Decision ID: a9dccbd4-009e-47e7-a389-cfeed2dedf94
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals im Oktober 1993 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Er gab an, eine KV-Lehre absolviert zu haben. Dr. med. B._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, berichtete der IV-Stelle am 4. April 1994 (IV-act. 7), dass der
Versicherte an Angst- und Panikstörungen bei einer Persönlichkeit mit vermeidenden
und narzisstischen Zügen leide. Bisher seien alle Therapieversuche fehlgeschlagen. Der
Berufsberater notierte am 6. Mai 1995 (IV-act. 17), dass der Ve¬sicherte selbständig
auf Stellensuche sei. Eine Rente wünsche sich der Versicherte momentan nicht. Mit
Verfügung vom 14. Juli 1995 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 20).
B.
B.a Im März 2012 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-Leistungen
an (IV-act. 21). Er gab an, seit Juni 2011 an einem Morbus Sudeck zu leiden. Die C._
AG berichtete der IV-Stelle am 10. April 2012 (IV-act. 29), dass sie den Versicherten
seit dem 6. August 2007 in einem Pensum von 80 % als Sachbearbeiter
Kundenadministration beschäftige. Das derzeitige Arbeitspensum betrage 40 %.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.b Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeinmedizin, berichtete der RAD-Ärztin Dr. med.
E._ am 20. April 2012 telefonisch (IV-act. 38), dass der Versicherte an massiven
Schmerzen und einer zunehmenden Bewegungseinschränkung des rechten Arms leide.
Die Ursache sei unklar. Im Gesprächsprotokoll erwähnte der Hausarzt zudem einen
Ganzkörperschmerz. Der Versicherte sei in der leidensadaptierten Tätigkeit als
Sachbearbeiter seit längerem zu 50 %, intermittierend auch zu 100 %, arbeitsunfähig.
Dr. med. F._, Oberarzt Orthopädie Klinik G._, berichtete der IV-Stelle am 3. Mai
2012 (IV-act. 39), dass beim Versicherten ein Verdacht auf ein idiopathisches Schulter-
Hand-Syndrom rechtsdominant (Erstmanifestation Frühjahr 2011) bestehe. Aktuell sei
der Versicherte in seiner bisherigen Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig. Dr. D._ attestierte
dem Versicherten am 27. August 2012 weiterhin eine ca. 50 %ige Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 48). Der neue Hausarzt Dr. med. H._, Allgemeine Innere Medizin, berichtete der
IV-Stelle am 7. November 2012 (IV-act. 52), dass seit dem 23. August 2012 eine 70
%ige Arbeitsunfähigkeit für die Tätigkeit als Bankangestellter bestehe. Allerdings könne
der Versicherte auch in der 30 %igen Restarbeitsfähigkeit die geforderte Leistung nicht
erbringen.
B.c Anlässlich eines Gesprächs mit der Eingliederungsverantwortlichen vom 16. Mai
2012 gab der Versicherte an (IV-act. 58-2), dass er sich das Arbeitspensum von 80 %
leisten könne, da sein Partner auch berufstätig sei.
B.d Am 12. Dezember 2012 wurde der Versicherte im Auftrag der Taggeldversicherung
orthopädisch begutachtet (IV-act. 70-13 ff.). Dr. med. I._ gab die folgenden
Diagnosen an:
• Erhebliche Funktionseinschränkungen beider Schultergelenke bei Schmerzen bei
Anhalt auf die Diagnose einer frozen shoulder
• rechts ausgeprägter als links auch Funktionseinschränkungen der
Ellenbogengelenke, Handgelenke und rechts auch der Funktionen der rechten Hand
mit Krallenstellung Digitus II-V
• Fehlstatik der Wirbelsäule, Haltungsinsuffizienz, verschmächtigte Rumpf- und
schulterumgreifende Muskulatur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
• kein sicheres nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit.
Dr. I._ erklärte, dass eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei. Der
Krankheitsverlauf der frozen shoulder könne zwischen ein und drei Jahren betragen. Es
sei mit einer Wiederherstellung der normalen Funktionen der oberen Extremitäten zu
rechnen. Mit Verweis auf ein psychiatrisches Gutachten von Dr. med. J._ erwähnte
Dr. I._ zudem eine leichte depressive Episode ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
B.e Das Zentrum für Paraplegie der Klinik G._ erklärte im Untersuchungsbericht vom
8. Januar 2013 (IV-act. 69-4 f.), dass beim Versicherten von einer extrapyramidalen
Bewegungsstörung auszugehen sei. Bei Dominanz des Rigors, vermehrter Fallneigung
und "erstauntem Blick" seien neben einem idiopathischen Parkinsonsyndrom auch
ohne vertikale oder horizontale Blickparese weitere extrapyramidal-motorische
Störungen zu diskutieren. Die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen
(KSSG) erklärte am 25. Februar 2013 (IV-act. 70-33 f.), dass der Versicherte an einem
generalisierten Schmerzsyndrom mit Betonung der rechten oberen Extremität m/b
aktenanamnestisch rheumatologisch, orthopädisch und infektiologisch unauffälligen
Befunden, am ehesten psychosomatischer Genese, leide. Aktuell bestehe klinisch kein
Hinweis für das Vorliegen einer Parkinsonerkrankung.
B.f Am 19. März 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 60), dass wegen
seines Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien. Wegen eines dringenden Verdachts auf eine (ANCA-negative)
Panarteriitis nodosa war der Versicherte vom 13. bis 19. September 2013 in der Klinik
für Rheumatologie des Universitätsspitals Zürich (USZ) hospitalisiert (IV-act. 70-49 ff.).
Als Diagnosen gaben die Ärzte u.a. eine Periarthropathia humeroscapularis ankylosans
beidseits (frozen shoulder), eine chronische Hepatitis B (Erstdiagnose) und einen
Morbus Basedow an. Dr. med. K._, Allgemeine Medizin, informierte die IV-Stelle am
21. Dezember 2013 darüber (IV-act. 75), dass sich der Versicherte von April bis Juni
2013 in ihrer psychotherapeutischen Behandlung befunden habe.
B.g Am 27. Dezember 2013 meldete sich der Versicherte zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung an (IV-act. 76).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.h Lic. phil. L._ berichtete der IV-Stelle am 21. Februar 2014 (IV-act. 79), dass sich
der Versicherte vom 13. August bis 20. Februar 2013 in ihrer psychotherapeutischen
Behandlung befunden habe. Als Diagnose gab sie somatoforme Schmerzen bei
schwerer neurotischer Veränderung der Persönlichkeit an. Der Therapieverlauf sei
durch verschiedene Umstände erschwert oder gestört gewesen: Immer neuen
Vermutungen und Ängsten folgten zahlreiche Abklärungen. Spezifische
Schmerzbewältigungsverfahren hätten wegen des hypersensiblen Umgangs des
Versicherten mit seinen Schmerzen bloss initiiert werden können. Eine medikamentöse
Behandlung sei aufgrund mangelnder Compliance nicht in Betracht gezogen worden.
Der Versicherte habe die Therapie mit der Begründung, dass er sich die Schmerzen
beim Busfahren und Treppensteigen nicht zumuten wolle, beendet (Bericht vis. von Dr.
med. M._, Psychosomatik, Psychotherapie).
B.i Im Juni/August 2014 wurde der Versicherte polydisziplinär (allgemeininternistisch,
psychiatrisch, rheumatologisch, neurologisch und neuropsychologisch) durch die ABI
Aerztliches Begutachtungs-Institut GmbH (nachfolgend: ABI) begutachtet (Gutachten
vom 2. September 2014, IV-act. 94). Die Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
lauteten:
1. Funktions- und Belastungsdefizit des gesamten rechten Armes
- eingeschränkte aktive und passive Schulter- und Ellenbogengelenksbeweglichkeit
- radiologisch und sonographisch unauffälliger Befund des Schultergelenks
- kleinvolumiger irregulär berandeter axillärer Recessus mit begleitendem
Weichteilödem (MR-Arthographie 01/2012)
2. Funktions- und Belastungsdefizit linke Schulter
- klinisch und sonographisch keine Hinweise auf frozen shoulder oder
Rotatorenmanschettenläsion
3. leichte kognitive Beeinträchtigung
- bei Diagnosen 1, 2, 4 und 5
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter:
4. Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
5. akzentuierte ängstlich-vermeidende Persönlichkeitszüge
6. chronisches thorakolumbospondylogenes Schmerzsyndrom
- myostatische Insuffizienz mit den entsprechenden muskuloligamentären
Überlastungsreaktionen
- klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik
7. chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom
- Dysbalancen der Schultergürtelmuskulatur
- klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik
- kernspintomographisch 12/2011 unauffälliger Befund
8. chronische Hepatitis B
9. Verdacht auf arterielle Hypertonie mit leicht erhöhten diastolischen Blutdruckwerten
10. Morbus Basedow, aktuell euthyreote Schilddrüsenfunktion
11. Übergewicht.
Dr. med. N._ fand aus allgemein-internistischer Sicht keine Befunde und Diagnosen,
die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte und mittelschwere
Tätigkeiten begründen würden. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. O._ hielt fest,
dass der Versicherte seine Beschwerden einzig auf somatische Ursachen zurückführe.
Der Versicherte sei nicht in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung, nehme
aber ein Antidepressivum ein. Die Prognose sei aufgrund des chronischen Verlaufs und
der deutlich ausgeprägten Krankheits- und Behindertenüberzeugung ungünstig. Es
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bestehe weder eine schwere psychiatrische Komorbidität noch eine schwere
chronische somatische Erkrankung. Es liege ein deutlicher sozialer Rückzug vor; der
Versicherte habe aber durchaus wenige Kontakte. Durch den im häuslichen Umfeld
betriebenen beträchtlichen Aufwand könnte ein sekundärer Krankheitsgewinn
entstehen. Es bestünden Hinweise auf eine konflikthafte Vater-Beziehung, die aber
nicht gänzlich unbewusst zu sein scheine. Ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr
beeinflussbarer innerseelischer Verlauf bei einer zwar entlastenden, aber missglückten
Konfliktbewältigung im Sinne eines unbewussten Konflikts oder eines primären
Krankheitsgewinns sei nicht erwiesen. Die therapeutischen Möglichkeiten seien
theoretisch nicht ausgeschöpft. Da die Kriterien der Zumutbarkeit nicht hinreichend
erfüllt seien, könne aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit begründet
werden. Die rheumatologische Gutachterin Dr. med. P._ erklärte, dass sich für die
vom Versicherten angegebenen Schmerzen und Funktionseinschränkungen am
Bewegungsapparat nur zum Teil ein entsprechendes morphologisches Korrelat
gefunden habe. Auffällig sei die starke Invalidisierung, die gemäss dem Versicherten
sogar dazu führe, dass ihm das Essen eingegeben werden müsse. Selbst bei Vorliegen
einer frozen shoulder wäre es möglich, eigenständig zu essen. Die wahrscheinlichste
Ursache für die Funktionseinschränkungen der rechten Schulter, des rechten
Ellenbogens und der linken Schulter dürfte die permanente Ruhigstellung sein. Aus
rheumatologischer Sicht sei der Versicherte für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
ohne Überkopfarbeiten zu 100 % arbeitsfähig. Der neurologische Gutachter Dr. med.
Q._ führte aus, dass sich bei der klinischen Untersuchung eine deutliche Diskrepanz
zwischen der Situation während der fokussierten Untersuchung sowie bei Ablenkung
bzw. in unbeachteten Situationen gezeigt habe. Während der fokussierten
Untersuchung sei es dem Versicherten zeitweise nicht möglich gewesen, irgendwelche
Bewegungen mit den Händen und Füssen durchzuführen. Wenige Sekunden danach
sei er völlig locker vom Stuhl aufgesprungen und im Untersuchungszimmer
umhergegangen. An den Armen habe der Versicherte eine hochgradige, wechselnde
Innervation mit Störung der Feinmotorik (starke Verlangsamung) gezeigt. Beim
Ankleiden habe er jedoch völlig gezielte Bewegungen mit beiden Händen ausgeführt.
Aus neurologischer Sicht könne keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt werden. Es müsse davon ausgegangen werden, dass der funktionellen
Bewegungsstörung eine schwere psychische Störung zugrunde liege. Wahrscheinlich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
setze der Versicherte seine Arme im Alltag tatsächlich nicht mehr ein. Dazu passten
auch die durch das andauernde Hinlegen der Arme auf die Oberschenkel bedingten
Abnutzungserscheinungen an der Hose. Gemäss dem Neuropsychologen lic. phil.
R._ sei die neuropsychologische Untersuchung erschwert gewesen sei, weil sich der
Versicherte ausserstande gesehen habe, die Arme und Hände einzusetzen. Im Bereich
des selbst aktiven Abrufs von Wörtern habe sich eine Leistungsschwankung gefunden.
Eine eigentliche Leistungseinbusse habe sich auf dem Gebiet des Textgedächtnisses
gezeigt. Auf dem Gebiet der kognitiven Geschwindigkeit habe sich eine leichte
Einschränkung bei gegebener kognitiver Interferenzstabilität gefunden. Gesamthaft sei
die Einschränkung, die eine Folge der Schmerzzustände sei, als leicht einzustufen. Die
Arbeitsfähigkeit sei aus neuropsychologischer Sicht zu 10 % beeinträchtigt. In
polydisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit für die
angestammte Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter wie auch für jede andere
körperlich leichte, wechselbelastende, adaptierte Tätigkeit auf 90 % (vollschichtig
realisierbar). RAD-Ärztin Dr. E._ erklärte am 19. September 2014 (IV-act. 95), dass
auf die Beurteilung des ABI abgestellt werden könne.
B.j Am 3. Oktober 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er keinen
Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen habe, da er sich aktuell nicht in
der Lage fühle, an Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 101).
B.k Mit Vorbescheid vom 23. Oktober 2014 (IV-act. 106) stellte die IV-Stelle dem
Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs in
Aussicht. Zur Begründung hielt sie fest, dass der Versicherte zu 80 % als
Erwerbstätiger und zu 20 % als Hausmann zu qualifizieren sei. In der angestammten
Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 90 %. Der
Versicherte sei daher in der Lage, das gleiche Einkommen zu erzielen wie bisher. Im
Haushalt bestehe keine Einschränkung, da dem Partner des Versicherten eine tägliche
Mithilfe im Haushalt von 60-90 Minuten zumutbar sei. Dagegen liess der Versicherte
am 17. November/15. Dezember 2014 einwenden (IV-act. 108 und 112), dass bereits
aus formellen Gründen auf das ABI-Gutachten nicht abgestellt werden könne. Indem
das ABI deutsche Ärzte für Begutachtungen einfliege, erhöhe es seine Kapazität und
unterlaufe das Auswahlverfahren über die Auswahlplattform SuisseMED@p. Weiter sei
die rheumatologische Gutachterin nicht ausreichend qualifiziert, um in komplexen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fällen medizinische Gutachten zu erstellen. Da sie das Gutachten nur elektronisch
visiert habe, stelle sich ausserdem die Frage, ob das Teilgutachten ohne ihr Wissen
nachträglich abgeändert worden sei. Der neurologische und der neuropsychologische
Gutachter seien nicht nur für das ABI, sondern auch für eine andere Gutachterstelle
tätig. Indem die Gutachterstellen dieselben Ärzte als Gutachter anstellten, hebelten sie
ein faires Auswahlverfahren aus. Die psychiatrische Untersuchung sei schliesslich von
Vornherein nicht aussagekräftig, da sie lediglich 15 Minuten gedauert habe. Der
Rechtsvertreter des Versicherten machte bezüglich der einzelnen Teilgutachten zudem
materielle Mängel geltend. Dem Einwand lagen Fotoaufnahmen von Händen (IV-act.
112-18 ff.) und Füssen (IV-act. 112-21 f.) bei. Die Leiterin ambulante Leistungen der
Spitex S._ hatte den Versicherten in einem Schreiben vom 22. Mai 2014 darauf
hingewiesen (IV-act. 112-16 f.), dass die verbale und physische Aggression des
Versicherten gegenüber den Spitexmitarbeiterinnen nicht geduldet werde. Um die
Einsätze für die Pflege sicherzustellen, müsse er sich künftig an die Regeln und
Vorgaben der Spitex halten.
B.l Im Rahmen der Überprüfung des Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung führte
RAD-Ärztin Dr. med. T._ am 18. Dezember 2014 aus (IV-act. 113), dass der
Versicherte unter Berücksichtigung der aktuellen medizinischen Befunde und der
Vorgeschichte aus neurologisch-psychiatrischer Sicht an einer schweren psychischen
Erkrankung aus dem neurotischen-somatoformen Formenkreis leide, die sich bereits
vor über 20 Jahren mit einer aktenkundig dokumentierten, langwierigen psychischen
Dekompensation manifestiert habe und zum Arbeitsplatzverlust, zu einer finanziell
prekären Situation, zur Überlastung des Partners, zur nachweislichen Versteifung der
Schultergelenke durch Nichtgebrauch und zu einem sozialen Rückzug geführt habe.
Bei diesem langwierigen Krankheitsverlauf mit progredienter Symptomatik und
fehlendem Ansprechen auf zahlreiche ambulante und stationäre Behandlungsversuche
müsse davon ausgegangen werden, dass der Versicherte die Symptomatik nicht
willentlich beeinflussen könne. Durch die schwere psychische Erkrankung seien der
angegebene regelmässige und erhebliche Unterstützungsbedarf in den
alltagspraktischen Verrichtungen (Ankleiden, Essen, Körperpflege, Verrichten der
Notdurft, Fortbewegung im Freien/Pflege gesellschaftlicher Kontakte) und die
Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begleitung plausibel begründet.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.m Am 13. Januar 2015 entgegnete RAD-Ärztin Dr. E._ den Einwänden des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers zum Vorbescheid (IV-act. 116), dass im
psychiatrischen Teilgutachten eine Stellungnahme zu früheren psychiatrischen
Einschätzungen vorhanden sei. Bei der durchgeführten neuropsychologischen
Untersuchung handle es sich um die geforderte testpsychologische
Zusatzuntersuchung. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt.
B.n Am 22. Januar 2015 fand ein Gespräch zwischen dem zuständigen Sachbearbeiter
des Fachbereichs HE/Sachleistungen, der zuständigen Sachbearbeiterin des
Fachbereichs IV-Renten und den RAD-Ärzten Dr. med. U._, Dr. E._ und Dr. T._
statt (IV-act. 118). Im Gesprächsprotokoll vom 23. Januar 2015 wurde vermerkt, dass
bei der Rente explizit die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der medizinischen
Diagnostik und somit der geltenden Rechtsanwendung geprüft werde. Bei der
Hilflosenentschädigung werde anerkannt, dass die Funktionseinschränkungen eine
erhebliche und regelmässige Hilfsbedürftigkeit bei alltäglichen Lebensverrichtungen
auslösten.
B.o Mit Verfügung vom 22. Januar 2015 wies die IV-Stelle das Rentengesuch wie
angekündigt ab (IV-act. 117). Bezüglich des Einwandes gab sie die RAD-
Stellungnahme vom 13. Januar 2015 wieder. Mit Vorbescheid vom 2. Februar 2015 (IV-
act. 120) stellte die IV-Stelle dem Versicherten ab dem 1. Dezember 2012 einen
Anspruch auf eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit in Aussicht.
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 22. Januar 2015 liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 25. Februar 2015 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Verpflichtung der IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin), dem Beschwerdeführer die gesetzlichen
Leistungen, insbesondere eine ganze Invalidenrente ab September 2012, auszurichten.
Die Beschwerdebegründung entsprach inhaltlich weitgehend der Einwandbegründung.
Ergänzend machte der Rechtsvertreter geltend, dass das ABI nur mit
Gutachtensaufträgen rechnen dürfe, wenn es die Probanden gesundschreibe. Dem
Rechtsvertreter sei kein einziges ABI-Gutachten bekannt, das eine rentenwirksame
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsfähigkeit bestätigt habe. Da die IT-Plattform die vom Bundesgericht geforderte
Unabhängigkeit der Medas nicht zu gewährleisten vermöge, komme den Medas-
Gutachten, die nach dem "Zufallsprinzip" verteilt worden seien, keine erhöhte
Beweiskraft zu. Die beweisrechtliche Situation sei mit derjenigen bei
versicherungsinternen medizinischen Entscheidgrundlagen vergleichbar, wo selbst
schon relativ geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellung genügten, um eine neue Begutachtung anzuordnen. Im Übrigen habe die
Beschwerdegegnerin mit der angekündigten Zusprache einer Hilflosenentschädigung
mittleren Grades die Widersprüchlichkeit des Gutachtens selber eingestanden.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. Mai 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie zusammengefasst aus, dass es
keine Vorgaben gebe, wie viele Aufträge eine Medas-Stelle im Jahr maximal ausführen
dürfe. Der Umstand, dass zwei Gutachter offenbar sowohl für das ABI als auch für eine
andere Gutachterstelle tätig seien, erwecke ebenfalls keine Bedenken. Die
rheumatologische Gutachterin führe den Facharzttitel einer Rheumatologin. Demnach
sei sie, unabhängig davon, ob sie den Facharzttitel in der Schweiz oder im Ausland
erworben habe, kompetent, rheumatologische Begutachtungen vorzunehmen. Die
Spekulation des Beschwerdeführers, das rheumatologische Teilgutachten könnte
nachträglich abgeändert worden sei, entbehre jeder Grundlage. Die formellen
Einwände seien unbegründet. Das ABI-Gutachten sei ausführlich abgefasst und dessen
Schlussfolgerungen erschienen zusammen mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung als
begründet. Es gebe keine Hinweise, dass die Untersuchungen zu wenig lang gedauert
hätten. Demnach sei vollumfänglich auf das ABI-Gutachten abzustellen.
C.c In seiner Replik vom 21. Juli 2015 (act. G 9) machte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ergänzend geltend, dass die Ausführungen zur Überwindbarkeit
der somatoformen Schmerzstörung bzw. zu den Foerster-Kriterien aufgrund der mit
dem Urteil vom 3. Juni 2015 eingeführten Praxisänderung zur Makulatur geworden
seien. Eine fachärztliche Begutachtung des Beschwerdeführers, die sich an den neu
eingeführten Indikatoren orientierte, habe nicht stattgefunden. Anhand der IV-Akten
könne jedoch alleine aufgrund der somatoformen Schmerzstörung von einer
ausgewiesenen, 100 %igen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.d Am 2. Oktober 2015 reichte der Rechtsvertreter eine Honorarnote über den Betrag
von Fr. 10'457.-- ein (act. G 11).

Erwägungen
1.
1.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, dass die
Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör
verletzt habe, indem sie es unterlassen habe, die vom Beschwerdeführer bezüglich der
Frage der Dauer der psychiatrischen Begutachtung offerierten Beweise (Befragung des
Partners des Beschwerdeführers und des psychiatrischen Gutachters) abzunehmen.
1.2 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die Begründungspflicht ist ein
wesentlicher Bestandteil des in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101)
verfassungsrechtlich verankerten Anspruchs auf rechtliches Gehör. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll die Begründungspflicht zum einen
verhindern, dass sich die Verwaltungsbehörde von unsachlichen Motiven leiten lässt.
Zum anderen soll sie es der betroffenen Person ermöglichen, die Verfügung
gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. In der Entscheidbegründung müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Verwaltungsbehörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies
bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann
sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 124
V 180 E. 1a mit Hinweisen).
1.3 Der angefochtenen Verfügung ist zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin
trotz der Einwände des Beschwerdeführers auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI
abgestellt hat. Bezüglich der Dauer der psychiatrischen Begutachtung hat die
Beschwerdegegnerin insoweit Stellung genommen, als sie die Aussage des
Beschwerdeführers, die Untersuchung habe lediglich 15 Minuten gedauert, als (reine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Partei-)"Behauptung" bezeichnet hat. Insgesamt geht aus der Verfügungsbegründung
klar hervor, wie die Beschwerdegegnerin den IV-Grad ermittelt hat. Die in der
Verfügung enthaltenen Informationen haben somit ausgereicht, um den
Rentenentscheid sachgerecht anfechten zu können. Demnach hat die
Beschwerdegegnerin dadurch, dass sie nicht konkret auf die Beweisanträge des
Beschwerdeführers eingegangen ist, ihre Begründungspflicht nicht verletzt.
2.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad von 0 % verneint. Strittig ist demnach, ob
der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
4.
4.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat dem ABI-Gutachten bereits aus
formellen Gründen jeglichen Beweiswert abgesprochen. Er hat insbesondere geltend
gemacht, dass die ABI-Gutachter nicht unabhängig seien, dass die rheumatologische
Gutachterin ungenügend qualifiziert gewesen sei, um in komplexen Fällen medizinische
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gutachten zu erstellen und dass sich die Frage stelle, ob das rheumatologische
Teilgutachten nachträglich ohne das Wissen der rheumatologischen Gutachterin
abgeändert worden sei. Es bestehen keine Hinweise dafür, dass die Gutachter des ABI
bei der Begutachtung des Beschwerdeführers voreingenommen oder befangen
gewesen sind. Auch ist nicht ersichtlich, weshalb die rheumatologische Gutachterin
nicht über die notwendige fachliche Qualifikation verfügen sollte. Auch bestehen keine
Anhaltspunkte dafür, dass das rheumatologische Teilgutachten nachträglich
abgeändert worden sein könnte. Die formellen Einwände des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers gegen das ABI-Gutachten sind somit nicht stichhaltig.
4.2 Zu prüfen bleibt, ob das ABI-Gutachten inhaltlich überzeugt. Der psychiatrische
Gutachter Dr. O._ hat beim Versicherten eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert. Unter Berücksichtigung der unter der alten
Rechtsprechung geltenden Foerster-Kriterien hat er einen Einfluss der Schmerzstörung
auf die Arbeitsfähigkeit verneint. Mit BGE 141 V 281 vom 3. Juni 2015 hat das
Bundesgericht seine Praxis zur Beurteilung des Anspruchs auf eine Invalidenrente
wegen somatoformer Schmerzstörungen und vergleichbarer psychosomatischer
Leiden geändert (vgl. z.B. IV-Rundschreiben Nr. 334). Nach dem alten
Verfahrensstandard eingeholte Gutachten haben durch die Praxisänderung nicht per se
ihren Beweiswert verloren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des
Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen
entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen
Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In jedem einzelnen Fall ist zu prüfen, ob
die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten ‒
gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten ‒ eine schlüssige
Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V
281 E. 8). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat mit Blick auf die
Rechtsprechungsänderung geltend gemacht, dass allein aufgrund der diagnostizierten
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung von einer vollen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden könne. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Gutachten des ABI mit
Bezug auf die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung eine
schlüssige Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit im Lichte der neuen
Rechtsprechung erlaubt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.3 Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 die bisherige Vermutung, dass der
versicherten Person eine Willensanstrengung zuzumuten sei, mit welcher die Folgen
einer somatoformen Schmerzstörung oder eines vergleichbaren psychosomatischen
Leidens überwunden werden könnten, aufgegeben. Neu muss eine ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung anhand eines Kataloges von Indikatoren des tatsächlich
erreichbaren Leistungsvermögens erfolgen. Die Handhabung des Katalogs muss stets
den Umständen des Einzelfalls gerecht werden; es handelt sich nicht um eine
"abhakbare Checkliste". Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren sind:
1. Funktioneller Schweregrad:
- Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome;
- Behandlungserfolg oder -resistenz;
- Komorbiditäten;
- "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische
Funktionen);
- sozialer Kontext.
2. Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens):
- Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen (sozialer Rückzug, Ressourcen);
- Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen;
- Verhalten im Rahmen der beruflichen (Selbst-)Eingliederung.
Die diagnoserelevanten Befunde und Symptome sind stark ausgeprägt. Der
Beschwerdeführer macht geltend, wegen der Beschwerden an den Schultern, Armen
und Händen nicht einmal mehr in der Lage zu sein, die alltäglichen
Lebensverrichtungen selbständig vorzunehmen. Er lässt sich denn auch von der Spitex
betreuen. Die rheumatologische Gutachterin ist zum Schluss gekommen, dass die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wahrscheinlichste Ursache für die Funktionseinschränkungen der oberen Extremitäten
die permanente Ruhigstellung sein dürfte. Auch der neurologische Gutachter Dr. Q._
ist davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer seine Arme im Alltag
wahrscheinlich tatsächlich nicht mehr einsetzt. Allerdings hat derselbe Gutachter auch
eine deutliche Diskrepanz des Verhaltens des Beschwerdeführers in und ausserhalb
der Untersuchungssituation beobachtet. Insbesondere habe der Beschwerdeführer
beim Ankleiden völlig gezielte Bewegungen mit beiden Händen ausgeführt und beim
Auspacken von Akten aus der Tasche seien völlig flüssige, gezielte Bewegungen ohne
wesentliche Einschränkung erkennbar gewesen. Dr. med. V._, Innere Medizin und
Rheumatologie, hatte bereits bei der Untersuchung am 3. August 2011 (Bericht vom 4.
August 2011, IV-act. 38-5 ff.) Inkonsistenzen festgestellt: Ein starkes Gegenspannen
habe eine konklusive Untersuchung der Beweglichkeit der Wirbelsäule verunmöglicht.
An der rechten oberen Extremität habe der Beschwerdeführer eine stark
eingeschränkte Kraft angegeben, die ausserhalb der Untersuchungssituation nicht
nachvollziehbar gewesen sei. Bezüglich des Vorliegens eines sekundären
Krankheitsgewinns hat sich der psychiatrische Gutachter offenbar nicht festlegen
wollen: Er hat lediglich erwähnt, dass durch den im häuslichen Umfeld betriebenen
beträchtlichen Aufwand ein sekundärer Krankheitsgewinn entstehen könnte. Ob ein
sekundärer Krankheitsgewinn vorliegt, erscheint für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
jedoch nicht unwesentlich. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat mit der
Einwandbegründung einen Bericht der Spitex vom 22. Mai 2014 eingereicht, in dem ein
auffälliges, mitunter verbal und physisch aggressives Verhalten des Beschwerdeführers
gegenüber verschiedenen Spitex-Mitarbeiterinnen beschrieben worden ist. Mit den
vom psychiatrischen Gutachter erwähnten akzentuierten ängstlich-vermeidenden
Persönlichkeitszügen kann dieses auffällige Verhalten nicht erklärt werden. Es stellt
sich daher die Frage, ob der psychiatrische Gutachter die Persönlichkeit des
Beschwerdeführers richtig bzw. vollständig erfasst hat. Der Beschwerdeführer hat im
Jahr 2012/2013 eine sechsmonatige Behandlung bei der Psychologin lic. phil. L._
absolviert, die er abrupt beendet hat. Diese kurze Therapie kann nicht als ausreichende
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bezeichnet werden. Sollte die erneute
somatische Begutachtung keine neuen Erkenntnisse bezüglich der Ursache der
Bewegungseinschränkungen und Schmerzen liefern, wäre daher zu prüfen, ob die
Nichtinanspruchnahme einer ausreichenden psychiatrisch-psychotherapeutischen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Therapie auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen
ist (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2). Aus dem ABI-Gutachten geht nämlich hervor, dass
der Beschwerdeführer seine Beschwerden auf eine rein somatische Ursache
zurückführt. Nach dem Gesagten ist es im vorliegenden Fall nicht möglich, anhand der
Akten zu beurteilen, ob der diagnostizierten anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung unter Berücksichtigung der neuen bundesgerichtlichen
Rechtsprechung eine Arbeitsunfähigkeit beizumessen ist. Dies bestätigen auch die
unterschiedlichen Einschätzungen der RAD-Ärztinnen Dr. E._ und Dr. T._. Während
Erstere die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters, wonach es dem
Beschwerdeführer zumutbar sei, die subjektiv empfundenen Schmerzen willentlich zu
überwinden, als plausibel erachtet hat, hat Letztere erklärt, es müsse davon
ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer die Symptomatik nicht willentlich
beeinflussen könne. Da ohnehin eine neue psychiatrische Begutachtung notwendig ist,
kann offen gelassen werden, ob die psychiatrische Exploration 15 oder 45 Minuten
gedauert hat. Anzumerken bleibt, dass das von Dr. I._ in ihrem Gutachten erwähnte
psychiatrische Teilgutachten von Dr. J._ nicht bei den Akten liegt. Dieses ist somit
noch einzuholen und dem zu beauftragenden psychiatrischen Gutachter zur Verfügung
zu stellen.
4.4 Die rheumatologische Gutachterin Dr. P._ hat erklärt, dass sie für die vom
Beschwerdeführer geltend gemachten Schmerzen und Funktionseinschränkungen am
Bewegungsapparat nur zum Teil ein entsprechendes morphologisches Korrelat
gefunden habe. Im Gegensatz zur Orthopädin Dr. I._ und zu den Ärzten der Klinik für
Rheumatologie des USZ hat sie (den Verdacht auf) das Vorliegen einer frozen shoulder
verneint. Als die wahrscheinlichste Ursache für die Funktionseinschränkungen der
rechten Schulter, des rechten Ellenbogens und der linken Schulter hat die
rheumatologische Gutachterin die permanente Ruhigstellung angesehen. Die aktuellste
MR-Arthographie des rechten Schultergelenks datiert vom 9. Januar 2012, d.h. sie ist
im Untersuchungszeitpunkt rund zweieinhalb Jahre alt gewesen; vom linken
Schultergelenk ist bisher offenbar gar kein MRI gemacht worden. Dafür ist im
September 2013 eine Sonographie beider Schultergelenke durchgeführt worden. Die
rheumatologische Gutachterin hat also keine aktuellen bildgebenden Untersuchungen
durchgeführt resp. durchführen lassen. Ob im Rahmen einer Begutachtung
bildgebende Verfahren eingesetzt werden, ist grundsätzlich Sache des Untersuchers.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Das klinische Bild und die Einsatzfähigkeit der Arme in unbeobachteten Situationen
sprechen eher gegen eine rheumatologische Erkrankung, weshalb der Verzicht der
rheumatologischen Gutachterin auf neue bildgebende Untersuchungen grundsätzlich
nachvollziehbar ist. Um eine organische Ursache der geltend gemachten
Funktionseinschränkungen sicher ausschliessen zu können, erscheint es aus der Sicht
eines medizinischen Laien dennoch sinnvoll, die oberen Extremitäten ergänzend noch
einmal bildgebend zu untersuchen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass zumindest
eine erneute rheumatologische und psychiatrische Begutachtung notwendig ist.
5.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die Neubegutachtung in
Auftrag geben muss, d.h. ob die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
oder ob ein Gerichtsgutachten zu veranlassen ist. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung soll ein kantonales Versicherungsgericht in der Regel dann ein
Gerichtsgutachten einholen, wenn es im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss
kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt oder in
wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise
sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-
Stelle soll hingegen möglich bleiben, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig
ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem
Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung,
Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2014, 8C_633/2014 E. 3.2; BGE 137 V
210 E. 4.4.1.4). Im vorliegenden Fall liegt ein nicht beweiskräftiges polydisziplinäres
Gutachten im Recht. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung müsste in
diesem Fall an sich ein Gerichtsgutachten eingeholt werden. Die bundesgerichtliche
Praxis leuchtet jedoch nicht ein: Die IV-Stellen sind gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG
verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Sie haben
somit u.a. den medizinischen Sachverhalt soweit abzuklären, dass die
Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststeht. Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers steht nicht
rechtsgenüglich fest. Würde das Versicherungsgericht nun ein Gerichtsgutachten in
Auftrag geben, würde es die der Beschwerdegegnerin obliegende Aufgabe der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhaltsermittlung "übernehmen". Dies wäre gesetzwidrig, da der Gesetzgeber
diese Aufgabe, d.h. die rechtsgenügliche Ermittlung des Sachverhalts, der
Beschwerdegegnerin zugewiesen hat. Eine solche Rechtsverletzung kann durch die
vom Bundesgericht angeführten Vorteile von Gerichtsgutachten, die namentlich in einer
(im Gerichtsalltag allerdings nicht zu beobachtenden) Straffung des Gesamtverfahrens
und in einer Beschleunigung der Rechtsgewährung bestehen sollen (siehe BGE 137 V
210 E. 4.4.1.2), nicht "geheilt" werden. Zu beachten ist auch, dass einer versicherten
Person durch die Einholung eines Gerichtsgutachtens die Möglichkeit genommen wird,
die sich darauf stützende Rentenverfügung von zwei Gerichtsinstanzen überprüfen zu
lassen. Dies ist insbesondere auch deshalb problematisch, weil das Bundesgericht, die
einzige verbleibende Instanz, nur über eine eingeschränkte Kognition verfügt, d.h. es
kann den vom kantonalen Versicherungsgericht festgestellten Sachverhalt nur
eingeschränkt überprüfen (siehe Art. 97 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110). Die
Einholung eines Gerichtsgutachtens ist deshalb nur in jenen Fällen angezeigt, in denen
die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt zwar rechtsgenüglich abgeklärt hat, für die
rechtliche Würdigung aber trotzdem die Einholung eines weiteren Gutachtens
notwendig ist, namentlich weil zwei (oder mehr) überzeugende, sich jedoch
widersprechende Arbeitsfähigkeitsschätzungen im Recht liegen. Die rheumatologische
und psychiatrische (und allenfalls weitere Disziplinen umfassende) Neubegutachtung ist
folglich durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag zu geben.
6.
6.1 Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass der Entscheid der
Beschwerdegegnerin, das Rentengesuch bei einem IV-Grad von 0 % abzulehnen, dem
Beschwerdeführer jedoch gleichzeitig eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades
zuzusprechen, nicht nachvollzogen werden kann. Die Frage, ob es einer versicherten
Person zumutbar ist, die durch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
empfundenen Schmerzen willentlich zu überwinden, kann für den Bereich der
Hilflosenentschädigung nicht anders beurteilt werden als für den Bereich der Renten.
Selbstverständlich ist es der Beschwerdegegnerin überlassen, die noch zu
beauftragenden Gutachter auch mit der Frage zu konfrontieren, ob die Hilflosigkeit in
den alltäglichen Lebensverrichtungen durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwunden werden könnte.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.2 Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer als zu 80 % erwerbstätig und
als zu 20 % im Haushalt tätig eingestuft und den IV-Grad anhand der gemischten
Methode berechnet. Da die Sache ohnehin zur erneuten Beurteilung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, wird offen gelassen, ob diese Qualifikation
bzw. die Anwendung der gemischten Methode richtig gewesen ist. Bezüglich des
vorgenommenen Einkommensvergleichs im Erwerbsbereich ist anzumerken, dass −
würde auf das ABI-Gutachten abgestellt, wie es die Beschwerdegegnerin getan hat −
wohl auch bei einer 80 %igen Erwerbstätigkeit eine 10 %ige Arbeitsunfähigkeit
bestehen würde, da die Einschränkung von 10 % vom neuropsychologischen
Gutachter mit einer verminderten Leistungsfähigkeit (konkret: Verlangsamung)
begründet worden ist. Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Haushalt hat die
Beschwerdegegnerin eine Schadenminderungspflicht des Partners des
Beschwerdeführers berücksichtigt (wobei die Beschwerdegegnerin darauf verzichtet
hat, abzuklären, welche Aufgaben der Beschwerdeführer vor Eintritt des
Gesundheitsschadens im Haushalt erledigt hat). Hierzu ist Folgendes zu beachten: Die
Invalidität besteht in der behinderungsbedingten Einbusse der persönlichen
Leistungsfähigkeit der versicherten Person und nicht in der Fähigkeit des "Teams",
bestehend aus der versicherten Person und den schadenminderungsfähigen
Familienangehörigen, den Haushalt zu erledigen. Sie muss deshalb unabhängig von
der Verfügbarkeit mithelfender Familienangehöriger bemessen werden. Keine
Berücksichtigung finden dürfen jene Hausarbeiten, die Angehörige auch ausführen
würden, wenn die versicherte Person nicht in ihrer Gesundheit beeinträchtigt wäre.
Diese Hausarbeiten müssen nicht nur auf der Invaliden-, sondern auch auf der
Validenseite des Betätigungsvergleichs ausgeblendet werden. Es gibt somit −
entgegen der konstanten Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. z.B. BGE 133 V
504 E. 4.2) − keine Schadenminderungspflicht von Angehörigen (vgl. etwa die
Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. Oktober 2007,
IV 2006/133 E. 3c und vom 11. Dezember 2014, IV 2012/451 E. 2.4).
7.
Demnach ist die angefochtene Verfügung wegen der Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG aufzuheben und die Sache ist
zur erneuten rheumatologischen und psychiatrischen (und allenfalls weitere Disziplinen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
umfassenden) Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der
Beschwerdeführer hat sich im März 2012 zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet,
sodass gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. September 2012 ein
Anspruch auf eine Invalidenrente entstehen könnte. Für den Rentenanspruch relevant
ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers während eines Jahres vor dem
frühestmöglichen Anspruchsbeginn, also ab 1. September 2011 (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit.
b IVG). Die Gutachter werden also zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit ab 1. September
2011 Stellung nehmen müssen. Sollte erneut eine somatoforme Störung oder ein
vergleichbares Leiden diagnostiziert werden, wäre zudem die aktuelle
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen (BGE
141 V 281) zu beachten.
8.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (BGE 132 V 215 E.
6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
8.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In durchschnittlich aufwändigen IV-Rentenfällen
richtet das Gericht praxisgemäss eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
aus. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine Honorarnote über Fr.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
10'457.-- eingereicht. Bei der Durchsicht der verrechneten Leistungen fällt auf, dass
das Honorar auch Aufwände für die Zeit vor Verfügungserlass (11. November 2014 bis
15. Dezember 2014) beinhaltet. Die während des Verwaltungsverfahrens angefallenen
Aufwendungen sind durch die Parteientschädigung im Beschwerdeverfahren jedoch
nicht gedeckt. Hinzu kommt, dass in der Leistungsabrechnung auch verfahrensfremde,
nämlich die Hilflosenentschädigung betreffende Aufwendungen verrechnet sind. Diese
Aufwendungen sind ebenfalls nicht im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu
entschädigen. Eindeutig als Leistungen im Rahmen des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens ausgewiesen sind lediglich Fr. 5'060.--. In Anbetracht dessen,
dass es sich vorliegend um ein durchschnittlich aufwändiges IV-Beschwerdeverfahren
gehandelt hat, erscheint bereits ein Honorar von Fr. 5'060.-- als übersetzt. Zu
berücksichtigen ist jedoch, dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im
Beschwerdeverfahren umfangreiche Eingaben gemacht und sich dabei insbesondere
gründlicher als üblich mit dem Administrativgutachten auseinandergesetzt hat. Ein
überdurchschnittlicher Vertretungsaufwand ist daher nachvollziehbar. Aus diesem
Grund erscheint im hier zu beurteilenden Fall eine pauschale Parteientschädigung von
Fr. 4'000.-- (inklu¬sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.