Decision ID: bd0caa08-fcba-484d-81f2-63d6526ca266
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im April 2001 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe eine Anlehre zum Fahrzeugwart
absolviert und später als Kommissionierer und als Staplerfahrer gearbeitet. Zuletzt
habe er einen Monatslohn von 4’150 Franken erzielt. Der Rheumatologe Dr. med. B._
hatte im Januar 2001 berichtet (IV-act. 7–12 ff.), er habe weder anamnestisch noch
klinisch labormässig oder radiologisch einen gesicherten Hinweis für einen entzündlich
rheumatologischen Prozess verifizieren können. Im Vordergrund des Beschwerdebildes
stehe ein lumbo-spondylogenes Syndrom links ohne jeden Hinweis auf eine radiculäre
Symptomatik. Klinisch finde sich eine mässige musculäre Dysbalance. Weder mit
konventionellen Röntgenuntersuchungen noch mittels einer MRI-Diagnostik hätten
gravierende Pathologien festgestellt werden können. Summarisch scheine der junge
Versicherte an einer Schmerzverarbeitungsstörung zu leiden. Der Hausarzt Dr. med.
C._ teilte der IV-Stelle im Mai 2001 mit (IV-act. 7–1 ff.), der Versicherte leide an einer
chronisch rezidivierenden Lumboischialgie links, an einem chronischen Vertebral- und
Cervicalsyndrom sowie an chronischen Fersenschmerzen und plantaren Schmerzen
unklarer Genese. Im Vordergrund stehe ein dringender Verdacht auf eine
Schmerzverarbeitungsstörung. Wegen der „subjektiv angeblich unerklärlichen
chronischen Schmerzen“ sei der Versicherte zurzeit lediglich noch zu 50 Prozent
arbeitsfähig für körperlich leichte Tätigkeiten. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die
sozialpsychiatrische Beratungsstelle D._ am 22. Januar 2002 ein psychiatrisches
Gutachten (IV-act. 13). Der zuständige Oberarzt Dr. med. E._ hielt fest, angesichts
der eher dürftigen somatischen Befunde müssten die Beschwerden des Versicherten
als eine undifferenzierte Somatisierungsstörung klassifiziert werden, wofür auch das
wechselnde Beschwerdebild spreche. Zurzeit sei der Versicherte zu 50 Prozent für
leichte bis mittelschwere Arbeiten ohne schweres Heben, Bücken oder Tragen
arbeitsfähig. Mittelfristig könne die Arbeitsfähigkeit mittels beruflicher Massnahmen auf
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mindestens 80 Prozent erhöht werden. Auf eine Anfrage der IV-Stelle gab Dr. E._ im
Juli 2002 an, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wohl seit Mai 2000 bestehe
(IV-act. 26). Ein Arzt des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) hielt fest,
dass die Angaben von Dr. E._ überzeugend seien (IV-act. 27). Mit einer Verfügung
vom 4. Oktober 2002 sprach die IV-Stelle dem Versicherten rückwirkend ab dem 1. Mai
2001 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 56 Prozent zu (IV act. 32).
A.b Im August 2007 absolvierte der Versicherte eine Prüfung zum Instruktor für
Staplerfahrer (IV-act. 51–4). Ab dem 1. September 2008 arbeitete er während sechs
Tagen pro Monat als Staplerinstruktor (IV-act. 49). Das Pensum wurde per 1. Januar
2009 auf neun Tage pro Monat erhöht (IV-act. 51–1).
A.c Im Juni 2013 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, einen Fragebogen für die
Überprüfung des Rentenanspruchs auszufüllen. Der Versicherte gab an (IV-act. 65),
sein Gesundheitszustand habe sich im Jahr 2011 verschlechtert: Er leide unter einer
stärkeren Nackenblockade und unter Kreuzschmerzen im Sitzen und Stehen. In seinem
aktuellen Zustand könne er sich die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht vorstellen.
Er habe allerdings im Jahr 2011 die Fahrprüfung in den Kategorien C1/D1 absolviert
und er wolle im Jahr 2013 einen Kurs für Berufsbildner abschliessen. Am 13.
September 2013 berichtete Dr. C._ (IV-act. 69), der Gesundheitszustand des
Versicherten sei „praktisch stabil“ geblieben. Es bestehe weiterhin nur eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent. Am 9. Dezember 2014 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit (IV-act. 72), dass sie gegenwärtig den Rentenanspruch überprüfe. Im
Rahmen der „laufenden Rentenrevision“ werde auch geprüft, ob ein Anwendungsfall
der Schlussbestimmungen zum ersten Massnahmenpaket der 6. IVG-Revision („IVG-
Revision 6a“) vorliege und ob ein Eingliederungspotential bestehe. Im Januar 2015
berichtete Dr. C._ erneut über einen unveränderten Gesundheitszustand (IV-act. 75).
Im Februar 2015 notierte der RAD-Arzt Dr. med. F._ (IV-act. 81), hier liege eindeutig
eine Rentenzusprache bei einem syndromalen Leiden im Sinne der
Schlussbestimmungen der IVG-Revision 6a vor. Bereits im Gutachten aus dem Jahr
2002 seien diverse Ressourcen des Versicherten erwähnt und die Möglichkeit einer
Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 80 Prozent gesehen worden. Gemäss den Berichten
von Dr. C._ müsse von einem stationären Gesundheitszustand ausgegangen werden.
Zur vollständigen Ermittlung des medizinischen Sachverhaltes müsse ein
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polydisziplinäres Gutachten eingeholt werden. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das
Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB) am 16. Juli 2015 ein polydisziplinäres
Gutachten (IV-act. 86). Die Sachverständigen hielten fest, der Versicherte leide an einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung mit Somatisierungsanteilen, an einem
chronischen cervico-vertebrogenen Schmerzsyndrom, an einem chronisch
rezidivierenden thoracalen Schmerzsyndrom sowie an einem chronischen lumbo-
vertebrogenen Schmerzsyndrom. Aus orthopädischer Sicht seien leichte Tätigkeiten
vollumfänglich, mittelschwere Tätig¬keiten dagegen nur kurzzeitig zumutbar. Aus
psychiatrischer Sicht sei für sämtliche Tätigkeiten eine Verminderung des Rendements
um zehn Prozent zu attestieren. Sowohl von den klinischen Befunden als auch von der
psychiatrischen Einschätzung her bestehe eine weitgehende Übereinstimmung zur
Aktenlage im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache. Insbesondere sei darauf
hinzuweisen, dass Dr. E._ bereits im Jahr 2002 mittelfristig nach der Durchführung
von Eingliederungsmassnahmen eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent für zumutbar
erachtet habe. Der intelligente, lernfähige Versicherte habe sich zwischenzeitlich auf
eigene Initiative und auf eigene Kosten wieder ins Berufsleben eingliedern können, das
heisst er habe selbständig jene Eingliederungsmassnahmen durchgeführt, deren
Durchführung Dr. E._ der IV-Stelle damals empfohlen habe. Vor diesem Hintergrund
bestehe in psychiatrischer Hinsicht keine wesentliche Diskrepanz zwischen der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ und der aktuellen Arbeitsfähigkeitsschätzung.
Der RAD-Arzt Dr. med. G._ qualifizierte das Gutachten des ZMB als überzeugend (IV-
act. 90). Ein Mitarbeiter des Rechtsdienstes notierte im Oktober 2015, gemäss der
zwischenzeitlich geänderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu den sogenannt
syndromalen Leiden sei eine Auswirkung der somatoformen Schmerzstörung auf die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten entgegen der Einschätzung der Sachverständigen
des ZMB nicht ausgewiesen, weshalb von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für
ideal leidensadaptierte Tätigkeiten ausgegangen werden müsse (IV-act. 91).
A.d Mit einem Vorbescheid vom 5. Januar 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act. 95), dass sie die laufende Rente auf das Ende des der vorgesehenen
Verfügung folgenden Monats aufheben werde. Gleichentags bot sie ihm eine
Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung und damit zusammenhängend die
Weiterausrichtung der Rente gestützt auf die Schlussbestimmungen zur IVG-Revision
6a während längstens zwei Jahren an (IV-act. 94). Am 21. Januar 2016 liess der nun
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anwaltlich vertretene Versicherte gegen den Vorbescheid einwenden (IV-act. 96), er
leide nicht an einem syndromalen Leiden. Seine Nackenschmerzen seien auf verkürzte
Wirbelabstände in der Halswirbelsäule zurückzuführen und hätten folglich eine
organische Ursache. Ungeachtet des Streits um den Rentenanspruch sei er bereit, an
beruflichen Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken. Am 12. Februar 2016 liess er
ergänzend geltend machen (IV-act. 99), die Sachverständigen des ZMB hätten den
Fragekatalog der IV-Stelle nicht komplett beantwortet, seien nicht hinreichend auf die
geklagten Beschwerden eingegangen, hätten keine überzeugende Begründung für die
orthopädische und die psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung geliefert und hätten
es versäumt, sich eingehend mit dem Gutachten von Dr. E._ und mit den Berichten
von Dr. C._ auseinanderzusetzen. Auf das Gutachten des ZMB könne deshalb nicht
abgestellt werden. Ebenfalls zu beanstanden sei die vom Rechtsdienstmitarbeiter
gestützt auf das ZMB-Gutachten erfolgte Prüfung der vom Bundesgericht im BGE 141
V 281 genannten Indikatoren. Dabei handle es sich nicht um eine Checkliste, die
„abgehakt“ werden könne. Die diagnoserelevanten Befunde des Versicherten seien
entgegen der Ansicht des Rechtsdienstmitarbeiters ausgeprägt. Die Krankheit sei
chronifiziert. Aktenmässig sei ausgewiesen, dass der Versicherte an diversen
körperlichen Begleiterkrankungen leide. Auch bezüglich weiterer Indikatoren könne die
Beurteilung des Rechtsdienstmitarbeiters nicht überzeugen. Schliesslich sei zu
berücksichtigen, dass die Rentenaufhebung beinahe 15 Jahre nach der
Rentenzusprache per 1. Mai 2001 den Versicherten besonders hart treffe. Mit einer
Verfügung vom 19. April 2016 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf das Ende des
der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf, wobei sie einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog (IV-act. 101). Bezugnehmend auf die
Einwände des Versicherten führte sie aus, das Gutachten des ZMB erfülle die
rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische
Expertise. Die Einwände des Versicherten gegen das Gutachten überzeugten nicht. Der
Versicherte habe auch verkannt, dass die Indikatoren gemäss dem BGE 141 V 281
einzelfallbezogen geprüft worden seien.
B.
B.a Am 23. Mai 2016 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. April 2016 erheben (act. G 1). Sein
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Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
unveränderte Zusprache und Ausrichtung der bisherigen halben Rente, eventualiter die
Rückweisung der Sache zur „Neubeurteilung“ an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) sowie die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde. Zur Begründung führte er an, die Beschwerdegegnerin habe ihre
Begründungspflicht verletzt, weil sie nicht zu sämtlichen Einwänden gegen den
Vorbescheid Stellung genommen habe. Zudem stütze sich die angefochtene Verfügung
auf ein nicht beweiskräftiges medizinisches Gutachten. Schliesslich seien die
Voraussetzungen für eine Aufhebung der Rente gestützt auf die Schlussbestimmungen
zur IVG-Revision 6a gar nicht erfüllt.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. Juni 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie aus, der Vorwurf einer Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör gehe fehl. Die Begründungspflicht verpflichte
einen Sozialversicherungsträger, die wesentlichen Gründe für seinen Entscheid
anzuführen, aber nicht, auf jeden einzelnen Einwand der versicherten Person
einzugehen. Beim Inkrafttreten der IVG-Revision 6a habe der Beschwerdeführer das
55. Altersjahr noch nicht vollendet gehabt. Zudem habe er die Rente bei der Einleitung
der Überprüfung noch nicht während 15 Jahren bezogen. Die ursprüngliche
Rentenzusprache habe sich in medizinischer Hinsicht massgebend auf das Gutachten
der sozialpsychiatrischen Beratungsstelle D._ gestützt, laut dem der
Beschwerdeführer an einer Somatisierungsstörung gelitten habe, wobei es es sich um
ein syndromales Leiden im Sinne der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
gehandelt habe. Das Gutachten des ZMB sei überzeugend. Die Voraussetzungen
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, unter denen der
Somatisierungsstörung eine relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannt
werden könnte, seien nicht erfüllt. Die verfügte Rentenaufhebung erweise sich
zusammenfassend als rechtmässig.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 8. Juli 2016 an seinen Anträgen festhalten (act. G
7). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
B.d Am 13. Juli 2016 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt (act. G 8).
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B.e Mit einem Zwischenentscheid vom 7. November 2016 wies das
Versicherungsgericht das Gesuch um die Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde ab (act. G 13).

Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art.
42 ATSG) respektive – bei genauer Betrachtung – der Begründungspflicht (Art. 49 Abs.
3 ATSG) gerügt. Eine entsprechende Rechtswidrigkeit müsste im Grunde ohne
Weiteres zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen, denn sie könnte nur
durch eine – nun verfahrensrechtlich korrekte – Wiederholung des sogenannten
„Vorbescheidsverfahrens“ behoben werden. Folglich muss als Erstes geprüft werden,
ob eine Verletzung der Begründungspflicht vorliegt. Entgegen der offenbar vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vertretenen Ansicht verfolgt die
Begründungspflicht keinen Selbstzweck. Sie soll es dem Verfügungsadressaten nur
ermöglichen nachzuvollziehen, aus welchen Gründen ein Entscheid zustande
gekommen ist, damit der Verfügungsadressat dann in Kenntnis der relevanten
Gesichtspunkte entscheiden kann, ob und mit welchen Argumenten er den Entscheid
anfechten will. Diesen Zweck hat die angefochtene Verfügung ohne Weiteres erfüllt,
denn die Beschwerdegegnerin hat darin eingehend dargelegt, von welchen Gründen
sie sich bei der Entscheidfindung hatte leiten lassen. Dem Beschwerdeführer ist es in
der Folge denn auch möglich gewesen, eine ausführlich begründete Beschwerde zu
erheben. Dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin nicht auf jedes einzelne
Vorbringen des Beschwerdeführers eingegangen ist, kommt vor diesem Hintergrund
keine Relevanz zu. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt folglich nicht vor.
2.
Offenbar hat der Beschwerdeführer nach der Beschwerdeerhebung berufliche
Eingliederungsmassnahmen in Anspruch genommen und damit eine „Übergangsrente“
im Sinne des Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a beziehen
können. Bei dieser Leistung, die während längstens zwei Jahren bezogen werden
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kann, handelt es sich um eine eigenständige Leistung und nicht etwa um die bisherige
(ordentliche) Rente, die für maximal zwei Jahre weiter ausgerichtet würde. Mit anderen
Worten hat die Leistung im Sinne des Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen zur
IVG-Revision 6a mit dem ordentlichen Rentenanspruch nichts zu tun (vgl. dazu etwa
den Entscheid IV 2014/151 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 29. November
2016). Folglich muss die Zusprache einer solchen Leistung unabhängig von der
Herabsetzung oder Aufhebung der ordentlichen Rente verfügt und angefochten
werden. Für das vorliegende Verfahren kommt der offenbar ausgerichteten
Übergangsleistung deshalb keine Bedeutung zu.
3.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 19. April 2016 hat die Beschwerdegegnerin eine
formell rechtskräftig zugesprochene, laufende Rente des Beschwerdeführers gestützt
auf den Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a aufgehoben.
Obwohl sich das dem Wortlaut der angefochtenen Verfügung nicht entnehmen lässt,
muss die Verfügung zwingend auch eine sorgfältige Prüfung einer allfälligen
Sachverhaltsveränderung seit der ursprünglichen Rentenzusprache beinhaltet haben,
denn der Gesetzgeber hat für Überprüfungsverfahren im Sinne der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a das folgende Standardvorgehen
vorgesehen (BBl 2010 1843 ff.): Zuerst hat die zuständige IV-Stelle zu prüfen, ob ein
Revisionsgrund im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliege. Ist dies der Fall, hat sie die
Rente zu revidieren, womit das Verfahren in der Regel abgeschlossen wird. Andernfalls
hat sie eine Anwendung des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a zu prüfen. Ergibt diese Prüfung einen Korrekturbedarf, ist die formell
rechtskräftige Rentenverfügung entsprechend zu modifizieren und das Verfahren
abzuschliessen. Ergibt sich, dass kein Anwendungsfall des Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a vorliegt, hat die IV-Stelle zu prüfen, ob
mittels geeigneter Massnahmen die Erwerbsfähigkeit der versicherten Person
verbessert werden kann. Nach dem Willen des Gesetzgebers beinhaltet ein Verfahren
zur Überprüfung einer formell rechtskräftige zugesprochenen Rente gestützt auf den
Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a also immer zwingend
als erstes ein Rentenrevisionsverfahren im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG. Für den
vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die Beschwerdegegnerin die laufende Rente
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nicht gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
hat aufheben können, ohne zuvor geprüft zu haben, ob die Voraussetzungen des Art.
17 Abs. 1 ATSG erfüllt gewesen sind. Auch wenn die angefochtene Verfügung keinen
entsprechenden Hinweis enthält, kann sie nur so interpretiert werden, dass auch die
Beantwortung der Frage, ob sich der massgebende Sachverhalt seit der
ursprünglichen Rentenzusprache wesentlich verändert hat, zwingend zu ihrem
Gegenstand gehört hat. Diese Frage gehört damit auch zum Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens.
4.
4.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss dem Art. 17 Abs. 1 ATSG von Amtes wegen oder auf ein Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Die Beantwortung der
Frage nach der erheblichen Sachverhaltsveränderung erfordert einen Vergleich
zwischen dem Sachverhalt im Zeitpunkt der Rentenzusprache und jenem im Zeitpunkt
des Abschlusses eines Rentenrevisionsverfahrens. Im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache hatte der Beschwerdeführer gemäss den zahlreichen Berichten der
behandelnden Ärzte aus jener Zeit an keinen gravierenden somatischen
Gesundheitsbeeinträchtigungen gelitten. Insbesondere dem ausführlichen, auch für
einen medizinischen Laien gut verständlichen und überzeugend begründeten Bericht
von Dr. B._ vom Januar 2001 lässt sich entnehmen, dass damals keine somatische
Gesundheitsbeeinträchtigung hatte objektiviert werden können. Der Beschwerdeführer
hatte zwar geltend machen lassen, dass er gemäss dem aktuellen Gutachten der ZMB
an verkürzten Wirbelabständen leide, was seine Nackenschmerzen erkläre, aber aus
dem Bericht von Dr. B._ geht eindeutig hervor, dass damals weder konventionell
radiologisch noch mittels MRI eine Ursache für die geklagten Schmerzen (nicht nur am
Nacken) hatte gefunden werden können und dass der objektive klinische Befund völlig
unauffällig gewesen war. Dieser Umstand erklärt, weshalb die behandelnden Ärzte
bereits damals den Verdacht gehegt hatten, im Vordergrund stehe eine
Somatisierungsstörung. Im psychiatrischen Gutachten der sozialpsychiatrischen
Beratungsstelle D._ vom 22. Januar 2002 war dieser Verdacht dann mit einer
überzeugenden Begründung bestätigt worden. Gestützt auf die Berichte der
behandelnden Ärzte und das Gutachten vom 22. Januar 2002 steht also mit dem
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erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache im Wesentlichen
ausschliesslich an einer Somatisierungsstörung gelitten hatte. Allerdings enthalten
weder die Berichte des Hausarztes Dr. C._ noch das Gutachten von Dr. E._ eine
überzeugende Begründung für das Attest einer Arbeitsfähigkeit von lediglich noch 50
Prozent selbst für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten. Nicht nachvollziehbar ist auch,
weshalb Dr. E._ angenommen hatte, der Beschwerdeführer könne nach dem
Abschluss einer beruflichen – nicht: einer medizinischen – Eingliederung in einem
Pensum von mindestens 80 Prozent erwerbstätig sein. Diese Angabe steht im
Widerspruch zum Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent selbst für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten. Wenn man nur die Akten aus der Zeit der ursprünglichen
Rentenzusprache berücksichtigen würde, müsste man vor diesem Hintergrund eine
objektive Beweislosigkeit hinsichtlich des damaligen Arbeitsunfähigkeitsgrades
annehmen. Nun hat der psychiatrische Sachverständige des ZMB aber anhand der
Akten und der von ihm anlässlich der persönlichen Untersuchung des
Beschwerdeführers erhobenen objektiven klinischen Befunde überzeugend darlegen
können, dass der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in der Zeit
zwischen der ursprünglichen Rentenzusprache und der aktuellen Begutachtung durch
das ZMB keine wesentliche Veränderung durchlaufen habe. Mit dieser Aussage stimmt
auch der Umstand überein, dass Dr. E._ damals dieselben klinischen Befunde
erhoben und im Wesentlichen dieselbe Diagnose gestellt hatte; nur die
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist anders ausgefallen, wenn man davon ausgeht, das
Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent (und nicht die von Dr. E._ erwartete
Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent) sei massgebend. Unter Berücksichtigung der
überzeugenden retrospektiven Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen
Sachverständigen des ZMB steht folglich mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer bereits im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache aus psychiatrischer Sicht zu 90 Prozent
arbeitsfähig gewesen ist. Das bedeutet aber, dass sich der massgebende medizinische
Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht verändert hat, was eine
Revision in Anwendung des Art. 17 Abs. 1 ATSG ausschliesst.
4.2 Auch wenn man die retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen
Sachverständigen des ZMB als nicht überwiegend wahrscheinlich richtig qualifizieren
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würde, läge kein Revisionsgrund vor. Zwar läge dann diesbezüglich eine objektive
Beweislosigkeit vor, die einen Vergleich zwischen dem realen Sachverhalt im Zeitpunkt
der ursprünglichen Rentenzusprache und dem im Zeitpunkt des Abschlusses des
Revisionsverfahrens aktuellen Sachverhalt verunmöglichen würde. Gemäss der Praxis
des St. Galler Versicherungsgerichtes müsste sich der Sachverhaltsvergleich zur
Verhinderung einer „Revisionsresistenz“ der ursprünglichen rentenzusprechenden
Verfügung aber statt auf den realen Sachverhalt im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache auf jenen (fiktiven) Sachverhalt beziehen, auf dem die ursprüngliche
rentenzusprechende Verfügung beruht hat (vgl. zum Ganzen etwa den Entscheid IV
2015/58 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 18. September 2017, E. 2.1).
Vorliegend müsste man also von dem der ursprünglichen rentenzusprechenden
Verfügung zugrunde gelegten Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenzusprache ausgehen, womit sich eine (wesentliche) Diskrepanz
zum aktuellen Arbeitsunfähigkeitsgrad von 90 Prozent ergeben würde. Trotzdem bliebe
es aber dabei, dass sich der grundlegende medizinische Sachverhalt nicht
massgebend verändert hat; die Diskrepanz bezüglich des Arbeitsunfähigkeitsgrades
fände ihren Grund also nur in einer anderslautenden Beurteilung eines an sich
unverändert gebliebenen Sachverhaltes, was eine Revision im Sinne des Art. 17 Abs. 1
ATSG nicht rechtfertigen kann (vgl. etwa UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
2015, Art. 17 N 28). So oder anders fällt eine revisionsweise Rentenaufhebung folglich
nicht in Betracht.
5.
5.1 Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebildern ohne eine nachweisbare organische Grundlage („Päusbonog“)
zugesprochen worden sind, haben gemäss dem Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a innerhalb von drei Jahren seit dem
Inkrafttreten der IVG-Revision 6a (am 1. Januar 2012) überprüft werden können. Wenn
die Prüfung ergeben hat, dass die Voraussetzungen des Art. 7 ATSG nicht erfüllt
gewesen sind, hat die Rente herabgesetzt oder aufgehoben werden können, auch
wenn die Voraussetzungen des Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt gewesen sind. Diese
Bestimmung hat allerdings gemäss dem Abs. 4 der lit. a der Schlussbestimmungen zur
IVG-Revision 6a keine Anwendung auf Personen gefunden, die im Zeitpunkt des
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Inkrafttretens der IVG-Revision 6a das 55. Altersjahr zurückgelegt hatten oder die im
Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet worden ist, seit mehr als 15 Jahren eine
Rente der Invalidenversicherung bezogen hatten. Das „Überprüfungsverfahren“ ist
vorliegend (spätestens) im Dezember 2014 und damit noch vor dem Ablauf der
dreijährigen „Überprüfungsfrist“ eröffnet worden. Der Beschwerdeführer hat im Jahr
2012 erst sein 37. Altersjahr vollendet und er hat im Zeitpunkt der Eröffnung des
Verfahrens die Rente erst während rund 13,5 Jahren bezogen, wenn auf den Zeitpunkt
des rückwirkend verfügten Rentenbeginns abgestellt wird (Mai 2001; effektiver Bezug
erst ab Oktober 2002). Folglich sind die Voraussetzungen für eine „Überprüfung“
seines Rentenanspruchs erfüllt gewesen.
5.2 Der Sinn und Zweck des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a besteht darin, formell rechtskräftig zugesprochene Renten der
Invalidenversicherung an eine Änderung der bundesgerichtlichen Praxis anzupassen.
Das Bundesgericht hat nämlich in einem Urteil aus dem Jahr 2004 (BGE 130 V 352) die
Vermutung aufgestellt, dass eine versicherte Person trotz einer somatoformen
Schmerzstörung uneingeschränkt erwerbstätig sein könne. Diese Vermutung hat nach
den Vorgaben des Bundesgerichtes nur mit dem Nachweis widerlegt werden können,
dass die sogenannten Foerster’schen Kriterien (für eine positive Prognose) nicht erfüllt
seien, was zur Folge gehabt hat, dass bei somatoformen Schmerzstörungen oder
anderen vergleichbaren Beschwerdebildern kaum mehr Renten zugesprochen worden
sind. Das Bundesgericht hat in einem späteren Urteil festgehalten, dass diese
Rechtsprechungsänderung keine Herabsetzung oder Aufhebung von bereits formell
rechtskräftig zugesprochenen Renten rechtfertige (BGE 135 V 210). Mit dem Abs. 1 der
lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a hat der Gesetzgeber die
gesetzliche Grundlage für die Anpassung der aus der „Prä-Päusbonog-Ära“
stammenden Renten an die „Päusbonog-Praxis“ geschaffen (vgl. den Entscheid IV
2014/278 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 22. Juni 2017, E. 3). Nun hat das
Bundesgericht allerdings zwischenzeitlich seine „Päusbonog-Praxis“ wieder
aufgegeben (BGE 141 V 281). Diese Entwicklung hat der historische Gesetzgeber
selbstverständlich nicht vorhersehen können, weshalb die Überführung von Fällen aus
der „Prä-Päusbonog-Ära“ direkt in die „Post-Päusbonog-Ära“ aus historischer Sicht
nicht vom Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a gedeckt zu
sein scheint. Eine sorgfältige Interpretation des Abs. 1 der lit. a der
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Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a kann sich allerdings nicht mit einer bloss
vordergründigen Auseinandersetzung mit dem Willen des historischen Gesetzgebers
begnügen, sondern erfordert eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Sinn und
Zweck der Bestimmung aus historischer (und aus geltungszeitlicher) Sicht. Wie oben
bereits dargelegt, ist die Einführung des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur
IVG-Revision 6a eine Reaktion auf den BGE 135 V 210 gewesen, in dem das
Bundesgericht ausgeführt hatte, nur der Gesetzgeber könne eine ausreichende
Grundlage für die „Bereinigung der Altlasten“ aus der „Prä-Päusbonog-Ära“ schaffen.
Die Absicht des historischen Gesetzgebers ist es gewesen, eine Modifikation jener
formell rechtskräftigen Verfügungen zu erlauben, die auf der Anwendung einer
mittlerweile als gesetzwidrig erachteten Praxis („Prä-Päusbonog“) beruht haben. Auf
jene Fälle hat er die aktuelle, „richtigere“ Praxis angewendet wissen wollen. Das ist
zwar im Zeitpunkt des Inkrafttretens des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur
IVG-Revision 6a noch die „Päusbonog-Praxis“ gewesen. Hätte das Bundesgericht
diese aber schon vor dem Inkrafttreten der IVG-Revision 6a durch die „noch richtigere“
Praxis gemäss dem BGE 141 V 281 ersetzt gehabt, hätte der Gesetzgeber die
Überführung der „Prä-Päusbonog-Fälle“ nicht in die „Päusbonog-Praxis“, sondern
direkt in die „Post-Päusbonog-Praxis“ vorgesehen, denn seine Absicht ist es ja
gewesen, auf die in Anwendung einer zwischenzeitlich als falsch erachteten Praxis
ergangenen Rentenzusprachen nachträglich die neue, richtige Praxis anzuwenden. Es
besteht kein Grund zur Annahme, dass der Gesetzgeber die Anwendung der
„Päusbonog-Praxis“ vorgeschrieben hätte, wenn damals bereits die „Post-Päusbonog-
Praxis“ eingeführt gewesen wäre. Die direkte Überführung der Fälle aus der „Prä-
Päusbonog-Ära“ in die „Post-Päusbonog-Ära“ läuft folglich nicht dem Willen des
historischen Gesetzgebers zuwider. Sie ist vom (geltungszeitlichen) Sinn und Zweck
des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a – der „Bereinigung
der Altlasten“ – und auch vom Wortlaut der Bestimmung, der nicht explizit die
Anwendung der „Päusbonog-Praxis“ vorschreibt, gedeckt und sie drängt sich mit Blick
auf den Grundsatz, dass stets das aktuell geltende Recht auf den aktuellen Sachverhalt
angewendet werden muss (sog. Geltungsprinzip; vgl. RALPH JÖHL,
Übergangsrechtliche Probleme im Leistungsrecht der Sozialversicherung, St. Gallen
1996, passim), geradezu auf. Der Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a erlaubt deshalb die Anwendung der „Post-Päusbonog-Praxis“ auf jene
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formell rechtskräftigen Renten, die in Anwendung der „Prä-Päusbonog-Praxis“
zugesprochen worden sind, sofern die „Überprüfung“ rechtzeitig eingeleitet worden ist
und sofern die Voraussetzungen des Abs. 4 der lit. a der Schlussbestimmungen zur
IVG-Revision 6a erfüllt sind (vgl. zum Ganzen den Entscheid IV 2015/58 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 18. September 2017, E. 3.2).
5.3 Die ursprüngliche Rentenzusprache ist vorliegend gestützt auf das Gutachten von
Dr. E._ von der sozialpsychiatrischen Beratungsstelle D._ vom 22. Januar 2002
erfolgt, laut dem der Beschwerdeführer damals an einer undifferenzierten
Somatisierungsstörung gelitten hatte, wegen der ihm gemäss den Ausführungen von
Dr. E._ selbst eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit nur zu 50 Prozent hatte
zugemutet werden können. Mit Blick auf die Ausführungen von Dr. B._ vom Januar
2001 kann ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass dem Beschwerdeführer
aus rein rheumatologischer Sicht zumindest eine leidensadaptierte Tätigkeit
vollumfänglich zumutbar gewesen wäre. Vor diesem Hintergrund steht offenkundig
fest, dass die Rente ursprünglich – noch in der „Prä-Päusbonog-Ära“ – ausschliesslich
wegen einer Somatisierungsstörung, das heisst wegen eines „Päusbonog“
zugesprochen worden ist. Damit handelt es sich um eine „Altlast“ im Sinne des Abs. 1
der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a, was bedeutet, dass die
Voraussetzungen für die Anpassung der Rente an die „Post-Päusbonog-Praxis“ erfüllt
sind. Das Gutachten des ZMB enthält alle Angaben, die für die Anwendung der „Post-
Päusbonog-Praxis“ erforderlich sind, denn die Sachverständigen haben sich
ausführlich zu den Einschränkungen und zu den Ressourcen des Beschwerdeführers
geäussert und ihre Diagnosestellung wie auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung
überzeugend begründet. Zwar enthält das Gutachten auch einen Abschnitt, der sich
mit den Foerster’schen Kriterien befasst, aber dieser Abschnitt ist äusserst kurz
gehalten und hat zudem augenscheinlich weder für die Diagnosestellung noch für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung eine relevante Bedeutung gehabt. Die Einwände des
Beschwerdeführers gegen das Gutachten des ZMB sind nicht stichhaltig, denn
letztlich ist nicht entscheidend, ob ein medizinisches Gutachten einer juristischen
Checkliste entspricht beziehungsweise ob die Sachverständigen auf jede einzelne
Frage ausführlich eingegangen sind, sondern vielmehr, ob es den Sachverständigen
gelungen ist, eine anhand der Angaben in den Vorakten und der während der
persönlichen Untersuchung erhobenen objektiven klinischen Befunde überzeugend
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begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben, was hier eindeutig der Fall ist. Da
das Gutachten damit auch all jene Angaben enthalten hat, die für die Anwendung der
„Post-Päusbonog“-Rechtsprechung erforderlich gewesen sind, ist es nicht notwendig
gewesen, die Sachverständigen nach der Änderung der Rechtsprechung (Aufgabe der
„Päusbonog“-Rechtsprechung) zur Ergänzung des Gutachtens aufzufordern. Die
Beschwerdegegnerin hat mit anderen Worten keine weiteren medizinischen
Abklärungen veranlassen, sondern nur noch das Gutachten mit dem Blick durch die
„Post-Päusbonog“-Brille würdigen müssen. Das hat sie dann auch zu Recht getan,
indem sie zuerst einen RAD-Arzt und anschliessend einen Rechtsdienstmitarbeiter mit
der Würdigung des Gutachtens beauftragt hat. Beide haben das Gutachten als
überzeugend qualifiziert. Der Rechtsdienstmitarbeiter hat allerdings die von den
Sachverständigen – aus der Sicht der „Post-Päusbonog“-Praxis überzeugende –
Arbeitsfähigkeitsschätzung durch eine eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung ersetzt.
Damit hat er im Grunde nochmals dieselbe Frage beantwortet, die bereits von den
Sachverständigen beantwortet worden war, nämlich welches Pensum dem
Beschwerdeführer in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit unter Berücksichtigung
der „Post-Päusbonog“-Praxis zumutbar sei. Als medizinischer Laie hat der
Rechtsdienstmitarbeiter zum Vorneherein keine annähernd so überzeugende Antwort
wie die Sachverständigen des ZMB auf diese Frage liefern können. Seine
Stellungnahme enthält denn auch keine überzeugende Begründung dafür, weshalb der
Beschwerdeführer entgegen den Ausführungen der Sachverständigen des ZMB weder
verlangsamt noch auf einen zusätzlichen Pausenbedarf angewiesen sein sollte. Die
vom Rechtsdienstmitarbeiter „pseudo-medizinisch“ attestierte uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit erweist sich damit als nicht überzeugend. Gestützt auf das
überzeugende Gutachten des ZMB ist von einer Arbeitsfähigkeit von 90 Prozent für
ideal leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen.
5.4 Der Beschwerdeführer hat ursprünglich eine Anlehre als Fahrzeugwart absolviert.
Seinen eigenen Angaben zufolge hat es sich dabei um eine typische
„Handlangertätigkeit“ gehandelt. Mit seinem Attestausbildungsabschluss hat er zwar
auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt nie eine Arbeitsstelle finden können, weil keine
Nachfrage nach Fahrzeugwarten bestanden hat. Auf dem für die Bemessung der
Invalidität massgebenden allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt hätte er
allerdings (fiktiv) ohne Weiteres eine Arbeitsstelle finden und als Fahrzeugwart arbeiten
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können. Das hätte es ihm ermöglicht, einen leicht höheren Lohn als ein komplett
ungelernter Hilfsarbeiter in derselben Branche zu erzielen. Als Valideneinkommen ist
deshalb der statistische Zentralwert der Löhne jener Männer zu berücksichtigen, die in
der Branche 45–46 im Kompetenzniveau 2 gearbeitet haben (LSE 2012, TA1: 5’539
Franken). Unter Berücksichtigung der Nominallohn¬entwicklung in den Jahren 2012–
2016 (von 101,9 auf 103,9 Punkte; Basis 2010 = 100 Punkte; Branche 45–47) und der
betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 42,3 Stunden (Branche 45; Jahr 2016)
resultiert für das Valideneinkommen ein Betrag von 71’669 Franken. Angesichts des
Umstandes, dass der Beschwerdeführer höchstens noch kurzzeitig mittelschwere und
überhaupt keine schweren Arbeiten mehr verrichten kann, ist die Tätigkeit als
Fahrzeugwart wegen der notorisch bekannten körperlich schweren Belastung, die
diese mit sich bringt, als unzumutbar zu qualifizieren. Auch die Tätigkeit als
Staplerfahrer-Instruktor dürfte nicht ideal leidensadaptiert sein, weil ein Instruktor nicht
nur zeigen muss, wie man einen Gabelstapler richtig bedient, sondern auch, was
vermieden werden muss (z.B. minutenlang rückwärts mit nach hinten gedrehtem Kopf
zu fahren). Das bedeutet, dass der Beschwerdeführer wohl nicht zu 90 Prozent als
Staplerfahrer-Instruktor arbeiten könnte. Das Gutachten des ZMB enthält zwar die
Angabe, dass dem Beschwerdeführer auch diese Tätigkeit zu 90 Prozent zumutbar
wäre, aber die Sachverständigen haben darauf hingewiesen, dass ihnen kein
hinreichend detailliertes Anforderungsprofil für diese Tätigkeit vorgelegen habe. Ihre
Angabe ist folglich mit einem entsprechenden Vorbehalt versehen gewesen, weshalb
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststeht, dass der Beschwerdeführer auch als Staplerfahrer-Instruktor in einem
Pensum von 90 Prozent arbeiten könnte. Diese Unsicherheit schadet allerdings nicht,
denn wie aus den nachstehenden Ausführungen hervorgehen wird, liegt selbst dann
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vor, wenn von einer Invalidenkarriere als
Hilfsarbeiter ausgegangen wird. Weil der Beschwerdeführer als Staplerfahrer-Instruktor
ein höheres Einkommen erzielen könnte, als wenn er als Hilfsarbeiter tätig wäre, würde
ein noch tieferer Invaliditätsgrad resultieren, wenn von einer Invalidenkarriere als
Staplerfahrer-Instruktor ausgegangen würde. Der statistische Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne hat sich im Jahr 2012 auf 5’210 Franken pro Monat belaufen (LSE
2012, TA1, Kompetenzniveau 1, alle Branchen). Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung in den Jahren 2012–2016 (von 101,7 auf 104,1 Punkte; Basis
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2010 = 100 Punkte; alle Branchen) und der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit
von 41,7 Stunden (alle Branchen; Jahr 2016) resultiert als Ausgangswert für das
zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen ein Betrag von 66’715 Franken. Da
dem Beschwerdeführer ideal leidensadaptierte Tätigkeiten fast uneingeschränkt
zumutbar sind (er benötigt lediglich vermehrte Pausen beziehungsweise ist nicht fähig,
eine durchschnittliche Leistung zu erbringen) und da nicht mit der Gefahr vermehrter
krankheitsbedingter Absenzen oder mit einer inkonstanten Arbeitsleistung gerechnet
werden muss, ist kein Tabellenlohnabzug vorzunehmen. Selbst wenn unter
Berücksichtigung sämtlicher Umstände davon ausgegangen werden müsste, dass der
Beschwerdeführer seine verbliebene Arbeitsfähigkeit nicht mit einem
durchschnittlichen betriebswirtschaftlich-ökonomischen Erfolg verwerten könnte,
würde das entsprechende Mindereinkommen durch einen „Tabellenlohnzuschlag“
kompensiert, der angesichts der überdurchschnittlichen Intelligenz und Lernfähigkeit
des Beschwerdeführers bei einer betriebswirtschaftlich-ökonomischen Betrachtung an
sich berücksichtigt werden müsste. Ein betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender
Arbeitgeber wird dem Beschwerdeführer jedenfalls sicherlich keinen
unterdurchschnittlichen Lohn ausrichten, weshalb kein Tabellenlohnabzug
vorzunehmen ist. Unter Berücksichtigung des Arbeitsfähigkeitsgrades von 90 Prozent
resultiert damit ein zumutbarerweise erzielbares Invalideneinkommen von 60’044
Franken. Im Vergleich zum Valideneinkommen von 71’669 Franken ergibt sich eine
Erwerbseinbusse von 11’625 Franken und folglich ein Invaliditätsgrad von 16,22
Prozent. Da gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG erst ab einem Invaliditätsgrad von 40
Prozent ein Anspruch auf eine Rente besteht, erweist sich die Rentenaufhebung im
Ergebnis als rechtmässig. Die Beschwerde gegen die angefochtene Verfügung vom 19.
April 2016 ist folglich abzuweisen.
6.
Die Gerichtskosten von 600 Franken wären an sich dem unterliegenden
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung ist er aber von der Pflicht zur Bezahlung der Gerichtskosten befreit. Da
ihm auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat der Staat
seinem Rechtsvertreter eine Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des
erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (vgl. Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der
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Vertretungsaufwand ist vorliegend angesichts des vergleichsweise geringen
Aktenumfangs und des entsprechend reduzierten Aufwandes für das Aktenstudium als
insgesamt leicht unterdurchschnittlich zu qualifizieren. Die Entschädigung wird deshalb
praxisgemäss auf 80 Prozent von 3’500 Franken, das heisst auf 2’800 Franken
festgesetzt. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird der
Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können
(Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).