Decision ID: e3612f54-307a-4627-8f43-09f570189483
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 7. März 2016 wegen
chronischer Achillessehnenentzündung links und rechts und sehr starker
Rückenbeschwerden bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-
act. 1). Er hatte zuletzt vom 1. Januar bis 31. Juli 2015 als Abkanter (Blechbearbeitung)
bei der Firma B._ gearbeitet (Angaben Arbeitgeberin vom 4. April 2016, IV-act. 17).
A.a.
Ein MRI von LWS und ISG vom 25. April 2016 zeigte Diskushernien L4/5 und L5/
S1 mit knapper Tangierung der Nervenwurzeln L5 links und S1 rechts sowie leichte bis
moderate degenerativ imponierende Veränderungen des ISG (IV-act. 92-12; IV-
act. 65-18 f.). Dr. C._ berichtete am 9. Mai 2016, die Achillessehnen seien stark
geschwollen und druckdolent. Die Schmerzen und Schwellungen hätten weiter
angehalten, aktuell links deutlich stärker als rechts. Diesbezüglich diagnostizierte er
eine chronische Tendinopathie beider Achillessehnen. Weiter leide der Versicherte bei
jeder kleinsten Belastung unter akuten lumbo-sacralen Schmerzen, so dass ein
Einsatzprogramm des RAV habe abgebrochen werden müssen. Bei der Untersuchung
habe er ein lumbal-betontes Panvertebralsyndrom bei muskulären Verspannungen und
segmentalen Dysfunktionen gefunden (IV-act. 65-9 ff.). Im Arztbericht vom 16. Juni
A.b.
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2016 beschrieb Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, starke Schwellungen des (wohl linken)
Sprunggelenkes mit Synovialitis klinisch und einem Impingement. Er diagnostizierte
eine Gichtarthropathie linkes OSG und eine Achillodynie links bei Verdacht auf
intratendinöse Degeneration und attestierte spätestens ab 15. Februar 2016 keine
Arbeitsunfähigkeit mehr. Der Versicherte habe im August 2015 und im Februar 2016
Arthritisschübe mit starken Schmerzen gehabt, sodass er nicht mehr habe gehen, aber
habe sitzen können (IV-act. 31).
RAD-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, nahm
am 4. Juli 2016 Stellung, in der körperlich schweren Tätigkeit als Abkanter bestehe seit
Mai 2015 keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer wechselbelastenden leichten Tätigkeit
ohne Einnahme von Zwangshaltungen der Wirbelsäule in gebückter Stellung und ohne
Arbeiten mit Hyperextension der Halswirbelsäule bestehe spätestens ab 11. April 2016
eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 33). Gestützt darauf und nach Vorbescheid vom
11. Juli 2016 (IV-act. 37) sowie nach Eingang eines weiteren Berichts von Dr. C._
vom 22. August 2016 (IV-act. 65-7 f.) wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch um
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen mit Verfügung vom 3. Oktober 2016 ab,
da der Versicherte in adaptierten Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig und bei der
Stellensuche nicht gesundheitsbedingt eingeschränkt sei (IV-act. 38). Hiergegen erhob
der Versicherte am 28. Oktober 2016 Beschwerde (IV-act. 41-2 f.), worauf die
angefochtene Verfügung gestützt auf einen Konsiliarbericht von Dr. med. F._,
Facharzt FMH für Neurochirurgie, vom 27. Januar 2017 (IV-act. 70-2 f.) und eine
Stellungnahme des Rechtsdienstes vom gleichen Tag (IV-act. 51) am 16. Februar 2017
zugunsten der Prüfung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung widerrufen wurde (IV-
act. 54) und das Versicherungsgericht am 20. Februar 2017 das hängige Verfahren (IV
2016/370) einstellte (IV-act. 57).
A.c.
Beim Versicherten wurde am 17. Februar 2017 ein Sakralblock unter BV-Kontrolle
und eine Facettengelenksinfiltration L5/S1 durchgeführt, die zu keiner
Schmerzlinderung führten (Operationsbericht IV-act. 71; Bericht Dr. F._ vom 7. März
2017, IV-act. 72).
A.d.
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Dr. G._, Chiropraktor, hielt im Arztbericht vom 20. März 2017 fest, die
Behandlungen erfolgten normalerweise wöchentlich. Hauptsymptomatik seien
Schmerzen und muskuläre Verkrampfungen paraspinal. Die körperliche Belastbarkeit
der Wirbelsäule sei mässig reduziert. Rezidive könnten rasch ausgelöst werden. Der
Versicherte arbeite zur Zeit als Aufsichtsperson während einiger Stunden pro Tag in
einem Fitnessstudio. Dies scheine zur Zeit angemessen. Es bestehe eine gewisse
Diskrepanz zwischen subjektivem und objektivem Befund. Wechselbelastende
Tätigkeiten seien während 5 bis 6 Stunden steigernd möglich (IV-act. 66-2 ff.).
A.e.
Am 27. März 2017 wurde eine operative Mikrodiskektomie und Dekompression L5/
S1 rechts vorgenommen, wobei der Versicherte postoperativ über starke, auf Opiate,
Fentanyl und PDA-Schmerzkatheter ungenügend reagierende Rücken- und
Beinschmerzen mit massiv eingeschränkter Bewegungsfähigkeit klagte (Austrittsbericht
Wirbelsäulenchirurgie Ostschweiz AG vom 3. April 2017, IV-act. 74; Operationsbericht
IV-act. 73).
A.f.
Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte
gemäss Arztbericht vom 8. Mai 2017 eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.1), sowie
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F45.41). Es finde eine integrierte psychotherapeutisch-psychiatrische Behandlung mit
wöchentlich bis zweiwöchentlich stattfindenden Behandlungseinheiten statt. Aufgrund
des komplexen Beschwerdebildes mit auch kurzzeitig rezidiviert auftretenden
depressiven Episoden im Rahmen der Schmerzsymptomatik bestünden öfter kurzfristig
auftretende 100%ige Arbeitsunfähigkeiten. Ein Arbeitsversuch sei vom Arbeitgeber
abgebrochen worden, da der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen nicht in der
Lage gewesen sei, die geforderten Tätigkeiten auszuführen. Mit medizinischen
Massnahmen könnte in einer angepassten Tätigkeit die Arbeitsfähigkeit um maximal
20 % gesteigert werden. Eine zeitlich und örtlich symptomangepasste Tätigkeit auf
dem zweiten Arbeitsmarkt wäre sinnvoll. Eine vollständige Reintegration erscheine aus
aktueller Sicht wenig wahrscheinlich (IV-act. 82).
A.g.
RAD-Ärztin Dr. E._ konstatierte am 7. Juni 2017, aufgrund des Rückenleidens
sei es zu einer vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit
A.h.
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- Diskusprotrusion C3/4 mit Nervenwurzeldeviation C4 links sowie C5/6 mit
Nervenwurzeldeviation C6 rechts
- SLAP-Läsion II der rechten Schulter
- chronische Cephalgie: Spannungskopfschmerzen, seltene Migräne
- chronische Cervicobrachialgie rechts, akute Symptomatik links ab Januar 2018
einer vollen Arbeitsunfähigkeit vom 27. März bis 10. Mai 2017 gekommen. Die strenge
körperliche Tätigkeit als Abkanter sei nicht mehr möglich. In einer leichten
wechselbelastenden Tätigkeit ohne Zwangshaltungen der LWS und der HWS sei der
Versicherte ab 11. Mai 2017 voll arbeitsfähig. Die aktuelle Tätigkeit als Aufsichtsperson
in einem Fitnessstudio sei adaptiert (IV-act. 85). Med. pract. I._, Allgemeinmedizin
FMH, hielt im Arztbericht vom 18. September 2017 (Eingang) fest, der Versicherte gebe
an, aufgrund der Konzentrationsschwäche, rascher Erschöpfbarkeit und psychischer
Erkrankungen nicht leistungsfähig zu sein (IV-act. 92-2 ff.). Die
Eingliederungsverantwortliche führte aus, nach der Operation habe sich der Zustand
des Versicherten verschlechtert. Aufgrund des instabilen Gesundheitszustands bei
100 %iger Arbeitsunfähigkeit mache die Stellensuche bzw. berufliche Integration
keinen Sinn. Sie schloss den Fall am 20. September 2017 ab (Assessmentprotokoll, IV-
act. 93-3 f.).
Im Verlaufsbericht des Psychiatriezentrums Rorschach wurde in einer ideal
angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 0 % bis 20 % attestiert (Verlaufsbericht
vom 13. Oktober 2017, IV-act. 94). RAD-Ärztin Dr. E._ nahm am 23. Oktober 2017
Stellung, die Attestierung einer vollen Arbeitsunfähigkeit sei nicht nachvollziehbar; es
sei ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen (IV-act. 102).
A.i.
Der Auftrag wurde der Medizinisches Gutachterzentrum Region St. Gallen GmbH
(MGSG) zugeteilt (Gutachten vom 28. Februar 2018; Dr. med. J._, Allgemeine Innere
Medizin; Dr. med. K._, Neurologie; Dr. med. L._, Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates; Dr. med. M._, Psychiatrie und
Psychotherapie; Untersuchungen 20. Dezember 2017, 3. Januar und 1. Februar 2018;
IV-act. 114). Die Gutachter diagnostizierten folgende Gesundheitsschäden mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 114-61 f.):
A.j.
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- paracervicale radikuläre Ausstrahlungsschmerzen C6 rechts und C4 links
- foraminale Bandscheibenprotrusion mit Nervenwurzeldeviation C6 rechts und C4
links
- rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1).
Als diagnostizierte Gesundheitsbeeinträchtigungen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit wurden unter anderem festgehalten (IV-act. 114-62 f.)
- eine Achillodynie beidseits
- ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, Erstmanifestation ca. 2013,
mit seinerzeit radikulärem L5-Syndrom rechts, Laminotomie L5/S1 rechts (März 2017)
und postoperativer Lumbago und bis dato anhaltendem residuellem, diskret sensibel
radikulärem S1-Syndrom rechts und geringer Facettengelenksarthrose ohne Hinweis
auf eine Spinalkanalstenose und/oder Neurokompression
- der Verdacht auf eine sich etablierende leichtgradige Polyneuropathie,
differenzialdiagnostisch Hinterstrangsymptomatik mit plantarer Hyp- und
Thermanästhesie beidseits, prätibialen elektrisierenden Nachhallphänomen bei
Perkussion und linksseitig diffusen, teils neuropathischen Beinschmerzen ohne
eindeutig erkennbares (radikuläres) Muster
- eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
- eine Arthritis urica.
Im interdisziplinären Konsens kamen die Gutachter zum Schluss, in der angestammten
Tätigkeit bestehe aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, seit November 2016 gesamthaft bei voller Stundenpräsenz eine
Arbeitsfähigkeit von 50 %. Leidensadaptierte Tätigkeiten, d.h. Arbeiten ohne erhöhte
emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität,
ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung
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sowie körperlich leichte Tätigkeiten, abwechselnd sitzend und stehend, ohne häufige
inklinierte, reklinierte und rotierte Kopfhaltungen und ohne Arbeiten über der
Horizontalen könnten dem Versicherten seit November 2016 gesamthaft bei voller
Stundenpräsenz zu 60 % zugemutet werden. Von März bis Juni 2017 habe im Rahmen
der postoperativen Rehabilitation (in der angestammten und in angepassten
Tätigkeiten) eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden (IV-act. 114-63).
A.k. RAD-Arzt N._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 10. April
2018 Stellung, die im psychiatrischen Teilgutachten attestierte Arbeitsfähigkeit von
50 % angestammt und 60 % adaptiert könne übernommen werden. Die ICD-10
Kriterien für eine depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, und eine
somatoforme Schmerzstörung seien erfüllt, beruhten aber zum Teil auf subjektiven
Angaben des Versicherten. Es zeige sich eine Verdeutlichungstendenz. Der vom
Gutachter vorgeschlagenen Therapieintensivierung sei zu folgen, sie sei dem
Versicherten zumutbar. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei unter diesen
Auflagen innerhalb eines Jahres eine etwa 70%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit zu erwarten. Zur Evaluierung des Therapieerfolges sei eine
Verlaufsbegutachtung in einem Jahr angezeigt (IV-act. 115). RAD-Ärztin Dr. E._
äusserte am 30. Mai 2018, in der Gesamtschau könne auf die somatischen
Teilgutachten abgestellt werden. Gestützt auf die stattgehabte interdisziplinäre
Fallbesprechung könne im Rahmen der Indikatorenprüfung von einer vollen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden, zumal der Versicherte die verordnete
psychiatrische Medikation nicht eingenommen habe. Es sei daher aus juristischer Sicht
in einer dem somatischen Leiden angepassten Tätigkeit von einer vollen
Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 115-5).
A.l. Mit Mitteilung vom 11. Mai 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen ab, da sich der Versicherte nicht in der Lage fühle, an
Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken (IV-act. 118).
A.m. In einer Stellungnahme vom 6. Juli 2018 legte der Rechtsdienst der IV-Stelle dar,
es sei aus Sicht des Rechtsanwenders im Lichte der Indikatoren zu prüfen, ob die
gutachterlich attestierten Arbeitsunfähigkeiten auch rechtlich relevant seien. Aus
rechtlicher Sicht könne von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit
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abgewichen werden, ohne dass diese ihren Beweiswert verliere. Vorliegend gehe aus
dem psychiatrischen MGSG-Teilgutachten klar hervor, dass der Versicherte unter
psychosozialen Faktoren wie Arbeitslosigkeit, fehlendem Einkommen und Abhängigkeit
vom Sozialamt leide. Diese liessen sich nicht klar vom medizinischen Leiden selbst
trennen, was gegen eine invalidisierende Wirkung der diagnostizierten depressiven
Störung spreche. Zusammengefasst erlaube die medizinische Aktenlage eine
schlüssige Beurteilung im Lichte der Standardindikatoren. In Gesamtbetrachtung seien
die im MGSG-Gutachten postulierten funktionellen Auswirkungen der erhobenen
Befunde, namentlich des nicht adäquat behandelten depressiven Leidens, auf die
Arbeitsfähigkeit beweismässig nicht hinreichend erstellt. Damit sei kein
invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen (IV-
act. 121).
A.n. Mit Vorbescheid vom 17. August 2018 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
das rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Leistungsbegehrens. Die im
Gutachten postulierten funktionellen Auswirkungen der erhobenen Befunde, namentlich
des nicht adäquat behandelten depressiven Leidens, auf die Arbeitsfähigkeit seien
beweismässig nicht hinreichend erstellt. Damit sei aus psychiatrischer Sicht kein
invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen. Aus dem
Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 4 % (IV-act. 124). Mit Einwand
vom 22. August 2018 brachte der Versicherte vor, er leide unter einer schwergradigen
Depression mit mehrfachen körperlichen Schmerzen, sodass im Moment eine
Berufstätigkeit von wirtschaftlichem Wert aus seiner Sicht nicht möglich sei. Er bitte
erneut um eine Abklärung in einer geschützten Arbeitsstelle wie der O._ (IV-act. 125).
Am 13. September 2018 reichte der Versicherte ein Arztzeugnis von med. pract. I._
ein, wonach er ab 10. September 2018 zu 100 % arbeitsunfähig sei (IV-act. 126).
A.o. Mit Verfügung vom 8. Oktober 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
Mit der durchgeführten Begutachtung und Indikatorenprüfung habe die Arbeitsfähigkeit
abschliessend beurteilt werden können. Weitere Abklärungen seien nicht erforderlich
und zielführend. Die beschriebene subjektive Arbeitsunfähigkeit entspreche keinem
invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden. Im Arztzeugnis von
med. pract. I._werde die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit nicht begründet und
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei nicht erkennbar, so dass es sich
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hierbei um eine andere Einschätzung desselben medizinischen Sachverhalts handle
(IV-act. 127).
B.
B.a. Mit am 7. November 2018 eingereichter und am 5. Dezember 2018 ausführlich
begründeter Beschwerde beantragt A._ (im Folgenden: Beschwerdeführer), vertreten
durch Rechtsanwältin lic. iur. A. Guyot, die Verfügung der IV-Stelle
(Beschwerdegegnerin) vom 8. Oktober 2018 sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben und die Beschwerdegnerin sei zu verpflichten, ihm ab
1. September 2016 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Sache
zu weiteren medizinischen Abklärungen, insbesondere für eine neuropsychologische
Abklärung, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese zu verpflichten, ein
neues, polydisziplinäres Gutachten einzuholen. Es sei ihm die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Das MGSG-Gutachten genüge
den Anforderungen der Rechtsprechung nicht und sei somit nicht beweiskräftig. Da
aus den übrigen Akten eine dauerhafte, volle Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
hervorgehe, sei ihm eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter seien weitere
medizinische Abklärungen, insbesondere eine neuropsychologische Abklärung sowie
eine neue polydisziplinäre Begutachtung, zu veranlassen. Da auch gemäss RAD eine
psychiatrische Verlaufsbegutachtung angezeigt sei, handle es sich um einen instabilen
Gesundheitszustand. Es bestehe vorliegend kein Spielraum, um von der ärztlichen
Beurteilung abzuweichen. Unter Berücksichtigung der gutachterlich attestierten
Arbeitsfähigkeit von 60 % resultiere beim entsprechenden Einkommensvergleich ein
Invaliditätsgrad von 47 %. Zudem sei ein Teilzeitabzug von 10 % und aufgrund der
einem potentiellen Arbeitgeber sofort ins Auge fallenden Einschränkungen ein
Leidensabzug von 15 % zu gewähren. Somit ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 60 %
(act. G 1; act. G 3).
B.b. Mit Beschwerdeantwort vom 15. Februar 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.c. Die vorsitzende Richterin heisst am 21. Februar 2019 das Gesuch um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) gut (act. G 6).
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B.d. Mit Replik vom 28. Februar 2019 macht der Beschwerdeführer geltend, der
behandelnde Psychiater habe aktenkundig festgehalten, dass formal der Denkablauf
leicht beschleunigt mit Gedankendrängen und Grübelneigungen sei. Überdies habe er
auch im Rahmen der Begutachtung über Konzentrationsschwierigkeiten geklagt. Bei
dieser Ausgangssituation würden auch die Qualitätsleitlinien eine testpsychologische
Zusatzuntersuchung empfehlen. Im Gutachten fehle eine schlüssige und
nachvollziehbare Auseinandersetzung mit den Diagnosekriterien der somatoformen
Schmerzstörung. Sodann seien deren Auswirkungen nicht gemäss der
Indikatorenrechtsprechung gewürdigt worden. Das Gutachten genüge den
Anforderungen der Rechtsprechung nicht. Die fehlende Therapierbarkeit sei für eine
invalidenversicherungsrechtlich relevante Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mehr
zwingend vorausgesetzt. Ob die mittelgradige depressive Störung verselbständigt sei,
spiele für die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome keine Rolle.
Eine stationäre oder halbstationäre Behandlung sei medizinisch nie angezeigt
gewesen, er befinde sich in einer lege artis durchgeführten Therapie. Die Gutachter
hätten Wechselwirkungen zwischen der somatoformen Schmerzstörung und der
depressiven Erkrankung nicht ausgeschlossen, sondern überhaupt nicht geprüft. Das
Kriterium der "zumutbaren Willensanstrengung" sei mit der Indikatorenrechtsprechung
nicht mehr relevant (act. G 8).
B.e. Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 8. März 2019 auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen
1.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
1.1.
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Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %,
auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn
sie mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.3.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Die Diagnose führt nur zur Feststellung einer
1.4.
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invalidenversicherungsrechtlich erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigung, soweit sie
nicht auf Aggravation oder ähnlichen Ausschlussgründen beruht (BGE 141 V 287,
E. 2.2 a.E., E. 2.2.1 f.). Die medizinischen Gutachter haben sich nicht auf die
Diagnosestellung zu beschränken, sondern die Leistungsfähigkeit bzw. die
funktionellen Auswirkungen unter Beachtung der einschlägigen Indikatoren
einzuschätzen (BGE 141 V 307 E. 5.2.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch unklare
Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte Diagnosen) sowie
psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der Beweis nach dem
strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 141 V 281 und
BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche
gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet betrachtet werden,
wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden
Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen
(Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).
Die Rechtsanwender prüfen insbesondere, ob die Ärzte ausschliesslich funktionelle
Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die versicherungsmedizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter
Satz ATSG). Recht und Medizin tragen je nach ihren fachlichen und funktionellen
Zuständigkeiten zur Festlegung ein und derselben Arbeitsunfähigkeit bei. Es soll keine
losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten
Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft
werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren
schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen
Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 307, E. 5.2.2 f.; BGE 144 V 54, E. 4.3).
1.5.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
1.6.
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2.
Zunächst ist die Beweistauglichkeit des der angefochtenen Verfügung zugrunde
liegenden MGSG-Gutachtens vom 28. Februar 2018 zu prüfen.
pflichtgemäss zu würdigen. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b;
BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.1.
Der Beschwerdeführer schilderte anlässlich der Begutachtungen im
Wesentlichen, er habe seit Jahren, verstärkt seit drei bis vier Jahren, LWS-
Beschwerden. Diese hätten nach dem Eingriff im März 2017 zugenommen und
strahlten inzwischen in beide Beine aus mit Kribbelparästhesien. Damit könne er nur
zehn Minuten sitzen oder stehen oder ca. 50 m gehen, Bücken und Heben und Tragen
von Lasten sei schmerzbedingt nicht möglich. Analgetika würden täglich gebraucht.
Gelegentlich trete eine Gefühlslosigkeit des gesamten Beins rechts mehr als links auf
(IV-act. 114-3 f., 20, 40). Die Schmerzen strahlten rechts bis in die Fusssohle, links bis
zum Oberschenkel aus. Ihr Charakter sei dumpf, tiefliegend, drückend, reissend, aber
auch brennend-elektrisierend. Die Schmerzstärke liege bei 4-5/10 Punkten auf der
visuellen Analogskala (VAS) mit Exazerbationen bis 10/10 Punkten. Im Sitzen würden
die Beine rasch "einschlafen", weshalb er Mühe beim Aufstehen habe. Schmerzbedingt
sei er bis zu 48 Stunden wach mit intermittierend fraktioniert zwei Stunden Schlaf.
Nach der Einnahme von 40 Tropfen Tramal könne er sechs bis zwölf Stunden
durchschlafen (IV-act. 114-39 f.). Infolge der Schmerzen könne er den Haushalt nicht
mehr besorgen und müsse nach dem Staubsaugen eines Zimmers etwa zwei Stunden
liegen (IV-act. 114-19).
2.1.1.
Seit einer Frontalkollision im Jahr 1994 leide er an deutlich zunehmenden Kopf-
und HWS-Schmerzen mit deutlich palpablen muskulären knotigen Veränderungen.
Zwischen 2006 und 2010 habe er mehrere Unfälle beim Snowboarden erlitten. Durch
chiropraktische Behandlungen hätten sich diese Beschwerden gebessert (IV-
act. 114-41, 49). Er habe grosse Probleme, die HWS bzw. den Kopf zu bewegen;
Drehung nach links, Inklination und Reklination seien schmerzhaft, blockierten und
führten zu schwindelartigen und beengenden Exazerbationen (IV-act. 114-39). Seit
Wochen bzw. etwa zwei Monaten manifestierten sich Schmerzen und
Bewegungseinschränkungen in der rechten Schulter, die sich gelegentlich in den
2.1.2.
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Oberarm rechts bzw. intermittierend bis in die rechte Hand fortsetzten. Etwa seit
Oktober oder November 2017 sei eine leichte Kraftminderung in der rechten Hand
vorhanden. Das Heben und Tragen von Lasten und das Arbeiten über der Horizontalen
seien schmerzhaft (IV-act. 114-4, 20, 39). Neu sei seit dem 26. Januar 2018 die linke
Hand kraftlos, vom Gefühl her leicht geschwollen und schmerzhaft. Es sei damals zu
Hustenattacken mit einem vernichtenden, lanzierenden pfählenden Schmerz mit
stärksten brennenden Missempfindungen über der Schulterkuppe links gekommen. In
der Folge seien die Schmerzen zurückgegangen und es sei zu einer massiven
Bewegungseinschränkung/Schwäche des Arms gekommen. Die Schmerzen strahlten
von paracervikal links über die vordere Schulterregion in den Arm und teilweise die
Finger aus (IV-act. IV-act. 114-40, 42). Aktuell bestehe weiterhin ein diffuser
Dauerkopfschmerz, holocran, von meist geringer Schmerzintensität, die zunehme,
wenn er rasche Kopfbewegungen ausführe (IV-act. 114-40, 41).
Der Beschwerdeführer beklagt weiter seit dem 17. Lebensjahr bestehende
Schmerzen in der Achillessehne rechts und links (IV-act. 114-4; vgl. IV-act. 114-20:
Achillessehnenentzündungen). Seit ca. sechs Jahren leide er an Gichtbeschwerden,
anfangs an den Zehen und Fussgelenken und inzwischen an den Fingergelenken
beidseits (IV-act. 114-20).
2.1.3.
Im Zusammenhang mit den zunehmenden körperlichen Beschwerden und
psychosozialen Problemen habe sich das psychische Zustandsbild seit etwa
September 2015 verschlechtert und er habe seit ca. November 2016 keine Kraft mehr.
Bis dahin habe er versucht zu kämpfen und einen Ausweg gesucht. Eine anfängliche
Wut sei inzwischen in Resignation übergegangen (IV-act. 114-20). Er habe keine Lust,
keine Freude, keine Unternehmungslust und brauche für alle Tätigkeiten eine extreme
Überwindung. Er habe keine Kraft mehr, nachdem er das Leben lang gekämpft und
inzwischen alles verloren habe. Infolge der starken Schmerzen sei er wiederholt unruhig
und reagiere vor Terminen mit Panikattacken mit thorakaler Enge und Atemnot. Die
Konzentration sei schwierig, da er im Denken durch die Schmerzen abgelenkt und
eingeengt sei. Er sei inzwischen nicht mehr vermehrt nachdenklich und habe keine
Zukunfts- oder Existenzängste mehr, da er alles verloren habe. Er habe ausgeprägte
Ein- und Durchschlafstörungen und sei mitunter die ganze Nacht wach. Dann schlafe
er aus Erschöpfung zwischen einer und 24 Stunden. Sein Selbstwertgefühl sei stark
vermindert und er habe kein Selbstvertrauen mehr (IV-act. 114-19). Er sei seit etwa
November 2016 in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung etwa einmal
pro Monat (IV-act. 114-20, 24).
2.1.4.
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Der orthopädische Gutachter führt zu den ausstrahlenden Beschwerden der LWS
aus, im MRI-Befund seien lediglich leichte Spondylarthrosen L4 bis S1 sichtbar. Bei
radiologisch fehlender neuraler Kompression könne weder die Ausstrahlung der
Schmerzen in die Achillessehne beidseits noch die gelegentliche Gefühllosigkeit beider
Beine erklärt werden (IV-act. 114-10). Der neurologische Gutachter beschrieb klinisch
ein S1-Ausstrahlungsmuster rechts und ordnete die geklagten Beschwerden infolge
fehlender Neurokompression einem Residualsymptom einer älteren, dorsalen sensiblen
S1-Nervenkompromittierung zu. Nachvollziehbar seien die dorsalen Anteile der klinisch
erfassten Sensibilitätsstörungen, nicht aber die angegebenen diffusen Beinschmerzen
links (IV-act. 114-50 f.). Hinsichtlich der Nacken- und Schulterbeschwerden wurden
bildgebend Nervenwurzeldeviationen C4 links und C6 rechts sowie eine SLAP-Läsion II
in der rechten Schulter objektiviert (IV-act. 114-10). Die Schmerzen in der Schulter und
die pathologischen objektiven Befunde könnten durch die im MRI dargestellte SLAP-
Läsion II mindestens teilweise objektiviert werden. Das Ausmass der pathologischen
objektiven Befunde sei jedoch mit dem MRI-Befund nur unvollständig nachvollziehbar
(IV-act. 114-10). Der neurologische Gutachter äussert hierzu, aufgrund der MRI-
Untersuchung sei eine radikuläre Schmerzkomponente im Bereich des rechten Armes
nachvollziehbar (IV-act. 114-50). Die beklagte Symptomatik gehe aber darüber hinaus.
Sie sei klinisch nahezu vollständig überlagert von einer diffusen, gesamthaften
Schmerzausweitung im Bereich der oberen rechten und neu seit Januar 2018 auch
linken Extremität, indem als diffus zu bewertende Ausstrahlungsbeschwerden in Form
von fluktuierend schmerzhaft sakkadierten und allesamt submaximalen muskulären
Willkürinnervationen beider Arme beklagt und präsentiert würden (IV-act. 114-50 f.).
Der orthopädische und der neurologische Gutachter kommen übereinstimmend zur
Einschätzung, in der bisherigen Tätigkeit bestehe aufgrund der diagnostizierten
Gesundheitsschäden eine Arbeitsfähigkeit von 60 %, wobei der neurologische
Gutachter hierbei auch die (orthopädisch nicht zu berücksichtigende) S1-
Residualsymptomatik mit einbezieht (IV-act. 114-11, IV-act. 114-51). In angepassten
Tätigkeiten attestieren beide Gutachter eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-act. 114-11;
IV-act. 114-52). Der orthopädische Gutachter bezeichnet körperlich leichte Tätigkeiten,
abwechselnd sitzend und stehend, ohne häufig inklinierte, reklinierte und rotierte
Kopfhaltungen und ohne Arbeiten über der Horizontalen als adaptiert (IV-act. 114-11).
Der neurologische Experte umschreibt schwere, die Wirbelsäule statisch und
dynamisch sowohl im Bereich der oberen als auch der unteren Extremität belastende
Arbeiten als unzumutbar (IV-act. 114-50 f.). Leidensangepasst seien Tätigkeiten mit
geringem Belastungsprofil vor allem im Bereich der oberen Extremität mit nur
kurzzeitigen, leichten Hebe-/Tragearbeiten, zumeist sitzend und mit stetiger
Möglichkeit zur Wechselhaltung (IV-act. 114-52). Hinsichtlich der Schmerzen in den
2.2.
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Achillessehnen bemerkt der orthopädische Gutachter, diese könnten nicht näher
definiert werden (IV-act. 114-4). Von Seiten behandelnder Ärzte waren eine Verdickung
beziehungsweise Druckdolenzen im Bereich der Achillessehnen (Bericht Dr. D._ vom
8. Februar 2016, IV-act. 15-3 f.; Berichte Dr. C._ vom 9. Mai 2015, IV-act. 65-9 ff.
und vom 22. August 2016, IV-act. 65-7 f.) sowie Schwellungen und Schmerzen bzw.
Arthritisschübe im rechten und nach vorübergehender Besserung nach Infiltration auch
wieder im linken Sprunggelenk (Arztbericht Dr. D._ vom 16. Juni 2016, IV-act. 31;
Berichte Dr. C._ vom 22. August 2016, IV-act. 65-7 f., und vom 16. März 2017, IV-
act. 65-2 ff.) beschrieben worden. Klinisch erhob der orthopädische Gutachter
Druckdolenzen der Peronealsehnen, Achillessehnen und der Tibialis posterior Sehnen
rechts und links, jedoch eine ungestörte Funktionalität dieser Sehnen und keine OSG-
Bandinstabilitäten (IV-act. 114-7) und diagnostizierte eine Achillodynie beidseits sowie
eine Gicht (IV-act. 114-9 f.). Der internistische Gutachter führt aus, trotz jetzt
normalisierter Harnsäure im Serum träten gemäss Angaben des Beschwerdeführers
immer wieder akute Arthritisschübe in beiden Grosszehengrundgelenken und im linken
OSG auf. Er diagnostiziert eine Arthritis urica (Gicht), welche die Arbeitsfähigkeit nicht
einschränke (IV-act. 114-55). Letzteres erscheint auch hinsichtlich der
Achillessehnenbeschwerden plausibel, da diese gemäss Angaben des
Beschwerdeführers seit seinem 17. Lebensjahr bestehen, ohne seine Arbeitsfähigkeit
bis zum Mai 2015 längerfristig eingeschränkt zu haben. Die das internistische,
orthopädische und neurologische Fachgebiet betreffenden Einschätzungen erscheinen
schlüssig und nachvollziehbar. Dabei können, wie aufgezeigt, die angegebenen
Beschwerden aus rein somatischer Sicht nur teilweise objektiviert werden.
Der Beschwerdeführer bringt gegen das psychiatrische Gutachten vor, dieses sei
unvollständig bzw. der Gesundheitszustand sei ungenügend abgeklärt worden.
Zunächst hätte eine neuropsychologische Abklärung erfolgen müssen. Weiter seien die
massiven Schlafstörungen nicht berücksichtigt worden. Es fehle eine schlüssige
Begründung, weshalb die diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben sollte. Schliesslich finde die integrierte
psychotherapeutisch-psychiatrische Behandlung nicht einmal monatlich, sondern in
ein- bis zweiwöchentlichen Intervallen statt.
2.3.
Der psychiatrische Gutachter diagnostiziert eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1) mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4),
die keine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit begründe (IV-act. 114-26 f., 62 f.). Die
Diagnosen erscheinen mit Blick auf den Befund (IV-act. 114-25 f.) und die vom
2.3.1.
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Beschwerdeführer angegebenen, somatisch teilweise nicht objektivierbaren Schmerzen
(vgl. IV-act. 114-28 f.) schlüssig und nachvollziehbar. Der Gutachter führt aus, im
Zusammenhang mit einer zunehmenden LWS-Schmerzsymptomatik und
psychosozialen Problemen mit Arbeitslosigkeit habe der Beschwerdeführer etwa im
September 2015 eine rezidivierende depressive Störung mit anhaltender mittelgradiger
depressiver Episode seit etwa November 2016 entwickelt. Damit bestehe keine von
den Schmerzen unabhängige oder verselbständigte depressive Erkrankung (IV-
act. 114-28 f.). Es liessen sich an psychosozialen Faktoren Arbeitslosigkeit mit
fehlendem Einkommen und Abhängigkeit vom Sozialamt erheben, die negative
funktionelle Folgen zeigten und sich ungünstig auf die depressive Störung auswirkten,
jedoch nicht als alleinige Ursache in Betracht kämen (IV-act. 114-30). Somit ist ein
invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nicht deswegen zu verneinen, weil
er überwiegend durch psychosoziale Faktoren verursacht oder unterhalten werde.
Auch berücksichtigt der psychiatrische Gutachter das Vorhandensein von
Komponenten der Verdeutlichung bzw. Hinweisen auf eine Aggravation (IV-
act. 114-29), jedoch ohne diesen ein Ausmass zuzuschreiben, welches eine Invalidität
ausschliessen würde.
Der Beschwerdeführer beklagte mehrfach kognitive Einschränkungen wie
mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Vergesslichkeit, so auch anlässlich der
Begutachtung (Konsiliarische Beurteilung Dr. med. P._, Neurologie FMH, vom
26. August 2015, IV-act. 92-19 f.; Bericht Dr. C._ vom 9. Mai 2016, IV-act. 65-9 ff.;
Arztbericht med. pract. I._vom 18. September 2017 [Eingang], IV-act. 92-2 ff.).
Dr. P._ hielt fest, falls die beklagten neuropsychologischen Funktionsstörungen sich
mit Rückgang der Schmerzen nicht zurückbilden würden, sei eine
neuropsychologische Untersuchung zu empfehlen (IV-act. 92-20), Dr. C._ wies
darauf hin, dass eine solche in Frage komme (IV-act. 65-12). Die Ärzte des
Psychiatriezentrums Rorschach berichteten am 8. Mai 2017, die Aufmerksamkeit sei
ungestört, es bestünden keine ausgeprägten mnestischen Defizite, wobei
anamnestisch mnestische Störungen beschrieben würden (IV-act. 82-3). Eine
neuropsychologische Untersuchung wurde nicht vorgeschlagen. Im Bericht vom
13. Oktober 2017 wurde der aktuelle psychopathologische Befund als unverändert
angegeben (IV-act. 94-2). RAD-Ärztin Dr. E._ hielt in der Stellungnahme vom 23. Ok
tober 2017 fest, die vom Rheumatologen und der Neurologin vorgeschlagene
neuropsychologische Abklärung sei nicht durchgeführt worden, der Beschwerdeführer
beklage jedoch weiterhin Konzentrationsstörungen und Erschöpfung. Ob eine
neuropsychologische Abklärung nötig sei, liege im Ermessen der Gutachter (IV-
2.3.2.
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act. 99-1; IV-act. 102). Der psychiatrische Gutachter erhob eine weitgehend intakte
Auffassung, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit trotz subjektiver
Konzentrationsschwierigkeiten (IV-act. 114-26, 28). Somit erscheint nachvollziehbar,
dass er keine neuropsychologische Abklärung veranlasste. In seine Beurteilung
einbezogen hat er sodann auch, dass der Beschwerdeführer ausgeprägte Ein- und
Durchschlafstörungen angebe, indem er wiederholt die ganze Nacht über wach sei und
tagsüber schlafe, wobei Biorhythmusstörungen verneint würden (IV-act. 114-29),
wenngleich er die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausschliesslich mit den Folgen
der rezidivierenden depressiven Störung begründet (IV-act. 114-31). Indem der
Gutachter die Schlafstörungen im Kontext der Depressionssymptomatik erwähnt (IV-
act. 114-28 f.), ist anzunehmen, dass er sie in der Beurteilung der durch die Depression
begründeten Funktionseinschränkungen einbezogen hat. Was die Auswirkung der
somatoformen Schmerzstörung anbelangt, führt der psychiatrische Gutachter aus,
dass die depressive Erkrankung nicht von den Schmerzen unabhängig oder
verselbständigt sei (IV-act. 114-29). Es erscheint daher schlüssig, dass die
somatoforme Schmerzstörung die Arbeitsfähigkeit nicht weitergehend einschränkt als
die Depression.
Was die Häufigkeit der ambulanten Therapien im Psychiatriezentrum Rorschach
anbelangt, wurden im Arztbericht vom 8. Mai 2017 wöchentlich bis zweiwöchentlich
stattfindende Behandlungseinheiten angegeben (IV-act. 82-3). Dem Verlaufsbericht
vom 13. Oktober 2017 ist diesbezüglich lediglich zu entnehmen, dass die ambulante
Therapie fortzuführen sei (IV-act. 94-3). Der psychiatrische Gutachter erhob
anamnestisch, der Beschwerdeführer befinde sich seit etwa November 2016 in
psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung beim psychiatrischen Zentrum
Rorschach, etwa einmal pro Monat (IV-act. 114-20). Demnach ist davon auszugehen,
dass das Therapieintervall spätestens zwischen Oktober 2017 und der Begutachtung
am 20. Dezember 2017 reduziert wurde. Da sich jedoch der psychologische Befund
zwischen Mai und Oktober 2017 nicht veränderte (vgl. Bericht Psychiatriezentrum
Rorschach vom 13. Oktober 2017, IV-act. 94), kann aus der Abnahme der
Therapiehäufigkeit nicht auf eine Verbesserung des Gesundheitszustands geschlossen
werden.
2.3.3.
Zu den funktionellen Einschränkungen führt der psychiatrische Gutachter aus,
aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgrade Episode,
seien emotionale Belastbarkeit, die geistige Flexibilität, Antrieb, Interessen, Motivation
und Dauerbelastbarkeit erheblich beeinträchtigt (IV-act. 114-31). Als Komorbidität
kommen die Schmerzen hinzu, soweit sie somatisch erklärbar sind, wobei aber die
2.4.
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Arbeitsfähigkeit primär durch das psychische Leiden eingeschränkt ist (vgl. IV-
act. 114-64), was aufgrund dessen, dass die körperlichen Beschwerden lediglich
teilweise durch objektive Befunde erklärbar sind, einleuchtet. Zur Persönlichkeit hält
der Gutachter fest, es liessen sich keine Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung
erheben. Damit erschienen die Selbst- und Fremdwahrnehmung, Realitätsprüfung und
Urteilsbildung, Affektsteuerung, Impulskontrolle, Intentionalität und Antrieb vor allem
durch die depressive Störung beeinträchtigt (IV-act. 114-28, 29). Der Beschwerdeführer
berichtet über eine sehr zurückgezogene Lebensweise bei unregelmässigem Tag-/
Nachtrhythmus. Er lebe alleine und sei seit Sommer 2016 mit einer als Hotelfachfrau
tätigen Italienerin befreundet, die in Italien lebe und ihn tage- oder wochenweise
besuche. Die Beziehung sei durch die gesundheitlichen Probleme belastet. Weiter habe
er gute Kontakte zu einer Nachbarin und seiner Mutter, die ihn beim Einkaufen bzw. im
Haushalt unterstützten (vgl. IV-act. 114-22, 30, 42, 44). Somit sei doch von gewissen
Ressourcen auszugehen (vgl. IV-act. 114-32).
Zur Konsistenz wird ausgeführt, die berichteten und beklagten Beschwerden seien
in sich überwiegend konsistent und es liessen sich keine wesentlichen Diskrepanzen
oder Widersprüche erheben. Der Beschwerdeführer erwecke einen leidenden Eindruck
und weise wiederholt demonstrativ auf seine Beschwerden hin (IV-act. 114-42). Es
bestünden Verdeutlichungstendenzen und damit Hinweise für eine Aggravation mit
Verdacht auf einen sekundären Krankheitsgewinn (IV-act. 114-29). Der orthopädische
Gutachter führte aus, der Beschwerdeführer habe die lumbalen Schmerzen, die
Schulterschmerzen und die Schmerzen in der Achillessehne nicht näher beschreiben
können (IV-act. 114-4). Bei der Untersuchung habe er sich äusserst
schmerzempfindlich präsentiert und teilweise ungenügend mitgearbeitet (IV-
act. 114-6 f.). Weiter sei ihm aufgefallen, dass die Flexion/ Extension der Hüfte
während der Untersuchung schlechter gezeigt worden sei als beim anschliessenden
Ankleiden (IV-act. 114-7). Er kommt zum Schluss, insgesamt zeigten sich Zeichen einer
Aggravation (IV-act. 114-10). Im Gegensatz zum orthopädischen Gutachter beschreibt
der neurologische Experte die Beschwerden recht detailliert (IV-act. 114-40 ff.), was auf
genauere Angaben des Beschwerdeführers zumindest auf Nachfrage hin schliessen
lässt. Auch er berichtet jedoch, der Beschwerdeführer habe während der Untersuchung
gestöhnt und sei aufgestanden (IV-act. 114-45 f.). Beim so genannten Rombergversuch
habe sich die Standsicherheit unter Ablenkung normalisiert (IV-act. 114-48). Aus
psychiatrischer Sicht sei eine relativ gleichmässige Einschränkung in allen
Lebensbereichen zu erheben gewesen (IV-act. 114-31). Schliesslich waren die
angegebenen Medikamente Cipralex, Indocid und Pregabalin im Serumspiegel kaum
oder nicht nachweisbar (vgl. IV-act. 114-26, 30). Insgesamt stellen die Gutachter somit
2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/25
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3.
Diskrepanzen zwischen den geltend gemachten Beschwerden einerseits und den
objektivierbaren Beschwerden, der Angemessenheit der Behandlung und dem
Verhalten anlässlich der Untersuchungen andererseits fest. Für einen Leidensdruck
spricht, dass der Beschwerdeführer die Infiltrationen ins rechte OSG vom 31. August
2015 (Fremdakten act. 1-6) und den Sakralblock und die Facettengelenksinfiltration L5/
S1 vom 17. Februar 2017 (IV-act. 71) wegen seiner Angst vor Spritzen unter Narkose
durchführen liess. Unter Berücksichtigung der beschriebenen Inkonsistenzen bzw.
Hinweisen auf eine Aggravation und der beteiligten psychosozialen Faktoren erscheint
die Attestierung einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
nachvollziehbar.
RAD-Psychiater N._ nahm zunächst Stellung, die im psychiatrischen Gutachten
attestierte Arbeitsunfähigkeit könne übernommen werden. Im Rahmen einer
interdisziplinären Besprechung mit der beteiligten RAD-Ärztin Dr. E._ sowie der
Sachbearbeitung und dem Rechtsdienst vom 30. Mai 2018 wurde festgehalten, im
Rahmen der Indikatorenprüfung könne von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
werden, da der Versicherte die verordnete psychiatrische Medikation nicht
eingenommen habe (IV-act. 115). Der Rechtsdienst äusserte in einer für die
Rentenprüfung zusätzlich verfassten juristischen Stellungnahme am 6. Juli 2018 im
Wesentlichen, aus Sicht der Rechtsanwendung sei im Lichte der Indikatoren zu prüfen,
ob die von den Gutachtern attestierten Arbeitsfähigkeiten auch rechtlich relevant seien.
Aus rechtlicher Sicht könne von der medizinischen Einschätzung abgewichen werden,
ohne dass diese ihren Beweiswert verliere. Vorliegend erlaube die medizinische
Aktenlage eine schlüssige Beurteilung im Lichte der Standardindikatoren. In
Gesamtbetrachtung seien die im MGSG-Gutachten postulierten funktionellen
Auswirkungen der erhobenen Befunde, namentlich des nicht adäquat behandelten
depressiven Leidens, auf die Arbeitsfähigkeit nicht hinreichend erstellt. Damit sei kein
invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen (IV-
act. 121).
3.1.
Die Beschwerdegegnerin weicht damit von der gutachterlichen Einschätzung ab,
welche unter Zugrundelegung des strukturierten Beweisverfahrens bzw. der nach
diesem massgeblichen Indikatoren erfolgte. Hierzu ist anzumerken, dass eine
juristische Parallelbeurteilung der Arbeitsfähigkeit nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung ausgeschlossen ist, wenn die Gutachter in ihrer Beurteilung die
Standardindikatoren berücksichtigt haben: Die Rechtsanwender prüfen insbesondere,
ob die Ärzte ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen
3.2.
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der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob
die versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage
erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG). Zwar obliegt somit die abschliessende
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Rechtsanwendung (BGE 144 V 53 E. 4.3; Urteile
vom 15. März 2018, 8C_604/2017, E. 3.2 und vom 24. Mai 2018, 8C_431/2017, E. 3.4).
Recht und Medizin tragen (jedoch) je nach ihren fachlichen und funktionellen
Zuständigkeiten zur Festlegung ein und derselben Arbeitsunfähigkeit bei. Es soll keine
losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten
Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft
werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren
schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen
Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 281, E. 5.2., E. 5.5 und E. 8; BGE 144 V 54,
E. 4.3). Ärztlicherseits ist substanziiert darzulegen, aus welchen medizinischen Gründen
die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die Ressourcen in
qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen.
Berücksichtigen die Experten die in BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen
überzeugend, hat ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung auch aus Sicht des
Rechtsanwenders Bestand. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein
Abweichen davon gebietet (BGE 145 V 368 f., E. 4.3). Solche sind vorliegend nicht
ersichtlich gemäss den vorstehenden Erwägungen bzw. der dort wiedergegebenen
nachvollziehbaren Indikatorenprüfung sowie Schlussfolgerungen der Gutachter.
Zuletzt weicht der RAD auch in eigentlich medizinischer Hinsicht von den
Gutachtern ab: Während gemäss psychiatrischem Gutachten unter optimaler
Behandlung lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 70 % erreicht werden könne, scheint der
RAD interdisziplinär davon auszugehen, es könne bei adäquater Behandlung von der
Wiedererlangung einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (vgl. IV-act. 115-5),
ohne dies zu begründen. Hierfür wäre aber eine Stellungnahme der Gutachter und
gegebenenfalls ein weiteres Gutachten einzuholen gewesen (Urteil des Bundesgerichts
vom 14. Februar 2014, 8C_874/2013, E. 3.3). Schliesslich führt eine Aggravation nur
insoweit zur Verneinung einer versicherten Gesundheitsschädigung, als die
Leistungseinschränkung auf der Aggravation beruht (Urteil des Bundesgerichts vom
12. März 2019, 9C_501/2018, E. 5.1). Mithin ist gesamthaft entgegen der Auffassung
der Beschwerdegegnerin nicht von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit bzw. vom Fehlen
eines invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens auszugehen.
3.3.
Es bleibt darüber zu befinden, ob gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen
von einer 60%igen oder einer 70%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. Der
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/25
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4.
psychiatrische Gutachter führt aus, die Verbesserung des Gesundheitszustandes
könne unter Intensivierung der therapeutischen Massnahmen innerhalb eines Jahres,
allerdings in Abhängigkeit von weiteren psychosozialen Faktoren, erwartet werden (IV-
act. 114-35). Dabei handelt es sich um eine längerfristige und entsprechend unsichere
Prognose. Zudem ist der psychiatrische Gutachter offenbar davon ausgegangen, dass
seit jeher lediglich monatlich Therapiesitzungen stattgefunden hätten, während diese
jedoch über längere Zeit in wöchentlich bis zweiwöchentlichem Rhythmus erfolgten
(vgl. IV-act. 82-3; E. 2.3.2). Ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren im Sinne von
Art. 21 Abs. 4 ATSG wurde nicht durchgeführt. Demzufolge ist mit den Gutachtern von
einer 60%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Erst nach Durchführung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens und einer Revision gemäss Art. 17 ATSG kann gegebenenfalls
von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
Der Beschwerdeführer war ab 26. Mai 2015 zu 100 % bzw. 50 % arbeitsunfähig
(Fremdakten, act. 1-3) und meldete sich am 7. März 2016 zum Leistungsbezug an (IV-
act. 1). Demnach besteht ein allfälliger Rentenanspruch ab 1. September 2016 (Art. 28
Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG).
4.1.
In seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Abkanter bei der Firma B._ erzielte der
Beschwerdeführer ab 1. Januar 2015 ein Jahreseinkommen von 13 x Fr. 5'350.-- =
Fr. 69'550.-- (Angaben Arbeitgeberin vom 4. April 2016, IV-act. 17-3). Die Kündigung
erfolgte durch die Arbeitgeberin aus wirtschaftlichen Gründen, wobei sie angab, es sei
ihr keine Einschränkung bekannt gewesen, die zum Antrag einer IV-Rente veranlassen
würde (IV-act. 17-7 f.). Somit kann nicht angenommen werden, der Beschwerdeführer
wäre ohne Eintritt des Gesundheitsschadens weiterhin an dieser Arbeitsstelle tätig
gewesen. Gemäss seinem Lebenslauf schloss der Beschwerdeführer eine Lehre als
Bäcker/Konditor ab, arbeitete aber danach nie in diesem Beruf, sondern als
Dachdecker, Chauffeur, Lagerist, als Material- und Transportverantwortlicher und im
Bereich Arbeits-/Auftragsvorbereitung (AVOR; IV-act. 26). Gemäss Auszug aus dem
individuellen Konto (IK) erzielte er unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
bis zum Jahr 2015 folgende Jahreseinkommen: 2014: (Fr. 275.-- + Fr. 6'363.-- +
Fr. 56'361.--) : 2220 x 2226 = Fr. 63'169.--; 2013: (Fr. 11'773 + Fr. 64'611.-- +
Fr. 2'577.--) : 2204 x 2226 = Fr. 79'749.--; 2012: (Fr. 42'683.-- + Fr. 10'356.-- +
Fr. 21'518.--) : 2188 x 2226 = Fr. 75'881.--; 2011: (Fr. 50'879.-- + Fr. 8'580.--) : 2171 x
2226 = Fr. 60'965.--, was unter Einbezug des Jahreseinkommens 2015 von
Fr. 69'550.-- einen Durchschnitt von Fr. 69'857.-- ergibt.
4.2.
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5.
Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist vom Tabellenlohn gemäss
Lohnstrukturerhebung (LSE)/Lohnenwicklung 2015 des Bundesamtes für Statistik
(BFS), Median Kompetenzniveau 1, Männer, auszugehen. Er beträgt Fr. 66'633.--
Informationsstelle AHV/IV, IV 2019, Bern 2019, Anhang 2). Entsprechend einer
60%igen Arbeitsfähigkeit beläuft er sich auf Fr. 39'980.--. Aus Sicht der Gutachter ist
eine körperlich leichte Tätigkeit ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne
Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte
Kundenkontakte, ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung sowie abwechselnd
sitzend und stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte Kopfhaltungen und
ohne Arbeiten über der Horizontalen angepasst (IV-act. 114-63). Aufgrund dieser
somatischen und psychischen Einschränkungen erscheint ein Tabellenlohnabzug von
höchstens 10 % begründet. Damit beträgt das Invalideneinkommen Fr. 35'982.--, und
es resultiert ein Invaliditätsgrad von 48,5 %. Damit hat der Beschwerdeführer ab
1. September 2016 Anspruch auf eine Viertelsrente.
4.3.
Aus orthopädischer Sicht lag vom 27. März bis 30. Juni 2017 infolge
postoperativer Rehabilitation eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten vor
(IV-act. 114-11). Der Beschwerdeführer hat daher in Anwendung von Art. 88a der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) befristet vom 1. Juli bis
30. September 2017 Anspruch auf eine ganze Rente.
4.4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung vom 8. November 2018 aufzuheben und dem
Beschwerdeführer vom 1. September 2016 bis 30. Juni 2017 eine Viertelsrente, vom
1. Juli bis 30. September 2017 eine ganze Rente und ab 1. Oktober 2017 eine
Viertelsrente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der
geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Hinsichtlich der Beschwerde gegen die Rentenverfügung gilt es zu beachten, dass
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Überklagung in
sozialversicherungsrechtlichen Rentenfällen im vorliegenden Fall von einem
vollständigen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen ist (Urteil des
5.2.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/25
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