Decision ID: 6cff7d62-6bf9-5400-9fdc-a69427a3b346
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954, und
Y._
sel.
, geboren 1949, gestorben 2015,
heirateten
am 1
3.
November 1981 (vgl.
Urk.
1).
Mit Urteil des Zivilgerichts
des Kantons
Basel-Stadt vom
9.
Januar 1996 wurd
e die Ehe geschieden und
Y._
sel.
unter anderem verpflichtet,
X._
ab Rechtskra
ft des Scheidungsurteils bis und mit
3
0.
April 1998
einen monatlichen Unterhaltsbeitrag
von
Fr.
300.-- zu bezahlen
(
Urk.
7/2
).
Y._
sel. war bei der
Z._
angestellt und dadurch bei der BVG-Sammelstiftung Swis
s Life berufsvorsorgeversichert. Er
bezog
von der BVG-Sammelstiftung Swiss Life zunächst eine Invalidenrente und nach seiner Pen
sio
nierung per
2
8.
Februar 2014
eine
Altersrente (
Urk.
6 S. 3
).
2.
Am 2
2.
Juli 2019 erhob
X._
Klage gegen die BVG-Sammelstiftung Swiss Life und beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihr eine lebenslange Rente zu bezahlen (
Urk.
1). Die Beklagte be
antragte mit Klage
antwort vom 1
9.
September 2019 die
vollumfängliche
Abweisung der Klage, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin (
Urk.
6). Dies wurde
der Klägerin am 2
3.
S
eptember 2019 angezeigt
(
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ab dem 1. Januar 2016 sind diverse geänderte
Bestimmungen
des Bundesge
setzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) und
der
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
vorsorge (BVV 2
)
in Kraft getreten.
Gemäss
den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Y._
sel. ist
am
2
6.
November 2015 verstorben (
Urk.
2/5), weshalb der Anspruch der Klägerin auf
Hinterlassenenleistungen
nach den in diesem Zeit
punkt gültig gewesenen Normen zu beurteilen ist.
1.2
Nach
Art.
19
Abs.
1
BVG
hat
der überlebende Ehegatte Anspruch auf eine
Witwen- oder Witwerrente, wenn er beim Tod des Ehegatten für den Unterhalt min
destens eines Kindes aufkommen muss (lit. a) oder älter als 45 Jahre ist und
die Ehe mindestens fü
nf Jahre gedauert hat (lit. b; in Kraft seit dem
1.
Januar 2005
).
Gemäss
Art.
19
Abs.
3 BVG regelt der Bundesrat den Anspruch geschiedener Personen auf
Hinterlassenenleistungen
(in Kraft seit dem
1.
Januar 2005).
Nach
a
Art
.
20
Abs.
1 BVV 2 ist der geschiedene Ehegatte
nach dem Tod seines früheren Ehegatten der Witwe
oder de
m Witwer gleichgestellt, sofern
die Ehe min
destens zehn Jahre gedauert hat (lit. a)
und
dem geschiedenen Ehegatten im Scheidungsurteil eine Rente oder eine Kapitalabfindung
für eine lebenslän
gliche Rente zugesprochen wurde (lit. b; in der
vom
1.
Januar 2005 bis zum 31.
Dezem
ber 2016 gültig gewesenen Fassung).
1.3
1.3.1
Werden durch die Scheidung die Vermögensrechte oder die Anwartschaften für den schuldlosen Ehegatten beeinträchtigt, so hat ihm der schuldige Ehegatte eine angemessene Entschädigung zu entrichten (
a
Art
.
151
Abs.
1 ZGB, in der bis zum 3
1.
Dezember 1999 gültigen
gewesenen
Fassung).
Gerät ein schuldloser Ehegatte durch die Scheidung in grosse Bedürftigkeit, so kann der andere Ehegatte, auch wenn er an der Scheidung nicht schuld ist, zu einem seinen Vermögensverhältnissen entsprechenden Beitrag an dessen Unter
halt verpflichtet werden (
a
Art
.
152 ZGB, in der bis zum 3
1.
Dezember 1999 gül
tigen
gewesenen
Fassung).
1.3.2
Ist bei einem oder bei beiden Ehegatten ein Vorsorgefall bereits eingetreten oder können aus andern Gründen Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge, die wäh
rend der Dauer der Ehe erworben worden sind, nicht geteilt werden, so ist eine angemessene Entschädigung
geschuldet (
a
Art
.
124
Abs.
1 ZGB, in der vom
1.
Januar 2000 bis zum 3
1.
Dezember 2016 gültigen
gewesenen
Fassung).
1.3.3
Bezieht ein Ehegatte im Zeitpunkt der Einleitung des Scheidungsverfahrens eine Invalidenrente nach dem reglementarischen Rentenalter oder eine Altersrente, so entscheidet das Gericht nach Ermessen über die Teilung der Rente. Es beachtet dabei
insbesondere die Dauer der Ehe und die Vorsorgebedürfnisse beider Ehe
gatten (
Art.
124a
Abs.
1 ZGB, in Kraft seit dem
1.
Januar 2017).
Der dem berechtigten Ehegatten zugesprochene Rentenanteil wird in eine lebens
lange Rente umgerechnet. Diese wird ihm von der Vorsorgeeinrichtung des ver
pflichteten Ehegatten ausgerichtet oder in
seine Vorsorge übertragen (Art.
124a
Abs.
2 ZGB, in Kraft seit dem
1.
Januar 2017).
Hat
das Gericht unter bisherigem Recht bei Scheidung nach Eintritt eines Vor
sorgefalls dem berechtigten Ehegatten eine Entschädigung in Form einer Rente zugesprochen, die erst mit dem Tod des verpflichteten oder des berechtigten Ehegatten erlischt, so kann der berechtigte Ehegatte innerhalb eines Jahres nach dem Inkrafttreten der Änderung vom 1
9.
Juni 2015 beim Gericht verlangen, dass ihm stattdessen eine lebenslange Rente nach Artikel 124
a
zugesprochen wird, wenn der verpflichtete Ehegatte eine Invalidenrente nach dem reglementarischen Rentenalte
r oder eine Altersrente bezieht (
Art.
7e
Abs.
1 des Schlusstitels [
SchlT
]
des ZGB
, in Kraft seit dem
1.
Januar 2017
).
2.
2.1
Die Klägerin begründete ihre Klage damit, dass
s
ie gestützt auf das BVG, die
BVV2
u
nd die
am
1.
Januar 2017 in Kraft getretene
Änderung des ZGB Anspruch auf eine lebenslange Rente der Beklagten habe.
Aufgrund der
Änderung
des ZGB
habe sie beim
Scheidungsgericht in Basel
termingerecht die Aufteilung des Gut
habens der beruflichen Vorsorge verlangt, sei dann aber ans Sozialver
siche
rungs
gericht des K
antons Zürich verwiesen worden
(
Urk.
1).
2.2
Die Beklagte machte demgegenüber geltend, dass die Voraussetzungen
von
Art.
7e
SchlT
ZGB
für die Umwandlung der im Scheidungsurteil festgesetzten Rente nicht e
rfüllt seien (
Urk.
6 S. 4 f.
).
3.
3.1
Fest steht, dass die zwischen der
Klägerin
und
Y._
sel.
am 13.
November 1981
geschlossene Ehe
mit Urteil des Zivilgerichts des Kantons Basel-Stadt vom
9.
Januar 1996
geschieden wurde.
Die Verpflichtung von
Y._
sel. zur Bezahlung einer
Rente
an die Klägerin gestützt auf den bis zum 3
1.
Dezember 1999 geltenden
a
Art
.
152 ZGB
in der Höhe von Fr.
300.-- pro Monat wurde dabei bis Ende April 1998 befristet
(
Urk.
7/2
).
Zum
Zeitpunkt des Todes
von
Y._
sel.
am
2
6.
November 2015
(
Urk.
2/5
) erhielt die Klägerin
somit bereits seit längerem
keine Rentenleistungen mehr.
3.2
Die
Voraussetzungen für einen Anspr
uch auf
Hinterlassenenleistungen
der Be
klagten
nach
a
Art
.
20
Abs.
1 BVV
2
(
mindestens zehnjährige Ehe und
im Todes
zeitpunkt des ehemaligen Ehegatten nach wie
vor
laufende
Rentenzahlungen
; vgl. E. 1.1
)
sind
vorliegend somit
nicht erfüllt.
Ein
Anspruch
nach
a
Art
.
20
Abs.
1
BVV
2
besteht nur, soweit ein Versorgerschaden eingetreten
ist. Das
heisst
, dass die Klägerin eine finanzielle
Einbusse
erlitten haben müsste, die auf den Tod
des Ex-Gatten zurückzuführen ist
(vgl. Stauffer, Rechtsprechung des Bundesgeri
chts zur beruflichen Vorsorge,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013
, S. 46
mit Hinwei
sen).
Dies ist hier
nicht der Fall.
Im Weiteren hat die Klägerin
auch gestützt auf
Art.
22
Abs.
1
des Vorsor
ge
reglements
der Beklagten
(
Urk.
2/12
)
, dessen Wortlaut
exakt jenem von
a
Art
.
20
Abs.
1 BVV 2 (
in der bis zum
3
1.
Dezember 2016
gültig gewesenen Fassung
) entspricht,
keinen Anspruch auf
Hinterlassenenleistungen
.
Ein Anspruch
der Klägerin
auf eine
Hinterlassenenrente
aus der
beruflichen
Vor
sorge ist demnach zu verneinen.
3.3
Zur
Beurteilung der Fra
ge, ob die mit
Urteil
des Zivilgerichts des Kantons Basel-Stadt vom
9.
Januar 1996
(
Urk.
7/2)
zugesprochene Rente
ges
tützt auf
Art.
7e
Abs.
1
SchlT
ZGB
in eine lebenslange Rente der Beklagten
(sogenannte Vorsor
gerente)
umgewandelt werden kann, ist
das Zivil
gericht, das das Scheidungsurteil ausgesprochen hat,
sachlich zuständig
(vgl.
Mitteilungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die b
erufliche Vorsorge Nr. 142 S. 2,
Urk.
2/11
;
Bun
desblatt [
BBl
] 2013 4924
). Auf diesen Antrag der Klägerin ist somit nicht einzu
treten.
Der Vollständigkeit halber ist aber darauf hinzuweisen, dass
Art.
7e
Abs.
1
SchlT
ZGB
-
wie
sich
schon aus der
darin enthaltenen
Formulierung
«
unter bisherigem Recht
»
ergibt
(vgl. E.
1.3.3)
–
auf
Fälle
zugeschnitten ist
, in denen einem ge
schiedenen Ehegatten gestützt auf
a
Art
.
124
Abs.
1 ZGB (
in der vom
1.
Januar 2000 bis zum
3
1.
Dezember 2016 gültig gewesenen
Fassung
; vgl. E. 1.3.2
)
zwecks Vorsorgeausgleich
s
eine unbefristete Rente zugesprochen wurde.
Bei der bis Ende April 1998 befristeten, sogenannten Bedürftigkeitsrente nach
a
Art
.
152 ZGB (
in der bis zum 3
1.
Dezember 1999 gültigen gewesenen Fassung
), welche der Kläge
rin mit Urteil des Zivilgerichts
des Kantons
Basel-Stadt vom
9.
Januar 1996 zuge
sprochen wurde (
Urk.
7/2), handelt es sich
nicht um eine Rente
, welche – wie
Art.
7e
Abs.
1
SchlT
ZGB
dies
vo
raussetzt
- erst mit dem Tod des
verpflichteten oder des berechtigten Ehegatten erlosch.
Überdies
diente
die Rente der Klägerin
-
anders als eine allfällige Unterhaltsrente
für eine Anwartschaft
nach
a
Art
.
151
ZGB
(in der bi
s zum 3
1.
Dezember 1999 gültig gewesenen
Fassung
; vgl. E. 1.3.1
)
-
auch
nicht
dem Vorsorgeausgleich.
Schliesslich
bemerkte die Beklagte zu Recht (
Urk.
6 S. 4 f.), dass gemäss der Botschaft zur Änderung des ZGB (
BBl
2013 4923-4924)
eine allfällige Umwandlung nicht mehr möglich ist, wenn die ausgleichs
verpflichtete Person bei Einreichung des entsprechenden Gesuchs – die Klägerin hat ihr Gesuch um Umwandlung der Rente am 2
8.
Dezember 2017 beim Zivil
gericht des Kantons Basel-Stadt eingereicht (
Urk.
2/10) - bereits verstorben ist.
4.
4.1
Die Klage erweist sich damit als unbegründet. Sie ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
4.2
Im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbe
schwerde darf obsiegenden Behör
den
oder mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in der Re
gel keine Parteientschädigung zugesprochen werden. In Anwendung dieser Bestim
mung
hat das Bundesgericht der Schweizerischen Unfallversicherungs
an
stalt (SUVA) un
d den privaten UVG-Versicherern sowie - von Sonderfällen ab
gesehen - den Kran
kenkassen keine Parteientschädigungen zugesprochen, weil sie als Organi
satio
nen mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben zu qualifizie
ren sind (BGE 112 V 361 E. 6 mit Hinweisen). Das hat grundsätzlich auch für Trä
gerinnen oder Versicherer der beruflichen Vorsorge gemäss BVG zu gelten (BGE 126 V 143 E. 4a mit Hin
weis). Der obsiegenden Beklagten ist daher keine Par
teientschädi
gung zu Lasten der
Klägerin
zuzusprechen.