Decision ID: 6af5023a-56d2-445f-9386-acb37885b9c9
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Mitarbeiter in der Elektromontage bei der
B._ AG tätig und dadurch obligatorisch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am
29. Juli 2016 in einer Diskothek in C._ in D._ von drei Männern niedergeschlagen
wurde und sich dabei eine dislozierte Jochbogenfraktur rechts, eine Nasenbeinfraktur
sowie eine Contusio bulbi beidseits zuzog. Nach einer Erstversorgung im Klinikzentrum
E._ in D._ wurde der Versicherte im Kantonsspital St. Gallen (KSSG)
weiterbehandelt (Suva-act. 9, 12, 26, 32). Am 5. August 2016 wurden dort in der Hals-
Nasen-Ohrenklinik eine geschlossene Jochbogenreposition rechts sowie eine
Nasenbeinreposition durchgeführt (Suva-act. 11 f.). Am 20. September 2016 musste
eine weitere Jochbogenreposition rechts vorgenommen werden (Suva-act. 39). Den
Akten liegen verschiedene ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbestätigungen bei (Suva-act.
12, 17 f., 27, 40, 50).
A.b Mit Verfügung vom 10. Oktober 2016 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass
die Taggeldleistungen an ihn wegen des Zwischenfalls vom 29. Juli 2016 in D._ um
50% gekürzt würden. Die Pflegeleistungen (Heilkosten) seien von dieser Sanktion nicht
betroffen. Der Taggeldanspruch beginne am 1. August 2016 (Suva-act. 43).
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B.
Die gegen diese Verfügung am 8. November 2016 erhobene (Suva-act. 53) und am 12.
Dezember 2016 begründete Einsprache (Suva-act. 60) wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 14. März 2017 ab (Suva-act. 65).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur. A. Fäh, St.
Gallen, mit Eingabe vom 28. April 2017 Beschwerde erheben mit dem Antrag, der
Einspracheentscheid der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 14. März 2017
betreffend die Verfügung vom 10. Oktober 2016 sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei rückwirkend per 1. August 2016 ein ungekürztes Taggeld
(zuzüglich 5% Zins) auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2017 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 5. Juli 2017 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers an
seinem Antrag fest (act. G 5).
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 6
f.).

Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 2 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
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Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis vom 29. Juli 2016 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Taggeldleistungen an den
Beschwerdeführer aufgrund des Zwischenfalls vom 29. Juli 2016 in Kroatien zu Recht
um 50% gekürzt hat.
3.
3.1 Gemäss Art. 39 UVG kann der Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und
Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung
sämtlicher Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen, wobei die Kürzung
oder Verweigerung in Abweichung von Art. 21 Abs. 1-3 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) geordnet werden
kann. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 49 UVV Gebrauch gemacht.
Nach dessen Abs. 2 werden die Geldleistungen um mindestens die Hälfte gekürzt für
Nichtberufsunfälle, die sich bei Beteiligung an Raufereien und Schlägereien ereignen,
es sei denn, die versicherte Person sei als Unbeteiligte oder bei Hilfeleistung für eine
wehrlose Person durch die Streitenden verletzt worden (lit. a; vgl. ALFRED MAURER,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2., unveränderte Aufl. Bern 1989, S. 504 ff.;
UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015, N 176 ff. zu Art. 21
ATSG).
3.2 Eine Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV ist nur zulässig, wenn
zwischen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu qualifizierenden
Verhalten und dem Unfall ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht
(SVR 1995 UV Nr. 29 S. 86 E. 2d mit Hinweisen). Die Beurteilung der Adäquanz im
Besonderen hat retrospektiv zu erfolgen. Es ist zu fragen, ob und inwiefern die objektiv
unter Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV fallende Handlung als eine wesentliche Ursache des
Unfalls erscheint. Die Antwort ist dann bejahend, wenn die spezifischen Gefahren des
allenfalls zu sanktionierenden Verhaltens der versicherten Person sich beim
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Unfallereignis konkret ausgewirkt haben und nach der allgemeinen Lebenserfahrung
und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge geeignet sind, einen Unfall von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis
allgemein als begünstigt erscheint. Dabei ist auch ein gewisser zeitlicher
Zusammenhang notwendig (RKUV 1995 Nr. U 214 S. 88 E. 6a; ALEXANDRA RUMO-
JUNGO, Die Leistungskürzung oder -verweigerung gemäss Art. 37-39 UVG, Diss.
Freiburg 1993, S. 278 ff.).
3.3 Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht darf
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen
überzeugt ist. Der Entscheid ist, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht.
Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. KIESER, a.a.O.,
N 9 ff. zu Art. 43 ATSG; BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). Der
Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat
das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht
uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE
125 V 195 E. 2 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast
im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). - Im vorliegenden
Fall ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer am 29. Juli 2016 einen
Nichtberufsunfall erlitten hat, der eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
auslöste. Diese hat jedoch die Leistungen gestützt auf Art. 39 UVG in Verbindung mit
Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV gekürzt. Die Beweislast für die Erfüllung des
Kürzungstatbestands trägt die Beschwerdegegnerin, d.h. bei diesbezüglicher
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Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu ihren Lasten aus (vgl. KIESER, a.a.O., N 39 f. zu
Art. 43 ATSG).
4.
Das Geschehen in einer Diskothek in C._ vom 29. Juli 2016 ergibt sich aus den vom
Beschwerdeführer gegenüber dem zuständigen Richter des
Ordnungswidrigkeitsgerichts in E._ am 1. August 2016 (Vernehmungsprotokoll [Suva-
act. 31-4 ff.]) sowie gegenüber der Beschwerdegegnerin am 6. Oktober 2016
gemachten Angaben (Bericht [Suva-act. 42]). Auch die Freundin des
Beschwerdeführers, die vor Ort anwesend gewesen war, wurde am 1. August 2016
durch den oben genannten Richter als Zeugin befragt (Suva-act. 31-7 f.). Ihre Aussage
stimmen mit denjenigen des Beschwerdeführers überein, wobei sie wegen eines
Toilettenbesuchs nicht den gesamten Verlauf miterlebt hatte. Vorliegend besteht kein
Grund, den in den Vernehmlassungsprotokollen des Richters bzw. im Bericht der
Beschwerdegegnerin beschriebenen Sachverhalt in Zweifel zu ziehen. Während die
Beschwerdegegnerin geltend macht, der Beschwerdeführer habe sich an einer
Rauferei/Schlägerei beteiligt und habe dabei Verletzungen erlitten (vgl. act. G 3, II./2.),
argumentiert dessen Rechtsvertreter, der Beschwerdeführer sei völlig unerwartet von
drei Security-Männern der Diskothek brutal zusammengeschlagen und verletzt worden,
ohne dass irgendwann irgendwelche körperlichen und verbalen Aggressionen bzw.
Provokationen vom Beschwerdeführer ausgegangen seien (act. G 1, IV./6.). Die
Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die Inhalte der
obgenannten Vernehmlassungsprotokolle des zuständigen Richters des
Ordnungswidrigkeitsgerichts von E._ sowie des Berichts der Beschwerdegegnerin
weitestgehend wortgetreu dar (Suva-act. 65, Erwägungen 2.a./aa.-cc.); darauf ist zu
verweisen. Diese Inhalte sowie zusätzlichen Äusserungen der Beteiligten werden -
soweit entscheidnotwendig - nachfolgend beleuchtet.
5.
5.1 Laut Angaben des Beschwerdeführers gegenüber dem Richter und der
Beschwerdegegnerin hat ihm ein "Ordner" (Security-Mitarbeiter) der Diskothek eine
Ohrfeige ausgeteilt, worauf der Beschwerdeführer diesen mit den Händen von sich
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wegstiess. In der Folge seien der "Ordner" sowie weitere Männer (zuerst zwei, dann
drei) auf ihn losgegangen und hätten ihn körperlich angegriffen. Sie hätten ihn mit
Händen und Füssen am ganzen Körper geschlagen. Gegenüber dem Richter schilderte
der Beschwerdeführer zudem, dass er den "Ordner" - nachdem er ihn weggestossen
habe - auch mit der Faust geschlagen habe (Suva-act. 31-5, 42). Die Freundin des
Beschwerdeführers hatte zwar letzteres nicht beobachtet, bestätigte jedoch gegenüber
dem Richter die Ohrfeige des "Ordners", und dass die Männer körperlich auf ihren
Freund losgegangen seien. Sie hätten ihn mit Händen und Füssen auf den Kopf und
den ganzen Körper geschlagen, während er am Boden gelegen sei (Suva-act. 31-7 f.).
5.2 Damit steht zunächst ausser Zweifel, dass am 29. Juli 2016 eine gewaltsame
Auseinandersetzung stattgefunden hatte, bei welcher Schläge und Ohrfeigen ausgeteilt
wurden, womit grundsätzlich von einer Schlägerei im Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV
als erste Voraussetzung für eine allfällige Kürzung von Versicherungsleistungen
auszugehen ist. Selbst wenn der Beschwerdeführer den "Ordner" der Diskothek nicht
mit der Faust geschlagen hätte bzw. er ihm gegenüber nicht tätlich geworden wäre,
wäre in Anbetracht der nachfolgenden Erwägungen der Kürzungstatbestand von Art.
49 Abs. 2 lit. a UVV als erfüllt zu betrachten.
6.
6.1 Der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien im Sinne von Art.
49 Abs. 2 lit. a UVV ist grundsätzlich verschuldensunabhängig konzipiert. Eine
Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei ist nicht nur bei der Teilnahme an einer
eigentlichen tätlichen Auseinandersetzung gegeben. Eine Beteiligung ist jedes
Verhalten, das objektiv gesehen bereits das Risiko einschliesst, in Tätlichkeiten
überzugehen oder solche nach sich zu ziehen. Nicht notwendig ist, dass die
versicherte Person selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist auch, aus welchen
Motiven sie sich beteiligt hat, wer mit einem Wortwechsel oder Tätlichkeiten begonnen
hat und welche Wendung die Ereignisse in der Folge genommen haben. Entscheidend
ist allein, ob die versicherte Person die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung
erkannt hat oder erkennen musste (vgl. in BGE 132 V 27 nicht publizierte E. 1.2 des
Urteils U 325/05 vom 5. Januar 2006, publiziert in SVR 2006 UV Nr. 13 S. 45; RKUV
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2005 Nr. U 553 S. 314 E. 2, RKUV 1991 Nr. U 120 S. 89 f. E. 3b; RUMO-JUNGO/
HOLZER, a.a.O., S. 216).
6.2 Die Voraussetzungen gemäss Erwägung 6.1 für eine Kürzung der
Versicherungsleistungen bzw. für eine Bejahung der Beteiligung des
Beschwerdeführers an einer Schlägerei im Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV sind im
konkreten Fall erfüllt. In der Diskothek wurde der Beschwerdeführer von einem
"Ordner" aufgefordert, diese zu verlassen, wobei er laut eigenen Angaben
wahrgenommen hatte, dass dessen Stimme streng gewesen sei (Suva-act. 31-5). Was
zu dieser Aufforderung geführt hatte, ist nicht aktenkundig. Nach seiner Schilderung
gegenüber der Beschwerdegegnerin und laut Ausführungen in der Beschwerde vom
28. April 2017 empfand der Beschwerdeführer das Verhalten des "Ordners" als
Anpöbelei bzw. dessen Ton als aggressiv (Suva-act. 42, act. G 1). Der
Beschwerdeführer antwortete dem "Ordner", er würde gehen, er solle ihn jedoch sein
Getränk austrinken lassen. Er habe ihm auch noch gesagt, dass ein anderer "Ordner"
am Einlass ihn, seine Freundin und deren 6-jähriges Kind hineingelassen habe.
Daraufhin sei er vom "Ordner" erneut aufgefordert worden, die Diskothek zu verlassen
(Suva-act. 31-5). Angesichts des vom Beschwerdeführer dargelegten Sachverhalts war
dieser mit einer klaren, ihm verständlichen Anweisung einer Person konfrontiert, die
offensichtlich für den Beschwerdeführer erkennbar kompromisslos war, also keinen
Widerspruch duldete, und deren Aufgabe als "Ordner" bekanntermassen darin besteht,
gegebene Anweisungen mit den ihr als erforderlich erscheinenden Mitteln
durchzusetzen. Dennoch verliess der Beschwerdeführer die Diskothek nicht, sondern
er liess sich laut Angaben gegenüber dem Richter und der Beschwerdegegnerin in ein
Wortgefecht bzw. eine verbale Auseinandersetzung ein (Suva-act. 31-5, 42). Seine
Freundin sprach gar von einem heftigen Streit zwischen ihrem Freund und dem
"Ordner" (Suva-act. 31-7). Der Beschwerdeführer trug mit einem seinem Verhalten
dazu bei, die Situation zu verschärfen bzw. eine Eskalation der Ereignisse zu fördern.
Anschliessend an das Wortgefecht erhielt der Beschwerdeführer eine Ohrfeige, worauf
der Beschwerdeführer - selbst wenn das Wegstossen des "Ordners" noch als
nachvollziehbarer Reflex (vgl. act. G 1, Erwägung IV./5.) betrachtet würde - nun selber
tätlich in die Auseinandersetzung eingriff, indem er laut eigenen Angaben (Suva-act.
31-5) dem "Ordner" einen Faustschlag versetzte. Trotz der vorangegangenen Ohrfeige
ist insbesondere darin eine provozierende Reaktion des Beschwerdeführers zu sehen,
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welche das Risiko einschliesst, weitere Tätlichkeiten nach sich zu ziehen, zumal er die
Ohrfeige angeblich nicht als heftig wahrgenommen hatte (Suva-act. 31-5). Die
Beschwerdegegnerin geht somit in der Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2017 (act. G
3) zutreffend von einem als Beteiligung an einer Schlägerei zu qualifizierenden
Verhalten des Beschwerdeführers aus. Eine Beteiligung bzw. ein aktives Vorgehen ist in
doppelter Hinsicht, sowohl verbal wie auch tätlich, erstellt. Der Beschwerdeführer
musste sich bewusst sein, dass sein aktives Vorgehen das Risiko von Tätlichkeiten in
sich schloss. Dass er vor der Auseinandersetzung einigen Alkohol konsumiert hatte
(1.29 Promille; vgl. Suva-act. 31-5), kann dabei durchaus von Relevanz gewesen sein
respektive aggressionsfördernd gewirkt haben.
6.3 Der Standpunkt des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers in der Beschwerde
vom 28. April 2017 (act. G 1), dass vom Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt
irgendwelche körperlichen oder verbalen Aggressivitäten bzw. Provokationen
ausgegangen seien, trifft offensichtlich nicht zu und wird selbst vom Beschwerdeführer
anders dargestellt. Die Folge seines aktiven Verhaltens war sein gewaltsamer Rauswurf
aus der Diskothek unter Beteiligung von weiteren Personen. Dabei zog er sich
verschiedene Verletzungen zu. Zwar darf angenommen werden, dass der
Beschwerdeführer im Rahmen der weiteren tätlichen Angriffe auf ihn durch mehrere
Männer unterlegen und wehrlos war und sich in der Position des Angegriffenen befand;
an obiger Beurteilung vermag dies indessen nichts zu ändern. Wie gesagt, ist es
unerheblich, welche Wendung die Ereignisse in der Folge genommen haben. Der
Tatbestand der Beteiligung an einer Schlägerei/Rauferei im Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit.
a UVV ist mithin erfüllt.
7.
7.1 Zu prüfen bleibt, ob eine Kürzung der Versicherungsleistungen entfällt, weil
zwischen dem Verhalten des Beschwerdeführers und den erlittenen Verletzungen im
Bereich des Gesichtsschädels ein Kausalzusammenhang fehlt (vgl. Erwägung 3.2).
Dabei ist vorab festzustellen, dass der natürliche Kausalzusammenhang fraglos
gegeben ist. Der Beschwerdeführer hat sich aktiv an der Entwicklung der obigen
Gefahrensituation beteiligt und wurde dabei verletzt.
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7.2 Das Erfordernis der Adäquanz darf nicht dazu verleiten, nur solche Unfälle als
Folgen einer aussergewöhnlichen Gefahr im Sinne von Art. 49 UVV zu berücksichtigten,
die aufgrund der gefährlichen Handlung gewöhnlich zu erwarten sind. Wie gesagt, ist
vielmehr, ausgehend vom eingetretenen Erfolg, rückblickend zu entscheiden, ob und
inwiefern das Verhalten des Beschwerdeführers als eine wesentliche Ursache des
Unfalles erscheint. Nicht erforderlich ist, dass die Handlung, welche zur Kürzung oder
Verweigerung der Leistungen führt, die alleinige Ursache des Unfalles ist; es genügt,
wenn sie eine adäquate Ursache des Unfalles darstellt (RKUV 1995 Nr. U 214 S. 88 f.
E. 6.a). Die verbale Intervention des Beschwerdeführers nach der von einem "Ordner"
zweimal streng und aggressiv ausgesprochenen Aufforderung, er solle die Diskothek
verlassen, das Einlassen in ein Wortgefecht und insbesondere der dem "Ordner" vom
Beschwerdeführer versetzte Faustschlag sind durchaus als mitauslösende Momente
für die daraufhin erfolgte Attacke durch mehrere Männer zu werten. Seine aktive
Beteiligung hat sich bei der Entwicklung der obigen Gefahrensituation konkret
ausgewirkt. Denn es entspricht der allgemeinen Erfahrung, dass zunächst unbeteiligte
Diskothekenbesucher, die eine verbale und tätliche Auseinandersetzung beobachten,
Partei ergreifen und sich in die Geschehnisse einmischen. Ebenfalls können
erfahrungsgemäss gerade aggressive verbale Auseinandersetzungen zwischen
Männern schnell in tätliche Attacken übergehen oder solche nach sich ziehen. Die
Umstände, dass sich während des ganzen Vorfalls ein 6-jähriges Kind neben dem
Beschwerdeführer befand, die Situation eskalierte, ein ungleiches Kräfteverhältnis unter
den Beteiligten bestand, die Gegner des Beschwerdeführers überreagierten und den
Beschwerdeführer angesichts der erlittenen Verletzungen offensichtlich einer schweren
körperlicher Gewalt aussetzten, ändert daran nichts.
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im Falle des Beschwerdeführers von einer
aussergewöhnlichen Gefahr bzw. von einer Beteiligung an einer Schlägerei im Sinne
von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV als Voraussetzung für eine Kürzung von Geldleistungen
auszugehen ist. Der Beschwerdeführer kann sich nicht auf den Ausnahmetatbestand
des unbeteiligten Verletzten berufen. Weil sich der Beschwerdeführer verletzte, als er
dieser besonderen Gefahrensituation ausgesetzt war, ist auch das zusätzliche
Erfordernis des Kausalzusammenhangs erfüllt. Die Beschwerdegegnerin hat daher die
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Geldleistungen an den Beschwerdeführer aufgrund des Unfalls vom 29. Juli 2016 zu
Recht um das gesetzliche Minimum von 50% gekürzt.
9.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde somit abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Der Beschwerdeführer hat
bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.