Decision ID: d0cc1f53-43a2-483b-82d9-a797f02589bb
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960,
zog sich am 24. Februar 2009 bei einem Sturz eine
Trimalleolarfraktur
am rechten Fuss zu (Urk. 11/1/3+9). Am 21. August 2009 meldete sich die Versicherte
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk.
11/
2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und verneinte mit Verfügung vom 30. August 2012
einen Anspruch auf Leistungen d
er Invaliden
ver
sicherung (Urk. 11/64
).
Die hiergegen erhobene Beschwerde der Versicherten wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 26. Februar 2014
im Verfahren Nr. IV.2012.01059
ab (Urk. 11/74).
1.2
Auf das erneute Leistungsbegehren vom 11. August 2015 (Urk. 11/76) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 26. Februar 2016 nicht ein (Urk. 11/92)
, was vom
hiesige
n
Gericht mit Urteil vom 19. Juni 2017
im Verfahren Nr. IV.2016.00413 bestätigt wurde
(Urk. 11/96)
.
Auf
die
dagegen
erhobene Beschwerde
trat das Bun
desgericht
mit Urteil vom 26. September 2017 nicht ein (Urk. 11/98).
1.3
D
ie Versicherte meldete sich am 22. Februar 2018
unter Hinweis auf
Bein
schmerzen, Wirbelschmerzen, Hüftgelenkschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopf
schmerze
n
und psychische Beschwerden
erneut bei der Invalidenversicheru
ng zum Leis
tungs
bezug an (
Urk.
11/99
). Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und
holte beim
Y._
ein
bidisziplinäres
Gutachten ein
, welches am 4. September 2018 erstattet
wurde (Urk. 11/128).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 11/135-1
38) verneinte die IV-Stelle m
it Verfügung
vom 28. November 2018
einen Ren
ten
anspruch
(Urk. 2 = Urk.
11/141
)
.
2.
Die Versicherte erhob am 2. Januar 2019
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 28. November 2018
(
Urk.
2) und beantragte, di
ese sei aufzuheben und es sei
ihr
eine
IV-Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1
).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom 7. Februar 2019
die Abwei
sung der Beschwerde
(Urk. 10)
.
Mit Gerichtsverfügung vom 12. Februar 2019
wurd
e antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 1
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und
es wurde
der Beschwerde
führerin die Besch
werdeantwort zugestellt (Urk. 12
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cher
ten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidi
tät zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen
.
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbe
lastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regel
fall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass sich seit dem letzten Entscheid nichts Wesentliches verändert habe und der Beschwerdeführerin ein Arbeitspensum von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit weiterhin zumutbar sei (S. 1).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk.
1), ihr
Leiden dauere jahrelang und ihr gesundheitlicher Zustand verschlimmere sich durchgehend
(S. 2 Mitte)
. Die Beschwerdegegnerin habe zu wenig berücksichtigt, dass
sie
gemäss dem behandelnden Psychiater Dr.
med. Z._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei einem sehr stark schwankenden Verlauf an einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom leide und für angestammte Tätigkeiten maximal zu 40
%
einsetzbar sei. Des Weiteren schreibe Dr.
Z._
, dass die psychiatrische Teilgutachterin der
Y._
– wohl aufgrund schwankendem Verlauf der Krankheit - keine korrekte Diagnose gestellt habe (S. 2 unten, S. 3 oben).
Zudem habe der
Vertrauensarzt
des Arbeitgebers
im Bericht vom 13. Juni 2018
ausgeführt
, dass
sie
für die Aus
führung der angestammten Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig und für die Ausführung von leichten körperlichen Tätigkeiten nur zum Teil arbeitsfähig sei
(S. 3 Mitte). Schliesslich sei aus den Berichten von
Dr. med. A._
, Fachärztin für Physikali
sche Medizin und Rehabilitation
ersichtlich, dass
sie
nicht arbeitsfähig sei (S. 3 unten).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Abweisung des ersten Leistungsgesuchs im
August 2012
wesentlich ver
ändert hat und
ob
nunmehr ein Rentenanspruch besteht. Wird
eine dieser
Fragen
verneint, kann offen
bleiben, ob die andere zu bejahen wäre.
3.
3.
1
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabili
tati
on
,
nannte in ihrem Bericht vom 23. Februar 2018
(Urk. 11/105 = Urk. 11/109/3) folgende
Diagnosen:
-
Status nach
Trimalleolarfraktur
oberes Sprunggelenk (
OSG
)
rechts im Jahr 2009, osteosynthetisch versorgt im
B._
-
Status nach Osteosynthese-Materialentfernung (OSME) im Februar 2010
-
Status nach diagnostisch therapeutischer OSG-Infiltration im Jahr 2012 mit mässigem Erfolg
-
Fingerpolyarthrose
Es handle sich um radiologisch verifizierte zunehmende arthrotische Verän
de
rungen des OSG rechts bei Status nach
Trimalleolarfraktur
und wiederh
olten Operationen. Nach der Met
allentfernung sei es leider zu keinerlei Besserung der Schmerzen gekommen und das massive Schonhinken sei nach wie vor geblieben. Laut Beurteilung der
Ärzte der
C._
wäre eine Arthrodese des Sprunggelenks die einzige Möglichkeit, ihre Lebensqualität zu verbessern, was die Beschwerdeführerin aber vorläufig ablehne. Das Schonhinken führe zu schmerz
haften Muskelverkrampfungen nicht nur im Bereiche des Fusses, sondern auch im ganzen Bein, neuerdings auch bis zum Lendenbereich, die eindeutig auf die Fehlhaltung und Fehlbelastung zurückgeführt werden könnten.
Unter diesen Umständen könne die Beschwerdeführerin ihre Arbeit nicht mehr als 25
%
aus
führen, da sämtliche Steigerung der Belastung zur erneuten Exazerbation ihrer Schmerzen führten. Auch sitzende Tätigkeiten seien ihr über längere Zeit nicht zumutbar, vor allem wegen Zunahme der neuropathischen Schmerzen mit brennen
den Sensationen am Fussrücken.
3.
2
Dr.
Z._
(vorstehend E. 2.2)
führte in seinem Bericht vom 15. März 2018 (Urk. 11/109) aus, er
behandle die Beschwerdeführerin seit Ende November 2012
(S. 1)
. Er nannte folgende Diagnosen
(S. 1
Mitte
)
:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (F33.11)
-
Panikstörung, episodisch paroxysmale Angst (F41.0)
Als fachfremde Diagnose nannte er zudem eine posttraumatische Arthrose des OSG rechts nach einem Unfall bei Verdacht auf Osteomalazie.
Die Beschwerdeführerin habe damals (Ende November 2012) über immer wieder auftretende stechende Schmerzen im rechten Sprunggelenk geklagt. Diese hätten ihr stark zu schaffen gemacht. Sie habe Schlafstörungen, eine depressive Stim
mungs
lage und grosse Sorgen um die Gesundheit entwickelt (S. 1 unten). Zum Psy
chostatus vom 27. Februar 2018 führte Dr.
Z._
aus, die Beschwerde
führerin sei wach, bewusstseinsklar und
zu allen Qualitäten orientiert.
Die Mimik und Gestik seien verarmt. Die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen fielen im Gespräch auf. Im formalen Denken sei die Beschwerdeführerin auf pessi
mistische Ideen eingeengt. Sie hoffe kaum auf eine Besserung des Zustandsbildes. Es gebe keine Anhaltspunkte für Wahn, Sinnestäuschungen und Ich-Störungen. In der Grundstimmung sei die Beschwerdeführerin deprimiert, resigniert, affekt
arm, affektstarr, innerlich unruhig und ängstlich. Der Antrieb sei reduziert.
Suizid
gedanken und –
absichten
würden verneint. Fremdaggressivität sei nicht v
or
handen. Stechende Schmerzen im rechten Sprunggelenk plagten die Beschwerde
führerin jahrelang
(S. 1
f.
)
.
Die Beschwerdeführerin habe wegen plötzlich auftretender Schmerzen im rechten Sprunggelenk immer wieder notfallmässige Termine in Spitälern wahrnehmen müsse
n. Sie leide stark darunter,
mache sich grosse Sorgen und habe Angst um ihre Gesundheit. Sie äussere oft Angst, dass sie einmal nicht mehr gehen könnte. In diesem Zusammenhang habe sie echte Panikattacken entwickelt. In diesen Situa
tionen hätten die Gesprächstermine intensiviert werden müssen. Die Medi
kation habe stets optimiert werden müssen (S. 2 oben). Trotzdem sei es leider nicht zu einer Stimmungsaufhellung gekommen. Die Beschwerdeführerin zeige aktuell folgende mittelschwere psychische Einschränkungen: Rasche Ermüdung, schlechte Konzentration, mangelnde Belastbarkeit, verlangsamtes Tempo, An
triebs
minderung und reduzierte Ausdauer. Das psychische Leiden habe einen chro
nischen Charakter angenommen. Dies wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sehr negativ aus. Sie arbeite noch mit Mühe zu 25
%
. Aus psychiatrischer Sicht sei die Patientin längerfristig nicht in der Lage, mehr als 25 % zu arbeiten (S. 2 unten).
3.3
Dr. med. D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheuma
tologie, erstattete am 13. Juni 2018 ein vertrauensärztliches Gutachten zuhanden
der
Pensionskasse der Stadt Zürich (Urk. 11/116) und führte aus, die Prognose für die bisherige Tätigkeit sei schlecht. Dies begründete er mit dem chronischen, über Jahre dauernden Krankheitsverlauf mit tendenziell ungünstiger Entwicklung und
der begleitenden, mit Existenzängsten verbundenen depressiven Entwicklung (S. 5
Ziff. A 7.1). In Verweistätigkeiten sei aus rheumatologischer Sicht eine Teil
ar
beits
fähigkeit zu erwarten. Unklar sei der Anteil der psychiatrisch begründeten Arbeitsunfähigkeit (S. 5 Ziff. A 7.2). Entsprechend empfahl Dr.
D._
eine psy
chia
trische Beurteilung aufgrund der psychiatrischen Komorbiditäten (S. 5
Ziff. A 8). Im an den Arbeitgeber gerichteten Teil B des Berichts (Urk. 11/117 = Urk. 11/124 = Urk. 11/132/4-8 = Urk. 11/137/3-7 = Urk. 3/2) attestierte Dr.
D._
der Beschwerdeführerin bezogen auf die bisherige Tätigkeit eine dauernde
Arbeits
unfähigkeit von 100
%
(S. 2 Ziff. B.1). Unausgefüllt liess er den Teil für di
e Beurteilung bezogen auf jede Tätigkeit (S. 2 f. Ziff. B.2), hielt aber am Ende noch fest, medizinisch-theoretisch bestehe für vorwiegend sitzende Verweistätigkeiten eine Restarbeitsfähigkeit (S. 4 oben).
3.4
3.4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das am 4. September 2018 erstattete
bidisziplinäre
Y._
-Gutachten von Dr. med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherap
ie (Federführung), und Dr. F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates (Urk. 11/128/1-53).
3.4.2
Dr.
F._
nannte im orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 48):
-
sekundäre leichte bis mässige Arthrose des rechten oberen Sprunggelenks (OSG) nach
Trimalleolarfraktur
und Osteosynthese vom 24. Februar 2009 und Osteosynthesematerial-Entfernung vom 2. März 2010
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er:
-
Polyarthrose der Fingergelenke (
Heberdenarthrose
im Fingergrundgelenk des Mittelfingers (MCP 3) links und im Daumensattelgelenk (DSG) links
-
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
bei degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS).
Nach dem Unfallereignis vom 24. Februar 2009 habe sich eine Gesund
heits
stö
rung des rechten OSG dargestellt, die sich in der Folge zu einer sekundären Arth
rose des OSG entwickelt habe, aufgrund welcher die Belastbarkeit der Beschwer
deführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Reinigungskraft eingeschränkt sei. Tätigkeiten überwiegend im Stehen oder Gehen sollten vermieden werden. Durch Versorgung mit einem orthopädischen Schuh inklusive Einlage und schuh
technischer Zurichtung könne die Belastungsfähigkeit gesteigert werden, so dass durchaus eine Arbeitsfähigkeit weiterhin zu 25
%
wie bisher vorstellbar sei (S. 48 unten, Ziff. 7.1).
Die Einschränkung des Aktivitätenniveaus, insbesondere was die Gehfähigkeit und Standfähigkeit angehe, könne nachvollzogen werden. Auch könnten die ge
klagten Symptome und Funktionseinbussen nachvollzogen werden, sie erschie
nen konsistent und plausibel und stimmten mit dem Untersuchungsergebnis über
ein. Anlässlich der ersten Rentenprüfung
sei der Gutachter Dr. med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie, zum Schluss gekommen, dass ab Oktober 2009 für eine angepasste Verweistätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr begründet sei. Die Beschwerdeführerin sei aber weiterhin im Hausdienst des
B._
angestellt und seit dem 23. Juli 2013 bis auf weiteres zu 75
%
arbeits
unfähig. Die Einschätzung
durch
Dr.
G._
divergiere somit erheblich von der tat
sächlichen Höhe der Arbeitsfähigkeit. Befunde, die seit der Erstellung von dessen Gutachten im Januar 2012 und der erneuten IV-Anmeldung im August 2015 von einer möglichen Zunahme der Gesundheitsstörung berichteten, lägen nicht vor. Insgesamt werde also eine ähnliche Situation bezüglich der angestammten Tätig
keit anders beurteilt (S. 49 Ziff. 7.3 und S. 52 Ziff. 1).
Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, körperlich leichte Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis maximal 15 kg, überwiegend bis ständig im Sitzen, zeitweilig im Gehen oder Stehen, durchzuführen. Tätigkeiten in kniender, hock
en
der und in kauernder Stellung, Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten sowie Tätigkeiten, die ein erhöhtes Ausmass an Standsicherheit erforderten, sollten ebenfalls vermieden werden (S. 50 Ziff. 7.4). In einer leidensadaptierten Tätigkeit bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beziehungsweise der Leistung (S. 50 oben, S. 51 Mitte).
3.4.3
Dr.
E._
nannte im psychiatrischen Teilgutachten keine Diagnosen mit Rele
vanz für die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähig
keit nannte sie (S. 33 oben):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F.33.0)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
Die Beschwerdeführerin habe nach der Fraktur des rechten Beines eine anhaltende Schmerzsymptomatik entwickelt, die auch ihre psychische Symptomatik mitbe
ein
flusst und eine depressive Reaktion mit Traurigkeit und Antriebsminderung sowie schmerzbedingten Schlafstörungen ausgelöst habe (S. 33 Ziff. 7.1). Die entwickelte reaktive Depression zeige ein leichtes Ausmass. Es fänden sich keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung, die psychische Verfassung sei in
Abhängigkeit zu den Schmerzen geschildert worden. Als belastender Faktor kö
nne eine schwierige Partnerschaftssituation gesehen werden, die aber nicht das Aus
mass einer depressiven Störung als Folge annehme. (S. 34 Ziff. 7.4). Aus psy
chiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin in ihrer zuletzt ausgeübten oder in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig (S. 35 Ziff. 8).
3.4.4
Dr.
F._
und Dr.
E._
stellten aus
bidisziplinärer
Sicht dieselben Diag
nosen wie in den Teilgutachten (S. 6 Ziff. 4.2). Die Beschwerdeführerin sei aus orthopädischer Sicht in der Lage, körperlich leichte Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten mit maximal 15 kg, überwiegend bis ständig im Sitzen, zeit
weilig im Gehen oder Stehen, durchzuführen. Der Anteil sitzender Tätigkeit sollte mindestens 40
%
betragen. Tätigkeiten in kniender, hockender und in kauernder Stellung, Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten sowie Tätigkeiten, die ein erhöhtes Ausmass an Standsicherheit erforderten, sollten ebenfalls vermieden werden. Aus psychiatrischer Sicht lägen leichte Beeinträchtigungen vor. Sie sei fähig zur An
passung an Regeln und Routinen, fähig zur Planung und Strukturierung von Auf
gaben, etwas eingeschränkt flexibel und umstellungsfähig, fähig zur Anwen
dung fachlicher Kompetenzen, entscheidungs- und urteilsfähig, etwas einge
schränkt durchhaltefähig, selbstbehauptungsfähig, kontaktfähig zu Dritten, gruppen
fähig, fähig zu familiären Beziehungen, derzeit eingeschränkt in intimen Beziehungen, etwas eingeschränkt fähig zu Spontanaktivitäten, fähig zur Selbstpflege und ver
kehrsfähig. Die Beschwerdeführerin sei eher eine korrekte, kon
fliktver
meiden
de und arbeitsame Person, die immer ihrer Arbeit nachge
gangen sei. Nach der Frak
tur des rechten Beines habe sie eine erhebliche Schmerz
symptomatik und in der Folge leicht depressive Symptome entwickelt, die als von der Schmerzsituation abhängig gesehen würden und daher schwer beeinflussbar seien, aber nicht das Ausmass einnähmen, einschränkend für die Arbeitsfähigkeit zu sein (S. 7 f. Ziff. 4.5). Aus orthopädischer Sicht könne die Beschwerdeführerin in der bis
he
rigen Tätigkeit drei Stunden pro Tag mit einer Leistungseinschränkung von 30
%
arbeiten, was einer Arbeitsfähigkeit von 25
%
entspreche, welche seit dem Gut
ach
ten von 2012 bestehe. Aus psychiatrischer Sicht ergäben sich keine Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit. In einer leidensadaptierten Tätigkeit bestehe somit aus orthopädischer und psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Eine solche sei bis auf die post
operativen Phasen nach Osteosynthese spätestens nach vier Monaten und nach
Materialentfernung spätestens nach zwei Wochen wieder möglich gewesen (S. 8 f.
Ziff. 4. 7-8).
3.
5
Dr.
Z._
(vorstehend E.
3.2)
führte
in
seinem Bericht
zuhanden der Be
schwer
deführerin
vom 28. September 2018
(Urk. 11/132/1-2) aus, die Beschwer
den hätten einen sehr stark schwankenden Verlauf gezeigt, so dass die Beschwer
de
führerin auch aus psychiatrischer Sicht teilweise zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei (S. 1 unten). Sie sei eine arbeitsame Person und arbeite in der Regel mit sehr oft grosser Mühe in einem 25
%
Pensum als Raumpflegerin. Aus psychia
trischer Sicht sei ihr die bisherige Tätigkeit auf längere Sicht nicht mehr als 40
%
zumutbar (S. 2 oben). Er kenne die Beschwerdeführerin seit bald 6 Jahren und diese sei bis anhin nie symptomfrei gewesen. Dr.
E._
habe eigentlich die gleiche Diagnose wie er gestellt, nur das Ausmass an Symptomen sei unter
schiedlich beurteilt worden. Für eine seriöse Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf längere Sicht sei die Einschätzung, welche auf mehreren Jahren basiere (Längs
schnitt) massgebender als die Einschätzung, welche nur aufgrund von einem Ge
spräch stattfinde (Querschnitt). Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Teilgut
achten von Dr.
E._
könne er nur so verstehen. Die Beschwerdeführerin sei auf längere Sicht nicht mehr als 40
%
arbeitsfähig (S. 2 Mitte).
4.
4.1
B
etreffend
die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in deren angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft
und Mitarbeiterin Hauswirtschaft
erg
eben sich
nur moderate
Divergenzen zwischen den in den Akten liegenden Arztberichten (vorstehend
E. 3.1, E. 3.3 und
E. 3.
4
.2
). Es ist
klarerweise erstellt
, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit nur noch zu maximal 25
%
arbeitsfähig ist.
Auseinandergehend und deshalb
näher
zu prüfen sind jedoch die
ärztlichen Beurteilungen
der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit, und dies sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht.
4.
2
In somatischer Hinsicht
erachtete
Dr.
A._
auch längere sitzende Tätigkeiten als
der Beschwerdeführerin nicht zumutbar. Sie begründet
e
dies
indes
lediglich
mit der Zunahme der neuropathischen Schmerzen mit brennenden Sensationen am
Fussrücken (vorstehend E. 3.1). Dies vermag nicht zu überzeugen, fanden doch
derartige
Beschwerden
weder
Eingang
in
einen
anderen
aktuellen
Arztbericht,
noch
ist ersichtlich, inwiefern sie die Beschwerdeführerin nicht nur in ihrem Wohl
befinden, sondern auch
bei der Ausführung
einer sitzenden Arbeit
massgeblich
beeinträchtigen sollten.
Auch Dr.
D._
(vorstehend E. 3.3)
machte keine genauen Angaben dazu, inwie
fern die Beschwerdeführerin in einer Verweistätigkeit beeinträchtigt sei, sondern sprach diesbezüglich lediglich von einer aus rheumatologischer Sicht zu erwar
tenden Teilarbeitsfähigkeit, wobei er an anderer Stelle auch von «Restarbeits
fähigkeit» sprach, was grundsätzlich auch den Schluss auf eine vollständige oder nur
sehr
geringfügig verminderte Restarbeitsfähigkeit zuliesse. Im Ergebnis sind seine Ausführungen zu
kurz und zu
vage gehalten, als dass
ihnen im Hinblick auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
Bedeutung
beigemessen werden könnte. Dies umso
weniger
, als er den auf diese Frage zugeschnittenen Teil des Fragebogens gänzlich unbeantwortet liess.
4.3
Abzustellen ist vielmehr auf das
Y._
-Gutachten
(vorstehend E. 3.4)
. Dieses ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen und berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden. Es wurde in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben. Auch wenn im Gutachten keine
explizite
Ausein
an
dersetzung mit den teilweise divergierenden
Einschätzungen
von Dr.
A._
(vorstehend E. 3.1) u
nd Dr.
D._
(vorstehend E. 3.
3
)
erfolgte
, so vermag es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zinischen Situat
ion dennoch einzuleuchten: Dr.
F._
untersuchte die Be
schwer
deführerin
als Spezialist eingehend
und kam zum Schluss, die von dieser geklagten Symptome und Funktionseinbussen seien konsistent und könnten nach
vollzogen werden.
Er zog sogar den
Schluss,
der Gutachter
Dr.
G._
habe im Jahre 2012 die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit zu Unrecht als uneingeschränkt angesehen, diese liege
korrekterweise
bei
unverändertem
Gesundheitszustand bei 25
%
(vorstehend E. 3.4.2)
. Dies
ver
deutlicht
, dass er
seine Aufgabe als Gutachter unvoreingenommen anging
. Das
von ihm
erarbeitete Belastungsprofil erscheint differenziert und die der Beschwer
de
führerin noch möglichen Tätigkeiten als genügend leicht und (insbesondere fuss-) schonend, dass sie dieser zugemutet werden können. Die Schlussfolge
rungen von Dr.
F._
sind also begründet und es kann auf diese abgestellt werden.
4.
4
Es
ist
somit erstellt, dass die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht zu 100
%
arbeitsfähig ist für körperlich leichte Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis maximal 15 kg, überwiegend bis ständig im Sitzen, zeitweilig im Gehen oder Stehen, wobei Tätigkeiten in kniender, hockender und in kauernder Stellung ebenso zu vermeiden sind wie Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten sowie Tätig
keiten, die ein erhöhtes Ausmass an Standsicherheit erfordern.
4.
5
Aus psychiatrischer Sicht ging
Dr.
E._
von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer derart angepassten Tätigkeit aus (vorstehend E.
3.4.3
). Sie
setzte sich im psychiatrischen Teilgutachten eingehend mit den Standardindikatoren (v
orsteh
end E. 1.5-6
) auseinander. Ihre
Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belas
tungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E
. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Die
psychia
trische Gutachter
in
ist bei de
r Beantwortung der Frage, wie sie
das Leistungs
ver
mögen einschätzte, den einsc
hlägigen Indikatoren gefolgt, sie
hat ausschlies
s
lich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beein
träch
ti
gung sind, und
ihre
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung
ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfen
d
e Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen ge
hal
ten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indika
to
ren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funk
tionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist
.
Dr.
Z._
beurteilte die längerfristige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin in seinen Berichten vom März und September 2018 nicht übereinstimmend, ging er doch zun
ächst von 25
%
(vorstehend E. 3.2), d
ann aber v
on 40
%
(vor
stehend E. 3.
5
) aus
.
Zudem
unterschied
er in seinen Einschätzungen grundsätzlich nicht zwischen der Arbeitsfähigkeit in einer angestammten und
in
einer leidens
angepassten Tätigkeit.
Dass er im Bericht vom September 2018 ausführte, er betreue die Beschwerdeführerin seit bald 6 Jahren und in dieser Zeit sei sie nie symptomfrei gewesen, sowie festhielt,
aus psychiatrischer Sicht sei die «bisherige» Tätigkeit auf längere Sicht nicht mehr als 40
%
zumutbar
, lässt
jedoch
darauf schliessen, dass sich seine Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit auf die
in diesen 6 Jahren ausgeübte und somit auf die
angestammte
Tätigkeit bezieht.
Auch die Beschwerdeführerin versteht dies offenbar so (vgl. Urk.1 S. 3 oben).
Zur Arbeits
fähigkeit in e
i
ner angepassten Tätigkeit lässt
s
ich seinen Berichten som
it keine aussagekräftige
Einschätzung
entnehmen.
Nicht zuletzt
ist bei Berichten von behandelnden Ärzten
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc
S. 353 mit weiteren Hinweisen), sprich deren Arbeitsfähigkeit tendenziell eher tiefer ein
schätzen als dies objektiv gerechtfertigt wäre.
Dr.
E._
bemerkte demgegenüber
zutreffend, im bisherige
n Verlauf
sei nie eine Arbeitsunfähigkeit aus eindeutig psychiatrischer Sicht attestiert worden und auch von der Beschwerdeführerin sei keine entsprechende Veränderung der Sympto
matik berichtet worden.
Dr.
Z._
führte
erst im Nachhinein mit seiner Stellungnahme zum Gutachten im September 2018
aus
, die Beschwerdeführerin sei zeitweise auch aus psychiatrischer Sicht zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen (
vorstehend E. 3.5
). Dies
wirkt nachgeschoben und überzeugt deshalb nicht.
Auch das
von
ihm
übernommene
Argument der Beschwerdeführerin, ihre Depression weise einen stark schwankenden Verlauf auf, vermag nicht zu
überzeugen
.
D
ie Berücksichtigung all dieser Gesichtspunkte mindert den Beweiswert
und die Aussagekraft
der Stel
lungnahmen von Dr.
Z._
erheblich, so dass diese die gutachterlichen Feststellungen nicht umzustossen vermögen.
4.
6
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt dahingehend erstellt, dass der Beschwerdeführerin leidensangepasste
Tätigkeiten
zu 100
%
zumutbar sind.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.
2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
ge
passten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
5.
3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
be
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3,
135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu ver
wenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.
4
Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Brutto
löhne (Tabellengruppe A)
der LSE
abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Bei der Anwen
dung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeits
zeit aufzu
rech
nen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E.
3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
5.
5
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grund
sätzlich auf die Gegeben
heiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222). Ein Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruc
hes. Die IV-Anmeldung ging am 27. Februar
2018
bei de
r Beschwerdegegnerin ein (Urk. 11/99
s
owie Aktenver
zeichnis zu Urk. 1
1
). Ein allfälliger Rentenanspruch bestünde somit frühestens ab dem 1.
August
201
8.
5.
6
Die Beschwerdeführerin arbeitet seit Februar 2009 im Reinigungsdienst bezieh
ungs
weise als Mitarbeiterin Hauswirtschaft beim
B._
(Urk. 11/11/2 Ziff.
2.
8). Im Jahr 2018 lag das vereinbarte Bruttojahreseinkommen bei einem Pensum von 25
%
bei Fr. 14'188.05 (Urk. 9/1). Dies entspricht einem Brutto
jahres
einkommen
bei einem Vollzeitpensum und somit einem
Valideneinkommen
von
rund
Fr.
56'752.-- (
Fr.
14'188.05
.--
x 4
).
5.
7
Angesichts der Zumutbarkeit einer 100%igen behinderungsangepassten Tätig
keit steht der Beschwerd
eführerin auch bei Beachtung der erstellten Einschränkungen (vorstehend E
.
4.2.2)
eine breite Palette von Tätigkeiten offen. Es rechtfertigt sich daher, für die Bemessung des Invaliden
einkommens auf den standardisierten Durch
schnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Arbeit in sämtlichen
Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzu
stellen
(LSE 2016
,
Tabellengruppe
TA1_tirage_skill_level
,
Total
, Niveau 1).
Das im Jahr 2016
von Frauen im Durchschnitt aller einfachen Tätigkeiten körper
licher oder handwerklicher Art erzielte Eink
ommen betrug pro Monat Fr. 4‘363.--,
mithin Fr. 52‘356.-- im Jahr (Fr. 4‘363
.-- x 12). Der durch
schnittlichen wöchen
t
lichen Arbeitszeit im Jahr 2016
von 41.7 Stunden
(Bundesamt für
Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T. 03.02.03.01.04
.01)
angepasst, ergibt dies den Betrag von rund Fr.
54
‘
581
.-- (Fr.
52‘356
.-- : 40 x 41.7). Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohnent
wicklung im Jahr 2017
in der Höhe von 0.4 %
und im Jahr 2018 in der Höhe von 0.5
% (
Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsu
men
tenpre
ise und der Real
löhne, 2010-2018
, T 39) resultiert ein hypothetisches Invalideneinkommen von rund Fr.
55
‘
073
.-- (Fr.
54
‘
581
.--
x 1.004 x 1.005
).
5.
8
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allen
falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungs
grad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc).
Ob ein Abzug angezeigt sei und bejahendenfalls in welcher Höhe, kann offen bleiben. Bei Berücksichtigung des
maximalen Abzugs von 25
%
würde das
Inva
lideneinkommen Fr. 41'305.
--
betragen
(Fr. 55'073.
-- x 0.75
), was im Vergleich mit dem
Valideneinkommen
von Fr. 56'752.
--
eine Einkommenseinbusse von Fr. 15'447.-
und
einen nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad von
rund 27
%
ergäbe.
5.
9
Bei diesem Ergebnis steht der Beschwerdeführerin somit keine Rente der Inva
liden
versicherung zu.
Es kann entsprechend offenbleiben, ob und inwiefern sich ihr Gesundheitszustand seit der ersten re
ntenabweisenden Verfügung vom August 2012
verändert hat
(
vgl.
vorstehend
E. 2.3
)
.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der
unentgeltliche
n Prozessführung sind die Gerichtskosten einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
.