Decision ID: ed991b1b-1d51-4c0b-8bca-ff1cae149f18
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Insolvenzentschädigung
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Sachverhalt:
A.
A.a Die A._ wurde im September 2005 gegründet. Gemäss Handelsregistereintrag
figurieren B._ und C._ als Gesellschafter und Geschäftsführer mit
Einzelunterschrift. Mit Wirkung ab Oktober 2007 wurde über die GmbH der Konkurs
eröffnet (act. G 8.1/1).
A.b T._ meldete im Konkursverfahren Forderungen für ausstehende Löhne der
Monate Juli bis Oktober 2007 im Betrag von je Fr. 4'900.--, total Fr. 19'600.-- an (act.
G 5.1/8). Am 5. November 2007 (Datum Posteingang) stellte sie bei der Kantonalen
Arbeitslosenkasse für diesen Betrag Antrag auf Insolvenzentschädigung. Sie gab an,
vom 26. Juni bis 25. Oktober 2007 im Büro und als Chauffeuse beschäftigt gewesen zu
sein und noch keinen Lohn erhalten zu haben. Vom 15. Juli bis 28. August habe sie
unfallbedingt nicht gearbeitet. Sie habe vom 18. Juli bis 28. August Ferien bezogen
(act. G 5.1/7).
A.c Auf entsprechende Anfrage der Kantonalen Arbeitslosenkasse hin teilte die
Versicherte mit, sie habe wegen der ausstehenden Lohnzahlungen "jede Woche
mündlich reklamiert". Ihr Arbeitgeber habe sie aber jedes Mal unter Hinweis auf den
schlechten Geschäftsgang auf eine Zahlung zu einem späteren Zeitpunkt vertröstet
(act. G 5.1/5).
A.d Mit Verfügung vom 16. November 2007 lehnte die Kantonale Arbeitslosenkasse
den Antrag der Versicherten auf Insolvenzentschädigung ab. Sie begründete die
Ablehnung damit, dass die Versicherte nicht ausreichend der ihr obliegenden
Schadenminderungspflicht nachgekommen sei. Die Versicherte habe genügend Zeit
gehabt, den Lohn zumindest schriftlich und eingeschrieben bei ihrem Arbeitgeber
einzufordern. Aufgrund der Aussagen des Arbeitgebers habe sie von dessen
finanziellen Schwierigkeiten Kenntnis haben müssen (act. G 5.1/4).
B.
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B.a T._ erhob gegen diese Verfügung am 22. November 2007 Einsprache. Sie
machte geltend, nichts von einem drohenden Konkurs gewusst zu haben. Es sei ihr
nichts anderes übrig geblieben als auf die Versprechungen des Arbeitgebers zu
vertrauen und abzuwarten (act. G 5.1/2).
B.b Die Kantonale Arbeitslosenkasse wies die Einsprache mit Entscheid vom 8. Januar
2008 ab (act. G 5.1/1).
B.c Am 29. Januar 2008 wurde das Konkursverfahren gegen die A._ in Liquidation
mangels Aktiven eingestellt (act. G 8.1/26).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid richtet sich die vorliegend zu beurteilende
Beschwerde vom 4. Februar 2008. Die Beschwerdeführerin beantragt darin
sinngemäss dessen Aufhebung sowie die Ausrichtung von Insolvenzentschädigung.
Die Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie diejenige der Einsprache (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 28. Februar 2008 die
Beschwerdeabweisung. Die Beschwerdeführerin vermöge keine Unterlagen zu nennen,
aus denen hervorgehe, dass sie die Lohnausstände in eindeutiger und
unmissverständlicher Weise bei ihrem Arbeitgeber eingefordert habe (act. G 5).
C.c Die Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) haben
beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihre Arbeitgeber der Konkurs
eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen. Die
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Insolvenzentschädigung deckt nach Art. 52 Abs. 1 AVIG Lohnforderungen für die
letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum
Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 1 AVIG.
1.2 Nach Art. 55 Abs. 1 AVIG müssen Arbeitnehmende im Konkurs- oder
Pfändungsverfahren alles unternehmen, um ihre Ansprüche gegenüber dem
Arbeitgeber zu wahren, bis die Kasse ihnen mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das
Verfahren eingetreten ist. Danach müssen sie die Kasse bei der Verfolgung ihres
Anspruchs in jeder zweckdienlichen Weise unterstützen. Diese Bestimmung bezieht
sich dem Wortlaut nach auf das Konkurs- und Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch
Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift,
wenn das Arbeitsverhältnis vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird (Urteil des
Bundesgerichts vom 31. Juli 2008 i.S. S., 8C_329/08, E. 2.2 mit Hinweisen). Sie obliegt
der versicherten Person in reduziertem Umfang bereits vor der Auflösung des
Arbeitsverhältnisses, wenn der Arbeitgeber der Lohnzahlungspflicht nicht oder nur
teilweise nachkommt und mit einem Lohnverlust zu rechnen ist (ARV 2002 Nr. 30
S. 190). Die Schadenminderungspflicht setzt nicht notwendigerweise voraus, dass die
Lohnforderung auf dem Betreibungs- oder Klageweg geltend gemacht wird.
Praxisgemäss genügt es, wenn die Arbeitnehmenden unmissverständliche Zeichen
setzen, aus denen die Ernsthaftigkeit ihrer Lohnforderungen zu erkennen ist (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 15. Oktober 2001 i.S. N., C 194/01, E. 2b). Zu
weitergehenden Schritten ist die versicherte Person dann gehalten, wenn es sich um
erhebliche Lohnausstände handelt und sie konkret mit einem Lohnverlust rechnen
muss. Denn es geht auch für die Zeit vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht an,
dass die versicherte Person ohne hinreichenden Grund während längerer Zeit keine
rechtlichen Schritte zur Realisierung erheblicher Lohnausstände unternimmt, obschon
sie konkret mit dem Verlust der geschuldeten Gehälter rechnen muss (Urteil des EVG
vom 6. Februar 2006 i.S. F., C 270/05, E. 3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin hat nach eigener Darstellung ausser mündlichen
Mahnungen oder Erkundigungen bis zur Kündigung vom 28. September 2008 (act.
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G 5.1/3) nichts unternommen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Der von
der Beschwerdeführerin gewählte Weg, ausstehenden Lohn in persönlichen
Gesprächen geltend zu machen, ist zwar – zumindest in einer ersten Phase – an und
für sich nicht ungeeignet, der Schadenminderungspflicht gemäss Art. 55 Abs. 1 AVIG
nachzukommen. Mündliche Zahlungsaufforderungen können schadenmindernd wirken,
allerdings nur, wenn die Bemühungen nach einer gewissen Zeit auch den angestrebten
Erfolg, nämlich Lohnzahlungen zeitigen. Ein derartiger Erfolg ist aber vorliegend nicht
eingetreten. Vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin seit Arbeitsbeginn
über mehrere Monate hinweg keine Lohnzahlungen erhielt, ihr die finanziellen
Schwierigkeiten bekannt waren (act. G 1, act. G 5.1/2) und die Arbeitgeberin keine
ernsthafte Garantie für die ausstehenden Lohnforderungen gegeben hatte, musste der
Beschwerdeführerin klar sein, dass ihre Lohnforderungen trotz der mündlichen
Zahlungsaufforderungen erheblich gefährdet waren. Zudem ging es nach Angaben der
Beschwerdeführerin um beträchtliche Lohnausstände von monatlich Fr. 4'900.-- (act.
G 5.1/8). Im Rahmen der Schadenminderungspflicht wäre sie mindestens gehalten
gewesen, der Arbeitgeberin unmissverständlich die Lohnforderungen kund zu tun und
die weiteren zur Realisierung der Lohnansprüche erforderlichen rechtlichen Schritte
(schriftliche Mahnung mit Fristansetzung, Betreibung oder Klage) in die Wege zu leiten.
In diesem Zusammenhang ist auf die offenkundige Tatsache hinzuweisen, dass
Schuldner oftmals erst unter dem Druck einer schriftlichen Aufforderung ihren
Zahlungspflichten nachkommen (Urteil des EVG vom 20. Juli 2004 i.S. B., C 264/04,
E. 2.3).
2.2 Indem die Beschwerdeführerin über mehrere Monate hinweg zuwartete, sie es bis
zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses trotz drohenden Lohnverlusts bei blossen
mündlichen Mahnungen sowie Erkundigungen beliess und auch nachher nichts
gegenüber ihrer Arbeitgeberin unternommen hat, hat sie nach dem Gesagten die
Ernsthaftigkeit ihrer Durchsetzungsbemühungen nicht in genügendem Masse dargetan
(vgl. Urteil des EVG vom 30. März 2006 i.S. M., C 271/05, E. 4.2). Die Ablehnung eines
Anspruchs auf Insolvenzentschädigung durch die Beschwerdegegnerin erfolgte somit
zu Recht.
3.
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Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob die dem Antrag auf
Insolvenzentschädigung zugrunde liegende Lohnforderung überhaupt besteht bzw.
wenigstens glaubhaft gemacht worden ist (vgl. Art. 74 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]). In diesem Zusammenhang kann darauf hingewiesen werden, dass dem
Gericht zwei weitere Fälle von Insolvenzentschädigung dieselbe konkursite GmbH
betreffend zu beurteilen hat. Auch in jenen Verfahren bestehen Indizien für
Gefälligkeitsbescheinigungen der Arbeitgeberin. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG