Decision ID: c0286a13-69a7-5ae8-8584-65b0dfb19ad7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 1. März 2017 wurde von der Eidgenössischen Zollfahndung (nach-
folgend: EZV), Zollkreisdirektion Schaffhausen, Sektion Zollfahndung, im
Rahmen der Untersuchung gegen A._, geb. [Datum] (nachfolgend:
Abgabepflichtiger), wegen gewerbsmässigen Zigarettenschmuggels, das
Schlussprotokoll aufgenommen. Aus dem Schlussprotokoll geht hervor,
dass u.a. der Abgabepflichtige aufgrund konkreter Verdachtsmomente ab
dem 23. April 2016 observiert worden war. In der Nacht vom 8. Juni 2016
um 03:00 Uhr wurde er an seinem Wohnort angehalten und vorläufig fest-
genommen, nachdem er am Vortag die Schweiz über den Grenzübergang
Au (SG) Richtung Samnaun verlassen hatte, um mit insgesamt 314 Stan-
gen unverzollter Zigaretten sowie Alkohol via Österreich und Deutschland
über den unbewachten Grenzübergang Buchenloo (ZH) wieder in die
Schweiz einzureisen.
Weiter wurde im Schlussprotokoll u.a. festgehalten, aus der Datenauswer-
tung des automatischen Fahndungs- und Verkehrsüberwachungssystems
der Grenzstellen (AFV) sowie den Observierungserkenntnissen gehe her-
vor, dass die am 8. Juni 2016 beteiligten Fahrzeuge – dasjenige des Abga-
bepflichtigen sowie jenes eines Komplizen – mindestens seit Dezember
2015 regelmässig für Fahrten von und nach Samnaun eingesetzt worden
waren. Insgesamt liessen sich im Zeitraum vom 13. Dezember 2015 bis
zum 8. Juni 2016 aufgrund der schweizerischen und österreichischen Ver-
kehrsüberwachungsdaten sowie der Observierungsergebnisse mindes-
tens 29 Aufenthalte eines oder beider Fahrzeuge in der Talschaft Samnaun
nachweisen.
Gemäss Schlussprotokoll wird dem Abgabepflichtigen vorgeworfen, zwi-
schen dem 13. Dezember 2015 und dem 8. Juni 2016 insgesamt 6'040
Stangen Zigaretten im Wert von Fr. 241'600.-- (Fr. 40.-- pro Stange) ins
Schweizer Zollgebiet eingeführt zu haben, ohne diese zur Zollbehandlung
anzumelden. Dadurch habe er die darauf lastenden Einfuhrsteuern, Zölle,
Tabaksteuern und Präventionsabgaben im nachfolgenden Umfang hinter-
zogen:
A-4963/2020
Seite 3
Zollbetrag 8'987.50
Tabaksteuerbetrag 269'806.80
SOTA Betrag 1'570.40
Tabakpräventionsbetrag 1'570.40
MWST Betrag 41'882.80
Abgabenbetrag Total 323'817.90
A.b Mit Verfügung über die Leistungspflicht vom 1. März 2017 forderte die
EZV, Zollkreisdirektion Schaffhausen, den Abgabepflichtigen gestützt auf
das erwähnte Schlussprotokoll auf, Fr. 323'817.90 zzgl. Verzugszins in
Höhe von Fr. 11'477.25, d.h. gesamthaft Fr. 335'295.15 zu entrichten.
A.c Gegen die genannte Verfügung über die Leistungspflicht erhob der Ab-
gabepflichtige am 24. April 2017 Beschwerde bei der Oberzolldirektion
OZD. Er beantragte im Wesentlichen die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung sowie die Rückweisung der Sache an die Zollkreisdirektion
Schaffhausen mit der Weisung, das betreffende Bezugsverfahren zu sis-
tieren, bis der die Leistungspflicht begründende Sachverhalt im Verwal-
tungsstrafverfahren rechtsgenügend und rechtskräftig festgestellt worden
sei.
A.d Mit Beschwerdeentscheid vom 8. September 2020 wies die EZV,
Direktionsbereich Grundlagen (gemäss geltendem Zollgesetz OZD ge-
nannt) die Beschwerde des Abgabepflichtigen ab.
B.
B.a Gegen den genannten Beschwerdeentscheid der EZV, Direktionsbe-
reich Grundlagen (nachfolgend auch: Vorinstanz) erhob der Abgabepflich-
tige (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 6. Oktober 2020
Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt – unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen samt Mehrwertsteuer – sinngemäss Fol-
gendes:
1. Die Dispositiv-Ziffern 1. und 2. des angefochtenen Beschwerdeent-
scheids seien aufzuheben.
2. Die Leistungspflicht des Beschwerdeführers sei auf Fr. 167'647.60 zu
reduzieren.
A-4963/2020
Seite 4
3. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit
diese das betreffende Bezugsverfahren sistiere, bis der die Leistungs-
pflicht begründende Sachverhalt im Verwaltungsverfahren rechtsgenü-
gend und rechtskräftig festgestellt worden sei.
Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, die Vorinstanz stelle zu
Unrecht auf sein früheres Geständnis ab, mit welchem er die Einfuhr von
insgesamt 6'040 Stangen unversteuerter Zigaretten zugegeben habe. Die-
ses Geständnis sei unter fragwürdigen Umständen zustande gekommen
und später widerrufen worden. Später habe er erklärt, nur 3'000 bis 3'500
Stangen Zigaretten in die Schweiz eingeführt zu haben. Die Menge an Zi-
garetten, welche diese anerkannte Menge übersteige, sei nicht rechtsge-
nügend erstellt.
B.b Mit Zwischenverfügung vom 6. November 2020 hiess das Gericht das
Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG gut und ordnete ihm lic. iur. Christian Meier,
Rechtsanwalt, als unentgeltlichen Rechtsbeistand bei.
B.c Mit Vernehmlassung vom 3. Dezember 2020 schliesst die Vorinstanz
auf Abweisung der Beschwerde. Sie verweist namentlich darauf, dass sich
die Menge an Zigaretten, welche Gegenstand der Nachforderung sei, nicht
bloss auf das – wie geltend gemacht werde – widerrufene Geständnis des
Beschwerdeführers stütze. Die dem Beschwerdeführer angelastete Menge
ergebe sich aus den von der Vorinstanz erhobenen Beweise. So seien bei-
spielsweise insgesamt 29 Aufenthalte eines oder beider Tatfahrzeuge des
Beschwerdeführers bzw. seines Komplizen zwischen dem 13. Dezember
2015 und dem 8. Juni 2016 in der Talschaft Samnaun registriert worden
(vgl. vorangehend Bst. A.a). In demselben Zeitraum seien sodann mindes-
tens 24 Einfahrten des vom Beschwerdeführer verwendeten Fahrzeugs
über den unbewachten Grenzübergang Wil/ZH in den späten Nachtstun-
den oder nach Mitternacht erfolgt. Dies zeige auf, dass für die Rückfahrt in
die Schweiz ein massiver Umweg (ca. 100 km längere Fahrstrecke) ge-
wählt worden sei, um über einen unbewachten Grenzübergang einzurei-
sen. Im Weiteren werde der Beschwerdeführer u.a. durch Zeugenaussa-
gen belastet.
Auf die einzelnen Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird
– soweit entscheidwesentlich – im Rahmen der folgenden Erwägungen
eingegangen.
A-4963/2020
Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG; SR 173.32) be-
urteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021),
sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt im
vorliegenden Fall nicht vor und die Vorinstanz ist eine Behörde im Sinne
von Art. 33 VGG. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit für die Behand-
lung der Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht richtet sich gemäss
Art. 37 VGG nach den Bestimmungen des VwVG, soweit das VGG nichts
Anderes bestimmt.
1.3 Gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerde berechtigt, wer vor
der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglich-
keit zur Teilnahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung
besonders berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung hat (Bst. c). Der Beschwerdeführer erfüllt diese
Voraussetzungen und ist entsprechend beschwerdelegitimiert.
1.4 Nach dem Dargelegten ist auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde einzutreten.
1.5 Anfechtungsobjekt im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
bildet einzig der vorinstanzliche Entscheid, soweit er im Streit liegt. Vorlie-
gend ist dies der Beschwerdeentscheid vom 8. September 2020 (vgl. Sach-
verhalt Bst. A.d).
1.6
1.6.1 Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersuchungsmaxime, wonach die
entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von sich aus
abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen muss (teilweise ein-
geschränkt durch Mitwirkungspflichten der Verfahrensbeteiligten). Die Be-
schwerdeinstanz nimmt jedoch nicht von sich aus zusätzliche Sachver-
haltsabklärungen vor oder untersucht weitere Rechtsstandpunkte, für die
sich aus den vorgebrachten Rügen oder den Akten nicht zumindest An-
haltspunkte ergeben (BVGE 2010/64 E. 1.4.1; statt vieler: Urteile des
A-4963/2020
Seite 6
BVGer A-2514/2020 vom 27. September 2021 E. 1.6.1, A-5551/2019 vom
14. Januar 2021 E. 1.4, A-4544/2019 vom 5. Mai 2020 E. 1.5 m.w.H.).
1.6.2 Gelangt das Gericht trotz genügender Abklärung des Sachverhalts
unter Respektierung des Untersuchungsgrundsatzes und aufgrund der
(freien) Beweiswürdigung (vgl. Art. 81 Abs. 3 MWSTG) nicht zur Überzeu-
gung, eine rechtserhebliche Tatsache habe sich verwirklicht, so stellt sich
die Frage, wer die Folgen der Beweislosigkeit trägt. Im Steuerrecht gilt
grundsätzlich, dass die Steuerbehörde die (objektive) Beweislast für Tatsa-
chen trägt, welche die Steuerpflicht als solche begründen oder die Steuer-
forderung erhöhen (steuerbegründende und -erhöhende Tatsachen). Dem-
gegenüber ist die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und
steuermindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst für solche Tatsa-
chen, welche eine Steuerbefreiung oder Steuerbegünstigung bewirken
(statt vieler: Urteil des BGer 2C_715/2013 vom 13. Januar 2014 E. 2.3.3;
Urteile des BVGer A-2589/2020 vom 3. Mai 2021 E. 1.5, A-4544/2019 vom
5. Mai 2020, E. 1.6, A-6390/2016 und A-6393/2016 vom 14. September
2017 E. 1.4 m.w.H.).
1.7
1.7.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Ent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführe-
rin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG)
und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemes-
senheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG; statt vieler: Urteil des BVGer
A-2514/2020 vom 27. September 2021 E. 1.7.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-
LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
Rz. 2.149).
1.7.2 Es gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Das
Bundesverwaltungsgericht ist demnach verpflichtet, auf den unter Mitwir-
kung der Verfahrensbeteiligen festgestellten Sachverhalt unabhängig von
der Begründung der Begehren die richtigen Rechtsnormen und damit je-
nen Rechtssatz anzuwenden, den es als den zutreffenden erachtet,
und ihm jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (BGE 119 V
347 E. 1a; statt vieler: Urteil des BVGer A-642/2020 vom 5. Januar 2021
E. 2.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 1.54).
A-4963/2020
Seite 7
1.8 Der zu beurteilende Sachverhalt hat sich im Zeitraum zwischen dem
13. Dezember 2015 und dem 8. Juni 2016 verwirklicht. Somit sind vorlie-
gend das Zollgesetz vom 18. März 2005 (ZG; SR 631.0), die Zollverord-
nung vom 1. November 2006 (ZV; SR 631.01), das Bundesgesetz
vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (Mehrwertsteuergesetz,
MWSTG; SR 641.20) sowie das Bundesgesetz vom 21. März 1969 über
die Tabaksteuer (Tabaksteuergesetz, TStG; SR 641.31) heranzuziehen.
2.
2.1
2.1.1 Nach Art. 1 Abs. 1 MWSTG erhebt der Bund eine allgemeine Ver-
brauchssteuer nach dem System der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuer-
abzug (Mehrwertsteuer). Die Steuer bezweckt die Besteuerung des nicht
unternehmerischen Endverbrauchs im Inland. Als Mehrwertsteuer erhebt
er gemäss Art. 1 Abs. 2 MWSTG eine Steuer auf den im Inland von steu-
erpflichtigen Personen gegen Entgelt erbrachten Leistungen (Inland-
steuer), eine Steuer auf dem Bezug von Leistungen von Unternehmen mit
Sitz im Ausland durch Empfänger und Empfängerinnen im Inland (Bezug-
steuer) sowie eine Steuer auf der Einfuhr von Gegenständen (Einfuhr-
steuer). Letztere soll verhindern, dass ins Zollinland eingeführte Waren ge-
genüber im Inland hergestellten Gütern, welche der Inlandsteuer unterlie-
gen, bevorteilt werden (vgl. REGINE SCHLUCKEBIER, in: Geiger/Schluckebier
[Hrsg.], MWST-Kommentar, 2019 [nachfolgend: MWST-Kommentar], Rz. 1
zu Art. 50; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-2514/2020 vom 27. Septem-
ber 2021 E. 2.1.1).
2.1.2 Die Einfuhrsteuer unterscheidet sich sowohl hinsichtlich des Steuer-
objekts als auch des Steuersubjekts von der Inlandsteuer. Steuersubjekt
ist die zollzahlungspflichtige Person (vgl. nachfolgend E. 2.3.1). Steuerob-
jekt der Einfuhrsteuer ist die Einfuhr von Gegenständen einschliesslich
der darin enthaltenen Dienstleistungen und Rechte ins (Zoll-)Inland
(vgl. Art. 52 Abs. 1 Bst. a MWSTG). Für das Auslösen der Steuer genügt
es, dass der Gegenstand über die Zollgrenze verbracht wird (Urteil
des BGer 2C_217/2019 vom 27. April 2020 E. 5.2; Urteil des BVGer
A-6174/2013 vom 18. Juni 2014 E. 2.3.1). Ein Umsatz im mehrwertsteuer-
rechtlichen Sinn, beispielsweise eine Lieferung von Gegenständen gegen
Entgelt, ist nicht vorausgesetzt. Insbesondere ist die Entgeltlichkeit nicht
erforderlich. So lösen auch unentgeltliche Geschäfte (z.B. Schenkungen)
die Einfuhrsteuer aus (vgl. Urteil des BGer 2C_1079/2016 vom 7. März
2017 E. 2.2.1 f.; Urteile des BVGer A-2860/2019 vom 26. März 2021
E. 2.7.3, A-7503/2016 vom 16. Januar 2018 E. 6.1, A-5936/2016 vom
A-4963/2020
Seite 8
16. August 2017 E. 2.4; SCHLUCKEBIER, MWST-Kommentar, Rz. 1 zu
Art. 52; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-2514/2020 vom 27. September
2021 E. 2.1.2).
2.1.3 Die Steuer auf der Einfuhr wird im Normalfall auf dem von den Par-
teien vereinbarten und vom Importeur zu entrichtenden Entgelt erhoben,
wenn der Gegenstand im Rahmen eines Veräusserungs- oder Kommis-
sionsgeschäfts eingeführt wird (Art. 54 Abs. 1 Bst. a MWSTG). Im Übrigen
wird sie – sofern nicht die Sondertatbestände der Bst. b bis f zur Anwen-
dung kommen – nach Art. 54 Abs. 1 Bst. g MWSTG auf dem Marktwert
berechnet (vgl. Urteil des BGer 2C_1079/2016 vom 7. März 2017 E. 2.2.3;
BVGE 2014/7 E. 3.5.1; Urteil des BVGer A-2514/2020 vom 27. September
2021 E. 2.2.1).
2.1.4 Als Marktwert gilt, was der Importeur auf der Stufe, auf der die Einfuhr
bewirkt wird, an einen selbstständigen Lieferanten im Herkunftsland der
Gegenstände zum Zeitpunkt der Entstehung der Einfuhrsteuerschuld nach
Art. 56 MWSTG unter den Bedingungen des freien Wettbewerbs zahlen
müsste, um den gleichen Gegenstand zu erhalten (Art. 54 Abs. 1 Bst. g
MWSTG). Es handelt sich somit um den Verkehrswert bzw. Veräusse-
rungswert des eingeführten Gegenstandes, also den Erlös, der am Stich-
tag bei einem Verkauf an einen unabhängigen Dritten hätte erzielt wer-
den können. Der Verkehrswert im steuerrechtlichen Sinn bildet nicht
eine mathematisch exakt bestimmbare Grösse, sondern stellt in der Regel
einen Schätz- oder Vergleichswert dar (vgl. Urteil des BGer 2C_1079/2016
vom 7. März 2017 E. 2.2, in: Zollrevue 2/17, S. 34 ff.; Urteile des BVGer
A-983/2018 vom 18. April 2019 E. 2.5.2, A-5936/2016 vom 16. August 2017
E. 2.4.2, BVGE 2014/7 E. 3.5.2). Die Ermittlung des Marktwerts erfolgt
nach verschiedenen Bewertungsmethoden (Wert gleicher Gegenstände,
Wert gleichartiger Gegenstände, nach der deduktiven Methode [Wieder-
verkaufswert] oder errechneter Wert; vgl. SCHLUCKEBIER, MWST-Kommen-
tar, Rz. 29 zu Art. 54; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-2514/2020 vom
27. September 2021 E. 2.2.2).
2.1.5 Soweit nicht bereits darin enthalten, sind in die Bemessungsgrund-
lage zum einen die ausserhalb des Inlands sowie aufgrund der Einfuhr ge-
schuldeten Steuern, Zölle und sonstigen Abgaben – mit Ausnahme der zu
erhebenden Mehrwertsteuer – miteinzubeziehen (Art. 54 Abs. 3 Bst. a
MWSTG). Zum anderen sind die Kosten für das Befördern oder Versenden
und alle damit zusammenhängenden Leistungen bis zum Bestimmungsort
A-4963/2020
Seite 9
im Inland, an den die Gegenstände zum Zeitpunkt der Entstehung der Ein-
fuhrsteuerschuld nach Art. 56 MWSTG zu befördern sind, einzubeziehen
(Art. 54 Abs. 3 Bst. b MWSTG; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-2514/2020
vom 27. September 2021 E. 2.2.3).
2.2
2.2.1 Gemäss Art. 50 MWSTG («Einfuhrsteuer») gilt für die Steuer auf der
Einfuhr von Gegenständen grundsätzlich die Zollgesetzgebung. Steuer-
pflichtig ist, wer nach Art. 70 Abs. 2 und 3 ZG Zollschuldner oder Zollschuld-
nerin ist (Art. 51 Abs. 1 MWSTG; vgl. vorangehend E. 2.1.2). Zollschuldner
bzw. Zollschuldnerin ist – soweit hier interessierend – die Person, die Wa-
ren über die Zollgrenze bringt oder bringen lässt (Art. 70 Abs. 2 Bst. a ZG).
Die Zollschuldnerinnen und Zollschuldner haften für die Zollschuld solida-
risch. Der Rückgriff unter ihnen richtet sich nach dem Obligationenrecht
(Art. 70 Abs. 3 ZG). Die Einfuhrsteuer wird von der EZV zusammen mit den
Zollabgaben erhoben (Art. 62 Abs. 1 MWSTG).
2.2.2 Waren, die ins schweizerische Zollgebiet verbracht werden, sind
grundsätzlich zollpflichtig und nach dem ZG sowie nach dem Zolltarifgesetz
vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) zu veranlagen (Art. 7 ZG). Handelt
es sich bei den betreffenden Waren – wie im vorliegenden Fall – um Ta-
bakwaren, ist neben dem Mehrwertsteuergesetz zudem das Tabaksteuer-
gesetz zu beachten (vgl. vorangehend E. 1.8). Gemäss Art. 1 Abs. 1 TStG
erhebt der Bund eine Steuer auf Tabakfabrikaten sowie auf Erzeugnissen,
die wie Tabak verwendet werden (Ersatzprodukte). Soweit das Tabaksteu-
ergesetz und die gestützt darauf erlassenen Verordnungen nicht eigene
Bestimmungen enthalten, finden auf die Tabaksteuer die für die Zölle gel-
tenden Vorschriften entsprechend Anwendung, einschliesslich jener über
den Bezug besonderer Gebühren bei der Handhabung der Zollgesetzge-
bung (Art. 3 TStG; vgl. auch die mit der Tabaksteuer zusammenhängenden
Abgaben wie SOTA-Gebühr und Gebühr für die Tabakprävention).
2.2.3 Massgebend für die Entstehung der Zollschuld ist nach schweizeri-
schem Recht das tatsächliche Verbringen von Waren über die Zollgrenze
(vgl. REMO ARPAGAUS, Zollrecht, in: Koller et al. [Hrsg.], Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, 2. Aufl. 2007, Rz. 484). Zollobjekt ist der wirt-
schaftliche Vorgang der Warenein- oder ausfuhr. Folglich entsteht die Zoll-
schuld in dem Zeitpunkt, in welchem nach der Zollgesetzgebung die Ein-
oder Ausfuhr üblicherweise als vollendet gilt (vgl. Botschaft des Bundesra-
tes vom 15. Dezember 2003 über ein neues Zollgesetz [nachfolgend: Bot-
schaft ZG], BBl 2004 567, 640 m.w.H.; Urteile des BVGer A-2860/2019 vom
A-4963/2020
Seite 10
26. März 2021 E. 2.1.2, A-5938/2019 vom 2. September 2020 E. 2.1.2).
In Fällen wie dem vorliegenden, in welchen die Zollanmeldung unterlassen
worden und keiner der in Art. 69 Bst. c ZG genannten Zeitpunkte feststell-
bar ist, entsteht die Zollschuld im Zeitpunkt, in dem die Unterlassung ent-
deckt wurde (Art. 69 Bst. c ZG).
2.2.4 Die Einfuhr- sowie die Tabaksteuer wird von der EZV zusammen mit
den Zollabgaben erhoben (Art. 62 Abs. 1 MWSTG). Das Verfahren der Zoll-
und Einfuhrsteuerveranlagung wird vom Selbstdeklarationsprinzip be-
stimmt (Art. 21, 25 und 26 ZG; Art. 50 MWSTG; vgl. statt vieler: Urteil
des BVGer A-6355/ 2019 vom 17. Juni 2021 E. 2.2). Demnach trägt die
anmeldepflichtige Person die volle Verantwortung für eine ordnungsge-
mässe – d.h. vollständige und richtige – Zollanmeldung (vgl. Art. 21 und
Art. 25 f. ZG). Das Zollrecht stellt damit an die anmeldepflichtige Person
hinsichtlich ihrer Sorgfaltspflichten hohe Anforderungen (BGE 142 II 433
E. 2.1, 112 IV 53 E. 1a; vgl. statt vieler: Urteile des BVGer A-1777/2019
vom 23. Januar 2020 E. 2.5.2, A-581/2016 vom 21. März 2017 E. 2.2.1).
2.2.5 Die Grundlage der Veranlagung ist die Zollanmeldung (Art. 18 Abs. 1
ZG). Diese nimmt im schweizerischen Zollwesen eine zentrale Stellung ein
(BARBARA SCHMID, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Handkommentar Zoll-
gesetz [ZG], 2009, Art. 18 N. 1). Die anmeldepflichtige Person muss die
der Zollstelle zugeführten, gestellten und summarisch angemeldeten Wa-
ren innerhalb der von der Zollverwaltung bestimmten Frist zur Veranlagung
anmelden und die Begleitdokumente einreichen (Art. 25 Abs. 1 ZG). An-
meldepflichtig ist u.a. die zuführungspflichtige Person (Art. 26 Bst. a ZG).
Als solche gilt diejenige Person, die Waren ins Zollgebiet verbringt, verbrin-
gen lässt oder sie danach übernimmt. Sie hat die Waren unverzüglich und
unverändert der nächstgelegenen Zollstelle zuzuführen (Art. 21 Abs. 1
ZG). Die Zollanmeldung kann von der Zollstelle berichtigt werden (Art. 18
Abs. 2 ZG). Nicht angemeldete Waren werden von Amtes wegen veranlagt
(Art. 18 Abs. 3 ZG; vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-983/2018 vom
18. April 2019 E. 2.4.2).
2.2.6 Der Zollbetrag bemisst sich nach Art, Menge und Beschaffenheit
der Ware im Zeitpunkt, in dem sie der Zollstelle angemeldet wird (Art. 19
Abs. 1 Bst. a ZG) und nach den Zollansätzen und Bemessungsgrund-
lagen, die im Zeitpunkt der Entstehung der Zollschuld gelten (Art. 19 Abs. 1
Bst. b ZG; vgl. auch Art. 69 Bst. a ZG; zur Entstehung der Zollschuld
vgl. vorangehend E. 2.2.3). Ein- und Ausfuhrzölle werden nach dem
Generaltarif festgesetzt (Art. 1 Abs. 1 ZTG in Verbindung mit den
A-4963/2020
Seite 11
Anhängen 1 und 2 des ZTG; Urteil des BVGer A-5938/2019 vom
2. September 2020 E. 2.1.3).
2.2.7 Die Zollschuld wird mit ihrer Entstehung fällig (Art. 72 Abs. 1 ZG).
Wird die Zollschuld nicht fristgerecht bezahlt, so ist ab ihrer Fälligkeit
grundsätzlich ein Verzugszins geschuldet (vgl. Art. 74 Abs. 1 und 2 ZG).
2.3
2.3.1 Bestehen Zweifel an der Richtigkeit der Zollanmeldung oder fehlen
Wertangaben, so kann die EZV die Steuerbemessungsgrundlage nach
pflichtgemässem Ermessen schätzen (Art. 54 Abs. 4 MWSTG).
2.3.2 Bei der gerichtlichen Überprüfung einer solchen Ermessenseinschät-
zung gelten die nachfolgend genannten, im Mehrwertsteuerrecht für In-
landleistungen entwickelten Grundsätze (vgl. Urteil des BVGer A-5078/
2012 vom 15. Januar 2014 E. 10.4). So gilt insbesondere auch, dass sich
das Bundesverwaltungsgericht bei der Überprüfung einer zulässigerweise
erfolgten Schätzung der Einfuhrsteuer bzw. von Zollbeträgen eine gewisse
Zurückhaltung auferlegt (vgl. Urteil des BVGer A-2514/2020 vom 27. Sep-
tember 2021 E. 2.3.3.2 m.w.H. und für die Schätzung von Zollbeträgen Ur-
teil des BVGer A-1719/2006, A-1720/2006 und A-1721/2006 vom 14. Ja-
nuar 2009 E. 8.1).
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft zwar das Vorliegen der Voraus-
setzungen der Schätzung der Einfuhrsteuer – also gemäss Art. 54 Abs. 4
MWSTG das Bestehen von Zweifeln an der Richtigkeit der Zollanmeldung
oder das Fehlen von Wertangaben – als Rechtsfrage uneingeschränkt. Als
ausserhalb der Verwaltungsorganisation und Behördenhierarchie stehen-
des, von der richterlichen Unabhängigkeit bestimmtes, Verwaltungsgericht
auferlegt es sich aber, wie erwähnt, trotz des möglichen Rügegrundes der
Unangemessenheit (vgl. Art. 49 Bst. c VwVG; E. 1.7.1) bei der Überprüfung
von zulässigerweise erfolgten Schätzungen eine gewisse Zurückhal-
tung und reduziert dergestalt seine Prüfungsdichte (vgl. Urteile des BVGer
A-1336/2020 vom 12. Oktober 2021 E. 3.5.5, A-5061/2013 vom 5. März
2014 E. 3.6).
Grundsätzlich setzt das Bundesverwaltungsgericht nur dann sein eigenes
Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei der
Schätzung erhebliche Ermessensfehler unterlaufen sind. Diese Praxis
wurde vom Bundesgericht wiederholt bestätigt (vgl. Urteile des BGer
2C_950/2015 vom 11. März 2016 E. 4.5, 2C_970/2012 vom 1. April 2013
http://links.weblaw.ch/BVGer-A-1719/2006 http://links.weblaw.ch/BVGer-A-1721/2006
A-4963/2020
Seite 12
E. 4.3 und 2C_426/2007 vom 22. November 2007 E. 4.3; vgl. Urteile des
BVGer A-6521/2019 vom 29. Juli 2020 E. 2.2.5, A-5892/2018 vom 4. Juli
2019 E. 2.8.1, A-1133/2018 vom 26. September 2018 E. 2.8.1).
Kommen bei einer Schätzung mehrere Ergebnisse in Frage, die gleich re-
alistisch sind, muss der ESTV (bzw. hier der EZV) innerhalb der betreffen-
den Bandbreite ein Ermessenspielraum verbleiben. Die deutsche Recht-
sprechung und Lehre bezeichnet diese Bandbreite zutreffend als Schät-
zungsrahmen. Liegt das Schätzungsresultat nicht mehr in diesem Rahmen
ist eine Ermessensüberschreitung, das heisst eine Rechtsverletzung ge-
geben, und damit liegt auch ein offensichtlicher Ermessensfehler bzw. eine
offensichtlich unrichtige Schätzung im Sinne der erwähnten Rechtspre-
chung vor, die vom Bundesverwaltungsgericht zu korrigieren ist (vgl. JÜRG
STEIGER, in: Zweifel/Beusch/Glauser/ Robinson [Hrsg.], Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer,
2015, Art. 79 N. 36; vgl. zum Ganzen: Urteile des BVGer A-2514/2020 vom
27. September 2021 E. 2.3.3.3, A-1190/2018 vom 18. April 2019 E. 2.5.3).
2.3.3 Das Ziel der Ermessensveranlagung ist es, den tatsächlichen Gege-
benheiten möglichst gerecht zu werden. In jedem Fall muss die Schätzung
pflichtgemäss sein. Dies bedingt die Berücksichtigung der Besonderheiten
des Einzelfalls und den Einbezug von ausreichend abgestützten Schät-
zungshilfen und vernünftigen und zweckmässigen Schätzmethoden (vgl.
Urteile des BVGer A-1190/2018 vom 18. April 2019 E. 2.5.3, A-5175/2015
vom 1. März 2016 E. 2.6.2).
2.3.4 Für das Vorliegen der Voraussetzungen einer Ermessenseinschät-
zung ist nach der allgemeinen Beweislastregel die ESTV beweisbelastet
(E. 1.6.2). Sind die Voraussetzungen der ermessensweisen Ermittlung er-
füllt («erste Stufe») und erscheint die vorinstanzliche Schätzung nicht be-
reits im Rahmen der durch das Bundesverwaltungsgericht mit der gebote-
nen Zurückhaltung vorzunehmenden Prüfung als pflichtwidrig («zweite
Stufe»), obliegt es – in Umkehr der allgemeinen Beweislast – in der Folge
dem Abgabepflichtigen, den Nachweis für die Unrichtigkeit der Schätzung
zu erbringen («dritte Stufe»).
Weil das Ergebnis der Ermessensveranlagung selbst auf einer Schätzung
beruht, kann sich die steuerpflichtige Person gegen eine zulässigerweise
durchgeführte Ermessenseinschätzung nicht mit allgemeiner Kritik zur
Wehr setzen. Vielmehr hat sie darzulegen, dass die von der Zollbehörde
A-4963/2020
Seite 13
vorgenommene Schätzung offensichtlich fehlerhaft ist und anhand von Be-
legen nachzuweisen, dass die von der ESTV bzw. der EZV vorgenommene
Schätzung offensichtlich unrichtig ist (statt vieler: Urteile des BGer
2C_1077/2012, 2C_1078/2012 vom 24. Mai 2014 E. 2.5 und 2C_970/2012
vom 1. April 2013 E. 4.3; vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-7088/2016
vom 11. Dezember 2017 E. 2.6.3). Gelingt es der steuerpflichtigen Person
nicht, zu beweisen, dass das Ergebnis der Ermessenseinschätzung klarer-
weise nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmt, hat sie
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen und es bleibt bei der bisherigen
Schätzung (statt vieler: Urteile des BVGer A-2514/2020 vom 27. Septem-
ber 2021 E. 2.3.3.4, A-2589/2020 vom 3. Mai 2021 E. 2.5.5, A-1190/2018
vom 18. April 2019 E. 2.5.3).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass für die fraglichen Einfuhren
von Zigaretten Einfuhrabgaben zu entrichten sind und der Beschwerdefüh-
rer zu den steuerpflichtigen Personen gehört (vgl. E. 2.2.1). Ebenso ist un-
bestritten, dass der Beschwerdeführer eine grosse Menge Zigaretten ins
Schweizer Zollgebiet eingeführt hat, ohne eine Zollanmeldung vorzuneh-
men. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, die auf besagter Ware lasten-
den Einfuhrsteuern, Zölle, Tabaksteuern und Präventionsabgaben hinter-
zogen zu haben. Im Streit liegt lediglich die von der Vorinstanz geschätzte
Menge der rechtswidrig eingeführten Zigaretten und damit die Höhe der
Bemessungsgrundlage der im konkreten Fall geschuldeten Einfuhrabga-
ben (vgl. Sachverhalt Bst. B.a).
3.2 Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer in Bezug auf die in
Frage stehenden Zigaretten keine Zollanmeldung vorgenommen hat und
ein Grossteil der unrechtmässig ins Zollinland eingeführten Ware nicht
mehr sichergestellt werden konnte, blieb der Vorinstanz nichts Anderes üb-
rig, als eine Schätzung vorzunehmen. Unter den gegebenen Umständen
war die Vorinstanz sowohl berechtigt als auch verpflichtet, eine Schätzung
vorzunehmen («erste Stufe»; E. 2.3.4).
3.3 Nach dem bisher Gesagten gilt es als nächstes zu prüfen, ob die vor-
instanzliche Schätzung – im Rahmen der durch das Bundesverwaltungs-
gericht mit der gebotenen Zurückhaltung vorzunehmenden Prüfung (vgl.
E. 2.3.2) – als pflichtwidrig erscheint («zweite Stufe»; E. 2.3.4).
3.3.1 Im August 2015 ermittelte die Zollfahndung Schaffhausen aufgrund
einer Amtshilfemitteilung des Zollamtes Innsbruck gegen eine hier nicht
A-4963/2020
Seite 14
weiter relevante Tätergruppierung, die gewerbsmässig agierend und in
grossem Umfang unversteuerte Zigaretten von Samnaun in das Schweizer
Zollgebiet schmuggelte. Im Rahmen dieser Untersuchung erfolgte eine Da-
tenauswertung des automatischen Fahndungs- und Verkehrsüberwa-
chungssystem der betroffenen Grenzstellen sowie die Sichtung von als Be-
weismittel erhobenen Videoaufnahmen aus Verkaufsgeschäften in der Tal-
schaft Samnaun. Dabei gerieten der Beschwerdeführer sowie eine mit
ihm agierende Person ins Visier der Schweizer Zollfahndung. Zum einen
wurden sie beim Kauf von Zigaretten im grösseren Stil beobachtet, zum an-
deren wurden ihre Fahrzeuge vom Verkehrsüberwachungssystem erfasst.
Aufgrund der schweizerischen und österreichischen Verkehrsüberwa-
chungsdaten sowie der Observationsergebnisse lassen sich im Zeitraum
zwischen dem 13. Dezember 2015 und dem 8. Juni 2016 mindestens 29
Aufenthalte eines oder beider vom Beschwerdeführer und seinem Kompli-
zen genutzten Fahrzeuge ([Automarke] mit dem Kennzeichen [Nummer]
und [Automarke] mit dem Kennzeichen [Nummer]) in der Talschaft Sam-
naun nachweisen. Weitere aufgezeichnete Ein- und Ausreisen an Schwei-
zer Grenzübergängen lassen zudem Rückschlüsse auf eine grössere An-
zahl zusätzlicher Fahrten dieser Fahrzeuge mit dem wahrscheinlichen Zie-
lort Samnaun zu (vgl. Schlussprotokoll vom 1. März 2017, S. 2 f.).
Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer sowie sein Komplize anlässlich
zweier Grenzübertritte kontrolliert wurden und dabei jeweils Bargeld in
Höhe von Fr. 14'000.-- (Ausreise am Grenzübergang Au/SG am
22. Mai 2016) bzw. Fr. 11'000.-- (unmittelbar vor Samnaun am 3. März
2016) festgestellt werden konnte. Diese Beträge reichen jeweils für den
Kauf von Zigaretten in der Grössenordnung von ca. 300 Stangen in Sam-
naun (die Vorinstanz geht von einem durchschnittlichen Kaufpreis von
Fr. 40.-- pro Stange aus, was dem massgebenden Marktwert entspricht
[vgl. E. 2.1.3 f.]). Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung, dass
der Beschwerdeführer am 8. Juni 2016 mit 314 Stangen Zigaretten im Auto
angehalten worden ist, hat die Vorinstanz die durchschnittliche Menge an
Zigaretten pro Fahrt auf 300 Stangen geschätzt. Dagegen Sprechendes ist
nicht ersichtlich und geht auch nicht aus den Akten hervor.
Aufgrund der Observationsberichte und Ermittlungsergebnisse ist erstellt,
dass die unversteuerten Zigaretten in Samnaun regelmässig in den ge-
nannten [Automarke] verladen wurden und dieses Fahrzeug mehrheitlich
vom Beschwerdeführer in die Schweiz gelenkt worden ist (Schlussprotokoll
vom 1. März 2017, S. 3 f.). Die Abnehmer der vom Beschwerdeführer und
A-4963/2020
Seite 15
seinem Komplizen in die Schweiz verbrachten Zigaretten haben unabhän-
gig voneinander ausgesagt, die – angeblich aus der Liquidation eines an-
deren Kioskes stammenden – Zigaretten seien ihnen jeweils zu einem
Preis von Fr. 58.-- und Fr. 62.-- angeboten worden (Schlussprotokoll vom
1. März 2017, S. 4).
3.3.2 Angesichts der Untersuchungsergebnisse kann die Schätzung der
Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe zusammen mit einem zweiten Ab-
gabepflichtigen im fraglichen Zeitraum rund 6'000 Stangen Zigaretten so-
wie selbstständig rund 40 Stangen Zigaretten in die Schweiz eingeführt,
nicht als geradezu pflichtwidrig eingestuft werden. Selbst wenn berücksich-
tigt wird, dass der Beschwerdeführer und sein Komplize gemäss eigenen
Angaben mit rund Fr. 3'500.-- angefangen und somit zunächst weniger als
300 Stangen pro Fahrt unverzollt in die Schweiz eingeführt haben, waren
bei einem durchschnittlichen Gewinn von Fr. 20.-- pro Stange (vgl. E. 3.3.1)
relativ wenige Fahrten (mit weniger als 300 Stangen) notwendig, bis Be-
träge in Höhe von Fr. 12'000.-- in den erneuten Einkauf investiert und die
Menge entsprechend erhöht werden konnten. Nimmt man die 29 Fahrten,
die durch Verkehrsüberwachungsdaten sowie Observationsergebnisse
festgestellt wurden und multipliziert sie mit durchschnittlich 300 Stangen
Zigaretten pro Fahrt, ergibt das 8'700 Stangen. Die Schätzung der Vor-
instanz von 6'040 Stangen darf daher durchaus als vorsichtig eingestuft
werden. Die Vorinstanz stützte sich bei der Mengenberechnung auf die
übereinstimmenden Aussagen des Beschwerdeführers und seines Kompli-
zen anlässlich mehrerer Einvernahmen. Anlässlich der Einvernahme vom
27. Juni 2016 sagte der Beschwerdeführer aus, er könne sich nicht erin-
nern, wie viele Fahrten es waren. Es könne sein, dass sie insgesamt
ca. 5'000 - 6'000 Stangen Zigaretten in Samnaun gekauft hätten. Es darf
davon ausgegangen werden, dass es sich dabei ebenfalls um eine vorsich-
tige Schätzung gehandelt hat und nur so wenig wie irgend möglich zuge-
geben wurde. Die Zahl von 6'040 Stangen Zigaretten wurde daraufhin vom
Beschwerdeführer mehrmals bestätigt (vgl. Feststellung am Ende der Ein-
vernahme vom 27. Juni 2016, Einvernahme vom 4. Juli 2016). Anlässlich
seiner Einvernahme vom 2. November 2016 kam der Beschwerdeführer
auf seine früheren Aussagen zurück und machte geltend, es seien nicht
6'000 Stangen Zigaretten, sondern insgesamt allerhöchstens 3'500 Stan-
gen gewesen. Er habe die Menge von 6'040 Stangen nur zugegeben, um
aus der Haft entlassen zu werden. Es seien nur etwa 13 bis 14 Fahrten
gewesen und 250-280 Stangen pro Fahrt. Aus den aktenkundigen Einver-
nahmen des Beschwerdeführers ergeben sich keinerlei Hinweise darauf,
dass seine Anerkennung von 6'040 rechtswidrig ins Schweizer Zollgebiet
A-4963/2020
Seite 16
eingeführten Stangen Zigaretten unter Druck erfolgt sein könnte. Vielmehr
scheint es sich dabei um eine reine Schutzbehauptung zu handeln. Wie
eingangs bereits gesagt, ist die Schätzung der Vorinstanz nicht zu bean-
standen. Die Vorinstanz durfte die geschätzte Menge von 6'040 Stangen
Zigaretten zu einem durchschnittlichen Preis von Fr. 40.-- pro Stange für
die Berechnung der nachzufordernden Einfuhrabgaben (Einfuhr- und Ta-
baksteuer, Zoll, SOTA-Betrag sowie Präventionsabgaben) heranziehen.
3.3.3 Im Folgenden ist darauf einzugehen, ob es dem Beschwerdeführer
gelingt, anhand von Belegen aufzuzeigen, dass die von der Zollbehörde
vorgenommene Schätzung offensichtlich fehlerhaft ist («dritte Stufe»). Wie
in Erwägung 2.3.4 dargelegt, kann er sich gegen eine – wie vorliegend –
zulässigerweise durchgeführte Ermessenseinschätzung nicht mit allgemei-
ner Kritik zur Wehr setzen. Er muss beweisen, dass das Ergebnis der Er-
messenseinschätzung klarerweise nicht mit den tatsächlichen Gegeben-
heiten übereinstimmt, ansonsten er die Folgen der Beweislosigkeit zu tra-
gen hat und es bei der bisherigen Schätzung bleibt. Dem Beschwerdefüh-
rer gelingt dieser Nachweis im vorliegenden Fall nicht. Wie vorangehend
erwähnt, bringt er im Wesentlichen vor, er habe lediglich deshalb die
rechtswidrige Verbringung von 6'040 Stangen Zigaretten ins Schweizer
Zollgebiet gestanden, um aus der Haft entlassen zu werden. Er habe sein
Geständnis zurückgezogen, weshalb die Teilmenge, welche die aner-
kannte Menge von maximal 3'000 Stangen übersteige, nicht als rechtsge-
nügend erstellt gelten könne. Bei dieser Argumentation lässt der Be-
schwerdeführer ausser Acht, dass die Schätzung von 6'040 Stangen nicht
in erster Linie auf seinem seinerzeitigen Geständnis basiert, sondern da-
rauf, dass sich aufgrund Verkehrsüberwachungsdaten sowie Observati-
onsergebnissen im Zeitraum zwischen dem 13. Dezember 2015 und dem
8. Juni 2016 mindestens 29 Aufenthalte eines oder beider vom Beschwer-
deführer und seinem Komplizen genutzten Fahrzeuge in der Talschaft
Samnaun nachweisen lassen (vgl. E. 3.3.1). Hinzu kommen die ungewöhn-
lich grossen Bargeldbeträge, welche anlässlich der bereits erwähnten Kon-
trollen festgestellt wurden, sowie die Menge an Zigaretten, welche zum
Zeitpunkt der Anhaltung am 8. Juni 2016 gefunden wurde. Zur Plausibilität
der Schätzung der Vorinstanz wird auf die Erwägung 3.3.2 verwiesen. Dass
der Beschwerdeführer nun aufgrund einer Schätzung – welcher naturge-
mäss eine gewisse Ungenauigkeit innewohnt – veranlagt wird, hat er letz-
ten Endes selber zu verantworten. Er hat die ins Zollgebiet eingeführten
Waren nicht zollrechtlich angemeldet. Damit hat er sich selbst um eine
ganz genaue Veranlagung der Ware gebracht.
A-4963/2020
Seite 17
3.3.4 Dass die einzelnen Abgaben auf der geschätzten Bemessungsgrund-
lage nicht korrekt berechnet worden wären, wird weder geltend gemacht
noch ergibt sich dergleichen aus den Akten. Damit erübrigen sich weitere
Ausführungen dazu. Gleiches gilt für den von der Vorinstanz berechneten
Verzugszins.
4.
4.1 Wer sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Zoll- oder Ein-
fuhrsteuervorteil verschafft, begeht eine Widerhandlung gegen die Zoll-
bzw. Mehrwertsteuergesetzgebung (Zoll- bzw. Mehrwertsteuerhinterzie-
hung; vgl. Art. 118 ZG, Art. 96 MWSTG). Dass dies im vorliegenden Fall
geschehen ist, wird nicht bestritten (vgl. vorangehend E. 3.1).
4.2 Gemäss Art. 12 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 22. März 1974
über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0) sind Abgaben zzgl. Zins
nachzuentrichten, wenn sie infolge einer Widerhandlung gegen die Verwal-
tungsgesetzgebung des Bundes (wozu auch die Zoll- und Mehrwertsteuer-
gesetzgebung zählen [statt vieler: Urteil des BVGer A-1051/2019 vom
31. August 2020 E. 2.2.1]) zu Unrecht nicht erhoben worden sind. Dabei
spielt es keinerlei Rolle, ob die Nichtentrichtung der Abgaben schuldhaft
erfolgt ist oder nicht. Die Abgaben sind auch ohne Rücksicht auf eine all-
fällige strafrechtliche Verantwortlichkeit der abgabepflichtigen Person
nachzuentrichten (vgl. Art. 12 Abs. 1 Bst. a VStrR). Es genügt, dass der
durch die Nichterhebung der entsprechenden Abgabe entstandene un-
rechtmässige Vorteil auf einer objektiven Widerhandlung gegen die Ver-
waltungsgesetzgebung des Bundes gründet (zum Ganzen statt vieler:
BGE 129 II 160 E. 3.2; Urteil des BGer 2C_420/2013 vom 4. Juli 2014
E. 3.2; Urteil des BVGer A-1051/2019 vom 31. August 2020 E. 2.2.2).
4.3 Leistungspflichtig ist, wer in den Genuss des unrechtmässigen Vorteils
gelangt ist, insbesondere der zur Zahlung der Abgabe Verpflichtete (vgl.
Art. 12 Abs. 2 VStrR). Im vorliegenden Fall ist dies u.a. der Beschwerde-
führer. Wer vorsätzlich die Widerhandlung begangen oder an ihr teilgenom-
men hat, haftet für den nachzuentrichtenden oder zurückzuerstattenden
Betrag solidarisch mit den nach Art. 12 Abs. 2 VStrR Zahlungspflichtigen
(vgl. Art. 12 Abs. 3 VStrR).
5.
5.1 Soweit der Beschwerdeführer eventualiter beantragt, die Sache sei an
die Vorinstanz zurückzuweisen mit der Weisung, das betreffende Bezugs-
A-4963/2020
Seite 18
verfahren zu sistieren, bis der die Leistungspflicht begründende Sachver-
halt im Verwaltungsstrafverfahren rechtsgenügend und rechtskräftig fest-
gestellt worden sei (vgl. Sachverhalt Bst. B.a), ist darauf zu verweisen,
dass das Straf- und das Nacherhebungsverfahren unabhängig voneinan-
der sind. Wie in Erwägung 4.2 dargelegt, ist die Beurteilung der strafrecht-
lichen Verantwortlichkeit für eine Abgaben- bzw. Steuerhinterziehung das
Eine, die verwaltungsrechtlich vorzunehmende Schätzung der Menge der
zu Unrecht nicht angemeldeten Waren sowie die Nacherhebung der darauf
lastenden Einfuhrabgaben das Andere (vgl. diesbezüglich Urteile des
BVGer A-584/2020 vom 24. August 2021E. 2.2, A-1497/2019 vom 7. Okto-
ber 2020 E. 3.2.2 in fine).
5.2 Im VStrR ist grundsätzlich vorgesehen, dass das (streitige) Verwal-
tungsverfahren dem Strafverfahren vorauszugehen hat, was den Art. 63
Abs. 1-3, Art. 69 Abs. 2, Art. 73 Abs. 1 letzter Satz und Art. 77 Abs. 4 VStrR
entnommen werden kann (ANDRÉ HAIBÖCK, in: Friedrich Frank/Andreas
Eicker/Nora Markwalder/Jonas Achermann [Hrsg.], Basler Kommentar,
Verwaltungsstrafrecht, 2020, Art. 63 Rz. 3 m.w.H).
Auf die Strafverfolgung im Zusammenhang mit der Mehrwertsteuer ist das
Verwaltungsstrafrecht mit Ausnahme der Art. 63 Abs. 1 und 2, Art. 69
Abs. 2, Art. 73 Abs. 1 letzter Satz und Art. 77 Abs. 4 VStrR anwendbar
(Art. 103 Abs. 1 MWSTG, wobei dies auch für gleichzeitige Widerhandlun-
gen gegen das ZG gilt [Art. 103 Abs. 5 MWSTG]; vgl. DIEGO CLAVADET-
SCHER/SONJA BOSSART MEIER, in: MWSTG-Kommentar, 2019, Art. 104
Rz. 22). Aus diesem Grund kommt der zuständigen Behörde – in Abkehr
vom System des Verwaltungsstrafrechts – ein Wahlrecht in Bezug auf
die Reihenfolge zwischen dem Verwaltungs- und dem Strafverfahren zu
(CLAVADETSCHER/BOSSART MEIER, a.a.O., Art. 103 Rz. 13; HAIBÖCK,
a.a.O., Art. 63 Rz. 5; RENÉ MATTEOTTI, Der Anspruch der Beteiligten auf ein
faires Mehrwertsteuer-Strafverfahren, Jusletter vom 11. Januar 2021,
Rz. 14; VALÉRIE PARIS, in: Martin Zweifel/Michael Beusch/Pierre-Marie
Glauser/Philip Robinson [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steu-
errecht, Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, 2015, Art. 103 Rz. 3; wohl
auch ALOIS CAMENZIND et al., Handbuch zum Mehrwertsteuergesetz
[MWSTG], 3. Aufl. 2012, Rz. 2702 f.). Damit sollte im Bereich der Mehr-
wertsteuer die rechtsstaatlich bedenkliche Bindung eines Strafrichters an
den Entscheid einer nicht strafrechtlichen Behörde, wie er von Art. 77
Abs. 4 VStrR verlangt wird, beseitigt werden (PIRMIN BISCHOF, Revision
des MWST-Verfahrensrechts, ST 2009, S. 497; MATTEOTTI, a.a.O.,
Rz. 12 ff. m.H.). Eine solche Bindung kann aufgrund der Mitwirkungspflicht
A-4963/2020
Seite 19
im Verwaltungsverfahren (vgl. zur Mitwirkungspflicht bei der Einfuhrsteuer
und im zollrechtlichen Verfahren Urteil des BGer 2C_1079/2016 vom
7. März 2017 E. 3.3.3) im Widerspruch zum Verbot des Selbstbelastungs-
zwanges bzw. dem Grundsatz "nemo tenetur se ipsum accusare" im Straf-
verfahren stehen (MATTEOTTI, a.a.O., Rz. 12). Allerdings besteht im umge-
kehrten Fall, wenn vor der Durchführung des Verwaltungsverfahrens ein
Strafurteil vorliegt, ebenso keine Bindungswirkung (MATTEOTTI, a.a.O.,
Rz. 15; zum Ganzen: Zwischenverfügung des BVGer A-1837/2021 vom
14. Juli 2021).
Nach dem Gesagten kommt dem hängigen Strafverfahren gegen den Be-
schwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren keine präjudizi-
elle Bedeutung für die Frage zu, ob und in welcher Höhe eine Mehrwert-
steuer- bzw. Zollnachforderung resultiert.
Der Beschwerdeführer legt nicht dar, inwiefern die Vorinstanz ihr Wahlrecht
unangemessen oder rechtswidrig ausgeübt haben sollte, indem sie das
Verwaltungsverfahren mit der angefochtenen Nachforderungsverfügung
vorrangig abgeschlossen hat. Dergleichen ergibt sich auch nicht aus den
Akten.
Für eine Rückweisung zwecks Sistierung besteht nach dem Dargelegten
keine Veranlassung.
6.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die vorinstanzli-
che Verfügung als rechtmässig erweist. Die Beschwerde ist vollumfänglich
abzuweisen.
7.
7.1 Die Verfahrenskosten sind im vorliegenden Fall auf Fr. 3'000.-- festzu-
setzen (Art. 1, Art. 2 Abs. 2 sowie Art. 4 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE; SR 173.320.2]). Ausgangsgemäss wären diese Kosten
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diesem
wurde jedoch mit Verfügung vom 6. November 2021 die unentgeltliche
Rechtspflege gewährt und Rechtsanwalt Christian Meier als Rechtsbei-
stand beigeordnet (Sachverhalt Bst. B.b).
7.2 Dem Rechtsbeistand des Beschwerdeführers ist für dessen Vertretung
im vorliegenden Verfahren eine Entschädigung von Fr. 4'500.-- auszurich-
ten.
A-4963/2020
Seite 20