Decision ID: 2c031a9c-019b-4898-9ead-b0343db81d6d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
89
,
schloss im Sommer 2008
eine Lehre als Kauffrau mit dem Profil E
erfolgreich ab
(
Urk.
5/1/5).
Anschliessend war
sie
mit Unterbrüchen
in wechselnden Anstellungsverhältnissen erwerbstätig (
Urk.
5/8).
Seit
dem 1.
Februar 2013
ist sie
mit einem Pensum von 60
%
bei der
Y._
als Kauffrau angestellt (Urk.
5/1/6
,
5/8
und 5/11
)
.
Während dieses Arbeitsverhältnisses bezog die Versicherte wiederholt
Krankentaggeldversiche
rungsleistungen
(Urk. 5/6/5-6, 5/6/14, 5/6/16 und 5/6/109-110), zuletzt bis zum 2
2.
November 2015
; der Krankentaggeldanspruch
ab dem 2
3.
November 2015
ist strittig (
Urk.
5/6/110-119, 5
/128-135, 5/11/6, 5/13 und 5/14
).
Im Juli 2017
meldete sich die Versicherte bei der Sozialversicher
ungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an, da sie
seit Februar 2014
an
einer chronischen Borreliose, einer Nebennierenunterfunktion
,
einem chronisch
en Erschöpfungssyndrom und an Hormonproblemen leide (
Urk.
5
/1
; vgl. das Aktenverzeichnis
). Die IV-Stelle nahm die Unterlagen des
Krankentaggeld
ver
sicherers zu ihren Akten (
Urk.
5/6
/1-137
) und
f
ührte mit der Versicherten am 2
0.
Juli 2017 ein Standortgespräch durch
(
Urk.
5/7)
.
Überdies holte sie einen IK-Auszug (
Urk.
5/8)
, Arbeitgeberauskünfte (
Urk.
5/11)
und einen Bericht der die Versicherte aktuell behandelnden Ärztin
Dr.
med. Z._
samt Beilagen (Urk.
5/9
/1-14
) ein.
In der Folge teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, sie befinde sich neu bei
Dr.
med.
A._
in Behandlung
(
Urk.
5/15/1)
. Da dieser
keinen Fragebogen zuhanden der IV-Stelle ausfüllen werde
,
wäre
es
besser, ihre Hausärztin
Dr.
Z._
zu kontaktieren (Urk.
5/16/1).
Mit Schreiben vom
3.
April 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es seien keine Eingliederungsmassnahmen möglich (
Urk.
5/17).
Überdies
holte
die IV-Stelle
einen
Verlau
fsbericht
von
Dr.
Z._
vom
5.
April 2018
ein
(
Urk.
5/18)
, worauf sie
der Versicherten
mit
Vorbescheid vom
2
7.
Juli 2018 die Abweisung ihres Leistungsbegehrens
in Aussicht
stellte
(
Urk.
5
/
20
). Mit Verfügung vom 2
1.
September 2018 verneinte
die IV-Stelle
wie angekündigt
einen Leistungs
an
spruch (Ur
k.
2
= 5/22
).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
1.
September 2018 erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Jean Louis
Scenini
, mit Eingabe vom 2
3.
Oktober 2018
(Urk.
1) Beschwerde mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
die Sache sei zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzu
wei
sen. Eventualiter sei ihr eine Invalidenrente zuzusprechen
. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen
zuzüglich Mehrwertsteuer
zu Lasten der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Ferner ersuchte sie um die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am 1
0.
Dezember
201
8
auf
Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
4). Davon wurde der Beschwerdefüh
rerin mit Ver
fügung vom
7.
Januar 2019 Kenntnis gegeben (Urk.
8).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
ge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen
, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbe
sondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entschei
dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
In der angefochtenen Verfügung vertrat die Beschwerdegegnerin den Standpunkt,
es mangle an einer gesundheitlichen Beeinträchtigung mit längerdauernder Arbeits
unfähigkeit
(Urk. 2).
Demgegenüber
liess die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen
geltend machen, die Beschwerdegegnerin habe den massgeblichen Sachverhalt
nur
unzureichend abgeklärt
, namentlich habe sie auf eine Abklärung des psychischen Gesundheits
zustands verzichtet
(Urk. 1).
3.
3.1
Dr.
med. B._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin, attestierte der Versicherten wegen Bauchschmerzen und einer Alopezie, welche sich in Abklä
rung befänden, ab dem
1.
Juni 2014 eine 100%ige und ab dem
1.
Juli 2014 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
5/6/4).
Der Verdacht auf eine
telogene
Alopezie wurde in der Folge nicht erhärtet
, ins
besondere wurde
eine normale Schilddrüsenfunktion festgestellt und eine Neben
nierenrindeninsuffizienz ausgeschlossen
(Urk. 5/6/90-95).
3.2
Vom 1
3.
bis zum 1
8.
Februar 2015 beurteilte
Dr.
med.
C._
die Versicherte aufgrund eines grippalen Infektes als zu 100
%
arbeitsunfähig. Über
dies
attestierte er ihr
vom 3
1.
März bis zum
5.
April 2015 aufgrund einer Muskel
verspannung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
5/6/9).
3.3
Am
7.
April 2015 begab sich die Versicherte zu
r praktischen Ärztin
Dr.
med. D._
in Behandlung. Diese bescheinigte
ihr wegen Müdigkeit und Schwindels,
deren Ursache derzeit abgeklärt werde
, bis zum 3
0.
Juni 201
5 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
5/6/8).
A
b dem
9.
April 2015
veranlasste
Dr.
D._
umfangreiche Blut
-, S
peichel-
,
Urin
- und Stuhl
untersuchungen
sowie weitere Abklärunge
n, um die Genese der Müdig
keit, des Schwindels und der im Verlauf zahlreichen weiteren geklagten Be
schwerden zu ergründen
(vgl.
Urk.
5/6/18-69
).
3.4
Am 2
8.
April 2015 suchte die Versicherte das
E._
des
F._
auf, wo
muskuloskelettale
Thoraxschmerzen
diagnostiziert und ein unauffälliger Status erhoben wurden
.
Ein
kardiales Geschehen
konnte
EKG-morphologisch und laborchemisch ausgeschlossen werden
(Urk.
5/6/86-87).
3.5
Dr.
med. G._
,
Facharzt FMH für Ohre
n
-, Nasen- und Hals
krank
heiten, führte
am 2
8.
Mai und am 2
2.
Juni 2015
auf ärztliche Zuweisung
Dr.
D._
s
Untersuchungen durch, die jeweils unauffällige Befunde ergaben (
Urk.
5/6/83-84). Er empfahl eine
Untersuchung im
H._
des
I._
, da dort auch neurologisch-psychiatrische Fragestellungen aufgearbeitet werden könnten (Urk. 5/6/83).
Eine entsprechende Überweisung lehnte die Versicherte den Angaben
Dr.
D._
s zufolge
ab, da sie
im
H._
auch psychiatrisch untersucht würde
und
keine
psychischen
Probleme habe (Urk.
5/6/26).
3.
6
Bei der Untersuchung in der
J._
des
F._
am
24. Juli 2015
wurden
laboranalytisch eine leichte Anämie und eine leichte
Thro
m
bozytopenie
bei normwertigem
Ferritin
, ein leicht erniedrigtes freies T4 ohne klini
sche Relevanz und auch sonst keine klinisch relevanten Befunde erhoben (
Urk.
5/6/76-77).
Unmittelbar darauf
habe m
ed.
pract
.
K._
von der
J._
des
F._
gegenüber
Dr.
D._
die Frage
betreffend eine psychische
Ursa
che
der Beschwerden
aufgeworfen (
Urk.
5/6/33).
3.7
Die
n
eurologische Untersuchung im
F._
am 3
0.
Juli 2015 ergab – ebenso wie bereits das Schädel-MRI vom
8.
Juni 2015 (
Urk.
5/6/85) – unauffällige Befunde (
Urk.
5/6/71-73). Der Leitende Arzt
Dr.
med. L._
beurteilte wei
tere Abklärungen aus neurologischer Sicht als nicht indiziert. Die Symptom
prä
sentation und der Verlauf liessen ihn allerdings an eine Somatisierungsstörung denken (
Urk.
5/6/73).
3.8
Ein
Lymphozytentransformationstest
auf
Borrelienantigene
im Januar 2016 in Berlin
fiel
positiv aus. Dieser Befund spreche
für eine aktive Auseinandersetzung des zellulären Immunsystems mit
Borrelien
und deute somit auf eine derzeit aktive
Borrelieninfektion
hin (
Urk.
5/6/121).
3.9
Das
Verlaufs-MRI betreffend den Schädel und ein MRI der Halswirbelsäule am 15. Januar 2016 ergaben unauffällige Befunde (
Urk.
5/9/1-8).
3.10
Eine
Knochendensitometrie mit der DEXA-Methode am 1
5.
Juni 2016 habe eine Osteoporose im Bereich der Lendenwirbelsäule und eine
Osteopenie
im Bereich der linken Hüfte ergeben; eine ärztliche Untersuchung habe nicht stattgefunden (
Urk.
5/9/14).
3.11
Am 2
0.
Oktober 2016 fand eine
gastroskopische
Untersuchung statt, die in makroskopischer Hinsicht praktisch normal ausgefallen sei. Es falle einzig eine etwas alterierte
Duodenalschleimhaut
mit diskretem kleinfleckigem Erythem auf; dies sei ein unspezifischer Befund (
Urk.
5/9/9-10).
3.12
Dem Bericht der
M._
vom 2
1.
Oktober 2016 ist zu entnehmen, dass diverse Biopsien am proximalen Öso
phagus, im Magen und im Duodenum keine patho
logischen Befunde ergaben (
Urk.
5/9/11).
3.13
E
in Ultraschall des Abdomens am 2
8.
Oktober 2016 zeigte unauffällige
Resultate (
Urk.
5/9/6).
3.14
Gemäss dem
Bericht des
N._
wurde die Ver
sicherte am 2
2.
Dezember 2016 wegen einer progredienten Sehstörung nachts untersucht. Auffällige Befunde wurden dabei nicht erhoben (
Urk.
5/9/13).
3
.15
Die behandelnde Ärztin
Dr.
Z._
hielt am
2.
Mai 2017 fest, sie
behandle die Versicherte seit Oktober 201
6.
Sie habe eine Nebennierenschwäche und multiple
Lebensmittelintoleranzen
festgestellt, welche die beschriebenen Symptome wie
Schwäche, Erschöpfung, Müdigkeit, fehlende Belastbarkeit und tägliche Magen-Darmbeschwerden erklärten
. Ein Erschöpfungssyndrom könne ein Grund für eine langfristige Arbeitsunfähigkeit sein
(
Urk.
5/6/136).
3.1
6
In ihrem Bericht zuhanden der IV-Stelle
vom 2
3.
August
2017
führte
Dr.
Z._
ein chronisches Erschöpfungssyndrom mit Konzentrations
stö
rungen,
persistierende Magenbe
schwerden und eine Osteoporose im Lenden
wirbel
säulen
bereich als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien rezidivierende Harnwegsinfekte, ein Zustand nach rezidivierenden Otitiden und ein Zustand nach Borreliose nach einem Zeckenstich (
Urk.
5/9/1).
Den Angaben der Versicherten zufolge bestehe seit Januar 2015 eine Arbeits
unfähigkeit (
Urk.
5/9/2). Ob die bisherige Tätigkeit der Versicherten aus medizi
nischer Sicht noch zumutbar sei, könne
Dr.
Z._
nicht beantworten, ebenso wenig die Fragen bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer behinderungs
ange
passten Tätigkeit (
Urk.
5/9/3).
3.17
Im Verlaufsbericht vom
5.
April 2018 wiederholte
Dr.
Z._
im Wesent
li
chen die bereits gemachten Angaben. Ferner wies sie darauf hin, sie habe die Versicherte wunschgemäss
zur weiteren Behandlung
an
Dr.
A._
überwiesen. Ein Bericht desselben liege ihr nicht vor
. Da sie die Versicherte am 1
5.
Januar 2018 zum letzten Mal untersucht habe, könne sich nur
Dr.
A._
zu
m gegenwärtigen Gesundheitszustand und zu
r aktuellen Arbeitsfähigkeit äussern
(
Urk.
5/18).
3.18
Dr.
med.
O._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, vom Regionalen ärztlichen Dienst vertrat am 2
3.
Mai 2018 die Auffassung, die diversen Abklä
rungen hätten keine objektivierbare Erkrankung mit einem längerfris
tigen Ein
fluss auf die Arbeits
fähigkeit ergeben. Es liege daher kein invaliditäts
rele
vanter Gesundheitsschaden vor (
Urk.
5/19/4-5).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass der angefochtenen Verfügung
auf die Stellung
nahme des RAD vom
2
3.
Mai 2018
(Urk.
5
/
19
/
4-5
; vgl. Urk. 2
).
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle
Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu nam
entlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht ab
zustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfol
ge
rungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber
2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
Bei der Stellungnahme des RAD vom
2
3.
Mai 2018
handelt es sich um eine reine
Aktenbeurteilung, da
Dr.
O._
die Beschwerdeführerin
nie untersuchte
. Seine Einschätzung vermag daher die praxisgemässen Anforderung
en an ein ärztliches Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1) von vornherein nicht zu erfüllen.
Zwar erkannte
Dr.
O._
in Anbetracht medizinischen Aktenlage
zutreffend, dass
trotz
zahlreicher
Untersuchungen
keine objektivierbare Erkrankung festgestellt werden konnte,
die
mit einer
eine längere Zeit andauernden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
einhergeht
. Den Umstand, dass sich
sämtliche
Untersuchungen auf den somatischen Gesundheitszustand beschränkt hatten, liess
Dr.
O._
in
dessen unber
ücksichtigt, obwohl er selbst
ausdrücklich
vermerkt hatte
, der Kran
kentaggeldversicherer habe weitere Leistungen ab dem 22. November 2015 abgelehnt, da die Beschwerdeführerin klar psychische Beschwerden in Abrede gestellt habe und nie von einem Psychiater untersucht worden sei (
Urk.
5/19/5).
Mit
den zahlreichen Hinweisen diverser somatischer Behandler auf eine allfällige psychische Problematik
(Urk. 5/6/33, 5/6/73 und
5/6/83
; vgl. auch
Urk.
5/6/104
)
setzte sich
Dr.
O._
nicht
auseinander.
Seine medizinische Aktenbeurteilung ist daher weder
umfassend
noch
überzeugend.
Dies muss umso mehr gelten
, als derselben
für den hier interessierenden Zeitraum ab Dezember 2016 (vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. b und Art.
29
Abs.
1 IVG) keine ärztliche Arbeitsfähigkeits
beurteilung zu Grunde lag
.
Dr.
Z._
hatte
sich darauf beschränkt
, Angaben der Be
schwerde
führerin zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit wi
e
derzu
geben, anstatt eine eigene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angestamm
ter und in angepasster Tätigkeit vorzunehmen
(
Urk.
5/9/2-3 und 5/18). Eine Arbeits
fähig
keitsbeurteilung des aktuellen Behandlers
Dr.
A._
lag
– nach dessen Weigerung –
ebenso wenig vor
.
Unter diesen Umständen kann nicht auf die Einschätzung
Dr.
O._
s
abgestellt werden.
Vielmehr erscheinen weitere Abklärungen, ins
be
sondere betreffend den psychischen Gesundheitszustand als angezeigt.
4.4
Aus dem Gesagten folgt, dass über das strittige Leistungsbegehren nicht ohne zusätzliche medizinische Abklärungen
, namentlich eine psychiatrische Untersu
chung der Beschwerdeführerin
entschieden werden kann. Da die erforderlichen Weiterungen grundsätzlicher Natur sind, wird die Beschwerdegegnerin sie vor
zu
nehmen haben.
Dabei ist es ihr unbenommen, die Beschwerdeführerin im Rahmen eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
anzuhalten, sich der psychiatrischen Abklärung zu unterziehen.
Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung der notwendigen Abklärungen und zu neuer Ent
schei
dung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen (§ 26 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
Folglich
ist die Beschwerde gut
zuheissen.
Unter diesen
Umständen ist auf die beantragte Durchführung einer öffentlichen Verhandlung zu verzichten (BGE 136 I 279 E. 1).
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens-aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 500.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
5.2
Überdies hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
GSVGer
). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Ent
schädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr.
1’200
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.