Decision ID: c70284ce-316e-4c92-aedd-2348cf1565b6
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Urteil des hiesigen Gerichts vom
2
9.
Januar
2019
im Verfahren Nr.
IV.201
8
.007
29
wurde die von
X._
, geboren 19
63
, gegen die leis
tungsans
pruchsverneinende Verfügung der
Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, vom
9.
Juli 2018
(Urk.
5
/
41
) erhobene Beschwerde vom
7.
September
2018
(Urk.
5/48/3-14)
in dem Sinne gutgeheissen, dass die ange
fochtene Verfügung aufgehoben
und die Sache an die IV-Stelle
zurückgewiesen wurde, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu ver
füge (
Urk.
5/52 Dispositiv
Ziff.
1).
Die IV-Stelle holte in der Folge unter anderem bei
m
Y._
ein polydisziplinäres
Gutachten ein, das am
2
2.
Juni 2020 erstattet wurde
(Urk.
5/111
).
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(Urk.
5/115
,
Urk.
5/117,
Urk.
5/124) reich
te die Versicherte
eine Stellungnahme
der Fachpersonen
der
Gutachtenstelle für Zivil- und
Öffentlichrechtliche
Fragestellungen (nachfolgend: Gutachten
stel
le)
der p
s
ychiatrischen Klinik Z._
vom 1
3.
November
2020 (
Urk.
5/123) ein. Hierzu
und zu den am 1
0.
Februar
2021
von der Versicher
ten
gestellten Ergänzungsfragen (
Urk.
5/129)
nahm der psychiatrische Teilgut
achter
des
Y._
am 1
7.
Februar
und am
1.
April
2021 Stellung (
Urk.
5/131
,
Urk.
5/
1
33
)
.
Am 3
0.
April
2021 äusserte sich
die Versicherte
erneut (
Urk.
5/138).
Mit Verfü
gung vom 2
7.
Mai 2021 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Invali
denrente (
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
2
5.
Juni 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
7.
Mai 2021
(Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
mit Wirkung ab
1.
April 2017 eine Invalidenrente nach
dem
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung (IVG)
zuzusprechen. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(
Urk.
1 S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1.
September 2021
(Urk.
4
) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
2.
September 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
6
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art.
4 Abs.
1 IVG sowie Art.
3 Abs.
1 und Art.
6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E.
5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396 E.
5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E.
5.3.2, 143 V 409 E.
4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 139 V 547 E.
5.2, 127 V 294 E.
4c; vgl. Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardin
dikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E.
4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E.
4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40
% arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
% besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60
% auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
% auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art.
16 ATSG in Verbindung mit Art.
28a Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE
130 V 343 E.
3.4.2, 128 V 29 E.
1).
1.
6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE
125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE
125 V 256 E.
4 mit Hinweisen; AHI 2002 S.
70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Be
urteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
134 V 231 E.
5.1, 125 V 351 E.
3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass
i
n der bisherigen Tätigkeit
der Beschwerdeführerin
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestehe
und
sie
in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ein Pensum von 85
%
absolvieren
könnte
. Der vorgenommene Einkommensvergleich ergebe einen
R
en
tenanspruch
ausschliessenden Invaliditätsgrad von 17
%
. Ein leidensbedingter Abzug könne nicht zugesprochen werden, da die Einschränkungen der Beschwer
deführerin bereits im reduzierten Pensum berücksichtigt worden seien. Da sie keine Berufsausbildung habe und in der Stellensuche nicht eingeschränkt sei, be
stehe kein Anspruch auf berufliche Massnahmen in Form einer Umschulung. Auf das Gutachten sei abzustellen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die
Vorbehandler
die Angaben der
Beschwerdeführerin
unkritisch übernommen hät
ten.
Ihre Aussage
, wonach die persönliche Untersuchung für das psychiatrische Teilgutachten lediglich
zehn
Minuten gedauert habe, sei nicht glaubhaft (S. 1 ff.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
das
s
auf das
Y._
-Gutachten vom 2
2.
Juni 2020
, insbesondere auf das psychi
atrische Teilgutachten vom
1.
Juni 2020, w
orin
keine psychiatrische Diagnose
gestellt werde
,
aus
näher
dargelegten Gründen
nich
t abgestellt werden könne.
Zudem habe die psychiatrische Untersuchung lediglich rund
zehn
Minuten ge
dauert
(S. 6 f
f
.
Ziff.
4.1-
4
.4
, S. 12
Ziff.
5.4
)
. Aus der eingereichten Stellungnahme der Fachpersonen der
Gutachtenstelle der
Z._
vom 1
3.
November 2020 gehe her
vor, dass die Beurteilung im fachpsychiatrischen Teilgutachten nicht ausreichend nachvollziehbar sei
. Die Angabe der 100%igen Arbeitsfähigkeit beruhe auf einem nicht objektivierten psychiatrischen Befund sowie
auf
einer darauf basierenden fehlenden Diagnose, welche nicht begründet werde
. Es sei unklar, aus welchen Gründen die Gutachter bei der psychiatrischen Diagnose zu einem anderen Schluss gekommen seien als die
behandelnden Ärzte
(S. 8 f.
Ziff.
4.5.1-4.5.
5, S.
12 f.
Ziff.
5.5
).
In
somatischer Hinsicht
habe
die behandelnde Ärztin die Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit weniger optimistisch ein
geschätzt
als die
Y._
Gutachter. Gestützt auf die Berichte der
A._
vom
1.
Juli
2019 und der behandelnden Hausärztin vom 2
9.
Mai
202
9
[richtig: 2019]
sei ohne
hin
davon a
uszugehen, dass sie aus psychischer Sicht zu 100
%
in der Arbeitsfähig
keit eingeschränkt sei und kein Invalideneinkommen erwirtschaften könne (S. 13
Ziff.
6-7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invali
denrente.
3.
Im
Urteil
des hiesigen Gerichts
vom 2
9.
Januar
2019
wurde zusammenfassend festgehalten, dass es an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht mangle (
Urk.
5/52 E. 4.
5
).
Zur gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht wurde ausgeführt, dass zwar ge
stützt auf die vorliegenden Berichte zumindest in einer angepassten Tätigkeit von einer gewissen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne, jedoch unklar sei, ab wann und in welchem Umfang
eine solche vorliege
(
Urk.
5/52 E. 4.2).
Was die
psychische Situation anbelangt
, wurde im Urteil festgehalten, dass sich
nament
lich
das Gutachten von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie,
vom Dezember
2016
aus näher dargelegten Gründen
in keiner Weise als nachvollziehbar erweise.
Auch zu de
n Berichten
von
med.
pract
.
C._
, Ober
ärztin, Psychiatriez
entrum D._
,
A._
, vom Januar
2017 und
der Fachpersonen der Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
A._
,
vom Februar 2018
wurde ausgeführt, dass diese
keine verlässliche
n
Aussage
n
zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
enthielten
, ebenso wenig
die
Berichte der
behandelnden Psychiaterin
Dr.
med.
E._
,
Fachärztin für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
dies
unter anderem
auch mit Blick auf ihre auftrag
s
rechtliche Vertrauensstellung
(vgl.
Urk.
5/52 E. 4.3).
Auf diese Ausführungen ist zu verweisen.
4.
4.1
Nach dem Urteil des hiesigen Gerichts vom
2
9.
Januar
20
19
(
Urk.
5/52) gingen die folgenden medizinischen Berichte bei der Beschwerdegegnerin ein:
4.2
PD
Dr.
med.
F._
, Stellve
rtretende Chefärztin,
Z._
, stellte in ihrem Bericht vom 1
1.
Februar
2019 (
Urk.
5/55) nach ambulanter Behandlung der Beschwerdefüh
rerin vom 2
5.
bis 3
1.
Mai
2018 folgende Diagnosen (S. 1):
-
generalisierte Angststörung, ICD-10 F41.1
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst), ICD-10 F41.0
-
mittelgradige depressive Episode, ICD-10 F32.1
Als
s
omatische Diagnosen nannte PD
Dr.
F._
eine Schmerzsymptomatik mit Arthrose und einen Verdacht auf eine rheumatologische Erkrankung
(S. 1 Mitte)
.
PD
Dr.
F._
führte aus, dass bei der Beschwerdeführerin
aktuell d
ie depressive Symptomatik nicht deutlich führend
sei
.
Die Sympt
omatik mit
deutlichem
Fokus auf die Angst vor Erkrankungen bei Familienmitgliedern zeige eine biographische Komponente. Die potentiell neurologische Symptomatik (Kopfwackeln) sollte ge
gebenenfalls fachärztlich abgeklärt werden. Es sei nicht festzustellen, inwieweit die Beschwerdeführerin eine willentliche Kontrolle darüber habe (S. 3 unten).
4.
3
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
s
tellte in ihrem Bericht vom 2
9.
Mai 2019 (
Urk.
5/60) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
schwere chronische Depression, ICD-10 F32.2, Erstdiagnose 2016
-
Angsterkrankung, Panikstörung
en
, Agoraphobie, ICD-10 F41.0
-
Arthrose mit diffusen Ge
lenk
s- und Muskelschmerzen (genauere Differen
zierung siehe
Berichte
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Rheumato
logie u
nd für Allgemein
e
Innere Medizin
)
Al
s Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
G._
eine Paracetamol
-
und
Inflamac
-Allergie (
Ziff.
2.6)
.
Dr.
G._
führte aus,
dass die Beschwerdeführerin seit 1992 bei ihr in Behandlung sei und die letzte Kontrolle am 1
5.
Mai 2019 erfolgt sei (
Ziff.
1.1). Sie habe der Beschwer
deführerin zuletzt eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bis zum 1
7.
Juli 2016 attestiert (
Ziff.
1.3). Die Patientin sei weder in ihrer ursprünglichen noch in an
gepasster Tätigkeit arbeitsfähig. Die Depression und der damit verbundene Ver
lust des Antriebs seien derart ausgeprägt, dass eine Aktivierung kaum möglich sei
, dies
trotz guter Compliance und Ausschöpfung der Therapieangebote. Auch bezüglich der körperlichen Beschwerdesymptomatik, welche vorwiegend auf de
generative Befunde zurückzuführen sei, sei die Arbeitsfähigkeit nicht gegeben (
Ziff.
2.7
,
Ziff.
4.1-2
).
4.
4
Dr.
H._
stellte in ihrem Bericht vom 1
5.
Juni 2019 (
Urk.
5/63/1-8) fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
chronische rechtsbetonte Schulterschmerzen beidseits bei degenerativen Veränderungen der
Rotatorenmanschette
rechts und chronischem myofaszialem Schmerzsyndrom der Nacken- und Schultergürtelmuskula
tur
-
chronische rechtsbetonte Knieschmerzen beidseits bei Gonarthrosen (we
nig fortgeschritten) wiederhol
t mit Zeichen einer Aktivierung der Arthrose (Ergussbildung)
-
Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
H._
eine Adipositas (
Ziff.
2.6)
.
Dr.
H._
führte aus, dass die Be
schwerdeführerin seit dem 3
0.
Mai 2016 bei ihr in Behandlung sei und die letzte Kontrolle am 2
2.
März 2019 stattgefunden habe (
Ziff.
1.1). Die letzte Tätigkeit als
I._
-Mitarbeiterin sei aus rheumatologischer Sicht nicht mehr zumutbar (
Ziff.
4.1).
Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit sei während drei bis vier Stunden am Tag möglich. Es müsse sich um eine überwiegend sitzende Tätigkeit ohne Krafteinsatz der Arme und ohne Überkopftätigkeit handeln (
Ziff.
4.3). Der psy
chische Zustand der Patientin, die sich selber limitiere, die fehlende Ausbildung und die fehlenden Sprachkenntnisse stünden einer Eingliederung im Wege (
Ziff.
4.4).
4
.
5
Dr.
med. J._
, O
berärztin, und Psychologin K._
, Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
A._
,
führten in ihrem Bericht vom
1.
Juli 2019 (
Urk.
5/67) eine Agoraphobie (ICD-10 F40.01) sowie eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) an, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Die Arbeitsunfähigkeit betrage seit dem Behand
lungs
beginn in ihrer Klinik am
1.
Oktober 2018 bis aktuell 100
%
(
Urk.
5/67/1-6
Ziff.
2.5 und
Ziff.
1.3).
Auch eine angepasste Tätigkeit sei aktuell nicht möglich
. Die sehr niederschwellige Ergotherapie
, welche wöch
en
t
lich bis vierzehntäglich stattfinde, und zu welcher die Beschwerdeführerin gebracht werde, scheine der
zeit den Belastungsgrenzen zu entsprechen
(
Ziff.
4.2).
Formal seien die Kriterien einer Agoraphobie mit Panikstörung sowie einer schweren depressiven Episode weiterhin erfüllt (gedrückte Stimmung, Interessenverlust/Freudlosigkeit, stark ver
minderter Antrieb, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermin
dertes Selbstvertrauen, Schuldgefühle, negative Zukunftsperspektive, verminder
ter Appetit)
und es bestünden erhebliche Einschränkungen des Funktionsniveaus (
Ziff.
2.2). Die Befunderhebung und Kommunikation sei bei der Untersuchung vom 2
1.
Juni 2019 bei Fremdsprachigkeit sowie einer mutistisch anmutenden Be
schwerdeführerin erschwert gewesen
(
Ziff.
24).
4.6
Am
2
2.
Juni 2020
erstatteten
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie und für Neurologie,
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Rheumatolo
gie und für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med. N._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Medizinische Onkologie
,
und
l
ic.
phil.
O._
, Fach
psychologin
für Neuropsychologie FSP
,
Y._
,
das von der Beschwerdegegnerin veranlasste polydisziplinäre Gutachten
(
Urk.
5/111)
. Die Gutachte
rpersonen
stell
ten
zusammenfassend folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit
in der letzten Tätigkeit
(S. 7
Ziff.
4.2):
-
generalisiertes, ausgedehntes und therapieresistentes Weich
teilschmerz
syn
drom
-
bilaterales
subakromiales
Impingementsyndrom
mit Supras
p
inatus- un
d
Subskapularisruptur
am rechten Schulterge
lenk
, links Partialruptur der
Rotatorenmanschette
möglich
-
Femoropatellararthrose
und beginnende Gonarthrose beidseits
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der letzten Tätigkeit nannten die Gutachter eine Adipositas und eine Hypovitaminose D (S. 7
Ziff.
4.2).
Die Gutachter führten aus, dass in der bisherigen Tätigkeit aufgrund der im rheu
matologischen Fachgebiet festgestellten Symptomatik eine
50%ige Arbeitsfähig
keit bestehe. Davon sei seit der Aufgabe der Arbeit im April 2016 auszugehen
(S.
8
f.
Ziff.
4.7)
. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeits
fähigkeit von 85
%
(8,5 Stunden pro Tag, Leistungsminderung von höchstens 15
%
auf
grund der im rheumatologischen Fachgebiet festgestellten Sympto
matik). Diese Arbeitsfähigkeit bestehe seit April 2016 (S. 9
Ziff.
4.8).
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe sich ausschliesslich aus rheumatolo
gischer Sicht, in den übrigen beteiligten Fachgebieten lasse sich eine Einschrän
kung oder gar Aufhe
bung der Arbeitsfähigkeit nicht ableiten (S. 9
Ziff.
4.9).
Eine dem Leiden aus rheu
matologischer Sicht
optimal
angepasste Tätigkeit müsste rückenkonform durch
geführt werden und alle Arbeitstätigkeiten auf oder über Schulterhöhe ausschlies
sen. Auch dürfte sie
kein repetitives Anheben und Tragen von Lasten ab Boden
höhe bis Gürtelhöhe (maximale Gewichte 5 kg) und auch keinen repetitiven Trep
pengang beinhalten. Von einer Einschränkung der Leis
tungsfähigkeit von 15
%
sei aufgrund einer anzunehmenden Dekonditio
nie
rung aus
zugehen (S. 5
3
oben).
Die Gutachter führten zusammenfassend aus, dass die bei der Versicherten vor
liegenden Diagnosen leitliniengerecht hätten erhoben werden können. Zweifel an der Richtigkeit der von ihnen festgestellten Diagnosen seien nicht aufgekommen, wohl aber teilweise an der früheren diagnostischen Einschätzung. Psychiatrisch habe keine Diagnose gestellt werden können (S. 5 unten).
Die
Schilderungen seien in sich vage gewesen und hätten einem bekannten psychiatrischen Krankheitsbild nicht zugeordnet werden können. Sowohl im Rahmen der neuropsychologischen als auch in der psychiatrischen Untersuchung seien Beschwerdevalidierungsver
fahren angewandt worden, die alle drei hochauffällige Ergebnisse zutage gebracht hätten. Ähnliches gelte für die Labordiagnostik. Eine psychiatrische Erklärung für die
Beschwerden der Versicherten gebe es nicht. Die Arbeitsfähigkeit sei aus psy
chiatrischer Sicht zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt gewesen. Dies gelte auch aus neuropsychologischer Sicht
(S. 7
Ziff.
4.3)
.
Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung oder gar Persönlichkeitsstörung hätten sich nicht gefunden. Dies würde im Übrigen auch überraschen, da die Ver
sicherte über Jahre hinweg gesund und leistungsfähig gewesen sei
und
drei Kin
der grossgezogen
habe
(S. 8
Ziff.
4.4). Als Belastungsfaktor sei die bereits vorbe
schriebene psychosoziale Situation zu benennen. Die Versicherte habe seit Jahren ihren IV-berenteten Ehemann zu pflegen und habe offenbar mit den Konflikten am Arbeitsplatz nicht umgehen können. Dies sei allerdings nicht Ausdruck einer Erkrankung, sondern vielmehr eine Charakterfrage.
Die Ressourcen seien einzig aus rheumatologischer Sicht eingeschränkt. Zur Konsistenzprüfung führten die Gutachter aus, dass
sich im rheumatologischen Fachgebiet Hinweise auf eine Aggravation und im psychiatrischen beziehungsweise neuropsychologischen Fachgebiet Hinweise auf das zielgerichtete Vortäuschen einer nicht vorhandenen
Symptomatik gefunden hätten. Die Auffälligkeiten, die die Versicherte gerade im psychiatrischen und im neuropsychologischen Gebiet präsentiere, seien so aus
geprägt, dass sie sich medizinisch nicht im Ansatz erklären liessen
(
S
. 8
Ziff.
4.6)
.
4.
7
Dr.
med.
P._
,
Facharzt für Chirurgie,
Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
)
, führte in seiner Stellungnahme vom 3
0.
Juni 2020 (
Urk.
5/112/6-7) aus, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht empfohlen werde, den Beurteilungen des vor
liegenden MEDAS-Gutachtens vom 2
2.
Juni 2020 zu folgen
, zumal diese
s
die
formalen Aspekte
der Beweiswertigkeit
erfülle.
Damit bestehe in der bisherigen Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin seit April 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und
in einer angepassten Tätigkeit gemäss Belastungsprofil eine Arbeitsun
fähigkeit von 15
%
, entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 85
%
.
4.
8
Med.
pract
. Q._
, Oberarzt, med.
pract
.
R._
, Leitende Ärztin
,
und
Prof.
Dr.
S._
, Klinikdirektor,
Gutachtenstelle
der
Z._
, führten in ihrer zuhanden der Beschwerdeführerin erstellten Stellungnahme
vom 1
3.
November
2020 (
Urk.
5/123)
zum fachpsychiatrischen Gutachten de
s
Y._
vom 2
2.
Juni
2020 aus, dass sie vorgängig darauf hinweisen wollten, dass sie die Beschwerdeführerin nicht persönlich untersucht und sie lediglich eine Bewertung der ihnen zuge
schickten Akten durchgeführt hätten
(S. 1 Mitte)
.
Das ihnen vorliegende vielschichtige
polydisziplinäre Gutachten sei
hinsichtlich d
e
r Darlegung der komplexen
m
edizinischen Zusammenhänge und der
unklaren medizinischen Situation nicht ausreichend nachvollziehbar
.
Da ihnen die Origi
nalakten nicht vorlägen,
könne nicht abschliessend beurteilt werden, ob seitens der
therapeutisch tätigen Ärzte die Diagnosen validiert worden seien (S. 2 oben).
Zur Nachvollziehbarkeit des psychiatrischen Befundes führten die Fachpersonen aus,
dass im
psychiatrischen Befund die Konzentration
als nicht beeinträchtigt angegeben werde
, obwohl die Explorandin von starken Konzentrationsstörungen berichte. Warum die
angegebenen
Konzentrationsstörungen nicht hätten verifi
ziert werden können und weshalb der Gutachter zu diesem Schluss komme, werde nicht berichtet (S. 2 Mitte). Auch werde angegeben, dass die Explorandin zur eigenen Person vollständig orientiert sei, obwohl in der Anamnese davon berich
tet werde, dass sie nicht mehr genau wisse, wann sie geboren sei. Auch bleibe unklar
,
anhand welcher Merkmale die Verifizierung
durchgeführt worden sei, wo
nach sich die Angaben der Beschwerdeführerin,
dass
sie an Störungen der Merkfähi
gkeit und
des Kurz- und Langzeitgedächtnisses leide, nicht hätten veri
fiziert
lassen können
.
Eine beschreibende
Erklärung dafür, weshalb
sich
die Explorandin «demonstrativ zum depressiven Pol hin verschoben» zeigen würde, fehl
e
, und es
finde keine vertiefte Auseinandersetzung
mit
ihren
Angaben statt (S.
2
unten f.
).
Auch habe
keine vertiefte Auseinandersetzung mit
ihrer
Persönlichkeit stattgefunden (S. 3 Mitte).
Es sei nicht nachvollziehbar
,
auf welche Befunde sich die fehlende Dia
gnose stütze und weshalb der Gutachter die dokumentierten Befunde als nicht nachvollziehbar erachte
(S. 3 unten f.).
Negative Antwortverzerrungen in der Be
schwerdevalidierung schlössen das gleichzeitige Vorhandensein einer psychi
schen Störung nicht per se aus. Es dürfe also nicht automatisch auf eine Simula
tion oder wie es im Gutachten beschrieben worden sei auf «ein zielgerichtetes Vortäuschen einer nicht vorhandenen Symptomatik» geschlossen werden (S. 4 Mitte).
Warum zur klinischen Beschwerdevalidierung der SIRS
-
2 aufgeführt wor
den sei, bleibe offen. Soweit bekannt, sei diese
s
Testinstrument zur Beschwerde
validierung in albanischer Sprache noch nicht erhältlich oder validiert (S. 4 un
ten).
Die Fachpersonen führten abschliessend aus, dass die Angabe der 100%igen Arbeitsfähigkeit
demzufolge
mit
einem nicht objektivierten psychiatrischen Be
fund und einer fehlenden Diagnose begründet
sei
. Es sei nicht klar, woraus ein Belas
tungsprofil abgeleitet werde (S. 5 oben).
4.
9
Dr.
L._
,
Y._
, führte in seiner Stellungnahme vom
1
7.
Februar
2021
(
Urk.
5/131) aus, dass die Stellungnahme der Fachpersonen der Gutachtenstelle der
Z._
vom 1
3.
November 2020
weder auf einer persönlichen Untersuchung der Versicherten noch auf einer Kenntnis der Aktenlage
fusse
(S. 1). An der Einschät
zung, wonach aus den vorliegenden Originalakten eine Nachvollziehbarkeit der früher genannten Diagnose
n
nicht ableitbar sei, werde festgehalten, ebenso an der Feststellung, wonach seitens der
Vorbehandler
die Angaben der Versicherten unkritisch
übernommen worden seien. Festzuhalten sei, dass der Beschwerdevor
trag der Versicherten insgesamt vage und im Ungefähren geblieben sei. Zu diesen vagen Angaben seien die erheblichen Auffälligkeiten bei der Beschwerdev
alidie
rung gekommen (S. 2 oben)
. Die Versicherte habe im explorativen Kontext in
keinster
Weise persönlichkeitsgestört gewirkt (S. 2 Mitte).
Hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit der Diagnose sei auszuführen, dass bei der Versicherten - wie im Gutachten dargelegt worden sei - keine psychiatrische Diagnose zu vergeben gewesen sei. Zweifelsohne habe die Versicherte eine ent
sprechende Symptoma
tik beschrieben, die allerdings
nicht habe nachvollzogen werden können (S. 2 unten). Das entsprechende Verhalten der Versicherten habe sich durch die gesamte Begutachtung durchgezogen. Dem rheumatologischen Gutachter sei eine Aggravation aufgefallen, und im neuropsychologischen Gut
achten seien die Auffälligkeiten derart ausgeprägt gewesen, dass eine Aggrava
tion alleine keine
hinreichende Erklärung für die Auffälligkeiten der Versicherten liefere (S. 3 oben).
Was die Kritik hinsichtlich der Anwendung des SIRS-2 anbelange, habe es sich nur um einen weiteren Baustein gehandelt, der - nach stattgehabter neuro
psychologischer Begutachtung und psychiatrischer Exploration durch den Refe
ren
ten - letzterem eine kritische Bewertung seines eigenen Eindrucks habe ermöglichen wollen. Es sei keinesfalls so, dass
er
das Verhalten der Versicherten ausschliesslich gestützt auf das genannte Verfahren bewertet habe (S. 3 Mitte). Die Fachpersonen der
Gutachtenstelle der
Z._
hätten die fehlende Medikamen
ten
einnahme trotz gegenteiliger Angabe völlig unberücksic
htigt gelassen (S. 3 unten f.).
5.
5.
1
Die Beschwerdegegnerin ging
nach
Empfehlung
des RAD-Arztes
Dr.
P._
vom
3
0.
Juni 2020
(vorstehend E. 4.
6
) gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten des
Y._
vom 2
2.
Juni 2020
(vorstehend E. 4.
5
)
sowie die ergänzende Stellung
nahme von
Dr.
L._
vom 1
7.
Februar 2021 (vorstehend E. 4.8)
davon aus, dass
bei der Beschwerdeführerin
seit Arbeitsniederlegung im April 2016
in der ange
stammten Tätigkeit von einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und in einer ange
passten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 85
%
auszugehen sei (vorstehend E. 2.1). Dagegen machte
die
Beschwerdeführer
in insbesondere gestützt auf die Stellungnahme der Fachpersonen der Gutachtenstelle der
Z._
vom 1
3.
November 2020 (vorstehend E. 4.
8
)
geltend, dass dem
Y._
-Gutachten vom 2
2.
Juni 2020 kein Beweiswert zukomme (vorstehend E. 2.2).
5.2
Das
Y._
-Gutachten vom
2
2.
Juni 2020
(vgl. vorstehend E.
4.
6
) erfüllt die for
malen
Beweiswert-Anforderungen (vgl.
vorstehend E. 1.
6
) ohne weiteres. So
ist es für die streitigen Belange umfassend, beruht
auf allseitigen Untersuchungen der Beschwerdeführerin
, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden
und setzt sich mit ihrem Verhalten auseinander. Zudem wurde es
in Kenntnis de
r
Vorakten
(Anamnese) abgegeben und leuchte
t
auch in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Schlussfol
gerungen, weshalb darauf abge
stellt werden kann.
5.3
In somatischer Hinsicht wurde gestützt auf die Einschätzung des rheumatologi
schen Gutachters des
Y._
,
Dr.
M._
, davon ausgegangen, dass in
einer
dem Leiden angepassten Tätigkeit
von einer
Einschränkung der Leistungsfähig
keit von 15
%
auszugehen sei
(
vorstehend E. 4.
6
).
Dass
Dr.
H._
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin geringer ein
ge
schätzt
hatte
, führte
Dr.
M._
in seinem Teilgutachten darauf zurück, dass
die behandelnde Ärz
tin
nicht auf die von ihm festgestellte wahrnehmbare Inkonsistenz zwischen den subjektiven heftigen Beschwerden und den relativ geringen objektivierbaren Be
funde
n
eingegangen sei. Diese Aussage gelte auch für die am
4.
Juli 2017 erfolgte Beu
rteilung an der Klinik T._
.
Für eine dem Leiden angepasste Tätigkeit stehe die aktuelle Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit mit derjenigen von
Dr.
H._
weitgehend im Einklang
(
Urk.
5/111 S. 51
Ziff.
7.3).
An der Schlüssigkeit des
Y._
-Gut
achtens in somatischer Hinsicht
vermögen auch die Ausführungen der langjährig behandelnden Hausärztin
Dr.
G._
vom 2
9.
Mai 2019 (vorstehend E. 4.3)
nichts zu ändern.
Abgesehen davon
, dass sie
hinsichtlich der
somatischen Diagnosen auf
Dr.
H._
verwies
, welche ihrerseits jedoch in einer angepassten Tätigkeit von einer Restar
beitsfähigkeit ausging (vorstehend E. 4.4)
, ist hinsichtlich der Beurteilung der voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin durch
Dr.
G._
zu beachten, dass das Gericht in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Haus
ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen hat, dass diese mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns
ten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Die
s zeigt sich vorliegend auch darin,
dass die Ärztin
von einer grossen Com
pliance der Beschwerdeführerin sprach und dies
entgegen de
r
in den Akten
mittels
Labordiagnostik
dokumentierte
n
Nichteinnahme
beziehungsweise unzu
reichende
n
Einnahme
der Medikamente (
vgl.
Urk.
5/19/31,
Urk.
5/
75/1-14,
Urk.
111/72-73
)
und dem meist vorzeitigen Abbruch der Behandlungen ohne sich wirklich darauf eingelassen zu haben (vgl.
Urk.
5/52 E. 4.3
)
.
5.
4
Was das hier umstrittene Vorliegen einer psychischen Erkrankung anbelangt, er
fordert gemäss neuer Praxis des Bundesgerichts die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades einerseits, dass
die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren (
vgl. vorstehend E. 1.3)
schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind, und andererseits
, dass
keine Ausschlussgründe
,
namentlich keine
Aggrava
tion
,
vorliegen.
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE
141 V 281 (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 9C_520/2019 vom 22.
Oktober 2019 E.
6.1 und 9C_371/2019 vom 7.
Oktober 2019 E.
5.1.2).
Eine Aggravation zeichnet sich aus durch eine Übertreibung oder Ausweitung von Beschwerden, indem tatsächlich vorhandene Symptome zur Erreichung eines Ziels (im hier interessierenden Kontext die Zusprechung einer Rente) verstärkt werden. Externe Motivation (Erreichen einer Rente) und Bewusstseinsnähe sind somit starke (in der Praxis aller
dings oft schwierig nachzuweisende) Anhaltspunkte für eine anspruchs
hindernde Aggravation. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Aggravation umso eher vorliegt, je mehr Hinweise auf eine absichtliche, gesteuerte und in diesem Sinne "bewusste" Symptomerzeugung hindeuten (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_899/2014 vom 29.
Juni 2015 E.
4.2.2
).
5.
5
Vorliegend hielt der
psychiatrische Teilgutachter des
Y._
,
Dr.
L._
,
nach eige
ner Untersuchung der Beschwerdeführerin und unter Einbezug der Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung durch
lic.
phil
.
O._
fest,
dass sich Hinweise auf ein zielgerichtetes Vortäuschen einer nicht vorhandenen Sympto
matik gefunden hätten
.
Eine psychiatrische Diagnose mit Krankheitswert konnte er
(daneben)
nicht stellen
(vorstehend E. 4.
6
).
Insbesondere die zusätzlich durch
geführte neuropsychologische Untersuchung vom
7.
Mai 2020 ergab Ergebnisse, die höchstens im Rahmen einer schweren geistigen Behinderun
g zu erklären ge
wesen wären. Aus
geführt wurde unter anderem, dass sich die Beschwerdeführerin sogar beim Benennen von bildlich dargestellten Alltagsgegenständen als
schwerst
beeinträchtigt gezeigt
habe und dies bei gemäss Übersetzerin völlig unauffälliger Spontansprache
(
Urk.
5/111 S. 33 unten f.,
Urk.
5/111/67-70).
W
as die zusätzlich
veranlasste
Labordiagnostik
anbelangt, ergab diese, dass die Beschwerdeführerin
die gegenüber den
Y._
-
Gutachtern angegebenen Psycho
pharmaka (vgl.
Urk.
5/111 S. 31 oben, S. 45
Ziff.
3.2 unten
;
Urk.
5/111/67-70 S.
2
Mitte
) nicht oder nicht in einem relevanten Ausmass einnahm
(
Urk.
5/111/71-72 S. 2).
Ihre Angabe
, wonach sie aufgrund ihrer Nervosität gezwungen sei, bis zu fünf
Temesta
pro Tag
ein
zu
nehmen
(
Urk.
5/111 S. 45
Ziff.
3.2 unten)
,
erweist sich vor dem Hintergrund, dass im Medikamentenspiegel der Referenzbereich für Temesta bei Weitem nicht erreicht wurde, als
höchst zweifelhaft. Im Übrigen ergab bereits die anlässlich der
Begutachtung bei
Dr.
B._
im Dezember 2016
durchgeführte
Laboruntersuchung, dass die Beschwerdeführerin
die
Medikamente nicht oder nicht im angegebenen Ausmass einnahm (vgl.
Urk.
5/19/10-30 S. 16 Mitte
)
. Die jeweils
im Vorfeld
während
verschiedenen
Konsultationen
gezeigte Einnahme von Temesta
(
Urk.
5/17 S. 2
Mitte
,
Urk.
5/19/10-30 S. 10 Mitte, S. 13 Mitte)
muss daher
eher
als
demonstrativ gewertet werden.
In diesem Rahmen ist wohl auch das gegenüber
den
Y._
-Gutachtern
und ver
schiedentlich im Vorfeld der Begutachtung (
Urk.
5/19/10-30 S. 8 Mitte, S. 11 oben
;
Urk.
5/55 S. 3
)
von der Beschwerdeführerin
berichtete
und gezeigte
stän
dige
Kratzen an den Vorderarmen und an den Handrücken sowie das
Wippen des Kopfe
s (
Urk.
5/111 S. 45
Ziff.
3.2
, S. 47
Ziff.
4.1
,
Urk.
5/111/67-70
Ziff.
4
) zu würdigen. So wäre bei ständigem Kratzen an den Händen und den Vorderarmen zumindest eine
Reizung oder dermatologische Problematik respektive Verletzung der Haut zu erwarten
gewesen
, was aber in den Akten nicht dokumentiert ist. Hinsichtlich des erstmals von PD
Dr.
F._
beobachteten Kopfwackelns (vorste
hend E. 4.
2
),
war
ein solches
der langjährig behandelnden Hausärztin
Dr.
G._
, wie aus ihrem Schreiben vom 3
1.
Juli 2019 (
Urk.
5/75/1) hervorgeht, nicht bekannt.
Bei dieser Ausgangslage erweist sich das im
Y._
-Gutachten beschrieben
e
aggra
vierende Verhalten
der Beschwerdeführerin
bis hin zum Erzeugen von
n
ichtvorhandenen Symptomen als nachvollziehbar und plausibel dargelegt, wes
halb von einem Ausschlussgrund im Sinne einer Aggravation der Beschwerden
(vgl. vorstehend E. 5.
4
)
auszugehen ist.
5.
6
Soweit sich
die
Kritik der Beschwerdeführerin am psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
L._
im Wesentlichen auf die Stellungnahme der Fachpersonen
der Gut
achtenstelle
der
Z._
vom 1
3.
November 2020
(vorstehend E. 4.
8
)
stützt (
Urk.
1 S. 8 ff.
Ziff.
4.5.1-
4.5.5
), ist
Dr.
L._
dahingehend beizupflichten (vorstehend E.
4.
9
)
, dass deren Wertigkeit erheblich dadurch geschmälert wird,
dass
den Fach
personen der Gutachtenstelle der
Z._
weder
die
Vorakten
vorgelegen
haben noch eine persönliche Untersuchung der Beschwerd
eführerin stattgefunden hat
.
Die
vorgebrachte Kritik
blendet
sodann
weitestgehend
das anlässlich der psychiatri
schen und neuropsychologischen Untersuchung
am
Y._
zu Tage getretene Aggravation
s-
und
Simulationsverhalten der Beschwerdeführerin
, welches ihre subjektiven Beschwerdeschilderungen erheblich relativiert,
aus. Entgegen
der
An
sicht
der Beschwerdeführerin
und jener der Fachpersonen der
Gutachtenstelle der
Z._
lässt sich
dem psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
L._
sehr wohl
ent
nehmen
, weshalb er die von der Beschwerdeführerin geschilderten Beschwerden nicht im Sinne eines psychischen Gesundheitsschadens
interpretierte
respektive einer entsprechenden Diagnose zuordnete.
Zudem
äusserte
sich
Dr.
L._
auch hinreichend zu
r
Abweichung seiner Einschätzung zu jener in den Vorberichten.
So schrieb er dies im Wesentlichen der unkritischen Übernahme der von der Be
schwerdeführerin dargebotenen Symptomatik und ihren Angaben sowie dem Fehlen einer Beschwerdevalidierung
zu
(
Urk.
5/111 S. 36 oben).
Weiter vermag auch
die Kritik der Fachpersonen der
Gutachtenstelle der
Z._
an der objektiven Befunderhebung von
Dr.
L._
nicht zu überzeugen.
Dr.
L._
schil
derte die
Angaben der Beschwerdeführerin und die
von ihm erhobenen B
efunde ausreichend nachvollziehbar und zeigte auf, dass die A
ngaben der
Beschwerde
führerin
vage und wenig fassbar
blieben
, die Defizite in hohem Masse aufgesetzt wirkten und sie keinen Leidensdruck hinterlassen hatte (
Urk.
5/111 S.
S. 31
Ziff.
4.3, S.
35
Ziff.
7.3
, S. 37 oben
)
, weshalb er diese auch nicht berücksichtigen beziehungsweise keine psychiatrische Diagnose stellen konnte. Das
Vorbringen, dass
im psychiatrischen Befund die Konzentration der Beschwerdeführerin als unbeeinträchtigt angegeben werde, dies obwohl sie von starken Konzentrations
störungen berichte
,
und sie auch als zur eigenen Person vollständig orientiert beschrieben worden sei, obwohl sie nicht mehr genau
gew
usst habe, wann sie geboren
worden
sei,
erweist sich vor dem Hintergrund der bereits dargelegten Aggravation und Simulation der Beschwerden als wenig geeignet, um Zweifel an der Einschätzung von
Dr.
L._
aufkommen zu lassen.
Hinsichtlich
der
von der Beschwerdeführerin geltend gemachten schweren Kon
zentrationsstörungen gilt es überdies zu beachten, dass
Dr.
L._
keinesfalls der einzige Facharzt
war
, der
diese nicht verifizieren konnte. So konnten Konzentra
tionsstörungen
weder von
Dr.
B._
im Dezember 2016 (vgl.
Urk.
5/19/10-30 S.
14 Mitte), noch von med.
pract
.
C._
in ihrem Bericht vom 3
0.
Januar 2017 (
Urk.
5/17 S. 2 oben) bestätigt werden. Auch die Fachpersonen der Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
A._
, führten in ihrem Bericht vom 1
2.
Februar 2018 aus, dass sich keine Hinweise auf Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- oder Merkfähigkeitsstörungen gezeigt hätten. Die Konzentrations
fähig
keit befanden sie lediglich als subjektiv reduziert (
Urk.
5/29
Ziff.
1.4). Dies bestä
tigte auch PD
Dr.
F._
in ihrem Bericht vom 1
1.
Februar 2019 (
Urk.
5/55 S. 3 oben).
Entgegen der Ansicht der Fachpersonen der Gutachtenstelle der
Z._
er
weisen sich mit
Blick auf die
unauffällige Erwerbsbiographie
der Beschwerde
füh
rerin
und
ihre
soziale E
inbettung
sowie auf fehlende Hinweise in den Akten auf eine krankhafte Persönlichkeitsentwicklung
auch die Ausführungen von
Dr.
L._
, wonach keine
Persönlichkeitsakzentuierung oder Persönlichkeits
stö
rung
vorliege
, als nachvollziehbar und ausreichend begründet.
Soweit sich die Beschwer
deführerin zur Schmälerung der Beweiswertigkeit des
Y._
-Gutach
tens auf
die
bereits zum Zeitpunkt des Urteils vom 2
9.
Januar
2019 (
Urk.
5/52) bekannten Berichte beruft
(vgl.
Urk.
1 S. 6
ff.
Ziff.
4.2),
ist auf die
bereits
erfolgte
umfassend
e
Würdigung derselben zu verweisen
(vorstehend E. 3).
PD
Dr.
F._
äusserte sich
im Bericht vom 1
1.
Februar 2019 (
Urk.
5/35) über die Behandlung vom 2
5.
bis 3
1.
Mai 2018 sodann
nicht zu einer allfälligen Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin und sah
primär die Angst der Beschwerdefüh
rerin um ihre Angehörigen
, dass diese erkranken könnten,
als
im Vordergrund stehen
d an
.
Zum
Bericht
der
Fachpersonen der
Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
A._
,
vom
1.
Juli
2019
und der dort erfolgten Unter
suchung vom 2
1.
Juni 2019 ist festzuhalten, dass die Befunderhebung und Kom
munikation auch aufgrund von Fremdsprachigkeit erschwert war. Zudem berich
teten die Fachpersonen, dass neben den zu stellenden Diagnosen ein sekundärer Krank
heits
gewinn nicht auszuschliessen beziehungsweise wahrscheinlich sei (
Urk.
5/67 S. 5 f.
Ziff.
4). Die Frage, ob und inwieweit eine psychiatrische Krank
heit Grund für die geltend gemachten Einschränkungen ist, oder ob und inwieweit diese mit einem sekundären Krankheitsgewinn oder anderen krankheitsfremden Aspekten zusammenhängen, war
damit
nachgerade Aufgabe der nachfolgenden gutachter
li
chen Beurteilung. In diesem Zusammenhang ist auf die unterschiedli
che Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) zu verweisen
.
Dem
Vorbringen
der Beschwerdeführerin
,
wonach die psychiatrische Begutach
tung
bei
Dr.
L._
lediglich
zehn
Minuten gedauert haben soll
(vorstehend E. 2.2),
stehen
die Angaben
von
Dr.
L._
, wonach die Untersuchung am 2
5.
Mai
2020 von 14.30 Uhr bis 16.35 Uhr gedauert habe
(
Urk.
5/111 S. 27)
,
gegenüber
.
In Anbetracht des
Umfang
s
und d
er
Ausführlichkeit des psychiatrischen Teilgutach
tes (vgl.
Urk.
5/11
1
/27-40)
sowie mangels ersichtliche
r
Gründe, weshalb
Dr.
L._
hinsichtlich der Dauer
der Begutachtung
eine Falschangabe
getätigt haben
sollte, erweist sich die Aussage der Beschwerdeführerin als wenig glaubhaft.
Gemäss den Angaben im G
utachten
erfolgte
in diesem Zeitraum auch
eine SRSI-Testung
(
Urk.
5/111 S. 34 Mitte; k
eine SIRS2-Testung
wie gemäss
U
rk.
5/123 S.
4),
was
10
bis 15 Minuten benötigt (
https://www.hogrefe.com/de/beschwerden
vali
die
rung
)
, wobei
die Beschwerde
führerin
in dieser Zeit
alleine mit der D
ol
metscherin war
(vgl.
Urk.
5/133)
.
Dass die Beschwerdeführerin die grösste Zeit der Untersuchung mit der Dolmetscherin alleine einen Fragebogen habe ausfüllen müssen (
Urk.
5/129), erweist sich
auch
vor diesem Hintergrund als wenig glaubhaft.
5.
7
Aufgrund des Gesagten ist gestützt auf das beweiskräftige Gutachten des
Y._
vom 2
2.
Juni 2020 der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu er
achten, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit ab April
2016 zu 50
%
und in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu 85
%
arbeits
fähig ist.
6.
6.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 144 I 103 E.
5.3, 139 V 28 E.
3.3.2, 135 V 58 E.
3.1, 134 V 322 E.
4.1).
6.2
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die Gegeben
heiten im Zeitpunkt des (hypothetischen) Rentenbeginns, mithin auf das Jahr 20
17
, abzustellen (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222).
Gemäss Arbeitgeberbericht der
I._
vom 2
2.
November
2016
hätte
die Beschwerdeführerin als Produktionsmitarbeiterin
in einem Vollzeitpen
sum
zu diesem Zeitpunkt ohne Gesundheitsschaden ein Einkommen von
Fr.
57'590.-- erziel
t
(
Urk.
5/14
Ziff.
2.8
-2.11
).
Unter Berücksichtigung der Nomi
nallohnentwicklung von 0.5
%
(vgl. Nominallohnindex, Frauen, 201
1-2018, Tabelle T1.2.10,
Lit
. C) resultiert ein
Valideneinkommen
von
Fr.
57’878.-- im Jahr 2017 (
Fr.
57'590.-- x 1.005).
6.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E.
2.3, 135 V 297 E.
5.2, 129 V 472 E.
4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E.
4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E.
4.2.2, 142 V 178 E.
2.5.8.1, 133 V 545 E.
7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE
142 V 178 E.
2.5.7, 139 V 592 E.
2.3, 135 V 297 E.
5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art.
28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.4
Gemäss den beweiskräftigen
Feststellungen im
Y._
-Gutachten
vom
2
2.
Juni 2020
war
der Beschwerdeführerin ab
April
201
6
eine leidensadaptierte Tätigkeit im Umfang von
85
%
zumutbar (
vorstehend E. 5). Im Jahr 2016
belief sich der Medianlohn von Fr
auen, Kompetenzniveau 1, gemäss
LSE
2016 auf Fr.
4‘363.-- pro Monat (LSE
2016, Tabelle TA1, Total, Frauen, Kompetenzniveau 1). Um
gerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, Total; vgl. www. bfs.admin.ch, Statistiken, Arbeit
und Erwerb)
und unter Berück
sichtigung der Nominallohnentwicklung von 0.4
%
im Jahr 2017 (vgl. Nominal
lohnindex, Frauen, 201
1-2018, Tabelle T1.2.10, Total)
resultiert bei dem noch möglichen
85
%-Pe
nsum ein Invalideneinkommen von Fr.
46’
579
.-- im Jahr 2017
(Fr.
4‘363.--
:
40 x 41.7 x 12 x
1.004 x 0.
85
).
6.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE
124 V 321 E.
3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (vgl. BGE
135 V 297 E.
5.2, 134 V 322 E.
5.2 und 126 V 75 E.
5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE
126 V 75 E.
5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren dürfen (BGE
146 V 16 E.
4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen;
es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE
137 V 71 E.
5.2 und 126 V 75 E.
6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwer
deinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29.
Februar 2016 E.
3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26.
Mai 2015 E.
3.2
).
6.6
Anhaltspunkte dafür, weshalb in einer behinderungsangepassten Tätigkeit bei be
reits reduziertem Pensum ein
leidensbedingter
Abzug zu gewähren wäre, ergeben sich vorliegend keine.
6.7
Demnach resultiert bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
57’878.--
und einem Invalideneinkommen von
Fr.
46’579.--
eine Einkommenseinbusse von
Fr.
11'299.--, was einem Invaliditätsgrad von
gerundet 20
%
entspricht.
Demnach besteht kein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) erweist sich daher als rechtens, was zur Ab
weisung der Beschwerde führt.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerdefüh
rerin aufzuerlegen.