Decision ID: 6c70ae6d-af01-461a-9e28-15402697c00d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 9./27. Februar 2017 (IV-act. 1) wegen der Folgen einer
Tumoroperation am Kopf bei der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons
St. Gallen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Sie, Mutter von _
Kindern (geboren [...]), sei 19_ in die Schweiz gekommen und sei seit März 2003 an
der derzeitigen Stelle als _mitarbeiterin tätig.
A.a.
Dr. med. C._, Praktische Ärztin, gab in ihrem IV-Arztbericht vom 7. April 2017
(IV-act. 10) unter Hinweis auf diverse Beilagen an, bei der Versicherten bestünden ein
St. n. Kraniotomie und Resektion eines Konvexitätsmeningeoms parasagittal
postzentral links (10/2016), ein St. n. Lungenembolien in der lateralen
Mittellappenarterie und in Oberlappenarterien rechts (11/2016, richtig wohl 10/2016,
vgl. IV-act. 10-9 f.), ein _ L._ (ED 03/2017), eine arterielle Hypertonie, ein St. n.
Hemithyreoidektomie rechts (03/2010) bei Struma nodosa, eine Cervicobrachialgie
links bei chronischen Cervicalgien, Foraminalstenosen C4/5 und C5/6 linksseitig,
Bandscheibenprotrusionen C4/5, C5/6 und C6/7, persistierende Kopfschmerzen,
Varices Unterschenkel bds. und eine Depression. Seit dem 6. Oktober 2016 sei sie voll
arbeitsunfähig. - Beigelegt wurden zwei Berichte der Klinik für Neurochirurgie am
Kantonsspital St. Gallen vom 9. November 2016 (IV-act. 10-9 ff.; normales
postoperatives kraniozerebrales CT) und vom 9. März 2017 (IV-act. 10-6 f.;
bildmorphologisch [MRI Schädel] regelrechter und erfreulicher Verlauf) sowie ein
Bericht des Ambulatoriums Onkologie/Hämatologie der Abteilung Innere Medizin am
Spital D._ vom 7. April 2017 (IV-act. 10-4 f.). In Letzterem war dargelegt worden, das
_ L._ erfülle noch nicht die Diagnosekriterien für ein multiples L._ und eine
A.b.
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Therapie-Indikation bestehe nicht; die Versicherte sei sehr erleichtert gewesen. Für
einen Übergang in ein L._ betrage die Wahrscheinlichkeit 10 % pro Jahr.
Die Arbeitgeberin gab im Fragebogen vom 19. April 2017 (IV-act. 12) an, die
Versicherte sei vollzeitlich als _ angestellt. Seit 2017 betrage der Lohn
durchschnittlich Fr. 5'410.-- pro Monat.
A.c.
Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete
Dr. C._ am 6. Juli 2017 (IV-act. 22), die Versicherte leide an einer
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion, und an Störungen im
Zusammenhang mit der Menopause. Sie sei zurzeit für alle Tätigkeiten aus rein
psychiatrischer Sicht voll arbeitsunfähig. Es werde eine stationäre Rehabilitation
empfohlen.
A.d.
Im Juli 2017 (IV-act. 25 ff.) stellte die Krankentaggeldversicherung der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle ein neurologisches und ein internistisches
Gutachten der Begutachtungsstelle PMEDA Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen
vom 6. Juni 2017 (Fremd-act. 2 f.) zu. Beide Gutachter waren zum Ergebnis gelangt,
dass die Arbeitsfähigkeit der Versicherten nicht eingeschränkt sei (die
Progresswahrscheinlichkeit zu einem multiplen L._ betrage 25 % in fünf Jahren). Die
Taggeldversicherung hatte am 16. Juni 2017 (Fremd-act. 4) das Taggeld auf den 1. Juli
2017 eingestellt. - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt
am 26. Juli 2017 (IV-act. 29) dafür, aus somatischer Sicht sei das bidisziplinäre
Gutachten weitgehend nachvollziehbar, doch berücksichtige es nicht die
psychiatrische Problematik.
A.e.
In einem IV-Arztbericht vom 14. November 2017 (IV-act. 45) teilte die Klinik F._
mit, es lägen bei der Versicherten eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion und eine psychophysische Erschöpfung bei vorbestehender generalisierter
Angststörung im Rahmen der Störung der Stressmodulationsfähigkeit vor. Vom
17. August 2017 bis 4. September 2017 habe sie in ambulanter Behandlung
gestanden; währenddessen werde ihr eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Bis wann
diese anhalte, dazu seien noch keine sicheren Angaben möglich. - Am 16. Oktober
2017 (IV-act. 46) hatte die Klinik Dr. C._ über eine integrative tagesklinische
A.f.
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Behandlung der Versicherten vom 4. September 2017 bis 13. Oktober 2017 berichtet.
Nach körperlichen und psychologischen Massnahmen sei die Versicherte in
gebessertem, aber nicht remittiertem Zustand entlassen worden. - Dr. C._ erklärte im
IV-Verlaufsbericht vom 5. Januar 2018 (IV-act. 51), die Versicherte sei weiterhin voll
arbeitsunfähig. Sie legte einen Bericht von Dr. med. G._, Phlebologie, vom
14. August 2017 (IV-act. 51-6 f.) bei. Die Ärztin hatte eine symptomatische primäre
Varikosis diagnostiziert sowie u.a. einen V.a. eine Belastungsstörung nach Meningeom-
OP, Lungenembolien und S-L._-Diagnose innerhalb eines Jahres. Nach den
Lungenembolien hätten im Januar 2017 in den tiefen Venen keine Residuen gefunden
werden können, in den duplexsonographischen Untersuchungen vom Juni und Juli
2017 seien ebenfalls keine postentzündlichen Veränderungen in den Varizen
nachzuweisen gewesen. - Dr. E._ benannte in ihrem IV-Arztbericht vom 18. Januar
2018 (IV-act. 49) nebst den weiteren Diagnosen Merkmale einer anankastischen
Persönlichkeitsstörung. Die Versicherte, eine Person mit sehr leistungsorientierter
Persönlichkeitsstruktur, spüre neben somatischen Beschwerden auch Konsequenzen
jahrelanger Nachtarbeit. Sie sei schon bei Aufnahme der Behandlung am 9. Februar
2017 (seit 2. Februar 2017) arbeitsunfähig gewesen. Sie sei wegen starken
Kopfschmerzen, Nacken- und Rückenschmerzen sowie Schlafstörungen und einer
ängstlich-depressiven Antriebs- und Stimmungslage für keine Tätigkeit arbeitsfähig. -
Die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen reichte einen
Sprechstundenbericht vom 22. Februar 2018 (IV-act. 55) ein, wonach die
Jahresverlaufskontrolle unauffällig ausgefallen sei. - Das Ambulatorium Onkologie/
Hämatologie am Spital D._ gab einen medizinischen Bericht vom 26. Februar 2018
(IV-act. 62) mit den Diagnosen zu den Akten. In einem beigelegten Verlaufseintrag vom
15. Januar 2018 (IV-act. 63-1) war festgehalten worden, die einstweilen vorhandenen
hämatologischen und laborchemischen Untersuchungen hätten Normalbefunde
ergeben. - Dr. G._ legte (am 2. März 2018, Eingang, IV-act. 64) einen
Operationsbericht vom 19. Februar 2018 betreffend die Behandlung der Varikosis ein. -
Dr. E._ berichtete am 19. Juni 2018 (IV-act. 66), die Versicherte wäre lediglich für eine
Arbeit in geschütztem Rahmen arbeitsfähig. Im Vordergrund stünden bezüglich der
Prognose ihre somatischen Beschwerden; sie lebe in Angst, dass eine schwere
körperliche Erkrankung (L._) ausbrechen werde. Zu einer vorgeschlagenen
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tagesklinischen Behandlung in der Psychiatrischen Klinik H._ könne sie sich derzeit
nicht entscheiden.
Am 21. Juni 2018 (IV-act. 69, vgl. IV-act. 67 f.) wurde der Versicherten mitgeteilt,
das Gesuch um berufliche Massnahmen werde abgewiesen, da solche wegen der
andauernden vollen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht angezeigt seien.
A.g.
Dr. med. I._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, speziell
Lungenkrankheiten, gab in ihrem IV-Arztbericht vom 16. August 2018 (IV-act. 74) an, es
liege keine pneumologische Diagnose von Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Es
bestehe aber seit April 2015 ein hypersensibler Bronchialbaum. Dr. E._ teilte der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle am 3. September 2018 (IV-act. 79) auf Anfrage die
Behandlungstermine der Versicherten bei ihr im Jahr 2018 mit.
A.h.
Dr. C._ gab im IV-Arztbericht vom 14. September 2018 (IV-act. 81) unter Beilage
diverser medizinischer Berichte an, die Versicherte sei weiterhin voll arbeitsunfähig.
Dr. G._ hatte am 19. April 2018 (IV-act. 81-5 f.) von einem St. n. Crossektomie,
Magnastripping und Phlebektomie sowie Sklerosierung von pruriginösen
Stauungsnestern am unteren Insuffizienzpunkt am 19.02.2018 berichtet. Eine
Verlaufskontrolle sei im Herbst vorgesehen. - Das Ambulatorium Onkologie/
Hämatologie am Spital D._ gab in einem onkologischen Sprechstundenbericht vom
19. Oktober 2018 (IV-act. 82) bekannt, hinsichtlich des _ L._ habe sich keine
Veränderung ergeben, so dass kein Handlungsbedarf bestehe. Der Versicherten mache
die Gewichtszunahme deutlich zu schaffen.
A.i.
In ihrem Gutachten vom 10. Mai 2019 (IV-act. 95 f.; Begutachtung im März 2019)
gab die Begutachtungsstelle medexperts AG (im Folgenden auch die medexperts) als
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein zerviko-lumbales Schmerzsyndrom
bei radiologisch mässigen degenerativen Veränderungen an. Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien u.a.: Angst und depressive Störung, gemischt, akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit abhängigen Anteilen, ein _ L._ (myeloproliferatives
Syndrom, klinisch nicht in Erscheinung tretend), Kopfschmerzen, am ehesten vom
Spannungstyp mit migräniformen Anteilen (aktuell Verdacht auf zusätzlich
analgetikainduzierten Kopfschmerz), ein zerviko-lumbales Schmerzsyndrom ohne
A.j.
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radikuläre Ausfälle und ein unspezifischer Schwindel mit am ehesten funktioneller
Komponente. Die bisherige Tätigkeit als B._ (teilweise schwer) sei der Versicherten
vollschichtig mit einer Leistungsminderung von 30 % zumutbar. Die Einschränkung
bestehe wahrscheinlich seit vielen Jahren, spätestens aber seit Februar 2018. In einer
angepassten leichten bis mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit sei die
Versicherte voll arbeitsfähig, spätestens ab der Begutachtung. - In einem eingeholten
Bericht vom 13. Dezember 2013 (IV-act. 96-14 ff.) hatte Dr. med. J._, Facharzt für
Neurologie, festgehalten, es lägen bei der Versicherten seit drei Jahren ein
chronifizierter Kopfschmerz mit hohem Medikamentenverbrauch und eine arterielle
Hypertonie vor. Nach zehn Jahren der Nachtschichtarbeit arbeite sie seit Juni (2013)
am Tag und habe seither verstärkt Kopfschmerzen. Klinisch-neurologische Defizite
hätten sich keine finden lassen. Die Versicherte habe von einer Angst berichtet, einen
Hirntumor zu haben wie ihre Mutter. Deswegen sei eine intracranielle transtemporale
Duplexsonographie durchgeführt worden. Die A. cerebri media und das Hirnparenchym
seien unauffällig gewesen, doch sei diese Untersuchung keine Methode, um einen
Hirntumor auszuschliessen. Darauf hätten jedoch auch klinisch keine Hinweise
bestanden. Problematisch sei sicherlich die soziale Situation. Es bestehe zudem eine
Doppelbelastung, die zu Kopfschmerzen führe. Begleitend bestehe wahrscheinlich
auch ein depressives Syndrom. - Der RAD erklärte am 22. Mai 2019 (IV-act. 98-2), es
sei unklar, ob den medexperts-Gutachtern das neurologische Teilgutachten der
PMEDA vom 6. Juni 2017 vorgelegen habe.
Mit Vorbescheid vom 29. Mai 2019 (IV-act. 101) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten eine
Abweisung ihres Leistungsgesuchs betreffend die Rente in Aussicht. Der
Invaliditätsgrad betrage 20 % (Valideneinkommen Fr. 67'999.--, Invalideneinkommen
Fr. 54'604.--; 2017, vgl. IV-act. 100).
A.k.
Die Versicherte liess am 15. Juli 2019 (IV-act. 113) durch ihren Rechtsvertreter (IV-
act. 107 f.) einwenden, zumindest bis zur Zeit der Begutachtung sei eine ganze Rente
zu gewähren, danach mindestens eine halbe Rente. Dass selbst für die Zeit der
Kopfoperation keine Rente gesprochen werden wolle, erstaune. Die (medexperts-)
Gutachter hätten die Arbeitsfähigkeit in der Zeit vor 2018 nicht beurteilt. Für die Zeit
nach der Begutachtung hätten die Experten der Invalidenversicherung festgehalten,
A.l.
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dass die Versicherte nur leichte Tätigkeiten ohne Einschränkung ausüben könne. Daher
sei nicht verständlich, dass ihr kein leidensbedingter Abzug (von den Tabellenlöhnen)
gewährt werde. Es sei im Vorbescheid eine geringere Invalidität festgelegt worden, als
die Gutachter sie bestätigt hätten.
Am 23. August 2019 (IV-act. 117) liess die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
den Rechtsvertreter der Versicherten wissen, dass der RAD Rückfragen an die
medexperts-Gutachter stellen wolle (vgl. Stellungnahme des RAD vom 22. August
2019, IV-act. 116; Fragen zur Bewertung der neuropsychologischen Testung mit
auffälliger Symptomvalidierung sowie zum Verlauf der neurologischen
Arbeitsunfähigkeit). Der Rechtsvertreter erklärte daraufhin am 27. August 2019 (IV-
act. 118), er wolle sich am Begutachtungsverfahren nicht direkt beteiligen, denn dieses
sei rechtsstaatlich bedenklich, sei die Versicherte darin doch gar vor, während und
nach der Kopfoperationsphase als arbeitsfähig beurteilt worden. - Mit zwei Schreiben
vom 27. August 2019 (IV-act. 114 f.) stellte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die
Ergänzungsfragen an den Gutachter der Psychiatrie und an die Gutachterin der
Neurologie. - Die medexperts antworteten am 20. September 2019 (IV-act. 119), die
Symptomvalidierung bei der neuropsychologischen Testung sei bezüglich der
Anstrengungsbereitschaft der Versicherten nicht eindeutig gewesen. Aus
psychiatrischer Sicht sei auf die eigene Einschätzung der Konsistenz abgestellt
worden. Eine längerfristige psychiatrische Erkrankung, die eine Arbeitsunfähigkeit unter
diesem Aspekt rechtfertigen würde, sei bei der Versicherten nicht festgestellt worden.
Die klinisch beobachteten depressiven Symptome seien sehr verständlich, aber
keinesfalls Ursprung (gemeint ev. Ausdruck) einer depressiven Grunderkrankung,
sondern hauptsächlich der aktuellen Lebenssituation geschuldet. Dessen sei sich die
Versicherte, wie der deutlich unter dem wirksamen Bereich liegende laborchemische
Antidepressiva-Spiegel gedeutet werden könne, sehr wohl bewusst. Der
Arbeitsunfähigkeitsschätzung von 30 % aus neuropsychologischer Sicht könne nicht
gefolgt werden. Aus neurologischer Sicht sei keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden;
nach der Meningeom-Operation sei die Versicherte bis zum 28. November 2016
krankgeschrieben gewesen.
A.m.
Nach einer zweiten Anhörung am 13. Dezember 2019 (IV-act. 121) verfügte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen am 22. Januar 2020 (IV-
A.n.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas für die
Betroffene am 19. Februar 2020 erhobene Beschwerde (act. G 1). Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin beantragt (unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich
MwSt), die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei
mindestens eine halbe Invalidenrente zu gewähren, eventualiter sei eine neue
polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben und hernach über die IV-Leistungen
neu zu entscheiden. Der Beschwerdeführerin sei zudem die unentgeltliche Rechtpflege
und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Dass sie selbst in den Zeiten der vielen
Operationen und intensiven (Nach-) Behandlungen wegen Kopftumors,
Lungenembolien usw. voll arbeitsfähig und nur unmittelbar während der kurzen
Spitalaufenthalte arbeitsunfähig gewesen sein sollte, wie es die Beschwerdegegnerin
annehme, könne nicht zutreffen. Vor und nach einem Spitalaufenthalt könne man nicht
(sofort wieder) voll arbeitsfähig sein. Die entsprechenden Beurteilungen seien
auftragsgeleitet. Zudem könne man in solchen Situationen nicht immer den Arbeitgeber
wechseln und sich gleich wieder neu anstellen lassen. Was die Zeit nach den
medizinischen Behandlungen betreffe, sei die Beschwerdeführerin gesundheitlich in
verschiedener Hinsicht angeschlagen geblieben. Das zeigten diverse Berichte, etwa
von Dr. G._, des Kantonsspitals St. Gallen oder des Spitals D._. Das Gutachten der
medexperts dagegen erscheine im Vergleich dazu singulär. Kopfproblematik,
Kopfschmerzen und Rückendeformationen würden gar nicht unter den die
Arbeitsfähigkeit tangierenden Diagnosen aufgeführt. Selbst von der Kraniotomie heisse
es, sie sei ein kurzzeitiges Problem während des Spitalaufenthalts gewesen. Dieser
Eingriff sei aber in Wechselwirkung mit der psychiatrischen Problematik zu sehen, leide
die Beschwerdeführerin doch psychisch an den Folgen der Operation. Eine erneute
Begutachtung müsse allein schon deswegen erfolgen, weil dies den Gutachtern
entgangen sei. Das Gutachten sei ausserdem über weite Strecken widersprüchlich.
Einerseits heisse es etwa, die Beschwerdeführerin habe zu wenig Medikamente
eingenommen, anderseits, ihr Kopfschmerz sei analgetikainduziert entstanden. Ähnlich
verhalte es sich mit den neuropsychologischen Teilgutachten. Ergäben diese eine
Beeinträchtigung, würden sie von der Invalidenversicherung als nicht valide betrachtet,
im andern Fall als schlüssig und überzeugend. Erst wenn eine gesetzeskonforme
Begutachtung vorliegen werde, könne ein korrekter Einkommensvergleich angestellt
werden. Der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Vergleich könne hingegen,
act. 122) die Abweisung des Leistungsgesuchs um eine Rente wie am 29. Mai 2019
angekündigt.
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wie vorsorglich festgehalten werde, nicht akzeptiert werden. Das Valideneinkommen
sei derzeit bei mindestens Fr. 70'000.-- anzusetzen, habe die Beschwerdeführerin doch
in bereits gesundheitlich angeschlagenem Zustand 2016 Fr. 67'636.-- und 2015
Fr. 69'017.-- verdient. Bei der Berechnung des Invalideneinkommens müsste die
maximale Kürzung des Tabellenlohns von 25 % vorgenommen werden. Der
Invaliditätsgrad von 20 % sei nicht korrekt ermittelt worden.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 24. März 2020 (act. G 5) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie sei ihrer Abklärungspflicht
genügend nachgekommen. Das Gutachten sei von qualifizierten Fachärzten erstellt
worden. Es sei kein Widerspruch darin zu sehen, dass einerseits nicht von einer
regelmässigen Einnahme der antidepressiven Medikation durch die
Beschwerdeführerin ausgegangen und anderseits der Verdacht auf einen zusätzlich
analgetikainduzierten Kopfschmerz diagnostiziert worden sei. Komme die
Beschwerdeinstanz bei der Beweiswürdigung zum Schluss, ein bereits erhobener
Sachverhalt müsse noch gutachterlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise
sei in einem wesentlichen Punkt nicht beweiskräftig, habe sie in der Regel ein
Gerichtsgutachten einzuholen. Weitere Abklärungen würden sich jedoch erübrigen. Bei
der Festlegung des Valideneinkommens habe sie (die Beschwerdegegnerin) auf den IK-
Auszug abgestellt. Dass im Total-Wert eines Kompetenzniveaus einer Lohntabelle zur
Bestimmung des Invalideneinkommens gewisse Tätigkeiten enthalten seien, die einer
versicherten Person nicht mehr zumutbar seien, begründe nicht einen grundsätzlichen
Tabellenlohnabzug. Auch die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, körperlich
schwere Arbeit zu verrichten, vermindere den hypothetischen Invalidenlohn nicht
automatisch. Es sei zu Recht kein Abzug vorgenommen worden. - Am 8. April 2020
(act. G 7) reicht die Beschwerdegegnerin ein E-Mail des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin vom 17. Januar 2020 (act. G 7.1; Stellungnahme zur zweiten
Anhörung) an sie nach, worin dieser verschiedene Fragen aufgeworfen hatte, so,
weshalb neuropsychologische Abklärungen durchgeführt würden, wenn es immer
heisse, sie seien nicht valide, ob es sich bei der Neuropsychologie wirklich um eine
Wissenschaft handle, und ob [...], wenn aufgrund der Kopfoperation keine
Arbeitsunfähigkeit attestiert werde. [...].
D.
Mit Replik vom 9. Juli 2020 (act. G 14) hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
fest, die Beschwerdegegnerin werde dabei behaftet, dass die Tätigkeit als B._
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teilweise schwere Tätigkeiten umfasst habe und deshalb insgesamt ungeeignet
gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe darin nicht während achteinhalb Stunden
pro Tag eingesetzt werden können, sondern hätte eine Leistungsminderung von 30 %
erfahren müssen. Das sei bei der Bestimmung des Valideneinkommens
mitzuberücksichtigen. Die Beschwerdeführerin habe damit ausserdem belegt, dass sie
sich vor der Arbeit nicht gedrückt, sondern dass sie gearbeitet habe, solange es ihr
möglich gewesen sei. Selbst die (medexperts-) Gutachter hätten festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin auch bei körperlich mittelschweren Tätigkeiten eingeschränkt sei,
insbesondere lägen Einschränkungen des kognitiven Leistungsprofils, der
Aufmerksamkeit und der Umstellfähigkeit vor. Der Beschwerdeführerin sei somit keine
volle Tätigkeit mehr zumutbar; sollten die Gutachter etwas anderes geschrieben haben,
handle es sich um einen Widerspruch. Im Jahr 2015, als die Beschwerdeführerin
gesundheitlich noch weniger beeinträchtigt gewesen sei, habe sie Fr. 69'017.--
verdient. Ein tieferes Valideneinkommen dürfe nicht angenommen werden. Wäre sie
gesund geblieben, hätte sie in der Zwischenzeit sicherlich mehr verdient. Die von den
Gutachtern genannten medizinischen Limitierungen würden sich bei jeder Tätigkeit
auswirken. Ein leidensbedingter Abzug sei zwingend einzusetzen, zumal körperlich
schwere Arbeiten von der Beschwerdeführerin gar nicht mehr ausgeübt werden
könnten. Ob das Gericht Ergänzungsfragen an die Gutachter richten oder ein eigenes
Gutachten in Auftrag geben wolle, sei diesem überlassen. Jedenfalls gehe es nicht an,
so gewichtige Entscheide wie Entscheide über einen Rentenanspruch auf der
Grundlage eines so widersprüchlichen Gutachtens zu fällen.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 29. Juli 2020 (act. G 16) an ihrem in der Beschwerde
antwort gestellten Antrag festgehalten und im Übrigen auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.
F.
Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) ist am 13. August 2020 abgelehnt worden (act. G 17).

Erwägungen
1.
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Streitgegenstand bildet die Verfügung vom 22. Januar 2020, mit welcher die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin abgelehnt hat.
Die Beschwerdeführerin lässt materiell (namentlich einzig) Rentenleistungen
beantragen. Einen Anspruch auf berufliche Massnahmen hatte die
Beschwerdegegnerin am 21. Juni 2018 wegen Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin abgewiesen. Ergäbe sich allerdings, dass ohne
Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage stünde, so gehörte zum
Streitgegenstand ohnehin notwendigerweise die Frage, ob die Verwaltung den
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der
Beschwerdeführerin zu Massnahmen ausreichend in Anspruch genommen habe (vgl.
auch Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Juni 2021,
IV 2019/301 E. 1).
2.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) versicherte Personen, die ihre Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1) gewesen sind (lit. b)
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).
2.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; vgl. schon
BGE 102 V 165).
2.3.
Sämtliche psychischen Erkrankungen sind nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem
jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu
unterziehen. Die funktionellen Folgen der Gesundheitsschädigung sind danach
2.4.
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3.
qualitativ zu erfassen und quantitativ einzuschätzen. Für die Beurteilung des
funktionellen Leistungsvermögens sind in der Regel diverse Standardindikatoren
beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich einerseits in der
Kategorie des funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz.
Nach einer Begutachtung in zwei Disziplinen der somatischen Medizin (für die
Krankentaggeldversicherung) durch die PMEDA im Mai 2017 (Gutachten vom 6. Juni
2017) sind der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
März 2019 polydisziplinär durch die medexperts begutachtet worden (Gutachten vom
10. Mai 2019).
3.1.
Im Einzelnen wurde bei der medexperts-Begutachtung anlässlich der
orthopädischen Exploration festgehalten, dass die Beschwerdeführerin
Kopfschmerzen, seit ca. 2016 bestehende Beschwerden im Bereich des Nackens mit
Ausstrahlung in die Arme und häufigem Einschlafen der Finger, seit etwa zehn Jahren
bestehende, im Vergleich eher geringe Schmerzen an der LWS, häufige
Hüftgelenksschmerzen rechts mehr als links, asthmatische Beschwerden und
Magenbeschwerden beklagt habe (vgl. IV-act. 95-22 f. und IV-act. 95-24). - Die
Gutachterin der Orthopädischen Chirurgie erhob den Befund und beurteilte anlässlich
der Begutachtung erstellte Röntgenbefunde der HWS, der LWS und des Beckens (vgl.
IV-act. 95-25 f., vgl. auch IV-act. 95-2 f.). Die beklagten, sich bei Belastung
verstärkenden Schmerzen im Bereich der HWS und der LWS seien plausibel, wenn
auch in der Intensität nicht nachvollziehbar (vgl. IV-act. 95-29). Die Hüftgelenke hätten
sich klinisch und radiologisch unauffällig präsentiert (vgl. IV-act. 95-27). In der zuletzt
ausgeübten mittelschweren Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % wegen
der Notwendigkeit vermehrter Pausen und einer Leistungsminderung. Heben sei nur
gelegentlich bis 15 kg möglich. In einer wechselbelastenden (vgl. IV-act. 95-28) bzw.
angepassten (vgl. IV-act. 95-29) Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin voll arbeitsfähig.
3.1.1.
Anlässlich der allgemein-internistischen Begutachtung beklagte die
Beschwerdeführerin als Hauptproblem die Kopfschmerzen, daneben linksbetonte
Schulter-Nackenschmerzen sowie Hüftschmerzen rechts mehr als links. Sie erleide aus
Angst vor gefährlichen Befunden von Seiten des L._ und des Meningeoms immer
wieder Panikattacken, die zu depressiven Reaktionen und Episoden führten - unter
diesen Umständen könne sie sich nicht vorstellen, gesund zu werden oder gar einer
Arbeit nachzugehen -, habe Probleme mit Gedächtnis und Merkfähigkeit (vgl. IV-
act. 95-31) und könne nicht gut schlafen, weil sie immer an ihre Krankheiten denke (vgl.
3.1.2.
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IV-act. 95-33). - Der Gutachter der Allgemeinen Inneren Medizin erhob den Befund (vgl.
IV-act. 95-36 f.) und hielt fest, die Hypertonie sei optimal eingestellt und das _ L._
trete derzeit weder klinisch noch hämatologisch oder laborchemisch in Erscheinung
und verursache auch keine subjektive Beeinträchtigung. Es bestehe eine Varikosis links
mit Insuffizienzgrad I. Nach der Meningeom-Operation habe sich eine Adipositas
(Stadium II, BMI 35.5) entwickelt (vgl. IV-act. 95-37). Alle (erwähnten) Diagnosen seien
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 95-37). Das ausserdem seit
eineinhalb Jahren bestehende Asthma bronchiale verursache unter Medikation keine
nennenswerten Probleme (vgl. IV-act. 95-38). Die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sei vorhanden. Es lägen eine deutliche Dysphorie mit Lust-, Freud-
und Antriebslosigkeit und ein psychophysischer Erschöpfungszustand vor (vgl. IV-
act. 95-38).
Im neurologischen Teil des Gutachtens wurde festgehalten, als Hauptgründe für
die Begutachtung habe die Beschwerdeführerin Kopf-, Knochen- und Beinschmerzen
erwähnt. Sie fühle sich nicht wohl, sei nervös, habe keine Kraft mehr und habe immer
zu viel gearbeitet. Die Kopfschmerzen träten an zwei bis drei Tagen pro Woche jeweils
in Folge auf. Sie nehme dann viele Schmerzmittel wie Dafalgan und Novalgin,
insgesamt an etwa 12 bis 15 Tagen pro Monat; genaue Angaben seien nicht möglich
(vgl. IV-act. 95-41). Im Jahr 2013 sei eine erste Vorstellung beim Neurologen Dr. J._
erfolgt. Im Rahmen einer erneuten Kopfschmerzabklärung 2016 sei ein
Konvexitätsmeningeom diagnostiziert worden. Vor der Operation habe die Versicherte
trotz Kopfschmerzen gearbeitet (vgl. IV-act. 95-41). Sie habe auch Schulter-, Hüft-,
Knie-, Fuss- und Rückenschmerzen angegeben, ausserdem Nebelsehen und
Schwindelgefühle (vgl. IV-act. 95-41). - Die erhobenen Untersuchungsbefunde
beschrieb die Gutachterin der Neurologie u.a. unter den Aspekten des Verhaltens der
Beschwerdeführerin und des klinisch-neuropsychologischen Befundes (vgl. IV-
act. 95-44 f.). Sie hielt fest, zurzeit ergebe sich wegen der Kopfschmerzen keine
Arbeitsunfähigkeit. Am Tag der Untersuchung habe sich auch kein Anhaltspunkt für
eine peripher-vestibuläre oder eine zentrale Genese des Schwindels finden lassen,
auch kein solcher für eine Polyneuropathie. Die Ätiologie (des Schwindels) sei
insgesamt am ehesten unspezifisch mit möglicher funktioneller Komponente, dd
zusätzlich mit einer orthostatischen Komponente. Bezüglich der zervikalen und
lumbalen Schmerzen hätten sich - bei unauffälligem klinischem Status - keine Hinweise
für ein radikuläres Ausfallsyndrom nachweisen lassen (vgl. IV-act. 95-46 f.). Aus
neurologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht (auch nicht für die bisherige Tätigkeit)
eingeschränkt. Aufgrund der zervikolumbalen Schmerzen seien schwere körperliche
3.1.3.
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Arbeiten indessen nicht mehr zu empfehlen (vgl. IV-act. 95-48). Die Gutachterin der
Neurologie hielt fest, laut den vorhandenen Berichten sei es nach der Operation zu
einer relevanten psychiatrischen Komorbidität gekommen (vgl. IV-act. 95-46). Die
Einschränkungen würden sich durch alle Lebensbereiche hindurchziehen, auch im
Alltag scheine zurzeit ein geringes Aktivitätsniveau zu bestehen (vgl. IV-act. 95-48). Es
wurden medizinische Massnahmen empfohlen (vgl. IV-act. 95-48 f.).
Bei der neuropsychologischen Begutachtung berichtete die Beschwerdeführerin
von verschiedenen Krankheiten und von teilweise tagelangen starken Kopfschmerzen
sowie Schmerzen an Beinen und Schulter, ausserdem von Lustlosigkeit. Sie habe im
Leben viel Stress gehabt und habe nun keine Kraft mehr. Sie habe _ Kinder
grossgezogen, ihren Ehemann betreut, der meist krank gewesen sei, und daneben
gearbeitet. An der früheren Stelle in der K._ habe sie bis zu 16 Stunden pro Tag
gearbeitet. Nun hätten sie die Kraft und die Gesundheit verlassen. Ausserdem gab sie
Durchschlafstörungen, Schwierigkeiten mit der Aufnahmefähigkeit sowie
Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten an (vgl. IV-act. 96-3 f.). - Die
Fachpsychologin für Neuropsychologie hielt fest, im klinischen Eindruck hätten sich
eine kognitive Verlangsamung, Schwankungen in der Auffassungsgabe und im Bereich
der Aufmerksamkeit sowie (in Gespräch, Mimik, Gestik) Hinweise auf eine depressive
Symptomatik gezeigt. Die Beschwerdeführerin habe antriebsvermindert, affektarm und
abwesend gewirkt (vgl. IV-act. 96-5). Sie habe in der Hälfte der Untersuchung
angegeben, sich müde zu fühlen, und zwar gleich wie zu Beginn der Untersuchung. Am
Ende habe sie einen leicht höheren Punktwert hierfür (neu 9 statt 7) bezeichnet (vgl. IV-
act. 96-5). Zur Symptomvalidierung führte die Fachpsychologin aus, im spezifischen
Untersuchungsverfahren zur Erfassung von Anstrengungsbereitschaft hätten sich
Auffälligkeiten gezeigt, die auf eine verminderte Anstrengungsbereitschaft hinweisen
würden. Dieser Begriff sei nicht mit Verdeutlichung bzw. Aggravation gleichzusetzen. Er
beziehe sich auf das Testverhalten und bedeute, dass die Beschwerdeführerin nicht die
geforderte Leistung erbracht habe. Nebst einem A-Kriterium habe sich im Hinblick auf
eine allfällige wahrscheinliche kognitive Antwortverzerrung eine Evidenz aus der
neuropsychologischen Testung, d.h. ein B2-Kriterium, nämlich dasjenige eines
auffälligen Resultats im Symptomvalidierungsverfahren, ergeben. Die Kriterien für die
betreffende Antwortverzerrung seien aufgrund des lediglich einen B-Kriteriums nicht
gegeben (vgl. IV-act. 96-7). Als vorliegende Störung (Diagnose) bezeichnete die
Fachpsychologin (in Berücksichtigung des gesamten kognitiven Leistungsprofils; trotz
erwähnter mittelschwer bis schwer verminderter Leistungen in der Aufmerksamkeit, der
Umstellfähigkeit und der visuellen Explorationsgeschwindigkeit, vgl. IV-act. 96-8) eine
3.1.4.
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leichte bis mittelgradige neuropsychologische Störung mit Minderleistungen vor allem
im Bereich der Aufmerksamkeit (u.a. intrinsische Aktivierungsbereitschaft, kognitive
Verarbeitungsgeschwindigkeit), des Antriebs und der Umstellfähigkeit
(Perseverationstendenz) unklarer Ätiologie (vgl. IV-act. 96-7 i.V.m. IV-act. 96-8).
Aufgrund dieser Störung sei von einer inhaltlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von 30 % auszugehen (höherer Zeitbedarf für jede Tätigkeit, mehr Pausen). Eine solche
Einschränkung sei denkbar. Die Diagnose bzw. die Ursache der Befunde sei indessen
unklar (vgl. IV-act. 96-9). Im Rahmen der neurologischen Erkrankung seien die
Minderleistungen nicht zu erklären. Am ehesten seien sie mit einer deutlichen
Müdigkeit in Verbindung zu setzen. Ein allfälliger Einfluss der Medikation oder einer
psychiatrischen Erkrankung sei bei der medizinischen Begutachtung zu beurteilen (vgl.
IV-act. 96-8 f.). Die Befunde - sowohl Auffassungsschwierigkeiten wie
Antriebsminderung und kognitive Verlangsamung - seien konfundiert (vgl. IV-act. 96-8).
Gemäss dem psychiatrischen Teil des Gutachtens erklärte die
Beschwerdeführerin bei der entsprechenden Exploration, seit sie erfahren habe, dass
sie krank sei, hätten verschiedene Organsysteme - Kopf, Schilddrüse, Lunge (Embolie)
- dafür gesorgt, dass sie Panik und Angst habe. Seither habe sie psychiatrische
Symptome entwickelt (vgl. IV-act. 95-11). Am 10. April 2019 habe sie noch einen
Kontrolltermin auf der Onkologie. Aufgrund ihrer inneren Anspannung würden die Ärzte
ihr aber nicht sagen, was sie habe. Wenn sie zum Arzt gehe, habe sie Angst- und
Panikzustände. Es bestünden noch weitere Belastungsfaktoren in Form der Erkrankung
des Ehemannes. Sie habe fünfzehn Jahre lang nachts gearbeitet und die _ Kinder
ohne seine Unterstützung grossgezogen. Früher sei sie kommunikativ und fröhlich
gewesen. Nun sei sie am liebsten allein und wünsche sich einfach manchmal ihre
Ruhe. Es sei ihr ein stationärer Aufenthalt angeraten worden, doch könne sie es sich
nicht vorstellen, ihren Ehemann allein zu lassen. Zurzeit habe sie weder Angst noch
Schmerzen (vgl. IV-act. 95-12). - Der Gutachter der Psychiatrie erhob den Befund und
berücksichtigte dabei die Ergebnisse der oben (E. 3.1.4) beschriebenen
neuropsychologischen Abklärung (vgl. IV-act. 96-1 bis 9) mit (vgl. IV-act. 95-15 ff.). Er
hielt fest, die geschilderten depressiven Symptome erfüllten die Kriterien der Diagnose
"Angst und depressive Störung, gemischt". Die jeweiligen Symptome erreichten nicht
das Ausmass, eine Angststörung oder eine depressive Episode zu diagnostizieren. Sie
seien auch eng mit der postulierten abhängigen Persönlichkeitsstruktur verstrickt (vgl.
IV-act. 95-18 f.). Der Gutachter beschrieb bei der Würdigung der Fähigkeiten,
Ressourcen und Belastungen der Beschwerdeführerin, dass ihre gemäss eigener
Beschreibung früher freudigen, humorvollen und lebensbejahenden
3.1.5.
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Charaktereigenschaften im Lauf der Jahre aufgrund der aktuellen Beziehungsführung in
den Hintergrund getreten seien (vgl. IV-act. 95-20). Die Symptome einer
anankastischen Persönlichkeitsstörung (wie von der behandelnden Psychiaterin
gestellt) hätten nicht exploriert werden können. Vielmehr bestehe bei ihr wegen der
deutlichen Neigung, sich den Wünschen anderer unterzuordnen, und des Wunsches
nach Ruhe, weil sie sich der Konfrontation nicht mehr aussetzen wolle, der dringende
Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit abhängigen Anteilen (vgl. IV-
act. 95-18). Dieser Wunsch nach Ruhe und einer Auszeit spiegle ihr Potenzial wider
und sollte gefördert werden (vgl. IV-act. 95-20). Der Gutachter schloss, unter
regelmässiger Medikamenteneinnahme bestehe längerfristig in der bisherigen Tätigkeit
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Die von der
behandelnden Psychiaterin ab 2017 attestierte volle Arbeitsunfähigkeit in
angestammter und angepasster Tätigkeit sei aus gutachterlicher Sicht nicht
nachvollziehbar. Psychotherapeutisch betrachtet wäre nach Abklingen der
somatischen Erkrankung vielmehr zur Prävention möglicher Angst der Wiedereinstieg
ins Berufsleben von grosser Bedeutung gewesen. Künftig sei diesbezüglich das
Augenmerk auf die Schwerpunkte der Abgrenzung der Beschwerdeführerin (sc. von
anderen) und des Erkämpfens eigener Bedürfnisse zu legen und es sollte versucht
werden, die Tagesstruktur mit für die Beschwerdeführerin sinnvoller Tätigkeit zu füllen.
Auch in angepasster Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (vgl. IV-
act. 95-20 f.).
Polydisziplinär wurde zusammengefasst, im Vordergrund stünden die
Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin seitens des Bewegungsapparates (vgl. IV-
act. 95-6 und IV-act. 95-9). Bei der Konsistenzprüfung wurde dargelegt, die beklagten
belastungsabhängigen Schmerzen an HWS und LWS seien plausibel, wenn auch in der
Intensität nicht nachvollziehbar (vgl. IV-act. 95-8). Bei der Diskussion der
Belastungsfaktoren und Ressourcen wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin
beschreibe sich als sehr auf die Familie bezogen; sie habe keine Freunde und betreibe
keine Hobbys. Die arbeitsbezogenen Einschränkungen würden sich als subjektives
Gefühl von Konzentrationsproblemen beschreiben lassen (vgl. IV-act. 95-8).
3.1.6.
Insgesamt kann zu diesem Gutachten zunächst festgehalten werden, dass es in
ausreichender Kenntnis der Voraktenlage erging. Zumindest die Gutachterin der
Orthopädischen Chirurgie erwähnte ausdrücklich den Inhalt des neurologischen Teils
des PMEDA-Gutachtens (vgl. IV-act. 95-29; vgl. auch IV-act. 95-56; die Feststellung
bei IV-act. 95-49, Ziff. 8.4, dürfte auf einem Versehen beruhen, weshalb die
unbesehene Übernahme aus den Teilgutachten in Ziff. 4.11 bei IV-act. 95-9
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/25
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dementsprechend widersprüchlich erscheint, was aber für den Beweiswert nicht von
ausschlaggebender Bedeutung ist). Die jeweiligen Untersuchungen der Experten
erscheinen vollständig. Die orthopädische Begutachtung stützte sich namentlich auf
aktuell erhobene radiologische Befunde. Die Begründungen der einzelnen
Begutachtungsergebnisse sind zudem nachvollziehbar. Die Gutachter befassten sich
auch mit den Fragen der Belastungsfaktoren und Ressourcen sowie der Konsistenz.
Was im Weiteren den somatischen Gesundheitszustand für sich genommen
angeht, so ist er demnach als Grund für die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit
von 30 % in körperlich schwerer Tätigkeit zu betrachten (vgl. IV-act. 95-29). Dass das
zerviko-lumbale Schmerzsyndrom auch bei den Diagnosen ohne Auswirkungen
figuriert, dürfte im Übrigen darauf zurückzuführen sein, dass es gemäss dem
Gutachten allein neurologisch betrachtet als die Arbeitsfähigkeit nicht beeinflussend
betrachtet wurde.
3.3.
Was die psychiatrische und die neuropsychologische Begutachtung im
Besonderen betrifft, ist Folgendes festzuhalten:
3.4.
Der Gutachter der Psychiatrie hat sich mit den Ergebnissen der
neuropsychologischen Begutachtung auseinandergesetzt, wie es gemäss der
Rechtsprechung erforderlich ist. Danach stellt die neuropsychologische Abklärung
lediglich eine Zusatzuntersuchung dar und bleibt es grundsätzlich Aufgabe des
psychiatrischen - oder allenfalls des neurologischen - Facharztes, die Arbeitsfähigkeit
unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 27. Juni 2019, 9C_299/2019 E. 4; vgl. auch
Bundesgerichtsurteil vom 12. April 2019, 9C_752/2018 E. 5.3). Entscheidend ist die (sc.
entsprechende) klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung
und Verhaltensbeobachtung (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7. Juni 2021, 8C_138/2021
E. 4.2).
3.4.1.
Die neuropsychologische Untersuchung selbst hatte die oben (E. 3.1.4)
dargelegten Störungen erhoben. Die Ursachen dafür (bzw. die gestellte Diagnose als
solche) sind dabei allerdings wie erwähnt als unklar bezeichnet worden. - In Erwägung
gezogen wurden von der Expertin der Neuropsychologie der Einfluss von - bereits von
Beginn der Untersuchung weg vorhandener und bis zu deren Mitte unveränderter
deutlicher und am Ende der Exploration erhöht vorhandener - Müdigkeit. Ob sich
allerdings in der zweiten Hälfte der Untersuchungen eine entsprechende Verstärkung
der Müdigkeit in den Tests niedergeschlagen habe, wurde im Teilgutachten nicht
dargelegt. Beim neuropsychologisch-klinischen Eindruck wurden zwar wie oben
3.4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/25
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erwähnt Beeinträchtigungen beschrieben. Ausdrücklich festgehalten wurde jedoch,
dass sich während der gut dreistündigen Untersuchung keine Hinweise auf eine
verminderte Belastbarkeit bzw. rasche Ermüdbarkeit der Beschwerdeführerin gezeigt
hätten (vgl. IV-act. 96-9).
Im Zusammenhang mit der erforderlichen Würdigung eines allfälligen Einflusses
von Medikation oder von psychiatrischen Erkrankungen wie etwa einer deutlichen
depressiven Symptomatik wies die Gutachterin der Neuropsychologie auf die hierfür
massgebliche medizinische Beurteilung hin (vgl. IV-act. 96-8 f.). Dass die bei der
Beschwerdeführerin vorgefundenen depressiven Symptome oder ein
Medikamenteneinfluss für die neuropsychologisch erhobenen Störungen verantwortlich
seien, wurde im psychiatrischen Gutachten in der Folge nicht angenommen. Die
betreffenden Symptome erreichten gemäss dem Gutachten wie erwähnt auch nicht
den Schweregrad einer depressiven Episode (vgl. IV-act. 95-18 f.).
3.4.3.
Des Weiteren wies der Gutachter der Psychiatrie darauf hin, dass die
depressiven Symptome der Beschwerdeführerin aus der aktuellen Lebenssituation
resultierten. Nach der Rechtsprechung werden bei der Prüfung der
Standardindikatoren die funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen auch mit
Blick auf psychosoziale Faktoren abgeschätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen
einer Gesundheitsschädigung beeinflussen. Soweit diese Belastungsfaktoren direkt
negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie ausser Acht. Hingegen können sie
mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie zu einer ausgewiesenen
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit als solcher - mit Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit - geführt haben, wenn sie also einen verselbständigten
Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von
den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen verschlimmern (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 20. Januar 2020, 8C_559/2019 E. 3.2; vgl. BGE 143 V 409 E.
4.5.2; BGE 141 V 281 E. 4.3.3). Es ist davon auszugehen, dass der Gutachter die
konkret anzunehmende Rolle der psychosozialen Belastungsfaktoren so beurteilte,
dass sie bei der Beschwerdeführerin nicht eine (depressive) Erkrankung bewirkt haben.
Hierauf kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit abgestellt werden.
3.4.4.
Das gilt, auch wenn nicht ausser Acht zu lassen ist, dass in der Aktenlage bereits
für frühere Zeiten depressive Symptome der Beschwerdeführerin erwähnt wurden. So
hatte sie in der Klinik F._ zur Krankheitsentwicklung angegeben, erste psychische
Probleme im Sinn von Reizbarkeit und Schlaflosigkeit bereits im Jahr 2010 gehabt zu
haben. Nach der folgenden Schilddrüsenteilresektion habe sie gleich wieder zu
3.4.5.
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arbeiten begonnen (vgl. IV-act. 45-4). Im Dezember 2013 hatte Dr. J._ depressive
Symptome der Beschwerdeführerin erwähnt. Die Beschwerdeführerin hatte indessen
nach der Aktenlage weiterhin gearbeitet. Bei der Erhebung der Anamnese in der Klinik
F._ hatte sie weiter berichtet, als die ein paar Jahre nach der Schilddrüsenoperation
aufgetretenen starken Kopfschmerzen trotz Therapie weiterbestanden hätten, habe
sich bei ihr eine Angst vor einem Tumor entwickelt. Anfangs 2016 sei das Meningeom
diagnostiziert worden (vgl. IV-act. 45-4). Die Beschwerdeführerin musste demgemäss
nach langer Zeit erlittener Kopfschmerzen und aufsteigender Befürchtung des gleichen
Schicksals einer Tumorerkrankung wie desjenigen der Mutter tatsächlich zwei Tumor-
Diagnosen zur Kenntnis nehmen. Dass dieser Umstand nicht ohne psychische
Belastungsfolgen blieb, erscheint nachvollziehbar. Auch dass sie Folgen der
jahrelangen Nachtarbeit spürte, ist begreiflich. Da indessen davon ausgegangen
werden kann, dass die gutachterliche psychiatrische Beurteilung keine von den
behandelnden Ärzten genannten Aspekte unberücksichtigt gelassen hat, erscheint sie
auch diesbezüglich stichhaltig. Selbst die behandelnde Psychiaterin hielt zudem dafür,
für die Prognose stünden die somatischen Leiden im Vordergrund (vgl. IV-act. 66-3).
Der Gutachter der Psychiatrie hielt ausserdem fest, das Medikament Zoloft
(Sertralin, ein Antidepressivum) sei laborchemisch in so niedriger Konzentration
gefunden worden, dass von einer nicht regelmässigen Einnahme ausgegangen werden
müsse (vgl. IV-act. 95-19, vgl. Messergebnisse IV-act. 95-16). - Diesbezüglich ist
allerdings einerseits zu erwähnen, dass immerhin die Summe von Sertralin und
Desmethylsertralin in den untersten therapeutischen Bereich fiel und dass anderseits
zumindest der Spiegel des anderen von der Beschwerdeführerin eingesetzten
Antidepressivums, nämlich von Trittico (Trazodon, einem Antidepressivum), im
therapeutischen Bereich lag (vgl. IV-act. 95-16). Ausserdem ergaben sich bei der
Begutachtung auch keine Inkonsistenzen oder Anhaltspunkte für eine nicht
authentische Beschwerdeschilderung der Beschwerdeführerin (vgl. IV-act. 95-20).
Indessen ist kein Widerspruch darin zu sehen, dass einerseits die
Schmerzmitteleinnahme reduziert werden sollte und anderseits von einem
ungenügenden Einsatz eines Antidepressivums ausgegangen wurde.
3.4.6.
Von Bedeutung waren für den Gutachter der Psychiatrie allerdings auch die
neuropsychologisch erhobenen Hinweise auf eine verminderte
Anstrengungsbereitschaft der Beschwerdeführerin (vgl. IV-act. 95-19). Es waren im
neuropsychologischen Teilgutachten wie dargelegt ein auffälliges Resultat im
Symptomvalidierungsverfahren bzw. Auffälligkeiten im Untersuchungsverfahren zur
Erfassung der Anstrengungsbereitschaft erwähnt worden (vgl. IV-act. 96-7). Die
3.4.7.
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4.
Kriterien für eine wahrscheinliche kognitive Antwortverzerrung waren danach nicht
erfüllt. In der nachträglichen Stellungnahme vom 20. September 2019 (IV-act. 119)
legte der Gutachter der Psychiatrie dar, er habe (wohl im Ergebnis) auf seine eigene
Einschätzung der Konsistenz abgestellt (vgl. zur Frage der Konsistenz im Übrigen auch
einerseits Fremd-act. 2-12, anderseits Fremd-act. 3-10).
Eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, wie sie im
neuropsychologischen Begutachtungsteil den erhobenen Störungen zugeschrieben
wurde, ist demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht anzunehmen. Denn
der Angabe dieser Störungen wurde wie erwähnt gleichzeitig gegenübergestellt, dass
die Diagnose bzw. die Ursache der (konfundierten) Befunde unklar sei (IV-act. 96-8 f.).
Es sind denn auch verschiedene Ursachen möglich (wie etwa verschiedene
psychologische Probleme bei [traumatisch bedingter] Befindlichkeitsstörung, eine
Störung der Emotionalität, verschiedene psychotrop wirksame Substanzen oder eine
verminderte Motivation [letztere allenfalls aus Angst, das - bei den im Artikel
behandelten HWS-Schleudertraumata vorhanden gewesene - prätraumatische
Funktionsniveau nicht mehr zu erreichen], vgl. Bogdan P. Radanov, Über den
Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten nach Halswirbelsäulen-
Distorsion [sog. Schleudertrauma der Halswirbelsäule], in SZS 1996 472 ff., 473, 475).
Die Gutachterin der Neuropsychologie wies zudem ausdrücklich auf die vorausgesetzte
erforderliche medizinische Wertung hin. Die im polydisziplinären Gutachten bekannt
gegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung stellte ausserdem am Ende das Ergebnis einer
polydisziplinären Begutachtung unter Mitwirkung aller Gutachterinnen und Gutachter,
auch der Gutachterin der Neuropsychologie, dar.
3.4.8.
Auf das Begutachtungsergebnis einer vollen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer angepassten leichten bis mittelschweren
wechselbelastenden Tätigkeit (vgl. IV-act. 95-28) kann demnach (spätestens) für den
Begutachtungszeitpunkt abgestellt werden. Die abweichende psychiatrische
Arbeitsunfähigkeitsschätzung der behandelnden Psychiaterin (seit 2017) konnte
gutachterlich nicht nachvollzogen werden (vgl. IV-act. 95-20) und vermag dagegen
nicht anzukommen. Zu bedenken ist im Zusammenhang mit der Beurteilung durch die
behandelnde Ärztin auch, dass die Beschwerdeführerin selbst sich nicht mehr
arbeitsfähig fühlte (vgl. IV-act. 95-25, IV-act. 95-31).
3.5.
Was den retrospektiven Verlauf der Arbeitsunfähigkeit betrifft, wurde im Gutachten
dargelegt, die (somatisch bedingte) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der
4.1.
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bisherigen Tätigkeit von 30 % bestehe wahrscheinlich seit vielen Jahren, spätestens
aber seit Februar 2018, dem Zeitpunkt des Sprechstundenberichts der Klinik für
Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen (vgl. IV-act. 95-8 und -29; damals war die
Jahreskontrolle unauffällig gewesen). Es ist ergänzend davon auszugehen, dass ab
6. Oktober 2016 aufgrund der somatischen Beeinträchtigung, die eine Kraniotomie
nötig machte, somatisch gesehen vorübergehend eine volle Arbeitsunfähigkeit
bestanden hatte. Nach anschliessenden Lungenembolien wurde nach der Aktenlage im
März 2017 noch das L._ entdeckt. Bei der bidisziplinären neurologischen und
internistischen Begutachtung durch die PMEDA im Mai 2017 wurde indessen kein die
Arbeitsfähigkeit tangierendes somatisches Leiden mehr festgestellt. Die
Arbeitsunfähigkeit war wieder entfallen (bzw. gemäss medexperts wie erwähnt
spätestens ab Februar 2018 auf 30 % gesunken). In der medexperts-Stellungnahme
vom 20. September 2019 wurde gar auf ein Ende der ehemals attestierten
Arbeitsunfähigkeit schon am 28. November 2016 hingewiesen (vgl. IV-act. 119-2).
Angesichts der echtzeitlichen Begutachtung kann auf das erwähnte PMEDA-Ergebnis
abgestellt werden. Damit ist bis dahin eine ausreichende Rekonvaleszenzzeit nach der
intensiven Behandlung ab Oktober 2016 anzunehmen. Eine für einen Rentenanspruch
vorausgesetzte Wartezeit von einem Jahr an Arbeitsunfähigkeit war damals (Mai 2017)
noch nicht abgelaufen.
Eine volle Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepassten, leichten
bis mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit nahmen die medexperts-Gutachter
spätestens ab der Begutachtung (vom März 2019) an (vgl. IV-act. 95-8 und -29).
Ergänzend geht aus der psychiatrisch-gutachterlichen Beurteilung für die retrospektive
Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ausserdem hervor, dass der
Gutachter der Psychiatrie die Beurteilung, wonach in angepasster Tätigkeit keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischen Gründen vorliege, mit
Ausnahme der kurzfristigen Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit während der stationären
oder teilstationären Aufenthalte auch auf die vergangene Zeit zurückbezog (vgl. IV-
act. 95-21). Ein psychiatrisches Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit war bei der
Begutachtung wie erwähnt nicht festgestellt worden. Die behandelnde Psychiaterin
hatte die attestierte volle Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen lediglich (u.a.)
mit einer Anpassungsstörung, einer längeren depressiven Reaktion, begründet. Diese
Diagnose ist (nebst einer psychophysischen Erschöpfung) auch dem Bericht der Klinik
F._ vom November 2017 zu entnehmen. Während der ambulanten Behandlung vom
17. August 2017 bis 4. September 2017 war die Beschwerdeführerin voll arbeitsunfähig
geschrieben worden. Gleiches gilt für die Zeit der integrativen Behandlungsmassnahme
vom 4. September 2017 bis 13. Oktober 2017 (vgl. IV-act. 46). Es wurde diesbezüglich
4.2.
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5.
ausserdem erwähnt, diese Krankschreibung sollte (nach der Behandlung) in einem
ersten Schritt aufrechterhalten werden. Gemäss dem Gutachten wurde indessen die
von der behandelnden Psychiaterin ab 2017 attestierte volle Arbeitsunfähigkeit als
nicht nachvollziehbar bezeichnet. Gemäss der psychiatrischen Begutachtung wäre
zudem bereits nach Abklingen der somatischen Erkrankung ein Wiedereinstieg wichtig
- somit auch medizinisch zumutbar - gewesen (vgl. IV-act. 95-20 f.). Damit lässt sich
insgesamt darauf abstellen, dass auch retrospektiv keine mehr als ein Jahr lang
andauernde ununterbrochene (vgl. Art. 29 IVV) rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit,
d.h. keine solche mit einer anschliessenden längere Zeit andauernden rentenrelevanten
Invalidität (vgl. unten E. 5.5), anzunehmen ist.
ter
Nach Art. 16 ATSG (vgl. Art. 28a Abs. 1 IVG) wird für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
5.1.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns überwiegend wahrscheinlich
als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten,
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 6.
Oktober 2020, 9C_316/2020 E. 3.1, und vom 22. August 2019, 9C_868/2018 E. 3.1,
BGE 139 V 28 E. 3.3.2, BGE 129 V 222). Letzteres ist vorliegend anzunehmen. Weil die
Einkommen gemäss IK-Auszug eine gewisse Schwankung aufwiesen, zog die
Beschwerdegegnerin einen Durchschnitt der Einkommen aus den Jahren 2011 bis
2015 (vgl. IV-act. 100), was grundsätzlich nicht zu beanstanden ist. Sie nahm ein
Valideneinkommen von Fr. 67'999.-- an. Gemäss der Arbeitgeberbescheinigung vom
19. April 2017 (IV-act. 12) hatte die Beschwerdeführerin im Jahr vor Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, also 2015, für sich genommen mit durchschnittlich
2'190 Arbeitsstunden pro Jahr ein Einkommen von insgesamt Fr. 69'017.95 erzielt,
nach Abzug der Gratifikation von Fr. 710.-- ein solches von Fr. 68'307.95. Ab 2017
hätte ihr monatliches Einkommen gemäss der Bescheinigung der Arbeitgeberin
durchschnittlich Fr. 5'410.-- betragen. Die Beschwerdeführerin hat in den zwei in der
5.2.
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Bescheinigung erwähnten Jahren 2015 und 2016 einen 13. Monatslohn von lediglich
Fr. 4'055.-- (2015) und Fr. 4'080.-- (2016) erhalten. Bei dieser Sachlage ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit mit einem Valideneinkommen 2017 von jedenfalls
nicht mehr als Fr. 69'000.-- zu rechnen (12-mal Fr. 5'410.-- zuzüglich Fr. 4'080.--).
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der -
kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und
erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, können die Tabellenlöhne
herangezogen werden (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 22. November 2019,
8C_590/2019 E. 5.1, und vom 22. Februar 2019, 9C_479/2018 E. 2.2, BGE 143 V 295
E. 2.2). - Da die Beschwerdeführerin nach der Aktenlage keine Erwerbstätigkeit mehr
aufgenommen hat und ihre medizinische Arbeitsfähigkeit auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt, wie ihn Art. 16 ATSG voraussetzt, trotz der eingeschränkten sprachlichen
Möglichkeiten (vgl. Begutachtung mit Dolmetschern) als verwertbar zu betrachten ist,
sind der Bemessung des Invalideneinkommens die Tabellenlöhne zugrunde zu legen.
Der massgebliche theoretische und abstrakte ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64,
BGE 129 V 480 E. 4.2.2) dient dazu, die Risiken von Arbeitslosigkeit und Invalidität
voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[seit 1. Januar 2007: Schweizerisches Bundesgericht] vom 10. Juli 2006, I 186/05
E. 2.3, Bundesgerichtsurteil vom 23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V
276 E. 4b, vgl. auch BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2). - Mit einfachen
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art, also des Kompetenzniveaus 1,
konnten Frauen im Jahr 2017 statistisch gesehen durchschnittlich ein Lohnniveau von
Fr. 54'783.-- erreichen (vgl. Anhang 2 der Textausgabe Invalidenversicherung,
Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Gesetze und Verordnungen, 2019,
herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV, S. 228, basierend auf der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik).
5.3.
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist
ein Abzug von den Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des
Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
5.4.
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Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). - Vorliegend ist kein Grund für einen
massgeblichen Abzug anzuerkennen. Allfällige kognitive Einschränkungen sind im
Rahmen der medizinischen Begutachtung gewürdigt worden und geben nicht Anlass
zu einem solchen namhaften Abzug. Die sprachlichen Verständigungsmöglichkeiten
der Beschwerdeführerin auf Deutsch wurden im Gutachten unterschiedlich
beschrieben. So erwähnte die Neurologin, die Verständigung sei trotz Dolmetschens
schwierig gewesen und die Beschwerdeführerin habe nicht immer auf die Fragen
eingehen können (vgl. IV-act. 95-44), der Internist, der direkte Zugang zu ihr sei bei
leidlichen Deutschkenntnissen meistens möglich gewesen (vgl. IV-act. 95-36), der
Orthopäde, sie spreche wenig Deutsch (vgl. IV-act. 95-25), und der Psychiater, der
Beizug einer Dolmetscherin sei notwendig gewesen und die Beschwerdeführerin habe
dennoch immer wieder versucht, auf Deutsch zu antworten, was sie gebrochen getan
habe (vgl. IV-act. 95-15). Die Beschwerdeführerin beschrieb bei der Begutachtung die
Phase ihrer anfänglichen Arbeitstätigkeit hierzulande bei Nichtbeherrschen der Sprache
- verständlicherweise - als sehr harte Zeit. Sie habe sich hier sehr allein gefühlt (vgl. IV-
act. 95-14). Insgesamt hat sie gemäss IK-Auszug vor Eintritt der gesundheitlichen
Beeinträchtigung indessen an mehr als einer Stelle über längere Zeit hinweg gearbeitet.
Der Umstand eingeschränkter Deutschkenntnisse bzw. Verständigungsmöglichkeiten
hat sie damals an der zuletzt innegehabten Stelle auch nicht daran gehindert, ein
überdurchschnittliches Einkommen zu erzielen (vgl. oben Valideneinkommen). Arbeiten
des Kompetenzniveaus 1, von welchen bei der Bemessung ihres Invalideneinkommens
wie dargelegt lediglich ausgegangen wird, erfordern zudem keine guten
Sprachkenntnisse (und auch kein besonderes Bildungsniveau, vgl.
Bundesgerichtsurteile vom 18. April 2019, 8C_687/2018 E. 5.3, vom 10. September
2019, 8C_314/2019 E. 6.2, vom 29. Mai 2018, 9C_266/2017 E. 3.4.4, und vom
18. August 2014, 9C_426/2014 E. 4.2). Auf Tätigkeiten, in welchen solche Fähigkeiten
verlangt werden, sind die Anstellungsmöglichkeiten der Beschwerdeführerin auch nicht
eingeschränkt. - Ein Abzug von mehr als 10 % erscheint jedenfalls nicht angemessen.
Dass für die bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin schon für eine lange
retrospektive Zeit eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % im Sinn eines reduzierten
Rendements attestiert wurde, gibt nicht Anlass, das Valideneinkommen über das
ehemals tatsächlich erzielte Mass hinaus zu erhöhen. Für die Annahme eines
hypothetischen höheren Einkommens als gesundheitlich nicht beeinträchtigte
Versicherte besteht keine ausreichende (d.h. überwiegende) Wahrscheinlichkeit. Wird
von dem oben genannten Valideneinkommen für das Jahr 2017 von (höchstens)
5.5.
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