Decision ID: 885d8f5f-9189-459d-9dd6-b44ed15f045d
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ In den Wiesen am westlichen Abhang des Tannenbergs im Gebiet Andwil
entspringen der Arneggerbach und seine Zuflüsse, namentlich der Weideggbach und
der Neueggbach. Der Arneggerbach fliesst entlang der Bettenstrasse in nördlicher
Richtung, unterquert nördlich der Stadelackerstrasse die Bettenstrasse, wendet sich –
unterirdisch verlaufend - gegen Westen und unterquert die Bischofszellerstrasse
(Kantonsstrasse). Weiter verläuft er in westsüdwestlicher – bis zur Werkstrasse
weitgehend unterirdisch, danach weitgehend oberirdisch – und nach einer S-Kurve in
westlicher Richtung, um die Bahnlinie Gossau-Sulgen zu unterqueren und nach
ungefähr südlichem Verlauf in den von Westen her kommenden Loobach zu münden
(vgl. www.geoportal.ch, Karte Gewässer Rechtszustand, letztmals aufgesucht am 8.
November 2013).
X.Y. ist Eigentümer der Grundstücke Nrn. 0000 und 0001, die Z.Z. AG (bis September
2012 Z. AG) der Grundstücke Nrn. 0002 und 0003, alle Grundbuch Gossau. Die
Grundstücke bilden eine durchgehende Verbindung zwischen der Bischofszellerstrasse
im Osten und der Bahnlinie im Westen, nämlich in der Abfolge Nr. 0003 (WG3, 3'277
Quadratmeter, überbaut mit Wohnhaus, Werkstatt, Autoreparaturwerkstatt sowie
Garagen beziehungsweise Lager), Nr. 0002 (GI A, 4'050 Quadratmeter, überbaut mit
Werkhalle mit Wohnung und Lagerhalle), Nr. 0001 (GI A, 9'758 Quadratmeter, nicht
überbaut) und Nr. 0000 (GI A, 4'568 Quadratmeter, überbaut mit Lagerhaus,
Silogebäude mit Mühle sowie Gebäude für Ver-/Entsorgung). Zurzeit verläuft der
Arneggerbach nördlich des Grundstückes Nr. 0003 (oberirdisch), entlang der
nördlichen Grenze der Grundstücke Nr. 0002 (östlich der Werkstrasse unterirdisch) und
Nr. 0001 (westlich der Werkstrasse oberirdisch) und anschliessend über den nördlichen
Bereich des Grundstücks Nr. 0000 (unterirdisch).
B./ Das Siedlungsgebiet von Arnegg wird bei grösseren Niederschlagsereignissen
immer wieder überflutet. 1972 und 1983 wurden neben dem Industriegebiet auch
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grosse Teile des Dorfkerns und das Bahnhofareal stark in Mitleidenschaft gezogen. Der
Arneggerbach wurde deshalb im Jahr 1996 westlich der Bahnlinie ausgebaut. Das
gleichzeitig für den östlichen Verlauf ausgearbeitete Projekt wurde nicht realisiert. Am
4. Mai 2001 wurde das Dorf Arnegg bei extremen Niederschlägen –
fünfhundertjährliches Ereignis - wegen der zu geringen Abflusskapazität des
Arneggerbaches überflutet. In der Folge wurden von der Q. AG, St. Gallen,
verschiedene Varianten zur Sanierung des Abschnittes des Arneggerbaches zwischen
der Bettenstrasse und der SBB-Linie ausgearbeitet (vgl. act. 11/2).
Im Jahr 2003 wurde für das Gebiet Arnegg eine Gefahrenkarte erstellt. Am 24. Januar
2005 unterzeichnete X.Y. für die Z. AG eine Vereinbarung mit der Stadt Gossau, in
welcher er sich im Grundsatz mit der Linienführung der Variante 7a der Studie der Q.
AG einverstanden erklärte. Auf der Grundlage dieser Variante erstattete die U. AG,
Gossau, am 20. Juni 2007 im Auftrag der Stadt Gossau und des kantonalen
Tiefbauamtes einen Technischen Bericht zur Sanierung des Arneggerbaches im
Abschnitt zwischen der Bettenstrasse und der Bahnlinie. Am 7. August 2007
genehmigte das Baudepartement das Projekt. Es sieht vor, dass der Arneggerbach
beim Zusammenfluss mit dem Weideggbach die Bettenstrasse unterquert und westlich
des Durchlasses den Neueggbach aufnimmt. Der Abschnitt zwischen der
Bettenstrasse und der Bischofszellerstrasse soll im Bereich des teilweise nach Süden
verlegten Hüttenwegs in westlicher Richtung verlaufen. Die Bischofszellerstrasse wird
anschliessend in nordwestlicher Richtung unterquert. Auf dem Grundstück Nr. 0003
soll der Bach im Bereich der bestehenden Gebäude zunächst in westlicher, nachher in
nördlicher und anschliessend wiederum in westlicher Richtung entlang der nördlichen
Grenze des Grundstückes Nr. 0002 bis zur Werkstrasse und entlang der nördlichen
und westlichen Grenze des Grundstückes Nr. 0001 gegen Westen und Süden bis zum
Grundstück Nr. 0000 verlaufen. Mit Ausnahme der Unterquerungen der Betten-, der
Bischofszeller- und der Werkstrasse sowie der Unterquerung des Grundstücks Nr.
0000, des Bahnhofsareals und der Bahnlinie ist ein oberirdischer Verlauf vorgesehen
(vgl. act. 11/4 Beilage 7, Situation Bauprojekt 1:500).
Der Stadtrat Gossau legte das Wasserbauprojekt vom 15. Januar bis 13. Februar 2008
öffentlich auf. Gleichzeitig lagen der Baulinienplan "Sanierung Arneggerbach", der
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Teilstrassenplan "Hüttenweg", der Teilzonenplan "Stationsstrasse" und der
Gewässerperimeter auf.
C./ Am 13. Februar 2008 erhob X.Y. für sich und die Z. AG beim Baudepartement
Einsprache gegen das Wasserbauprojekt. Gleichzeitig wandte er sich auch gegen den
Gewässerperimeter sowie den Teilzonen- und den Baulinienplan. Das kantonale
Tiefbauamt führte am 18. März 2008 zusammen mit den Verfahrensbeteiligten eine
Einspracheverhandlung mit Augenschein durch. Am 10. Juli 2008 vereinbarten die
Politische Gemeinde Gossau einerseits und die Z. AG und X.Y. anderseits den
vorzeitigen Baubeginn für die Lose 1 (Verlauf westlich der SBB-Gleise), 2
(Unterquerung des Bahnhofareals und der SBB-Gleise) und 3 (Unterquerung des
Grundstücks Nr. 0000) des Projekts (act. 11/5). Nach diversen Verhandlungen und
Abklärungen zu den noch offenen Punkten der Einsprache arbeiteten die Vorinstanz
und die Beschwerdegegnerin im August 2011 eine Gesamtvereinbarung aus, welche
X.Y. indessen nicht unterzeichnete. In der Folge wies das Baudepartement am 27.
März 2012 die Einsprache, soweit es darauf eintrat, ab und verzichtete auf die
Erhebung einer Entscheidgebühr.
D./ X.Y. erhob für sich sowie für die Z. AG (nachfolgend Beschwerdeführer) gegen den
Entscheid des Baudepartements (nachfolgend Vorinstanz) vom 27. März 2012 mit
Eingabe vom 1. April 2012 und Ergänzung vom 14. Mai 2012 (Poststempel)
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem sinngemässen Begehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren
Verhandlungen und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Am 11. Mai 2012 reichte die Z. AG bei der Politischen Gemeinde Gossau ein
Bauermittlungsgesuch ein, um abzuklären, ob die geplante Erweiterung der Werkhallen
auf ihren Grundstücken Nrn. 0002 und 0003 auch mit der geplanten Verschiebung und
Offenlegung des Arneggerbaches möglich bleibe. Am 15. Juni 2012 stellte die
Baukommission Gossau – wie auch das kantonale Tiefbauamt – grundsätzlich eine
Baubewilligung in Aussicht. Die Vorbehalte betrafen den geplanten Grenzabstand von
vier Metern zum nördlich angrenzenden Grundstück Nr. 0004 – in den Zonen GI und
WG3 gilt ein Grenzabstand von fünf Metern - sowie die geplanten Gebäude- und
Firsthöhen sowie die Gebäudetiefe, welche nicht realisiert werden könnten, solange
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das Grundstück Nr. 0003 in der Zone WG3 liege. Die Eigentümerin des Grundstücks
Nr. 0004 habe die Einsprache gegen die erforderliche Umzonung unter der Bedingung
zurückgezogen, dass das geplante Bachprojekt ausgeführt werde. Der Teilzonenplan
habe deshalb von der Vorinstanz noch nicht genehmigt werden können.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 20. Juni 2012, die Beschwerde sei
abzuweisen. Die Politische Gemeinde Gossau (nachfolgend Beschwerdegegnerin) liess
sich am 10. Juli 2012 vernehmen, ohne einen Antrag zu stellen. Auf die Ausführungen
der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind als Adressaten des angefochtenen Entscheides bzw. deren
Rechtsnachfolger und Eigentümer von Grundstücken, deren Flächen vom
Wasserbauprojekt betroffen werden, zur Erhebung des Rechtsmittels befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 29. März 2012
versandten Entscheid wurde mit Eingabe vom 1. April 2012 rechtzeitig erhoben und
erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 14. Mai 2012 in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
2. Anfechtungsobjekt ist der Entscheid über eine Einsprache gegen ein
Wasserbauprojekt, das am 7. August 2007 von der Vorinstanz genehmigt und vom 15.
Januar bis 13. Februar 2008 von der Beschwerdegegnerin öffentlich aufgelegt wurde.
Am 1. Januar 2010 ist ein neues Wasserbaugesetz (sGS 734.1, abgekürzt WBG) in
Kraft getreten, nach dessen Art. 71 die nach bisherigem Recht zuständige Behörde
oder Stelle bei Vollzugsbeginn hängige Verfahren nach bisherigem Recht abschliesst.
Auf das Projekt sind deshalb sowohl in verfahrens- als auch in materiell-rechtlicher
Hinsicht die Regeln des Wasserbaugesetzes vom 23. März 1969 (vgl. Neudruck Mai
1983 nGS 18-58 mit Nachträgen, abgekürzt aWBG) anwendbar. Die Vorinstanz war
gemäss Art. 37 Abs. 3 aWBG (in der Fassung gemäss III. Nachtragsgesetz zum Gesetz
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über die Verwaltungsrechtspflege vom 9. November 1995, angewendet ab 1. März
1996, nGS 31-27) zum Entscheid über die Einsprache zuständig.
3. Der Beschwerdeführer ersucht in der Ergänzung der Beschwerde vom 14. Mai 2012
darum, die
eingereichte Bauermittlung im Bereich des Baches umgehend zu bearbeiten, damit die
Erweiterung der Werkhallen vor der Bachausbaute verwirklicht werden könne. Das
Bauermittlungsgesuch, das der Baubewilligungsbehörde zur vorgängigen Abklärung
wichtiger Baufragen eingereicht werden kann (vgl. Art. 91 Abs. 1 des Gesetzes über die
Raumplanung und das öffentliche Baurecht [Baugesetz; sGS 731.1, abgekürzt BauG),
datiert vom 11. Mai 2012 und wurde von der Baukommission der Beschwerdegegnerin
am 15. Juni 2012 behandelt. Mit diesem weder endgültigen noch weiterziehbaren
Vorbescheid (vgl. Art. 92 Abs. 1 BauG) wurde das Bauermittlungsverfahren
abgeschlossen. Abgesehen davon, dass das Begehren nicht das Wasserbauprojekt,
sondern das Bauermittlungsverfahren betrifft, ist es hinfällig. Gleiches gilt auch für den
sinngemässen Antrag, das Verfahren betreffend das Wasserbauprojekt sei bis zum
Abschluss des Bauermittlungsverfahrens zu sistieren.
Aus der inhaltlichen Beurteilung des Gesuchs wird im Übrigen ersichtlich, dass die mit
dem Wasserbauprojekt verbundene Offenlegung und Verlegung des Arneggerbaches
der Realisierung des Bauvorhabens der Beschwerdeführer nicht entgegen steht. Die
Vorbehalte – Unterschreitung des minimalen Grenzabstandes gegenüber dem nördlich
angrenzenden Grundstück Nr. 0004, Überschreitung der in der Zone WG3 geltenden
Gebäude- und Firsthöhe sowie Gebäudetiefe – stehen nur insoweit in einem
Zusammenhang mit dem Wasserbauprojekt, als die Eigentümerin des Grundstücks Nr.
0004 den Rückzug ihrer Einsprache gegen die erforderliche Änderung des
Zonenplanes von der Ausführung des Bachprojekts abhängig macht. Kann das einzig
von den Beschwerdeführern in Frage gestellte Wasserbauprojekt realisiert werden,
kann in der Folge auch der Zonenplan geändert werden, zumal auf ein
Referendumsverfahren wohl verzichtet werden kann (vgl. Art. 30 Abs. 1 Satz 2 BauG).
Wollten die Beschwerdeführer ihr Erweiterungsvorhaben vor dem Bachausbau
realisieren, wäre deshalb zu erwarten gewesen, dass sie Schritte zur Ermöglichung der
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erforderlichen Zonenplanänderung unternommen oder aber ihr Projekt den rechtlichen
Gegebenheiten angepasst hätten. Beides haben sie nicht getan.
4. Das umstrittene Wasserbauprojekt sieht eine Verlegung des Arneggerbaches auf die
bisher vom Bachverlauf nicht betroffenen Grundstücke Nrn. 0003 und 0002 der
Beschwerdeführer vor. Zudem wird der Bachverlauf auf dem Grundstück Nr. 0001
verändert. Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist deshalb zu Recht unbestritten, dass
die Realisation des dem Hochwasserschutz dienenden Projekts die Nutzung des
Grundeigentums der Beschwerdeführer und damit Art. 26 Abs. 1 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt BV),
der das Eigentum gewährleistet, beschränken würde. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung sind die gewichtigen öffentlichen Interessen, deren Wahrung die
Verfassung fordert, der Gewährleistung des Eigentums grundsätzlich gleichgestellt. Ein
solches gewichtiges öffentliches Interesse bringt insbesondere Art. 76 BV zum
Ausdruck (vgl. BGE 105 Ia 330 E. 3c), der unter anderem in Abs. 1 den Bund
verpflichtet, für die Abwehr schädigender Einwirkungen des Wassers zu sorgen.
Grundrechtsdogmatisch stellt damit das umstrittene Wasserbauprojekt eine
Umschreibung des Inhalts der Eigentumsgarantie und keine Einschränkung im Sinn
von Art. 36 BV dar. Dies ändert allerdings nichts daran, dass das Projekt auf einer
ausreichenden gesetzlichen Grundlage beruhen (vgl. dazu nachfolgend E. 4.1.) und im
öffentlichen Interesse liegen muss (vgl. dazu nachfolgend E. 4.2.) sowie das
Eigentumsrecht der Beschwerdeführer soweit möglich zu wahren hat (vgl. dazu
nachfolgend E. 4.3.).
4.1. Soweit der Hochwasserschutz, der Aufgabe der Kantone ist, durch den Unterhalt
und raumplanerische Massnahmen nicht ausreichend gewährleistet werden kann,
müssen Massnahmen wie Verbauungen, Eindämmungen, Korrektionen, Geschiebe-
und Hochwasserrückhalteanlagen sowie alle weiteren Vorkehrungen, die
Bodenbewegungen verhindern, getroffen werden (vgl. Art. 2, Art. 3 Abs. 1 und 2 sowie
Art. 12 des Bundesgesetzes über den Wasserbau, SR 721.100). Gemäss Art. 37 Abs. 1
Ingress und lit. a des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer
(Gewässerschutzgesetz; SR 814.20, abgekürzt GSchG; Fassung der Bestimmung vom
22. März 2013, in Kraft seit 1. August 2013, AS 2013 S. 2339) dürfen Fliessgewässer
nur verbaut oder korrigiert werden, wenn der Schutz von Menschen oder erheblichen
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Sachwerten es erfordert. Dabei muss gemäss Art. 37 Abs. 2 GSchG der natürliche
Verlauf des Gewässers möglichst beibehalten oder wiederhergestellt und Gewässer
und Gewässerraum so gestaltet werden, dass sie einer vielfältigen Tier- und
Pflanzenwelt als Lebensraum dienen können (lit. a), die Wechselwirkungen zwischen
ober- und unterirdischem Gewässer weitgehend erhalten bleiben (lit. b) und eine
standortgerechte Ufervegetation gedeihen kann (lit. c), wobei die Behörde in
überbauten Gebieten gemäss Abs. 3 Ausnahmen bewilligen kann. Gemäss Art. 38 Abs.
1 GSchG dürfen Fliessgewässer nicht überdeckt oder eingedolt werden, wobei die
Behörde gemäss Abs. 2 Ausnahmen bewilligen kann für Hochwasserentlastungs- und
Bewässerungskanäle (lit. a), Verkehrsübergänge (lit. b), Übergänge land- und
forstwirtschaftlicher Güterwege (lit. c), kleine Entwässerungsgräben mit zeitweiser
Wasserführung (lit. d) und den Ersatz bestehender Eindolungen und Überdeckungen,
sofern eine offene Wasserführung nicht möglich ist oder für die landwirtschaftliche
Nutzung erhebliche Nachteile mit sich bringt (lit. e). Gemäss Art. 38a Abs. 1 GSchG
sorgen die Kantone für die Revitalisierung von Gewässern und berücksichtigen dabei
den Nutzen für die Natur und die Landschaft sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen,
die sich aus der Revitalisierung ergeben.
Diese bundesrechtlichen Gesetzesgrundlagen werden im kantonalen Recht weiter
konkretisiert. Nach Art. 2 aWBG sind Gewässer so zu unterhalten und auszubauen,
dass das Wasser ungehindert abfliessen und eine Gefährdung von Bauwerken und
genutztem Boden vermieden werden kann. Nach Art. 34 Abs. 1 aWBG soll der Ausbau
der Gewässer einen hinreichenden Abfluss gewährleisten, Sohle und Ufer sichern
sowie einer geregelten Geschiebeführung und dem Schutz der Umgebung vor
Überflutung dienen. Gemäss Art. 6 des Gesetzes über die Fischerei sowie den Schutz
der im Wasser lebenden Tiere und deren Lebensgrundlagen (Fischereigesetz, sGS
854.1) sind die Lebensräume von Wassertieren, deren Struktur und ökologische
Funktionsfähigkeit beeinträchtigt sind, aufzuwerten. Der natürliche Zustand ist nach
Möglichkeit wiederherzustellen. Das umstrittene Wasserbauprojekt kann sich damit auf
hinreichende gesetzliche Grundlagen im Bundes- und im kantonalen Recht stützen.
4.2. Das umstrittene Vorhaben dient dem wichtigen öffentlichen Interesse des
Hochwasserschutzes. Die entsprechend der bundesrechtlichen Verpflichtung (vgl. Art.
6 Abs. 2 Ingress und lit. c des Bundesgesetzes über die Raumplanung [SR 700]; Art. 27
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Abs. 1 Ingress und lit. c der Verordnung über den Wasserbau [SR 721.100.1]) erstellte
Gefahrenkarte weist für das Zentrum von Arnegg entlang der von Osten zufliessenden
Bäche (Arneggerbach, Weideggbach und Neueggbach) und in den flacheren Gebieten
zwischen Bettenstrasse und Bahnlinie eine mittlere, streckenweise und punktuell eine
erhebliche Überschwemmungsgefahr aus. Randgebiete gegen Süden sind noch mit
einer geringen Gefährdung, das Gebiet zwischen Neueggbach und Weideggbach mit
einer Restgefährdung belastet (vgl. www.geoportal.ch, Naturgefahren Gefahrenkarte,
letztmals aufgesucht am 8. November 2013). Angesichts dieser Einschätzung der
Naturgefahren, welche insbesondere auf der Analyse früherer Ereignisse beruht (vgl.
act. 11/4, Beilage 3, Technischer Bericht vom 20. Juni 2007, S. 9 ff.; allgemein:
Naturgefahrenkommission Kanton St. Gallen, Naturgefahren im Kanton St. Gallen,
Lehrmittel für Bauverwalterinnen und Bauverwalter, St. Gallen 2013, S. 23 f.), wenden
sich die Beschwerdeführer zu Recht nicht gegen die Notwendigkeit eines
Wasserbauprojekts für den Arneggerbach und seine Zuflüsse im fraglichen Abschnitt.
Geschlossene Siedlungen sowie Einrichtungen von Industrie und Gewerbe sollen in der
Regel auch gegen seltene, oft sogar gegen sehr seltene Ereignisse geschützt werden
(vgl. Bundesamt für Raumentwicklung, Bundesamt für Wasser und Geologie,
Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft [Hrsg.], Raumplanung und Naturgefahr,
Empfehlung, Bern 2005, S. 18). Entsprechend dem vielerorts angewendeten Standard
soll das Gebiet geschlossener Siedlungen gegen fünfzig- bis hundertjährliche
Hochwasser (HQ bis HQ ) vollständig und gegen hundertjährliche Hochwasser und
meteorologische Extremsituationen (HQ bis EHQ) begrenzt geschützt werden (vgl.
Bundesamt für Wasser und Geologie, Hochwasserschutz an Fliessgewässern,
Wegleitungen, Bern 2001, S. 16 f.; BGer 1A.157/2006 vom 9. Februar 2007 E. 3.4.1).
Nach der Realisation des umstrittenen Projekts vermögen der Arnegger- und
Neueggbach im Bereich der ganzen Ausbaustrecke ein 300-jährliches Hochwasser
abzuleiten. Ausserhalb der Durchlässe vermag der sanierte Arneggerbach auch die
Niederschläge eines meteorologischen Extremereignisses abzuleiten (vgl. act. 11/4,
Beilage 3, Technischer Bericht vom 20. Juni 2007, S. 21). Damit garantiert das
Wasserbauprojekt für das dicht überbaute Siedlungsgebiet des Ortskerns von Arnegg
einen Hochwasserschutz, der sich an der oberen Grenze des üblichen Standards
bewegt und damit der Verwirklichung eines erheblichen öffentlichen Interesses dient
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(vgl. dazu auch VerwGE B 2010/179 vom 16. März 2011 E. 5.2.1., abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch).
4.3. Im Rahmen der Verhältnismässigkeit ist sodann unbestritten, dass das Projekt
geeignet ist, das öffentliche Interesse zu schützen. Die Beschwerdeführer rügen, der
Bach werde in ein komplett anderes Gebiet verlegt. Umstritten ist damit, ob das Projekt
in dieser Form erforderlich ist oder ob ein anderer, mit geringfügigeren Eingriffen in das
Eigentum der Beschwerdeführer verbundener Verlauf und Ausbau des Baches dem
Hochwasserschutz ebenfalls ausreichend Rechnung tragen würde.
4.3.1. Die Realisation des umstrittenen Wasserbauprojekts zieht offenkundig erhebliche
Eingriffe in das Grundeigentum der Beschwerdeführer nach sich. Soweit das
Grundstück Nr. 0003 an die Bischofszellerstrasse grenzt, wird die Fläche vom offen
gelegten Arneggerbach beansprucht werden. Die auf dem Grundstück bestehenden
Gebäude, nämlich Wohnhaus, Werkstatt, Autoreparaturwerkstatt sowie Garagen bzw.
Lager werden grösstenteils dem Ausbau weichen müssen.
4.3.2. Bevor das umstrittene Wasserbauprojekt beschlossen und aufgelegt wurde,
wurden während Jahren und unter Einbezug der Beschwerdeführer zahlreiche
mögliche Linienführungen und Ausbauvarianten des Arneggerbaches im Abschnitt
zwischen der Bischofszellerstrasse und der Bahnlinie geprüft. Die Beschwerdeführer
beanstanden zwar den geplanten Verlauf, ohne allerdings darzulegen, welche der
zahlreichen geprüften und im Technischen Bericht dargestellten Varianten (vgl. act.
11/2 und 4, Beilage 3, S. 22 ff.) ihren Vorstellungen besser entsprechen würde. Sie
beantragen vielmehr allgemein, es seien Gespräche zu führen und "eine definitive
Vereinbarung gegenseitig zu unterzeichnen". Die Beschwerdeführer unterzeichneten
am 24. Januar 2005 eine solche Vereinbarung mit der Beschwerdegegnerin, in welcher
sie ihr das Recht einräumten, im beigelegten Plan dargestellte Flächen der Grund
stücke Nrn. 0003, 0001 und 0002 für die neue Linienführung dauernd zu beanspruchen.
Ausgeschieden wurden auch Verkehrsflächen. Die Vereinbarung orientierte sich im
Wesentlichen an der dem Projekt zugrunde liegenden Variante 7a der Studie von Q. AG
aus den Jahren 2001 bis 2004 (act. 11/2 und 3). Die Beurteilung des von den
Beschwerdeführern am 11. Mai 2012 eingereichten Bauermittlungsgesuchs hat zudem
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ergeben, dass die Realisation des umstrittenen Wasserbauprojekts der geplanten
Erweiterung der Werkhallen nicht entgegensteht.
Unter diesen Umständen wäre zu erwarten, dass die Beschwerdeführer die Gründe
darlegten, weshalb der geplante Ausbau des Arneggerbaches unzulässige
Auswirkungen auf ihr Eigentumsrecht hat und welchen anderen Verlauf und Ausbau sie
bevorzugten.
4.3.3. Kriterien für die Bewertung der Varianten waren – in Übereinstimmung mit den
dargelegten gesetzlichen Vorgaben - die Länge der Gewässeroffenlegung, kurze
Strassendurchlässe, keine Durchtrennung von Siedlungsflächen,
Liegenschaftsabbrüche nur mit Zustimmung der Eigentümer, grundsätzliches
Einverständnis der betroffenen Grundeigentümer und das Kosten-/Nutzenverhältnis.
Der Ausbau auf der bisherigen Linienführung, der rechtlich am einfachsten
durchsetzbar wäre, zeichnet sich nach der Darstellung der Vorinstanz durch lange
eingedolte Abschnitte aus und führt mitten durch überbautes Gebiet, insbesondere
unter einer Tiefgarage hindurch. Dies wäre bautechnisch sehr aufwendig und die
Emissionen während der Bauzeit entsprechend hoch. Der Arneggerbach würde entlang
der Bettenstrasse quer zum Hang und nicht in Fallrichtung verlaufen. Die Variante wird
aus ökologischer und raumgestalterischer Sicht als schlecht beurteilt.
Hochwassersicherheit und Zugänglichkeit bei den langen Eindolungen seien nicht
zufriedenstellend. Die Kosten seien aufgrund der langen Eindolungen hoch.
Das umstrittene Projekt überzeugt demgegenüber nach der von den
Beschwerdeführern nicht bestrittenen Darstellung der Vorinstanz bei mittleren bis
hohen Kosten durch ökologisch sehr wertvolle, lange offene Abschnitte, einen
Gewässerverlauf, welcher der natürlichen Linienführung des Hauptgerinnes entspricht
und damit optimalen Hochwasserschutz und Geschiebetrieb gewährleistet, einen
kurzen Durchlass bei der Bischofszellerstrasse und die Vermeidung der Durchtrennung
von Siedlungsflächen mit einer Einschränkung der späteren Nutzung. Nach dem
Ausbau soll ein dreihundertjährliches Hochwasserereignis (HQ , ohne Freibord)
abgeleitet werden können. Ausserhalb der Durchlässe vermöge der sanierte
Arneggerbach auch ein Hochwasser bei hydrologischen und meteorologischen
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Extremsituationen (EHQ) abzuführen. Dies werde durch die Sohlenlage ermöglicht,
welche aufgrund der Durchlässe vorgegeben sei. Die Durchlässe unter der Werkstrasse
und der SBB-Linie/Bahnhofplatz vermöchten die Wassermengen eines solchen
Ereignisses nicht mehr abzuleiten. Diese Wassermengen entlüden sich über die
entsprechenden Strassen oder Bahntrasse. Das Notfallkonzept sehe vor, mittels
Sandsäcken oder gleichwertigen Mitteln das übertretende Wasser wieder in den
offenen Bachlauf zu leiten, so dass keine Gebäude überflutet würden. Die zu
erwartende Überflutungsfläche werde sehr klein sein und das Restrisiko sei als klein zu
betrachten.
4.3.4. Die gewählte Variante weist offensichtliche Vorzüge auf, indem der natürlichen
Fliessrichtung der Gewässer Rechnung getragen wird und weitgehend ein
oberirdischer renaturierter, die Grundstücksgrenzen einbeziehender Verlauf realisiert
wird. Mit der Offenlegung des Bachverlaufs wird der entsprechenden rechtlichen
Verpflichtung Rechnung getragen. Indem der Bach soweit möglich entlang der
nördlichen Grenzen der Grundstücke Nrn. 0006 und 0001 und der westlichen Grenze
des Grundstücks Nr. 0001 geführt wird, wird das Grundeigentum der
Beschwerdeführer nur soweit beansprucht, als dies beim gewählten Verlauf erforderlich
ist. Die Überbaubarkeit des Grundstücks Nr. 0003 wird im südwestlichen Teil erhalten
bleiben.
Die Beschwerdeführer liefern auch keine Anhaltspunkte dafür, dass ein anderer Verlauf
den Anforderungen an den Hochwasserschutz und die Renaturierung bei
geringfügigerem Eingriff in ihr Eigentumsrecht ausreichend Rechnung tragen würde.
Sie machen insbesondere nicht geltend, der Arneggerbach sei – wie in den Varianten
1.1 und 6 vorgesehen – nach der Bischofszellerstrasse eingedolt über den östlichen
Teil des Grundstückes Nr. 0003 zu führen, so dass die bestehenden Gebäude
bestehen bleiben könnten. Ebensowenig bringen sie vor, ein teilweise eingedolter
Verlauf quer über die Grundstücke Nrn. 0003 und 0002 – wie in den Varianten 2.1 und
2.2 vorgesehen – werde ihren Interessen als Eigentümer der betreffenden Grundstücke
besser gerecht. Für die Beschwerdeführer offensichtlich ungünstiger wäre der Verlauf
zunächst eingedolt südlich des Grundstücks Nr. 0003 und anschliessend offen gelegt
über die südwestliche Ecke des Grundstücks Nr. 0003 und entlang der östlichen und
nördlichen Grenze des Grundstücks Nr. 0002. Vergleichbares gilt auch für – wie von
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den Varianten 4 und 5 vorgesehen - einen offen gelegten Verlauf quer über das
Grundstück Nr. 0001.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass sich das umstrittene Wasserbauprojekt auf eine
genügende gesetzliche Grundlage stützen kann und einem wesentlichen öffentlichen
Interesse dient. Die Beschwerdeführer bringen keine konkreten Anhaltspunkte dafür
vor, dass das Projekt die Eigentumsrechte an ihren Grundstücken in unzulässiger
Weise beeinträchtigt. Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet. Sie ist
abzuweisen.
6. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht