Decision ID: b271aa3f-532b-5c3d-8336-50c808e23a83
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Rekurrentin,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
individuelle Prämienverbilligung 2011
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
Die 1970 geborene A._ meldete sich am 8. Februar 2011 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) zum Bezug einer individuellen
Prämienverbilligung (IPV) für das Jahr 2011 an (act. G 3.1/2). Mit Verfügung vom 6. Mai
2011 setzte die SVA den Anspruch auf IPV unter Berücksichtigung eines IPV-
Kinderabzugs für ein Kind à Fr. 9000.-- auf Fr. 801.55 fest, wobei der Versicherten ein
IPV-Anspruch in der Höhe von Fr. 447.05 und dem Sohn B._ ein solcher in der Höhe
von Fr. 354.50 zugesprochen wurde (act. G 3.1/3).
B.
Gegen die Verfügung vom 6. Mai 2011 erhob die Versicherte am 6. Juni 2011
Einsprache und beantragte die Neuberechnung der IPV für das Jahr 2011. Die
Unterhaltszahlungen für ein Kind seien weggefallen. In der Berechnung der SVA seien
jedoch die Alimente für beide Kinder berücksichtigt worden, während nur ein IPV-
Kinderabzug gewährt worden sei (act. G 3.1/4). Mit Entscheid vom 21. Juni 2011 wies
die SVA die Einsprache ab. Bei der Berechnung der IPV seien die familiären
Verhältnisse am 1. Januar des Bezugsjahrs massgebend. Veränderungen während des
Bezugsjahrs seien in der Regel nicht zu berücksichtigen. Am Stichdatum habe nur
B._ im Haushalt der Versicherten gelebt, weshalb auch nur ein Kinderabzug gewährt
werden könne (act. G.1/6).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid vom 21. Juni 2011 richtet sich der von der
Versicherten erhobene Rekurs vom 6. Juli 2011 (Postaufgabe 8. Juli 2011). Sie
beantragt die Neuberechnung der IPV für das Jahr 2011. Mit Vereinbarung zwischen ihr
und ihrem Ex-Mann vom 12./16. Juni 2010 habe dieser ab dem 1. August 2010 die
alleinige elterliche Sorge für den Sohn C._. Der Ex-Mann schulde für C._ keine
Kinderalimente mehr; ihr kämen dagegen neue Unterhaltsausgaben für C._ von Fr.
7'200.-- dazu. Ihr Reineinkommen sei um Fr. 17'760.-- gesunken. Die Veränderungen
seien dauerhafter Natur. Ausserdem sei ihr das rechtliche Gehör vor dem
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Einspracheentscheid nicht gewährt worden. Sie beantrage die Durchführung einer
mündlichen Verhandlung (act. G 1 und G 1.1).
C.b Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 8. August 2011 die
Abweisung des Rekurses. Zur Begründung hält sie fest, dass sich die
Einkommensgrundlagen dauerhaft verändert haben müssten, damit auf die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit abgestellt werden könne. Dies scheitere vorliegend
bereits an einer fehlenden qualitativen Veränderung des Einkommens (act. G 3).
C.c Die Rekurrentin hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet, bestätigt aber mit
Schreiben vom 10. Oktober 2011 den Antrag auf die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung (act. G 8).
D.
D.a Im Anschluss an die mündlichen Verhandlung vom 22. November 2011 traf das
Gericht einen Beweisbeschluss, wonach die definitiven Steuerveranlagungen der Jahre
2009 und 2010, die Belege der Einkommenssituation des Jahres 2011, die
Genehmigung der Vormundschaftsbehörde bzgl. der Vereinbarung vom 12./16. August
2010 über die elterliche Sorge und die Unterhaltszahlungen betreffend den Sohn C._
sowie falls vorhanden eine solche betreffend den Sohn B._, in die Beurteilung
einzubeziehen seien (act. G 12).
D.b Daraufhin liess die Rekurrentin mit Eingaben vom 20. Dezember 2011 (act. G 13),
18. Januar 2012 (act. G 15), 7. Februar 2012 (act. G 16) und 20. März 2012 (act. G 18)
die entsprechenden Unterlagen zukommen. Die SVA verzichtete auf eine
Stellungnahme zu den neu eingereichten Unterlagen.

Erwägungen:
1.
Die Rekurrentin macht im Rekurs vom 6. Juli 2011 eine Gehörsverletzung geltend, weil
sie sich vor dem Einspracheentscheid nicht habe äussern können. Indem die
Rekurrentin in der Einsprache vom 6. Juni 2011 eben gerade Stellung zur Verfügung
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vom 6. Mai 2011 nehmen konnte, machte sie Gebrauch von ihrem Anhörungsrecht (vgl.
Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101]). Eine Gehörsverletzung liegt folglich
nicht vor.
2.
Die Vorinstanz hat für die Berechnung der IPV für das Jahr 2011 auf die rechtskräftig
veranlagten Steuerdaten aus dem Jahr 2009 abgestellt. Die Rekurrentin macht
hingegen geltend, es seien die aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse zu
berücksichtigen. Es ist somit zu prüfen, ob die Vorinstanz bei der
Anspruchsberechnung auf eine IPV für das Jahr 2011 zu Recht auf das
Reineinkommen aus dem Jahr 2009 abgestellt hat.
3.
3.1 Die Kantone gewähren gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) den Versicherten in bescheidenen
wirtschaftlichen Verhältnissen Prämienverbilligungen. Sie haben die entsprechenden
Ausführungsbestimmungen zu erlassen (Art. 97 Abs. 1 KVG). Der Kanton St. Gallen ist
dieser Verpflichtung durch die Art. 9 - 16 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (EG-KVG; sGS 331.11) und die
dazugehörigen Vollzugsvorschriften in Art. 9 - 38 der Verordnung zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (Vo-EG;
sGS 331.111;) nachgekommen, wobei er insbesondere die persönlichen (Art. 10 EG-
KVG) und die einkommensmässigen (Art. 11 EG-KVG) Voraussetzungen sowie die
Höhe der Prämienverbilligung (Art. 12 EG-KVG) festgesetzt hat.
3.2 Nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG wird eine Prämienverbilligung jenen Personen
gewährt, die im Kanton St. Gallen ihren steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und
ein die Prämienverbilligung auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). Das
Prämienverbilligung auslösende Einkommen wird unter teilweiser Berücksichtigung des
steuerbaren Vermögens von der Regierung durch Verordnung festgesetzt, wobei in der
Regel die letzte definitive Steuerveranlagung als Grundlage dient.
4.
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4.1 Gemäss Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird nur dann von der letzten definitiven
Steuerveranlagung abgewichen, wenn das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht. Dies stellt eine Abweichung von der
Gleichbehandlung dar, indem als Bemessungsgrundlage die Gegenwartswerte
herangezogen werden. Bevor auf die tatsächlichen Verhältnisse abgestellt wird,
müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Mit der Verwendung des Begriffs
"offensichtlich" in Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird zum Ausdruck gebracht, dass nicht jede
Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse massgebend sein darf, um von den
Steuerdaten abzuweichen. Die Diskrepanz zwischen der früheren und der neuen
wirtschaftlichen Lage, welche sowohl vom Einkommen als auch vom Vermögen
beeinflusst wird, muss erheblich sein. Praxisgemäss rechtfertigen nur grundlegende
und tiefgreifende Änderungen der Verhältnisse ein Abweichen von der letzten
definitiven Steuerveranlagung (Urteil B 2005/23 des Verwaltungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 10. Mai 2005, E. 2c). Gemäss dem seit 1. Januar 2008 geltenden
Art. 12 Vo-EG wird auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anstelle des
ermittelten Einkommens abgestellt, wenn sich die Einkommensgrundlagen dauerhaft
verändert haben (Abs. 1) und die Abweichung im Bezugsjahr wenigstens einen Viertel
des massgebenden Einkommens des vorletzten Jahres beträgt (Abs. 2).
4.2 Zu prüfen ist somit, ob im konkreten Fall, ausgehend von den Verhältnissen am
1. Januar 2011 (vgl. dazu gleich nachfolgend E. 4.3), eine dauerhafte Veränderung des
Einkommens um mindestens 25 % zu bejahen war.
4.3 Gemäss Art. 9 Abs. 1 Vo-EG sind für die Anspruchsberechtigung auf
Prämienverbilligung für Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz oder einer
fremdenpolizeilichen Bewilligung zum Jahresaufenthalt im Kanton die persönlichen und
familiären Verhältnisse am 1. Januar des Jahres massgebend, für das die
Prämienverbilligung beansprucht wird. Dabei handelt es sich um die aktuellsten Daten
(vgl. dazu Art. 65 Abs. 3 KVG). Für die Frage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist
somit auf die konkreten Verhältnisse am 1. Januar 2011 abzustellen. In diesem
Zeitpunkt hatte die Rekurrentin nur noch die elterliche Sorge über B._ inne, weshalb
ihr in der Verfügung vom 21. Juni 2011 nur ein IPV-Kinderabzug gewährt wurde
(act. G 13.1; vgl. Art. 14 Abs. 1 Vo-EG). Dieses Vorgehen ist rechtmässig. Denn
bezüglich der zeitlichen Massgeblichkeit für die Bestimmung der persönlichen und
quater
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familiären Verhältnisse ist es unerheblich, ob das steuerbare Reineinkommen aus dem
Jahr 2009 oder die aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse als Berechnungsgrundlage
herangezogen werden.
4.4 Wie die Rekurrentin auf Nachfragen des Gerichts im Dezember 2011 belegte (vgl.
act. G 12 und G 13), erzielte sie im Jahr 2009 gemäss der korrigierten
Veranlagungsberechnung über die Staats- und Gemeindesteuern 2009 ein steuerbares
Reineinkommen von Fr. 36'104.-- (act. G 13.5). Im Jahr 2010 wurde die Rekurrentin mit
einem steuerbaren Reineinkommen von Fr. 30'868.-- veranlagt (act. G 13.4). Dies ergibt
eine Diskrepanz des Reineinkommens von ca. 14,5% zwischen dem Jahr 2009 und
dem 1. Januar 2011. Da das Reineinkommen die Grundlage zur Ermittlung des
massgebenden Einkommens bildet, wird mit einem Unterschied von 14,5% in den
Werten der in Art. 12 Abs. 2 Vo-EG geforderte Viertel nicht übertroffen. Damit ist
das quantitative Element nicht erfüllt und die Vorinstanz durfte auf das ermittelte
Reineinkommen der Steuerperiode des vorletzten Jahres (2009) abstellen, da dieses
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Rekurrentin am 1. Januar 2011 entsprach.
4.5 Unter diesen Umständen muss die Frage, ob das Kriterium der dauerhaften
Veränderung der Einkommensgrundlage erfüllt ist, nicht mehr geklärt werden. Indem
das kumulativ erforderliche Kriterium der Einkommensabweichung um mindestens
25% für das Jahr 2009 nicht gegeben ist, kann offen gelassen werden, ob die
Vorinstanz eine dauerhafte Veränderung der Einkommensgrundlagen zu Recht
verneinte. Entsprechend hat die Vorinstanz bei der Berechnung der individuellen
Prämienverbilligung für das Jahr 2011 im Ergebnis zu Recht auf das Reineinkommen
aus dem Jahr 2009 abgestellt.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs gegen den
Einspracheentscheid vom 21. Juni 2011 abzuweisen.
5.2 Gemäss Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS
951.1) hat in Streitigkeiten grundsätzlich jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder zum Teil abgewiesen werden. Die Rekurrentin ist im vorliegenden
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Verfahren vollständig unterlegen und hätte demnach für die Gerichtskosten
aufzukommen. In Anbetracht der Umstände (bescheidene wirtschaftliche Verhältnisse
im Sinn von Art. 9 EG-KVG) rechtfertigt es sich jedoch, in Anwendung von Art. 97 VRP
auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP