Decision ID: 7ee7d342-f448-4717-a432-91777436f50d
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y., Staatsangehöriger des Kosovo, wurde am 27. November 1987 in der Schweiz
geboren und verfügt über die Niederlassungsbewilligung. Er ist ledig und hat keine
Kinder.
B./ X.Y. wurde wie folgt verurteilt:
1) Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Gossau vom 5. Juli 2006: Verurteilung
wegen mehrfacher Verletzung von Verkehrsregeln und Übertretung des
Strassenverkehrsgesetzes (Führen eines Motorfahrzeuges [Pocket-Bike] ohne
Führerausweis, Inverkehrbringen eines Motorfahrzeuges in nicht betriebssicherem und
vorschriftsgemässem Zustand, Führen eines Motorfahrzeuges ohne die
vorgeschriebene Haftpflichtversicherung, Inverkehrbringen eines Motorfahrzeuges
ohne den erforderlichen Fahrzeugausweis und Kontrollschild) zu einer Busse von
Fr. 300.--;
2) Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 20. November 2007:
Verurteilung wegen versuchten Raubs, Drohung und Tätlichkeit zu einer unter
Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von
55 Tagessätzen à je Fr. 100.-- und einer Busse von Fr. 1'000.--;
3) Bussenverfügung des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 9. Februar 2009:
Verurteilung wegen Führen eines Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand
[Blutalkoholkonzentration mindestens 1,11‰] und Verletzung von Verkehrsregeln zu
einer unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren bedingt ausgesprochenen
Geldstrafe von 30 Tagessätzen à je Fr. 60.-- und einer Busse von Fr. 1'500.--. Die
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich Limmat vom 20. November 2007
ausgesprochene Probezeit wurde um ein Jahr verlängert;
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4) Strafverfügung des Bezirksamtes Münchwilen vom 10. August 2009: Verurteilung
wegen Verletzung der Verkehrsregeln (Nichtgewähren des Vortrittsrechts
[Verkehrsunfall mit Sachschaden]) zu einer Busse von Fr. 400.--;
5) Entscheid des Kreisgerichtes Wil vom 17. August 2011: Verurteilung wegen
vorsätzlicher Tötung, mehrfacher versuchter Tötung und mehrfacher vorsätzlicher
einfacher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren. Es wurde eine
ambulante psychotherapeutische Behandlung mit ärztlich kontrollierter
Alkoholabstinenz angeordnet. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 20. November 2007 und mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes
St. Gallen vom 9. Februar 2009 bedingt ausgesprochenen Geldstrafen wurden
widerrufen bzw. für vollziehbar erklärt.
C./ Am 26. Juni 2012 widerrief das Migrationsamt die Niederlassungsbewilligung von
X.Y. und wies ihn an, die Schweiz am Tag der Entlassung aus dem Strafvollzug zu
verlassen. Die Verfügung wird damit begründet, X.Y. habe in strafrechtlicher Hinsicht
zu sehr schweren Klagen Anlass gegeben und per 9. Dezember 2011 seien offene
Betreibungen im Betrag von Fr. 7'487.70 verzeichnet gewesen. Er habe sein Gastrecht
in der Schweiz in schwerwiegender Weise missbraucht und den Widerrufsgrund von
Art. 63 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (SR
142.20, abgekürzt AuG) gesetzt. Sodann überwiege das öffentliche Interesse an der
Fernhaltung von X.Y. sein privates Interesse, in der Schweiz bleiben zu können.
D./ Am 10. Juni 2012 erhob X.Y., vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber,
St. Gallen, Rekurs gegen die Verfügung des Migrationsamtes vom 26. Juni 2012. Er
stellte das Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und vom
Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei abzusehen.
Am 20. Juli 2012 ermächtigte das Amt für Justizvollzug die Direktion der Strafanstalt
Saxerriet X.Y. zusätzlich zum fünfstündigen Ausgang monatlich einen Tagesurlaub von
maximal zwölf Stunden (ohne Übernachtung) zur Kontaktpflege mit seiner Familie zu
bewilligen (act. 3 der Vorinstanz). Mit einem im Juli 2012 verfassten Schreiben führte
der Gefängnisseelsorger aus, bei X.Y. handle es sich um einen sympathischen,
ehrlichen und engagierten Menschen, weshalb vom Entzug des Niederlassungsrechts
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abzusehen sei (act. 6 der Vorinstanz). Am 19. Oktober 2012 wies das Amt für
Justizvollzug ein Gesuch X.Y.s um Bewilligung eines Arbeitsexternates ab (act. 10 der
Vorinstanz). Am 8. November 2012 wurde ein neuerliches Gesuch abschlägig beurteilt
(act. 12 der Vorinstanz). Am 30. November 2012 beantragten die Psychiatrie-Dienste
Süd dem Direktor der Strafanstalt Saxerriet, die seit Oktober 2011 andauernde
ambulante Psychotherapie mit X.Y. sei aufzuheben (Therapiebericht, act. 14 der
Vorinstanz). Am 14. Dezember 2012 verfügte das Sicherheits- und Justizdepartement,
die Strafanstalt Saxerriet könne X.Y. Übernachtungsurlaube bewilligen, wobei die
Abwesenheit von der Anstalt nicht länger als 48 Stunden dauern dürfe. Das Gesuch um
Zulassung zum Arbeitsexternat wurde abgewiesen (act. 15 der Vorinstanz). Am
28. Januar 2013 nahm X.Y. durch seine Rechtsvertreterin Stellung zum Therapiebericht
und zur Verfügung vom 14. Dezember 2012 (act. 20 der Vorinstanz) und am
20. Februar 2013 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den Rekurs ab.
E./ Am 8. März 2013 erhob X.Y. durch seine Rechtsvertreterin gegen den Entscheid
des Sicherheits- und Justizdepartements vom 20. Februar 2013 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Er beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es
sei vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung abzusehen. Eventuell sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und es sei die Sache zur Neuabklärung und zum
neuen Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Am 3. Mai 2013 verzichtete das
Sicherheits- und Justizdepartement auf eine Stellungnahme und beantragte, die
Beschwerde sei abzuweisen.
Am 12. Juli 2013 verfügte das Sicherheits- und Justizdepartement, X.Y. werde bei
klaglosem Verhalten bedingt aus der Strafanstalt Saxerriet entlassen, sofern er sich
über eine Unterkunft und eine geeignete Arbeit ausweisen könne, sein Lebensunterhalt
gesichert sei und die Nachbetreuung durch die Bewährungshilfe sowie die
Abstinenzkontrollen geregelt seien, frühestens aber am 30. Juli 2013. Der Strafrest
betrage bei der Entlassung zu diesem Zeitpunkt 608 Tage (Ziff. 1). Die Probezeit für
den nicht verbüssten Strafrest daure bis 30. März 2015. Für die Dauer der Probezeit
werde eine Bewährungshilfe angeordnet. X.Y. habe mit der zuständigen
Betreuungsperson zusammenzuarbeiten und die getroffenen Vereinbarungen
einzuhalten. Sollte X.Y. die Schweiz während der Probezeit verlassen müssen, würde
die Bewährungshilfe dahinfallen (Ziff. 2). X.Y. wurde längstens für die Dauer der
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Probezeit angewiesen, sich den angeordneten Urin-, Blut- und Haarkontrollen zur
Überprüfung der Alkohol- und Drogenabstinenz zu unterziehen und über seine
Beziehungsgestaltung und über Krisen/Belastungen aktiv, wahrheitsgetreu und
transparent Auskunft zu erteilen (Ziff. 3). Weiter wurde angeordnet, X.Y. habe mit der
Anordnung des Vollzugs der Reststrafe zu rechnen, wenn er innerhalb der Probezeit
erneut straffällig werde, insbesondere auch wenn er sich widerrechtlich in der Schweiz
aufhalte oder widerrechtlich einreise, die erteilten Weisungen missachte oder nicht mit
der Bewährungshilfe zusammenarbeite. Wenn er sich bis zum Ablauf der Probezeit
bewähre, sei die Entlassung endgültig. Vorbehalten bleibe eine Verlängerung der
Bewährungshilfe durch das Gericht (Ziff. 4).
Die Verfügung betreffend die bedingte Entlassung X.Y.s wurde seiner Rechtsvertreterin
am 15. Juli 2013 zur Kenntnisnahme zugestellt. Am 14. August 2013 teilte diese mit, ihr
Mandant sei in der Zwischenzeit bedingt aus der Haft entlassen worden und wohne an
der Z.-strasse 00 in A. Am 19. August 2013 gab die Rechtsvertreterin von X.Y. den
Vollzugsbericht der Strafanstalt Saxerriet vom 23. Mai 2013, mit welchem die bedingte
Entlassung beantragt wird, als Beweismittel zu den Akten, ebenso eine Stellungnahme
der Psychiatrie-DiensteSüd vom 1. Juli 2013. Sie ersuchte darum, die Berichte sowie
der Umstand, dass X.Y. über eine Arbeitsstelle bei der Versandfirma Q. GmbH verfüge,
seien in die Beurteilung miteinzubeziehen. Am 20. August 2013 wurden die neu
eingereichten Unterlagen sowohl den Richtern als auch der Vorinstanz zugestellt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Der Beschwerdeführer beantragt, es sei eine mündliche Verhandlung durchzuführen.
Er beruft sich auf Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK), Art. 30 der Bundesverfassung (SR 101,
abgekürzt BV) und Art. 55 VRP und begründet dies damit, weil der zu beurteilenden
Konstellation grundsätzliche Bedeutung zukomme, erscheine es zweckmässig, dass
die Mitglieder des Gerichts einen persönlichen Eindruck von ihm erhalten würden.
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Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist auf ausländerrechtliche Verfahren nicht anwendbar, weshalb
gestützt auf diese Vorschrift kein Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung besteht
(VerwGE B 2012/76 vom 11. Dezember 2012 E. 2 mit Hinweis auf BGer 2C_344/2011
vom 21. September 2011 E. 3 mit Hinweis auf BGer 2A.284/2001 vom 9. Oktober 2001
E. 2, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Art. 30 Abs. 3 BV, auf den sich der
Beschwerdeführer ebenfalls beruft, verleiht dem Rechtssuchenden kein Recht auf eine
öffentliche Verhandlung, sondern garantiert einzig, dass eine von Art. 6 Ziff. 1 EMRK
oder vom einschlägigen Verfahrensrecht vorgeschriebene mündliche Verhandlung
grundsätzlich öffentlich sein muss (vgl. BGE 128 I 288 E. 2.3-2.6).
Nach Art. 55 Abs. 1 VRP wird eine mündliche Verhandlung angeordnet, wenn sie zur
Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Dem anwaltlich
vertretenen Beschwerdeführer war es indessen im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
möglich, seinen Rechtsstandpunkt ausführlich zum Ausdruck zu bringen. Zur Wahrung
seiner Parteirechte ist eine mündliche Verhandlung deshalb nicht erforderlich, und es
besteht auch aus Zweckmässigkeitsüberlegungen kein Anlass, eine solche
durchzuführen. Dem Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung wird
deshalb nicht entsprochen.
3. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, den Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a in
Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG gesetzt zu haben. Die Vorinstanz hat es offen
gelassen, ob die Voraussetzungen von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ebenfalls erfüllt seien.
Strittig ist, ob der angefochtene Entscheid verhältnismässig ist bzw. ob das öffentliche
Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers sein privates Interesse am
Verbleib in der Schweiz überwiegt.
4. Der Beschwerdeführer beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, weil
die Vorinstanz sein rechtliches Gehör verletzt habe. Er begründet dies damit, die
Vorinstanz sei in keiner Weise auf seinen Beweisantrag, es sei ein aktueller
Führungsbericht der Strafanstalt Saxerriet einzuholen, eingegangen. Sie habe
insbesondere auch darauf verzichtet, darzulegen, warum diese Beweisabnahme aus
ihrer Sicht nicht erforderlich sei. Für den Fall, dass die Voraussetzungen für eine
Rückweisung aus Sicht des Verwaltungsgerichts nicht erfüllt sind, stellt der
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Beschwerdeführer den Antrag, im Rahmen des Beschwerdeverfahrens sei ein aktueller
Führungsbericht einzuholen.
4.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet, dass rechtzeitig und formrichtig
angebotene Beweismittel abzunehmen sind, es sei denn, diese betreffen eine nicht
erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache
Beweis zu erbringen (BGE 124 I 242 E. 2; 117 Ia 268 E. 4b).
4.2. Nach Art. 63 AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden. Die
Massnahme muss - wie jedes staatliche Handeln - verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2
BV, Art. 96 AuG). Die Notwendigkeit der Prüfung der Verhältnismässigkeit ergibt sich
auch aus Art. 8 EMRK und aus Art. 13 BV.
4.3. Zwecks Beurteilung der Frage, ob der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung
verhältnismässig ist, sind bei Ausländern der zweiten Generation namentlich folgende
Elemente massgebend: die Schwere des Delikts und das Verschulden des Betroffenen,
der seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während dieses
Zeitraums, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit
sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile (BGE 139 I 19 E. 2.2.1. mit
Hinweis auf BGE 135 II 377 E. 4.3). Ausgangspunkt und Massstab für die
Interessenabwägung ist das Verschulden des Ausländers. Dieses findet vorab im vom
Strafrichter verhängten Strafmass seinen Ausdruck. Die Behörde hat sich dabei mit den
Erwägungen des Strafrichters auseinanderzusetzen, um zu einer eigenen
Gefahrenprognose zu kommen.
Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich schon seit langer Zeit hier
aufhält, ist nur mit Zurückhaltung bzw. nur bei wiederholter bzw. schwerer
Straffälligkeit zu widerrufen. Ein Widerruf ist bei Gewalt-, Sexual- und
Betäubungsmitteldelikten bzw. wiederholter Straffälligkeit aber selbst dann nicht
ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist und sein ganzes Leben hier
verbracht hat. Bei schweren Straftaten und wiederholter Delinquenz besteht -
überwiegende private oder familiäre Bindungen vorbehalten - auch in diesen Fällen ein
schutzwürdiges öffentliches Interesse daran, die Anwesenheit des Ausländers zu
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beenden (BGE 139 I 19 E. 2.2.1 mit Hinweis auf BGer 2C_562/2011 vom 21. November
2011 E. 3.3, EGMR Nr. 41548/06 vom 13. Oktober 2011, BGer 2C_903/2010 vom 6.
Juni 2011 E. 3.1, BGE 130 II 176 E. 4.4.2 und 122 II 433 E. 3; vgl. auch VerwGE B
2012/76 vom 11. Dezember 2012 E. 4.1, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
Ausschlaggebend ist die Verhältnismässigkeit der Massnahme im Einzelfall, die
praxisgemäss gestützt auf die gesamten wesentlichen Umstände geprüft werden muss
(BGer 2C_160/2009 vom 1. Juli 2009 E. 3.1, BGer 2A.71/2007 vom 7. Mai 2007 E. 3.2).
Zwar sieht Art. 121 Abs. 3 BV neu vor, dass ein Ausländer unabhängig von seinem
ausländerrechtlichen Status sein Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf
Aufenthalt in der Schweiz verliert, wenn er u.a. wegen eines vorsätzlichen
Tötungsdelikts oder Raubs rechtskräftig verurteilt worden ist. Das Bundesgericht hat
aber zum einen entschieden, dass diese Bestimmung nicht direkt anwendbar sei, und
zum andern, dass mit Blick auf die EMRK dennoch eine Interessenabwägung
vorgenommen und den Aspekten Rechnung getragen werden müsse, die mit der
Beendigung des Aufenthalts in der Schweiz auf das Privat- und Familienleben
verbunden seien (VerwGE B 2012/127 vom 12. März 2013 E. 3.1, abrufbar
unterwww.gerichte.sg.ch, mit Hinweis auf BGE 139 I 16 ff. E. 4.3.4 und 5.3).
In Betracht fällt weiter, dass ausserhalb des Geltungsbereichs des
Freizügigkeitsabkommens bei schweren Straftaten zum Schutz der Öffentlichkeit selbst
ein geringes Restrisiko weiterer Beeinträchtigungen wesentlicher Rechtsgüter nicht in
Kauf genommen werden muss (BGer 139 I 20 E. 2.2.1 mit Hinweis auf BGE 130 II 176
E. 4.2-4.4 mit Hinweisen; vgl. auch VerwGE B 2012/76 vom 11. Dezember 2012 E. 4.1
mit Hinweisen, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Während sich das Strafrecht auf
die Resozialisierungschancen des Straftäters fokussiert, steht für die
Ausländerbehörden das Interesse an der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im
Vordergrund. Sie haben eine umfassende Interessenabwägung aller öffentlichen und
privaten Interessen vorzunehmen, woraus sich ein im Vergleich mit den Straf- und
Strafvollzugsbehörden strengerer Beurteilungsmassstab ergibt (VerwGE B 2012/248
vom 12. März 2013 E. 3.2 mit Hinweis auf BGer 2C_218/2011 vom 4. Januar 2012 E.
3.3.1 mit Hinweisen, BGer 2C_1026/2011 vom 23. Juli 2012 E. 4.2 mit Hinweisen und
BGE 120 Ib 129 E. 5b). Weil das Freizügigkeitsabkommen nicht zur Anwendung
kommt, darf zudem auch generalpräventiven Gesichtspunkten Rechnung getragen
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werden (BGer 2C_13/2011 vom 22. März 2011 E. 2.2 mit Hinweis auf BGer 2C_36/2009
vom 20. Oktober 2009 E. 2.1).
Schliesslich kommt einem Wohlverhalten in Unfreiheit, während der strafrechtlichen
Probezeit oder unter dem Druck eines hängigen Bewilligungsverfahrens im
Zusammenhang mit der Frage, ob eine Wegweisung gerechtfertigt sei, nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur untergeordnete Bedeutung zu (vgl. Zünd/
Hugi Yar, Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Ausländerrecht,
insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, in: EuGRZ 2013/13 mit
Hinweisen). Auch genügt der Umstand allein, dass jemand im Strafvollzug zu keinen
Klagen Anlass gibt, nicht, um eine Rückfallgefahr auszuschliessen. Eine andere
Wertung würde aus Sicht des Bundesgerichts bedeuten, dass eine Wegweisung umso
weniger in Frage käme, je höher das Strafmass ausfällt (VerwGE B 2012/141 vom
24. Januar 2013 E. 2.3. mit Hinweis auf BGer 2A.688/2005 vom 4. April 2006 E. 3.1.3
mit Hinweisen, BGer 2C_194/2008 vom 18. April 2008 E. 5.3 und BGE 114 Ib 4 E. 3b,
abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Angesichts der vergleichsweise engmaschigen
Betreuung und intensiven Kontrolle in einer Strafanstalt wird dort ein tadelloses
Verhalten nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung allgemein erwartet und dies
lässt keine zuverlässigen Rückschlüsse auf das künftige Verhalten in Freiheit zu (BGer
2C_262/2010 vom 9. November 2010 E.3.3.2 mit Hinweis auf BGE 114 Ib 1 E. 3b f.).
Auch aus dem Umstand, dass ein Straftäter bedingt aus dem Strafvollzug entlassen
wird, kann nicht geschlossen werden, es gehe keine Gefahr mehr von ihm aus, zumal
die bedingte Entlassung die Regel und die Verweigerung der bedingten Entlassung die
Ausnahme ist (VerwGE B 2012/141 vom 24. Januar 2013 E. 2.3 mit Hinweis auf BGE
130 II 188 E. 4.3.3 mit Hinweisen, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
4.4. Gemäss den Ausführungen im angefochtenen Entscheid, die auf den
Sachdarstellungen des Kreisgerichts Wil beruhen (Strafurteil vom 17. August 2011, act.
159-176 des Migrationsamtes) ging der stark betrunkene Beschwerdeführer am
29. März 2010 an die V.-strasse 01 in Wil und klingelte beim Studio "P.". B.C., die sich
zu diesem Zeitpunkt mit D.E. und F.G. im Studio befand, betätigte den Türöffner,
worauf sich der Beschwerdeführer zu ihrer Türe begab. Weil B.C. auf dem Monitor der
Überwachungskamera gesehen hatte, dass der Beschwerdeführer schwankte und sie
deshalb davon ausging, er sei betrunken, wollte sie ihn nicht empfangen. Daraufhin
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ging F.G. vor die Studiotüre und stiess den Beschwerdeführer weg. Während der
Auseinandersetzung, die folgte, stach der Beschwerdeführer H.J. mit einem 30 cm
langen Fleischmesser, das er nach Würdigung des Kreisgerichts Wil in der Absicht
mitgenommen hatte, sich selber ein Leid anzutun, und nicht um jemanden
umzubringen, in den Bauch und ins Gesäss, wodurch sie an inneren Verletzungen
verblutete. F.G. durchstach er einen Oberschenkel. Weiter griff der Beschwerdeführer
D.E. an, indem er in Richtung deren Hals stach, sie jedoch nicht traf, da sie dem Angriff
ausweichen konnte. Beim Verlassen des Treppenhauses in Richtung Hausausgang
stach der Beschwerdeführer noch auf K.L. ein und verletzte diese durch einen Stich im
Oberarm.
Das Kreisgericht Wil geht von einem schweren Verschulden des Beschwerdeführers
aus. Es hält u.a. fest, der Beschwerdeführer habe mit dem Messer wahllos um sich
gestochen und es sei ihm gleichgültig gewesen, wie und wo er die Personen, die sich
am Tatort befunden hätten, treffe. Er habe schwere bzw. tödliche Verletzungen in Kauf
genommen, obschon er der Situation problemlos hätte ausweichen können, wenn er
das Gebäude verlassen hätte. Strafschärfend würdigte das Gericht, dass der
Beschwerdeführer zwei weitere Personen zu töten versucht und in zwei Fällen
zusätzlich eine Körperverletzung begangen hatte. Straferhöhend berücksichtigte das
Gericht die Vorstrafen des Beschwerdeführers, insbesondere diejenige aus dem Jahr
2007 wegen versuchten Raubs, Drohung und Tätlichkeit, und den Umstand, dass er
damit bereits Gewaltdelikte begangen hatte. Gemäss Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 20. November 2007 (act. 64-67 des
Migrationsamtes) hat der Beschwerdeführer am 7. Juli 2007, um 03.15 Uhr, M.O. im
1. Untergeschoss des Hauptbahnhofs Zürich mit dem Fuss ins Genick getreten. Weiter
hat er gedroht, er werde M.O. mit dem Schlüssel ins Auge stechen und ihn mit einem
Messer ausbeinen. Sodann hat der Beschwerdeführer M.O. aufgefordert, ihm sein
Mobiltelefon auszuhändigen, was durch das Eingreifen der Bahnpolizei verhindert
werden konnte. Strafmildernd fiel für das Kreisgericht Wil die aufrichtige Reue und die
persönliche Entschuldigung des Beschwerdeführers bei den anwesenden Opfern ins
Gewicht. Leicht strafmildernd wirkte sich die Tatsache aus, dass sich der
Beschwerdeführer grundsätzlich in einer Notsituation befunden, sich aber mit völlig
unverhältnismässigen Mitteln verteidigt hatte. Als erheblich strafreduzierend erachtete
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das Gericht die äusserst stark verminderte Schuldfähigkeit des Beschwerdeführers
wegen schwerer Alkoholintoxikation.
4.5. Mit seinem strafrechtlich relevanten Verhalten hat der Beschwerdeführer, der sich
seit dem Abschluss der Untersuchungshaft bzw. seit dem 31. Juli 2010 im Strafvollzug
befand, wiederholt eine ausgeprägte soziale Gefährlichkeit und Gewaltbereitschaft zum
Ausdruck gebracht. Er hat im März 2010 ein äusserst schwerwiegendes Gewaltdelikt
begangen, obschon ihm mit Strafbefehl vom 20. November 2007 der bedingte
Strafvollzug in der Annahme gewährt worden war, aufgrund seines heutigen Verhaltens
könne davon ausgegangen werden, er werde aus der Bestrafung die nötigen Lehren
ziehen (act. 65 des Migrationsamtes). Dies war offensichtlich nicht der Fall.
4.6. Der Beschwerdeführer macht geltend, der angefochtene Entscheid sei
unverhältnismässig, weil das Tötungsdelikt über drei Jahre zurückliege und er sich
während dieser Zeit im Strafvollzug wohlverhalten habe. Sodann habe der Facharzt für
Psychiatrie am 30. November 2012 die Beendigung der ambulanten
psychotherapeutischen Behandlung, zu der ihn das Kreisgericht Wil verpflichtet habe,
beantragt, weil keine therapierbare psychische Erkrankung erkennbar und die
Deliktrekonstruktion soweit wie möglich abgeschlossen sei. Aus Sicht des Therapeuten
sei eine erhöhte Gefährdung für die Umgebung aus psychiatrischer Sicht nicht (mehr)
gegeben.
Wie ausgeführt muss bei schweren Straftaten, wie sie der Beschwerdeführer begangen
hat, zum Schutz der Öffentlichkeit selbst ein geringes Rückfallrisiko nicht
hingenommen werden und guter Führung im Strafvollzug kommt bezüglich des
künftigen Verhaltens des Ausländers in Freiheit nur untergeordnete Bedeutung zu.
Unbestritten ist sodann, dass der Beschwerdeführer im Strafvollzug zu keinen Klagen
Anlass gegeben hat. Demzufolge ist nicht ersichtlich, weshalb für die Vorinstanz Anlass
bestanden haben sollte, mittels Führungsbericht der Strafanstalt Saxerriet im Hinblick
auf eine Prognose abzuklären, wie es sich damit genau verhält. Die Einschätzung,
wonach sich der Beschwerdeführer in der Strafanstalt Saxerriet wohlverhalten hat,
kommt im Übrigen auch in der Verfügung des Sicherheits- und Justizdepartements
vom 12. Juli 2013 betreffend bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug und im
Vollzugsbericht der Strafanstalt vom 23. Mai 2013 zum Ausdruck. Was die
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Rückfallgefahr anbetrifft, wird im angefochtenen Entscheid aber auf den
Therapiebericht Bezug genommen und ausführt, gestützt darauf ergebe sich, dass eine
solche nicht ausgeschlossen werden könne. Danach setze eine günstige Prognose
bezüglich eines Rückfalls voraus, dass der Beschwerdeführer keinen Alkohol und keine
Drogen konsumiere. Sodann halte die Fachperson fest, obschon sich keine Hinweise
auf das Persistieren einer Alkoholproblematik ergeben würden, werde "in diesem
Problembewältigungsmuster zeitlebens ein Gefährdungspotential auch für die
zukünftige Legalbewährung liegen".
4.7. Die Rüge des Beschwerdeführers, die Vorinstanz habe sein rechtliches Gehör
verletzt, erweist sich somit als unbegründet. Die Vorinstanz durfte ohne weitere
Abklärungen davon ausgehen, das Verschulden des Beschwerdeführers wiege aus
ausländerrechtlicher Sicht sehr schwer und im Interesse der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung bestehe ein erhebliches öffentliches Interesse am Widerruf der
Niederlassungsbewilligung und an seiner Wegweisung aus der Schweiz.Ebenfalls
abzuweisen ist demzufolge der Antrag, im Rahmen des verwaltungsgerichtlichen
Verfahrens sei bei der Strafanstalt Saxerriet ein Führungsbericht einzuholen, zumal
dem Gericht sowohl die Verfügung des Sicherheits- und Justizdepartements vom
12. Juli 2013 betreffend bedingte Entlassung mit ausführlicher Begründung (act. 10) als
auch der Vollzugsbericht der Strafanstalt Saxerriet vom 23. Mai 2013 und eine
Stellungnahme der Psychiatrie-Dienste Süd vom 1. Juli 2013 (Beilagen zu act. 13)
vorliegen.
5. Der Beschwerdeführer beruft sich weiter auf BGE 139 I 20 E. 2.2.2 und vertritt den
Standpunkt, die Würdigung aller dort aufgeführten Elemente ergebe, dass sein privates
Interesse in seiner Eigenschaft als Ausländer der zweiten Generation gegenüber dem
öffentlichen Interesse an seiner Wegweisung aus der Schweiz überwiege.
5.1. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
(EGMR) zu Art. 8 EMRK sind im Rahmen der Beurteilung der Zulässigkeit
aufenthaltsbeendender Massnahmen bei Ausländern der zweiten Generation die
gleichen Elemente ausschlaggebend wie nach der bundesgerichtlichen Praxis (vgl. E.
4.3), nämlich: Art und Schwere der vom Betroffenen begangenen Straftaten, wobei
besonders ins Gewicht fällt, ob er diese als Jugendlicher oder als Erwachsener
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begangen und es sich dabei um Gewaltdelikte gehandelt hat oder nicht, die Dauer des
Aufenthalts im Land, die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das Verhalten des
Betroffenen während dieser, die sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zum
Aufenthaltsstaat und zum Herkunftsland, sein gesundheitlicher Zustand sowie die mit
der aufenthaltsbeendenden Massnahme verbundene Dauer der Fernhaltung. Nach der
Praxis des EGMR überwiegt bei Betäubungsmitteldelikten (ohne Konsum) regelmässig
das öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts, falls keine besonderen
persönlichen oder familiären Bindungen im Aufenthaltsstaat bestehen; ist die
betroffene Person ledig und kinderlos, setzt sich tendenziell das öffentliche
Fernhalteinteresse durch, sofern das Strafmass drei Jahre Freiheitsstrafe erreicht oder
weitere erhebliche Delikte hinzukommen (BGE 139 I 20 E. 2.2.2 mit Hinweisen).
5.2. Der Beschwerdeführer hat im Alter von 20 bzw. 23 Jahren Gewaltdelikte begangen
und ist am 17. August 2011 wegen vorsätzlicher Tötung, mehrfacher versuchter Tötung
und mehrfacher vorsätzlicher einfacher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 5
Jahren verurteilt worden, wobei das Kreisgericht Wil von einer Einsatzstrafe von 15
Jahren ausging. Mit den verübten Straftaten hat er eine ausgeprägte
Gewaltbereitschaft und eine Geringschätzung der körperlichen Integrität anderer
Menschen zum Ausdruck gebracht. Wie ausgeführt (Ziff. 4 hiervor), ist in Anbetracht
des erheblichen Verschuldens des Beschwerdeführers ein hohes öffentliches Interesse
ausgewiesen, dass er aus der Schweiz weggewiesen wird.
5.2.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, wie sich aus dem Therapiebericht ergebe,
gehe von ihm keine erhöhte Rückfallgefahr mehr aus, und beantragt, es sei
diesbezüglich ein durch eine unabhängige Fachperson zu erstellendes psychiatrisches
Gutachten einzuholen. Er begründet dies damit, die Tat vom März 2010 habe im
Zusammenhang mit depressiv-suizidalen Tendenzen und starker Alkoholisierung
gestanden und er habe sich seither positiv entwickelt.
Zutreffend ist, dass im Therapiebericht unter bestimmten Prämissen (kein Alkohol- und
Drogenkonsum) von einem geringen Rückfallrisiko des Beschwerdeführers
ausgegangen wird. Es wird aber ausdrücklich der Vorbehalt gemacht, die
Problembewältigung mittels Alkohol werde zeitlebens ein Gefährdungspotential für die
Legalbewährung des Beschwerdeführers darstellen. Diese Einschätzung wird u.a. auch
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damit begründet, es würden psycho-dynamische Gründe vorliegen - der verstorbene
Vater des Beschwerdeführers sei gemäss eigenen Angaben alkoholabhängig gewesen
und es habe intrafamiliär erheblichen Stress gegeben - weshalb nicht gänzlich
ausgeschlossen werden könne, dass der Beschwerdeführer seinen Alkoholkonsum
bagatellisiere (Therapiebericht S. 3 unten). Wie ausgeführt, wird auch in der Verfügung
des Sicherheits- und Justizdepartements vom 12. Juli 2013 betreffend bedingte
Entlassung festgehalten, aus fachlicher Sicht sei von einem geringen Rückfallrisiko
auszugehen. Sowohl nach Auffassung der therapeutischen Fachperson wie auch des
übrigen Betreuungsumfeldes in der Strafanstalt Saxerriet sei aber grösster Wert auf die
Drogen- und Alkoholabstinenz des Beschwerdeführers zu legen. Diese Kontrolle sei
notwendig, weil ein Wiederaufflackern der Suchtproblematik zu einer Destabilisierung
der Gesamtsituation führen und das Risiko allfälliger schwerer Straftaten verschärfen
könnte. Aus den am 19. August 2013 eingereichten Unterlagen ergeben sich
diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse von wesentlicher Bedeutung. In der
Stellungnahme der Psychiatrie-Dienste Süd vom 1. Juli 2013 wird festgehalten, aus
psychiatrischer Sicht sei eine Psychotherapie aktuell nicht notwendig. Wichtig sei
demgegenüber die Kontrolle eines Alkohol- und Drogenkonsums. Hierzu sollte ein
regelmässiges nur kurzfristig angekündigtes Screening stattfinden. Sodann sollten die
immunologischen Testverfahren im Urin und im Blutserum zwei Mal im Jahr durch eine
Haaranalyse auf Alkohol ergänzt werden.Aktenkundig ist weiter, dass es das
Sicherheits- und Justizdepartement am 14. Dezember 2012 abgelehnt hat, die
ambulante Behandlung entsprechend dem Antrag des Therapeuten aufzuheben
(act. 15 der Vorinstanz). Der Entscheid wird damit begründet, auf den
Beschwerdeführer würden neue Anforderungen zukommen, so auch die drohende
Wegweisung aus der Schweiz. Es erscheine wichtig und wertvoll, dass er in dieser
Phase weiter therapeutisch behandelt werde. Einerseits gehe es darum,
Belastungssituationen rechtzeitig zu erkennen und aufzufangen, andererseits darum,
dass im Sinn eines Risikomonitorings überprüft werden könne, ob der
Beschwerdeführer in solchen Belastungssituationen tatsächlich in der Lage sei,
tragfähige Bewältigungsstrategien anzuwenden. Schliesslich kann der Stellungnahme
der Psychiatrie-Dienste Süd vom 1. Juli 2013 entnommen werden, es wäre nicht
verwunderlich, wenn beim Beschwerdeführer nach demjahrelangen
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Gefängnisaufenthalt bei der Rückkehr in den zivilen Alltag eine "Irritation" auftreten
würde, wobei seine Motivation für eine ambulante Psychotherapie nicht allzu hoch sei.
Somit muss davon ausgegangen werden, es bestehe nach wie vor das Risiko, dass der
Beschwerdeführer in Belastungssituationenrückfällig werden und erneut wesentliche
Rechtsgüter beeinträchtigenkönnte. Ein Rückfall kann nicht ausgeschlossen werden.
Demzufolgeist es nicht erforderlich, den Sachverhalt diesbezüglich weiter abzuklären
und dem Antrag des Beschwerdeführers, im Hinblick auf die Rückfallgefahr sei ein
psychiatrisches Gutachten zu erstellen, zu entsprechen.
5.2.2. Der Beschwerdeführer beruft sich weiter darauf, während der schwierigen Zeit im
Strafvollzug sei es ihm gelungen, den engen Kontakt zu seiner Familie, seinen
Freunden und der Freundin aufrechtzuerhalten, weshalb sein Recht auf Familienleben
nach Art. 8 EMRK verletzt werde, wenn er die Schweiz verlassen müsse.
Art. 8 EMRK gewährleistet den Schutz des Familienlebens, verschafft aber keinen
Anspruch auf Aufenthalt in einem bestimmten Konventionsstaat. Hat ein Ausländer
nahe Verwandte mit einem gefestigten Aufenthaltsrecht in der Schweiz, und ist diese
familiäre Beziehung intakt und wird sie tatsächlich gelebt, so kann es das in Art. 8 Ziff.
1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV garantierte Recht auf Achtung des Familienlebens
verletzen, wenn ihm die Anwesenheit in der Schweiz untersagt wird (BGE 131 II 350
E. 5, 130 II 285 E. 3.1; vgl. auch BGer 2C_1065/2012 vom 2. Juli 2013 E. 2.4).). Das
geschützte Familienleben beschränkt sich grundsätzlich auf die Kernfamilie bzw. die
Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (BGE 129 II 11 E. 2).
Nach der neueren Rechtsprechung des EGMR kann der Begriff "Familienleben" das
Zusammenleben ausserhalb der Ehe umfassen, wobei unter anderem zu
berücksichtigen ist, ob und wie lange die Partner zusammenleben und ob sie
gemeinsame Kinder haben. Das Bundesgericht hat für die Berufung auf Art. 8 Ziff. 1
EMRK in diesem Zusammenhang stets vorausgesetzt, dass die Partner
zusammenleben, wobei die Dauer von eineinhalb Jahren grundsätzlich nicht genügt.
Lebt das Paar nicht seit längerer Zeit in einer echten eheähnlichen Gemeinschaft, sind
konkrete Heiratspläne notwendig, welche sich beispielsweise in der Bekanntmachung
der Eheschliessung äussern können (BGer 2C_856/2012 vom 25. März 2013 E. 6.3 mit
Hinweisen).
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Der Beschwerdeführer ist rund 26 Jahre alt. Somit ist er nicht mehr auf den Beistand
seiner Mutter und gegebenenfalls seiner Brüder angewiesen, abgesehen davon, dass
die Beziehung zum älteren Bruder schwierig war (vgl. Therapiebericht S. 2 unten). Der
Beschwerdeführer ist unverheiratet und kinderlos, macht aber geltend, er habe eine
Lebenspartnerin, die in Wil lebe. Er verzichtet aber darauf, nähere Angaben bezüglich
der Dauer und der Intensität dieser Beziehung zu machen. Somit ist nicht davon
auszugehen, er könnte gestützt darauf Ansprüche nach Art. 8 EMRK zum Verbleib in
der Schweiz ableiten. Der Beschwerdeführer beruft sich zwar darauf, der EGMR habe
kürzlich entschieden, das Recht auf Familienleben sei auch bei längeren
Gefängnisstrafen höher zu gewichten als das öffentliche Interesse an der Wegweisung
des Ausländers (affaire Udeh c. Suisse, requête n 12020/09 arrêt du 16. avril 2013,
abrufbar unter www.reworld.org). Zutreffend ist, dass der EGMR am 16. April 2013
entschieden hat, es sei mit Art. 8 Ziff. 1 EMRK unvereinbar, einen Nigerianer, dessen
Aufenthaltsbewilligung entzogen worden war, aus der Schweiz wegzuweisen. Die
Umstände, die diesem Urteil zugrunde liegen, unterscheiden sich aber wesentlich von
denjenigen, die im vorliegenden Fall zu beurteilen sind. Der Nigerianer, der zu 42
Monaten Freiheitsstrafe wegen Kokainhandels verurteilt worden war, ist Vater von im
Jahr 2003 geborenen Zwillingen mit Schweizer Bürgerrecht, und es war auch von
Seiten des Bundesgerichts unbestritten, dass er zu den Kindern und zur von ihm
geschiedenen Mutter der Zwillinge "une relation réelle et étroite" unterhält. Der EGMR
erachtete das Interesse der beiden Mädchen, in Gegenwart beider Elternteile
aufwachsen zu können, deshalb als erheblich, zumal es davon ausging, es könne nicht
erwartet werden, dass die geschiedene Frau des Beschwerdeführers mit den Kindern
nach Nigeria auswandere.
Es ergibt sich somit, dass sich der Beschwerdeführer nicht mit Erfolg darauf berufen
kann, Art. 8
Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV würden verletzt, wenn ihm das Recht auf
Anwesenheit in der Schweiz untersagt werde. Es ist ihm möglich und zumutbar, den
Kontakt zu seinen hier lebenden Bezugspersonen auf elektronischem und
telefonischem Weg sowie im Rahmen von gegenseitigen Besuchsaufenthalten zu
pflegen.
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5.2.3. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, der angefochtene
Entscheid sei unverhältnismässig, weil er in der Schweiz geboren sei und sich hier zu
Hause fühle. Er spreche Schweizerdeutsch, habe hier die Schule besucht und eine
Lehre als Metzger absolviert. Auch habe er bis zum Haftantritt im März 2010 bei der S.
AG in A. gearbeitet und sei deshalb beruflich integriert, weshalb es ihm nicht
schwerfallen dürfte, wieder eine Stelle zu finden. Demgegenüber habe er zu seinem
Heimatland keinen Bezug. Er kenne den Kosovo nur von Ferien her, weshalb die
Rückkehr dorthin mit einem Neuanfang in eine ungewisse Zukunft verbunden wäre.
Das Gericht verkennt nicht, dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung den
Beschwerdeführer hart trifft. Er ist hier geboren und hat sein ganzes bisheriges Leben
hier verbracht. Offen ist allerdings, wie gut es ihm gelungen ist, sich in der Schweiz zu
integrieren bzw. ob er hier verwurzelt ist, wie er behauptet. Entscheidend ist aber, dass
der Beschwerdeführer die Tatsache, dass er das Niederlassungsrecht in der Schweiz
verliert, dem Umstand zuzuschreiben hat, dass er in schwerwiegender Weise mit dem
Gesetz in Konflikt geraten ist und durch massive Eingriffe mit Waffengewalt in die
körperliche Unversehrtheit anderer gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung
verstossen hat. Dem rund 26-jährigen Beschwerdeführer, der gemäss eigenen
Angaben gesund ist und der über eine Ausbildung als Metzger verfügt, ist es deshalb
zumutbar, im Herkunftsland, das ihm von Ferienaufenthalten her bekannt ist und wo
der grösste Teil der Verwandten lebt (vgl. act. 304 des Migrationsamtes), ein neues
Leben zu beginnen und sich dort eine Zukunft aufzubauen. Daran ändert nichts, dass
die Rückkehr in den Kosovo im Verhältnis zum Verbleib in der Schweiz mit
persönlichen und wirtschaftlichen Nachteilen verbunden ist.
5.3. Zusammenfassend erweist sich der Widerruf der Niederlassungsbewilligung als
recht- und verhältnismässig. Das öffentliche Interesse an der Wegweisung des
Beschwerdeführers aus der Schweiz überwiegt sein privates Interesse, nach
Verbüssung der Freiheitsstrafe weiterhin in der Schweiz leben zu können. Demzufolge
ist die Beschwerde abzuweisen.
6. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht
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