Decision ID: c73dbedd-8838-48ce-8b03-9659a0720eac
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962, war
seit 2007 in vollem Pensum bei der
Y._
AG als Medical
Director
tätig und in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert. Mit Schadenmeldung vom
4.
Juni 2018 wurde der Suva angezeigt, dass die Versicherte am
1.
Juni 2018 einen Frontalunfall mit dem
Automobil
erlitten habe (
Urk.
9/1). Die erstbehan
delnden Ärzte des Kantonsspitals
Z._
hielten im Austrittsbericht vom
8.
Juni 2018 über die Hospitalisation vom
1.
bis
4.
Juni 2018
(1) ein leichtes Schä
del-Hirn-Traum
a
, (2) eine Halswirbelsäulen-Distorsion (HWS), (3) ein stumpfes Tho
rax- und
Abdominaltrauma
und (4) eine fokale
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
als Hauptdiagnosen fest. Als Nebendiagnose notierten sie eine
hypertensive
Herz
erkrankung (
Urk.
9/13).
Die Suva trat auf den Schaden ein und erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
Mit Verfügung vom 1
2.
Juni 2019 stellte die Suva die Versicherungsleistungen per 3
0.
Juni 2019 ein. Die Suva führte aus, dass die unfallbedingten Befunde abgeheilt und die geklagten Beschwerden organisch nicht hinreichend erklärbar und nicht adäquat kausal seien (
Urk.
9/146). Hierge
gen erhob die Versicherte
am 2
6.
Juni 2019
Einsprache (
Urk.
9/151; ergänzende Einsprache vom 3
0.
Juli 2019,
Urk.
9/162). Mit Einspracheentscheid vom 2
7.
Sep
tember 2019 wies die Suva die Einsprache ab (
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob hiergegen am 2
3.
Oktober 2019 Beschwerde und bean
tragte, es sei der Einspracheentscheid vom 2
7.
September 2019 sowie die
diesem zugrundeliegende Verfügung
vom 1
2.
Juni 2019 aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere Taggeld, Heilungskosten und gegebenen
falls eine Rente sowie eine Integritätsentschädigung gemäss de
m
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
auch nach dem 3
0.
Juni 2019 zu gewähren (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
November 2019 schloss die Beschwer
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-89 und
Urk.
9/1-175), worüber die Beschwerdeführerin am 1
3.
Novem
ber 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
10). Mit Eingaben vom 2
6.
November 2019 (
Urk.
11 und
Urk.
12/1-2) sowie vom
1.
Juli 2020 (
Urk.
14 und
Urk.
15) reichte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen ein, worüber die Beschwerde
gegnerin jeweils in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
13 und
Urk.
16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin hielt
im angefochtenen Entscheid sowie in ihrer Beschwerdeantwort
dafür
(
Urk.
2 und
Urk.
7)
,
dass die posttraumatische
Dissek
tion
des
Truncus
coeliacus
der Beschwerdeführerin
soweit abgeheilt sei, dass der behandelnde Arzt Verlaufskontrollen als nicht zwingend erachte, allerdings eine jährliche Kontrolle empfehle. Damit liege eine richtungsgebende Veränderung vor und die notwendigen Kontrollen und Behandlungen dieses Befundes würden wei
terhin übernommen.
Die Beschwerdeführerin
weise des W
eiteren
vorbestehende degenerative multi
segmentale Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) auf. Entspre
chend sei plausibel, dass diese Beschwerden anfänglich durch den Unfall ver
schlimmert worden seien, aufgrund der fehlenden traumatischen strukturellen Läsionen sei allerdings selbst unter Berücksichtigung eines protrahierten Heilver
laufs 10 Monate nach dem Unfall davon auszugehen, dass die Beschwerden nur noch degenerativ bedingt seien. Die neuropsychologischen Defizite und psychi
schen Symptome seien zwar überwiegend wahrscheinlich natürlich unfallkausal, allerdings sei mit fortschreitender zeitlicher Distanz zum Unfall davon auszuge
hen, dass dieser selbst eine immer geringere Rolle in der Aufrechterhaltung der Störung spiele, sondern überwiegend wahrscheinlich andere Faktoren massge
bend seien.
Damit seien bis auf die
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
keine orga
nisch hinreichend nachweisbaren Beschwerden vorliegend, so dass die adäquate Kausalität anhand der Schleudertrauma-Praxis zu prüfen sei, wobei auf eine Dif
ferenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten zu verzichten sei.
Es liege
maximal ein mittelschwerer U
nfall im engeren Sinn vor
. In Prüfung
der entsprechenden Kriterien sei
die Adäquanz zu verneinen. Die Einstellung der Versicherungsleistungen erweise
sich damit als rechtens
.
1.2
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor (
Urk.
1
,
Urk.
11,
Urk.
15
), dass die Ärzte davon ausgingen, dass die neuropsychologischen Defizite sich während mindestens zwei Jahren, also bis Juni 2020 noch verbessern könnten. Damit sei der Endzustand noch nicht erreicht.
Des Weiteren halte die Beschwerdegegnerin fest, dass sie weiterhin für die Behandlung und Kontrolle des
Bauchaortarisses
aufkomme, damit sei der Ein
spracheentscheid aufzuheben und mit Bezug auf diesen Befund gutzuheissen. Es liege kein simpler HWS-Distorsionsfall vor, was schon aufgrund der Diagnosen der erstbehandelnden Ärzte ersichtlich sei.
Des Weiteren lägen neuropsychologisch und neurologisch diverse Befunde vor, welche von der Beschwerdegegnerin nicht hinreichend gewürdigt worden seien.
D
ie Differentialdiagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung
sei
nicht berücksichtigt worden.
Die Unfallanalyse, welche von einer Kollisionsgeschwin
digkeit von 40 km/h ausgehe,
sei des Weiteren nicht nachvollziehbar, so dass die Beschwerdegegnerin auf einen falschen Sachverhalt abgestützt habe.
Die Amne
sie werde vom Neurologen der Beschwerdegegnerin als mit dem Unfall einherge
hende Angst- und Schrecksymptomatik gewertet, was allerdings falsch sei. Die Amnesie weise auf das Schädelhirntrauma hin. Es bestünden entsprechend geringe Zweifel an der ärztlichen Einschätzung, womit nicht darauf abgestellt werden könne.
Zusammenfassend bestünden organisch nachvollziehbare Beschwerden, nämlich ein Schädel-Hirn-Trauma mit neurologischen und neu
ropsychologischen Defiziten sowie ein Riss der Bauchaorta. Eine Adäquanzprü
fung könne deshalb nicht erfolgen. Die psychischen Folgen dieser Diagnosen seien ebenfalls nicht abgeklärt und die Suva gehe fälschlicherweise von einer viel zu tiefen Kollisionsgeschwindigkeit aus. Der Endzustand sei ebenfalls nicht erreicht.
2.
2.1
Gemäss
Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) sind Versicherungsleistungen - soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt - bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicher
ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1-2 mit Hinweisen).
2.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der
Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begrif
fes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Bes
serung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In die
sem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prog
nostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbe
sondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezem
ber 2014 E. 3).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu wer
den, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheitliche Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vor
liegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das der Invaliditätsbe
messung der Unfallversicherung gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde gelegte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfallversicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bundesgericht 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
2.3
2.3.1
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression,
Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheit
liche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
2.3.2
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psy
chische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzu
sammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kri
terien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adä
quaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
3.
3.1
Im Einsatzprotokoll der Ambulanz anlässlich des Unfalls vom
1.
Juni 2018 wurde beim Erstbefund vermerkt, dass die Beschwerdeführerin ihnen entgegengekom
men sei. Sie sei selbst ausgestiegen und unter Schock
gestanden
. Anfänglich
habe
sie
nur leichte
Thoraxschmerzen
an
gegeben
.
Während der Fahrt
habe
sie auch leichte Nacken- und Kopfschmerzen
verspürt
. Im Glasgow
Coma
Score (
GCS
)
habe
sie eine volle Punktzahl von 15
erreicht
, im Verlauf 14
(Urk.
9/28).
3.2
Im Austrittsbericht des Spitals
Z._
vom
8.
Juni 2018 über den stationären Auf
enthalt vom
1.
bis
4.
Juni 2018 hielten die Ärzte folgende Hauptdiagnosen fest (
Urk.
9/13):
-
Leichtes Schädel-Hirn-Trauma
-
HWS-Distorsion
-
Stumpfes Thorax- und
Abdominaltrauma
-
Fokale
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
Als Nebendiagnosen notierten sie eine
hypertensive
Herzerkrankung. Die Beschwerdeführerin habe bei ca. 80km/h eine Frontalkollision mit einem auf ihrer Fahrbahn entgegenkommenden PKW erlitten. Es habe keine Amnesie bestanden für das Ereignis. Die Airbags hätten regelrecht ausgelöst und ein Sicherheitsgurt sei getragen worden. Sie habe das Fahrzeug selbständig verlassen.
Sie hätten die Beschwerdeführerin, nachdem am
4.
Juni 2018 in der Duplexso
nographie ein stationärer Befund der
Dissektion
gezeigt werden konnte, schmerz
kompensiert und in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen.
Die Ärzte attestierten eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 1
0.
Juni 201
8.
3.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, untersuchte die Beschwerde
führerin am 2
3.
Juli 201
8.
Er hielt folgende Diagnosen fest (
Urk.
9/22):
-
Mittelschweres HWS-Beschleunigungstrauma und leichtes Schädelhirn
trauma vom
1.
Juni 2018 bei Frontalkollision 80 km/h
-
Status nach mittlerem bis schwerem Schädelhirntrauma Juli 2010 mit Rip
penfrakturen bei Velounfall, posttraumatisch
Dysästhesien
linke Körper
hälfte
-
Status nach
Melanomentfernung
Fuss rechts 2007
-
Mammakarzinom rechts 2006, Herceptin-Chemotherapie bis Dezember 2008, aktuell
Arimidex
-
Migräne
Bei der Beschwerdeführerin bestehe ein Residualzustand nach Frontalkollision vom
1.
Juni 2018, wovon die somatischen Befunde,
das heisse
die
Zervikalbe
schwerden
und Hypästhesie, im Wesentlichen vorbestehend vom schweren Fahr
radunfall von 2010 seien. Es persistierten typische Befunde nach einem Schädel
hirntrauma mit Aufmerksamkeits-/Konzentrationsstörung und Verschlechterung einer Migräne. Falls die posttraumatische Aufmerksamkeits- und Konzentrations
störung andauere, solle sie sich ab September wieder melden, um eine neuropsy
chologische Abklärung zu veranlassen.
3.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Rheumatologie, Innere Medizin und Rehabilitation, hielt in seinem Bericht vom 2
7.
Juli 2018 fest, dass die medikamentöse und physiotherapeutische Behandlung der Beschwerdeführerin helfe. Die Situation im Bereich des Abdomens und der rechten
Thoraxseite
habe sich stabilisiert und beeinträchtige sie kaum mehr. Hingegen seien die Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule anhaltend vorhanden und liessen sich nur wenig lin
dern. Die allgemeine Belastung sei trotz der vollen Arbeitsunfähigkeit recht gross, weshalb er weiterhin von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgehe und einen Kur
aufenthalt
von 3-4 Wochen diskutiert habe (
Urk.
9/30).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, führte nach dem sta
tionären Kuraufenthalt im
D._
vom 2
0.
August bis 1
7.
Sep
tember 2018 aus, dass die Beschwerdeführerin profitiert habe und es in jeder Beziehung besser geworden sei.
Das intensive Arbeiten am Nacken habe viel gebracht, das Problem sei vor allem C
1.
Sie habe auch gemerkt, dass das Hirn noch nicht ganz gesund sei. Sie sei schnell ermüdbar und habe Konzentrations
störungen. Sie sei jetzt aber überzeugt, dass sie es packen werde.
Sie habe nie manuelle Medizin gemacht, da sie es als heikel empfunden habe und Manipula
tionen finde sie noch zu früh. Sie habe die feste Überzeugung, dass sie mit Eigenleistung, viel Geduld und der nötigen Hilfe wieder ganz
gesund
werde
. Er empfehle weiterhin Physiotherapie und Manuelle Medizin. Sie werde ihren Job aufgeben, sei aber zuversichtlich, dass sie danach wieder etwas finde (
Bericht vom 1
9.
September 2018,
Urk.
9/45).
3.5
Am
4.
Oktober 2018 wurde ein natives und kontrastverstärktes MRI der HWS und des Schädels erstellt.
Dr.
E._
, Fachärztin für Radiologie und Neuro
radiologie, konstatierte, dass ein altersentsprechend normales MRI des Schädels vorliege, insbesondere seien keine radiologisch sichtbaren Traumafolgen vorlie
gend. Es bestünden Segmentdegenerationen der HWS mit multisegmentalen Spondylosen,
Diskopathien
, Osteochondrose und
foraminalen
Einengungen sowie eine
foraminale
Diskushernie C5/C6 links.
Es bestehe eine mögliche
foraminale
Affektion der
Radices
C4 rechts und C6 beidseits, links betont. Das Knochenmark
ödem und die links
foraminale
Diskushernie auf Höhe C5/C6 (bestehend auch in der posttraumatischen MRI-Untersuchung) könne auf eine
traumabedingte
Ätio
logie (
trabekuläre
Mikrofrakturen und
traumabedingte
foraminale
Diskushernie) hinw
eisen. Jedoch könne diese hypothe
tisch
traumabedingte
Ätiologie von einer degenerativ bedingten Genese (Osteochondrose Typ
Modic
1 und eine vorbeste
hende Diskushernie) nicht sicher differenziert werden (
Urk.
9/57).
3.6
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt in seinem Zwischenbericht vom
6.
Dezember 2018 fest, dass eine Konzentrationsschwäche, Nacken- und Kopfweh sowie Angstgefühle bestünden.
Seit dem
1.
November 2018 arbeite
die Beschwerdeführerin
wieder zu 70
%
. Eventuell seien chronifi
zierte Beschwerden (Konzentration) als bleibender Nachteil zu erwarten (
Urk.
9/86).
3.7
Dr.
B._
notierte in seinem Bericht vom 1
4.
Dezember 2018, dass nur eine leichte Besserung eingetreten sei und gegenwärtig vor allem die neu
ropsychologischen Defizite überhandnähmen, weshalb er eine detaillierte neu
ropsychologische
Abklärung empfohlen habe (
Urk.
9
/89).
3.8
Die Ärzte der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals
G._
(folgend: Neu
rologie
G._
) sahen die Beschwerdeführerin erstmals am 1
7.
Januar 2019 und hielten folgende, gekürzt wiedergegebenen Diagnosen fest (
Urk.
9/104):
-
Persistierende kognitive Defizite nach Autounfall, differentialdiagnostisch posttraumatischer Belastungsstörung
-
Status nach mittlerem bis schwerem Schädelhirntrauma Juli 2010 mit Rip
penfrakturen bei Velounfall
-
Status nach Mammakarzinom rechts 2006
Sie würden zur Objektivierung der Beschwerden und Abgrenzung einer ander
weitigen organischen Ursache eine formale neuropsychologische Testung
veran
lassen.
3.9
Dr.
F._
attestierte der Beschwerdeführerin ab dem
1.
Januar 2019 wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit
und
brachte diesbezüglich vor, dass während des Arbeitsversuchs in der angestammten Firma deutlich geworden sei, dass sich die Beschwerdeführerin praktisch an keine Besprechung, Abmachung, Entscheidfin
dung etc. mehr habe erinnern können.
Zudem sei Ende 2018 eine totale Erschöp
fung und
Ausgelaugtheit
eingetreten. Da im Alltag nicht nur die Amnesie hin
derlich sei, sondern auch das dauernde «total überfordert sein»
, Stressgefühl, die Panikattack
en, die vielen Fehlleistungen, Müdigkeit, Übelkeitsattacken, Schweiss
ausbrüche
und ausgeprägte Schreckhaftigkeit vorlägen, seien auch 30
%
Arbeitsfähigkeit eine Überforderung gewesen. Die Neurologie
G._
meine, dass dies ein posttraumatisches Belastungssyndrom sei und empfehle eine neuropsy
chologische Abklärung (Urk. 9/114).
3.10
Am
4.
März 2019 erfolgte eine neuropsychologische Unt
ersuchung in der Neuro
logie
G._
(
Urk.
9/116)
.
Die Zuweisung zur neuropsychologischen Standortbe
stimmung
sei bei Verdacht auf Pseudodemenz bei Status nach
mult
iplen Schädel
-Hirn-Traumata
erfolgt
.
Subjektiv wü
rden eine erhöhte Ermüdbarkeit sowie
Gedächtnis- und
Konzentra
tions
-
Schwierigkeiten angegeben. Testdiagnostisch bestätig
t
en sich die von der
Beschwerdeführerin
wahrgenommenen Leistungseinbussen.
Formal ne
uro
psy
chologisch zeige
sich eine ausgeprägte Verlangsamung, die sich in der kogni
tiven und in der
graphomotorisc
hen
Verarbeitungsgeschwindigkeit, aber auch
in attentionalen Aufgaben (z.B. Aufmerksamkeits
aktivierung, geteil
te Aufmerksam
keit) niederschlage. Weiter bestehe
im mnestischen Bereich eine Zugriffsstörung im
anterograden
Gedächtni
s für verbale Inhalte. Zudem sei
die verbale Erfas
sungsspanne leichtgradig
reduzi
ert. Im exekutiven Bereich zeige
sich isoliert eine leichtgradig ver
minder
te
graphomotorische
Flexibilität. Hervorzuheben seien
in diesem Bereich die intakte Interferenzkontrolle und die überdurchschnittlich gute phonematische Wortflüssigkeit.
Gemäss kursorischer Prüfung seien
basale visu
elle, sprachliche, sprachassoziierte und praktische Leistungen unbeeinträchtigt.
In einem Fragebogenverfahren fä
nden sich Hinweise auf eine ausgeprägte körperli
che und kognitive
Fatiguesymp
tomatik
. Dies decke
sich mit den anamnestischen
Angaben sowie der Verhaltensbeo
bachtung. Am Schluss der gut
zwei
stündigen Testung präsentiere
sich eine glaubhaft sichtlich erschöpfte
Beschwerdeführerin
. Die hier
geschilderten Dysfunktionen seien
gut mit den Folgen eines HWS-
Be
-
schleuni
gungstraumas
inkl. vorangehendem
Schädelhirntraumas zu vereinba
ren. Hinsichtlich der kog
nitiven Einschränkungen erwarteten
sie
eine gewisse Spontanverbesserung.
Sie
dächten
, dass
die Beschwerdeführerin
von der bevor
stehenden beruflichen Auszeit sehr pr
ofitieren we
rd
e und empfä
hlen zugunsten einer bewussten Erholung keine zusätzlichen expliziten kognitive
n
Trainings. Bei Persistenz der hier gef
undenen Beeinträchtigungen empfählen sie eine Verlaufs
kontrol
le in einem Jahr, bei neuen Aspekten gerne auch früher.
3.11
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Radiologie, führte am 1
4.
Januar 2019 im Rahmen einer regelrechten Verlaufskontrolle sieben Monate nach posttraumati
scher
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
einen Ultra
schall des Abdomens durch. Er fand
keinen Hinweis auf eine
aneurysmatische
Degeneration und die Flussmes
sung im
Truncus
coeliacus
sowie in der
Arteria
hepatica
seien regelrecht. Weitere Verlaufskontrollen seien nicht zwingen
d
, persönlich würde er es wahrscheinlich in einem Jahr wieder
sonographisch
kontrollieren wollen
(Urk.
9/122).
3.12
Am 1
6.
April 2019 nahm Kreisärztin
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Chirurgie, Stellung (
Urk.
9/127). Sie konstatierte, dass bezüglich des Schädel-Hirn-Traumas und de
r
neuropsychologischen Befunde eine Beurteilung durch einen Facharzt der Neurologie erfolgen sollte. Bezüglich HWS habe aufgrund des CT am
1.
Juni 2018 und
des
MRI vom
4.
Oktober 2018 eine frische traumatische strukturelle Läsion ausgeschlossen werden können. Bezüglich der fokalen
Dissek
tion
des
Truncus
coeliacus
habe sich im Verlauf der durchgeführten bildgebenden Diagnostik eine regelrechte Abheilung der
Dissektion
, ohne Hinweise auf eine weitere
aneurysmatische
Degeneration bzw. regelrechte Flussmessung im
Truncus
coeliacus
sowie in der A.
hepatica
ergeben,
so dass im W
eiteren jährliche Kon
trollen ausreichten. Durch die fokale
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
liege eine richtungsgebende Veränderung vor, welche unfallkausal sei.
Von einer weiteren Behandlung könne bezüglich des
Truncus
coeliacus
keine namhafte Besserung mehr erwartet werden. Bezüglich der HWS seien frische trau
matische strukturelle Läsionen auszuschliessen. Prellungen und Zerrungen ohne nachweisbare frische traumatische strukturelle Läsionen heilten in der Regel innerhalb von ein paar Tagen/Wochen folgenlos ab. Im vorliegenden Fall liege eine multisegmentale degenerative Veränderung im Bereich der Halswirbel vor, so dass ein protrahierter Heilverlauf nachvollziehbar wäre, jedoch mittlerweile, zehn Monate nach dem Ereignis,
nicht mehr mit der geforderten überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Unfallfolge zu sehen sei, sondern ausreichend durch die degenerativen Veränderungen erklärt sei.
3.13
Kreisarzt
Dr.
med.
J._
, Fac
harzt für Neurologie, nahm am
3.
Mai 2019 eine neurol
o
gische Beurteilung vor. Er konstatierte
(
Urk.
9/128/5 ff.)
, dass die Beschwerdeführerin einen Unfall erlitten habe, wobei e
in a
nderer Verkehrs
teilnehmer
ihr an einer Kreuzung beim Abbiegen nach link
s die Vorfahrt genom
men und
sie dabei gerammt
habe
. Dies
sei
nach einem unfallanalytischen
Gut
achten mit einer kollisions
bedingten Geschwindigkeitsänderung Delta-V von ca. 21 km/h
erfolgt
. Eine strukturelle Unfallverletzung
habe
im Bauchraum festge
stellt werden
können
in Form einer traumatischen
Dissektion
des
Truncus
coeli
acus
, die jedoch folgenlos verheilt
sei
. Hinsichtlich eines vermuteten Schädelhirn
trau
mas und einer HWS-Distorsion sei
in der bildgebenden Diagnostik keine strukturelle Schädigung nach
weisbar gewesen. Zudem erscheine
eher unwahr
scheinlich, dass die
Beschwerdeführerin
ein leichtes
Schädel-Hirntrauma erlitten habe. Sie sei
weder bewusstlos geworden
,
noch
habe
eine eindeutige Amnesie für das Unfallereignis
bestanden und sie habe
in der Nachbeobachtungsphase konti
nuierlich ein GCS von 15 auf
gewiesen
. Den
noch habe
sie sich von dem
Ereignis nicht erholt und sei
bis zum heutigen Tag, abgesehen von einer zweimonatigen Phase von 70
%
, zu 100
%
arbeitsunfähig
gewesen. Begründet we
rd
e
die Arbeits
unfähigkeit mit einer Störung der Aufmerksamkeit, der Konzentration und der Gedächtnisfunktionen.
Zu einem ähnlichen Ereignis sei es am 2
5.
Juli
2010 (Dossier 07.34157.10.4
,
Urk.
8/1-89
)
gekommen
. Die
Beschwerdeführerin sei
beim Biken mit der Familie auf einem Stein ausgerutscht und gestürzt und einen Abhang hinuntergefallen. Sie sei damals kurz bewusstlos gewesen und habe eine Amnesie gehabt. Dennoch sei sie mit den beiden Kindern und dem Fahrrad selbst zu Tal gefahren und habe sich dann im lokalen
Krankenh
aus vorgestellt. Auch damals sei
es zu einer protra
hierten Arbeitsunfähigkeit
gekommen
und in der neuropsychologischen Untersu
chung
seien
Aufmerksamkeitsdefizite, Merkfähigkeitsstörungen und reduzierte Langzeitgedächtnisleistungen bei einer stark erhöhten Ermüdbarkeit
aufgefallen
. Hinsichtlich des diagnostizierten leichten Schädel-Hirn-Traumas
seien
ke
rn
spin
tomographisch keine strukturellen Schäden am Gehirn nachweisbar
gewesen. Es sei
diskutiert
worden
, ob ein seit der Jugend bekanntes ADS-Syndrom die neu
ropsychologischen Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Mehr als
zweieinhalb
Jahre danach
sei
schliesslich eine neurologische und eine psychiatrische Begut
achtung mit
bidisziplinärer
Gesamtbeurteilung durch die damaligen Kolleginnen de
r Versicherungsmedizin, Frau
Dr.
K._
und Frau
Dr.
L._
,
erfolgt
. Sie
seien
zum Schluss
gekommen
, dass die neuropsycho
logischen Defizite und psychischen Symptome zwar überwiegend wahrscheinlich in natürliche
m
Kausalzusammenhang zum Unfallereignis
vom 2
5.
Juli 2010 gestanden hätten
. Es habe sich jedoch dabei nicht um den Ausdruck einer struk
turellen
Hirnverletzung gehandelt, sondern
am ehesten um Symptome einer Anpassungsstörung auf dem Hintergrund akzentuierter Persönlichkeitszüge.
Auch bei dem jetzige
n Unfall fä
nden sich keine strukturellen Traumafolgen an Kopf, Gehirn oder Halswirbelsäule.
Da keine Bewusstlosigkeit vorgelegen
und eine Amnesie ebenfalls
gefehlt habe
,
sei
nicht einmal klinisch wahrscheinlich, dass sich die
Beschwerdeführerin
eine Schädelhirnverletzung zu
gezogen habe. Wie nach dem Unfall 2010 sei
es zu einer protrahierten Phase neuropsychologi
scher Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, des Konzentrationsvermögens und des Gedächtnisses
gekommen
, die sich in den neuropsyc
hologischen Tests niederschl
ü
gen
. Einschränken
d mü
ss
e
allerdings festgehalten werden, dass Symptomvalidierungsverf
ahren im Rahmen der neuropsychol
ogischen Un
tersu
chung nicht durchgeführt wo
rden
seien
. Dies schränk
e
die Verwertbarkeit der neuropsychologischen Diagnos
tik deutlich ein. Vermutlich sei
auch die Neu
ropsychologin des Universitätsspitals
G._
, Frau
M._
,
über die frühere Vorgeschichte nicht im Detail informiert
gewesen
. Wie 2010 könn
t
en auch dies
mal die testpsychologisch erfassten Beeinträchtigungen nicht als Hinweis auf eine strukturelle Hirnschädigung durch den Unfall verstanden werden. Vielmehr
seien
erneut funktionelle (psychogene) Beeinträchtigungen anzunehmen auf dem Hin
tergrund der bereits vor zehn Jahren von psychiatrischer Seite beschriebenen akzentuierten Persönlichkeitszüge. Erneut
habe
sie ein schwerbedrohliches
Lebensereignis
erlebt
, das zu einer Anpassungsstörung mit Angst und dis
soziati
ven Symptomen geführt habe
. Inwiefern das vorbekannte ADS-Syndrom und ein möglicherweise vorliegendes Fatigue-Syndrom bei Krebserkrankung die Sympto
matik massgeblich beeinfluss
t
en
, mü
ss
e
aufgrund fehlender detaillierter Informa
tionen hierzu offenbleiben.
Die seit dem U
nfall vom
1.
Juni
2018 vorliegenden neuropsychol
ogischen Beein
trächtigungen seien
, obwohl sie nicht auf eine strukturelle Hirnschädigung, son
dern auf eine funktion
elle Störung zurückzuführen seien
, ausgelöst worden durch den Unfall vom
1.
Juni 2018 und stünden
somit überwiegend wahrscheinlich in natürlichen Kausalzusammenhang zu diesem Ereignis. Mit fortschreitender zeit
liche
r Distanz zu diesem Ereignis kö
nn
e
dem Unfallereignis jedoch eine immer geringere Rolle in der Aufrechterhaltung der Störung zugeordnet werden, sodass zum jetzigen Zeitpunkt überwiegend wahrscheinlich andere Faktoren als der Unfall selbst die Symptomatik aufrechterhalten
würden
. Hierzu zu zählen
seien
das bereits seit der Jugend bekannte ADS-Syndrom, die von psychiatrischer Seite beschriebenen akzentuierten Persönlichkeitszüge sowie die aus der Anamnese ableitbaren Neigungen zu Anpassungsstörungen mit Angst und dissoziativen Symptomen.
3.14
Nachdem die Suva
noch das MRI des Gehirns/
Neurokraniums
vom
4.
Juli 2019 (
Urk.
9/155) sowie das MRT des Schädels vom 1
9.
Juni 2018 beigezogen hatte (
Urk.
9/163)
,
nahm
Dr.
J._
am 2
5.
September 2019 Stellung zur Einsprache der Beschwerdeführerin vom 3
0.
Juli 2019 (
Urk.
9/162). Er führte im Wesentli
chen aus, dass er an der vorherigen Stellungnahme festh
alte
und ging auf
die einzelnen Vorbringen
der Beschwerdeführerin ein. Ergänzend betonte er
, dass nicht daran gezweifelt w
e
rd
e, dass die Beschwerdeführerin
keine Erinnerung an die Fahrt vom Unfallort in das K
antonsspital
Z._
hatte. Es habe
sich hierbei jedoch nicht um eine organisch begründbare Erinnerungslücke gehandelt, son
dern um eine dissoziative Amnesie, wie sie die
Beschwerdeführerin
bereits zu früheren Zeiten in der Folge von Unfällen berichtet
habe
. Daran ändere
auch die Ausk
unft der
Beschwerdeführerin
vom 1
2.
Juni
2018 gegenüber der Suva Zürich nichts, dass sie an der Unfallstelle nicht a
nsprechbar gewesen sei. Dies sei
defi
nitiv nicht korrekt, wie dem Rettungsprotokoll zu entnehmen
sei
. Am Vorliegen einer leichten traumatischen Hirnverletzung (LTHV) w
e
rde gezweifelt, da weder eine Bewusstlosigkeit noch eine Amnesie
(zum Unfallereignis) belegt seien
, beides notwendige klinische Voraussetzungen für die Diagnose einer LTHV. Hinsichtlich des im
G._
festgestellten diffusen Taubheitsgefühl
s an
der linken Körperhälfte,
der
Kraft
minder
ung im linken Arm und
des
leicht
schwankende
n
Romberg-Ver
such
s
sei
bereits dem Bericht zu entnehmen, dass es sich hierb
ei nicht um einen Befund handle
,
der durch den Unfall vom 0
1.
Juni 2018 herrühre
, da er nach Beschreibung der
Beschwerdeführerin ja bereits zuvor vorgelegen habe
. Eine Aus
einandersetzung hiermit erübrig
e sich also. Die a
nlässlich der Unfälle vom 2
5.
Juli 2010, 2
6.
Januar 2011 sowie 1
2.
März
2014 erhobenen Befunde, das Krankheitserleben und -Verhalten
seien
für das Verständnis der aktuell bestehen
den Beschwerden von
zentraler Bedeutung.
Insbesondere die bidisziplinäre Gesamtbeurteilung auf neurologischem und psychiatrischem
Fachgebiet nach dem Unfall im Jahr 2010 mache
das jetzt beobachtete Krankheitsverhalten der
Beschwerdeführerin
verständlich und einfühlbar
(Urk. 9/168)
.
4.
Vorab zu prüfen ist, ob der Fallabschluss per 3
0.
Juni 2019 zu Recht erfolgt ist.
4.1
Dr.
H._
erachtete
weitere Ver
laufskontrollen in Bezug auf die fokale
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
als nicht
zwingen
d
, schlug
diese aber dennoch einmal jähr
lich vor (
Urk.
9/122). En
t
sprechend konstatierte
Dr.
I._
, dass diesbezüglich keine Besserung zu erwarten sei (
Urk.
9/127).
Bezüglich der HWS führte
Dr.
I._
am 1
6.
April 2019
aus, dass traumatische strukturelle Läsionen auszuschliessen seien. Aufgrund der multisegmentalen degenerativen Veränderungen im Bereich der Halswirbel sei ein protrahierter Heilverlauf nachvollziehbar, allerdings 10 Monate nach dem Unfall überwiegend wahrscheinlich nicht mehr unfallkausal, sondern degenerativ bedingt (
Urk.
9/127, E. 3.12).
I
m Physiobericht vom 2
1.
Mai 2019
wurde
festgehalten, dass die Beschwerden in den letzten drei Monaten stabilisiert bzw. leicht verbes
sert worden seien. Von der aktuellen Verordnung seien noch acht Termine offen, welche sie noch beenden würden. Danach würden sie die Therapie vorerst pau
sieren, um zu sehen, wie es ohne Therapie laufe (
Urk.
9/137).
Damit ist hinsichtlich der
Befunde
der HWS und des
Truncus
coeliacus
gestützt auf die Ausführungen der behandelnden Ärzte und Therapeuten sowie von
Dr.
I._
keine namhafte Besserung mehr zu erwarten.
4.
2
Die Beschwer
deführerin brachte
vor, dass sich die neuropsychologischen Defizite bis zwei Jahre nach dem Unfall, also bis Juni 2020, wesentlich verbessern könn
ten. Entsprechend sei der Fallabschluss verfrüht erfolgt. So gingen die Ärzte der Neurologie
G._
im Bericht über die neuropsychologische Unters
uchung davon aus, dass eine gewisse Spontanverbesserung eintrete (
Urk.
1).
Der Zeitpunkt des allfälligen Fallabschlusses - und damit der in diesem Zusam
menhang gegebenenfalls vorzunehmenden Adäquanzprüfung - ist dann gegeben, „wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des - unfallbedingt beeinträchtigten - Gesundheitszustands mehr erwartet werden kann“ (BGE 137 V 199 E. 2.2.3.1). Die namhafte Verbesserung bezieht sich hierbei in erster Linie auf die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 4.3).
Die Ärzte der Neurologie
G._
hielten im Bericht über die neuropsychologische Untersuchung
vom
4.
März 2019
fest, dass sie zugunsten einer bewussten Erho
lung
keine zusätzlichen kognitiven Trainings empfählen. Sie würden eine gewisse Spontanverbesserung erwarten (E. 3.10). Demnach ist mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt, dass eine ärztliche Behandlung keine namhafte Besserung erzielen würde, womit der Fallabschluss auch hinsichtlich der neuropsychologi
schen Beeinträchtigungen nicht verfrüht erfolgte.
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, es lägen aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas organisch nachvollziehbare Beschwerden vor, weshalb sich eine Adäquanzprüfung erübrige, ist auf die mehrfachen bildgebenden Abklärungen zu verweisen (MRT des Schädels und MRA der Karotis, MRT der HWS vom 1
9.
Juni 2018, Urk. 9/163; natives und kontrastverstärktes MRI der HWS und des Schädels vom
4.
Oktober 2018, E. 3.5 bzw. Urk. 9/57; natives und kontrastmittelverstärktes MRI des Gehirns/
Neurokraniums
vom
4.
Juli 2019, Urk. 9/55), die allesamt trau
matische Läsionen ausschlossen.
Dr.
I._
legte unter Berücksichtigung sämtlicher Befunde und bildgebenden Diagnostik plausibel und nachvollziehbar dar, dass die fortbestehenden Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule 10 Monate nach dem Ereignis über
wiegend wahrscheinlich auf die degenerativen Veränderungen zurückzuführen seien (
Urk.
9/127). Dass
Dr.
E._
im Bericht über das MRI vom
5.
Oktober 2018 festhielt, dass d
as Knochenmarködem und die links
foraminale
Diskushernie auf Höhe C5/C6
auf eine
traumabedingte
Ätiologie
hinweisen könnte,
diese hypothe
tisch
traumabedingte
Ätiologie von einer degenerativ bedingten Genese nicht sicher differenziert werden
könne
(
E. 3.5), vermag entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin keinen anderen überwiegend wahrscheinlichen Schluss zu (vgl.
Urk.
11).
Was die fokale
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
anbelangt, wurde nicht dargelegt und ist auch nicht ersichtlich, inwieweit allfällige Restbeschwerden einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hätten.
Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin überprüft hat, ob die verbliebenen Beschwerden, die nicht auf organisch nachweisbare Funkti
onsausfälle traumatischer Genese zurückzuführen sind, in einem adäquaten Kau
salzusammenhang mit dem Unfallereignis stehen.
4.
4
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass
d
ie Beurteilung der Adä
quanz in denjenigen Fällen, in denen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule gehörenden Beeinträchtigungen zwar teil
weise gegeben sind, im Vergleich zu einer ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz
in den Hintergrund treten,
nach der Praxis des Bundesgerichts nicht nach den für das Schleudertrauma in BGE 117 V 359 entwickelten Kriterien, son
dern nach den in BGE 115 V 133 für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall aufgestellten Kriterien vorzunehmen
ist
(BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
, 123
V
98 E. 2a, RKUV 1995 Nr. U 221 S. 113 ff., SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 1; ferner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
In
casu
liegen gewichtige Hinweise vor
(vgl. E. 3.8-3.10 und 3.13-3.14
, insbeson
dere auch Bericht der Klinik für
Konsiliarpsychiatrie
und Psychosomatik des
G._
vom
5.
Februar 2020,
Urk.
15
)
, dass die psychische Problematik
im Vordergrund steht.
Ob eine Prüfung der Adäquanz nach der Psycho-Praxis oder der Schleu
dertrauma-Praxis zu erfolgen hat, kann vorliegend
allerdings
offen bleiben
, da die Adäquanz bereits nach der für die versicherten Personen günstigeren Schleu
dertrauma-Praxis (BGE 117 V 359) zu verneinen ist, wie sich aus den nachfol
genden Erwägungen ergibt (vgl. hierzu:
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallver
sicherung, Zürich/Basel/Genf 2012, S. 60).
5.
5.1
Vorab ist der Unfall zunächst nach seiner Schwere zu qualifizieren.
Bei der Adä
quanzprüfung ist die Schwere des Unfalls aufgrund des augenfälligen Gesche
hensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (BGE
134
V
109 E. 10.1).
Die Besch
werdeführerin wurde beim links
A
bbiegen
von einem entgegenkom
menden Fahrzeug übersehen, wonach es zur Kollision kam.
Gemäss
dem unfall
analytischen Gutachten der Axa vom
9.
Oktober 2018 ist von einer kollisionsbe
dingten Geschwindigkeitsänderung von ca. 21 km/h auszugehen (
Urk.
9/55). Dass dies nicht mit der Erinnerung der Beschwerdeführerin übereinstimmt, tut der Nachvollziehbarkeit dieses Gutachtens keinen Abbruch, ist doch gerichtsnoto
risch, dass das subjektive Erleben eines Unfalles nicht zwingend mit den wissen
schaftlich nachvollziehbaren Fakten übereinstimmen muss.
Das Bundesgericht qualifizierte ein Ereignis, bei welchem d
as Fahrzeug der ver
sicherten Person bei einem Überholmanöver mit ca. 100 km/h abrupt abgebremst
wurde,
dabei ins Schleudern
geriet,
gegen einen Strassenwall
prallte
,
sich über
schlug und auf der
Fahrerseite zu liegen
kam
(8C_169/2007 vom
5.
Februar 2008 E. 4.2
) sowie mehrere Unfälle, bei welchen sich das Fahrzeug
überschlug (
Urteil des Bundesgerichts
8C_743/2007 vom 1
4.
Januar 2008 Sachverhalt und E. 6;
Urteil des Bundesgerichts
U 213/06 vom 2
9.
Oktober 2007 Sachverhalt und
E.
7.2
; Urteil des Bundesgerichts
U 258/06 vom 1
5.
März 2007
Sachverhalt und E. 5.2) als mittelschweren Unfall im engeren Sinne.
Ausgehend von dem im unfallanalytischen Gutachten dargestellten Sachverhalt ist vorliegend
maximal
von einem mittelschweren Unfall
im engeren Sinne aus
zugehen
, wie dies auch seitens der Beschwerdeführerin n
icht in Abrede gestellt wurde (
Urk.
1 S. 7).
5.2
Bei im engeren Sinne mittelschweren Unfällen müssen drei der massgeblichen Kriterien (oder eines der Kriterien ausgeprägt) erfüllt sein (
Urteil des Bundesge
richts
8C_897/2
009 vom 2
9.
Januar 2010 E. 4.5), damit die Adäquanz bejaht wird.
5.2.1
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalles vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens beziehungsweise Angstgefühls der versicherten Person. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann. Es wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene Ver
letzung betrachtet. Der nachfolgende Heilungsprozess wird bei diesem Kriterium nicht einbezogen (Urteil des Bundesgerichts 8C_372/2013 vom 2
8.
Oktober 2013 E. 7 mit Hinweisen auf nicht publizierte E. 3.5.1 des Urteils BGE 137 V 199; SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 6.1 sowie Urteil 8C_15/2013 vom 24. Mai 2013 E. 7.1).
Nach der Rechtsprechung kann bei einer retrograden Amnesie dem Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden, wie wenn eine unge
trübte Erinnerung an den Unfall besteht (Urteil des Bundesgerichts U 502/06 vom 2
3.
April 2007 E. 3.1 mit Hinweisen, vgl. auch Urteil 8C_899/2013 vom 1
5.
Mai 2014 E. 5.2.2).
Aus dem unfallanalytischen Gutachten der Axa geht hervor, dass die Beschwer
deführerin von einem entgegenkommenden
, links abbiegenden
Fahrzeug überse
hen wurde, so dass es zur Kollision kam. Die beiden Fahrzeuge prallten ineinander und blieben auf der Fahrbahn stehen. D
ie kollisionsbedingte Geschwindigkeits
änderung des Fahrzeuges der Beschwerdeführerin wurde mit einem Mittelwert von 21 km/h bezeichnet. Der Audi habe sich nur geringfügig gedreht, da die Stoss-Impuls-Gerade in etwa auf Höhe des Schwerpunkts des Audis verlaufen sei. Die Beschwerdeführerin sei vom Sicherheitsgurt und den Airbags zurückgehalten worden (
Urk.
9/55). Die Beschwerdeführerin konnte das Auto selbstständig ver
lassen. Eine Amnesie für das Ereignis habe keine bestanden (Austrittsbericht Spi
tal
Z._
vom
8.
Juni 2018,
Urk.
9/13).
Damit sind besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Ein
drücklichkeit des Unfalles klar zu verneinen.
5.2.2
Die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Kri
teriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung. Zur Bejahung dieses Kriteriums bedarf es einer besonderen Schwere der für das Schleuder
trauma beziehungsweise für die adäquanzrechtlich äquivalente Verletzung typi
schen Beschwerden oder besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beeinflus
sen können. Es kann sich dabei zum Beispiel um eine beim Unfall eingenommene spezielle Körperhaltung und die dadurch bewirkten Komplikationen handeln. Auch erhebliche Verletzungen, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten Verletzung der HWS oder dem Schädel-Hirn
trauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (
BGE 134 V 109
E. 10.2.2).
Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule trifft, ist speziell geeignet, die «typischen» Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren ist. Dabei ist allerdings in der Regel vorausgesetzt, dass die versicherte Person aufgrund der Vorschädigung unmittel
bar vor dem Unfall mindestens teilweise arbeitsunfähig war (Urteil des Bundes
gerichts
8C_757/2013 vom
4.
März 2014 E. 4.3 mit Hinweisen, insbes. auf SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1).
Die Beschwerdeführerin erlitt anlässlich des Autounfalles ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, eine HWS-Distorsion, ein stumpfes Thorax-
Abdominaltrauma
und eine f
okale
Dissektion
des
Truncus
coe
liacus
.
Die fokale
Dissektion
des
Tru
n
cus
coe
liacus
wurde von
Dr.
H._
bereits am 1
2.
Juli 2018 als grössenstationär
bei einem Durchmesser von 10 mm beurteilt, das Bild passe gut zu einer kleinen
Dissektion
(
Urk.
9/84). Die von der Beschwer
deführerin geklagten neuropsychologischen Defizite
waren in der neuropsycho
logischen Testung zwar vorhanden, konnten allerdings darüber hinaus
nicht objektiviert werden (vgl. E. 3.13 und E. 3.14).
Die Beschwerdeführerin litt zwar bereits an degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule, allerdings konnten traumatische strukturelle Veränderungen ausge
schlossen werden (
Urk.
9/127, E. 3.12).
Darüber hinaus beurteilte
Dr.
F._
in seinem Mail vom
1.
März 2019 an die Beschwerdegegnerin nur die geklagten kognitiven Einschränkungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, nicht aber die Problematik
an der Wirbelsäule
(
Urk.
9/114, E. 3.9). Entsprechend ist dieses Kriterium zu verneinen.
5.2.3
Das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung bis zum Fallabschluss (
BGE 134 V 109
E. 10.2.3) bedingt, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer. Blosse ärztliche Verlaufskontrollen und Abklärungsmassnahmen sowie
manualtherapeutische
und medikamentöse Behandlungen vermögen das Krite
rium nicht zu erfüllen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 1
1.
September 2013 E. 8.3
). Dies gilt auch für ärztlich/physiotherapeutische Behandlungen, medizinische Trainingstherapie sowie für einen stationären Aufenthalt in einer Rehaklinik, soweit sich die Behandlungen in einem nach HWS-Distorsionen üblichen Umfang bewegen. Insbesondere können Behandlungen mit Massage, Heimgymnastik, Atlastherapie,
Kraniosakraltherapie
, Neuraltherapie sowie
Korti
soninfiltration
oder Lymphdrainage nicht als überdurchschnittlich belastend im Sinne der Rechtsprechung bezeichnet werden; praxisgemäss werden an dieses Kriterium deutlich höhere Anforderungen gestellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_635/2013 vom 9. April 2014 E.
4.4.3
mit Hinweis auf Urteil 8C_910/2009 vom 13. Januar 2010 E. 4.4
).
Daran ändert auch
nichts, wenn Schmerzmittel verab
reicht oder Psychopharmaka eingenommen wurden und letztere allenfalls Neben
wirkungen aufwiesen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E.
7.3.2 und
8C_29/2010 vom 27. Mai 2010 E. 5.3).
Bezüglich der fokalen
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
sind lediglich noch Kon
trolltermine geplant, die Physiotherapie wurde - soweit dies aus den Akten ersichtlich ist - eingestellt und die behandelnden Neurologen hielten eine Spon
tanverbesserung
der neuropsychologischen Leistungseinbussen
im Verlauf wahr
scheinlich und rieten von kognitiven Trainings ab. Dieses Kriterium ist entspre
chend klar zu verneinen.
5.2.4
Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallab
schluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E.
11.2
mit Hinweis auf BGE 134 V 109 E. 10.2.4).
Die fokale
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
bereitet der Beschwerdeführerin keine erheblichen Schmerzen mehr und beeinträchtigt sie in ihrem Alltag kaum, so werden lediglich jährliche Kontrolluntersuchungen empfohlen (
Urk.
9/84;
Urk.
9/122). Die Wirbelsäulen
beschwerden konnten stabilisiert bzw. leicht ver
bessert
werden (
Urk.
9/137) und
Dr.
F._
erwähnte sie nicht
mehr in seinem Bericht vom
1.
März 2019 (
Urk.
9/114).
Die geklagten neuropsychologischen Defizite konnten in der neuropsychologi
schen Untersuchung nachvollzogen werden, wobei diesbezüglich festzuhalten ist, dass - soweit dies aus den Akten ersichtlich ist - keine Symptomvalidierungsver
fahren zur Anwendung gekommen sind (E. 3.9). Damit können diese Ergebnisse grundsätzlich nicht ohne weiteres übernommen
und
werden. Allerdings
können die Resultate der neuropsychologischen Testung
zugunsten der Beschwerdefüh
rerin ohne
Symptomvalidierung
in
casu
übernommen
und das Kriterium der erheblichen Beschwerden bejaht
werden,
da dies - wie folgend gezeigt wird - keinen Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens ha
t
.
5.2.5
Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, liegt klarerweise nicht vor.
5.2.6
Auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6) darf nicht schon aus der blossen Dauer der ärztlichen Behand
lung und
der geklagten Beschwerden geschlossen werden. Es bedarf vielmehr besonderer Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte und der Heilungsverlauf nicht linear verlief, genügt hierfür nicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E. 11.3 und 8C_29/2010 vom 2
7.
Mai 2010 E. 5.3).
Die beiden Teilaspekte des Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen müssen nicht kumulativ erfüllt sein (Urteil des Bun
desgerichts 8C_29/2010 vom 27. Mai 2010 E. 5.3 mit Hinweis auf SVR 2009
UV
Nr. 41 S. 142).
D
ie fokale
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
bedarf lediglich Verlaufskontrollen, die
Wirbelsäulen
beschwerden konnten stabilisiert bzw. verbessert werden und bezüglich der neuropsychologisch geklagten Leistungseinbussen gehen die behandelnden Ärzte von einer Spontanverbesserung aus (vgl. E. 3). Damit ist das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen zu verneinen.
5.2.7
Was das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leich
ten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauern
der Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher mass
gebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstren
gungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkenn
bar sein, sich durch aktive Mitwirkung
raschmöglichst
wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person kön
nen sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger per
sönli
cher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Ein
satz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschrän
kung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach
Art.
19
Abs.
1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kri
terium erfüllen (Urteil des Bundesgerichts
8C_252/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E. 7.7.1 mit Hinweis
auf
BGE 134 V 109
E. 10.2.7; vgl. auch
Urteil 8C_635/2013 vom
9.
April 2014 E. 4.4.5
).
Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstren
gun
gen bis zum Fallabschluss bezieht sich nicht nur auf den angestammten Beruf, sondern auch auf alternative leidensangepasste Arbeiten (Urteil des Bundesge
richts
8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.7 mit Hinweis auf BGE 134
V
109
E. 10.2.7).
Die Beschwerdeführerin wurde seitens der behandelnden Ärzte ab Unfalltag bis zum 3
1.
Oktober 2018 und ab dem
1.
Januar 2019 erneut vollumfänglich krank
geschrieben. Dazwischen unternahm die Beschwerdeführerin einen Arbeitsver
such von
70 % bzw.
30
%
(vgl. dazu
Urk. 9/86; Urk.
9/111;
Urk.
9/113). Anläss
lich der neuropsychologischen Beurteilung gab die Beschwerdeführerin an, dass ihr die berufliche Situation in einer leitenden Position zu anstrengend geworden
sei
, weshalb sie die Stelle gekündigt habe, um sich ein Jahr Auszeit zu nehmen (
Urk.
9/116/3). Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewie
sener Anstrengungen kann
– da für das Ergebnis ohne Relevanz -
zu Gunsten der Beschwerdeführerin
bejaht werden.
5
.2.8
Zusammenfassend können
– maximal -
zwei der massgeblichen Kriterien bejaht werden, wenn auch nicht in ausgeprägter Weise. Entsprechend hat die
Beschwer
degegnerin zu Recht einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom
1.
Juni 2018
und den über den 30. Juni
2019
hinaus geklag
ten
psychischen
Funktionsstörungen verneint
.
6.
Die Beschwerdegegnerin stellte mit Verfügung vom 1
2.
Juni 2019 sämtliche Leis
tungen per 3
0.
Juni 2019 ein (
Urk.
9/146), erwog allerdings im Einspracheen
t
scheid, dass die Suva weiterhin für die notwendigen Kontrollen und Behandlun
gen der fokalen
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
aufkomme, da diesbezüglich eine richtungsgebende Veränderung vorliege (E. 2).
Entsprechend ist der angefochtene Einspracheentscheid diesbezüglich aufzuhe
ben und es ist festzuhalten, dass die Suva für die weitere Behandlung und Kon
trolle der fokalen
Dissektion
des
Truncus
coeliacus
aufzukommen habe.
Im Übri
gen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Das Verfahren ist kostenlos.
Die
Beschwerdeführer
in
obsiegt nur zu einem geringen Teil. Gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (GSVGer)
hat sie
Anspruch auf eine entsprechend reduzierte Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
4
00.-- (inklusive Mehrwert
steuer und Barauslagen) festzusetzen.