Decision ID: 331b5c70-e9d1-474a-98fa-78e052d88440
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1989,
bezog ab August 2007 eine ganze
Invaliden
r
ente (vgl. Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 19. Februar
2008, Urk. 8/10
8
).
Den Anspruch auf eine ganze Rente bestätigte die IV-Stelle nach einem im Dezember 2008 eingeleite
ten Revisionsverfahren (vgl. Urk. 8/119 ff.) mit Mitteilung vom 24. Juli 2009 (Urk. 8/128).
1.2
2012 führte die IV-Stelle erneut eine revisionsweise Überprüfung des Rentenan
spruchs durch (vgl. Urk. 8/137).
Sie holte ärztliche Berichte ein (Urk. 8/137/3, Urk. 8/138),
nahm berufliche Abklärungen vor
(Urk. 8/146
, Urk. 8/148
)
,
und
liess
den Versicherten durch den Regionalen Ärztlichen Dienst,
med.
pract
.
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und
Psychotherapie
,
am 1
0
. März 2014 untersuchen (Urk. 8/160)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/165
-
182
)
setzte die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. März 2015 die ganze Rente auf den Beginn des zweiten der Zustellung folgenden Monats auf eine halbe Rente herab (Urk. 8/183 = Urk. 2
S. 2 ff.
).
2.
Gegen die Verfügung vom 10. März 2015
erhob
der Versicherte
am 23. April 2015 Beschwerde mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, es sei ihm in Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung weiterhin eine ganze Rente
zuzusprechen
(Urk. 1)
. Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom 5. Juni 2015 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Mit
Verfügung vom 8. Juni 2015 wurde die Beschwerdeantwort der Vertreterin des Beschwerdeführers,
Y._
(Urk. 3), zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Renten
bezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und
in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilde
t
die letzte rechtskräftige Verfügung, welche
auf
einer materiellen Prü
fung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdi
gung
und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Streitgegenstand bildet die verfügte Herabsetzung der
ganzen
Rente auf eine halbe Rente
(Urk. 2)
. Zu prüfen ist daher, ob aufgrund der getroffenen Abklä
rungen eine revisionsrechtlich bedeutsame Änderung
in den medizinischen Verhältnissen angenommen werden kann, welche eine Rentenreduktion recht
fertigt. Zeitliche Vergleichsbasis ist der revisionsrechtliche Entscheid der
Beschwer
de
gegnerin
vom 24. Juli 2009 (Urk. 8/1
28
), dem eine
von Amtes wegen durchgeführte
materielle Abklärung
zu Grunde lag. Damals verneinte die Beschwerdegegnerin eine Verbesserung des Gesundheitszustandes
im Vergleich zum Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprechung im Februar 2008
(Urk. 8/10
8
)
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin nahm
gestützt
auf die psychiatrische Untersuchung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
, med.
pract
.
Z._
,
vom 10. März 2014
(Urk. 8/160)
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes an.
Sie hielt
in ihrer Verfügung vom
10. März 2015
fest, aufgrund der Untersuchung bei Dr.
Z._
seien die gesundheitlichen Fortschritte unübersehbar und erfreu
lich. Zur Abnahme der Zwänge (besonders tagsüber) komme ein festes Durch
haltevermögen
hinzu
, das sich in der Gewichtsabnahme und dem regelmässigen Joggen sowie dem Musizieren zeige.
Im Untersuch habe der Beschwerdeführer zudem angegeben, dass er alle zwei Wochen mit einem Freund in den Ausgang und ab und zu auch zu Konzerten
gehe
. Gemäss der medizinischen Beurteilung sei ihm eine Arbeitsfähigkeit von 50 % zumutbar
(Urk. 2)
.
2.3
Demgegenüber lässt der Beschwerdeführer zur Hauptsache einwenden,
er sei aufgrund seines aktuellen Krankheitszustandes nicht arbeitsfähig.
Im März 2014 sei anlässlich der
Untersuchung
durch den RAD-Arzt
Dr.
Z._
eine Verbesse
rung seines Befindens festgestellt worden. Es sei ihm auch einige Zeit vor Aus
bruch seiner Krankheit ziemlich gut gegangen, was auch für ihn sehr erfreulich gewesen sei. Er habe vermehrt musizieren, joggen und soziale Kontakte pflege
n
können. Er habe sich gewünscht
, dass er bald eine Ausbildung beginnen könne. Mit dem Ausbruch der Krankheit
im Herbst 2013
habe sich sein körperlicher Zustand immer mehr verschlechtert.
Er leide an c
hronische
n
Schmerzen, neu
rologische
n
Beschwerden und andere
n
, sehr belastende
n
Symptome
n, welche
seine Leistungsfähigkeit und seine Lebensqualität noch stets sehr stark
vermin
derten
.
Anfang Januar 2015 sei eine chronische Neuro-Borreliose diagnostiziert worden. Seither sei er in intensive
r
Behandlung mit Antibiotika und ver
schiedenen begleitenden Massnahmen
(Urk. 1)
.
3.
3.1
Die IV-Stelle stützte sich bei der ursprünglichen Zusprechung der ganzen
Invali
denr
ente
insbesondere
auf
den Arztbericht von Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und Arzt für Homöopathie SVHA/FMH
,
vom 2. Februar 2007 (Urk. 8/92). Als Diagnose
n
wurden soziale Verhaltensstörungen, eine Zwangsstörung,
ein
ADH
S
und depressive
Anpas
sungsstörungen
genannt
. Der Gesundheitszustand wirke sich auf die berufliche Ausbildung aus,
er
sei komplex und zeig
e
sich in Verhaltensschwierigkeiten und im schulischen-beruflichen Rückstand
(Urk. 8/
92/3
-4
)
.
3.2
Die Mitteilung vom 24. Juli 2009, wonach die Invalidenrente unverändert
bleibe
, basierte
insbesondere
auf
der psychiatrischen Begutachtung durch Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, vom 2.
Juni
2009
(Urk. 8/125)
.
Dr.
B._
attestierte
dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten (
U
rk. 8/125/13)
.
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr.
B._
eine schwere Zwangsstörung mit
Zwangsge
danken
und –
handlungen
, gemischt (ICD 10 F.42.2) fest. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein anamnestischer Status nach einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens (ICD 10 F90.1) festgehalten (Urk. 8/125/13).
4.
4.1
Dr. med.
C._
, Facharzt für Pädiatrie und
spezifische
Kinder
neuro
logie
FMH
, berichtete
am
24. August 2012
, dass
der
Konsultati
ons
rhythmus
sehr sporadisch gewesen sei und die
letzte Behandlung vor zwei Jahren statt
gefunden
habe
(Urk. 8/137/3)
.
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er
Zwänge
bei ADHS
fest
(Urk. 8/137/
3
).
4.2
Dem
Arztbericht von Dr. med.
D._
, Facharzt für Allgemeinmedizin
FMH
,
vom September 2012 ist zu entnehmen
,
dass
der Beschwerdeführer unre
gelmässig in Behandlung
sei
und zurzeit keine Behandlung stattfinde
.
E
r leide an Zwängen bei
einem
ADHS und könne zu 50 % während vier Stunden täglich arbeiten (Urk. 8/138).
4.3
RAD
-
Arzt med.
pract
.
Z._
untersuchte
den Beschwerdeführer
am 10. März 2014
(Urk. 8/160)
.
Er
berichtete am 11. März 2014, dass er
keine Symptome
eines
ADHS mehr finden
könne
. Als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er eine Zwangsstörung mit Zwangshandlungen und
g
edanken
(ICD 10
F42.2
)
fest. Als Diagnose ohne dauerhafte Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
nannte er Magenbeschwerden.
Es bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit seit September 201
2.
Aus psychiatrischer Sicht empfehle sich dringend eine fachpsychiatrische Behandlung (Urk. 8/160/6)
.
4.4
Das
Spital E._
hielt
am 24. September 2014
fest, dass eine
umfangreiche Stellungnahme nicht möglich
sei
, da
der Beschwerdeführer
nur einmal in Behandlung gewesen sei
(Urk. 8/178
/3
).
Dem
dazugehörigen
Ver
laufsblatt
ist zu entnehmen, dass nur zwei Arzttermine, am 7. April 2014 und am 6. Mai 2014 stattfanden, wobei beim zweiten Termin nur die Mutter erschien
(Urk. 8/178/6)
.
Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
wurden
nach den anamnestischen Angaben der Mutter ein ADHS
(ICD 10
F98.8
)
unbehandelt, ein Verdacht auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz
seit 2006
und ein Verdacht auf eine Depression
festgehalten
(Urk. 8/178/1
)
.
Durch die am
16. April 2014
erfolgte
Koloskopie
habe
eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung ausgeschlossen werden
können
(Urk. 8/178/8). Ebenso
seien
keine pathologischen Auffälligkeiten ersichtlich
gewesen
. Prominentes lymphatisches Gewebe im terminalen Ileum sei in diesem Alter sicher physiolo
gisch (Urk. 8/178/9).
4.5
Dem
Arztbericht von Dr. med.
F._
, Ärztin für Allge
meinmedizin und Naturheilkunde
,
vom 17. September 2014
sind
als Diagnosen eine
Laktoseintoleranz
,
eine
Kandidose
,
eine
c
hronische Müdigkeit,
eine
Entero
kolitis
und eine Aufmerksamkeitsstörung
zu entnehmen
. Der Beschwerdeführer sei seit dem 5. Mai 2014 in ihrer Behandlung (Urk. 8/173).
4.6
Dr. med.
G._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
hielt in seinem Bericht
vom 4. Dezember 2014 als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
s
onstige andauernde
Persönlichkeitsänderung
en
/
kom
binierte Persönlichkeitsstörung
en
mit
anankastischen
,
ängstlichvermeidenden
Zügen (
ICD 10
F62.8
/ ICD 10
F61.0) und eine
Somatisierungsstörung
(ICD
10
F45.0)
fest
(Urk. 8/181/1)
.
Der Beschwerdeführer
sei
zu den Sitzungen verspätet
gekommen.
D
reimal
habe
er den Termin
kurz
vorher
wegen gesundheitlicher Unpässlichkeit ab
gesagt
und zweimal sei er nicht erschienen. Er sei im Kontakt misstrauisch zurückhaltend, gespannt, dann aber verzweifelt schwallartig kla
gend über seine
ausweg
l
ose
Situation
. Der Beschwerdeführer habe
Än
gste, nie mehr gesund zu werden.
Er z
weifl
e
an
den
Ärzte
n
und deren Behandlung
und mache ihnen Vorwürfe. Es sei ein e
rheblicher Leidensdruck spürbar.
Seine Meinung über
die
Krankheitsur
sachen sei unverrückbar fixiert.
E
r ärgere sich darüber, dass man die psychische Seite
als mögliche Ursache von Beschwerden
anspreche
.
Er sei hyperaktiv
und
leide unter Schlaflosigkeit
, wobei er
m
it
Zolpi
dem
teilweise Schlaf
habe
. Die Prognose des Beschwerdeführers sei schlecht. Dr.
G._
hielt fest, dass er
sich mit dem Beschwerdeführer überfordert
sehe
, da keine Chance für ein Arbeitsbündnis und Compliance bestünden.
Er sehe dies aber nicht als bewusste Sabotage, sondern als
ichsyntones
Abwehr
muster
. Der Beschwerdeführer sei sicher schon längere Zeit zu 100 % arbeits
unfähig und nicht vermittelbar
(Urk. 8/181/2)
. Sein Konzentrationsvermögen,
sein
Auffassungsvermögen,
seine
Anpassungsfähigkeit und
seine
Belastbarkeit seien eingeschränkt (Urk. 8/181
/5
).
5
.
5.1
Die IV-Stelle stützte sich bei der
Herabsetzung der Rente
im Wesentlichen auf die im
Bericht
des RAD
-
Arztes
med.
pract
.
Z._
vom 10. März 2014 beschriebene Verbesserung des Gesundheitszustandes
(Urk. 8/160)
.
Bezüglich der veränderten Einschätzung
des
psychischen
Gesundheitszustandes
durch
med.
pract
.
Z._
ist zu beachten, dass er zwar immer noch als Diagnose eine Zwangsstörung mit Zwangshandlungen und –
g
edanken
gemischt
(ICD 10 F42.2) festhielt, jedoch keine schwere
mehr, wie dies am
16
. Juni 2009 Dr.
B._
getan hatte
(Urk. 8/125/13)
.
Med
.
pract
.
Z._
beschrieb klar eine Verbesserung der Zwangsstörungen
und ein festes Durchhaltevermögen
.
Dabei berücksichtigte er
beispielsweise,
dass die Waschzwänge
nicht mehr bestehen,
sowie die Tatsache, dass nur noch
abends
Zwänge vorhanden sind
und er
anlässlich der Untersuchung keine Angstsymptome feststellen konnte (Urk. 8/160/2,
6
Urk. 8/160/6)
. Auch berücksichtigte er bei seiner Diagnose,
dass
der Beschwerdeführer nun mehr Kontakte hat und ungefähr alle zwei Wochen mit einem Freund in eine Bar und manchmal auch
an
ein Konzert geht.
Ebenso
, dass
er alle zwei bis drei Tage 30 Minuten joggen geht
,
bewusst sein Gewicht reduzierte
und musiziert
(Urk. 8/160/2)
.
Demgegenüber
hatte der Beschwerde
führer im Jahr 2009 keine Kollegen und litt vermehrt unter Ängsten und Zwän
gen (Urk. 8/125/10
-11
)
.
Med.
pract
.
Z._
berücksichtigte aber
bei der
Diag
nosestellung
auch
,
dass dieser fast 25-jährige Mann weiterhin im Elternhaus
wohnt
,
keine Partnerschaft
unterhält,
dass
seine
sozialen Fähigkeiten beschei
den
sind
und er mehr Anstrengung zur Überwindung der Ängste
braucht
(Urk. 8/160/
6
).
Eine
Verbesserung des Gesundheitszustandes
ist
auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass
der Beschwerdeführer
im Zeitpunkt
der Begutachtung
schon seit einiger Zeit
bei keinem Arzt in Behandlung war
, was auf keinen allzu grossen Leidensdruck schliessen lässt,
gut nachvollziehbar
(vgl. E. 4.1 und E. 4.2
). Der Beschwerdeführer und seine Mutter bestätigten denn auch überein
stimmend, dass
er
seit ein bis zwei Jahren nicht mehr in einer Therapie war und keine Medikamente einnimmt
(Urk. 8/146/3
, Urk. 8/155/3)
.
Überdies stimmt dies auch mit der
Angabe
des Beschwerdeführers, es sei ihm einige Zeit vor Aus
bruch
der
Krankheit ziemlich gut gegangen, überein (Urk. 1).
Die Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands und die daraus resultierende gesundheitli
che Verbesserung
sind
demnach schlüs
s
ig begründet und es kann
diesbezüglich
auf den
psychiatrischen
Untersuchungsbericht
des RAD
vom 11. März 2014
abgestellt werden.
Die dem psychiatrischen Untersuchungsbericht des RAD vom 11. März 2014 zu entnehmende
50%ige Arbeitsfähigkeit seit September 2012
(Urk. 8/160/6) ist aufgrund der gesundheitlichen Verbesserung nachvollziehbar. Das diesem Bericht zu entnehmende Belastungsprofil, welches festhält, dass
die Tätigkeit tagsüber stattfinden
sollte,
der Beschwerdeführer einen wohlwollenden Vorge
setzten
,
keine häufigen sozialen Kontakte und keinen häufigen Kundenkontakt haben sollte
(Urk. 8/160/6)
, entspricht den
von med.
pract
.
Z._
gemachten
Befunden.
Dieser 50%igen Arbeitsfähigkeit steht jedoch der Bericht von
Dr.
G._
vom 4. Dezember 2014
entgegen. Dr.
G._
ging
weiterhin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus
(Urk.
8/
181/2)
.
Zu diesem
Resultat
gelangte er insbesondere, weil er sich mit dem Beschwerdeführer überfordert sah und keine Chance für ein Arbeitsbündnis und eine Compliance sah. Das Verhalten des Beschwerdeführers
sah er nicht als bewusste Sabotage, sondern als
ichsyntones
Abwehrmuster.
Somit stellte er mehr auf sein eigenes subjekti
ves Empfinden als
auf das
Krankheitsbild
ab
(Urk. 8/181/2).
Da die Ausführun
gen von Dr.
G._
zur attestierten Arbeitsunfähigkeit somit nicht auf den Befunden basieren, sondern auf seinen eigenen Empfindungen, ist ihnen nicht zu folgen.
Demnach ist dem psychiatrischen Untersuchungsbericht
de
s
RAD
vom 11. März 2014
folgend von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit und dem darin genannten Belastungsprofil auszugehen
(vgl. Urk. 8/160/6)
.
5.
2
Des Weiteren liess der Beschwerdeführer ausführen, im Herbst 2013 habe sich sein körperlicher Zustand immer mehr verschlechtert
, nachdem es ihm eine Zeit lang besser gegangen sei
. Er leide an chronischen Schmerzen, neurologischen Beschwerden und anderen, sehr belastenden Symptomen, welche seine Leistungsfähigkeit und seine Lebensqualität noch stets sehr stark
verminderten
. Sodann sei
A
nfang Januar 2015 eine chronische Neuro-Borreliose diagnostiziert worden (Urk. 1)
.
Dazu liess er
bereits im
Einwandverfahren
zusätzliche
Arztbe
richte
(Urk. 8/173, Urk. 8/178) sowie ein ärztliches Zeugnis (Urk. 8/190) einrei
chen.
Aufgrund der
am 16. April 2014 im
Spital E._
erfolgte
n
Kolo
sko
pie
kann
eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung ausgeschlossen werden (Urk. 8/178/8).
Bei den
vom
Spital E._
im Bericht
vom 24. September 2014
nach den anamnestischen Angaben der Mutter
auf
geführten
(Urk. 8/178/1)
und
den
von
Dr.
F._
im
Bericht
vom 17. September 2014
festgehaltenen
Diagnosen
(Urk. 8/173)
fehl
en
die entsprechenden Befunde
gänzlich
. Deshalb sind die
genannten Diagnosen nicht nachvollziehbar
,
und
diesen Berichten
kann
nicht gefolgt werden
.
Das eingereichte ärztliche Zeugnis der Klinik
H._
_
vom 28. April 2015 attestiert
zwar
dem Beschwerdeführer seit dem 1. November 2014 und bis auf
W
eiteres
eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit (Urk. 8/190)
. Es
enthält aber ebenfalls keine Befunde, weshalb
auch darauf nicht abgestellt werden kann
.
Schliesslich
sind keine Anhaltspunkte einer Borreliose vorhanden
. Insgesamt
erweisen sich daher die Einwände des Beschwerdeführers als unbegründet.
Demnach ist festzuhalten, dass n
eue Leiden mit Krankheitswert zu verneinen
sind
und sich auch keine weiteren Abklärungen auf
drängen
.
Die Einwände
des Beschwerdeführers änder
n
folglich nichts daran, dass sich sein Gesundheitszu
stand verbessert hat
und er zu 50 % arbeitsfähig ist
.
5.
3
Die Vertreterin des Beschwerdeführers,
Y._
, rief sowohl am 11. Mai 2015 (Urk. 6) als auch am 20. August 2015 (Urk. 10)
beim Gericht
an und erkundigte sich, ob sie noch weitere medizinische Berichte einreichen könne. Bei ihrem zweiten Anruf teilte sie mit, sie habe vom Arzt einen „Entwurf“ erhalten und habe noch keine Gelegenheit gehabt, ihn mit dem Arzt zu besprechen
(Urk. 10)
.
Der Schriftenwechsel wurde mit Verfügung vom 8. Juni 2015 beendet (Urk. 9).
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse
bis zum Zeitpunkt
des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens mass
gebend.
Der Beschwerdeführer hätte genügend Zeit gehabt, einen zusätzli
chen Arztbericht einzureichen. Indem nun das Gericht entscheidet, ohne einen weiteren Arztbericht abzuwarten, verletzt
es
das rechtliche Gehör
(Art. 29
Abs.
2 BV)
nicht.
5.
4
Zusammenfassend ist mit dem
von
RAD
-
Arzt
med.
pract
.
Z._
erlassenen psy
chiatrischen Untersuchungsbericht
vom 1
1
. März 2014 davon auszugehen, dass eine Besserung des Gesundheitszustandes eingetreten ist und
der Beschwerdeführer
zu 50 % arbeitsfähig ist. Er
ist
unbestrittenermassen
als zu 100 % im Erwerbsbereich Tätiger zu qualifizieren (vgl. Urk.
2). Der von der IV
Stelle vorgenommene Einkommensvergleich als solcher, welcher zu einem Invaliditätsgrad von 52 % führte, wurde vom Beschwerdeführer zu Recht nicht bemängelt (Urk. 2 S. 2 f.). Der
Einkommensvergleich
ist nachvollziehbar und korrekt, weshalb auf ihn abzustellen ist.
Die Herabsetzung der ganzen Rente auf eine halbe ist somit gerechtfertigt.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab
hän
gig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG). Sie sind auf Fr. 600.-- festzulegen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unter
liegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.