Decision ID: f3c6b152-30b6-542e-90ee-eecc2e456d99
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 19. Oktober 2015 in der Schweiz ein
Asylgesuch ein. Am 3. November 2015 wurde er zur Person befragt (BzP).
Das vorerst eingeleitete Dublin-Verfahren wurde am 26. November 2015
beendet. Sodann folgte am 24. November 2017 die Anhörung zu den Asyl-
gründen durch das SEM (Art. 29 Abs. 1 AsylG [SR 142.31]).
B.
B.a Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer an
der BzP geltend, er sei Kurde und stamme aus B._, Syrien, wo er
mit seiner Familie bis zur Ausreise im August 2015 gelebt habe. Er habe
im Jahr (...) die Matura gemacht. Danach habe er aufgrund des Krieges
jedoch keine Universität besuchen können. Überall sei es gefährlich gewe-
sen und habe es Checkpoints gegeben. Nach dem Schulabschluss bezie-
hungsweise im Jahr (...) habe er eine Aufforderung des Militärs bekommen
und ein Militärbüchlein erhalten respektive er sei der Aufforderung, sich für
die Ausstellung eines Militärbüchleins innerhalb eines Monats in
C._ zu melden, nicht nachgekommen und habe vor seiner Ausreise
kein Büchlein erhalten. Diese Aufforderung sei der einzige Kontakt zu den
Militärbehörden gewesen. Sonst habe er mit niemandem Probleme gehabt.
B.b An der Anhörung gab der Beschwerdeführer an, er habe die (...) Schul-
klasse abgeschlossen. Für die (...) Klasse sei er (...) in D._ gegan-
gen. Daraufhin habe er während zweier Jahre private Kurse für die (...)
Klasse sowie für (...) auf (...) in B._ besucht. Wie viele junge kurdi-
sche Männer habe er seit dem Jahr 2011 regelmässig an friedlichen De-
monstrationen in B._ gegen das syrische Regime teilgenommen.
Mit seinen Schulkollegen sei er Anfang 2012 an eine Demonstration in
D._ gegangen. Dort seien sie von der Regierung festgenommen
und für eine Nacht festgehalten sowie geschlagen worden. Die Schüler
hätten eine Erklärung unterzeichnen müssen, nicht mehr an Demonstrati-
onen zu gehen. Er habe trotzdem weiterhin an Demonstrationen in
B._ teilgenommen und währenddessen gelegentlich Slogans aus-
gesprochen sowie Flaggen getragen. Eines Abends im (...)
oder (...) 2012 habe er vor seinem Haus das Auto des Geheimdienstmitar-
beiters A. gesehen, woraufhin er erst später nach Hause gegangen sei.
Sein Vater habe ihm berichtet, er, der Beschwerdeführer, sei gewarnt wor-
den, nicht mehr an Demonstrationen zu gehen. Daraufhin habe er heimlich
und (vorerst) ohne weitere Probleme an Kundgebungen teilgenommen.
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Nach einer Explosion im Jahr (...) auf (...) in B._ sei er nicht mehr
zu den Vorbereitungskursen gegangen und habe (...) in der Folge nicht
abschliessen können. Daher habe er begonnen, wieder mit Slogans und
Plakaten an den Demonstrationen teilzunehmen. Ebenfalls habe er heim-
lich für die Hilfsorganisation E._ gearbeitet. Eines Tages seien die
zwei Besitzer eines (...) zu ihm nach Hause gekommen und hätten ihn ge-
beten, für sie Fotos während der Demonstrationen zu machen, damit sie
diese veröffentlichen könnten. Dies habe er getan, bis er von einem der
Besitzer ungefähr im (...) respektive im (...) telefonisch über die Verhaftung
des anderen Besitzers informiert worden sei. Daraufhin habe er sich bei
seiner Tante versteckt. Der Mann seiner Tante habe ihm erzählt, dass bei
seinen Eltern eine Hausdurchsuchung vorgenommen worden sei. Die Be-
hörden hätten nach ihm, dem Beschwerdeführer, gesucht und dabei seine
Familienmitglieder geschlagen. Nach rund zwanzig Tagen sei der Ehe-
mann seiner Tante wieder nach B._ gelangt und habe erfahren,
dass erneut eine Hausdurchsuchung stattgefunden habe und dass der ver-
haftete Besitzer des (...) getötet worden sei. Bei der zweiten Hausdurch-
suchung hätten die Behörden seiner Mutter ein Schreiben vom (...) 2015
übergeben, wonach er sich für den Militärdienst melden müsse. Zuvor, im
(...) 2015, habe er bereits telefonisch eine Vorladung für die Ausstellung
des Militärbüchleins erhalten. Nachdem seine Mutter das Schreiben entge-
gengenommen und er vom Tod seines Kollegen erfahren habe, habe er
Syrien rund drei Tage später Richtung Türkei verlassen. Nach seiner Aus-
reise habe sein Vater für dessen (...) keine Bewilligung mehr erhalten, ver-
mutlich, weil er, der Beschwerdeführer, ausgereist sei. Daraufhin habe der
Vater (...) eröffnet.
Seit er in der Schweiz sei, habe er ab und zu an Demonstrationen gegen
die syrische Regierung sowie an Sitzungen diesbezüglich teilgenommen.
Bei den Demonstrationen habe er Fotografien und ein Video gemacht. Ein
paar Aufnahmen habe er an einen (...) in Syrien geschickt, wo diese ver-
öffentlicht worden seien. Das Handy, mit dem er diese Aufnahmen gemacht
habe, sei unterdessen kaputtgegangen.
B.c Als Beweismittel reichte er seine Identitätskarte, ein Schulzeugnis, ei-
nen Rekrutierungsbefehl im Original sowie mehrere Fotografien respektive
Fotoausdrucke aus Syrien (betreffend Demonstrationen sowie Tätigkeit
von E._) und der Schweiz (von Kundgebungen) zu den Akten.
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Seite 4
C.
Mit Verfügung vom 7. September 2018 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Weg-
weisung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen
Aufnahme auf.
D.
Mit Eingabe vom 11. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer durch
seine Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sa-
che sei dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurück-
zuweisen; eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und es sei seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen sowie Asyl zu gewähren; eventualiter
sei die Verfügung aufzuheben und er sei als Flüchtling anzuerkennen. In
prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses.
Der Beschwerde wurden eine Fürsorgebestätigung vom 11. September
2018 sowie weitere Fotoausdrucke von Demonstrationen in Syrien,
Screenshots eines Films einer Demonstrationsteilnahme in F._, die
Kopie des E._-Ausweises des Beschwerdeführers, ein Screenshot
eines Films sowie Fotoausdrucke betreffend Aktivitäten von E._,
ein Ausdruck des Facebook-Profils der Organisation E._ sowie je
ein Ausdruck eines Emails, der Wikipedia-Seite und von Fotoaufnahmen
betreffend den Journalisten F._ (M.H.) beigelegt.
E.
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Oktober
2018 wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses einstweilen ver-
zichtet und festgehalten, über die Gewährung um unentgeltliche Prozess-
führung werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden. Ferner wurde die
Vorinstanz um Einreichung einer Vernehmlassung ersucht.
F.
Mit Schreiben vom 1. November 2018 reichte der Beschwerdeführer ein
Bestätigungsschreiben von M.H. sowie das Original des Ausweises von
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E._, jeweils mit Übersetzung, zu den Akten. Aus dem Bestätigungs-
schreiben gehe hervor, dass er, der Beschwerdeführer, mit M.H. zusam-
mengearbeitet und diesem Informationen und Videoclips geschickt habe.
G.
Mit Vernehmlassung vom 5. November 2018 hielt die Vorinstanz unter wei-
teren Ausführungen an ihren Erwägungen fest.
H.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 19. November 2018.
I.
Mit Schreiben vom 16. Oktober 2019 wies der Rechtsvertreter auf die Ent-
wicklungen in Nordsyrien hin und ersuchte um Ansetzung einer Frist zur
Aktualisierung des Dossiers, sobald sich die Lage vor Ort stabilisiert habe.
J.
Mit Zwischenverfügung des Gerichts vom 27. Februar 2020 wurde der Be-
schwerdeführer aufgefordert, innert Frist das ausgefüllte Formular «Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege» und allfällige Beweismittel einzu-
reichen.
K.
Mit Eingabe vom 23.März 2020 liess der Beschwerdeführer eine Fürsorge-
bestätigung vom 5. März 2020 in Kopie einreichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Wegwei-
sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu-
fig aufgenommen hat.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers seien als nicht asylrelevant respektive als un-
glaubhaft zu qualifizieren (Art. 3 und Art. 7 AsylG), weshalb er die Flücht-
lingseigenschaft nicht erfülle und sein Asylgesuch abzulehnen sei.
5.1.1 Die Darlegungen des Beschwerdeführers zu seinem angeblichen po-
litischen Engagement und den daraus resultierenden Problemen in Syrien
ab Juli 2011 seien weitestgehend als oberflächlich, allgemein und wenig
detailliert zu bewerten. Auf Nachfrage habe er keine genauen Angaben zu
den Demonstrationen machen können und erklärt, er sei wie alle anderen
jungen kurdischen Männer an die Demonstrationen gegangen (SEM-Akte
A13 F61, 71). Auch die Ausführungen zur mutmasslichen Festnahme in
D._ seien undifferenziert, vage und wenig erlebnisgeprägt geblie-
ben. Weitere Zweifel seien aufgekommen, da der Beschwerdeführer ange-
geben habe, in der Folge weiterhin Kurse für die (...) auf (...) in B._
besucht zu haben. Dieses Verhalten lasse sich schwerlich mit dem eines
mutmasslich behördlich Gesuchten vereinbaren. Dass er trotz Verhaftung
und darauffolgendem Hausbesuch eines Geheimdienstmitglieds bis kurz
vor der Ausreise im August 2015 weiterhin an Demonstrationen teilgenom-
men habe, sei zweifelhaft. Es sei schleierhaft, weshalb die Regierung ihn
als Regimekritiker ins Visier genommen habe, ihn jedoch weiterhin unge-
hindert als solchen habe agieren lassen. Zum Geheimdienstmitglied habe
er nur sagen können, dieser sei allgemein bekannt gewesen. Auch die Her-
leitungen, wie er von den Behörden an den Demonstrationen identifiziert
worden sei, hätten nicht überzeugt (SEM-Akte A13 F85 ff., F92 f.). Auf
Nachfrage habe der Beschwerdeführer erklärt, ausser bei der mutmassli-
chen Festnahme nie persönlich in Kontakt mit den syrischen Behörden ge-
standen zu haben. Sodann habe er an der BzP sein politisches Engage-
ment und die daraus resultierenden Probleme gänzlich unerwähnt gelas-
sen (SEM-Akte A3 S. 6). Vielmehr habe er die Aufforderung zur Ausstellung
des Militärbüchleins und die allgemeine schlechte Lage als Ausreisegründe
genannt. Auf Nachfrage, ob er Probleme gehabt habe, habe er dies mit
Hinweis auf die schlechten Umstände in Syrien verneint (SEM-Akte A3
S. 6 f.). Demgegenüber sei an der Anhörung der Eindruck entstanden, er
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sei hauptsächlich aufgrund der Demonstrationsteilnahmen ausgereist. Die
späte Nennung des politischen Engagements sei ein weiteres Indiz dafür,
dass dieses vom Beschwerdeführer stark überzeichnet respektive nachge-
schoben worden und somit zweifelbehaftet sei. Er habe keine konkreten
Hinweise anführen können, die darauf hindeuten würden, er sei von den
syrischen Behörden als politischer Gegner identifiziert worden. Im Weite-
ren habe der Beschwerdeführer die mutmassliche Verbindung zu den Be-
sitzern eines (...) und die damit einhergehende Gefährdung nicht plausibel
sowie nur oberflächlich darlegen und die zeitlichen Ereignisse nicht schlüs-
sig einordnen können (SEM-Akte A13 F 103 ff.). So habe er erklärt, einen
Monat vor Erhalt des Schreibens der Militärbehörden von einem der Besit-
zer telefonisch gewarnt worden zu sein, während er das Telefonat später
auf (...) 2014 verortet habe. Das Militärdokument sei ihm jedoch im (...)
2015 ausgestellt worden (SEM-Akte A13 F 106 f., 123, 125). Weiter sei be-
züglich der Tätigkeit für die Hilfsorganisation E._ festzuhalten, dass
keine Anhaltspunkte ersichtlich seien, er sei aufgrund des Engagements
von asylrelevanten Nachteilen seitens der Behörden betroffen gewesen
(SEM-Akte A13 F95 f., 101). Bezeichnenderweise sei er auf den hierzu ein-
gereichten Fotografien nicht persönlich erkennbar. Insgesamt habe der Be-
schwerdeführer kein ausreichendes politisches Profil für die geltend ge-
machte Verfolgung zu plausibilisieren vermocht.
5.1.2 Zur exilpolitischen Tätigkeit sei zu bemerken, dass sich die syrischen
Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrierten, die quali-
fizierte Aktivitäten ausübten und als potentielle Bedrohung für das syrische
Regime wahrgenommen werden könnten. Die vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Aktivitäten, die Teilnahme und Fotoaufnahmen bei De-
monstrationen für einen (...) seien nicht geeignet, eine Furcht vor flücht-
lingsrechtlicher Verfolgung zu begründen.
5.1.3 Weiter habe der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen können,
von der syrischen Armee in den Militärdienst einberufen worden zu sein.
Seine Darlegungen zum Kontakt mit den syrischen Militärbehörden seien
ohne Einzelheiten und persönliche Wahrnehmung ausgefallen. Trotz Nach-
frage habe er sich vage und gehaltlos geäussert (SEM-Akte A13 F128 ff.).
Ferner sei die Authentizität des eingereichten Rekrutierungsbefehls zu be-
zweifeln. Das in B._ respektive G._ ausgestellte Dokument
weise keine fälschungssicheren Merkmale auf. Ferner könnten in Syrien
jegliche Art von Dokumenten käuflich erworben werden. Entsprechend ge-
ring sei die Beweiskraft. Hinzu komme, dass sich die syrische Regierung
im Jahr 2012 aus Nordsyrien grösstenteils zurückgezogen habe. Es sei
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daher nicht davon auszugehen, dass in B._ oder G._ noch
ein Rekrutierungsbüro bestehe. Die syrische Regierung dürfte Einberufun-
gen kurdischstämmiger Personen zum Militärdienst nach der Kontrollüber-
nahme durch die PYD (Partiya Yekitîya Demokrat) eingestellt haben. Folg-
lich und mangels gegenteiliger überzeugender Argumente sei die Glaub-
haftigkeit der behaupteten Rekrutierung fraglich. Die Befürchtung, rekru-
tiert werden zu können, reiche sodann für die Annahme einer begründeten
Furcht nicht aus.
5.1.4 Schliesslich stellten die geltend gemachten allgemeinen Nachteile –
die schlechte Sicherheitslage und die Präsenz bewaffneter Milizen – keine
gezielte Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar.
5.2
5.2.1 In der Beschwerde wurde zunächst geltend gemacht, die Vorinstanz
habe den Anspruch auf rechtliches Gehör, die Pflicht zur vollständigen und
richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Begrün-
dungspflicht verletzt.
5.2.1.1 Das SEM habe eine neue Praxis, wonach Personen aus Syrien die
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfüllten, welche illegal ausgereist
seien und wegen ihres spezifischen Profils gegen behördliche Ausreisebe-
stimmungen verstossen hätten, weshalb es überwiegend wahrscheinlich
erscheine, dass diesen Personen eine regierungsfeindliche Haltung unter-
stellt werde. Durch seine Weigerung, den Militärdienst anzutreten, und die
illegale Ausreise verfüge der Beschwerdeführer über ein solches Profil. Im
Falle einer Rückkehr würde er Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erlei-
den. Das SEM habe diese Praxis vorliegend nicht angewendet und deshalb
seinen Anspruch auf rechtliches Gehör und die Begründungspflicht
schwerwiegend verletzt. Unter Hinweis auf Art. 58 Abs. 2 VwVG sei die Be-
schwerde dem SEM zukommen zu lassen.
5.2.1.2 Weitere Verletzungen des Anspruchs auf rechtliches Gehör würden
vorliegen, da das SEM nicht vollständig erwähnt und gewürdigt habe, dass
seine Familie vom syrischen Regime aufgesucht und bei einer Hausdurch-
suchung misshandelt worden sei (SEM-Akte A13 F48). Ferner habe das
SEM bei der Schilderung des Sachverhalts nicht angeführt, dass er bei der
Festnahme geschlagen worden sei und man ihn unter der Bedingung, nicht
mehr politisch aktiv zu sein, freigelassen habe. Auch dass er bei der Ver-
öffentlichung von Fotos von Demonstrationen mitgewirkt habe und sein
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Kollege verhaftet worden sei, habe das SEM nicht erwähnt (SEM-Akte A13
F62, 108).
5.2.1.3 Sodann habe das SEM die eingereichten Beweismittel unvollstän-
dig gewürdigt und ungenügende Abklärungen, insbesondere keine Doku-
mentenanalyse, durchgeführt (SEM-Akte A13 F18 f. und 129 ff.), womit
das rechtliche Gehör und die Abklärungspflicht willkürlich verletzt worden
seien.
5.2.1.4 Verletzungen der Abklärungspflicht seien zudem darin zu erblicken,
dass das SEM seit Einreichung des Asylgesuchs bis zur Anhörung mehr
als zwei Jahre, und bis zum Asylentscheid ein weiteres Jahr habe verstrei-
chen lassen. Es spreche gegen ein faires Verfahren, die Anhörung zu ver-
schleppen, dann jedoch die mangelnde Detailliertheit seiner Angaben zu
behaupten. Sodann habe die Anhörung offensichtlich zu lange gedauert
und sei ohne ausreichend Pausen durchgeführt worden. Eine weitere Ver-
letzung liege vor, da das SEM eine verkürzte BzP mit rudimentärer und
beschränkter Erfassung der Asylgründe vorgenommen habe.
5.2.2 In materieller Hinsicht brachte der Beschwerdeführer vor, er habe
glaubhaft dargelegt, sich jahrelang aktiv politisch betätigt zu haben, als Re-
gimegegner identifiziert und deswegen gesucht worden zu sein. Er habe
beim Veröffentlichen von Fotografien betreffend Demonstrationen mitge-
wirkt (SEM-Akte A13 F155), sein Name sei von seinem Kollegen verraten
worden (SEM-Akte A13 F108) und er habe mit dem Journalisten M.H. zu-
sammengearbeitet (vgl. Beilagen zur Beschwerde). Er habe hierzu – ent-
gegen der Ansicht des SEM – ausführliche Schilderungen gemacht (SEM-
Akte A13 F62, 71). Auch seine Angaben zur Festnahme seien detailliert
ausgefallen. Er sei unter der Bedingung freigelassen worden, nicht mehr
politisch aktiv zu sein. An der BzP, bei der er nicht ausreichend Zeit zur
Schilderung seiner Vorbringen gehabt habe, habe er das politische Enga-
gement zwar nicht erwähnt, er sei aber auch nicht danach gefragt worden.
Sodann habe er glaubhaft dargelegt, für die Organisation E._ poli-
tisch tätig gewesen zu sein, womit er die obgenannte Bedingung missach-
tet habe. Weiter habe er den vermeintlichen Widerspruch betreffend Erhalt
des Militärbüchleins und Anruf seines Kollegen erklären können (SEM-Akte
A13 F125). Ferner habe er mit dem eingereichten Rekrutierungsbefehl den
Beweis dafür erbracht, dass er Militärdienst hätte leisten müssen und des-
halb gesucht worden sei. Dass in G._ kein Rekrutierungsbüro mehr
bestehe, sei eine pauschale, unbelegte Behauptung des SEM. Die syri-
sche Regierung sei weiterhin in den kurdischen Gebieten, insbesondere in
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den Städten C._ und H._, tätig und kooperiere mit der PYD.
Eine Rekrutierung in diesen Städten sei daher nicht auszuschliessen (mit
Verweis auf Internetberichte hierzu). Folglich werde er auch wegen des
Nichtantretens des Militärdienstes als Oppositioneller betrachtet und als
solcher unverhältnismässig schwer bestraft. Hinzu komme, dass er kurdi-
scher Ethnie sei, einer oppositionellen Familie entstamme und die Auf-
merksamkeit der Behörden bereits auf sich gezogen habe (mit Hinweis auf
das Urteil des BVGer D-5552/2013 vom 18. Februar 2015 E. 6.7.2 f.). Bei
einer Rückkehr nach Syrien drohten ihm daher asylrelevante Verfolgungs-
massnahmen. Zudem deute die aktuelle Lage in Syrien darauf hin, dass
das syrische Regime an der Macht bleibe und die gezielte Verfolgung von
Regimegegnern weitergehe oder zunehme.
5.2.3 Weiter sei er auch in der Schweiz exilpolitisch aktiv und es sei davon
auszugehen, dass er von den syrischen Behörden auch hier identifiziert
worden sei und deshalb gesucht werde. Daher sei zumindest die Flücht-
lingseigenschaft im heutigen Zeitpunkt festzustellen.
5.3 Anlässlich der Vernehmlassung führte das SEM aus, dass die Angaben
an der BzP bei der Überprüfung der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen her-
angezogen worden seien, stelle keine Unrechtmässigkeit dar. Sodann sei
die in der Beschwerde dargelegte mutmassliche Verbindung des Be-
schwerdeführers zum Journalisten M.H. im Verlauf des Asylverfahrens
gänzlich unterwähnt geblieben. Genauere Angaben zur behaupteten Ver-
bindung würden sich sodann erst in der Ergänzung zur Beschwerde finden
lassen. Angesichts des Profils des Genannten und dessen angeblichen
Einflusses auf das behördliche Interesse am Beschwerdeführer würden
hinsichtlich der späten Nennung erhebliche Zweifel an diesem Vorbringen
aufkommen.
5.4 Der Beschwerdeführer wendete hiergegen in der Replik ein, das SEM
habe die Eingabe vom 1. November 2018, mit welcher er die Zusammen-
arbeit mit M.H. belegt habe, in der Vernehmlassung wohl noch nicht be-
rücksichtigen können. Aus dem Bestätigungsschreiben von M.H. gehe her-
vor, dass er diesem regelmässig Informationen über die Region und über
Demonstrationen gegen das Regime geschickt habe. Entsprechend sei da-
von auszugehen, dass ihn die syrischen Behörden deswegen verfolgt hät-
ten. Schliesslich seien die Mängel an der BzP bei der Glaubhaftigkeitsprü-
fung seiner Vorbringen zu berücksichtigen.
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Seite 12
6.
Vorab ist auf die auf Beschwerdeebene erhobenen formellen Rügen einzu-
gehen, wonach die Vorinstanz den Anspruch auf rechtliches Gehör, die
Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des Sachverhalts und die
Begründungspflicht verletzt habe.
6.1 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26–33 VwVG kon-
kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst unter anderem das
Recht, mit eigenen Begehren gehört zu werden und zu den für die Ent-
scheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können. Dazu gehört
die Pflicht der Behörden, die Begründung eines Entscheides so abzufas-
sen, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten kann. Deshalb müssen
die für den Entscheid bedeutsamen Überlegungen zumindest kurz genannt
werden (vgl. Urteil des BVGer D-383/2015 vom 17. Januar 2017 E. 5.1).
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). Zudem stellt die Behörde den
Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 12 VwVG). Unrichtig ist die Sach-
verhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger
Sachverhalt zugrunde gelegt wird, unvollständig ist sie, wenn nicht alle für
den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden.
6.2 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe ihre eigene Praxis zur
illegalen Ausreise aus Syrien nicht angewendet und damit das rechtliche
Gehör und die Begründungspflicht verletzt. Vorliegend ist festzustellen,
dass sich die Vorinstanz in der Verfügung vom 7. September 2018 mit den
wesentlichen Äusserungen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt
hat. Dabei kam sie zum Schluss, dass seine Vorbringen nicht glaubhaft
sowie nicht asylrelevant seien. Es erübrigte sich aus ihrer Sicht zu Recht
eine Auseinandersetzung mit der illegalen Ausreise als subjektivem Nach-
fluchtgrund, zumal eine illegale Ausreise aus Syrien praxisgemäss keine
flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten kann, sofern keine Verfolgungssi-
tuation im Sinne von Art. 3 AsylG und keine besondere Vorbelastung vor-
liegen (vgl. zur Praxis des Bundesverwaltungsgerichts betreffend die ille-
gale Ausreise aus Syrien u.a. Urteil des BVGer E-3692/2016 vom 13. Ok-
tober 2017 E. 4.7). Solche sind, wie nachfolgend ausgeführt, vorliegend
nicht ersichtlich. Die obgenannten Rügen gehen somit fehl. Auch eine Neu-
beurteilung oder Verfahrenswiederaufnahme im Sinne von Art. 58 Abs. 2
VwVG durch die Vorinstanz fallen ausser Betracht.
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Seite 13
6.3 Weiter habe sich das SEM nicht mit all seinen Vorbringen auseinander-
gesetzt. Zudem seien die eingereichten Beweismittel unzureichend gewür-
digt und insbesondere keine Dokumentenanalyse veranlasst worden.
Demzufolge habe das SEM den Anspruch auf rechtliches Gehör, die Ab-
klärungspflicht und damit das Willkürverbot verletzt.
Hierzu ist festzuhalten, dass die Vorinstanz nicht verpflichtet ist, sich mit
jedem einzelnen Vorbringen einlässlich auseinanderzusetzen. Vielmehr
muss die Entscheidbegründung insgesamt die Überlegungen der Vor-
instanz in einer Art und Weise aufzeigen, die eine sachgerechte Anfech-
tung des Entscheids ermöglichen. Dies ist vorliegend zweifellos der Fall
(vgl. 26-seitige Beschwerdeschrift). Die Vorinstanz hat sich – entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers – zur geltend gemachten Festnahme, zum
politischen Engagement und den Folgen daraus sowie zur Verbindung mit
den Besitzern des (...) geäussert und diese Vorbringen insgesamt gewür-
digt. Weiter hat die Vorinstanz die eingereichten Beweismittel in ihre Ent-
scheidfindung einfliessen lassen, soweit diese für das vorliegende Verfah-
ren von Relevanz waren. Die geltend gemachten Probleme mit den syri-
schen Behörden aufgrund der politischen Aktivitäten und der Tätigkeit für
E._ sowie die dargelegte Einberufung in den Militärdienst wurden –
unter Berücksichtigung der Beweismittel hierzu – als unglaubhaft respek-
tive nicht asylrelevant eingestuft. Inwiefern das SEM weitere Abklärungen
oder eine Dokumentenanalyse bezüglich der eingereichten Beweismittel
hätte vornehmen sollen wird in der Beschwerde nicht dargelegt und ist
auch nicht ersichtlich. Mithin gehen die obgenannten Rügen fehl. Im Übri-
gen hat das Willkürverbot keinen selbständigen Gehalt, da das Bundesver-
waltungsgericht Tat- und Rechtsfragen im Rahmen von Art. 106 Abs. 1
AsylG überprüfen kann.
6.4 Verletzungen der Abklärungspflicht lägen zudem vor, da die Anhörung
des Beschwerdeführers zu lange gedauert, erst zwei Jahre nach Einrei-
chung des Asylgesuchs stattgefunden habe und die BzP in verkürzter Form
durchgeführt worden sei. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Anhö-
rung sechs Stunden und dreissig Minuten (zzgl. zwei Pausen) gedauert hat
und der Beschwerdeführer aufgefordert wurde, sich jederzeit zu melden,
sollte er weitere Pausen benötigen (SEM-Akte A13 F60, S. 10, 17). Die
Dauer der Anhörung ist nicht zu beanstanden. Sodann wurde – entgegen
der Ansicht des Beschwerdeführers – keine verkürzte BzP durchgeführt.
Insbesondere wurde er zu seinen Gesuchsgründen befragt (SEM-Akte A3
S. 6. f.). Ferner ist nicht ersichtlich und wird auch nicht dargelegt, inwiefern
dem Beschwerdeführer durch die obgenannten Umstände in Bezug auf
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das Asylverfahren ein Nachteil widerfahren sein soll. Mithin sind keine Ver-
letzungen der Abklärungspflicht zu erblicken.
6.5 Nach dem Gesagten erweisen sich die verschiedenen Rügen der Ver-
letzung formellen Rechts als unbegründet. Es besteht keine Veranlassung,
die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sache zur Abklärung und
Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachver-
halts sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das ent-
sprechende Begehren ist abzuweisen.
7.
In der Sache selber gelangte die Vorinstanz zur zutreffenden Erkenntnis,
dass die geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers den An-
forderungen von Art. 3 und Art. 7 AsylG nicht genügen. Daran vermögen
die Ausführungen auf Beschwerdeebene nichts zu ändern.
7.1 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer an der BzP an-
dere Ausreisegründe genannt hat als an der Anhörung. Sein politisches
Engagement ab Juli 2011 bis ins Jahr 2015 und die geltend gemachten
Probleme deswegen (Festnahme im Jahr (...), mehrere behördliche Su-
chen nach ihm) hat er an der BzP mit keinem Wort erwähnt. Vielmehr hat
er ausdrücklich verneint, bis auf den Kontakt zu den Militärbehörden Prob-
leme gehabt zu haben (SEM-Akte A3 S. 6 f.). Auch wenn es sich bei der
BzP um eine summarische Befragung handelt, ist zu erwarten, dass ein
Beschwerdeführer die wichtigsten Asylvorbringen zumindest kurz aufzeigt.
Entsprechend ist an den an der Anhörung nachgeschobenen Angaben zu
zweifeln. Dafür spricht auch, dass die Ausführungen des Beschwerdefüh-
rers zu seinen angeblich rund vier Jahre andauernden politischen Aktivitä-
ten – er sei an eine Vielzahl von Demonstrationen gegangen und habe ge-
legentlich Slogans gerufen oder Flaggen/Plakate getragen, ferner sei er
einmal als Schüler in D._ für eine Nacht festgehalten worden –
oberflächlich und allgemein gehalten ausgefallen sind (SEM-Akte A13
F61 f., F68 ff., 75, 79 f.). Daran vermögen die eingereichten Fotoaufnah-
men von Kundgebungen nichts zu ändern, zumal diesen weder Aufnahme-
ort oder Anlass zu entnehmen sind. Zwar ist der Beschwerdeführer teil-
weise auf den privaten Fotografien mit weiteren Personen erkennbar. Dies
reicht aber noch nicht aus, um davon ausgehen zu können, er sei als einer
von vielen Demonstrationsteilnehmern von der syrischen Regierung iden-
tifiziert worden. Entsprechend erklärte der Beschwerdeführer, das ganze
kurdische Volk sei an diese Demonstrationen gegangen, und vermochte
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nicht überzeugend darzulegen, wie genau er hätte identifiziert werden sol-
len (SEM-Akte A13 F89, 92). Auch seine Angaben zur behördlichen Suche
nach ihm ab dem Jahr 2012, unter anderem durch den Geheimdienstmit-
arbeiter A., sind vage und oberflächlich ausgefallen (SEM-Akte A13 F62,
85, 93, 111, F117 f.). Auch wenn er bei den zwei genannten Hausdurchsu-
chungen nicht dabei gewesen sei, so wäre zu erwarten, dass er darüber
von seiner Familie genauere Angaben eingeholt hätte und in der Folge
hätte nennen können. Mit der Vorinstanz ist zudem nicht nachvollziehbar,
dass der Beschwerdeführer den Behörden als Regimekritiker bekannt ge-
wesen und als solcher gesucht worden sei, er aber dennoch mehrere Jahre
lang an monatlich einigen Demonstrationen teilgenommen habe, ohne ent-
deckt und aufgehalten worden zu sein (SEM-Akte A13 F87, 89, 94 f.). Die
beschriebene Zusammenarbeit mit zwei (...), die er nicht persönlich ge-
kannt habe, denen er aber Fotografien und Filme von Demonstrationen
habe zukommen lassen, ist sodann äusserst fraglich. Einerseits vermochte
der Beschwerdeführer die Zusammenarbeit, die zwei Besitzer sowie sei-
nen geltend gemachten Auftrag nicht detailliert und erlebnisnah zu be-
schreiben. Andererseits ist nicht verständlich, weshalb er ohne weitere Ab-
klärungen eine derart risikoreiche Kooperation mit zwei ihm nicht persön-
lich bekannten Personen hätte eingehen sollen (SEM-Akte A13 F62, 102–
104). Auch die unterschiedlichen Angaben bezüglich Verhaftung des einen
Kollegen im (...) 2014 respektive (...) 2015 vermochte der Beschwerdefüh-
rer nicht plausibel zu erklären (SEM-Akte A13 F106 f., 124 ff.). Sodann
legte er nicht überzeugend dar, weshalb die Behörden einen Zusammen-
hang zwischen ihm und dem verhafteten Besitzer hätten herstellen sollen.
Er gibt lediglich die Vermutung an, dieser habe den Behörden seinen Na-
men genannt (SEM-Akte A13 F108). Weiter kann die auf Beschwerde-
ebene erstmals genannte Zusammenarbeit mit dem Journalisten M.H., zu
der der Beschwerdeführer jedoch kaum Ausführungen macht, nicht ge-
glaubt werden. Entgegen den Angaben im Bestätigungsschreiben hat der
Beschwerdeführer selbst nie erklärt, als Journalist oder mit M.H. agiert zu
haben. Das eingereichte Bestätigungsschreiben ist als Gefälligkeitsschrei-
ben zu werten und ist nicht dazu geeignet, regimekritische Aktivitäten des
Beschwerdeführers respektive eine Verfolgung deswegen zu belegen. Ins-
gesamt ist somit festzuhalten, dass zwar nicht auszuschliessen ist, dass
der Beschwerdeführer an Demonstrationen teilgenommen hat. Dass er da-
bei von den Behörden als Regimegegner identifiziert und dies ernsthafte
Konsequenzen nach sich gezogen hätte, ist nach dem Gesagten aber nicht
glaubhaft, zumal die von ihm geschilderten Aktivitäten auch nicht von einer
derartigen Intensität zeugen würden, um ein jahrelanges Interesse der Be-
hörden an ihm und seiner Familie zu rechtfertigen. So seien, bis auf die
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Bewilligung, die seinem Vater nicht mehr erteilt worden sei, keine weiteren,
auf ihn bezogenen Konsequenzen für seine Familie nach seiner Ausreise
eingetreten (SEM-Akte A13 F119 f.). Schliesslich sei den Behörden auch
die Tätigkeit für die Hilfsorganisation E._ nicht bekannt gewesen
(SEM-Akte A13 F97, 101). Die hierzu eingereichten Fotoaufnahmen ver-
mögen nichts Anderes darzulegen, zumal der Beschwerdeführer nicht da-
rauf erkennbar ist. Dem Beschwerdeführer ist es mithin nicht gelungen, ein
politisches Profil und eine behördliche Verfolgung deswegen darzulegen,
wodurch eine ernsthafte Gefährdung seiner Person seitens der syrischen
Behörden angenommen werden könnte.
7.2 Weiter vermochte der Beschwerdeführer die geltend gemachte Einbe-
rufung in den Militärdienst nicht glaubhaft zu machen. Schon an der BzP
im November 2015 machte er widersprüchliche Angaben, indem er zuerst
erklärte, er habe im Jahr 2015 ein Militärbüchlein erhalten, danach jedoch
sagte, er habe kein Büchlein erhalten, da er ausgereist sei. Er habe erst
einen Befehl erhalten, sich innerhalb eines Monats für die Ausstellung des
Büchleins zu melden. Dies sei der einzige Kontakt zu den Behörden gewe-
sen (SEM-Akte A3 S. 6 f.). Wann genau er den Befehl erhalten habe und
sich hätte melden müssen, konnte er nicht angeben, obwohl dies noch im
selben Jahr wie die BzP gewesen sei und angenommen werden darf, dass
er über ein solches Ereignis, das ausschlaggebend für seine Ausreise ge-
wesen sei, genauere Angaben hätte machen können. Sodann erklärte der
Beschwerdeführer an der Anhörung, entgegen dem an der BzP angegebe-
nen einmaligen Kontakt mit den Militärbehörden, die Vorladung für die Aus-
stellung eines Militärbüchleins habe er (...) 2015 telefonisch erhalten. Im
(...) 2015 sei ihm respektive seiner Mutter sodann eine schriftliche Auffor-
derung zur Leistung des Militärdienstes übergeben worden. Seine Anga-
ben hierzu sowie die Ausführungen zur Abklärung seiner Diensttauglichkeit
sind äusserst oberflächlich, vage und ohne persönliche Merkmale ausge-
fallen (SEM-Akte A13 F123, 128 ff.). Fraglich ist sodann, weshalb der Be-
schwerdeführer erklärte, nach dem Schulabbruch seien die Militärbehör-
den auf ihn aufmerksam geworden. Gemäss seinen Angaben hat er die
Schule im Jahr (...) verlassen und danach Kurse besucht, ohne jedoch im
Jahr (...) (...) abzuschliessen. Entsprechend wäre anzunehmen, dass er
nicht erst Mitte 2015 ein Aufgebot erhalten hätte. Das eingereichte Beweis-
mittel in Form des Rekrutierungsbefehls vermag die Zweifel am geltend
gemachten Kontakt zu den Militärbehörden nicht auszuräumen. Wie von
der Vorinstanz bereits zutreffend ausgeführt, ist dem angeblich im (...)
2015 in G._ ausgestellten Beweismittel im syrischen Kontext kaum
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Beweiskraft zuzumessen. Insgesamt kann dem Beschwerdeführer die be-
hauptete Einberufung und die durch seine Ausreise eingetretene Wehr-
dienstverweigerung somit nicht geglaubt werden. Ergänzend ist anzumer-
ken, dass, selbst wenn die Wehrdienstverweigerung als glaubhaft einge-
stuft würde, alleine darin praxisgemäss kein flüchtlingsrechtlich relevanter
Nachteil zu erblicken wäre (vgl. BVGE 2015/3 E. 5; u.a. Urteil des BVGer
E-2359/2019 vom 5. September 2019 E. 7.1.2, m.w.H.).
7.3 Schliesslich erklärte der Beschwerdeführer erstmals an der Anhörung,
sich in der Schweiz exilpolitisch zu betätigen. Er nehme gelegentlich an
Demonstrationen und Sitzungen teil. Ferner habe er für (...) in Syrien Fo-
toaufnahmen gemacht (SEM-Akte A13 F138 ff., 154 ff.). Das Bundesver-
waltungsgericht geht praxisgemäss davon aus, dass der Schwerpunkt der
Aktivitäten syrischer Geheimdienste im Ausland nicht bei einer grossflächi-
gen, sondern bei einer selektiven und gezielten Überwachung der im Aus-
land lebenden Oppositionellen liegt (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3). Die Annahme, die betroffene
Person habe die Aufmerksamkeit der syrischen Geheimdienste in einer
Weise auf sich gezogen, welche auf eine begründete Furcht vor Verfolgung
wegen exilpolitischer Tätigkeiten schliessen lässt, rechtfertigt sich nur,
wenn sie sich in einem besonderen Mass exponiert und den Eindruck er-
weckt, sie werde aus Sicht des syrischen Regimes als potenzielle Bedro-
hung wahrgenommen (vgl. a.a.O., E. 6.3.6). Die Darlegungen des Be-
schwerdeführers und die dazu eingereichten Beweismittel zeugen nicht
von einem profiliert exilpolitischen Engagement, von dem anzunehmen
wäre, die syrischen Behörden hätten Kenntnis davon erhalten und ihn iden-
tifizieren können. Dies auch unter Berücksichtigung obiger Ausführungen,
wonach nicht davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer den Be-
hörden vor Verlassen der Heimat als politischer Opponent bekannt gewe-
sen und als solcher gesucht worden sei. Inwiefern eine Verbindung zwi-
schen ihm und den bei (...) angeblich veröffentlichten Fotoaufnahmen her-
zustellen sei, vermochte der Beschwerdeführer sodann nicht verständlich
zu machen. Dies auch, da er mittlerweile nicht mehr im Besitz des Mobil-
telefons sei, mit dem er die Aufnahmen gemacht habe (SEM-Akte A13
F154 ff.). Seinen niederschwelligen exilpolitischen Aktivitäten mass die Vo-
rinstanz zu Recht keine flüchtlingsrechtliche Bedeutung zu.
7.4 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass das SEM die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asyl-
gesuch abgelehnt hat.
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Seite 18
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Abschliessend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen nicht der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeit-
punkt angesichts der Entwicklung der Situation in Syrien in seinem Heimat-
staat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungslage aus-
schliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AIG einzuordnen, wonach
der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein kann, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation
in Syrien wurde durch das SEM mit der Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung ge-
tragen (vgl. E. 3). Entsprechend erübrigt es sich, eine Frist zur Aktualisie-
rung des Dossiers (vgl. oben, Sachverhalt Bst. I) anzusetzen.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Aus den vorstehenden Erwä-
gungen ergibt sich jedoch, dass seine Rechtsbegehren nicht als aussichts-
los zu betrachten waren. Aufgrund der Akten und der mit Eingabe vom
23. März 2020 eingereichten Fürsorgebestätigung vom 5. März 2020 ist
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zudem von seiner Bedürftigkeit auszugehen. Folglich ist das mit der Be-
schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutzuheissen. Daher sind keine Verfahrens-
kosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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