Decision ID: 39744879-d18d-5915-8bbe-a473c2ea9c65
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich im November 2013 erstmals bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen
und Rentenleistungen an (IV-act. 1). In einem Begleitschreiben gab er an, einige Jahre
zuvor einen schweren Autounfall erlitten zu haben, bei dem sein linker Fuss beschädigt
worden sei. Als es ihm wieder besser gegangen sei, habe er eine Arbeit in der
Baubranche aufgenommen. Doch dabei sei es leider am 10. November 2011 zu einem
Arbeitsunfall gekommen, bei dem ihm eine Betonplatte auf den bereits
vorgeschädigten Fuss gefallen sei (IV-act. 2; zum Unfallereignis vgl. Fremdakten, act.
G 4.2-1 S. 121 und 136 f.). Er bitte um Unterstützung im Rahmen einer Umschulung
(IV-act. 2). Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) hatte ihre
vorübergehenden Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeld) für den Unfall
vom 10. November 2011 per 31. Juli 2012 eingestellt (Fremdakten, act. G 4.2-1 S. 10
f.). In einem Bericht vom 21. Januar 2014 nannte Dr. med. B._, Spezialarzt
Orthopädie FMH als Diagnosen eine deutliche Arthrose des oberen Sprunggelenks
(OSG) und des unteren Sprunggelenks (USG), Intermetatarsalarthrosen, eine
Pseudoarthrose des Talushalses und eine laterale OSG-Bandinsuffizienz links. Weiter
hielt er fest, dass er den Versicherten am 19. Dezember 2013 erstmals gesehen habe
und seither eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Bauarbeiter bestehe. Vorwiegend
sitzende Tätigkeiten wären vollumfänglich möglich (IV-act. 15 S. 3). Nach Erlass eines
entsprechenden Vorbescheids (IV-act. 22) wies die IV-Stelle das Begehren um
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen mit Verfügung vom 14. April 2014 ab mit
der Begründung, in adaptierten Tätigkeiten sei dem Versicherten ein volles Pensum
zumutbar und es bestünden keine gesundheitsbedingten Einschränkungen bei der
Stellensuche (IV-act. 24).
A.a.
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St.Galler Gerichte
Vom _ bis _ 2014 war der Versicherte als [...]-Aushilfe in einem Pensum von
80 % beim C._ tätig (IV-act. 69 und 25 S. 4). Am 11. September 2014 erlitt er als
Motorradfahrer einen Verkehrsunfall (vgl. Fremdakten, act. G 4.2-3 S. 1). Noch
gleichentags wurde er ins Kantonsspital St. Gallen (KSSG) eingeliefert, wo er stationär
aufgenommen und später ins Spital D._ verlegt wurde (vgl. IV-act. 74 ff., 28 S. 1 f.
und S. 6 und 71 S. 1 ff.). Im Austrittsbericht vom 3. Oktober 2014 nannten die
behandelnden Ärzte folgende Diagnosen: Eine ventrale Schulterluxation rechts mit
grosser Hill-Sachs-Läsion und multifragmentärer, dislozierter Abrissfraktur des
Tuberculum majus, ein komplexes Fusstrauma rechts mit mehrfragmentärer,
dislozierter Fraktur des Sustentaculum, dislozierter Trümmer-/Abirssfraktur des
Tuberculum laterale tali mit Frakturausläufern lateral bis in den Corpus tali sowie
Avulsionsfraktur des Os cuboideum und am distalen Os cuneiforme laterale, eine nicht
dislozierte Fraktur des Os trapezium Hand links, ein stumpfes Abdomentrauma, eine
Commotio cerebri mit kurzer Bewusstlosigkeit sowie eine Rissquetschwunde rechter
Unterschenkel prätibial (IV-act. 56 S. 1 ff.; vgl. ferner Zwischenbericht vom 15.
September 2014, IV-act. 28 S. 1 f.). Im Anschluss an den stationären Spitalaufenthalt
fand vom 3. Oktober bis 5. November 2014 ein Rehabilitationsaufenthalt in den Kliniken
E._ statt (IV-act. 28 S. 3 ff.), in dessen Rahmen sich der Versicherte noch eine
Kleinzehenfraktur links zuzog, die konservativ behandelt wurde (vgl. IV-act. 75 S. 3,
unten). Anlässlich der Nachkontrollen vom 10. November und 16. Dezember 2014 in
der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
(nachfolgend: Orthopädie) des Spitals D._ zeigte sich ein regelrechter Verlauf, mit
dem auch der Versicherte zufrieden war. Die Ärzte empfahlen bis zur nächsten
Verlaufskontrolle die Fortführung der Physiotherapie sowie eine zunehmende
Entwöhnung vom Gehstock, wobei die Orthese am OSG rechts weggelassen werden
könne. Aufgrund einer eingeschränkten Beweglichkeit der Flexion im IP-Gelenk des
Daumens bei einem Status nach Beugesehnenrepair mehrere Jahre zuvor wurde der
Versicherte zwischenzeitlich sodann an die Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie des Spitals D._ (nachfolgend: Handchirurgie) verwiesen
(vgl. IV-act. 57 S. 1 ff.), wo er am 6. Januar 2015 erstmals vorstellig wurde (IV-act. 47).
Nach einer MRT-Untersuchung stellten die behandelnden Ärzte in einer Sprechstunde
vom 20. Januar 2015 eine Ruptur der Flexor pollicis longus-Sehne rechts mit
Retrahierung bis zum Handgelenk fest (IV-act. 48). Am 23. Februar 2015 wurde eine
A.b.
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operative Rekonstruktion der Flexor pollicis longus-Sehne mit einem palmaris longus-
Sehneninterponat rechts durchgeführt (IV-act. 49 und 68; für die nachfolgenden
Kontrolluntersuchungen vgl. IV-act. 50 ff.).
Am 2. März 2015 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf den
Strassenverkehrsunfall erneut bei der IV-Stelle für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 25 i.V.m. 33). Als letzte berufliche Tätigkeit gab er
diejenige beim C._ an (vgl. IV-act. 25 S. 4; vgl. ferner IV-act. 58).
A.c.
Anlässlich einer Verlaufskontrolle in der Orthopädie des Spitals D._ vom
16. März 2015 zeigte sich hinsichtlich der Schulter und des OSG rechts progrediente
Frakturkonsolidierungen. Der Versicherte konnte sich zwar ohne Schiene mobilisieren,
jedoch war dies noch mit Schmerzen verbunden (IV-act. 53). Am 30. März 2015 wurde
eine diagnostisch-therapeutische Infiltration des OSG rechts durchgeführt (IV-act. 54).
Anlässlich einer Verlaufskontrolle vom 20. Juli 2015 in der Orthopädie des Spitals D._
zeigte sich, dass die am 30. März 2015 durchgeführte OSG-Infiltration ohne Erfolg
geblieben war. Beim Versicherten persistierten wechselhafte, diffuse Schmerzen im
Bereich beider Fussgelenke. Da die behandelnden Ärzte als nächsten Schritt lediglich
die Möglichkeit einer operativen Arthrodese (wohl rechts) sahen, planten sie zunächst
eine Vorstellung des Versicherten beim Fussspezialisten Dr. med. F._, Fusschirurgie,
Spital D._ (IV-act. 83 S. 12 f.). In einer Sprechstunde vom 21. Juli 2015 in der
Handchirurgie des Spitals D._ zeigte sich eine deutlich bessere Beweglichkeit des
Daumens, jedoch klagte der Versicherte noch über Narbenbeschwerden im Bereich der
ersten Zwischenfingerfalte (IV-act. 83 S. 10 f.; zu vorhergehenden Kontrollen vgl. IV-
act. 55 und 66.). In einem Bericht vom 7. August 2015 hielt Dr. med. G._, Facharzt
Diagn. Radiologie, Allgemeinmedizin fest, dass der Versicherte seit dem Polytrauma
vom 11. September 2014 Beschwerden an der rechten Hand, der rechten Schulter und
dem rechten Fuss habe, wobei Schulterbeschwerden aktuell kaum vorhanden seien.
Restbeschwerden bestünden auch noch am rechten Daumen in Form von
Sensibilitätsstörungen der Fingerkuppe sowie Narbenschmerzen. Ausserdem
bestünden Beschwerden am rechten OSG. Diesbezüglich sei die Behandlungsstrategie
noch offen. Seit dem 11. September 2014 bestehe in den angestammten Tätigkeiten
als [...], [...] oder bei einer Tätigkeit auf dem Bau eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Berufliche Eingliederungsmassnahmen könnten noch nicht begonnen werden, da das
A.d.
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Endresultat der Behandlung der rechten Hand noch nicht erreicht sei und die Therapie
am rechten Fuss eventuell im Rahmen einer Arthrodese neu eingeleitet werde. Aktuell
betrage die Arbeitsfähigkeit auch in optimal angepassten Tätigkeiten 0 %. Wenn die
rechte Hand wieder in Ordnung sei, wäre gegebenenfalls eine Tätigkeit wieder bis zu
100 % möglich. Der rechte Fuss werde womöglich aber immer ein Problem bleiben. Als
optimal angepasste Tätigkeit sei eine sitzende Tätigkeit zu betrachten (IV-act. 83 S. 2
ff.). Mit Mitteilung vom 28. August 2015 informierte die IV-Stelle den Versicherten
darüber, dass aufgrund des Gesundheitszustandes keine beruflichen Massnahmen
möglich seien, sondern medizinische Behandlungsmassnahmen im Vordergrund
stünden. Nach Ablauf der Wartefrist werde der Rentenanspruch mit der Einleitung
weiterer Abklärungen geprüft (IV-act. 88). Nach zwei Vorstellungen vom 2. und 30.
September 2015 bei Dr. F._ und weiteren behandelnden Ärzten der Orthopädie des
Spitals D._ (IV-act. 92 und 100) wurden am 8. Oktober 2015 erneut CT-
Untersuchungen des OSG beidseits durchgeführt. Dr. F._ sowie med. pract. Z._
kamen in einer Sprechstunde vom 22. Oktober 2015 sodann zum Schluss, dass die
vom Versicherten beschriebene Beschwerdesymptomatik hauptsächlich auf eine USG-
Arthrose beider Füsse zurückzuführen sei. Aktuell stehe der rechte Fuss im
Vordergrund. Zur genaueren Differenzierung sollte entsprechend ihrer Empfehlung eine
gestaffelte diagnostische Infiltration des USG und des OSG rechts durchgeführt
werden (IV-act. 101). Am 16. November 2015 stellte sich der Versicherte erneut in der
Orthopädie des Spitals D._ vor und teilte den behandelnden Ärzten mit, mit der
Nachbehandlung seines rechten Fusses sehr unzufrieden zu sein, weshalb er sich eine
Zweitmeinung eingeholt habe und nun einen Termin bei PD Dr. med. H._, FMH
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Fussinstitut
I._, habe. Die behandelnden Ärzte schlossen die Behandlung daher ab. Von Seiten
der rechten Schulter seien keine weiteren Massnahmen mehr zu treffen (IV-act. 102
S. 5 f.). Am 3. Dezember 2015 stellte sich der Versicherte bei Dr. H._ für eine
Zweitmeinung bezüglich der Beschwerden an den Füssen und insbesondere die
Situation am rechten Rückfuss vor. In seinem Sprechstundenbericht vom 10.
Dezember 2015 hielt dieser fest, dass auf beiden Seiten pantalare Arthrosen
bestünden. Zudem bestehe der Verdacht auf eine Sustentaculum tali Pseudoarthrose
auf der rechten Seite, welche die Schmerzen durchaus erklären könnte. Mit dem
Versicherten seien die konservativen und operativen Optionen besprochen worden.
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Angesichts des jungen Alters des Versicherten sei ein konservatives Vorgehen sicher
nicht falsch. Er, Dr. H._, empfehle das Tragen von orthopädischen Serienschuhen mit
Abrollhilfe und Fussbettung nach Mass für die nächsten zwei bis vier Monate mit
nachfolgender Verlaufskontrolle. Bei anhaltenden Beschwerden wäre eine SPECT-CT-
Untersuchung der möglichen Arthrosezone anzufertigen. Je nach Befindlichkeit wäre
dann auch ein mögliches operatives Vorgehen zu formulieren (IV-act. 106 S. 6 f.). In
einem Bericht vom 11. Dezember 2015 hielt Dr. G._ fest, dass der Versicherte die
bisherige Tätigkeit nicht durchführen könne. Beide Füsse schmerzten beim Gehen und
es bestünden auch Probleme an den Händen. Andere Tätigkeiten seien dem
Versicherten aktuell auch nicht zumutbar (IV-act. 102). In einer Stellungnahme vom 1.
März 2016 hielt der RAD fest, dass beim Versicherten nach einer Fussverletzung im
Jahr 2011 Arthrosen am linken Fuss und nach einem Polytrauma im Jahr 2014
Arthrosen am rechten Fuss sowie weitere Verletzungsfolgen an der rechten Schulter,
am rechten Daumen und an der linken Handwurzel bestünden. Die nicht verschobene
Handwurzelfraktur links sei konservativ behandelt worden. Bezüglich der rechten
Schulter seien gemäss dem letzten Sprechstundenbericht der Orthopädie des Spitals
D._ keine Massnahmen mehr zu treffen. Die Tatsache, dass kein weiterer Termin
mehr in der Handchirurgie des [...] stattgefunden habe, lasse darauf schliessen, dass
bezüglich des rechten Daumens keine Funktionseinschränkungen mehr bestünden,
zumal bereits in der letzten handchirurgischen Kontrolle vom 24. November 2015 von
einer guten Beweglichkeit des rechten Daumens bei noch bestehendem Gefühlsverlust
an der Daumenkuppe berichtet worden sei (vgl. dazu IV-act. 102 S. 7 f. mit in Aussicht
gestellter Verlaufskontrolle im Februar 2016). Bei diesem Sachverhalt könne für die
Prüfung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen angenommen werden, dass der
Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit (körperlich leichte Tätigkeit im Sitzen, keine
Gewichtsbelastung der rechten Hand von über 5 kg) 100 % arbeitsfähig sei. Nicht
auszuschliessen sei allerdings, dass bei Versagen der konservativen Therapie in
einigen Monaten noch eine Arthrodese des rechten Fusses erfolgen müsse, was zu
einer längeren Arbeitsunfähigkeit führen würde (IV-act. 112).
Mit Vorbescheid vom 3. März 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Ab
weisung des Begehrens um berufliche Massnahmen in Aussicht, da in der
Zwischenzeit für eine adaptierte Tätigkeit wieder eine volle Arbeitsfähigkeit vorliege und
A.e.
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keine gesundheitsbedingten Einschränkungen die Stellensuche beeinträchtigten (IV-
act. 115). Am 14. März 2016 wurde der IV-Stelle ein Verlaufsbericht der Handchirurgie
des Spitals D._ vom 15. Februar 2016 zugestellt (vgl. IV-act. 116 f.), worin die
behandelnden Ärzte festgehalten hatten, dass sich bezüglich des rechten Daumens ein
erfreulicher Verlauf zeige. Der Versicherte sei mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die
verbliebenen Gefühlsstörungen könnten im weiteren Verlauf noch abnehmen. Sie
störten den Versicherten im Alltag nicht stark. Die Behandlung bezüglich der Hand
könne abgeschlossen werden (IV-act. 117). Der RAD hielt am 12. Mai 2016 fest, dass
sich aus dem neu eingereichten Bericht versicherungsmedizinisch keine andere
Beurteilung ergebe (IV-act. 124). Mit Verfügung vom 12. Mai 2016 wies die IV-Stelle
das Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 125).
Mit Vorbescheid vom 30. Mai 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten sodann
die Ablehnung des Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, er sei bis anhin in einem Pensum von 80 % erwerbstätig gewesen.
Aufgrund dessen werde er für die Rentenprüfung als zu 20 % im Haushalt und als zu
80 % erwerbstätig eingestuft. Gemäss den vorliegenden Akten liege aus medizinischer
Sicht im Erwerb in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 %
vor. Auch in den Haushaltsaufgaben lägen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine
Einschränkungen vor. Bei einem Invaliditätsgrad von 0 % bestehe kein Anspruch auf
eine Invalidenrente (IV-act. 128). Gegen diesen Vorbescheid liess der Versicherte,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. R. Zahner, Kreuzlingen, am 23. Juni 2016
Einwand erheben. Er liess geltend machen, dass im letzten Bericht von Dr. H._ vom
10. Dezember 2015 verschiedene Behandlungsmöglichkeiten diskutiert worden seien.
Der Beurteilung lasse sich nichts entnehmen, das auf einen stabilen
Gesundheitszustand hindeuten würde. Wenn der RAD am 1. März 2016 ohne genaue
Kenntnis des Gesundheitsverlaufs und ohne eigene klinische Untersuchung zum
Schluss gelange, dass in einer adaptierten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
vorläge, bestünden berechtigte Zweifel an dieser Einschätzung. Es sei ein Bericht beim
Hausarzt einzuholen (IV-act. 131). In einem Telefonat vom 12. September 2016 teilte
Rechtsanwalt Zahner der IV-Stelle mit, dass sich der Versicherte seit August 2016 bei
Dr. med. J._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Klinik K._, in Behandlung
befinde (IV-act. 136). In einem Bericht vom 17. Oktober 2016 nannte Dr. J._ folgende
A.f.
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Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: eine Anpassungsstörung mit Angst
und depressiver Reaktion gemischt (schleichende Entwicklung seit anfangs 2016), den
Verdacht auf eine vorbestehende generalisierte Angststörung (schleichende
Entwicklung im Verlauf des Jahres 2015), den Verdacht auf eine kompensierte,
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und dissozialen Anteilen
sowie einen schädlichen Cannabis-Gebrauch. Weiter hielt Dr. J._ fest, der
Versicherte habe sich vom 29. August bis 16. September 2016 in der integrativen
tagesklinischen Behandlung befunden. Seither werde eine ambulante psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung durchgeführt. Zwischen dem 4. August und 30.
September 2016 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab dem 1. Oktober
2016 bestünden aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
mehr (IV-act. 138).
Mit Schreiben vom 30. Januar 2017 informierte die IV-Stelle den Versicherten
darüber, dass sie aufgrund des Einwandes vom 23. Juni 2016 weitere Arztberichte
einzuholen versucht habe. Von Dr. J._ liege neu ein Bericht vor. Vom Fussinstitut
I._ sei leider trotz mehrfacher Mahnungen kein Bericht eingetroffen. Die Orthopädie
des Spitals D._ habe mitgeteilt, dass der Versicherte sämtliche Termine dort storniert
habe. Aufgrund der vorliegenden Unterlagen werde am bisherigen Entscheid, wonach
dem Versicherten keine Rente zustehe, festgehalten (IV-act. 142). Mit einer Mail an die
IV-Stelle vom 24. Februar 2017 (IV-act. 146) reichte Rechtsanwalt Zahner ein Schreiben
von Dr. H._ vom 20. Januar 2017 ein, wonach am 15. Februar 2016 eine SPECT-CT
Untersuchung stattgefunden habe, der Versicherte jedoch zur Beurteilung nicht mehr in
der Sprechstunde erschienen sei. Dem Versicherten sei telefonisch mitgeteilt worden,
dass ausgeprägte Arthrosen bestünden, die, wie in der ersten Beurteilung ausgeführt,
angegangen werden könnten. Dafür habe sich der Versicherte nicht entscheiden
können (IV-act. 147; vgl. dazu auch IV-act. 156). Zudem reichte Rechtsanwalt Zahner
drei Berichte der Fusschirurgie der Klinik L._ vom 10. November und 12. Dezember
2016 sowie einen Bericht der Neurologie der Klinik L._ vom 13. Januar 2017 ein (IV-
act. 148). Diesem war zu entnehmen, dass die klinisch-neurologische sowie
elektrophysiologische Untersuchung hinweisend seien für eine Reizsymptomatik und
Ausfallsymptomatik der Plantaräste des Nervus tibialis links bei im Übrigen fehlenden
Hinweisen für eine polyneuropathische oder radikuläre Störung. Zur weiteren
A.g.
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Abgrenzung einer Neuropathie der sensiblen Äste des Nervus tibialis links erachtete
der untersuchende Neurologe als diagnostischen Ansatz eine Blockade im Bereich des
Tarsaltunnels als indiziert. Bei diesbezüglich guter Wirkung auf die Schmerzen plantar
wäre eine Neurolyse beiallenfalls geplanter Arthrodese links in Betracht zu ziehen (IV-
act. 148 S. 2).
Am 21. August 2017 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die Durchführung
einer polydisziplinären medizinischen Untersuchung an (IV-act. 163). Die P._ als
zuständige Unfallversicherung schloss sich dieser Begutachtung mit einem
Fragenkatalog zur Beurteilung der unfallversicherungsrechtlichen Leistungsansprüche
an (IV-act. 164 ff.; vgl. dazu fener IV-act. 176).
A.h.
Am 17. August 2018 erstattete die M._ AG im Auftrag der IV-Stelle ihr
polydisziplinäres (allgemeininternistisches, orthopädisches, handchirurgisches,
neurologisches und psychiatrisches) Gutachten (IV-act. 205 S. 2 und 11). In ihrem
interdisziplinären Konsens nannten sie als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische Arthrose und Varusfehlstellung subtalar sowie
weniger ausgeprägt des OSG rechts, ein sensibles Ausfallsyndrom und
neuropathisches Schmerzsyndrom das Versorgungsgebiet des Nervus tibialis
linksseitig betreffend, eine Arthrose des OSG und USG links mit Pseudoarthrose und
Fraktur des Talushalses sowie ein in Fehlstellung verheiltes Tuberculum majus bei
Status nach Schulterluxation rechtsseitig mit Tuberculum majus-Abriss (IV-act. 205
S. 24). Sodann hielten die Gutachter im gesamtmedizinischen Konsens fest, dass aus
handchirurgischer, allgemein-internistischer und psychiatrischer Sicht keine
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Aus orthopädischer Sicht seien dem
Versicherten mittelschwere bis schwere körperliche Arbeiten nicht mehr zumutbar (IV-
act. 205 S. 35). In seiner bisherigen beruflichen Tätigkeit als [...] sei daher keine
wirtschaftlich verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr gegeben (IV-act. 205 S. 34). Leichte
körperliche Tätigkeiten ohne Gewichtsbelastungen über 5 kg sowie ohne
Überkopfarbeiten und ohne die Notwendigkeit, einzelne Gehstrecken von 500 m und
gesamthaft von 1-2 km zurücklegen zu müssen sowie ohne die Notwendigkeit,
Treppen und Leitern zu besteigen und auf unebenem Gelände gehen zu müssen,
teilweise stehend, teilweise gehend und teilweise sitzend, seien dem Versicherten zu
80 % zumutbar. Die Reduktion der Arbeitsfähigkeit von 20 % beruhe auf einem
A.i.
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vermehrten Pausenbedarf zur Vermeidung von Schmerzexazerbationen, namentlich im
Bereich der Sprunggelenke beidseits (IV-act. 205 S. 35). Aus neurologischer Sicht
bestehe im Fall, dass Arbeiten im Sitzen und ohne Belastung der Füsse durchgeführt
werden könnten, keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 205 S. 35 f.). Da in
der angestammten Tätigkeit Arbeiten überwiegend im Stehen durchgeführt und kürzere
Wegstrecken zurückgelegt werden müssten, sei diese Tätigkeit noch für maximal drei
Stunden pro Tag zumutbar (IV-act. 205 S. 35). Im gesamtmedizinischen Konsens
attestierten die Gutachter für leidensangepasste Tätigkeiten eine 20%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 205 S. 36). Zum retrospektiven Verlauf hielten sie fest, dass
aus psychiatrischer Sicht nur für knapp zwei Monate, nämlich vom 4. August bis 30.
September 2016 eine Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei, während ab dem 1. Oktober
2016 aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert werden könne.
Aus handchirurgischer Sicht sei unter Berücksichtigung der Sehnenverletzung am
rechten Daumen vom Unfalltag vom 11. September 2014 bis ca. Mai 2015 eine
Arbeitsunfähigkeit für manuelle Tätigkeiten anzunehmen. Aus orthopädischer Sicht
habe zwischen dem 11. September 2014 und 10. September 2015 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Eine weiter
zurückreichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei nicht möglich. Aus neurologischer
Sicht sei davon auszugehen, dass sich das neuropathische Schmerzsyndrom nach
dem Unfall vom 11. September 2014 aufgrund einer zunehmenden Überbelastung des
linken Beines eingestellt habe. Aufgrund der Akten sei anzunehmen, dass ein
relevantes neuropathisches Schmerzsyndrom durch eine Schädigung des Nervus
tibialis oder seiner Nebenäste im Bereich des linken Fusses spätestens Anfang 2017
vorgelegen habe (IV-act. 205 S. 33 f.). Der RAD bezeichnete das Gutachten in seiner
Stellungnahme vom 23. August 2018 als umfassend und schlüssig (IV-act. 206 S. 2).
Mit Vorbescheid vom 3. Januar 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit
Verweis auf das Gutachten die Abweisung des Rentenbegehrens bei einem
Invaliditätsgrad von 13 % in Aussicht. Sie stufte den Versicherten als im
Gesundheitsfall teilerwerbstätig ein (80% Erwerb, 20% Haushalt) und nahm keine
Einschränkung für Haushaltsarbeiten an (IV-act. 218). Gegen diesen Vorbescheid erhob
der weiterhin anwaltlich vertretene Versicherte Einwand. Er bemängelte das Gutachten
in mehreren Punkten, kritisierte die von der IV-Stelle vorgenommene Einstufung von
A.j.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/23
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B.
ihm als Teilerwerbstätigem sowie die seitens der IV-Stelle festgesetzte Höhe des
Validen- und Invalideneinkommens (IV-act. 228). Auf Empfehlung des RAD (vgl. IV-
act. 229) unterbreitete die IV-Stelle das Einwandschreiben des Versicherten den
Sachverständigen der M._ AG zur Stellungnahme (IV-act. 230). Diese äusserten sich
zu den Einwänden des Versicherten am 20. März 2019 (IV-act. 236). Am 11. April 2019
bezeichnete der RAD die Ausführungen im Antwortschreiben der M._ AG als
ausführlich und nachvollziehbar (IV-act. 238). Mit Schreiben vom 25. Juli 2019 teilte die
IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie aufgrund der getätigten Abklärungen am
rentenablehnenden Entscheid festhalten werde, und gab ihm Gelegenheit zur
Stellungnahme (IV-act. 240). Zusammen mit seiner Stellungahme vom 8. August 2019
(IV-act. 241) reichte der Versicherte einen Bericht von Dr. med. N._, Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie, Klinik Z._, vom 25. Juni 2019 ein (IV-act. 242). Der RAD
kam in einer Stellungnahme vom 13. August 2019 zum Schluss, dass sich aus
versicherungsmedizinischer Sicht aus dem neu eingereichten Bericht von Dr. N._
keine neuen Erkenntnisse ergäben (IV-act. 244).
Mit Verfügung vom 26. August 2019 lehnte die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 28 % ab. Sie trug dem Einwand des Ver
sicherten dabei insofern Rechnung, als sie diesen neu als im Gesundheitsfall
Vollerwerbstätigen einstufte sowie für das Valideneinkommen auf die Tabellenlöhne der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik 2014
abstellte und nicht mehr auf die Angaben des ehemaligen Arbeitgebers, da das letzte
Anstellungsverhältnis nur sehr kurz gedauert habe (IV-act. 247).
A.k.
Gegen diese Verfügung erhob der weiterhin durch Rechtsanwalt Zahner vertretene
Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 27. September 2019 Beschwerde
(act. G 1). Er beantragte, die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 26. August 2019 sei aufzuheben und ihm seien die ihm
zustehenden Rentenleistungen auszurichten. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten
einzuholen und in der Folge über die ihm zustehenden Rentenleistungen zu
entscheiden. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
B.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/23
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Erwägungen
1.
Im vorliegenden Fall strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf
eine Invalidenrente.
2.
zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1 S. 2). Zusammen mit seiner Beschwerde
reichte der Beschwerdeführer einen von der M._ AG im Auftrag der
Unfallversicherung P._ am 14. Dezember 2018 beantworteten Fragebogen ein (act. G
1.3).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. November 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.b.
Der Beschwerdeführer verzichtete stilschweigend auf die Einreichung einer Replik
(act. G 5 f.).
B.c.
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Als
Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität ist bei im
2.1.
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Gesundheitsfall Vollzeiterwerbstätigen durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln
(Art. 16 ATSG). Wenn eine versicherte Person auch ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht voll, sondern nur teilerwerbstätig gewesen wäre, ist
der Invaliditätsgrad gemäss der langjährigen Praxis des Bundesgerichts nicht anhand
eines reinen Einkommensvergleichs (vgl. Art. 16 ATSG), sondern anhand der
sogenannten gemischten Methode zu berechnen. Hierbei ist der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG; BGE 141 V
21 E. 3.2). Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder
als nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. April 2019, 8C_820/2018, E. 3.2). Während die
Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers zunächst anhand
der gemischten Methode berechnet hatte (vgl. IV-act. 128), stufte sie ihn auf dessen
Einwand hin in der angefochtenen Verfügung als Vollerwerbstätigen ein (vgl. IV-
act. 247), was nicht zu beanstanden ist. Unbestritten ist somit, dass die
Invaliditätsbemessung vorliegend anhand eines Einkommensvergleichs vorzunehmen
ist.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs-
und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art.
61 lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/23
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3.
4.
Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Beweislosigkeit ist
jedoch erst anzunehmen, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b und 138 V 222 E. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer (Hrsg.), Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4.
Aufl. 2012, S. 4 f. und 55).
2.3.
Zunächst ist zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden medizinischen Aktenlage der
Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
feststeht (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E. 6 und Urteil des Bundesgerichts
vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2).
3.1.
Während die Beschwerdegegnerin für die Ablehnung des Rentenanspruchs in
medizinischer Hinsicht wesentlich auf das Gutachten der M._ AG abgestellt hat (vgl.
IV-act. 247; vgl. ferner act. G 4), erachtet der Beschwerdeführer dieses Gutachten
weder als schlüssig noch als nachvollziehbar (vgl. act. G 1 S. 4, oben).
3.2.
Zum einen verweist der Beschwerdeführer auf einen von ihm bereits im Einwand
vom 7. bzw. 8. Februar 2019 geltend gemachten Widerspruch zwischen dem
Zumutbarkeitsprofil, wie es der neurologische Sachverständige einerseits und der
orthopädische Sachverständige andererseits festgelegt haben. Dieser Widerspruch sei
in der Stellungnahme der Sachverständigen vom 20. März 2019 nicht durch den
fallführenden Gutachter aufgelöst worden, obwohl dies der orthopädische Gutachter
verlangt habe (vgl. act. G 1 S. 4 f.).
4.1.
Der Beschwerdeführer hatte in seinem Einwand bemängelt (vgl. IV-act. 228 S. 2),
dass der orthopädische Gutachter als adaptierte Tätigkeiten solche sehe, die teilweise
stehend, teilweise gehend und teilweise sitzend ausgeübt werden, während der neuro
logische Sachverständige zum Schluss gekommen sei, dass bei Arbeiten, die im Sitzen
und ohne Belastung der Füsse durchgeführt werden könnten, keine Einschränkung der
4.2.
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Arbeitsfähigkeit vorliege (vgl. IV-act. 205 S. 35). In der gutachterlichen Stellungnahme
vom 20. März 2019 wurde ausgeführt, dass der Einwand des Versicherten bezüglich
der Adaptationsprofile partiell nicht ganz unberechtigt sei, allerdings handle es sich in
keiner Weise um einen nicht auflösbaren Widerspruch. Vielmehr gehe der Widerspruch
in den Adaptationsprofilen auf eine vom neurologischen Sachverständigen
unterlassene explizite Einschätzung der Einschränkungen bei gehenden und stehenden
Verweistätigkeiten zurück. Aus neurologischer Sicht sei im Gutachten nicht
festgehalten worden, dass der Beschwerdeführer nur sitzende Tätigkeiten verrichten
dürfe. Vielmehr sei lediglich klargestellt worden, dass bei Arbeiten im Sitzen und ohne
Belastung der Füsse eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vorliege. Der Beschwerdeführer
habe im Rahmen der neurologischen Begutachtung berichtet, dass stehende
Tätigkeiten zwischen zwei und drei Stunden pro Tag grundsätzlich möglich seien, nicht
jedoch solche, bei denen er längere Strecken gehen müsse. Im neurologischen
Teilgutachten (vgl. IV-act. 205 S. 95) sei sodann eingeschätzt worden, dass die
belastungsabhängigen neuropathischen Schmerzen im Tibialis-Versorgungsgebiet
linksseitig, die wahrscheinlich in Kombination mit den zusätzlich bestehenden
nozizeptiven Schmerzen ein längeres Stehen (über drei Stunden) pro Tag und Arbeiten,
bei denen mittellange und lange Strecken zurückgelegt werden müssten,
verunmöglichten. Von orthopädischer Seite sei das Adaptationsprofil im Gutachten wie
folgt definiert worden: "Leichte körperliche Tätigkeiten, ohne die Notwendigkeit
einzelne Gehstrecken von 500 m, gesamthaft von 1-2 km zurücklegen zu müssen,
ohne die Notwendigkeit wiederholt Treppen und Leitern besteigen zu müssen, auf
unebenem Gelände laufen zu müssen, teilweise stehend, teilweise gehend, teilweise
sitzend, ohne Gewichtsbelastungen über 5 kg sowie ohne Überkopf arbeiten zu
müssen, sind dem Exploranden (...) zu 80 % zumutbar". Aus neurologischer Sicht
seien Arbeiten im Gehen und Stehen mit den zuvor genannten Limiten möglich und die
im orthopädischen Teilgutachten beschriebenen Limiten befänden sich eindeutig
innerhalb der neurologischen (IV-act. 236 S. 6 f.). Die Gutachter haben somit schlüssig
und nachvollziehbar dargelegt, dass und weshalb das orthopädische mit dem
neurologischen Adaptationsprofil vereinbar ist, was auch der Beschwerdeführer
grundsätzlich nicht in Abrede stellt. Soweit er geltend macht, der Widerspruch sei nicht
durch den fallführenden Gutachter, wie vom orthopädischen Gutachter empfohlen,
aufgelöst worden, kann ihm nicht gefolgt werden. Die Stellungnahme vom 20. März
2019 ist von sämtlichen Fachgutachern sowie dem fallführenden Gutachter
unterzeichnet worden (vgl. IV-act. 236 S. 15 f.).
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5.
Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, dass der neurologische Gutachter in
dem im Auftrag der Unfallversicherung erstellten Gutachten vom 14. Dezember 2018
die Arbeitsfähigkeit für wechselbelastende Tätigkeiten mit 70 % angegeben habe (vgl.
act. G 1.3 S. 10), während der gleiche Gutachter auf Nachfrage der
Beschwerdegegnerin in der Stellungnahme vom 20. März 2019 in einer
wechselbelastenden Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % als zumutbar erachtet
habe (vgl. IV-act. 236 S. 6 f.). Die Angaben des neurologischen Gutachters seien somit
widersprüchlich und stünden auch im Widerspruch zur gesamtmedizinischen
Einschätzung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten (act. G
1 S. 4).
5.1.
Zwar ist es richtig, dass der neurologische Sachverständige in der am 14.
Dezember 2018 für die Unfallversicherung erstellten Expertise die Arbeitsfähigkeit in
einer wechselbelastenden Tätigkeit auf 70 % geschätzt hat (vgl. act. G 1.3 S. 9 f.).
Allerdings hat er diese Einschätzung auf die explizite Frage nach der Arbeitsfähigkeit in
einer wechselbelastenden Tätigkeit abgegeben (vgl. act. G 1.3 S. 9). Eine
wechselbelastende Tätigkeit entspricht nicht zwingend einer optimal angepassten
Tätigkeit. So spricht sich der Begriff der wechselbelastenden Tätigkeit einerseits nicht
konkret darüber aus, welche Anteile der Arbeit sitzend, gehend oder stehend zu
verrichten sind. Andererseits lässt er offen, welche Wegstrecken zurückzulegen sind.
Weiter kann eine wechselbelastende Tätigkeit beispielsweise auch körperlich
anstrengend sein oder ungeeignete Gewichtsbelastungen umfassen. Mangels erfolgter
Spezifizierung ist unklar, von welcher genauen Art von Tätigkeit der neurologische
Sachverständige ausgegangen ist, als er die Arbeitsfähigkeit in der Expertise vom 14.
Dezember 2018 für wechselbelastende Tätigkeiten auf 70 % geschätzt hat.
Demgegenüber hat er in der ergänzenden Stellungnahme zuhanden der
Beschwerdegegnerin vom 20. März 2019 erklärend ausgeführt, dass er aus
neurologischer Sicht aufgrund der neuropathischen Schmerzen bei gleichzeitiger
Berücksichtigung der nozizeptiven Schmerzen (siehe auch orthopädisches Gutachten)
stehende Tätigkeiten für bis zu drei Stunden sowie das Zurücklegen kürzerer
Wegstrecken für möglich halte. Diese Einschränkungen hat er sodann mit dem vom
orthopädischen Gutachter definierten Adaptationsprofil als vereinbar erachtet; mithin
hat er keine über das orthopädische Adaptationsprofil hinausgehenden
Einschränkungen postuliert (vgl. IV-act. 236 S. 6 f.). Damit erklärt sich auch die im
Gutachten vom 17. August 2018 enthaltene interdisziplinäre Schätzung einer 80%igen
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten (vgl. IV-act. 205 S. 36). Im Umstand, dass
5.2.
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6.
die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit für wechselbelastende Tätigkeiten von derjenigen
für optimal angepasste Tätigkeiten abweicht, zeigt sich nach dem Gesagten keine
Widersprüchlichkeit.
Weiter rügt der Beschwerdeführer, dass die retrospektive
Arbeitsfähigkeitsschätzung des orthopädischen Gutachters nicht überzeuge. Es sei
nicht nachvollziehbar, wenn er seine Einschätzung lediglich auf allgemeine klinische
Erfahrungswerte stütze. Entscheidend sei der spezifische Einzelfall. Ausgehend von
den echtzeitlichen Akten habe im vorliegenden Fall entgegen der gutachterlichen
Einschätzung ab dem 10. September 2015 sicher keine 80%ige Arbeitsfähigkeit
bestanden. Auch der RAD habe in seiner Stellungnahme vom 26. Dezember 2015 das
Bestehen einer Arbeitsfähigkeit noch verneint. Gemäss seiner Beurteilung könne erst
ab dem 1. März 2016 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
Darüber hinaus habe auch die Unfallversicherung noch bis Ende März 2016 gestützt
auf eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit Taggeldleistungen ausgerichtet (act. G 1 S. 5).
6.1.
Der orthopädische Sachverständige hat nicht explizit angegeben, dass ab dem
10. bzw. 11. September 2015 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Er
hat im Wesentlichen festgehalten, dass aus fachorthopädischer Sicht zwischen dem
11. September 2014 und dem 10. September 2015 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei. Diese
Rekonvaleszenzannahme beruhe auf der klinischen Erfahrung. Die vom
Beschwerdeführer erlittenen Verletzungen ermöglichten in der Regel eine
Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit innerhalb eines Jahres, könnten in manchen
Fällen durchaus ein Jahr lang zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit führen und in
wenigen Fällen sei auch eine längere Arbeitsunfähigkeit zu sehen. Diese
Erfahrungswerte würden im vorliegenden Fall dadurch gestützt, dass die Behandlung in
der Orthopädie des Spitals D._ im November 2015 abgeschlossen worden sei. Dies
spreche dafür, dass sich die Situation des Beschwerdeführers in den Wochen und
Monaten davor stabilisiert habe. Weiter sei dann eine konservative Therapie mit
orthopädischen Serienschuhen mit Abrollhilfe und Fussbett nach Mass vorgenommen
sowie im Dezember 2016 eine diagnostisch-therapeutische Infiltration durchgeführt
worden. Hierzu sei eine Besserung der Beschwerden am rechten Fuss dokumentiert
worden. Wie lange diese Beschwerdebesserung angedauert habe und welches Niveau
diese Besserung erreicht habe, könne aufgrund der Aktenlage nicht nachvollzogen
werden. In keinem der vorliegenden Berichte sei eine Verbesserung oder
Verschlechterung der Situation beschrieben worden. Aus rein orthopädischer Sicht
6.2.
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liefere die Aktenlage daher keine wirklich ausreichend dichte Dokumentation, um sich
noch detaillierter mit der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit für das gesamte
orthopädisch relevante Verletzungsspektrum auseinandersetzen zu können. Deshalb
sei er basierend auf einem medizinischen Erfahrungswert von einer einjährigen
100%igen Arbeitsunfähigkeit nach dem Unfallereignis ausgegangen. Nach diesem
Zeitpunkt seien den Akten keine markanten Ereignisse zu entnehmen, die aus rein
orthopädischer Sicht eine andere Arbeitsfähigkeit als die während der Begutachtung
festgestellte wahrscheinlich machten (IV-act. 236 S. 8 f.). Mit anderen Worten sieht der
orthopädische Gutachter eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 10. September 2015
als ausgewiesen, während er den genauen Verlauf danach bis zur Begutachtung
aufgrund der Aktenlage als nicht rekonstruierbar erachtet.
Dass der orthopädische Gutachter eine höhere als die im Rahmen der
Begutachtung festgestellte 20%ige Arbeitsunfähigkeit in optimal leidensangepassten
Tätigkeiten nach dem 10. September 2015 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
als erstellt sieht, ist aufgrund der Aktenlage gut nachvollziehbar. Zwar haben auch nach
dem 10. September 2015 orthopädische Behandlungen bzw. Untersuchungen
stattgefunden, jedoch kann bis zum Behandlungsabschluss nicht ohne Weiteres eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit angenommen werden. Vielmehr erfordert die Entstehung
eines Rentenanspruchs eine mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehende Arbeitsunfähigkeit im Zeitraum, für den die Rente
ausgerichtet werden soll. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass echtzeitlich
aufgrund von Unsicherheiten und Unklarheiten im Behandlungsverlauf bzw. aufgrund
fehlender Kenntnis des Gesundheitszustandes zu einem bestimmten Zeitpunkt noch
kein Eingliederungspotential angenommen werden kann, während in rentenspezifischer
Hinsicht bei der rückwirkenden Beurteilung in Kenntnis der gesamten Aktenlage schon
zu einem früheren Zeitpunkt von einer Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. Dass der RAD
am 28. Dezember 2015 in seiner echtzeitlichen Aktenbeurteilung den
Gesundheitszustand noch als instabil betrachtet und deswegen keine Arbeitsfähigkeit
attestiert hat, bedeutet somit nicht ohne Weiteres, dass im Rahmen der Rentenprüfung
von einer mindestens bis zum 28. Dezember 2015 bestehenden 100%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Vielmehr scheint der Gesundheitszustand für den
RAD damals noch nicht klar gewesen zu sein, weshalb er die Einholung weiterer
Arztberichte verlangt hat (vgl. IV-act. 104). In seiner Beurteilung vom 1. März 2016 ist er
dann aber für die Eingliederung von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in körperlich
leichten Tätigkeiten im Sitzen mit einer Gewichtsbelastung der rechten Hand von
weniger als 5 kg ausgegangen und dies im Wesentlichen gestützt auf Berichte zu
Untersuchungen, die bereits im Jahr 2015 stattgefunden haben. So hat er damals
6.3.
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festgehalten, dass gemäss dem Konsultationsbericht der Orthopädie des Spitals D._
vom 27. November 2015 bezüglich der rechten Schulter keine weiteren Massnahmen
mehr zu treffen seien, in der handchirurgischen Sprechstunde vom 14. November 2015
eine gute Beweglichkeit des rechten Daumens bei noch bestehendem Gefühlsverlust
an der Daumenkuppe beschrieben, die nicht verschobene Handwurzelfraktur links
konservativ behandelt und gemäss einem Konsultationsbericht vom 10. Dezember
2015 bei festgestellten Arthrosen und bestehenden Restbeschwerden eine
konservative Therapie mit orthopädischen Serienschuhen empfohlen worden sei. Bei
diesem Sachverhalt könne unter Vorbehalt der Durchführung einer Arthrodese für
berufliche Eingliederungsmassnahmen von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer
körperlich leichten Tätigkeit im Sitzen ausgegangen werden (IV-act. 112). Ein
nachträglich eingereichter Bericht zu einer handchirurgischen Sprechstunde im Spital
D._ vom 15. Februar 2016, wonach sich bezüglich des rechten Daumens ein
erfreulicher Verlauf mit abnehmenden Beschwerden zeige und die Gefühlsstörungen
den Beschwerdeführer im Alltag nicht stark störten, sodass die Behandlung
abgeschlossen werden könne (vgl. IV-act. 117), bekräftigte den RAD in seiner
Beurteilung, wonach allfällige Einschränkungen an der rechten Hand einer
Arbeitsfähigkeit nicht entgegenstehen (vgl. IV-act. 124). Unter Berücksichtigung der
soeben erwähnten handchirurgischen Verlaufsberichte sowie eines weiteren vom 21.
Juli 2015 (vgl. IV-act. 83 S. 10 f.) ist es gerade auch angesichts der Beurteilung des
Hausarztes Dr. G._ vom 7. August 2015 (vgl. IV-act. 83) gut nachvollziehbar, dass der
orthopädische Gutachter eine 20 % übersteigende Arbeitsunfähigkeit nach dem 10.
September 2015 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sieht. Denn Dr.
G._ hat am 7. August 2015 ausgeführt, dass rein sitzende Tätigkeiten möglich wären,
wenn die rechte Hand wieder voll funktionstüchtig werde (IV-act. 83 S. 5). Die
beruflichen Massnahmen hat er zu diesem Zeitpunkt wegen des noch nicht
vorhandenen Endresultats der Hand sowie einer allenfalls noch durchzuführenden
Arthrodese verneint (IV-act. 83 S. 8). Abgesehen davon, dass bezüglich der rechten
Hand bereits im Sprechstundenbericht vom 21. Juli 2015 ein ziemlich guter Zustand
beschrieben worden ist (vgl. IV-act. 83 S. 10 f.), scheint sich die dortige Situation auch
danach, wie bereits dargelegt, erfreulich entwickelt zu haben. Auf die Durchführung
einer Arthrodese, die auch gemäss der Einschätzung des RAD zu einer längeren
Arbeitsunfähigkeit geführt hätte (vgl. IV-act. 112 S. 2), wurde, soweit entsprechend der
Aktenlage beurteilbar, bis zum Verfügungszeitpunkt verzichtet.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers hat der orthopädische Gutachter
nach dem Gesagten auch nicht übersehen, dass mit dem Behandlungsabschluss in der
Orthopädie im Spital D._ im November 2015 nicht sämtliche orthopädischen
6.4.
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7.
Behandlungen geendet haben (vgl. act. G 1 S. 5). Vielmehr hat er beschrieben, dass
bezüglich OSG im Anschluss eine konservative Therapie sowie eine Infiltrationstherapie
durchgeführt worden sind, jedoch hat er aus den Berichten zur weiteren Behandlung
des OSG keine konkreten Hinweise für eine weiter andauernde, 20 % übersteigende
Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten erkennen können (vgl. IV-act. 236 S. 8 f.).
In der Tat sprechen sich die Ärzte in den Berichten der Klinik L._ vom 10. November
2016 (IV-act. 148 S. 8 f.), 12. Dezember 2016 (IV-act. 148 S. 6 f.) und 13. Januar 2017
(IV-act. 148 S. 1 ff.), diejenigen von Dr. H._ vom 10. Dezember 2015 (IV-act. 106
S. 6 f.) und 20. Januar 2017 (IV-act. 147) sowie derjenige der Klinik O._ vom
11. Februar 2016 (IV-act. 156) nicht zur Arbeitsfähigkeit aus, worauf auch der RAD in
seiner Beurteilung vom 5. April 2017 hingewiesen hat und weshalb er die Durchführung
einer Begutachtung empfohlen hat (vgl. IV-act. 149).
Nach dem Gesagten erweist sich die Beurteilung des orthopädischen Gutachters,
wonach nach dem 10. September 2015 eine über 20 % hinausgehende Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Aktenlage sowie der medizinischen Erfahrung nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist (vgl. IV-act. 236 S. 8 f. und 205 S. 33
f.), als schlüssig. Dies bedeutet nicht, dass möglicherweise auch nach dem
10. September 2015 noch eine höhere Arbeitsunfähigkeit bestanden haben könnte,
jedoch ist eine solche nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Die Folgen der Beweislosigkeit hat der
Beschwerdeführer zu tragen (vgl. E. 2.3).
6.5.
Aus dem Umstand, dass die P._ als Unfallversicherer die Taggeldleistungen
rückwirkend erst per 31. März 2016 eingestellt hat (vgl. IV-act. 165), kann der
Beschwerdeführer ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn wie aus der
Einstellungsverfügung vom 31. August 2017 erhellt (vgl. IV-act. 165), scheint die P._,
die bereits Versicherungsleistungen ausgerichtet hatte, erst dann von einem Wegfall
der vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen zu sein, als sie von diesem mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit überzeugt gewesen ist. Dass diese Überzeugung
erst per 31. März 2016 eingetreten ist, ist aufgrund der Aktenlage gut nachvollziehbar.
Zur Arbeitsfähigkeit im vorhergehenden Zeitraum kann der Verfügung nichts Konkretes
entnommen werden aus (vgl. IV-act. 165). Die Begründung des Anspruchs auf eine
Invalidenrente setzt aber voraus, dass vom Beginn des Zeitraums an, für den eine
Rente beansprucht wird, eine rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist.
6.6.
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Zusammenfassend erweisen sich die vom Beschwerdeführer gegen die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung vorgebrachten Einwände als nicht stichhaltig. Die
Gutachter haben für ihre Beurteilung sowohl die vom Beschwerdeführer beklagten
Leiden als auch die medizinische Aktenlage berücksichtigt. Weiter haben sie im
Gutachten auf die vom Bundesgericht etablierten Standardindikatoren Bezug
genommen. Auch gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Punkte
im Rahmen der Begutachtung unberücksichtigt geblieben wären. Das Gutachten vom
17. August 2018 (IV-act. 205) erweist sich in Zusammenschau mit der am 20. März
2019 erfolgten Ergänzung (IV-act. 236) als schlüssig, sodass auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter abgestellt werden kann. Folglich ist für die
Zeit vom 11. September 2014 bis zum 10. September 2015 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. Ab dem 11. September 2015 ist von der anlässlich der
Begutachtung festgestellten 80%igen Arbeitsfähigkeit in optimal leidensangepassten
Tätigkeiten auszugehen.
8.
Ausgehend von der ermittelten Arbeitsunfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der Invaliditätsgrad
anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 2.1). Für den
Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns
des Rentenanspruchs entscheidend (vgl. BGE 129 V 222). Die Wiederanmeldung des
Beschwerdeführers ist bei der Beschwerdegegnerin am 10. März 2015 eingegangen
(IV-act. 25 i.V.m. 33). Der früheste Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs im Sinne
von Art. 29 Abs. 1 IVG wäre somit der 11. September 2015. Der gleiche Zeitpunkt
ergibt sich auch unter Berücksichtigung des Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 IVG, da
die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers am 11. September 2014, dem Unfalltag,
begonnen hat (vgl. IV-act. 205 S. 33 f.). Für den Einkommensvergleich massgebend ist
somit das Jahr 2015.
8.1.
Dass die Beschwerdegegnerin nicht nur für das Invalideneinkommen, sondern
aufgrund der kurzen Anstellungsdauer beim ehemaligen Arbeitgeber und dem damals
ausgerichteten Lohn (IV-act. 6 und 8) auch für das Valideneinkommen auf die
statistischen Löhne gemäss LSE abgestellt hat (vgl. IV-act. 247 S. 2), ist nicht zu
beanstanden. Demnach ist vorliegend sowohl hinsichtlich des (hypothetischen)
Valideneinkommens als auch bezüglich des Invalideneinkommens von derselben
Lohnbasis für ein Pensum von 100 % auszugehen. Folglich kann der Invaliditätsgrad
des Beschwerdeführers anhand eines so genannten Prozentvergleichs ermittelt
werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit,
8.2.
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9.
allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 10. April 2017, 9C_804/2016, E. 2.2 mit Hinweis; zum
Tabellenlohnabzug vgl. BGE 126 V 75).
8.3.
Der Beschwerdeführer erachtet den von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene Tabellenlohnabzug von 10 % (vgl. IV-act. 247 S. 2 f.) als zu tief. Zum
einen könne er seine Arbeitsfähigkeit nicht in einer Ganztagesstelle verwerten. Zum
anderen falle vorliegend ins Gewicht, dass er gemäss dem gutachterlichen
Zumutbarkeitsprofil selbst für leichte Tätigkeiten zahlreichen Einschränkungen
unterliege. Unter Berücksichtigung sämtlicher Aspekte erscheine ein
Tabellenlohnabzug von insgesamt 15 % als angemessen (act. G 1 S. 6 f.).
8.3.1.
Ob und in welchem Umfang ein Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren ist, hängt
nach der Rechtsprechung von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen
des konkreten Einzelfalles ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter und
Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen
sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25 % festzusetzen ist. Eine schematische
Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b und Regeste;
BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Bei der Überprüfung des Tabellenlohnabzugs,
der eine Schätzung darstellt, darf das Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund
an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen (BGE 126 V 81 E. 6).
8.3.2.
Triftige Gründe, die ein Abweichen von dem seitens der Beschwerdegegnerin auf
10 % festgesetzten Tabellenlohnabzug erfordern würden, sind nicht ohne Weiteres
ersichtlich, müssen indes vorliegend auch nicht weiter diskutiert werden. Denn selbst
bei einem Tabellenlohnabzug von 15 %, wie ihn der Beschwerdeführer fordert, würde
bei der ab dem 11. September 2015 gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit von 80
% kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren (100 % - 85 % x 80 % =
Invaliditätsgrad von 32 %). In der Zeit vor dem 11. September 2015 besteht ebenfalls
kein Rentenanspruch (vgl. E. 8.1). Folglich kann die genaue Höhe des Abzugs vom
Tabellenlohn im vorliegenden Fall offenbleiben.
8.3.3.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen die
angefochtene Verfügung abzuweisen.
9.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/23
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St.Galler Gerichte