). Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechts-
wechsel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen
Normen zu prüfen (pro rata temporis; vgl. BGE 130 V 445). Damit finden
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grundsätzlich jene schweizerischen Rechtsvorschriften Anwendung, die
beim Erlass der angefochtenen Verfügung vom 4. Juni 2014 in Kraft stan-
den; weiter aber auch solche Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits
ausser Kraft getreten waren, die aber für die Beurteilung eines allenfalls
früher entstandenen Rentenanspruchs von Belang sind. Neben dem IVG
(ab 1. Januar 2012 in der Fassung vom 18. März 2011 [AS 2011 5659; 6.
IV-Revision]) und der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invaliden-
versicherung (IVV, SR 831.201; in der entsprechenden Fassung) sind das
ATSG und die Verordnung vom 11. September 2002 über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV, SR 830.11) anwendbar. Die im
ATSG enthaltenen Formulierungen der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6), Er-
werbsunfähigkeit (Art. 7), Invalidität (Art. 8) und des Einkommensver-
gleichs (Art. 16) entsprechen den bisherigen von der Rechtsprechung zur
Invalidenversicherung entwickelten Begriffen und Grundsätzen (vgl. BGE
130 V 343 E. 3.1 ff.). Daran hat sich auch nach Inkrafttreten der 5. und 6.
IV-Revision nichts geändert, weshalb im Folgenden auf die dortigen Be-
griffsbestimmungen verwiesen wird.
4. Nach schweizerischem Recht ist folgender Invaliditätsbegriff massge-
bend:
4.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde, ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit oder Unmöglichkeit,
sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen, verstanden (vgl. Art. 8
Abs. 1 und 3 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beein-
trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom-
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli-
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperli-
chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teil-
weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare
Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in
einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
4.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können
auch psychische Gesundheitsschäden eine Invalidität bewirken (Art. 8 in
C-3733/2014
Seite 13
Verbindung mit Art. 7 ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesund-
heitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant
gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per-
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit
zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei
weitgehend objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2; BGE 130 V 352 E.
2.2.1). Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi-
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsscha-
den führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit, als angenommen
werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei der versicherten Per-
son sozialpraktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinwei-
sen).
4.3 Zur Annahme einer Invalidität ist - auch bei psychischen Erkrankungen
- ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüs-
sig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbs-
fähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokul-
turelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts-
ängste im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild
mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte
psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das klinische Be-
schwerdebild darf nicht einzig aus Beeinträchtigungen bestehen, welche
von belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, sondern hat davon
psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen, etwa eine von de-
pressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde De-
pression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psy-
chischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssitu-
ation zu unterscheidende und verselbständigte psychische Störungen mit
Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, da-
mit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutach-
tende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, die in den
psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä-
rung finden und in diesen aufgehen, liegt kein invalidisierender psychischer
Gesundheitsschaden vor (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des BGer
8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
5.
Zum Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen und zum Anspruch auf
Rentenleistungen ist Folgendes festzuhalten:
C-3733/2014
Seite 14
5.1 Nach der Rechtsprechung gilt im Gebiet der Invalidenversicherung
ganz allgemein der Grundsatz, dass die versicherte Person, bevor sie Leis-
tungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen
ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern. Es ist primär Sache des Einzelnen,
sich um eine angemessene Eingliederung zu bemühen. Kann eine versi-
cherte Person ihre erwerbliche Beeinträchtigung in zumutbarer Weise sel-
ber beheben, so besteht gar keine Invalidität, womit es an der unabding-
baren Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Invalidenversi-
cherung - auch für Eingliederungsmassnahmen - fehlt. Die Selbsteinglie-
derung als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht geht nicht
nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Eingliederungsanspruch
vor (BGE 113 V 22 E. 4a; AHI 2001 S. 282 E. 5a aa; RKUV 1987 U 26 S.
391). Seit dem 1. Januar 2008 ist die Schadenminderungspflicht in der IV
ausdrücklich im Gesetz verankert. Art. 7 Abs. 1 IVG schreibt vor, dass die
versicherte Person alles ihr Zumutbare unternehmen muss, um die Dauer
und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu verringern und
den Eintritt der Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern.
5.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität be-
drohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig-
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhal-
ten oder zu verbessern (Bst. a) und soweit die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Bst. b). Der An-
spruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus-
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Dabei ist die ge-
samte noch zu erwartende Dauer des Erwerbsleben zu berücksichtigen
(Art. 8 Abs. 1bis IVG). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen unter an-
derem in Massnahmen beruflicher Art (Art. 8 Abs. 3 Bst. b IVG). Die Mas-
snahmen beruflicher Art umfassen Berufsberatung, erstmalige berufliche
Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Arbeitsversuch, Einarbei-
tungszuschuss, Entschädigung für Beitragserhöhungen und Kapitalhilfe
(Art. 15 ff. IVG in der ab 1. Januar 2012 geltenden Fassung). Die Einglie-
derungsmassnahmen werden in der Schweiz, ausnahmsweise auch im
Ausland, gewährt (Art. 9 Abs. 1 IVG). Der Anspruch auf Eingliederungs-
massnahmen entsteht frühestens mit der Unterstellung unter die obligato-
rische oder die freiwillige Versicherung und endet spätestens mit dem Ende
der Versicherung (Art. 9 Abs. 2 IVG).
5.3 Nach dem FZA, Anhang II (in der Fassung gemäss Art. 1 des Beschlus-
ses Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom 31. März 2012, in Kraft
C-3733/2014
Seite 15
seit 1. April 2012 [AS 2012 2345]), Abschnitt A, Ziff. 1, Bst. i, Ziff. 8, gilt ein
Arbeitnehmer oder Selbstständiger, der den schweizerischen Rechtsvor-
schriften über die Invalidenversicherung nicht mehr unterliegt, weil er seine
existenzsichernde Erwerbstätigkeit in der Schweiz infolge Unfalls oder
Krankheit aufgeben musste, als in dieser Versicherung versichert für den
Erwerb des Anspruchs auf Eingliederungsmassnahmen bis zur Zahlung ei-
ner Invalidenrente und während der Durchführung dieser Massnahmen,
sofern er keine anderweitige Erwerbstätigkeit ausserhalb der Schweiz auf-
nimmt. Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist der Bezug von Ar-
beitslosengeldern im Wohnland der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit aus-
serhalb der Schweiz gleichgestellt (BGE 132 V 53 E. 6.6). Die im Anhang
II FZA hinsichtlich Eingliederungsmassnahmen vorgesehene Verlängerung
der Versicherung endet spätestens im Zeitpunkt, in welchem der Fall durch
Zusprechung einer Rente definitiv abgeschlossen wird, die Eingliederung
erfolgreich durchgeführt wurde, eine Erwerbstätigkeit ausserhalb der
Schweiz aufgenommen wird oder Arbeitslosengelder im Wohnland bezo-
gen werden (BGE 132 V 244 E. 6.4.1; vgl. auch Randziffer 1011.2 des
Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen über das Ver-
fahren zur Leistungsfestsetzung in der AHV/IV [KSBIL; gültig ab 1. Juni
2002; Stand am 1. Januar 2015]).
5.4 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fas-
sung) haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten
oder verbessern können (Bst. a), und die zusätzlich während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeits-
unfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und auch nach Ablauf dieses Jahres
zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. b und c). Gemäss Art.
28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versi-
cherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. Der Rentenan-
spruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltend-
machung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frü-
hestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Art. 29
Abs. 1 IVG).
5.5 Der Invaliditätsgrad einer erwerbstätigen versicherten Person wird im
Rahmen eines Einkommensvergleichs ermittelt (allgemeine Methode; Art.
C-3733/2014
Seite 16
16 ATSG). Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be-
handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut-
bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (soge-
nanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom-
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (soge-
nanntes Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel
in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkom-
men ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber ge-
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts-
grad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2; BGE 128 V 29 E. 1). Für
den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypo-
thetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen-
und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und all-
fällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum
Verfügungserlass respektive bis zum Einspracheentscheid zu berücksich-
tigen sind (BGE 129 V 222 E. 4). Für die Ermittlung des Einkommens, wel-
ches der Versicherte ohne Invalidität erzielen könnte (Valideneinkommen),
ist entscheidend, was er im fraglichen Zeitpunkt nach dem im Sozialversi-
cherungsrecht allgemein gültigen Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b, BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinwei-
sen) als Gesunder tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens-
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah-
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem Grundsatz müssen
ebenfalls mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erwiesen sein, damit sie
berücksichtigt werden können. Für die Bestimmung des Invalideneinkom-
mens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in
welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen nach Eintritt der Invalidität mehr gegeben, namentlich
weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine
oder zumindest keine zumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so
sind nach der Rechtsprechung die gesamtschweizerischen Tabellenlöhne
gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) heranzuziehen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
Massgebend sind dabei die monatlichen Bruttolöhne (Zentralwerte) im je-
weiligen Wirtschaftssektor. Da den Tabellenlöhnen generell eine Arbeitszeit
von 40 Wochenstunden zu Grunde liegt, ist eine Umrechnung auf eine be-
triebsübliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit erforderlich
(BGE 126 V 75 E. 3b bb).
C-3733/2014
Seite 17
6.
Zu den im Rahmen der Untersuchungspflicht erforderlichen Abklärungen
bezüglich der Anspruchsberechtigung auf eine Invalidenrente ist Folgen-
des anzufügen:
6.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und
im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können. Es sind somit nicht nur die Erwerbsmög-
lichkeiten im angestammten Beruf, sondern auch in zumutbaren Verwei-
sungstätigkeiten zu prüfen (leidensangepasste Verweisungstätigkeit; ZAK
1986 S. 204 f.). Bei der Bemessung der Invalidität ist auf die objektiven
wirtschaftlichen Folgen der funktionellen Behinderung abzustellen, welche
nicht zwingend mit dem vom Arzt festgelegten Grad der funktionellen Ein-
schränkung übereinstimmen müssen (BGE 125 V 256 E. 4; BGE 115 V 133
E. 2; BGE 110 V 275 E. 4a).
6.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Exper-
ten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder
Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a).
6.3 Die Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Beweis-
würdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten aufzustellen
(BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil des BGer I 128/98
vom 24. Januar 2000 E. 3b). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
C-3733/2014
Seite 18
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuer-
kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex-
pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb, mit weiteren Hinweisen). Be-
richte behandelnder Ärzte sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrau-
ensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 353 E.
3b/cc). Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt ebenso wie für
den behandelnden Spezialarzt (Urteil des EVG I 655/05 vom 20. März 2006
E. 5.4 mit Hinweisen; vgl. aber Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai
2008 E. 2.3.2).
7.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
und Rentenleistungen. Zum medizinischen Sachverhalt und zur gesund-
heitlich bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit lässt sich aufgrund
der Akten Folgendes konstatieren:
7.1 Im Gutachten der österreichischen Pensionsversicherungsanstalt vom
28. Juni 2013 hielt der Psychiater Dr. D._ im Wesentlichen fest, seit
sechs Jahren sei eine HIV-Infektion bekannt. Trotz der Erkrankung habe
der Beschwerdeführer bis zur Kündigung gut arbeiten können. Nach dem
Stellenverlust habe er sich zurückgezogen und Ängste und Unsicherheiten
entwickelt. Er meide Menschen und leide unter Schlafstörungen. Er gehe
einmal im Monat zur Psychiaterin Dr. K._. Die
Symptomatik entspreche einer Anpassungsstörung mit einer gemischten,
ängstlich-depressiven Reaktion. In der Untersuchung sei eine leichte
Aggravationstendenz zu beobachten gewesen. Bislang sei in Bezug auf
Schlafstörung, Angst und Depression keine psychiatrische Medikation ver-
ordnet worden. Eine adäquate Medikation sei trotz erhöhter Leberwerte
möglich. Durch eine konsequente Behandlung mittels Medikamenten lasse
sich das psychiatrische Zustandsbild innerhalb von drei bis vier Monaten
deutlich verbessern. Der Beschwerdeführer sei daher weiterhin als arbeits-
fähig zu betrachten (SVA act. 39, Seiten 2, 3).
7.2 Im Gesamtgutachten der österreichischen Pensionsversicherungsan-
stalt vom 6. August 2013 hielt der Allgemeinmediziner Dr. E._ im
Wesentlichen fest, im psychiatrischen Gutachten (von Dr. D._; SVA
act. 39) sei keine psychiatrische Erkrankung diagnostiziert worden, die die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würde. Neben der psychischen Sympto-
matik seien Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine angegeben
worden. In der MRT-Untersuchung der Lenden- und Halswirbelsäule (vom
C-3733/2014
Seite 19
3. Juni 2013; SVA act. 26) seien ein links-mediolateraler Diskusprolaps
L4/5 mit Dorsalverlagerung der linken Nervenwurzel L5 sowie ein Dis-
kusprolaps C5/6 mit Impression des Myelons festgestellt worden. Klinisch
hätten sich weder an den Armen noch an den Beinen Hinweise auf peri-
pher-neurologische Defizite gezeigt. Leichte und mittelschwere Tätigkeiten
seien bei Vermeidung von schweren und überwiegend mittelschweren
Hebe- und Trageleistungen zumutbar. Zwangshaltungen könnten nur fall-
weise zugemutet werden. Prophylaktisch auszunehmen seien Nachtarbeit
und besonderer Zeitdruck (SVA act. 29, Seiten 3, 4).
7.3 Der Neurologe und Psychiater Dr. B._ hielt nach Anamnese-er-
hebung und klinischer sowie elektrophysiologischer Untersuchung im Gut-
achten vom 7. November 2013 fest, der Beschwerdeführer sei 2008 infolge
eines Bandscheibenvorfalls L4/5 in stationärer Spitalpflege gewesen. We-
gen massiver Schmerzen sei er vorübergehend auf einen Rollstuhl ange-
wiesen gewesen. Es bestehe ein Zustand nach Meniskusoperationen an
beiden Knien. Er habe aktuell häufig Schmerzen im Rücken mit Ausstrah-
lung in beide Beine bis in alle Zehen. Zudem habe er Schmerzen im Na-
ckenbereich mit Ausstrahlung bis in alle Finger. Wenn er nur zehn Minuten
lang gehe, würden ihm Füsse, Finger und Arme einschlafen, was mit einem
Kribbeln in den Extremitäten einhergehe. Diese Missempfindungen würden
nur bei körperlicher Belastung und nie in Ruhe auftreten. Beim Treppen-
steigen und sonstigen körperlichen Belastungen würde er sehr schnell
müde werden. Infolge einer Verletzung bei einem Fahrradunfall mit zwölf
Jahren habe er immer wieder für einige Minuten Schwellungen am Unter-
arm. Die Kraft in den Extremitäten sei nicht wesentlich beeinträchtigt. Oft
leide er unter Kopfschmerzen, Schwindel, Schweissausbrüchen und Ent-
zündungen im Mundbereich. Weiter leide er an Ein- und Durchschlafstö-
rungen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Blasenschwäche, Magenbeschwerden
und Mundtrockenheit (unpaginierte Fremdakten, Gutachten B._,
Seiten 1, 2, 3). Unter Depressionen leide er etwa seit zehn Monaten. Er
fühle sich lustlos, antriebslos, unruhig und ermüdbar. Die HIV-Erkrankung
habe er akzeptiert. Er achte auf die pünktliche Einnahme der Medikamente.
Dr. B._ beschrieb den psychischen Status zum Untersuchungszeit-
punkt als wach und orientiert. Die Stimmung sei mässiggradig depressiv
gefärbt gewesen, bei einer mässigen Affektverflachung. Im Gespräch hät-
ten sich keine Hinweise für eine relevante Störung von Auffassung, Auf-
merksamkeit und Konzentration finden lassen. Auch subjektiv seien Kon-
zentration und Gedächtnis nicht beeinträchtigt. Der Gedankenduktus sei
formal intakt gewesen. Mnestische Defizite und inhaltliche Denkstörungen
wurden verneint (Fremdakten, Gutachten B._, Seite 7). Dr.
C-3733/2014
Seite 20
B._ diagnostizierte eine depressive Episode in mässiggradiger Aus-
prägung, eine demyelinisierende Polyneuropathie bei HIV-Erkrankung und
einen Spannungskopfschmerz (Fremdakten, Gutachten B._, Seite
9).
7.4 Der Internist Dr. G._ hielt nach eingehender Untersuchung im
Gutachten vom 8. Oktober 2013 unter anderem fest, die Ergometrie habe
wegen einer Beinschwäche abgebrochen werden müssen. Es bestehe
eine deutlich eingeschränkte Leistungsfähigkeit von 54 % (Fremdakten,
Gutachten G._, Seiten 2, 4). Dr. G._ diagnostizierte eine
medikamentös kontrollierte HIV-Infektion, einen behandlungsbedürftigen
Bluthochdruck, eine Blutfetterhöhung, eine prämature Arteriosklerose, ein
chronisches Wirbelsäulenschmerzsyndrom und eine depressive Störung
(Fremdakten, Gutachten G._, Seite 6).
7.5 Der Orthopäde Dr. H._ hielt nach persönlicher Untersuchung
und Auswertung diverser Röntgenbilder im Gutachten vom 5. Dezember
2013 fest, der Beschwerdeführer habe 1975 einen Fahrradunfall mit kom-
pletter Hautweichteilverletzung am rechten, ellenbogennahen Unterarm er-
litten. Es bestehe ein Zustand nach zweimaliger Arthroskopie am rechten
Knie (zuletzt 2009) und nach einmaliger Arthroskopie am linken Knie
(2010). Seit vielen Jahren würden Schmerzen im Bereich der Lenden- und
Halswirbelsäule bestehen. Bis dato sei keine fachärztliche Konsultation
durch einen Orthopäden erfolgt. Der Beschwerdeführer schildere eine
deutliche Einschränkung durch die Beschwerden. Er könne vielleicht fünf-
zehn bis zwanzig Minuten spazieren gehen, dann entwickle er zu starke
Schmerzen im Bereich der Knie und Beine. Sitzen könne er ein bis zwei
Stunden, ehe er Rückenschmerzen entwickle. Stehen sei schon nach we-
nigen Minuten ein Problem wegen zunehmender Rückenschmerzen
(Fremdakten, Gutachten H._, Seiten 1, 2). Als Untersuchungsbe-
fund vermerkte Dr. H._ unter anderem unauffällige Ellenbogenge-
lenke und eine bogenförmige, reizlose Narbe am rechten Unterarm. So-
wohl das rechte als auch das linke Kniegelenk wurden als bandstabil und
ohne Erguss beschrieben. Das linke Kniegelenk zeigte im Vergleich mit
dem rechten eine deutlichere Schmerzempfindlichkeit. Zudem wurden die
vorliegenden Röntgenbilder von Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule aus-
gewertet (Fremdakten, Gutachten H._, Seiten 3, 4). Dr. H._
diagnostizierte wiederholte Halswirbelsäulenschmerzen bei Bandschei-
benvorfall C5/6, Lendenwirbelsäulenschmerzen bei mehrsegmentaler Ab-
nützungserscheinung und einen Zustand nach zweimaliger Arthroskopie
C-3733/2014
Seite 21
am rechten Knie sowie einmaliger Arthroskopie am linken Knie bei gerin-
gen Abnützungserscheinungen auf beiden Seiten (Fremdakten, Gutachten
H._, Seite 5).
7.6 Auf der Grundlage der vorerwähnten fachärztlichen Gutachten von Dr.
B._ und Dr. G._ sowie seiner eigenen Expertise nahm der
Orthopäde Dr. H._ im Gesamtgutachten vom 17. Dezember 2013,
das er für das Landesgericht F._ als Arbeits- und Sozialgericht er-
stattete, zu den funktionellen Einschränkung des Krankheitsbildes folgen-
dermassen Stellung (Fremdakten, Gesamtgutachten, Seite 4):
7.6.1 Aus neurologisch-psychiatrischer Sicht (vgl. auch Fremdakten, Gut-
achten B._, Seite 9) stehe eine depressive Verstimmung im Vorder-
grund. Antrieb, Konzentrationsleistung und Initiative seien beeinträchtigt.
Der Tag-Nacht-Rhythmus sei gestört. Bei der Polyneuropathie handle es
sich um eine Funktionsstörung der peripheren Nerven. Die Polyneuropa-
thie sei bei HIV-Erkrankungen häufig zu beobachten. Sie verursache eine
latente Gleichgewichtsstörung und Kribbelmissempfindungen in den Extre-
mitäten. Das feinmanipulative Geschick der Hände sei herabgesetzt. Neu-
rologische Funktionsstörungen im Sinne von Lähmungen würden indes
nicht bestehen. Durch die Spannungskopfschmerzen würden keine neuro-
logischen Ausfälle bestehen.
7.6.2 Aus internistischer Sicht (vgl. auch Fremdakten, Gutachten
G._, Seite 6) würden die medikamentös kontrollierte HIV-Erkran-
kung und der neu entdeckte, medikamentös behandlungsbedürftige Blut-
hochdruck im Vordergrund stehen. Endorganschäden würden derzeit eine
subklinische Arteriosklerose der Halsgefässe betreffen, wobei hier sicher-
lich der ausgeprägte Nikotinkonsum die Hauptrolle spiele. Die Blutfette
seien medikamentös nur unzureichend gesenkt, weshalb eine Therapie-
umstellung notwendig sei. Das Infarkt- und Schlaganfallrisiko sei erhöht.
Hinweise auf eine relevante koronare Herzerkrankung seien in der Unter-
suchung nicht aufgefallen. Ein Nikotinverzicht sei dringend zu empfehlen.
Insgesamt vordergründig seien das ausgeprägte chronische Wirbelsäulen-
schmerzsyndrom und die deutlich depressive Stimmungslage verbunden
mit Adynamie und allgemeiner Abgeschlagenheit.
7.6.3 Aus orthopädischer Sicht (vgl. auch Fremdakten, Gutachten
H._, Seite 7) würden Einschränkungen bezüglich der Gesamtbe-
lastbarkeit und bezüglich der zumutbaren Arbeitshaltungen bestehen.
C-3733/2014
Seite 22
7.7 Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. H._ - wiederum gestützt auf die
entsprechenden Angaben in den vorerwähnten Teilgutachten (Fremdakten,
Gutachten B._, Seiten 9, 10, Gutachten G._, Seiten 6, 7,
Gutachten H._, Seiten 7, 8) - Folgendes aus (Fremdakten, Gesamt-
gutachten, Seite 5):
7.7.1 Schwere Arbeiten seien nicht zumutbar. Mittelschwere Arbeiten seien
fallweise (zu 20 % der Arbeitszeit) zumutbar. Leichte Arbeiten seien zumut-
bar. Es sollten überwiegend sitzende Arbeiten verrichtet werden. Gehende
Arbeiten seien über eine halbe Stunde am Stück zumutbar. Stehende Ar-
beiten seien nur über wenige Minuten zumutbar. Nach zwei Stunden sit-
zender Tätigkeit sollte während zehn Minuten ein Wechsel der Arbeitshal-
tung erfolgen. Die Arbeiten sollten vornehmlich in geschlossenen Räumen
verrichtet werden. Es sei ein tägliches Pensum von acht Stunden ohne län-
gere als die üblichen Unterbrechungen möglich. Es gebe keine Beschrän-
kung des Anmarschweges zur Arbeitsstätte. Die Benützung öffentlicher
Verkehrsmittel und Tages- oder Wochenpendeln seien zumutbar. Eine
Wohnsitzverlegung sei wegen der regelmässigen HIV-Kontrollen nicht
sinnvoll.
7.7.2 Zu vermeiden seien Nachtarbeit, besonderer Zeitdruck, hoher psy-
chischer Druck, sehr häufiger Kundenkontakt, Arbeitstätigkeiten mit beson-
ders hohen Anforderungen an Aufmerksamkeit und Konzentration, der Auf-
enthalt auf Leitern, Gerüsten oder sonstigen gefährlichen Positionen (we-
gen der Gleichgewichtsstörung), besonders feinmanipulative Handarbei-
ten, hohe Lärmbelastung, die Exposition gegenüber Kälte und Nässe über
einen Zeitraum von mehr als 30 Minuten, das Heben und Tragen von (mit-
tel-)schweren Lasten, häufiges Bücken (mindestens einmal pro Minute un-
ter Tischkantenniveau), häufiges Treppensteigen, Überkopfarbeiten sowie
Arbeiten im Knien und Hocken (vgl. auch Fremdakten, Gutachten
H._, Seite 7).
7.8 Zur Besserungsfähigkeit des Gesundheitsschadens führte Dr.
H._ - auch wieder gestützt auf die entsprechenden Angaben in den
vorerwähnten Teilgutachten - Folgendes aus (Fremdakten, Gesamtgutach-
ten, Seite 6):
7.8.1 Aus neurologisch-psychiatrischer Sicht (vgl. auch Fremdakten, Gut-
achten B._, Seite 10) sei der Gesundheitszustand besserungsfä-
hig. Durch eine Änderung der psychopharmakologischen Therapie (Erhö-
C-3733/2014
Seite 23
hung der sehr niedrig dosierten Antidepressivatherapie) und die Fortset-
zung der psychotherapeutischen Begleitung könne die depressive Störung
innerhalb eines halben Jahres soweit gebessert werden, dass dann auch
wieder überwiegend mittelschwere Arbeiten, Arbeiten mit hohen Anforde-
rungen an Aufmerksamkeit und Konzentration und sehr häufiger Kunden-
kontakt möglich wären. Auch seien dann keine Krankenstände mehr zu
erwarten.
7.8.2 Aus internistischer Sicht (vgl. auch Fremdakten, Gutachten
G._, Seite 7) werde sich der Gesundheitszustand nicht bessern.
Die erfolgreiche Behandlung des Bluthochdrucks sei bei der Leistungsein-
schränkung bereits berücksichtigt worden.
7.8.3 Aus orthopädischer Sicht (vgl. auch Fremdakten, Gutachten
H._, Seite 8) könne der Gesundheitszustand durch eine konse-
quente physiotherapeutische Behandlung dahingehend gebessert werden,
dass dann auch mittelschwere Arbeiten ganztägig zumutbar seien. Bei
konsequenter Therapie und Kooperation sei eine Besserung in 12 bis 16
Wochen zu erwarten. In diesem Zeitraum könne durch die Injektion von
Cortison und anderen Präparaten die Knorpelsituation der Kniegelenke da-
hingehend gebessert werden, dass dann auch die Einschränkung beim
Treppensteigen, Knien und Hocken wegfalle.
7.9 Das Gesamtgutachten des Orthopäden Dr. H._ ist für die strei-
tigen Belange umfassend. Es beruht auf den allseitigen neurologisch-psy-
chiatrischen Untersuchung von Dr. B._, den allseitigen internisti-
schen Untersuchungen von Dr. G._ und den allseitigen orthopädi-
schen Untersuchungen, die Dr. H._ selbst durchführte. Die entspre-
chenden Teilgutachten und mithin auch das Gesamtgutachten berücksich-
tigen die geklagten Beschwerden, sind in Kenntnis der Vorakten abgege-
ben worden und leuchten in der Beurteilung der medizinischen Situation
ein. Die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten sind begründet
und nachvollziehbar. Die Teilgutachten und das Gesamtgutachten entspre-
chen den Anforderungen der Rechtsprechung an eine ärztliche Expertise
(BGE 125 V 352 E. 3a), weshalb ihm volle Beweiskraft zuzuerkennen ist
(BGE 125 V 353 E. 3b/bb, mit weiteren Hinweisen). Die Tatsache, dass der
Orthopäde Dr. H._ das Gesamtgutachten verfasst hat, ist nicht zu
beanstanden, nachdem er sich für die fachfremden Anteile am Beschwer-
debild auf das neurologisch-psychiatrische Gutachten von Dr. B._
und das internistische Gutachten von Dr. G._ abstützen konnte.
C-3733/2014
Seite 24
Insbesondere trifft nicht zu, dass Dr. H._ zu neurologisch-psychiat-
rischen und internistischen Fragen Stellung genommen hat, die er als Or-
thopäde nicht schlüssig beantworten könnte. Ebenso kann Dr. E._
nicht vorgeworfen werden, er habe sich zur psychiatrischen Erkrankung
geäussert, nachdem er sich hierfür am Gutachten von Dr. D._ ori-
entierte. Anzumerken ist, dass das im Gesamtgutachten von Dr.
H._ aufgezeigte Leistungskalkül mit den Feststellungen im Ge-
samtgutachten von Allgemeinmediziner Dr. E._ (SVA act. 29) und
im Gutachten von Psychiater Dr. D._ (SVA act. 39), die ihrerseits
ebenfalls beweiskräftig sind, vereinbar ist. Das Leistungsvermögen des
Beschwerdeführers ist in beiden Gesamtgutachten (von Dr. H._
und Dr. E._) im Wesentlichen übereinstimmend beschrieben wor-
den, was vom Bundesverwaltungsgericht entsprechend zu würdigen ist.
8.
Zu den Einwänden des Beschwerdeführers und den im Beschwerdever-
fahren eingereichten medizinischen Unterlagen (BVGer act. 6, 13) ist Fol-
gendes festzuhalten:
8.1 Zum psychischen Gesundheitszustand wurden diverse Berichte - ins-
besondere von der behandelnden Psychiaterin Dr. K._ (BVGer act.
6) - eingereicht.
8.1.1 Dr. K._ hielt im Bericht vom 27. April 2013 (BVGer act. 6) im
Wesentlichen fest, der Beschwerdeführer habe ihr berichtet, er sei eigent-
lich schon seit längerer Zeit (seit der Jugend) depressiv und krank. In letz-
ter Zeit habe sich sein psychisches Wohlbefinden im Rahmen der exoge-
nen Belastungsfaktoren mit Kündigung am Arbeitsplatz verschlechtert. Er
berichte eine mittelgradige bis schwer depressive Symptomatik, die im
Winter bedeutend schlimmer sei. Es falle zwar eine Verlangsamung, je-
doch keine intellektuelle Minderbegabung auf. Auf Wunsch des Beschwer-
deführers werde vorerst keine Psychopharmakotherapie verschrieben.
8.1.2 Im Bericht vom 18. Juli 2013 (BVGer act. 6) hielt Dr. K._ als
Psychostatus fest, der Beschwerdeführer sei wach und allseits orientiert.
Konzentration und Merkfähigkeit seien intakt. Der Gedankenduktus sei ver-
langsamt. Inhaltliche Denkstörungen seien nicht feststellbar. Der Affekt sei
flach und der Antrieb reduziert. Die Befindlichkeit sei depressiv. Er habe
am Morgen Mühe in die Gänge zu kommen und fühle sich ständig müde
und erschöpft. Eine hirnorganische Erklärung für das Beschwerdebild habe
mittels MRT und EEG ausgeschlossen werden können.
C-3733/2014
Seite 25
8.1.3 Im Bericht vom 28. September 2013 (BVGer act. 6) diagnostizierte
Dr. K._ eine rezidivierende depressive Erkrankung bei gegenwärtig
mittelgradiger Episode und ein Fatiguesyndrom. Differenzialdiagnostisch
nannte sie eine organisch-depressive Störung bei HIV-Erkrankung oder
Lues-Erkrankung. Sie hielt im Wesentlichen fest, aus Angst vor Interaktio-
nen mit der HIV-Medikation und den Nebenwirkungen habe der Beschwer-
deführer eine Psychopharmakotherapie (zunächst) abgelehnt. Im weiteren
Verlauf habe er seine diesbezügliche Haltung geändert. Unter der Psycho-
pharmakotherapie und den flankierenden psychotherapeutischen und so-
zialpsychiatrischen Massnahmen sei es zu einer leichten Besserung der
depressiven Symptomatik auf ein mittelgradiges Niveau gekommen. Die
im April 2013 begonnene Behandlung sei noch nicht abgeschlossen und
werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Derzeit bestehe eine volle
Arbeitsunfähigkeit.
8.1.4 Im Bericht vom 1. Februar 2014 (BVGer act. 6) hielt Dr. K._
im Wesentlichen fest, der Gesundheitszustand sei stationär und habe sich
aktuell wieder verschlechtert. Die Depression habe sicher einen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit. Mit Bezug auf die (nicht umschriebene) derzeitige
Tätigkeit bestehe wegen der reduzierten Stimmungslage und den ausge-
prägten Konzentrations- und Merkfähigkeitsproblemen eine volle Arbeits-
unfähigkeit. Dr. K._ enthielt sich einer weiteren Prognose mit dem
Hinweis, sie sei nicht gutachterlich tätig.
8.1.5 Im Bericht vom 12. September 2014 (BVGer act. 6) hielt Dr.
K._ als Reaktion auf die Stellungnahme der SVA C._ vom
14. August 2014 (BVGer act. 3, Beilage) im Wesentlichen fest, sie habe in
ihren Berichten mit dem Fatiguesyndrom und der differenzialdiagnostisch
in Betracht kommenden organisch-depressiven Störung (bei HIV-Erkran-
kung) auch nicht psychosoziale Komponenten des Krankheitsbildes ge-
nannt. Weiter seien neben der Arbeitslosigkeit auch vorbestehende, belas-
tende biographische Faktoren gegeben. Eine mittelgradige depressive Epi-
sode sei bei einer HIV-Erkrankung nicht unbedingt gut und einfach thera-
pierbar, da die medikamentösen Optionen in diesem Fall eingeschränkt
seien. Das Problem bestehe nicht nur darin, eine leberschonende antide-
pressive Therapie zu finden; denn die HIV-Medikation könne möglicher-
weise über eine Interaktion mit der Psychopharmakotherapie
ihre Wirkung einbüssen, was gegebenenfalls zum Ausbruch der HIV-Er-
krankung führen könne. Die antidepressive Therapie werde daher immer
mit der HIV-Ambulanz abgesprochen.
C-3733/2014
Seite 26
8.2 Obwohl eine mittelgradige depressive Episode gemäss ICD 10 ein er-
hebliches Leiden darstellt, hat das Bundesgericht wiederholt erkannt, dass
leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven For-
menkreis therapierbar sind und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. Es kann auf das Urteil des Bun-
desgerichts 9C_836/2014 vom 23. März 2015 E. 3.1 mit Hinweis auf die
Urteile 9C_474/2013 vom 20. Februar 2014 E. 5.4, 9C_696/2012 vom 19.
Juni 2013 E. 4.3.2.1, 9C_250/2012 vom 29. November 2012 E. 5,
9C_736/2011 vom 7. Februar 2012 E. 4.2.2.1 sowie 9C_917/2012 E. 3.2
vom 14. August 2013 verwiesen werden. Weshalb es sich im vor-liegenden
Fall anders verhalten sollte, ist nicht ersichtlich, zumal Dr. D._ und
Dr. B._ in den fachärztlichen Gutachten therapeutische Massnah-
men aufgezeigt haben, mittels derer der psychische Gesundheitszustand
noch wesentlich gebessert werden kann. Die empfohlene psychiatrische
Medikation ist gemäss Dr. D._ trotz den erhöhten Leberwerten
möglich, wobei diese Einschätzung in Kenntnis der im Oktober 2006 erst-
mals diagnostizierten HIV-Infektion abgegeben wurde, die ebenfalls medi-
kamentös kontrolliert werden muss. Nach seiner gutachterlichen Stellung-
nahme existieren gut bewährte Medikamente (SVA act. 39, Seite 3). Auch
Dr. B._ empfahl im Wissen um die HIV-Infektion eine höher dos-
sierte Antidepressivatherapie als (beispielhafte) Massnahme zur Verbes-
serung des psychischen Gesundheitszustands (Fremdakten, Gutachten
B._, Seite 10). Deshalb ist davon auszugehen, dass die Psycho-
pharmakotherapie trotz der von Dr. K._ erwähnten Interaktionsge-
fahr mit der HIV-Medikation (in Absprache und unter Kontrolle der HIV-Am-
bulanz) noch verbessert werden kann.
8.3 Der Beschwerdeführer ist im Zusammenhang mit der antidepressiven
Medikation auf die Schadenminderungspflicht hinzuweisen. Je nach den
Umständen greift die Schadenminderungspflicht in die verschiedensten
Lebensbereiche ein, wobei jedoch von den Versicherten nur solche Vor-
kehren verlangt werden können, die unter Berücksichtigung der gesamten
objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind.
Die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht sind zulässigerweise
dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversiche-
rung - namentlich bei Rentenleistungen - in Frage steht (BGE 113 V 22 E.
4a - e; SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121 E. 3.1 in fine). Bei psychischen Be-
schwerden umfasst die Schadenminderungspflicht auch eine entspre-
chende Medikation und Psychotherapie (Urteil des EVG I 405/05 vom 13.
März 2006 E. 4.2.2). Soweit eine geeignete Psychopharmakotherapie die
C-3733/2014
Seite 27
Wirkung der HIV-Medikation nicht beeinträchtigt, ist diese als zumutbar zu
erachten.
8.4 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist weiter nicht von ent-
scheidender Bedeutung, ob fachärztlicherseits bloss eine depressive Epi-
sode oder eine anhaltende mittelschwere depressive Störung diagnosti-
ziert wird, da sich eine depressive Episode von einer depressiven Störung
hauptsächlich hinsichtlich ihrer Dauer, nicht aber bezüglich der Schwere
der Erkrankung, unterscheidet (Urteil des BGer 9C_902/2012 vom 17. Juli
2013 mit Hinweis auf das Urteil des EVG I 138/06 vom 21. Dezember
2006). Insofern ist der Hinweis des Beschwerdeführers auf früher durchge-
machte depressive Episoden unbehelflich.
8.5 Wie die SVA C._ in der Stellungnahme vom 14. August 2014
(BVGer act. 3, Beilage) zu Recht einwendet, ist das psychiatrische Be-
schwerdebild, wenn auch (in Anbetracht der weiteren Faktoren wie na-
mentlich Scheidung, HIV-Infektion und andere körperliche Beschwerden)
nicht monokausal, so doch weitgehend durch den Verlust der Arbeitsstelle
und damit durch einen psychosozialen Umstand geprägt. Der Zusammen-
hang mit der (im November 2012 ausgesprochenen) Kündigung wird nicht
nur von den Gutachtern, sondern auch vom Beschwerdeführer selber
mehrfach hergestellt (Fremdakten, Gutachten B._, Seiten 2, 7; SVA
act. 29, Seiten 2, 3). Gemäss eigenen Angaben war der Beschwerdeführer
bis zu seiner Kündigung (psychisch) beschwerdefrei. Die Arbeitsmotivation
und Leistung bezeichnete er bis dahin explizit als gut (SVA act. 39, Seiten
2, 3). Auch im Rahmen einer Sozialberatung berichtete der Beschwerde-
führer, seine Krankheit würde zu grossen Teilen mit der Kündigung und der
(nicht umschriebenen) Situation am Arbeitsplatz in Verbindung stehen. Er
sei durch die Kündigung in ein Loch gefallen und könne diese Situation nur
schwer bewältigen. Die Umgebung am Arbeitsplatz habe ihn krank ge-
macht. Eine Rückkehr sei ausgeschlossen (Fremdakten, Assessment,
Seite 2). Die depressive Symptomatik wird vom Psychiater Dr. D._
vor diesem Hintergrund nachvollziehbar als Reaktion auf die Arbeitslosig-
keit beschrieben. Soweit die depressive Symptomatik in der Stellenlosig-
keit ihre hinreichende Erklärung findet und in dieser aufgeht, kann recht-
sprechungsgemäss von vornherein kein invalidisierender psychischer Ge-
sundheitsschaden vorliegen (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des BGer 8C_
730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
C-3733/2014
Seite 28
8.6 Die psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht
ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater prak-
tisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu res-
pektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und
unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Ab-
klärungsauftrag (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) kann es nicht angehen, eine
medizinische Administrativexpertise - wie sie Dr. D._ verfasst hat -
oder eine Gerichtsexpertise - wie sie Dr. B._ verfasst hat - stets
dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen,
wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzun-
gen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassun-
gen festhalten. Anders verhält es sich hingegen dann, wenn die behan-
delnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche im
Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und ge-
eignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (vgl. Urteil des
BGer 8C_694/2008 E. 5.1 und Urteil des EVG I 51/06 vom 19. September
2006 E. 3.1.2). Dies ist vorliegend jedoch nicht der Fall. Die fachärztlichen
Gutachten von Dr. D._ und Dr. B._ erweisen sich auch unter
Berücksichtigung der Berichte der behandelnden Psychiater Dr. J._
und Dr. K._ (BVGer act. 6) und zum stationären Aufenthalt in einem
Zentrum für psychosoziale Gesundheit (BVGer act. 13) als umfassend und
schlüssig. Die im Beschwerdeverfahren eingereichten medizinischen Un-
terlagen vermögen daher keine Zweifel an der in zwei fachärztlichen Ge-
samtgutachten nachvollziehbar postulierten (limitierten) Arbeitsfähigkeit zu
begründen.
8.7 Im Übrigen wurde das gutachterlich ermittelte Leistungskalkül nicht zu-
letzt von der RAD-Ärztin Dr. I._ aufgrund der Akten dreifach plausi-
bilisiert (SVA act. 68, Seite 3; SVA act. 75, 83). Im Beschwerdeverfahren
hat der RAD-Psychiater Dr. L._ in Kenntnis der eingereichten me-
dizinischen Unterlagen mit ausführlicher Stellungnahme vom 16. April 2015
(BVGer act. 15, Beilage) nachvollziehbar erläutert, weshalb weiterhin auf
das gutachterlich ermittelte Leistungskalkül, wie es vorstehend wiederge-
geben worden ist, abgestellt werden kann. Die Stellungnahme des RAD
wurde dem Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren zur Kenntnis ge-
bracht (BVGer act. 16), worauf dieser auf Schlussbemerkungen verzichtet
hat (BVGer act. 18). Zu ergänzen bleibt lediglich, dass die Berichte der
behandelnden Ärzte aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstel-
lung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 353 E.
3b/cc). Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt ebenso wie für
C-3733/2014
Seite 29
den behandelnden Spezialarzt (Urteil des EVG I 655/05 vom 20. März 2006
E. 5.4 mit Hinweisen; vgl. aber Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai
2008 E. 2.3.2). Aus diesem Grund ist eine schlüssige gutachterliche Ein-
schätzung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen der Beweiswürdigung in der Re-
gel vorzuziehen.
8.8 Nach dem Gesagten sprechen keine konkreten Indizien gegen die Zu-
verlässigkeit der vier fachärztlichen Gutachten von Dr. D._, Dr.
B._, Dr. G._ und Dr. H._ und die beiden Gesamtgut-
achten von Dr. E._ und Dr. H._. Beim sinngemässen Ein-
wand des Beschwerdeführers, wonach er durch seinen Gesundheitsscha-
den in der Arbeitsfähigkeit wesentlich stärker eingeschränkt sei, als es von
der Vorinstanz eingestanden werde, handelt es sich um eine unbewiesen
gebliebene Parteibehauptung. Die Gutachter haben aus neurologisch-psy-
chiatrischer Sicht und aus orthopädischer Sicht dargelegt, dass mittels ei-
ner Änderung der psychopharmakologischen Therapie und einer konse-
quenten physiotherapeutischen Behandlung der Gesundheitszustand
noch gebessert werden kann. Die thematisierten Therapieoptionen sind
dem Beschwerdeführer im Rahmen der Schadenminderungsobliegenheit
zumutbar. Da die von ihm vorgelegten Beweismittel im Rahmen der freien
Beweiswürdigung nicht als massgeblich zu erachten sind, fällt der Ent-
scheid zu Ungunsten des beweisbelasteten Beschwerdeführers aus, da er
aus einer rechtserheblichen und anspruchsbegründenden Tatsache
Rechte ableiten wollte. Von weiteren medizinischen Nachforschungen sind
keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Daher ist in antizipierter Beweis-
würdigung auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten (vgl. UELI KIE-
SER, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, Zürich 1999, S.
212 Rz. 450: ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 111 und
320; GYGI, a.a.O., S. 274; vgl. auch BGE 122 II 464 E. 4a, BGE 122 III 219
E. 3c, BGE 120 1b 224E. 2b, BGE 119 V 335 E. 3c mit Hinweisen). Der
Beschwerdeführer hat mithin als voll arbeitsfähig für leidensadaptierte Tä-
tigkeiten zu gelten, die dem gutachterlichen Leistungskalkül entsprechen.
Im Ergebnis ist die psychotherapeutisch und psychopharmakologisch bes-
serungsfähige, weitgehend auf psychosoziale Faktoren zurückzuführende,
mittelgradige depressive Episode in Übereinstimmung mit den beweiskräf-
tigen Gutachten von Dr. D._ und Dr. B._ nicht als Grund für
ein vermindertes Leistungsvermögen zu anerkennen, auch nicht im Um-
fang einer schwankenden Arbeitsunfähigkeit von höchstens 20 %, wie dies
der RAD-Psychiater Dr. L._ in seiner Stellungnahme vom 16. April
2015 erwogen hat (BVGer act. 15, Beilage).
C-3733/2014
Seite 30
9.
Zur erwerblichen Auswirkung des Gesundheitsschadens ist Folgendes
festzuhalten:
9.1 Die Vorinstanz legte der angefochtenen Verfügung sinngemäss die An-
nahme einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Kunststoffverarbeiter zugrunde. Ob diese Annahme zutrifft, ist indessen
nicht zweifelsfrei erstellt. Tatsache ist, dass die Kündigung der Stelle als
Kunststoffverarbeiter nach den Angaben des Arbeitgebers wegen einer Ar-
beitsunfähigkeit erfolgte (SVA act. 30, Seite 2), womit gesundheitliche
Gründe gemeint sein dürften. An anderer Stelle werden indes ver-
schiedentlich auch wirtschaftliche Motive erwähnt (SVA act. 39, Seite 2;
Fremdakten, Gutachten B._, Seite 3; Fremdakten, Assessment,
Seite 3). Fraglich ist insbesondere, ob das Anforderungsprofil der letzten
Arbeitsstelle mit der orthopädisch bedingten Belastungs- und Haltungsein-
schränkung vereinbar war, welche namentlich aus den wiederholten Hals-
und Lendenwirbelsäulenschmerzen resultieren (Fremdakten, Gutachten
H._, Seiten 5, 7; Fremdakten, Gesamtgutachten, Seiten 3, 4). Eine
ärztliche Stellungnahme zu dieser Frage fehlt ebenso wie eine genauere
Umschreibung der angestammten Tätigkeit als Kunststoffverarbeiter (SVA
act. 70, Seite 2).
9.2 Der Frage nach der weiteren Zumutbarkeit der angestammten Tätigkeit
kommt für die Beurteilung des Rentenanspruchs jedoch nicht ausschlag-
gebendes Gewicht zu. Gemäss Angaben des Arbeitgebers hätte der Be-
schwerdeführer im Jahr 2013 im Gesundheitsfall ein Valideneinkommen
von Fr. 64'350.- erzielt (SVA act. 30, Seite 3), womit er im Vergleich zum
entsprechenden LSE-Tabellenlohn von Fr. 67'443.10 (Herstellen von
Kunststoffwaren; unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Wochenar-
beitszeit von 41.7 Stunden und der Nominallohnentwicklung bis 2013) ei-
nen leicht unterdurchschnittlichen Verdienst erzielt hätte. Das auf der
Grundlage der LSE 2012, privater Sektor, TA 1, Total, Anforderungsniveau
1, Männer, zu bestimmende Invalideneinkommen 2013 beträgt unter Be-
rücksichtigung der betriebsüblichen Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden
und der Nominallohnentwicklung bis 2013 Fr. 65'653.70. Damit steht fest,
dass der Beschwerdeführer keine gesundheitlich bedingte Erwerbsein-
busse erleidet. Ein Rentenanspruch ist bei fehlender Erwerbsunfähigkeit
ausgeschlossen. Selbst wenn von einer psychisch bedingten Arbeitsunfä-
higkeit von höchstens 20 % ausgegangen würde, würde bei einem gerun-
deten Invaliditätsgrad von 18 % ein Rentenanspruch weit verfehlt werden.
C-3733/2014
Seite 31
Nachdem keine Invalidität im invalidenversicherungsrechtlichen Sinne be-
steht, fallen auch Eingliederungsmassnahmen ausser Betracht. Der Be-
schwerdeführer ist im Rahmen seiner (limitierten) Arbeitsfähigkeit und vor
dem Hintergrund der Schadenminderungspflicht auf den Weg der Selbst-
eingliederung zu verweisen.
10.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sowohl der organische als auch
der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im österrei-
chischen Verfahren zum Anspruch auf Invaliditätspension und berufliche
Rehabilitation (IVSTA act. 30; SVA act. 49) umfassend und für eine ab-
schliessende Beurteilung im vorliegenden Verfahren rechtsgenüglich ab-
geklärt wurde. Es liegen gesicherte Erkenntnisse und genügende fachärzt-
liche Dokumente zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor. Der Beschwer-
deführer hat mithin als voll arbeitsfähig in leidensadaptierten Tätigkeiten zu
gelten, die dem gutachterlichen Leistungskalkül entsprechen. Nach dem
Einkommensvergleich ist er durch den Gesundheitsschaden in seiner Er-
werbsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Entsprechend besteht keine Invalidität
im invalidenversicherungsrechtlichen Sinne. Der Beschwerdeführer kann
daher weder eine Invalidenrente noch Eingliederungsmassnahmen bean-
spruchen. Die angefochtene Verfügung (IVSTA act. 34; SVA act. 88) er-
weist sich nach den vorstehenden Erwägungen als rechtmässig. Die Be-
schwerde ist unbegründet und vollumfänglich abzuweisen. Die angefoch-
tene Verfügung ist zu bestätigen.
11. Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und die Parteientschädi-
gung.
11.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Da dem unterliegenden
Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2014 die unent-
geltliche Prozessführung gewährt wurde (BVGer act. 8), sind im vorliegen-
den Fall keine Verfahrenskosten zu erheben.
11.2 Dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer sind keine unver-
hältnismässig hohen Kosten entstanden, weshalb ihm keine Parteient-
schädigung zuzusprechen ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die IV-Stelle
C-3733/2014
Seite 32
für Versicherte im Ausland hat als Bundesbehörde unabhängig vom Ver-
fahrensausgang keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3
VGKE).