Decision ID: 2d0c4b74-6368-593b-8994-b03965bbdf58
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner 1 reichte am 4. Februar 2011 bei der Gemeinde Diemtigen
ein Baugesuch ein für einen Anbau an den Abstellraum auf Parzelle Diemtigen
Grundbuchblatt Nr. F._. Die eingereichten Pläne hatten auch die
Beschwerdeführenden als Eigentümer des angrenzenden Grundstücks unterzeichnet. Sie
teilten jedoch innert der Einsprachefrist mit, dass sie mit dem Bauvorhaben hinsichtlich der
vorgesehenen Einfriedung entlang der Strasse nicht einverstanden seien. Am 30. März
2011 erteilte die Gemeinde dem Vorhaben die Baubewilligung und die
Ausnahmebewilligung zur Unterschreitung des Strassenabstandes. Als Auflage wurde
festgehalten, die Entwässerung habe auf dem Grundstück zu erfolgen und das Wasser sei
wenn möglich versickern zu lassen. Am 8. März 2011 erlaubte die Gemeinde dem
Beschwerdegegner 1 den Anschluss an die Sauberwasserleitung der Gemeinde.1 Am 3.
Mai 2012 bewilligte die Gemeinde dem Beschwerdegegner 1 die Entwässerung des
Grundstücks nach dem Trennsystem, bei dem das Schmutzabwasser vom Regen- und
Reinabwasser getrennt abgeführt wird. Als Bedingung wurde u.a. festgehalten: "Das
Parkplatz-, Vorplatz- und Dachwasser darf nicht an die Kanalisation abgegeben werden".2
2. Am 10. März 2016 reichten die Beschwerdegegner ein Baugesuch ein betreffend
"Teilabbruch und Neubau eines Einfamilienhauses. Einbau eines Studios im UG. Anbau
Wintergarten im EG und Anbau eines Technikraumes im UG" auf derselben Parzelle.3 Auf
Formular 3.0 (Entwässerung von Grundstücken) führten sie an, die
Grundstücksentwässerung erfolge im Trennsystem und es sei keine Versickerungsanlage
vorgesehen. In der amtlichen Publikation vom 24. März 2016 und vom 31. März 2016
wurde bezüglich Gewässerschutz vermerkt: "Sauberwasser versickert, Schmutzwasser in
Kanalisation".4 Die Beschwerdeführenden erhoben gegen das Bauvorhaben Einsprache.
Mit Bauentscheid vom 1. Juni 2016 erteilte die Gemeinde Diemtigen die Baubewilligung für
das Vorhaben. Sie bewilligte die Entwässerung des Grundstücks mit der Auflage, dass das
1 Vorakten zum Baugesuch 762/16-010, pag. 25 2 Vorakten zum Baugesuch 762/11-006, pag. 5; vgl. Amt für Wasser und Abfall (AWA), Allgemeine Auflagen für die Grundstücksentwässerung, Dezember 2010, Ziff. 2 3 Vorakten zum Baugesuch 762/16-010, pag. 29 ff. 4 Vorakten zum Baugesuch 762/16-010, pag. 20 und 22
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Parkplatz-, Vorplatz- und Dachwasser nicht an die Kanalisation abgegeben werden dürfe.5
Die Einsprache wies sie ab, soweit sie darauf eintrat.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 29. Juni 2016 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
sinngemäss die Aufhebung des Bauentscheides vom 1. Juni 2016 und die Erteilung des
Bauabschlags.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet6, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegner beantragen,
auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventuell sei diese abzuweisen. Die Gemeinde
schliesst in ihrer Stellungnahme auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 22. August 2016 hielt das Rechtsamt fest, der angefochtene Entscheid
beinhalte die Entwässerungsbewilligung der Gemeinde. Darin werde als Auflage angeführt:
"Das Parkplatz-, Vorplatz- und Dachwasser darf nicht an die Kanalisation abgegeben
werden". Daraus gehe nicht klar hervor, ob dieses Wasser versickert werden müsse. In der
Baupublikation sei "Sauberwasser versickert, Schmutzwasser in Kanalisation" angegeben
worden. Die Beschwerdegegner führten in ihrer Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2016 aus,
dass das saubere Regenwasser von Parkplatz, Vorplatz und Dach zur Versickerung
vorgesehen sei. Die BVE ziehe daher in Betracht, zwecks Klärung der Rechtslage den
Wortlaut der Auflage betreffend Entwässerung wie folgt anzupassen: "Nicht verschmutztes
Regenabwasser von Parkplatz, Vorplatz und Dach ist versickern zu lassen." Die Beteiligten
erhielten Gelegenheit zur Stellungnahme.
Die Gemeinde hielt in ihrer Stellungnahme vom 8. September 2016 fest, die Auflage der
Gemeinde sei so zu verstehen, dass das Parkplatz-, Vorplatz- und Dachwasser nicht an
die Schmutzwasserleitung abgegeben werden dürfe. Laut der Versickerungskarte
(Geoportal) befinde sich die Liegenschaft der Beschwerdegegner in einem Gebiet mit
schlechter Durchlässigkeit. Bei der Versickerung von Sauberwasser im Quartier
5 Vorakten zum Baugesuch 762/16-010, pag. 4 6 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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G._ seien Probleme aufgetreten. Es sei daher eine Sauberwasserleitung in der
Strasse verlegt und den Beschwerdegegnern der Anschluss an diese bewilligt worden.
Deren sauberes Abwasser werde seither mehrheitlich in diese Sauberwasserleitung
geleitet. Das streitige Bauprojekt ändere nichts an der bestehenden
Entwässerungssituation. Die Baupublikation gebe dies nicht präzis wieder. Die Anpassung
der Auflage sei abzulehnen, da die vollständige Versickerung von Parkplatz-, Vorplatz- und
Dachwasser aus Gründen der Bodenbeschaffenheit nicht oder nur schwer möglich sei.
Eventuell sei die Auflage zu ergänzen mit: "An der heute bestehenden Situation der
Entwässerung werden keine Änderungen vorgenommen."
Die Beschwerdeführenden bestritten mit Stellungnahme vom 9. September 2016
sinngemäss, dass die Beschwerdegegner sauberes Abwasser versickern lassen; auch
beim geplanten Neubau wolle man das gesamte Sauberwasser der Gemeinde zuführen.
Die Beschwerdegegner machten mit Stellungnahme vom 12. September 2016 geltend, die
Entwässerungsbewilligung der Gemeinde Diemtigen vom 3. Mai 2012 sei rechtskräftig und
dürfe nicht inhaltlich abgeändert werden. Sie führten zudem aus, dass das nicht
verschmutzte Regenwasser von Parkplatz, Vorplatz und Dach vorliegend nicht versickert,
sondern in den Sauberwasserkanal der Gemeinde geleitet werde. Das übrige
Regenwasser werde versickert. Die Beschwerdegegner sprachen sich daher gegen die
vorgeschlagene Konkretisierung der Auflage aus.
Die Beschwerdeführenden bekräftigten ihren Standpunkt erneut mit Eingabe vom 27.
September 2016.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG7 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
7 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
RA Nr. 110/2016/91 5
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde,
sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid formell und als Nachbarn auch materiell
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten, soweit sie den Formvorschriften entspricht (Art. 40 Abs. 1
BauG).
b) Das Rechtsbegehren ist für eine Laienbeschwerde genügend. Die Begründung
entspricht allerdings der Formvorschrift nicht in allen Teilen. Die Beschwerdebegründung
muss sich wenigstens in minimaler Form mit dem angefochtenen Entscheid
auseinandersetzen und sinngemäss darauf schliessen lassen, welche Rechtsnormen oder
Grundsätze der Ermessensausübung verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente
unrichtig oder unvollständig festgestellt sein sollen.8 Dies trifft vorliegend nicht zu bezüglich
dem Vorbringen, der Beschwerdegegner 1 dürfe nicht durch die Gemeinde "gedeckt"
werden. Was damit gemeint ist, bleibt unklar; nach den Akten bestehen jedenfalls keine
Hinweise auf eine Missachtung von Ausstandsvorschriften. Auf diese Rüge – soweit die
Ausführungen als solche zu verstehen sein sollen – kann nicht eingetreten werden.
2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist der Bauentscheid der Vorinstanz vom 1. Juni 2016, welche das
Bauvorhaben der Beschwerdegegner gemäss Baugesuch vom 10. März 2016 betrifft. Der
Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch
nicht über dieses hinausgehen.9 Im vorliegenden Beschwerdeverfahren können daher nur
Rügen gehört werden, die sich gegen den angefochtenen Bauentscheid wenden. Nicht
einzutreten ist dagegen auf Vorbringen, die sich auf andere Bauverfahren beziehen,
namentlich solche im Zusammenhang mit der Sitzplatzüberdachung und mit der
Entwässerung auf dem Grundstück der Beschwerdeführenden oder mit der
Gewässerschutzbewilligung vom 3. Mai 2012. Auch die Rüge der Verletzung des
Strassenabstandes bezieht sich auf das bestehende Gebäude auf dem Grundstück der
Beschwerdegegner und nicht auf das mit dem angefochtenen Entscheid bewilligte
8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15 9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 6
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Bauvorhaben. Mit dem angefochtenen Entscheid wird keine Ausnahme vom
Strassenabstand bewilligt. Auf diese Rüge ist ebenfalls nicht einzutreten und auf den
diesbezüglich beantragten Augenschein ist zu verzichten.
b) Die Beschwerdegegner führen in ihrer Stellungnahme vom 12. September 2016 an,
die Entwässerungsbewilligung der Gemeinde vom 3. Mai 2012 sei rechtskräftig und daher
nicht inhaltlich zu überprüfen. Dass den Beschwerdegegnern der Anschluss an die
Sauberwasserleitung der Gemeinde rechtskräftig bewilligt wurde, ist zwar insofern relevant,
als die Zuleitung des Regenwassers von Dach, Vor- und Parkplatz des Bauvorhabens an
die Sauberwasserleitung faktisch möglich ist. Die Entwässerung des Bauvorhabens ist
damit jedoch noch nicht geregelt. Nach Art. 11 Abs. 1 des Kantonalen
Gewässerschutzgesetzes10 bedarf die Erstellung von Neubauten, bei denen häusliches
Abwasser anfällt, einer Gewässerschutzbewilligung der Gemeinde. Im Zusammenhang mit
dem Bauvorhaben hatte demnach die Gemeinde über die Entwässerung zu verfügen. Die
Gemeinde hat die Entwässerungsbewilligung mit Datum vom 25. Mai 2016 verfügt. Nach
dem Bauentscheid bildet sie dessen integrierenden Bestandteil. Mit ihren Vorbringen
wenden sich die Beschwerdeführenden insbesondere gegen die Regelung der
Entwässerung beim Bauvorhaben, womit sie die Entwässerungsbewilligung sinngemäss
mit anfechten. Beschwerden gegen den Bauentscheid und die Entwässerungsbewilligung
werden im Baubeschwerdeverfahren vereinigt und mit einem Gesamtentscheid erledigt.11
Die Einhaltung der bau- und gewässerschutzrechtlichen Vorschriften beim streitigen
Bauvorhaben ist also im vorliegenden Beschwerdeverfahren überprüfbar.
3. Verletzung des rechtlichen Gehörs
a) Die Beschwerdeführenden rügen, dass im Baugesuch die Versickerung des
Sauberwassers angegeben werde, das Grundstück der Beschwerdegegner jedoch an eine
Sauberwasserleitung angeschlossen sei. Weiter sei ihnen im Baubewilligungsverfahren die
Einspracheantwort der Beschwerdegegner nicht zugestellt worden. In ihrer Stellungnahme
vom 9. September 2016 führen sie zudem an, ihnen sei die Entwässerungsbewilligung der
Gemeinde vom 25. Mai 2016 vorenthalten worden.
10 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0) 11 Art. 2a Abs. 2 Bst. d BauG
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b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG12 gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern. Das Äusserungsrecht setzt voraus, dass die Behörde den Beteiligten Kenntnis
von den eingegangenen Stellungnahmen und Beweismitteln gibt.13
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des
rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die
Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der
beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Bei besonders
schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch eine Heilung
grundsätzlich aus.14 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.15
c) Im Baugesuch, Formular 3.0 (Entwässerung von Grundstücken), haben die
Beschwerdegegner vermerkt, dass die Grundstücksentwässerung im Trennsystem erfolge
und dass keine Versickerungsanlage bestehe.16 In der Baupublikation vom 24. und
31. März 2016 hiess es jedoch: "Sauberwasser versickert, Schmutzwasser in Kanalisation".
Nach Angaben der Gemeinde war dies insoweit unzutreffend, als das Oberflächenwasser
von Vorplatz und Dach bereits seit mindestens fünf Jahren in die Sauberwasserleitung der
Gemeinde geleitet wird und daran im Zusammenhang mit dem streitigen Bauvorhaben
nichts geändert werden soll. Die Baupublikation war mit anderen Worten teilweise
unkorrekt. Eine fehlende oder ungenügende Publikation verletzt das rechtliche Gehör der
Einsprachelegitimierten, wenn sie deswegen ihre Rechte nicht wahrnehmen können.17 Die
Baupublikation muss aussagekräftig sein, so dass sich die Einsprachelegitimierten mit der
erfolgten Publikation ein zuverlässiges Bild über das Bauvorhaben machen können. An die
Umschreibung in der Publikation dürfen dabei keine überspannten Anforderungen gestellt
12 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 13 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 11 14 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16 15 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9 16 Vorakten zum Baugesuch 762/16-010, pag. 31 17 Vgl. BVR 2005 S. 156 E. 3.4
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werden. Es muss genügen, wenn die einsprachelegitimierten Personen auf die kritischen
Punkte des Projekts aufmerksam gemacht werden.18 Ob es sich bei der Frage, wie mit dem
sauberen Abwasser zu verfahren ist, um einen kritischen Punkt handelt, kann offen
bleiben. Die Beschwerdeführenden wurden jedenfalls in der Wahrnehmung ihrer Rechte
nicht beschnitten, da ihnen bekannt war, dass die Beschwerdegegner über einen
Anschluss an die Sauberwasserleitung verfügen und einen Teil ihres Sauberwassers über
diese entsorgen.
d) Nach den Akten hat die Gemeinde den Beschwerdeführenden die Einspracheantwort
der Beschwerdegegner nicht zugestellt. Sie hat die Beschwerdeführenden erst durch
entsprechende Erwähnung im angefochtenen Entscheid, Ziff. 1.5, über die
Einspracheantwort und den Verzicht der Beschwerdegegner auf eine
Einspracheverhandlung informiert.
Im angefochtenen Entscheid wird in Ziff. 1.2 Bst. a angeführt, dass im Rahmen des
Baubewilligungsverfahrens eine Nebenbewilligung betreffend Gewässerschutz der
Gemeinde Diemtigen eingeholt worden sei. Im Entscheiddispositiv, Ziff. 5.1.2 wird diese
Nebenbewilligung zum integrierenden Bestandteil des angefochtenen Entscheids erklärt.
Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Bewilligung der Gemeinde betreffend
Entwässerung von Grundstücken am 25. Mai 2016 eingeholt wurde19. Es wird jedoch aus
den Akten nicht ersichtlich, dass diese Bewilligung den Beschwerdeführenden im
Baubewilligungsverfahren oder mit dem angefochtenen Bauentscheid eröffnet worden ist.
Als Einsprecher hätten die Beschwerdeführenden Anspruch auf Zustellung der
Einspracheantwort und auf Eröffnung der Entwässerungsbewilligung vom 25. Mai 2016
gehabt. Indem die Gemeinde dies unterliess, verletzte sie den Anspruch der
Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör.
e) Im Beschwerdeverfahren haben die Beschwerdeführenden mit Verfügung vom
22. August 2016 die Beschwerdeantwort der Beschwerdegegner inkl. Beilagen, darunter
die Entwässerungsbewilligung der Gemeinde vom 25. Mai 2016, zugestellt erhalten. Damit
erhielten sie Kenntnis von deren Inhalt und konnten sich dazu äussern. Hinzu kommt, dass
den Beschwerdeführenden offenbar bekannt war, dass die Beschwerdegegner über einen
18 BVR 2008 S. 251 E. 4.3 19 Vorakten zum Baugesuch 762/16-010, pag. 4
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Anschluss an die Sauberwasserleitung der Gemeinde verfügen und einen Teil des nicht
verschmutzten Abwassers in diese einleiten. Sie haben sich zu diesem Thema im
Beschwerdeverfahren einlässlich geäussert. Die Gehörsverletzung kann daher im
Beschwerdeverfahren geheilt werden. Sie ist jedoch im Kostenpunkt zu berücksichtigen.
4. Entwässerung
a) Die Beschwerdeführenden kritisieren das Bauvorhaben hinsichtlich der
Entwässerung. Es sei nicht zulässig, dass das gesamte Wasser aus der Grundstück- und
Dachentwässerung der Gemeindeleitung zugeführt werde. Das Baugrundstück sei aber an
die Sauberwasserleitung der Gemeinde angeschlossen und beim Neubau solle das
gesamte nicht verschmutzte Abwasser über diese entsorgt werden.
b) Nach Art. 7 Abs. 2 GSchG20 ist nicht verschmutztes Abwasser nach den
Anordnungen der kantonalen Behörde versickern zu lassen. Art. 17 Abs. 1 KGV21
präzisiert, dass sowohl das nicht verschmutzte Regenabwasser von Dächern, Zufahrten,
privaten und öffentlichen Verkehrsflächen, Parkplätzen und ähnlichen Flächen (Bst. a) als
auch das Reinabwasser wie Brunnen- und Sickerwasser, Grund- und Quellwasser sowie
unbelastetes Kühlwasser (Bst. b) zu versickern ist. Erlauben die örtlichen Verhältnisse
keine Versickerung, so können diese Abwasserarten unter Vorbehalt von Artikel 48 WBG22
in ein oberirdisches Gewässer eingeleitet werden (Art. 7 Abs. 2 GSchG; Art. 17 Abs. 2
KGV). Nach den Allgemeinen Auflagen für die Grundstücksentwässerung des Amtes für
Wasser und Abfall (AWA) vom Dezember 2010, Ziff. 6, ist die gewählte Entsorgungsart zu
begründen, wenn nicht verschmutztes Regenwasser nicht versickert wird. Die Schweizer
Norm SN 592 000 "Anlagen für die Liegenschaftsentwässerung - Planung und Ausführung"
präzisiert in Ziff. 2.4.7, dass nicht verschmutztes Regenwasser in erster Priorität versickern
zu lassen ist; in zweiter Priorität ist es einem Regenwasserkanal zuzuführen. Letzteres ist
nur zulässig, wenn die Versickerung aufgrund der hydrogeologischen Verhältnisse, der
Havarierisiken usw. nicht möglich ist.
20 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20) 21 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1) 22 Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; BSG 751.11)
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c) Gemäss der Versickerungskarte des Geoportals des Kantons Bern befindet sich die
Parzelle der Beschwerdegegner in einer Zone mit schlechter Durchlässigkeit. Laut
Stellungnahme der Gemeinde vom 8. September 2016 traten im Quartier bei der
Versickerung von Sauberwasser Probleme auf. Die Schulgemeinde Diemtigen habe daher
eine Sauberwasserleitung in die Strasse verlegt. Den Beschwerdegegnern sei der
Anschluss an diese bewilligt worden. Seit mehr als fünf Jahren werde das saubere
Abwasser von Vorplatz, Dach usw. über diese entsorgt. Mit dem Bauvorhaben solle die
Entwässerung nicht verändert werden. Die Auflage, wonach das Parkplatz-, Vorplatz- und
Dachwasser nicht an die Kanalisation abgegeben werden dürfe, untersage lediglich die
Zuleitung des Sauberwassers an die Schmutzwasserleitung, die Versickerung dieses
Wassers sei nicht vorgeschrieben und eine entsprechende Auflage wäre aufgrund der
Bodenbeschaffenheit nicht oder nur schwer möglich.
d) Demnach sprechen gute Gründe für die von der Gemeinde getroffene Regelung,
wonach das Parkplatz-, Vorplatz- und Dachwasser nicht an die Kanalisation (i.S.v.
Schmutzwasserleitung) abgegeben werden darf, eine Zuführung an die
Sauberwasserleitung der Gemeinde jedoch zulässig bleibt. Die gesetzlichen Vorgaben
erlauben das Ableiten des nicht verschmutzten Regenwassers in einer
Sauberwasserleitung, wenn aufgrund der örtlichen Verhältnisse ein Versickernlassen nicht
möglich ist. Dies trifft vorliegend zu. Die Anforderung, dass das nicht verschmutzte
Regenwasser getrennt vom Schmutzwasser abgeleitet werden muss, ist erfüllt. Eine
Missachtung der gewässerschutzrechtlichen Vorschriften ist nicht ersichtlich.
5. Schlussfolgerungen und Kosten
a) Nach dem Gesagten ist der Gehörsanspruch der Beschwerdeführenden im vor-
instanzlichen Verfahren verletzt worden. Im Beschwerdeverfahren konnte dies geheilt
werden. Die übrigen Rügen der Beschwerdeführenden erweisen sich als unbegründet und
die Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens dringen die Beschwerdeführenden mit der Rüge
der Gehörsverletzung durch; im Übrigen unterliegen sie. Sie haben daher die
Verfahrenskosten zu tragen, welche jedoch aufgrund der Gehörsverletzung reduziert
werden (Art. 108 Abs. 1 und 2 VRPG). Die Pauschalgebühr für das Beschwerdeverfahren
RA Nr. 110/2016/91 11
wird auf Fr. 1'500.– festgesetzt (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV23). Diese wird entsprechend dem Gesagten um ein Fünftel reduziert. Die
Beschwerdeführenden haben demnach Verfahrenskosten von Fr. 1'200.– zu tragen. Da
weder den Beschwerdegegnern als obsiegender Partei noch der Gemeinde
Verfahrenskosten aufzuerlegen sind (Art. 108 Abs. 1 und 2 VRPG) werden die restlichen
Verfahrenskosten vom Kanton getragen.
c) Die Beschwerdeführenden haben zudem im Umfang ihres Unterliegens den
Beschwerdegegnern die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdegegner macht Parteikosten im Umfang von Fr. 4'525.30
(Honorar Fr. 4'125, Auslagen Fr. 65.10, Mehrwertsteuer Fr. 335.20) geltend. Der Umfang
der Kostennote gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Tragung der Parteikosten wird
den Beschwerdeführenden im Umfang von vier Fünfteln, ausmachend Fr. 3'620.25,
auferlegt. Die übrigen Parteikosten im Umfang von Fr. 905.05 hat die Gemeinde Diemtigen
zu tragen.