Decision ID: 11842a39-d42e-4d13-9bc3-4818ded9b8ac
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1977, meldete sich
erstmals
am 24. Ju
n
i 2001 unter Hinweis auf einen Arbeitsunfall bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbe
zug
an (Urk. 8/11).
Nachdem die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Tessin, IV-Stelle, die
medizinische und erwerbliche Situation (Urk. 8/2, Urk. 8/6, Urk.
8/8-9, Urk. 8/12-13, Urk. 8/18-21
, Urk. 8/23
-26
, Urk. 8/42
) ab
geklärt und
die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA; Urk. 8/7, Urk.
8/22
) beigezogen hatte, hielt sie mit Verfügung vom 4. März 2002 (Urk. 8/48) fest, dass der Versicherte eine Anstellung in einem Pensum von 80 % gefunden habe und
folglich
derzeit nicht mehr an beruflich
en Massnahmen interessiert sei.
1.2
Der Versicherte ersucht
e
a
m 4. Juni 2004 erneut um berufliche Massnahmen (Urk. 8/50).
Daher tätigte d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, Abklärungen der medizinischen und erwerblichen Situation (Urk.
8/51, Urk. 8/54, Urk. 8/56, Urk. 8/59
-60, Urk. 8/62-64) und erteilte dem Versicherte
n
am 5. November 2004 Kostengutsprache für den lerntechnischen Vorbereitungskurs an der
Z._
vom 21. Februar bis 18. Juli 2005 (Urk.
8/69). Mit Verfügung vom 30. Juni 2005 (Urk. 8/80) wurde
dem Versi
cherten
zudem Kostengutsprache für eine Umschulung zum Kaufmann an der
Z._
ab dem 22. August 2005
erteilt.
Infolge wiederholter Verletzung der Mitwirkungspflicht wurde d
ie berufliche Massnahme m
it Verfügung vom 10.
April 2007 (Urk. 8/117) abgebrochen.
1.3
Unter Hinweis auf ein unfallbedingtes
Thorakolumbovertebralsyndrom
sowie eine
Chondrose
seit Mai 2013 meldete sich der Versicherte a
m 30. Oktober 2013
bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug
an
(Urk. 8/132). Die IV-Stelle klärte daraufhin die medizinische und erwerbliche Situation (
Urk. 8/128,
Urk.
8/138, Urk. 8/142-143, Urk. 8/145-147, Urk. 8/151, Urk. 8/154)
ab
, zog die Akten der SUVA (Urk. 8/134, Urk. 8/139, Urk. 8/162) bei und veranlasste eine
bidisziplinäre
rheumatologische sowie psychiatrische
Begutachtung, über wel
che am 5. September 201
4 berichtet wurde (Urk. 8/160).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/163, Urk. 8/165,
Urk.
8/178) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 14. August 2015 (Urk.
8/180 = Urk.
2) einen
Leistungs
anspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 26. August 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 14. August 2015 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente auszurichten. Eventuell sei die Diagnose der
Persön
lich
keitsstörung
anhand weiterer medizinischer Nachweise zu präzisieren (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 6. Oktober 2015 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht holte sodann be
i Dr. med. A._
ein psychiatri
sche
s
Gutachten
ein
, welches am 1. April 2016 erstattet wurde (Urk.
22-23/1-4).
Der
Beschwerdeführer
liess sich
hierzu
innert Frist nicht vernehmen.
Die
Beschwerdegegnerin
verzichtete mit Schreiben vom 19. April 2016 (Urk. 27) auf eine Stellungnahme. Dies wurde der jeweils anderen Partei
am
4. Mai 2016 (Urk. 28) zur Kenntnis gebracht, wobei gleichzeitig antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit k
önnen in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wi
rd dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Aus
übung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesun
dheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditäts
bemes
sung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berück
sichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nieder
schlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Überwindbarkeitsver
mutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Recht
sprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung und objektivierte
Zumutbarkeits
prüfung
bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und ver
gleich
baren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen ein
teilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist recht
lich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Stan
dardindikatoren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Ein
zel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten
Beweis
themen
und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psycho
somatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindi
katoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der
Beweislo
sigkeit
nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten
(E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichk
eitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gle
ich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanam
nestisch ausgewiesener
Leidens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, ver
schaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
Die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten verlieren ihren Beweiswert nicht per se.
Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen
Beweis
grundlagen
vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem ein
zelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtli
chen Sachverständigengutachten - gegebenenfalls im Kontext mit weiteren
fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgebli
chen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen
(E. 8)
.
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfer
tigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine sol
che vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass keine Befunde oder Diag
nosen vorlägen,
welche
eine dauerhafte oder lang andauernde Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit begründen könnten.
Die diagnostizierte
Dysthymia
sei gut behandelbar und nicht invalidisierend. Die Nachweise einer
somatoformen
Schmerzstörung
sowie
einer schweren impulsiven
Persönlich
keits
störung
seien nicht
erbracht
.
Aus psychiatrischer Sicht sei daher von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Aufgrund des funktionellen
Panvertebralsyndroms
ohne
radikuläre
Symptome seien körperlich schwere Tätigkeiten nicht empfehlens
wert. In allen anderen Tätigkeiten bestehe jedoch eine volle Arbeitsfähigkeit
(S. 1
f.
).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1),
eine impulsive Persönlichkeitsstörung
sowie
eine
somatoforme
Schmerzstörung
seien bei der Begutachtung klar
diagnostiziert worden
.
Die
Leistungsfähigkeit sei dadurch erheblich eingeschränkt
(S. 4).
Da d
ie
somatoforme
Schmerzstörung
nicht
überwindbar
sei, habe er Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versiche
rung (S. 7 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der
Leistungs
anspruch des Beschwerdeführers und da
bei insbesondere, ob aus psychiatrischer
Sicht ein invalidisierender
Gesund
heitsschaden
vorliegt.
3.
3.1
In den Akten finden sich die folgenden, wesentlichen medizinischen Berichte:
3.2
Dem Bericht der kreisärztlichen Untersuchung vom 26. April 2001 (Urk.
8/7/17
20) durch Dr. med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ist zu entnehmen, dass der Beschwer
deführer i
m Dezember 2000
beim Tragen einer Last ausgerutscht
sei
und sich
dabei
den Rücken angeschlagen habe. Seither verspüre er tieflumbale Schmer
zen (S. 1). Die radiologische Untersuchung zeige eine flache Lendenlordose, eine leichte rechtskonvexe Skoliose sowie eine mediane
Pro
trusion
der
lumbosakra
len
Bandscheibe
ohne Beeinträchtigung neuraler Struk
turen
. Ansonsten seien die Befunde unauffällig
gewesen
(S. 3).
V
om 27. Juni bis 20. Juli 2001
erfolgte daher
e
ine vierwöchige berufliche Abklä
rung und Berufsberatung in der
C._
, wobei der Beschwer
deführer
auch
an konditionsfördernden Behandlungen teilgenommen habe. Die Ärzte kamen zum Schluss, dass die bisherige Tätigkeit als Lagerist nicht mehr in vollem Pensum zumutbar sei. Hingegen sei dem Beschwerdeführer eine
wech
selbelastende
, leichte bis mittelschwere Tätigkeit ganztags zumutbar (vgl. Bericht vom 20. Juli 2001, Urk. 8/23).
3.3
Dr. med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
E._
, informierte mit Schreiben vom 11. Februar 2013 (
Urk.
8/147/7-8 =
Urk. 8/
176) über das am 5. Februar 2013 erfolgte Vorgespräch mit dem Beschwerdeführer. Als Diagnosen führte er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), sowie akzentuierte, abhängige und impulsive Persönlichkeitsanteile (ICD-10 Z73.1), Differentialdi
agnose (DD): Persönlichkeitsstörung, auf (S. 1). Eine intensive stationäre Behandlung
sei
indiziert. Der Beschwerdeführer habe sich allerdings gegen eine solche Behandlung entschlossen (S. 2).
3.4
Der Beschwerdeführer erlitt am 31. Mai 2013 erneut einen Unfall, als er auf nassem Boden mit einem schweren Paket in der Hand ausgerutscht sei (vgl. Schadenmeldung, Urk. 8/139/33).
Die Erstbehandlung erfolgte gleichentags im
F._
, wobei ein akutes
Thorakovertebralsyndrom
diagnosti
ziert und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 4. Juni 2013
attestiert
wurde (vgl. Bericht vom 13. August 2013, Urk. 8/139/8-9).
3.5
Eine am
14. Juni 2013
durchgeführte
Magnetresonanztomographie (MRI) der Brust-
und
Lendenwirbelsäule
(BWS und LWS)
ergab
kleine Diskushernien
Th5/6, Th
6/7 sowie L5
/S1
,
jeweils ohne neura
le Kompression
,
sowie eine
Chondrose
L5/S1 (vgl. Bericht vom 17. Juni 2013, Urk.
8/134/11 = Urk.
8/139/6)
.
3.6
In einem am 25. September 2013 erfolgten MRI des Gehirns hätten sich bei
alters
entsprechendem
Hirnparenchymvolumen
keine
mikroangiopathischen
Veränderungen finden lassen. Es fänden sich auch keine alten oder frischen
embolischen
oder territorialen Infarktareale oder Bluthirnschrankenstörungen. Sodann seien keine
Hämosiderinablagerungen
sowie subdurale oder
epidurale
Hämatome ersichtlich gewesen. Die intrakraniellen arteriellen und venösen Gefässe seien regelrecht (vgl. Bericht vom 25. September 2013, Urk. 8/147/5-6 S. 2).
3.
7
Dr. med. G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte mit Bericht vom 22. Januar 2014 (Urk. 8/145) ein chronisches
zervikolumbo
spon
dylogenes
Schmerzsyndrom lin
ks mit Diskushernien Th5/6, Th
6/7
und
L5/S1
sowie
eine rezidivierende depressive Störung, DD: Persönlichkeitsstörung, als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 2 Ziff. 1.1). Die Prognose sei offen (S. 3 Ziff. 1.4). Der Beschwerdeführer könne keine mittel
schwere
n
und schwere
n
Tätigkeiten
mehr
ausüben.
S
eit dem 31. Mai 2013
sei er
in den bisherigen Tätigkeiten als
Magaziner
und Banker zu 100 % arbeitsunfä
hig
. Hinsichtlich der psychischen Beschwerden sei eine Beurteilung durch Dr. med.
H._
einzuholen
(S. 3 Ziff. 1.6-1.7).
3.
8
Die Ärzte der
I._
informierten mit Bericht vom 11. Februar 2014 (Urk. 8/146) über die stationäre
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 6.
bis 26. November 2013 und diagnostizierten ein
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links sowie ein
myofasziales
Schmerzsyndrom
zervikobrachial
links. In der klinischen Untersuchung seien keine relevanten
Bewegungsein
schränkungen
oder sensomotorische
n
Defizit
e
erkennbar gewesen.
Ein im Juni 2013 durchgeführtes
MRI
habe kleine Diskushernien Th
5/6, Th6/7 sowie L5/S1, jeweils
ohne neurale Kompression
,
gezeigt. Die Prognose sei gut (S. 1).
D
er Beschwerdeführer
sei im
Austrittszeitpunkt
in einer leichten,
wechselbelasten
den
Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig gewesen.
M
it einer zunehmenden
Belas
tungsfähigkeit
sei
zu rechnen (S. 2).
3.
9
Am 7. März 2014 stürzte der Beschwerdeführer auf der Treppe nach vorne
. Bei der gleichentags in der
I._
erfolgten Untersuchung konnte eine
undislozierte
Weber-A-Fraktur diagnostiziert werden (vgl. Bericht vom 12. März 2014, Urk. 8/152).
3.
10
Dr. med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
gab mit Bericht vom 7. April 2014 (Urk. 8/147/1-4
= Urk. 8/177
) an, dass er den Beschwerdeführer von September 2011 bis Januar 2014 behandelt habe, wobei im Jahr 2012 keine Konsultationen erfolgt seien. Im Januar 2014 habe sich der Beschwerdeführer wegen eines gebrochenen Fusses abgemeldet (S. 1 f. Ziff. 1.2, Ziff. 1.5). A
ls psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
führte
er
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit fraglichen psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.2/33.3)
, auf (S. 1 Ziff.
1.1)
.
Im
Herbst 2013/
Januar 2014 sei dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit nicht zumutbar gewesen und mit einer Wiederaufnahme einer berufli
chen Tätigkeit habe nicht gerechnet werden können. Die aktuelle Situation könne er nicht beurteilen (S. 2 f. Ziff. 1.7, Ziff. 1.9).
3.
11
Am 5. September 2014 erstatteten die Ärzte der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
J._
ihr
Gutachten in den Fachdisziplinen All
gemeine Innere Medizin, Rheumatologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 8/160). Dabei nannten sie folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26 Ziff.
1.1):
chronisches depressives Zustandsbild im Sinne einer
Dysthymia
(ICD-10 F34.1),
sich
entwickelnd in den letzten Jahren
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10 F60.30), bestehend seit der Adoleszenz
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), sich entwi
ckelnd in den letzten Jahren
undislozierte
Weber-A-Fraktur rechts vom 7. März 2014 (Stolpersturz auf Treppe) mit/bei noch laufender konservativer Behandlung
funktionelles und spezifisch überwiegend
myotendinotisch
geprägtes
Pan
vertebralsyndrom
unterschiedlicher Gewichtung mit/bei
:
Akzentuierung im zervikalen
und lumbalen Bereich
l
eichter Haltungsinsuffizienz
m
uskulärer
Dekonditionierung
b
egleitenden, im oberen
und
unteren Bereich erlebten
pseudoradiku
lä
ren
Ausstra
h
lungen (
referred
pain
)
a
ktuell keinem
direkten oder indirekten Hinweis für
radikuläre
Begleit
störungen oder morphologisch aktive segmentale Pathologien
a
ktuell auch keine eingrenzbaren
Fazettengelenksirritationen
z
wei von fünf
Wad
d
ell
-Zeichen positiv
Sodann führten sie e
inen
Nikotinabusus
als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 26 Ziff. 1.2).
Aus internistischer Sicht sei keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellbar gewesen (S. 30 Mitte).
Aus rheumatologi
scher Sicht sei die seit über elf
Jahren bestehende
Rücken
schmerzproblematik
keiner strukturellen spezifischen Pathologie des Bewe
gungsapparates
oder
einem systemisch-rheumatologisch entzündlichen oder metabolischen Grundleiden
zuzuordnen
. Die Befunde am Achsenskelett im Sinne von Bandscheibenveränderungen der BWS und LWS
seien als degenerativ und durchaus auch alterskonform einzuordnen. Das therapieresistente beste
hende Schmerzproblem könne dadurch nicht erklärt werden.
Die Ausst
rahlun
gen des Beschwerdebildes könnten
als
pseudoradikulär
erklärt
werden
. Es fän
den sich keine Hinweise für relevante
radikuläre
Begleitstörungen oder aktive segmentale morphologische Pathologien des Bewegungsapparates. Der Beschwer
deführer sei aus rheumatologischer Sicht
in
d
en
bisherige
n
sowie angepasste
n
Tätigkeiten zu mindestens 80 % arbeitsfähig. Dabei bestehe keine Einschränkung des zeitlichen Pensums, sondern allenfa
l
ls eine maximale 20%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit (S. 29 f.).
Die psychiatrische Untersuchung habe das Vorliegen eines
chronifizierten
reakti
ven depressiven Zustandsbildes im Sinne einer
Dysthymia
ohne
Krank
heitswert
aufgezeigt. Es lägen vermehrte Hinweise
für
das Vorliegen einer
Per
sönlichkeitsstörung
vor. Klinisch imponiere eine emotional instabile
Persönlich
keitsstörung
vom impulsiven Typ, welche wegen der Sprachbarriere allerdings nicht testpsychologisch habe untersucht werden können. Die Auffälligkeiten in der Schmerzve
rarbeitung würden bei fehlenden
respektive nicht ausreichenden somatischen Korrelaten als anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung diagnosti
ziert. Eingeschränkte Kompensationsmöglichkeiten im Rahmen der diagnosti
zierten Persönlichkeitsstörung und der chronischen
dysthymen
depressiven Störung würden das Erleben der psychosozialen Belastung verstärken und das Überwinden der schmerzbedingten Einschränkungen in der Lebensführung erheblich beeinträchtigen (S. 30).
Der Beschwerdeführer sei deshalb in jeglicher Tätigkeit zu 60 % eingeschränkt (S.
32 oben).
Gesamt
medizinisch
kamen die Gutachter zum Schluss, dass dem Beschwerde
führer die bisherige Tätigkeit
nur noch zu 40 % zumutbar
sei
, wobei sich ins
besondere die psychischen Störungen auf die Arbeitsfähigkeit auswirken wür
den. Die aus rheumatologischer Sicht beschriebene Leistungseinschränkung sei darin
bereits enthalten
.
Auch eine behinderungsangepasste leichte, wechselbe
lastende Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten schwerer als 15
kg sowie ohne langandauernde Zwangshaltungen und
ohne
Überkopf
arbeiten
sei dem Beschwerdeführer zu 40 % zumutbar.
Diese Beurteilung gelte seit dem 31. Mai 2013.
Es sei nicht zu erwarten, dass die Arbeitsfähigkeit mit medizinischen Massnahmen signifikant verbessert werden könne (S. 33 f. Ziff.
3
-5
).
3.
12
M
ed.
pract
. K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD),
nahm am 3. November 2014
Stellung zum psychi
atrischen Teilgutachten der MEDAS. Dabei führt
e
er aus, dass eine
Dysthymie
nicht invalidisierend sei, die Kriterien einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung nicht erfüllt seien und sich keine schwere impulsive
Persön
lichkeitsstörung
feststellen lasse (Urk. 8/164 S. 6 f.).
In einer gesamthaften RAD-Stellungnahme gab m
ed.
pract
. L._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap
parates,
an,
dass als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lediglich ein funktionelles
Panvertebralsyndrom
oh
ne
radikuläre
Symptome vorliege.
D
ie psychiatrischen Diagnosen
seien
als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
zustufen
. Der Beschwerdeführer sei in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig (vgl. Stellungnahme vom 23.
Oktober 2014, Urk. 8/164 S. 7 f
.
)
4.
4.1
In somatischer Hinsicht l
assen
sich
den vorliegenden
medizinischen
Berichten keine wesentlichen Befunde entnehmen. Dabei ist insbesondere
auf
das
beweis
kräftige
rheumatologische Teilgutachten der MEDAS
J._
(vorstehend E. 3.11
) zu verweisen, welches sämtliche Beschwerden des Beschwerdeführers berücksichtigte, in Kenntnis der
Vorakten
erstattet wurde, der medizinischen
Situation Rechnung trägt und dess
en Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit ausführlich begründet
wurden
(vgl. vorstehend E. 1.5
). Der Beschwerdeführer leidet demnach im Wesentlichen an einem funktionellen und spezifisch überwiegend
myotendinotisch
geprägten
Panvertebralsyndrom
. Der
undislozierten
Weber-A-Frak
tur mass der rheumato
logische Gutachter aus versicherungstechnischer Sicht keine wesentliche Bedeutung zu
(vgl. Urk. 8/160 S. 26 Ziff. 1.1
, S. 63 unten
).
Die
Rückenproble
matik
habe
sodann
keiner strukturellen spezifischen Pathologie des Bewegungs
apparates und auch nicht einem systemisch-rheumatologisch entzündlichen oder metabolischen Grundleiden zugeordnet werden
können
. Die Befunde am Achsenskelett im Sinne von
Bandscheiben
veränderungen
der BWS und LWS seien als degenerativ und durchaus auch alterskonform einzuordnen. Das thera
pieresistente bestehende Schmerzproblem könne dadurch nicht erklärt werden.
Die Ausstrahlungen des Beschwerdebildes könnten als
pseudoradikulärer
Natur erklärt werden. Es fänden sich keine Hinweise für relevante
radikuläre
Begleit
störungen oder aktive segmentale morphologische Pathologien des Bewegungs
apparates (vgl. Urk. 8/160 S. 29 f).
Die MEDAS
-Gutachter
gingen entsprechend der unauffälligen Befunde auch lediglich von einer
leichtgradigen
Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit aus, wobei
der Beschwerdeführer in den
bisherigen
sowie
behinderungsangepasste
n
Tätigkeit
en
zu m
indestens 80 % arbeitsfähig sei.
Dabei bestehe
keine Einschränkung des zeitlichen Pensums, sondern allen
falls eine maximale 20%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit (vgl. Urk.
8/160 S. 30 oben). Dementsprechend kumulierten sie in der
Gesamt
beurteilung
die aus rheumatologischer Sicht beschriebene
Leistungsein
schränkung
auch nicht zu der aufgrund der psychischen Beschwerden festge
legten Arbeitsunfä
higkeit (vgl. Urk. 8/160 S. 33 Ziff. 3.1). Beim Beschwerde
führer stehen
demzu
folge
klar die psychischen Beschwerden im Vordergrund.
4.2
Hinsichtlich des psychischen Leidens ging d
ie Beschwerdegegnerin abweichend von der Einschätzung der ME
DAS-Gutachter (vorstehend E. 3.11
)
ges
tützt auf die Stellungnahme des
RAD-
Arztes
med.
pract
.
K._
(vorstehend E. 3.12
) davon aus, dass beim Beschwerdeführer aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
kein
releva
nter Gesundheitsschaden vorliege
. Dies begründete sie damit, dass eine
Dysthymia
gut behandelbar sei und keine invalidisierenden Aus
wirkungen habe
,
sowie
die Nachweise einer
somatoformen
Schmerzstörung
und
einer schweren impulsiven Persönlichkeitsstörung nicht gegeben seien
(vgl. Urk.
2 S.
2
)
.
Dies
vermag allerdings nicht zu überzeugen. So gab RAD-Arzt med.
pract
.
K._
se
lbst an, dass es sich anhand des
psychiatrischen Teilgutachtens der MEDAS schwer beurteilen lasse, ob eine impulsive Persönlichkeitsstörung vor
liege (vgl. Urk. 8/164 S. 6). Dem
MEDAS-
Gutachten lässt sich
entnehmen, dass vermehrte Hinweise für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung vorlägen,
die
allein wegen der Sprachbarriere aber nicht testpsychologisch h
ätten
untersucht werden können (vgl. Urk. 8/160 S. 30). Soweit der RAD
nun
in seiner Stellung
nahme eine schwere impulsive Persönlichkeitsstörung und eine da
durch begrün
dete Arbeitsunfähigkeit verneint, da keine pathologische Impulsivität habe beobachtet werden können und die persönliche Einstellung zu den Schmerzen zu abstrahieren sei (vgl. Urk. 8/160 S. 7 oben), so kann dieser Ein
schätzung ohne eigene Untersuchung des Beschwerdeführers bei doch konkre
ten Hinweisen auf das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung nicht gefolgt wer
den.
Entsprechend erachtete das Gericht den medizinischen Sachverhalt in psychi
scher Hinsicht als ungenügend abgeklärt, weshalb es ein Gerichtsgutachten anordnete (vgl. Beschluss vom 4. Dezember 2015, Urk. 15).
4.3
Am 1. April 2016 erstattete Dr. med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psych
otherapie, ihr psychiatrisches Gerichtsg
utachten (Urk. 22). Dabei konnte sie folgende Diagnosen stellen (S. 37):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
schizotype
Störung (ICD-10 F21)
DD: Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend selbstunsicheren und para
noiden Zügen (ICD-10 F61)
DD:
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.0) einschliesslich einer chroni
schen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren (ICD-10 F45.41)
Der Beschwerdeführer sei tendenziell eher depressiv verstimmt
. Insbesondere sei er
allerdings
emotional kaum spürbar und
allenfalls affektiv verflacht. Eine gewisse gedrückte Stimmung könne nicht verneint werden. Ein Interesseverlust sei naheliegend, werde von ihm aber nicht beklagt.
Das Vorliegen e
ine
r
Freud
losigkeit und Antriebsminderung sei
ungesichert. Allerdings liege eine erhöhte Ermüdbarkeit vor.
Es könne zudem eine verminderte Konzentration und Auf
merksamkeit beobachtet werden. Es könne nicht sicher verifiziert werden, ob ein vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen vorliege. Suizidgedanken verneine der Beschwerdeführer klar. Hingegen beklage er ausgeprägte Schlaf
störungen. Der Appetit sei nicht vermindert. Es könne daher eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), diagnostiziert werden. Diese scheine aber nicht im Vordergrund der Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers zu stehen, welcher vor allem Schmerzen beklage (S. 43 f.).
Der Beschwerdeführer leide seit inzwischen deutlich mehr als zwei Jahren an anhaltenden multiplen, unterschiedlichen körperlichen Symptomen, für die keine ausreichende somatische Erklärung gefunden werden könn
t
e
n
. Da auch die sozialen und familiären Funktionen beeinträchtigt seien,
seien die Kriterien für
eine
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.0)
erfüllt
, welche auch die chroni
sche Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.0) einschliesse.
Die Körperbeschwerden würden sich jedoch auch einer weiteren Störung zuordnen lassen und überdies die Verhaltensauffälligkeit
en des Beschwerdeführers
erklären, weshalb die
Somatisierungsstörung
lediglich als Verdachtsdiagnose verstanden
werde (S. 45 f.).
Auch erfülle der Beschwerdeführer die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung. So sei er in der Affektivität unausgeglichen, nicht sicher in der Impulskontrolle,
wohl aber im Wahrnehmen und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen.
D
as auffällige Verhaltensmuster
sei
andauernd und gleichförmig, tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen unp
assend. D
ie Störung habe offensichtlich schon in de
r Kindheit/
Jugend begonnen und
habe unzwei
felhaft zu deutlichem Leiden geführt
sowie
die berufliche und soziale Leistungs
fähigkeit beeinträchtigt. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung werde aller
dings ebenfalls nur als Verdachtsdiagnose aufgeführt, da sie nicht mit den Ergebnissen eines strukturierten Interviews belegt werden könne und sich die Auf
fälligkeiten und Körperbeschwerden differentialdiagnostisch einer weiteren Diagnose zuordnen lassen würden (S. 47). So
f
änden
sich beim Beschwerde
führer ein eingeschränkter Affekt, ein seltsames oder eigentümliches Verhalten,
wenige soziale
Bezüge und d
ie Tendenz zum sozialen Rückzug sowie
das Misstrauen und gewisse Hinweise auf paranoide Ideen. Weitere berichte er über ein fast ständiges Denken beziehungsweise Grübeln. Die verschiedenen
Körper
beschwerden
würden in Richtung
Dysmorphophobie
deuten. Auch seien die Sprache und das Denken deutlich vage.
B
eim Beschwerdeführer
sei deshalb
eine
schizotype
Störung (ICD-10 F21) zu diagnostizieren (S. 48).
Der Beschwerdeführer sei in sehr vielen für eine berufliche Tätigkeit relevanten Fähigkeiten mittelschwer bis schwer eingeschränkt. So sei er in der Anpassung an Regeln und Routinen, der Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, de
r Durchhaltefähigkeit, der Kont
aktpflege zu Dritten und der Gruppenfähigkeit mittelschwer eingeschränkt. In der Flexibi
lität und Umstellfähigkeit sowie in der Selbstbehauptungsfähigkeit sei er schwer eingeschränkt (S. 53 f.). Die bisherigen Tätigkeiten als Kurier, als Mitarbeiter in einem Call-Center sowie
andere Tätig
keiten in kundennahen Bereichen
seien wegen der Einschränkung seiner sozialen Fähigkeiten nicht geeignet. Dem Beschwerdeführer seien Tätigkeiten im kaufmännischen Bereich
zumutbar
, in denen er keinen oder nur sporadisch
en
Kundenkontakt und e
ine ruhige
Arbeits
umgebung
sowie
wohlwollende Vorgesetzte und Kollegen
und klar vor
gegebene Strukturen habe
. Das zuletzt als realistisch eingeschätzte Pensum von zirka drei Stunden pro Tag liege über einen längeren Zeitraum an der oberen Grenze (S.
55 Ziff. 2.1).
Der Beschwerdeführer sei wahrscheinlich seit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit eingeschränkt. Die Teilarbeitsfähigkeit
von zirka drei Stunden pro Tag
für eine angepasste Tätigkeit gelte seit der Begutachtung durch Dr.
med.
M._
im September 2014 (S. 58 Ziff. 4).
Wichtige Ressourcen würden fehlen (S. 57 Ziff. 3.1.3.2). Es liege eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleich
bar
en Lebensbereichen vor (S. 57 Ziff. 3.2.1).
Die Prognose sei angesichts des langen Verlaufs, der bescheidenen Stabi
li
sierung unter der laufenden Behandlung und dem Krankheitskonzept ungüns
tig (S. 59 Ziff. 6).
4.4
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass das psychiatrische
Gerichts
gutachten
von Dr.
A._
auf für die strittigen Belange umfassenden Untersuchungen beruht und die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden in angemessener Weise berücksichtigt. Sodann wurde es in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung. Die gestellten Diagnosen wurden nach
ausführlicher
psychopathologischer Befundaufnahme (Urk. 22 S. 32 ff
.
) anhand der ICD-Kriterien
sorgfältig
herg
eleitet (vgl. Urk. 22 S. 43 ff
.
). Dabei konnten beim Beschwerdeführer insbesondere fast alle der genannten Symptome einer
schizotypen
Störung beobachtet werden (vgl. hierzu die klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störun
gen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mom
bour
/Schmidt, Hrsg., 9. Auflage, Bern 2014, S. 139). Die
Einschrän
kungen in den einzelnen
für eine berufliche Tätigkeit relevanten
Bereichen wurden mittels
Beizug
der Mini-ICF-APP
eingehend dargelegt
(vgl. Urk. 2
2 S. 50 ff.)
. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeits
fähigkeit werden ausführlich begründet. Die Beurteilung ist nach dem Gesagten für die Beantwortung
der gestellten Fragen umfassend. Das Gut
achten von Dr.
A._
erfüllt
somit
die praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidu
ngsgrundlagen (vorstehend E. 1.5
) vollum
fänglich
, so dass für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden kann.
4.5
Der Beschwerdeführer leidet demnach aus psychiatrischer Sicht an einer rezidivie
renden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), sowie an einer
schizotypen
Störung (ICD-10 F21). Als Differentialdiag
nosen führte Dr.
A._
eine Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend selbstunsicheren und paranoiden Zügen (ICD-10 F61) sowie eine
Somati
sierungsstörung
(ICD-10 F45.0) einschliesslich einer chronischen
Schmerzstö
rung
mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) auf (Urk. 22 S.
37).
Dabei wies Dr.
A._
insbesondere
auf das Fehlen wichtiger Ressourcen hin, allen voran tragende familiäre Beziehungen, Freundschaften und eine Partnerschaft, und bejahte eine gleichmässige Einschränkung in allen Lebensbereichen sowie einen ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. Urk. 22 S. 57). Zudem kam sie zum Schluss, dass das Verhalten des Beschwerdeführers zwar den Verdacht auf mangelnde Mitarbeit habe aufkommen lassen, die neu hinzu
gek
ommenen Informationen und die erneute A
nalyse der Akten demgegenüber für einen hohen Leidensdruck und erheblich eingeschränkte soziale Fähigkeiten
als Teil der
schizotypen
Störung sprächen (vgl. Urk. 22 S. 56 Ziff. 3.1.1.3). Die Prognose erachtete sie angesichts des langen Verlaufs, der bescheidenen Stabi
lisierung unter der laufenden Behandlung und de
s
Krankheitskonzept
s
als ungünstig (vgl. Urk. 22 S. 59 Ziff.
7).
Hinsichtlich der verbliebenen Arbeitsfähigkeit ist zwar anzumerken, dass sich Dr.
A._
nur sehr zurückhaltend auf ein zumutbares Pensum fest
legt
, was jedoch vor dem Hintergrund des komplexen psychischen
Beschwerde
bild
s
durchaus nachvollziehbar ist.
So gab sie an, dass ein Vollzeitpensum nicht realistisch sei und das zuletzt als realistisch eingeschätzte Pensum von zirka drei Stunden pro Tag über einen längeren Zeitraum an der oberen Grenze liege, wobei Tätigkeiten in kundennahen Bereichen wegen der Einschränkung seiner sozialen Fähigkeiten nicht geeignet seien (vgl. Urk. 22 S. 55 Ziff. 2.1).
Auch hielt sie fest, dass der Beschwerdeführer in sehr vielen für die berufliche Tätig
keit relevanten Fähigkeiten mittelschwer bis schwer eingeschränkt sei (Urk. 22 S. 53 unten).
Schliesslich nahm sie Bezug
auf die
psychiatrische
Einschätzung
durch Dr.
M._
im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS
, wo
bei
diese
recht gut mit ihrer Beurteilung übereinstimme und keine wesentlichen Diskre
panzen bestünden (vgl. Urk. 22 S. 58 Ziff. 5).
Dr.
M._
erachtete
den Beschwer
deführer in der bisherigen sowie einer behinderungsangepassten Tätigkeit auf
grund der psychischen Störungen als zu 40 % arbeitsfähig
. Dabei gab er an, dass dies einem zeitlichen Rahmen von 3.2
Stunden entspreche
(vgl. Urk. 8/160 S. 33 f. Ziff. 3-5).
Dem kann b
ei einer durchschnittlichen wöchentli
chen Arbeitszeit von 40 Stunden
gefolgt
werden.
Für die nachfolgende
Invali
ditäts
bemessung
ist somit darauf
abzustellen
, bezieht sich
Dr.
A._
doch a
usdrücklich auf das zuletzt als realistisch eingeschätzte Pensum.
4.6
Zusammenfassend
ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer an einem funktionellen und spezifisch überwiegend
myotendinotisch
geprägten
Panver
tebralsyndrom
sowie
an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0),
und
an einer
schizotypen
Störung (ICD-10 F21) leidet. Die bisherigen Tätigkeiten als Kurier, als Mitarbeiter in einem Call-Center sowie andere Tätigkeiten in kundennahen Bereichen
sind dem Beschwerdeführer
nicht mehr zumutbar. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit bei Beach
tung des durch Dr.
A._
erstellten Belastungsprofils
ist
eine 40%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen.
Die aus somatischer Sicht attestierte Leistungseinschränkung von maximal 20 % ist darin bereits enthalten.
5.
5.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen, wobei der Beschwerdeführer als zu 100 % Erwerbstätiger zu qualifizieren ist
(vgl. hierzu
auch das
Feststellungsblatt vom 18. Dezember 2014, Urk. 8/164 S. 8 unten).
5.2
Ein Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches. Angesichts
der Tatsache
, dass die
Anmeldung
vom 30. Oktober 2013 (Urk. 8/132)
bei der Beschwerdegegnerin am
1. November
2013
eingegangen war (vgl.
Ak
tenver
zeichnis
zu
Urk. 8
)
,
würde ein allfälliger Rentenanspruch frühestens ab dem
1.
Mai
2014
bestehen. Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grund
sätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenb
eginns, mithin auf das Jahr 2014
, abzustellen (BGE 129 V 222).
5.3
Den Akten lässt sich
folgender beruflicher Werdegang des Beschwerdeführers entnehmen: V
on 1997 bis 2000
absolvierte er
eine Lehre als
Lagerist/
Magaziner
bei
der
N._
(vgl. Urk. 8/2, Urk. 8/9, Urk. 8/12
, Urk. 8/25
, Urk.
8/63)
.
Danach
arbeitete er für kurze Zeit
als Aushilfe
bei der
O._
. Vo
n
November 2001 bis Juni 2004
war
er sodann als
Behindertenbe
treuer
bei der
P._
tätig
(vgl. Urk. 8/42/1, Urk. 8/51
-52, Urk. 8/54, Urk. 8/62, Urk. 8/64
).
Ein befristete
r
Temporäreinsatz
als Lagerist dauerte
lediglich
vom 1. bis 16. Juli 2004 (Urk. 8/59).
Im 2005 erteilte d
ie Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
sodann
Kostengutsprachen für den lerntechnischen Vorbereitungskurs an der
Z._
vom 21. Februar bis 18.
Juli 2005 sowie
für eine Umschulung zum Kaufmann an der
Z._
ab dem 22. August 2005
(Urk. 8/69
, Urk. 8/80
).
Dabei erwarb d
er Beschwerdeführer das Bürofachdiplom VSH (Urk. 8/108), wogegen die Umschulung zum Kauf
mann
mit Verfügung vom 10. Apri
l 2007 (Urk. 8/117) abgebrochen wurde.
Den Akten lässt sich sodann erst wieder eine Anstellung als Sachbearbeiter bei der
Q._
für die Zeit vom 1. Februar 2010 bis 30. Novem
ber 2011 entnehmen (Urk. 8/124, Urk.
8/128
, Urk. 8/138
).
Zuletzt war
d
er
Beschwerdeführer
ab dem
1. Mai 2013 bis
zu dem
am
31. Mai 2013
erlittenen Unfall
als Kurier für die
R._
tätig
(vgl. Urk. 8/140 S. 1
; vgl. auch SUVA-Akten, Urk. 8/162
).
Seither lässt sich den Akten keine
weitere
Tätigkeit mehr entnehmen.
Unter Berücksichtigung dieser
Erwerbsbiographie
rechtfertigt es sich
,
sowohl für die Berechnung des Validen- als auch des Invalideneinkommens auf die sta
tistischen Werte der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizeri
schen Lohnstrukturerhebung (LSE) und dabei
auf denselben Tabellenlohn, näm
lich jeweils
auf den Zentralwert für mit einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art beschäftige Männer im privaten Sektor (vgl. LSE 2012,
S.
35, Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1)
, abzustellen
.
Somit kann aus
nahmsweise von der ärztlich geschätzten
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
ohne
Weiteres
unter Berücksichtigung eines allfälligen leidensbedingten Abzuges (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75) -
auf einen entsprechenden Invaliditätsgrad geschlossen und damit ein Prozentvergleich vorgenommen werden (Urteil des Bundesge
richts 8C_450/
2014 vom 24. Juli 2014 E. 7.3).
5.4
Aufgrund des aus psychiatrischer Sicht einschränkend
en Belastungsprofils, wonach dem
Beschwerdeführer
nur Tätigkeiten im kaufmännischen Bereich
zumutbar seien
, in denen er keinen oder nur sporadisch
en
Kundenkontakt und e
ine ruhige Arbeitsumgebung
sowie
wohlwollende Vorgesetzte und Kollegen
und
klar vo
rgegebene
Strukturen
habe
(vgl. Urk. 22 S. 55 Ziff. 2.1)
,
sowie
der Tatsa
che, dass
er
nur noch teilzeitlich in einem
sehr
tiefen Pensum von 40 % erwerbstätig sein kann, erscheint vorliegend ein Abzug vom Tabellenlohn von 15 % als angemessen.
Folglich entsp
richt das mit der attestierten Resta
rbeitsfähigkeit von 40 % erziel
bare Invalideneinkommen 34 % des
Valideneinkommens
(40 % x 0.85), womit die Einkommenseinbusse und damit der Invaliditätsgrad 66 % beträgt. Der Beschwerdeführer hat somit Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der Invaliden
versicherung (vgl. vorstehend E. 1.2).
6.
6.1
Der Rentenanspruch besteht frühestens ab dem 1.
Mai
2014
(vorstehend E. 5.2
). Zu prüfen ist demnach, ob in den zwölf vorangegangenen Monaten – dem Wartejahr – eine Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich 40 % „ohne wesentli
chen Unterbruch“ ausgewiesen war (vorstehend E. 1.2). Die Wartezeit wird unterbrochen, wenn der Versicherte an mindestens 30
aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29ter der Verordnung über die Invalidenversi
cherung, IVV).
6.2
In den Akten finden sich mehrere Arbeitsunfähigkeitszeugnisse
verschiedener
Ärzte, wonach für die Zeit vom 31. Mai bis 30. August 2013 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen
habe (vgl. Urk. 8/134). Dem Unfallschein ist eine ununterbrochene 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 31. Mai 2013 bis 21. Februar 2014 zu entnehmen (
vgl.
Urk. 8/162/39). Auch dem Bericht von Dr.
G._
vom 22. Januar 2014 ist zu entnehmen, dass in der bisherigen Tätigkeit seit dem 31.
Mai 2013 eine andauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege (vgl. Urk.
8/145 S. 3 Ziff. 1.6-1.7). Am 7. April 2014 gab Dr.
H._
an, dass er zwar kein Arbeitsunfähigkeitszeugnis ausgestellt habe, da der Beschwerdeführer kei
nes
benötigt habe
, allerdings sei die bisherige Tätigkeit im Herbst 2013/Januar 2014 sicher
lich
nicht zumutbar gewesen (vgl. Urk. 8/147/1-4 = Urk. 8/177 S. 2 Ziff. 1.6-1.7). Die
MEDAS-Gutachter
hielten s
chliesslich
fest, dass der Grad der Arbeitsfähigkeit seit dem 31. Mai 2013 unverändert 40 %
betrage
(vgl. Urk.
8/160 S. 33 Ziff. 3.7). Zuletzt
bemerkte
Dr.
A._
, dass der Beschwerdeführer wahrscheinlich seit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit ein
geschränkt sei und die von ihr genannte Teilarbeitsfähigkeit seit September 2014 gelte (Urk. 22 S. 58 Ziff. 4).
6.3
Gestützt darauf besteht somit seit dem 31. Mai 2013 eine
das Wartejahr auslö
sende Arbeitsunfähigkeit, welche nicht mehr im Sinne von Art. 29
ter
IVV
unter
brochen wurde. Der Rent
enanspruch ist folglich ab dem 1. Mai 2014
gege
ben.
Mit dieser Feststellung und in Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung somit aufzuheben.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
1‘000
.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahre
ns sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
7
.2
Die Kosten der Begutachtung
durch Dr.
A._
in der Höhe von Fr. 9‘450.-- (Urk. 24) sind von der Beschwerdegegnerin zu tragen und somit
dem Gericht zurückzuerstatten, war doch der Sachverhalt im Zeitpunkt des
Verfü
gungserlasses
ungenügend erstellt.
Das Gericht
erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 14. August 2015 aufgehoben und es wird festgestellt, da
ss der Beschwerdeführer ab dem 1. Mai 2014
Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
1'000
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet
, der Gerichtskasse die Kosten für das
Gerichts
gutachten
im Betrag von Fr. 9‘450.
--
zu erstatten.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Stadt Zürich Soziale Dienste
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.