Decision ID: 63c80618-5a06-4799-81f0-d624b4943ee8
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. A.Y. ist als Inhaber der Einzelunternehmung „X.“ selbständig erwerbstätig. Bis Ende
November 2011 wohnte und arbeitete er in G. Per 1. Dezember 2011 zog er nach K.,
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Gemeinde M./TG, wo er in der Folge auch seine selbständige Erwerbstätigkeit ausübte.
Am 22. Februar 2012 stellte ihm das Steueramt G. ein als „Veranlagungsverfügung und
Schlussrechnung“ bezeichnetes Schreiben für die Kantons- und Gemeindesteuern
2011 zu und erstattete ihm die bisher für das Steuerjahr 2011 geleisteten Zahlungen
samt Zins zurück (act. G 8/2/3). Am 28. November 2012 reichte A.Y. unter Beilage der
Steuererklärung des Kantons Thurgau und der Jahresrechnung der
Einzelunternehmung die unterzeichnete leere st. gallische Steuererklärung ein (act. G
8/6 I/22). Von der Steuerverwaltung Thurgau wurde er am 31. Januar 2013 für 2011 mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 165‘500.-- und einem steuerbaren Vermögen
von Fr. 17‘700.-- veranlagt. In der Steuerausscheidung wurde das steuerbare
Einkommen auf die Gemeinden G./SG (Fr. 151‘100.--) und M./TG (Fr. 14‘400.--)
aufgeteilt (act. G 8/6 I/21).
b. Am 26. November 2014 veranlagte das kantonale Steueramt A.Y. für die Kantons-
und Gemeindesteuern 2011 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 151‘600.-- und
einem steuerbaren Vermögen von Fr. 0.-- (act. G 8/6 I/13). Die hiergegen erhobene
Einsprache (act. G 8/6 I/8) wies das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 15. Januar
2015 ab (act. G 8/6 I/4). Den hierauf eingereichten Rekurs (act. G 8/1) wies die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 30. Juni 2015
ab (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Rekursentscheid erhob A.Y. mit Eingabe vom 7. September 2015
Beschwerde mit dem Antrag, der Entscheid sowie die Veranlagung vom 21. Januar
2015 seien aufzuheben, und von einer Besteuerung in der Gemeinde G. für 2011 sei
abzusehen (act. G 1).
b. Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 16. September 2015

Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids (act. G 7). Der Beschwerdegegner teilte am 22. September
2015 den Verzicht auf eine Vernehmlassung mit und beantragte Abweisung der
Beschwerde (act. G 10).
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c. Auf die Vorbringen in der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid relevant, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung
der Beschwerde legitimiert, und die Eingabe vom 7. September 2015 entspricht
zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 und Art.
161 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
daher grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf das Begehren, die
Veranlagung vom 21. Januar 2015 - auf der Grundlage des Einspracheentscheides
vom 15. Januar 2015 - sei aufzuheben, da der angefochtene Rekursentscheid an deren
Stelle getreten ist (Devolutiveffekt; vgl. BGE 129 II 438 E. 1).
2.
2.1. Mit dem Umzug des Beschwerdeführers in den Kanton Thurgau per 1. Dezember
2011 und dem Wegfall des st. gallischen Wohnsitzes war die unbeschränkte
Steuerpflicht aufgrund des Wohnsitzwechsels (Art. 13 Abs. 1 StG) im Kanton St. Gallen
nicht mehr gegeben. Für das Jahr 2011 bestand somit eine Steuerpflicht des
Beschwerdeführers aufgrund persönlicher Zugehörigkeit im Kanton Thurgau (vgl. Art.
68 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und der Gemeinden, StHG; SR 642.14).
2.2. Art. 14 Abs. 1 StG regelt, unter welchen Voraussetzungen natürliche Personen
ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton aufgrund wirtschaftlicher
Zugehörigkeit steuerpflichtig sind. Die Bestimmung entspricht den Vorgaben von Art. 4
Abs. 1 StHG. Der Beschwerdeführer betreibt seine Unternehmung als Einzelfirma.
Letztere ist nicht selbständig steuerpflichtig und hat daher als solche auch kein
Hauptsteuerdomizil. Steuerpflichtig ist der Inhaber. Dieser hat am Sitz bzw. am Ort der
Leitung des Geschäfts ein Spezialsteuerdomizil des Geschäftsortes und nicht eine
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Betriebsstätte (Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4. Aufl., § 10 Rz. 15). Beim
Beschwerdeführer bestand im Jahr 2011 im Kanton St. Gallen bis Ende November ein
Nebensteuerdomizil des Geschäftsbetriebs (vgl. Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das St.
Gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, II. Rz. 31). Dies bedeutet, dass er für dieses Jahr
(auch) im Kanton St. Gallen steuerpflichtig war. Diese Steuerpflicht besteht kraft
wirtschaftlicher Zugehörigkeit (Randtitel zu Art. 14 StG) - trotz Wohnsitzwechsels - für
die ganze Steuerperiode 2011, auch wenn der Beschwerdeführer den Geschäftsbetrieb
im Verlauf des Jahres, d.h. per 1. Dezember 2011, in den Kanton Thurgau verlegte (vgl.
Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., II. Rz. 687). Aufgrund der unterjährigen wirtschaftlichen
Zugehörigkeit ist die Steuerpflicht nach Art. 15 Abs. 2 StG auf die Teile des
Einkommens und Vermögens beschränkt, für die nach Art. 14 StG eine Steuerpflicht im
Kanton besteht. Einkommen und Vermögen sind interkantonal auszuscheiden (vgl. Art.
4b Abs. 2 StHG). Die interkantonale Ausscheidung der Einkünfte aus selbständiger
Tätigkeit wurde vorliegend entsprechend vorgenommen (act. G 8/6 I/21).
Anhaltspunkte auf eine unkorrekte Ausscheidung in quantitativer Hinsicht werden vom
Beschwerdeführer nicht geltend gemacht; solche ergeben sich auch nicht aus den
Akten.
2.3. Der Beschwerdeführer stellt sich jedoch - wie in den Vorverfahren - auf den
Standpunkt, dass er im Kanton St. Gallen für 2011 bereits mit Verfügung vom 22.
Februar 2012 definitiv veranlagt worden sei (act. G 8/6 I/16). Für ihn sei nicht erkennbar
gewesen, dass es sich nicht um eine endgültige Verfügung handle. Er habe sich auf die
Endgültigkeit der Verfügung verlassen können. Wenn eine Verfügung jederzeit als
falsch bezeichnet werden könne, sei die Rechtssicherheit (Treu und Glauben) nicht
gewährleistet. Der Beschwerdegegner müsse sich auf einer formellen Verfügung
behaften lassen. Eine rechtskräftige Veranlagung dürfe vom Beschwerdegegner nur im
Rahmen einer Nachsteuerverfügung vorgenommen werden. Die Voraussetzungen für
ein Nachsteuerverfahren seien nicht gegeben. Eine Besteuerung aufgrund der
wirtschaftlichen Zugehörigkeit könne lediglich für Personen erfolgen, die nach dem
Wegzug eine wirtschaftliche Zugehörigkeit behalten oder begründen würden. Das
Gemeindesteueramt habe (beim Erlass der Verfügung vom 22. Februar 2012) über
sämtliche relevanten Informationen verfügt. Mit der (nachträglichen) Einreichung der
(nicht ausgefüllten) st. gallischen Steuererklärung und Beilegung der thurgauischen
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Steuerklärung habe er erklärt, seine Steuerpflicht für 2011 im Kanton Thurgau, und nur
dort, erfüllt zu haben. Vorliegend gehe es einzig um die formelle Beurteilung (act. G 1).
2.4. Mit dem Wechsel des Wohnkantons per 1. Dezember 2011 bestand beim
Beschwerdeführer keine persönliche Zugehörigkeit im Kanton St. Gallen mehr, weshalb
ihm der Beschwerdegegner die Verfügung vom 22. Februar 2012 mit einem
Steuerbetrag von Fr. 0.-- zukommen liess (act. G 8/6 I/16). Die Vorinstanz kam im
angefochtenen Entscheid zum Schluss, das Schreiben vom 22. Februar 2012 habe die
Stornierung der vorläufigen Steuerrechnung vom 14. Januar 2011 und Rückerstattung
des dort erhobenen Steuerbetrages samt Zins zum Zweck gehabt. Auch wenn die
Abrechnung die falsche Bezeichnung „Veranlagungsverfügung und Schlussrechnung“
enthalte, handle es sich dabei nicht um eine definitive Veranlagung der Kantons- und
Gemeindesteuern 2011. Das Schreiben weise weder Steuerfaktoren noch Steuermass
(im Sinn von Art. 178 Abs. 1 StG) auf. Allein aus der Nennung eines Steuerbetrages von
Fr. 0.-- im Rahmen einer Abrechnung zufolge Wegzugs könne nicht auf eine
Veranlagung mit einem steuerbaren Einkommen und Vermögen von Fr. 0.--
geschlossen werden. Hinzu komme, dass bei der steuerpflichtigen Periode nur ein
einziger Tag, der 1. Januar 2011, und nicht die ganze Steuerperiode bis 31. Dezember