Decision ID: 755f6ac4-b4b7-41f3-9a20-6985a0ad8668
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ erhielt als Minderjährige aufgrund der Geburtsgebrechen Nr. 201
(Gaumenspalte) und Nr. 404 (psychoorganisches Syndrom [POS]) Leistungen der
Invalidenversicherung. Die IV-Stelle kam für medizinische Massnahmen und die
Sonderbeschulung auf (vgl. IV-act. 1 ff., 10, 13, 17, 19, 27, 34, 53, 71, 77). Nach
Abschluss der Sonderschule im Sommer 2006 besuchte die Versicherte das freiwillige
10. Schuljahr (IV-act. 79). Mit Verfügung vom 29. September 2006 verweigerte die IV-
Stelle die Kostengutsprache dafür (IV-act. 86).
A.a.
Am 13. Juni 2014 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an und bat um "Weiterführung ihrer
Hotelfachausbildung" (IV-act. 90). Lic. phil. B._, Fachpsychologe für Psychotherapie,
Psychiatrisches Zentrum C._, hatte am 11. Juni 2014 berichtet, die Versicherte
befinde sich seit 24. März 2014 im Zentrum C._ in tagesklinischer Behandlung. Sie
habe infolge Überforderung die Lehre zur Hotelfachfrau abgebrochen und auch eine
Ausbildung zur medizinischen Praxisassistentin (MPA) aufgrund ungenügender
schulischer Leistung frühzeitig beenden müssen. Von Dezember 2012 bis August 2013
sei sie im Rahmen eines Integrationsprogramms der Sozialhilfe im Gastgewerbe tätig
gewesen, habe seither jedoch keine Anstellung gefunden. Eine Weiterführung der
Erstausbildung als Hotelfachfrau im geschützten Rahmen sei absolut notwendig (IV-
act. 91). Am 21. Juli und 4. August 2014 hielten lic. phil. B._ und Dr. med. D._,
Oberärztin im Psychiatrischen Zentrum C._, als Diagnosen eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4), mit dem Hintergrund einer
emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10: F60.31)
sowie deutliche Hinweise auf eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) im
A.b.
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Erwachsenenalter (ICD-10: F90.9) fest. Für den Zeitraum der tagesklinischen
Behandlung vom 24. März bis 11. Juli 2014 attestierten sie der Versicherten eine
Arbeitsunfähigkeit von 100%. Nach Austritt schätzten sie die Präsenzfähigkeit auf 50%
mit einer Leistungsfähigkeit von 30%, beides sehr zeitnah steigerbar (IV-act. 99, 103).
Ab 3. Juli 2014 war die Versicherte ambulant durch med. pract. E._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, behandelt worden. Dieser hatte am 10. bzw. 11.
Juli 2014 befunden, die Tätigkeit als Hotelfachfrau sei aus psychiatrischer Sicht
angepasst; es wäre jedoch sinnvoll, die Ausbildung im geschützten Bereich zu
beginnen. Zusätzlich zu den erwähnten Diagnosen hatte er über eine posttraumatische
Belastungsstörung (PTBS) berichtet (IV-act. 100 f.).
Mit Mitteilung vom 24. September 2014 gewährte die IV-Stelle der Versicherten
Berufsberatung und Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten (IV-act.
106).
A.c.
Am 28. Oktober 2014 wurde die Versicherte in der Klinik F._,
neuropsychologisch untersucht. Die zuständigen Fachpersonen stellten eine leichte bis
mittelgradige Aufmerksamkeitsstörung bei einer leicht unterdurchschnittlichen
Intelligenz fest. Sie erachteten das Vorhaben, die begonnene Ausbildung als
Hotelfachassistentin wiederaufzunehmen, als durchführbar (IV-act. 119).
A.d.
Mit Mitteilung vom 4. März 2015 übernahm die IV-Stelle die Kosten für die
berufliche Abklärung im Hotel G._ vom 2. März bis 31. Mai 2015. Sie sprach der
Versicherten für diesen Zeitraum ein Taggeld zu (IV-act. 127 f.). Med. pract. E._
befand am 1. Juli 2015, es habe sich gezeigt, dass die Reizüberflutung bei einer
Tätigkeit als Hotelfachfrau auch im geschützten Bereich zu hoch sei. Die Versicherte
könne daher diesen Beruf nicht erlernen. Gegenwärtig bestehe eine mittelgradige
depressive Episode, weshalb die Versicherte auch in einer adaptierten Tätigkeit zu
50% arbeitsunfähig sei (IV-act. 132). Die Versicherte entschied sich in der Folge gegen
das vom Hotel G._ empfohlene Vorbereitungsjahr (vgl. IV-act. 130 f., 138, 195-5).
A.e.
Die IV-Stelle übernahm die Kosten für eine berufliche Abklärung vom 11. Januar bis
31. Mai 2016 in der H._, im Bereich Detailhandel und sprach der Versicherten ein
Taggeld zu (IV-act. 142, 145, 150 f.). Mit Mitteilung vom 31. Mai 2016 übernahm die IV-
A.f.
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Stelle die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung zur
Detailhandelsassistentin in der H._ vom 1. August 2016 bis 31. Juli 2018 sowie die
Mehrkosten der Vorbereitungszeit vom 1. Juni bis 31. Juli 2016 (IV-act. 162). Für die
Dauer der Massnahmen sprach sie ihr ein Taggeld zu (IV-act. 165, 167).
Wegen einer kurzen depressiven Reaktion befand sich die Versicherte vom 21. bis
24. Februar 2017 stationär, vom 27. Februar bis 2. März 2017 teilstationär im
Psychiatrischen Zentrum C._ (IV-act. 214). Vom 26. bis 31. Mai 2017 war die
Versicherte aufgrund einer Lumboischialgie rechts zur intravenösen Schmerztherapie
im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) hospitalisiert. Ein am 26. Mai 2017 durchgeführtes
MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) hatte keinen pathologischen Befund ergeben (IV-act.
211-9 ff.). Der behandelnde Arzt des KSSG erachtete die Versicherte vom 26. Mai bis
6. Juni 2017 als zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 171). Dr. med. I._, Facharzt für
Innere Medizin FMH, attestierte der Versicherten vom 26. Juni bis 14. Juli 2017 eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% (IV-act. 178).
A.g.
Med. pract. E._ berichtete am 6. August 2017, er habe die Versicherte aufgrund
einer mittelgradigen depressiven Episode vom 1. April bis 14. Mai 2017 zu 50%, vom
15. bis 31. Mai 2017 zu 40% und vom 1. Juni bis mindestens 31. August 2017 erneut
zu 50% arbeitsunfähig geschrieben. Er sei zuversichtlich, dass die Versicherte ihre
aktuelle Ausbildung zur Bäckereiverkäuferin EBA durchführen und anschliessend in
diesem Beruf im ersten Arbeitsmarkt arbeiten könne (IV-act. 182). Dr. med. J._,
Facharzt für Rheumatologie FMH, befand am 7. August 2017, im Vordergrund stehe
eine myofasziale Schmerzproblematik bei Adipositas und Borderline-
Persönlichkeitsstörung. Er habe der Versicherten vom 7. bis 20. August 2017 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert (IV-act. 211-13 ff.).
A.h.
Am 16. November 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, die Ausbildung zur
Detailhandelsassistentin EBA habe gesundheitsbedingt per 9. November 2017 abge
brochen werden müssen. Die Mitteilung vom 31. Mai 2016 werde aufgehoben und das
Taggeld bis zum letzten Eingliederungstag ausbezahlt (IV-act. 187, vgl. IV-act. 195-12
f.).
A.i.
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Vom 30. Oktober bis 12. November 2017 befand sich die Versicherte für eine
multimodale Schmerztherapie inklusive psychotherapeutischer Betreuung stationär im
KSSG. Die behandelnden Ärzte hielten in ihrem Austrittsbericht vom 17. November
2017 als Diagnosen eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und
somatischen Faktoren (ICD-10: F45.41), eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), eine emotional instabile
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.31) sowie eine einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0) fest. Für die Dauer des Aufenthaltes
attestierten sie der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-act. 209, vgl. IV-
act. 204 ff.). Am 28. Februar 2018 hielt med. pract. E._ fest, aus psychiatrischer Sicht
sei die Arbeitsfähigkeit für alle Arbeiten zu 100% eingeschränkt. Die Versicherte könne
eine Arbeit oder Ausbildung nicht während einer längeren Zeit durchführen (IV-act.
216).
A.j.
Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. IV-act. 220) wurde die Versicherte am 28. Mai 2018
durch Ärzte der medexperts AG bidisziplinär (rheumatologisch, psychiatrisch)
abgeklärt. Diese listeten in ihrem Gutachten vom 17. Juli 2018 keine Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auf. Sowohl für die Tätigkeit als
Detailhandelsassistentin als auch eine adaptierte Tätigkeit bestehe keine
Arbeitsunfähigkeit. Der Abbruch der Ausbildung zur Detailhandelsassistentin sei aus
medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar (IV-act. 226).
A.k.
Mit Vorbescheid vom 21. September 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen
in Aussicht (IV-act. 231).
A.l.
Dagegen erhob die Versicherte am 30. Oktober 2018 Einwand (Eingang IV-Stelle
am 5. November 2018, IV-act. 237). Sie reichte ein mit 31. Oktober 2018 datiertes
Schreiben von med. pract. E._ ein. Dieser hielt unter anderem fest, der Abbruch der
Ausbildung sei aus gesundheitlichen Gründen erfolgt und die Versicherte sei zu 100%
arbeitsunfähig. Die Durchführung weiterer beruflicher Massnahmen sei derzeit nicht
sinnvoll (IV-act. 237-2 ff.). Am 6. November 2018 nahm med. pract. E._ Stellung zum
psychiatrischen Teilgutachten der medexperts AG und kritisierte dieses (IV-act. 238,
vgl. weitere Eingaben in IV-act. 242, 254-1 ff.). RAD-Arzt Dr. med. K._ beurteilte am
A.m.
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20. November 2018, die Stellungnahme von med. pract. E._ sei nicht geeignet, das
Gutachten zu entkräften (IV-act. 239).
Dr. med. L._, Rheumatologie FMH, untersuchte die Versicherte am 23.
November 2018 konsiliarisch. Am 14. Januar 2019 berichtete er über ein Widespread
Pain Syndrom (Fibromyalgiesyndrom), welches gemäss gängiger Rechtsprechung nicht
einer Erkrankung mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit entspreche (IV-act. 245). Auf
Nachfrage führte der rheumatologische Teilgutachter der medexperts AG am 25.
Januar 2019 aus, aufgrund der Untersuchung von Dr. L._ ergäben sich keine neuen
Gesichtspunkte (IV-act. 260).
A.n.
Die Versicherte hatte wegen eines Autounfalls am 15. Dezember 2018 die Zentrale
Notfallaufnahme des KSSG aufgesucht. Der zuständige Arzt hatte eine accidentelle
HWS-Distorsion, eine Commotio cerebri, eine Rippen-Prellung links, eine lumbale
Parästhesie und eine PTBS diagnostiziert (IV-act. 258 f.).
A.o.
Dr. med. univ. M._, Facharzt Neurologie, Ambulante Reha N._, untersuchte
die Versicherte konsiliarisch und berichtete am 12. April 2019 unter anderem über eine
leichte neuropsychologische Funktionsstörung. Aus rein neuropsychologischer Sicht
sei die Leistungsfähigkeit leicht gemindert, die Versicherte sei ca. 70-90% arbeitsfähig
(IV-act. 267, vgl. den psychologischen Bericht der ambulanten Reha N._ vom 3. April
2019; IV-act. 268). Dr. med. O._, FMH Neurologie, diagnostizierte am 15. Mai 2019
eine Migräne, Spannungskopfschmerzen und wahrscheinlich zusätzlich Analgetika-
induzierte Kopfschmerzen (IV-act. 271). Med. pract. E._ hielt die Versicherte am 13.
Juni 2019 weiterhin für zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 266). RAD-Ärztin Dr. med.
K._ befand am 11. Juli 2019, es könne weiterhin auf das Gutachten abgestellt
werden (IV-act. 272).
A.p.
Mit Vorbescheid vom 12. Juli 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ab
weisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen in
Aussicht (ersetzte Vorbescheid vom 21. September 2018; IV-act. 274). Dagegen erhob
die Versicherte am 6. September 2019 Einwand (IV-act. 278).
A.q.
Am 23. Oktober 2019 verfügte die IV-Stelle entsprechend ihrem Vorbescheid (IV-
act. 283).
A.r.
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B.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist vorab der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegnerin.
Gegen die Verfügung vom 23. Oktober 2019 erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) die vorliegende Beschwerde vom 25. November 2019. Sie
beantragte darin deren Aufhebung und es sei ihr eine Invalidenrente basierend auf
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auszurichten. Eventualiter sei die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, ein polydisziplinäres Gutachten in
Auftrag zu geben. Es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung und -verbeiständung zu
gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie machte geltend, das
Gutachten der medexperts AG sei nicht beweiskräftig. Die Beschwerdegegnerin hätte
weitere Abklärungen in die Wege leiten müssen (act. G1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. Januar 2020 die Abweisung der
Beschwerde. Sie brachte vor, auf das Gutachten der medexperts AG könne abgestellt
werden. Der Untersuchungsgrundsatz sei nicht verletzt worden (act. G4).
B.b.
Am 14. Januar 2020 entsprach die Verfahrensleitung dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (act. G6).
B.c.
Mit Replik vom 13. Februar 2020 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest (act. G8).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin liess die Frist zur Einreichung einer Duplik unbenützt
ablaufen (act. G10).
B.e.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach
1.1.
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zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss, BGE 117 V 282 E. 4.a).
1.2.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
1.3.
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2.
Als erstes ist die Frage zu klären, ob die medizinische Situation und die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich abgeklärt wurden. Die angefochtene
Verfügung stützt sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das Gutachten der
medexperts AG vom 17. Juli 2018 (IV-act. 226). Die Beschwerdeführerin spricht diesem
die Beweiskraft ab und hält ihm Einschätzungen von behandelnden Ärzten entgegen
(act. G1, G8).
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
Die Gutachter der medexperts AG kamen übereinstimmend zum Schluss, es liege
keine Diagnose vor, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (IV-act. 226-5).
2.1.
Der rheumatologische Teilgutachter Dr. med. P._, Facharzt Allgemeine Innere
Medizin / Rheumatologie FMH, führte aus, auffällig sei eine als extrem angegebene
myofasciale Druckdolenz am ganzen Körper, sowohl am Kopf, am ganzen Rücken, an
der Brustmuskulatur und den Extremitäten bis zu den Fingern und Zehen, wo die
Beschwerdeführerin überall kaum berührt werden dürfe. Aufgrund der Anamnese und
den auffälligen Druckbefunden sowie diversen Inkonsistenzen könne von einem
Ganzkörpersyndrom gesprochen werden. Als Diagnose ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit nannte er ein unspezifisches generalisiertes Schmerzsyndrom mit
vielen vegetativen Begleitbeschwerden, eine Adipositas und anamnestisch einen
Misch-Kopfschmerz. Die Beschwerden seien aus internistisch-rheumatologischer Sicht
unspezifisch, dies in Verbindung mit rezidivierenden dissoziativen Störungen (IV-act.
226-26 f.).
2.1.1.
Auch aufgrund der im Jahr 2017 durchgeführten Abklärungen im KSSG lässt sich
nicht auf eine massgebliche somatische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit schliessen.
Vom 26. bis 31. Mai 2017 war die Beschwerdeführerin aufgrund einer Lumboischialgie
rechts zur intravenösen Schmerztherapie stationär im KSSG. Die behandelnden Ärzte
hielten am 7. Juni 2017 fest, die Beschwerdeführerin habe über stechende Schmerzen
von tieflumbal über gluteal in den rechten ventralen Oberschenkel ausstrahlend
geklagt. Die attackenartigen Schmerzen gingen mit einer transienten Gefühllosigkeit
des ganzen rechten Beines einher. Ein am 26. Mai 2017 durchgeführtes MRI der
Lendenwirbelsäule (LWS) habe keinen pathologischen Befund ergeben. Die
Schmerzsituation sei unter der intravenösen Schmerztherapie stark fluktuierend
geblieben (IV-act. 211-9 ff.). Dem Bericht vom 31. Mai 2017 über das
2.1.2.
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psychosomatische Konsilium ist eine Diskrepanz zwischen dem Verhalten und den
angegebenen Beschwerden zu entnehmen. Die Beschwerdeführerin fahre gerne
Rollstuhl, stehe dann aber wenig schmerzgeplagt auf und helfe der Nachbarpatientin.
Sie berichte lachend über stärkste Schmerzen (IV-act. 204). Am 30. Juli 2017 begab
sich die Beschwerdeführerin unter Angabe von vermehrten Schmerzen im lumbalen
Bereich auf die Notaufnahme des KSSG. Die behandelnden Ärzte hielten am 10.
August 2017 fest, es hätten neurologisch nicht erklärbare diffuse Kribbelparästhesien
beider Beine ohne Dermatombezug und keine radikulären Symptome bestanden. Die
Beschwerdeführerin habe während der ärztlichen Untersuchung beim Aufsitzen abrupt
Schmerzen im lumbalen Bereich angegeben und sei dabei weinerlich geworden.
Sekunden später habe sie aber völlig entspannt gewirkt und eine normale Konversation
sei trotz der angegebenen Schmerzen von 8 auf der Visuellen Analogskala (VAS)
problemlos möglich gewesen (IV-act. 211-16 ff.). Dr. J._ berichtete am 7. August
2017, er könne klinisch keinerlei radikuläre Reizzeichen feststellen. Bei allseits intakter
Kraftentwicklung gebe die Beschwerdeführerin eine diffuse Hyposensibilität im Bereich
des ganzen rechten Oberschenkels an. Aus seiner Sicht stehe eine myofasziale
Schmerzproblematik im Vordergrund (IV-act. 211-13 ff.). Bei einer weiteren
Konsultation auf der Zentralen Notaufnahme des KSSG am 21. Oktober 2017 hielten
die behandelnden Ärzte als Diagnose einen Schmerzzustand unklarer Genese fest (IV-
act. 211-19 f.). Vom 30. Oktober bis 12. November 2017 war die Beschwerdeführerin
im KSSG für eine multimodale Schmerztherapie hospitalisiert. Die behandelnden Ärzte
stellten eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren
bei generalisierten Ganzkörperschmerzen fest. Am 17. November 2017 berichteten sie,
es hätten sich keine Hinweise auf eine zugrundeliegende Ursache der Beschwerden im
Rahmen einer primär entzündlichen systemischen Grunderkrankung ergeben. Der
Aufenthalt sei massgeblich von der psychosomatischen Problematik geprägt gewesen
(IV-act. 211-21 ff.). Dr. I._ befand am 26. Januar 2018, aufgrund der bisherigen
Abklärungen bestünden keine somatischen Einschränkungen (IV-act. 211-1 ff.). Am 13.
August 2018 stellten die behandelnden Ärzte des KSSG einen Status idem zum
stationären Aufenthalt vom 30. Oktober bis 12. November 2017 fest. Eine
Blutuntersuchung sowie Röntgenaufnahmen der Hände und Füsse beidseits waren
unauffällig (IV-act. 246). Der Verkehrsunfall vom 15. Dezember 2018 führte offenbar
nicht zu längerfristigen Beschwerden (vgl. IV-act. 258, 266-2, 267). Dr. L._ berichtete
am 14. Januar 2019 sodann über ein chronisches, generalisiertes, diffuses
Schmerzsyndrom ohne fassbares adäquates pathoanatomisches Korrelat. Formal
entspreche das Beschwerdebild einem Widespread Pain Syndrom
(Fibromyalgiesyndrom), welches gemäss gängiger Rechtsprechung keine Erkrankung
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mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei (IV-act. 245). Gemäss überzeugender
Beurteilung von Dr. P._ ergaben sich damit aus rheumatologischer Sicht seit der
Begutachtung keine neuen Gesichtspunkte (IV-act. 260).
Damit konnten insgesamt keine genügend objektivierbaren somatischen
Beschwerden erhoben werden, denen ein negativer Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
zuzubilligen wäre. Zudem ergaben sich in den erwähnten Akten sowie der
Begutachtung zahlreiche Inkonsistenzen. So klagte die Beschwerdeführerin gegenüber
den Gutachtern einerseits über fast dauernde starke Schmerzen (vgl. IV-act. 226-23),
gab aber andererseits an, regelmässig Sport zu treiben und unter anderem gerne zu
tanzen. Wenn sie mit ihrer Community unterwegs sei, könne sie alle Schmerzen
vergessen (IV-act. 226-12, 226-24 f.). Med. pract. E._ verneinte zwar am 6.
November 2018 eine psychische Ursache der Schmerzen, begründete dies jedoch
nicht nachvollziehbar. Er nannte keine somatische Ursache oder stellte entsprechende
Vermutungen an, was grundsätzlich auch nicht in seine fachärztliche Zuständigkeit fällt,
verwies aber auch nicht auf einen diesbezüglichen Arztbericht. Zu den Feststellungen
von Dr. P._ im Zusammenhang mit der unspezifischen Natur der Beschwerden aus
internistisch-rheumatologischer Sicht bzw. zu den dissoziativen Störungen äusserte
sich med. pract. E._ nicht (IV-act. 238-12).
2.1.3.
Im November 2014 wurde die Beschwerdeführerin erstmals in der Klinik F._
neuropsychologisch untersucht. Die abklärenden Fachpersonen stellten eine leichte bis
mittelgradige neuropsychologische Funktionsstörung fest. Es sei von einer leicht
unterdurchschnittlichen intellektuellen Begabung auszugehen (IV-act. 119). Im März
und April 2019 wurde die Beschwerdeführerin nach ihrem am 15. Dezember 2018 bei
einem Verkehrsunfall erlittenen Schleudertrauma in der ambulanten Reha N._
neuropsychologisch untersucht. Die zuständigen Fachpersonen hielten fest, es liege
weiterhin eine unterdurchschnittliche intellektuelle Begabung, eine mittelschwere
Störung in der Aufmerksamkeit und eine leichte bis mittelschwere Auffälligkeit in der
Antriebs-, Affekt- und Verhaltensregulation vor. Insgesamt zeigten sich die Ergebnisse
vergleichbar mit dem Wert von 2014, in Einzelbereichen sogar verbessert. Aus
neuropsychologischer Sicht sei von einer nur leicht geminderten Leistungsfähigkeit (ca.
70-90%) auszugehen. Weiter führten sie aus, es sei zu erwarten, dass die
Funktionsfähigkeit im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen kaum
eingeschränkt sei. In Berufen oder bei Aufgaben mit hohen Anforderungen sei von einer
leichten Einschränkung auszugehen. Sie erachteten eine erfolgreiche berufliche
Ausbildung auf dem Niveau einer zweijährigen beruflichen Grundbildung (EBA) oder
eine berufliche Wiedereingliederung bei einem reduzierten Arbeitspensum als
2.2.
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realistisch (IV-act. 267 f.). Daraus lässt sich schliessen, dass bei der
Beschwerdeführerin aus neuropsychologischer Sicht auch nach ihrem Unfall vom 15.
Dezember 2018 in einer adaptierten Tätigkeit keine oder höchstens eine
Arbeitsunfähigkeit von 10% vorlag.
In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierte Teilgutachter Dr. med. Q._, Facharzt
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eine histrionische Persönlichkeitsstörung
(ICD-10: F60.4) sowie eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung mit
leichter Ausprägung (ICD-10: F90.0), welche beide ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien (IV-act. 226-5). Die behandelnden Ärzte, insbesondere med.
pract. E._, attestierten der Beschwerdeführerin hingegen aufgrund diverser
psychiatrischer Diagnosen eine Arbeitsunfähigkeit von bis zu 100% (vgl. IV-act. 132,
182, 216).
2.3.
Ab 3. Juli 2014 wurde die Beschwerdeführerin ambulant durch med. pract. E._
behandelt. Dieser berichtete am 10. und 11. Juli 2014 unter anderem in
Übereinstimmung mit den behandelnden Ärzten des Psychiatrischen Zentrums C._
(vgl. IV-act. 99) über eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (IV-
act. 101). Dr. Q._ war jedoch der Ansicht, dem im Bericht vom 10. Juli 2014
festgehaltenen psychopathologischen Befund könne keine depressive Störung
entnommen werden (IV-act. 226-15). In seinem Bericht vom 1. Juli 2015 hielt med.
pract. E._ als Diagnose sodann unter anderem eine gegenwärtig mittelgradige
depressive Episode fest (vgl. IV-act. 132), was sich - wie Dr. Q._ überzeugend
ausführte - aufgrund des Berichts jedoch wiederum nicht nachvollziehen lässt (IV-act.
226-16). Auch die während der stationären Behandlung im KSSG im Sinne eines
psychosomatischen Konsiliums beigezogenen Ärzte hielten am 31. Mai 2017 als
Diagnose unter anderem eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, fest (IV-act. 204). Wie Dr. Q._ jedoch zu Recht ausführte,
stellten sie diese Diagnose primär gestützt auf die anamnestischen Angaben und der
erhobene Psychostatus war weitgehend unauffällig (IV-act. 226-16).
2.3.1.
Bezüglich des von med. pract. E._ festgestellten Aufmerksamkeits-/
Hyperaktivitätssyndroms (IV-act. 101, vgl. bereits die Einschätzung der behandelnden
Ärzte des Psychiatrischen Zentrums C._; IV-act. 99) führte Dr. Q._ aus, med. pract.
E._ habe den unspezifischen Befund bei der Bejahung der drei Hauptkriterien für die
Diagnose (eingeschränkte Aufmerksamkeit, Hyperaktivität, emotionale Instabilität)
einseitig ausgelegt. Aus dem am 10. Juli 2014 (vgl. IV-act. 101) festgehaltenen Befund
wäre eine leichte Form eines ADHS nachvollziehbar. Dieses wirke sich jedoch nicht auf
2.3.2.
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die Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 226-14 f.). Das infantile POS habe mit Erfolg behandelt
werden können. Die Beschwerdeführerin aggraviere die Symptome eines POS im
Erwachsenenalter. Ein Leidensdruck sei insofern von der Hand zu weisen, als die
verschriebene Medikation laborchemisch nicht habe nachgewiesen werden können (IV-
act. 226-18 f.).
Weiter stellte med. pract. E._ die Diagnose einer emotional-instabilen
Persönlichkeitsstörung vom Borderlinetypus (IV-act. 101, vgl. bereits die Einschätzung
der behandelnden Ärzte des Psychiatrischen Zentrums C._; IV-act. 99). Dr. Q._
fand auch diese Diagnose aufgrund des von med. pract. E._ am 10. Juli 2014
aufgeführten psychopathologischen Befunds nicht nachvollziehbar (IV-act. 226-15, vgl.
IV-act. 101). Das Gleiche gelte auch für die Berichte von med. pract. E._ vom 1.
Dezember 2014 sowie 1. Juli 2015 (vgl. IV-act. 115, 132, 226-16). Dieser führte am 6.
November 2018 aus, er stelle weiterhin die Diagnose einer emotional instabilen
Persönlichkeitsstörung vom Borderlinetypus. Die emotional instabilen Symptome
könnten jedoch auch im Rahmen des ADHS gesehen werden (IV-act. 238-2). Letztere
Diagnose war von Dr. Q._ in leichter Ausprägung bejaht worden. Die von med. pract.
E._ im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstörung festgestellten Symptome
wurden von Dr. Q._ damit berücksichtigt. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass Dr.
Q._ statt einer emotional instabilen eine histrionische Persönlichkeitsstörung
feststellte und dieser keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimass (vgl. IV-act.
226-5).
2.3.3.
Med. pract. E._ diagnostizierte ausserdem eine PTBS. Er führte am 10. Juli
2014 aus, die Beschwerdeführerin sei im Alter von ca. sechs bis fünfzehn Jahren immer
wieder von ihrem Vater geschlagen worden. Sie habe für eine gewisse Zeit nur wenig
Kontakt zu ihrem Vater gehabt, versuche diesen jedoch wiederaufzubauen. Sie sehe
immer wieder die Bilder von den Schlägen und höre die Geräusche davon vor sich.
Wenn sie etwas höre, was ähnlich wie diese Schläge töne, erschrecke sie immer
wieder. Sie wache häufig auf, wenn etwas ähnlich sei wie ein Schlag. Die durch die
Schläge verursachte PTBS sei sicherlich auch durch das Mobbing in der Schule und
den begonnenen Ausbildungen verstärkt worden (IV-act. 101). Dr. Q._ stellte
diesbezüglich fest, die Diagnose einer PTBS könne nur schon deshalb nicht
nachvollzogen werden, weil der Kontakt zum Vater auch im Erwachsenenalter
bestanden habe. Es lägen also weder ein Vermeidungsverhalten noch weitere
Symptome wie ein andauerndes Gefühl von Betäubtsein, emotionaler Stumpfheit,
Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung
gegenüber oder Freudlosigkeit vor. Ob die Schläge, die sie während vieler Jahre von
2.3.4.
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ihrem Vater erhalten habe, als belastendes Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung
oder katastrophenartigem Ausmass angesehen werden könnten, sei zweifelhaft (IV-act.
226-15). Am 6. November 2018 führte med. pract. E._ aus, er könne nicht
nachvollziehen, weshalb Dr. Q._ die Traumatisierungen nicht ernst nehme. Auch er
könne nicht beweisen, ob und wie stark die Beschwerdeführerin geschlagen worden
sei. Er denke aber, dass sie kein Interesse daran hätte, solche Schläge zu erfinden oder
das Ausmass derselben stärker darzustellen. Alleine die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin auch im Erwachsenenalter Kontakt zu ihrem Vater gehabt habe,
schliesse die Diagnose einer PTBS nicht aus (IV-act. 238-6). Er berücksichtigte dabei
jedoch nicht, dass Dr. Q._ neben dem weiter bestehenden Kontakt zum Vater auch
die obgenannten weiteren diagnostischen Kriterien prüfte und eine PTBS nach
Vornahme einer Gesamtwürdigung ausschloss. Selbst wenn jedoch eine PTBS
vorliegen würde, ist nicht davon auszugehen, dass diese die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit massgeblich beeinträchtigen würde. Med. pract. E._ hatte am
31. Oktober 2018 festgehalten, die eingeschränkte psychische Belastbarkeit aufgrund
der PTBS zeige sich nur dann, wenn die Beschwerdeführerin an einem Ort arbeiten
müsse, an dem sie Angst haben müsse, dass ihr Männer schlimme Sachen antäten (IV-
act. 237-5). Am 11. Juli 2014 hatte er noch ausgeführt, wegen der PTBS sollte die
Beschwerdeführerin keine Arbeiten durchführen, bei denen sie Geräusche höre, die
ähnlich wie Schläge seien oder bei denen sie rasch ausgenützt werden könne, vor
allem durch Männer. Sie sollte an keinem Ort arbeiten, wo sie als Frau alleine arbeite
(IV-act. 116). Diese Kriterien sollten an der überwiegenden Mehrheit der in Frage
kommenden Arbeitsplätze erfüllt sein. Damit kann auch der Grund einer allfälligen
PTBS (med. pract. E._ erwähnte in seinem Bericht vom 13. Juni 2019 erstmals
zusätzlich zu den Schlägen in der Kindheit erlittene sexuelle Missbräuche; IV-act. 266)
offenbleiben.
Wie Dr. Q._ ausführte, standen die Schmerzen der Beschwerdeführerin in den
Berichten von med. pract. E._ anders als bei der Begutachtung nicht im Vordergrund
(vgl. IV-act. 226-17). Dr. Q._ befand, die Beschreibung der Schmerzen sei
unspezifisch und diese hingen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mit
Persönlichkeitsmerkmalen zusammen (IV-act. 226-17). Seit der Anmeldung bei der
Beschwerdegegnerin im Jahr 2014 falle ein Verhalten der Beschwerdeführerin auf,
welches nach Anerkennung und Aufmerksamkeit verlange. Ihre Schmerzen würden
zeitweise dramatisch dargestellt. Das Auftreten der Beschwerdeführerin sei theatralisch
mit übertriebenem Ausdruck von Gefühlen und ihr Verhalten manipulativ. Im
Längsschnittverlauf bestehe keine Hemmung des Denkens und Wollens, welche auf
2.3.5.
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eine psychische Störung von Relevanz zurückzuführen wäre. Vor dem Hintergrund
einer histrionischen Persönlichkeit werde eine durchaus iatrogen und behördlich
getriggerte Forderungshaltung unterhalten. Es könne davon ausgegangen werden,
dass die Beschwerdeführerin gelernt habe, aus ihrem Verhalten einen sekundären
Gewinn zu erzielen (IV-act. 226-17). Weiter klagte die Beschwerdeführerin gegenüber
Dr. Q._ über Panikattacken in der Nacht, welche sie aber selbst nicht wahrnehme. Ihr
Freund habe sie darauf aufmerksam gemacht. Dies erscheint mit Dr. Q._
unglaubwürdig (IV-act. 226-12, 226-20). Med. pract. E._ bestätigte am 6. November
2018 das Bedürfnis der Beschwerdeführerin nach Aufmerksamkeit, bezeichnete dieses
jedoch als Folge der emotional instabilen Symptome. Seine Ausführungen, wonach die
Beschwerdeführerin aufgrund ihres Bedürfnisses nach Aufmerksamkeit ein besonders
grosses Interesse habe, eine Ausbildung abzuschliessen, ist nicht nachvollziehbar (vgl.
IV-act. 238-5). Im Gegensatz zu den Gutachtern berücksichtige er die bereits in E. 2.1
beschriebenen diffusen Schmerzen und die aktenkundigen Inkonsistenzen bei seinen
Beurteilungen nicht und kam unter anderem daher zu abweichenden
Schlussfolgerungen. Wie RAD-Arzt Dr. K._ am 20. November 2018 ausführte, setzte
sich med. pract. E._ nicht detailliert mit den Aussagen von Dr. Q._ bezüglich des
Verhaltens der Beschwerdeführerin auseinander und beurteilte lediglich denselben
Sachverhalt anders (vgl. IV-act. 239). Offenbar hatte sich med. pract. E._ auch nicht
näher mit den geklagten Schmerzen der Beschwerdeführerin befasst, hielt er doch erst
am 6. November 2018 fest, er wolle den Hausarzt Dr. I._ diesbezüglich fragen (IV-act.
238 f.).
Anlässlich der Untersuchung vom 15. Mai 2019 bei Dr. O._ gab die
Beschwerdeführerin an, sie habe etwa 15-mal pro Monat eine Migräne, die etwa ein bis
zwei Tage anhalte. Zusätzlich habe sie drückende Kopfschmerzen. Bei Bedarf nehme
sie Irfen ein, pro Monat benötige sie etwa 60 bis 80 Tabletten. Dr. O._ hielt fest,
therapeutisch müsse der Schmerzmittelkonsum drastisch reduziert werden auf unter
zehn Dosen pro Monat (IV-act. 271). Wie RAD-Arzt Dr. K._ am 11. Juli 2019
nachvollziehbar festhielt, würden die Angaben der Beschwerdeführerin eine praktisch
ununterbrochene Migräne mit zwischendurch zusätzlich drückenden Kopfschmerzen
bedeuten, was kaum vorstellbar ist. Auch die Angaben über den Schmerzmittelkonsum
scheinen exzessiv und deuten auf die von Dr. Q._ festgestellten
Verhaltensauffälligkeiten hin (vgl. IV-act. 272). Im Übrigen fällt auf, dass die
Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung durch die medexperts AG lediglich
von der Dauereinnahme des (für die ADHS-Behandlung eingesetzten) Medikaments
Concerta berichtet hatte (wobei dieses bzw. der darin enthaltene Wirkstoff
2.3.6.
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Methylphenidat [www.compendium.ch] in der laborchemischen Untersuchung
allerdings nicht in therapeutischer Dosis nachgewiesen worden war, IV-act. 226-10,
226-23, 227-2). Als Bedarfsmedikation "alle paar Abende" hatte sie neben gelegentlich
Nasenspray und Augentropfen gegen Heuschnupfen nur das Antidepressivum Trittico
erwähnt (IV-act. 226-23).
Med. pract. E._ führte am 9. Januar 2019 sinngemäss aus, die
Eingliederungsberaterin der Beschwerdegegnerin sei mit den beiden erstmaligen
Ausbildungen einverstanden gewesen und habe nicht gemerkt, dass die
Beschwerdeführerin manipulativ sei (IV-act. 242). Dazu ist jedoch zu bemerken, dass
es sich bei der Eingliederungsberaterin nicht um eine medizinische Fachperson
handelt, welche allfällige psychische Auffälligkeiten kompetent beurteilen könnte.
Zudem lässt sich alleine aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführerin mehrmals
berufliche Massnahmen zugesprochen wurden, nicht schliessen, dass tatsächlich
gesundheitliche Beeinträchtigungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorhanden
waren. Der Abbruch der ersten - nicht von der Beschwerdegegnerin unterstützten -
Ausbildung zur Hotelfachfrau erfolgte gemäss Angaben der damaligen Arbeitgeberin
Hotel R._ aus gesundheitsfremden Gründen. Diese gab an, die Beschwerdeführerin
habe die betrieblichen Regeln nicht eingehalten und notorisch gelogen. Als sie dann
auch noch geklaut habe, sei sie fristlos entlassen worden (IV-act. 97). Die von der
Beschwerdeführerin begonnene Ausbildung zur MPA scheiterte gemäss ihren Angaben
an ungenügenden schulischen Leistungen (vgl. IV-act. 91). Dr. Q._ stellte fest, es
hätten keine medizinischen Gründe für den Abbruch der (von der Beschwerdegegnerin
unterstützten) Ausbildungen bestanden. Während sie in anderen Lebensbereichen, wie
der Ehe, der Freizeitgestaltung und den sozialen Beziehungen gut funktioniere, habe
sie immer wieder körperliche oder psychische Symptome vorgeschoben, um die
beruflichen Ausbildungen nicht zu beenden (vgl. IV-act. 226-18 f.). Dies ist aufgrund der
Akten nachvollziehbar. So waren med. pract. E._ und die abklärenden medizinischen
Fachpersonen der Klinik F._ ursprünglich der Ansicht, die weitere - durch die
Beschwerdegegnerin unterstützte - Ausbildung als Hotelfachfrau sei möglich (vgl. IV-
act. 100 f., 115, 119). Nach einer dreimonatigen Abklärung im Hotel G._ empfahlen
die dort Verantwortlichen ein Vorbereitungsjahr vor dem Beginn einer ordentlichen
Ausbildung. Dies insbesondere, da die Beschwerdeführerin während der
Abklärungszeit viele Absenzen hatte (infolge Migräne, Grippe, Stirnhöhlenentzündung)
und daher das geforderte Pensum nicht hatte erreichen können (IV-act. 130 f.). Med.
pract. E._ befand am 1. Juli 2015 in gewissem Widerspruch dazu, es habe sich
gezeigt, dass die Reizüberflutung bei einer Tätigkeit als Hotelfachfrau auch im
2.3.7.
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geschützten Bereich zu hoch sei. Sie könne daher diesen Beruf nicht erlernen (IV-act.
132). Während ihrer darauf begonnenen Ausbildung zur Detailhandelsassistentin in der
H._ schrieb med. pract. E._ die Beschwerdeführerin zwar teilweise arbeitsunfähig,
war jedoch am 6. August 2017 noch zuversichtlich, dass sie die Ausbildung
durchführen und anschliessend im ersten Arbeitsmarkt arbeiten könne (IV-act. 182).
Am 9. November 2017 hielt die Eingliederungsverantwortliche der Beschwerdegegnerin
sodann fest, die Ausbildung müsse gesundheitsbedingt per sofort abgebrochen
werden (IV-act. 184). Konkrete Gründe dafür sind weder dieser Notiz noch der
Mitteilung vom 16. November 2017 zu entnehmen (vgl. IV-act. 187). Im Schlussbericht
vom 1. Dezember 2017 hielten die verantwortlichen Personen der H._ fest, die
Beschwerdeführerin habe schulisch sehr gute Noten erzielt. Im zweiten Semester
hätten sich die Fehlzeiten aufgrund privater Probleme massiv gehäuft. Sie sei zu 50%
krankgeschrieben und ihr praktischer Berufsabschluss gefährdet gewesen. Im zweiten
Ausbildungsjahr habe sie anfangs eine gute Leistung mit vollem Arbeitspensum
erbringen können, sei dann Ende September 2017 aber krankgeschrieben worden.
Nach einem stationären Aufenthalt habe man entschieden, die Ausbildung per 9.
November 2017 abzubrechen. Die Beschwerdeführerin bringe grundsätzlich die
Eignung für den Beruf mit. Nach einer Verbesserung der psychischen und physischen
Stabilität schätzte man einen Wiedereinstieg mit einer Mindestwiederholung des
ganzen zweiten Lehrjahres als realistisch ein, um einen erfolgreichen EBA-Abschluss zu
erreichen (IV-act. 191). Med. pract. E._ brachte am 31. Oktober und 6. November
2018 vor, die Beschwerdeführerin habe die Ausbildung wegen zunehmender
depressiver Symptome und dadurch eingeschränkter Belastbarkeit abgebrochen. Der
Abbruch sei aber auch wegen zunehmender Schmerzen in verschiedenen Bereichen
des Körpers erfolgt. Weil diese Schmerzen noch immer nicht genügend abgeklärt
seien, habe er die Beschwerdeführerin bei Dr. L._ angemeldet (IV-act. 237 f.). Wie
sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, liegen jedoch keine somatisch
erklärbaren Schmerzen vor und die depressive Symptomatik ist nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Damit sind medizinische Gründe für
den Abbruch der Ausbildung nicht hinreichend ersichtlich.
Soweit med. pract. E._ vorbrachte, Dr. Q._ habe nur den
Gesundheitszustand anlässlich der Begutachtung, nicht aber den Lebenslauf der
Beschwerdeführerin berücksichtigt (IV-act. 238), trifft dies nicht zu. Dr. Q._ erhob die
Vergangenheit der Beschwerdeführerin anamnestisch (vgl. IV-act. 226-10 f.) und setzte
sich ausführlich mit früheren ärztlichen Berichten auseinander (IV-act. 226-14 ff.).
2.3.8.
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3.
Das ausschlaggebende Element der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens - und damit indirekt des Invaliditätsgrads - ist in aller Regel der
Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin hat keine Ausbildung
abgeschlossen und war nie längere Zeit arbeitstätig (vgl. IV-act. 96). Sie ist damit als
Hilfsarbeiterin zu betrachten. Es ist ihr zumutbar, im Ausmass ihrer verbliebenen
Arbeitsfähigkeit einer Hilfsarbeit nachzugehen. Ausgehend von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit als Hilfsarbeiterin im Validen- wie im Invalidenfall erübrigen sich die
Vornahme eines konkreten Einkommensvergleichs und insbesondere die Festsetzung
eines Tabellenlohnabzugs, da ohnehin kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von
mindestens 40% resultiert. Dasselbe gilt selbst wenn gestützt auf die
neuropsychologischen Untersuchungen im Frühjahr 2019 von einer Arbeitsfähigkeit von
90% in einer adaptierten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin ausgegangen würde (vgl. IV-act.
267 f.).
4.
Mit der Verfügung vom 23. Oktober 2019 wies die Beschwerdegegnerin auch das
Leistungsbegehren um (weitere) berufliche Massnahmen ab (IV-act. 283). Die
Beschwerdeführerin wehrte sich nicht explizit dagegen, weshalb diese vorliegend nicht
Streitgegenstand sind. Weitere berufliche Massnahmen fielen bereits insofern ausser
Nach dem Gesagten sind die Berichte der behandelnden Ärzte, insbesondere von
med. pract. E._, nicht geeignet, das Gutachten der medexperts AG in Frage zu
stellen. Da die von med. pract. E._ gestellten Diagnosen nicht hinreichend plausibel
begründet sind, ist auch seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht nachvollziehbar. Bei
der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass das
Gutachten vom 17. Juli 2018 (IV-act. 226) auf umfassender Aktenkenntnis sowie
bidisziplinären eigenen Untersuchungen beruht, das gesamte Leidensbild der
Beschwerdeführerin berücksichtigt und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse
nachvollziehbar sind. Aus den von der Beschwerdeführerin vorgebrachten
medizinischen Einschätzungen ergeben sich zudem keine objektiven Gesichtspunkte,
welche im genannten Gutachten ausser Acht gelassen worden wären. Schliesslich
wurden auch zwischen dem Gutachten vom 17. Juli 2018 und der umstrittenen
Verfügung vom 23. Oktober 2019 (IV-act. 283) keine eingetretenen massgeblichen
Veränderungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit geltend gemacht und solche
ergeben sich auch nicht aus den Akten. Weitere medizinische Abklärungen erübrigen
sich damit.
2.4.
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Betracht, als die Beschwerdeführerin weder invalid ist, noch von einer Invalidität
bedroht ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 IVG).
5.