Decision ID: b546352f-bf0d-4566-8195-d4c369d31095
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 17. März 2021 (DG210004)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 5. Januar 2021 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. D1/21).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 46 S. 41 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des Verbrechens im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d in Verbindung mit Art. 19
Abs. 2 lit. a des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG),
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG in
Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG,
− des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG in Verbindung
mit Art. 10 Abs. 2 SVG sowie
− der mehrfachen Übertretung im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 des Betäubungsmittel-
gesetzes (BetmG).
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 16 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 41 Tage durch Unter-
suchungshaft erstanden sind, sowie einer Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festge-
setzt.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB für die Dauer von
5 Jahren aus dem Gebiet der Schweiz verwiesen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 14. Oktober 2020 beschlag-
nahmte Barschaft in der Höhe von Fr. 200.– wird definitiv eingezogen und verfällt dem
Staat.
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7. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 14. Oktober 2020 beschlag-
nahmte und bei der Stadtpolizei Zürich lagernde Mobiltelefon der Marke Samsung (Asser-
vat-Nr. A014'183'927) wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf
erstes Verlangen herausgegeben und andernfalls nach Ablauf einer Frist von 30 Tagen der
Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
8. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 14. Oktober 2020
beschlagnahmten und bei der Stadtpolizei Zürich unter der BM Lager-Nr. S01726-2020
lagernden Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien werden eingezogen und der
Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen:
− Kartonschachtel mit 26.8 Gramm Kokain brutto (Asservat-Nr. A014'183'949),
− Feinwaage (Asservat-Nr. A014'183'950).
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 20. November 2020 be-
schlagnahmten und beim Grenzwachkorps, Regionalkommando Basel, lagernden
10 Gramm Kokain (Dossier 2, Ereignis-Nr. R20200528-44989-21781) werden eingezogen
und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlas-
sen.
10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 20. November 2020 be-
schlagnahmten und beim Polizeikommando Aargau lagernden 2.1 Gramm Kokain (Dossi-
er 4, Rapport Nr. AG-00275199) werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen.
11. Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer K200911-085 / 78684103
lagernden DNA-Spuren bzw. Spurenträger werden der Lagerbehörde nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen.
12. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'900.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 990.00 Auslagen D1 (Gutachten FOR)
Fr. 700.00 Auslagen D1 (3 Berichte FOR)
Fr. 996.00 Auslagen D4 (Spital Leuggern und Kantonsspital Aarau)
Fr. 68.50 Auslagen D4 (Regionalpolizei Zurzibiet)
Fr. 1'300.00 Auslagen D4 (Lagerkosten Fahrzeug)
Fr. 15'901.15 amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und Mwst)
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
14. (Mitteilungen.)
15. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 70 S. 2)
1. Die Ziff. 5 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich vom
17. März 2021 sei aufzuheben.
2. Auf die Ausfällung einer Landesverweisung sei in Anwendung von Art. 66a
Abs. 2 StGB zu verzichten.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 52; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren
Am 11. September 2020 konnte der Beschuldigte A._ von Betäubungsmittel-
fahndern der Stadtpolizei Zürich an der B._-str. ... in Zürich beim Verkauf
von Kokain an eine Konsumentin beobachtet werden. Der Beschuldigte wurde in
der Folge angehalten und verhaftet. Bei der anschliessenden Durchsuchung sei-
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nes Personenwagens wurde weiteres Kokain sichergestellt (Urk. D1/1). Der Be-
schuldigte wurde in Untersuchungshaft versetzt (Urk. D1/9/5), aus welcher er am
22. Oktober 2020 wieder entlassen wurde (Urk. D1/9/9). Nach Übernahme dreier
gegen den Beschuldigten bei der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach hängiger
Dossiers betreffend Fahren in fahrunfähigem Zustand etc. (vgl. Urk. D1/13 sowie
Urk. D2-4), wovon zwei zur Einstellung gelangten (Urk. D1/22 und Urk. D1/23),
schloss die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten
schliesslich mit Anklage vom 5. Januar 2021 an das Bezirksgericht Zürich (nach-
folgend: Vorinstanz) ab (Urk. D1/21). Die Vorinstanz führte am 17. März 2021 die
Hauptverhandlung durch und fällte gleichentags das eingangs wiedergegebene
Urteil, welches den Parteien mündlich sowie schriftlich im Dispositiv eröffnet wur-
de (vgl. Prot. I S. 7 ff. und S. 14; Urk. 38).
2. Berufungsverfahren
2.1. Am 25. März 2021 (Datum des Poststempels) meldete der Beschuldigte
fristgerecht Berufung gegen das Urteil der Vorinstanz an (Urk. 42). Nach Zustel-
lung des begründeten Urteils (Urk. 43 = Urk. 46) am 17. Mai 2021 reichte der Be-
schuldigte dem Obergericht am 7. Juni 2021 innert Frist die Berufungserklärung
ein, wobei er seine Berufung auf die ausgesprochene Landesverweisung be-
schränkte (Urk. 45/2; Urk. 48).
2.2. Mit Präsidialverfügung vom 8. Juni 2021 wurde der Staatsanwaltschaft in
Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO sowie Art. 401 StPO Frist angesetzt,
um Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu
beantragen. Zugleich wurde den Parteien Frist angesetzt, um zur Durchführung
eines schriftlichen Berufungsverfahrens Stellung zu nehmen (Urk. 50). Die
Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 21. Juni 2021 auf Anschlussberu-
fung, beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und erklärte, nicht
gegen die Durchführung eines schriftlichen Verfahrens zu opponieren (Urk. 52).
Der Beschuldigte beantragte mit Eingabe vom 30. Juni 2021 demgegenüber ex-
plizit die Durchführung einer mündlichen Berufungsverhandlung (Urk. 53). Am 7.
Juli 2021 wurden die Parteien daher zur heutigen Berufungsverhandlung vorgela-
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den, wobei der Staatsanwaltschaft das Erscheinen freigestellt worden ist (Urk.
55).
2.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung sind der Beschuldigte in Begleitung
seiner amtlichen Verteidigerin erschienen. Es wurden weder Vorfragen aufgewor-
fen noch Beweisanträge gestellt (Prot. II S. 5 f.). Das Verfahren ist spruchreif.
II. Prozessuales
1. Umfang der Berufung und Herausgabe der Beschlagnahmungen
1.1. Die Berufungserklärung des Beschuldigten richtet sich, wie bereits erwähnt,
einzig gegen die seitens der Vorinstanz angeordnete Landesverweisung (Disposi-
tiv-Ziff. 5). Nicht angefochten und somit in Rechtskraft erwachsen sind die Dispo-
sitiv-Ziffern 1-4 und 6-13, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (Urk. 48;
Urk. 70; Prot. II S. 5). Nachdem der Beschuldigte als einzige Partei Berufung
führt, steht die Überprüfung des angefochtenen Urteils unter dem Vorbehalt des
Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO).
1.2. Die Staatsanwaltschaft ersuchte entgegen dem Wortlaut der (in Rechtskraft
erwachsenen) vorinstanzlichen Dispositiv-Ziff. 8, die aufgeführten Gegenstände
und Betäubungsmittel seien nicht zu vernichten, sondern als Beweismittel in einer
Strafuntersuchung gegen eine Drittperson erneut der Staatsanwaltschaft zuzu-
führen (Urk. 59). Da keine der Parteien Einwände gegen die Herausgabe an die
Untersuchungsbehörden erhob (Urk. 64 f.), ist dies entsprechend anzuordnen.
2. Formelles
2.1. Soweit nachfolgend auf Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid verwiesen wird, erfolgt dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO
(vgl. dazu Urteil 6B_570/2019 vom 23. September 2019 E. 4.2 m.w.H.), auch oh-
ne dass dies jeweils explizit Erwähnung findet.
2.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen respek-
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tive jedes einzelne Vorbringen widerlegen muss. Die Berufungsinstanz kann sich
auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGE 141
IV 249 E. 1.3.1 S. 253; Urteil 1B_242/2020 vom 2. September 2020 E. 2.2.).
III. Landesverweisung
1. Ausgangslage und rechtliche Grundlagen
1.1. Die Vorinstanz verwies den Beschuldigten in Anwendung von Art. 66a
Abs. 1 lit. o StGB für fünf Jahre des Landes. Sie erwog diesbezüglich zusammen-
gefasst, dass eine Katalogtat, jedoch kein schwerer persönlicher Härtefall beim
Beschuldigten vorliege. Weder die Anwesenheitsdauer noch die familiären Ver-
hältnisse oder die wirtschaftliche Integration des Beschuldigten würden einen sol-
chen begründen. Zudem habe der Beschuldigte die Schweizer Rechtsordnung
nicht respektiert und eine Rückkehr in sein Heimatland Deutschland sei ihm ohne
Weiteres zumutbar. Angesichts des von ihm betriebenen qualifizierten Kokain-
handels biete auch das Freizügigkeitsabkommen keinen Schutz vor der Auswei-
sung (Urk. 46 S. 30 ff.).
1.2. Die Verteidigung stellt das Vorliegen einer Katalogtat gemäss Art. 66a
Abs. 1 StGB grundsätzlich nicht in Abrede, hält aber zusammengefasst und im
Wesentlichen dafür, es liege ein Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vor.
Der Beschuldigte sei beruflich und sozial in der Schweiz integriert. Insbesondere
lebe seine in der Schweiz geborene sechsjährige Tochter hier bei der Kindsmut-
ter. Bis im November 2019 hätten regelmässige Besuche stattgefunden und das
Verhältnis des Beschuldigten zu seiner Tochter sei gut gewesen. Auch nach sei-
nem Absturz in den Drogenkonsum aufgrund der Scheidung seien bis im Juni
2020 – wenn auch unregelmässig – weiterhin Kontakte mit der Tochter erfolgt.
Nun habe jedoch die KESB während des Strafverfahrens die Besuchsregelung
aufgehoben. Zudem verweigere die Kindsmutter den Kontakt des Beschuldigten
zu seiner Tochter sowie die Bekanntgabe der aktuellen Adresse nach erfolgtem
Umzug. Unter diesen Umständen könne dem Beschuldigten nicht vorgeworfen
werden, keine echte gelebte Beziehung zur Tochter zu haben. Eine mit dieser
Begründung ausgesprochene Landesverweisung würde das geschützte Recht auf
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Familienleben untergraben und wäre in sich widersprüchlich sowie rechtsmiss-
bräuchlich (Urk. 38 S. 8 ff.; Urk. 70 S. 2 ff.).
Auch das Kindswohl gebiete gemäss Vorbringen der Verteidigung eine Anwen-
dung der Härtefallklausel. Mögliche Kontakte über elektronische Medien würden
den persönlichen Kontakt in keiner Weise ersetzen und schon gar nicht die Not-
wendigkeit, den eigenen Vater im Leben zu haben. So sei auch der Beistand der
Tochter der fachlichen Ansicht, dass dieser in der späteren Entwicklung Nachteile
entstehen könnten, wenn der Kontakt zum Kindsvater nachhaltig ausbleibe.
Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass nach wie vor die gemeinsame elterliche
Sorge bestehe und eine Landesverweisung die Beziehung zur Tochter verunmög-
lichen würde, da diese nicht andernorts gepflegt werden könne (Urk. 38 S. 8 ff.;
Urk. 70 S. 4).
2. Katalogtat und rechtliche Grundlagen
2.1. Der Beschuldigte ist deutscher Staatsangehöriger und hat sich unter ande-
rem des Verbrechens im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig gemacht,
womit er gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB grundsätzlich unabhängig von der
Höhe der Strafe bzw. der konkreten Tatschwere für mindestens fünf Jahre des
Landes zu verweisen ist (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1). Die obligatorische Landes-
verweisung muss zudem unabhängig davon angeordnet werden, ob die Strafe
bedingt oder unbedingt ausgesprochen wird (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; Urteil
6B_560/2020 vom 17. August 2020 E. 1.1.1).
2.2. Gemäss Art. 66a Abs. 2 Satz 1 StGB kann von einer Landesverweisung
"ausnahmsweise" abgesehen werden, wenn sie kumulativ (1) einen schweren
persönlichen Härtefall bewirken würde und (2) die öffentlichen Interessen an der
Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Ver-
bleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von
Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen
sind (sog. Härtefallklausel). Die Härtefallklausel ist restriktiv anzuwenden. Sie
dient der Umsetzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV;
BGE 146 IV 105, E. 3.4.2; 144 IV 332, E. 3.1.2 und E. 3.3.1). Nach der bundesge-
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richtlichen Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des Härte-
falls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung über
den "schwerwiegenden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung
vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE;
SR 142.201) heranziehen. Da die Landesverweisung strafrechtlicher Natur ist,
sind auch strafrechtliche Elemente wie die Aussichten auf soziale Wiedereinglie-
derung des Täters in die Interessenabwägung miteinzubeziehen (BGE 144 IV 332
E. 3.3.2 mit Hinweisen). Zu berücksichtigen sind namentlich der Grad der (per-
sönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre Bindungen
des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat, Aufenthaltsdauer und Resozi-
alisierungschancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholten Delinquenz
Rechnung zu tragen, wobei auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB began-
gene Straftaten bzw. bereits gelöschte Vorstrafen zu berücksichtigen sind (Urteil
6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.2.2 mit Hinweisen; Urteil 6B_1044/2019
vom 17. Februar 2020 E. 2.6).
2.3. Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2
StGB ist bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des
Ausländers auf das in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung
des Privat- und Familienlebens auszugehen (Urteile 6B_1440/2019 vom 25. Feb-
ruar 2020 E. 5.3; 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.4.3; 6B_1299/2019
vom 28. Januar 2020 E. 3.3; je mit Hinweisen). Das durch Art. 13 BV bzw. Art. 8
EMRK geschützte Recht auf Achtung des Familienlebens ist berührt, wenn eine
staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsäch-
lich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsbe-
rechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres möglich
bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen. Zu diesem ge-
schützten Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, mithin die Gemein-
schaft der Ehegatten mit den minderjährigen Kindern (BGE 144 I 266 E. 3.3, E.
4.2 und E. 5.1; Urteil 6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.3.2). Ansonsten
kann der Schutzbereich von Art. 8 EMRK nur unter besonderen Umständen tan-
giert sein. Eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale Integration
genügen hierzu nicht; erforderlich sind besonders intensive, über eine normale In-
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tegration hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher
Natur (Urteile 6B_1314/2019 vom 9. März 2020 E. 2.3.6; Urteil 6B_1044/2019
vom 17. Februar 2020 E. 2.5.2).
Der Anspruch auf Achtung des Familienlebens gilt nicht absolut. Die Staaten sind
auch nach dieser Rechtsprechung berechtigt, Delinquenten auszuweisen; berührt
die Ausweisung indes Gewährleistungen von Art. 8 Ziff. 1 EMRK, ist der Eingriff
nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu rechtfertigen. Auch hier ist eine Würdigung der ge-
samten Umstände im Einzelfall erforderlich (zum Ganzen: Urteile 6B_396/2020
vom 11. August 2020 E. 2.4.2. ff. und 6B_1070/2018 vom 14. August 2019
E. 6.3.3 und 6.3.4, je mit Hinweisen; BGE 145 IV 161 E. 3.4). Insbesondere bei
Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz zeigte sich das Bundesgericht hin-
sichtlich der Ausweisung zwecks Verhinderung neuer Straftaten zur Gewährleis-
tung der öffentlichen Sicherheit stets besonders streng. Diese Strenge bekräftigt
der Gesetzgeber nunmehr mit Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB, wonach Drogenhandel
von Verfassungs wegen in der Regel zur Landesverweisung führt (Art. 121 Abs. 3
lit. a BV). Auch gemäss der Praxis des EGMR, in welcher der Drogenhandel als
Ausbreitung "dieser Geissel der Menschheit" bezeichnet wird, überwiegt bei Be-
täubungsmitteldelikten regelmässig das öffentliche Interesse an der Beendigung
des Aufenthalts, wenn keine besonderen persönlichen oder familiären Bindungen
im Aufenthaltsstaat bestehen. Weder eine lange Aufenthaltsdauer und die damit
verbundene normale Integration noch eine normale familiäre und emotionale Bin-
dung reichen deshalb in der Regel aus, um eine besondere Härte und damit einen
Aufenthaltsanspruch zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 6B_34/2019 vom
5. September 2019 E. 2.4.3. f. m.w.H.; Urteil 6B_994/2020 vom 11. Januar 2021
E. 2.1.1).
3. Härtefallprüfung
3.1. Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann vorab auf deren
ausführliche Darstellung im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 46
S. 21 f.). Kurz zusammengefasst wuchs der heute 33-jährige Beschuldigte in bzw.
bei C._ in Deutschland auf, lebt seit rund 7 Jahren (ab 2014) in der Schweiz
und verfügt hier über eine Niederlassungsbewilligung C. Damit ist er weder hier-
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zulande geboren noch aufgewachsen, weshalb keine Umstände vorliegen, die
gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB besonders ins Gewicht fallen würden. Daran ver-
mag weder der Aufenthaltsstatus noch die konkrete Aufenthaltsdauer von 7 Jah-
ren etwas zu ändern. Wie das Bundesgericht bereits mehrfach festgehalten hat,
kann bei einer strafrechtlichen Härtefallprüfung nicht schematisch ab einer gewis-
sen Aufenthaltsdauer eine Verwurzelung in der Schweiz angenommen werden.
Solches findet keine Stütze im Gesetz. Die Härtefallprüfung ist vielmehr in jedem
Fall und unabhängig der Verweildauer anhand der gängigen Integrationskriterien
vorzunehmen (BGE 146 IV 105).
3.2. Der Beschuldigte ist seit September 2017 von D._ geschieden und hat
zusammen mit seiner Ex-Freundin E._ eine heute 6-jährige Tochter, F._,
welche in der Schweiz geboren ist und bei der Kindsmutter lebt. Sowohl F._
als auch die Kindsmutter sind deutsche Staatsangehörige (Urk. D1/19/10/2;
Urk. 35 S. 3 ff.). Abgesehen von einer Schwester, welche in Zürich wohnt, leben
sämtliche Familienangehörigen des Beschuldigten in Deutschland. Soweit die
Verteidigung geltend macht, der Beschuldigte sei in der Schweiz sozial integriert
(Urk. 70 S. 5), ist festzuhalten, dass diese Integrationsleistung vornehmlich aus
dem – zur Zeit nicht bestehenden – Verhältnis zu seiner Tochter abgeleitet wird.
Darauf ist nachfolgend noch genauer einzugehen (vgl. E. III.3.4. f.). Darüber hin-
aus vermag die Verteidigung jedoch keine Anhaltspunkte darzulegen, welche auf
besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Bezie-
hungen gesellschaftlicher Natur hindeuten würden, wie dies als härtefallbegrün-
dende Tatsachen erforderlich wäre (BGE 144 II 1 E. 6.1 S. 13; s.a. Urteil
6B_598/2019 vom 5. Juli 2019, Erw. 4.3.2.: "[...] l'étranger doit établir l'existence
de liens sociaux et professionnels spécialement intenses avec la Suisse [...]"). Im
Gegenteil: Von einem nachhaltigen ausserfamiliären Beziehungsnetz kann vor-
liegend nicht gesprochen werden.
3.3. Beruflich war der Beschuldigte in der Schweiz einige Jahre im Bereich
G._ tätig. Nach seiner Entlassung aus der Haft konnte er zwar temporäre Ar-
beitseinsätze leisten, war jedoch mehrere Monate arbeitslos und auf Unter-
stützung durch das Sozialamt angewiesen. Seit dem 25. Mai 2021 sei er temporär
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auf Stundenbasis in H._ als G'._ angestellt und verdiene dabei rund
Fr. 4'500.– monatlich (Urk. 35 S. 7 ff.; Urk. 69 S. 3; Urk. 70 S. 5). Es ist dem Be-
schuldigten fraglos zugute zu halten, dass er begonnen hat, beruflich wieder Fuss
zu fassen. Aufgrund der Arbeitslosigkeit, der lediglich temporären Arbeitstätigkeit
sowie unter Berücksichtigung der angehäuften (Alimenten-) und weiteren Schul-
den von insgesamt ca. Fr. 42'000.– kann jedoch nicht von einer besonderen be-
ruflichen und wirtschaftlichen Integration ausgegangen werden (vgl. zu den
Schulden: Urk. 35 S. 2 ff.; Urk. D1/19/7; Urk. D1/19/10/2 und Urk. D1/19/11/3).
Kommt hinzu, dass der Beschuldigte im heutigen Zeitpunkt über keine gefestigte
Wohnmöglichkeit verfügt. So gab er selber an, für ein paar Tage bei einer Kollegin
untergekommen zu sein, sich aber so schnell wie möglich eine Pension bzw. eine
Wohnung in der Nähe seines jetzigen Arbeitsortes suchen zu wollen (Urk. 69 S. 2;
Prot. II S. 5). Die Adresse der Kollegin gebe er nicht bekannt, da er diese nicht in
die vorliegende Angelegenheit involvieren wolle (Urk. 70 S. 5).
3.4. Der Beschuldigte ist geschieden und lebt allein. Als einziges gewichtiges
Argument für die Annahme eines Härtefalls verbleibt somit die Erschwerung des
direkten persönlichen Umgangs mit seiner Tochter, was auch das Kindswohl
zweifelsohne tangiert (s.a. Urteil 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.5.3. f.
m.H.). Der Beschuldigte hat seit seiner Inhaftierung, mithin seit rund einem Jahr,
keinerlei Kontakt mehr zu seiner Tochter (Urk. D1/19/11/3; Urk. 69 S. 2). Entge-
gen dem Vorbringen der Verteidigung geht es hierbei nicht darum, diesen Um-
stand im Sinne einer Verschuldensfrage dem Beschuldigten anzulasten respekti-
ve ihm dies "vorzuwerfen" (Urk. 70 S. 4 und S. 8), sondern dies ist im Rahmen
der Härtefallprüfung schlicht als Faktum zu berücksichtigen. Im Übrigen räumte
der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung selber ein, in der Vergan-
genheit sei es zunächst an ihm gelegen, dass es gar keinen Kontakt mehr zur
Tochter gegeben habe, da er genug Probleme gehabt habe und mit sich selber
nicht klargekommen sei (Urk. 69 S. 2). Wenn die KESB während des Strafverfah-
rens die geltende Besuchsregelung nunmehr aufhob und die Kindsmutter vor dem
geschilderten Hintergrund eine amtliche Regelung der Kontakte anzustreben
scheint, ist dies grundsätzlich nicht zu beanstanden. Jedenfalls ist nicht ersicht-
lich, inwiefern der Umstand der fehlenden tatsächlichen Beziehung zur eigenen
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Tochter im Zuge der Härtefallprüfung unberücksichtigt bleiben oder gar rechts-
missbräuchlich sein sollte (so die Verteidigung: Urk. 70 S. 8). Darüber ist darauf
hinzuweisen, dass der Beschuldigte seinen Alimentenverpflichtungen nur unzu-
reichend nachkommt. Er bezahlt zur Zeit keine Unterhaltsbeiträge an seine Toch-
ter und hat diesbezügliche Schulden über Fr. 12'000.– (Urk. 35 S. 7; Urk. 69 S. 3).
Konkrete Schritte oder Interventionen bei zuständigen Behörden zwecks Wieder-
herstellung des Kontakts sind nicht aktenkundig. Eine tatsächlich gelebte und ge-
pflegte innerfamiliäre Beziehung sieht – mit der Vorinstanz (Urk. 46 S. 32) – an-
ders aus. Es ist an dieser Stelle zu wiederholen, dass ein Eingriff in das Familien-
leben nur vorliegt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme
eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz
gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser
ohne Weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu
pflegen. Dies ist hier nicht der Fall.
3.5. Sofern in naher Zukunft ein Kontaktaufbau zwischen dem Beschuldigten und
seiner Tochter erfolgt, hätte eine Ausweisung aus der Schweiz zweifellos Aus-
wirkungen auf die unmittelbare Wahrnehmung eines allfälligen Besuchsrechts.
Allerdings ist zu relativieren, dass es unter dem Gesichtswinkel des Schutzes des
Anspruches auf Familienleben nach den Umständen genügt, den Kontakt im
Rahmen von Kurzaufenthalten, Ferienbesuchen oder über moderne Kommunika-
tionsmittel wahrzunehmen (Urteil 6B_300/2020 vom 21. August 2020 E. 3.4.5.
m.H.). Über die klassischen und neuen Kommunikationsmittel sind vorliegend
tägliche Kontakte möglich und entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht le-
bensfremd (Urk. 70 S. 4). Ebenfalls erscheinen Besuche nicht als ausgeschlos-
sen. Eine Fortsetzung des Familienlebens (soweit vorhanden) bzw. regelmässige
Kontakte zur Tochter in Deutschland (zum Beispiel unter Vermittlung der in der
Schweiz lebenden Schwester des Beschuldigten) erscheinen vorliegendenfalls
vielmehr ohne Weiteres als zumutbar, zumal neben dem Beschuldigten auch die
Kindsmutter und die Tochter im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit sind.
3.6. Ferner gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte in Deutschland
mehrere Einträge im Strafregister aufweist (Urk. D1/19/4). In der Schweiz ist er
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wegen eines SVG-Deliktes (einschlägig) vorbestraft. Dieser wiederholten Miss-
achtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung muss entsprechend Rechnung
getragen werden. Wie bereits dargelegt, bestehen sodann bei der heute zu beur-
teilenden Anlasstat, einer qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz, regelmässig erhebliche öffentliche Interessen an einer Wegweisung.
Das Bundesgericht zeigt sich besonders streng, wenn in diesem Zusammenhang
neue Straftaten verhindert werden sollen (vgl. Urteil 6B_1424/2019 vom
15. September 2020 E. 3.4.10). Aufgrund der unterschiedlichen Zielsetzungen
von Straf- und Ausländerrecht ergibt sich hinsichtlich der Legalprognose im aus-
länderrechtlichen Bereich ein strengerer Beurteilungsmassstab (BGE 145 IV 364
E. 4.4; BGE 137 II 233 E. 5.2.2). Auch im vorliegenden Fall soll mit der Landes-
verweisung die Gefahr weiterer Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz ge-
bannt werden. Vor Vorinstanz führte der Beschuldigte unter anderem aus, er habe
mit dem Betäubungsmittelhandel seinen Konsum finanzieren wollen (Urk. 35
S. 14). Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte er, vor ca. 12 Jahren mit
dem Konsum von Drogen angefangen zu haben. Zunächst habe er Amphetamin
konsumiert, erst als Partydroge und danach häufiger. Er gab an, drei bzw. vier
Wochen vor der Verhandlung Drogen konsumiert zu haben (Urk. 69 S. 5 ff.). Man
habe ihm geraten, eine Therapie zu machen, er habe bis jetzt aber noch nicht
darüber nachgedacht (Urk. 69 S. 6 ff.). Der Beschuldigte zeigt daher wenig Be-
mühungen, sich der bereits längerdauernden Drogenproblematik zu stellen. Ins-
gesamt liegt daher eine wenig günstige Legalprognose vor.
3.7. Dass dem Beschuldigten eine Ausreise respektive ein Aufenthalt im grenz-
nahen Ausland, insbesondere in seinem Heimatland, unmöglich sein sollte ist
nicht ansatzweise erkennbar. Mit der Vorinstanz erscheint die Rückkehr des Be-
schuldigten nach Deutschland ohne Weiteres als zumutbar (vgl. Urk. 46 S. 34),
zumal neben dem Beschuldigten auch die Kindsmutter und die Tochter im Besitz
der deutschen Staatsangehörigkeit sind.
3.8. Zusammenfassend liegt beim Beschuldigten offensichtlich kein schwerer
persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vor, welcher der Anord-
nung einer obligatorischen Landesverweisung entgegenstehen könnte, womit an
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dieser Stelle auch eine weitergehende Abwägung zwischen öffentlichen und pri-
vaten Interessen entfällt.
4. Vereinbarkeit mit dem FZA
4.1. Zum Einfluss des Freizügigkeitsabkommens der Schweiz mit der Europäi-
schen Union (FZA) auf die Härtefallprüfung bei Angehörigen eines EU-Staates hat
das Bundesgericht festgehalten, dass bei der Anwendung von Art. 5 Abs. 1 An-
hang I FZA eine "spezifische Prüfung" unter dem Blickwinkel der dem Schutz der
öffentlichen Ordnung innewohnenden Interessen verlangt wird (BGE 130 II 176,
E. 3.4.1). Das Bundesgericht verfolgt eine ausserordentlich restriktive Interpretati-
on beim Aufenthaltsrecht bzw. der Ausnahmeklausel nach Art. 5 Abs. 1 Anhang I
FZA. Wesentliches Kriterium für einen Verzicht auf eine Landesverweisung nach
FZA ist die Intensität der Gefährdung der öffentlichen Ordnung. Qualifizierter Be-
täubungsmittelhandel stellt – wie zuvor dargelegt – eine schwere Gefährdung der
öffentlichen Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 des Anhang I des FZA dar. Eine
solche schwere Gefährdung der öffentlichen Ordnung kann auch gegeben sein,
wenn der beschuldigten Person der bedingte Strafvollzug mangels Vorliegen ei-
ner ungünstigen Prognose gewährt wird. Mit dem Erfordernis der gegenwärtigen
Gefährdung ist gerade nicht gemeint, dass weitere Straftaten mit Gewissheit zu
erwarten wären oder umgekehrt solche mit Sicherheit auszuschliessen sein
müssten (vgl. BGE 145 IV 364 E. 3.5.2 ff. und E. 4.4).
4.2. Hinsichtlich der Vereinbarkeit der Landesverweisung mit dem Freizügig-
keitsabkommen (FZA) zwischen der Schweiz und der Europäischen Union, zu
welcher auch Deutschland gehört, ist auszuführen, dass sich der Beschuldigte ei-
nes qualifizierten Betäubungsmitteldelikts (Kokainhandel) schuldig gemacht hat,
was praxisgemäss bereits für sich alleine eine schwere Gefährdung der öffentli-
chen Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA darstellt und die Schweiz
zur Anordnung von Entfernungsmassnahmen berechtigt. Warum dies im vorlie-
genden Fall anders sein sollte, ist nicht ersichtlich. Im Gegenteil kommt beim Be-
schuldigten hinzu, dass er – neben diesem gravierenden Anlassdelikt – in
Deutschland wie auch in der Schweiz Vorstrafen aufweist, welche zumindest teil-
weise im Zusammenhang mit seinem Drogenkonsum stehen (vgl. Urk. 69 S. 6 f.).
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Darauf und auf die damit zusammenhängende Legalprognose wurde bereits ein-
gegangen (vgl. vorstehend E. III.3.6.). Weitere, auch erhebliche Straftaten des
Beschuldigten können damit nicht ausgeschlossen werden. Anders als bei der
Prüfung des bedingten Strafvollzugs im Sinne von Art. 42 StGB besteht in diesem
Zusammenhang keine Vermutung einer günstigen Prognose, welche dem Be-
schuldigten zu widerlegen wäre. Es gibt mithin keine Argumente, welche vorlie-
gend einen anderen Entscheid rechtfertigen würden.
5. Fazit
Die von der Vorinstanz angeordnete obligatorische Landesverweisung im Sinne
von Art. 66a StGB ist zu bestätigen. Es bleibt hierfür aufgrund des Verschlechte-
rungsverbots bei der Mindestdauer gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB von fünf Jahren
(Art. 391 Abs. 2 StPO).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
mit seiner Berufung vollständig. Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens
sind ihm deshalb vollumfänglich aufzuerlegen, mit Ausnahme der Kosten der amt-
lichen Verteidigung, welche einstweilen und unter Vorbehalt der Rückforderung
beim Beschuldigten im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse zu
nehmen sind. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 2'000.–
festzusetzen.
2. Entschädigung amtliche Verteidigung
Die seitens der amtlichen Verteidigung geltend gemachten Aufwendungen von
gesamthaft Fr. 4'597.15 (inkl. MwSt.) für das zweitinstanzliche Verfahren erschei-
nen insgesamt als überhöht (Urk. 68). Zunächst wurden die Aufwendungen im
Zusammenhang mit der heutigen Berufungsverhandlung zu hoch veranschlagt,
weshalb das Honorar bereits aufgrund der konkreten Dauer der Verhandlung um
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2 Stunden zu kürzen wäre (Urk. 68 S. 2). Insbesondere ist aber zu berücksichti-
gen, dass die Angemessenheitsprüfung im gerichtlichen Verfahren grundsätzlich
mittels Pauschalen erfolgen kann und das Honorar nach der Bedeutung sowie der
Schwierigkeit des Falls und dem notwendigen Zeitaufwand zu bemessen ist (vgl.
§ 17 Abs. 1 lit. a i.V.m. § 18 Abs. 1 AnwGebV). Diesbezüglich fällt ins Gewicht,
dass der Verteidigung der gesamte Prozessstoff bereits bekannt war und im Beru-
fungsverfahren noch einzig über den Teilaspekt der Landesverweisung zu ent-
scheiden war. Da es sich a priori um einen verhältnismässig einfachen und wenig
umfangreichen Fall handelt, erweist es sich insgesamt als angemessen, Rechts-
anwältin MLaw X._ für das Berufungsverfahren mit pauschal Fr. 3'000.– (inkl.
Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Diese Kosten
der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, un-
ter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.