Decision ID: 82941817-7a72-48c7-b5d5-f56f43cbecd3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 22. April 2015 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Aufgrund einer lumbalen Diskushernie L4/5 hatte
der Versicherte sich am 20. November 2014 im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) einer
interlaminären Fenestration L4/5 rechts, einer Sequestrektomie und einer partiellen
Nukleotomie unterzogen (IV-act. 35-8 ff.). Die dort behandelnden Ärzte hatten ihn bis
zum 18. Januar 2015 als zu 100% arbeitsunfähig erachtet (IV-act. 35-17 f.). Danach
attestierte ihm Dr. med. B._, FMH Allgemeine Innere Medizin, weiterhin
Arbeitsunfähigkeiten phasenweise zwischen 25 und 75% (IV-act. 10, 21, 27, 35-3).
A.a.
Nachdem die damalige Arbeitgeberin des Versicherten das Arbeitsverhältnis
gekündigt hatte (vgl. IV-act. 23-3), gewährte die IV-Stelle ihm am 15. September 2015
Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch ihre Eingliederungsberatung
(IV-act. 19).
A.b.
Vom 19. Oktober bis 18. November 2015 befand sich der Versicherte stationär in
den Kliniken Valens. Die dort behandelnden Ärzte hielten in ihrem Austrittsbericht vom
26. November 2015 als Diagnosen chronifizierte (neuropathische) Schmerzen rechtes
Bein und Gesäss, eine arterielle Hypertonie sowie eine Hypercholesterinämie fest. Für
die Dauer des Aufenthalts und bis zum 29. November 2015 habe eine
Arbeitsunfähigkeit von 100%, ab dem 30. November 2015 für drei Monate in einer
adaptierten Tätigkeit eine solche von 50% bestanden. Im Verlauf sei dann eventuell
eine Steigerung möglich (IV-act. 29).
A.c.
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B.
Dr. B._ befand am 23. September 2016, für die angestammte Tätigkeit sei der
Versicherte seit 15. August 2016 zu 75% arbeitsunfähig. Zuvor hätten phasenweise
Arbeitsunfähigkeiten von 50 bzw. 100% bestanden. Eine adaptierte Tätigkeit wäre für
zwei bis vier Stunden täglich möglich (IV-act. 35-1 ff.).
A.d.
Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. IV-act. 40) wurde der Versicherte im Dezember 2016
durch Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädie, und Dr. med. D._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, bidisziplinär abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 8.
Januar 2017 listeten diese als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
lumboradikuläres/lumboischialgieformes Syndrom L4/L5 rechts (ICD-10: M51.1) sowie
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.41) auf. In der angestammten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100%,
in einer adaptierten Tätigkeit eine solche von 35% (IV-act. 43).
A.e.
Am 6. Februar 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sein
Leistungsbegehren um weitere berufliche Massnahmen werde abgewiesen (IV-act. 52).
A.f.
Mit Vorbescheid vom 10. August 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 57). Nachdem der Versicherte
dagegen Einwand erhoben hatte (IV-act. 58, vgl. zur Begründung IV-act. 64), verfügte
die IV-Stelle am 11. Dezember 2017 entsprechend dem Vorbescheid (IV-act. 66).
A.g.
Gegen die Verfügung vom 11. Dezember 2017 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) die vorliegende Beschwerde vom 29. Dezember
2017. Er beantragte darin, es sei ihm eine Rente - abgestuft gemäss Gutachten der IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 8. Januar 2017 - mindestens zu 50%
zu gewähren. Es sei ihm weiterhin, das heisse auch nach dem 1. Januar 2017, eine
Rente im Umfang von 50% zu gewähren. Es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege
und -verbeiständung zu gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act.
G1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 23. März 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G7).
B.b.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers gegenüber der Beschwerdegegnerin.
Am 20. April 2018 bewilligte die Verfahrensleitung das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege. Ein zweiter Schriftenwechsel
wurde nicht durchgeführt (vgl. dazu act. G8).
B.c.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.1.
Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
1.2.
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2.
Die angefochtene Verfügung stützt sich in medizinischer Hinsicht auf das Gutachten
von Dr. C._ und Dr. D._ vom 8. Januar 2017 (IV-act. 43, 66). Die Gutachter
attestierten dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 35% in einer
adaptierten Tätigkeit (IV-act. 43). Dies ist überzeugend und von den Parteien
grundsätzlich auch nicht bestritten. Während die Beschwerdegegnerin diese
Einschätzung für den gesamten relevanten Zeitraum für massgeblich hält, ist der
Beschwerdeführer der Ansicht, diese gelte erst ab dem Zeitpunkt der Begutachtung.
Für den Zeitraum davor sei die Beurteilung der behandelnden Ärzte ausschlaggebend
(act. G1, G7).
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss, BGE 117 V 282 E. 4.a).
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
1.3.
Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Nachdem
sich der Beschwerdeführer am 22. April 2015 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet hat (vgl. IV-act. 1), fällt ein Rentenanspruch
frühestens ab 1. Oktober 2015 in Betracht. Aufgrund der Akten war das Wartejahr (vgl.
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) jedoch erst im November 2015 erfüllt. Gemäss Auflistung im
Gutachten vom 8. Januar 2017 hatte Dr. B._ dem Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit vom 13. November 2014 bis 18. Januar 2015 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100%, vom 19. Januar bis 22. Februar 2015 eine solche von
2.1.
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50%, vom 23. Februar bis 1. März 2015 eine solche von 75% (gemeint allenfalls 25%,
vgl. IV-act. 10, 18-3) und vom 15. September bis 29. November 2015 eine solche von
50% (IV-act. 43-13; teilweise leicht abweichende Angaben in IV-act. 10, 21, 35-3)
attestiert. Den Akten lässt sich ausserdem entnehmen, dass vom 15. April (allenfalls 23.
Februar) bis 14. September 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 25% bestand (IV-act.
18-3, 55-2). Damit lag während rund zwei Monaten eine 100%ige, während rund drei
Monaten eine 50%ige und während sieben bzw. fünf Monaten eine Arbeitsunfähigkeit
von 25%, bei letzterer Variante zusätzlich für zwei Monate eine Arbeitsunfähigkeit von
75% vor. Im Durchschnitt betrug die Arbeitsunfähigkeit folglich rund 44% bzw. 52%,
womit die für das Wartejahr vorausgesetzte durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40% im November 2015 jedenfalls erfüllt war.
Die Gutachter äusserten sich nicht zum Beginn der von ihnen geschätzten
Arbeitsunfähigkeit von 35% in einer adaptierten Tätigkeit (IV-act. 43). Wie oben
erwähnt, listeten sie die von Dr. B._ bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten auf.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (act. G1) handelt es sich hierbei jedoch
nicht um die für den Rentenanspruch relevante Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit, sondern um jene in der angestammten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter in
der Verpackungsbranche (vgl. IV-act. 43-11 f.). Dies ergibt sich aus den
entsprechenden Berichten von Dr. B._ (IV-act. 35-3, vgl. IV-act. 10, 21). Zudem findet
sich die chronologische Auflistung der Arbeitsunfähigkeiten im Gutachten unter dem
Punkt 3.2.7 "Subjektive Angaben der versicherten Person zu den konkreten
krankheitsbedingten Einschränkungen am letzten Arbeitsplatz" (IV-act. 43-12 f.). Die
Gutachter hielten fest, ab Mitte November 2014 sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit auszugehen. Die anschliessend bescheinigten
Arbeitsunfähigkeiten (siehe Punkt 3.2.7) seien in der angestammten Tätigkeit aus ihrer
Sicht nachvollziehbar (IV-act. 43-25).
2.2.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit hatte Dr B._ am 23.
September 2016 befunden, eine leichte Tätigkeit ohne Heben von schweren Lasten sei
dem Beschwerdeführer für zwei bis vier Stunden täglich möglich. Er hatte ausgeführt,
bei langem Stehen, Sitzen oder Liegen träten Schmerzen auf. Die Beweglichkeit der
Lendenwirbelsäule sei eingeschränkt und es bestünden Schmerzen beim Heben von
Lasten über 5kg (IV-act. 35-1 ff.). Wie die Gutachter nachvollziehbar befanden,
begründete Dr. B._ seine zurückhaltende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit nicht ausreichend (IV-act. 43-22). Es ist nicht ersichtlich, weshalb
dem Beschwerdeführer eine wechselbelastende, ideal adaptierte Tätigkeit nicht in
einem grösseren zeitlichen Umfang zumutbar sein sollte. Zudem wiesen die Gutachter
2.3.
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3.
Der Beschwerdeführer bringt weiter sinngemäss vor, seine Restarbeitsfähigkeit sei auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwertbar (act. G1).
zu Recht darauf hin, dass Dr. B._ die gleichen Befunde angeführt hatte, wie sie
anlässlich der Begutachtung erhoben wurden. Die Gutachter hielten die Absolutheit der
Aussage von Dr. B._ angesichts der vorhandenen körperlichen Ressourcen für nicht
nachvollziehbar (IV-act. 43-22). Die behandelnden Ärzte der Kliniken Valens attestierten
dem Beschwerdeführer für die Dauer des stationären Aufenthaltes vom 19. Oktober bis
18. November 2015 und darüber hinaus bis zum 29. November 2015 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100%. Ab dem 30. November 2015 bestehe für eine adaptierte
Tätigkeit für drei Monate eine Arbeitsfähigkeit von 50%, im Verlauf sei dann eventuell
eine Steigerung möglich. Sie begründeten ihre Einschätzung mit den Beobachtungen
im Rahmen des Ergonomie-Trainingsprogramms (IV-act. 29). Gutachter Dr. C._
verwies diesbezüglich auf den in den Kliniken Valens durchgeführten PACT-Test,
welcher einen Punktewert von 93 ergeben hatte. Dies entspricht einem
Belastbarkeitsniveau unter Niveau "vorwiegend sitzend". Die Ärzte der Kliniken Valens
hielten fest, die Selbsteinschätzung sei im Vergleich zur getesteten Leistungsfähigkeit
zu tief (IV-act. 29). Dr. C._ bemerkte, dies decke sich mit seiner Einschätzung,
wonach der Beschwerdeführer seinen Beschwerden einen hohen Stellenwert beimesse
(IV-act. 43-22 f.). Daraus ist zu schliessen, dass die Beurteilung der Ärzte der Kliniken
Valens von den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers beeinflusst war und die
tatsächliche Arbeitsfähigkeit höher war als die attestierten 50%.
Das polydisziplinäre Gutachten wird im Übrigen von den Parteien nicht
beanstandet. Es beruht auf umfassender Aktenkenntnis sowie eigenen
Untersuchungen, berücksichtigt das gesamte Leidensbild des Beschwerdeführers und
die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse sind nachvollziehbar. Aus den vom
Beschwerdeführer vorgebrachten medizinischen Einschätzungen ergeben sich zudem
keine objektiven Gesichtspunkte, welche im genannten Gutachten ausser Acht
gelassen worden wären. Schliesslich wurden auch zwischen dem Gutachten vom 8.
Januar 2017 und der umstrittenen Verfügung vom 11. Dezember 2017 (IV-act. 66)
eingetretene massgebliche Veränderungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
nicht geltend gemacht und solche ergeben sich auch nicht aus den Akten. Weitere
medizinische Abklärungen erübrigen sich damit.
2.4.
Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf
nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere
3.1.
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kann von einer Arbeitsgelegenheit (vgl. sinngemäss Art. 16 ATSG) dort nicht
gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint. Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen
Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot an und
der Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von
seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und zwar sowohl
bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen als
auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt
sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche
Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu
erzielen vermag oder nicht. Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch
im Rahmen der den versicherten Personen auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
offenstehenden Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbsfähigkeit dürfen von
ihnen Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven
und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalls nicht zumutbar sind (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit
Hinweisen).
Das Bundesgericht verneint in der Regel die Verwertbarkeit der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit höchstens bei über 60-jährigen versicherten Personen, welchen im
massgeblichen Zeitpunkt lediglich noch eine Aktivitätsdauer von weniger als fünf
Jahren verbleibt (Urteil vom 6. Juli 2016, 8C_113/2016, E. 4.3). Das Alter des
Beschwerdeführers – er war im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung 61 Jahre alt –
schliesst für sich alleine die Verwertbarkeit seiner Restarbeitsfähigkeit aber noch nicht
aus. Ihm stehen grundsätzlich leichte wechselbelastende, jedoch vorwiegend im Sitzen
zu erledigende Hilfsarbeitertätigkeiten, ohne Heben und Tragen von Lasten über 10kg,
ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule sowie ohne Überkopfarbeiten offen. Aus
psychiatrischer Sicht sollte es sich um eine ruhigere und zeitlich flexible Tätigkeit, ohne
mehrere gleichzeitige Anforderungen, ohne starken Zeitdruck und mit einem
überschaubaren geordneten Arbeitsablauf handeln (IV-act. 43-35). Dem
Beschwerdeführer sind damit insbesondere noch Stellen als Hilfsarbeiter im Bereich
von Überwachungs-, Administrativ-, und Kontrolltätigkeiten wie auch leichtere
Verpackungs-, Maschinenbedienungs- und Sortierarbeiten zumutbar.
3.2.
Die gutachterlich attestierte Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 65%
ist damit als auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertbar zu betrachten.
3.3.
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4.
Basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 35% ist
nachfolgend der Invaliditätsgrad zu bestimmen.
Massgebend für das Valideneinkommen ist, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte. Für die Bestimmung des Valideneinkommens wird
grundsätzlich am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 139 V 28
E. 3.3.2, 125 V 58 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts vom 18. März 2015,
8C_590/2014, E. 5.1, und 21. August 2013, 8C_196/2013, E. 3.1). Ist es nicht möglich,
zur Bestimmung des Valideneinkommens vom zuletzt vor Invaliditätseintritt erzielten
Lohn auszugehen oder liegen keine konkreten Anhaltspunkte für dessen Bestimmung
vor, dann ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte, insbesondere auf die vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebene Schweizerische
Lohnstrukturerhebung (nachfolgend: LSE) zurückzugreifen (Ulrich Meyer/Marco
Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl. Basel/Freiburg 2014, Art. 28a
N 55 f.). Gemäss den am 9. Mai 2015 von der letzten Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers, der E._ AG, gemachten Angaben hätte der Beschwerdeführer
ohne Gesundheitsschaden in der ursprünglichen Tätigkeit im Jahr 2015 Fr. 61'750.--
(13 x Fr. 4'750.--) verdient (IV-act. 9). Dabei fällt auf, dass der Beschwerdeführer bereits
seit dem Jahr 1998 für die genannte Arbeitgeberin tätig war und sich sein Lohn im
Verlauf der Zeit steigerte. Wie dem IK-Auszug zu entnehmen ist, betrug das
Jahreseinkommen seit 2008 stets rund Fr. 65'000.-- (IV-act. 7). Diese Angaben finden
sich auch im von der Arbeitgeberin ausgefüllten Fragebogen. Erst 2014 erfolgte eine
Lohnkürzung auf einen Jahresverdienst von rund Fr. 61'150.-- (IV-act. 9). Den Akten
lässt sich nicht entnehmen, weshalb es zu dieser Kürzung kam und inwiefern diese mit
gesundheitlichen Beschwerden in Zusammenhang stand. Damit ist auch nicht
nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer ohne Gesundheitsschaden nur noch die
genannten Fr. 61'750.-- hätte verdienen können. Das bis 2013 erzielte tatsächliche
Einkommen entspricht ziemlich genau den jeweiligen Durchschnittslöhnen von
Hilfsarbeitern gemäss LSE, Tabelle TA1. Also ist erwiesen, dass der Beschwerdeführer
vor Eintritt des Gesundheitsschadens im Stand war, das statistische
Durchschnittseinkommen zu erzielen. Da er weiterhin als Hilfsarbeiter zu betrachten ist
4.1.
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5.
und die beiden Vergleichseinkommen auf derselben Grundlage zu berechnen sind,
kann ein Prozentvergleich vorgenommen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
25. Januar 2011, 9C_882/2010, E. 7.1). Entgegen der Ansicht der Parteien stellt sich
demzufolge die Frage nach einer Einkommensparallelisierung nicht (act. G1, G7).
Zu prüfen bleibt, ob ein sogenannter Tabellenlohnabzug zu gewähren ist. Mit
einem solchen ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen,
die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter)Tätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll
leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden Personen
lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen
rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass weitere
persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Wie die Gutachter festhielten, hat der
Beschwerdeführer zahlreiche qualitative Einschränkungen (vgl. IV-act. 43-35., E. 3.2).
Er ist nur noch in einem Teilzeitpensum arbeitsfähig und befindet sich mit im
Verfügungszeitpunkt 61 Jahren in einem fortgeschrittenen Alter. Im Vergleich zu voll
leistungsfähigen Arbeitnehmern ist er damit lohnmässig benachteiligt und muss mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen (vgl. zum Ganzen Philipp Geertsen, Der
Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.]: Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff., vgl. bezüglich des Merkmals des Alters
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Mai 2017, UV
2015/55, E. 3.5). Es rechtfertigt sich, den Tabellenlohnabzug auf 10% festzusetzen.
4.2.
Ausgehend von einer 35%igen Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten und unter Berücksichtigung eines 10%igen Tabellenlohnabzugs ergibt sich
im Rahmen eines Prozentvergleichs ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von
41.5% (35% + [65% x 10%]). Der Beschwerdeführer hat folglich mit Wirkung ab 1.
November 2015 einen Anspruch auf eine Viertelsrente.
4.3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 11. Dezember 2017 gutzuheissen und dem Beschwerdeführer mit
Wirkung ab 1. November 2015 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
Ausrichtung der Leistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
5.2.
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