Decision ID: f6b2025d-7e65-597d-b26e-c74465edb459
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
V._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Susanne Friedauer, c/o Kieser Senn Partner,
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Fürsprecherin Dr. iur. Marianne Sonder, Rossimattstrasse 17,
3074 Muri b. Bern,
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betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1948 geborene V._ war bei der A._ als Restaurantangestellte tätig und
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) unfallversichert, als
sie am 14. Februar 2005 auf Glatteis ausrutschte und auf die rechte Schulter stürzte
(Suva-act. 1). Die Versicherte wurde gleichentags in der Notfallstation des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) radiologisch untersucht, wobei eine eingestauchte
mehrfragmentäre Humeruskopffraktur rechts diagnostiziert werden konnte. Am
15. Februar 2005 wurde in der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG eine
Plattenosteosynthese durchgeführt (Suva-act. 2, 3). Die Suva anerkannte ihre
Leistungspflicht.
A.b Im September 2005 nahm die Versicherte die Arbeit vorerst an drei Tagen pro
Woche während ca. vier Stunden in einer angepassten Tätigkeit im Take-Away-Bereich
der Arbeitgeberin wieder auf (Suva-act. 19). Am 7. November 2005 erfolgte im KSSG
die Osteosynthesematerialentfernung sowie eine Arthrolyse und Mobilisation der
rechten Schulter (Suva-act. 27, 28). Kreisarzt Dr. med. B._ stellte bei seinen
Untersuchungen vom 9. Januar 2006 eine starke Einschränkung der
Schulterbeweglichkeit humeroscapulär fest (Suva-act. 34). Auf Grund seiner
Empfehlung wurde mit der Versicherten die Wiederaufnahme der
behinderungsgerechten leichten Tätigkeit per 16. Januar 2006 zu 50% und sodann
eine sukzessive Steigerung der Arbeitstätigkeit vereinbart (Suva-act. 35). In der Folge
konnte die Versicherte das Arbeitspensum jedoch nicht über 75% steigern (Suva-
act. 50).
A.c Am 29. September 2006 wurde der Versicherten eine inverse
Schultergelenkstotalprothese rechts implantiert (Suva-act. 55, 57, 60). Im Januar 2007
nahm sie die Arbeit vorerst stundenweise, später wieder zu 60% auf (Suva-act. 61, 62,
66, 68, 71, 78). Auf Grund seiner Untersuchungen vom 30. November 2007 empfahl
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Kreisarzt Dr. med. C._, Facharzt FMH für Chirurgie und Executive Master of Business
Administration, weitere Rehabilitationsmassnahmen zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit
(Suva-act. 94). Am 8. Januar 2008 wurde die Versicherte in der Klinik für Neurologie
des KSSG untersucht. Dabei stellten die behandelnden Ärzte ein chronisches
Schmerzsyndrom fest, fanden aber keine Hinweise auf eine Neuropathie als Ursache
dieses Schmerzsyndroms (Suva-act. 98).
A.d Nachdem die Arbeitsfähigkeit nicht über 60% hatte gesteigert werden können
(vgl. Suva-act. 99, 105), wurde die Versicherte vom 18. März bis 22. April 2008 in der
Rehaklinik Bellikon hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 23. April 2008 erklärten die
Ärzte, trotz sehr guter Motivation und Leistungsbereitschaft der Versicherten und trotz
intensiven physiotherapeutischen Massnahmen keine wesentliche
Zustandsverbesserung der Schulterbeschwerden erreicht zu haben. Sie attestierten
daher in der angepassten Tätigkeit als Mitarbeiterin im Take-Away-Bereich weiterhin
eine Arbeitsunfähigkeit von 40%; eine sehr leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit
erachteten sie ganztags mit zusätzlichen Pausen von insgesamt maximal einer Stunde
pro Arbeitstag für zumutbar (Suva-act. 108).
A.e Am 14. August 2008 hielt Kreisarzt Dr. B._ den gesundheitlich zu erwartenden
Endzustand der Schulterbeschwerden für gegeben (Suva-act. 119) und schätzte den
Integritätsschaden auf 25% (Suva-act. 120). Gemäss dem Besprechungsprotokoll vom
2. September 2008 zwischen der Versicherten, ihrer Arbeitgeberin und der Suva hatte
die Arbeitsmotivation der Versicherten in den letzten Monaten stark nachgelassen,
weshalb gleichzeitig mit dem Beginn der Suva-Berentung per 1. Oktober 2008 eine
vorzeitige Pensionierung vereinbart wurde (Suva-act. 124).
A.f Mit Verfügung vom 4. September 2008 sprach die Suva der Versicherten ab
1. Oktober 2008 eine Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrads von 21%
(Invalideneinkommen von Fr. 39'552.66 und Valideneinkommen von Fr. 50'027.50) und
eines versicherten Jahresverdienstes von Fr. 45'471.-- sowie eine
Integritätsentschädigung auf der Basis einer Integritätseinbusse von 25% zu (Suva-act.
126).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung reichte Rechtsanwältin lic. iur. Susanne Friedauer, Zürich,
für die Versicherte am 3. Oktober 2008 eine vorsorgliche Einsprache (Suva-act. 131)
und am 28. November 2008 eine ergänzende Einsprachebegründung ein (Suva-
act. 135).
B.b Mit Entscheid vom 22. Januar 2009 wies die Suva die Einsprache der
Versicherten ab (Suva-act. 140).
C.
C.a Am 25. Februar 2009 liess die Versicherte gegen den Einspracheentscheid vom
22. Januar 2009 durch ihre Rechtsvertreterin Beschwerde erheben. Die
Rechtsvertreterin stellte den Antrag, der Einspracheentscheid vom 22. Januar 2009 sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin
die gesetzlich geschuldeten Leistungen, insbesondere eine Invalidenrente basierend
auf einem Invaliditätsgrad von 40%, zu erbringen. Weiter sei ein zweiter
Schriftenwechsel durchzuführen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung führte die Rechtsvertreterin im Wesentlichen aus, dass infolge der
gesundheitlichen Einschränkungen der oberen Extremitäten nicht nachvollziehbar sei,
weshalb die Beschwerdeführerin in einer Tätigkeit, welche stehend oder gehend
ausgeübt werde, 60% arbeitsfähig, in einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit unter
Berücksichtigung von zusätzlichen Pausen jedoch voll arbeitsfähig sein solle. Da der
Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine 60%ige Arbeitsfähigkeit
zugemutet worden sei und es sich dabei um eine optimal angepasste, sehr leichte
Tätigkeit gehandelt habe, bleibe kein Platz für eine höhere Arbeitsfähigkeit in einer
noch optimaler angepassten Tätigkeit. Zudem hätte sich die Beschwerdegegnerin bei
der Ermittlung des Invalideneinkommens ohne Weiteres auf den bis zur Kündigung
erzielten tatsächlichen Verdienst stützen müssen. Aber selbst bei einer Ermittlung des
Invalideneinkommens unter Berücksichtigung der Lohnstrukturerhebung (LSE) des
Bundes resp. der von der Beschwerdegegnerin ins Recht gelegten DAP-Blätter wäre es
tiefer ausgefallen, weshalb ein Anspruch auf eine höhere Rente bestehe.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 26. Mai 2009 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde.
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C.c Mit Replik vom 17. Juni 2009 änderte die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin ihren Antrag dahingehend, als die Beschwerdegegnerin nach
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 22. Januar 2009 neu zu verpflichten sei, der
Beschwerdeführerin eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 36%
zuzusprechen. Zur Begründung des abgeänderten Antrags stützte sie sich auf den als
Beilage eingereichten Bericht von part, Amriswil, vom 7. März 2009 über die Evaluation
der funktionellen Leistungsfähigkeit EFL der Beschwerdeführerin (act. G 9.1). Danach
sei in einer optimal angepassten Tätigkeit von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von
70% auszugehen. Gehe man nun bei der Ermittlung des Invalideneinkommens von den
DAP-Blättern aus, resultiere ein Invalideneinkommen von Fr. 32'008.35 (bei einem
Vollzeitlohn für das Jahr 2008 von Fr. 45'726.20), ein Valideneinkommen von
Fr. 50'027.50 und eine Erwerbseinbusse von Fr. 18'019.15, was einen Invaliditätsgrad
von 36% ergebe. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 24. Juni 2009 am
Begehren auf Abweisung der Beschwerde fest.
C.d Auf die weiteren Begründungen und Ausführungen in den einzelnen
Rechtsschriften bzw. medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitgegenstand bildet einzig die Frage, welcher Invaliditätsgrad der der
Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2008 auszurichtenden Rente zu Grunde zu legen ist.
In Bezug auf die Höhe des Integritätsschadens ist die Verfügung vom 4. September
2008 in Rechtskraft erwachsen. Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen
Einspracheentscheid die rechtlichen Voraussetzungen für die Bemessung von
Rentenleistungen zutreffend dar (Erwägung 2); darauf kann verwiesen werden.
2.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach
hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht den Sachverhalt von Amtes
wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
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zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Dieser Grundsatz
gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten
der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a und 121 V 210 E. 6c, je mit Hinweisen). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Was Parteigutachten - wie vorliegend die EFL
vom 7. März 2009 - anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche
Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht
Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 E. 2a in fine, BGE 122 V 161 E. 1c).
3.
3.1 Bei der Festsetzung des Valideneinkommens ist als Ausgangspunkt vom vor
Eintritt der Invalidität tatsächlich erzielten Einkommen auszugehen. Dabei sind neben
dem Grundlohn auch weitere Lohnbestandteile wie Vergütungen z.B. für regelmässig
geleistete Überstunden zu berücksichtigen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl.
Zürich 2009, Art. 16 Rz. 12 f.). Gemäss den Angaben der Arbeitgeberin der
Beschwerdeführerin ist für das Jahr 2008 von einem Valideneinkommen von
Fr. 50'027.50 (13 x Fr. 3'785.-- + Fr. 800.-- M-Partizipation + Fr. 22.50 Abendzuschlag;
vgl. Suva-act. 118) auszugehen. Auf dieses ist vorliegend abzustellen.
3.2 Für die Festlegung des Invalideneinkommens stellte die Beschwerdegegnerin zu
Recht auf das der Beschwerdeführerin hypothetisch bei ausgeglichener Arbeitsmarkt
lage noch zumutbarerweise erzielbare Erwerbseinkommen ab. Auf das nach dem
Unfalleintritt erzielte Einkommen hätte nur dann abgestellt werden können, wenn
kumulativ ein besonders stabiles Arbeitsverhältnis den Bezug auf den allgemeinen
Arbeitsmarkt erübrigt hätte, die verbleibende Arbeitsfähigkeit zumutbar voll
ausgeschöpft hätte werden können und das Einkommen aus der Arbeitsleistung als
angemessen und nicht als Soziallohn ausgerichtet worden wäre (BGE 117 V 18 E. 2c/
aa). Nachdem die Arbeitgeberin gemäss dem Besprechungsprotokoll der Suva vom
2. September 2008 (Suva-act. 124) der Beschwerdeführerin aber wegen nachlassender
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Arbeitsmotivation gekündigt hätte, wenn diese sich nicht mit einer frühzeitigen
Pensionierung einverstanden erklärt hätte, kann bei der Tätigkeit in der Take-Away-
Abteilung nicht mehr von einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen
werden.
3.2.1 Grundlage für die Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens bildet
die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Gemäss dem Bericht des KSSG vom 14. Februar 2008
(Suva-act. 99) hielten die behandelnden Orthopäden im Anschluss an eine
Nachkontrolle Restbeschwerden des rechten Schultergelenks bei Implantation einer
inversen Schultergelenksprothese, Humeruskopfnekrose mit
Rotatorenmanschettenruptur nach proximaler mehrfragmentärer Humerusfraktur und
Adipositas fest. Zwar sei von einem zufriedenstellenden Ergebnis der Implantation
auszugehen, jedoch bestünden immer noch belastungsabhängige Restbeschwerden.
Im Bericht über das Orthopädische Konsilium vom 1. April 2008 (Suva-act. 108 S. 9 ff.)
befand Dr. med. D._, Orthopädische Chirurgie FMH, Rehaklinik Bellikon, die
Beweglichkeit, insbesondere die Flexion der rechten Schulter als nicht schlecht. Die
von der Beschwerdeführerin geschilderten Beschwerden erschienen in etwa
übereinstimmend mit den anatomisch-somatischen Verhältnissen. Nicht erklärbar sei
jedoch das Phänomen der nach einiger Zeit auftretenden Kontrakturen der Hand,
welche dann mit der Gegenhand in kurzer Zeit wieder in Ordnung gebracht werden
könnten. Ein neurologischer Hintergrund sei eher unwahrscheinlich, müsste aber von
neurologischer Seite her bestätigt werden. Gemäss dem Austrittsbericht der Rehaklinik
vom 23. April 2008 (Suva-act. 108) wurde schliesslich auf eine nochmalige
neurologische Evaluation verzichtet, da die Beschwerdeführerin bereits im Januar 2008
eingehend abgeklärt worden sei. Während des Reha-Aufenthalts seien insgesamt eine
differenzierte Schmerzbeschreibung, ein adäquates Schmerzverhalten, eine gute
Leistungsbereitschaft und eine gute Konsistenz aufgefallen. Die Beschwerdeführerin
habe zudem nie zu einer Symptomausweitung tendiert. Dennoch habe keine
wesentliche Zustandsverbesserung der Schulterbeschwerden erreicht werden können.
Für die Zumutbarkeitsbeurteilung unterschieden die behandelnden Ärzte differenziert
zwischen der beruflichen Tätigkeit im bisher ausgeführten Take-Away und anderen
beruflichen Tätigkeiten (gemäss DOT-Kategorien). Bei der Tätigkeit im Take-Away
gingen sie von einer zumutbaren Arbeitszeit von vormittags und nachmittags je 2.5 - 3
Stunden aus, was dem bisherigen Tätigkeitspensum entsprach. Nach maximal 2 - 3
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Stunden manueller Arbeit seien infolge von kumulativ zunehmenden Beschwerden
jedoch längere Pausen und Erholungszeit nötig. Zusätzlich sollten die maximale
Gewichtslimite von 7.5 kg nicht überschritten werden und keine wiederholte Arbeit über
Schulterhöhe, keine Vibrationen auf die rechte Schulter und keine repetitiven
Kraftbewegungen des rechten Arms im Arbeitsprozess erforderlich sein. Demgemäss
betrage die Arbeitsunfähigkeit ab 23. April 2008 40%. Für andere berufliche Tätigkeiten
definierten die Ärzte die Zumutbarkeit durch eine sehr leichte, vorwiegend sitzende
Tätigkeit (maximal 2 - 3 kg Gewichte selten) bei einer ganztägigen Arbeitszeit mit
zusätzlichen Pausen von insgesamt maximal 1 Stunde pro Arbeitstag. Spezielle
Einschränkungen sahen sie darin, dass keine repetitiven Bewegungen des rechten
Arms, insbesondere mit Gewicht, keine Arbeit über Brusthöhe und keine Schläge oder
Vibrationen auf die rechte Schulter zur Tätigkeit gehören sollten. Dass es sich bei der
bisher ausgeführten Tätigkeit um eine leichte und keine sehr leichte Tätigkeit handelt
und dass auf Grund der Kraft- und Gewichtsverlagerungen bei einer vorwiegend
sitzenden Tätigkeit mit den festgehaltenen Einschränkungen im Sinn einer sehr leichten
Tätigkeit auf die beschwerdebelastete rechte Schulter weniger Kraft ausgeübt würde,
erscheint nachvollziehbar. Obgleich sich die Beschwerdeführerin nach eigener
Einschätzung im Take-Away-Bereich bereits in einer optimal angepassten Tätigkeit
befand (vgl. act. G 1), wobei sie lediglich eine 60%ige Arbeitsfähigkeit erreichte, hielten
die Ärzte es für zumutbar, wenn sie in anderen, noch leichteren Tätigkeiten ein
ganztägiges Pensum, jedoch mit einer zusätzlichen Stunde Pause pro Tag, ausüben
würde. Dies aber wiederum unter den Voraussetzungen, dass diese Tätigkeiten sitzend
und nur noch selten mit maximal 2 - 3 kg Gewichten, sowie unter Beachtung der
weiteren, oben beschriebenen Einschränkungen ausgeführt würden. Solche anderen
Tätigkeiten sollten auf Grund einer noch geringeren Krafteinwirkung auf die Arme und
weniger Schulterarbeit eine höhere Arbeitsfähigkeit ermöglichen. Diese
Zumutbarkeitsbeurteilung beruht auf Abklärungen, welche während eines fast
einmonatigen Rehabilitationsaufenthalts in Bellikon durch verschiedene Fachärzte
vorgenommen wurden. Zudem wurden die Berichte in Kenntnis der medizinischen
Akten verfasst, sind in sich konkludent und nachvollziehbar. Sie stimmen auch
bezüglich der somatischen Leiden mit den übrigen ärztlichen Beurteilungen überein.
Eine einzige Diskrepanz ergibt sich zwischen dem Austrittsbericht der Rehaklinik und
der durch die Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereichten EFL-
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Beurteilung vom 7. März 2009 in Bezug auf die Zumutbarkeitsbeurteilung, weshalb
nachfolgend der EFL-Bericht zu prüfen ist.
3.2.2 Der EFL-Bericht stützt seine Ergebnisse auf eine medizinische
Untersuchung vom 24. Februar 2009 sowie Tests vom 2. und 3. März 2009 (act. G 9.1)
und geht scheinbar in Bezug auf die Vorgeschichte der Beschwerdeführerin von den
Erläuterungen des Berichts der Rehaklinik Bellikon vom 23. April 2008 aus. Die beiden
Gutachter, Dr. med. E._, Facharzt FMH für PMR und Facharzt FMH für Rheumato
logie, und F._, Betriebsphysiotherapeut, führten aus, das Beschwerdebild sei
insgesamt bezüglich Funktionsverlust gut in Übereinstimmung zu bringen mit dem
Zustand mit Schulterprothese rechts, bei bestehender Rotatorenmanschetten-Ruptur
(deren Ausmass aber aktuell nicht klar sei). Die Leistungsbereitschaft beurteilten sie als
teilweise fraglich, die Beobachtungen bei den Tests hätten auf eine Selbstlimitierung
hingewiesen und die Konsistenz bei den Tests sei im Wesentlichen mässig gewesen.
Zur Zumutbarkeitsbeurteilung gaben sie an, dass sich das Ausmass der demonstrierten
physischen Einschränkungen mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der
klinischen Untersuchungen aus somatischer Sicht nicht vollständig erklären lasse.
Deshalb stütze sich die Zumutbarkeitsbeurteilung auf medizinisch-theoretische
Überlegungen, ergänzt durch die Beobachtungen bei den Leistungstests. Eine
weitergehende Einschränkung der Belastbarkeit lasse sich medizinisch-theoretisch
nicht begründen. Im Unterschied zur Beurteilung der Rehaklinik wurde die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Take-Away-Abteilung als suboptimal
angepasst beschrieben und die Arbeitszeit auf idealerweise 2 x 2 - 2.5 Stunden
eingeschränkt. Zudem sei zu berücksichtigen, dass Heben und Tragen von Gewichten
mit dem rechten Arm nicht über 5 kg häufig am Tag stattfinden sollte. Die Zumutbarkeit
für jede andere berufliche Tätigkeit sahen sie in einer leichten Arbeit,
wechselbelastend, Sitzen, Stehen und Gehen, ganztags, aber mit zusätzlichen Pausen
von insgesamt ca. 2 - 2.5 Stunden pro Tag und speziellen Einschränkungen wie dem
Vermeiden von häufigem Heben und Tragen einseitig rechts von Gewichten über 5 kg
häufig am Tag, von repetitiven Tätigkeiten mit dem rechten Arm v.a. über Schulterhöhe,
von Ziehen und Stossen von Gewichten, von Überkopfarbeit mit zusätzlichem Handling
und längerdauerndem Arbeitseinsatz und von häufig stattfindenden grobmotorischen
Aktivitäten beidseits, insbesondere auch rechts, welche länger als 15min ohne
Unterbruch dauerten. Schliesslich hielten sie fest, dass bei optimaler Anpassung des
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Arbeitsplatzes und der Arbeitsaufgaben medizinisch-theoretisch ein Arbeitspensum
von 70% zugemutet werden könne. Im Ergebnis weicht diese Einschätzung jedoch
nicht wesentlich von derjenigen von Bellikon ab. Wie gemäss dem Bericht von Bellikon
wird die bisherige Tätigkeit im Umfang von 60% als zumutbar erachtet, eine optimalere
Tätigkeit im Rahmen von 70% allerdings praktisch wie die angestammte als leichte
Tätigkeit nach DOT-Kriterien umschrieben. Damit wird also eine anforderungsreichere
Tätigkeit noch zu 70% als zumutbar erachtet, während gemäss dem Gutachten von
Bellikon eine höhere Arbeitsfähigkeit in einer "sehr leichten" für zumutbar erachtet wird.
Wie im EFL-Bericht ausgeführt, muss bei diesen neueren Abklärungen aber
offensichtlich von einer Selbstlimitierung der Beschwerdeführerin ausgegangen
werden. Dies scheint vor dem Hintergrund erklärbar, dass die Untersuchungen erst
während des bereits laufenden Beschwerdeverfahrens stattfanden, weshalb davon
auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin bereits stark mental beeinflusst an diese
Untersuchungen und Tests heranging. Zudem war die Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt der part-Abklärungen seit fünf Monaten nicht mehr arbeitstätig und damit
aller Wahrscheinlichkeit nach körperlich schon weniger gefordert und geübt als noch
im Zeitpunkt der Untersuchungen in der Rehaklinik. Somit ist bei den EFL-Abklärungen
vom 7. März 2009 bereits von etwas anderen Vorzeichen als noch bei den Abklärungen
in Bellikon auszugehen, weshalb ihre - wenn auch nur geringen - Abweichungen darauf
zurückzuführen sind.
3.2.3 Nach dem Gesagten kann auf die Beurteilungen der Rehaklinik Bellikon
vom 23. April 2008 abgestellt werden, wonach eine sehr leichte, vorwiegend sitzende
Tätigkeit (mit maximal 2 - 3 kg Gewichten selten) ganztags und mit speziellen
Einschränkungen (vgl. Erwägung 3.2.1) zumutbar wäre. Durch die zusätzlich bedingten
Pausen von 1 Stunde pro Tag ergibt sich eine zeitliche Einschränkung von ca. 12%.
Die Beschwerdegegnerin hat sich bei der Berechnung des Invalideneinkommens auf
ihre Dokumentation über Arbeitsplätze (DAP) gestützt. Die für eine Anwendung der
DAP gemäss Rechtsprechung geltenden Voraussetzungen hat sie im
Einspracheentscheid vom 22. Januar 2009 korrekt wiedergegeben, weshalb darauf
verwiesen werden kann (vgl. Erwägung 6a und b). Weil die Invaliditätsbemessung auf
Grund hypothetischer Vergleichseinkommen und unter Berücksichtigung des in
Betracht fallenden (ausgeglichenen) allgemeinen Arbeitsmarktes zu erfolgen hat,
müssen die DAP auch im konkreten Einzelfall repräsentativ sein. Es genügt daher nicht,
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wenn lediglich ein einziger oder einige wenige zumutbare Arbeitsplätze angegeben
werden, weil es sich dabei sowohl hinsichtlich der Tätigkeit als auch des bezahlten
Lohnes um Sonder- oder Ausnahmefälle handeln kann. Eine Mindestzahl von fünf
Arbeitsplätzen erscheint daher in quantitativer Hinsicht als genügend (vgl. BGE 129 V
480 E. 4.2.2). Bei den von der Beschwerdegegnerin ausgewählten fünf DAP-
Arbeitsplätzen (Suva-act. 139) fällt auf, dass der Arbeitsplatz mit der DAP-Nr. 1860 und
der Funktionsbezeichnung "Bedienung Druckmaschine" gemäss den Angaben zur
Haltung nicht zwingend vorwiegend in sitzender Position ausgeführt wird, sondern
lediglich "oft" (34 - 66% der Arbeitszeit). Da gemäss EFL-Bericht das Kriterium der
sitzenden Tätigkeit jedoch nicht vorausgesetzt wird, die Beschwerdeführerin körperlich
grundsätzlich keine Einschränkungen beim Stehen und Gehen hat und die übrigen
Voraussetzungen des Arbeitsplatzes insbesondere in Bezug auf die maximalen
Gewichte, Arbeiten über Brusthöhe und die Bewegungsart die Kriterien einer sehr
leichten Arbeitstätigkeit erfüllen, spricht nichts gegen eine Anwendung dieses
Arbeitsplatzes. Auch, dass beim Arbeitsplatz mit der DAP-Nr. 3842 in der Abpackerei
keine Teilzeitarbeit möglich ist, spricht nicht grundsätzlich gegen seine Zumutbarkeit,
denn die zusätzlich geforderte Pausenzeit von einer Stunde pro Tag kann gemäss dem
DAP-Erfassungsblatt mit Blick auf den Arbeitsablauf eingehalten werden. Im Übrigen
sind auch die drei weiteren DAP-Blätter den behinderungsbedingten Einschränkungen
der Beschwerdeführerin angepasst, weshalb sie zu Recht als Grundlage für die
Ermittlung des Invalideneinkommens verwendet wurden.
3.2.4 Nach dem Gesagten kann auf den von der Beschwerdegegnerin auf Grund
der DAP-Löhne ermittelten Durchschnitt der vorhandenen Mindestlöhne von Fr.
45'726.20 abgestellt werden. Im Rahmen des DAP-Systems sind leidensbedingte
Abzüge grundsätzlich nicht sachgerecht und damit nicht zulässig (BGE 129 V 472 E.
4.2.3; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht vom 26. Februar 2004 i/S H.M.
[U 208/02]. Nach Abzug einer Arbeitsunfähigkeit von 12% für das Einlegen zusätzlicher
Pausen ergibt sich somit ein Invalideneinkommen von Fr. 40'239.05. Damit resultiert
aus der Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen ein
Erwerbsunfähigkeitsgrad von aufgerundet 20%. Unter diesen Gegebenheiten lässt sich
der von der Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 4. September 2008 errechnete
und im Einspracheentscheid vom 22. Januar 2009 bestätigte IV-Grad von 21% nicht
beanstanden.
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4.
Somit ergibt sich, dass sich die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die
Zumutbarkeitsbeurteilung der Rehaklinik Bellikon vom 23. April 2008 gestützt hat und
ihre Invaliditätsgradbemessung in Höhe von 21% gesamthaft betrachtet angemessen
ausgefallen ist. Ein Anlass zur Beanstandung des angefochtenen Entscheids besteht
nicht.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG