Decision ID: 8beb6509-900f-5756-ae22-554bdb696035
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 2006 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Nach
Einholung von Arztberichten bei Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin
(IV-act. 7), Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie(IV-
act. 28-24 ff.; 28-41 ff.), der Klinik Gais (IV-act. 28-44 ff.) sowie Beizug eines
psychiatrisch/orthopädischen Gutachtens des Medical Clearing Centers, Olten (MCC;
IV-act. 28-29 ff.), gab die IV-Stelle eine Begutachtung bei der Ärztliches
Begutachtachtungsinstitut (ABI) GmbH, Basel, in Auftrag. Im Gutachten vom
3. Dezember 2007 werden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung genannt. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lägen insbesondere
ein linksbetontes multilokuläres Schmerzsyndrom, ein intermittierender Tremor des
rechten Arms, eine Hemisymptomatik, ein chronisches Spannungstyp-Kopfweh, eine
arterielle Hypertonie und eine Dyslipidämie vor. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 80% für alle aus somatischer Sicht in Frage kommenden
Tätigkeiten (ganztägige Anwesenheit, gewisse Verlangsamung und etwas erhöhter
Pausenbedarf; IV-act. 28-2 ff.).
A.b Gestützt auf dieses Gutachten verfügte die IV-Stelle am 11. März 2008 bei einem
Invaliditätsgrad von 20% die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 40). Eine dagegen
vom Versicherten erhobene Beschwerde (IV-act. 43-2 ff.) wies das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid IV 2008/202 vom
22. Dezember 2009 ab (IV-act. 54). Eine gegen diesen Entscheid erhobene
Beschwerde ans Bundesgericht (IV-act. 57) liess der Versicherte zurückziehen,
nachdem das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom Bundesgericht wegen
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Aussichtslosigkeit abgewiesen worden war (IV-act. 58), woraufhin das Verfahren am
19. April 2010 abgeschrieben wurde (IV-act. 60).
B.
B.a Am 15. Juli 2011 ging bei der IV-Stelle ein Bericht von Dr. B._ vom 11. Juli 2011
ein, in dem dieser unter Hinweis auf eine Verschlechterung der Gesundheitssituation
des Versicherten um eine neuen Beurteilung bat. Der Versicherte leide an zunehmender
Depression (IV-act. 64-1 f.). Der Hausarzt reichte zudem insbesondere einen Bericht
der psychiatrischen Klinik D._, vom 13. Mai 2011 betreffend einen stationären
Aufenthalt des Versicherten vom 21. März bis 13. Mai 2011 (IV-act. 64-3 ff.) und einen
Bericht der Klinik Valens vom 29. April 2010 über einen stationären Aufenthalt vom 8.
bis 24. April 2010 (IV-act. 64-6 ff.) ein. Nach Aufforderung der IV-Stelle an den
Versicherten, dieser müsse sich gegebenenfalls selbst erneut zum Leistungsbezug
anmelden (IV-act. 65, 67), hielt der Versicherte mit Schreiben vom 17. August 2011
fest, sein gesamter Gesundheitszustand habe sich seit mehr als einem Jahr
verschlechtert, weshalb er um Wiederbearbeitung seines IV-Gesuchs bitte. Er sei
stationär in Valens und in D._ gewesen und vom zuständigen Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) für vermittlungsunfähig erklärt worden (IV-act. 69).
B.b In einem Bericht vom 14. November 2011 hielt Dr. B._ fest, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit seinem letzten Bericht vom
11. Juli 2011 verschlechtert. Im Vordergrund stehe die Depression. Der Versicherte sei
für sämtliche Arbeitstätigkeiten voll arbeitsunfähig (IV-act. 80-1 ff.). Am 24. November
2011 hielt Dr. C._ fest, beim Versicherten liege gegenwärtig eine mittel- bis
schwergradige depressive Episode vor. Zudem bestehe eine ängstlich vermeidende
Persönlichkeitsstörung. Anfang 2011 sei es zu einer weiteren Verschlechterung des
Zustands gekommen, der Patient habe in die Klinik D._ überwiesen werden müssen.
Als Betriebsangestellter sei er seit 1. Juni 2005 voll arbeitsunfähig (IV-act. 81).
B.c Nach Einholung einer Stellungnahme bei ihrem internen Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD; IV-act. 82) kündigte die IV- Stelle dem Versicherten am 14. Dezember
2011 an, sie gedenke, das Rentenbegehren abzuweisen (IV-act. 85). Trotz Einwands
von Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, in dem diese eine umfassende Abklärung
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des Gesundheitszustands des Versicherten beantragte (IV-act. 89), verfügte die IV-
Stelle am 10. Februar 2012 gemäss Vorbescheid (IV-act. 90).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin Surber am 14. März
2012 für den Versicherten erhobene Beschwerde. Beantragt werden die Aufhebung der
Verfügung und die Rückweisung der Sache zur umfassenden Neuabklärung und
Neubeurteilung, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Für das
Beschwerdeverfahren sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu
bewilligen. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich aus
psychiatrischer Sicht massgeblich verschlechtert. Dies ergebe sich aus dem Bericht
der Klinik D._ vom 13. Mai 2011. Die Ärzte der Klinik hätten den Beschwerdeführer
über dessen Austritt hinaus bis Ende Mai 2011 voll arbeitsunfähig geschrieben und
damit zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht klar sagen könnten, wie sich der
Gesundheitszustand entwickeln würde. Sie hätten es für möglich gehalten, dass die
Arbeitsunfähigkeit auch nach dem 31. Mai 2011 weiterhin 100% betragen würde. Die
Verschlechterung des Gesundheitszustands bestätige auch Dr. C._ (act. G 1). In der
Beschwerdeergänzung vom 1. Juni 2012 wiederholte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin habe den Untersuchungsgrundsatz
verletzt (act. G 9).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 20. Juni 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Bei der im Bericht der Klink D._ diagnostizierten
mittelgradigen depressiven Störung handle es sich um eine reaktive Begleiterscheinung
zur Schmerzstörung. Eine solche Depression stelle von vornherein keine Komorbidität
im Sinn der Rechtsprechung dar, weil kein von depressiven Verstimmungszuständen
klar unterscheidbarer verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden
vorliege. Bezüglich der von der Klinik diagnostizierten Persönlichkeitsstörung gelte,
dass sich eine solche Krankheit im Lauf der Kindheit bzw. im Jugendalter entwickle.
Demnach wäre diese Erkrankung, sollte sie tatsächlich vorliegen, bereits zum Zeitpunkt
der ABI-Begutachtung vorhanden gewesen. Es könne offen bleiben, ob seitens der
Klinik dem Beschwerdeführer zu Recht eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert
worden sei, weil sich so oder anders daraus keine Verschlechterung des
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Gesundheitszustands seit der ursprünglichen Rentenablehnung ableiten liesse, zumal
auch eine Persönlichkeitsstörung als solche nicht per se invalidisierend sei. Demnach
lasse sich aus dem Bericht der Klinik keine wesentliche Änderung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ableiten. Dasselbe gelte für den Bericht
von Dr. C._ vom 24. November 2011 (act. G 11).
C.c Der Beschwerdeführer verzichtete am 21. September 2012 auf die Einreichung
einer Replik und hielt an seinen Ausführungen fest (act. G 16).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und vorliegend zu überprüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf
eine Invalidenrente. Vor einer Rentenzusprache wäre gegebenenfalls die Frage nach
Eingliederungsmassnahmen zu prüfen.
1.2 Die massgebenden Grundlagen der einschlägigen Gesetzgebung und
Rechtsprechung wurden bereits im Entscheid IV 2008/202 dargestellt. Darauf wird
verwiesen. Die erneute Anmeldung des Beschwerdeführers zum IV-Leistungsbezug
datiert vom August 2011 und ist der IV-Stelle damit vor Inkrafttreten der IV-Revision 6a
am 1. Januar 2012 zugegangen. Ausführungen zum massgebenden Übergangsrecht
erübrigen sich jedoch, da die IV-Revision 6a in Bezug auf die vorliegend zu
beurteilenden Fragestellungen keine relevanten Neuerungen gebracht hat.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung nach der vorangegangenen,
gerichtlich bestätigten Leistungsablehnung vom März 2008 eingetreten und hat den
Rentenanspruch materiell erneut überprüft. Dabei hat sie sich auf die Einholung von
Berichten der behandelnden Ärzte und eine Würdigung derselben durch ihren RAD
beschränkt. Sie ist der Ansicht, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers verglichen mit jenem, den die ABI-Gutachter im Herbst 2007
erhoben haben, nicht relevant verändert habe. Der Beschwerdeführer lässt
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demgegenüber geltend machen, sein psychischer Gesundheitszustand habe sich
verschlechtert.
2.2 In Bezug auf die somatische Situation des Beschwerdeführers werden keine
Veränderungen geltend gemacht. Eine relevante Verschlechterung wird in den Akten
denn auch nicht belegt. Zwar wurde der Beschwerdeführer von seinem Hausarzt für
einen stationären Aufenthalt an die Klinik Valens überwiesen, wo er sich vom 8. bis
24. April 2010 "zur Durchführung einer muskuloskelettalen Rehabilitation" aufhielt (IV-
act. 64-6). Der Austrittsbericht vom 29. April 2010 lässt jedoch nicht auf eine
Verschlechterung seit der ABI-Begutachtung schliessen. Zwar wird darin erstmals eine
medio-links-laterale Diskushernie L4/5 mit linksforaminaler und leichter
extraforaminaler Einengung linksseitig und vermuteter intermittierender
Nervenwurzelirritation L4 links erwähnt. Diesbezüglich wird auf ein MRI aus dem Jahr
2007 verwiesen, das den ABI-Gutachtern offenbar nicht vorgelegen hatte. Dr. med.
E._, Facharzt für Neurochirurgie hatte am 5. März 2010 aber festgehalten, die
degenerativen Veränderungen der LWS seien vorhanden, eine unmittelbare
Nervenkompression, bei der er weiterhelfen könnte, sei auf den Bildern von 2004 und
2007 nicht zu sehen. Er hatte keine Behandlungsindikation gesehen und weitere
Abklärungen der LWS, etwa durch neue Bildgebung, weder selbst veranlasst noch
empfohlen. Zudem hatte er festgehalten, die Depression scheine ihm führend im
komplexen klinischen Bild zu sein (IV-act. 64-13). Auch seitens der Klinik Valens wurde
nicht auf weiteren Abklärungs- oder Behandlungsbedarf (abgesehen von
Fitnesstraining) betreffend die LWS oder betreffend sonstige orthopädische oder
neurologische Einschränkungen hingewiesen. Die stationäre Rehabilitation wurde
aufgrund der beobachteten selbstlimitierenden Verhaltensweise mit deutlichen
Inkonsistenzen bei diversen Krafttestungen sowie der Entwicklung zum Teil kinesio
phober Verhaltensmuster bereits nach gut zwei Wochen beendet. In Bezug auf die
somatische Situation sind nach April 2010 keine weiteren Akten vorhanden. Der
Hausarzt Dr. B._ begründete die von ihm geltend gemachte Verschlechterung am
11. Juli 2011 nur mit der psychischen Problematik (IV-act. 64-2). Dass die
Beschwerdegegnerin in Bezug auf die somatische Situation des Beschwerdeführers
keine weiteren Abklärungen veranlasste, ist folglich bei der herrschenden Aktenlage
nicht zu beanstanden.
2.3
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2.3.1 Betreffend die behauptete psychische Verschlechterung verweist die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vor allem auf den Bericht der Klinik D._
vom 13. Mai 2011. Darin waren eine gegenwärtig mittelgradige depressive Episode und
eine ängstliche vermeidende Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden. Gegenüber
den Klinikärzten hatte der Beschwerdeführer berichtet, sich seit längerem sozial
zurückzuziehen und auch wenig zu unternehmen. Er sei die meiste Zeit zuhause und
gehe höchstens noch für kurze Spaziergänge aus dem Haus (IV-act. 64-4). Diese
Angaben hatte er bereits im Rahmen der ABI-Begutachtung im Oktober 2007 gemacht
(gegenüber dem orthopädischen Fallführer: Er gehe höchstens fünf Minuten alleine
spazieren, IV-act. 28-6; gegenüber dem psychiatrischen Gutachter: Kürzere
Spaziergänge seien möglich, IV-act. 28-8; gegenüber dem neurologischen Gutachter:
Gehen sei über 50-100 Meter möglich, dann müsse er absitzen, insbesondere wegen
fehlender Kraft und massiver Schmerzzunahme, IV-act. 28-16). Soziale Kontakte bzw.
Aktivitäten ausserhalb der Familie waren bereits damals nicht erwähnt worden. Wie bei
der ABI-Begutachtung war der Beschwerdeführer auch in der Klinik D._
bewusstseinsklar und wach. Offenbar war er bei Beginn des stationären Aufenthalts
jedoch – anders als bei der ABI-Begutachtung – örtlich und zeitlich nicht orientiert.
Daraus lässt sich jedoch nichts ableiten, zumal bei Austritt keine Desorientierung mehr
beschrieben wurde und sich den Akten, auch den Angaben des Hausarztes und des
behandelnden Psychiaters Dr. C._, dazu ebenfalls nichts entnehmen lässt.
Diesbezüglich liegen also keine Hinweise auf eine längerdauernde Problematik vor. Im
Bericht vom 13. Mai 2011 wird festgehalten, der Beschwerdeführer habe sich nicht
vorstellen können, dass die Behandlung in der Klinik zu einer Veränderung seines
Zustands führen könnte, nachdem schon verschiedene andere Behandlungen
gescheitert seien. Dieser Sichtweise lässt sich kein Hinweis dafür entnehmen, dass der
Beschwerdeführer selbst seine psychische Situation als verschlechtert betrachtete.
Weiter ist festzuhalten, dass sich dem Bericht der Klinik vom 13. Mai 2011 für die
Diagnose der ängstlichen (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung (F60.6) keine
Begründung entnehmen lässt. Es fehlen in den
Akten Anhaltspunkte dafür, dass betreffend die Persönlichkeitsstruktur verglichen mit
Oktober 2007 eine Veränderung eingetreten ist. Diesbezüglich drängen sich keine
weiteren Abklärungen auf.
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2.3.2 Seitens der Klinik D._ wurde dem Beschwerdeführer bei Austritt am
13. Mai 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bis "mind." 31. Mai 2011 attestiert (IV-
act. 73). Die Rechtsvertreterin leitet daraus ab, dass seitens der Klinik eine
längerfristige Arbeitsunfähigkeit auch über Mai 2011 hinaus für möglich gehalten
worden sein dürfte. Dafür fehlen jedoch konkrete Anhaltspunkte. Es entspricht
gängiger Praxis, dass nach mehrwöchigen stationären Therapieaufenthalten für kurze
Zeit nach Austritt weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit attestiert wird. Daraus kann jedoch
nicht auf eine langanhaltende, dauernde erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
geschlossen werden. Zudem erfolgte das Arbeitsunfähigkeitsattest pauschal und
unbegründet. Insbesondere wurde weder nach noch zumutbaren Tätigkeiten
differenziert, noch wurde in erkennbarer Weise dem Kriterium der zumutbaren
Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit Rechnung getragen.
Auch das befristete Arbeitsunfähigkeitsattest lässt folglich keinen weiteren
Abklärungsbedarf erkennen. Am Rand ist zu erwähnen, dass im Bericht der Klinik
festgehalten wurde, die klinik-interne Sozialarbeiterin habe sich an die Pro Infirmis
gewandt u.a. mit der Frage nach Frühpensionierung des Beschwerdeführers. Offenbar
zielten die Abklärungen also nicht in Richtung einer Berentung durch die
Invalidenversicherung.
2.3.3 Der Beschwerdeführer lässt im Beschwerdeverfahren im Weiteren auf die
Einschätzung des behandelnden Psychiaters Dr. C._ verweisen. Dieser berichtete am
24. November 2011 von einer mittel- bis schwergradigen depressiven Episode. Bis
Ende 2010 sei dem Beschwerdeführer eine 30%-ige Tätigkeit ohne Leistungs- und
Zeitdruck möglich gewesen, seit Anfang 2011 sei er auch in diesem Rahmen nicht
mehr arbeitsfähig. Dr. C._ hatte bereits am 4. Dezember 2005 eine schwere
depressive Störung diagnostiziert bei chronifiziertem Zustand und invalidisierendem
Verlauf. Bereits damals hatte er eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 28-28).
Am 16. Oktober 2007 hatte er den Zustand und die volle Arbeitsunfähigkeit als
unverändert beschrieben (IV-act. 28-24). Bereits vor Erlass der ersten
Rentenablehnungsverfügung hatte Dr. C._ schliesslich am 11. Februar 2008 Kritik an
der Einschätzung der ABI-Gutachter formuliert und erneut betont, er halte den
Beschwerdeführer in der freien Wirtschaft nicht für arbeitsfähig (IV-act. 38). Diese
Stellungnahmen waren im vorangegangenen Gerichtsverfahren IV 2008/202 nicht als
beweiskräftig betrachtet worden. Auch waren darin keine Aspekte erkannt worden, die
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Zweifel an der Beurteilung der ABI-Gutachter aufkommen lassen hätten. Der damalige
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hatte in seiner Beschwerde gegen den
Entscheid des st. gallischen Versicherungsgerichts vom 22. Dezember 2009 vor
Bundesgericht auf die Einschätzung von Dr. C._ verwiesen (IV-act. 57). Mit der
Ablehnung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege wegen Aussichtslosigkeit hat
das Bundesgericht implizit deutlich gemacht, dass Dr. C._ auch bei ihm keine Zweifel
an der Einschätzung des ABI-Psychiaters ausgelöst hat. Insgesamt ist der
Einschätzung des langjährig behandelnden Psychiaters Dr. C._, der mit der
psychiatrischen Beurteilung des Beschwerdeführers bereits im ersten Rentenverfahren
nicht einverstanden war, kein Beweiswert zuzubilligen. Seinem Bericht vom
24. November 2011 und insbesondere seiner Befundbeschreibung und seinen
Angaben zum Psychostatus lassen sich keine Anhaltspunkte entnehmen, die weitere
Abklärungen in psychiatrischer Hinsicht als angezeigt erscheinen lassen würden.
2.3.4 Soweit schliesslich der Hausarzt Dr. B._ von einer Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustands berichtet (IV-act. 64-1 ff.; 80-1 ff.), kommt dieser
Einschätzung keine eigenständige Bedeutung zu, zumal er sich diesbezüglich lediglich
auf Dr. C._ beruft und auch er bereits im Juni 2006 von seit Mai 2005 bestehender
voller Arbeitsunfähigkeit ausgegangen war (IV-act. 7).
2.4 Wie auch die vorstehenden Erwägungen verdeutlichen, vermag die Beurteilung
des RAD vom 9. Dezember 2011, der Vergleich der wesentlichen Befunde der Klinik
D._ im Frühjahr 2011 mit jenen gemäss ABI-Gutachten habe keine signifikanten
Unterschiede zutage gebracht, zu überzeugen (IV-act. 82). Dass anstelle der
leichtgradigen depressiven Episode seitens der Klinik D._ eine mittelgradig
ausgeprägte depressive Episode diagnostiziert wurde, lässt – wie die diagnostizierte
Persönlichkeitsstörung – nicht den Schluss zu, die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers habe sich seit der ABI-Begutachtung verschlechtert. Wie erwähnt,
belegen die Befunde und die Beschreibungen des Psychostatus keine namhafte
Verschlechterung der psychischen Situation. Der unterschiedlichen Diagnosestellung
kommt vor diesem Hintergrund keine eigenständige Bedeutung zu. Praxisgemäss ist
eine unterschiedliche Diagnosestellung insofern von untergeordneter Bedeutung, als
eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit im Einzelfall unabhängig von der Diagnose
und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass
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bestimmt sein muss (BGE 127 V 294 E. 4c; 8C_401/2012 vom 20. November 2012 E.
3.2.2). In einem die Einschätzung der ABI-Gutachter übersteigenden Ausmass ist dies
vorliegend nicht der Fall. Im Übrigen hat die Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort zu Recht darauf hingewiesen, dass die depressive Symptomatik
nach der Aktenlage eine reaktive Begleiterscheinung zur (auch) im ABI-Gutachten
gestellten Diagnose der somatoformen Schmerzstörung darstellt, und eine solche nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine psychische Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer im Sinn der Rechtsprechung darstellt, die
dem Krankheitsbild invalidisierende Wirkung zubilligen würde (vgl. dazu mit Hinweisen
auf die Rechtsprechung Ziff. III/3 der Beschwerdeantwort).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer erreicht nach wie vor keinen rentenbegründenden
Invaliditätsgrad, weshalb die Beschwerdegegnerin das erneute Rentenbegehren zu
Recht abgewiesen hat. Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. Februar 2012 ist
abzuweisen.
3.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 26. April 2011
bewilligt (act. G 6). Wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann er
jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
3.2.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Diese ist dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
3.2.2 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten
der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG).
bis
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Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. Dem
mutmasslichen Aufwand angemessen (es wurde keine Replik eingereicht) erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 2'500.--. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31
Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP