Decision ID: 52e4d5b4-bda3-4aff-b11c-d4462a8934aa
Year: 2022
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

len, den rechtserheblichen medizinischen Sachverhalt neu abzuklären; unter o/e-Kostenfolge.
In der Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, die zufolge fehlender Selbsteingliederungs-
fähigkeit durchgeführten beruflichen Massnahmen hätten gezeigt, dass sie auch an einem ge-
schützten Arbeitsplatz in einer optimal angepassten Tätigkeit zu höchstens 50 % arbeitsfähig
sei. Nachdem Dr. C._ nicht aufgefordert worden sei, seine medizinisch-theoretische Zumut-
barkeitsbeurteilung anhand der Ergebnisse der Eingliederungsmassnahmen zu überprüfen,
liege eine ungenügende Abklärung des Sachverhalts vor. Dazu komme, dass Dr. C._ erst
ab Juli 2018 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiere. Eine Änderung des Invaliditätsgrades sei
deshalb in Anwendung von Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom
17. Januar 1961 frühestens per Oktober 2018 möglich. Weiter erachte der Gutachter eine Stei-
gerung der Arbeitsfähigkeit auf 70 % erst ab Januar 2019 als zumutbar, weshalb eine Änderung
des Rentenanspruchs auch erst ab April 2019 zulässig sei. Da nach Auffassung des Gutachters
ab Juli 2019 eine 90%ige Arbeitsfähigkeit vorliege, dürfe eine erneute Anpassung der Rente
erst ab Oktober 2019 erfolgen. Da sie zwischenzeitlich getrennt von ihrem Ehemann lebe, sei
der Haushaltsbericht vom 8. Januar 2019 veraltet, da dieser noch die Mithilfe des Ehemannes
berücksichtige. Ausserdem stehe im Abklärungsbericht, dass sie im Gesundheitsfall unter ge-
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wissen Voraussetzungen zu 100 % arbeiten würde, um ihre Schulden abzahlen zu können. Es
bestehe daher kein Raum für die Anwendung der gemischten Bemessungsmethode. Weiter
werde die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit angesichts des fortgeschrittenen Alters be-
stritten. Schliesslich sei aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen und des Alters der
Versicherten ein maximaler Leidensabzug vom Tabellenlohn in Höhe von 25 % anstelle von
10 % bzw. 5 % zu gewähren.
D. In ihrer Vernehmlassung vom 9. August 2021 beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde
sei insofern teilweise gutzuheissen, als die Versicherte vom 1. April 2018 bis 30. September
2018 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, vom 1. Oktober 2018 bis 31. März 2019 auf eine hal-
be und vom 1. April 2019 bis 30. September 2019 auf eine Viertelsrente habe. Im Übrigen sei
die Beschwerde abzuweisen. Ihrer Vernehmlassung legte sie die Stellungnahme von Dr. med.
D._, Facharzt für Allgemeinmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 24. Juni und
6. August 2021 sowie die Berichte des G._ vom 20. Juli 2021 und von Dr. med. E._,
FMH Neurologie, vom 24. Juni 2021 bei.
E. Die Rechtsvertreterin reichte im Auftrag der Versicherten am 13. August 2021 eine
Replik und die IV-Stelle am 30. August 2021 eine Duplik inkl. RAD-Stellungnahme von
Dr. D._ vom 27. August 2021 ein.
F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 31. März 2022 stellte das Kantonsgericht den Fall
aus. Es kam zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung des Gesundheitszustandes
und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten nach Würdigung des Gut-
achtens von Dr. C._ nicht möglich sei. Im Begutachtungszeitpunkt hätten die Berichte der
beruflichen Massnahmen und von Dr. E._ noch nicht vorgelegen, weshalb Dr. C._ keine
Gelegenheit gehabt habe, zu den abweichenden Beurteilungen Stellung zu nehmen. Aufgrund
der deutlich unterschiedlichen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit sei es unerlässlich, dass Dr.
C._ Stellung zu den Diskrepanzen in Bezug auf die Zumutbarkeitsbeurteilung nehmen kön-
ne. Weiter habe im Rahmen der Haushaltsabklärung im Dezember 2018 nicht berücksichtigt
werden können, dass die Versicherte am 3. November 2020 infolge der Trennung von ihrem
Ehemann aus der ehelichen Wohnung ausgezogen sei und seit dem 16. Dezember 2020 in
einer eigenen Wohnung lebe. Da im Abklärungsbericht vom 8. Januar 2019 die Mithilfe des
Ehemannes miteinbezogen worden sei, müssten die Einschränkungen der Versicherten im
Haushaltsbereich ab 16. Dezember 2020 neu abgeklärt werden. Es ziehe deshalb – im Falle
eines Urteils – in Betracht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur

Ergänzung des Gutachtens von Dr. C._ vom 1. Februar 2020 im Sinne der Erwägungen und
zur Abklärung der hauswirtschaftlichen Verhältnisse ab 16. Dezember 2020 sowie anschlies-
sender Neuentscheidung an die IV-Stelle zurückzuweisen.
G. Mit Eingabe vom 7. April 2022 liess die Versicherte durch ihre Rechtsvertreterin mittei-
len, dass sie an der Beschwerde festhalte. Am 23. Mai 2022 reichte sie zudem einen Bericht
von Dr. E._ vom 16. Mai 2022 ein.
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H. Über die vorliegende Beschwerde wird im Zirkulationsverfahren entschieden, weil das
Kantonsgericht den vorliegenden Fall bereits an der Urteilsberatung vom 31. März 2022 einge-
hend beraten hat. Der Fall wurde damals nur deshalb ausgestellt, weil der Versicherten vor der
Urteilsfällung noch die Möglichkeit eingeräumt werden musste, allenfalls ihre Beschwerde zu-
rückzuziehen. In der Zwischenzeit erklärte die Versicherte am 7. April 2022, dass sie an ihrem
festhalte. Auch wenn nach der Urteilsberatung der ärztliche Bericht von Dr. E._ vom 16. Mai
2022 eingegangen ist, erscheint es aufgrund des darin beschriebenen stabilen Befunds als ver-
tretbar, von der Ansetzung einer erneuten Verhandlung abzusehen und den vorliegenden Ent-
scheid mit derselben personellen Besetzung des Spruchkörpers auf dem Zirkulationsweg zu
fällen.
Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g :
1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche-
rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt der vorliegenden
Verfahren bilden die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 29. April 2021, sodass die
örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit.
b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom
16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtli-
che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist so-
mit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Auf die – im Übri-
gen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 27. Mai 2021 ist dem-
nach einzutreten.
1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Ände-
rung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. Die vorliegend angefochtene Verfü-
gung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen
Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1,
129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der IVV
sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Fol-
genden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet.
2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein-
gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig
gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c).
2.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
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bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer
wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt
(Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts-
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver-
stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu
berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver
Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2).
2.3 Die Rente wird nach dem Grad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Per-
son hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertels-
rente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und
auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist (Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Invalidenrenten für die Zukunft zu erhöhen,
herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch er-
heblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat-
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch
zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheits-
zustandes, der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleichbleibenden Gesundheitszustan-
des (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen) oder der Grundlagen für die Wahl der Invaliditäts-
bemessungsmethode revidierbar (BGE 117 V 198 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni
2011, 9C_223/2011, E. 3.1).
3.2 Vorliegend liegt keine Rentenrevision nach Art. 17 ATSG, sondern eine Neuanmeldung
vor. Eine Neuanmeldung zielt aber wie die Revision auf eine erneute Prüfung des Leistungsan-
spruchs aufgrund veränderter Verhältnisse ab. Im Falle eines Eintretens auf eine Neuanmel-
dung ist nach Art. 87 Abs. 2 und 3 der IVV in Verbindung mit Art. 17 Abs. 1 ATSG analog zu
einer Rentenrevision zu prüfen, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem Erlass der
früheren rechtskräftigen Verfügung in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert ha-
ben (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4b).
3.3.1 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung des
Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung,
welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts-
abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk-
ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht
(BGE 133 V 108 E. 5.4 und 130 V 71 E. 3.2.3).
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3.3.2 Vorliegend verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 31. März 2006 und auf Einspra-
che hin mit Entscheid vom 27. November 2006 mangels rentenbegründenden Invaliditätsgrades
einen Rentenanspruch der Versicherten. Diesen Entscheid bestätigte das Kantonsgericht mit
rechtskräftigem Urteil vom 13. Juni 2007. Mit der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
29. April 2021 sprach sie ihr vom 1. April 2018 bis 31. August 2018 eine Dreiviertelsrente, vom
1. September 2018 bis 31. März 2019 eine halbe und vom 1. April 2019 bis 31. Mai 2019 eine
Viertelsrente zu. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen eingetreten ist, die eine Invalidenrente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachver-
halts, wie er im Zeitpunkt des Urteils des Kantonsgerichts vom 13. Juni 2007 bestanden hat, mit
demjenigen im Zeitpunkt des Erlasses der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 29. April
2021.
4.1 Für die Beurteilung der strittigen Frage, ob sich der Gesundheitszustand bzw. das
Ausmass der (Rest-) Arbeitsfähigkeit der Versicherten seit der Ablehnung des Rentenan-
spruchs in einer für den Anspruch erheblichen Weise verschlechtert hat, ist die rechtsanwen-
dende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärz-
ten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den Gesundheits-
zustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich wel-
cher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Aus-
künfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Per-
son noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen).
4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs-
prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an-
deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit-
tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge-
statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den
Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich
des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer-
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der Rentenverfügung vom 31. März 2006 bzw. im Ein-
spracheentscheid vom 27. November 2006, welcher vom Kantonsgericht mit Urteil vom 13. Juni
2007 bestätigt wurde, auf das Gutachten des Zentrums F._ vom 25. Januar 2006. Darin
hielt das Expertenteam als Diagnosen ein chronisches Cervikocephal- und Cervikothorakalsyn-
drom mit/bei leichtem myofaszialem Schmerzsyndrom, Flachrücken, minimalen Diskusprotrusi-
onen C4/5, C5/6 und C6/7, Status nach HWS-Distorsion am 13. Februar 2003 nach Frontalauf-
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prall und ein muskuläres Stabilisationsdefizit sowie anamnestisch eine leichtgradige neuropsy-
chologische Störung sowie eine Anpassungsstörung bei Status nach HWS-Distorsion (13. Feb-
ruar 2003) fest. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit führte das Gutachterteam aus, der Versicherten
sei eine leichte, wechselpositionierte und wechselbelastende Tätigkeit ganztags zumutbar, wo-
bei allerdings ein vermehrter Pausenbedarf von zwei Stunden pro Tag bestehe.
5.2 Im Rahmen der Neuanmeldung am 17. Mai 2017 holte die IV-Stelle ein neurologisches
Gutachten bei Dr. C._ ein. Dieser diagnostizierte im Gutachten vom 1. Februar 2020 mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine neuralgische Schulteramyotrophie rechts mit resi-
duell leichtgradigen Kraftdefiziten proximal, aktuell ohne Hinweise auf eine radikuläre Sympto-
matik. Die aktenanamnestisch bestehende mittelschwere obstruktive Ventilationsstörung mit
vollständiger Reversibilität bei persistierendem Nikotinkonsum, die Nickelallergie, die monoklo-
nale Gammopathie unklarer Signifikanz, der Status nach HWS-Distorsion, der Status nach ope-
rativ revidiertem Harnleiterreflux beidseits im 6. Lebensjahr und der Status nach Appendekto-
mie im 18. Lebensjahr beeinflussten dagegen die Arbeitsfähigkeit nicht. In der Beurteilung führ-
te er aus, dass die bildgebenden und klinischen Befunde mit der Diagnose einer neuralgischen
Schulteramyotrophie kompatibel seien. Deren Ätiologie bleibe wie so oft unklar. Für diese
Krankheit sei es typisch, dass sich ausschliesslich proximale Paresen ohne nachweisbare Sen-
sibilitätsstörungen zeigten. Der rechte Arm werde deutlich häufiger betroffen als der linke. Es
würden Heilungsverläufe von bis zu 2 bis 3 Jahren beschrieben und die Symptomatik sei nicht
immer vollständig reversibel. Auch bei der Versicherten sei der Verlauf sehr schleppend und die
Muskelkraft habe sich nur langsam und nicht vollständig erholt. Es lägen immer noch leichtgra-
dige Paresen im Bereich der proximalen Muskulatur mit leichten muskulären Atrophien vorwie-
gend am Oberarm und eine Reflexasymmetrie vor. Die auftretenden Schmerzen nach dem
Training und bei höherer Belastung der betroffenen Muskulatur seien plausibel. Ebenso nach-
vollziehbar sei das von der Versicherten angegebene Kribbeln im Oberarmbereich. Allerdings
gebe es keine Hinweise auf eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik. Wahrscheinlich
würden die leichten Kraftdefizite persistieren; eine vollständige Erholung sei nicht zu erwarten.
Aufgrund der residuellen Symptome mit Defiziten der rohen Kraft in der rechten Schulter und
proximal am rechten Arm sei dieser Arm nicht mehr voll einsetzbar, deutlich vermindert belast-
bar und schneller ermüdbar. Im ursprünglich erlernten Beruf als Gymnastikpädagogin wie auch
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegehelferin bestehe seit der Erkrankung im April 2017
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer körperlich eher leichten Arbeit, bei welcher der rechte
Arm nur leicht belastet werde, könne sie ab ca. Mitte 2019 eine berufliche Tätigkeit bei einer
Präsenz von 8 bis 8 1⁄2 Stunden mit einer Leistungseinbusse von ca. 10 % ausüben. Dabei sei
die Belastbarkeit des rechten Arms betreffend Tragen und Heben von Gewichten von maximal
2 - 4 kg zu schätzen. Zudem seien repetitive Belastungen des rechten Arms und Tätigkeiten
über dem Kopf zu vermeiden. Die 10%ige Leistungseinbusse sei damit zu begründen, dass
vorwiegend mit dem rechten Arm auszuübende und weniger auch bi-manuelle Arbeiten etwas
verlangsamt seien. Bei Beginn der Erkrankung im April 2017 habe während der intensiven The-
rapien bis etwa Ende 2017 keine Arbeitsfähigkeit bestanden. Aufgrund der damals noch deut-
lich stärkeren Einschränkung des rechten Arms sei die Versicherte ab Anfang 2018 etwa 30 %,
ab Mitte 2018 ca. 50 % und ab Anfang 2019 ca. 70 % arbeitsfähig gewesen. Seit Mitte 2019
gelte die heutige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die im Abklärungsbericht vom 8. Januar
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2019 festgestellten Einschränkungen im Umfang von 27,6 % seien aus medizinischer Sicht
nachvollziehbar. In der Zwischenzeit hätten sie sich noch etwas verringert, so dass heute von
einer Beeinträchtigung im Haushalt von geschätzten 15 % auszugehen sei. Dies entspreche
auch der durch den Abklärungsdienst festgestellten Einschränkung im Haushaltsbereich.
5.3 Nach der Begutachtung durch Dr. C._ im Januar 2019 äusserte sich Dr. E._
zum Gesundheitszustand der Versicherten. In seinem Bericht vom 28. Januar 2021 diagnosti-
zierte er einen Status nach einer schwerwiegenden, proximal-betonten Neuritis des Plexus bra-
chialis rechts, eine monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz, eine mittelschwere obstruk-
tive Ventilationsstörung mit vollständiger Reversibilität sowie eine Nickelallergie. In der Beurtei-
lung führte er aus, dass sich klinisch residuelle Paresen nahezu aller Muskeln und der Wegfall
der Muskeleigenreflexe des rechten Armes finden liessen. Sekundär liege eine proximal chroni-
sche, kompensatorische Fehlhaltung der Schulter und des Arms vor. Diese Fehlhaltung lasse
sich auch im Stand und beim Gehen mit einer Verkürzung der rechtsseitigen Rumpfseite und
einem leichtem Hüfthochstand beobachten. Die geklagten Beschwerden seien im Rahmen
einer muskuloskelettalen Überbelastung bei Fehlbelastung sowie der residuellen Paresen zu
sehen. Eine Steigerung der momentanen 50%igen Arbeitsfähigkeit sei nicht zu empfehlen, da
ansonsten das Risiko einer Zunahme der muskulären Schmerzen und der degenerativen Fol-
geerscheinungen bestehe. Wünschenswert sei eine angepasste linksseitige Tätigkeit, bei wel-
cher die Versicherte Pausen einlegen könne. Am 25. Juni 2021 berichtete Dr. E._, dass bei
stabilem Befund eine leichte Besserung der Kraft und der Ausdauer des rechten Armes festzu-
stellen sei. Auch die Schmerzsymptomatik sei aktuell unter gelegentlicher Physiotherapie mit
Übungen und Einnahme von Schmerzmitteln unter Kontrolle. Leider bestehe unverändert eine
deutliche Einschränkung im Alltag und für viele Berufe. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei die
Versicherte quantitativ weiterhin nur zu 50 % arbeitsfähig. Qualitativ sei sie beim Heben von
Lasten von mehr als 2,5 kg mit dem rechten Arm und bei Arbeiten über Brusthöhe beeinträch-
tigt. Im Bericht vom 16. Mai 2022 teilte Dr. E._ mit, dass die Versicherte in der Zwischenzeit
eine Arbeitsstelle in einem Alters- und Pflegeheim gefunden habe. Es handle sich um eine
leichte begleitende Tätigkeit, welche körperlich nicht anstrengend sei. Das Pensum betrage ca.
30 %. Bezüglich des Gesundheitszustandes bestehe bis auf die Zunahme von Verspannungen
eine unveränderte Situation.
5.4 Im Rahmen von beruflichen Massnahmen absolvierte die Versicherte vom 15. Juni
2020 bis 4. Juli 2021 ein Aufbautraining im G._. Dabei startete sie zu Beginn mit einem
Pensum von 4 Stunden und später von 6 Stunden an 4 Tagen. Das zuletzt geleistete Pensum
musste sie aufgrund der Schmerzen im Laufe des Jahres auf 20 Wochenstunden senken. Im
Bericht vom 24. September 2020 hielten die Eingliederungsfachleute fest, dass die Versicherte
oft über ihre Schmerzgrenze zu gehen scheine. Sie selbst bestätige, dass sie aufgrund der An-
spannung und der Schmerzen teilweise an starken Oberbauchbeschwerden leide. Die Einglie-
derungsfachleute sprachen von einer Bagatellisierung der Beschwerden. Gemäss Aussagen
der Versicherten würden bei einer Steigerung des Arbeitspensums die Schmerzen am rechten
Arm ansteigen. Dabei nähmen Kraft und Feinmotorik ab und der rechte Arm beginne zu zittern.
Es komme auch zu Krämpfen. Da die Versicherte jedoch durchhalten wolle, arbeite sie weiter.
Die Versicherte habe hohe Ansprüche an sich selbst und habe Schwierigkeiten, Hilfe anzuneh-
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men. Im Bericht 11. Januar 2021 führten die Eingliederungsfachleute weiter aus, dass die Ver-
sicherte von Oktober bis November 2020 einen PC-Kurs besucht habe. Die Anwenderkenntnis-
se seien nach wie vor sehr gering. Es sei versucht worden, die Versicherte zum vermehrten
Einsatz des linken Arms zu bewegen, was ihr jedoch schwergefallen sei. Erst wenn die Be-
schwerden am rechten Arm zu stark geworden seien, habe sie auf links gewechselt. Inzwischen
trainiere sie den linken Arm regelmässig, um eine Entlastung für den rechten Arm zu erzielen.
Das zuletzt geleistete Pensum von 50 % auf 4 Tage verteilt könne die Versicherte konstant er-
halten. Sie sei immer pünktlich erschienen und habe keine Fehltage gehabt. Im Bericht des
G._ vom 20. April 2021 wurde bestätigt, dass die Versicherte die Motorik der linken Hand
trainiere. Dabei sei jedoch in allen Bereichen ein verlangsamtes Arbeitstempo festzustellen. In
ihrem letzten Bericht vom 20. Juli 2021 schilderten die Eingliederungsfachleute, dass die Versi-
cherte weiterhin in einem 50%-Pensum arbeite, das sie auch einhalten könne. Sie habe durch-
gehend motiviert gewirkt und immer wieder versucht, ihre eigenen Grenzen bei der Arbeit "aus-
zuloten" und ihre PC-Kenntnisse weiter auszubauen. Sie fühle sich bei Arbeiten mit dem PC
immer noch unsicher und möchte entsprechende Arbeiten eher vermeiden. Gemäss ihren Aus-
sagen übe sie aber immer wieder mit ihrer Tochter. Schliesslich kamen die Fachleute zum
Schluss, dass eine Vermittelbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nur in einem wohlwollenden
und auf die Beschwerden angepassten Umfeld gegeben sei. Auch unter angepassten Bedin-
gungen würden die Beschwerden zunehmen, so dass die Versicherte nur in einem reduzierten
Pensum arbeiten könne.
6.1 Das Gutachten von Dr. C._ vom 1. Februar 2020 genügt sowohl formal wie inhalt-
lich den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweistaugliches Gutachten. Es beruht auf Er-
kenntnissen, welche Dr. C._ aus der persönlichen Untersuchung und den Befunden ge-
wann. Zudem befasste er sich mit den medizinischen Berichten der behandelnden Ärzte und
ging auf sämtliche von der Versicherten geklagten Beschwerden ein. Die Herleitung der Diag-
nostik gestützt auf die erhobenen objektiven Befunde und die Begründung der entsprechenden
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind überzeugend und nachvollziehbar.
6.2 In inhaltlicher Hinsicht beanstandet die Versicherte das Gutachten von Dr. C._
auch nicht. Sie macht jedoch geltend, dass dem Gutachter die diskrepanten Ergebnisse der im
Anschluss an die Begutachtung durchgeführten beruflichen Eingliederungsmassnamen nicht
vorgelegt worden seien. Dieser Einwand ist begründet, obliegt doch die abschliessende Beurtei-
lung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit in
der Hauptsache der Ärztin oder dem Arzt und nicht den Fachleuten der Berufsbera-
tung/beruflichen Eingliederung. Mit Blick auf die rechtsprechungsgemäss enge, sich gegenseitig
ergänzende Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung ist jedoch einer
konkret leistungsorientierten beruflichen Abklärung nicht jegliche Aussagekraft für die Beurtei-
lung der Restarbeitsfähigkeit abzusprechen. Steht eine medizinische Einschätzung der Leis-
tungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zur Leistung einer versicherten
Person, die sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeits-
verhalten und –einsatz effektiv realisiert hat und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute ob-
jektiv realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen
und das Einholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme ist unabdingbar (vgl. Urteile
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des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.2.1, vom 23. Januar 2020,
8C_661/2019, E. 4.2 und vom 27. Juni 2018, 8C_48/2018, E. 4.3.1; vgl. auch BGE 140 V 193
E. 3.2). Wie bereits im Beschluss vom 31. März 2022 festgehalten, liegt in casu eine solche
Konstellation vor. Das Arbeitsverhalten und der Arbeitseinsatz der Versicherten während des
rund einjährigen Arbeitstrainings waren vorbildlich. In sämtlichen Berichten wurde die Versicher-
te als sehr selbstständig, überlegt, pünktlich und zuverlässig beschrieben. Eine subjektive
Selbstlimitierung oder gar eine Aggravation kann ausgeschlossen werden. Die Versicherte
schöpfte ihre Leistungskapazitäten aus und überschritt sie sogar. Trotzdem kam sie nie über
ein Pensum von 60 % hinaus. Grundsätzlich wurde ihr auch eine gute Motivation bescheinigt.
Zwar soll sie anfangs bei PC-Arbeiten weniger Motivation gezeigt haben. Nachdem sie jedoch
versucht hatte, während der Eingliederungsmassnahme ihre geringen PC-Anwenderkenntnisse
durch Üben auszubauen, wurde ihre Motivation als gut bezeichnet (vgl. Berichte des G._
vom 20. April 2021 und vom 20. Juli 2021). Die Eingliederungsfachleute des G._ kommen
nach Beendigung des rund einjährigen Arbeitstrainings in deutlicher Abweichung von
Dr. C._ zum Schluss, dass die Versicherte infolge der zunehmenden Schmerzen beim Ar-
beiten objektiv nicht oder nicht viel mehr als das zuletzt konstant ausgeübte 50%-Pensum aus-
führen könne. In gleicher Weise erachtete der behandelnde Neurologe Dr. E._ die Versi-
cherte als höchstens 50 % arbeits- und erwerbsfähig (vgl. Berichte vom 28. Januar 2021 und
25. Juni 2021). Damit liegt auch aus ärztlicher Sicht eine von der Einschätzung von Dr. C._
abweichende Beurteilung vor. Da für eine zwischenzeitlich eingetretene Verschlechterung des
Gesundheitszustandes keine Hinweise bestehen, ist davon auszugehen, dass bei unveränder-
ten gesundheitlichen Verhältnissen diskrepante Zumutbarkeitsbeurteilungen vorliegen. Da die
Berichte des G._ und von Dr. E._ im Begutachtungszeitpunkt Dr. C._ noch nicht vor-
gelegen haben, hatte er keine Gelegenheit, sich mit den diskrepanten Ergebnissen der Fach-
personen des G._ und der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von Dr. E._ auseinander-
zusetzen. Aufgrund der deutlich unterschiedlichen Beurteilungen ist es jedoch unerlässlich,
dass Dr. C._ die nach seiner Begutachtung verfassten Berichte des G._ vom
24. September 2020, 11. Januar 2021, 20. April 2021 und 20. Juli 2021 sowie von Dr. E._
vom 28. Januar 2021, 25. Juni 2021 und 16. Mai 2022 vorgelegt werden, damit er Stellung zu
den Diskrepanzen in Bezug auf seine Zumutbarkeitsbeurteilung nehmen kann. Auch wenn der
Bericht des G._ vom 20. Juli 2021 und diejenigen von Dr. E._ vom 25. Juni 2021 und
16. Mai 2022 nach Verfügungserlass erstellt worden sind (vgl. zur Grenze der richterlichen
Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis), sind sie im vorliegenden Verfahren zu
berücksichtigen, erlauben sie doch Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des
Verwaltungsverfahrens gegebene Situation (BGE 121 V 362 E. 1b, Urteile des Bundesgerichts
vom 20. April 2017, 8C_71/2017, E. 8.3 und vom 30. August 2012, 9C_949/2011, E. 3.2.2).
6.3 An diesem Ergebnis ändert auch das Vorbringen der IV-Stelle nichts. Sie erklärt sich
die Diskrepanz dahingehend, dass im Arbeitstraining das Anforderungsprofil von Dr. C._
nicht eingehalten worden sei. Dr. C._ erachtete eine körperlich eher leichte, den rechten
Arm nur leicht belastende Tätigkeit als optimal angepasst, sofern diese nicht repetitiv und über
Kopf ausgeführt werde und die Belastbarkeit des rechten Arms nicht mehr als 2 – 4 kg betrage.
In den Berichten des G._ werden die Tätigkeiten, welche die Versicherte verrichtete, genau
beschrieben. So erfolgte eine berufliche Abklärung von Juni 2020 bis Anfang April 2021 in den
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Bereichen "Nähen", "Siebdruck" und "Tastaturschreiben". Anschliessend war sie bis Juli 2021
im "Mailing" und in der "Kontrolle" tätig. Sämtliche Arbeiten bewegten sich gemäss Arbeitsbe-
schreibung im Rahmen des gutachterlichen Zumutbarkeitsprofils.
7.1 Strittig und zu prüfen ist weiter, ob vorliegend die gemischte Methode zur Anwendung
gelangt oder, wie von der Versicherten geltend gemacht, die allgemeine Methode der Invalidi-
tätsbemessung heranzuziehen ist.
7.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichter-
werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestände (BGE 141 V 15
E. 3.1). Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten
Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo-
thetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen). Bei im Haushalt tätigen Ver-
sicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhält-
nisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter,
die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Bega-
bungen zu berücksichtigen (BGE 141 V 15 E. 3.1, 137 V 33, E. 3.2, 125 V 146 E. 2c). Die Sta-
tusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der
Verfügung (hier: 29. April 2021) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer
im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 15 E. 3.1 mit
Hinweisen).
7.3 Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügung vom 29. April 2021 davon aus, dass
die Versicherte als gesunde Person zu 80 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen und zu 20 %
Haushaltsarbeiten erledigen würde. Sie stützte sich dabei auf die Ergebnisse ihres Abklärungs-
dienstes. Die zuständige Abklärungsperson hielt im “Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstä-
tigkeit“ fest, die Versicherte habe anlässlich der Haushaltsabklärung vom 5. Dezember 2018
erklärt, dass sie bei guter Gesundheit aus finanziellen Gründen 60 % bis 80 % arbeiten würde.
Sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt seien, könnte sie sich auch vorstellen, einer vollzeitli-
chen Tätigkeit nachzugehen. Im Abklärungsbericht vom 8. Januar 2019 wurde hierzu erklärt,
dass die Versicherte bei ihrer letzten Arbeitstätigkeit als Pflegehelferin beim Verein "B._"
aufgrund ihrer Kundenbesuche viele Wegzeiten habe auf sich nehmen müssen. Würde ihr eine
Arbeitsstelle angeboten werden, bei welcher sie den Arbeitsort nicht wechseln müsse, könnte
sie sich unter Umständen ein 100%-Pensum vorstellen. Weiter wurde auf das Schreiben der
Versicherten vom 28. Dezember 2018 hingewiesen, wonach diese mitgeteilt habe, dass sie ab
Januar 2019 für einen Tag ihre Enkelin hüten werde. Die zuständige Abklärungsperson ging in
der Folge davon aus, dass die Versicherte im Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig wäre.
7.4.1 In der vorliegenden Beschwerde wendet die Rechtsvertreterin der Versicherten nun
allerdings ein, dass die allgemeine Bemessungsmethode anzuwenden sei, habe die Versicherte
doch der Abklärungsperson gesagt, dass sie, um ihre Schulden abzahlen zu können, im Ge-
sundheitsfall "unter gewissen Voraussetzungen" zu 100 % arbeiten würde. Dies gelte insbeson-
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dere seit sie von ihrem Ehemann getrennt sei und nun alleine lebe und deshalb aus finanziellen
Gründen auf den Verdienst aus einer Vollzeitbeschäftigung angewiesen sei. Diese in der Be-
schwerde vorgebrachte Argumentation vermag bis zum Zeitpunkt der Trennung von ihrem
Ehemann Anfang November 2020 nicht zu überzeugen, ergänzte doch die Versicherte in ihrem
Schreiben vom 19. Dezember 2018 den “Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit“ vom
5. Dezember 2018 dahingehend, dass sie ab Januar 2019 ihre Enkelin für einen Tag hüten
werde. Ihre anlässlich der Haushaltsabklärung am 5. Dezember 2018 gemachten Aussage,
wonach sie als gesunde Person "unter gewissen Voraussetzungen" eine vollzeitliche Erwerbs-
tätigkeit ausüben würde, scheint daher nicht mehr aktuell zu sein. Die Festlegung der Anteile
der Erwerbstätigkeit von 80 % und der Haushalttätigkeit von 20 % ist deshalb bis zur Trennung
von ihrem Ehemann nicht zu beanstanden.
7.4.2 Anders ist die Sachlage für die Zeit nach der Trennung zu beurteilen. Denn die Frage,
ob die Versicherte nach der Trennung von ihrem Ehemann als gesunde Person teilzeitlich und
ganztägig erwerbstätig wäre, ist unter Berücksichtigung sämtlicher (auch objektiver) Umstände
zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein-
lichkeit zu beantworten (vgl. E. 7.2 hiervor). Da die Haushaltsabklärung bereits im Dezember
2018 und somit vor Erlass der angefochtenen Verfügung stattgefunden hatte, konnte die Abklä-
rungsperson der familiären Veränderung (Trennung vom Ehemann) bei der Beurteilung der Sta-
tusfrage noch keine Rechnung tragen. Es ist durchaus möglich, dass die Versicherte als Allein-
stehende aus finanziellen Gründen nun auf eine vollzeitliche Berufstätigkeit angewiesen ist. Der
Abklärungsbericht vom 8. Januar 2019 ist deshalb in dieser Hinsicht ergänzungsbedürftig.
7.5 Die Beweistauglichkeit der Ergebnisse betreffend Einschränkungen im Haushalt im
Abklärungsbericht vom 8. Januar 2018 wird von der Versicherten nicht in Frage gestellt. Es ist
in diesem Zusammenhang unter anderem grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass die Abklä-
rungsperson die Mithilfe des Ehemannes bei der Beurteilung der Einschränkungen im Haushalt
in den Bereichen "Ernährung" und "Einkauf und weitere Besorgungen" berücksichtigte. Der
Umstand, dass die Versicherte seit 16. Dezember 2020 einen Ein-Personen-Haushalt führt und
keine Mithilfe von ihrem Ehemann erhält, war der Abklärungsperson jedoch noch nicht bekannt.
Der Abklärungsbericht bedarf deshalb auch in diesem Punkt ergänzender Abklärung.
7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die IV-Stelle den massgebenden medizini-
schen Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt hat. Folglich ist der rechtserhebliche Sachverhalt
durch geeignete weitere medizinische Abklärungen zu vervollständigen. Die Angelegenheit ist
deshalb an die IV-Stelle zurückzuweisen. Diese hat Dr. C._ die nach seiner Begutachtung
vom 1. Februar 2020 ergangenen Berichte von Dr. E._ und des G._ unter besonderer
Beachtung der revisionsrechtlichen Fragestellungen zu unterbereiten und ihn aufzufordern, da-
zu Stellung zu nehmen. Weiter hat sie die Statusfrage und die Einschränkungen im Haushalt
unter Berücksichtigung der veränderten familiären Verhältnisse ab 16. Dezember 2020 zu beur-
teilen. Gestützt auf die Abklärungsergebnisse wird die IV-Stelle anschliessend über den Ren-
tenanspruch der Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in die-
sem Sinne gutzuheissen.
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8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund-
sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefoch-
tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä-
gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer
Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un-
terliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2 sowie 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen).
8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit-
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in
denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah-
renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.--
fest. Da die IV-Stelle unterliegende Partei ist, sind ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen.
8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten. Da die Versicherte obsiegende Partei ist, ist ihr eine Parteientschädi-
gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Ihre Rechtsvertreterin machte in ihrer Honorarnote
vom 19. Oktober 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 13 Stunden und
5 Minuten geltend, welcher sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfra-
gen als angemessen erweist. Dieser Aufwand ist zum in Sozialversicherungsprozessen für
durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschä-
digen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von
insgesamt Fr. 63.80. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe
von Fr. 3'591.40 (13 Stunden und 5 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 63.80 zuzüglich
7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen.
9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni
2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zuläs-
sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbstständig eröffnete Zwischenent-
scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus-
standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen-
heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können
(Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent-
scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu-
figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger
zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern
um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück-
weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtli-
chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2).
9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen-
entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
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Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten
Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachste-