Decision ID: eaddb469-cbbe-45ab-99a4-9f8a78e7d3a8
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 23. August 2021 stellten die syrischen Staatsangehörigen B._
(geb. [...], Gesuchsteller 1), seine Ehefrau C._ (geb. [...], Gesuch-
stellerin 2) und D._ (geb. [...], Gesuchstellerin 3) auf der Schweizer
Vertretung in Beirut je ein Gesuch um Erteilung eines Visums für einen
langfristigen Aufenthalt in der Schweiz (sog. Visum D).
B.
Mit Formularverfügungen vom 8. September 2021 (eröffnet am 13. Sep-
tember 2021) lehnte die Schweizer Auslandvertretung die Gesuche ab (Ak-
ten der Vorinstanz [SEM act.] 2/24 ff.).
C.
Gegen diese negativen Visaentscheide erhob der Beschwerdeführer mit
Schreiben vom 8. Oktober 2021 Einsprache (SEM act. 2/30-37). Mit Verfü-
gung vom 13. Dezember 2021 wies das SEM die Einsprache gegen die
Verweigerungen der Erteilung humanitärer Visa ab (SEM act. 7).
D.
Am 15. Januar 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen den Einsprache-
entscheid vom 13. Dezember 2021 Beschwerde. Er beantragte die Aufhe-
bung der Verfügung, die Gutheissung der Visa-Gesuche und raschmögli-
che Bewilligung der Einreisen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu wei-
teren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um den Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung (BVGer act. 1).
Auf entsprechende verfahrensleitende Anordnung vom 28. Januar 2022
hin ergänzte der Beschwerdeführer das Rechtsmittel am 23. Februar 2022
mit Unterlagen zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (BVGer act. 3
und 4).
E.
Mit Zwischenverfügung vom 9. März 2022 hiess das Bundesverwaltungs-
gericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut (BVGer act. 5).
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F.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 14. März 2022 auf
Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 6).
Mit Schreiben vom 18. März 2022 wurde dem Beschwerdeführer ein Dop-
pel der Vernehmlassung zur Kenntnis zugestellt (BVGer act. 7).
G.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen
Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufge-
führten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen unter anderem Verfü-
gungen des SEM, die im Einspracheverfahren gegen die Verweigerung ei-
nes nationalen Visums aus humanitären Gründen ergehen. In dieser Ma-
terie entscheidet das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c
Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Als Adressat der Verfügung und unterliegender Einsprecher hat der
Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung; er ist zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die
Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht (vgl. Art. 50 VwVG,
Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – sofern, wie vorliegend, nicht eine kantonale
Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit ge-
rügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im
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Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebun-
den und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemach-
ten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die
Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1 Als Staatsangehörige Syriens unterliegen die Gesuchstellenden für die
Einreise in die Schweiz der Visumspflicht. Mit ihren Gesuchen beabsichti-
gen sie einen längerfristigen Aufenthalt hierzulande. Auf ihre vorliegend zu
prüfenden Visagesuche vom 23. August 2021 gelangt daher nicht Schen-
gen-, sondern ausschliesslich nationales Recht zur Anwendung (vgl. Art. 4
Abs. 1 i.V.m. Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 über die
Einreise und die Visumserteilung [VEV, SR 142.204]; BVGE 2018 VII/5
E. 3.5 und E. 3.6.1 m.H.).
3.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen
Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen
aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt
erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere dann vor, wenn die be-
treffende Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an
Leib und Leben gefährdet ist.
3.3 Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr restriktiven Be-
dingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3 m.H.). Die Erteilung ei-
nes Visums aus humanitären Gründen im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV setzt
voraus, dass bei einer Person aufgrund der konkreten Umstände offen-
sichtlich davon ausgegangen werden muss, dass sie sich im Heimat- oder
Herkunftsstaat in einer besonderen Notsituation befindet, die ein behördli-
ches Eingreifen zwingend erforderlich macht und es rechtfertigt, ihr ein Ein-
reisevisum zu erteilen. Dies kann etwa bei akuten kriegerischen Ereignis-
sen oder aufgrund einer konkreten individuellen Gefährdung, die sie mehr
als andere Personen betrifft, gegeben sein. Befindet sich die betroffene
Person bereits in einem Drittstaat oder ist sie nach einem Aufenthalt in ei-
nem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder Herkunftsland zurückgekehrt und
hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in der
Regel davon auszugehen, dass keine Gefährdung mehr besteht
(BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; Urteile des BVGer F-533/2020 vom 31. Mai
2021 E. 3.2; F-898/2021 vom 19. April 2021 E. 3.2).
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3.4 Das Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefähr-
dung, der persönlichen Umstände der betroffenen Person und der Lage im
Heimat- oder Herkunftsland zu prüfen. Dabei können auch weitere Krite-
rien wie das Bestehen von Bindungen zur Schweiz und die hier bestehen-
den Integrationsaussichten oder die Unmöglichkeit, in einem anderen Land
um Schutz nachzusuchen, mitberücksichtigt werden (BVGE 2018 VII/5
E. 3.6.3; Urteile F-533/2020 E. 3.3 f.; F-898/2021 E. 3.3).
4.
4.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass sich
die Situation der Gesuchstellenden in Syrien schwierig präsentiere, werde
nicht verkannt. Es gebe indes keine Hinweise dafür, dass sie dort konkret
und unmittelbar an Leib und Leben gefährdet seien. Insbesondere würden
mit den beiden Berichten der syrischen Ärztekammer vom 1. August 2021
keine lebensbedrohenden gesundheitlichen Beschwerden geltend ge-
macht. Auch werde nicht substantiiert dargelegt, welcher Behandlung der
Gesuchsteller 1 und die Gesuchstellerin 2 denn bedürften und was für me-
dizinische Komplikationen mit einer nicht fortgeführten Behandlung ver-
bunden wären. Offenbar könne jedoch davon ausgegangen werden, dass
in Syrien zumindest eine minimale medizinische Grundversorgung gewähr-
leistet sei. Jedenfalls zeigten die fraglichen Arztzeugnisse auf, dass die bei-
den bei einem Arzt gewesen und untersucht worden seien. Wohl könnten
die gesundheitlichen Einschränkungen den Alltag erschweren, sie seien
aber in beiden Fällen nicht als akute und unmittelbare Bedrohung zu wer-
ten. Die minderjährige Gesuchstellerin 3 wiederum sei nicht auf sich allein
gestellt, sondern befinde sich im Kreise ihrer Eltern. Insgesamt seien die
Gesuchstellenden gemessen am durchschnittlichen Schicksal vieler ande-
rer Person in Syrien nicht in gesteigertem Masse bedroht. Der Umstand
allein, dass die medizinischen Gegebenheiten, das medizinische Fachwis-
sen oder die Behandlungsmöglichkeiten in Syrien nicht dasselbe Niveau
wie in der Schweiz aufwiesen, ändere daran nichts. Darüber hinaus äus-
serte sich das SEM ebenfalls zur Situation syrischer Flüchtlinge im Liba-
non. Weil die Gesuchstellenden bereits wieder nach Syrien zurückgereist
seien, stehe dieser Aspekt zwar nicht im Vordergrund, die Gefahr einer tat-
sächlichen Ausschaffung durch die libanesischen Behörden nach Syrien
hätten sie aber nicht glaubhaft darzulegen vermocht (SEM act. 7).
4.2 Der Beschwerdeführer wendete dagegen im Wesentlichen ein, das
SEM stütze sich nur auf Spekulationen und nicht auf objektive Tatsachen.
Die vorinstanzlichen Feststellungen zur Lage in Syrien und im Libanon
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seien falsch, nicht auf dem aktuellen Stand und realitätsfremd. Die Situa-
tion syrischer Flüchtlinge in diesen beiden Ländern sei ständigem Wandel
unterworfen und verschlechtere sich fortlaufend. Gemäss der Praxis des
SEM müssten syrische Staatsangehörige, die in einem Drittstaat einreis-
ten, vom Verfahren zur Erlangung humanitärer Visa ausgeschlossen wer-
den. Besagte Praxis könne nicht für alle Verfahren zutreffend sein und
dürfe deshalb nicht verallgemeinert werden. Die Gesuchstellenden seien
schwer krank und hätten im Libanon keinen hinreichenden Schutz gefun-
den. Aktuell wohnten sie im zerstörten Aleppo im Keller eines Hauses. Die
eingereichten Arztberichte belegten, dass der Gesuchsteller 1 und die Ge-
suchstellerin 2 krank seien und im Ausland medizinisch versorgt werden
müssten. Es handle sich um schwere Krankheiten, die lebensbedrohlich
seien und von der Vorinstanz unterschätzt würden. Die medizinische
Grundversorgung in Syrien sei intermittierend und nicht immer verfügbar.
Zudem reiche sie für eine Genesung und Verbesserung des Gesundheits-
zustandes der Betroffenen bei weitem nicht aus. Die Gesuchstellenden
hätten Anspruch auf Hilfe, Betreuung sowie die Mittel, welche für ein men-
schenwürdiges Dasein unerlässlich seien. Dies alles sei in Syrien nicht
möglich und werde an keinem Ort angeboten. Schliesslich könnten sie in
diesem Land nicht durch Verwandte unterstützt werden. Durch die Unmög-
lichkeit, Syrien zu verlassen, seien sie unmittelbar an Leib und Leben ge-
fährdet und aufgrund ihres Gesundheit übermässig von der Notlage betrof-
fen. Deshalb sei vorliegend ein Eingreifen der Schweizer Behörden mittels
der Erteilung humanitärer Visa zwingend erforderlich.
5.
5.1 Einer der Aspekte, mit denen sich die Vorinstanz in ihrem Entscheid
der Vollständigkeit halber befasste, betrifft den Umstand, dass die Gesuch-
stellenden, um besagte Visa zu beantragen, die schweizerische Botschaft
in Beirut aufsuchten. Das SEM leitete daraus ab, dass es für die Betroffe-
nen auch möglich gewesen wäre, im Libanon zu bleiben, anstatt nach Sy-
rien zurückzukehren. Auf die Frage, ob sie sich erneut in den Libanon be-
geben und dort als Bürgerkriegsflüchtlinge Schutz erhalten könnten, ist al-
lerdings nicht näher einzugehen, zeigen doch die nachfolgenden Erwägun-
gen, dass die Gesuchstellenden auch in ihrem Heimatland Syrien nicht
– wie von Art. 4 Abs. 2 VEV verlangt – ernsthaft und konkret an Leib und
Leben gefährdet sind.
5.2 Mit Blick auf die Würdigung der Ausführungen des Beschwerdeführers
wäre sodann anzumerken, dass für die Erteilung eines humanitären Vi-
sums, im Gegensatz zum Asylverfahren, ein erhöhtes Beweismass gilt. Die
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Gefährdung muss offensichtlich sein; eine blosse Glaubhaftmachung ge-
nügt nicht (statt vieler: Urteile des BVGer F-698/2021 vom 1. Oktober 2021
E. 5.1; F-274/2020 vom 22. Juni 2021 E. 5.2; F-533/2020 vom 31. Mai 2021
E. 3.4 m.w.H.).
5.3 Soweit der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe ausführ-
lich auf die schwierigen Bedingungen von syrischen Flüchtlingen innerhalb
von Syrien Bezug nimmt und dem SEM in diesem Zusammenhang vorwirft,
es habe total falsche Vorstellungen über die Lage vor Ort und verfüge über
Informationen, die nicht auf dem aktuellsten Stand und zum Teil realitäts-
fremd seien, so ist darauf hinzuweisen, dass seine allgemein gehaltenen
Vorbringen nicht geeignet sind, eine konkrete Gefährdung der Gesuchstel-
lenden in diesem Land aufzuzeigen (vgl. dazu E. 3.2 und 3.3 hiervor). Der
Beschwerdeführer erwähnt denn lediglich, seine Angehörigen (Eltern, eine
minderjährige Schwester) lebten aktuell in der zerstörten Stadt Aleppo im
Keller eines Hauses. Der genaue Aufenthaltsort der Betroffenen ist nicht
bekannt. Die Sicherheits- und Versorgungslage in Syrien ist jedoch – je
nach Region und Stadt(teil) – sehr unterschiedlich. Die schwierigen Le-
bensbedingungen der Gesuchstellenden werden keineswegs verkannt, al-
lerdings beschreibt der Beschwerdeführer, wie eben dargetan, ansonsten
nicht mehr als die ganz allgemeine Situation von Bürgerkriegsflüchtlingen,
von der sich diejenige der betreffenden Familienangehörigen nicht abhebt.
Insbesondere zeigt er nicht auf, inwiefern für jeden seiner Angehörigen
eine konkrete individuelle Gefährdung an Leib und Leben besteht.
5.4 Nicht anders verhält es sich hinsichtlich der gesundheitlichen Situation
des Gesuchstellers 1 und der Gesuchstellerin 2. Dazu liegen zwei im vor-
instanzlichen Verfahren eingereichte Berichte der syrischen Ärztekammer
vom 1. August 2021 vor. Demnach leidet der Gesuchsteller 1 an einer
«schlechten Entwicklung seiner körperlichen und psychischen Erkran-
kung». Konkret aufgeführt werden eine gutartige Prostatahypertrophie, ein
einfaches Nierenversagen mit Diabetes Typ 2, chronische Spannungskopf-
schmerzen mit generalisierten Muskelkrämpfen sowie eine periphere Neu-
ritis. Die Rede ist ferner von einem «spürbaren Rückgang seiner psychi-
schen Erkrankung» (Name der Erkrankung unlesbar) aufgrund der
schlechten Lebensbedingungen und der schlechten Umgebung. Er müsse
im Ausland behandelt werden. Sein physischer und psychischer Zustand
erfordere die Nähe seiner sich dort aufhaltenden Kinder (SEM act. 3/43).
Die Gesuchstellerin 2 ihrerseits leidet dem entsprechenden Bericht zufolge
an einer lumbalen Bandscheibe zwischen dem vierten und fünften Lenden-
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wirbel. Erwähnt werden ausserdem Symptome des Wurzeldrucks mit Mus-
kelkrämpfen und Knochenspornen. Die körperliche Gesundheit der Patien-
tin verschlechtere sich ständig. Aufgrund der harten Bedingungen kämen
erhöhte psychische Angst und Stress hinzu. Sie benötige ebenfalls eine
Behandlung ausserhalb des Landes und in der Nähe ihrer Kinder, welche
sich um sie kümmern könnten (SEM act. 3/42).
5.5 Die genannten ärztlichen Zeugnisse zeigen auf, dass keine medizini-
schen Notfälle vorliegen. Wiewohl die aufgeführten gesundheitlichen Be-
schwerden den Alltag zweifellos erschweren, handelt sich nicht um lebens-
bedrohliche Beeinträchtigungen. Abgesehen davon wird in den fraglichen
Berichten nicht substantiiert dargelegt, welcher Behandlungen die Betroffe-
nen denn konkret bedürften und warum diese nur im Ausland möglich sein
sollen. Nicht gefolgt werden kann in diesem Zusammenhang der Behaup-
tung des Beschwerdeführers, eine adäquate medizinische Versorgung sei
an keinem Ort in Syrien möglich. Die Berichte der syrischen Ärztekammer
(mit einem Stempel der Gesundheitsdirektion Aleppo versehen) berechti-
gen vielmehr zum Schluss, dass der Gesuchsteller 1 und die Gesuchstel-
lerin 2 vor Ort bei einem Arzt waren und sich untersuchen liessen, womit
der Zugang zu einer minimalen medizinischen Grundversorgung gewähr-
leistet erscheint. Bei dieser Sach- und Aktenlage kann nicht davon ausge-
gangen werden, dass eine Einreise in die Schweiz aus medizinischen
Gründen zwingend erforderlich sei. Zudem gilt es darauf hinzuweisen, was
auch das SEM erwähnt hat, dass die medizinische Infrastruktur in Syrien
nicht dasselbe Niveau aufweisen muss wie dasjenige hierzulande. Den Ge-
suchstellenden kommt überdies zu Gute, dass sie – entgegen der Darstel-
lung des Beschwerdeführers – von mehreren Familienangehörigen in der
Schweiz regelmässig Gelder nach Syrien überwiesen erhalten (siehe SEM
act. 3, pag. 41 und 75). Die in der Einleitung der Beschwerdeschrift gerügte
Verletzung des Rechtsgleichheitsgrundsatzes schliesslich wird nicht be-
gründet, weshalb sich nähere Ausführungen hierzu erübrigen.
6.
Alles in allem gestaltet sich die Situation der Gesuchstellenden zwar
schwierig, doch lassen – gemessen am Schicksal des Rests der syrischen
Bevölkerung – weder ihre Lebensbedingungen noch die gesundheitlichen
Beschwerden darauf schliessen, sie befänden sich in einer unmittelbaren,
ernsthaften und konkreten Gefährdung an Leib und Leben, sodass ein be-
hördliches Eingreifen als zwingend notwendig erscheinen würde.
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7.
Damit ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Gesuchstellenden die
Voraussetzungen für die Ausstellung von humanitären Visa für die Schweiz
nicht erfüllen. Die angefochtene Verfügung hat den rechtserheblichen
Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt, verletzt Bundesrecht nicht
und ist angemessen (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge ab-
zuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Diesem wurde aber für das Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege im
Sinne eines Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die
Auferlegung von Verfahrenskosten (Art. 65 Abs. 1 VwVG) zugesprochen
(BVGer act. 5).
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