Decision ID: 4b5fe4d1-a6c0-50f4-9eb7-56bb5b3afc1f
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Mit öffentlich beurkundetem Vertrag und Grundbucheintrag vom 23. Oktober 2003
verkaufte T.S. seinen hälftigen Miteigentumsanteil am Grundstück Nr. 1, in P./Politische
Gemeinde A. an C.S. zum Preis von Fr. 300'000.--. Der Verkauf erfolgte im Rahmen der
Vereinbarung vom 9. September 2003 zur Liquidation der Kollektivgesellschaft
Gebrüder S., in deren Bilanz die Liegenschaft P. unter den Aktiven mit Fr. 600'000.--
und unter den Passiven mit Fr. 500'000.-- (Hypothekarschulden) figurierte.
Am 5. Dezember 2003 veranlagte das Grundbuchamt A. sowohl den Erwerber wie den
Veräusserer unter anderem mit einer Handänderungssteuer von je Fr. 1'500.-- (je
hälftiger Anteil von 1 % von Fr. 300'000.--). Die Veranlagungen erwuchsen
unangefochten in Rechtskraft.
B.- Am 4. Mai 2005 bestätigte das kantonale Steueramt gegenüber M. P.-S., dass die
Liquidation der Kollektivgesellschaft Gebrüder S. steuerneutral erfolgt sei, weil die
Liegenschaften aus der Kollektivgesellschaft zu Buchwerten in je eine Einzelfirma pro
Gesellschafter eingebracht worden seien, wo sie weiterhin Geschäftsvermögen
darstellten. Gestützt auf diese Bestätigung verlangte T.S. auch im Namen von C.S. mit
Eingabe vom 4. Juli 2005 vom Grundbuchamt A., die zu Unrecht erhobene
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Handänderungssteuer von je Fr. 1'500.-- sei sowohl dem Erwerber wie dem
Veräusserer zurückzuerstatten.
Gestützt auf eine Stellungnahme des kantonalen Steueramtes vom 5. August 2005
gegenüber dem Grundbuchamt behandelte der Gemeinderat das Gesuch vom 4. Juli
2005 als Revisionsbegehren. Mit gleichlautenden Beschlüssen vom 19./21. September
2005 trat der Gemeinderat A. auf das Revisionsbegehren sowohl des Erwerbers wie
auch des Veräusserers nicht ein.
C.- Mit gemeinsamer Eingabe vom 28. September 2005 erhoben C.S. (Erwerber) und
T.S. (Veräusserer) Rekurs gegen diesen Nichteintretensentscheid bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die rechtskräftigen Veranlagungen vom
5. Dezember 2003 seien zu revidieren und die Poltische Gemeinde A. sei zu
verpflichten, die Handänderungssteuer von je Fr. 1'500.-- sowohl dem Erwerber wie
dem Veräusserer zurückzuerstatten.
Mit Eingabe vom 24. Oktober 2005 beantragte der Gemeinderat A., der Rekurs sei
unter Kostenfolge abzuweisen.
Auf die von den Beteiligten zur Begründung ihrer Anträge vorgebrachten Argumente
wird in den Erwägungen eingegangen, soweit sie für den Entscheid wesentlich sind.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 28. September 2005 (Poststempel:
29.09.2005) ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 229 in Verbindung mit Art. 197 Abs. 3
Satz 2 und Art. 111 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
Anfechtungsobjekte sind zwei Nichteintretensentscheide des Gemeinderates A.
betreffend Revisionsbegehren, die sich auf zwei rechtskräftige Veranlagungen der
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Handänderungssteuer durch das Grundbuchamt beziehen. Die Zuständigkeit zum
Entscheid über ein Revisionsbegehren liegt bei jener Instanz, welche die Verfügung
oder den Entscheid, deren Revision verlangt wird, getroffen hat (Art. 229 i.V.m. Art. 197
Abs. 3 Satz 3 StG und Art. 82 Abs. 1 VRP; Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser
durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 404). Veranlagungsbehörde ist das
Grundbuchamt (Art. 228 StG). Die Einsprache an den Gemeinderat ist ausgeschlossen
(Art. 230 und Art. 197 Abs. 3 Satz 1 StG). Der angefochtene Nichteintretensentscheid
erging nicht durch das Grundbuchamt, sondern durch den Gemeinderat. Den
Rekurrenten ist durch dieses Vorgehen kein Nachteil erwachsen. Zudem bezeichnet
der Gemeinderat die Veranlagungsbehörde (Art. 228 StG), womit er auch die
Möglichkeit hat, selber über Revisionsbegehren zu entscheiden.
2.- Die Rekurrenten machen geltend, der Gemeinderat habe zu Unrecht keine Revision
der rechtskräftigen Veranlagungen der Handänderungssteuer vorgenommen. Für das
Grundbuchamt sei von Anfang an klar gewesen, dass die Handänderung im Rahmen
der Liquidation der Kollektivgesellschaft erfolge. Als rechtsunkundige Personen hätten
sie nicht gewusst, dass es sich um eine steuerneutrale Umstrukturierung handle,
weshalb auch keine Handänderungssteuer geschuldet sei. Das habe sich erst im Jahre
2004 herausgestellt, als die appenzell-ausserrhodischen Behörden im Zusammenhang
mit einer Handänderungssteuerveranlagung in B. eine Bestätigung der st. gallischen
Behörden verlangt hätten. Ein Revisionsgrund sei in doppelter Hinsicht gegeben, weil
die Bestätigung der st. gallischen Steuerbehörde vom 4. Mai 2005 datiere und das
Grundbuchamt die steuerneutrale Umstrukturierung bei der Veranlagung am 5.
Dezember 2003 nicht berücksichtigt habe.
Die Vorinstanz liess in den angefochtenen Nichteintretensentscheiden offen, ob ein
Revisionsgrund besteht, weil die Steuerfreiheit wegen Umstrukturierung mit einem
ordentlichen Rechtsmittel hätte geltend gemacht werden können. In der
Vernehmlassung macht die Vorinstanz geltend, es liege kein Revisionsgrund vor.
Eine rechtskräftige Veranlagung der Handänderungssteuer kann zugunsten des
Steuerpflichtigen unter anderem dann revidiert werden:
a) wenn erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel entdeckt werden;
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b) wenn die erkennende Behörde erhebliche Tatsachen oder entscheidende
Beweismittel, die ihr bekannt waren oder bekannt sein mussten, ausser Acht gelassen
oder in anderer Weise wesentliche Verfahrensgrundsätze verletzt hat (Art. 229 i.V.m.
Art. 197 Abs. 1 StG).
Auf ein Revisionsbegehren wird nicht eingetreten, wenn der Antragsteller als
Revisionsgrund vorbringt, was er bei der ihm zumutbaren Sorgfalt schon im
ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können (Art. 229 i.V.m. Art. 197 Abs. 2
Satz 1 StG).
Die Rekurrenten berufen sich sinngemäss auf Art. 244 lit. f StG, wonach
Handänderungen bei Umstrukturierungen gemäss Art. 32 und 88 StG von der
Steuerpflicht befreit sind. Die Tatsache der Umstrukturierung der Kollektivgesellschaft
Gebrüder Schwendener in je eine Einzelfirma der beiden Gesellschafter war bereits im
Zeitpunkt der Veranlagung der Handänderungssteuer bekannt. Bei Anwendung der
gebotenen Sorgfalt hätten die Rekurrenten eine Missachtung des erwähnten
Steuerbefreiungsgrundes durch das Grundbuchamt im Rahmen des ordentlichen
Rechtsmittels geltend machen können. Sie können sich diesbezüglich nicht auf ihre
Rechtsunkundigkeit berufen. Die Revision kann nicht dazu dienen, vermeidbare
Unterlassungen im ordentlichen Verfahren später nachzuholen (vgl. GVP 1993 Nr. 20
und Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 403). Daran ändert nichts, dass die
ausdrückliche Bestätigung des kantonalen Steueramtes erst am 4. Mai 2005 vorlag und
ein Rechtsmittelverfahren im Kanton Appenzell-Ausserrhoden betreffend
Handänderungssteuerveranlagung gestützt auf diese Bestätigung erfolgreich
abgeschlossen wurde.
Die Rekurrenten konnten sich als Kollektivgesellschafter und Inhaber einer Einzelfirma
nicht einfach darauf verlassen, das Grundbuchamt werde allfällige
Steuerbefreiungsgründe schon berücksichtigen. Es wäre ihnen durchaus zumutbar
gewesen, deutlicher auf die Umstrukturierung als Hintergrund der Handänderung
hinzuweisen und allfällige Steuerbefreiungstatbestände selber abzuklären. Im Interesse
der Rechtssicherheit dürfen an das Mass der Sorgfalt keine allzu geringen
Anforderungen gestellt werden (vgl. GVP 1991 Nr. 44 betreffend Art. 81 Abs. 2 VRP,
der ebenso wie Art. 197 Abs. 2 Satz 1 StG den Begriff der zumutbaren Sorgfalt
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verwendet). Bereits ein kurzer Blick in das Steuergesetz hätte gezeigt, dass
Handänderungen bei Umstrukturierungen steuerfrei sind (Art. 244 lit. f StG). Unter
diesen Umständen haben die Rekurrenten bei der Prüfung der Veranlagungsverfügung
des Grundbuchamtes die ihnen zumutbare Sorgfalt nicht angewendet. Es wäre ihnen
ohne weiteres zumutbar gewesen, die Steuerfreiheit der Handänderung auf dem
ordentlichen Rechtsmittelweg geltend zu machen.
Damit steht fest, dass die Vorinstanz gestützt auf Art. 197 Abs. 2 StG zu Recht nicht
auf das Revisionsbegehren eingetreten ist. Unter diesen Umständen kann offen
bleiben, ob überhaupt ein Revisionsgrund gemäss Art. 197 Abs. 1 StG gegeben wäre,
da eine Revision auch bei Vorliegen entsprechender Gründe ausgeschlossen ist, wenn
die Nichteintretensvoraussetzungen gemäss Art. 197 Abs. 2 StG erfüllt sind
(Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 403).
3.- Es fällt jedoch auf, dass am 5. Dezember 2003 sowohl der Erwerber wie auch der
Veräusserer vom Grundbuchamt je mit dem hälftigen Anteil der Handänderungssteuer
veranlagt wurden. Steuersubjekt ist jedoch ausschliesslich der Erwerber eines
Grundstückes (Art. 242 Abs. 1. StG). Dies gilt auch dann, wenn sich der Veräusserer
gegenüber dem Erwerber zur teilweisen oder sogar zur vollständigen Übernahme der
Handänderungssteuer verpflichtet. Der Veräusserer wird im Verfahren weder berechtigt
noch verpflichtet. Die Veranlagungsverfügung ist somit dem Erwerber zu eröffnen; nur
dieser ist berechtigt, dagegen Einsprache zu erheben. Dass der Veräusserer gemäss
Art. 242 Abs. 2 StG für die vom Erwerber geschuldete Handänderungssteuer
solidarisch haftet, macht ihn nicht zum Steuersubjekt (GVP 1979 Nr. 15; Weidmann/
Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 441). Eine Rechnungsstellung durch das Grundbuchamt
gegenüber dem Veräusserer entsprechend der Parteivereinbarung ist erst dann
zulässig, wenn die ausschliesslich gegenüber dem Erwerber veranlagte
Handänderungssteuer in Rechtskraft erwachsen ist (VRKE I/2 vom 24. Juni 2004 in
Sachen J.K., S. 6).
Gemäss Ziff. 3 der weiteren Kaufsbestimmungen des Kaufvertrages vom 23. Oktober
2003 bezahlen die Parteien unter anderem die Handänderungssteuer je zur Hälfte.
Diese Parteivereinbarung berechtigte das Grundbuchamt A. jedoch nicht, am 5.
Dezember 2003 sowohl den Erwerber als auch den Veräusserer zu veranlagen, da
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ausschliesslich der Erwerber Steuersubjekt ist. Eine von Amtes wegen zu
berücksichtigende Nichtigkeit einer Veranlagung liegt insbesondere dann vor, wenn
eine Steuer jemandem auferlegt wird, der gemäss dem massgebenden Steuergesetz
gar nicht Steuersubjekt sein kann. Nach der Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission stellt die Veranlagung des Veräusserers mit der
Handänderungssteuer deshalb einen schweren, zur Nichtigkeit der Veranlagung
führenden Fehler dar (vgl. VRKE I/2 vom 24. Juni 2004 in Sachen J.K., S. 6 mit weiteren
Hinweisen). Indem das Grundbuchamt A. nicht nur C.S. als Erwerber, sondern auch
T.S. als Veräusserer veranlagte, hat sie jemanden ins Recht gefasst, der nach dem st.
gallischen Recht der Handänderungssteuer offensichtlich nicht als Steuersubjekt in
Frage kommt. Dementsprechend erweist sich die Veranlagung von T.S. vom 5.
Dezember 2003 als nichtig, soweit sie die Handänderungssteuer im Betrag von Fr.
1'500.-- umfasst.
Nichtigkeit bedeutet absolute Unwirksamkeit einer Verwaltungsverfügung. Eine nichtige
Verfügung entfaltet keinerlei Rechtswirkungen. Sie ist vom Erlass an (ex tunc) und ohne
besondere amtliche Aufhebung rechtlich als nicht vorhanden und daher als
unverbindlich zu betrachten. Sie ist von Amtes wegen jederzeit zu beachten (Imboden/
Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Band I: Allgemeiner Teil, 6. Aufl.
1986, S. 239 f. und Rhinow/Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung,
Ergänzungsband, 1990, S. 118 f.).
Trotz Eintritt der Rechtskraft, Bezahlung der Steuerschuld und Fehlens eines
Revisionsgrundes ist die Nichtigkeit der Veranlagung von T.S. mit der
Handänderungssteuer im heutigen Zeitpunkt von Amtes wegen festzustellen. Die
Feststellung bewirkt, dass die Politische Gemeinde A. verpflichtet ist, den gestützt auf
die nichtige Veranlagung entrichteten Steuerbetrag von Fr. 1'500.-- zurückzuerstatten
(Rhinow/Krähenmann, a.a.O., S. 118, B. III. a).
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs von C.S. abzuweisen ist. Im
Weiteren ist festzustellen, dass die Veranlagung von T.S. vom 5. Dezember 2003
nichtig ist, soweit sie die Handänderungssteuer betrifft. Die Politische Gemeinde A. ist
zu verpflichten, T.S. den Betrag von Fr. 1'500.-- zurückzuerstatten.
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5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten je zur Hälfte von
C.S. und der Politischen Gemeinde A. zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 800.- ist angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Da das Gemeinwesen finanzielle Interessen verfolgt, ist auf die Erhebung
seines Kostenanteils nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Die Finanzverwaltung ist
anzuweisen, T.S. den geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 400.-- zurückzuerstatten.