Decision ID: ed1cfd80-93fd-53fb-81c9-c7d021098a0b
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. wurde per 1. August 2005 am Berufs- und Weiterbildungszentrum A.
(heute B.) je zu 50 Prozent als der Schulleitung angehörende Leiterin der
Weiterbildungsabteilung und als Lehrkraft für Wirtschaft und Recht angestellt. Seit 1.
August 2008 war sie auch Qualitätsleiterin. Am 17. November 2009 vereinbarte sie mit
dem Präsidenten der Berufsfachschulkommission und dem Rektor, per 31. Juli 2010
als Leiterin Weiterbildung zurückzutreten und das Lehrpensum bei innerhalb von fünf
Jahren nachzuholender Berufsschullehrerausbildung voraussichtlich auf 19 bis 25
Lektionen zu erhöhen. Am 21. Dezember 2009 beschloss die
Berufsfachschulkommission, die Vereinbarung vom 17. November 2009 als
gegenstandslos zu erklären, die Anstellung von X.Y. als Leiterin Weiterbildung sowie
als Lehrperson auf Ende des Schuljahres 2009/2010 zu kündigen und sie ab sofort
freizustellen. X.Y. wurde am 4. Januar 2010 entsprechend informiert und erhielt am 9.
März 2010 Gelegenheit, zum Entwurf der Kündigung Stellung zu nehmen. Die
Berufsfachschulkommission verfügte am 26. April 2010 die Kündigung per 31. Juli
2010. Im August und September 2010 trat X.Y. zwei Stellen im Bildungsbereich des
Kantons Thurgau – einerseits befristet als Lehrerin am Bildungszentrum C., anderseits
unbefristet als Ausbildungsberaterin in der Abteilung Lehrerberatung des Amtes für
Berufsbildung und Berufsberatung – von zusammen knapp 100 Prozent an.
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Den von X.Y. gegen die Kündigung erhobenen Rekurs hiess das Bildungsdepartement
am 4. März 2011 "im Sinn der Erwägungen" gut und hob die Kündigungsverfügung
vom 26. April 2010 auf; der Entscheid wurde unangefochten rechtskräftig. Das
Bildungsdepartement erachtete die Kündigung der Anstellung als Lehrerin als sachlich
nicht gerechtfertigt, jene als Leiterin Weiterbildung als sachlich zwar gerechtfertigt,
jedoch unverhältnismässig. Die Beteiligten wurden angewiesen, über eine
Weiterführung der Anstellung von X.Y. als Lehrperson zu befinden. Sollte das
Dienstverhältnis nicht weitergeführt werden, sollte der Entscheid – hinsichtlich der
Unzulässigkeit der Kündigung – feststellenden Charakter haben und für allfällige
Entschädigungsansprüche von X.Y. relevant sein.
Am 28. März 2011 ersuchte X.Y. das Berufs- und Weiterbildungszentrum "um
Kontaktaufnahme, um die Angelegenheit einer definitiven Regelung zuzuführen".
Dieses teilte ihr am 31. März 2011 mit, aufgrund der neuen Anstellung könne davon
ausgegangen werden, dass auch sie das Dienstverhältnis nicht aufleben lassen wolle.
Es stellte eine erneute Kündigung des Anstellungsverhältnisses als Lehrperson, das
über den 31. Juli 2010 hinaus fortbestanden habe, per Ende des Sommersemesters
2011 in Aussicht. Zudem wurde die Bereitschaft bekundet, Gespräche über eine
sofortige, einvernehmliche Auflösung des Anstellungsverhältnisses mit gleichzeitiger
Bereinigung der finanziellen Ansprüche zu führen. Eine Reaktion von X.Y. darauf ist
nicht aktenkundig.
B. Mit nicht datierter, X.Y. am 21. April 2011 zugegangener Verfügung kündigte
die Schulleitung des Berufs- und Weiterbildungszentrums A., vertreten durch den
Rektor, das Dienstverhältnis auf das Ende des Schuljahres 2010/11. Da ihr zurzeit kein
Pensum angeboten werden könne, liege ein triftiger Grund für eine Entlassung vor. Auf
den gegen die Kündigung erhobenen Rekurs trat die Berufsfachschulkommission am 6.
September 2011 mangels schutzwürdigen Interesses von X.Y. nicht ein. Das
Bildungsdepartement wies den gegen den Nichteintretensentscheid erhobenen Rekurs
am 3. Juli 2012 ab. Es bejahte zwar ein schutzwürdiges Interesse. X.Y. sei ab 1. August
2010 als Lehrerin angestellt geblieben. Dass ihr Pensum nach der Freistellung am 4.
Januar 2010 anderweitig vergeben worden sei, könne der Schulleitung aber nicht
vorgeworfen werden. Damit werde die Kündigung zu Recht auf betriebliche Gründe
abgestützt.
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C. X.Y. (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 9. Juli 2012 zugestellten
Rekursentscheid des Bildungsdepartements (Vorinstanz) durch ihren Rechtsvertreter
mit Eingabe vom 23. August 2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem
Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid, die
Ziffern eins bis drei des Entscheids der Berufsfachschulkommission vom 6. September
2011 und die nicht datierte Kündigung der Schulleitung des Berufs- und
Weiterbildungszentrums A. aufzuheben. Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung
vom 19. September 2012, die Beschwerde sei unter Kostenfolge zulasten der
Beschwerdeführerin abzuweisen. Berufsfachschulkommission und Schulleitung des
Berufs- und Weiterbildungszentrums A. (Beschwerdegegnerinnen) beantragten mit
Vernehmlassung vom 22. Oktober 2012, die Beschwerde sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
Die Beschwerdeführerin nahm am 7. November 2012 zu den Vernehmlassungen
Stellung und hielt an ihrem Antrag fest. Die Beschwerdegegnerinnen äusserten sich am
26. November 2012 dazu und hielten ihrerseits an ihrem Rechtsbegehren fest. Das
Beschwerdeverfahren wurde am 29. August 2013 sistiert. Die Verfahrensbeteiligten
versuchten am 30. Oktober 2013, sich unter Leitung des Präsidenten des
Verwaltungsgerichts zu verständigen und ersuchten im Hinblick auf eine Einigung um
weitere Sistierung des Verfahrens. Nachdem die Beschwerdeführerin am 16. Dezember
2013 mitteilen liess, die Vergleichsverhandlungen seien gescheitert, wurde das
Beschwerdeverfahren wieder aufgenommen. Am 16. April 2014 kam das
Verwaltungsgericht zum Schluss, über die Beschwerde und die Klage (K 2012/1), mit
welcher die Beschwerdeführerin eine Forderung wegen missbräuchlicher Kündigung
geltend machte, gleichzeitig zu befinden.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Da der
angefochtene Rekursentscheid an die Stelle des ihm zugrunde liegenden Entscheides
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der Berufsfachschulkommission vom 6. September 2011 und jener an die Stelle der
nicht datierten, der Beschwerdeführerin am 21. April 2011 zugegangenen Kündigung
getreten ist ("Devolutiveffekt", BGE 134 II 142 E. 1.4 und BGer 1C_166/2013 vom 27.
Juni 2013 E. 1.1), kann auf die Beschwerde, soweit damit die Aufhebung des
Entscheides der Berufsfachschulkommission und der Kündigung beantragt wird, nicht
eingetreten werden. Da mit dem angefochtenen Entscheid die Recht- und
Verhältnismässigkeit der ihr am 21. April 2011 zugegangenen Verfügung betreffend
Auflösung ihres Dienstverhältnisses am Berufs- und Weiterbildungszentrum A. bestätigt
wurde, ist die Beschwerdeführerin in schutzwürdigen Interessen betroffen und zur
Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde mit der Eingabe vom 23. August 2012 unter Berücksichtigung des
Fristenstillstandes vom 15. Juli bis 15. August rechtzeitig erhoben (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 VRP sowie Art. 145 Abs. 1 Ingress
und lit. b der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Sie erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Das Dienstverhältnis, welches die Beschwerdeführerin per 1. August 2005
eingegangen war, wurde von der Berufsfachschulkommission des Berufs- und
Weiterbildungszentrums A. (heute B.) am 26. April 2010 auf Ende des Schuljahres, das
heisst per Ende Juli 2010 gekündigt. Mit dem Rekursentscheid vom 4. März 2011 hat
die Vorinstanz diese Kündigung aufgehoben. In Ziffer 8 der Erwägungen wurden die
Beschwerdeführerin und das Berufs- und Weiterbildungszentrum allerdings
aufgefordert, "unter Berücksichtigung der aktuellen Anstellungsverhältnisse" der
Beschwerdeführerin "darüber zu befinden, ob sie das Dienstverhältnis am BZ A. als
Lehrerin mit dem addierten Beschäftigungsumfang beider Funktionen fortführen bzw.
wieder aufleben lassen wollen oder nicht"; im letzteren Fall sollte der Rekursentscheid
– das heisst die Feststellung, dass die Kündigung, soweit sie sachlich gerechtfertigt
war, unverhältnismässig war – für allfällige Entschädigungsansprüche relevant werden.
Der Rekursentscheid wurde unangefochten rechtskräftig.
In der Folge ersuchte die Beschwerdeführerin, die im Anschluss an das per 31. Juli
2010 aufgelöste Dienstverhältnis im August und September 2010 vergleichbare
Anstellungen im Kanton Thurgau angetreten hatte, das Berufs- und
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Weiterbildungszentrum am 28. März 2011 um Kontaktaufnahme, um "die
Angelegenheit einer definitiven Regelung zuzuführen", ohne allerdings gleichzeitig eine
Weiterführung oder Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit als Lehrerin anzubieten. Das
Berufs- und Weiterbildungszentrum teilte ihr am 31. März 2011 mit, es gehe davon aus,
dass "auch sie" das Dienstverhältnis nicht aufleben lassen wolle. Dass die
Beschwerdeführerin dieser Auffassung widersprochen hätte, ist nicht aktenkundig. Die
Beschwerdeführerin war sodann bereits seit 4. Januar 2010 freigestellt. Aus dem
Verhalten der Beschwerdeführerin und der Organe des Berufs- und
Weiterbildungszentrums ist damit ohne Weiteres darauf zu schliessen, dass das
Dienstverhältnis per 31. Juli 2010 enden und nicht weitergeführt werden sollte.
Daran ändert auch nichts, dass sich das Berufs- und Weiterbildungszentrum am 31.
März 2011 insoweit widersprüchlich äusserte, als es gleichzeitig – mit Blick auf die
Aufhebung der Kündigung durch die Vorinstanz im Rekursentscheid vom 4. März 2011
- davon ausging, das Anstellungsverhältnis als Lehrerin bestehe über den 31. Juli 2010
hinaus fort. Das Dienstverhältnis setzt eine Einigung der Beteiligten über Art und
Umfang der Beschäftigung und die Entlöhnung voraus. Eine solche Einigung liegt
jedoch nicht vor.
Ebensowenig vermag daran der Umstand etwas zu ändern, dass die
Beschwerdeführerin sich gegen die Kündigung vom 26. April 2010 zur Wehr gesetzt
hatte. Im Rekursentscheid vom 4. März 2011 wird der Inhalt des Rekurses detailliert
wiedergegeben. Daraus ergibt sich, dass für die Beschwerdeführerin – auch wenn sie
die Aufhebung verlangte – die Feststellung der Rechtswidrigkeit und
Unverhältnismässigkeit der Kündigung im Hinblick auf die Geltendmachung daraus
abgeleiteter Entschädigungsansprüche im Vordergrund stand. Die Äusserungen und
die Verhaltensweisen beider Beteiligter können vernünftigerweise nur so verstanden
werden, dass das Dienstverhältnis über den Ablauf der Kündigungsfrist am 31. Juli
2010 hinaus nicht fortgeführt werden sollte. In diesem Sinn liegt eine – konkludente –
Aufhebungsvereinbarung vor. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass im April
2011 eine Kündigung des Dienstverhältnisses – in welchem Umfang auch immer - nicht
mehr möglich war, da gar kein Dienstverhältnis mehr bestand.
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3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Kündigung vom April 2011 keine
Wirkung mehr entfalten konnte. Sie erweist sich dementsprechend als nichtig. Die
Berufsfachschulkommission ist damit zu Recht auf das Rechtsmittel nicht eingetreten,
hat es indessen unterlassen, die Nichtigkeit der Kündigung festzustellen (vgl. BGE 132
II 342 E. 2.3). Die Vorinstanz hat dementsprechend den Rekurs im Ergebnis zu Recht
abgewiesen, hätte aber ebenfalls die Nichtigkeit der Kündigung feststellen müssen. Die
Beschwerde ist dementsprechend im Ergebnis teilweise gutzuheissen, soweit darauf
eingetreten wird, und der angefochtene Rekursentscheid der Vorinstanz vom 3. Juli
2012 ist aufzuheben. Die Beschwerde erweist sich insoweit als begründet, als damit
die Unwirksamkeit der Kündigung geltend gemacht wird.
Würde allerdings davon ausgegangen, dass das Dienstverhältnis nach der
missbräuchlichen Kündigung vom 26. April 2010 weitergeführt wurde, erwiese sich die
neuerliche der Beschwerdeführerin am 21. April 2011 zugegangene Kündigung
ihrerseits als missbräuchlich. Solange über die Gültigkeit der Kündigung vom 26. April
2010 noch nicht entschieden war, musste die Beschwerdegegnerin mit Blick auf das
damals gültige Personalrecht damit rechnen, dass sie das Dienstverhältnis mit der
Beschwerdeführerin werde fortführen müssen. Unter diesen Umständen war es nicht
angebracht, dass sie die Pensen der Beschwerdeführerin nicht bloss mit befristeten
Lehraufträgen, sondern mit Mitteln überbrückte, die sie anschliessend dazu zwangen,
die Weiterbeschäftigung der Beschwerdeführerin mit der Begründung abzulehnen, es
bestehe betrieblich kein Bedarf nach der Vergabe weiterer Lehraufträge.
4. Nachdem die Streitwertgrenze von CHF 30'000 überschritten ist (vgl. K
2012/1), ist auch das Beschwerdeverfahren nicht kostenfrei (vgl. Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 1161). Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kosten von der
Beschwerdegegnerin – sie hat die Feststellung der Nichtigkeit der Kündigung zu
vertreten – zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000
erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf
die Erhebung ist nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der Beschwerdeführerin ist
der Kostenvorschuss von CHF 2'500 zurückzuerstatten.
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Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin für das Rekurs- und das
Beschwerdeverfahren ermessensweise ausseramtlich mit CHF 3'000 zuzüglich
pauschale Barauslagen von vier Prozent und Mehrwertsteuer zu entschädigen (Art. 98
Abs. 1 und Art. 98bis VRP; Art. 6, 19, 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, 28bis Abs. 1 und 29
HonO).