Decision ID: 7eec0bad-5091-49fc-8bdc-e4d0215aa64b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978, war vom 1. September 2007 bis 31. Oktober 2015 (vgl. Urk. 2/13/A26) bei der
Y._
als Sicherheitsangestellter am
Z._
angestellt und in dieser Funktion gegen die Folgen von Unfällen bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) versichert, als er am 11. April 2014 auf der Schrägbank beim 50 kg Schulterdrücken die Kontrolle verlor und sich dabei an der linken Schulter und der Halswirbelsäule verletzte (Urk. 2/13/A1-A2). Die AXA gewährte die gesetzlichen Leistungen (Urk. 13/A10). Mit durch
Einspracheentscheid
vom 12. Februar 2018 (Urk. 2/13/A69 = Urk. 2/2) bestätigter Verfügung vom 9. Februar 2017 stellte die AXA die Leistungen mangels Kausalität der Beschwerden per 31. Dezember 2016 ein (Urk. 2/13/A49). Die dagegen gerichtete Beschwerde vom 14. März
2018 (Urk. 2/1) wies das Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 21. August
2019 im Prozess Nr.
UV.2018.00068 ab (Urk. 2/27).
2.
Mit Urteil vom 9. März 2020
(Urk. 1 = Urk. 2/34)
hob das Bundesgericht den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts vom 21. August 2019 (Urk.
2/27) auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung an dieses zurück (Dispositiv-Ziff. 1). Am 28. September 2020 reichte der Beschwerdeführer
unter anderem
einen Arztbericht von
Dr.
med. A._
(Urk. 4/1)
und dessen Beurteilung des Integritätsschadens vom 2
2.
Juni 2020 (
Urk.
4/2)
ein und teilte mit, dass er bis 18. August 2021 in der Ausbildung zum Fachmann Betreuung EFZ stehen werde (Urk. 3). Dies wurde
der Beschwerdegegnerin am 1. Okt
ober 2020 zur Kenntnis gebracht
(Urk. 5).
3.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 12. Juli 2017 eine von November 2015 bis April 2016 befristete ganze Invalidenrente zu (Urk. 2/13/A64). Der Beschwerde
führer begann im August 2019 eine Ausbildung zum Fachmann Betreuung EFZ
(Urk. 4/3)
. Mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 verneinte die
IV-Stelle
den Anspruch
auf
IV-Leistungen (
Urk. 2/13/A73).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
dem
Bundesgesetz üb
er die Unfallversicherung (UVG)
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und
dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammen
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um
schrei
bung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesund
heit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten
Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3
Steht aufgrund einer speziellen Adäquanzprüfung fest, dass ein allfällig beste
hender natürlicher Kausalzusammenhang nicht adäquat und damit nicht
rechts
genüglich
ist, ist die Frage, ob der natürliche Kausalzusammenhang tatsächlich besteht, nicht
entscheidrelevant
(BGE 135 V 465 E. 5.1).
2.
2
.1
Das Bundesgericht führte im Entscheid vom 9. März 2020 (Urk.
1
) aus, die vom Beschwerdeführer über den 31. Dezember 2016 hinaus geklagte schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Schulter links könne keinem organischen Korrelat
zugeordnet werden. Allein damit lasse sich der Wegfall der natürlichen Kausalität indessen nicht begründen. Vielmehr fehle es in Bezug auf die Beurteilung der natürlichen Kausalität der nicht objektiv ausgewiesenen
Beschwerden
an einer zuverlässigen Entscheid
ungs
grundlage
. In diesem Zusammenhang
sei
daran zu erinnern, dass der Unfallversicherer für einen Gesund
heitsschaden nur insoweit hafte
, als dieser nicht nur in einem natürlichen, sondern auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis stehe.
Das Bundesgericht wies die Sache
an das Sozialversicherungsgericht zurück
, damit
dieses
kläre, ob die nicht objektiv nachweisbaren Beschwerden
der
linke
n
Schulter in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 11. April
2014 stünden
. Unabhängig
davon
habe
sich
das Gericht
zu den erwerblichen Auswirkungen der von
Dr.
med.
B._
festgestellten (unfallbe
dingt) verminderte
n
Belastbarkeit der linken Schulter nach Ruptur der
Supra
spina
tus
sehne
links mit zweimaliger Arthroskopie zu äussern
(E. 6).
2.2
Sind die geklagten Beschwerden unfallkausal, nicht aber im Sinne der Recht
sprechung objektiv ausgewiesen, so ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1). Hat die versi
cherte Person einen Unfall erlitten, welcher die Anwendung der Schleuder
trauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hierbei die durch BGE 134 V 109 E. 10 (sogenannte
«
Schleudertrauma-Praxis
»
) präzisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grundsätzlich die Adäquanz
kriterien, welche für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt
wurden (BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
;
sogenannte
«
Psycho-Praxis
»
) anzuwenden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_984/2010 vom 10. März 2011 E. 2.1).
2.3
Die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis setzt voraus, dass ein Schleuder
trau
ma der HWS (HWS-Distorsion) oder eine äquivalente Verletzung diagnos
tiziert wurde. Als adäquanzrechtlich gleich wie Schleudertraumata zu behan
delnde Diagnosen gelten neben den einer HWS-Distorsion ähnlichen Verletzung
en der HWS (BGE 134 V 109 E. 2.1
) insbesondere auch Schädel-Hirn-Traumata (BGE 117 V 369 E. 4b)
.
2.4
Der Beschwerdeführer gab in der Anzeige über den Unfall vom 16. April 2014 (Urk. 2/13/A2) an, er habe sich an
der linken
Schulter und
an der
Halswirbelsäule
(HWS)
verletzt. Der erstbehandelnde med.
pract
.
C._
,
Praktischer Arzt,
welchen
de
r
Beschwerdeführer noch am Unfalltag
konsultierte
, berichtete
am 2. August 20
1
4 (Urk. 2/14/M1)
lediglich über eine Muskelzerrung der Schulter.
Dr.
med. D._
, Facharzt für Radiologie, fand im MRI
der
HWS und
im
Arthro
-MRI
der
linke
n
Schulter vom 14. April 2014 (Urk. 2/14/M5) zervikal keine
Traumafolge
(S. 2 Ziff. 1)
. In der Folge fanden Behandlungen nur betreffend die linke Schulter statt.
Angesichts dieser ersten ärztlichen Einschätzungen ist
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
anlässlich des Ereignisses vom 1
1.
April 2014
weder eine HWS-Distorsion noch eine äquivalente Verletzung
erlitt
, wes
halb die Adäquanzprüfung nach der sogenannten
«
Psycho-Praxis
»
zu erfolgen hat.
3.
3.1
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesun
d
heitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenom
men
wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle ander
seits und schliesslich der
dazwischen liegende
mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
3.2
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu
einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999
Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungs
verlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise aus
schlag
gebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien heran
gezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berück
sichti
genden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
3.3
Der Beschwerdeführer verlor anlässlich des Unfallereignisses vom 11. April 2014 beim Schulterdrücken auf der Schrägbank die Kontrolle über die
50 kg schwere
Langhantel
,
musste
diese
unter erhöhtem Kraftaufwand nochmals nachstossen
und konnte sie
gerade noch über die Seite wegstossen (Urk. 2/14/A2
und Urk. 2/13/A16
). Dabei erlitt er
laut
Dr.
D._
eine Partialruptur der
Supra
spinatussehne
und der
Inf
r
aspinatussehne
(Urk. 2/
14/M5 S. 2 Ziff. 2
). Dieses
Ereignis kann höchstes als mittelschwerer Unfall qualifiziert werden.
Die Adä
quanz eines Kausalzusammenhanges wäre somit nur dann zu bejahen, wenn eines der relevanten Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter oder mehrere dieser Kriterien in gehäufter Weise erfüllt wär
en.
Dies ist vorliegend nicht der Fall: Das Unfallereignis war objektiv betrachtet weder besonders eindrücklich noch von dramatischen Umständen begleitet. Eine Partialruptur der
Supraspinatussehne
und der
Infraspinatussehne
sind
keine Verletzung
en
, welche erfahrungsgemäss besonders geeignet wäre
n
, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Auch die Dauer der ärztlichen Behandlung kann nicht als ungewöhnlich lang beurteilt werden: Bereits nach der Schulter
arthros
kopie vom 3. November 2014 zeigte sich laut Bericht von
Dr.
med. E._
,
Orthopädie Obere Extremitäten an der
F._,
vom 22. September 2015
MR-tomographisch kein wesentlicher Hinweis für den bisher fehlenden Fort
schritt bezüglich linksseitiger Schulterfunktion
(Urk. 2/14
/M20). Die am 15. Okto
ber 2015 durchgeführte diagnostische Schulterarthroskopie mit partieller
Adhä
sio
lyse
/ven
tralem Kapselrelease sowie partieller Fadenankerentfernung
extraarti
kulär
dorsal (Urk. 2/14
/M21-M22) zeigte in der Folge gemäss Bericht von
Dr.
E._
vom 24. November 20
15
(
Urk. 2/14
/M23) denn auch weiterhin eine nicht zufrie
den
stellende Situation mit weiterhin belastungsunabhängigen schmerzhaften Bewe
gungseinschränkungen, welche intraoperativ keinem morphologischen Korrelat hatten zugewiesen werden können.
Die nachfolgenden Arztbesuche dienten der Untersuchung und Abklärung und nicht mehr der Behandlung.
Spätestens seit der gutachterlichen Untersuchung klagte der
Beschwerdeführer
auch
über
keine körperlichen Dauerschmerzen
mehr
, sondern
gab
gegenüber dem psychiatrischen Gutachter (Gutachten vom
23. November 2016, Urk. 2/1
4
/M37
/3
) eine subjektive Schmerzstärke von VAS zirka sieben bis acht unter Belastung und null in Ruhe an (S. 37). Eine ärztliche Fehlbehandlung liegt ebenso wenig vor wie ein schwie
riger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen. Schliesslich ist das Krite
rium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfä
higkeit eben
falls nicht gegeben, war doch die schmerzhafte Bewegungseinschränkung
spätes
tens
seit September 2015 keinem organischen Korrelat mehr zuzuordnen (vgl. Urk. 2/14
/
M20).
Da keines der massgebenden Kriterien erfüllt ist,
ist
ein allfälliger Kausalzu
sammenhang zwischen dem Unfallereignis und de
n
über den 31.
Dezember 2016 hinaus
geklagte
n
schmerzhafte
n
Bewegungseinschränkung
en
der linken Schulter
nicht adäquat und damit nicht
rechtsgenüglich
.
Damit ist die Frage, ob der natür
liche Kausalzusammenhang tatsächlich besteht, nicht
entscheidrelevant
(vgl.
Urk.
1 S. 6).
4.
4.1
Das Bundesgericht erwog im Urteil vom 9. März 2020 (Urk. 1), dass hinsichtlich der Frage, ob die
Rotatorenmanschettenläsion
kausal zum
Unfall vom 11. Apr
il 2014 sei,
auf das Gutachten der
Dr.
B._
(Urk. 2/14/M37/1)
und die Ein
schät
zung des
Dr.
med.
G._
(Urk. 2/14/M6)
abzustellen
sei, und
ging davon aus, dass
diese zumindest
im Sinne einer Teilursache auf das Unfallereignis zu
rückzuführen sei (E. 4.3). Nach Einschätzung der Gutachterin
Dr.
B._
bestünden unfallkausale Einschränkungen in Form einer verminderten Belast
barkeit und von «Beschwerden» des linken Schultergelenks. Der Beschwerdeführer benötige deshalb eine schulterschonende Tätigkeit, wobei er Lasten bis 12.5 kg hantieren könne (E. 5.1). Es ist daher im Folgenden zu prüfen
, wie sich diese Einschränkung
auf die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken (vgl. Urk. 1 E.
6)
4.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
4.3
Laut Unfallmeldung vom 17. April 2014 (Urk. 2/13/A1) erzielte der Beschwerde
führer im Jahr 2014 ein jährliches
E
inkommen von Fr. 57'888.
zuzüglich eines 13. Monatslohns von Fr. 4'824.
sowie einer jährlichen Zulage von Fr. 3'000.
, mithin insgesamt Fr. 65'712.
. Unter Berücksichtigung der Nominallohn
ent
wicklung von 2'220 Punkten im Jahr 2014 und 2'249 Punkten im Jahr 2017
(Bundesamt für Statistik, BFS, Entwicklung der Nominallöhne T39)
ergibt dies ein
Valideneinkommen
von
rund
Fr. 66'571.
. Dies liegt unter dem von der
Inva
lidenversicherung
angenommenen
Valideneinkommen
von Fr. 67'671.
40 im Jahr 2015 (vgl. Urk. 2/13/A56/B1 S. 2
)
beziehungsweise dem der Nominallohnent
wick
lung (2'226 Punkte im Jahr 2015 und 2’249 Punkte im Jahr 2017) ange
passten
Valideneinkommen
im Jahr 2017 von
rund
Fr. 68'371.
. Zu Gunsten des Beschwerdeführers ist von dem von der Invalidenversicherung angenommenen
Valideneinkommen
von Fr. 68'37
1
.
auszugehen.
4.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom
BFS
periodisch herausgegebenen Lohnstruktu
rerhe
bungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktu
ellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der kon
kreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bun
desgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
4.5
Ob dem Beschwerdeführer die ursprüngliche Tätigkeit bei der
Y._
noch zumutbar ist, kann
offen bleiben
, denn die Stelle wurde von der Arbeitgeberin auf den 31. Oktober 2015 gekündigt (vgl. Urk. 2/13/A26).
Nach Lage der Akten
hat der Beschwerdeführer bis zum 31. Dezember 2016
(Zeitpunkt des Fallab
schlus
ses)
keine neue Stelle angetreten, weshalb das Invalideneinkommen auf
grund der Tabellenlöhne festzusetzen ist.
Das durchschnittliche Einkommen für Männer im untersten Kompetenzniveau betrug im Jahr 2016 Fr. 5'340
.
(LSE 2016 TA1_t
ir
age
_
skill
_
level). Unter Be
rücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stun
den (BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen) ergibt dies unter Berücksichtigung der Entwicklung der Nominallöhne der Männer von 2'239 Punkten im Jahr 2016 und 2'249 Punkten im Jahr 2017
(Entwicklung der Nomi
nallöhne, a.a.O.)
ein hypothetisches Jahreseinkommen von rund Fr. 67'102.
. Verglichen mit dem
Valideneinkommen
resultiert hieraus eine Einkommensein
busse von Fr. 1'269.
beziehungsweise
1.9 %. Damit besteht kein Anspruch auf eine Rente der Unfallversicherung (vgl. Art. 18 Abs. 1 UVG).
5.
5.1
Gemäss Art.
24 Abs.
1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn er durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Nach Art.
36 Abs
.
1
der Verordnung über die Unfallversicherung (
UVV
)
gilt ein Integritäts
schaden als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens min
destens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körper
liche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt ist (Satz 2).
5.2
Laut Gutachten von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, vom 2
9.
Oktober 2016
(Urk. 2/14/37/1)
be
steht aufgrund der Ruptur der
Sup
r
aspinatus
s
ehne
mit zweimaliger Arthroskopie eine dauerhaft verminderte Belastba
rkeit des linken Schultergelenk
s
(S. 66)
. Dabei handelt es sich nicht um eine
starke Beeinträchtigung
. Insoweit
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
i
n den
Bericht
en vom
17. Juni 2018
(Urk. 2/9/
2
) und
22
.
Juni
2020 (Urk. 4/
2
) zur Ansicht gelangte,
aufgrund der
Einschränkung der Beweglichkeit
stehe dem Beschwerdeführer in Anwendung der Suva-Tabelle 1.2 eine Integritätsentschädigung von 15
-20
% zu, ist dem entgegenzuhalten, dass die eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter nicht adäquat kausal zum Unfallereignis steht (E. 3.3), weshalb keine Integritäts
ent
schädigung geschuldet ist.
6.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.