Decision ID: e96dbb5d-96ff-440e-8ed5-ead1453b204b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 9. März 2020 (DG190309)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 3. Oktober
2019 (Urk. 32) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 89 S. 71 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Angriffs im Sinne von
Art. 134 StGB.
2. Der Beschuldigte B._ ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Angriffs im Sinne von
Art. 134 StGB.
3. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit
heute 2 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit
heute 23 Tage durch Haft erstanden sind.
5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten A._ wird im Umfang von 22 Monaten
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (8 Monate, abzüglich 2
Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind), wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
6. Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten B._ wird im Umfang von 22 Monaten
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (8 Monate, abzüglich
23 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind), wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
7. Beim Beschuldigten A._ wird von der Anordnung einer Landesverweisung abgesehen.
8. Beim Beschuldigten B._ wird von der Anordnung einer Landesverweisung abgesehen.
9. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 25. Ju-
ni 2019 einzig als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten
B._ nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen hin herausgegeben. Verlangt der
Beschuldigte B._ die Gegenstände nicht innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils
heraus, werden sie der zuständigen Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:
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− 1 Paar Turnschuhe, Nike, weiss (A012'263'342);
− 1 Jacke blau mit roten Streifen (A012'263'353);
− 1 Trainerjacke anthrazit, Wolle (A012'263'375);
− 1 Jeans blau mit Gürtel (A012'263'397).
10. Die folgenden, beim Forensischen Institut Zürich (FOR) sichergestellten Spuren und
Spurenträger (G. Nr. 74606705) werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils
vernichtet:
− Fotografie (A012'265'622);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'633);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'644);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'666);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'677);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'688);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'699);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'702);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'272'945);
− Fotografie (A012'265'724);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'735);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'746);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'757);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'779);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'780);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'804);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'815);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'826);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'265'837);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'267'059);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'267'060);
− DNA-Spur - Scenesafe FAST (A012'265'939);
− DNA-Spur - Scenesafe FAST (A012'265'962);
− Mikrospuren - Klebbandasservat (A012'266'012);
− Vergleichs - WSA (A012'265'984);
− Fotografie (A012'266'374);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'266'410);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'266'443);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'266'454);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'266'465);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'266'498);
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− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'266'501);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'266'534);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'266'578);
− Vergleichs - WSA (A012'266'589);
− Fotografie (A012'266'987);
− DNA-Spur - Wattetupfer (A012'266'114).
11. Die Beschuldigten A._ und B._ werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet,
dem Privatkläger C._ Schadenersatz von Fr. 1'740.– zu bezahlen.
12. Die Beschuldigten A._ und B._ werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet,
dem Privatkläger D._ Schadenersatz von Fr. 3'609.90 zu bezahlen. Im Übrigen wird
das Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg verwiesen.
13. Die Beschuldigten A._ und B._ werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet,
dem Privatkläger C._ Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 27. Januar 2019 als Genugtu-
ung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
14. Die Beschuldigten A._ und B._ werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet,
dem Privatkläger D._ Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 27. Januar 2019 als Genugtu-
ung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
15. Die Beschuldigten A._ und B._ werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet,
dem Privatkläger C._ für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von
Fr. 2'019.35 (inkl. MwSt) zu bezahlen.
16. Die Beschuldigten A._ und B._ werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet,
dem Privatkläger D._ für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von
Fr. 4'219.35 (inkl. MwSt) zu bezahlen.
17. Rechtsanwältin lic. iur. X1._ wird für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten
A._ mit Fr. 20'637.50 (inkl. MwSt) aus der Gerichtskasse entschädigt.
18. Rechtsanwältin lic. iur. X2._ wird für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten
B._ mit Fr. 16'112.80 (inkl. MwSt) aus der Gerichtskasse entschädigt.
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19. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 8'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 8'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 1'960.– Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 5'777.– Auslagen Gutachten
Fr. 20'637.50 amtliche Verteidigung A._
Fr. 16'112.80 amtliche Verteidigung B._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
20. Die Gebühr der Strafuntersuchung, der Kantonspolizei Zürich und des gerichtlichen
Verfahrens, ausgenommen diejenigen der jeweiligen amtlichen Verteidigung, werden den
Beschuldigten je zur Hälfte auferlegt. Dem Beschuldigten A._ werden zudem
Fr. 1'641.65 und dem Beschuldigten B._ zudem Fr. 4'135.35 Auslagen für die Gutach-
ten auferlegt.
21. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden jeweils auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
22. (Mitteilungen)
23. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._ (Urk. 120):
1. Es sei Dispositiv Ziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und der Beschuldigte 1 sei der einfachen Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie des Raufhandels im
Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Es sei Dispositiv Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und der Beschuldigte 1 sei mit einer Freiheitsstrafe von
drei Monaten zu bestrafen.
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3. Es sei Dispositiv Ziffer 5 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten 1
sei unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren bedingt aufzuschieben.
4. Eventualiter sei Dispositiv Ziffer 5 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom
9. März 2020 aufzuheben und der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschul-
digten 1 sei unter Ansetzung einer Probezeit von 5 Jahren bedingt aufzu-
schieben.
5. Es sei Dispositiv Ziffer 11 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und der Beschuldigte 1 sei zu verpflichten, dem Privatklä-
ger C._ Schadenersatz von Fr. 870.00 zu bezahlen.
6. Es sei Dispositiv Ziffer 12 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und auf das Schadenersatzbegehren des Privatklägers
D._ nicht einzutreten, eventualiter sei dieses abzuweisen bzw. sube-
ventualilter auf den Zivilweg zu verweisen.
7. Es sei Dispositiv Ziffer 13 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und der Beschuldigte 1 sei zu verpflichten, dem Privatklä-
ger C._ Fr. 750.00 zuzüglich Zins ab dem 28. Januar 2019 als
Genugtuung zu bezahlen.
8. Es sei Dispositiv Ziffer 14 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und auf das Genugtuungsbegehren des Privatklägers
D._ nicht einzutreten, eventualiter sei dieses abzuweisen bzw. sube-
ventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.
9. Es sei Dispositiv Ziffer 15 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und der Beschuldigte 1 sei zu verpflichten, dem Privatklä-
ger C._ für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr.
1'009.68 (inkl. MWST) zu bezahlen.
10. Es sei Dispositiv Ziffer 16 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und auf den Antrag auf Prozessentschädigung des Privat-
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klägers D._ nicht einzutreten, eventualiter sei dieser abzuweisen bzw.
subeventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.
11. Es sei Dispositiv Ziffer 20 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und von der Kostenauflage zu Lasten des Beschuldigten 1
im Sinne von Art. 425 StPO vollständig abzusehen bzw. es seien diesem die
Kosten zu erlassen.
12. Es sei Dispositiv Ziffer 20 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März
2020 aufzuheben und die Gerichts- und Verfahrenskosten des erstinstanz-
lichen Verfahrens dem Beschuldigten 1 zu einem Drittel und dem Beschul-
digten 2 zu zwei Dritteln aufzuerlegen.
13. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Auslagen und MWST)
zu Lasten der Anklägerin und Berufungsbeklagten bzw. des Beschuldig-
ten 2.
a) Der Verteidigung des Beschuldigten B._ (Urk. 122):
1. In Abänderung der Ziff. 2, 4 und 6 des vorliegenden Urteils sei der Beschul-
digte vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Angriffs im Sinne
von Art. 134 StGB von Schuld und Sühne freizusprechen und es sei demzu-
folge von einer Strafe abzusehen.
2. In Abänderung der Ziff. 11, 12, 13, 14, 15 und 16 seien die Zivilansprüche
vollumfänglich abzuweisen sowie auf eine Prozessentschädigung zu Guns-
ten der Privatkläger zu verzichten.
3. In Abänderung von Ziff. 20 und 21 des vorliegenden Urteils seien die Ver-
fahrenskosten, mithin die Kosten des Untersuchungs- und Gerichtsverfah-
rens, einschliesslich die Kosten der amtlichen Verteidigung vollumfänglich
und definitiv auf die Staatskasse zu nehmen.
4. Der Beschuldigte sei mit Fr. 4'600.00 für die zu Unrecht erlittene Haft zu ent-
schädigen.
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Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Anklägerin.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 100):
(schriftlich sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Des Privatklägers D._ (Urk. 109):
(schriftlich sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte/Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Hinsichtlich des Verfahrensgangs bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur
Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im an-
gefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 86 = 89 S. 7).
1.2. Gegen das vorstehend wiedergegebene mündlich eröffnete Urteil vom
9. März 2020 meldeten die amtlichen Verteidigungen namens beider Beschuldig-
ter innert Frist Berufung an (Urk. 82 und 83). Das begründete Urteil wurde den
Verteidigerinnen, der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (im Folgenden:
Staatsanwaltschaft) und den Vertretern der Privatkläger am 8., 9. und 15. Juni
2020 zugestellt (Urk. 88/1-5). Mit Schreiben vom 2. bzw. 3. Juli 2020 gingen die
Berufungserklärungen der Verteidigungen fristgerecht ein, wobei keine Beweis-
anträge gestellt wurden (Urk. 92 und 94). Mit Präsidialverfügung vom 6. Juli 2020
wurde der Staatsanwaltschaft und den Privatklägern Frist angesetzt, um
Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Beru-
fung zu beantragen (Urk. 96). Die Staatsanwaltschaft verzichtete hierauf mit Ein-
gabe vom 14. Juli 2020 auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils. Zudem wurde um Dispensation ihrer Vertreterin von
der Teilnahme an der Berufungsverhandlung ersucht (Urk. 100).
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1.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen die Beschuldigten in Beglei-
tung ihrer amtlichen Verteidigerinnen, Rechtsanwältin lic. iur. X1._ und
Rechtsanwältin lic. iur. X2._. Das Urteil erging im Anschluss an die Beru-
fungsverhandlung (Prot. II S. 3 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, ob das Urteil vollumfänglich ange-
fochten wird (Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO) oder, falls das Urteil nur in Teilen ange-
fochten wird, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils verlangt werden
(Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Der Beschuldigte 1 ficht das vorinstanzliche Urteil mit
seiner Berufung bezüglich Dispositivziffer 1 (rechtliche Qualifikation des Schuld-
spruchs), Dispositivziffer 3 (Strafe), Dispositivziffer 5 (Vollzug), Dispositivziffern 11
– 16 (Zivilansprüche und Prozessentschädigungen an die Privatkläger) und Dis-
positivziffer 20 (Kostenauferlegung) an. Der Beschuldigte 1 ficht das vorinstanzli-
che Urteil bezüglich Dispositivziffer 2 (Schuldspruch), Dispositivziffer 4 (Strafe),
Dispositivziffer (Vollzug), Dispositivziffern 11 – 16 (Zivilansprüche und Prozess-
entschädigungen an die Privatkläger) und Dispositivziffer 20 und 21 (Kostenaufer-
legung) an. Seitens des Beschuldigten 1 wird ein Schuldspruch wegen einfacher
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB beantragt, während
der Beschuldigte 2 einen vollständigen Freispruch verlangt.
2.2. Von der Berufung nicht umfasst sind somit das Absehen der Vorinstanz von
der Anordnung von Landesverweisungen (Dispositivziffern 7 und 8), der Ent-
scheid der Vorinstanz über beschlagnahmte Gegenstände und sichergestelltes
Spurenmaterial (Dispositivziffern 9 und 10), die Festlegung der Entschädigungen
der amtlichen Verteidigerinnen (Dispositivziffern 17 und 18) und die erstinstanzli-
che Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 19). Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
4. Abteilung, vom 9. März 2020 ist mithin bezüglich jenen Dispositivziffern in
Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist.
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3. Formelles
Es ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2; Urteil
6B_1130/2014 vom 8. Juni 2015 E. 4). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf
die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
4. Anklageprinzip
Im Berufungsverfahren brachte die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten 2
erstmals vor, die Anklage verletze das Anklageprinzip gemäss Art. 9 StPO, ge-
mäss welchem in der Anklage die dem Beschuldigten vorgeworfenen Sachverhal-
te hinsichtlich Ort, Datum und Zeit so präzise wie möglich zu umschreiben seien
(Urk. 122 S. 4).
Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem
Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und
subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklage-
prinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und garan-
tiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 143 IV 63
E. 2.2). Die beschuldigte Person muss unter dem Gesichtspunkt der Informations-
funktion aus der Anklage ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Das bedingt
eine zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass die beschuldigte
Person genau weiss, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr
Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig
vorbereiten kann. (vgl. zum Ganzen BGer 6B_679/2018 vom 12. Februar 2019
E. 1.2 m.w.H.).
In concreto handelt es sich um ein dynamisches Geschehen mit mehreren Be-
teiligten. Naturgemäss kann im Nachhinein nicht mehr jede einzelne Handlung auf
die Sekunde genau nachvollzogen werden, was sich in der Anklage naturgemäss
wiederspiegelt. Vorliegend umschreibt die Anklage aber einen konkreten Sach-
verhalt am frühen Morgen des 27. Januar 2019 ca. 04:45 Uhr, wobei auch die Ört-
lichkeit konkret benannt wird und entsprechend allen Beteiligten klar ist. Auch hin-
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sichtlich der Tatvorwürfe enthält die Anklage konkrete Vorwürfe, weshalb es dem
Beschuldigten 2 und seiner Verteidigung ohne Weiteres klar ist, gegen was sie
sich zu verteidigen haben. Dies belegt im Übrigen auch der Umstand, dass dieses
Argument im vorinstanzlichen Verfahren nicht aufgeworfen wurde, sondern man
sich dort offenbar ohne Weiteres in der Lage sah, sich gegen die Anklage ange-
messen zu verteidigen. Dieses Vorbringen erscheint demnach unbegründet und
im Übrigen nachgeschoben. Eine Verletzung von Art. 9 StPO ist nicht zu erken-
nen.
5. Verwertbarkeit der Beweismittel
Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 2 brachte im Berufungsverfahren in
prozessualer Hinsicht zudem vor, die erste polizeiliche Einvernahme des Be-
schuldigten 2 sei nicht verwertbar, da er dort noch ohne Rechtsanwalt einver-
nommen worden sei (Urk. 122 S. 5). Nach Art. 131 Abs. 2 StPO ist die Verteidi-
gung nach der ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, jedenfalls aber vor
Eröffnung der Untersuchung sicherzustellen. Demnach ist bei Fällen von notwen-
diger Verteidigung, was vorliegend der Fall ist, die Verteidigung spätestens bei
der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft sicherzustellen, ist die Untersu-
chung in diesem Zeitpunkt in der Regel doch eröffnet. In der polizeilichen Einver-
nahme braucht die Verteidigung dem Gesetzeswortlaut folgend indessen noch
nicht zwingend sichergestellt zu sein. Vorliegend ist dies indessen ohnehin nicht
weiter von Relevanz, hat der Beschuldigte 2 in der ersten polizeilichen Einver-
nahme die Vorwürfe doch bloss abgestritten (vgl. Urk. 2/1), weshalb sie nichts
Konkretes zur Sachverhaltserstellung beitragen kann.
II. Sachverhalt/Rechtliche Würdigung
1. Einleitung
1.1. Die Vorinstanz sprach die Beschuldigten im Wesentlichen anklagegemäss
wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Angriffs schuldig. Der Beschul-
digte 1 fordert einen Freispruch von diesen Tatbeständen und eine Verurteilung
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lediglich wegen einfacher Körperverletzung. Der Beschuldigte 2 beantragt einen
vollumfänglichen Freispruch.
1.2. Hinsichtlich der vorinstanzlichen Zusammenfassung der Position der Be-
schuldigten, inwieweit sie geständig sind bzw. den Anklagevorwurf bestreiten,
kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die Ausführungen der Vo-
rinstanz verwiesen werden (Urk. 89 S. 8 und 9). Auch wenn die amtliche Verteidi-
gung des Beschuldigten 1 den Sachverhalt im Berufungsverfahren teilweise in
Abrede stellte (Urk. 120 S. 3 ff.), ist erneut zu betonen, dass der Beschuldigte 1
den äusseren Sachverhalt betreffend seine Einwirkungen auf die Privatkläger 1
und 2 auch anlässlich der Befragung vor der Berufungsinstanz eingestanden hat
(Urk. 119 S. 6 ff.). Wie vor Vorinstanz ist somit auch im Rahmen des Berufungs-
verfahrens betreffend den äusseren Anklagesachverhalt zu klären, ob die dem
Beschuldigten 2 vorgeworfenen Fusstritte gegen den Privatkläger 1 und die bei-
den Beschuldigten vorgeworfenen Fusstritte eines unbekannten Angreifers gegen
Kopf, Rumpf und Rippen des Privatklägers 2 erstellt sind oder nicht. Auf den inne-
ren Sachverhalt ist zweckmässigerweise anlässlich der rechtlichen Würdigung
einzugehen.
2. Grundlagen der Sachverhaltswürdigung und allgemeine Glaubwürdigkeit der
Aussagepersonen
Bezüglich den Grundlagen der Sachverhaltswürdigung und der allgemeinen
Glaubwürdigkeit der Aussagepersonen kann auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 89 S. 10 – 13).
3. Würdigung des bestrittenen äusseren Sachverhalts
3.1. Fusstritte des Beschuldigten 2 gegen den Privatkläger 1
3.1.1. Die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 89 S. 13 – 18)
sind überzeugend, weswegen grundsätzlich darauf verwiesen werden kann. Die
nachfolgenden Erwägungen sind daher präzisierender Natur.
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3.1.2. Bezüglich des Aussageverhaltens des Beschuldigten 2 zum Vorwurf,
dem am Boden liegenden Privatkläger 1 Fusstritte versetzt zu haben, ist mit der
Vorinstanz festzustellen, dass dieses von diversen Widersprüchen geprägt ist, die
sich wie ein roter Faden hindurchziehen, wobei die Widersprüche das Resultat
der Anpassung seiner Aussagen ans jeweilige Untersuchungsergebnis sind.
Wenn seine Verteidigung zur Kritik an der vorinstanzlichen Würdigung seines
Aussageverhaltens vorbringt, der Beschuldigte 2 habe auf Fragen zum Schuh und
dem sich darauf befindlichen Blut nach einer schlüssigen Erklärung gesucht (Urk.
94 S. 4), so ist dem zu entgegnen, dass gerade diese Suche nach Erklärungen –
ohne sich selbst zu belasten – im seitens der Vorinstanz aufgezeigten (Urk. 89 S.
13 f.), sich dem jeweiligen Vorhalt anpassenden und damit letztlich widersprüchli-
chen Aussageverhalten resultierte. Seine Aussagen zu diesem Vorwurf sind somit
unglaubhaft.
3.1.3. Hinsichtlich der Aussagen der Zeugin E._ und des Privatklägers 1
ist demgegenüber festzustellen, dass sie frei von relevanten Widersprüchen sind,
lebensnah geschildert wurden, grundsätzlich übereinstimmen und beide
Aussagepersonen den Beschuldigten 2 keineswegs übermässig belasteten,
sondern zurückhaltend aussagten. So identifizierte die Zeugin E._ den Be-
schuldigten 2 an dessen teilweise roter Jacke und auch der Privatkläger 1
vermochte sich jedenfalls an eine Person zu erinnern, die weiss und rot getragen
habe. Die Verteidigung des Beschuldigten 2 macht hierzu geltend, die Zeugin
E._ habe den Beschuldigten 2 nach dem Vorfall gesehen und nicht erkannt.
Sie habe gemutmasst, dass er einer der Täter gewesen sein könnte, da sie ja
"dieses Rot im Kopf" habe. Erst später, nachdem er ihr als Beschuldigter präsen-
tiert worden sei, habe sie den Beschuldigten 2 anlässlich der Konfronta-
tionseinvernahme identifiziert. Es habe deshalb eine Beeinflussung der Zeugin
stattgefunden, weswegen auf ihre Aussagen nicht abzustellen sei (Urk. 94 S. 3;
Urk. 66 S. 5; Urk. 122 S. 5). Um dies zu beurteilen, ist sind zunächst die fragli-
chen Aussagen der Zeugin E._ anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme
kurz nach den fraglichen Ereignissen genau zu betrachten. Auf die Frage, ob sie
nach der Tat nochmals einen der Täter habe sichten können, antwortete sie (Urk.
8/1 F/A 23): "Nein. Ausser die Polizei hat danach einen angehalten mit einer roten
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Jacke, dies kann gut sein, dass dieser einer der Täter ist. Weil ich habe ja dieses
Rot im Kopf. Dieser hat auch eine Beule am Kopf und D._ hat sich zu Beginn
wirklich gewehrt. Es kann wirklich gut sein, dass dieser einer der Täter ist. Aber
eine rote Jacke habe ich im Kopf." Auf die präzisierende Frage, ob sie generell
etwas Rotes im Kopf habe oder spezifisch eine rote Jacke, antwortete sie (Urk. 81
F/A 24): "Es hat mit der Jacke zu tun, es war im oberen Bereich, keine Hose. Dies
fiel mir auf, weil die anderen alle dunkel waren." Ohne, dass die Zeugin E._
irgendwie beeinflusst worden wäre, wusste sie somit, dass einer der Täter eine –
mindestens teilweise – rote Jacke trug. Auf den Fotos des Beschuldigten 2 nach
dessen Verhaftung ist ersichtlich, dass seine Jacke rote Ärmel hatte, während er
darunter ein langes, unter der Jacke hervorschauendes weisses Sweatshirt mit
roter Schrift trug (vgl. Urk. 1/3 S. 5 und 6). Anzumerken ist, dass die – nur wenige
Stunden nach den Tathandlungen erfolgte – polizeiliche Einvernahme noch
entsprechend wenig in die Details gehen konnte, wie dies später anlässlich der
Zeugeneinvernahme vom 11. Juni 2019 in Gegenwart der Beschuldigten 1 und 2
sowie von F._ war, als die Staatsanwältin bereits über weitere Angaben ver-
fügte und entsprechend detailliert nachzufragen vermochte. In jener Einvernahme
identifizierte sie dann den Beschuldigten 2 als einen der Männer, die den am Bo-
den liegenden Privatkläger 1 mehrfach kräftig gegen den Kopf getreten hätten,
wobei sie wiederum zu schildern wusste, dass er eine rot-weisse Jacke getragen
habe. Dabei war sich die wie dargelegt grundsätzlich zurückhaltend aussagende
Zeugin sicher (Urk. 8/2 S. 6), wobei ihre Aussagen lebensnah und plausibel er-
folgten. Entgegen der Ansicht der Verteidigung des Beschuldigten 2 kann mithin
von einer Beeinflussung der Zeugin keine Rede sein. Vielmehr erfolgte die Identi-
fikation des Beschuldigten 2 zunächst über die Farbe dessen Ober-
körperbekleidung und später direkt in der Einvernahme. Anzumerken ist im
Übrigen, dass sie in jener Einvernahme auch den Beschuldigten 1 identifizierte
(Urk. 8/2 S. 7), was sich mit dessen Geständnis deckt. Dass die Zeugin einfach
aus einem Gefühl heraus und weil sie eben dort sassen, den Beschuldigten ge-
wisse Tathandlungen zugeordnet hätte, kann somit ausgeschlossen werden.
Schliesslich ist auch kein Grund ersichtlich, weswegen die Zeugin E._ – wie
auch der Privatkläger 1 – ausgerechnet den Beschuldigten 2 in diesem Punkt
- 15 -
übermässig belasten sollten. Dass die Zeugin E._ die Partnerin des Privat-
klägers 2 ist, vermag kein Motiv für eine Falschbelastung zu begründen. Die Aus-
sagen der Zeugin E._ und des Privatklägers 1 zu diesem Element des
Anklagesachverhalts sind daher als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.
3.1.4. Sodann stimmen die Aussagen der Zeugin E._ und des Privatklä-
gers 1 auch mit den objektiven Beweismitteln – den DNA- Spuren, insbesondere
der Blutspuren und den Fotografien – überein. Wenn die Vorinstanz hierzu fest-
hält, die Tatsache, dass sich Blut des Privatklägers 1 am Schuh des Beschuldig-
ten 2 befunden habe, lege die Vermutung nahe, dass es einen Kontakt zwischen
dem Beschuldigten 2 und dem Privatkläger 1 gegeben habe, und des Weiteren
sei die Lage des Blutes – an der Oberkante des Schuhes – ein Indiz dafür, dass
der Beschuldigte 2 den Privatkläger 1 gegen sein blutendes Gesicht bzw. seinen
Kopf getreten habe, so ist zu präzisieren, dass selbstverständlich auch andere
Möglichkeiten denkbar wären, wie das Blut des Privatklägers 1 auf die Oberkante
des Turnschuhs des Beschuldigten 2 gelangte (vgl. die Fotografie in Urk. 1/3 S.
5). Insofern ist der Einwand der Verteidigung des Beschuldigten 2 (Urk. 94 S. 4)
berechtigt. Die seitens der Vorinstanz geschilderte Variante ist aber jedenfalls
sehr plausibel und korrespondiert mit den Aussagen der Zeugin E._ und des
Privatklägers 1. Umgekehrt werden jedenfalls die – wie erwähnt bereits für sich
allein betrachtet nicht glaubhaften – Aussagen des Beschuldigten 2 zu Beginn der
Untersuchung, er sei wohl in eine Blutlache getreten, widerlegt, da sich an der
Schuhsole kein Blut befand. Die Blutspur des Privatklägers 1 auf der Oberseite
des Turnschuhs des Beschuldigten 2 spricht jedenfalls klar eher für die Aussage
der Zeugin E._, zumal die spätere Aussage des Beschuldigten 2, wonach er
über den am Boden liegenden Privatkläger 1 hingefallen sei, wie dargelegt nach-
geschoben wurde, als er mit diesen Erkenntnissen konfrontiert wurde.
3.1.5. Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz als erstellt zu betrachten,
dass der Beschuldigte 2 anlässlich der gewaltsamen Auseinandersetzung nicht
nur – wie von ihm vor Vorinstanz eingestanden – dem Privatkläger 2 Faustschlä-
ge ins Gesicht verpasste, sondern auch Fusstritte gegen den Kopf des am Boden
- 16 -
liegenden Privatklägers 1 versetzte, weswegen der diesbezügliche Anklagesach-
verhalt erstellt ist.
3.2. Fusstritte eines unbekannten Angreifers gegen Kopf, Rumpf bzw. Rippen
des Privatklägers 2
3.2.1. Auch in diesem Punkt sind die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 89
S. 18 – 22) überzeugend, so dass grundsätzlich darauf verwiesen werden kann.
Die nachfolgenden Erwägungen sind daher präzisierender Natur.
3.2.2. Hinsichtlich der Aussagen des Beschuldigten 1 können diese mit der
Vorinstanz als glaubhaft und überzeugend bezeichnet werden, belastete er sich
doch selbst durchaus erheblich, insbesondere hinsichtlich der Tritte gegen den
Privatkläger 1. Soweit es um die Tathandlungen gegen den Privatkläger 2 geht,
sind die Aussagen des Beschuldigten 1 daher glaubhaft, wenn er geltend macht,
sowohl er selbst als auch der Beschuldigte 2 seien mit jenem zu Boden gegangen
und er habe weiter auf diesen eingeprügelt, weswegen jedenfalls nicht er selbst
den Privatkläger 2 getreten habe. Mit jener Aussage entlastete er zudem durch-
aus glaubhaft auch den Beschuldigten 2 betreffend Fusstritte gegen den Privat-
kläger 2. Ob eine andere Person den Privatläger 2 in jenem Zeitraum trat, ver-
mochte er indessen nicht zu sagen.
3.2.3. Die Aussagen des Beschuldigten 2 sind – wie auch die vorstehend
geschilderten Aussagen zu seinen Fusstritten gegen den Privatkläger 1 – wiede-
rum widersprüchlich und dem jeweiligen Beweisergebnis angepasst. Immerhin
kann ab dem Zeitpunkt der zweiten Konfrontationseinvernahme mit dem Beschul-
digten 1 und dem Anpassen seiner Aussagen an diejenigen des Beschuldigten 1
insoweit von deren Richtigkeit ausgegangen werden, als dass er im Wesentlichen
mit dem Beschuldigten 1 aufgrund der vorgenommenen Anpassung überein-
stimmte. Bemerkenswert ist indessen, dass er auch danach – im Gegensatz zum
Beschuldigten 1 – kaum Selbstbelastungen schilderte bezüglich dieses zu Boden
Gehens mit dem Beschuldigten 1 und dem Privatkläger 2. Vor Vorinstanz bestä-
tigte er entsprechend, dem Privatkläger 2 zwei- bis dreimal ins Gesicht geschla-
gen zu haben (Prot. I S. 26). Ob eine andere Person den Privatläger 2 in jenem
- 17 -
Zeitraum trat, vermochte auch er nicht zu sagen. Wenn seitens seiner Verteidi-
gung eingewendet wird, der Beschuldigte 2 habe, wie er während des gesamten
Verfahrens ausgesagt habe, lediglich schlichtend eingegriffen, da der Privatkläger
2 augenscheinlich um einiges grösser und somit kräftiger sei (Urk. 94 S. 4; vgl.
auch Urk. 119 S. 14), so ist dem zunächst entgegenzuhalten, dass eine allfällige
geringere Körpergrösse einer Person noch keineswegs etwas über deren Verhal-
ten in einer solchen Konfliktsituation aussagt, zumal die Privatkläger auch über-
rascht wurden. Sodann ist das eingestandene Verabreichen von mindestens zwei
Schlägen ins Gesicht des Privatklägers 2 seitens des Beschuldigten 2 nicht mit
dem von ihm geltend gemachten Schlichten zu vereinbaren. Soweit der Beschul-
digte 2 somit behauptet, er habe bloss schlichten wollen oder – wohl mit den vor
Vorinstanz eingeräumten Schlägen – seien Kollegen helfen wollen, sind seine
Aussagen widersprüchlich und damit unglaubhaft.
3.2.4. Zu den Aussagen der Zeugin E._ und des Privatklägers 2 ist fest-
zustellen, dass sie auch in diesem Punkt frei von relevanten Widersprüchen sind,
dass sie lebensnah geschildert sind, grundsätzlich übereinstimmen und beide
Aussagepersonen die Beschuldigten keineswegs übermässig belasteten, sondern
zurückhaltend aussagten. Sowohl der Privatkläger 2 wie auch die Zeugin schilder-
ten zwar Fusstritte gegen diesen im fraglichen Zeitraum, konnten jedoch nichts
dazu sagen, gegen welche Körperteile des Privatklägers 2 die Tritte erfolgten.
Den Schluss der Zeugin, der Privatkläger 2 sei auch ins Gesicht getreten worden,
zog sie indessen nur aufgrund eines mutmasslichen Schuhsolenabdrucks in des-
sen Gesicht, der sich jedoch nicht zweifellos als von einer Schuhsole verursacht
zuordnen lässt. Die Aussagen des Privatklägers 2 wie auch der Zeugin E._
sind daher grundsätzlich zu diesem Anklagesachverhalt glaubhaft und verlässlich,
jedoch kann daraus nicht mit Sicherheit auch auf Tritte gegen den Kopf des Pri-
vatklägers 2 geschlossen werden.
3.2.5. Soweit die Zeugin E._ und der Privatkläger 2 Tritte gegen den
Rumpf und dabei insbesondere gegen die Rippen des Privatklägers 2 schilderten,
werden ihre Aussagen durch die weiteren objektiven Beweismittel, den ärztlichen
- 18 -
Befund und die Tatortfotos, gestützt, dokumentieren diese doch die erlittenen Ver-
letzungen des Privatklägers 2.
3.2.6. Insgesamt sind mit der Vorinstanz Tritte durch einen unbekannten Tä-
ter gegen den Rumpf und dabei insbesondere in die Rippen des Privatklägers 2
als erstellt zu betrachten, nicht jedoch auch Tritte gegen dessen Kopf. Mit jener
Einschränkung ist der Anklagesachverhalt betreffend die Tritte gegen den Privat-
kläger 2 somit erstellt.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Vorinstanzliche Ausführungen zur Mittäterschaft
Die Vorinstanz gelangte vorab zu ihrer rechtlichen Würdigung des erstellten An-
klagesachverhalts zur Erkenntnis, eine Mittäterschaft zwischen den beiden
Beschuldigten und namentlich bekannten oder auch unbekannten weiteren Tatbe-
teiligten lasse sich nicht erstellen (Urk. 89 S. 23 – 25). Aufgrund des Verbots der
reformatio in peius (Art. 391 Abs. 2 StPO) kann und muss daher im Rahmen des
Berufungsverfahrens nicht überprüft werden, ob eine Mittäterschaft gegeben sein
könnte.
4.2. Grundlagen
Bezüglich der rechtlichen Grundlagen zu den Tatbeständen der schweren Kör-
perverletzung und des Angriffs sowie zum Versuch und zum Eventualvorsatz
kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die Ausführungen im vo-
rinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 89 S. 25 – 29 und 32).
4.3. Tathandlungen gegen den Privatkläger 1
4.3.1. Die Vorinstanz gelangte bezüglich der Tathandlungen der Beschuldig-
ten gegen den Privatkläger 1 zum Ergebnis, dass diese als eventualvorsätzlich
versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung
mit Art. 22 StGB zu qualifizieren seien, wobei sie den Tatbestand des Angriffs im
Sinne von Art. 134 StGB unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtspre-
chung (BGE 118 IV 22 E.5.b) als vom Verletzungstatbestand konsumiert erachte-
- 19 -
te (Urk. 89 S. 25 – 31). Letztere Würdigung ist aufgrund des Verschlechterungs-
verbots im Berufungsverfahren nicht mehr überprüfbar. Die rechtliche Würdigung
des erstellten Anklagesachverhalts hinsichtlich der Tathandlungen gegen den Pri-
vatkläger 1 der Vorinstanz ist überzeugend, weswegen grundsätzlich darauf zu
verweisen ist. Die nachfolgenden Ausführungen sind daher überwiegend präzi-
sierender Natur.
4.3.2. Die Beschuldigten 1 und 2 traten dem wehrlos, zusammengerollt am
Boden liegenden Privatkläger 1 mehrfach mit einiger Intensität – der Beschuldigte
1 selbst sprach von der Intensität einer Flanke im Fussball – gegen den Kopf. Im
Rahmen des Berufungsverfahrens ergänzte der Beschuldigte 1, es sei bloss eine
"feine Flanke" gewesen (Urk. 119 S. 11). Diesbezüglich ist indessen zu bemer-
ken, dass es im vorliegenden dynamischen Geschehen lebensfremd erscheint,
dass die Beschuldigten die Fusstritte bewusst und kontrolliert dosiert hätten. Im
Übrigen ist eine "Flanke" im Fussball ein hoher, in der Regel weiter Pass vor das
Tor, weshalb dies in jedem Fall einen Tritt von gewisser Intensität beschreibt. Es
braucht entsprechend nicht weiter abgeklärt zu werden, was mit einer "feinen
Flanke" genau gemeint sein sollte. Im Übrigen wurde diese Präzisierung erst im
Berufungsverfahren vorgebracht und erscheint nachgeschoben. Dass der Privat-
kläger 1 als Resultat solcher Tritte nicht lebensgefährliche oder bleibende Verlet-
zungen wie z.B. ein schweres Hirntrauma, Hirnblutungen etc. erlitt, ist dabei ledig-
lich einem glücklichen Zufall zu verdanken. Die Beschuldigten hatten dabei keine
Kontrolle darüber, ob ein solcher Taterfolg eintreten würde oder nicht, zumal be-
reits eine leichte Bewegung des Opfers – egal, ob aufgrund eines Tritts oder auch
aus eigenem Antrieb – einen Treffer umso gefährlicher oder auch weniger gefähr-
lich machen konnte, je nachdem wie dieser zufälligerweise erfolgte. Die Tatbe-
standsverwirklichung des Eintritts einer schweren Verletzung im Sinne von Art.
122 StGB lag daher durchaus nahe.
4.3.3. In subjektiver Hinsicht kann nicht der Rückschluss gezogen werden,
die Beschuldigten 1 und 2 wollten schwere Verletzungen des Privatklägers im
Sinne von Art. 122 StGB bewirken. Indessen drängt sich aufgrund der Heftigkeit
und der Anzahl an Tritten, die sie dem am Boden liegenden Opfer gegen dessen
- 20 -
Kopf versetzten der zwingende Schluss auf, dass sie mit möglichen solchen Ver-
letzungen rechneten und dies auch in Kauf nahmen. Die Beschuldigten räumten
dabei im Rahmen der Untersuchung auch ein, um die Möglichkeit solcher Verlet-
zungen zu wissen (Beschuldigter 1: Urk. 3/1 F/A 91 ff.; Beschuldigter 2: Urk. 2/4
F/A 80 und 86 f.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es
zudem der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Fusstritte und Faustschläge in
den Kopfbereich eines am Boden liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zu-
sammenrollt und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht – zu schwerwie-
genden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können (BGer Urtei-
le 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.2.2; 6B_529/2020 vom 14. September
2020 E. 3.2.2; 6B_1180/2015 vom 13. Mai 2016 E. 4.1; je mit Hinweisen). Für die
Erfüllung des Tatbestandes der versuchten schweren Körperverletzung setzt die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zudem nicht voraus, dass neben den eigent-
lichen Fusstritten oder Schlägen gegen den Kopf ein aggravierendes Moment,
etwa eine besondere Heftigkeit der Tritte, die Wehrlosigkeit des Opfers, die Trak-
tierung mit weiteren Gegenständen oder die Einwirkung mehrerer Personen, hin-
zutreten muss (BGer Urteile 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.2.2;
6B_529/2020 vom 14. September 2020 E. 3.2.2; 6B_1180/2015 vom 13. Mai
2016 E. 4.1; je mit Hinweisen). Die Beschuldigten 1 und 2 nahmen durch die
Fusstritte gegen den Kopf des Privatklägers 1 entsprechend in Kauf, dass dieser
schwere Verletzungen erleiden könnte.
4.3.4. Somit erfüllten beide Beschuldigten den Tatbestand der eventualvor-
sätzlich versuchten vorsätzlichen Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gegenüber dem Privatkläger 1.
4.4. Tathandlungen gegen den Privatkläger 2
4.4.1. Die Vorinstanz verneinte bezüglich der Tathandlungen der beiden
Beschuldigten gegen den Privatkläger 2 das Vorliegen einer eventualvorsätzlich
versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung
mit Art. 22 StGB und subsumierte die Tathandlungen der Beschuldigten dagegen
unter den Tatbestand des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB (Urk. 89 S. 31 –
33). Anzumerken ist, dass die Vorinstanz die Parteien anlässlich der Hauptver-
- 21 -
handlung korrekterweise gemäss Art. 344 StPO auf die Abweichung von den An-
trägen bzw. der rechtlichen Würdigung der Staatsanwaltschaft hinwies (Prot. I S.
47). Die fehlende Erfüllung des Tatbestands der versuchten schweren Körperver-
letzung gemäss Würdigung der Vorinstanz ist aufgrund des Verschlechterungs-
verbots im Berufungsverfahren nicht mehr überprüfbar. Im Übrigen ist die rechtli-
che Würdigung der Vorinstanz des erstellten Anklagesachverhalts hinsichtlich der
Tathandlungen gegen den Privatkläger 2 überzeugend, weswegen grundsätzlich
darauf zu verweisen ist. Die nachfolgenden Ausführungen sind daher überwie-
gend präzisierender Natur.
4.4.2. Die Beschuldigten 1 und 2 wirkten mittels mehrerer Faustschläge ins
Gesicht sowie Kniestichen in die Rippen in gewaltsamer Weise auf den Privat-
kläger 2 ein, wobei der Beschuldigte 2 sich dem Angriff des Beschuldigten 1 an-
schloss. Zudem trat ein unbekannter Dritter hinzu, als die Beschuldigten 1 und 2
mit dem Privatkläger 2 am Boden lagen, und versetzte diesem mehrere Fusstritte
in die Rippen. Der Privatkläger 2 blieb dabei passiv mit Ausnahme einer Abwehr-
handlung gegen den ebenfalls beteiligten F._, den er an die Wand drückte
bzw. sich zu wehren versuchte. Diese Abwehrversuche stellen kein eigentliches
Tätigwerden dar, dass der Annahme eines Angriffs entgegenstünde, zumal er
lediglich defensiv bzw. selbstschützend tätig war. Wer dem Privatkläger 2 welche
Verletzungen zufügte, ist dabei irrelevant, zumal deren Vorliegen im Rahmen des
Angriffs nach Art. 134 StGB bloss eine objektive Strafbarkeitsbedingung darstellt.
Der objektive Tatbestand des Angriffs ist durch die Beteiligung an diesem erfüllt.
Die Verteidigung des Beschuldigten 2 machte im Berufungsverfahren diesbe-
züglich erneut geltend, der Beschuldigte 2 habe einen Angriff auf seine Freunde
wahrgenommen und sei diesen zu Hilfe geeilt, weshalb von einer Notstandssitua-
tion auszugehen sei (Urk. 122 S. 11). Der Beschuldigte 2 stiess gemäss erstell-
tem Sachverhalt aber erst dann zum Geschehen dazu, als der Beschuldigte 1 be-
reits auf den Privatkläger 2 einschlug. Das An-die-Wand Drücken durch den
Privatkläger 2 war zudem bereits beendet. Von einer Notstandssituation bzw. von
Notstandshilfe kann entsprechend von vornherein nicht ausgegangen werden.
- 22 -
4.4.3. In subjektiver Hinsicht ist zu bemerken, dass sich die Beschuldigten 1
und 2 wissentlich und willentlich am Angriff beteiligten. Entgegen der Ansicht der
Verteidigung des Beschuldigten 2 (Urk. 122 S. 10) ist hierbei im Rahmen des
Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB nicht von Bedeutung, ob der Beschuldigte 2
die einzelnen Tathandlungen der übrigen Angreifer mitgetragen hat (vgl. dazu
TRECHSEL/MONA, Praxiskommentar StGB, 3. Auflage, N 6 zu Art. 133 StGB;
BGE 106 IV 251). Vorliegend war für den Beschuldigten 2 aufgrund des Um-
stands, dass der Beschuldigte 1 bereits gegen den Privatkläger 2 vorging, als er
dazu gestossen war, ohne Weiteres klar, dass ein tätlicher Angriff auf den Privat-
kläger 2 im Gang war. An jenem hat er sich wissentlich und willentlich beteiligt,
womit der subjektive Tatbestand erfüllt ist.
4.4.4. In Form der erstellten Verletzungen des Privatklägers 2 trat die objekti-
ve Strafbarkeitsvoraussetzung von Körperverletzungen des Angegriffenen ein.
4.4.5. Somit erfüllten die Beschuldigten 1 und 2 hinsichtlich des Privatklägers
2 den Tatbestand des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB.
4.5. Rechtfertigungsgrund des Notstands seitens des Beschuldigten 2
Hinsichtlich des vom Beschuldigten 2 anlässlich der Hauptverhandlung vor
Vorinstanz geltend gemachten Rechtfertigungsgrunds des Notstands im Sinne
von Art. 17 StGB kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 89 S. 34).
4.6. Fazit
Zusammenfassend sind die Beschuldigten 1 und 2 der (eventualvorsätzlich) ver-
suchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung
mit Art. 22 StGB und des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB schuldig zu spre-
chen.
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III. Strafzumessung
A. Allgemeine Ausführungen
1. Einleitung
Die Vorinstanz bestrafte beide Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
30 Monaten (Urk. 89 S. 71). Aufgrund des Verbots der reformatio in peius (Art.
391 Abs. 2 StPO) stellt dies vorliegend somit die obere Grenze dar.
2. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
Bezüglich des Strafrahmens und der allgemeinen Strafzumessungsregeln kann
zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die Ausführungen im vorinstanzli-
chen Entscheid verwiesen werden (Urk. 89 S. 35 f.).
B. Beschuldigter 1
1. Tatkomponente
1.1. Versuchte schwere Körperverletzung
1.1.1. Objektive Tatschwere
Der Beschuldigte 1 begann die körperliche Auseinandersetzung, indem er dem
Privatkläger 1 ohne Vorwarnung mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlug, wo-
bei er schnell und für den Privatkläger 1 überraschend handelte, so dass jenem
keine Möglichkeit blieb, sich darauf zwecks Verteidigung oder Rückzug einzustel-
len. Als beide am Boden lagen, versetzte der Beschuldigte 1 dem Privatkläger
mehrere Faustschläge ins Gesicht, stand auf und versetzte dem wehrlos am Bo-
den liegenden Privatkläger 1 mehrere gezielte kräftige Fusstritte gegen das Ge-
sicht. Mit dieser massiven und brutalen Gewaltanwendung manifestierte er eine
erhebliche Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Opfer. Die Verletzungen des Pri-
vatklägers 1 waren nicht lebensgefährlich, weswegen bloss ein Versuch vorliegt,
worauf nachfolgend einzugehen sein wird. Ohne Weiteres wären aber lebensge-
fährliche oder bleibende Verletzungen am/im Kopfbereich möglich gewesen. In
- 24 -
objektiver Hinsicht ist – für ein vollendetes Delikt – von einem erheblichen Ver-
schulden auszugehen und die Einsatzstrafe auf 48 Monate anzusetzen.
1.1.2. Subjektives Verschulden
Auslöser der Tat war eine vom Beschuldigten 1 gehörte Äusserung des Privat-
klägers 1, die er als Beleidigung gegenüber Asiaten aufgefasst habe, worauf er,
nachdem dieser sich nicht entschuldigt habe, zu ihm gegangen sei und ihn ge-
schlagen habe. Mithin beantwortete der Beschuldigte 1 eine als Beleidigung auf-
gefasste, rein verbale Äusserung mit massiver Gewalt, so dass die Tat – unab-
hängig von der Bewertung der angeblichen verbalen Provokation – als aus völlig
nichtigem Grund erfolgt zu bezeichnen ist. Insofern wird die objektive Tatschwere
durch die subjektiven Zumessungsgründe nicht relativiert. Leicht verschuldens-
mindernd ist aber zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte 1 hinsichtlich des
möglichen Taterfolgs schwerer Verletzungen nicht mit direktem Vorsatz, sondern
lediglich eventualvorsätzlich handelte, während er die Tathandlungen selbst direkt
vorsätzlich beging. Sodann ist ihm – wie auch seitens der Vorinstanz erfolgt (Urk.
89 S. 38 f.) – zu seinen Gunsten aufgrund seiner Alkoholisierung im Tatzeitpunkt
eine leichte Verminderung der Steuerungs- und damit Schuldfähigkeit strafmin-
dernd anzurechnen. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 120 S. 3 f. und
S. 14 f.) ist indessen keine mittel- bzw. schwergradige Verminderung der Schuld-
fähigkeit oder gar eine Aufhebung zu erkennen. Dies zeigt sich unter anderem
auch daran, dass sich der Beschuldigte 1 an den Vorfall gut zu erinnern vermag
und dort insoweit strukturiert handeln konnte. Da eine Verminderung der Schuld-
fähigkeit zudem nicht bereits bei einer leichten Alkoholisierung angenommen
würde, bleibt vorliegend bloss eine leichte Verminderung der Schuldfähigkeit fest-
zustellen. Unter Berücksichtigung auch der subjektiven Zumessungsgründe ist
von einem keineswegs mehr leichten Verschulden auszugehen und die Einsatz-
strafe auf 42 Monate festzusetzen.
1.1.3. Versuch
Vorliegend war es lediglich einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass der Pri-
vatkläger 1 nicht lebensgefährliche oder bleibende Verletzungen erlitt, der Tater-
- 25 -
folg also nicht eintrat. Aufgrund des Versuchs erscheint es gerechtfertigt, die Ein-
satzstrafe um 6 Monate zu senken.
1.1.4. Fazit
Ausgehend von einem keineswegs mehr leichten Verschulden ist für die even-
tualvorsätzlich versuchte schwere Körperverletzung von einer Einsatzstrafe von
36 Monaten auszugehen.
1.2. Angriff
1.2.1. Objektive Tatschwere
In objektiver Hinsicht wurde der Privatkläger 2 von mindestens drei bis maximal
fünf Personen angegriffen, wobei sich der Beschuldigte 1 daran beteiligte. Dabei
wurde dem Privatkläger 2 in massiver Art und Weise zugesetzt, indem er im Ver-
lauf der Auseinandersetzung mehrfach brutal mit Fäusten ins Gesicht, an den
Kopf und in die Rippen geschlagen sowie mit Tritten und Kniestichen malträtiert
wurde. Hierdurch erlitt er Verletzungen, die zwar noch unter den Tatbestand der
einfachen Körperverletzung zu subsumieren wären, innerhalb dessen aber als
durchaus erheblich zu bezeichnen sind. In objektiver Hinsicht ist im von einer
Geldstrafe bis zu fünf Jahren reichenden Strafrahmen von einem nicht mehr leich-
ten Verschulden auszugehen und die Strafe auf 15 Monate Freiheitsstrafe anzu-
setzen.
1.2.2. Subjektives Verschulden
In subjektiver Hinsicht kann hinsichtlich des Tatmotivs grundsätzlich auf die vor-
stehenden Ausführungen zum Tatbestand der versuchten schweren Körperverlet-
zung verwiesen werden, indem der Beschuldigte 1 auch auf den Privatkläger 2
aufgrund einer vermeintlichen verbalen Beleidigung und damit aus nichtigem
Grund losging. Er handelte dabei mit direktem Vorsatz und gänzlich rücksichtslos.
Wiederum ist ihm aufgrund der Alkoholisierung eine leicht verminderte Steue-
rungs- und damit Schuldfähigkeit strafmindernd anzurechnen. Unter Berücksichti-
gung auch der subjektiven Zumessungsgründe ist von einem nicht mehr leichten
- 26 -
Verschulden auszugehen und die Strafe auf 12 Monate Freiheitsstrafe festzuset-
zen.
1.2.3. Fazit
Ausgehend von einem nicht mehr leichten Verschulden ist für den Angriff von ei-
ner Strafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe auszugehen.
1.3. Asperation
Vorliegend wurden zwar beide Taten im selben Tatzeitpunkt und aus demselben
Motiv begangen, doch richteten sie sich gegen zwei verschiedene Opfer. Im
Rahmen der Asperation erscheint es daher gerechtfertigt, von der Strafe für den
Angriff die Hälfte, also 6 Monate zu berücksichtigen und die Einsatzstrafe von
36 Monaten somit auf 42 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
1.4. Fazit bezüglich Tatkomponente
Insgesamt ist das Tatverschulden des Beschuldigten 1 sowohl von der objektiven
Tatschwere her wie auch unter Berücksichtigung seines subjektiven Verschuldens
ausgehend von einem Strafrahmen bis zu zehn Jahren als erheblich zu bezeich-
nen. Gestützt auf die erwähnten Faktoren nach Würdigung der Tatkomponente
gelangt man somit zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten.
2. Täterkomponente
2.1. Geständnis/Reue und Einsicht
Der Beschuldigte 1 war seit Beginn der Untersuchung wenigstens im äusseren
Sachverhalt voll geständig und er war auch kooperativ. Hierdurch erleichterte er
die Untersuchung erheblich, wobei ihm einige Tathandlandungen ohne dieses
Geständnis nicht hätten persönlich zugeordnet werden können. Zudem zeigte er
Reue und Einsicht, indem er auch plausibel darlegte, dass ihn das Ereignis – und
nicht bloss das Verfahren und die möglichen Sanktionen – belastete. Das Ge-
ständnis im äusseren Sachverhalt ist deutlich strafmindernd zu berücksichtigen.
- 27 -
2.2. Vorstrafen
Der Beschuldigte 1 weist mehrere Vorstrafen wegen Delikten im Strassenverkehr
auf, die indessen nicht einschlägig sind. Eine Vorstrafe wegen Vernachlässigung
von Unterhalt aus dem Jahr 2009 (vgl. Urk. 23/1) wurde seit der Verhandlung vor
Vorinstanz gelöscht und ist damit nicht mehr beachtlich. Die Vorstrafen betragen
jeweils wenige Tagessätze Geldstrafe, indem die höchsten gegen den Beschul-
digten 1 ausgesprochenen Strafen je eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen waren.
Der Beschuldigte 1 beging diese Delikte zwischen 2013 bis 2016, womit die Ver-
gehen mehrere Jahre zurück liegen (Urk. 117). Die Vorstrafen wirken sich somit
nur leicht – aber entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 120 S. 13) doch
immerhin – straferhöhend aus.
2.3. Persönliche Verhältnisse/Vorleben/allgemeiner Leumund
Im Rahmen der Untersuchung und vor Vorinstanz führte der Beschuldigte 1 zu
seinen persönlichen Verhältnissen, seinem Vorleben und seinem allgemeinen
Leumund aus, er sei in G._ aufgewachsen und auch dort zur Schule gegan-
gen. 1998 sei er im Alter von 12 Jahren in die Schweiz gekommen, da seine Mut-
ter seinen Stiefvater geheiratet habe, der Schweizer sei. Er habe einen jüngeren
Bruder und eine jüngere Schwester, die ebenfalls in Zürich wohnten. Das Verhält-
nis zu seiner Familie sei sehr gut. Seinen leiblichen Vater habe er noch nie getrof-
fen und er kenne nur dessen Namen. Er habe aber noch Verwandte in Thailand
und reise mindestens einmal pro Jahr nach G._. Er könne sowohl Deutsch
als auch Thailändisch sprechen, jedoch habe er Mühe, auf Thailändisch zu
schreiben. In der Schweiz habe er von der 5. Klasse der Primarschule bis zum 4.
Realschuljahr die Schule besucht. Im Anschluss habe er eine Schreinerlehre be-
gonnen, die er aber nach einem Jahr abgebrochen habe. Danach habe er bei sei-
ner Mutter, welche ein Thai-Restaurant geführt habe, gearbeitet. Zurzeit sei er als
Chef de Service im Restaurant H._ im I._ angestellt, wo er zwischen
Fr. 4'800.– bis Fr. 4'900.– pro Monat inkl. Kinderzulagen verdiene. Er lebe mit
seiner Frau und dem gemeinsamen 5-jährigen Sohn und der 18-jährigen Tochter
seiner Frau in einer Wohnung. Seine Frau sei Schweizerin. Er habe zudem noch
zwei weitere Kinder, die 13 und 14 Jahre alt seien. Das eine Kind lebe bei dessen
- 28 -
Mutter und das andere bei seinen Eltern, den Grosseltern des Kindes. Das ältere
Kind habe einen Schweizer Pass und das zweite Kind einen C-Ausweis. Er habe
sodann Schulden in der Höhe von Fr. 80'000.– oder Fr. 70'000.–, die er in monat-
lichen Raten von Fr. 100.– bis Fr. 200.– abzahle, weshalb er sich bisher noch
nicht habe einbürgern lassen können (Urk. 3/1 F/A 104 ff.; Urk. 23/7 F/A 6 ff.;
Prot. I S. 10 ff.). Im Rahmen der Berufungsverhandlung ergänzte er, er sei mitt-
lerweile im Restaurant H._ zum stellvertretenden Geschäftsführer befördert
worden. Dort verdiene er deswegen ca. Fr. 200.– mehr pro Monat. Die Schulden
würden sich gemäss aktuellem Betreibungsregisterauszug aber noch immer auf
über Fr. 100'000.– belaufen (Urk. 119 S. 1 ff.). Vorleben, persönliche Verhältnisse
wie auch der allgemeine Leumund wirken sich zumessungsneutral aus.
2.4. Strafempfindlichkeit
Eine besondere Strafempfindlichkeit (Wirkung der Strafe auf das Leben des Tä-
ters; Art. 47 StGB) ist beim Beschuldigten 1 nicht gegeben. Es ist ihm mithin unter
diesem Titel nichts zu Gute zu halten.
2.5. Verfahrensdauer/Zeitablauf
Untersuchung und gerichtliche Verfahren wurden vorliegend für ein Verfahren
dieses Umfangs sehr beförderlich geführt. So vergingen zwischen Tathandlung
und vorinstanzlichem Urteil lediglich rund 14 Monate. Eine Strafminderung auf-
grund der Verfahrensdauer und/oder des Zeitablaufs fällt daher ausser Betracht.
2.6. Fazit bezüglich Täterkomponente
Insgesamt ist mit den Vorstrafen ein leicht straferhöhendes Zumessungskriterium
im Rahmen der Täterkomponente festzustellen, das zu berücksichtigen ist,
während sich das Geständnis deutlich strafmindernd auswirkt. Die aufgrund der
Tatkomponente ermittelte Freiheitsstrafe ist daher von 42 Monaten um 12 Monate
auf 30 Monate zu senken.
- 29 -
3. Gesamtwürdigung
3.1. Freiheitsstrafe
In Würdigung sämtlicher dargelegter Strafzumessungsgründe erscheint eine
Gesamt-Freiheitsstrafe von 30 Monaten dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten 1 angemessen.
3.2. Anrechnung von Untersuchungshaft
Der Beschuldigte 1 befand sich vom 4. Februar 2019, 07.55 Uhr, bis am 5. Feb-
ruar 2019, 16.45 Uhr, in Haft. Diese 2 Tage Untersuchungshaft sind ihm auf die
Freiheitsstrafe als erstanden anzurechnen (Art. 51 StGB).
C. Beschuldigter 2
1. Tatkomponente
1.1. Versuchte schwere Körperverletzung
1.1.1. Objektive Tatschwere
In objektiver Hinsicht lag der Privatkläger 1, von mehreren Faustschlägen und
Tritten seitens des Beschuldigten 1 traktiert wehrlos am Boden und wurde von
diesem mit Tritten weiter traktiert. In dieser Situation schloss der Beschuldigte 2
sich dem Vorgehen des Beschuldigten 1 an und versetzte dem Privatkläger eben-
falls mehrere Tritte gegen den Kopf, wobei auch diese Tritte mit durchaus erheb-
licher Kraft erfolgten. Mit dieser massiven und brutalen Gewaltanwendung
manifestierte er eine erhebliche Rücksichtslosigkeit gegenüber dem ihm zuvor
völlig unbekannten Opfer. Die Verletzungen des Privatklägers 1 waren nicht
lebensgefährlich, weswegen bloss ein Versuch vorliegt, worauf nachfolgend ein-
zugehen sein wird. Ohne Weiteres wären aber lebensgefährliche oder bleibende
Verletzungen am/im Kopfbereich möglich gewesen. In objektiver Hinsicht ist – für
ein vollendetes Delikt – von einem keineswegs mehr leichten Verschulden auszu-
gehen und die Einsatzstrafe auf 36 Monate anzusetzen.
- 30 -
1.1.2. Subjektives Verschulden
Auslöser der Tat war die zuvor vom Beschuldigten 1 begonnene Auseinander-
setzung, welcher sich der Beschuldigte 2 spontan anschloss. Auch von seiner
Seite her handelte es sich mithin um eine Tat aus völlig nichtigem Grund. Insofern
wird die objektive Tatschwere durch die subjektiven Zumessungsgründe nicht re-
lativiert. Leicht verschuldensmindernd ist aber zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte 1 hinsichtlich des möglichen Taterfolgs schwerer Verletzungen nicht
mit direktem Vorsatz, sondern lediglich eventualvorsätzlich handelte, während er
die Tathandlungen selbst direkt vorsätzlich beging. Sodann ist ihm – wie auch sei-
tens der Vorinstanz erfolgt (Urk. 89 S. 43) – zu seinen Gunsten aufgrund seiner
Alkoholisierung und des Kokaineinflusses im Tatzeitpunkt eine leichte Verminde-
rung der Steuerungs- und damit Schuldfähigkeit strafmindernd anzurechnen. Un-
ter Berücksichtigung auch der subjektiven Zumessungsgründe ist von einem nicht
mehr leichten Verschulden auszugehen und die Einsatzstrafe auf 32 Monate fest-
zusetzen.
1.1.3. Versuch
Vorliegend war es lediglich einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass der Pri-
vatkläger 1 nicht lebensgefährliche oder bleibende Verletzungen erlitt, der Tater-
folg also nicht eintrat. Aufgrund des Versuchs erscheint es gerechtfertigt, die Ein-
satzstrafe um 6 Monate zu senken.
1.1.4. Fazit
Ausgehend von einem keineswegs mehr leichten Verschulden ist für die eventu-
alvorsätzlich versuchte schwere Körperverletzung von einer Einsatzstrafe von
26 Monaten Freiheitsstrafe auszugehen.
1.2. Angriff
1.2.1. Objektive Tatschwere
In objektiver Hinsicht wurde der Privatkläger 2 – wie vorstehend bezüglich des
Beschuldigten 1 dargelegt – von mindestens drei bis maximal fünf Personen an-
- 31 -
gegriffen, wobei sich auch der Beschuldigte 2 daran beteiligte. Sein Tatbeitrag fiel
dabei mit zwei- bis drei Faustschlägen ins Gesicht des Privatklägers 2 etwas
geringer aus als derjenige des Beschuldigten 1. Dem Privatkläger 2 wurde in
massiver Art und Weise zugesetzt, indem er im Verlauf der Auseinandersetzung
mehrfach brutal mit Fäusten ins Gesicht, an den Kopf und in die Rippen geschla-
gen sowie mit Tritten und Kniestichen malträtiert wurde. Hierdurch erlitt er Verletz-
ungen, die zwar noch unter den Tatbestand der einfachen Körperverletzung zu
subsumieren wären, innerhalb dessen aber als durchaus erheblich zu bezeichnen
sind. In objektiver Hinsicht ist im von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren reichen-
den Strafrahmen von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen und die
Strafe auf 12 Monate Freiheitsstrafe anzusetzen.
1.2.2. Subjektives Verschulden
In subjektiver Hinsicht kann hinsichtlich des Tatmotivs grundsätzlich auf die vor-
stehenden Ausführungen zum Tatbestand der versuchten schweren Körperverlet-
zung verwiesen werden, indem der Beschuldigte 2 auch auf den Privatkläger 2
aus nichtigem Grund losging. Er handelte dabei mit direktem Vorsatz und gänzlich
rücksichtslos. Wiederum ist ihm aufgrund der Alkoholisierung und des Kokainein-
flusses eine leicht verminderte Steuerungs- und damit Schuldfähigkeit straf-
mindernd anzurechnen. Unter Berücksichtigung auch der subjektiven Zumes-
sungsgründe ist von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen und die
Strafe auf 8 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
1.2.3. Fazit
Ausgehend von einem nicht mehr leichten Verschulden ist für den Angriff von ei-
ner Strafe von 8 Monaten Freiheitsstrafe auszugehen.
1.3. Asperation
Vorliegend wurden zwar beide Taten im selben Tatzeitpunkt und aus demselben
Motiv begangen, doch richteten sie sich gegen zwei verschiedene Opfer. Im
Rahmen der Asperation erscheint es daher gerechtfertigt, von der Strafe für den
- 32 -
Angriff die Hälfte, also 4 Monate zu berücksichtigen und die Einsatzstrafe von 26
Monaten somit auf 30 Monate zu erhöhen.
1.4. Fazit bezüglich Tatkomponente
Insgesamt ist das Tatverschulden des Beschuldigten 2 sowohl von der objektiven
Tatschwere her wie auch unter Berücksichtigung seines subjektiven Verschuldens
ausgehend von einem Strafrahmen bis zu zehn Jahren als keineswegs mehr
leicht zu bezeichnen. Gestützt auf die erwähnten Faktoren nach Würdigung der
Tatkomponente gelangt man somit zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten.
2. Täterkomponente
2.1. Geständnis/Reue und Einsicht
Hinsichtlich des Hauptvorwurfs der versuchten schweren Körperverletzung ist der
Beschuldigte 2 ungeständig. Bezüglich der Faustschläge gegen den Privatkläger
2 legte der Beschuldigte 2, nachdem er dies zuvor noch abgestritten hatte, nach
der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten 1, in der er auch von die-
sem belastet wurde, ein Teilgeständnis ab. Dieses erleichterte die Untersuchung
indessen in keiner Weise mehr und zeugt auch nicht im Geringsten von Reue.
Entgegen der Vorinstanz (Urk. 89 S. 45) wirkt sich dieses marginale Teilgeständ-
nis nicht strafmindernd aus.
2.2. Vorstrafen
Der Beschuldigte 2 weist keine Vorstrafen auf (Urk. 118), was zumessungsneutral
bleibt.
2.3. Persönliche Verhältnisse/Vorleben/allgemeiner Leumund
Im Rahmen der Untersuchung und vor Vorinstanz führte der Beschuldigte 2 zu
seinen persönlichen Verhältnissen, seinem Vorleben und seinem allgemeinen
Leumund aus, er sei am 31. Oktober 1996 mit 13 Jahren in die Schweiz gekom-
men. Seine Mutter habe sich bereits in der Schweiz befunden und sein Vater, sein
Zwillingsbruder, seine Schwester und er seien ihr später in die Schweiz gefolgt. Er
- 33 -
habe noch eine Halbschwester mütterlicherseits. Ausserdem habe er eine Toch-
ter, die 12.5 Jahre alt sei. Er sei mit der Mutter der Tochter noch zusammen und
lebe auch mit ihr zusammen, sie seien aber nicht verheiratet. Zu seinen Verwand-
ten in Thailand habe er keinen grossen Kontakt. Zuletzt sei er vor zehn Jahren
dort gewesen. In der Schweiz habe er mit 13 Jahren die Oberstufe besucht. Da-
nach habe er eine Anlehre als Mechaniker gemacht, diese aber nicht abgeschlos-
sen. Anschliessend habe er als Hilfskoch, Lagerarbeiter und Logistiker gearbeitet.
Zurzeit arbeite er an der Blumenbörse und als DJ, womit er monatlich rund
Fr. 4'000.– netto verdiene. Ausserdem habe er Schulden in der Höhe von rund
Fr. 98'000.–, weshalb er sich bisher noch nicht habe einbürgern lassen können.
Sein Lohn sei gepfändet und er erhalte monatlich nur Fr. 2'500.– ausgezahlt. Er
spreche Deutsch, Thailändisch und Englisch, habe aber Mühe, in der thailändi-
schen Sprache zu schreiben (Urk. 22/7 F/A 4 ff.; Prot. S. 13 ff.). Im Rahmen der
Berufungsverhandlung ergänzte er, er habe seine Arbeit bei der Blumenhalle auf-
gegeben, arbeite aber nach wie vor als DJ. Dabei verdiene er monatlich in einem
70% Pensum ca. Fr. 3'000.– netto. Die Schulden würden sich noch immer auf
ca. Fr. 100'000.– belaufen, weswegen auch noch immer eine Lohnpfändung laufe
(Urk. 119 S. 4 f.). Vorleben, persönliche Verhältnisse wie auch der allgemeine
Leumund wirken sich zumessungsneutral aus.
2.4. Strafempfindlichkeit
Eine besondere Strafempfindlichkeit (Wirkung der Strafe auf das Leben des Tä-
ters; Art. 47 StGB) ist beim Beschuldigten 2 nicht gegeben. Es ist ihm mithin unter
diesem Titel nichts zu Gute zu halten.
2.5. Verfahrensdauer/Zeitablauf
Untersuchung und gerichtliche Verfahren wurden vorliegend für ein Verfahren
dieses Umfangs sehr beförderlich geführt. So vergingen zwischen Tathandlung
und vorinstanzlichem Urteil lediglich rund 14 Monate. Eine Strafminderung auf-
grund der Verfahrensdauer und/oder des Zeitablaufs fällt daher ausser Betracht.
- 34 -
2.6. Fazit bezüglich Täterkomponente
Insgesamt wirkt sich die Täterkomponente zumessungsneutral aus.
3. Gesamtwürdigung
3.1. Freiheitsstrafe
In Würdigung sämtlicher dargelegter Strafzumessungsgründe erscheint eine
Gesamt-Freiheitsstrafe von 30 Monaten dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten 2 angemessen.
3.2. Anrechnung von Untersuchungshaft
Der Beschuldigte 2 befand sich vom 27. Januar 2019, 05.45 Uhr, bis am
18. Februar 2019, 15.00 Uhr, in Haft. Diese 23 Tage Untersuchungshaft sind ihm
auf die Freiheitsstrafe als erstanden anzurechnen (Art. 51 StGB).
IV. Vollzug
1. Einleitung
Die Vorinstanz schob den Vollzug der Freiheitsstrafen beider Beschuldigter im
Umfang von 22 Monaten auf und erklärte den Rest von 8 Monaten abzüglich der
je erstandenen Haft für vollziehbar (Urk. 89 S. 46).
2. Grundlagen
Bezüglich der rechtlichen Grundlagen kann auf die Ausführungen im vorinstanz-
lichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 89 S. 46).
3. Subsumtion
Wie von der Vorinstanz zutreffend dargelegt kann beiden Beschuldigten grund-
sätzlich eine gute Prognose gestellt werden, auch wenn diese beim Beschuldigten
1 aufgrund seiner – indessen nicht einschlägigen – Vorstrafen etwas getrübt ist.
Die Vorinstanz blieb in ihrem Urteil lediglich zwei Monate über dem möglichen
Minimum, was angemessen erscheint. Eine Erhöhung des vollziehbaren Teils wä-
- 35 -
re aufgrund des Verschlechterungsverbots unzulässig und ist nicht angezeigt. Der
vorinstanzliche Entscheid, für beide Beschuldigten die Freiheitsstrafe im Umfang
von 22 Monaten aufzuschieben und den Rest von 8 Monaten vollziehbar zu erklä-
ren, ist daher zu bestätigen.
V. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz verpflichtete die Beschuldigten 1 und 2 unter solidarischer
Haftbarkeit den Privatklägern Schadenersatz wie folgt zu bezahlen (Urk. 89 S. 59-
69):
- dem Privatkläger 1 Fr. 1'740.–;
- dem Privatkläger 2 Fr. 3'609.90, wobei dessen Schadenersatzbegehren im
Mehrbetrag auf den Zivilweg verwiesen wurde.
Weiter verpflichtete die Vorinstanz die Beschuldigten 1 und unter solidarischer
Haftbarkeit den Privatklägern Genugtuung wie folgt zu leisten:
- dem Privatkläger 1 Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 27. Januar 2019, wo-
bei dessen Genugtuungsbegehren im Mehrbetrag abgewiesen wurde;
- dem Privatkläger 2 Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 27. Januar 2019, wo-
bei dessen Genugtuungsbegehren im Mehrbetrag abgewiesen wurde.
2.1. Die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz sind überzeugend, wes-
wegen vorab darauf verwiesen werden kann (Urk. 89 S. 59 ff.).
2.2. Zu ergänzen gilt es lediglich Folgendes: Die Verteidigung des Beschuldig-
ten 1 macht sinngemäss geltend, es sei nicht gerechtfertigt, den Beschuldigten 1
zu einer solidarischen Haftbarkeit mit dem Beschuldigten 2 zu verpflichten, da
dieser ohnehin nicht in der Lage sei, die Forderungen zu begleichen (Urk. 120
S. 24 ff.). Die Bonität des Beschuldigten 2 spielt indessen für die Anordnung einer
solidarischen Haftung der beiden Beschuldigten keine Rolle. Nach Art. 50 Abs. 1
OR haften mehrere Personen dem Geschädigten solidarisch, wenn sie den Scha-
den gemeinsam verschuldet haben, sei es als Anstifter, Urheber oder Gehilfen.
Die Haftung mehrerer Personen im Sinne dieser Norm verlangt eine gemeinsame
Verursachung und ein gemeinsames Verschulden. Vorausgesetzt wird ein
- 36 -
schuldhaftes Zusammenwirken bei der Schadensverursachung, dass also jeder
Schädiger um das pflichtwidrige Verhalten des anderen weiss oder jedenfalls wis-
sen könnte (BGE 115 II 42 E. 1b S. 45). Erforderlich ist eine bewusste und gewoll-
te Teilnahme (Roland Brehm, Berner Kommentar, 4. Aufl. 2013, N. 7c zu Art. 50
OR). Unter Hinweis auf die ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 89
S. 60 ff.) ist vor diesem Hintergrund festzuhalten, dass die Beschuldigten 1 und 2
die Verletzungen des Privatklägers 1 gemeinsam verursacht haben und entspre-
chend solidarisch haftbar sind.
2.3. Die Verteidigung des Beschuldigten 2 machte diesbezüglich zudem geltend,
die Vorinstanz habe den Schaden des Privatklägers 1 zu Unrecht gestützt auf das
letzte Quartal berechnet, obschon in der Regel das Einkommen der letzten drei
Jahre hinzuzuziehen sei. Mindestens der Januar sei jedenfalls zu berücksichtigen,
da in der Gastrobranche insbesondere der Dezember mit den Festtagen beson-
ders umsatzstark sei (Urk. 122 S. 14). Vorliegend ist die von der Vorinstanz an-
genommene Einkommenseinbusse von Fr. 348.– pro Tag aber bereits sehr mo-
derat und es bestehen keine Hinweise dafür, dass diese unter Einbezug des Ja-
nuars oder weiterer Vergleichsmonate gar noch tiefer ausgefallen wäre. Es ist
entsprechend unter Hinweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
(Urk. 89 S. 61 f.) von einem Schaden des Privatklägers 1 von Fr. 1'740.– auszu-
gehen.
2.4. Auch die solidarische Haftung der Beschuldigten 1 und 2 betreffend den
Privatkläger 2 ist zu bestätigen. Die Beschuldigten haben beide am Angriff auf
den Privatkläger 2 teilgenommen, wobei als Folge von diesem schliesslich der
Schaden des Privatklägers 2 resultierte. Unter Hinweis auf den Entscheid des
Bundesgerichts 6B_428/2013 vom 15. April 2014, E. 7, rechtfertigt dies, die Be-
schuldigten zu einer solidarischen Haftung für den Schaden des Privatklägers zu
verpflichten.
3. Im Übrigen ist auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu verwei-
sen (Urk. 89 S. 59 ff.). Der Entscheid der Vorinstanz ist betreffend die Zivilforde-
rungen entsprechend zu bestätigen.
- 37 -
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kostenauferlegung und Entschädigung
Nachdem es auch im Berufungsverfahren beim vorinstanzlichen Schuldspruch
bleibt, ist die erstinstanzliche Kostenauflage und Festlegung der Prozessent-
schädigungen der Privatkläger gemäss Dispositivziffern 15, 16, 20 und 21 des
angefochtenen Entscheides ausgangsgemäss zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1
Satz 1 StPO und Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Eine Verteilung der Kosten des erst-
instanzlichen Verfahrens zu 1/3 an den Beschuldigten 1 und zu 2/3 an den Be-
schuldigten 2 erscheint entgegen der Verteidigung des Beschuldigten 2 abwegig
und nicht angezeigt, ist doch auch hinsichtlich der Schuldsprüche keine Unter-
scheidung angezeigt.
2. Kosten des Berufungsverfahrens
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 5'000.– zu veran-
schlagen, zumal zwei Beschuldigte im Verfahren stehen. Im Berufungsverfahren
werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 428 Abs. 1
Satz 1 StPO). Nachdem die Beschuldigten mit ihrer Berufung vollumfänglich un-
terliegen, sind ihnen die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der
Kosten der amtlichen Verteidigung, je zur Hälfte aufzuerlegen. Die Kosten der
amtlichen Verteidigungen des Berufungsverfahrens sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht der Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs.
4 StPO für die Kosten je ihrer amtlichen Verteidigung vorzubehalten ist.
2.2. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 1 macht für ihre Aufwendun-
gen und Barauslagen im Berufungsverfahren – inkl. geschätztem Aufwand für die
Berufungsverhandlung – Fr. 14'127.60 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 111). Die
amtliche Verteidigung des Beschuldigten 2 macht für ihre Aufwendungen und
Barauslagen im Berufungsverfahren – inkl. geschätztem Aufwand für die Beru-
fungsverhandlung – Fr. 9'616.90 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 124).
Für das Berufungsverfahren kann die Berufungsinstanz ein Pauschalhonorar fest-
setzen (§ 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 AnwGebV OG). Die Grundlage für die Festset-
- 38 -
zung der Gebühr bildet insbesondere die Bedeutung und Schwierigkeit des Falles
sowie der notwendige Zeitaufwand des Anwaltes (§ Abs. 1 lit. b, d, und e Anw-
GebV OG). Der vorliegende Fall liegt für einen Kollegialgerichtsfall, bei welchem
die Gebühr im Rahmen zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 28'000.– festzusetzen ist (§
18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV OG), im mittleren Bereich. Der Sach-
verhalt war teilweise noch umstritten, die in Frage stehenden Tatbestände sind
indessen nicht von aussergewöhnlicher Komplexität. Auch der Aktenumfang hält
sich noch in Grenzen. Es rechtfertigt sich vor diesem Hintergrund, beiden amtli-
chen Verteidigerinnen, welchen jeweils ein vergleichbarer Aufwand zuzugestehen
ist, je ein Pauschalhonorar von Fr. 9'000.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.