Decision ID: 16095fcd-571d-4600-b568-5f3adaeea032
Year: 2021
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._, Gesellschafter und Geschäftsführer der B._ GmbH, zog sich bei einem
Auffahrunfall am 18. März 2015 eine Zerrung der rechten Schulter zu (siehe
Schadenmeldung UVG vom 20. März 2015, UV-act. 1). Die Suva übernahm die Kosten
der Heilbehandlung und richtete Taggelder aus (UV-act. 4; ausführlich zu den
Taggeldleistungen siehe den Überblick in UV-act. 183). Am 30. März 2015 berichtete
der behandelnde Dr. med. C._, Facharzt für Innere und Allgemeine Medizin, dass der
Versicherte ein HWS-Distorsionstrauma QTF (Quebec Task Force) Grad I mit AC-
Gelenksbeteiligung rechts erlitten habe (UV-act. 11). Anlässlich der Besprechung mit
dem Case Manager der Suva am 5. Juni 2015 gab der Versicherte an, der Schmerz
habe sich nun eindeutig auf die rechte Schulter verlagert. Mit dem Nacken habe er
keine Probleme mehr (UV-act. 20). Unter Berücksichtigung des Untersuchungsberichts
von Prof. Dr. med. D._, Facharzt für Neurologie, Muskelzentrum ALS Clinic am
Kantonsspital St. Gallen (KSSG), vom 6. Mai 2015 (UV-act. 29) führte Prof. Dr. med.
E._, Facharzt für Neurochirurgie, St. Gallen, am 8. Mai 2015 aus, es hätten sich keine
A.a.
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Hinweise auf eine frische Wurzelläsion finden lassen. Es zeige sich eine leichte
chronische Wurzelläsion C6 rechts. Der Hauptbefund sei aber eine mögliche
Rotatorenmanschettenruptur rechts bei Schulterprellung nach Auffahrunfall vom
18. März 2015 (UV-act. 28). Eine MRI-Untersuchung zeigte eine altersentsprechend
intakte Rotatorenmanschette und - abgesehen von einer aktivierten hypertrophen AC-
Arthrose - ein unauffälliges Ergebnis (Bericht von Dr. med. F._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, vom 13. Juli
2015, UV-act. 36).
Kreisarzt Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, vertrat in der Stellungnahme vom 15. Dezember 2015 die
Auffassung, dass die vom Versicherten weiterhin beklagten rechtsseitigen
Schultergelenksbeschwerden nunmehr neun Monate nach dem Unfallereignis nicht
mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in kausalem Zusammenhang mit dem
Unfallereignis stünden, sondern unfallunabhängigen Umständen (AC-Gelenksarthrose)
geschuldet seien. Die weiterhin beklagten Beschwerden der HWS müssten noch als
Folgen des Unfallereignisses angesehen werden und bedürften unfallbedingter
Behandlung (UV-act. 56). Prof. D._ verneinte im Bericht vom 14. März 2016 das
Vorliegen einer neurogenen Läsion. Die diskreten Zeichen einer Wurzelschädigung C6
rechts, die bei der Voruntersuchung nachweisbar gewesen seien, stünden nicht mit
dem Unfall im Zusammenhang (UV-act. 71). In der Folge zog Kreisarzt Dr. G._ den
Schluss, dass ein Jahr nach dem Unfallereignis und unter Ausschluss einer
strukturellen unfallbedingten Läsion der HWS oder des Schultergelenks nunmehr der
Status quo sine eingetreten sei (Stellungnahme vom 30. März 2017, UV-act. 72).
A.b.
Dr. med. H._, Oberärztin am Zentrum I._, Orthopädie Obere Extremitäten, an
der Klinik J._, berichtete am 10. Oktober 2017, dass eine ausgiebige neurologische
Untersuchung (siehe hierzu die Berichte der Abteilung Neurologie am Zentrum I._ an
der Klinik J._ vom 11. August 2017, UV-act. 143, und vom 19. September 2017, UV-
act. 145) keine neurologische Läsion oder Schädigung ergeben habe, welche die vom
Versicherten geklagte Symptomatik erklären könnte. Sie diagnostizierte eine Schulter-
und Scapula-Kontusion rechts im Rahmen eines Auffahrunfalls vom 18. März 2015 bei
oligosymptomatischer AC-Arthrose, Scapula-Dyskinesie (UV-act. 148).
A.c.
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Im kreisärztlichen Untersuchungsbericht vom 23. November 2017 empfahl
Dr. G._ eine zusätzliche bildgebende Ausschlussdiagnostik mit einer Feinschicht
computertomographie der supraclaviculären Region und der oberen Thoraxapertur
rechtsseitig, um gegebenenfalls eine bisher nicht erkannte Strukturschädigung im
Bereich des Plexus brachialis nachzuweisen (UV-act. 156). Die am 13. Dezember 2017
durchgeführte CT-Abklärung am Hals und oberen Thorax ergab unauffällige Ergebnisse
mit insbesondere regelrecht zur Darstellung kommenden Arteria und Vena subclavia
beidseits als auch unauffällig zur Darstellung kommenden Strukturen entlang des
Verlaufs des Plexus brachialis. Hingegen äusserte der radiologische Experte einen
Verdacht auf eine mediane Diskushernie auf Höhe C4/5 mit hier möglicher neuraler
Irritation (UV-act. 159). Am 7. Mai 2018 wurde der Versicherte von Prof. D._
untersucht. Dieser diagnostizierte im Bericht vom 14. Mai 2018 im Wesentlichen:
1. einen muskuloskelettalen Schmerz an der rechten Schulter nach Auffahrunfall am
18. März 2015 bei chronifiziertem Schmerzsyndrom, ohne neurogene Läsion und ohne
Wurzelläsion C5, und 2. eine vorbestehende leichte chronische Wurzelläsion C6 rechts.
Neurologische Ausfälle bestünden nicht. Auch die Neurographien und das EMG
(sowohl in der peripheren Kennmuskulatur C5 als auch paraspinal) seien noch
vollkommen regelrecht gewesen. Eine Kompression des «N. medianus» im
Karpaltunnel schloss Prof. D._ aus (UV-act. 172). Am 6. Juni 2018 äusserte sich
Kreisarzt Dr. G._ nochmals zum Fall des Versicherten. Er führte aus, dass sich am
26. Juni 2015 - drei Monate nach dem Unfallereignis - eine aktive AC-Gelenksarthrose
und Impingementkonstellation des rechten Schultergelenks dargestellt habe, die auf
jeden Fall die schmerzhafte Bewegung des rechten Arms über Kopf erklären würde.
Diese Veränderungen seien unfallunabhängig vorbestehend und seien vermutlich durch
das Unfallereignis aktiviert worden. Der Status quo sei jedoch spätestens unter
Annahme einer unfallbedingten Zerrung des rechten Schultergelenks sechs Monate
nach dem Unfallereignis erreicht. Eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit sei nicht mehr
ausgewiesen (UV-act. 176).
A.d.
Mit Vorbescheid vom 6. Juni 2018 stellte die Suva dem Versicherten die
Einstellung der Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeld) per 30. Juni
2018 in Aussicht. Wenn er mit der kreisärztlichen Einschätzung nicht einverstanden sei,
könne er dies mit Angabe der Gründe mitteilen. Ansonsten werde Anfang Juli 2018 die
A.e.
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Leistungseinstellung auf den 30. Juni 2018 verfügt (UV-act. 178). Am 2. Juli 2018
verfügte die Suva die Leistungseinstellung auf den 30. Juni 2018 (UV-act. 182).
Gleichentags ging bei ihr ein Schreiben des Versicherten vom 29. Juni 2018 ein, worin
er sich ablehnend zum Vorbescheid äusserte, die Edition der vollständigen Akten
beantragte und eine ausführliche Stellungnahme in Aussicht stellte (UV-act. 184). Der
Versicherte meldete der Suva am 5. September 2018 einen neuen Unfall. Er habe auf
einer ungefähr drei Meter hohen Leiter gestanden, als diese auf dem rutschigen Boden
nach hinten weggerutscht sei. Er sei auf der Leiter gelandet und habe sich gemäss der
ersten medizinischen Untersuchung einen Riss der Achillessehne und Rippenfrakturen
zugezogen. Am Kopf habe er zudem Schürfwunden, aber keine Gehirnerschütterung
erlitten (UV-act. 188).
Am 19. September 2018 setzte die Suva dem Versicherten eine Nachfrist für eine
formell korrekte Einsprache an (UV-act. 190). Diese erfolgte innert Nachfrist am
27. September 2018. Der Versicherte beantragte darin, es sei auf eine
Leistungseinstellung zu verzichten und ihm «rückwirkend ab Einstellung wieder eine
Rente auszurichten» (UV-act. 192).
A.f.
Anlässlich der Besprechung vom 26. November 2018 mit dem Case Manager der
Suva berichtete der Versicherte, er könne den rechten Fuss wieder voll belasten.
Allerdings dürfe er noch keinen Zug auf die Achillessehne bringen. Die linke Schulter,
wo eine Sehne verletzt worden sei, schmerze ebenfalls noch. Die behandelnde
Schulterspezialistin habe ihn bis Ende 2018 arbeitsunfähig geschrieben. «Man ist recht
gut zufrieden mit dem Heilverlauf» (UV-act. 196-1). Am 8. Februar 2019 gab der
Versicherte an, bezüglich der Folgen des Sturzes vom 5. September 2018 gehe es
allmählich besser. Allerdings rechne die behandelnde Ärztin damit, dass die aktuelle
Arbeitsunfähigkeit noch einige Wochen anhalten dürfte. Zudem habe er ein
Taubheitsgefühl im rechten Unterschenkel, dessen Ursache noch geklärt werden solle
(UV-act. 206-1).
A.g.
Am 9. Juli 2019 nahm die Suva einen zuhanden der Invalidenversicherung (IV) im
Rahmen einer vor Jahren erfolgten Rentenrevision (bisheriger Invaliditätsgrad 50 %)
von Dr. med. K._, Fachärztin für Physikalische Medizin, am 19. Januar 2000 erstellten
Bericht zu den Akten. Darin führte die behandelnde Ärztin aus, der Gesundheitszustand
A.h.
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B.
des Versicherten habe sich seit ihrem letzten Bericht vom 9. September 1997 nicht
geändert. Sie diagnostizierte: einen Status nach Auffahrunfall mit Schleudertrauma der
HWS am 23. April 1995, einen Status nach HWS-Trauma während eines
Karatekampfes am 24. November 1985 mit cervicobrachialem und cervicocephalem
Syndrom; einen Status nach passageren partiellen Querschnittsyndrom nach Unfall
1985 und eine chronische rezidivierende Gastritis bei Dauertherapie mit
nichtsteoridalen Antirheumatika. Der Versicherte leide an rezidivierenden,
durchschnittlich zweimal pro Woche auftretenden Exazerbationen der Beschwerden
mit schmerzbedingter Blockade der HWS mit Cephalea und Schmerzausstrahlung in
beide Schultern, links bis in den Mittelfinger. Der Versicherte klage über eine
ausgeprägte Druckdolenz der Nackenmuskulatur sowie des Muskels Supraspinatus
beidseits und über eine Druckdolenz der Muskelansätze am Okziput (UV-act. 211; zur
Mitteilung der IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 29. April 2008, worin im Rahmen
einer von Amtes wegen durchgeführten Rentenrevision keine Veränderung des
50%igen Invaliditätsgrads festgestellt worden war, siehe UV-act. 212).
Mit Einspracheentscheid vom 9. Juli 2019 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten ab (UV-act. 213).
A.i.
Gegen den Einspracheentscheid vom 9. Juli 2019 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) am 9. September 2019 Beschwerde. Der Entscheid
sei aufzuheben und die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten,
rückwirkend ab 1. Juli 2018 weiterhin sämtliche Leistungen gemäss UVG,
insbesondere die bisherigen Versicherungsleistungen (Ausrichtung von Taggeldern,
Übernahme von Heilungskosten) zu erbringen. Eventualiter sei die Sache zur weiteren
Abklärung und anschliessenden Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Im Wesentlichen bringt
er zur Begründung vor, die Beschwerdegegnerin habe nicht nachweisen können, dass
die Schmerzen ab dem 1. Juli 2018 nicht mehr unfallkausal seien. Die kreisärztliche
Einschätzung sei nicht beweiskräftig (act. G 1).
B.a.
In der Beschwerdeantwort vom 14. Oktober 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie warf dem Beschwerdeführer
B.b.
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vor, seinen eine IV-Rente begründenden Vorzustand sowohl ihr als auch den im
unfallversicherungsrechtlichen Verfahren involvierten medizinischen Fachpersonen
verschwiegen zu haben, was einzig den Schluss einer bewussten und selektiven
Information zu eigenen Gunsten zulasse (act. G 3, Rz 13). Sie hielt daran fest, dass
sowohl der natürliche als auch der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den vom
Beschwerdeführer geltend gemachten Leiden und dem Unfall vom 18. März 2015 per
30. Juni 2018 weggefallen seien (act. G 3).
Der Beschwerdeführer hielt in der Replik vom 6. März 2020 unverändert an der
Beschwerde fest. Den Vorwurf, er habe falsche Angaben bezüglich früherer Unfälle
gemacht, wies er entscheiden zurück (act. G 12).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete stillschweigend auf eine Duplik (act. G 14).B.d.
Am 4. Dezember 2020 zog das Versicherungsgericht die den Beschwerdeführer
betreffenden IV-Akten bei (act. G 15; zu den IV-Akten siehe act. G 16). Mit Schreiben
vom 27. Januar 2021 orientierte es den Beschwerdeführer, dass sie eine Aufhebung
des angefochtenen Einspracheentscheids vom 9. Juli 2019 samt Rückweisung der
Sache zur weiteren Abklärung betreffend die Unfallkausalität und den Zeitpunkt der
Leistungseinstellung an die Beschwerdegegnerin in Betracht ziehe. Das
Versicherungsgericht gab dem Beschwerdeführer Gelegenheit zum Rückzug der
Beschwerde, da die Möglichkeit bestehe, dass die weiteren Abklärungen im Vergleich
zur angefochtenen Leistungseinstellung zu einer Schlechterstellung führen könnten.
Des Weiteren wies sie den Beschwerdeführer wegen der sich im Rahmen des
unfallversicherungsrechtlichen Verfahrens ergebenden Indizien für eine verbesserte
Erwerbsfähigkeit auf die ihm gegenüber der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
obliegende Meldepflicht hin (act. G 17). Der Beschwerdeführer hielt im Schreiben vom
12. April 2021 unverändert an der Beschwerde fest (act. G 24).
B.e.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf unfallversicherungsrechtliche Leistungen. Dabei ist zunächst
die Frage zu beurteilen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt wurde.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig
(Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Sie hat zudem
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Die
Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur
für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis (Art. 4 ATSG) zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer
[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl.
2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 55, 58; Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2008,
8C_522/2007, E. 4.3.2).
1.1.
Nach dem Unfallereignis vom 18. März 2015 klagte der Beschwerdeführer über
Nacken- und Schulterschmerzen (UV-act. 14). Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
machte er weiterhin «massive» Schulterschmerzen geltend (act. G 1, III. Rz 2). Aus dem
Bericht von Dr. K._ vom 19. Januar 2000 ergibt sich allerdings, dass dem - bislang
unverändert fortbestehenden - IV-Rentenanspruch (halbe Rente; siehe hierzu UV-
act. 196-2) - auch ein Nacken- und Schulterschmerz (Muskel Supraspinatus bds.)
zugrunde liegt bei Status nach u.a. Schleudertrauma am 23. April 1995 (UV-act. 211).
Aus den vom Versicherungsgericht beigezogenen IV-Akten (act. G 16) ergeben sich
zusätzliche Hinweise auf ein vorbestehendes Nacken- und Schulterleiden des
Beschwerdeführers (siehe etwa die Berichte von Dr. med. L._, Klinik für Neurologie
am Kantonsspital St. Gallen vom 20. September 1995 [IV-act. 112-8], von Dr. K._
1.2.
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vom 26. Juli 1996 [IV-act. 121-2] sowie vom 7. Dezember 2007 [IV-act. 183-1] oder von
Prof. Dr. med. M._, Facharzt für Neurochirurgie, vom 26. Juni 1996 [IV-act. 121-3]).
Diese Aktenlage weist auf einen erheblichen Vorzustand hin, der bislang im Rahmen
des unfallversicherungsrechtlichen Abklärungsverfahrens völlig ausser Acht gelassen
wurde bzw. im «Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem
Beschleunigungstrauma» vom 18. März 2015 (UV-act. 12-2) tatsachenwidrig verneint
wurde (siehe hierzu die zutreffenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort vom 14. Oktober 2019, act. G 3, Rz 13). Die Behauptung des
Beschwerdeführers, er sei vor dem Unfallereignis vom 18. März 2015 in der rechten
Schulter «absolut schmerzfrei» gewesen (act. G 1, III. Rz 9 am Schluss), erweist sich
ausserdem als aktenwidrig (siehe etwa den Bericht von Dr. K._ vom 19. Januar 2000:
Rezidivierende, durchschnittlich zweimal pro Woche auftretende Exazerbation der
Beschwerden mit schmerzbedingter Blockade der HWS «mit Cephalaea und
Schmerzausstrahlung in beide Schultern» sowie «ausgeprägte Druckdolenz der
Nackenmuskulatur, sowie Muskel Supraspinatus bds.» [IV-act. 6-2]; siehe auch den
Bericht von Dr. L._ vom 22. Juni 1990: «Im Vordergrund stehen aktuell Schmerzen im
Bereich des Nackens und Hinterkopfes, die über die Schläfe bis zu den Augen
beidseits nach vorne ausstrahlten, aber auch beidseits gegen die Schultern» [IV-
act. 82-4 unten]). Noch im Jahr 2007 gab der Beschwerdeführer im Rahmen einer von
der IV-Stelle von Amtes wegen eingeleiteten Revision an, nur durch hohe Dosen
schmerzstillender Medikamente sei es ihm möglich, einer ungeregelten Arbeitszeit
nachzugehen (Schreiben vom 28. November 2007, IV-act. 179). Da die Beurteilung von
Vorzuständen im Rahmen einer Kausalitätsbeurteilung zentral ist, erweist sich der
Sachverhalt nach dem soeben Dargelegten als unzureichend abgeklärt. Vor diesem
Hintergrund ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie unter
Einbezug der IV-Akten und der dort bezüglich eines Vorzustands relevanten
Erkenntnisse die natürliche Kausalität bzw. deren Wegfall nochmals abkläre. In diesem
Zusammenhang wird die Beschwerdegegnerin auch weitere Abklärungen bezüglich
des von ihr erstmals im Rahmen des Beschwerdeverfahrens geltend gemachten
fraglichen Aussageverhaltens des Beschwerdeführers (act. G 3, Rz 11 ff.) und der
dadurch allenfalls für die Leistungspflicht resultierenden Konsequenzen vorzunehmen
haben (zur Rückerstattung unrechtmässig bezogener Leistungen siehe Art. 25 Abs. 1
ATSG). Ergänzend ist zu bemerken, dass die Beschwerdegegnerin gemäss Art. 31
Abs. 2 ATSG - wie der Beschwerdeführer (Art. 31 Abs. 1 ATSG) - ebenfalls zur Meldung
der sich im Rahmen des unfallversicherungsrechtlichen Verfahrens ergebenden Indizien
für eine verbesserte Erwerbsfähigkeit an die IV-Stelle des Kantons St. Gallen
verpflichtet ist (vgl. hierzu act. G 17, S. 2).
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2.