Decision ID: 2f54c9d3-aaab-55c5-a937-13e46cd4b217
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 1999 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe eine Berufslehre zur Dental-
hygienikerin absolviert. Die Klinik Valens berichtete im Mai 2000 (IV-act. 9), die
Versicherte leide an einem polyradiculären Reizsyndrom links bei kleinen Discushernien
L4/5 und L5/S1. Sie sei nur noch zu 50 Prozent arbeitsfähig. Nach einer Abklärung im
Haushalt der Versicherten hielt der Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle in einem
Bericht vom Oktober 2000 fest (IV-act. 19), diese wäre ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung nur zu 70 Prozent erwerbstätig. Sie könne dieses
Pensum trotz der Rückenbeschwerden noch verrichten, sehe sich aber mit
zusätzlichen behinderungsbedingten Gewinnungskosten konfrontiert. Setze man jene
Kosten ins Verhältnis zum Erwerbseinkommen, resultiere eine Erwerbseinbusse von 58
Prozent. Im Haushalt betrage die Einschränkung 38,59 Prozent. Die gewichteten
Einschränkungen beliefen sich auf 40,6 und auf 11,58 Prozent, womit ein
Invaliditätsgrad von gesamthaft 52,18 Prozent resultiere. Mit einer Verfügung vom 15.
Juni 2001 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine halbe Rente mit Wirkung ab dem
1. Juli 2000 zu (IV-act. 27).
A.b Im Juli 2006 erlitt die Versicherte einen Verkehrsunfall, bei dem sie sich ein
Distorsionstrauma der Halswirbelsäule zuzog (vgl. IV-act. 41 f.). Im Auftrag der
Unfallversicherung erstattete das medizinische Zentrum Römerhof (MZR) im Juni 2009
ein interdisziplinäres medizinisches Gutachten (IV-act. 93). Die Sachverständigen
attestierten der Versicherten eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten. Die angestammte Tätigkeit wurde dagegen als nicht
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mehr zumutbar qualifiziert. In der Folge gewährte die IV-Stelle der Versicherten eine
Umschulung zur technischen Kauffrau (vgl. IV-act. 122 und 152). Da sie für die Dauer
der Umschulung ein Taggeld ausrichtete, hob sie die laufende Rente per 1. August
2010 auf (IV-act. 153). Infolge eines Bandscheibenvorfalls musste die Umschulung im
Juni 2011 abgebrochen werden (vgl. IV-act. 180 und 183). Im Herbst 2011 konnte die
Versicherte die Umschulung dann allerdings wieder fortsetzen (vgl. IV-act. 209). Trotz
mehreren Verlängerungen vgl. IV-act. 240 und 268) konnte die Versicherte die
eidgenössische Diplomprüfung nicht absolvieren; sie beendete die schulische
Ausbildung im Oktober 2013 mit einer Kursbestätigung (vgl. IV-act. 287 und 300).
A.c Mit einem Vorbescheid vom 5. November 2014 (IV-act. 312) teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades kein
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung bestehe. Die Validen- und die
Invalidenkarriere bestünden in der Verrichtung einer kaufmännischen Tätigkeit. Eine
solche sei der Versicherten trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung uneingeschränkt
zumutbar. Dagegen liess die Versicherte am 12. Dezember 2014 einwenden (IV-act.
314), für die Berechnung des Invaliditätsgrades müsse gestützt auf die Angaben der
früheren Arbeitgeber von einem Valideneinkommen von rund 115’000 Franken
ausgegangen werden. Die Versicherte sei nicht uneingeschränkt arbeitsfähig. Nach der
letzten schweren depressiven Episode sei ihr im Mai 2014 eine Arbeitsfähigkeit von
zwei Stunden pro Tag attestiert worden. Die behandelnde Psychiaterin habe
angegeben, dass die Arbeitsfähigkeit langsam gesteigert werden müsse. Der
Ausgangswert des Invalideneinkommens sei zu hoch angesetzt worden. Im September
2015 erkundigte sich die Rechtsvertreterin der Versicherten nach dem Stand des
Verfahrens (IV-act. 318). Laut den Akten hatte die IV-Stelle bis zu diesem Datum nur ein
Akteneinsichtsgesuch bearbeitet. Am 30. Oktober 2015 erkundigte sich die
Rechtsvertreterin erneut nach dem Stand des Verfahrens (IV-act. 320). Im Dezember
2015 begann die IV-Stelle, Abklärungen bezüglich des Valideneinkommens zu tätigen
(IV-act. 321 ff.). Zudem erkundigte sie sich bei der Versicherten nach den
medizinischen Behandlungen seit Januar 2014 (IV-act. 327). Im März 2016 erstattete
die Klinik B._ einen Verlaufsbericht (IV-act. 329). Die zuständige Psychiaterin wies auf
einen bis Ende März 2016 dauernden stationären Aufenthalt und auf einen geplanten
Arbeitsantritt per 1. Mai 2016 hin. Am 1. Juni 2016 forderte die IV-Stelle die Versicherte
auf, Unterlagen zur neu aufgenommenen Erwerbstätigkeit einzureichen (IV-act. 330).
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Diese gingen ihr im Juli 2016 zu (IV-act. 332 ff.). Am 22. September 2016 informierte
die IV-Stelle die Rechtsvertreterin der Versicherten darüber (IV-act. 337), dass eine
interne Besprechung geplant sei. Sie werde den Termin der geplanten Besprechung so
bald als möglich bekannt geben. Am 24. November 2016 erkundigte sich die
Rechtsvertreterin der Versicherten nach dem Stand der Abklärungen (IV-act. 338). Sie
wies darauf hin, dass sie entgegen der Zusage vom 22. September 2016 nicht über
den Termin der geplanten internen Besprechung informiert worden sei. Da seit der
Eröffnung des Vorbescheides zwei Jahre vergangen seien, in denen „nahezu nichts
passiert“ sei, werde sie eine Rechtsverzögerungsbeschwerde erheben, wenn sie nicht
bis Ende des Monats über das weitere Vorgehen informiert werde. Am 28. November
2016 teilte ihr die IV-Stelle mit (IV-act. 339), dass der Besprechungstermin auf den 13.
Dezember 2016 angesetzt worden sei. Sie forderte sie auf, allfällige neue Unterlagen
zum Arbeitsverhältnis der Versicherten einzureichen. Am 8. Dezember 2016 reichte die
Versicherte einen Zwischenbericht ihres Arbeitgebers ein, laut dem sich die
Einarbeitung als wesentlich langwieriger als vorgesehen erwiesen hatte (IV-act. 340 f.).
Am 12. Dezember 2016 ersuchte die IV-Stelle den IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD) um eine Stellungnahme zur Aktenlage. Diese wurde am 12. Januar 2017
erstellt (IV-act. 342).
B.
B.a Bereits am 10. Januar 2017 hatte die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Rechtsverzögerungsbeschwerde erheben lassen (act. G 1).
Ihre Rechtsvertreterin hatte beantragt, dass die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) angewiesen werde, unverzüglich über den Einwand vom 12.
Dezember 2014 zu entscheiden. Zur Begründung hatte sie ausgeführt, seit der
Erhebung des Einwandes habe die Beschwerdegegnerin nur den neuen Arbeitsvertrag
einverlangt. Soweit ersichtlich habe sie ansonsten keinerlei Abklärungen getätigt. Im
September 2016 sei die Bekanntgabe eines Termins einer internen Fallbesprechung in
Aussicht gestellt worden. Erst auf eine weitere Nachfrage hin sei ein Termin bekannt
gegeben worden. Seither habe die Beschwerdeführerin aber wieder nichts von der
Beschwerdegegnerin gehört. Das Einwandverfahren dauere nun bereits zwei Jahre.
Das Verwaltungsverfahren sei schon seit zehn Jahren hängig. Ein weiteres Zuwarten
sei der Beschwerdeführerin nicht zumutbar. Es sei deshalb festzustellen, dass eine
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Rechtsverzögerung vorliege, und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, das
Einwandverfahren nun unverzüglich abzuschliessen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. Februar 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung verwies sie auf eine Stellungnahme einer
Sachbearbeiterin vom 20. Januar 2017 (IV-act. 347), laut der zu Beginn des Jahres
2015 gestützt auf eine entsprechende Angabe der behandelnden Psychiaterin mit einer
Verbesserung des Gesundheitszustandes gerechnet und im Jahr 2016 Abklärungen zu
einer zwischenzeitlich aufgenommenen Erwerbstätigkeit getätigt worden waren. Die
Sachbearbeiterin hatte weiter ausgeführt, die für den Dezember 2016 geplante interne
Besprechung sei verschoben worden, weil der Rechtsdienst geltend gemacht habe,
zuerst müsse die medizinische Aktenlage aktualisiert werden. Momentan seien
entsprechende Abklärungen im Gang. Ergänzend führte die Beschwerdegegnerin in
ihrer Beschwerdeantwort an, der RAD habe aus medizinischer Sicht noch nicht
abschliessend Stellung nehmen können. Diesbezüglich seien weitere Abklärungen
nötig. Folglich liege keine Rechtsverzögerung vor.
B.c Ein zweiter Schriftenwechsel wurde nicht durchgeführt (vgl. act. G 4).

Erwägungen
1.
Die für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde entscheidende Frage, ob die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine gerichtliche Anweisung an die
Beschwerdegegnerin haben kann, das rechtsverzögernde Verhalten unverzüglich
aufzugeben und das Verwaltungsverfahren sofort weiterzuführen, lässt sich nicht ohne
eine Subsumtion des aktenmässig erstellten Sachverhaltes unter den Art. 56 Abs. 2
ATSG beziehungsweise die Art. 88 ff. VRP beantworten. Dazu muss auf die
Beschwerde eingetreten werden.
2.
2.1 Laut den Art. 56 Abs. 2 ATSG und 88 Abs. 2 lit. a VRP kann eine Beschwerde an
das kantonale Versicherungsgericht erhoben werden, wenn der Versicherungsträger
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entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung erlässt. Das
Rechtsschutzinteresse der betroffenen Person besteht darin, einen das
Verwaltungsverfahren rechtswidrig verzögernden Versicherungsträger mithilfe einer
gerichtlichen Anweisung dazu zu bringen, sein rechtswidriges Verhalten aufzugeben
und das Verwaltungsverfahren unverzüglich weiterzuführen. Diesem Zweck des
Rechtsverzögerungsverfahrens entsprechend können jeweils nur aktuelle
Rechtsverzögerungen massgebend sein. Ist es in der Vergangenheit einmal zu einer
Rechtsverzögerung gekommen und hat der Versicherungsträger anschliessend das
Verwaltungsverfahren wieder fortgeführt, besteht offensichtlich kein Bedarf nach einer
gerichtlichen Anweisung an den Sozialversicherungsträger, das Verwaltungsverfahren
fortzusetzen.
2.2 Die Beschwerdegegnerin hat das Verwaltungsverfahren nach dem Eingang der
Eingabe der Beschwerdeführerin vom 12. Dezember 2014 während eines Jahres,
nämlich bis am 14. Dezember 2015, nicht weitergeführt. Auf die Rückfrage der
Beschwerdeführerin vom 4. September 2015 zum Stand des Verfahrens hat sie nicht
reagiert. Nach einer weiteren Rückfrage vom 30. Oktober 2015, die mit der Androhung
einer Rechtsverzögerungsbeschwerde verbunden gewesen ist, hat sie sich am 14.
Dezember 2015 bei der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft SSO nach dem
„möglichen“ Lohn einer Dentalhygienikerin erkundigt. Nachträglich hat die
Beschwerdegegnerin zwar geltend gemacht, sie habe im Jahr 2015 die weitere
Entwicklung abgewartet, da die behandelnde Psychiaterin in einem Bericht vom 7. Mai
2014 eine Verbesserung des Gesundheitszustandes in den folgenden zwölf bis 24
Monaten prognostiziert habe. Das kann ihre Untätigkeit in der Zeit vom 12. Dezember
2014 bis zum 14. Dezember 2015 aber nicht rechtfertigen, denn wenn sie tatsächlich
die weitere Entwicklung bezüglich des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
hätte abwarten müssen, hätte sie sich erfahrungsgemäss regelmässig bei den
behandelnden Ärzten nach dem zwischenzeitlichen Verlauf erkundigt. Folglich ist kein
Grund ersichtlich, der erklären könnte, weshalb die Beschwerdegegnerin die
Sachverhaltsabklärung nicht bereits im Dezember 2014 fortgesetzt hat. Für den
Zeitraum vom 12. Dezember 2014 bis zum 14. Dezember 2015 müsste deshalb wohl
von einer Rechtsverzögerung ausgegangen werden.
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2.3 Dann hat der für das Rentenverfahren massgebende Sachverhalt aber eine
wesentliche Entwicklung erfahren: Die Beschwerdeführerin ist erneut stationär
psychiatrisch behandelt worden; am 31. März 2016 ist sie aus der Klinik B._
ausgetreten. In der Folge hat sie sich als arbeitslos gemeldet, eine Arbeitsstelle
gefunden und – unterstützt mit Einarbeitungszuschüssen des regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums – wieder eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Auf diese
Sachverhaltsveränderung hat die Beschwerdegegnerin reagieren müssen. Sie hat
weitere Abklärungen getätigt, indem sie bei der Klinik B._ einen Verlaufsbericht
eingeholt und die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin aufgefordert hat,
Unterlagen zur neu aufgenommenen Erwerbstätigkeit einzureichen. Laut den neuen
Akten befindet sich die Beschwerdeführerin nach wie vor in der Einarbeitungsphase,
die offenbar länger als angenommen dauert. Die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin kann gemäss dem Bericht der Klinik B._ möglicherweise noch
weiter gesteigert werden. Folglich liegt noch kein stabiler Zustand vor, der die für die
Beurteilung des Rentenbegehrens notwendige Prognose, der Sachverhalt werde sich in
absehbarer Zeit nicht verändern, erlauben würde. Zudem fehlt es in den Akten
notwendigerweise noch an einer aktuellen Arbeitsfähigkeitsschätzung. Die anfangs
2016 wieder aufgenommene Sachverhaltsabklärung hat also noch nicht abgeschlossen
werden können, weshalb es rechtswidrig gewesen wäre, wenn die
Beschwerdegegnerin noch vor dem Ende des Jahres 2016 eine Rentenverfügung
erlassen hätte. Daraus folgt, dass im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung (10. Januar
2017) keine Rechtsverzögerung (mehr) vorgelegen hat. Somit muss die Beschwerde
abgewiesen werden.
3.
Praxisgemäss sind für dieses Verfahren keine Gerichtskosten zu erheben. Die
unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.