Decision ID: 00350d50-5605-40b0-a824-668bd8969a63
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980,
zog sich am 2
3.
Januar 2019 bei
einem Sturz in der Küche eine Fraktur
an
der rechten Hand
zu
(
Urk.
8/1/5,
Urk.
8/5/1
Ziff. 2,
4-6 und 9), die
am
2
5.
Januar 2019 im S
pital
Y._
operativ versorgt
wurde
(
Urk.
8/5/3).
X._
stellte
am 1
0.
Dezember 2019 bei der Kantonalen Opferhilfestelle
(nachfolgend: Opferhilfestelle)
ein G
esuch um Opferhilfe und
beantragte die
unentgeltliche Rechtsvertretung im Opferhilfeverfahren
.
Sie machte geltend, dass
es
im
Zusammenhang mit der ärztlichen Unfallversorgung vom 2
5.
Januar 2019
zu einem Arztfehler gekommen sei
(
Urk.
8/1 S. 1
Ziff.
1
unten).
Mit Verfügung vom
7.
Januar 2020 (
Urk.
8/7
,
Urk.
8/10 =
Urk.
2
) lehnte die Opferhilfestelle das Gesuch um
Opferhilfeleistungen
(Anwaltskosten im Rahmen der Soforthilfe und längerfristige Hilf
e) ab.
2.
X._
erhob am 2
4.
Februar 2020 Beschwerde gegen die begründete Verfügung vom
7.
Januar 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei insoweit aufzuheben, als Leistungen der Opferhilfe abgewiesen worden sei
en
,
und es sei ihr die Übernahme der anwaltlichen Kosten für die sofortige und längerfristige Hilfe
in den Sozialversicherungs- und Haftpflichtverfahren
zuzusprechen. Zudem sei ihr im vorliegenden Verfahren
die unentgeltliche Rechtsvertretung
zu gewähren (
Urk.
1 S. 2 oben).
Die Opferhilfestelle beantragte am 1
7.
März 2020 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was
X._
am 1
9.
März 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9).
Der Rechtsvertreter
reichte dem Gericht
am
7.
April 2020 (
Urk.
10) die Honorar
note (
Urk.
11) ein. Am 1
0.
Juni 2020 (
Urk.
12) reichte er einen Arztbericht (
Urk.
13) und eine angepasste Honorarnote (
Urk.
14) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (Opfer
hilfegesetz, OHG) hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer), Anspruch auf Unterstützung nach diesem Gesetz (Opferhilfe;
Abs.
1).
Der Anspruch besteht unabhängig davon (
Abs.
3), ob der Täter oder die Täterin ermittelt worden
ist (
lit
. a), sich schuldhaft verhalten hat (
lit
. b) oder vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (
lit
. c).
1.2
Nach
Art.
2 OHG umfasst die Opferhilfe Beratung und Soforthilfe (
lit
. a), länger
fristige Hilfe der Beratungsstellen (
lit
. b), Kostenbeiträge für längerfristige Hilfe Dritter
(
lit
. c), Entschädigung (
lit
. d), Genugtuung (
lit
. e) oder Befreiung
von Verfahrenskosten (
lit
. f).
1.3
Gemäss
Art.
4
Abs.
1 OHG werden Leistungen der Opferhilfe nur endgültig gewährt, wenn der Täter oder die Täterin oder eine andere verpflichtete Person oder Institution keine oder keine genügende
Leistung erbringt.
1.4
Die zuständige kantonale Behörde stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (
Art.
29
Abs.
2 OHG). Dies enthebt das Opfer nicht von der Pflicht, seine Verhält
nisse zu offenbaren, soweit es in seinen Möglichkeiten liegt und zumutbar ist. Das Opfer tritt eine Mitwirkungspflicht (BGE 126 II 97 E. 2e). Dabei ist zu berück
sichtigen, dass der Verwaltungsstelle rechtlich und faktisch nicht dieselben prozessualen Untersuchungsmittel zur Verfügung stehen wie den Strafverfol
gungsbehörden (BGE 126 II 97 E. 2e).
2.
2.1
D
er Beschwerdegegner
hielt
im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest, die Beschwerdeführerin sei am 2
3.
Januar 2019 in der Küche gestürzt und habe sich das rechte Handgelenk gebrochen. Am 2
5.
Januar 2019 sei im
Spital
Y._
eine palmare Plattenosteosynthese vorgenommen worden.
Es sei davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin
auch bei ungenügender Aufklärung in den Eingriff eingewilligt hätte, zumal sie sich selbst als Notfall mit starken Schmerzen
in das Spital
eingewiesen habe. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts lasse eine zeitliche Dringlichkeit respektive ein Notfall eine eingeschränkte Aufklärung zu. Alternativen zu dem Eingriff seien nicht ersicht
lich und eine zeitliche Verzögerung der Operation sei nicht angezeigt gewesen
.
Die Beschwerdeführerin habe sodann
keine persönlichen Gründe
dafür
angege
ben, dass sie eine Plattenosteosynthese bei umfassender Aufklärung abgelehnt hätte. Bei der Operation handle es sich um eine Standardmassnahme nach distaler Radiusfraktur
(
S. 2 f. E. 2
b
).
Aus den Akten der Suva ergebe sich, dass die Diagnose einer Radiusfraktur rechts
korrekt
gestellt worden sei. Eine Plattenosteosynthese stelle eine adäquate Behandlung des Bruches dar und
es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Operation nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt worden
sei
.
In
der Folge habe sich ein
Complex
regional
pain
syndrome
(
CRPS
)
entwickelt. Diese
s
sei erkannt, diagnostiziert und konservativ behandelt worden. Die Beschwerdeführerin habe am 1
8.
März 2019 angegeben, dass deutlich weniger Beschwerden bestünden. Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 2
4.
Juni 2019 sei ein sehr gutes postoperatives Ergebnis festgestellt worden. Das Auftreten eines CRPS nach einer Operation lasse nicht per se auf eine ärztliche Sorgfaltspflichtverletzung schliessen
(S. 3 E. 2
c Mitte). Das Vorliegen einer Straf
tat sei nicht gla
ubhaft gemacht worden (S. 3 E 2
c unten).
Es sei primär Sache der Strafbehörden, das Vorliegen einer Straftat abzuklären Der Beschwerdegegner verfüge nicht über die Möglichkeiten, eine Strafunter
suchung durchzuführen (S. 4 E. 3).
2.2
Die B
e
schwerdeführerin brachte vor, trotz
der
am 2
5.
Januar 2019 operierten Handgelenksfraktur sei es zu erheblichen neuen Beschwerden gekommen unter anderem mit Gefühlsstörungen in zwei Fingern, brennenden Schmerze
n, Schwellungen und erheblicher Einbusse der Kraft
(
Urk.
1 S. 3
Ziff.
II. 1.1
a). Die von Anfang an bestehenden Probleme seien vom Arzt/Täter gegenüber der Patientin stets verharmlost und als angeblich völlig normaler Heilungsverlauf bezeichn
et worden (S. 3 f
Ziff.
II. 1.1
b).
Erst am 2
7.
August 2019 habe der Arzt ihr gegenüber erklärt, dass
doch
nicht alles normal sei und man die Platte wieder
entfernen
müsse
. Es sei aber keine klare Aussage/Diagnose bezüglich der wahren Beschwerdeursache gemacht worden, geschweige denn sei eine korrekte Opera
tionsaufklärung erfolgt
(S. 4
Ziff.
II. 1.1
c).
Es
habe
eine Operation «ins Blaue» erfolgen sollen, wobei der Operateur die Chance gehabt hätte, den Operationsbe
richt selber zu formulieren
und
die Hinweise auf die wahre Schmerzursache beziehungsweise seine unsorgfältige Erstoperation zu vertuschen (S. 4 f.
Ziff.
1.3).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
im Hinblick auf die Operation
vom 2
5.
Januar 2019 im
Spital
Y._
von einer
Sorgfaltspflichtverletzung
der operierenden Ärzte
und damit
eine
r
fahrlässige
n
Körperverletzung
auszugehen ist
. Dies würde einen
Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leis
tungen nach OHG begründen.
3.
3.1
Gemäss Unfallmeldung vom 3
0.
Januar
2019 stürzte die Beschwerdeführerin am 2
3.
Januar 2019 in der Küche und brach sich das rechte Handgelenk (
Urk.
8/5/1
Ziff.
2, 4-6 und 9).
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie,
Spital
Y._
,
nannte
im Operationsbericht vom 2
8.
Januar 2019 (
Urk.
8/5/3)
als
Diagnose
eine
dorsal dislozierte Radiusfraktur
rechts.
Bei der Operation vom 2
5.
Januar 2019
sei
eine palmare Plattenosteosynthese distaler Radius rechts
durchgeführt
worden
.
Es wurde folgende
Indikation
angegeben
: «
Sturz auf das rechte Handgelenk mit Zuzug einer dorsal dislozierten Faktur, welche klar eine Operationsindikation dar
stell
t. Nun postprimär
e
Versorgung.»
3.3
Med.
pract
.
A._
und
Dr.
Z._
führten im Austrittsbericht
vom 2
5.
Januar 2019 (
Urk.
8/5/4)
aus,
am
2
3.
Januar 2019
sei eine
notfallmässige Selbstzuweisung erfolgt.
Die Patientin sei beim Putzen in ihrer Wohnung ausge
rutscht und anschliessend auf das rechte Handgelenk gestürzt. Nun habe sie dort stärkste Schmerzen. Zudem verspüre sie Schmerzen im Rücken und im Gesäss. Nach dem Nachweis einer Fraktur sei initial die Aufnahme ins Spital zur Analge
sie, Ruhigstellung und
für die Durchführung abschwellender
Massnahmen erfolgt. Der Eingriff sei am 2
5.
Januar 2019 in Allgemeinanästhesie
durchgeführt worden
. In der postoperativen Röntgenkontrolle hätten sich regelrechte Stellungsverhält
nisse gezeigt. Die Beschwerdeführerin sei am 2
6.
Januar 2019
auf eigenen Wunsch
entlassen worden (S.
1 unten).
Das weitere Vorgehen bestehe in der Ruhigstellung
des Handgelenks
mittels
einer
Handgelenksmanschette für sieben Tage und der Fortführung der physiothera
peutischen Massnahmen ohne Belastung und mit bedarfsgerechter Analgesie
(S. 2).
3.4
Dr.
Z._
nannte
im Bericht vom 1
8.
März 2019 (
Urk.
5/5)
als
Diagnose
einen
Status nach palmarer Plattenosteosynthese distaler Radius rechts vom 2
5.
Januar 2019 mit
CRPS
recht
s (konservative Therapie)
.
Dr.
Z._
führte weiter aus, die Patientin habe einen
Cortisonschub
für 12 Tage bekommen.
Bezüglich ihres CRPS nach Plattenosteosynthese distaler Radius rechts
bestünden deutlich weniger
Beschwerden.
3.5
In der Krankenakte des
Spital
s
Y._
ist zu einer Untersuchung
vom 2
6.
April 2019 handschriftlich vermerkt
(
Urk.
8/1/4
S. 1
oben)
,
die Beschwerdeführerin
habe Schmerzen, aktuell vor allem dorsal u
l
nar
angegeben
,
die
auch bei leichter Berührung
bestünden
. Bei Ruhestellung bestünden manchmal Schmerzen.
Nach der Operation habe sie während zirka vier Wochen eine Schiene getragen.
Der Unterarm sei leicht geschwollen. Eventue
ll
handle es sich um ein CRPS.
3.6
Suva-Kreisärztin
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Chirurgie, erstattete am 2
6.
Juni 2019 (
Urk.
8/5/7) einen Bericht über die Untersuchung der Beschwer
deführerin vom 2
4.
Juni 201
9.
Dr.
B._
gab zum Röntgenbefund vom 1
8.
März 2019 an, verglichen mit der Voruntersuchung vom 2
6.
Januar 2019
bestehe
eine unveränderte, regelrechte Stellung bei Status nach Plattenosteosynthese einer distalen Radiusfraktur. Vorbestehend sei eine ossäre Trümmerzone im dorsalen Radius. Das Osteosynthe
sematerial sei intakt und liege regelrecht (S. 1 unten). Gemäss einem Bericht von
Dr.
Z._
vom 2
7.
Mai 2019
gehe es der Patientin eigentlich sehr gut bei nahezu uneingeschränkte
r
Funktion. Es bestehe eine konventionell radiologisch geheilte Fraktur. Gemäss
dem
Röntgenbefund vom 2
7.
Mai 2019
sei das Osteo
synthesematerial intakt und nicht gelockert. Es bestehe eine progrediente Konsolidierung, wobei der ehemalige Frakturspalt noch partiell einsehbar sei
(S. 2 oben).
Die Beschwerdeführerin habe bei der kreisärztlichen Untersuchung angegeben, dass es ihr nicht gut gehe und sie immer Schmerzen im Bereich der rechten Hand habe. Sie könne nichts Schweres heben.
Die Intensität der Schmerzen liege zwischen
vier und fünf auf der Schmerzskala (S. 2 Mitte).
Weiter bemerke sie
immer noch ein
e leichte Verbesserung. So
könne sie sich wieder alleine anziehen.
Leichte Sachen könne sie wieder tragen.
Schliesslich stelle sie
immer wieder fest
, dass es im Bereich der Hand und im Unterarm zu Schwellungen komme und manchmal e
in Druck ums Handgelenk bestehe
(S. 2 unten).
Zu den erhobenen Befunden wurde ausgeführt, palpatorisch
würden leichte diffuse Druckschmerzen im Bereich der Narbe und des Handgelenks angegeben. Die Beweglichkeit des rechten Handgelenks sei im Seitenvergleich noch end
g
ra
dig eingeschränkt (S. 3 Mitte). Die
Tr
ophik
der Hand sei unauffällig
(S. 3 unten).
Dr.
B._
nannte als Diagnose Restbeschwerden im Bereich der rechten Hand und des Handgelenks bei Status nach osteosynthetisch versorgter, dorsal dislo
zierter Radiusfraktur rechts und im Verlauf konservativ behandelte
s
CRPS rechts (S. 4 oben).
Die Bes
chwerdeführerin sei am 2
3.
Januar 2019 gestürzt und habe sich die dokumentierte Radiusfraktur rechts zugezogen. Die Erstbehandlung sei im
Spital
Y._
erfolgt, wo eine Osteosynthese durchgeführt worden sei. Der Eingriff sei bezüglich der Wundheilung komplikationslos verlaufen. Im weiteren Verlauf sei klinisch die Diagnose eines CRPS gestellt worden, das konservativ behandelt worden sei. Schliess
lich
sei es zum Abflauen der CRPS-Symptomatik gekommen mit einer insgesamt guten Handfunktion (S. 4 Mitte). Die Beschwer
deführerin habe sich in einem guten Allgemein- und Ernährungszustand präsen
tiert.
Während der Anamnese habe sie beide Arme gleichmässig in die Gestikula
tion eingebunden. Insgesamt liege ein sehr gutes postoperatives, rehabilitiertes Ergebnis vor, ohne
nachweisbare trophische Veränderungen und ohne Anhalts
punkte
für das Fortbestehen eines CRPS
(S. 4 unten).
3.7
Dr.
Z._
nannte
im Bericht vom 2
6.
August 2019 (
Urk.
8/1/6) nach der Sprechstunde vom gleichen Tag
als Diagnosen:
-
Status nach palmarer Plattenosteosynthese distaler Radius rechts vom 25.
Januar 2019
-
CRPS rechts (konservative Therapie)
Dr.
Z._
führte weiter aus, gut neun Monate nach der palmaren Plattenoste
osynthese bestehe eine eigentlich nahezu uneingeschränkte Funktion mit minimaler Beugehemmung.
Bei leicht eingeschränkter Beugefunktion der Finger und des Daumens und möglicher Plattenreizung solle das Osteosynthesematerial entfernt werden.
3.8
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gab im Bericht vom 1
3.
September 2019 (
Urk.
8/1/5) an, die Fraktur am rechten Handgelenk sei am 2
5.
Januar 2019 im
Spital
Y._
mittels Osteosynthese versorgt worden. Die Beschwerden hätten sich nach der Operation gebessert.
Ein Teil der Beschwer
den habe jedoch persistiert, weshalb bisher eine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Die Entfernung des Materials sei für den 2
5.
Oktober 2019
vorgesehen
. Vor dem Unfall habe die Patientin nie Probleme mit dem rechten Handgelenk gehabt.
3.9
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Rheumatologie, nannte im Bericht vom 2
5.
November 2019 (
Urk.
8/5/11 S. 1-3) nach den Untersuchungen vom 1
1.
und 2
5.
November 2019 (S. 1) als
Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Plattenosteosynthese vom 2
5.
Januar 2019 bei nach dorsal dislozierter Radiusfraktur rechts vom 2
3.
Januar 2019
-
k
linisch und radiologisch keine Hinweise für ein CRPS
-
cervikospondylogenes
Syndrom rechts mehr als links
-
leicht
Periarthropathia
humeroscaplularis
rechts, Erstdiagnose November 2019
-
Epicondylopathia
humeri
radialis
und
ulnaris
rechts, Erstdiagnose November 2019
Dr.
D._
führte weiter aus, die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass der behandelnde Chirurg ihr die Diagnose eines CRPS erst Anfang September 2019 mitgeteilt habe. Vor einer Entfernung der Plattenosteosynthese wolle sie
sich
erst
ein
mal beraten lassen. Sie habe immer mehr Schmerzen und weniger Kraft. Der rechte Vorderarm fühle sich ganz kalt an (S. 1 unten).
Auf den
Röntgenbildern des rechten Handgelenks vom 3
1.
Oktober 2019
sei keine Osteopenie
zu erkennen
(S. 2 unten)
. Radiologisch bestünden keine Hinweise für ein CRPS
(
S. 3 oben).
3.10
Die Beschwerdeführerin reichte zudem einen Bericht der Ärzte der Universitäts
klinik
E._
vom 2
8.
Mai 2018 (
Urk.
13) ein.
Die Ärzte stellten folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Plattenosteosynthese vom 2
5.
Januar 2019
-
nach dorsal dislozierte Radiusfraktur rechts vom 2
3.
Januar 2019
-
Verdacht auf Partial-Läsion TFC
-
chronifizierte rechtsseitige Nacken-/Armschmerzen rechts
-
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts, Erstdiagnose November 2019
-
Epicondylopathia
humeri
radialis
und
ulnaris
rechts, Erstdiagnose November 2019
-
beginnende periphere und zentrale Sensibilisierung
Weiter wurde ausgeführt, es bestehe eine diffuse
Durckdolenz
im Bereich des gesamten Handgelenks (S. 1 unten). Ein Teil der Beschwerden sei durch eine Läsion des TFCC erklärbar (S. 2 unten).
4.
4.1
Die Einwilligung des Betroffenen in eine ärztliche Behandlung vermag eine einfache Körperverletzung immer zu rechtfertigen (
Trechsel
/Pieth, Schweize
risches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar,
3.
Aufl.,
Geth
N 8
vor
Art.
122
StGB
).
4.2
Nach
Art.
125
Abs.
1 des Strafgesetzbuches (StGB) wird, wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schädigt, auf Antrag, mit Freiheits
strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
4.3
Das CRPS ist eine Sammelbezeichnung für Krankheitsbilder, die die Extremitäten betreffen. Es entwickelt sich nach einem schädigenden Ereignis und führt beim Betroffenen zu anhaltenden Schmerzen mit Störungen des vegetativen Nerven
systems, der Sensibilität und der Motorik. Das CRPS I (früher: Sudeck-Syndrom oder sympathische
Reflexdistrophie
) ist eine Erkrankung der Extremität, die ohne definierte Nervenläsion nach relativ geringfügigem Trauma ohne Bezug zum Innervationsgebiet eines Nervs auftritt. Das CRPS II (früher: Kausalgie) zeichnet sich aus durch brennende Schmerzen und Störungen des
sympathetischen
Nervensystems als Folge einer definierten peripheren Nervenläsion. Klinisch
e
Zeichen beziehungsweise Symptome eines CRPS sind schwer lokalisierbare bren
nende Schmerzen (zum Beispiel
Allodynie
, Hyperalgesie) kombiniert mit sensiblen, motorischen und autonomen Störungen (u. a. Ödeme, Temperatur- und Schweisssekretionsstörung, eventuell trophische Störung der Haut, Nagelverän
derungen, lokal vermehrtes Haarwachstum
)
. Das CRPS ist eine neurologisch-
orthopädisch-traumatologische Erkrankung und ein organischer beziehungsweise k
örperlicher Gesundheitsschaden (
Urteil des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom 1
8.
September 2018 E. 4.1.2).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin
zog sich am
2
3.
Januar 2019 bei einem Sturz eine dorsal dislozierte Radiusfraktur rechts
zu
, die am 2
5.
Januar 2019 im
Spital
Y._
mittels einer palmaren Plattenosteosynthese
versorgt wurde (vorstehend E. 3.1-3.3).
In der Folge entwickelte
sich
offenbar
ein CRPS
(E. 3.4)
.
Dr.
D._
konnte
in den
Untersuchungen vom November 2019
keine Hinweise für ein CRPS mehr feststellen (E. 3.9
hiervor
).
5.2
Mit Blick auf die vorliegenden
Arztberichte
kann
auf die beantragte
persönliche Befragung der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 6
Ziff.
1.5
c unten) verzichtet werden.
Da auf die Berichte
des Unfallversicherers
und der behandelnden Ärzte
abgestellt werden
kann, sind auch von
einer
Begutachtung
der Beschwerdefüh
rerin
(
Urk.
1 S. 7
Ziff.
1.5c)
keine
neuen Erkenntnisse zu erwarten. Dies nachdem in den medizinischen
Untersuchungen
und den nach der Operation vom 2
5.
Januar 2019
erstellten Röntgenbildern
keine Hinweise für einen ärztlichen Fehler festgestellt worden
waren.
5.3
Wie der Beschwerdegegner
im angefochtenen Entscheid dargelegt hat
, ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in die Operation
vom 2
5.
Januar 2019
eingewilligt hat
(
Urk.
2 S. 2 f. E. 2b)
. Bei der durchgeführten palmaren Platten
osteosynthese handelt es sich
sodann
, soweit ersichtlich,
um
das übliche Vorgehen bei ei
ner distalen Radiusfraktur.
Das
in der Folge aufgetretene CRPS wurde gemäss den Akten korrekt diagnostiziert und behandelt.
Von Seiten der Beschwerdeführerin wurde nicht glaubhaft dargelegt, dass den Ärzten
des
Spital
s
Y._
im Zusammenhang mit der
Operation vom 2
5.
Januar 2019 eine Sorgfaltspflichtverletzung
vorzuwerfen wäre
. Gemäss
dem
Austrittsbericht
der Ärzte des
Spital
s
Y._
vom 2
5.
Januar 2019
finden sich
in den nach der Operation erstellten Röntgenbilder
n
regelrec
hte Verhältnisse
der Plattenosteosynthese
(vgl. E. 3.3), was gegen einen ärztlichen Fehler spricht. In den von
Dr.
B._
im Bericht vom 2
6.
Juni 2019
erwähnten Akten und Rönt
genbildern
finden sich ebenfalls keine
Hinweise
für
eine Sorgfaltspflichtver
letzung
der behandelnden Ärzte. Es ist daher davon auszugehen, dass die Behandlung der distalen Radiusfraktur rechts und des CRPS korrekt nach den Regeln der ärztlichen Kunst
erfolgte
.
Der Umstand allein, dass nach der Operation zwischenzeitlich ein CRPS aufgetreten ist, lässt
entgegen
der Beschwerdeführerin
keine Rückschlüsse auf ein
e Sorgfaltspflichtverletzung der
operierenden
Ärzte zu.
Dr.
Z._
stellte im Bericht vom 1
8.
März 2019 die Diagnose eines CRPS
(vorstehend E. 3.4)
. Die Behauptung,
er
habe
die Beschwerdeführerin
absichtlich zu spät über das Vorliegen eines CRPS informiert
(
Urk.
1 S. 3 f.
Ziff.
II 1.1
b)
, findet in den me
dizinischen Akten keine Stütze, da er
die Diagnose nicht verheimlichte.
5.4
Z
usammenfassend
fehlt es bezüglich der Operation vom 2
5.
Januar 2019 im
Spital
Y._
am Nachweis einer Straftat
beziehungsweise
wurde
eine solche
von der Beschwerdeführerin nicht glaubhaft gemacht.
Der Beschwerdegegner hat einen Anspruch auf Leistungen nach OHG demzufolge zu Recht verneint und der angefochtene Entscheid erweist sich als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
6.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsvertretung sind vorliegend erfüllt.
6.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der v
on Rechtsanwalt
Dr.
Thür in der
Honorarnote
vom 1
0.
Juni 2020
neu
geltend gemachte Aufwand von 13 Stunden und 35 Minuten zuzüglich Baraus
lagen (
Urk.
14) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass er die Beschwerdeführerin schon im Verfahren vor dem Beschwerdegegner vertrat.
So erweist sich ein
Aufwand von 195 Minuten für Aktenstudium und von über fünf Stunden
für
das Verfassen der Beschwerdeschrift als überhöht
.
Angesichts der zu studierenden rund 30 Aktenstücke des Beschwerdegegners und der achtseitigen Rechtsschrift sowie den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung sowie der in ähnliche
n Fällen zugesprochenen Beträge
ist die Entschädigung von Rechtsanwalt
Dr.
Thür bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'400.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu reduzieren.
Die Beschwerdeführerin ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.