Decision ID: 0c118e69-733c-531b-b760-cc3523a42585
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am (...) um Asyl in der Schweiz. In der
Folge wurde er dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B._ zu-
gewiesen. Am 5. November 2020 fand die Personalienaufnahme (PA) und
am 18. November 2020 das persönliche Dublin-Gespräch statt. Am 18. De-
zember 2020 wurde er zu seinen Asylgründen angehört.
A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der aus C._ (ara-
bisch D._) im Bezirk E._ stammende Beschwerdeführer
kurdischer Volkszugehörigkeit im Wesentlichen an, er habe im (...) in
F._ an einer Demonstration für mehr Freiheit und mehr Rechte teil-
genommen, in deren Verlauf er von syrischen Sicherheitskräften angegrif-
fen und am Kopf verletzt worden sei. Er habe dabei das Bewusstsein ver-
loren und sei erst (Nennung Zeitpunkt) im (Nennung Spital) in der Stadt
F._ wieder zu sich gekommen. Dort sei er während (Nennung
Dauer) behandelt worden, wobei er unter ständiger Bewachung der syri-
schen Behörden gestanden sei. Seine Eltern hätten einen Mitarbeiter des
Spitals gekannt, der seine Flucht aus dem Spital organisiert habe. Nach
seiner (...) Behandlung seien (Nennung Anzahl) Personen – darunter der
Mitarbeiter des Spitals – in sein Zimmer gekommen und hätten ihn in das
Dorf G._ gebracht, wo er sich während (Nennung Dauer) aufgehal-
ten habe und weiter gepflegt worden sei. Da sich in der Zwischenzeit die
syrische Armee aus den Kurdengebieten zurückgezogen habe, habe er im
Jahr (...) wieder in sein Heimatdorf zurückkehren können. Er habe eine
Weile dort gelebt, bis er erstmals am X._ und ein weiteres Mal am
Y._ ein Aufgebot für die Ausstellung eines Militärdienstbüchleins er-
halten habe. Die beiden Aufgebote habe der Dorfvorsteher bei ihm vorbei-
gebracht. Er habe jedoch keinen Dienst in der syrischen Armee leisten wol-
len und sich bereits vorher ständig vor einem Einzug – auch seitens der
kurdischen Gruppen – gefürchtet. Im Jahr (...) sei er in diesem Zusammen-
hang zwei Mal von Kaderleuten der H._, welche versucht hätten,
Leute für sich zu gewinnen, im Dorf angesprochen worden. Er habe damals
einen Einzug abgelehnt. Von seinen Familienangehörigen sei ausser (Nen-
nung Verwandte), welche im Jahr (...) durch die H._ rekrutiert wor-
den sei, niemand am Konflikt beteiligt gewesen. Die (Nennung Verwandte)
habe überdies in den Bergen und nicht in Syrien gekämpft. Er sei grund-
sätzlich vor dem syrischen Regime und vor den erwähnten Rekrutierungs-
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versuchen geflüchtet. In der Folge habe sein Vater einen Schlepper orga-
nisiert, der ihn am (...) in die I._ gebracht habe, wo er sich bis zum
(...) aufgehalten habe und anschliessend in die Schweiz gereist sei.
A.c Der Beschwerdeführer legte (Aufzählung Beweismittel) ins Recht.
A.d Mit Entscheiden vom 23. Dezember 2020 teilte das SEM das Asylge-
such dem erweiterten Verfahren zu und wies den Beschwerdeführer für
den weiteren Verlauf des Asylverfahrens dem Kanton J._ zu.
B.
Mit Verfügung vom 20. April 2021 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch
ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus
der Schweiz an, schob den Vollzug derselben jedoch wegen Unzumutbar-
keit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz auf.
C.
Mit Eingabe vom 19. Mai 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen
Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, es
sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm Asyl zu gewähren,
eventuell sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und er als Flüchtling
vorläufig aufzunehmen. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses.
D.
Die Instruktionsrichterin wies mit Zwischenverfügung vom 1. Juni 2021 das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab und for-
derte den Beschwerdeführer auf, bis zum 16. Juni 2021 einen Kostenvor-
schuss von Fr. 750.– zu leisten, unter Androhung des Nichteintretens im
Unterlassungsfall.
Der Kostenvorschuss wurde am 16. Juni 2021 bezahlt.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um solche, weshalb das Urteil nur sum-
marisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a
Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzich-
tet.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Untersuchungsgrund-
satzes und der Begründungspflicht durch die Vorinstanz.
3.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., Rz. 1043).
3.2.1 Der Beschwerdeführer begründet seine Rüge damit, dass die Vor-
instanz vor dem Abschluss des Asylverfahrens die notwendigen Abklärun-
gen in seinem Fall nicht durchgeführt habe. Sie habe in ihrem Entscheid
asylrelevante Tatsachen nicht beachtet und lediglich aufgrund von pau-
schalen Feststellungen und standardisierten Begründungen über sein
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Schicksal entschieden, ohne sich umfassend mit der Rechtsprechung und
vertrauenswürdigen Berichten über die Lage in Syrien und die behördliche
Suche nach Wehrdienstpflichtigen und Deserteuren auseinander zu set-
zen.
3.2.2 Das SEM ging aufgrund der Parteiauskünfte und der eingereichten
Beweismittel (Art. 12 Bst. c VwVG) offensichtlich und zu Recht davon aus,
dass der rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gelten könne und keine
weiteren Beweismassnahmen zu ergreifen seien. So führte es in seinen
Feststellungen die in der durchgeführten Anhörung vorgebrachten wesent-
lichen Sachverhaltselemente sowie die im Verlauf des Verfahrens einge-
reichten Beweismittel auf (vgl. SEM act. 1079914-33/8 [nachfolgend: 33/8]
S. 2). In der Folge wurden die angeführten Vorkommnisse der Jahre (...)
(Nennung Ereignisse) und (...) (Nennung Ereignisse) explizit geprüft und
gewürdigt (vgl. act. 33/8 S. 3 ff.). Der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer
Länderpraxis zu Syrien einer anderen Linie als der vom Beschwerdeführer
vertretenen folgt und nach einer gesamtheitlichen Würdigung der akten-
kundigen Parteivorbringen und der Beweismittel auch zu einem anderen
Schluss als der Beschwerdeführer gelangt und als von ihm gefordert, stellt
keine ungenügende Sachverhaltsfeststellung dar.
3.2.3 Eine Verletzung der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen
Gehörs – welche es aufgrund der Ausgestaltung der Begründung dem Be-
troffenen ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was
nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmitte-
linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl.
BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2) – liegt nicht vor. Das SEM
hat nachvollziehbar und hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen
Überlegungen es sich vorliegend leiten liess und sich auch mit sämtlichen
zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Dabei
musste sich das SEM nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be-
hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern es
durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Sodann
zeigt die Beschwerdeeingabe deutlich auf, dass eine sachgerechte Anfech-
tung ohne weiteres möglich war.
Mit der Rüge, die Vorinstanz habe seine Argumente und Beweismittel nicht
richtig gewürdigt, zumal im Lichte des geltend gemachten Sachverhalts
von einer relevanten Gefährdung seiner Person infolge seiner politischen
Tätigkeit und seiner Wehrdienstverweigerung ausgegangen werden
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müsse, vermengt der Beschwerdeführer die sich aus dem Untersuchungs-
grundsatz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche die
materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe betrifft.
3.3 Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungs-
gericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in
verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-
rauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verwei-
sen).
5.
5.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung in materieller Hinsicht
zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den
Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch
denjenigen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG stand.
Zur Begründung führte es an, die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten
Rekrutierung durch die syrische Armee sei zu bezweifeln. Zunächst er-
scheine es unwahrscheinlich, dass die syrischen Sicherheitskräfte im ge-
nannten Zeitraum (...) noch Rekrutierungsmassnahmen für die staatliche
Armee im Wirkungsgebiet der kurdischen Truppen durchgeführt hätten. Zu-
dem mangle es der persönlichen Schilderung zum Erhalt der Vorladungen
an der notwendigen Substanz. Der Beschwerdeführer habe keine erlebnis-
basierte Darlegung der Ereignisse zum Erhalt des Aufgebots vorgenom-
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men und in seinen Aussagen würden sich diesbezüglich keine Realkenn-
zeichen finden lassen. Ebenso unzureichend begründet seien die Ausfüh-
rungen im Zusammenhang mit seiner Demonstrationsteilnahme im (Nen-
nung Zeitpunkt) und deren Folgen. So habe er keinerlei Angaben darüber
machen können, wie er ins Spital überführt worden, wie genau seine Be-
wachung dort organisiert gewesen und wie ihm seine Flucht angesichts der
vorgebrachten Bewachung gelungen sei. Im Weiteren sei hinsichtlich der
Rekrutierungsbemühungen im Jahr (...) durch die kurdischen Truppen fest-
zuhalten, dass die kurdischen Behörden eine militärische Wehrpflicht im
Juli 2014 proklamiert hätten, welcher nach der Rechtsprechung des Bun-
desverwaltungsgerichts keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zukomme.
Die Konsultation der Dossiers der (Nennung Verwandte) des Beschwerde-
führers vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Aus jenen Akten
ergäben sich keine Hinweise auf das Vorliegen einer gegen den Beschwer-
deführer gerichteten Verfolgung im Heimatland oder einer möglichen Re-
flexverfolgung.
5.2 Der Beschwerdeführer hielt in seiner Rechtsmitteleingabe zunächst an
der Glaubhaftigkeit des dargelegten Sachverhaltes fest, zumal seine Aus-
sagen entgegen den vorinstanzlichen Vorbehalten viele Realkennzeichen
enthalten würden. Die vom SEM angeführten Argumente seien nicht stich-
haltig, da sie der Realität in seinem Herkunftsland nicht entsprächen und
als spekulative Vorurteile zu betrachten seien. Er habe weitgehend detail-
liert, in sich stimmig und spontan ausgesagt. Zudem seien keine Hinweise
auf Übertreibungen ersichtlich. Da sich seine Aussagen mit den äusseren
Gegebenheiten in Syrien decken würden, sei seine Darstellung in zentra-
len Punkten nachvollziehbar und logisch. Weiter führte er – nebst allgemein
gültigen Darlegungen zu den Voraussetzungen und Modalitäten einer mili-
tärischen Rekrutierung und den Folgen einer Weigerung – aus, die Behör-
den hätten bis heute ein Interesse an seiner Person und würden ihn für
sein regimefeindliches Verhalten bestrafen wollen. Zudem würden Wehr-
dienstverweigerer laut syrischem Militärgesetz zur Haft ausgeschrieben
und gesucht. Er sei in seiner Heimat sowohl als Dienstverweigerer als auch
als politischer Gegner registriert worden. Bei einer Festnahme würden ihm
Haft und eine menschenrechtswidrige Behandlung durch die heimatlichen
Behörden drohen. Rekrutierungen von Personen im wehrfähigen Alter an
Checkpoints oder bei Razzien seien üblich. Eine innerstaatliche Schutzal-
ternative vor den behördlichen Verfolgungs- und Vergeltungsmassnahmen
bestehe nicht. Er erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG.
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6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-
führers im Ergebnis zu Recht verneint und dessen Asylgesuch abgelehnt
hat.
6.2 Die zentralen Teile der Asylvorbringen – so die geltend gemachten Auf-
gebote zum Militärdienst im Jahr (...), das Ereignis im (...), bei welchem der
Beschwerdeführer im Rahmen einer Demonstration wegen eines Angriffs
der Sicherheitskräfte am Kopf verletzt, ohnmächtig geworden und erst im
Spital wieder zu sich gekommen sei sowie der dortige Aufenthalt und die
Flucht aus demselben – sind als unsubstanziiert und kaum Realkennzei-
chen enthaltend, mithin als unglaubhaft zu qualifizieren. Da es sich bei die-
sen dargelegten Hergängen um einschneidende Ereignisse handelt, die
zur Flucht des Beschwerdeführers aus der Heimat geführt haben sollen, ist
davon auszugehen, dass sie erfahrungsgemäss besonders gut im Ge-
dächtnis haften bleiben und auch eine persönliche Betroffenheit auslösen
würden. Den diesbezüglichen Schilderungen des Beschwerdeführers zum
Aufenthalt im Spital und zu seiner Flucht von dort sowie zum Erhalt der
militärischen Aufgebote kann angesichts der oberflächlichen und wenig de-
taillierten Ausführungen – entgegen der in der Beschwerde vertretenen An-
sicht – jedoch in der Tat nur wenig Substanz beigemessen werden. Zutref-
fend erweist sich auch die Schlussfolgerung des SEM, wonach seine Schil-
derungen kaum Realkennzeichen enthalten, zumal er zu den ihm wider-
fahrenen Vorgängen mehrfach nur allgemein gehaltene Ausführungen
machte und diese auch wiederholt blosse Mutmassungen enthalten, was
die Behörden später mit ihm im Sinn gehabt hätten (vgl. SEM act. 1079914-
23/22, S. 9 ff. [nachfolgend act. 23/22]). Insbesondere war er nicht in der
Lage, nähere und nachvollziehbare Angaben zu seinem Transport ins Spi-
tal, seiner Bewachung dort oder zu den Umständen, wie es seiner Familie
gelungen sein soll, ihn trotz der angeblichen behördlichen Überwachung
aus dem Krankenhaus zu schmuggeln, zu machen (vgl. act. 23/22, F83 ff.
und F102 ff.). Hinsichtlich der Realkennzeichen fallen insbesondere die
fehlenden Ausführungen zu Interaktionen sowie inhaltlichen Besonderhei-
ten bezüglich der emotionalen Aspekte auf. So soll es sich beim Vorfall
anlässlich der Demonstration im (...) und der weiteren Ereignisse um aus-
serordentliche Vorkommnisse gehandelt haben. Jedoch vermochte er, aus-
ser dem Vorbringen, dass er nach diesem Vorfall grosse Angst bekommen
habe und nicht mehr habe mitmachen wollen, keine weiteren Gefühle zu
artikulieren, was nicht auf einen tatsächlich erlebten Sachverhalt schlies-
sen lässt (vgl. act. 23/22, F91). Sodann sind die Schilderungen zum Erhalt
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der Rekrutierungsaufgebote derart allgemein ausgefallen und weitgehend
frei von persönlichen Eindrücken geblieben, dass sie in ihrer Schlichtheit
auch von unbeteiligten Dritten problemlos nacherzählt werden könnten.
Der pauschale Einwand des Beschwerdeführers, wonach er soweit mög-
lich detailliert, in sich stimmig sowie autonom, ohne Übertreibungen, spon-
tan, in zentralen Punkten logisch und mit den äusseren Begebenheiten
übereinstimmend ausgesagt habe, weshalb keine Anhaltspunkte für eine
erfundene Darstellung seiner Gesuchsgründe bestünden (vgl. Beschwer-
deschrift S. 10), vermag weder die fehlende Substanz in seinen Ausführun-
gen einleuchtend zu erklären noch den Sachverhaltsvortrag als glaubhaft
gemacht erscheinen zu lassen. Da er in seiner Rechtsmitteleingabe keine
weiteren konkreten Entgegnungen zu den vom SEM aufgezeigten Zweifeln
an der Glaubhaftigkeit seines Sachverhaltsvortrags anführt, vermag er die
Vorfälle um die Demonstrationsteilnahme im (...) respektive die daran an-
knüpfenden Ereignisse sowie die Rekrutierungsversuche der syrischen Ar-
mee nicht glaubhaft darzulegen.
Den zur Stützung seiner Asylvorbringen eingereichten Aufgeboten zur Rek-
rutierung und Ausstellung eines Dienstbüchleins vom X._ und vom
Y._ ist mit Blick auf das vorstehend Gesagte lediglich eine sehr ein-
geschränkte Beweiskraft beizumessen, zumal solche Dokumente nach
den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts auch auf illegalem
Weg erhältlich gemacht werden können. Doch selbst bei Wahrunterstel-
lung solcher Rekrutierungsbemühungen läge noch keine flüchtlingsrecht-
lich relevante Gefährdung des Beschwerdeführers vor. Seinen Angaben
zufolge wurde er noch gar nicht militärisch gemustert (vgl. act. 23/22,
F110 ff.). Demnach hätte er sich durch seine Ausreise aus Syrien der wehr-
dienstlichen Musterung, nicht jedoch der eigentlichen Dienstpflicht in der
staatlichen syrischen Armee entzogen, weshalb im heutigen Zeitpunkt
noch gar nicht feststeht, ob er überhaupt als diensttauglich erachtet werden
könnte und dementsprechend der Wehrpflicht unterstehen würde. Daher
kann er auch nicht als Dienstverweigerer oder als Deserteur betrachtet
werden. Im Übrigen gehört er der kurdischen Ethnie an, konnte aber nicht
glaubhaft machen, dass er deswegen oder wegen eigener Aktivitäten bis-
her die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte respek-
tive der Armee auf sich gezogen hat. Für den Beschwerdeführer besteht
daher keine überwiegende Wahrscheinlichkeit, dass das Nichterscheinen
beim Rekrutierungsbüro durch die syrischen Behörden als Ausdruck der
Regimefeindlichkeit aufgefasst würde (vgl. auch E. 6.3 nachfolgend). Eine
ihm allenfalls drohende Strafe würde also allein der Sicherstellung der
Wehrpflicht dienen, was nach bestätigter Praxis grundsätzlich als legitim
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zu erachten wäre (vgl. BVGE 2015/3 E. 5). Es ist somit nicht davon auszu-
gehen, dass er im Falle einer Festnahme durch die syrischen Behörden mit
einer politisch motivierten Bestrafung oder einer Behandlung rechnen
müsste, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG gleichzusetzen wäre (vgl. auch Urteil des BVGer D-783/2018
vom 14. März 2018 E. 5.1).
6.3 In seinen weiteren materiellen Entgegnungen stellt der Beschwerde-
führer vornehmlich das Vorgehen der syrischen Behörden bei Desertation,
Refraktion und illegaler Ausreise im syrischen Kontext dar und geht auf die
– seines Erachtens fehlerhafte – diesbezügliche vorinstanzliche Würdi-
gung ein, woraus er eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung seiner
Person im Fall einer Rückkehr nach Syrien ableitet. Nachdem zu diesem
Punkt eine gefestigte Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts be-
steht, vermag die in der Beschwerdeschrift geäusserte generelle Kritik –
auch hinsichtlich der Beurteilung länderspezifischer Quellen – die vorin-
stanzliche Einschätzung nicht in Frage zu stellen. In seinem Grundsatzur-
teil BVGE 2015/3 vom 18. Februar 2015 hat das Gericht festgestellt, dass
eine Wehrdienstverweigerung (Refraktion) oder Desertion auch im Syrien-
kontext die Flüchtlingseigenschaft nicht per se zu begründen vermag, son-
dern nur dann, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1
AsylG verbunden sei (vgl. a.a.O. E. 6.7.3). Im zur Publikation bestimmten
Entscheid E-2188/2018 vom 30. Juni 2018 hat das Bundesverwaltungsge-
richt seine Praxis bestätigt. Vorliegend liegt aber keine solche vergleich-
bare Konstellation vor. So ergeben sich aus den Akten des Beschwerde-
führers keine Hinweise auf eine solche individuelle Situation, da eine ei-
gene politische Aktivität im Heimatland, welche ihn ins Visier der Behörden
gerückt hätte, als nicht glaubhaft zu erachten ist; zudem verneinte er, dass
Familienangehörige politisch aktiv oder Mitglied in einer politischen Partei
gewesen seien (vgl. act. 23/22, F59 ff.).
6.4 Bezüglich der vom Beschwerdeführer angeführten drohenden Rekru-
tierung durch die K._ ist festzuhalten, dass einer solchen grund-
sätzlich keine Asylrelevanz zukommt, da auch diese Dienstpflicht nicht an
eine der in Art. 3 AsylG erwähnten Eigenschaften anknüpft beziehungs-
weise deswegen kein asylrelevanter Nachteil droht (vgl. Referenzurteil des
BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3; bestätigt in den Urteilen des
BVGer D-4482/2018 vom 12. Oktober 2018 E. 5.2 und E-2239/2019 vom
25. Juni 2019 E. 8.6).
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6.5 Sodann ist die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur kurdischen
Ethnie für sich gesehen nicht geeignet, eine asylrelevante Verfolgung zu
begründen. Gemäss geltender Rechtsprechung ist nicht davon auszuge-
hen, dass syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie im heutigen Zeit-
punkt in besonderer und gezielter Weise aufgrund ihrer Ethnie in einem
derart breiten und umfassenden Ausmass unter Anfeindungen zu leiden
hätten, dass von einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden müsste.
Auch unter dem Gesichtspunkt der heute veränderten Lage, insbesondere
seit dem Einmarsch der türkischen Truppen in Nordsyrien, ist nicht davon
auszugehen, dass sämtliche in Syrien und insbesondere in Nordsyrien ver-
bliebenen Kurden derzeit eine objektiv begründete Furcht vor einer Verfol-
gung hätten (vgl. Urteile des BVGer D-6431/2019 vom 16. März 2020 E.
5.2.3; E-937/2017 vom 16. Januar 2020 E. 6.3 und D-5367/2019 vom 2.
Dezember 2019 E. 6.4). Der bürgerkriegsbedingten Gefährdungslage und
der fortbestehenden Volatilität und Dynamik der Entwicklung in Syrien
wurde vom SEM im Rahmen des Wegweisungsvollzugs respektive der in
diesem Zusammenhang angeordneten vorläufigen Aufnahme des Be-
schwerdeführers Rechnung getragen.
6.6 Was das allfällige Bestehen einer Reflexverfolgung (vgl. diesbezüglich
zum Ganzen: Urteil des BVGer D-7317/2015 vom 26. März 2018 E. 6.2
m.w.H.) wegen der Verwandtschaft des Beschwerdeführers zu seinen in
der Schweiz lebenden Familienangehörigen, so insbesondere seinen
(Nennung Verwandte) betrifft, sind den vom Gericht beigezogenen SEM-
Akten dieser (Nennung Verwandte) keine Hinweise für das Vorliegen einer
Reflexverfolgung des Beschwerdeführers zu entnehmen. Es fehlen einer-
seits Anhaltspunkte dafür, dass sich die politische Gesinnung der in der
Schweiz mit Asylstatus (Nennung Verwandter) respektive mit einer Aufent-
haltsbewilligung (Nennung Verwandter) respektive mit einer vorläufigen
Aufnahme (Nennung Verwandter) weilenden (Nennung Verwandte) auf
seine Ausreise aus dem Heimatstaat ausgewirkt hätte, nachdem er weder
im vorinstanzlichen Verfahren noch im hier zu beurteilenden Beschwerde-
verfahren entsprechende behördliche Benachteiligungen geltend gemacht
hat. Obwohl sein (Nennung Verwandter) bereits im Jahr (...) von den syri-
schen Behörden wegen des nicht angetretenen militärischen Reserve-
dienstes gesucht worden sein soll und sich seit (Nennung Zeitpunkt) in der
Schweiz aufhält, zogen diese Umstände offenbar keine behördlichen Kon-
sequenzen für den Beschwerdeführer oder die übrigen Familienangehöri-
gen in der Heimat nach sich. Demzufolge ist nicht davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Syrien plötzlich in den Fo-
kus der syrischen Behörden geraten würde.
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6.7 Sodann ist eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung des Be-
schwerdeführers allein aufgrund der illegalen Ausreise aus Syrien oder der
Asylgesuchstellung in der Schweiz gemäss konstanter Praxis des Gerichts
(vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als
Referenzurteil publiziert]) nicht anzunehmen, weshalb entgegen der sinn-
gemäss vorgebrachten Sichtweise in der Beschwerde gemäss geltender
Rechtsprechung offensichtlich auch keine subjektiven Nachfluchtgründe
gegeben sind.
6.8 Zusammenfassend ist auch in Berücksichtigung der eingereichten Un-
terlagen festzustellen, dass der Beschwerdeführer nichts vorgebracht hat,
was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zu-
mindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch daher
zu Recht abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Präzisierend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen nicht der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeit-
punkt in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Eine solche Gefährdungslage
ist jedoch auf die in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zurückzufüh-
ren. Das SEM hat dieser generellen Gefährdung Rechnung getragen und
den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 83 Abs. 1 und 4 AIG wegen Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.- festzu-
setzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Der in der gleichen Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur
Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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