Decision ID: 4a3454fa-6d1c-4faa-bbdd-7968478f23d6
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, reiste am
1.
Januar 2000 von
Y._
in die Schweiz ein. Sie verfügt über keine abgeschlossene Berufsausbildung und war in der Schweiz seit dem
7.
Januar 2002 in einem 65%igen Pensum als Hauswirtschaftsangestellte der Klinik
Z._
tätig.
Ihr
letzte
r
effektive
r
Arbeitstag fand am
1.
März 2005 statt (
Urk.
14/7).
Am 1
6.
März 2005 meldete
die Versicherte
sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung wegen im Zusammenhang mit einem U
nfallereignis vom 2
0.
März 2004 (Sturz)
aufgetre
tenen Kniebeschwerden zum Rentenbezug an (
Urk.
14/2).
Das
Arbeitsverhältnis mit der Klinik
Z._
wurde per 3
1.
Juli 2005 aufgelöst (
Urk.
14/7).
Am
7.
Oktober
2006
verletzte
die Versicherte
sich bei
eine
m
Verkehrsunfall
in
Y._
,
ihr Vater verstarb
aufgrund dieses Unfalls
(
Urk.
14/39,
Urk.
14/31,
Urk.
14/34).
Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft
(Zürich),
obligatorischer Unfallversicherer
,
sprach der Versicherten am 3
0.
Oktober 2007 im Zusammen
hang mit dem
Unfall vom
2
0.
März 2004 gestützt auf einen Integritätsschaden von 10
%
eine Integritätsentschä
digung von
Fr.
10‘680.-- zu
,
verneinte
jedoch
einen Rentenanspruch (
Urk.
14/51).
Am
2
4.
April 2008 wurde die Einsprache der Versicherten von der Zürich teilweise gutgeheissen und ihr per 1
8.
Sep
tember 2006 eine 12%ige Invalidenrente zugesprochen (
Urk.
14/55).
1.2
Mit Verfügung vom 1
9.
Februar 2009 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle,
der Versicherten eine vom
1.
März 2005 bis am 3
0.
April 2006 bef
ristete ganze Invalidenrente zu
(
Urk.
14/78). Zur Klärung der Folgen des Autounfalls vom
7.
Oktober 2006 fand
a
m
7.
April 2009 eine
Haus
haltsabklärung
statt (
Urk.
14/82). Weiter gab die IV-Stelle ein rheumatologi
sches und ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welche am 1
6.
September 2009 beziehungsweise am 1
2.
April 2010 erstattet wurden (
Urk.
14/91,
Urk.
14/98). Mit Verfügung vom
6.
Juni 2011 wurde der Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 77
%
eine ganze Invalidenrente
ab
1.
Oktober 2006 zuge
sprochen, wobei seit
dem
Verkehrsunfall
vom
7.
Oktober 2006 von einer voll
ständigen
Erwerbsunfähigkeit
und einer Einschränkung von 13
%
im
Haus
haltsbereich
ausgegangen wurde (
Urk.
14/114).
1.3
Im
Novembe
r 2011 wurde von Amtes wegen ein Revisionsverfahren eingeleitet
und mit Mitteilung vom 2
0.
März 2012 wurde
festgehalten
, dass
der Versicher
ten
weiterhin eine ganze Invalidenrente ausgerichtet werde
. Zudem wurde ihr im Rahmen einer Schadenminderungspflicht auferlegt, eine psychiatrisch-phar
makologische und eine psychiatrisch-psychologische Behandlung umzusetzen
(
Urk.
14/12
5
,
Urk.
14/126
).
1.
4
Im Jahr 2013 wurde von Amtes wegen
erneut
ein Rentenrevisionsverfahren ein
geleitet. Die IV-Stelle nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (
Urk.
14/129,
Urk.
14/132,
Urk.
14/134,
Urk.
14/135,
Urk.
14/136,
Urk.
14/138).
Sie
gab bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches dieser am 2
5.
Juni 2014 erstattete (
Urk.
14/147).
Mit Vorbescheid vom 2
6.
September 2014 wurde der Versicherten
die
Aufhebung der ganzen Invalidenrente in Aussicht gestellt, da sie seit Januar 2012 in einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
14/153). Mit Verfügung vom
6.
November 2014 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids und hob die ganze Invalidenrente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Regula
Aeschli
mann
Wirz, am
4.
Dezember 2014 Beschwerde erheben. Sie beantragte, es sei ihr weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten. Zudem stellte sie das Gesuch, ihr sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und eine unent
geltliche Rechtsvertreterin zu bestellen (
Urk.
1). Mit Verfügung vom 1
1.
März 2015 wurde der Versicherten die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und es wurde ihr Rechtsanwältin Regula
Aeschlimann
Wirz als unentgeltliche
Rechts
vertreterin
bestellt. Zudem wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
15). Am
1.
Juli 2015 erstattete die Versicherte die Replik, in welcher sie unter anderem auf die neue bundesgerichtliche Rechtsprechung zu
somatofor
men
Schmerzstörungen hinwies (
Urk.
20). Zudem liess s
ie
einen Bericht
der Kli
nik für Rheumatologie des
B._
vom 2
8.
Mai 2015 einrei
chen (
Urk.
21
/1
). Am 3
1.
August 2015 verzichtete die IV-Stelle auf das Einrei
chen einer Duplik (
Urk.
23) und am
1.
Oktober 2015 reichte Rechtsanwältin Regula
Aeschlimann
Wirz ihre Kostennote ein (
Urk.
25).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilde
t
die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswür
digung
und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfü
gung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleich
zustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.3
Hinsichtlich
des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforde
rli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt - was vo
r allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nötig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolg
erungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U.
Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Aufhebung der ganzen Invalidenrente insbesondere damit, dass
sich bei der Versicherten nach dem Unfall
vom
7.
Oktober 2006
eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen und eine posttrau
matisch
e
Belastungsstörung entwickelt
hätten
. Aktuell leide die Versicherte
noch
an einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung und einer
Dys
thymia
. Der
psychische Gesundheitszustand der Versicherten
habe sich somit
wesentlich verbessert.
Es werde weiterhin von einer Qualifikation
mit einem
73%igen Anteil im Erwerbsbereich und einem 27%igen Anteil im
Haushaltsbe
reich
ausgegangen.
Seit der Knieverletzung im Jahr 2004 sei der Versicherten die angestammte Tätigkeit als Hauswirtschaftsmitarbeiterin nicht mehr zumut
bar.
Doch in einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit bestehe seit Januar 2012 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Im Haushaltsbereich werde weiterhin von einer Einschränkung von 13
%
ausgegangen. Mit einem Invaliditätsgrad von 4
%
bestehe kein Rentenanspruch mehr (
Urk.
2).
2.2
Die Versicherte liess in der Beschwerde vom
4.
Dezember 2014 vor allem kriti
sieren, dass die IV-Stelle nur ihren psychischen Gesundheitszustand überprüft habe, jedoch in keiner Weise die teilweise
neu
aufgetretenen und teilweise stär
ker gewordenen
somatischen Beschwerden (Knie, Schultern, Ellboge
n, Rücken) berücksichtigt habe (
Urk.
1). In der Replik vom
1.
Juli 2015 ergänzte die Versi
cherte, dass dem psychiatrischen Gutachter nicht alle somatischen Arztberichte vorgelegen
hätten
.
Die Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung sei nicht zutreffend. Falls
dennoch von dieser Diagnose ausgegangen werde, so sei die neue bundesgerichtliche Rechtsprechung zu
somatoformen
Schmerzstörungen zu beachten. Die angefochtene Verfügung
sei
aufzuheben und die IV-Stelle
sei
zu verpflichten, eine umfassende Abklärung in die Wege zu leiten (
Urk.
20).
3.
3.1
Im Rahmen der ersten von Amtes wegen durchgeführten
Rentenrevision im Jahr 201
1
wurde der Gesundheitszustand der Versicherten abgeklärt, bevor ihr die ganze Invalidenrente
mit Mitteilung vom 2
0.
März 2012
bestätigt
worden ist
(
Urk.
14/126)
. Es
ist
somit der gesundheitliche Zustand
, wie er sich
am
2
0.
März 2012 (
Urk.
14/126)
präsentiert hatte, mit demjenigen vom
6.
November 2014
, dem Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
,
zu vergleichen
,
wobei auch die gesundheitliche Situation bei
Zusprache
der ganzen Rente zu berück
sichtigen ist.
3.
2
3.
2
.1
Die ursprüngliche
Z
usprechung einer ganzen unbefristeten Invalidenrente
ab
1.
Oktober 2006 mit Verfügung
vom 1
1.
Juni 2011 (
Urk.
14/114) basierte vor allem auf einem rheumatologischen und auf einem psychiatrischen Gutachten
, welche
beide
von der IV-Stelle in Auftrag gegeben worden waren
(
Urk.
14/91,
Urk.
14/98).
3.
2
.2
Der rheumatologische Gutachter
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin, hielt im Gutachten vom 1
6.
September 2009 als Diagnosen eine rechtsseitige aktivierte Gonarthrose, ein leichtes chronisches
zervikover
tebrales
Syndrom, eine beidseitige beginnende
Coxarthrose
bei
Hüftgelenksdys
plasie
und ein chronisches
lumbovertebrales
Syndrom fest (
Urk.
14/91/8).
Bei der Versicherten fänden sich trotz aktuell besonders ungünstiger psychosozialer Rahmenbedingungen keine wesentlichen Zeichen einer Symptomausweitung, wobei solche Symptome im Bericht der Rehaklinik
D._
im Jahr 2007 noch recht eindrücklich beschrieben worden seien (
Urk.
14/91/9-10).
Dr.
C._
führte aus, dass die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als
Reinigungs
anstellte
aufgrund der komplexen rechtsseitigen Knieverletzung
, die sie sich beim ersten Unfall zugezogen habe,
nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer ange
passten Tätigkeit, welche leicht, wechselbelastend und hauptsächlich sitzend ausgeübt werden könne, schätze er die Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht
jedoch
auf 100
%
ein.
Eine medizinische Möglichkeit zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sehe er nicht. Die rezidivierende aktivierte Gonarthrose werde entsprechend dem natürlichen Verlauf weiter progredient sein und voraussichtlich werde zu einem späteren Zeitpunkt eine Knieprothese notwendig sein (
Urk.
14/91/10-11).
3.3.3
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt
im Gutachten vom 1
2.
April 2010 eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
als Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
fest
. Zudem
führte
er die Z-Diagnose sonstige Probleme in der primären Bezugsgruppe, einschliesslich familiäre
r
Umstände (ICD-10 Z.63)
,
als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf
(
Urk.
14/98/7)
.
N
ach dem
zweiten
Unfallereignis vom
7.
Oktober 2006 habe sich zunächst eine schwere depressive Episode mit psychotischer Symptomatik im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung entwickelt. Im weiteren Verlauf hätten sich Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung ent
wickelt, welche bis heute vorlägen. Die Kriterien einer
somatoformen
Schmerz
störung
lägen nicht vor. Die Selbsteinschätzung der Versicherten erscheine selbsterklärend und nachvollziehbar (
Urk.
14/98/9).
Die Versicherte sei wegen
einer
depressiv bedingten Antriebsschwäche und
einer
ausgeprägte
n
Reduktion der kognitiven Fähigkeiten
für sämtliche Tätigkeiten arbeitsunfähig
. Aufgrund der posttraumatischen Belastungsstörung bestehe eine reduzierte Belastbarkeit durch stark erhöhte Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Ängste und Flashbacks (
Urk.
14/98/8).
Bei weiterführender fachärztlicher medikamentöser sowie thera
peutischer Behandlung sei prognostisch von einer Stabilisierung und Verbesse
rung des Gesundheitszustands auszugehen
(
Urk.
14/98/9)
.
Diesen Gutachten folgend erachtete die IV-Stelle die Beschwerdeführerin seit dem zweiten Unfall auch in einer angepassten Tätigkeit als zu 100
%
Arbeits
unfähig (
Urk.
14/103) und sprach eine ganze Rente zu.
3.
4
Anlässlich der
Ende
2011 von Amtes wegen
eingeleiteten
Rentenrevision
hielt der Hausarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
im Bericht vom 2
8.
Januar 2012 als Diagnosen ein chronisches Schmerzsyndrom und psycho-soziales Belastungssyndrom fest. Zu
dem verwies er auf die Diagnose
liste im Bericht der Uniklinik
G._
vom 3
1.
Januar 201
1.
Er schätzte die Versicherte als nach wie vor arbeitsunfähig ein (
Urk.
14/123/1-4). Im Bericht der
Uniklink
G._
vom 3
1.
Januar 2011 wurden als Diagnosen chro
nische inguinale Schmerzen, mehr linksseitig als rechtsseitig, beidseitige Knie
gelenkschmerzen bei medialer Gonarthrose, chronische beidseitige
Schulter
schmerzen
bei posttraumatischer rechtsseitiger
Periarthropathia
humeros
k
a
pularis
und partieller Ruptur der
Supraspinatussehne
, ein posttraumatisches rechtsseitiges Karpaltunnelsyndrom und ein chronisches
Panvertebralsyndrom
aufgeführt.
E
s bestehe eine
chronifizierte
Schmerzproblematik im Bereich des Bewegungsapparates
und
es
seien
sicherlich posttraumatische Veränderungen mit
einem
Status nach Arthroskopien vorhanden.
Die Schmerzen im Bereich des Schultergelenkes und der Kniegelenke seien durch die radiologisch feststellba
ren Veränderungen erklärbar. Die Schmerzen im linken Hüftgelenk seien am ehesten rein muskulär
bedingt
, doch es könne auch eine beginnende
Cox
arthrose
nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Die übrigen Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates wie der Schulter und der Wirbelsäule seien am ehesten rein muskulär (
Urk.
14/123/8-10).
Basierend auf diesen Berichten
bestätigte die IV-Stelle
der Versicherten
unter Beibehaltung der Qualifikation als zu 73
%
Erwerbstätige und als zu 27
%
im Haushalt tätige Person bei einem Invaliditätsgrad von 77
%
mit Mitteilung vom 2
0.
März 2012
den Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente (
Urk.
14/126).
3.
5
3.5.1
Anlässlich der im Jahr 2013
von Amtes wegen eingeleiteten
Rentenrevision wurde die Versicherte von der IV-Stelle zu einem Standortgespräch eingeladen, welches am 2
5.
Juli 2013 stattfand. Die Versicherte erklärte, es gehe ihr nicht gut. Sie leide unter körperlichen Beschwerden, wobei eine Tendenz zur Ver
schlechterung bestehe. Es bestehe eine beidseitige Hüftproblematik und eine Bewegungseinschränkung der Schulter. Sie sei vergesslich geworden und sehe keinen Sinn mehr im Leben. Ihr Ehemann sei vor drei Jahren verstorben.
Es wurde festgehalten, die Versicherte
sei während de
s
Gespräch
s
emotional sehr instabil gewesen und habe mehrheitlich geweint (
Urk.
14/135).
3.5.2
Der behandelnde Psychiater
med.
pract
.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im Bericht vom
3.
August 2013 die Diagnosen einer post
traumatischen Belastungsstörung nach einem tätlichen Übergriff mit der Axt sowie Todesdrohungen durch den Ehemann am 2
0.
Januar 2009 (ICD-10 F43.1), eine
r
vor der Scheidung und vor dem Tod des Ehemannes problematisch zer
rüttete
n
Ehesituation (ICD-10 Z63.5), eine
r
posttraumatische
n
Belastungsstö
rung
mit schweren Selbstvorwürfen nach einem schweren Autounfall mit Todesfolge (ICD-10 F43.1), eine
r
rezidivierende
n
depressive
n
Störung
, zur Zeit mittelgradig (ICD-10 F33.11),
diese als
Folgen einer chronischen
Beziehungs
krise
mit dem alkoholkranken Ehemann (ICD
-
10 Z56)
,
und
die Diagnose von
akzentuierten Persönlichkeitszüge
n
(ICD-10 Z73.1) fest. Die Versicherte sei
zu
100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
14/136).
Der Hausarzt
Dr.
F._
hielt jährlich zunehmende Schmerzen und eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit fest (
Urk.
14/138/1-4).
Die Uniklinik
G._
führte im Bericht vom 2
6.
Juni 2013 die Diagnosen eines persistierenden Schmerzsyndroms im linken Knie
(
Erstma
nifestation
im
August 2012 im Zusammen
hang
mit einer lateralen
Meniskuslä
sion
und einer vorderen Kreuzbandläsion
)
,
multilokuläre
Arthralgien unklarer Zuordnung (beidseitig inguinal, Schultern, Ellbogen, linke Hand), ein beidseiti
ges chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit einer Fehlstatik des Achsenskeletts
sowie
muskulärer
Dysbalance
und einen Verdacht auf
eine
monoklonale
Gammopathie
unklarer Signifikanz
fest. Mit bildgebenden Unter
suchungen wurden beginnende degenerative Veränderungen in den Händen,
eine beidseitige beginnende
Coxarthrose
an den Hüftgelenken und
multiseg
mentale
degenerative Veränderungen mit Spondylose und ventraler Spondylose,
Osteochondrose
L4-S1 und eine
leichtgradige
Retrolisthese
L5/S1
festgestellt.
Klinisch
hätten
sich ein stark hinkendes Gangbild links,
Druckdolenzen
über dem medialen und lateralen Kniegelenkspalt links sowie eine
Beweglich
keitseinschränkung
sowohl in der Flexion als auch in der Extension
gezeigt
. Das Beschwerdebild werde am ehesten als mechanisch bedingtes
multilokuläres
myofaciales
Schmerzsyndrom mit im Vordergrund stehendem Schmerzsyndrom im linken Knie beurteilt (
Urk.
14/138/10-12).
3.5.3
Der von der IV-Stelle mit einem
psychiatrischen
Gutachten beauftrage
Dr.
A._
untersuchte die Versicherte unter Beizug einer Dol
metscherin am 2
1.
Mai 2014
(
Urk.
14/147/1)
.
Dr.
A._
führte aus, sein Gut
achten stütze sich auf die Untersuchung und die Akten. Zudem habe er selbst einen Bericht vom behandelnden Psychiater med.
pract
.
H._
angefordert, welchen dieser am 2
3.
Mai 2014 verfasst habe (
Urk.
14/147/3).
Dr.
A._
erhob zunächst die Anamnese (
Urk.
14/147/5-8). Anschliessend fasste
er
die aus seiner Sicht relevanten Akten zusammen und kommentierte diese. Dabei hielt er fest, dass er zu allfälligen somatischen Befunden, Diagnosen, Therapien sowie der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht nicht abschliessend Stellung nehmen könne (
Urk.
14/147/8-15).
Als objektiven Befund führte
Dr.
A._
aus, die Versicherte laufe leicht hinkend. Hinweise auf quälende dauerhafte Schmerzen und schmerzbedingte Beeinträch
tigungen der Bewegungen seien nicht objektivierbar. Das Gesprächsverhalten der Versicherten sei emotional expressiv und sthenisch. Sie sei in der Inter
aktion narzisstisch, dramatisierend und theatralisch.
Im Affekt sei die Versi
cherte sehr gut moduliert. Meist sei sie
dysthym
,
klagsam
und jammernd. Bei vielen Themen, die sie negativ erlebe, reagiere sie teilweise heftig wehklagend und weinerlich.
Doch sie beruhige sich innert
angemessener Frist. Im
Fremdbe
urteilungsverfahren
Montgomery
and
Asberg
Depression Rating
Scale
habe die Versicherte einen Summenwert von 12
Punkten erreicht, wobei erst ab 14 Punkte
n
von einem
leicht ausgeprägte
n
depressive
n Syndrom ausgegangen werde (
Urk.
14/147/16-17).
3.5.4
Dr.
A._
diagnostizierte eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD
10 F45.40) und eine
Dysthymia
(ICD-10 F34.1).
Er
begründete die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung damit, dass bei der Versicherten von ärztlicher Seite her zumindest teilweise bestätigt worden sei, dass die Symptome
auch körperlich begründbar seien. Doch die allfälligen organischen Korrelate erklärten die vorhandene Schmerzsymptomatik nicht ausreichend. Die Schmerzen seien anlässlich der Untersuchung nicht als andau
ernd, schwer und quälend erkennbar gewesen, doch die Versicherte gebe an, dass die Schmerzen seit 2004 zunehmend und dauernd spürbar seien, dies in wechselnder Ausprägung.
Es seien vielfältige schwerwiegende emotionale Kon
flikte und psychosoziale Belastungen (zerrüttete Ehesituation, Zukunftsängste, Angst vor dem Ehemann, Alkoholsucht des Ehemanns, Überforderung im Haus
halt, Arbeitslosigkeit, finanzielle Belastungen) vorhanden. Beruflich und privat werde die Versicherte wegen der Erkrankung deutlich entlastet und erhalte ver
schiedene Rentenzahlungen (
Urk.
14/147/20
22). Eine depressive Episode liege nicht mehr vor und es seien anlässlich der Untersuchung keine Symptome einer
posttraumatischen Belastungsstörung mehr zu erkennen gewesen
(
Urk.
14/147/23-24). Von
den diagnostizierten psychischen Störungen
könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit Januar 2012 ausgegangen werden, wobei unter anderem auf den Arztbericht von
Dr.
F._
vom 2
8.
Januar 2012 verwiesen werden könne (
Urk.
14/147/25).
Im Übrigen bestehe bei der Versicherten weder eine ausgewiesene, erheblich schwere, ausgeprägte, dauer
hafte und intensive Komorbidität noch ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens noch ein verfestigte
r
, therapeutisch nicht mehr
ange
hbare
r
innerseelische
r
Verlauf einer Konfliktbewältigung (
Urk.
14/147/25-26).
3.5.5
Dr.
A._
führte aus, d
ie Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt
(
Urk.
14/147/26).
Krankheitsfremde Fakto
ren (Herkunft, Migration, einfache Berufserfahrung, geringe Deutsch
kenntnisse, langjähriger Rentenbezug, Abstinenz vom und Lage am Arbeitsmarkt, Lebens
alter, finanzielle Sorgen, Tod des Ehemannes) erklärten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Diskrepanz zwischen der subjektiven und der objektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
14/147/27). Der Gesundheitszustand habe sich im Vergleich zur Einschätzung im psychiatrischen Gutachten vom 1
2.
April 2010 verbessert (
Urk.
14/147/28). Weiter verneinte der Gutachter das Vorliegen der sogenannten Foerster-Kriterien, wobei er
festhielt, dass er zu den chronischen körperlichen Begleiterkrankungen nicht abschliessend Stellung nehmen könne, sondern diesbezüglich auf die fachärztlichen Beurteilungen verweise (
Urk.
14/147/29
30).
4.
4.1
Wie sich aus der Krankengeschichte und zahlreichen echtzeitlichen
Arztberich
ten
ergibt (vgl. E. 3)
leidet die
Versicherte
seit Jahren
nicht nur unter psychi
schen,
sondern auch unter
somatische
n
Beschwerden. Sie erlebte im Jahr 2004 einen Sturz, welcher das
rechte
Kniegelenk beschädigte
,
und war im Jahr 2006 von einem schweren Verkehrsunfall betroffen. Zudem leidet sie unter
ver
schiedenen
Gelenkbeschwerden.
Sowo
hl im Standortgespräch mit der I
V-Stelle
vom
2
5.
Juli 2013 (
Urk.
14/135)
als auch in der
Beschwerde vom
4.
Dezember 2014
(
Urk.
1)
machte d
ie Versicherte
überdies
geltend, diese
somatischen
Beschwerden
hätten
sich
seit der
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente
nicht verbessert, sondern seien stärker geworden
.
4.2
Im
von der Versicherten im Rahmen der Replik eingereichten
Bericht der Klinik für Rheumatologie
des
B._
vom 2
8.
Mai 2015 sind die Diagnosen
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, Adipositas, muskuläre
Dys
balance
, rechtsseitige chronische
Gonalgie
, beidseitige
Periarthropathia
humero
s
k
apularis
, chronisches
zervikospondylogenes
und
zervikoszephales
Syndrom, leichte rechtsseitige
dysplastische
Hüfte bei ungenügender Überdach
ung, Adi
positas und eine Allergie gegen Nickel und Sulfat aufgeführt. Aus dem Bericht ergibt sich, dass eine Standortbestimmungen bezüglich der degenerati
ven Ver
än
derungen an Schulter, Knie und Rücken stattzufinden habe, wobei extern durchzuführende Abklärungen derzeit no
ch ausstehend seien (
Urk.
21/1)
.
4.3
Im Rahmen einer Rentenrevision sind
von Amtes wegen
alle vorhandenen gesund
heitlichen Beschwerden und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit umfassend abzuklären. Bei der ursprünglichen
Rentenzusprache
wurde im rheumatologischen Gutachten
vom 1
6.
September 2009 (
Urk.
14/91)
zwar fest
gehalten, dass die Versicherte in einer angepassten Tätigkeit
aus rheumatologi
scher Sicht
zu 100
%
arbeitsfähig sei. Doch eine
seither eingetretene
Ver
schlechterung im somatischen Bereich ist
aufgrund dieser Beurteilung
nicht von vornherein ausgeschlossen.
Vielmehr hielt der damalige rheumatologische Gut
achter ausdrücklich fest, die rezidivierende aktivierte Gonarthrose werde ent
sprechend dem natürlichen Verlauf weiter progredient sein und voraussichtlich werde zu einem späteren Zeitpunkt eine Knieprothese notwendig sein (
Urk.
14/91/10-11).
Angesichts der
verschiedenen somatisch
en Beschwerden der Versicherten reicht
es nicht aus, dass die IV-Stelle im Rahmen der
Rentenrevi
sion
lediglich ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag g
egeben hat
. Sie
hätte
vielmehr
ein interdisziplinäres
Gutachten in Auftrag geben müssen
, welche
s
sich auch zu den
somatischen Beschwerden sowie deren Auswirkungen auf Arbeitsfähigkeit im Zusammenspiel mit den psychischen Beschwerden
äussert
.
4.
4
Soweit
ersichtlich
,
wurde die Diagnose
einer
anhaltende
n
somatoforme
n
Schmerz
störung
im Gutachten von
Dr.
A._
zum ersten Mal
von einem psy
chiatrischen Facharzt
gestellt.
Gleichzeitig
führte
Dr.
A._
aus, die
somati
schen
Beschwerden
erklärten das Ausmass der Schmerzen nicht und verwies diesbezüglich
auf die entsprechenden Fachberichte
(
Urk.
13/147/20-21)
.
Gemäss der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen ICD-10, Kapitel V (F;
9.
Auflage S. 233), ist bei der gestellten Diagnose der anhaltenden
Schmerzstö
rung
(ICD-10 F45.4) in der Tat der andauernde, schwere und quälende Schmerz nicht durch einen physiologischen Prozess oder eine körper
liche Störung voll
ständig erklärbar.
I
ndem
Dr.
A._
jedoch
ohne nähere
n
Angaben einfach auf die „entsprechen
den“ Fachberichte verwies,
blieb er sehr vage und es
kann seine Schlussfolge
rung angesichts der hohen Anzahl an Arztberichten
, die somatische Befunde dokumentieren und begründen,
nicht überprüft werden.
Festzustellen ist jeden
falls, dass der Arztbericht des Hausarztes
Dr.
F._
vom 2
8.
Januar 2012,
auf welchen
Dr.
A._
im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt der eingetretenen Verbesserung des Gesundheitszustands verwies (
Urk.
14/147/25) und
in
wel
chem
Dr.
F._
ohne nähere Begründung die Diagnosen eines chronische
n
Schmerzsyndrom
s
und eines psycho-soziale
n
Belastungssyndrom
s
aufführte (
Urk.
14/123/1-4) nicht ausreicht, um eine
somatoforme
Schmerzstörung zu begründen.
Eine umfassende fachärztliche Untersuchung, die abschliessend zu den zahlreichen somatischen Befunden und Beschwerden Stellung genommen hätte, so dass diese Fragestellung ohne Weiteres hätte daraus entnommen wer
den können, wurde nicht veranlasst.
Dr.
A._
selber
unterliess es,
nachvollziehbar
zu begründen
, welche Schmer
zen
aus seiner Sicht
nicht
auf den somat
ischen Beschwerden beruhen
sollen
.
Da d
ie im psychiatrischen Gutachten gestellte Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung
somit nicht
schlüssig begründet wurde
, reicht es nicht
aus
,
somatische
Abklärungen nachzuholen. Es erweist sich vielmehr als notwendig, dass ein
multidisziplinäres
Gutachten erstellt wird. In einem solchen Gutachten kann geklärt werden,
in welchem Umfang
welche
Schmerzen
somatisch erklär
bar sind.
Entsprechend kann sodann nachvollziehbar begründet werden, ob die Versicherte unter einer
somatoformen
Schmerzstörung leidet oder nicht.
4.
5
Im Übrigen setzte sich der psychiatrische Gutachter
Dr.
A._
im Zusammen
hang mit der von ihm diagnostizierten
somatoformen
Schmerzstörung mit den
sogenannten Foerster-Kriterien auseinander (
Urk.
14/147/25-26,
Urk.
14/147/28
30), welche nach alter, sowohl zum Zeitpunkt der
Gutachten
serstellung
als auch zum Verfügungszeitpunkt noch aktueller,
bundesgerichtli
cher
Rechtsprechung bei
somatoformen
Schmerzstörungen
relevant
waren (
vgl.
BGE 130 V 352
).
Gemäss
dem
psychiatrischen
Gutachter verursacht die
soma
toforme
Schmerzstörung
in Anwendung dieser
Kriterien
keine relevante länger
dauernde
Arbeits
un
fähigkeit
(
Urk.
14
/
147/26
).
Inzwischen hat das
Bun
des
ge
richt seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerz
störungen ohne erkennbare organische
Ursache und bei vergleichbaren psychosomatischen Leiden im Urteil vom
3.
Juni 2015 (BGE 141 V 281) ange
passt
.
Sollte sich die Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung bestätigen
,
so wäre von der IV-Stelle noch abzuklären, ob sich dabei gemäss
den nun massgeblichen Indikatoren um eine Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit handelt
oder nicht
.
4.
6
Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist Beweis über
sozialversicherungs
rechtliche
Ansprüche schwergewichtig auf der Stufe des
Administrativver
fahrens
zu führen und nicht im gerichtlichen Prozess. Diese Grundentscheidung hat der Gesetzgeber in
Art.
43
Abs.
1 ATSG getroffen und deren Abänderung müsste in einem Gesetz im formellen Sinn vorgesehen sein (BGE 136 V 376 E.
4.2.1). Da vorliegend ein Teil des Sachverhaltes bislang ungenügend abge
klärt worden
, ist die Beschwerde somit in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung
zu weiteren Abklärungen
und neuer Entscheidung
an die IV-Stelle zurückzuweisen
ist
.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder die Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
700.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundes
gerichts U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57).
Ausgangsgemäss sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen.
5.2
Die unentgeltliche
Rechtsvertreter
in
der Beschwerdeführerin
weist in der einge
reicht
e
n
Kostennote vom
1.
Oktober 2015 einen Zeitaufwand von 15.5 Stunden und Barauslagen von
Fr.
116.25 aus (
Urk.
25). Diese Aufwendungen erscheinen angesichts des Umfangs des Verfahrens als gerechtfertigt, weshalb die
Be
schwer
degegnerin
der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerde
führerin unter Berücksichtigung des bis Ende 2014 gerichtsüblichen
Stunden
ansatzes
von
Fr.
200.-- und des seit Januar 2015 gerichtsüblichen
Stundenan
satzes
von
Fr.
220.-- eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr.
3‘600.-- zu bezahlen hat.