Decision ID: 3234c869-e9e4-4260-97c3-f8c72273031b
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ (Jahrgang 1968) war zuletzt als Plattenleger tätig. Im Februar
2013 meldete er sich unter Hinweis auf eine Diskushernie bei der
Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Sein Hausarzt Dr. med.
B._ bestätigte mit Bericht vom 8. März 2013 das Vorliegen eines
chronischen lumboradikulären Schmerzsyndroms L5 bei kleiner
Diskushernie L5 und wies eine seit Oktober 2012 bestehende 100%ige
Arbeitsunfähigkeit aus. Er erachtete A._ in seinem Beruf als
Plattenleger als nicht mehr arbeitsfähig und hielt eine Umschulung für
dringend indiziert. Im Bericht vom 7. Juni 2013 diagnostizierte Dr. med.
B._ zusätzlich eine Hypertonie und befand, A._ seien leichte,
den Rücken nicht bzw. wenig belastende Tätigkeiten ganztags zumutbar.
2. Mit Mitteilung vom 17. September 2013 übernahm die IV-Stelle des
Kantons Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) die Kosten für die BEFAS-
Abklärung in Q._ vom 7. Oktober 2013 bis zum 4. November 2013.
Im Abklärungsbericht vom 18. November 2013 wurden leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten zum Beispiel in der Produktion oder im
Hauswartwesen als leidensangepasst ausgewiesen. In der Folge
übernahm die IV-Stelle die Lohnkosten während eines Praktikums zur
Schulung bzw. Ausbildung in Richtung Hauswartung und
Gebäudeunterhalt vom 1. Februar 2014 bis zum 31. Juli 2014. Bereits
kurze Zeit nach dessen Beginn berichtete der Hausarzt von A._, dass
dieser die als Schulwart aufgenommene Tätigkeit wegen vermehrten
Rückenbeschwerden am 13. Februar 2014 wieder habe aufgeben
müssen. Entsprechend wurde die berufliche Massnahme mit Mitteilung
vom 28. Februar 2014 beendet.
3. Mit Verfügung vom 16. September 2014 verneinte die IV-Stelle einen
Anspruch von A._ auf eine Invalidenrente. Dabei stellte sie auf eine
100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit ab und bemass das
Valideneinkommen anhand des Durchschnitts der im Individuellen Konto
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(IK) abgerechneten Beiträge der Jahre 2006 bis 2010. Dieser Entscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
4. In der Folge prüfte die IV-Stelle die Wiederaufnahme beruflicher
Massnahmen. Am 17. Februar 2015 gewährte sie A._ ein
Arbeitstraining bei C._ vom 7. April 2015 bis 31. März 2016 im
Recycling- und Industriebereich bzw. in der Veloabteilung. Aus dem
Schlussbericht vom 30. April 2016 geht hervor, dass A._ die
Arbeitszeit aufgrund seiner Rückenschmerzen nur auf 24 Stunden pro
Woche habe steigern können, wobei seine Leistung bei 80 bis 90 %
gewesen sei.
5. Am 10. September 2015 wurde A._ zu Handen der Versicherung
D._ (Lebensversicherung) rheumatologisch begutachtet, wobei auch
eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchgeführt
worden war. In seinem Gutachten vom 27. Oktober 2015 diagnostizierte
Dr. med. E._ ein lumbospondylogenes bis lumboradikuläres
Schmerzsyndrom rechts bei intraforaminaler bis paramedianer
rechtsseitiger Diskushernie auf Höhe L5/S1 mit Kompromittierung der
Nervenwurzel L5, ein zervikozephales und zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom bei ausgeprägten degenerativen Veränderungen sowie
Dupuytren beidseits ohne Handlungsbedarf für ein handchirurgisches
Vorgehen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Zur durchgeführten EFL
hielt er fest, es seien Hinweise für eine erhebliche Symptomausweitung
beobachtet worden. Andererseits liege die beobachtete Belastbarkeit
deutlich unter den Anforderungen der bisherigen Arbeit als Plattenleger.
Zur Arbeitsfähigkeit hielt Dr. med. E._ folglich fest, die Belastbarkeit
der Lendenwirbelsäule (LWS), des Nackens und der Schulterregion seien
derart nachweisbar, dass die Tätigkeit als Plattenleger als eingeschränkt
beurteilt werden müsse (seit Oktober 2012). Indes sollten A._ leichte
bis eventuell mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten zu
mindestens 50 % zumutbar sein.
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6. Mit Unterstützung der IV-Stelle konnte A._ am 29. März 2016 ein
Praktikum bei der F._ AG in G._ in einem 50 %-Pensum
beginnen. Dieses dauerte bis zum 30. September 2017. Dabei erreichte
A._ im Rahmen des 50 %-Pensums eine Leistungsfähigkeit von
100 %.
7. Ende Oktober 2017 stellte A._ ein Revisionsgesuch infolge
Verschlechterung seines Gesundheitszustands seit der Rentenverfügung
vom 16. September 2014 und meldete sich erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an. In dem von der IV-Stelle eingeholten Bericht vom 5. Januar
2018 gab Dr. med. B._ an, es liege ein chronisches panvertebrales
Syndrom bei fixiertem Rundrücken mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vor, wobei A._ die bisherige Tätigkeit als Plattenleger nicht mehr
zumutbar und er in adaptierter Tätigkeit zu ca. 50 % arbeitsfähig sei.
8. Mit Vorbescheid vom 17. Mai 2018 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Dazu führte sie
namentlich aus, dass auf das Gutachten von Dr. med. E._ nicht
abgestellt werden könne, zumal dieser in keinster Weise auf die
massivsten Auffälligkeiten gemäss EFL eingegangen sei und seine
Arbeitsfähigkeitseinschätzung auf 50 % festlegt habe, ohne auf die
Erkenntnisse der EFL zurückzugreifen. Dagegen liess A._ am
30. Mai 2018 Einwand erheben und daraufhin mitteilen, dass aufgrund des
Morbus Dupuytren beidseits und des Karpaltunnelsyndroms im
September 2018 eine Untersuchung anstehe, in welcher definitiv
entschieden werde, ob eine Operation durchgeführt werde.
9. Mit Bericht vom 14. September 2018 stellten die Dres. med. H._ und
I._ folgende Diagnosen: Morbus Dupuytren Strahl V links Stadium II
nach Tubiana, Morbus Dupuytren der Strahlen III und IV links Stadium I
nach Tubiana, Morbus Dupuytren Strahl III Stadium I und Strahl IV
Stadium N nach Tubiana rechts sowie Karpaltunnelsyndrom beidseits
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linksbetont. Am 17. Oktober 2018 wurde A._ sodann an der linken
Hand operiert (partielle Fasziektomie Dig. V links und Dekompression N.
medianus links). Im weiteren Verlauf berichtete Dr. med. I._ mit
Bericht vom 7. März 2019 über eine persistierende Schmerzproblematik
und diagnostizierte Narbenbeschwerden, wobei er in prognostischer
Hinsicht festhielt, eine Wiedereingliederung sei in den nächsten Monaten
bei Besserung der Narbenverhältnisse denkbar. Im Bericht vom
12. Februar 2019 führten die Dres. med. H._ und I._ zudem aus,
für die Beschwerden der einschlafenden Finger bzw. des Einschlafens des
ganzen linken Armes sei die Genese aktuell noch ungeklärt, am ehesten
aber im Rahmen der Halswirbelsäulenbeschwerden (HWS-Beschwerden)
zu werten. Am 28. Mai 2019 berichteten die Dres. med. J._ und
I._, dass aktuell sono- und elektroneurographisch sowie klinisch
keine Hinweise auf ein Rezidiv oder eine persistierende Kompression des
Nervus medianus bestünden. Die Bewegungsamplitude des Dig. V habe
sich im Vergleich zum präoperativen Zustand insgesamt gebessert,
allerdings persistierte ein gewisses Defizit.
10. In der Folge liess die IV-Stelle A._ polydisziplinär begutachten in den
Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Handchirurgie, Neurologie,
Rheumatologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, wobei zusätzlich
eine EFL durchgeführt wurde. Der Auftrag wurde der estimed AG zugeteilt
(nachfolgend estimed-Gutachten). Die Untersuchungen fanden im Juli
2019 statt und das estimed-Gutachten wurde am 11. Oktober 2019
erstattet. Darin kamen die Gutachterinnen und Gutachter in der
Konsensbeurteilung zum Schluss, es liege ein chronisches
lumbovertebrales Syndrom mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor,
während unter anderem das chronische cervicovertebrale Syndrom sowie
der Morbus Dupuytren der Hände beidseits sowie der St. p.
Carpaltunnelsyndrom-OP links ohne Einfluss darauf seien. Während die
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bisherige Tätigkeit als Plattenleger nicht mehr ausführbar sei, bestehe in
einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 %.
11. Nachdem RAD-Arzt Dr. med. K._ in seiner Abschlussbeurteilung vom
4. November 2019 befunden hatte, es könne vollumfänglich auf das
estimed-Gutachten abgestellt werden, kündigte die IV-Stelle mit
Vorbescheid vom 12. November 2019 an, es bestehe kein Anspruch auf
eine Invalidenrente. Dagegen liess A._ am 13. Dezember 2019
Einwand erheben, woraufhin die IV-Stelle eine ergänzende
Stellungnahme zum Gutachten bei der estimed AG einholte, die am
3. März 2020 erstattet wurde. Darin nahm Prof. Dr. med. L._ zu der
im Einwand erhobenen Kritik am Gutachten sowie zu den durchgeführten
beruflichen Massnahmen und dem rheumatologischen Gutachten von
Dr. med. E._ Stellung. Dazu liess sich A._ am 18. März 2020
vernehmen.
12. Mit Verfügung vom 26. März 2020 schloss die IV-Stelle die beruflichen
Massnahmen aus Verhältnismässigkeitsgründen ab, da intensive
Bemühungen im Rahmen einer fast zweijährigen Begleitung getätigt
worden seien. Gleichentags beschied sie, dass kein Anspruch auf eine
Invalidenrente besteht. Dabei legte sie das Valideneinkommen auf
CHF 69'161.-- fest und erachtete A._ in einer adaptierten Tätigkeit
seit mindestens dem Jahr 2017 zu 80 % arbeitsfähig, wobei sie gestützt
auf die Tabellenlöhne der LSE (Kompetenzniveau 1, Totalwert, Männer)
ein Invalideneinkommen von CHF 54'735.-- errechnete. Daraus ergab sich
ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 20.85 %.
13. Gegen den Rentenentscheid liess A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) am 12. Mai 2020 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erheben und neben der
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Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragen, ihm sei
rückwirkend eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen. Zur
Begründung brachte er im Wesentlichen vor, weder das estimed-
Gutachten vom 11. Oktober 2019 noch die Ergänzung von Prof. Dr. med.
L._ vom 3. März 2020 seien beweiskräftig, da sie aus diversen
Gründen mangelhaft seien. Zudem sei das Valideneinkommen gestützt
auf die im Jahr 2013 vorgenommenen Analysen der Steuerunterlagen zu
bemessen.
14. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in der
Vernehmlassung vom 27. Mai 2020 auf Abweisung der Beschwerde und
vertiefte ihre Begründung in der angefochtenen Verfügung zum
Valideneinkommen und zur Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
punktuell. Am 4. Juni 2020 hielt der Beschwerdeführer replicando an
seinen Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 9. Juni
2020 auf die Einreichung einer Duplik. Der Beschwerdeführer reichte mit
der Honorarnote seines Rechtsvertreters am 11. September 2020 eine
weitere Stellungnahme ein.
15. Am 27. Oktober 2020 kam das Gericht zum Schluss, in einem ersten
Schritt bei den Verfahrensbeteiligten abzuklären, ob sie bereit wären, an
Vergleichsverhandlungen im Rahmen einer Referentenaudienz
teilzunehmen. Für den Fall, dass dies verneint werde, beschloss das
Gericht, in einem zweiten Schritt ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten
in den Fachdisziplinen Neurologie, Rheumatologie, Handchirurgie,
Psychiatrie und Psychotherapie sowie allenfalls weitere Disziplinen
einzuholen. Nachdem die Parteien die Durchführung einer
Referentenaudienz abgelehnt hatten, teilte die Instruktionsrichterin ihnen
mit Schreiben vom 18. Januar 2021 mit, dass das Gericht beabsichtige,
ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten bei der Begutachtungsstelle asim,
Academy of Swiss Insurance Medicine, einzuholen. Die
Instruktionsrichterin gab den Parteien Gelegenheit, zum vorgesehenen
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Begutachtungsauftrag an die asim sowie zum beigelegten Fragenkatalog
Stellung zu nehmen und allfällige Ergänzungsfragen einzureichen. Mit
Schreiben vom 22. Januar 2021 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass
sie mit dem Fragenkatalog einverstanden sei und keine Ergänzungsfragen
habe. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 5. Februar 2021
verschiedene Ergänzungsfragen ein, welche in den Fragenkatalog
aufgenommen wurden.
16. Nachdem sich die Parteien mit der asim als Begutachtungsstelle
einverstanden erklärt hatten, gab die Instruktionsrichterin ihnen am
18. März 2021 das gestützt auf die Angaben der asim ermittelte
Kostendach (zuzüglich Labor und Diagnostik sowie Dolmetscher) sowie
die Namen der begutachtenden Fachärztinnen und -ärzte bekannt und
gab ihnen Gelegenheit, allfällige Ausstands- oder Ablehnungsgründe
geltend zu machen und zu den Kosten Stellung zu nehmen. Mit Schreiben
vom 6. April 2021 teilte die Beschwerdegegnerin mit, mit dem
Kostenvoranschlag nicht einverstanden zu sein. Dazu nahm die asim am
10. Mai 2021 Stellung. Am 9. Juni 2021 beauftragte die
Instruktionsrichterin die asim mit der Erstellung eines polydisziplinären
Gerichtsgutachtens anhand der ihr bereits im Vorfeld zustellten
Unterlagen (Akten und Fragenkatalog).
17. Am 8. Juli 2021 zeigte die asim aufgrund eines unfallbedingten Ausfalls
einen Wechsel der begutachtenden Fachperson für das neurologische
Teilgutachten an, gegen den die Parteien mit Eingaben vom 12. bzw.
15. Juli 2021 keine Einwände erhoben.
18. Am 26. August 2021 gelangte die asim mit der Bitte um Zustellung der
vorhandenen MRI-Bilder und -Befunde der Radiologiepraxis R._ seit
2012 an das Gericht. Diesem Begehren wurde – nach Einholung einer
Entbindungserklärung des Beschwerdeführers und entsprechender
Edition – am 9. September 2021 Folge geleistet.
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19. Am 31. Dezember 2021 (Poststempel 7. Januar 2022) erstattete die asim
das polydisziplinäre Gerichtsgutachten (nachfolgend asim-Gutachten),
das den Parteien in der Folge zur Stellungnahme zugestellt wurde.
20. Die Beschwerdegegnerin teilte mit Schreiben vom 27. Januar 2022 mit,
dass sie an ihren Anträgen gemäss ihrer Vernehmlassung vom 27. Mai
2020 festhalte. Das eingeholte Gerichtsgutachten bestätige grundsätzlich
das estimed-Gutachten vom 11. Oktober 2019. Zu der von den asim-
Gutachtern ausgewiesenen vorübergehenden vollständigen
Arbeitsunfähigkeit auch in adaptierten Tätigkeiten aufgrund der
Dupuytren'schen Erkrankung prä- und postoperativ von Juni 2018 bis ca.
Ende Januar 2019 sei festzuhalten, dass die Indikation zur Operation
gemäss Arztbericht vom 14. September 2018 bereits am 21. Juni 2018
gegeben gewesen sei, der Beschwerdeführer zu jenem Zeitpunkt den
Eingriff jedoch noch nicht habe durchführen lassen wollen. Daraus ergebe
sich zweifelsfrei, dass die präoperative Zeit aus invaliditätsfremden
Gründen derart lang gewesen sei. Mithin sei davon auszugehen, dass
aufgrund der Operation lediglich postoperativ eine kürzere
vorübergehende Arbeitsunfähigkeit bestanden habe und dass die
Rehabilitation innerhalb von drei Monaten beendet gewesen sei, somit
keine wesentliche Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit von mehr als drei
Monaten ausgewiesen sei. Damit stehe dem Beschwerdeführer auch
vorübergehend keine Rente zu. Zudem sei sie nach wie vor nicht mit der
Rechnung der asim vom 31. Dezember 2021 (recte 13. Januar 2022)
einverstanden.
21. Mit Eingabe vom 15. Februar 2022, bereits in Kenntnis der Stellungnahme
der Beschwerdegegnerin vom 27. Januar 2022, kritisierte der
Beschwerdeführer das Gerichtsgutachten der asim hinsichtlich der
Konsensbeurteilung und des rheumatologischen Teilgutachtens.
Zusammenfassend führte er aus, dass leider auch das Gerichtsgutachten
die von der Rechtsprechung umschriebenen Anforderungen an den
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Beweiswert ausgerechnet hinsichtlich der Bemessung des Grads der
Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit nicht erfülle. Die
Gutachterin und Gutachter der asim hätten die offensichtliche und
erhebliche Diskrepanz zwischen ihrer medizinischen Einschätzung der
Leistungsfähigkeit und der Leistung, wie sie während der ausführlichen,
langjährigen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem
Arbeitsverhalten/-einsatz des Beschwerdeführers effektiv realisiert
worden und gemäss der Einschätzung der Berufsfachleute objektiv
realisierbar sei, nicht stichhaltig erklären können. Im Gegenteil hätten sie
sich einzig auf die These gestützt, demgemäss der Beschwerdeführer sich
über Jahre hinweg selbstlimitiert haben soll, was indessen nicht belegt und
nicht mit der Entwicklung gemäss dem rheumatologischen Teilgutachten
vereinbar sei. Daher sei eine klärende medizinische Stellungnahme
unabdingbar, was beantragt werde. Gestützt auf den in der Analyse der
interdisziplinären Arbeitsgruppe "Tabellenlöhne LSE" bemessenen
Durchschnittslohn in der Kategorie Kompetenzniveau 1 "light" resultiere
bei einer Restarbeitsfähigkeit von 50 % ein Invaliditätsgrad von 68 %.
Zudem habe aufgrund der Dupuytren'schen Erkrankung ab Juni 2018 bis
ca. Ende Januar 2019 für acht Monate eine dauernde volle
Arbeitsunfähigkeit auch in leidensadaptierter Tätigkeit bestanden,
weshalb ihm für diesen Zeitraum eine ganze Rente zustehe. Selbst bei
Annahme einer Restarbeitsfähigkeit von 75 % resultierte ein
Invaliditätsgrad von 52 % und damit ein Rentenanspruch.
22. Dazu nahm die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 25. Februar 2022
in ablehnender Weise Stellung. Mit Eingabe vom 7. März 2022 hielt der
Beschwerdeführer an seinen bisherigen Ausführungen fest.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Eingaben, die
angefochtene Verfügung vom 26. März 2020 sowie die weiteren Akten
wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 26. März 2020. Eine solche
Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann
beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und
sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formeller und
materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer von der
angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist somit
zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61
lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.
2.1. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage des Anspruchs des
Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung, welcher
infolge der Neuanmeldung gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG bzw. dem als
Revisionsgesuch bezeichneten Schreiben von Ende Oktober 2017
(betreffend die rechtskräftige, einen Rentenanspruch verneinende
Verfügung vom 16. September 2014) frühestens ab dem 1. April 2018
entstehen konnte, sofern bis dahin das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG erfüllt war, was hier unbestritten ist.
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2.2. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem
1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG)
und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in
Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da vorliegend der Rentenanspruch
jedoch frühestens am 1. April 2018 – d.h. noch unter Geltung des alten
Rechts – entstehen konnte bzw. ab dem 1. September 2018 – wie noch
aufzuzeigen sein wird – für einen befristeten Zeitraum entstand, finden
gemäss den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und
des massgeblichen Sachverhaltes die bis zum 31. Dezember 2021
gültigen Bestimmungen bis zu einer allfälligen Änderung des
Invaliditätsgrades nach Art. 17 Abs. 1 ATSG weiterhin Anwendung (vgl.
etwa BGE 144 V 210 E.4.3.1 und 129 V 354 E.1 sowie lit. b Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung vom 19. Juli 2020).
3. Zwischen den Parteien ist zum einen die (Rest-)Arbeitsfähgkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit strittig. Kritisiert wird dabei seitens des
Beschwerdeführers die im polydisziplinären estimed-Gutachten vom
11. Oktober 2019 angenommene Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit von 80 % bzw. die im asim-Gutachten vom 31. Dezember 2021
ausgewiesene 75%ige Arbeitsfähigkeit für eine leidensangepasste
Tätigkeit. Der Beschwerdeführer stellt sich gestützt auf das
rheumatologische Gutachten von Dr. med. E._ und die Ergebnisse
der beruflichen Eingliederung auf den Standpunkt, er sei nur 50 %
arbeitsfähig. Darüber hinaus ist auch die Bemessung des Validen- und des
Invalideneinkommens strittig.
4. In formeller Hinsicht ist zunächst auf die vom Beschwerdeführer gerügte
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör einzugehen. Gegen
diesen Anspruch wurde seiner Ansicht nach in vielerlei Hinsicht
verstossen.
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4.1. Wie nachstehend aufgezeigt wird, erweist sich dieses Vorbringen als
unbegründet. Zwar machte der Beschwerdeführer in seiner
Stellungnahme vom 18. März 2020 nebenbei geltend, die Ausführungen
von Prof. Dr. med. L._ würden den Anschein der Befangenheit
wecken (siehe IV-act. 236 S. 6 f.). Mit seiner Gehörsrüge übersieht er
jedoch, dass die Beschwerdegegnerin nicht gehalten war, sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinanderzusetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich zu widerlegen. Sie durfte sich vielmehr auf die
wesentlichen Einwände beschränkten (siehe BGE 141 III 28 E.3.2.4, 141
V 557 E.3.2.1 und 134 I 83 E.4.1). Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers hat sie sich denn auch mit dem geltend gemachten
Vorbringen zur angeblichen suggestiven Auftragserteilung und zur
gutachterlichen Auseinandersetzung mit der Einschätzung von Dr. med.
E._ in der Ergänzung vom 3. März 2020 befasst und die Abweisung
des Leistungsbegehrens in einer, wenn auch kurzen Begründung
erläutert. Die Überlegungen, von denen sich die Beschwerdegegnerin
leiten liess, können daher im Kern nachvollzogen werden. Es liegt keine
Gehörsverletzung vor, nur weil die Begründung nach Ansicht des
Beschwerdeführers nicht zutrifft. Die Pflicht zur Entscheidbegründung
bezweckt vielmehr, dass sich der Betroffene über die Tragweite des
Entscheids Rechenschaft geben und diesen in voller Kenntnis der Sache
an die höhere Instanz weiterziehen kann, falls er damit nicht einverstanden
ist (siehe BGE 145 III 324 E.6.1, 143 III 65 E.5.2 und 142 III 433 E.4.3.2).
Da vorliegend die Motive der Beschwerdegegnerin mit genügender
Klarheit aus der angefochtenen Verfügung hervorgehen, war der
Beschwerdeführer denn auch in der Lage, den Entscheid vom 26. März
2020 sachgerecht anzufechten.
4.2. Soweit er schliesslich bemängelt, die Beschwerdegegnerin sei auch nicht
auf die Ausführungen des Voranwalts in dessen Einwand vom 26. Juni
2014 zum Vorbescheid vom 27. Mai 2014 betreffend Rente bzw. im
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Wiedererwägungsgesuch vom 26. Juni 2014 zum Entscheid vom
28. Februar 2014 betreffend den Abbruch der beruflichen Massnahmen
(siehe IV-act. 62 S. 3) eingegangen, ist ihm entgegenzuhalten, dass
dieser dies bereits damals (bei Erlass der Verfügung vom 16. September
2014) hätte rügen müssen. Abgesehen davon hat sich die
Beschwerdegegnerin in der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom
16. September 2014 zu den Vorbringen des Voranwalts unter Ziffer 16a in
dessen Eingabe vom 26. Juni 2014 geäussert und ihre Position dazu
dargelegt (siehe IV-act. 69 S. 3).
5.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachpersonen zur Verfügung stellen.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu
beschreiben. Dies bedeutet in erster Linie, mit den Mitteln fachgerechter
ärztlicher Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven
Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose
zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson
hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr
nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst sie gibt
eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich
begründet bzw. nimmt sie dazu Stellung, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
Insoweit sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (siehe BGE 145 V 364 E.3.2.1 f., 140 V
193 E.3.1 f. und 132 V 93 E.4; Urteile des Bundesgerichts 8C_569/2021
vom 2. Februar 2022 E.3.2.2, 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2,
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8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4 und 9C_47/2021 vom 18. März
2021 E.5.2.3).
5.2. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den
Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel
– frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt (siehe BGE 143 V 124 E.2.2.2 und 125 V 351 E.3a).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl.
BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts
8C_380/2021 vom 21. Dezember 2021 E.3.2, 8C_173/2021 vom
25. Oktober 2021 E.4.1, 8C_101/2021 vom 25. Juni 2021 E.5.1,
8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2 und 8C_144/2021 vom 27. Mai
2021 E.2.4). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a und 122 V 157 E.1c).
- 16 -
5.3. Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für
die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche
Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b mit
zahlreichen Hinweisen). Für Gerichtsgutachten gilt, dass das Gericht nicht
ohne zwingende Gründe von den Einschätzungen der medizinischen
Experten abweicht. Ein Abweichen vom Gerichtsgutachten kann sich aber
insbesondere dann rechtfertigen, wenn dieses widersprüchlich oder ein
vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu
anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann
ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen
anderer Fachexperten dem Gericht triftig genug erscheinen, die
Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass das
Gericht die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt erhält
oder dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens
eine abweichen Schlussfolgerung zieht (vgl. BGE 143 V 269 E.6.2.3.2,
135 V 465 E.4.4 und 125 V 351 E.3b/aa; Urteile des Bundesgerichts
9C_288/2021 vom 30. November 2021 E.3.2, 8C_153/2021 vom
10. August 2021 E.3.2 und 8C_767/2019 vom 19. Mai 2020 E.3.1). Den
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten
und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange
nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen
(vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb; siehe auch Urteile des
Bundesgerichts 8C_33/2021 vom 31. August 2021 E.2.2.2 und
9C_257/2020 vom 23. Juli 2020 E.3.2). In Bezug auf Berichte von
behandelnden Ärzten darf und soll der Richter auch der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter
- 17 -
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (siehe BGE 135 V 465 4.5, 125
V 351 E.3b/cc). Insbesondere lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits
und der Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen
Experten (vgl. dazu BGE 124 I 170 E.4) andererseits nicht zu, ein
Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum
Anlass für weitere Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Arztpersonen oder Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen. Vorbehalten bleiben immerhin die Fälle, in denen sich eine vom
(amtlichen) Gutachten abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die
Berichte der behandelnden Ärzte wichtige – nicht rein der subjektiven
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der
Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (siehe Urteile
des Bundesgerichts 8C_764/2021 vom 3. März 2022 E.4.2, 8C_491/2021
vom 20. Dezember 2021 E.4.1, 8C_277/2021 vom 25. August 2021 E.3
und 8C_105/2021 vom 8. Juni 2021 E.3).
5.4. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Beurteilungen
im estimed-Gutachten vom 11. Oktober 2019 inkl. Ergänzung vom 3. März
2020 abgestellt hat oder ob konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit
sprechen bzw. diese von den übrigen medizinischen Akten derart in
Zweifel gezogen werden, so dass von der 80%igen
Arbeitsfähigkeitseinschätzung in adaptierten Tätigkeit abzuweichen wäre.
5.5. Vorab ist auf die formelle Kritik des Beschwerdeführers am bzw. in
Zusammenhang mit dem estimed-Gutachten und der gutachterlichen
Ergänzung von Prof. Dr. med. L._ einzugehen.
5.5.1. Diesbezüglich wirft er der Beschwerdegegnerin zunächst vor, den Auftrag
an die Begutachtungsstelle suggestiv formuliert zu haben, um ein
möglichst negatives Bild über den Beschwerdeführer zu vermitteln, wovon
- 18 -
sich die Gutachter hätten anstecken lassen. Dabei stört sich der
Beschwerdeführer gemäss seiner Eingabe vom 13. Dezember 2019
insbesondere an dem darin wiedergegebenen Eindruck des Jobcoaches,
wonach der Beschwerdeführer auf die Rentenprüfung warte und es ihm
letztendlich nur ums Geld gehe (siehe IV-act. 231 S. 2). Dieses Vorbringen
erweist sich als unbegründet. Der vorgenannte Eindruck des Jobcoaches
bettet sich ein in eine dreieinhalb Seiten umfassende Auftragserteilung, in
welcher detailliert und aktengetreu über den bisherigen Ablauf des IV-
Verfahrens, den medizinischen Sachverhalt und das Anforderungsprofil
der bisherigen Tätigkeit als Plattenleger berichtet wird (siehe IV-act. 214).
Darin wird auch ein Schreiben des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers wiedergegeben, in welchem dieser ausführte, dass
die Wiedereingliederung trotz bester Referenzen seitens der bisherigen
"Arbeitgeber" noch nicht gelungen sei (siehe IV-act. 214 S. 2 unten).
Inwiefern in der Auftragserteilung ein möglichst schlechtes Bild vom
Beschwerdeführer gezeichnet worden sein soll, ist nicht ersichtlich.
Ebenso wenig kann dem Beschwerdeführer gefolgt werden, wenn er
vorbringt, die Gutachter hätten sich "vom vermittelten Spirit kritiklos
anstecken" lassen. Die in der Ergänzung vom 3. März 2020 enthaltenen
Ausführungen zur beim Beschwerdeführer festgestellten erheblichen
Symptomausweitung finden ihre Stütze in den durchgeführten
Evaluationen der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) in den Jahren
2015 und 2019 (siehe IV-act. 183 S. 2 und IV-act. 226 S. 161) und stehen
somit nicht im Zusammenhang mit dem vorgenannten Eindruck des
Jobcoaches.
5.5.2. In formeller Hinsicht bestreitet der Beschwerdeführer zudem die
Beweistauglichkeit der gutachterlichen Ergänzung vom 3. März 2020, weil
diese nur die Unterschrift von Prof. Dr. med. L._ trage und seine
alleinige Stellungnahme enthalte, während die am estimed-Gutachten
mitbeteiligten Experten, insbesondere die Dres. med. M._
- 19 -
(Rheumatologie) und N._ (Handchirurgie), diese weder
mitunterzeichnet noch die gestellten Fragen selbst beantwortet hätten.
Dem ist zunächst entgegenzuhalten, – was der Beschwerdeführer denn
auch anerkennt – dass Prof. Dr. med. L._ gemäss ausdrücklichem
Hinweis in der Ergänzung vom 3. März 2020 bei der Beantwortung der
Fragen mit den Gutachtern Rücksprache gehalten hat und diese im
Konsens erfolgte, was er auch unterschriftlich bestätigte (siehe IV-act. 234
S. 1). Das Bundesgericht hat die Frage, ob die Unterschrift durch alle
beteiligten Experten ein Formerfordernis darstellt, bisher offengelassen
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_114/2017 vom 21. August 2017
E.7.2.1, 8C_569/2013 vom 30. September 2013 E.4.2.3, 8C_348/2013
vom 19. September 2013 4.2 und 8C_904/2012 vom 28. März 2013
E.4.4). Dabei ging es hauptsächlich um Konstellationen, in denen das
Hauptgutachten nicht durch alle mitbeteiligten Gutachterinnen und
Gutachter unterschrieben worden war, indes deren Teilgutachten als
integrierende Bestandteile davon schon. Abgesehen davon, dass im
vorliegenden Fall sowohl das estimed-Gutachten als auch die einzelnen
Teilgutachten von den zuständigen Gutachterinnen und Gutachter
unterschrieben worden sind (siehe IV-act. 226 S. 18, 57,76, 98, 130 und
156), ist überdies relativierend anzuführen, dass hier lediglich die
Unterzeichnung der Ergänzung vom 3. März 2020 einzig durch den
fallführenden Gutachter bemängelt wird. Was die erforderlichen
Unterschriften anbelangt, entspricht das estimed-Gutachten vom
11. Oktober 2019 namentlich den Leitlinien zur Konsensbeurteilung bei bi-
und polydisziplinären Begutachtungen in der Versicherungsmedizin vom
4. Dezember 2020 (vgl. auch Anhang VIII, Ziffer 5 des Kreisschreibens
über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI] vom 1. Januar
2010 [Stand: 1. Januar 2018] bzw. Anhang V, Ziffer 5 des Kreisschreibens
über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI] vom 1. Januar
2022). Dass die Unterzeichnung der Ergänzung vom 3. März 2020 alleine
durch den fallführenden Gutachter Prof. Dr. med. L._ einen
- 20 -
erheblichen Mangel darstellen soll, vermag nicht zu überzeugen (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_271/2009 vom 1. Oktober 2009 E.6.5,
8C_272/2009 vom 1. Oktober 2009 E.3.3 und 9C_55/2009 vom 1. April
2009 E.3.3), zumal Prof. Dr. med. L._ unterschriftlich bestätigte, die
Fragen in Rücksprache und im Konsens mit den Experten beantwortet zu
haben. Konkrete Anhaltspunkte dafür, die daran zweifeln liessen, dass die
Ergänzung die Beurteilungen der am estimed-Gutachten beteiligten
Experten nicht korrekt wiedergegeben würde oder gar manipuliert worden
wäre, werden weder vom Beschwerdeführer geltend gemacht noch sind
solche ersichtlich. Insofern erübrigt es sich, wie vom Beschwerdeführer
beantragt, das Begutachtungsinstitut bzw. konkrete Teilgutachter
aufzufordern, dem streitberufenen Gericht eine schriftliche Stellungnahme
zu unterbreiten, in welcher die Übereinstimmung der Ausführungen in der
Ergänzung vom 3. März 2020 mit ihren Einschätzungen unterschriftlich
bestätigt würde. Dass die Ergänzung vom 3. März 2020 lediglich die
Unterschrift von Prof. Dr. med. L._ trägt, vermag ihr den Beweiswert
somit nicht abzusprechen. Auch bestehen keine Anhaltspunkte dafür,
dass die Ergänzungsfragen nicht beantwortet worden wären. Zudem ist
relativierend darauf hinzuweisen, dass vorliegend ohnehin ein
Gerichtsgutachten bei der asim eingeholt worden ist, in welchem die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit – mit
Ausnahme der befristeten, vollständigen Arbeitsunfähigkeit im
Zusammenhang mit einer behandlungsbedürftigen Dupuytren'schen
Erkrankung ab Juni 2018 prä- und postoperativ bis Ende Januar 2019 –
weitestgehend übereinstimmend beurteilt worden und – wie noch
aufzuzeigen sein wird – in der Hauptsache letztlich auch auf dieses
abzustellen ist (siehe dazu die nachstehende Erwägungen 5.7 ff.).
5.6.1. Mit Blick auf die am estimed-Gutachten bzw. dessen Ergänzung vom
Beschwerdeführer geäusserten Kritik ist festzuhalten, dass die
Gutachterinnen und Gutachter ihre Beurteilung in Kenntnis der
- 21 -
medizinischen Vorakten (vgl. dazu insb. IV-act. 226 S. 20 ff.) und ihre
Schlussfolgerungen gestützt auf eigene klinische sowie bildgebende
Untersuchungen sowie Laborbefunde getroffen haben. Auch flossen die
vom Beschwerdeführer gemachten Angaben zur Krankheitsentwicklung
und zum jetzigen Leiden in die Würdigung mit ein (vgl. jeweilige
Teilgutachten). In der Konsensbeurteilung wiesen die Gutachter folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus: chronisches
lumbovertebrales Syndrom mit/bei chronischem lumboradikulären
Schmerzsyndrom L5 bei kleiner Diskushernie, MRI LWS 09/15 auf Höhe
L5/S1 residuelle Kompromittierung der Nervenwurzel L5 rechts
intraforaminal bei paramedian rechtsseitiger Diskushernie sowie
zusätzliche Retrospondylose und Spondylarthrose, wobei aktuell keine
pathologischen Befunde objektivierbar seien. Als Diagnosen ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit wiesen sie unter anderem folgende aus:
chronisches cervicovertebrales Syndrom mit/bei MRI HWS 08/19
moderate foraminale Engen C4 links>rechts, C5 rechts>links und C6 links
ohne Spinalstenose, wobei aktuell keine pathologischen Befunde
objektivierbar seien; Morbus Dupuytren Hände bds. links>rechts, aktuell
Rezidiv Dig. V links Hand, Strahl III Stadium I und Strahl IV Stadium N
nach Tubiana rechts, St. p. partieller Fasziektomie Dig V Hand 10/18 und
Risikofaktor übermässiger Alkoholkonsum; St. p. Carpaltunnelsyndrom-
Operation links 10/18 ohne aktuelle Beschwerden und pathologischen
Befunde (siehe IV-act. 226 S. 12 f.).
5.6.2. Dem Beschwerdeführer ist indes darin beizupflichten, dass sich die
Gutachterinnen und Gutachter im estimed-Gutachten vom 11. Oktober
2019 nicht bzw. nicht vertieft mit den vorbefundlichen fachärztlichen
Einschätzungen auseinandergesetzt und dabei aufgezeigt haben,
weshalb sie eine andere Ansicht vertreten. Weder ihre Ausführungen zur
Beurteilung der medizinischen Situation noch die gezogenen
Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand bzw. zur
- 22 -
Arbeitsfähigkeitseinschätzung sind nachvollziehbar begründet. So wird die
in der Konsensbeurteilung ausgewiesene Arbeitsfähigkeit von 80 %
neurologisch begründet (siehe IV-act. 226 S. 15, vgl. ferner IV-act. 238
S. 30) wegen des chronischen lumbovertebralen Syndroms (siehe IV-
act. 226 S. 16), das jedoch vom neurologischen Teilgutachter Prof.
Dr. med. L._ klinisch nicht objektiviert werden konnte (siehe IV-
act. 226 S. 51 f.). Weshalb dem so ist, kann nicht nachvollzogen werden,
da dies weder von Prof. Dr. med. L._ ausgeführt noch ein
entsprechender Befund zur LWS im neurologischen Teilgutachten
festgehalten wird (siehe IV-act. 226 S. 50). Prof. Dr. med. L._ führte
zu der von ihm attestierten Arbeitsunfähigkeit von 20 % in adaptierter
Tätigkeit einzig aus, aufgrund der Aktenlage und der darin zu findenden
pathologischen klinischen Befunde müsse das lumbovertebrale Syndrom
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gesehen werden
(siehe IV-act. 226 S. 52). Auf welche Berichte er sich dabei abstützt, ist
nicht erfindlich. Zudem steht die Feststellung von Prof. Dr. med. L._,
wonach das chronische lumbovertebrale Syndrom nicht objektiviert
werden könne, im Widerspruch zum rheumatologischen Teilgutachten von
Dr. med. M._, in welchem diese gestützt auf bildgebende
Untersuchungen der LWS sowie einen ausgewiesenen Befund der
Wirbelsäule (siehe IV-act. 226/88 f.), unter anderem zum Schluss
gelangte, das chronische Lumbovertebralsyndrom habe im Rahmen der
aktuellen Begutachtung, klinischen Untersuchung und Bildgebund sowie
unter Würdigung der Vorakten gestellt werden können (siehe IV-act. 226
S. 91). Erklärungsbedürftig ist dabei auch, weshalb Dr. med. M._ das
(für sie objektivierbare) chronische lumbovertebrale Syndrom als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, jedoch ohne
Leistungseinbusse für eine Verweistätigkeit auswies (d.h. Arbeitsfähigkeit
von 100 % in adaptierter Tätigkeit [siehe IV-act. 226 S. 97]), wohingegen
Prof. Dr. med. L._, welcher dieses Syndrom nicht objektivieren
konnte, auf eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in adaptierter Tätigkeit schloss.
- 23 -
5.6.3. Eine ähnliche Diskrepanz zwischen dem neurologischen und
rheumatologischen Teilgutachten besteht auch in Bezug auf das
chronische cervicovertebrale Syndrom. Während Dr. med. M._
dieses in ihrer aktuellen Begutachtung klinisch, bildgebend und
anamnestisch objektivieren konnte und es als Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit aufführte (siehe IV-act. 226 S. 91), schrieb Prof.
Dr. med. L._ das chronische cervicovertebrale Syndrom mangels
Objektivierung den Diagnosen ohne Arbeitsfähigkeitseinfluss zu (siehe IV-
act. 226 S. 51 f.). Auch in der Konsensbeurteilung wurde dies so
beibehalten (siehe IV-act. 226 S. 12 ff.), obwohl Dr. med. M._ ihre
Beurteilung der Nackenbeschwerden neben der klinischen
Befunderhebung insbesondere auf ein im August 2019 durchgeführtes
MRI der HWS (Befunde: moderate foraminalen Engen C4 li>re, C5 re>li
und C6 li ohne Spinalstenose) abstellen konnte (siehe IV-act. 226 S. 89
und S. 91).
5.6.4. Ferner ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass bei der im
Konsens getroffenen Arbeitsfähigkeitseinschätzung in adaptierter
Tätigkeit aktenwidrigerweise festgehalten wurde, dass bisher keine
Arbeitsfähigkeitsbemessung in einer Verweistätigkeit abgegeben worden
sei (siehe IV-act. 226 S. 16). Dabei übersahen die Gutachterinnen und
Gutachter insbesondere das rheumatologische Gutachten vom
27. Oktober 2015, in welchem Dr. med. E._ eine Verweistätigkeit zu
mindestens 50% als zumutbar erachtete (siehe IV-act. 106 S. 13 und IV-
act. 226 S. 32). Indes wurde eine Stellungnahme dazu in der Ergänzung
vom 3. März 2020 nachgeholt. Darin führte Prof. Dr. med. L._ aus,
Dr. med. E._ gehe in seiner Beurteilung vom 27. Oktober 2015 in
keiner Weise auf den Umstand ein, dass sich bei der von ihm veranlassten
EFL Hinweise für eine erhebliche Symptomausweitung ergeben hätten.
Angesichts der von ihm beschriebenen Umstände (keine Parese, keine
Parästhesien, ADL gut möglich, Autofahren bis zwei Stunden möglich)
- 24 -
erscheine die 50%ige Einschränkung in adaptierter Tätigkeit zumindest
aus heutiger Sicht eher hoch angesetzt. Hinzu komme, dass es in
befundlicher Hinsicht seit der Begutachtung durch Dr. med. E._ zu
einer gewissen Verbesserung der Beweglichkeit gekommen sei.
Zusammenfassend könne jedenfalls zum heutigen Zeitpunkt nicht auf die
Beurteilung von Dr. med. E._ aus dem Jahr 2015 abgestellt werden
(siehe IV-act. 234 S. 2). Obwohl die Gutachterinnen und Gutachter
letztlich an ihrer Restarbeitsfähigkeit von 80 % in einer adaptierten
Tätigkeit festhielten, scheint aufgrund dieser Auseinandersetzung mit dem
Gutachten von Dr. med. E._ jedenfalls die retrospektive
Arbeitsfähigkeitseinschätzung (ebenfalls 80 % in adaptierter Tätigkeit für
die "letzten Jahre"; siehe IV-act. 226 S. 16) nicht restlos geklärt zu sein,
führen sie doch selbst lediglich aus, dass die im Jahr 2015 von Dr. med.
E._ getroffene Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von
mind. 50 % "aus heutiger Sicht" eher hoch angesetzt sei.
5.6.5. Genauso wie Prof. Dr. med. L._ bemängelt, Dr. med. E._ habe
die Resultate aus der von ihm veranlassten EFL nicht gewürdigt, muss
auch er sich den Vorwurf gefallen lassen, dass im estimed-Gutachten vom
11. Oktober 2019 keine ersichtliche Auseinandersetzung mit den
Erkenntnissen aus der im Juli 2019 durchgeführten EFL stattgefunden hat.
Es findet sich lediglich ein einziger Verweis auf die EFL-Abklärung in der
Konsensbeurteilung (siehe IV-act. 226 S. 16). Dabei bleibt unklar, ob und
inwiefern die anlässlich der EFL festgestellte erhebliche
Symptomausweitung bzw. die darin angenommene ganztags zumutbare,
höhere Belastbarkeit im Sinne von mittelschweren Tätigkeiten bei einem
vermehrten Pausenbedarf von zwei Stunden pro Tag (siehe IV-act. 226
S. 161) in die im Gutachten ausgewiesene Arbeitsfähigkeit von 80 % in
adaptierter Tätigkeit eingeflossen ist. Dass sich Prof. Dr. med. L._ in
der Ergänzung vom 3. März 2020 dazu geäussert hat, vermag angesichts
seiner nicht weiter begründeten (und nicht vollends nachvollziehbaren)
- 25 -
Ausführungen, wonach die Feststellungen der EFL die gutachterlichen
Einschätzungen nicht in Frage zu stellen vermöchten, keine hinreichende
Abhilfe zu verschaffen (vgl. IV-act. 234 S. 5).
5.6.6. Des Weiteren fehlt im neurologischen Teilgutachten eine
Auseinandersetzung mit der vorbefundlich bekannten Problematik
einschlafender Finger bzw. des Einschlafens des ganzen linken Armes,
die gemäss der Dres. med. H._ und I._ am ehesten im Rahmen
der HWS-Beschwerden zu werten sei (vgl. Bericht vom 12. Februar 2019
[IV-act. 208 S. 8]). Dasselbe gilt für das MRI der HWS vom August 2019
(siehe IV-act. 226 S. 89 und IV-act. 226 S. 91), auf das auch das im
vorliegenden Verfahren ins Recht gelegte MRI der HWS vom 1. Mai 2020
Bezug nimmt und unter anderem eine stationäre diskoossäre Einengung
der Neuroforamina von HWK3 bis HWK7 mit leichter Kompression von C4
links, Tangierung bis Kompression von C7 links, Kompression von C6
rechts sowie Tangierung von C5 und C6 links beschreibt (Akten des
Beschwerdeführers [Bf-act.] 3 zur Beschwerde).
5.6.7. Ferner sind auch die Zweifel des Beschwerdeführers am
handchirurgischen Gutachten berechtigt. Zwar vermag diesbezüglich die
gutachterliche Ergänzung vom 3. März 2020 insoweit Abhilfe zu
verschaffen, als dargelegt wurde, dass die sonografisch erhärteten
Befunde nicht derart seien, dass die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers massgeblich eingeschränkt würde (siehe IV-act. 234
S. 5). Wie sich diese Schlussfolgerung jedoch herleitet, wird nicht näher
begründet. Ausserdem fehlt eine vertiefte Auseinandersetzung mit den
diversen handchirurgischen Fachberichten, welche letztlich Restdefizite
(an der linken Hand) ausweisen (vgl. insbesondere der Bericht vom
28. Mai 2019 der Dres. med. J._ und I._ [IV-act. 223 S. 2]) und
von der rheumatologischen estimed-Teilgutachterin im Sinne einer
Unzumutbarkeit von schweren manuellen und repetitiven Arbeiten (der
Hände) berücksichtigt worden waren (siehe IV-act. 226 S. 93 ff.), sowie
- 26 -
eine nachvollziehbare Begründung der Arbeitsfähigkeitseinschätzung aus
handchirurgischer Sicht (vgl. IV-act. 226 S. 126 ff.) unter Berücksichtigung
der am 17. Oktober 2018 durchgeführten Operation an der linken Hand
(siehe dazu IV-act. 203 S. 5 und IV-act. 226 S. 35) sowie der
anschliessenden Rekonvaleszenzzeit (siehe IV-act. 207, IV-act. 208 S. 7,
IV-act. 210 und IV-act. 223).
5.6.8. Schliesslich ist zu bemängeln, dass in der Konsensbeurteilung das
Vorliegen eines Suchtleidens ohne weitere Ausführungen dazu verneint
(siehe IV-act. 226 S. 12), darin zugleich aber ausgewiesen wird, dass
aufgrund des sehr hohen CDT-Wertes im Laborbefund davon auszugehen
sei, dass der Beschwerdeführer mehr als die angegebene Menge an
Alkohol trinke bzw. eher ein schädlicher Alkoholgebrauch vorliege (siehe
IV-act. 226 S. 14). Diese Feststellungen stammen von der
rheumatologischen Teilgutachterin, welche gestützt auf die
laborchemischen Ergebnisse befand, es bestehe ein regelmässiger
(chronischer), erhöhter Alkoholkonsum, was im psychiatrischen
Teilgutachten näher diskutiert werden müsse (siehe IV-act. 226 S. 92 ff.,
insb. IV-act. 226 S. 94). Eine solche Auseinandersetzung, insbesondere
im Lichte der neuen Rechtsprechung zu primären
Abhängigkeitssyndromen (vgl. BGE 145 V 215), erfolgte durch den
psychiatrischen Teilgutachter indes nicht. Vielmehr wies dieser – wie in
der Konsensbeurteilung – ebenfalls einzig aus, dass kein Suchtleiden
vorliege (siehe IV-act. 226 S. 149).
5.7. Aus diesen Gründen gelangte das streitberufene Gericht am 27. Oktober
2020 insgesamt zum Schluss, dass nicht auf das estimed-Gutachten vom
11. Oktober 2019 bzw. dessen Ergänzung vom 3. März 2020 abgestellt
werden kann. Für den Fall, dass die Verfahrensbeteiligten eine
Referentenaudienz ablehnen würden, was letztlich auch eintraf, beschloss
das Gericht, ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten in den
Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin (Fallführung), Psychiatrie,
- 27 -
Rheumatologie, Neurologie und Handchirurgie einzuholen. Dieses wurde
von der asim nach durchgeführten Untersuchungen im August 2021 am
31. Dezember 2021 erstattet (nachfolgend asim-Gutachten).
6.1.1. Die Gutachterin und Gutachter der asim wiesen in der Konsensbeurteilung
ein chronisches thorakolumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10:
M54.5, M54.6), ein chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom
(ICD-10: M54.2) sowie ein klinisch intermittierendes leichtes sensibles
Kubitaltunnelreizsyndrom linksseitig als Diagnosen mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit aus. Als ohne Einfluss darauf erachteten sie den
Verdacht auf einen schädlichen Alkoholgebrauch, den Zustand nach
Karpaltunneloperation links 10/2018 klinisch ohne Residuen, der Morbus
Dupuytren Strahl III und IV beidseits und Strahl V und II links maximal
Tubiana Grad 1 sowie der Status nach Kontusion der linken Schulter
07/2021 (siehe asim-Gutachten, Konsensbeurteilung, S. 8 f.). Dazu
führten sie namentlich aus, als Hauptproblem beklage der
Beschwerdeführer eine Persistenz chronischer Schmerzen im Bereich der
Lenden- und Halswirbelsäule. Der Schmerzcharakter und die
Lokalisierung dieser Beschwerden an der Wirbelsäule habe sich im Laufe
der Zeit nicht wesentlich verändert, hingegen habe die Schmerzintensität
im Verlauf zugenommen.
Rheumatologisch habe sich der klinische Zustand des Beschwerdeführers
im Vergleich zu den Vorbefunden im Laufe der Zeit nicht wesentlich
verändert. Im rheumatologischen estimed-Teilgutachten von 2019 sei dem
Beschwerdeführer für adaptierte Tätigkeiten eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
attestiert worden. Infolge Alterungsprozesse habe eine leichte Progression
degenerativer Veränderungen stattgefunden, wobei diese aber nicht für
die Entstehung der Schmerzchronifizierung im Vordergrund stehe. Im
Wesentlichen bestehe eine chronifizierte Fehlhaltung der Wirbelsäule
infolge einer ausgeprägten muskulären Dysbalance mit Bildung
ausgeprägter myotendinotischer Verspannungen der paravertebralen
- 28 -
Muskulatur, die sich im Laufe der Zeit etabliert habe. Durch diese würden
die Auswirkungen der strukturellen degenerativen Veränderungen der
LWS und HWS funktionell erheblich verstärkt. Es ergebe sich für
körperlich schwere Tätigkeiten eine volle und eine 25%ige Einschränkung
für adaptierte Tätigkeiten.
Neurologisch ergebe sich weder im Bereich der Halswirbelsäule noch der
Lendenwirbelsäule ein Hinweis für eine radikuläre Schädigung.
Psychiatrisch lasse sich – entsprechend der gutachterlichen
Vorbeurteilung im 2019 – auch aktuell keine Diagnose nach ICD-10-
Kriterien stellen. Bezüglich der Grundpersönlichkeit würden sich Hinweise
auf eine leicht erhöhte Ängstlichkeit ergeben, ohne dass dies jedoch
pathologische Ausmasse annehme. Gut erkennbar sei eine
Selbstwertproblematik, die deutlich geworden sei, als der
Beschwerdeführer seinen Status ohne Arbeit thematisiert habe. Nicht
ganz ausgeschlossen werden könne, dass es Phasen gegeben habe, in
denen die Kriterien einer depressiven Episode erfüllt gewesen seien.
Dabei wurde darauf hingewiesen, dass fachpsychiatrische Berichte über
den gesamten Zeitraum mit Ausnahme der Begutachtung im 2019 nicht
vorlägen. Ein wesentliches Reintegrationshindernis lasse sich daraus
jedoch nicht erkennen. Aktuell stelle sich der psychopathologische Befund
unauffällig dar.
Der Beschwerdeführer leide an beiden Händen unter einer
Dupuytren'schen Erkrankung, welche schubweise oder kontinuierlich
verlaufen könne. Eine starke Krümmung des Kleinfingers links sowie das
begleitende Karpaltunnelsyndrom (CTS) hätten den Beschwerdeführer im
Oktober 2018 zu einer Operation bewogen. Postoperativ verblieben wenig
Restbeschwerden im Sinne eines Extensionsdefizitrezidivs, was im
Rahmen der Vernarbung zu sehen sei. In seiner Arbeitsfähigkeit sei der
Beschwerdeführer aus handchirurgischer Sicht dadurch nicht
- 29 -
eingeschränkt. Am linken Ellenbogen bestehe intermittierend ein leichtes
sensibles Kubitaltunnelreizsyndrom, weshalb dem Beschwerdeführer
Tätigkeiten, bei denen eine mechanische Druckausübung auf den
Kubitaltunnel stattfinde, nicht möglich seien. Durch die Reizung des
Nervus ulnaris im Kubitaltunnel komme es zu einer Sensibilitätsstörung im
Bereich des Kleinfingers und der Handkante links. Feinmechanische
Tätigkeiten seien mit dem Kleinfinger nicht mehr möglich.
Wie in der Vorbegutachtung im Jahre 2019 hätten auch aktuell in der
Laboruntersuchung Hinweise auf einen übermässigen Alkoholkonsum
erhoben werden können. Eine genaue Quantifizierung des Konsums sei
bei diesbezüglich nicht untypischem Abwehrverhalten nicht möglich. Der
Nachweis für eine körperliche oder psychische Schädigung oder ein
verändertes Verhalten, welches auf den erhöhten Alkoholkonsum
zurückzuführen sei, lasse sich aktuell nicht erbringen. Bis anhin habe dies
kein Reintegrationshindernis bedeutet (siehe asim-Gutachten,
Konsensbeurteilung, S. 7 f.).
6.1.2. Die asim-Gutachterin und Gutachter hielten zu den funktionellen
Auswirkungen der Befunde und Diagnosen fest, körperlich schwere
Tätigkeiten, die das Heben, Tragen oder Stossen von Lasten über 7 kg,
das repetitive Bücken nach vorne oder ein in die Hocke gehen (wie z.B.
bei der Arbeit als Plattenleger) erforderten, seien aufgrund der
degenerativen Veränderungen der Lenden- und Halswirbelsäule genauso
ungünstig wie Überkopfarbeiten. Die Kontrakturen der Finger könnten
durch Hyperextension im MCP-Gelenk kompensiert werden und fielen
funktionell nicht ins Gewicht (siehe asim-Gutachten, Konsensbeurteilung,
S. 9 f.). Daraus schlossen die asim-Gutachterin und Gutachter, dass in der
angestammten Tätigkeit als Plattenleger – in Übereinstimmung mit den
Vorbeurteilungen – keine Arbeitsfähigkeit mehr besteht. In adaptierter
Tätigkeit wiesen sie eine aktuelle Arbeitsfähigkeit von 75 % aus, wobei die
Einschränkungen rheumatologischen Ursprungs sind. Als Belastungsprofil
- 30 -
definierten sie was folgt: Möglich seien körperliche Tätigkeiten ohne
Notwendigkeit des Hebens, Tragens oder Stossens von Lasten über 5 kg
und ohne Notwendigkeit, sich repetitiv nach vorne zu bücken.
Überkopfarbeiten seien ebenfalls ungünstig. Tätigkeiten, bei denen eine
mechanische Druckausübung auf den Kubitaltunnel linksseitig stattfinde,
seien nicht möglich (siehe asim-Gutachten, Konsensbeurteilung, S. 11).
Die im Vergleich zur Arbeitsfähigkeitsattestierung von 80 % gemäss
Begutachtung im 2019 aktuell leicht höhere Einschränkung gelte dabei –
bei altersentsprechender (leichter) Zunahme degenerativer
Veränderungen – seit Gutachtenszeitpunkt (siehe asim-Gutachten,
Konsensbeurteilung, S. 12).
6.2. Der Beschwerdeführer wendet dagegen in seiner Eingabe vom
15. Februar 2022 ein, die Einschätzung seiner Leistungsfähigkeit durch
die asim-Gutachterin und Gutachter mit einer Restarbeitsfähigkeit von
75 % in körperlich leichten Tätigkeiten stehe in einer offensichtlichen und
erheblichen Diskrepanz zur 50%igen Leistung, wie er sie während der
ausführlich und umfangreich dokumentierten Eingliederungsmassnahmen
bei einwandfreiem Arbeitsverhalten effektiv realisiert habe. Die asim-
Gutachterin und Gutachter bestätigten dabei ausdrücklich, dass sowohl
die Tätigkeit während der beruflichen Massnahmen leidensangepasst
gewesen seien. Sie begründeten ihre doch deutlich abweichende Meinung
alleine mit einer Selbstlimitierung. Diese werde zwar im EFL-Bericht vom
20. Oktober 2015 beschrieben, entgegen der asim-Gutachterin und
Gutachter indessen in keinem einzigen Massnahmenbericht. Im
Gegenteil, die Fachleute und Eingliederungsspezialisten hätten keinen
Zweifel daran aufkommen lassen, dass er sich während der ungewöhnlich
langen, mehrjährigen Abklärungszeit vorbildlich eingesetzt habe und
bereit gewesen sei, an seine Leistungsgrenze zu gehen.
6.2.1. Im asim-Gutachten vom 31. Dezember 2021 wird zu den beruflichen
Eingliederungsmassnahmen festgehalten, der Beschwerdeführer habe
- 31 -
seine zumutbare Restarbeitsfähigkeit nicht vollständig ausgeschöpft.
Grund dafür sei vorwiegend eine (in nahezu sämtlichen Massnahmen-
berichten vorbeschriebene und auch in der aktuellen Begutachtung
festgestellte) Selbstlimitierung. Möglich und zumutbar wäre – bei
rheumatologisch stabil gebliebenem Gesundheitszustand – eine
Leistungsfähigkeit von ca. 80 % gewesen (siehe asim-Gutachten,
Konsensbeurteilung, S. 17).
6.2.2. Der Beschwerdeführer kritisiert diese Beurteilung und wendet dagegen
ein, entgegen den asim-Gutachtern werde in keinem der
Massnahmenberichte eine Selbstlimitierung beschrieben. Zudem brachte
er bereits gegen das estimed-Gutachten vom 11. Oktober 2019 vor, die
aus der während dreieinhalb Jahren durchgeführten Eingliederung
gewonnenen Erkenntnisse, insbesondere, dass er sehr gute
Arbeitsleistungen gezeigt habe und mit seinem Arbeitseinsatz von 50 %
an seine Leistungsgrenze gestossen sei, seien von den Gutachtern nicht
berücksichtigt worden.
6.2.3. Zwar trifft es zu, dass der Beschwerdeführer während des Arbeitstrainings
bei C._ die Arbeitszeit aufgrund seiner Rückenschmerzen nur auf 24
Stunden pro Woche bei einer Leistung von 80 bis 90% steigern konnte
(siehe IV-act. 128 S. 3) bzw. anlässlich des Praktikums bei der F._
AG gemäss Abschlussbericht vom 4. September 2017 ein 50%-Pensum
bei 100%iger Leistung erreichen konnte (siehe IV-act. 168 S. 1 f.).
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nahm indes bereits
Prof. Dr. med. L._ in der Ergänzung vom 3. März 2020 zu den
durchgeführten beruflichen Massnahmen Stellung. Dazu führte er gestützt
auf aktenkundige Berichte aus der Eingliederung aus, diese zeigten, dass
der Beschwerdeführer an seiner Überzeugung, nur etwas mehr als
halbtägig beruflich tätig sein zu können, festgehalten habe und die
berufspraktischen Beurteilungen seien stark davon geprägt (siehe IV-
act. 234 S. 4). Zwar ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass
- 32 -
die Rückmeldungen hinsichtlich seiner Arbeitsleistung anlässlich der
beruflichen Eingliederungsmassnahmen positiv ausgefallen sind (vgl. z.B.
Abschlussbericht der F._ AG vom 4. September 2017 [IV-act. 168],
Schlussbericht C._ vom 30. April 2016 [IV-act. 128], Bericht der
F._ AG vom 24. Oktober 2016 [IV-act. 144], Standortgespräch vom
24. Juni 2015 [IV-act. 95] und Standortgespräch vom 10. Februar 2016
[116]). Indes ist ebenfalls aktenkundig, dass er sich dahingehend
geäussert hat, nicht bzw. nur in einer etwas mehr als halbtägigen Tätigkeit
arbeitsfähig zu sein (vgl. BEFAS-Abklärungsbericht vom 18. November
2013 [IV-act. 37 S. 6], Verlaufs- und Gesprächsprotokoll vom 28. August
2013 [IV-act. 31], estimed-Gutachten vom 11. Oktober 2019 [IV-act. 226
S. 49 und 86]; vgl. ferner asim-Gutachten vom 31. Dezember 2021
[Konsensbeurteilung S. 6, neurologisches Teilgutachten S. 4 f. und
psychiatrisches Teilgutachten S. 6 und S. 10 f.]). Ausserdem wird von
Seiten der Eingliederungsfachpersonen verschiedentlich angemerkt, dass
der Beschwerdeführer sich mit Blick auf seine berufliche Zukunft sehr
passiv verhalte und unbedingt mehr Initiative zeigen müsse (vgl.
Verlaufsprotokoll Eintrag vom 20. Januar 2016 [IV-act. 117],
Zwischenbericht vom 8. Juni 2016 [IV-act. 129]). Dass diese Haltung
Ausdruck einer Ratlosigkeit gewesen sein soll, ist nicht ersichtlich (vgl.
dazu insbesondere die Ausführungen im Zwischenbericht vom 8. Juni
2016 [IV-act. 129]). Schliesslich basieren die Ergebnisse aus den
Eingliederungsmassnahmen auch stark auf der subjektiv, vom
Beschwerdeführer gezeigten Leistung (vgl. z.B. Schlussbericht C._
vom 30. April 2016 [IV-act. 128], Standortgespräch vom 24. Juni 2015 [IV-
act. 95], Standortgespräch vom 10. Februar 2016 [IV-act. 116],
Verlaufsprotokoll Eintrag vom 26. August 2015 [IV-act. 101],
Verlaufsprotokoll Eintrag vom 28. September 2016 [IV-act. 137]), wobei
diesfalls anzumerken bleibt, dass bereits anlässlich der im Oktober 2015
durchgeführten EFL, als der Beschwerdeführer sich in beruflichen
Massnahmen befand, eine erhebliche Symptomausweitung,
- 33 -
Selbstlimitierung und Inkonsistenz festgestellt worden ist (siehe IV-
act. 183 S. 2, vgl. ferner Bericht zur EFL vom 22. Juli 2019 [IV-act. 226
S. 161] mit gleichen Ergebnissen). Dies griff denn auch der
rheumatologische Teilgutachter der asim, Dr. med. O._, in seiner
Beurteilung auf und nahm entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers ausführlich zur Selbstlimitierung Stellung. Konkret
führte er insbesondere aus, parallel zu den lokalen Prozessen (sowohl
degenerative Veränderungen struktureller Natur als auch ausgeprägte
muskuläre Dysbalance funktioneller Natur) seien beim Beschwerdeführer
rasch zusätzlich eine nicht-organische maladaptive Komponente in Form
einer nicht-organisch begründbaren Selbstlimitierung entstanden, welche
sich schon im Rahmen der EFL (gemäss Bericht) vom 20. Oktober 2015
manifestiert habe. Es habe sich ein eindeutiges Schmerzverhalten gezeigt
(übervorsichtige Bewegungen, starre, abnorme Haltung, häufiges Reiben
und Halten der Schmerzbereiche, häufige Schmerzmimik, häufige verbale
Schmerzäusserungen), welche als nicht adäquat beurteilt worden seien.
Es hätten sich zusätzlich Diskrepanzen gezeigt zwischen dem Ausmass
der angegebenen Einschränkungen im Fragebogen zur
Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit und den beobachteten
funktionellen Fähigkeiten (die Selbsteinschätzung sei erheblich zu tief
erschienen, was auf Selbstlimitierung hinweise). Die Angaben von starken
Schmerzen hätten nicht dem eher wenig leidenden Eindruck entsprochen,
den der Beschwerdeführer während der Aktivitäten vermittelt habe
(Auszug aus dem EFL-Bericht vom 20. Oktober 2015 [vgl. IV-act. 183 S. 4
f.). Nach Ansicht von Dr. med. O._ begünstigte diese
Selbstlimitierung eine muskuläre Dekonditionierung, welche wiederum die
Entwicklung von ausgeprägten muskulären Dysbalancen der
paravertebralen Muskulatur begünstige. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit sei ursächlich für die verminderte Leistungsfähigkeit
eine Selbstlimitierung zu vermuten (siehe asim-Gutachten,
rheumatologisches Teilgutachten, S. 22, vgl. auch die psychiatrische
- 34 -
Beurteilung im asim-Gutachten, psychiatrisches Teilgutachten, S. 18 f.
und 21 f.).
6.2.4. Dr. med. O._ nahm zudem ausdrücklich zu den Ergebnissen der
beruflichen Eingliederungsmassnahmen Stellung. Zum Arbeitstraining bei
C._ vom 3. Oktober 2015 bis zum 31. März 2016 hielt er was folgt
fest: Es sei zu einer Steigerung auf 24 Stunden pro Woche gekommen.
Eine weitere Steigerung sei wegen der Rückenbeschwerden aber nicht
möglich gewesen. Dazu sei zu bemerken: Die Qualität der Arbeit habe sich
als stets hoch erwiesen, mit einer Arbeitsleistung von 80 bis 90 % nach
Schätzung der Vorgesetzten (siehe auch IV-act. 128 S. 3). Diese stets
hohe Arbeitsleistung von 80 bis 90 % könne zeigen, dass während der
Arbeit an halben Tagen diese Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
schmerzbedingt nicht relevant eingeschränkt gewesen sein sollte. Ein
heftiger Schmerzzustand hätte sonst die Leistungsfähigkeit bemerkbar
limitiert. Anschliessend habe der Beschwerdeführer ein Praktikum bei der
F._ AG vom 23. September 2016 (recte 29. März 2016) bis zum
30. September 2017 gemacht. Es habe sich um eine 50%ige Tätigkeit
gehandelt, nach wie vor belastend mit Anreise. Der Beschwerdeführer
habe häufige Schmerzen im Rücken und zum Teil in den Beinen beklagt.
Eine Aussicht auf eine Festanstellung habe weiterhin nicht bestanden, da
die Verlegung der Firma ins Ausland aus wirtschaftlichen Gründen geplant
gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe in diesem Praktikum insgesamt
anderthalb Jahre zu 50 % jeweils vormittags gearbeitet. Die
Leistungsfähigkeit während der Anwesenheit sei bei 100 % geblieben
(volle Leistungsfähigkeit während der Arbeit; siehe auch IV-act. 144 S. 1
f. und IV-act. 168 S. 1 f.). Subjektiv limitierend seien ebenfalls die
Rückenschmerzen gewesen, wie beim vorherigen Praktikum. Eine stets
hohe Arbeitsleistung von 100 % bei 50%iger Präsenz könne auch hier
zeigen, dass während der Arbeit die Leistungsfähigkeit schmerzbedingt
nicht relevant eingeschränkt gewesen sei. Zusammenfassend wiesen
- 35 -
diese sämtlichen Aspekte – neben den strukturellen (degenerativen
Läsionen der Wirbelsäule, welche aber klinisch keine relevanten
anhaltenden Kompressionen neuraler Strukturen verursachten) und den
funktionellen (diffusen myotendinotischen Verspannungen der
paravertebralen Muskulatur) Faktoren – auch darauf hin, dass sich eine
zusätzliche maladaptive Komponente schon früher etabliert haben dürfte,
welche nicht verneint werden dürfe (asim-Gutachten, rheumatologisches
Teilgutachten, S. 17; vgl. wiederum auch die psychiatrische Beurteilung im
asim-Gutachten, psychiatrisches Teilgutachten, S. 18 f. und 21 f.)).
6.2.5. Wenn in der Konsensbeurteilung des asim-Gutachtens als ein Grund für
die nicht vollständige Ausschöpfung der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers anlässlich der beruflichen
Eingliederungsmassnahmen namentlich eine in nahezu sämtlichen
Massnahmenberichten vorbeschriebene Selbstlimitierung angegeben
wird (asim-Gutachten, Konsensbeurteilung, S. 17), ist dem
Beschwerdeführer zwar insoweit beizupflichten, dass dies in dieser
Absolutheit und im Sinne einer direkten Beschreibung einer
Selbstlimitierung nicht zutrifft. Aus den vorerwähnten, sich auf die Akten
stützenden Ausführungen ergibt sich aber, dass Dr. med. O._ die
anlässlich der Eingliederungsmassnahmen gezeigte Leistung nicht als
dem tatsächlichen Leistungsvermögen des Beschwerdeführers
entsprechend einstufte. Nicht nur konnte er die dabei gezeigte
Leistungsminderung nicht organisch erklären. Darüber hinaus zeigte er
nachvollziehbar auf, dass bei der vollen bzw. sehr hohen
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers während der berufspraktischen
Eingliederung mit rund 50%iger Präsenz die Schmerzkomponente nicht zu
relevanten Einschränkungen geführt haben kann. Mit anderen Worten liegt
nahe, dass das tatsächliche Leistungsvermögen und damit die effektive
Arbeitsfähigkeit wesentlich höher als die vom Beschwerdeführer
angegebenen 50 % war. So gehen denn auch aus den Rückmeldungen
- 36 -
der Eingliederungspersonen zahlreiche, auf dem ersten Arbeitsmarkt
verwertbare Ressourcen hervor (vgl. z.B. Abschlussbericht der F._
AG vom 4. September 2017 [IV-act. 168], Schlussbericht C._ vom
30. April 2016 [IV-act. 128], Bericht der F._ AG vom 24. Oktober 2016
[IV-act. 144]: sehr gute, sorgfältige Arbeit, Arbeitsleistung 100 %, gute
Selbstständigkeit und Konzentration, Pflichtbewusstsein, gute
Auffassungsgabe, sehr organisiert und ordentlich, handwerkliches
Geschick und räumliches Vorstellungsvermögen etwa bei Leim-,
Zerlegungs- oder Verpackungsarbeiten), weshalb nicht einleuchtet, dass
diese eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft als eher schwierig einstuften
(siehe IV-act. 168 S. 3) bzw. nur einen Nischenarbeitsplatz in der Industrie
oder einen geschützten Arbeitsplatz als Anschlusslösung sahen (siehe IV-
act. 177 S. 2). Insoweit ist festzuhalten, dass die asim-Gutachterin und
Gutachter die Eingliederungsbemühungen des Beschwerdeführers
hinreichend berücksichtigt (vgl. hierzu auch asim-Gutachten,
psychiatrisches Teilgutachten, S. 18 f.) und plausibel dargelegt haben,
weshalb sie von den fremdanamnestischen Angaben im Zusammenhang
mit der beruflichen Eingliederung abgewichen sind und eine damals
bestehende, rund 80%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
annahmen, wofür denn auch – wie dargelegt – die übrige Aktenlage
spricht. Ohnehin ist rechtsprechungsgemäss die Frage nach den noch
zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der
objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die
Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der
von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (siehe
Urteile des Bundesgerichts 8C_170/2021 vom 23. September 2021
E.5.1.2.2, 8C_21/2020 vom 8. April 2020 E.4.1.2, 9C_379/2019 vom
26. September 2019 E.3.5.3, 8C_278/2019 vom 17. Juli 2019 E.3.2.1,
9C_798/2018 vom 26. Juli 2019 E.4.2.1, 8C_801/2018 vom 13. Februar
2019 E.4.3 und 9C_646/2015 vom 19. Mai 2016 E.4.4). Vor diesem
Hintergrund kann auf die beantragte Einholung einer klärenden
- 37 -
medizinischen Stellungnahme verzichtet werden, zumal das
streitberufene Gericht aufgrund der bereits abgenommenen Beweise
seine Überzeugung gebildet hat und annehmen kann, dass diese
Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl.
BGE 144 II 427 E.3.1.3, 141 I 60 E.3.3, 136 I 229 E.5.3 und 134 I 140
E.5.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_411/2021 vom 27. August 2021
E.4.3.2, 9C_89/2020 vom 18. Juni 2020 E.4.8 und 8C_709/2019 vom 19.
Mai 2020 E.4.2.4).
6.3.1. Des Weiteren verfängt auch die weitere Kritik des Beschwerdeführers am
rheumatologischen asim-Teilgutachten von Dr. med. O._ nicht.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat sich Dr. med.
O._ in seiner Beurteilung in Kenntnis der medizinischen Vorakten
(siehe asim-Gutachten, Konsensbeurteilung, S. 22 ff. [Aktenauszug])
sorgfältig mit den gesundheitlichen Einschränkungen des
Beschwerdeführers auseinandergesetzt und seine Schlussfolgerungen
gestützt auf die eigenen klinischen, bildgebenden und
fremdanamnestischen Untersuchungen getroffen (vgl. insbesondere
asim-Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten, S. 7 ff.). Dabei flossen
auch die vom Beschwerdeführer gemachten Angaben zur
Krankheitsentwicklung und zum jetzigen Leiden in die Gesamtbeurteilung
zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeitseinschätzung mit ein
(asim-Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten, S. 2 ff.). Die
gutachterlichen Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge sind einleuchtend und die gezogenen
Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand sowie zur
versicherungsrechtlich relevanten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nachvollziehbar begründet (vgl. insbesondere asim-Gutachten,
rheumatologisches Teilgutachten, S. 14 ff.). Dabei setzte sich Dr. med.
O._ eingehend über mehrere Seiten mit den aktenkundigen
Befunden und Diagnosen, einschliesslich derjenigen von Dr. med.
- 38 -
E._, sowie den Ergebnissen der berufspraktischen Eingliederung
auseinander und führte zur aktuellen rheumatologischen Exploration
namentlich aus, der Beschwerdeführer beklage eine Persistenz von
chronischen Schmerzen im Bereich der LWS und HWS als Hauptproblem.
Er berichte, dass sich der Schmerzcharakter und die Lokalisierung seiner
Beschwerden an der Wirbelsäule im Laufe der Zeit nicht wesentlich
verändert hätten, sondern dass eher die Schmerzintensität im Verlauf
zugenommen habe. Eine Schmerzausstrahlung in die oberen bzw.
unteren Extremitäten, welche auf das Vorliegen einer zervikalen oder
lumbalen Radikulopathie hinweisen könnten, werde vom
Beschwerdeführer aktuell nicht angegeben. Somit bestehe aus klinischer
Sicht kein Anhaltspunkt für eine zervikale oder lumbale Radikulopathie.
Kernspintomographisch fänden sich im MRI der HWS vom 1. Mai 2020
und der LWS vom 27. September 2021 zwar diffuse degenerative
Veränderungen, welche zu einer Tangierung bis (leichten) Kompression
neuraler Strukturen führten, allerdings nicht in einem solchen Ausmass,
dass eine Persistenz einer Wurzelkompromittierung aus klinischer Sicht
angenommen werden könne, da sie nicht vorhanden sei. Rein
anamnestisch liessen sich zervikale oder lumbale Radikulopathien nicht
eruieren. Bei der aktuellen rheumatologischen Untersuchung imponiere
klinisch die vorhandene Fehlhaltung der Wirbelsäule mit einer
Streckhaltung der Wirbelsäule, Abflachung der lumbalen Lordose und
Zunahme der Kyphose im hochthorakalen Anteil, mit Protraktion des
Kopfes nach vorne, wie bereits im Gutachten von Dr. med. E._ vom
27. Oktober 2015 festgestellt worden sei. Die passive Beweglichkeit der
LWS sei in alle Richtungen eingeschränkt, wie es ebenfalls bereits
Dr. med. E._ im Jahr 2015 beschrieben habe. Auch aktuell fänden
sich ausgeprägte myotendinotische Verspannungen der paravertebralen
Muskulatur im lumbalen und thorakalen Bereich. Die passive
Beweglichkeit der Brustwirbelsäule sei in Flexion wegen der thorakalen
Hyperkyphose eingeschränkt, die Extension sei wegen dieser
- 39 -
Hyperkyphose aufgehoben. Ein MRI der Brustwirbelsäule (BWS) vom
20. August 2019 zeige relevante osteochondrotische Segmente im
mittleren und distalen Drittel bei Irregularität der Anschlussplatten und
Bandscheibenfachverschmälerung ohne Hinweise auf eine radikuläre
Pathologie im lumbalen Bereich. Es fände sich keine Alignment-Störung
und keine offensichtliche Fraktur. Inwieweit ein alter Morbus Scheuermann
bereits prämorbid habe vorliegen können, lasse sich
aktenkundig/anamnestisch nicht eruieren. Klinisch liessen sich die passive
Seitenneigung und Rotation der BWS aktuell (immer noch) normal
entfalten – ein Zeichen dafür, dass mittlerweile keine Progression
relevanter degenerativer Veränderungen der BWS entstanden sei. Auch
im lumbalen Bereich zeigten sich kernspintomographisch am
27. September 2021 multietagige degenerative Veränderungen mit im
Vergleich zur Voruntersuchung einer neuen links paramedianen
Diskusextrusion im Segment LWK4/5 sowie auch einer diskreten
Zunahme der rechtslateralen bis foraminalen Diskusprotrusion im
Segment LWK5/SWK1, welche zu einer Tangierung der entsprechenden
Nervenwurzeln führten, allerdings ohne klinisches Korrelat für eine
Neurokompression, wie es bereits im zervikalen Bereich der Fall sei. Im
Vordergrund limitierten die myotendinotischen Verspannungen der
paravertebralen Muskulatur auch die Bewegungen der
Lendenwirbelsäule, im Rahmen einer ausgeprägten muskulären
Dysbalance, die seit Jahren bestehe. Im Wesentlichen bestehe eine
Chronifizierung der Fehlhaltung der Wirbelsäule infolge einer
ausgeprägten muskulären Dysbalance mit Bildung ausgeprägter
myotendinotischer Verspannungen der paravertebralen Muskulatur, die
sich im Laufe der Zeit etabliert hätten. Diese funktionelle Fehlhaltung der
Wirbelsäule werde vom Hausarzt Dr. med. B._ in seinem Bericht vom
5. Januar 2018 klar beschrieben ("chronisches panvertebrales Syndrom
bei fixiertem Rundrücken" [siehe IV-act. 184 S. 1]) und auch von ihm
aktuell nach telefonischer Rücksprache als im Laufe der Zeit unverändert
- 40 -
bestätigt. Diese Beobachtungen erhärteten die Vermutung einer
Persistenz dieser diffusen myotendinotischen Verspannungen von
ausgeprägtem Charakter als Hauptursache der Fehlhaltung der
Wirbelsäule. Dazu seien diffuse degenerative Veränderungen der
Wirbelsäule vorhanden, die aber von ihrem Ausmass her keine lokale
segmentale Dysfunktion hervorriefen, welche sich klinisch manifestieren
würde. Diese strukturellen Veränderungen schränkten allerdings die
Belastbarkeit der axialen Strukturen ein. Anhand dieser sämtlichen
klinischen und radiomorphologischen Befunde habe sich der klinische
Zustand des Beschwerdeführers im Laufe der Zeit nicht wesentlich
verändert. Kernspintomographisch zeige sich eine Progression nicht
relevanter degenerativer Veränderungen, die aber nicht für die Entstehung
der Schmerzchronifizierung im Vordergrund stünden. Klinisch bestehe
kein Hinweis auf eine segmentale Schmerzsymptomatik im Bereich der
Wirbelsäule. Die Schmerzen würden diffus beklagt, ohne Möglichkeit einer
Typisierung bei fehlender lokaler Schmerzsymptomatik von segmentaler
Natur. Über Jahre seien die Lokalisierung und der Schmerzcharakter laut
eigenen Angaben des Beschwerdeführers praktisch unverändert
geblieben. Nur die Schmerzintensität habe sich im Laufe der Zeit
verschlechtert. Dieser Verlauf lasse sich dadurch erklären, dass die
Persistenz einer muskulären Dysbalance über Jahre eine schlechte
Stabilisierung des Rumpfes begünstigen könne, die bei körperlichen
Anstrengungen oder Belastungen als Folge einer schlechten
Rumpfstabilisierung symptomatisch – von diffusem Charakter – werden
könne (siehe asim-Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten, S. 19
ff.). Angesicht dieser schlüssigen Ausführungen ist es nachvollziehbar,
wenn Dr. med. O._ anhand der Aktenlage, der anamnestischen
Angaben, der aktuellen klinischen Befunde und der aktualisierten
radiomorphologischen Befunde aus rheumatologischer Sicht ein
chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10: 54.2) sowie ein
chronisches thorakolumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10: M54.5,
- 41 -
M54.6) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte (asim-
Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten, S. 13 f.).
6.3.2. Zu deren funktionellen Auswirkungen hielt er plausibel fest, dass
körperlich schwere Tätigkeiten mit Heben, Tragen oder Stossen von
Lasten über 7 kg, mit repetitivem Bücken nach vorne oder mit einem in die
Hocke gehen wegen der vorhandenen degenerativen Veränderungen der
LWS und HWS genauso ungünstig seien wie Überkopfarbeiten. Aufgrund
der ausgeprägten muskulären Dysbalance und Dekonditionierung der
Rückenmuskulatur, die seit Jahren eine funktionelle Fehlhaltung der
Wirbelsäule unterhalte, bestehe eine verminderte Belastbarkeit des
axialen Skeletts wegen schlechter Stabilisierung des Rumpfes. Diese
betreffe insbesondere Tätigkeiten, welche das Verharren in leicht
vorgeneigter Körperhaltung erforderten. Daraus resultiere eine teilweise
Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers (asim-
Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten, S. 21 f.), welche Dr. med.
O._ mit einer aktuellen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von
75 % bezifferte (asim-Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten,
S. 23).
6.3.3. Soweit der Beschwerdeführer dem rheumatologischen asim-Teilgutachter
erneut vorwirft, dass es entgegen dessen Auffassung im Verlauf keine
Belege für eine Selbstlimitierung gebe, kann auf das in den vorstehenden
Erwägungen 6.2.3 ff. zur berufspraktischen Eingliederung hiervor bereits
Ausgeführte verwiesen werden. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass
auch anlässlich der im Rahmen der estimed-Begutachtung durchgeführten
EFL eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden ist. Im
Bericht vom 22. Juli 2019 wurde dazu festgehalten, dass die Resultate der
physischen Leistungstests infolge der beobachteten erheblichen
Symptomausweitung nur teilweise verwertbar seien. Die demonstrierte
Belastbarkeit entspreche einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit.
Hinsichtlich Zumutbarkeit sollte aus somatischer Sicht aufgrund der
- 42 -
festgestellten Symptomausweitung von einer höheren Belastbarkeit
ausgegangen werden. Diese bewege sich im Bereich einer knapp
mittelschweren Tätigkeit mit Hantieren von Gewichten bis maximal 20 kg.
Die zeitliche Belastung werde auf ganztags geschätzt mit zusätzlichen
Pausen von insgesamt zwei Stunden pro Tag (siehe IV-act. 226 S. 161).
Darüber hinaus ging Dr. med. O._ auch auf die aktuellen Tätigkeiten
des Beschwerdeführers ein und hielt dazu fest, bei der seit März 2021 im
Reinigungsdienst auf einer Reinigungsmaschine verrichteten Arbeit, die
der Beschwerdeführer über zwei Stunden am Tag an fünf Tagen die
Woche ausübe, liessen sich die beklagten Schmerzen am Rücken "bei
Erschütterung der Maschine" nicht plausibilisieren. Gravierende
progrediente Läsionen mit klinisch manifester Neurokompression lägen
nicht vor. Der Beschwerdeführer könne zudem Auto fahren. Auch in der
Ausführung von Alltagstätigkeiten sei der Beschwerdeführer laut eigenen
Angaben nicht von gravierenden Schmerzen geplagt: Er könne kochen,
staubsaugen, sich um den Haushalt kümmern und nehme am
Familienleben aktiv teil. Eine Progression relevanter degenerativer
Läsionen, welche auch den klinischen Zustand relevant beeinflussen
könnten, sei mittlerweile nicht entstanden. Der klinische Zustand sei seit
Jahren im Wesentlichen stationär (siehe asim-Gutachten,
rheumatologisches Teilgutachten, S. 22 f.). Aus diesen plausiblen
Ausführungen ergibt sich – wie bereits bei der Auseinandersetzung mit
den Ergebnissen der beruflichen Eingliederung dargelegt – wiederum,
dass die im Zusammenhang mit der aktuellen Erwerbstätigkeit beklagten
Beschwerden sich weder vollständig organisch erklären lassen, noch,
dass davon auszugehen ist, dass die dabei gezeigte Leistung dem
tatsächlichen Leistungsvermögen des Beschwerdeführers entspricht, was
sich durch die ausführbaren Tätigkeiten im Haushalt und dem Umstand,
wonach der Beschwerdeführer etwa auch Autofahren könne, erhärten
lässt. Als weitere Diskrepanz ist darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführer anlässlich der rheumatologischen Exploration
- 43 -
gegenüber Dr. med. O._ angab, seit drei Tagen an extrem starken
Rückenschmerzen zu leiden ("praktisch über 10/10 auf der Visuellen
Analogskala") und nur maximal während einer halben Stunde
sitzenbleiben zu können (siehe asim-Gutachten, rheumatologisches
Teilgutachten, S. 2 f.), Dr. med. O._ indes anmerkte, dass der
Beschwerdeführer während der Anamneseerhebung, während welcher
dieser 70 Minuten habe sitzen bleiben müssen, nicht schmerzgeplagt
gewirkt habe (siehe asim-Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten,
S. 7). Dem Beschwerdeführer kann somit nicht gefolgt werden, wenn er
Dr. med. O._ vorhält, die aktuelle Selbstlimitierung mit keinem Wort
im Gutachten beschrieben zu haben. Aufgrund dessen vermag der
Beschwerdeführer auch insoweit nicht durchzudringen, wenn er vorbringt,
der von Dr. med. O._ beschriebene Verlauf müsste zwangsläufig und
logischerweise dazu führen, dass der Einfluss der ursprünglichen
Selbstlimitierung zwischenzeitlich deutlich geschrumpft sein müsse und
derjenige der ausgeprägten Dekonditionierung der paravertebralen
Muskulatur deutlich zugenommen habe. Abgesehen davon, dass Dr. med.
O._ sowohl im Verlauf als auch aktuell eine Selbstlimitierung
feststellte, erachtete er diese – wie dargelegt – als überwiegend
wahrscheinlich ursächlich für die verminderte Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers, welche eine muskuläre Dekonditionierung
begünstigte, die wiederum die Entwicklung der oben erwähnten
ausgeprägten Dysbalancen der paravertebralen Muskulatur begünstigte
(siehe asim-Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten, S. 22). Die
dadurch hervorgerufene Fehlhaltung der Wirbelsäule mit Bildung
ausgeprägter myotendinotischer Verspannungen der paravertebralen
Muskulatur, die sich im Laufe der Zeit etabliert hätten, beurteilte er mit
Blick auf die entstandene Schmerzchronifizierung als im Vordergrund
stehend (siehe asim-Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten, S. 20
f.). Wenn er daraus aufgrund der dadurch hervorgerufenen funktionellen
Verstärkung der Auswirkungen der strukturellen degenerativen
- 44 -
Veränderungen der LWS und HWS aktuell auf eine 25%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten schloss
(siehe asim-Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten, S. 21 ff., insb.
S. 23 und asim-Gutachten, Konsensbeurteilung, S. 7 und 11), ist dies
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht zu beanstanden.
6.3.4. Keine Stütze in den Akten findet ferner das beschwerdeführerische
Vorbringen, wonach Dr. med. O._ nicht wirklich auf die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. E._ eingegangen sei. Vielmehr
setzte sich Dr. med. O._ in seiner versicherungsmedizinischen
Beurteilung über mehrere Seiten mit dem Gutachten von Dr. med.
E._ vom 27. Oktober 2015, den darin gestellten Diagnosen und
erhobenen Befunde, der in diesem Zusammenhang durchgeführten EFL
sowie der darin ausgewiesenen Arbeitsfähigkeitseinschätzung in
leidensangepasster Tätigkeit auseinander (siehe asim-Gutachten,
rheumatologisches Teilgutachten, S. 15 ff.). Obschon die von Dr. med.
O._ erhobenen klinischen Befunde weitgehend mit jenen von
Dr. med. E._ in dessen Gutachten vom 27. Oktober 2015
übereinstimmten, bemängelte Dr. med. O._, dass Dr. med. E._
– was auch der Beschwerdeführer zu verkennen scheint – lediglich eine
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von "mindestens 50 %" auswies
(siehe IV-act. 106 S. 13), ohne jedoch einen oberen definitiven
wahrscheinlichen Wert festzulegen. Dazu merkte Dr. med. O._
zudem an, dass Dr. med. E._ offensichtlich nicht über das Ergebnis
des Arbeitstrainings bei C._ orientiert gewesen sei, und monierte,
dass die damals durchgeführte EFL nur in das Gutachten aufgenommen,
nicht jedoch explizit kommentiert worden sei (siehe asim-Gutachten,
rheumatologisches Teilgutachten, S. 16 f.). Da anlässlich dieser eine
erhebliche Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz
festgestellt worden ist (siehe IV-act. 183 S. 2, vgl. ferner EFL vom 22. Juli
2019 [IV-act. 226 S. 160 ff.] mit gleichen Ergebnissen) und auch die
- 45 -
Ergebnisse der beruflichen Eingliederung gesamthaft betrachtet dafür
sprechen (vgl. Ausführungen in den vorstehenden Erwägungen 6.2.3 ff.),
ist angesichts des vom Hausarzt fremdanamnestisch bestätigten, seit
Jahren bestehenden stationären klinischen Zustands des Rückens (siehe
asim-Gutachten, rheumatologisches Teilgutachten, S. 12) nicht zu
beanstanden, wenn Dr. med. O._ schlussfolgerte, dass bereits im
Zeitpunkt der Erstattung des Gutachtens von Dr. med. E._ im Jahr
2015 eine höhere Arbeitsfähigkeit als die darin ausgewiesene von
mindestens 50 % bestanden hat (siehe asim-Gutachten,
rheumatologisches Teilgutachten, S. 24). Dass er sich dabei im Ergebnis
der Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 80 % in adaptierter Tätigkeit
gemäss estimed-Gutachten vom 11. Oktober 2019 anschloss (siehe IV-
act. 226 S. 15 f.), obwohl er die darin verneinte Objektivierbarkeit von
pathologischen Befunden in rheumatologischer Hinsicht als nicht
nachvollziehbar einstufte (siehe asim-Gutachten, rheumatologisches
Teilgutachten, S. 18 f.), tut der Zuverlässigkeit seiner Beurteilung keinen
Abbruch. Denn diese bzw. die aufgrund der altersentsprechenden
(leichten) Zunahme der degenerativen Veränderungen angenommene
Arbeitsfähigkeit von 75 % in adaptierter Tätigkeit (siehe asim-Gutachten,
Konsensbeurteilung, S. 11 f. und S. 17 der Konsensbeurteilung) leitet sich
nachvollziehbar aus den von Dr. med. O._ erhobenen klinischen und
radiomorphologischen Befunden, der Auseinandersetzung mit den
vorbefundlichen Diagnosen und dem Krankheitsverlauf, den
anamnestischen Angaben und der Aktenlage her (siehe asim-Gutachten,
rheumatologisches Teilgutachten, S. 14 ff.). Dem Beschwerdeführer kann
somit nicht gefolgt werden, wenn er vorbringt, im asim-Gutachten bzw. im
rheumatologischen Gutachten von Dr. med. O._ im Speziellen werde
nicht aufgezeigt, weshalb die Beurteilung des Leistungsvermögens durch
Dr. med. E._ falsch sein soll. Dass Dr. med. E._ bei
festgestelltem Fehlen einer eigentlichen Bewältigungsstrategie entgegen
der Ansicht von Dr. med. O._ keine psychische Überlagerung
- 46 -
thematisierte, betrifft ohnehin einen untergeordneten, hier nicht relevanten
Punkt und vermag angesichts der vorerwähnten
Beweiswürdigungsrichtlinien für Gerichtsgutachten (vgl. Erwägung 5.3
hiervor) am Vorerwähnten nichts zu ändern.
6.4.1. Die Verfahrensbeteiligten kritisieren zudem die im asim-Gutachten vom
31. Dezember 2021 enthaltene Würdigung des Verlaufs der
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit. Daraus geht namentlich hervor,
eine Progression relevanter degenerativer Veränderungen sei im Verlauf
der letzten Jahre nicht entstanden. Der klinische Zustand sei aus
(führender) rheumatologischer Sicht seit Jahren stationär. Der Beginn der
Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit lasse sich aktenkundig ab
Oktober 2012 herleiten, als der Beschwerdeführer vom Hausarzt Dr. med.
B._ definitiv für die angestammte Tätigkeit krankgeschrieben worden
sei (siehe dazu IV-act. 10 S. 1 f. und IV-act. 16). Im MRI der LWS vom
7. Dezember 2012 (gemeint wohl Bericht vom 7. November 2012 zum MRI
LWS vom 6. November 2012) habe sich eine multisegmentäre mässige
Osteochondrose mit kleiner paramedianer rechtsseitiger, teils auch
intraforaminaler Diskushernie L5/S1 rechts gezeigt. Zusätzlich habe eine
Retrospondylose und Spondylarthrose bestanden, wobei es zu einer
foraminalen Enge rechts gekommen sei. Der Befund habe eine
Symptomatik der Nervenwurzel L5 rechts intraforaminal sehr gut erklären
können. Die beklagte Lumboischialgie rechts habe sich unter
konservativer Therapie innerhalb von mehreren Monaten zurückgebildet.
In adaptierter Tätigkeit sei im Jahr 2015 gutachterlich eine mindestens
50%ige und im Jahr 2019 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden,
wobei im Jahr 2015 die EFL von Dr. med. E._ aufgenommen, nicht
aber explizit kommentiert worden sei. In der EFL hätten sich Diskrepanzen
zwischen dem Ausmass der angegebenen Einschränkungen im
Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit und den
beobachteten funktionellen Fähigkeiten gezeigt, wobei die
- 47 -
Selbsteinschätzung erheblich zu tief erschienen sei, was auf eine
Selbstlimitierung hinweise. Diese Beurteilung der Selbstlimitierung finde
sich wiederholt im Verlauf und sei auch aktuell feststellbar. Bei
vergleichbaren, im Gutachten vom Jahr 2015 und aktuell zu erhebenden
Befunden und zudem wegen der Unkenntnis der Ergebnisse des
Arbeitstrainings im Gutachten aus dem Jahr 2015 sei davon auszugehen,
dass schon damals eine höhere Arbeitsfähigkeit bestanden habe, wie dies
auch vom langjährigen Hausarzt Dr. med. B._ attestiert worden sei,
welcher im 06/2013 eine volle Arbeitsfähigkeit adaptiert als "sollte möglich
sein" erachtet habe (siehe asim-Gutachten, Konsensbeurteilung, S. 11 f.;
vgl. auch Bericht von Dr. med. B._ vom 7. Juni 2013 [IV-act. 26 S. 3]).
Wie ihren Antworten zu den vom Beschwerdeführer gestellten
Zusatzfragen zu entnehmen ist, gingen die asim-Gutachterin und
Gutachter von einer bestehenden Leistungsfähigkeit von ca. 80 % aus
(siehe asim-Gutachten, Konsensbeurteilung, S. 17). Ferner führten sie
aus, im Jahr 2019 sei rheumatologisch-gutachterlich eine Arbeitsfähigkeit
von 80 % attestiert worden. Die aktuell leicht höhere Einschränkung gelte
dabei – bei altersentsprechender (leichter) Zunahme degenerativer
Veränderungen – seit Gutachtenszeitpunkt. Seit 2013 habe sich der
klinisch-rheumatologische Zustand des Beschwerdeführers nicht
wesentlich verändert. Die ausgeprägte muskuläre Dysbalance der
paravertebralen Muskulatur stehe nach wie vor unverändert klinisch im
Vordergrund. Eine Progression relevanter degenerativer Läsionen, welche
auch den klinischen Zustand relevant beeinflussen könnten, sei nicht
entstanden. Aufgrund der Dupuytren'schen Erkrankung habe prä- und
postoperativ eine volle Arbeitsunfähigkeit bis zum Ende der Rehabilitation
nach drei Monaten bestanden. Bei Operation im 10/2018 sei demnach von
einer vollen Arbeitsunfähigkeit ab 06/2018 (Feststellen eines
behandlungsbedürftigen Morbus Dupuytren) bis ca. Ende Januar 2019
auszugehen (siehe asim-Gutachten, Konsensbeurteilung, S. 12).
- 48 -
6.4.2. Nicht zu verfangen vermag der vom Beschwerdeführer erhobene
Einwand, wonach die gemäss asim-Gutachten attestierte Arbeitsfähigkeit
von 75 % in einer körperlich leichten Arbeit bereits im Jahre 2019
bestanden habe. Dabei verkennt er, dass Dr. med. O._ die im
Vergleich zur rheumatologisch-gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsattestierung von 80 % im Jahr 2019 aktuell leicht höhere
Einschränkung der (seither eingetretenen) altersentsprechenden
(leichten) Zunahme der degenerativen Veränderungen zuschrieb,
während er eine (darüber hinausgehende) Progression relevanter
degenerativer Läsionen, welche auch den klinischen Zustand relevant
beeinflussen könnten, verneinte. Insofern wies er denn auch die von ihm
angegebene Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 75 % ab
Gutachtenszeitpunkt, d.h. ab August 2021, aus (siehe asim-Gutachten,
Konsensbeurteilung, S. 12 und 7). Wie jedoch noch aufzuzeigen sein wird,
würde auch bei Annahme einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in
leidensangepasster Tätigkeit im Jahr 2019 kein rentenbegründeter
Invaliditätsgrad resultieren.
6.4.3. Die Beschwerdegegnerin bemängelt die retrospektive
Arbeitsfähigkeitseinschätzung im asim-Gutachten vom 31. Dezember
2021 insoweit, als darin eine vorübergehende vollständige
Arbeitsunfähigkeit auch in adaptierter Tätigkeit aufgrund der
Dupuytren'schen Erkrankung prä- und postoperativ von Juni 2018 bis ca.
Ende Januar 2019 angenommen wird. Ihrer Ansicht nach war die
präoperative Zeit aus invaliditätsfremden Gründen derart lang. Es sei
davon auszugehen, dass postoperativ eine kürzere vorübergehende
Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, welche nicht mehr als drei Monate
gedauert habe, weshalb dem Beschwerdeführer auch vorübergehend
keine Rente zuzusprechen sei.
6.4.4. Aus den Akten ergibt sich, dass im Bericht von Dr. med. P._ vom
1. Juni 2015 aufgrund des diagnostizierten Morbus Dupuytren aus
- 49 -
handchirurgischer Sicht kein Handlungsbedarf bestand (siehe IV-act. 183
S. 10 f.). Gleichermassen wies Hausarzt Dr. med. B._ den Morbus
Dupuytren noch am 5. Januar 2018 den Diagnosen ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit zu (siehe IV-act. 184 S. 1). Erst mit Bericht vom
5. Juni 2018 wiesen die Dres. med. P._ und I._ einen
behandlungsbedürftigen Morbus Dupuytren insbesondere ulnar über dem
DIP-Gelenk des linken Kleinfingers aus. Zudem hielten sie fest, dass der
Beschwerdeführer auch unter Beschwerden eines beidseitigen
Karpaltunnelsyndroms leide, so dass zunächst eine
elektroneurographische Abklärung empfohlen werde. Im Anschluss werde
sich der Beschwerdeführer für die Planung der weiteren Therapie erneut
in der Sprechstunde vorstellen (siehe IV-act. 203 S. 2). Mit Schreiben vom
22. Juni 2018 informierte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die
Beschwerdegegnerin, dass der zuständige Arzt wegen des Morbus
Dupuytren eine Operation empfohlen habe, wobei bei dieser Gelegenheit
auch das Karpaltunnelsyndrom behandelt werden könne. Im September
2018 werde eine weitere Untersuchung stattfinden und dabei definitiv
entschieden, ob die Operation durchgeführt werde (siehe IV-act. 197).
Daraufhin empfahl RAD-Arzt K._ am 29. Juni 2018, den Termin im
September 2018 und den Entscheid betreffend einer möglichen Operation
abzuwarten (siehe IV-act. 238 S. 23), was dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers am 5. Juli 2018 auch so mitgeteilt worden war (siehe
IV-act. 198). Aus dem nächsten aktenkundigen Bericht der Dres. med.
H._ und I._ vom 14. September 2018 geht sodann hervor, dass
sich der Beschwerdeführer jetzt zur Exzision des Dupuytrenstrangs des
linken Kleinfingers entschieden habe, wobei gleichzeitig die
Karpaltunnelspaltung durchgeführt würde (siehe IV-act. 203 S. 4). Dem
besagten Bericht ist zwar zudem zu entnehmen, dass die
Elektroneurografie am 15. Juni 2018 vorgenommen und am 21. Juni 2018
die Indikation zur Karpaltunnelspaltung auf der linken Seite und zur
Fasziektomie eines radialen Dupuytrenstrangs des Dig. V links
- 50 -
besprochen worden war, der Beschwerdeführer den Eingriff zu jenem
Zeitpunkt jedoch noch nicht habe durchführen lassen wollen (siehe IV-
act. 203 S. 3). Was genau Inhalt dieser Besprechung der
Operationsindikation am 21. Juni 2018 bildete, lässt sich den Akten aber
nicht entnehmen, wurde doch von der Beschwerdegegnerin kein Bericht
dazu einverlangt. Aufgrund des tags darauf verfassten Schreibens des
Rechtsvertreters liegt indes nahe, dass zu jenem Zeitpunkt der definitive
Entscheid zur Durchführung der Operation aufgrund weiterer Abklärungen
noch nicht feststand, weshalb denn auch vom RAD-Arzt K._ ein
Abwarten empfohlen wurde. Vor diesem Hintergrund kann somit nicht
gesagt werden, dass der Beschwerdeführer die Durchführung eines
invasiven operativen Eingriffs aus invaliditätsfremden Gründen über
Gebühr hinausgezögert hätte, erscheint es doch nachvollziehbar, dass
zunächst alle notwendigen Abklärungen vorgenommen und eine
angemessene Bedenkzeit eingeräumt wird. Insofern ist mit der asim-
Gutachterin und den asim-Gutachtern davon auszugehen, dass aufgrund
der behandlungsbedürftigen Dupuytren'schen Erkrankung sowie dem
festgestellten Karpaltunnelsyndrom ab Juni 2018 prä- und postoperativ bis
Ende Januar 2019 eine wesentliche Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers von mehr als drei Monaten eingetreten ist, welche
insoweit rentenrelevant ist (vgl. Art. 88a Abs. 2 IVV).
6.5. Insgesamt ergibt sich somit, dass die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
keine zwingenden Gründe darstellen, welche ein Abweichen vom
eingeholten Gerichtsgutachten der asim vom 31. Dezember 2021
gebieten würden (vgl. dazu BGE 143 V 269 E.6.2.3.2, 135 V 465 E.4.4
und 125 V 351 E.3b/aa; Urteil des Bundesgerichts 8C_767/2019 vom
19. Mai 2020 E.3.1). Vielmehr erweist sich dieses als beweiskräftig. Damit
ist im vorliegend massgeblichen Zeitraum ab 1. April 2018 von einer
80%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit auszugehen. Da sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers aufgrund der
- 51 -
Dupuytren'schen Erkrankung und dem diagnostizierten
Karpaltunnelsyndrom verschlechterte, ist ab dem 1. Juni 2018 bis zum
31. Januar 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen, bevor
ab dem 1. Februar 2019 wiederum eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in
leidensangepasster Tätigkeit bestand. Aufgrund der altersentsprechenden
(leichten) Zunahme degenerativer Veränderungen liegt ab dem Zeitpunkt
der Begutachtungen bei der asim, d.h. August 2021, schliesslich eine
Arbeitsfähigkeit von 75 % in einer Verweistätigkeit vor.
7.1. Auch die weitere Bemessung des Invalideneinkommens ist umstritten. So
brachte der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 15. Februar 2022
gestützt auf die Literatur vor, dass die Löhne von Personen mit
gesundheitlichen Einschränkungen signifikant tiefer seien als der
Medianlohn der LSE-Tabelle TA1_triage_skill_level im
Kompetenzniveau 1. Gestützt auf die Analyse der interdisziplinären
Arbeitsgruppe "Tabellenlöhne LSE" betrage der Durchschnittslohn in der
Kategorie Kompetenzniveau 1 "light" CHF 4'547.--, was einen Jahreslohn
von CHF 56'882.95 ergebe. Mit Eingabe vom 7. März 2022 betonte der
Beschwerdeführer zudem, es sei kein rechtlicher oder sachlicher Grund
ersichtlich, um dem von der interdisziplinären Arbeitsgruppe vorgezeigten
Weg im Bestreben um eine gerechte Bemessung des Invalidenlohns nicht
zu folgen.
7.2. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Denn gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei versicherten Personen, die
nach Eintritt eines Gesundheitsschadens – wie vorliegend – lediglich noch
leichte und intellektuell nicht anspruchsvolle Arbeiten verrichten können,
in der Regel vom Totalwert im niedrigsten (und am schlechtesten
bezahlten) Kompetenzniveau 1 auszugehen, wobei der ausgeglichene
Arbeitsmarkt im Kompetenzniveau 1 eine Vielzahl von körperlich leichten
Tätigkeiten beinhaltet (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_799/2021 vom
3. März 2022 E.4.3.2, 8C_369/2021 vom 28. Oktober 2021 E.8.2.2,
- 52 -
8C_433/2020 vom 15. Oktober 2020 E.8.2.2, 9C_303/2020 vom 6. August
2020 E.4.2, 8C_219/2019 vom 30. September 2019 E.5.2 und
9C_172/2019 vom 22. Juli 2019 E.4.5). Dass hiervon abzuweichen wäre,
vermag der Beschwerdeführer mit dem Verweis auf die Literatur nicht
geltend zu machen und ist auch nicht ersichtlich (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_411/2019 vom 16. Oktober 2019 E.7.2, 8C_695/2015
vom 19. November 2015 E.4.2, 8C_187/2015 vom 20. Mai 2015 E.3.2.3.1
und 9C_633/2013 vom 23. Oktober 2013 E.4.2). Im Wesentlichen wird
darin eine zu starke (und mit der "Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung" sogar noch verstärkte) Abstrahierung von den
tatsächlichen Gegebenheiten des Einzelfalles im Rahmen der
Invaliditätsbemessung bemängelt (vgl. EGLI/FILIPPO/GÄCHTER/MEIER,
Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung,
Zürich 2021, S. 291 ff.; MEIER/EGLI/FILIPO/GÄCHTER, «So konkret wie
möglich», Invaliditätsgrade in der IV, Fiktion und die Herausforderungen
der «Weiterentwicklung der Invalidenversicherung», in SZS 2/2021, S. 55
und 72 f.). Kritisiert wird zudem, dass die Medianlöhne der LSE-Tabellen,
insbesondere der Tabelle TA1_tirage_skill_level, die gesundheitliche
Situation der versicherten Person und die Realitäten auf dem Arbeitsmarkt
unberücksichtigt liessen, weshalb die Anwendung von nach körperlichem
Belastungsprofil differenzierte Tabellen (Tabellen Kompetenzniveau 1
"light" bzw. "light-moderate") mit entsprechenden Medianlöhnen postuliert
wird (RIEMER-KAFKA/SCHWEGLER, Der Weg zu einem invaliditätskonformen
Tabellenlohn, Präsentation der Ergebnisse der interdisziplinären
Arbeitsgruppe "Tabellenlöhne LSE", in SZS 6/2021, S. 287 ff., S. 293 f.).
Ferner geht aus der vom Beschwerdeführer angeführten Studie des Büros
für Arbeits- und Sozialpolitische Studien BASS AG mit dem Titel "Nutzung
Tabellenmedianlöhne LSE zur Bestimmung der Vergleichslöhne bei der
IV-Rentenbemessung" vom 8. Januar 2021 bloss hervor, dass es lediglich
Hinweise darauf gebe, dass das Lohnniveau im Kompetenzniveau 1 für
körperlich anstrengendere Tätigkeiten eher höher sei als für körperlich
- 53 -
eher weniger anstrengende (S. IV, V, VI, 35 und 38, abrufbar unter:
https://www.buerobass.ch/fileadmin/Files/2021/CoopRechtsschutz_2021
_IV-LSE_GutachtenBASS.pdf, zuletzt besucht am: 24. März 2022). Eine
entsprechende Praxisänderung im Sinne einer Abkehr der Bemessung
des Invalideneinkommens gestützt auf die Medianlöhne der LSE-Tabellen
würde indes – als zentrale Voraussetzung – eine bessere Erkenntnis des
Gesetzeszwecks oder veränderte äussere Verhältnisse voraussetzen
(siehe BGE 143 V 269 E.4, 140 V 538 E.4.5 und 138 III 359 E.6.1).
Angesichts der seit langer Zeit bestehenden bundesgerichtlichen
Rechtsprechung hinsichtlich der Anwendbarkeit von LSE-Tabellenlöhnen
sowie des im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzenden (leidensbedingten) Abzugs vom Tabellenlohn wären an eine
solche eher hohe Anforderungen zu stellen. Aufgrund der auch den
Einkommensvergleich im Sinne von Art. 16 ATSG betreffenden
Änderungen im Rahmen der Revision des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (Weiterentwicklung der Invalidenversicherung) ist
durch das streitberufene Gericht – jedenfalls im jetzigen Zeitpunkt – nicht
voreilig die vom Beschwerdeführer anbegehrte, im Ergebnis auf eine
Praxisänderung hinauslaufende Anpassung vorzunehmen. Denn im
Rahmen der Weiterentwicklung der IV wurde insbesondere Art. 28a Abs.
1 Satz 2 IVG dergestalt geändert, dass der Bundesrat die zur Bemessung
der Invaliditätsgrades massgebenden Erwerbseinkommen und die
anwendbaren Korrekturfaktoren umschreibt (siehe BBl 2020 5535). Dabei
wurde in der IVV im dritten Abschnitt das Kapitel A.I "Bemessung des
Invaliditätsgrades" umfassend geändert (siehe AS 2021 706). Gemäss
dem per 1. Januar 2022 in Kraft getretenen Art. 26bis Abs. 2 IVV bestimmt
sich bei Versicherten ohne anrechenbares Erwerbseinkommen (nach
Eintritt der Invalidität) das Einkommen mit Invalidität nach den
statistischen Werten gemäss Art. 25 Abs. 3 IVV. Danach sind für die
Bestimmung der massgebenden Erwerbseinkommen primär die
altersunabhängigen und geschlechtsspezifischen Zentralwerte (Mediane)
- 54 -
der LSE, angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit nach
Wirtschaftsabteilungen und die Nominallohnentwicklung (vgl. Art. 25
Abs. 4 IVV in der ab dem 1. Januar 2022 gültigen Fassung), massgebend.
Andere statistische Werte können (nur) beigezogen werden, sofern das
Einkommen im Einzelfall nicht in der LSE abgebildet ist. Insofern erachtet
der Verordnungsgeber die Zentralwerte der LSE weiterhin als (primär)
massgebend (siehe Medienmitteilung des Bundesrates
"Weiterentwicklung der IV tritt am 1.1.2022 in Kraft: Verstärkte
Unterstützung Betroffener" vom 3. November 2021, abrufbar unter:
https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/publikationen-und-
service/medieninformationen/nsb-anzeigeseite.msg-id-85521.html,
zuletzt besucht am: 24. März 2022). Mit der entsprechenden Gesetzes
und Verordnungsänderung wurde ausserdem beabsichtigt, die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu kodifizieren (vgl. Botschaft zur
Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[Weiterentwicklung der IV] vom 15. Februar 2017, BBl 2017 2535 ff. 2668;
Erläuternder Bericht des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] zu
den Ausführungsbestimmungen zur Änderung des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [Weiterentwicklung der IV], S. 14, 47 und 52 ff.;
vgl. auch Amtliches Bulletin des Nationalrates, Frühjahressession 2019,
Fünfte Sitzung vom 7. März 2019 [AB 2019 N 125] sowie Amtliches
Bulletin des Ständerates, Herbstsession 2019, Achte Sitzung vom 19.
September 2019 [AB 2019 S 801]). Immerhin hat der Bundesrat in der
Medienmitteilung vom 3. November 2021 festgehalten, dass das BSV den
Auftrag erhalten habe zu prüfen, ob die Entwicklung von spezifisch auf die
Invalidenversicherung zugeschnittenen Berechnungsgrundlagen möglich
sei (siehe wiederum die erwähnte Medienmitteilung des Bundesrates vom
3. November 2021, Abschnitt "Klarere Regelung für die Bemessung des
IV-Grads"; vgl. zum Ganzen nunmehr auch das zur Publikation
vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 8C_256/2021 vom 9. März 2022
E.9 ff.). Mithin ist insgesamt nicht zu beanstanden, wenn die
- 55 -
Beschwerdegegnerin zur Ermittlung des Invalideneinkommens auf den
Totalwert der Tabelle TA1 der LSE 2016 für Tätigkeiten auf dem
Kompetenzniveau 1 im privaten Sektor für Männer abgestellt hat. Die LSE
2018 war im Verfügungszeitpunkt am 26. März 2020 noch nicht
veröffentlicht (dies geschah erst am 21. April 2020, vgl. BGE 143 V 295
E.2.3, 142 V 178 E.2.5.8.1 und Urteile des Bundesgerichts 8C_202/2021
vom 17. Dezember 2021 E.6.2.1 und 8C_132/2020 vom 18. Juni 2020
E.4.1).
7.3. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in leidensangepasster Tätigkeit ergibt
sich dabei ein Invalideneinkommen per 2018 bzw. 2019 von
CHF 54'192.80 bzw. CHF 54'734.70 (CHF 5'340.-- x 12 : 40 x 41.7 x
1.003995 x 1.01 [x 1.01] x 0.8; umgerechnet auf die durchschnittliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und aufindexiert auf das Jahr
2018 bzw. 2019; siehe IV-act. 229). Zwischendurch sank das
Invalideneinkommen (unter Berücksichtigung von Art. 88a IVV) aufgrund
der Arbeitsfähigkeitseinschränkungen infolge der Dupuytren'schen
Erkrankung und dem diagnostizierten Karpaltunnelsyndrom vom 1. Juni
2018 bis zum 31. Januar 2019 auf CHF 0 für den Zeitraum vom
1. September 2018 bis zum 30. April 2019. Ab August 2021 bestand
infolge der altersentsprechenden (leichten) Zunahme degenerativer
Veränderungen noch eine Arbeitsfähigkeit von 75 % in einer
Verweistätigkeit, was ein in Berücksichtigung der effektiven
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2020 von 0.84 % sowie einer
geschätzten Nominallohnentwicklung für das Jahr 2021 von 0.5 % ein
Invalideneinkommen von CHF 52'003.55 (CHF 5'340.-- x 12 : 40 x 41.7 x
1.003995 x 1.01 x 1.01 x 1.0084 x 1.005 x 0.75) ergibt.
8.1. Zudem bemängelt der Beschwerdeführer die Bemessung des
Valideneinkommens. Die Beschwerdegegnerin bemass dieses bereits in
der Verfügung vom 16. September 2014 anhand des Durchschnitts der im
individuellen Konto (nachfolgend IK) abgerechneten Beiträge der Jahre
- 56 -
2006 bis 2010, was einen Betrag von CHF 66'830.-- ergab (siehe IV-
act. 69 und 71 S. 4). In der hier angefochtenen Verfügung vom 26. März
2020 stellte sie ebenfalls auf diesen Wert ab und passte ihn der
Einkommensentwicklung an, woraus ein Valideneinkommen per 2019 von
CHF 69'161.-- resultierte. Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, die
Beschwerdegegnerin habe im Jahr 2013 eine eingehende Prüfung
verschiedener Finanzdokumente vorgenommen und daraus ein
Valideneinkommen von CHF 85'824.07 errechnet. In der Folge sei sie
ohne Angabe einer Begründung aber davon abwichen und habe das
Valideneinkommen auf CHF 66'830.-- beziffert. Dabei lasse die
Beschwerdegegnerin ausser Acht, dass er im Jahr 2007 insgesamt 110
Tage zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei, weshalb der IK-Auszug aus
diesem Jahr um den Betrag der Krankentaggelder von CHF 18'081.25 zu
erhöhen sei, und im Jahr 2008 eine aussergewöhnliche Situation
vorgelegen habe, weil es zu Problemen auf einer Grossbaustelle mit
gleichzeitiger Kündigung sämtlicher Mitarbeiter gekommen sei. Ferner sei
er auch in den Jahren 2010 und 2012 50 bzw. 75 Tage krankheitsbedingt
arbeitsunfähig gewesen, weshalb jene Jahreseinkünfte um 13.6 % bzw.
20.5 % aufzuwerten seien. Da die Beschwerdegegnerin das
Valideneinkommen nicht rechts- und praxiskonform ermittelt habe, sei
zumindest auf das im Jahr 2013 errechnete Valideneinkommen von
CHF 85'824.07 abzustellen, was nominallohnbereinigt für das Jahr 2018
ein solches von CHF 89'085.91 ergebe.
8.2. Massgebend für den vorliegenden Fall ist, dass das Valideneinkommen
von selbstständig Erwerbenden nach der Rechtsprechung grundsätzlich
auf der Basis der Einträge im IK bestimmt werden kann. Denn gemäss
Art. 25 Abs. 1 IVV (in der bis am 31. Dezember 2021 gültigen Fassung)
gelten als Erwerbseinkommen im Sinne von Art. 16 ATSG grundsätzlich
mutmassliche jährliche Erwerbseinkommen, von denen AHV-Beiträge
erhoben würden (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_572/2021 vom
- 57 -
19. Januar 2022 E.3.2, 8C_176/2021 vom 18. Mai 2021 E.5.2.3,
8C_328/2020 vom 3. September 2020 E.2.2, 8C_443/2018 vom
30. Januar 2019 E.2.1, 9C_771/2017 vom 29. Mai 2018 E.3.6.1,
8C_576/2008 vom 10. Februar 2009 E.6.2 und Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVGE] I 316/04 vom 23. Dezember 2004 E.5.1.1).
Demnach geht es nicht an, wie vom Beschwerdeführer verlangt, die im IK-
Auszug ausgewiesenen Einkommen in den Jahren 2007 und 2010 (das
Jahr 2012 ist ohnehin nicht massgebend) im Umfang der erhaltenen
Krankentaggelder zu bereinigen bzw. zu erhöhen. Denn nach Art. 25
Abs. 1 lit. a IVV gehören Leistungen des Arbeitgebers für den Lohnausfall
infolge Krankheit bei ausgewiesener Arbeitsunfähigkeit nicht zu dem für
die Invaliditätsbemessung massgebenden Erwerbseinkommen. Im
Übrigen belegt der Beschwerdeführer die von ihm geltend gemachte
krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit in den Jahren 2007 und 2010 nicht.
Auch aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass damals eine längere,
insbesondere auf das Rückenleiden zurückzuführende Arbeitsunfähigkeit
vorlag, die im Zusammenhang mit der späteren Invalidität steht (vgl. hierzu
EVGE I 657/01 vom 2. Dezember 2002 E.3.1 m.H.a. EVGE vom 9. April
1985, in: ZAK 1986 S. 470 ff. S. 474; Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden [VGU] S 19 101 vom 7. Juli 2020 E.3.3.2). Vielmehr
geht aus verschiedenen (fach-)ärztlichen Berichten hervor, dass sich erst
im Oktober 2012 ein Rezidiv des chronischen lumboradikulären
Schmerzsyndroms L5 bei kleiner Diskushernie zeigte, welches zu einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit führte (vgl. insbesondere
rheumatologisches Gutachten von Dr. med. E._ vom 27. Oktober
2015 [IV-act. 106 S. 2 und 13], Arztbericht von Dr. med. B._ vom
8. März 2013 [IV-act. 10 S. 1 ff.] sowie asim-Gutachten,
Konsensbeurteilung, S. 5, rheumatologisches Teilgutachten, S. 2 und
neurologisches Teilgutachten, S. 2).
- 58 -
8.3. Ferner kann dem Beschwerdeführer nicht gefolgt werden, soweit er
vorbringt, das ausserordentlich schlechte Jahr 2008 sei vom
Valideneinkommen auszuklammern. Denn nach der Rechtsprechung ist
auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten
Durchschnittsverdienst abzustellen, wenn der zuletzt vor Eintritt der
Gesundheitsschädigung erzielte Verdienst starke und verhältnismässig
kurzfristige Schwankungen aufweist (siehe Urteil des Bundesgerichts
8C_572/2021 vom 19. Januar 2022 E.3.2, 8C_329/2021 vom 27. Oktober
2021 E.4.3.2, 9C_651/2019 vom 18. Februar 2020 E.6.2, 9C_225/2019
vom 11. September 2019 E.4.2.1, 9C_14/2019 vom 24. April 2019 E.2.2.2,
8C_443/2018 vom 30. Januar 2019 E.2.1 und 8C_450/2016 vom
6. Oktober 2016 E.3.2.2). Mit anderen Worten sollen mit dem Abstellen auf
den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst
gerade starke, bei Selbstständigerwerbenden aufgrund betrieblicher
Umstände oder Einbussen in Erscheinung tretende Schwankungen
ausgewogen berücksichtigt werden. Dass die Beschwerdegegnerin einen
Durchschnittsverdienst unter Einschluss des Jahres 2008 ermittelte, ist
somit nicht zu beanstanden (vgl. auch Urteile des Bundegerichts
9C_651/2019 vom 18. Februar 2020 E.6.2.2 m.H.a. 9C_771/2017 vom
29. Mai 2018 E.3.6.2). Überdies basiert das vom Beschwerdeführer
angeführte Valideneinkommen entgegen seiner Auffassung nicht auf einer
umfassenden Analyse einschlägiger Finanzdokumente, sondern geht auf
das im IK-Auszug ausgewiesene Einkommen im Jahr 2010 zurück und
diente dazumal der "Berechnung Minderverdienst zwecks Triage EM"
(siehe IV-act. 9 und 27).
8.4. Insgesamt hat die Beschwerdegegnerin somit per 2019 in nicht zu
beanstandender Weise ein aufindexiertes Valideneinkommen von
CHF 69'161.35 ermittelt, was – um die Nominallohnentwicklung bereinigt
– per 2018 ein solches von CHF 68'476.60 (CHF 69'161.35 : 1.01) bzw.
- 59 -
per 2021 ein Valideneinkommen von CHF 70'091.-- (CHF 69'161.35 x
1.0084 x 1.005) ergibt.
9. Gemäss dem hier anwendbaren Art. 28 Abs. 2 IVG (in der bis am
31. Dezember 2021 gültigen Fassung; vgl. die vorstehenden
Erwägungen 2.1 f.) besteht ab einem Invaliditätsgrad von 40 % Anspruch
auf eine Viertelsrente, ab 50 % Anspruch auf eine halbe Rente, ab 60 %
auf eine Dreiviertelsrente und ab 70 % auf eine ganze Rente. Nach der
Rechtsprechung sind die ermittelten Werte für den Invaliditätsgrad nach
den anerkannten Regeln der Mathematik auf ganze Werte auf- oder
abzurunden (siehe BGE 130 V 212 E.3.2, Urteil des Bundesgerichts
8C_575/2018 vom 30. Januar 2019 E.7.1). Daraus ergeben sich für die
nachfolgend dargestellten Zeiträume (unter Berücksichtigung von Art. 88a
IVV) die folgenden Invaliditätsgrade und Invalidenrentenansprüche: Für
die Zeit vom 1. April 2018 bis zum 31. Mai 2018 liegt der Invaliditätsgrad
bei 21 % ([CHF 68'476.60 - CHF 54'192.80] : CHF 68'476.60 = 20.86 %),
womit der Beschwerdeführer ab dem 1. April 2018 keinen Anspruch auf
eine Invalidenrente hat. Ab dem 1. Juni 2018 trat eine Verschlechterung
des Gesundheitszustands mit einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ein,
weshalb in Berücksichtigung der dreimonatigen Verzögerung gemäss
Art. 88a Abs. 2 IVV ab dem 1. September 2018 (bis zum 30. April 2019)
ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von
100 % besteht ([CHF 68'476.60 - CHF 0.--] : CHF 68'476.60 = 100 %). Ab
dem ersten 1. Februar 2019 bestand wiederum eine Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit von 80 %, wobei gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV
vorliegend die Verbesserung mit dreimonatiger Verzögerung greift und ab
dem 1. Mai 2019 der Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 21 % ([CHF 69'161.35 - CHF 54'734.70] :
CHF 69'161.35 = 20.86 %) wiederum entfällt. Die leichte Verschlechterung
des Gesundheitszustandes per August 2021 gemäss asim-Gutachten
schlägt sich infolge eines zu geringen Invaliditätsgrads von 26 %
- 60 -
([CHF 70'091.-- - 52'003.55] : CHF CHF 70'091.-- = 25.81 %) nicht in
einem erneuten Rentenanspruch nieder.
10. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung vom 26. März 2020 insoweit aufzuheben, als der
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente vom
1. September 2018 bis zum 30. April 2019 verneint wurde. Ihm steht für
diesen Zeitraum eine ganze Invalidenrente zu. Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen.
11.1. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden,
in denen ein sehr hoher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die
Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf
CHF 1'000.-- fest. Bei diesem Prozessausgang, bei welchem im Vergleich
zur angefochtenen Verfügung und dem beschwerdeführerischen
Rechtsbegehren nur ein zeitlich befristeter Rentenanspruch
zugesprochen wird, rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten zu einem
Drittel und somit im Betrag von CHF 333.-- der Beschwerdegegnerin und
zu zwei Dritteln und damit im Restbetrag von CHF 667.-- dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. VGU S 21 76 vom 26. Oktober 2021
E.10, S 19 22 vom 7. April 2020 E.6.1 und S 19 9 vom 15. April 2020 E.10;
vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts 9C_810/2010 vom 19. September
2011 E.5 sowie zur Massgeblichkeit des kantonalen Verfahrensrechts
betreffend die Kostenaufteilung: BGE 137 V 57 E.2.2, Urteile des
Bundesgerichts 8C_176/2020 vom 9. April 2021 E.3, 9C_254/2018 vom
6. Dezember 2018 E.2.1 und 8C_304/2018 vom 6. Juli 2018 E.4.2.1 sowie
PVG 2020 Nr. 7).
- 61 -
11.2. Ausserdem ist über die Kosten des eingeholten polydisziplinären
Gerichtsgutachten der asim vom 31. Dezember 2021 zu befinden.
11.2.1. Diesbezüglich ist zu beachten, dass gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG der
Versicherungsträger die Kosten der Abklärung des Sachverhalts durch
einen unabhängigen Sachverständigen übernimmt, wenn er die
Massnahme angeordnet hat oder wenn diese für die Beurteilung des
Anspruchs unerlässlich war. Dazu zählen nach Lehre und
Rechtsprechung auch Gerichtsgutachten, die das Gericht einholen
musste, weil die Abklärungen des Versicherers nicht ausreichend für die
sachgerechte Beurteilung waren (vgl. BGE 143 V 269 E.6.2.1, 139 V 496
[= Die Praxis 3/2014 Nr. 32] E.4.4 und 137 V 210 E.4.4.2; KIESER, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 45 Rz. 27 ff.).
Voraussetzung für die Auferlegung der Kosten an die Verwaltung ist, dass
ein Zusammenhang besteht zwischen dem Untersuchungsmangel seitens
der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise
anzuordnen (siehe BGE 143 V 269 E.3.3 und 139 V 496 E.4.4). Dies trifft
namentlich zu bei einem manifesten Widerspruch zwischen den
verschiedenen ärztlichen Beurteilungen, ohne dass die Verwaltung diesen
durch objektiv begründete Argumente entkräftet hat, wenn zur Klärung der
medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet geblieben
sind oder auf eine Expertise abgestellt wurde, welche den Anforderungen
an den Beweiswert ärztlicher Gutachten nicht genügte (vgl. VGU S 20 15
vom 1. Dezember 2020 E.9.1 und S 18 60 vom 6. August 2020 E.11
m.H.a. BGE 140 V 70 E.6.1). Letzteres lag im vorliegenden Fall aus den
bereits in der vorstehenden Erwägungen 5.6.2 ff. eingehend erläuterten
Mängel des estimed-Gutachtens vom 11. Oktober 2019 bzw. dessen
Ergänzung vom 3. März 2020) zweifellos vor. Insofern rechtfertigt es sich
aufgrund des seitens der Beschwerdegegnerin im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens begangenen Untersuchungsmangels, die Kosten
- 62 -
für das Gerichtsgutachten grundsätzlich der Beschwerdegegnerin zu
überbinden.
11.2.2. Streitig ist jedoch insbesondere, in welcher Höhe dies zu erfolgen hat. Die
Beschwerdegegnerin ist dabei mit der Rechnung der asim vom 13. Januar
2022 über CHF 26'033.95 nicht einverstanden und macht geltend, es sei
nicht ansatzweise ersichtlich, weshalb die Kosten des Gerichtsgutachtens
mehr als das Doppelte der üblicherweise zu verrechnenden Kosten
gemäss dem zwischen dem BSV und den MEDAS vereinbarten Tarif von
CHF 12'290.-- sowie mehr als das vereinbarte Kostendach von
CHF 22'967.50 betragen soll.
11.2.3. Vorab ist festzuhalten, dass vorliegend das Kostendach von
CHF 22'967.50 ausweislich der Rechnung der asim vom 13. Januar 2022
nicht überschritten, sondern voll ausgeschöpft wurde (vgl. dazu die
Rechnungsdetails der asim: Fallführung 14 Stunden à CHF 385.-- [CHF
5'390.--] + Rheumatologie 10 Stunden à CHF 385.-- [CHF 3'850.--] +
Neurologie 10 Stunden à CHF 385.-- [CHF 3'850.--] + Handchirurgie 8.5
Stunden à CHF 385.-- [CHF 3'272.50] + Psychiatrie 13 Stunden à CHF
385.-- [CHF 5'005.--] + Administrationspauschale von CHF 1'600.-- = CHF
22'967.50). Hinzu kamen – wie im Auftrag des Verwaltungsgerichts vom
9. Juli 2021 aufgeführt (siehe act. D18) – zusätzliche Kosten für Labor und
Diagnostik sowie für die Übersetzung, welche denn auch gemäss dem von
der Beschwerdegegnerin angeführten Anhang 2 der (Muster-
)Vereinbarung zwischen dem BSV und den MEDAS separat zu vergüten
sind. Diese betrugen vorliegend gemäss Rechnung der asim vom
13. Januar 2022 insgesamt CHF 3'066.45.
11.2.4. Die Beschwerdegegnerin beruft sich für ihre Argumentation auf BGE 143
V 269. Darin hat das Bundesgericht mit Blick auf die fehlende gesetzliche
Grundlage die bisherige Rechtsprechung insoweit aufgegeben, als die
kantonalen Versicherungsgerichte und das Bundesverwaltungsgericht
- 63 -
nicht mehr an den Tarif gemäss Anhang 2 der (Muster-)Vereinbarung
zwischen dem BSV und den MEDAS gebunden sind. Das bedeutet, dass
die IV-Stellen im Rahmen der mit BGE 139 V 496 umschriebenen (und mit
BGE 140 V 70 bestätigten) Grundsätze für die gesamten Kosten des
Gerichtsgutachtens aufzukommen haben (E.7.2). Der vom BSV mit den
MEDAS vereinbarte Tarif kann immerhin als Richtschnur dienen, an der
sich die Beteiligten zu orientieren haben. Insofern wären die Gründe
darzulegen, weshalb im konkreten Fall die im betreffenden Tarif
vorgesehenen Pauschalen nicht genügen (E.7.3). Dabei ist zu
berücksichtigen, dass sich in einem Gerichtsverfahren für die
Gutachtenden erfahrungsgemäss in aller Regel komplexere Fragen
stellen und insbesondere weit umfangreichere Akten zu bewältigen sind
als auf Stufe Verwaltungsverfahren; meistens liegen zudem in dieser
Verfahrensphase bereits gutachterliche Stellungnahmen vor, die ihrerseits
gerade Anlass zum Gerichtsgutachten geben und die in diesem besonders
einlässlich zu verarbeiten sind (E.6.2.3.2).
Vorliegend liegen gute Gründe vor, um über den für vier Spezialisten
neben der Fallführung vorgesehenen Tarif von CHF 12'290.-- (vgl.
Anhang 2 der [Muster-]Vereinbarung zwischen dem BSV und den
MEDAS) hinauszugehen. So führte bereits die asim mit Schreiben vom
10. Januar 2021 an, dass bei einem Gerichtsgutachten, wie dem
vorliegenden, eine Auseinandersetzung mit den strittigen Vorgutachten
stattfinden muss (vgl. act. D15). Im hier zu beurteilenden Fall lagen mit
dem rheumatologischen Gutachten von Dr. med. E._ vom
27. Oktober 2015 (einschliesslich erfolgter EFL) und dem ausführlichen
estimed-Gutachten vom 11. Oktober 2019 samt ergänzender
Stellungnahme vom 3. März 2020 sowie durchgeführter EFL mehrere
Vorbegutachtungen vor, welcher neben den Ergebnissen aus der
berufspraktischen Eingliederung einer eingehenden Auseinandersetzung
und Beurteilung bedurften. Dabei stellten sich komplexe Fragen, welche
- 64 -
sich denn auch in den vom Gericht bzw. vom Beschwerdeführer
angebrachten Zusatzfragen niederschlugen, und deren Beantwortung
aufgrund der umfangreichen Akten ein aufwändiges Aktenstudium
erforderten. Hinzu kommt, dass die asim-Gutachterin und Gutachter
neben der Erhebung der klinischen Befunde insbesondere bildgebende
und laborchemische Untersuchungen veranlasst haben und weitere
Recherchen im Sinne der Einholung fremdanamnestischer Auskünfte und
weiterer bildgebender Befunde, welche vom streitberufenen Gericht ediert
wurden, anstellten. Das asim-Gutachten vom 31. Dezember 2021 weist
entsprechend einen hohen Detaillierungsgrad auf. Schliesslich ist darauf
hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin in einem anderen Verfahren
vor dem Verwaltungsgericht, in welchem ein polydisziplinäres
Gerichtsgutachten bei der asim in vier Fachdisziplinen neben der
Fallführung eingeholt wurde, gegen das damals vereinbarte, ebenfalls
massgeblich über dem Tarif von CHF 12'290.-- gelegene Kostendach
nicht opponiert hatte (vgl. VGU S 18 72 vom 5. Oktober 2021
Sachverhalts-Ziffer 22 und E.7.2). Bei einer gesamthaften
Betrachtungsweise rechtfertigt es sich daher, der Beschwerdegegnerin im
vorliegenden Verfahren neben den Kosten für das Labor bzw. die
Diagnostik sowie für die Übersetzung in der Höhe von CHF 3'066.45 die
Kosten für das Gerichtsgutachten der asim vom 31. Dezember 2021 im
Betrag von CHF 18'500.--, d.h. insgesamt von CHF 21'566.45, zu
überbinden. Der Restbetrag von CHF 4'467.50 wird auf die Gerichtskasse
genommen.
11.3. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG im Umfang
seines Obsiegens Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Sein Rechtsvertreter macht in seiner aktualisierten
Honorarnote vom 7. März 2022 ein Honorar von CHF 12'173.35 (41.7
Stunden à CHF 260.-- zzgl. Auslagen [CHF 461.--] und 7.7 % MWST
[CHF 870.35]) geltend. Dabei ist zu berücksichtigen, dass praxisgemäss
- 65 -
bei Nichteinreichung einer Honorarvereinbarung der in der Kostennote
geltend gemachte Stundenansatz, höchstens aber ein Stundenansatz von
CHF 240.--, übernommen wird, und die Spesen maximal im Umfang von
3 % des festgelegten Honorars nach Zeitaufwand pauschal zugesprochen
werden (siehe etwa VGU S 20 55 vom 10. November 2020 E.6.2, S 18 81
vom 18. Februar 2020 E.7.1 und S 17 70 vom 20. November 2018 E.8.3).
Unter Berücksichtigung des Obsiegens im Umfang von einem Drittel
beläuft sich die Parteientschädigung daher auf CHF 3'700.70 (41.7
Stunden à CHF 240.-- [CHF 10'008.--] zzgl. 3 % Auslagen [CHF 300.25]
und 7.7 % MWST [CHF 793.75] : 3).
- 66 -