Decision ID: 48a34d69-7189-4964-8140-965f27eb6478
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Veruntreuung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 20. April 2021 (DG190087)
sowie
B._, Beschwerdeführer
gegen
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Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Beschwerdegegnerin
betreffend Entschädigung amtliche Verteidigung
Beschwerde gegen das begründete Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 20. April 2021 (DG190087)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
18. Dezember 2019 (Urk. 33) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der / des
− Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB − Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB − Vernachlässigung von Unterhaltspflichten im Sinne von Art. 217 Abs. 1 StGB − Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 39 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.
4. Auf den Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom
18. Januar 2016 gewährten bedingten Strafvollzuges wird verzichtet.
5. Die Zivilansprüche der Privatklägerinnen 1 und 2 werden auf den Zivilweg
verwiesen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 für sich und die Privat-
klägerin 2 eine Prozessentschädigung von Fr. 3'374.45 (inkl. Mehrwertsteuer) zu
bezahlen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 3 und 4 als Solidargläubiger
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 580'000.– zuzüglich Zins von 5% seit
24. Januar 2012 zu bezahlen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 3 und 4 als Solidargläubiger
eine Prozessentschädigung von Fr. 26'000.– (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
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9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 8'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 6'000.– Gebühr Vorverfahren
Fr. 40.– Auslagen ausserkantonale Verfahrenskosten
Fr. 186.– Entschädigungen Zeugen
Fr. 29'479.90 amtl. Verteidigungskosten RA B._ (inkl. MWSt und bereits er-folgte Akontozahlung von Fr. 4'900.– vom 10. Januar 2018)
Fr. 8'100.– amtl. Verteidigungskosten RA X._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen
Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4
StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
11. (Mitteilungen.)
12. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 131 S. 2 f.; Prot. II S. 10)
1. Es sei festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts
Bülach vom 20. April 2021 hinsichtlich der Dispositivziffern 1 (Schuld-
spruch) sowie Ziff. 4 (Verzicht auf Widerruf) akzeptiert wurde und somit
in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Das wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten (Dossiers 2 und
6) geführte Strafverfahren sei einzustellen. Auf die Zivilansprüche der
Privatklägerinnen 1 und 2 sei nicht einzutreten. Weiter sei davon abzu-
sehen, den Beschuldigten zur Leistung einer Prozessentschädigung
zugunsten der Privatklägerinnen 1 und 2 zu verpflichten.
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3. Der Beschuldigte sei wegen Veruntreuung (Dossier 1) sowie Urkun-
denfälschung (Dossier 5) schuldig zu sprechen und mit einer Freiheits-
strafe von 16 Monaten zu bestrafen.
4. Der Strafvollzug sei unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren auf-
zuschieben.
5. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Beschuldigte die Schaden-
ersatzforderung der Privatkläger 3 und 4 als Solidargläubiger in Höhe
von CHF 580'000.– zzgl. Zins von 5 % seit 24. Januar 2012 anerkennt.
Weiter sei der Beschuldigte gemäss seiner Anerkennung zu
verpflichten, den Privatklägern 3 und 4 als Solidargläubiger eine
Prozessentschädigung von CHF 26'600.– (inkl. Mehrwertsteuer) zu
bezahlen.
6. Die Gerichts- und Untersuchungskosten seien dem Beschuldigten
aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die
Staatskasse zu nehmen.
Eventualantrag:
7. Sollte das Gericht eine 24 Monate übersteigende Freiheitsstrafe aus-
fällen, so sei dem Beschuldigten der teilbedingte Strafvollzug zu ge-
währen, wobei der unbedingt auszusprechende Strafteil auf maximal
12 Monate anzusetzen sei.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 119 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Vertretung der Privatklägerinnen 1 und 2:
(Urk. 125)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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d) Der Vertretung der Privatkläger 3 und 4:
(Prot II S. 10)
Der Beschuldigte sei zu verpflichten, den Privatklägern 3 und 4 als Solidar-
gläubigern eine Prozessentschädigung von Fr. 26'600.– (inkl. Barauslagen
und MwSt.) zu bezahlen.

Erwägungen:
I. Verfahren
1. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 20. April 2021
wurde der Beschuldigte entsprechend dem eingangs aufgeführten Dispositiv der
Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB, der Urkundenfälschung im Sin-
ne von Art. 251 Ziff. 1 StGB, der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten im
Sinne von Art. 217 Abs. 1 StGB sowie des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne
von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG schuldig gesprochen und mit einer unbedingten Frei-
heitsstrafe von 39 Monaten bestraft. Auf den Widerruf einer Vorstrafe wurde ver-
zichtet. Schliesslich wurde über die Zivilansprüche der Privatkläger sowie die Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen befunden (Urk. 108 bzw. Urk. 112 S. 68 f.).
2. Der Beschuldigte meldete gegen das erstinstanzliche Urteil mit Eingabe
vom 26. April 2021 rechtzeitig die Berufung an (Urk. 91). Am 8. Oktober 2021
erhob der damalige amtliche Verteidiger des Beschuldigten sodann auch
Beschwerde bei der III. Strafkammer des Obergerichts gegen die vorinstanzliche
Festsetzung seiner Entschädigung (Urk. 124/2), worauf das Beschwerdeverfahren
mit Beschluss jener Kammer vom 25. Oktober 2021 bis zum Eintretensentscheid
der hiesigen Kammer sistiert wurde (Urk. 121/1). Nach Erstattung der
Berufungserklärung vom 6. Oktober 2021 (Urk. 114) und anschliessender
Fristansetzung an die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerschaft (Urk. 117)
beantragten die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerinnen 1 und 2 unter
sinngemässem Verzicht auf eine Anschlussberufung die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils, wobei die Staatsanwaltschaft anschliessend von der
Teilnahme an der Berufungsverhandlung dispensiert wurde (Urk. 119 + 125). Die
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Privatkläger 3 und 4 liessen sich innert Frist nicht vernehmen, so dass ebenfalls
vom sinngemässen Verzicht auf eine Anschlussberufung auszugehen ist. Mit
Beschluss vom 16. Dezember 2021 hob die III. Strafkammer die Sistierung des
Beschwerdeverfahrens auf und überwies die Beschwerde zur weiteren
Behandlung an die hiesige Kammer (Urk. 121/2).
3. In der Folge wurde auf den 25. Mai 2022 zur Berufungsverhandlung
vorgeladen (Urk. 123). Zu dieser erschien der Beschuldigte in Begleitung seines
amtlichen Verteidigers (Prot. II S. 5).
II. Formelles
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die
Rechtskraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der
Beschuldigte hat im Rahmen des Berufungsverfahrens die Dispositiv-Ziffer 1 des
vorinstanzlichen Urteils teilweise (betreffend Verurteilung wegen Fahrens ohne
Berechtigung) sowie die Dispositiv-Ziffer 4 vollumfänglich (Verzicht auf den
Widerruf der Vorstrafe) akzeptiert (vgl. Urk. 114 S. 1; Urk. 131 S. 4). Die insoweit
eingetretene Rechtskraft des Urteils des Bezirksgerichtes Bülach ist demnach
vorab mit Beschluss festzustellen.
2. Anlässlich der Berufungsverhandlung reichte die Verteidigung die zwischen
dem Beschuldigten und der Privatklägerin Wittwer geschlossene Eheschutz-
vereinbarung vom 15. Juli 2021 ins Recht, mit welcher die Privatklägerin ihren
Strafantrag gegen den Beschuldigten betreffend Vernachlässigung von Unter-
haltspflichten zurückgezogen hat (Urk. 129 S. 2). Damit ist die Prozessvorausset-
zung des gültigen Strafantrags in dieser Hinsicht nicht mehr gegeben (vgl. Art. 33
Abs. 2 StGB). Das vorliegend geführte Verfahren gegen den Beschuldigten be-
treffend Vernachlässigung von Unterhaltspflichten (Unt.-Nr. STA A-3/2016/
10022415) ist demnach unter Aufhebung des diesbezüglichen Schuldspruches
der Vorinstanz einzustellen.
3. Im Übrigen ficht der Beschuldigte den erstinstanzlichen Entscheid
vollumfänglich an, so dass die Dispositiv-Ziffer 1 betreffend die Verurteilung
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wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung sowie auch die Dispositiv-Ziffern 2 -
3 (Sanktion) und die Dispositiv-Ziffern 5 - 6 (Zivilansprüche) umfassend zu über-
prüfen sind. Nachdem vorliegend ein weitgehender Freispruch des Beschuldigten
gefordert und die vorinstanzlich zugesprochene Entschädigung der früheren
amtlichen Verteidigung ebenfalls gerügt wird, wobei diese Entschädigung explizit
Teil der Kostenfestsetzung des Ersturteils bildet, ist sodann auch das gesamte
Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Dispositiv-Ziffern 7 - 10) einer
vollständigen Neubeurteilung im Sinne von Art. 398 Abs. 2 StPO zu unterziehen.
4. Der Beschuldigte hat im Rahmen des Berufungsverfahrens keine Beweis-
anträge gestellt. Es drängen sich im Berufungsprozess – abgesehen von der
Befragung des Beschuldigten – auch von Amtes wegen keine Beweiserhebungen
auf.
III. Sachverhalt
1. Sachverhalt
1.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 18. Dezember 2019 betreffend die vorliegend noch
angefochtenen Vorwürfe angelastet, als Aussendienstmitarbeiter der C._ AG
die ihm von den Geschädigten D._ und E._ in bar für eine
abgeschlossene Lebensversicherung am 24. Januar 2012 übergebene
Einmaleinlage von Fr. 800'000.– nicht der Versicherung einbezahlt, sondern für
anderweitige (insbesondere auch private) Zwecke verwendet und den
Geschädigten lediglich im Umfang von Fr. 191'600.– retourniert zu haben, ohne
jemals in der Lage gewesen zu sein, ihnen den erhaltenen Betrag vollständig zur
Verfügung zu halten, wodurch den beiden Geschädigten letztlich ein Schaden von
Fr. 608'000.– (Urk. 33 S. 5) bzw. 608'400.– (Urk. 33 S. 2) entstanden sei
(Dossier 1; Urk. 33 S. 2 - 5).
1.2. Ferner habe er im Rahmen des gegen ihn laufenden (familienrechtlichen)
Anweisungsverfahrens vor dem Bezirksgericht Brugg in der Absicht, wahrheits-
widrig zu belegen, dass er die Mietzinsen seiner Wohnung jeweils selber bezahle,
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zwischen dem 1. Dezember 2017 und dem 4. Juni 2018 diverse Buchungs-
detailbelege der F._ [Bank] G._ [Ort] abgeändert, indem er als
Kontoinhaber fälschlicherweise seinen Namen eingetragen und zudem die
Kontoart (in einem Fall zusätzlich auch das Datum und den Betreff)
wahrheitswidrig geändert habe, um sich im besagten Prozess einen
unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen (Dossier 5; Urk. 33 S. 9 - 10).
2. Beweisergebnis
2.1. Der Beschuldigte hat die Darstellung der Anklage mit Bezug auf Dossier 1
in der Untersuchung und an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung insofern
anerkannt, als er den Erhalt des Geldes der Geschädigten bestätigte und auch
einräumte, dieses Geld nie an die Versicherung weiterüberwiesen zu haben
(Urk. 6/1 S. 7 f.; Urk. 6/2 S. 3 f.; Prot. I S. 16 f.). Im Übrigen stellte er sich indes
auf den Standpunkt, es habe nach Abschluss des Versicherungsvertrages im Ein-
vernehmen mit den Geschädigten einen Strategiewechsel gegeben, wonach er
die Gelder zwecks Erzielung einer höheren Rendite privat anlegen und den
Geschädigten in der Folge monatliche Rentenbeträge in der Höhe von Fr. 6'900.–
auszahlen sollte, wobei der Geschädigte E._ um das entsprechende
Investment in die H._ AG gewusst habe (Urk. 6/1 S. 7 f.; Prot. I S. 16, 22 ff.).
Betreffend Dossier 5 war der Beschuldigte in der Untersuchung und in der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung weitestgehend geständig und räumte insbe-
sondere ein, die inkriminierten Buchungsbelege im eingeklagten Sinne abgeän-
dert zu haben, obwohl er die Mietzinse nicht persönlich an die Vermieterin bezahlt
habe, wobei ihm bewusst gewesen sei, dass die falschen Belege in einem
Gerichtsverfahren verwendet werden könnten. Er habe den Mietzins, welchen er
am Ende ohnehin selber getragen habe, in seinem Bedarf berücksichtigt und sich
durch die Fälschungen im Prinzip das Leben ein bisschen erleichtern wollen – da-
zu stehe er (Prot. I S. 33 f.).
2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung blieb der Beschuldigte hinsichtlich
Dossier 1 zunächst bei seinem Standpunkt, dass die Investition in die H._
AG vereinbarungsgemäss mit Wissen des Privatklägers E._ erfolgte
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(Urk. 130 S. 6 f.), gestand dann aber den Anklagesachverhalt betreffend
Dossier 1 auf nochmaligen Vorhalt letztlich doch noch vollumfänglich ein
(Urk. 130 S. 7). Im Übrigen anerkannte der Beschuldigte auch den gesamten
Schadensbetrag von Fr. 608'400.– (Urk. 130 S. 8). Demnach ist der
entsprechende Anklagesachverhalt in zweiter Instanz bereits aufgrund des
diesbezüglich neu abgelegten Geständnisses, welches sich mit den weiteren
Untersuchungsergebnissen deckt, erstellt. Erwiesen ist im Vergleich zum
vorinstanzlichen Urteil nun insbesondere auch, dass der Beschuldigte dem
Privatkläger E._ im Verlauf der Gespräche eine höhere Rente von
Fr. 6'900.– pro Monat in Aussicht stellte und dieser in der Folge den Geldtransfer
veranlasste (vgl. Urk. 130 S. 10).
Den Anklagesachverhalt betreffend Dossier 5 anerkannte der Beschuldigte
in der Berufungsverhandlung ohne Vorbehalte (Urk. 130 S. 11), so dass auch
dieser Punkt ohne Weiteres als erstellt gelten kann. Mit Blick auf das
angefochtene Urteil ist diesbezüglich jedoch der Vollständigkeit halber
festzuhalten, dass die Vorinstanz zwar zutreffend davon ausgeht, dem
Beschuldigten wäre der Mietzins im Anweisungsverfahren auch ohne sein
Täuschungsmanöver in seinem Bedarf angerechnet worden, weshalb er
fälschlicherweise davon ausgegangen sei, dass er sich durch die Abänderung der
Buchungsbelege einen unrechtmässigen Vorteil in diesem Verfahren verschaffen
könne (Urk. 112 S. 49). Die festgestellte Fehlvorstellung des Beschuldigten ist
jedoch nicht etwa als relevanter Tatbestandsirrtum zu qualifizieren, da für die
Strafbarkeit des Urkundendelikts der anvisierte Vorteil nicht eingetreten sein muss
und dieser folglich kein irrtumsrelevantes Tatbestandsmerkmal bildet. Erforderlich
ist lediglich das Vorliegen einer unrechtmässigen Vorteilsabsicht des Täters, auf
welche im Rahmen der nachfolgenden rechtlichen Würdigung einzugehen sein
wird (vgl. hinten Ziffer IV./2.2.).
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IV. Rechtliche Würdigung
1. Veruntreuung
1.1. Objektiver Tatbestand
1.1.1. Die Vorinstanz hat sich nur knapp zu den objektiven
Tatbestandsmerkmalen der Veruntreuung von Vermögenswerten geäussert,
soweit jedoch die entsprechenden Voraussetzungen gemäss Art. 138 Ziff. 1
Abs. 2 StGB korrekt wiedergegeben (vgl. Urk. 112 S. 50 ff.).
Zu ergänzen ist, dass bei der Vermögensveruntreuung das empfangene
Objekt nicht fremd ist, dafür aber wirtschaftlich zum Vermögen eines anderen
gehört (DONATSCH, OFK StGB, 21. Aufl., N 12 zu Art. 138 StGB). Bei dieser
Tatbestandvariante erwirbt der Treuhänder mithin das Eigentum an den
Vermögenswerten und erlangt daher nicht nur eine tatsächliche, sondern auch
eine rechtliche Verfügungsmacht (NIGGLI/RIEDO, BSK StGB II, 4. Aufl., N 89 zu
Art. 138 StGB). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts gilt dem Täter
bei dieser Konstellation als anvertraut, was er mit der Verpflichtung empfängt, es
in bestimmter Weise im Interesse eines anderen zu verwenden. Dies trifft
namentlich zu, wenn er die Werte für den Treugeber zu verwahren bzw. zu
verwalten und ihm anschliessend zurückzugeben hat oder wenn er die Werte
namens des Treugebers an einen Dritten weiterzuleiten hat. Dabei genügt es,
dass der Treuhänder ohne Mitwirkung des Treugebers über die Vermögenswerte
verfügen kann, ihm mithin der freie Zugriff auf das fremde Vermögen eingeräumt
worden ist (unkontrollierbare Verfügungsbefugnis; BGE 133 IV 21, E. 6.2.). Die in
das Eigentum des Treuhänders übergegangenen Vermögenswerte sind jedoch
dazu bestimmt, an den Berechtigten zurückzufliessen bzw. an Dritte weitergeleitet
zu werden (BGE 117 IV 429, E. 3.). Der Treuhänder ist deshalb verpflichtet, dem
Treugeber den Wert des Empfangenen ständig zu erhalten, wobei die
Verpflichtung sowohl auf ausdrücklicher als auch auf stillschweigender
Abmachung beruhen kann. Nur wo eine solche besondere Werterhaltungspflicht
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besteht, befindet sich der Empfänger von Vermögenswerten in einer
vergleichbaren Stellung mit demjenigen, der eine fremde bewegliche Sache
erhalten und das Eigentum des Treugebers daran zu wahren hat. Massgebend ist
sodann, dass der Treugeber die Verfügungsmacht über den Vermögenswert dem
Treuhänder bewusst und freiwillig übertragen hat (BGE 133 IV 21, E. 6.2.; Urteil
6B_150/2017 vom 11. Januar 2018, E. 3.2.; vgl. auch DONATSCH, OFK StGB, N 4
zu Art. 138 StGB). In diesem Sinne hat das Bundesgericht entschieden, dass ein
Vermögenswert grundsätzlich nicht anvertraut ist, wenn zur Erlangung der
Verfügungsmöglichkeit eine Täuschung oder ein Gewahrsamsbruch notwendig
war (BGE 111 IV 130, E. 1.). Bezieht sich die Täuschung indes gerade darauf,
dass der Getäuschte dem Täter die Verfügungsmacht einräumt, so gilt der
Vermögenswert nach der Rechtsprechung dennoch als anvertraut (BGE 117 IV
429, E. 3.c; vgl. auch BGE 133 IV 21, E. 6.2. in fine).
Die unrechtmässige Verwendung im Nutzen des Täters oder eines anderen
besteht in einem Verhalten, durch welches der Täter eindeutig seinen Willen
bekundet, den obligatorischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln. Sie liegt
regelmässig darin, dass der Täter das Empfangene weisungswidrig verwendet,
insbesondere zu seinen Gunsten verbraucht, veräussert oder verpfändet, ohne
dem Treugeber aus anderen Mitteln jederzeit entsprechende Werte zur Verfügung
zu halten (DONATSCH, OFK StGB, N 19 zu Art. 138 StGB). Dies gilt insbesondere
bei Buchgeld, welches auf den Konten des Täters eingegangen ist, während es
bei der Verwendung von auf Fremdkonten anvertrauten Geldern für die Unrecht-
mässigkeit bereits genügt, dass der Täter pflichtwidrig über die Gelder verfügt,
selbst wenn er auf anderen Konten über entsprechende Geldwerte verfügt, denn
diesfalls kann die Ersatzfähigkeit lediglich bei der Beurteilung der subjektiven
Elemente des Tatbestands von Bedeutung sein (DONATSCH, Strafrecht III, 11.
Aufl., S. 150). Demgegenüber vermag es in der Regel keine unrechtmässige Ver-
wendung von Vermögenswerten zu begründen, wenn der Täter andere
vertragliche Pflichten als jene zur Erhaltung bzw. bestimmungsgemässen
Verfügung der Vermögenswerte missachtet, indem er beispielsweise die
vorhandenen Vermögenswerte nicht rechtzeitig retourniert oder diese unter
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anderen Modalitäten bestimmungsgemäss verwendet (vgl. DONATSCH, Strafrecht
III, S. 133).
1.1.2. Die Geschädigten haben dem Beschuldigten in casu einen Bargeldbetrag
von Fr. 800'000.– in bar übergeben, ohne weiterhin eine Zugriffsmacht auf diese
Vermögenswerte zu besitzen. Gemäss erstellter Vereinbarung der Parteien hatte
der Beschuldigte diese Gelder der (damaligen) I._ AG weiterzuleiten, damit
diese die Gelder gemäss ihren Richtlinien anlegt. Infolge dieser unkontrollierten
Verfügungsbefugnis mit gleichzeitiger Werterhaltungs- bzw. Weiterleitungspflicht
ist in casu ohne Weiteres von einem anvertrauten Vermögenswert im Sinne der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung auszugehen.
Der Beschuldigte hat sich in der Folge jedoch nicht an die Vereinbarung
gehalten und hat die Gelder auf ein eigenes Konto bzw. in ein eigenes Bank-
schliessfach eingezahlt, um sie von dort aus grösstenteils für private Zwecke bzw.
in ein fremdes Unternehmen zu investieren. Durch diese abredewidrige Vor-
gehensweise hat er den obligatorischen Anspruch der Treugeber fraglos vereitelt.
Nicht zu helfen vermag dem Beschuldigten in diesem Zusammenhang, dass er
einen Teil der Gelder weiterhin zur Verfügung hatte, da der Treuhänder
grundsätzlich jederzeit vollumfänglich ersatzfähig sein muss, um sich nicht
strafbar zu machen, der Beschuldigte aber keinerlei weitere
Vermögensansprüche besass, um die Treugeber aus anderen Geldern schadlos
halten zu können. Es ist insoweit bereits zu diesem Zeitpunkt von einem Schaden
der Treugeber auszugehen, da das hingegebene Vermögen dermassen gefährdet
war, dass es als abgeschrieben erachtet werden musste.
1.1.3. Der Einwand der früheren Verteidigung, wonach vorliegend von einer nicht
dem Tatbestand der Veruntreuung unterliegenden Darlehenshingabe auszugehen
sei (Urk. 86 S. 12 f.), greift nicht. Zwar hat der Beschuldigte den Privatkläger im
Juni 2021 nachträglich über die unrechtmässige Verwendung der Gelder infor-
miert, worauf die vereinbarten Zahlungen von Fr. 6'900.– pro Monat trotzdem wei-
terliefen (vgl. Urk. 130 S. 7 f.), doch war in jenem Zeitpunkt der Tatbestand bereits
erfüllt und insbesondere auch die Schädigung der Privatkläger bereits eingetre-
ten, so dass unter diesen Umständen von einer gemeinsamen Umdeutung des
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ursprünglichen Versicherungsvertrages in einen Abzahlungsvertrag zwecks Wie-
dergutmachung des Schadens auszugehen ist. Nachdem der Beschuldigte in der
Folge unter dem neuen Titel unbestrittenermassen den Betrag von Fr. 191'600.–
an die Geschädigten zurückfliessen liess, resultierte für diese letztlich ein bezif-
ferbarer Schaden von Fr. 608'400.–, wobei es sich beim diesbezüglich in der An-
klageschrift erwähnten Betrag von Fr. 608'000.– (Urk. 33 S. 5) um einen offen-
sichtlichen Verschrieb handelt (vgl. Urk. 130 S. 5).
1.2. Subjektiver Tatbestand
1.2.1 In subjektiver Hinsicht ist ein vorsätzliches Handeln gefordert, wobei
Eventualvorsatz genügt. Hinzu kommt die Absicht unrechtmässiger Bereicherung,
welche in Frage gestellt ist, wenn der Täter im Zeitpunkt des Empfanges der
Gelder den echten Willen hatte, dem Treugeber fristgerecht vollen Ersatz zu
leisten (BGE 119 IV 127, E. 2.c). Ein Teil der Lehre fordert in diesem
Zusammenhang das Vorhandensein eines dolus directus (vgl. NIGGLI/RIEDO, BSK
StGB II, N 115 zu Art. 138 StGB), doch lässt das Bundesgericht in ständiger
Rechtsprechung bereits eine Eventualabsicht betreffend die Bereicherung
genügen (BGE 118 IV 32, E. 2a; Urteil 6B_472/2011 vom 14. Mai 2012, E. 15.1.).
Dies muss zumindest insoweit gelten, als sich der Täter aufgrund seiner
finanziellen Lage nicht sicher sein konnte, dem Treugeber ersatzfähig zu sein
(DONATSCH, Strafrecht III, S. 139).
1.2.2. Dem Beschuldigten war vorliegend durchaus bewusst, dass die Gelder
nicht für seine private Zwecke bzw. Spekulationen gedacht waren, sondern
entsprechend dem Willen der Geschädigten an die Versicherung weiterzuleiten
waren. Wenn er die Gelder für private Zwecke nutzte bzw. in unsichere Objekte
investierte, wusste er mithin um die unrechtmässige Verwendung der Ver-
mögenswerte. Dabei mag mit der Verteidigung durchaus zutreffen, dass er auch
darauf hoffte, die Gelder vereinbarungsgemäss an die Geschädigten zurück-
erstatten zu können und darüber hinaus für sich selber einen Gewinn zu
erwirtschaften (vgl. Urk. 131 S. 9), doch musste er aufgrund des unsicheren
Investments und seiner im Übrigen angespannten finanziellen Lage zumindest
ernsthaft damit rechnen, dass dies nie mehr vollständig der Fall sein wird. Er
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handelte damit jedenfalls in der eventuellen Absicht, sich durch sein Vorgehen
unrechtmässig zu bereichern, was gemäss der bundesgerichtlichen Praxis für die
Tatbestandsmässigkeit genügt.
2. Urkundenfälschung
2.1. Objektiver Tatbestand
Der objektive Tatbestand gibt im vorliegenden Zusammenhang zu keinen
besonderen Bemerkungen Anlass. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang,
dass Bankbelege gemäss ständiger Praxis als geeignet und bestimmt erachtet
werden, eine rechtlich erhebliche Tatsache zu belegen, weshalb ihnen grund-
sätzlich die Qualität einer Urkunde im Sinne von Art. 110 Abs. 4 StGB zukommt
(BGE 120 IV 361, E. 2.). Die Abänderung des Kontoinhabers und der Kontoart auf
diesen Belegen ist ohne Weiteres als ein Verfälschen im Sinne der zweiten Vari-
ante von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB zu qualifizieren, so dass die objektiven
Merkmale der Urkundenfälschung gegeben sind.
2.2. Subjektiver Tatbestand
Umstritten ist im Zusammenhang mit der vorliegend zu beurteilenden
Urkundenfälschung insbesondere der subjektive Tatbestand. Die Vorinstanz hat
diesbezüglich in theoretischer Hinsicht zu Recht festgehalten, dass im Rahmen
der Urkundendelikte nebst dem Vorsatz sowohl eine Täuschungsabsicht als auch
die Absicht einer Schädigung bzw. eines unrechtmässigen Vorteils erforderlich ist,
wobei diesbezüglich vorweg auf ihre punktuellen Ausführungen zur dies-
bezüglichen Praxis des Bundesgerichts verwiesen werden kann (Urk. 112 S. 55).
Nachdem die vorinstanzlich festgestellte Täuschungsabsicht angesichts
der Einbringung gefälschter Unterlagen in einen Gerichtsprozess nicht in Frage zu
stellen ist, bleibt insbesondere die Absicht eines unrechtmässigen Vorteils zu
prüfen. Die bundesgerichtliche Praxis legt in diesem Zusammenhang die
Unrechtmässigkeit des Vorteils weit aus und subsumiert sowohl unrechtmässige
Ziele als auch unrechtmässige Mittel darunter, so dass auch der vorliegende
Gebrauch gefälschter Bankbelege zwecks erfolgreicher Geltendmachung
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(indirekt) bezahlter Mietzinse darunter fällt (vgl. analog BGE 106 IV 42 f.). Die
frühere Verteidigung monierte denn auch weniger die Unrechtmässigkeit des
Vorgehens, sondern vielmehr das Vorliegen eines Vorteils für den Beschuldigten,
indem sie geltend machte, dieser habe keine vermögensrechtliche Besserstellung
angestrebt, sondern die Sicherstellung der korrekten Berechnung seines Bedarfes
durch das Gericht ohne Verbesserung der Beweislage (Urk. 86 S. 18). Dabei
verkannte sie jedoch, dass gemäss dem Bundesgericht auch ein Handeln zwecks
Zeitgewinn bzw. Bequemlichkeit mit einem relevanten Vorteil verbunden sein
kann (vgl. BGE 137 IV 167, E. 2.4.), was vorliegend entsprechend seinen
Aussagen (vgl. Prot. I S. 34 f.) zweifellos der Antrieb des Vorgehens des
Beschuldigten gewesen sein dürfte.
Liegt aber nach dem Gesagten nebst dem unbestrittenen Vorsatz auch ei-
ne Täuschungs- und Vorteilsabsicht des Beschuldigten vor, so ist der subjektive
Tatbestand der Urkundenfälschung ebenfalls gegeben.
3. Fazit
Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten – nebst der bereits rechtskräfti-
gen Verurteilung wegen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz (vgl.
vorne Ziffer II./1.) – auch in zweiter Instanz der Veruntreuung im Sinne von
Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB sowie der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251
Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen. Die Verteidigung hat sich im Berufungs-
verfahren dieser rechtlichen Beurteilung vollumfänglich angeschlossen (Urk. 131
S. 5).
V. Strafe
1. Allgemeines
1.1. Vorweg ist festzuhalten, dass auf den vorliegenden Fall mit der Tatbege-
hung ab dem Jahr 2012 das alte Sanktionsrecht zur Anwendung gelangt, unter
dessen Regime die Ausfällung einer Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen möglich
war (Art. 34 Abs. 1 aStGB), weshalb das ab 1. Januar 2018 geltende Recht nicht
- 17 -
milder ist und demzufolge in casu keine Geltung zu beanspruchen vermag
(Grundsatz der "lex mitior"; Art. 2 Abs. 2 StGB).
1.2. Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Strafzumessung ansonsten im
Wesentlichen korrekt dargestellt und insbesondere auch die Methodik der Ge-
samtstrafenbildung gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB zutreffend resümiert (Urk. 112
S. 57 ff.), wobei jedoch zu betonen ist, dass dieses Vorgehen jenen Fällen vor-
behalten bleibt, in welchen im selben Verfahren gleichartige Strafen auszufällen
sind (BGE 144 IV 313, E. 1.; BGE 138 IV 120, E. 5.2.).
Wenn in der Folge von der Veruntreuung als schwerstem Delikt ausge-
gangen und anschliessend die Tatkomponente der einzelnen Taten beleuchtet
wurde, so ist auch diese Praxis grundsätzlich nicht zu beanstanden. Allerdings hat
sich die nachfolgend zu beurteilende Täterkomponente letztlich auf sämtliche
Delikte zu beziehen und ist richtigerweise erst nach Festlegung der (hypo-
thetischen) Gesamtstrafe für sämtliche Delikte zu berücksichtigen (Urteile
6B_375/2014 vom 28. August 2014, E. 2.6.; 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013,
E. 2.3.2.), während es entgegen der Vorinstanz nicht angeht, diesen Aspekt
lediglich auf das Hauptdelikt zu beziehen (vgl. Urk. 112 S. 61 f.).
1.3. Im erstinstanzlichen Urteil fehlt sodann eine Auseinandersetzung mit der
angemessenen Strafart. Es ist diesbezüglich festzuhalten, dass gemäss dem
Verhältnismässigkeitsprinzip bei alternativ zur Verfügung stehenden und hinsicht-
lich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige zu wäh-
len ist, welche weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift
bzw. ihn am wenigsten hart trifft. Im konkreten Fall sind für die Wahl der Sankti-
onsart als wichtigste Kriterien die Zweckmässigkeit der Sanktion, ihre Auswirkun-
gen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu be-
rücksichtigen. Es ist in dieser Hinsicht eine Prognose zu stellen, welche Sanktion
für einen bestimmten Täter aus spezialpräventiven Gesichtspunkten wirksamer
erscheint (BGE 134 IV 84 f. m.w.H). Im Übrigen kann eine Freiheitsstrafe stets
dann ausgefällt werden, wenn zu erwarten ist, dass eine Geldstrafe voraussicht-
lich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 aStGB).
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2. Tatkomponente
2.1. Veruntreuung
2.1.1. Zur objektiven Tatschwere ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der
letztlich veruntreute Betrag von Fr. 608'400 eine hohe Deliktssumme darstellt,
auch wenn diese mit der Verteidigung (Urk. 131 S. 8) nicht am oberen Ende der
möglichen Delinquenz liegt. Der Beschuldigte bediente sich dabei durchaus
raffinierter Machenschaften, um in bar an das Geld gelangen zu können, welches
er in der Folge entgegen einer klaren Abmachung nicht an die Versicherung
weiterleitete, sondern in bedeutendem Umfang zur Begleichung privater Schulden
verwendete. Besonders verwerflich erscheint dabei, dass es sich bei den Ge-
schädigten um befreundete Personen handelte, welche dem Beschuldigten
vertrauten und ihm dabei einen namhaften Teil ihrer Vorsorge anvertrauten (vgl.
Urk. HD 2/8). Das objektive Tatverschulden ist demzufolge zumindest im mittleren
Bereich anzusiedeln.
2.1.2. Betreffend die subjektive Tatschwere fällt in Betracht, dass der
Beschuldigte weitestgehend aus egoistischen Motiven handelte und dabei zu
keinem Zeitpunkt ernsthaft damit rechnen konnte, seinen Verpflichtungen
gegenüber den Geschädigten vollständig nachkommen zu können, weshalb sich
das (bloss) eventualvorsätzliche Vorgehen nur marginal zu seinen Gunsten
auszuwirken vermag. Nachdem die von der Vorinstanz als verschärfend
gewürdigten Aspekte vorliegend mehrheitlich bei der objektiven Tatkomponente
berücksichtigt wurden, bleibt es mithin beim Tatverschulden im mittleren Bereich
des eingangs dargelegten Strafrahmens. Auch wenn mithin die
Verschuldensqualifikation der Vorinstanz als zu hoch erscheint, da diesfalls eine
Strafe im oberen Bereich des Strafrahmens bis zu einer Freiheitsstrafe von
5 Jahren auszufällen wäre, ist ihre diesbezüglich festgelegte Strafhöhe von
34 Monaten durchaus adäquat und demzufolge in zweiter Instanz nicht zu
beanstanden.
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2.2. Urkundenfälschung
2.2.1. Das Tatverschulden der Urkundenfälschung ist im Einklang mit der
Vorinstanz als noch eher leicht einzustufen (vgl. Urk. 112 S. 63). Nicht zu
verkennen ist zwar, dass der Beschuldigte in diesem Zusammenhang mehrere
Dokumente aus nichtigem Anlass fälschte, welche er in der Folge in einen
Gerichtsprozess einbringen liess, womit er seine generelle Respektlosigkeit vor
der hiesigen Rechtsordnung ein weiteres Mal unter Beweis stellte, so dass die
Strafe von vornherein nicht im untersten Bereich des Verschuldens angesiedelt
werden kann. Allerdings handelte es sich im Wesentlichen um ein Vorgehen aus
Bequemlichkeit ohne grosse kriminelle Energie, bei welchem niemand zu
Schaden kam, was das Verschulden in objektiver Hinsicht merklich relativiert.
2.2.2. Mangels erhöhender oder relativierender subjektiver Aspekte des Tatvor-
gehens ist die hypothetische Strafe demzufolge isoliert im Bereich von 4 Monaten
bzw. 120 Tagen festzusetzen.
2.3. Fahren ohne Berechtigung
2.3.1. Was schliesslich das Fahren ohne Berechtigung anbelangt, so erscheint
das diesbezügliche Verschulden objektiv als leicht, nachdem die unerlaubt gefah-
rene Strecke nicht sonderlich weit war und davon auszugehen ist, dass es ohne
das plötzliche Unwohlsein der Partnerin, welche die Fahrt ursprünglich angetrete-
nen hatte, nicht zur Delinquenz gekommen wäre.
2.3.2. Eine andere Einschätzung der Tatschwere aufgrund subjektiver Aspekte
ergibt sich vorliegend nicht, so dass für sich alleine betrachtet eine hypothetische
Strafe von 1.5 Monaten bzw. 45 Tagen als angemessen erscheint.
3. Täterkomponente
3.1. Betreffend die Täterkomponente kann hinsichtlich der persönlichen Ver-
hältnisse des Beschuldigten grundsätzlich auf dessen Befragung anlässlich der
Hauptverhandlung (Prot. I S. 11 ff.) sowie die diesbezüglichen Erwägungen im
- 20 -
vorinstanzlichen Entscheid (vgl. Urk. 112 S. 62) verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). In der Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte ergänzt, dass er
inzwischen rechtskräftig geschieden sei und in Kürze eine neue Stelle als
Personalberater mit einem Nettoeinkommen von rund Fr. 10'000.– pro Monat
(zuzügl. 13. Monatslohn und allfälliger Bonus) antreten werde. Er sei immer noch
in psychologischer Behandlung und habe kürzlich eine Gehirnthrombose erlitten,
ansonsten es ihm gesundheitlich zur Zeit aber wieder akzeptabel gehe (Urk. 130
S. 2 f.). Es ergeben sich insofern keine Aspekte, welche für die Bemessung der
Strafhöhe relevant wären.
3.2. Im Hinblick auf das Vorleben des Beschuldigten ist festzuhalten, dass er
lediglich im Bereich der Strassenverkehrsdelinquenz zwei relevante Vorgänge
aufweist, wobei allerdings nur die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-
Zurzach vom 18. Januar 2016 verhängte Sanktion eine Vorstrafe darstellt, da die
weitere Verurteilung erst nach der vorliegend zu beurteilenden Tat vom Dezember
2016 erging (vgl. Urk. 116), wobei allerdings bezüglich der Vorstrafe zu berück-
sichtigen ist, dass der Beschuldigte innert einer ihm dort laufenden Probezeit
delinquierte. Sowohl hinsichtlich der Urkundenfälschung als auch des Fahrens
ohne Berechtigung ist sodann geringfügig straferhöhend auch die Delinquenz
während der laufenden Strafuntersuchung zu berücksichtigen.
3.3. Was schliesslich das Nachtatverhalten anbelangt, so verhielt sich der Be-
schuldigte im Rahmen der Untersuchung hinsichtlich der ihm angelasteten Verun-
treuungshandlungen nicht sehr kooperativ, auch wenn er immerhin einräumte,
das wirtschaftlich fremde Geld übernommen und teilweise für private Zwecke ver-
braucht zu haben. Das umfassende Geständnis anlässlich der Berufungsverhand-
lung kann dem Beschuldigten lediglich marginal strafmindernd angerechnet wer-
den, da dieses reichlich spät und zudem nur halbherzig erfolgte (vgl. vorne Ziffer
III./2.2.). Immerhin zeigte sich der Beschuldigte mit Bezug auf die weiteren Delikte
in einem früheren Stadium weitgehend geständig, was insofern stärker zu seinen
Gunsten zu berücksichtigen ist.
3.4. Nicht zu folgen ist der Verteidigung, wenn sie – über die Verletzung des
Beschleunigungsgebotes hinaus – die lange Zeitdauer seit der ersten Tat straf-
- 21 -
mindernd in Anschlag bringen möchte (Urk. 131 S. 12). Eine solche
Strafminderung kommt nur jenem Beschuldigten zugute, der sich während der
fraglichen Zeitdauer wohlverhielt, was beim Beschuldigten nicht der Fall war, da
dieser in der Folge noch weitere Delikte verübte. Eine besondere
Strafempfindlichkeit des Beschuldigten liegt entgegen den Vorbringen der
Verteidigung (Urk. 131 S. 13) ebenfalls nicht vor. Zwar ist der Beschuldigte Vater
von drei Kindern, doch ist er nicht deren Hauptbetreuungsperson und übt lediglich
ein Besuchsrecht aus (Urk. 130 S. 3), wobei diese Art der Kontaktpflege
unbesehen der Vollzugsmodalitäten gewährleistet bleibt.
3.5. Unter Berücksichtigung der Täterkomponente rechtfertigt sich mithin für die
Veruntreuung nur eine marginale Strafminderung im Bereich von 2 - 3 Monaten.
In Bezug auf die Urkundenfälschung ist demgegenüber infolge des weitgehenden
Geständnisses eine stärkere Strafreduktion vorzunehmen, woraus mit Bezug auf
dieses Delikt eine Strafe von 3 Monaten bzw. 90 Tagen resultiert. Betreffend die
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsrecht wirkt sich die Täterkomponente
schliesslich strafzumessungsneutral aus, da hier seinem Geständnis eine ein-
schlägige Delinquenz während der Probezeit gegenübersteht, so dass es bei ei-
ner Strafe von 1.5 Monaten bzw. 45 Tagen bleibt.
4. Beschleunigungsgebot
4.1. In casu wurde die Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten mit Straf-
anzeige der Privatkläger 3 und 4 vom 30. Juni 2016 in die Wege geleitet
(Urk. HD 1). Es folgten weitere Anzeigen durch die Privatklägerin 1 betreffend
Vernachlässigung von Unterhaltspflichten vom 13. Juni 2018 (Urk. D2/1 und D6/1)
sowie durch die Präsidentin des Bezirksgerichtes Brugg betreffend Fahren ohne
Berechtigung vom 27. Juni 2018 (Urk. D7/1). Die Strafuntersuchung wurde
schliesslich am 18. Dezember 2019 mit der Anklageerhebung an das Bezirks-
gericht Bülach abgeschlossen (Urk. 33), worauf dieses am 20. April 2021 nach
rund eineinhalb Jahren das erstinstanzliche Urteil fällte (Urk. 108).
4.2. Aus den Akten sind zwar keine grösseren Behandlungslücken auszu-
machen, in welchen während mehrerer Monate keine Verfahrenshandlung
- 22 -
ergangen wäre, doch erscheint eine Verfahrensdauer von insgesamt rund
5 Jahren für den einigermassen überschaubaren Prozessstoff, insbesondere in
Berücksichtigung der starken Verzögerung des erstinstanzlichen Verfahrens, trotz
zwischenzeitlicher Pandemie letztlich als zu lang. Diesem für den Beschuldigten
belastenden Umstand ist für sämtliche Delikte mit einer moderaten Strafreduktion
im Bereich von rund 10 Prozent Rechnung zu tragen.
5. Strafzumessung
5.1. In Beachtung sämtlicher relevanter Strafzumessungsgründe ergibt sich für
die begangene Veruntreuung nach dem Gesagten eine Freiheitsstrafe von
28 Monaten, da aufgrund des diesbezüglichen Verschuldens des Beschuldigten
und der damit verbundenen Höhe der Sanktion in dieser Hinsicht von vornherein
keine Geldstrafe mehr in Betracht kommt (vgl. Art. 34 Abs. 1 aStGB).
5.2. Für die Urkundenfälschung und die Widerhandlungen gegen das Strassen-
verkehrsgesetz ergibt sich demgegenüber jeweils ein Strafmass, welches selbst
unter dem neuen (strengeren) Recht noch einer Geldstrafe zugänglich ist (vgl.
Art. 34 Abs. 1 StGB). Nachdem bezüglich der Urkundenfälschung keine
einschlägige Vorstrafe besteht und diese Tat zudem isoliert von der Haupttat in
anderem Zusammenhang begangen wurde, rechtfertigt sich diesbezüglich ohne
Weiteres die Verhängung der milderen Sanktion der Geldstrafe. Doch auch
hinsichtlich der Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz ist vorliegend
trotz einschlägiger Vorstrafe (und kürzlicher erneuter Delinquenz in diesem
Bereich) nochmals eine Geldstrafe auszufällen, da die erste Strafe in diesem
Bereich bedingt ausgefällt und in der Folge auch nicht widerrufen wurde, so dass
sich der Beschuldigte diesbezüglich noch nie mit einer vollziehbaren Sanktion
konfrontiert sah. Im Übrigen bestehen keine ernstlichen Zweifel daran, dass die
Geldstrafe vollstreckt werden kann, nachdem die Schuldenlast des Beschuldigten
vor allem die ausstehenden Alimentenzahlungen betrifft und der Beschuldigte
inzwischen bereits wieder über ein geregeltes Einkommen verfügt (Urk. 128;
Urk. 130 S. 2 f.).
- 23 -
Für diese weiteren Delikte des Beschuldigten erscheint, unter Berück-
sichtigung der zusätzlichen massvollen Reduktion der Strafe wegen der langen
Verfahrensdauer und ausgehend von der Geldstrafe für die Urkundenfälschung
im Bereich von 80 Tagessätzen, in Anwendung des Asperationsprinzips eine
Verschärfung um 30 Tagessätze aufgrund der Widerhandlung gegen das SVG
angemessen, woraus im Sinne eines Zwischenergebnisses eine (hypothetische)
Geldstrafe von insgesamt 110 Tagessätzen resultiert. Angesichts der aktuell
wieder verbesserten finanziellen Situation des Beschuldigten (vgl. vorstehend
Ziffer 3.1.) ist die Tagessatzhöhe auf Fr. 180.– festzusetzen, was dem Niveau der
ersten dem Beschuldigten auferlegten Geldstrafe vom 18. Januar 2016 entspricht,
wo seinerseits ähnlich komfortable wirtschaftliche Verhältnissen vorlagen.
Die heute festzusetzende Geldstrafe ist als Zusatzstrafe zur mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 9. Juli 2020 ausgefällten Geldstrafe
von 25 Tagessätzen zu Fr. 100.– auszufällen, wobei in Anwendung von Art. 49
Abs. 2 StGB von der höheren aktuellen Geldstrafe von 110 Tagessätzen
auszugehen und diese um die früher verhängte Geldstrafe angemessen auf eine
Gesamtgeldstrafe von 125 Tagessätzen zu erhöhen ist, so dass sich nach Abzug
der früheren Geldstrafe von 25 Tagessätzen im Endeffekt eine Geldstrafe von
100 Tagessätzen zu Fr. 180.– als Zusatzstrafe zum erwähnten Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft ergibt.
6. Vollzug
6.1. Freiheitsstrafe
6.1.1. Aufgrund der für die Freiheitsstrafe festgelegten Strafhöhe von 28 Monaten
kommt vorliegend gestützt auf Art. 43 Abs. 1 StGB die Ausfällung einer
teilbedingten Strafe in Betracht. Auch beim teilbedingten Vollzug dürfen indes
keine Gründe vorliegen, welche den bedingten Vollzug ausschliessen.
Insbesondere muss eine begründete Aussicht auf Bewährung gegeben sein
(TRECHSEL/PIETH, PK StGB, 4. Aufl. , N 2 zu Art. 43 StGB). Wenn und soweit die
Legalprognose des Täters nicht schlecht ausfällt, verlangt die Bestimmung, dass
zumindest ein Teil der Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird. Umgekehrt gilt,
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dass bei einer Schlechtprognose auch ein bloss teilweiser Aufschub der Strafe
nicht gerechtfertigt erscheint. Denn wo keinerlei Aussicht besteht, der Täter werde
sich in irgendeiner Weise durch den ganz oder teilweise gewährten Strafaufschub
beeinflussen lassen, muss die Strafe in voller Länge vollzogen werden (BGE 134
IV 1, E. 5.2.). Die Auffassung, dass die subjektiven Voraussetzungen von Art. 42
StGB auch für die Anwendung von Art. 43 StGB gelten müssen, entspricht der
überwiegenden Lehrmeinung (vgl. statt vieler STRATENWERTH, AT II, 3. Aufl.,
S. 144; SCHWARZENEGGER/HUG/JOSITSCh, Strafrecht II, 8. Aufl., S. 130 ff.).
6.1.2. Der Beschuldigte weist zwar eine Vorstrafe wegen Widerhandlungen
gegen das Strassenverkehrsgesetz auf und wurde in jüngster Zeit erneut in
diesem Bereich straffällig (vgl. Urk. 116). Im Bereich der Vermögensdelinquenz
hat er jedoch als Ersttäter zu gelten, welcher sich trotz zwischenzeitlicher Krisen
insgesamt in relativ stabilen Verhältnissen befindet und demnächst wieder einer
geregelten Arbeitstätigkeit nachgehen wird (vgl. Urk. 130 S. 2). Die Bewährungs-
aussichten des Beschuldigten sind mithin zwar – insbesondere auch aufgrund
seines nach wie vor beträchtlichen Schuldenberges – nicht vollends intakt, doch
ist angesichts der gesamten Umstände davon auszugehen, dass er sich nicht
zuletzt wegen des Vollzuges eines Teils der in diesem Prozess auszufällenden
Strafe und auch wegen der in diesem Zusammenhang zu bezahlenden Geldstrafe
(vgl. nachfolgend Ziffer 6.2.), genügend beeindrucken lassen wird, um inskünftig
nicht mehr zu delinquieren. Dem Beschuldigten ist demnach insoweit keine
Schlechtprognose zu stellen, was den teilbedingten Vollzug der ausgefällten
Freiheitsstrafe von 28 Monaten ermöglicht.
6.1.3. Was den zu vollziehenden Teil der Strafe anbelangt, so kann dem Be-
schuldigten angesichts des Verschuldens im mittleren Bereich nicht mehr das Mi-
nimum von 6 Monaten gewährt werden. Vielmehr ist insbesondere angesichts des
ausgeprägten Vertrauensmissbrauchs mit der Schädigung einer ihm nahestehen-
den Person die Festlegung eines unbedingt auszusprechenden Anteils von
9 Monaten angezeigt, während der verbleibende Anteil von 19 Monaten aufzu-
schieben ist. Um den bestehenden Bedenken bezüglich der Prognose Rechnung
zu tragen, ist die Probezeit auf 3 Jahre anzusetzen.
- 25 -
6.2. Geldstrafe
6.2.1. Für die Frage des Vollzugs der Geldstrafe gelten die allgemeinen Grund-
sätze von Art. 42 StGB, wonach die Strafe bei Fehlen einer ungünstigen
Prognose grundsätzlich aufzuschieben ist, sofern auch die übrigen
Voraussetzungen des bedingten Vollzugs gegeben sind. Es ist diesbezüglich
jedoch in Rechnung zu stellen, dass der Beschuldigte bereits einmal wegen eines
SVG-Deliktes mit einer aufgeschobenen Geldstrafe belegt wurde, welche ihre
Wirkung jedoch offensichtlich verfehlt hat. Vielmehr hat sich der Beschuldigte in
diesem Bereich erneut strafbar gemacht, indem er sich trotz Entzuges des
Führerausweises ein weiteres Mal ans Steuer eine Motorfahrzeuges gesetzt hat.
Unter diesen Umständen kann nicht erwartet werden, dass sich der Beschuldigte
durch eine weitere bedingte Geldstrafe genügend beeindrucken lassen wird, um
inskünftig im Bereich der Strassenverkehrsdelinquenz nicht wieder rückfällig zu
werden.
6.2.2. Die vorliegend ausgefällte Geldstrafe ist nach dem Gesagten nicht aufzu-
schieben. Der Beschuldigte hat sie demzufolge innert der von der Inkassobehörde
anzusetzenden Frist zu bezahlen.
VI. Zivilbegehren
Die Vorinstanz hat das Schadenersatzbegehren der Privatkläger 3 und 4
im vollen Betrag von Fr. 580'000.– zuzüglich Zins von 5 % seit 24. Januar 2012
gutgeheissen (Urk. 112 S. 69). Anlässlich der Berufungsverhandlung anerkannte
der Beschuldigte die entsprechende Schadenersatzforderung vollumfänglich
(Urk. 130 S. 10). Er ist demzufolge in zweiter Instanz gemäss seiner Anerkennung
zu verpflichten, den Privatklägern 3 und 4 einen Schadenersatzbetrag von
Fr. 580'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 24. Januar 2012 zu bezahlen.
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VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
1.1. Kostenregelung
Das Berufungsverfahren bestätigt das Urteil des Bezirksgerichts im Schuld-
und Zivilpunkt vollumfänglich und weicht lediglich im Strafpunkt vom vor-
instanzlichen Verdikt ab. Die im angefochtenen Entscheid angeordnete
Kostenauflage zu Lasten des Beschuldigten erweist sich demnach ohne Weiteres
als gerechtfertigt (vgl. Art. 426 StPO).
1.2. Entschädigung der Privatklägerschaft
Entsprechend seiner Kostentragungspflicht hat der Beschuldigte die
Rechtsvertreter der Privatkläger für das erstinstanzliche Verfahren angemessen
zu entschädigen (vgl. Art. 433 StPO). Das Urteil der Vorinstanz ist mithin auch in
diesem Punkt zu bestätigen, zumal die Höhe der Entschädigungen in zweiter
Instanz nicht konkret beanstandet wurde.
1.3. Entschädigung der früheren amtlichen Verteidigung
1.3.1. Im Rahmen der ebenfalls beantragten Prüfung der vorinstanzlichen
Entschädigung des früheren amtlichen Verteidigers des Beschuldigten ist vorweg
festzuhalten, dass der geltend gemachte Aufwand für das Vorverfahren vom
Gericht vollumfänglich gutgeheissen und der Verteidigung für dieses Stadium
antragsgemäss der Betrag von Fr. 14'181.– (inkl. MwSt) zugesprochen wurde
(Urk. 112 S. 66). Zu überprüfen bleibt mithin lediglich noch die Entschädigung für
das erstinstanzliche Hauptverfahren, welche im angefochtenen Entscheid auf
Fr. 12'000.– (exkl. Barauslagen und MwSt) festgesetzt worden ist (Urk. 112 S.
67).
1.3.2. Die rechtlichen Grundlagen für die Bemessung der Entschädigung der
amtlichen Verteidigung im gerichtlichen Verfahren wurden im erstinstanzlichen
Urteil nicht rezitiert. Es wurde stattdessen ein Aufwand von maximal 50 Stunden
geschätzt und die Entschädigung daraus abgeleitet. Es ist diesbezüglich darauf
- 27 -
hinzuweisen, dass das anwaltliche Entgelt für das Gerichtsstadium mittels
Pauschalen gemäss den kantonalen Gebührenverordnungen festgesetzt wird, so
dass im vorliegenden Zusammenhang die Verordnung des Obergerichts über die
Anwaltsgebühren (AnwGebV) heranzuziehen ist (vgl. BGE 143 IV 453, E. 2.5.).
Laut § 17 Abs. 1 AnwGebV gilt für das gerichtliche Kollegialverfahren in
Strafsachen eine Grundgebühr zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 28'000.–, wobei sich
die Gebühr primär nach der Bedeutung des Falles, der Verantwortung und dem
Zeitaufwand der Vertretung sowie der Komplexität des Verfahrens bemisst (§ 2
Abs. 1 AnwGebV). Zu dieser Gebühr können Zuschläge berechnet werden, sofern
beispielsweise eine weitere Verhandlung oder Rechtsschrift notwendig wird (§ 17
Abs. 2 AnwGebV). Der besagte Rahmen ist zwar nicht zwingend (vgl. § 2 Abs. 2
und 3 AnwGebV), doch hat der Verordnungsgeber damit einen Bereich
aufgespannt, welcher sowohl kleine als auch grosse Fälle umfasst und im
Normalfall eine genügende Bandbreite abdeckt. Sofern ein solcher Rahmen für
eine angemessene Verteidigung grundsätzlich nicht als ausreichend betrachtet
wird, wäre dies auf dem Weg einer Gesetzesanpassung zu verfolgen und nicht
durch die Rechtsprechung zu lösen (Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich
vom 15. Dezember 2021, Geschäfts-Nr. SB200219, Erw. F./4.4.).
1.3.3. Der Vorinstanz ist vorliegend zuzustimmen, wenn sie die Aufwendungen
der Verteidigung für das Verfahren vor dem erstinstanzlichen Gericht als
übermässig erachtet (act. 112 S. 67). Zwar ist der Einwand der Verteidigung, dass
die erstinstanzlich festgesetzte Entschädigung nur unvollständig begründet wird
und einen fraglichen Quervergleich mit anderen Honoraren enthält (Urk. 124/2
S. 9 f.), nachvollziehbar. Allerdings ergibt auch ein Vorgehen gemäss der
kantonalen Anwaltsgebührenverordnung in Berücksichtigung der Bedeutung und
Komplexität des Falles und der damit einhergehenden Verantwortung des
Verteidigers kein grundlegend anderes Resultat. Es sind im Rahmen der
zulässigen Festlegung einer Pauschalentschädigung für das vorinstanzliche
Verfahren nämlich sämtliche Bemühungen des Verteidigers als Ganzes
aufzufassen, wohingegen der tatsächlich geleistete Zeitaufwand nur sehr bedingt
zu berücksichtigen ist. Entsprechend ist das Gericht bei der pauschalen
Entschädigungsbemessung entgegen der Verteidigung (Urk. 124/2 S. 8 f.) auch
- 28 -
nicht gehalten, sich mit den in der Honorarnote der Verteidigung enthaltenen
Aufwandpositionen im Einzelnen auseinanderzusetzen und abschliessend eine
Kontrollrechnung mit einem Stundenansatz von Fr. 180.– durchzuführen (BGE
143 IV 453, E. 2.5.; vgl. zuletzt auch Beschluss des Bundesstrafgerichts vom
17. Mai 2022, Geschäfts-Nr. BB.2020.283, E. 4.). Vielmehr ist vorliegend zu
untersuchen, ob die Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie die
Verantwortung der Verteidigung mit den damit verbundenen Aufwendungen im
betreffenden Verfahrensstadium mit der vorinstanzlich festgesetzten Pauschale in
Einklang stehen. Es ist in diesem Zusammenhang auch in zweiter Instanz davon
auszugehen, dass der Aufwand der Verteidigung für die Vorbereitung des
erstinstanzlichen Vortrages, welcher inklusive des Aktenstudiums in der Tat rund
135 Stunden beträgt, für ein Verfahren, dessen Fortgang durch ein teilweises
Geständnis des Beschuldigten erleichtert wurde, zu aufwendig gestaltet wurde,
auch wenn berücksichtigt wird, dass verschiedene Dossiers mit zahlreichen Akten
zu studieren waren. Wenn die Verteidigung in diesem Zusammenhang
insbesondere bezüglich der Dossiers 1, 2 und 6 einen äusserst komplexen Fall im
obersten Drittel der gesamten Bandbreite ins Feld führt (Urk. 124/2 S. 17 + 20 f.),
so kann ihr diesbezüglich nicht zugestimmt werden. Zwar ist durchaus zutreffend,
dass teilweise auch Akten aus zivilrechtlichen Parallelverfahren zu studieren
waren, was im Rahmen der Vorbereitung einen gewissen Mehraufwand nach sich
zog, doch ist einschränkend festzuhalten, dass es sich dabei nicht um ein
sonderlich komplexes Rechtsgebiet handelte, welches besondere
Rechtskenntnisse erforderte. Nicht ersichtlich ist sodann die spezielle Relevanz
der ebenfalls angeführten Anweisungs- und Lohnpfändungsverfahren, da die
Leistungsfähigkeit des Beschuldigten im Zeitpunkt der Fälligkeit der
Unterhaltsbeiträge grundsätzlich unabhängig von diesen Verfahren festzulegen ist
und insofern kein vertieftes Studium der entsprechenden Akten erforderlich war.
Nachvollziehbar ist jedoch das Vorbringen, dass im Zusammenhang mit dem
Vorwurf der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten eine aufwendige
Berechnung zwecks Prüfung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des
Beschuldigten durchzuführen war und auch der Veruntreuungstatbestand in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht komplexe Überlegungen nach sich ziehen
- 29 -
kann, welche teilweise auch im vorliegenden Verfahren anzustellen waren.
Insofern rechtfertigt es sich, die Grundgebühr vorliegend im oberen Bereich des
mittleren Drittels anzusiedeln, was eine Pauschalentschädigung von Fr. 18'000.–
ergibt. Eine höhere Entschädigung rechtfertigt sich hingegen bereits deshalb
nicht, weil der Verteidiger noch vor der Hauptverhandlung von seinem Amt
entlassen wurde und die entsprechenden Bemühungen mithin von vornherein
entfielen. Zusätzliche Aufwendungen, welche einen Zuschlag im Sinne von § 17
Abs. 2 AnwGebV zu rechtfertigen vermöchten, sind schliesslich in casu nicht
ersichtlich.
1.3.4. Insgesamt sind die zu entgeltenden Aufwendungen des früheren amtlichen
Verteidigers für das Vor- und Hauptverfahren mithin auf Fr. 33'594.70 (inkl. MwSt)
festzusetzen. Hinzu kommen Barauslagen in der Gesamthöhe von Fr. 3'298.90
(inkl. MwSt), was in teilweiser Gutheissung der Beschwerde und entsprechender
Korrektur des vorinstanzlichen Entscheides zu einer Entschädigung der früheren
amtlichen Verteidigung von insgesamt Fr. 36'893.60 (inkl. MwSt) führt.
2. Zweitinstanzliches Verfahren
2.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Inwiefern eine Partei im
Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in welchem
Ausmass ihre in zweiter Instanz gestellten Anträge gutgeheissen werden
(Urteil 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015, E. 2.4.1.).
2.2. Die Entscheidgebühr im zweitinstanzlichen Verfahren ist auf Fr. 4'000.– zu
veranschlagen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14
Abs. 1 lit. b GebV OG).
2.3. Der Beschuldigte dringt vor zweiter Instanz mit seinem Antrag auf
Freispruch nicht durch und unterliegt auch im angefochtenen Zivilpunkt.
Demgegenüber vermag er im Strafpunkt eine massgebliche Verbesserung seiner
Position zu erzielen, wobei insbesondere eine teilbedingte anstatt einer
unbedingten Freiheitsstrafe resultiert. In Berücksichtigung dieser Ausgangslage
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sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der
amtlichen Verteidigung, zu drei Vierteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu
einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.4. Die Verteidigung des Beschuldigten machte für das Berufungsverfahren
einen Aufwand von 17 Stunden und Barauslagen von Fr. 233.30 geltend
(Urk. 139). Diese Aufwendungen sind ausgewiesen. In Anwendung der
Grundsätze der Anwaltsgebührenverordnung erscheint es mithin in teilweiser
Berichtigung von Ziffer 9 des versandten Urteilsdispositivs, mit welchem
versehentlich lediglich ein Betrag von Fr. 2'400.– festgesetzt wurde (vgl. Urk. 133
+ 140), angemessen, die amtliche Verteidigung unter Berücksichtigung des
Mehraufwandes im Zusammenhang mit der Berufungsverhandlung mit insgesamt
Fr. 5'500.– (inkl. MwSt) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
2.5. Die Kosten der zweitinstanzlichen amtlichen Verteidigung sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von drei Vierteln vorbehalten bleibt.
2.6. Was das Beschwerdeverfahren betreffend die vorinstanzliche Entschä-
digung der früheren amtlichen Verteidigung anbelangt, so richtet sich die
Bemessung der Gerichtsgebühr gestützt auf § 17 Abs. 2 GebV OG nach § 8
GebV OG, was eine Reduktion der Grundgebühr gemäss § 4 Abs. 1 GebV OG
auf die Hälfte bis drei Viertel bedeutet. Ausgehend von einem Streitwert von
Fr. 20'000.– ist die Gerichtsgebühr mithin auf Fr. 1'500.– festzusetzen. Aufgrund
des teilweisen Obsiegens der Verteidigung sind diese Kosten zu einem Drittel auf
die Gerichtskasse zu nehmen und zu zwei Dritteln dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Dementsprechend ist der Beschwerdeführer gestützt auf § 19
Abs. 1 AnwGebV eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 1'350.–
zuzusprechen, nachdem eine Kürzung der Anwaltsgebühr von Fr. 4'000.– im
Sinne von § 9 AnwGebV vorliegend nicht angemessen erscheint.
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