Decision ID: cca2d706-1b51-4704-8b4d-8d4ff8f11e05
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985,
absolvierte nach der obligatorischen Schulzeit eine
Ausbildung als Elektroni
ker
und arbeitete nach dem Lehrabschluss im Jahr 2005 mehrere Jahre in diesem Beruf
(
Urk.
6/56). V
om
1.
August 2014 bis zum 31.
Juli 2015
war
er
bei der
Y._
als Physiklaborant
zu einem Pensum von 100
%
angestellt, wobei er ab Ende Dezember 2014 teil
weise oder vollumfänglich
krank
geschrieben
war
(
Urk.
6/22
und Urk. 6/7/3
). Wegen Rückenschmerzen und starker Muskelver
krampfung seit 6 Jahren sowie einer Erschöpfungs
depression wegen langer Krankh
eitsphase meldete er sich am 2.
April 2015 (Ein
gangs
datum
) bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
be
zug an (Urk.
6/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
prüfte Massnahmen zur Arbeitsplatzerhaltung
(
Urk.
6/35/1-5)
und holte den Arbeit
geberbericht der
Y._
vom
6.
Juli 2015 (Urk. 6/22) ein. Ausserdem nahm sie die Arztberichte der
Z._
,
vom 1
8.
Februar 2015 (
Urk.
6/6), vom
1.
Juni 2015 (Urk. 6/14), vom
3.
Juni 2015 (
Urk.
6/20) und vom 2
9.
Juni 2015 (
Urk.
6/21) sowie das von der Krankentaggeldversicherung
Swica
in Auftrag gegebene
orthopädische
Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
vom
4.
Dezember 2015 (
Urk.
6/30) zu den Akten.
Am
2.
Mai 2016 bzw. 1
3.
Juni 2016 sprach die IV-Stelle dem Versicherten die Über
nahme der Kosten eines durch das
B._
durch
geführten Arbeits
trainings als Mitarbeiter Elektronikunterhalt bei
der
C._
vom 3.
Mai 2016 bis zum 3. November 2016 sowie ein Taggeld
während der Dauer der Massnahme
zu (
Urk.
6/33-34,
Urk.
6/42). Am 25.
Oktober 2016 gewährte die IV
Stelle
X._
sodann Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche für die Zeit vom 10. November 2016 bis zum
9.
Mai 2017,
mit deren Durch
führung ebenfalls
das
B._
beauftragt war
(Urk.
6/45).
Am 2
2.
November 2016 erging der Abschlussbericht des
B._
über das mit dem Ver
sicherten durchge
führte Arbeitstraining (
Urk.
6/48-49). Per 10. No
vember 2016 trat
X._
eine auf sechs Monate befristete
Arbeitss
telle als System
Technician
zu einem Pensum von 50
%
bei der
C._
an (
Urk.
6/51).
Der betreffende
Arbeitsvertrag
vom 18. Oktober 2016
wurde am 2
0.
Januar 2015 um w
eitere sechs Monate bis zum 30.
September 2017 verlängert (Urk. 6/
51-
52).
Die IV-Stelle schloss d
ie Eingliede
rungsberatung am 9.
Februar 2017 ab (
Urk.
6/53). Am 2
1.
Februar 2017 erstattete das
B._
den Abschlussbe
richt über die Arbeitsvermittlung (
Urk.
6/57). Die IV-Stelle holte die Arztberichte von
Dr.
med. D._
, Spezialarzt FMH für Chirurgie, Leitender Arzt Schmerz- & Komplementärmedizin am
E._
, vom
6.
/8.
März 2017 (Urk. 6/60/1-7) und vom 2
9.
/30.
Juni 2017 (
Urk.
6/65), von Dr.
med.
F._
, Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 3
0.
August 2017 (
Urk.
6/68/1-11, unter Beilage diverser weiterer Arztberichte,
Urk.
6/68/12-85)
und des
G._
vom 1
9.
Okto
ber 2017 (
Urk.
6/71) ein. Am 7.
November 2017 nahm
Dr.
med. H._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RA
D) der IV-Stelle Stellung (Urk.
6/72/5). Mit Vorbescheid vom 1
6.
November 2017 kündigte die IV-Stelle
X._
die Abweisung seines Leistungsbe
gehrens an, da kein Gesund
heitsschaden bestehe, welcher einen Anspruch auf eine Invaliden
rente ausweise (
Urk.
6/73). Nachdem
dagegen
vom Versicherten
kein
Einwand erhoben wurde, wies die IV-Stelle das Leistungs
begehre
n
mit Ver
fügu
ng vom 16.
Januar 2018 ab (Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
am
1.
Februar 2018 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, es sei die angefochtene Verfügung au
fzuheben und es sei ihm nach
Vornahme weiterer Abklärungen eine Invalidenrente zu
zu
sprechen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin ersuchte am
6.
März 2018 um Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer am 1
2.
März 2018 mit
geteilt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Gemäss BGE 143 V 418 ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychi
scher Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beant
worten
(E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE
143 V 409 E.
4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen
). Gleiches gilt gemäss BGE 145 V 215 E. 5 und E. 6.2 auch für – fachärztlich einwandfrei diagnostizierte - Abhängigkeitssyndrome bzw. Substanzkonsumstörungen.
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren
nach BGE 141 V 281
definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermö
gen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl.
statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindi
katoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.2.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.6
Berichten des RAD nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invaliden
versi
cherung (IVV) kommt ebenfalls Beweiswert zu, sofern sie den von der Rechtspre
chung umschriebenen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen (BGE
137 V 210 E. 1.2.1). Selbst eine Aktenbeurteilung ohne eigene Unter
suchung kann beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_558/2016 vom 4. November 2016 E. 6.1, 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 3.1 und 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zwei
feln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergän
zende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 142 V 58 E. 5.1, 135 V 465 E. 4.4; 122 V 157 E. 1d; Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 3.2 und 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.3).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Inva
lidenrente verneint mit der Begründung, es liege bei ihm kein invalidisieren
der Gesundheitsschaden vor (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber führt der Beschwerdeführer aus, er habe seit über 10 Jahren Rückenschmerzen, wobei sich sein Leiden in den letzten zwei Jahren stark ver
schlechtert habe. Er könne aktuell keiner geregelten Arbeit nachgehen. Die Wiedereingliederungsmassnahmen der Beschwerdegegnerin hätten nur in einem 50%-Pensum resultiert. Dieses könne er aber inzwischen auch nicht mehr ausü
ben und er sei seit September 2017 zu 100
%
krank
geschrieben
.
Die von der Beschwerdegegnerin
getätigten
medizinischen Abklärungen seien ungenügend und es sei ein neues Gutachten einzuholen (
Urk.
1).
3.
3.1
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit 2009 an chronischen rezidivierenden Kreuzschmerzen und
glutealen
Schmerzen leidet. Gemäss seinen Angaben wurden bereits damals, aktenkundig seit Ende 2012 diverse spezialärztliche (inklusive bildgebende und laborchemische) Untersu
chungen vorgenommen (im Februar 2013 in der
I._
, im August 2014 in der Rheumaklinik des
J._
[
Arbeitsassessment
] und im Oktober/November 2014 in der Praxis von Dr. med.
K._
, FMH Neurochirurgie) und verschiedene Behandlungen (Physiotherapie, medikamen
töse Behandlung, unter anderem mit
opioidhaltigen
Analgetica
[
Oxycontin
], Infiltrationen, Neuraltherapie), auch in stationärem Rahmen (vom 6. bis 14. Mai 2014 im
L._
und vom 23. Dezember 2014 bis 11. Januar 2015 in der
M._
) durchgeführt, welche jedoch keinen anhaltenden Erfolg zeitigten; eine psychotherapeutische Behandlung lehnte der Beschwerde
führer ab. Die betreffenden, bis Ende Juni 2015 erstatteten Arztberichte wurden im Gutachten von Dr.
A._
vom 4. Dezember 2015 zusammengefasst (Urk. 6/30/2-6; vgl. Urk. 6/68/12-85), weshalb sie vorliegend nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird nachfolgend darauf Bezug genommen.
3.2
Gemäss dem von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen ortho
pädischen
Gutachten von
Dr.
A._
vom
4.
Dezember 2015 (
Urk.
6/30) besteht beim Beschwerdeführer
ein chronisches
Lumbovertebral
s
yndrom
mit
Schmerzexazerbation
über Jahre ohne klinisches Korrelat.
Der Beschwerdeführer sei seit längerem nicht mehr voll arbeitsfähig. Eine signifikante Pathologie habe trotz 5 MRI-Abklärungen der LWS nie festgestellt werden können. Ebenfalls hätten entzündliche Veränderungen ausgeschlossen werden können. Aktuell stehe der Beschwerdeführer unter Neuraltherapie, welche
aus
schulmedizinisch
er Sicht wirkungslos sei,
und unter Physiotherapie. Laut Beschwerdeführer werde dadurch eine Besserung erzielt. Er sei aber weiterhin auf
Oxy
c
ontin
80 mg pro Tag angewiesen. Auffällig in der ganzen Anamnese sei, dass die mehrmals empfohlene Psychotherapie beziehungsweise eine erweiterte psychi
atri
sche Abklä
rung durch den Beschwerdeführer immer abgelehnt worden sei.
Daneben falle ein gewisses Medical Shopping sowie das Ausspielen der verschiedenen Therapie
stellen gegeneinander auf. Bei der aktuellen Untersuchung finde man
folgende Befunde von Wichtigkeit:
eine leichte
skoliotische
Fehlhaltung der LWS, thorakal einen ausgeprägten Flachrücken, einen Gehörgangslot fingerbreit hinter Trochanter
major
, eine leichte Trichterbrust, einen Schulter
tiefstand rechts ein Querfinger und
ein minimes
Shiften
der LWS lumbal ganz leicht nach rechts.
In der Anamnese
würden Depressionen bzw. gewisse Probleme in Bezug auf die Lebensbewältigung beschrieben. Aktuell berichte der Beschwerdeführer von einem
Burn
out, welches durch die chronischen Schmerzen verursacht werde. Eine - vom Beschwerde
führer bislang abgelehnte - vertiefte psychiatrische Abklärung werde dringend empfohlen, da sich für die angegebenen Beschwerden kein anatomisches Korrelat finden lasse. Ebenfalls dringend angezeigt sei eine Strukturierung des Tage
s
ablaufs.
Ab dem
1.
Februar 2016 sei der Beschwerde
führer in einer leichten, teils sitzenden, teils stehenden Tätigkeit, wie diejenige als
Labortechniker
,
zu 50
% arbeitsfähig.
3.3
3.3.1
Gemäss dem Abschlussbericht Arbeitstraining des
B._
vom 2
2.
November 2016 (
Urk.
6/49) erschien der Beschwerdeführer aufgrund von Übelkeit im Zusammen
hang mit den Schmerzen in der Anfangszeit nur knapp
pünktlich zur Arbeit. Er habe de
nn auch Zweifel daran geäussert, ob er aufgrund seiner Schmerzen das Arbeitstraining ohne Absenzen und für die gesamte Dauer der vereinbarten sechs Monate durchführen könne. Die Rahmenbedingungen im Einsatzbetrieb hätten es dann aber dem Beschwerdeführer erlaubt, seine Präsenz
zeiten (im Umfang eines 50%-Pensums) mit nicht mehr als zwei krankheits
bedingten Abwesenheiten pro Monat bis zum Ende einzuhalten. Auch die stetige Medikamenteneinnahme sei hierfür entscheidend gewesen. Im Arbeitsalltag habe beim Beschwerdeführer wiederholt ein Leidensdruck festgestellt werden können. Vor diesem Hintergrund sei
en
seine motivierte und engagierte Arbeitshaltung sowie seine speditive und genaue Arbeits
weise
stets besonders hervorgehoben worden. Die Grenze seiner Leistungsfähigkeit sei als ausgeschöpft erlebt worden, eine Steigerung des Arbeitspensums während des gesamten Arbeitstrainings
sei
ni
cht
in Frage gekom
men.
Der Besch
werdeführer sei nach der Arbeit
erschöpft gewesen und habe die Aufrechterhaltung seiner Stabilität von genügend Erholung abhängig gemacht. Er habe vergleichbare Arbeiten wie andere Mitarbeiter ausgeübt und sehr gute Resultate erzielt. Im Team sei er gar als Entlastung empfunden worden. Seine Leistungsfähigkeit habe im Rahmen des 50%-Pensums derjenigen der anderen Mitarbeiter entsprochen. Auch unter Zeitdruck sei seine Leistung nicht beein
trächtigt worden. Der Einsatzbetrieb habe ih
m
deshalb eine 50%-Stelle angeboten unter der Voraussetzung, dass sich der Gesundheitszustand nicht ver
schlimmere.
Bis am Ende des Arbeitstrainings habe der Beschwerdeführer seine Leistung aufrechterhalten. Er werde als gut vorbereitet für den ersten Arbeits
markt eingeschätzt. Für eine nachhaltige Integration sei aber ein Arbeitgeber erforder
lich, welcher Rücksicht auf seine gesundheitliche Problematik nehmen könne, vor
allem
, was
regelmässige Absenzen (1-
2 Mal pro Monat)
anbelange
. Auch müsse die Bereitschaft vorhanden sein, den Beschwerdeführer ausreichend mit wechselbelastenden Tätigkeiten zu beschäftigen.
Überraschend habe der Ein
satz
betrieb im Oktober 2016 einen Einstellungsstopp angeordnet, weshalb der Beschwerdeführer d
ann lediglich noch eine auf sechs Monate befristete Stelle erhalten habe. Als Ergebnis des Arbeitstrainings könne festgehalten werden, dass dem Beschwerdeführer eine wechselbelastende Tätigkeit ohne gebückte Körper
haltung im Umfang von 50
%
in einem wohlwollenden Arbeitsumfeld zumutbar sei.
3.3.2
Laut dem Abschlussbericht Arbeitsvermittlung des
B._
vom 2
1.
Februar 2017 (
Urk.
6/57) wirkte der Beschwerdeführer angesichts der schwierigen gesund
heit
lichen und finanziellen Situation bezüglich seiner beruflichen Zukunft zunehmend verunsichert. Die Stellensuche habe deshalb mit ihm nicht wie geplant besprochen werden können. Damit sei eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes einhergegangen, so dass er Termine nicht habe wahr
nehmen können.
Gemäss seinen Äusserungen
seien seit November 2017 (richtig: 2016) intensivere Schmerzen aufgetreten, so dass er sich von der Arbeit habe krank melden müssen. Trotz dieser ungünstigen Umstände habe der Arbeits
ver
trag dank des sozialen Engagements des Einsatzbetriebes bis Oktober 2017 ver
längert werden können. Die Massnahme habe hingegen frühzeitig beendet wer
den müssen mit dem Ziel, die gesundheitlichen Rahmenbedingungen zuerst zu klären.
Im Moment sei
der Beschwerdeführer auf einen sozial engagierten und wohlwollenden Arbeitgeber angewiesen. Eine nachhaltige berufliche Eingliede
rung sei erschwert. Denkbar sei eine Stelle, wo er bei einer Präsenzzeit von 50
%
nicht die volle Leistung erbringen müsse.
3
.4
3
.4.1
Gemäss dem Arztbericht von
Dr.
D._
an die Beschwerdegegnerin
vom
6./
8.
März 2017
(
Urk.
6/60)
besteht beim Beschwerdeführer ein chronisches inva
lidisierendes
lumbovertebrales
Schmerz
syndrom beidseits mit
myofascialer
Komponente bei Hypermobilität, Differential
diagnose: Bindegewebserkrankung im Sinne eines
Ehler
Danlos
Syndroms,
Myo
pathie
. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien ausser
dem leichte bis mittelschwere depressive Episoden bei
chronifizierte
r
Schmerz
problematik sowie eine psychosoziale Belastungs
situation (beruflich) vorhanden.
Es sei mit einer schmerzmedizinischen Behand
lung begonnen worden, ebenso mit einer psycho
somatischen Begleitbehandlung. Gegenwärtig befinde sich der Beschwerde
führer in einer Arbeitsreintegration zu 50
%
. Durch die Rücken
problematik wahrschein
lich bedingt durch die Hypermo
bilität sei die körperliche Belastungsfähigkeit sicherlich herabgesetzt.
Die lange Leidensge
schichte bzw. die depressiven Episoden bewirkten ebenfalls eine redu
zier
te Belastung. Die 50%ige Arbeit im jetzigen Setting sei sinnvoll. Über die Wirksamkeit der Massnahmen und eine mögliche Verbesserung der Symptomatik könne erst nach ca. vier Monaten Auskunft gegeben werden
(vgl. auch Urk.
6/68/82-83)
.
3
.4.2
Im Verlaufsbericht vom
29./
3
0.
Juni 2017 (
Urk.
6/65) führte
Dr.
D._
aus,
durch die schmerzbedingte Behandlung habe eine leichte Verbesserung der Grund
schmerzen erzielt werden können
, eine Steigerung der Belastung sei aber nicht möglich geworden. Der Beschwerdeführer arbeite nun seit längerem zu 50 % in einer angepassten Tätigkeit und gebe glaubhaft an, dass bei einer Steigerung der Belastung die Schmerzen zunehmen würden. Langfristig wäre eventuell eine Steigerung der Belastungsfähigkeit durch ein entsprechendes Muskelaufbau
training möglich.
3
.5
Gemäss dem Arztbericht
des Hau
s
arztes
Dr.
F._
vom 3
0.
August 2017 (Urk.
6/68/6
-11)
bestehen beim Beschwerdeführer
(1)
eine chronisch rezidi
vierende invalidisierende
Lumboglutealgie
beidseits bei tendenzieller Hypermo
bilität bis Instabilität
L4/5/S1, deutlicher Beweglichkeit L3/4 und kranial davon, keine Neurokompression spinal oder
foraminal
, anamnestisch depressive Ver
stimmun
gen sekundär im Rahmen der
Schmerzchronifizierung
, im MRI LWS/ISG
vom 5.
Mai 2014 waren keine Pathologien nachweisbar,
(2)
leichte bis mittel
schwere depressive Episoden bei
chronifizierten
Schmerzen,
(3)
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten der Lebensbewältigung (Z73.0), Differentialdiagnose: depressive Störung sowie
(4)
ein
Lumbovertebralsyndrom
mit Hypermobilität im Segment L2/3 nach Facettengelenksinfiltration L2/3 bei
d
seits.
Dem Beschwerde
führer sei es nicht möglich, mehrere Stunden am Stück nur zu sitzen. Gehen sei schon nach relativ kurzer Zeit nicht mehr möglich. Der Beschwerdeführer benö
tige nach einigen Stunden wieder Ruhepausen. Aktuell sei der Beschwerdeführer zu 50
%
bzw. für vier Stunden pro Tag arbeitsfähig. Bislang habe er medikamen
töse und psychotherapeutische Ansätze abgelehnt. Falls diese konsequent durch
geführt werden könnten, wäre eventuell eine Verbesserung zu erwarten.
3
.6
Laut dem Bericht des
G._
an Dr.
D._
vom 1
2.
April 2017 (
Urk.
6/71
/7-10
) besteht beim Beschwerdeführer ein chronisches invalidisierendes
lumbovertebrales
Schmerz
syndrom beidseits mit
myofascialer
Komponente bei
Hypermobiliät
, leichten bis mittelschweren depressiven Episoden bei
chronifizierter
Schmerz
problematik, psychosozialer Belastungssituation (beruflich)
und
aktueller Untersuchung zum
Ausschluss einer Bindegewebserkrankung (z.B. Ehlers-
Danlos
Syndrom).
Bezüg
lich des Verdachts auf eine Bindegewebserkrankung befinde sich der Beschwer
deführer in einem Graubereich.
Für eine Bindegewerbserkrankung sprächen sicherlich die bläulichen Skleren, die
mässiggradige
Trichterbrust sowie die Skoliose mit einem
Cobbwinkel
von 10 Grad, welche physiotherapeutischer Betreuung bedürfe. Die
Pyrodinoline
ergäben keinen Hinweis auf einige spezifi
sche Erkrankungen des Bindegewebes (ein Ehlers-
Danlos
Syndrom vom
kyphoskoliotischen
und
spondylocheirodysplastischen
Typ sei damit ausge
schlossen). Wie besprochen, werde zur besseren Einschätzung um ein Aufgebot zur ophthalmologischen und kardiologischen Evaluation bei Verdacht auf Binde
gewerbserkrankung gebeten. Der Beschwerdeführer werde nach Erhalt aller Diagnostik zur Befundbesprechung aufgeboten.
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers konnten die Ärzte des
G._
keine Angaben machen (vgl. Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 19. Oktober 2017, Urk. 6/71/6).
3
.7
RAD-Arzt
Dr.
H._
führte in der Stellungna
hme vom 1
5.
November 2017 (Urk.
6/72/5) aus, es gebe beim Beschwerdeführer keine Diagnosen mit dauer
haf
ter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein chronisch rezidivierendes lumbales Schmerz
syn
drom, keine Neurokompression, MRI LWS und Hüften: keine wesentlichen Pathologien und leichte bis mittelschwere depressive Episoden bei Problemen mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10: Z73.0).
Die Ein
schränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Physiklaborant bestünden vor allem wegen den Rückenschmerzen beim längeren Sitzen.
Es sei eine Tätigkeit
mit
Wechselbelastung zu empfehlen.
Die von
Dr.
F._
attestiert
e
Arbeitsunfä
higkeit sei mangels objektivierbarer
pathomorphologischer
Verän
derungen nicht plausibel, die Einschätzung beruhe auf den subjektiven Äusserungen des Beschwerdeführers. Es liege damit durchgehend eine Arbeitsun
fähigkeit von 0
%
vor. Es sei nicht zu erwarten, dass weitere medizinische Massnahmen zu einer relevanten Reduktion der Arbeitsunfähigkeit führen würden.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützt ihre Auffassung, wonach kein Gesundheitsscha
den vorliege, welcher einen Anspruch auf eine Rente ausweise, auf die Stellung
nahme von RAD-Arzt Dr.
H._
vom 15. November 2017 (Urk. 2; vgl. E. 3.7).
4.2
4.2.1
Die Feststellungen in dieser aktenbasierten Stellungnahme beruhen laut RAD
Arzt Dr.
H._
(Urk. 6/72/5) auf eigener Beurteilung sowie auf den Arzt
berichten von Dr.
D._
vom 6./8. März und 31. Januar 2017 (Urk. 6/60, vgl.
E. 3.4), der Ärzte des
G._
vom 12. April 2017 (Urk. 6/71/7
10, vgl. E. 3.6), von Dr.
F._
vom 30. August 2017 (vgl. E. 3.5), der Ärzte des
L._
vom 20. Mai 2014 und der
M._
vom 12. Februar 2015 (Urk. 6/68/12-14 und Urk. 6/68/15-20, vgl. E. 3.1) sowie von Dr.
A._
vom 4. Dezember 2015 (Urk. 6/30, vgl. E. 3.2).
Es trifft zu, dass in den genannten Arztberichten sowie im orthopädischen Gut
achten von Dr.
A._
aus somatischer Sicht hauptsächlich ein chronisch rezidivierendes
lumbospondylogenes
und/oder
lumbovertebrales
Schmerz
syn
drom ohne Neurokompression und (gemäss MRI) ohne wesentliche Patho
logien im Bereich der Lendenwirbelsäule sowie der Hüfte diagnostiziert wurde. Insofern ergibt sich aus den Akten demnach tatsächlich kein klar fassbares organisches Korrelat für die vom Beschwerdeführer seit Jahren geklagten massiven Schmer
zen. Soweit sich die besagten Ärzte überhaupt zur Arbeits
fähigkeit des Beschwer
deführers geäussert haben, attestierten sie dem Beschwerde
führer indessen über
einstimmend gleichwohl eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit.
Dr.
F._
, auf welchen sich RAD-Arzt Dr.
H._
im Rahmen seiner Beurteilung ausdrücklich bezog, reihte dabei in seinem Bericht vom 30. August 2017 – im Gegensatz zu RAD Dr.
H._
(Urk. 6/72/5)
–
unter anderem (fachfremd) auch «leichte bis mittelschwere depressive Episoden bei
chronifizierten
Schmerzen» unter die «Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit» ein. Zur Frage nach den Einschränkungen in bisheriger Tätigkeit hielt er im Weiteren unter Hin
weis auf das Gutachten von Dr.
A._
vom 4. Dezember 2015 fest, dass diese wie bisher 50 % betrage, wobei bei zunehmenden Schmerzen und wegen der Schmerzmedikation eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe (Urk.
6/68/8; vgl. zur Schmerzmedikation auch die Angabe von Dr.
F._
im Bericht an Dr.
D._
vom 9. Dezember 2016, wonach der Beschwerdeführer «wieder» einen extrem hohen Opiatbedarf habe [Urk. 6/68/81]). Gutachter Dr.
A._
hielt im besagten Gutachten zwar fest, dass seine Diagnose «chronisches LVS mit
Schmerzexazerbation
über Jahre ohne klinisches Korrelat» laute. Daran anschliessend wies er jedoch darauf hin, dass in der vorliegenden Anamnese Depressionen bzw. Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung etc. beschrieben würden und der Beschwerdeführer aktuell von einem Burnout berichte, welches durch die chronischen Schmerzen verursacht worden sei. Er empfehle dringend eine vertiefte psychiatrische Abklärung (Urk. 6/30/10-11). Auch Dr.
D._
stellte in seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 8.
August 2017 fest, dass die Belastbarkeit des Beschwerdeführers nicht nur durch die Rückenproble
matik, sondern auch durch die lange Leidensgeschichte bzw. die depressiven Epi
soden beeinträchtigt sei. Er bemerkte sodann ebenfalls, dass aufgrund der Schmerzen, der Medikation sowie der Depression das Konzentra
tions
vermögen des Beschwerdeführers eingeschränkt sei, ebenso auch das Auffassungsvermögen, die Anpassungsfähigkeit sowie – eben – die Belastbarkeit (Urk. 6/60/5-6). In seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 30. Juni 2017 bezeichnete er sodann die Angabe des seit längerer Zeit zu 50 % in angepasster Tätigkeit arbei
tenden Beschwerdeführers, wonach bei einer Steigerung der Belastung die Schmerzen zunähmen, ausdrücklich als glaubhaft (Urk. 6/65/4; vgl.
auch die Feststellung im Abschlussbericht des
B._
vom 22. Oktober 2016, wonach die Grenze der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers bei einem Pensum von 50
% als ausgeschöpft erlebt worden und eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit nicht in Frage gekommen sei [vgl. E. 3.3.1]).
Wohl ist – wie RAD-Arzt Dr.
H._
insoweit zu Recht bemerkte - mit Blick auf die somatische Befundlage nicht plausibel, dass dem Beschwerdeführer in einer angepassten (wechselbelastenden) Tätigkeit lediglich ein Pensum von 50 % mög
lich und zumutbar sein soll. Allein die subjektiven Angaben des Beschwerde
führers würden sodann für die Annahme einer rechtserheblichen Einschränkung in der Tat nicht genügen. Nach dem Gesagten ergeben sich aber aus den besagten Berichten von Dr.
F._
, Dr.
A._
und Dr.
D._
objektive Anhalts
punkte dafür, dass beim Beschwerdeführer eine psychische Störung bestehen könnte. Ausserdem finden sich auch in weiteren, von RAD-Arzt Dr.
H._
in seiner Stellungnahme nicht erwähnten Vorberichten Hinweise auf ein psychi
sches Leiden (vgl. den Bericht des
J._
über das
Arbeits
assessment
vom 21. August 2013, worin als arbeitsrelevante Diagnose ein Ver
dacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.4, ange
führt wurde [Urk. 6/68/38], sowie den Bericht von Dr. med.
N._
, leitende Ärztin Psychosomatik in der
O._
, vom 30. Juli 2015 über das von ihr mit dem Beschwerdeführer am 21. Juli 2017 durchgeführte Vorgespräch, worin sie ein chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren, ICD-10 F45.41, sowie eine leichte Anpassungsstörung, ICD-10 F43.0, diagnostizierte [Urk. 6/68/78]). Darüber hätte die Beschwerdegegnerin nicht ein
fach hinwegsehen dürfen.
Ausserdem wäre auch eine
eingehendere Befassung mit
dem
gemäss Aktenlage
(vgl. Urk. 6/68/69 und Urk. 6/68/80-81)
seit Jahren bestehenden, zeitweise massive
n
Konsum
des
opioidhaltigen
und bekanntlich schnell
süchtigmachenden
Schmerzmittel
s
Oxycontin
sowie dessen Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
geboten gewesen.
4.2.2
Zur zuverlässigen Beurteilung des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers erscheint daher eine fachärztliche Abklärung des psychischen Gesundheits
zu
standes sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erforderlich (davon scheint im Übrigen ursprünglich auch RAD-Arzt Dr.
H._
ausgegangen zu sein, vgl. die Notizen vom 15. Juni, 3. und 18. November 2015 sowie vom 18.
Dezember 2015 im Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung vom 13. Mai 2016 [Urk. 6/35]). Dass sich der Beschwerdeführer bislang – trotz mehr
facher ärztlicher Empfehlung
–
psychiatrisch nicht behandeln liess, ändert daran nichts: So lange nicht klar ist, ob und allenfalls an welchen psychiatrischen Beschwerdebildern der Beschwerdeführer leidet und ob ihn diese einschränken oder nicht, kann ein Abklärungsbedarf nämlich nicht allein wegen des Fehlens einer psychiatrischen Behandlung verneint werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_273/2017 vom 9. April 2018 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 143 V 409 E. 4.2.2 und E. 4.4; vgl. E. 1.2). Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer in den letzten Jahren etliche somatische Behandlungs- sowie ferner auch Eingliede
rungsbemühungen unternommen hat, was auf einen vorhandenen Leidensdruck schliessen lässt.
4.3
Anzufügen bleibt, dass gemäss dem Bericht des
G._
an Dr.
D._
vom 12. April 2017 (vgl. E. 3.6) weitere Abklärungen bezüglich eines allfälligen Ehlers-
Danlos
Syndrom geplant waren. Ob diese Abklärungen vorge
nommen wurden, geht aus den Akten nicht hervor. Insofern erscheint der medi
zinische Sachverhalt ebenfalls ergänzungsbedürftig.
4.4.
Es ergibt sich somit, dass die angefochtene Verfügung auf einem unvollständig abgeklärten medizinischen Sachverhalt beruht. Die Verfügung ist daher in Gut
heissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die medizinische Aktenlage aktualisiere. Je nach dem hat sie danach - unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gemäss E. 1.2.2 und E. 1.2.3 – jedenfalls ein psychiatrisches oder ein
bidiszipli
näres
resp. polydisziplinäres Gutachten einzuholen. Danach hat sie über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.