Decision ID: 47fd1fbb-f0ec-5cc9-b016-a65164e6fb28
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2013 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum Sanitär
respektive zum Sanitärinstallateur abgeschlossen. Die im Anmeldeformular enthaltenen
Fragen betreffend die zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeiten beantwortete er nicht. Im
November 2013 berichtete der Internist und Nephrologe Dr. med. B._, der
Versicherte leide an einer Polytoxikomanie mit einer Substitutionsbehandlung
(Methadon) sowie an einer chronischen Hepatitis C (IV-act. 8). Gegenüber einem
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle gab der Versicherte an (IV-act. 21), er
habe mehrere Jahre lang im erlernten Beruf gearbeitet und dann versucht, sich zum
Sanitärzeichner weiterzubilden. Allerdings habe er die Weiterbildung abbrechen
müssen. Anschliessend sei er während fünf Jahren als Lagermitarbeiter tätig gewesen.
Nach einem traumatischen Erlebnis im Jahr 2000 (erweiterter Suizid des Vaters) sei es
zu einem psychischen „Absturz“ gekommen. Er habe sein Leben nicht mehr im Griff
gehabt, sei in eine Drogensucht abgeglitten und habe lediglich noch vereinzelt
temporäre Arbeitseinsätze geleistet. Mit einer Mitteilung vom 19. März 2014 sprach die
IV-Stelle dem Versicherten Frühinterventionsmassnahmen in der Form von Kursen zu
(IV-act. 26). Nach einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Versicherten
(vgl. IV-act. 34) wurden diese Massnahmen mit einer Mitteilung vom 19. August 2015
abgebrochen (IV-act. 36).
A.a.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die estimed AG am 31. März 2018 ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 70). Der internistische Sachverständige hielt fest,
der Versicherte habe unter anderem angegeben, dass er dreimal täglich mit dem Hund
spazieren gehe, was insgesamt zweieinhalb bis drei Stunden pro Tag in Anspruch
A.b.
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nehme, dass er bei gutem Wetter motorbetriebene, ferngesteuerte Flugzeuge fliegen
lasse, dass er fast täglich Fahrrad fahre und manchmal auch mit Inline Skates
unterwegs sei, dass er sich sporadisch mit Kollegen treffe und dass er auch fast täglich
für eine Stunde zum Billardspielen ausgehe. Zudem kümmere er sich um den Garten.
Aus internistischer Sicht leide der Versicherte an einem Status nach einer chronischen
Hepatitis C, an einem Status nach Hepatitis A und B, anamnestisch an einer exokrinen
Pankreasinsuffizienz, möglicherweise an einer arteriellen Hypertonie sowie an einem
saisonalen Asthma bronchiale. Keine dieser Diagnosen schränke die Arbeitsfähigkeit
ein. Aus internistischer Sicht sei der Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Der
orthopädische Sachverständige führte aus, der Versicherte leide an einer Periarthritis
humero-scapularis mit einer Ruptur der langen Bizepssehne. Funktionelle
Einschränkungen bestünden nicht, weshalb sich diese Diagnose nicht auf die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten auswirke. Aus orthopädischer Sicht sei von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die neuropsychologische
Sachverständige hielt fest, der Versicherte leide an leichten Störungen bei den Lern-
und Gedächtnisfunktionen, im Aufmerksamkeitsbereich und bei der Strukturierungs-
und Umstellfähigkeit. Die Auffälligkeiten stünden am ehesten mit dem anhaltenden
Alkoholüberkonsum in Zusammenhang. Die Frage, ob die langjährige polytoxische
Einwirkung auf die cerebralen Strukturen persistierende kognitive Defizite verursacht
habe, könne erst nach einem mehrmonatigen Entzug beantwortet werden. Aufgrund
der neuropsychologischen Funktionsstörung sei für sämtliche Tätigkeiten eine
Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent zu attestieren. Der psychiatrische Sachverständige
führte aus, der Versicherte leide unter einer methadonsubstituierten Opiatabhängigkeit
mit einem regelmässigen Beikonsum von Heroin sowie an einer Alkoholabhängigkeit
mit einem ständigen Konsum. Die psychisch-geistige Leistungsfähigkeit sei durch
affektive, psychomotorische, kognitive, formalgedankliche und vegetative Symptome
erheblich beeinträchtigt. Die psycho-physische Leistungsfähigkeit sei durch eine
ausgeprägte Störung der Vitalgefühle deutlich eingeschränkt. Eine Antriebsminderung
schränke die soziale Interaktion deutlich ein. Auf der Fähigkeitsebene fehlten
elementare Voraussetzungen für eine stabile Arbeitsfähigkeit, nämlich die Ausdauer,
die Zuverlässigkeit, die Frustrationstoleranz und die Flexibilität. Unter den Bedingungen
der freien Wirtschaft bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit, da der Versicherte
weiterhin täglich mehrere Liter Bier trinke, Benzodiazepine und Methadon einnehme
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und Heroin konsumiere. Zu den vom Versicherten geschilderten Alltagsaktivitäten
äusserte sich der psychiatrische Sachverständige nicht. Bezugnehmend auf die in den
Berichten der behandelnden Ärzte diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung
respektive andauernde Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung hielt er
fest, dass einerseits die vom Versicherten geschilderte Symptomatik nicht zu einer
posttraumatischen Belastungsstörung passe und dass andererseits kein kognitives
Vermeidungsverhalten habe objektiviert werden können. Der Versicherte leide
insbesondere nicht an einem intrusiven Erleben im engeren Sinne. Die Frage, ob der
erweiterte Suizid des Vaters einen Einfluss auf die Drogensucht gehabt habe, könne
nicht beantwortet werden. Das Abhängigkeitssyndrom habe aber zu einer irreversiblen
Gesundheitsschädigung geführt („z.B. Leberzirrhose“). Am 8. Mai 2018 notierte med.
pract. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 71), das
psychiatrische Teilgutachten sei nicht nachvollziehbar. Der Sachverständige habe dem
Suchtleiden eine relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit attestiert, obwohl der
Versicherte nicht an einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung leide, die dem
Suchtleiden zugrunde läge, und obwohl das Suchtleiden auch nicht zu schweren
irreversiblen körperlichen oder kognitiven Folgeschäden geführt habe. Die Beurteilung
bezüglich des Funktionsniveaus habe sich auf das „Mini-ICF-APP“ gestützt, aber der
psychiatrische Sachverständige habe die Quantifizierung der ICF-Parameter nicht
ausreichend beschrieben, sondern die Einschränkungen bloss pauschal als leicht-,
mittel- oder schwergradig bezeichnet. Die entsprechende Beurteilung widerspreche
teilweise den Resultaten der neuropsychologischen Testung, aber der psychiatrische
Sachverständige habe sich gar nicht mit dem neuropsychologischen Teilgutachten
auseinander gesetzt. Die Argumentation des psychiatrischen Sachverständigen, die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei unter anderem auf eine ausgeprägte Störung
der Vitalgefühle zurückzuführen, überzeuge nicht, denn eine solche Störung lasse sich
nicht mit dem vom Versicherten geschilderten aktiven Tagesablauf vereinbaren. Zudem
wäre eine solche Störung ein Leitsymptom für die Diagnose einer depressiven Störung,
der psychiatrische Sachverständige habe aber explizit festgehalten, dass keine
depressive Störung diagnostiziert werden könne. Ein sozialer Rückzug liege entgegen
der Darstellung des psychiatrischen Sachverständigen nicht vor, sei der Versicherte
doch sehr aktiv und bewege er sich regelmässig ausser Haus. Ebenfalls nicht
nachvollziehbar sei die Behauptung des psychiatrischen Sachverständigen, die
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Suchterkrankung sei therapeutisch nicht mehr angehbar. Im Gutachten fehle eine
Begründung für diese Angabe. Die Akten enthielten weder einen Hinweis auf eine
schwerwiegende Gesundheitsbeeinträchtigung als Ursache der Suchtproblematik noch
einen Hinweis auf eine schwerwiegende Gesundheitsbeeinträchtigung als Folge der
Suchtproblematik. Es sei nicht einzusehen, weshalb dem Versicherten eine
mehrmonatige Abstinenz unzumutbar sein sollte. Der Versicherte sei deshalb zu einem
Entzug aufzufordern; anschliessend werde ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben
werden müssen.
Am 10. Juli 2018 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf (IV-act. 74), einen
Alkohol- und Drogenentzug durchzuführen und anschliessend eine mindestens
dreimonatige Abstinenz einzuhalten. Die Abstinenz sei mittels Urinproben zu belegen.
Sollte der Versicherte dieser Aufforderung nicht Folge leisten, werde die IV-Stelle das
Rentenbegehren nicht weiter bearbeiten. Sie werde „die Erhebungen einstellen“ und
„auf Ihr Gesuch nicht eintreten“. Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. D._, teilte
der IV-Stelle am 27. Juli 2018 mit (IV-act. 78), dass sich der Versicherte gerade in einer
schlechten Verfassung befinde, da seine langjährige Partnerin vor Kurzem Selbstmord
(recte: Suizidversuch; vgl. IV-act. 123–8) begangen habe. Er, Dr. D._, bitte um eine
Fristverlängerung bezüglich des Beginns des Suchtmittelentzugs. Am 7. Dezember
2018 forderte die IV-Stelle Dr. D._ auf, bis spätestens am 31. Dezember 2018
anzugeben, wo und wann der Versicherte den geforderten Entzug in Angriff nehmen
werde (IV-act. 83). Am 25. Januar 2019 mahnte sie den Versicherten zur Erfüllung
seiner Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung, wobei sie ihm eine letzte Frist
bis zum 15. Februar 2019 einräumte (IV-act. 84). Am 10. April 2019 nahm der
psychiatrische Sachverständige Stellung zu den Rückfragen der IV-Stelle, die diese ihm
21. Juni 2018 gestellt hatte (vgl. IV-act. 72). Er hielt fest (IV-act. 92), der Versicherte
habe seinen Alkoholkonsum nicht einmal kurzfristig sistieren können, obwohl die
anstehende Begutachtung ihn dazu hätte anhalten müssen. Das zeige, dass er an einer
langjährigen, chronifizierten und weitgehend therapieresistenten
Abhängigkeitserkrankung leide und dass er deshalb weniger flexibel und
umstellungsfähig sei, als von der neuropsychologischen Sachverständigen aufgrund
der Ergebnisse der neuropsychologischen Testung geltend gemacht worden sei. In der
Begutachtung sei eine Störung der Vitalgefühle aufgefallen. Die Freizeitaktivitäten ohne
A.c.
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einen Leistungsanspruch liessen keine Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit in der
freien Wirtschaft zu. Am 14. Mai 2019 teilte der Versicherte telefonisch mit, dass er sich
bei der Klinik E._ für einen stationären Entzug angemeldet habe (IV-act. 96). Am 28.
Mai 2019 wies er darauf hin, dass er am 3. Juni 2019 in die Klinik eintreten werde (IV-
act. 97). Im Austrittsbericht vom 25. Juli 2019 betreffend die stationäre Behandlung in
der Zeit vom 3. Juni 2019 bis zum 5. Juli 2019 hielt die Klinik E._ fest (IV-act. 109),
der Entzug habe ohne erkennbare körperliche Entzugserscheinungen durchgeführt
werden können. Zur Unterstützung habe man dem Versicherten Diazepam verabreicht.
Einem Wechsel von Methadon auf Sevre-Long habe der Versicherte ablehnend
gegenübergestanden. Der Hausarzt Dr. D._ reichte in der Folge regelmässig die
Ergebnisse von Urinproben ein. Der RAD-Arzt C._ notierte am 14. August 2019 (IV-
act. 112), die Auflagen bezüglich der Suchtmittelabstinenz seien eingehalten worden,
weshalb nun ein Auftrag für eine psychiatrische und neuropsychologische
Verlaufsbegutachtung vergeben werden könne. Der Versicherte müsse natürlich bis zur
Begutachtung weiterhin abstinent bleiben.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Neurologie Toggenburg AG am 17. Januar
2020 ein neuropsychologisches und psychiatrisches Gutachten (IV-act. 123). Der
neuropsychologische Sachverständige führte aus, formal hätten sich in der Testung
insgesamt leichte bis mittelschwere kognitive Defizite mit Beeinträchtigungen im
mnestischen, attentionalen und exekutiven Bereich gezeigt. Allerdings hätten sich in
einem Leistungsvalidierungsverfahren im mnestischen Bereich Unregelmässigkeiten im
Sinne von knapp auffälligen Untertests gezeigt. Die übrigen Untertests, ein zweites
Leistungsvalidierungsverfahren im Aufmerksamkeitsbereich sowie ein eingebetteter
Validitätsparameter seien unauffällig gewesen, sodass am ehesten von einer
Verdeutlichungstendenz im mnestischen Bereich ausgegangen werden müsse. Die
formal bis mittelgradigen mnestischen Defizite seien deshalb als ein „überzeichneter
Befund“ zu qualifizieren. Zusammenfassend bestehe somit eine leichte
neuropsychologische Störung, die am ehesten im Rahmen eines langjährigen Drogen-
und Alkoholkonsums zu erklären sei. Die Validität der neuropsychologischen Befunde
sei durch den laboranalytisch belegten fortgesetzten Alkohol- und Drogenkonsum des
Versicherten eingeschränkt. Deshalb könne die Frage, ob dem Versicherten nach einer
erfolgreichen Entgiftungsphase und anschliessenden mehrmonatigen Abstinenz
A.d.
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bessere kognitive Leistungen möglich wäre, nicht beantwortet werden. Der
psychiatrische Sachverständige hielt fest, der Versicherte habe einen gut strukturierten
Tagesablauf mit Aussenaktivitäten geschildert, die er teilweise zusammen mit seiner
Lebenspartnerin verrichte, und er habe angegeben, dass er sich regelmässig im Garten
betätige. Er befinde sich nicht in einer psychiatrischen Behandlung. Der psychiatrische
Sachverständige schilderte den Versicherten als pünktlich, gepflegt gekleidet,
freundlich, kooperativ und humorvoll. Er hielt fest, der Untersuchungsbefund nach
AMDP sei regelrecht gewesen. Im Rahmen der klinischen Untersuchung seien keine
mnestischen oder kognitiven Einschränkungen aufgefallen. Anhaltspunkte für eine
namhafte psychiatrische Beeinträchtigung hätten nicht vorgelegen. Insbesondere seien
die Achsenkriterien einer depressiven Störung nicht evident gewesen. Aus
gutachterlicher Sicht könne die in den Berichten der behandelnden Ärzte erwähnte
Diagnose einer Persönlichkeitsveränderung nach einer Extrembelastung nicht
nachvollzogen werden. Der Versicherte habe im Rahmen der Begutachtung
nachvollziehbare Beeinträchtigungen nach dem Tod seiner Eltern, aber auch eine
sukzessive Besserung unter Therapie angegeben. Retrospektiv könne allenfalls von
einer möglicherweise temporär vorhandenen posttraumatischen Belastungsstörung
ausgegangen werden. Sämtlichen Berichten sei zu entnehmen, dass jeweils der
multiple Substanzgebrauch im Vordergrund der klinischen Symptomatik gestanden
habe. Auffälligkeiten der Persönlichkeit oder affektive Einschränkungen seien nicht
beschrieben worden. Der in einem Bericht aus dem Jahr 2016 erwähnte IQ von 66
erscheine als nicht plausibel, da der Versicherte eine normale Schul- und Berufsbildung
hinter sich habe. Die Aussage im Gutachten der estimed AG, die Begutachtung sei
durch den Konsum von psychotropen Substanzen nicht weiter beeinflusst gewesen,
überzeuge nicht, da die Sachverständigen ja selbst unter anderem einen Foetor
alcoholicus ex ore wahrgenommen hätten. Schlussendlich könnten alle in jenem
Gutachten geschilderten Einschränkungen auf einen Substanzkonsum zurückgeführt
werden. Zudem könne nicht generell davon ausgegangen werden, dass mehrfache
erfolglose Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlungen immer ein Indiz für eine
schlechte Prognose seien. Im Austrittsbericht der Klinik E._ vom 25. Juli 2019 seien
weder eine deutliche depressive Symptomatik noch eine andere namhafte psychische
Beeinträchtigung erwähnt worden. Die stationäre Entzugsbehandlung habe gezeigt,
dass der Versicherte unter strukturierten und motivierenden Bedingungen offensichtlich
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in der Lage gewesen sei, sich an die Stationsregeln und an die Abstinenzvorschriften
zu halten. Zusammenfassend ergebe sich aus psychiatrischer Sicht, dass sich beim
Versicherten in dessen Jugend ein Abhängigkeitssyndrom entwickelt habe, das nicht
auf psychiatrische Beeinträchtigungen zurückzuführen und folglich nicht als ein
dysfunktionaler Selbstheilungsversuch zu qualifizieren sei. Der Tod der Eltern habe
möglicherweise eine mittelgradig ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung
ausgelöst, deren Symptome im Rahmen von ambulanten Therapiemassnahmen
abgeklungen seien. Abgesehen vom in der Folge gesteigerten Substanzmissbrauch
seien keine namhaften psychischen Beeinträchtigungen objektiviert worden. Auch
aktuell leide der Versicherte an einem polyvalenten Abhängigkeitssyndrom mit einem
fortgesetzten Konsum von Alkohol, Kokain und ärztlich verordneten Benzodiazepinen
bei einer Teilnahme am Ersatzdrogenprogramm. Im Rahmen des
Abhängigkeitssyndroms liessen sich leichte neuropsychologische Defizite objektivieren.
Der Versicherte leide an leichten Aufmerksamkeitsdefiziten, an einer verlangsamten
Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie an Problemen in der Interferenzabwehr und der
Impulskontrolle. Insgesamt sei von einer Verlangsamung, einer erhöhten Ablenkbarkeit
und einer erhöhten Fehleranfälligkeit auszugehen. Bei einer entsprechenden Motivation
wäre der Versicherte ausreichend gut zur Planung und Strukturierung von Aufgaben
befähigt. Auch die Durchhaltefähigkeit wäre bei einer entsprechenden Motivation gut.
Der Versicherte könne sich ausreichend an Regeln und Routinen anpassen und in
Teams integrieren, sofern man ihn dazu motiviere. Die angestammte Tätigkeit sei ihm
gesamthaft im Umfang von 80 Prozent zumutbar. Für eine ideal leidensadaptierte
Tätigkeit sei ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 90 Prozent zu attestieren. Diese
Arbeitsfähigkeit bestehe mindestens seit der neuropsychologischen Voruntersuchung
vom 14. März 2018. Für die Zeit davor sei eine fundierte retrospektive Beurteilung
mangels neuropsychologischer Befundschilderungen nicht möglich. Der RAD-Arzt
C._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 126).
Mit einem Vorbescheid vom 12. Februar 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 129). Dagegen wandte der
Versicherte am 19. März 2020 ein (IV-act. 134), er könne nicht nachvollziehen, weshalb
die IV-Stelle das Gutachten der estimed AG ignoriere. Er leide nach wie vor an
A.e.
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B.
denselben Gesundheitsbeeinträchtigungen wie bei der damaligen Begutachtung.
Folglich müsse auf das Gutachten der estimed AG abgestellt werden. Er beantrage die
Zusprache einer Rente. Mit einer Verfügung vom 20. März 2020 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren des Versicherten mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades ab (IV-act. 135).
Am 2. Juni 2020 (Datum der Postaufgabe) erhob der Versicherte (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. März 2020 (act. G
1). Er machte geltend, seine kognitiven Defizite seien ungenügend gewürdigt worden.
Er habe die angefochtene Verfügung nicht direkt erhalten. Sie sei ihm erst am 30. April
2020 vom Sozialamt ausgehändigt worden.
B.a.
Das Versicherungsgericht forderte die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) am 10. Juni 2020 auf, einstweilen nur zur Frage Stellung zu
nehmen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden sei (act. G 2). Diese hielt am
9. Juli 2020 fest (act. G 3), eine Zustellung der Verfügung vor dem 30. April 2020 lasse
sich nicht nachweisen, aber die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers
erscheine unter Berücksichtigung der wenigen Indizien zu diesem Thema als
überzeugend.
B.b.
Mit einem Zwischenentscheid vom 29. Juli 2020 trat das Versicherungsgericht auf
die Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. März 2020 ein (act. G 7).
B.c.
Am 13. November 2020 liess der Beschwerdeführer ergänzend geltend machen
(act. G 14), die estimed AG habe überzeugend dargelegt, dass ihm eine
Erwerbstätigkeit aufgrund der ausgeprägten Suchtproblematik nicht mehr zumutbar sei
und dass er auch nicht in der Lage sei, seine Sucht in den Griff zu bekommen. Die
Ausführungen der Neurologie Toggenburg AG seien dagegen unzutreffend; er bestreite
diese in aller Form. Der Eingabe lag eine undatierte Stellungnahme von Dr. D._ bei
(act. G 14.1.1). Dieser hatte das Gutachten der estimed AG als überzeugend und jenes
der Neurologie Toggenburg AG sinngemäss als ein Gefälligkeitsgutachten zugunsten
der Beschwerdegegnerin qualifiziert.
B.d.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
vom 20. März 2020 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Zu prüfen ist folglich, ob
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 26. Februar 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 20). Zur Begründung führte sie an, Der RAD-Arzt C._ habe
überzeugend aufgezeigt, dass das psychiatrische Teilgutachten der estimed AG an
zahlreichen Widersprüchen leide. Das Gutachten der Neurologie Toggenburg AG sei
dagegen überzeugend. Die Sachverständigen hätten die Suchtproblematik entgegen
der Ansicht des Hausarztes Dr. D._ nicht ausgeblendet. Sie hätten sich intensiv
damit auseinandergesetzt und anhand einer Indikatorenprüfung beurteilt, welche
Auswirkungen diese auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers habe.
B.e.
Am 2. März 2021 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt (act. G 21).
B.f.
Der Beschwerdeführer liess am 19. April 2021 an seinen Anträgen festhalten (act.
G 23). Am 23. April 2021 reichte sein Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. D._ vom
20. April 2021 ein (act. G 25). Dieser hatte nochmals festgehalten, dass er das
Gutachten der estimed AG für weitaus überzeugender als jenes der Neurologie
Toggenburg AG erachte (act. G 25.1.1). Am 4. Mai 2021 reichte der Rechtsvertreter die
Ergebnisse der Urinproben aus dem Jahr 2019 sowie eine Stellungnahme von Dr.
D._ ein (act. G 26), der geltend gemacht hatte, dass bei der Untersuchung durch die
Neurologie Toggenburg AG nur der psychiatrische Befund nach AMDP aufgenommen
worden sei. Weitere Untersuchungen seien nicht durchgeführt worden; es handle sich
im Wesentlichen also um ein Aktengutachten.
B.g.
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik an ihrem Antrag fest (act. G 28). Sie
reichte Unterlagen zur vom Beschwerdeführer bewohnten Liegenschaft ein und machte
geltend, der Unterhalt dieser Liegenschaft sei aufwendig, weshalb der
Beschwerdeführer, der die Liegenschaft selbst unterhalte, über ein höheres
Funktionsniveau verfügen müsse, als er geltend mache.
B.h.
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die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdeführers vom Oktober
2013 zu Recht abgewiesen hat.
2.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
2.1.
Der Beschwerdeführer hat eine Ausbildung zum Sanitärinstallateur abgeschlossen
und anschliessend mehrere Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Im Laufe des
Verwaltungsverfahrens hat er geltend gemacht, dass er den „Anschluss“ verloren und
deshalb (erfolglos) versucht habe, sich zum Sanitärzeichner weiterzubilden.
Massgebend ist, dass der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben schon vor
Jahrzehnten den „Anschluss“ an die technischen Fortschritte im erlernten Beruf
verloren hat, dass er seit Jahrzehnten nicht mehr im erlernten Beruf gearbeitet hat und
dass die zwischenzeitlichen technischen Fortschritte eine Rückkehr in jenen Beruf
selbst bei bester Gesundheit des Beschwerdeführers nicht mehr erlauben würden. Der
Beschwerdeführer könnte also im hypothetischen „Gesundheitsfall“ nicht mehr als
Sanitärinstallateur arbeiten und ein entsprechendes Erwerbseinkommen erzielen, was
bedeutet, dass seine (valide) Erwerbsfähigkeit jener eines Hilfsarbeiters entspricht. Das
Valideneinkommen entspricht folglich dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne.
2.2.
Für die Beantwortung der Frage nach dem zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommen sind medizinische Angaben zur Arbeitsfähigkeit, also dazu,
welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer noch in welchem Umfang zugemutet
werden können, notwendig. Die Beschwerdegegnerin hat zunächst die estimed AG mit
einer Begutachtung des Beschwerdeführers beauftragt. Die Sachverständigen der
2.3.
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estimed AG haben in ihrem Gutachten die Auffassung vertreten, dass aus somatischer
Sicht keine Gesundheitsbeeinträchtigung vorliege, die die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers relevant einschränken würde. Aus neuropsychologischer Sicht
bestehe aufgrund von leichten Störungen bei den Lern- und Gedächtnisfunktionen, im
Aufmerksamkeitsbereich und bei der Strukturierungs- und Umstellfähigkeit eine
Einschränkung der Leistungsfähigkeit, die einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20
Prozent für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten entspreche. Aus psychiatrischer Sicht
müsse eine praktisch vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden, weil der
Beschwerdeführer, solange er weiterhin einen Drogenmissbrauch betreibe, nicht in der
freien Wirtschaft erwerbstätig sein könne und weil er nicht in der Lage sei, seinen
Drogenmissbrauch in den Griff zu bekommen. Beim Studium des psychiatrischen
Teilgutachtens der estimed AG fällt auf, dass der psychiatrische Sachverständige seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht mit objektiven klinischen Befunden, sondern nur damit
begründet hat, dass der Beschwerdeführer wegen seiner Drogensucht auf dem freien
Arbeitsmarkt nicht vermittelbar sei. Bei der persönlichen Untersuchung des
Beschwerdeführers hatte der psychiatrische Sachverständige nämlich keine objektiven
klinischen Befunde erheben können, die sich massgeblich auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers ausgewirkt hätten. Die vom Beschwerdeführer im Rahmen der
Untersuchung geschilderten Aktivitäten im Alltag – täglich mehrere Spaziergänge mit
dem Hund, Haushaltsführung, Modellflug, fast tägliches Fahrradfahren, Inline-Skating,
sporadische Treffen mit Kollegen, fast täglich eine Stunde Billard – lassen zudem aus
der Sicht eines medizinischen Laien auf ein durchaus noch vorhandenes relevantes
Funktionsniveau schliessen, denn insbesondere die Steuerung von Modellflugzeugen
und das Billardspiel stellen hohe Anforderungen an die Konzentration, an die
Aufmerksamkeit, an die Frustrationstoleranz und an die Planungsfähigkeit. Zudem
erscheint der vom Beschwerdeführer beschriebene Tagesablauf generell in weiten
Teilen unauffällig und aktiv. Der RAD-Arzt C._ hat in seiner Aktenwürdigung
überzeugend aufgezeigt, dass das psychiatrische Teilgutachten der estimed AG vor
diesem Hintergrund nicht als Grundlage für die Arbeitsfähigkeitsschätzung tauge. Die
Mutmassung des psychiatrischen Sachverständigen der estimed AG, der
Beschwerdeführer werde seinen Drogenmissbrauch nicht sistieren können, ist in der
Folge vom Beschwerdeführer durch eine mehrmonatige Abstinenz von Alkohol, Kokain
und Heroin widerlegt worden. Dass der Beschwerdeführer in jener Zeit weiterhin am
Methadonprogramm teilgenommen und ärztlich verordnete Benzodiazepine
eingenommen hat, ändert nichts am Umstand, dass die mehrmonatige Abstinenz von
Alkohol, Kokain und Heroin entgegen der Mutmassung des psychiatrischen
Sachverständigen der estimed AG möglich und umsetzbar gewesen ist. Diese
Tatsache spricht also ebenfalls gegen die Zuverlässigkeit des psychiatrischen
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Teilgutachtens der estimed AG. Da die übrigen Teilgutachten überzeugend gewesen
sind, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht ein weiteres psychiatrisches Gutachten bei
einer anderen medizinischen Abklärungsstelle in Auftrag gegeben. Die
neuropsychologische Testung im Rahmen der Begutachtung durch die Neurologie
Toggenburg AG hat im Wesentlichen dieselben Ergebnisse wie die frühere
neuropsychologische Testung durch die estimed AG gezeitigt. Die bei der
psychiatrischen Untersuchung erhobenen objektiven klinischen Befunde haben sich
ebenfalls weitestgehend mit jenen gedeckt, die der psychiatrische Sachverständige der
estimed AG erhoben hatte. Der psychiatrische Sachverständige der Neurologie
Toggenburg AG hat lediglich andere Schlussfolgerungen in Bezug auf die
Auswirkungen der Suchterkrankung auf die Arbeitsfähigkeit gezogen. Den Grund dafür
hat der Umstand gebildet, dass er – im Gegensatz zum psychiatrischen
Sachverständigen der estimed AG – seine Arbeitsfähigkeitsschätzung strikt aus den
objektiven klinischen Befunden abgeleitet hat, ohne in seine Beurteilung einfliessen zu
lassen, wie realistisch die Chancen des Beschwerdeführers auf dem „freien
Arbeitsmarkt“ sein könnten, eine Anstellung zu finden. Tatsächlich hat sich der
medizinische Sachverständige ausschliesslich dazu zu äussern, wie sich eine
Gesundheitsbeeinträchtigung in qualitativer und in quantitativer Hinsicht auf die
Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person auswirkt. Die Antwort auf diese Frage muss
sich aus den objektiven klinischen Befunden ableiten. Nicht der medizinische
Sachverständige, sondern der Rechtsanwender muss anschliessend die Frage
beantworten, ob die vom medizinischen Sachverständigen attestierte Arbeitsfähigkeit
auf dem invalidenversicherungsrechtlich massgebenden allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise verwertbar ist. Der psychiatrische
Sachverständige der estimed AG hat also sachfremde Aspekte in seine Beurteilung
einfliessen lassen, was zur Folge hat, dass nicht auf seine Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgestellt werden kann. Die Begründung des psychiatrischen Sachverständigen der
Neurologie Toggenburg AG ist dagegen als überzeugend zu qualifizieren, weil sie sich
ausschliesslich aus medizinischen Überlegungen ergibt, die der psychiatrische
Sachverständige aus der Sicht eines medizinischen Laien ausführlich, gut
nachvollziehbar sowie stringent wiedergegeben hat. Da diese Überlegungen auf einer
umfassenden Aktenkenntnis und auf den Ergebnissen einer lege artis durchgeführten
persönlichen Untersuchung und Befragung des Beschwerdeführers basiert haben und
da keine Widersprüche im Gutachten auszumachen sind, die Zweifel an dessen
Überzeugungskraft wecken würden, ist im Lichte der aktuellen Praxis des
Bundesgerichtes (vgl. insbesondere BGE 145 V 215) gestützt auf das Gutachten der
Neurologie Toggenburg AG mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
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3. Die Beschwerde ist abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken wären an
sich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung ist er allerdings von der Pflicht, die Gerichtskosten zu
bezahlen, befreit. Der Staat hat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers infolge
der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung eine Entschädigung
auszurichten, die 80 Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31
Abs. 3 AnwG). Der erforderliche Vertretungsaufwand ist als durchschnittlich zu
qualifizieren. Die Versicherungsrichterinnen und Versicherungsrichter haben in einer
Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 beschlossen, in einem durchschnittlich aufwendigen
IV-Rentenfall neu eine um 500 Franken höhere Parteientschädigung von 4’000 Franken
zuzusprechen. Aus Praktikabilitätsgründen soll diese Praxisänderung sofort auf alle
hängigen Fälle Anwendung finden. Da die vorliegende Beschwerde erst nach dem
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für eine ideal
leidensadaptierte Tätigkeit zu 90 Prozent arbeitsfähig gewesen ist.
Der Beschwerdeführer könnte zusammenfassend trotz seiner Suchterkrankung
überwiegend wahrscheinlich ideal leidensadaptierte Hilfsarbeiten in einem Pensum von
90 Prozent ausüben. Den Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens bildet damit der statistische Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne,
was bedeutet, dass dieser dem Valideneinkommen entspricht. Der Betrag kann folglich
bei der Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen. Die
Invaliditätsbemessung kann somit anhand eines sogenannten Prozentvergleichs
erfolgen, was bedeutet, dass der Invaliditätsgrad dem Arbeitsunfähigkeitsgrad,
allenfalls korrigiert um einen dem sogenannten Tabellenlohnabzug analogen Abzug,
entspricht. Dieser zusätzliche Abzug kann maximal 25 Prozent betragen. Bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von lediglich zehn Prozent würde selbst bei Berücksichtigung
des – hier keineswegs gerechtfertigten – maximalen zusätzlichen Abzuges von 25
Prozent kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent
resultieren (100% – 90% × 75% = 32,5%). Für die Zeit vor März 2018 enthalten die
Akten keine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung. Nachdem die Sachverständigen
der Neurologie Toggenburg AG überzeugend aufgezeigt haben, dass eine fundierte
retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung für jene Zeit mangels objektiver
Befundschilderungen aus jenem Zeitraum nicht mehr möglich ist, liegt bezüglich der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der Zeit vor März 2018 eine objektive
Beweislosigkeit vor, deren Folgen der Beschwerdeführer zu tragen hat. Das bedeutet,
dass auch für die Zeit vor März 2018 eine Rentenzusprache nicht in Frage kommt.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung, mit der die Beschwerdegegnerin das
Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen hat, als rechtmässig.
2.4.
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Plenumsbeschluss vom 25. Mai 2021 beurteilt wird, ist die Entschädigung für die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung auf 80 Prozent von 4’000 Franken, also auf 3’200
Franken, festzusetzen. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten,
wird der Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur
Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).