Decision ID: f87d816d-2419-5491-bbdb-59838507747d
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Karl Gehler, LL.M., Hanfländerstrasse 67,
Postfach 1539, 8640 Rapperswil SG,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a B._ erlitt am 4. Juni 2005 einen Arbeitsunfall (Sturz eines Kantholzes auf die
rechte Schulter ventral). Mehrfache Infiltrationen brachten keine Verbesserung der
durch den Unfall verursachten Schmerzsituation, weshalb am 2. August 2005 eine
Schulter-Arthroskopie und eine offene Acromioplastik der rechten Schulter
durchgeführt wurden. Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, stellte folgende Diagnosen: ein
persistierendes Impingement der rechten Schulter bei Acromion Typ III und AC-
Arthrose, einen Acromionrand-Schmerz bei Defekt des lateralen Delta bei Status nach
offener Acromioplastik und einen Verdacht auf ein zervikospondylogenes Syndrom (vgl.
zum Ganzen Bericht von Dr. C._ vom 9. Januar 2006, act. G 4.2.24). Am 21. und
22. März 2006 nahm der Versicherte an einer Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit teil. Die Abklärungsperson kam zum Schluss, dass die bisherige
Tätigkeit des Versicherten als Fabrikarbeiter nicht mehr zumutbar sei (Bericht vom
26. März 2006, act. G 4.2.34).
A.b Am 27. September 2006 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-
Rentenleistungen an (act. G 4.1.3). Der behandelnde Dr. med. D._, Facharzt für
Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte im Arztbericht vom 7. November 2006 mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein myofasziales Schmerzsyndrom der rechten
Schulter mit transmuraler Ruptur der Scapularissehne, einen Status nach
Acromioplastik, ein chronisches zervikospondylogenes Syndrom bei Spondylose C4/5
und C6/7, ein chronisches lumbovertebrales Syndrom sowie eine Chondropathie
rechts, weniger links. Für die angestammte Tätigkeit bescheinigte er dem Versicherten
seit 6. Juni 2005 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Auch andere Tätigkeiten seien ihm
nicht mehr zumutbar (act. G 4.1.14-1 ff.).
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A.c Der Versicherte wurde am 7. Dezember 2007 orthopädisch von Dr. med. E._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
und am 26. Februar 2008 psychiatrisch von Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie,
psychotherapeutische Medizin und Neurologie, begutachtet. Der orthopädische
Experte diagnostizierte: einen Infraspinatussehnendefekt mit Atrophie der Muskulatur
und mässiger Binnendegeneration der Supraspinatus- und Supscapularissehne rechts
bei Status nach Acromioplastik, eine leichte Spondylarthrose L3 bis S1 mit
Degeneration der Bandscheiben und kleiner mediorechtsseitiger Diskusprotrusion L4/5
ohne neurale Kompression, eine Chondropathie Grad II der Trochlea rechts bei
femorotibialem Alignement von 4 Grad Valgus, einen Verdacht auf Chondropathie des
linken Kniegelenks bei Status nach Ulcusanfrischung am medialen Femurcondylus,
eine Heberdenarthrose Dig. II bis IV rechts, eine Ellbogenarthrose rechts sowie eine
Präadipositas. Für die bisherige Tätigkeit bescheinigte er dem Versicherten eine
70%ige und für eine leidensangepasste Tätigkeit (körperlich leichte Tätigkeiten in
temperierten Räumen, abwechslungsweise sitzend und stehend, ohne regelmässiges
Arbeiten über der Horizontalen, ohne Heben und Tragen von Gegenständen über
10 kg, ohne häufige inklinierte, reklinierte sowie rotierte Körperhaltungen, ohne kniende
Positionen, ohne Gehen auf unebenem Boden oder auf Leitern, ohne regelmässige
Kraftaufwendung der rechten Hand) eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit (act.
G 4.1.32-7 ff.). Der psychiatrische Experte stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit: einen Zustand nach Anpassungsstörung und eine inzwischen
chronisch depressive Verstimmung (Dysthymie) mit Somatisierungstendenz, ein
Schmerzsyndrom Schulter rechts mit transmuraler Ruptur der Skapularissehne und
einen Zustand nach Acromioplastik, ein chronisches Lendenwirbelsäulensyndrom
sowie Kniebeschwerden beidseits (act. G 4.1.32-18). Aus rein psychiatrischer Sicht
bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten und jeder anderen
Tätigkeit ohne besondere Anforderungen (act. G 4.1.32-18 f.).
A.d Gestützt auf die Gutachten der Dres. E._ und F._ stellte die IV-Stelle dem
Versicherten im Vorbescheid vom 20. Februar 2009 bei einem Invaliditätsgrad von 43%
die Ausrichtung einer Viertelsrente ab 1. Juni 2006 in Aussicht (act. G 4.1.44). Am
12. Mai 2009 verfügte sie entsprechend dem Vorbescheid (act. G 4.1.55).
B.
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B.a Gegen die Verfügung vom 12. Mai 2009 richtet sich die vorliegend zu beurteilende
Beschwerde vom 11. Juni 2009. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten-
und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Rentenzusprache "auf der
Basis eines Invaliditätsgrades von mindestens 60%". Eventualiter sei ihm eine
Invalidenrente auf der Basis von mindestens 50% auszurichten. Er bringt vor, dass mit
Blick auf die einschränkenden Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit die
vom orthopädischen Gutachter bescheinigte 80%ige Arbeitsfähigkeit zweifelhaft sei.
Mit Blick auf das Anforderungsprofil an eine leidensangepasste Stelle komme bloss
noch eine Bürotätigkeit in Frage. Da er Analphabet sei, müsse die Frage nach der
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit verneint werden. Selbst wenn im Übrigen von
einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit ausgegangen würde, so sei der
höchstzulässige Leidensabzug von 25% gerechtfertigt. Ferner sei bei der Ermittlung
des Invalideneinkommens ein monatlicher Lohn für eine 100%ige Arbeitsfähigkeit von
höchstens Fr. 3'500.-- zu berücksichtigen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 11. September
2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass das
Gutachten der Dres. E._ und F._ beweiskräftig sei und auf dem Arbeitsmarkt
genügend Stellen vorhanden seien, die dem Leidensbild des Beschwerdeführers
entsprechen würden. Als Beispiele für eine angepasste Tätigkeit nannte sie
Verpackungs- und Versandarbeiten im Produktionsbereich "oder auch anderweitige
Hilfsarbeiten". Der geltend gemachte Analphabetismus und die fehlende berufliche
Ausbildung seien unbeachtlich. Sämtliche Umstände seien im gewährten 10%igen
Leidensabzug abgegolten worden. Ein höherer Abzug sei nicht gerechtfertigt (act. G 4).
B.c In der Replik vom 24. November 2009 hält der Beschwerdeführer unverändert an
seinen Anträgen und Standpunkten fest. Ergänzend bestreitet er, dass die von der
Beschwerdegegnerin genannten Verweisungstätigkeiten den Leiden angepasst seien
(act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine begründete Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
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Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
12. Mai 2009 (act. G 4.1.55) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor
dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
2.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Rentenleistungen
streitig. Dabei ist zunächst die Frage zu prüfen, ob und inwiefern sich das
Leistungsvermögen des Beschwerdeführers auf dem in Frage kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt wirtschaftlich verwerten lässt.
2.1 Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf
nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere
kann von einer Arbeitsgelegenheit im Sinn von Art. 28a Abs. 1 IVG bzw. aArt. 28 Abs. 2
IVG (in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) dort nicht gesprochen werden,
wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
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allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum vornherein als
ausgeschlossen erscheint. Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen
Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der
Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von seiner
Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl
bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie
auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt
sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche
Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu
erzielen vermag oder nicht. Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch
im Rahmen der den versicherten Personen auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
offen stehenden Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbsfähigkeit dürfen von
ihnen Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven
und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalls nicht zumutbar sind (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen).
2.2 Erwerbslosigkeit aus invaliditätsfremden Gründen vermag zwar keinen
Rentenanspruch gegenüber der Invalidenversicherung zu begründen. Die
Invalidenversicherung hat daher grundsätzlich nicht dafür einzustehen, dass eine
versicherte Person zufolge ihres Alters keine ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung
angepasste Arbeit mehr findet. Soweit aber die Zumutbarkeit weiterer Erwerbstätigkeit
nach Massgabe der Selbsteingliederungspflicht und der auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt vorhandenen Arbeitsgelegenheiten in Frage steht, stellt das
fortgeschrittene Alter keinen invaliditätsfremden Faktor dar. Vielmehr ist diesfalls zu
beurteilen, ob für die versicherte Person auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
realistischerweise geeignete Arbeitsstellen zur Verfügung stehen, an denen sie die ihr
verbliebene Restarbeitsfähigkeit zumutbarerweise noch ganz oder teilweise verwerten
kann. Im Rahmen der sowohl durch den Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes als
auch die Selbsteingliederungspflicht gebotenen Zumutbarkeitsprüfung gehört daher
das fortgeschrittene Alter der versicherten Person zu den ihre erwerblichen
Möglichkeiten und damit ihre Invalidität beeinflussenden persönlichen Eigenschaften
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(Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.2.3). Insbesondere ein Alter von
62 Jahren kann bei männlichen Versicherten gemäss bundesgerichtlicher Praxis
zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen,
dass die dem Versicherten verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihm deren
Verwertung (namentlich bei notwendiger Neuausrichtung der beruflichen Tätigkeit)
auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 4. Juli 2008, 9C_833/07, E. 3.5, mit Hinweis auf Urteile vom
21. Februar 2008, 9C_471/2007, E. 5 und vom 21. August 2006, I 851/05, E. 4.1 mit
weiteren Hinweisen; ferner Urteile vom 21. September 2010, 9C_124/10, E. 5.2 mit
Hinweisen sowie vom 5. August 2005, I 376/05, E. 4).
2.3 Der 1946 geborene, rechtshändige (EFL-Bericht vom 26. März 2006, S. 4, act.
G 4.2.34, und Gutachten Dr. E._, act. G 4.1.32-3) Beschwerdeführer war in dem für
die richterliche Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom
12. Mai 2009 rund 62 3⁄4 Jahre alt. Er war zuletzt als ungelernter Betriebsmitarbeiter in
einer Fabrik tätig (act. G 4.1.19). Eine berufliche Ausbildung genoss er nicht. Vielmehr
besuchte er lediglich drei Jahre den Grundschulunterricht (act. G 4.1.32-3). Er ist
unbestrittenermassen Analphabet (vgl. etwa den EFL-Bericht vom 26. März 2006, S. 2,
act. G 4.2.34). Die deutsche Sprache beherrscht er nur "mangelhaft" (act. G 4.1.32-17).
Aus medizinisch-theoretischer Sicht bestehen folgende Anforderungen an eine
leidensangepasste Tätigkeit: körperlich leicht, in temperierten Räumen,
abwechslungsweise sitzend und stehend, ohne regelmässiges Arbeiten über der
Horizontalen und ohne Heben oder Tragen von Gegenständen über 10 kg, ohne häufig
inklinierte, reklinierte sowie rotierte Körperhaltungen, ohne Einnehmen von knienden
Positionen und Laufen auf unebenem Boden oder auf Leitern sowie ohne regelmässige
Kraftanwendung der rechten Hand. Derartigen Anforderungen genügende Tätigkeiten
sind nach der im Gutachten vom 4. März 2008 geäusserten Einschätzung dem
Beschwerdeführer zu 80% "bei voller Stundenpräsenz" zumutbar (act. G 4.1.32).
Ferner leidet der Beschwerdeführer an depressiven Stimmungsschwankungen,
Unruhezuständen, vermehrter Reizbarkeit und Schlafstörungen. Seine psychische
Belastbarkeit ist leichtgradig eingeschränkt, führe aber zu keiner "wesentlichen"
Beeinträchtigung der psychischen Belastbarkeit (act. G 4.1.32-18 f.).
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2.4 Angesichts der genannten erheblichen Einschränkungen können die von der
Beschwerdegegnerin konkret genannten Verweistätigkeiten "Verpackungs- und
Versandarbeiten im Produktionsbereich" (act. G 4) nicht als leidensangepasste
Tätigkeiten bezeichnet werden. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass zumindest
Versandarbeiten allein schon mit Blick auf den Analphabetismus des
Beschwerdeführers ausser Betracht fallen. Ferner ist davon auszugehen, dass mit
diesen manuellen Tätigkeiten regelmässig in- sowie reklinierte - und wohl auch
"rotierte" - Körperhaltungen einhergehen. Ferner scheint auch fraglich, ob solche
Tätigkeiten den Einschränkungen an der rechten Hand ("ohne regelmässige
Kraftanwendung der rechten Hand", act. G 4.1.32-11) gerecht würden und diese
Tätigkeiten im "Produktionsbereich" ausschliesslich in temperierten Räumen
stattfinden. Die Bemerkung der Beschwerdegegnerin, dem Beschwerdeführer seien
auch "anderweitige Hilfsarbeiten" möglich (act. G 4.2), verkennt die erheblichen,
vielschichtigen Einschränkungen, weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen. Vielmehr
ist mit dem Beschwerdeführer (vgl. act. G 1, Rz 13) davon auszugehen, dass sich das
medizinisch-theoretisch mögliche Tätigkeitsgebiet auf administrative Arbeiten
beschränkt. Für diese Tätigkeiten fehlen dem Beschwerdeführer indessen die Fähigkeit
zu lesen, ausreichende Deutschkenntnisse und jegliche Berufserfahrung. Ergänzend ist
darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer - nebst den ungenügenden
Deutschkenntnissen und der rudimentären Schulbildung - aufgrund der gutachterlich
bescheinigten depressiven Stimmungsschwankungen, Unruhezuständen und der
vermehrten Reizbarkeit (act. G 4.1.32-18 f.) für Arbeiten mit Publikumsverkehr wohl
nicht geeignet ist.
2.5 Stellt man diese persönlichen und beruflichen Gegebenheiten den objektiven
Anforderungen eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes gegenüber drängt sich der
Schluss auf, dass der Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keinen
Arbeitgeber mehr findet, der ihn für eine geeignete Tätigkeit einstellen würde, zumal
behindertengerechte Arbeitsplätze von Behinderten in jungem und mittlerem Alter
ebenfalls stark nachgefragt werden. Zu berücksichtigen ist auch, dass dem
Beschwerdeführer im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses bloss noch
eine relativ kurze Aktivitätsdauer von rund 2 1⁄4 Jahren bis zum Erreichen des
ordentlichen AHV-Alters verblieb, was zusammen mit der beruflichen Unerfahrenheit
und altersbedingt geringer Anpassungsfähigkeit einen durchschnittlichen Arbeitgeber
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mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon abhalten würde, den Beschwerdeführer
anzustellen. Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die dem Beschwerdeführer
verbleibende Restarbeitsfähigkeit - auch wenn nach (fraglicher, vgl. nachstehende E. 3)
gutachterlicher Auffassung zu 80% (act. G 4.1.32-11) bei einem Arbeitspensum von
höchstens acht Stunden (act. G 4.32-19) zumutbar - auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird und ihm deren Verwertung
auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zugemutet werden kann
(vgl. zum Ganzen Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.3, worin ein
vergleichbarer Fall eines 61 1⁄2-jährigen Versicherten zu beurteilen war; vgl. ferner Urteil
des Bundesgerichts vom 19. März 2009, 9C_437/08, E. 4 mit weiteren Hinweisen).
Diese Sichtweise wird durch die Beurteilung von Dr. D._ (act. G 4.1.14-2) und im
EFL-Bericht vom 26. März 2006 bestätigt, wonach in "Anbetracht der grossen Defizite
im Vergleich" zur bisherigen Tätigkeit "von einer beruflichen Wiedereingliederung"
abgeraten wurde (EFL-Bericht S. 9, act. G 4.2.34). Es ist nach dem Gesagten aufgrund
sämtlicher persönlicher und beruflicher Umstände von einer fehlenden Verwertbarkeit
der medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit auszugehen und der
Beschwerdeführer hat demnach mit Wirkung ab 1. Juni 2006 Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente.
2.6 Der vorliegende Fall kann insbesondere nicht mit denjenigen vom Bundesgericht
in den Urteilen vom 28. Mai 2009, 9C_918/08, vom 21. September 2010, 9C_124/10,
sowie vom 14. Juli 2010, 9C_427/10, verglichen werden. So war im Urteil 9C_427/10
ein erheblich jüngerer, besser gebildeter Versicherter zu beurteilen (57-jährig im
Verfügungszeitpunkt), der eine angepasste Tätigkeit uneingeschränkt verrichten konnte
und zusätzlich eine (Teil)-Beschäftigung noch ausübte. Zudem stellte sich die Frage
eines Berufswechsels nicht. Auch im Urteil 9C_918/08 beschäftigten sich die
Bundesrichter mit einem jüngeren Versicherten (im Verfügungszeitpunkt 60-jährig), der
über eine ausgewiesene 80%ige Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
sowie über eine bessere Bildung verfügte (Offsetdrucker; insbesondere war er im
Gegensatz zum Beschwerdeführer ohne weiteres in der Lage, leichte Büroarbeit wie
die Eingabe von Daten in ein Datenverarbeitungssystem, telefonische Auskunfts-,
Bestellungs- oder Umfragedienste, Kurierdienste in grösseren Unternehmungen,
Kontrolle von Waren in der maschinellen Herstellung, Überwachung von voll- oder
halbautomatischen Maschinen, eventuell Front- und Beratungsarbeit in einem
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Copyshop, leichte Verkaufstätigkeiten und "dergleichen" zu verrichten) und dem damit
ein vergleichsweise weites Spektrum weiterhin zumutbarer (Hilfs-)Tätigkeiten offen
stand. Im Urteil 9C_124/10 setzte sich das Bundesgericht mit einem ebenfalls jüngeren
Versicherten (im Verfügungszeitpunkt 61-jährig) auseinander der als gelernter
Elektromonteur über handwerkliche sowie technische Fähigkeiten verfügte, dem aus
beweiskräftiger medizinischer Sicht eine 80%ige Restarbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten zugemutet wurde und bei dem ein Branchenwechsel für
die berufliche Eingliederung nicht unabdingbar vorausgesetzt war. Bei diesem
Versicherten bestanden als "einzige relevante Erschwernisse" das Alter und die
eingeschränkte Leistungsfähigkeit.
3.
Bei diesem Ausgang kann die vom Beschwerdeführer aufgeworfene Frage nach der
Beweiskraft der gutachterlichen Restarbeitsfähigkeitsbemessung offen gelassen. Denn
obwohl einige Mängel an der gutachterlichen Bemessung der Restarbeitsfähigkeit mit
80% bestehen (wie etwa fehlende Auseinandersetzung mit abweichenden ärztlichen
Einschätzungen, fehlende überzeugende interdisziplinäre Würdigung, Widerspruch
zwischen den vom psychiatrischen Gutachter gestellten Diagnosen "mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit" und der gleichzeitigen Bescheinigung einer uneingeschränkten
100%igen Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten aus psychiatrischer Sicht,
Gerichtsnotorietät, dass Dr. E._ bei vergleichbaren Fällen in aller Regel eine
Einschränkung von 20% postuliert [vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 1. April 2009, IV 2007/458, E. 3.5], wobei jeweils im Dunkeln bleibt,
weshalb die Einschränkung gerade 20% betragen soll), hat der Beschwerdeführer in
Anbetracht der nachvollziehbaren, im Einklang mit der übrigen Aktenlage bestehenden
Anforderungen an eine Verweistätigkeit mangels verwertbarer Restarbeitsfähigkeit
selbst beim Abstellen auf eine 80%ige Restarbeitsfähigkeit einen Anspruch auf eine
ganze Rente. Vor diesem Hintergrund kann auch die Frage nach der Höhe des
vorzunehmenden Leidensabzugs offen gelassen werden.
4.
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4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 12. Mai 2009
aufzuheben und dem Beschwerdeführer ist mit Wirkung ab 1. Juni 2006 eine ganze
Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenhöhe sowie zur
Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP