Decision ID: 7ee0604a-f8ad-5f6d-a4a1-451c09b1b79a
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 16. November 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Die B._ AG teilte am 29. November 2006 mit (IV-act. 9), sie beschäftige die
Versicherte als Näherin. Der Jahreslohn habe 2005 Fr. 42'995.35 betragen. Dr. med.
C._, Facharzt FMH Allgemeinmedizin, berichtete am 4. Dezember 2006 (IV-act. 10),
die Versicherte leide an einem typischen Carcinoid des rechten Oberlappens peripher,
an einem Status nach thorakoskopischer Wedge-Resektion des Oberlappens rechts
am 07.02.2006, an einer rechtsseitigen Oberlappenresektion mit
Lymphknotendissektion am 01.05.2006, an einem Husten als Asthma aequivalent bei
hypersensiblem Bronchialbaum, an Pollinosis vom Frühtyp, an einer depressiven
Entwicklung mit starker Phobie vor Tumorerkrankungen, an einer chronischen
Refluxkrankheit und an einer verkalkten Thorakalaorta. Seit dem 21. Januar 2006 sei
die Versicherte bis auf weiteres in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 100%
arbeitsunfähig. Das psychiatrische Problem sollte nicht unterschätzt werden. Es sei für
die Versicherte absolut unmöglich, zur Zeit wieder in die Berufswelt einzusteigen. Dr.
med. D._, Fachärztin Innere Medizin, speziell Lungenkrankheiten, berichtete der IV-
Stelle am 12. Januar 2007 (IV-act. 13), aus pulmonaler Sicht bestehe eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit. Dr. med. E._ vom RAD hielt am 15. Februar 2007 fest (IV-act. 14),
bestimmend für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei nicht das Carcinoid, sondern
die depressive Entwicklung, eventuell teilweise auch das Rückenleiden. Deshalb sollte
in bezug auf die psychische Beeinträchtigung und in bezug auf das Rückenleiden eine
Rückfrage an den Hausarzt erfolgen. Falls die Antworten nicht konklusiv seien, müsse
eine orthopädische und psychiatrische Begutachtung erfolgen. Auf die Frage, wie die
Depression behandelt werde, welches ihr Verlauf sei und welche Auswirkung sie auf die
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Arbeitsfähigkeit habe, gab Dr. C._ nur den Namen des behandelnden Psychiaters an.
Auf die Frage nach der Bedeutung des Rückenleidens für die Arbeitsfähigkeit gab er
an, die Arbeitsunfähigkeit habe vor allem psychische Gründe. Die Versicherte habe eine
unüberwindliche Angst vor der Rückkehr an ihren Arbeitsplatz, weil sie überzeugt sei,
dass sie dort von den Chemikalien und vom Staub ihren Lungenkrebs bekommen habe
(IV-act. 18). Dr. med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stv. Chefarzt der
Klinik G._, berichtete der IV-Stelle am 15. Mai 2007 (IV-act. 19), folgende Diagnosen
seien erhoben worden: Mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10 F32.11), Entwicklung in Folge einer Anpassungsstörung bei Status nach
Lungenkarzinom (ICD-10 F43.22), und Verdacht auf beginnende Chronifizierung einer
Panikstörung (ICD-10 F41.0) bei vorbestehender ängstlich-vermeidenden
Persönlichkeitszügen. Er halte eine psychiatrische Begutachtung für angezeigt. Die
Versicherte klage über panikartige Angstzustände, Druck und Schmerzen im
Brustbereich, Deprimiertheit, Antriebsstörung, Freude- und Interesselosigkeit, sozialen
Rückzug, Zukunftsängste, frühmorgendliches Erwachen und Konzentrationsstörungen.
Weiter gab Dr. F._ an, bei eingeschränkter Introspektionsfähigkeit und einem
somatisch geprägten Krankheitsmodell bestehe eine deutlich erschwerte emotionale
Verarbeitung der durchgemachten lebensbedrohlichen Erkrankung. Daraus ergebe sich
eine verzögerte Besserung der Symptomatik in der ambulanten Psychotherapie. Es sei
mit der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Aus psychiatrischer Sicht sollte eine
adaptierte Tätigkeit ohne Staubexposition angestrebt werden. Die Arbeitsunfähigkeit
betrage aus psychiatrischer Sicht ca. 30% (ganztägig mit entsprechend reduzierter
Leistung). Dr. E._ vom RAD empfahl am 24. Mai 2007, in vier Monaten ein
Verlaufszeugnis bei Dr. F._ einzuholen (IV-act. 20). Dr. F._ berichtete am 16.
Oktober 2007 (IV-act. 26), die mittelgradige depressive Episode sei seit August 2007
teilremittiert. Die depressive Symptomatik und die Panikattacken hätten sich
zurückgebildet. Die Prognose sei gut. Die Arbeitsfähigkeit betrage immer noch 70%,
aber es sei eine Leistungssteigerung zu erwarten. Die Versicherte sei an einer
Teilzeitbeschäftigung interessiert, da sie ihren kranken Ehemann versorgen müsse.
A.b Die IV-Stelle eröffnete am 8. November 2007 ein Verfahren zur Vermittlung einer
Arbeitsstelle (IV-act. 29). Die Eingliederungsberaterin übermittelte der Versicherten
mehrfach Stellenausschreibungen. Am 31. Juli 2008 beauftragte die IV-Stelle im
Einverständnis mit der Versicherten eine aussenstehende Organisation mit der
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Arbeitsvermittlung (IV-act. 39). In einem Zwischenbericht hielt diese Organisation am
30. Oktober 2008 fest (IV-act. 40), die Vermittlung sei schwierig, weil die Versicherte
eine Staubphobie habe. Nach dem erfolglosen Ablauf des Vermittlungsauftrags hielt die
Organisation am 25. März 2009 fest (IV-act. 52), trotz intensiver Bemühungen habe
keine Arbeitsstelle gefunden werden können. Die IV-Stelle ordnete am 12. Februar
2009 eine berufliche Abklärung an (IV-act. 46). Die berufliche Eingliederungsstätte des
Ostschweizerischen Blindenfürsorgevereins OBV berichtete am 20. April 2009 (IV-act.
55), die Versicherte habe die berufliche Abklärung mit einem Beschäftigungsgrad von
70% begonnen. Ziel sei es gewesen, die Arbeitszeit kontinuierlich zu steigern, die
Belastbarkeit und die Leistungsfähigkeit zu prüfen und die Einsatzmöglichkeiten zu
klären. Die Versicherte habe den Arbeiten und dem Termindruck in der Werkstatt
standhalten können. Mit der 31 Std.-Woche habe die Versicherte eine Leistung von
70% erbracht. Sie habe sitzend einfache und leichte Arbeiten (bis 10 kg) verrichtet.
Dabei habe sie die nötige Qualität gut erreichen können. Die einzige Einschränkung
seien die sensiblen Atemwege gewesen. Die Versicherte brauche eine sitzende, leichte
Tätigkeit in einem reinen, luftzuglosen Raum bei einem Wochenpensum von maximal
31 Std. Nur dann könne sie über längere Zeit eine Arbeitsleistung von 70% erreichen.
Die Eingliederungsberaterin hielt in ihrem Schlussbericht vom 27. April 2009 fest (IV-
act. 54), die Versicherte habe aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen
lediglich in einer einzigen Abteilung des OBV eingesetzt werden können. Eine
Arbeitszeitsteigerung sei nicht möglich gewesen. Das weise in Richtung eines
Nischenarbeitsplatzes. Die Versicherte sehe sich selbst in einem Arbeitspensum von
50% an einem idealen Arbeitsplatz. Die Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen, weil
der Versicherten alle Gespräche mit der IV-Stelle und mit dem RAV zuviel seien. Die
Versicherte sei gemäss ihren eigenen Angaben durch eine schwere Erkrankung des
Ehemannes zusätzlich belastet. Die Arbeitsvermittlung wurde mit einer Mitteilung vom
27. Mai 2009 abgeschlossen (IV-act. 58).
A.c Dr C._ gab am 18. Juni 2009 (IV-act. 60) folgende Diagnosen an: Status nach
Carzinoid rechter peripherer Oberlappen, Status nach thorakoskopischer Wedge-
Resektion Oberlappen rechts am 07.02.2006, rechtsseitige Oberlappenresektion mit
Lymphknotendissektion am 01.05.2008, Morton-Neurom Dig. III und Dig. IV rechts,
Verdacht auf Läsion des Nervus circumflexus calcanei links, posttraumatische
Veränderung der Peronaeus longus-Sehne und Fersensporn links mit Status nach
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Infiltration 09/2007. Er berichtete weiter, die Versicherte könne zu 50%, d.h. vier
Stunden pro Tag arbeiten. Dabei dürfe sie keine Lasten über 8 kg tragen, heben oder
ziehen. Die Arbeit müsse in Räumen erfolgen, die keinen Staub, keine Feuchtigkeit und
keine Kälte aufwiesen. Mit einem Vorbescheid vom 6. August 2009 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit (IV-act. 64), dass sie beabsichtige, das Rentenbegehren
abzuweisen. Die Versicherte wandte am 21. August 2009 ein (IV-act. 65), ihr Hausarzt
bestätige eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 50%. Der Einsatz im OBV sei viel zu
anstrengend gewesen. Sie werde nie mehr als 50% arbeiten können. Zudem werde sie
ihre "Fachkraft im Bereich Textil" nie wieder einsetzen können. Dr. H._ vom RAD hielt
am 2. September 2009 fest (IV-act. 67), aus pneumologischer Sicht bestehe an einem
adaptierten Arbeitsplatz eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer
Sicht sei eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 30% bescheinigt worden. Als
Ursache sei eine weitgehend remittierte rezidivierende depressive Störung angegeben
worden. Es sei davon auszugehen, dass spätestens ab August 2007 eine
Arbeitsfähigkeit von 70% bestanden habe. Die IV-Stelle ermittelte ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 33'302.- (Durchschnittseinkommen Hilfsarbeiterinnen Fr.
52'052.- abzüglich 9,88% wegen Minderverdienst im Ausmass von 14,88% bei einem
Beschäftigungsgrad von 70%). Bei einem Valideneinkommen von Fr. 45'308.-
resultierte ein Invaliditätsgrad von 26,5% (IV-act. 68). Mit einer Verfügung vom
24. September 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab (IV-act. 69).
B.
B.a Die Versicherte liess am 26. Oktober 2009 Beschwerde erheben und die
Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung, eventualiter die
Ausrichtung einer halben Rente ab 1. Mai 2007 beantragen (act. G 1). Zur Begründung
machte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin insbesondere geltend, die
Beschwerdegegnerin stütze sich auf eine längst nicht mehr aktuelle, lediglich
psychiatrisch bedingte, von Dr. F._ attestierte Arbeitsunfähigkeit. Damit sei den
Anforderungen an die Abklärungspflicht bei weitem nicht Genüge getan. Es hätte eine
psychiatrische Begutachtung erfolgen müssen, zumal Dr. F._ ein solches Vorgehen
gefordert habe und auch der RAD-Arzt eine bidisziplinäre Begutachtung empfohlen
habe, falls die Antwort des Hausarztes nicht konklusiv sei. Die RAD-Ärzte verfügten
zudem nicht über die notwendige fachliche Qualifikation, um die Auswirkungen der
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psychischen Beeinträchtigung zu beurteilen. Neben der psychiatrischen Diagnose
bestünden zahlreiche somatische Beschwerden, die einer eingehenden Untersuchung
und Würdigung in bezug auf die Erwerbsfähigkeit bedürften. Hinzu komme schliesslich,
dass die Einschätzungen von Dr. C._ und Dr. F._ nicht unwesentlich voneinander
abwichen. Wenn das Gericht die bisherigen Abklärungen als ausreichend bewerten
sollte, sei auf die aktuelle Einschätzung von Dr. C._ abzustellen, d.h. es sei von einer
Arbeitsfähigkeit von 50% in einer adaptierten Erwerbstätigkeit auszugehen, wobei wohl
nur noch ein Nischenarbeitsplatz in Frage komme. Bei einem "leidensbedingten Abzug"
von 15% resultiere ein Invaliditätsgrad von 55%, d.h. es bestehe ein Anspruch auf eine
halbe Invalidenrente. Da ab Mai 2006 von einer dauerhaften relevanten Einschränkung
des funktionellen Leistungsvermögens auszugehen sei, bestehe der Rentenanspruch
gestützt auf aArt. 29 Abs. 1 IVG ab Mai 2007.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. Dezember 2009 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte geltend, es gebe keinen Hinweis darauf, dass sich
der psychische Gesundheitszustand seit dem "Verlaufsbericht F._" verändert hätte.
Gemäss dem "Verlaufsbericht C._" sei der Gesundheitszustand stationär. Eine
Verschlechterung wäre Dr. C._ aufgefallen, auch wenn er nur ein Allgemeinmediziner
sei. Da der psychische Gesundheitszustand ausreichend abgeklärt sei, sei keine
psychiatrische Begutachtung erforderlich. Dr. F._ habe im Verlaufsbericht keine
psychiatrische Begutachtung mehr verlangt. Die mittelgradige depressive Episode sei
nicht invalidisierend, weil es sich dabei lediglich um eine reaktive Begleiterscheinung
zur Anpassungsstörung wegen des Lungenkarzinoms handle. Eine solche Diagnose
stelle zum vornherein keine Komorbidität dar. Andere Faktoren, welche die zumutbare
Willensanstrengung zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit behindern würden, seien nicht
ersichtlich. Demnach bestehe keine psychisch begründete Arbeitsunfähigkeit. Aus
pulmonaler Sicht bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Die übrigen
somatischen Diagnosen schränkten die Arbeitsfähigkeit gemäss den überzeugenden
Angaben des RAD nur qualitativ ein. Auf den "Verlaufsbericht C._" könne nicht
abgestellt werden, weil die fachliche Qualifikation zur Bestimmung der psychiatrisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit fehle. Im übrigen könne auf die jüngste Stellungnahme
von Dr. H._ vom RAD verwiesen werden. Das Valideneinkommen sei gestützt auf das
2005 erzielte Einkommen auf Fr. 43'202.- festzusetzen. Das zumutbare
Invalideneinkommen sei ausgehend vom Durchschnittseinkommen 2005 der
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Hilfsarbeiterinnen von Fr. 58'389.- zu ermitteln. Nach der Parallelisierung bis auf 5%
und nach einem zusätzlichen Abzug von ermessensweise 10% verbleibe ein
zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 40'826.-. Die Erwerbseinbusse entspreche
einem Invaliditätsgrad von 5%. Dr. H._ vom RAD hatte am 14. November 2009 u.a.
festgehalten (IV-act. 76), Dr. F._ habe zwar am 15. Mai 2007 ein psychiatrisches
Gutachten empfohlen, aber am 16. Oktober 2007 eine Verbesserung beschrieben mit
guter Prognose, so dass es gerechtfertigt gewesen sei, auf eine Begutachtung zu
verzichten. Eine RAD-Untersuchung sei nicht erforderlich gewesen, weil die Antworten
des Hausarztes konklusiv gewesen seien. Die involvierten RAD-Ärzte hätten aufgrund
ihrer beruflichen Spezialisierung die somatische Seite würdigen können, die
psychiatrische Einschätzung sei nicht in Frage gestellt worden. Die von Dr. C._
erwähnten chronischen Rückenschmerzen hätten kein Korrelat in der MRI-
Untersuchung gefunden und beeinflussten die Arbeitsfähigkeit deshalb nur in
qualitativer Hinsicht. Das Morton-Neurom, die Veränderung der Peronaeus longus-
Sehne und der Fersensporn seien in einer behinderungsaptierten Tätigkeit gebührend
berücksichtigt. Das Schreiben von Dr. C._ vom 19. August 2009 habe keine neuen
Erkenntnisse gebracht, weshalb auf die Einschätzung aus dem Jahr 2007 abgestellt
werden könne.
B.c Die Beschwerdeführerin liess in ihrer Replik vom 20. Januar 2010 (act. G 7) u.a.
einwenden, der Verweis auf die Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung
gehe an der Sache vorbei, weil eine eigenständige mittelgradige depressive Episode
mit einem somatischen Syndrom vorliege. Es könne entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin nicht angenommen werden, dass der medizinische Sachverhalt
ausreichend erstellt sei. Insbesondere sei nicht klar, inwieweit die somatischen Leiden
die funktionelle Leistungsfähigkeit beeinträchtigten. Gemäss einem Bericht von Dr.
C._ vom 8. Januar 2010 bestehe nämlich zusätzlich eine Coxarthrose beidseits.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 22. Januar 2010 auf eine Duplik (act. G
9).

Erwägungen:
1.
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Die Beschwerdeführerin ist vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung bzw. der
Arbeitsunfähigkeit immer zu 100% erwerbstätig gewesen. Es gibt keine Indizien dafür,
dass sich daran etwas geändert hätte, wenn sie nicht krank geworden wäre. Die
Invaliditätsbemessung hat deshalb mittels eines Einkommensvergleichs zu erfolgen
(Art. 28a Abs. 1 IVG). Gemäss Art. 16 ATSG ist dabei das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.1 Grundlage der Bemessung des Valideneinkommens bildet jene erwerbliche
Situation, in der sich die versicherte Person befinden würde bzw. befinden könnte,
wenn sie nicht krank geworden wäre. Diese hypothetische erwerbliche Situation wird
als Validenkarriere bezeichnet. Ausgehend von dieser Validenkarriere wird das
Valideneinkommen ermittelt. Die Beschwerdegegnerin hat die bisherige Tätigkeit der
Beschwerdeführerin bei der B._ AG als Validenkarriere betrachtet und
dementsprechend den dort erzielbaren Lohn als Valideneinkommen in den
Einkommensvergleich eingesetzt. Dieser Lohn liegt allerdings erheblich unter dem
Durchschnittslohn für Hilfsarbeiterinnen. Damit stellt sich die Frage, ob sich die
Beschwerdeführerin freiwillig mit dem tieferen Lohn begnügt hat oder ob sie nur
mangels einer besser bezahlten Hilfsarbeit und damit gezwungenermassen weiterhin
für die B._ AG tätig gewesen ist. Trifft die erstgenannte Variante zu, bildet tatsächlich
die bisherige Tätigkeit für die B._ AG die Validenkarriere. Ist hingegen die
zweitgenannte Variante plausibler, so muss davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin nicht freiwillig, sondern aufgrund äusserer Zwänge (insbesondere
aufgrund einer nachteiligen Arbeitsmarktsituation) weiterhin für die B._ AG gearbeitet
hätte. Die Validenkarriere würde dann in einer durchschnittlichen Hilfsarbeit in
irgendeiner Branche bestehen. Das Valideneinkommen wäre in diesem Fall anhand des
Durchschnittslohns der Hilfsarbeiterinnen aller Branchen und nicht anhand des Lohns
bei der B._ AG zu bemessen. Die Akten enthalten zwar Indizien dafür, dass die
Beschwerdeführerin grossen Wert darauf gelegt hat, ihre beruflichen Fähigkeiten im
Textilbereich einsetzen zu können. Das lässt aber nicht den Schluss zu, dass sie den
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bisherigen Arbeitsplatz beibehalten hätte, wenn ihr eine dem schweizerischen
Durchschnitt entsprechend - und damit deutlich höher - entlöhnte Hilfsarbeit offeriert
worden wäre. Viel plausibler ist, dass sie in dieser Situation trotz des Stolzes auf ihre
Fähigkeiten am bisherigen Arbeitsplatz die besser entlöhnte Stelle angenommen hätte.
Ihre Validenkarriere besteht deshalb in einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit in
irgendeiner Branche. Damit bemisst sich das Valideneinkommen nach dem
schweizerischen Durchschnittsverdienst einer Hilfsarbeiterin über alle Branchen
hinweg. Die Invalidenkarriere der Beschwerdeführerin kann nicht in einer weiteren
Beschäftigung in der Textilbranche bestehen, denn dabei handelt es sich als Folge der
unvermeidlichen Staubbelastung nicht um eine behinderungsadaptierte
Erwerbstätigkeit. Eine Umschulung der Beschwerdeführerin kommt allein schon
aufgrund der allzu kurzen noch verbleibenden erwerblichen Aktivitätsdauer nicht in
Frage. Der Beschwerdeführerin steht deshalb nur noch eine behinderungsadaptierte
Hilfsarbeit offen. Dabei kommt jede Branche (wohl mit Ausnahme der Textilbranche) in
Betracht, weshalb auch das zumutbare Invalideneinkommen ausgehend vom
statistischen Durchschnittslohn (Zentralwert) der Hilfsarbeiterinnen aller Branchen zu
bemessen ist. Das massgebende Valideneinkommen entspricht also betragsmässig
dem Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens.
1.2 Dr. C._ hat am 4. Dezember 2006 für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% angegeben. Er hat das sinngemäss mit der Angst der
Beschwerdeführerin vor ihrem letzten Arbeitsplatz begründet. Die Beschwerdeführerin
glaube nämlich, ihre Erkrankung sei auf schädliche Stoffe an diesem Arbeitsplatz
zurückzuführen. Da nicht die Arbeitsfähigkeit am letzten Arbeitsplatz, sondern die
Arbeitsfähigkeit an einem (auch psychiatrisch) adaptierten Arbeitsplatz massgebend ist,
fehlt eine für die Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens brauchbare
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. C._. Seine Aussage, es sei für die
Beschwerdeführerin unmöglich, wieder ins Berufsleben einzusteigen, bezieht sich wohl
ebenfalls auf den angestammten Arbeitsplatz, denn im Bericht vom 4. Dezember 2006
fehlt jede Begründung dafür, dass die Beschwerdeführerin auch an einem in jeder
Hinsicht adaptierten Arbeitsplatz vollständig arbeitsunfähig wäre. Die Pneumologin Dr.
D._ hat am 12. Januar 2007 eine Arbeitsfähigkeit von 100% angegeben, wobei sie
sich aber nur auf den Zustand der Lunge bezogen hat. Auch diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist deshalb ungeeignet zur Festlegung des zumutbaren
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Invalideneinkommens. Der Psychiater Dr. F._ hat am 15. Mai 2007 schliesslich
angegeben, in einer adaptierten Tätigkeit sei mit einer Erhaltung der Arbeitsfähigkeit zu
rechnen. Aus psychiatrischer Sicht sei eine adaptierte Tätigkeit (ohne Staubexposition)
zu 100% mit einer Leistungsreduktion um ca. 30% zumutbar. Dr. F._ hat aber auch
vermerkt, er betrachte eine psychiatrische Begutachtung als sinnvoll. Damit hat er die
Überzeugungskraft seiner eigenen Arbeitsfähigkeitsschätzung aber deutlich
herabgesetzt. Am 16. Oktober 2007 hat er dann angegeben, der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin habe sich verbessert. Die mittelgradige depressive Episode sei
inzwischen teilremittiert. Dennoch hat er erneut eine Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin von 70% (ganztags bei einer um 30% reduzierten Leistung)
angegeben, wobei aber noch eine Steigerung zu erwarten sei. Eine psychiatrische
Begutachtung hat der - wohl mangels einer entsprechenden Frage im Fragebogen -
nicht mehr als notwendig bezeichnet. Für die angegebene Leistungseinschränkung um
30% fehlt in seinem Bericht eine medizinische Begründung. Insbesondere fehlt auch
eine Auseinandersetzung mit der zumutbaren Willensanstrengung, die zu fingieren ist,
bevor eine Arbeitsfähigkeitsschätzung erfolgen kann. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. F._ ist deshalb nicht geeignet, eine Arbeitsunfähigkeit von 30% als
überwiegend wahrscheinlich richtig erscheinen zu lassen. Daran ändert auch der
Umstand nichts, dass der Bericht über die Abklärung im OBV eine solche
Arbeitsunfähigkeit zu bestätigen scheint. Die Abklärung beruhte nämlich wesentlich auf
der im alltäglichen Arbeitsverhalten demonstrierten Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin, die sich etwa darin zeigte, dass die Beschwerdeführerin bereits
am ersten Tag klargestellt hatte, nur mit einem Beschäftigungsgrad von 70% arbeiten
zu können, was von den Mitarbeitern des OBV offenbar ohne weiteres akzeptiert
wurde. Während Dr. F._ eine vollzeitliche Anwesenheit am Arbeitsplatz mit einer um
30% reduzierten Leistung als zumutbar betrachtet hat, sind die Mitarbeiter des OBV -
der dargestellten Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin folgend - dann von einer
zumutbaren Tagesarbeitszeit von lediglich 70% ausgegangen. Immerhin haben sie
aber festgehalten, dass die Beschwerdeführerin während dieser reduzierten Arbeitszeit
eine volle Leistung erbracht hat. Dr. C._ hat am 18. Juni 2009 eine Arbeitsunfähigkeit
von 50% attestiert, ohne diese Einschätzung zu begründen. Er hat sich nicht einmal
dazu geäussert, ob die Ursache dieser Arbeitsunfähigkeit somatischer oder
psychischer Natur sei. Eine Auseinandersetzung mit dem Ergebnis der Abklärung im
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OBV fehlt völlig. Bei Dr. F._ ist kein Verlaufsbericht mehr angefordert worden, obwohl
dieser Arzt in seinem letzten Bericht noch mit einer weiteren Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin gerechnet hatte. Zusammenfassend ist
festzustellen, dass unter den gegebenen Umständen keine der
Arbeitsfähigkeitsschätzungen als überwiegend wahrscheinlich richtig qualifiziert
werden kann. Das gilt auch für die von Dr. F._ und vom OBV angegebene
Arbeitsfähigkeit von 70%, denn das Ergebnis der Abklärung im OBV ist durch die
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin beeinflusst worden und diese
Selbsteinschätzung dürfte auf der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._ beruht
haben. Von einer echten Übereinstimmung der Ergebnisse zweier unabhängiger
Abklärungen kann also nicht gesprochen werden. Bei allen Angaben zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, ganz besonders aber bei den Angaben von
Dr. C._, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie aus einer vorwiegend
therapeutischen Sicht abgegeben worden sind. Dr. H._ vom RAD hat mit seiner
Analyse vom 2. Mai 2009 nichts zur Beweisqualität dieser
Arbeitsfähigkeitsschätzungen beitragen können, denn er hat die Angaben von Dr. F._
als selbstverständlich richtig qualifiziert, ohne sich mit deren Objektivität
auseinanderzusetzen. Deshalb fehlt auch den Angaben von Dr. H._ die notwendige
Überzeugungskraft. Die objektive Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin seit 2007
erweist sich damit als unzureichend abgeklärt. Die vorliegenden Akten ermöglichen es
nicht, das zumutbare Invalideneinkommen und dann in einem weiteren Schritt den
Invaliditätsgrad mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
ermitteln. Die angefochtene Verfügung erweist sich als rechtswidrig, weil sie auf einem
Invaliditätsgrad beruht, der nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststeht.
2.
Demnach ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache ist zur weiteren
Abklärung des massgebenden Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. In Bezug auf die Verfahrenskosten ist bei diesem Verfahrensausgang
von einem vollumfänglich Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Diese hat
deshalb Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung, die gestützt auf Art. 61 lit.
g ATSG auf Fr. 3500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist. Die
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Gerichtsgebühr wird gestützt auf Art. 69 Abs. 1 IVG auf Fr. 600.- festgesetzt. Sowohl
die Parteientschädigung als auch die Gerichtsgebühr sind durch die unterliegende
Beschwerdegegnerin zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht