Decision ID: 2bd957b6-7b8f-413c-a8df-59c779ce6f03
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 1992 aufgrund von belastungsabhängigen Schmerzen im
linken Handgelenk zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 3 und IV-act. 9-2). Mit
einer Verfügung vom 29. Juli 1994 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab dem 1.
August 1993 bei einem IV-Grad von 50% eine halbe IV-Rente zu (IV-act. 40). Im
Rahmen eines amtlichen Revisionsverfahrens bestätigte die IV-Stelle sowohl in der
Verfügung vom 14. Juli 1995 (IV-act. 46) als auch in der Mitteilung vom 15. Juli 1998
(IV-act. 51) einen unveränderten IV-Grad von 50%. In einer Verfügung vom 8. Mai 2001
hob die IV-Stelle die Rente auf (IV-act. 66), da bei der 70%igen Tätigkeit im Haushalt
eine 27%ige Einschränkung und bei der 30%igen Tätigkeit als Verkäuferin eine 10%
Einschränkung bestehe, woraus sich ein nicht rentenauslösender IV-Grad von 22%
errechne. Die Verfügung vom 8. Mai 2001 erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Im April 2006 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 68). Am 10. November 2006 erstattete Dr. med. B._, Facharzt für Neurologie und
Psychiatrie, im Auftrag der IV-Stelle ein neurologisches Gutachten (IV-act. 96). Der
Sachverständige gab an, die Versicherte leide an einem neuropathischen
Schmerzsyndrom nach Läsion des R. superficialis des N. radialis links und an muskulo-
tendinösen Veränderungen nach einem operativen Eingriff im Bereich der Muskellogen
und Sehnenscheiden des radialen Unterarms links sowie einer operativen Neurolyse.
Als Hausfrau und Mutter bestehe eine Minderung der Arbeitsfähigkeit von 20%.
Qualitative Einschränkungen beträfen die Gebrauchsfähigkeit der oberen Extremitäten
links; repetitive Handbewegungen, Heben und Halten von Lasten über 2kg sowie
Arbeiten in Zwangspositionen über Kopf seien nicht zumutbar. Die vor der
Haushaltstätigkeit ausgeübte Tätigkeit als Kassiererin stelle eine angepasste Tätigkeit
dar; auch darin bestehe eine 20% Arbeitsunfähigkeit. Am 7. Dezember 2006 fand eine
Haushaltsabklärung bei der Versicherten statt (IV-act. 99); die Abklärungsperson kam
zum Schluss, dass die Versicherte im Haushalt eine Einschränkung von 37.48%
erleidet. Nach einem Vorbescheidsverfahren (Vorbescheid vom 3. Mai 2007 [IV-act.
105] und Einwand vom 8./9. Mai 2007 [IV-act. 107 f.] verfügte die IV-Stelle am 10. Juli
2007 bei einem IV-Grad von 1.75% die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 113).
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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C.
Im März 2018 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 117). Bereits am 2. Februar 2018 hatten die Fachärzte der Klinik C._ dem
behandelnden Rheumatologen Dr. med. D._ berichtet (IV-act. 119), sie hätten bei der
Versicherten folgende Diagnosen erhoben: CRPS Fuss links 11/2016, rezidivierende
Beinvenenthrombose und Hypovitaminose D. Am 27. März 2019 erstattete die
medexperts ag im Auftrag der IV-Stelle ein interdisziplinäres (Allgemeine Innere
Medizin, Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie und Psychotherapie) Gutachten (IV-act.
191). Die Sachverständigen gaben an, die Versicherte leide an folgenden
Gesundheitsbeeinträchtigungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: Komplexes
regionales Schmerzsyndrom (CRPS) Typ 1 in partieller Remission, Beschwerden im
Bereich des linken OSG (im Sinne von Schmerzen, belastungsabhängigen
Schwellungszuständen und Bewegungseinschränkung), chronisches Schmerzsyndrom
im Bereich des linken Handgelenks, keine neurologische Ausfallerscheinungen
abgrenzbar, Restbeschwerden am linken Vorderarm nach zweimaliger operativer
Revision wegen Tendovaginitis stenosans. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit gaben die Sachverständigen einen Status nach mehrfach TVT Bein
rechts (1994, 2000, 2011, 2016), aktuell unter Xarelto Dauertherapie, eine Adipositas
Grad 1 sowie eine Unterschenkelvarikosis beidseits an. Die Tätigkeit als Verkäuferin sei
der Versicherten nicht mehr zumutbar. Eine gut leidensangepasste Tätigkeit sei zu 60%
möglich, wobei folgende Kriterien zu beachten seien: "Körperlich leicht, vorwiegend im
Sitzen, allerdings mit der Möglichkeit des Positionswechsels, kein Heben und Tragen
von Lasten über 5kg, kein Absolvieren von längeren Gehstrecken, kein Überwinden von
Höhendifferenzen wie Treppen, Leitern oder Gerüsten, keine Zwangspositionen der
unteren Extremität, keine belastenden Tätigkeiten und keine repetitiven Arbeiten im
linken Handgelenk." Seit der letzten Verfügung im 10. Juli 2007 habe sich der
Gesundheitszustand verändert, insbesondere habe sich in der Zwischenzeit ein
chronisches Schmerzsyndrom des linken Unterschenkels, aktuell im Sinne eines CRP
in partieller Remission, entwickelt. Die Veränderung sei seit November 2016 gegeben;
ein genauer zeitlicher Verlauf sei schwierig anzugeben. Die aktuell festgestellte
Arbeitsunfähigkeit habe ab der Gutachtenserstellung Gültigkeit. Der RAD-Arzt Dr. med.
E._ notierte am 29. März 2019 (IV-act. 193), das medexperts-Gutachten sei
umfassend, schlüssig und nachvollziehbar; darauf könne abgestellt werden. Die IV-
Stelle ermittelte auf der Grundlage der sogenannten gemischten Methode einen
Invaliditätsgrad von 26% (Invalidität im Erwerb 20%, im eigenen Haushalt 6%). Mit
einer Verfügung vom 21. Juni 2019 wies sie das Rentenbegehren der Versicherten ab
(IV-act. 198). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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D.
Im Oktober 2020 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 199). Ihrer Anmeldung legte sie einen Bericht des
Schmerzambulatoriums des Instituts für Anästhesiologie des Spitals G._ vom 13.
Oktober 2020 (IV-act. 201 f.) bei. Die Ärzte hatten darin als Schmerzdiagnose
chronische neuropathische Schmerzen am linken Fuss (unter anderem bei CRPS linker
Fuss, EM 01/2017) und als Fremddiagnose eine rezidivierende TVT bei verminderter
Protein C-Aktivität angegeben. Die Versicherte reichte weitere Berichte des
Schmerzambulatoriums des Instituts für Anästhesiologie des Spitals G._ vom 10.
November 2020 (IV-act. 207), vom 1. Dezember 2020 (IV-act. 2018), vom 29. Dezember
2020 (IV-act. 211) und vom 9. Februar 2021 (IV-act. 213) nach, in denen die Ärzte
jeweils unveränderte Diagnosen angegeben hatten. Der RAD-Arzt Dr. med. F._
notierte am 18. Februar 2021 (IV-act. 215), der Gesundheitszustand der Versicherten
habe sich seit der letzten Abweisungsverfügung nicht verändert, nur die Therapie sei
neu aufgegleist worden. Der Gesundheitszustand sei stabil und die Höhe der
Arbeitsfähigkeit sei unverändert.
D.a.
Mit einem Vorbescheid vom 18. Februar 2021 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten an, dass sie auf das neue Leistungsbegehren nicht eintreten werde (IV-
act. 217). Sie führte aus, dass keine wesentliche Veränderung der tatsächlichen
Verhältnisse seit der letzten Verfügung glaubhaft gemacht worden sei. Am 22. Februar
2021 teilte die Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit, sie sei mit dem Vorbescheid
vom 18. Februar nicht einverstanden (IV-act. 220), ihr Gesundheitszustand habe sich
verschlechtert. Am 28. Mai 2021 berichtete Dr. med. D._, Facharzt für Rheumatologie
FMH, gegenüber der IV-Stelle (IV-act. 233), er könne aus rheumatologischer Sicht eine
negative Dynamik seit der letzten Beurteilung im Jahr 2019 bejahen. Die Versicherte sei
aufgrund einer völlig therapierefraktären Situation mit stetiger Verschlechterung des
Gangbildes an das Spital G._ überwiesen worden. Die Diagnose eines CPRS sei
dabei klar bestätigt worden. Bei der Versicherten finde sich eine zunehmende
Spitzfussfehlstellung links mit einem Extensionsdefizit und einem stark hinkenden
Gangbild mit Fehlbelastung über die Fussaussenkante sowie mit einer Überbelastung
rechtsseitig mit entsprechenden Irritationszonen. Eine Restarbeitsfähigkeit sei nicht
vorhanden. Der RAD-Arzt Dr. F._ hielt am 11. Juni 2021 fest (IV-act. 236), der Bericht
D.b.
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E.
von Dr. D._ ändere nichts an der Aussage in der RAD-Stellungnahme vom 13.
Februar 2021. Das CRPS am linken Fuss sei im Gutachten der medexperts gewürdigt
worden. Der notwendige erhöhte Therapiebedarf sei der wegen der fehlenden
Einwilligung der Versicherten nicht zum Tragen gekommen. Die Versicherte habe es
auch abgelehnt, Copingstrategien zu erlernen, obwohl sie selbst beobachtet habe,
dass Ablenkung die Schmerzsymptomatik verbessere. Mit einer Verfügung vom
gleichen Tag trat die IV-Stelle nicht auf das Leistungsbegehren ein (IV-act. 235).
Am 5. Juli 2021 und 2. August 2021 reichte Dr. D._ weitere Berichte datierend
vom 2. Juli 2021 (IV-act. 237) und vom 30.Juli 2021 (IV-act. 239) ein.
D.c.
Am 4. August 2021 erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
Beschwerde gegen die Nichteintretensverfügung der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 11. Juni 2021 (act. G 1). Sie beantragte sinngemäss die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und das Eintreten auf ihr Leistungsgesuch,
da ihr Gangbild sich verschlechtert habe.
E.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 20. Oktober 2021 beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie aus, der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit dem Referenzzeitpunkt im
Juni 2019 nicht rentenrelevant verändert. Gemäss den nachvollziehbaren Ausführungen
des RAD-Arztes sei bei einem stabilen Gesundheitszustand lediglich die Therapie neu
aufgegleist worden. Auch die nachträglich eingereichten Berichte änderten nichts an
dieser Ansicht. Das CRPS am linken Fuss sei seit längerem bekannt und bereits im
medexperts-Gutachten vom März 2019 gewürdigt und bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt worden. Die seit der angefochtenen
Verfügung vom 11. Juni 2021 eingereichten Unterlagen seien nicht zu würdigen.
Zusammenfassend habe die Beschwerdeführerin den Eintritt von relevanten
Sachverhaltsänderung nicht glaubhaft machen können.
E.b.
In einer Replik vom 19. November 2021 liess die Beschwerdeführerin sinngemäss
an ihren Anträgen festhalten (act. G 9).
E.c.
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Erwägungen
1.
2.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1. Dezember 2021 auf die Einreichung
einer Duplik (act. G 11).
E.d.
Die Beschwerdegegnerin ist nicht auf die Wiederanmeldung der
Beschwerdeführerin vom 29. Oktober 2020 (vgl. IV-act. 199) eingetreten. Hiergegen hat
die Beschwerdeführerin Beschwerde erhoben und sinngemäss das Eintreten auf die
Neuanmeldung vom 29. Oktober 2020 beantragt. Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens bildet demnach nur die Frage, ob die Beschwerdegegnerin auf
die Neuanmeldung vom 29. Oktober 2020 hätte eintreten müssen.
1.1.
Die von der Beschwerdeführerin erst nach der Eröffnung der
Nichteintretensverfügung vom 11. Juni 2021 eingereichten Akten, nämlich das
Schreiben von Dr. D._ vom 2. Juli 2021 (IV-act. 237) und vom 30. Juli 2021 (IV-act.
239) sowie der Bericht des H._ vom 4. August 2021 (act. G 5.1), können nicht
gewürdigt werden, da nur die Aktenlage massgebend ist, die beim Erlass der
angefochtenen Verfügung bestanden hat (BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Andernfalls könnte
der Fall eintreten, dass eine aufgrund der damaligen Aktenlage rechtmässige
Nichteintretensverfügung auf der Grundlage der im Beschwerdeverfahren eingereichten
Akten vom Gericht als rechtswidrig aufgehoben werden müsste, was in der
nachträglichen Verwaltungsrechtspflege (vgl. etwa F. Gygi,
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. A., S. 30) ausgeschlossen ist.
1.2.
Gemäss Art. 87 Abs. 2 in Verbindung mit Abs. 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) wird eine neue Anmeldung für
Rentenleistungen nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad
der Invalidität des Versicherten in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert
hat. Damit soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach einer
vorausgegangenen rechtskräftigen Leistungsverweigerung immer wieder mit
gleichlautenden und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des
Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 117 V 200 E. 4b). Da es sich
beim Invaliditätsgrad nicht um ein Sachverhaltselement, sondern um das Ergebnis
einer Rechtsanwendung handelt, kann er nicht direkt glaubhaft gemacht werden. Die
Glaubhaftmachung einer relevanten Veränderung muss sich deshalb – entgegen dem
2.1.
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Wortlaut der genannten Bestimmung – auf jene Sachverhaltselemente beziehen, die für
die Invaliditätsbemessung relevant sind. Die glaubhaft gemachte Veränderung eines
solchen Sachverhaltselements muss so erheblich sein, dass mit der Entstehung eines
anspruchsbegründenden Invaliditätsgrades zu rechnen ist, falls sich die Veränderung in
einem anschliessenden umfassenden Verwaltungsverfahren nachweisen lassen sollte.
Die in Art. 87 Abs. 3 IVV aufgestellte "Prüfungs-" bzw. Eintretenshürde ist also unter
anderem dann überwunden, wenn die sich neu anmeldende versicherte Person
glaubhaft machen kann, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hat und dass
damit ihr Arbeitsunfähigkeitsgrad in einem erheblichen Ausmass angestiegen ist. Mit
dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte Anforderungen an den
Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss nicht nach dem im
Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt werden. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend
gemachten rechtserheblichen Sachumstands wenigstens gewisse Anhaltspunkte
bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass sich die
behauptete Änderung bei einer eingehenden Abklärung nicht werde erstellen lassen
(Entscheid des Bundesgerichtes vom 25. Februar 2020, 8C_735/2019, E. 4.2. mit
weiteren Hinweisen). Die Beantwortung der Frage, ob eine wesentliche
Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht worden ist, setzt einen Vergleich
zwischen dem aktuellen Sachverhalt (der allerdings noch nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermittelt, sondern nur glaubhaft gemacht sein
muss) und jenem Sachverhalt respektive jener Sachverhaltsannahme voraus, der bzw.
die der ersten Ablehnungsverfügung zugrunde gelegt worden ist (vgl. hierzu auch BGE
130 V 73 ff. E. 3).
Die Beschwerdegegnerin hat das Rentengesuch der Beschwerdeführerin mit einer
Verfügung vom 21. Juni 2019 abgewiesen (IV-act. 198). Sie hat sich dabei
insbesondere auf das medexperts-Gutachten vom 27. März 2019 (IV-act. 191) gestützt.
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin mit den Akten, die sich auf ihren
Gesundheitszustand nach dem Erlass der rentenabweisenden Verfügung vom 21. Juni
2019 beziehen und die vor dem Erlass der vorliegend angefochtenen
Nichteintretensverfügung vom 11. Juni 2021 eingereicht worden sind, eine
anspruchsrelevante Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes oder eine andere
anspruchsrelevante Sachverhaltsveränderung hat glaubhaft machen können. Die
Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin folgende Akten eingereicht: Berichte
des Schmerzambulatoriums des Instituts für Anästhesiologie des Spitals G._ vom 13.
Oktober 2020 (IV-act. 201), vom 10. November 2020 (IV-act. 207), vom 1. Dezember
2020 (IV-act. 208), vom 29. Dezember 2020 (IV-act. 211) und vom 9. Februar 2021 (IV-
2.2.
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act. 213) sowie einen Bericht des behandelnden Rheumatologen Dr. D._ vom 28. Mai
2021 (IV-act. 233). Die von den Ärzten des Schmerzambulatoriums des Instituts für
Anästhesiologie des Spitals G._ in ihren Berichten im Wesentlichen festgehaltenen
Diagnosen eines CRPS im linken Fuss und einer rezidivierenden TVT sind von den
medexperts-Sachverständigen im Jahre 2019 ebenfalls erhoben worden. Den neuen
Berichten des Schmerzambulatoriums ist nichts zu entnehmen, das auf eine
Veränderung des Gesundheitszustandes seit dem Referenzzeitpunkt im Juni 2019
hinweisen würde. Die Schmerztherapie im Schmerzambulatorium ist ein Versuch
gewesen, die bereits seit Jahren bestehenden und auch von den medexperts-
Sachverständigen berücksichtigten, von der CRPS am linken Fuss verursachten
Schmerzen zu lindern. Hinweise darauf, dass sich die Schmerzen seit Juni 2019
verstärkt/verschlimmert hätten, sind den Berichten des Schmerzambulatoriums nicht
zu entnehmen. Die Therapie durch das Schmerzambulatorium ist im Februar 2021
beendet worden; sowohl die empfohlene Sympathikusblockade als auch eine
Mitbegleitung durch eine psychotherapeutische Behandlung zum Erlernen weiterer
Copingstrategien sind durch die Beschwerdeführerin nicht in Anspruch genommen
worden. Die Ärzte des Schmerzambulatoriums haben sich nicht zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin geäussert. Aus den Berichten des Schmerzambulatoriums des
Spitals G._ geht damit insgesamt nicht glaubhaft hervor, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verändert hätte. Auch Dr. D._ hat in
seinem Bericht vom 28. Mai 2021 keine neue Diagnose angegeben. Er hat aber
festgehalten, dass er eine negative Dynamik seit der letzten Beurteilung im Jahr 2019
bestätigen könne. Das Gangbild der Beschwerdeführerin habe sich verschlechtert; es
bestehe eine zunehmende Spitzfussfehlstellung links mit Extensionsdefizit und stark
hinkendem Gangbild mit einer Fehlbelastung über die Fussaussenkante sowie mit einer
Überbelastung rechtsseitig und entsprechenden Irritationszonen. Die massive
Hyperalgesie mache bereits leichte Berührungen stark schmerzhaft. Eine Reintegration
sei nicht vorstellbar; er sehe keine Restarbeitsfähigkeit. Im medexperts-Gutachten war
das CRPS-Syndrom als zentrale Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
festgehalten worden. Dr. D._ hat, wenn auch nur kurz, angegeben, dass sich das
Gangbild der Beschwerdeführerin verschlechtert und sich auch die Fussstellung
verändert habe. Es ist nicht auszuschliessen, dass aufgrund der veränderten
Fussstellung und der Verschlechterung des Gangbildes eine anspruchsrelevante
Veränderung des Gesundheitszustandes, d.h. eine Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit
insbesondere auch im eigenen Haushalt resultiert hat. Der Bericht von Dr. D._ enthält
demnach Indizien dafür, dass sich der Gesundheitszustand soweit verschlechtert hat,
dass der Invaliditätsgrad in einem anspruchsrelevanten Ausmass angestiegen ist. Mit
dem Bericht von Dr. D._ vom 28. Mai 2021 ist somit eine im Sinne von Art. 87 Abs. 3
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IVV erhebliche Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht worden,
weshalb auf die Neuanmeldung hätte eingetreten werden müssen. Die angefochtene
Nichteintretensverfügung vom 11. Juni 2021 erweist sich demnach als
verordnungswidrig; sie ist aufzuheben und durch den verfahrensleitenden Entscheid zu
ersetzen, dass auf die Neuanmeldung vom 29. Oktober 2020 eingetreten wird. Die
Sache ist zur Durchführung des Verwaltungsverfahrens zur Prüfung eines
Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
Die Verfügung vom 21. Juni 2019, mit der ein Rentengesuch der
Beschwerdeführerin abgewiesen worden ist, ist damit begründet worden, dass der
Invaliditätsgrad lediglich 26%, also weniger als 40% betragen habe. Die
Beschwerdegegnerin hatte diesen Invaliditätsgrad anhand der sog. gemischten
Methode ermittelt, d.h. sie hatte den Invaliditätsgrad im Erwerb und den
Invaliditätsgrad im eigenen Haushalt berechnet und dann kombiniert. Der
Einkommensvergleich hatte einen Invaliditätsgrad von 40% ergeben, von dem aber
wegen des (fiktiven) Beschäftigungsgrades von 50% nur 20% angerechnet worden
waren. Wäre nicht die sog. gemischte Methode, sondern die Methode des reinen
Einkommensvergleichs zur Anwendung gekommen, wäre der Beschwerdeführerin am
21. Juni 2019 ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 40% eine Viertelsrente
zugesprochen worden. Nach der Auffassung des Bundesgerichts (vgl. Rechtsprechung
des Bundesgerichts, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], bearbeitet
von Ulrich Meyer und Marco Reichmuth, 3. A., S. 426 N. 27) lässt auch eine
Sachverhaltsveränderung, die nicht den Gesundheitszustand und damit den
Arbeitsfähigkeitsgrad einer versicherten Person betrifft, aber zu einer Änderung der
Methode der Invaliditätsbemessung zwingt, eine Rentenrevision (Art. 17 Abs. 1 IVG) zu.
Das muss auch für Fälle wie den vorliegenden gelten, in denen sich der Invaliditätsgrad
nach einer Abweisung eines Rentengesuchs allein aufgrund eines Wechsels der
Methode zur Berechnung des Invaliditätsgrades glaubhaft von unter 40% auf 40%
oder mehr erhöht. Der klare Wortlaut des Art. 87 Abs. 3 IVV deckt das ab, denn es ist
nur von einer Änderung des Invaliditätsgrades die Rede; die Ursache dieser Änderung
wird nicht erwähnt, ist also irrelevant. Wäre die Beschwerdeführerin nach dem Erlass
der Abweisungsverfügung vom 21. Juni 2019 im fiktiven Gesundheitsfall glaubhaft
nicht mehr zu 50%, sondern zu 100% einer Erwerbstätigkeit nachgegangen, müsste
anstelle der früher angewendeten sog. gemischten Methode neu ein reiner
Einkommensvergleich erfolgen. Damit wäre die Beschwerdeführerin – selbst bei einem
unveränderten Arbeitsfähigkeitsgrad in einer adaptierten Erwerbstätigkeit – neu zu 40%
invalid und hätte deshalb einen Anspruch auf eine Viertelsrente. Nun hat die
2.3.
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3.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die Gerichtskosten sind angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf Fr. 600.-- festzusetzen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
Beschwerdeführerin aber keine Sachverhaltsveränderung geltend gemacht, die zu
einem derartigen Methodenwechsel hätte führen können. Das von der
Beschwerdegegnerin abgegebene amtliche Anmeldeformular "Anmeldung für
Erwachsene: Berufliche Integration/Rente" (vgl. IV-act. 199) ist offensichtlich für
Erstanmelder gedacht, denn es enthält keinen Hinweis auf den Art. 87 Abs. 3 IVV, d.h.
darauf, dass auf eine Anmeldung nach einer vorausgegangenen Abweisung eines
Rentengesuchs nur eingetreten werde, wenn die sich erneut anmeldende versicherte
Person eine anspruchsrelevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft mache. Das hat,
zumindest was eine Sachverhaltsveränderung in der Form einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes betrifft, der Beschwerdeführerin nicht geschadet, denn diese
hat aktuelle medizinische Berichte eingereicht, mit denen eine erhebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht worden ist (vgl. oben
E. 2.2). Die Beschwerdeführerin hat aber, selbst wenn ihr der Inhalt des Art. 87 Abs. 3
IVV bekannt gewesen sein sollte, auch bei Aufwendung zumutbarer Sorgfalt nicht
wissen können, dass auch eine (fiktive) Veränderung eines (fiktiven) Sachverhalts,
nämlich der (fiktiven) Erwerbssituation im (fiktiven) Gesundheitsfall, wenn sie glaubhaft
gemacht ist, einen Anspruch darauf entstehen lassen kann, dass eine IV-Stelle auf die
Neuanmeldung eintritt. Die Beschwerdegegnerin hätte die Beschwerdeführerin in
Anwendung von Art. 27 ATSG ausdrücklich darauf aufmerksam machen müssen, dass
die in Art. 87 Abs. 3 IVV geregelte Eintretenshürde auch durch die Glaubhaftmachung
einer Sachverhaltsveränderung, die zu einem Wechsel in der Methode der
Invaliditätsbemessung zwinge (hier ein nach dem 21. Juni 2019 eingetretener Wechsel
zu einer fiktiven Vollerwerbstätigkeit), überwunden werden könne. Da die
Beschwerdegegnerin sich also gesetzwidrig verhalten hat, müsste die angefochtene
Nichteintretensverfügung, selbst wenn keine anspruchsrelevante Veränderung des
Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht wäre, aufgehoben werden. Die Sache
müsste zur Erfüllung der im Art. 27 ATSG vorgeschriebenen Informations- und
Beratungspflicht im Zusammenhang mit dem Regelungsinhalt des Art. 87 Abs. 3 IVV in
Bezug auf die Methode der Invaliditätsbemessung an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen werden.
bis
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aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird der
Beschwerdeführerin zurückerstattet.