Decision ID: 90ebc997-9f63-5633-bd88-73f7b073189d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.
Am 16. Januar 2014 reichten T. und A. L., H. und N. S., O. U. sowie A. E.
bei der Gemeinde Egg eine Lärmklage ein. Mit dieser beantragten sie, die
evangelisch-reformierte Kirche Egg habe auf die nächtlichen Stunden-
schläge zu verzichten, und es sei das Abendläuten zu verkürzen sowie
dessen Lautstärke zu reduzieren. Des Weiteren wurde beantragt, dass die
evangelisch-reformierte Kirche A. E. die Kosten für das von ihm veranlasste
Privatgutachten zurückzuerstatten habe.
Mit Beschluss vom 24. Mai 2016 befand die Baukommission über diese
Klage und beschloss folgendes:
"1. Die Kirchenpflege der evangelisch-reformierten Kirche Egg wird zu  Massnahme verpflichtet:
a. Für die Zeit von 22.00 bis 07.00 Uhr wird eine Lärmreduktion der nächtlichen Glockenschläge insoweit angeordnet, als die  bei den in der ES II beurteilten Immissionsorten um 10 dBA zu reduzieren sind. Ausgangspunkt sind die heutigen  LAFmax.
b. Zur Erreichung der Lärmreduktion um 10 dBA wird die -reformierte Kirchgemeinde Egg verpflichtet, innert sechs Monaten seit Rechtskraft dieses Beschlusses bei der Glocke  elektrischen Klöppel anstelle des bisherigen mechanischen Klöppels zu montieren und die Anschlagsstärke in der Nacht  einstellen zu lassen, dass die Immissionen um 10 dBA  werden.
c. Die Wirkung der angeordneten Massnahme ist von der -reformierten Kirchgemeinde Egg innert der nämlichen Frist mittels einer Immissionsmessung zu überprüfen und zu . Als relevanter Immissionsort für die durchzuführende  gilt das Gebäude [....].
2. Für das Glockengeläut am Tag bzw. das Ein- und Ausläuten des  werden keine Massnahmen verfügt.
(...)
4. Die Aufwendungen zur Ermittlung des Sachverhaltes werden der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Egg im Umfang von Fr. 11'612.95 nach Eintritt der Rechtskraft dieses Beschlusses separat in Rechnung gestellt und sind innert 30 Tagen ab Rechnungsstellung zu bezahlen; im Übrigen werden sie auf die Gemeindekasse .
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5. Der Antrag von A. E., ihm die Kosten für das Privatgutachten der "X AG" im Umfang von Fr. 8'316.00 zu ersetzen, wird abgewiesen.
(...)"
Mit Beschluss vom 13. Juni 2016 erfolgte insofern eine Wiedererwägung,
als Dispositiv-Ziffer 1.b dahingehend neu gefasst wurde, als ein Magnet-
hammer anstelle des bisherigen Fallschlaghammers zu montieren sei.
B.
Die Lärmkläger erhoben am 1. Juli 2016 mit gemeinsamer Eingabe gegen
die beiden genannten Beschlüsse Rekurs mit den folgenden Anträgen:
"1. Es sei Ziffer 1.a. des Beschlusses abzuändern und es sei die evang.- ref. Kirchgemeinde Egg zu verpflichten, die Immissionen der  zwischen 22 Uhr bis 7 Uhr auf höchstens 44 dBA (im offenen Fenster) zu reduzieren. Eventualiter sei sie zu verpflichten, die  um mindestens 29,8 dBA zu reduzieren.
2. Es seien Ziffern 1.b und c. des Beschlusses abzuändern und die Frist zur Reduktion der Immissionen und zur anschliessenden  und Dokumentation auf zwei Monate zu verkürzen (statt 6 ).
3. Es sei Ziffer 1.c. des Beschlusses abzuändern und es sei die  durch die EMPA vorzunehmen, im Auftrag der  und auf Kosten der Kirchgemeinde; und zwar bei Gebäude [....].
4. Es sei Ziffer 2 des Beschlusses aufzuheben und es sei die evang.-ref. Kirchgemeinde Egg zu verpflichten, ab sofort das Geläut um 19.01 Uhr an Samstagen und Sonntagen nur mit Glocke 4 und nur während 4  ertönen zu lassen (statt mit allen Glocken während 14 Minuten).
5. Es sei Ziffer 4 des Beschlusses abzuändern und die  Kirchgemeinde Egg zu verpflichten, die Aufwendungen zur Ermittlung des Sachverhaltes in vollem Umfang von CHF 23'225.85 (statt nur CHF 11'612.95) zu bezahlen.
6. Es sei Ziffer 5 des Beschlusses aufzuheben und es sei die evang.-ref. Kirchgemeinde Egg zu verpflichten, dem Rekurrenten A. E. die von ihm vorgeschossenen Kosten des Lärmmessberichts "X AG" vom 13.5.2013 zu ersetzen, nämlich Fr 8'316.--.
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zuzüglich MWSt, zu Lasten der Rekursgegnerin."
Des Weiteren stellten sie ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnah-
men.
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C.
Am 6. Juli 2016 wurde vom Rekurseingang Vormerk genommen und das
Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
D.
Mit Präsidialverfügung vom 12. Juli 2016 wurde vom Hinschied des Rekur-
renten A. L. Kenntnis genommen, und er wurde nicht mehr weiter im
Rubrum aufgeführt.
E.
Die Vorinstanz nahm mit Eingabe vom 15. Juli 2016 zum rekurrentischen
Antrag um Erlass vorsorglicher Massnahmen Stellung. Die private Rekurs-
gegnerin liess sich hierzu mit Eingabe vom 18. Juli 2016 vernehmen. Die
Rekurrierenden nahmen am 27. Juli 2016 zu diesen Rechtseingaben Stel-
lung. Mit Präsidialverfügung vom 28. Juli 2016 wurde über die ersuchten
vorsorglichen Massnahmen befunden.
F.
Am 6. September 2016 erstattete die Vorinstanz ihre Rekursantwort und
schloss darin auf Abweisung des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei.
Die private Rekursgegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung ebenfalls auf
Abweisung des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrierenden.
Die Rekurrierenden reichten am 23. September 2016 ihre Replik zu den
Akten. Mit Präsidialverfügung vom 26. September 2016 wurde die Rekurs-
gegnerschaft eingeladen zu duplizieren. Die Dupliken wurden am 13. Okto-
ber 2016 eingereicht.
G.
Am 7. November 2016 führte die 3. Abteilung des Baurekursgerichts im
Beisein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch.
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H.
Auf die Feststellungen anlässlich des Lokaltermins und auf die Parteivor-
bringen wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachste-
henden Erwägungen Bezug genommen.

Es kommt in Betracht:
1.
Bereits im Jahre 2013 hatten Anwohner ein Lärmgutachten bei der Firma X
AG in Auftrag gegeben. Daraufhin revidierte die evangelisch-reformierte
Kirchgemeinde im Oktober 2013 ihre Läuteordnung. Die Revision umfasste
u.a. den Verzicht auf die nächtlichen Viertelstundenschläge und auf das
Geläut am Sonntagmorgen um 8:01 Uhr. Des Weiteren wurde das Frühge-
läut (Montag bis Freitag) von 6:01 Uhr auf 07:01 Uhr verlegt. In der Nacht
(22:00 Uhr bis 7:00 Uhr) sollte auch gemäss der neuen Läuteordnung zur
vollen Stunde die Anzahl Stunden mit der Glocke 1 angegeben werden.
Das samstägliche und sonntägliche Abendläuten um 19:01 Uhr sollte wei-
terhin 14 Minuten und mit allen fünf Glocken geschlagen werden. Die Re-
kurrierenden und weitere Anwohner reichten bei der Bezirkskirchenpflege
Rekurse gegen die neue Läuteordnung ein und verlangten den Verzicht auf
das nächtliche Zeitschlagen sowie eine Reduktion des Abendläutens an
Samstagen und Sonntagen. Die Bezirkskirchenpflege wies mit Beschluss
vom 25. März 2014 die Rekurse ab (act. 25.72).
In der Folge erhoben die Rekurrierenden die vorstehend genannte Lärm-
klage. Die Vorinstanz zog ihrerseits ein Fachbüro für Akustik, die YZ AG,
bei. Dieses nahm gestützt auf das Lärmgutachten und auf die Messungen
der X AG eine Lärmbeurteilung für die Empfindlichkeitsstufe (ES) III vor
(Kurzbericht Nr. 1 vom 15. Januar 2015, act. 25.10). Diese wurde sämtli-
chen Verfahrensbeteiligten zwecks Stellungnahme zugestellt. Am 16. No-
vember 2015 legte die YZ AG sodann ein Lärmgutachten hinsichtlich der in
der dem Kirchturm nahegelegenen ES II anzutreffenden Lärmimmissionen
vor. Auch dieser Bericht wurde allen Verfahrensbeteiligten zugestellt. Am
22. Februar 2016 unternahm die Baukommission mit einem Kirchturmtech-
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niker eine Begehung des Kirchturmes, um mögliche technische Massnah-
men abzuklären. Am 24. Mai 2016 erging der angefochtene Beschluss.
2.
Die Wohnung des rekurrierenden Ehepaars S. [....] liegt rund 68 m nördlich
der reformierten Kirche. Dazwischen befindet sich ein Teil des Friedhofs.
Die Wohnungen der weiteren Rekurrierenden liegen nördlich der Wohnung
des Ehepaares S. und weisen einen Abstand von 105 m zum besagten
Gotteshaus auf. Sämtliche Wohnungen liegen in der Wohn- und Gewerbe-
zone (WG60) und sind der Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) III zugeteilt.
Zum Rekurs ist berechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt
ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung hat
(§ 338a Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes [PBG]).
Mit dieser Umschreibung verlangt das Gesetz zunächst eine besondere,
beachtenswerte, nahe Beziehung zum Streitgegenstand, kraft derer der
Rekurrent stärker als beliebige Dritte oder die Allgemeinheit von der ange-
fochtenen Verfügung betroffen ist. Sog. Popularbeschwerden sind mithin
nicht zulässig.
Sind Störungen durch Immissionen zu beurteilen, kann bei der Beurteilung
der Betroffenheit nicht primär auf die Distanz zur Lärmquelle abgestellt
werden. Massgeblich sind vielmehr die tatsächlichen Lärmimmissionen
beim Rechtsmittelkläger.
Die Rekurrierenden liessen wie bereits ausgeführt im Jahre 2013 ein Lärm-
gutachten durch die X AG ausarbeiten. Dieses wies für die Stundenschläge
am geöffneten Fenster der Liegenschaft [....] 79 dB(A) bzw. 80 dB(A) und
beim Gebäude [....] einen Wert von 74 dB(A) aus. Das Verwaltungsgericht
führte in seinem Entscheid vom 6. Oktober 2010 (VB.2010.00304) aus,
wenn die Rechtsmittelbefugnis aus Immissionen abgeleitet werde, müssten
diese für die Beschwerdeführer deutlich wahrnehmbar sein. Dabei sei je-
doch nicht auf das zulässige Mass der Immissionen abzustellen, sondern
auf ein deutlich tieferes Mass. Gestützt auf eine Stellungnahme des Bun-
desamtes für Umwelt (BAFU) wurde dabei davon ausgegangen, dass eine
kritische Schwelle, ab welcher mit Aufwachreaktionen zu rechnen sei, bei
60 dB(A) beim Ohr der schlafenden Person gemessen liege. Das Verwal-
tungsgericht gelangte daher zum Schluss, dass die Rekurslegitimation ge-
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geben sei, wenn im offenen Fenster gemessen ein maximaler Schallpegel
von 60 dB(A) erreicht werde. Die von Mark Brink, Sarah Omlin, Christian
Müller, Reto Pieren und Mathias Basner "An event-related analysis of awa-
kening reactions due to nocturnal church bell noise" (Science of the Total
Environment, 409 [24], 5210-5220, nachfolgend: ETH-Studie) lag damals
noch nicht vor. Das Baurekursgericht hatte in seinem Entscheid BRGE II
Nr. 0193/2015 vom 15. Dezember 2015 (www.baurekursgericht-zh.ch) so-
wohl den nächtlichen Viertelstundenschlag als auch die nächtliche Zeitan-
gabe von Kirchenglocken zu beurteilen. Das Gericht befand in jenem Ent-
scheid gestützt auf die ETH-Studie und die soeben wiedergegebene
Rechtsprechung, die Rekurslegitimation sei bereits dann gegeben, wenn
ein LAF, max von 40 dB(A) im offenen Fenster erreicht werde. Bei viertel-
stündlich auftretenden Kirchglockenimmissionen trete nämlich bei Annah-
me eines neunstündigen Schlafs die erste zusätzliche Aufwachreaktion be-
reits bei Immissionen von 40 dB(A) beim Ohr der schlafenden Person ge-
messen ein (bestätigt mit VB.2016.00052 vom 12. Mai 2016,
www.vgr.zh.ch).
Bei stündlich auftretenden Kirchglockenimmissionen, wie sie hier zu beur-
teilen sind, tritt bei Annahme eines neunstündigen Schlafs die erste zusätz-
liche Aufwachreaktion bei Immissionen von 55 dB(A) beim Ohr der schla-
fenden Person gemessen ein. Bei Zugrundelegung eines acht- oder sie-
benstündigen Schlafs verschiebt sich der Pegel leicht nach oben, liegt aber
unterhalb von 60 dB(A) (vgl. Beurteilung Alltagslärm, Vollzugshilfe im Um-
gang mit Alltagslärm, Bundesamt für Umwelt [BAFU], 2014, S. 56, nachfol-
gend: Vollzugshilfe). Der zum Rekurs legitimierende, im offenen Fenster
gemessene Pegel ist mithin auch bei einem stündlich eintretenden Ereignis
gestützt auf diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse nach unten zu
korrigieren. Die Rekurslegitimation ist somit bei einem stündlich eintreten-
den Ereignis bei Erreichung eines LAF, max von 55 dB(A) im offenen Fenster
zu bejahen.
Aufgrund der gemachten Lärmmessungen steht fest, dass dieser Pegel bei
den rekurrentischen Wohnungen erzielt wird. Die Rekurrierenden sind mit-
hin legitimiert, sich gegen den nächtlichen Stundenschlag zur Wehr zu set-
zen. Angesichts ihrer räumlichen Beziehung und den getätigten Lärmmes-
sungen trifft dies zweifelsohne auch auf das Abendgeläut am Samstag und
Sonntag zu. Da auch die weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind,
R3.2016.00196 Seite 8
sind die Rekurrierenden mit ihrem lärmrechtlichen Rügen zum Rekurs zu-
zulassen.
Anders verhält es sich hingegen hinsichtlich ihres Rekursantrags Ziffer 5.
Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Rekurrierenden mehr als die Allge-
meinheit davon betroffen sein sollen, dass der privaten Rekursgegnerin le-
diglich die Hälfte der Gutachterkosten auferlegt und die Kosten im Übrigen
auf die Gemeindekasse genommen wurden. Auf diese Rüge ist daher nicht
einzutreten. Sodann ist einzig der Rekurrent A. E. mit dem Rekursantrag
Ziffer 6 zuzulassen, da die Kosten für das Gutachten der X AG von ihm be-
glichen wurden.
3.
Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Beschluss in lärmrechtlicher Hin-
sicht, in der Lärmbeurteilung der YZ AG (welche gestützt auf die Vollzugs-
hilfe ausgearbeitet wurde) seien die Lärmimmissionen nachts in der ES III
als störend bezeichnet worden, was einem Wert zwischen dem Planungs-
und Immissionsgrenzwert entspreche. Die Zeitschläge tagsüber seien gar
als höchstens geringfügig störend bewertet worden. In der ES II hingegen
sei bei den dem Kirchturm am nächsten gelegenen Liegenschaften sowohl
tagsüber als auch nachts von erheblich störenden Immissionen auszuge-
hen, was Immissionen zwischen dem Immissionsgrenzwert (IGW) und dem
Alarmwert (AW) entspreche. Von einer erheblichen Störung seien zwischen
zehn und 20 Liegenschaften betroffen. Es seien daher Massnahmen zu
prüfen, um die Lärmimmissionen mindestens unter den Immissionsgrenz-
wert zu senken. Die Werte in der ES II seien bei gekipptem und geöffnetem
Fenster gemessen worden. Gemäss ständiger Rechtsprechung seien je-
doch einzig die Werte bei gekipptem Fenster massgeblich. Um in der ES II
die Immissionen unter den IGW senken zu können, sei eine Reduktion der
Lärmimmissionen von 10 - 15 dB(A) notwendig. Auch ein vollständiger Ver-
zicht auf die Stundenschläge würde das Problem lösen. Tagsüber würde
nur eine deutliche Reduktion der Lautstärke zu einer anderen Bewertung
führen. Die von den Anwohnern verlangte Verkürzung des Geläuts an den
Samstag- und Sonntagabenden habe auf die Bewertung der Immissionen
gemäss der Vollzugshilfe keinen Einfluss. Würde das Geläut nur mit der
Glocke vier ausgeführt, würde dies eine Reduktion von 10 - 15 dB(A) be-
wirken. Eine Verkleidung des Kirchturms komme aus mehreren Gründen
nicht in Frage (welche im angefochtenen Beschluss näher ausgeführt wer-
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den). Der nächtliche Stundenschlag entspreche in der Gemeinde einer
Tradition, welche von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert und ge-
schätzt werde. Die Gemeinde sei trotz ihrer Nähe zu Zürich nach wie vor
sehr ländlich geprägt. Die Baukommission erachte daher das Interesse am
Läuten der Kirchenglocken als Ausdruck des Brauchtums und der örtlichen
Gepflogenheiten als uneingeschränkt wichtig, was es im Rahmen der Inte-
ressenabwägung zu berücksichtigen gelte.
4.1.
Die Rekurrierenden monieren zunächst die nächtlichen Stundenschläge.
Sie rügen, dass die Vorinstanz im angefochtenen Beschluss auf die Werte
bei gekipptem Fenster abgestellt habe. Das Bundesgericht habe in einem
früheren Entscheid, welcher die ES III betroffen habe, ausgeführt, es sei
nicht bundesrechtswidrig, die Messwerte im Rauminnern bei gekipptem
Fenster als relevant zu bezeichnen. Diese Rechtsprechung sei nach Er-
scheinen der ETH-Studie jedoch als überholt zu bezeichnen. Im Übrigen
habe das Bundesgericht in einem Entscheid vom 30. November 2011 be-
funden, es müsse möglich sein, die Fenster ganz zu öffnen, weshalb die
Immissionen an der Gebäudehülle massgeblich seien. Auch seien die Re-
kurrierenden nicht nur legitimiert, die Überschreitung der Grenzwerte auf ih-
rem Grundstück zu rügen, sondern sie könnten generell die Rechtswidrig-
keit der Anlage einschliesslich der Überschreitung von Grenzwerten bei
anderen Grundstücken vorbringen. Wer legitimiert sei, dürfe nämlich alle
Rechtsverletzungen rügen. Es seien mithin auch jene Werte heranzuzie-
hen, welche in den Messberichten am höchsten ausgefallen seien, auch
wenn diese nicht die rekurrentischen Grundstücke betroffen hätten. Des
Weiteren sei die Akzeptanz des nächtlichen Zeitschlagens nicht hinrei-
chend abgeklärt worden. Die Ausführungen der Vorinstanz basierten ledig-
lich auf Annahmen. Bereits im Jahre 1965 hätten sich Anwohner der Kirche
gegen das nächtliche Zeitschlagen gewehrt. Der vorliegende Rekurs werde
von zahlreichen Anwohnern unterstützt. Werde die Wohnung Messpunkt 1
des Gutachtens der X AG mit der Wohnung Messpunkt 4 des Gutachtens
der YZ AG verglichen, welche lediglich 25 m voneinander entfernt lägen,
ergäben sich erhebliche Differenzen. Während im ersten Bericht ein LAF, max
von rund 80 dB(A) gemessen worden sei, lägen die Werte der zweitge-
nannten Wohnung rund 5 bis 6 dB(A) darunter. Die Messungen der YZ AG
wiesen zudem stetig abnehmende Lärmpegel aus, wofür keine wissen-
R3.2016.00196 Seite 10
schaftlichen Gründe vorlägen. Es sei daher angemessen, für die Kontroll-
messungen die neutrale EMPA beizuziehen. Die Wohnungen der Rekurrie-
renden lägen zwar in der ES III, die relativ stark befahrene Forchstrasse sei
bei ihnen jedoch nicht zu hören. Wie hoch nächtliche Immissionen sein
dürften, könne anhand der Anhänge der LSV ersehen werden. In den Er-
wägungen habe die Vorinstanz sodann verlangt, dass die Immissionen um
10 dB(A) bis 15 dB(A) zu reduzieren seien. Schlussendlich sei aber nur ei-
ne Reduktion um 10 dB(A) verfügt worden. Des Weiteren werde im ange-
fochtenen Beschluss auch nicht festgehalten, welcher LAF, max als Aus-
gangswert diene. Zudem wolle die Vorinstanz mit der Lärmreduktion bewir-
ken, dass in der ES II keine erhebliche Störung mehr auftreten werde. Dies
sei aber verfehlt. In dieser Zone seien nämlich vielmehr keine störenden
Anlagen zugelassen. Gemäss der Vollzugshilfe müsse mithin in der ES II
die Störungskategorie 0 erreicht werden, was der Einhaltung der Pla-
nungswerte entspreche. Die Immissionen seien daher um 29,8 dB(A) zu
senken. Die vorzunehmenden Kontrollmessungen seien sodann durch ein
neutrales Organ, also die EMPA durchzuführen. Auch sei es nicht ange-
bracht, diese beim Gebäude [....] durchzuführen, da ein dortiger Bewohner
Mitglied der Kirchenpflege gewesen sei. Auch sei das Gebäude [....] nicht
massgeblich, da gemäss dem Bericht der YZ AG dort tiefere Werte anfallen
würden. Zudem sei der privaten Rekursgegnerin eine kürzere Frist anzu-
setzen, um den Glockenhammer auszuwechseln. Sie habe bereits Vorab-
klärungen getätigt, weshalb für den Ersatz weniger als sechs Monate benö-
tigt würden.
4.2.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, bei den nächtlichen Glockenschlägen
sei auf die zusätzlich daraus resultierenden Aufwachreaktionen abzustel-
len, weshalb die Immissionen am Ohr einer schlafenden Person und damit
bei gekipptem Fenster zu messen seien. Sie habe sodann aufgrund ihrer
langjährigen Erfahrung und Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten feststel-
len können, dass der nächtliche Stundenschlag in Egg akzeptiert werde
und einer geschätzten Tradition entspreche. Die von den Rekurrierenden
genannten Abweichungen in den Lärmgutachten der beiden Akustikbüros
liessen sich durchaus fachtechnisch erklären. In den Erwägungen sei des-
halb von einer Reduktion von 10 dB(A) bis 15 dB(A) die Rede, weil das von
der Vorinstanz beigezogene Akustikbüro die in der ES II eintretenden Im-
missionen sowohl bei geöffnetem als auch bei gekipptem Fenster beurteilt
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habe. Die YZ AG habe in ihrer Stellungnahme vom 1. Juli 2016 die mass-
geblichen LAF, max festgehalten. Der nächtliche Zeitschlag vermittle bei ei-
nem Grossteil der Bevölkerung ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit,
was voraussetze, dass er im weitläufigen Gebiet der Gemeinde auch wahr-
genommen werden könne. Die von den Rekurrierenden beantragte Lärm-
reduktion würde dazu führen, dass dem nicht mehr so wäre.
4.3.
Die private Rekursgegnerin hält zusammengefasst den rekurrentischen
Ausführungen entgegen, die durchgeführten Diskussionen und Umfragen
hätten gezeigt, dass dem nächtlichen Stundenschlag ein hoher Stellenwert
zukomme. Die Lärmreduktion um 10 dB(A) genüge, um überall weniger als
eine zusätzliche Aufwachreaktion zu verursachen.
4.4.
Replizierend bringen die Rekurrierenden vor, bei der hier massgeblichen
Gemeinde handle es sich um eine Agglomerationsgemeinde. Nur noch we-
nige Bauern würden hier arbeiten. Es herrsche eine rege Bautätigkeit. Ein
Mitglied der Baukommission, welches ebenfalls einen Lärmantrag einge-
reicht hatte, sei bei der Beschlussfassung in den Ausstand getreten. Die
Ansicht der Lärmschutz-Befürworter sei daher bei der Beschlussfassung
nicht vertreten gewesen und sei von der Baukommission nicht berücksich-
tigt worden. Die private Rekursgegnerin habe auch keine Umfrage durchge-
führt. Vielmehr seien nach einer Versuchsphase, in welcher auf die Viertel-
stundenschläge verzichtet worden war, Rückmeldungen eingegangen. Eine
Mehrheit habe sich damals gegen das Beibehalten der Stunden- und Vier-
telstundenschläge ausgesprochen. Eine von den Rekurrierenden initiierte
Unterschriftensammlung habe ergeben, dass 141 Einwohner von Egg sich
von den Glocken gestört fühlten.
4.5.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, 6 % der Bevölkerung der Gemeinde
würden im primären Sektor tätig sein, was deutlich über dem kantonalen
Durchschnitt liege. Auch die vielen Vereine würden die ländliche Prägung
der Gemeinde bezeugen. Das von den Rekurrierenden genannte Bau-
kommissionsmitglied habe gestützt auf das Verwaltungsrechtspflegegesetz
(VRG) in den Ausstand treten müssen, was aber keineswegs auf eine feh-
R3.2016.00196 Seite 12
lerhafte Entscheidfindung hindeute. Die Umfrage habe sodann ergeben,
dass eine Mehrheit für die Beibehaltung des nächtlichen Stundenschlags
sei. Auch seien 170 Personen mit der Änderung der Läuteordnung nicht
einverstanden gewesen. Diese hätten die Beibehaltung der alten Ordnung
gewünscht.
4.6.1.
Das Glockenspiel der reformierten Kirche ist eine mit einer Baute dauerhaft
verbundene ortsfeste Einrichtung und damit eine Anlage im Sinne von
Art. 7 Abs. 7 des Umweltschutzgesetzes (USG) und Art. 2 Abs. 1 der Lärm-
schutzverordnung (LSV). Die Kirche samt ihrem Läutewerk bestand un-
bestrittenermassen bereits vor dem 1. Januar 1985, weshalb sie aus um-
weltschutzrechtlicher Sicht als altrechtliche Anlage gilt und damit grund-
sätzlich die Immissionsgrenzwerte einzuhalten hat (Art. 13 LSV). Sie ist
folglich zu sanieren, wenn sie den Vorschriften des Umweltschutzgesetzes
nicht genügt (Art. 16 Abs. 1 USG). Eine Sanierung ist mithin dann zu ergrei-
fen, wenn die Anlage wesentlich zur Überschreitung der Immissionsgrenz-
werte beiträgt. Sie ist so zu sanieren, dass sie die Immissionsgrenzwerte
einhält. Sanierungsbedürftig ist eine Anlage aber auch dann, wenn die Vor-
schriften der Art. 11 Abs. 2 und 3 USG nicht eingehalten werden (André
Schrade/Heidi Wiestner, Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl.,
Hrsg. Vereinigung für Umweltrecht/Helen Keller, Zürich 1998 ff., Art. 16
Rz. 23 ff., Rz. 43). Diesen zufolge sind Emissionen im Rahmen der Vorsor-
ge unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung so weit zu begren-
zen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist
(Abs. 2). Wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter
Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig
werden, sind die Emissionsbegrenzungen zu verschärfen (Abs. 3). Solche
Begrenzungen werden gemäss Art. 12 Abs. 2 USG durch Verordnungen
oder, soweit diese nichts vorsehen, durch unmittelbar auf das Umwelt-
schutzgesetz abgestützte Verfügungen vorgeschrieben. Schutzmassnah-
men nach Art. 12 Abs. 2 USG sind nicht erst zu ergreifen, wenn die Um-
weltbelastung schädlich oder lästig wird, sondern es müssen gestützt auf
das Vorsorgeprinzip schon sämtliche unnötigen Emissionen vermieden
werden. Dies ist allerdings nicht so zu verstehen, dass jeder im strengen
Sinne nicht nötige Lärm völlig untersagt werden müsste. Es gibt keinen ab-
soluten Anspruch auf Ruhe; vielmehr sind geringfügige, nicht erhebliche
R3.2016.00196 Seite 13
Störungen hinzunehmen (Art. 15 USG). Einer sanierungsbedürftigen Anla-
ge können jedoch Erleichterungen gewährt werden (vgl. Art. 14 LSV).
Die Lärmimmissionen ortsfester Anlagen sind grundsätzlich anhand der
vom Bundesrat festgelegten Belastungsgrenzwerte (Anhänge 3 - 8 LSV) zu
beurteilen (Art. 40 Abs. 1 LSV). Für die Lärmbelastung durch Glockenspiele
hat der Bundesrat keine Grenzwerte festgelegt. Fehlen solche Werte, so
müssen die Lärmimmissionen im Einzelfall nach den Kriterien der Art. 15,
19 und 23 USG bewertet werden (Art. 40 Abs. 3 LSV). Im Rahmen dieser
Einzelfallbeurteilung sind der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufig-
keit seines Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbe-
lastung zu berücksichtigen. Dabei ist nicht auf das subjektive Lärmempfin-
den einzelner Personen abzustellen, sondern es ist eine objektivierte Be-
trachtung unter Berücksichtigung von Personen mit erhöhter Empfindlich-
keit (Art. 13 Abs. 2 USG) vorzunehmen. Dabei gilt es zu beachten, dass die
Lärmschutzvorschriften des Umweltschutzgesetzes in erster Linie auf Ge-
räusche zugeschnitten sind, die als unerwünschte Nebenwirkungen einer
bestimmten Tätigkeit auftreten. Grundsätzlich lassen sich solche Lärm-
emissionen mit geeigneten Massnahmen an der Quelle reduzieren, ohne
dass dadurch die entsprechenden Tätigkeiten als solche in Frage gestellt
würden. Geräusche, welche den eigentlichen Zweck einer bestimmten Akti-
vität ausmachen, wie beispielsweise das Läuten von Kirchen- oder Kuhglo-
cken sowie das Musizieren können indessen nicht völlig vermieden oder in
der Lautstärke wesentlich reduziert werden, ohne dass zugleich der Zweck
der sie verursachenden Tätigkeit vereitelt würde. Derartige Lärmemissio-
nen als unnötig und unzulässig zu qualifizieren, würde nichts anderes heis-
sen, als gleichzeitig die betreffenden Aktivitäten generell als unnötig zu be-
trachten. In der Rechtsprechung werden solche Emissionen zwar aufgrund
des Umweltschutzgesetzes beurteilt, aber zugleich unter Berücksichtigung
des Interesses an der den fraglichen Lärm verursachenden Tätigkeit nicht
vollständig untersagt, sondern bloss einschränkenden Massnahmen unter-
worfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. März 1998 in Pra 1998
Nr. 170 S. 904; BGE 126 II 366 E.2d S.369). Solche Massnahmen beste-
hen in der Regel in einer Einschränkung der Betriebszeiten, da eine Reduk-
tion der Schallintensität zumeist den mit der betreffenden Tätigkeit verfolg-
ten Zweck vereiteln würde. Dabei ist eine Interessenabwägung zwischen
dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung und dem Interesse an der lärmverur-
sachenden Tätigkeit vorzunehmen. Vorliegend gilt es dabei zu berücksich-
tigen, dass das hier strittige Zeitverkünden nicht unter die Kultusfreiheit fällt
R3.2016.00196 Seite 14
(vgl. hierzu VB.2004.00240 vom 27. April 2005, www.vgr.zh.ch, mit weite-
ren Hinweisen). Den örtlichen Behörden ist sodann ein gewisser Beurtei-
lungsspielraum zuzugestehen, soweit es sich um Anlässe mit lokaler Aus-
prägung oder Tradition handelt (vgl. zu alledem mit weiteren Hinweisen
BGr 1C_297/2009).
4.6.2.
Für die Einzelfallbeurteilung können unter Umständen fachlich genügend
abgestützte private Richtlinien herangezogen werden (vgl. BGE 137 II 30,
E. 3, mit weiteren Hinweisen). Auf die in den Anhängen zur Lärmverord-
nung enthaltenen Grenzwerte kann entgegen rekurrentischer Ansicht hin-
gegen nicht zurückgegriffen werden, da die im jeweiligen Anhang enthalte-
nen Belastungsgrenzwerte bzw. die darin vorgeschriebenen Mess- und Be-
urteilungsverfahren auf bestimmte Lärmarten zugeschnitten sind und sich
daher auf andersartige Lärmemissionen nicht ohne weiteres übertragen
lassen.
Im Anhang zur Vollzugshilfe des BAFU wird eine Beurteilungsmethode er-
läutert, mit welcher die Quantifizierung der Störwirkung von Kirchenglocken
ermittelt werden kann. Die Störung wird dabei für den Tag und die Nacht
anhand von mehreren Kategorien separat ermittelt. Für die Nachtphase
werden die Aufwachreaktionen (AWR), die Empfindlichkeitsstufe des be-
troffenen Gebiets (ES), die spezielle Personengruppe (SP) sowie die Lärm-
vorbelastung (OG) addiert (Störung = AWR + ES + SP + OG). Die einzel-
nen Kategorien sind dabei in Gewichtungsfaktoren (-2 bis + 3) unterteilt, so
dass etwa die ES I mit einem Gewichtungsfaktor von +1 zu Buche schlägt,
während die ES III einem Gewichtungsfaktor von -1 entspricht. Addiert
werden mithin die für die einzelnen Kategorien im Einzelfall zu eruierenden
Gewichtungsfaktoren. Die Summe derselben entspricht alsdann einer Stö-
rungskategorie. Anhand der vom BAFU zur Verfügung gestellten Excel-
Tabelle lässt sich die jeweilige Störungskategorie ablesen (vgl.
www.bafu.admin.ch/publikationen).
Für die Eruierung der Aufwachreaktionen verweist das BAFU auf die vor-
genannte ETH-Studie. Anhand einer Grafik lässt sich dabei feststellen, wie
viele zusätzliche Aufwachreaktionen bei einem berechneten oder gemes-
senen LAF,max innen anfallen. Die Aufwachreaktionen sind sowohl nach
Schlafdauer als auch nach Anzahl Läuteereignisse dargestellt. Das Dia-
gramm präsentiert sich wie folgt:
R3.2016.00196 Seite 15
(Quelle: Anhang A2 der Vollzugshilfe Beurteilung Alltagslärm des BAFU, 2014; ursprüngliche Quelle: M. Brink, S. Omlin, Ch. Müller, R. Pieren und M. Basner; An event-related analysis of awakening reactions due to nocturnal church bell noise, Science of the Total Environment, 409(24), 5210-5220)
Der Vollzugshilfe zufolge sind die zusätzlichen Aufwachreaktionen wie folgt
zu gewichten:
AWR/Nacht << 1 0
AWR/Nacht < 1 + 1
AWR/Nacht >= 1 + 2
AWR/Nacht >= 3 + 3
Die vom Bundesamt erarbeitete Beurteilungsmethode kann als massgebli-
che Richtlinie herangezogen werden. Dabei gilt es zunächst, das Lärmgut-
achten in den von den Rekurrierenden gerügten Punkten zu überprüfen.
4.6.3.
Der von den Rekurrierenden beigezogene Gutachter nahm bei den rekur-
rentischen Liegenschaften [....] sowie bei einem weiteren Wohnhaus [....]
der ES III Lärmmessungen vor. Die Messungen erfolgten vor Veröffentli-
chung der Vollzugshilfe und der ETH-Studie. Die Messungen wurden am
geöffneten Fenster und teilweise auf der Terrasse der Liegenschaft [....]
vorgenommen. Aufgrund der Fotos ist davon auszugehen, dass die Mes-
sungen bei der Wohnung [....] vorgenommen worden sind. Für den Stun-
denschlag wurde bei der [....] (Wohnung 2) ein LAFmax,aussen von 74 dB(A),
an der [.....] (Wohnung 1) ein solcher von 79 dB(A) bis 80 dB(A) und bei
der Liegenschaft [....] (Wohnung 3) ein LAFmax,aussen von 66 dB(A) gemes-
sen.
Das von der Vorinstanz beigezogene Akustikbüro ermittelte anhand dieser
Messungen die Mittelwerte des LAFmax,aussen für den Stundenschlag. In der
R3.2016.00196 Seite 16
Wohnung 1 beträgt dieser 79,8 dB(A), in der Wohnung 2 73,9 dB(A) und in
der Wohnung 3 66,3 dB(A). Für die Eruierung des LAF,max,innen am Ohr einer
schlafenden Person wurden von diesen Werten 15 dB(A) in Abzug ge-
bracht, da von einem leicht geöffneten, also gekipptem Fenster ausgegan-
gen wurde. Für den LAF,max, innen der drei Liegenschaften wurden folgende
Werte ausgewiesen:
Wohnung 1 64,8 dB(A)
Wohnung 2 58,9 dB(A)
Wohnung 3 51,3 dB(A)
Diese Werte wurden alsdann anhand der ETH-Studie und der Vollzugshilfe
beurteilt. Die Lärmbeurteilung für die lärmexponierteste Liegenschaft, Woh-
nung 1, anhand der Vollzugshilfe und der ETH-Studie fiel daher wie folgt
aus:
Anlagecharakteristiken
Lärmsituation Kirchenglocken
Rechtliche Einordnung USG öffentliche oder konzessionierte Anlage
Rechtliche Einordnung Alte Anlage
Quellencharakteristiken Wertung
Störungszeit In der Nacht
Aufwachreaktionen WAR/Nacht >=1 2
Empfängercharakteristiken Wertung
Empfindlichkeitsstufe III -1
Sensible Personen Keine 0
Örtliche Gegebenheiten, Lärmvor-
belastung
der ES entsprechender Hintergrundpegel 0
Ergebnis Wertung
Störend (zwischen PW und IGW)
Vorsorgliche Massnahmen prüfen
prüfen
1
Bei der Wohnung 1 ist mit ein bis zwei zusätzlichen Aufwachreaktionen
(AWR) zu rechnen, was einem Gewichtungsfaktor von + 2 entspricht. Bei
der Wohnung 2 ist gemäss der vorstehend wiedergegebenen Grafik mit
ca. einer und bei der Wohnung 3 mit weniger als einer AWR zu rechnen.
Der ebenfalls für die Lärmbeurteilung massgebliche Umgebungslärm wurde
als für die ES III üblicher Lärm beurteilt.
R3.2016.00196 Seite 17
Die Rekurrierenden sind der Auffassung, dass die örtlichen Gegebenheiten
falsch beurteilt worden seien, sei doch bei ihrem Grundstück die lärmige
Forchstrasse kaum zu hören. Anlässlich des Lokaltermins waren die
[...]strasse und die [....]strasse im Bereich der rekurrentischen Grundstücke
wenig befahren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Gewerbebetriebe
(grössere und kleinere Ladengeschäfte) nördlich der rekurrentischen
Grundstücke angesiedelt sind und die Kunden grossmehrheitlich von Nor-
den her über die [....]strasse anreisen und daher die rekurrentischen
Grundstücke nicht passieren. Es ist jedoch nichts ungewöhnliches, dass in
Wohn- und Gewerbezonen Gewerbebetriebe nicht gleichmässig über die
gesamte Zone verteilt sind, sondern sich diese oft an einem Ort massieren.
Namentlich nachts ist es gerade bei Wohn- und Gewerbezonen nach Be-
triebsschliessung oft ruhig. Ausserordentliche Umstände, welche eine vom
Gutachten abweichende Beurteilung der örtlichen Gegebenheiten rechtfer-
tigen würden, liegen mithin nicht vor. Die vorstehend wiedergegebene
Lärmbeurteilung für die Wohnung 1 ist somit nicht zu beanstanden.
4.6.4.
In der Folge liess die Vorinstanz Lärmmessungen in der ES II vornehmen.
Gemessen wurde dabei am [....] (Messpunkt 4), an der [....] (Messpunkt 5)
und an der [....] (Messpunkt 6). Daraus resultierten die folgenden durch-
schnittlichen LAF,max:
MP 4 MP 5 MP 6
Mitte des offenen Fensters 73,8 dB(A) 65,3 dB(A) 56,1 dB(A)
Innen, bei geöffnetem Fenster 72,0 dB(A) 56,5 dB(A) 50,0 dB(A)
Innen bei spaltbreit geöffnetem
oder gekipptem Fenster
59,6 dB(A) 47,0 dB(A) 40,2 dB(A)
Die Rekurrierenden erachten diese Messungen deshalb als nicht nachvoll-
ziehbar, weil die Werte des Messpunktes 4 unterhalb jener der Wohnung 1
liegen, obschon die Liegenschaften nur 25 m voneinander entfernt sind.
Das von der Vorinstanz beigezogene Akustikbüro nahm hierzu Stellung. Es
führte aus, die Differenz sei darauf zurückzuführen, dass bei der Woh-
nung 1 wegen der Dachvorsprünge und der verglasten Sitzplatzabdeckung
Reflexionen resultiert seien, welche beim gemessenen Immissionspegel
rund 3 dB(A) ausgemacht hätten. Zudem weise der Messpunkt 4 einen
rund 9 m grösseren Abstand zum Kirchturm aus, was einem Unterschied
von rund 1,2 dB(A) entspreche. Des Weiteren sei die Schallausbreitung zu
den beiden Messpunkten nicht dieselbe. Einerseits sei die Abschirmung
R3.2016.00196 Seite 18
des Glockenturms je nach Abstrahlung verschieden und andererseits könn-
ten Reflexionen an den umliegenden Liegenschaften zu Pegelunterschie-
den führen. All dies erkläre die unterschiedlichen Immissionspegel für die
beiden Messorte. Bei Messpunkt 4 sei während vier Nächten gemessen
worden. Die Immissionen seien deshalb nicht stets gleich hoch ausgefallen,
weil Wind- und Temperaturverhältnisse sich auf die Immissionen auswirken
würden. Um diese Einflüsse möglichst gering zu halten, seien 34 Ereignis-
se beurteilt worden. Diese Ausführungen sind nachvollziehbar und decken
sich mit den anlässlich des Lokaltermins gemachten Feststellungen. So
zeigte sich etwa, dass die Öffnungen des Kirchturms gegen die Wohnräu-
me der Liegenschaft [....] gerichtet sind. Die Wohnräume des Messpunktes
4 sind es hingegen nicht (vgl. Prot. S. 10 Foto Nr. 3 und Prot. S. 11 Foto Nr.
5). Es besteht daher kein Anlass, an der Richtigkeit der in der ES II vorge-
nommenen Messungen zu zweifeln.
Für Messpunkt 4 wurden daher zu Recht bei offenem Fenster drei zusätzli-
che Aufwachreaktionen und bei gekipptem Fenster eine zusätzliche Auf-
wachreaktion prognostiziert (vgl. Schema E. 4.6.2). Dies ergab folgende
Lärmbeurteilung:
Anlagecharakteristiken
Lärmsituation Kirchenglocken
Rechtliche Einordnung USG öffentliche oder konzessionierte Anlage
Rechtliche Einordnung Alte Anlage
Quellencharakteristiken Wertung
Störungszeit In der Nacht
Aufwachreaktionen WAR/Nacht >=1 2
Empfängercharakteristiken Wertung
Empfindlichkeitsstufe II 0
Sensible Personen Keine 0
Örtliche Gegebenheiten, Lärmvor-
belastung
der ES entsprechender Hintergrundpegel 0
Ergebnis Wertung
Erheblich störend (zwischen IGW und AW) Massnahmen prüfen (oder
falls keine Massnahmen umsetzbar, Erleichterungen gewähren) prüfen
2
R3.2016.00196 Seite 19
Die streitbetroffene Anlage ist mithin sanierungsbedürftig. Ihre Immissionen
sind folglich derart zu reduzieren, dass sie unter den Immissionsgrenzwert
fallen. Des Weiteren sind Massnahmen im Sinne des Vorsorgeprinzips zu
prüfen (vgl. Art. 13 LSV). Es gilt daher nachfolgend zu untersuchen, ob sich
die von der Vorinstanz getroffenen Lärmminderungsmassnahmen als hin-
reichend erweisen.
4.6.5.
Die Rekurrierenden erachten die verfügte Reduktion schon deshalb als un-
zureichend, weil auf die Immissionen bei geöffnetem und nicht bei gekipp-
tem Fenster abzustellen sei. Dem kann nicht gefolgt werden. Zwar ist ge-
mäss Art. 39 Abs. 1 LSV in der Mitte des offenen Fensters zu messen. Die-
se Norm ist aber auf Lärmimmissionen zugeschnitten, für welche in den
Anhängen der LSV durch den Bundesrat Grenzwerte festgelegt worden
sind. Es handelt sich dabei um Geräusche, welche als unerwünschte Ne-
benwirkung einer bestimmten Tätigkeit auftreten. Sind hingegen wie hier
Immissionen zu prüfen, die den eigentlichen Zweck einer bestimmten Tä-
tigkeit ausmachen, ist es angebracht, den unterschiedlichen Situationen mit
stärkeren und schwächeren Lärmbelastungen Rechnung zu tragen (vgl.
BRGE II Nr. 0193/2015, E., 5.3.3, vom 15. Dezember 2015,
www.baurekursgericht-zh.ch; Alain Griffel, Heribert Rausch; in: Kommentar
zum Umweltschutzgesetz, Ergänzungsband zur 2. Auflage, Zürich 2011,
Art. 15 Rz. 27). Daran ändern auch die von den Rekurrierenden genannten
Bundesgerichtsentscheide nichts (BGr 1C_331/2011 vom 30. November
2011, BGE 142 II 100 vom 16. März 2016, www.bger.ch). In beiden Bun-
desgerichtsentscheiden waren nämlich nicht etwa Immissionen zu prüfen,
die in den Anhängen der LSV nicht normiert sind, sondern es ging um die
Beurteilung der vom Flughafen Kloten bzw. von einer Industriezone ausge-
hende Immissionen (vgl. Anhänge 5 und 6 LSV). Anders als hier waren
mithin unerwünschte Nebenwirkungen einer bestimmten Tätigkeit zu würdi-
gen. Nicht ersichtlich ist sodann, inwiefern aus der ETH-Studie eine Abkehr
von der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung abgeleitet werden
soll. Es kann daher festgehalten werden, dass die bei gekipptem Fenster
gemessenen Werte für die Beurteilung der von der Vorinstanz verfügten
Lärmreduktion massgeblich sind.
Die von der Vorinstanz verfügte Lärmreduktion um 10 dB(A) führt mithin bei
der lärmexponiertesten Wohnung der ES II (Messpunkt 4) zu einem durch-
schnittlichen LAF,max,innen von 49,6 dB(A). Dies entspricht weniger als einer
R3.2016.00196 Seite 20
zusätzlichen Aufwachreaktion. Mit der Reduktion des Lärmpegels geht folg-
lich auch eine Verbesserung der Schlafsituation einher. Dasselbe gilt für die
den Immissionen am stärksten ausgesetzte Wohnung (Wohnung 1) der
ES III. Die verfügte Massnahme führt dort zu einem durchschnittlichen
LAF,max,innen von 54,8 dB(A), was einer zusätzlichen Aufwachreaktion ent-
spricht, weshalb auch hier eine Reduktion der zusätzlichen Aufwachreakti-
onen erzielt wird. An der gesamthaften lärmrechtlichen Beurteilung für die
ES III ändert sich hingegen nichts, schlägt doch die eine zusätzliche Auf-
wachreaktion nach wie vor mit einem Gewichtungsfaktor von +2 zu Buche.
Hingegen führt die Massnahme in der ES II dazu, dass bei den Aufwachre-
aktionen lediglich noch ein Gewichtungsfaktor von +1 anfällt, weshalb auch
hier mit dieser Massnahme die Immissionen nur noch als störend und somit
zwischen den Planungs- und den Immissionsgrenzwerten liegen werden,
womit Art. 13 Abs. 3 LSV entsprochen wird. Unzutreffend ist das rekurrenti-
sche Vorbringen, wonach in der ES II nur keine erheblichen Störungen zu-
lässig seien und mithin die Planungswerte einzuhalten seien. Altanlagen
dürfen vielmehr auch in der ES II grundsätzlich Immissionsgrenzwerte er-
reichen und mithin störend wirken.
4.6.6.
Zu prüfen ist noch, ob weitergehende Massnahmen gestützt auf das Vor-
sorgeprinzip zu ergreifen waren (vgl. Art. 13 Abs. 2 lit. a LSV). Gemäss
dem Vorsorgeprinzip sind Emissionen so weit zu begrenzen, als dies tech-
nisch und betrieblich möglich und auch wirtschaftlich tragbar ist. Da hier die
von einer kirchlichen Anlage ausgehenden Immissionen zu beurteilen sind,
ist der Aspekt der wirtschaftlichen Tragbarkeit durch eine Verhältnismäs-
sigkeitsprüfung zu ersetzen. Im Rahmen einer solchen Prüfung mass das
Bundesgericht in mehreren Präjudizien, welche vor Publikation der ETH-
Studie ergingen, dem Interesse an der Beibehaltung der Tradition des Glo-
ckengeläuts grösseres Gewicht zu als dem Ruhebedürfnis einzelner (vgl.
etwa anstatt vieler BGr 1A.159/2005 vom 20. Februar 2006, www.bger.ch).
Als Indiz für die lokale Verankerung stützte sich das höchste Gericht in sei-
nem Entscheid vom 18. Januar 2010 (BGr 1C_297/2009, www.bger.ch)
auch auf die Bevölkerungsmeinung, welche sich in vorgenommenen Mei-
nungsumfragen niedergeschlagen hatte. In seinem letztgenannten Ent-
scheid trug das Bundesgericht dabei auch dem Umstand Rechnung, dass
ein verhältnismässig kleiner Kreis von betroffenen Anwohnern vorlag. Das
Baurekursgericht erwog unter Anwendung der Vollzugshilfe in seinem Ent-
R3.2016.00196 Seite 21
scheid vom 15. Dezember 2015 (BRGE II Nr. 0193/2015), in welchem so-
wohl der Viertelstundenschlag als auch die Zeitangabe strittig waren, dass
auf den Viertelstundenschlag zu verzichten sei. Damit würden weniger zu-
sätzliche Aufwachreaktionen anfallen und gleichzeitig werde mit dem Erhalt
der Stundenschläge (Zeitangabe) der Tradition weiterhin Rechnung getra-
gen. Soweit ersichtlich sind noch keine, gestützt auf die neue ETH-Studie
gefällte Bundesgerichtsentscheide ergangen.
Zweifelsohne wäre vorliegend das Einstellen des Stundenschlags mit kei-
nem erheblichen Aufwand verbunden. Dies liesse sich einfach bewerkstel-
ligen. Jedoch gilt es zu berücksichtigen, dass die strittigen Immissionen
nicht eine unerwünschte Nebenerscheinung, sondern den eigentlichen
Zweck des Glockengeläuts darstellen. Dem Lärmgutachten zufolge ist bei
zehn bis 26 Liegenschaften – wird auf die bisherigen Lärmimmissionen ab-
gestellt – mit lärmrechtlich erheblichen Störungen zu rechnen (vgl. Lärm-
gutachten der YZ AG, act. 25.8, S. 20). Es ist davon auszugehen, dass als
Folge der von der Vorinstanz verfügten Lärmreduktion die Anzahl betroffe-
ner Liegenschaften weiter abnehmen wird. Bei der Mehrheit der zur Ge-
meinde gehörenden Liegenschaften sind mithin nicht lärmrechtlich relevan-
te Immissionen zu erwarten. Die private Rekursgegnerin führte nach der im
Mai 2013 erfolgten Versuchsphase eine schriftliche Umfrage durch (act.
32). Darin sprachen sich 43 Personen für die Zeitansage nachts und 63
gegen diese aus. Wie sich aus der Auswertung der Umfrage ergibt, setzten
sich die Befürworter des nächtlichen Glockenschlags aus 13 Personen zu-
sammen, die in einem Abstand von bis zu 150 m zur Kirche wohnten. Die
weiteren 30 hingegen wohnten 150 m bis 400 m von der Kirche entfernt.
Am 13. Juni 2013 fand sodann eine Kirchgemeindeversammlung statt, an
welcher rund 150 Personen teilnahmen, darunter auch Angehörige anderer
Konfessionen und Konfessionslose. An dieser Veranstaltung sprachen sich
fast 75 % der Teilnehmer für den Erhalt des nächtlichen Stundenschlags
aus. Etwas mehr als die Hälfte wollte gar am Viertelstundenschlag festhal-
ten. In etwa gleich viele gaben sodann zu Protokoll, dass sie sich mit einer
Abschaffung des Stundenschlags nicht abfinden könnten.
Obschon der Stundenschlag der Kirchenglocken in der heutigen Zeit, in
welcher jeder Haushalt über mehrere Uhren verfügt, an Bedeutung verloren
hat, zeigen die getätigten Abklärungen klar auf, dass rund die Hälfte aller
teilnehmenden Personen mit dieser Tradition noch eng verbunden ist.
Wenn die ortskundige Baubehörde daher erwogen hat, dass ein nicht uner-
R3.2016.00196 Seite 22
hebliches öffentliches Interesse am Erhalt des nächtlichen Stundenschlags
vorliegt, so ist dies nicht zu beanstanden. Der Verzicht auf den nächtlichen
Stundenschlag wäre angesichts dieser Akzeptanz und dem Umstand, dass
eine geringe Anzahl Liegenschaften von den Immissionen in lärmrechtlich
relevantem Ausmass betroffen sind, unverhältnismässig. Ebenfalls nicht
angebracht ist eine weitere Reduktion der Schallintensität. Mit der verfügten
Reduktion um 10 dB(A) wird erreicht, dass sowohl in der ES II als auch in
der ES III nicht mit mehr als einer zusätzlichen Aufwachreaktion zu rechnen
ist. Dies bedeutet namentlich in der ES III, in welcher die Rekurrierenden
wohnen, eine deutliche Verbesserung. Bis anhin war mit ein bis zwei zu-
sätzlichen Aufwachreaktionen zu rechnen. Wird in Betracht gezogen, dass
bei mehr als einer zusätzlichen Aufwachreaktion gesundheitliche Be-
schwerden auftreten können, bedeutet die verfügte Lärmreduktion um
10 dB(A) eine deutliche Verbesserung der Situation (vgl. Sarah Omlin/Mark
Brink; Awakening effects of church bell noise; Geographical extrapolation of
the results of a polysomnographic field study, Noise Health 2013; 15:332-
41). Hinzu kommt, dass die Gemeinde über ein weitläufiges Gebiet verfügt,
selbst wenn der etwas abseits gelegene Weiler Esslingen nicht berücksich-
tigt wird. Angesichts der Akzeptanz des Glockengeläuts besteht durchaus
auch ein öffentliches Interesse daran, einen möglichst grossen Teil des
Gemeindegebiets an dieser Tradition teilhaben zu lassen. Der angefochte-
ne Beschluss ist hinsichtlich des nächtlichen Stundenschlags daher nicht
zu beanstanden. Die Vorinstanz hat vielmehr im angefochtenen Beschluss
unter Beizug aller massgeblichen Umstände eine sorgfältige Interessenab-
wägung vorgenommen. Der Umstand, dass ein die Lärmklagen unterstüt-
zendes Baubehördenmitglied, welches selbst gegen die geänderte Läute-
ordnung Rekurs bei der Bezirkskirchenpflege erhoben hatte (act. 25.98), an
der Beschlussfassung nicht teilgenommen hat, zeugt von einer umsichtigen
Beschlussfassung. Entgegen rekurrentischer Auffassung war nämlich die
Nichtteilnahme des besagten Mitglieds an der Beschlussfassung gestützt
auf § 5a VRG geradezu geboten.
4.6.7.
Die Rekurrierenden erachten sodann die für das Anbringen des neuen
Klöppels angesetzte Frist als zu lange. Den Rekurrierenden ist dahinge-
hend zuzustimmen, dass das Anbringen des Klöppels durchaus weniger
Zeit beanspruchen dürfte. Indes gilt es zu berücksichtigen, dass innert
sechs Monaten ab Rechtskraft des Entscheids nicht nur diese Massnahme
zu ergreifen ist, sondern auch die Kontrollmessungen durchzuführen sind.
R3.2016.00196 Seite 23
Für die Anbringung des neuen Klöppels stehen mithin der privaten Rekurs-
gegnerin weniger als sechs Monate zur Verfügung. Die verfügte Frist ist
daher nicht zu beanstanden.
4.6.8.
Die Rekurrierenden erachten es sodann als unangebracht, die Lärmmes-
sungen beim Gebäude [....] durchzuführen, weil dort ein Mitglied der Kirch-
gemeinde wohne. Die Rekurrierenden verkennen dabei, dass die Lärm-
messungen nicht durch die Bewohner, sondern durch ein von der privaten
Rekursgegnerin beauftragtes Akustikbüro vorzunehmen sein werden. An
der Objektivität desselben von vornherein zu zweifeln und die EMPA zu
beauftragen, besteht kein Anlass. Sodann ist auch gegen Kontrollmessun-
gen beim Messpunkt 5 nichts einzuwenden. Treten bei diesem wegen des
neuen Klöppels Lärmreduktionen in einem gewissen Umfang ein, reduzie-
ren sich im gleichen Ausmasse auch die Lärmimmissionen bei den übrigen
Immissionsorten.
4.6.9.
Insoweit die Rekurrierenden den angefochtenen Beschluss als lückenhaft
empfinden, weil dieser den vom nächtlichen Stundenschlag einzuhaltenden
durchschnittlichen LAF,max nicht benenne, kann ihnen ebenfalls nicht gefolgt
werden. Wie hoch die durchschnittlichen LAF,max heute bei den Messpunk-
ten 4 und 5 [....] in der Mitte des offenen Fensters und innen bei vollständig
bzw. bei spaltbreit geöffnetem Fenster sind, ergibt sich klar aus dem Gut-
achten vom 16. November 2015. Dieses war auch Grundlage für den ange-
fochtenen Beschluss und wird in diesem auch mehrfach zitiert. Es ist daher
hinreichend klar, wie hoch der durchschnittliche LAF,max nach Austausch des
Klöppels höchstens ausfallen darf. Unmassgeblich wird dabei sein, ob in-
nen oder aussen gemessen wird, da eine Reduktion des LAF,max,aussen eine
entsprechende Reduktion des LAF,max, innen zur Folge hat und umgekehrt.
5.1.
Die Rekurrierenden wenden sich des Weiteren gegen das sog. Abendläu-
ten, welches samstags und sonntags um 19:01 während 14 Minuten ertönt.
Auch hierzu machen sie geltend, die Vorinstanz habe ungenügend abge-
klärt, ob die Lautstärke und die Dauer des Abendläutens nach wie vor all-
gemein geschätzt würden. Die fünfte und schwerste Glocke sei erst im Jah-
re 1956 eingebaut worden. Der Einbau und damit eine Erhöhung der Laut-
R3.2016.00196 Seite 24
stärke sei einzig deshalb erfolgt, weil damals Sport und Vergnügen nach
Meinung der Kirche die Bevölkerung abgelenkt und die Kirche den Wunsch
gehegt habe, mehr Kirchenbesucher anzulocken. Die Anwohner der Kirche
würden heute an den Wochenenden insgesamt während mindestens
42 Minuten (Einläuten des Gottesdienstes, Hochzeiten, etc.) beschallt. Ent-
gegen vorinstanzlicher Auffassung würde eine Verkürzung des Abendläu-
tens sehr wohl eine Reduktion der Störung mit sich bringen. Bei einer Dau-
er von 14 Minuten sei es den Anwohnern nicht möglich, gemütlich zu es-
sen, zu lesen oder sich zu unterhalten. Die aufgenommenen Tätigkeiten
müssten vielmehr abgebrochen werden und die Anwohner müssten sich ins
Gebäudeinnere begeben. Hingegen könnte bei einer nur vierminütigen Stö-
rung durchaus das Ende derselben abgewartet werden. Ein Abbruch der
aufgenommenen Tätigkeit sei alsdann nicht notwendig. Der von der Vorin-
stanz beigezogene Gutachter habe das Geläut als "sehr laut" qualifiziert.
Das Geläut beeinträchtige die abendliche Erholung und Besinnlichkeit.
Gemäss Rechtsprechung dürften nur in Ausnahmefällen Erleichterungen
gesprochen werden. Dies treffe auf ein wöchentlich eintretendes Ereignis
nicht zu.
5.2.
Die Vorinstanz und die private Rekursgegnerin halten dem entgegen, we-
gen des ländlichen Charakters gehöre das Glockengeläut zum Brauchtum.
Auch werde unbestrittenermassen seit mindestens 60 Jahren mit fünf Glo-
cken geläutet. Die streitbetroffene Kirche sei eine der ältesten bauhistori-
schen Zeugen der Gemeinde. Die umliegenden Wohnhäuser seien alle
später gebaut worden. Zudem könnten sich die unmittelbaren Anwohner
auf das Geläut einstellen, ohne substantiell an Lebensqualität zu verlieren.
Würde dem rekurrentischen Antrag gefolgt, würde dies zu einer empfindli-
chen Beeinträchtigung einer althergebrachten Tradition führen, die in der
christlich geprägten Gesellschaft und in der massgeblichen ländlichen Ge-
meinde nach wie vor eine hohe Bedeutung habe und von einem Grossteil
der Bevölkerung geschätzt werde. Da die Gemeinde über drei Ortsteile ver-
füge, müsse das Geläut eine gewisse Intensität aufweisen, um überall ge-
hört zu werden.
5.3.
Auch für das Abendläuten, welches wie die Zeitverkündung zum bürgerli-
chen Läuten zu zählen ist (vgl. VB.2007.00214 vom 6. Mai 2009,
R3.2016.00196 Seite 25
www.vgr.zh.ch) sind die Lärmimmissionen im Einzelfall nach den Kriterien
der Art. 15, 19 und 23 USG zu bewerten (Art. 40 Abs. 3 LSV). Die Voll-
zugshilfe des BAFU kann auch hier wieder herangezogen werden.
Anlässlich des Lokaltermins konnte sich die 3. Abteilung des Baurekursge-
richts an verschiedenen Standorten einen Eindruck über die Tonalität und
die Lautstärke des Geläuts machen. Dabei wurde festgestellt, dass nicht al-
le Glocken gleichzeitig zu läuten beginnen. Die Lautstärke steigt vielmehr
kontinuierlich an und ist nach rund zwei Minuten, nachdem auch die letzte
und grösste Glocke eingeschaltet worden ist, am lautesten. Gegen Ende
des Geläuts nimmt dann die Lautstärke wieder kontinuierlich ab, werden
doch von der grössten Glocke ausgehend die Glocken nacheinander aus-
geschaltet. Das Geläut wurde von der Rekursinstanz als "laut" empfunden.
Gleichzeitig wurde festgestellt, dass selbst die grösste Glocke keine stö-
rende Tonalität aufweist. Die Klänge der einzelnen Glocken sind vielmehr
aufeinander abgestimmt. Sie bewirken beim Zusammenspiel ein stim-
mungsvolles Geläut.
Der von der Vorinstanz beigezogene Akustiker beurteilte für die ES II und
für die ES III auch das Abendgeläut anhand der Vollzugshilfe. Diese sieht
wie für die nächtliche Zeitansage verschiedene Kategorien und Gewich-
tungsfaktoren für die Beurteilung der Lärmimmissionen vor. Der Gutachter
bewertete das Glockengeläut in der ES II bei Messpunkt 4 als "sehr laut"
(bei den weiteren Messpunkten als "laut") und in der ES III als "laut bis sehr
laut". Für die ES II ergibt dies folgendes Bild:
Anlagecharakteristiken
Lärmsituation Kirchenglocken
Rechtliche Einordnung USG öffentliche oder konzessionierte Anlage
Rechtliche Einordnung Alte Anlage
Quellencharakteristiken Wertung
Störungszeit In sensiblen Tageszeiten 1
Wahrnehmbarkeit Sehr laut 3
Häufigkeit Selten 0
Charakter des Lärm Sehr stark ton- und impulshaltig 2
Empfängercharakteristiken Wertung
Empfindlichkeitsstufe II 0
R3.2016.00196 Seite 26
Sensible Personen Keine 0
Örtliche Gegebenheiten,
Lärmvorbelastung
der ES entsprechender Hintergrundpegel 0
Ergebnis Wertung
Erheblich störend (zwischen IGW und AW) Massnahmen prüfen (oder
falls keine Massnahmen umsetzbar, Erleichterungen gewähren) prüfen
2
Für die ES III fiel die Beurteilung einzig in der Kategorie "Empfindlichkeits-
stufe" anders aus, nämlich mit einem Gewichtungsfaktor von -1, was dazu
führte, dass hier die Immissionen als zwischen den Planungs- und Immissi-
onsgrenzwerten liegend angenommen wurden, so dass für die ES III einzig
Massnahmen im Sinne des Vorsorgeprinzips zu prüfen wären. Würde das
Geläut hingegen abweichend vom Gutachten lediglich als "laut" umschrie-
ben, schlägt der entsprechende Gewichtungsfaktor ("Wahrnehmbarkeit")
mit +2 zu Buche. Unter Berücksichtigung aller übrigen Faktoren ergäbe
dies für die ES II eine Gesamtsumme (Wertung) von 1,67, was gleichbe-
deutend mit Immissionen zwischen den Planungs- und den Immissions-
grenzwerten wäre. In der ES III ergäbe dies gar die Einhaltung der Pla-
nungswerte (Gesamtsumme 0,67). Wird hingegen wie im Gutachten auf ein
"sehr lautes" Geläut angenommen und auf die ES II abgestellt, liegt mithin
auch hinsichtlich des Abendläutens ein Sanierungsfall vor.
Das Baurekursgericht hat in seinem Entscheid vom 15. Dezember 2015
erwogen, Lärmkläger könnten sich einzig gegen die Lärmimmissionen bei
ihre eigenen Liegenschaften zur Wehr setzen (BRGE II Nr. 0193/2015,
www.baurekursgericht-zh.ch). Daran ist festzuhalten. Aber selbst wenn die
Immissionen in der ES II berücksichtigt würden und ein Sanierungsfall an-
genommen würde, ist der vorinstanzliche Entscheid nicht zu beanstanden.
Wie bereits vorstehend erwähnt wurde, können sanierungspflichtigen Anla-
gen Erleichterungen gewährt werden. Art. 17 USG ermöglicht es den Voll-
zugsbehörden, Ausnahmen vom Gesetz zu gewähren, was einzig gestützt
auf das Verhältnismässigkeitsprinzip nicht zulässig wäre. Die sich entge-
genstehenden Interessen sind dabei gegeneinander abzuwägen (André
Schrade/Heidi Wiestner, Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl.,
Hrsg. Vereinigung für Umweltrecht/Helen Keller, Zürich 1998 ff., Art. 17
Rz.11 ff.).
Es ist daher entgegen rekurrentischer Auffassung durchaus zulässig, dass
wiederkehrende Ereignisse von der Erleichterung profitieren, wird diese
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doch der Anlage zugesprochen und wird für deren Erteilung nicht ein selte-
nes Ereignis vorausgesetzt. Nach Art. 14 Abs. 1 LSV gewährt die Behörde
Erleichterungen, soweit die Sanierung unverhältnismässige Betriebsein-
schränkungen oder Kosten verursachen würde (Bst. a) oder wenn überwie-
gende Interessen namentlich des Ortsbild-, Natur- und Landschaftsschut-
zes, der Verkehrs- und Betriebssicherheit sowie der Gesamtverteidigung
der Sanierung entgegenstehen (Bst. b).
Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, fällt das Abendläuten zwar in eine
sensible Zeit der Tagphase, doch können sich die Anwohner auf das Ge-
läut einstellen. Auch konnte anlässlich des Lokaltermins festgestellt wer-
den, dass bereits im Gebäudeinnern die Immissionen nicht mehr als "er-
heblich störend" zu beurteilen sind. Im Weiteren bringt die Rekursgegner-
schaft zu Recht vor, dass das Abendläuten am Samstag- und Sonntag-
abend in der christlichen Welt von grosser Tradition ist. Dabei ist diese Tra-
dition keineswegs nur auf die ländlichen Gebiete beschränkt. Selbst städti-
sche Gemeinden, wie etwa Thalwil und die rund 13'000 Einwohner zählen-
de Gemeinde Meilen kennen das Ein- und Ausläuten des Sonntags mit al-
len Glocken und in vergleichbarer Länge (www.kirchemeilen.ch,
www.kirche-thalwil.ch). Auch in der hier massgeblichen Gemeinde wird das
streitbetroffene Geläut unbestrittenermassen seit 60 Jahren in der heutigen
Form ausgeübt. Dass dieses in der Bevölkerung verankert ist, zeigen die
Resultate der bereits genannten Umfrage und der Kirchgemeindeversamm-
lung auf. Die Teilnehmer beider Umfragen wurden u.a. angefragt, ob sie ei-
ner Reduzierung des Ein- und Ausläutens von 14 auf neun Minuten zu-
stimmen würden und beide Male sprachen sich 50 % der Angefragten für
das Beibehalten des 14-minütigen Geläuts aus. Zwar mag es sein, dass
der Sonntagabend um 19 Uhr für viele Personen eine besinnliche Zeit ist.
Jedoch ist es gerade auch Sinn und Zweck des Ein- und Ausläuten des
Sonntags, die Bevölkerung auf den für das Christentum wichtigen Sonntag
aufmerksam zu machen und die Bevölkerung zum Nachdenken anzuregen.
Wenn die Vorinstanz angesichts all dieser Umstände hinsichtlich des sams-
täglichen und sonntäglichen Abendläutens in seiner bisherigen Form fest-
gehalten hat und damit eine Erleichterung im Sinne von Art. 17 USG erteilt
hat, ist dies nicht zu beanstanden.
Für die ES III sprächen die nämlichen Überlegungen gegen das Ergreifen
lärmreduzierender Massnahmen gestützt auf das Vorsorgeprinzip.
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Es kann daher festgehalten werden, dass hinsichtlich des Ein- und Ausläu-
ten des Sonntags keine lärmmindernden Massnahmen zu ergreifen sind.
6.
Die rekurrentischen Vorbringen sodann, wonach wegen der Messung bei
gekipptem Fenster und der unklaren Ausgangswerten gegen Art. 6 EMRK
verstossen worden sei, kann aufgrund des vorstehend Dargelegten nicht
gefolgt werden. Inwiefern die Immissionen gegen Art. 8 EMRK und Art. 14
EMRK sowie gegen die Kinderschutzkonvention verstossen sollen, wird
von den Rekurrierenden nicht substantiiert, weshalb nicht darauf einzuge-
hen ist. Im Übrigen ergibt sich aus den vorstehenden Ausführungen, dass
die lärmrechtliche Beurteilung der Vorinstanz nicht zu beanstanden ist.
7.1.
Weiter ist das rekurrentische Vorbringen zu prüfen, wonach dem Rekurren-
ten A. E. die Kosten für das von ihm in Auftrag gegebene Gutachten zu-
rückzuerstatten seien. Der von der Vorinstanz beigezogene Gutachter habe
nämlich für die Beurteilung der in der ES III anfallenden Immissionen auf
jenes Gutachten abgestellt. Dieses sei mithin Teil der von der Baukommis-
sion vorgenommenen Sachverhaltsabklärung. Des Weiteren beinhalte die
Rechnung auch eine Aufwendung, welche die private Rekursgegnerin in
Auftrag gegeben habe. Diese habe ihn nämlich an die Kirchgemeindever-
sammlung vom 13. Juni 2013 eingeladen, an welcher er auch ein Referat
gehalten habe.
7.2.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, dass nach ständiger Rechtsprechung
und Lehre Privatgutachten nicht entschädigungspflichtig seien. Zwar sei im
Gutachten der YZ AG auf das vom Rekurrenten veranlasste Lärmgutachten
Bezug genommen worden. Dies habe aber die Sachverhaltsabklärung nicht
nennenswert erleichtert. Da das Privatgutachten von der privaten Rekurs-
gegnerin stets bestritten worden sei, habe eine umfassende und unabhän-
gige Neubeurteilung durch die YZ AG vorgenommen werden müssen. Der
Vortrag anlässlich der Kirchgemeindeversammlung habe ohnehin nichts zur
Sachverhaltsermittlung beigetragen, weshalb dieser Aufwand dem Rekur-
renten nicht zurückzuerstatten sei.
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7.3.
Die private Rekursgegnerin ist sodann der Auffassung, der von der Baube-
hörde beigezogene Akustiker habe sich einzig mit dem Privatgutachten
auseinandergesetzt. Dieses sei keineswegs Bestandteil des behördlichen
Gutachtens geworden.
7.4.
Die Gebührenverordnung zum Vollzug des Umweltrechts (GebV UR) ist für
die Beurteilung dieses Rechtsbegehrens nicht einschlägig, findet die Ver-
ordnung doch einzig auf Amtshandlungen der Behörden und Verwaltungs-
stellen von Kanton und Gemeinden Anwendung, die gestützt auf Vorschrif-
ten über den Schutz der Umwelt vorgenommen werden (§ 1 GebV UR).
Zu prüfen ist daher noch, ob gestützt auf § 17 VRG der rekurrentische An-
spruch begründet ist. Diese Norm regelt abschliessend die Entschädi-
gungsansprüche, welche die Verfahrensbeteiligten im Verwaltungs- und
Verwaltungsrechtspflegeverfahren für die von ihnen aufgewendeten Kosten
geltend machen können (vgl. Alain Griffel, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zü-
rich/Basel/Genf 2014, § 17 Rz. 6). Ausschlaggebend ist dabei der Um-
stand, dass die vorliegend strittigen Kosten nicht im Rahmen des Rekurs-
verfahrens, sondern für das Verfahren vor der kommunalen Behörde ange-
fallen sind. Während nämlich im Rahmen von Rekursverfahren getätigte
Aufwendungen für Parteigutachten unter gewissen Voraussetzungen ent-
schädigt werden können (vgl. Alain Griffel, § 17 Rz. 77.), entfällt ein solcher
Anspruch bei Verfahren vor den Verwaltungsbehörden von vornherein
(§ 17 Abs. 1 VRG). Aus Art. 9 der Bundesverfassung (BV) sodann ergibt
sich der Anspruch auf eine Parteientschädigung im Verwaltungsverfahren
nur, wenn die Abweisung des Entschädigungsbegehrens einer privaten
Partei gegenüber dem Gemeinwesen in stossender Weise dem Gerechtig-
keitsempfinden zuwiderliefe (Alain Griffel, § 17 Rz 12). Ein solcher Fall liegt
indes nicht vor. Lärmklagen können unabhängig von Lärmgutachten erho-
ben werden. Es ist alsdann Sache der Gemeinde, den Sachverhalt abzu-
klären. Wenn der Rekurrent vor Erhebung seiner Lärmklage von sich aus
Sachverhaltsermittlungen getroffen hat, so hat er die entsprechenden Kos-
ten folglich selber zu tragen.
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8.