Decision ID: 895190ec-113d-4685-aace-4dbc8c35e8c7
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich per 1. April 2011 erneut zur Arbeitsvermittlung an und
beantragte ab diesem Datum Leistungen der Arbeitslosenversicherung (act. G 3.1/A54/
A63). In der Folge setzte die Arbeitslosenkasse Unia den versicherten Verdienst auf
Fr. 5'920.-- und das Taggeld auf Fr. 170.85 fest (richtig: Fr. 190.95 [act. G 3.1/A69]). Mit
Verfügungen vom 4. Oktober 2011 sprach das RAV B._ der Versicherten vom
3. Oktober 2011 bis voraussichtlich 31. Januar 2012 (87 Planungstage) besondere
Taggelder zur Vorbereitung der selbstständigen Erwerbstätigkeit sowie ein
Einzelcoaching im Jung-Unternehmer-Zentrum C._ zu (act. G 3.1/A101 f.). Mit
Aktennotiz vom 23. November 2011 hielt der für die Förderung der Selbständigkeit
zuständige Sachbearbeiter des RAV B._ sodann fest, die Versicherte habe die
Möglichkeit, während der Planungsphase eine 50 %-Anstellung zu übernehmen. Dies
sei im Zwischenverdienst möglich, sofern die Planungsphase nicht gefährdet werde
(act. G 3.1/A107). Die Planungsphase wurde schliesslich per 31. Januar 2012 beendet
und die Versicherte per 15. Februar 2012 von der Arbeitsvermittlung abgemeldet (act.
G 3.1/A112 f.).
A.a.
Am 16. März 2012 reichte die Versicherte der Arbeitslosenkasse Unia die Angaben
der versicherten Person für die Monate November 2011 bis Januar 2012 samt Lohn
A.b.
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abrechnungen der D._ AG sowie den Bescheinigungen über Zwischenverdienst ein,
welche daraufhin den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (Kompen
sationszahlungen) für die fraglichen Monate neu berechnete (act. G 3.1/A115). Mit Ver
fügung vom 23. Juli 2012 forderte die Kasse zu viel ausgerichtete Taggeldleistungen in
Höhe von Fr. 7'389.70 zurück, da die Versicherte im Zeitraum November 2011 bis
Januar 2012 einen Zwischenverdienst erzielt habe. Die dagegen erhobene Einsprache
wurde mit Entscheid vom 4. Juli 2013 rechtskräftig abgewiesen. Am 1. Oktober 2013
überwies die Kasse das in der Einsprache vom 16. August 2012 und in einer weiteren
Eingabe vom 17. November 2012 enthaltene Erlassgesuch zum Entscheid an das Amt
für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen (act. G 3.1/A117).
Mit Verfügung vom 18. November 2019 entschied dieses, dass die Rückforderung
von Fr. 7'389.70 nicht erlassen werde. Bei einem versicherten Verdienst von
Fr. 5'920.-- und einem Taggeldansatz von 70 % habe die Versicherte mit einer
durchschnittlichen Entschädigung von Fr. 4'150.-- rechnen können. Zusammen mit
dem in den Monaten November 2011 bis Januar 2012 erzielten Zwischenverdienst sei
ihr Gesamteinkommen in dieser Zeit jedoch bedeutend höher gewesen. Bei einer
Einkommensdifferenz von zuletzt rund 100 % hätte ihr klar sein müssen, dass diese
Veränderung in den Verhältnissen für die Bemessung der Entschädigung durch die
Arbeitslosenversicherung massgeblich gewesen sei. Sie habe die Taggelder jeweils
entgegengenommen, ohne die Verwaltung auf die Fehlerhaftigkeit der Abrechnung
aufmerksam zu machen oder sich nach dem Grund für die offensichtlich zu hoch
ausgefallene Entschädigung zu erkundigen. Als Fachfrau in betriebswirtschaftlichen
Fragen hätte ihr ohne Weiteres auffallen müssen, dass ihr Taggelder ausgerichtet
worden seien, die ihr in dieser Höhe nicht zugestanden hätten. Im Übrigen sei sie
mehrfach darauf hingewiesen worden, dass ein allfälliger Zwischenverdienst zu melden
sei. Zusammenfassend sei von einer groben Nachlässigkeit auszugehen, die eine
erfolgreiche Berufung auf den guten Glauben ausschliesse. Damit erübrige sich die
Prüfung des Vorliegens einer grossen Härte (act. G 3.1/A195).
A.c.
Mit Einsprache vom 18. Dezember 2019 und Ergänzung vom 15. März 2020
machte die Versicherte im Wesentlichen geltend, es liege keine Grobfahrlässigkeit vor.
Sie habe darauf vertraut, dass die Berechnungsgrundlagen und die daraus folgenden
Taggeldzahlungen durch die Arbeitslosenkasse korrekt vorgenommen worden seien.
A.d.
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Hinzu komme, dass sie die Formulare "Angaben der versicherten Person" am 19. März
2012 eingereicht habe, die Auszahlung der Taggelder also erfolgt sei, ohne dass sie
einen expliziten Anspruch gestellt habe. Vor diesem Hintergrund könne nicht erwartet
werden, dass sie die zu viel ausgerichteten Entschädigungen hätte bemerken müssen.
Sie habe ihre Melde- und Auskunftspflicht weder in grober Weise, noch arglistig oder
grobfahrlässig verletzt. Dementsprechend vermöchten die von der Verwaltung
genannten Umstände den guten Glauben nicht umzustossen. Im Weiteren sei die lange
Bearbeitungsdauer zu bemängeln. Mit Schreiben vom 23. Juli 2013 (gemeint wohl
Einspracheentscheid vom 4. Juli 2013) sei ihr mitgeteilt worden, dass die Sache zur
Erlassprüfung an das Amt für Wirtschaft und Arbeit weitergeleitet werde. Nach einer
Bearbeitungsdauer von mehr als sechs Jahren sei ihr Erlassgesuch mit Verfügung vom
18. November 2019 abgewiesen worden. Dies verstosse gegen Art. 29 BV, wonach
jede Person in Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche
und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innerhalb angemessener Frist habe.
Schliesslich sei der Rückforderungsanspruch erloschen. Gemäss ATSG erlösche dieser
mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis
erhalten habe, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung
der einzelnen Leistung. Zusammenfassend sei der gutgläubige Bezug der Leistung
gegeben und die Rückerstattung hätte zum Zeitpunkt der rechtskräftigen Verfügung für
sie eine grosse Härte bedeutet, da sie sich damals im Aufbau einer selbstständigen
Erwerbstätigkeit befunden habe (act. G 3.1/A200 und A202).
Nachdem das Amt für Wirtschaft und Arbeit am 14. Juli 2020 zunächst einen
Nichteintretensentscheid gefällt hatte, da die Einsprecherin trotz mehrmaliger
Aufforderung keine Einsprachebegründung eingereicht habe, räumte sie am 18. Juli
2020 ein, dass die Einsprachebegründung doch fristgerecht eingegangen sei, und
kündigte den zeitnahen Abschluss des Einspracheverfahrens an (act. G 3.1/A206 und
A210). Mit Entscheid vom 8. September 2020 wies das Amt für Wirtschaft und Arbeit
die Einsprache ab, soweit sie darauf eintrat. Art. 25 Abs. 2 ATSG sei vorliegend nicht
anwendbar, da sich dieser auf die Rückforderung und nicht auf den Erlass beziehe.
Vorliegend habe sich der rückforderungsrelevante Sachverhalt im November und
Dezember 2011 sowie im Januar 2012 verwirklicht. Die am 23. Juli 2012 ergangene
Rückforderungsverfügung sei somit rechtzeitig erfolgt. Die Rückforderung sei nach
A.e.
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B.
Ablauf der Rechtsmittelfrist des Einspracheentscheids im September 2013 in
Rechtskraft erwachsen. Das ATSG kenne keine Bestimmungen zur Verjährung von
öffentlich-rechtlichen Forderungen. Das Institut der Verjährung sei jedoch auch im
öffentlichen Recht als allgemeiner Rechtsgrundsatz anerkannt. Das gelte in erster Linie
für die Verjährung öffentlich-rechtlicher Geldforderungen, aber auch für die Verjährung
von nicht-vermögensrechtlichen Ansprüchen. Da vorliegend entsprechende
Regelungen fehlten, sei in Anlehnung an das Obligationenrecht für einmalig
geschuldete Forderungen gemäss Art. 128 OR (richtig: Art. 127 OR) eine
Verjährungsfrist von zehn Jahren zu beachten. Diese habe im September 2013 zu
laufen begonnen und ende im Jahr 2023. Die Rückforderung sei deshalb mit dem
Erlassentscheid vom 18. November 2019 nicht verjährt. Die Rückerstattungspflicht
bestehe bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen weiterhin. In den
Kontrollperioden Dezember 2011 und Januar 2012 habe die Einsprecherin
Einkommensdifferenzen von rund 100 % zur letzten Auszahlung der Versicherung
erzielt. Solche Differenzen seien augenfällig und es habe der Einsprecherin klar sein
müssen, dass diese Veränderung in den Verhältnissen massgeblich für die Bemessung
der Entschädigung durch die Arbeitslosenversicherung sei. Auch wenn sie die
Zwischenverdiensttätigkeit gegenüber der Arbeitslosenkasse im März 2012 offengelegt
habe, könne beim Bezug der Leistung nicht auf das Vorliegen des guten Glaubens
geschlossen werden. Im Gegenteil falle ins Gewicht, dass die Einsprecherin von
November 2011 bis Januar 2012 die Taggelder entgegengenommen habe, ohne die
Verwaltung je auf die Fehlerhaftigkeit der Abrechnungen aufmerksam zu machen oder
sich nach dem Grund für die offensichtlich zu hoch ausgefallenen Entschädigungen zu
erkundigen. Dies könne nicht mehr als leichte Fahrlässigkeit qualifiziert werden.
Vielmehr sei von grober Fahrlässigkeit auszugehen, welche die Annahme des guten
Glaubens ausschliesse. Soweit die Einsprecherin Einwände gegen die Rückforderung
geltend mache, sei darauf nicht einzutreten (act. G 3.1/A211).
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 9. Oktober
2020 mit dem Antrag auf dessen Aufhebung. Zudem sei festzustellen, dass der
Anspruch auf Rückerstattung in Höhe von Fr. 7'389.70 gemäss der Verfügung der
Arbeitslosenkasse Unia vom 23. Juli 2012 erloschen sei. Eventualiter seien der
B.a.
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Beschwerdegegner sowie die Arbeitslosenkasse anzuweisen, das Verfahren ein für
allemal einzustellen. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur Abklärung und
Neuentscheidung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen. Es seien zudem die
vollständigen Akten bei der Unia Arbeitslosenkasse einzuholen. Bezüglich der
Vollstreckung des Rückforderungsanspruchs gelte in analoger Anwendung von Art. 16
Abs. 2 AHVG eine (weitere) Frist von fünf Jahren. Demnach erlösche die geltend
gemachte Beitragsforderung - vorbehältlich eines hängigen Betreibungsverfahrens -
fünf Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in welchem sie rechtkräftig geworden sei.
Vorliegend sei die Rückforderungsverfügung vom 23. Juli 2012 im August 2013
rechtskräftig geworden. Die fünfjährige Frist für die Vollstreckung sei daher am
31. Dezember 2018 abgelaufen, weshalb der Anspruch auf Rückforderung nicht mehr
durchsetzbar bzw. verjährt und damit erloschen sei. Im Weiteren habe jede Person in
Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte
Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 BV). Die
Parteien hätten Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV). Das aus dem
Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung im Verfahren fliessende Verbot der
Rechtsverzögerung werde verletzt, wenn eine Verwaltungsbehörde untätig bleibe oder
das gebotene Handeln über Gebühr hinauszögere, obschon sie zum Tätigwerden
verpflichtet wäre. Die vorliegend mindestens 6,5-jährige Untätigkeit des
Beschwerdegegners von August 2012, allenfalls Juli 2013, bis November 2019 sei klar
über Gebühr. Das Erlassgesuch sei trotz mehrfacher Nachfragen der
Beschwerdeführerin sowie seitens der Unia während Jahren grundlos liegengelassen
und nicht innert angemessener Frist beurteilt worden. Die Verletzung der allgemeinen
Verfahrensgarantien wiege schwer. Der Einspracheentscheid sei auch deshalb
aufzuheben. Materiell sei die Beschwerdeführerin ihrer Mitwirkungspflicht stets
vollumfänglich nachgekommen. Sie sei beraten worden und habe sämtliche Unterlagen
fristgerecht und vollständig eingereicht. Davon, dass im März 2013 die Meldepflicht
verletzt worden sei, könne keine Rede sein. Es sei ihr vorab mitgeteilt worden, dass der
Zwischenverdienst in Ordnung sei. Dass die Beschwerdeführerin daraufhin für die
Monate November 2011 bis Januar 2012 Arbeitslosentaggelder erhalten habe, sei für
sie daher rechtens gewesen und infolge der vorherigen Zusage durch das RAV habe
kein Anlass für eine Meldung bestanden. Es sei unzulässig, dass die Auszahlungen für
die Monate November 2011 bis Januar 2012 gestützt auf eine grobe Nachlässigkeit
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Erwägungen
1.
zurückgefordert würden, zumal der Fehler ohne eingehende Prüfung nicht erkennbar
gewesen sei. Der Versicherungsträger habe die Versicherte darauf aufmerksam zu
machen, dass ihr Verhalten eine der Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
gefährden könne. Bei Unterlassung der Informationspflicht oder einer unrichtigen
Auskunftserteilung könne sich die Versicherte bei Rückforderung von zu Unrecht
erhaltenen Arbeitslosentaggeldern auf den Vertrauensschutz berufen. Schliesslich sei
auch die Voraussetzung der grossen Härte gegeben. Zum Zeitpunkt des Erlassgesuchs
sei die Beschwerdeführerin hochverschuldet gewesen (act. G 1).
Mit Eingabe vom 19. Oktober 2020 beantragt der Beschwerdegegner unter
Verweis auf den angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).
B.b.
Mit Stellungnahme vom 27. November 2020 beantragt die Beschwerdeführerin
nach erfolgter Akteneinsicht zusätzlich, eventualiter sei der Einspracheentscheid
teilweise, im Umfang von mindestens Fr. 6'000.--, aufzuheben und es sei festzustellen,
dass der Anspruch teilweise, in einem angemessenen Umfang, mindestens Fr. 6'000.--,
erloschen sei. Zu den relevanten Verfahrensakten gehörten auch die AVIG-Akten bei
der Unia Arbeitslosenkasse, zumal der Briefverkehr betreffend die Rückforderung bis
2013 über die Unia gelaufen sei. Diese Akten enthielten massgebliche Erkenntnisse,
insbesondere über die Gesuchsführung, Auszahlung der Taggelder bis hin zum
Entscheid vom 18. November 2019, Unterlagen betreffend guten Glauben, Härtefall,
Verfahrensdauer, verzögernde und schlampige Verfahrensführung etc. Indem der
Beschwerdegegner den Aktenbeizug unterlassen habe, habe er den Sachverhalt
unvollständig und unrichtig ermittelt (act. G 9). Der Beschwerdegegner liess sich nicht
mehr vernehmen (vgl. act. G 11).
B.c.
Nach Art. 95 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) in Verbindung mit Art.
25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) sind unrechtmässig bezogene Leistungen
1.1.
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zurückzuerstatten. Wer jedoch Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie
nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt. Die Rückerstattung kann somit
nur erlassen werden, wenn die beiden Voraussetzungen des gutgläubigen Empfangs
und der grossen Härte kumulativ erfüllt sind.
Die Rechtsordnung geht grundsätzlich von der Vermutung des guten Glaubens aus
(vgl. Art. 3 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs [ZGB; SR 210]). Ein
gutgläubiger Bezug einer Sozialversicherungsleistung liegt vor, wenn das Bewusstsein
über den unrechtmässigen Leistungsbezug fehlt, sofern dieses Fehlen in einer
objektiven Betrachtungsweise unter den konkret gegebenen Umständen entschuldbar
ist. Er besteht insbesondere dann, wenn sich die empfangende Person keiner groben
Nachlässigkeit schuldig gemacht hat (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich
2020, Art. 25 Rz 65).
1.2.
Der gute Glaube als Erlassvoraussetzung ist nicht schon dann gegeben, wenn der
Rechtsmangel der leistungsbeziehenden Person unbekannt war. Nach der
Rechtsprechung ist bezüglich der Erlassvoraussetzungen zwischen dem guten
Glauben als fehlendem Unrechtsbewusstsein und der Frage zu unterscheiden, ob sich
jemand unter den gegebenen Umständen auf den guten Glauben berufen kann bzw. ob
er bei zumutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen
sollen (BGE 122 V 221 E. 3 mit Hinweisen). Wer einen Rechtsmangel kennt oder bei
Anwendung der zumutbaren Aufmerksamkeit kennen könnte, gilt diesbezüglich nicht
als gutgläubig. Dabei ist diejenige Aufmerksamkeit geboten, die nach den Umständen
verlangt werden kann. Dies lässt sich nur im Einzelfall in Würdigung aller
Gegebenheiten beurteilen, wobei von objektiven Kriterien auszugehen ist (Art. 3 Abs. 2
ZGB analog; BGE 120 V 319 E. 10a mit Hinweisen). Eine leichte Verletzung der Melde-
oder Auskunftspflicht schliesst dabei eine Berufung auf den guten Glauben noch nicht
aus (BGE 138 V 218 E. 4 mit Hinweisen; BGE 110 V 176 E. 3c). Das Verhalten, das den
guten Glauben ausschliesst, braucht nicht in einer Melde- oder
Anzeigepflichtverletzung zu bestehen. Auch ein anderes Verhalten, z.B. die
Unterlassung, sich bei der Verwaltung zu erkundigen, fällt in Betracht (Urteile des
Bundesgericht 8C_178/2018 vom 6. August 2018 E. 3.1; 9C_184/2015 vom 8. Mai
2015 E. 2; C 257/97 vom 23. Dezember 1997 E. 4b, in: ARV 1998 Nr. 41 S. 234).
1.3.
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die
Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf
von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Art. 25 Abs. 2 ATSG in
der bis zum 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung). Diese Frist ist nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts eine Verwirkungsfrist (BGE 142 V 20 E. 3.2.2). Sie
1.4.
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2.
betrifft nur die verfügungsweise Festsetzung der Rückforderung, nicht aber deren
Vollstreckung. Wurde die Rückforderung - wie vorliegend - frist- und formgerecht
geltend gemacht, ist die Frist zu ihrer Festsetzung ein für allemal gewahrt, und zwar
selbst dann, wenn die entsprechende Verfügung nachträglich im Beschwerdeverfahren
aufgehoben und durch eine inhaltlich berichtigte neue ersetzt werden muss (SVR ALV
1997 Nr. 84 S. 256 E. 2c/aa mit Verweis auf BGE 117 V 209 E. 2b).
Vorliegend macht die Beschwerdeführerin zunächst geltend, die Vollstreckbarkeit
der unbestrittenermassen im September 2013 (nach den vom 15. Juli bis 15. August
dauernden Gerichtsferien) rechtskräftig gewordenen Rückforderungsverfügung gemäss
Einspracheentscheid vom 4. Juli 2013 sei bereits verjährt bzw. verwirkt, weswegen
zuerst auf dieses Vorbringen einzugehen ist.
2.1.
Zwar verweist die Beschwerdeführerin zu Recht auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung, wonach in Bezug auf die Vollstreckungsverjährung - mangels
ausdrücklicher Regelung im ATSG oder im AVIG - analog auf die Regelung des Art. 16
Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG,
SR 831.10) abzustellen ist, wonach verfügungsweise geltend gemachte
Beitragsforderungen fünf Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in welchem sie
rechtskräftig wurden, erlöschen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin beginnt
die Vollstreckungsverjährungfrist jedoch nicht mit Eintritt der Rechtskraft des
Rückforderungstitels (vgl. Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts vom 17. September
2004 [C37/04] E.5). Vielmehr steht die definitive Vollstreckbarkeit einer formell
rechtskräftig gewordenen Rückforderung von Sozialversicherungsleistungen stets unter
dem Vorbehalt, dass kein rechtskräftig positiv beurteiltes Erlassgesuch vorliegt. Da der
Erlass die Rückforderung untergehen lässt, muss angenommen werden, dass die
Vollstreckbarkeit der formell rechtskräftig verfügten Rückforderung bis zur
rechtskräftigen Erledigung des Erlassgesuchs aufgeschoben bleibt (Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 20. März 2009 [EL 2008/56/IV 2008/472] E. 4.1), die
definitive Vollstreckbarkeit des Rückforderungstitels also erst nach rechtskräftig
gewordener Abweisung des Erlassgesuchs eintritt. Dies hat zur Folge, dass auch die
fünfjährige Vollstreckungsverwirkungsfrist erst zu diesem - vorliegend mangels
rechtkräftigen Abschlusses des Erlassverfahrens noch nicht eingetretenen - Zeitpunkt
zu laufen beginnt (vgl. Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts vom 17. September 2004
[C 37/04] E. 4 und BGE 117 V 208 E. 3b S. 211; Basler Kommentar, Allgemeiner Teil
des Sozialversicherungsrechts, J. Dormann, Art. 25 N 51). Selbst wenn davon
auszugehen wäre, dass die Vollstreckungsverwirkungsfrist bereits mit Eintritt der
2.2.
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Rechtskraft des Rückforderungstitels zu laufen beginnt, müsste zumindest in analoger
Ausweitung des Katalogs der Ruhegründe gemäss Art. 16 Abs. 2 AHVG (Auflage des
öffentlichen Inventars, Nachlassstundung) von einem Ruhen der Verwirkungsfrist
während des Erlassverfahrens (also während der Suspendierung der Vollstreckbarkeit
des Rückforderungstitels) ausgegangen werden, da selbst eine fünfjährige Frist etwa
bei Durchlaufen sämtlicher Rechtsmittelinstanzen - erst recht, wenn das Erlassgesuch
nicht innert der 30-tägigen Ordnungsfrist gemäss Art. 4 Abs. 4 der Verordnung über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11), sondern erst
zu einem möglichen späteren Zeitpunkt eingereicht wurde - regelmässig knapp
bemessen sein dürfte. Auch in diesem Fall wäre vorliegend die
Vollstreckungsverwirkung mangels Abschlusses des Erlassverfahrens und damit
mangels Weiterlaufens der Verwirkungsfrist noch nicht eingetreten.
Im Weiteren beruft sich die Beschwerdeführerin auf die allgemeinen Verfahrens
garantien gemäss Art. 29 der Bundesverfassung (BV; SR 101). Demnach hat in
Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen jede Person unter anderem
Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert
angemessener Frist (Abs. 1). Die Beschwerdeführerin wirft dem Beschwerdegegner in
diesem Zusammenhang eine übermässig lange Dauer des Erlassverfahrens vor.
Tatsächlich ist die Frage, wie lange das Erlass- oder auch ein anderes
Verwaltungsverfahren dauern darf, getrennt von der oben behandelten Frage der
Vollstreckungsverwirkung zu behandeln. Art. 29 BV gehört zusammen mit den Artikeln
30 bis 32 BV zu den Verfahrensgrundrechten. Diese sind keine grundrechtlichen
Freiheits- oder Abwehrrechte und unterscheiden sich von den Sozialrechten; sie
nehmen von ihrer Struktur her eine Sonderstellung ein (Gerold Steinmann, in: Die
Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl., Art. 29 Rz. 4 und 6).
Dazu zählen etwa auch die Verbote der Rechtsverweigerung und der
Rechtsverzögerung. Letzteres verleiht der rechtsunterworfenen Person einen Anspruch
auf Beurteilung einer Sache innert angemessener Frist und gilt für sämtliche
Rechtsbereiche und jegliche Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsbehörden. Es
wird missachtet, wenn eine Sache über Gebühr verschleppt wird und die Gesamtheit
des Verfahrens nicht mehr angemessen ist (G. Steinmann, a.a.O., Art. 29 Rz. 22). Aus
einer (grundsätzlich mittels Rechtsverweigerungsbeschwerde festzustellenden)
Verzögerung fliesst jedoch kein unmittelbarer materieller Anspruch, etwa auf
Aufhebung der Rückforderungsverfügung. Indessen kann eine verwaltungsrechtliche
Massnahme mit dem Zeitablauf unverhältnismässig werden (G. Steinmann, a.a.O., Art.
29 Rz. 26 mit Hinweis auf BGE 139 II 534 E. 5.4).
2.3.
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Vorliegend überwies die Arbeitslosenkasse Unia am 1. Oktober 2013 die Akten
zwecks Beurteilung des in der Einsprache vom 16. August 2012/17. November 2012
enthaltenen Erlassgesuchs an den Beschwerdegegner (act. G 3.1/A117). Nach
anfänglicher Verwirrung über den Verbleib der Akten nahm dieser das Verfahren im
November 2013 an die Hand (act. G 3.1/A119 f.). Ohne zureichenden Grund - nach
Angaben des Beschwerdegegners infolge einer missglückten Fallübergabe - liess der
Beschwerdegegner das Gesuch während gut sechs Jahren unbeantwortet. Der
Entscheid darüber erfolgte schliesslich mit Verfügung vom 18. November 2019 (act.
G 3.1/A195). Im Einspracheverfahren passierte sodann eine weitere, offenbar covid-
bedingte Panne (Einspracheergänzung), die das Verfahren abermals in die Länge zog
(act. G 3.1/A199 ff.). Damit ist ohne Weiteres von einer ungebührlich langen
Verfahrensdauer auszugehen, was der Beschwerdegegner denn auch einräumt (act.
G 3.1/211 S. 3). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kann die Rechtsfolge
daraus jedoch nicht in einer ersatzlosen Einstellung des Verfahrens und einem damit
verbundenen Verzicht auf die Vollstreckung der Rückforderung bestehen. Namentlich
spielt keine Rolle, weshalb es zu den Verzögerungen gekommen ist, weshalb
entsprechende Sachverhaltsergänzungen (Beizug der Unia-Akten) unterbleiben
können. Im Übrigen war die Unia nicht zuständig für die Bearbeitung des
Erlassgesuchs (Art. 85 Abs. 1 lit. e AVIG in Verbindung mit Art. 95 Abs. 3 AVIG). Der
vorliegende Fall ist weiter nicht mit dem in BGE 139 II 534 beurteilten vergleichbar, wo
es um eine versäumte Produktwarnung samt Rückruf bei Feuerlöschern ging, die
seither ohnehin periodisch überprüft wurden. Bei einem Fall betreffend Rückerstattung
von zu Unrecht bezogenen Sozialversicherungsleistungen bleibt das Interesse der
Versicherungseinrichtung an der Vollstreckung einer einmal rechtskräftig festgestellten
Rückforderung grundsätzlich zeitlich unbegrenzt bestehen. Dem steht jedoch das
Interesse der rückerstattungspflichtigen Person gegenüber, zeitlich nicht unlimitiert
haften zu müssen. Diese Gefahr besteht, da nach der vorstehend skizzierten Regelung
die Dauer des Erlassverfahrens keine Rolle spielt und die Vollstreckungsverwirkung erst
nach dessen rechtskräftigem Abschluss zu laufen beginnt (vgl. vorstehende Erwägung
2.2). Es ist deshalb eine Interessenabwägung vorzunehmen. Dazu rechtfertigt es sich in
Ermangelung einer öffentlich-rechtlichen Regelung, in analoger Weise auf die
Verjährungsregelung des Obligationenrechts (OR; SR 210) abzustellen. Nach dessen
Art. 127 besteht eine allgemeine Verjährungsfrist von 10 Jahren, nach Ablauf welcher
Frist grundsätzlich sämtliche Ansprüche verjähren. Damit ist auch gesagt, dass die
schweizerische Rechtsordnung eine 10-jährige Frist nicht generell als
unverhältnismässig lange erachtet. Nachdem es nurmehr um die absolute zeitliche
Begrenzung der Vollstreckungsmöglichkeit geht (nicht um eine nochmalige Beurteilung
der Rückforderungsfrist, die bereits in Art. 25 Abs. 2 ATSG geregelt ist), ist mit dem
2.4.
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3.
Beschwerdegegner davon auszugehen, dass der Beginn der Verjährungsfrist im
vorliegenden Zusammenhang auf den Zeitpunkt des Eintritts der Rechtskraft des
Rückforderungstitels, mithin auf den September 2013, zu legen ist (und nicht auf den
Zeitpunkt/Zeitraum des unrechtmässigen Leistungsbezugs). Die Frist endet demnach
im September 2023. Die Vollstreckungsverjährung ist somit bis zum Erlass des
vorliegenden Gerichtsentscheids noch nicht eingetreten, weshalb die
Erlassvoraussetzungen nachfolgend materiell zu prüfen sind.
Der Beschwerdegegner verneinte insbesondere das Vorliegen des Erlasskriteriums
des guten Glaubens. Es falle ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin von November
2011 bis Januar 2012 die ihr ausbezahlten Taggelder jeweils entgegengenommen
habe, ohne die Verwaltung je auf die - durch den erzielten Zwischenverdienst bedingte
- Fehlerhaftigkeit der Abrechnungen aufmerksam zu machen oder sich wenigstens
nach einer Begründung für die offensichtlich zu hoch ausgefallenen Entschädigungen
zu erkundigen. Sie sei ihrer Auskunftspflicht, der Verwaltung unaufgefordert alles zu
melden, was für die Leistungsbemessung massgeblich sei, nicht nachgekommen. Zwar
habe sie der Verwaltung am 19. März 2012 den Zwischenverdienst gemeldet, dies
jedoch erst, nachdem die Auszahlung der Taggelder bereits erfolgt sei (act. G 3.1/
A211). Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, beim
Bezug der fraglichen Leistungen gutgläubig gewesen zu sein. Sie sei ihrer
Mitwirkungspflicht stets vollumfänglich nachgekommen. Sie sei beraten worden und
habe sämtliche Unterlagen fristgerecht und vollständig eingereicht. Es sei ihr vorab
mitgeteilt worden, dass der Zwischenverdienst völlig in Ordnung sei. Dass sie danach
für die Monate November 2011 bis Januar 2012 Arbeitslosentaggelder erhalten habe,
sei für sie daher rechtens gewesen. Aufgrund der vorherigen Zusage durch das RAV
habe für sie kein Anlass für eine Meldung bestanden (act. G 1).
3.1.
Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass die Versicherten standardmässig darauf
hingewiesen werden, dass ein Zwischenverdienst der Kasse und dem RAV zu melden
ist (vgl. etwa "Information zum Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung" vom 2. Mai
2011 mit dem Hinweis auf die weiterführende Broschüre INFO-SERVICE; act. G 3.1/
A69). Die Beschwerdeführerin kann sich diesbezüglich nicht darauf berufen, auf Grund
der Auskunft des Personalberaters, dass sie auch während der Ausrichtung von
besonderen Taggeldern zur Vorbereitung der selbstständigen Erwerbstätigkeit eine
50 %-Tätigkeit ausüben dürfe, sofern dadurch die Planungsphase nicht beeinträchtigt
werde (act. G 3.1/A107), habe sie einen tatsächlich ausgeübten Zwischenverdienst der
Kasse nicht mehr melden müssen. Die Tatsache, dass der Personalberater
3.2.
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4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen, für das
vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch anwendbaren Fassung).
grundsätzlich über die mögliche Aufnahme einer Zwischenverdiensttätigkeit informiert
war, entbindet die Beschwerdeführerin nicht davon, die konkrete Erwerbsaufnahme der
für die Auszahlung zuständigen Arbeitslosenkasse zeitnah zu melden. Auf Grund der
erhaltenen Informationen musste ihr zudem klar sein, dass ein Zwischenverdienst bei
der Berechnung der Arbeitslosenentschädigung in Abzug gebracht wird (weshalb er ja
gemeldet werden muss), wie sich auch aus der Info-Broschüre "Ein Leitfaden für
Versicherte, Arbeitslosigkeit", Ausgabe 2011, Ziff. 9, ergibt (act. G 3.1/A115).
Schliesslich war für eine Person mit den beruflichen Qualifikationen der
Beschwerdeführerin aus den Taggeldabrechnungen vom 5. Dezember 2011,
22. Dezember 2011 sowie vom 3. Februar 2012 (die im Übrigen ein korrektes Taggeld
von Fr. 190.95 auswiesen [act. G 3.1/A115]) ohne Weiteres erkennbar, dass der in der
fraglichen Zeit erzielte Zwischenverdienst noch nicht berücksichtigt wurde. Dies war
denn auch nicht zu erwarten, meldete sie diesen doch erst am 16. bzw. 19. März 2012,
mithin erst nach Erhalt der fraglichen Arbeitslosentaggelder (act. G 3.1/A115). Zwar
erstellte die Arbeitgeberin die Bescheinigungen über den Zwischenverdienst für die
Monate November 2011 bis Januar 2012 erst am 29. Februar 2012 (act. G 3.1/A115),
sodass eine Einreichung der Unterlagen Mitte März 2012 plausibel erscheint. Der
Beschwerdeführerin braucht deshalb keine Meldepflichtverletzung oder ein anderes
grob schuldhaftes Verhalten vorgeworfen zu werden. Dies ändert jedoch nichts daran,
dass sie bei Anwendung der zumutbaren Sorgfalt ohne Weiteres hätte erkennen
können, dass ihr beim erzielten Zwischenverdienst in nicht unerheblicher Höhe nicht
zusätzlich Arbeitslosentaggelder in voller Höhe zustehen. Die Beschwerdeführerin
macht denn auch nicht geltend, eine entsprechende Auskunft erhalten zu haben. Sie
kannte somit den Rechtsmangel der Auszahlung oder hätte ihn bei Anwendung der
zumutbaren Aufmerksamkeit zumindest kennen können, weshalb sie in Bezug auf die
zu viel bezogenen Taggeldleistungen nicht als gutgläubig gelten kann. Nach einem
allgemeinen Rechtsgrundsatz kann schliesslich niemand Vorteile aus seiner eigenen
(allfälligen) Rechtsunkenntnis ableiten (BGE 124 V 215 E. 2b/aa). Das Vorliegen einer
grossen Härte braucht daher nicht mehr geprüft zu werden. Nachdem die
Erlassvoraussetzungen nicht erfüllt sind, erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid vom 8. September 2020 als rechtens.
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