Decision ID: 68277517-35eb-4167-8ce1-f5ab0230d627
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1990,
wurde am 1
7.
Juni 2009
bei der
Y._
in
Z._
von
mehreren Personen
zusammen
geschlagen
(
Sach
verhalt Phase eins,
Urk.
7/2/1 S. 4
Ziff.
III.
1
).
Im weiteren Verlauf
verfolgten
die Angreifer
A._
und
B._
den
flüchtenden
Geschädigten bis zum
C._
, wo sie ihn
unter anderem
mit einem Eisenrohr attackier
ten
(
Sachverhalt Phase zwei,
Urk.
6/1/2 S. 8 f.
Ziff.
2.2.1
).
Die Strafverfolgungs
behörden fü
hrten zwei getrennte
Strafv
erfahren gegen die
Täter
durch.
1.2
Mit Urteil vom 2
1.
April 2010
verurteilte das Bezirksgericht
D._
die an Phase eins des Sachverhalts beteiligten
Täter
.
Das Gericht befand
eine
n
der Täter,
E._
,
der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art.
123
Ziff.
1
Abs.
1 des Straf
gesetzbuches (StGB) und weiterer Delikte für schuldig und
bestrafte ihn
mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten sowie einer Busse von
Fr.
500.-- (
Urk.
7/2/1 S. 31 f. Dispositiv
Ziff.
1
a
und 2a).
F._
befand es
der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art.
123
Ziff.
1
Abs.
1 StGB für schuldig
und
bestrafte ihn
mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten (
Urk.
7/2/1 S. 31 f.
Dispositiv
Ziff.
1b und 2
b).
Das Gericht verpflichtet zudem
die Täter
, dem Geschädigten
Schadenersatz und
eine Genugtuung von
Fr.
3‘000.-- zu bezahlen (
Urk.
7/2/1 S. 32 Dispositiv
Ziff.
5).
Mit begründeter Verfügung vom 2
5.
Februar 2011 sprach die Kantonale Opfer
hil
festelle (Opferhilfestelle)
dem Geschädigten
eine Genugtuung von
Fr.
1‘000.-- zu (
Urk.
7/11 S. 4 Dispositiv
Ziff.
3). Die Verfügung erwuchs unan
gefochten in Rechtskraft.
1.3
Mit Urteil vom 2
5.
November 2010
befand
das Obergericht des Kantons Zürich
A._
der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art.
122
Abs.
1 bis 3 StGB in Verbindung mit
Art.
22
Abs.
1 StGB, der einfachen Kör
perverletzung im Sinne von
Art.
123
Ziff.
1
Abs.
1 StGB sowie des Haus
friedensbruchs im Sinne von
Art.
186 StGB für schuldig und bestrafte ihn mit 5
3⁄4 Jahren Freiheitsstrafe (
Urk.
6/1/2 S. 72 Dispositiv
Ziff.
1 und 3
).
B._
befand das Gericht
der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art.
122
Abs.
1 bis 3 StGB in Verbindung mit
Art.
22
Abs.
1 StGB für schuldig
und
verurteilte ihn
zu
3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe als Zusatz
strafe zu einem früheren Urteil
(
Urk.
6/1/2 S. 72 Dispositiv
Ziff.
2 und 4).
A._
und
B._
wurden sodann verpflichtet, dem Geschädigten weitere
Fr.
4‘000.-- zuzüglich 5
%
Zins ab 1
7.
Juni 2009 als Genugtuung zu bezahlen (
Urk.
6/1/2 S. 73 Dispositiv
Ziff.
6).
1.4
Der Geschädigte stellte am
4.
November 2012 bei der Opferhilfestelle ein
Opfer
hil
fegesuch
betreffend die
Täter
A._
und
B._
(
Urk.
6/1
Ziff.
4
).
Mit Verfügung vom 1
9.
März 2013 hiess die Opferhilfestelle das Gesuch um Ausrichtung einer Genugtuung im Umfang von
Fr.
1‘000.-- teilweise gut (
Urk.
6/
10 =
Urk.
2).
2.
Der Geschädigte
erhob am 1
8.
April 2013 Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfü
gung vom 1
9.
März 2013 (
Urk.
2) mit den Anträgen, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Genugtuung von mindestens
Fr.
8‘000.-- zuzusprechen (
Urk.
1 S.
2
Ziff.
1). Die Opferhilfestelle beantragte am 1
3.
Mai 2013 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 2
7.
Mai 2013 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Nach
Art.
1
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG) vom 2
3.
März 2007 hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer kör
perlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt wor
den ist (Opfer), Anspruch auf Unterstützung nach diesem Gesetz (Opferhilfe).
2.2
Nach
Art.
22
Abs.
1 OHG haben das Opfer und seine Angehörigen Anspruch auf eine Genugtuung, wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt; die
Art.
47 und 49 des Obligationenrechts sind sinngemäss anwendbar.
Die Genugtuung wird nach der Schwere der Beeinträchtigung bemessen (
Art.
23
Abs.
1 OHG). Sie beträgt höchstens (
Abs.
2): 70‘000 Franken für das Opfer (lit.
a) und 35‘000 Franken für Angehörige (lit. b).
2.3
Der Gesetzgeber hat sich in
Art.
22
Abs.
1 OHG dafür entschieden, die Genugtu
ung weiterhin an die zivilrechtlichen Regeln von
Art.
47 und 49 des Obliga
tionenrechts (OR) zu binden, aber deren Höhe durch einen Höchstbetrag zu beschränken. Damit hat die analoge zivilrechtliche Konzeption der
opferhilfe
rechtlichen
Genugtuung weiterhin Gültigkeit (
Gomm
, in: Kommentar zum Opferhilfegesetz,
3.
Aufl., 2009, N 5 zu
Art.
22 OHG).
Nach
Art.
49
Abs.
1 OR hat, wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders wieder gutge
macht worden ist.
Art.
47 OR, der einen Anwendungsfall von
Art.
49
Abs.
1 OR darstellt (BGE 89 II 396 E. 3), sieht vor, dass bei Tötung eines Menschen oder bei Körperverletzung das Gericht unter Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten oder den Angehörigen des Getöteten eine angemessene Geld
summe als Genugtuung zusprechen kann.
2.4
Die opferhilferechtliche Genugtuung unterscheidet sich als öffentlich-rechtlicher Anspruch des Bundesrechts ihrer Rechtsnatur nach zwar von den zivilrechtli
chen Ansprüchen gemäss
Art.
47 und 49 OR. Ihre Ausrichtung unterliegt jedoch den gleichen Zweckbestimmungen wie
Genugtuungen
nach
Art.
47 beziehungs
weise
Art.
49 OR. Sie soll primär die immaterielle Unbill abgelten, die dem Opfer aus der Straftat und deren Folgen erwächst (
Gomm
, a.a.O., N 7 zu
Art.
22 OHG, BGE 125 II 554 E. 2a). Die opferhilferechtliche Genugtuung gewährt sodann nicht weitergehende Ansprüche, als das Opfer zivilrechtlich gegen den Täter geltend machen könnte (BGE 121 II 369 E. 5a). Dabei ist aller
dings zu beachten, dass es sich bei der opferhilferechtlichen Genugtuung um eine staatliche Hilfeleistung handelt (BG
E 125 II 169 E. 2b, 554
E. 2a). Sie erreicht deshalb nicht automatisch die gleiche Höhe wie die zivilrechtliche, son
dern kann unter Umstände
n davon abweichen (BGE 128 II 49 E. 4.3; 125 II 169 E.
2b/
bb
und 2c, 124 II 8
E. 3d/cc). Insbesondere kann berücksichtigt werden, dass die Genugtuung nicht vom Täter, sondern von der Allgemeinheit bezahlt wird. Dies kann namentlich dann eine Reduktion gegenüber der zivilrechtlichen Genugtuung rechtfertigen, wenn diese auf Grund von subjektiven,
täterbezoge
nen
Merkmalen erhöht worden ist (Urteil des Bundesgerichts 1A.235/2000 vom 2
1.
Februar 2001 E. 3a mit Hinweisen).
2.5
Nicht jede physische oder psychische Verletzung oder Beeinträchtigung führt zu einer Genugtuung (
Gomm
, a.a.O., N 9 zu
Art.
22 OHG; BGE 110 II 163 E. 2c). Verlangt wird eine gewisse Schwere der Beeinträchtigung, wie beispielsweise Invalidität oder zumindest ein längerer Spitalaufenthalt (Roland Brehm, in: Ber
ner Kommentar zum OR,
4.
Aufl., 2013, N 28 und 161 zu
Art.
47 OR; BGE 121 II 369 E. 3c/
bb
).
Die Höhe der Genugtuung hängt entscheidend von der Art und Schwere der Schädigung beziehungsweise von der Schwere der Beeinträchtigung als Folge dieser Schädigung sowie von der Aussicht ab, durch die Zahlung eines
Geldbe
trages
den körperlichen oder seelischen Schmerz spürbar zu lindern (BGE 118 II 410 E. 2a). Weitere Bemessungskriterien für die Höhe der Genugtuung sind die Intensität und die Dauer der
Auswirkungen auf die Persönlichkeit der betroffe
nen Person sowie der Grad des Verschuldens des Schädigers (BGE 125 III 412 E.
2a; Urteil des Bundesgerichts 1A.208/2002 vom 1
2.
Juni 2003, E. 3.2). Für die Bestimmung des Genugtuungsbetrages sind sodann die subjektive Empfind
lich
keit der geschädigten Person sowie der Umstand zu berücksichtigen, auf welche Weise und wie schwerwiegend sie in ihrer besonderen Situation von der objek
tiven Schädigung getroffen und in ihrer konkreten Lebensführung beein
träch
tigt wird (BGE 118 II 410 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 6S.232/2003 vom 1
7.
Mai 2004, E. 2.1).
Die Festsetzung
der Höhe der Genugtuung ist eine Entschädigung nach Billig
keit. Das Bundesgericht hat es daher abgelehnt, dass sich die Bemessung der Genugtuung nach schematischen Massstäben richten soll. Die
Genugtuungs
summe
darf nicht nach festen Tarifen festgesetzt, sondern muss dem Einzelfall angepasst werden (BGE 132 II 117 E. 2.2.3).
2.6
Gemäss der Rechtsprechung ist auf die Frage nach der Bindung einer
Opferhil
feinstanz
an einen Strafentscheid zu Zivilansprüchen die Rechtspraxis zum Verhältnis der Administrativ- zu den Strafbehörden im Bereiche des admi
nistrativen Führerausweisentzugs sinngemäss anzuwenden. Danach sind
Admi
nistrativbehörden
und Strafgericht aufgrund des Gewaltenteilungsprinzips gegenseitig grundsätzlich nicht an ihre Erkenntnisse gebunden, wobei - um sich widersprechende Entscheid zu vermeiden - die Verwaltungsbehörde immerhin gehalten ist, nicht ohne Not von den tatsächlichen Feststellungen der
Strafbe
hörde
abzuweichen, wenn aufgrund eingehender Sachverhaltsabklärungen und Beweisabnahmen - insbesondere wenn die Parteien und Zeugen direkt angehört wurden - ein Strafverfahren sachnäher ist (
BGE 129 II 312 E. 2.4, 124 II 8 E.
3d/
aa
; 115
Ib
163
E. 2a je mit Hinweisen).
In reinen Rechtsfragen ist die Verwaltungsbehörde hingegen nicht an die Beurtei
lung durch das Strafgericht gebunden, da sie sonst in ihrer freien Rechtsanwendung
beschränkt würde (BGE 124 II 8
E. 3d/
aa
; 115
Ib
163 E. 2a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 1A.208/2002 vom 1
2.
Juni 2003 E.
2.2). Bei der Prüfung der Frage, ob die im Strafurteil zugesprochene Genugtu
ung angemessen sei, geht es nicht um die Bindung an die Sachverhaltsfeststel
lungen des Strafgerichts. Bei der Prüfung der Angemessenheit handelt es sich vielmehr um eine Rechtsfrage (Urteil des Bundesgerichts,
a.a.O.).
3
.
3
.1
Der Beschwerdeführer wurde am 1
7.
J
uni 2009 Opfer einer Straftat. M
it Verfü
gung vom 2
5.
Februar 2011
wurde ihm
eine
erste
Genugtuung von
Fr.
1‘000.-- zu
gesprochen
(
Urk.
7/11 S. 4 Dispositiv
Ziff.
3).
Die Verfügung ist in Rechtskraft erwachsen.
Mit der
angefochtenen Verfügung vom 1
9.
März 2013
sprach der
Beschwerde
geg
ner
dem Beschwerdeführer
eine weitere Genugtuung von
Fr.
1‘000.-- zu.
Der Beschwerdegegner stellte sich
in der angefochtenen Verfü
gung
auf den Stand
punkt, z
war habe in der Verfügung vom 2
5.
Februar 2011 erste
Phase
des Sachverhaltes als Ausgangspunkt für die Beurteilung der erlitte
nen Beein
trächtigung gedient. Dennoch
seien
bei der Bemessung der Höhe der Genug
tuung sämtliche physischen und psychischen Auswirkungen des Vorfalls vom 1
7.
Juni 2009 berücksichtigt
worden
. Einzige Ausnahme bilde die unmit
telbar nach dem Vorfall
vom Beschwerdeführer
erlittene Amnesie, auf die in der Ver
fügung vom 2
5.
Februar 2011 nicht ausdrücklich Rücksicht genommen wor
den sei. Auch sei nicht ausdrücklich erwähnt worden, dass
er
mit einer Eisen
stange attackiert
worden und schweren Verletzung knapp entgangen sei
. Letz
teres sei im Hinblick auf die strafrechtliche Beurteilung beziehungsweise die Beurteilung der Schwere des Verschuldens von
A._
und
B._
ein entscheidendes Element. Hingegen sei im Opferhilfeverfahren kein grosses Gewicht auf das Verschulden zu legen. Massgebend sei die unmittelbare und tatsächliche Beein
trächtigung des Opfers in seiner körperlichen, psychischen oder sexuellen Inte
gri
tät, nicht aber dessen Gefährdung oder das Ausmass des Verschuldens der Täter (
Urk.
2 S. 4 f. E. 3.4).
3.2
Der Beschwerdeführer brachte vor, in medizinischer Hinsicht lasse sich einzig und allein der Verlust der zwei Zähne und eine Rissquetschwunde der Lippe
dem Sachverhalt gemäss Phase eins
zuordnen, an welchem
A._
bereits beteiligt gewesen
sei
.
Entscheidend bei der
Bemessung der Genugtuung dürfte die mehrfache lebensbedrohliche Situation beim
C._
gewesen sein
(
Urk.
1 S. 5 unten)
Eine Genugtuung in der Höhe von
Fr.
1‘000.--, wie sie die Vorinstanz gerechtfer
tigt sehe, sei unangemessen und rechtswidrig. Immerhin habe sich der Beschwerdeführer mehrfach mit dem Tod konfrontiert gesehen (
Urk.
1 7
Ziff.
2 unten).
3.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine höhere Genugtuung als die ihm mit Verfügung vom 1
9.
März 2
013 zugesprochenen
Fr.
1‘000.-- hat.
4.
4.1
Die Straftat vom
1
7.
Juni 2009
lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen
. Zunächst wurde der Beschwerdeführer
bei der
Y._
in
Z._
von
E._
,
F._
und
A._
zusammengeschlagen (
Sachverhalt
Phase eins
).
Der Beschwerdeführer erlitt durch die Schläge eine Hirnerschütterung, den Verlust von zwei Zähnen, eine Rissquetschwunde an der Unterlippe und eine Prellung am Ellbogen (
Urk.
7/2/1 S. 4
Ziff.
III.1).
Mit Urteil des Bezirksgerichts
D._
vom 2
1.
April 2010 wurden
E._
und
F._
solidarisch
zur Zahlung
von Schadenersatz und
einer Genugtuung an den Beschwerdeführer von
Fr.
3‘000.-- verpflichtet (
Urk.
7/2/1 S. 32 Dispositiv
Ziff.
5).
4.2
Am Vorfall am
C._
(Sachverhalt
Phase zwei
) waren
A._
und
B._
beteiligt
.
Gemäss Anklageschrift sei
A._
dem flüchten
den Beschwerdeführer zum
C._
nachgerannt, wo sein Bruder
B._
hinzugekommen sei.
D
ie Täter
hätten
mehrfach
versucht
,
mit den Füssen
gegen den Kopf beziehungsweise
den
Halsbereich des Beschwerdeführers zu
treten. In der Folge habe
B._
den am Boden liegenden Beschwerdeführer gepackt, während
A._
ein sich neben ihm befindliches 4.7 Kilogramm schweres und etwa 1.02 Meter langes Eisenrohr behändigt
habe.
A._
habe dieses
mit beiden Händen auf Gesichtshöhe gehoben und alsdann mit hoher Geschwindigkeit bewusst und gewollt in Richtung Kopf beziehungsweise Nacken des Beschwerdeführers geschlagen, wobei er diesen verfehlt habe
. Darauf habe
A._
die Eisenstange erneut etwa auf Kopfhöhe hochge
hoben und damit bewusst und gewollt in Richtung Nacken des Beschwerde
führers geschlagen, wobei er diesen erneut verfehlt habe. Währenddessen habe
B._
versucht, mit dem rechten Fuss in Richtung Gesicht/Kopf des Beschwerdeführers zu treten
(
Urk.
6/1/2 S. 8 f.
Ziff.
2.2.1)
.
Der Beschwerde
führer erlitt
bei diesem Vorfall
keine weiteren
Ve
rletzungen (S. 21
Ziff.
2.2.13).
Das Obergericht
verpflichtete
A._
und
B._
solidarisch zu
r
Zahlung einer Genugtuung an den
Beschwerdeführer
von
Fr.
4‘000.-- (S. 71
Ziff.
4.7.4). Das Obergericht führte zur Bemessung der Genugtuung au, dass sich der Geschädigte an den Vorfall überhaupt nicht mehr erinnern könne, zeige, dass das strafbare und schuldhafte Verhalten der beiden Angeklagten schwerwiegend auf den Geschädigten eingewirkt habe und somit die Zusprechung einer Genugtuung aus diesem Vorfall gerechtfertigt sei (S. 70
Ziff.
4.7.4).
4.3
Die behandelnden Ärzte des Departements Chirurgie,
G._
,
fassten die Krankengeschichte des Beschwerdeführers in einem Bericht vom 1
8.
Juni 2009
(
Urk.
7/2/3)
zusammen.
Demnach erlitt der Beschwerde
führer folgende Verletzungen
:
Commotio cerebri
- initialer GS 15
- ausgeschlagene Zähne in toto 42-43
- kleinste Rissquetschwunde an der Unterlippe
Ellenbogenkontusion rechts
Die Ärzte hielten weiter fest
, eine
Amnesie
sei
deutlich vorhanden. Der Beschwer
deführer habe auch eingenässt (S. 1).
Nach dem Bericht war er
am 1
8.
Juni 201
0
im
G._
hospitalisiert
und vom
1
8.
bis 2
6.
Juni 2009
zu 100
%
arbeitsunfähig
(S. 2).
5.
5.1
Vorliegend ergibt sich
, dass d
er Beschwerdeführer
beim Vorfall
am
C._
(
Sachverhalt
Phase zwei)
nicht weiter verletzt worden ist
.
Er
erlitt
eine
Amnesie und nässte ein. Beizufügen ist, dass
er sich
während der Attacke mit einer Eisenstange und den versucht
en
Fusst
ritten gegen
seinen
Kopf
in Lebensgefahr befand
und
Todesangst hatte.
Einer Aktennotiz des Beschwerdegegners vom 2
0.
November 2012 ist zu ent
nehmen, dass der Beschwerdeführer offenbar noch an Kopfschmerzepisoden leide und er durch das traumatische Erlebnis einen Schock davon getragen habe (
Urk.
7/3 S. 2).
Dass nach der Straftat eine längere therapeutische Behandlung erforderlich gewesen wäre, ist hingegen nicht erstellt.
5.2
Anhaltspunkte dafür, ob die vom Beschwerdegegner zugesprochene Genugtu
ung (von gesamthaft
Fr.
2‘000.--) als angemessen erscheint, ergeben sich auch dem Vergleich mit Fällen, die in der massgebenden Literatur (Klaus Hütte / Hardy
Landolt
, Genugtuungsrecht Band 2, 2013) angeführt sind.
In einem Entscheid vom 2
1.
Februar 2006 sprach die Gesundheits- und
Fürsorge
direktion
des Kantons Bern einer Person eine Genugtuung von Fr. 2‘000.-- zu, die auf dem Nachhauseweg von Unbekannten niedergeschlagen und ausgeraubt wurde, nebst Prellungen eine Gehirnerschütterung erlitt, 4 Tage im Akutspital und einen Monat in einer psychiatrischen Klinik verbrachte und weiterhin an Panikzuständen und Angst litt und sich bei Dunkelheit nicht mehr nach draussen getraute (a.a.O. S. 453 Nr. 821).
In einem Entscheid im Jahr 2008 sprach das Bezirksgericht Zürich einem Mann eine Genugtuung von
Fr.
2‘000.-- zu, der von zwei Tätern bewusstlos geschla
gen worden war und eine Hirnerschütterung, einen Nasenbeinbruch, mehrfache Fingerbrüche, einen Bruch der Augenhöhlenwand, Prellungen, Quetschungen und Schürfungen erlitt (a.a.O. S. 454 Nr. 739).
In einem Urteil vom
8.
September 2003 sprach das hiesige Gericht (im Verfah
ren Nr. OH.2003.00006) einem Mann eine Genugtuung von
Fr.
2‘000.-- zu, der von mehreren Personen tätlich angegriffen wurde und eine Hirnerschütterung, Rissquetschwunden in der Schläfengegend und am Kinn (Schnittverletzung), eine
Monokelhämatom
, eine Nasenbeinfraktur und eine
Orbitabodenfraktur
erlitt und zwei Tage Spitalpflege benötigte (a.a.O. S. 455 Nr. 355).
In einem Entscheid vom 2
3.
August 2007 sprach die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern
dem
Opfer eines
Entreissdiebstahls
, welches nach der Tat einen psychischen Zusammenbruch erlitt
hatte
und therapeutische Hilfe benö
tigte, eine Genugtuung von
Fr.
1‘000.-- zu (
a.a.O.
S. 461
Nr
.
832).
5.3
Wie erwähnt,
kann das Gericht bei der
Bemessung der Höhe der Genugtuung
von der
zivilrechtlich
zugesprochenen Genugtuung
abweichen
(vgl. E. 2.4).
Nachdem
im Urteil des
Obergericht
s vom 2
5.
November 2010
namentlich der Schwere des Verschuldens d
er Täter Rechnung getragen wurde
,
ist eine Reduk
tion der im Strafurteil zugesprochenen
Genugtuung von
Fr.
4‘000.--
zulässig
.
Mit Blick auf
die in vergleichbaren Fällen zugesprochenen Beträge erweist sich eine opferhilferechtliche Genugtuung von gesamthaft
Fr.
2‘000.--
und von
Fr.
1‘000.-- für die Tatbeteiligung von
A._
und
B._
als angemessen.
5.4
Zusammenfassend
ist die mit der angefochtenen Verfügung zugesprochene zweite Genugtuung in Höhe von
Fr.
1‘000.-- nicht zu beanstanden. Die
Verfü
gung vom 1
9.
März 2013 erweist sich demzufolge als rechtens, was zur A
bweisung der Beschwerde führt.