Decision ID: af4a7452-3fdc-4e45-bd9b-df2172bf5740
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführerin,
gegen
RAV St. Gallen, Unterstrasse 4, Postfach, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
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St.Galler Gerichte
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (zumutbare Arbeit)
Sachverhalt:
A.
A.a C._, geboren 1986, von Beruf Coiffeuse, meldete sich am 3. April 2008 beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) St. Gallen zur Stellenvermittlung an und
beantragte die Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung (act. G7.1/C12 und C18).
Mit Zuweisung vom 20. Mai 2008 forderte das RAV die Versicherte auf, sich bei der
A._ für eine Arbeitsstelle als Coiffeuse zu bewerben (act. G7.1/A9). Am 26. Mai 2008
bewarb sich die Versicherte beim Geschäftsführer um die zugewiesene Stelle. Im
Anschluss an das Vorstellungsgespräch teilte sie dem RAV am 25. Juni 2008 mit, sie
habe das Stellenangebot abgelehnt, weil zum einen der Monatslohn von CHF 3'200.00
brutto zu tief sei und zum anderen hätte sie zu viel arbeiten müssen, u.a. auch
sonntags; sie hätte praktisch keine Freizeit gehabt (act. G7.1/A10). Nach Gewährung
des rechtlichen Gehörs stellte das RAV die Versicherte mit Verfügung vom 6. August
2008 und Wirkung ab 27. Mai 2008 für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein, da
sie eine zumutbare Festanstellung abgelehnt habe (act. G7.1/A6).
A.b Mit Einsprache vom 1. September 2008 machte die Versicherte geltend, der
Geschäftsführer habe von ihr einen monatlichen Umsatz von CHF 10'000.00 erwartet,
was sie als ausgelernte Coiffeuse mit wenig Berufserfahrung in einem neuen Geschäft
kaum erreichen könne. Zudem sei von ihr eine sehr hohe Flexibilität betreffend
Arbeitszeiten verlangt worden. Ausserdem sei ihr die Arbeitsstelle gar nicht angeboten
worden, sondern es sei lediglich ein Vorstellungsgespräch gewesen (G7.1/A5).
Mit Einspracheentscheid vom 12. September 2008 wies das RAV die Einsprache mit
der Begründung ab, die Versicherte habe eine zumutbare Arbeit abgelehnt (act. G7.1/
A2). Der potentielle Arbeitgeber habe auf telefonische Anfrage bestätigt, der
Versicherten ein Lohnangebot von CHF 3'200.00 unterbreitet zu haben und nachdem
sie einen höheren Lohn verlangt habe, habe er auch mehr Umsatz von ihr erwartet.
Betreffend Arbeitszeiten habe der Arbeitgeber erklärt, die Einsätze würden einen Monat
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im Voraus festgesetzt. Weiter habe der Arbeitgeber erklärt, wenn die Versicherte
Interesse an einer Anstellung gezeigt hätte, hätte er sie mindestens zu einem
Schnuppertag eingeladen (act. G7.1/A2).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 18.
September 2008 mit dem sinngemässen Antrag, der Entscheid sei aufzuheben und auf
eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung sei zu verzichten (act. G1). Zur
Begründung macht die Beschwerdeführerin geltend, der Geschäftsführer habe vieles
verdreht. so habe er einen Umsatz von CHF 10'000.00 verlangt, ohne sie vorher nach
ihren Lohnvorstellungen zu fragen. Sie habe ihren Lohnvorschlag erst gemacht,
nachdem der Geschäftsführer den von ihr erwarteten Umsatz genannt habe. Sie könne
nicht nachvollziehen, wieso sie sich bei ihm zu wenig um eine Stelle bemüht hätte.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. November beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde und verweist zur Begründung auf die Verfügung und den
Einspracheentscheid des RAV vom 6. August 2008 bzw. 12. September 2008.
C.
Das Gericht tätigte in der Folge bei der Arbeitgeberin Abklärungen zur zugewiesenen
Arbeitsstelle und gab den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme. Mit Schreiben vom
30. März 2009 führt die Beschwerdeführerin aus, über die wöchentlichen
Arbeitsstunden und die täglichen Arbeitszeiten sei nicht diskutiert worden. Ihr sei nur
gesagt worden, sie müsse ausserordentlich flexibel und immer abrufbereit sein, auch
sonntags (act. G14). Die Beschwerdegegnerin liess die Frist für eine Stellungnahme
unbenützt verstreichen.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 42 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) haben die Parteien des
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sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahrens einen Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör umfasst u.a. das Recht, Einsicht in die Akten zu nehmen
und sich zum Beweisergebnis zu äussern (vgl. etwa BGE 132 V 368 ff. mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin hat nach der Einspracheerhebung eine telefonische Auskunft
bei der Arbeitgeberin eingeholt und diesbezüglich eine Telefonnotiz erstellt (act. G7.1/
A4). Anschliessend hat sie u.a. gestützt auf die so produzierten neuen Akten über die
Einsprache entschieden, ohne der Beschwerdeführerin vorgängig die Gelegenheit
gegeben zu haben, in diese neuen Akten Einsicht zu nehmen und sich dazu zu äussern.
Damit hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör
verweigert. Da es sich um einen reinen Anspruch handelt, steht es im freien Ermessen
der betroffenen Partei des Verwaltungsverfahrens, ob sie eine Aufhebung des allein
schon aus formellen Gründen rechtswidrigen Einspracheentscheides und eine
Rückweisung zur neuen Entscheidung nach vorausgegangener Gehörsgewährung oder
aber eine ausschliesslich materiellrechtliche Beurteilung des angefochtenen
Einspracheentscheides (sogenannte Heilung der Gehörsverletzung) beantragen will
(vgl. das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. Januar 2008,
IV 2007/214). Vorliegend darf von einer "Heilung" der Gehörsverletzung im
Beschwerdeverfahren ausgegangen werden, zumal eine ordentliche Rückfrage im
Gerichtsverfahren stattgefunden hat (act. G10 bis G14) und die Beschwerdeführerin die
Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör im Einspracheverfahren in ihrer
Beschwerde nicht gerügt hat. Somit steht einer materiellrechtlichen Beurteilung des
angefochtenen Einspracheentscheides nichts entgegen und die formelle
Rechtswidrigkeit des angefochtenen Einspracheentscheides tritt hinter eine
beförderliche Verfahrenserledigung zurück.
2.
2.1 Die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, muss
nach Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Arbeitslosenversicherung (AVIG; SR
837.0) mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen,
um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Sie muss zur Schadenminderung
grundsätzlich jede Arbeit unverzüglich annehmen (Art. 16 Abs. 1 AVIG). Nach Art. 30
Abs. 1 lit. d AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen,
wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht
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befolgt, namentlich eine ihr zugewiesene zumutbare Arbeit ohne entschuldbaren Grund
nicht annimmt. Dieser Einstellungstatbestand ist auch dann erfüllt, wenn Versicherte
die Arbeit zwar nicht ausdrücklich ablehnen, es aber durch ihr Verhalten in Kauf
nehmen, dass die Stelle anderweitig besetzt wird. Bei den Verhandlungen mit dem
künftigen Arbeitgeber ist klar und eindeutig die Bereitschaft zum Vertragsabschluss zu
bekunden (Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., S. 2431, Rz 844, mit
Hinweisen auf BGE 122 V 38 E. 3b und ARV 2002 Nr. 6 S. 58 E. 1). Die
Voraussetzungen für die Einstellung in der Anspruchsberechtigung gelten auch für
Zwischenverdienstarbeit. Bei lohnmässig unzumutbarer Arbeit im Sinn von Art. 16 Abs.
2 lit. i AVIG ist die versicherte Person aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht
verpflichtet, die angebotene Arbeit als Zwischenverdienst anzunehmen, wenn sie nach
Art. 24 AVIG Kompensationszahlungen erhält.
2.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 AVIV).
3.
3.1 Vorliegend ist unbestritten, dass sich die Beschwerdeführerin auf die vom RAV
zugewiesene Stelle beworben und sich am 26. Mai 2008 persönlich beim
Geschäftsführer vorgestellt hat. Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, sie
habe sich lediglich vorgestellt, die Stelle sei ihr aber nicht angeboten worden, weshalb
sie diese auch nicht habe ablehnen können. Demgegenüber hat die
Beschwerdeführerin am 25. Juni 2008 auf dem Formular "Ergebnis der Zuweisung" klar
angekreuzt, dass sie das Stellenangebot abgelehnt habe, u.a. weil ihr das Lohnangebot
von CHF 3'200.00 pro Monat nicht genüge (act. G7.1/A10). Divergierende Aussagen
bestehen über den erwarteten Umsatz, bzw. ob die Beschwerdeführerin zuerst eine
Lohnforderung gestellt habe, woraufhin der Geschäftsführer CHF 10'000.00 Umsatz
von ihr erwartet habe oder umgekehrt. Selbst wenn der Geschäftsführer von vornherein
einen Umsatz von CHF 10'000.00 von ihr verlangt haben sollte, hätte die
Beschwerdeführerin die Annahme der Arbeit nicht von einem höheren Lohnangebot
abhängig machen dürfen, sondern sich zumindest bereit zeigen müssen, diese
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Erwartungen zu erfüllen. Stattdessen hat sie gemäss ihren Angaben behauptet, ein
solch hoher Umsatz sei für sie kaum erreichbar, hat gleichzeitig aber (höhere)
Lohnforderungen gestellt. Daraus kann geschlossen werden, dass sie den Umsatz bei
höherem Lohn selber für erreichbar gehalten hat. Jedenfalls ist bei dem von der
Beschwerdeführerin geschilderten Sachverhalt davon auszugehen, dass sie nicht klar
und eindeutig die geforderte Bereitschaft zum Vertragsabschluss erkennen liess. Mit
diesem Verhalten ist der Tatbestand der Ablehnung einer Arbeit grundsätzlich erfüllt.
3.2 Zu prüfen bleibt, ob die von der Beschwerdeführerin sinngemäss geltend
gemachte Unzumutbarkeit der zugewiesenen Stelle wegen zu tiefer Entlöhnung und
unregelmässigen Arbeitszeiten ausgewiesen und damit von der Annahmepflicht
ausgenommen war.
3.2.1 Zunächst ist festzustellen, dass die abgelehnte Stelle in finanzieller Hinsicht
grundsätzlich zumutbar war. Bei einem versicherten Verdienst der Beschwerdeführerin
von CHF 3'245.00 (act. G.7.1/C8) liegt ein Bruttolohn von CHF 3'200.00 deutlich über
der Zumutbarkeitsgrenze von 70% des versicherten Verdienstes (Art. 16 Abs. 2 lit. i
AVIG). Des weiteren ist in diesem Zusammenhang auf die Kompensationszahlungen
gemäss Art. 24 AVIG zu verweisen, wonach die Beschwerdeführerin verpflichtet wäre,
auch eine ihr zugewiesene, lohnmässig unzumutbare Zwischenverdienstarbeit
anzunehmen und auch beizubehalten. Erst mit Beendigung der
Kompensationszahlungen darf sie die Tätigkeit sanktionslos aufgeben, sofern der Lohn
die allgemeine Zumutbarkeitsgrenze von 70% des versicherten Verdienstes nicht
erreicht.
3.2.2 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, sie hätte zu viel arbeiten und
immer abrufbereit sein müssen, auch sonntags. Betreffend Arbeitszeiten sei eine hohe
Flexibilität verlangt worden. Über konkrete wöchentliche Arbeitsstunden und tägliche
Arbeitszeiten sei nicht diskutiert worden (act. G14). Auf entsprechende Nachfrage gab
die Arbeitgeberin an, bei einer fixen täglichen Arbeitszeit von 8 Uhr bis 18 Uhr mit
individueller Mittagspause betrage die wöchentliche Arbeitszeit 43 Stunden (act. G12).
Damit ist das gesetzlich zulässige Maximum von 45 Wochenstunden gemäss Art. 9
Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel
(ArG; SR 822.11) gewahrt. Fraglich wäre es, wenn von der Beschwerdeführerin
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innerhalb der relativ langen Öffnungszeiten (8 Uhr bis 20 Uhr; vgl. act. G7.1/A4) eine
ständige Abrufbereitschaft verlangt worden wäre, wie die Beschwerdeführerin
sinngemäss geltend macht. Demgegenüber hielt offenbar die Arbeitgeberin gegenüber
der Beschwerdegegnerin fest, dass die Arbeitszeiten einen Monat im Voraus
festgesetzt worden wären (act. G7.1/A4). Wie es sich damit verhält, kann offen bleiben,
da die Zumutbarkeit aus einem anderen Grund zu verneinen ist. Wie die Arbeitgeberin
bestätigte, hätte die Beschwerdeführerin an einem Sonntag pro Monat arbeiten
müssen, wobei sie dafür an einem Wochentag frei gehabt hätte. Sonntagsarbeit ist
zwar für einen Coiffeursalon, der sich wie vorliegend im Bahnhof Z._ befindet und als
klassischer Bahnnebenbetrieb gilt, auch ohne Bewilligung erlaubt (Art. 27 Abs. 1 ArG
i.V.m. Art. 26a der Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz [ArGV 2; SR 822.112]). Solche
Ladenöffnungszeiten sind aber im Allgemeinen berufsunüblich und auch die Befreiung
von der Bewilligungspflicht kann die Bestimmung von Art. 19 Abs. 5 ArG nicht
ersetzen, wonach der Arbeitgeber eine arbeitnehmende Person nicht ohne deren
Einverständnis zu Sonntagsarbeit heranziehen darf. Auch der Umstand, dass bei der
besagten Arbeitgeberin bereits seit geraumer Zeit Sonntagsarbeit geleistet wird, ersetzt
das Erfordernis des Einverständnisses nicht (vgl. BGE 131 II 200, Erw. 5.). Art. 19 Abs.
5 ArG ist eine arbeitsrechtliche Norm, die zum Schutz der Arbeitnehmenden aufgestellt
wurde. Die Schutzbestimmung muss aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht für
arbeitslose Personen bei denen Sonntagsarbeit nicht berufsüblich ist, ihre Wirkung in
dem Sinne entfalten, dass sie die grundsätzliche Pflicht zur Annahme jeder Arbeit im
Sinne der Schadenminderungspflicht einschränkt. Folglich ist die vom RAV
zugewiesene Arbeitsstelle aufgrund der verlangten Sonntagsarbeit als unzumutbar im
Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. a. AVIG zu qualifizieren. Damit kann auch offen bleiben, ob
der angebotene Lohn im Verhältnis zum verlangten Umsatz im Sinne von Art. 16 Abs. 1
lit. a AVIG berufs- und ortsüblich war, was die Beschwerdeführerin sinngemäss
bestritten hat.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und der Einspracheentscheid
vom 12. September 2008 aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit.
a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
ter
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG