Decision ID: 0d01af1b-be6d-5bfa-86c9-1f3c5ea2f8d1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
A.a Der aus der Provinz Daraa / Syrien stammende Beschwerdeführer ver-
liess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge Anfang 2015 in Rich-
tung Libanon. Von dort sei er nach B._ gelangt, wo er sich während
circa zwei Monaten aufgehalten habe, bevor er weiter nach Griechenland
gereist sei. Dort sei er registriert worden, habe sich aber nur einige Tage
im Land aufgehalten. Schliesslich sei er über die sogenannte Balkanroute
am 3. August 2016 in die Schweiz gelangt und habe am Folgetag um Asyl
nachgesucht.
A.b Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 11. August 2016 gab
er an, er sei bereits im Jahr 2013 erstmals vor dem Krieg in Syrien geflo-
hen, aber nach ungefähr eineinhalb Jahren zur Ausstellung eines Reise-
passes wieder zurückgekehrt; diesen habe er sich in Begleitung seines
Vaters in C._ ausstellen lassen. Während seiner Rückkehr sei er zu
Hause von Armeeangehörigen gesucht worden, weshalb er in der Folge
Syrien definitiv verlassen habe. Er habe zuvor zwar kein Militäraufgebot
erhalten, aber geahnt, dass die Soldaten ihn eines Tages aufsuchen wür-
den. Sein Haus habe er gerade noch rechtzeitig verlassen können, bevor
sie ihn hätten mitnehmen können. Dasselbe Schicksal teile auch sein Bru-
der, der ihn bei der ersten Reise in den Libanon begleitet habe; dieser sei
aber im Gegensatz zu ihm nicht mehr nach Syrien zurückgekehrt. Ansons-
ten habe er keine Probleme mit dem syrischen Regime oder Drittpersonen
gehabt, sei aber, wie andere auch, an Checkpoints von Soldaten geschla-
gen worden.
A.c An der einlässlichen Anhörung zu den Asylgründen vom 15. Januar
2018 legte der Beschwerdeführer Abschlussnoten seines Abiturzeugnis-
ses, seine Studentenkarte sowie sein Militärbüchlein ins Recht. Letzteres
habe er im Jahr (...) erhalten; sein Aufgebot sei danach mehrmals aufge-
schoben worden, nachdem er jeweils bestätigt habe, dass er an der Uni-
versität eingeschrieben gewesen sei. Hierzu habe er meistens seinen Vater
geschickt, weil er sich vor einem direkten Einzug sowie vor einer Kontrolle
an den Checkpoints gefürchtet habe. Zum Erreichen des Militärdienst-
aufschubs habe sein Vater auch Bestechungsgeld bezahlt. Er (Beschwer-
deführer) habe seinen Heimaststaat einerseits wegen des Kriegs verlassen
und andererseits, weil er sich dem Militärdienst habe entziehen wollen und
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deshalb gesucht worden sei. Als er von Soldaten zu Hause aufgesucht
worden sei, habe er diesen knapp entfliehen und mit Hilfe der Rebellen der
Freien Syrischen Armee (FSA) aus seinem Dorf fliehen können. Diese
habe er noch vor seiner ersten Ausreise aus Syrien an Demonstrationen
kennengelernt. Bei diesen Anlässen habe er auch geholfen, verletzte Per-
sonen mit seinem Motorrad zu transportieren. Er habe gemeinsam mit sei-
nem Onkel – der wegen seiner Demonstrationsteilnahmen gesucht worden
sei – ihm bekannte Rebellen sowie weitere Wehrdienstverweigerer getrof-
fen und mit diesen zusammen das Dorf verlassen. Auf dem Weg habe sich
sein Onkel auf dem Rücksitz seines Motorrads befunden und sei dort an-
geschossen worden, als sie einen Checkpoint hätten umgehen wollen. Er
selber habe in der Folge mit der Hilfe der Rebellen die Grenze zu Jordanien
überqueren können.
B.
Mit Verfügung vom 5. April 2019 lehnte das SEM das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Der
Vollzug der Wegweisung wurde wegen Unzulässigkeit zugunsten einer vor-
läufigen Aufnahme aufgeschoben.
C.
Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 9. Mai 2019
wurde durch das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-2228/2019 vom
19. Juni 2019 gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung beantragt worden war. Im Entscheid wurde festgehalten, das SEM
habe den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig festgestellt und
auch auf Beschwerdeebene keine Stellung genommen zur diesbezügli-
chen in der Beschwerdeschrift geäusserten Rüge. Dieser Verfahrens-
mangel könne unter diesen Umständen nicht geheilt werden, weshalb die
Sache zur korrekten und vollständigen Feststellung des Sachverhalts so-
wie zu neuer Entscheidung an das SEM zurückzuweisen sei.
II.
D.
Mit Verfügung vom 11. März 2020 – eröffnet am 17. März 2020 – lehnte
das SEM wiederum das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, ordnete
die Wegweisung aus der Schweiz an und verfügte die vorläufige Aufnahme
des Beschwerdeführers, weil sich der Wegweisungsvollzug als unzulässig
erweise.
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Seite 4
E.
Am 16. März 2020 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM um Gewäh-
rung der Akteneinsicht in sämtliche Akten, welche seit der letztmals ge-
währten Akteneinsicht paginiert worden seien. Diesem Gesuch wurde mit
Mitteilung vom 24. März 2020 – unter Ausschluss der internen Aktenstücke
– entsprochen.
F.
Mit Eingabe vom 15. April 2020 liess der Beschwerdeführer gegen die Ver-
fügung des SEM vom 11. März 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erheben. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung und Rückweisung der Sache zur vollständigen und richtigen Abklä-
rung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts, eventualiter um
Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung, subeven-
tualiter um Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er einerseits um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung (inklusive Verzicht auf Erhebung eines
Kostenvorschusses). Andererseits verlangte er vollumfängliche Einsicht in
die vorinstanzlichen Akten A24 und A25 sowie in die eingereichten Beweis-
mittel samt Beweismittelumschlag und in die vom SEM genannten länder-
spezifischen Quellen; anschliessend sei ihm Frist anzusetzen zur Einrei-
chung einer Beschwerdeergänzung.
G.
Am 21. April 2020 legte der Beschwerdeführer eine Sozialhilfebestätigung
sowie die Kopie eines Arbeitsvertrags ins Recht.
H.
Der Instruktionsrichter hiess mit Verfügung vom 24. April 2020 das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut. Gleichzeitig lud er
das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung ein und forderte es zur
Vervollständigung der Akten und zur Gewährung der ergänzenden Akten-
einsicht in die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel auf.
I.
Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 8. Mai 2020
ergänzende Akteneinsicht unter Ausschluss der internen Akten des SEM.
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J.
Am 8. Mai 2020 reichte das SEM eine Vernehmlassung zu den Akten,
worin es an den Erwägungen der angefochtenen Verfügung festhielt und
dabei ausführte, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen Vorbringen,
welche seine Einschätzung zu ändern vermöge.
K.
Der Beschwerdeführer reichte (auf Einladung des Instruktionsrichters vom
19. Mai 2020 hin) mit Eingabe vom 3. Juni 2020 eine Replik zu den Akten.
Darin liess er an seinen Rechtsbegehren festhalten und ausführen, die an-
gefochtene Verfügung des SEM müsse "zwingend" aufgehoben werden.
L.
Am 11. Juni 2020 liess der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer zur
Vervollständigung seiner Akten eine Kopie des Beweismittelumschlags des
SEM zukommen.
M.
Mit weiteren Schreiben vom 5. Oktober 2020, 5. März 2021 und 26. März
2021 machte der Beschwerdeführer das Gericht auf seine jüngste Recht-
sprechung aufmerksam. Er beantragte unter Hinweis auf andere (ähnlich
gelagerte) Verfahren, die Akten seien dem SEM erneut zur Vernehmlas-
sung zu überweisen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor,
weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. Nachdem das Verfahren spruchreif
ist, besteht keine Veranlassung für einen weiteren Schriftenwechsel (wie
vom Beschwerdeführer beantragt).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Das SEM begründete den ablehnenden Asylentscheid vom 11. März
2020 damit, dass die Wehrdienstverweigerung des Beschwerdeführers
vorliegend keine asylrechtlich relevanten Auswirkungen gezeitigt habe.
Zunächst sei seine Dienstpflicht letztmals bis zum (...) 2015 auf-
geschoben worden. Sodann weise er keine zusätzlichen spezifischen
Risikofaktoren auf, welche ein politisches Profil zu begründen vermöchten.
Zwar habe er ausgesagt, er habe von 2011 bis 2013 sowie im Jahr 2014
an diversen Demonstrationen teilgenommen, ohne dabei eine spezielle
Rolle einzunehmen, und habe mit seinem Motorrad verletzte Personen
transportiert. Er habe deswegen aber keine Probleme mit den heimatlichen
Behörden gehabt und es seien auch keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass
er deswegen in den Fokus der Behörden geraten wäre. Hierfür spreche
auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer angegeben habe, er habe
sich bei seiner Rückkehr nach Syrien (...) 2015 einen Pass ausstellen las-
sen. Auch die behördliche Suche nach seinem Bruder wegen seiner Wehr-
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dienstverweigerung sowie die deswegen erfolgten Behelligungen der Fa-
milie hätten sich mit der Ausreise des Bruders im Jahr 2014 erübrigt. Folg-
lich würden allfällige Sanktionen wegen der Wehrdienstverweigerung keine
Verfolgung im Sinn von Art. 3 AsylG darstellen, weshalb er die Flüchtlings-
eigenschaft nicht erfülle und sein Asylgesuch abzuweisen sei.
3.2
3.2.1 In seiner Beschwerdeschrift rügte der Beschwerdeführer in formeller
Hinsicht, das SEM habe seinen Anspruch auf Akteneinsicht, seine Akten-
führungspflicht und seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Bei
den internen Akten A24 und A25 handle es sich offenbar um interne Noti-
zen, aus welchen hervorgehe, aus welchen Gründen die Anweisungen des
Bundesverwaltungsgerichts in der Kassation vom 19. Juni 2019 nicht um-
gesetzt worden seien. Es müsse deshalb Einsicht in diese Akten gewährt
werden. Weiter sei die Bezeichnung dieser Akten mangelhaft, da gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts aus der Paginierungsbeschreibung
einer Aktennotiz deren Gegenstand ersichtlich sein müsse. Das SEM habe
zudem in der neuen Verfügung auf angebliche länderspezifische Quellen
Bezug genommen, welche sich nicht in den Akten befinden würden, und
es seien alte Quellen aufgelistet worden, die bereits im Zeitpunkt der Ver-
fügung vom 5. April 2019 bestanden hätten. Bereits in der Beschwerde
vom 9. Mai 2019 sei die Einsicht in den Beweismittelumschlag verlangt
worden, was weiterhin durch das SEM unterlassen worden sei. Dies er-
weise sich als besonders stossend, weil sich die Vorinstanz in ihrer Verfü-
gung ausdrücklich auf die bei den Akten liegende Reisepasskopie beziehe.
Damit habe das SEM auch seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
3.2.2 Ausserdem sei es in der angefochtenen Verfügung unterlassen wor-
den, seine Tätigkeiten wie der Transport verletzter Personen oder die Teil-
nahme an Demonstrationen als spezifische Risikofaktoren zu würdigen.
Die Begründungspflicht werde vom SEM verletzt durch den fehlenden Ein-
bezug der Ausführungen in der Beschwerde vom 9. Mai 2019, durch die
Verwendung nicht mehr aktueller Quellen und die fehlende Erwähnung ei-
nes Dokuments vom 20. Juni 2019 von D._. Die Quellen seien of-
fenzulegen, damit ersichtlich werde, worauf die Vorinstanz ihre
Praxisänderung stütze. Das SEM habe es zu Unrecht auch unterlassen,
eine konkrete Abgrenzung zwischen der Feststellung der Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs und der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
vorzunehmen sowie die Ausgangslage gemäss BVGE 2015/3 zu würdigen.
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3.2.3 Zudem habe die Vorinstanz die Pflicht zur vollständigen und richtigen
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts verletzt. Sie habe die An-
weisungen des Bundesverwaltungsgerichts im Urteil vom 19. Juni 2019
nicht umgesetzt, zumal aus den Akten nicht hervorgehe, dass weitere Ab-
klärungen vorgenommen worden seien. Nicht erwähnt und gewürdigt wor-
den sei zudem seine politische Aktivität in der Schweiz.
3.2.4 Mit der Verschleppung des Verfahrens, der erst nach eineinhalb Jah-
ren durchgeführten Anhörung und der verweigerten Entgegennahme der
angebotenen Fotografien habe das SEM die Abklärungspflicht verletzt. Es
dränge sich deshalb die erneute Aufhebung der angefochtenen Verfügung
auf.
3.2.5 Gerügt werde sodann die Verletzung von Art. 3 AsylG und Art. 9 BV.
Diesbezüglich führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, es sei
inzwischen offensichtlich, dass faktisch jeder militärfähige Mann in Syrien
das Profil erfülle, um vom syrischen Regime als Dienstverweigerer oder
Deserteur gezielt asylrelevant verfolgt zu werden. Auch er selber gelte in
seinem Heimatstaat als Staatsfeind und Landesverräter, weil er sich poli-
tisch betätigt sowie an Demonstrationen teilgenommen habe, verletzte
Personen – unter anderem Angehörige der FSA – transportiert habe und
sich dem Militärdienst entzogen habe. Er sei folglich wegen seines politi-
schen Profils von den heimatlichen Behörden gesucht worden. Er habe je-
denfalls nie erwähnt, er sei mit Sicherheit lediglich aufgrund des Militär-
dienstes gesucht worden. Es sei deshalb und aufgrund seiner Herkunft aus
Daraa (einem Gebiet, in welchem die FSA Einfluss gehabt habe, heute
aber wieder unter der Kontrolle des Regimes stehe) offensichtlich, dass er
schwerer misshandelt werden würde als andere Dienstverweigerer und
damit vorliegend ein Polit-Malus zu bejahen sei. Hinzu komme, dass er in
der Schweiz politisch aktiv sei und auch sein Bruder gezielt vom syrischen
Regime verfolgt werde.
3.3 In der Vernehmlassung stellte sich das SEM auf den Standpunkt, dass
die Beschwerdeschrift weitgehend identisch sei mit der Beschwerde vom
9. Mai 2019, wozu es bereits Stellung genommen habe. Es seien keine
konkreten Beweismittel eingereicht worden, vielmehr begnügten sich der
Beschwerdeführer und sein Rechtsvertreter mit allgemeinen Ausführungen
zum Asylverfahren in der Schweiz sowie zum Umgang mit syrischen Asyl-
suchenden. Auch sei die Rüge unbegründet, das SEM habe keine weiteren
Instruktionsmassnahmen veranlasst und damit weiterhin den Sachverhalt
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nicht vollständig festgestellt: Das SEM sei mit der neu erlassenen Verfü-
gung dem Abklärungsauftrag des Bundesveraltungsgerichts genügend
nachgekommen.
3.4 In seiner Replik vom 3. Juni 2020 bemängelt der Beschwerdeführer,
das SEM habe sich trotz entsprechender Anweisung durch das Bundes-
verwaltungsgericht weiterhin geweigert, einen Beweismittelumschlag zu
erstellen und ihm Einsicht in diesen zu gewähren, womit eine Auflistung
der Beweismittel fehle. Weiter habe ihm das SEM lediglich die Kopie einer
einzigen Seite des syrischen Reisepasses zukommen lassen. Es habe
ausserdem weder Übersetzungen der eingereichten Beweismittel erstellen
lassen noch ihm eine Frist zur Einreichung von solchen gesetzt. Es gehe
nicht an, dass sich das SEM in seiner Vernehmlassung auf die Beschwerde
vom 9. Mai 2019 respektive auf seine Vernehmlassung im vorangegange-
nen Verfahren berufe. Mit der Aufhebung der Verfügung des SEM vom
5. April 2019 durch das Urteil vom 19. Juni 2019 sei nämlich lediglich der
angefochtene Entscheid vom 11. März 2020 zu beurteilen. Das SEM habe
insbesondere den rechtserheblichen Sachverhalt weiterhin nicht genügend
abgeklärt, womit eine weitere Kassation der angefochtenen Verfügung not-
wendig sei.
4.
4.1 Vorab werden die verfahrensrechtlichen Rügen behandelt – soweit dies
nicht bereits in der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts
vom 24. April 2020 geschehen ist.
4.2
4.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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4.2.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht
bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und
aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsma-
xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für
die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl.
dazu CHRISTOPH AUER / ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019,
Art. 12 N 16).
4.2.3 Die Begründungspflicht beinhaltet nicht, dass sich die Behörde mit
sämtlichen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes
einzelne Vorbringen ausdrücklich abhandeln oder widerlegen muss. Ge-
mäss Praxis darf sich die entscheidende Behörde auf die für den Entscheid
wesentlichen Argumente beschränken. Die Begründung genügt den ver-
fassungsrechtlichen Ansprüchen, wenn sich der Betroffene über die
Gründe und die Tragweite des Entscheides Rechenschaft ablegen und die-
sen in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann
(vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188; RHINOW ET AL, Öffentliches Prozess-
recht, 2. Aufl. 2010, Rz. 345).
4.3
4.3.1 Hinsichtlich der dem SEM vorgeworfenen Verletzung der Aktenein-
sicht sowie Aktenführungspflicht ist auf die Verfügungen des Instruktions-
richters vom 24. April 2020 sowie 11. Juni 2020 und auch die Vernehmlas-
sung des SEM vom 8. Mai 2020 zu verweisen. Damit hat das SEM seine
Aktenführungspflicht – wenn auch teilweise erst nachträglich – wahrge-
nommen, und es wurde dem Einsichtsrecht des Beschwerdeführers Ge-
nüge getan. Die Akten A24 und A25 (betreffend die Verwaltung der Daten
im Zentralen Migrationssystem und die administrative Registrierung der
dem SEM vom Bundesverwaltungsgericht auferlegten Parteientschädi-
gung) hat das SEM zu Recht als interne Akten qualifiziert, zumal sie in kei-
nem Zusammenhang zu den Asylgründen stehen und keinerlei Auswirkun-
gen auf den Ausgang des Asylverfahrens möglich sind. Der Beschwerde-
führer hat durch die soeben erfolgte Beschreibung der internen Aktenstü-
cke hinreichend Kenntnis von deren Inhalt erhalten; allerdings wäre in der
Tat eine etwas klarere Beschreibung der Akten im Aktenverzeichnis durch-
aus wünschenswert gewesen.
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4.3.2 Die Rüge des Beschwerdeführers, das SEM habe seine Ausführun-
gen in der Beschwerde vom 9. Mai 2019 nicht berücksichtigt, nicht mehr
aktuelle Quellen verwendet und ein Dokument vom 20. Juni 2019 von
D._ nicht erwähnt, erweisen sich als unbegründet: Einerseits geht
aus der angefochtenen Verfügung hervor, dass sich das SEM nicht auf die-
ses Dokument, sondern auf andere Quellen zur Lage in Syrien stützt (vgl.
Verfügung vom 11. März 2020 S. 3). Da auch aus den Akten nicht hervor-
geht, dass sich das SEM auf diese Notiz stützt, ist nicht weiter darauf ein-
zugehen. Die Vorinstanz stützte sich bei ihrer Einschätzung der Situation
auf allgemeine und öffentlich zugängliche Informationsquellen, bei welchen
das SEM keine Offenbarungspflicht trifft. Inwiefern die Quellen der Vo-
rinstanz (aus den Jahren 2017–2019), auf welche sich diese gestützt habe,
veraltet sein sollen, hat der Beschwerdeführer nicht dargetan. Vielmehr
verweist er selber auf einen aus dem Jahre 2017 stammenden Bericht, der
seiner Ansicht nach "keinesfalls an Aktualität verloren" habe (vgl. Be-
schwerde S. 23).
4.3.3 Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung des
SEM nicht teilt, bedeutet noch nicht, dass die Vorinstanz seine prozessua-
len Rechte oder ihre prozessualen Pflichten verletzt hätte. So stellt insbe-
sondere das Vorbringen, das SEM habe sich nicht an der aktuellen Praxis
orientiert und sich nicht auf aktuelle Quellen abgestützt, eine Kritik an der
Würdigung des Sachverhalts durch das SEM dar (vgl. dazu Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 3.2.3 [als Refe-
renzurteil publiziert]).
4.3.4 Soweit der Beschwerdeführer dem SEM vorwirft, es habe keine wei-
teren Abklärungen vorgenommen und damit die Anweisungen im Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Juni 2019 nicht umgesetzt, verkennt
er, dass aus der ersten Verfügung des SEM vom 5. April 2019 nicht her-
vorging, ob sich die Vorinstanz mit sämtlichen Sachverhaltselementen aus-
einandergesetzt hatte. In der angefochtenen Verfügung vom 11. März 2020
hingegen wurden nun die durch den Beschwerdeführer geltend gemachten
Vorbringen im Wesentlichen erfasst und gewürdigt. Den Akten ist nicht zu
entnehmen, dass weitere Abklärungen nötig gewesen wären. Es liegt somit
keine Verletzung der Abklärungspflicht vor. Auch von einer "Verschleppung
des Verfahrens" (vgl. Beschwerde S. 18) kann keine Rede sein.
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4.3.5 Der Vorwurf, das SEM habe anlässlich der Anhörung die Abnahme
von Beweismitteln betreffend seine politischen Aktivitäten in der Schweiz
verweigert, geht ebenfalls ins Leere: Anlässlich seiner Anhörung machte
der Beschwerdeführer unter anderem auf seine Teilnahme an Demonstra-
tionen in Genf aufmerksam und zeigte auf seinem Mobiltelefon gespei-
cherte entsprechende Fotografien vor, die ihn an diesen Veranstaltungen
zeigen würden. Die SEM-Mitarbeiterin nahm diese Bilder zur Kenntnis und
verbalisierte den Vorgang im Anhörungsprotokoll in transparenter Weise
(vgl. A11 F115). Von einer Nichtabnahme von Beweismitteln kann nicht die
Rede sein; vielmehr hat die SEM-Mitarbeiterin die Bilder offenkundig als
zur Klärung des Sachverhalts nicht tauglich respektive als flüchtlingsrecht-
lich nicht relevant qualifiziert (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE
136 I 229 E. 5.3, BGE 134 I 140 E. 5.3). Es ist demnach auch insoweit
keine Verletzung der Abklärungspflicht ersichtlich.
4.3.6 Das SEM hat sich mit den wesentlichen Vorbringen des Beschwer-
deführers auseinandergesetzt und eine sachgerechte Anfechtung des Asy-
lentscheids war vorliegend offensichtlich möglich.
4.3.7 Soweit in der Replik die Vernehmlassung des SEM als inhaltlich un-
genügend kritisiert wird, beschränkt sich das Gericht auf die Feststellung,
dass die Vorinstanz das Recht, nicht die Pflicht hat, überhaupt eine Stel-
lungnahme gemäss Art. 57 Abs. 1 VwVG abzugeben.
4.3.8 Dass dem Beschwerdeführer "lediglich die Kopie einer einzigen Seite
des syrischen Reisepasses" zugestellt hat, liegt im Übrigen offensichtlich
daran, dass der Beschwerdeführer beim SEM nur diese kopierte Seite zu
den Akten gereicht hat. (vgl. A6 S. 6: "Remarque : la copie du passeport ne
contient qu'une page avec le nom du requérant, sa date de naissance, son
lieu de naissance, son sexe, les noms de ses parents et le numéro du
document."). Die diesbezügliche Rüge des Beschwerdeführers ist un-
verständlich.
4.3.9 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefoch-
tene Verfügung erneut aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Rechtsbegehren ist
abzuweisen.
E-2042/2020
Seite 13
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung
oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete
Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-
tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts vermag
eine allfällige Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht per se die
Flüchtlingseigenschaft zu begründen, sondern nur verbunden mit einer
Verfolgung im Sinn von Art. 3 Abs. 1 AsylG. Die betroffene Person muss
aus den in dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität,
Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische An-
schauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine
Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss
Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. In Bezug auf die spezifische Situation in
Syrien erwog das Gericht weiter, die genannten Voraussetzungen seien im
Falle eines syrischen Refraktärs erfüllt, welcher der kurdischen Ethnie an-
gehöre, einer oppositionell aktiven Familie entstamme und bereits in der
Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheits-
kräfte auf sich gezogen habe (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7.3).
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Seite 14
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht einig mit den Ausführungen des
SEM in der angefochtenen Verfügung, wonach die Vorbringen des Be-
schwerdeführers – ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit – als flücht-
lingsrechtlich nicht relevant zu qualifizieren sind. Der Beschwerdeführer
brachte an der Anhörung vor, er habe nie ein Militärdienstaufgebot erhalten
und sei auch nie persönlich von den heimatlichen Behörden in diesem
Zusammenhang kontaktiert worden. Vielmehr habe er aufgrund seines
Studiums den Militärdienst aufgeschoben, letztmals bis (...) 2015. Seinen
Angaben zufolge waren weder er noch seine Angehörigen vor seiner Aus-
reise politisch tätig oder hatten anderweitige Probleme mit den heimatli-
chen Behörden (vgl. A6 S. 8). Der Beschwerdeführer verliess den Heimat-
staat zunächst im Jahr 2013 und kehrte Anfang des Jahres 2015 nach
Syrien zurück. Anlässlich dieses Aufenthalts habe er einen Pass ausstellen
lassen (vgl. A6 S. 5). Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise den heimatlichen Behör-
den als regimefeindlich bekannt war. In diesem Zusammenhang kann so-
mit auf die zutreffenden Ausführungen des SEM verwiesen werden (vgl.
Verfügung vom 11. März 2020 S. 4).
6.3 Gemäss Praxis führt weder eine illegale Ausreise aus Syrien noch das
Stellen eines Asylgesuchs im Ausland zur begründeten Furcht, bei einer
Rückkehr in das Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu werden. Angesichts
der Tatsache, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise keiner
Verfolgungssituation ausgesetzt war, und weder bei ihm noch bei seiner
Familie eine besondere politische Exponiertheit vorliegt, ist das Vorliegen
konkreter Indizien für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger
Verfolgung im Sinn der Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie
BVGE 2011/50 E. 3.1.1) auch in dieser Hinsicht zu verneinen.
6.4 Daran vermag der Umstand nichts zu ändern, dass der Beschwerde-
führer aufgrund seiner längeren Landesabwesenheit bei einer (angesichts
seiner vorläufigen Aufnahme in der Schweiz) hypothetischen Wiederein-
reise in Syrien wahrscheinlich einer Befragung durch die heimatlichen Be-
hörden unterzogen würde.
6.5 Ferner hat er auch nicht geltend gemacht, er sei exilpolitisch in beson-
ders exponierter Weise in Erscheinung getreten (vgl. A11 F115 f. und Be-
schwerde S. 21), weshalb auch unter diesem Gesichtspunkt nicht davon
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auszugehen ist, er könnte nach einer Rückkehr als regimefeindliche Per-
son ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten (vgl. Urteil des BVGer
D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als Referenzurteil publiziert]).
6.6 Der Beschwerdeführer vermag auf Beschwerdeebene mit seinen Hin-
weisen auf verschiedene länderspezifische Berichte in seinen Eingaben
nichts anderes abzuleiten. Nachdem der Asylentscheid des SEM mit der
einschlägigen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts vereinbar ist,
braucht die Rüge des Beschwerdeführers, das SEM sei seiner eigenen
Praxis nicht gefolgt, nicht weiter thematisiert zu werden.
6.7 Auch der Hinweis in der Eingabe des Beschwerdeführers vom 5. Okto-
ber 2020 auf das Urteil BVGer E-2188/2019 vom 30. Juni 2020 (mittler-
weile publiziert unter BVGE 2020 VI/4) vermag nicht zu einem anderen
Schluss zu führen: In diesem Urteil wurde vielmehr die bisherige Recht-
sprechung des Gerichts bestätigt, wonach einem Dienstverweigerer keine
Strafe droht, die mit genügender Wahrscheinlichkeit die Schwelle der Asyl-
relevanz erreicht, wenn keine zusätzlichen exponierenden Faktoren beste-
hen. Eine Prüfung der Vorbringen des Beschwerdeführers hat gerade er-
geben, dass nicht davon auszugehen ist, es drohe ihm in seinem Heimat-
staat Asylrelevanz entfaltende grausame Bestrafung oder Folter (vgl.
E. 6.2). Es handelt sich bei ihm mithin um einen "einfachen Wehrdienstver-
weigerer" ohne einzelfallspezifische Risikofaktoren (Terminologie gemäss
BVGE 2020 VI/4 E. 6.2.5 S. 53 f); dies im Gegensatz zu seinem Lands-
mann, dessen Beschwerdeverfahren im publizierten Entscheid behandelt
wurde (vgl. a.a.O. S. 53).
6.8 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer we-
der (ursprüngliche) Fluchtgründe noch subjektive Nachfluchtgründe glaub-
haft machen oder nachweisen kann. Die Vorinstanz hat zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
6.9 Auch die Eventual-Rechtsbegehren des Beschwerdeführers erweisen
sich damit als unbegründet.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Da das SEM in seiner Verfügung vom 11. März 2020 die vorläufige Auf-
nahme des Beschwerdeführers in der Schweiz infolge Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss auch
Ausführungen zur Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem seinem Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Verfügung vom
24. April 2020 entsprochen wurde und den Akten nicht zu entnehmen ist,
dass sich seine finanzielle Situation seither massgeblich verändert hätte,
ist von der Kostenerhebung abzusehen.
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