Decision ID: 85f4d7eb-f552-40c2-8fd8-845be8c6b69b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 21. Oktober 2020 (DG190065)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 18. Juli 2020
(Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 115 S. 47 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 3 StGB,
− der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB, sowie
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2
lit. a StGB.
2. Das Verfahren bezüglich des Vorwurfs der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht
im Sinne von Art. 219 Abs. 1 StGB wird definitiv eingestellt.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten, wovon 26 Tage
durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 30.– (mithin
Fr. 2'700.–).
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
5. Dem Beschuldigten wird im Sinne von Art. 67b StGB für die Dauer von 5 Jahren untersagt,
− mit den Privatklägerinnen 1 und 2 direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzu-
nehmen, namentlich auf telefonischem, schriftlichem oder elektronischem Weg, sie
zu beschäftigen, zu beherbergen, auszubilden, zu beaufsichtigen, zu pflegen oder in
anderer Weise mit ihnen zu verkehren;
− sich den Privatklägerinnen 1 und 2 zu nähern;
− oder sich auf dem Gebiet der Stadtgemeinde Winterthur aufzuhalten. Ausgenommen
sind: Besuche des Hausarztes, Kontakte im Rahmen der Ausübung des Besuchs-
rechtes gemäss Scheidungsurteil sowie die Durchfahrt auf direktem Weg mit allen
öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln.
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Der Beschuldigte wird für den Fall der Missachtung dieses Kontakt- und Rayonverbotes auf
die Strafandrohung von Art. 294 Abs. 2 StGB (Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geld-
strafe) hingewiesen.
6. Der Antrag des Beschuldigten auf Zusprechung einer Genugtuung wird abgewiesen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 (B._) dem Grundsatz nach
Schadenersatz aus dem erstellten Sachverhalt sowie eine Genugtuung von Fr. 600.– zu-
züglich 5 % Zins ab 8. Juni 2019 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 (C._) dem Grundsatz nach
Schadenersatz aus dem erstellten Sachverhalt sowie eine Genugtuung von Fr. 3'000.– zu-
züglich 5 % Zins ab 8. Juni 2019 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'200.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 462.35 Auslagen (Untersuchung)
Fr. 8'907.00 Auslagen (Gutachten)
Fr. 19'941.60 Honorar amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und MwSt.)
Fr. 8'838.80 Honorar unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin 1 (inkl. Barauslagen und MwSt.)
Fr. 42'949.75 Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung dieses Entscheids verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
10. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 9 werden dem Beschuldigten auferlegt, diejenigen der
amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin 1 indessen
einstweilen auf die Gerichtkasse genommen. Eine Nachforderung dieser Kosten gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
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11. Auf den Antrag der Beiständin der Privatklägerin 2 auf Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung wird zufolge Gegenstandslosigkeit nicht eingetreten. Der Antrag auf Zu-
sprechung einer Entschädigung wird abgewiesen.
12. (Mitteilungen.)
13. (Rechtsmittel.)
Berufungsanträge:
a) der Verteidigung:
(Urk. 162 S. 1 f.)
" 1. Der Beschuldigte, A._, sei von den Vorwürfen der einfachen Körperver-
letzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 3 StGB, der versuchten Nöti-
gung i.S.v. Art. 181 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und der Drohung i.S.v. Art.
180 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB vollumfänglich freizuspre-
chen.
2. Das gegen den Beschuldigten, A._, verfügte Kontakt- und Rayonverbot
sei unverzüglich aufzuheben.
3. Die Anträge der Privatklägerinnen 1 und 2 seien abzuweisen, eventualiter
seien die Anträge der Privatklägerinnen 1 und 2 betreffend Fernhaltemass-
nahmen abzuweisen und die Zivilforderungen auf den Zivilweg zu verwei-
sen.
4. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, inklusi-
ve diejenigen der amtlichen Verteidigung, seien vollumfänglich auf die
Staatskasse zu nehmen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive diejenigen der amtlichen
Verteidigung, seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
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Eventualanträge:
1. Der Beschuldigte, A._, sei wegen Tätlichkeiten i.S.v. Art. 126 StGB
schuldig zu sprechen und mit einer Busse zu bestrafen, wobei festzustellen
sei, das diese bereits abgegolten ist.
2. Das gegen den Beschuldigten, A._, verfügte Kontakt- und Rayonverbot
sei unverzüglich aufzuheben.
3. Die Anträge der Privatklägerinnen 1 und 2 seien abzuweisen, eventualiter
seien die Anträge der Privatklägerinnen 1 und 2 betreffend Fernhaltemass-
nahmen abzuweisen und die Zivilforderungen auf den Zivilweg zu verwei-
sen.
4. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, inklusi-
ve diejenigen der amtlichen Verteidigung, seien vollumfänglich auf die
Staatskasse zu nehmen.
5. Die Kosten der Berufungsverfahrens, inklusive diejenigen der amtlichen
Verteidigung, seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen."
b) der Vertretung der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 122; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) der Vertretung der Privatklägerin 1:
(Urk. 156; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
d) der Vertretung der Privatklägerin 2:
(Urk. 153 S. 1; Prot. II S. 13 f.)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Einleitung und Verfahrensgang
1. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist eine Berufung gegen das
eingangs im Dispositiv zitierte Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 21. Ok-
tober 2020 (Urk. 115), mit welchem der Beschuldigte
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 2
Abs. 3 StGB,
− der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB
schuldig gesprochen wurde. Das Verfahren wurde in Bezug auf den ebenfalls an-
geklagten Vorwurf der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht im Sinne
von Art. 219 Abs. 1 StGB mit dem Urteil der Vorinstanz eingestellt (Dispositiv-
Ziffer 2).
Das erstinstanzliche Gericht entschied auf eine Freiheitsstrafe von 13 Monaten,
wovon 26 Tage bereits durch Haft erstanden seien, sowie eine Geldstrafe von
90 Tagessätzen à Fr. 30.--. Der Vollzug der Freiheits- sowie der Geldstrafe wurde
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
Dem Beschuldigten wurde sodann im Sinne von Art. 67d StGB für die Dauer von
5 Jahren ein Kontakt- und Rayonverbot auferlegt, unter Hinweis auf die Strafan-
drohung von Art. 294 Abs. 2 StGB bei Widerhandlung.
Weiter wurde er verpflichtet, der Privatklägerin B._ (nachfolgend auch: die
"Privatklägerin 1") eine Genugtuung von Fr. 600.--, zuzüglich 5 % Zins ab 8. Juni
2019, und der Privatklägerin C._ (nachfolgend auch: die "Privatklägerin 2")
eine Genugtuung von Fr. 3'000.--, zuzüglich Zins von 5 % ab 8. Juni 2019, zu be-
zahlen. Zudem wurde festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber den beiden
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Privatklägerinnen je dem Grundsatz nach aus dem erstellen Sachverhalt scha-
denersatzpflichtig ist.
Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermeidung
von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 115 S. 6 ff.).
2. Am 22. Oktober 2021 meldete der Beschuldigte Berufung gegen das
vorinstanzliche Urteil an (Urk. 99). Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten
am 12. November 2020 im Sinne einer strafprozessualen Ersatzmassnahme ein
Kontakt- und Rayonverbot von 6 Monaten gegenüber den Privatklägerinnen
(Urk. 111). Der Beschuldigte liess nach Zustellung des begründeten Entscheids
am 3. März 2021 (Urk. 113) mit Eingabe vom 23. März 2021 fristgerecht die Beru-
fungserklärung folgen (Urk. 118).
Mit Präsidialverfügung vom 23. März 2021 (Urk. 120) wurde die Berufungser-
klärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO und Art. 401 StPO sowie
Art. 34 StGB den Privatklägerinnen sowie der Staatsanwaltschaft zugestellt, um
gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die
Berufung zu beantragen, wobei der Beschuldigte aufgefordert wurde, seine
aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse mittels Urkunden zu dokumentieren.
Die Staatsanwaltschaft sowie die Privatklägerinnen verzichteten mit Eingaben
vom 30. und 31. März 2021 (Urk. 122 und 124) beziehungsweise 14. April 2021
(Urk. 129) ausdrücklich auf Anschlussberufung. Die Staatsanwaltschaft erklärte
zudem, sich nicht weiter aktiv am Berufungsverfahren beteiligen zu wollen und auf
die Teilnahme an der Hauptverhandlung zu verzichten, wobei sie die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils beantragte (Urk. 122). Die Privatklägerinnen 1 und 2
beantragten dabei beide die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das
obergerichtliche Verfahren (Urk. 124 und 129). Beide wiesen sodann darauf hin,
dass sie davon ausgehen würden, dass das Obergericht das von der Vorinstanz
auf 6 Monate ausgesprochene Kontakt- und Rayonverbot zu gegebener Zeit bis
zum Erlass des zweitinstanzlichen Urteils verlängern werde.
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Der Beschuldigte reichte am 13. April 2021 Unterlagen betreffend seine wirt-
schaftlichen Verhältnisse ins Recht (Urk. 126 und 128/1-6).
Das Gesuch der Privatklägerin 2 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
wurde in der Folge mit Präsidialverfügung vom 16. April 2021 abgewiesen
(Urk. 132). Mit gleicher Verfügung wurde den Parteien eine Frist zur Stellung-
nahme betreffend die Verlängerung der Ersatzmassnahmen angesetzt. Während
der Beschuldigte (Urk. 134) und die Privatklägerin 1 (Urk. 136) auf eine Stellung-
nahme verzichteten, sprachen sich die Staatsanwaltschaft (Urk. 138) und die Pri-
vatklägerin 2 (Urk. 140) für deren Verlängerung aus.
Mit Präsidialverfügung vom 4. Mai 2021 wurden die mit Beschluss der Vorinstanz
vom 12. November 2020 ausgesprochenen Ersatzmassnahmen bis zum Endent-
scheid der Berufungsinstanz verlängert (Urk. 142).
Dem Antrag der Privatklägerin 2 vom 20. Juli 2021 auf Ausschluss der Öffentlich-
keit von der Berufungsverhandlung (Urk. 144) wurde mit Präsidialverfügung vom
23. Juli 2021 insoweit entsprochen (Urk. 146), als die Publikumsöffentlichkeit von
der Verhandlung ausgeschlossen wurde und akkreditierte Gerichtsberichterstatter
mit Auflagen, die den Schutz der Persönlichkeit der Privatklägerinnen bezweck-
ten, zugelassen wurden.
Die Vertreterin der Privatklägerin 2 beantragte mit ihrer Eingabe vom 4. Oktober
2021 erneut die vollumfängliche Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids und
wies darauf hin, dass die mit Präsidialverfügung vom 4. Mai 2021 ausgesproche-
nen Ersatzmassnahmen nur bis zum Endentscheid und nicht auch bis zur
Rechtskraft desselbigen ausgesprochen worden seien, weshalb beantragt werde,
diese bis zur Rechtskraft des Endentscheids zu verlängern (Urk. 153). Weiter
reichte sie einen Bericht der die Privatklägerin 2 behandelnden Psychologin zu
den Akten (Urk. 155). Sie kündigte sodann an, zur Berufungsverhandlung zu er-
scheinen, während die Privatklägerin 2 selbst dieser fernbleiben werde.
Die Vertreterin der Privatklägerin 1 teilte mittels Schreiben vom 13. Oktober 2021
mit, dass weder sie noch die Privatklägerin 1 an der Berufungsverhandlung
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anwesend sein werde (Urk. 156), und sie reichte ihre Honorarnote zu den Akten
(Urk. 158).
3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Be-
gleitung seines Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. X._, und die Vertreterin
der Privatklägerin 2, lic. iur. Y._. Nachdem keine Vorfragen zu behandeln
waren, wurde der Beschuldigte zur Person und zur Sache befragt. Im Anschluss
erfolgten die Parteivorträge. Der Beschuldigte verzichtete auf ein Schlusswort. Er
und die anwesenden Parteivertreter verzichteten auf eine mündliche Urteilseröff-
nung. Die Urteilsberatung erfolgte im Anschluss an die Verhandlung (zum Gan-
zen: Prot. II S. 10 ff.).
II. Prozessuales
1. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte fordert mit seiner Berufung (Urk. 118, 162) die Aufhebung des
Urteils vom 21. Oktober 2020. Er sei von den Vorwürfen der einfachen Köper-
verletzung, sowie der versuchten Nötigung und der Drohung vollumfänglich frei-
zusprechen, und es sei das Kontakt- und Rayonverbot aufzuheben. Weiter seien
die Anträge der Privatklägerinnen 1 und 2 abzuweisen beziehungsweise diese
eventualiter betreffend die Fernhaltemassnahmen abzuweisen und betreffend die
Zivilansprüche auf den Zivilweg zu verweisen. Die Kosten der Untersuchung so-
wie des erstinstanzlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen
Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen. Die Kosten des Berufungs-
verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung seien sodann
auf die Staatskasse zu nehmen. Im Weiteren liess er die eingangs erwähnten
Eventualanträge stellen. Unangefochten blieben Dispositiv-Ziffern 2 (Einstellung
des Verfahrens in Bezug auf den Vorwurf der Fürsorge- und Erziehungspflicht), 9
(Kostenfestsetzung) und 11 (Nichteintreten auf das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Abweisung des Entschädigungsbegehrens der
Privatklägerin 2) (Urk. 118 S. 2; Prot. II S. 13), womit das vorinstanzliche Urteil in-
soweit in Rechtskraft erwachsen ist, was vorab mit Beschluss festzuhalten ist. Im
übrigen Umfang – für den nicht in Rechtskraft erwachsenen und angefochtenen
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Teil des Urteils – steht das vorinstanzliche Urteil zwecks Überprüfung – unter Be-
achtung des Verbots der reformatio in peius (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO) – zur Dis-
position.
2. Prozessuale Vorbemerkungen
2.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Erwäh-
nung findet.
2.2. Auf die Argumente des Beschuldigten bzw. der Verteidigung ist im Rah-
men der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art.
29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des von einem Entscheid
in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner
Entscheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesent-
lichen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich
sein Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1.; 139 IV 179 E 2.2.; 138 IV 81 E
2.2., je mit Hinweisen).
III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Anklagevorwurf
1.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, der Privatklägerin 2 (seiner damals
12-jährigen Tochter) im Rahmen einer zunächst verbalen Auseinandersetzung ei-
ne heftige Ohrfeige verpasst und diese zu Boden gestossen zu haben. In der Fol-
ge habe er ihr einen heftigen Tritt mit seinem unbeschuhten Fuss gegen deren
Kopf-/Ohrbereich verpasst und sie am Boden fixiert, indem er sein Knie bezie-
hungsweise seinen Fuss gegen deren Kopf-/Nackenbereich gepresst habe. Sein
Verhalten habe bei der Privatklägerin 2 eine contusio capitis und eine HWS-
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Distorsion mit starken Kopfschmerzen sowie eine Schwellung am Hinterkopf ver-
ursacht und deshalb zu einem Aufenthalt im Kinderspital Winterthur geführt.
Auf der Fahrt ins Kinderspital habe der Beschuldigte die Privatklägerin 2 sodann
mehrfach gebeten, den Ärzten nicht die Wahrheit über die Entstehung ihrer
Beschwerden zu sagen und ihr in der Folge mit dem Tod oder dem Tod ihrer Mut-
ter gedroht, sollte sie im Spital die Wahrheit sagen. Das Sicherheitsgefühl der Pri-
vatklägerin 2 sei damit massiv eingeschränkt worden, was er bezweckt, zumin-
dest aber eventualvorsätzlich in Kauf genommen habe. Trotzdem habe sie den
Ärzten in der Folge von den kurz zuvor erfolgten Übergriffen des Beschuldigten
berichtet.
Auch der Privatklägerin 1, seiner damaligen Ehefrau und Mutter der Privatkläge-
rin 2, habe der Beschuldigte mit dem Tod gedroht, als diese ihn nach dem Vorfall
mit der Privatklägerin 2 mehrfach aufgefordert habe, die Privatklägerin 2 ins Spital
zu bringen oder durch sie, die Privatklägerin 1, bringen zu lassen. Dies, da er
befürchtet habe, dass in diesem Fall die Polizei komme und ihn mitnehme. Als sie
darauf beharrt habe, die Notrufnummer 117 anzurufen, habe der Beschuldigte ihr
gedroht, sie umzubringen, wobei er einen massiven Verlust ihres Sicherheitsge-
fühls bezweckt, zumindest aber in Kauf genommen habe.
1.2. Wie bereits festgehalten wurde, hat die Vorinstanz das Verfahren gegen
den Beschuldigten betreffend die von der Staatsanwaltschaft ebenfalls angeklagte
Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht eingestellt, wogegen kein
Rechtsmittel erhoben wurde. Auf diesen Vorwurf ist daher im Folgenden nicht
mehr einzugehen.
2. Erstellung des Sachverhalts
Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass es am Abend des 8. Junis 2019 zwischen
ihm und der Privatklägerin 2 zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung und
dann zu einem Handgemenge gekommen ist (Prot. I S. 21 ff.; Urk. 161 S. 6 f.). Er
bestätigt auch, sie zunächst geschubst und dann gestossen zu haben, so dass
sie zu Boden fiel. In der Folge habe er mit seinem Knie oder seinem Fuss gegen
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ihre Schulter beziehungsweise ihren Hals/Nackenbereich gedrückt. Er habe dabei
nur leicht gedrückt, mit dem Fuss oder dem Knie, und auch keine Schuhe getra-
gen (Prot. I S. 23 f.; Urk. 121 S. 6 f.).
Dagegen bestreitet der Beschuldigte, der Privatklägerin 2 eine heftige Ohrfeige
gegeben oder sie überhaupt geschlagen zu haben. Auch der Vorwurf der ver-
suchten Nötigung gegenüber der Privatklägerin 2 und der Drohung gegenüber der
Privatklägerin 1 wird von ihm bestritten (Prot. I S. 20 ff.; Urk. 161 S. 6 ff.).
2.1. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und wesentliche Beweismittel
2.1.1. Betreffend die Grundsätze der Beweiswürdigung kann vollumfänglich auf
die ausführlichen und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 115 S. 11 f.). Im Sinne einer Ergänzung ist Folgendes festzuhalten: Der
Grundsatz "in dubio pro reo" zwingt nicht dazu, jede entlastende Angabe des
Beschuldigten, für deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit kein spezifischer Beweis
vorhanden ist, als unwiderlegt zu betrachten. Nicht jede aus der Luft gegriffene
Schutzbehauptung braucht durch einen hieb- und stichfesten Beweis widerlegt zu
werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_562/2010 vom 28. Oktober 2010
E. 2.1.). Ein "Gegenbeweis" der Strafbehörden ist nur dann zu verlangen, wenn
gewisse Anhaltspunkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für
die Richtigkeit der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft er-
scheinen lassen, oder wenn der Beschuldigte sie sonst wie glaubhaft macht
(vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich SB170406-O vom 8. Februar
2018 E. III/2.3., m.w.H.). Andernfalls könnte jede Anklage mit einer abstrusen
Schutzbehauptung zu Fall gebracht werden.
2.1.2. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage in erster Linie auf die Aussa-
gen des Beschuldigten und der beiden Privatklägerinnen sowie den Austrittsbe-
richt des Kantonsspitals Winterthur vom 10. Juni 2019 (Urk. 7/4) und den ärztli-
chen Befund, welcher vom 2. Juli 2019 datiert (Urk. 7/6). Auf die genannten Be-
weismittel ist im Folgenden einzugehen, soweit sie für die Urteilsfindung relevant
sind. Hinsichtlich ihrer Verwertbarkeit stellen sich keine Probleme. Der Beschul-
digte konnte insbesondere den Einvernahmen der beiden Privatklägerinnen bei
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der Staatsanwaltschaft beiwohnen (Urk. 2/3, 3/2 und 3/3). Er hatte die Möglich-
keit, ihnen Ergänzungsfragen zu stellen (Urk. 2/3 und 3/2) und sich zu den Aus-
sagen der Privatklägerinnen zu äussern (Urk. 4/3). Nicht zu beanstanden ist, dass
die Vorinstanz davon absah, die Privatklägerinnen (von Amtes wegen; Prot. I S.
41) persönlich einzuvernehmen. Auch eine Einvernahme (von Amtes wegen; Prot.
II S. 13) vor dem Berufungsgericht kann unterbleiben. Gemäss der bundesgericht-
lichen Rechtsprechung können je nach Konstellation auf Video aufgezeichnete
Einvernahmen genügen, um sich ein hinreichendes Bild von der Glaubwürdigkeit
der Auskunftsperson respektive der Glaubhaftigkeit deren Aussagen zu verschaf-
fen. Vorliegend, wo es auf den Inhalt der Aussagen (was gesagt wird) ankommt
und nicht in besonderem Masse auf den unmittelbaren Eindruck, der bei der Prä-
sentation der Aussage entsteht, erscheint eine ergänzende Beweisabnahme nicht
notwendig (vgl. Art. 343 Abs. 3 StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_1265/2019
vom 9. April 2020 E. 1.2., BGE 144 I 234 E. 5.6.2.). Die Einvernahmen der Privat-
klägerinnen wurden sodann beide auf Video aufgenommen (Urk. 2/4 und 3/5),
wobei für die Befragung der Privatklägerin 2 zusätzlich ein Bericht einer Psycho-
login angefertigt wurde, in welchem diese ihre Eindrücke wiedergibt (Urk. 3/3).
2.1.3. In Bezug auf den Austrittsbericht des Kantonsspitals Winterthur (Urk. 7/4)
sowie den ärztlichen Befund vom 2. Juli 2019 (Urk. 7/6) liess der Beschuldigte vor
Vorinstanz und an der Berufungsverhandlung zusammengefasst ausführen, dass
diese ein ärztliches Gutachten nicht zu ersetzen vermöchten. Der Beschuldigte
habe in Bezug auf den Austrittsbericht keine Gelegenheit erhalten, Ergänzungs-
fragen zu stellen, und es sei diesem sodann nicht zu entnehmen, wer der Verfas-
ser sei. In Bezug auf den ärztlichen Befund sei sodann ebenfalls der Verfasser
nicht genannt und es seien die Verteidigungsrechte nicht gewahrt worden. Beide
Berichte dürften damit nur zugunsten des Beschuldigten verwendet werden (zum
Ganzen: Urk. 93 S. 2; Urk. 162 S. 17).
Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, handelt es sich bei Berichten wie den vor-
liegenden um die Feststellung einfacher medizinischer Sachverhalte, welche
durch die Ärzte (anders als im vom Beschuldigten zitierten Entscheid des Oberge-
richtes Zürich SU170043-O vom 15. Januar 2018 E. 4.1.) nicht interpretiert wer-
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den. Im Gegenteil unterscheiden beide Berichte zwischen objektivem Verlet-
zungsbild, den subjektiven Schmerzangaben der Privatklägerin 2 und möglichen
Folgen dieser Vorgänge (wobei diese Hypothesen klar als solche gekennzeichnet
sind). Vorliegend ist nicht ersichtlich, inwiefern mit Blick auf den eingeklagten
Sachverhalt diesbezüglich ein Gutachten notwendig gewesen wäre. Weder im
Austrittsbericht (Urk. 7/4) noch im ärztlichen Bericht (Urk. 7/6) wurden die Verlet-
zungen als gravierend, gar lebensgefährlich oder langzeitschädigend eingestuft.
Es ist sodann nicht ersichtlich, inwiefern der Beschuldigte einen Nachteil erlitten
haben sollte, indem er in Bezug auf die Berichte keine Ergänzungsfragen stellen
konnte. Selbst die Verteidigung ging im Rahmen des Verfahrens davon aus, dass
die Berichte die Version des Beschuldigten stützen und keine gravierenden Ver-
letzungen festgestellt werden konnten (Urk. 93 S. 11 f.; Urk. 162 S. 18). Die recht-
liche Würdigung der festgestellten Verletzungen ist schliesslich nicht Sache der
Ärzte, sondern wird vom Gericht vorgenommen. Der Beschuldigte streitet sodann
selbst nicht ab, dass es zwischen ihm und seiner Tochter zu einer tätlichen Aus-
einandersetzung kam. Eine Beweisergänzung ist aus diesen Gründen nicht ange-
zeigt. Die beiden Berichte sind vielmehr als ergänzende Beweismittel verwertbar.
2.2. Würdigung
Die Vorinstanz hat die Beweislage in Bezug auf den äusseren Tatbestand ein-
gehend und sorgfältig zusammengefasst (Urk. 113 S. 13 ff.) und gestützt auf die
allgemeinen Beweisregeln die Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen
und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen sowie die weiteren Beweismittel ausführ-
lich, schlüssig und zutreffend gewürdigt (Urk. 115 S. 18 ff.). Um unnötige Wieder-
holungen zu vermeiden, kann daher grundsätzlich auf ihre Erwägungen verwie-
sen werden. Die nachfolgenden Ausführungen sind als Ergänzungen und
Verdeutlichungen zu verstehen.
Wie die Verteidigung zutreffend vorbringt, ist bei der Würdigung der Aussagen der
Beteiligten zu berücksichtigen, dass es sich um ein Familiensystem handelt, das
im Zeitpunkt des Vorfalls bereits beeinträchtigt war (Urk. 93 S. 4 f.). Das Zusam-
menleben in der Familie scheint von den Beteiligten bereits längere Zeit vor dem
vorliegend in Frage stehenden Vorfall sehr unterschiedlich wahrgenommen wor-
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den zu sein. Während der Beschuldigte das Familienleben als unproblematisch,
gar harmonisch zu betrachten schien (vgl. etwa Prot. I S. 28), berichteten die bei-
den Privatklägerinnen von wiederholten Übergriffen und einem seit jeher sehr
herabsetzenden Verhalten des Beschuldigten gegenüber seiner Tochter, was die-
se gemäss ihren Angaben schon lange sehr belastet haben soll (Urk. 2/3 S. 11 ff.;
Urk. 3/2 S. 3). Die Aussagen der beiden Privatklägerinnen erwecken den Ein-
druck, dass es sich beim vorliegend zu beurteilenden Vorfall aus ihrer Sicht quasi
um eine Kumulation eines bereits länger bestehenden Problems der Familie ge-
handelt hat. Dabei ist indessen festzuhalten, dass vorliegend lediglich die Ereig-
nisse in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni 2019 in Frage stehen und zu beurteilen
sind. Der Beschuldigte und die Privatklägerin 1 sind zwischenzeitlich geschieden,
wobei die Scheidung anscheinend bereits eingereicht wurde, während der Be-
schuldigte noch in Haft war. Dieser hat seiner ehemaligen Ehefrau während des
gesamten Verfahrens vorgeworfen, den aus seiner Sicht geringfügigen Vorfall da-
für zu nutzen, ihn loswerden zu können (Urk. 4/2 Frage 37; Urk. 4/3 Fragen 26
und 27; Urk. 4/4 Frage 17; Urk. 161 S. 4 f.; Prot. I S. 28).
Die Vorinstanz hält diesbezüglich zutreffend fest, dass die Glaubwürdigkeit der
Privatklägerin 1 aufgrund der belastenden Ehegeschichte und der zwischenzeit-
lichen Scheidung eine gewisse Einschränkung erleidet. Diejenige der Privatkläge-
rin 2 erscheint dagegen nicht als eingeschränkt. Wie von der Verteidigung zu-
treffend vorgebracht wurde (Urk. 162 S. 6), ist anlässlich der Einvernahme vor
Staatsanwaltschaft aufgrund der Wortwahl (z.B. dass der Vater sie als "Feind"
betrachte) erkennbar, dass Mutter und Tochter über den Vorfall und die Stellung
des Vaters in der Familie gesprochen haben. Dieser Umstand spricht für sich
indessen nicht gegen die Glaubwürdigkeit der Privatklägerinnen. Vielmehr
erschiene es wohl als geradezu unnatürlich, wenn sich Mutter und Tochter nicht
über die insbesondere das 12-jährige Mädchen sicher sehr belastenden Vorfälle
des in Frage stehenden Abends ausgetauscht hätten. So erscheint es auch nicht
verwunderlich, dass die Tochter teilweise die gleiche Wortwahl verwendet hat wie
ihre Mutter. Eine Beeinflussung in dem Sinne, dass man sich gegen den Beschul-
digten abgesprochen hat, ist jedenfalls nicht erkennbar. Wie bereits die Vo-
rinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 115 S. 18), ist indessen zur Hauptsache
- 16 -
der materielle Gehalt der Aussagen und damit deren konkrete Glaubhaftigkeit
massgebend und entsprechend zu würdigen.
Wie die Vorinstanz zutreffend beschreibt, wirken die Aussagen des Beschuldigten
mehrfach ausweichend, stereotyp und sein eigenes Verhalten verharmlosend. So
führt er aus, dass er die Tochter lediglich leicht auf die Schulter gestossen und
gesagt habe: "Töchterchen, was machst du da?" (Prot. I S. 22). Darauf sei sie
umgefallen. Er habe sie dann mit dem Knie oder dem Fuss leicht gepresst (Prot. I
S. 23). Die Aussagen des Beschuldigten würden auf eine äusserst geringfügige
Auseinandersetzung hindeuten, was aber weder die im Kantonsspital Winterthur
festgehaltenen Verletzungen der Tochter noch die heftige Reaktion der Privat-
klägerin 1, als sie am Ende der Auseinandersetzung dazu kam und welche auch
vom Beschuldigten beschrieben wird (vgl. Urk. 4/2 Fragen 14 und 29), erklären
würde. Während all seinen Befragungen verharrte der Beschuldigte grundsätzlich
in einer vermeintlichen Opferrolle und sieht sich als Ziel einer Verschwörung sei-
ner ehemaligen Ehefrau und ihrer Familie. Sich selbst stellt er dagegen als lie-
benden Ehemann und Vater dar, der nie gegenüber dem eigenen Kind tätlich
würde (vgl. Urk. 4/3 S. 5 f.; Prot. I S. 27 ff.; Urk. 161 S. 6), was in direktem Wider-
spruch zu den Aussagen der beiden Privatklägerinnen steht (vgl. vorne). Auch be-
treffend sein Verhalten, als er seine Tochter ins Spital fuhr, sind seine Aussagen
widersprüchlich und nicht konstant. Zum einen gab er an, dass er der Tochter auf
der Fahrt gesagt habe, sie solle alles sagen, was geschehen sei (Urk. 4/3 Frage
18; Urk. 4/4 Frage 8). Angesprochen darauf, dass er indes gegenüber dem Gut-
achter geäussert habe, er habe versucht, die Tochter dazu zu bewegen, zu sa-
gen, dass sie sich nur den Kopf gestossen habe, da sie sonst Probleme mit der
Polizei bekämen (Urk. 59 S. 25), bestätigte er dies anlässlich der Hauptverhand-
lung vor Vorinstanz (Prot. I S. 26).
Der – von der Verteidigung ausgeblendete (Urk. 161 S. 7) – Umstand, dass der
Beschuldigte den ihm vorgeworfenen Sachverhalt im Rahmen der Schlusseinver-
nahme zunächst anerkannte (Urk. 4/4 Fragen 6/7, 14 und 18/19) und sich dafür
entschuldigte, dass er gegenüber der Tochter die Beherrschung verloren hatte
(Urk. 4/4 Frage 19), diese Aussagen am Ende der Befragung nach Besprechung
- 17 -
mit seinem Verteidiger aber wieder zurücknahm (Urk. 4/4, handschriftliche Notiz),
spricht ebenfalls nicht für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Der vorgeworfene
Sachverhalt, insbesondere in Bezug auf das Schlagen der Tochter wurde von ihm
während der Befragung an drei verschiedenen Punkten dreimal mit verschiede-
nen Formulierungen bestätigt (Urk. 4/4 Fragen 6/7 (Frage: "Was sagen Sie zu
diesen Vorwürfen?", Antwort: "Ich nehme an, dass sie richtig sind. Ich habe das
leider getan. Weshalb ich das gemacht habe, weiss ich nicht. Ich bereue es, aber
es ist geschehen." Frage: "Anerkennen Sie den Ihnen vorgeworfenen Sachverhalt
unter Punkt 1?" Antwort: "Jawohl."), Frage 14 (Frage: "Was sagen Sie zu Punkt
1?" Antwort: "Das ist richtig. Ich habe tatsächlich meine Tochter geschlagen und
das nehme ich an. Aber das, was meine Frau mir gegenüber antat oder tut...")
und Fragen 18/19 (Frage: "Können Sie sich erklären, weshalb Sie damals so
dermassen gegen Ihre Tochter [wie unter Punkt 1 beschrieben] vorgegangen
sind?" Antwort: "Also für ein Kabel hat unsere Streiterei angefangen. Sie hat aber
eigentlich angefangen mich massiv zu beleidigen und zu provozieren. Dann habe
ich sie geschlagen." Frage: "Es soll aber nicht nur beim Schlagen geblieben sein:"
Antwort: "Ich habe meine Beherrschung verloren, das sollte nicht passieren, aber
es ist passiert."). Seine nachträglichen Vorbringen, er habe die Fragen nicht rich-
tig verstanden – nachdem er zuvor angegeben hatte, die Übersetzung zu verste-
hen (Urk. 4/4 Frage 2) – , und seine diesbezüglichen Ausführungen (Urk. 4/5) er-
scheinen dabei als vorgeschoben und nicht glaubhaft. Auch räumte er auf die ab-
schliessende Frage in der Schlusseinvernahme, ob er eine Idee habe, wie die
Verletzungen der Tochter entstanden sein könnten, ein, vielleicht habe er sie hef-
tiger zu Boden gedrückt als er gedacht habe (Urk. 4/5 Frage 16), von welchem
Zugeständnis er indes an der Berufungsverhandlung wiederum abrückte, indem
er ausführte, er habe sie nur ein wenig gestossen (Urk. 161 S. 5 f.).
Die Aussagen der Privatklägerin 2 erscheinen demgegenüber als authentisch und
zurückhaltend. Wie sich dem Austrittsbericht des Kantonsspitals Winterthur ent-
nehmen lässt (Urk. 7/4), schilderte sie den Vorfall gleich im Anschluss an die Er-
eignisse im Kern gleich, wie anlässlich ihrer (auf Video aufgezeichneten) Befra-
gung durch die Staatsanwaltschaft (Urk. 3/2 und 3/5). Es lassen sich diesbezüg-
lich keine Aggravierungstendenzen feststellen. Vielmehr gab die Privatklägerin 2
- 18 -
an, wenn sie etwas nicht mehr genau wusste und ihrerseits Vermutungen anstell-
te, wie es sich abgespielt haben könnte (vgl. Videoaufzeichnung ihrer Befragung:
Urk. 3/5). Der Umstand, dass sie im Rahmen des dynamischen Geschehens wäh-
rend der körperlichen Auseinandersetzung nicht mehr genau wusste, wann was
mit welchem Körperteil gegen welches Körperteil rechts, links, oben und unten
folgte, wie dies von der Verteidigung moniert wird (vgl. Urk. 93 S. 5 ff.; Urk. 162 S.
9 ff.), erstaunt bei einem gewaltbetroffenen Kind nicht. Dabei steht für sie offen-
sichtlich das gewalttätige, ablehnende Verhalten ihres Vaters im Allgemeinen
mehr im Zentrum und damit in ihrer Erinnerung, als ein einzelner Tritt oder
Schlag. Ebenfalls nachvollziehbar erscheint, dass sie – was von der Verteidigung
im Weiteren moniert wird – (Urk. 162 S. 9 f., 12 ff.) gewisse Abläufe erst auf
Nachfragen wiedergab. Gerade ältere Kinder, obwohl sie eher als jüngere zu ei-
nem detaillierten freien Bericht in der Lage wären, können vermehrt durch soziale
Konventionen oder Schamgefühle an der Preisgabe von Informationen im freien
Bericht gehindert sein (vgl. SCHEIDEGGER, Minderjährige als Zeugen und Aus-
kunftspersonen im Strafverfahren, ZStV, Nr. 147, 2006, S. 170 f.).
Die Befragung durch die Polizistin erscheint dabei – entgegen der Ansicht der
Verteidigung (Urk. 93 S. 8) – nicht beeinflussend, sondern vielmehr professionell,
altersgerecht und empathisch, wie dies auch von der anwesenden Fachperson
festgehalten wurde (Urk. 3/3). Weiter erläuterte die Privatklägerin 2, dass sie ab
einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr wisse, was konkret geschehen sei und qua-
si erst wieder etwas wahrgenommen habe, als sie mit ihrer Mutter auf dem Sofa
gesessen sei (Urk. 3/5, Zeitstempel: ab 00:30:20). Wie bereits erwähnt, ist in ihren
Aussagen erkennbar, dass sie sich mit ihrer Mutter betreffend den Abend aus-
getauscht hat. Eine negative Einflussnahme der Privatklägerin 1 gegen den
Beschuldigten in Bezug auf die Nacherzählung des Kerngeschehens ist aber auf-
grund dieses Umstandes nicht auszumachen. Die Angaben der Privatklägerin 2
lassen sich sodann mit den bei ihr im Spital gleich nach dem Vorfall festgestellten
Verletzungen (Urk. 7/4) in Einklang bringen, was ebenfalls für deren Glaubhaf-
tigkeit spricht. Sodann erzählte sie in einer altersgerechten Art und bezog sich
dabei mehrfach auf ihre Gefühle, die das Verhalten ihres Vaters bei ihr ausgelöst
haben (Urk. 3/5, Zeitstempel: 00:12:50), wobei keine Absicht auszumachen ist,
- 19 -
den Beschuldigten über Massen zu belasten. Vielmehr ist ihren Aussagen die au-
thentisch wirkende Trauer und Ratlosigkeit eines Kindes über das Verhalten sei-
nes Vaters ihm gegenüber zu entnehmen (Urk. 3/5, Zeitstempel: 00:42:20), wel-
che mehr auf eine grosse Enttäuschung als auf einen geplanten Rachefeldzug
hindeuten und ihre Ausführungen als glaubhaft erscheinen lassen. Dies zeigen
insbesondere auch die Videoaufnahmen ihrer Aussagen bei der Polizei (Urk. 3/5).
Die Privatklägerin 1 sah erst das "Endergebnis" der tätlichen Auseinandersetzung
zwischen dem Beschuldigten und der Tochter, während sie den Streit zunächst
nur hörte. Sie differenzierte anlässlich ihrer Befragung indessen selbst klar, was
sie selbst gesehen hat und was ihr erzählt wurde. Wie die Vorinstanz zutreffend
ausführte, lässt sich der Umstand, dass sie den Beschuldigten als auf dem Kopf
der Privatklägerin 2 kniend beschrieb, mit dem dynamischen Ablauf der Ge-
schehnisse und damit, dass ihr Fokus darauf lag, der Tochter zu helfen, erklären
(Urk. 115 S. 22 f.). Anders als bei der Privatklägerin 2 sind bei ihr gewisse Ten-
denzen auszumachen, den Beschuldigten zu belasten. So erzählt sie ungefragt
und ausführlich über die nicht einfache Ehegeschichte, seitdem die Epilepsie-
Erkrankung des Beschuldigten entdeckt worden war (Urk. 2/2 S. 2 f.). Auch in Be-
zug auf die in Frage stehenden Ereignisse ist eine gewisse Tendenz der Dramati-
sierung zu erkennen, insbesondere betreffend die zeitlichen Angaben (v.a. in Be-
zug auf die Fahrt ins Spital), worauf auch die Verteidigung hingewiesen hat (Urk.
162 S. 15 f.), wobei diesbezüglich festzuhalten ist, dass die Privatklägerin 1 nie
auf die Widersprüche bei ihren zeitlichen Angaben hingewiesen wurde, womit sie
keine Gelegenheit hatte, sich nochmals dazu zu äussern. Im Übrigen sind ihre
fehlerhaften Zeitangaben auch durch die Umstände (namentlich die Aufregung)
erklärbar. Ihre Ausführungen, wonach die Tochter nach der Auseinandersetzung
zunächst wie weggetreten in einem Schockzustand gewesen sei (Urk. 2/3 Fragen
13, 21, 23, 24 und 42), decken sich dagegen mit deren Aussagen, wonach sie
sich nicht daran erinnere, wie sie auf das Sofa gelangt sei (Urk. 3/5, Zeitstempel:
ab 00:30:20). Weiter erzählte die Privatklägerin 1, wie von der Vorinstanz zutref-
fend ausgeführt (Urk. 115 S. 22), originelle Details, welche ihre Angaben, mit ge-
wissen Abstrichen in Bezug auf den zeitlichen Ablauf (insbesondere die Dauer der
Fahrt ins Spital, vgl. Urk. 2/3 Fragen 52 und 55), als glaubhaft erscheinen lassen.
- 20 -
Sie beschreibt zudem zugunsten des Beschuldigten, dass dieser nach dem Vor-
fall wieder ruhig und nicht mehr böse gewesen sei (Urk. 2/2 Frage 32).
Insgesamt erscheinen die Aussagen der beiden Privatklägerinnen als konsistent,
detailliert, nachvollziehbar und konstant, während diejenigen des Beschuldigten
als pauschal, oft ausweichend und herabspielend bezeichnet werden müssen.
Weiter werden die Aussagen der Privatklägerinnen durch den provisorischen
Austrittsbericht des Kantonsspitals Winterthur gestützt. Die Vorinstanz hat damit
für die Erstellung des Sachverhaltes zu Recht auf die glaubhaften Aussagen der
Privatklägerinnen 1 und 2 abgestellt.
2.3. Fazit Sachverhalt
Der in der Anklage umschriebene Sachverhalt betreffend die einfache qualifizierte
Körperverletzung sowie die versuchte Nötigung gegenüber der Privatklägerin 2 ist
damit mit den Aussagen der beiden Privatklägerinnen sowie dem provisorischen
Austrittsbericht des Kantonsspitals Winterthur vom 10. Juni 2019 (Urk. 7/4) und
dem ärztlichen Befund vom 2. Juli 2019 (Urk. 7/6) – hinsichtlich des Vorwurfs der
einfachen Körperverletzung unter Vorbehalt der nachfolgenden Einschränkun-
gen – erstellt. Schon die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung (Urk. 115 S.
23 f.) festgehalten, dass lediglich von einem Tritt gegen den Schulterbereich der
Privatklägerin und nicht einem solchen gegen den Kopf-/Ohrbereich ausgegangen
werden darf, welche geringfügige Abweichung vom Anklagesachverhalt – entge-
gen der Verteidigung (Urk. 162 S. 11) – keine Verletzung des sich (namentlich)
aus Art. 9 und Art. 325 StPO ergebenden Anklageprinzips darstellt, zumal dies
keinen neuen, überraschenden Vorwurf darstellt, gegen den sich der Beschuldigte
nicht hätte effektiv wehren können (vgl. BGE 143 IV 63 E. 2.2.). Offengelassen
werden kann mangels Rechtserheblichkeit, ob der Tritt "heftig" gewesen ist, wie
es in der Anklage heisst. Es genügt, dass erstellt ist, dass der Beschuldigte die
Privatklägerin 2 gestossen hat, diese dadurch umgefallen ist, und der Beschuldig-
te die Privatklägerin anschliessend gegen den Schulterbereich getreten hat sowie
mit dem Fuss oder mit dem Knie fixiert hat; es bestehen – entgegen der Verteidi-
gung (Urk. 162 S. 19) – keine vernünftigen Zweifel daran, dass die Handlungen
des Beschuldigten kausal waren für die ärztlich festgestellten Folgen. Nicht er-
- 21 -
stellt ist – angesichts der ärztlichen Befunde (Urk. 7/4 S. 2; Urk. 7/6) und mit der
Verteidigung (Urk. 162 S. 19) –, dass die Privatklägerin 2 eine contusio capitis
und eine Halswirbelsäule-Distorsion erlitten hat. Erstellt sind lediglich eine
Schwellung bzw. Prellung am Kopf und Schmerzen beim Test der Beweglichkeit
der Halswirbelsäule (Urk. 7/4 S. 2; Urk. 7/6). Hinsichtlich des "inneren Sachver-
halts" ist zu bemerken, dass derjenige, der in der erwähnten Weise auf ein 12
Jahre altes Mädchen einwirkt, damit rechnet, dass dieses eine Schwellung bzw.
Prellung am Kopf erleidet und während mehr als nur ein paar Stunden unter
Schmerzen leidet, wobei sich der Täter mit solchen Verletzungen im Falle ihres
Eintritts abfindet, diese mit anderen Worten in Kauf nimmt. Auch der Sachverhalt
in Bezug auf die Drohung gegenüber der Privatklägerin 1 ist mit der Vorinstanz
als erstellt zu betrachten, da ihre Aussagen insgesamt als glaubhaft einzustufen
sind; diejenigen des Beschuldigten hingegen als unglaubhaft.
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Einfache Körperverletzung
Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten in Übereinstimmung mit
der Staatsanwaltschaft gegenüber der Privatklägerin 2 als einfache Körperver-
letzung. Dies, da die der Privatklägerin zugefügten Eingriffe in deren körperliche
Integrität nicht mehr als vorübergehende Beeinträchtigung des Wohlbefindens zu
qualifizieren seien (Urk. 115 S. 24). Das anlässlich der Untersuchung im
Kantonsspital vorliegende Verletzungsbild, zu welchem auch starke Kopfschmer-
zen der Privatklägerin 2 gehörten, würdigte sie als Eingriffe im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 StGB. Dem ist im Ergebnis zuzustimmen. Es drängen sich in Ergänzung zu
den knappen vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 115 S. 24) folgende theoreti-
schen Ausführungen auf: Die Unterscheidung zwischen einer Tätlichkeit im Sinne
von Art. 126 StGB und einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 StGB ist nicht immer einfach. Art. 123 Ziff. 1 StGB stellt Handlungen unter
Strafe, die eine Schädigung des Menschen an Körper oder Gesundheit zur Folge
haben (Abs. 1). In leichten Fällen kann der Richter die Strafe mildern (Abs. 2). Ei-
ne Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB ist demgegenüber anzunehmen
bei einer das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass überschrei-
- 22 -
tenden physischen Einwirkung auf einen Menschen, die keine Schädigung des
Körpers oder der Gesundheit zur Folge hat. Die Abgrenzung zwischen der einfa-
chen Körperverletzung und der Tätlichkeit erweist sich namentlich bei verursach-
ten Quetschungen, Schrammen, Kratzern oder Prellungen als schwierig. Die Un-
terscheidung der Tatbestände hängt namentlich bei Eingriffen ohne äussere Spu-
ren vom Mass des verursachten Schmerzes ab. Da es sich bei den Begriffen der
Tätlichkeit und der Verletzung der körperlichen Integrität um unbestimmte
Rechtsbegriffe handelt, verfügt das Sachgericht bei der Abgrenzung der beiden
Tatbestände über einen gewissen Ermessensspielraum (zum Ganzen: BGer
6B_966/2018 vom 10. Januar 2019 E. 3.1.). Im zitierten Urteil berücksichtigte das
Bundesgericht nicht nur die Tatfolgen, sondern auch Art und Weise des Angriffs
auf die körperliche Integrität (vgl. a.a.O. E. 3.2.). Als leichte Fälle im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB sind die Angriffe auf die körperliche Integrität des
Menschen in der untersten "Bandbreite" des Grundtatbestandes zu werten
(BGE 103 IV 65 E. II.2.c.; BSK StGB-ROTH/BERKEMEIER, 4. Aufl. 2019, Art. 123
N 8). Für die Beantwortung der Frage, ob ein leichter Fall vorliegt, ist auf die
gesamten Umstände der Tat, nicht bloss auf die objektiven Verletzungsfolgen,
abzustellen (BGE 127 IV 59, Regeste). Die praktische Bedeutung von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 2 StGB besteht – da der Strafrahmen von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
keine Untergrenze kennt – darin, dass bei Vorliegen eines leichten Falls – statt
auf Freiheits- oder Geldstrafe – auch auf Busse erkannt werden kann (BSK StGB-
ROTH/BERKEMEIER, 4. Aufl. 2019, Art. 123 N 7).
Vorliegend spricht schon der Umstand, dass die Eltern nach entsprechender
Diskussion gemeinsam übereinkamen, das damals 12-jährige Kind mitten in der
Nacht und mehrere Stunden nach dem Vorfall in die Notfallstation des Spitals zu
bringen, dafür, dass dessen Beschwerden nicht bloss marginal und vorüberge-
hender Art waren. Der Beschuldigte, welcher die Privatklägerin 2 zuerst nicht ins
Spital bringen wollte, stimmte diesem Vorgehen schlussendlich zu und fuhr die
Tochter selbst ins Kantonsspital Winterthur. Die Schmerzen und die Verletzung
waren sodann zumindest so stark, dass die Tochter von den Ärzten für 24 Stun-
den zur Überwachung im Spital behalten wurde. Damit überschreitet das Verlet-
zungs- beziehungsweise Beschwerdebild die Schwelle von der Tätlichkeit zur ein-
- 23 -
fachen Körperverletzung. Die Tatbestandsvariante des leichten Falls der einfa-
chen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB liegt ebenfalls
nicht vor: Von einer Einwirkung, die auf der Skala der denkbaren Arten von einfa-
chen Körperverletzung ganz unten zu verorten wären, kann vorliegend angesichts
des vorstehend Ausgeführten – insbesondere wegen den nicht nur vorüberge-
henden Schmerzen und der Übernachtung zwecks Überwachung der Privatkläge-
rin 2 im Spital – nicht mehr die Rede sein; auch ins Gewicht fallen dabei die Ge-
samtumstände der Tat – namentlich die Tatsache, dass der Beschuldigte Gewalt
gegenüber einem Kind angewendet hat. Dem Umstand, dass es sich im Rahmen
des Vorstellbaren nicht um einen gravierenden Fall einer leichten Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB handelt, ist bei der Strafzumes-
sung Rechnung zu tragen.
In subjektiver Hinsicht ist – angesichts des vorstehenden Beweisergebnisses –
mit der Vorinstanz von einer eventualvorsätzlichen Begehung auszugehen.
Da es sich bei der Privatklägerin 2 um die Tochter des Beschuldigten handelt,
wird das Delikt auch ohne entsprechenden Strafantrag von Amtes wegen verfolgt
(Art. 123 Ziff. 2 StGB).
3.2. versuchte Nötigung / Drohung
Der erstellte Sachverhalt erfüllt sodann die Tatbestände der versuchten Nötigung
im Sinne von Art. 181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der Drohung
im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in objektiver und subjektiver Weise.
Da es sich bei der Privatklägerin 1 um die Ehefrau des Beschuldigten handelte,
wird auch die Drohung gemäss Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB von Amtes wegen ver-
folgt.
3.3. Fazit
Zusammenfassend hat der Beschuldigte den Tatbestand der einfachen Körper-
verletzung (gegenüber der Privatklägerin 2), der versuchten Nötigung (gegenüber
der Privatklägerin 2) und der Drohung (gegenüber der Privatklägerin 1) erfüllt.
Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe liegen keine vor. Der Beschuldigte
- 24 -
ist daher im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 3 StGB, Art. 181 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
Die Vorinstanz hat die Grundsätze des Strafrahmens sowie der Strafzumessungs-
regeln grundsätzlich zutreffend festgehalten (Urk. 115 S. 25 ff.). Zu präzisieren ist,
dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei mehrfacher Tatbegehung –
um zu beurteilen, ob eine Asperation nach Art. 49 Abs. 1 StGB zu erfolgen hat –
für jeden Gesetzesverstoss eine separate Einzelstrafe (gedanklich) festzusetzen
ist (BGE 144 IV 313 [Pra 2019 Nr. 58] E. 1.1.; 144 IV 217 E. 3.5.).
2. Strafart
Dem Verhältnismässigkeitsprinzip folgend, gebührt der Geldstrafe im Zweifel der
Vorrang. Bei einer Sanktion von bis zu 180 Tagesätzen Geldstrafe kann anstelle
einer Geldstrafe auch eine Freiheitsstrafe ausgefällt werden, wenn eine solche
geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten, oder eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen wer-
den kann (Art. 41 Abs. 1 StGB). Die Wahl einer Freiheitsstrafe ist näher zu be-
gründen (Art. 41 Abs. 2 StGB). Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kri-
terium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf
den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksich-
tigen (BGE 134 IV 82 E. 4.1.).
3. Würdigung
3.1. Vorbemerkung
Der Beschuldigte hat sich mehrerer Straftaten schuldig gemacht. Die drei vom
Beschuldigten erfüllten Straftatbestände weisen den gleichen ordentlichen Straf-
rahmen auf. Das Verschulden wiegt bei der einfachen Körperverletzung am
- 25 -
schwersten (vgl. hinten E. IV.3.2. ff.), weshalb eine Einsatzstrafe für diese Tat
festzusetzen ist. Für die beiden weiteren Delikte sind (gedanklich) Einzelstrafen
zu bestimmen.
3.2. Einfache Körperverletzung
Der Würdigung der Vorinstanz in Bezug auf die objektive Tatschwere kann – ab-
gesehen vom Prädikat des Verschuldens beim Fazit – zugestimmt werden (Urk.
115 S. 28 f.). Zu betonen ist nochmals, dass der Taterfolg – im Rahmen des in
diesem Tatbestand Vorstellbaren – als niederschwellig einzustufen ist. Dass der
Beschuldigte die Tat gegenüber einem jungen, körperlich massiv unterlegenen
Mädchen – die Privatklägerin 2 war gemäss Austrittsbericht des Spitals im Tat-
zeitpunkt 151 cm gross und 60 kg schwer (Urk. 7/4 S. 2) – beging, lässt indes ei-
ne erhebliche Rücksichtslosigkeit erkennen. Es ist insgesamt von einem noch
leichten Verschulden auszugehen. Betreffend die subjektive Tatschwere gilt es zu
berücksichtigen, dass der Beschuldigte der Privatklägerin 2 die Verletzungen
nicht direktvorsätzlich zufügte, sondern diese im Rahmen der Auseinanderset-
zung in Kauf nahm und damit (lediglich) eventualvorsätzlich handelte. Verwerflich
ist, dass der Beschuldigte in krasser Widerhandlung gegen das Vertrauen des
Mädchens in den eigenen Vater agierte; all dies aus objektiv nicht ansatzweise
erklärbarem Anlass. Die vom Gutachter festgestellte mittlere Beeinträchtigung der
Steuerungsfähigkeit aufgrund einer stark affektiven Erregung in Form von Wut ist
dagegen im Rahmen der subjektiven Tatschwere – entgegen der Vorinstanz (Urk.
162 S. 34 f.) – nicht zu berücksichtigen. Wie das Gutachten festhält, war die Fä-
higkeit des Beschuldigten zur Einsicht in das Unrecht seiner Tat nicht beeinträch-
tigt (Urk. 59 S. 47). Wohl führt das Gutachten aus, dass beim Beschuldigten die
Persönlichkeitsmerkmale einer erhöhten Kränkbarkeit und einer Schwierigkeit der
Kontrolle aggressiver Impulse bei Verdrängen von Beziehungskonflikten oder
Stresserleben seine Tathandlungen erklären können. Diese seien jedoch nicht im
Zusammenhang mit einem epileptischen Ereignis in Form eines hirnorganischen
Anfalls zu sehen (Urk. 59 S. 46). Es wird diesbezüglich auch keine Persönlich-
keitsstörung im Sinne eines Krankheitsbildes festgehalten. Eine Strafreduktion
einzig aufgrund von aus gesellschaftlicher Sicht problematisch erscheinenden
- 26 -
Persönlichkeitsmerkmalen erscheint nicht als angezeigt, solange diese keinen
faktischen Krankheitswert aufweisen. Auch wenn beim Beschuldigten aufgrund
seiner persönlichen Defizite eine gewisse Verminderung der Steuerungsfähigkeit
vorgelegen haben mag, kann dies nicht dazu führen, dass er im Rahmen der
Strafzumessung anders zu behandeln wäre, als ein anderer Täter, dessen Per-
sönlichkeit im gesellschaftlichen Normbereich liegt. Solange kein psychisches
Krankheitsbild vorliegt, ist vielmehr von jeder Person zu erwarten, dass sie ihr
Verhalten so kontrolliert, dass keine strafrechtlich relevanten Taten erfolgen. Die
im Gutachten beschriebene mittelgradige Verminderung der Steuerungsfähigkeit
ist daher bei der Strafzumessung nicht zu berücksichtigen. Dass der Gutachter –
worauf die Verteidigung hingewiesen hat (Urk. 162 S. 27) – einmal "mit an Si-
cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" (Urk. 59 S. 45) und an anderer Stelle mit
einer "hohen Wahrscheinlichkeit" (Urk. 59 S. 46) davon ausgeht, dass kein epilep-
tischer Anfall vorlag, lässt – entgegen der Verteidigung – keine vernünftigen Zwei-
fel daran zu, dass kein epileptischer Anfall stattfand, zumal der Gutachter diese
Frage mit ausführlicher und schlüssiger Begründung klar verneint hat (Urk. 59
S. 41 ff., 52), womit auch unter diesem Aspekt von keiner verminderten Schuldfä-
higkeit auszugehen ist.
Insgesamt vermag das subjektive das objektive Verschulden nicht zu relativieren.
Das Tatverschulden wiegt damit insgesamt noch leicht. In Anbetracht des Straf-
rahmens, der sich auf bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe erstreckt, ist eine Freiheits-
strafe von 7 Monaten dem Verschulden angemessen.
3.3. Versuchte Nötigung
Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, schildert die Privatklägerin 2 in ihrer
Befragung eindrücklich, dass die Äusserungen ihres Vaters während der Fahrt ins
Spital bei ihr eine Todesangst auslösten (Urk. 115 S. 29 f.). Das Verhalten des
Beschuldigten hatte sodann für seine Tochter nachhaltige Spuren in ihrem
allgemeinen Sicherheitsbedürfnis.
Dass es beim Versuch geblieben ist, hat zwingend zu einer Strafreduktion zu
führen, auch wenn dieser Umstand nicht dem Verhalten des Beschuldigten zuzu-
- 27 -
schreiben ist, sondern demjenigen der Privatklägerin 2. Im Wesentlichen mit der
Vorinstanz (Urk. 115 S. 30) ist daher lediglich von einer minimen strafreduzieren-
den Auswirkung des Verbleibens im Versuchsstadium auszugehen.
In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte egoistisch, indem er seine
Tochter unter Anwendung von massiven Drohungen dazu bringen wollte, über die
Verletzungen, welche er ihr zugefügt hatte, zu schweigen. Dies weil er selbst (zu
Recht) befürchtete, dass die Polizei eingeschaltet und er für seine Handlungen
zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Dass er dabei der eigenen Tochter die
Schuld an dem in Aussicht gestellten Tod der Mutter einpflanzen wollte, ist be-
sonders verwerflich.
Das Verschulden ist insgesamt im Rahmen des Denkbaren als noch leicht zu
werten. Bei einem Strafrahmen von bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe erscheint eine
hypothetische Einsatzstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe unter Berücksichtigung
des Verschuldens und unter Beachtung des Umstands, dass der tatbestands-
mässige Erfolg nicht eintrat, als angemessen. In diesem Zusammenhang ist zu
bemerken, dass die Ausfällung einer Geldstrafe bei isolierter Beurteilung dieser
Tat nicht angezeigt wäre. Vielmehr wäre aus Gründen der präventiven Effizienz
eine Freiheitsstrafe auszusprechen, da der Beschuldigte sich offenbar "berechtigt"
fühlt, bei Konflikten mit seiner minderjährigen Tochter seinen Standpunkt unter
Ausübung massiven psychischen Drucks durchzusetzen, und weil er sich der
empfohlenen Therapie bis anhin nicht unterzogen hat. Eine blosse Geldstrafe
würde den Beschuldigten nicht hinreichend von künftigen Vergehen bzw. Ver-
brechen zum Nachteil seiner Tochter abschrecken.
3.4. Drohung
Die für die Würdigung relevanten Aspekte hat die Vorinstanz zutreffend und
vollständig dargestellt (Urk. 115 S. 31), weshalb darauf verwiesen kann. In Ab-
weichung von der Vorinstanz ist das Verschulden als leicht einzustufen; die von
der Vorinstanz festgesetzte Geldstrafe in der Höhe von 90 Tagessätzen ist
gleichwohl zu übernehmen, da sie in Anbetracht des sich auf bis zu 3 Jahre Frei-
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heitsstrafe erstreckenden Strafrahmens dem Verschulden des Beschuldigten an-
gemessen ist.
4. Täterkomponente
Betreffend die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten hat die Vorinstanz
diese zutreffend zusammengefasst und sie zu Recht als strafzumessungsneutral
gewertet (Urk. 115 S. 31 f.). Der Beschuldigte verfügt sodann über keine Vorstra-
fen (Urk. 117). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung kam nichts zum Vor-
schein, was an dieser Einschätzung etwas ändern würde. Wie die Vorinstanz so-
dann zutreffend festgehalten hat (Urk. 115 S. 32), ist das (wenn auch nur rudi-
mentäre) Teilgeständnis des Beschuldigten betreffend den Tatkomplex der einfa-
chen Körperverletzung strafmindernd zu berücksichtigen, wobei anzumerken ist,
dass das Geständnis sich lediglich auf einen kleinen Teil des Sachverhaltes be-
zieht, während der Beschuldigte betreffend den strafrechtlich relevanten Teil
mehrheitlich nicht geständig ist. Gerade vor dem Hintergrund des Spitalaufent-
halts der Tochter blieb dem Beschuldigten wohl auch kaum etwas anderes übrig,
als die tätliche Auseinandersetzung zumindest im Grundsatz einzugestehen. Eine
Reduktion der verschuldensangemessenen Strafe um 25 %, wie dies die Vo-
rinstanz gemacht hat (Urk. 115 S. 32), erscheint vor diesem Hintergrund als zu
hoch. Es ist angemessen, die verschuldensangemessene Strafe von 7 Monaten
Freiheitsstrafe für die Körperverletzung unter Berücksichtigung des Geständnis-
ses auf 6 Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren. Bei isolierter Beurteilung dieser
Tat wäre eine Geldstrafe unter Hinweis auf die Ausführungen zur Begründung der
Freiheitsstrafe als Sanktionsart für die versuchte Nötigung (vgl. vorne, E. IV. 3.3.),
die hier sinngemäss gleichermassen gelten, nicht angezeigt. Die gestützt auf die
Tatkomponenten festgesetzten Strafen für die Delikte der versuchten Nötigung
und der Drohung erfahren aufgrund der Täterkomponenten keine Reduktion.
5. Asperation
Ausgangspunkt bildet die Einsatzstrafe von 6 Monaten für die einfache Körperver-
letzung. Die Einzelstrafe für die versuchte Nötigung ist im Umfang von 2/3, d.h.
vier Monaten, straferhöhend zu berücksichtigen, woraus eine Gesamtfreiheitsstra-
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fe von 10 Monaten resultiert. Eine mildere Straferhöhung rechtfertigt sich nicht,
zumal die Taten unterschiedliche Rechtsgüter der Privatklägerin 2 betrafen und
die eine Tat nicht quasi notwendige Nebenfolge der anderen war. Keine Asperati-
on erfolgt – mangels Gleichartigkeit der Strafart – für die Einzelstrafe wegen der
Drohung. Für die Drohung ist eine separate Geldstrafe von 90 Tagessätzen aus-
zusprechen.
6. Tagessatzhöhe
Vorweg kann auf die zutreffenden theoretischen Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 115 S. 33). Im Rahmen des Berufungsverfahrens hat der
Beschuldigte neue Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen ins Recht
gereicht (Urk. 126 und 128/1-7). An der Berufungsverhandlung hat er sich noch-
mals zu seinen finanziellen Verhältnissen geäussert (Urk. 161 S. 2 ff.). Daraus
ergibt sich, dass die finanzielle Lage des Beschuldigte gegenüber dem Zeitpunkt
des erstinstanzlichen Urteils (vgl. Urk. 115 S. 33) unverändert geblieben ist. Dem
Berufungsgericht sind mit anderen Worten keine Tatsachen bekannt geworden,
die auf eine verbesserte finanzielle Lage des Beschuldigten (z.B. höheres Ein-
kommen oder tiefere Kosten) hindeuten würden, womit angesichts des Verbots
der reformatio in peius die vorinstanzliche Tagessatzhöhe von Fr. 30.-- zu bestä-
tigen ist. Ein tieferer Tagessatz fällt mangels geradezu prekärer finanzieller Lage
des Beschuldigten ausser Betracht.
7. Fazit
Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte unter Berücksichtigung aller strafzu-
messungsrelevanter Faktoren mit einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten sowie ei-
ner Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.-- zu bestrafen.
8. Anrechnung der Haft und der Dauer der Ersatzmassnahmen
An die Freiheitsstrafe sind gemäss Art. 51 StGB die erstandenen 26 Tage Haft
anzurechnen. Wie die Vorinstanz mit zutreffender Begründung ausgeführt hat
(Urk. 115 S. 34), sind – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 162
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S. 36) – die gegen den Beschuldigten verhängten Ersatzmassnahmen nicht an
die ausgefällte Strafe anzurechnen.
V. Vollzug
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten mit zutreffender Begründung den vollbe-
dingten Strafvollzug unter Ansetzung der minimalen Probezeit von zwei Jahren
gewährt (Urk. 115 S. 34 f.). Der vollbedingte Vollzug und die Ansetzung der mini-
malen Probezeit rechtfertigen sich angesichts der Vorstrafenlosigkeit des Be-
schuldigten und des Umstandes, dass nach der vorliegenden Tat, mithin mehr als
2 Jahren, kein Strafverfahren mehr gegen ihn angehoben werden musste.
VI. Kontakt- und Rayonverbot
Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten mit ihrem Entscheid ein Kontakt-
und Rayonverbot von fünf Jahren gegenüber den beiden Privatklägerinnen ge-
stützt auf Art. 67b Abs. 1 und 2 StGB. Sie begründete dies mit dem Umstand,
dass zum einen das Erfordernis der Anlasstat gegeben sei und sodann die Kon-
nexität zwischen Straftat und Opfer vorliege. Der Schuldspruch der Vorinstanz
wird mit dem vorliegenden Entscheid vollumfänglich bestätigt. Der Beschuldigte
zeigt bis heute keine Einsicht, dass sein Verhalten gegenüber seiner ehemaligen
Ehefrau sowie insbesondere seiner Tochter falsch gewesen ist. Er sieht sich als
Opfer eines Komplottes seiner Frau, welche die gemeinsame Tochter gegen ihn
aufgebracht hat, um ihn aus der Familie zu drängen. Dabei verharmlost er sein
eigenes Verhalten und will nicht einsehen, welche schweren Auswirkungen seine
Tat insbesondere auf seine Tochter hatte und weiterhin haben kann. Eine Thera-
pie, um seine dysfunktionalen Persönlichkeitsanteile zu behandeln, lehnt er nach
wie vor ab. Das Rückfallrisiko im Falle einer unkontrollierten Kontaktaufnahme der
Privatklägerinnen mit dem Beschuldigten bleibt damit bestehen, wie dies auch im
Gutachten ausgeführt wurde (Urk. 59 S. 54 f.). Die Voraussetzungen von Art. 67b
StGB sind – mit der Vorinstanz (Urk. 115 S. 38) – erfüllt, da hinsichtlich beider
Privatklägerinnen eine Anlasstat des Beschuldigten vorliegt und im Fall von weite-
ren Kontakten zwischen dem Beschuldigtem und den Privatklägerinnen mit erneu-
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ten Gewaltdelikten und/oder Drohungen bzw. Nötigungen gerechnet werden
muss, an deren Vermeidung die Privatklägerinnen ein hohes Interesse haben.
Dass der Beschuldigte sich (zumindest in der Schweiz) an die angeordneten Er-
satzmassnahmen gehalten hat, vermag daran nichts zu ändern, drohte ihm doch
im Fall einer Widerhandlung die erneute Inhaftierung. Nach dem Gesagten ist ein
Kontaktverbot betreffend die Privatklägerin 1 und die Privatklägerin 2 anzuordnen.
Eine Befristung auf drei Jahre erscheint – insoweit in Abweichung von der Vo-
rinstanz – als ausreichend, zumal die am tt.mm.2006 geborene Privatklägerin 2
nach Ablauf dieser Dauer volljährig sein wird. Um zu vermeiden, dass das straf-
rechtliche Kontaktverbot den von den Zivilgerichten bzw. -behörden erlaubten
Kontakten zuwiderläuft, sind Kontakte im Rahmen der Ausübung des Besuchs-
rechtes gemäss Scheidungsurteil vom Kontaktverbot auszunehmen, nicht nur
Kontakte im Rahmen des Besuchsrechts in Bezug auf den Sohn, weshalb sich
das vorinstanzlich angeordnete Kontaktverbot insoweit als zutreffend erweist. Da
der Beschuldigte in D._ – wo die beiden Privatklägerinnen leben – weder
wohnt noch arbeitet, besteht indes keine realistische Gefahr einer zufälligen Be-
gegnung zwischen dem Beschuldigten und den Privatklägerinnen, weshalb sich
der mit einem Rayonverbot verbundene Eingriff in das Grundrecht der persönli-
chen Freiheit bzw. Bewegungsfreiheit im Sinne von Art. 10 Abs. 2 BV als unver-
hältnismässig erweisen würde. Vor diesem Hintergrund ist – in Abweichung von
der Vorinstanz – kein Rayonverbot anzuordnen.
VII. Zivilansprüche
1. Voraussetzungen
Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für die Zusprechung von Zivilansprüchen
im Strafverfahren vollständig und zutreffend zusammengefasst (Urk. 115 S. 39
ff.).
2. Schadenersatzansprüche
Die Verteidigung begründete die von ihr beantragte Abweisung der Zivilansprüche
der Privatkläger mit dem von ihr beantragten vollumfänglichen Freispruch (Urk. 93
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S. 25; Urk. 162 S. 33) bzw. mit der fehlenden Kausalität. Wie aufgezeigt wurde, ist
der Beschuldigte aber vorliegend schuldig zu sprechen, wobei die Verletzungen
auf die Handlungen des Beschuldigten zurückzuführen sind. Es ist daher mit Ver-
weis auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 115 S. 40 f.) festzu-
stellen, dass der Beschuldigte gegenüber den Privatklägerinnen 1 und 2 aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genau-
en Feststellung des Schadenersatzes sind die Privatklägerinnen 1 und 2 je auf
den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
3. Genugtuungsansprüche
3.1. Auch in Bezug auf die geltend gemachten Genugtuungsansprüche der
beiden Privatklägerinnen kann auf die rechtlichen Ausführungen sowie die
zutreffende Würdigung der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115 S. 41 f.). Bei-
de Privatklägerinnen haben darauf verzichtet, selbst Berufung einzulegen und die
Abweisung des von ihnen geforderten Mehrbetrages zu monieren. Die zuge-
sprochenen Genugtuungssummen erscheinen sodann auch mit Hinblick auf die
Rechtsprechung als nicht übermässig. Die Ansprüche sind damit im Berufungs-
verfahren gleich zu entscheiden.
3.2. Der Beschuldigte ist zu verpflichten, der Privatklägerin 1 eine Genugtuung
von Fr. 600.--, zuzüglich 5% Zins ab 8. Juni 2019, zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist
das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
3.3. Der Beschuldigte ist weiter zu verpflichten, der Privatklägerin 2 eine
Genugtuung von Fr. 3'000.--, zuzüglich 5 % Zins ab 8. Juni 2019, zu bezahlen. Im
Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Vorinstanzliches Verfahren
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziffer 10)
vollumfänglich zu bestätigen (vgl. Art. 426 Abs. 1 StPO).
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2. Berufungsverfahren
2.1. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.-- zu
veranschlagen (vgl. Art. 424 Abs. 1 StPO, § 16 Abs. 1 GebV OG in Verbindung
mit § 14 Abs. 1 GebV OG). Die Kosten tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
mit seiner Berufung weitestgehend, wobei er insoweit obsiegt, als die vorinstanz-
lich ausgesprochene Freiheitsstrafe reduziert, die Dauer des Kontaktverbots ver-
kürzt und das von der Vorinstanz angeordnete Rayonverbot aufgehoben wird. Bei
diesem Ausgang sind dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens,
mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerin 1, zu 4/5 aufzuerlegen und im Übrigen auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-
geltlichen Vertretung der Privatklägerin 1 sind einstweilen auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO hat im Umfang von 4/5 vorbehalten zu bleiben.
2.2.1. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur.
X._, fordert für seinen Aufwand im Berufungsverfahren eine Entschädigung
von Fr. 9'383.20 (Urk. 163). Der geltend gemachte Aufwand ist ausgewiesen und
erscheint angemessen. Unter Berücksichtigung des in der Honorarnote noch nicht
enthaltenen zeitlichen Aufwands (Teilnahme an der Berufungsverhandlung
inkl. Weg, Nach-/Schlussbesprechung) ist Rechtsanwalt lic. iur. X._ für das
Berufungsverfahren pauschal mit Fr. 10'200 (inkl. Auslagen und MwSt.) aus der
Gerichtskasse zu entschädigen.
2.2.2. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin 1, Rechtsanwältin
lic. iur. Z._, macht im Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 1'932.-
- geltend (Urk. 158). Der geltend gemachte Aufwand ist ausgewiesen und er-
scheint angemessen. Folglich ist Rechtsanwältin lic. iur. Z._ für das Beru-
fungsverfahren mit Fr. 1'932.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse
zu entschädigen.
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