Decision ID: 1365e4c9-52f0-4ba6-ba15-cbb40aaafcfa
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1964 geborene
X._
, welcher gelernter Elektromechaniker ist
(
Urk. 6/25/41,
Urk.
6/
32/732
)
,
war als Mitarbeiter Kaffeetestlabor bei der
Y._
AG
angestellt, seit dem
1.
Juni 2015 in einem Pensum von 80
% (
Urk.
6/3
/2
).
A
m
2.
Dezember 2019
meldete er sich
unter Hinweis auf einen am 14.
Mai 2019 erlittenen Schlaganfall
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/
6)
,
wobei er am 29. November 2019 einen weiteren Schlaganfall erlitten hatte (vgl.
Urk.
6/32/263,
Urk.
6/53/82)
.
Die IV-Stelle zog
daraufhin
die Akten der Krankentaggeld
ver
sicherung
des Versicherten
bei (
Urk.
6/
12,
Urk.
6/
13,
Urk.
6/
25
,
Urk.
6/
32
)
. Mit Vorbescheid vom 2
2.
Oktober 2020
(
Urk.
6/34)
stellte sie
in Aussicht, das Leistungsbegehren des Versicherten abzuweisen. Da
gegen e
rhob
dieser
Einwand und beantragte die Gewährung beruflicher Massnahmen (
Urk.
6/
37,
Urk.
6/
44). Die IV-Stelle zog in der Folge weitere Akten der Krankentaggeldversicherung (
Urk.
6/
52,
Urk.
6/
53)
und
einen Bericht d
er Klinik für Neurologie
, Abteilung Neuro
psychologie und
Kognitive Neurologie
,
des
Universitätsspitals
Z._
(
Urk.
6/
56)
sowie
einen Bericht des Universitären Herzzentrums des
Universitätsspitals Z._
(
Urk.
6/
59) bei. Ab dem
1.
April 2021 war der Versicherte in einem 50%-Pensum bei der
A._
AG angestellt (
Urk.
6/
61), wobei
er
der IV-Stelle mit
teilte, dass er ein Job
-
Coaching durch
sie
wünsche (
Urk.
6/
62).
Mit Mitteilung vom
1.
April 2021
(Urk.
6/68)
hielt die IV-Stelle fest, dass sie dem Versich
erten für die Zeit vom 12. März
bis 11.
September 2021 ein Job
-
Coaching
für den E
rhalt des
derzeitige
n Arbeitsplatzes gewähre. Mit Mitteilung vom 23.
Juni 2021 erklärte die IV-Stelle, dass der Arbeitsplatzerhalt erfolgreich abge
schlossen sei (
Urk.
6/
70). Mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2021 verneinte
sie
einen Anspruch des Versicherten auf
Leistungen der Invalidenversicherung
(Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 2
3.
August 2021 (
Urk.
1) Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung vom 3
0.
Juni 2021 sei auf
zuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit diese hernach über die gesetzlichen Leistungen neu entscheide, eventualiter sei die Verfügung vom 3
0.
Juni 2021 auf
zuheben und ihm mindestens eine
Viertelsrente
zuzusprechen. Die Beschwerde
gegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
September 2021 (
Urk.
5) die Abwei
sung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
9.
Sep
tember 2021 angezeigt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hin
weisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechts
vorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
-
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.
6
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG), das
heisst
eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwägungen. Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV
fliessende
Begründungspflicht gebietet nicht, dass sich der Versicherungsträger mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2, 136 I 229 E. 5.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung ihres Entscheides (
Urk.
2 und
Urk.
5
), die Krankentaggeldversicherung
des Beschwerdeführers
habe ein Gut
achten
eingeholt
. Darin werde
für ein 80%-Pensum in einer
angepasste
n
Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert
. Der Beschwerdeführer könne ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen.
2.2
Der Beschwerdeführer wendete dagegen im Wesentlichen ein (
Urk.
1)
, die Beschwerdegegnerin habe die Akten nicht
ihrem Regionalen Ärzt
lichen
Dienst (RAD)
zur Beurteilung vorgelegt, obwohl die
s
von ihr
mit Blick auf die Renten
prüfung ursprünglich vorgesehen gewesen sei. Die Beschwerdegegnerin stütze sich vornehm
lich
auf das durch die Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene Gutachten. Auf dieses könne jedoch nicht abgestellt werden. Insbe
son
dere die neuropsychologische Beurteilung leide an formalen und
inhaltlichen Mängeln. So beleg
e die
Neuropsychologin die Resultate
der Beschwerde
validierungstests nicht mit den entsprechenden PR-Werten. Augen
fällig sei zudem, dass die Neuropsychologin noch
vom Verdacht eines
O
bstrukti
ven Schlafapnoe Syndrom
s
(
OSAS
)
ausgegangen sei, ob
wohl ihr die Verdachts
diagnose einer
hypersomnischen
Störung bereits hätte bek
annt sein müssen. Des
W
eit
e
ren sei er während der Exploration unter Medikation mit den Präparaten
Neuropro
und
Trittico
gestanden, welche sich auf das
Zentralnervensystem
aus
wirkten. Solche Präparate seien in der neuropsychologischen Begutachtung zwingend zu berücksichtigen, was vorliegend unterlassen worden sei. Nicht nach
vollziehbar sei sodann die Schlussfolgerung des psychiatrisch-neurolo
gischen Gutachters in seiner ergänzenden Stellungnahme, dass er
-
der Beschwer
de
führer -
überwiegend wahrscheinlich unter keinen kognitiven Defiziten leide. Bereits die vorangehende neuropsychologische Untersuchung
i
m
Universitätsspital Z._
vom 6.
März 2020 habe leichte kognitive Defizite bestätigt. Die kognitiven Defizite seien in einer weiteren neuropsychologischen Untersuchung
im
Universitätsspital Z._
vom 20.
Januar 2021
be
stätigt worden.
Sodann habe er sich vom
1.
September bis 17.
Oktober 2020
in
einem stationären Aufenthalt in der Hochgebirgsklinik
B._
befunden.
Die Ärzte der Klinik hätten von einer
mittelgradigen depressiven Episode
berichtet
und
seien
bei Austritt von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus
gegangen
.
Er befinde sich zudem seit März 2019
in delegierter psycho
therapeutischer Behandlung.
Im
letzte
n
Bericht des delegierenden Arztes vom 1
7.
Dezember 2020 werde ebenfalls von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Insgesamt seien d
ie medizini
schen
Berichte widersprüchlich und die Schlussfolgerungen nicht stringent begründet. Es werde daher die Rückweisung der Sache an die Beschwerde
gegnerin zur Einholung eine
r
polydisziplinären Begutachtung in den Fachdis
ziplinen Innere Medizin, Neurologie, Neuropsychologie und Psychiatrie bean
tragt.
Des
W
eiteren habe die Beschwerdegegnerin keinen Einkommensvergleich vorge
nommen. Ein solcher wäre jedoch vorzunehmen gewesen, leide er doch über
wiegend wahrscheinlich unter einem IV-relevanten Gesundheitsschaden (kogni
tive Einschränkungen/
Fatigue
).
Aus der Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens ergebe sich
denn auch ein
Invaliditätsgrad von 43
%. Eventualiter sei ihm deshalb eine
Viertelsrente
zuzusprechen.
3.
3.1
Es sind insbesondere die folgenden ärztlichen Berichte aktenkundig:
3.2
Der Beschw
er
deführer wurde am
6.
März 2020 in der Klinik für Neurologie
, Abteilung Neuropsychologie und Kognitive Neurologie
,
des
Universitätsspitals Z._
neuropsycholo
gisch untersucht
. C._
, Neuropsychologin
,
Dr.
phil.
D._
, Neurop
s
ychologin und Prof.
Dr.
med.
E._
, Leitender Arzt, hielten mit Bericht vom gleichen Tag als Diagnosen fest (
Urk.
6/32/263-266)
:
-
Verdacht auf
Antiphospholipidsyndrom
(APS)
-
c
erebrovaskuläre
Ischämie
cerebellär
b
eidseits, Erstmanifestation 29.
November 2019, Erstdiagnose 3
0.
November 2019
-
a
namnestisch: am 2
9.
November 2019 um etwa 12:30 Uhr plötzlich starke Drehschwindelattacke für wenige Sekunden. Am 3
0.
November 2019 um etwa 19:30 Uhr erneute Attacke mit anschliessendem Erb
rechen. Um 22:45 Uhr am 3
0.
November 2019 auf dem Notfall plötzlich Dysarthrie (nasale Sprache, Gefühl eine schwere Zunge zu haben) und Kribbelparästhesien im rechten Arm, starke Kopfschmerzen linksseitig (NRS 7/10)
-
k
linisch (initial): Blickrichtungsnystagmus nach rechts, Hypästhesie Arm rechts, Dysarthrie
-
NIHSS bei Eintritt: 2/42
-
mRS
bei Eintritt 2 Punkte; vor Ereignis 0 Punkte
-
diagnostisch:
-
Labor: CRP 7 mg/l,
Lc
16,
54 G/l
-
cM
RI
3
0.
November 2019: DWI Restriktionen
cerebellär
links und zusätzliche kleine Restriktion
cerebellär
rechts, bereits FLA
IR
demarkiert
-
therapeutisch:
-
Ass und
Plavix
weiter
-
c
erebrovaskulär
ischämischer Infarkt rechtsh
em
isphärisch am 1
4.
Mai 2019
-
ä
tiologisch:
makroangiopathisch
bei V
erschluss der rechten A.
caroti
s
inter
n
a
(TOAST
I
)
-
a
namnestisch: Last-Time-Seen-No
rmal
um 00:00 Uhr vom 1
4.
Mai 201
9.
Gegen 2:00 Uhr im Bett mit einem linksseitigen
Hemisyndrom
vorgefunden. Im Spital
F._
NIHSS 12 Punkte
-
k
l
inisch (initial): Blickpräferenz nach rechts, Dysarthrie, sensibler
Neglect
nach links, mässiges
faziobr
ach
iocrurales
Hemisy
nd
rom
links
-
NIHSS bei Eintritt 9/42; bei Austritt 2/42
-
mRS
bei Eintritt 4 Punkte; vor Ereignis 0 Punkte, bei Austritt 2/42
-
vRF
: keine bekannt
-
diagnostisch:
-
CT-
Angio
vom 1
3.
Mai 2019 (exter
n
): keine Blutung, fragliche Demarkation rechtshemisphärisch. ICA-Verschluss rechts im Abgang mit
Mismatch
.
-
cMRI
1
5.
Mai 2019:
a
usgedehntes akutes
Ischämieareal
im Mediastromgeb
i
e
t rechts mit unter anderem Beteiligung des Temporallappens und
subinsulär
mit hämorrhagischer Transforma
tion
subinsulär
. Zwischenzeitlich mittels
Stent-Ei
nlage
rekanali
sierte
A.
carotis
interna
rechts abgangsnah
e. Regelrechte Gefäss
darstellung insbesondere ohne
Gefässabbruch oder
höhergradige
n
Stenosen.
-
Neurod
oppler vom 1
4.
Mai 2019: mässige
Atheromatose
, keine Re-Stenosen im Bereich der rechten ICA
-
Liquoranalyse
vom 1
6.
Mai
2019: Zellen/
ul
(29
%
Lymphozy
ten, 6
5
%
Neutrophil
e
), Protei
n
594 mg/l, Glukose und Laktat norm
wertig,
lg
G
Index 0,68, 1
oligoklonale
Bande im Liquor Serum (OKB Typ 4)
-
TTE vom 1
6.
Mai 2019: unauffälliger Befund
-
Holter-EKG vom 1
6.
bis 1
8.
Mai 2019: kein VHF, jedoch zwei
atriale
Runs als mögliche Vorläufer eines anhaltenden Vorhofflim
merns
-
24 Stunden-Blutdruckmessung vom 1
7.
bis 1
8.
Mai 2019: durch
schnittlich
normotones
BD-Profil ohne ausreichendes nächtliches
Dipping
(Tot
al
: 126/75
mmHG
, Tag 126/73
mmHg
, Nacht 126/79
mmHg
)
-
48 Stunden-Holter-EKG:
k
ein
VHFl
, 2
atriale
runs
-
Pathologiebefunde vom 1
7.
Mai 2019: frischer Thrombus ohne Hinweise für einen seit länger bestehenden Gerinnungsprozess
-
Vaskulitits
-Screening im Serum: unauffällig
-
t
herapeutisch:
-
k
eine
i.v.
Lyste
bei unklarem
Onset
und beginnender Demarkation
-
Throm
b
ektomie
(
fexit
Kulcsar
) und
Stenteinlage
in der ICA am 14.
Mai 2019
-
s
ekundärprophylaktisch: Aspirin
cardio
und
Plavi
x
für drei Monate,
Atorvastatin
80 mg
-
Komplexbehandlung Schlaganfall im
S
t
roke
-Center
-
m
ögliches
OSAS
-
a
namnestisch und fremdanamnestisch zunehmendes Schnarchen in der Nacht, Tagesmüdigkeit
-
Hydrozellenhüllenresektion links am 1
3.
Mai 2019
-
Co-
Amoxi
über 7 Tage bis und mit dem 1
7.
Mai 2019
-
Hordeolum
externum
OD Erstdiagnose 1
7.
Mai 2019
-
Lider: leicht gerötet am OL
umschriebene Schwellung und Rötung, hier auch
druckdolent
-
t
herapeutisch:
-
Tobradex
AT 4x/Tag
-
Tobradex
AS auf
Oberlid
3x/Tag und abends ins Auge
-
L
acrycon
AT 4x/Tag
Die Zuwe
is
ung sei zur neuropsychologischen Standortbestimmung
n
ach mehr
zeitigen CVI (letztmals November 2019) und Verdacht auf
Antiphospholipid
syn
drom
erfolgt. Subjektiv werde von einer erhöhten Ermüdbarkeit und damit ein
hergehende
r
reduzierte
r
Belastbarkeit berichtet. Formal neurop
s
ychologisch ergebe sich bei diesem vollständig orientierten und anstrengungsbereiten Patienten ein überwiegend normgerechtes kognitives Leistungsprofil. Isoliert lasse sich eine leicht unterdurchschnittliche Leistung in der geteilten Auf
merksamkeit konstatieren. Punktuell zeige sich zudem eine erhöhte F
ehleran
f
ällig
keit
(verbale Wortflüssigkeit, kognitive Flexibilität)
. I
n der Verhaltensbe
obachtung lasse sich ein
e
zunehmende Erschöpfung festhalten, welche den Beschwerdeführer zu eine
r Pause zwinge. Passend hierzu zeichne
sich – neben einer leichten affektiven Verstimmung – auch in einem Fragebogenverfah
r
en eine mittelschwere körperliche und kognitive
Fatigue
ab. Die Befunde könnten ätiolo
gisch im Rahmen der Grunderkrankung eingeordnet werden
.
Im Vergleich zu den neuropsychologischen Vorbefunden der Rehaklinik
G._
zeige sich, sofern bei Fremduntersuchung vergleichbar, ein erfreulicher Verlauf mit Leistungssteige
rung in den vormals verminderten mnestischen,
attentionalen
und exekutiven Teilfunktionen. Einzig die Leistungen in der geteilten Aufmerksamkeit fielen heute
-
im Gegensatz zur Voruntersuchung
-
reduziert aus. Basierend auf dem kognitiven Befun
d
sei die Arbeitsfähigkeit gegenwärtig nicht im Wesentlichen herabgesetzt; allerdings dürfte die tatsächliche Leistungsfähigkeit aufgrund der begrenzten Belastbarkeit reduziert sein. Zudem sei der Beschwerdeführer auf
grund der Erschöpfungssymptomatik auf regelmässige Pausen und Erholungs
phasen angewiesen. Um einer
Über
lastungs
- und Überforderungssituation, wel
che die kognitive und körperliche Symptomatik
gegebenenfalls verstärken würde
, entgegenzuwirken, erachteten sie einen auch weiterhin sorgfältig abgestuften beruflichen Wiedereinsti
e
g mit schrittweiser Erhöhung des Pensum
s
als sinnvoll (
w
ie bereits in Absprache mit dem Hausarzt initiiert).
3.3
3.3.1
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte mit Gutachten zu Händen der
Krankent
aggeld
ver
siche
rung
des Beschwerdeführers
vom
6.
Juli 2020 (Urk.
6
/53/9-90) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
6/
53/82)
:
-
Chronic
-
Fatigue
-Syndrom (chronisches Müdigkeitssyndrom; ICD-10 G93.3) mit/bei
-
c
erebrovaskulärer
Ischämie
cerebellär
b
eidseits, Erstmanifestation 29.
November 2019, Erstdiagnose 3
0.
November 2019
-
c
erebrovaskulärem
ischämischem Inf
arkt rechtshemisphärisch am 14.
Mai 2019
-
ätiologisch a
m
ehesten im Rahmen eines
Antiphospholipid
-Syndroms (TOAST 4), Differentialdiagnose kardio-
embolisch
-
möglichem
OSAS
-
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion aufgrund von Konflikten am Arbeitsplatz und der somatischen Erkrankung (mehrere Schlaganfälle; ICD-10 F43.21)
-
unklare, im Rahmen der Untersuchung nicht objektivierbare kognitive Defizite
-
neuropsychologische Untersuchung am 1
9.
August 2020
Als Diagnose
ohne Auswir
k
ungen
auf die Arbeitsfähigkeit
nannte
Dr.
H._
(
Urk.
6/
53/82):
-
Probleme, verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von narzisstisch akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1)
Unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Beschwerde
führer aus neurologischer Sicht, bezog
en
auf ein hypothetisches Arbeitspensum vom 80
%
, zu 100
%
arbeitsfähig bei um 20
%
reduziertem Rendement (Leistungsfähigkeit). Aufgrund der Müdigkeit habe der Beschwerde
führer
Schwierigkeiten, die für seine berufsspezifischen Anfor
derungen früher erbrachte körperliche Aktivität aufzubringen. Er sei jedoch in der Lage, unter bestimmten Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel häufigeren Erholungspausen, körperliche Aktivität aufzubringen. Aus fachärztlicher Sicht werde dringend empfohlen, die Arbeit auf fünf Tage pro Woc
he aufzuteilen.
Aus psychiatris
c
h
er Sicht würden bei der Beurteilung der Aktivität sowohl Hemmnisse als auch Ressourcen berücksichtigt. Beim Beschwerdeführer resul
tierten gegenwärtig Einschränkungen der Aktivität aus Störungen emotionaler und verhaltensbezogener Funktionen, der Krankheitsverarbeitung und damit zusammenhängenden Funktionsstörungen. Bei der Bewertung der Aktivität sollte auch berücksichtigt werden, welche Aktivitäten einem Individuum aufgrund seiner vorhandenen psychischen Funktionen möglich sein sollten, auch wenn er diese aktuell (zum Beispiel aufgrund regressiver Tendenzen) nicht umsetze. Der Beschwerdeführer verfüge über viele positive Ressourcen. Hervorzuheben seien
das Erreichen beruflicher Ziele
, sein zielgerichtetes Verhalten und Handeln, Ehr
geiz, Ausdauer, seine soziale Kompetenz, Visionen, Ziele, Ideen, Inte
ressen/H
obbys, gute familiäre Kontakte und die
Partnerschaft. An negativen Ressourcen lägen
eine
geringe ökonomische Stabilität und ein reduziertes Stress
erleben vor. Zusätzlich wirkten sich gegenwärtig die reduzierten Fähigkeiten und Kompetenzen negativ auf die Arbeitsfähigkeit aus.
Analog der Parameter der funktionellen Leistungsfähigkeit in Anlehnung an das Mini-ICF-APP bestünden mittelgradige Störungen der Aktivität und Partizipation im Bereich der Items Fähigkeit zur Anwendung fachlicher Kompetenzen sowie Durchhaltefähigkeit. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie die Gruppenfähigkeit seien leichtgradig beeinträchtigt. Insbesondere aufgrund der reduzierten Fähigkeit zur Anwendung fachlicher Kompetenzen schaffe es der Beschwerdeführer störungsbedingt nicht, eine seinen beruflichen Anforderungen entsprechende fachliche Kompetenz aus
reichend zu realisieren. Er werde den an ihn
gestellten Erwartungen nicht ausrei
chend gerecht. Aufgrund der reduzierten Durchhaltefähigkeit könne
er
vorüber
gehend keine volle Leistungsfähigkeit über die ganze Arbeitszeit hinweg zum Einsatz bringen. Sein Durchhaltevermögen sei mittelgradig beeinträchtigt bzw. vermindert. Inwieweit die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers durch die geltend gemachten kognitiven Defizite beeinträchtigt sei, müsse im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung am 1
9.
August beurteilt werden. Das aktuell ermittel
t
e Belastbarkeitsprofil gelte seit der aktuellen Abklärung.
In der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Systementwickler Labor sei der Beschwerdeführer
aus
bidisziplinärer
Sicht
medizinisch-theoretisch trotz der geltend gemachten kognitiven Defizite in einem 80%igen Arbeitspensum zu 60
% arbeitsfähig (die betriebliche volle Arbeitszeit betrage 42 Stunden/Woche, der Beschwerdeführer arbeite in einem 80%-Pensum, entsprechend 33,6 Stunden pro Woche). Ein 60%iges Arbeitspensum von 80
%
entspreche 20,16 Stunden pro Woche, 4,03 Stunden an fünf Tagen pro Woche. Bezüglich einer weiteren Steige
rung des Arbeitspensums werde nach Eingang der Ergebnisse der neuropsycho
logischen Untersuchung Stellung genommen. In einer optimal angepassten Tätigkeit, das heiss
e
einer Tätigkeit
, die
k
ein hohes Mass an Dauerkonzentration, Daueraufmerksamkeit sowie Kreativität voraussetz
e
, wäre
er
ab dem Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung zumind
e
st zu 75
%
von 80
%
arbeitsfähig bei vollem Rendement (5,4 Stunden pro Tag;
Urk.
6/
53/83-85)
.
3.3.2
Dr.
sc. hum.
I._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, zerti
fizierte neuropsychologis
che Gutachterin SIM, untersuchte den Beschwerde
führer am 1
9.
August 202
0.
Mit neuropsychologische
m
Teilgutachten vom 2
8.
August 2020
(
Urk.
6/53/220-235)
erklärte sie
,
die Zusammenstellung der Befunde der Leistungstests lasse auf ein Aggravationsverhalten des Beschwerdeführers schliessen. Daher könnten die Ergebnisse der Leistungstests inhaltlich nicht interpretiert werden und lieferten wegen mangelnder Mitarbeit keine verwert
baren neuropsychologischen Befunde, da sie wahrscheinlich nicht das effektiv vorhandene kognitive Leistungsniveau abbildeten. Unter diesen Umständen bestehe jedoch auch das Risiko, dass tatsächliche und spezifische kognitive Defizite differentialdiagnostisch nicht fe
stgestellt werden könnten (Urk.
6/53/229-230). Die eklatanten mnestischen Funktionsverluste entsprächen nicht dem im Gespräch gewonnen
en
Eindruck. Es fielen Inkonsistenzen bei der Bearbeitung unterschiedlicher Tests auf (
Urk.
6/53/231-232)
.
3.3.
3
Nach Einsicht in das neuropsychologische Teilgutachten von
Dr.
sc. hum.
I._
, erstatte
te
Dr.
H._
am
3.
September 2020 eine
ergänzende Stellungnahme (Urk.
6/53/200-2
15
)
. Zusammenfassend hielt
er
fest (
Urk.
6/53/214
-21
5), die vom Beschwerdeführer geltend gemachten kognitiven Defizite hätten im klinischen Eindruck weder im Rahmen der
bidisziplinären
Begutachtung bei ihm noch im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung bei
Dr.
sc. hum.
I._
objek
tiviert werden könne
n
. Im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung habe der Beschwerdeführer ein ausgeprägtes Aggravationsverhalten gezeigt, weswegen die Untersuchungsergebnisse der neuropsychologischen Abklärung nicht hätten ausgewertet werden können. Ab dem Zeitpunkt der neuro
psychologischen Unter
suchung bei
Dr.
I._
sei der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Systementwickler Labor, bezogen auf das zuletzt ausgeübte 80%ige Arbeitspensum, zu 100
%
arbeitsfähig
bei um 20
% reduzierter Leistungs
fähigkeit (Rendement), bedingt durch das
Chronic
-
Fatigue
-Syndrom. Kognitive Defizite lägen überwiegend wahrscheinlich nicht vor. In einer optimal a
ngepass
ten Tätigkeit, das heisse
Tätigkeiten, die
k
ein hohes Mass an Daueraufmerksam
keit sowie Kreativität voraussetzten, sei der Beschwerde
führer, bezogen auf das zuletzt ausgeübte Arbeitspensum von 80
%
, zu 100
%
arbeitsfähig bei vollem Rendement.
3.4
Der Beschwerdeführer war vom
1.
September bis 1
7.
Oktober 2020 in stationärer Behandlung in der Hochgebirgsklinik
B._
. Mit Bericht vom 2
6.
November 2020 (
Urk.
6/63) nannte
Dr.
med.
J._
, Chefarzt Psychosomatik, als Haupt
diagnose:
-
d
epressive Episode, bei Eintritt mittelgradig (ICD-10 F32.1)
Als somatische Diagnosen führte
Dr.
J._
an:
-
c
erebrovaskulärer
ischämischer Insult
c
erebellär
beidseits, Erst
manifesta
tion 2
9.
November 2019, E
r
stdiag
n
ose 3
0.
November 2019
-
ä
tiologisch: offen
-
c
ereb
ro
vaskulärer
ischämischer Infarkt rechtshemisphärisch am 1
4.
Mai 2019
-
ätiologisch:
makroangiopathisch
bei Verschluss der rechten A
.
carotis
intern
a
(TOAST 1)
Der Beschwerdeführer neige in Gesprächen aufgrund seiner narzisstischen
Tendenzen zur Dissimulation, in
dem er sich betont locker bis
flappsig
zeige. Dies lade den Beobachter zu einer Überschätzung des gesundheitlichen Zustandes ein. Bei einer tatsächlichen Konfrontation mit seinen Defiziten breche der Beschwer
deführer aber emotional
relativ
rasch ein. Beispielhaft
habe sich
die formalge
dankliche Einengung auf die Ängste vor einer organischen Problematik im Rahmen einer «simplen» Kniekontusion gezeigt. Entgegen den erheblichen Ängsten des Beschwerdeführers habe sich beim klinischen
Bild keine medizini
sche Indikat
ion für eine weiterführende Diagnostik gezeigt. Die Ängste vor orga
nischen Sc
h
äden
hätten
mit dem Beschwerdeführer therapeutisch angegangen werden können, sodass sich die formalgedankliche Einengung auf diese Thematik im Verlauf
regredient
gezeigt habe. Medikamentös hätten sie im Verlauf des Auf
enthaltes infolge der Schlafstörungen
Trittico
gesteigert und bei nur mässige
m
Ansprechen mit
Quetiapin
ergänzt, worauf der Beschwerdeführer gut habe schlafen können. Sie hätten
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vom 1.
September bis 3
1.
Oktober 2020 attestiert. Hinsichtlich der beruflichen Wiedereingliede
rung würden sie dem Beschwerdef
ü
h
rer eine Unterstützung durch die Invalidenversi
cherung und eine schrittweise Steigerung des Pensum
s, beginnend mit 50
%
, empfehlen.
Die zumutbaren Belastungssituationen seien vorsichtig zu planen, um erneute Rückschläge zu vermeiden. Mit einer geeigneten Unterstützung durch die Invalidenversicherung werde dem Beschwerdeführer hinsichtlich der beruflichen Wiedereingliederung eine günstige Prognose attestiert.
3.5
Mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1
7.
Dezember 2020 (
Urk.
6/42) hielten
Dr.
med.
K._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, und
P._
, delegierter Psychologe, als Diagnosen fest:
-
m
ittelgradige Depression
-
e
motionale und körperliche Erschöpfung
-
Verdacht auf eine leichte narzisstische Persönlichkeitsstörung – als eine Folge einer über die Schlaganfälle hinausgehenden posttraumatischen Belastungsstörung
Der Beschwerdeführer könne
nicht mehr auf das ihm gewohnte
Selbstbewusstsein zurückgreifen. Er sei als bald 57-jähriger Mann einer beruflichen Neuorientierung und einem anspruchsvollen Wiedereinstieg ausgesetzt. Er stosse darin aufgrund der verminderten Belastbarkeit an seine Grenzen.
Der Vertrauensarzt der Krankentaggeldversicherung habe ein Aggravationsverhalten ins Zentrum gestellt, was irreführend sei. Dies sei unter anderem in den Berichten der Hoch
gebirgsklinik
B._
berichtigt worden.
Der Beschwerdeführer neige in Gesprächen vermutlich aufgrund seiner narzisstischen
Tendenz eher zur Dissimu
lation. Er wirke locker, als habe er die Situation im Griff. Gefahr sei, dass dies zu einer Überschätzung des gesundheitlichen Gesamtzustandes führe. Bei einer tat
sächlichen Belastungserprobung oder Konfrontation mit seine
n
Defiziten breche der Beschwerdeführer aber relativ rasch ein und
es werde
seine Verzweiflung angesichts der raschen Überforderung sichtbar. Die Baga
te
llisierung des Vertrauens
arztes erkläre sich zum einen aus seiner Position, vielleicht auch etwas durch das Selbstbild, das der Beschwerdeführer aufrechterhalten wolle. Zum anderen erkläre sich dies
e
aus der mangelnden Zusammenarbeit der verschiede
nen Fachpersonen. Es sei aus ihrer Sicht fraglos, dass der Beschwerdeführer auf eine IV-Integrationshilfe angewiesen sei. Die Arbeitsfähigkeit betrage aktuell 50
%
. Der Beschwerdeführer werde durch die Integrationshilfe eine langsame Steigerung der Arbeitsfähigkeit angehen können.
3.6
Am 2
0.
Januar 2021 wurde der Beschwerdeführer erneut in der Klinik für Neuro
logie
, Abteilung für Neuropsychologie und Kognitive Neurologie,
des
Universitätsspitals Z._
neuropsychologisch untersucht. Als neuropsychologische Diagnosen führten Dr.
phil.
L._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, und
Prof.
Dr.
E._
mit Bericht vom gleichen Tag an (
Urk.
6/56):
-
l
eichte neuropsychologische Störung nach Frei
bei
-
h
ochgradige
m
Verdacht auf
Grossgefässvaskulitis
-
d
eutliche
zirkumferente
Wandverdickung des Aortenbogens und der A.
subclavia
beidseits (CT Hals Dezember 2020)
-
h
ochgradige Abgangsstenose der CCA links, hypoplastischer A. ver
tebralis rechts, Abgangsverschluss (Differentialdiagnose
höchst
gradige
Stenose) der dominanten A. vertebralis links, keine Hinweise auf eine
floride
Vaskulitis
(MR
I Gehirn/Hals 3
0.
Dezember 2020)
-
d
eutliche zunehmende Verdickung der A.
carotis
communis
l
i
nks, hier mit neuer hochgradiger ACC-Abgangsstenose, differential
diagnostisch
vaskulitisch
(siehe PET vom 2
3.
Januar 2020), differentia
l
dia
gno
s
tisch
rein
atheromatös
bei relativ kurzem Zeit
intervall eher unwahrscheinlich.
-
h
ochgradige Stenose ECA rechts, CCA, ICA-Abgang und A. ver
tebralis links tiefe Flüsse mit Entschleunigung, Status nach
Stenting
ICA rechts Mai 2020 (
Neuroangiologie
Farbduplex extra-/intrakraniell, transorbital
1.
Dezember 2020)
-
Wandverdickung der A.
ascendens
und des Aortenbogens, des proximalen
Truncus
brachiocephalicus
, proximale
n
A.
subclavia
links sowie A.
carotis
communis
links mit hochgradiger Stenose am Abgang de
r
A.
carotis
communis
links. Kräftige Gefässwandan
reicherung der thorakalen Aort
a
descendens
ohne Wandverdickung.
Kurzstreckige
Wandverdickung der A.
mesenteric
a
superior
nach dem Abgang (MRI Angiographie Aorta mit KM Dezember 2020)
-
Therapie
:
-
Prednison 60 mg 2
3.
b
is 2
8.
Dezember 2020, erneute
r
Beginn 2.
Januar 2021
-
Solumedrolstoss
500 mg 3
0.
Dezember bis
1.
Januar 2021
-
g
eplant
:
Tocilizumab
(Kostengutsprache vorhanden)
-
mögliches primäres
An
t
iphospholipidsyndrom
-
mitteltrichtiger
Nachweis von Anti-b2-GPI
IgG
(Januar 2020, April 2020), im Ver
lau
f (Dezember 2020) negativ
-
cerebrovaskulärer
ischämischer Insult
cerebellär
beidseits, Erstmani
festation 2
9.
November 2019, Erstdiagnose 3
0.
November 2019
-
cerebrovaskulärer
ischämischer Inf
arkt rechtshemisphärisch am 14.
Mai 2019
-
mögliches
OSAS
Subjektiv berichte der Beschwerdeführer
,
nach einem beruflich (Kündigung) und privat (Trennung) eher durchzogenen Jahr gehe es ihm nun (nach psycho
somati
scher stationärer Rehabilitation) wieder besser. In der Verhaltens
beobachtung präsentiere sich ein allseits orientierter, freundlicher, motivierter und kooperati
ver Patient; im Verlauf der gut
eineinhalb
stünd
igen
Untersuchung sei eine leicht zunehmende Erschöpfung ersichtlich (trotz Einlegen einer kurzen Pause), was vom Beschwerdeführer auch so bestätigt werde. Formal neuropsychologisch liessen sich bei diesem 57-jährigen Rechtshänder im entsprechenden Alters- und Bildungsvergleich punktuelle, jeweils leichtgradig ausgeprägte Minderungen in Teilbereichen
attentionaler
Funktionen (tonische
Altertness
, Reaktionsge
schwindigkeit auf auditive Stimuli bei der geteilten Aufmerksamkeit) objekti
vieren. Weiter lasse sich im Fragebogenverfahren die anamnestisch berichtet erhöhte Ermüdbarkeit und reduzierte Belastbarkeit auch psychometrisch abbilden, ebenso fänden sich Hinweise auf eine leichte affektive Verstimmung. Im Vergleich zur Voruntersuchung (März 2020) zeige sich insgesamt ein stabiles bis leicht verbessertes (Fehlerkontrolle) Leistungsprofil.
Lokalisatorisch
seien diese Teilleistungsstörungen, die insgesamt einer leichten neuropsychologischen Störung entsprächen, keine
m
klaren anatomischen Korrelat zuzuordnen. Am ehesten auszugehen sei aktuell von unspezifischen post-ischämischen kognitiven Leistungseinbussen angesichts der deutlich reduzierten Belastbarkeit und erhöhten Ermüdbarkeit. Weiter sei eine gewisse psychisch-affektive Belastung angesichts der mehrfachen Schlaganfälle, der zusätzlichen Erkrankungen und deren Folgen (so beispielsweise auch aktuell eine Schlafstörung unter Steroidthe
rapie) zu diskut
i
eren, die sich ebenfalls leistungsmindernd manifestieren dürf
t
e. Auch die aktuell offene berufliche Zukunft dürfte den Druck auf den Beschw
er
deführer noch etwas erhöhen und die kognitive Leist
ungsfähigkeit unspezifisch verm
in
d
er
n
.
Die vorliegenden Befunde mit leichten Minderleistunge
n
in mehreren kognitiven Teilfunk
tionen seien gemäss den Kriter
i
en zur Bestimmung des Schweregrades einer neuropsycho
logischen
Störung sowie Zuordnungen zur Funkti
o
ns- und Arbeitsfähigk
eit als «leichte neuropsycholog
i
s
che Störung» einzuordnen. I
n
Bezug
auf die Arbeitsfähigkeit entspreche
dies aus rein neuropsychologischer Perspektive orientierend einer aktuellen Arbeitsunfähigkeit von 10 bis 30
%
. Angesichts der psychometrisch
erfassten erhöhten
Fatigue
(die
sich auch im Untersuchungskontext deutlich widerspieg
le
) sowie unter Berücksichtigung der bereits erlittenen psychischen
Dekompensation (vgl. beispielsw
eise Austritts
be
richt der Hochgebirgsk
l
inik
B._
) würden sie die aktuelle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers eher noch etwas tiefer (60 bis 70
%
bei entsprechend 30 bis 40
%
Arbeitsunfähigkeit) einschätzen. Im Hinblick auf die geplante
-
und vom Beschwerdeführer sehr gewünschte und angestrebte
-
berufliche
Wiederein
gliederung empfählen
sie zudem klar eine gut über die Woche verteilte Tätigkeit mit regelmässigen Pausen, in
s
besondere nach Phasen erhöhter Anstrengung (Rückz
u
gsmöglichkeiten) und wenn möglich etwas reduzier
t
en Anforderungen an die Reaktionsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeit (Reduktion von «
multi
tasking
»). Ihre
Untersuchung sei explizit nicht für gutachterliche Zwecke konzi
piert.
3.7
Vom 1
1.
bis 1
8.
Februar 2021 war der Beschwerdeführer im Universitären Herz
zentrum des
Universitätsspitals Z._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 1
9.
Februar 2021 (
Urk.
6/59) diagnostizierten
Dr.
med. univ.
M._
, Oberärztin i.V., und
N._
, Assistenzarzt, eine Belastungsdyspnoe NYHA III unklarer Ätiologie (Erstmani
festation Januar 2021), einen hochgradigen Verdacht auf
Grossgefässvaskulitis
(Erstdiagnose Dezember 2020), ein
cerebrovaskulärer
ischämischer Insult
cerebellär
beidseits (Erstdiagnose 3
0.
November 2019), ein
cerebrovaskulärer
ischämischer Infarkt rechtshemisphärisch am 1
4.
Mai 2019, keine labormässig fassbare
Thrombophilie
, ein rezidivierender Herpes
genitalis
, eine
Osteopenie
, eine
hypersomnische
Störung und eine Anpassungsstörung. Sie hielten fest, dass keine fassbare kardiologische Ätiologie der Belastungsdyspnoe hätte gefunden werden können. Diese hätten sie auch nicht sicher objektivieren können. Eine Spiroergometrie hätten sie
bei
va
s
kulitischer
Aktivität der Aorta
nicht durch
führen können. Weniger wahrscheinlich, jedoch möglich sei eine
midcavitäre
Obstruktion als Ursache der Beschwerden. Im Verlauf seien die Symptome jedoch
regredient
gewesen. Am 1
8.
Februar 2021 sei der Beschwerdeführer in gutem Allgemein
zustand und beschwerdefrei nach Hause entlassen worden mit geplan
ter ambulanter Verlaufskontrolle.
4.
4.1
4.1.1
Gemäss Art. 44 ATSG hat der Versicherungsträger, der
zur Abklärung des Sach
verhaltes ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen
muss,
der Partei deren oder dessen Namen bekannt
zugeben
. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach
Art.
44 ATSG ein
ge
holten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte (Administrativgutachten) darf voller Beweiswert zuerkannt werden, solange
nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4
,
135 V 465 E. 4.4). Liegt - wie hier
-
jedoch
ein vom Krankentaggeldversicherer nicht im gesetzlich v
orgesehenen Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholtes Gutachten vor, kommt diesem der Beweiswert versi
cherungsinterner ärztlicher Feststellungen zu (Urteil
des Bundesgerichts
8C_71/2016 vom
1.
Juli 2016
E. 5.3
). Folglich sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit einer solchen Expertise, so sind ergänzende Abklärungen in Form eines Gerichtsgutachtens oder einer versicherungsexternen medizinischen Begutachtung im Verfahren nach
Art.
44 ATSG v
orzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_168/2020 vom 17. März 2021 E. 3.2).
4.1.2
Das Gutachten von
Dr.
H._
, welches
dieser
auch gestützt auf die neuro
psycho
logische Abklärung durch
Dr.
sc. hum.
I._
erstattete
(vgl. E. 3.3)
, wurde
zu Händen der Krankentaggeldversicherung erstellt.
Das Gutachten erfüllt die recht
sprechungsgemässen Voraussetzungen an beweiskräftige medizinische Berichte.
Das Gutachten
ist
für die streitigen Belange umfassend
, beruht auf allseitigen Untersuchungen
, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden, leuchtet in der Beurteilung der medi
zinischen Zusammenhänge und Situation ein und die Schlussfolgerungen
sind
begründet. Zudem
verfügen
Dr.
H._
und
auch
Dr.
sc. hum.
I._
über die not
wendigen fachlichen Qualifikationen (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hin
weisen).
A
us psychiatrisch-diagnostischer Sicht
ergibt sich aus dem Gutachten
eine Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion aufgrund von Konflikten am Arbeitsplatz und der somatischen Erkrankung (mehrere Schlaganfälle; ICD-10 F43.21). Wie das Bundesgericht in seinem zur Publikation vorgesehenen Urteil 8C_280/2021 vom 1
7.
November 2021 festgehalten hat (E. 6.2.2),
kann grund
sätzlich nur eine schwere psychische Störung invalidisierend im Rechtssinn sein
. Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Inter
ferenzen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren.
Dasselbe
muss auch
für eine Anpassungsstörung
gelten
.
Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Poten
z
ial, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens infrage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann.
Beim Leiden des Beschwerdeführers ist gemäss
Dr.
H._
prognostisch von einer Verbesserung auszugehen (vgl.
Urk.
6/53/88). Gewichtige Gründe, welche trotz der nur leichten Erkrankung und der grundsätzlichen Therapierbarkeit des L
eidens
für eine inva
lidisierende psychische Erkrankung sprächen
,
liegen nicht vor und werden vom
Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht.
Eine psychisch begründete
dauerhafte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist daher grundsätzlich zu ver
neinen
,
wie auch
Dr.
H._
explizit festhielt (
Urk.
6/53/68).
Was der Beschwerdeführer
gegen das Gutachten
vorbringen lässt, vermag
dieses
nicht infrage zu stellen.
Es trifft zwar zu, dass
Dr.
sc. hum.
I._
bei den Symp
tomvalidi
erungstests keinen Prozentra
n
g angab (
Urk.
6/53/228)
, dies ändert aber nichts daran, dass
Dr.
sc. hum.
I._
schlüssig darlegt
e
, dass ein
aggravierendes
Verhalten des Beschwerdefüh
r
ers vorlieg
t
. So erklärte sie nicht nur, dass bei beiden Symptomvalidierungst
ests
Resultate erzielt worden seien, die extrem weit unter denen gelegen hätten, die bei motivierter Mitarbeit erreicht würden (
Urk.
6/53/231), sondern auch, dass die eklatanten mnestischen Funktionsverluste nicht dem im Gespräch gewonnen Eindruck entsprochen hätten und dass Inkon
sistenzen bei der Bearbeitung unterschiedlicher Tests aufgefallen seien (
Urk.
6/53/232).
Auf Inkonsistenzen hatte denn auch bereits D
r.
H._
vor Erstattung der neuropsychologischen Begutachtung hingewiesen. So hatte er dar
gelegt, dass Diskrepanzen zwischen den massiven subjektiven Beschwerden und der erkennbaren körperlich-psychischen Beeinträchtigung in der Untersuchungs
situation, zwischen den eigenen Angaben und den fremdanamnestischen Infor
mationen einschliesslich der Aktenlage, zwischen schwerer subjektiver Beein
trächtigung und dem psyc
ho
sozialen Funktionsniveau bei der Alltagsbewältigung und zwischen dem Ausmass der geschilderten Beschwerden und der Intensität der bisherigen Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe bestünden. Die Präsentation einer erheblichen Behinderung («Ich kann nur 30
%
arbeiten»
)
stehe
zudem
nicht im Einklang mit der Verhaltensbeobachtung und dem klinischen Befund, sei klinisch untypisch und daher nicht plausibel (
Urk.
6/53/85).
Inwieweit der Umstand, dass
Dr.
sc. hum.
I._
vom Verdacht eines OSAS und nicht vom Verdacht einer
hypersomnischen
Störung ausgegange
n ist (
Urk.
6/53/232), die Aussagek
raft ihres Gutachtens infrage stellen soll, ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer trotz des en
tsprechenden Einwandes nicht dargele
gt (vgl.
Urk.
1 S. 8).
4.2
4.2.1
Aus d
em Bericht der Fachpersonen der Klinik für Neurologie, Abteilung Neuropsychologie und Kognitive Neurologie, des
Universitätsspitals Z._
vom
6.
März 2020 (E. 3.2) kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten, hielte
n
die Fach
personen
des
Universitätsspitals Z._
doch fest, dass die Arbeitsfähigkeit nicht im Wesentlichen her
abgesetzt sei. Es liegt somit kein Widerspruch zur
gutachterlichen
Beurteilung vor. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Fachpersonen des
Universitätsspitals Z._
hätten kein Hinweis für ein
aggravierendes
Verhalten feststellen können (vgl.
Urk.
1 S. 8), gilt es zu beachten, dass
es sich aus dem Bericht keine Hinweise darauf ergeben, dass überhaupt eine Symptomvalidi
erung durchgeführt worden wäre.
Auch aus dem Bericht von
Dr.
phil.
L._
und Prof.
Dr.
E._
von
der Klinik für Neurologie, Abteilung Neuropsychologie und Kognitive Neurologie, des
Universitätsspitals Z._
vom 2
0.
Januar 2021 (vgl. E. 3.6) ergibt sich nichts, was die Einschätzung von
Dr.
H._
infrage stellen würde. In diesem Bericht wird unter Berücksichti
gung der erhöhten
Fatigue
eine 60- bis 70%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Diese Einschätzung stimmt mit
der von
Dr.
H._
für die angestammte Tätigkeit attestierte Arbeitsfähigkeit überein, hielt
Dr.
H._
doch
für die angestammte Tätigkeit für ein 80%-Pensum eine 100%ige Arbeitsfähigkeit mit um 20
%
redu
ziertem Rendement
fest
, was einer A
rbeitsfähigkeit von 60 bzw. 62
%
entspricht
.
Zur Leistu
ngsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit äusserten sich die Fachpersonen des
Universitätsspitals Z._
nicht.
4.2.2
Entgegen dem Beschwerdeführer ergibt sich aus dem Bericht von
Dr.
J._
von der Hochgebirgsklinik
B._
vom 2
6.
November 2020 (E. 3.4) nicht eine länger andauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Dr.
J._
attestierte lediglich für die Dauer des Klinikaufenthaltes eine 100%ige Arbeitsfähigkeit und erachtete es als empfehlenswert, beim Wiedereinstieg das Pensum
beginnend mit 50
%
schrittweise zu steigern. Eine länger
andauernde A
r
be
i
tsunfähigkeit attestierte er dem
Beschwerdeführer jedoch nicht.
4.2.3
Dr.
K._
und de
r
Psychologe
P._
attestierten dem Beschwerdeführer mit Bericht
vom 1
7.
Dezember 2020 (E. 3.5
)
lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
. In ihrem Bericht halten sie jedoch keinerlei Befunde fest. Die Behauptung, dass
Dr.
H._
zu Unrecht von einer Aggravation ausgegangen sei, wird in keiner Weise begrün
d
et. Ihr Bericht ist daher nicht nachvollziehbar.
4.2.4
Eine kardiologische Ätiologie für die (nicht sicher objektivierbare) Belastungs
dyspnoe konnte nicht gefunden werden. Dementsprechend attestierten die Ärzte des
Universitärem Herzzentrum des
Universitätsspitals Z._
(E. 3.7) keine Arbeits
unfähigkeit.
4.3
Nach dem Gesagten erweist sich das Gutachten von
Dr.
H._
als beweiskräftig, weshalb eine 100%ige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im zuletzt ausge
übten Arbeitspen
s
um von 80
%
ausgewiesen ist, wobei in der angestammten, nicht aber in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
eine 20%ige Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit besteht
.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer ist seit dem Schlaganfall vom
13./
1
4.
Mai 2019 in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Seine Anmel
dung
ging am
2.
Dezember
2019 bei der Beschwerdegegnerin ein (vgl. Aktenverzeichnis zu
Urk.
6/6),
womit ein Rentenanspruch grundsätzlich frühestens am
1.
Juni 2020
entstehen konnte (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG,
Art.
29
Abs.
1 IVG).
5.2
5.2.1
Hinsichtlich
der erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beein
trächti
gung des Beschwerdeführers beschränkt
e
sich die Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
Juni 2021
-
wie auch bereits im Vor
bescheid vom 2
2.
Oktober 2020 (
Urk.
6/34) -
auf die Feststellung, dass der Beschwerde
führer rentenausschliessend eingegliedert sei (
Urk.
2).
5.2.2
Zur
anwendbaren
Methode
für die Bemessung des Invaliditätsgrades
(
Art.
28a IVG)
machte die Beschwerdegegnerin keine Angaben (
Urk.
2). Der Beschwerde
führer selbst geht davon aus, dass er im Gesundheitsfall zu 80
%
einer erwerbli
chen Tätigkeit nachg
ehen würde und die restlichen
20
%
auf
den Bereich
Freizeit entf
ie
le
n
(vgl.
Urk.
1 S. 10). Es gilt jedoch zu beachten, dass der Beschwerdeführer
Vater eines
2011 geborenen
Sohn
es
ist
und er sich zumindest anfangs 2020
jeweils
einen Tag pro Woche
um diesen kümmerte (
Urk.
6/17/4). Dies lässt darauf schliessen, dass
er
zumindest im damaligen Zeitpunkt
neben der Erwerbstätigkeit auch im Aufgabenbereich tätig war
.
Aus den Akten ergibt sich nicht, ob dies weiterhin der Fall ist bzw. bis wann dies der Fall war
(vgl. Urk.
6/56/2)
.
Da die Beschwerdegegnerin stillschweigend einen Aufgabenbereich de
s Beschwerde
führers verneinte
, hat sie entsprechend
auch
auf die Einholung eine
s
Haushalts
abklärung
sberichts
verzichtet.
Betreffend das vom Beschwerdeführer ausgeübte Erwerbspensum gilt es zu beachten, dass sich aus den Akten Hinweise darauf ergeben, dass
er
vor Eintritt des Gesundheitsschadens
neben seiner 80%igen Arbeitstätigkeit
als Arbeitnehmer zusätzlich
eine
Kaffeerösterei
betrieb
(
Urk.
6/56/2;
Urk.
6/53/50)
.
Es bleibt unklar, ob es sich hierbei lediglich um eine Freizeitbeschäftigung oder um eine
bei der Invaliditätsbemessung zu berücksichtigende
selbständige
Nebene
rwerbstätigkeit handelt.
Die Beschwerdegegnerin hat zum Betrieb der Kaffeerösterei keine Abklärungen getätigt.
Nach dem Gesagten lässt sich gestützt auf die von der Beschwerdegegnerin getä
tigten Abklärungen die anwendbare Methode zur Bemessung des Inva
liditäts
grades nicht bestimmen.
5.2.3
Hinsichtlich
Valideneinkommen
ergibt sich aus den Akten, dass d
er Beschwerde
führer vor Eintritt des Gesundheitsschadens im Jahr 2019 bei
Y._
AG in einem 80%-Pensum ein Einkommen von Fr.
87'143.
--
erzielt
hatte
(
Urk.
6/3/5)
.
Dieses Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin per Ende November 2020 gekündigt (
Urk.
6/38/7).
Aus den Akten ergibt sich nicht, ob der Beschwerdeführer vor Eintritt des Gesundheitsschadens zusätzlich zu seinem Ein
kommen aus der Tätigkeit für die
Y._
AG ein Einkommen aus dem Betrieb seiner Kaffeerösterei erzielte. Dazu hat die Beschwerdegegnerin – wie dar
gelegt - keine Abklärungen getätigt.
Mangels entsprechender Ausführungen bleibt
zudem
unklar, welches Einkommen die Beschwerdegegnerin als massge
bendes
Valideneinkommen
erachte
t
e
. Es ist entsprechend auch unklar, ob
sie
bei ihrem Entscheid davon ausging, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall weiter für die
Y._
AG tätig wäre oder ob sie davon ausging, der Beschwerdeführer hätte diese Arbeitstätigkeit auch im Gesundheitsfall nicht weiter ausgeübt (vgl. auch
Urk.
6/38/5-7).
5.2.4
Hinsichtlich des Einkommens des Beschwerdeführers nach Eintritt des Gesund
heitsschadens ist aktenkundig, dass er
seit dem
1.
April 2021 in
einem 50%
Pen
sum für di
e
A._
AG tätig ist
und dabei
grundsätzlich
ein Ein
kommen von Fr. 30'000.
--
erzielt
(
Urk.
6/61)
.
Unklar bleibt, ob bzw. in welchem Umfang
er
zudem ein Einkommen aus dem Betrieb seiner Kaffeerösterei erzielt.
Aus den Ausführungen der Beschwerdegegnerin ergibt sich nicht, welches Ein
kommen sie als massgebendes Invalideneinkommen erachtete. Es bleibt daher unklar, ob sie das vom Beschwerdeführer bei der
A._
AG tatsächlich erzielte Einkommen als massgebend erachtete oder sie implizit davon ausging,
er
könnte bei der
A._
AG ein 80%-Pensum ausüben oder bei einer anderen Arbeitgeberin ein – noch – höheres Einkommen erzielen (
Urk.
6/71/2). Ebenfalls unklar bleibt, ob bzw. wie die Beschwerdegegnerin ein allfälliges Ein
kommen des Beschwerdeführers aus dem Betrieb seiner Kaffeerösterei berück
sichtigte.
5.3
Nach dem Gesagten
lässt sich gestützt auf die von der Beschwerdegegnerin getä
tigten Abklärungen die anwendbare Bemessungsmethode nicht bestimmen. Zudem bleibt unklar, ob bzw. in welchem Umfang der Beschwerdeführer vor Ein
tritt des Gesundheitsschadens bzw. aktuell ein Einkommen aus dem Betrieb seiner Kaffeerösterei erzielt
e bzw. erzielt.
Mangels entsprechender Ausführungen lässt sich zudem nicht feststellen,
von welcher
Bemessungsmethode
und von welchen für den Einkommensvergleich massgebenden Ei
nkommen die Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfü
gung vom 3
0.
Juni 2021 (
Urk.
2) überhaupt
ausging
. Die angefochtene Verfügung
wurde somit nicht hinreichend begründet, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdeführers darstellt
(vgl. E. 1.6)
.
Dies gilt umso mehr, als sich auch bereits der Vorbescheid
vom 22.
Oktober 2020 (
Urk.
6/34)
nicht konkret mit den Auswirkungen des Gesundheitsschadens des Beschwerdeführers auseinander
setzte bzw. daraus nicht hervorging, von welchen Überlegungen sich die Beschwerdegegnerin leiten liess.
Auch in ihrer Beschwerdeantwort vom 2
7.
Sep
tember 2021 machte die Beschwerdegegnerin keine Angaben zu ihren Über
legungen, beschränkt sich diese doch auf den Antrag auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5).
Dies führt zur Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Beschwerde
gegnerin. Dies
e
hat
die anwendbare Bemessungsmethode zu bestimmen und hernach nach Vornahme allfälliger weiterer sich als notwendig erweisenden Abklärungen
und erneut
er
Durch
führung eines
Vorbescheid
verfahrens
mit einer hinreichend begründe
ten Verfü
gung über den Leistungs
anspruch des Beschwerdeführers
neu
zu entscheiden.
6.
6.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
2
00.-- bis
Fr.
1'000.--
festgelegt. Vor
liegend sind sie auf
Fr.
9
00.-- festzusetzen.
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach st
ändiger Rechtsprechung als voll
ständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), we
shalb die Gerichtskosten der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Der vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung (§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
). Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Die dem Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin auszurichtende Prozessentschädigung ist unter Berücksic
h
tigung der genannten Kriterien ermessensweise auf
Fr.
2’
5
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.