Decision ID: 7e48797b-c492-5970-ae91-a37c37da7364
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am
(...). September 2016 und gelangte mit dem Flugzeug nach B._.
Auf dem Landweg reiste er über C._ und verschiedene ihm unbe-
kannte Staaten weiter und erreichte am 20. Dezember 2016 die Schweiz.
Am Folgetag stellte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ)
D._ ein Asylgesuch, woraufhin er am 29. Dezember 2016 im Rah-
men einer Befragung zur Person (BzP) zu seinen persönlichen Umständen
und zum Reiseweg befragt wurde.
B.
Mit Verfügung vom 13. Februar 2017 trat das SEM gestützt auf das Dublin-
Abkommen auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und wies
ihn nach Ungarn weg. Das Bundesverwaltungsgericht hiess eine gegen
diesen Entscheid gerichtete Beschwerde mit Urteil vom 15. Juni 2017 gut,
hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zur weiteren Ab-
klärung und erneuten Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Diese teilte
dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 5. April 2018 mit, dass das Dub-
lin-Verfahren beendet und sein Asylgesuch in der Schweiz geprüft werde.
C.
C.a Am 12. Oktober 2018 hörte das SEM den Beschwerdeführer einläss-
lich zu seinen Asylgründen an. Dabei machte er geltend, er stamme aus
E._ (Distrikt F._) und habe bis 1995 dort gelebt. Danach sei
er mit seiner Familie auf der Flucht gewesen und ins sogenannte Vanni-
Gebiet gegangen, wo sie sich schliesslich in G._ (H._) nie-
dergelassen hätten. Ab dem Jahr 2005 sei er als Chauffeur für die Libera-
tion Tigers of Tamil Eelam (LTTE) tätig gewesen. Neben verschiedensten
Gütern habe er auch Kämpfer zur Front transportiert sowie Leichen und
Verletzte von dort weggebracht. Im Mai 2009 sei er in I._ durch
Bombensplitter schwer verletzt worden, wobei er viel Blut verloren habe
und ohnmächtig geworden sei. Im Spital von J._ sei er wieder auf-
gewacht, ohne zu wissen, wie er dorthin gekommen sei. Nach etwa drei
Monaten sei er vom Spital abgeholt und in ein Gefängnis gebracht worden,
in welchem er massive Folterungen erlebt habe. Sie hätten ihn nackt aus-
gezogen, vergewaltigt und alles Mögliche mit ihm gemacht. An (...) habe
er Narben bis (...) und die Zehennägel seien ihm ausgerissen worden. Zu-
dem sei er an den (...) mit einer glühenden Eisenstange verbrannt worden;
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die entsprechenden Brandnarben seien noch heute ersichtlich. Sie hätten
auch Benzin auf seine Verletzungen gegossen, ihn geschlagen und an den
Füssen aufgehängt. Schliesslich sei ein Mithäftling durch seine Angehöri-
gen aus dem Gefängnis geholt worden und dessen Familie habe seinen
Vater darüber informiert, wo er (der Beschwerdeführer) sich befinde. Durch
eine Geldzahlung an einen Offizier des CID (Criminal Investigation Depart-
ment) sei es seinem Vater gelungen, ihn ebenfalls aus dem Gefängnis zu
holen, nachdem er etwa sechs Monate in Haft verbracht habe. Zurück in
E._ habe er sich davor gefürchtet, in ein Spital – wo er wiederum
hätte festgenommen werden können – zu gehen, weshalb ihn seine Mutter
mit "Hausmedizin" versorgt habe. Verschiedene Leute, wahrscheinlich An-
gehörige des Militärs oder des CID, seien in der Folge zu ihnen nach Hause
gekommen und hätten nach ihm gesucht. Aufgrund dieser Probleme sei er
nach K._ gegangen und habe bei einem Pfarrer gelebt. Aber auch
dort seien sie vorbeigekommen und hätten sich nach ihm erkundigt. Im
Jahr 2012 habe er geheiratet und sei etwa ein halbes Jahr in Ruhe gelas-
sen worden. Danach hätten sie wieder angefangen, ihn zu Hause aufzusu-
chen. Aufgrund seiner schlimmen Erlebnisse habe er Angst gehabt und
sich deshalb jeweils für einige Zeit an verschiedenen Orten – in J._,
L._, E._ und K._ – aufgehalten. Als seine Frau mit
ihrem ersten Kind schwanger gewesen sei, sei er in E._ einmal er-
wischt, zu einem Haus gebracht und befragt worden. Sie hätten ihm vor-
geworfen, bis zum Schluss für die LTTE tätig gewesen zu sein und daher
über Verstecke von Waffen und Geld Bescheid zu wissen. Bei diesem Ver-
hör hätten sie ihm eine Pistole an den Kopf gehalten und ihn bedroht. Nach
einem Tag hätten sie ihn freigelassen, woraufhin er seine Frau abgeholt
habe und nach K._ gegangen sei. Er habe nirgendwo bleiben kön-
nen und sei stets auf der Flucht gewesen. Schliesslich habe er im Jahr
2016 mit seinem Vater gesprochen, welcher einen Schlepper kontaktiert
und die Ausreise organisiert habe. Auch aktuell werde er immer noch ge-
sucht, weshalb seine Familie zwischen F._ und K._ hin- und
herpendle.
C.b Als Beweismittel wurden beim SEM folgende Unterlagen eingereicht:
- Identitätskarte, ausgestellt am (...) (Kopie);
- Schreiben des Bischofs (...) vom 2. Dezember 2016 (Original);
- "Report on Security" von M._, Human Rights Unit, (...)
(Original);
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- Arztbericht des (...) vom 8. Oktober 2018 sowie zwei handschrift-
lich ausgefüllte "Überweisungsformulare" mit medizinischen Infor-
mationen vom 21. Februar 2017 und 24. Februar 2017 inklusive
Labordaten und Röntgenbild;
- "Certify of Resident" (betreffend G._, H._);
- Relief and Recovery Assistance Card (Kopie);
- Temporäre Identitätskarten der Eltern (Kopie);
- Geburtsurkunden des Beschwerdeführers, seiner Ehefrau und der
beiden gemeinsamen Kinder (englische Übersetzungen; Originale);
- Heiratsurkunde (englische Übersetzung; Original).
D.
Mit Verfügung vom 13. Dezember 2019 – eröffnet am 17. Dezember 2019
– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
E.
Mit Eingabe vom 6. Januar 2020 erhob der Beschwerdeführer – handelnd
durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen diesen Entscheid. Er beantragte, die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren oder jedenfalls
die Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Eventualiter sei die Unzulässig-
keit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzu-
stellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses, Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Beiordnung ei-
nes unentgeltlichen Rechtsbeistands in der Person des unterzeichnenden
Rechtsvertreters. Als Beschwerdebeilagen wurden – neben einer Voll-
macht, der angefochtenen Verfügung und einer Fürsorgebestätigung –
eine Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht, eine Einschätzung der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 5. Dezember 2019 sowie eine
Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014 eingereicht.
F.
Der Instruktionsrichter hielt mit Verfügung vom 9. Januar 2020 fest, der Be-
schwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-
ten. Gleichzeitig hiess er das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses und ordnete dem Beschwerdeführer lic. iur. Dominik Löhrer als amtli-
chen Rechtsbeistand bei.
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G.
Mit Eingabe vom 17. Januar 2020 machte der Beschwerdeführer ergän-
zende Ausführungen zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auf-
grund seines Gesundheitszustands und reichte einen ärztlichen Bericht
des (...) vom 9. Januar 2020 zu den Akten.
H.
Das SEM liess sich mit Schreiben vom 4. Februar 2020 zu den Beschwer-
deeingaben vernehmen.
I.
Mit Eingabe vom 7. Februar 2020 reichte der Beschwerdeführer durch sei-
nen Rechtsvertreter eine Replik ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
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AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, dass die Erfül-
lung der Flüchtlingseigenschaft einen in zeitlicher und sachlicher Hinsicht
genügend engen Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht
voraussetze. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Haft im Jahr
2009 und die dabei erlittenen massiven Misshandlungen und sexuellen
Übergriffe hätten im Zeitpunkt der Ausreise zu weit zurückgelegen, um
noch als Anlass für diese gewertet werden zu können. Daran vermöge
auch der Umstand, dass es sich dabei um ein sehr belastendes Ereignis
gehandelt habe, nichts zu ändern. Eine Anerkennung als Flüchtling diene
nicht dem Ausgleich erlittener Nachteile, sondern setze voraus, dass eine
Person im Zeitpunkt des Entscheides von asylrelevanter Verfolgung be-
droht und somit schutzbedürftig sei.
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Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er während seiner Haft nicht
verhört worden sei. Später sei er einmal in E._ erwischt worden,
wobei man ihn nach Waffen- und Geldverstecken der LTTE gefragt habe.
Nach der Haftentlassung im Jahr 2009 sei er lediglich von diesem einen
Verhör betroffen gewesen, wobei aus den Akten nicht hervorgehe, dass
diese Befragung weiterreichende Verfolgungsmassnahmen nach sich ge-
zogen hätte. Seinen Aussagen zufolge habe er anlässlich des Verhörs ge-
sagt, er müsse seine schwangere Frau an einen sicheren Ort bringen und
würde den Behörden dann die Ortschaften zeigen, zu welchen er als
Chauffeur der LTTE Sachen transportiert habe. Zwar hätten sie eine Per-
son mit ihm mitschicken wollen, er habe aber dennoch alleine nach Hause
gehen können. Daraufhin habe er seine Frau abgeholt und sei mit ihr weg-
gegangen. Der Umstand, dass er nach kurzer Zeit wieder freigelassen wor-
den sei, lasse nicht darauf schliessen, dass die Behörden an ihm persön-
lich interessiert gewesen seien. Bei einem konkreten Verdacht gegen ihn
wäre es wohl weder bei einem Verhör geblieben noch hätten sie ihn nach
einem Tag wieder gehen lassen. Dieser Eindruck werde dadurch bestärkt,
dass er kurz nach dem Krieg bereits in Haft gewesen sei, ohne dass es die
Behörden als nötig erachtet hätten, ihn bezüglich einer allfälligen LTTE-
Mitgliedschaft zu befragen oder ihn einem Rehabilitationsprogramm zu un-
terziehen. Das Verhör müsse folglich vor dem Hintergrund der damals herr-
schenden Situation im Norden Sri Lankas betrachtet werden, in welcher
eine umfassende Überwachung der Zivilbevölkerung durch die Sicher-
heitskräfte stattgefunden habe. Die dabei durchgeführten Kontrollen seien
von ihrer Art und Intensität her aber nicht geeignet, eine asylrelevante Ver-
folgung darzustellen. Ähnliches gelte auch für die Suche nach dem Be-
schwerdeführer, die sich über Jahre hinweggezogen habe. Aus dieser
lasse sich keine Verfolgungssituation asylrelevanten Ausmasses für ihn
persönlich ableiten. Mit Nachdruck sei festzuhalten, dass die sri-lankischen
Sicherheitskräfte ihn mit Sicherheit gefasst hätten, wenn sie tatsächlich ein
Verfolgungsinteresse an ihm gehabt hätten. Es sei nicht davon auszuge-
hen, dass es einer Person, die im Visier der Behörden stehe, gelingen
würde, sich über Jahre hinweg einer Verhaftung zu entziehen. Ein angeb-
lich derart lang andauerndes Verfolgungsinteresse lasse sich auch aus der
Vorgeschichte des Beschwerdeführers nicht zwingend herleiten. Aus den
Akten gehe nicht hervor, dass man ihm ausdrücklich Verbindungen zu den
LTTE oder eine Beteiligung an Kampfhandlungen vorgeworfen habe. Eine
jahrelange erfolglose Suche – allein aus dem Grund, um mit seiner Hilfe
Geld- und Waffenverstecke zu finden – ergebe wenig Sinn. Bezeichnen-
derweise seien die Aussagen betreffend die Suche nach seiner Person
vage und unbestimmt ausgefallen. Es sei beispielsweise nicht ersichtlich,
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wer genau ihn gesucht habe. Zudem sei er oft umhergereist und hätte –
wäre er ernsthaft gesucht worden – die Checkpoints, die in den Jahren
nach dem Krieg noch bestanden hätten, kaum problemlos passieren kön-
nen. Abschliessend sei festzuhalten, dass es ihm nicht gelinge, eine aktu-
elle Verfolgungssituation geltend respektive glaubhaft zu machen. Es fehl-
ten konkrete Indizien und Anhaltspunkte, welche die Furcht vor einer dro-
henden Verfolgung als realistisch und nachvollziehbar erscheinen liessen.
Vor diesem Hintergrund sei auch die Aussage, er sei nach seiner Ausreise
aus Sri Lanka weiterhin gesucht worden, weder nachvollziehbar noch
glaubhaft.
Es gelte zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr den-
noch begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen habe, wo-
bei die entsprechende Prüfung anhand von Risikofaktoren vorzunehmen
sei. Vor der Ausreise sei er jedoch keinen asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt gewesen. Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise be-
stehende Risikofaktoren hätten kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-
lankischen Behörden auszulösen vermocht und es sei aufgrund der Akten-
lage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nunmehr in den Fokus
der Behörden geraten sollte. Es sei nicht davon auszugehen, dass er in
den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehörden als Person gelte, die
eine besonders enge Beziehung zu den LTTE gepflegt habe. Auch die Prä-
sidentschaftswahl vom November 2019 vermöge zu keiner anderen Ein-
schätzung zu führen, da kein persönlicher Bezug zu diesem Ereignis vor-
liege. Insgesamt hielten die Vorbringen weder den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft noch jenen an die Glaubhaftigkeit stand, weshalb
das Asylgesuch abzulehnen sei.
Den Vollzug der Wegweisung erachtete das SEM als zulässig, zumutbar
und möglich. Es hielt insbesondere fest, dass der Beschwerdeführer ur-
sprünglich aus E._ stamme und in den Jahren vor der Ausreise vor-
wiegend in K._ gelebt habe. Er verfüge sowohl in der Nord- als auch
in der Ostprovinz über ein tragfähiges Beziehungsnetz. Nach dem Krieg
habe er zwar nur für kurze Zeit gearbeitet; er habe jedoch Fahrten mit ei-
nem Van durchgeführt und ein eigenes Tuk-Tuk gehabt. Es sei folglich da-
von auszugehen, dass er bei einer Rückkehr einen Weg finden werde, sei-
nen Lebensunterhalt zu bestreiten, wie er das auch schon vor seiner Aus-
reise gemacht habe. Auch der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh-
rers – er leide an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und
sei in psychiatrischer Behandlung – spreche nicht gegen die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs. Sri Lanka habe ein relativ gut funktionierendes
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Gesundheitssystem und es seien Medikamente zur Behandlung von psy-
chischen Problemen verfügbar. Seine Beschwerden könnten auch im Hei-
matstaat behandelt werden, weshalb eine Rückkehr nicht zu einer medizi-
nischen Notlage führen würde.
4.2 In der Beschwerdeschrift wurde gerügt, dass die angefochtene Verfü-
gung keine Glaubhaftigkeitsanalyse enthalte. Im Rahmen der Prüfung der
Asylrelevanz halte die Vorinstanz lediglich in einem kurzen Abschnitt fest,
die Aussagen des Beschwerdeführers seien vage und unbestimmt ausge-
fallen. Danach stelle sie zusammenfassend fest, die Vorbringen hielten we-
der den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft noch jenen an die
Glaubhaftigkeit stand. Es fänden sich jedoch keine konkreten Ausführun-
gen zur Glaubhaftigkeit. Anhand der Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung sei es unmöglich nachzuvollziehen, weshalb die Aussagen nicht
glaubhaft sein sollen. Entweder sei dem Beschwerdeführer Glauben zu
schenken oder aber die Verfügung müsse aufgehoben und für eine dies-
bezüglich nachvollziehbare Begründung an die Vorinstanz zurückgewiesen
werden. Nachdem das SEM die Vorbringen aber ohnehin nicht als flücht-
lingsrelevant erachte, könne auf eine Rückweisung verzichtet werden. Es
sei von einem erstellten Sachverhalt auszugehen und es stelle sich nur die
Frage, ob die Ereignisse asylrelevant seien.
Zutreffend sei, dass die Haft und die erlittene Folter im Zeitpunkt der Aus-
reise bereits einige Jahre zurückgelegen hätten. Es sei jedoch stossend,
daraus den Schluss zu ziehen, diese Ereignisse hätten mit dem Anlass der
Flucht nichts zu tun. Der Beschwerdeführer sei für sein Leben geprägt von
den Folterungen, befinde sich in einem psychisch angeschlagenen Zu-
stand und könne aufgrund der Verletzungen bis heute – wie sich dem An-
hörungsprotokoll entnehmen lasse – nicht für längere Zeit auf einem Stuhl
sitzen. Die Folterhaft dürfe nicht unberücksichtigt gelassen werden mit dem
Argument, der zeitliche Kausalzusammenhang zur Ausreise sei nicht ge-
geben. Vielmehr handle es sich dabei um den Beginn einer langen Verfol-
gungsperiode. Das SEM führe aus, die Aussagen des Beschwerdeführers
liessen nicht darauf schliessen, dass die sri-lankischen Behörden ihn ver-
dächtigten, mit den LTTE in Verbindung gestanden zu haben. Dies werde
damit begründet, dass die Verfolgungsmomente nach der Haftentlassung
kein derart drastisches Ausmass erreicht und "nur" darin bestanden hätten,
dass er regelmässig aufgesucht, bedroht und bedrängt worden sei. Werde
jedoch die geltend gemachte Folter in Haft als glaubhaft erachtet, könne
nicht daran gezweifelt werden, dass die Behörden dem Beschwerdeführer
Verbindungen zu den LTTE unterstellt hätten. Es sei bekannt, dass die sri-
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lankische Regierung auch Jahre nach Kriegsende noch Verdächtige im Vi-
sier habe, solche Personen schikaniere, verhafte und auch foltere. Das
Bundesverwaltungsgericht habe denn auch eine frühere Verhaftung – üb-
licherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
Verbindung zu den LTTE – als massgeblichen Risikofaktor gewertet. Ver-
haftungen würden in Sri Lanka seit längerem systematisch aufgezeichnet
und die betroffenen Personen seien in einer zentralen Datenbank vermerkt.
Weitere Risikofaktoren seien das Fehlen der erforderlichen Identitätspa-
piere bei der Einreise nach Sri Lanka sowie Narben am Körper. Da der
Beschwerdeführer über keine gültigen Identitätspapiere verfüge oder allen-
falls eine zwangsweise Rückkehr stattfinde, würde er mit Sicherheit von
den Behörden eingehend kontrolliert werden. Dabei würden sie feststellen,
dass er früher bereits einmal inhaftiert gewesen sei und verschiedene Nar-
ben am Körper habe.
Sodann habe sich die politische Situation für die tamilische Minderheit nach
den jüngsten Präsidentschaftswahlen in Sri Lanka in kurzer Zeit ver-
schlechtert. Der neu gewählte Präsident Gotabaya Rajapaksa sei der Bru-
der von Mahinda Rajapaksa, welcher das Land zwischen 2005 und 2015
äusserst autoritär regiert habe. Menschenrechtsorganisationen befürchte-
ten eine Rückkehr der autoritären Regierungsführung mit einem sehr re-
pressiven Sicherheitsapparat. Das SEM schreibe in seiner Verfügung, es
gebe trotz des Machtwechsels keinen Anlass zur Annahme, dass ganze
Volksgruppen nun kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Der
Beschwerdeführer sei aber während sechs Monaten in einem Gefängnis in
Sri Lanka brutal gefoltert worden und leide bis heute psychisch und phy-
sisch darunter. Es handle sich bei ihm nicht einfach um einen Angehörigen
einer Volksgruppe; sein persönliches Profil gehe weit darüber hinaus. Die
äusserst optimistische Einschätzung des SEM sei vor dem Hintergrund der
aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka als unvorsichtig, oberflächlich und
wenig differenziert anzusehen. Die Vorinstanz habe eine Untersuchungs-
pflicht, weshalb sie sich ernsthaft mit dem Machtwechsel hätte auseinan-
dersetzen müssen.
Es sei dem Beschwerdeführer nach seiner Freilassung aus der Haft mehr-
heitlich gelungen, sich den CID-Leuten und einer weiteren Verhaftung zu
entziehen, indem er sich bei einem Pfarrer versteckt, geheiratet und immer
wieder den Wohnort gewechselt habe. Das SEM stelle sich auf den Stand-
punkt, dass ihn die sri-lankischen Behörden bei einem tatsächlichen Ver-
folgungsinteresse mit Sicherheit gefasst hätten, da es ihm kaum gelungen
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wäre, sich über Jahre einer Verhaftung zu entziehen. Würde dieser Argu-
mentation gefolgt, gäbe es heute keine sri-lankischen Staatsangehörigen,
welche erfolgreich in der Schweiz um Asyl ersuchen, da der Staat längst
alle Verdächtigen festgenommen und beseitigt hätte; gegen alle anderen
würde folglich kein Verdacht bestehen. Es brauche nicht erläutert zu wer-
den, dass dies nicht der Realität entspreche. Die Ereignisse nach der Frei-
lassung – denen man für sich allein genommen allenfalls die Asylrelevanz
absprechen könnte – dürften nicht von der im Jahr 2009 erlittenen Haft und
Folter abgespalten und separat betrachtet werden. Die Furcht davor, er-
neut grundlos festgenommen und gefoltert zu werden, erweise sich als be-
gründet. Es sei dem Beschwerdeführer daher Asyl zu gewähren.
Im Jahr 2013 seien zwei abgewiesene Asylsuchende in Sri Lanka verhaftet
und gefoltert worden. Das damalige Bundesamt für Migration (BFM) habe
untersuchen lassen, weshalb es dazu gekommen sei, dass das individuelle
Risiko einer Gefährdung nicht richtig eingeschätzt worden sei. Die dabei
festgestellten Mängel in jenen Verfahren fänden sich auch im vorliegenden
Fall wieder. So habe das Verfahren mit drei Jahren lange gedauert und der
Entscheid sei nicht von derselben Person gefällt worden, welche die Anhö-
rung durchgeführt habe. Ebenso habe sich das SEM mit der Einführung
des beschleunigten Asylverfahrens in einem grossen Systemwechsel be-
funden und vieles habe sich noch nicht eingependelt. Es dürfe nicht sein,
dass die Vorinstanz nun dieselben Fehler mache, welche das damalige
BFM begangen habe. Es wäre verheerend, wenn der Beschwerdeführer
bei der Rückkehr nach Sri Lanka verhaftet würde, weil bei der Bearbeitung
seines Asylgesuchs nicht die nötige Sorgfalt angewendet worden sei.
Schliesslich habe es das SEM unterlassen, bei der Beurteilung von Weg-
weisungsvollzugshindernissen eine Risikoeinschätzung im Einzelfall vor-
zunehmen. Es müsse berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer
im Jahr 2009 Opfer von grausamer Folter durch die sri-lankischen Behör-
den geworden sei. Es lägen bei ihm zudem verschiedene Risikofaktoren
vor, welche eine Verhaftung bei der Einreise als wahrscheinlich erscheinen
liessen.
4.3 Mit Eingabe vom 17. Januar 2020 reichte der Beschwerdeführer einen
Bericht des (...) vom 9. Januar 2020 nach. Dieser zeige auf, dass eine gute
Prognose von seiner Behandlung in der Schweiz abhängig sei und ihn eine
Rückkehr nach Sri Lanka sicherlich retraumatisieren würde. Der Vollzug
der Wegweisung erweise sich daher auch aus medizinischen Gründen als
unzumutbar.
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4.4 In seiner Vernehmlassung führte das SEM aus, es habe bereits in der
angefochtenen Verfügung dargelegt, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen sei, eine aktuelle Verfolgungssituation, welche den Anforderun-
gen an die Flüchtlingseigenschaft genüge, geltend zu machen. Im Rahmen
der Beschwerdeschrift werde vor allem eine davon abweichende Einschät-
zung und eine andere Würdigung der Fakten vorgenommen. Zwar be-
zweifle das SEM nicht, dass die Behörden auch Jahre nach Kriegsende
noch Verdächtige im Visier haben könnten. Dennoch sei nicht anzuneh-
men, dass sich der Beschwerdeführer während Jahren einer Festnahme
hätte entziehen können. Sodann sei der Machtwechsel in Sri Lanka bereits
in der angefochtenen Verfügung thematisiert worden. Das Risiko einer Ver-
folgung sei stets im Einzelfall zu prüfen und die Annahme einer Verfol-
gungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahl vom November 2019
setze voraus, dass ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person zu
diesem Ereignis vorliege. Dies sei vorliegend aber nicht dargetan worden.
4.5 In der Replik wurde erneut bekräftigt, dass der Beschwerdeführer be-
reits einmal inhaftiert gewesen sei und nicht nur vom Krieg, sondern auch
von der erlittenen Folter Narben trage sowie das Land illegal verlassen
habe. Er erfülle damit mehrere Risikofaktoren, auf welche das SEM in sei-
ner Vernehmlassung mit keinem Wort eingehe. Vielmehr versuche die Vo-
rinstanz, eine aktuelle Verfolgungssituation in Abrede zu stellen, indem sie
sich auf den Standpunkt stelle, dass die Ereignisse schon länger zurücklä-
gen. Im Länderkontext von Sri Lanka würden die Ursachen für Narben und
Gefängnisaufenthalte zeitlich jedoch oft länger zurückliegen, nachdem der
Krieg, mit welchem diese meist zusammenhingen, im Jahr 2009 offiziell
geendet habe. Leider habe die Verfolgung von verdächtigen Tamilen bis
heute nicht aufgehört.
Sodann werde nicht geltend gemacht, dass der Machtwechsel ganze
Volksgruppen einer Kollektivverfolgung aussetze. Vielmehr habe die Ver-
folgung von verdächtigen Personen zugenommen und werde mutmasslich
noch weiter zunehmen. Beim Beschwerdeführer handle es sich nicht ein-
fach um einen sri-lankischen Tamilen, sondern um eine Person, die meh-
rere Monate in Haft gewesen und dabei schwer gefoltert worden sei, so
dass er heute mit Narben gezeichnet und in psychiatrisch-psychotherapeu-
tischer Betreuung sei.
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Seite 13
5.
Auf Beschwerdeebene wurde gerügt, das SEM wiederhole im vorliegenden
Fall die Fehler, welche beim damaligen BFM zu fatalen Fehleinschätzun-
gen geführt hätten. Zwar trifft es zu, dass die Asylverfahren idealerweise
nicht zu lange dauern und möglichst wenig verschiedene Personen mit der
Bearbeitung eines Gesuchs betraut sind. Diese Massnahmen, welche das
SEM im Nachgang der Festnahme von zwei zurückgekehrten sri-lanki-
schen Asylsuchenden im Jahr 2013 ergriffen hat, lassen sich jedoch nicht
in jedem Fall umsetzen. Ebenso wenig lässt sich vermeiden, dass auch
während respektive im Anschluss an einen Systemwechsel – wie beispiels-
weise dem Übergang zu den beschleunigten Verfahren – weiterhin Ent-
scheide gefällt werden. Diese Umstände stellen jedoch keine Verletzung
von Verfahrensvorschriften dar. Zudem geht aus den Akten nicht hervor,
dass die Vorinstanz bei der Bearbeitung des Gesuchs die nötige Sorgfalt
hätte vermissen lassen. Entsprechend besteht kein Anlass, die Sache zur
Vornahme von weiteren Abklärungen oder zur Neubeurteilung an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen.
6.
6.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund eines der in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufge-
zählten Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu
werden drohen. Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG hat demnach, wer aus guten – mithin von Dritten nachvollzieh-
baren – Gründen befürchtet, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in ab-
sehbarer Zukunft Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11
E. 5.1 und 2011/50 E. 3.1.1, je m.w.H.). Die erlittene Verfolgung bezie-
hungsweise die begründete Furcht vor künftiger Verfolgung muss zudem
sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimatstaat und
grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein.
Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation
im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt
der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung – im Sinne ei-
ner Regelvermutung – auf eine andauernde Gefährdung hinweist. Verän-
derungen der Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu
Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl.
BVGE 2010/57 E. 2; 2009/51 E. 4.2.5; 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.).
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Seite 14
6.2 Vorab ist festzuhalten, dass es als glaubhaft anzusehen ist, dass der
Beschwerdeführer ab dem Jahr 2005 bis zum Kriegsende für die LTTE ge-
arbeitet hat. In dieser Funktion habe er Güter und Personen sowie zu ei-
nem späteren Zeitpunkt auch Verletzte und Leichen transportiert (vgl. A32,
F118 ff.). Er sei aber nie Mitglied der LTTE gewesen, sondern habe gegen
Bezahlung gearbeitet (vgl. A32, F135). Es ist auch davon auszugehen,
dass er im Jahr 2009 in ein Gefängnis gekommen und dabei schwer gefol-
tert worden ist. Der Beschwerdeführer beschrieb die erlittenen Misshand-
lungen anlässlich der Anhörung ausführlich und zeigte die entsprechenden
Narben vor (vgl. A32, F51). Das SEM scheint in der angefochtenen Verfü-
gung ebenfalls davon auszugehen, dass er im Jahr 2009 inhaftiert worden
und Opfer von Folter geworden ist.
6.3 Demgegenüber lässt sich den Ausführungen des Beschwerdeführers
nicht klar entnehmen, was genau sich in den rund sechs Jahren zwischen
der Freilassung aus der Haft und der Ausreise alles ereignet haben soll. Er
führte in diesem Zusammenhang aus, dass er von verschiedenen Leuten
ständig gesucht worden sei. Die Vorinstanz erachtete die betreffenden Aus-
führungen als vage und unbestimmt, äusserte sich darüber hinausgehend
jedoch kaum zu deren Glaubhaftigkeit, da es die Vorbringen nicht für asyl-
relevant hielt. Nach Aussage des Beschwerdeführers wurde er bereits kurz
nach seiner Rückkehr nach E._, als er von seiner Mutter gepflegt
worden sei, gesucht. Er wisse nicht, ob es Leute vom CID oder Militärper-
sonen gewesen seien (vgl. A32, F77). Etwa einen Monat lang seien sie
zweimal täglich gekommen, hätten jeweils mit seiner Mutter gesprochen
und manchmal Hauskontrollen gemacht, wobei er sich jeweils versteckt
habe. Anschliessend seien sie einige Zeit nicht mehr gekommen und dann
wieder sporadisch (vgl. A32, F72 ff.). Er sei aufgrund dieser Probleme nach
K._ zu einem Pfarrer gegangen, wo er etwa zwei Jahre lang gelebt
habe. Auch dort sei er gesucht worden, wobei sie jeweils mit dem Pfarrer
gesprochen hätten und wieder gegangen seien. Einmal hätten sie die Kir-
che und deren Umgebung kontrolliert, wobei er sich im Wassertank ver-
steckt habe (vgl. A32, F78 ff.). In der Folge habe er geheiratet, und sei für
einige Monate in Ruhe gelassen worden, bevor sie wiederum angefangen
hätten, zu ihm nach Hause zu kommen (vgl. A32, F66 S. 10).
Tatsächlich sind die Angaben des Beschwerdeführers hinsichtlich der an-
haltenden Suche nach ihm eher vage. Er sprach bezüglich der Zeit nach
seiner Heirat davon, jeweils gespürt zu haben, dass er gesucht worden sei,
weshalb er sich an verschiedenen Orten in K._ aufgehalten habe
und schliesslich etwa Anfang 2013 nach J._ gegangen sei (vgl.
D-74/2020
Seite 15
A32, F91 ff.). Wenn sie vorbeigekommen seien, habe er jeweils – während
sie durch die vordere Türe reingekommen seien oder mit seinen Angehöri-
gen gesprochen hätten – durch die Hintertür flüchten und weglaufen kön-
nen (vgl. A32, F96). Weiter erzählte der Beschwerdeführer, er habe sich
stets an verschiedenen Orten – in J._, E._ und L._
– aufgehalten sowie zeitweise mit seiner Familie in K._ gelebt. An
keinem Ort habe er lange bleiben können, weshalb er im August 2016 mit
seinem Vater gesprochen habe, welcher dann die Ausreise organisiert
habe (vgl. A32, F100 f.).
Sodann erwähnte der Beschwerdeführer, dass er im Jahr 2013 einmal er-
wischt worden sei (vgl. A32, F107). Dabei sei er einen Tag festgehalten und
nach Waffen- und Geldverstecken der LTTE gefragt sowie mit einer Pistole
bedroht worden. Nachdem er den Befragenden gesagt habe, er müsse
seine schwangere Frau erst an einen sicheren Ort bringen, bevor er ihnen
die Ortschaften zeigen würde, zu denen er für die LTTE Sachen transpor-
tiert habe, hätten sie ihn gehen lassen. Er habe seine Frau abgeholt und
sei mit ihr weggegangen (vgl. A32, F66 und F108).
6.4 Es erscheint schwer vorstellbar, dass die Behörden den Beschwerde-
führer über Jahre hinweg gesucht haben sollen, sich aber oft damit begnügt
hätten, beim Pfarrer oder seinen Angehörigen nach ihm zu fragen. Im Falle
von Kontrollen soll es ihm jeweils gelungen sein, den Sicherheitskräften
durch das rechtzeitige Verstecken oder Verlassen des Hauses zu entge-
hen. Es sei daher in einem Zeitraum von sechs Jahren nur zu einem einzi-
gen Zusammentreffen mit den Behörden gekommen, bei welchem diese
ihn überdies nach einem Tag wieder hätten gehen lassen. In Übereinstim-
mung mit dem SEM ist festzuhalten, dass die Suche nach dem Beschwer-
deführer vor diesem Hintergrund nicht als allzu ernsthaft angesehen wer-
den kann. Zwar lässt sich nicht ausschliessen, dass tatsächlich Personen
nach ihm gefragt haben, zumal in den Jahren nach dem Bürgerkrieg in der
Nord- und Ostprovinz eine hohe Militärpräsenz herrschte und eine weitrei-
chende Überwachung der Zivilbevölkerung stattfand (vgl. etwa UNO-Men-
schenrechtsrat (OHCHR), Genf. Report of the OHCHR Investigation on Sri
Lanka (OISL), A/HRC/30/CRP.2, 16.09.2015, Art. 98 und 1112). Es ist je-
doch nicht anzunehmen, dass die sri-lankischen Sicherheitskräfte ein be-
sonderes Interesse an der Person des Beschwerdeführers gehabt und ihn
gezielt gesucht hätten. Einerseits wurde er während seiner mehrmonatigen
Haft im Jahr 2009 zu keinem Zeitpunkt befragt (vgl. A32, F55). Dies lässt
darauf schliessen, dass die Behörden ihn nicht als LTTE-Mitglied ansahen,
von welchem sie wichtige Informationen hätten erhalten können. Zwar
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Seite 16
wurde er bei einer späteren Festnahme offenbar nach Waffen- und Geld-
verstecken der LTTE gefragt, konnte dann aber ohne Begleitung seine
Ehefrau abholen und mit dieser an einen anderen Ort gehen (vgl. A32, F66
S. 10 und F108). Wäre er zuvor bereits unzählige Male erfolglos gesucht
worden, hätten die Behörden ihn wohl kaum auf diese Art entweichen las-
sen.
6.5 Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung bedeu-
tet der Umstand allein, dass der Beschwerdeführer inhaftiert und gefoltert
worden ist, noch nicht, dass ihm enge Verbindungen zu den LTTE unter-
stellt worden sind. Vielmehr lässt sich aus der Tatsache, dass er eigenen
Angaben zufolge von betrunkenen Beamten verhaftet, ohne jegliche Ver-
höre mehrere Monate im Gefängnis festgehalten und gegen eine Geldzah-
lung entlassen worden sei (vgl. A32, F55, F61 und F64), schliessen, dass
er Opfer von extralegal operierenden Sicherheitskräften geworden ist. Für
diese scheint es keine Rolle gespielt zu haben, ob respektive welche kon-
kreten Verbindungen der Beschwerdeführer zu den LTTE aufwies; andern-
falls hätten sie ihn mit Sicherheit danach gefragt und versucht, über ihn an
weitere Informationen zu gelangen.
6.6 Die vom Beschwerdeführer geschilderten Folterungen, die er in Haft
erlittenen habe, sind zweifellos als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu qualifizieren. Die Ereignisse lagen im Zeitpunkt der Ausreise je-
doch mehr als sechs Jahre zurück, womit der zeitliche Kausalzusammen-
hang unterbrochen ist. Nach Ablauf einer derart langen Zeitdauer kann
nicht mehr davon ausgegangen werde, dass diese Vorfälle auslösend für
das spätere Verlassen des Heimatstaates waren. Dies wird vom Beschwer-
deführer denn auch nicht geltend gemacht, führte er doch aus, er sei aus-
gereist, weil er "immer am Rennen" gewesen sei und "wie ein Nomade"
gelebt habe (vgl. A32, F114). Damit sollen die erlittenen Misshandlungen
keineswegs verharmlost oder für unerheblich erklärt werden. Für die Beur-
teilung des Asylgesuchs ist es jedoch massgebend, ob im Zeitpunkt der
Ausreise respektive des Entscheids eine flüchtlingsrechtlich relevante Ver-
folgung vorlag beziehungsweise vorliegt. Eine solche lässt sich aber allein
aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2009 in Haft war
und dabei gefoltert wurde, nicht ableiten.
6.7 Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nach der Haft-
entlassung zumindest sporadisch von unbekannten Behördenvertretern
gesucht worden ist. Zu einer Festnahme kam es lediglich einmal im Jahr
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Seite 17
2013, wobei er einen Tag festgehalten und anschliessend freigelassen wor-
den sei. Das Vorgehen der Behörden lässt jedoch insgesamt nicht auf ein
ernsthaftes Verfolgungsinteresse an seiner Person schliessen. So soll sich
der Beschwerdeführer rund zwei Jahre bei einem Pfarrer in K._ auf-
gehalten haben und von den Behörden gesucht worden sein, ohne dass
sie ihn erwischt hätten (vgl. A32, F81). Zudem sei er nach der Heirat eine
gewisse Zeit lang in Ruhe gelassen worden (vgl. A32, F68). Während sei-
nes Aufenthalts bei den Schwiegereltern respektive dem Bruder des
Schwiegervaters habe er "gespürt", dass sie kommen würden, weshalb er
nach J._ gegangen sei (vgl. A32, F91 ff.). Diese Ausführungen deu-
ten darauf hin, dass die Behörden zwar sporadisch nach dem Beschwer-
deführer gefragt haben, aber keine systematische Suche nach ihm statt-
fand. Auch vor dem Hintergrund der geltend gemachten Haft und der dabei
erlittenen Folter im Jahr 2009 erreichen diese gelegentlichen Nachfragen
der Behörden keine ausreichende Intensität, um als asylrelevant eingestuft
werden zu können (vgl. in diesem Sinne auch Urteile des BVGer
E-2610/2017 vom 17. September 2018 E. 6.1 und D-8209/2015 vom
21. November 2017 E. 4.1, 4.3 und 5.4.2 f.). Es ist gerade nicht von einer
fortgesetzten Verfolgung über Jahre hinweg auszugehen. Vielmehr stellt
die Haft ein in sich abgeschlossenes Ereignis dar, welches keine unmittel-
baren Konsequenzen nach sich zog. Der Beschwerdeführer konnte sich
Ende 2010 eine Identitätskarte ausstellen lassen und im Jahr 2012 heira-
ten, wobei er offenbar Kontakt mit – wenn auch zivilen – sri-lankischen Be-
hörden hatte. Dies ist als Indiz dafür zu werten, dass er zu diesen Zeitpunk-
ten keiner offiziellen behördlichen Suche ausgesetzt war. Auch der Um-
stand, dass er während der sechs Jahre nur sporadisch gesucht wurde und
die einzige Befragung durch die Behörden im Jahr 2013 stattfand, wobei
er nach einem Tag laufengelassen wurde, deutet nicht darauf hin, dass er
als ehemaliges LTTE-Mitglied oder als Bedrohung für den sri-lankischen
Staat wahrgenommen worden wäre. Die Ereignisse im Zeitraum zwischen
der Haft und der Ausreise können daher nicht als erhebliche Nachteile an-
gesehen werden.
6.8 Nachdem keine systematische Suche nach dem Beschwerdeführer
stattfand, welche auf ein massgebliches Verfolgungsinteresse seitens der
heimatlichen Behörden schliessen lassen würde, erscheint seine subjek-
tive Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung nicht als objek-
tiv begründet. Zu keiner anderen Einschätzung vermögen die eingereich-
ten Schreiben des Bischofs von K._ und der Human Rights Unit der
(...), K._, zu führen, welche festhalten, dass der Beschwerdeführer
oft von unbekannten Gruppierungen gesucht und bedroht worden sei. Aus
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diesen vagen Angaben lässt sich ebenfalls keine flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgungssituation ableiten, zumal die beiden Schreiben – wie das
SEM richtigerweise festgestellt hat – den Charakter von Gefälligkeits-
schreiben aufweisen.
6.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, das Bestehen von asylrelevanten Verfolgungsmassnah-
men respektive eine begründete Furcht vor solchen im Zeitpunkt der Aus-
reise nachzuweisen oder glaubhaft zu machen.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Das Gericht orientiert sich bei
der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nach-
teile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risi-
kofaktoren. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der sogenannten „Stop-List“ und
die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden da-
bei als stark risikobegründende Faktoren eingestuft. Demgegenüber stel-
len das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri
Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen
Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden,
die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene
kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-
lankischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wieder-
aufleben zu lassen. Das Gericht hat im Einzelfall die konkret glaubhaft ge-
machten Risikofaktoren in einer Gesamtschau sowie unter Berücksichti-
gung der konkreten Umstände zu prüfen und zu erwägen, ob mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung vor-
liegt (Urteil E-1866/2015 E. 8).
7.2 Der Beschwerdeführer wurde nach Kriegsende für mehrere Monate in-
haftiert, wobei der Grund für die Haft unklar bleibt. Er wurde damals weder
zu einem konkreten Vorwurf noch zu seinen Verbindungen zu den LTTE
oder seiner Tätigkeiten für diese befragt. Im Jahr 2013 wurde er einmal
mitgenommen und verhört, wobei die ihm gestellten Fragen darauf schlies-
sen lassen, dass den Behörden bekannt war, dass er für die LTTE gearbei-
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Seite 19
tet hatte (vgl. A32, F66 S. 10). Mit der früheren Verhaftung und den Verbin-
dungen zu den LTTE ist zu prüfen ob beim Beschwerdeführer ein stark
risikobegründender Faktor vorliegt. Unabhängig des Ergebnisses bedeutet
dies nicht, dass er zu jener kleinen Gruppe zu zählen ist, die bei einer
Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Weder
war er selbst Mitglied bei den LTTE noch nahm er an Kampfhandlungen
teil. Die Behörden scheinen ihm dies denn auch zu keinem Zeitpunkt vor-
geworfen zu haben. Es ist zudem nicht ersichtlich, dass er sich jemals –
sei es im Heimatstaat oder in der Schweiz – (exil-)politisch betätigt hätte.
Den Akten lässt sich auch nicht entnehmen, dass nahe Familienangehö-
rige bei den LTTE gewesen wären, was darauf hindeutet, dass er nicht aus
einer der LTTE nahestehenden Familie stammt und deshalb als Unterstüt-
zer des tamilischen Separatismus wahrgenommen worden wäre. Obwohl
die Tätigkeit des Beschwerdeführers für die LTTE den Behörden offenbar
bekannt war, haben sie lediglich sporadisch nach ihm gesucht und es kam
über einen Zeitraum von rund sechs Jahren zu einer einzigen Festnahme.
Dies lässt darauf schliessen, dass von Seiten der sri-lankischen Sicher-
heitskräfte kein ernsthaftes Interesse an seiner Person bestanden hat. Hin-
weise darauf, dass gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet oder ein Haftbe-
fehl ausgestellt worden wäre, liegen nicht vor. Es ist daher nicht anzuneh-
men, dass er auf der sogenannten "Stop-List" vermerkt ist und bei einer
Rückkehr befürchten müsste, unmittelbar bei der Einreise verhaftet zu wer-
den. Zwar kann nicht ausgeschlossen werden, dass er bei einer Wieder-
einreise nach Sri Lanka einer Befragung und Überprüfung durch die Grenz-
behörden unterzogen wird. Dieses Vorgehen ist aber nicht als asylrele-
vante Verfolgung zu werten, und für ein darüber hinausgehendes Verfol-
gungsinteresse gibt es – angesichts des Umstands, dass ein solches vor
der Ausreise nicht bestand und der Beschwerdeführer über kein massge-
bliches politisches Profil verfügt – keine genügenden Anhaltspunkte. Wei-
ter ist der Beschwerdeführer tamilischer Ethnie, hat verschiedene Narben
am Körper, verfügt nicht über gültige Identitätsdokumente und hielt sich
mehrere Jahre im Ausland auf. Diese Umstände sind jedoch als lediglich
schwach risikobegründende Faktoren anzusehen, welche nicht geeignet
sind, dazu zu führen, dass er von den sri-lankischen Behörden als Unter-
stützer der LTTE respektive als Person wahrgenommen wird, die bestrebt
ist, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen. Er weist kein
Profil auf, welches darauf schliessen lassen müsste, dass er bei einer
Rückkehr die Aufmerksamkeit der heimatlichen Sicherheitsbehörden auf
sich ziehen würde. Unter Würdigung aller Umstände des vorliegenden Fal-
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Seite 20
les ist daher nicht davon auszugehen, dass er in den Augen des sri-lanki-
schen Regimes als Gefahr für den Einheitsstaat Sri Lanka angesehen
würde und ihm deswegen ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
drohen würden.
7.3
7.3.1 An dieser Stelle ist sodann festzuhalten, dass die allgemeine Lage in
Sri Lanka in jüngster Zeit verschiedenen Veränderungen unterworfen war.
So wurde am 16. November 2019 Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi-
denten Sri Lankas gewählt. Dieser war unter seinem Bruder Mahinda Raja-
paksa, welcher von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekre-
tär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und
Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Be-
obachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verant-
wortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights
Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl
ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister
und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein.
Die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren
damit im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsab-
teilungen oder –institutionen (vgl. https://www.aninews.in/news/world/asia
/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-
ministers-of-state20191127174753/, abgerufen am 28.04.20). Beobachter
sowie Angehörige von ethnischen und religiösen Minderheiten befürchten
insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von ver-
schiedenen Personengruppen, darunter Menschenrechtsaktivistinnen und
-aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regie-
rungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Re-
gierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Des Weite-
ren kam es Ende des letzten Jahres zu einem Konflikt zwischen der
Schweizer Botschaft und den sri-lankischen Behörden. Dieser stand im Zu-
sammenhang mit der Entführung einer Botschaftsangestellten, die ge-
zwungen worden sein soll, interne Informationen preiszugeben. Die diplo-
matischen Beziehungen haben sich aber zwischenzeitlich wieder normali-
siert und es wurden bereits Rückschaffungen nach Sri Lanka durchgeführt,
ohne dass die Betroffenen über die bekannten Befragungen am Flughafen
und am Wohnort hinausgehenden Problemen ausgesetzt waren.
7.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri
Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und be-
rücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist es beim derzeitigen
D-74/2020
Seite 21
Kenntnisstand durchaus als möglich zu erachten, dass sich die Gefähr-
dungslage für Personen mit einem bestimmten Risikoprofil akzentuieren
könnte (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015
vom 15. Juli 2016; HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened,
16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur
Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Person zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019, zu
deren Folgen respektive zu den jüngsten Entwicklungen in Sri Lanka be-
steht.
7.3.3 Vorliegend gelang es dem Beschwerdeführer nicht, glaubhaft zu ma-
chen, dass er im Zeitpunkt der Ausreise aus Sri Lanka einer massgeblichen
behördlichen Verfolgung ausgesetzt gewesen war. Trotz seiner früheren
Inhaftierung verfügt er – entgegen der in der Beschwerdeschrift vertrete-
nen Auffassung – nicht über ein Profil, aufgrund dessen er in den Fokus
des sri-lankischen Staatsapparates geraten könnte. Der Umstand, dass er
über einen Zeitraum von sechs Jahren hinweg lediglich sporadisch gesucht
und ein einziges Mal verhört worden war, deutet vielmehr darauf hin, dass
er nicht als engagierter Unterstützer des tamilischen Separatismus respek-
tive als Gefahr für den Einheitsstaat Sri Lanka wahrgenommen worden
war. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sich dies im aktuellen politischen
Kontext in Sri Lanka ändern könnte und er zukünftig mit asylrelevanter Ver-
folgung zu rechnen hätte, liegen nicht vor, zumal kein persönlicher Bezug
zu den Präsidentschaftswahlen oder ein Zusammenhang zwischen seiner
Situation und der neuen Regierung Sri Lankas ersichtlich ist.
7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nichts vor-
gebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuwei-
sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylge-
such daher zu Recht abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer
verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch
über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach
zu Recht angeordnet.
D-74/2020
Seite 22
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden.
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – an welcher
weiterhin festzuhalten ist – lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen
Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den
Wegweisungsvollzug unzulässig erscheinen (vgl. E-1866/2015 E. 12.2 f.).
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
D-74/2020
Seite 23
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Dies gelang ihm angesichts der obenstehenden Er-
wägungen jedoch nicht. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwei-
sung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen zulässig.
9.4
9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe-
renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok-
tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung
der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Weg-
weisungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von indi-
viduellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen
familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine ge-
sicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann. Auch die
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka – namentlich die Wahl von
Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten und deren Folgen – sowie die
Nachwirkungen der Anschläge vom 21. April 2019 und des damals ver-
hängten, zwischenzeitlich wieder aufgehobenen Ausnahmezustands füh-
ren nicht dazu, dass der Wegweisungsvollzug generell als unzumutbar an-
gesehen werden müsste.
D-74/2020
Seite 24
9.4.3 Der Beschwerdeführer ist heute (...) Jahre alt, stammt aus
E._ (Distrikt F._), hielt sich zwischen 1995 und 2009 im
Vanni-Gebiet auf und lebte längere Zeit in K._. Er hat fünf Jahre die
Schule besucht und war mehrere Jahre lang als Chauffeur für die LTTE
tätig (vgl. A32, F43 ff.). Nach dem Krieg arbeitete er lediglich für eine kurze
Zeit, wobei er mit einem Van Fahrten ausgeführt und über ein eigenes Tuk-
Tuk verfügt habe. Letzteres befinde sich zurzeit bei seinem Schwiegerva-
ter, welcher ihn auch unterstützt habe, als er nicht mehr arbeitstätig gewe-
sen sei (vgl. A32, F35 ff.). Neben der Ehefrau und den beiden Kindern des
Beschwerdeführers leben zahlreiche Verwandte von ihm nach wie vor in
Sri Lanka, darunter seine Eltern, Geschwister, die Schwiegereltern und
weitere Onkel und Tanten (vgl. A32, F15 und F28 ff.; A8, Ziff. 3.01). Er ver-
fügt somit über ein tragfähiges Beziehungsnetz, welches ihn auch vor sei-
ner Ausreise bereits unterstützt hat. Es ist davon auszugehen, dass es ihm
mithilfe seiner Angehörigen gelingen wird, sich im Heimatstaat auch wirt-
schaftlich zu reintegrieren und beispielsweise seine berufliche Tätigkeit als
Fahrer wiederaufzunehmen.
Dem eingereichten Bericht des (...) vom 9. Januar 2020 lässt sich entneh-
men, dass beim Beschwerdeführer posttraumatische Symptome bestehen.
Er befinde sich in einer ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung mit einer Konsultationsfrequenz von einmal pro Monat. Durch
die Behandlung habe sich sein Zustand stabilisiert und die Depressivität
sei rückläufig. Eine Fortführung sei dringend indiziert, da ein Abbruch der
Behandlung mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Zunahme der post-
traumatischen und depressiven Symptomatik führen würde. Zudem würde
ihn eine Rückkehr nach Sri Lanka retraumatisieren, da er befürchte, dort
sofort inhaftiert und vermutlich getötet zu werden. Demgegenüber sei die
Reisefähigkeit aktuell gegeben. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen
des Beschwerdeführers sind zwar bedauerlich, lassen aber nicht auf eine
medizinische Notlage und damit verbunden die Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs schliessen. Es gibt in Sri Lanka verschiedene Möglich-
keiten, psychische Erkrankungen in Spitälern oder ambulanten Einrichtun-
gen behandeln zu lassen (vgl. Urteil des BVGer E-7137/2018 vom 23. Ja-
nuar 2019 E. 12.3 m.H.). Bei einer weiterhin bestehenden posttraumati-
schen und depressiven Symptomatik oder im Falle einer Verschlechterung
derselben könnten die psychischen Probleme des Beschwerdeführers so-
mit auch im Heimatstaat behandelt werden. Es ist deshalb nicht anzuneh-
men, dass eine Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Be-
einträchtigung seines Gesundheitszustandes führen würde.
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Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwer-
deführer in Sri Lanka in eine existenzielle oder medizinische Notlage gera-
ten würde. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich als zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Auf die
Erhebung von Kosten ist indessen angesichts der mit Verfügung vom 9. Ja-
nuar 2020 gewährten unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten.
11.2 Mit derselben Instruktionsverfügung wurde dem Beschwerdeführer
lic. iur. Dominik Löhrer als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Diesem
ist folglich ein amtliches Honorar auszurichten. Eine Kostennote wurde
nicht eingereicht, weshalb das Honorar für das vorliegende Verfahren ge-
stützt auf die Akten und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemes-
sungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 750.- (inklusive Auslagen) fest-
zusetzen ist.
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