Decision ID: ed06aa2d-416f-4d3c-93db-55b77f502854
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1976,
verfügt über eine Aus
bildung als kaufmännische Angestellte (
Urk.
6/1/4). Als solche arbeitete sie
ab
Juni 1999 in einem 80%-Pensum
bei der
Y._
AG
(
Urk.
6/3
).
Nach
einem Fahrradunfall
am 8.
August 2001 (
Urk.
6/7/39)
wurden im Stadtspital
Z._
eine Gehirnerschütterung mit
Galeahämatom
, eine Fraktur des linken Wadenbeins und ein beginnendes Logensyndrom im Unterschenkel links diag
nostiziert (
Urk.
6/7/69).
Am 1
3.
August 2001 erging eine Schadensmeldung an den Unfallversicherer, die Suva (
Urk.
76/7/78).
Diese richtete in der Folge Leis
tungen aus.
A
m 1
6.
Oktober 2001
unterzeichnete die Versicherte
einen Arbeits
vertrag bei der
A._
AG
für ein Vollzeitpensum
und kün
digte
ihre
bisherige
Arbeitsstelle
.
Bei Anstellungsbeginn
im Januar 2002
beendete die
A._
AG das Arbeitsverhältnis
(
Urk.
6/7/29
,
6/7/54 ff.
und 6/7/71
)
.
1.2
I
m August 2002
meldete sich die Versicherte
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1).
Diese
tätigte in der Folge erwerbliche und ärztliche Abklärungen
und zog
das
Akten
dossier
der Suva bei
(
Urk.
6/3 ff.).
Es
folgte eine stationäre Rehabilitation
der Versicherten
in der Rehaklinik
B._
im Juni 2003
(
Urk.
6/19).
Ab
Herbst
2003
arbeitete
die Versicherte
in einem 50%-Pensum
als
Bookerin
bei einer Mode
l
agentur (
Urk.
6/28/3)
. Mit Verfügung vom 3
1.
Oktober 2003 hielt die IV-Stelle fest, berufliche Massnahmen seien nicht erforderlich
,
und wies das Leistungsbegehren ab (
Urk.
6/27).
Nach erneutem Stel
lenverlust
meldete sich
die Versicherte
im Mai 2004
wieder
um
bei der IV-Stelle
zum Leistungsbezug an
(
Urk.
6/34).
Ab Juli 2004
absolvierte
sie
einen therapeu
tischen Arbeitsversuch
mit
einem
P
ensum
von 30
%
in der
F
irma
ihres
damalige
n
Lebenspartner
s
und spätere
n
Ehemann
es
,
unterstützt durch die
C._
AG (
Urk.
6/39/2
und 6/47/
4
ff.
)
.
Mit
Verfügung
en
vom 7.
Januar 2005
und
28. März 2006 verneinte die IV-Stelle
einen Anspruch der Versicherten auf be
rufliche Massnahmen (
Urk.
6/40)
und
lehnte eine
Kostengutsprache für spe
zielle Büromöbel
ab (
Urk.
6/58).
M
it
weiterer
Verfügung vom 19.
April 2006
sprach
sie
ihr
sodann
rückwirkend
ab 1.
August 2002 eine einstweilen bis
zur polydisziplinären Begutachtung vom
30.
November 2005
befristete ganze
Invali
denrente zu (
Urk.
6/59
;
vgl. auch
Urk.
6/57).
Das von der Suva
bei der Klinik
D._
in Auftrag gegebene neurologische, psy
chiatrische und neuropsychologische Gutachten
datiert vom 2
5.
Juli 2006
(
Urk.
6/66/14 ff.).
Darin wu
rde eine weitere s
tationäre
Behandlung
empfohlen
(
Urk.
6/66/43 f. und 6/66/46)
.
Die
Versicherte
lehnte einen stationären Aufenthalt in der Rehaklinik
E._
indessen
wiederholt
schriftlich
ab
(
Urk.
6/70/18-32)
und
erschien
am 3
1.
Oktober 2007 nicht
zum geplanten
Eintritt
(
Urk.
6/70/14).
Ende 2007
liess
sich die Versicherte
in der
F._
AG abklären und nahm dort
ab Mitte Mai 2008
ein
von der Suva mitfinanziertes (
Urk.
6/70/4)
persönliches
Coaching
wahr
(
Urk.
6/70/7
f. und 6/70/12)
. Dieses wurde
Mitte Juni 2008
abge
brochen (
Urk.
6/70/1 f.).
Schliesslich
wurde die Versicherte a
b August 2008
wegen
einer
Essstörung im Universitätsspital
G._
behandelt
und
von den dortigen Ärzten
als nicht
rehafähig
beurteilt
(
Urk.
6/73/2).
Hierauf
sprach die Suva d
er Versicherten
mit Verfügung vom
5.
Mai 2009 rückwirkend ab
1.
Mai 2009 eine unbefristete Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von
100
%
zu
, verneinte indessen
einen A
nspruch auf eine Integritätsentschädigung
(
Urk.
6/76).
Gestützt auf
die
Stellungnahme
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
vom 2
7.
Mai 2009 (
Urk.
6/77/7) auferlegte
die IV-Stelle
der Versicherten mit Schreiben vom 7. August 2009 eine Schadenminderungspflicht im Sinne einer regelmässi
gen fachärztlichen psychiatrischen Behandlung (
Urk.
6/78) und sprach ihr mit Verfügung vom 2
7.
November 2009
rückwirkend
ab 1.
Dezember 2005
ebenfalls
eine unbefristete ganze Invalidenrente zu (
Urk.
6/86).
1.
3
Im Herbst 2011 liess die
IV-Stelle die
Versicherte einen
Revisionsf
ragebogen aus
füllen (
Urk.
6/90) und holte Berichte bei der Hausärztin (
Urk.
6/92) und de
m
behandelnden Psychiater (
Urk.
6/93/5
-10
)
ein, die sie dem RAD zur Stellung
nahme vorlegte (
Urk.
6/95/2 f.).
Alsdann
bestätigte sie die bisherige ganze Rente mit formloser Mitteilung vom
2.
Februar 2012 (
Urk.
6/96).
1.
4
Am
2
6.
Februar 2014
liess die IV-Stelle die Versicherte
einen
weiteren
Revisions
f
ragebogen aus
füllen
(
Urk.
6/98).
Zudem
holte
sie
einen Bericht bei d
er
en
Haus
ärztin (
Urk.
6/109) und
dem letztbekannten
behandelnden
Psychiater ein (Urk. 6/102). In der Folge gab die IV-Stelle ein internistisches, neurologisches, psychiatrisches und rheumatologisches Gutachten in Auftrag, das
am 28.
Sep
tember 2015 von der
H._
e
rstat
tet wurde (
Urk.
6/124).
Der RAD nahm
dazu
am 2
9.
September 2015 Stellung
(
Urk.
6/132/5 f.).
Am
8.
November 2016 erliess die IV-Stelle einen Vorbescheid, welcher der Versicherten nicht zugestellt werden konnte
(
Urk.
6/134-135)
. Die IV-Stelle verfügte hierauf die Einstellung der Rente
(
Urk.
6/136)
, wogegen
die Versicherte Beschwerde beim Sozialversicherungs
-
gericht des Kantons Zürich
erhob
(
Urk.
6/142/3 ff.)
. Dieses schrieb
den Prozess-Nr. IV.2017.00187
mit Ver
fügung
vom
5.
April 2017 als gegenstandslos geworden ab, nachdem die IV-Ste
lle den angefochtenen Entscheid wegen eines
Verfahrensmangels wiedererwä
gungsweise aufgehoben
hatte (
Urk.
6/147) und der Versicherten
die bisherige Rente
weiter
ausrichtete
(
Urk.
6/149).
1.5
Mit Vorbescheid vom 1
3.
Juni 2017 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
wie
derum
die
Einstellung der Rente
an (
Urk.
6/154)
. Dagegen liess
diese
, vertreten durch Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
, Einwand erheben (
Urk.
6/162).
Infolgedes
sen
holte die
IV-Stelle weitere Arztberichte
ein (
Urk.
6/164/6 f., 6/166
,
6/168/2
, 6/170 und 6/171/6
)
.
Zu diesen
äusserte sich Rechtsanwal
t
Ausfeld
mit Schreiben vom 11.
Dezember 2017 unter Hinweis darauf,
dass bei der Versicherten
eine Operation wegen eines Bandscheibenvorfalls
anstehe
(
Urk.
6/177).
In diesem Z
usammenhang verlangte die IV-Stelle
nochmals neue
Arztberichte ein
(
Urk.
6/182 und 6/184/7 ff.)
und holte schliesslich
ein
e
weitere
Stellungnahme des RAD
ein (
Urk.
6/185/6 f.).
Mit Verfügung vom
9.
Juli 2018 h
ob die IV-Stelle die Rente der Versicherten
auf den ersten Tag des zweiten Monats nach der Zustellung
der Verfügung
auf
und entzog einer allfälligen Beschwerde gegen die
sen Entscheid die aufschiebende Wirkung
(
Urk.
2
).
2.
Dagegen
erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2
9.
August 2018 Beschwerde mit dem
Antrag, den Entscheid
aufzuheben und die Sache an die IV-Stelle zurückzu
weisen, damit diese nach weiteren Abklärungen neu über den Rentenanspruch verfüge; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der IV-Stelle (
Urk.
1). Diese schloss
in der Beschwerdeantwort vom 8.
Oktober 2018 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5). Mit Ein
gabe vom 31. Oktober 2018 (Urk.
8) reichte
die Ver
sicherte
eine
von ihren Behandlern
verfasste S
tellungnahme
zum psychiatrischen Teilgutachten des
H._
, einschliesslich medizinischer Literatur,
nach (
Urk.
9/1-
4
)
und verlangte, dass die
ihr diesbezüglich angefallenen Kosten von Fr. 800.— (
Urk.
9/5)
von der
IV-Stelle
übernommen würden
(
Urk.
8
).
Zu den neuen Unter
la
gen äusserte sich di
e IV-Stelle mit Eingabe vom 22.
November 2018 (
Urk.
11). Diese wurde der Versicherten am 2
3.
November 2018 zur Kenntnisnahme zuge
stellt (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Anlass zur Anpassung der Rente gibt jede tatsächliche Änderung, die sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Anspruchs (ein Viertel, ein
Zweitel
, drei Viertel, ganze Rente;
Art.
28
Abs.
2 IVG)
auswirkt (BGE 134 V 131 E. 3).
Ein Revisionsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in den persönlichen Ver
hältnissen der versicherten
Person (BGE 133 V 545 E. 7.1).
D
azu gehört nament
lich der Gesundheitszustand (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_896/2011 vom 3
1.
Januar 2012 E. 3.1, in: SVR 2012 IV Nr. 36 S. 140; 9C_410/2015 vom 1
3.
November 2015 E. 2). Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Sympto
matik (Urteil des Bundesgerichts 9C_634/2015 vom 1
5.
März 2016 E. 6.1, in: SVR 2017 IV Nr. 5 S. 10; vgl. auch BGE 136 V 279 E. 3.2.1).
Aus einer anderen Diag
nose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizi
nischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_213/2015 vom
5.
November 2015 E. 4.4.2; 9C_330/2014 vom 2
3.
Juli 2014 E. 5.2).
Umgekehrt ist
–
bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand - eine Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung,
di
e zu einer Verbesserung der A
rbeitsfähigkeit führt
, revisionsrechtlich von Bedeutung
(BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 1
3.
Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwä
gung im Sinne von
Art.
53
Abs.
2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom
5.
Juli 2018 E. 8.2).
1.2
S
ind weder
die
Rückkommensgründe
der materiellen Revision (
Art.
17 ATSG) noch der Wiedererwägung (
Art.
53
Abs.
2 ATSG)
gegeben, ermöglicht es
zudem
lit
. a.
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
6.
R
evision, erstes Massnahmenpaket),
innert drei Jahren nach ihrem Inkrafttreten Renten, die zufolge organisch nicht erklärbarer Schmerzzustände zugesprochen wurden, nach Massgabe von
Art.
7
Abs.
2 ATSG zu überprüfen. Der Wortlaut von
Art.
7
Abs.
2 ATSG wurde per
1.
Januar 2008 an die zu den somatoformen Schmerzstörungen begründete Rechtsprechung (BGE 130 V 352) angepasst und statuiert seither den Grundsatz, dass eine Erwerbsunfähigkeit nur vorliegt, wenn
diese aus objektiver Sicht
nicht überwindbar ist.
1.3
Die Revision nach
Art.
17 ATSG, die Wiedererwägung
nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG
und die Überprüfung nach der Schlussbestimmung stellen dabei (bloss) verschie
dene rechtliche Begründungen für den Streitgegenstand
«
Abänderung des Ren
tenanspruchs
»
dar. Hat der Versicherungsträger die Rente mit einer unzutreffen
den Begründung herabgesetzt oder aufgehoben, führt aber die richtige Begrün
dung zum gleichen Ergebnis, so ist die Verfügung zu bestätigen (Urteil 9C_303/2010 vom
5.
Juli 2010 E. 4.3 [SVR 2011 IV Nr. 20 S. 53]; vgl. zum Gan
zen: Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, die bisherige Rente sei
gestützt auf
lit
. a
Abs.
1
SchlB
6. IV-Revision
überprüft worden
.
So
dann
gehe aus dem
H._
-Gutachten hervor, dass sich
die Anorexie sowie die depressive Symptomatik seit der letzten Rentenrevision verbessert hätten. Die
gutachterlich
attestierte Arbeitsfähigkeit von 80
%
in der angestammten Tätigkeit sei nachvollziehbar.
So lasse sich a
nge
sichts des
Aktivität
en
niveaus
und der Ressourcen kein erhöhter Leidensdruck
begründen
, der
es rechtfertige, von
eine
m
invalidisierenden Gesundheitsschaden
auszugehen
. Aus den nachträglich zu den Akten genommenen medizinischen Unterlagen ergäben sich gemäss der
RAD-
Stellungnahme
vom 19.
Juni 2018 keine Hinweise auf wesentliche neue, von den Gutachtern nicht berücksichtigte medizinische Sachverhalte (
Urk.
2).
Eine Persönlichkeitsstörung sei trotz langjäh
riger Behandlung und Begutachtung
in den
Vorakten
nie festgestellt worden (
Urk.
11).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt
hingegen
dafür, es sei auf
die nachträglich einge
gangen
en
Berichte
des Z
entrums
I._
und
der behandelnden
Psy
chiaterin
Dr.
med.
J._
a
bzustellen
. Letztere habe i
nsbesondere eine Persön
lichkeitsstörung diagnostiziert
und auf die sofortige Zunahme diverser Symptome in Drucksituationen hingewiesen. Dass sie den Alltag bewältigen könne, bedeute daher nicht, dass ihr eine Erwerbstätigkeit zumutbar
sei
. Die Weigerung
der
parallel behandelnden Psychiaterin
S._
wegen einer möglichen Gefährdung der Therapie überhaupt
Bericht zu erstatten, lasse immerhin darauf schliessen, dass die Weiterführung der Thera
pie notwendig sei. Das psychiatrische Teilgut
achten des
H._
weise
somit
verschiedene Mängel auf. So habe das zweite Behandlungsverhältnis keinen Eingang gefunden und seien keine Auskünfte bei
Dr.
J._
eingeholt worden. Die etwa einstündige
Begutachtung
stelle nur eine
Art
Standortbestimmung dar. Immerhin habe die
H._
-
Gutachterin
selbst vorbe
halten
,
dass
die konkrete Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit anhand eines Arbeitsversuches eingeschätzt werden
müsste
n
, wobei für das Training drei bis sechs Monaten zu veranschlagen sei
en
(
Urk.
1).
3.
3.1
Den Erwägungen der
Verfügung vom 2
7.
November 2009,
mit welcher
der
Beschwerdeführer
in
ab
1.
Dezember 2005
eine
unbefristete
ganze
R
ente zuge
sprochen wurde, sind keine Hinweise darauf zu entnehmen, welche invalidisie
renden Leiden hierbei berücksichtigt wurden (
Urk.
6/86).
Gleiches gilt für die formlose Mitteilung vom
2.
Februar 2012, mit der die letzte Rentenrevision abgeschlossen und die ganze Invalidenrente bestätigt wurde (
Urk.
6/96).
3.2
Die
Experten
der Klinik
D._
waren
im
neurologischen, neuropsychologischen und psychiatrischen
Gutachten vom 2
6.
Juli 2006
zum Schluss
gekom
-
men
, dass bei der Beschwerdeführerin ein
chronifiziertes
,
zervikozephales
und
-brachiales
sowie ein
vertebragenes
Schmerzsyndrom nach einem Halswirbel
-
säulen (HWS)-Beschleunigungstrauma im August 2001 ohne Anhaltspunkte für eine
Myelonaf
f
ek
tion
,
eine
periphere-neurogene L
ä
sion oder
eine
relevante
ossäre
beziehungs
weise
lig
a
mentäre
L
ä
sion bestehe. Ein initiales Schädel-Hirn-Trauma sei am ehes
ten als
com
m
otio
cerebri und nicht im Sinne einer substantiellen Hirnschädigung einzustufen. Die von ihr erlebten Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten und auch testpsychologisch auffälligen Einschränkungen müssten somit im Rah
men des
chronifizierten
Schmerzsyndroms interpretiert werden. Zeitweise hätten
bei rezidivierenden mittelschweren bis schweren depressiven Episoden
auch depressive Zustandsbilder eine Rolle gespielt, welche jedoch aktuell nicht im Vor
dergrund stünden
. Vorbekannt sei e
ine klassische, vor allem
mensa
s
s
oziierte
Mig
räne
(
Urk.
6/66/44 und 6/66/39).
Den aktuellen Grad der beruflichen Einschränkung sehe man auf der Basis
der im Rahmen der Begutachtung erhobenen Befunde zurzeit bei einer 30%igen Arbeits
fähigkeit. Allerdings müsse festgehalten werden, dass vormals zwei Arbeitsver
such
e
mit diesem Pensum gescheitert seien. Dieser Frage müsse somit
(bei noch nicht ausgeschöpftem Rehabilitationspotential, vgl.
Urk.
6/66/43)
gegebenenfalls
im Anschluss an die vorgeschlagene mehrwöchige stationäre multidisziplinäre Rehabilitationsbehandlung erneut nachgegangen werden. Mittelfrist
ig
halte man eine berufliche Tätigkei
t im Rahmen von 50 bis 70
% für erstrebenswert (
Urk.
6/66/46).
3.3
Der RAD-Arzt
Dr.
med.
K._
, Praktischer Arzt,
kam in seiner
Stellungnahme
vom
1
3.
Juli 2007
zunächst
zum Schluss
, dass anhand der Aktenlage sechs Jahre nach einer Gehirnerschütterung und
eine
r
HWS-Distorsion ohne nachweisbare struk
turelle Schäden und bei laut Gutachten
der Klinik
D._
nachh
altig gebesserter depressiver Symptomatik ein invalidenversicherungsrechtlich-relevanter Gesundheitsschaden in den letzten Jahren nicht nachvol
lzogen werden könne. Die Unfalla
kten enthielten mit dem kreisärztlichen Bericht vom 1
7.
Mai 2002 Hinweise auf ein nicht konsistentes Bild. Der Verlauf in den letzten Jahren (trotz der Unfähigkeit zur Führung des Haushaltes besuche die Versicherte regelmässig Fitnessstudios, habe geheiratet
und
gebe an,
dass
es tip
p
top
p
gehe
und die sozi
alen Kontakte seit dem Unfall unverändert
seien
etc.) lasse bei gleichzeitigem Fehlen objektiver pathologischer Befunde eine Überprüfung notwendig erschei
nen. Zunächst könne die angekündigte stationäre Abklärung in der Rehaklinik
E._
abgewartet werden (
Urk.
6/77/5).
Am 2
7.
Mai 2009
hielt
derselbe RAD-Arzt
fest
, laut
hausärztlichem
Bericht vom
3.
Oktober 2008 (vgl.
Urk.
6/73/7) habe die Beschwerdeführerin seit Oktober 2007 eine zunehmende Anorexie entwickelt, welche ein besorgniserregendes Stadium erreicht habe. Es
bestünden
eine Hepatopathie und ein Muskelabbau, begleitet von zunehmender Bradykardie und Absinken der Kerntemperatur
. D
er BMI betrag
e
13,1 kg/m
2
.
Gemäss Attest des
G._
vom 2
2.
Dezember 2008 (vgl.
Urk.
6/73/2) bestehe eine schwere Anorexia
nervosa
,
di
e eigentlich stationär behandelt werden müsste. Die Versicherte sei nicht reha
bilitations
fähig.
Laut
Bericht des behandelnden Psychiaters
aus dem Jahr 2008
(vgl. 6/73/8) habe das Gewicht anfangs der Behandlung
im Jahr 2003
ca. 38 kg betragen. Seit Oktober 2007 bestehe eine manifeste Essstörung.
Anhand der Aktenlage sei der Verlauf der Arbeits
un
fähigkeit seit
1.
Dezember 2005 daher folgendermassen einzuschät
zen: Bis September 2007
habe
eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit für jede Tätigkeit analog dem
umfassenden
Gutachten der Klinik
D._
bestanden. S
eit Oktober 2007
bestehe
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jede Tätigkeit. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht werde eine regelmässige fachärztliche psychiatrische Behandlung zur Auflage empfohlen (
Urk.
6/77/7).
3.
4
Am Ende der letzten Revision
führte der
RAD-Arzt
Dr.
med.
L._
, Prakti
scher Arzt,
am 25. Januar 2012
aus
, der behandelnde Psychiater
diagnostiziere
im Bericht vom 2
0.
Dezember 2011 (vgl.
Urk.
6/93/5 ff.
und 6/93/9f.
) eine Ano
rexia
nervosa
, restriktiver Typus, und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode. Als Defizite würden Schwierigkeiten bei der Konzentration, ein verminderter Antrieb und eine gesteigerte Ermüdbarkeit angegeben. Seit der letzten Beurteilung habe die Beschwerdeführerin ihr Gewicht und den BMI steigern können. Sie versuche, an 1 bis 2 Tagen pro Monat im Betrieb des Ehemannes mitzuarbeiten. Es werde angenommen, dass die Arbeits
fähigkeit mit einer weiterführenden, aber intensiven Therapie positiv beeinflusst werden könne. Aktuell werde die Arbeitsunfähigkeit weiterhin auf 100 % geschätzt. Diese Angaben seien nachvollziehbar
und
die Einschätzung plausibel. Es sei von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen
(Urk.
6/95/2).
Ergänzend ist dem erwähnten
Verlaufsbericht
von
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
ihren
BMI von 12,5 kg/m
2
im Jahr 2009 auf 17,1 kg/m
2
steigern konnte. Indessen leide sie weiterhin unter Körperbildungsstörungen, Gedankenkreisen ums Essen, übertriebener körperlicher Aktivität und
Amenorrhoe
. Die depressiven Symptome seien rezidivierend. Aufgrund der stagnierenden Fortschritte werde auf ein Set
ting von zwei Gesprächen wöchentlich erhöht (
Urk.
6/93/5 f.)
3.
5
Mit der Rentenzusprechung im Rahmen der Verfügung vom 27. November 2009 wie auch der formlosen Mitteilung vom 2. Februar 2012 (
nach Auslaufen der be
fristeten Rente am 30.
November 2005
) trug die Beschwerdegegnerin demnach i
n erster Linie der
seinerzeit manifesten und erheblich ausgeprägten
Essstörung der Beschwerdeführerin Rechnung
.
Der
Rückkommensgrund
der Wiedererwä
gung, der eine zweifellose Unrichtigkeit der Leistungszusprechung voraussetzt, fällt
in diesem Kontext
ausser Betracht. Jedoch
handelt es sich
bei der Essstörung auch
nicht
um
ein
pathogenetisch
-ätiologisch unklares
syndromales
Beschwer
debild ohne nachweisbare organische Grundlage
im Sinne von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
.
Zu den
psychosomatische
n
Leiden
–
und nur auf
solche
ist die genannte Schluss
bestimmung
entsprechend ihrem klaren Wortlaut und trotz des nach der aktuellen Rechtsprechung
umfassenderen Anwendungsbereichs
des sog. strukturieren Beweisverfahrens (vgl. BGE 143 V 418 E. 6 und 7)
anwendbar
–
gehören recht
sprechungsgemäss etwa die anhalte somatoforme Schmerzstörung, die Fibromy
algie, das chronische Müdigkeitssyndrom oder das Schleudertrauma ohne orga
nisch nachweisbare Funktionsausfälle (vgl. Auflistung in BGE 140 V 8
E.
2.2.1.3), nicht
aber
Persönlichkeitsstörungen
oder
Suchtproblematiken (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_6/2016 vom
3.
Februar 2016 E. 4.2.3
mit Hinweisen
).
Gemäss
den diagno
stischen Leitlinien
der
ICD-10-
Klassifikation sind die klinischen
Merk
mal des Syndroms
bei der Anorexia
nervosa
leicht erkennbar, so dass die
Diag
nose mit einem hohen Grad an Übereinstimmung zwischen verschiedenen Klini
kern gestellt werden kann
(vgl.
Weltgesundheitsorganisation
[WHO]
,
Internatio
nale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diag
nostische Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
1
0.
Aufl. 201
5
,
Ziff.
F50.0
S. 2
4
3
). Es kann folglich nicht von einem unklaren Beschwerdebild gesprochen werden (
vgl.
dazu
a
uch
M
üller, in Jürg P
au
l Müller/Matthias
Kradolfer
, IV-Gutachten 2012
,
S. 52
und 83 mit Hinweisen auf die parlamentarische Debatte, abrufbar unter
https://www.djs-jds.ch/images/stories/rechtsgutachten_muller-kradolfer_12_2012.pdf
).
Eine, wie von der Beschwerdegegnerin
in der
angefochtenen Verfügung
einlei
tend
erwähnte,
Rentenrevision unter dem
T
itel von
lit
. a
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
wäre deshalb
nur zulässig, wenn die Essstörung die Auswirkungen des unklaren Beschwerdebildes bloss verstärken und es sich nicht um einen sog. Mischsach
verhalt handeln würde, bei dem eine exakte Abgrenzung von unklaren sowie klaren Beschwerdebildern und ihren Folgen für die Arbeitsfähigkeit nicht möglich
ist
(Urteil des Bundesgerichts 9C_619/2017
vom 2
8.
Juni 2018 E.
3.3 mit diversen Hinweisen). Dies
e Voraussetzungen sind nicht erfüllt, z
umal
d
as
im Gutachten der Klinik
D._
diagnostizierte
chronifizierte
Schmerzsyndrom
und
seine
Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
aufgrund der Essstörung nicht hinreichend abgeklärt
werden konnten.
Sowohl die
Gutachter als auch de
r
RAD
sahen
damals
einen stationären Aufenthalt zur
weiteren Rehabilitation beziehungsweise
Abklä
rung als indiziert.
3.
6
Dessen ungeachtet ist mit der Beschwerdegegnerin von einem
ge
besserten Gesundheitszustand auszugehen.
So wurde die Essstörung im neu eingeholten polydisziplinären Gutachten des
H._
vom 2
8.
September 2015 bei einem weiter gestiegenen BMI von nunmehr 20 kg/m
2
(
Urk.
6/124/20) entsprechend den diag
nostischen Leitlinien (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O.,1
0.
Aufl. 201
5
,
Ziff.
F50.0
S. 2
44 f.) nur
noch
anamnestisch festgehalten
. Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden ihr keine mehr beigemessen und
es wurde
erläu
tert, di
e
Anore
xie habe durch eine Entlastung und regelmässige psychiatrische Behandlung weitgehend stabilisiert werden können
(
Urk.
6/124/25
und 6/124/27 oben
)
.
Ebenso
diagnostizierte die seit Oktober 2013 behandelnde Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
J._
, in ihrem Bericht vom 17.
Oktober 2017 eine zurzeit kompensierte Essstörung (Anorexie,
Urk.
6/170/1).
Damit ist ein materieller Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG ausgewiesen und zwar unabhängig davon, ob als zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung der anspruchserheblichen Änderung seit der letzten rechtskonformen Sachverhalts
abklärung und Beweiswürdigung (vgl. BGE V 108 E. 5.4) die
formelle V
erfügung
vom 27. November 2009 oder die
formlose Mitteilung vom 2. Februar 2
012
her
angezogen wird
(zur Gleichstellung von formeller Verfügung und formloser Mit
teilung
:
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2
012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
4.
4.1
Da
ein Revisionsgrund nach
Art.
17 ATSG
vorliegt
, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinwei
sen).
Grundlage der Rentenaufhebung
bildet das bereits erwähnte
p
olydisziplinäre
H._
-
Gutachten
vom 2
8.
September 201
5.
Darin
wurden als mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somati
schen Faktoren (ICD-10: F45.2
, richtig: F45.51
) und eine rezidivierende depres
sive Störung, derzeit leichte depressive Episode (ICD-10: F32.1) diagnostiziert. Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurde
n
dem zervikalen und lum
balen Schmerzsyndrom
, aufgetreten
nach
d
em Unfall im August 2001 mit initial unauffälliger Bildgebung der
HWS
und bei bekannter Migräne,
dem
b
enigne
n
Hypermobilitätssyndrom,
der episodischen Migräne mit Aura, dem unsystemati
schen
Schwankschwindel
, der Osteoporose und der anamnestischen Anorexia
bulimia
nervos
a
be
i
gemessen
(
Urk.
6/124/25)
.
4
.2
4.2.1
Dazu
erörterten die Experten
in der Gesamtbeurteilung, aus somatischer Sicht könnten, abgesehen vom Vorliegen eines benignen Hypermobilitätssyndroms
,
in Kongruenz zur Einschätzung der Untersuchung des Suva
-
Kreisarztes
Dr.
N._
im Jahr 2003, keine objektivierbaren Befund
e
erhoben werden. Es best
ünden
nach wie vor eine episodische Migräne mit Aura und chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp sowie ein zervikales und lumbales Schmerzsyndrom. Aus Sicht des Bewegungsapparates und aus neurologischer Sicht sei somit von einem stationä
ren Gesundheitszustand seit dem Jahr 2003 auszugehen. In einer körperlich leich
ten bis mittelschweren Tätigkeit mit der Möglichkeit zur Einnahme von Wechsel
positionen könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden (
Urk.
6/124/26).
4.2.2
Aus psychiatrischer Sicht sei es im Vergleich zur letzten Rentenrevision zu einer Besserung des Gesundheitszustandes gekommen. Die Anorexie habe durch eine Entlastung und regelmässige psychiatrische Behandlung weitgehend stabilisiert werden können. Die früher als mittelgradig ausgeprägt beschriebene depressive
Episode sei derzeit nur leichtgradig ausgeprägt. Für die zuletzt ausgeübte Tätig
keit im Büro sei bei der Begutachtung Reintegrationspotential zu erkennen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe für eine derartige Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
. Aufgrund der langjährigen Absenz vom Arbeitsmarkt
sei
es sinnvoll, die Beschwerdeführerin im Rahmen einer geschützten Tätigkeit an die beruflichen Anforderungen heranzuführen. Es empfehle sich ein Einstieg mit einem Pensum von 50
%
mit Steigerung auf 80
%
innert 3 bis 6 Monaten und anschliessender Umsetzung des Arbeitspensums von 80
%
in der freien Wirtschaft. Die Reduktion gegenüber einem vollen Pensum begründe sich mit einem vermehrten Pausenbe
darf und einem grösseren Erholungsbedarf mit verminderter Leistungsgeschwin
digkeit (
Urk.
6/124/27).
4.2.3
Im Vordergrund stehe d
ie
Weiterführung der psychiatrischen Behandlung, wobei die medikamentöse Behandlung mit einem Phasen-Prophylaktikum evaluiert werden könne. Der Fokus
sei
dabei auf die Schmerzbewältigung
zu legen
. Zudem empfehle sich
die Anbindung an
eine neurologische Praxis zur Optimierung der Schmerztherapie im Rahmen der episodischen Migräne. Aufgrund der ausgepräg
ten subjektiven Beschwerden könne eine prophylaktische Therapie der Migräne im Rahmen der ambulanten Schmerztherapie diskutiert werden, wobei diese Mass
nahme keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (
Urk.
6/124/27).
4.3
4.3
.1
Im
Detail
erläuterte
der begutachtende Rheumatologe des
H._
, die Beweglichkeit der
HWS
und der rechten Schulter (
nach
akromiale
r
Fraktur im Jahr 2013) sei vollständig normal. Die Schmerzen im Bereich der HWS erschienen primär mus
kulärer Natur. Dies zeige etwa die kontralaterale Schmerzangabe bei der Late
ralflexion. Nebst einer leichten Steilstellung der HWS liege keine ausgeprägte Fehlhaltung vor. Eine
radikuläre
Symptomatik zeige sich nicht.
Ebenso erschie
nen d
ie lumbalen Rückenschmerzen in erster
L
inie funktioneller Natur
zu sein.
R
adikuläre
Ausstrahlung
en
seien nicht vorhanden
. Auffällig
sei ein Hypermobi
litätssyndrom.
Andere strukturelle Veränderungen des
muskuloskelettalen
Sys
tems seien keine bekannt. Bei positiven
Waddell
-Zeichen und Tenderpoints sei von einem generalisierten Schmerzsyndrom beziehungsweise einer Fibromyalgie auszugehen. Die Beschwerdeführerin führe zweimal wöchentlich Krafttraining durch, was man als Bestätigung
dafür
werte, dass keine funktionellen Einschrän
kungen im Bereich der
Hals-
und Lendenwirbelsäule
(LWS)
bestünden. Die in der Knochendensitometrie nachgewiesene Osteoporose habe sich verbessert und sei normalerweise nicht schmerzhaft.
Einschränkungen bestünden somit durch die Hypermobilität und die Residuen der HWS-Problematik, etwa beim Arbeiten über Kopf oder in gehockter/kniender Position. Heben und Tragen von Gegenständen über 15 kg sei unzumutbar. Zudem müsse die Möglichkeit zur Wechselbelastung z
wischen Absitzen und Auf
stehen –
längstens
alle 30 Minuten
–
bestehen (
Urk.
6/124/21).
4.3.2
Damit übereinstimmend
stellte der begutachtende Neurologe des
H._
das Vor
liegen eines chronischen lumbalen und zervikalen Schmerzsyndroms ohne kli
nisch-neurologischen Anhalt für eine sensomotorische Wurzelreiz- oder Ausfall
symptomatik fest.
Er wies ergänzend darauf hin
, dass eine Diskrepanz zwischen der ausgeprägten Schmerzangabe (aktuell VAS 7/10) und dem Auftreten der Beschwerdeführerin bestehe, die nicht schmerzgeplagt wirke. Das einstündige Sit
zen während der Anamnese sei problemlos toleriert worden, die Bewegungen seien flüssig gewesen und die Untersuchung sei klaglos und ohne Pausenbedarf durchgeführt worden. Zudem habe die Beschwerdeführerin berichtet, regelmässig Ausdauer- und Krafttraining durchzuführen sowie dreimal täglich eine halbe Stunde mit dem Hund zu spazieren, was eher gegen eine immobilisierende Schmerzsymptomatik spreche (
Urk.
6/124/22 f.).
4.3.3
Wie die RAD-Ärztin
O._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Trau
matologie, in ihrer Stellungnahme vom 1
9.
Juni 2018 (
Urk.
6/185/6)
zu
den neu vorgelegten
Unterlagen des Stadtspitals
P._
zutreffend ergänzte
, zeigte sich im
nach der
H._
-Begutachtung
durchgeführten MRI der HWS vom
12.
Dezember 2017
erneut kein pathologischer Befund. Festgestellt wurden minimale degene
rative Veränderungen bei ansonsten altersentsprechend unauffälligen Verhältnis
sen. Es war weder eine Spinalkanalstenose noch eine Nervenwurzelaffektion zu eruieren. Im MRI der LWS vom 2
4.
November 2017 hatte sich zwar eine Verän
derung am Wurzelabgang L4 auf Höhe L3/4 links gezeigt. Es blieb jedoch unklar, ob es sich um
ein
Sequester
beziehungsweise ein Neu
rom handeln könnte (vgl.
Urk.
6/184/8).
Es folgten bis zum 1
8.
Dezember 2017 zwei Infiltrationen und eine
Medikation mit
Lyrica
(vgl.
Urk.
6/184/9
und 6/182/1
).
Indizien für die
von Rechtsanwalt
Ausfeld
mit E-Mail
vom 22.
Dezember 2017 angekündigte Fortset
zung der Behandlung (
Urk.
6/178) sind bis heute keine aktenkundig (vgl.
insbe
sondere
Urk.
6/184/7).
Dr.
O._
schloss somit nachvollziehbar auf ein akutes Geschehen ohne
d
au
erhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
6/185/6
)
.
Ohnehin
erweis
t
sich das
im
H._
-
Gutachten
aus rheumatologischer Sicht definierte Belastungsprofil mit Wechselbelastung und einem Gewichtslimit von 15 kg bereits als weitgehend rückenschonend.
4.3.4
Folglich
wurde d
ie gutachterliche Beurteilung des
Rückenleidens
von den Par
teien zu Recht nicht beanstandet. D
ie Untersuchungsbefunde
wurden
aus rheu
matologischer
wie auch
neurologischer Sicht
unter verschiedenen Gesichtspunk
ten
plausibilisiert und die daraus resultierenden Einschränkungen im Rahmen des Belastungsprofils
schlüssig
aufgezeigt. Anhaltspunkte für nennenswerte funktio
nelle Einschränkungen
fanden sich ebenso wenig wie ein organisches Korrelat, welches das Ausmass der geklagten Schmerzen erklären würde
.
Wie die RAD-Ärztin
Dr.
O._
ferner schlüssig darlegte, förderten die bildgebenden Abklä
rungen
rund
zweieinhalb Jahre nach der
H._
-
Begutachtung keine relevanten neuen medizinischen Aspekte zu Tage.
4.4
4.4.1
Der begutachtende Neurologe
des
H._
führte
– ergänzend zum unter E. 4.3.2 Gesagten –
im Wesentlichen aus
, die berichteten,
zirka
achtmal pro Monat auf
tretenden, heftigen Kopfschmerzattacken von pulsierender/hemmender Qualität, einhergehend mit ausgeprägter Rückzugstendenz, Licht- und Lärmempfindlich
keit sowie Übelkeit und gelegentlich vorangehendem Flimmern vor den Augen und teilweisem Schwindel, seien gut mit einer episodischen Migräne zu verein
baren. Diskrepant zur angegebenen starken Beeinträchtigung im Alltag scheine dabei die geringe Einnahme von spezifischen Analgetika von viermal im Monat. Nach Einnahme von Zomig nasal gebe die Beschwerdeführerin zudem einen Rückgang der migränespezifischen Kopfschmerzen an. Der im Anschluss persis
tierende und auch sonst ständig vorhandene Kopfschmerz sei vom Spannungstyp, wofür der drückende Schmerzcharakter, die geringe Beeinträchtigung im Alltag und die fehlende Änderung bei körperlicher Bewegung sprächen. Dieser Kopf
schmerz sei nicht vordergründig massgebend für die Arbeitsfähigkeit, da hierfür keinerlei Schmerztherapie eingenommen werde
.
Die aktuell angegebene zwei- bis dreitägige Erinnerungslücke nach dem Unfall sei diskrepant zu den Vorberichten, in denen eine Amnesie lediglich für den Unfall selbst beschrieben werde. Ein MRI des
Neurokraniums
sowie der HSW nach dem Unfall hätten keinen pathologischen Befund ergeben. Eine relevante trau
matische Läsion des
Neurokraniums
erschei
ne daher eher unwahrscheinlich.
Die beschriebene Schwindelsymptomatik
bei klinisch-neurologisch unauffälligem Untersuchu
ngs
befund
sei aufgrund der Anamnese eines
[einige]
Stunden bis einen Tag andauernden
Schwankschwindels
mit Zunahme beim Tauchen und bei schnellen Kopfbewegungen am ehesten im Sinne eines unspezifischen
Schwank
schwindels
zu interpretieren. Da eine gelegentliche Assoziation zu den Migräne
kopfschmerzen angegeben werde, sei differentialdiagnostisch eine vest
ibuläre Migräne zu diskutieren
(
Urk.
6/124/22 f.).
4.4
.2
Was die Beschwerde
führerin
dagegen
gestützt auf den
nachgereichten
Bericht von Dr.
med.
Q._
, Facharzt für Neurologie am
Z
entrum
I._
, vorbringt, vermag nicht zu überzeugen. Vorab fällt auf, dass
sie sich
trotz des geklagten Ausmasses der Kopfbeschwerden erst im Juli 2017
um eine
neuro
logische Anbindung (aktuell
e Medikation
mit
Sibelium
und
Venlafaxin
)
bemühte und bei
Dr.
Q._
vorstellte (vgl.
Urk.
6/166/1 f.)
, obschon ihr dies
e
Option spätestens
mit dem
H._
-
Gutachten
bekannt war
(vgl. E. 4.2.3)
. Es kommt hinzu, dass
die Hausärztin
erklärte
, dass sie die Beschwerdeführerin nur selten sehe und schlecht informiert sei (
Urk.
6/168/2).
Dies weckt zusammen mit der
gutachterlich festgestellten
,
geringen
Medikamenteneinnahme
und dem guten
Ansprechen
darauf
(
vgl.
dazu auch
Urk.
6/124/68)
erhebliche Zweifel an ei
nem massgeblichen Leidensdruck
.
Dr.
Q._
hielt im Befund zudem einzig eine chronische
Dorsalgie
mit inter
mittierender
Lumboischialgie
am ehestens L5 rechts fest. Unter Berücksichtigung der
damit
offenkundig allein auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführe
rin basierenden Einschränkungen – starke intermittierende Migräneanfälle, Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen und «unter Belastung zunehmende» depressive Symptome – attestierte er ihr eine Arbeitsunfähigkeit von 60 bis 70
%
für die letzten 16 Jahre. Möglich sei ihr aus «Kopfwehsicht» gegebenenfalls eine Tätigkeit im geschützten Rahmen von zwei bis drei Stunden pro Tag (
Urk.
6/166/
2 und 6/166/
4
f.
).
Der Bericht bestätigt die
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E.
3b/cc). Fundierte
Angaben
etwa zur Häufigkeit der Migräneattacken, den dadurch bedingten Einschränkungen im Alltag oder bereits gescheiterten Therapieversu
chen finden sich
trotz der rückwirkend attestierten hohen Arbeitsunfähigkeit
nicht.
Es verwundert daher nicht
, dass
Dr.
Q._
hinsichtlich der
Wiederauf
nahme einer Arbeitstätigkeit
letztlich
auf die ausserhalb seiner Fachkompetenz liegende «limitierende psychiatrische Komponente» hin
wies (
Urk.
6/166/4)
.
4.4.3
Zusammenfassend
setzte sich der b
egutachtende Neurologe des
H._
eingehend mit den
von
der Beschwerdeführerin
geschilderten
Kopfbeschwerden auseinander und diagnostizierte
,
wie
Dr.
Q._
,
eine Migräne und darüber hinaus einen Kopfschmerz vom Spannungstyp. Das
Beschwerdeausmass
relativierte er
dabei
nachvollziehbar
aufgrund des
behandlu
ngsanamnestisch nur beding
t
ausgewie
senen Leidensdrucks, woran die unkritische Wiedergabe
von
subjektiv geklagten
(
neurologischen und psychischen
)
Beschwerden durch
Dr.
Q._
keine Zweifel
zu wecken vermag.
Im Übrigen räumte der
begutachtende Neurologe des
H._
im Anschluss an seine Ausführungen zu den Kopfbeschwerden und
zum
Rückenleiden
ein, dass
sich ke
in Anhalt für eine Änderung der
Symptomatik über die Zeit
ergäbe
. Die Dis
krepanz zur früher attestierten 30%igen Arbeitsfähigkeit
aus neurologischer Sicht
sehe
er
darin, dass man die reine Schmerzsymptomatik nicht berücksichtige.
In diesem Zusammenhang hob er nochmals hervor, dass d
ie beschriebenen Schmer
zen im Rahmen der Begutachtung aufgrund der Präse
ntation der Beschwerdefüh
rerin
nicht klar nachvollziehbar
seien
(
Urk.
6/124/22 f.).
4.5
4.5.1
Der psychiatrischen Beurteilung
des
H._
ist
im Einzelnen
zu entnehmen, bis zum Unfall im Jahr 2001 habe soweit bekannt eine
blande
psychiatrische Anamnese bestanden. Danach habe die Beschwerdeführerin eine depressive und eine chro
nische Schmerzstörung mit mehrfachen Exazerbationen und vielfachen Abklä
rungen entwickelt, die mehrere
Hospitalisationen
zur Folge gehabt habe. Im wei
teren Verlauf habe sich eine völlige Invalidität sowie eine schwere Essstörung
(
Anorexie und Bulimie
)
entwickelt. Es sei bis zu einer Gewichtsabnahme und Kachexie mit einem BMI von 12 kg/m
2
gekommen
(
Urk.
6/124/24)
.
Aktuell imponiere
die
Beschwerdeführerin
durch ein somatisch nicht vollständig erklärbares Schmerzsyndrom. Sie gebe eine sehr hohe Bewertung ihrer Schmerzen auf der
Schmerzskala
und ein diffuses Schmerzbild mit Ausdehnung fast auf den ganzen Körper an. Sie habe einen konstanten Schmerz und weise
wenig Coping-Strategien im Umg
ang mit demselben auf. Die eigene Leistungsfähigkeit werde als sehr niedrig eingeschätzt, auch im Vergleich zu
r
Alltagstätigkeit und Belast
barkeit. Es sei von einer Symptomausweitung auszugehen, wie man sie häufig bei Patienten mit somatoformen Schmerzstörungen finde. Der Schmerz lasse sich insgesamt nicht ausreichend somatisch klären, weshalb von einer psychischen Überlagerung auszugehen sei. Zudem weise
die Beschwerdeführerin
entsprechend dem Gutachten der Klinik
D._
rezidivierende depressive Episoden auf. Anam
nestisch seien mittelschwere und schwere depressive Episoden beschrieben. Aktuell imponiere sie durch eine leichte depressive Symptomatik und vor allem durch die von ihr angegeben
en
Schlafstörungen.
Die Beschwerdeführerin verfüge aktuell über einen geregelten Alltag in ihrem Rahmen. Sie sei aktiv und funktionell praktisch
wenig eingeschränkt
, zumindest was die Tätigkeiten in der Freizeit und zu Hause betreffe. So wäre sie aktuell in ihrem Beruf als kaufmännische Angestellte grundsätzlich arbeitsfähig. Wieweit eine Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit jedoch bestehe, müsste anhand eines Arbeitsversuches eingeschätzt werden. Die Einschränkung beziehe sich vor allem auf die bestehende Schmerzstörung in Verbindung mit Schlafstörungen und
vegetativen Störungen sowie mit einer leichten depressiven Symptomatik. Da es sich um eine rezidivierende depressive Störung handle, die wiederholt so beschrieben worden sei, müsse mit Rückfällen gerechnet werden (
Urk.
6
/124/24).
Bis zum Unfall habe die Beschwerdeführerin regelmässig Stellen
innegehabt, die ihrer Ausbildung entsprochen hätten. Danach sei es zur Entwicklung der beschriebenen depressiven und Schmerzsymptomatik, im späteren Verlauf in Verbindung mit einer schweren Essstörung gekommen. Heute verfüge sie über einen geregelten Alltag, sei hinsichtlich des Ressourcenprofils im Haushalt weit
gehend arbeitsfähig. Sie sei in der Lage zur Planung und Organisation von Auf
gaben und könne sich soweit bekannt an Termine halten (
Urk.
6
/124/25).
4.5.2
Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
J._
nahm hierzu
–
zusammen mit
lic
. phil.
R._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP
–
in den Berichten vom 17.
Oktober 2017 (
Urk.
6/170) und 1
7.
Oktober 20
18 (Urk.
9/1) Stellung. Dabei diagnostizierte sie (neben der in E. 3.
6
erwähnten, derzeit kompensierten Essstörung)
abweichend vom
H._
-Gutachten
eine schwere Persönlichkeitsstö
rung mit abhängigen und narzisstischen Anteilen (ICD-10: F60.7/60.8) sowie psy
chosomatischen Symptomen, eine nichtorganische Schlafstörung (ICD-10: F51.2) sowie Zwangsgedanken und Gedankenkreisen (ICD-10: F42.0). Dazu attestierte
sie
der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsunfähigkeit seit dem Velounfall
im Jahr 2001
(
Urk.
6/170/1 f
.;
Urk.
9/1 S. 1 f. und 4 f.).
Um die Therapie nicht zu gefährden
,
erstatteten
die diplomierte Ärztin
S._
, Psychiatri
e und Psychotherapie
,
und
lic
. phil.
T._
,
eidg
. aner
kannte
Psycho
therapeutin
(
Urk.
6/171/6)
, welche die Beschwerdeführerin parallel zu
Dr.
J._
und der Psychologin
R._
behandelten
(
Urk.
9/1 S. 3
)
,
nach reif
licher Überlegung
keinen Bericht
.
Daraus
lässt sich
weder etwas
zu Gunsten
noch zu Ungunsten der Beschwerdeführerin
ableiten.
4.5.3
Es ist d
a
rauf hinzuweisen
, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist
(Urteil des Bundesgericht
s
9C_668/2018 vom
5.
April 2019 E. 3.5 mit weiteren Hinweisen).
Im
Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung
ist dabei
praxisgemäss
die klini
sche Untersuchung in Kenntnis der Anamnese
entscheidend
. Eine Fremdanam
nese und (schriftliche oder mündliche) Auskünfte der behandelnden Arztpersonen sind häufig wünschenswert,
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
aber nicht zwingend erforderlich. Anfragen beim behandelnden Arzt sind
unter
anderem
wertvoll, wenn sie erweiterte Auskünfte über Persönlichkeit und Com
pliance des Exploranden erwarten lassen. Die Notwendigkeit der Einholung einer Fremdanamnese bei der behandelnden Arztperson ist in erster Linie eine Frage des medizinischen Ermessens. Auch aus den neuen Qualitätsleitlinien für versi
cherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für Psychi
atrie und Psychotherapie ergibt sich in dieser Hinsicht nichts anderes (vgl. die
3.
vollständige überarbeitete und ergänzte Auflage vom 1
6.
Juni 2016; in: SZS 2016 S. 435 ff.;
Urteil des Bundesgerichts
8C_794/2017 vom 2
7.
März
2018
E.
4.2.1 mit
Hinweisen).
In Bezug auf Berichte von Behandlungspersonen ist zudem nochmals auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
enten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativgut
achten stets in Frage zu stellen, wenn die Behandlungspersonen zu anderslauten
den Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benen
nen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinwei
sen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
4.5.
4
Mit Blick auf die von ihr
vorgenommene
diagnostische Zuordnung legte
Dr.
J._
i
m Bericht vom 1
7.
Oktober 2018 zutreffend dar, dass es für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zwingend sei, dass Symptome bereits ab Kindheit/Jugendalter feststellbar seien (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O.,1
0.
Aufl. 201
5
,
Ziff.
F60
S.
277). In der Folge
vermochte sie
allerdings
nicht aufzuzeigen,
dass
sich bei der Beschwerdeführerin bereits früh das Verhaltens
muster einer abhängigen oder narzisstischen Persönlichkeit
sstörung
entspre
chend
den ICD-10-Kriterien
abzeichnete
(vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O.,1
0.
Aufl. 201
5
,
Ziff.
F60.7
S.
282 und
Ziff.
F60.8 S. 283)
.
Ferner führte
Dr.
J._
aus
,
die Beschwerdeführerin habe
der Psychologin
gegenüber
eine
depressive Verstimmung und Essstörungen
seit
der
Jugendzeit
geschildert
(
Urk.
9/1 S. 2
)
.
Da keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Beschwerdeführerin bereits vor dem Velounfall im Jahr 2001 eine psychiatrische Behandlung beanspruchte, handelt es sich hierbei
um nicht objektivierbare
Angaben,
die
zusammen mit der
von
den
Vorbehandlern
Dr.
med.
M._
(vgl.
Urk.
6/93/5 und 6/93/9) und
Dr.
med.
U._
(vgl.
Urk.
6/124/62)
beschriebenen Fixierung auf ein pathologisch niedriges Körpergewicht mit Gedankenkreisen ums Essen und übertriebener sportlicher Aktivität
all
enfalls
auf
eine
Entwicklung der Anorexie über einen längeren Zeitraum hindeuten.
Ein spe
zifisches Verhaltensmuster im Sinne der von
Dr.
J._
diagnostizierten
kom
binierten Persönlichkeitsstörung lässt sich darin nicht erkennen.
W
eiter
erläuterte
Dr.
J._
, die Beschwerdeführerin
habe
das 10.
Schuljahr
absolviert
und ein Jahr gejobbt, weil sie keine Lehrstelle gefunden habe
(
Urk.
9/1 S. 3)
.
Dies lässt entgegen ihrer Auffassung nicht
ohne weiteres
den Rückschluss zu, es hätten
massgebliche gesundheitliche
, insbesondere psychische Probleme
bestanden
, zumal es für eine
längere Lehrstellensuche
unterschiedliche
Gründe geben
kann
(
z.B. schlechtes Zeugnis,
Lehrstellenangebot, Migrationshintergrund
).
Mit Blick auf den Auszug aus dem individuellen Konto
(
Urk.
6/4)
aktenwidrig
ist die Feststellung
von
Dr.
J._
, die Beschwerdeführerin habe sich nie länger in einen Betrieb integrieren können
. So war sie von August 1994 bis September 1997 im gleichen Lehrbetrieb und ab Juni 1999 bis zum Unfall
im August 2001
in der
Y._
AG tätig
.
Im Übrigen
sind keine verhaltensbedingte
n
Konflikte am Arbeitsplatz aktenkundig.
Die Stellenwechsel erklären
sich
damit, dass d
ie Beschwerdeführerin einige
Praktika
im Hinblick auf eine berufliche Neu
ausrichtung
absolvierte,
ihren Wohnsitz zu ihrem Ehemann verlegte
oder
sich andernorts besser
e
Möglichkeiten für ihr berufliches Fortkommen ausrechnete
(
vgl.
Urk.
6/66/25 f.
und 6/7/29
).
4.5.5
Bezüglich der
Ausführungen
von
Dr.
J._
und der Psychologin
R._
zur
Ehe
der Beschwerdeführerin
bleibt letztlich unklar,
ob sich die Trennung
vom
Ehe
mann
oder
umgekehrt der Druck in der Partnerschaft
als belastend erwies
(vgl.
Urk.
9/1 S. 3
;
Urk.
6/170/6
Mitte)
. Mit einer s
chweren Persönlichkeitsstörung
schwerlich
vereinbar ist
sicherlich
die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin während
15
Jahren eine
soweit
stabile Beziehung führte
(vgl.
Urk.
6/124/52
oben
)
und
vor Kurzem
eine neue Beziehung eingegangen ist.
Das
von
Dr.
J._
beschriebene Verhalten, wonach die Beschwerdeführerin einmalig
(bei depressiver Verstimmung)
mit einer Medikamentenintoxikation in
appel
l
ativer
Absicht und hernach mit der Androhung von Essensverweigerung oder der Klage über körperliche Beschwerden ihren getrenntlebenden Ehemann dazu bringt, sich um sie zu kümmern, aber alles wieder in Ordnung ist, sobald ihr neuer Freund Zeit für sie hat, vermag allein keinen invalidisierenden Gesund
heitsschaden zu begründen. Gleiches gilt für die Tatsache, dass
die Beschwerde
führerin
den Hund zuerst unbedingt haben will, ihn dann aber als zu belastend dem Ehemann zurückgibt (vgl.
Urk.
9/1 S. 3 f.).
Es gibt keine Hinweise darauf,
dass sie ein derartiges Verhalten bereits früher oder
auch gegenüber anderen
Per
son
en
gezeigt hat
. Es lässt sich daher nicht mit
genügender
Gewissheit
ausschlies
sen, dass es sich hierbei nicht bloss um ein antrainiertes und damit steuerbares Verhalten
gegenüber dem Ehemann
handelt, zumal sich dieses aus Sicht der Beschwerdeführerin bis anhin bewährte. Soweit aus dem
H._
-Gutachten und den Berichten von
Dr.
J._
ersichtlich, kam es seit
Aufnahme der Behandlung bei
Dr.
J._
im Januar 2014 (mit Ausnahme der erwähnten Medikamenteninto
xikation Anfang Mai 2014,
Urk.
6/124/67)
jedenfalls
nicht mehr zu einer nen
nenswerten depressiven Episode, einer erneuten Essstörung oder einer
relevanten
Schmerzstörung.
4.5.
6
Insgesamt
vermochten
Dr.
J._
und die Psychologin
R._
also k
ein
tiefgrei
fende
s
Verhaltensmuster
darzutun
, d
as
bereits
im Jugendalter
einsetzte
, sich
i
m Erwachsenenalter
dauerhaft manifestierte
und
sich in vielen persönlichen und sozialen Situation
en
als eindeutig unpassend erw
ies
.
Es wäre denn auch zu erwarten, dass eine
solch
s
chwere Persönlichkeitsstörung in
die Berichte der zahl
reichen
Vorbehandler
Eingang gefunden hätte.
Erwähnt wurden
im Bericht
von
Dr.
M._
vom 2
0.
Dezember 2011
indessen
nur
zwanghafte
und ängstliche
Per
sönlichkeitszüge
sowie Perfektionismus
(Urk.
6/93/9)
, ähnlich wie
zuvor
im Bericht der Rehak
lini
k
B._
vom
7.
Juli 2003 (
Urk.
6/19/3)
.
Dr.
J._
und die Psychologin
R._
brachten insgesamt
weder wesentliche,
im
H._
-Gutachten
übersehene Aspekte vor, noch
stellten sie
jene
Tatsachen in Abrede, welche für
die
gutachterliche Einschätzung
ausschlaggebend waren
.
So bestätigten letztlich auch
sie
, d
ass die Beschwerdeführerin, wenn wenig Druck da sei, in ihrer Freizeit wenig eingeschränkt sei. Sie mache Hotelpromotionen, wo viele coole Aktivitäten angeboten würden, oder Yoga-Wochen, überall auf der Welt (USA, Sahara, Malediven etc.; vgl.
Urk.
9/1 S. 4).
Dass die Beschwerdefüh
rerin über Jahre, wenn auch in sehr geringem Umfang,
für das Mod
emagazin
«
V._
», das ihr Ehemann verlegt
(
vgl.
Urk.
6/93/9
und 6/124/
19
),
tätig war,
wurde von den Behandlungspersonen d
abei noch nicht berücksichtigt.
Ein
deut
licher subjektiver
Leidensdruck
, wie er zumindest bei der postulierten schweren Ausprägung der Persönlichkeitsstörung (wie auch einer relevanten Schmerz
- oder Schlaf
störung) zu erwarten wäre,
ist
deshalb
nicht ersichtlich
.
Der fehlende Leidensdruck
dürfte
letztlich
auch
der
Grund dafür sein, d
ass
sich die Beschwerdeführerin nach Angaben
von
Dr.
J._
bis anhin nicht hospita
lisieren
respektive
n
ur bedingt auf
die
Behandlung einliess
(Absage von Terminen wegen Migräne
respektive
Behandlungsabbruch
bei Konfrontationen mit ihrem Verhalten
,
Urk.
9/1 S.
4
).
Auch darin ist also
nicht ohne weiteres ein persönlich
keitsimmanentes
Verhaltensmuster
zu sehen. Der Bericht der Rehak
lini
k
B._
zur stationären Rehabilitation im Juni 2003 deutet
zudem
auf einen Zusammen
hang
zwischen den
Essgewohnheiten
der Beschwerdeführerin und ihrer ableh
nenden Haltung gegenüber weiteren stationären Aufenthalten
hin
(vgl.
Urk.
6/19/3 oben), auch wenn sie selbst
auf
schlechte Erfahrungen mit unfreund
lichem Pflegepersonal
hinwies
(
vgl.
Urk.
6/66/67 f.)
.
Abschliessend
sei
angemerkt
, dass
das psychische Leiden
bis anhin
– auch nach Darstellung
der Behandlungspersonen
(
z.B.
Urk.
6/170/6
Psychologin
R._
,
Urk.
6/124/61 vorbehandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
U._
) –
k
einen
kontinuierlich
en Verlauf zeigt
,
sondern
vielmehr
d
urch
psychosoziale Faktoren
geprägt erscheint
:
Velounfall mit
Nichtantritt der neuen Arbeitsstelle
(Jahre
2001/2002
)
, Tod der S
chwester
mit Verlust
des
Kontakt
s
zu deren Kindern
(Jahr
2005
)
, Wegzug der Eltern
und der besten Freundin ins Ausland
(J
ahr 2008
)
sowie
Schulterverletzung
(vgl.
Urk.
6/124/79)
und
Trennung vom Ehemann
(Jahre
2013/2014
)
.
4.6
Zusammenfassend
habe
n
sich die
H._
-
Gutachte
r
umfassend
zu den geklagten
somatischen, psychosomatischen und psychischen
Beschwerden
geäussert. Ihre Beurteilung beruht a
uf einer ausführlichen Untersuchung,
wurde
in Kenntnis
der
Vorakten
abgegeben und leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Situation
– nicht zuletzt unter Berücksichtigung des weder in der Untersuchung noch im Alltag spürbaren Leidensdruck
s
–
ein. Die Schlussfolgerungen
sind
entsprechend
sorgfältig und nachvollziehbar begründet (vgl. zu den beweis
-
rechtlichen Anfor
derungen: BGE 134
V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Die nachgereichten Berichte
von
Dr.
Q._
,
Dr.
J._
und der Psycho
therapeutin
R._
vermögen daran keine
hinreichenden
Zweifel
zu wecken. Insbesondere bestehen nicht genügend Indizien für ein krankheitswertiges Verhaltensmuster, das
Anlass für eine erne
ute psychiatrische Begutachtung
geben würde. In diesem Sinne erweist sich der
gemeinsame
Bericht von
Dr.
J._
und der Psycho
therapeutin
R._
vom
17. Oktober 2018 mit Beilagen (
Urk.
9/1-
4
) auch nicht als f
ür die Beurteilung des Leistungsanspruchs
unerlässlich im Sinne von
Art.
45
Abs.
1
A
TSG, weshalb sich keine Kostenübernahme der Berichterstattung zu Lasten der B
eschwerdegeg
nerin rechtfertigt.
Damit ist von einer
medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit von 80
%
in
der angestammten, kaufmännischen Tätigkeit auszugehen.
Bereits im Gutachten der Klinik
D._
wurde –
bevor die Anorexie eine
Erwerbstätigkeit
verunmöglichte
– mittelfristig eine berufliche Tä
tigkeit im Umfang von 50 bis 70
%
als erstre
benswert er
achtet (
Urk.
6/66/46).
5.
5.1
5.1.1
Im
H._
-Gutachten wurden d
er Beschwerdeführerin
Einschränkungen
im Rahmen der Schmerzstörung in Verbindung mit
den
Schlaf- und vegetativen Störungen sowie einer leichten depressiven Symptomatik attestiert (vgl. E. 4.5.1).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psy
chischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struktu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Gemäss der Rechtsprechung ist dieses auch nicht entbehrlich, wenn aus medizinischer Sicht nur eine geringfügige Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert wurde, die von vornherein keinen ren
tenrelevanten Invaliditätsgrad zu begründen vermag (vgl. dazu Urteil des Bun
desgerichts 8C_309/2018 vom
2.
August 2018 E. 5.3.2).
5.1.2
Es bleibt anzumerken, dass das Bundesgericht in BGE 140 V 290 E. 3.3.1-2 die Frage
offen liess
, ob eine Migräne zu den Krankheitsbildern zählt, die mit etab
lierten Methoden objektiviert werden können. Es wies darauf hin, dass
Abklä
rungs
- und Beweisschwierigkeiten die Berücksichtigung von allenfalls durch fremdanamnestische Angaben zu erhebenden Lebensbereichen wie Freizeitver
halten oder familiäres Engagement erfordern würden. Darüber hinaus stellte es in BGE 143 V 418 E. 8.1 klar, dass das strukturierte Beweisverfahren einer Auf
teilung von Einbussen auf einzelne Leiden entgegenstehe, da es auf einer ergeb
nisoffenen Gesamtbetrachtung in Berücksichtigung der Wechselwirkungen basiere. Eine Ausscheidung einzelner Beschwerden wegen fehlender invaliden
versicherungsrechtlicher Relevanz wäre nicht zielführen
d
. Störungen würden daher unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhem
mende Wirkung beizumessen sei.
5.1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu beachtenden Standardindikatoren hat das Bundesgericht
schliesslich
wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1; Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome [E. 4.3.1.1]; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resis
tenz [E. 4.3.1.2]; Komorbiditäten [E. 4.3.1.3]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeits
entwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte
des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des
Aktivitä
tenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck
(E.
4.4.2). Sie erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfakto
ren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_539/2015 vom 21. März 2016 E. 2.2.1).
5
.2
5.2.1
Beim Komplex «Gesundheitsschädigung» ist zu beachten, dass i
m
Unterschied zu einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10
:
F45.40), bei
welcher
ein andauern
der, schwerer und quälender Schmerz im Vordergrund steht, bei der diagnosti
zierten chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10: F45.41) ein über sechs Monate bestehender Schmerz in mehreren ana
tomischen Regionen beschrieben
wird
. Letzterer fehlt damit ein Bezug zum Schweregrad (BGE 140 V 106 E. 4.2). Die Diagnose setzt aber immerhin voraus, dass der Schmerz «in klinisch bedeutsamer Weise» Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen und anderen wichtigen Funktionsbereichen her
vorruft (BGE 143 V 418 E. 5.1).
Diesbezüglich
ist
auf die
dargelegten
gutachterlichen Feststellungen (vgl. E. 4.3.2, 4.4.1 und 4.5.1)
und
die Erwägungen zu den
Anga
ben der Behandler
(vgl. E. 4.5.6)
hinzuweisen, wonach ein Leidensdruck sowohl
in der
Begutachtungssituation
als auch
im
Alltag
nur wenig spürbar ist.
Der
Indikator der diagnoserelevanten Befunde erweist sich damit als
nur
geringgradig
ausgeprägt.
K
omorbiditäten sind
mit der
leichten
depressiven Symptomatik
und den
(
zumin
dest
)
angegebenen Schlafstörungen
, den
geklagten
Kopfbeschwerden und Schwindelanfällen
,
dem zervikalen und lumbalen Schmerzsyndrom
sowie
dem schwierigen Essverhalten zwar
gegeben
,
deren
ressourcenhemmende Wirkung
ist
aber
aufgrund
des zum
aktuellen
Ausmass der einzelnen Leiden Dargelegten
(vgl. E. 3.
6
, 4.3, 4.4 und 4.5)
z
u relativieren
.
Eine Behandlungsresistenz im Sinne des Scheiterns einer indizierten und lege
artis
durchgeführten Therapie ist nicht erwiesen
, zumal sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin, obschon sie sich nur bedingt auf die Behand
lung einliess (vgl. E. 4.5.6),
deutlich
besserte
.
Eingliederungsmassnahmen wurden s
eitens der Beschwerde
gegnerin nach der letzten
Rentenzusprache
keine mehr durchgeführt.
Positiv zu
vermerken
ist
, dass die Beschwerdeführerin über längere Zeit
, wenn auch in sehr geringem Umfang, für das von ihrem Ehemann heraus
gegebene Modemagazin arbeitete (vgl.
E.
4.5.6).
5.2.2
Im
H._
-Gutachten wurden
ferner
keine strukturellen Defizite im Sinne einer eigentlichen Persönlichkeitsproblematik oder eine erhebliche Störung komplexer
Ich-Funktionen thematisiert
.
Dies trifft auch auf die übrigen medizinischen Unterlagen zu – mit Ausnahme der erwähnten zwanghaften, ängstlichen und per
fektionistischen Persönlichkeitsanteile
in den Bericht
en
von
Dr.
M._
und der Rehaklinik
B._
(
vgl. E. 4.5.6
).
Soweit
Dr.
J._
im Gegensatz dazu
eine schwere Persönlichkeitsstörung diagnostizierte, kann ihr nach dem unter E. 4.5 Ausgeführten nich
t gefolgt werden.
Es kann daher im Rahmen des Komplexes «Persönlichkeit»
nur
berücksichtigt werden, dass die Persönlichkeit der Beschwer
deführerin den Umgang mit ihren gesundheitlichen Beschwerden
und die beruf
liche Eingliederung
eher erschwert als begünstigt.
5.2.3
Ein sozialer Rückzug ist
zudem
klar zu verneinen. Die Beschwerdeführerin verfügt mit Blick auf den Komplex «sozialer Kontext» über ausreichend Kontakte in- und ausserhalb des familiären Umfeldes.
So
geht
sie zahlreiche
n
Aktivitäten
nach,
sowohl unter der Woche als auch im Urlaub, hat einen neuen Partner
, trifft sich mit Freundinnen
und wird von ihrem getrenntlebenden Ehemann finanziell wie auch emotional unterstützt (vgl.
Urk.
6/124/41 und
6/124/52
;
Urk.
9/1 S. 3 f.
)
.
5.2.4
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Gesichtspunkt der «Kon
sistenz» (BGE 141 V 281 E. 4.4). Das
soziale Umfeld
, welches in der Vergangenheit wiederholt zu belastende
n
Momenten führte (Tod der Schwester, Wegzug ver
trauter Personen, Trennung vom Ehemann), stellt
nach dem soeben Ausgeführten heute wieder
eine Ressource dar
.
Zudem ist
nochmals
zu wiederholen, dass keine massgeblichen psychisch
en
respektive schmerz
bedingten Einschränkungen im Alltag de
r
Beschwerdeführer
in
ersichtlich sind.
Sie verfügt über einen struktu
rierten Tagesablauf,
macht Hausarbeiten,
reist viel, pflegt soziale Kontakte
, betreibt regelmässig Sport
und
schrieb zumindest im Zeitpunk
t
der letzten Begut
achtung
ab und zu für das Modemagazin ihres Ehemannes
(vgl.
Urk.
9/1 S. 4;
Urk.
6/124/41
). Bei
diesem Indikator
ist
auch
zu beachten,
dass soziale Belastun
gen, soweit
diese direkt
e
negative funktionelle Folgen
zeitigen, ausgeklammert bleiben
(BGE 141 V 281 E
.
4.3.3).
Inwieweit dies in der Vergangenheit auf das psychische Leiden der Beschwerdeführerin zutraf, kann
dahingestellt bleiben
. Aktuell
jedenfalls
sind keine
psychosozialen Faktoren
mit Auswirkungen auf den Gesundheitszustand ersichtlich.
Schliesslich
wurden die Behandlungsoptionen in verschiedener Hinsicht
nicht ausgeschöpft
(vgl. E. 4.4.2
und
4.5.6). Zum einglie
derungsanamnestischen Leidensdruck sind mangels entsprechender Massnahmen keine Aussagen möglich.
5.
3
Demnach lässt sich anhand der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 – und damit auch aus der Optik des Rechtsanwenders, der die ärztlichen Einschät
zungen und Schlussfolgerungen auf ihre sozialversicherungsrechtliche Relevanz
und Tragweite hin zu prüfen hat –
eine
höchstens
leicht reduzierte Arbeitsfähig
keit bestätigen
. So gehen
die zuletzt behandelnde
(vgl.
Urk.
9/1 S. 4)
und
implizit
auch die
begutachtende
Psychiaterin
des
H._
(vgl.
Urk.
6/124/54 mittlerer Abschnitt)
davon aus
,
dass
aktuell keine Einschränkungen bestehen, solche aber allenfalls
bei Aufkommen von Druck
auftreten könnten.
I
n diesem Z
usammenhang ist die Beschwerdeführerin darauf hinzuweisen, dass es ihr jederzeit freisteht, sich im Falle einer gesundheitlichen Verschlechterung erneut zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung anzumelden.
Demge
genüber begründet d
ie langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt, mit der im
H._
-Gutachten das vorgeschlagene drei- bis sechsmonatige Training im geschützten Rahmen begründet
wurde
(vgl.
Urk.
6/124/25)
,
vorliegend keinen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen vor der Rentenaufhebung.
So hat die Beschwerde
führerin trotz
erstmaliger Renteneinstellung
Anfang
2017 (
Urk.
6/136)
und
dem
Anbieten von Eingliederungsmassnahmen bereits im Oktober 2016 (vgl.
Urk.
6/132/7) bis anhin
kein
en
Eingliederungswille
n
dokumentiert
. Zudem sind ihr di
e angestammte Tätigkeit
und ein hohes
Arbeitspensum zumutbar
, was
die Stellensuche zusammen mit der
ihr noch
verbleibenden l
ä
nge
re
n Erwerbsdauer und
der periodisch ausgeübten Tätigkeit für das
Modemagazin
, das ihr Ehemann verlegt,
nicht in besonderem Ausmass erschwert
.
6.
Zusammenfassend hat sich
somit
die der Rentenverfügung vom 2
7.
November 2009 zugrundeliegende Anorexie deutlich gebessert.
G
estützt auf das
H._
-Gut
achten vom 2
8.
September 2015
ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh
rerin in ihrer angestammten Tätigkeit
medizinisch-theoretisch
wieder zu 80
%
arbeitsfähig ist
, was
sich
auch im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens
bestätigen lässt
.
Die rechnerische Vereinfachung beim Einkommensvergleich (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
9C_675/2016 vom
1
8.
April 2017 E. 3.2.1) wurde von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht beanstandet und auch kein leidens
bedingter Abzug geltend gemacht
(vgl. insbesondere zu einer allfälligen psy
chisch bedingt verstärkten Rücksichtnahme seitens von Vorgesetzten und Arbeitskollegen
:
Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2)
. Damit
ist vom
neu
ermittelten
Invaliditätsgrad von 20
%
auszugehen
, der keinen Anspruch mehr auf eine Invalidenrente gibt. Die Beschwerde ist folg
lich abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis 1‘000.-- fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Sie sind auf
Fr.
800
.-- festzusetzen und entspre
chend dem Verfahrensausgang vollumfänglich de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuer
legen
.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht überdies kein Anlass, dem Gesuch der Beschwerdeführerin
stat
tzugeben, ihr die Kosten des Berichts von
Dr.
J._
und der Psychotherapeutin
R._
zu
ersetzen
(vgl.
Urk.
8).