Decision ID: e2f723bd-ef7b-4024-974d-f861be02d40f
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die 1969 geborene Beschwerdeführerin meldete sich 2003 unter Hinweis
u.a. auf Ganzkörperschmerzen und eine Depression bei der Beschwerde-
gegnerin zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversi-
cherung (IV) an. Diese holte im Rahmen der medizinischen Abklärungen
u.a. ein bidisziplinäres Gutachten ein. Mit Einspracheentscheid vom
26. August 2005 verneinte sie schliesslich einen Rentenanspruch der Be-
schwerdeführerin.
1.2.
Am 5. April 2018 meldete sich die Beschwerdeführerin aufgrund beidseiti-
ger Coxarthrose erneut zum Leistungsbezug an. Die Beschwerdegegnerin
tätigte daraufhin diverse Abklärungen; insbesondere liess sie die Be-
schwerdeführer polydisziplinär begutachten (Gutachten der PMEDA Poly-
disziplinäre Medizinische Abklärungen AG, Zürich [PMEDA], vom 19. April
2021). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren, Rücksprache mit dem
RAD und ergänzender gutachterlicher Stellungnahme vom 30. August
2021 sprach sie der Beschwerdeführerin eine vom 1. Oktober 2018 bis
30. April 2020 befristete ganze Rente zu (Verfügung vom 4. November
2021).
2.
2.1.
Gegen die Verfügung vom 4. November 2021 erhob die Beschwerdeführe-
rin mit Eingabe vom 26. November 2021 Beschwerde und stellte folgende
Rechtsbegehren:
" 1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 04.11.2021 sei  aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin
eine unbefristete ganze Invalidenrente auszurichten.
3. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weitere medi-
zinische Abklärungen zu initiieren.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde-
gegnerin."
2.2.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 21. Dezem-
ber 2021 die Abweisung der Beschwerde.
- 3 -
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 23. Dezember 2021 wurde die
berufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren bei-
geladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt, worauf diese
mit Eingabe vom 5. Januar 2022 verzichtete.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdefüh-
rerin mit Verfügung vom 4. November 2021 (Vernehmlassungsbeilage
[VB] 133) zu Recht per 1. Oktober 2018 eine befristete ganze Rente zu-
sprach und einen über den 30. April 2020 hinausgehenden Anspruch ver-
neinte.
Die angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den all-
gemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich
massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V
354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und dieje-
nigen der IVV sowie des ATSG in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewe-
senen Fassung anwendbar.
2.
Die vorliegend angefochtene Verfügung basiert in medizinischer Hinsicht
im Wesentlichen auf dem polydisziplinären (internistisch, psychiatrisch,
neurologisch und orthopädischen) PMEDA-Gutachten vom 19. April 2021
sowie der ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 30. August
2021. Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (VB 120.1/8):
"Hüft-TEP beidseits mit muskulärer Insuffizienz Iliopsoas rechts
Leicht- bis mittelgradige Gonarthrose beidseits, ältere vordere  rechts, ältere Aussenmeniskusläsion rechts, Genu valgum rechts mehr als links
Dekompensierter Knick-Senkfuss beidseits mit möglichen statischen  nach operativer Sehnen-Weichteil-Korrektur links 2016".
Weiter hielten die Gutachter fest, in der bisherigen Tätigkeit habe ab 2018
keine Arbeitsfähigkeit bestanden. Seit Februar 2020 bestehe eine Arbeits-
fähigkeit von insgesamt 25 %. In einer – insbesondere den orthopädischen
Einschränkungen – angepassten Tätigkeit (überwiegend leichte körperli-
che Tätigkeit in überwiegend sitzender Arbeitsposition mit gelegentlichem
Stehen und Gehen auf ebenem Untergrund, ohne Besteigen von Treppen,
Leitern und Gerüsten, ohne hockende oder kniende Position [VB 120.5/28])
- 4 -
sei die Beschwerdeführerin seit Februar 2020 vollständig arbeitsfähig. Zu-
vor habe ab 2018 auch in einer angepassten Tätigkeit keine Arbeitsfähig-
keit bestanden (VB 120.1/9 f.).
In der ergänzenden Stellungnahme vom 30. August 2021 hielten die Gut-
achter implizit an ihrer Beurteilung fest (VB 130).
3.
3.1.
3.1.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
3.1.2.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
Den Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der So-
zialversicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, ATSG-Kom-
mentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93
E. 5.2.8 S. 105).
3.1.3.
Die Beschwerdeführerin wurde zur Erstellung des PMEDA-Gutachtens
fachärztlich umfassend untersucht (VB 120.3/17 f.; 120.4/14 ff.;
120.5/14 ff.; 120.6/16 ff.). Dabei beurteilten die Gutachter die medizini-
schen Zusammenhänge sowie die medizinische Situation in Kenntnis der
Vorakten (VB 120.2) und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwer-
den (vgl. VB 120.3/5 ff.; 120.4/5 ff.; 120.5/5 ff.; 120.6/5 ff.) einleuchtend
und gelangten zu einer nachvollziehbar begründeten Schlussfolgerung.
Das PMEDA-Gutachten (inkl. ergänzende gutachterliche Stellungnahme)
ist damit im Sinne vorstehender Kriterien grundsätzlich geeignet, den Be-
weis für den anspruchserheblichen medizinischen Sachverhalt zu erbrin-
gen (vgl. E. 3.1.1.).
- 5 -
3.2.
3.2.1.
Die Beschwerdeführerin bringt zunächst vor, auf das Gutachten der
PMEDA könne nicht abgestellt werden, da es sich bei dieser "um ein äus-
serst versicherungsnahes und nicht hinreichend objektiv explorierendes
Gutachterinstitut" handle, wozu sie auf Urteile anderen kantonaler Gerichte
verweist (Beschwerde S. 4 ff.).
3.2.2.
Ein Ausstandsbegehren kann sich stets nur gegen Personen und nicht ge-
gen Behörden – bzw. gegen eine Institution – richten; nur die für eine Be-
hörde tätigen Personen, nicht die Behörde als solche, können befangen
sein (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.3.3 S. 227; Urteil des Bundesgerichts
8C_803/2018 vom 6. Juni 2019 E. 4.2). Gegen ein Begutachtungsinstitut
an sich können demnach von Vornherein keine Ausstandsgründe geltend
gemacht werden (SVR 2017 IV Nr. 67 S. 208, 9C_19/2017 E. 5.1 mit Hin-
weisen). Ohnehin neutralisiert die Auftragsvergabe nach dem Zufallsprinzip
(zusammen mit den weiteren Vorgaben nach BGE 137 V 210) generelle,
aus den Rahmenbedingungen des Gutachterwesens fliessende Abhängig-
keits- und Befangenheitsbefürchtungen; nicht einzelfallbezogene Beden-
ken werden gegenstandslos (vgl. BGE 147 V 79 E. 7.4.4 S. 84 mit Hinwei-
sen).
Das von der Beschwerdeführerin, die nicht gegen die mit Mitteilung vom
30. April 2020 (VB 115) angeordnete Begutachtung durch die PMEDA op-
poniert hatte, referenzierte Urteil des Kantonsgerichts Luzern vom 16. No-
vember 2016 (Beschwerde S. 5) war im Übrigen Gegenstand des bereits
erwähnten bundesgerichtlichen Verfahrens 9C_19/2017. Im entsprechen-
den Urteil vom 30. März 2017 hielt das Bundesgericht ausdrücklich fest,
dass die Vorinstanz, indem sie den Anschein der Befangenheit des Insti-
tutsleiters bejaht und aufgrund dessen gewichtiger Stellung innerhalb der
PMEDA gleichsam auch das Institut als solches als abgelehnt qualifiziert
habe, Art. 44 ATSG verletzt habe (a.a.O. E. 5.4). Diese Rechtsprechung
bestätigte das Bundesgericht in der Folge mehrfach (vgl. etwa Urteile des
Bundesgerichts 8C_335/2020 vom 15. Juli 2020 E. 4.2; 9C_319/2017 vom
15. Februar 2018 E. 2.2). Im genannten Urteil vom 30. März 2017 setzte
sich das Bundesgericht sodann bereits mit dem auch in der vorliegenden
Beschwerde vorgebrachten (vgl. Beschwerde S. 5) Argument auseinander,
die PMEDA attestiere "statistisch überdurchschnittlich oft volle Arbeitsfä-
higkeiten" (vgl. a.a.O. E. 5.1). Diesbezügliche Weiterungen erübrigen sich.
3.2.3.
Der von der Beschwerdeführerin darüber hinaus "als problematisch er-
kannt[e]" Umstand, dass ausländische Konsiliarärzte beigezogen würden
(Beschwerde S. 5), vermag den Beweiswert des PMEDA-Gutachtens
- 6 -
ebenfalls nicht zu schmälern. Eine schweizerische Ausbildung ist nicht Be-
dingung für die Eignung eines Arztes als Gutachtensperson in einer be-
stimmten medizinischen Disziplin; eine Fachausbildung kann auch im Aus-
land erworben werden (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.3.2 S. 246; Urteil des Bun-
desgerichts 9C_234/2021 vom 13. August 2021 E. 3.2 mit Hinweisen). Zu-
dem verfügen sämtliche beteiligte Gutachter über in der Schweiz aner-
kannte Facharzttitel (vgl. die entsprechenden Einträge im Medizinalberufe-
register des Bundesamts für Gesundheit).
Schliesslich kann die Beschwerdeführerin auch aus der vergangenen Zeit
zwischen Begutachtung (letzte Untersuchung 5. Juni 2020) und Gutachten-
serstattung (19. April 2021 [VB 120.1/1]) nichts zu ihren Gunsten ableiten
(vgl. Beschwerde S. 6). Sie legt denn auch nicht dar, inwiefern dieser Um-
stand den Inhalt des Gutachtens konkret beeinflusst hätte, womit auch hier
auf weitere Ausführungen zu verzichten ist.
3.3.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Gutachter seien ungenügend
auf die Schmerzproblematik eingegangen. Es leuchte nicht ein, dass der
neurologische Gutachter eine erhebliche Störung der Biomechanik fest-
stelle, dieser dann aber keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit zuer-
kenne. Zudem habe sie auch im Sitzen Schmerzen, weshalb das von den
Gutachtern definierte Zumutbarkeitsprofil nicht überzeuge. Die behan-
delnde Ärztin attestiere sodann eine höhergradige Einschränkung der Ar-
beitsfähigkeit und trage dabei auch der Problematik des Zurücklegens des
Arbeitswegs Rechnung. Im Übrigen sei der gutachterliche Schluss, es liege
ab Februar 2020 eine volle Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit vor,
nicht nachvollziehbar (Beschwerde S. 6-9).
3.3.1.
Den Gutachtern waren die von der Beschwerdeführerin vorgetragenen
Schmerzen sowohl ausweislich der erhobenen Anamnese (VB 120.4/5, 12;
120.5/5, 12) als auch der Aktenlage bekannt. Der Beschwerdeführerin
wurde aufgrund der funktionellen Auswirkungen der orthopädischen Be-
funde eine deutliche qualitative Minderung der Belastbarkeit attestiert
(VB 120.1/9) und ein entsprechendes Zumutbarkeitsprofil definiert
(VB 120.5/28). Ferner wiesen die Gutachter darauf hin, dass die Beschwer-
deführerin die Schmerzmedikamente trotz angegebener Dauerschmerzen
nur in Reserve einnehme (VB 120.5/12, 24). Das blosse Abstellen auf sub-
jektive Angaben der Beschwerdeführerin oder deren Schmerzangaben ge-
nügt jedenfalls nicht, um eine Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Vielmehr
wird verlangt, dass die Schmerzangaben durch damit korrelierende, fach-
ärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar sind. Dabei
müssen die Schmerzangaben zuverlässiger medizinischer Feststellung
und Überprüfung zugänglich sein (BGE 143 V 124 E. 2.2 S. 127 mit Hin-
weis).
- 7 -
3.3.2.
Der neurologische Gutachter führte hinsichtlich der von der Beschwerde-
führerin angegebenen Beschwerden aus, für das Vorliegen einer erhebli-
chen Störung der Biomechanik im rechten Hüftgelenk spreche bereits die
spontane deutliche Aussenrotationsfehlstellung (VB 120.4/22). Allerdings
zeigte der klinisch-neurologische Untersuchungsbefund keine Muskelatro-
phien, die Reflextätigkeit habe sich seitengleich normal dargestellt. Bei der
Überprüfung der groben Kraft wurde das rechte Bein im Liegen nur kurz
angehoben, bei aufgestelltem Fuss sei die Hüftbeugung mit allenfalls ge-
ringer Seitendifferenz kräftig und wenigstens kurzzeitig durchgeführt wor-
den. Kniebeugung und -streckung, Fusshebung und -senkung, Zehenhe-
bung und -senkung seien seitengleich kräftig. Bei der Überprüfung der Sen-
sibilität sei ein normales Empfinden angegeben worden, insbesondere
auch im Versorgungsgebiet des Nervus femoralis rechts. Nervendeh-
nungszeichen fänden sich nicht. Die spinale Bildgebung zeige keine erklä-
renden Befunde. Aus neurologischer Sicht lasse sich daher keine überwie-
gend wahrscheinliche Nervenläsion diagnostizieren (VB 120.4/21). Dies
wurde vom Gutachter in der Folge (insbesondere im Hinblick auf die von
der Beschwerdeführerin geltend gemachte Parese zufolge motorischer
partieller Schädigung des Nervus femoralis rechts [Beschwerde S. 15;
vgl. VB 104/3]) unter Bezugnahme auf die aktenkundigen neurologischen
Voruntersuchungen und die dort erhobenen Befunde ausführlich und unter
Hinweis auf entsprechende medizinische Literatur eingehend begründet
(vgl. VB 120.4/21 f.).
Aus rein neurologischer Sicht ergaben die Untersuchungen somit kein Kor-
relat für die angegebenen Beeinträchtigungen. Die gutachterliche Äusse-
rung, es liege eine erhebliche Störung der Biomechanik vor, lässt nicht den
Schluss zu, diese sei auf eine Nervenläsion zurückzuführen. Die anders-
lautenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte – mit denen sich der neu-
rologische Gutachter detailliert auseinandersetzte – vermögen kein Abwei-
chen von den einleuchtenden gutachterlichen Schlussfolgerungen zu be-
gründen. Die Einschätzung von Dr. med. C., Fachärztin für Allgemeine In-
nere Medizin sowie für Physikalische Medizin und Rehabilitation, im Bericht
vom 12. Juni 2021 (VB 126/16 f.) sind dazu von vornherein ungeeignet, da
diese über keine entsprechende fachärztliche Ausbildung verfügt (vgl. Ur-
teil des Bundesgerichts 9C_458/2021 vom 15. November 2021 E. 3.3 mit
Hinweisen). Die Bewältigung des Arbeitswegs stellt sodann grundsätzlich
keine Frage der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit dar (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 9C_734/2016 vom 27. Januar 2017 E. 3.2.4).
3.3.3.
Der orthopädische Gutachter begründete den von ihm auf Februar 2020
festgesetzten Zeitpunkt des Erreichens einer vollen Arbeitsfähigkeit in an-
gepassten Tätigkeiten mit dem Umstand, dass Dr. med. C. in ihrem Bericht
vom 1. Februar 2020 das rechte Bein und das Hüftgelenk betreffend einen
- 8 -
ausgeheilten Defektzustand beschrieben hatte (VB 120.5/27 f.). Dies
leuchtet ohne Weiteres ein. Dass Dr. med. C. in diesem Bericht weiterhin
eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte (Beschwerde S. 8 f.), vermag
daran nichts zu ändern, zumal sie die Arbeitsunfähigkeit u.a. mit Problemen
beim Zurücklegen des Arbeitswegs (vgl. dazu E. 3.3.2.) begründete
(VB 104/2).
3.4.
3.4.1.
Die Beschwerdeführerin bemängelt das psychiatrische Teilgutachten in
verschiedener Hinsicht. U.a. seien weder eine Fremdanamnese eingeholt
noch Tests zur Feststellung des Schweregrads der Depression durchge-
führt oder Abklärungen betreffend die Leistungsfähigkeit vorgenommen
worden. Weiter habe sich die Gutachterin unzureichend mit dem möglichen
Vorliegen einer Schmerzstörung auseinandergesetzt (Beschwerde S. 9 ff.).
3.4.2.
Die Notwendigkeit der Einholung einer Fremdanamnese ist in erster Linie
eine Frage des medizinischen Ermessens (statt vieler: Urteil des Bundes-
gerichts 8C_794/2017 vom 27. März 2018 E. 4.2.1 mit Hinweisen). Ent-
scheidend ist die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symp-
tomerfassung und Verhaltensbeobachtung; Testverfahren im Rahmen ei-
ner psychiatrischen Begutachtung kommt höchstens eine ergänzende
Funktion zu (Urteil des Bundesgerichts 9C_728/2018 vom 21. März 2019
E. 3.3). Die Gutachterin führte aus, im Psychostatus hätten sich leichtgra-
dige Beeinträchtigungen der Stimmung feststellen lassen, die affektive
Schwingungsfähigkeit sei etwas zum negativen Pol hin eingeengt gewe-
sen, positive Emotionen jedoch erhalten gewesen (VB 120.6/29). Aufgrund
der Auffälligkeiten im Bereich von Stimmung, Antrieb und affektiver Schwin-
gungsfähigkeit lasse sich eine Angst und Depression gemischt schlüssig
und ICD-10-konform diagnostizieren. Dabei handle es sich um eine ängst-
lich depressive Symptomatik unterhalb des Niveaus einer depressiven Epi-
sode oder einer Angststörung. Die von der Beschwerdeführerin angege-
bene Medikation sei sodann laborchemisch nicht nachweisbar gewesen,
was ebenfalls gegen eine schwerwiegende depressive Störung spreche
(VB 120.6/30). Diese Ausführungen erweisen sich "in Bezug auf den
Schweregrad der Depression" ohne Weiteres als nachvollziehbar. Auch
das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung verneinte die psychiat-
rische Gutachterin mit nachvollziehbarer Begründung (VB 120.6/30); ohne-
hin liegt diesbezüglich, soweit ersichtlich, keine gegenteilige fachärztliche
Einschätzung in den Akten.
Die Ausführungen der Beschwerdeführerin betreffend die Qualifikation der
psychiatrischen Gutachterin zur Durchführung einer neuropsychologischen
Begutachtung (Beschwerde S. 10 ff.) sind schliesslich von Vornherein un-
beachtlich, da gar keine solche durchgeführt wurde.
- 9 -
3.5.
Zusammenfassend sind den Ausführungen der Beschwerdeführerin sowie
den Akten demnach keine konkreten Hinweise zu entnehmen, welche an
der Vollständigkeit und Schlüssigkeit des PMEDA-Gutachtens Zweifel zu
begründen vermöchten. Der medizinische Sachverhalt erweist sich vor die-
sem Hintergrund als rechtsgenüglich abgeklärt, weshalb auf weitere Abklä-
rungen (Beschwerde S. 17 f.) in antizipierter Beweiswürdigung zu verzich-
ten ist (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368 f.). Gestützt auf das beweiskräf-
tige PMEDA-Gutachten ist demnach von einer gänzlichen Arbeitsunfähig-
keit der Beschwerdeführerin von 2018 bis Ende Januar 2020 und an-
schliessend – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Be-
schwerde S. 16 ["Restarbeitsfähigkeit von 20 %]) von einer 100%igen Ar-
beitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten auszugehen.
4.
4.1.
Schliesslich macht die Beschwerdeführerin hinsichtlich der Invaliditätsgrad-
bemessung geltend (BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f.), es sei beim Invali-
deneinkommen ein Abzug vom Tabellenlohn in (maximaler) Höhe von 25 %
vorzunehmen, da sie selbst bei Hilfstätigkeiten noch eingeschränkt sei, nur
noch teilzeitlich erwerbsfähig sei, über keine Ausbildung verfüge, zuvor jah-
relang beim selben Arbeitgeber tätig gewesen sei, und schliesslich sei auch
das fortgeschrittene Alter zu berücksichtigen (Beschwerde S. 16).
4.2.
4.2.1.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Werten
ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Die
Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind,
hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des kon-
kreten Einzelfalls ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Ein Abzug soll
aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall An-
haltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder
mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfä-
higkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzugs ist
der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkom-
men unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen
und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohns zu begrenzen
(BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; 134 V 322 E. 5.2 S. 327 f. 129 V 472
E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75 [insbesondere E. 5 S. 78 ff.]). Allfällige bereits in
der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheit-
- 10 -
liche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung des lei-
densbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung
desselben Gesichtspunkts führen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweis).
4.2.2.
Der von der Beschwerdegegnerin beigezogene LSE-Tabellenlohn des
Kompetenzniveaus 1 basiert auf einer Vielzahl (auch) von leichten Tätig-
keiten (vgl. statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_799/2021 vom 3. März
2022 E. 4.3.2 mit Hinweis). Die gesundheitlichen Einschränkungen der Be-
schwerdeführerin wurden bereits im Belastungsprofil hinreichend berück-
sichtigt und können daher – wie bereits erwähnt – nicht zusätzlich zu einem
leidensbedingten Abzug führen. Einfache und repetitive Tätigkeiten des
Kompetenzniveaus 1 erfordern kein besonderes Bildungsniveau (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 9C_418/2017 vom 30. Oktober 2017 E. 4.5.2). Hilfsar-
beiten werden auf dem massgebenden hypothetisch ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt nach ständiger Rechtsprechung altersunabhängig – die Be-
schwerdeführerin ist mit Jahrgang 1969 ohnehin deutlich entfernt vom "fort-
geschrittenen Alter" – nachgefragt (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge-
richts 9C_702/2020, 9C_703/2020 vom 1. Februar 2021 E. 6.3.2). Im Kom-
petenzniveau 1 vermag eine lange Betriebszugehörigkeit keinen Abzug zu
rechtfertigen (SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88, 9C_401/2018 E. 5.2.3). Die Be-
schwerdeführerin ist in einer angepassten Tätigkeit sodann vollständig ar-
beitsfähig, weshalb sich die Frage eines Abzugs aufgrund eines Teilzeit-
pensums von Vornherein nicht stellt.
Die Beschwerdegegnerin hat folglich zu Recht auf die Vornahme eines Ab-
zuges vom Tabellenlohn verzichtet.
4.3.
Zusammengefasst hat die Beschwerdeführerin einen über den 30. April
2020 (vgl. dazu Art. 88a Abs. 1 IVV) hinausgehenden Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin zu Recht verneint. Die angefochtene Verfügung er-
weist sich demnach als rechtens; die dagegen erhobene Beschwerde ist
abzuweisen.
5.
5.1.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensausgang und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
- 11 -
5.2.
Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61
lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-
alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) keine Parteient-
schädigung zu.