Decision ID: 95fe66a8-509c-5c2f-a31b-4fb3de9ad7dd
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1956, meldete sich am 11. April 1997 bei der Invali
den
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/50
). Mit
Verfügung vom 15. Juli 1999 sprach
ihm
die IV-Stelle
Y._
ab Mai 1997 eine
Viertels
rente
zu (Urk.
7/115
). In der Folge eingeleitete Revisionen ergaben keine Ände
rung des Rentenanspruchs (vgl. zuletzt die Mitteilung der IV-Stelle
Y._
an den Versicherten vom 23. November 2009, Urk. 7/237).
1.2
Mit Verfügung vom 10. Dezember 2013 (Urk. 7/273) sprach die IV-Stelle
Y._
dem Versicherten ab Oktober 2012 neu eine halbe Rente zu.
Nach Eingang eines
Revisionsgesuch
s vo
m 3. Juli 2014 (Urk. 7/303/1)
lehnte die
nunmehr zuständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
eine Erhö
hung der Rente mit Verfügung vom 11. Mai 2015 ab (Urk. 7/352).
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
9.
September 2015 im Verfahren Nr. IV.2015.00638 (
Urk.
7/
362
)
gut und wies die Sache zu ergänzender Abklärung an die IV-Stelle zurück.
1.
3
Die IV-Stelle
holte insbesondere ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 2
2.
November 2016 erstattet wurde (
Urk.
7/412/2-33). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/417,
Urk.
7/422,
Urk.
7/429) lehnte sie mit Verfü
gung vom 1
4.
März 2017 das Rentenerhöhungsgesuch ab (
Urk.
7/431 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
0.
April 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
4.
März 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente auszurichten; eventuell sei ein Obergutachten anzuordnen (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
1-2).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
4.
Mai 2017 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 3
0.
Mai 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
füh
rers seit der
Zusprache
einer halben Rente mit Verfügung der IV-Stelle
Y._
vom 10. Dezember 2013 massgeblich verschlechtert hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, es bestehe stehe seit November 2012 unverändert eine Arbeitsunfähigke
it von 50
%, womit sich der Gesundheitszustand seit der
Zusprache
im Dezember 2013 nicht verschlechtert habe (
Urk.
2 S. 1 unten).
2.3
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(
Urk.
1)
, das eingeholte Gutachten
sei mangelhaft, denn dass sich die aus den verschie
denen medizinischen Fachbereichen attestierten Einschränkungen nicht kumu
lieren sollten, sei aufgrund der verschieden gelagerten Problematiken überhaupt nicht nachvollziehbar; diese müssten kumuliert werden (S. 2
Ziff.
3). Dass die als erforderlich erachteten Pausen für alle Beschwerdeauswirkungen gleichzeitig genutzt werden könnten, sei selbst für einen medizinischen Laien überhaupt nicht nachvollziehbar (S. 6) und die Gutachter hätten insbesondere die bereits für einen medizinischen Laien klare Wechselwirkung der rheumatologischen und onkologischen Beschwerden nicht erkannt beziehungsweise nicht erkennen wollen (S. 6
Ziff.
7).
3.
3.1
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem
Bericht vom 3. Juli 2009 (Urk. 7/225)
aus, dass
er den Beschwerde
führer seit August 2007 behandle (
Ziff.
1.2), und nannte
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Rückenverletzung, März 1996
-
verminderte Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule
-
verminderte Belastbarkeit bei kleiner Diskushernie L4/5, seit Septem
ber 1993
-
HWS-Schleudertrauma, 1973
-
laterale Bandruptur linkes oberes Sprunggelenk
Er
führte aus, der Beschwerdeführer sei in seiner Leistungsfähig
keit um etwa 50 % reduziert. Er müsse dauernd zwischen Sitzen und Stehen wechseln (Ziff. 1.7).
3.2.
Dr. med.
A._
, praktische Ärztin,
führte in ihrem
Bericht vom 5. April 2013 (Urk. 7/258/2-5)
aus, dass sie den
Beschwerdeführer seit Mai 2012 behandle
(
Ziff.
3.1)
,
und nannte als
eine neue Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
ein
metastasierendes Prostata-Karzinom, bestehend seit Juni 2012
(
Ziff.
1.1)
. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie ein
Lumbovertebralsyndrom
(4./5. Lendenwirbelkörper), bestehend seit 2008 (Ziff.
1
.2).
Sie
attestierte für die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers als Architekt und Projektleiter ein zumutbares Arbeitspensum von 21 Stunden pro Woche. Die Angaben würden seit Januar 2013 gelten (Ziff. 5.2).
3.3
Dr. med.
B._
, Oberärztin,
Medizinische Onkologie,
C._
, stellte in einem Bericht vom 29. Mai 2013 (Urk. 7/260) fest, der Beschwerdeführer sei tumor- und therapiebedingt in seiner Leistungsfähig
keit eingeschränkt. Diese werde, je nach weiterem Verlauf, immer wieder fluk
tuieren. Der Beschwerde
führer selber möchte gerne arbeiten und versuche dies auch immer wieder. Prinzipiell sei die Situation palliativ, eine Heilung sei nicht mehr möglich (S. 1). Dr.
B._
führte für die Zeit vom 17. Juli 2012 bis 31. Mai 2013 eine zwischen 0 und 100 % schwankende Arbeitsunfähigkeit auf. Ab dem 1. Juni 2013 attes
tierte sie eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (S. 2).
3.4
Dr.
B._
hielt in einem Schreiben vom 6. Juli 2013 (Urk. 7/322/7) ergänzend fest, sowohl die Krankheit als auch die Therapie verunmöglichten eine volle Belastbarkeit des Beschwerdeführers in seinem Beruf. Auf seinen eigenen Wunsch versuche er mit einem Pensum von 50 % zu arbeiten. Seine Leistungs
fähigkeit sei aber eingeschränkt. Einen vollen Arbeitstag könne er nicht bewäl
tigen. Er benötige die Möglichkeit für Ruhepausen, vor allem am Mittag.
3.5
Mit Verfügung vom 10. Dezember 2013 (Urk. 7/273) erhöhte die IV
Stelle
Y._
die
Viertelsrente
ab Oktober 2012 auf eine halbe Rente, da seit Juli 2012 eine andauernde Arbeitsunfähigkeit von 50 % in jeder Tätigkeit bestehe (vgl. Urk. 7/268/1).
4.
4.1
Dr.
B._
, mittlerweile leitende Ärztin
Onkologie
(
C._
)
,
führte in ihrem Be
richt vom
2
4.
Juli 2014
(
Urk.
7/322/8-9)
an die Hausärztin aus, bis auf Rü
ckenschmerzen nach einer Übung an einem Fitnessgerät gehe es dem Patienten ordentlich (S. 1 unten).
4.2
Am 2
9.
Juli 2014 erfolgte eine neurochirurgische Abklärung am
C._
, worüber am
3
0.
Juli 2014
berichtet wurde
(
Urk.
7/322/14)
. Dabei wurden als Diagnosen genannt:
-
Lumbago mit
pseudoradikulärer
Ausstrahlung in beide Oberschenkel
-
bekanntes Prostatakarzinom in Behandlung
Derzeit bestehe keine Indikation für eine neurochirurgische Intervention.
4.3
Dr.
A._
nannte
in
ihrem
Bericht vom 30. September 2014 (Urk. 7/322/1-5)
als einzige Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit ein seit Juni 2012 bestehendes Prostata-Karzinom; als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine seit Februar 2008 und März 2014 bestehende Lumbago (
Ziff.
1.1). Sie attestierte für die
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Architekt
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
vom 17. Juli bis 14. September 2012
,
eine solche von 50 %
ab dem 15. September 2012
und eine solche von 0
%
gemäss separater Liste
(Ziff. 1.6). Als Einschränkungen
nannte sie
eine ra
sche Ermüdbarkeit und Rückenschmerzen
, ein
Anschwellen der B
eine, links mehr als rechts sowie
Gefühllosigkeit
, ferner
Konzentrationsprobleme. In der bisherigen Tätigkeit sei noch ein Pensum von 20 % beziehungsweise acht Stun
den pro Woche zumutbar. In jeglicher Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 20 % (Ziff. 1.7). Der Beschwerdeführer arbeite sowieso. Eine Steigerung des Pensums sei wegen der Therapien nicht möglich (Ziff. 1.9).
Die in
einer
separaten Aufstellung
vom
9.
Oktober 2014
(
Urk.
7/322/6) aufgeführ
ten Arbeitsunfähigkeit
en stimmen mit
den
in
Ziff.
1.6
genannten überein, dies mit folgenden Präzisierungen:
-
keine Arbeitsunfähigkeit attestiert
z
wischen dem 3
1.
Oktober
2012 und dem 1
5.
Januar 2013
-
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(nicht 50
%
) vom
3.
bis 1
8.
April 2013, vom 2
7.
bis 3
1.
Mai 2013 und vom 2
6.
Februar bis 3
1.
August 2014
-
Arbeitsunfähigkeit von 80
%
ab
1.
September 2014
Ergänzend führte
Dr.
A._
aus, der Beschwerdeführer werde auch in nächs
ter Zukunft nicht voll arbeiten können.
Zurzeit
bestehe eine Arbeitsfähig
keit von 20
%
, die sich vielleicht auf 40-50
%
steigern lasse, jedoch nur bei verminderter Leistungsfähigkeit.
4.4
Dr.
B._
hielt in einem Bericht vom 5. Januar 2015 (Urk. 7/340) fest, der Tu
mor sei unter der
antitumoralen
Systemtherapie seit Oktober 2013 erfreuli
cher
weise stabil. Tumor- und therapiebedingt sei der Beschwerdeführer jedoch wei
terhin in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Diese werde nach dem weite
ren Verlauf immer wieder fluktuieren. Entsprechend habe die Arbeitsfähig
keit (richtig wohl: Arbeitsunfähigkeit) im Verlauf der letzten beiden Jahre zwi
schen 50 und 100 % geschwankt. Seit Anfang 2014 bestehe eine Arbeitsunfä
higkeit von 80 bis 100 %. Dies werde voraussichtlich auch so bleiben. Die Situa
tion sei weiterhin palliativ. Eine Heilung sei nicht mehr möglich (S. 1).
Vergleichbare Angaben machte
Dr.
B._
im Verlaufsbericht
vom 20. Februar 2015
(
Urk. 7/344).
Auch im Verlaufsbericht vom
2
0.
Mai 2016
(
Urk.
7/382)
führt
e
Dr.
B._
aus
, prinzipiell habe sich seit der letzten Anfrage nicht viel verändert. Erfreulicher
weise (und
unerwarteterweise
) sei der Tumor unter der
antitumoralen
Sys
temtherapie
sei Oktober 2013 weiterhin stabil
. Ebenfalls unverändert sei der Beschwerdeführer tumor- und therapiebedingt in seiner Leistungsfähigkeit ein
geschränkt. Seit Anfang 2014 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 80-100
%
(aktuell 80
%
). Dies werde voraussichtlich auch so bleiben
(S. 1 unten).
4.6
Dr.
A._
nannte
in ihrem Bericht vom
2
3.
Mai 2016
(
Urk.
7/381)
als
ein
zige
Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein bekanntes, seit Feb
ruar 2014
bestehendes
lumbospondylogenes
Syndrom
und als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine im Februar 2015 erlittene
Malleolar
fraktur
(
Ziff.
1.1)
. Sie
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
seit Septem
ber 2014 (Ziff. 1.6).
4.7
4.7.1
Am 2
2.
November 2016 erstatteten die Ärzte des
D._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/
412
/2-39
)
. Sie stützten sich dabei auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben des Beschwerdeführers (S. 10 ff.) und ihre am 1
9.
September, 1
2.
und 2
4.
Oktober 2016 (S. 1 Mitte) erfolgten Untersuchungen auf
allgemeininternis
tische
m
(S. 10 ff.), psychiatrischem (S. 12 ff.), rheumatologischem (S. 18 ff.), onkologischem (S. 24 f.) und urologischem (S. 26 ff.) Gebiet.
4.7.2
Sie nannten die folgenden - hier gekürzt angeführten - Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 28 f.
Ziff.
5.1):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Verdacht auf
Osteopenie
-
fortgeschrittenes Prostatakarzinom
-
chronifizierte
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
4.7.3
Zur Arbeitsfähigkeit
führten die Gutachter aus, im Vordergrund hätten bei ihren Untersuchungen
,
sowohl vom Exploranden angegeben wie auch objektiv
,
die Rückenbeschwerden
gestanden
. Bei der rheumatologischen Untersuchung sei ein chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei deutlichen degene
rativen Veränderungen mit intermittierender
pseudoradikulärer
Ausstrahlung diagnostiziert worden. Weiter bestehe der Verdacht auf eine
Osteopenie
bei
an
tihormoneller
Therapie eines Prostatakarzinoms. Durch die objektiven medizi
nischen Befunde liessen sich die vom Exploranden angegebenen Beschwerden
erklären. Die Belastbarkeit des Bewegungsapparates, vor allem des Rückens, sei deutlich vermindert. Aus rheumatologischer Sicht bestehe für die bisherige Tä
tigkeit als Architekt wie auch für andere körperlich leichte bis selten mittel
schwere, wechselbelastende Tätigkeiten eine Arbeits- und
Leistungseinschrän
kung
von 50
%
(S. 29 f.).
Im Weiteren leide der Explorand an einem 2012 operierten Prostatakarzinom, das aktuell antihormonell behandelt werde. Bei der onkologischen Untersu
chung sei ein stabiler Zustand festgestellt worden. Gewisse Nebenwirkungen mit Konzentrationsstörungen und Antriebslosigkeit könnten durch die
antihormo
nelle
Therapie verursacht werden. Die Arbeitsunfähigkeit aus onkologischer Sicht betrage 50
%
.
Aus urologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit für eine kör
perlich leichte Tätigkeit wegen einer Inkontinenzproblematik um 20
%
einge
schränkt.
Aus allgemeininternistischer
Sicht
sei die Arbeitsfähigkeit
nicht
ein
geschränkt.
Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit durch eine
leichte depressive Episode
um 20
%
eingeschränkt (S. 30).
Zusammengefasst
sei
der Explorand aus polydisziplinärer Sicht für eine körper
lich leichte bis
selten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit zu 50
%
ar
beits
- und leistungsfähig. Die
Arbeitsfähigkeit k
ö
nn
e
in einem höheren zeitli
chen Pensum von zum Beispiel 2
x
3 Stunden täglich
mit vermindertem Ren
dement realisiert werden. Die Arbeitsunfähigkeiten in den einzelnen
Fachge
bie
t
en ergänz
t
en sich und könn
t
en nicht kumuliert werden. Teilweise bez
ög
en sie sich auf
die gleiche Symptomatik. Weiter könn
t
en dieselben Zeitabschnitte für vermehrt notwendige
Pausen genutzt werden
(S. 30 Mitte).
4.7.4
Die
Einschränk
ungen der Belastbarkeit des Bewegungsapparats bestünden seit Jahren. Die Beurteilungen in den Gutachten von 1998 und 2004 könnten bestä
tigt werden. Durch das Prostatakarzinom mit Operation
sei der Explorand ab April 2012 bis zirka November 2012 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen, seither gelte wieder die Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 30
Ziff.
6.3).
4.7.5
Von Seiten des Bewegungsapparates her bestehe Übereinstimmung mit der Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit in den früheren Gutachten 1998 und 2004, die klinischen Befunde entsprächen denjenigen der Neurochirurgie am
C._
201
4.
Aus onkologischer Sicht sei die Arbeitsunfähigkeit von 80
%
, welche die betreuende Onkologin am
C._
angegeben habe, nicht nachvollziehbar, sie habe die Gesamtsituation inklusive Depression und Rückenschmerzen bewertet. Aus urologischer Sicht seien keine aktuellen Befunde vorhanden, die früheren Berichte nach der Operation aus dem
C._
seien nachvollziehbar. Aus
allge
meininternistischer
Sicht gebe die Hausärztin eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit an, dies jedoch lediglich gestützt auf die vom Exploranden angegebenen Be
schwerden; andere, insbesondere allgemeininternistische Befunde, welche die Arbeitsunfähigkeit erklären würden, seien in den Akten nicht erwähnt (S. 31
Ziff.
6.5).
4.8
Dr.
B._
nahm am
3
0.
Dezember 2016
zum
D._
-Gutachten Stellung
(
Urk.
7/421
=
Urk.
3/3
)
und führte unter anderem aus, die Stellungnahme des onkologischen Gutachters sei in vielen Punkten nachvollziehbar (S. 1 Mitte). Die strikt onkologisch-somatische Beeinträchtigung (mithin die Summe der Symp
tome des aktuell vorhandenen Tumors und der durchgeführten Therapie) recht
fertigten eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Wie der Gutachter in seiner Beur
teilung schreibe, spielten aber noch andere Aspekte eine Rolle. Wie er in seiner onkologischen Anamnese gut beschreibe, sei die Leistungsfähigkeit des Be
schwerdeführers durch vielschichtige Probleme reduziert, und diese versuche sie gesamthaft in der Arbeitsunfähigkeit auszudrücken (S. 1).
4.9
Eine am
1.
Februar 2017
erfolgte Magne
t
resonanz-Untersuchung
(
Urk.
7/426
=
Urk.
7/
428
=
Urk.
3/4
)
der Halswirbelsäule (HWS)
und der Lendenwirbelsäule (LWS) ergab folgende Befunde (S. 2):
-
C6-Symptomatik rechts wird durch eine
foraminale
Neurokompression bei zirkulärer Diskusvorwölbung und Spondylose mit kleinen
Restspon
dylophyten
erklärt
-
leichte degenerative Veränderungen der HWS wie beschrieben, konstitutio
nell relativ enge zervikale
Neuroforamina
-
degenerative Veränderungen der unteren LWS mit Hauptbefund einer akti
vierten
Spondylarthrose
L4/5 rechts
-
keine Spinalkanalstenose
-
mögliche Irritation S1 links auf Höhe L5/S1, kein Hinweis auf
Be
-
einträchti
gung
S1 rechts
-
kein Hinweis auf Knochenmetastasen bei Prostatakarzinom
-
Asymmetrie der
Arteria
vertebralis mit möglichem Verschluss ab V2-Seg
ment rechts
4.10
Dr.
A._
führte in einem Kurzbericht vom 1
4.
März 2017 (
Urk.
3/5) aus, sie bestätige als Hausärztin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit resultierend aus Rückenbeschwerden, Prostata-Karzinom mit Lymphödem Bein und Psyche. Eine angepasste Arbeit für 1-11⁄2 Stunden pro Tag sei angemessen (S. 2 oben).
5.
5.1
Unbestritten ist, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch eine Rückenproblematik und ein Prostatakarzinom beeinträchtigt wird. Dass eine
allfällige Nackenproblematik die Arbeitsfähigkeit zusätzlich beeinträchtigen würde, wäre erst dann näher zu prüfen, wenn nebst der Bildgebung vom Feb
ruar 2017 (vorstehend E. 4.9) entsprechende ärztliche Beurteilungen vorlägen, was nicht der Fall ist.
5.2
Strittig ist, in welchem Umfang die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist. Laut den
D._
-Gutachtern beträgt die Einschränkung, polydisziplinär beurteilt, 50
%
be
zogen auf leichte bis selten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten (vor
stehend E. 4.7
.3
). Laut der Hausärztin des Beschwerdeführers beträgt die Ein
schränkung 80
%
seit September 2014 (vorstehend E. 4.6); im März 2017 be
zeichnete sie eine angepasste Tätigkeit von 1-11⁄2
Stunden pro Tag als ange
messen (vorstehend E. 4.10), was der genannten Arbeitsunfähigkeit etwa ent
spr
i
ch
t
. Die behandelnde Onkologin attestierte wiederholt eine Arbeitsunfähig
keit von 80-100
%
seit Anfang 2014 (vorstehend E. 4.5)
. I
m Dezember 2016 präzisierte
sie
, aus strikt onkologisch-somatischer Sicht betrage die Arbeitsun
fähigkeit 50
%
; die von ihr attestierte Arbeitsunfähigkeit
entspringe dem Be
streben, den vielschichtigen weiteren Problemen Rechnung zu tragen, welche die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers beeinträchtigten (vorstehend
E. 4.8).
5.3
Die Erläuterungen der behandelnden Onkologin zur Differenz zwischen einer Arbeitsunfähigkeit aus onkologischer Sicht und der von ihr attestierten höheren Arbeitsunfähigkeit zeigen geradezu exemplarisch den Unterschied, der sich dar
aus ergibt, aus welcher Optik eine Beurteilung erfolgt. So ist es durchaus nach
vollziehbar, dass von behandelnder Seite versucht wird, die (in der Regel auf die bisherige Tätigkeit bezogene) Arbeitsfähigkeit oder Arbeitsunfähigkeit in Be
rücksichtigung aller Umstände festzulegen. Hingegen geht es im Rahmen einer Begutachtung darum, aus einer unabhängigen, gleichsam objektivierenden Perspektive das Mass dessen zu bestimmen, was einer versicherten Person aus medizinischer Sicht und unter Ausklammerung inval
iditätsfremder Faktoren und individueller psychosozialer Umstände an angepasster Arbeitsleistung zu
mutbar ist.
Diesem
Unterschied zwischen Behandlun
gs- und Begutachtungsauftrag ist
bei der Würdigung medizinischer Berichte Rechnung zu tragen (vgl. etwa Urteile 9C_169/2015 vom 12. Oktober 2015 E. 4.2.2, 8C_260/2011 vom 2
5.
Juli 2011
E. 5.2 und 8C_567/2010 vom 1
9.
November 2010 E. 3.2.2)
. Darüber hinaus ist in
Be
zug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von be
handelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die
Er
-
fahrungs
tatsache
hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtli
che
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer
Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
Die letztere Feststellung trifft hier namentlich auf die Angaben der Hausärztin zu, zu welchen im Gutachten
überdies
zutreffenderweise
darauf hingewiesen wurde, dass ihnen eine nähere Begründung fehlt, da keine weiterführenden Be
funde dokumentiert sind, welche die Annahme einer dermassen eingeschränkten Arbeitsfähigkeit zu rechtfertigen vermöchten
(vorstehend E. 4.7.5)
. Sie sind des
halb nicht geeignet, die gutachterliche Beurteilung in Frage zu stellen.
5.4
Schliesslich vermag auch der beschwerdeweise erhobene Einwand nicht zu über
zeugen, die in den einzelnen medizinischen Fachbereichen attestierten Einschränkungen müssten kumuliert werden und es sei ein - entscheidender - Mangel des Gutachtens, dass dies unterblieben sei (vorstehend E. 2.3). Bezeich
nenderweise wurde dies damit begründet, dass solches „selbst für einen medizi
nischen Laien“ klar ersichtlich sei. Dies ist gerade kein massgebendes Kriterium, sondern es ist eine ausgesprochen fachmedizinische und insbesondere im Rah
men einer polydisziplinären Begutachtung ärztlich zu beantwortende Frage,
wie es sich damit verhält.
Gemäss konstanter Rechtsprechung besteht h
äufig kein Anlass, unter
ver
-
schiede
nen
medizinischen Titeln ausgewiesene Teilarbeitsunfähigkeiten zu kumulieren, da der Umfang der grössten Teileinschränkung auch die weiteren Entlastungserfordernisse abdeckt
, und ei
ne einfache Addition verschiedener Teilarbeitsunfähigkeiten je nach den konkreten Fallmerkmalen ein zu hohes oder zu niedriges Ergebnis zeitigen
kann
. Der Zweck interdisziplinärer Gutach
ten besteht gerade darin, alle relevanten Gesundheitsschädigungen zu erfassen und die daraus jeweils abgeleiteten Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit in ein Gesamtergebnis zu fassen (Urteile
des Bundesgerichts I 514/06 vom 2
5.
Mai 2007 E. 2.1,
I 506/02 vom 2
6.
Mai 2003 E. 2.2
,
I 372/02 vom 1
1.
März 2003
E. 3.3).
So verhält es sich auch hier, dies umso mehr, als sich die Gutachter nicht mit der unkommentierten Feststellung, die Einschränkungen seien nicht zu kumu
lieren, begnügten, sondern dies inhaltlich damit begründeten, dass die sich aus der attestierten Arbeitsunfähigkeit ergebenden Zeiten der Nichtbeanspruchung dem aus je einzelner Fachoptik gebotenen Ruhen der Arbeitsleistung
gleicher
massen
dienten
(vorstehend E. 4.7.3)
.
5.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das eingeholte Gutachten allen praxis
-
ge
mässen Kriterien (vorstehend E. 1.3) vollumfänglich genügt, so dass darauf abzustellen ist.
Demnach ist der Sachverhalt dahingehend erstellt, dass
seit Dezember 2012 die Arbeitsfähigkeit unverändert 50
%
beträgt (vorstehend E. 4.7.4). Somit ist im Vergleich zum Sachverhalt, welcher der Verfügung vom Dezember 2013 zu
grunde lag, keine anspruchsrelevante Veränderung eingetreten.
Die angefochtene Verfügung erweist sich dementsprechend als rechtens und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.