Decision ID: 5f73feed-776e-5339-8118-5f42f07d0356
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Boris Züst, Bahnhofstrasse 14, 9430 St.
Margrethen SG,
gegen
Ersatzkasse UVG, Hohlstrasse 552, Postfach, 8048 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Fürsprecher René W. Schleifer, Stampfenbachstrasse 42, 8006 Zürich,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der arbeitslose A._ (nachfolgend: Versicherter) wurde mit Schreiben vom 12. Mai
2011 (act. G 1.8) für die Zeit vom 20. Juni 2011 bis 15. Juli 2011 für die Leistung von
Zivildienst im Einsatzbetrieb von B._ aufgeboten. Gemäss Bericht vom 30. Juli 2011
(act. G 3.1/4) und der Zeugenaussage von B._ (MV-act. G 15) war der Versicherte
effektiv vom 20. Juni 2011 bis 23. Juni 2011 und vom 25. Juni 2011 bis zum 15. Juli
2011 im Einsatzbetrieb anwesend. Am 24. Juni 2011 erbat er sich einen freien Tag zur
Erledigung privater Angelegenheiten. Der Betriebsleiter gab ihm den Tag frei, wobei
vereinbart wurde, dass dieser nachgeholt würde. Der Zivildienst wurde über diese
Änderung nicht informiert und das Aufgebot dementsprechend auch nicht angepasst.
Den freien Tag holte der Versicherte am 20. Juli 2011 im Einsatzbetrieb nach. Er geriet
an diesem Tag mit der Hand in die Kippfräse und verletzte sich schwer. Der Versicherte
wurde daraufhin im Spital C._ operiert und bis zum 25. Juli 2011 hospitalisiert. Er
wurde von den Ärzten des Spitals C._ bis voraussichtlich 7. August 2011 zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben (act. G 1.14 und 3.1/6; MV-act. G 3.1).
A.b Mit Schreiben vom 15. August 2011 (act. G 3.1/11) teilte die Ersatzkasse UVG dem
Versicherten mit, dass sie für das Unfallereignis vom 20. Juli 2011 nicht
leistungspflichtig sei, da die Prüfung ergeben habe, dass im vorliegenden Fall nicht von
einem Arbeitsverhältnis zwischen ihm und B._ ausgegangen werden könne.
A.c Mit Verfügung vom 1. September 2011 (act. G 3.1/13) bestätigte die Ersatzkasse
UVG den Inhalt des Schreibens vom 15. August 2011 und lehnte ihre Leistungspflicht
ab.
B.
Die von Rechtsanwalt lic. iur. Boris Züst, St. Margrethen, für den Beschwerdeführer
gegen diese Verfügung eingereichte Einsprache vom 20. September 2011
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(act. G 3.1/15) wies die Ersatzkasse UVG mit Entscheid vom 24. November 2011
(act. G 1.1) ab.
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 24. November 2011 richtet sich die vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eingereichte Beschwerde vom 10. Januar 2012
(act. G 1) mit den Anträgen, der Einspracheentscheid sei vollumfänglich aufzuheben
(Ziff. 1), die Haftung/Leistungspflicht für die Folgen des Unfalls vom 20. Juli 2011 seien
von der Ersatzkasse UVG zu übernehmen (Ziff. 2) und diese sei zu verpflichten, die
durch den Unfall vom 20. Juli 2011 erforderlichen Heilbehandlungen zu übernehmen
sowie dem Beschwerdeführer die weiteren Ansprüche nach Art. 15 ff. UVG
auszurichten (Ziff. 3). Im Weiteren sei dem Beschwerdeführer eine
Integritätsentschädigung nach Art. 24 UVG auszurichten. Dem Beschwerdeführer sei
für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch den
unterzeichnenden Rechtsanwalt zu gewähren (Ziff. 4). Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Das vorliegende Verfahren sei mit dem gleichzeitig anhängig
gemachten Beschwerdeverfahren gegen die Militärversicherung (MV 2012/1) zu
vereinigen und es seien die gesamten der Ersatzkasse UVG sowie der
Militärversicherung zur Verfügung stehenden Vorakten beizuziehen. Der
Beschwerdeführer sei am 20. Juli 2011 auf dem Einsatzbetrieb einer Arbeitstätigkeit
nachgegangen. Entgegen der Auffassung der Ersatzkasse handle es sich durchaus um
Arbeiten im privaten Interesse. Der Beschwerdeführer habe dem Weisungsrecht von
B._ unterstanden und für diesen am 20. Juli 2011 Arbeiten ausgeführt. Er habe
gegenüber B._ deshalb einen Anspruch auf übliche Entlöhnung für die geleistete
Arbeit.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. Januar 2012 (act. G 3) beantragte die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei bezüglich den Rechtsbegehren Ziff. 1 bis 3
und Ziff. 5 abzuweisen. Es habe am 20. Juli 2011 kein Arbeitsverhältnis bestanden,
weshalb dem Beschwerdeführer keine Arbeitnehmereigenschaft zugekommen sei.
Diese sei jedoch conditio sine qua non für eine Leistungspflicht der UVG Ersatzkasse.
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C.c Der zuständige Abteilungspräsident des Versicherungsgerichts bewilligte mit
Zwischenentscheid vom 20. März 2012 (act. G 12) das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung.
C.d Mit Replik vom 26. März 2012 (act. G 13) hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an seinen Anträgen unverändert fest und beantragte zusätzlich,
B._ sei zum vorliegenden Verfahren der Streit zu verkünden, eventualiter sei B._ im
vorliegenden Verfahren beizuladen.
C.e Mit Schreiben vom 27. März 2012 (act. G 14) teilte der Abteilungspräsident des
Versicherungsgerichts dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit, dass die
Streitverkündung an B._ bzw. dessen Beiladung in diesem Verfahren nicht möglich
seien.
C.f Mit Duplik vom 27. April 2012 (act. G 16) hielt die Beschwerdegegnerin an ihren
Anträgen unverändert fest.
C.g Am 13. September 2012 wurde B._ als Zeuge einvernommen (MV-act. G 15).

Erwägungen:
1.
1.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt die Vereinigung des vor
liegenden Verfahrens mit dem gleichzeitig anhängig gemachten Beschwerdeverfahren
gegen die Militärversicherung (MV 2012/1).
1.2 Den beiden Verfahren liegt zwar im Wesentlichen derselbe Sachverhalt zu Grunde
und es stellen sich teilweise die gleichen Rechtsfragen, doch stehen sich nicht die
gleichen Parteien gegenüber, weshalb es nicht möglich ist, die beiden Verfahren zu
vereinigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen (vgl. BGE 128 V 124 E. 1 und 128 V
192 E. 1 je mit Hinweisen).
2.
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Streitig und zu prüfen ist die Versicherteneigenschaft des Beschwerdeführers in der
Unfallversicherung. Es ist mit anderen Worten die Frage zu beantworten, ob für den
Beschwerdeführer im Unfallzeitpunkt (20. Juli 2011) eine UVG-Versicherungsdeckung
bestanden hat.
3.
3.1 Gemäss Art. 1a des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) sind die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich
Heimarbeiter, Lehrlinge, Praktikanten, Volontäre sowie die in Lehr- oder
Invalidenwerkstätten tätigen Personen obligatorisch versichert. Als Arbeitnehmer i.S.
von Art. 1a Abs. 1 UVG gilt, wer eine unselbstständige Erwerbstätigkeit i.S. des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10)
ausübt (Art. 1 UVV).
3.2 Eine Erwerbstätigkeit i.S. von Art. 4 Abs. 1 AHVG setzt die Ausübung einer auf die
Erzielung von Einkommen gerichteten bestimmten (persönlichen) Tätigkeit voraus,
mittels welcher die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhöht wird. Ob eine
Erwerbstätigkeit vorliegt bestimmt sich nicht danach, ob die betreffende Person
subjektiv eine Erwerbsabsicht für sich in Anspruch nimmt, sondern muss vielmehr
aufgrund der konkreten wirtschaftlichen Tatsachen nachgewiesen sein. Wesentliches
Merkmal einer Erwerbstätigkeit ist sodann die planmässige Verwirklichung der
Erwerbsabsicht in Form von Arbeitsleistung, welches Element ebenfalls
rechtsgenüglich erstellt sein muss (BGE 125 V 384 E. 2a mit Hinweisen; SVR 2000 AHV
Nr. 11 S. 35 E. 2a; SVR 2002 IV Nr. 27 S. 87 E. 3b).
4.
Der Beschwerdeführer bezog am 24. Juni 2011 einen - inoffiziellen, da zivildienstlich
nicht vorgesehenen (vgl. dazu Entscheid MV 20412/1 vom 27. November 2012) -
"Urlaubstag". Diesen holte er gemäss der mit Einsatzbetriebsleiter B._ getroffenen
Abmachung am 20. Juli 2011 nach. Auch wenn sich, wie die durchgeführte
Zeugeneinvernahme vom 13. September 2012 im Parallelverfahren gegen die
Militärversicherung ergeben hat, der Beschwerdeführer und B._ bewusst waren oder
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zumindest vermuteten, dass ihre Abmachung vorschriftswidrig war, bestand doch ganz
eindeutig die Absicht, diesen Zivilschutzeinsatz zeitlich zu erfüllen und damit einer
rechtlich auferlegten Pflicht vollumfänglich nachzukommen und nicht - wie es für eine
Erwerbstätigkeit vorausgesetzt ist - mit der ausgeübten Tätigkeit die Leistungsfähigkeit
zu steigern bzw. ein Erwerbseinkommen zu erzielen. Bezeichnenderweise erhielt der
Beschwerdeführer für diesen "Nachholtag" denn auch keinen Lohn. Mit anderen
Worten war eine Erwerbsabsicht im Zusammenhang mit dem bei B._ geleisteten
Einsatz von vornherein nie vorhanden. Somit liegt keine Erwerbstätigkeit i.S. von Art. 4
Abs. 1 AHVG vor und es kommt dem Beschwerdeführer daher keine
Arbeitnehmereigenschaft i.S. von Art. 1a UVG zu. Dies gilt unabhängig davon, ob der
Nachholtag zivildienstrechtlich zulässig war oder nicht.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]).
5.3 Dem Beschwerdeführer wurde am 20. März 2012 die unentgeltliche Rechtsverbei
ständung bewilligt. Zufolge der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ist der Staat zu
verpflichten, für die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers
aufzukommen. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt
und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis
Fr. 12'000.--. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint mit Blick auf
die Anforderungen und Komplexität der Streitsache eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 2'500.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes [AnwG; sGS 963.70]). Somit hat der Staat den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse es
gestatten, kann der Beschwerdeführer jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden
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(Art. 123 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99
Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP