Decision ID: 3dac800b-2932-442d-9a77-c90f3bef9455
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) begann am 10. Juli 2006 eine Lehre zum B._
bei der C._. Per 17. August 2007 beendete der Lehrbetrieb dieses Lehrverhältnis
wegen ungenügender Leistung und Arbeitshaltung sowie unentschuldigten Absenzen
(IV-act. 19-1). Vom 1. August 2008 bis 8. März 2009 war der Versicherte für das Hotel
D._ als Kochlehrling tätig, wobei er dieses Lehrverhältnis auflöste (IV-act. 34-1). Vom
14. September bis 14. Dezember 2009 war er als Kochpraktikant für die Pizzeria E._
tätig (IV-act. 37-1). In Zusammenhang mit dieser Tätigkeit anerkannte die Swica
Gesundheitsorganisation (nachfolgend: Swica) als zuständige Unfallversicherung beim
Versicherten am 19. März 2010 ein Handekzem als berufsbedingt an (Fremdakten 1-31
und 1-24 f.). Am 12. April 2010 erliess die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
betreffend den Versicherten eine Nichteignungsverfügung für wiederkehrende
Feuchtarbeiten (Fremdakten 1-5).
A.a.
Auf Aufforderung der Swica hin (Fremdakten 1-25) meldete der Versicherte sich
am 22. April 2010 unter Hinweis auf eine Allergie und offene Wunden an den Händen
sowie eine seit 15. Dezember 2009 bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit für
berufliche Massnahmen bei der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Am 2. Juni
2010 sprach ihm die zuständige IV-Stelle St. Gallen Berufsberatung zu (IV-act. 12).
Diese nahm der Versicherte jedoch in der Folge nicht in Anspruch (vgl. IV-act. 27). Mit
Vorbescheid vom 13. April 2011 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen des Versicherten (IV-act. 47). Die entsprechende
Verfügung erging am 14. Juni 2011 (IV-act. 48).
A.b.
Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, untersuchte den
Versicherten am 28. August 2012 im Auftrag der Staatsanwaltschaft, nachdem er
wegen häuslicher Gewalt in ein Untersuchungsgefängnis gebracht worden war. Der
Psychiater beschrieb abgesehen von einer leichten inneren Unruhe und
psychomotorisch leichtem Zappeln einen unauffälligen Psychostatus. Für die
A.c.
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Impulskontrollstörung des Versicherten komme hauptsächlich eine emotional instabil
impulsive Persönlichkeitsstörung oder ein Aufmerksamkeitsdefizit und
Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) in Frage. Erstere sei aufgrund des gezeigten Verhaltens
im Untersuch und der Lebensgeschichte unwahrscheinlich. Diagnostisch erfülle der
Versicherte die Kriterien für eine Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung. Beim
Versicherten sei noch während des Gesprächs der Therapieversuch mit Ritalin
durchgeführt worden. Dies habe zu einer deutlichen Beruhigung geführt (Fremdakten
3-6 f.). Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen erteilte dem Versicherten mit
Strafbefehl vom 11. Oktober 2012 die Weisung, sich während der zweijährigen
Probezeit psychiatrisch/psychotherapeutisch behandeln zu lassen (vgl. Fremdakten
3-11). Am 1. September 2013 trat der Versicherte eine Arbeitsstelle als
Produktionsmitarbeiter bei der G._, an (IV-act. 77-2). Bis November 2013 befand sich
der Versicherte bei Dr. F._ in Behandlung (vgl. IV-act. 97-1). Am 1. Februar 2014
meldete er sich in der Psychiatrischen Klinik Wil, wo eine komplexe schwierige
psychosoziale Situation festgestellt wurde (IV-act. 97-1). Vom 27. Februar bis 18. April
2014 war der Versicherte in der Psychiatrischen Klinik Wil hospitalisiert. Dem
Austrittsbericht vom 5. Mai 2014 sind die Diagnosen Persönlichkeitsstörung sowie
Störungen durch multiplen Substanzgebrauch: Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig
abstinent, zu entnehmen. Der psychopathologische Status bei Austritt wurde als
äusserlich geordnet, ohne wesentliche kognitive Störungen, ohne psychotische
Störungen, dysphorisch gereizt und affektlabil, mit motorischer Unruhe, leicht erhöhter
Aggressivität und ohne Suizidalität beschrieben (IV-act. 94-4 ff.). Per 7. März 2014
hatte die G._ das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten wegen Unzuverlässigkeit
aufgelöst (IV-act. 77-2). Ab Juni 2014 war der Versicherte bei Dr. med. H._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, in psychiatrischer Behandlung und ab Oktober
2014 in der Psychiatrie St. Gallen Nord, Ambulatorium Wil (nachfolgend: PSGN; vgl. IV-
act. 49-5 sowie Fremdakten 3-13). Am 9. und 15. Dezember 2014 fand in der
psychiatrischen Klinik Wil eine testpsychologische Untersuchung des Versicherten statt
(IV-act. 94-7 bis 14).
Am 26. Januar 2015 meldete der Versicherte sich erneut bei der IV an, diesmal
unter Hinweis auf ein seit mindestens 2012 bestehendes psychisches Leiden (IV-act.
49). Med. pract. I._, PSGN, diagnostizierte mit Bericht vom 18. März 2015 und unter
A.d.
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Hinweis auf die testpsychologische Untersuchung vom 9. Dezember 2014 eine
rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradig mit somatischem
Syndrom, Agoraphobie mit Panikstörung, sonstige dissoziative Störung, DD:
Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis, akzentuierte Persönlichkeitszüge
(Borderline, paranoid/ schizotyp, selbstunsicher). Sie erachtete den Versicherten per
sofort als 50% arbeitsfähig. Als Einschränkungen nannte sie Konzentrationsstörungen,
verminderten Selbstwert, wenig Flexibilität und Kritikfähigkeit sowie Ängste, welche
sich psychosomatisch auswirken mit Übelkeit und Erbrechen. Dies führe dazu, dass
der Versicherte bei der Arbeit rasch entmutigt, dann gereizt sei. Er sei
frustrationsintolerant bzw. wenig kritikfähig, reagiere mit psychosomatischen
Symptomen, was zu Fehlzeiten führe (IV-act. 57-1 und 3). Am 1. Juni 2015 fand ein
Gespräch zwischen dem Versicherten und einer Eingliederungsverantwortlichen der IV
statt (IV-act. 66). In der Folge unterzeichneten der Versicherte, die IV-
Eingliederungsberaterin und eine Vertreterin der Q._, einen Eingliederungsplan für
eine berufliche Abklärung im Rahmen eines Einsatzprogramms vom 13. Juli bis 9.
Oktober 2015 (IV-act. 69; vgl. auch Mitteilung der IV-Stelle vom 15. Oktober 2015 in IV-
act. 83). Wegen häufiger Absenzen und aufgrund privater Belastung wurde dieses
Einsatzprogramm per 16. September 2015 abgebrochen (IV-act. 74-5 f.). Die
Programmleitung hielt im Beurteilungsbogen fest, der Versicherte stehe derzeit in
Scheidung, was ihn psychisch stark belaste. Bei persönlicher Überforderung reagiere
er schnell mit Bauchschmerzen, was psychosomatisch bedingt sein könnte. Im
Arbeitsprozess sei ein ambivalentes, depressives Verhalten festgestellt worden,
welches sich negativ auf die Leistung und Arbeitsmotivation auswirke. Insbesondere
löse Kritik in ihm ein aggressives Verhalten aus. Der Versicherte vermöge an Tagen
guten psychischen Wohlbefindens eine Leistung und Qualität dem 1. Arbeitsmarkt
entsprechend zu erbringen (IV-act. 73-5). Am 15. Oktober 2015 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass er keinen Anspruch auf (weitere) berufliche Massnahmen habe
(IV-act. 82).
Med. pract. I._ erklärte mit Verlaufsbericht vom 9. Februar 2016, der Versicherte
sei aktuell wieder in ambulanter Behandlung. Es sei ihm keine Arbeitstätigkeit
zumutbar. Dies, weil er aufgrund von Übelkeit und Erbrechen (wahrscheinlich im
Zusammenhang mit einer Angstsymptomatik) nicht erscheinen könne und mit
A.e.
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Autoritäten und Vorgesetzten rasch in Konflikt komme. Neu stellte sie die Diagnose
einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit Borderline-, paranoiden/schizotypen,
selbstunsicheren und antisozialen Anteilen (IV-act. 91-2 und 4 f.). Auf Nachfrage der IV-
Stelle hin erklärte sie am 5. April 2016 bezüglich der Plausibilität einer
Persönlichkeitsstörung im Hinblick auf die Entwicklung in der Kindheit und Jugend,
leider würden die Eltern widersprüchliche Aussagen machen zur Kindheit und Jugend
des Versicherten. Aufgrund der beiden durchgeführten Elterngespräche scheine ihr die
Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung plausibel. Hinsichtlich eines ideal adaptierten
Arbeitsplatzes führte sie aus, es müsste mit der vorgesetzten Stelle ein
Vertrauensverhältnis aufgebaut werden können (IV-act. 94-2). Am 29. August 2016 fand
ein weiteres Gespräch zwischen dem Versicherten und der IV-Eingliederungsberaterin
statt (IV-act 157-2). Im Oktober 2016 unterzeichneten der Versicherte, die IV-Stelle und
die Werkstätten J._ einen Eingliederungsplan berufliche Abklärung vom 17. Oktober
2016 bis 6. Januar 2017 (IV-act. 107; vgl. entsprechende Mitteilung der IV-Stelle vom
10. Oktober 2016 in IV-act. 110). Diese berufliche Abklärung wurde per 20. Dezember
2016 wegen Knieproblemen des Versicherten abgebrochen (IV-act. 122, 123 und 126).
Dr. med. K._, Orthopädie Rosenberg stellte am 26. Januar 2017 die Diagnosen
muskuläre Insuffizienz bei Genua recurvatum sowie asymptomatische Plica
mediopatellaris Kniegelenk links und attestierte dem Versicherten eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 132). Im Februar 2017 wurde die Wiederaufnahme der
beruflichen Abklärung in den Werkstätten J._ per 13. März 2017 vereinbart, wobei die
Massnahme bis 2. Juni 2017 dauern sollte (IV-act. 138; vgl. entsprechende Mitteilung
der IV-Stelle vom 9. März 2017 in IV-act. 141). Diese berufliche Abklärung wurde per
10. Mai 2017 wegen Absenzen des Versicherten aufgrund von Knieschmerzen sowie
persönlichen, familiären Problemen abgebrochen (vgl. IV-act. 151 sowie Mitteilung der
IV-Stelle vom 11. Juli 2017 in IV-act. 154). Am 2. Juni 2017 berichtete der den
Versicherten neu behandelnde Psychiater med. pract. L._ von der PSGN zusammen
mit med. pract. I._, der Patient könne aufgrund von Angstsymptomatik,
Selbstwertproblemen, Vermeidungsverhalten sowie somatischen Beschwerden (Knie)
nicht regelmässig zur Arbeit erscheinen. Ihm sei keine Tätigkeit zumutbar. Als
Diagnosen nannte er mit Ausnahme der nicht mehr erwähnten rezidivierenden
depressiven Störung dieselben wie seine Vorgängerin (IV-act. 150-2 bis 4).
A.f.
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B.
Zwischen dem 7. November 2017 und dem 24. Februar 2018 wurde der
Versicherte im Auftrag der IV-Stelle durch die IME - Interdisziplinäre Medizinische
Expertisen, St. Gallen, psychiatrisch, orthopädisch und neuropsychologisch abgeklärt
(IV-act. 178-1; vgl. auch IV-act. 168 ff. zum unentschuldigten Fernbleiben des
Versicherten von zwei Terminen). Die begutachtenden Fachärzte erhoben keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit seien eine muskuläre Insuffizienz bei Genu revurvatum links mit
symptomatischer Plica medipatellaris sowie eine im Erwachsenenalter persistierende
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung mit unter Behandlung weitgehend
kompensierbaren Fähigkeitsstörungen (IV-act. 178-2). Diesbezüglich hielten sie fest,
dass der Versicherte in unbehandeltem Zustand gehandicapiert sei bei repetitiven
Tätigkeiten und solchen, die anhaltend hohe Konzentrationserfordernisse mit sich
bringen würden wie z.B. Fliessbandarbeit oder Büroarbeit. Leidensgerecht seien
abwechslungsreiche Tätigkeiten ohne hohe Anforderungen an die Konzentration und
Aufmerksamkeit wie z.B. Gartenarbeiten (IV-act. 178-2 f.).
A.g.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) beurteilte dieses Gutachten am 15. März
2018 als ausführlich, in sich schlüssig und nachvollziehbar und hielt fest, es werde dem
Versicherten auch in unbehandeltem Zustand Arbeitsfähigkeit attestiert (IV-act. 179).
A.h.
Mit Vorbescheid vom 22. März 2018 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf
berufliche Eingliederungsmassnahmen und Rentenleistungen (IV-act. 182). Am 24. Mai
2018 verfügte sie entsprechend dem Vorbescheid (IV-act. 185).
A.i.
Gegen diese Verfügung vom 24. Mai 2018 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 15. Juni 2018. Darin macht der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) geltend, er habe die Massnahmen nicht freiwillig
aufgehört, sondern wegen seines Knies. Das mit seinem Knie werfe ihn auch psychisch
zurück (act. G 1).
B.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 8. August 2018
die Abweisung der Beschwerde (act. G 6).
B.b.
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Erwägungen
1.
In der angefochtenen Verfügung vom 24. Mai 2018 verneinte die Beschwerdegegnerin
sowohl den Anspruch auf jegliche (weiteren) beruflichen Massnahmen als auch den
Rentenanspruch (IV-act. 185). Angesichts der sich nicht auf den einen oder anderen
Leistungsanspruch beschränkenden Beschwerdebegründung (vgl. act. G 1) sind
vorliegend sowohl der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Eingliederung als
auch auf eine Rente zu prüfen.
2.
Am 23. August 2018 bewilligte das Versicherungsgericht die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten; act. G 7).
B.c.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben nach Art. 8 Abs. 1
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen soweit diese notwendig und geeignet
sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern, und die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind. Der Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer
Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die
gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Art. 8 Abs.
1bis IVG). Die versicherte Person hat in der Regel nur Anspruch auf die dem jeweiligen
Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die
2.2.
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3.
Streitig und zu prüfen ist im vorliegenden Verfahren vorab die Frage, ob beim
Beschwerdeführer eine invaliditätsrelevante Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen ist. Die
Beschwerdegegnerin hat der angefochtenen Verfügung die gutachterliche
Einschätzung einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit von 100% in der angestammten und
in adaptierten Tätigkeiten zugrunde gelegt (IV-act. 185). Der Beschwerdeführer bringt
dagegen vor, er verstehe überhaupt nicht, wieso ihn sein Knie beim Arbeiten nicht
nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Das Gesetz will die
Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber
auch genügend ist (BGE 132 V 225 E. 4.3.1). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
unter anderem in Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche
Ausbildung, Umschulung und Arbeitsvermittlung, Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, wenn die versicherte Person u.a.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Es besteht ein
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, und auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente
(Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.3.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit die
Erwerbsunfähigkeit bzw. den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
bzw. das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes bzw. der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
256 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend ist
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
2.4.
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behindern sollte. Die Kniebeschwerden würden ihn auch psychisch zurückwerfen (act.
G 1).
3.1 Das orthopädisch-traumatologische Teilgutachten wurde von Dr. med. M._,
Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, erstellt. Dem klinischen
Untersuchungsbefund ist u.a. zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer anlässlich
der Untersuchung ein wiederholtes und sicher anmutendes monopedales rechts- wie
linksseitiges Einbeinhüpfen möglich war. Das Einnehmen der tiefen Hocke sowie das
anschliessende Aufrichten konnte der Beschwerdeführer frei durchführen (IV-act.
178-109). An den Kniegelenken bestand beidseits keine Ergussbildung sowie keine
Kapselschwellung. Bei der Untersuchung der Kniegelenke zeigte sich rechtsseitig ein
Gesamtbewegungsumfang von 5-3-130° und linksseitig ein Genu recurvatum mit
einem Bewegungsausmass von 15-0-130°. Bei der Palpation der Kniescheiben wurde
vom Beschwerdeführer dem Arzt zufolge linksseitig ein auslösbarer Druckschmerz
medial und an der Oberkante der Patella angegeben. Bei maximaler Überstreckung des
linken Kniegelenks habe der Beschwerdeführer eine deutlich vermehrte
Schmerzsymptomatik an der Margo superior der linken Patella angegeben. Die
Kniescheiben waren beidseits zentriert, es bestand keine Patella baja/alta. Bei der
Überprüfung des Patellagleitvermögens zeigte sich insbesondere linksseitig eine
vermehrte Luxationstendenz der Kniescheibe. Das Zeichen nach Zohlen war beidseits
nicht auslösbar. Bei der Überprüfung des Innen- und Aussenbandes zeigte sich
beidseits in Streckung sowie in 10° und 20° Beugung keine kollaterale Instabilität. Bei
der Überprüfung des Knieinnenbandapparates fand sich im Seitenvergleich keine
sagittale Instabilität. Das vordere sowie hintere Kreuzband war klinisch beidseits intakt.
Beidseits liess sich kein Meniskuszeichen auslösen (IV-act. 178-122). Rein klinisch
bestand gemäss Dr. M._ der Verdacht, dass die maximale Streckung des linken
Kniegelenks eine Kompression der Plica mediopatellaris bewirke. Therapeutisch
empfahl der Facharzt daher zunächst ein konsequentes muskuläres Aufbautraining des
M. quadriceps femoris unter physiotherapeutischer Anleitung zur Stabilisierung und
Kräftigung des linken Kniegelenks. Sollte dies wider Erwarten nicht den gewünschten
Benefit bringen, sei eine Arthroskopie des linken Kniegelenkes mit Resektion der Plica
madiopatellaris in Erwägung zu ziehen (IV-act. 178-133). Vor dem Hintergrund, dass
auch der vom Beschwerdeführer wegen der Schmerzen am linken Knie aufgesuchte
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Orthopäde Dr. K._ im Januar 2017 eine vollständige Arbeitsfähigkeit feststellte (IV-
act. 132), und der Beschwerdeführer darüber hinaus aktenkundig nicht in Behandlung
war wegen seiner Kniebeschwerden, bestehen keinerlei Zweifel an der von Dr. M._
festgestellten vollständigen Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht (IV-act. 178-134).
3.2 Im psychiatrischen Teilgutachten kam Prof. Dr. med. habil. N._, Facharzt für
Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, SSIPM Interventionelle
Schmerztherapie, SGV Vertrauensarzt und zertifizierter medizinischer Gutachter SIM -
wie bereits der den Beschwerdeführer von August 2012 bis November 2013
behandelnde Psychiater Dr. F._ (vgl. Fremdakten 3-6, IV-act. 97-1) - zum Schluss,
dass der Beschwerdeführer an einem ADHS leide. Die vom Beschwerdeführer
beschriebenen und in der Akte dokumentierten Auffälligkeiten seien konsistent mit
dieser Diagnose. Weitere Diagnosen erhob der Experte nicht. Hinweise auf eine
Persönlichkeitsstörung lagen ihm zufolge nicht vor. Der Beschwerdeführer war gemäss
Gutachter in den Persönlichkeitsmerkmalen erstaunlich reif und präsentierte sich
differenziert im Untersuch. Die den Akten zu entnehmende Unzuverlässigkeit des
Beschwerdeführers könnte auf den von med. pract. I._ beschriebenen unsicher-
vermeidenden Umgangsstil der Eltern des Beschwerdeführers zurückzuführen sein. Der
Beschwerdeführer weise keine krankheitsbedingten Einschränkungen seiner
psychischen Handlungsfähigkeit in der freien Willensbildung auf (IV-act. 178-79 f.).
Diese Untersuchungsergebnisse lassen sich mit der Feststellung des behandelnden
Psychiaters im jüngsten aktenkundigen Bericht der PSGN vom 2. Juni 2017, dass der
Beschwerdeführer in letzter Zeit einen besseren Umgang mit Autoritätspersonen habe
und seine Impulsivität besser steuern könne, vereinbaren (IV-act. 150-2). Betreffend die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erklärte Dr. N._, dass die Symptome des
ADHS durch eine gezielte leitliniengerechte Behandlung weitgehend besserbar wären.
In unbehandeltem Zustand sei der Beschwerdeführer gehandicapiert bei repetitiven
Tätigkeiten und solchen, die anhaltend hohe Konzentrationserfordernisse mit sich
bringen würden wie z.B. Fliessbandarbeit oder Büroarbeit. Leidensgerecht seien
abwechslungsreiche Tätigkeiten ohne hohe Anforderungen an die Konzentration und
Aufmerksamkeit wie z.B. Gartenarbeiten (IV-act. 178-2 f. sowie 178-80). Diese
Einschätzung lässt sich aufgrund der medizinischen Aktenlage, insbesondere auch der
neuropsychologischen Abklärung durch dipl. psych. O._, Fachpsychologin für
Neuropsychologie FSP (vgl. IV-act. 178-85 bis 90), nachvollziehen (vgl. IV-act. 178-76
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bis 82). Zu Recht hat der Gutachter bei seiner Einschätzung psychosoziale
Belastungsfaktoren ausgeblendet (IV-act. 178-79), welche den Akten zufolge bei den
beiden Abbrüchen der beruflichen Abklärungsprogramme jeweils eine grosse Rolle
gespielt haben (vgl. IV-act. 74-5 f. sowie 151).
3.3 Insgesamt ist in Übereinstimmung mit der zuständigen Ärztin vom RAD (vgl. IV-act.
179) festzuhalten, dass auf das IME-Gutachten abgestellt werden kann. Folglich ist von
einer vollständigen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen, wobei ihm in
unbehandeltem Zustand aufgrund des ADHS keine repetitiven Tätigkeiten und keine
Tätigkeiten mit anhaltend hohem Konzentrationserfordernis zuzumuten sind.
4.
Da gemäss Aktenlage keine die Ausbildungs- oder Arbeitsfähigkeit einschränkenden
Gesundheitsschädigungen vorliegen, sind keine weiteren beruflichen Massnahmen
angezeigt (vgl. vorstehend E. 2.2 und 3.3). Weil sodann die Erwerbsfähigkeit des
Beschwerdeführers nicht eingeschränkt ist, besteht auch kein Anspruch auf
Rentenleistungen (vgl. vorstehend E. 2.3 und 3.3). Folglich hat die Beschwerdegegnerin
einen (weiteren) Anspruch auf berufliche Massnahmen und auf Rentenleistungen zu
Recht verneint.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 24. Mai 2018 nicht zu
beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege zugesprochen (act. G 7). Er
hat somit Anspruch auf Befreiung von den Verfahrenskosten.
5.3 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
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Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).