Decision ID: 0cf83301-5ff5-54f3-ad47-4f0e83c68e04
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Selbstkündigung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ arbeitete seit dem 15. Oktober 2007 bei der B._ AG (nachfolgend
Arbeitgeberin) und war zuletzt als Project Manager im 80% Pensum angestellt
(act. G 5/22). Dieses Arbeitsverhältnis kündigte er per 31. Januar 2011. Am 20.
Dezember 2010 meldete er sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
St. Gallen zur Arbeitsvermittlung an und beantragte die Ausrichtung von
Arbeitslosenentschädigung per 1. Februar 2011 (act. G 5/1; vgl. zudem den Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung vom 4. Januar 2011, act. G 5/5).
A.b Im undatierten Kündigungsschreiben begründete der Versicherte seine Kündigung
u.a. damit, dass es trotz hohen Produktivitätsbeiträgen, sehr guten Kundenfeedbacks
und bester Leistungserbringung seit Jahren keinerlei Lohnentwicklung gegeben habe
und der leistungsunabhängige Bonus von 25% weggefallen sei. Zudem sei trotz der
Beförderung zum Project Manager keine Gehaltsentwicklung erfolgt und er sei anstelle
der im Arbeitsvertrag festgesetzten 80% seit Jahren zu 130% tätig (act. G 5/3).
A.c Im Rahmen der "Verschuldensabklärung" gab der Versicherte am 16. Februar
2011 ergänzend an, die angegebene Mehrarbeit habe sich auf bis zu mehr als acht
Tage pro Monat belaufen und sei nicht vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen
worden. Da keine Änderungen eingetreten seien, habe er bereits im Juni 2010 das
Arbeitsverhältnis gekündigt, diese Kündigung aber zurückgezogen, da ihm telefonisch
bessere Rahmenbedingungen zugesichert worden seien. Diese Zusagen seien nur
hinsichtlich einer Beförderung, jedoch ohne Gehaltsentwicklung, eingehalten worden.
Darauf habe er im Oktober gekündigt (act. G 5/15).
A.d Mit Verfügung vom 21. März 2011 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse den
Versicherten ab 1. Februar 2011 für 36 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Die
vom Versicherten angegebenen Gründe (fehlende Gehaltsentwicklung, weggefallener
Bonus) seien verständlich, würden jedoch nicht die Aufgabe einer Stelle ohne Aussicht
auf eine andere Arbeit rechtfertigen. Es wäre ihm zuzumuten gewesen, mit der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kündigung bis zum Auffinden einer neuen Stelle zu warten, um eine Arbeitslosigkeit zu
vermeiden. Es müsse dem Versicherten deshalb ein Verschulden an der
Arbeitslosigkeit angelastet werden, welches als schwer beurteilt werde (act. G 5/26).
A.e Dagegen erhob der Versicherte am 26. März 2011 Einsprache und beantragte eine
deutliche Herabsetzung der Anzahl der Einstelltage. Es sei zu Unrecht nicht
berücksichtigt worden, dass er erheblich mehr als 80% habe arbeiten müssen. Dabei
würden die vorgelegten Monatspläne belegen, dass er durchgängig monatlich jeweils
viele Arbeitstage über dem arbeitsvertraglich festgelegten Tätigkeitsvolumen eingesetzt
worden sei. Die Begründung, es sei ihm zuzumuten gewesen, mit der Kündigung bis
zum definitiven Auffinden einer neuen Stelle zu warten, sei angesichts von bis zu 9.7
Tagen aufgetragener, nicht vergüteter Mehrarbeit pro Monat nicht nachvollziehbar. Die
nicht vergütete Mehrarbeit habe er in den Quartalsgesprächen gegenüber den
Vorgesetzten angemahnt, jedoch sei keinerlei Entlastung erfolgt und ein vom
Bereichsleiter angekündigtes Gespräch habe nie stattgefunden. Das Verhältnis zur
Bereichsleitung sei vor der Kündigung entsprechend stark zerrüttet gewesen
(act. G 5/28).
A.f Im Rahmen einer Stellungnahme vom 26. Mai 2011 führte die ehemalige
Arbeitgeberin des Versicherten aus, dass es sich bei den Monatsplänen um ein
Instrument der persönlichen Arbeitsmethodik handle. Ein "überplanter Monatsplan" sei
kein Indiz für erzwungene Mehrarbeit, sondern für eine schlechte bzw. ineffiziente
Arbeitsmethodik. Bezüglich der Reisezeiten sei darauf hinzuweisen, dass diese zu
grossen Teilen zum Arbeiten verwendet werden könnten. Der Versicherte habe einige
Male auf seine Arbeitsauslastung hingewiesen, jedoch die Vorschläge zur Reduktion
nicht angenommen, sondern im Gegenteil mehrfach angeboten, weitere Seminare zu
übernehmen. Ein erbetenes Gespräch habe er abgelehnt mit der Begründung, es
bestehe kein Gesprächsbedarf (act. G 5/40).
A.g In einem Schreiben, welches vom 6. Mai 2011 datiert (Eingang Arbeitslosenkasse
15. Juni 2011), gab der Versicherte an, dass mit der Reduzierung seines
Arbeitspensums von 100% auf 80% keinerlei Reduktion seiner Zuständigkeiten und
Aufgaben einhergegangen sei und eine Reduktion des Stellenumfangs von 20% durch
eine Optimierung der persönlichen Arbeitsmethodik nicht auszugleichen sei, zumal
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zudem drei Arbeitsstellen weggefallen und nicht wiederbesetzt worden seien. Darüber
hinaus habe die Bereichsleitung eine Weisung erlassen, dass auch in allen Pausen
inklusive der Mittagspause Erreichbarkeit zu gewährleisten und telefonische Rückrufe
zu tätigen seien. Ein Gesprächsangebot zur Reduktion der Arbeitsauslastung sei nie
erfolgt (act. G 5/44).
A.h Mit Entscheid vom 29. Juni 2011 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache des
Versicherten ab. Dem eingereichten Arbeitsvertrag sei zu entnehmen, dass sich die
wöchentliche Arbeitszeit nach den sachlichen Anforderungen der Tätigkeit richte. Eine
fixe Anzahl Stunden werde nicht angegeben. Im Prozessbeschrieb werde festgehalten,
dass normale Arbeitszeiten durch Eigenverantwortung, professionelle Arbeitsmethodik
und effiziente Prozessorganisation angestrebt würden. Ein Beweis für effektiv geleistete
Mehrarbeit über dem vereinbarten Pensum habe bis heute nicht erbracht werden
können, da abgesehen von den Monatsplänen kein Mittel für die Zeiterfassung
existieren würde. Zusammenfassend müsse davon ausgegangen werden, dass zwar
immer wieder Überstunden geleistet worden seien, jedoch nicht abschliessend
bestimmt werden könne, auf welchen Umfang sich diese beliefen und ob diese von der
Arbeitgeberin angeordnet worden seien. Es dürfe aber auf Grund der Tatsache, dass
das Arbeitspensum auf 80% festgesetzt worden sei, angenommen werden, dass die
gesetzliche Höchstarbeitszeit nicht überschritten worden sei. Darüber hinaus falle auf,
dass offensichtlich auch zwischenmenschliche Probleme vorhanden gewesen sein
müssten, da der Versicherte den Bereichsleiter explizit aus seiner Danksagung
ausgenommen habe. Somit könne festgehalten werden, dass die Kumulation mehrerer
Begebenheiten eine Unzufriedenheit ausgelöst habe, welche zur Kündigung geführt
habe. Diese Unzufriedenheit stelle keinen Grund für die Unzumutbarkeit des weiteren
Verbleibens am Arbeitsplatz dar (act. G 5/46).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 29. Juni 2011 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 15. Juli 2011 (act. G 5/50). In der Beschwerdebegründung vom 5.
September 2011 beantragte der Beschwerdeführer, auf eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung sei zu verzichten. Eventualiter sei die Anzahl Einstelltage
"deutlich zu reduzieren". Die Begründung deckt sich im Wesentlichen mit der bereits
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im Verwaltungsverfahren vorgebrachten. Die Beschwerdegegnerin habe wesentliche
Kündigungsgründe ausgeblendet und unzutreffende Mutmassungen über die
tatsächlich erbrachte Arbeitszeit angestellt. Ausserdem habe sie die Darstellung der
ehemaligen Arbeitgeberin, die Monatspläne seien ein Instrument der persönlichen
Arbeitsplanung, unkritisch übernommen. Die Angaben zum Umfang der durch die
Arbeitgeberin zugewiesenen Leistungs- und Reisevolumen könnten von mehreren
Personen bezeugt werden. Es treffe nicht zu, dass sich die wöchentliche Arbeitszeit
nach den sachlichen Anforderungen der Tätigkeit richte, was auch daran ersichtlich sei,
dass die Arbeitgeberin der Beschwerdegegnerin eine Arbeitszeit von 34 Stunden pro
Woche angegeben habe. Der Beschwerdeführer reichte zudem die im Schreiben vom
6. Mai 2011 (act. G 5/44) erwähnte Weisung über die Erreichbarkeit nach (act. G 3).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. Oktober 2011 unter Verzicht auf eine
Beschwerdeantwort die Abweisung der Beschwerde (act. G 6).
B.c Der Beschwerdeführer verzichtete mit Eingabe vom 15. November 2011 auf eine
Replik (act. G 7).
B.d Mit Schreiben vom 12. April 2012 ersuchte die Präsidentin des
Versicherungsgerichts die ehemalige Arbeitgeberin des Beschwerdeführers um
zusätzliche Auskünfte (act. G 11). Diese antwortete mit Schreiben vom 8. Mai 2012
(Postaufgabe). Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (vgl.
act. G 13-15).

Erwägungen:
1.
Am 1. April 2011 sind die Änderungen des AVIG in Kraft getreten (4. AVIG-Revision, AS
2011 1167 ff.). Da vorliegend eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung ab
1. Februar 2011 streitig ist, ist die Angelegenheit gestützt auf die allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln auf Grund der bis 31. März 2011 gültigen Normen zu
prüfen (vgl. BGE 130 V 445 E. 1 S. 446 f. mit Hinweis).
2.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_373%2F2008&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-V-445%3Ade&number_of_ranks=0#page445
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 36 Tage in
der Anspruchsberechtigung eingestellt hat.
3.
3.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne
dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der
Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]).
3.2 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen
Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime")
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Damit dürfen bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten
Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden;
insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der
versicherten Person zu berücksichtigen (Chopard, a.a.O., S. 80). Es kann nicht von
einer freiwilligen Beschäftigungsaufgabe im Sinn des Übereinkommens gesprochen
werden, wenn eine versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
oder durch die Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt
für den Fall, da die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu
nennen vermag (BGE 124 V 238E. 4b/aa).
4.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis selbst
kündigte (act. G 5/3) und ihm in diesem Zeitpunkt keine andere Stelle zugesichert war.
Der Beschwerdeführer macht jedoch geltend, dass ihm der weitere Verbleib am
Arbeitsplatz infolge nicht vergüteter Mehrarbeit von bis zu über acht Tagen monatlich,
fehlender Gehaltsentwicklung trotz Beförderung, fehlender Reduktion der
Arbeitsauslastung trotz reduziertem Arbeitspensum auf 80%, Nichtbereitschaft der
Bereichsleitung zu Gesprächen und entsprechend zerrüttetem Verhältnis nicht mehr
zumutbar gewesen sei.
5.
5.1 Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist der Tatbestand der
selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit dann nicht erfüllt, wenn in gegen das Gesetz oder
die vertraglichen Abmachungen verstossender Weise für Überstunden- oder
Überzeitarbeit weder ein Ausgleich durch Freizeit noch eine Entlöhnung erfolgt (Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 20. August 2002, C 219/00, E. 2.2).
5.2 Gemäss Arbeitsvertrag vom 6. September 2007 war der Beschwerdeführer als
Projektmanager angestellt. Unter Punkt 3 Arbeitszeit wurde festgehalten, dass sich die
wöchentliche Arbeitszeit nach den sachlichen Anforderungen der Tätigkeit richte und
Überzeiten nicht separat entschädigt würden. Ein Gesamtarbeitsvertrag wurde nicht für
anwendbar erklärt (act. G 10.1). Gemäss Zusatz zum Arbeitsvertrag vom 4. September
2008 wurde dieser dahingehend angepasst, als das Arbeitspensum per 1. November
2008 auf 80% reduziert und das Jahresgehalt auf brutto Fr. 80'000.00 festgelegt und
ab dem 1. Januar 2009 auf brutto Fr. 88'000.00 angehoben wurde (act. G 10.2). Nach
der "Überzeitregelung", welche am 3. April 2009 durch den Verwaltungsrat der AG
aktualisiert wurde, gelten betreffend Überzeit u.a. die Regelungen, dass mindestens ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wöchentlicher Eintrag der Arbeitszeiten im IT System zu erfassen sei, wobei ein solcher
Eintrag noch keine Ansprüche gegenüber der Firma generiere. Es würden normale
Arbeitszeiten durch Eigenverantwortung, professionelle Arbeitsmethodik und effiziente
Prozessorganisation angestrebt. Für Funktionen "ab und inklusive Professional Staff
(PS) aufwärts", worunter der Beschwerdeführer als Project Manager fällt, wurde
darüber hinaus bestimmt, dass sich die Arbeitszeit gemäss den Arbeitsverträgen nach
den sachlichen Anforderungen der Tätigkeit richte und Überstunden und Überzeiten
demzufolge vertragskonform weder finanziell noch zeitlich abgegolten würden
(act. G 10.3).
5.3 Der Beschwerdeführer machte im Schreiben vom 6. Mai 2011 an die
Beschwerdegegnerin geltend, dass die Reduzierung seines Pensums von 100% auf
80% mit keinerlei Reduzierung seiner Zuständigkeiten und Aufgaben einhergegangen
sei. Auch seien die Arbeitsstellen dreier Mitarbeiter im Bereich MFI Lernprogramme
nach deren Ausscheiden 2009/2010 nicht wiederbesetzt worden. Nur einer dieser
Mitarbeiter sei als freier Mitarbeiter weiterhin in reduziertem Umfang für die
Arbeitgeberin tätig. Zudem habe die Bereichsleitung bereits am 5. Februar 2008 die
Weisung erlassen, dass die Mitarbeiter vor dem Kerngeschäft, d.h. vor 8.30 Uhr, sowie
am Abend ab 18.45 Uhr bis 20.00 Uhr auf dem Geschäftshandy prüfen müssten, ob
Nachrichten eingegangen seien. Während diesen Zeiten könne auch zurückgerufen
werden. Am 22. Februar 2008 sei diese Anforderung zusätzlich insofern ergänzt
worden, als die Mitarbeiter zumindest in den Mittags- und Seminarpausen sowie nach
Kundenterminen telefonisch erreichbar sein müssten. Schliesslich sei trotz zweimalig
angesprochener Arbeitsbelastung über das 80%-Pensum hinaus in zwei
Quartalsgesprächen sowie den dabei vorgelegten Monatsplänen keinerlei
Aufgabenreduktion sowie auch kein Gesprächsangebot zur Reduktion der beruflichen
Überlastung erfolgt. Im Gegenteil sei die von ihm vorgenommene Zeiteinteilung immer
wieder durch kurzfristig direkt durch die Bereichsleitung zugeteilte zusätzliche
Aufgaben (ohne seine direkten Vorgesetzten über diese Zusatzaufgaben zu informieren)
ad absurdum geführt worden. Dies zeige, dass die ihm zugeteilte Arbeitsbelastung
keinesfalls mit einer "schlechten bzw. ineffizienten" Arbeitsmethodik zu begründen sei
(act. G 5/43). Schliesslich führte der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift zur
Verdeutlichung seines Arbeitsvolumens alle seine Aufgaben inkl. deren Zeitaufwand der
Kalenderwoche 40/2010 auf. Dabei hätten sich die ihm zugewiesenen Aufgaben ohne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
den Planungsfaktor "Unvorhergesehenes" und ohne aufgeführte Be
arbeitungsaufwände durch ihm tutoriell fest zugewiesene Kundengruppen bereits auf
52 Stunden und 29 Minuten belaufen (act. G 3.1). Gemäss dem Schreiben der
Arbeitgeberin vom 8. Mai 2012 wurde die Pensumsreduktion des Beschwerdeführers
von 100% auf 80% durch dessen Vorgesetzten sichergestellt. Dieser habe andere
Mitarbeiter im Bereich Lernprogramme mit den reduzierten Arbeiten betraut. Auch habe
es zu diesem Zeitpunkt bzw. seit 1. November 2008 im Arbeitsumfeld des
Beschwerdeführers keine personellen Änderungen gegeben, welche auf seine
Aufgabenerfüllung Einfluss gehabt hätten (Ziff. 1 und 2). Zudem hätten sich der
Vorgesetzte des Beschwerdeführers sowie zwei weitere Mitarbeiter persönlich um die
Anliegen des Beschwerdeführers gekümmert. Er habe seine Arbeitszeiten sehr flexibel
einteilen können. Die ihm erteilten Aufgaben habe er durchaus innerhalb eines 80%-
Pensums leisten können. Zwar habe er mehrfach über Überlastung geklagt, Vorschläge
zur Übernahme bestehender Kundenseminare durch Kollegen, welche die direkte
Vorgesetzte gemacht habe, habe er jedoch abgelehnt. Im Gegenteil habe er gegenüber
seiner direkten Vorgesetzten mehrfach angeboten, weitere Kundenseminare zu
übernehmen. Von dieser angebotene Gespräche über seine angebliche Überlastung
seien von ihm mit der Begründung abgelehnt worden, er sehe hierzu keinen
Gesprächsbedarf (act. G 12, Ziff. 7). Zum Beweis reichte die Arbeitgeberin die E-Mail
des Bereichsleiters vom 30. Oktober 2010 als Antwort auf ein Schreiben des
Beschwerdeführers vom selben Tag ein. Darin legte der Vorgesetzte dar, wann und wo
es zu möglichen Gesprächen hätte kommen können, der Beschwerdeführer dies
jedoch nicht wahrgenommen habe, aber auch, wann er selber aus bestimmten
Gründen verhindert gewesen sei. Des Weiteren verwies er auf ein Quartalsgespräch
zwischen dem Beschwerdeführer und einer vorgesetzten Person, anlässlich dessen
man ihm erklärt habe, alles zu tun, um eine Beförderung sowie eine Lohnerhöhung
einzuleiten. Er selber habe diesbezüglich bereits mehrere Schritte unternommen.
Jedoch würden die Gehaltserhöhungen in der Regel im Januar durchgeführt, worüber
der Beschwerdeführer informiert gewesen sei. Über seine Kündigung sei man sehr
überrascht gewesen, da die Vorgesetzten im Quartalsgespräch einen positiven
Eindruck vom Ergebnis gehabt hätten. Schliesslich habe der Vorgesetzte dem
Beschwerdeführer vorgeschlagen, die Kündigung nochmals zu überdenken, da sowohl
eine Mehrverantwortung "eingetütet" als auch eine Gehaltserhöhung bereits eingeleitet
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
worden seien. Er habe nach wie vor Vertrauen in den Beschwerdeführer und habe ihn
eingeladen, sich für ein Gespräch telefonisch bei ihm zu melden (act. G 12.3). Der
Beschwerdeführer hat dazu keine Stellung genommen. Unter diesen Umständen ist der
Nachweis für eine vertragswidrige Überbelastung des Beschwerdeführers nicht als
erbracht zu erachten.
5.4 Obgleich das vom Beschwerdeführer vorgelegte Aufgabenprotokoll der
Kalenderwoche 40/2010 tatsächlich eine Summe von 52 Arbeitsstunden und 29
Minuten ergibt (vgl. act. G 3.1 S. 4f.) ist diesbezüglich zu beachten, dass es sich hierbei
einerseits gemäss den Monatsplänen 2010 wohl um einen Ausnahmemonat handelte
(vgl. act. G 5.1/13) und andererseits darin Mittagspausen enthalten sind, welche kaum
vollumfänglich als Arbeitszeit zu qualifizieren sind. Ausserdem wurde auch eine längere
Reisezeit miteinbezogen, während welcher gemäss den Ausführungen der Arbeitge
berin zumindest teilweise hätte gearbeitet werden können. Dies selbst dann, wenn die
Bahn keine Platzreservationsmöglichkeiten vorsieht, da kaum anzunehmen ist, dass
der Beschwerdeführer die ganze Reisedauer hindurch hatte stehen müssen bzw. dass
während der ganzen Bahnreise in den Abendstunden auf Grund eines hohen
Lärmpegels oder anderer Störfelder die Durchführung jeglicher Arbeiten unmöglich
gewesen wäre. Insgesamt lässt sich sowohl aus den Monatsplänen, welche zwar klar
auf ein höheres Wochenpensum als 34 Stunden deuten lassen, jedoch nicht als
tatsächliche Stempelkontrolle dienen können, als auch aus den Ausführungen der
Arbeitgeberin nicht schliessen, dass die vom Beschwerdeführer offensichtlich
geleisteten Überstunden gesetzliche Höchstarbeitszeiten überschritten hätten. Da
vorliegend keine gesamt- oder normalarbeitsvertraglichen Bestimmungen zur konkret
zu leistenden Arbeitszeit vereinbart wurden, kann von einer Verletzung solcher
ebenfalls nicht ausgegangen werden. Dass die Pensumsreduktion ohne jegliche
Reduzierung bzw. ohne gleichzeitige Abgabe von gewissen Aufgaben geblieben wäre,
wurde von der Arbeitgeberin ausdrücklich dementiert. Der Beschwerdeführer hat zu
den Ausführungen der Arbeitgeberin nicht Stellung bezogen. Im Weiteren ist ebenfalls
nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen der Beschwerdeführer die ihm von seiner
Vorgesetzten angebotenen Möglichkeiten zur Aufgabenreduktion nicht wahrgenommen
hat. Weiter lässt sich aus der Anweisung der Arbeitgeberin bezüglich Kontrolle neu
eingegangener Nachrichten und telefonischer Erreichbarkeit für den als "Professional
Staff" eingesetzten Beschwerdeführer ebenfalls keine Unzumutbarkeit ableiten. Folglich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kann lediglich gestützt auf die verrichteten Aufgaben und die damit verbundene
zeitliche Arbeitsbelastung nicht von einer Unzumutbarkeit des Arbeitsverhältnisses
ausgegangen werden.
6.
6.1 Hinsichtlich der Lohnhöhe ist festzuhalten, dass diese aus ALV-rechtlicher Sicht
berufs- und ortsüblich sein und den gesamt- oder normalarbeitsvertraglichen
Bedingungen entsprechen muss (vgl. Art. 16 Abs. 2 lit. a AVIG). Auch können einer
versicherten Person allenfalls sogar Lohneinbussen zugemutet werden (Chopard,
a.a.O., S. 122 mit Hinweisen). Jedoch darf der Lohn in der Regel nicht unter 70% des
versicherten Verdienstes fallen (vgl. Nussbaumer, a.a.O., Rz 303), weil ohne
Arbeitgeberwechsel kein Anspruch auf Differenzzahlungen (Zwischenverdienst)
besteht. Die Tatsache allein, dass sich das erzielte Einkommen nicht
erwartungsgemäss entwickelt, beispielsweise bei einer Lohnvereinbarung, die auf
Provisionen ohne monatliches Fixum basiert, lässt ein Arbeitsverhältnis nicht als
unzumutbar erscheinen (Chopard, a.a.O., S. 122 mit Hinweisen).
6.2 Der Beschwerdeführer verdiente für sein 80%-Arbeitspensum ab 1. November
2008 Fr. 80'000.-- (brutto). Ab 1. Januar 2009 wurde das Gehalt auf Fr. 88'000.--
(brutto) angehoben (vgl. act. G 10.2), was bei einem 100%-Pensum einem Jahreslohn
von Fr. 110'000.-- (brutto) entsprechen würde. Dieser wiederum liegt gemäss dem
Lohnrechner des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds SGB/USS im Rahmen der für
die Ostschweiz üblichen Spannbreite (vgl. www.lohnrechner.ch) und rechtfertigt daher
ebenfalls keine Kündigung auf Grund eines unzumutbar tiefen Lohnes.
7.
Schliesslich ist zwar verständlich, dass Spannungen am Arbeitsplatz den Wunsch nach
einer neuen Stelle fördern; doch reicht dies nicht aus, um den weiteren Verbleib an der
bisherigen Stelle bis zur Zusicherung eines neuen Arbeitsplatzes als unzumutbar
erscheinen zu lassen (Chopard, a.a.O., S. 124; vgl. auch: SVR 1997 ALV Nr. 105).
Nachdem der Bereichsleiter dem Beschwerdeführer nach dessen Kündigung vom
Oktober 2010 mit E-Mail vom 3. November 2010 Hand geboten hatte, die Kündigung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf Grund der bereits eingeleiteten Gehaltserhöhung sowie der weiteren
Verantwortungsübertragungen nochmals zu überdenken, und ihm weiterhin vollstes
Vertrauen zugesichert worden war (vgl. act. G 12.3), kann vorliegend nicht von einem
derart zerrütteten Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und dem Vorgesetzten
gesprochen werden, dass die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses bis zum Erhalt
der Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle als nicht mehr zumutbar zu erachten wäre.
Vielmehr hätte der Beschwerdeführer die Arbeit gerade auf Grund der ihm neu
eröffneten Perspektiven gestützt auf seine Schadenminderungspflicht weiterführen
müssen.
8.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die geltend gemachte Unzumutbarkeit des selbst
gekündigten Arbeitsverhältnisses nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen ist. Damit ist von selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit im Sinn von Art. 30
Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV auszugehen.
9.
9.1 Es bleibt zu prüfen, in welchem Umfang eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung zu erfolgen hat.
9.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG). Die Einstellungsdauer beträgt gemäss Art. 45 Abs. 2 AVIV (in der bis
31. März 2011 geltenden Fassung) 1-15 Tage bei leichtem Verschulden (lit. a), 16-30
Tage bei mittelschwerem Verschulden (lit. b) und 31-60 Tage bei schwerem
Verschulden (lit. c). Ein schweres Verschulden liegt gemäss Art. 45 Abs. 3 AVIV (in der
bis 31. März 2011 geltenden Fassung) vor, wenn der Versicherte ohne entschuldbaren
Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen aufgegeben oder
eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat.
9.3 Die durch die Selbstkündigung per Ende Januar 2011 ausgelöste Arbeitslosigkeit
des Beschwerdeführers basiert auf einem aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher
Sicht schweren Verschulden, weshalb die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer
zu Recht für 36 Tage in der Anspruchsberechtigung einstellte. Diesbezüglich wurde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
korrekt berücksichtigt, dass dem Beschwerdeführer in den meisten der von ihm
subjektiv als unzumutbar empfundenen Punkten vom Vorgesetzten eine schriftliche
Zusicherung zur Verbesserung und Gelegenheit zur Rücknahme der Kündigung
geboten worden waren. Umstände, welche das Verschulden reduzieren würden,
werden vom Beschwerdeführer demgegenüber nicht hinreichend dargelegt. Damit ist
die von der Beschwerdegegnerin verhängte Einstellung während 36 Tagen nicht zu
beanstanden.
10.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP