Decision ID: e8ffbf17-7f78-539b-bdab-b242048b35c4
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Unter dem Namen Stiftung X (nachfolgend Stiftung) wurde am 25. März 2019 eine
Stiftung im Sinn von Art. 80 ff. ZGB mit Sitz in A errichtet. Gemäss Art. 2 der
Stiftungsurkunde bezweckt die Stiftung den Einsatz für die Interessen benachteiligter
Tiere. Zu diesem Zweck beheimatet und betreut sie Tiere, welche infolge von Blindheit,
Behinderung, hohem Alter, Inkontinenz oder schwieriger Sozialisation spezielle
Bedürfnisse haben, oder Tiere, welche sich in einem Umfeld befinden, wo sie aus
Notgründen nicht mehr bleiben können. Die Stiftung bietet diesen Tieren ein Zuhause
jenseits menschlicher Nutzungsansprüche, weshalb sie weder weitervermittelt noch
verkauft werden. Das jeweils aufgenommene Tier hat Anspruch auf eine
lebenslängliche Betreuung und Beheimatung auf dem Hof der Stiftung. Tiere, welche
dort zur Welt kommen, bleiben lebenslänglich.
B.- Am 21. Oktober 2020 ersuchte die Stiftung durch ihren Rechtsvertreter um
Befreiung von der Steuerpflicht. Mit Verfügung vom 8. Januar 2021 wies das Kantonale
Steueramt das Steuerbefreiungsgesuch ab. Die dagegen erhobene Einsprache vom
8. Februar 2021 wurde durch das Kantonale Steueramt mit Entscheid vom 7. April
2021 abgewiesen.
C.- Gegen den Einspracheentscheid erhob die Stiftung durch ihren Rechtsvertreter mit
Eingaben vom 11. Mai 2021 Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VKR). Sie beantragte, die
Einspracheentscheide vom 7. April 2021 sowie die Verfügungen vom 8. Januar 2021
des Kantonalen Steueramts seien aufzuheben und die Stiftung von der Steuerpflicht zu
befreien, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die Vorinstanz verzichtete mit
Schreiben vom 26. Mai 2021 auf eine Vernehmlassung und beantragte, der Rekurs und
die Beschwerde seien abzuweisen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich zur
Beschwerde nicht vernehmen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide vom 7. April 2021 hinsichtlich der
Befreiung von den Kantonssteuern und der direkten Bundessteuer. Hierbei handelt es
sich um verschiedene Steuern, welche verschiedenen Gemeinwesen zufliessen und
welche Gegenstand getrennter Veranlagungen und Verfahren sind. Dies bedeutet, dass
zwei Entscheide zu fällen sind, die in einem einzigen Dokument enthalten sein können –
der eine für die Kantonssteuern und der andere für die direkte Bundessteuer – mit
getrennten Begründungen, wobei Verweisungen zulässig sind, und eigenen
Rechtssprüchen (Dispositiven) oder zumindest einem Rechtsspruch, der die beiden
Steuern ausdrücklich auseinanderhält (BGE 130 II 509 E. 8.3 = Pra 94 [2005] Nr. 114).
Dementsprechend werden der Rekurs und die Beschwerde in einem einzigen
Dokument behandelt und die Steuern im gemeinsamen Rechtsspruch
auseinandergehalten. Spätere höchstrichterliche Differenzierungen bezüglich Form und
Inhalt von Entscheiden (BGE 135 II 260 E. 1.3.1 und 142 II 293 E. 1.2) haben an der
Zulässigkeit dieser Vorgehensweise nichts geändert.
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Rekurs
und Beschwerde vom 11. Mai 2021 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des St. Galler Steuergesetzes, sGS 811.1,
abgekürzt: StG; Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer,
SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs und die
Beschwerde ist einzutreten, soweit sie sich gegen die Einspracheentscheide richten.
Nicht einzutreten ist auf den Rekurs und die Beschwerde jedoch, soweit damit die
Aufhebung der Verfügungen des Kantonalen Steueramts vom 8. Januar 2021 beantragt
wird. Diese Verfügungen sind mit dem Erlass der Einspracheentscheide weggefallen.
II. Kantonssteuern
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3.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Rekurrentin öffentliche oder
gemeinnützige Zwecke verfolgt und deshalb von der Steuerpflicht zu befreien ist.
a) Die Vorinstanz erwog, dass eine Befreiung von der Steuerpflicht eine gemeinnützige
Tätigkeit erfordere. Im Tierschutzgesetz sei kein absoluter Schutz des Tierlebens
verankert. Der Gesetzgeber habe sich darauf beschränkt, grausame oder
unbegründete Tötungen von Tieren zu ahnden. Die Rekurrentin beherberge
nachweislich auch Tiere, welche vor der Schlachtung gerettet worden seien. Sämtliche
Tiere würden von der Rekurrentin bis an deren Lebensende gehalten. Damit bezwecke
sie den absoluten Schutz des Tierlebens. Dies gehe über den allgemein anerkannten
Tierschutz und somit auch über den Begriff der Gemeinnützigkeit im steuerrechtlichen
Sinn hinaus. Zudem setze sich die Stiftung für eine vegane Ernährung ein. Dabei handle
es sich um politisch motivierte und keine gemeinnützigen Aktivitäten. Des Weiteren
würden die Stiftungsorgane nicht vollkommen uneigennützig handeln. 2015 sei der Hof
der Rekurrentin von einer Schlammlawine erfasst worden, worauf die heutigen
Stiftungsorgane einen Verein (Rechtsvorgänger der Rekurrentin) gegründet hätten. Es
könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Stiftungsorgane damit eine
Sanierung ihrer Liegenschaft sowie den Unterhalt ihrer privat gehaltenen Tiere
beziehungsweise ihre Freizeitbeschäftigung finanziert hätten. Zusätzlich würde die
Tochter der Stiftungsräte auf der Internetseite der Rekurrentin Dienstleistungen im
Bereich der Katzenkommunikation anbieten. Dementsprechend würden die
Stiftungsräte und ihnen nahestehende Personen nicht ausschliesslich uneigennützige
Zwecke verfolgen. Folglich fehle es auch am Nachweis, dass die Rekurrentin dauerhaft
und ausschliesslich uneigennützig tätig sei beziehungsweise sein werde.
Zusammenfassend sei nicht nachgewiesen, dass die Rekurrentin dauerhaft und
ausschliesslich gemeinnützige Zwecke verfolge, weshalb sie nicht von der Steuerpflicht
zu befreien sei.
b) Die Rekurrentin hält dem entgegen, sie beherberge aktuell über 70 Tiere, welche aus
Beschlagnahmungen von Veterinärämtern oder aus Tierheimen und ähnlichen
Einrichtungen kommen würden, wo sie wegen ihres Alters, gesundheitlicher Probleme
oder anderweitig begründeten, erhöhten Betreuungsbedarfs nicht weitervermittelt
werden konnten. Damit entlaste sie Tierheime und letztlich auch die öffentliche Hand.
Daneben betreibe die Rekurrentin Aufklärungsarbeit im Bereich der Beziehung
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zwischen Mensch und Tier. Sporadisch führe sie auch Katzenkastrationen auf
Bauernhöfen durch, womit eine unkontrollierte Vermehrung vermieden werden solle.
Ein weiteres Nebenprojekt sei die Beratung und finanzielle Unterstützung von Senioren
mit Tieren. Die Rekurrentin stellt sich auf den Standpunkt, dass sie damit zumindest
teilweise öffentliche Zwecke verfolge. Ihre übrigen Tätigkeiten seien gemeinnützig. Der
Tierschutz gelte zweifellos als gemeinnütziger Zweck, wobei er sich nicht auf das
Tierschutzgesetz beschränke. Das Tier geniesse über den Schutz der Würde und des
Wohlergehens hinaus einen umfassenden Lebensschutz. Deshalb erfülle die
Rekurrentin die Voraussetzung der Gemeinnützigkeit. Entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz verfolge die Rekurrentin auch keine eigennützigen Ziele. Die Betreuung der
Tiere sei mit einem grossen Einsatz verbunden, für den gänzlich auf eine finanzielle
Gegenleistung verzichtet werde. Auch die Dienstleistungen im Bereich der
Katzenkommunikation würden unentgeltlich angeboten. Die Spendengelder im
Zusammenhang mit der Schlammlawine seien einzig für Sanierungen an den
Einrichtungen für die Tierhaltung eingesetzt worden. Der Rekurrentin werde auch zu
Unrecht ein künftiger Interessenkonflikt unterstellt. Es würden keine Darlehen oder
andere finanzielle Verflechtungen zwischen den Privatpersonen und der Rekurrentin
bestehen. Die personelle Union von Stiftern, Stiftungsrat und der Personen, welche die
Stiftungstätigkeit ausführen sei keineswegs unüblich und stehe einer Anerkennung der
Gemeinnützigkeit nicht im Weg. Schliesslich sei gemäss der Stiftungsurkunde eine
Zweckentfremdung ausgeschlossen. Somit erfülle die Rekurrentin sämtliche
Voraussetzungen, um von der Steuerpflicht befreit zu werden.
c) aa) Nach Art. 80 Abs. 1 lit. g StG sind juristische Personen, die öffentliche oder
gemeinnützige Zwecke verfolgen, für den Gewinn und das Kapital, die ausschliesslich
und unwiderruflich diesen Zwecken gewidmet sind, von der Steuerpflicht befreit.
Inhaltlich stimmt die Vorschrift mit Art. 23 Abs. 1 lit. f des
Steuerharmonisierungsgesetzes (SR 642.14, abgekürzt: StHG) und Art. 56 lit. g DBG
überein (vgl. hinten E. 4), weshalb nachfolgend auch auf die entsprechende
Rechtsprechung und Lehre zu den bundesrechtlichen Vorschriften verwiesen werden
kann. Die Tatsachen, welche zur Steuerbefreiung führen, sind steueraufhebender
Natur. Für ihr Vorhandensein trägt deshalb die Rekurrentin nach den allgemeinen
Regeln im Steuerrecht die Beweislast (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer]
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2C_620/2020 vom 19. Januar 2021 E. 9.2; Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische
Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, VII. Teil N 23).
bb) Damit eine Institution wegen Erfüllung öffentlicher Zwecke steuerbefreit werden
kann, muss sie Aufgaben erfüllen, die zu den Obliegenheiten des Gemeinwesens
gehören, wie beispielsweise Aufgaben im Bereich des Spital- und Bestattungswesens,
der Lieferung von Elektrizität, Gas und Wasser, der Abfallbeseitigung, der Förderung
der Regionalplanung, der Wohneigentumsförderung, der Förderung von Kunst und
Kultur, der Wirtschaftsförderung usw. Der Begriff des öffentlichen Zwecks ist mit
Rücksicht auf den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Allgemeinheit der Steuern
(Art. 127 Abs. 2 BV) restriktiv auszulegen. Er umfasst lediglich eigentliche Tätigkeiten
und Aufgaben, die vom Gemeinwesen wahrgenommen werden oder nach der
Volksanschauung wahrgenommen werden können (BGer 2C_77/2007 vom 2. April
2009 E. 3.3). Die Verfolgung öffentlicher Zwecke im Sinn von Art. 80 Abs. 1 lit. g StG ist
nach ständiger Rechtsprechung da anzunehmen, wo einer juristischen Person durch
einen öffentlich-rechtlichen Erlass oder Verwaltungsakt die Erfüllung einer bestimmten
öffentlichen Aufgabe überbunden worden ist (BGE 131 II 1 S. 6 f.). Die Übertragung der
entsprechenden Aufgabe durch das Gemeinwesen kann sich aber auch aus sonstigen
Umständen ergeben. Eine solche wird regelmässig angenommen, wenn eine
angemessene Vertretung der öffentlichen Hand im Vorstand der juristischen Person
statuarisch und tatsächlich gewährleistet ist (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, Art. 56 N 56 f.).
Die Rekurrentin bringt vor, sie beherberge und pflege Tiere aus Beschlagnahmungen
von Veterinärämtern sowie aus Tierheimen und ähnlichen Einrichtungen, wo sie wegen
ihres Alters, gesundheitlicher Probleme oder anderweitig begründeten, erhöhten
Betreuungsbedarfs nicht weitervermittelt werden konnten. Damit verfolge sie
öffentliche Zwecke. Zu berücksichtigen ist indes, dass es ihr an einem öffentlichen
Leistungsauftrag fehlt. Es wurde ihr weder durch einen öffentlich-rechtlichen Erlass
oder Verwaltungsakt die Tätigkeit als Hof für Tiere aus Beschlagnahmungen oder aus
Tierheimen überbunden, noch ist die öffentliche Hand im Vorstand der Rekurrentin
vertreten. Die Voraussetzungen für eine Steuerbefreiung aufgrund der Erfüllung eines
öffentlichen Zwecks sind damit von vornherein nicht gegeben. Im Übrigen ist ohnehin
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fraglich, ob die Tätigkeit der Rekurrentin unter den steuerrechtlichen Begriff des
öffentlichen Zwecks fällt, worauf im Folgenden einzugehen ist.
cc) Wo eine juristische Person aus eigenem Willen und ohne öffentlich-rechtliche
Verpflichtung eine im Gemeinwohl liegende Aufgabe verfolgt, stellt sich die Frage, ob
sie sich gemeinnützigen Zwecken widmet (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O.,
Art. 56 N 56 f.). Gemeinnützig im steuerrechtlichen Sinn ist die – statutenmässige und
tatsächliche – Betätigung zur Förderung der öffentlichen Wohlfahrt, durch die
zugunsten einer unbeschränkten Vielzahl Dritter uneigennützig und auf Dauer Opfer
erbracht werden. Sie liegt deshalb nur vor, wenn die Leistungen ausschliesslich in
altruistischer Art und Weise Dritten zugutekommen, ohne dass dabei Eigeninteressen,
persönliche wirtschaftliche Interessen der juristischen Person oder ihrer Mitglieder
verfolgt werden (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 56 N 63). Die Verfolgung
eines Allgemeininteresses ist grundlegend für eine Steuerbefreiung wegen
Gemeinnützigkeit. Das Gemeinwohl kann gefördert werden durch Tätigkeiten in
karitativen, humanitären, gesundheitsfördernden, ökologischen, erzieherischen,
wissenschaftlichen und kulturellen Bereichen. Als das Gemeinwohl fördernd erscheinen
beispielsweise die soziale Fürsorge, Kunst und Wissenschaft, Unterricht, die Förderung
der Menschenrechte, Heimat-, Natur- und Tierschutz sowie die Entwicklungshilfe
(Locher, Kommentar zum DBG, II. Teil, Therwil/Basel 2004, Art. 56 N 85 f.). Neben dem
Handeln im Allgemeininteresse setzt Gemeinnützigkeit auch Uneigennützigkeit voraus,
das heisst selbstloses altruistisches Handeln. Es dürfen keine eigenen Interessen
verfolgt werden. Mithin ist das Fehlen von Erwerbszwecken Voraussetzung für eine
vollständige oder teilweise Steuerbefreiung. Erwerbszwecke liegen vor, wenn eine
juristische Person im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf oder in wirtschaftlicher
Monopolstellung mit dem Zweck der Gewinnerzielung Kapital und Arbeit einsetzt und
dabei für ihre Leistungen insgesamt ein Entgelt fordert, wie es im Wirtschaftsleben
üblicherweise bezahlt wird (Locher, a.a.O., Art. 56 N 95). Gemeinnützigkeit ist nur dann
gegeben, wenn mit den Leistungen an Dritte erhebliche personelle oder finanzielle
Opfer erbracht werden, wenn also der Leistung keine Gegenleistung gegenübersteht.
Die erheblichen Leistungen können dabei personeller oder finanzieller Art sein (Richner/
Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 56 N 72). Von Gemeinnützigkeit kann schliesslich
nur da gesprochen werden, wo die Tätigkeit einem grundsätzlich unbeschränkten Kreis
von Personen zugutekommt. Hat nur ein zum Voraus bestimmter enger Kreis von
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Personen Zugang zur gemeinnützigen Tätigkeit, ist eine Steuerbefreiung nicht möglich
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 56 N 75; SGE 2008 Nr. 17 E. 2.4). Die
Voraussetzungen für die Steuerbefreiung müssen sowohl nach den Statuten der
juristischen Person als auch aufgrund ihres tatsächlichen Wirkens erfüllt sein. Es ist zu
prüfen, ob und wie das Vermögen und das Einkommen der juristischen Person nach
den übrigen Bestimmungen der Statuten und den wirtschaftlichen Verhältnissen in dem
bis zum Entscheid überblickbaren Zeitraum tatsächlich für die dauernde Erfüllung des
gemeinnützigen Zwecks verwendet werden (Locher, a.a.O., Art. 56 N 80;
Eidgenössische Steuerverwaltung, Kreisschreiben Nr. 12 vom 8. Juli 1994 betreffend
Steuerbefreiung im DBG, Ziff. II 2d).
Vorliegend ist unbestritten, dass Tätigkeiten im Bereich des Tierschutzes gemeinnützig
sein können. Zwischen der Vorinstanz und der Rekurrentin bestehen jedoch
Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Frage, ob die Tätigkeit der Rekurrentin
unter den in der Schweiz anerkannten Tierschutz fällt. Die Vorinstanz stellt sich auf den
Standpunkt, die Rekurrentin verfolge einen absoluten Schutz des Tierlebens, was über
den gesetzlichen Tierschutz hinausgehe und somit nicht als gemeinnützig im
steuerrechtlichen Sinn gelte. Nach Auffassung der Rekurrentin beschränkt sich der
Tierschutz nicht auf die Tierschutzgesetzgebung, sondern enthält einen umfassenden
Lebensschutz. Ihre Tätigkeit sei demnach als gemeinnützig zu qualifizieren.
Der Tierschutz ist in der Schweiz verfassungsmässig verankert (vgl. Art. 80 BV).
Gestützt darauf traten am 1. November 2008 das Tierschutzgesetz (SR 455, abgekürzt:
TSchG) sowie die Tierschutzverordnung (SR 455.1, abgekürzt: TSchV) in Kraft. Gemäss
Art. 1 TSchG ist der Zweck des Tierschutzes, die Würde und das Wohlergehen des
Tieres zu schützen. Der Würdebegriff umfasst neben der Abwesenheit von Schmerzen,
Leiden, Schäden und Angst auch ethische Aspekte. Das Tierschutzgesetz schützt
jedoch nicht das Leben des Tieres als solches. Sofern die Rahmenbedingungen des
Tierschutzrechts eingehalten werden, ist das Töten von Tieren erlaubt. Darunter fallen
sowohl das Schlachten, d.h. das Töten von Tieren zur Lebensmittelgewinnung (vgl.
Art. 2 Abs. 3 lit. n TSchV), als auch das anderweitige Töten von Tieren (vgl. Botschaft
zur Revision des Tierschutzgesetzes vom 9. Dezember 2002, BBl 2003 S. 613).
Dementsprechend hat der schweizerische Gesetzgeber nicht versucht, Tiere am Leben
zu halten, sondern beschränkte sich darauf, die grausame oder böswillige Tötung von
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Tieren zu bestrafen (BGer 2C_147/2019 vom 20. August 2019 E. 5.6.1). Dies bedeutet,
dass Tiere – unter Vorbehalt des Artenschutzrechts sowie des Tatbestandes der
Tierquälerei – auch ohne vernünftigen Grund getötet werden dürfen, solange die
Tötung durch eine sachkundige Person erfolgt (vgl. Art. 177 Abs. 1 TSchV). Wie die
Rekurrentin aber zu Recht vorbringt, erscheint ein Verzicht auf den Lebensschutz der
Tiere unter dem Aspekt der Tierwürde problematisch. Es wirkt widersprüchlich, den
Eigenwert des Tieres anzuerkennen und gleichzeitig eine (schmerzlose) Tötung ohne
Rechtfertigungsgrund zuzulassen (vgl. Schärmli/Griffel, BSK BV, 2015, Art. 80 BV N 43,
mit Hinweisen). Obwohl dieser Wertungswiderspruch von der Literatur mehrfach
kritisiert wurde, war er vom Bundesgesetzgeber explizit gewollt (vgl. Botschaft, in BBl
2003 S. 613). Demnach umfasst der aktuelle Tierschutz in der Schweiz entgegen der
Auffassung der Rekurrentin keinen absoluten Schutz des Tierlebens.
Die Tätigkeit der Rekurrentin besteht im Wesentlichen darin, Tiere – vorwiegend mit
einer erhöhten Pflegebedürftigkeit aufgrund von Behinderungen oder sonstigen Leiden
– zu beherbergen und zu pflegen. Wie die Vorinstanz zu Recht vorbringt, wäre ein
Grossteil der von der Rekurrentin aufgenommenen Tiere ohne deren Tätigkeit
eingeschläfert bzw. geschlachtet worden. Folglich gehört es zur Tätigkeit der
Rekurrentin, Tiere vor dem Tod zu retten, damit diese ihr Leben trotz ihrer erhöhten
Pflegebedürftigkeit fortsetzen können. Darüber hinaus nimmt die Rekurrentin Tiere auf,
welche aufgrund ihrer Behandlungsbedürftigkeit von Tierheimen nicht weitervermittelt
werden können. Diese Tätigkeiten stellen durchaus ein ehrenwertes Engagement dar.
Die Rekurrentin geht damit aber weiter, als der Tierschutz nach schweizerischem
Recht, der als gemeinnützig anerkannt ist (BGer 2C_147/2019 vom 20. August 2019
E. 5.6.1). Demnach widmet sich die Rekurrentin nicht gemeinnützigen Zwecken im Sinn
des Steuerrechts, weshalb die Vorinstanz das Gesuch um Steuerbefreiung zu Recht
abgewiesen hat. Sämtliche Nebentätigkeiten der Stiftung, wie bspw. die Unterstützung
von Senioren mit Tieren oder Dienstleistungen im Bereich der Katzenkommunikation,
finden sodann keine Grundlage in der Stiftungsurkunde, womit sie nicht unter den
Stiftungszweck fallen. Somit kann die Rekurrentin gestützt darauf nicht von der
Steuerpflicht befreit werden, weshalb sich eine Prüfung der Gemeinnützigkeit der
Nebentätigkeiten erübrigt. Ferner ist der Vergleich der Rekurrentin mit anderen
Tierheimen und Auffangstationen, die von der Steuerpflicht befreit seien, und die
Berufung auf die Rechtsgleichheit, unbehelflich. Aufgrund des Steuergeheimnisses sind
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die Umstände für die Steuerbefreiung dieser Institutionen nicht bekannt. Zudem liegt
die Tätigkeit von Tierheimen darin, Haustiere aufzunehmen, welche bspw. von ihren
Eigentümern ausgesetzt wurden. Damit widmen sich die Tierheime im Gegensatz zur
Rekurrentin dem Tierschutz nach Art. 1 TSchG. Im Übrigen ist ohnehin jeder Einzelfall
individuell zu beurteilen. Aus der Steuerbefreiung anderer juristischen Personen kann
deshalb nicht ohne Weiteres auf die Steuerbefreiung der Rekurrentin geschlossen
werden. Die Prüfung der weiteren Voraussetzungen für eine Steuerbefreiung entfällt, da
die Rekurrentin bereits mangels gemeinnütziger Zweckverfolgung nicht von der
Steuerpflicht zu befreien ist.
Auch wenn die Rekurrentin mit ihrem Begehren unterliegt und die steuerrechtlichen
Voraussetzungen für eine Steuerbefreiung nicht erfüllt, ist ihr Einsatz für die Tiere
anzuerkennen. Aus den Akten ist sodann nicht ersichtlich, inwiefern die Rekurrentin
eigennützige Zwecke verfolgen würde – was ihr von der Vorinstanz vorgeworfen wird.
Der Verdacht der Vorinstanz, der Verein sei damals (nach den Zerstörungen durch die
Murgänge) lediglich gegründet worden, um durch Spendengelder die Sanierung der
Liegenschaft der heutigen Stiftungsorgane zu finanzieren, entbehrt jeglicher Beweise.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Rekurrentin weder einen öffentlichen noch
einen gemeinnützigen Zweck verfolgt. Die Vorinstanz hat das Gesuch um
Steuerbefreiung zu Recht abgewiesen. Der Rekurs ist demzufolge abzuweisen.
III. Direkte Bundessteuer
4.- Art. 80 Abs. 1 lit. g StG entspricht inhaltlich Art. 56 lit. g DBG. Diese Bestimmungen
harmonieren mit Art. 23 Abs. 1 lit. f StHG. Daraus folgt, dass die Erwägungen zu den
Kantonssteuern für die direkte Bundessteuer analog massgebend sind. Für die direkte
Bundessteuer ergibt sich dasselbe Ergebnis wie bei den Kantonssteuern. Demnach
erweist sich die Beschwerde ebenfalls als unbegründet; sie ist abzuweisen.
IV. Kosten
5.- Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten des Rekurs- und des
Beschwerdeverfahrens der Rekurrentin und Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95
Abs. 1 VRP, Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von je Fr. 600.–, insgesamt
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Fr. 1'200.–, erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12 und Art. 144 Abs. 5 DBG). Die Kostenvorschüsse von insgesamt Fr. 1'200.–
sind damit zu verrechnen.