Decision ID: 3dea3d90-3764-50da-9d0d-ad4d625feffd
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (geb. 1969, Nigerianer, nachfolgend: Beschwerdeführer) reiste
am 27. Juli 2004 illegal in die Schweiz ein und stellte unter Angabe einer
falschen Identität einen Asylantrag. Der Asylantrag wurde am 17. Septem-
ber 2004 durch das damalige BFM (seit 1. Januar 2015: SEM) abgelehnt
und er wurde weggewiesen, woraufhin er ab dem 9. Dezember 2004 als
verschwunden galt. Am 8. Juni 2005 heiratete er in seiner Heimat die
Schweizer Bürgerin B._. Am 29. Dezember 2005 reiste er im Famili-
ennachzug in die Schweiz ein, wo ihm eine Aufenthaltsbewilligung zum
Verbleib bei der Ehefrau erteilt wurde. Am selben Tag brachte seine Frau
die gemeinsame Tochter C._ zur Welt, die das Schweizer Bürgerrecht
besitzt. Die Tochter wurde später in ein Kinderheim fremdplatziert. Im Ja-
nuar 2008 bzw. im September 2010 trennten sich die Ehegatten. Der
gemeinsame Haushalt wurde vom Bezirksgericht Luzern mit Entscheid
vom 1. März 2011 auf unbestimmte Zeit aufgehoben. Die Aufenthaltsbewil-
ligung des Beschwerdeführers war zuletzt bis zum 29. Dezember 2009
verlängert worden.
Der Beschwerdeführer erwirkte seit 2004 mehrere Verurteilungen wegen
Betäubungsmitteldelikten (2004: sechs Wochen Gefängnis; 2007: sechs
Monate Freiheitsstrafe; 2012: drei Jahre Freiheitsstrafe unbedingt). Er lei-
det an einer HIV-Erkrankung, die sich im fortgeschrittenen Stadium
befindet.
B.
Am 20. Juli 2011 wurde sein Gesuch um Verlängerung der Aufenthaltsbe-
willigung durch das Amt für Migration des Kantons Luzern abgelehnt.
Gleichzeitig wurde er aus der Schweiz weggewiesen. Dieser Entscheid
wurde letztinstanzlich durch das Bundesgericht mit Urteil 2C_268/2013
vom 21. Juni 2013 bestätigt, soweit auf die Beschwerde eingetreten wurde.
C.
Am 5. Mai 2014 gab das Amt für Migration des Kantons Luzern (nachfol-
gend: Migrationsamt) dem Beschwerdeführer die Gelegenheit, vom
rechtlichen Gehör in Bezug auf ein mögliches Einreiseverbot Gebrauch zu
machen. Dies tat er am darauffolgenden 3. Juni, indem sein Rechtsvertre-
ter beim Migrationsamt ein Gesuch um Wiedererwägung einreichte, in
welchem er beantragte, dem Beschwerdeführer sei die Aufenthaltsbewilli-
gung wiedererwägungsweise zu erteilen, eventualiter sei von der
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Wegweisung abzusehen, subeventualiter sei keine "Einreisesperre" zu ver-
hängen. Antrag und Eventualantrag wurden durch das Migrationsamt
abgewiesen. Bezüglich des Einreiseverbots führte der Parteivertreter aus,
dass sein Mandant im Falle eines Einreiseverbots seine Tochter nicht ein-
mal mehr als Tourist besuchen könne. Art. 8 EMRK stünde somit der
Verhängung einer Fernhaltemassnahme entgegen.
D.
Am 5. Juni 2014 erliess das BFM ein zehnjähriges Einreiseverbot gegen
den Beschwerdeführer (vom 19. Januar 2015 bis zum 18. Januar 2025).
Dieses Einreiseverbot beinhaltete ausserdem eine Ausschreibung im
Schengener Informationssystem (SIS II). Einer etwaigen Beschwerde
wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Begründet wurde das Einrei-
severbot mit der Verurteilung des Beschwerdeführers vom 23. August 2012
zu 3 Jahren Gefängnis wegen mehrfacher Zuwiderhandlungen gegen das
Betäubungsmittelgesetz (schwerer Fall). Bezüglich der familiären Ver-
pflichtungen des Beschwerdeführers wurde darauf hingewiesen, dass ein
Einreiseverbot aus wichtigen Gründen mittels begründeten Gesuchs zeit-
weilig suspendiert werden könne (Art. 67 Abs. 5 AuG). Die
Voraussetzungen für einen Eingriff in das Familienleben gemäss Art. 8 Ziff.
2 EMRK seien somit als gegeben und verhältnismässig zu erachten.
E.
Dagegen wurde am 7. Juli 2014 ein Rechtsmittel eingereicht. Der Be-
schwerdeführer beantragt, den angefochtenen Entscheid bzw. das
Einreiseverbot aufzuheben, eventualiter die Dauer des Einreiseverbotes zu
reduzieren und die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder herzu-
stellen. Ausserdem wurde die unentgeltliche Prozessführung sowie die
Beigabe des Unterzeichnenden als unentgeltlicher Rechtsbeistand bean-
tragt. Der Beschwerdeführer bringt vor, es sei ein unnötiger Formalismus,
dass er aufgrund des Einreiseverbotes jedes Mal, wenn er seine Tochter
besuchen wolle, ein Gesuch stellen müsse. Er argumentiert, dass es sich
bei Drogenhandel "lediglich" um ein klassisches opferloses Delikt handle
und nicht etwa um ein Gewaltdelikt. Daher habe er die öffentliche Sicher-
heit nur in geringem Mass gefährdet. Folglich sei das öffentliche Interesse
an einer Fernhaltemassnahme gering, wohingegen das private Interesse
des Beschwerdeführers an der Nichtverhängung der Massnahme deutlich
überwiege. Ausserdem verletze ein Einreiseverbot Art. 8 Ziff. 2 EMRK.
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Seite 4
F.
Der Antrag auf unentgeltliche Rechtspflege wurde wegen Aussichts-losig-
keit mit Zwischenverfügung vom 18. Juli 2014 durch das
Bundesverwaltungsgericht abgewiesen. Ebenso wurde der Antrag um Wie-
derherstellung der aufschiebenden Wirkung aufgrund der fehlenden
Prozessaussichten abgewiesen.
G.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 21. August 2014, die
Beschwerde abzuweisen, da die Beschwerdeschrift keine neuen erhebli-
chen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, die eine Änderung ihres
Entscheides rechtfertigen könnten. Es würden ebenfalls keine Elemente
vorgebracht, die nicht bereits Gegenstand des angefochtenen Entscheides
gewesen seien.
H.
Am 22. September 2014 ging beim Bundesverwaltungsgericht ein unda-
tierter handgeschriebener Brief des Beschwerdeführers ein, in welchem er
die begangenen Drogendelikte ausführlich bestreitet. Er legt in diesem dar,
dass er von einem Polizisten unter Druck gesetzt worden sei. Dieser hätte
versprochen, der Beschwerdeführer käme aus dem Gefängnis frei, wenn
er die Drogendelikte zugäbe. Dieses Verhalten erklärt er mit einer persön-
lichen Abneigung des Polizisten ihm gegenüber. Er habe in der Schweiz
immer gearbeitet, habe in Nigeria keine Familie und werde in Nigeria ster-
ben wegen seiner HIV-Erkrankung. Ausserdem wolle er seine Tochter nicht
einfach hier lassen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, die von einer
der in Art. 33 VGG aufgeführten Behörden erlassen wurden. Dazu gehört
auch das SEM, das mit der Anordnung eines Einreiseverbots eine Verfü-
gung im erwähnten Sinne und daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt
erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG und Art. 2 Abs. 4 VwVG).
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Seite 5
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Erhebung des
Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formge-
recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 49 ff. VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Streit-
sache endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
heblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als
Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Das SEM kann ein Einreiseverbot gegenüber ausländischen Personen
verfügen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz
oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2
Bst. a AuG). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens fünf
Jahren verhängt (Art. 67 Abs. 3 erster Satz AuG). Die Anordnung eines
Einreiseverbots von mehr als fünf Jahren Dauer ist zulässig, wenn von der
ausländischen Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Si-
cherheit und Ordnung ausgeht (Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG). Aus
humanitären oder anderen wichtigen Gründen kann die zuständige Be-
hörde von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein
Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aussetzen (Art. 67 Abs. 5
AuG).
3.2 Das in Art. 67 AuG geregelte Einreiseverbot ist keine Sanktion für ver-
gangenes Fehlverhalten. Es bildet eine Massnahme zur Abwendung einer
künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (vgl. Botschaft
zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März
2002 [nachfolgend: Botschaft], BBl 2002 3813). Die öffentliche Sicherheit
und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Oberbegriff
für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter; sie umfasst u.a. die Un-
verletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter
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Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3809). Ein Verstoss gegen die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung liegt u.a. vor, wenn gesetzliche Vorschriften
oder behördliche Verfügungen missachtet werden (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst.
a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Die Verhängung eines Einreisever-
bots knüpft an das Bestehen eines Risikos einer künftigen Gefährdung an.
Es ist gestützt auf die gesamten Umstände des Einzelfalls eine entspre-
chende Prognose zu stellen. Dabei ist naturgemäss in erster Linie das
vergangene Verhalten der betroffenen Person zu berücksichtigen (vgl. Ur-
teil des BVGer C-4898/2012 vom 1. Mai 2014 E. 4.2 m.H.).
3.3 Eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG setzt mehr voraus als
eine einfache Gefährdung nach Art. 67 Abs. 2 Bst. a zweiter Halbsatz AuG.
Verlangt wird eine qualifizierte Gefährdungslage, über deren Vorliegen
nach Massgabe aller Umstände des Einzelfalles zu befinden ist. Eine sol-
che Gefährdungslage darf nicht leichthin angenommen werden. Nach der
Rechtsprechung kann sie sich beispielsweise aus der Hochwertigkeit des
deliktisch bedrohten Rechtsguts ergeben (z.B. Leib und Leben, körperliche
und sexuelle Integrität, Gesundheit), aus der Zugehörigkeit des drohenden
Delikts zur besonders schweren Kriminalität mit grenzüberschreitender Di-
mension (z.B. Terrorismus, Menschen- und Drogenhandel, organisierte
Kriminalität) oder aus einer zunehmend schwereren Delinquenz bei Wie-
derholungstätern mit ungünstiger Legalprognose (vgl. BGE 139 II 121 E.
6.3; BVGE 2013/4 E. 7.2.4; Urteil des BVGer C-5602/2012 vom 16. Januar
2015 E. 6.1 m.H.).
4.
4.1 Die Vorinstanz stützt sich auf Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG und be-
gründet die Verhängung eines zehnjährigen Einreiseverbots mit der
erwirkten Verurteilung zu 3 Jahren Gefängnis wegen eines schweren Falls
von mehrfacher Zuwiderhandlung gegen das Betäubungs-mittelgesetz.
Schwere Verbrechen und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz
gehörten zu jenen Verhaltensweisen, welche die öffentliche Ordnung und
Sicherheit in einem besonders sensiblen Bereich träfen, weshalb in diesem
Fall ein strenger Massstab gerechtfertigt sei. Durch die Verbreitung harter
Drogen würde die Gesundheit anderer gefährdet oder beeinträchtigt. Da-
her dürfe nur ein sehr geringes Restrisiko eines Rückfalls in Kauf
genommen werden. Angesichts dieser wiederholten und nicht leicht zu
nehmenden Verstösse des Beschwerdeführers und der damit einherge-
henden "ernsthaften" Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
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sei der Erlass einer längerfristigen Fernhaltemassnahme im Sinne von Art.
67 Abs. 3 AuG angezeigt.
4.2 Der Beschwerdeführer entgegnet, dass er die öffentliche Sicherheit nur
in geringem Mass gefährdet habe, da er lediglich wegen Drogenhandels
verurteilt worden sei. Dabei handle es sich nicht um ein Gewaltdelikt, son-
dern um ein klassisches opferloses Delikt. Demzufolge sei das öffentliche
Interesse an der Verhängung einer Fernhaltemassnahme gering. Das pri-
vate Interesse des Beschwerdeführers an der Nichtverhängung der
Massnahme überwiege somit das öffentliche Interesse deutlich.
4.3 Diese Einwände des Beschwerdeführers erstaunen doch sehr, da sie
in krassem Widerspruch zur Rechtsprechung des Bundesgerichts und des
Bundesverwaltungsgerichts stehen (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.2 sowie Urteil
des BVGer C-1639/2012 vom 9. Dezember 2013 E. 4.4). Auf die auslän-
derrechtliche Bedeutung von Drogendelikten im Allgemeinen und seines
diesbezüglichen Fehlverhaltens im Speziellen wurde der Beschwerdefüh-
rer ausserdem schon vom Verwaltungsgericht des Kantons Luzern in
dessen Urteil vom 14. Februar 2013 (E. 3.f) aufmerksam gemacht. Soweit
eine Straftat zur Diskussion steht, welche in Art. 121 Abs. 3 BV (Fassung
vom 3. März 2013, "Ausschaffungsinitiative") genannt ist (wie bspw. Dro-
genhandel) und dazu führen soll, dass der ausländische Täter "alle
Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz verliert" (Abs.3) sowie " mit
einem Einreiseverbot von 5-15 Jahren zu belegen" ist (Abs. 5), tragen die
Gerichte der entsprechenden Wertung im Rahmen des geltenden Auslän-
dergesetzes insoweit Rechnung, als sich dies mit anderen
Verfassungsbestimmungen in Einklang bringen lässt und zu keinem Wider-
spruch mit übergeordnetem Recht bzw. zu Konflikten mit dem
Beurteilungsspielraum führt, den der EGMR den einzelnen Konventions-
staaten zugesteht (vgl. auch Urteil des BGer 2C_1170/2012 vom 24. Mai
2013 E. 2.3 m.H.). Die Verhältnismässigkeit einer solchen Massnahme
muss im Einzelfall mittels Interessensabwägung geprüft werden.
4.4 Dass der Beschwerdeführer mit seinem Verhalten zumindest den Fern-
haltegrund der Verletzung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (Art. 67
Abs. 2 Bst. A Aug) gesetzt hat, ist offensichtlich. Nachdem er schon in den
Jahren 2004 und 2007 wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungs-
mittelgesetz zu Freiheitsstrafen von sechs Wochen bzw. sechs Monaten
verurteilt worden war, wurde der Beschwerdeführer mit Urteil des Oberge-
richts des Kantons Luzern vom 23. August 2012 wegen gleichartiger
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Seite 8
Widerhandlungen zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Dass sol-
ches Fehlverhalten eine schwerwiegende Verletzung der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung bzw. eine ernsthafte Gefahr für die polizeilichen
Schutzgüter Leib, Leben und Gesundheit bedeutet und ein dementspre-
chend grosses Interesse an einer Fernhaltung des Beschwerdeführers
besteht, versteht sich von selbst. Dass der Beschwer-deführer in diesem
Verfahren erneut abstreitet, die ihm vorgeworfenen Taten begangen zu ha-
ben, spielt im vorliegenden Verfahren keine Rolle bzw. zeigt zudem seine
fehlende Einsicht, seine fehlende Reue und seinen fehlenden Respekt vor
der schweizerischen Rechtsordnung auf. Der Beschwerdeführer wurde
wiederholt rechtskräftig verurteilt und die Nichtverlängerung seiner Aufent-
haltsbewilligung sowie die Wegweisung aus der Schweiz wurden
letztinstanzlich durch das Bundesgericht bestätigt. Die Straftaten sind so-
mit durch das BVGer nicht mehr in Frage zu stellen. Angefochten ist in
diesem Verfahren einzig die Verhängung einer zehnjährigen Fernhalte-
massnahme.
5.
5.1 Zu erwägen bleibt nun, ob der Beschwerdeführer eine schwerwiegende
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt, und somit eine
Fernhaltemassnahme von mehr als fünf Jahren angebracht ist. Diese kann
sich aus der Hochwertigkeit des deliktisch bedrohten Rechtsguts (z.B. Leib
und Leben, Gesundheit, körperliche und sexuelle Integrität) ergeben, oder
auch aus einer zunehmend schweren Delinquenz bei Wiederholungstätern
mit ungünstiger Legalprognose (vgl. BGE 139 II 121 E. 6.3).
5.2 Vorweg ist klarzustellen, dass eine Störung der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung durch Drogendelinquenz, wie vom Beschwerdeführer verur-
sacht, eine schwerwiegende Gefahr im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter
Satz AuG darstellen kann. Voraussetzung ist, dass die Wahrscheinlichkeit
ihrer Realisierung hinreichend gross ist. Sie muss signifikant höher sein,
als die, welche der Annahme einer rechtlich relevanten Gefahr im Sinne
von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG zugrunde liegt. Davon kann im vorliegenden
Fall ausgegangen werden. Im Dezember 2004 wurde der Beschwerdefüh-
rer das erste Mal wegen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu
einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen (bei einer Probezeit von zwei Jahren)
verurteilt. Im Dezember 2007 wurde er wiederum wegen Vergehen gegen
das Betäubungsmittelgesetz zu 6 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt (Pro-
bezeit 1 Jahr). Trotz dieser bereits erfolgten Verurteilungen hatte der
Beschwerdeführer nach den Erkenntnissen des Strafgerichts zwischen
dem 19. Februar 2008 und dem 29. März 2010 mindestens 1615 Gramm
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Kokaingemisch an 11 verschiedene Abnehmer verkauft, sowie 40 Gramm
plus 30-50 Kügelchen Kokaingemisch von zwei weiteren Personen ge-
kauft. Dazu suchte der Beschwerdeführer beinahe täglich dasselbe Lokal
auf, wo kaufwillige Kunden ihn antrafen und den Kauf abwickelten. Mit die-
sen Verkäufen erwirtschaftete der Beschwerdeführer in diesen zwei Jahren
einen Umsatz von weit mehr als
Fr. 100'000.- und einen Gewinn von weit mehr als Fr. 10'000.-. Da der Rein-
heitsgrad des Kokains praxisgemäss bei 33 1/3% liege, sei mit der
erwähnten Menge von mindestens 538 Gramm reinem Kokain auszuge-
hen, welches durch den Beschwerdeführer verkauft worden war. Somit ist
die Grenze zu einem mengenmässig schweren Fall deutlich überschritten.
Ein gewerbsmässiger Handel wurde bejaht und seine Schuld vom Gericht
als schwer eingestuft. Er zeigte bereits in jenem Verfahren keinerlei Ein-
sicht oder Reue.
5.3 Dasselbe gilt für das aktuelle Verfahren. Noch immer bestreitet der Be-
schwerdeführer die Taten. Offensichtlich fehlt ihm jeder Respekt vor der
schweizerischen Rechtsordnung. Selbst durch Strafen lässt er sich nicht
beeindrucken oder abschrecken, wie seine mehrfachen Verurteilungen
deutlich zeigen. Was das Verschulden des Beschwerdeführers angeht, so
kann dieses mit Blick auf seine wiederholten strafrechtlichen Verfehlungen
praktisch während der gesamten Zeit seiner Anwesenheit in der Schweiz
als schwer beurteilt werden. Augenscheinlich fällt ins Gewicht, dass der
Beschwerdeführer seit seiner Ankunft straffällig wurde. Es kann nicht von
einer tendenziellen Besserung des Verhaltens des Beschwerdeführers
ausgegangen werden. Seine Legalprognose ist somit negativ zu beurtei-
len, weshalb von einer schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche
Sicherheit und Ordnung gemäss Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG ausge-
gangen werden kann (vgl. dazu BGE 139 II 121 E. 6.3).
5.4 Als Zwischenergebnis ist somit festzustellen, dass der Beschwerdefüh-
rer nicht nur den Fernhaltegrund einer Verletzung der öffentlichen Ordnung
und Sicherheit im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a erster Halbsatz AuG ge-
setzt hat. Darüber hinaus liegt gegen ihn auch zum heutigen Zeitpunkt der
qualifizierte Fernhaltegrund einer schwerwiegenden Gefahr für die öffentli-
che Ordnung und Sicherheit im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG
vor. Das gegen ihn verhängte Einreiseverbot kann daher ohne Verletzung
von Art. 67 Abs. 3 erster Satz AuG die Dauer von fünf Jahren übersteigen.
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Seite 10
6.
Es bleibt zu prüfen, ob das Einreiseverbot in richtiger Ausübung des Er-
messens ergangen und angemessen ist. Im Zentrum steht der Grundsatz
der Verhältnismässigkeit, der eine wertende Abwägung zwischen den be-
rührten privaten und öffentlichen Interessen verlangt. Ausgangspunkt der
Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechts-
güter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelasteten (Art. 96 AuG; ferner
statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
6. Aufl. 2010, Rz. 613 ff.).
6.1 Vom Beschwerdeführer geht, wie bereits dargelegt wurde, nach wie vor
eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in
einem besonders sensitiven Bereich aus. Dementsprechend erheblich ist
das öffentliche Interesse an seiner Fernhaltung (vgl. BGE 131 II 352 E.
4.3.1 S. 359 f. mit Hinweis; Urteil BVGer C-2681/2010 vom 6. Mai 2011 E.
5.4 mit Hinweis). In Bezug auf ausländische Straftäter, die durch die Ver-
breitung harter Drogen die Gesundheit anderer gefährden oder
beeinträchtigen, gilt es zudem auszuführen, dass diese während einer ge-
wissen Zeit von der Schweiz fernzuhalten sind. Damit soll der weiteren
Ausbreitung des verbotenen Handels mit Betäubungsmitteln entgegenge-
wirkt werden. Aufgrund der Zunahme solcher Taten ist zum Schutz der
Allgemeinheit durch eine kontinuierliche und strenge Verwaltungspraxis zu
verdeutlichen, dass schwere Widerhandlungen gegen das Betäubungsmit-
telgesetz mit langjährigen Fernhaltemassnahmen geahndet werden. Der
Schutz der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit ist dabei durch Abschre-
ckung nicht nur des jeweiligen Straftäters, sondern auch anderer
potenzieller Rechtsbrecher weitest möglich zu gewährleisten (vgl. auch Ur-
teil des BVGer C-5528/2012 vom 9. Juni 2015 E. 7.4 m.H.). Verurteilungen
zu Freiheitsstrafen wegen Drogendelikten führen in aller Regel – selbst bei
lediglich einer, aber entsprechend schweren Verurteilung bereits – zur
Anordnung von (zum Teil langen) Fernhaltemassnahmen.
6.2 Dem öffentlichen Interesse an seiner Fernhaltung stellt der Be-schwer-
deführer sein privates Interesse an möglichst ungehindertem persönlichem
Kontakt zu seiner in der Schweiz verbleibenden Tochter entgegen. Nun
geht es in der vorliegenden Streitsache nicht um ein Aufenthaltsrecht (dar-
über wurde bereits rechtskräftig befunden), sondern um eine
Fernhaltemassnahme. Die Frage lautet, ob die durch die Fernhaltemass-
nahme zusätzlich bewirkte Erschwernis des Privat- und Familien-lebens
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Seite 11
vor Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV standhält. Dabei gilt zu be-
rücksichtigen, dass das Einreiseverbot gesetzlich nicht absolut
ausgestaltet ist. Vielmehr haben von einer solchen Massnahme Betroffene
die Möglichkeit, aus wichtigen Gründen mittels begründetem Gesuch die
zeitweilige Suspension zu beantragen (Art. 67 Abs. 5 AuG). In diesem ein-
geschränkten Rahmen kann den Interessen des Beschwerdeführers
Rechnung getragen werden. Das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern
hielt im Urteil vom 14. Februar 2013 fest, dass keine besonders enge Be-
ziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seiner fremdplatzierten
Tochter nachgewiesen werden konnte. Der Vater besuche die Tochter alle
zwei Wochen, sofern er nicht gerade für einige Monate in seinem Heimat-
land weile. Selbst in wirtschaftlicher Hinsicht sei keine besonders enge
Beziehung zur Tochter erkennbar, da er nach wie vor keinen Unterhalt
zahle. Es ist ausserdem darauf hinzuweisen, dass die Beiständin der Toch-
ter beabsichtigt, den Kontakt des Vaters zur Tochter weiter abzubauen, da
diese in einer Pflegefamilie untergebracht werden soll. Es wird sogar davon
ausgegangen, dass ein regelmässiger Kontakt zur Tochter, sollte dieser
denn bestehen, erst unter dem Druck des Verfahrens aufgebaut worden
war (Akten SEM S. 94). Da die Beziehung zur Tochter allein durch das
fehlende Aufenthaltsrecht des Vaters stark eingeschränkt ist, erfährt diese
durch das Einreiseverbot kaum zusätzliche Beeinträchtigung. Zumal der
Vater aus einem Drittstaat stammt, bräuchte er für eine Einreise in die
Schweiz ohnehin ein Visum. Bei dessen Beantragung gleich ein Gesuch
um Suspension des Einreiseverbots zu stellen, kann in keiner Weise als
unnötiger Formalismus (wie es der Beschwerdeführer beschreibt) betrach-
tet werden. Das Einreiseverbot stellt somit keinen nennenswerten über die
Wegweisung hinausgehenden Eingriff in Art. 8 EMRK dar.
6.3 Der Vollständigkeit halber – und weil vom Parteivertreter besonders
hervorgehoben – noch folgendes: Der Beschwerdeführer ist erst seit sei-
nem 36. Lebensjahr in der Schweiz. Er wurde in seinem Heimatland
sozialisiert und verbrachte den grössten Teil seines Lebens dort. Ausser-
dem ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seinem
Heimatland einen Sohn (geb. 1993, erwähnt im Visumsgesuch vom
17. Juni 2005 und während des damaligen Verfahrens, weil der Beschwer-
deführer eine Rückreise in sein Heimatland machen wollte, um seinen
Sohn einzuschulen) sowie weitere Verwandte hat. Er wuchs mit 12 Ge-
schwistern auf, besuchte sechs Jahre die Primar- und fünf Jahre die
Sekundarschule; anschliessend arbeitete er mit seinem Bruder in Nigeria
als Autoersatzteilverkäufer. Seiner Aussage, er habe in seinem Heimatland
keine Familie, ist somit kein Glaube zu schenken.
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Seite 12
6.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er werde in seinem Heimat-
land sterben aufgrund seiner HIV-Erkrankung, hat das Bundesgericht
bereits verbindlich festgestellt, dass es in Nigeria zahlreiche Hilfspro-
gramme und auch die notwendigen Medikamente gebe. Im Übrigen hatte
der Beschwerdeführer bei einer telefonischen Aussage erwähnt, dass er
nach Afrika ginge um Medikamente zu holen, da die Medikamente in der
Schweiz nichts nützten (Akten SEM S. 36 und S. 90).
6.5 Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass das gewichtige öffent-
liche Interesse am Erlass der Fernhaltemassnahme die privaten Interessen
des Beschwerdeführers am Nichterlass der Fernhaltemassnahme bei Wei-
tem übersteigt.
7.
Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen führt
das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass das von der Vorin-
stanz befristete angeordnete Einreiseverbot sowohl vom Grundsatz her
wie auch in seiner Dauer eine verhältnismässige und angemessene
Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.
Angesichts der festgestellten schwerwiegenden Gefahr für beson-ders
hochwertige Rechtsgüter rechtfertigt es sich vorliegend, eine Verbotsdauer
von zehn Jahren zu verhängen. Es liegen keine Umstände oder Gegeben-
heiten vor, welche eine Reduktion der Fernhaltemassnahme rechtfertigen
könnten.
8.
Das von der Vorinstanz auf zehn Jahre befristete Einreiseverbot ist – im
Lichte von Art. 49 VwVG – nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist daher
abzuweisen. Gemäss Art. 24 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1987/2006
vom 20. Dezember über die Errichtung, den Betrieb und die Nutzung des
Schengener Informationssystems der zweiten Generation (SIS-II), Abl. L
381/4 vom 28.12.2006 (SIS-II-VO) sind auch die Voraussetzungen für die
Ausschreibung zur Einreiseverweigerung im SIS gegeben (vgl. Urteil des
BVGer C-6422/2012 vom 1. Oktober 2014 E. 9.3-9.4), was im Übrigen vom
Beschwerdeführer nicht gerügt worden ist.
9.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird der unterliegende Be-
schwerdeführer kostenpflichtig (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die
Verfahrenskosten sind auf Fr. 1'000.- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3
C-3774/2014
Seite 13
Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Dispositiv 14