Decision ID: 85d5fe9d-58d0-45f4-b156-b8eb93765b05
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Koller, Landstrasse 4, 9606 Bütschwil,
gegen
Schweizerische National Versicherungs-Gesellschaft, Steinengraben 41, 4003 Basel,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Integritätsentschädigung
Sachverhalt:
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A.
A.a Die 1962 geborene B._ war im Restaurant A._ als Selbständigerwerbende tätig
und bei der Schweizerischen National Versicherungs-Gesellschaft gegen die Folgen
von Unfällen versichert, als sie am 12. Februar 2001 bei einem Gerangel zwischen
Gästen weggestossen wurde und sich dabei eine Kreuzbandruptur am linken Knie
zuzog (act. G 5.1 M 1,9). Am 5. März 2001 erfolgte im Kantonsspital Frauenfeld eine
Arthroskopie des linken Kniegelenks mit Resektion des vorderen Kreuzbandstumpfs
und Hoffa-Reduktion medial (act. G 5.1 M 8). Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Chirurgie, diagnostizierte im Gutachten vom 9. Mai 2002 (act. G 5.1 M 23) u.a. eine
chronische sagittale Instabilität des linken Kniegelenks, sekundäre Läsionen am
medialen und lateralen Meniskus links sowie eine beginnende sekundäre lateralbetonte
femorotibiale Gonarthrose links. Am 31. Januar 2003 zog sich die Versicherte bei einem
Spaziergang erneut eine Distorsion des linken Kniegelenks zu, als sie wahrscheinlich
aufgrund des bestehenden Instabilitätsgefühls ausrutschte (G 5.1 M 26). Dr. C._
diagnostizierte eine neuerliche Kniedistorsion links mit weiterer Meniskusruptur medial
sowie einen Verdacht auf Ruptur des lateralen Meniskus (act. G 5.1 M 31). Im Spital
Bülach wurde ein lateraler Meniskusriss links bestätigt und es wurden am 22. Oktober
2003 (act. G 5.1 M 38) sowie am 8. Juli 2004 im Kantonsspital Frauenfeld (G 5.1 M 49)
weitere operative Eingriffe am linken Knie vorgenommen. Die Schweizerische National
Versicherungs-Gesellschaft anerkannte für beide Unfallereignisse ihre Haftung und
erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Heilkosten- und
Taggeldleistungen). Weitere in den Akten erwähnte Unfallereignisse und deren Folgen
sind für den vorliegend zu entscheidenden Fall nicht von Relevanz und sind deshalb
nicht zu berücksichtigen. Im Gutachten vom 11. Dezember 2005 (act. G 5.1 M 68) teilte
Dr. C._ mit, dass bei der Versicherten eine dauernde Schädigung der körperlichen
Integrität gegeben sei und er den Integritätsschaden auf 20% schätze.
A.b Mit Verfügung vom 30. August 2006 (act. G 5.1 K 110) sprach die Schweizerische
National Versicherungs-Gesellschaft der Versicherten eine Integritätsentschädigung
entsprechend einer Integritätseinbusse von 20% zu. Die gegen diese Verfügung
erhobene Einsprache wies die Schweizerische National Versicherungs-Gesellschaft mit
Einsprache-Entscheid vom 16. Mai 2007 (act. G 5.1 K 117) ab.
B.
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B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Adrian Koller, Bütschwil,
eingereichte Beschwerde vom 15. Juni 2007 mit den Anträgen, der Einsprache-
Entscheid vom 16. Mai 2007 und die Verfügung vom 30. August 2006 seien
aufzuheben, es sei festzustellen, dass der Integritätsschaden der Beschwerdeführerin
mindestens 30% betrage und somit sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine
Integritätsentschädigung von zusätzlich mindestens Fr. 10'680.-- zu bezahlen.
Eventuell sei der Einsprache-Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit zur
Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, dass sich
der gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin seit der Untersuchung bei Dr.
C._ vom 12. Juli 2005 markant verschlechtert habe. Die damalige Beurteilung könne
nicht mehr hinreichend für die Einschätzung der heute bestehenden Schädigung der
körperlichen Integrität sein. Auch der Bericht von Dr. C._ vom 14. April 2006
verkenne die Situation, weil dieser ohne Untersuchung der Beschwerdeführerin und
ebenfalls bereits vor mehr als einem Jahr erstellt worden sei. Seine Aussage stütze sich
lediglich auf eine Vermutung und es seien für ihn deshalb keine neuen Befunde
erkennbar gewesen, weil er die Beschwerdeführerin gar nicht untersucht habe. Dem
Gutachten von Dr. C._ komme schon aufgrund der ungenauen
Sachverhaltsabklärung nicht volle Beweiskraft zu. Eine Verschlimmerung des
Integritätsschadens sei bereits eingetreten und deshalb zu berücksichtigen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 18. September 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde vom 15. Juni 2007 unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. Dr. C._ seien bei der
Stellungnahme im April 2006 sämtliche medizinischen Berichte vorgelegen. Es dürfe
davon ausgegangen werden, dass ein Facharzt in der Lage sei, diese Berichte korrekt
zu beurteilen und zu erkennen, ob es zu objektiven Veränderungen gekommen sei,
welche hinsichtlich der Integritätsentschädigung von Relevanz seien. Eine künftige
Verschlimmerung sei bereits in der Beurteilung des Integritätsschadens berücksichtigt
worden. Die Entschädigung sei einzig dann neu festzulegen, wenn sich der
Integritätsschaden bedeutend stärker als prognostiziert verschlimmere.
B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer
Replik.
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Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin die unfallbedingte dauernde
Schädigung der körperlichen Integrität mit einer Integritätseinbusse von 20% richtig
festgelegt hat.
2.
2.1 Erleidet eine versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie gemäss Art. 24 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) Anspruch auf eine
angemessene Integritätsentschädigung. Deren Bemessung richtet sich laut Art. 25
Abs. 1 UVG nach der Schwere des Integritätsschadens. Dieser wiederum richtet sich
nach dem medizinischen Befund. Bei gleichem medizinischen Befund ist der
Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen.
Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei unberücksichtigt (BGE
124 V 35 Erw. 3c, 113 V 221 Erw. 4b). Die Bemessung des Integritätsschadens hängt
somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls ab; es geht vielmehr um die
medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen und/oder
geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser acht zu lassen sind (BGE 115 V
147 Erw. 1). Die Integritätsentschädigung setzt einen dauernden - voraussichtlich
während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang bestehenden -
Integritätsschaden voraus (vgl. Art. 36 Abs. 1 der Verordnung zum Bundesgesetz über
die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202], BGE 124 V 36 ff. Erw. 4). Nach Art. 36 Abs.
2 UVV wird die Integritätsentschädigung gemäss den Richtlinien des Anhangs 3 zur
UVV bemessen. Dieser Anhang enthält eine als gesetzmässig und nicht abschliessend
anerkannte Skala. Die Medizinische Abteilung der SUVA hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (so
genannte Feinraster) erarbeitet. Diese Tabellen enthalten Richtwerte, mit denen die
Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll; sie sind mit dem
Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 Erw. 1c mit Hinweis). Insbesondere die
Einordnung von Nichtlisten- und kombinierten Fällen öffnet dem Arzt oder der Ärztin
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einen grossen Ermessensspielraum, in welchen die Verwaltung bzw. das Gericht nicht
ohne Not bzw. nur dann eingreifen soll, wenn die unfallmedizinische Beurteilung im
Hinblick auf die Liste im Anhang 3 sachlich nicht gerechtfertigt ist und zu stossenden
Ungleichheiten führen würde.
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
beurteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis).
3.
3.1 Dr. C._ diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin im Gutachten vom 11.
Dezember 2005 (act. G 5.1 M 68) u.a. eine zunehmende lateral betonte femorotibiale
und eine beginnende femoropatellare Gonarthrose sowie eine Narbenhypertrophie am
vorderen Kreuzband bei Status nach lateraler Teilmeniskektomie (22. Oktober 2003)
und vorderer Kreuzplastik am linken Knie (8. Juli 2004) bei chronischer sagittaler
Instabilität nach vorderer Kreuzbandruptur (12. Februar 2001) mit sekundären Läsionen
am medialen und lateralen Meniskus im linken Kniegelenk. Eine dauernde Schädigung
der körperlichen Integrität sei gegeben. Eine nennenswerte Instabilität des linken Knies
sei nicht mehr zu berücksichtigen. Es bestehe eine Arthrose des linken Kniegelenks,
zur Zeit vor allem im femorotibialen Gelenkanteil. Im Verlauf der kommenden Jahre sei
mit einer Zunahme dieser Veränderungen, auch femoropatellär, zu rechnen. Unter
Berücksichtigung der voraussichtlichen künftigen Verschlechterung schätze er die
Integritätsbeeinträchtigung auf 20%.
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3.2 Der angefochtene Einsprache-Entscheid stützt sich bei der Beurteilung des
Integritätsschadens auf das Gutachten von Dr. C._ vom 11. Dezember 2005. Das
Gutachten ist hinreichend begründet und basiert auf einer umfassenden Würdigung der
vollständigen Vorakten. Es wird nachvollziehbar dargelegt, dass bei der
Beschwerdeführerin die unfallbedingte Arthrose im linken Kniegelenk zu einer
dauernden Schädigung der körperlichen Integrität geführt hat. Die von Dr. C._
festgelegte Integritätseinbusse von 20% liegt in der Bandbreite der Suva-Tabelle 5
(Integritätsschaden bei Arthrosen), wonach für eine mässige Femorotibial-Arthrose eine
Integritätseinbusse zwischen 5 und 15% und für eine schwere zwischen 15 und 30%
vorgesehen ist. Dr. C._ erwähnt in seinem Gutachten explizit, dass die Einschätzung
der Integritätseinbusse unter Berücksichtigung der voraussichtlichen künftigen
Verschlechterung erfolgt sei. Die Zulässigkeit eine voraussehbare Verschlimmerung des
Integritätsschadens angemessen zu berücksichtigen ergibt sich unmissverständlich
aus Art. 36 Abs. 4 UVV. Mit Schreiben vom 14. April 2006 teilte Dr. C._ mit, dass in
den ihm zugestellten Akten keine wesentlichen neuen Befunde zu erkennen seien.
Auffällig sei lediglich die Feststellung einer zunehmend verminderten Streckfähigkeit
von 10°. Mangels entsprechenden Angaben könne er nicht beurteilen, ob sich die
Gonarthrose mittlerweile so erheblich verschlechtert habe, wobei im letzten
Operationsbericht immerhin keine Erwähnung eines wesentlichen Knorpelschadens zu
finden sei. Somit sehe er keinen Grund, die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vom 11.
Dezember 2005 zu revidieren. Obwohl sich die Aussage auf die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit bezieht, kann daraus geschlossen werden, dass sich auch für die
Einschätzung der Integritätseinbusse keine Verschlimmerung eingestellt hat, welche
nicht bereits als künftige Verschlechterung in der Integritätseinbusse von 20%
abgegolten wäre. Sodann ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin, eine
ärztliche Beurteilung aufgrund der Akten nicht an sich unzuverlässig, wenn genügend
Unterlagen von persönlichen Untersuchungen vorliegen (RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371,
1993 Nr. U 167 S. 95). Dr. med. D._, Fachärztin für Innere Medizin FMH, teilte in der
Stellungnahme vom 10. September 2007 (act. G 5.1 M 78) mit, dass obwohl die MRI-
Untersuchung vom 11. August 2005 lediglich eine leichte Chondropathie zeige, mit
Ausnahme eines mittelschweren Knorpelschadens am anterioren Teil des lateralen
Femurcondylus, Dr. C._ den Integritätsschaden nicht zwischen 5 und 15%, sondern
mit 20% einschätze, da er die zukünftige Verschlimmerung bereits mitberücksichtigt
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habe. Nachdem Dr. C._ bei der Festlegung der Integritätseinbusse nachweislich eine
künftige Verschlechterung mitberücksichtigt hat und eine Verschlimmerung des
Zustandes über diese Einschätzung hinaus den medizinischen Akten nicht zu
entnehmen ist, sind keine Gründe ersichtlich, von seiner Beurteilung des
Integritätsschadens, welche sich an den Rahmen der Suva-Tabelle 5 hält,
abzuweichen. Die von der Beschwerdegegnerin festgelegte Integritätseinbusse von
20% ist damit nicht zu beanstanden.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG