Decision ID: 402fb4f7-0b7e-460b-88c1-793ae9bbde54
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 13. April 2000 zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen an. Zum Gesundheitsschaden gab er an, der fünfte Halswirbel
sei durch einen Tumor zerstört worden (IV-act. 2). Die behandelnde Dr. med. B._,
Oberärztin an der Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen
(KSSG), berichtete am 2. Dezember 2002, der Versicherte leide an einem Status nach
Respondylodese C4 bis 6 mit corticospongiösem Span vom rechten vorderen
Beckenkamm und Plattenosteosynthese am 19. Februar 2001 sowie an einem Status
nach Korporektomie C5, Wirbelkörperersatz mit Titankorb und Palacos sowie
Morscherplatte C4 bis 6 bei Riesenzelltumor im Januar 2000. Sie bescheinigte dem
Versicherten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Am günstigsten sei eine Tätigkeit in
wechselnder Position mit Verteilung der Arbeitszeit auf Vormittag und Nachmittag (IV-
act. 46). Im Abschlussbericht vom 31. Januar 2003 über die vorzeitig abgebrochene
Bürolehre in der Stiftung C._ vom 12. August 2002 bis 31. Januar 2003 schätzten die
Abklärungspersonen die Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf 50 % (IV-act. 47-3 ff.;
siehe auch den Schlussbericht des Berufsberaters vom 6. Februar 2003, IV-
act. 47-1 f.). Gestützt auf diese beiden Arbeitsfähigkeitsschätzungen empfahl der RAD-
Arzt Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, der Bestimmung des
Invalideneinkommens eine 50%ige Arbeitsfähigkeit zugrunde zu legen (Stellungnahme
vom 17. Januar [richtig: Februar] 2003). Die IV-Stelle ermittelte daraufhin einen
50%igen Invaliditätsgrad und sprach dem Versicherten für die Dauer vom 1. Februar
2001 bis 31. März 2002, vom 1. Dezember bis 31. Dezember 2002 sowie ab 1. Februar
2003 eine halbe Rente zu (Verfügungen vom 4. Juni 2003, IV-act. 67, und vom 19. Juni
2003, IV-act. 70). Die dagegen erhobene Einsprache vom 3. Juli 2003 (IV-act. 71; zur
ergänzenden Begründung vom 15. August 2003 siehe IV-act. 74) wies die IV-Stelle –
nach neuerlicher kurzer Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. D._ vom 27. August 2003
(IV-act. 75) – mit Einspracheentscheid vom 17. September 2003 ab (IV-act. 77). Das
A.a.
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Versicherungsgericht hiess die dagegen gerichtete Beschwerde vom 10. Oktober 2003
(IV-act. 78) teilweise gut und änderte den angefochtenen Einspracheentscheid insoweit
ab, als es dem Versicherten vom 1. Januar 2001 bis 31. August 2001 eine ganze Rente
zusprach (Entscheid vom 29. April 2004, IV 2003/93, IV-act. 84). Dieser Entscheid
wurde vom Eidgenössischen Versicherungsgericht (seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) mit Urteil vom 29. September 2004,
I 416/04, bestätigt (IV-act. 90; zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde des Versicherten
vom 13. Juli 2004 siehe IV-act. 88-2 ff.).
Am 24. September 2010 ersuchte der Versicherte um eine Erhöhung der
Rentenleistung (IV-act. 125 f.). Die IV-Stelle holte in der Folge ein polydisziplinäres
(allgemein-internistisches, psychiatrisches und neurologisches) Gutachten der BEGAZ
GmbH vom 16. August 2011 ein. Darin wurde als Diagnose, welche die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigen würde, ein chronisches cervicocephales Schmerzsyndrom mit
Generalisierungstendenz gestellt. Gesamtmedizinisch gelangten die BEGAZ-
Sachverständigen zum Schluss, dass die frühere Tätigkeit als Z._ dem Versicherten
nicht mehr zumutbar sei. Eine körperlich leichte leidensangepasste Tätigkeit sei ihm
nach wie vor zu 50 % zumutbar (IV-act. 150, insbesondere IV-act. 150-46 und -49). Die
RAD-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, hielt die
gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung für überzeugend (Stellungnahme vom
25. August 2011, IV-act. 151). Gestützt auf die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung wies die IV-Stelle – nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 6. September 2011, IV-act. 155; Einwand vom
3. Oktober 2011, IV-act. 159) – das Rentenerhöhungsgesuch des Versicherten mit
Verfügung vom 26. Oktober 2011 ab (IV-act. 162). Die Verfügung blieb unangefochten.
A.b.
Im Rahmen eines von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens teilte der
Versicherte am 6. Februar 2015 mit, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert
und er arbeite mit einem 50%igen Pensum für die F._ AG (IV-act. 172). Diese
bestätigte im Fragebogen für Arbeitgebende am 18. März 2015, der Versicherte sei seit
30. Juli 2013 bei ihr mit einem 50%igen Beschäftigungsgrad angestellt (IV-act. 175).
Der behandelnde Dr. med. G._, Facharzt für Innere Medizin, verneinte im Bericht vom
27. Februar 2015 eine Änderung der Diagnose seit August 2011 (IV-act. 177). Die IV-
Stelle berücksichtigte neu als Invalideneinkommen das vom Versicherten im Jahr 2014
A.c.
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abgerechnete Einkommen (siehe hierzu IV-act. 174) und ermittelte gestützt darauf
einen Invaliditätsgrad von 23 %. Mit Verfügung vom 16. Juli 2015 hob sie den
Rentenanspruch wegen veränderter wirtschaftlicher Verhältnisse auf Ende des der
Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 181; zum vorangegangenen Vorbescheid vom
29. Mai 2015 siehe IV-act. 180). Die Revisionsverfügung blieb unangefochten.
Am 12. Januar 2016 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, seit 26. November
2015 sei er wegen eines Bandscheibenvorfalls zu 100 % krankgeschrieben. Wegen
dieser gesundheitlichen Verschlechterung melde er sich wieder zum Leistungsbezug an
(IV-act. 183). Dr. G._ bestätigte im Verlaufsbericht vom 8. April 2016, dass sich der
Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert habe. Die bisherige Tätigkeit sei
dem Versicherten 4 Stunden täglich zumutbar (IV-act. 198-2 f. und -12 f.; siehe auch
den Verlaufsbericht vom 28. Juli 2016, IV-act. 208). Die Arbeitgeberin teilte der IV-Stelle
am 29. April 2016 mit, dass der Versicherte seit 1. Juni 2016 (richtig: 2015, vgl. IV-
act. 202-7) mit einem 100%igen Beschäftigungsgrad angestellt sei und sie das
Arbeitsverhältnis mit ihm auf den 30. November 2015 gekündigt habe (IV-act. 202). Die
IV-Stelle zeigte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 24. August 2016 an, dass er ab
1. Dezember 2015 Anspruch auf eine Übergangsleistung habe (IV-act. 210). Mit
Verfügung vom 24. November 2016 sprach sie ihm die in Form einer halben
Invalidenrente ausgerichtete Übergangsleistung zu (IV-act. 227).
A.d.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 17., 19. und 23. Januar sowie
am 14. Februar 2017 polydisziplinär (allgemeininternistisch, neurologisch, psychiatrisch
und orthopädisch) in der ZVMB GmbH, MEDAS H._, begutachtet. Die ZVMB-
Sachverständigen stellten als Diagnose «mit Relevanz für AF» eine Zervikocephalgie
bei/mit: lateraler Diskushernie C3/C4 mit Kompression der C4-Nervenwurzel rechts
ohne radikuläre Zeichen, einem Status nach Spondylodese mit Korporektomie C5,
Wirbelkörperersatz mit Titankorb und Palacos sowie Morscherplatte C4-C6 am
26. Januar 2000 bei Riesenzelltumor C5; einen Status nach Re-Spondylodese mit
kortikospongiösem Beckenkamm und Syntheseplatte C4-C6 am 19. Februar 2001 und
einem Status nach Infiltration der C4-Nervenwurzel im November 2015 mit gutem
Resultat. Bezogen auf die Tätigkeit als Z._ sei weiterhin von keiner Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Für die Tätigkeit als Mitarbeiter Y._ verfüge der Versicherte ab
November 2015 sicherlich weiterhin über eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Allenfalls könne
A.e.
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diese Arbeitsfähigkeit gesteigert werden. Die Arbeitsfähigkeit bezogen auf eine
leidensangepasste Tätigkeit schätzten die Gutachter ab November 2015 auf 100 %.
Zusammenfassend könne zwar objektivierbar von einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands gesprochen werden, basierend auf der im November 2015
festgestellten Diskushernie C3/4 mit der radiologisch ausgewiesenen Kompression der
C4-Wurzel rechts. Klinisch sei diese jedoch ohne radikuläre Zeichen geblieben
(Gutachten vom 15. Mai 2017, IV-act. 245, insbesondere IV-act. 245-23 f.). Nach der
Einschätzung des RAD-Arztes Dr. med. I._, Facharzt für Chirurgie, erfüllte das ZVMB-
Gutachten die versicherungsmedizinischen Anforderungen an eine beweiskräftige
Expertise (Stellungnahme vom 1. Juni 2017, IV-act. 247). Der zuständige
Sachbearbeiter gelangte zur Auffassung, eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands sei nicht ausgewiesen. Das Rentenerhöhungsgesuch sei
abzuweisen und es bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige halbe Rente
(Feststellungsblatt vom 28. November 2017, IV-act. 248). In der Folge wies die IV-Stelle
nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 28. November 2017, IV-
act. 250) das «Erhöhungsgesuch» mit Verfügung vom 29. Januar 2018 ab (IV-act. 252)
und richtete weiterhin eine Übergangsleistung in Form einer halben Invalidenrente aus.
Am 18. August 2019 gelangte der Versicherte erneut an die IV-Stelle und teilte ihr
seine Absicht mit, eine geeignete Ausbildung absolvieren zu wollen (IV-act. 259 f.). Die
IV-Stelle nahm diese Eingabe als Gesuch um berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen entgegen und räumte dem Versicherten am 4. November 2019 die
Gelegenheit ein, eine leistungswesentliche Veränderung der medizinischen, beruflichen
oder wirtschaftlichen Situation glaubhaft zu machen (IV-act. 265). Der Versicherte
reichte am 18. Dezember 2019 eine Stellungnahme von Dr. G._ ein, worin dieser
ausführte, der Gesundheitszustand sei seit 2017 stationär. Der Versicherte leide immer
wieder an zervikozephalen Kopfschmerzen. Es bestehe auch eine gelegentliche
zervikale Schonhaltung mit dann zeitweilig leicht eingeschränkter Mobilität des Kopfes.
Nach einer entsprechenden Umschulung sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit denkbar (IV-act. 273). Der RAD-Arzt Dr. I._ hielt in der
Stellungnahme vom 14. Januar 2020 fest, eine Veränderung des Gesundheitszustands
des Versicherten sei mit dem Bericht von Dr. G._ nicht dargetan. Es sei daher
A.f.
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B.
weiterhin gestützt auf das ZVMB-Gutachten von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 274).
Die neu für den Fall des Versicherten zuständige Sachbearbeiterin gelangte am
13. Februar 2020 zur Auffassung, dass die Verfügung vom 29. Januar 2018 falsch
gewesen sei, da aufgrund der Renteneinstellung infolge wirtschaftlicher Verbesserung
vom 16. Juli 2015 keine Rentenleistungen mehr geschuldet gewesen seien. Die
verfügte Abweisung des Erhöhungsgesuchs und Weiterausrichtung einer halben
Invalidenrente sei deshalb eindeutig falsch gewesen. Die Ausrichtung einer
Übergangsleistung stelle eine separate Leistung dar, die spätestens mit dem
Rentenentscheid einzustellen sei (IV-act. 276). Mit Vorbescheid vom 17. Februar 2020
stellte die IV-Stelle dem Versicherten die wiedererwägungsweise Aufhebung der
Verfügung vom 29. Januar 2018 und die Einstellung der laufenden Übergangsleistung
auf den 31. März 2020 in Aussicht (IV-act. 277). Dagegen erhob der Versicherte am
6. März 2020 Einwand (IV-act. 280; siehe auch die Eingaben vom 20. April 2020, IV-
act. 283, und vom 19. Mai 2020, IV-act. 285). Am 5. Juni 2020 verfügte die IV-Stelle die
wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 29. Januar 2018 und die
Einstellung der Rente auf Ende des der Verfügung folgenden Monats. Der in der
Wiederanmeldung vom 20. August 2019 geltend gemachte Anspruch auf
Rentenleistungen werde separat und im Anschluss an die Renteneinstellung geprüft
(IV-act. 286). Gleichentags erliess die IV-Stelle eine separate Verfügung, worin sie die
Übergangsleistung auf den 31. Januar 2018 einstellte (IV-act. 287).
A.g.
Gegen die beiden Verfügungen vom 5. Juni 2020 erhob der Beschwerdeführer am
29. Juni 2020 Beschwerde. Er beantragte deren Aufhebung und die weitere
Ausrichtung der Leistungen gemäss der Verfügung vom 29. Januar 2018; alles unter
Kostenfolge. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, die Verfügung vom
29. Januar 2018, worin die Ausrichtung einer Invalidenrente angeordnet worden sei, sei
nicht offensichtlich falsch. Es sei eine Rentenrevision durchgeführt und die
Übergangsleistung faktisch eingestellt worden, indem nach einer medizinischen
Abklärung der Invaliditätsgrad neu berechnet und auf 55 % festgesetzt worden sei.
Zudem liege der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller
B.a.
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Anspruchsvoraussetzungen, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge
aufweise. Des Weiteren habe die IV-Stelle nicht berücksichtigt, dass er seit 1. Februar
2001 durchgehend, mit einem Unterbruch von lediglich 3 Monaten, eine Invalidenrente
beziehe. Nach der Rechtsprechung seien bei Personen, deren Rente
wiedererwägungsweise aufgehoben werden soll und die mindestens 15 Jahre lang eine
Rente bezogen hätten, vorgängig Eingliederungsmassnahmen durchzuführen (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom
28. September 2020 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte im Wesentlichen
sinngemäss geltend, der für den Erlass der Verfügung vom 29. Januar 2018
verantwortliche Sachbearbeiter habe unter dem Eindruck der in Rentenform
ausgerichteten Übergangsleistung zu Unrecht übersehen, dass er über ein neuerlich
eingereichtes Rentengesuch nach rechtskräftiger Renteneinstellung und nicht über ein
Gesuch um revisionsweise Erhöhung einer laufenden Invalidenrente zu befinden gehabt
habe. Deshalb sei er fälschlicherweise bei unverändert gebliebenem
Gesundheitszustand von einer Bindung an den früheren Invaliditätsgrad ausgegangen,
welcher der früheren – mit Verfügung vom 16. Juli 2015 revisionsweise rechtskräftig
eingestellten – Rentenzusprache zugrunde gelegen habe. Dieser Irrtum habe dazu
geführt, dass der Sachbearbeiter zu Unrecht keine Neubestimmung des
Invalideneinkommens gestützt auf die von den ZVMB-Gutachtern bescheinigte
100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten vorgenommen habe. Bei
richtiger Rechtsanwendung hätte in der Verfügung vom 29. Januar 2018 festgestellt
werden müssen, dass ausgehend von der im beweiskräftigen ZVMB-Gutachten
bescheinigten vollständigen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten kein
Invaliditätsgrad im rentenbegründenden Ausmass erreicht werde. Gleichzeitig hätte die
ab 1. Dezember 2015 gewährte Übergangsleistung eingestellt werden müssen. Folglich
sei die Verfügung vom 29. Januar 2018 ohne Zweifel unrichtig, da sie auf einer
unrichtigen Rechtsanwendung beruhe (act. G 4).
B.b.
Der Beschwerdeführer teilte am 18. November 2020 den Verzicht auf eine Replik
mit (act. G 6).
B.c.
Am 28. August 2021 (Datum Postaufgabe) reichte er weitere medizinische Berichte
ein und machte Ausführungen zu seinem Gesundheitszustand (act. G 8).
B.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die mit Verfügungen
vom 5. Juni 2020 angeordnete wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom
29. Januar 2018 samt Einstellung der Rentenleistung auf Ende des der Verfügung
folgenden Monats (IV-act. 286) sowie die Einstellung der Übergangsleistung auf den
31. Januar 2018 (IV-act. 287).
2.
Zunächst ist die angefochtene Einstellung der Übergangsleistung zu prüfen.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete stillschweigend auf eine Stellungnahme (vgl.
act. G 9).
B.e.
Mit Schreiben vom 22. Oktober 2021 reichte der Beschwerdeführer den
Austrittsbericht der Psychiatrie J._ vom 12. Oktober 2021 über die dort vom
1. September bis 7. Oktober 2021 erfolgte stationäre Behandlung ein (act. G 12.2; zum
vollständigen Exemplar siehe act. G 14.1).
B.f.
Eine versicherte Person hat gemäss Art. 32 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Anspruch auf eine Übergangsleistung bei
Arbeitsunfähigkeit, wenn: sie im Laufe der drei auf die Herabsetzung oder Aufhebung
einer Rente folgenden Jahre zu mindestens 50 % arbeitsunfähig wird (lit. a); die
Arbeitsunfähigkeit mindestens 30 Tage gedauert hat und weiter andauert (lit. b) und sie
vor Herabsetzung oder Aufhebung der Rente an Massnahmen zur Wiedereingliederung
nach Art. 8a IVG teilgenommen hat oder die Rente wegen der Wiederaufnahme einer
Erwerbstätigkeit oder der Erhöhung des Beschäftigungsgrads herabgesetzt oder
aufgehoben wurde (lit. c). Der Anspruch entsteht am Anfang des Monats, in dem die
Voraussetzungen nach Art. 32 Abs. 1 IVG erfüllt sind (Art. 32 Abs. 2 IVG). Er erlischt
gemäss Art. 32 Abs. 3 IVG spätestens am Ende des Monats, in dem die IV-Stelle über
den Invaliditätsgrad entschieden hat. Eine Übergangsleistung, die im Nachgang zu
einer Rentenaufhebung ausgerichtet wird, entspricht der Rente, welche die versicherte
Person erhalten würde, wenn die Rente nicht aufgehoben worden wäre (Art. 33 Abs. 1
lit. b IVG). Gleichzeitig mit der Gewährung einer Übergangsleistung leitet die IV-Stelle
die Überprüfung des Invaliditätsgrads ein (Art. 34 Abs. 1 IVG). Am ersten Tag des
2.1.
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Monats, der dem Entscheid der IV-Stelle über den Invaliditätsgrad folgt: entsteht in
Abweichung von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ein Rentenanspruch, sofern der
Invaliditätsgrad erneut ein rentenbegründendes Ausmass erreicht (Art. 34 Abs. 2 lit. a
IVG), bzw. wird eine bestehende Rente für die Zukunft erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben, sofern sich der Invaliditätsgrad erheblich geändert hat (Art. 34 Abs. 2 lit. b
IVG).
Im Rahmen der Prüfung der Wiederanmeldung des Beschwerdeführers vom
12. Januar 2016, worin er nach der rechtskräftig verfügten Renteneinstellung (siehe die
Verfügung vom 16. Juli 2015, IV-act. 181) um neuerliche Ausrichtung einer Rente
ersuchte, sprach ihm die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 24. November 2016
mit Wirkung ab 1. Dezember 2015 eine Übergangsleistung in Form einer halben Rente
zu (IV-act. 227). Zudem holte sie das polydisziplinäre ZVMB-Gutachten vom 15. Mai
2017 ein (IV-act. 245). Mit dem RAD-Arzt Dr. I._ (siehe dessen Stellungnahme vom
1. Juni 2017, IV-act. 247) ist der Schluss zu ziehen, dass das Gutachten sämtliche
Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise erfüllt (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Der Beschwerdeführer brachte denn auch bislang keine substanziierten
Rügen gegen die Beurteilung der ZVMB-Sachverständigen vor. Aus den von ihm am
28. August 2021 eingereichten medizinischen Unterlagen gehen ebenfalls keine
Aspekte hervor, welche die Einschätzung der ZVMB-Gutachter in Zweifel zu ziehen
vermögen oder auf eine relevante gesundheitliche Verschlechterung bis zum Erlass der
vorliegend angefochtenen Verfügungen vom 5. Juni 2020 schliessen liessen. So
bestätigte denn auch Dr. G._ am 18. Dezember 2019 nicht bloss einen
unveränderten Gesundheitszustand seit 2017, sondern auch eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (IV-act. 273). Gestützt auf das
ZVMB-Gutachten entschied die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 29. Januar
2018 über den Invaliditätsgrad (55 %) im Sinn von Art. 32 Abs. 3 IVG und den
Rentenanspruch (IV-act. 252). Zwar stellte sie die Auszahlung der Übergangsleistung
faktisch ein und richtete dem Beschwerdeführer ab dem ersten Tag des Monats, der
dem Entscheid über den Invaliditätsgrad folgte (Art. 32 Abs. 2 IVG), stattdessen eine
halbe Rente bei einem 55%igen Invaliditätsgrad aus (IV-act. 252-1 unten). Wie die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 5. Juni 2020 vor diesem
Hintergrund zutreffend ausführt, fiel der Anspruch auf eine Übergangsleistung am
1. Februar 2018 dahin (IV-act. 287-1). Allerdings fehlte es bislang an einer
verfahrensrechtlich korrekten Umsetzung der Einstellung der Übergangsleistungen auf
den 31. Januar 2018, was die Beschwerdegegnerin mit der Verfügung vom 5. Juni
2020 (IV-act. 287) nunmehr korrekt nachholte.
2.2.
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3.
Zu prüfen bleibt damit die Rechtmässigkeit der Verfügung vom 5. Juni 2020 betreffend
Wiedererwägung (IV-act. 286), worin die Rentenverfügung vom 29. Januar 2018
wiedererwägungsweise aufgehoben, das am 12. Januar 2016 eingereichte
Rentengesuch (IV-act. 183) abgewiesen und die Rente auf Ende des der Verfügung
folgenden Monats aufgehoben wurde.
Der Versicherungsträger kann nach Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) auf formell
rechtskräftige Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und
wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die Wiedererwägung dient der
Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger
Feststellung im Sinn der Würdigung des Sachverhalts. Das Erfordernis der zweifellosen
Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch
oder unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche
Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn
der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt,
deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die
Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen
(Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung,
Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im
Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprache darbot, als vertretbar, scheidet die
Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein
vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein
einziger Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar (Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_368/2012, E. 2.2).
3.1.
Im beweiskräftigen ZVMB-Gutachten vom 15. Mai 2017 wurde die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten überzeugend auf
100 % geschätzt (IV-act. 245-24). Gestützt darauf und auf die Beurteilung von
Dr. G._ vom 18. Dezember 2019 (IV-act. 273), worin dem Beschwerdeführer bezogen
auf leidensangepasste Tätigkeiten ebenfalls eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt
wurde, kann davon ausgegangen werden, dass ein stationärer Zustand bis zum
Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 5. Juni 2020 bestand (siehe auch die
Würdigung durch den RAD-Arzt Dr. I._ vom 14. Januar 2020, IV-act. 274-3). Aus den
übrigen Akten des Verwaltungsverfahrens gehen denn auch keine Anhaltspunkte
hervor, dass sich der Gesundheitszustand bis zum für die gerichtliche Prüfung
3.2.
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massgebenden Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 5. Juni 2020 (siehe hierzu
BGE 138 V 535 f. E. 2.2) erheblich und dauerhaft verschlechtert hätte. Nichts anderes
gilt hinsichtlich der vom Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren eingereichten
medizinischen Unterlagen (act. G 8.6 f.), die ohnehin grösstenteils erst die Entwicklung
des Sachverhalts nach dem 5. Juni 2020 beschlagen (act. G 8.2 ff., act. G 8.8 und act.
G 14.1). Da sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass dem Beschwerdeführer
die Erzielung eines Valideneinkommens möglich gewesen wäre, das über dem
statistischen Hilfsarbeiterlohn gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des
Bundesamts für Statistik gelegen hätte, resultiert im Rahmen eines Prozentvergleichs –
selbst unter Gewährung des von der Beschwerdegegnerin eingeräumten 15%igen
Tabellenlohnabzugs (IV-act. 249) – ein offensichtlich nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von höchstens 15 %. Die damalige Zusprache einer halben Rente
erweist sich damit als klare Verletzung von Art. 28 Abs. 2 IVG.
Hintergrund der am 29. Januar 2018 verfügten offensichtlich unrichtigen
Rentenzusprache bildete der Irrtum des zuständigen Sachbearbeiters, sich in einem
Rentenrevisionsverfahren zu befinden und deshalb an den früher festgestellten
rentenbegründenden Invaliditätsgrad gebunden zu sein (siehe etwa die Ausführungen
im Feststellungsblatt vom 28. November 2017, IV-act. 248-2 Mitte, und das Dispositiv
der gleichentags erlassenen Verfügung: «Das Erhöhungsgesuch wird abgewiesen», IV-
act. 252). Dabei verkannte der Sachbearbeiter nachträglich, nachdem er sich zunächst
noch der vollen Kognition bei der Beurteilung der Wiederanmeldung bewusst gewesen
war (IV-act. 215-2 oben), dass die ursprüngliche halbe Rente mit in Rechtskraft
erwachsener Verfügung vom 16. Juli 2015 (IV-act. 181) aufgehoben worden war und es
sich bei der Wiederanmeldung vom 12. Januar 2016 (IV-act. 183) um ein frei,
insbesondere ohne Bindung an frühere Arbeitsfähigkeitsschätzungen und
Invaliditätsgradberechnungen, zu prüfendes neues Rentengesuch handelte. Jedenfalls
kann unter diesen Umständen – entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers
(act. G 1, Rz 12) – keine Rede davon sein, die irrtümliche Annahme einer Bindung an
den früheren rentenbegründenden Invaliditätsgrad liege noch im Ermessensspielraum
für die Beurteilung der materiellen Anspruchsvoraussetzung und stehe einer
Wiedererwägung im Weg.
3.3.
Entgegen der Sichtweise des Beschwerdeführers (act. G 1, Rz 13) vermag er aus
der Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Unzumutbarkeit der Selbsteingliederung
bei langer Rentenbezugsdauer (siehe hierzu etwa das Urteil des Bundesgerichts vom
24. Oktober 2018, 9C_332/2018, E. 4) nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Abgesehen
von einer kurzen vorübergehenden Dauer der vollständigen Erwerbsunfähigkeit, wofür
3.4.
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4.
dem Beschwerdeführer vom 1. Januar 2001 bis 31. August 2001 eine ganze Rente
zugesprochen worden war (siehe den Entscheid vom 29. April 2004, IV 2003/93, IV-
act. 84), hatte während der gesamten übrigen Zeit der nicht ununterbrochen
gebliebenen Rentenbezugsdauer eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 84-10) samt
entsprechender Selbsteingliederungspflicht bestanden. Somit lag keine, zumindest
keine längere, invaliditätsbedingte (vollständige) Abwesenheit vom Arbeitsmarkt vor,
weshalb der Beschwerdeführer auch für die allfällige spätere Erhöhung der
Resterwerbsfähigkeit infolge gesundheitlicher Verbesserung auf die ihm obliegende
Selbsteingliederungspflicht zu verweisen ist (siehe den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 22. Februar 2021, IV 2019/114, E. 3 am Schluss). Die
Annahme einer Selbsteingliederungspflicht lag zudem der rechtskräftigen
Renteneinstellungsverfügung vom 16. Juli 2015 zugrunde (IV-act. 181), und der
Beschwerdeführer hatte denn auch ab 30. Juli 2013 während mehrerer Jahre teilzeitlich
bis ganztägig einer Erwerbstätigkeit nachzugehen vermocht (siehe IV-act. 202). Er legt
weder dar noch ist erkennbar, welche Selbsteingliederungshindernisse der
Verwertbarkeit seiner Resterwerbsfähigkeit entgegenstehen. Vor diesem Hintergrund
kann offenbleiben, ob vorliegend der Zeitraum des unterbrochenen Rentenbezugs
überhaupt die von der Rechtsprechung verlangte 15-jährige Dauer (siehe BGE 145 V
212 E. 5.2.3) erreichte.
Im Licht dieser Verhältnisse hat die Beschwerdegegnerin die Rentenverfügung
vom 29. Januar 2018 zu Recht in Wiedererwägung gezogen und sie aufgehoben. Dass
die Rente nicht auf den Zeitpunkt der effektiven Sachverhaltsveränderung hin
eingestellt wurde, erscheint vor dem Hintergrund dessen, dass die
Beschwerdegegnerin am guten Glauben des Beschwerdeführers keine Zweifel
geäussert hat und überdies finanzielle Bedürftigkeit anzunehmen ist (vgl. act. G 14.1,
S. 2), vertretbar (vgl. sinngemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG, Art. 3 Abs. 3 und Art. 4
der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV;
SR 830.11]).
3.5.
Gemäss vorstehenden Erwägungen (E. 2.1 f.) ist die Beschwerde gegen die
Verfügung vom 5. Juni 2020 betreffend die Einstellung der Übergangsleistung
abzuweisen.
4.1.
Gemäss vorstehenden Erwägungen (E. 3.1 ff.) ist die Beschwerde gegen die
Verfügung vom 5. Juni 2020 betreffend die wiedererwägungsweise Aufhebung der
Verfügung vom 29. Januar 2018 abzuweisen.
4.2.
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