Decision ID: 077794b1-1ba0-4b24-a5e8-b9fba1f1784d
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Februar 2016 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 7). Er gab an, er habe nach seiner Einreise in die
Schweiz im Jahr 1986 eine Ausbildung zum Koch absolviert. Die IV-Stelle forderte ihn
im März 2016 auf, einen Ausbildungsnachweis einzureichen (IV-act. 11). In der Folge
gab der Versicherte an, er habe keine Ausbildung absolviert (vgl. elektronische Notiz zu
IV-act. 11). Der Allgemeinmediziner Dr. med. B._ berichtete im Juli 2016 (IV-act. 28–
1 ff.), der Versicherte leide an einer coronaren Dreigefässerkrankung und an einer
reaktiven Depression. Im März 2016 habe er sich in einer stationären kardialen
Rehabilitation befunden. Davor sei er bereits mehrfach hospitalisiert gewesen. Aktuell
bestehe kardial-klinisch eine stabile Situation. Angesichts des schweren Verlaufs mit
einem zweimaligen Myokardinfarkt und mehreren Stentthrombosen müsse die
Prognose mit Vorsicht gestellt werden. Wegen der erheblichen depressiven Reaktion
werde der Versicherte immer noch an der Klinik Gais ambulant psychiatrisch respektive
psychotherapeutisch behandelt. Die Klinik Gais hatte in ihrem Austrittsbericht vom 23.
März 2016 festgehalten (IV-act. 28–9 ff.), nebst der im Oktober 2014 erstmals
diagnostizierten coronaren Dreigefässerkrankung seien die folgenden Diagnosen zu
stellen: Diabetes mellitus (Typ II, insulinbedürftig), relative ASS-Resistenz,
unspezifische Ventilationsstörung, leichte bis mittelgrade depressive Episode ohne
somatisches Syndrom. Bei den psychologischen Einzelgesprächen habe der Fokus auf
der einschneidenden Erkrankung gelegen, die das Leben des Versicherten zunehmend
beeinträchtige und zur Zeit eine Berufsausübung verunmögliche. Thematisiert worden
seien auch die schwierige familiäre und finanzielle Situation. Mit einer Mitteilung vom
26. Juli 2016 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche Massnahmen mangels
Eingliederungsfähigkeit ab (IV-act. 35).
A.a.
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Im Oktober 2016 berichtete der Psychiater med. pract. C._ (IV-act. 43), der
Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen
Symptomen, an einer Persönlichkeitsstörung mit möglicherweise autistischen,
schizoiden und somatisierten Anteilen sowie an einem Status nach wiederholten
depressiven Episoden in den vergangenen Jahrzehnten. Bereits bei der
Erstkonsultation im Jahr 2003 seien depressive Symptome erhoben worden. Die
depressive Störung und die Persönlichkeitsstörung würden wohl bereits seit der
Adoleszenz vorliegen. Bei den Konsultationen rede der Versicherte viel, weitschweifig
und ohne einen Fokus. Für den Zuhörer seien die Ausführungen verwirrend. Der
Versicherte rede vor sich hin, wobei er autistisch wirke und sich nur gelegentlich auf
den Gesprächspartner ausrichte. Aus psychiatrischer Sicht sei er längerfristig nur
reduziert oder geschützt arbeitsfähig. Im Dezember 2016 führte eine
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle mit dem Versicherten ein
„Assessmentgespräch“. Sie hielt in ihrem Gesprächsprotokoll fest (IV-act. 60), es sei ihr
sehr schwer gefallen, den Ausführungen des Versicherten zu folgen, da dieser sehr viel
und oft zusammenhanglos gesprochen habe. Sie habe ihn immer wieder unterbrechen
und das Gespräch auf ihre Fragen lenken müssen. Gegen Ende des Gesprächs sei der
Sprechfluss langsamer geworden; der Versicherte habe zwischendurch gegähnt und er
sei „sehr erschlagen“ dagesessen. Er habe kein fliessendes Deutsch gesprochen und
er habe teilweise Wörter benutzt, die offensichtlich nicht das ausgesagt hätten, was er
habe aussagen wollen. Die Eingliederungsverantwortliche könne den Versicherten
überhaupt nicht einschätzen. Die Ressourcen des Versicherten für eine Stellensuche
seien nicht beurteilbar. Die Motivation liege wohl etwa bei 50 Prozent, aber mit seiner
„Ich bin der Beste und alle anderen sind schuld“-Haltung werde der Versicherte bei
einem potentiellen Arbeitgeber nicht gut ankommen. Im März 2017 berichtete Dr. med.
D._ über ein neu diagnostiziertes symptomatisches subacromiales Impingement-
Syndrom der linken Schulter; er empfahl eine Physiotherapie (IV-act. 81). Mit einer
Mitteilung vom 3. Mai 2017 ordnete die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung an
(IV-act. 84). Den entsprechenden Auftrag vergab sie an die Neurologie Toggenburg AG
(IV-act. 90), worüber sie den Versicherten mit einer Mitteilung vom 31. Mai 2017
informierte (IV-act. 92). Am 9. Juni 2017 berichtete die Klinik für Kardiologie des
Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 100), ergometrisch sei eine Leistungsminderung um
A.b.
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43 Prozent festgestellt worden. Die Ursache dafür sei unbekannt. Aus rein
kardiologischer Sicht könne keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden.
Die Neurologie Toggenburg AG erstattete am 8. September 2017 ein
polydisziplinäres internistisches, kardiologisches und psychiatrisches Gutachten (IV-
act. 102). Der internistische Sachverständige hielt fest, im Rahmen des Diabetes
mellitus bestünden Hinweise auf eine autonome Polyneuropathie sowie auf eine
Nephropathie. Die klinische Untersuchung habe aber keine relevanten
Funktionseinschränkungen auf dem allgemeinmedizinisch-internistischen Gebiet
ergeben. Im Übrigen spreche das Ergebnis einer Serumprobe gegen eine
regelmässige, verordnungsgemässe Einnahme von Remeron und Seresta. Die
allgemeinmedizinisch-internistische Prognose hänge in erster Linie von der
langfristigen Qualität der Diabetes-Kontrolle ab, die verbessert werden sollte. Aus
allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht sei der Versicherte uneingeschränkt arbeits
fähig. Der kardiologische Sachverständige führte aus, in den klinischen,
echokardiographischen und ergometrischen Verlaufskontrollen hätten sich nach der
operativen Revaskularisation im Februar 2016 keine Anhaltspunkte für eine
myokardiale Schädigung aufgrund der stattgehabten ischämischen Ereignisse oder für
eine Dysfunktion der Bypässe gezeigt. Da der Versicherte auch bestätigt habe, dass
nach Februar 2016 im Alltag nie eine belastungsabhängige Angina pectoris oder eine
Kurzluftigkeit aufgetreten sei, liege insgesamt ein gutes Ergebnis der operativen
Revaskularisation im Februar 2016 mit einer seither regelrechten Funktion der Bypässe
ohne Hinweise für eine Belastungskoronarinsuffizienz vor. Die seit jeher niedrige
Belastungstoleranz während der entsprechenden Tests mit einem Abbruch jeweils
aufgrund einer peripheren Erschöpfung und nicht etwa aufgrund einer
Belastungsinsuffizienz stelle einen möglichen Hinweis auf eine Selbstlimitierung dar,
zumal der Versicherte nach seinen eigenen Angaben jeden Morgen vier bis fünf
Kilometer in einem zügigen Gehtempo zurücklege. Aus kardiologischer Sicht sei der
Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Für die Vergangenheit könne nur für die
folgenden Zeiträume eine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden: Für die Zeit vom 30.
Oktober 2014 bis zum 31. Dezember 2015 (recte: 2014) wegen des am 30. Oktober
2014 erlittenen akuten Vorderwandinfarktes, für die Zeit vom 13. Februar 2015 bis zum
12. April 2015 wegen des subakuten Reinfarktes, für die Zeit vom 9. August 2015 bis
A.c.
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zum 8. Oktober 2015 wegen des am 9. August 2015 erlittenen Vorderwandreinfarktes
sowie für die Zeit vom 24. Mai 2016 (recte wohl: 25. Februar 2016) bis zum 24. Mai
2016 wegen der am 25. Februar 2016 erfolgten ACB-Operation und der
anschliessenden stationären Rehabilitation. Der psychiatrische Sachverständige hielt
fest, die Kontaktaufnahme sei insgesamt unkompliziert erfolgt; der Versicherte habe
sich spontan und offen auf die Exploration eingelassen. Er habe das Gespräch über die
ganze Untersuchungszeit aufmerksam verfolgt. Die Konzentrationsspanne sei
fokussiert gewesen und konstant aufrechterhalten worden. Der affektive Rapport sei
problemlos zustande gekommen und gut gewesen. Während der Exploration habe der
Versicherte ohne Verzögerungen weitschweifige Antworten auf die gestellten Fragen
gegeben. Er habe sich in Details verloren, sei nicht auf den Punkt gekommen und habe
die Fragen oftmals nicht beantwortet. Der Sachverständige habe mehrfach nachfragen
müssen. Der Versicherte habe die Lebensgeschichte und die Entwicklung der
Beschwerden fliessend und genau geschildert, was auf ganz unauffällige mnestische
Funktionen hingedeutet habe. Im Gespräch hätten sich keine Hinweise auf relevante
kognitive Schwierigkeiten finden lassen. Der formale Gedankengang sei zwar
weitschweifig, in der Kohärenz, in der Stringenz und im Tempo aber ungestört
gewesen. Eine Affektpathologie im eigentlichen Sinne habe nicht festgestellt werden
können. Der Versicherte habe sich in einer subdepressiven Mittellage befunden; er sei
ausreichend schwingungsfähig gewesen. Ansonsten sei der (im Gutachten detailliert
dargestellte) objektive klinische Befund völlig unauffällig gewesen. Die Montgomery-
Asberg Skala der Depressionen habe einen Wert gezeigt, der gegen eine depressive
Symptomatik spreche. Die Medikamentenspiegel für Mirtazapin, Desmethylmirtazapin
und Oxazepam hätten deutlich unter den Referenzwerten gelegen. Der Versicherte
habe seine Klagen appellativ und theatralisch wirkend vorgebracht, was beim
Sachverständigen nicht nur ein Gefühl des Betroffenseins, sondern auch ein Gefühl der
Nichteinfühlbarkeit und der Nichtverstehbarkeit ausgelöst habe. Die
Symptombeschreibung sei undifferenziert, die Symptomdarstellung stereotyp
gewesen. Es sei anzunehmen, dass eine mangelnde Leistungsbereitschaft und eine
Selbstlimitierung vorlägen. Diese Beobachtungen seien als Aggravationshinweise zu
werten. Allerdings sei auch ein habituelles Verhalten des Versicherten im Sinne einer
kulturellen Prägung zu berücksichtigen. Diagnostisch liege nur eine rezidivierende
depressive Störung in einer gegenwärtig leichtgradigen Ausprägung vor, die sich nicht
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auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Die bisherige psychiatrische Therapie erfolge nicht
leitliniengerecht. Von einer konsequenten psychiatrischen Behandlung und einer
serumspiegelgesteuerten psychopharmakologischen Therapie könne ein wesentlicher
Erfolg erwartet werden, der sich aber nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken werde, da
dem Versicherten ab sofort eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit zumutbar sei. Für
die angestammte Tätigkeit sei nur für die Vergangenheit eine teilweise Arbeitsfähigkeit
zu attestieren; in einer leidensadaptierten Tätigkeit sei der Versicherte bereits in der
Vergangenheit uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen. Gestützt auf ihre polydisziplinäre
Konsensbesprechung führten die Sachverständigen aus, der Versicherte leide an einer
coronaren Dreigefässerkrankung, an einem Diabetes mellitus, an einer Dyslipidämie
sowie an einer gegenwärtig leichtgradigen rezidivierenden depressiven Störung. Keine
dieser Diagnosen wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus. Im Oktober 2017 notierte Dr.
med. F._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das Gutachten der
Neurologie Toggenburg AG sei überzeugend, weshalb auf es abgestellt werden könne
(IV-act. 106).
Mit einem Vorbescheid vom 9. Oktober 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie die Abweisung seines Begehrens um berufliche Massnahmen vorsehe,
weil ihm medizinisch jede körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit zumutbar sei
(IV-act. 109). Am 24. November 2017 verfügte sie die Abweisung des Begehrens um
berufliche Massnahmen (IV-act. 112). Mit einem Vorbescheid vom 23. Januar 2018
kündigte die IV-Stelle dem Versicherten an, dass sie auch die Abweisung seines
Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-
act. 115). Dagegen liess der Versicherte am 28. Februar 2018 einwenden, er sei mit
dem vorgesehenen Entscheid nicht einverstanden; er bitte um eine Nachfrist zur
Einreichung einer Begründung (IV-act. 116). Am 7. Mai 2018 liess der Versicherte
geltend machen, das Gutachten der Neurologie Toggenburg AG sei in mehreren
Punkten unhaltbar (IV-act. 120–1). Der Eingabe lag eine Stellungnahme des Psychiaters
C._ vom 28. April 2018 bei, in der festgehalten worden war (IV-act. 120–2 ff.), im
Gutachten seien mehrere wesentliche Ereignisse aus der Vorgeschichte des
Versicherten nicht erwähnt worden. Insbesondere fehle ein Hinweis darauf, dass der
Versicherte im Jahr 1982 in seinem Herkunftsland mit einem Polizeiknüppel geschlagen
worden sei, dass er dadurch eine Schädelkalottenfraktur erlitten habe, dass er
A.d.
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anschliessend zehn Tage inhaftiert gewesen und weiter geschlagen worden sei und
dass ihm erst danach sein Vater zur Flucht ins Ausland habe verhelfen können. Im
Gutachten sei ein völlig unauffälliger Tagesablauf beschrieben worden. Das wecke den
Eindruck, der Sachverständige habe einen anderen Patienten beschrieben. Er, med.
pract. C._, kenne den Versicherten nur belastet und verzettelt zwischen Somatik,
Depression, familiärer Misere, juristischen Streitigkeiten, Konflikten mit der Ehefrau und
von dieser konstruierten Anklagen. Dass der Versicherte gegenüber dem
Sachverständigen angegeben habe, dass er normale Beziehungen habe, aber lieber
alleine sei, dass er die Nachbarn nicht kenne und dass er nur mit vertrauten Menschen
in der Therapie sprechen könne, zeige etwas Einzelgängerisches und Schizoides auf.
Das Einzelgängerische, das Hinleiern im Gespräch, das Kreisen in Beschwerden und
der Somatik machten die autistischen Anteile der Persönlichkeitsstörung aus. Der
Sachverständige habe wohl nicht über genügend Zeit für eine ausreichende
Exploration verfügt. Der Versicherte werde wohl kaum in der Lage sein, von sich aus
die relevanten Fakten zum Thema Trauma und Persönlichkeitsstörung zu nennen,
weshalb man in einer Exploration intensiv und gezielt danach forschen müsste. Der
Versicherte liess auch einen Bericht von Dr. D._ vom 17. Mai 2018 einreichen, in dem
auf eine persistierende Beschwerdesymptomatik in der Schulter bei einem
unauffälligen objektiven klinischen Befund und auf die Zumutbarkeit einer körperlich
adaptierten Tätigkeit hingewiesen worden war (IV-act. 129). In einem weiteren Bericht
vom 11. Juni 2018 hielt Dr. D._ fest (IV-act. 134), soweit der objektive klinische
Befund habe erhoben werden können, sei dieser weiterhin unauffällig gewesen.
Allerdings sei es zwischenzeitlich zu einer ausgeprägten Symptomausweitung
gekommen: Der Versicherte habe über Schmerzen im gesamten musculo-skelettalen
System geklagt und mit seinen Schmerzangaben auch die Befunderhebung teilweise
erschwert beziehungsweise verunmöglicht. Eine Beschäftigung für körperlich leichte
Tätigkeiten werde aufgrund der Symptomausweitung „immer schwieriger“.
Die IV-Stelle forderte die Neurologie Toggenburg AG auf, Stellung zu den Aus
führungen des behandelnden Psychiaters C._ zu nehmen. Die Neurologie
Toggenburg AG teilte am 25. Juni 2018 mit, dass sie dazu nicht in der Lage sei, weil
der psychiatrische Sachverständige, der am Gutachten vom 8. September 2017
mitgewirkt habe, schon seit längerer Zeit nicht mehr für die Neurologie Toggenburg AG
A.e.
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tätig sei (IV-act. 135). In der Folge nahm der RAD-Psychiater Dr. med. E._ Stellung
zum psychiatrischen Teilgutachten der Neurologie Toggenburg AG und zu den
Einwänden des behandelnden Psychiaters C._ (IV-act. 136). Er hielt fest, aus
fachlicher Sicht sei es nicht überraschend, dass die Expertise zu einem Ergebnis
geführt habe, das weit von jenem abweiche, zu dem der behandelnde Psychiater
gelangt sei, denn ihr jeweiliger Auftrag zwinge den Sachverständigen und den
behandelnden Facharzt dazu, sich der Problematik aus unterschiedlichen Richtungen
zu nähern. Der behandelnde Psychiater verfüge zwar in aller Regel über eine
langjährige, profunde, in die Therapie und deren Bedingtheiten eingebundene Kenntnis
des Krankheitsverlaufs, aber er sei auch mit der gesamten, krankheits- und
umständebedingten Not seiner Patienten konfrontiert, weshalb er für ein konstruktives
Krankheitsverständnis einen ganzheitlichen Ansatz wählen müsse. Der
Sachverständige verfüge über eine grössere Unbefangenheit, da er nicht in der
mitunter belastenden Behandlungsverantwortung stehe. Das erweise sich im
Zusammenhang mit einer versicherungsmedizinischen Beurteilung als ein grosser
Vorteil, weil der Sachverständige sich nur zur rein medizinischen respektive
psychiatrischen Situation zu äussern und die psychosozialen Umstände auszublenden
habe. Anders als der behandelnde Psychiater C._ habe der psychiatrische
Sachverständige der Neurologie Toggenburg AG deshalb zu Recht den schwierigen
psychosozialen Umständen des Versicherten (Scheidung der zweiten Ehe, Verurteilung
wegen Ladendiebstahls und Untersuchungshaft wegen Drogenbesitzes) keine
Rechnung getragen. Eine ausführliche Befragung des Versicherten mittels des „Mini-
ICF“-Fragebogens und eine eingehende Befunderhebung nach dem AMDP-Standard
habe einen überwiegend blanden Untersuchungsbefund mit einer weitestgehend
uneingeschränkten Funktionsfähigkeit im Alltag ergeben. Das Funktionsniveau des
Versicherten habe sich deshalb aus versicherungspsychiatrischer Sicht als
überwiegend intakt bis maximal leichtgradig beeinträchtigt gezeigt. Grobe
beziehungsweise relevante Mängel in der Durchführung und Ausarbeitung des
Gutachtens liessen sich nicht erkennen. Selbst wenn der Versicherte tatsächlich an
einer Persönlichkeitsstörung leiden sollte, die der psychiatrische Sachverständige nicht
hätte feststellen können, weil ihm nur ein Explorationsgespräch zur Verfügung
gestanden habe und weil sich der Versicherte dabei vielleicht seelisch nicht so weit wie
beim behandelnden Psychiater geöffnet habe, sei an der Arbeitsfähigkeitsschätzung
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B.
des Sachverständigen festzuhalten. Die Arbeitsfähigkeit ergebe sich nämlich nicht aus
den Diagnosen, sondern aus dem objektiven klinischen Befund, der hier weitestgehend
unauffällig gewesen sei. Zu berücksichtigen sei auch, dass die Sachverständigen
Hinweise auf Diskrepanzen und auf eine Aggravation festgestellt hätten; der
behandelnde Psychiater habe sich mit dieser Problematik nie befasst. Die RAD-Ärztin
Dr. F._ notierte am 9. Juli 2018 (IV-act. 140), gestützt auf die Berichte von Dr. D._
sei aus somatischer Sicht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit des
Versicherten für leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen. Die ausgeprägte
Symptomausweitung sei für die Arbeitsfähigkeitsschätzung irrelevant. Mit einer
Verfügung vom 17. Juli 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten
ab (IV-act. 141).
Am 13. September 2018 liess der Versicherte (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Juli 2018 erheben
(act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Zusprache „der gesetzlichen Leistungen aus der
Invalidenversicherung“. Zur Begründung führte er aus (vgl. act. G 17), das Gutachten
der Neurologie Toggenburg AG überzeuge nicht. Der psychiatrische Sachverständige
habe seine Diagnose einer leichtgradigen depressiven Störung nicht anhand der
Kriterien des ICD-10 abgeleitet. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei nicht überzeugend
begründet worden. Der psychiatrische Sachverständige habe den Beschwerdeführer
insgesamt nicht sorgfältig genug untersucht; er sei verschiedenen aktenkundigen
Hinweisen und diversen Angaben des Beschwerdeführers, die auf eine relevante
psychische Problematik hingedeutet hätten, nicht nachgegangen. Angesichts der
Hinweise im Protokoll zum „Assessmentgespräch“ hätte zwingend eine
neuropsychologische Testung durchgeführt werden müssen. Der kardiologische
Sachverständige habe sich nicht zu den vom Beschwerdeführer geklagten
Beschwerden geäussert. Angesichts der aktenkundigen Schulterschmerzen sei nicht
nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer nicht auch orthopädisch begutachtet
worden sei.
B.a.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat nach der Eröffnung des Vorbescheides weitere
Abklärungen getätigt. Sie hat nämlich zunächst versucht, bei der Neurologie
Toggenburg AG eine Stellungnahme zu den vom behandelnden Psychiater erhobenen
Rügen am Gutachten einzuholen. Da die Neurologie Toggenburg AG aufgrund eines
Personalwechsels nicht in der Lage gewesen ist, eine solche Stellungnahme
abzugeben, hat die Beschwerdegegnerin den RAD-Psychiater Dr. E._ beauftragt,
eine versicherungspsychiatrische Stellungnahme zum psychiatrischen Teilgutachten
und zu den entsprechenden Rügen des behandelnden Psychiaters abzugeben. Diese
Stellungnahme ist am 2. Juli 2018 erstellt worden. Die Beschwerdegegnerin hat diese
Stellungnahme (wie auch die Würdigung der vom Beschwerdeführer eingereichten
somatischen Berichte von Dr. F._ vom 9. Juli 2018) dem Beschwerdeführer vor dem
Erlass der angefochtenen Verfügung nicht zur Kenntnis- und allfälligen Stellungnahme
zugestellt. Dadurch hat sie den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches
Gehör (Art. 42 ATSG) respektive die – den Gehörsanspruch „konsumierende“ –
Vorbescheidspflicht (Art. 57a IVG) verletzt, denn die Vorbescheidspflicht kann von
ihrem Sinn und Zweck her nur dann (vollständig) erfüllt sein, wenn die IV-Stelle der
versicherten Person die Möglichkeit eingeräumt hat, Einsicht in sämtliche Akten zu
nehmen und sich dazu zu äussern (vgl. dazu etwa den Entscheid IV 2018/23 des
St. Galler Versicherungsgerichtes vom 27. Juli 2020, E. 1). Diese Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör respektive der Vorbescheidspflicht könnte nur
dadurch behoben werden, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 13. Mai 2019
die Abweisung der Beschwerde (act. G 19). Zur Begründung führte sie an, die Kritik
des Beschwerdeführers am Gutachten der Neurologie Toggenburg AG wecke keine
erheblichen Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gutachtens. Der psychiatrische und der
kardiologische Sachverständige hätten ihre Diagnosestellung und ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung sorgfältig anhand der von ihnen erhobenen objektiven
klinischen Befunde begründet. Bezüglich der Schulterschmerzen sei darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer diese bei der Begutachtung nicht erwähnt
habe und dass der behandelnde Orthopäde Dr. D._ in seinen Berichten keine
objektiven klinischen Befunde genannt habe, die sich auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer leichten Tätigkeit auswirken würden.
B.b.
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Sache an die Beschwerdegegnerin zur vollständigen Erfüllung der Vorbescheidspflicht
und zur anschliessenden neuen Verfügung zurückgewiesen würde.
Rechtsprechungsgemäss kann allerdings davon abgesehen werden, wenn die
versicherte Person erklärt oder zumindest mit ihrem Verhalten eindeutig zeigt, dass sie
einer raschen materiellen Entscheidung den Vorzug gegenüber einer formal in jeder
Hinsicht korrekten Erledigung der Sache einräumt. Das wird missverständlich als eine
„Heilung“ bezeichnet, obwohl die Verfahrensrechtswidrigkeit ja gerade nicht „geheilt“
beziehungsweise behoben, sondern vielmehr „ignoriert“ wird. Der anwaltlich vertretene
Beschwerdeführer hat die Verletzung der Vorbescheidspflicht nicht gerügt. Seine
Beschwerde zielt eindeutig auf eine rasche materielle Erledigung der Sache ab. Das
erlaubt ein „Ignorieren“ der Verletzung der Vorbescheidspflicht, was bedeutet, dass die
angefochtene Verfügung nicht aus formalen Gründen aufzuheben ist.
2.
Eine versicherte Person hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Erwerbstätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
gesund geblieben wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.1.
Der Beschwerdeführer hat über keinen in der Schweiz anerkannten
Berufsabschluss verfügt. Zwar hat er nach seiner Einreise in die Schweiz mehrheitlich
als Koch gearbeitet, aber seine Tätigkeiten für unterschiedliche Arbeitgeber und auch
seine Tätigkeit als selbständigerwerbender Betreiber eines Restaurants haben es ihm
nicht erlaubt, sich die Fähigkeiten eines ausgebildeten Kochs anzueignen und sich zu
einem dem Lohn eines ausgebildeten Kochs entsprechenden Salär anstellen zu lassen.
Der Beschwerdeführer ist deshalb als ein typischer Hilfsarbeiter zu qualifizieren. Für die
Definition der Validenkarriere ist nicht von einer Hilfsarbeit in der Gastronomiebranche
auszugehen, denn in dieser Branche werden erfahrungsgemäss nur
unterdurchschnittliche Löhne für Hilfsarbeiter ausgerichtet, selbst wenn diese über
Berufserfahrung in der Gastronomie verfügen; der Beschwerdeführer hätte seine
2.2.
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Arbeitskraft auch in anderen Branchen verwerten können. Die Validenkarriere besteht
deshalb in der Ausübung einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit auf dem
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt, weshalb das Valideneinkommen dem
statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in der Schweiz entsprechen muss. Der
Beschwerdeführer hat zwar teilweise einen unter diesem Zentralwert liegenden Lohn
erzielt, aber das kann nur die Folge von arbeitsmarktlichen Zwängen auf dem
invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten tatsächlichen Arbeitsmarkt gewesen sein.
Diese Umstände dürfen bei der Festsetzung des Valideneinkommens als Ausdruck der
rein betriebswirtschaftlich-ökonomisch zu bestimmenden Erwerbsfähigkeit – also der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt – keine
Rolle spielen.
Der Beschwerdeführer hat im massgebenden Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung an verschiedenen Gesundheitsbeeinträchtigungen gelitten,
nämlich an einer coronaren Dreigefässerkrankung mit einem Status nach einem
Herzinfarkt und zwei Reinfarkten, an einem Diabetes mellitus, an Schulterbeschwerden
links und an einer psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung. Die Beschwerdegegnerin
hat zur Beantwortung der Frage nach den Auswirkungen dieser
Gesundheitsbeeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ein
polydisziplinäres Gutachten bei der Neurologie Toggenburg AG eingeholt. Bei der
Auftragsvergabe hat sie es versäumt, den kurz davor erstmals geklagten
Schulterbeschwerden Rechnung zu tragen, weil der Beschwerdeführer diese
Beschwerden gar nicht angegeben hat, so dass die Neurologie Toggenburg AG weder
eine orthopädische noch eine rheumatologische Begutachtung vorgenommen hat.
Insofern erweist sich das Gutachten der Neurologie Toggenburg AG als unvollständig.
Allerdings kann daraus entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers nicht automatisch eine Verletzung der Untersuchungspflicht
(Art. 43 Abs. 1 ATSG) abgeleitet werden, denn eine solche Verletzung der
Untersuchungspflicht liegt nur vor, wenn der Sachverhalt bezüglich eines
massgeblichen Elementes nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststeht. Das ist hier aber nicht der Fall, denn die vorliegenden
Akten erlauben es, die Frage nach dem Einfluss der geltend gemachten
Schulterbeschwerden mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu beantworten. Die Berichte des behandelnden Orthopäden
Dr. D._ enthalten nämlich allesamt eine – von den subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers sorgfältig abgegrenzte – Schilderung des objektiven klinischen
Befundes, wobei Dr. D._ allerdings im letzten Bericht vom 11. Juni 2018 darauf
hingewiesen hat, dass er den Befund wegen einer zwischenzeitlich eingetretenen
2.3.
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massiven Symptomausweitung nicht vollständig hat erheben können; der erhobene
klinische (Teil-) Befund ist jedoch weiterhin völlig unauffällig gewesen. Den
Befundschilderungen lässt sich entnehmen, dass Dr. D._ den massgebenden
objektiven klinischen Befund jeweils vollständig erhoben und wiedergegeben hat.
Gestützt auf den weitgehend blanden Befund hat Dr. D._ die Ansicht vertreten, dass
dem Beschwerdeführer leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt zumutbar seien.
Die RAD-Ärztin Dr. F._ hat diese Arbeitsfähigkeitsschätzung als überzeugend
qualifiziert; die von Dr. D._ gelieferte Begründung vermag auch einen medizinischen
Laien von der Richtigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung zu überzeugen. Zwar hat
Dr. D._ im letzten Bericht vom 11. Juni 2018 geltend gemacht, dass die
Symptomausweitung die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit erschwere, aber das
kann nicht als eine medizinisch begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung qualifiziert,
sondern nur als ein Hinweis auf Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche auf dem
invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten tatsächlichen Arbeitsmarkt verstanden
werden. In Bezug auf die früher ausgeübte Tätigkeit als Koch hat Dr. D._ nämlich
ganz deutlich festgehalten, dass dafür aus medizinischen Gründen eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert werden müsse, weil die Tätigkeit als Koch mit hohen
Belastungen der Schultern einhergehe. Hätte Dr. D._ die Überzeugung gehabt, dass
dem Beschwerdeführer auch eine leidensadaptierte Tätigkeit aus medizinischen
Gründen nicht mehr zumutbar sei, hätte er eine entsprechende Arbeitsunfähigkeit
attestiert, was er aber gerade nicht getan hat. Zusammen mit der überzeugenden
Aktenwürdigung der RAD-Ärztin Dr. F._ belegen die Berichte von Dr. D._ deshalb
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass dem
Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht leidensadaptierte Tätigkeiten
uneingeschränkt zumutbar gewesen sind. Zur coronaren Dreigefässerkrankung und
zum Diabetes mellitus, der in diesem Zusammenhang offenbar als ein Risikofaktor zu
qualifizieren ist, haben sich sowohl der internistische als auch der kardiologische
Sachverständige der Neurologie Toggenburg AG geäussert. Beide Sachverständigen
haben die Klagen und die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers ausführlich
wiedergegeben. Da sie beide auch die medizinischen Vorakten eingehend gewürdigt
haben, besteht kein Grund zur Annahme, dass sie ein wesentliches
Sachverhaltselement übersehen haben könnten. Ihre Diagnosestellung und ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung haben sie aber völlig zu Recht nicht auf die subjektiven
Angaben des Beschwerdeführers, sondern auf die von ihnen selbst bei der
persönlichen Untersuchung erhobenen und auf die in den medizinischen Vorakten
erwähnten objektiven klinischen Befunde gestützt. Die von den Sachverständigen
gestellten Diagnosen haben jenen der behandelnden Ärzte entsprochen. Auch
bezüglich der Arbeitsfähigkeitsschätzung hat eine Übereinstimmung mit den
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behandelnden Ärzten bestanden, denn diese hatten in ihrem Bericht vom 9. Juni 2017
– trotz der nicht nachvollziehbaren ergometrischen Leistungsminderung um 43 Prozent
– eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert. Die Sachverständigen der
Neurologie Toggenburg AG haben überzeugend festgehalten, dass die schlechten
Ergebnisse bei den ergometrischen Testungen wohl auf eine Selbstlimitierung
zurückzuführen seien, weil der Beschwerdeführer die Belastungsgrenze jeweils nicht
erreicht habe, weil der Beschwerdeführer typische Symptome einer kardiologisch
begründeten Leistungsminderung im Alltag in einer gezielten Befragung verneint habe
und weil der Beschwerdeführer angegeben habe, dass er jeden Morgen vier bis fünf
Kilometer in zügigem Gehtempo zurücklege, wofür er jeweils nur gut 40 Minuten
benötige. Zusammenfassend steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer auch aus
internistischer und aus kardiologischer Sicht (abgesehen von den jeweils nur wenige
Wochen dauernden Erholungsphasen nach den Herzinfarkten und den
Herzoperationen) uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen ist. Entgegen der Ansicht des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers besteht auch kein Grund, den Beweiswert
des psychiatrischen Teilgutachtens der Neurologie Toggenburg AG anzuzweifeln. Der
psychiatrische Sachverständige hat die relevanten Vorakten eingehend gewürdigt. Er
hat den Beschwerdeführer ausführlich befragt und er hat den objektiven klinischen
Befund umfassend erhoben. Entscheidend ist, dass sich der objektive klinische Befund
weitestgehend unauffällig dargestellt hat. Der Sachverständige hat nur wenige
Symptome einer depressiven Störung und keine Symptome einer anderweitigen
relevanten psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung erheben können. Diese
Ergebnisse haben sich mit den auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers
beruhenden Resultaten der „Mini ICF“-Befragung und des MADRS-Tests gedeckt. Der
psychiatrische Sachverständige hat überzeugend dargelegt, dass sich die vielfältigen
Probleme des Beschwerdeführers nicht auf eine psychische Erkrankung, sondern zu
einem wesentlichen Teil auf belastende psychosoziale Umstände zurückführen liessen.
Der behandelnde Psychiater C._ hat demgegenüber nicht zwischen den subjektiven
Klagen und den objektiven klinischen Befunden oder zwischen allfälligen
Krankheitssymptomen und psychosozialen Belastungsfaktoren unterschieden. Er hat
diese vermengt und daraus eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgeleitet, die
versicherungsmedizinisch nicht nachvollziehbar ist. Anders als der psychiatrische
Sachverständige der Neurologie Toggenburg AG hat er sich offenbar auch nie mit der
Frage nach einer allfälligen Aggravation oder nach allfälligen Inkonsistenzen
auseinandergesetzt. Nachdem der psychiatrische Sachverständige aufgezeigt hatte,
dass der Beschwerdeführer die verordneten Psychopharmaka offensichtlich nicht
eingenommen hatte (oder dass die Wirkstoffe zumindest nicht in der erforderlichen
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3.
Dosis ins Blut übergegangen waren), hat der behandelnde Psychiater C._ nicht etwa
begonnen, die psychopharmakologische Therapie serumspiegelgesteuert zu
optimieren, wie es der psychiatrische Sachverständige empfohlen hatte, sondern er hat
im entsprechenden Hinweis des Sachverständigen einen ungerechtfertigten Vorwurf
erblickt. Seine Ausführungen lassen insgesamt die erforderliche Objektivität und
Sachlichkeit vermissen. Sie verstärken den bereits aufgrund des therapeutischen
Behandlungsauftrages bestehenden objektiven Anschein einer Befangenheit. Der RAD-
Arzt Dr. E._ hat mit einer eingehenden und überzeugenden Begründung aufgezeigt,
dass die Stellungnahme des behandelnden Psychiaters C._ aus fachärztlicher Sicht
nicht geeignet gewesen ist, Zweifel an der Zuverlässigkeit des psychiatrischen
Teilgutachtens der Neurologie Toggenburg AG zu wecken. Folglich steht gestützt auf
jenes Teilgutachten mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht im hier
massgebenden Zeitraum nie längerdauernd in einem relevanten Ausmass
arbeitsunfähig gewesen ist. Zusammenfassend ist also für leidensadaptierte Tätigkeiten
für den ganzen Zeitraum nach der Anmeldung zum Leistungsbezug im Februar 2016
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit (mit wenigen, kurzen Unterbrüchen)
auszugehen.
Da dem Beschwerdeführer leidensadaptierte Hilfsarbeiten aus medizinischer Sicht
zugemutet werden können und da kein statistischer Nachweis dafür existiert, dass
körperlich eher leichte Hilfsarbeiten generell schlechter als körperlich schwerere
Hilfsarbeiten entschädigt würden, entspricht der Ausgangswert des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne
und damit dem Valideneinkommen. Der Betrag kann bei der Berechnung des
Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen. Der Invaliditätsgrad kann also
anhand eines sogenannten Prozentvergleichs berechnet werden, das heisst er
entspricht dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen allfälligen Abzug vom Lohn
wegen betriebswirtschaftlich-ökonomischer Nachteile auf dem massgebenden
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt (sog. Tabellenlohnabzug). Bei einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit würde sogar unter Berücksichtigung des hier
offensichtlich nicht gerechtfertigten Maximalabzuges von 25 Prozent kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent resultieren, weshalb
sich die angefochtene Verfügung respektive die Abweisung des Rentenbegehrens als
rechtmässig erweist.
2.4.
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Die Beschwerde ist abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung ist er aber von der Pflicht zur Bezahlung der
Gerichtskosten befreit. Da ihm auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt
worden ist, hat der Staat seinem Rechtsvertreter eine Entschädigung auszurichten, die
80 Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG).
Der erforderliche Vertretungsaufwand ist hier mit Blick auf vergleichbare Rentenfälle als
durchschnittlich zu qualifizieren. Die vom Rechtsvertreter eingereichte Honorarnote
weist einen Aufwand aus, der einem Vertretungsaufwand in einem durchschnittlich
aufwendigen IV-Rentenfall entspricht, weshalb darauf abzustellen ist. Das Honorar
beläuft sich auf 2’934.50 Franken; unter Berücksichtigung der Kürzung um 20 Prozent
ergibt sich ein Betrag von 2’347.60 Franken. Die Barauslagen von 117.40 Franken sind
nicht zu kürzen. Auf einen Teil des Honorars (542.50 Franken × 80% = 434 Franken) ist
der alte Mehrwertsteuersatz von acht Prozent anzuwenden, was einen
Mehrwertsteuerbetrag von 34.70 Franken ergibt; für den anderen Teil des Honorars
(2’392 Franken × 80% = 1’913.60 Franken) ist der aktuelle Mehrwertsteuersatz von 7,7
Prozent massgebend, was einen Mehrwertsteuerbetrag von 147.35 Franken ergibt. Da
der Betrag für die Barauslagen pauschal auf vier Prozent vom Honorar festgesetzt
worden ist, ist die darauf entfallende Mehrwertsteuer mit derselben Aufteilung zu
ermitteln: Sie beläuft sich auf 542.50 Franken × 4% × 8% + 2’392 Franken × 4% ×
7,7% = 1.75 + 7.35 = 9.10 Franken. Der gesamte Mehrwertsteuerbetrag ist folglich auf
191.15 Franken zu beziffern. Die Entschädigung für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung beträgt damit insgesamt 2’656.15 Franken. Der vom
Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von 300 Franken ist diesbezüglich
irrelevant, weil dieser für den Interventionsaufwand im Vorbescheidsverfahren bezahlt
worden ist. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird der
Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können
(Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).