Decision ID: 2448c4f5-6d45-5994-829e-757d87ec8ced
Year: 2019
Language: de
Court: AR_KG
Chamber: AR_KG_005
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Übersicht
a) Am 27. Oktober 2018 wurde A. von der Verkehrsgruppe der Kantonspolizei an der C.-strasse in D., um
02.30 Uhr angehalten. Er kam aus E. und ging zu Fuss Richtung D. Bei der anschliessenden Personen- und
Effektenkontrolle kam im mitgeführten Rucksack eine grössere Menge Marihuana zum Vorschein. In der linken
Gesässtasche der Hose führte A. Fr. 60.00 (2 x Fr. 20.00 und 2 x Fr. 10.00) mit sich.
[...]
c) Die 48.5 Gramm Marihuana und das Mobiltelefon Samsung Galaxy S7 mit der Rufnummer 079 XXXX wur-
den sichergestellt. Mit der Durchsuchung des Mobiltelefons erklärte A. sich nicht einverstanden und machte
keine Angaben zu Pin/Puk-Code; er gab auch keine Kennwörter und Soziale Medien an. Darauf ersuchte die
Kantonspolizei bei der Staatsanwaltschaft um Durchsuchung des beschlagnahmten Mobiltelefons.
d) Die Staatsanwaltschaft erliess am 1. November 2018 gestützt auf Art. 263 StPO einen Beschlagnahmebe-
fehl betreffend das Mobiltelefon Samsung Galaxy S7 von A. und beauftragte die Polizei, das sichergestellte
Mobiltelefon gestützt auf Art. 246 StPO durch die IT-Forensik auf Daten zu durchsuchen, welche auf mögliche
Kontakte zu am Drogenhandel beteiligte Personen schliessen lassen. Als Begründung wurde im Beschlag-
nahmebefehl angegeben, beim Beschuldigten bestehe der Verdacht des Drogenhandels (Marihuana). Das
Mobiltelefon sei zur Ermittlung von weiteren Personen, welche am Drogenhandel beteiligt seien, zu durchsu-
chen.

Aus den Erwägungen:
1.2 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft ist die Beschwerde gegeben (Art.
393 Abs. 1 lit. a StPO). Ein Beschlagnahmebefehl der Staatsanwaltschaft stellt eine solche Verfahrenshand-
lung dar (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO; BOMMER/GOLDSCHMID, in: Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 68 zu
Art. 263 StPO; STEFAN HEIMGARTNER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 27 zu Art. 263 StPO). Hingegen ist gegen die Siegelung von Gegen-
ständen keine Beschwerde ans Obergericht möglich (Art. 248 Abs. 3 i.V.m. Art. 380 StPO). Stattdessen ist in
diesen Fällen der Rechtsbehelf des Siegelungsbegehrens (Art. 247 Abs. 1 i.V.m. Art. 248 Abs. 1 StPO) zu
Gerichtsentscheid AR GVP 31/2019, Nr. 3769
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ergreifen und (im Falle eines Entsiegelungsgesuches) das Entsiegelungsverfahren vor dem Zwangsmassnah-
mengericht zu durchlaufen. Gegen den Entsiegelungsentscheid kann dann Beschwerde ergriffen werden (BGE
144 IV 74 E. 2.3).
In casu macht der Beschwerdeführer gegen den Beschlagnahmebefehl sinngemäss verschiedene Verfahrens-
fehler geltend (Beschlagnahmebefehl wurde nicht rechtskonform zugestellt, keine Anhörung zum Inhalt der
Aufzeichnungen, keine Information über die Möglichkeiten der Siegelung). Unter diesen Umständen durfte er
sich auf die Rechtsmittelbelehrung auf dem Beschlagnahmebefehl verlassen. Kommt hinzu, dass gegen die
Weigerung der Strafbehörden, zur Durchsuchung vorgesehene Aufzeichnungen zu versiegeln, die Beschwerde
möglich ist (ANDREAS J. KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Straf-
prozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 16 zu Art. 393 StPO). Ausschlussgründe nach Art. 394 StPO liegen keine
vor.
1.3 Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen schriftlich und
begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO).
Die Staatsanwaltschaft vertritt die Auffassung, die Beschwerde sei verspätet und es sei daher nicht auf diese
einzutreten. Zur Begründung wird angeführt, die Polizei habe am 27. Oktober 2018 neben der Beschlagnah-
mung der Drogen auch die Sicherstellung des mitgeführten Mobiltelefons verfügt. Dies sei dem Beschwerde-
führer in der Einvernahme explizit eröffnet worden. Die Beschwerde gegen mündlich eröffnete Entscheide sei
innert 10 Tagen einzureichen. Die Anordnung der Durchsuchung sei dem Beschuldigten spätestens am 7. No-
vember 2018 per E-Mail eröffnet worden. Die erst am 21. November 2018 eingereichte Beschwerde sei offen-
sichtlich nach Ablauf der Beschwerdefrist erhoben und die Beschwerdefrist sei somit verpasst worden.
Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, sein Mobiltelefon sei anlässlich der Anhaltung vom 27. Ok-
tober 2018 gegen seinen Willen beschlagnahmt worden. Obwohl er mehrmals darauf hingewiesen habe, dass
er damit nicht einverstanden sei, sei ihm nicht gesagt worden, wie er sich dagegen auf rechtlichem Weg weh-
ren könne. Am 7. November 2018 habe er von der Polizei per E-Mail die Mitteilung erhalten, dass die Staats-
anwaltschaft über die Durchsuchung seines Mobiltelefons verfügt habe und er den Entsperrcode bekannt ge-
ben solle, um kosten- und zeitintensive Abklärungen zu vermeiden. Erneut sei ihm nicht gesagt worden, wie
und ob er sich gegen diesen Entscheid auf rechtlichem Weg wehren könne. Aus diesem Grund habe er um
Aushändigung des Beschlagnahmebefehls der Staatsanwaltschaft gebeten. Dieser sei ihm dann am 17. No-
vember 2018 ausgehändigt worden.
Anlässlich der Befragung vom 27. Oktober 2018 wurde A. mitgeteilt, dass das Mobiltelefon beschlagnahmt
werde. Weder im Einvernahmeprotokoll noch im entsprechenden Formular, auf dem der Beschwerdeführer
sein Einverständnis zur Beschlagnahme verweigerte, findet sich ein Hinweis auf eine Rechtsmittelmöglichkeit.
Der Beschlagnahmebefehl vom 1. November 2018 ist an den Beschwerdeführer adressiert und mit einer