Decision ID: d05b58f7-177d-4c13-9cf1-71823aaee0f5
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Sachentziehung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung - Einzelgericht, vom 30. Mai 2018 (GB180006)
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Anklage:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 8. September 2017
(act. 15) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 45 S. 30 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldige ist schuldig der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 160.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'600.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 800.– Gebühr für das Vorverfahren
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
zu zwei Drittel auferlegt und zu einem Drittel auf die Staatskasse genommen.
6. Dem Beschuldigten wird eine reduzierte Prozessentschädigung für anwaltliche Vertretung
von Fr. 1'425.60 (inkl. MwSt) zugesprochen.
7. Mitteilungen
8. Rechtsmittel"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 8)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 67 S. 2)
1. In Gutheissung der Berufung sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
2. Abteilung, Einzelgericht, vom 30. Mai 2018 (GB180006-L) aufzuheben
und der Beschuldigte freizusprechen;
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Erstinstanzliche und das
Berufungsverfahren zzgl. 8 % bzw. 7.7 % MWST;
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 72; schriftlich und sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Prozessuales / Prozessgeschichte
1. Verfahrensgang
1.1 Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 45 S. 3 ff.).
1.2 Gegen das vorstehend wiedergegebene mündlich eröffnete Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich vom 30. Mai 2018 (Prot. I S. 11) liess der Beschuldigte durch
seine Verteidigung am 31. Mai 2018 (Datum Poststempel) fristgerecht Berufung
anmelden (Urk. 40). Nach Zustellung des begründeten Urteils am 14. August
2018 (Urk. 44/2) reichte die Verteidigung mit Eingabe vom 31. August 2018
(Urk. 49) – ebenfalls fristgerecht – dem Obergericht die Berufungserklärung ein
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und stellte Beweisanträge. Mit Präsidialverfügung vom 4. September 2018 wurde
die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der
Staatsanwaltschaft zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben
oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen und gleichzeitig Frist an-
gesetzt, um Stellung zu den Beweisanträgen des Beschuldigten zu nehmen
(Urk. 51). Innert Frist erklärte die Staatsanwaltschaft, auf eine Anschlussberufung
zu verzichten, beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und die
Abweisung der Beweisanträge des Beschuldigten (Urk. 53). Mit Präsidialver-
fügung vom 10. Oktober 2018 wurden die Beweisanträge des Beschuldigten ab-
gewiesen (Urk. 54). Mit Eingabe vom 8. November 2018 liess der Beschuldigte
um Durchführung des schriftlichen Verfahrens ersuchen (Urk. 56). Mit Präsidial-
verfügung vom 21. November 2018 wurde das schriftliche Berufungsverfahren
– im Einverständnis mit der Staatsanwaltschaft – angeordnet (Urk. 60 und 61).
Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist zur Erstattung der Berufungsbegrün-
dung und zur Stellung von Beweisanträgen angesetzt (Urk. 61). Mit Eingabe vom
11. Februar 2019 ging die schriftliche Berufungsbegründung innert Frist ein. Zu-
dem liess der Beschuldigte im Sinne von Beweisanträgen beantragen, dass er mit
allen Belastungszeugen, insbesondere mit der Geschädigten B._, zu kon-
frontieren und ihm die Gelegenheit zu geben sei, ihr/ihnen Ergänzungsfragen zur
Sache zustellen, sowie dass C._ als Zeugin zu befragen sei (Urk. 67). Mit
Eingabe vom 18. Februar 2019 verzichtete die Staatsanwaltschaft innert Frist auf
Erstattung einer Berufungsantwort und Stellungnahme zu den Beweisanträgen
des Beschuldigen (Urk. 72). Die Vorinstanz verzichtete ebenfalls ausdrücklich am
20. Februar 2019 auf eine Vernehmlassung (Urk. 74). Mit Eingabe vom 24. April
2019 reichte der Verteidiger des Beschuldigten seine Honorarnote für das vorlie-
gende Berufungsverfahren ins Recht (Urk. 78).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an (Urk. 67 S. 2),
weshalb der angefochtene Entscheid im Rahmen des Berufungsverfahrens unter
Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes gesamthaft zur Disposition steht
(Art. 391 Abs. 2 StPO).
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3. Strafantrag / Einstellung
3.1 Der Beschuldigte wurde von der Vorinstanz der Sachentziehung im Sinne
von Art. 141 StGB schuldig gesprochen. Dabei handelt es sich um ein Antrags-
delikt, weshalb ein gültiger Strafantrag eine Prozessvoraussetzung darstellt. Die
Geschädigte B._ hat am 4. Dezember 2016, mithin einen Tag nach dem in-
kriminierten Vorfall vom 3. Dezember 2016, und damit innerhalb der gesetzlichen
Frist von drei Monaten (Art. 31 StGB) einen Strafantrag wegen sexueller Belästi-
gung / Sachentziehung gegen den Beschuldigten gestellt (Urk. 2), weshalb die
Prozessvoraussetzung erfüllt ist (vgl. so auch die Vorinstanz in Urk. 45 S. 5).
3.2 Die Vorinstanz hat sich ausführlich mit dem Einwand der Verteidigung in der
Hauptverhandlung auseinandergesetzt, dass mit der Einstellungsverfügung vom
8. September 2017 betreffend die Vorwürfe der sexuellen Nötigung und sexuellen
Belästigung auch der inkriminierte Sachverhalt (Vorwurf der Sachentziehung)
nicht mehr verfolgt werden dürfe. Auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 45 S. 9 ff.), zumal die Ver-
teidigung dagegen im Berufungsverfahren ohnehin nicht mehr opponiert.
4. Anklagegrundsatz
4.1. Die Verteidigung rügt im Haupt- und Berufungsverfahren die Verletzung des
Anklagegrundsatzes. Entgegen dem Dafürhalten der Vorinstanz umschreibe die
Anklage nur den ersten Teil des Straftatbestandes der Sachentziehung, nament-
lich das Entziehen einer beweglichen Sache. Der Taterfolg, in concreto das Zu-
fügen eines erheblichen Nachteils, und die dazugehörige Absicht des Beschuldig-
ten, seien in der Anklageschrift hingegen nicht erwähnt (Urk. 67 Rz. 4.5 f.).
4.2. Für die theoretischen Ausführungen zum Anklagegrundsatz kann vorab
– um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 42 S. 6 ff.; vgl. dazu auch die Neuauflagen
der Werke SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts,
3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2019, N 209 und N 1267 ff.; SCHMID/JOSITSCH, StPO
Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 9 N 1 ff., Art. 325 N 7 ff.).
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Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem
Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und sub-
jektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Die Anklageschrift bezeichnet ins-
besondere möglichst kurz, aber genau: die der beschuldigten Person vorgeworfe-
nen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tataus-
führung (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Das Anklageprinzip bezweckt zugleich den
Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und dient dem An-
spruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 f. mit
Hinweisen). Entscheidend ist, dass der Angeklagte genau weiss, was ihm konkret
vorgeworfen wird, damit er seine Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann
(BGE 126 I 19 E. 2a S. 21). Ungenauigkeiten in den Ort- und Zeitangaben sind
solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die beschuldigte Person
keine Zweifel darüber bestehen können, welches Verhalten ihr vorgeworfen wird
(Urteile 6B_1121/2013 vom 6. Mai 2014 E. 3.2, 6B_210/2013 vom 13. Januar
2014 E. 1.2 und 6B_441/2013 vom 4. November 2013 E. 3.2; je mit Hinweisen).
Allgemein gilt, je gravierender die Vorwürfe, desto höhere Anforderungen sind an
das Akkusationsprinzip zu stellen (Urteile 6B_432/2011 vom 26. Oktober 2011
E. 2.2 und 6B_899/2010 vom 10. Januar 2011 E. 2.4). Es dürfen hingegen keine
überspitzt formalistischen Anforderungen an die Anklageschrift gestellt werden.
Die Anklageschrift ist kein Urteil (Urteil 6B_799/2014 vom 11. Dezember 2014
E. 1.4.2). Die Strafbehörden haben schliesslich das Recht von Amtes wegen an-
zuwenden. Der Anklagegrundsatz gilt deshalb für die rechtliche Würdigung der
angeklagten Lebensvorgänge durch die Anklagebehörde nicht (iura novit curia,
SCHMID/JOSITSCH, Handbuch, a.a.O., N 212).
4.3. Dem Beschuldigten wird vorliegend vorgeworfen, am 3. Dezember 2016,
zwischen ca. 18.00 Uhr bis 20.30 Uhr, im D._ an der
...-strasse ... in Zürich die Kleider der Geschädigten B._ nach
einem gemeinsamen Saunabesuch versteckt und ihr die Kleider trotz ihrer mehr-
fachen Bitte nicht mehr zurückgegeben zu haben. Der Beschuldigte habe die
Kleider nicht für sich behalten, sondern es sei ihm einzig und allein darum gegan-
gen, das Eigentum der Geschädigten vorzuenthalten (Urk. 15 S. 2 f.).
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Aufgrund dieser Umschreibung des Tatvorwurfs muss dem Beschuldigten in zeit-
licher, örtlicher und inhaltlicher Hinsicht klar sein, was ihm die Staatsanwaltschaft
zur Last legt. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung ist in diesem Ankla-
gevorwurf auch ein Nachteil mitumschrieben, den der Beschuldigte der Geschä-
digte B._ durch das Verstecken der Kleider zugefügt haben soll. Die Ge-
schädigte B._ habe den Beschuldigten mehrfach aufgefordert, ihr die Kleider
zurückzugeben. Indem der Beschuldigte dieser Bitte wiederholt nicht nachge-
kommen sei, lässt sich ohne Weiteres folgern, dass B._ gezwungen worden
sei, sich in den Räumlichkeiten des D._s ohne Kleider aufzuhalten. Es ver-
steht sich von selbst, dass die Geschädigte die Lokalität ohne Kleider nicht ver-
lassen konnte. Aufgrund der Formulierung, der Beschuldigte habe die Kleider
trotz mehrfacher Bitte nicht zurückgegeben, wird zudem deutlich gemacht, dass
das Verbleiben ohne Kleider in der erwähnten Räumlichkeit nicht dem Willen der
Geschädigten entsprach. Aus der Schilderung dieser Umstände kann auch darauf
geschlossen werden, dass die Zufügung dieses Nachteils – Verbleib im D._
ohne Kleider – vom Vorsatz des Beschuldigten mitgetragen wurde, zumal ihm
dies aufgrund der mehrfachen Bitte der Geschädigten, ihr die Kleider zurückzu-
gegeben, klar sein musste. Die Anklageschrift ist mithin als Gesamtes im Lichte
der übrigen Akten auszulegen. Ob es sich beim zugefügten Nachteil um einen er-
heblichen Nachteil im Sinne der Tatbestandes der Sachentziehung handelt, ist
hingegen, wie die Vorinstanz ebenfalls richtig erkannt hat, eine Rechtsfrage.
4.4. Die Anklageschrift genügt nach dem Gesagten den Anforderungen des An-
klagegrundsatzes. Der Beschuldigte wusste ohne Weiteres, was ihm zur Last ge-
legt wird und worin der Nachteil, den er durch das Verstecken der Kleider der Ge-
schädigten B._ zugefügt habe, bestehen soll. Die Geschädigte B._
musste sich gemäss Anklagebehörde entgegen ihrem gegenüber dem Beschul-
digten mehrfach bekundeten Willen nach dem gemeinsamen Saunabesuch für ei-
ne gewisse Zeit ohne ihre Kleider im D._ aufhalten, zumal sie ohne Kleidung
die Lokalität nicht verlassen konnte.
5. Formelles
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5.1 Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
5.2 Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1 mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren
Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
II. Schuldpunkt
1. Sachverhalt und Parteistandpunkte
1.1 Dem Beschuldigten wird das einleitend umschriebene Verhalten zur Last ge-
legt. Der Beschuldigte hielt anlässlich seiner ersten Befragung vom 26. Januar
2017 im Sinne seiner Sachdarstellung zum Vorfall vom 3. Dezember 2016 am
Abend, ca. 18.00 Uhr, zusammengefasst fest, dass er und C._ (seine Freun-
din und zudem Halbschwester der Geschädigten) nach dem ersten Saunagang
bewusst die Kleider der Geschädigten B._, C._ und ihm in einen
Schrank unter dem Lavabo im Saunaraum getan hätten, wobei man diesen
Schrank mit den Händen hätte aufziehen können, was die Geschädigte dann
auch gemacht habe. Während den Saunagängen seien die Geschädigte und
E._ immer wieder reingekommen und hätten nach den Kleidern gefragt und
diese gesucht. Nach etwa rund einer halben Stunde habe die Geschädigte den
erwähnten Unterschrank aufgezerrt und seine Schlüssel gefunden. Die Kleider
habe sie übersehen, was C._ und ihn etwas amüsiert, aber auch verwundert
habe. Er schätze, die Geschädigte habe etwas 30 bis 45 Minuten nach den Klei-
dern gesucht. Dabei habe sie immer das gleiche Badetuch an gehabt. Er und
C._ hätten einfach "den ganzen Haufen" an Kleidern genommen und in den
Schrank getan, damit die Geschädigte und E._ nicht hätten abhauen können.
Er habe nichts gesagt, als die Geschädigte ihn nach den Kleidern gefragt habe.
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Er und C._ hätten sich nicht vorschreiben lassen wollen, wann sie hätten ge-
hen müssen. Es stimme, dass die Geschädigte und E._ hätten gehen wollen.
Er und C._ seien der Auffassung gewesen, dass sich die Geschädigte und
E._ an ihre Vorgaben halten müssten, da die Geschädigte unbedingt nach
Zürich und in die Sauna gewollt habe. Er schätze, die Geschädigte habe die
Tanzschule zwischen 20.00 bis 20.30 Uhr verlassen, wobei sie dann die Kleider
seiner Schwester getragen habe (zum Ganzen Urk. 6; und ausführlich nochmals
hernach unter Ziffer 1.7).
An der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 12. Januar 2018 hat der Be-
schuldigte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht (Urk. 21).
An der Hauptverhandlung vom 30. Mai 2018 machte der Beschuldigte ebenfalls
keine Aussagen mehr zur Sache (Urk. 36 S. 6 ff.).
1.2 Die Verteidigung bringt zunächst vor, die Aussagen des Beschuldigten an-
lässlich der Befragung vom 26. Januar 2017 seien nicht verwertbar, da dem Be-
schuldigten zu Beginn der Einvernahme kein tatrespektiver Vorhalt im Sinne von
Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO gemacht worden sei. Entgegen der Auffassung der Vor-
instanz habe der Beschuldigte keineswegs ein Geständnis abgegeben. In der
Einvernahme vom 26. Januar 2017 sei dem Beschuldigten überhaupt kein Sach-
verhalt vorgehalten worden. Der Beschuldigte sei auch nicht in allgemeiner Weise
und nach dem aktuellen Verfahrensstand darüber aufgeklärt worden, was ihm
– mit Blick auf die eingangs vorgehaltenen Tatbestände der sexuellen Belästigung
/ Sachentziehung – genau vorgeworfen werde (Urk. 67 Rz. 14 ff.).
1.3 Gemäss Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO ist die beschuldigte Person zu Beginn
der ersten Einvernahme darauf hinzuweisen, dass gegen sie ein Vorverfahren
eingeleitet worden ist und welche Straftaten Gegenstand des Verfahrens bilden.
Erforderlich ist, dass der Beschuldigte in allgemeiner Weise aufgeklärt wird, wel-
ches Delikt ihm zur Last gelegt wird. Vorzuhalten sind folglich die äusseren Um-
stände der Straftat hinsichtlich Ort, Zeit und Tatumstände. Die Orientierungspflicht
hat so konkret zu erfolgen, dass der Beschuldigte den gegen ihn gerichteten Vor-
wurf erfassen und sich entsprechend verteidigen kann (SCHMID/JOSITSCH, StPO
Praxiskommentar, a.a.O., Art. 158 N 8). Ob die Information genügend war, be-
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misst sich daran, ob die beschuldigte Person sich gegen die konkreten Tatvorwür-
fe wehren konnte (BSK StPO I-RUCKSTUHL, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 158 N 22b).
1.4 Vorliegend wurde dem Beschuldigten zu Beginn der polizeilichen Einver-
nahme vom 26. Januar 2017 mitgeteilt, dass gegen ihn ein Strafverfahren wegen
sexueller Belästigung / Sachentziehung eröffnet worden sei. Dabei handle es sich
um einen Vorfall vom 3. Dezember 2016 in den D'._. B._ habe Anzeige
erstattet. Zudem wurde der Beschuldigte darauf hingewiesen, dass er das Recht
habe, die Aussage und Mitwirkung zu verweigern. Sein Verteidiger war an der
Einvernahme ebenfalls zugegen (Urk. 6 S. 1). Es mag zutreffen, dass diese Ori-
entierung etwas allgemein gehalten wurde. Den spezifischen und detaillierteren
Tatvorwurf hielt die Polizei dem Beschuldigten dann gegen Ende der Befragung
vor (Urk. 6 S. 7 Frage 54). Dennoch wusste der Beschuldigte anhand der ihm zu
Beginn zugetragenen Angaben, um welchen Vorfall es ging und nahm im Sinne
seiner eigenen, soeben wiedergegebenen, Sachdarstellung dazu Stellung. Der
Beschuldigte konnte sich damit in genügender Form wehren und wusste aufgrund
seiner eigenen Ausführungen, dass die Strafanzeige der Geschädigten B._
unter anderem auf dem Vorwurf basierte, dass er ihre Kleider versteckt und sie ihr
trotz mehrfacher Aufforderung nicht mehr zurückgegeben haben soll. Ansonsten
hätte er sich in seiner Sachdarstellung nicht entsprechend geäussert. Es ist der
Verteidigung jedoch insofern Recht zu geben, dass bei dieser Sachlage entgegen
den Erwägungen der Vorinstanz nicht von einem Geständnis des Beschuldigten
ausgegangen werden kann, zumal sich der Beschuldigte nicht der Sachentzie-
hung schuldig erklärte, sondern vielmehr einfach seine Sachdarstellung bzw.
Sichtweise zum Vorfall vom 3. Dezember 2016 schilderte. Den Anforderungen
von Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO ist nach dem Gesagten jedoch rechtsgenügend
nachgekommen worden.
1.5 Die Verteidigung rügt im Weiteren, dass die Aussagen der Geschädigten
B._ und der Auskunftspersonen E._ und C._ von der Vorinstanz
nicht hätten verwertet werden dürfen, da der Beschuldigte an deren Einvernahme
nicht habe teilnehmen können und mit welchen er während der gesamten Unter-
suchung auch nicht konfrontiert worden sei (Urk. 67 Rz. 13). Bezüglich der Ver-
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wertbarkeit der Aussagen von B._ und E._ hat sich die Vorinstanz zu-
treffend geäussert. Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 45 S. 5 f.).
Dieser Einwand der Verteidigung erweist sich als unbegründet, zumal sich die Vo-
rinstanz bei der Sachverhaltserstellung einzig auf die Aussagen des Beschuldig-
ten stützte und die Aussagen der übrigen Verfahrensbeteiligten, d.h. von B._
und E._, nur ergänzend berücksichtigte, soweit sie ohnehin deckungsgleich
mit den Aussagen des Beschuldigten gewesen seien (Urk. 45 S. 15 f.). C._,
die Freundin des Beschuldigten und Halbschwester der Geschädigten, verweiger-
te die Aussage ohnehin gänzlich (vgl. Urk. 5).
1.5 Die Verteidigung bringt sodann in materieller Hinsicht vor, der Geschädigten
B._ sei weder ein erheblicher Nachteil zugefügt worden noch habe der Be-
schuldigte in entsprechender Absicht gehandelt. Es fehle an einem "Vorenthal-
ten", geschweige denn an einer Wegnahme und damit an einem Nachteil, der
über einen Bagatellcharakter hinausginge. Es stehe fest, dass die Geschädigte
B._ die Kleider schneller hätte finden können, zumal es sich um einen sehr
kleinen und überschaubaren Saunabereich gehandelt habe (vgl. Urk. 69/1). Die
Geschädigte wäre jederzeit in der Lage gewesen, ihre Kleider zu finden und zu
behändigen, da sie gewusst habe, dass ihre Kleider im Saunabereich gewesen
seien. Die Geschädigte habe nie behauptet, der Beschuldigte habe mit ihren Klei-
dern den Sauna- und Aufenthaltsbereich verlassen (Urk. 67 Rz. 18 f.).
1.6 Wie bereits erwähnt, ist die Frage, ob der Geschädigten durch das Vorent-
halten der Kleider ein erheblicher, mithin ein über eine Bagatelle hinausgehender
Nachteil, zugefügt wurde, eine Rechtsfrage (vgl. dazu hernach Ziffer 4.2).
1.7 Der Beschuldigte gab in der polizeilichen Befragung vom 26. Januar 2017 im
Sinne seiner Sachdarstellung zum Abend vom 3. Dezember 2016, ca. 18.00 Uhr,
zusammengefasst und sachdienlich an, nach dem ersten Saunagang, der etwa
15 bis 20 Minuten gedauert habe, zusammen mit C._, ganz bewusst alle
Kleider, d.h. von der Geschädigten, C._ und ihm, "den ganzen Haufen", in
einen Schrank unter dem Lavabo im Saunaraum getan zu haben, wobei man die-
sen Schrank einfach mit den Händen hätte aufziehen können. Er und C._
hätten noch drei bis vier weitere Saunagänge machen wollen (Urk. 6 Fragen 7, 9
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und 15). Dies [das Verstecken der Kleider] hätten sie getan, damit die Geschädig-
te und E._ nicht hätten abhauen können (Urk. 6 Frage 33). Während diesen
Saunagängen seien die Geschädigte und E._ immer wieder reingekommen,
hätten nach den Kleidern gefragt und sie gesucht. Nach rund 30 Minuten habe
sich die Geschädigte entschlossen, den erwähnten Unterschrank aufzuzerren.
Dabei habe sie alle Kleider übersehen. Seine Schlüssel für das Tanzstudio und
auch die privaten Schlüssel seien vorne gelegen. Auf dem Tablar etwas oben sei-
en die Kleider gelegen. Sie [die Geschädigte und E._] hätten dann den
Schlüssel genommen und die ganze Tanzschule und das Büro durchsucht. Die
Geschädigte habe insgesamt rund 30 bis 45 Minuten nach den Kleidern gesucht
(Urk. 6 Fragen 11 und 12). Er und C._ hätten die Saunagänge weiter ge-
macht und das Treiben beobachtet. Sie seien etwas amüsiert, aber auch verwun-
dert gewesen. Nach dem Ende ihres zweitletzten Saunaganges sei die Geschä-
digte wieder reingekommen, habe ihre Schuhe geholt und dabei die Kleider seiner
Schwester getragen. Die Geschädigte habe während sie ihre Kleider gesucht ha-
be, immer das gleiche Badetuch getragen, wobei er nicht wisse, ob sie darunter
etwas an gehabt habe. Wenn sie das Bikiniunterteil und die "Unterwäsche" [wohl:
sinngemäss Unterhose gemeint, da ein Bikinioberteil und BH als verlustig galten]
nicht als verlustig angegeben habe, habe sie noch etwas unter dem Badetuch an-
gehabt (Urk. 6 Fragen 14 und 17 f.).
Die Geschädigte sei anfangs – als sie ihre Kleider suchte und danach fragte –
hungrig gewesen und bei zweiten, dritten Mal "hässig" bzw. leicht genervt. Er ha-
be nichts gesagt. C._ habe geantwortet, dass sie nichts sage. E._ habe
dann mehrfach gefragt. Sie hätten beide gesagt, dass sie in der Sauna bleiben
und die Saunagänge machen würden. Es stimme, E._ und die Geschädigte
hätten gehen wollen. Er und C._ hätten sich nicht vorschreiben lassen wol-
len, wann sie gehen. Die Geschädigte habe sich an ihre Vorgaben halten müssen
(Urk. 6 Fragen 35 ff.). Er schätze die Geschädigte habe etwa 2 bis 2 1⁄2 Stunden in
der Tanzschule verbracht. Sie sei etwa zwischen 20.00 bis 20.30 Uhr gegangen
(Urk. 6 Frage 10).
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1.8 Aufgrund dieser Sachdarstellung des Beschuldigten ist mit der Vorinstanz
(Urk. 45 S. 16) ohne Weiteres erstellt, dass der Beschuldigte im inkriminierten
Zeitpunkt nach dem ersten Saunagang die Kleider der Geschädigten versteckte,
indem er den "ganzen Haufen" an Kleidern nahm und in den Unterschrank des
Lavabos legte. Die Kleider der Geschädigten befanden sich mithin nicht mehr am
Ort, wo sie sie hingelegt hatte. Ebenso wenig waren sie entgegen den Ausführun-
gen der Verteidigung jederzeit auffindbar. So handelt es sich doch bei einem Un-
terschrank eines Lavabos nicht um einen Ort, in dem man üblicherweise Kleider
verstaut bzw. erahnt. Irrelevant ist, ob dieser Schrank abgeschlossen war oder
nicht. Der Beschuldigte führte aus, die Geschädigte habe immer wieder nach den
Kleidern gefragt, wobei er nicht geantwortet habe, und sich nach rund 30 Minuten
dazu entschlossen, den Unterschrank aufzuzerren und die Kleider dabei einfach
übersehen. Indem der Beschuldigte erklärte, er habe "den ganzen Haufen" an
Kleidern genommen, erstaunt es nicht weiter, dass es für die Geschädigte nicht
erkennbar gewesen sein muss bzw. sie es zumindest übersah, dass sich ihre
Kleider ebenfalls in diesem Haufen befanden, ansonsten hätte sie ihre Kleider mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an sich genommen und ihre Suche
abgebrochen, anstatt die Räumlichkeiten weiter nach ihren Kleidern zu durchsu-
chen. Kommt hinzu, dass dieser Haufen an Kleidern wohl auch optisch nicht der
Menge an ihren Kleidern entsprach, weshalb sie ihre Kleider möglicherweise nicht
in diesem Haufen vermutete bzw. auch nicht vermuten musste. Der Beschuldigte
amüsierte sich und sagte der Geschädigten immer noch nicht, wo sich ihre Klei-
der befanden. Stattdessen liess er sie noch weiter suchen, bis sie mit den ange-
zogenen Kleidern seiner Schwester wieder kam, um ihre Schuhe zu holen und
schliesslich etwa zwischen 20.00 Uhr und 20.30 Uhr die Lokalität verliess.
Der Beschuldigte tat dies, damit die Geschädigte (und E._) nicht gehen
konnten, wollte er die beiden doch verkuppeln (vgl. Urk. 6 Frage 7), und nicht,
weil er sich das Eigentum an den Kleidern verschaffen wollte.
Der Anklagesachverhalt ist erstellt.
2. Beweisanträge des Beschuldigten
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2.1 Der Beschuldigte lässt, wie eingangs erwähnt, beantragen, C._ sei als
Zeugin zu befragen. Zudem sei die Geschädigte B._ und alle anderen Belas-
tungspersonen nochmals unter Wahrung der Teilnahmerechte des Beschuldigten
zu befragen. Namentlich sei zu klären, weshalb die Geschädigte die Kleider nicht
behändigte, obschon der Kleiderschrank offen gewesen sei und weshalb sie nach
dem Vorfall in aller Ruhe (in fremden Kleidern) mit E._ Essen gegangen sei
und erst drei Stunden später die Polizei aufsuchte, ihre
Kleider nie zurückverlangt und weshalb sie nur den Beschuldigten und nicht auf
C._ angezeigt habe (Urk. 67 Rz. 25 f.).
2.2 Gemäss Art. 139 Abs. 2 StPO ist über Tatsachen die bereits rechtsgenü-
gend erwiesen sind, kein Beweis zu führen. Vorliegend ist aufgrund der eigenen
Sachdarstellung des Beschuldigten zum Vorfall vom 3. Dezember 2016 der inkri-
minierte Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Im Übrigen beruht die Begründung
der Beweisanträge auf Umständen, die für den vorliegend zu beurteilenden Sach-
verhalt unerheblich sind. Anzumerken bleibt, wie bereits dargelegt, dass die Ge-
schädigte die Kleider mit praktischer Sicherheit behändigt hätte, wenn sie sie tat-
sächlich im Haufen erblickt hätte. Sie musste jedoch weder damit rechnen, dass
sich ihre Kleider in diesem Haufen befinden würden noch konnte sie diese sofort
bzw. jederzeit behändigen. Dies ergibt sich allein aus dem Umstand, dass sie da-
nach noch weiter nach ihren Kleidern suchte und schliesslich die Kleider der
Schwester des Beschuldigten anzog, um die Räumlichkeit verlassen zu können.
Weshalb die Geschädigte nach dem Vorfall zuerst Essen gegangen und erst spä-
ter zur Polizei gegangen sei, ist für die Sachverhaltserstellung nicht von Relevanz,
ebenso wenig, weshalb keine Anzeige gegenüber C._ erhoben worden sei,
zumal die hiesige Kammer ausschliesslich zu prüfen hat, ob der inkriminierte
Sachverhalt erstellbar ist oder nicht.
2.3 Die Beweisanträge des Beschuldigten sind demnach abzuweisen.
3. Fazit zum Sachverhalt
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Aufgrund der eigenen Sachdarstellung des Beschuldigten ist erstellt, dass er am
Abend des 3. Dezember 2016, mutmasslich um etwa 18.15, 18.20 Uhr, nach dem
ersten Saunagang, die Kleider von B._ versteckte und sie ihn mehrfach er-
folglos darum bat, ihr die Kleider zurückzugeben. B._ befand sich zu diesem
Zeitpunkt ohne Kleider im Saunabereich. Der Nachteil liegt darin, dass sie wäh-
rend einer gewissen Zeit nach dem ersten Saunagang, d.h. ca. 1 1⁄2 bis
2 Stunden, nicht im Besitz ihrer Kleider war und sich damit ohne Kleider – entge-
gen ihrem mehrfach gegenüber dem Beschuldigten bekundeten Willen – in der
Räumlichkeit aufhalten musste, obschon sie gehen wollte, was ihr ohne ihre Klei-
der selbstredend nicht möglich war. Ob dieser Nachteil ein erheblicher gewesen
war, ist nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Bezüglich den Tatbestandsvoraussetzungen der Sachentziehung im Sinne
von Art. 141 StGB kann vorab – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – auf
die theoretischen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 45
S. 17 f.). Ein Nachteil ist erheblich, wenn er nicht gering im Sinne von Art. 172ter
StGB ist, mithin im Falle einer Vermögenseinbusse Fr. 300.– übersteigt
(BSK StGB II-WEISSENBERGER, 4. Aufl. Basel 2019, Art. 141 N 27). Bei im-
materiellen Nachteilen bedarf es einer Einzelfallbetrachtung für die Beurteilung
der Erheblichkeit, wobei verhältnismässig geringfügige Beeinträchtigungen von
der Strafbarkeit ausgenommen werden (BSK StGB II-WEISSENBERGER, a.a.O.,
Art. 141 N 28 ff.).
4.2. Aufgrund des erstellten Sachverhalts steht fest, dass der Beschuldigte die
Kleider der Geschädigten im Saunabereich versteckte und sie der Geschädigten
nicht zurückgab, obschon sie ihn mehrfach darum bat. Das ganze erfolgte nach
dem ersten Saunagang. Die Geschädigte war gezwungen während 30 bis
45 Minuten nach ihren Kleidern zu suchen, zumal sie nur mit einem Badetuch und
einem Bikiniunterteil bekleidet war (vgl. Urk. 6 Fragen 13 und 17 f.) und in diesem
Zustand die Lokalität zweifelsohne nicht hätte verlassen können. Der immaterielle
Wert der Kleider war für die Geschädigte zu diesem Zeitpunkt demnach erheblich.
Dies wusste der Beschuldigte, indem er selbst angab, er habe die Kleider ver-
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steckt, damit sie (die Geschädigte und E._) nicht hätten abhauen können
(Urk. 6 Frage 33). Kommt hinzu, dass es im Zeitpunkt des Vorfalls Winter und
Abend war. Die Vorinstanz hat daher zutreffend erwogen, dass von einer emotio-
nal belastenden und unangenehmen Situation auszugehen ist und dies als mög-
licher Grund dafür angesehen kann, dass die Geschädigte die Kleider im Schrank
unterhalb des Lavabos (womöglich) übersah und am Ende fremde Kleider behän-
digte, um die Lokalität verlassen zu können (Urk. 45 S. 19). Es ist jedoch letztlich
nicht weiter von Relevanz, weshalb sie die Kleider übersah, zumal der Beschul-
digte dies offensichtlich bemerkte, sich darüber amüsierte und ihr aber dennoch
nicht mitteilte, dass sich ihre Kleider in "diesem Haufen" unterhalb des Lavabos
befänden.
Die Geschädigte hatte letztlich einfach Glück bzw. es war dem Zufall zu verdan-
ken, dass sie die Kleider der Schwester des Beschuldigten fand. Ansonsten wäre
sie womöglich noch länger den Spielereien des Beschuldigten ausgesetzt gewe-
sen, welcher sich eigenen Angaben zufolge über das Verhalten der Geschädigten
amüsierte bzw. wunderte und keine Anstalten zeigte, die Geschädigte von ihrer
Suche zu erlösen. Damit hat der Beschuldigte den Bogen klar überspannt. Nach
dem Gesagten ist ein erheblicher (immaterieller) Nachteil zu bejahen. Entgegen
den Ausführungen der Verteidigung und mit der Vorinstanz schliesst die Bejahung
der Erheblichkeit die Anwendung von Art. 172ter StGB aus (Urk. 67 Rz. 24; Urk. 45
S. 19; BSK StGB II-WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 141 N 17, 28 ff.).
4.3 Erforderlich ist in subjektiver Hinsicht ein Handeln mit Vorsatz und ohne An-
eignungsabsicht (TRECHSEL/CRAMERI in: TRECHSEL/PIETH (Hrsg.), StGB Praxis-
kommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen, Art. 141 N 9). Der Beschuldigte versteckte
die Kleider der Geschädigten bewusst, um sie daran zu hindern, die Lokalität
nach ihrem Ansinnen verlassen zu können. So gab er an, er und C._ hätten
das Programm, mehrere Saunagänge, bestimmt. Es ging ihm mithin darum, die
Kleider der Geschädigten vorzuenthalten, damit sie nicht gehen konnte. Er wollte
die Geschädigte mit E._ verkuppeln. Eine Aneignungsabsicht für ihre Kleider
bestand hingegen nicht. Dem Beschuldigten musste durch sein Handeln klar sein,
dass er die Geschädigte in eine äussert unangenehme Situation brachte, indem
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er ihr trotz ihrer mehrfachen Bitte die Kleider nicht zurückgab, womit er auch in
Kauf nahm, dass sie nur mit einem Badetuch und Bikiniunterteil im D._ ihre
Kleider suchen musste, zumal es selbsterklärend ist, dass sie ohne Kleider im
Winter und zu Abendstunden nicht gehen konnte. Dies bestätigte der Beschuldig-
te implizit auch durch seine Aussage, die Kleider versteckt zu haben, um sie am
Gehen zu hindern. Die Lokalität konnte die Geschädigte schliesslich nur verlas-
sen, weil sie die Kleider der Schwester des Beschuldigten anzog, was dem Be-
schuldigten indes nicht zugute gehalten werden kann.
4.4 Der Schuldspruch der Vorinstanz ist nach dem Gesagten zu bestätigen. Der
Beschuldigte hat sich der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB schuldig
gemacht und ist entsprechend zu bestrafen.
Im Übrigen ist an dieser Stelle anzumerken, dass das anklagegemäss erstellte
Verhalten des Beschuldigten durchaus auch als Nötigung im Sinne von Art. 181
StGB hätte qualifiziert werden können. Es handelt sich dabei nicht um den glei-
chen Lebenssachverhalt der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft
Zürich-Limmat vom 8. September 2017 (Urk. 12). Nachdem die Staatsanwalt-
schaft aber diesbezüglich keine Nötigung angeklagt hat und dem Beschuldigten
vor erster Instanz die mögliche andere rechtliche Würdigung nicht vorgehalten
wurde, hat es damit sein Bewenden.
III. Sanktion / Vollzug
1. Die Sachentziehung sieht als Sanktion eine Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren oder eine Geldstrafe vor (Art. 141 StGB).
2.1 Die Vorinstanz hat die theoretischen Massstäbe zur Strafzumessung richtig
wiedergegeben und zutreffend festgehalten, dass zwischen Tat- und Täterkom-
ponente zu unterscheiden ist. Darauf kann grundsätzlich verwiesen werden
(Urk. 42 S. 20 ff.). Ergänzend nur das Folgende:
Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten der seit
1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des Straf-
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gesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS 2016 1249) begangen. Das
geltende (neue) Recht ist auf diese nur anzuwenden, sofern es für den Beschul-
digten im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2 Abs. 2 StGB;
DONATSCH, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER [Hrsg.], Kommentar
zum StGB, 20. Auflage 2018, Art. 2 N 10).
Vorliegend ist in Wahrnehmung des Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2
Satz 1 StPO) ohnehin eine Geldstrafe von höchstens 20 Tagessätzen auszuspre-
chen. Da das geltende (neue) Sanktionenrecht diesbezüglich keine mildere Be-
strafung vorsieht, gelangt dieses somit nicht zur Anwendung.
2.2 Der Beschuldigte beging das heute zu beurteilende Delikt, bevor er mit Urteil
des Kantonsgerichts Luzern vom 15. Oktober 2018 wegen mehrfachen Herstel-
lens von Pornografie zum eigenen Konsum nach Art. 197 Abs. 5 StGB verurteilt
und mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen (zu je Fr. 50.–) bestraft wurde
(Urk. 82). Es ist daher zu prüfen, ob für das vorliegende Verfahren eine Zusatz-
strafe auszusprechen ist.
2.3 Gegen das Urteil des Kantonsgericht Luzern wurde Beschwerde in Straf-
sachen ans Bundesgericht erhoben, weshalb nach wie vor kein rechtskräftiges
Urteil vorliegt (Urk. 76). Eine Zusatzstrafe scheidet demnach aus (Art. 49 Abs. 2
StGB).
3.1 Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldig-
te die Kleider der Geschädigten aus einer Laune heraus versteckte und sie ihr
trotz mehrfacher Bitte nicht zurückgab. Stattdessen beobachtete er das Treiben
der Geschädigten, welche nur mit einem Badetuch und Bikiniurteil bekleidet war,
amüsierte sich und erlöste sich auch nicht, als sie ihre Kleider im Haufen übersah,
sondern liess sie einfach weiter nach ihren Kleidern suchen. Er brachte die Ge-
schädigte dadurch in eine sehr unangenehme und aussichtslose Situation, zumal
sie so die Räumlichkeiten nicht verlassen konnte. Die Geschädigte konnte sich
nach rund 1 1⁄2 bis 2 Stunden aus der Situation befreien, da sie die Kleider der
Schwester des Beschuldigten fand und diese anzog, um die Lokalität verlassen
zu können. Dem Beschuldigten ist zugute zu halten, dass sein Vorhaben nicht
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plante, sondern den Entschluss spontan fasste, als die Geschädigte zu erkennen
gab, nicht mehr bei seinem vorgesehenen Programm (mehrere Saunagänge) mit-
zuwirken. Dies passte ihm offensichtlich nicht. Das Verschulden wiegt insgesamt
leicht.
3.2 Zur subjektiven Tatschwere ist auszuführen, dass der Beschuldigte die Klei-
der bewusst versteckte, weil er die Geschädigte am Verlassen der Lokalität hin-
dern wollte. Dabei nahm er ihn Kauf, dass sie ihre Kleider, nur mit einem Bade-
tuch und Bikiniunterteil bekleidet, suchen musste und ignorierte ihre mehrfache
Bitte, ihr die Kleider zurückzugeben. Mithin handelte der Beschuldigte aus rein
egoistischen und rücksichtslosen Motiven. Das Treiben der Geschädigten amü-
sierte ihn gar. Die subjektive Tatschwere wiegt etwas schwerer als die objektive,
aber immer noch leicht.
3.3 Die von der Vorinstanz anhand der Tatschwere festgesetzte Einsatzstrafe
von 20 Tagessätzen Geldstrafe erscheint angemessen.
4. Bezüglich der Täterkomponente kann vollumfänglich auf die Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden. Sie verhält sich strafzumessungsneutral
(Urk. 42 S. 24). Die Vorinstanz hat ebenfalls richtig erwogen, dass leicht strafer-
höhend zu werten ist, dass der Beschuldigte während laufender Strafunter-
suchung delinquierte und strafmindernd ins Gewicht fällt, dass der Beschuldigte
durch seine Sachdarstellung den Anklagevorwurf im Wesentlichen einräumte
(Urk. 42 S. 24 f.). Es bleibt bei den 20 Tagessätzen Geldstrafe.
5. Der Beschuldigte wurde mit Präsidialverfügung vom 4. September 2018 auf-
gefordert, das "Datenerfassungsblatt" und Unterlagen zwecks Beurteilung seiner
wirtschaftlichen Verhältnisse einzureichen (Urk. 51). Der Beschuldigte kam dieser
Aufforderung nicht nach. Die Erwägungen der Vorinstanz zur Festsetzung der
Tagessatzhöhe auf Fr. 160.– sind nicht zu beanstanden und demnach so zu be-
stätigen (Urk. 42 S. 25 ff.).
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6.1 Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze, die bei der Beurteilung, ob
eine Strafe vollzogen werden soll, massgebend sind, korrekt wiedergegeben. Dar-
auf kann verwiesen werden (vgl. Urk. 45 S. 28).
6.2 Sie gewährte dem (damals) nicht vorbestraften Beschuldigten den bedingten
Vollzug der Geldstrafe mit zutreffender Begründung, auf welche verwiesen wer-
den kann (vgl. Urk. 45 S. 29). Diese Anordnung könnte im Übrigen wegen des
Verschlechterungsverbotes auch nicht in Frage gestellt werden und ist damit, zu-
sammen mit der Ansetzung einer zweijährigen Probezeit, welche der gesetzlich
vorgeschriebenen Mindestdauer entspricht (vgl. Art. 44 Abs. 1 StGB), zu be-
stätigen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss – es bleibt beim vorinstanzlichen Schuldspruch – ist die
Kostenregelung der Vorinstanz zu bestätigen (Urk. 45, Dispositivziffer 4, 5 und 6).
2. Nachdem der Beschuldigte im Berufungsverfahren vollumfänglich unterliegt,
sind ihm auch diese Kosten aufzuerlegen. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr
ist auf Fr. 3'000.– festzusetzen. Ein Entschädigungsanspruch für die Aufwendun-
gen der erbetenen Verteidigung besteht ausgangsgemäss nicht.
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