Decision ID: 447fcf42-ff1f-4028-a66b-8c80a6aef1c3
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Schändung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 27. Mai 2021 (DG200169)
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Anklage:
Die Anklageschriften der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom
18. August 2020 und 29. Oktober 2020 (Urk. 22 und Urk. 40/5) sind diesem Urteil
beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 75 S. 34 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB sowie
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. a SVG
in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV sowie in Ver-
bindung mit Art. 55 Abs. 6 SVG und Art. 2 lit. b der Verordnung der Bundes-
versammlung über Alkoholgrenzwerte im Strassenverkehr.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 28 Tage
durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt.
4. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 25. April 2019
für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– im Rahmen des bedingten
Strafvollzugs gewährte Probezeit von 2 Jahren wird mit Wirkung ab heute um
1 Jahr verlängert.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes verwie-
sen.
6. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 20. Juli 2020
beschlagnahmte Mobiltelefon der Marke Huawei (Asservat Nr. A013'586'828) wird
dem Beschuldigten herausgegeben. Wird der Gegenstand nicht innert 60 Tagen
nach Rechtskraft dieses Urteils herausverlangt, wird er der Lagerbehörde zur gut-
scheinenden Verwendung überlassen.
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7. Die Schadenersatzforderung der Privatklägerin B._ wird auf den Weg des Zi-
vilprozesses verwiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 6'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 2. Februar 2020 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
9. Rechtsanwalt MLaw X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-
ger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit pauschal Fr. 16'900.– (inkl.
Barauslagen und MwSt.) entschädigt.
10. Rechtsanwalt MLaw Y._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher
Vertreter der Privatklägerin mit pauschal Fr. 10'500.– (inkl. Barauslagen und MwSt.)
entschädigt.
11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 425.– Auslagen Untersuchung
Fr. 16'900.– amtliche Verteidigung
Fr. 10'500.– unentgeltliche Vertretung Privatklägerin
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt.
13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung der Verteidigungskosten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
14. (Mitteilungen)
15. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 7 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 104 S. 1; Prot. II S. 10)
1. Ziff. 1 des Urteils vom 27. Mai 2021 sei insofern aufzuheben, als dass der
Berufungskläger der Schändung i.S.v. Art. 191 StGB schuldig gesprochen
wurde, und es sei der Berufungskläger dieses Vorwurfs freizusprechen.
2. Ziff. 2 und 3 des Urteils vom 27. Mai 2021 seien aufzuheben und es sei eine
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– auszufällen. Der Vollzug der
Geldstrafe sei aufzuschieben bei einer Probezeit von drei Jahren.
3. Ziff. 5 des Urteils vom 27. Mai 2021 sei aufzuheben, und es sei auf die
Anordnung eines Landesverweises zu verzichten.
4. Ziff. 8 des Urteils vom 27. Mai 2021 sei aufzuheben; das Genugtuungs-
begehren der Privatklägerin sei abzuweisen, eventualiter auf den Weg des
Zivilprozesses zu verweisen.
5. Dem Berufungskläger sei Schadenersatz in der Höhe von Fr. 2'700.– sowie
eine Genugtuung von Fr. 7'000.– aus der Staatskasse zuzusprechen.
6. Ziff. 12 des Urteils vom 27. Mai 2021 sei aufzuheben. Die Kosten der Unter-
suchung und des vorinstanzlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
7. Der Sprechende sei gemäss eingereichter Honorarnote mit Teilnahme an
der Berufungsverhandlung zu entschädigen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten der Staats-
kasse.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 83, sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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c) Der Vertretung der Privatklägerin:
(Urk. 105 S. 2)
1. Es seien die Begehren des Berufungskläger vollumfänglich abzuweisen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen und zusätzlich Mehrwert-
steuerzusatz zulasten des Berufungsklägers.

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte, Berufungsumfang, Prozessuales
1. Prozessgeschichte
1.1. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 27. Mai 2021 wurde den
Parteien gleichentags mündlich eröffnet. Der Beschuldigte meldete mit Eingabe
vom 28. Mai 2021 innert Frist Berufung an (Urk. 67).
1.2. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 72 und Urk. 74) reichte der
Beschuldigte am 22. Oktober 2021 fristgerecht die Berufungserklärung ein
(Urk. 77). Mit Präsidialverfügung vom 1. November 2021 wurde die Berufungs-
erklärung des Beschuldigten in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und
Art. 401 StPO der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft zugestellt, um
gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die
Berufung zu beantragen. Der Privatklägerin wurde zudem Gelegenheit
eingeräumt, sich zur Zusammensetzung des Gerichts und zur Person einer
allfälligen Übersetzerin zu äussern (Art. 335 Abs. 4, Art. 153 Abs. 1 StPO und
Art. 68 Abs. 4 StPO). Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten in Anwendung von
Art. 34 StGB Frist gesetzt, seine finanzielle Leistungsfähigkeit zu belegen
(Urk. 79). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Anschlussberufung (Urk. 83),
ebenso die Privatklägerin. Diese liess sich zudem zur Präsidialverfügung vom
1. November 2021 vernehmen (Urk. 81). Der Beschuldigte reichte am
8. Dezember 2021 verschiedene Unterlagen zu seiner finanziellen Situation ein
(Urk. 86 und Urk. 88/1-6).
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1.3. Am 3. Februar 2022 ordnete die Verfahrensleitung in Bezug auf die Be-
rufungsverhandlung den Ausschluss der Öffentlichkeit an, wobei akkreditierte
Gerichtsberichterstatter unter Auflagen zugelassen wurden (Urk. 89). Am 3. und
17. Februar 2022 wurde auf den 28. April 2022 zur Berufungsverhandlung vor-
geladen (Urk. 91 und Urk. 94).
1.4. Mit Eingabe vom 6. April 2022 stellte die Verteidigung die Beweisanträge,
es seien C._, D._ und E._ anlässlich der Berufungsverhandlung zu
befragen (Urk. 97). Mit Präsidialverfügung vom 11. April 2022 wurden die Be-
weisanträge abgewiesen (Urk. 99).
1.5. Am 28. April 2022 fand die Berufungsverhandlung statt. Es erschienen der
Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers sowie der unentgeltliche
Vertreter der Privatklägerin (Prot. II S. 7). Vorfragen waren keine zu entscheiden
und – abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 103) – auch kei-
ne Beweise abzunehmen (Prot. II S. 9).
1.6. Nach den Parteivorträgen und dem Verzicht des Beschuldigten auf ein
Schlusswort verzichteten die Parteien auf eine mündliche Urteilseröffnung und
-erläuterung (Art. 84 Abs. 3 StPO; Prot. II S. 13). Die geheime Beratung fand
gleichentags statt, das Urteil wurde ebenfalls am 28. April 2022 gefällt (Prot. II
S. 15 ff.; Urk. 106) und am 29. April 2022 den Parteien schriftlich im Dispositiv
eröffnet (Urk. 106).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte beantragt, er sei vom Vorwurf der Schändung freizu-
sprechen und wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand mit einer bedingten
Geldstrafe zu bestrafen. Er wendet sich zudem gegen die Landesverweisung
(Dispositivziffer 5), die Regelung der Genugtuungsforderung (Dispositivziffer 8)
und die Kostenauflage (Dispositivziffern 12 und 13). Gegenstand der Berufung ist
damit auch die Verlängerung einer im Jahre 2019 festgelegten Probezeit
(Dispositivziffer 4). Unangefochten blieben der Schuldspruch wegen Fahrens in
fahrunfähigem Zustand, die Herausgabe eines beschlagnahmten Gegenstands,
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der Verweis einer Schadenersatzforderung auf den Weg des Zivilprozesses, die
Entschädigung der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerin sowie die Kostenfestsetzung (Dispositivziffern 1, 2. Spiegelstrich, 6,
7, 9 – 11). In diesem Umfang ist der vorinstanzliche Entscheid in Rechtskraft
erwachsen, was vorab mittels Beschlusses vorzumerken ist (Art. 399 Abs. 3 in
Verbindung mit Art. 437 StPO).
2.2. Im Übrigen steht der angefochtene Entscheid unter Berücksichtigung des
Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.
3. Prozessuales (Befragung der Privatklägerin im Berufungsverfahren)
3.1. Eine unmittelbare Beweisabnahme hat im mündlichen Berufungsverfahren
gemäss Art. 343 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 405 Abs. 1 StPO zu erfolgen, wenn
die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung notwendig
erscheint. Eine unmittelbare Beweisabnahme ist notwendig, wenn sie den
Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann. Dies ist namentlich der Fall, wenn
die Kraft des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abhängt, der
bei seiner Präsentation entsteht. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn es in
besonderem Masse auf den unmittelbaren Eindruck einer Zeugenaussage
ankommt, so etwa, wenn Aussage gegen Aussage steht. Das Gericht verfügt bei
der Frage, ob eine erneute Beweisabnahme erforderlich ist, über einen
Ermessensspielraum (BGE 144 I 234 E. 5.6.2 S. 239; 143 IV 288 E. 1.4.1 S. 290
f.; 140 IV 196 E. 4.4.1 und 4.4.2 S. 198 ff.; Urteil 6B_1408/2016 vom
20. Februar 2018 E. 1.4.1 mit Hinweisen).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können auf Video aufgezeichnete
Einvernahmen genügen, um sich ein hinreichendes Bild von der Glaubwürdigkeit
der Auskunftsperson oder des Zeugen respektive der Glaubhaftigkeit deren Aus-
sagen zu verschaffen. Dies ist namentlich der Fall, wenn weitere Sachbeweise
oder Indizien vorliegen und die einvernommene Person konstant und in sich lo-
gisch konsistent aussagt (Urteil 6B_1265/2019 vom 9. April 2020 E. 1.2, nicht
publ. in BGE 146 IV 153). Das Bundesgericht hielt betreffend ein Vier-Auge-Delikt
fest, die Berufungsinstanz habe im Rahmen ihres Ermessens auf eine Einver-
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nahme der Belastungszeugin verzichten dürfen. Die polizeiliche und staatsan-
waltschaftliche Einvernahme sei audiovisuell aufgezeichnet worden und die Aus-
führungen wiesen eine hinreichend hohe Aussagequalität auf, die es erlaube, die
Schilderungen auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu überprüfen (vgl. Urteil 6B_612/2020
vom 1. November 2021 E. 2.4).
3.2. B._ (Privatklägerin) wurde am 30. März 2020 staatsanwaltschaftlich
einvernommen. Zwar wurde ihre Befragung auf Video aufgezeichnet. Die Auf-
zeichnungen gingen aber aufgrund einer technischen Panne verloren und
konnten nicht mehr hergestellt werden (Urk. 8/3). In der Folge wurde die Privat-
klägerin im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung einvernommen und
die Befragung erneut audiovisuell aufgezeichnet (Prot. I S. 38 ff.).
Von einer weiteren Befragung der Privatklägerin im Berufungsverfahren ist abzu-
sehen. Eine Auseinandersetzung mit ihrem Aussageverhalten ist gestützt auf die
im Untersuchungsverfahren protokollierten Aussagen ohne deren unmittelbare
Kenntnis möglich. Soweit für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
allenfalls deren nonverbales Verhalten hilfreich ist, ist dies in der rund einein-
halbstündigen Videobefragung gut dokumentiert. Die Privatklägerin wurde vor
Vorinstanz eingehend befragt. Sie gab das aus ihrer Sicht Erlebte in freier Rede
wieder. Die Videoaufzeichnungen vermögen dem Gericht mithin einen aus-
reichenden persönlichen Eindruck vom Aussageverhalten der Privatklägerin zu
vermitteln. Sie erlauben, die Einvernahmen und die Reaktionen der befragten
Privatklägerin genau zu verfolgen. Wie noch zu zeigen sein wird, liegen zudem
die Aussagen zweier Zeuginnen und verschiedene Kurznachrichten vor. Einzelne
Widersprüche oder Abweichungen in den Aussagen können gestützt auf die
protokollierten Befragungen gewürdigt werden. Soweit ihre Sachdarstellung zu
den Aussagen der Zeuginnen D._ und C._ widersprüchlich ausfiel,
nahm die Privatklägerin dazu hinreichend Stellung. Weitere Diskrepanzen, welche
im Rahmen einer erneuten Befragung auszuräumen wären, liegen keine vor. Im
Übrigen erfordern widersprüchliche Aussagen nicht notwendigerweise eine
nochmalige Beweisabnahme vor Gericht (HAURI/VENETZ, in: Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, Bd. II, 2. Aufl. 2014, N. 24 zu Art. 343
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StPO). Zusammenfassend kann das Berufungsgericht auf die im Untersu-
chungsverfahren und erstinstanzlichen Gerichtsverfahren erfolgten Be-
fragungen abstellen, ohne die Privatklägerin persönlich anzuhören.
II. Sachverhalt
1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweis-
würdigung dargelegt (Urk. 75 S. 8). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde
die Vorbringen des von einem Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen
auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Entscheidfindung berücksichtigt. Nicht
erforderlich ist, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan-
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGE 146 IV
297 E. 2.2.7 S. 308 mit Hinweisen).
2. Vorfall vom 2. Februar 2020 an der F._-strasse ... in Zürich
2.1. Laut Anklagevorwurf seien der Beschuldigte, die Privatklägerin und
D._ nach einem gemeinsam verbrachten Ausgang gegen 6.00 Uhr morgens
in die Wohnung von D._ gegangen. Dort habe sich die Privatklägerin in ei-
nem Zimmer zum Schlafen hingelegt, während der Beschuldigte und D._ im
Wohnzimmer gemeinsam Alkohol konsumiert hätten. Gegen 7.00 Uhr, nachdem
auch D._ schlafen gegangen sei, habe sich der Beschuldigte in das Zimmer
begeben, in dem die Privatklägerin tief geschlafen habe. Der Beschuldigte habe
der Privatklägerin, während sie noch immer tief geschlafen habe, Trainerhose und
Slip ausgezogen. Darauf habe er die Privatklägerin an der Vagina zu lecken be-
gonnen. Nach einer Weile sei die Privatklägerin aufgewacht und habe den
Beschuldigten gefragt, was er da mache. Der Beschuldigte habe die Privatkläge-
rin weiter an der Vagina geleckt und zudem versucht, mit seinen Händen ihre
Brüste zu berühren. Darauf habe die Privatklägerin dem Beschuldigten gesagt, er
solle das sein lassen. In der Folge habe der Beschuldigte das Zimmer verlassen.
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Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der Sachverhalt sei er-
stellt (Urk. 75 S. 9 ff.).
2.2. Der Beschuldigte erklärte anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 3. März 2020, er habe das Zimmer betreten und dabei um Erlaub-
nis gebeten, wobei er keine klare Antwort gehört habe. Er habe sich hingelegt, die
Hand der Privatklägerin genommen und ihr einen Kuss gegeben. Die Privatkläge-
rin habe "ah, du bist schon gekommen" oder "du legst dich jetzt hin" gesagt. Vor
dem Hinlegen habe er ein langärmliges Oberteil ausgezogen. T-Shirt, Hosen und
Unterhosen habe er noch angehabt. Während vielleicht fünf Minuten habe er der
Privatklägerin verschiedene Zärtlichkeiten gegeben (Streicheln ihrer Hand, Küsse
auf die Schulter, Berührungen ab der Hüfte nach unten). Dann habe er begonnen,
ihre Hosen und Unterhosen auszuziehen, was die Privatklägerin ermöglicht habe
und wofür sie empfänglich gewesen sei. Er habe sie darauf am Arm, an der Hüfte
und an den Beinen geküsst und dann sei es "zu diesem Moment" gekommen. Er
habe keinen Widerstand gespürt. Die Privatklägerin sei empfänglich gewesen, sie
habe sich sogar bewegt und ihre Beine gehoben. Er habe sie während fünf bis
zehn Minuten stimuliert. Da habe die Privatklägerin "stopp" gesagt, was er res-
pektiert habe. Die Privatklägerin habe ihm gesagt, dass sie verwirrt sei und es ihr
nicht gut gehe. Deshalb habe er das Zimmer verlassen und auf dem Sofa im
Wohnzimmer geschlafen. Weshalb die Privatklägerin dies anders schildere und
die entsprechenden Handlungen als gegen ihren Willen bezeichne, könne er nicht
sagen. Vielleicht habe er die Situation falsch interpretiert (Urk. 7/2 S. 2 ff.). Der
Beschuldigte führte weiter zusammengefasst aus, die Privatklägerin und er seien
bereits zu einem früheren Zeitpunkt, vermutlich Ende Oktober 2019, zusammen
ausgegangen und sie hätten sich beim Tanzen geküsst. Zusammen ausgegangen
seien sie insgesamt dreimal. Am 1./2. Februar 2020 hätten sie zwei Bars aufge-
sucht. Sie hätten sich dort geküsst und abgemacht, dass sie die Nacht zusammen
verbringen würden. Vielleicht habe er "zusammenschlafen" falsch interpretiert
(Urk. 7/2 S. 4 ff.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte keine weiteren
Aussagen zur Sache (Urk. 103). Die Verteidigung führte zusammengefasst aus,
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die Aussagen des Beschuldigten seien glaubhaft und würden von zwei Zeuginnen
– welche keinen Grund zur Falschbelastung hätten – teilweise gestützt. Sodann
würden die WhatsApp-Nachrichten den Beschuldigten nicht belasten. Die Aus-
sagen der Privatklägerin seien hingegen nicht überzeugend, insbesondere habe
sie im Kerngeschehen widersprüchlich ausgesagt. Der Beschuldigte sei freizu-
sprechen (Urk. 104).
2.3. Zum Anklagevorwurf wurde der Beschuldigte am 2. März 2020 polizeilich,
am 3. März 2020, 30. März 2020 und 3. Juli 2020 staatsanwaltschaftlich sowie
anlässlich der Hauptverhandlung vom 27. Mai 2021 vor Schranken befragt. Dabei
äusserte sich der Beschuldigte einzig am 3. März 2020 zur Sache (Urk. 7/1-4;
Prot. I S. 48 ff.). Die Privatklägerin wurde am 13. Februar 2020 polizeilich, am
30. März 2020 staatsanwaltschaftlich und am 27. Mai 2021 anlässlich der Haupt-
verhandlung befragt (Urk. 8/1-2; Prot. I S. 12 ff.). Die Zeugeneinvernahmen von
D._ und C._ erfolgten am 30. März 2020 (Urk. 9/2; Urk. 9/7). Die Vo-
rinstanz hat die jeweiligen Sachverhaltsschilderungen des Beschuldigten, der Pri-
vatklägerin und der Zeuginnen zutreffend zusammengefasst, worauf vorab ver-
wiesen werden kann (Urk. 75 S. 9 ff.).
2.4. Der Beschuldigte stellte sich auf den Standpunkt, es habe sich um einver-
nehmliche sexuelle Handlungen gehandelt. Er schilderte, wie er das Zimmer, in
dem die Privatklägerin geschlafen habe, betreten habe, wie sie ein paar Worte
zusammen ausgetauscht hätten und wie er die Privatklägerin in der Folge berührt,
geküsst und an ihr den Oralsex vollzogen habe, bis sie zu ihm "stopp" gesagt ha-
be (Urk. 7/2 S. 2 f.). Der Beschuldigte beschrieb weiter seine Beziehung zur
Privatklägerin und eine frühere gemeinsame Nacht Ende Oktober 2019 (Urk. 7/2
S. 4: "Wir hatten nie eine Beziehung an sich oder ein Verhältnis, aber es gab eine
Nacht, wo wir ausgingen und Zärtlichkeiten austauschten"), wie sie den Abend
und die Nacht vom 1./2. Februar 2020 zuerst im Geschäft von D._ und spä-
ter in zwei Bars verbrachten und wie sie sich gegen 5.00 Uhr oder 5.30 Uhr ent-
schlossen, zu Dritt (D._, die Privatklägerin und er selbst) in die Wohnung von
D._ zu gehen. Der Beschuldigte beschrieb weiter das aktive Verhalten der
Privatklägerin während des Oralsex, deren partnerschaftliche Beziehung und
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weshalb sie nach seinem Dafürhalten mit in den Ausgang gegangen sei. Weiter
schilderte der Beschuldigte deren abweisende Reaktion, nachdem er sie nach
dem ersten Ausgang Ende Oktober 2019 mit Anrufen und Nachrichten kontaktiert
habe (Urk. 7/2 S. 8 f.: "Ich versuchte sie zu kontaktieren über Anrufe und ich
schrieb ihr auch. Aber über C._ sagte sie mir dann, dass ich sie nicht anrufen
und ihr nicht schreiben solle. Sie wolle eben nicht, dass ihr Freund davon erfahren
wird"). Damit fallen die Schilderungen des Beschuldigten – entgegen der Privat-
klägervertretung (Urk. 105 S. 3) – grundsätzlich konkret, anschaulich und ohne
Widersprüche aus. Es ist der amtlichen Verteidigung beizupflichten, dass keine
Lügensignale ersichtlich sind (Urk. 104 S. 2 ff.). Hält die Vorinstanz fest, der Be-
schuldigte habe abgesehen von den Bewegungen der Privatklägerin keine Hand-
lungen ihrerseits geschildert, trifft dies zu. Daraus lässt sich aber nicht schlussfol-
gern, dass die Darstellung unglaubhaft sei. Soweit die Vorinstanz festhält, der Be-
schuldigte habe keinen Wortwechsel erwähnt (Urk. 75 S. 21), kann ihr auch in
diesem Punkt nicht gefolgt werden. Vielmehr hielt der Beschuldigte ausdrücklich
fest, er habe der Privatklägerin nach dem Betreten des Zimmers einen Kuss ge-
geben und gesagt, er werde sich hinlegen, worauf die Privatklägerin mit "ah, du
bist schon gekommen" oder "du legst dich jetzt hin" geantwortet habe (Urk. 7/2
S. 2). Diese Antworten sind zwar im Wortlaut unterschiedlich. Es kann aber klar-
erweise und entgegen der Vorinstanz nicht gesagt werden, sie würden "inhaltlich
vehement voneinander abweichen" (Urk. 75 S. 21).
2.5. Die Aussagen der Privatklägerin qualifiziert die Vorinstanz als grundsätz-
lich konstant, detailgetreu und anschaulich. Die vorinstanzliche Würdigung kann
insoweit übernommen werden. Die Privatklägerin beschrieb beispielsweise gleich-
bleibend, wie sie zu Dritt in den frühen Morgenstunden zur Wohnung von D._
fuhren und sie sich dort in einem Zimmer schlafen legte, während der
Beschuldigte und D._ im Wohnzimmer blieben. Zum Kerngeschehen
schilderte sie wiederholt, sie sei wach geworden, als sie bemerkt habe, wie je-
mand sie an den Beinen und mit der Zunge an der Vagina berührt habe (Urk. 8/1
S. 2 und 6 f.; Urk. 8/2 S. 7; Prot. I S. 23). Sie habe realisiert, dass es der Beschul-
digte gewesen sei, und habe zu ihm auf Spanisch "Was machst Du? Was machst
Du?" gesagt. Er habe aber weitergemacht und ihr ins linke Ohr auf Spanisch "bit-
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te, bitte" gesagt. Sie habe mit "lass mich" und "nein" geantwortet (Urk. 8/1 S. 2
und 7 f.; Urk. 8/2 S. 8, 13 und 15; Prot. I S. 23 ff. und 27 f.). Weiter schilderte die
Privatklägerin wiederholt, wie sie den erigierten Penis des Beschuldigten an ihrem
linken Oberschenkel gespürt und wie sie darauf Angst bekommen habe, er würde
sie vergewaltigen (Urk. 8/1 S. 6 ff.; Urk. 8/2 S. 8 und 14; Prot. I S. 23 ff. und 27).
Richtig ist auch, dass die Privatklägerin einzig in der ersten Einvernahme erklärte,
sie habe den Penis des Beschuldigten gesehen. Deshalb habe sie realisiert, dass
der Beschuldigte nackt gewesen sei (Urk. 8/1 S. 2). Hält die Vorinstanz fest, die-
ser unterschiedlichen Schilderung könne kein massgebliches Gewicht beigemes-
sen werden, kann dies – entgegen der Verteidigung (Urk. 104 S. 5) – übernom-
men werden (Urk. 75 S. 18). Konstant hielt die Privatklägerin weiter fest, der Be-
schuldigte habe – nachdem er ihr "bitte, bitte" zugeflüstert und sie mit "lass mich"
geantwortet habe, irgendwann aufgehört und gesagt, es tue ihm leid. Darauf habe
er das Zimmer verlassen (Urk. 8/1 S. 2; Urk. 8/2 S. 8; Prot. I S. 28). Insgesamt
sind die Aussagen der Privatklägerin differenziert und ohne wesentliche Wider-
sprüche. Auf leicht abweichende Schilderungen wird zurückzukommen sein
(E. II.2.6 nachfolgend). Soweit die Vorinstanz verschiedene Vorbringen der Ver-
teidigung – wonach die Privatklägerin den Vorfall nicht sofort zur Anzeige ge-
bracht habe und es schwer nachvollziehbar sei, dass sie in der Wohnung nicht
um Hilfe geschrien habe, was gegen ihre Darstellung spreche – prüft und verwirft,
kann dies übernommen werden (Urk. 75 S. 19). Nicht gefolgt werden kann der
Vorinstanz, soweit sie erwägt, für tatsächlich Erlebtes spreche die Beschreibung
der Dunkelheit im Zimmer aufgrund einer vor dem Fenster gestellten Schranktüre
(Urk. 75 S. 17). Unbestrittene Einzelheiten ausserhalb des Kerngeschehens, die
Teil eines Erlebnishintergrunds sind, der gleichermassen mit verschiedenen
Sachverhaltsvarianten zusammenpasst, sind für die Frage nach der Glaubhaf-
tigkeit einer Aussage – wie auch die Verteidigung vorbringt (Urk. 104 S. 4) – nicht
weiterführend. Nach BENDER/HÄCKER/SCHWARZ kommt es für die Prüfung der
Aussage darauf an, ob sich Realitätsmerkmale im relevanten Teilerlebnis finden
(BENDER/ HÄCKER/SCHWARZ, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 5. Aufl. 2021,
N. 405 ff.). Entgegen dem Dafürhalten der Staatsanwaltschaft lässt sich deshalb
etwa aus der Schilderung der Privatklägerin, sie habe sich vor dem Zubettgehen
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abgeschminkt, nichts für die Glaubhaftigkeit ihrer belastenden Aussagen ableiten.
Ebenso wenig wäre hier ein Kriterium für die Glaubhaftigkeit beispielsweise die
Schilderung, die sexuellen Handlungen hätten in der Wohnung von D._, im
besagten Zimmer oder in den frühen Morgenstunden stattgefunden.
2.6. Es stellt sich die Frage, ob die erwähnten Aussagen des Beschuldigten
respektive die belastenden Schilderungen der Privatklägerin selbst im Lichte der
Ausführungen der Zeuginnen nach wie vor als glaubhaft zu qualifizieren sind.
2.6.1. D._ war beim fraglichen Ausgang vom 1./2. Februar 2020 Teil der
Gruppe. Sie ist Besitzerin jenes Geschäfts, in dem die Gruppe noch vor dem ers-
ten Barbesuch zusammenkam und dort gemeinsam Alkohol konsumierte. Zur Pri-
vatklägerin hielt sie fest, diese seit ca. 2015/2016 zu kennen (Urk. 9/1 S. 2;
Urk. 9/2 S. 3). Den Beschuldigten kenne sie seit ca. 2016 respektive seit ca.
2014/2015 (Urk. 9/1 S. 2; Urk. 9/2 S. 3). Sie hätten sich in ihrem Geschäft ken-
nengelernt und zweimal (im Frühling 2018 und Sommer 2019) kurz zusammen
gewohnt. Den Beschuldigten bezeichnete sie als nette Person. Er sei anständig
und helfe ihr immer. Zudem würde sie dessen Mutter und seine Kinder kennen
(Urk. 9/1 S. 2 f.). Die Privatklägerin und der Beschuldigte seien ihre Freunde oder
Kollegen (Urk. 9/1 S. 10; Urk. 9/2 S. 2).
D._ schilderte das Rahmengeschehen – den gemeinsamen Ausgang vom
1./2. Februar 2020, das Aufsuchen ihrer Wohnung in den frühen Morgenstunden,
wie die Privatklägerin sich zum Schlafen in ein Zimmer zurückzog, während
sie (D._) und der Beschuldigte noch im Wohnzimmer blieben – im
Wesentlichen übereinstimmend mit den Erzählungen der Privatklägerin und des
Beschuldigten. Gleichwohl fallen einzelne Schilderungen auf, die mit der
Darstellung der Privatklägerin im Widerspruch oder zumindest nicht ohne
Weiteres im Einklang stehen. Gleiches gilt in einem Punkt in Bezug auf die
Darstellungen des Beschuldigten (E. II.2.6.3).
So beschrieb D._ die Reaktion der Privatklägerin, als diese erfahren habe,
dass der Beschuldigte sie in den Ausgang begleiten würde. Danach habe die
Privatklägerin zu ihr gesagt, sie würde ihm vielleicht eine Chance geben, wenn sie
- 15 -
keinen Freund hätte (Urk. 9/1 S. 7; Urk. 9/2 S. 5 f.). Mit dieser Darstellung der
Zeugin konfrontiert, stellte die Privatklägerin solches in Abrede (Prot. I S. 20).
Weiter hätten Personen in der Gruppe ("G._" oder "H._") gesehen und
ihr (der Zeugin D._) erzählt, dass sich der Beschuldigte und die Privatkläge-
rin in den Bars geküsst hätten (Urk. 9/1 S. 6; Urk. 9/2 S. 5). Dies stimmt mit den
Aussagen des Beschuldigten (Urk. 7/2 S. 7), nicht aber mit den Aussagen der
Privatklägerin (Urk. 8/2 S. 17 f.; Prot. I S. 31) überein. Ob sich die Privatklägerin
gegenüber der Zeugin wie beschrieben über den Beschuldigten äusserte und ob
die Privatklägerin und der Beschuldigte während des Ausgangs Zärtlichkeiten
austauschten, wozu sich die Zeugin D._ denn auch nur vom Hörensagen
äusserte, ist selbstredend nicht Teil des Kerngeschehens. Letzteres stützt – wenn
auch nur vom Hörensagen – die Darstellung des Beschuldigten nur (aber immer-
hin) betreffend den gemeinsamen Ausgang wenige Stunden vor dem angeklagten
Vorfall.
D._ schilderte, wie die Privatklägerin am 2. Februar 2020 gegen 13.30 Uhr
aufgestanden und zu ihr in die Küche gekommen sei. Die Privatklägerin habe ihr
erzählt, was geschehen sei, nachdem sie (die Privatklägerin) schlafen gegangen
sei: "Sie hat normal erzählt, dass A._ zu ihr ins Zimmer gekommen sei. Sie
sei eingeschlafen und er habe gefragt, ob er bei ihr schlafen könne. Sie hat zu
ihm gesagt, das sei okay, dann sei sie wieder eingeschlafen. Später sei sie er-
wacht und dann sei er unten bei ihr gewesen und habe Oralsex gemacht. Dann
habe ich sie gefragt, ob sie einverstanden gewesen sei. Sie sagte dann, dass sie
nicht einverstanden gewesen sei" (Urk. 9/2 S. 7). Die Privatklägerin hielt mithin
gegenüber der Zeugin zum einen fest, dass sie die Frage des Beschuldigten, ob
er bei ihr schlafen könne, bejahte. Zum andern hielt sie fest, sie sei später wieder
erwacht, als der Beschuldigte Oralsex gemacht habe, womit sie nicht einverstan-
den gewesen sei. Diese Schilderungen der Privatklägerin gegenüber der Zeugin
wenige Stunden nach dem eingeklagten Vorfall klammert die Vorinstanz zu Un-
recht aus. Meint sie, entsprechende Aussagen seien vernachlässigbar und nicht
relevant (Urk. 75 S. 21), kann ihr – wie auch die Verteidigung vorbringt (Urk. 104
S. 6 f.) – nicht gefolgt werden. Im Sinne der Privatklägerin fällt auf, dass sie die
sexuellen Handlungen bereits gegenüber der Zeugin als nicht einvernehmlich
- 16 -
schilderte. Vertritt sie aber im Verfahren stets den Standpunkt, sie habe nicht be-
merkt, dass der Beschuldigte sie im Zimmer aufgesucht habe, und hielt sie laut
Zeugin ihr gegenüber Gegenteiliges fest, setzt dies bei der Glaubhaftigkeit ihrer
Schilderungen zumindest ein Fragezeichen.
2.6.2. C._ legte offen, sie habe im Vorfeld der Einvernahme mit den involvier-
ten Personen wie auch mit der Mutter des Beschuldigten gesprochen. Die Mutter
des Beschuldigten habe sie aufgefordert, bei der Polizei die Wahrheit zu sagen
und weder für die Privatklägerin noch für den Beschuldigten Partei zu ergreifen.
C._ unterstrich, sie sage "einfach die Wahrheit. Ich sage, was ich sagen
muss". Den Beschuldigten habe sie 2017/2018 das erste Mal gesehen. Er sei ein
oberflächlicher Bekannter. Die Privatklägerin kenne sie seit ca. 2018. Deren
Schwester sei ihr Kindermädchen gewesen. Auch die Privatklägerin sei ab und zu
bei ihr gewesen, um ihre Kinder zu hüten. Die Privatklägerin gehöre zu ihren
Freundinnen (Urk. 9/3 S. 2 f.). In einer späteren Einvernahme bezeichnete sie den
Beschuldigten als "Bekannter" und "Freund" (Urk. 9/7 S. 2).
C._ beschrieb, wie sie am 2. Februar 2020 mit der Privatklägerin telefoniert
habe. Die Privatklägerin habe ihr am Telefon erzählt, sie sei am Schlafen gewe-
sen, als der Beschuldigte sie gefragt habe, ob er sich zu ihr legen dürfe. Sie habe
dies bejaht. Sie sei dann wach geworden, als der Beschuldigte sie mit den Hän-
den berührt habe. Nach diesen Erzählungen habe die Zeugin den Beschuldigten
kontaktiert. Sie sei geschockt gewesen, von ihm eine völlig andere Version zu hö-
ren. Deshalb habe sie die Privatklägerin nochmals angerufen und sie gefragt, was
passiert sei. Darauf habe die Privatklägerin ihre Version geändert. Die Privatklä-
gerin habe nun neu behauptet, sie habe dem Beschuldigten nicht erlaubt, auf das
Bett zu liegen. Von der Zeugin konfrontiert mit den soeben gehörten Erzählungen
des Beschuldigten, wonach die Privatklägerin nicht geschlafen, sondern sich be-
wegt und gestöhnt habe, habe die Privatklägerin erklärt, es sei ihr peinlich gewe-
sen und sie habe deshalb nichts vom Oralsex erzählt (Urk. 9/7 S. 4 f.). Laut Zeu-
gin schilderte die Privatklägerin ihr gegenüber zweierlei Abläufe. In der ersten Va-
riante räumte die Privatklägerin ein, dem Beschuldigten erlaubt zu haben, bei ihr
zu schlafen. Dies korreliert mit den Aussagen der Zeugin D._ und setzt bei
- 17 -
den anderslautenden belastenden Aussagen der Privatklägerin ein weiteres Fra-
gezeichen. Darüber hinaus findet sich ein zusätzlicher Widerspruch in den Aus-
sagen der Privatklägerin. Diese hielt fest, sie habe während des Gesprächs mit
der Zeugin weiterhin am Telefon geweint (Urk. 8/2 S. 10). Die Zeugin hielt dem-
gegenüber fest, die Privatklägerin sei in einem normalen Gemütszustand gewe-
sen (Urk. 9/3 S. 5: "Sie hat mir die Geschichte ohne Weinen erzählt. Als ich nach-
fragte, spürte ich, dass sie nervös wurde").
2.6.3. Die Zeuginnen D._ und C._ sind mit dem Beschuldigten und der
Privatklägerin befreundet. Hinweise, dass die Zeuginnen wahrheitswidrig für die
eine oder andere Seite Partei ergreifen würden, sind keine erkennbar. Vielmehr
gehen aus ihren Depositionen aufgrund der unterschiedlichen Schilderungen des
Vorgefallenen eine gewisse Enttäuschung und ein Loyalitätskonflikt hervor (vgl.
Urk. 9/1 S. 9 und 10; Urk. 9/2 S. 8; Urk. 9/3 S. 6; Urk. 9/7 S. 5 ff.).
Die Privatklägerin hielt dazu fest, ihre Kolleginnen hätten ihr gesagt, sie solle kei-
ne Anzeige bei der Polizei machen, da der Beschuldigte Kinder in Spanien habe
und nun vielleicht die Schweiz verlassen müsse (Urk. 8/1 S. 9 f.; Urk. 8/2 S. 11 f.).
Zudem habe D._ befürchtet, es könne Probleme geben, weil es in ihrer
Wohnung geschehen sei. Sie seien auch in ihrem Geschäft gewesen und
D._ befürchte, Probleme mit der Polizei zu bekommen (Urk. 8/2 S. 17). Beide
Zeuginnen hätten sich für den Beschuldigten eingesetzt und gleichzeitig ihr nicht
mehr geglaubt (Prot. I S. 27). Alle vier Frauen (also auch "G._" und
"H._") hätten versucht, sie (die Privatklägerin) zu beeinflussen. Sie hätten
nicht gewollt, dass sie eine Anzeige mache (Prot. I S. 31). C._ (gemeint: die
Zeugin C._) habe ihr zudem gesagt, es sei nicht so schlimm, was passiert
sei, sie sei schliesslich nicht vergewaltigt worden (Prot. I S. 33 f.).
Folgt man der Darstellung der Privatklägerin, ergriffen beide Zeuginnen wie auch
"G._" und "H._" einseitig für den Beschuldigten Partei. Ein
entsprechendes Motiv, geschlossen für den Beschuldigten einzustehen und zu
diesem Zweck wahrheitswidrig auszusagen, blieb eher pauschal, ist nicht ohne
Weiteres nachvollziehbar und setzte mehrere Momente voraus. D._ und
C._ hätten die Schilderung der Privatklägerin, wonach der Beschuldigte die
- 18 -
Privatklägerin wegen dem Übernachten in ihrem Zimmer gefragt und die
Privatklägerin dazu ja gesagt habe, frei erfunden. Sie hätten sich dazu sowohl mit
dem Beschuldigten als auch mit der anderen Zeugin absprechen müssen.
Hinweise für Absprachen sind keine erkennbar. Vielmehr hielt die Zeugin D._
im Widerspruch zum Beschuldigten fest, sie sei gegen 7 Uhr morgens in ihr
Schlafzimmer gegangen, während der Beschuldigte weiter im Wohnzimmer
geblieben sei. Dies wurde vom Beschuldigten anders geschildert (Urk. 9/1 S. 5
und 7; Urk. 7/2 S. 8). Hätten sich die Zeugin D._ und der Beschuldigte ab-
gesprochen, wären einheitlichere Aussagen zu erwarten gewesen.
Dass sich die Privatklägerin gegenüber D._ und C._ wie von den
Zeuginnen geschildert äusserte und die Zeuginnen dies nicht etwa erfanden, ist
aus einem weiteren Grund nicht zweifelhaft. Beide Zeuginnen hielten fest, die
Privatklägerin habe von sexuellen Handlungen berichtet, die der Beschuldigte
während sie schlief und ohne ihr Einverständnis vorgenommen habe. Hätten die
Zeuginnen tatsächlich – wie die Privatklägervertretung vorbringt (Urk. 105 S. 3) –
einen Komplott gegen die Privatklägerin geschmiedet und Partei für den
Beschuldigten ergriffen, wären ihre Aussagen wohl auch in diesem Punkt anders
(nämlich ebenfalls zu Gunsten des Beschuldigten) ausgefallen.
Insgesamt kann theoretisch zwar nicht ausgeschlossen werden, dass die
Aussagen der Zeuginnen wahrheitswidrig ausfielen und die Privatklägerin ihnen
gegenüber in Tat und Wahrheit stets beschrieb, wie sie erst aufwachte, als der
Beschuldigte den Oralsex ausführte, ohne dass sie ihm das Übernachten erlaubt
hätte. Eine solche Darstellung gegenüber den Zeuginnen scheint aufgrund der
dargestellten Umstände aber insgesamt als unwahrscheinlich zu sein.
2.6.4. Als Zwischenfazit kann Folgendes festgehalten werden. Den grundsätzlich
konkreten, anschaulichen und widerspruchsfreien Aussagen des Beschuldigten
stehen die ebenfalls konstanten, detailgetreuen und anschaulichen Aussagen der
Privatklägerin gegenüber. Die Aussagen des Beschuldigten zum Küssen in der
Bar werden durch die Erzählungen von D._ – auch wenn nur vom Hören-
sagen – gestützt. Dazu stehen die Schilderungen der Privatklägerin im Wider-
spruch. Die weitere Darstellung des Beschuldigten, wonach er sich mit dem
- 19 -
Einverständnis der Privatklägerin zu ihr ins Bett gelegt hat, wird durch die Zeu-
genaussagen von D._ und C._ untermauert und erfährt dadurch eine
bedeutende Stütze.
2.7.
2.7.1. Unbestritten ist, dass der Beschuldigte nach dem Oralsex das Zimmer
verliess und nicht bei der Privatklägerin übernachtete. Beschuldigter und Privat-
klägerin schildern dabei je von der Gegenseite, diese habe ein Missbehagen for-
muliert (Beschuldigter in Urk. 7/2 S. 3: "Da sagte sie stopp und das respektierte
ich und hörte auf. Ich fragte sie, ob ich ihr irgendetwas angetan habe, ob alles gut
sei. In dem Moment sagte sie mir, dass sie verwirrt sei und es ihr nicht gut gehe.
So verliess ich das Zimmer und schlief auf dem Sofa [...]"; Privatklägerin in Prot. I
S. 28: "[...] er hat mehrmals 'por favor' gesagt. Irgendwann hat er aufgehört und
auf Spanisch so etwas gesagt wie: 'Es tut mir leid, ich fühle mich schlecht'. Dann
ging er aus dem Zimmer und ich blieb alleine im Zimmer").
2.7.2. Die im Recht liegenden WhatsApp-Nachrichten zwischen dem Beschuldig-
ten und C._ vom 2., 14. und 17. Februar 2020 offenbaren Folgendes. Der
Beschuldigte bat seine Gesprächspartnerin um Hilfe, damit die Privatklägerin von
einer Anzeige absehe (Urk. 10/8 S. 11). Er entschuldigte sich und signalisierte
Bereitschaft, der Privatklägerin Schadenersatz zu bezahlen (Urk. 10/8 S. 15: "Sie
soll mir sagen, wieviel Schadenersatz ich ihr bezahlen soll. Das Ganze tut mir
weh, aber ich bin nun mal wie ich bin [ich muss so sein, wie ich bin]. Ich fühle
mich deshalb sehr schlecht, ich habe nie gedacht, dass sie sich deshalb so
schlecht fühlt. Aber trotzdem entschuldige ich mich bei ihr"). Dies wiederholte er
anlässlich seiner Hafteinvernahme, indem er gegenüber dem Staatsanwalt fest-
hielt, er werde zu Unrecht beschuldigt, sei aber bereit, eine finanzielle Entschädi-
gung zu leisten (Urk. 7/2 S. 5). Weiter gehen aus den Kurznachrichten seine Be-
mühungen hervor, "nichts Falsches" oder Widersprüchliches zu erzählen
(Urk. 10/8 S. 52: "Hat sie Ihnen vielleicht ihre Version des Vorfalls erzählt, damit
ich nichts Falsches erzähle und niemandem widerspreche"; Urk. 10/8 S. 64 f.:
"[...] soll ich das, was sie sagt, bestätigen?"; "Soll ich es zugeben, was soll ich Ih-
rer Meinung nach tun?") und dass er sein eigenes Verhalten verurteilt (Urk. 10/8
- 20 -
S. 20: "[...] Entschuldigung, ich bin ein Scheisskerl. So etwas ist mir noch nie
passiert. Ich habe schon mit tausend Leuten geschlafen und noch nie hat es mir
an Respekt gemangelt"; Urk. 10/8 S. 42: "Ich entschuldige mich nochmals für al-
les, was sie möglicherweise als Belästigung empfunden hat").
2.7.3. Aus den Nachrichten lässt sich unschwer herauslesen, wie der Beschuldig-
te Angst vor den Konsequenzen einer Anzeige respektive Verurteilung hatte. Zu-
dem geht daraus nach den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen hervor, wie
er von einem schlechten Gewissen geplagt wurde. Dieses schlechte Gewissen
legt ein Schuldbewusstsein und ein eigenes Fehlverhalten nahe. Äusserte der Be-
schuldigte eine Entschuldigung für ein Verhalten, welches die Privatklägerin in
seinen Worten als Belästigung empfunden haben könnte, steht dies mit nicht
einvernehmlichen Handlungen und zudem mit dem Anklagesachverhalt im
Einklang. Dies wirft ein ungünstiges Licht auf den Beschuldigten und belastet ihn.
Hingegen ist dies nicht die einzig mögliche Schlussfolgerung. Der Beschuldigte
hielt stets fest, dass die Privatklägerin während der sexuellen Handlungen ab
einem gewissen Zeitpunkt weitere Annährungen nicht zugelassen und sie ein
Missbehagen geäussert habe. Folgt man diesem Zugeständnis des Beschuldig-
ten, dass er mehr wollte, aber die Privatklägerin ihm die von ihr geschilderten Bit-
ten ("por favor") abschlug, sind die in den Kurznachrichten enthaltenen Äusserun-
gen an die Adresse von C._ auch in diesem Licht lesbar. Weiter ist denkbar,
dass der Beschuldigte auch nach seinem Empfinden eine rote Linie überschritt.
Dies muss selbstredend nicht zwingend im Sinne der Anklage geschehen sein.
Selbst in den Kurzmitteilungen und damit im Kontext mit den zum Ausdruck ge-
brachten Schuldgefühlen unterstrich der Beschuldigte, die Privatklägerin sei bei
Bewusstsein gewesen (Urk. 10/8 S. 7). Signalisierte er bei der Staatsanwaltschaft
seine Bereitschaft, eine finanzielle Entschädigung zu leisten, betonte er gleich-
wohl, zu Unrecht beschuldigt zu werden.
2.8. Die Darstellung des Beschuldigten, er habe sich mit dem Einverständnis
der Privatklägerin zu ihr ins Bett gelegt, bestätigte die Privatklägerin gegenüber
zwei Zeuginnen. An den Zeugenaussagen bestehen mangels Hinweise für Ab-
sprachen keine rechtserheblichen Zweifel und es ist darauf abzustellen. Dieser
- 21 -
Umstand zum Kerngeschehen untermauert die Schilderungen des Beschuldigten.
Weiter stehen den konkreten, detailgetreuen und anschaulichen Aussagen der
Privatklägerin die ebenfalls konkreten, anschaulichen und in sich widerspruchs-
freien Aussagen des Beschuldigten gegenüber. Einzelne abweichende Darstel-
lungen der Privatklägerin sind neutral zu würdigen (betreffend die Behauptung
von D._ zu einer möglichen Beziehung zum Beschuldigten), einzelne lassen
zumindest die Frage aufkommen, weshalb die Erzählungen der Privatklägerin
sich anders als die Zeugenaussagen – wenn auch teilweise nur vom Hörensa-
gen – präsentieren (Küsse in den Bars, emotionaler Zustand während des Ge-
sprächs mit einer Zeugin). Demgegenüber wird der Beschuldigte durch die Kurz-
nachrichten belastet. Sie sind mit nicht einvernehmlichen Handlungen und zudem
mit dem Anklagesachverhalt grundsätzlich in Einklang zu bringen. Seine Äusse-
rungen sind aber auch mit weiteren Szenarien (dass er mehr wollte und die Pri-
vatklägerin ihn abwies oder dass er auch nach seinem Empfinden und obwohl die
Privatklägerin nicht schlief eine rote Linie überschritt) vereinbar. Gesamthaft ge-
sehen kann nicht rechtsgenügend ausgeschlossen werden, dass die Privatkläge-
rin dem Beschuldigten erlaubte, sich zu ihr hinzulegen. Damit bestehen erhebli-
che Zweifel, ob sich der Sachverhalt genau so zugetragen hat, wie von der An-
klagebehörde in der Anklageschrift in Bezug auf den Tiefschlaf geschildert. Als
Konsequenz ist in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" auf die Aus-
sagen des Beschuldigten abzustellen. Es lässt sich mithin nicht erstellen, dass
die Privatklägerin im relevanten Zeitpunkt tief und fest geschlafen hat und ent-
sprechend widerstandsunfähig war. Dass die Privatklägerin dem Beschuldigten
erlaubte, sich zu ihr hinzulegen, sie in der Folge einschlief und es erst dann zu
sexuellen Handlungen kam, kann ausgeschlossen werden. Dies wird von keiner
Seite so behauptet.
2.9. Der Anklagesachverhalt lässt sich nicht erstellen und der Beschuldigte
ist vom Vorwurf der Schändung freizusprechen.
- 22 -
III. Strafzumessung
1. Anträge/Grundsätze
1.1. Die Verteidigung beantragt, der Beschuldigte sei wegen Fahrens in fahrun-
fähigem Zustand mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.–
bei einer Probezeit von drei Jahren zu bestrafen (Urk. 104 S. 1).
1.2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden.
2. Wahl Sanktionsart
2.1. Die Vorinstanz setzt (im Rahmen der Gesamtstrafenbildung) für das Fah-
ren in fahrunfähigem Zustand gedanklich eine Freiheitsstrafe fest, ohne die Wahl
der Sanktionsart zu begründen.
2.2. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweck-
mässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein
soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134
IV 97 E. 4.2 S. 100 mit Hinweisen). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit
soll nach konstanter Rechtsprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden und
hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige
gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen
eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; Urteil 6B_125/2018 vom 14. Juni 2018
E. 1.3.2; je mit Hinweis).
Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2 S. 101). Sie
wiegt als Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in die per-
sönliche Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; 134 IV 97 E. 4.2.2 S. 101, 82
E. 7.2.2 S. 90). Am Vorrang der Geldstrafe hat der Gesetzgeber im Rahmen der
erneuten Revision des Sanktionenrechts entgegen der ursprünglichen Stoss-
richtung festgehalten (BGE 144 IV 217 E. 3.6 S. 237 f. mit Hinweisen). Art. 41
StGB statuiert diese Priorität. Eine kurze Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe
von höchstens 180 Tagessätzen ist unter anderem zulässig, wenn eine solche
- 23 -
geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten (Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB).
2.3. Der Beschuldigte wurde am 25. April 2019 wegen mehrfacher Nötigung,
Sachbeschädigung und Tätlichkeiten zu einer bedingten Geldstrafe von
90 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 500.– verurteilt (Urk. 76). Die
hier zu beurteilende Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz beging er
etwa 1 1⁄2 Jahre später. Von einer Freiheitsstrafe als einzig zweckmässige Sank-
tion ist nicht auszugehen. Der Beschuldigte ist seit dem heute zu beurteilenden
Vorfall nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten. Es kann davon ausge-
gangen werden, dass das vorliegende Strafverfahren und die heute auszufäl-
lende bedingte Geldstrafe eine Warnwirkung zeigen, weshalb einer Geldstrafe
die präventive Effizienz nicht abgesprochen werden kann. Sie ist mit Blick auf
das verübte Delikt zudem schuldangemessen und zweckmässig. Mithin kommt
sie auch unter dem Gesichtspunkt des Schuldausgleichs in Frage.
3. Fahren in fahrunfähigem Zustand
3.1. Der Beschuldigte lenkte am 18. Oktober 2020 um ca. 7.15 Uhr nach dem
Konsum von drei Litern Bier einen Personenwagen. Die Atemalkoholkonzentrati-
on betrug 0.65 mg/l. Die Fahrt erfolgte an einem Sonntagmorgen vom I._-
quartier bis zur J._-strasse ..., wobei der Beschuldigte angab, er habe nach
Hause (das heisst nach Zürich-...) fahren wollen (Urk. 40/2 S. 5; Prot. I S. 49 f.).
Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Das Gesamtverschulden ist insge-
samt als leicht zu bezeichnen.
3.2. Die Vorinstanz hat das Vorleben des Beschuldigten und die persönli-
chen Verhältnisse korrekt gewürdigt. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 75
S. 26 f.). Aus den persönlichen Verhältnissen ergibt sich nichts für die Strafzu-
messung Relevantes. Gleiches gilt in Bezug auf das Nachtatverhalten. Das
Geständnis fällt nicht strafmindernd aus, da der Beschuldigte von der Polizei in
alkoholisiertem Zustand angehalten wurde und die Beweislage entsprechend
erdrückend war.
- 24 -
Der Beschuldigte weist eine Vorstrafe aus dem Jahre 2019 auf. Die nicht ein-
schlägige Vorstrafe und das Delinquieren während laufender Probezeit wirken
sich mässig straferhöhend aus.
3.3. Unter Berücksichtigung aller für die Strafzumessung relevanten Kriterien
erscheint eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen als angemessen.
3.4.
3.4.1. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen
und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namen-
tlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien-
und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2
StGB). Ausgangspunkt für die Bemessung bildet das Einkommen, das dem
Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Was gesetzlich geschuldet ist
oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, ist abzuziehen, so die laufenden
Steuern, die Beiträge an die obligatorische Kranken- und Unfallversicherung,
sowie die notwendigen Berufsauslagen bzw. bei Selbständigerwerbenden die
branchenüblichen Geschäftsunkosten (im Einzelnen BGE 142 IV 315
E. 5.3.2 ff. S. 320 ff. mit Hinweisen). Der Tagessatz für Verurteilte, die nahe oder
unter dem Existenzminimum leben, ist in dem Masse herabzusetzen, dass einer-
seits die Ernsthaftigkeit der Sanktion durch den Eingriff in die gewohnte Lebens-
führung erkennbar ist und andererseits der Eingriff nach den persönlichen und
wirtschaftlichen Verhältnissen als zumutbar erscheint. Als Richtwert lässt sich
festhalten, dass eine Herabsetzung des Nettoeinkommens um mindestens die
Hälfte geboten ist. Bei einer hohen Anzahl Tagessätze – namentlich bei Geldstra-
fen von mehr als 90 Tagessätzen – ist eine Reduktion um weitere 10-30 Prozent
angebracht, da mit zunehmender Dauer die wirtschaftliche Bedrängnis und damit
das Strafleiden progressiv ansteigt (BGE 134 IV 60 E. 6.5.2 S. 73).
3.4.2. Der Beschuldigte beziffert sein monatliches Nettoeinkommen auf Fr. 4'000.–
, die Krankenkassenprämien auf Fr. 440.– und die Unterhaltsbeiträge an seine
Kinder auf Fr. 600.– (Urk. 88/1). Zu berücksichtigen ist ein Abzug für Lebenskos-
- 25 -
ten und die finanziellen Verhältnisse nahe am Existenzminimum. Damit ist der
Tagessatz auf Fr. 30.– festzusetzen.
3.5. Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 70 Tages-
sätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen.
3.6. Nach Art. 51 StGB rechnet das Gericht die Untersuchungshaft, die der Tä-
ter während dieses oder eines anderen Verfahrens ausgestanden hat, auf die
Strafe an. Ein Tag Haft entspricht einem Tagessatz Geldstrafe. Zu entziehende
Freiheit soll demnach wenn immer möglich mit bereits entzogener kompensiert
werden. Anzurechnen ist sowohl auf unbedingte als auch auf bedingte Strafen
(BGE 135 IV 126 E. 1.3.6 S. 129). Nach dem Wortlaut von Art. 51 StGB ist für die
Anrechnung der Haft weder Tat- noch Verfahrensidentität erforderlich. Es ist da-
bei primär auf Freiheitsstrafen anzurechnen, sekundär auf allfällige Nebensankti-
onen wie Geldstrafen, Arbeitsstrafen oder Bussen (BGE 141 IV 236 E. 3.3 S. 239
mit Hinweisen).
Der Beschuldigte befand sich ab 2. März 2020, 09.30 Uhr, bis zum
30. März 2020, 18.55 Uhr, und damit entgegen der Vorinstanz während 29 Tage
in Haft (Urk. 17/4 und Urk. 17/14 S. 3). Die erstandene Haft ist auf die Geldstra-
fe anzurechnen.
IV. Vollzug
1.1. Nach Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe
oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine
unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Für den bedingten Vollzug nach
Art. 42 Abs. 1 StGB genügt das Fehlen einer ungünstigen Prognose, das heisst
die Abwesenheit der Befürchtung, der Täter werde sich nicht bewähren (BGE 134
IV 1 E. 4.2.2 S. 5 f.). Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist an-
hand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen (vgl.
dazu im Einzelnen BGE 134 IV 1 E. 4.2.1 S. 5 mit Hinweisen; 145 IV 137 E. 2.2
S. 139).
- 26 -
1.2. Die Vorinstanz gewährt dem Beschuldigten den bedingten Vollzug und
setzt die Probezeit auf drei Jahre fest (Urk. 75 S. 28 f.). Diese Erwägungen kön-
nen sinngemäss für die hier festzusetzende Geldstrafe übernommen werden.
V. Widerruf
1.1. Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Ver-
gehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so
widerruft das Gericht gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB die bedingte Strafe oder den
bedingten Teil der Strafe. Ist nicht zu erwarten, dass der Verurteilte weitere
Straftaten begehen wird, so verzichtet das Gericht gemäss Abs. 2 derselben
Bestimmung auf einen Widerruf. Es kann den Verurteilten verwarnen oder die
Probezeit um höchstens die Hälfte der im Urteil festgesetzten Dauer verlängern.
Die Anforderungen an die Prognose entsprechen denjenigen gemäss Art. 42
Abs. 1 StGB. Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist anhand einer
Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen (vgl. dazu im
Einzelnen: BGE 134 IV 1 E. 4.2.1 S. 5; 134 IV 140 E. 4.5 S. 144; je mit
Hinweisen).
1.2. Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des
Kantons Zürich vom 25. April 2019 zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tages-
sätzen zu Fr. 30.– verurteilt. Während der zweijährigen Probezeit wurde er straf-
fällig, indem er in fahrunfähigem Zustand ein Fahrzeug lenkte. Beim
vorinstanzlichen Verzicht auf den nachträglichen Vollzug der bedingt ausge-
sprochenen Geldstrafe bleibt es bereits aufgrund des Verschlechterungsverbots.
Den Bedenken an einer günstigen Legalprognose ist mit einer Verlängerung der
zweijährigen Probezeit ab heute um ein Jahr Rechnung zu tragen.
VI. Landesverweisung
Der Beschuldigte ist vom Vorwurf der Schändung freizusprechen, weshalb über
eine Landesverweisung im Sinne von Art. 66a StGB nicht zu befinden ist.
- 27 -
VII. Zivilansprüche
1.1. Die Vorinstanz verpflichtet den Beschuldigten, der Privatklägerin Fr. 6'000.–
zuzüglich Zins zu 5 % ab 2. Februar 2020 als Genugtuung zu bezahlen.
1.2. Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es
die beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist (Art. 126
Abs. 1 lit. b StPO). Ist der Sachverhalt nicht spruchreif, wird die Zivilklage auf den
Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
1.3. Der Beschuldigte ist vom Vorwurf der Schändung freizusprechen. Es liegt
weder eine Persönlichkeitsverletzung noch ein widerrechtliches Verhalten im Sin-
ne von Art. 49 OR vor. Die Privatklägerin hat keinen Anspruch auf Genugtuung.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kostenfolgen im erstinstanzlichen Verfahren
1.1. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (inklusive der Entschädigung der
amtlichen Verteidigung und des Rechtsbeistandes der Privatklägerin, Dispositiv-
ziffer 11) ist wie ausgeführt in Rechtskraft erwachsen.
1.2. Die beschuldigte Person trägt gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfah-
renskosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie teilweise schuldig gesprochen, sind
ihr die Verfahrenskosten grundsätzlich nur anteilsmässig aufzuerlegen.
Dem Schuldspruch wegen Fahren in fahrunfähigem Zustand kommt im Vergleich
zum Freispruch vom Vorwurf der Schändung nur untergeordnete Bedeutung zu.
Der Beschuldigte war von Anfang an geständig. Für das Verfahren wegen Fahren
in fahrunfähigen Zustand erscheint es angemessen, dem Beschuldigten die
Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens,
einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Verbeiständung der Privatklägerschaft, im Umfang von Fr. 1'000.– aufzuerlegen.
Im Übrigen Umfang sind sie auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 3'000.– zu veranschlagen (Art. 424
Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung
des Obergerichts). Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach
Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine
Partei im Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon
ab, in welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht
gestellten Anträge gutgeheissen wurden (THOMAS DOMEISEN, in: Basler
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Bd. II, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu
Art. 428 StPO).
2.2. Der Beschuldigte strebte mit seiner Berufung einen Freispruch vom
Vorwurf der Schändung an und obsiegt im Berufungsverfahren mit seinen
Anträgen nahezu vollumfänglich. Er unterliegt in Bezug auf das beantragte
Strafmass und die beantragte Genugtuung (siehe nachfolgend).
Ausgangsgemäss rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens, mit
Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerschaft, zu einem Zehntel dem Beschuldigten und zu
neun Zehnteln auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die
Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren sind zu einem Zehntel
einstweilen und zu neun Zehnteln definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Es
ist die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im
Umfang von einem Zehntel dieser Kosten vorzubehalten. Die Kosten der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft sind definitiv auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
2.3.
2.3.1. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, so hat sie
gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 StPO Anspruch
auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer
Verfahrensrechte (lit. a), Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr
aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (lit. b),
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sowie Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen
Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (lit. c). Die Strafbehörde prüft den
Anspruch von Amtes wegen. Sie kann die beschuldigte Person auffordern, ihre
Ansprüche zu beziffern und zu belegen, Art. 429 Abs. 2 StPO. Die Beweislast
obliegt der beschuldigten Person. Diese trifft nach Art. 42 Abs. 1 OR in
Verbindung mit Art. 8 ZGB eine Mitwirkungspflicht zum Beleg und zur Bemessung
der Höhe des Entschädigungsanspruchs (WEHRENBERG/FRANK, in: Basler
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Bd. II, 2. Aufl. 2014, N. 31a zu
Art. 429 StPO).
Die Festlegung der Genugtuungssumme nach Art. 429 ff. StPO beruht auf
richterlichem Ermessen (BGE 143 IV 339 E. 3.1 S. 342 f.; Urteil 6B_984/2018
vom 4. April 2019 E. 5.1). Bei der Ausübung des Ermessens kommt den
Besonderheiten des Einzelfalles entscheidendes Gewicht zu. Nach der
Rechtsprechung ist zunächst die Grössenordnung der in Frage kommenden
Genugtuung zu ermitteln, wobei Art und Schwere der Verletzung massgebend
sind. In einem zweiten Schritt sind die Besonderheiten des Einzelfalles zu
würdigen, die eine Verminderung oder Erhöhung der zuzusprechenden Summe
nahelegen. Das Bundesgericht erachtet bei kürzeren Freiheitsentzügen Fr. 200.–
pro Tag als angemessene Genugtuung, sofern nicht aussergewöhnliche
Umstände vorliegen, die eine höhere oder eine geringere Entschädigung
rechtfertigen. Bei längerer Untersuchungshaft (von mehreren Monaten Dauer) ist
der Tagessatz in der Regel zu senken, da die erste Haftzeit besonders
erschwerend ins Gewicht fällt (BGE 143 IV 339 E. 3.1 S. 342; 113 Ib 155 E. 3b
S. 156; Urteile 6B_984/2018 vom 4. April 2019 E. 5.1; 6B_196/2014 vom 5. Juni
2014 E. 1.2; je mit Hinweisen).
2.3.2. Die vom Beschuldigten ausgestandene Haft von 29 Tagen ist an die Geld-
strafe anzurechnen (E. III.3.6). Damit erfolgt der Ausgleich der Haft als Realersatz
und die Frage der finanziellen Entschädigung stellt sich nicht (BGE 141 IV 236
E. 3.3 S. 239).
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2.3.3. Wie bereits vor Vorinstanz macht der Beschuldigte Schadenersatz von
Fr. 2'700.– geltend. Er habe im Stundenlohn gearbeitet und sein damaliger Netto-
lohn habe ca. Fr. 2'700.– betragen (Prot. I S. 66; Urk. 104 S. 11).
Dass dem Beschuldigten aus dem Strafverfahren ein wirtschaftlicher Schaden
entstanden ist respektive dass er durch die verbüsste Haft tatsächlich eine Lohn-
einbusse erlitt, wurde mit dem Arbeitsvertrag vom 16. Januar 2020, welcher fest-
hält, dass der Beschuldigte ab 29. Januar 2020 als Unterhaltsreiniger angestellt
war, wobei eine wöchentliche Arbeitszeit von 42.5 Stunden bei einem Stunden-
lohn von Fr. 24.– vereinbart wurde (Urk. 63/1), hinreichend belegt. Dem Beschul-
digten ist deshalb eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 2'700.– zuzusprechen.
2.4. Die amtliche Verteidigung macht im Berufungsverfahren einen Aufwand
von Fr. 3'795.90 (inkl. MwSt.) geltend, was ausgewiesen ist und angemessen
erscheint (Urk. 101). Zusätzlich sind ihr die Aufwendungen im Zusammenhang
mit der heutigen Berufungsverhandlung zu vergüten. Es rechtfertigt sich daher,
Rechtsanwalt MLaw X._ für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren
pauschal und gesamthaft mit Fr. 4'150.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu ent-
schädigen.
2.5. Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerin, Rechtsanwalt
lic. iur. Y._, macht einen Aufwand von Fr. 2'812.– (inkl. MwSt.) geltend
(Urk. 102), was ausgewiesen und angemessen erscheint. Weiter ist ein Zuschlag
für die Berufungsverhandlung auszurichten. Die Entschädigung für den unentgelt-
lichen Vertreter der Privatklägerin ist somit auf Fr. 3'400.– (inklusive Barauslagen
und MwSt.) festzusetzen.