Decision ID: 48f82e83-a0ac-4b2a-af95-84c11a31a23e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962 und ausgebildete kaufmännische Ange
stellte,
arbeitete vom 15.
September bis
15. Dezember 2012
bei der
Y._
AG als Sachbearbeiterin (
Urk.
19/6 und Urk. 2/27
) und w
ar in dieser Eigenschaft bei den
Fonds de
Pensions
Y._
berufsvorsorgeversichert.
Am
1
5.
Januar 2013 (Eingangsdatum)
meldete sie sich
unter Hinweis auf eine Depression bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
19/12). Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerb
liche Abklärungen und erteilte am
6.
Juni 2013 Kostengutsprache für ein Auf
bautraining bei
der
Z._
GmbH
vom 1
0.
Juni bis zum 1
0.
Dezember
2013 (
Urk.
19/31
; Abschlussbericht vom 2
7.
November 2013,
Urk.
19/48)
und
zeitlich
überlappend
für eine Arbeitsvermittlung plus
bis 23. Dezember 2013
(
Urk.
19/52)
und sprach entsprechende Taggelder zu (
Urk.
19/38;
Urk.
19/56)
. In der Folge absolvierte die Versicherte einen Arbeitsversuch vom
6.
Januar bis zum
6.
Juli 2014 (
Urk.
19/53) wobei die IV-Stelle die Kosten für den Pflegehelferkurs über
nahm (
Urk.
19/79)
.
Per 7. Juli 2014 w
urde die Versicherte als Pflege
helferin bei der
A._ AG
angestellt (Urk. 19/83), wobei die IV-Stelle während sechs Monaten einen Einarbeitungszuschuss ausrichtete
(Urk. 19/84)
.
Im Rahmen dieser An
stel
lung war die Versicherte bei der AXA Stiftung Berufliche Vorsorge
vom
7.
Juli 2014 bis zum 3
0.
Juni 2015 (
Urk.
2/26)
berufsvorsorgeversichert.
Mit Schreiben vom
2.
Februar 2015 teilte die IV-Stelle mit, dass die Arbeitsver
mittlung erfolgreich abgeschlossen sei und eine Rente geprüft werde (
Urk.
19/92).
Aufgrund einer chronischen
fibularen
Bandinstabilität rechts und einem Morton Neurom
intermetatarsal
2/
3.
rechts, s
y
mptomatisch, erfolgte am 2
3.
Januar 2015 eine operative
Sanierung im Spital B._
(
Urk.
19/112/38 f.), welche eine
läng
erdauernde Arbeitsunfähigkeit nach sich zog (vgl.
Urk.
19/112/38
ff.,
Urk.
19/
115;
Urk.
19/131).
Das Arbeitsverhältnis bei
der
A._
AG
wurde per
3
0.
Juni 2015 durch d
i
e Arbeitgeber
in
aufgelöst (
Urk.
19/124
).
Die Ver
sicherte stellte daraufhin einen Antrag auf Umschulung (
Urk.
19/142), welchen die IV-Stelle am
8.
Oktober 2015 abwies (
Urk.
19/1
53
). Die IV-Stelle holte in der Folge das
bidisziplinäre
Gu
tachten der
Medas
C._
vom
2.
Juni 2016 ein (
Urk.
19/189). Mit Verfügung vom
1
3.
Februar 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (
Urk.
9/219). Hiergegen erhob die Versicherte Beschwerde am hiesigen Gericht (
Urk.
19/220) und mit in Rechtskraft erwachsenem Urteil vom 2
5.
Januar 2019 (
Verfahrens-Nr.
IV.2017.00262) wurde der Versicherten ab Februar 2015 eine ganze Invalidenrente zugesprochen (
Urk.
19/231).
Mit Schreiben vom 2
3.
Mai 2019 lehnte die
AXA Stiftung Berufliche Vorsorge
ihre Leistungspflicht ab (
Urk.
2/26) und am 1
1.
Juni 2019 erklärte
auch der
Fonds de
Pensions
Y._
, dass er nicht leistungspflichtig sei (
Urk.
2/27).
2.
Am 2
1.
September 2020 reichte die Versicherte am hiesigen Gericht Klage gegen den
Fonds de
Pensions
Y._
(folgend Beklagte 1) und die
AXA Stiftung Be
ruf
liche Vorsorge
(folgend Beklagte 2) ein und beantragte folgendes (
Urk.
1):
«
1.
Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, der Klägerin mit Wirkung
ab 1.2.2015 volle reglementarische und gesetzliche Invalidenleistungen aus beruflicher Vor
sorge, insbesondere Rentenleistung
en im Umfang von mindestens CHF
55'770.-- p.a. auszurichten, nebst Zins zu 5
%
p.a. auf den ausstehenden Leistungen ab jeweiligem Fälligkeitstag frühestens ab Datum der Klageer
he
bung.
2.
Eventualiter sei die Beklagte 2 zu verpflichten, der Klägerin mit Wirkung ab 1.1.2015 volle reglementarische und gesetzliche Invalidenleistungen aus be
ruflicher Vorsorge auszurichten, nebst Zins von 5
%
p.a. auf den ausste
henden Leistungen ab jeweiligem Fälligkeitstag, frühestens ab Datum der
Klageerhebung.»
Die Beklagte 2 schloss mit Klageantwort vom
2.
Dezember 2020 (
Urk.
11) auf Abweisung der gegen sie gerichteten Klage. Am 1
8.
Januar 2021 schloss die Be
klagte 1 auf Abweisung der Klage, eventualiter seien die gesetzlichen Mindest
leistungen geschuldet (
Urk.
13). Nachdem das Gericht die Akten der IV-Stelle beigezogen hatte (
Urk.
19/1-256), hielt die Klägerin
replicando
vollumfänglich an ihren Anträgen fest (
Urk.
23). Auch die Beklagten 1 und 2 hielten
duplicando
an den gestellten Anträgen fest (
Urk.
28,
Urk.
30), worüber die Klägerin am
5.
Juli 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
31).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Klägerin
brachte vor (
Urk.
1
und
Urk.
23
), dass beide Beklagte ins inva
lidenversicherungsrechtliche Verfahren einbezogen und im Gerichtsverfahren
IV.2017.00262 beigeladen worden seien. Damit seien die Voraussetzungen für ei
ne Bindungswirkung des invalidenversicherungsrechtlichen Entscheides gege
ben.
Es
sei lediglich zu prüfen, ob die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungs
weise nicht offensichtlich unhaltbar sei.
Allerdings sei auch bei freier Prü
fung
die
zur Inva
lidität führende
Arbeitsunfähigkeit
klar während der Versiche
rungsdauer der Beklagten 1 eingetreten.
Während der Deckungszeit der Beklagten 1, welche bis am 1
5.
Januar 2013 ge
dauert habe, sei die K
lägerin
arbeitsunfähig gew
orden
. Sie sei heute invalid aufgrund der erstmals im März 2013 durch
Dr.
med.
D._
diagnostizierten Persönlichkeitsstörung. Dieser habe ausgeführt, dass seit dem
5.
Dezember 2012 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe, welche auf die Persönlichkeitsstörung zu
rück
zuführen sei. Das Sozialversicherungsgericht habe diesbezüglich
konstatiert
, dass im Laufe des Dezember 2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit einge
treten sei, welche in der Folge angedauert habe und habe das Wartejahr auf diesen Zeitpunkt hin eröffnet.
An diese Feststellungen seien die Beklagten gebunden.
Auch habe die seit 2003 diagnostizierte rezidivierende depressive Störung beim Eintritt der aktuellen Arbeitsunfähigkeit keine Rolle gespielt, da die Gutachter diese als remittiert beurteilt hätten, womit ein sachlicher Zusammenhang der in Frage stehenden Invalidität zu früheren kurzfristig eingetretenen Arbeitsun
fähig
keiten aufgrund der depressiven Störung ohnehin
zu verneinen wäre. Die Klä
ge
rin sei nebst der vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit nach Tablettenin
toxikation in suizidaler Absicht im Sommer 2007 und kurzer Arbeitsausfälle aufgrund soma
tischer Beschwerden immer voll arbeitsfähig gewesen.
In der Vergangenheit sei sie in der Lage gewesen, ihre Defizite zu kompensieren - dies sei ihr allerdings bei der
Y._
S.A. erstmals nicht mehr möglich gewesen.
Nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit in der Versicherungszeit bei der Beklagten 1 sei
die sachliche und zeitliche
Konnexität
nicht mehr unterbrochen
worden
. Nach den beruflichen Massnahmen der IV-Stelle habe sie bei der
A._
AG
gearbeitet
und sich währenddessen einer Fussoperation unterziehen müssen, w
elche eine Arbeitsunfähigkeit nach sich gezogen habe. Der Wiedereinstieg der Klägerin nach der Fussoperation sei aufgrund der psychischen Einschränkungen misslungen und es sei zur Kündigung gekommen. Die Tätigkeit bei der
A._
AG
sei als gescheiterter Arbeitsversuch zu werten, womit der zeitliche
Konnex nicht unterbrochen worden sei. Die Beklagte 1 sei damit leistungs
pflichtig
.
Sollte das Gericht den zeitlichen Konnex als durch die Tätigkeit bei der
A._
als unterbrochen erachten, so wäre die Beklagte 2 leistungspflichtig.
1.2
Die Beklagte 1 machte demgegenüber gelten
d (
Urk.
13
und
Urk.
28)
, dass die Erwerbsbiographie
der Klägerin einen sehr häufigen Stellenwechsel mit grossen Unterbrüchen ohne Erwerbstätigkeit zeige. Nach einer
längeren Tätigkeit bei E._
von Juli 2000 bis Februar 2004 habe sie von März 2004 bis August 2005 bei
F._
gearbeitet. In dieser Zeit hätten sich die psychischen Probleme mani
festiert. Nach dem ersten Suizidversuch im Jahr 2005 sei sie zwei Jahre lang arbeitsunfähig gewesen. Dies decke sich auch mit den Angaben im
Medas
-Gut
achten vom
2.
Juni 201
6.
Demnach sei davon auszugehen, dass die Klägerin bereits bei Stellenantritt bei der
Y._
S.A. infolge einer rezidivierenden depres
siven Störung und einer Persönlichkeitsstörung in relevantem Ausmass einge
schränkt gewesen sei.
Darüber hinaus liege eine verspätete Anmeldung vor, womit die Beklagte 1 nicht an die Feststellungen im IV-Verfahren bezüglich Eröffnung des Wartejahres ge
bunden sei.
Die Festlegung des Wartejahres
sei auch
aufgrund noch zugespro
chener Eingliederungsmassnahmen ohne Einfluss auf den Beginn der
Rente ge
we
sen
.
D
ie Tätigkeit bei der
Y._
S.A.
habe
weniger als drei Monate angedauert, so dass der zeitliche Zusammenhang nicht unterbrochen worden sei. E
ventualiter sei der zeitliche Zusammenhang einer bei der Beklagten 1 eingetreten Arbeitsunfähigkeit und der aktuellen Invalidität durch die Tätigkeit bei der
A._
unterbrochen worden, da sie in dieser Zeit während 1.5 Jahren voll arbeitsfähig gewesen sei. Auch sei die Problematik der Fussbeschwerden für die Beklagte 1 ohne Belang, da es am sachlichen Zusammenhang fehle.
Subeventualiter
sei die gesetzliche Mindestrente geschuldet
.
1.3
Die Beklagte 2 hielt demgegenüber dafür (
Urk.
11
und
Urk.
30
), dass der sachliche und zeitliche Zusammenhang der bei der Beklagten 1 eingetreten Arbeitsun
fähig
keit und dem Eintritt der Invalidität klar erstellt sei. Die Anstellungszeit bei der
A._
AG habe diesen klar nicht unterbrochen,
da es sich in der Zeit von Juli
2014 bis Januar 20
15 um einen durch die IV-Stelle
unterstützten Ein
gliederungsversuch gehandelt habe. Darüber hinaus sei sie nach der Fussopera
tion vom 2
3.
Januar 2015 nicht mehr voll arbeitsfähig geworden. Die Tätigkeit bei der
A._
AG sei damit als gescheiterter Arbeitsversuch zu werten und die Beklagte 2 sei nicht zuständig für die Leistung der Invalidenleistungen aus beruflicher Vorsorge.
2.
2.1
Nach
Art.
24
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er min
destens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestim
mungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
des
Bundes
ge
setz
es
über die Invalidenversicherung, IVG
).
2.2
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss
Art.
23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40
%
invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach
Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der rele
van
ten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem
Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Ver
sicherten
eigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlim
me
rung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh
mern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden.
Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetre
tene
–
Arbeits
unfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorgeverhält
nisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Ver
sicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (
Art.
26
Abs.
3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
2.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenver
siche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sie
renden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Inva
lidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusam
men
hangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusam
menhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in schematischer (analo
ger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invali
denversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prog
nostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
Der enge zeitliche Zusammenhang ist so lange nicht unterbrochen, als dass min
destens eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit be
steht
(BGE 144 V 58 E. 4.4). Eine nachhaltige, den zeitlichen Konnex unterbre
chende Erho
lung liegt hingegen grundsätzlich vor, wenn während mehr als drei Monaten eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätig
keit gegeben ist
(BGE 144 V 58 E. 4.4) und - kumulativ bezogen auf die ange
stammte Tätigkeit - ein rentenausschliessendes Einkommen erzielt werden kann (Urteil des Bundes
gerichts 9C_623/2017
vom 26. März 2018 E. 3; BGE 134
V 20 E. 5.3). Eine solch drei Monate oder länger andauernde (annähernd) vollstän
dige Arbeitsfähigkeit ist ein gewichtiges Indiz für eine Unterbrechung des zeitli
chen Zusammenhangs, sofern sich eine dauerhafte Wiedererlangung der Erwerbs
fähigkeit als objektiv wahrscheinlich darstellt. Der zeitliche Zusammenhang kann daher auch bei einer länger als drei Monate dauernden Tätigkeit gewahrt sein, wenn eine dauerhafte berufliche Wiedereingliederung unwahrscheinlich war, etwa weil die Tätigkeit (allenfalls auch erst im Rückblick) als Eingliederungsver
such zu werten ist oder massgeblich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte (BGE 134 V 20
E. 3.2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_340/2016 vom 21. November 2016 E. 4.1.2;
Urteil des Bundesgerichts 9C_465/2018 vom 30. Januar 2019 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
2.4
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
ver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des
Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer
gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärun
gen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Fest
legung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung beziehungs
weise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
a
Art
.
73
bis
IVV; seit
1.
Juli 2006:
Art.
73
ter
IVV) einbe
zogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundes
gerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Ver
sicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-recht
liche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungs
weise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, so
weit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditäts
be
messung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
3.
Die medizinische Aktenlage stellt sich folgendermassen dar:
3.1
Vom 2
1.
bis zum 2
6.
Juni 2007 befand sich die Klägerin in stationärer Behand
lung im Sanatorium G._
. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten in ihrem
Austrittsbericht vom 3
0.
Juli 2007 einen Verdacht auf Anpassungsstörung (ICD-10
F43.2). Die Kl
ägerin sei vom Kantonsspital H._
zur Krisenintervention bei Status nach Suizidversuch mit 34 mg
Temesta
zugewiesen worden. Der Eintritt sei frei
willig erfolgt.
Sie berichte, am 2
0.
Juni 2007 nach der Ei
nnahme von 34 mg
Temesta
und ak
u
t
en Suizidgedanken, vor allem passiven Todeswünschen wie Ertrinken, bekleidet im See baden gegangen zu sein. Sie sei seit zwei Jahren geschieden und seit 2003 arbeitslos. Seit Juni 2007 beziehe sie Sozialhilfe. Die Langzeitarbeitslosigkeit sei ihr grösstes Problem. Sie sei sich ohne Erfolg ununterbrochen am Bewerben, fühle sich von allen Seiten ungerecht behandelt. Bisher hätten keine psychiatrischen
Hos
pitalisationen
stattgefunden. Seit 2005 sei sie in ambulanter psychothe
ra
peu
tischer Behandlung. Ausser
Temesta
nehme sie keine Psychopharmaka. Sie rea
giere schnell mit Nebenwirkungen. Es habe einmal einen Versuch mit
Saroten
retard
gegeben, wo sie mit einer unangenehmen Verhaltens- und Bewusstseins
veränderung reagiert habe.
Sie habe sich durch die
Hospitalisation
deutlich entlastet gefühlt. Sie habe sich auf der Station ruhig und angepasst verhalten, sei angenehm im Kontakt ge
wesen, habe häufig Bestätigung und Zuwendung vom Betreuungsteam gesucht. Eine medikamentöse antidepressive oder beruhigende Therapie habe sie abge
lehnt. Sie habe s
ich im stationären Rahmen jeder
z
e
it glaubhaft von handlungs
relevanter Suizidalität distanzieren können. Sie habe lebensbejahende Pläne ge
habt und habe den Beginn eines Job-Basiskurses vom RAV und andere Termine wahrnehmen wollen, weshalb sie bei fehlender akuter Gefährdung auf eigenen Wunsch in die alten Wohnverhältnisse entlassen worden sei (
Urk.
19/112/59 f.).
3.2
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete der IV-Stelle am 5. März 2013 über die Behandlung der Beschwerdeführerin. Er diag
nostizierte eine seit dem Jahr 2003 bestehende rezidivierende depressive Störung, wobei er gemäss Codierung von einer aktuell mittelgradigen depressiven Episode ausging (ICD-10: F33.1). Weiter stellte er die Diagnosen einer nicht näher be
zeichneten Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.9) sowie eines Status nach einer im Jahr 2003 erlittenen Borreliose und fokaler Dystonie. Sämtlichen Diagnosen mass er einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei.
Er behandle die Klägerin seit 2005, wobei sich bis 2002 eine unauffällige Situa
tion dargestellt habe. Dann seien zunehmend verschiedene körperliche Beschwer
den und neurologische Symptome aufgetreten. Die Klägerin sei arbeitsunfähig geworden und die Ehe sei in die Brüche
gegangen. Sie sei in I._
hospi
talisiert worden. Schliesslich sei eine Borreliose diagnostiziert und therapiert worden. Damals sei die erste depressive Episode aufgetrete
n. Sie habe die Stelle bei E._
nach 3.5 Jahren aufgegeben und nach intensiven Bemühungen wieder eine Stelle bei
F._
gefunden. Da sei sie in Schwierigkeiten geraten und habe die Firma verlassen müssen, worauf es wieder zu einer depressiven Verstimmung gekommen sei.
Danach habe sie eine neue Stelle gesucht und sei dabei
von
J._
unterstützt worden. Es gelinge ihr immer wieder
,
eine Anstellung zu finden, da sie sehr gute Qualifikationen und Erfahrungen mit sich bringe. Es komme aber regelmässig nach einer gewissen Zeit zu Zerwürfnissen mit den anderen Mitarbeitern, z.T. gebe es in den Firmen selber Turbulenzen. Gemäss ihren Angaben sei sie in den letzten 10 Jahren während 7 Jahren arbeitslos ge
wesen. Sie versuche aber immer parallel temporär als z.B. Sitzwache oder in einem Reinigungsunternehmen zu arbeiten um ein gewisses Zusatzeinkommen zu erzielen. Im Dezember 2012 sei ihr erneut eine Stelle nach einem halben Jahr gekündigt worden, die sie nach vier Monaten intensiven Bewerbungsbemü
hun
gen erhalten habe. Das habe ihr den Boden unter den Füssen weggezogen und sie habe ihre Hoffnung, sich in einem regulären Bürobereich etablieren zu können, definitiv verloren. Sie traue sich nicht mehr, sich um eine gleiche Stelle zu be
werben und merke, dass etwas grundsätzlich nicht richtig funktioniere. Nur dank dem Rückhalt einer religiösen Gemeinschaft sei es ihr möglich, diesen herben
Rückschlag einigermassen zu ertragen, ohne erneut in eine Depression abzu
gleiten.
Sie habe vorwiegend ein charakterliches Problem, das ihre Arbeitsfähigkeit beein
flusse. Das werde sich kaum ändern, sondern sie brauche eine passende Arbeits
umgebung, der sie gewachsen sei.
Wenn sie eine gute Arbeitsstelle habe, brauche sie keine psychiatrische Unter
stützung.
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte attestierte er
eine fortbestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem 5.
Dezember 201
2.
Das Erreichen einer uneingeschränkten Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit beurteilte er als möglich, empfahl jedoch eine Abklärung der Arbeits
fähigkeit und Arbeitsmöglichkeiten (
Urk. 19
/27/3
; vgl. auch
Urk.
19
/8).
3.3
Am 23. Janua
r 2015 nahm Prof. Dr. med. K._
, Facharzt für
Ortho
pä
dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, eine
fibuläre
Bandre
konstruktion rechts vor und operierte ein Morton Neurom (chronisch entzündeter und verdickter
Vorfussnerv
; Urk.
19
/112/39). Er hielt am 7. Januar 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 23. Januar bis am 20. März 2015 fest
(Urk. 19
/98/15). Am 3. April
2015 konstatierte er, dass sich die Klägerin in Folge noch beklagter, nicht vollständig objektivierbarer Restbeschwerden im operierten
Fuss
noch nicht in der Lage sehe, ihre Tätigkeit als Pflegehelferin
wieder aufzunehmen
. Auf die Zumut
barkeit einer zumindest 50%igen Arbeitsfähigkeit ab Anfang Mai sei sie hingewiesen worden
(Urk. 19
/131/1). Diese attestierte er am 8. April 2015 für den Zeitraum vom 3. bis am 17. Mai 2015, wobei er pro Einsatztag maximal vier Arbeitsstunden als zumutbar beurteilte
(
Urk.
19/117
).
3.4
Dr. med. L._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und der P
sychotherapeut
lic
. phil. M._
berichteten der IV-Stelle am 2. April 2016 über die Behandlung der Beschwerdeführerin. Sie stellten auf ihrem Fachgebiet folgende Diagnosen
(Urk. 19
/186/1):
-
Paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0)
-
Erschöpfungssyndrom (ICD-10: Z73.0)
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
-
Familienzerrüttung durch Scheidung (ICD-10: Z63.5)
Seit März 2016 attestierten sie in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
A._
-Mitarbeiterin eine fortbestehende 10
0%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 19
/186/2).
3.5
3.5
.1
Gestützt auf die zur Verfügung gestellten Akten
und die Untersuchungen vom 24. und
30. März und 18. April 2016
erstatteten Dr. med. N._
, Facharzt für Rheumatolo
gie, und med.
pract
. O._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, am 2. Juni 2016 ihr rheumatologisch-p
sychiatrisches Gutachten (Urk. 19
/189).
3.5
.2
Die Gutachter hielten in der Konsensbeurteilung folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf d
ie Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 19
/189/28):
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0)
-
Statische Fussbeschwerden
-
Spreiz-Senkfuss beidseits
-
Grosszehen-Grundgelenks-Arthrose
mit
Hallux
valgus
beidseits
-
Status nach
fibularer
Bandplastik und Entfernung eines Morton-Neu
roms interdigital II/III am rechten Fuss am 23. Januar 2015
Einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verneinten sie betreffend
die folgenden Diagnosen (Urk. 19
/189/28):
-
Zervikale Dystonie (
Torticollis
spasticus
), bekannt seit 2002
-
Behandlung mit Botox-Injektionen, gegenwärtig alle 4 Monate
-
Kleine axiale
Hiatushernie
(
Gastroskopiebefund
vom 21. Mai 2014)
-
Status nach Divertikulitis-Schub im August 2011
-
Intermittierender Vitamin D3-Mangel, aktuell im Normbereich
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
Für Bürotätigkeiten bestünden aus somatischer Sicht keine Einschränkungen. Eine andere leidensangepasste Tätigkeit sei vollschichtig zumutbar, sofern der Anteil stehend-gehender Tätigkeiten maximal 2/3 betrage. Zudem bestünden Einschränkungen bezüglich Gehen auf unebenem Gelände (Urk. 7/189/29).
Aus psychiatrischer Sicht sei die
Klägerin
medizinisch-theoretisch in der Lage, kurzzeitig (einige Wochen bis wenige Monate) einer Hilfstätigkeit im Pflege
bereich oder auch einer einfachen Tätigkeit im Büro nachzugehen. Nicht in Frage kämen Tätigkeiten auf Leitungsstufe (Geschäftsleitung, Direktion etc.). Ihre Per
sönlichkeit werde wegen der kombinierten Persönlichkeitsstörung immer wieder zu interpersonellen Problemen führen. Zudem neige sie dazu, sich hochstehende
Tätigkeiten zu suchen, was aufgrund ihrer Fremdsprachenkenntnisse immer w
ieder gelungen sei. Mit ihren insgesamt durchschnittlichen Fähigkeiten und ihrer Persönlichkeit werde sie immer wieder an Grenzen stossen und mit depressiven Exazerbationen reagieren. Deshalb erachte er sie für Direktions
arbei
ten als 100
%
arbeitsunfähig.
Eine einfache Tätigkeit im Büro oder Hilfstätig
keiten im Pflegebereich seien bezogen auf die Fähigkeiten der
Klägerin
möglich. Blosse Hilfstätigkeiten werde sie jedoch aufgrund ihrer narzisstischen Persönlichkeitszüge als Dauerkränkung erleben, was wiederum zu depressiven Exazerbationen führen werde. Am geeig
net
sten
sei eine Arbeit mit wenig inter
personellem Kontakt, mit leichten Heraus
forderungen und mit Vorgesetzten, die sie immer wieder lobten. Kritikfähig sei sie zurzeit nicht und könne Probleme bei sich kaum erkennen, was die Erkennt
nisse im Rahmen der IQ-Abklärung zeigten. Sie ahne, dass es Probleme gebe, wofür ihre Angst vor einem Neueinstieg in die Berufswelt stehe. Introspektiv könne sie dieses Thema allerdings
(noch)
nicht angehen. Damit sei auch für jeg
liche anderen Tätigkeiten keine dauerhafte (über mehrere Wochen bis Monate andauernde) Arbeitsfähigkeit gegeben
(Urk. 19
/189/28 f.).
Aus psychiatrischer Sicht sei zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit festzuhalten, dass es mit Beginn der
A
usbildung Einschränkungen gegeben habe. Der unruhige berufliche Lebenslauf der Klägerin verweise darauf. Relevante Einschränkungen wegen der depressiven Phasen dürften seit spätestens 2003 immer wieder in unterschiedlichem Ausmass vorgelegen habe. Die aktuellen Angaben gälten ab 201
3.
Die Eingliederungsversuche hätten ergeben, dass sie nicht in der Lage gewesen sei, ein konstantes Arbeitspensum über längere Zeit aufrecht zu erhalten.
Es sei im weiteren Verlauf nicht mit einer erheblichen Verbesserung der psy
chi
schen Einschränkungen zu rechnen. Bei den statischen Fussbeschwerden handle es sich vermutlich um einen stabilen Residualzustand (
Urk.
19/189/29 f.).
4.
Vorab zu prüfen ist, ob die Beklagten 1 und 2 an die Feststellungen im IV-Ver
fahren gebunden sind.
Wie von der Klägerin richtigerweise ausgeführt, wurden die Beklagten 1 und 2 im Rahmen des invalidenversicherungsrechtlichen Verfahrens am hiesigen Ge
richt beigeladen und konnten Stellung nehmen (vgl.
Urk.
19/229-230). Die for
mellen Voraussetzungen sind entsprechend gegeben.
Das hiesige Gericht führte zur Eröffnung des Wartejahres im Entscheid vom 2
5.
Januar 2019 in E. 5.2 folgendes aus (
Urk.
19/231/11):
«Unter Berück
sichtigung der genannten Aspekte ergibt sich, dass im Laufe des Dezembers 2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit eintrat und in der Folge andauerte. Auf diesen Zeitpunkt hin ist die Wartezeit zu eröffnen. Im Rahmen des Aufbau
trainings bei der
Z._
GmbH ab Juni 2013 liess sich die Arbeits
leistung zwar steigern, allerdings nie bis 50
%
. Mithin bestand ab Beginn der
Wartezeit fort
dauernd eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40
%
, was für die Erfüllung derselben ausreichend ist und diese spätestens Ende Dezember 2013 enden liess. Zu diesem Zeitpunkt war überdies die Frist von sechs Monaten seit der Anmel
dung im Sinne von Art. 29
Abs.
1 IVG verstrichen. Ab Januar 2014 konnte der Rentenanspruch somit frühestens
entstehen.»
Entgegen den klägerischen Ausführungen war eine
genauere Festlegung
des Wartejahres, bzw. eine frühere Eröffnung des Wartejahres nicht zu prüfen
:
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
der Anmeldung, wobei er nicht entsteht, solange die versicherte Person ein Tag
geld
der Invalidenversicherung beanspruchen kann (
Art.
29 abs. 1 und 2 des
Bun
des
ge
setz
es
über die Invalidenversicherung, IVG)
.
D
ie Klägerin
absolvierte
ab
dem 1
0.
Juni 2013 - mithin 6 Monate nach der An
meldung und damit im hypothetisch
frühest
möglichen Zeitpunkt eines Renten
anspruches
-
ein
Aufbautraining bei der
Z._
und bezog infolge dessen ein IV-Taggeld
vom 1
0.
Juni bis zum 1
0.
Dezember 2013
(vgl.
Urk.
19/38)
. Ein allfälliger Rentenanspruch konnte damit ohnehin
frühestens ab Dezember 2013
entstehen - die Prüfung, ob das Wartejahr eventuell früher hätte eröffnet werden müssen, war entsprechend hinfällig. Dies zeigt sich auch im Entscheid des hiesigen Ge
richts, welches festhielt, dass das Wartejahr
spätestens
Ende Dezember 2013 abgelaufen war.
Damit besteht bezüglich des Eintritts der in Frage stehenden Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invalidität geführt hat - entgegen den klägerischen Ausführungen
,
-
keine Bindung an die Ausführungen des hiesigen Gerichts im Entscheid vom
2
5.
Januar 2019 (Verfahrens-Nr.
IV.2017.
00
262
)
und die Sache ist frei zu prüfen
.
5.
Von den Parteien
ist
unbestritten und aufgrund der Akten
steht fest
, dass der Klägerin ab Februar 2015
eine ganze Invalidenrente
der Invalidenversicherung
zusteht.
Strittig und zu prüfen ist, wann sich die berufsvorsorgerechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit erstmals manifestierte.
5.1
Von einer relevanten Arbeitsunfähigkeit ist rechtsprechungsgemäss dann auszu
gehen, wenn diese mindestens 20 % beträgt und sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Per
son im bisherigen Beruf an Leis
tungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender
Fest
stellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesund
heitlich bedingte Arbeitsausfälle. Eine erst nach Jah
ren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Vielmehr muss der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorge
rechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche Annah
men und spekulative Überlegungen ersetzt werden (vgl. hierzu etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2009 vom 17. September 2009 E. 2.1 und 9C_178/2008 vom 15. Juli 2008 E. 3.2, je mit Hinweisen).
5.2
Dr.
D._
notierte im Schreiben vom
8.
Januar 2013 an die IV-Stelle (
Urk.
19/8), dass er die Klägerin seit 2005 betreue. Leider habe sie in den letzten Jahren nie eine Stelle länger halten können. Sie sei regelmässig in problematische Situation gerutscht, es sei zu Differenzen mit den anderen Mitarbeitern gekom
men, obwohl sie sich immer sehr engagiert habe. Neben äusseren Faktoren wie Umstrukturierungen liege ein Teil ihrer Schwierigkeiten in ihrem Charakter. Sie wecke bei den anderen Mitarbeitern nach einer gewissen Zeit immer wieder Aversionen und gerate in die Aussenseiterposition. Temporäre Einsätze wie Sitz
wachen,
Piquettdienst
, Reinigungsarbeiten könne sie ohne Schwierigkeiten be
wäl
tigen,
die Schwierigkeiten ereigneten sich nur bei festen Anstellungen.
Im Bericht vom
5.
März 2013 notierte
Dr.
D._
, die Klägerin
habe vorwiegend ein charakterliches Problem, das ihre Arbeitsfähigkeit beeinflusse. Das werde sich kaum ändern, sondern sie brauche eine passende Arbeits
umgebung, der sie ge
wachsen sei (E. 3.2).
5.3
Der psychiatrische Gutachter notierte zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit, dass es bereits mit Beginn der Ausbildung Einschränkungen gegeben habe, der unruhige Lebenslauf der Klägerin verweise darauf. Relevante Einschränkungen wegen der depressiven Phasen dürften seit spätestens 2003 immer wieder in unterschied
lichem Ausmass vorgelegen haben. Die aktuellen Anga
ben gälten seit 2013 (vgl. E.
3.4.2
).
Entgegen den klägerischen Ausführungen bezieht sich der Gutachter damit auf die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung, welche bereits ab Ausbildungsbeginn Einschränkungen nach sich gezogen habe. Die depressiven Phasen seien erst 2003 dazu gekommen.
Betrachtet man den Lebenslauf der Klägerin
(Urk. 19/7)
, so fällt auf, dass sie seit der Anstellung bei
F._
von März 2004 bis A
ugust 2005
- bis auf die gele
gentlichen Sitzwac
hen im Universitätsspital P._
- keine Anstellung länger halten konnte.
Zwischen diesen Anstellungen, die 8, 14, 7, 7 und 4 Monate
dauerten, lagen regelmässig mehrmonatige Unterbrüche.
Sie selbst gab gegenüber dem psychiatrischen Gutachter an, dass ihr der Job bei
der Q._
gut gelegen
sei
. Sie habe drei verschiedene Jobs in einer Funktion gehabt, was dann Reibereien gegeben habe. Sie sei dann von der Haupt-Assistentin rausgemobbt worden. Nach einem Jahr sei ihr gekündigt worden. Aber zeitgleich habe es auch strukturelle Änderungen gegeben, letztlich sei es auch darum gegangen (
Urk.
19/189/38). Nachher habe sie in der Patientenadministration gearbeitet und
in der Folge
eine Anstellung als Assistentin bei
einem der höchsten Leiter der R._
bekom
men. Dann seien verdammte Massnahmen gekommen, so dass sie aus wirtschaft
lichen Gründen den Job verloren habe. Sie habe eine C
oliti
s gehabt danach und sei 2 Monate in 2011 krankgeschrieben gewesen. Nach acht Monaten habe sie den J
ob wieder verloren
.
5.4
Mit dem Gutachter übereinstimmend notierte auch
lic
. phil.
M._
in seinem Bericht vom 1
7.
Dezember 2016 zuhanden der IV-Stelle, dass die von
Dr.
D._
angeführten Charaktermerkmale «in der Schwierigkeit ihres Charakters» oder in der Formulierung der IV-Stelle «in der Problematik einer Festanstellung» Teil der Persönlichkeitsstörung sei und nichts damit zu tun habe, allfälligen Eigenbe
mühungen nicht nachzukommen. Entscheidend sei, dass Persönlichkeitsstö
run
gen mit frühen Entwicklungstraumen und familiären
Traumaexpositionen
zu tun hätten. Die seien sowohl bei ihm als auch im
Medas
-Gutachten genügend nach
gewiesen.
Die frühen Entwicklungstraumen
bzw. familiären Belastungen würden immer dann reaktiviert, wenn sich jemand in einer Stresssituation bzw. Überfor
derung befinde (
Urk.
19/214).
5.5
Zusammenfassend ist aufgrund der
durch die Klägerin während der Begutachtung
gemachten anamnestischen Angaben zu ihrer beruflichen Laufbahn
, der daraus folgenden Einschätzung des psychiatrischen Gutachters
sowie der
Beurteilungen
von
Dr.
D._
und
lic
. phil.
M._
überwiegend wahrscheinlich, dass die
invalidisierende Persönlichkeitsstörung bereits vor dem Beginn der Versiche
rung
s
deckung durch die Beklagte 1 eine relevante Leistungseinbusse von mindestens 20
%
zeitigte und sich sinnfällig auf ihre Arbeitsverhältnisse auswirkte. Damit ist die Persönlichkeitsstörung als Ursache der Arbeitsunfähigkeit, welche später zur Invalidität geführt hat, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vor der Versiche
rungsdauer der Beklagten 1 eingetreten.
6.
Zu prüfen bleibt, ob der zeitliche Zusammenhang durch die Anstellungen bei der
Y._
S.A. oder der
A._
AG unterbrochen wurde.
6
.1
Die Klägerin arbeitete vom 1
5.
September 2012 bis zum 1
5.
Dezember 2012 bei
der
Y._
S.A. (
Urk.
19/28), wobei sie ab dem
5.
Dezember 2012 durch
Dr.
D._
vollumfänglich krankgeschrieben worden war (
Urk.
19/27). Damit war dieses Arbeitsverhältnis nicht von ausreichender Dauer, um den zeitlichen Zusammen
hang zu unterbrechen (vgl. E. 2.3). Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass die Klägerin
während des Arbeitsverhältnisses
durch die Persönlichkeitsstörung in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war, was zur Auflösung während der Pro
be
zeit führte.
Damit vermag diese Tätigkeit den zeitlichen Zusammenhang nicht zu unterbrechen.
Sie ist viel mehr als
ra
s
ch
gescheiterter Arbeitsversuch zu werten.
6
.2
Die Klägerin arbeitete danach vom
7.
Juli 2014 bis am 3
0.
Juni 2015 für die
A._
AG, wobei sie ab Januar 2015 längerfristig ausfiel und danach ihre Arbeit nicht mehr vollumfänglich
wieder aufnahm
(vgl. hierzu
Urk.
19/135). Die IV-Stelle erbrachte vom
7.
Juli 2014 bis zum
6.
Januar 2015 Einarbeitungszu
schüsse (
Urk.
19/84). Demnach entsprach die Leistungsfähigkeit der Klägerin in dieser Zeit
definitionsgemäss
nicht dem vereinbarten Lohn (vgl.
Art.
18b
Abs.
1 IVG), womit keine volle Arbeitsfähigkeit erreicht war und der zeitliche Zusam
men
hang klarer
weise nicht unterbrochen wurde.
Entsprechend wurde
der Kläge
rin
mit Urteil vom
2
5.
Januar 2019 eine ganze Invalidenrente ab Februar 2015 zugesprochen.
6.3
Zusammenfassend ist erstellt, dass die Persönlichkeitsstörung
als Ursache der Arbeitsunfähigkeit, welche später zur Invalidität geführt hat, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vor der Versicherungsdauer der B
eklagten 1 eingetreten
ist
und der zeitliche Zusammenhang durch die Anstellungen bei der
Y._
S.A. so
wie der
A._
AG nicht unterbrochen wurde.
Entsprechend sind weder die Beklagte 1 noch die Beklagte 2 leistungspflichtig der Klägerin eine berufsvorsorgerechtliche Invalidenrente zu bezahlen. Die Klage ist vollumfänglich abzuweisen.
7
.
Das Verfahren ist kostenlos. De
n
Beklagten steht in ihrer Funktion als Trägeri
n
nen
der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung zu (§ 34 Abs. 2
GSVGer
; vgl. statt vieler: BGE 128 V 124 E. 5b).