Decision ID: 3af75556-cdfe-4fb4-962e-dc68365923f5
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 13. August 2009 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, zuletzt als Raumpflegerin bei
der B._ AG und bei der C._ AG gearbeitet zu haben. Seit dem 13. Februar 2009 sei
sie zu 100 % arbeitsunfähig. Sie leide unter reaktiven depressiven Verstimmungen,
innerer Unruhe, Lustlosigkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit, Angstgefühlen,
Spannungskopfschmerzen, einer Diskushernie und Schmerzen in den Gelenken, im
Nacken, der Hüfte, den Händen und den Beinen.
A.b Anlässlich eines Telefongesprächs vom 27. August 2009 gab Dr. med. D._,
Fachärztin für Psychiatrie, gegenüber RAD-Ärztin Dr. E._ an, dass sie eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und eine leistungsorientierte
Persönlichkeit diagnostiziert habe (IV-act. 8). Seit Februar 2009 sei die Versicherte zu
100 % arbeitsunfähig. Bis zu diesem Zeitpunkt habe die Versicherte "einwandfrei
funktioniert". Infolge einer Überlastungssituation (Haushalt, Arbeit, Kinder) sei es zu
einer massiven Erschöpfung gekommen. Die Versicherte sei in der Lage, in der
angestammten Tätigkeit wie auch in einer adaptierten Tätigkeit halbtags, d.h. zu 50 %,
zu arbeiten. Am 28. August 2009 reichte Dr. D._ das unterzeichnete
Gesprächsprotokoll samt weiterer medizinischer Berichte ein (IV-act. 20). Ergänzend
führte sie an, dass die Versicherte an einer andauernden Persönlichkeitsänderung bei
chronischem Schmerzsyndrom leide (ICD-10: F62.8). Dr. med. F._, Innere Medizin
FMH, hatte am 18. März 2009 berichtet (IV-act. 20-5), dass die Versicherte an einer
Cervicobrachialgie rechts (ursächlich kleine Diskushernie C5/C6) und "sicher auch" an
einem Karpaltunnelsyndrom rechts sowie an "rheumatischen" Symptomen einer
Fibromyalgie leide. Die jahrelange Vierfach-Belastung (Erwerbstätigkeit, invalider
Ehemann, Kinder, Haushalt) sei ihr nun zu viel geworden. Nun, "wie konnte es anders
sein", sei sie depressiv geworden und alles beeinflusse sich gegenseitig ungünstig.
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Laut dem Austrittsbericht der Klinik Gais vom 28. August 2009 (IV-act. 19; besser
lesbar: IV-act. 15) war die Versicherte vom 15. Juni bis 8. Juli 2009 hospitalisiert
gewesen. Die Diagnosen lauteten wie folgt:
1. Depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom
(F32.11);
2. Fibromyalgie (M79.70);
3. Probleme bei der Lebensführung - Rauchen (Z72.0);
4. Ungeeignete Ernährungsweise und Essgewohnheiten (Z72.4).
Die Klinik gab an, dass die Versicherte seit Januar 2009 an Nackenschmerzen mit
Ausstrahlung in beide Hände leide. Parallel habe sich eine depressive Verstimmung
entwickelt. Beim Eintritt habe das Bewusstsein leicht getrübt und vermindert gewirkt.
Es seien leichte örtliche und zeitliche Orientierungsstörungen sowie Konzentrations-
und Merkfähigkeitsstörungen vorhanden gewesen. Die Versicherte habe von
Gedankenkreisen, umständlichem und ideenflüchtigem Denken und Gedankendrängen
berichtet. Sie sei misstrauisch gewesen und habe an hypochondrischen Ängsten
gelitten. Im Affekt sei sie ratlos und deprimiert gewesen und es habe eine Störung der
Vitalgefühle vorgelegen; sie sei ängstlich, gereizt und innerlich unruhig gewesen. Im
Antrieb sei sie vermindert und gehemmt gewesen. Beim Klinikaustritt hätten sich keine
Veränderungen gezeigt. Der zusammenfassenden Beurteilung war zu entnehmen, dass
die jahrelange grosse Mehrfachbelastung durch Beruf, Familie und Pflege des invaliden
Ehemannes gekoppelt mit perfektionistischen Persönlichkeitszügen die Entwicklung
einer depressiven Störung begünstigt habe. Durch das Rehabilitationsprogramm sei im
Verlauf des Aufenthalts ein verbesserter psychophysischer Zustand mit einer
Stimmungsaufhellung erreicht worden. Die Versicherte sei bis 26. Juli 2009 zu 100 %
arbeitsunfähig gewesen.
A.c Am 31. August 2009 berichtete die B._ AG (IV-act. 14), dass sie die Versicherte
seit August 2002 als Raumpflegerin beschäftige. Seit dem 13. Februar 2009 sei sie
krankgeschrieben. Vor Eintritt des Gesundheitsschadens habe sie ein Pensum von
wöchentlich 13.5 Stunden absolviert (rund 30 %). Sie habe einen Monatslohn von
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ca. Fr. 829.95 erzielt. Die C._ AG berichtete am 21. September 2009 (IV-act. 22),
dass sie die Versicherte seit März 2003 als Reinigungsfachfrau beschäftige. Der letzte
effektive Arbeitstag sei der 12. Februar 2009 gewesen. Die Versicherte habe 22
Stunden pro Woche gearbeitet und einen Brutto-Monatslohn von Fr. 2'600.-- erzielt.
Die allgemeine wöchentliche Arbeitszeit im Betrieb betrage 43.75 Stunden.
A.d Am 6. Oktober 2009 fand eine Frühinterventions-Triage zwischen der zuständigen
IV-Sachbearbeiterin, RAD-Ärztin Dr. E._ und der Eingliederungsverantwortlichen statt
(Gesprächsprotokoll vom 7. Oktober 2009, IV-act. 24). Dem Protokoll war zu
entnehmen, dass der Versicherten zurzeit mindestens eine 50 %ige Arbeitstätigkeit
zumutbar sei. Am 30. September 2009 fand ein Gespräch zwischen der
Eingliederungsverantwortlichen und der Versicherten statt (IV-act. 26). Anlässlich des
Gesprächs gab die Versicherte an, sich nicht arbeitsfähig zu fühlen. Am 4. Dezember
2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 27).
A.e Die Klinik G._ gab in ihrem Bericht vom 19. März 2010 (IV-act. 30) die folgenden
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an:
- Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dependenten und histrionischen Zügen
(F61.0);
- mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11; mind. seit
März 2009);
- anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4; seit ca. 2004).
Sie gab weiter an, dass die Versicherte vom 26. Oktober 2009 bis 23. Februar 2010
einen stationären Aufenthalt in der Klinik absolviert habe. Die Versicherte habe ange
geben, seit vielen Jahren unter starken Schmerzen in beiden Handgelenken zu leiden.
Zu Beginn des Jahres 2009 sei es zu einer akuten Verschlechterung der
Schmerzsymptomatik mit Schmerzausweitung gekommen. In psychischer Hinsicht sei
der Aufenthalt in der Klinik Gais für sie erfreulich gewesen, an der
Schmerzsymptomatik habe sich jedoch nichts verändert. Nach der Entlassung habe
sich ihr Zustand wieder deutlich verschlechtert. Die Klinik erklärte sodann, dass im
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Verlauf der therapeutischen Gespräche die histrionischen, aber auch die dependenten
Züge immer deutlicher geworden seien. Der Behandlungsverlauf sei in einer ersten
Phase von einer durch die Auseinandersetzung mit schmerzhaften Themen
mitverursachten, adäquat wirkenden Traurigkeit und in der Folge von einer leichten
Zunahme der depressiven Symptomatik geprägt gewesen. Dennoch sei eine deutliche
Aktivierung möglich gewesen. Die Schmerzsymptomatik sei subjektiv unverändert
geblieben, habe aber im Verlauf zunehmend weniger Raum eingenommen. Insgesamt
sei die Versicherte bezüglich der depressiven Symptomatik in deutlich stabilisiertem
Zustand entlassen worden. Der objektive Befund habe eine grobkursorisch leicht
beeinträchtigte Konzentrations- und Merkfähigkeit, im formalen Denken gefühlsbetont,
weitschweifig und diskret beschleunigt gezeigt. Im Affekt habe die Versicherte
gedrückt, ängstlich und affektlabil gewirkt. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei sie
seit Februar 2009 und bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Ihre Arbeitsfähigkeit
sei durch eine reduzierte Belastbarkeit, einen gehemmten Antrieb, eine erhöhte
Ermüdbarkeit und eine ausgeprägte Reizempfindlichkeit eingeschränkt. Eine überhöhte
Anspruchshaltung gegenüber der Qualität der eigenen Leistungen führe zudem zu einer
grossen inneren Anspannung und Druck; die Folge davon sei wiederum ein diffuses
Schmerzerleben. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne bis auf
Weiteres nicht gerechnet werden.
A.f Dr. D._ berichtete am 12. August 2010 (IV-act. 32), dass die Versicherte an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische
Symptome (F33.2) und an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit dependenten
und histrionischen Zügen leide. Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Dem Bericht waren die folgenden ärztlichen
Befunde zu entnehmen: Generalisierte Schmerzen (v.a. Kopf-, Nacken- und
Schulterschmerzen) mit Tendenz zur Ausdehnung, Störung der Vitalgefühle,
Insuffizienzgefühle, emotionale Labilität, innere Unruhe, Nervosität, Gereiztheit,
Lärmempfindlichkeit, Schlafstörungen, Isolationstendenz, schwere
Persönlichkeitsdefizite, strukturelle Defizite und intensive Schamgefühle. Die
Versicherte sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bleibend seit Februar 2009 zu 100 %
arbeitsunfähig. Auch in einer adaptierten Tätigkeit sei sie zu 100 % arbeitsunfähig. Mit
einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden.
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A.g RAD-Arzt Dr. H._ hielt am 16. August 2010 fest (IV-act. 33), die Versicherte leide
an einer komplexen psychiatrischen Erkrankung mit zwei Hospitalisationen innerhalb
des letzten Jahres. Die fachärztliche Diagnosestellung sei ausgewiesen. Die
Therapierbarkeit sei entsprechend den Schilderungen der Klinik G._ eingeschränkt.
Die Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit Februar 2009 sei ausgewiesen; die Prognose sei
schlecht. Seines Erachtens reiche die Aktenlage für die Rentenprüfung aus.
A.h Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt vom
10. September 2010 (IV-act. 34) gab die Versicherte an, dass sie heute ‒ ohne
Behinderung ‒ zu 80 % als Reinigungsfachfrau tätig wäre.
A.i RAD-Arzt Dr. I._, Facharzt Psychiatrie, hielt in einer Stellungnahme vom
5. November 2010 fest (IV-act. 38), dass es sich um eine typische Fallentwicklung mit
psychophysischer Überlastung und Schmerzsymptomausweitung handle, wobei
allerdings der organische Kern hierfür nicht apparent werde und sich somit die Frage
stelle, ob überhaupt von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gesprochen
werden könne. Ferner falle eine diagnostische Inkonsistenz zwischen den
verschiedenen behandelnden Institutionen auf. Die von der Klinik G._ angegebene
100 %ige Arbeitsunfähigkeit stimme mit den Angaben im Arzt- bzw. Austrittsbericht
nicht überein. Auch die Einschätzung von Dr. D._, dass die Versicherte wegen einer
schweren, rezidivierenden depressiven Episode zu 100 % arbeitsunfähig sei, sei nicht
nachvollziehbar. Hinweise auf eine rezidivierende depressive Störung bestünden
aufgrund der Vorgeschichte nicht. Dr. I._ kam zum Schluss, dass es sich bei der
mittelgradigen/ schweren depressiven Episode um ein abgrenzbares, im Rahmen der
psychophysischen Dekompensation im Frühjahr 2009 entwickeltes eigenständiges
Krankheitsbild handeln könnte. Falls tatsächlich eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung oder eine Fibromyalgie vorlägen, müsste bei Vorliegen einer
mittelgradigen/schweren depressiven Episode von einer psychiatrischen Komorbidität
ausgegangen werden. Ob diese von erheblicher Schwere wäre oder gegebenenfalls die
Foerster-Kriterien erfüllt wären, müsste durch weitere Abklärungen geklärt werden,
zumal die psychiatrisch-psychotherapeutischen Optionen einschliesslich
belastungsmobilisierender Massnahmen bei weitem noch nicht ausgeschöpft seien.
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A.j Am 15. Februar 2011 fand eine Abklärung an Ort und Stelle statt (IV-act. 44). Die
Versicherte gab anlässlich der Abklärung an, ohne Behinderung würde sie heute einer
Erwerbstätigkeit im Pensum von 80 % nachgehen. Der Betätigungsvergleich ergab
einen Invaliditätsgrad von 42.5 %.
A.k Dr. D._ berichtete am 15. März 2011, dass der Gesundheitszustand stationär sei
(IV-act. 45). Die affektiven Verhältnisse sowie die Schmerzsituation seien unverändert.
Der Versicherten seien leichte körperliche Arbeiten in einem geschützten Raum,
lärmfrei und alleine zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar, wobei ihre
Leistungsfähigkeit um 50 % vermindert sei.
A.l RAD-Arzt Dr. I._ hielt am 20. Juli 2011 fest (IV-act. 49), die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ sei durch die psychiatrische Befundlage nicht
gedeckt. Eine bidisziplinäre Begutachtung (rheumatologisch-psychiatrisch) erscheine
wegen der sich teilweise widersprechenden psychiatrischen Diagnosen erforderlich.
A.m Am 21. Oktober 2011 wurde die Versicherte vom Institut für Forensisch-Psycho
logische Begutachtung bidisziplinär (psychiatrisch und orthopädisch) begutachtet
(Gutachten vom 19. November 2011, IV-act. 55). Die Sachveständigen gaben die
folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an:
1. Leichte bis mittelgradige depressive Episode (F32.0-1);
- Differentialdiagnose: Chronische Depression im Sinne einer Double Depression,
gegenwärtig leichtes bis mittelgradiges Zustandsbild (F32.8);
2. kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
- ängstlich-abhängigen, histrionischen, selbstunsicheren und emotional instabilen
Anteilen (F61.0);
3. Cervicobrachialgie rechts (M50.1) bei kleiner Diskushernie C5/C6 rechts.
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben sie eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung an. Dr. med. J._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
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FMH, führte in seinem Teilgutachten aus, dass die Versicherte bei der Untersuchung
über praktisch am ganzen Körper bestehende Schmerzen geklagt habe. Die
Schmerzen seien immer vorhanden und hätten, bei einer Skala von 1-10,
durchschnittlich die Intensität 8. Sitzen sei während einer Stunde möglich, Gehen und
Stehen könne sie wegen der sofort auftretenden Schmerzen nur während kurzer Zeit.
Dr. J._ gab in der zusammenfassenden Beurteilung an, er habe objektiv keine
schwerwiegenden Befunde erheben können. Sowohl am Achsenskelett wie auch an
den übrigen Teilen des Bewegungsapparates sei die Beweglichkeit schmerzbedingt
vermindert gewesen, ohne dass klare objektiv fassbare Einschränkungen hätten
festgestellt werden können. Namentlich lägen keine neurologischen Ausfallsymptome
vor. Über Röntgenbilder habe er nicht verfügt; dem Schreiben von Dr. F._ vom 18.
März 2009 sei jedoch zu entnehmen, dass mittels MRI eine kleine Diskushernie C5/C6
festgestellt worden sei. Angesichts der klinischen Untersuchungsbefunde sei es
vertretbar, auf zusätzliche radiologische Abklärungen zu verzichten, da aus solchen in
Bezug auf die Arbeitsfähigkeit keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden könnten.
Die Diagnose einer Fibromyalgie könne gemäss den gängigen Richtlinien nicht gestellt
werden, da sowohl die typischen Trigger-Punkte wie auch die Kontrollpunkte praktisch
alle positiv gewesen seien. Aus orthopädischer Sicht sei die Versicherte in ihrer
bisherigen Tätigkeit als Reinigungsfachfrau wegen der verminderten Belastbarkeit des
Achsenskelettes (Diskushernie C5/C6) noch etwa zu 50 % arbeitsfähig; dies unter der
Annahme, dass die Reinigungstätigkeit mittelschwere Arbeiten und die Einnahme von
Zwangspositionen der Wirbelsäule beinhaltet habe. Der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
sei auf Mitte Februar 2009 festzusetzen. In einer leidensangepassten Tätigkeit sei die
Versicherte ganztägig arbeitsfähig, wobei es sinnvoll sei, ihr vermehrte und
betriebsunübliche Pausen von etwa einer Stunde (pro Tag) zuzugestehen. Bei einer
adaptierten Tätigkeit müsse es sich um eine körperlich leichte Arbeit mit der
Möglichkeit des Wechselns zwischen Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und
Tragen von Lasten über 5 kg, ohne Zwangspositionen oder repetitive Bewegungen der
Wirbelsäule, ohne Absolvieren längerer Gehstrecken und ohne Überwinden von
Höhendifferenzen (Treppen, Leitern, Gerüste) sowie ohne Tätigkeiten oberhalb der
Horizontalebene handeln. Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, gab im psychiatrischen Teilgutachten an, dass die Versicherte
eine depressive Stimmung und eine Rückzugstendenz beschrieben habe. Weiter habe
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sie angegeben, nichts mehr zu spüren, sich teilweise selbst zu hassen, Angst vor allem
zu haben, schlecht durchzuschlafen, sich schlecht konzentrieren zu können und
unkonkrete Suizidgedanken zu haben. Dr. E._ befand, dass der Antrieb der
Versicherten leicht vermindert gewesen sei. Vom Willen her habe sie unentschlossen
bis willensschwach gewirkt. Das formale Denken sei weitschweifend und etwas
sprunghaft gewesen. Es seien überwertige Ideen im Sinne eines magisch-mystischen
Denkens fassbar gewesen. Die Versicherte habe berichtet, ab und zu eine Stimme zu
hören, welche ihren Namen rufe, sowie braune Würmer zu sehen, welche sie aber nicht
weiter störten. Die Stimmung habe leicht gedrückt und ängstlich gewirkt.
Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit seien während des
zweieinhalbstündigen Gesprächs anhaltend gut gewesen. Mit Bezug auf die
Gedächtnisleistungen seien leichte Zeitgitterstörungen aufgefallen. Dr. E._
schlussfolgerte, dass von Seiten der depressiven Symptomatik gegenwärtig ein
leichtes bis mittelgradiges depressives Zustandsbild vorliege. Begünstigt durch frühere
Traumatisierungen als Kind hätten sich aus heutiger Sicht eine chronische depressive
Störung im Sinne einer Double Depression, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung entwickelt. Von Seiten der
Persönlichkeit lägen leistungsorientiert perfektionistische Anteile, aber auch ängstlich
abhängige histrionische und emotional instabile Anteile vor. Die Schmerzstörung könne
aus psychiatrischer Sicht als anhaltende somatoforme Schmerzstörung interpretiert
werden, zumal seit Anfang 2009 schwere, andauernde Schmerzen vorlägen, welche
von somatischer Seite nicht ausreichend erklärt werden könnten. Die
Willensanstrengung sei angesichts der depressiven Symptomatik, der Rückzugsten
denz, der diffusen Angst, der Schlaf- und der zeitweisen Konzentrationsstörungen
sowie der unkonkreten Suizidgedanken teilweise eingeschränkt. Es lägen eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit einer psychiatrischen Komorbidität von
einer gewissen Schwere sowie eine Persönlichkeitsstörung vor, so dass gewisse
negative Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit resultierten. Aus rein psychiatrischer
Sicht liege in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Reinigungsangestellte eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40 % vor. Dasselbe gelte für eine adaptierte
Tätigkeit, die möglichst selbständig auszuübende Tätigkeiten mit der Gelegenheit,
Pausen zu machen, beinhalten sollte. Das Arbeitsumfeld sollte wohlwollend sein. Von
Seiten der psychiatrischen Grunddiagnosen bestünden keine wesentlichen
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Widersprüche zu den Beurteilungen der behandelnden Ärzte. Lediglich der
Schweregrad der Depression sei von der behandelnden Psychiaterin in den Berichten
vom 12. August 2010 und vom 15. März 2011 als schwer angegeben worden, was
anhand der vorliegenden Unterlagen und des aktuellen klinischen Befundes nur schwer
nachvollziehbar sei: Die umschriebenen Symptome unterschieden sich grundsätzlich
nur wenig von den heute beschriebenen Funktionsausfällen. In der
zusammenfassenden Beurteilung hielten die Sachverständigen fest, dass sich die
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit nicht additiv
auswirkten, da aus Sicht beider Fachgebiete ein erhöhter Pausenbedarf bestehe.
Konklusiv könne somit von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % ausgegangen werden. Es
sollte sich hierbei um eine möglichst selbständig auszuübende, körperlich leichte
Tätigkeit mit der Möglichkeit des Wechselns zwischen Sitzen, Gehen und Stehen ohne
Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, ohne Zwangspositionen oder repetitive
Bewegungen der Wirbelsäule, ohne Absolvieren längerer Gehstrecken und ohne
Überwinden von Höhendifferenzen (Treppen, Leitern, Gerüste) in einem wohlwollenden
Umfeld handeln.
A.n RAD-Arzt Dr. I._ hielt am 28. Dezember 2011 fest (IV-act. 56), dass das
bidisziplinäre Gutachten die versicherungsmedizinischen Anforderungen in vollem
Umfang erfülle und uneingeschränkt darauf abgestellt werden könne.
A.o Mit Vorbescheid vom 1. Februar 2012 kündigte die IV-Stelle der Versicherten bei
einem IV-Grad von 27 % die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 59). Sie hatte
den Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode ermittelt, wobei sie die
Versicherte als zu 80 % erwerbstätig und zu 20 % im Haushalt tätig eingestuft hatte.
Dagegen liess die Versicherte am 29. Februar 2012 u.a. einwenden (IV-act. 68), dass
sie aufgrund der finanziellen Verhältnisse ohne Invalidität zu 100 % erwerbstätig wäre.
Ihr Rechtsvertreter machte zudem geltend, dass es Dr. E._ an der notwendigen
Unabhängigkeit gefehlt habe, ein Gutachten zu erstellen, da sie im selben Verfahren
bereits zweimal als RAD-Ärztin beteiligt gewesen sei.
A.p Mit Verfügung vom 12. Juli 2012 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren bei einem
IV-Grad von 37 % ab (IV-act. 87). Den Invaliditätsgrad berechnete sie gestützt auf
einen reinen Einkommensvergleich. Dagegen liess die Versicherte am 16. Juli 2012
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Beschwerde erheben (IV-act. 95). In zwei internen Notizen vom 20. September 2012
hielt eine IV-Sachbearbeiterin fest, die weiteren Abklärungen bei der C._ AG hätten
ergeben, dass die Versicherte aktuell bei einem 100 %-Pensum ein Jahreseinkommen
von Fr. 62'400.-- erzielen würde (IV-act. 99 f.). Die C._ AG könnte der Versicherten
aber kein 100 %-Pensum anbieten. Bei der zweiten Arbeitgeberin betrage das
"Valideneinkommen" Fr. 40'449.--; die Einkommen schwankten enorm; der Mittelwert
betrage Fr. 51'424.70. Die Versicherte erleide somit eine Erwerbseinbusse von 40 %.
Mit Verfügung vom 20. September 2012 widerrief die IV-Stelle die Rentenverfügung
vom 12. Juli 2012 (IV-act. 105). Mit Entscheid vom 2. Oktober 2012 schrieb das
Versicherungsgericht die gegen die Verfügung vom 12. Juli 2012 erhobene
Beschwerde ab (IV-act. 110).
A.q Auf interne Anfrage hin erklärte der Rechtsdienst der IV-Stelle am 2. November
2012 (IV-act. 114), dass der von Dr. J._ angegebene erhöhte Pausenbedarf von etwa
einer Stunde pro Tag nicht anerkannt werden könne, da keine schwerwiegenden
organischen Befunde vorlägen. Weiter stelle die von Dr. E._ diagnostizierte leichte
bis mittelgradige depressive Episode rechtsprechungsgemäss keine von depressiven
Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines
verselbständigten Gesundheitsschadens dar, die es der Versicherten verunmöglichen
würde, die Folgen der bestehenden Schmerzproblematik zu überwinden, zumal leichte
bis höchstens mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis
grundsätzlich als therapeutisch angehbar gälten. Weiter habe Dr. E._ hinsichtlich der
Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung die für diese Diagnose
charakteristischen Merkmale nicht hinreichend dargelegt. Die Versicherte sei jahrelang
erwerbstätig gewesen und habe keine Auffälligkeiten oder Schwierigkeiten mit ihrer
Aufgabe als Mutter gehabt. Vor diesem Hintergrund erscheine die Diagnose einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung nicht verlässlich. Eine erhebliche psychische
Komorbidität sei deshalb zu verneinen. Auch fehlten Hinweise darauf, dass die
Foerster-Kriterien hinreichend gehäuft und ausgeprägt vorlägen. Somit bestehe kein
Raum für die Annahme einer mit dem psychischen Leiden begründeten (teilweisen)
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Zusammengefasst sei gestützt auf das in Bezug
auf den medizinischen Sachverhalt beweiskräftige bidisziplinäre Gutachten von einer
100 %igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen.
B.
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B.a Mit Vorbescheid vom 19. November 2012 (IV-act. 119) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Sie
ging dabei von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit aus. Als
Validen- und als Invalideneinkommen zog sie das durchschnittliche Einkommen einer
Hilfsarbeiterin gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE)
im Jahr 2010 heran, d.h. Fr. 52'728.-- (IV-act. 117). Zur Begründung brachte sie die
vom Rechtsdienst in der Stellungnahme vom 2. November 2012 angeführten
Argumente vor. Mit Bezug auf die Befangenheitsvorwürfe gegen die Sachverständige
Dr. E._ führte die IV-Stelle an, dass kein vernünftig erkennbarer Grund gegeben sei,
an deren Objektivität zu zweifeln.
B.b Dagegen liess die Versicherte am 29. November 2012 einwenden (IV-act. 122),
dass das bidisziplinäre Gutachten in materieller Hinsicht nicht vollständig sei. Es fehle
eine ausführliche Medikamentenanamnese und ob bzw. welche physiotherapeutischen
Massnahmen mit welcher Wirkung durchgeführt worden seien. Dem Gutachten könne
auch keine aktuelle radiologische Diagnostik und keine Beurteilung der bestehenden
radiologischen Bilder entnommen werden. Die Einschätzung der somatisch bedingten
Restarbeitsfähigkeit sei unklar; so habe der orthopädische Sachverständige nur
angegeben, es bestehe eine ganztägige Arbeitsfähigkeit mit der Notwendigkeit
vermehrter Pausen von etwa einer Stunde. Weiter habe die psychiatrische
Sachverständige die Auswirkungen der psychischen Beschwerden auf die
Arbeitsfähigkeit nicht genügend umschrieben und hierzu auch keine quantitativen
Angaben gemacht. Der psychiatrische Untersuchungsbefund sei sehr kurz gefasst.
Auch habe die psychiatrische Sachverständige nicht begründet, weshalb die
Willensanstrengung teilweise eingeschränkt sei. RAD-Arzt Dr. I._ nahm am
16. Januar 2013 zu den medizinischen Einwendungen Stellung (IV-act. 124): Vorab
erklärte er, an der Arbeitsfähigkeitsschätzung von 60 % festzuhalten. Das Gutachten
enthalte auf Seite 7 eine vollständige Liste der aktuell eingenommenen Medikamente.
Vom ‒ sehr detailliert dargestellten ‒ Untersuchungsbefund her habe keine
Veranlassung bestanden, aktuelle Röntgenbilder anzufertigen, da hiervon keine
weitergehenden Ergebnisse zu erwarten gewesen seien. Die Frage, ob Physiotherapien
durchgeführt worden seien, habe für die aktuelle gutachterliche Beurteilung keine
Relevanz gehabt. Wenn der orthopädische Gutachter vermerkt habe, es sei vertretbar,
in einer adaptierten Tätigkeit von einem ganztägigen Pensum auszugehen, dann lasse
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der Hinweis auf eine zusätzliche Pause von einer Stunde darauf schliessen, dass eine
Arbeitsfähigkeit von 87.5 % bestehe. Auch Dr. E._ habe die aktuelle
Medikamenteneinnahme erfragt. Der dargestellte psychiatrische Befund sei
umfangreich, vollständig und nach den Richtlinien der AMDP erstellt worden. Die
funktionellen Einschränkungen seien im Gutachten auf Seite 20 ausdrücklich
beschrieben worden. Zur Begründung der teilweise eingeschränkten
Willensanstrengung habe sich Dr. E._ in Ziffer 6.3 ausführlich geäussert. Die
Schätzung der Arbeitsfähigkeit auf 60 % sei konklusiv nicht zu beanstanden.
B.c Mit Verfügung vom 28. Januar 2013 wies die IV-Stelle das Rentengesuch aus den
im Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 125). Zum Einwand verwies sie auf
die Stellungnahme von Dr. I._ vom 16. Januar 2013.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 12. Februar 2013 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer ganzen Invalidenrente spätestens
ab März 2010; eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen
an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zur Begründung
machte der Rechtsvertreter ‒ wie bereits im Verwaltungsverfahren ‒ geltend, das
bidisziplinäre Gutachten sei sowohl aus formellen als auch aus materiellen Gründen
nicht beweistauglich. Ausserdem könne es nicht angehen, dass die
Beschwerdegegnerin, ohne mit Dr. E._ Rücksprache genommen zu haben, von deren
Arbeitsfähigkeitsschätzung abweiche. Als ehemalige RAD-Ärztin sei diese mit den sich
stellenden invalidenversicherungsrechtlichen Fragen vertraut. Sie habe die Frage der
zumutbaren Willensanstrengung, wenngleich nicht nachvollziehbar diskutiert,
beantwortet. Nachdem der RAD ihre Beurteilung ‒ entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin ‒ als ausführlich und konklusiv beurteilt habe, leuchte es umso
weniger ein, dass die Beschwerdegegnerin davon abweiche. Selbst wenn auf das
Gutachten abgestellt würde, hätte die Beschwerdeführerin mindestens Anspruch auf
eine Viertelsrente.
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C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. Mai 2013 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Vorab erklärte sie, die Frage nach der richtigen Qualifikation der
Beschwerdeführerin erübrige sich, da unabhängig von der Methode der
Invaliditätsbemessung kein Rentenanspruch bestehe. Dr. E._ sei anfangs 2010 aus
dem RAD ausgeschieden. Sie sei bereits als RAD-Ärztin von Gesetzes wegen von der
IV-Stelle unabhängig gewesen. Weil ihre gutachterlichen Feststellungen im Ton neutral
und sachlich gehalten seien, ergäben sich keine Anhaltspunkte, die den Anschein der
Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit objektiv begründen könnten.
C.c Mit Replik vom 30. Mai 2013 hielt die Beschwerdeführerin an den mit der
Beschwerde gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 9). Ihr Rechtsvertreter brachte
ergänzend vor, dass niemand die Beschwerdeführerin in einer Tätigkeit, wie sie von
den Sachverständigen umschrieben worden sei, anstellen würde; insbesondere auch
deshalb, weil die Beschwerdeführerin gerade mal acht Jahre lang die Primarschule
besucht habe, über keine Berufsausbildung verfüge und in der Vergangenheit
weitgehend als Raumpflegerin tätig gewesen sei. Falls die Beschwerdeführerin
überhaupt ein Einkommen erzielen könnte, dann sicher keines, welches mehr als 40 %
des Valideneinkommens betrage.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Renten
anspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 0 % abgelehnt.
Strittig ist demnach, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente
hat.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
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dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Die Methode zur Bemessung der konkreten Unmöglichkeit, sich
im Aufgabenbereich zu betätigen, ist in Art. 28a IVG geregelt: Es ist darauf abzustellen,
in welchem Mass die betreffende Person unfähig ist, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen (Abs. 2). Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die sogenannte gemischte Methode der
Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil im
Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen "gemischten" Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.
2.
Zunächst ist zu prüfen, welche Methode der Invaliditätsbemessung vorliegend zur
Anwendung kommt. Die Beschwerdeführerin hat im Fragebogen zur Rentenabklärung
vom 10. September 2010 und anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle vom 15.
Februar 2011 angegeben, dass sie heute ohne die Gesundheitsbeeinträchtigungen zu
80 % erwerbstätig und zu 20 % im Haushalt tätig wäre. Im Einwand gegen den
Vorbescheid vom 1. Februar 2012 hat der Rechtsvertreter demgegenüber erklärt, dass
die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig wäre. Der Ehemann
der Beschwerdeführerin bezieht eine ganze Invalidenrente und eine reduzierte
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Unfallrente (IV-act. 44-2). Die Beschwerdeführerin verfügt über keine Berufsausbildung
und hat jahrelang als Reinigungsfachfrau gearbeitet; sie könnte somit auch im
Gesundheitsfall nur ein Einkommen in der Höhe des durchschnittlichen Lohnes einer
Hilfsarbeiterin erzielen. Die Beschwerdeführerin hat sich im August 2009 bei der
Invalidenversicherung angemeldet. Unter Berücksichtigung des Wartejahres (Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG) und der sechsmonatigen Wartezeit nach Art. 29 Abs. 1 IVG kann
frühestens ab 1. Februar 2010 ein Anspruch auf eine IV-Rente bestehen. Aufgrund der
finanziellen Situation ihrer Familie ist es nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin
ohne Gesundheitsbeeinträchtigung (spätestens) seit Februar 2010 ein Arbeitspensum
von 100 % absolvieren würde. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass der
nicht erwerbstätige Ehemann einen grossen Teil der Haushaltsarbeit und der
Kindererziehung übernehmen könnte (siehe IV-act. 44-1). Die Beschwerdegegnerin hat
den Invaliditätsgrad daher zu Recht anhand eines reinen Einkommensvergleichs
ermittelt.
3.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass das bidiszipli
näre Gutachten von Dr. J._ und Dr. E._ bereits aus formellen Gründen nicht
verwertbar sei, da Dr. E._ im selben Verfahren bereits als RAD-Ärztin fungiert habe.
Tatsächlich hat Dr. E._ als RAD-Ärztin zweimal zum vorliegenden Fall Stellung
genommen: Am 27. August 2009 hatte sie ein Telefongespräch mit der behandelnden
Psychiaterin geführt und am 6. Oktober 2009 hatte sie an einer Frühinterventions-
Triage teilgenommen. Zum vorliegenden Fall hat sie als RAD-Ärztin einzig insoweit
Stellung genommen, als sie anlässlich der Frühinterventions-Triage die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Psychiaterin als plausibel qualifiziert hat.
Die Begutachtung ist zwei Jahre später, im Oktober 2011, erfolgt. RAD-Ärzte sind ‒ wie
auch externe Sachverständige ‒ verpflichtet, medizinische Sachentscheide unabhängig
zu fällen (Art. 59 Abs. 2 IVG). Hieraus könnte der Schluss gezogen werden, dass der
Beweiswert von Untersuchungsberichten des RAD und derjenige externer Gutachter
grundsätzlich gleich hoch ist. Wäre dies der Fall, würde es für den Beweiswert des
Gutachtens grundsätzlich keine Rolle spielen, dass Dr. E._ bereits als RAD-Ärztin
zum selben Fall Stellung bezogen hat, da sie ja in beiden Fällen eine unabhängige
Beurteilung hat abgeben müssen. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
bis
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kommt jedoch den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen,
namentlich auch jenen von RAD-Ärzten, nicht dieselbe Beweiskraft wie einem
gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in
Auftrag gegebenen Gutachten zu. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines
externen Gutachtens entschieden werden, so sind gemäss dem Bundesgericht strenge
Anforderungen an die Beweiswürdigung zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4
mit Hinweisen). Aus dem Gesagten folgt, dass dem Gutachten von Dr. E._ nicht von
Vornherein jeglicher Beweiswert abgesprochen werden kann, weil sie zwei Jahre zuvor
als RAD-Ärztin zum Fall Stellung genommen hat. Dem Gutachten sind denn auch keine
Hinweise zu entnehmen, die auch nur den Anschein einer Befangenheit erwecken
könnten. Trotzdem ist dem Umstand, dass Dr. E._ bereits als RAD-Ärztin im
Verwaltungsverfahren involviert gewesen ist, insoweit Rechnung zu tragen, als bei der
Beweiswürdigung die (strengeren) Anforderungen, d.h. diejenigen, die für Berichte
versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen gelten, angewendet werden.
Demnach darf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. J._ und Dr. E._ hinsichtlich
seiner Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit nicht einmal geringe Zweifel wecken.
4.
4.1 In somatischer Hinsicht hat die Beschwerdeführerin geltend gemacht, ständig an
starken Schmerzen im ganzen Körper ‒ insbesondere im Kopf, im Nacken, in den
Schultern, den Hüften, den Händen und den Beinen ‒ zu leiden. Der orthopädische
Sachverständige Dr. J._ hat die Beschwerdeführerin klinisch eingehend untersucht
(S. 9 ff. des Gutachtens, IV-act. 55). Er ist zum Schluss gekommen, dass die
Beweglichkeit des Achsenskeletts und der übrigen Teile des Bewegungsapparates
schmerzbedingt vermindert sei, diese Einschränkungen objektiv jedoch nicht klar
fassbar seien. Namentlich hätten keine neurologischen Ausfallsymptome vorgelegen.
Auch eine Fibromyalgie hat Dr. J._ anhand eines standardisierten Testverfahrens
ausschliessen können. Mangels weiterer objektiver Befunde hat Dr. J._ lediglich eine
Cervicobrachialgie rechts bei kleiner Diskushernie C5/C6 diagnostiziert, wobei er diese
Diagnose vom Hausarzt übernommen hat. Der Rechtsvertreter hat kritisiert, dass
erstens keine ausführliche Medikamentenanamnese gemacht worden sei und zweitens
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nicht festgestellt worden sei, welche Medikamente die Beschwerdeführerin wie oft
einnehme und welche Wirkung die Medikamente hätten. Wie bereits der RAD dargelegt
hat, sind die Medikamente samt Dosierung auf Seite 7 des Gutachtens aufgelistet. Die
Sachverständigen haben das Gutachten somit in Kenntnis der eingenommenen
Medikamente verfasst. Der Rechtsvertreter hat weiter moniert, dass nicht erfasst
worden sei, ob und wenn ja, welche physiotherapeutischen Massnahmen mit welcher
Wirkung durchgeführt worden seien. Mit dem RAD ist davon auszugehen, dass diese
Fragen für die aktuelle Begutachtung keine Relevanz gehabt haben, da
physiotherapeutische Massnahmen nur eine arbeitsfähigkeitserhöhende Wirkung
haben könnten. Der Rechtsvertreter hat sodann bemängelt, dass Dr. J._ keine
aktuelle radiologische Diagnostik und keine Beurteilung der bestehenden
radiologischen Bilder durchgeführt habe. Medizinische Sachverständige sind
grundsätzlich in der Wahl der geeigneten Prüfmethoden frei. Dr. J._ hat
nachvollziehbar begründet, weshalb im vorliegenden Fall eine aktuelle radiologische
Untersuchung keine weiteren Erkenntnisse für die Arbeitsfähigkeitsschätzung bringen
würde. Auch dass er auf den MRI-Befund von Dr. F._ abgestellt und die MRI-Bilder
nicht selber interpretiert hat, schmälert die Beweiskraft seines Teilgutachtens nicht, da
MRI-Bilder ohnehin stets von Fachspezialisten, d.h. Radiologen, ausgewertet werden.
Es sind somit keine Gründe ersichtlich, die die Diagnose des orthopädischen
Sachverständigen in Zweifel zu ziehen vermöchten. Mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
hat Dr. J._ erklärt, dass die Beschwerdeführerin wegen der Diskushernie C5/C6 nur
noch körperlich leichte Tätigkeiten ausüben dürfe. Da die angestammte Tätigkeit als
Reinigungskraft wohl mittelschwere Arbeiten und die Einnahme von Zwangspositionen
der Wirbelsäule beinhalte, sei ihr diese Tätigkeit nur noch zu 50 % zumutbar. Diese
Einschätzung überzeugt grundsätzlich. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden,
dass der Anteil mittelschwerer Arbeiten bei der Reinigungstätigkeit sogar bei über 50
% liegt und damit die Restarbeitsfähigkeit weniger als 50 % beträgt. Der genaue
Arbeitsunfähigkeitsgrad in der angestammten Tätigkeit ist jedoch nicht von Relevanz,
da im vorliegenden Fall die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit massgebend
ist. In einer körperlich leichten Tätigkeit mit der Möglichkeit des Wechselns zwischen
Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, ohne
Absolvieren längerer Gehstrecken und ohne Überwinden von Höhendifferenzen
(Treppen, Leitern, Gerüste) sowie ohne Tätigkeiten oberhalb der Horizontalen hat Dr.
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J._ die Arbeitsfähigkeit auf 100 % geschätzt. Allerdings hat er angegeben, dass der
Versicherten vermehrte und betriebsunübliche Pausen von etwa einer Stunde täglich
zugestanden werden müssten. Dr. J._ hat die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit, ausgehend von einer 40-Stunden-Woche, somit auf 87.5 % geschätzt. Die
Beschwerdegegnerin hat hiergegen vorgebracht, dass die Einräumung einer
Leistungsverminderung durch die organischen Befunde nicht begründet sei. Diese
Kritik erscheint auf den ersten Blick als berechtigt, da bereits bei der Umschreibung
der adaptierten Tätigkeit Rücksicht auf das HWS-Leiden genommen worden ist. Die
Frage, ob die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit tatsächlich vermehrte
Pausen im Umfang von einer Stunde pro Tag benötigt, kann jedoch offen gelassen
werden; denn auch eine Arbeitsunfähigkeit von 12.5 % vermöchte ‒ aus rein
somatischer Sicht ‒ keinen Invaliditätsgrad von 40 % oder mehr begründen. Im
Übrigen überzeugt die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J._, da keine
schwerwiegenden Befunde haben erhoben werden können. Aus somatischer Sicht ist
die Beschwerdeführerin somit seit Februar 2009 in einer von Dr. J._ umschriebenen
adaptierten Tätigkeit wohl zu 100 % arbeitsfähig.
4.2 Als Nächstes ist zu klären, ob die Beschwerdeführerin an psychischen
Beeinträchtigungen leidet, die einen Einfluss auf ihre Arbeitsfähigkeit haben.
4.2.1 Die psychiatrische Sachverständige Dr. E._ hat eine leichte bis mittel
gradige depressive Episode (DD: chronische Depression im Sinne einer Double
Depression), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-abhängigen,
histrionischen, selbstunsicheren und emotional instabilen Anteilen sowie eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Entgegen der Behauptung
des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin hat Dr. E._ den psychiatrischen
Untersuchungsbefund nicht sehr kurz gefasst. Dem Gutachten ist vielmehr ein
ausführlicher psychiatrischer Status zu entnehmen (vgl. Ziff. 4.3.1. des Gutachtens). Die
Diagnose einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode stimmt mit der
Diagnose der Klinik G._ (mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom) überein. Demgegenüber haben Dr. D._ und die Klinik Gais eine depressive
Störung angegeben. Eine depressive Störung darf allerdings erst diagnostiziert werden,
wenn die betroffene Person wiederholt unter depressiven Episoden leidet (siehe
ICD-10: F33). Wie bereits RAD-Arzt Dr. I._ festgestellt hat, geht aus den Akten nicht
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hervor, dass die Beschwerdeführerin bereits früher an einer depressiven Episode
gelitten hätte. Auch deutet nichts darauf hin, dass die depressive Episode seit ihrem
Ausbruch (ca. Februar 2009) zwischenzeitlich remittiert wäre. Aufgrund der langen
Dauer der depressiven Episode ist auch gut nachvollziehbar, dass Dr. E._ als
Differentialdiagnose eine chronische Depression im Sinne einer Double Depression
diagnostiziert hat. Dr. D._ hat die Depression im August 2010 als schwer bezeichnet.
Dr. E._ hat dieser Einschätzung zu Recht entgegnet, dass die von Dr. D._
umschriebenen Symptome nicht einer schweren depressiven Episode entsprächen. Es
ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin seit Februar 2009 an einer
leichten bis mittelschweren depressiven Episode, evtl. sogar einer chronischen
Depression im Sinne einer Double Depression, leidet. Die Diagnose einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung ist erstmals während des stationären Aufenthalts von Oktober
2009 bis Februar 2010 von der Klinik G._ erhoben worden. Dr. D._ hat diese
Diagnose im August 2010 bestätigt. Die behandelnden Ärzte wie auch die
psychiatrische Sachverständige Dr. E._ sind sich somit einig, dass die
Beschwerdeführerin an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung leidet. Auch RAD-
Psychiater Dr. I._ hat keine Widersprüche in dieser Diagnosestellung gesehen (vgl.
IV-act. 56). Obwohl die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung unter den
psychiatrischen Fachpersonen unbestritten ist, hat die Beschwerdegegnerin behauptet,
dass es sich hierbei nicht um eine verlässliche Diagnose handle: Erstens habe Dr. E._
die einer Persönlichkeitsstörung zugrunde liegenden charakteristischen Merkmale nicht
hinreichend dargelegt. Und Zweitens sei die Beschwerdeführerin jahrelang erwerbstätig
gewesen und habe keine Auffälligkeiten oder Schwierigkeiten mit ihrer Aufgabe als
Mutter gehabt. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin ist nicht stichhaltig: Denn
kombinierte Persönlichkeitsstörungen (F61) weisen eben gerade nicht die spezifischen
Symptombilder der Persönlichkeitsstörungen nach F60 auf. Da die Diagnose einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung unter den Fachärzten nicht umstritten ist und
keine Hinweise vorliegen, die gegen das Vorliegen einer solchen sprechen würden,
muss mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-
abhängigen, histrionischen, selbstunsicheren und emotional instabilen Anteilen leidet.
Unbestritten ist schliesslich auch, dass die Beschwerdeführerin an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung leidet. Auch diese Diagnose überzeugt, da die
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Beschwerdeführerin unter andauernden, starken Schmerzen am ganzen Körper leidet,
die weder durch einen physiologischen Prozess noch durch eine körperliche Störung
hinreichend erklärt werden können (vgl. ICD-10: F45.4). Die Beschwerdeführerin leidet
in psychischer Hinsicht somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit an einer leichten
bis mittelgradigen depressiven Episode (DD: Chronische Depression im Sinne einer
Double Depression), an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-
abhängigen, histrionischen, selbstunsicheren und emotional instabilen Anteilen sowie
an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung.
4.2.2 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist das Vorliegen eines
fachärztlich ausgewiesenen psychischen Leidens mit Krankheitswert ‒ worunter
anhaltende somatoforme Schmerzstörungen grundsätzlich fallen ‒ aus rechtlicher Sicht
wohl Voraussetzung, nicht aber hinreichende Basis für die Annahme einer
invalidisierenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Namentlich vermag nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung eine diagnostizierte anhaltende somatoforme
Schmerzstörung als solche in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität
führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG zu
bewirken. Ein Abweichen von diesem Grundsatz fällt nur in jenen Fällen in Betracht, in
denen die festgestellte somatoforme Schmerzstörung nach Einschätzung des Arztes
eine derartige Schwere aufweist, dass der versicherten Person die Verwertung ihrer
verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei objektiver Betrachtung ‒ und
unter Ausschluss von Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, die auf
aggravatorisches Verhalten zurückzuführen sind ‒ sozial-praktisch nicht mehr
zumutbar oder dies für die Gesellschaft gar untragbar ist. Die ‒ nur in Ausnahmefällen
anzunehmende ‒ Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines
Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt jedenfalls das Vorliegen einer
mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher Schwere,
Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer qualifizierter,
mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien voraus. So sprechen unter
Umständen (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen und ein mehrjähriger
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne
längerfristige Remission, (2) ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des
Lebens, (3) ein verfestigter therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf
einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
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Krankheitsgewinn, "Flucht in die Krankheit") oder schliesslich (4) unbefriedigende
Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder
stationärer Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischen
Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenanstrengung der versicherten Person für die ausnahmsweise Unüberwindlichkeit
der somatoformen Schmerzstörung (BGE 130 V 352 E. 2.2.3 mit Hinweisen). Je mehr
dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde
darstellen, desto eher sind die Voraussetzungen für eine zumutbare
Willensanstrengung zu verneinen (BGE 137 V 64 E. 4.1 mit Hinweisen). Mittelgradige
depressive Episoden stellen gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
grundsätzlich keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare
andauernde Depression im Sinne eines verselbständigen Gesundheitsschadens dar,
die es der betroffenen Person verunmöglichten, die Folgen der Schmerzstörung zu
überwinden (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Februar 2012, 9C_736/2011 E 4.2.2.1
mit Hinweisen).
4.2.3 Die im Recht liegenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden
Ärzte vermögen nicht zu überzeugen. Zum einen stimmen ihre Einschätzungen, wie
bereits RAD-Arzt Dr. I._ festgestellt hat, nicht mit den von ihnen erhobenen Befunden
überein (IV-act. 38 und 49). Zum anderen haben sie sich nicht mit der Rechtsprechung
des Bundesgerichts zu den somatoformen Schmerzstörungen auseinandergesetzt. Es
bleibt somit zu prüfen, ob auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ abgestellt
werden kann. Die psychiatrische Sachverständige hat erklärt, dass die Symptome der
leicht- bis mittelgradigen depressiven Episode (DD: Chronische Depression im Sinne
einer Double Depression) es der Beschwerdeführerin teilweise verunmöglichten, die
Folgen der somatoformen Schmerzstörung zu überwinden. Sie ist somit davon
ausgegangen, dass die depressive Episode zwar nur eine "Begleiterscheinung" der
somatoformen Schmerzstörung ist, die depressive Episode jedoch von einer solchen
Schwere ist, dass sie die willentliche Überwindung der Schmerzstörung teilweise
verunmöglicht. Die Beschwerdeführerin hat im Verfügungszeitpunkt seit rund vier
Jahren an einer depressiven Episode bzw. an einer chronischen Depression im Sinne
einer Double Depression in leichter bis mittelgradiger Ausprägung gelitten. In den
medizinischen Berichten der behandelnden Ärzte hat der Fokus stets auf der
depressiven Episode und nicht auf der somatoformen Schmerzstörung gelegen. Trotz
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regelmässiger psychotherapeutischer Behandlung durch Dr. D._ und der beiden
Klinikaufenthalte von Juni bis Juli 2009 und Oktober 2009 bis Februar 2010 hat sich die
depressive Symptomatik bis zum Verfügungszeitpunkt im Januar 2013 nicht anhaltend
verbessert. Die Qualifikation der depressiven Episode als psychische Komorbidität von
erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer ist daher gut nachvollziehbar.
Ausserdem ist evident, dass eine Person, die an einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-abhängigen, histrionischen, selbstunsicheren und
emotional instabilen Anteilen leidet, in ihrer Willenskraft, eine psychische Störung
überwinden zu können, zusätzlich eingeschränkt ist. Auch der geschätzte
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 40 % erscheint realistisch, zumal keine Anzeichen für eine
schwere Depression vorliegen und als adaptierte Tätigkeit nur Hilfsarbeitertätigkeiten in
Frage kommen, die keine hohen Anforderungen an das Konzentrationsvermögen, das
Auffassungsvermögen, die Anpassungsfähigkeit und die Belastbarkeit stellen. Der
psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin hat sich seit Februar 2009
nicht wesentlich verändert. Es ist daher davon auszugehen, dass die psychisch
bedingte Arbeitsunfähigkeit von 40 % seit Februar 2009 besteht. Für die Dauer der
Hospitalisationen (Juni/Juli 2009 und Oktober 2009 bis Februar 2010) ist von einer
100 %igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszugehen. Dr. J._ und Dr. E._
haben in der interdisziplinären Zusammenfassung ihres Gutachtens dargelegt, dass
sich die somatisch und psychisch bedingten Einschränkungen nicht additiv auswirkten,
da aus Sicht beider Fachgebiete ein erhöhter Pausenbedarf notwendig sei. Sie haben
die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit aus polydisziplinärer Sicht deshalb auf
60 % festgesetzt. Auch diese Einschätzung ist schlüssig. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin in einer möglichst selbständig
auszuübenden, körperlich leichten Tätigkeit mit der Möglichkeit des Wechselns
zwischen Sitzen, Gehen und Stehen ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg,
ohne Zwangspositionen oder repetitive Bewegungen der Wirbelsäule, ohne Absolvieren
längerer Gehstrecken und ohne Überwinden von Höhendifferenzen (Treppen, Leitern,
Gerüste) in einem wohlwollenden Umfeld seit Februar 2009 ‒ mit Ausnahme der
stationären Klinikaufenthalte, während derer sie in allen Tätigkeiten zu 100 %
arbeitsunfähig gewesen ist ‒ zu 40 % arbeitsunfähig ist.
4.3 Schliesslich bleibt noch der Einkommensvergleich vorzunehmen.
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4.3.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Dabei wird
in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 125 V 58
E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 8C_590/2014 E. 5.E1). Die
Beschwerdeführerin ist seit 2002 bei der B._ AG und zusätzlich seit 2003 bei der
C._ AG als Reinigungskraft beschäftigt gewesen. Es ist davon auszugehen, dass sie
diese Tätigkeiten weiterhin ausgeübt hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Die
ausbezahlten Löhne der beiden Unternehmen differierten stark. Während die
Beschwerdeführerin bei der B._ AG mit einem Stundenlohn von Fr. 18.65 (ohne
Ferien- und Feiertagsentschädigung) einen unterdurchschnittlichen Lohn erzielt hat, hat
sie bei der C._ AG mit einem Stundenlohn von Fr. 27.35 (Fr. 2'600.-- / [22 Std. x
4.3333 Wo.]) einen überdurchschnittlichen Lohn erhalten. Die C._ AG hat im
Arbeitgeberfragebogen betont, dass die Beschwerdeführerin seit dem
Anstellungsbeginn im Jahr 2003 nie krank und immer zuverlässig gewesen sei (IV-act.
22-4). Die vergleichsweise hohe Entlöhnung ist daher mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf die sehr gute Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin und damit
auf die besondere Zufriedenheit der Arbeitgeberin zurückzuführen. Für die C._ AG
hat die Beschwerdeführerin im Jahr 2008 durchschnittlich in einem Pensum von 50 %
gearbeitet (100 % x Fr. 30'220.-- [Einkommen gem. IK-Auszug + Lohnkonto abzgl.
Kinderzulage] / Fr. 60'093.-- [fiktives Einkommen 2008 bei 100 %-Pensum, siehe IV-
act. 22-10]). Dies entspricht exakt den Angaben im Arbeitgeberfragebogen, wonach
das Pensum der Beschwerdeführerin (bei einer allgemeinen betrieblichen Arbeitszeit
von 43.75 Std.) 22 Stunden pro Woche betragen habe. Nichts spricht dagegen, dass
die Beschwerdeführerin auch im Jahr 2009 50 % für die C._ AG gearbeitet hätte,
wenn sie gesund geblieben wäre. Die Beschwerdeführerin hat per 1. Juni 2008 einer
Lohnerhöhung erhalten und fortan bei einem Pensum von 50 % durchschnittlich
Fr. 2'600.-- pro Monat verdient. Da sie weder im Jahr 2006 noch im Jahr 2007 eine
Lohnerhöhung erhalten hat und ihr Lohn per 1. Juni 2008 verhältnismässig stark
angestiegen ist (von Fr. 2'320.-- auf Fr. 2'600.--), ist davon auszugehen, dass sie per 1.
Januar 2009 keine Lohnerhöhung erhalten hätte. Eine Anpassung an die
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Nominallohnentwicklung hat daher erst per 1. Januar 2010 zu erfolgen. Die
Beschwerdeführerin hätte im Jahr 2009 bei einem Pensum von 50 % bei der C._ AG
folglich ein Einkommen von Fr. 31'200.-- erzielen können (12 x Fr. 2'600.--). Für die
Reinigungstätigkeit bei der B._ AG hat die Beschwerdeführerin gemäss dem IK-
Auszug im Jahr 2008 ein Einkommen von Fr. 7'889.-- erzielt. Allerdings hat sie in
diesem Jahr zusätzlich eine EO/ MSE-Entschädigung von Fr. 1'476.-- für die Monate
Januar bis März 2008 erhalten. Tatsächlich hat die Beschwerdeführerin in diesem
Zeitraum kein Einkommen von der B._ AG erhalten (IV-act. 14-8). Deshalb ist das
absolvierte Pensum lediglich anhand der Monate April bis Dezember 2008 zu
bestimmen. Die Beschwerdeführerin hat im Jahr 2008 demnach durchschnittlich in
einem Pensum von 25.5 % für die B._ AG gearbeitet (100 % x Fr. 7'889.-- / Fr.
30'912.-- [Fr. 18.65 x 42.5 Std. x 39 Wo.]). Im Jahr 2009 hätte sie ebenfalls einen
Stundenlohn von Fr. 18.65 erhalten. Bei einem Pensum von 25.5 % hätte sie im Jahr
2009 für die Tätigkeit bei der B._ AG somit einen Jahreslohn von Fr. 10'510.-- erzielt
(Fr. 41'216.50 [Fr. 18.65 x 42.5 Std. x 52 Wo.] x 25.5 % / 100 %). Werden die Einkünfte
aus den beiden Reinigungstätigkeiten zusammengerechnet und der
Nominallohnentwicklung angepasst, hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2010 ohne
Gesundheitsschaden bei einem Pensum von 75.5 % insgesamt einen Jahreslohn von
Fr. 42'085.40 erhalten ([Fr. 31'200.-- + Fr. 10'510.--] / 100 % x 100.9 %, siehe
Lohnentwicklung 2010, Bundesamt für Statistik, T1.05, O, 90-93, Erbringung von
sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen). Wie in Erw. 2 ausgeführt, ist
zu unterstellen, dass die Beschwerdeführerin spätestens im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns, d.h. ab Februar 2010, zu 100 % erwerbstätig
gewesen wäre, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Da sie das Pensum bei den
bisherigen Arbeitsstellen offenbar nicht hätte erhöhen können, muss davon
ausgegangen werden, dass sie zusätzlich zu den Reinigungstätigkeiten bei der C._
AG und der B._ AG eine weitere Hilfsarbeiterinnentätigkeit im Umfang von ca. 24.5 %
aufgenommen hätte. Das durchschnittliche Einkommen einer Hilfsarbeiterin hat im Jahr
2010, angepasst an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden, Fr.
52'728.--, betragen (vgl. Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2015). In einer dritten Tätigkeit hätte die
Beschwerdeführerin im Jahr 2010 bei einem Pensum von 24.5 % somit Fr. 12'918.35
verdienen können. Rechnet man die Erwerbseinkommen aus allen drei Tätigkeiten
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zusammen, ergibt sich für das Jahr 2010 ein hypothetisches Einkommen von Fr.
55'003.75 (Fr. 12'918.35 + Fr. 42'085.40). Das Valideneinkommen beträgt folglich Fr.
55'004.--.
4.3.2 Mit Bezug auf das Invalideneinkommen hat der Rechtsvertreter
eingewendet, dass die Beschwerdeführerin eine allfällige Restarbeitsfähigkeit gar nicht
verwerten könnte, da kein Arbeitgeber sie einstellen würde. Ob eine versicherte Person
die verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch
verwerten kann, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern
hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend sind beispielsweise das
Alter, die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der
absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang
auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich. Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren
Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
30. Juli 2014, 9C_272/2014 E. 2.1). Die Argumentation, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund fehlender Schul- und Berufsausbildung keine Stelle finden würde, geht fehl,
da Hilfsarbeitertätigkeiten keine spezifische Ausbildung voraussetzen und in der Regel
gerade von ungelernten Personen ausgeübt werden. Die psychiatrische
Sachverständige hat die Beschwerdeführerin zudem als durchschnittlich intelligent
eingeschätzt (Ziff. 4.3.1 des Gutachtens). Sodann wird der Umstand, dass die
Beschwerdeführerin bis Anfang 2009 zu ca. 80 % als Reinigungsfachfrau tätig
gewesen ist, ihre Chancen erhöhen, eine Stelle in einer adaptierten Tätigkeit zu finden,
zumal sich die ehemalige Arbeitgeberin sehr positiv zur Arbeitsleistung der
Beschwerdeführerin geäussert hat (siehe IV-act. 22-4). Für die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit spricht auch das junge Alter der Beschwerdeführerin; ihre
Arbeitskraft wird einem potentiellen Arbeitgeber noch lange Zeit zur Verfügung stehen.
Ein potentieller Arbeitgeber wird darum auch gewillt sein, den notwendigen
Einarbeitungsaufwand zu tätigen. Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände
muss daher davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin ihre
Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten könnte. Als
Invalidenkarriere kommt nur eine Hilfsarbeitertätigkeit in Frage, da die
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Beschwerdeführerin über keine Berufsausbildung verfügt. Das durchschnittliche
Einkommen einer Hilfsarbeiterin hat, wie bereits erwähnt, im Jahr 2010 Fr. 52'728.--
betragen. Ohne Tabellenlohnabzug würde das Invalideneinkommen Fr. 31'636.80
betragen. Die Beschwerdeführerin leidet unter drei verschiedenen psychischen
Störungen. Ein potentieller Arbeitgeber würde sie nur zu einem unterdurchschnittlichen
Lohn anstellen, da bei einer Arbeitnehmerin, die an erheblichen psychischen Defiziten
leidet, ein grosses Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen besteht. Auch
wird die Beschwerdeführerin aufgrund der psychischen Problematik einen grösseren
Betreuungsaufwand benötigen als eine gesunde Arbeitnehmerin. Diese rein
betriebswirtschaftlichen bzw. ökonomischen Faktoren haben in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen des Instituts für Forensisch-
Psychologische Begutachtung selbstverständlich nicht berücksichtigt werden können,
da sie mit der aus medizinischer Sicht zumutbaren Arbeitsleistung nichts zu tun haben.
Daher rechtfertigt sich ein Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von 15 %. Das
Invalideneinkommen beträgt bei einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % somit Fr. 26'891.--.
4.3.3 Die Beschwerdeführerin war vom 26. Oktober 2009 bis 23. Februar 2010 in
der Klinik G._ hospitalisiert und in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig ge
wesen. Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist für die Herabsetzung der Leistung
zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate ge
dauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 IVV). Für die
Zeit vom 1. Februar 2010 bis 31. Mai 2010 beträgt das Invalideneinkommen daher
Fr. 0.--. Für die Periode 1. Februar 2010 bis 31. Mai 2010 resultiert ein Invaliditätsgrad
von 100 % und ab 1. Juni 2010 ein solcher von 51 % (100 % - [100 % x Fr. 26'891.-- /
Fr. 55'004.--]).
4.4 Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Beschwerdeführerin hat für den
Zeitraum 1. Februar 2010 bis 31. Mai 2010 wegen des stationären Aufenthaltes in der
Klinik G._ Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. Juni 2010 Anspruch auf eine
halbe Rente. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenhöhe an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
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5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter hat keine Honorarnote eingereicht. In einem Fall mit mittlerem Aufwand
und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr.
3'500.-- ausgerichtet. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin
entsprechend mit Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP