Decision ID: 9a83dd89-e8f7-4405-a8b7-22ff3259fc5c
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb am 25. Februar 2009 den Führerausweis der Kategorie B auf Probe.
Wegen nicht angepasster Geschwindigkeit und Verursachens eines Selbstunfalls mit
einem Personenwagen, begangen am 25. August 2009, war ihm der Führerausweis
vom 12. April 2010 bis 11. Juni 2010 für die Dauer von zwei Monaten entzogen. Zudem
wurde die dreijährige Probezeit um ein Jahr bis 24. Februar 2013 verlängert.
B.- Am Donnerstag, 1. Juli 2010, traf sich X abends mit drei Bekannten bei der
Autowaschanlage an der A-Strasse in U. Von dort lenkten sie ihre Personenwagen in
wechselnder Reihenfolge über die B-Strasse nach V und weiter nach C. Beim
Dorfausgang C fuhren zwei der Lenker nebeneinander auf der nach S führenden C-
Strasse und beschleunigten auf ein vereinbartes Hupsignal hin ihre Fahrzeuge parallel
bis auf etwa 110 km/h. Anschliessend hielten alle auf einem Parkplatz an der C-Strasse
an und besprachen Beschleunigung und Gangwahl. Anschliessend stellten X den
Personenwagen "BMW M5" mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000, dessen
Kupplung angeblich "am Arsch" war, und ein anderer Beteiligter seinen "BMW M3"
ebenfalls auf die C-Strasse und beschleunigten die Fahrzeuge parallel im ersten und
zweiten Gang bis zu einer Geschwindigkeit von 80-90 km/h in Richtung C. Der Lenker
des "BMW M3", der auf der Gegenfahrbahn fuhr, hatte X nach mehreren hundert
Metern überholt und wechselte auf die rechte Spur. Das Vorgehen wiederholten sie von
C aus in entgegengesetzter Richtung, wobei X wiederum den rechten Fahrstreifen
benutzte. Nachdem einer der Lenker nach 22.00 Uhr einen – zunächst mit in die
Fahrbahn laufenden Katzen begründeten – Unfall verursacht hatte, alarmierte ein
Anwohner die Polizei.
C.- Mit Verfügung vom 26. Oktober 2010 annullierte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen den auf Probe ausgestellten Führerausweis von
X, da er am 1. Juli 2010 eine leichte Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften begangen habe, indem er anlässlich eines
"Beschleunigungsrennens" auf öffentlichen Strassen die erlaubte
Höchstgeschwindigkeit überschritten habe. Einem allfälligen Entzug wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen.
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D.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
10. November 2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge und nach Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung sei die angefochtene Verfügung vom 26. Oktober 2010
ersatzlos aufzuheben, eventualiter die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete am
21. Dezember 2011 auf eine Vernehmlassung.
Mit Strafbescheid vom 20. Dezember 2010 wurde der Rekurrent vom
Untersuchungsamt S wegen mehrfacher Verletzung der Verkehrsregeln begangen
insbesondere durch rasante Beschleunigung beim Anfahren und Nebeneinanderfahren
auf einer Distanz von ca. 800 Metern mit Fr. 400.-- gebüsst. Der Strafbescheid wurde
unangefochten rechtskräftig.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 10. November 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob das Verhalten des Rekurrenten als Lenker des
Personenwagens "BMW M5" mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000 am 1. Juli 2010
ungefähr zwischen 20.00 und 22.00 Uhr auf der C-Strasse zwischen S und C zur
Annullierung des Führerausweises auf Probe führt.
a) Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird
zunächst mit einer Probezeit von drei Jahren erteilt (vgl. Art. 15a Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, abgekürzt: SVG). Wird dem Inhaber der
Ausweis auf Probe wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die Probezeit um ein
Jahr verlängert (Art. 15a Abs. 3 Satz 1 SVG). Der Führerausweis auf Probe verfällt
bis
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gemäss Art. 15a Abs. 4 SVG mit der zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des
Ausweises führt. Die Bestimmung bezweckt, Neulenker, welche noch nicht über die
nötige Reife zum sicheren und verkehrsregelkonformen Führen eines Personenwagens
verfügen, vom Strassenverkehr einstweilen fernzuhalten. Nach dem klaren Wortlaut der
Bestimmung verfällt der Führerausweis auf Probe mit der zweiten zu einem Entzug
führenden Widerhandlung und damit unabhängig von deren Schwere. Er verfällt
deshalb auch dann, wenn es sich beim zweiten Fall um eine leichte Widerhandlung im
Sinn von Art. 16a SVG handelt, die unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände,
insbesondere der Vorgeschichte des Lenkers, den Entzug des Führerausweises nach
sich ziehen würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_202/2010 vom 1. Oktober 2010,
E. 4).
b) Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, der Rekurrent habe am 1. Juli 2010 auf der
öffentlichen C-Strasse zwischen S und C mit dem Personenwagen mit dem amtlichen
Kennzeichen SG 000 anlässlich eines "Beschleunigungsrennens" die erlaubte
Höchstgeschwindigkeit überschritten. Dabei handle es sich um eine leichte
Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG. Der Rekurrent macht
demgegenüber geltend, weder liege eine Geschwindigkeitsüberschreitung vor noch sei
ein Beschleunigungsrennen gefahren worden. Unabhängig davon habe keine erhöhte
abstrakte Gefahr vorgelegen.
c) Gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Die leichte Widerhandlung zieht eine
Verwarnung oder den Entzug des Führerausweises nach sich (vgl. Art. 16a Abs. 2 und
3 SVG). In besonders leichten Fällen wird gemäss Art. 16 Abs. 4 SVG auf jegliche
Massnahme verzichtet. Die Auslegung des besonders leichten Falls orientiert sich an
den Verkehrsregelverletzungen, die nach dem Ordnungsbussengesetz erledigt werden
und ebenfalls keine Administrativmassnahmen nach sich ziehen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_406/2010 vom 29. November 2010 E. 4.2). Die gesetzliche
Obergrenze für Ordnungsbussen liegt bei 300 Franken (Art. 1 Abs. 2 des
Ordnungsbussengesetzes, SR 741.03).
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d) aa) In tatsächlicher Hinsicht steht angesichts der Feststellungen im rechtskräftigen
Strafbescheid vom 20. Dezember 2010 und den Angaben der Beteiligten in den
polizeilichen Befragungen fest, dass der Rekurrent am 1. Juli 2010 zwischen 20.00 Uhr
und 22.00 Uhr auf der C-Strasse zwischen S und C einen "BMW M5" extrem,
zumindest bis zur zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausserorts,
beschleunigt hat, wobei ein anderer Fahrzeuglenker mit einem "BMW M3" auf der
Gegenfahrbahn in die gleiche Richtung gleichermassen vorging, so dass beide
Fahrzeuge über eine Strecke von rund 800 Metern parallel bei Geschwindigkeiten bis
zu 80 km/h unterwegs waren.
In rechtlicher Hinsicht hat die Strafbehörde in diesem Verhalten eine Verletzung der
Verkehrssicherheit durch Missachten des Rechtsfahrgebots gemäss Art. 34 Abs. 1
SVG und Art. 7 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV)
erblickt. Die Vorinstanz ist von einer Teilnahme an einem "Beschleunigungsrennen auf
öffentlicher Strasse" und einer Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit
ausgegangen. Selbst wenn – in Übereinstimmung mit der rechtlichen Würdigung durch
die Strafbehörde – eine Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
ausserorts von 80 km/h nicht erstellt ist und dem Rekurrenten, der auf dem rechten
Fahrstreifen unterwegs war, auch nicht eine Verletzung des Rechtsfahrgebots
angelastet werden kann, war sein Verhalten insoweit verkehrsregelwidrig, als er sein
Fahrzeug beschleunigte und so den beteiligten Fahrzeuglenker zwang, auf der
Gegenfahrbahn zu bleiben. Damit hat er gegen Art. 35 Abs. 7 Satz 2 SVG verstossen,
wonach die Geschwindigkeit nicht erhöhen darf, wer überholt wird. Strafrechtlich
wurde der Rekurrent nicht wegen der Verletzung dieser Bestimmung belangt. In
rechtlicher Hinsicht ist die Verwaltungsbehörde an die Beurteilung der Strafbehörde
gebunden, wenn die rechtliche Würdigung von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter
besser kennt, weil er beispielsweise den Betroffenen persönlich einvernommen hat
(vgl. BGE 124 II 103). Da die Strafbehörde in tatsächlicher Hinsicht festgestellt hat,
dass der Rekurrent und ein weiterer beteiligter Fahrzeuglenker über eine Strecke von
800 Metern beschleunigend nebeneinander gefahren sind, kann der Umstand, dass er
den Rekurrenten nicht wegen Art. 35 Abs. 7 Satz 2 SVG belangt hat, nicht damit
begründet werden, es seien ihm Tatsachen besser bekannt gewesen als den
Administrativbehörden. Vielmehr hat er die Verletzung dieser Verkehrsregel
versehentlich gar nicht in Betracht gezogen. Offen bleiben kann deshalb, ob der
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Rekurrent ein nicht betriebssicheres Fahrzeug – er macht geltend, die Kupplung des
"BMW M5" sei defekt gewesen – in Verkehr gebracht hat.
bb) Mit diesem verkehrswidrigen Verhalten gefährdeten sich die beiden Fahrzeuglenker
in einem Ausmass gegenseitig, das jedenfalls nicht mehr als besonders gering
erscheint. Der Rekurrent hat mit seiner Fahrweise nicht bloss eine abstrakte, sondern
eine konkrete Gefährdung des parallel fahrenden Lenkers in Kauf genommen. Diese
Gefährdung bestand über mehrere hundert Meter, da sich das Nebeneinanderfahren
aus einem Vergleich der Beschleunigungsmöglichkeiten und der fahrerischen
Geschicklichkeit ergab. Bei einer Strecke von 800 Metern, wie sie im Strafbescheid
rechtskräftig festgestellt worden ist, und einer Geschwindigkeit von 80 km/h bewegten
sich die Fahrzeuge auf der zweispurigen Ausserortsstrecke während mehr als einer
halben Minute auf derselben Höhe. Bereits eine geringfügige unwillkürliche
Lenkbewegung hätte unter diesen Umständen zu einem folgenschweren Unfall geführt.
Angesichts des Verlaufs der Strecke im ländlichen Gebiet wäre – wie die vom
verunfallten Beteiligten angeführte Unfallursache zeigt – das Auftreten von Tieren auf
der Fahrbahn nicht ungewöhnlich. Eine dadurch ausgelöste Reflexbewegung hätte
unweigerlich zu einem Unfall mit schwerwiegenden Folgen geführt. Die Strecke
zwischen S und C verläuft zwar weitgehend gerade und ist übersichtlich. Indessen
münden Zufahrtsstrassen von zwei Bauernhöfen in die C-Strasse ein
(vgl. Flugaufnahmen im Geoportal, http://betrachter.rgdi.ch). Es bestand also auch die
Gefahr, dass der Rekurrent bei den spätabendlichen Lichtverhältnissen beispielsweise
einen Velofahrer oder einen Fussgänger nicht oder spät erkannte und in der Folge
ebenfalls ein folgenschweres Fahrmanöver hätte ausführen müssen. Damit nahm der
Rekurrent auch eine erhöhte abstrakte Gefährdung weiterer Verkehrsteilnehmer in
Kauf. Wenn – wie der Rekurrent geltend macht – die Kupplung seines Fahrzeuges
defekt war, erhöhte dies zudem die Gefährdungslage. Er konnte nicht ausschliessen,
dass er aufgrund eines unerwarteten Verhaltens der Kupplung die Herrschaft über das
Fahrzeug verlieren könnte. Unter diesen Umständen war das Verhalten des
Rekurrenten bewusst verkehrswidrig, sodass auch sein Verschulden keinesfalls mehr
als besonders leicht beurteilt werden kann. Gefährdung und Verschulden wiegen auch
dann nicht mehr besonders leicht, wenn der Rekurrent – wie im Rekurs entgegen
seinen Angaben gegenüber der Polizei geltend gemacht wird – die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausserorts nicht überschritten haben sollte.
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cc) Der Rekurrent bringt vor, er habe sich nicht an einem Rennen beteiligt, da die
Kupplung an seinem Fahrzeug defekt gewesen sei und er deshalb ohnehin nicht hätte
gewinnen können. Abgesehen davon, dass das parallele, mittels Hupzeichen
eingeleitete Fahren mit extremer Beschleunigung auf einer normalen zweispurigen
Ausserortsstrecke alle Elemente eines Beschleunigungsrennens aufweist, war es vom
Rekurrenten unverantwortlich, das Fahrzeug mit einer angeblich defekten Kupplung in
dieser Situation extrem zu beschleunigen. Er hätte sich vielmehr besonderer Vorsicht
befleissigen müssen und sich nicht "Spielchen" mit Kollegen liefern dürfen, zumal er ja
nicht wissen konnte, wie sich der Defekt bei dieser extremen Fahrweise auf die
Kupplung und das Getriebe seines Fahrzeugs auswirken würde. Wäre es im Übrigen
nur darum gegangen, das genaue Verhalten des Fahrzeugs auszutesten, hätte es nicht
eines parallelen Fahrens bedurft. Das Verhalten des Rekurrenten erscheint umso
unverständlicher, als ihm angesichts des Selbstunfalls, den er am 28. August 2009
wegen nicht angepasster Geschwindigkeit verursachte hatte, die Folgen des
unerwarteten Fahrverhaltens eines Fahrzeugs bekannt waren und der damit
verbundene Entzug des Führerausweises am 11. Juni 2010 und somit nur wenige Tage
vor seinem erneuten verkehrsregelwidrigen Verhalten am 1. Juli 2010 abgelaufen war.
Weder das Verschulden des Rekurrenten noch die von ihm verursachte Gefährdung
erlauben es, von einem besonders leichten Fall im Sinn von Art. 16a Abs. 4 SVG
auszugehen.
e) Liegt eine zumindest leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG
vor, hat dies nach Art. 16a Abs. 2 und 3 SVG wegen des zweimonatigen Entzugs des
Führerausweises, mit welchem der Rekurrent vom 12. April bis 11. Juni 2010 wegen
des Fahrens mit nicht angepasster Geschwindigkeit und Verursachens eines
Verkehrsunfalls, begangen am 25. August 2009, belegt war, den Entzug des
Führerausweises zur Folge. Da es sich jedoch um den zweiten Entzug innerhalb der
Probezeit handeln würde, verfällt der Führerausweis des Rekurrenten entsprechend
Art.15a Abs. 4 SVG.
3.- In Ziff. 5 der angefochtenen Verfügung vom 26. Oktober 2010 hat die Vorinstanz
festgelegt, ein neuer Lernfahrausweis könne dem Rekurrenten frühestens in einem
Jahr, d.h. ab 26. Oktober 2011, und nur aufgrund eines verkehrspsychologischen
Gutachtens, das die Fahreignung bejahe und nicht älter als drei Monate sei, erteilt
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werden. Nach Art. 15a Abs. 5 SVG knüpft die Jahresfrist ausdrücklich am Zeitpunkt der
Widerhandlung an. In der Botschaft zum Strassenverkehrsgesetz wird dazu ausgeführt,
dass eine Sperrfrist dieser Länge insbesondere zur Klärung der Fahreignung geboten
sei (BBl 1999 S. 4485). Sollten weitere Untersuchungen im Hinblick auf die Beurteilung
der Fahreignung notwendig sein, würde sich die Sperrfrist entsprechend verlängern.
Die minimale Sperrfrist für den Erwerb eines neuen Lernfahrausweises endet für den
Rekurrenten damit am 1. Juli 2011. Die Vorinstanz begründete die Sperrfrist bis zum
26. Oktober 2011 unter Hinweis auf die Rechtsgleichheit damit, dass seit der
Widerhandlung bereits vier Monate vergangen seien und der Führerausweis erst mit
dem Erlass der Verfügung wirke. Wie der Botschaft zu entnehmen ist, geht es jedoch
nicht darum, den fehlbaren Fahrzeuglenker in jedem Fall für mindestens ein Jahr vom
Strassenverkehr fernzuhalten. Vielmehr soll damit sichergestellt werden, dass die
nötigen Massnahmen zur Abklärung der Fahreignung innerhalb dieser Frist getroffen
werden können, was beim Rekurrenten bei einer einjährigen Frist ab dem Zeitpunkt des
Vorfalls vom 1. Juli 2010 sicher möglich gewesen wäre. Weshalb im vorliegenden Fall
vom Gesetzeswortlaut abgewichen werden soll, ist nicht ersichtlich. Dass der
Rekurrent bis 26. Oktober 2010 im Besitz des Führerausweises blieb, hat nicht er zu
vertreten; vielmehr ist dies die Folge der Verfahrensführung durch die Vorinstanz. Seit
24. August 2010 war ihr bekannt, dass der Rekurrent innerhalb der Probezeit wegen
einer erneuten Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften zur Anzeige
gelangte (act. 10/2). Das Administrativverfahren wurde am 23. September 2010
eröffnet, wobei – trotz fehlender strafrechtlicher Beurteilung – die Möglichkeit eines
vorsorglichen Führerausweisentzugs bestanden hätte (Art. 30 der Verordnung über die
Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr; SR 741.51, abgekürzt:
VZV).
4.- Der Rekurs ist demzufolge teilweise gutzuheissen und Ziff. 5 der angefochtenen
Verfügung der Vorinstanz vom 26. Oktober 2010 wie folgt abzuändern: "Ein neuer
Lernfahrausweis kann frühestens ab 1. Juli 2011 und nur aufgrund eines
verkehrspsychologischen Gutachtens erteilt werden, das die Fahreignung bejaht und
nicht älter als drei Monate ist." Mit dem Entscheid in der Sache wird das Gesuch um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung des Rekurses gegenstandslos.
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5.- Mit der Annullierung des Führerausweises auf Probe soll sichergestellt werden,
dass der Rekurrent ohne Nachweis seiner Fahrfähigkeit zum Schutz der Sicherheit der
übrigen Verkehrsteilnehmer keine Motorfahrzeuge lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet,
würde ihm der Führerausweis während eines Beschwerdeverfahrens wiedererteilt.
Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende
Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zu vier Fünfteln
dem Rekurrenten aufzuerlegen; einen Fünftel der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist bis
zum Betrag von Fr. 960.-- zu verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem
Rekurrenten Fr. 240.-- zurückzuerstatten.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf Entschädigung
ausseramtlicher Kosten (vgl. Art. 98 und 98 VRP; vgl. Leuenberger/Uffer-Tobler,
Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, Rz. 10.38).