Decision ID: 15e0c9ff-e9fa-53be-8c19-8fc279df26a4
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Krauter, S-E-K Advokaten,
Zürcherstrasse 310, 8500 Frauenfeld,
gegen
Generali Allgemeine Versicherungen AG, 23, avenue Perdtemps, 1260 Nyon 1,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei B._, als Sekretärin angestellt und dadurch bei der Generali
Allgemeine Versicherungen AG gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am
6. Juli 2006 in einem Hotel auf der Treppe stürzte und sich dabei an der linken Schulter
verletzte (UV-act. 1). Die Erstbehandlung erfolgte am Unfalltag in der Klinik C._; in
einer Röntgenaufnahme zeigte sich unter anderem eine Fraktur mit Absplitterung
zweier Knochenfragmente (UV-act. 25).
A.b Die weitere Behandlung erfolgte durch Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, der in einem
Bericht vom 24. Juli 2006 eine dislozierte Trümmerfraktur des Tuberculum maius links
diagnostizierte, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 7. Juli 2006 attestierte (UV-act. 5),
die Versicherte am Folgetag operierte (UV-act. 6/1) und am 7. August 2006 über eine
problemlose Operation und einen unauffälligen Verlauf berichtete (UV-act. 12/1).
A.c Am 28. September 2006 liess die Swica (Krankentaggeldversicherung) der
Unfallversicherung ihre Akten zugehen (UV-act. 20/1). Bei diesen befanden sich unter
anderem ein Arztbericht von Dr. med. E._, Facharzt FMH für Rheumatologie und
Allgemeine Innere Medizin, vom 22. März 2005, in welchem im Wesentlichen eine
Erschöpfungsdepression, ein leichtes chronisches Panvertebralsyndrom und ein Status
nach Rotatorenmanschettenruptur links im September 2003 und operativer
Rekonstruktion im Februar 2004 diagnostiziert worden waren (UV-act. 20/10 f.), sowie
eine Stellungnahme des Vertrauensarztes der Krankentaggeldversicherung vom
20. Mai 2005, wonach eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen
ausgewiesen sei (UV-act. 20/9). Gemäss den ebenfalls beiliegenden
Taggeldabrechnungen hatte die Krankentaggeldversicherung im Zeitraum vom 1. Juni
bis 30. September 2006 Taggeldleistungen erbracht (UV-act. 20/14 ff.).
A.d Am 7. November 2006 berichtete Dr. D._ über die zwischenzeitlich erfolgte
Metallentfernung. Der postoperative Verlauf sei gut, ab 13. November 2006 sei die
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Arbeitsfähigkeit nicht mehr beeinträchtigt, es sei aber intensive Physiotherapie
notwendig (UV-act. 26). Mit Bericht vom 15. Februar 2007 teilte Dr. D._ unter
anderem mit, es sei mit einer bleibenden Bewegungseinschränkung zu rechnen (UV-
act. 33). Am 6. Juni 2007 teilte Dr. D._ mit, der zwischenzeitliche Verlauf sei etwas
zäh gewesen, die Versicherte hätte immer wieder Beschwerden gehabt. Anlässlich
einer Computertomographie der Schulter sei ein ossäres Fragment im
Subacromialraum zur Darstellung gelangt, weshalb am 25. Mai 2007 eine Revision der
Schulter durchgeführt worden sei. Bei der Arthroskopie habe sich ein Längsriss der
Supraspinatussehne gezeigt, weshalb eine offene Acromioplastik durchgeführt worden
sei, anlässlich welcher das Knochenfragment entfernt und die Supraspinatussehne
genäht worden seien. Es sei mit einer Arbeitsunfähigkeit von etwa drei Monaten zu
rechnen (UV-act. 37). Am 19. Dezember 2007 berichtete Dr. D._ über einen etwas
zögerlichen Verlauf wegen einer Wundheilungsstörung. Die Kraft sei noch massiv
eingeschränkt, der Arm könne aktiv nicht bis 90 Grad flektiert werden. Bis auf weiteres
bestehe nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 50). Am 24. April 2008
berichtete Dr. D._ über eine zwischenzeitliche Verbesserung des Zustands. Er habe
der Versicherten die arthroskopische Acromioplastik empfohlen (UV-act. 58). Auf
entsprechende Anfrage der Unfallversicherung hin (UV-act. 62) teilte Dr. D._ am
7. August 2008 mit, die Versicherte hätte sich noch nicht zur Operation durchringen
können und wolle vorerst weiter konservativ behandeln (UV-act. 64).
A.e Mit Schreiben vom 20. August 2008 forderte die Unfallversicherung die Versicherte
unter Hinweis auf ihre gesetzliche Schadenminderungspflicht auf, sich der
arthroskopischen Acromioplastik zu unterziehen (UV-act. 65). Am 15. September 2008
teilte Dr. D._ mit, bezüglich der Läsion der Supraspinatussehne wäre an sich ein
Latissimustransfer angebracht, den er allerdings aufgrund der Adipositas und des
Diabetes der Versicherten nicht durchführen wolle; mit einer arthroskopischen
Acromioplastik könnten dagegen weder Kraft noch Beweglichkeit verbessert, sondern
einzig eine eventuelle Reduktion der Beschwerden erreicht werden. Er empfehle
deshalb vorerst die Weiterführung der konservativen Therapie (UV-act. 69).
A.f Am 30. September 2008 fand eine Besprechung zwischen zwei Sachbearbeitern
der Unfallversicherung und der Versicherten statt. Anlässlich dieser teilte die
Versicherte unter anderem mit, sie sei in ihrer angestammten Tätigkeit als Sekretärin
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dahingehend eingeschränkt, dass sie keine schweren Gegenstände wie Ordner,
Verpackungspapier oder Kopierpapier mehr heben und tragen könne, keine
Überkopfarbeiten mehr verrichten könne und keine schweren Gegenstände mehr aus
dem Archiv holen könne (UV-act. 75/3). Anlässlich einer Besprechung vom 3. Oktober
2008 zwischen einem Sachbearbeiter der Unfallversicherung und dem früheren
Arbeitgeber der Versicherten teilte letzterer mit, im Jahr 2007 sei der Monatslohn von
Fr. 4’520.-- auf Fr. 4’560.-- angehoben worden. Für die Jahre 2008/2009 wäre die volle
Teuerung ausgeglichen worden. Zudem hätte die Versicherte eine individuelle
Lohnerhöhung von Fr. 20.-- bis Fr. 30.-- pro Monat zugesprochen bekommen. Es
werde ein 13. Monatslohn ausgerichtet (UV-act. 72). Am 7. Oktober 2008 unterbreitete
die Unfallversicherung der Versicherten den Vorschlag, eine Integritätsentschädigung
von 20 % sowie Taggelder entsprechend einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit bis zur
ordentlichen Alterspensionierung auszurichten (UV-act. 73). Am 22. Oktober 2008 teilte
die Versicherte mit, dass sie mit diesem Vorschlag nicht einverstanden sei (UV-act. 83).
Am 28. Oktober 2008 teilte Dr. D._ mit, mittels regelmässiger Physiotherapie könne
die vorhandene Erwerbsfähigkeit von 50 % beibehalten werden. Medizinisch sei ein
Endzustand bei allerdings etwas unsicherer Entwicklung erreicht (UV-act. 87).
A.g Mit Verfügung vom 11. November 2008 stellte die Unfallversicherung die
Heilkostenleistungen per 30. November 2008 ein und sprach der Versicherten eine
Integritätsentschädigung von Fr. 21’360.-- zu (UV-act. 88).
B.
B.a Gegen die Einstellung der Heilkostenleistungen erhob die Krankenversicherung am
3. Dezember 2008 Einsprache (UV-act. 96). Die Versicherte liess am 11. Dezember
2008 und ergänzend am 15. Januar 2009 ebenfalls Einsprache gegen die Einstellung
der Heilkostenleistungen erheben und die Zusprache einer Invalidenrente beantragen
(UV-act. 98 und 100).
B.b Im Auftrag der Unfallversicherung (UV-act. 104) erstattete die Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH) AG am 22. Juni 2010 ein fachärztliches
Gutachten einschliesslich einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL).
Die angestammte Tätigkeit als Sekretärin sei aus medizinischer Sicht zumutbar bzw.
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als ideal zu qualifizieren, die Versicherte benötige aber zusätzliche Pausen von rund
einer Stunde pro Tag und könne gewisse Arbeiten (insbesondere Archivierung) nicht
mehr durchführen, weshalb gesamthaft eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren
sei. Davon sei ein Anteil von zwei Dritteln auf den Unfall zurückzuführen (UV-act. 118).
Auf entsprechende Nachfrage der Unfallversicherung hin (UV-act. 121) präzisierten die
Gutachter der AEH AG, dass die prozentuale Einschränkung gesamthaft auf 20 % zu
beziffern sei (UV-act. 125).
B.c Mit Entscheid vom 26. Mai 2011 wies die Unfallversicherung die Einsprachen ab.
Der Endzustand sei erreicht. Angesichts eines Valideneinkommens von Fr. 60’790.60
und eines Invalideneinkommens von Fr. 60’460.85 resultiere ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 0,55 % (UV-act. 126).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die am 23. Juni 2011 erhobene Beschwerde,
mit der die Zusprache einer Invalidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von
14 % – eventualiter 12 % – mit Wirkung ab 1. Dezember 2008 beantragt und im
Wesentlichen die Höhe des ermittelten Invalideneinkommens beanstandet wird
(act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 15. August 2011 führte sie zur Begründung im Wesentlichen
aus, das Invalideneinkommen sei korrekt ermittelt worden (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 19. September 2011 (act. G 7) und Duplik vom 10. Oktober 2011
(act. G 9) liessen die Parteien an ihren Begehren festhalten.

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist – mit Blick auf das nachvollziehbare und überzeugende
Gutachten der AEH AG vom 22. Juni 2010 zu Recht – anerkannt, dass der
Beschwerdeführerin die Ausübung ihrer angestammten Tätigkeit als Sekretärin
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medizinisch-theoretisch zumutbar ist, dass ihre Arbeitsfähigkeit dabei gesamthaft zu
20 % beeinträchtigt ist und dass ein Anteil von zwei Dritteln davon auf den hier zur
Diskussion stehenden Unfall zurückzuführen ist. Umstritten ist dagegen die erwerbliche
Gewichtung dieser unfallkausalen, gesundheitlichen Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit.
2.
Die Beschwerdegegnerin weist zu Recht darauf hin, dass gemäss Art. 28 Abs. 4 der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads die Erwerbseinkommen massgebend sind, die eine versicherte Person
im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung erzielen könnte,
wenn diese nach dem Unfall die Erwerbstätigkeit altershalber nicht mehr aufnimmt
oder sich das vorgerückte Alter erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit auswirkt. Allerdings verkennt die Beschwerdegegnerin dabei, dass
beide Vergleichseinkommen gemäss der Regel von Art. 28 Abs. 4 UVV festzulegen
sind, und nicht etwa bloss das Invalideneinkommen. Denn Sinn und Zweck der
genannten Verordnungsbestimmung ist es offensichtlich in erster Linie, zu vermeiden,
dass bei Versicherten im vorgerückten Alter, die aus verschiedenen Gründen (etwa
schlechtere Umschulungs-, Wiedereingliederungs-, Anpassungs- und
Angewöhnungsfähigkeit) erfahrungsgemäss aufgrund eines Gesundheitsschadens
wesentlich erheblicher in ihrer Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt sind als jüngere
Versicherte (BGE 122 V 418 E. 3a S. 421 f. mit Hinweisen), und die meist vor Eintritt
des Gesundheitsschadens ein höheres Einkommen als Versicherte jüngeren Alters
erzielt haben, aufgrund dieser zusätzlichen Beeinträchtigungen sowie eines solchen,
überdurchschnittlich hohen Valideneinkommens ein „zu hoher“ Invaliditätsgrad
resultiert. Es handelt sich bei Art. 28 Abs. 4 UVV vor diesem Hintergrund um nichts
anderes als um eine Ausführungsbestimmung zu Art. 16 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), wonach bei der
Ermittlung des Invaliditätsgrades bzw. der Differenz zwischen den beiden
Vergleichseinkommen nur invaliditätsbedingte Gesichtspunkte berücksichtigt werden
dürfen. Dieser Zweck wird vereitelt, wenn für die Ermittlung der beiden
Vergleichseinkommen von unterschiedlichen Ausgangssituationen ausgegangen wird.
Wenn gar nur für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf den Durchschnittslohn
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einer Person mittleren Alters abgestellt wird, als Valideneinkommen dagegen das
zuletzt tatsächlich erzielte Einkommen herangezogen wird, wird in der Regel der in
Art. 28 Abs. 4 UVV thematisierte, unerwünschte Effekt – der „zu hohe“ Invaliditätsgrad
aufgrund eines altersbedingten überdurchschnittlich hohen Einkommens – verstärkt,
und nicht verhindert. Vorliegend ist dies allerdings deshalb nicht ohne Weiteres
ersichtlich, weil die Beschwerdeführerin zuletzt ein unterdurchschnittliches Einkommen
erzielt hat (vgl. nachfolgende E. 3).
3.
Grundsätzlich ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin für die
Ermittlung des Invalideneinkommens auf Tabellenlöhne abgestellt hat, nachdem die
Beschwerdeführerin ihre vorherige Erwerbstätigkeit nicht mehr ausübt. Auch die Wahl
der Tabelle TA7 der Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik (BFS) regelmässig
durchgeführten Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) ist nicht zu beanstanden,
stünde der Beschwerdeführerin doch grundsätzlich die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit im öffentlichen Sektor offen (vgl. das Urteil des Bundesgerichts
9C_87/2007 vom 25. Juli 2007, E. 3.4). Ebenfalls nicht zu beanstanden ist, dass die
Beschwerdegegnerin davon ausging, die Beschwerdeführerin könne Tätigkeiten
verrichten, für welche Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt werden
(Anforderungsniveau 3), denn die Beschwerdeführerin hat einerseits eine Ausbildung
zur Stenodaktylographin – und damit zu einem der Sekretärin verwandten Beruf –
abgeschlossen und andererseits gesamthaft mindestens 25 Jahre als Büroangestellte
gearbeitet (vgl. act. G 7.1). Selbst wenn die zwölfjährige Tätigkeit als Datatypistin
(1981–1993) nicht berücksichtigt würde, liesse sich nicht von der Hand weisen, dass
die Beschwerdeführerin über langjährige Berufs- und Fachkenntnisse verfügt. Für den
Ausgangswert des Invalideneinkommens ist unter Berücksichtigung der
betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,6 Stunden im Jahr 2008 (vgl. BFS,
Betriebsübliche Wochenarbeitszeit der vollzeitig erwerbstätigen Arbeitnehmenden) von
einem Jahreseinkommen von Fr. 67’567.-- (= Fr. 5’414.-- ÷ 40 × 41,6 × 12)
auszugehen. Das anhand des zuletzt erzielten Verdienstes ermittelte
Valideneinkommen von Fr. 60’791.-- (vgl. die korrekte Berechnung im angefochtenen
Einspracheentscheid) liegt im Vergleich dazu 10,03 % tiefer. Die Vergleichseinkommen
sind deshalb zu parallelisieren, allerdings nur in dem Umfang, in welchem die
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prozentuale Abweichung den von der höchstrichterlichen Rechtsprechung
festgesetzten Erheblichkeitsgrenzwert von 5 % überschreitet (BGE 135 V 297). Das
Valideneinkommen ist mithin auf 95 % des oben ermittelten Ausgangswertes des
Invalideneinkommens zu parallelisieren.
4.
Der Ausgangswert des Invalideneinkommens ist um einen angemessenen
Tabellenlohnabzug zu korrigieren (BGE 126 V 75). In Betracht fallen dabei einerseits
das fortgeschrittene Alter der Beschwerdeführerin (vgl. Philipp Geertsen, der
Tabellenlohnabzug, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.], Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht, 2012, S. 143 ff.) und andererseits die Tatsache, dass sie
nicht mehr voll arbeitsfähig ist, denn wie kürzlich mit überzeugenden Argumenten
aufgezeigt wurde, rechtfertigt sich die unterschiedliche Behandlung von Männern und
Frauen hinsichtlich des so genannten „Teilzeitabzugs“ ebensowenig wie die
unterschiedliche Behandlung von Personen, denen volle Leistung in einem Teilpensum
zumutbar ist, und solchen, denen teilweise Leistung in einem Vollpensum zumutbar ist
(Geertsen, a.a.O., S. 146 ff.). Da allerdings die Beschwerdeführerin immerhin als zu
80 % arbeitsfähig in ihrer angestammten Tätigkeit zu qualifizieren ist, rechtfertigt sich
gesamthaft kein Abzug von mehr als 10 %. Der Ausgangswert des
Invalideneinkommens ist entsprechend auf Fr. 60’810.-- (= Fr. 67’567.-- × 90 %) zu
korrigieren.
5.
Der Arbeitsfähigkeitsgrad beträgt gemäss Gutachten der AEH AG 80 %. Die
Einschränkung von 20 % setzt sich zusammen aus dem zusätzlichen Pausenbedarf
von einer Stunde pro Tag (= 12,5 %) und aus der Unfähigkeit, Archivierungsarbeiten
auszuführen (= 7,5 %; vgl. UV-act. 125). Da in einer adaptierten Tätigkeit nicht
notwendigerweise Archivierungsarbeiten auszuführen sind – im Gutachten wurde
diesbezüglich ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe beim letzten Arbeitgeber über
eine Leiter ins Dachgeschoss steigen, sich mit einer Hand festhalten und mit der
anderen Hand den Ordner halten müssen (UV-act. 118) –, kann diese Einschränkung
bei der Berechnung des Invalideneinkommens lediglich als behinderungsbedingte
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Erschwernis bei der Festlegung des Abzugs vom Tabellenlohn berücksichtigt werden,
nicht aber bei der Festlegung des quantitativen Arbeitsfähigkeitsgrades in einer
leidensadaptierten Tätigkeit. Da von der gutachterlich attestierten
Arbeitsfähigkeitsbeeinträchtigung lediglich ein Anteil von zwei Dritteln als unfallkausal
zu qualifizieren ist, ist mithin von einer hier massgebenden unfallkausalen
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 8,33 % (= 12,5 % ÷ 3 × 2) auszugehen. Das
zumutbare Invalideneinkommen ist damit auf Fr. 55’738.-- (= Fr. 60’810.-- × 91,66 %)
festzulegen. Das Valideneinkommen beträgt Fr. 64’189.-- (= Fr. 67’567.-- × 95 %). Der
Invaliditätsgrad ist somit auf 13 % (= [Fr. 64’189.-- – Fr. 55’738.--] ÷ Fr. 64’189.--)
festzulegen. Da der Zeitpunkt der Prüfung der Rentenfrage (30. November 2008) nicht
zu beanstanden ist, hat die Beschwerdeführerin mit Wirkung per 1. Dezember 2008
Anspruch auf eine Invalidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 13 %. Der
angefochtene Einspracheentscheid ist insofern aufzuheben und die Sache zur
Festsetzung des konkreten Rentenbetrags an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.
Demnach wird die Beschwerde gutgeheissen. Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit einer Pauschale von Fr. 3’000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen (Art. 61 lit. g ATSG).
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP