Decision ID: c8cab215-edd9-4cad-82e9-9e07f03e15db
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 19. Dezember 2013 (GG130160)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 17. Juni 2013 ist die-
sem Urteil beigeheftet (Urk. 38).
Urteil der Vorinstanz:
1. a) Der Beschuldigte A._ ist schuldig der schweren Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 StGB.
b) Der Beschuldigte B._ ist nicht schuldig und wird vom Vorwurf der
versuchten schweren und der einfachen Körperverletzung freigesprochen.
2. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten A._ wird aufgescho-
ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber dem Mitbe-
schuldigten und Privatkläger B._ aus dem eingeklagten Ereignis dem
Grundsatze nach schadenersatz- und genugtuungspflichtig ist. Zur genauen
Feststellung des Umfanges der Zivilansprüche wird der Privatkläger B._
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 930.90 Auslagen Untersuchung
Fr. 1'500.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 8'532.00 amtliche Verteidigung
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-
men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
A._ zur Hälfte auferlegt. Die andere Hälfte wird auf die Staats- bzw. Ge-
richtskasse genommen.
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7. Dem Beschuldigten B._ wird für seine Vertretung im Strafverfahren eine
Entschädigung von Fr. 12'500.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung für den Beschuldigten A._ werden
auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Ver-
teidigung wird mit separater Verfügung entschieden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten und Privatklägers A._:
(Urk. 78)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 19. Dezember 2013 sei auf-
zuheben.
2. Der Beschuldigte sei freizusprechen.
3. Eventualiter sei der Beschuldigte wegen fahrlässiger Körperverletzung
zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à CHF 30.00 unter
Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren zu verurteilen.
4. Der Beschuldigte B._ sei angemessen zu bestrafen und er sei zu
verpflichten, dem Beschuldigten A._ eine Genugtuung von CHF
100.00 zu bezahlen.
5. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Privatklägers sei-
en vollumfänglich abzuweisen eventualiter auf den Zivilweg zu verwei-
sen.
6. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien ausgangsgemäss auf die
Staatskasse zu nehmen, respektive dem Beschuldigten B._ auf-
zuerlegen.
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b) Der Verteidigung des Beschuldigten und Privatklägers B._:
(Urk. 80)
1. Der Beschuldigte A._ sei der schweren Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 StGB schuldig zu sprechen und hierfür angemessen zu
bestrafen;
2. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte A._ gegenüber
B._ aus dem eingeklagten Ereignis vom 11. Februar 2012 dem
Grundsatze nach schadenersatz- und genugtuungspflichtig ist. Zur ge-
nauen Feststellung des Schadenersatz- und Genugtuungsanspruches
sei B._ auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen;
3. Der Beschuldigte B._ sei vom Vorwurf der versuchten schweren
und der einfachen Körperverletzung freizusprechen und der Privatklä-
ger A._ sei mit seinen allfälligen Zivilforderungen auf den Zivilweg
zu verweisen;
4. Dem Beschuldigten B._ sei für seine Vertretung in der Untersu-
chung und im erstinstanzlichen Verfahren eine Entschädigung aus der
Gerichtskasse von Fr. 12'500.– zuzusprechen;
5. Dem Beschuldigten B._ sei für seine Vertretung im Verfahren vor
Obergericht eine Entschädigung aus der Gerichtskasse von Fr.
3'965.55 zuzusprechen;
6. Es seien die Kosten der Untersuchung und des erst- sowie zweitin-
stanzlichen Verfahrens ausgangsgemäss hinsichtlich des Beschuldig-
ten A._ dem Beschuldigten A._ aufzuerlegen und hinsichtlich
des Beschuldigten B._ auf die Staatskasse zu nehmen.
c) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 70)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Der Beschuldigte und Privatkläger A._ (nachfolgend Beschuldigter
A._ genannt) wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung -
Einzelgericht, vom 19. Dezember 2013 der schweren Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 StGB schuldig gesprochen. Er wurde mit einer bedingten Freiheits-
strafe von 10 Monaten bestraft. Die Probezeit wurde auf 3 Jahre festgesetzt. Der
Beschuldigte und Privatkläger B._ (nachfolgend Beschuldigter B._ ge-
nannt) wurde vom Vorwurf der versuchten schweren und der einfachen Körper-
verletzung freigesprochen. Sodann wurde festgestellt, dass der Beschuldigte
A._ gegenüber dem Beschuldigten B._ aus dem eingeklagten Ereignis
dem Grundsatze nach schadenersatz- und genugtuungspflichtig ist. Zur genauen
Feststellung des Umfanges der Zivilansprüche wurde der Beschuldigte B._
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 64).
Das vorinstanzliche Urteil wurde den Beschuldigten anlässlich der Haupt-
verhandlung vom 19. Dezember 2013 mündlich eröffnet und im Dispositiv über-
geben (Prot. I S. 24, Urk. 54) und der Staatsanwaltschaft am 6. Januar 2014 im
Dispositiv zugestellt (Urk. 55). Mit Eingabe vom 20. Dezember 2013 meldete der
Beschuldigte A._ fristgerecht die Berufung an (Urk. 56). Das begründete Ur-
teil wurde den Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft am 28. Mai 2014 zuge-
stellt (Urk. 60/1-3).
Mit Eingabe vom 3. Juni 2014 reichte der Beschuldigte A._ fristgerecht
die Berufungserklärung ein (Urk. 65). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf An-
schlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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(Urk. 70). Der Beschuldigte B._ erhob ebenfalls keine Anschlussberufung.
Beweisergänzungen wurden keine beantragt.
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 402 N 1; Art. 437
StPO).
Der Beschuldigte A._ schränkte die Berufung nicht ein (Urk. 65). Damit
ist keine Dispositivziffer des vorinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen.
3. Der Beschuldigte A._ hat am 30. März 2012 gegen den Beschul-
digten B._ einen Strafantrag wegen Körperverletzung und Tätlichkeiten ge-
stellt (Urk. 4). Da ein Strafantrag der Erklärung, sich am Strafverfahren als Privat-
kläger zu beteiligen, gleichgestellt ist (Art. 118 Abs. 1 und 2 StPO), hat er sich
damit als Privatkläger konstituiert. Bei Unklarheit ist eine Erklärung in dem Sinn zu
verstehen, dass sich die geschädigte Partei im Straf- wie auch im Zivilpunkt betei-
ligen will (Schmid, Handbuch StPO, 2. Aufl. 2013, N 698). Indem der Beschuldigte
A._ vor Vorinstanz nicht nur die Bestrafung des Beschuldigten B._ be-
antragte, sondern von diesem auch - rechtzeitig im Sinne von Art. 123 Abs. 2
StPO - eine Genugtuung von Fr. 100.– beantragte (vgl. Urk. 50 S. 2), machte er
deutlich, dass er sich sowohl als Straf- wie auch als Zivilkläger am Verfahren be-
teiligt. Dementsprechend wird er im Rubrum auch als Privatkläger aufgeführt.
Der Beschuldigte B._ stellte am 27. Februar 2012 ebenfalls einen
Strafantrag. Dies gegen den Beschuldigten A._ wegen Körperverletzung
(Urk. 3). Zudem erklärte er am 20. März 2012 mit dem Formular "Geltendma-
chung von Rechten als Privatklägerschaft" sich als Straf- und Zivilkläger am Ver-
fahren beteiligen zu wollen (Urk. 28/5). Daher ist auch der Beschuldigte B._
im Rubrum als Privatkläger zu erfassen. Das Rubrum ist dementsprechend zu
korrigieren.
4. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die
eingangs erwähnten Anträge stellen.
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II. Sachverhalt
1. Vorwurf gegenüber dem Beschuldigten A._
1.1. Dem Beschuldigten A._ wird vorgeworfen, am 11. Februar 2012,
ca. 03.30 Uhr, in der Bar C._ an der ...strasse ... in ... nach einer verbalen
Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten B._, nachdem er selber von ei-
nem Trinkglas im Gesicht getroffen worden sei, dem Beschuldigten B._ ein
Trinkglas ins Gesicht geworfen zu haben und dieser davon eine bleibende Horn-
hautverletzung mit starker Sichtverminderung von 0.08 bei Maximalvisus 1,0 und
verschiedene kleinere, folgenlose Schnittverletzungen im Gesicht davongetragen
habe (Urk. 38 S. 2).
1.2. Der Beschuldigte A._ bestreitet nicht, nach einer verbalen Ausei-
nandersetzung mit dem Beschuldigten B._ das Trinkglas in dessen Richtung
geworfen zu haben, wodurch die genannten Verletzungen entstanden (Urk. 7 S. 2
f und S. 5 ff., Urk. 9 S. 2 f., Prot. I S. 15 f., Urk. 50 S. 3 ff., Prot. II S. 14). Er bean-
tragt jedoch einen Freispruch (Urk. 65, Urk. 79). Vor Vorinstanz begründete dies
die Verteidigung damit, dass der Beschuldigte A._ in rechtfertigender Not-
wehr im Sinne von Art. 15 StGB bzw. mindestens in entschuldbarer Notwehr im
Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB gehandelt habe (Urk. 50 S. 6). Auch anlässlich der
Berufungsverhandlung machte die Verteidigung geltend, dass der Beschuldigte
A._ in Notwehr gehandelt habe (Urk. 79 S. 5). Darauf wird im Rahmen der
rechtlichen Würdigung zurückzukommen sein. Im Sinne eines Eventualantrags
liess der Beschuldigte A._ vor Vorinstanz die Verurteilung wegen fahrlässiger
schwerer Körperverletzung beantragen. Die Verteidigung führte dazu aus, dass
der Beschuldigte A._ im Zeitpunkt der Tat nicht daran gedacht habe, er
könnte mit dem Glaswurf den Beschuldigten B._ schwer verletzen. Er habe
nicht damit rechnen müssen, den Beschuldigten B._ zu treffen und diesen
mit dem Trinkglas gleich derart am Kopf zu treffen, dass dieser durch eine Glas-
scherbe ein Auge verliere oder nicht mehr viel sehe (Urk. 50 S. 6 f.). Anlässlich
der Berufungsverhandlung führte die Verteidigung aus, dass der Beschuldigte
A._ mehrmals darauf hingewiesen habe, dass er den Beschuldigten B._
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nicht habe verletzen wollen, weshalb er im Sinne eines Eventualantrags wegen
fahrlässiger Körperverletzung zu verurteilen sei (Urk. 79 S. 6 f.).
Der äussere bzw. objektive Sachverhalt ist damit anerkannt und deckt sich
im Übrigen mit dem Beweisergebnis. In subjektiver Hinsicht bestreitet der Be-
schuldigte A._ den Sachverhalt jedoch.
1.3. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 30. März 2012 führte der
Beschuldigte A._ aus, in dem Moment, als er das Bier im Gesicht gehabt ha-
be, habe er sein Glas Bier genommen und es in Richtung der 4. Person - womit
der Beschuldigte B._ gemeint war (vgl. Urk. 7 S. 6) - geworfen (Urk. 7 S. 3).
Es sei eine Reflexhandlung gewesen. Es sei praktisch in demselben Moment ge-
schehen, als er das Bier in seinem Gesicht gespürt habe. Er habe das Glas ge-
packt und es in die Richtung geworfen, von welcher auch das andere Glas ge-
kommen sei. Es habe sich dabei um einen Affekt gehandelt, bei welchem er kein
eindeutiges Ziel gehabt habe. Er habe in diesem Moment Bier in den Augen ge-
habt und nicht zielen können (Urk. 7 S. 5). Auf Vorhalt des Verdachts, dass er den
Beschuldigten B._ ein Glas ins Gesicht geworfen und diesen verletzt habe,
führte der Beschuldigte A._ aus, dass diese Möglichkeit durchaus bestehe.
Es sei jedoch nicht vorsätzlich gewesen. Er habe nicht auf sein Gesicht gezielt,
sondern das Glas einfach in dessen Richtung geworfen. Auf die Frage, was pas-
sieren könne, wenn man jemandem ein Glas ins Gesicht bzw. in den Kopfbereich
werfe, führte er aus, es könne Schnittverletzungen geben sowie auch Augenver-
letzungen. Er habe das Glas aber nicht mit dem Ziel geworfen, den Beschuldigten
B._ im Gesicht zu treffen (Urk. 7 S. 6 f.). Bei der Einvernahme durch die
Staatsanwaltschaft vom 10. Januar 2013 wiederholte er, dass er reflexartig sein
Glas in die Richtung geworfen habe, woher das Glas gekommen sei. Er habe in
diesem Moment aber nichts gesehen, da er Bier in den Augen gehabt habe (Urk.
9 S. 2 und S. 5). Vor Vorinstanz führte der Beschuldigte A._ aus, man habe
ihm ein Glas ins Gesicht geworfen und dann habe er nichts mehr gesehen. Er ha-
be reflexartig das Glas in diese Richtung geworfen (Prot. I S. 15). Anlässlich der
Berufungsverhandlung machte er geltend, ein Glas an den Kopf erhalten zu ha-
ben. Dann habe er ein Glas zu seiner Verteidigung zurückgeworfen. Er habe in
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diesem Augenblick nichts sehen können, denn sein Gesicht sei voll Wasser ge-
wesen und er habe die Augen zugehabt. Er habe in Richtung des Beschuldigten
B._ geworfen. Das Bier sei rechts von ihm gestanden, er wisse aber nicht
mehr, ob er es mit Wucht geworfen habe oder nicht. Der Beschuldigte B._
habe sich mit einem Abstand von ca. 1-2 Meter vis-à-vis von ihm befunden. Auf
Nachfrage, was passieren könne, wenn man jemanden ein Glas ins Gesicht wer-
fe, führte er aus, dass verschiedene Verletzungen entstehen könnten und unter
anderem auch das Auge beschädigt werden könne. Er habe in diesem Augenblick
aber nicht daran gedacht (Prot. II S. 14 f.).
Selbst wenn die Sicht des Beschuldigten A._ vom Bier getrübt gewesen
ist, hat er doch so viel gesehen, dass er - gemäss seinen eigenen Aussagen - in
die Richtung des Beschuldigten B._ zielen konnte. Da der Beschuldigte
A._ sein Glas in die Richtung des Beschuldigten B._ warf, musste er
ohne Weiteres damit rechnen, dass dieses den Beschuldigten B._ trifft. Der
Beschuldigte A._ wusste, dass ein Wurf mit einem Glas ins Gesicht oder an
den Kopf eines Opfers zu Schnitt- oder Augenverletzungen führen kann, wie er in
der Untersuchung und auch anlässlich der Berufungsverhandlung selbst einräum-
te. Dadurch, dass er dennoch diesen Wurf mit dem Glas aus nächster Nähe tätig-
te, nahm er in Kauf, dass die Zielperson solche Verletzungen erleiden könnte.
Ausserdem führte er selbst aus, dass er zuerst nach seinem Glas gegriffen habe,
bevor er es geworfen habe. Er hatte demnach mehr Zeit zu Überlegen, was er tut,
als wenn er das Glas bereits in der Hand gehalten hätte. Der Sachverhalt ist auch
in subjektiver Hinsicht erstellt.
2. Vorwurf gegenüber dem Beschuldigten B._
2.1. Dem Beschuldigten B._ wird vorgeworfen, am 11. Februar 2012,
ca. 03.30 Uhr, in der Bar C._ an der ...strasse ... in ... nach einer verbalen
Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten A._, diesem ein Trinkglas ins
Gesicht geworfen zu haben, wodurch der Beschuldigte A._ zumindest eine
Schnittwunde an der linken Wange davongetragen habe. Bei diesem Trinkglas-
wurf habe der Beschuldigte B._ gewusst, dass dieses Vorgehen dazu geeig-
net gewesen sei, den Beschuldigten A._ stärker zu verletzen und bleibende
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Schäden zu verursachen (Glasbruch im Gesicht und Schnittverletzungen des Ge-
sichtes oder des Auges), was der Beschuldigte B._ zumindest in Kauf ge-
nommen habe, und wozu es nur durch Zufall bei diesem Vorfall nicht gekommen
sei (Urk. 38 S. 3).
2.2. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass zwar eine hohe Wahrschein-
lichkeit bestehe, dass der Beschuldigte B._ den Beschuldigten A._ mit
dem Inhalt seines Trinkglases beworfen habe. Sie führte jedoch aus, dass sich
nicht mit der erforderlichen Sicherheit bzw. ohne verbleibende Zweifel nachwei-
sen lasse, ob der Wurf tatsächlich durch ihn und nicht durch einen seiner nahe bei
ihm stehende Begleiter erfolgt sei und ob das ganze Glas und nicht nur die Flüs-
sigkeit geworfen worden sei. Der Beschuldigte B._ wurde deshalb vom an-
geklagten Vorwurf freigesprochen (Urk. 64 S. 14 und S. 24).
Dieser Freispruch wurde vom Beschuldigten A._ (in der Eigenschaft als
Privatkläger) angefochten und die Verurteilung des Beschuldigten B._ bean-
tragt (Urk. 65, Urk. 79), weshalb nachfolgend zu prüfen ist, ob die vorliegenden
Beweismittel genügen, um den Sachverhalt rechtsgenügend zu erstellen.
2.3. Der eingeklagte Sachverhalt beruht insbesondere auf den Aussagen
des Beschuldigten B._, des Beschuldigten A._ sowie der Auskunftsper-
son D._ und der Zeugen E._, F._, G._, H._, I._ und
J._, welche im vorinstanzlichen Urteil wiedergegeben wurden. Zur Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen kann vorab auf diese Erwägungen im angefoch-
tenen Entscheid verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 64 S. 7 ff.). Zu-
sammenfassend und teilweise ergänzend kann Folgendes festgehalten werden:
2.3.1. Der Beschuldigte B._ verneinte in der polizeilichen Einvernahme
vom 27. Februar 2012, den Beschuldigten A._ provoziert zu haben. Der Be-
schuldigte A._ sei beim Gespräch über Musik aggressiv geworden und als er
das zweite Mal in die Bar gekommen sei, habe der Beschuldigte A._ ihn als
Wixer, Arschloch etc. bezeichnet (Urk. 6 S. 5 f.).
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In der Konfrontationseinvernahme vom 10. Januar 2013 bestritt der Be-
schuldigte B._, dem Beschuldigten A._ ein Glas oder den Inhalt eines
Glases angeworfen zu haben (Urk. 10 S. 2, S. 8 und S. 9). Er bestätigte jedoch,
sich an der Diskussion über Musik beteiligt zu haben. Er wisse nicht, ob der Be-
schuldigte A._ einmal als "Looser" bezeichnet worden sei. Dem Beschuldig-
ten A._ habe er nur gesagt, dass die Musikrichtung der 50er-Jahre eher sein
Geschmack sei (Urk. 10 S. 3 f.). In der selben Einvernahme räumte er aber ein,
dass es möglich sei, dass er zu Herrn F._ über den Beschuldigten A._
gesagt habe: "Was ist das für ein Looser?". Er habe sodann gehört, dass jemand
das Wort "Wichser" in den Mund genommen habe (Urk. 10 S. 6). Weiter führte er
aus, dass ihm erzählt worden sei, dass Herr D._ den Inhalt eines Glases
dem Beschuldigten A._ angeworfen habe (Urk. 10 S. 9).
Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 4. Juni 2013 bestritt der Be-
schuldigte B._ den ihm vorgeworfenen Sachverhalt (Urk. 21 S. 4 f.).
Vor Vorinstanz verneinte der Beschuldigte B._ erneut, auch ein Glas
geworfen zu haben (Prot. I S. 8 f. und S. 12). Er habe Gin Tonic konsumiert und
könne nicht sagen, ob er ein Bierglas in der Hand gehabt habe (Prot. I S. 11).
Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte B._ daran
fest, dem Beschuldigten A._ kein Trinkglas ins Gesicht geworfen zu haben
(Prot. II S. 17) und seine Verteidigung beantragte, den Freispruch der Vor-instanz
zu bestätigen (Urk. 80 S. 2 und S. 4 ff.).
2.3.2. Der Beschuldigte A._ führte in der polizeilichen Einvernahme
vom 30. März 2012 aus, dass im Fumoir vis-à-vis von ihm und seiner Kollegin
zwei Männer gesessen seien. Später seien zwei weitere Kollegen von diesen da-
zu gekommen. Der K._ [Staatsangehörige] sei rechts von ihm gesessen und
die 4. Person (gemeint ist der Beschuldigte B._, vgl. Urk. 7 S. 6) schräg vis-
à-vis von ihm neben dessen anderen Kollegen, die schon dort gesessen seien.
Die 4. Person habe einen dummen Spruch über seine Kollegin gemacht, worauf
er sich für sie gewehrt habe. Er habe dann mit der 4. Person ein Streitgespräch
über Musik geführt. Dieser Mann sei aggressiv gewesen. Er habe ihm mehrmals
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gesagt, er solle einen Abgang machen. Die 4. Person sei laut geworden und habe
ihm gesagt, er sei doch ein Looser und habe keine Ahnung von Musik. Er habe
deshalb zu ihr gesagt: "Weisch was, hau ab du Wixer!". Das sei der Moment ge-
wesen, als es los gegangen sei. Die Ereignisse hätten sich überschlagen. Was er
ganz klar wisse, sei, dass er ein Bier ins Gesicht geworfen bekommen habe. Er
wisse jedoch nicht, ob er nur die Flüssigkeit oder auch das Glas an den Kopf be-
komme habe. Er wisse nur, dass er im Nachhinein einen Schnitt an der rechten
Augenbraue/Lid gehabt habe, welchen man habe nähen müssen. Dieser Schnitt
habe so ausgesehen, als wäre er von einer Scherbe entstanden. Er habe auch
noch einen heftigen Faustschlag bekommen, wobei er nicht glaube, dass dieser
Schnitt davon entstanden sei (Urk. 7 S. 2 f.). Auf die Frage, wer seiner Ansicht
nach mit dem Angriff begonnen habe, führte der Beschuldigte A._ aus, er sei
der Meinung, dass diese 4. Person begonnen habe bzw. dass das Bier, welches
für die Auseinandersetzung ursächlich gewesen sei, von diesem in seine Rich-
tung geworfen worden sei. Über den Wurf des Glases gegen ihn könne er nichts
sagen, er habe es einfach gespürt. Er wisse einfach noch, dass er der 4. Person
"Wixer, hau ab." gesagt habe. Daraufhin sei das Glas geflogen gekommen (Urk. 7
S. 4 ff.).
Anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 10. Januar
2013 wiederholte der Beschuldigte A._ die Aussagen über die verbale Aus-
einandersetzung über Musik mit dem Beschuldigten B._. Dieser habe ihn als
"Looser" bezeichnet und er habe ihm gesagt: "Hau ab du Wichser." Kaum habe er
dies gesagt, habe er ein Bierglas im Gesicht gehabt. Er sei davon überzeugt,
dass die Person, die er als "Wichser" betitelt habe, das Glas geworfen habe. Es
sei genau aus der Richtung gekommen, wo dieser gestanden sei. Darauf hinge-
wiesen, dass er bei der Polizei ausgeführt habe, nicht zu wissen, ob er nur Flüs-
sigkeit oder auch das Glas an den Kopf bekommen habe, führte er aus, die
Schnittwunde müsse von einem Glas kommen und könne nicht vom Faustschlag
stammen. Er habe von Zeugen erfahren, dass er ein Glas ins Gesicht bekommen
habe (Urk. 9 S. 2 ff.).
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In der Konfrontationseinvernahme vom 10. Januar 2013 führte der Beschul-
digte A._ aus, er gehe davon aus, dass es der Beschuldigte B._ gewe-
sen sei, der ihm ein Glas angeworfen habe (Urk. 10 S. 3).
Vor Vorinstanz führte der Beschuldigte A._ aus, er habe nicht gesehen,
wer das Glas geworfen habe. Mit Herrn D._ habe er kein Wort gewechselt.
Dieser sei ruhig gewesen, bis er zugeschlagen habe. Dieser sei rechts neben ihm
gesessen. Es sei fast nicht möglich, dass dieser von dort das Glas geworfen ha-
be. Das Glas sei von vorne gekommen. Er gehe davon aus, dass ihm ein Glas an
den Kopf geworfen worden sei, da er eine Schnittwunde am Augenlid und an der
Wange gehabt habe. Aus seiner Sicht könne niemand anders als der Beschuldig-
te B._ das Glas geworfen haben (Prot. I S. 16 ff.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte A._ aus,
anlässlich der verbalen Diskussion mit dem Beschuldigten B._ habe dieser
ihn als Looser bezeichnet und er habe ihm gesagt: "Hau ab du Wixer." Danach
sei das Glas geflogen gekommen. Auf die Frage, was ihm ins Gesicht geworfen
worden sei, machte er geltend, er müsse annehmen, dass es ein Glas mit Inhalt
gewesen sei, da er eine Schnittverletzung davongetragen habe (Prot. II S. 15).
Darauf angesprochen, wieso er nicht bereits in der ersten Einvernahme gesagt
habe, dass er ein Glas an den Kopf erhalten habe, führte er aus, er habe eine
Schnittverletzung gehabt. Er könne sich nicht unbedingt an den Aufschlag erin-
nern, aber er müsse davon ausgehen, dass es ein Glas gewesen sei (Prot. II
S. 16).
2.3.3. D._ führte als Auskunftsperson in der Einvernahme bei der
Staatsanwaltschaft vom 19. März 2013 aus, er könne sich nicht mehr genau an
den Vorfall erinnern. Der Beschuldigte A._ sei nass gewesen und der Be-
schuldigte B._ habe etwas mit dem Auge gehabt. Die beiden hätten disku-
tiert. Der eine werde dem Beschuldigten A._ etwas angeworfen haben und
der andere habe dann die Flasche geworfen. Die beiden hätten miteinander dis-
kutiert. Es sei kaum möglich, dass eine dritte oder vierte Person dies gemacht
habe. Er habe dem Beschuldigten A._ nichts angeworfen. Der Beschuldigte
A._ sei seines Wissens noch nicht verletzt gewesen, als er diesen geschla-
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gen und zu Boden gezogen habe. Die Verletzung am Auge könnte von ihm sein,
aber die Schnittwunde an der Wange könne er sich nicht erklären. Er sei auf der
gleichen Seite des Stehtisches wie der Beschuldigte A._ gestanden und der
Beschuldigte B._ auf der anderen Seite. Der Beschuldigte B._ habe
während der Diskussion ein Bierglas in der Hand gehabt. Es müsse so gewesen
sein, dass die beiden Beschuldigten sich gegenseitig ein Glas angeworfen haben.
Er sei sich sicher, dass er selber es nicht getan habe. Weiter ergänzte er, dass er
recht besoffen gewesen sei. Er glaube, jeder habe getrunken (Urk. 13 S. 2 ff.).
2.3.4. E._ sagte am 19. März 2013 als Zeuge bei der Staatsanwalt-
schaft aus, dass der Beschuldigte B._ ein Glas Whiskey in der Hand gehabt
und dieses dem Beschuldigten A._ ins Gesicht geworfen habe. Er sei zwei
Meter neben dem Beschuldigten A._ gestanden (Urk. 14 S. 3).
2.3.5. F._ führte in der Zeugeneinvernahme bei der Staatanwaltschaft
vom 19. März 2013 aus, dass der Beschuldigte A._ den Beschuldigten
B._ anlässlich eines Wortwechsels als Wichser oder Arschloch bezeichnet
habe. Der Beschuldigte A._ habe mit D._ weiterdiskutiert und dieser
habe den Inhalt seines Glases über den Beschuldigten A._ geschüttet. Da-
rauf sei eine Schlägerei zwischen den beiden entstanden (Urk. 15 S. 3). Er habe
gesehen, wie D._ den Inhalt seines Glases dem Beschuldigten A._ an-
geschüttet habe (Urk. 15 S. 4).
2.3.6. G._ führte am 19. März 2013 als Zeuge bei der Staatsanwalt-
schaft aus, er habe nicht gesehen, ob jemand einem anderen den Inhalt eines
Glases angeschüttet habe. Er könne sich nicht erinnern, dass jemand ein nasses
Gesicht gehabt habe (Urk. 16 S. 5).
2.3.7. Anlässlich der Zeugeneinvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom
19. März 2013 führte H._ aus, es sei schon darüber gesprochen worden,
dass ein Glas geflogen sei. Aber wie und wo, dazu könne er keine Angaben ma-
chen (Urk. 17 S. 4 f.).
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2.3.8. I._ führte am 19. März 2013 als Zeuge bei der Staatsanwalt-
schaft aus, er habe einen verbalen Streit wahrgenommen, der dann eskaliert sei.
Er wisse aber nicht, was der Auslöser gewesen sei, dass es handgreiflich gewor-
den sei (Urk. 18 S. 2 f.).
2.3.9. J._ führte anlässlich der Zeugeneinvernahme bei der Staatsan-
waltschaft vom 4. Juni 2013 aus, sie habe nicht gesehen, wer ein Glas geworfen
habe (Urk. 20 S. 3). Ebenso wenig habe sie gesehen, ob der Beschuldigte
A._ von einem Glas getroffen worden sei (Urk. 20 S. 4).
2.4. Die Aussagen des Beschuldigten A._ sind konstant und mit De-
tails gespickt. So führte er wiederholt aus, dass mit dem Beschuldigten B._
ein Streitgespräch über Musik entstanden sei. Dies wurde vom Beschuldigten
B._ bestätigt. Auch D._, F._ und I._ bestätigten, eine verbale
Diskussion zwischen den beiden mitbekommen zu haben. Der Beschuldigte
A._ erinnerte sich sodann daran, vom Beschuldigten B._ als "Looser"
bezeichnet worden zu sein und seinerseits den Beschuldigten B._ mit der
Bezeichnung "Wichser" beschimpft zu haben. Diese Worte wurden vom Beschul-
digten B._ und teilweise auch von F._ bestätigt. Die diesbezüglichen
Aussagen des Beschuldigten A._ sind deshalb glaubhaft.
Aus den Aussagen des Beschuldigten A._ lässt sich jedoch nicht ein-
deutig schliessen, ob er von einem Trinkglas oder nur von dessen Inhalt getroffen
wurde. In der polizeilichen und damit der tatnächsten Einvernahme führte er aus,
nicht zu wissen, ob er nur von der Flüssigkeit oder auch vom Glas getroffen wor-
den sei. Daran änderte sich in den weiteren Einvernahmen nichts. Er traf lediglich
die Annahme, auch mit dem Glas in Berührung gekommen zu sein, da er sich die
Schnittverletzung im Gesicht nicht anders erklären konnte. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung führte er aus, sich nicht an den Aufschlag des Glases erinnern
zu können, obwohl davon auszugehen ist, dass er dies gespürt hätte, wäre es so
gewesen. Ein Hinweis darauf, dass der Beschuldigte A._ vom Inhalt eines
Glases getroffen worden sein könnte, gibt D._, der beschrieb, dass der Be-
schuldigte A._ nass gewesen sei. Seine Aussage, wonach der Beschuldigte
A._ seines Wissens noch nicht verletzt gewesen sei, bevor er ihn geschlagen
- 17 -
habe, deutet sodann darauf hin, dass die Schnittverletzung im Gesicht nicht von
einem Glas entstand, sondern vielmehr durch den Faustschlag oder dadurch,
dass der Beschuldigte A._ zu Boden ging. Einzig E._ will gesehen ha-
ben, wie der Beschuldigte B._ dem Beschuldigten A._ ein Glas ins Ge-
sicht geworfen habe, allerdings sprach er von einem Whiskey Glas, wohingegen
sonst nur von Bier bzw. einem Bierglas die Rede war und der Beschuldigte
B._ selber angab, Gin Tonic getrunken zu haben. Kommt hinzu, dass
E._ die Anwesenheit einer Frau im Fumoir verneinte (Urk. 14 S. 5), obwohl
der Beschuldigte A._ mit J._ da war. Sodann wurde E._s Anwe-
senheit im Fumoir insbesondere von F._ und I._ verneint (Urk. 15 S. 6,
Urk. 18 S. 4) und auch auf der vom Beschuldigten A._ erstellten Skizze mit
den im Fumoir anwesenden Personen erscheint E._ nicht (Urk. 7). Sodann
ist nicht auszuschliessen, dass sich E._ ausserhalb des Fumoirs befand, als
sich der Vorfall ereignete, führte er doch aus, von A._ weggegangen zu sein,
um D._ zu beobachten, welcher dann wieder ins Fumoir gegangen sei. Er
selber führte erst auf Nachfrage aus, dass er selber auch im Fumoir gewesen sei
(Urk. 14 S. 3). Wenn E._ den Streit nur von ausserhalb des Fumoirs beo-
bachtet hat, ist davon auszugehen, dass seine Sicht auf die Beteiligten nicht allzu
gut war, weshalb Irrtümer nicht ausgeschlossen werden können. Es bestehen
deshalb - entgegen der Auffassung der Verteidigung des Beschuldigten A._
(Urk. 79 S. 3 f.) - Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Gestützt auf die
Aussagen des Beschuldigten A._, von D._ und E._, welche nicht
übereinstimmen, kann nicht erstellt werden, ob dem Beschuldigten A._ ein
Glas oder nur dessen Inhalt ins Gesicht geworfen wurde.
Was die Täterschaft betrifft, so finden sich ebenfalls keine übereinstimmen-
den Aussagen der befragten Personen. Der Beschuldigte B._ bestreitet, dem
Beschuldigten A._ ein Glas oder dessen Inhalt angeworfen zu haben. Bei
seinen Aussagen fällt aber auf, dass er bereits die Diskussion über Musik herun-
terzuspielen versuchte und harmloser darstellte, als die übrigen Befragten. Aus-
serdem versuchte er, die Täterschaft D._ anzuhängen, führte er doch aus,
gehört zu haben, dass dieser den Inhalt eines Glases dem Beschuldigten
A._ angeworfen habe. Seine Aussagen sind insgesamt nicht besonders
- 18 -
glaubhaft. Der Beschuldigte A._ sah nicht, wer ihm das Glas
oder dessen Inhalt angeworfen hatte. Er bezeichnete zwar den Beschuldigten
B._ als Täter, da er diesen unmittelbar zuvor als "Wichser" bezeichnet habe
und das Glas bzw. dessen Inhalt aus dessen Richtung gekommen sei. Dabei
handelt es sich jedoch um Mutmassungen. Auch D._ nahm an, dass es sich
beim Täter um den Beschuldigten B._ handelte, da dieser mit dem Beschul-
digten A._ diskutiert habe und diesem gegenüber gestanden sei. Aber auch
dabei handelt es sich lediglich um Annahmen. Sich selbst schloss er als Täter
aus. Einzig E._ will gesehen haben, wie der Beschuldigte B._ dem Be-
schuldigten A._ ein Glas ins Gesicht geworfen habe, wobei jedoch - wie be-
reits erwähnt - Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen bestehen. F._
wiederum bezeichnete D._ als Täter. Alle anderen Zeugen konnten keine
sachdienlichen Hinweise machen. Es spricht zwar einiges für die Täterschaft des
Beschuldigten B._, rechtsgenügend erwiesen ist sie aufgrund der wider-
sprüchlichen Aussagen der Beteiligten und der beim Vorfall Anwesenden aber
nicht. Kommt hinzu, dass die meisten der Befragten zum Tatzeitpunkt betrunken
oder zumindest angetrunken waren und sich das Ganze in einem Raum mit
schlechten Lichtverhältnissen, bei lauter Musik und in einem dynamischen Ge-
schehen abspielte.
Zusammenfassend ist der Beschuldigte B._ deshalb vom Vorwurf der
versuchten schweren und der einfachen Körperverletzung freizusprechen.
III. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten A._ in
rechtlicher Hinsicht als schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB.
Die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz erweist sich als zutreffend.
Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab auf die zutreffenden vorinstanzli-
chen Erwägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StGB; Urk. 64 S. 15 f.). Die
nachfolgenden Ausführungen stellen in erster Linie Hervorhebungen und Präzisie-
rungen dar.
- 19 -
1.1. Der schweren Körperverletzung macht sich strafbar, wer einen Men-
schen lebensgefährlich verletzt, den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines
Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht
einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht,
das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt oder eine andere schwere
Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines
Menschen verursacht (Art. 122 StGB).
1.2. Der Beschuldigte A._ fügte dem Beschuldigten B._ unter an-
derem eine bleibende Hornhautverletzung mit starker Sichtminderung zu (vgl.
Urk. 26/8, Urk. 26/15). Infolge dieser Verletzung verlor der Beschuldigte B._
seine Stelle als Küchenchef (Urk. 52/2). Der objektive Tatbestand ist ohne Weite-
res erfüllt.
Wie bereits unter Ziff. 2.1.3 vorstehend erwähnt, muss, wer jemandem ein
Glas anwirft, damit rechnen, dass dieses das Opfer trifft. Der Beschuldigte
A._ wusste, dass ein Wurf mit einem Glas ins Gesicht oder an den Kopf ei-
nes Opfers zu Schnitt- oder Augenverletzungen führen kann, wie er in der Unter-
suchung selbst einräumte. Dadurch, dass er dennoch diesen Wurf mit dem Glas
tätigte, nahm er in Kauf, dass die Zielperson solche Verletzungen erleiden könnte.
Er handelte damit eventualvorsätzlich und erfüllte auch den subjektiven Tatbe-
stand der schweren Körperverletzung.
Der Beschuldigte hat damit den Tatbestand der schweren Körperverletzung
im Sinne von Art. 122 StGB erfüllt.
2. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz geltend, der Beschuldigte
A._ habe in rechtfertigender Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB bzw. zumin-
dest in entschuldbarer Notwehr im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB gehandelt. Er
sei vom Beschuldigten B._ ohne Recht angegriffen und in seiner körperli-
chen Integrität durch ein Glas im Gesicht verletzt worden, wobei er davon habe
ausgehen dürfen, dass der Angriff noch im Gang gewesen sei (Urk. 50 S. 4 f.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung fragte sich die Verteidigung, woher der Be-
schuldigte A._ tatsächlich hätte wissen sollen, dass er nicht nochmals mit ei-
- 20 -
nem Glas beworfen werde und was er anderes hätte machen sollen, als ein Glas
zurückzuwerfen. Wenn auf die Polizei geschossen werde, schiesse die Polizei in
aller Regel auch zurück. Nach dem ersten Schuss sei der Angriff nicht beendet
und das Zurückschiessen stelle keine Abwehrhandlung dar. Sollte man den
Rechtfertigungsgrund der Notwehr nicht anerkennen, sei sicher die Frage nach
einem Notwehrexzess zu stellen (Urk. 79 S. 5 f.).
Zugunsten des Beschuldigten A._ ist sein Verfahren betreffend davon
auszugehen, dass er - wie in der Anklageschrift umschrieben - mit einem Glas ge-
troffen wurde. Dieser Angriff war aber nicht mehr im Gang, als der Beschuldigte
A._ mit dem Glaswurf gegenüber dem Beschuldigten B._ reagierte. Es
lagen auch keine Hinweise vor, dass ein weiterer Angriff unmittelbar bevorstand.
Der Vergleich der Verteidigung, wonach nach einem Schuss der Angriff auch
nicht beendet sei, überzeugt nicht, können mit einer Waffe oft tatsächlich mehrere
Schüsse abgefeuert werden. Hingegen hat eine Person üblicherweise nur ein
Glas in der Hand oder vor sich stehen und nicht mehrere Gläser. Demnach konn-
te der Beschuldigte A._ nicht davon ausgehen, dass ihm weitere Gläser an-
geworfen werden würden. Ausserdem hätte er sich selbst dann, wenn er einen
weiteren Glaswurf befürchtet hätte, aus der Ziellinie bringen können, um einem
weiteren Wurf auszuweichen. Ein Glas zurückzuwerfen war bei Weitem nicht not-
wendig. Damit lag keine Situation vor, die eine Notwehrhandlung gerechtfertigt
hätte.
3. Zusammenfassend ist der Beschuldigte A._ der schweren Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten A._ zu einer Frei-
heitsstrafe von 10 Monaten (Urk. 64 S. 20 und S. 24). Sie hat den Strafrahmen
korrekt abgesteckt und die gesetzlichen Zumessungsregeln wie auch die hier
massgeblichen belastenden und entlastenden Faktoren zutreffend dargelegt. Um
- 21 -
unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab auf diese Erwägungen im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 64 S. 17 ff.).
2. Für der Tatbestand der schweren Körperverletzung sieht das Gesetz
eine Strafandrohung von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht
unter 180 Tagessätzen vor (vgl. Art. 122 StGB).
3. Innerhalb des festgelegten Strafrahmens misst das Gericht die Strafe
nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben (Art. 47
Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den
Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter
nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder
Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt bei der Strafzu-
messung ist die objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts bzw. der schuldhaft verursachte Erfolg.
Ebenso massgeblich ist die subjektive Tatschwere, die sich aus der Intensität des
deliktischen Willens sowie den Beweggründen für die Tat ergibt. Mit zu berück-
sichtigen sind schliesslich das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Täters.
3.1. Betreffend die objektive Tatschwere ist hervorzuheben, dass die dem
Beschuldigten B._ zugefügte Verletzung zwar nur zu einem ambulanten Spi-
talaufenthalt führte, aber mehrere Konsultationen in der Augenklinik zur Folge hat-
te und einen bleibenden Schaden hinterliess sowie eine Arbeitsunfähigkeit von
100 % bis 30 % während mehreren Monaten nach sich zog, was schliesslich zur
Kündigung führte (Urk. 26/2, Urk. 26/8, Urk. 26/10, Urk. 26/15, Urk. 52/2). Mit dem
Wurf des Glases legte der Beschuldigte A._ ein aggressives Verhalten an
den Tag, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, dass dieses spontan und im Affekt
erfolgte und nicht etwa geplant war. Sein Verschulden wiegt in objektiver Hinsicht
keineswegs leicht.
- 22 -
Was die subjektive Tatschwere betrifft, so ist zugunsten des Beschuldigten
A._ erheblich verschuldensmindernd zu berücksichtigen, dass er mit Eventu-
alvorsatz handelte. Für den Beschuldigten A._ hätte durchaus die Möglich-
keit bestanden, es bei einer verbalen Auseinandersetzung zu belassen. Allerdings
ist auch zu berücksichtigen, dass seine Handlung eine Reaktion auf eine verbale
Provokation und die Feststellung war, dass ihn jemand mit einem Trinkglas getrof-
fen hatte. Das subjektive Verschulden wiegt nicht mehr leicht.
Insgesamt erweist sich eine Einsatzstrafe von 12 Monaten bzw. 360 Ta-
gessätzen als dem Verschulden angemessen.
3.2. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
A._ kann auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen wer-
den (Urk. 64 S. 19). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte
A._ ergänzend aus, er habe nach der Lehre zum Carrosseriespengler 10
Jahre lang auf dem Beruf gearbeitet, bevor er Versicherungsberater geworden
sei. Seine Anstellung bei der Krankenkasse sei ihm 2006 oder 2008 gekündigt
worden. Jetzt arbeite er als Velomechaniker in der L._ im Teillohn und werde
zusätzlich vom Sozialamt unterstützt. Er lebe von seiner Ehefrau, welche nach ...
[Staat] zurückgekehrt sei, getrennt und sie seien in Scheidung (Prot. II S. 7 f.).
Aus der Biographie und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
A._ ergeben sich keine Anhaltspunkte, die für die Strafzumessung von we-
sentlicher Bedeutung wären.
Leicht straferhöhend wirken sich die, wenn auch nicht einschlägigen, Vor-
strafen des Beschuldigten A._ aus (Urk. 67).
Das Geständnis des Beschuldigten A._ bezüglich des äusseren Sach-
verhalts ist strafmindernd zu berücksichtigen, ebenso seine Reue und Einsicht
(vgl. Urk. 10 S. 10, Prot. I S. 21, Prot. II S. 14). Leicht strafmindernd fällt ins Ge-
wicht, dass der Beschuldigte A._ durch den Vorfall ebenfalls Verletzungen
davon trug (vgl. Urk. 27/4, Urk. 27/6).
Weitere Straferhöhungs- oder -minderungsgründe liegen nicht vor.
- 23 -
3.3. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist
sich eine Strafe von 10 Monaten bzw. 300 Tagessätzen als angemessen.
4. Die Vorinstanz sprach sich bei der Wahl der Sanktionsart für eine Frei-
heitsstrafe aus (Urk. 64 S. 20).
4.1. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtigstes Kriterium die Zweck-
mässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein
soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen. Als Regelsan-
ktion sieht das geltende Recht für den Bereich der leichteren Kriminalität die
Geldstrafe und die gemeinnützige Arbeit, für den Bereich der mittleren Kriminalität
die Geldstrafe und die Freiheitsstrafe vor. Nach der Konzeption des Allgemeinen
Teils des Strafgesetzbuches stellt die Geldstrafe die Hauptsanktion dar. Freiheits-
strafen sollen nur verhängt werden, wenn der Staat keine anderen Mittel hat, die
öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Nach dem Prinzip der Verhältnismässig-
keit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldaus-
gleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weni-
ger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am we-
nigsten hart trifft. Nach Möglichkeit sind sozial unerwünschte Folgen einer Strafe
zu vermeiden. Die Freiheitsstrafe ist ultima ratio (BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134
IV 82 E. 4.1; BSK StGB I-Dolge, 3. Auflage 2013, Art. 34 N 24 f.). Im Vordergrund
steht daher auch bei Strafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr die Geldstra-
fe, als gegenüber der Freiheitsstrafe mildere Sanktion (BGE 138 IV 120 E. 5.2;
BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1; BGer 6B_375/2014 vom 28. Au-
gust 2014 E. 2.7.1).
Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters sind gemäss Bundesgericht
sowenig Kriterium für die Wahl der Strafart wie dessen voraussichtliche Zah-
lungsunfähigkeit. Mithin ist der Vollzug der Geldstrafe nicht schon unmöglich, weil
sie in der Zwangsvollstreckung voraussichtlich nicht erhältlich gemacht werden
könnte. Nach der Meinung des Gesetzgebers soll die Geldstrafe auch für ein-
kommensschwache Täter, d.h. für solche mit sehr geringem, gar unter dem Exis-
tenzminimum liegenden Einkommen ausgefällt werden können. Gerade mittello-
sen Straftätern geht die Geldstrafe ans Lebensnotwendige, so dass sie für jene
- 24 -
deutlich spürbar wird. Allerdings mag es seltene Ausnahmefälle geben, in denen
die Verurteilung zu einer Geldstrafe dennoch ausser Betracht fällt aus Gründen,
die in der Person des Täters liegen, z.B. bei offensichtlich fehlender Zahlungsbe-
reitschaft (BGE 134 IV 97 E. 5.2.3 und 6.3.3.2).
4.2. Trotz der schlechten finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten
A._ (vgl. dazu Ziff. 3.2 vorstehend und Ziff. 5 nachfolgend) darf nicht davon
ausgegangen werden, dass eine Geldstrafe kaum vollstreckbar wäre und deshalb
von einer solchen abgesehen werden. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung sind die wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters, dessen voraussichtliche
Zahlungsunfähigkeit oder eine aussichtslose Zwangsvollstreckung eben gerade
nicht relevant, wenn es um die Wahl der Strafart geht. Es finden sich keine Hin-
weise, dass der Beschuldigte A._ nicht zahlungsbereit wäre. Bisher musste
er nie eine Geldstrafe bezahlen. Eine Freiheitsstrafe im Sinne der präventiven Ef-
fizienz ist nicht unumgänglich, denn eben gerade Personen, die nur über ein tie-
fes Einkommen verfügen, werden durch eine Geldstrafe besonders betroffen und
werden diese spüren. Eine Geldstrafe würde den Beschuldigten A._ treffen,
da er dadurch eine Beschränkung seines Lebensstandards und seines Konsums
erleiden würde. Selbst wenn die bisher verhängte bedingte Freiheitsstrafe sowie
die gemeinnützige Arbeit den Beschuldigten A._ nicht von der Begehung ei-
nes weiteren - jedoch nicht einschlägigen - Delikts abgehalten haben, so kann
nicht davon ausgegangen werden, dass eine Auferlegung einer Geldstrafe keine
Wirkung zeigen würde. Im vorliegenden Verfahren wird diese einerseits höher
ausfallen als die bisherigen Strafen, andererseits wird der Beschuldigte A._
Verfahrenskosten zu bezahlen haben. Ausserdem liegen die Strassenverkehrsde-
likte des Beschuldigten A._ bereits über 8 Jahre bzw. über 5 Jahre zurück
und ein Widerruf des bedingten Vollzugs der Freiheitsstrafe war nicht nötig (vgl.
Urk. 67). Die Vorgeschichte des Beschuldigten rechtfertigt noch keineswegs die
Ausfällung einer Freiheitsstrafe als ultima ratio. Daran ändert auch die Schwere
der Verletzung des Beschuldigten B._ nichts, führte das Verschulden des
Beschuldigten A._ doch nur zu einer Strafe im unteren Bereich des Straf-
rahmens für schwere Körperverletzung.
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Es ist vorliegend durchaus verhältnismässig und angemessen, eine Geld-
strafe statt einer Freiheitsstrafe auszusprechen, und damit die Strafart zu wählen,
die weniger stark in die persönliche Freiheit des Beschuldigten A._ eingreift.
Müsste der Beschuldigte A._ eine Freiheitsstrafe verbüssen, so würde seine
Arbeitsstelle und seine Integration in der Gesellschaft gefährdet werden. Diese
sozial unerwünschten Folgen sind aber zu vermeiden. Eine Freiheitsstrafe hätte
folglich keine präventive Effizienz. Im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung ist deshalb vorliegend die Regelsanktion und damit eine Geldstrafe auszu-
sprechen.
5. Bei der Geldstrafe richtet sich die Höhe des Tagessatzes nach den
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Ur-
teils, namentlich nach Einkommen und - soweit er davon lebt - Vermögen, ferner
nach seinem Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten
und nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt für die
Tagessatzberechnung ist das Einkommen, welches dem Täter durchschnittlich an
einem Tag zufliesst. Dabei bleibt belanglos, aus welcher Quelle dieses Einkom-
men stammt. Abzuziehen ist, was gesetzlich geschuldet ist oder dem Täter wirt-
schaftlich nicht zufliesst, so etwa die laufenden Steuern und die obligatorischen
Versicherungsbeiträge. Ausserdem ist das Nettoeinkommen um die Unterhalts-
und Unterstützungsbeiträge zu reduzieren, soweit der Verurteilte ihnen tatsächlich
nachkommt. Nicht zu berücksichtigen sind Schulden und nach der bundesgericht-
lichen Rechtsprechung in der Regel auch die Wohnkosten (BGE 134 IV 68 ff.).
Der Beschuldigte A._ arbeitet 80 % als Velomechaniker in der L._
und wird zusätzlich vom Sozialamt unterstützt. Monatlich steht ihm ein Einkom-
men von ca. Fr. 3'200.– zur Verfügung (Urk. 35/4, Urk. 71/1, Prot. I S. 13, Prot. II
S. 7) bzw. ca. Fr. 2'600.– bis Fr. 2'700.– und zusätzlich ein Beitrag an die Woh-
nung von Fr. 1'100.– (Prot. II S. 8). Seine Krankenkassenprämie beträgt ca. Fr.
360.– (Prot. II S. 8) und für die Steuern bezahlt er normalerweise die Kopfsteuer,
wobei die letzte Steuerrechnung jedoch Fr. 800.– aufwies (Prot. II S. 8). Ange-
sichts dieser finanziellen Verhältnisse ist die Tagessatzhöhe auf Fr. 60.– festzu-
setzen.
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Zusammenfassend ist der Beschuldigte A._ mit einer Geldstrafe von
300 Tagessätzen zu Fr. 60.– zu bestrafen.
V. Vollzug
Die Vorinstanz hat den Vollzug der Geldstrafe aufgeschoben. Dieser Ent-
scheid ist schon aufgrund des Verschlechterungsverbotes im Sinne von Art. 391
Abs. 2 StPO ohne Weiteres zu bestätigen. Die Probezeit wurde von der Vor-
instanz aufgrund der Vorstrafen des Beschuldigten A._ zu Recht auf drei
Jahre festgesetzt. Zur Begründung kann auf die zutreffenden Erwägungen im an-
gefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 64 S. 21).
VI. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz stellte fest, dass der Beschuldigte A._ gegenüber
dem Beschuldigten und Privatkläger B._ aus dem eingeklagten Ereignis dem
Grundsatze nach schadenersatz- und genugtuungspflichtig sei und verwies den
Privatkläger B._ zur genauen Feststellung des Umfanges der Zivilansprüche
auf den Weg des Zivilprozesses (Urk. 64 S. 23 und S. 25). Der Privatkläger
B._ beantragte die Bestätigung dieses Entscheids (Urk. 80 S. 1 und S. 9 f.).
2. Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat
als Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122
Abs. 1 StPO). Das Gericht entscheidet über die anhängige Zivilklage, wenn es die
beschuldigte Person schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die Zivilklage
wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht hin-
reichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Wäre die voll-
ständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig aufwendig, so kann
das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach entscheiden und sie im Übri-
gen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).
3. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass ein abschliessender Entscheid
über die Höhe des Schadenersatzes sowie einer Genugtuung noch nicht möglich
- 27 -
sei. Es sei noch nicht geklärt, welche der Versicherungen sich in welchem Um-
fang an den bisher entstandenen sowie den weiteren durch die bleibende Beein-
trächtigung des linken Auges noch anfallenden Kosten beteiligen werde. Noch
nicht entschieden sei zudem, inwieweit dem Privatkläger B._ ein Mitver-
schulden angelastet werden könne und ob und inwieweit sich dies auf die Höhe
der Zivilforderung auswirken könnte (vgl. Urk. 64 S. 23). Dem ist zuzustimmen
(vgl. dazu auch Urk. 51 S. 10 und Urk. 80 S. 10). Das eingeklagte Ereignis hat
dazu geführt, dass sich der Privatkläger B._ mehreren ärztlichen Behandlun-
gen unterziehen musste und einen Schaden am Auge erlitt. Die Voraussetzungen
von Art. 41 OR sind ohne Weiteres erfüllt. Sodann stellen die starke Sichtminde-
rung des Privatklägers B._, die Schmerzen, welche von der Narbe im Ge-
sicht verursacht werden, und der Verlust seiner Arbeitsstelle infolge der Arbeits-
unfähigkeit und allenfalls sogar der Möglichkeit, wieder als Küchenchef arbeiten
zu können (vgl. dazu Urk. 51 S. 11 f. und Urk. 80 S. 9 f.), ohne Weiteres eine Ver-
letzung der Persönlichkeit im Sinne von Art. 49 Abs. 1 OR dar. Denn die Körper-
verletzung hat beim Privatkläger B._ zu einer immateriellen Unbill (zu einem
Schmerz) geführt. Die Schwere dieser erlittenen körperlichen wie auch seelischen
Schmerzen rechtfertigt grundsätzlich die Zusprechung einer Genugtuung. Da wei-
tere Schäden im Zusammenhang mit dem eingeklagten Ereignis nicht auszu-
schliessen sind und die Höhe des Schadenersatzes sowie der Genugtuung zum
jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau beziffert werden kann, ist festzustellen, dass
der Beschuldigte A._ dem Grundsatze nach schadenersatz- und genugtu-
ungspflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges der Zivilansprüche ist
der Privatkläger B._ auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädi-
gungsdispositiv (Ziff. 5 bis 8) zu bestätigen.
2. In Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
A._ unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich. Daher sind ihm die Kosten
- 28 -
des Berufungsverfahren, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung,
aufzuerlegen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche auf Fr. 3'250.– (inkl. 8 %
MWST) festzusetzen sind, sind - unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO - auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Der Beschuldigte B._ beantragt, ihm für seine Vertretung im Ver-
fahren vor Obergericht eine Entschädigung aus der Gerichtskasse von
Fr. 3'965.55 zuzusprechen (Urk. 80 S. 2 und S. 11).
Gemäss Art. 436 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat die
beschuldigte Person, wenn sie freigesprochen wird, Anspruch auf Entschädigung
für ihre Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte.
Gestützt auf die geltend gemachten Aufwendungen für die Verteidigung
(Urk. 80 S. 11) und unter Berücksichtigung von 1.5 statt 2.5 Stunden für Urteils-
studium und -besprechung erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 3'700.–
als angemessen. Dem Beschuldigten B._ ist demnach eine Prozessentschä-
digung von Fr. 3'700.– (inkl. MWST) für anwaltliche Verteidigung aus der Ge-
richtskasse zu bezahlen.