Decision ID: 81d71173-4d01-5dc3-a57a-e83aea74ccaf
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 1. Juli 2001 erstmals in der Schweiz um
Asyl ersuchte und das Gesuch am 29. August 2002 abgelehnt worden war,
am 3. November 2006 jedoch aufgrund der Heirat mit einer Schweizerin
eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde,
dass diese jedoch nach der Scheidung im Jahre 2011 nicht mehr verlängert
worden ist und der Beschwerdeführer im Jahre 2015 nach Nigeria zurück-
geschafft wurde,
dass er am 19. Juni 2021 in der Schweiz ein zweites Asylgesuch einreichte,
dass das SEM auf dieses mit Verfügung vom 16. Juli 2021 in Anwendung
von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) nicht eintrat und die Wegwei-
sung nach Frankreich anordnete,
dass eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde mit Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-3379/2021 vom 30. Juli 2021 abgewiesen
wurde,
dass der Beschwerdeführer am 24. August 2021 nach Frankreich überstellt
wurde,
dass er mit Schreiben vom 30. August 2021 erneut ans SEM gelangte, und
das SEM dieses Schreiben als Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c AsylG
entgegennahm,
dass das SEM mit Verfügung vom 24. September 2021 – eröffnet am
28. September 2021 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf
das Asylgesuch wiederum nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz
nach Frankreich anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Be-
schwerdeführer verfügte sowie eine Gebühr von Fr. 600.– erhob,
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dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 1. Oktober 2021 gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und da-
bei beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und auf das Asylgesuch sei
einzutreten,
dass eventualiter der Fall zur ergänzenden Sachverhaltsfeststellung und
erneuten Entscheidung ans SEM zurückzuweisen sei,
dass das Verfahren mit demjenigen des Ehefrau B._ und der Kinder
C._, D._ und E._ (N [...]) zu koordinieren sei,
dass der Beschwerde aufschiebende Wirkung zuzusprechen und auf die
die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewäh-
ren sei,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
4. Oktober 2021 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG),
dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug am 4. Oktober 2021 einst-
weilen aussetzte,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
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wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 19. April 2018 in Frankreich ein
Asylgesuch eingereicht hatte,
dass das SEM die französischen Behörden am 8. September 2021 um
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO
ersuchte,
dass die französischen Behörden dem Gesuch um Übernahme am
21. September 2021 zustimmten,
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Frankreichs somit gegeben ist,
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dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Antragsteller in Frankreich weise systemische
Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf,
dass der Beschwerdeführer geltend macht, dass sich das SEM mit seinen
individuellen Vorbringen und dem Beweismittel, das den Verlust der Unter-
kunft dokumentiere, nicht konkret auseinandergesetzt habe und somit sein
Ermessen betreffend den Selbsteintritt nicht pflichtgemäss habe ausüben
können, wodurch der Untersuchungsgrundsatz und der Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt worden sei,
dass die Behörden gemäss dem Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG
i.V.m. Art. 6 AsylG) von Amtes wegen für die richtige und vollständige Ab-
klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen haben,
dass das SEM dieser Pflicht vorliegend nachgekommen ist, und die ent-
sprechende Rüge in der Beschwerdeschrift vielmehr unter dem Aspekt des
rechtlichen Gehörs abzuhandeln ist,
dass der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 VwVG) die Pflicht um-
fasst, Vorbringen ernsthaft zu prüfen und Entscheide zu begründen,
dass sich das SEM zwar im Rahmen der Prüfung des Selbsteintritts insbe-
sondere auf zwingende Gründe gemäss Art. 3 EMRK bezogen und nur
knapp zur Ausübung des Ermessensspielraums geäussert hat,
dass jedoch insbesondere in Anbetracht dessen, dass die vom Beschwer-
deführer vorgebrachten Gründe weitgehend identisch mit den bereits im
Verfahren E-3379/2021 rechtskräftig beurteilten sind, eine summarische
Würdigung ausreichend ist,
dass das SEM sich namentlich mit dem Vorbringen der mangelnden Un-
terstützung explizit auseinandergesetzt hat und es seiner Begründungs-
pflicht insgesamt genügend nachgekommen ist,
dass der Beschwerdeführer in Wiederholung der bereits im Verfahren
E-3379/2021 geltend gemachten Gründe weiter vorbringt, die Unterbrin-
gungssituation in Frankreich sei allgemein schlecht,
dass das Asylgesuch von ihm und seiner Ehefrau und Kinder in Frankreich
abgelehnt worden sei und er sich in der Folge illegal dort aufgehalten habe,
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dass er deshalb im Dezember 2019 die Asylunterkunft habe verlassen
müssen,
dass er in der Folge in einer Unterkunft einer privaten Organisation gelebt,
jedoch keine finanzielle Unterstützung erhalten habe,
dass die private Organisation im Mai 2021 in einem offiziellen Schreiben
aufgefordert worden sei, die Unterstützung einzustellen und er am 31. Mai
2021 mittels Zwang durch die Polizei aus seiner Wohnung geführt worden
sei,
dass er mit seiner Familie mit Kindern im Alter zwischen (...) Jahren im
Falle einer Rückkehr weder eine Wohnmöglichkeit noch finanzielle Unter-
stützung hätte,
dass er damit die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordert,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass Frankreich Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
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zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass bereits das SEM anmerkte, dass sich der Beschwerdeführer hinsicht-
lich Arbeitssuche oder sozialstaatlicher Unterstützung nötigenfalls an die
französischen Behörden zu wenden und seine Ansprüche auf dem Rechts-
weg einzufordern hätte,
dass solche Bemühungen jedoch nicht aktenkundig sind,
dass der Einwand, es sei nicht ersichtlich, wie er seine Rechte in Frank-
reich geltend machen könnte, mangels Substanziierung nicht verfängt,
dass somit kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklausel von
Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der das Selbsteintrittsrecht im Lan-
desrecht konkretisierenden Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 be-
steht, und das SEM sein Ermessen gesetzeskonform ausgeübt hat,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- o-
der Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Frankreich angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss bei aus-
sichtslosen Beschwerden bei Mehrfachgesuchen auf Fr. 1'500.– (Art. 1‒3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) festzuset-
zen sind,
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dass hinsichtlich des Verfahrens der Ehefrau und Kinder der Hinweis
ergeht, dass die entsprechende Beschwerde mit Urteil D-4372/2021 vom
heutigen Datum ebenfalls abgewiesen wurde.
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