Decision ID: e8a46d7c-4160-4f16-b2b3-c00467ae5c12
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1990, meldete sich am 14. Februar respektive
7. März 2012 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/3-4)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medi
zinische und erwerbliche Situation (Urk. 9/9; Urk. 9/11; Urk. 9/16; Urk. 9/20; Urk. 9/70; Urk. 9/75; Urk. 9/78) ab und erteilte dem Versicherten mehrere Kosten
gutsprachen im Rahmen der erstmaligen beruflichen Ausbildung (vgl. Urk. 9/21; Urk. 9/29; Urk. 9/42; Urk. 9/58). Diese wurde im November 2014
abge
brochen (Urk. 9/68). Mit Verfügung vom 24. Juni 2015 (Urk. 9/92) verneinte
die IV-Stelle schliesslich einen Leistungsanspruch des Versicherten. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 10. November 2015 (Verfahren Nr. IV.2015.00794; Urk. 9/98) in dem Sinne gut, als die ange
fochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
1.2
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Untersuchung des Versicherten durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), über welche am 27. April 2016 berichtet wurde (Urk. 9/105). Die daraufhin erneut eingeleiteten beruflichen Massnahmen im Sinne einer Abklärung in einem Betrieb des ersten Arbeitsmarktes scheiterten wiederum (vgl. Urk. 9/122; Urk. 9/128; Urk. 9/130).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 9/139; Urk. 9/143-144) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 17. März 2017 (Urk. 9/146 = Urk. 2) abermals einen Rentenanspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 25. April 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. März 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ein unabhängiges medizinisches Gutachten einzuholen und hernach über das Leis
tungsbegehren zu entscheiden. In prozessualer Hinsicht beantragte er die unen
t
geltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerde
ant
wort vom 2. Juni 2017 (Urk. 8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 7. Juni 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130
V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
b
er 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psy
chia
tri
sche
Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzel
fall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähig
keiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zu
mut
bar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätig
keit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medi
zinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach
Art. 49 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilen die RAD
die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung
von RAD-Berichten keine Wir
kung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
ka
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
si
cherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zu
ver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014
vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest, dass der Sachverhalt gestützt auf das Urteil des hiesigen Gerichts nochmals überprüft und eine Untersuchung durch den RAD angeordnet worden sei. Auch sei ein erneuter Eingliederungsversuch erfolgt, welcher auf Wunsch des Arbeit
gebers abgebrochen worden sei. Die Abklärungen hätten ergeben, dass dem Be
schwerdeführer eine angepasste, dem kognitiven Leistungsprofil angemessene, einfache, gut strukturierte, wechselbelastende, leichte bis mittelschwere Tätig
keit zu 80 % zumutbar sei. In der Anlernphase sei eine vermehrte Betreuung
notwendig. Ausserdem sollte das Umfeld vertrauensvoll unterstützend sein. Nach
Vornahme des Einkommensvergleichs resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad (S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1), der RAD-Untersuchungsbericht genüge den Anforderungen an eine beweis
kräf
tige psychiatrische Begutachtung nicht. So fehle eine genaue Bezifferung der Arbeitsunfähigkeit. Eine solche sei erst später und ohne nähere Begründung
erfolgt (S. 4). Auch erläutere der RAD-Arzt nicht weiter, weshalb er eine Z-Diag
nose bei den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt habe. Mit den aktenkundigen Einschränkungen setze er sich nur wenig aus
einander (S. 5). Ausserdem habe sich der RAD-Arzt bereits zuvor mit dem Dossier befasst und festgehalten, dass keine Diagnose mit dauerhafter Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe und der Abbruch der beruflichen Aus
bil
dung aus invaliditätsfremden Gründen erfolgt sei. Es habe daher nicht erwartet werden können, dass er sich unabhängig und neutral zur Leistungsfähigkeit äussere. Durch seine Äusserung, wonach eine Berentung das aktuelle Fehlver
halten langfristig zementiere, überschreite er seine Kompetenz (S. 6). Um das Verfahren nicht zu verlängern, sei ein Gerichtsgutachten einzuholen (S. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Inva
lidenrente hat. Dabei umstritten ist insbesondere die Beweistauglichkeit des psy
chiatrischen RAD-Untersuchungsberichtes.
3.
3.1
Das hiesige Gericht hielt im Urteil vom 10. November 2015 (Verfahren Nr.
IV.2015.00794; Urk. 9/98) fest, dass zum umstrittenen psychischen Gesund
hei
ts
zu
stand des Beschwerdeführers aus ärztlicher Sicht lediglich die Berichte der Y._ Auskunft gäben, diese indessen undifferenziert und widersprüchlich seien, weshalb sich gestützt darauf kein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden bejahen liesse. Entgegen der Ein
schät
zung und reinen Aktenbeurteilung von RAD-Arzt med. pract. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, könne demgegenüber allerdings
nicht abschliessend beurteilt werden, ob überhaupt kein invaliditätsbe
gründen
der
Gesundheitsschaden vorliege. So seien doch den Berichten der Y._ sowie den Ausbildungsunterlagen Anzeichen für das Vorliegen einer psychischen Erkran
kung zu entnehmen. Das hiesige Gericht kam daher zum Schluss, dass sich die
vorliegende Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung des Leistungsan
spruchs
in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unzulänglich erweise, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen sei, damit diese nach ergänzender psychia
trischer Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungs
an
spruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne sei die Beschwer
de gutzuheissen (vgl. Erwägungen E. 4.1-4.3).
3.2
Am 21. April 2016 untersuchte RAD-Arzt dipl. med. A._,
Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie den Beschw
er
deführer. Mit Bericht vom 27. April 2016 (Urk. 9/105) führte er eine Lernbe
hin
derung (IQ 73; vgl. hierzu Urk. 9/99) an der Grenze zur leichten Minder
intel
ligenz sowie akzentuierte selbstunsichere, unreife Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erachtete er einen Status nach Alkohol und Cannabismissbrauch sowie eine Nikotinabhängigkeit. Sodann führte er als somatische Diagnosen nach Aktenlage beidseitige Knick-Senk-Spreiz
füsse sowie eine Haltungsinsuffizienz bei Torsionsskoliose und eine Über
empfindlichkeit gegen Chemikalien auf (S. 5 Ziff. 9).
Im Rahmen der beruflichen Abklärung sei mehrmals deutlich geworden, dass der Beschwerdeführer bei genauer Anleitung gute Leistungen erbringe. Dies sei jedoch von der Motivation und der eigenen Bewertung der zu tätigenden Arbeit abhängig. Die Abbrüche seien oft aus dem Gefühl einer Ambivalenz, einer Unentschlossenheit sowie eines nicht Weiterwissens erfolgt und teilweise auch aufgrund unrealistischer Berufsvorstellungen. Der Beschwerdeführer verfüge
über viele wertvolle Ressourcen in lebenspraktischen Bereichen. Es werde je
doch
deutlich, dass er mit administrativen und organisatorischen Aufgaben teilweise überfordert und unsicher sei. Er sei ein eher zurückgezogener, ruhiger, ange
passter Mann, welcher ausser zu den Eltern und seiner Freundin nur wenig soziale Kontakte pflege (S. 6).
Die von den Ärzten der Y._ diagnostizierte Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion könne nach mehr als zwei Jahren nicht mehr angewandt werden. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung könne nicht nachvollzogen
werden. Der erfolgten neuropsychologischen Testung sei zu entnehmen, dass ei
n reduziertes Intelligenzniveau bei einem Gesamt-IQ von 73 vorliege. Zusätzlich bestünden Schwierigkeiten beim logischen Denken, beim Arbeitsgedächtnis in der verbalen Konzeptbildung sowie bei der visuellen Gedächtnisleistung und der Ideenflüssigkeit. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit, die Aufmerksamkeit und die Konzentration seien leicht reduziert. Die übrigen Parameter seien unauffällig (S. 6).
Die Entwicklung des Beschwerdeführers zeige eine unauffällige frühkindliche Phase. Im späteren Verlauf scheine die Trennung der Eltern einen gewissen Knick in der Leistungsentwicklung hervorgerufen zu haben. Zudem seien die Leistungsdefizite im schulischen Bereich spürbar geworden, so dass er die erste Klasse habe repetieren müssen und den Sekundarabschluss C in einer Klein
klasse absolviert habe. Auch in den durch die Beschwerdegegnerin unterstützen Ausbildungen hätten sich Defizite in der Persönlichkeit und im Bereich des Lernens gezeigt. Die praktischen Fähigkeiten seien durchwegs gut. Die besteh
ende Lernbehinderung und die grenzwertige Intelligenz seien jedoch zu wenig beachtet worden (S. 6 f.).
Zusammenfassend bestehe beim Beschwerdeführer eine deutliche Lernbehin
de
rung bei einer grenzwertigen Intelligenz, wobei er jedoch über viele praktische und alltagsrelevante Ressourcen verfüge. Allerdings bestünden unrealistische Vorstellungen bezüglich eines Arbeitslebens, in dem der Freizeit ein grosser Stellenwert beigemessen werde. Er stamme aus einem Umfeld von Sozialhilfe
empfängern und sei aktuell ebenfalls mit einer Sozialhilfeempfängerin liiert. Eine ganztägige Beschäftigung mit deutlich weniger Zeit für seine Hobbies scheine wenig attraktiv zu sein. Andererseits bestehe ein wenig gefestigtes Selbstbild und es würden wesentliche Orientierungspersonen fehlen, so dass eine grosse Unsicherheit bezüglich der eigenen Person vorliege. In Anbetracht der ausgeprägten Lernbehinderung an der Grenze zur Minderintelligenz sei eine Ausbildungsfähigkeit ausschliesslich im Bereich einer praktischen Anlehre gege
ben. Zwar habe der Beschwerdeführer Defizite in der Persönlichkeit, welche sich aber im Verlauf deutlich gebessert hätten, so dass sie nicht das Ausmass einer Störung erreichen würden. Zudem zeige er trotz dieser Defizite immer wieder gute praktische Leistungen. Die beschriebenen Stimmungsschwankungen hätten nach eigenen Angaben nie über mehrere Wochen angehalten, weshalb nicht von einer depressiven Störung im engeren Sinne gesprochen werden könne. Viel
mehr fehle eine Anpassungsfähigkeit aufgrund der geringen Intelligenz und der unreifen Persönlichkeitsanteile. Die früheren Störungen im Sozialverhalten seien ebenfalls auf diese Defizite zurückzuführen (S. 7). Ein erneuter Einglie
de
rungsversuch sollte erfolgen. Eine Berentung würde das aktuelle Fehlverhalten langfristig zementieren. Ausserdem sollte die psychotherapeutische Behandlung intensiviert werden (S. 8).
3.3
Gleichentags verwies RAD-Arzt dipl. med. A._ in einer separaten Stellung
nahme auf die am 21. April 2016 erfolgte Untersuchung. Dabei hielt er fest, dass in der bisherigen Tätigkeit als Siebdrucker aufgrund der allergischen Be
reit
schaft von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. In einer ange
passten Tätigkeit sei mit einer zirka 80%igen Leistungsfähigkeit bei einer ganz
tägigen Anwesenheit zu rechnen. Dabei sollte es sich um eine dem kognitiven
Leistungsprofil angemessene, einfache, gut strukturierte, wechselbelastende, leichte
bis mittelschwere Tätigkeit in einem vertrauensvollen unterstützenden Umfeld handeln, wobei in der Anlernphase eine vermehrte Betreuung notwen
dig sei. Eine Verbesserung der intellektuellen Leistungsfähigkeit sei nicht zu erwarten. Demgegenüber sei bei Durchführung einer angemessenen Psycho
therapie eine Steigerung der Leistungsfähigkeit und der psychischen Stabilität zu erwarten (vgl. RAD-Stellungnahme vom 27. April 2016, Urk. 9/138 S. 2 f.).
3.4
Die Ärzte der Y._ führten mit Bericht vom 22. November 2016 (Urk. 9/136) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 2 Ziff. 1.1):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit haltlosen, ängstlichen und impulsiven Anteilen (ICD-10 F61)
-
Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide (ICD-10 F12.2
), gegenwärtig abstinent
-
Lernbehinderung (IQ von 75)
Der Beschwerdeführer sei auf dem freien Arbeitsmarkt seit dem im November 2014 erfolgten Abbruch der durch die Beschwerdegegnerin gestützten Ausbil
dung zu 100 % arbeitsunfähig. Er verfüge über wenig Durchhaltevermögen und eine geringe Frustrationstoleranz. Ausserdem habe er eine Lernbehinderung und es liege eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen der Selbst- und der Fremdwahr
nehmung vor (S. 4 Ziff. 1.6-1.7).
4.
4.1
Der psychiatrische RAD-Untersuchungsbericht vom 27. April 2016 (Urk. 9/105) vermag in Zusammenhang mit der gleichentags erstellten separaten Stellung
nahme (Urk. 9/138 S. 2 f.) die an eine beweiskräftige ärztliche Entscheidungs
grundlage gestellten Anforderungen (vorstehend E. 1.4-1.5) vollumfänglich zu erfüllen. So basiert er auf einer eingehenden psychiatrischen Untersuchung des
Beschwerdeführers und erging in Kenntnis sowie in Auseinandersetzung mit de
n Vorakten (vgl. S. 1, S. 5 ff.). Weiter erfolgte eine detaillierte Anamneseerhebung (S. 1 ff.) sowie eine ausführliche psychopathologische Befundaufnahme (S. 4). Trotz festgestellter deutlicher Lernbehinderung bei einer grenzwertigen – aller
dings noch nicht pathologischen – Intelligenz bei einem Gesamt-IQ von 73 (vgl. hierzu die klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Dilling/Mombour/Schmid, Hrsg., 9. Auflage, Bern 2014, S. 308 ff.) erkannte RAD-Arzt dipl. med. A._ mehrere alltagsrelevante Ressourcen des Beschwerdeführers. Im Hinblick auf dessen Per
sönlichkeitsstruktur stellte er zwar Defizite fest, welche sich allerdings im Ver
lauf der Entwicklung deutlich gebessert hätten. Entgegen der Auffassung der Ärzte der Y._ konnte er entsprechend keine Persönlichkeitsstörung, sondern
lediglich akzentuierte selbstunsichere, unreife Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1
) erkennen. Eine relevante depressive Störung verneinte dipl. med. A._ eben
falls nachvollziehbar, da die beschriebenen Stimmungsschwankungen nach An
gabe des Beschwerdeführers nie mehrere Wochen angehalten hätten (S. 6 f.). Die Einschränkungen in den für eine berufliche Tätigkeit relevanten Bereichen legte dipl. med. A._ schliesslich eingehend dar (S. 4 f.). Der RAD-Unter
suchungsbericht sowie die gleichentags erstellte separate Stellungnahme tragen der konkreten medizinischen Situation Rechnung, leuchten in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolge
rungen
zu Gesundheitszustand sowie Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet.
4.2
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dem RAD-Bericht fehle es an einer genauen Bezifferung der Arbeitsunfähigkeit (vgl. Urk. 1 S. 4), ist diesem zwar tatsächlich keine Einschätzung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit zu entnehmen. Eine solche erfolgte allerdings in einer durch dipl. med. A._ gleichentags erstellten separaten Stellungnahme, wobei insbesondere auch ein entsprechen
des Belastungsprofil für eine angepasste Tätigkeit erstellt wurde (vgl. Urk. 9/138 S. 2 f.). Dieser Umstand vermag den Beweiswert des Untersuchungsberichts somit nicht zu schmälern.
Die Tatsache, dass RAD-Arzt dipl. med. A._ die festgestellten akzentuierten selbstunsicheren, unreifen Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) unter den Diag
no
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufführte, vermag ebenfalls kein
e Zweifel an der Beweiskraft des Berichtes aufkommen zu lassen. Die akten
kun
digen Einschränkungen sowie die bisherige berufliche Entwicklung des Be
schwer
de
führers diskutierte dipl. med.
A._
sodann ausführlich (vgl. Urk. 9/105 S.
5
ff).
Die diesbezüglichen undifferenzierten Vorbringen des Beschwerde
füh
rers (vgl. Urk. 1 S. 5) überzeugen daher nicht.
Im Hinblick auf die vom Beschwerdeführer gerügte fehlende Unabhängigkeit von Dipl. med. A._ (vgl. Urk. 1 S. 6) ergibt sich zwar, dass die zuständige Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin mit diesem im Rahmen des Einwand
verfahrens vor Erlass der erstmaligen angefochtenen Verfügung vom 24. Juni 2015 (Urk. 9/92) als Stellvertreter von RAD-Arzt med. pract. Z._ Rück
spra
che gehalten hat. Die zuständige Sachbearbeiterin hielt daraufhin fest, dass man aufgrund der heutigen Unterlagen die medizinische Situation besser habe beur
teilen können und aus den Akten ersichtlich sei, dass keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Der Abbruch der beruflichen Massnahmen sei aus invaliditätsfremden Gründen erfolgt. Dabei wurde auf die ausführliche RAD-Stellungnahme von med. pract. Z._ verwie
sen (vgl. Urk. 9/91 S. 2). Aus dieser erfolgten Rücksprache ergibt sich keine
Vor
eingenommenheit. Auch seine im Untersuchungsbericht getätigte Äusserung
, wonach eine Berentung das aktuelle Fehlverhalten langfristig zementiere, lässt entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 1 S. 6) keine Zweifel an seiner Unparteilichkeit aufkommen.
4.3
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass für die Beurteilung auf die beweiskräftige Einschätzung von RAD-Arzt dipl. med. A._ abzustellen und somit von einer 80%igen Leistungsfähigkeit bei ganztägiger Anwesenheit in einer angepassten Tätigkeit unter Beachtung des entsprechenden Belas
tungs
profils auszugehen ist.
5.
5.1
Bei der Prüfung der erwerblichen Auswirkungen (vgl. Urk. 2 S. 2; Urk. 9/137 S. 1) beachtete die Beschwerdegegnerin bei der Bemessung des Validenein
kom
mens richtigerweise die für Versicherte ohne Ausbildung geltende Bestimmung. Konnte eine versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden beruf
lichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausge
gebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE). Bei Versicherten nach Voll
endung von 25 Altersjahren ist ein Prozentsatz von 90 massgebend (Art. 26 Abs. 1 IVV). Somit ergibt sich ein hypothetisches Valideneinkommen von
Fr. 73‘350.-- (Fr. 81‘500.-- x 0.9; vgl. IV-Rundschreiben Nr. 354 zum massge
ben
den Einkommen zur Invaliditätsbemessung auf Grund von Art. 26 Abs. 1 IVV).
5.2
Auch die Bestimmung des hypothetischen Invalideneinkommens gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne und dabei gestützt auf den Zentralwert für mit einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art beschäftigte Männer in sämt
lichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors (LSE 2014, TA1_tirage_skill_leve
l, Total, Kompetenzniveau 1) ist nicht zu beanstanden. Angepasst an die Nominal
lohnentwicklung und die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit ermittelte die Beschwerdegegnerin ein hypothetisches Invalideneinkommen von rund Fr. 53‘642.-- im zumutbaren Pensum von 80 %. Einen zusätzlichen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75) gewährte sie nicht. Dies ist eben
so wenig zu beanstanden.
5.3
Somit resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 19‘708.--, was einem nicht renten
begründenden Invaliditätsgrad von gerundet 27 % entspricht (vorstehend E. 1.2).
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuer
lege
n.
Da der vorliegende Prozess nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden kann und der Beschwerdeführer bedürftig ist (vgl. Urk. 3), ist ihm an
tragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Die dem Beschwerdeführer auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer).