Decision ID: 2c7238ef-bfdf-4e43-a655-fb641c9740b9
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Mit Gesuch vom 13. September 2004 meldete sich L._, Jahrgang 1972, zum
Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.1). Als Grund wurden depressive Verstimmungen,
Ängste, innere Spannung, Kopfschmerzen, Atemschwierigkeiten, Schlaflosigkeit sowie
Müdigkeit angegeben. Die Versicherte ist verheiratet und Mutter von vier Kindern. Sie
war zuletzt bis 31. Dezember 2003 bei der A._ AG zu 100% angestellt. Das
Arbeitsverhältnis war aus Reorganisationsgründen gekündigt worden (IV-act. 8-2 und
IV-act. 8-5).
A.b In der Folge holte die IV-Stelle einen Arztbericht beim behandelnden Arzt Dr. med.
B._ ein. Im Bericht vom 4. Oktober 2004 diagnostizierte er eine Depression mit
somatoformer Störung und Panikstörungen (IV-act. 7). Die Kündigung habe zu einer
psychischen Dekompensierung geführt, und die Patientin sei seit 25. Juli 2003 bei ihm
in Behandlung. Psychiatrisch werde sie seit ca. Dezember 2003 durch Dr. med. C._,
Facharzt für Psychiatrie, mitbetreut. Aktuell sei weder die bisherige noch eine andere
Tätigkeit zumutbar. Für eine Prognose wurde empfohlen, Dr. C._ anzufragen.
A.c Eine Stellungnahme von Dr. C._ blieb aus, woraufhin Dr. med. D._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, beauftragt wurde, ein Gutachten zu erstellen. Im
Gutachten vom 12. August 2005 über die psychiatrische Exploration diagnostizierte er
eine Panikstörung, eine gegenwärtig mittelgradige Depression und ein somatisches
Syndrom (IV-act. 16). Gemäss Angaben der Versicherten seien erstmals 1997
Symptome von Kraftlosigkeit und Kopfschmerzen aufgetreten, als eines ihrer Kinder
nach einem Unfall ins Spital musste. Sie habe danach schlaflose Nächte gehabt, viel
geweint und grosse Angst um ihre Kinder gehabt. Während der Berufstätigkeit seit
März 2000 habe sich die Patientin aufgrund der Doppelbelastung – Arbeit und
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Betreuung von drei Kindern – wiederholt überfordert gefühlt, was während der Zeit der
Schwangerschaft mit dem vierten Kind zu kurzzeitigen Arbeitsausfällen geführt habe.
Nach der Unterbrechung wegen Mutterschaft habe sie dann erneut begonnen, 100%
zu arbeiten. Nach der Kündigung im Juli 2003 sei sie psychisch dekompensiert, es
seien Schlafstörungen und depressive Symptome, Parästhesien und Angstzustände
mit Panikattacken aufgetreten. Zwischenzeitlich sei die Patientin nicht mehr in der Lage
gewesen, den Haushalt selbständig zu erledigen und auf die Hilfe ihrer Schwester
angewiesen gewesen. Die Versicherte gebe an, unter Schreckhaftigkeit zu leiden und
Angst zu haben, ihren Kindern könnte etwas zustossen oder sie selbst könnte an einer
schweren Krankheit leiden. Aufgrund von Hyperventilationsattacken sei sie wiederholt
im medizinischen Notfall gewesen. Durch psychiatrische Behandlung hätten sich die
Schlafstörungen gebessert. Nach Ansicht von Dr. D._ führten die Doppelbelastung
aus Arbeitstätigkeit und Betreuung von vier Kindern sowie die Kündigung bei der
Versicherten zu einer emotionalen Beeinträchtigung. Eine dauerhafte und nachhaltige
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit könne bei konsequenter Fortsetzung der
medikamentösen Behandlung und der Psychotherapie in ca. 1-2 Jahren möglich sein.
Momentan sei die Patientin sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten
Tätigkeit als Küchenhilfe 50% arbeitsfähig. Eine stationäre Behandlung an der Klinik
Gais vom 23. Juni 2005 bis 13. Juli 2005 habe keinen nennenswerten Erfolg gebracht.
Bei der Ausübung einer adaptierten Tätigkeit müsse in Druck- und Stresssituationen
möglicherweise mit dem Auftreten von Symptomen, welche typisch für Panikstörungen
seien (Tachykardie, Hyperventilation, Schwindel, Ohnmacht, Kopfschmerzen),
gerechnet werden. Einschränkungen würden weiter durch rasche Ermüdbarkeit und
geringe Stresstoleranz sowie Antriebsstörungen bestehen.
A.d In einer Stellungnahme vom 1. Februar 2006 schrieb der Regionalärztliche Dienst
der Invalidenversicherung (RAD), die Versicherte sei in ihrer angestammten Tätigkeit ab
19. Mai 2005 50% arbeitsunfähig, dasselbe gelte für adaptierte Tätigkeiten (IV-act. 17).
Für die Zeit vor der Begutachtung müsse – mangels anderer Berichte – auf den
Arztbericht von Dr. B._ abgestellt und von einer Arbeitsunfähigkeit von 100% ab 4.
August 2003 bis 19. Mai 2005 ausgegangen werden.
A.e Am 14. Februar 2006 fand eine Eingliederungsberatung statt. In ihrem Bericht vom
15. Februar 2006 schrieb die Eingliederungsberaterin, die Versicherte habe berichtet,
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es gehe ihr unverändert schlecht. Bisher hätten ihr weder der Aufenthalt an der Klinik
Gais noch die regelmässig stattfindenden Sitzungen bei Dr. C._ helfen können (IV-
act. 19). Seit Beginn der Krankheit benötige sie Unterstützung im Haushalt und bei der
Kinderbetreuung. Sie werde von Ängsten regelrecht überschwemmt, könne sich
dagegen nicht mehr wehren. Hinzugekommen seien Schluck- und Gelenkschmerzen,
v.a. in den Knien. Wenn sie keine Kinder hätte, die sie dringend brauchen würden,
würde sie nicht mehr leben wollen. Die Eingliederungsberaterin schreibt, sie habe eine
sichtlich physisch und psychisch belastete und leidende junge Frau angetroffen. Die
Aussage, dass sich diese nicht arbeitsfähig fühle, sei glaubhaft und nachvollziehbar.
Die Versicherte sei im Gespräch nicht in der Lage gewesen, die Informationen zu ihrer
Situation und die Möglichkeiten einer Begleitung bei der Stellensuche aufzunehmen.
Auch mit der Information, dass aufgrund der medizinischen Unterlagen eine
Rentenprüfung eingeleitet worden sei, habe sie nichts anfangen können. Aufgrund der
Tatsache, dass sich die Versicherte keinesfalls für arbeitsfähig erachte, könnten keine
beruflichen Massnahmen angeboten werden. Der Fall werde seitens der
Eingliederungsberatung abgeschlossen und zur Rentenprüfung weitergegeben.
A.f Am 17. Juli 2006 fand eine Haushaltsabklärung bei der Versicherten statt. Gemäss
Bericht habe die Versicherte angegeben, sie würde als Gesunde weiterhin 100% als
Hilfsarbeiterin arbeiten (IV-act. 28). Laut Abklärungsperson sei die Versicherte in ihrer
Doppelbelastung aus Haushalt und voller Erwerbstätigkeit bereits vor der Geburt des
vierten Kindes überlastet gewesen. Der grosse Einbruch sei während der
Schwangerschaft mit dem vierten Kind sowie nach Aufnahme der Erwerbstätigkeit
nach der Geburt des Kindes gekommen. Aus medizinischer Sicht hätte die Versicherte
wohl bereits vor der Kündigung unter Überlastung gelitten, sodass es nach der
Kündigung zur psychischen Dekompensierung mit depressiver Symptomatik
gekommen sei. Eine Qualifikation als 100%-Erwerbstätige sei deshalb weder vernünftig
noch realistisch. Die Versicherte habe selbst zeitweise erwähnt, dass wohl eine
Reduktion des Pensums auf 50% von der gesundheitlichen Seite her am besten
gewesen wäre. Eine Reduktion des Arbeitstätigkeit nach der Geburt des vierten Kindes
klinge durchaus glaubhaft und realistisch und eine Aufteilung in 50% Haushalt und
50% Erwerbstätigkeit komme der tatsächlichen Situation am nächsten. Im Haushalt sei
eine Einschränkung von 65.5% gegeben, woraus sich bei einem Anteil Haushalt von
50% für die Haushaltstätigkeit ein Behinderungsgrad von 32.75% ergebe.
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B.
B.a Am 18. August 2006 erteilte die IV-Stelle Dr. D._ einen weiteren Auftrag für eine
ergänzende psychiatrische Abklärung (IV-act. 30).
B.b Im Gutachten (fälschlich datiert vom 13. Januar 2007) über die Exploration vom
2. Februar 2007 wird eine chronifizierte Panikstörung, einhergehend mit einer
rezidivierenden depressiven Störung – gegenwärtig leichte Episode – mit somatischen
Symptomen diagnostiziert (IV-act. 38). Der Zustand der Explorandin habe sich seit der
Beurteilung im Mai 2005 nicht verändert. Es sei in der Zwischenzeit zu einer leichten
Verschlimmerung der Panikstörungen, dafür aber zu einer leichten Zurückbildung der
depressiven Symptome gekommen. Insgesamt sei die Patientin aus psychiatrischer
Sicht 50% arbeitsunfähig. Es sei mit grosser Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass die Arbeitsunfähigkeit seit August 2003 bestehe und aus psychiatrischer Sicht
von Beginn weg bei 50% gelegen sei. Eine Tätigkeit von 4 Stunden pro Tag sei aus
psychiatrischer Sicht möglich, dies sowohl in einer angestammten als auch in einer
adaptierten Tätigkeit. Die bei der Haushaltsabklärung beschriebene Negierung der
Leistungsfähigkeit für einzelne Tätigkeiten zeige eine Dramatisierungstendenz, welche
bei Angstpatienten häufig zu sehen sei. Andererseits habe die Versicherte auf den
Verlust der Arbeitsstelle offensichtlich mit massiver Kränkung und histrionisch reagiert,
sich auf ihre Panikattacken fixiert und so das Mögliche unmöglich gemacht. Trotz
diesem Verhalten sehe er die Versicherte im Haushalt nicht reduziert arbeitsfähig, vor
allem weil die Panikattacken meist bei Menschenversammlungen auftreten würden und
sich die Versicherte zu Hause doch am wohlsten fühle. Betreffend dem Schlussbericht
der Berufsberatung hält er fest, er sei trotz subjektivem Krankheitsempfinden der
Versicherten nicht der Meinung, dass keine beruflichen Massnahmen angeboten
werden könnten. Eine fünfzigprozentige Arbeit sei seiner Ansicht nach möglich. Der
Versicherten solle eine Beratung und ev. Hilfe bei der Stellenvermittlung angeboten
werden. Berufliche Massnahmen könnten momentan nur am Kooperationswillen
scheitern – bzw. an Selbstmitleidtendenzen, einer Somatisierungsneigung und
histrionischer Dramatisierung von Seiten der Versicherten. Eine Arbeitstätigkeit von
50% sei in der freien Wirtschaft umsetzbar. Im Gutachten wird ein Arztbericht von Dr.
C._ erwähnt, welcher der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
bescheinige. Dieser Bericht wurde am 1. Februar 2007 erstellt und liegt den Akten bei
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(IV-act. 39). Dr. C._ schreibt, die Versicherte sei seit 14. Februar 2004 bei ihm in
Behandlung. Er diagnostiziert eine mittel- bis schwergradige rezidivierende depressive
Störung mit somatischen Symptomen auf dem Boden einer selbstunsicheren
Persönlichkeit sowie eine Panikstörung. Der Zustand habe sich chronifiziert, und die
Patientin sei aus psychiatrischer Sicht 100% arbeitsunfähig.
B.c In einem Vorbescheid vom 27. März 2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
es bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (IV-act. 44). Die Versicherte sei nach
der Geburt des vierten Kindes nicht mehr als Vollerwerbstätige, sondern als zu 50% im
Haushalt und zu 50% im Beruf tätig einzustufen. Im Haushalt sei aus psychiatrischer
Sicht keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit festgestellt worden. Da die
Versicherte als Gesunde zudem nur noch zu 50% arbeitstätig wäre und eine
Arbeitsfähigkeit von 50% gegeben sei, liege der Invaliditätsgrad bei 0%.
B.d Gegen den Vorbescheid liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur.
Ronald Pedergnana, St. Gallen, mit Schreiben vom 26. April 2007 Einwand erheben
und geltend machen, dass sie nach der Geburt des vierten Kindes weiterhin vollzeitig
arbeitstätig gewesen sei und auch geblieben wäre, wenn ihr nicht gekündigt worden
wäre (IV-act. 48). Es gebe in den Akten keinen Hinweis darauf, dass sie ihre
Erwerbstätigkeit auf 50% reduziert hätte. Die Kinderbetreuung habe ihre Mutter
übernommen. Die Versicherte sei weiterhin als 100%-Erwerbstätige einzustufen,
woraus sich bei der von Dr. D._ bescheinigten Arbeitsunfähigkeit von 50% der
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente ergebe.

B.e Mit Verfügung vom 4. Juli 2007 hielt die IV-Stelle an den Erwägungen im
Vorbescheid fest und lehnte einen Anspruch auf eine Invalidenrente ab (IV-act. 50).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 4. Juli 2007 lässt die Versicherte fristgerecht
Beschwerde führen und beantragen, dass die Verfügung aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, ihr eine ganze Rente auszurichten.
Eventualiter wird beantragt, dass die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, eine
halbe Rente auszurichten sowie Eingliederungsmassnahmen zu ergreifen. Für die Zeit
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ab Anspruchsberechtigung bis zum Ergreifen der Eingliederungsmassnahmen seien
der Beschwerdeführerin Wartetaggelder auszurichten (act. G 1). Begründet wird die
Beschwerde damit, dass für die Beurteilung des Sachverhalts einzig die tatsächlichen
Verhältnisse und nicht Wunsch- und Moralvorstellungen massgeblich seien. Die IV-
Stelle habe die Beschwerdeführerin kurzerhand zu einer 50%-Erwerbstätigen mutiert
und dabei übersehen, dass sich die Familie sehr gut organisiert habe. Eine Verwandte
habe im Februar 2000 schriftlich ihre Bereitschaft erklärt, die Kinder zu betreuen,
während beide Eltern einer Vollzeittätigkeit nachgegangen seien. Die
Beschwerdeführerin sei ab 1. März 2000 zu 50%, ab 1. April 2000 zu 80% und ab 1.
April 2001 zu 100% arbeitstätig gewesen, obschon sie schon damals Mutter von drei
Kindern gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe nach der Geburt des zweiten und
dritten Kindes ununterbrochen Vollzeit gearbeitet, die Betreuung des vierten Kindes
habe keine grosse Mehrbelastung dargestellt.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 18. September 2007 führt die Beschwerdegegnerin
an, die Frage, zu wie viel Prozent jemand in der Validenkarriere erwerbstätig gewesen
wäre, beurteile sich nach den jeweiligen persönlichen, familiären, sozialen und
erwerblichen Verhältnissen (act. G 4). Die Beschwerdeführerin habe vor dem Ausbruch
ihrer psychischen Erkrankung in einem Vollzeitpensum gearbeitet. Seither übe sie keine
Erwerbstätigkeit mehr aus. Weil die Beschwerdeführerin somit nicht im Rahmen ihrer
Restarbeitsfähigkeit von 50% arbeite, schlage ihr Einwand einer hypothetisch vollen
Erwerbstätigkeit von vornherein nicht durch. Es dürfe zudem nur auf das Einkommen
abgestellt werden, das eine versicherte Person zumutbarerweise erzielen könnte. Es sei
einzig die normale Leistungsfähigkeit im Rahmen der IV versichert. Die
Beschwerdeführerin sei in ihrer Rolle als Mutter von vier Kindern, Hausfrau und
Vollerwerbstätige offensichtlich überlastet gewesen, was bedeute, dass der IV-Grad im
Erwerb anhand eines realistischen Beschäftigungsgrades bestimmt werden müsse. Mit
der Annahme einer Erwerbstätigkeit von 50% sei dieser Gesichtspunkt angemessen
berücksichtigt worden. Im Haushaltsbericht sei der Beschwerdeführerin (für den
Haushalt) eine Arbeitsunfähigkeit von 65% attestiert worden. Allerdings habe die
Abklärungsperson den Leistungsanteil der Beschwerdeführerin aufgrund der
vollständig passiven Haltung auf Null festgesetzt und die Arbeitsfähigkeit von 35% sei
nur unter Berücksichtigung der zumutbaren Mithilfe der Familienmitglieder resultiert.
Weil aufgrund des Gutachtens von Dr. D._ aber feststehe, dass es der
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Beschwerdeführerin zumutbar wäre, ihren Haushalt selbst zu bewältigen, sei auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung im genannten Gutachten abzustellen und es sei auch im
Haushaltsbereich von keiner Invalidität auszugehen. Bezüglich des Antrags auf
Eingliederungsmassnahmen hält die Beschwerdegegnerin fest, dass diese nicht
Anfechtungsgegenstand seien, weshalb auf das Begehren um Anordnung von
Eingliederungsmassahmen nicht einzutreten sei.
C.c In der Replik vom 8. Oktober 2007 lässt die Beschwerdeführerin erwidern, sie sei
aufgrund des psychischen Leidens paralysiert und nicht in der Lage, den Schritt ins
Arbeitsleben zu machen, wenn sie die dafür vorgesehen Institutionen im Stich liessen
(act. G 6). Die Sozialversicherung sei an ihre Pflicht zu gemahnen, die Leute wieder
einzugliedern. Eventualiter sei bei Dr. D._ ein klärender Bericht einzufordern, warum
aus seiner Sicht die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei, aus eigener Kraft den
Schritt in den Arbeitsmarkt zu schaffen.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 5).
Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zur Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), sind im vorliegenden Verfahrendie bis zum 31. Dezember 2007 geltenden
materiellen Bestimmungen anzuwenden.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden. (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR
830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeit auf
dem im Betracht kommenden Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Erwerbsunfähigkeit
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gleich gesetzt wird nach aArt. 28 Abs. 2 IVG der Verlust der Fähigkeit, sich im
bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Da sowohl der Einschränkung der
Erwerbsfähigkeit als auch der Einschränkung im bisherigen Aufgabenbereich
medizinische Sachverhalte zugrunde liegen, sind die Verwaltung und das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ihnen vorab von Ärzten und andern Fachpersonen zur
Verfügung gestellt werden. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261). Das Gericht hat alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten der Prozess nicht erledigt werden, ohne
das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum auf die
eine und nicht auf die andere medizinische These abgestellt wird. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerung der Experten
begründet ist. Ausschlaggebend ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 122 V 157 Erw.
1b).
1.3 Den beiden Gutachten von Dr. D._, erstellt in den Jahren 2005 und 2007, wurden
sämtliche aus psychiatrischer Sicht relevanten Vorakten zugrunde gelegt und es wurde
jeweils eine umfassende psychiatrische Exploration vorgenommen.
1.4 Gewisse Zweifel an den Gutachten weckt der Arztbericht von Dr. C._ vom 1.
Februar 2007. In diesem bescheinigt der behandelnde Arzt eine Arbeitsunfähigkeit von
100%. Er diagnostiziert eine mittel- bis schwergradige depressive Störung mit
somatischen Symptomen auf dem Boden einer selbstunsicheren Persönlichkeit sowie
eine Panikstörung (IV-act. 39). Die Patientin sei sehr besorgt und habe grosse Ängste
um ihre Familie, wodurch sie oft in Panikzustände gerate. Die Beobachtungen und
bis
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Beurteilungen von Dr. C._ und Dr. D._ sind weitgehend deckungsgleich. Eine
Divergenz ergibt sich in der Beurteilung der Schwere der Depression. Während Dr.
C._ von einer mittel- bis schwergradigen rezidivierenden depressiven Störung
spricht, beschreibt Dr. D._ im Gutachten vom 12. August 2005 eine "gegenwärtig"
mittelgradige Depression, im Gutachten über die Exploration vom 2. Februar 2007 eine
rezidivierenden depressiven Störung, "gegenwärtig" leichte Episode. Beide Ärzte
gehen von einer rezidivierenden depressiven Störung aus. Rezidivierenden Störungen
ist gerade eigen, dass sie in ihren Ausprägungen Schwankungen unterliegen. Dass Dr.
D._ nicht von einem statischen Krankheitsverlauf ausgeht, macht er auch mit der
Bezeichnung "gegenwärtige Störung" deutlich. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die
beiden Ärzte die Depression als in ihrem Ausmass unterschiedlich stark ausgeprägt
beobachteten. Weniger nachvollziehbar ist die unterschiedliche Beurteilung der durch
die psychische Beeinträchtigung hervorgerufenen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Während Dr. D._ 2005 wie 2007 von einer Einschränkung von 50% ausgeht,
beschreibt Dr. C._ eine Arbeitsunfähigkeit von 100%, und es stellt sich die Frage,
welcher Einschätzung gefolgt werden kann. Bezüglich Berichten von Hausärzten bzw.
behandelnden Ärzten muss beachtet werden, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer
Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351) und zudem, dass sich
behandelnde Ärzte bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung Gedanken darüber machen
müssen, ob ein positiver Heilungsverlauf oder eine mögliche Therapie eine Reduktion
oder sogar eine vorübergehende Aufgabe der Arbeitstätigkeit voraussetzt. Ihr Blick ist
weniger auf eine bleibende und invaliditätsrelevante Arbeitsunfähigkeit gerichtet,
sondern in erster Linie auf den Heilungs- und Therapieprozess. Unter diesen
Umständen rechtfertigt es sich in der Regel, einem vollständigen und schlüssigen
ärztlichen Gutachten, das die Beurteilung der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit zum
Gegenstand hatte, gegenüber einem Bericht des behandelnden Arztes höheren
Beweiswert zukommen zu lassen.
1.5 Dr. D._ hatte die Gelegenheit, die Beschwerdeführerin zweimal zu untersuchen
und konnte so den Verlauf der Krankheit einschätzen und würdigen. Die vorhandenen
Vorakten waren ihm bekannt, und er führte die Untersuchungen jeweils umfassend und
mit Sorgfalt durch. Es besteht kein Grund, an der Vollständigkeit und Schlüssigkeit der
Gutachten zu zweifeln, weshalb diesen gegenüber dem Arztbericht von Dr. C._ der
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Vorrang zu geben ist. Gestützt wird die Einschätzung von Dr. D._ durch einen
Austrittsbericht der Klinik Gais. Im Anschluss an die erste Begutachtung vom 19. Mai
2005 wurde die Beschwerdeführerin stationär an der Klinik Gais aufgenommen und
vom 23. Juni 2005 bis 13. Juli 2005 behandelt. Der entsprechende Austrittsbericht fehlt
in den Akten, wird aber von Dr. D._ im Gutachten vom 12. August 2005 und im
Gutachten über die Exploration vom 2. Februar 2007 zitiert. Die Ärzte hätten
geschrieben, ein Monat nach Austritt hätte ein fünfzigprozentiger Arbeitsversuch
möglich sein sollen. Mit dieser Einschätzung gingen auch die Ärzte der Klinik Gais, die
den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin über längere Zeit hinweg beobachten
konnten, längerfristig von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% aus.
1.6 Unter Gesamtwürdigung der Akten erscheint die Arbeitsunfähigkeitsschätzung von
Dr. D._ bezogen auf den Zeitpunkt der Begutachtung im Mai 2005 daher
überzeugend und es kann von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% ab Mai 2005
ausgegangen werden. Nicht geklärt ist damit, wie sich die Arbeitsunfähigkeit vor der
ersten Begutachtung entwickelt hat. Im Gutachten über die Exploration am 2. Februar
2007 schreibt Dr. D._, dass die Versicherte ab August 2003 aus psychiatrischer Sicht
zu 50% arbeitsunfähig gewesen sei. Laut sämtlichen ärztlichen Berichten führte die
Kündigung der Arbeitsstelle zu einer psychischen Dekompensierung, und es ist daher
naheliegend, den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit auf den Zeitpunkt kurz nach der
Kündigung (22. Juli 2003) festzusetzen. Was den genauen Beginn und den Grad der
Arbeitsunfähigkeit betrifft, so bestätigt Dr. B._ im Bericht vom 4. Oktober 2004 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% ab 4. August 2003 (IV-act. 7). Im Gutachten vom 12.
August 2005 (IV-act. 16-3) nimmt Dr. D._ auf Dr. B._ Bezug und spricht von einer
Arbeitsunfähigkeit von "derzeit 50%". Der RAD-Arzt nimmt am 1. Februar 2006 zum
Datum des Beginns und der Höhe gestützt auf diese beiden Vorgaben explizit Stellung:
"Adaptiert 100% ab dem 04.08.2003 und 50% ab dem 19.05.2005". Vor Mai 2005
werde man auf das Arztzeugnis von Dr. B._ "abstellen müssen" (IV-act. 17-2). Darauf
kann als überwiegend wahrscheinlich abgestellt werden, auch wenn Dr. D._ später
im Gutachten 2007 (IV-act. 38-6) "mit grosser Wahrscheinlichkeit" in einer mehr oder
weniger rein spekulativen Rückschau davon ausgeht, die 50%ige (und nicht eine
100%ige) Arbeitsunfähigkeit sei bereits seit August 2003 gegeben gewesen.
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1.7 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen kann mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass für die Zeit von August 2003
(nach der Kündigung) bis Mai 2005 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vorlag. Ab Mai
2005 kann mit Dr. D._ davon ausgegangen werden, dass die Arbeitsunfähigkeit bei
50% lag.
2.
2.1 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
bei Personen, die zu 100% erwerbstätig waren, nach Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das die
versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70% invalid ist. Ab einem
Invaliditätsgrad von 60% besteht ein Anspruch auf eine 3/4-Rente, ab 50% auf eine
1/2-Rente und ab 40% auf eine 1/4-Rente. Liegt der Invaliditätsgrad unter 40%, so
besteht kein Anspruch auf eine Rente.
2.2 Bei nicht erwerbstätigen Versicherten wird für die Bemessung der Invalidität darauf
abgestellt, in welchem Mass eine Behinderung besteht, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen (Art. a28 Abs. 2 IVG i. V. m. Art. 27 IVV). Gemäss Art.
27 IVV gelten als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen die
übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder. Bei einer versicherten
Person, die nur zum Teil erwerbstätig ist, wird der Invaliditätsgrad bezüglich dieses
Tätigkeitsanteils mit Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Ist sie
daneben noch im Aufgabenbereich tätig, so wird der Invaliditätsgrad für diesen
Tätigkeitsanteil nach Art. 28 Abs. 2 bestimmt. Anschliessend ist der
Gesamtinvaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu
bemessen (Art. 28 Abs. 2 IVG). Diese Art der Invaliditätsbemessung wird
praxisgemäss als gemischte Methode bezeichnet. Ist anzunehmen, dass die
versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne
bis
bis
ter
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Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre, so ist die Invalidität ausschliesslich
nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen. Ob eine versicherte Person als
ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige einzustufen ist - was je zur Anwendung einer
andern Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, gemischte
Methode) führt -, ergibt sich aus der Prüfung, was die versicherte Person bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen,
familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die
Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen.
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis
zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische
Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erforderlich ist (BGE 125 V 146, Erw. 2c).
2.3 Die Beschwerdeführerin war von April 2001 bis zur Kündigung per 24. Juli 2003 auf
30. September 2003 (später wurde das Arbeitsverhältnis aufgrund der Sperrfrist infolge
Krankheit bis 31. Dezember 2003 verlängert) zu 100% bei der A._ AG angestellt.
Gemäss ihren eigenen Aussagen gegenüber der Abklärungsperson hätte sie im
Zeitpunkt der Haushaltsabklärung als Gesunde weiterhin 100% gearbeitet (IV-act.
28-2). Die Beschwerdegegnerin ging bei ihrer Statusbestimmung davon aus, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer Rolle als Mutter, Hausfrau und Vollerwerbstätige überlastet
war. Im Entscheid I 715/00 hielt es das Eidgenössische Versicherungsgericht EVG
(heute Bundesgericht) jedoch für zumutbar, dass eine Mutter von acht Kindern als
Gesunde 100% gearbeitet hätte. Demnach kann die Anzahl der zu betreuenden Kinder
nicht das einzige massgebliche Kriterium für die Statusbestimmung sein. Massgeblich
ist vielmehr, was die Beschwerdeführerin als Gesunde unter Gesamtwürdigung der
Verhältnisse gemacht hätte. Als Gesunde hatte sie im Jahr 2001 eine 100%-Stelle
angenommen. Wäre sie gesund geblieben, hätte sie mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auch weiterhin 100% gearbeitet. Gemäss Aussage der
Beschwerdeführerin übernahm eine Verwandte die Betreuung der Kinder, sodass sie
einer Erwerbstätigkeit nachgehen konnte (act. G 1, vgl. auch act. G 1.1.3). In einer
Gesprächsnotiz vom 27. März 2006 wird erwähnt, dass die Schwägerin der
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Versicherten um eine rasche Fallbearbeitung bittet, da die finanzielle Situation der
kinderreichen Familie mittlerweile sehr angespannt sei (IV-act. 20). Die Familie war auf
den Verdienst der Beschwerdeführerin angewiesen, und es kann nicht davon
ausgegangen werden, dass freiwillig auf die Hälfte des sowieso schon tiefen
Einkommens (Fr. 3'192.- monatlich) verzichtet worden wäre. Dass die
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung gesagt hatte, aus
gesundheitlichen Gründen hätte sie ihr Pensum vielleicht besser reduziert, muss
unbeachtet bleiben, denn dies sagte sie ja gerade mit Blick auf die Tatsache, dass sie
krank wurde und nicht als hypothetisch Gesunde. Dass die Beschwerdeführerin ihre
verbleibende Arbeitsfähigkeit von 50% im Zeitpunkt des Verfügungserlasses nicht
umgesetzt hatte, kann für die Bestimmung der Statusfrage entgegen der Meinung der
Beschwerdegegnerin nicht massgeblich sein. Das in der Beschwerdeantwort (act. G 4)
zitierte Urteil des Bundesgerichts vom 11. September 2006 (I 154/06) beurteilte einen
Sachverhalt, in dem die Versicherte ihre Arbeitstätigkeit freiwillig erst von 50% auf 35%
senkte und schliesslich ganz aufgab, obschon eine Arbeitsfähigkeit von 50%
vorhanden war. Im vorliegenden Fall jedoch wurde der Beschwerdeführerin gekündigt,
und sie hat ihre Stelle nicht freiwillig aufgegeben - im Gegenteil: Es war gerade die
Kündigung, welche nach Aussage des Hausarztes Dr. B._ zu einer psychischen
Dekompensierung führte (IV-act. 7-2). Dies deutet darauf hin, dass der Verlust der
Arbeitsstelle für die Beschwerdeführerin eine enorme psychische Belastung darstellte,
dass sie unter Existenzängsten litt – und ist ein Indiz dafür, dass sie als Gesunde
weiterhin ihr bisheriges Arbeitspensum hätte erfüllen wollen. Hinzukommt, dass die
Beschwerdeführerin von Dr. C._ noch im Februar 2007 als 100% arbeitsunfähig
bezeichnet wurde (IV-act. 39). Bei einer solchen Sachlage ist es verständlich, dass die
Beschwerdeführerin keine Arbeitstätigkeit aufgenommen hat.
2.4 Nach dem Gesagten kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin als Gesunde weiterhin voll
erwerbstätig gewesen wäre, und der Invaliditätsgrad ist mit Einkommensvergleich nach
Art. 16 ATSG zu bestimmen.
3.
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3.1 Für die Berechnung des Invaliditätsgrades ist der frühstmögliche Rentenbeginn
massgeblich. Gemäss aArt. 29 Abs. 1 IVG (Fassung bis 31. Dezember 2007) entsteht
ein Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person
mindestens 40% bleibend erwerbsunfähig geworden ist (lit. a) oder wenn sie während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig war (lit. b). Im Gutachten von 2007 schreibt Dr. D._, dass die
Versicherte ab August 2003 aus psychiatrischer Sicht zu 50% arbeitsunfähig gewesen
sei. Wie unter Erw. 1.6 dargelegt, war die Beschwerdeführerin ab August 2003 zu
100% arbeitsunfähig. Damit hatte sie das nach aArt. 29 Abs. 1 IVG geforderte
Wartejahr im August 2004 erfüllt, und der Rentenbeginn kann auf diesen Zeitpunkt
festgesetzt werden. Der Invaliditätsgrad ist ab dem 1. August 2004 auf 100%
festzulegen. Die Abstufung der Rente wegen der Reduktion der Arbeitsunfähigkeit ab
Mai 2005 ist per 1. August 2005 anzunehmen (Art. 88a Abs. 1 IVV). Für die Bestimmung
des Invalideneinkommens wird auf Tabellenlöhne gemäss schweizerischer
Lohnstrukturerhebung (LSE) abgestellt. Im Jahr 2004 verdiente eine Frau gemäss LSE
im Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) Fr. 48'585.-. Liegt das
vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung erzielte Einkommen
(Valideneinkommen) aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung,
fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse) deutlich unter den
durchschnittlichen Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbemessung
nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern kein Anlass dafür besteht, dass sich die
versicherte Person aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau
begnügen wollte. Es muss eine Parallelisierung der Einkommen vorgenommen werden.
Diese kann entweder auf der Seite des Valideneinkommens durch eine Heraufsetzung
des effektiv erzielten Einkommens oder durch Abstellen auf statistische Werte - oder
auf der Seite des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des
statistischen Wertes erfolgen (Entscheid des Bundesgerichts vom 5. September 2008,
9C_488/2008). Vorliegend liegt das ehemals erzielte Einkommen der
Beschwerdeführerin von Fr. 41'496.- (13 x 3'192.-, vgl. IV-act. 8-2) mit 14.6% deutlich
unter dem Lohnniveau gemäss Tabellenlohn Anforderungsniveau 4. Es ist davon
auszugehen, dass dieser tiefe Lohn im Zusammenhang mit invaliditätsfremden
Faktoren wie geringer Schulbildung und mangelnder Deutschkenntnisse zu erklären ist.
Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, das Valideneinkommen entsprechend an
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das Einkommen nach Tabellenlohn anzupassen. Bei einem Valideneinkommen von
Fr. 48'585.- und einem Invalideneinkommen von Fr. 48'585.-, ergibt sich bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 50% ein Invaliditätsgrad von 50%.
3.2 Zusätzlich ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf einen
Leidensabzug vom Invalideneinkommen hat. Mit dem Leidensabzug wird die durch die
gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte Lohneinbusse auf dem konkreten
Arbeitsmarkt gegenüber gesunden Arbeitskräften ausgeglichen. In BGE 126 V 75
neues Fenster ff. hat das Bundesgericht festgestellt, dass die Frage, ob und in
welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen
und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängig sei. Der ursprünglich nur bei
Schwerarbeitern zugelassene Abzug sei als allgemein berufsbedingter Abzug zu
verstehen. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen sei nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Schliesslich sei der Abzug auf
höchstens 25% zu begrenzen.
3.3 Im vorliegenden Fall ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund
ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung gegenüber einer Konkurrentin einen Nachteil
hat. Wie Dr. D._ in seinem Gutachten vom 12. August 2005 schreibt, müsse bei einer
adaptierten Tätigkeit berücksichtigt werden, dass die Patientin in Druck- und
Stresssituationen möglicherweise mit dem Auftreten von Symptomen reagiere, welche
charakteristisch für Panikattacken seien. Weiter bestehe eine Einschränkung durch
rasche Ermüdbarkeit, geringe Stresstoleranz und Antriebsstörungen. Aufgrund dieser
Beeinträchtigungen ist die Beschwerdeführerin auf einen besonders rücksichtsvollen
Arbeitgeber angewiesen, was zu einem Konkurrenznachteil gegenüber andern
Mitbewerberinnen führt. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, vom
Invalideneinkommen zusätzlich einen Abzug von 10% zu machen.
3.4 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 48'585.- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 21'863.- (48'585x0.5x0.9), errechnet sich ein Invaliditätsgrad von 55%
([48'585-21'863]x100/48'585). Mit diesem Invaliditätsgrad hat die Beschwerdeführerin
nach aArt. 28 Abs. 1 IVG Anspruch auf eine halbe Rente.
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75 https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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4.
4.1 Art. 16 ATSG bestimmt, dass die Höhe des Invalideneinkommens erst nach
Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen ermittelt werden kann und
postuliert damit den Grundsatz "Eingliederung vor Rente". Die IV-Stelle bestreitet die
Möglichkeit der Anordnung von Eingliederungsmassnahmen durch das Gericht mit der
Begründung, dass die Frage nach Eingliederungsmassnahmen nicht Gegenstand der
angefochtenen Verfügung sei. Es trifft zu, dass sich die angefochtene Verfügung nicht
zu Eingliederungsmassnahmen äusserte. Dies ist damit zu erklären, dass die IV-Stelle
bei der Annahme einer Erwerbstätigkeit von 50% und einer Arbeitsfähigkeit von 50%
von keiner Erwerbseinbusse ausgegangen ist und deshalb auch keine
Eingliederungsmassnahmen für angezeigt hielt. Mit der Feststellung, dass von keiner
die Erwerbsmöglichkeit der Beschwerdeführerin einschränkenden Arbeitsunfähigkeit
auszugehen sei, hat die Beschwerdegegnerin implizit auch die Notwendigkeit von
beruflichen Massnahmen verneint. Nach den vorstehenden Erwägungen sind das
Validen- und das Invalideneinkommen jedoch nicht deckungsgleich und sofern das
Invalideneinkommen noch positiv beeinflusst werden könnte, dürfte vor dem Abschluss
möglicher Eingliederungsmassnahmen keine Rente zugesprochen werden, weshalb
das Gericht neben dem Entscheid über den Invaliditätsgrad auch einen Entscheid über
mögliche Eingliederungsmassnahmen zu treffen hat, sofern dies nach den Akten
möglich ist.
4.2 Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar bedrohte Versicherte haben
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind,
die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu verbessern, zu erhalten oder ihre
Verwertung zu fördern. Die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art bestehen in
Berufsberatung, erstmaliger beruflicher Ausbildung, Umschulung und
Arbeitsvermittlung (Art. 8 Abs. 1 lit. b aIVG). Gemäss Bundesgericht ist eine generelle
Unterscheidung zwischen versicherten Personen mit und ohne Berufsausbildung nicht
vorzunehmen (Entscheid EVG (heute Bundesgericht) vom 28. Februar 2006, I 826/2005,
Erw. 4.2). Dies bedeutet, dass versicherte Personen ohne Berufsausbildung Anspruch
auf eine Erstausbildung haben können, sofern ihnen diese Ausbildung ermöglicht, eine
der ursprünglichen Tätigkeit annähernd gleichwertige Erwerbstätigkeit bezüglich
Verdienst auszuüben. Da eine solche Ausbildung ein Ungleichgewicht mit den
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bisherigen Erwerbsaussichten mit sich bringt, rechtfertigt es sich, auf die
Umschulungen von Hilfskräften die Wertung bei gelernten Versicherten zu übertragen,
die eine höherwertige Ausbildung wünschen (Entscheid des Versicherungsgerichts St.
Gallen vom 14. August 2007, Erw. 4d). Ein Anspruch auf eine höherwertige Ausbildung
besteht nur dann, wenn die erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens
derart schwer sind, dass sie sich nur auf diese Weise beheben lassen (Entscheid EVG
vom 5. September 2001, I 202/00). Wiegen der Gesundheitsschaden und seine
beruflichen Auswirkungen derart schwer, dass auch bei einer Hilfsarbeiterin oder einem
Hilfsarbeiter nur mit einer erstmaligen Berufsausbildung eine angemessene Verwertung
der verbliebenen Leistungsfähigkeit bzw. eine angemessene Schadensdeckung
resultiert, so ist die Ausbildung geschuldet. Ausdruck des Grundsatzes der
Verhältnismässigkeit ist jedoch auch die subjektive Eingliederungsfähigkeit (ZAK 1991,
S. 179). Mangelt es an der Eingliederungsbereitschaft, so erscheinen berufliche
Massnahmen häufig als nicht sinnvoll und verhältnismässig. Die Beschwerdeführerin
fühlt sich in ihrer Gesundheit weit stärker beeinträchtigt, als dies nach dem Gutachten
tatsächlich der Fall ist. In ihrem Abschlussbericht vom 15. Februar 2006 schrieb die
Berufsberaterin, da sich die Versicherte als keinesfalls arbeitsfähig erachte, könnten
keine beruflichen Massnahmen angeboten werden. Der Fall werde seitens der
Eingliederungsberatung abgeschlossen und zur Rentenprüfung weitergegeben (IV-act.
19). Das starke subjektive Krankheitsgefühl der Beschwerdeführerin, die laut den
Angaben im Abklärungsbericht Haushalt (IV-act. 28) nicht mehr unter die Leute gehe
und völlig hoffnungslos sei und nur noch dahinvegetiere, steht den Erfolgschancen
einer beruflichen Ausbildung im Wege. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen
erscheint es nicht verhältnismässig, Umschulungsmassnahmen anzuordnen. Unter
Gesamtwürdigung der Akten ist auch nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführerin aktuell eine Stelle vermittelt werden könnte. Sie bewegt sich kaum
noch aus dem Haus und fühlt sich selbst viel stärker limitiert, als dies nach den
ärztlichen Gutachten der Fall ist, weshalb davon ausgegangen werden muss, dass es
an den nötigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeitsvermittlung fehlt. Aus
diesem Grund verzichtet das Gericht im jetzigen Zeitpunkt auf die Anordnung einer
Arbeitsvermittlung. Es steht der Beschwerdeführerin aber jederzeit frei, bei der IV-Stelle
einen Antrag um Arbeitsvermittlung für die verbleibende Arbeitsfähigkeit zu stellen,
wobei auch Anlern- und Einarbeitungszeiten in Frage kämen. Allenfalls ist der
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Wiedereinstieg der Beschwerdeführerin mit Massnahmen der Frühintervention zu
versuchen.
5.
5.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen. Die
Verfügung der IV-Stelle vom 4. Juli 2007 ist aufzuheben und der Beschwerdeführerin
ab 1. August 2004 eine ganze und ab 1. August 2005 eine halbe Rente auszurichten.
5.2 Da sich die angefochtene Verfügung als rechtswidrig erwiesen hat und da die
Beschwerdeführerin auf jeden Fall gezwungen gewesen ist, Beschwerde zu führen, um
nicht rechtswidrig behandelt zu werden, muss in Bezug auf die Kostentragungspflicht
unabhängig vom konkreten Beschwerdebegehren (in Analogie zur entsprechenden
Regelung bei einer Rückweisung zur weiteren Abklärung, vgl. ZAK 1987 S. 266 Erw. 5a)
von einem vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin ausgegangen werden.
5.3 Die Gerichtskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt und
der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- wird der Beschwerdeführerin
zurückerstattet.
5.4 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sSG 951.1). Es rechtfertigt sich eine
Entschädigung von Fr. 3'500.- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG