Decision ID: dbeca5b8-78ab-56f3-a954-9b54f974d02c
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A
A.aA._ wurde von ihrem Arbeitgeber, der Sekundarschulgemeinde B._, am 15.
Februar 2011 zur Früherfassung angemeldet (IV-act. 1). In ihrem Entlassungsbericht
vom 25. Januar 2011 (IV-act. 7) hatte die C._ ausgeführt, die Versicherte sei stationär
psychotherapeutisch-psychosomatisch behandelt worden. Sie leide an einer
mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) im Rahmen einer beruflichen und
persönlichen Überlastungssituation und an einer arteriellen Hypertonie. Es bestehe ein
histrionisches Interaktionsmuster mit ausgeprägter Suche nach Anerkennung und
Bestätigung. Die Stressbelastung finde vor allem auf der kardiovegetativen Ebene mit
Panikattacken, Hypertonus und Bruxismus Ausdruck. Die Behandlung habe die
depressive Symptomatik auf einen nicht klinischen Wert sinken lassen. Die spezifische
Burn-out-Diagnostik deute auf eine Typ A Leistungskomponente mit hohem Ehrgeiz
und Verausgabungsbereitschaft sowie auf eine bereits entwickelte
Erschöpfungssymptomatik mit Abbau von Lebensqualität und hoher
Resignationstendenz hin. Auffällig seien eine hohe emotionale Erschöpfung und eine
starke Leistungseinbusse. Die IV-Stelle forderte die Versicherte am 14. März 2011 auf,
ein Anmeldeformular auszufüllen (IV-act. 10). Dieser Aufforderung kam die Versicherte
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am 16. März 2011 nach (IV-act. 11). Dabei gab sie u.a. an, sie habe den Beruf der
D._ erlernt. Sie sei zu 50% erwerbstätig. Dr. med. E._ vom RAD notierte am 30.
März 2011 (IV-act. 16, 22), Dr. med. F._ und G._ hätten am 25./ 30. März 2011
angegeben, die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung (Burn-out) F. 43.2 (DD:
mittelgradige depressive Episode F32.1) bei einer ausgeprägten Persönlichkeit mit
perfektionistischen, leicht zwanghaften, aber leistungsorientierten und wenig flexiblen
Zügen (Z73.1) ohne schwerwiegende körperliche Erkrankungen, aber mit
psychosomatischen Reaktionen (Schwindel, Rückenschmerzen). Sie könne sich nicht
vorstellen, wieder an den bisherigen Arbeitsplatz zurückzukehren, werde aber wohl
wieder die volle Arbeitsfähigkeit erlangen. Mit einer Mitteilung vom 5. April 2011
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 21). Dr. F._ berichtete am 27. Juni 2011 (IV-act.
25), die Behandlung bestehe in einer psychotherapeutischen Begleitung und im
Erlernen von Copingstrategien. Die Versicherte könne sich vorstellen, an einer anderen
Arbeitsstelle tätig zu sein. Rein körperlich sei sie bei einer Erwerbstätigkeit nicht
beeinträchtigt. Eingeschränkt seien das Konzentrationsvermögen, das
Auffassungsvermögen, die Anpassungsfähigkeit und die Belastbarkeit. Der
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 26. Juli 2011 (IV-act. 33), die
Versicherte traue sich keine Erwerbstätigkeit mehr zu. Sie sei froh, wenn sie den Alltag
bewältigen könne. Bei guter Gesundheit würde sie weiterhin zu 50% arbeiten. Mit einer
Mitteilung vom 23. September 2011 verneinte die IV-Stelle erneut einen Anspruch der
Versicherten auf berufliche Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 36). Am 13. Oktober
2011 erliess sie eine mit „zurzeit kein Anspruch auf eine Invalidenrente“ überschriebene
Verfügung, da das Wartejahr noch nicht abgelaufen war (IV-act. 38).
A.bDie Sekundarschulgemeinde B._ berichtete am 18. Oktober 2011 (IV-act. 39), sie
beschäftige die Versicherte als Sekretärin. Der Lohn betrage bei einem
Beschäftigungsgrad von 50% seit dem 1. Januar 2011 Fr. 41‘136.50. Am 5. Dezember
2011 gab die Versicherte erneut an (IV-act. 40), dass sie ohne Behinderung zu 50%
erwerbstätig wäre. Sie hielt weiter fest, wegen Rückenproblemen sei ihr längeres
Stehen nur erschwert möglich. Ihr Ehemann helfe im Haushalt. Dr. F._ berichtete am
13. Dezember 2011 (IV-act. 41), es sei neu ein progressives Lumbovertebralsyndrom
mit Ischialgie links hinzugekommen. Die Psychotherapeutin G._ teilte am 12. Januar
2012 mit (IV-act. 42), die psychosomatischen Beschwerden (muskuläre
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Verkrampfungen, Kopf- und Rückenschmerzen) hätten sich teilweise gebessert. Weiter
vorhanden seien die schnelle Ermüdbarkeit, das Gefühl, einer komplexen Arbeit nicht
mehr gewachsen zu sein, die Dünnhäutigkeit sowie die Anfälligkeit für
Erkältungskrankheiten und Rückenschmerzen. Am 26. April 2012 gab F._ ergänzend
an (IV-act. 47), geblieben seien eine ausgeprägte Schlaflosigkeit, eine erhöhte
Ermüdbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Hinzu gekommen seien somatische
Beschwerden: Bronchitis mit Rückfällen, Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das
Bein und eine eitrige Entzündung des Fusses. Die Versicherte sei unfähig, im
komplexen Umfeld ihres Berufes zu arbeiten. Der neue Hausarzt, Dr. med. habil. H._,
berichtete am 8. Juni 2012 (IV-act. 51), die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar.
Am 29. Oktober 2012 erfolgte eine Haushaltabklärung. Gemäss dem entsprechenden
Bericht (IV-act. 56) gab die Versicherte dabei an, sie würde zu 50% einer
Erwerbstätigkeit nachgehen, wenn sie gesund wäre. Ihr Ehemann beziehe eine
monatliche AHV-Rente von Fr. 1‘837.-. Er bezahle seiner geschiedenen Ehefrau
Unterhaltsleistungen von Fr. 1‘600.- monatlich. Zudem müsse er die Hälfte des Wertes
des Hauses auszahlen. Bei der Haushaltführung (2,97%), bei der Ernährung (50,50%),
bei der Wäsche/Kleiderpflege (8,71%) und bei (nicht definierten) weiteren Tätigkeiten
(0,40%) bestehe keine Einschränkung. Bei der Wohnungspflege (13,07%) und beim
Einkauf (6,53%) betrage die Einschränkung 20%. Bei der Betreuung des Enkelkindes
(17,82%) sei sie zu 100% eingeschränkt. Die Abklärungsperson hielt im Bericht fest,
dass sämtliche Einschränkungen mit Ausnahme der Betreuung des Enkelkindes durch
den Ehemann der Versicherten kompensiert werden könnten. Deshalb betrage die
Invalidität im Haushalt nur 17,82% bzw. aufgrund des Haushaltspensums von 50% nur
8,91%.
A.cDie IV-Stelle gab eine rheumatologische und psychiatrische Abklärung in Auftrag
(IV-act. 59). Dr. med. I._, Rheumatologie und Innere Medizin FMH, und Dr. med.
J._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, beide zertifizierte medizinische Gutachter
SIM, führten in ihrem Gutachten vom 25. Juni 2013 aus (IV-act. 74), die Versicherte
leide an einem lumbospondylogenen Syndrom bds. mit/bei degenerativen
Veränderungen der LWS und St. n. Dekompression, an einer depressiven Störung,
aktuell mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD 10: F32.11) und – ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an einer PHS calcarea links, aktuell klinisch stumm,
an einer Persönlichkeitsakzentuierung mit zwanghaften, perfektionistischen Zügen (Z
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73.1) und an einem Erschöpfungssyndrom (Z 73.0). Sie führten dazu aus, das
lumbospondylogene Syndrom bds. limitiere die Belastbarkeit in körperlich schwereren,
wirbelsäulenbelastenden Tätigkeiten (längerdauernde Haltungsmonotonien, z.B. Arbeit
am PC ohne Ausgleichspositionen). Die aktuelle Ausprägung der somatischen Situation
habe aber nie ein die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigendes Ausmass der Beschwerden
erreicht. Es gebe keine klinischen Anhaltspunkte für eine Kompromittierung
neuromeningealer Strukturen. Das gelte auch für eine allfällige psoriasisassoziierte
entzündliche Gelenkserkrankung i.S. einer Spondarthropathie. Eine in den früheren
Röntgenbildern dokumentierte Periarthropathia humero-scapularis calcarea sei derzeit
klinisch stumm. Aus psychiatrischer Sicht seien die Diagnosen in den Vorberichten
durchgängig einheitlich gewesen. Der Versicherten sei stets ein hoher
Leistungsanspruch attestiert worden, was bei Personen mit einem Burn-out häufig sei.
Die affektive Beteiligung sei entweder als Anpassungsstörung oder als mittelgradige
Depression interpretiert worden, was in der aktuellen Untersuchung habe bestätigt
werden können. Die komplexen Ich-Funktionen (Realitätsprüfung und Urteilsbildung,
Beziehungsfähigkeit und Kontaktgestaltung, Affektsteuerung und Impulskontrolle,
Selbstwertregulation und Regressionsfähigkeit, Intentionalität und Antrieb,
Abwehrorganisation) seien erhalten, auch wenn insbesondere die
Selbstwertregulierung aufgrund der affektiven Störung vermindert sei. Da die affektive
Beteiligung auf einem mittelgradigen Niveau anzusiedeln sei, sei die Arbeitsfähigkeit
nicht vollständig aufgehoben. Obwohl als Folge der fast dreijährigen Pause im
Erwerbsleben eine deutliche Entspannung eingetreten sei, befinde sich die Versicherte
immer noch in einem fragilen Zustand, in dem es nur wenige äussere
Belastungsfaktoren brauche, um sie erneut dekompensieren zu lassen. In Bezug auf
die Arbeitsfähigkeit hielt der rheumatologische Sachverständige fest, in der zuletzt mit
einem 50%-Pensum ausgeübten Sekretariatsarbeit und in vergleichbaren körperlich
leicht bis mittelschwer belastenden Tätigkeiten in wirbelsäulenadaptierten
Wechselpositionen sei die Versicherte voll arbeitsfähig. Der psychiatrische
Sachverständige gab an, die Versicherte sei bezogen auf ein 100%-Arbeitspensum und
unabhängig vom letzten Beschäftigungsgrad zu rund 60% arbeitsfähig. Adaptiert seien
Tätigkeiten an einem ruhigen Arbeitsort ohne übermässigen Kundenkontakt. Aus
bidisziplinärer Sicht sei die Versicherte also zu 60% arbeitsfähig. Die Einschränkung
von 18% im Haushalt sei nachvollziehbar, da die Versicherte so ausreichend Zeit habe,
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den Haushalt langsam und stückweise zu erledigen. Die RAD-Ärztin Dr. med. K._
notierte am 10. Juli 2013 (IV-act. 76-2), die Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode sei anhand des Gutachtens vom 25. Juni 2013 nicht nachvollziehbar. Sie
empfahl, das psychiatrische Teilgutachten anzufordern. In diesem Teilgutachten (IV-
act. 75) hatte der psychiatrische Sachverständige u.a. ausgeführt, im klinischen
Gespräch habe er leichte Einschränkungen der Aufmerksamkeit und der
Konzentrationsfähigkeit festgestellt. Affektiv habe sich die Versicherte deprimiert und
niedergeschlagen mit geringer Modulationsfähigkeit gezeigt. Sie sei aufgrund ständiger
Überforderungsgefühle allgemein rasch erschöpfbar. Vorherrschend seien Anhedonie
und Adynamie, Störung der Vitalgefühle und Verlust des Selbstwertgefühls. Die
Versicherte habe starke Existenzängste geäussert. Psychomotorisch bestehe eher eine
Antriebsminderung bei innerer Unruhe, Nervosität und Anspannung. Psychovegetativ
bestünden Einschlafstörungen mit Gedankenkreisen und Grübelzwang. Es gebe
Hinweise auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit zwanghaft perfektionistischen
Anteilen. Das Beck-Depressions-Inventar habe einen stark erhöhten Wert ergeben, der
subjektiv auf eine schwere depressive Symptomatik hinweise. Die Hamilton
Depressionsskala habe einen Wert gezeigt, der auf eine mittelgradige Depression
hinweise. Auch das Instrument SCL 90-R habe erhöhte Werte ergeben. Dr. K._ vom
RAD hielt dazu am 17. September 2013 fest (IV-act. 76-3), die attestierte 40%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nun aus versicherungsmedizinischer Sicht
nachvollziehbar.
A.dDie IV-Stelle ermittelte den Invaliditätsgrad der Versicherten anhand der
sogenannten gemischten Methode (IV-act. 78-2). Sie verglich ein Valideneinkommen
von Fr. 41‘136.- bei einem Beschäftigungsgrad von 50% mit einem zumutbaren
Invalideneinkommen bei einem Beschäftigungsgrad von 50% von ebenfalls Fr.
41‘136.-. Im erwerblichen Bereich resultierte also keine Invalidität. Für den
Haushaltsbereich übernahm sie den Invaliditätsgrad von 8,91% bzw. aufgerundet 9%
aus dem Abklärungsbericht. Mit einem Vorbescheid vom 2. Oktober 2013 teilte sie der
Versicherten mit (IV-act. 80), dass sie deren Rentengesuch abweisen werde, weil der
Invaliditätsgrad lediglich 9% betrage. Die Versicherte liess am 12. November 2013
einwenden (IV-act. 86), nebst der Arbeitsunfähigkeit von 40% aufgrund der
mittelgradigen Depression müsse auch noch das Erschöpfungssyndrom beachtet
werden, das aufgrund der Depression nicht überwunden werden könne. Die
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Restarbeitsfähigkeit könne auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr verwertet
werden. Was ein übermässiger Kundenkontakt sei, bleibe unklar. Es seien keine
Sekretariatsarbeiten denkbar, an denen kein Kundenkontakt bestehe. Mit einer
Verfügung vom 22. November 2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act.
87). Sie wies zur Begründung insbesondere darauf hin, dass es im kaufmännischen
Bereich durchaus Tätigkeiten ohne übermässigen Kundenkontakt gebe.
B.
B.aDie Versicherte (im Folgenden: die Beschwerdeführerin) liess am 17. Januar 2014
Beschwerde erheben und die Zusprache einer halben Invalidenrente, eventualiter die
Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die IV-Stelle (im Folgenden: die
Beschwerdegegnerin) beantragen (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter machte geltend, der
somatische Teil des Gutachtens sei widersprüchlich, weil angegeben werde, das
beidseitige lumbospondylogene Syndrom habe Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit,
in der Beurteilung aber keine Auswirkungen angenommen würden. Das psychiatrische
Teilgutachten bejahe die Arbeitsfähigkeitsrelevanz der mittelgradigen depressiven
Störung und verneine sie für die Persönlichkeitsakzentuierung und das
Erschöpfungssyndrom. Der Sachverständige habe diese Abweichung von früheren
ärztlichen Berichten nicht begründet. Das Gutachten sei deshalb lückenhaft. Im
Rahmen der Foerster’schen Kriterien sei die mittelgradige depressive Episode nicht
berücksichtigt worden. Sie sei aber eine Komorbidität von erhebliche Schwere,
Intensität und Dauer. Sie sei nicht überwindbar, zumal noch die Schlafstörung mit der
entsprechend deutlich reduzierten Belastbarkeit, den Konzentrationsschwierigkeiten
und der Überforderung hinzukomme. Da die Beschwerdeführerin erheblich
beeinträchtigt sei und kurz vor dem Pensionierungsalter stehe, gebe es keine Stellen
mehr, an denen sie ihre Restarbeitsfähigkeit verwerten könnte.
B.bDie Beschwerdegegnerin beantragte am 11. März 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie verwies darauf, dass die Beschwerdeführerin sich nicht
gegen die Anwendbarkeit der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung
gewendet habe. Angesichts der harmlosen pathologischen Befunde im somatischen
Bereich leuchte ein, dass die Leistungsfähigkeit qualitativ nicht eingeschränkt sei. Da
die mittelgradige Depression medikamentös behandelt werden könnte, vermöge sie
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„rechtlich [...] keine Invalidität zu begründen“. Der Bericht über die Haushaltabklärung
sei beweiskräftig. Deshalb betrage der Gesamtinvaliditätsgrad 9%.
B.cDie Beschwerdeführerin liess am 12. Mai 2014 einwenden (act. G 8), das Gutachten
sei in Bezug auf die Auswirkung des lumbospondylogenen Syndroms auf die
Arbeitsfähigkeit widersprüchlich und deshalb nicht verwertbar. Zudem sei kein
Burnout, sondern eine depressive Störung diagnostiziert worden. Therapeutisch habe
sie alles versucht. Der psychiatrische Sachverständige habe angegeben, dass sie trotz
der konsekutiv ausgebauten Psychotherapie nicht wieder in den Arbeitsprozess habe
integriert werden können.
B.dDie Beschwerdegegnerin verzichtete am 26. Mai 2014 auf eine Stellungnahme (act.
G 10).
B.eDie Beschwerdeführerin liess einen Bericht von G._ vom 26. Mai 2014 einreichen
(act. G 12.1), laut dem sie gegen Ende des Jahres 2011 das Antidepressivum langsam
abgebaut hatte, was ihren Gesundheitszustand nicht verschlechtert hatte. Im
anschliessenden therapeutischen Prozess waren wichtige Themen aktiv angegangen
worden.

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60%
besteht ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Die Invalidität kann die Folge
eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit oder eines Unfalls sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Sie besteht in der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit dauernden ganzen oder
teilweisen Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
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verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Volljährige, die
vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden
kann, gelten als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8 Abs. 3 ATSG; siehe auch Art. 5 Abs. 1 IVG). Bei
nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die
Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in
welchem Mass sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig (gewesen) sind, wird die Invalidität
für diesen Teil nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im
Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Absatz 2
festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der
Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ist in beiden
Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
2.
Die Wahl der Methode zur Bemessung des Invaliditätsgrades hängt vom sogenannten
Status ab, d.h. es ist zu untersuchen, ob die Beschwerdeführerin bei
uneingeschränkter Gesundheit zu 100% erwerbstätig oder teils im Erwerb und teils im
(eigenen) Haushalt tätig wäre. Ist letzteres der Fall, ist der Anteil der Erwerbstätigkeit
(bezogen auf eine Normarbeitszeit) zu ermitteln. Die Beschwerdeführerin hat bereits im
Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt (vgl. IV-act.
40-2) angegeben, dass sie ohne Behinderung zu 50% als Schulsekretärin tätig wäre.
Anlässlich der Haushaltabklärung hat sie diese Aussage offenbar wiederholt, auch
wenn im entsprechenden Bericht nur protokolliert worden ist, sie ginge zu 50%
(irgend-) einer Erwerbstätigkeit nach (vgl. IV-act. 56-3). Ob die Beschwerdeführerin sich
bei dieser Auskunft tatsächlich auf die fiktive Situation einer vollständig erhaltenen
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Gesundheit bezogen hat, steht nicht mit Sicherheit fest. Gemäss ihrer Schilderung in
der Stellungnahme zum Bericht über die Haushaltabklärung (vgl. IV-act. 56-8) hat die
Beschwerdeführerin nämlich nach der Scheidung im Jahr 1991 eine Vollzeitstelle
angenommen und erst im Jahr 2001, „als die Kräfte [...] ständig nachliessen und die
somatischen Beschwerden zunahmen“, zuerst eine einjährige Auszeit genommen und
dann eine 40%-Stelle angetreten und diese dann auf 50% aufgestockt. Es bestehen
damit Indizien für die Annahme, dass die Beschwerdeführerin die Frage nach dem
Ausmass der Erwerbstätigkeit im fiktiven „Gesundheitsfall“ falsch verstanden und sich
auf die Zeit vor dem Burn-out und nicht auf die Zeit vor dem ersten Auftreten
somatischer und psychischer Beschwerden bezogen hat, um sich vorzustellen, wie ihre
Erwerbssituation wäre, wenn sie gesund geblieben wäre. Hinzu kommen die
finanziellen Schwierigkeiten, in denen der Ehemann der Beschwerdeführerin steckt.
Dies spricht ebenfalls für die Annahme, die Beschwerdeführerin würde zu 100% als
Schulsekretärin arbeiten, wenn sie noch ganz gesund wäre. Die Frage nach dem
hypothetischen Ausmass der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall kann indessen offen
bleiben, da sie für die Beurteilung der Statusfrage nach der gesetzlichen Regelung von
Art. 8 ATSG, die sich u.a. an der objektiven Zumutbarkeit orientiert, keine Relevanz
besitzt (vgl. nachstehende E. 3.2.4).
3.
3.1Nun hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte aber in einem
unterdessen rechtskräftigen Urteil di Trizio vs. Schweiz vom 2. Februar 2016
(application no. 7186109) in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur gemischten
Methode eine Verletzung von Art. 14 (Diskriminierungsverbot) i.V.m. Art. 8 (Recht auf
Achtung des Privat- und Familienlebens) der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) erkannt (vgl. die Wiedergabe
der entsprechenden Erwägungen des Europäischen Gerichtshofes in der E. 2.1.1 des
Entscheides des Versicherungsgerichtes St. Gallen vom 24. Mai 2016, IV 2014/125). In
der früheren kantonalen Rechtsprechung insbesondere des Versicherungsgerichtes
des Kantons St. Gallen (vgl. etwa den Entscheid des Versicherungsgerichtes des
Kantons St. Gallen vom 9. August 2005, IV 2005/21 E. 6) und in der Lehre (jüngst
Susanne Leuzinger-Naef, Gesetzgeberischer Handlungsbedarf beim
Bundesgerichtsgesetz, in: plädoyer 2/16, S. 43; siehe auch u.a. Hans-Jakob Mosimann
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mit einer kritischen Besprechung von BGE 125 V 146, in AJP 2/2000, S. 213 ff.,
Alexandra Rumo-Jungo, Ausgewählte Gerichtsentscheide aus dem
Sozialversicherungsrecht im Zusammenhang mit Teilzeitarbeitsverhältnissen, in:
Freiburger Sozialrechtstag 1996, Bern 1996, S. 187 ff., Susanne Leuzinger,
Sozialversicherungsrechtliche Probleme flexibilisierter Arbeitsverhältnisse, in:
Freiburger Sozialrechtstag 1996, Bern 1996, S. 91 ff.; Franz Schlauri, Das Rechnen mit
der Arbeitsunfähigkeit in Beruf und Haushalt in der gemischten Methode der
Invaliditätsbemessung, Referat anlässlich der Sozialversicherungsrechtstagung vom
25. und 26. Juni 2003 in Luzern, publ. in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und
Arbeitsunfähigkeit, S. 307 ff.) ist die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur
gemischten Methode seit langem kritisiert worden, allerdings i.d.R. nicht unter dem
Aspekt der EMRK-Widrigkeit (vgl. allerdings Edgar Imhof, Die Bedeutung
menschenrechtlicher Diskriminierungsverbote für die soziale Sicherheit, in Jusletter
7.2.2005, S. 7 f.), sondern unter dem Aspekt der Gesetzes- und Verfassungswidrigkeit.
Die Feststellung der EMRK-Widrigkeit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung durch
den Europäischen Gerichtshof zwingt dazu, die Gesetzes- und Verfassungskonformität
erneut zu thematisieren, denn es ist davon auszugehen, dass diese EMRK-Widrigkeit
nur auf eine Fehlinterpretation der Gesetzesbestimmungen zur Invaliditätsbemessung
durch das Bundesgericht zurückzuführen ist.
3.2Bei der Interpretation der Art. 7, 8 und 16 ATSG sowie 28 und 28a IVG ist zu
beachten, dass es sich bei der Invalidenversicherung um eine Volksversicherung
handelt. Versichert sind gemäss Art. 1b IVG i.V.m. Art. 1a und 2 AHVG grundsätzlich
alle Personen, die in der Schweiz wohnen. Versichert sein bedeutet, Prämien zu
bezahlen, um bei Eintritt eines bestimmten Risikos und damit eines Schadens eine
Versicherungsleistung zu erhalten, die diesen Schaden ganz oder wenigstens teilweise
deckt. Das IVG enthält einen Katalog von Leistungen, was bedeutet, dass es eine
Reihe korrespondierender Risiken geben muss. Hinter jedem dieser Risiken steht ein
bestimmtes versichertes Gut. Die Versicherungsleistung "Invalidenrente" ist dazu
bestimmt, den Schaden "Invalidität" (Art. 8 ATSG) zu decken. Der Art. 1b IVG, der den
Kreis der versicherten Personen definiert, unterscheidet nicht zwischen erwerbstätigen,
nicht erwerbstätigen und im Aufgabenbereich tätigen Personen. Das lässt darauf
schliessen, dass alle gemäss Art. 1b IVG versicherten Personen gegen alle mit dem
Leistungskatalog des IVG korrespondierenden Risiken bzw. Schäden versichert sind,
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d.h. einen Anspruch auf die entsprechende Versicherungsleistung haben. Das gilt
notwendigerweise auch für die Leistung "Invalidenrente". Wenn trotz der allgemeinen
Versicherungspflicht für alle mit dem Leistungskatalog des IVG korrespondierenden
Risiken eine bestimmte Gruppe von Versicherten von der Versicherung bezogen auf
eine bestimmte Leistungsart ausgeschlossen sein soll, dann muss das also durch die
spezifischen gesetzlichen Bestimmungen zu dieser Leistungsart ausdrücklich
angeordnet werden. Da die gesetzlichen Bestimmungen über die Beitragspflicht in der
Invalidenversicherung nicht zwischen Versicherten, die für alle Risiken Beiträge
bezahlen, und Versicherten, die nur für einen Teil der Risiken Beiträge bezahlen,
unterscheidet, da also jede versicherte Person für alle Risiken Beiträge bezahlt, kann
ein Ausschluss eines Teils der Versicherten von einem bestimmten Risiko bzw. von
einer bestimmten Leistungsart kaum begründet werden. Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung zur gemischten Methode hat erfahrungsgemäss zur Folge, dass
teilarbeitsunfähige Versicherte kaum je einen Anspruch auf eine Invalidenrente
begründen, obwohl sie – bei gleichem Arbeitsunfähigkeitsgrad – bei einem reinen
Einkommensvergleich oder einem reinen Bestätigungsvergleich einen Rentenanspruch
hätten. Selbst wenn die gemischte Methode bei einer teilarbeitsunfähigen Person
ausnahmsweise einen Rentenanspruch entstehen lässt, liegt der Invaliditätsgrad immer
deutlich unter demjenigen, der bei einem reinen Einkommens- oder einem reinen
Betätigungsvergleich resultiert hätte. Zu prüfen ist demnach, ob die Bestimmungen
über die Leistungsart "Invalidenrente" tatsächlich eine derartige Benachteiligung
(Versicherungsausschluss oder zumindest Leistungsreduktion) derjenigen Versicherten
vorsehen, die bei (fiktiv) nicht beeinträchtigter Gesundheit nur teilerwerbstätig und im
Übrigen im Aufgabenbereich tätig wären.
3.2.1Das versicherte Risiko bzw. der Schaden, der durch die Invalidenrente gedeckt
wird, ist die Invalidität (Art. 8 ATSG), genauer die Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 1
ATSG), also der voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
Das versicherte Gut, das bei Eintritt des Risikos beschädigt wird, ist also
notwendigerweise die Erwerbsfähigkeit (Art. 7 Abs. 1 ATSG e contrario). Im
Zusammenhang mit der Leistungskategorie "Invalidenrente" ist somit nicht die
Erwerbstätigkeit, sondern die Erwerbsfähigkeit versichert. Jede versicherte Person,
unabhängig davon, ob sie jemals eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, verfügt über ein
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ökonomisch bestimmbares Erwerbspotenzial auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt,
das die Invalidenversicherung versichert. Der versicherte Schaden bzw. der versicherte
(gesundheitsbedingte) Verlust an Erwerbsmöglichkeiten ist damit unabhängig von der
vor oder nach Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung tatsächlich auf dem (nicht
ausgeglichenen) Arbeitsmarkt eingesetzten Erwerbs- bzw. Arbeitsleistung. Selbst wenn
die (voll oder teilweise) invalide Person auch ohne den Gesundheitsschaden keiner
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit mehr nachgehen würde, besteht für sie dennoch ein
Verlust an Erwerbspotenzial und es ist ihr nicht mehr möglich, das Erwerbspensum
über die verbleibende Resterwerbsfähigkeit hinaus zu steigern bzw. es zu einem
späteren Zeitpunkt wieder auszudehnen. Dieser Schaden wird von der
Erwerbsunfähigkeit vollumfänglich erfasst. Anschaulich ist die Bestimmung der
Erwerbsunfähigkeit in der Unfallversicherung, wo das Valideneinkommen in jedem Fall
auf eine vollzeitliche Tätigkeit aufgerechnet wird (Urteil des Bundesgerichts vom
14. April 2008, 8C_664/2007, E. 7.2.4 mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur)
und demnach unabhängig vom tatsächlich ausgeübten Erwerbspensum immer ein
identischer Schaden bzw. eine identische Erwerbsunfähigkeit der versicherten Person
resultiert, wie es die Schadenskonzeption von Art. 8 ATSG (i.V.m. Art. 18 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]) vorsieht. So können
namentlich spätere Veränderungen des (fiktiven) Erwerbspensums (z.B. infolge
Scheidung) keine Auswirkungen auf die rentenrelevante Erwerbsunfähigkeit haben.
3.2.2 Dieser Interpretation des Begriffs der Erwerbsfähigkeit entsprechend und in
Nachachtung des Charakters einer Volksversicherung (und nicht nur einer
Erwerbstätigenversicherung) wurde bei der Schaffung des IVG klar festgehalten, dass
der massgebende Schaden auch bei Nichterwerbstätigen die Erwerbsunfähigkeit bilde
(BBl 1958 II S. 1162; vgl. auch den Bericht der Eidgenössischen Expertenkommission
für die Einführung der Invalidenversicherung vom 30. November 1956, S. 27). Im
genannten Bericht der Expertenkommission war diesbezüglich etwa für den
„Privatier“ (also ein Versicherter, der von seinen Kapitaleinkünften lebt) ausdrücklich
festgehalten, bei der Invaliditätsbemessung dürfe nicht ausschlaggebend sein, dass er
es nicht nötig habe, seine Arbeitskraft zu verwerten, oder dass er dies nicht tun wolle.
Auch bei ihm sei von der (qualifizierten) Erwerbsunfähigkeit auszugehen. In der Frage
der zumutbaren Erwerbstätigkeit seien die Ausbildung, die soziale Stellung und der
Ortsgebrauch angemessen zu berücksichtigen (S. 118 des Berichts). Auch für sog.
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Haustöchter, also für unverheiratete, bei den Eltern lebende und nicht erwerbstätige
erwachsene Töchter, wurde die Notwendigkeit eines Abweichens von der
rentenspezifische Invalidität in der Form der Erwerbsunfähigkeit explizit verneint mit
dem Hinweis, diesen Versicherten könne die wirtschaftliche Verwertung ihrer
Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zugemutet werden (S. 118 des
Berichts). Auch bei Hausfrauen, die neben der Besorgung des Haushalts regelmässig
berufstätig sind, ist gemäss dem Bericht der Expertenkommission ebenfalls von der
Erwerbsunfähigkeit auszugehen, was damit begründet worden war, dass das Ausmass
der Erwerbsunfähigkeit aufgrund des Erwerbseinkommens vor der Invalidierung leicht
bestimmbar sei und dass auch die Zumutbarkeit einer arbeitsmarktlich relevanten
Erwerbstätigkeit zu bejahen sei. Die Hausfrauen gälten also als Erwerbstätige und
interessierten daher in diesem Kontext nicht weiter (S. 116 f. des Berichts). Trotzdem
sollte für ausschliesslich im Haushalt tätige Hausfrauen („Nur-Hausfrauen“) ein
Abweichen von der für Rentenleistungen massgebenden Erwerbsunfähigkeit
ausnahmsweise zulässig sein, doch selbst dies nur unter der Bedingung, dass sie vor
Eintritt der Invalidität nicht erwerbstätig gewesen waren und ihnen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden konnte. Diese Ausnahme vom
Schadenskonzept der Erwerbsunfähigkeit wurde allein sozial- bzw.
gesellschaftspolitisch mit der damaligen „Bedeutung des Familienlebens“ begründet
(BBl 1958 II S. 1162; vgl. auch den Bericht der Expertenkommission, S. 116: Einer
invaliden Hausfrau solle die Invalidenrente nicht etwa deswegen verweigert werden,
weil es ihr vielleicht möglich wäre, ihr in einer mit dem Rollstuhl erreichbaren Fabrik
eine leichte Arbeit zuzuweisen. „Eine solche Regelung widerspräche der Bedeutung,
die man in der Schweiz dem Familienleben beimisst.“). Die Ausnahmeregelung, also
das Abweichen vom Begriff der Erwerbsunfähigkeit, sollte ferner für Klosterfrauen und
Mönche gelten. Diesen könne die Verwertung ihrer Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt
grundsätzlich nicht zugemutet werden, weshalb hier wie bei den Nur-Hausfrauen,
denen die Erwerbsaufnahme nicht zumutbar wäre, das Mass der Unfähigkeit, die Arbeit
im Aufgabenbereich weiter auszuführen, relevant ist (vgl. S. 117 f. des Berichts).
3.2.3Die Erwerbsunfähigkeit als der für die Rentenleistungen massgebende Schaden
(Invalidität) sowie die beiden kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für ein
Abweichen davon fanden Eingang in die gesetzliche Regelung. Unter dem Randtitel
„Begriff der Invalidität 1. Grundsatz“ definierte aArt. 4 IVG (ursprüngliche und bis
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31. Dezember 1987 gültige Fassung; im Rahmen der 2. IV-Revision [Inkrafttreten am
1. Januar 1988] wurde zur „Modernisierung der äusseren Gestalt des Gesetzes“ eine
geringfügige, rein redaktionelle Veränderung der Überschriften vorgenommen, die bis
zum 31. Dezember 2002 Gültigkeit hatte; siehe BBl 1985 I 68) die Invalidität als „die
durch einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit“. Dem Grundsatz beigefügt wurde aArt. 5
Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 1987 gültigen Fassung) mit dem Randtitel
„2. Sonderfälle“, was den vom Gesetzgeber bezweckten Ausnahmecharakter
bekräftigte (in der vom 1. Januar 1988 bis 31. Dezember 2002 gültigen Fassung:
„Sonderfälle“). Der diesbezüglich klare Wortlaut nahm die gesetzgeberische Absicht
gemäss den vorstehend dargestellten Gesetzgebungsmaterialien auf, dass bei
Nichterwerbstätigen ausschliesslich dann nicht auf die Erwerbsunfähigkeit als
rentenmassgebender Schaden abzustellen sei, wenn „ein volljähriger Versicherter vor
Eintritt der Invalidität nicht erwerbstätig“ war und ihm „die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden“ könne. Abgesehen von unwesentlichen
redaktionellen Veränderungen wurde die Regelung von aArt. 4 und 5 IVG im ATSG
fortgeführt (siehe Art. 8 Abs. 1 und 3 ATSG). Damit sind auch unter der Herrschaft des
ATSG die seit Inkrafttreten des IVG geltenden Grundsätze zur rentenbegründenden
Invalidität in der Invalidenversicherung massgebend, worauf im Rahmen der Materialien
zur 4. IV-Revision ausdrücklich hingewiesen worden ist („Unter nicht erwerbstätigen
Versicherten werden die in Artikel 8 Absatz 3 ATSG erwähnten Personen verstanden,
[...]“; BBl 2001 3287). Die Einkommensvergleichsmethode „kommt grundsätzlich bei
allen Versicherten zur Anwendung, die vor Eintritt der Invalidität erwerbstätig waren,
sowie bei Versicherten, die zwar vor Eintritt der Invalidität nicht erwerbstätig waren,
denen aber die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zugemutet werden könnte“ (BBl 2001
3267). In der Botschaft zur 5. IV-Revision ist der Hinweis auf Art. 8 Abs. 3 ATSG
wiederholt worden. Weiter ist ausgeführt worden, der Erwerbsunfähigkeit gleichgestellt
sei die Unfähigkeit, sich im „bisherigen Aufgabenbereich“ zu betätigen (BBl 2005 4527).
Daran haben auch Art. 28a Abs. 2 und 3 IVG nichts geändert. Vielmehr bestätigt
Art. 28a Abs. 3 Satz 2 IVG das bisherige Konzept, dass die Unfähigkeit, im
Aufgabenbereich tätig zu sein, nur dann für die Schadensbestimmung relevant ist,
wenn die Versicherten (vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung) daneben
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auch im Aufgabenbereich tätig „waren“ und wenn, wie der Verweis auf Art. 28a Abs. 2
IVG zeigt, die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zumutbar ist.
3.2.4Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur gemischten Methode soll
zur Beantwortung der Statusfrage - entgegen der vorstehend dargelegten
grammatikalischen, historischen und systematischen Interpretation der massgebenden
Gesetzesbestimmungen – nur darauf abgestellt werden, welche Tätigkeit die
versicherte Person ausüben würde, wenn sie nicht in ihrer Gesundheit beeinträchtigt
wäre (BGE 125 V 150 und 133 V 504). Das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen hat diese durch nichts gestützte Auslegung bereits früher widerlegt (vgl. etwa
den unter www.gerichte.sg.ch abrufbaren Entscheid des Versicherungsgerichts vom
30. November 2007, IV 2006/175, E. 1b und 1c). Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung zur gemischten Methode lässt sich mit dem klaren Gesetzeswortlaut,
mit den Gesetzesmaterialien und mit dem System, insbesondere der für die
Invalidenrente von Gesetzes wegen massgebenden Schadenskonzeption (Priorität der
Erwerbsunfähigkeit auch für Nichterwerbstätige; Abweichung nur bei bestimmter
Kategorie von nicht erwerbstätigen Hausfrauen), wie sie sich klar aus den
Gesetzesmaterialien ergibt, nicht vereinbaren. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung
widerspricht aber auch dem Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung und sie führt
zu einer unzulässigen Ungleichbehandlung. Sie hat nämlich zur Folge, dass die als
alternative Methoden zur Ermittlung ein und desselben Invaliditätsgrades (durch einen
Einkommensvergleich oder durch einen Betätigungsvergleich) geschaffene Regelung
dazu führt, dass zwei Invaliditätsbegriffe entstehen, die sich nicht decken und die im
Einzelfall bewirken können, dass im konkreten Fall eine (fiktive) Veränderung des
(fiktiven) Sachverhalts („ohne Gesundheitsbeeinträchtigung“) zu einem Wechsel des
Invaliditätsbegriffs, damit zu einer Veränderung des versicherten Schadens, d.h. des
Invaliditätsgrades und schliesslich zu einer Erhöhung, zu einer Herabsetzung oder zu
einem Wegfall der Invalidenrente führt, obwohl sich die Gesundheitsbeeinträchtigung
als eigentliche Ursache des versicherten Schadens bzw. der Invalidität nicht verändert
hat. Die Gesetzesmaterialien enthalten keinen Hinweis darauf, dass die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zur gemischten Methode vom Gesetzgeber jemals
rezipiert worden wäre. Vielmehr geht sowohl aus dem seit dem Erlass des IVG im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Wortlaut von aArt. 4 und aArt. 5 IVG bzw. von
Art. 8 Abs. 1 und 3 ATSG als auch aus den Gesetzesmaterialen das Gegenteil hervor.
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Angesichts der aktuellen Verhältnisse und der seit den 1950-er Jahren deutlich
gewandelten gesellschaftlichen Vorstellungen zum Verhältnis von Erwerbstätigkeit und
Familienaufgaben bei Frauen besteht auch für - die heutzutage wohl wenigen -
Hausfrauen, die in der Zeit vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung niemals
erwerbstätig gewesen sind, erst recht keine Rechtfertigung mehr für eine Ausnahme
vom rentenbegründenden Schaden in der Form der Erwerbsunfähigkeit, zumal eine
solche Ausnahme zu einer geschlechtlichen Ungleichbehandlung bzw. einer
schadensrechtlichen Diskriminierung von Frauen führt. De lege ferenda erschiene es
daher wohl als angezeigt, die Invalidenversicherung - entsprechend der
Altersversicherung - konsequent an einem einzigen, ausnahmslos für alle Versicherten
geltenden rentenbegründenden Schaden (Erwerbsunfähigkeit als Verlust an
Erwerbsmöglichkeiten gemäss Art. 7 Abs. 1 ATSG) auszurichten, um damit
invalidenversicherungsrechtliche Diskriminierungen namentlich wegen des
Geschlechts, der Lebensform, der religiösen oder weltanschaulichen Überzeugung (vgl.
Art. 8 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101] und Art. 14 EMRK) zu verhindern.
Art. 8 Abs. 3 ATSG, Art. 28a Abs. 2 und 3 IVG samt den entsprechenden
Verordnungsbestimmungen sollten deshalb ersatzlos gestrichen werden.
3.2.5Kürzlich hat die 2. Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts festgehalten,
eine versicherte Person, die im Gesundheitsfall ihr wirtschaftliches Potential nicht voll
ausnütze, indem sie zwar in der Lage wäre, voll erwerbstätig zu sein, sich aber für eine
Teilzeitstelle entscheide, um mehr Freizeit zu haben, begnüge sich mit einem
Teilzeitlohn und verzichte damit freiwillig auf einen Teil des Lohnes, den sie erzielen
könnte, wenn sie vollerwerbstätig wäre. Der nicht verwertete Teil ihrer Erwerbsfähigkeit
sei damit nicht versichert (zur Publikation vorgesehenes Urteil vom 4. Mai 2016,
9C_178/2015, E. 7.1). Diese Schlussfolgerung bzw. das entsprechende
Schadenskonzept läuft der gesetzlichen Konzeption und dem eindeutigen
gesetzgeberischen Willen diametral entgegen, ja sie untergräbt die Grundkonzeption
der Invalidenversicherung als Volksversicherung. Sie verkennt zudem, dass die
Invalidenversicherung den identischen Personenkreis zu versichern hat, der durch die
Alters- und Hinterlassenenversicherung Versicherungsschutz geniesst (BBl 1958 II
1162; vgl. zur Alters- und Hinterlassenenversicherung BBl 1946 II 378 f.; siehe auch
vorstehende E. 3.2). Der Zweck der Invalidenrente entspricht denn auch voll und ganz
demjenigen der Altersrente. Sie ist der Vorbau zur Altersversicherung (BBl 1958 II
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1192). Der Bundesrat schloss sich den Ausführungen der Expertenkommission „mit
voller Überzeugung“ an (BBl 1958 II 1192 mit Hinweis auf S. 107 ff. des
Expertenberichts), „dass die bei Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze automatisch
zugesprochenen Altersrenten im Grunde nichts anderes sind als Invalidenrenten, da die
Erwerbsunfähigkeit infolge des Alters eine der Formen der Erwerbsunfähigkeit infolge
geistiger oder körperlicher Schwäche, also eine Form der Invalidität darstellt. In diesem
Sinne ist das Alter die weitaus häufigste Invaliditätsursache“ (Expertenbericht, S. 108;
zum Schadenskonzept in der Altersversicherung, insbesondere zur Irrelevanz einer
tatsächlichen Erwerbseinbusse für den Rentenanspruch, siehe BBl 1946 II 405 f.). Aus
den Gesetzesmaterialen geht klar hervor, dass die Lebensführung von nicht
erwerbstätigen Personen ohne Aufgabenbereich - wie etwa „Privatiers, Rentner oder
Pensionierte“ - für die Schadens- bzw. Invaliditätsbemessung nicht ausschlaggebend
ist. Es bestehe (auch für diese Personengruppe) kein Anlass, nicht von (der
Schadenskonzeption) einer Erwerbsunfähigkeit auszugehen (Bericht der
Eidgenössischen Expertenkommission für die Einführung der Invalidenversicherung
vom 30. November 1956, S. 26 f. und 118); der Bundesrat übernahm diese
Betrachtungsweise und wies ausdrücklich auf S. 26 f. des Expertenberichts hin und
fügte an, „es wäre in der Tat nicht einzusehen, wieso für Pensionierte, Rentner usw. ein
anderes Kriterium angewendet werden sollte“ (BBl 1958 II 1162). Ferner geht aus den
Gesetzesmaterialen hervor, dass den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der
Versicherten grundsätzlich nicht Rechnung zu tragen sei (BBl 1958 II 1164).
Ausgangspunkt der Ausführungen des genannten Entscheids 9C_178/2015, E. 7.1,
bildete ein Hinweis auf die Botschaft vom 24. Oktober 1958, insbesondere S. 1161 f.
Da sich der vorstehend dargestellte Inhalt der Botschaft sowie des Expertenberichts
mit den Überlegungen der 2. Sozialrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts ganz
offensichtlich nicht vereinbaren lässt, kann ihr der Vorwurf einer ungenauen und
unvollständigen Lektüre der einschlägigen Materialien, auf die das Bundesgericht in
diesem Urteil verwiesen hat, nicht erspart bleiben. Würde der Betrachtungsweise
gemäss dem Entscheid 9C_178/2015 im Übrigen gefolgt, bliebe bloss noch eine mit
dem Gesetz nicht in Einklang zu bringende Erwerbstätigen- und
Hausfrauenversicherung übrig (allerdings auch finanziert aus Prämien von
nichterwerbstätigen Personen ohne Aufgabenbereich, die nun gar nicht mehr versichert
wären). Ein solcher Umbau könnte nur durch den Gesetzgeber erfolgen, denn er würde
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eine fundamentale Veränderung der bisherigen Konzeption der 1. Säule bedeuten.
Soweit die 2. Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts im Entscheid
9C_178/2015 im Übrigen explizit festhält, dass das versicherte Risiko in der
Invalidenversicherung die Erwerbsinvalidität sei, die von der effektiven, gesundheitlich
bedingten Erwerbseinbusse abhänge, entbehrt dies mit Blick auf die obigen
Ausführungen einer überzeugenden Grundlage. Damit setzt sie sich zudem - ohne
Bezugnahme darauf - in Widerspruch zu ihrer eigenen Rechtsprechung gemäss dem
Urteil 9C_9/2013 vom 27. Februar 2013 (bestätigt in 9C_36/2013 vom 21. Juni 2013
E. 4.2 und 9C_457/2013 vom 26. Dezember 2013 E. 7.3). Danach ist namentlich beim
Privatier und beim vorzeitig Pensionierten die Invalidität mittels der ordentlichen
Bemessungsmethode des Einkommensvergleichs zu bemessen, weil diesen "vor
Eintritt der Invalidität theoretisch eine Erwerbstätigkeit zumutbar gewesen
wäre" (E. 2.2; Überprüfung und Bestätigung der Rechtsprechung gemäss Entscheid
I 59/75 vom 17. September 1975; vgl. auch Ueli Meyer/Marco Reichmuth,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014, S. 311 Rz. 3).
3.3Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin mittels eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln ist, da sie
nicht zur gesetzlichen Ausnahmekategorie der gar nie erwerbstätigen Nur-Hausfrauen
zählt, sodass auf sie die Grundkonzeption des reinen Einkommensvergleichs
Anwendung zu finden hat. Im Übrigen wäre es ihr – bei fiktiv vollumfänglich erhaltener
Gesundheit – im massgebenden Zeitraum objektiv zumutbar gewesen, vollzeitlich einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie hätte den Zweipersonenhaushalt nämlich
zusammen mit ihrem pensionierten Ehemann nach Feierabend besorgen können.
Sodann ist zu beachten, dass die Beschwerdeführerin vor Eintritt der gesundheitlichen
Beeinträchtigung jahrelang vollzeitlich erwerbstätig gewesen ist (siehe IV-act. 56-8 und
vorstehende E. 2), womit ein weiteres Tatbestandsmerkmal von Art. 8 Abs. 3 ATSG
bzw. für die Qualifikation als (teilweise) Nichterwerbstätige nicht erfüllt ist.
4.
4.1
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Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin
weiterhin als Schulsekretärin bei der Schulgemeinde B._ tätig gewesen wäre, wenn
sie nicht krank geworden wäre. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin das an
der letzten Arbeitsstelle bei einem Beschäftigungsgrad von 50% erzielte
Erwerbseinkommen von Fr. 41‘136.- (vgl. IV-act. 39-3) als Valideneinkommen in den
(auf die Erwerbsquote von 50% reduzierten) Einkommensvergleich eingesetzt. Bei
einem reinen Einkommensvergleich wäre demnach von einem Valideneinkommen von
Fr. 82‘272.- auszugehen, denn die plausibelste Validenkarriere der Beschwerdeführerin
ist eine Tätigkeit als Schulsekretärin. Die Beschwerdeführerin hat nämlich angegeben
(vgl. IV-act. 56-8), sie hätte nach der Scheidung vom ersten Ehemann ihre geliebte
(Teilzeit-) Stelle an der Kantonsschule L._ aufgeben müssen. Nach der
Wiederverheiratung hätte sie – bei fiktiver voller Gesundheit – keine Veranlassung
gehabt, nicht wieder an einer Schule tätig zu sein. Da es sich dabei am ehesten um
eine Arbeit als Schulsekretärin gehandelt hätte, ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin im hier massgebenden Zeitpunkt bei fiktiver Validität als
Schulsekretärin Fr. 82‘272.- verdient hätte. Bei einer Tätigkeit an der Kantonsschule
wäre das Einkommen nicht höher gewesen, weil die Anforderungen an eine
Schulsekretärin dort nicht höher gewesen wären als an der Sekundarschule.
4.2Die Beschwerdegegnerin hat angenommen, dass die Beschwerdeführerin trotz der
Depression fähig gewesen wäre, als Schulsekretärin tätig zu sein. Sie hat nämlich in
ihrem auf den Beschäftigungsgrad von 50% reduzierten Einkommensvergleich dem
Valideneinkommen von Fr. 41‘136.- ein zumutbares Invalideneinkommen von ebenfalls
Fr. 41‘136.- gegenübergestellt. Hätte die Beschwerdegegnerin einen reinen
Einkommensvergleich vorgenommen, wäre sie also von einem zumutbaren
Invalideneinkommen von 60% von Fr. 82‘272.-, also von Fr. 49‘363.- ausgegangen. Ob
die Invalidenkarriere der Beschwerdeführerin tatsächlich im weiteren Ausüben der
früheren Tätigkeit als Schulsekretärin an der Sekundarschule B._ bestehen muss, ist
zu bezweifeln, denn dabei handelt es sich wohl weder um einen ruhigen Arbeitsort
noch um einen Arbeitsort ohne übermässigen Kundenkontakt. Der psychiatrische
Sachverständige hat darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin sich trotz der
Entspannung, die durch die dreijährige Arbeitspause eingetreten sei, immer noch in
einem fragilen Zustand befinde. Es brauche nur wenige äussere Belastungsfaktoren,
damit sich die Beschwerdeführerin wieder überfordert fühle und dann dekompensiere
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(IV-act. 75-8 f.). Gestützt auf die allgemeine Lebenserfahrung ist davon auszugehen,
dass die Arbeit einer Schulsekretärin an einer Sekundarschule keine ruhige, d.h. keine
äusseren Belastungsfaktoren beinhaltende sein kann und dass sie sehr viel Kontakt mit
Kunden, d.h. mit Schülern, Lehrern und Eltern, beinhaltet. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit besteht die zumutbare Invalidenkarriere also nicht in der Rückkehr
in jene Erwerbstätigkeit, in der die Beschwerdeführerin so belastet gewesen ist, dass
sie krank geworden ist. Wie die Beschwerdeführerin ihre beruflichen Fähigkeiten,
Kenntnisse und Erfahrungen an einem adaptierten Arbeitsplatz einsetzen könnte und
welches Einkommen sie dabei erzielen könnte, lässt sich den dem Gericht vorliegenden
Akten nicht entnehmen. Die berufliche Qualifikation der Beschwerdeführerin, die Art der
Erwerbstätigkeit, die sowohl dieser Qualifikation als auch den medizinischen
Anforderungen gerecht würde, und das dabei erzielbare Einkommen hätten von der
Beschwerdegegnerin unter Beizug einer Fachperson aus dem Bereich der
Berufsberatung abgeklärt werden müssen. Da sich die Invalidenkarriere der
Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren also nicht bestimmen lässt, kann
natürlich auch das zumutbare Invalideneinkommen nicht ermittelt werden. Der zur
Bestimmung des Invaliditätsgrades erforderliche Einkommensvergleich kann demnach
noch nicht vorgenommen werden. Trotz des Umstands, dass die Untersuchungspflicht
auch im Beschwerdeverfahren gilt, kann es nicht die Aufgabe des Gerichts ein, die
Verletzung dieser Pflicht durch die Beschwerdegegnerin zu „heilen“ und die
entsprechende Sachverhaltsabklärung im Beschwerdeverfahren nachzuholen (zumal
gegen einen Gerichtsentscheid, der sich auf eine im Beschwerdeverfahren
vorgenommene Sachverhaltsabklärung stützen würde, kein umfassendes Rechtsmittel
gegeben wäre). Aus diesem Grund muss die Sache zur weiteren Abklärung des
massgebenden Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden.
4.3Das betrifft nicht die Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
einer adaptierten Tätigkeit ab dem Begutachtungszeitpunkt (26. Februar 2013), denn
das bidisziplinäre Gutachten zusammen mit dem psychiatrischen Teilgutachten belegt
einen Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% in einer adaptierten Tätigkeit mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Entgegen der von
der Beschwerdeführerin vertretenen Auffassung hat der psychiatrische
Sachverständige alle Symptome der psychischen Erkrankung bzw. die trotz dieser
Symptome (zu denen auch eine rasche Ermüdbarkeit gehört) noch vorhandenen
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arbeitsfähigkeitsrelevanten Ressourcen berücksichtigt. Der rheumatologische
Sachverständige hat keine widersprüchlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit aus der
Sicht seines Fachgebietes gemacht. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
dürfte übersehen haben, dass eine Arbeitsfähigkeitsschätzung eine qualitative und eine
quantitative Komponente aufweist. Für eine körperlich schwere Arbeit wäre die
Beschwerdeführerin zu deutlich mehr als 40% arbeitsunfähig. Dazu hat sich der
rheumatologische Sachverständige aber nicht äussern müssen, da eine solche
Tätigkeit (ausserhalb gewisser Haushaltsarbeiten, die aber nicht relevant sind, weil ein
reiner Einkommensvergleich zu erfolgen hat) aufgrund der beruflichen Qualifikation der
Beschwerdeführerin gar nicht zur Diskussion steht. Bezogen auf eine somatisch
adaptierte, nämlich eine körperlich leicht bis gelegentlich mittelschwer belastende
Tätigkeit hat der rheumatologische Sachverständige überzeugend eine volle
Arbeitsfähigkeit attestiert. Dass er auch angegeben hat, die Beschwerdeführerin sei
zumindest halbtags arbeitsfähig, ist kein Widerspruch, denn dabei hat er sich
offensichtlich nicht auf eine Vollzeittätigkeit, sondern auf die zuletzt von der
Beschwerdeführerin ausgeübte Tätigkeit mit einem Beschäftigungsgrad von 50%
bezogen. Bei der Bemessung des Invalideneinkommens wird die Beschwerdegegnerin
also für die Zeit ab der Begutachtung von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 60%
auszugehen haben.
4.4Die Beschwerdeführerin hat am 15. Februar 2011 das Meldeformular zur
Früherfassung ausgefüllt und eingereicht (vgl. IV-act. 1). Nach einem Gespräch mit der
Beschwerdeführerin hat der Eingliederungsberater der Beschwerdegegnerin bereits
Ende Februar 2011 erkannt, dass eine reguläre Anmeldung nötig war (vgl. IV-act. 9-4).
Aus diesem Gespräch ergeben sich ferner keine Hinweise für einen fehlenden
Anmeldewillen. Dementsprechend hat die Beschwerdeführerin im März 2011 das
Anmeldeformular für die berufliche Eingliederung/Rente ausgefüllt und eingereicht (vgl.
IV-act. 11). Diese Vorgehensweise ist so zu interpretieren, dass die Beschwerdeführerin
von Anfang an nicht (bloss) Massnahmen der Frühintervention gemäss Art. 7d IVG,
sondern reguläre Eingliederungsmassnahmen gemäss Art. 8 ff. IVG bzw. eine
Invalidenrente hat beantragen wollen. Deshalb ist bereits das Einreichen des
Meldeformulars zur Früherfassung als Geltendmachung eines Leistungsanspruchs im
Sinn des Art. 29 Abs. 1 IVG zu interpretieren (Art. 29 Abs. 3 ATSG), zumal aus den
Akten nicht hervorgeht, die Beschwerdeführerin hätte auf die übrigen Leistungen
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gegenüber der Beschwerdegegnerin zunächst verzichten wollen. Der Rentenanspruch
ist deshalb ab dem 1. August 2011 zu prüfen. Das bedeutet, dass die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin ab dem 1. August 2010 zu ermitteln ist, weil ein
Rentenanspruch gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG erst entstehen kann, wenn die
versicherte Person ein Jahr ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen ist. Das bidisziplinäre Gutachten und das
psychiatrische Teilgutachten (vgl. IV-act. 74 f.) enthalten keine Angaben zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor Februar 2013. Die dem Gericht
vorliegenden Berichte der behandelnden Ärzte weisen erst ab Juni 2011 eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung aus. Dr. F._ hat im Juni 2011 angegeben, die
Beschwerdeführerin sei als Schulsekretärin zu 100% arbeitsunfähig (vgl. IV-act. 25). In
seinem Bericht vom Dezember 2011 hat er weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
attestiert (vgl. IV-act. 41). Die Psychotherapeutin G._ hat im Januar 2012 ebenfalls
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin als Schulsekretärin
angegeben (vgl. IV-act. 42) und dies im April 2012 wiederholt (vgl. IV-act. 47). Dr. H._
hat im Juni 2012 ebenfalls eine vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
in der bisherigen Tätigkeit angegeben (vgl. IV-act. 51). Keiner der Behandler hat sich
aber zur Entwicklung der Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vor dem stationären
Klinikaufenthalt geäussert. Einzig die Arbeitgeberin hat angegeben, dass der
ausgerichtete Lohn seit dem 30. November 2010 nicht mehr der Arbeitsleistung
entsprochen habe (vgl. IV-act. 39), was darauf hindeutet, dass die Beschwerdeführerin
ab diesem Tag krankheitsbedingt der Arbeit ferngeblieben ist. All diese Angaben
reichen nicht aus, um den Beginn der Arbeitsunfähigkeit und deren Entwicklung bis zur
Begutachtung mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen. Die Angaben des Arbeitgebers belegen nämlich nur den
Zeitpunkt, ab dem die Beschwerdeführerin nicht mehr zur Arbeit erschienen ist. Sie
könnte bereits früher arbeitsunfähig und trotzdem am Arbeitsplatz gewesen sein. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen behandelnder Ärzte enthalten erfahrungsgemäss ein
starkes therapeutisches Element, d.h. sie weichen in aller Regel zulasten der
Arbeitsfähigkeit von den Schätzungen unabhängiger Sachverständiger ab. Deshalb
vermögen sie den Arbeitsfähigkeitsgrad i.d.R. nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Um den Beginn eines allfälligen
Rentenanspruchs bestimmen zu können, wird die Beschwerdegegnerin also weitere
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Abklärungen vorzunehmen haben, wobei sie bei den Behandlern rückfragen, allenfalls
die von diesen geführten Krankengeschichten beiziehen und dann bei der Würdigung
auf die zumutbare Willensanstrengung als wichtiges Element des (juristischen) Begriffs
der Arbeitsfähigkeit achten wird. Auch dazu ist die Sache an sie
zurückzuweisen.Zusammenfassend erweist sich die angefochtene Verfügung als
rechtswidrig, da sie sich auf eine Sachverhaltsannahme stützt, die - als Folge einer
Verletzung der Untersuchungspflicht der Beschwerdegegnerin - teilweise nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt ist. Die Sache
ist deshalb zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dieser
Verfahrensausgang ist in Bezug auf die Verlegung der Kosten des
Beschwerdeverfahrens als vollumfängliches Obsiegen der Beschwerdeführerin zu
qualifizieren. Deshalb hat die Beschwerdegegnerin für die Gerichtskosten
aufzukommen, die praxisgemäss auf Fr. 600.- festzusetzen sind. Das Gericht wird der
Beschwerdeführerin den in gleicher Höhe geleisteten Vorschuss zurückerstatten. Die
Beschwerdeführerin hat einen Anspruch auf den Ersatz ihrer Parteikosten. Die
entsprechende Parteientschädigung wird unter Berücksichtigung des ermessensweise
eingeschätzten Aufwandes des Rechtsvertreters auf Fr. 3‘500.- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festgesetzt. Die Beschwerdegegnerin wird die
Beschwerdeführerin also im Umfang von Fr. 3‘500.- zu entschädigen haben.