Decision ID: 1ed3cba8-4512-5ef5-976d-3ac6940fd172
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._, geboren am (...) 1997, Schweizer Bürger und bei seinen El-
tern in Singapur wohnhaft, beantragte durch seine Mutter und gesetzliche
Vertreterin B._ am 23. Juni 2008 bei der Invalidenversicherungs-
Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz)
wegen einseitiger Taubheit als Folge eines seit Geburt bestehenden kon-
genitalen Cholesteatoms die Ausrichtung von Leistungen der Schweizeri-
schen Invalidenversicherung (nachfolgend: IV; IV-act. 2, 4, 6).
B.
B.a Mit Verfügung vom 22. Januar 2009 (IV-act. 19) sprach die IVSTA
A._ medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 des Bundesgeset-
zes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG, SR 831.20)
zur Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 447 der Verordnung vom
9. Dezember 1985 über Geburtsgebrechen (GgV, SR 831.232.21) für den
Zeitraum vom 24. Juni 2007 bis zum 31. August 2011 zu.
B.b Gegen diese Verfügung erhob A._, vertreten durch seine Mut-
ter, mit Eingabe vom 14. Februar 2009 (IV-act. 25) Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht und beantragte, es seien ihm nebst den medi-
zinischen Massnahmen auch Massnahmen pädagogisch-therapeutischer
Art zuzusprechen, da nur diese ihm eine spätere Eingliederung in das
Erwerbsleben ermöglichten.
B.c Mit Urteil C-1090/2009 vom 25. August 2009 (IV-act. 31) hiess das
Bundesverwaltungsgericht – entsprechend dem Antrag der Vorinstanz in
der Vernehmlassung (IV-act. 29) – die Beschwerde in dem Sinne gut,
dass die angefochtene Verfügung vom 22. Januar 2009 aufgehoben und
die Sache zur ergänzenden Abklärung und Neubeurteilung an die Vorin-
stanz zurückgewiesen wurde. Aufgrund der vorliegenden Akten war das
Bundesverwaltungsgericht nicht in der Lage, hinsichtlich des Anspruchs
auf pädagogisch-therapeutische Massnahmen einen Entscheid zu fällen.
B.d In der Folge holte die IVSTA bei der Mutter von A._ Unterla-
gen und Angaben bezüglich der in der Zeit von 2006 bis Ende 2007
durchgeführten pädagogisch-therapeutischen Massnahmen ein (IV-
act. 35, 37, 44-45, 52-54). Mit Schreiben vom 18. September 2010 (IV-
act. 56) reichte sie der IVSTA den Arztbericht des Dr. J._ vom
16. September 2010 ein und wies auf die darin ebenfalls einbezogenen
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und bereits durchgeführten pädagogisch-therapeutischen Massnahmen
bei H._ (von November 2006 bis Februar 2009) und K._
(von September 2009 bis Mai 2010) hin. Die Mutter von A._ teilte
im Schreiben vom 18. September 2010 weiter mit, dass momentan zwar
alle pädagogisch-therapeutischen Massnahmen abgeschlossen seien, zu
einem späteren Zeitpunkt solche aber nicht ausgeschlossen werden
könnten. Gleichzeitig stellte sie den Antrag, den zugesprochenen An-
spruch auf medizinische Massnahmen über den 31. August 2011 hinaus
zu verlängern (vgl. auch IV-act. 77). Im Anschluss daran holte die IVSTA
beim IV-Stellenarzt Dr. med. F._ Informationen zu dem eingereich-
ten Arztbericht von Dr. J._ ein (IV-act. 59). In seiner Stellungnah-
me vom 11. Januar 2011 (IV-act. 60) führte Dr. F._ unter anderem
aus, dass die bei "L._" durchgeführte Therapie von der IV teilwei-
se zu übernehmen sei, während die in der Zeit von September 2009 bis
Mai 2010 absolvierten Logopädie-Sitzungen nicht in die Zuständigkeit der
IV fallen würden.
C.
C.a Mit Schreiben vom 1. Februar 2011 (IV-act. 62) teilte die IVSTA der
der Mutter von A._ unter anderem mit, dass mit dem Inkrafttreten
der Neugestaltung des Finanzausgleichs zwischen Bund und Kantonen
(NFA) per 1. Januar 2008 Leistungen im Zusammenhang mit der Sonder-
schulung, den Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art (z.B. Logo-
pädie) sowie der psychomotorischen Therapie ab diesem Zeitpunkt nicht
mehr von der IV übernommen werden könnten. Mangels einer Über-
gangsbestimmung bestehe ab dem 1. Januar 2008 für Kinder, die sich im
Ausland aufhalten würden, weder seitens der IV noch seitens der Kanto-
ne ein entsprechendes Leistungsangebot. Da die von K._ durch-
geführte Therapie sowie die Untersuchung des psychologischen Profils
durch M._ nach dem 1. Januar 2008 stattgefunden hätten, könne
die IV die in diesem Zusammenhang entstandenen Kosten nicht über-
nehmen.
C.b Die Mutter von A._ erhob gegen diesen Vorbescheid mit
Schreiben vom 14. März 2011 (IV-act. 69) Einwände. Sie machte geltend,
dass die im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen des Beschwer-
deführers durchzuführenden pädagogisch-therapeutischen Massnahmen
dessen Ausbildung und Eingliederung in einer "normalen" Schule ermög-
lichen würden. Die Kosten der Inanspruchnahme einer Sonderschulung
wären bedeutend höher. Allerdings müssten die pädagogisch-
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therapeutischen Massnahmen "durchgehend und konsistent" durchge-
führt werden, um einen erfolgreichen Abschluss der "Normalschulung" zu
gewährleisten. Die Mutter von A._ führte weiter aus, dass sie in
Bezug auf die finanzielle Kompensation von pädagogisch-
therapeutischen Massnahmen seit dem 23. Mai 2008 mit dem Amt für
Volksschule des Kantons Thurgaus in Kontakt stehe und den seit Februar
2010 gestellten Anträgen durchgehend stattgegeben werde. Sie ersuchte
um Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung.
C.c Mit Verfügung vom 5. April 2011 (IV-act. 71) entschied die IVSTA in
Bestätigung ihres Vorbescheides, das Leistungsbegehren (Kostenüber-
nahme der von K._ durchgeführten Therapie und der Untersu-
chung des psychologischen Profils durch M._) abzuweisen. Die
Begründung entsprach derjenigen des Vorbescheides.
D.
Gegen diese Verfügung vom 5. April 2011 erhob die Mutter und gesetzli-
che Vertreterin von A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Ein-
gabe vom 6. Juni 2011 (Aufgabe in Singapur: 6. Juni 2011) Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht (Eingang: 16. Juni 2011; act. 1). Sie stell-
te in ihrer Beschwerdeschrift unter anderem den Antrag, die zwischen
dem 30. Januar 2009 und dem 24. März 2010 entstandenen Kosten für
die "Speech and Language Therapy" bei K._ sowie der Untersu-
chung bei M._ von total S$ 4'487.50 seien von der IV zu leisten,
eventualiter habe eine Zuweisung an die zuständige behördliche Instanz
zu erfolgen. In der Beschwerde wurde ausgeführt, dass Kinder mit
Schweizer Staatsbürgerschaft, die nicht in der Schweiz wohnen würden,
bei stets vollumfänglicher und fristgerechter Überweisung der Beiträge
auch ohne gesetzliche Grundlage ein Recht auf Kompensation für die
entsprechenden Therapien hätten. Der Beschwerdeführer sei auf die ge-
nannten Therapien dringend angewiesen. Die seit dem 16. März 2009
entstandenen Kosten für Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art
würden seitens des Amtes für Volksschule des Kantons Thurgau denn
auch beglichen.
Die Mutter des Beschwerdeführers stellte in der Beschwerde vom 6. Juni
2011 ausserdem einen Antrag, welcher die Kostenübernahme der Be-
handlung bei H._ ab 1. Januar 2008 betraf und sich gegen den
Vorbescheid der IVSTA vom 5. April 2011 (IV-act. 72) richtete. Das Bun-
desverwaltungsgericht entschied in der Folge mit Urteil C-3501/2011 vom
7. September 2011, dass auf die Beschwerde nicht eingetreten werde,
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soweit sie sich gegen den Vorbescheid der IVSTA vom 5. April 2011 rich-
te, und überwies die Sache zur Weiterführung des Vorbescheidverfahrens
an die Vorinstanz.
Soweit sich die Beschwerde vom 6. Juni 2011 sodann gegen die Verfü-
gung der IVSTA vom 4. April 2011 (IV-act. 70) richtet, erfolgt eine Behand-
lung im konnexen Verfahren C-3388/2011.
E.
Mit Schreiben vom 7. Juli 2011 (act. 2) wurde die Mutter des Beschwerde-
führers eingeladen, dem Bundesverwaltungsgericht eine Zustelladresse
in der Schweiz anzugeben. Dieser Einladung kam sie mit Eingabe vom
19. August 2011 nach und bezeichnete in der Schweiz ein Zustelldomizil
(act. 4).
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 26. Oktober 2011 (act. 6) beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Als Begründung führte sie aus, dass der bisherige Art. 19 IVG per 1. Ja-
nuar 2008 gestrichen worden sei und mangels einer übergangsrechtli-
chen Regelung alle laufenden Massnahmen pädagogisch-therapeutischer
Art bis 31. Dezember 2007 befristet würden. Die Verwaltung sei an die-
sen gesetzgeberischen Entscheid gebunden. Es seien daher zu Recht
sämtliche nach dem 1. Januar 2008 entstanden Kosten für Massnahmen
pädagogisch-therapeutischer Art abgelehnt worden.
G.
Der Beschwerdeführer hat von der ihm eingeräumten Gelegenheit zur
Replikeinreichung keinen Gebrauch gemacht (act. 7).
H.
Mit Verfügung vom 18. Januar 2012 erklärte das Bundesverwaltungsge-
richt den Schriftenwechsel – vorbehältlich weiterer Instruktionsmassnah-
men – für geschlossen (act. 9).
I.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften wird – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG sowie Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beurteilt das
Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland ge-
gen Verfügungen der IVSTA.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). In-
des findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. d bis
VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestim-
mungen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialver-
sicherungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialversiche-
rungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des
ATSG auf die Invalidenversicherung anwendbar, soweit das IVG nicht
ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Dabei finden nach
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln in formellrechtlicher
Hinsicht mangels anderslautender Übergangsbestimmungen grundsätz-
lich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im Zeitpunkt der Be-
schwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Verfü-
gung der IVSTA vom 5. April 2011. Der durch seine Mutter (gesetzlich)
vertretene Beschwerdeführer ist durch diese Verfügung berührt und hat
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59
ATSG).
Gemäss Art. 60 Abs. 1 ATSG ist die Beschwerde innert 30 Tagen nach
Eröffnung der Verfügung einzureichen. Der angefochtene Einspracheent-
scheid datiert vom 5. April 2011. Die Beschwerdeschrift wurde am 6. Juni
2011 der EMS Speedpost in Singapur übergeben (act. 1/27) und ging am
16. Juni 2011 beim Bundesverwaltungsgericht ein (act. 1 S. 1). Das Zu-
stellungsdatum des angefochtenen Entscheides, welcher von der Vorin-
stanz zwar mit eingeschriebener Post, aber nicht mit Rückschein ver-
sandt wurde, ist nicht nachgewiesen. Die Beweislast für den Beginn der
Frist liegt aber bei der eröffnenden Behörde (ULRICH HÄFELIN/GEORG
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MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zü-
rich/St. Gallen 2010, Rz. 1651), welche die Einhaltung der Beschwerde-
frist vorliegend nicht bestreitet. Aus diesen Gründen ist zugunsten des
Beschwerdeführers davon auszugehen, dass seine Beschwerde vom
6. Juni 2011 fristgerecht und auch formgerecht (Art. 60 ATSG und Art. 52
Abs. 1 VwVG) eingereicht wurde. Damit ist auf die Beschwerde einzutre-
ten.
2.
Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdeverfah-
rens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes sowie Unange-
messenheit des Entscheides rügen (Art. 49 VwVG).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist Schweizer Staatsangehöriger und wohnt
bei seinen Eltern in Singapur. Daher bestimmt sich die Frage, ob der Be-
schwerdeführer einen Anspruch auf Leistungen der schweizerischen In-
validenversicherung hat, nach schweizerischem Recht.
3.2 In materiellrechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechts-
sätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder
zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215
E. 3.1.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_606/2011 vom 13. Januar 2012
E. 3.1). Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem
Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach
den neuen Normen zu prüfen (BGE 130 V 445 E. 1).
Vorliegend sind Leistungen für den Zeitraum ab Januar 2009 bis März
2010 streitig. Bei den materiellen Bestimmungen des IVG und der Ver-
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) ist daher auf die Fassung
gemäss den am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Änderungen (5. IV-
Revision; AS 2007 5129 und AS 2007 5155) abzustellen. Noch keine An-
wendung findet das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene erste Mass-
nahmenpaket der 6. IV-Revision (IVG in der Fassung vom 18. März 2011
[AS 2011 5659]). Ferner sind das ATSG in der Fassung vom 6. Oktober
2006 (AS 2007 5129) sowie die Verordnung vom 11. September 2002
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV, SR
830.11) anwendbar.
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Seite 8
4.
Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügung (hier: 5. April 2011) einge-
tretenen Sachverhalt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen
Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand
einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
5.
5.1 Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die im Zeitraum von Januar
2009 bis März 2010 bei K._ und M._ durchgeführten Be-
handlungen bzw. Untersuchungen des Beschwerdeführers von der IV zu
bezahlen sind. Die Vorinstanz qualifizierte diese streitigen Vorkehren als
pädagogisch-therapeutische Massnahmen, was seitens des Beschwerde-
führers nicht bestritten wird.
5.2 Gemäss aArt. 19 IVG, der bis zum 31. Dezember 2007 Geltung hatte
(AS 2007 5779), wurden an die Sonderschulung bildungsfähiger Versi-
cherter, die das 20. Altersjahr noch nicht vollendet hatten und denen in-
folge Invalidität der Besuch der Volksschule nicht möglich oder nicht zu-
mutbar war, Beiträge gewährt. Die Beiträge umfassten unter anderem be-
sondere Entschädigungen für zusätzlich zum Schulunterreicht notwendi-
ge Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art, wie Sprachheilbe-
handlung für schwer Sprachgebrechliche, Hörtraining und Ableseunter-
richt für Gehörgeschädigte (vgl. aArt. 19 Abs. 2 Bst. c IVG). Der Bundes-
rat erliess gestützt auf aArt. 19 Abs. 3 IVG in der IVV unter anderem auch
Vorschriften über die Gewährung entsprechender Beiträge an Massnah-
men für invalide Kinder, die die Volksschule besuchten (aArt. 9 ff. IVV,
gültig bis 31. Dezember 2007). Es handelte es sich bei diesen Massnah-
men für besondere Schulung ebenfalls um Eingliederungsmassnahmen
(vgl. Art. 8 Abs. 3 Bst. c IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewese-
nen Fassung).
5.3 Am 1. Januar 2008 ist das Bundesgesetz vom 6. Oktober 2006 über
die Schaffung und die Änderung von Erlassen zur Neugestaltung des Fi-
nanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen
(NFA; AS 2007 5779; BBl 2005 6029) in Kraft getreten. Damit wurden
auch im Bereich der IV zahlreiche Bestimmungen aufgehoben, unter an-
derem jene über Massnahmen für die besondere Schulung gemäss
aArt. 19 IVG und aArt. 8 ff. IVV (vgl. Ziff. II/25 des genannten Bundesge-
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Seite 9
setzes). Die IV zog sich per Ende 2007 aus der Sonderschulung zurück.
Die volle fachliche und finanzielle Verantwortung in diesem Bericht liegt
seit dem 1. Januar 2008 aufgrund von Art. 62 Abs. 3 der Schweizerischen
Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101) allein bei den Kanto-
nen (BBl 2005 6218, 6221). Gleichzeitig wurde mit Art. 197 Ziff. 2 BV die
Übergangsbestimmung eingeführt, wonach die Kantone verpflichtet sind,
die bisherigen Leistungen der IV an die Massnahmen für besondere
Schulung nach aArt. 19 IVG zu übernehmen, bis sie über kantonal ge-
nehmigte Sonderschul- und Betreuungskonzepte verfügen, mindestens
jedoch während drei Jahren. Es besteht jedoch keine Übergangsbestim-
mung und damit gesetzliche Grundlage, wonach die IV Leistungen ge-
mäss aArt. 19 IVG auch nach dem 1. Januar 2008 ausrichten kann (siehe
die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts C-8726/2007 vom 8. Dezem-
ber 2009 E. 4.4 sowie C-8719/2007 vom 11. August 2008 E. 4.2). Ab dem
1. Januar 2008 gilt daher – mangels ausdrücklicher gesetzlicher Rege-
lung – uneingeschränkt das neue Recht (vgl. URS MÜLLER, Das Verwal-
tungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, § 6, Rz. 188;
BGE 111 V 36 E. 1), wonach der Aufgabenbereich Sonderschulung nicht
(mehr) in die Kompetenz der IV fällt, sondern zu den kantonalen Aufga-
ben gehört.
5.4 Die Vorinstanz hat die Kostenübernahme der streitigen Behandlungen
mangels entsprechender Rechtsgrundlage somit zu Recht abgelehnt. Die
seitens des Beschwerdeführers eventualiter beantragte Überweisung
bzw. Weiterleitung der Streitsache an die gegebenenfalls zuständige Be-
hörde kommt nicht in Betracht, da die Zuständigkeit des Bundesverwal-
tungsgerichts für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben
ist (vgl. E. 1.1).
5.5 Aus den genannten Gründen ist die Beschwerde daher abzuweisen
und die angefochtene Verfügung zu bestätigen.
6.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
6.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten der unterlie-
genden Partei aufzuerlegen. Da der Beschwerdeführer unterlegen ist, hat
er die Verfahrenskosten zu tragen. Diese sind nach dem Verfahrensauf-
wand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 -1'000 Franken
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festzulegen (Art. 69 Abs. 1 bis
IVG). Für das vorliegende Verfahren sind die
Verfahrenskosten auf Fr. 300.- festzusetzen.
6.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundes-
behörde hat die IVSTA jedoch keinen Anspruch auf Parteientschädigung
(Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
6.3 Der unterliegende Beschwerdeführer hat ebenfalls keinen Anspruch
auf Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).