Decision ID: d423d09b-7ec8-5715-b3d6-ac4e0b3f7967
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde im November 1989 unter Hinweis auf eine seit seiner Geburt
bestehende Hörbehinderung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
angemeldet (IV-act. 1). Die otorhinolaryngologische Klinik des Universitätsspitals Zürich
berichtete am 13. November 1989, der Versicherte leide an einer hochgradigen
sensorineuralen Schwerhörigkeit auf beiden Seiten (IV-act. 7). Mit einer Mitteilung vom
13. Juli 1990 sprach die Ausgleichskasse dem Versicherten eine audiopädagogische
Therapie für die Zeit vom 1. April 1990 bis zum 31. März 1992 zu (IV-act. 9). Mit einer
weiteren Mitteilung vom 14. Dezember 1990 sicherte die Ausgleichskasse dem
Versicherten die Vergütung der zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 444 Anh.
GgV notwendigen medizinischen Massnahmen für den Zeitraum vom 20. Oktober 1989
bis zum 31. Oktober 1999 zu (IV-act. 18). Mit einer dritten Mitteilung vom 20. Februar
1991 sprach die Ausgleichskasse dem Versicherten leihweise zwei Hörgeräte zu (IV-
act. 21). Im November 1991 erfolgte eine zweite Anmeldung zum Leistungsbezug,
dieses Mal unter Hinweis auf eine Sehbehinderung (IV-act. 26). Der Augenarzt Dr. med.
B._ berichtete im Dezember 1991 über einen im Jahr 1991 festgestellten Strabismus
convergens mit einem plötzlich aufgetretenen Schielen (IV-act. 28). Mit einer Mitteilung
vom 2. April 1992 sicherte die Ausgleichskasse dem Versicherten die zur Behandlung
des Geburtsgebrechens Ziff. 426 Anh. GgV notwendigen medizinischen Massnahmen
(einschliesslich Brillen) für die Zeit vom 22. November 1991 bis zum 31. Januar 1999 zu
(IV-act. 29). Im Juni 1992 beantragte die Sprachheilschule C._ eine interne
Sonderschulung des Versicherten (IV-act. 32). Mit einer Mitteilung vom 7. Oktober 1992
erteilte die Ausgleichskasse eine entsprechende Kostengutsprache (IV-act. 34). Mit
einer Verfügung vom 25. März 2004 sicherte die IV-Stelle dem Versicherten auch die
zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 446 Anh. GgV notwendigen
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medizinischen Massnahmen für die Zeit vom 1. Juli 2003 bis zum 31. Januar 2008 zu
(IV-act. 99).
A.b Im Mai 2004 beantragte der Versicherte eine Berufsberatung (IV-act. 102). Nach
einem Schnupperpraktikum (vgl. IV-act. 112) empfahl der IV-Berufsberater eine
erstmalige berufliche Ausbildung des Versicherten zum Hauswartmitarbeiter (Anlehre;
IV-act. 113). Mit einer Verfügung vom 12. Januar 2005 erteilte die IV-Stelle eine
entsprechende Kostengutsprache (IV-act. 117). Im November 2005 berichtete eine
Logopädin (IV-act. 135), der Versicherte benötige ein Training in der Artikulation. Seine
Sprache sei „verwaschen“, wenn er rasch spreche, was schon wiederholt zu
Missverständnissen geführt habe. Mit einer Verfügung vom 11. Januar 2006 sprach die
IV-Stelle dem Versicherten für die Zeit vom 15. September 2005 bis zum 30.
September 2006 eine Logopädie zu (IV-act. 143). Im Februar 2006 musste der
Versicherte eine schriftliche Abmachung mit dem Lehrbetrieb unterzeichnen, nachdem
er mehrmals seinen Pikettdienst vernachlässigt hatte, zu spät zur Arbeit erschienen war
und sich dann mit Unwahrheiten gerechtfertigt hatte (IV-act. 152). Im Mai 2006 warf der
Lehrbetrieb die Frage auf, ob eine Weiterführung der begonnenen Anlehre im
geschützten Rahmen noch sinnvoll sei (IV-act. 168). Der IV-Berufsberater wies den
Lehrbetrieb nach einer Aussprache mit dem Versicherten darauf hin (IV-act. 169), dass
dieser nicht nur akustische Verständigungsprobleme, sondern auch sprachinhaltlich
Mühe mit der Kommunikation habe. Man müsse in einfachsten Worten und kurzen
Sätzen mit ihm kommunizieren. Im Juli 2006 wurde eine neuropsychologische
Untersuchung in die Wege geleitet (IV-act. 172). Diese fand dann allerdings nicht statt;
der Versicherte kehrte nach den Sommerferien nicht in die Institution zurück, weshalb
die berufliche Eingliederungsmassnahme per 31. Juli 2006 sistiert wurde (IV-act. 174).
Bereits im Oktober 2006 konnte die erstmalige berufliche Ausbildung in einem anderen
Betrieb weitergeführt werden (IV-act. 182). Der neue Lehrbetrieb wies im Januar 2007
darauf hin (IV-act. 194), dass das Fachwissen des Versicherten sehr lückenhaft sei. Ein
Abschluss der Anlehre im Sommer 2007 sei unrealistisch. Mit einer Verlängerung der
Anlehre um ein Jahr sollte es aber möglich sein, diese erfolgreich abzuschliessen. Im
Abschlussbericht vom 10. Juli 2008 hielt der Lehrbetrieb fest (IV-act. 208), dass der
Versicherte die Anlehre erfolgreich abgeschlossen habe. Seine Leistungsfähigkeit sei
jedoch stark schwankend. Es sei fraglich, wie viel dies mit seiner unmotivierten Haltung
gegenüber dem erlernten Beruf und mit seinen eingeschränkten geistigen Fähigkeiten
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zu tun habe. Zwei Versuche des Versicherten, eine Anschlusslösung zu finden und eine
ordentliche Lehre zu absolvieren, seien gescheitert, weil dieser bei weitem nicht die
erforderlichen Voraussetzungen dafür erfüllt habe. Auch Bewerbungen um
berufsfremde Arbeitsstellen seien allesamt erfolglos gewesen. Der Versicherte benötige
einen verständnisvollen Arbeitgeber, der ihm die zu verrichtenden Arbeiten genau
erkläre und ihn in schwierigen Situationen unterstütze und motiviere. Die
Arbeitsleistung des Versicherten liege gesamthaft bei etwa 30 Prozent einer
durchschnittlichen Arbeitsleistung. Ein angemessener Monatslohn bewege sich bei
maximal 700 Franken pro Monat. Im Oktober 2008 notierte Dr. med. D._ vom IV-
internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), aus dem Abschlussbericht gehe hervor,
dass der Versicherte seine Arbeitsfähigkeit nur in einem geschützten Rahmen werde
verwerten können (IV-act. 213). Mit einer Verfügung vom 12. Februar 2009 sprach die
IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. August 2008 eine ganze Rente zu
(IV-act. 226). Zur Begründung führte sie aus (IV-act. 223), ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung könnte der Versicherte als Hauswartsmitarbeiter ein
Jahreseinkommen von 54’749 Franken verdienen. Das zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen belaufe sich auf 12 × 700 = 8’400 Franken. Das ergebe einen
Invaliditätsgrad von 85 Prozent, weshalb ein Anspruch auf eine ganze Rente bestehe.
A.c Im Mai 2009 ersuchte der Versicherte um eine Arbeitsvermittlung (IV-act. 239). Mit
einer Mitteilung vom 1. Oktober 2009 wurde ihm eine solche zugesprochen (IV-act.
244). Die Zusammenarbeit zwischen der IV-Stelle und dem Versicherten gestaltete sich
schwierig (vgl. IV-act. 252). Da der RAD festgehalten hatte, die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten sei nur im geschützten Rahmen verwertbar, wurde die Arbeitsvermittlung
mit einer Mitteilung vom 11. Januar 2010 erfolglos abgeschlossen (IV-act. 255). Im Jahr
2011 arbeitete der Versicherte während rund einem Monat als Mitarbeiter in einem
Betrieb für Plattenbeläge und Natursteinarbeiten (IV-act. 280).
A.d Im September 2012 erhielt die IV-Stelle einen anonymen Hinweis, dass der
Versicherte als Pizzakurier arbeite (IV-act. 287). Der RAD-Arzt Dr. med. E._ hielt im
November 2012 fest (IV-act. 291), er könne die Zusprache einer ganzen Rente aus
medizinischer Sicht nicht nachvollziehen. Er empfehle eine Klärung der medizinischen
Situation und allenfalls eine Wiedereingliederung. Der Versicherte wurde im Dezember
2012 im Auftrag der IV-Stelle observiert. Die F._ GmbH berichtete (IV-act. 299), der
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Versicherte habe bei der Arbeit als Pizzakurier beobachtet werden können. Der RAD-
Arzt Dr. E._ führte in der Folge aus (IV-act. 300), die Beurteilung des Berufsberaters,
die letztlich zur Rentenzusprache geführt habe, überzeuge ihn grundsätzlich immer
noch. Möglicherweise sei es aber mittlerweile zu einer gewissen Stabilisierung der
Persönlichkeit gekommen, durch die sich die Arbeitsfähigkeit des Versicherten
verbessert habe. Im März 2013 wurde der Versicherte mit dem Observationsmaterial
konfrontiert (IV-act. 312). Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte nach
einem ersten Gespräch mit dem Versicherten (IV-act. 320), dieser habe sehr motiviert
gewirkt und angegeben, er wolle seinem vier Monate alten Sohn ein Vorbild sein und
arbeiten. Die Arbeitsstelle bei der Pizzeria habe er nach etwa vier Monaten aufgeben.
Sein Vorgesetzter habe ihn belogen und „beschissen“. Auch vom regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum und von anderen Arbeitgebern sei er belogen und
„beschissen“ worden. Im August 2013 konnte der Versicherte einen Arbeitsversuch als
Hilfsbodenleger beginnen (IV-act. 322). Der Arbeitgeber teilte im September mit (IV-act.
332–2), mit dem Versicherten sei es schwierig. Er sei arbeitswillig und fleissig
beziehungsweise sogar übereifrig. Gerade das sei aber ein Problem. Der Versicherte
rede viel zu viel und tue sich schwer. Er sei unselbständig und habe Mühe, klare
Anweisungen zu befolgen. Zeitweise wolle er Kunden und Architekten beraten, statt
Hilfsarbeiten zu erledigen. Er sei schwierig im Umgang. Er habe immer etwas und frage
dauernd. Im Betrieb könnte er nie Unterschlupf finden. Man könne einen Schnupperstift
besser einsetzen als den Versicherten, der letztlich mehr Umstände mache, als dass er
nutze. Ein von der IV-Stelle beauftragter Stellenvermittler hielt in einem
Zwischenbericht vom 3. Juli 2014 fest (IV-act. 330), er habe grosse Bedenken
betreffend die Fähigkeiten des Versicherten für den ersten Arbeitsmarkt. Zur Beratung
sei der Versicherte mehrmals zu spät erschienen. Einen Termin habe er mit
zehnminütiger Verspätung abgesagt und verschoben, einen weiteren habe er verpasst,
ohne sich abzumelden. Der Versicherte tue sich schwer damit, seine Stellensuche auf
realistische Berufe zu konzentrieren. Im Schlussbericht vom 11. Dezember 2014 führte
der Stellenvermittler aus (IV-act. 331–1), im weiteren Verlauf der Beratung sei der
Versicherte jeweils pünktlich zu den Terminen erschienen. Seine Partnerin habe ihn zu
jedem Gespräch begleitet. Die Aufträge des Stellenvermittlers habe der Versicherte
zuverlässig und ausführlich erledigt. Nur bezüglich der Frage, was realistische Berufe
für den Versicherten seien, seien die Meinungen auseinander gegangen: Der
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Versicherte habe seine Fähigkeiten anders als der Stellenvermittler und die Partnerin
eingeschätzt. Eine Schnupperwoche in einem Betrieb, der sich „sehr nahe am ersten
Arbeitsmarkt“ bewege, habe gezeigt, dass der Versicherte zwar genau, aber zu
langsam arbeite. Er habe viel gesprochen und seine Arbeit dadurch vernachlässigt. Die
Auffassungsgabe sei als schlecht bezeichnet worden.
A.e Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte im Frühjahr 2016 bidisziplinär –
otorhinolaryngologisch und psychiatrisch – begutachtet; der psychiatrische
Sachverständige beauftragte einen Neuropsychologen consiliarisch mit einer Testung
des Versicherten. Der neuropsychologische Sachverständige Dr. phil. G._ berichtete
am 30. Januar 2016 (IV-act. 366), der Versicherte habe sich motiviert gezeigt, im
Gespräch aber teilweise etwas weitschweifig erzählt und vereinzelt den Untersucher
unterbrochen. Mehrfach habe er mit der Dolmetscherin für Gebärdensprache über
private Dinge sprechen wollen. Wiederholt habe er vorzeitig mit der
Aufgabenbearbeitung begonnen. Bei einer einfachen Reiz-Reaktionsaufgabe sei er
rasch gelangweilt gewesen. Häufig habe er unruhig auf dem Stuhl gesessen. Mehrmals
habe er nach dem Zweck der Untersuchung gefragt. Einmal habe er einen Witz erzählt;
vereinzelt habe er komische Bemerkungen gemacht. Seine lautsprachlichen
Äusserungen seien weitgehend verständlich, aber grammatikalisch und sprachlich sehr
einfach gehalten gewesen. Nach der Untersuchung sei er normal ermüdet gewesen.
Die Resultate der Beschwerdevalidierungstests seien unauffällig gewesen. Die
Aufmerksamkeitsleistung sei teilweise unterdurchschnittlich gewesen. Die Lern- und
Gedächtnisleistung sowie die Leistungen bei der räumlich-perzeptive Analyse
beziehungsweise bei der räumlich-konstruktiven Verarbeitung seien durchschnittlich
gewesen. Bei der Prüfung der komplexen Denkleistung und der Exekutivfunktionen
habe der Versicherte teilweise unterdurchschnittliche Leistungen gezeigt. Kognitive
Auffälligkeiten und Beeinträchtigungen seien bei Gehörlosen oft festzustellen.
Gehörlose könnten die Lautsprache nicht erlernen und litten deshalb beim Schuleintritt
oft an einem Sprachentwicklungsrückstand. Dieser sei noch stärker ausgeprägt, wenn
die Eltern über ein unbeeinträchtigtes Hörvermögen verfügten und demzufolge die
Gebärdensprache nicht „fliessend“ beherrschten. Gehörlose könnten nicht wie
Hörende die Schriftsprache aufbauend auf die Lautsprache erlernen. Studien aus den
USA zeigten, dass gehörlose Erwachsene über eine Lesekompetenz verfügten, die
jener von hörenden neun- oder zehnjährigen Kindern entspreche. Viele erwachsene
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Gehörlose seien nach der Schullaufbahn funktionelle Analphabeten. Die schwierige
Spracherwerbs- und Kommunikationssituation habe ein vergleichsweise sehr geringes
Allgemein- und Fachwissen zur Folge. Auch die Rechenleistungen von Gehörlosen
seien oft deutlich niedriger als jene von Hörenden: Erwachsene Gehörlose verfügten
über Rechenfertigkeiten, die etwa jenen eines Fünft- oder Sechstklässlers entsprächen.
Die unterdurchschnittlichen Ergebnisse des Versicherten in der neuropsychologischen
Testung seien wahrscheinlich nicht auf eine Intelligenzminderung, sondern auf das
fehlende Hörvermögen zurückzuführen. Neben der Hörbehinderung sei aber auch das
Testverhalten aufgefallen. Die Auffälligkeiten seien mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-
und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vereinbar. Unter Berücksichtigung der
Testergebnisse könnten dem Versicherten nur Tätigkeiten zugemutet werden, die
geringe lautsprachliche und sozial-kommunikative Anforderungen stellten (u.a. kein
Kundenkontakt). Auch die schriftsprachlichen Anforderungen müssten gering sein. Die
Anforderungen in den Bereichen Allgemeinwissen und Mathematik sollten sehr gering
sein. Bei Tätigkeiten, bei denen rasch reagiert werden müsse, müssten die
Sorgfaltsanforderungen gering sein. Eine gewisse Fehlertoleranz müsse gegeben sein.
Die Tätigkeit sollte eine gewisse Abwechslung mit sich bringen. Im Hinblick auf eine
Tätigkeit als Haustechniker empfehle sich eine Unterstützung bei Kundenkontakten
und eine Herabsetzung der Anforderungen im Berichtwesen. Der
otorhinolaryngologische Sachverständige Dr. med. H._ hielt in seinem Teilgutachten
vom 28. Februar 2016 fest (IV-act. 364), der Versicherte leide an einer
schwerstgradigen, angeborenen Schallempfindungsschwerhörigkeit auf beiden Seiten
ohne Hinweise auf begleitende vestibuläre Funktionsstörungen. Die in den Akten
beschriebenen Schwierigkeiten bei der beruflichen Ausbildung und bei der Ausübung
von beruflichen Tätigkeiten seien wohl wesentlich darauf zurückzuführen, dass der
Versicherte jeweils fälschlicherweise mitgeteilt habe, er habe eine Anweisung oder ein
Gespräch vollständig verstanden, obwohl dies nicht der Wahrheit entsprochen habe.
Der Versicherte habe gegenüber dem Sachverständigen erklärt, dass ihm die Situation
mit der Sprachverständnisstörung schon immer äusserst peinlich gewesen sei. Bei den
bisherigen erfolglosen Vermittlungen auf dem ersten Arbeitsmarkt seien immer wieder
Kommunikationsprobleme als Grund für das Scheitern der Bemühungen angegeben
worden. Am aktuellen Arbeitsplatz in einem geschützten Rahmen fühle sich der
Versicherte grundsätzlich wohl, weil er nur einfache Anweisungen entgegen nehmen
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müsse. Es falle ihm schwer, einen komplizierten Sachverhalt abzuspeichern und auch
nach kurzer Zeit wieder zu memorieren. Gleich gehe es ihm auch beim Lesen
komplizierter Sachverhalte. Der Sachverständige habe ganz bewusst ein längeres
Gespräch mit dem Versicherten ohne Dolmetscherin geführt. Dabei sei ihm aufgefallen,
dass der Versicherte einfachen Sätzen durchaus habe folgen können, aber schon
zweiteilige Sätze mehrheitlich missverstanden und falsch wiederholt habe.
Zusammenfassend hätten sich aus otoneurologischer Sicht keine neuen Erkenntnisse
ergeben. Es bestehe eine hochgradige Innenohrstörung, die aber durch das Tragen von
Hörgeräten deutlich verbessert werden könne. Die bisherigen Diagnosestellungen und
Behandlungsmassnahmen seien durchwegs als lege artis zu bezeichnen. Die
hauptsächliche Ressourceneinschränkung bestehe nicht in der Hörminderung, sondern
vielmehr im stark eingeschränkten Sprachverständnis. Der Versicherte sei
grundsätzlich uneingeschränkt arbeitsfähig, aber er könne nur Arbeiten verrichten, die
in kurzen, klaren „Befehlen“ angewiesen würden. Der psychiatrische Sachverständige
führte in seinem Teilgutachten vom 7. März 2016 aus (IV-act. 365), er habe im Rahmen
der psychiatrischen Explorationen keine wesentlichen Auffälligkeiten festgestellt. Die
Argumentation des neuropsychologischen Sachverständigen bezüglich des ADHS sei
nachvollziehbar; er schliesse sich dieser Auffassung an. Abgesehen von dieser
einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung liege keine psychische
Gesundheitsbeeinträchtigung vor. Unter den vom neuropsychologischen
Sachverständigen definierten Voraussetzungen sei der Versicherte aus psychiatrischer
Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig. Die ursprüngliche Rentenzusprache sei nicht
gestützt auf eine vorgängige medizinische Abklärung erfolgt, sondern finde ihren Grund
in einer tiefen Leistungseinschätzung von Seiten des Berufsberaters. Aus heutiger Sicht
könne nicht gesagt werden, ob sich die Situation seither wesentlich geändert habe.
Grundsätzlich sei der Versicherte wohl einem Arbeitgeber zumutbar, aber die
Anforderungen an den Arbeitgeber seien „sehr hoch“. Nach einer
Konsensbesprechung attestierten die Sachverständigen dem Versicherten eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten mit geringen lautsprachlichen sozial-
kommunikativen Anforderungen, die ohne das Lesen und Verstehen von Texten
ausgeübt werden könnten, die nur geringe Anforderungen an mathematisches und
Allgemeinwissen stellten, die nur geringe Sorgfalt erforderten und die eine gewisse
Abwechslung mit sich brächten (IV-act. 367). Die RAD-Ärztin Dr. med. I._ qualifizierte
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das Gutachten als überzeugend und hielt fest (IV-act. 369), die von den
Sachverständigen attestierte uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe seit dem
Abschluss der beruflichen Ausbildung. Es könne aber auch davon ausgegangen
werden, dass sich der Versicherte dank den therapeutischen Massnahmen und zufolge
eines Reifungsprozesses besser an seine Beeinträchtigungen gewöhnt habe, wodurch
sich seine Arbeitsfähigkeit verbessert habe.
A.f Mit einem Vorbescheid vom 20. Juni 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 370), dass sie die Einstellung der laufenden Rente vorsehe. Zur Begründung
führte sie an, gemäss dem Gutachten der Dres. J._ und H._ bestehe heute eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten. Das sei unter
anderem auf eine erfolgreiche medizinische Therapie, auf eine Angewöhnung und auf
einen Reifungsprozess des Versicherten zurückzuführen, womit ein
Rentenanpassungsgrund im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliege. Folglich sei die
Rente auf das Ende des der Zustellung der noch zu erlassenden Verfügung folgenden
Monats aufzuheben. Der Vorbescheid enthielt keinen Einkommensvergleich. Dagegen
liess der Versicherte am 20. August 2016 einwenden (IV-act. 375), seine
gesundheitliche Situation habe sich seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht
verändert. Alle seine Bemühungen, eine Arbeitsstelle zu finden und zu behalten, seien
gescheitert. Angesichts der Ausführungen der Sachverständigen zu den Kriterien einer
ideal leidensadaptierten Tätigkeit sei davon auszugehen, dass der Versicherte nur in
einem geschützten Rahmen arbeiten könne. Mit einer Verfügung vom 30. September
2016 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf das Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 378). Bezugnehmend auf die Einwände des
Versicherten hielt sie unter anderem fest, die Leistungseinbusse des Versicherten
betrage an einem ideal leidensadaptierten Arbeitsplatz sicherlich nicht mehr als zehn
Prozent. Da der Versicherte seine Meldepflicht verletzt habe, könnte die Rente an sich
rückwirkend aufgehoben werden. Mit der Aufhebung auf das Ende des der Zustellung
der Verfügung folgenden Monats komme die IV-Stelle dem Versicherten bereits
„weitest möglich“ entgegen.
B.
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B.a Am 31. Oktober 2016 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. September 2016 erheben (act. G 1).
Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und
die Weiterausrichtung der bisherigen Rente sowie eventualiter die Rückweisung der
Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur weiteren
Sachverhaltsabklärung. Zur Begründung führte sie aus, Dr. J._ erstelle sehr häufig
Gutachten für die Beschwerdegegnerin, in denen er gemäss den Erfahrungen der
Rechtsvertreterin in aller Regel keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiere, so
auch im vorliegenden Fall. Allerdings habe er darauf hingewiesen, dass die
Anforderungen an einen potentiellen Arbeitgeber sehr hoch seien. Zusammenfassend
belegten die Akten eindeutig, dass der Beschwerdeführer nur noch in einem
geschützten Rahmen arbeiten könne. Hinzu komme, dass die Voraussetzungen für eine
Rentenrevision nicht erfüllt seien, da sich der massgebende Sachverhalt nicht
wesentlich verändert habe. Die Beschwerdegegnerin habe es versäumt einen
Einkommensvergleich vorzunehmen. Das Valideneinkommen müsse in Anwendung des
Art. 26 IVV festgesetzt werden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 7. Februar 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 11). Zur Begründung führte sie an, der Seitenhieb der
Rechtsvertreterin gegen den Sachverständigen Dr. J._ sei völlig deplatziert. Der
Beschwerdeführer gehe ja selbst davon aus, dass er an keiner psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigung leide. Er sei auch noch nie psychiatrisch behandelt
worden. Das Gutachten von Dr. J._ erweise sich jedenfalls als sorgfältig erarbeitet
und überzeugend. Da die ursprüngliche Rentenzusprache ohne eine vorgängige
medizinische Abklärung erfolgt sei, müsste die ursprüngliche rentenzusprechende
Verfügung eigentlich in Wiedererwägung gezogen werden. Es lägen allerdings auch
Anpassungsgründe vor. Insbesondere habe sich der Beschwerdeführer besser an
seine Gesundheitsbeeinträchtigung gewöhnt, und er sei erwachsener geworden. Eine
Anwendung des Art. 26 IVV komme nicht in Frage, da der Beschwerdeführer eine
Berufsausbildung abgeschlossen habe. Selbst wenn aber das Valideneinkommen
gestützt auf den Art. 26 IVV festgesetzt würde, würde kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultieren.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 16. März 2017 an seinen Anträgen festhalten (act.
G 13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 15).
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B.d Am 31. Mai 2017 wurde dem Beschwerdeführer – unter Anrechnung des an die
Rechtsvertreterin geleisteten Kostenvorschusses von 400 Franken – die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 18).
B.e Am 7. Mai 2018 nahm der neue Rechtsvertreter Stellung zu den Verfahrensakten,
die ihm nach seiner Mandatierung zugesandt worden waren (act. G 27). Er hielt an den
Beschwerdeanträgen fest und reichte Fragebogen ein, die ehemalige Arbeitgeber des
Beschwerdeführers in seinem Auftrag ausgefüllt hatten. Die Honorarnote für seine
Bemühungen belief sich auf etwas über 4’000 Franken.
B.f Die Beschwerdegegnerin beantragte, dass die Stellungnahme des neuen
Rechtsvertreters, die von diesem eingereichten Unterlagen und die „exorbitante“
Honorarnote aus dem Recht gewiesen würden (act. G 30).
B.g Am 25. Juli 2018 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine weitere
Stellungnahme ein (act. G 34). Am 27. September 2018 reichte er eine E-Mail einer
ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers ein (act. G 36).

Erwägungen
1.
Die angefochtene Verfügung enthält – wie schon der vorangegangene Vorbescheid –
keinen Einkommensvergleich. Damit fehlt ihr ein elementares Begründungselement,
weshalb sie in Verletzung der Begründungspflicht (Art. 49 Abs. 3 ATSG) ergangen ist.
Diese Verfahrensrechtswidrigkeit könnte an sich nur durch eine Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und durch eine Rückweisung der Sache zur neuen, nun
vollständig begründeten Verfügung behoben werden. Aufgrund des „zudienenden“
Charakters des Verfahrensrechtes ist es rechtsprechungsgemäss aber zulässig, eine
Verfahrensrechtswidrigkeit zu ignorieren (was in der Praxis missverständlich als eine
„Heilung“ bezeichnet wird, obwohl der Mangel ja gerade nicht behoben wird).
Voraussetzung dafür ist ein explizites Einverständnis des Verfügungsadressaten oder
ein eindeutiger Hinweis darauf, dass der Verfügungsadressat eine rasche materielle
Behandlung der Sache einer in jeder Hinsicht formal korrekten Erledigung vorzieht. Der
Beschwerdeführer hat die Verletzung der Begründungspflicht nicht gerügt, und seine
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Beschwerde zielt eindeutig auf einen raschen materiellen Entscheid ab. Die Verletzung
der Begründungspflicht wird deshalb ignoriert.
2.
Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich um eine Revisionsverfügung im Sinne
des Art. 17 Abs. 1 ATSG. Mit einer solchen Revision wird die Anpassung einer formell
rechtskräftig zugesprochenen Dauerleistung an eine nach der Leistungszusprache
eingetretene Veränderung des massgebenden Sachverhaltes bezweckt. Die Revision
zielt also nicht auf die Korrektur eines Fehlers ab, an dem die ursprüngliche
leistungszusprechende Verfügung von Beginn weg gelitten hat, sondern sie will eine
ursprünglich richtige, aber nachträglich falsch gewordene Verfügung „aktualisieren“,
das heisst so anpassen, dass sie – ex nunc et pro futuro – den aktuellen tatsächlichen
Verhältnissen entspricht und damit wieder „richtig wird“. Diesem Sinn und Zweck der
Revision entsprechend muss sich eine Revisionsverfügung auf eine Anpassung der
Dauerleistung an effektive Sachverhaltsveränderungen beschränken. Eine Korrektur
von Fehlern, an denen die ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung von Beginn
weg gelitten hat, ist ausgeschlossen, denn eine solche liefe auf eine Wiedererwägung
der ursprünglichen Verfügung hinaus, ohne dass die entsprechenden (strengen)
Voraussetzungen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) erfüllt wären (vgl. zum Ganzen RALPH JÖHL,
Die Revision nach Art. 17 ATSG, in: JaSo 2012, S. 153 ff.). Ebenso unzulässig ist es,
eine laufende Dauerleistung für die Zukunft abzuändern, wenn nur eine anderslautende
Beurteilung eines an sich unverändert gebliebenen Sachverhaltes zu einem anderen
Resultat führt (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 17 N 26, mit
Hinweisen). Bei der Prüfung der Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung hat
sich das Versicherungsgericht folglich auf die Beantwortung der Frage zu beschränken,
ob und allenfalls in welcher Hinsicht beziehungsweise mit welchen Folgen sich der
massgebende Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache am 12. Februar
2009 verändert hat.
3.
Aus dem sorgfältig erarbeiteten und in jeder Hinsicht überzeugenden Gutachten der
Dres. J._, G._ und H._ vom März 2016 geht eindeutig hervor, dass sich
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bezüglich der Gesundheitsbeeinträchtigung des Beschwerdeführers seit der
ursprünglichen Rentenzusprache nichts Wesentliches verändert hat. Der
Beschwerdeführer hat im hier massgebenden Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Revisionsverfügung vom 30. September 2016 nach wie vor an einer
schwerstgradigen beidseitigen Hörschädigung gelitten, die seit der Geburt bestanden
hat. Auch in psychischer Hinsicht hat sich sein Gesundheitszustand nicht verändert:
Das vom Neuropsychologen Dr. G._ festgestellte und vom Psychiater Dr. J._
bestätigte ADHS hat schon seit der Kindheit bestanden, wie die Sachverständigen
anhand der bis in jene Zeit zurückreichenden Akten der Beschwerdegegnerin
überzeugend aufgezeigt haben. Die von den Sachverständigen beschriebene
Spracherwerbs- beziehungsweise Kommunikationsstörung des Beschwerdeführers hat
ebenfalls schon seit jeher bestanden, auch wenn sie erst im Gutachten vom März 2016
erstmals detailliert beschrieben worden ist. Entgegen der Ansicht der RAD-Ärztin Dr.
I._ lässt sich auch aus der rein subjektiven, durch nichts belegten Aussage des seine
Fähigkeiten regelmässig (teils erheblich) überschätzenden Beschwerdeführers, er sei
nun „reifer“ beziehungsweise „erwachsener“ geworden, keine relevante Veränderung
des massgebenden Sachverhaltes konstruieren. Anhand der objektiven Angaben in
den Akten geht vielmehr mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit hervor, dass sich bezüglich des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers seit der ursprünglichen Rentenzusprache nichts geändert hat. Auch
der massgebende allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt hat zwischenzeitlich
keine wesentliche Veränderung erfahren. Der Beschwerdeführer hätte im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenzusprache nur in einem geschützten Rahmen arbeiten können,
was von den Akten aus der damaligen Zeit eindeutig belegt wird: Der
Beschwerdeführer hat es kaum geschafft, eine einfache Anlehre in einem geschützten
Rahmen erfolgreich abzuschliessen, was aber nicht auf schulische Probleme (in der auf
Hörbehinderte spezialisierten Schule erzielte er gute Noten), sondern auf Probleme am
zwar geschützten, aber nicht spezifisch auf Hörbehinderte ausgerichteten Arbeitsplatz
zurückzuführen ist. Der Lehrbetrieb hat nach dem Lehrabschluss nur eine Tätigkeit in
einem geschützten Rahmen als zumutbar erachtet. Der RAD-Arzt Dr. D._ hat in der
Folge notiert, es sei offensichtlich, dass der Beschwerdeführer nur in einem
geschützten Rahmen arbeiten könne. Auch im Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung hätte der Beschwerdeführer nur in einem geschützten
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Rahmen arbeiten können. Das wird durch die Gutachten der Dres. J._, G._ und
H._ anschaulich belegt: Der Beschwerdeführer tut sich nicht nur mit der
lautsprachlichen Kommunikation schwer. Auch die schriftliche Kommunikation bereitet
ihm grosse Mühe. Man müsste ihm Anweisungen idealerweise anhand von Bildern
erteilen, die er wesentlich besser als schriftliche Anordnungen verstehen würde. Bei der
lautsprachlichen Kommunikation scheitert der Beschwerdeführer bereits bei
zweiteiligen Sätzen. Um sicher zu gehen, dass er den Inhalt eines Gesprächs wirklich
versteht, muss man in einfachen, kurzen Sätzen mit ihm sprechen, wobei man sich
eines minimalen Wortschatzes bedienen muss. Dafür muss man sich Zeit nehmen,
denn man muss dem Beschwerdeführer ins Gesicht schauen, damit er sich mit
Lippenablesen beim Verständnis behelfen kann. Gerade in handwerklichen Tätigkeiten
ist das aber schwierig oder zumindest unüblich, denn in aller Regel erklärt man
Arbeitsschritte, während man diese ausübt, was auch der Beschwerdeführer als
problematisch beschrieben hat. Wie Dr. J._ treffend festgehalten hat, sind die
Anforderungen an einen potentiellen Arbeitgeber zusammenfassend also immer noch
„sehr hoch“. Es verwundert nicht weiter, dass ein ehemaliger Arbeitgeber nach einem
Arbeitsversuch geltend gemacht hat, ein Schnupperstift würde ihm mehr nützen als der
Beschwerdeführer, der nur eine geringe Arbeitsleistung erbringe und den ganzen
Betrieb aufhalte. Die Beschwerdegegnerin ist zwar davon ausgegangen, dass die von
Beschwerdeführer während einer kurzen Zeit ausgeübte Tätigkeit als Pizzakurier das
Gegenteil belege, aber diese Annahme ist falsch, denn der Beschwerdeführer hat diese
Arbeitsstelle (wie schon andere davor) bereits nach kürzester Zeit wieder verloren.
Diesbezüglich kann entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitsstelle nur wegen der Observation
aufgegeben habe, handelt es sich bei seiner entsprechenden Angabe doch nur um eine
von mehreren alternativen Begründungen, die er im Lauf des Verfahrens vorgebracht
hat, wobei die „Aussage der ersten Stunde“ jene gewesen ist, dass ihn sein
Arbeitgeber belogen und „beschissen“ haben soll. Zusammenfassend steht fest, dass
der Beschwerdeführer noch immer nur in einem geschützten Rahmen erwerbstätig sein
kann, sodass sich der massgebende Sachverhalt seit der ursprünglichen
Rentenzusprache nicht wesentlich verändert hat. Die angefochtene Verfügung erweist
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sich damit als rechtswidrig, weshalb sie aufzuheben ist. Der Beschwerdeführer hat
weiterhin einen unveränderten Anspruch auf die bisherige Rente.
4.
4.1 Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen. Die Gerichtskosten von 600 Franken
sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die Beschwerdegegnerin
hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten. Deren Betrag
richtet sich nach dem erforderlichen Vertretungsaufwand. Dieser ist bezüglich der Zeit
bis zum Abschluss des zweiten Schriftenwechsels als durchschnittlich zu qualifizieren.
Hätte kein weiterer Schriftenwechsel mehr stattgefunden, wäre dem Beschwerdeführer
folglich praxisgemäss eine Parteientschädigung von 3’500 Franken zugesprochen
worden, mit der er den erforderlichen Vertretungsaufwand seiner ersten
Rechtsvertreterin hätte bezahlen können.
4.2 Nun stellt sich aber die Frage, ob der Beschwerdeführer einen zusätzlichen
Entschädigungsanspruch bezüglich jenes Aufwandes hat, den sein zweiter – nach dem
Abschluss des ordentlichen Schriftenwechsels beauftragter – Rechtsvertreter betrieben
hat. Diese Frage kann nicht grundsätzlich verneint werden, denn es ist nicht a priori
ausgeschlossen, dass nach dem Abschluss des ordentlichen Schriftenwechsels noch
ein erforderlicher Vertretungsaufwand anfallen könnte. Vorliegend ist kein solcher
erforderlicher Aufwand auszumachen. Der zweite Rechtsvertreter hat in seinen
Eingaben nur wiederholt, was die erste Rechtsvertreterin bereits geltend gemacht
hatte. Neu sind nur die von ihm eingereichten schriftlichen Angaben der ehemaligen
Arbeitgeber des Beschwerdeführers gewesen. Diesen kann allerdings zum Vorneherein
kein Beweiswert zugemessen werden, da aus der vom zweiten Rechtsvertreter
eingereichten Honorarnote klar hervorgeht, dass dieser die ehemaligen Arbeitgeber des
Beschwerdeführers bereits vor dem Verfassen seiner Fragebögen mehrfach telefonisch
und per E-Mail kontaktiert hatte. Der Inhalt der Telefonate und der E-Mails ist nicht
bekannt, weshalb nicht völlig ausgeschlossen werden kann, dass es dabei zu einer
Beeinflussung der Zeugen gekommen sein könnte. Die vom zweiten Rechtsvertreter
eingereichten Beweismittel sind folglich zum Vorneherein untauglich gewesen, weshalb
sich der Aufwand, den er diesbezüglich betrieben hat, als überflüssig beziehungsweise
als unnötig erweist. Selbstverständlich hat die Beschwerdegegnerin auch den Aufwand
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für die Einarbeitung des zweiten Rechtsvertreters ins Dossier nicht zu bezahlen,
schuldet sie doch bereits eine Entschädigung für die Einarbeitung der ersten
Rechtsvertreterin ins Dossier. Zusammenfassend erweist sich der gesamte vom
zweiten Rechtsvertreter betriebene Aufwand als nicht entschädigungsfähig. Das
bedeutet, dass die (für die Bezahlung der ersten Rechtsvertreterin gedachte)
Parteientschädigung auf 3’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.