Decision ID: 1b76194a-b05a-4e22-85bd-1092ec921ef3
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ erlitt am 7. Juli 2015 einen Hirnschlag. Mit Gesuch vom 21.
Oktober 2015 meldete sie sich bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden
(nachfolgend: IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen an.
2. Bereits zuvor hatte A._ wiederholt Leistungen der IV bezogen. Sie
war am J._ als Mangelgeburt unter Komplikationen zur Welt
gekommen. Die IV hatte ihren Zustand als Geburtsgebrechen anerkannt
(Nr. 494) und Kostengutsprache für medizinische Massnahmen erteilt.
Drei Jahre später, im Juni 1974, hatten sich Symptome einer Epilepsie
gezeigt und die IV hatte auch dies als Geburtsgebrechen anerkannt (Nr.
387). Weitere sieben Jahre später, im Februar 1981, hatte die IV die
Kosten für einen dreijährigen Legasthenie-Unterricht übernommen. Im
März 1994 schliesslich hatte sich A._ wegen einem Herzfehler
(Vorhofseptumdefekt Typ II, bestehend seit Geburt, operiert am 9.
November 1993), einer Adipositas permagna und einer psychosozialen
Symptomatik bei der IV zur Umschulung und zum Bezug einer Rente
angemeldet. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie als Hausangestellte und
Kindermädchen gearbeitet, davor hatte sie eine Anlehre als Coiffeuse
gemacht und war als Hilfskraft in der Altenpflege, im Verkauf, im Service
und in der Gastronomie tätig gewesen. Die IV hatte die Kosten für die
Ausbildung zur hauswirtschaftlichen Angestellten übernommen. Diese
Ausbildung hatte A._ indessen nicht erfolgreich absolvieren können.
3. Nach dem Abbruch der Ausbildung zur hauswirtschaftlichen Angestellten
im Juni 1996 hatte A._ diverse Anstellungen als Zimmermädchen,
Küchenhilfe, Allrounderin in einem Hotel, Produktionsmitarbeiterin,
Verkäuferin und Familienhilfe inne. Ab März 2003 stand sie nicht mehr in
einem Arbeitsverhältnis. Im März 2004 heiratete sie, im April 2004 kam ihr
erstes Kind zur Welt und im April 2005 wurde das zweite Kind geboren.
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Zum Zeitpunkt des Hirnschlags am 7. Juli 2015 war A._ als Hausfrau
und Mutter tätig.
4. Nach dem Hirnschlag wurde A._ bis am 20. Juli 2015 im
Kantonsspital B._ behandelt, im Anschluss hielt sie sich bis zum 20.
August 2015 zur Rehabilitation in den Kliniken L._ auf. Danach
begann sie eine ambulante Psychotherapie, weil der Hirninfarkt zu einer
psychischen Dekompensation geführt hatte. Am 22. Oktober 2015 begab
sich A._ notfallmässig in stationäre Behandlung bei C._ , wo
eine mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden
depressiven Störung diagnostiziert wurde. Am 23. November 2015 trat sie
in die Clinica D._ über, wo sie bis am 29. Dezember 2015 in
stationärer Behandlung verblieb.
5. Im Frühjahr 2016 teilte A._ der IV-Stelle mit, sie habe sich im Februar
2016 von ihrem Ehemann getrennt und sei umgezogen, die beiden
Töchter würden bei ihrem Vater leben. Im März und im April 2016 wurde
A._ jeweils nach einer Synkope für einige Tage im Kantonsspital
E._ behandelt. Im Zusammenhang mit der depressiven Störung
wurde sie vom 13. April bis am 10. Mai 2016 erneut stationär bei den
C._ behandelt und vom 27. Juni bis am 2. September 2016 hielt sie
sich in der Klinik F._ auf.
6. Am 6. Oktober 2016 führte die IV-Stelle eine Haushaltabklärung durch.
A._ gab an, sie wäre ohne den Gesundheitsschaden zwei bis drei
Tage erwerbstätig, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Aktuell komme
ihr Ehemann weitgehend für ihren Unterhalt auf und ihre Töchter seien
jedes zweite Wochenende bei ihr. Die Abklärung ergab für den Bereich
Haushalt eine Einschränkung von 12.8 %.
7. Im Rahmen einer Integrationsmassnahme der IV arbeitete A._ vom
1. Juni bis zum 15. September 2017 jeweils 16 Stunden pro Woche in
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einem geschützten Rahmen bei der K._. Gemäss Bericht ihres
behandelnden Psychiaters vom 31. Juli 2017 war die Belastbarkeitsgrenze
damit bereits erreicht. Der behandelnde Psychiater wertete die
Einschränkungen als Folge des Hirninfarkts und als nicht reversibel.
8. Daraufhin gab die IV-Stelle beim Institut für interdisziplinäre medizinische
Begutachtung Neurologicum Zürichsee ein Gutachten in Auftrag. Im
neuropsychologischen Teilgutachten vom 21. Mai 2018 zeigten sich
Anzeichen für eine leichte neuropsychologische Störung. Im
neurologischen Teilgutachten vom 25. Juni 2018 wurde festgehalten, der
Media-Teilinfarkt am 7. Juli 2015 mit einer leichten armbetonten
Hemiparese links sei im Verlauf vollständig ausgeheilt, subjektiv lägen
Müdigkeit und Konzentrationsstörungen vor, es gebe aber keinen Anhalt
für ein klinisches Korrelat. Es bestehe keine neurologisch begründete
Arbeitsunfähigkeit. Im psychiatrischen Teilgutachten vom 4. Juli 2018
wurde eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig nur
leichtgradig ausgeprägter Depressivität diagnostiziert. Zur Arbeitsfähigkeit
wurde ausgeführt, diese sollte innert drei Monaten vollständig
wiederhergestellt werden können. Als adaptiert wurde eine leichte,
überwiegend repetitive körperliche Arbeit ohne wesentliche kognitive und
soziale Beanspruchung am ersten Arbeitsmarkt beschrieben. Im Konsens
vom 4. Juli 2018 wurden die Ergebnisse der Teilgutachten
zusammengeführt.
9. Vom 13. August bis zum 5. September 2018 wurde A._ erneut
stationär in der Klinik F._ behandelt. Es wurde eine rezidivierende
depressive Störung mit gegenwärtig schwerer Episode und mit
psychotischen Symptomen und eine Panikstörung diagnostiziert. Nach
dem Klinikaufenthalt konnte A._ ihre Arbeit bei der Stiftung G._
wiederaufnehmen, bereits seit dem 4. Dezember 2017 hatte sie dort in
einem geschützten Rahmen in einem 50 %-Pensum arbeiten können.
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10. Mit Vorbescheid vom 22. November 2018 teilte die IV-Stelle A._ mit,
dass ihrem Antrag auf eine Invalidenrente nicht stattgegeben werde.
Dagegen erhob A._ am 11. Dezember 2018 Einwand. Mit Schreiben
vom 21. Dezember 2018 ergänzte die behandelnde Psychotherapeutin,
die gegenwärtige Arbeitssituation im geschützten Rahmen bewältige
A._ gut, einen Arbeitseinstieg auf dem ersten Arbeitsmarkt werde sie
nicht verkraften. Mit Schreiben vom 10. Januar 2019 ergänzte die Procap
als Rechtsvertreterin von A._ den Einwand ebenfalls. Sie
beanstandete, dass den Gutachtern nur die Akten aus der Zeit nach dem
Hirninfarkt zur Verfügung gestanden hätten. Etwas später reichte die
Procap einen kardiologischen Bericht vom 17. Januar 2019 nach, in
welchem bei A._ eine manifeste Rechtsherzinsuffizienz mit
eingeschränkter systolischer Funktion festgehalten wurde. Die IV-Stelle
trat auf den Einwand ein und gab ein zweites Gutachten in Auftrag.
11. Die estimed AG erstellte ihr polydisziplinäres Gutachten vom 12. Oktober
2019 gestützt auf Teilgutachten in den Fachbereichen Neurologie,
Kardiologie, Rheumatologie, Neuropsychologie und Psychiatrie. Mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine armbetonte
sensomotorische Resthemiparese links bei Status nach ischämischem
Hirninfarkt im Mediastromgebiet am 7. Juli 2015, Gleichgewichtsstörungen
und ein chronisches Lumbovertebralsyndrom bei degenerativen
Veränderungen L5/S1 und muskulärer Dysbalance diagnostiziert. Zudem
wurden zahlreiche Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt, unter anderem eine hypertensive Herzerkrankung, ein Status
nach rezidivierenden depressiven Episoden, eine akzentuierte
Persönlichkeit mit selbstunsicheren, dysthymen, vermeidenden,
asthenischen und dependenten Persönlichkeitsanteilen sowie eine
Dysthymia. In einer angepassten Tätigkeit in einem geschützten
Arbeitsverhältnis wurde eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert.
Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt seien unter Berücksichtigung des nun
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schon langjährigen chronifizierten Krankheitsbildes auf neurologischem
Fachgebiet, der inzwischen bestehenden ausgeprägten Dekon-
ditionierung und aufgrund des allgemein reduzierten körperlichen
Zustandes nicht mehr möglich.
12. Vom 4. November bis zum 19. Dezember 2019 hielt sich A._ zum
dritten Mal stationär in der Klinik F._ auf.
13. Am 8. April 2020 wurde die Ehe von A._ geschieden. Die beiden
Töchter blieben in der Obhut des Vaters.
14. Mit Vorbescheid vom 20. Juli 2020 stellte die IV-Stelle eine Viertelsrente
vom 1. Juli 2016 bis zum 31. Dezember 2017 und eine halbe Rente ab
dem 1. Januar 2018 in Aussicht. Bei der Bemessung des
Invaliditätsgrades wendete sie die gemischte Methode an und ging von
einer je 50%igen Tätigkeit in Haushalt und Erwerb aus. Hiergegen erhob
A._ am 31. August 2020 Einwand. Sie machte geltend, ab dem
Datum der Scheidung sei sie für den Gesundheitsfall als Vollerwerbstätige
einzustufen.
15. Mit Verfügung vom 19. Januar 2021 bestätigte die IV-Stelle ihren
Vorbescheid. Den Invaliditätsgrad legte sie in Anwendung der gemischten
Methode für die Zeit ab dem 1. Juli 2016 auf 43 % fest (Einschränkung im
Bereich Erwerb 73.45 %, im Bereich Haushalt 12.8 %), für die Zeit ab dem
1. Januar 2018 auf 50 % (Einschränkung im Bereich Erwerb 86.72 %, im
Bereich Haushalt 12.8 %). Gestützt auf das Gutachten der estimed AG
ging sie dabei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit im geschützten Arbeitsmarkt aus.
16. Gegen diese Verfügung erhob A._ am 19. Februar 2021 Beschwerde
an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprechung einer
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ganzen Invalidenrente ab wann rechtens, eventualiter die Zurückweisung
der Angelegenheit an die IV-Stelle. Zur Begründung machte sie im
Wesentlichen geltend, beim Einkommensvergleich sei die ordentliche und
nicht die gemischte Methode anzuwenden. Ohne gesundheitliche
Einschränkungen hätte sie nach der Trennung vom Ehemann eine
mindestens 80%ige Erwerbstätigkeit aufnehmen und nach der Scheidung
hätte sie vollerwerbstätig sein müssen. Sodann sei der Beginn der
Rentenleistungen auf den frühestmöglichen Zeitpunkt sechs Monate ab
Anmeldung festzulegen. Das Wartejahr sei nicht erst nach dem
Hirnschlag, sondern bereits zuvor längst erfüllt gewesen. Und schliesslich
sei sie als Frühbehinderte einzustufen und das Valideneinkommen sei
gestützt auf Art. 26 IVV festzulegen. Sie lebe seit Geburt mit
gesundheitlichen Einschränkungen, habe lediglich eine Anlehre zur
Coiffeuse absolviert und habe ihren ordentlichen Lebensunterhalt nie mit
den Einkünften aus ihrer Erwerbstätigkeit bestreiten können.
17. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 9. März 2021 die
Abweisung der Beschwerde. Sie verwies auf die Begründung der
angefochtenen Verfügung und ergänzte, eine Frühinvalidität liege nicht
vor. Die IV-Stelle des Kantons I._ habe 1995 zu dieser Frage ein
Gutachten eingeholt, welchem entnommen werden könne, dass die
Beschwerdeführerin damals weder als Hausangestellte, noch als
Coiffeuse, noch in einer sonstigen körperlich leichten Tätigkeit
eingeschränkt gewesen sei und dass kein Verdacht auf ein
schwerwiegendes psychiatrisches Leiden bestanden habe.
18. Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in
der angefochtenen Verfügung sowie auf die im Recht liegenden
Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die im vorliegenden Fall angefochtene Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) vom 19. Januar 2021
stellt demnach ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (nachfolgend:
Verwaltungsgericht) dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts als Versicherungsgericht ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100). Die Beschwerdeführerin ist als formelle und materielle
Adressatin von der angefochtenen Verfügung berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59
ATSG), weshalb sie zur Beschwerde legitimiert ist. Auf die zudem frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG)
ist somit einzutreten.
2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle der Beschwerdeführerin zu Recht
eine Viertelsrente vom 1. Juli 2016 bis zum 31. Dezember 2017 und eine
halbe Rente ab dem 1. Januar 2018 zugesprochen hat. Uneinig sind sich
die Parteien beim Zeitpunkt des Rentenbeginns (siehe nachfolgend
Erwägung 3 ff.) und bei der Statusfrage bzw. der Frage, ob der
Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode oder der Methode des
Einkommensvergleichs vorzunehmen sei (siehe unten Erwägung 4 ff.).
Umstritten ist auch die Frage, ob bei der Bemessung des
Valideneinkommens eine Frühinvalidität zu berücksichtigen sei (dazu
unten Erwägung 5 ff.). Einig sind sich die Parteien darin, dass das
Gutachten der estimed AG vom 12. Oktober 2019 (IV-act. 152) eine
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taugliche Grundlage für die Festlegung der Arbeitsfähigkeit und der
leidensangepassten Tätigkeiten darstellt. Für die Beantwortung der
streitigen Fragen ist der Sachverhalt zu berücksichtigen, der sich bis zum
Erlass der angefochtenen Verfügung am 19. Januar 2021 verwirklicht hat
und anwendbar sind in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen
materiellen Rechtssätze, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen
führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E.3.1.1, Urteil
des Bundesgerichts 9C_663/2018 vom 12. Februar 2019 E.4).
Massgeblich ist der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V 427 E.3.2).
3. Geklärt wird nun zuerst die Frage des Rentenbeginns. Die IV-Stelle ist der
Ansicht, der Rentenanspruch bestehe seit dem 1. Juli 2016, die
Beschwerdeführerin verlangt, dass der Rentenbeginn auf den
frühestmöglichen Zeitpunkt sechs Monate nach der Anmeldung festgelegt
werde.
3.1. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach der Anmeldung zum Bezug von Leistungen bei der zuständigen IV-
Stelle (Art. 29 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 29 Abs. 1 ATSG). Die Rente wird vom
Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht
(Art. 29 Abs. 3 IVG). Vorliegend meldete sich die Beschwerdeführerin am
21. Oktober 2015 bei der IV-Stelle für berufliche Integration und Rente an
(IV-act. 12), sie kann demnach frühestens ab dem 1. April 2016 Anspruch
auf Auszahlung einer Rente haben.
3.2. Zu berücksichtigen ist zudem das Wartejahr. Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG hat eine Versicherte erst Anspruch auf eine Rente, nachdem sie
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist. Als Arbeitsunfähigkeit
gilt dabei die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
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bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art.
6 ATSG). Vorliegend ist die IV-Stelle der Ansicht, das Wartejahr habe mit
dem Hirnschlag am 7. Juli 2015 begonnen und der Rentenbeginn falle auf
den 1. Juli 2016. Die IV-Stelle anerkennt dabei, dass die
Beschwerdeführerin in dem Jahr nach dem Hirnschlag in ihrer vorherigen
Tätigkeit als Hausfrau und Mutter ohne wesentlichen Unterbruch erheblich
eingeschränkt war. Die Beschwerdeführerin ist hingegen der Ansicht, die
seit Geburt bestehenden Einschränkungen seien in Bezug auf das
Wartejahr zu werten. Den IV-Akten und dem Gutachten der estimed AG
könne entnommen werden, dass bereits vor dem Hirninfarkt eine
erhebliche Leistungseinschränkung bestanden habe. Das Wartejahr sei
somit längst erfüllt worden. Der Sichtweise der Beschwerdeführerin kann
aus den nachfolgend dargelegten Gründen nicht gefolgt werden.
3.3. Zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sind Verwaltung und Gerichte auf
Angaben ärztlicher Experten angewiesen. Aufgabe des Arztes
beziehungsweise des Psychiaters ist es, den Gesundheitszustand der
versicherten Person zu beurteilen und Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten diese arbeitsunfähig ist (BGE
125 V 261 E.4). Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit können sich die
IV-Stellen und die Sozialversicherungsgerichte auf den Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD, Art. 59 Abs. 2bis IVG), auf die Berichte der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische
Sachverständige stützen (Art. 59 Abs. 3 IVG). Arztberichte unterliegen wie
sämtliche Beweismittel in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der
freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Der Beweiswert der
ärztlichen Stellungnahmen hängt deshalb nach der Rechtsprechung
davon ab, ob sie für die streitigen Belange umfassend sind, auf allseitigen
Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung
der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
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einleuchten und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu
überzeugen vermögen (BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Richtlinien
für die Beweiswürdigung in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer
Berichte und Gutachten sind indessen mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung vereinbar. So ist rechtsprechungsgemäss den im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
versicherungsexternen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353 E.3b/bb). Im vorliegenden
Fall stützte sich die IV-Stelle zu Recht auf das Gutachten der estimed AG
vom 12. Oktober 2019 (IV-act. 152). Diesem Gutachten ist vor dem
Hintergrund der dargelegten Beweiswürdigungsregeln volle Beweiskraft
beizumessen. Die Beschwerdeführerin bringt denn auch nichts vor, was
gegen dieses Gutachten sprechen würde.
3.4. Das Gutachten der estimed AG nennt als Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit auf neurologischem Fachgebiet eine armbetonte
sensomotorische Resthemiparese links bei Status nach ischämischem
Hirn-infarkt im Mediastromgebiet am 7. Juli 2015, eine Epilepsie, fokal,
phasenweise sekundär generalisierte Anfälle (komplex fokal) und
Gleichgewichtsstörungen, sowie auf rheumatologischem Fachgebiet ein
chronisches Lumbovertebralsyndrom bei degenerativen Veränderungen
L5/S1 und muskulärer Dysbalance (IV-act. 152 S. 15 f.). Die Gutachter der
estimed AG diagnostizierten zahlreiche weitere Krankheiten, massen
diesen aber keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei, so insbesondere
der Herzkrankheit und den psychischen Problemen (IV-act. 152 S. 16 f.).
3.4.1. Es fragt sich nun, ab wann die Beschwerdeführerin nach Ansicht der
estimed Gutachter in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war. Bei der
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Resthemiparese ist diese Frage einfach zu beantworten, diese liegt
offensichtlich erst seit dem Hirnschlag vom 7. Juli 2015 vor.
3.4.2. Bei der Epilepsie ist die Situation weniger klar. Fest steht, dass bei der
Beschwerdeführerin 1974 im Alter von rund drei Jahren eine Grand Mal
Epilepsie diagnostiziert wurde (IV-act. 1 S. 22). Fest steht auch, dass die
IV die Epilepsie damals als Geburtsgebrechen anerkannte und die Kosten
für die medizinische Behandlung und die Kontrollen übernahm, befristet
bis am 1. Januar 1991 (IV-act. 1 S. 23; Verordnung über
Geburtsgebrechen, GgV, SR 831.232.21, Nr. 387). In der Folge wurde die
Beschwerdeführerin durch die Epilepsie allem Anschein nach nicht
wesentlich beeinträchtigt. In den medizinischen Akten finden sich von
1974 bis zum 7. Juli 2015 keine Hinweise darauf, dass die
Beschwerdeführerin durch die Epilepsie über längere Zeit wesentlich in
ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen wäre. Der neurologische
Gutachter der estimed AG führte dazu aus:
"Kompliziert wird das Krankheitsbild (gemeint: der Resthemiparese) durch epileptische
Anfälle. Laut der Versicherten würden die Anfälle seit ihrer Kindheit auftreten, laut den
Unterlagen nach dem cerebralen Schlaganfall vom 7. Juli 2015. Dies konnte von
gutachterlicher Seite letztendlich nicht genau geklärt werden. Tatsache ist, dass die
Anfälle nach dem cerebralen Insult von ärztlicher Seite beschrieben wurden. Ein
ischämischer Insult gilt als Auslöser für cerebrale Anfälle" (IV-act. 152 S. 103 f.).
Es kann also mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden, dass die Epilepsie erst nach dem Hirnschlag Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlangte und zuvor seit der
Kindheit nur wenig oder gar nicht in Erscheinung getreten war. Dasselbe
gilt für die Gleichgewichtsstörungen, welche gemäss dem neurologischen
Gutachter der estimed AG eine Folge des Schlaganfalls darstellen (IV-act.
152 S. 102).
3.4.3. Das chronische Lumbovertebralsyndrom schliesslich trat gemäss Angabe
der Beschwerdeführerin gegenüber dem rheumatologischen Teilgutachter
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der estimed AG erst zirka ein Jahr vor der gutachterlichen Untersuchung
vom 31. Mai 2019 auf (IV-act. 152 S. 13, 152 S. 129, 152 S. 133).
3.5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dem Gutachten der
estimed AG entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht
entnommen werden kann, dass bereits vor dem Hirninfarkt eine erhebliche
Leistungseinschränkung im Sinne einer Arbeitsunfähigkeit bestanden
hätte. Vielmehr geht aus dem Gutachten hervor, dass die Krankheiten mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erst mit oder nach dem Hirninfarkt am 7.
Juli 2015 auftraten. Dies deckt sich mit der Einschätzung des RAD in
seinem Bericht vom 5. Januar 2017 (IV-act. 175 S. 17 f.). Die einjährige
Wartefrist begann somit am 7. Juli 2015 und endete am 7. Juli 2016. Die
IV-Stelle hat damit den Beginn des Rentenanspruchs zu Recht auf den 1.
Juli 2016 festgelegt.
4. Geklärt wird nun die Statusfrage. Die rechtlichen Grundlagen dafür
präsentieren sich wie folgt.
4.1. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit oder Unmöglichkeit, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 4 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG). Gemäss
Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, ab 50 % auf eine
halbe Rente, ab 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab 70 % auf eine
ganze Rente. Bei erwerbstätigen Personen erfolgt die Bemessung der
Invalidität aufgrund eines Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG). Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzielen
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könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Bei Nichterwerbstätigen wird darauf
abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Diese Methode wird
Betätigungsvergleich oder spezifische Methode genannt. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Versicherten gilt dabei die
übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Pflege und Betreuung von
Angehörigen (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV;
SR 831.201]). Bei Teilerwerbstätigen schliesslich kommt die gemischte
Methode zur Anwendung, eine Kombination von Einkommens- und
Betätigungsvergleich (Art. 28a Abs. 3 IVG).
4.2. Die Statusfrage, mithin die Frage, ob eine Versicherte bei der
Invaliditätsbemessung als Erwerbstätige, Teilerwerbstätige oder als
Nichterwerbstätige einzustufen ist, ergibt sich aus der Annahme, was die
Versicherte bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist nicht,
welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im
Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum
sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Dabei sind die persönlichen,
familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die
beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen
Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen (BGE 141 V 15 E.3.1, 133
V 504 E.3.3, 125 V 146 E.2c; Urteil des Bundesgerichts 8C_526/2020 vom
31. Oktober 2020 E.3.2). Die Beantwortung der Statusfrage erfordert
zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische
Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat.
Derlei ist einer direkten Beweisführung wesensgemäss nicht zugänglich
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und muss in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (Urteil
des Bundesgerichts 8C_526/2020 vom 31. Oktober 2020 E.3.3).
4.3. Im vorliegenden Fall ging die IV-Stelle davon aus, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 50 % erwerbstätig und zu 50 %
im Haushalt tätig wäre. Diese Sichtweise stützte sie auf die Aussage der
Beschwerdeführerin im Rahmen der Haushaltabklärung, wonach sie im
Gesundheitsfall seit der Trennung von ihrem Ehemann am 29. Februar
2016 zwei bis drei Tage pro Woche erwerbstätig wäre, um mit einem
zusätzlichen Mindestverdienst von CHF 3'500.00 ihren Lebensunterhalt zu
verdienen (IV-act. 53). Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber
geltend, ohne gesundheitliche Einschränkungen hätte sie nach der
Trennung vom Ehemann eine mindestens 80%ige Erwerbstätigkeit
aufnehmen und nach der Scheidung hätte sie vollerwerbstätig sein
müssen.
4.4. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Statusfrage sind die
Lebensumstände der versicherten Person vor dem Eintritt der Invalidität.
Die Beschwerdeführerin wurde J._ geboren, besuchte die Primar-
und Realschule und absolvierte von 1987 bis 1989 eine Anlehre als
Coiffeuse (IV-act. 1 S. 45, 49). Danach arbeitete sie als Verkäuferin (1989
bis 1991), hielt sich in Italien auf (1991 bis 1993), arbeitete als
Familienhilfe (1993 bis 1995), als Allrounderin in verschiedenen Hotels
(1995 bis 2000), als Produktionsmitarbeiterin (2000 bis 2001), erneut als
Verkäuferin (2001) und schliesslich als Familienhilfe (2002 bis 2003; IV-
act. 7). Im Dezember 2003, im fünften Monat schwanger, gab sie die
Erwerbstätigkeit auf und betätigte sich als Hausfrau (IV-act. 12 S. 6). Im
April 2004 wurde die erste Tochter geboren, im April 2005 die zweite (IV-
act. 12 S. 3). Bis zum Hirnschlag am 7. Juli 2015 war die
Beschwerdeführerin somit rund zwölf Jahre als Hausfrau und Mutter tätig.
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4.5. Relevant für die Statusfrage sind auch die Lebensumstände vom Eintritt
der Invalidität bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 19. Januar
2021. Nach dem Hirnschlag vom 7. Juli 2015 bis Ende des Jahres 2015
war die Beschwerdeführerin fast durchgehend in stationärer Behandlung
(8. bis 20. Juli 2015 Kantonsspital B._ [IV-act. 22 S. 7], 20. Juli bis
20. August 2015 Kliniken L._ [IV-act. 22 S. 38], 22. Oktober bis 21.
November 2015 C._ [ IV-act. 32], 23. November bis 29. Dezember
2015 Clinica D._ [IV-act. 34 S. 6]). Nach einem kurzen Aufenthalt
zuhause bei der Familie trennte sie sich am 29. Februar 2016 von ihrem
Ehemann. Sie verliess den Haushalt der Familie in M._ und zog in
eine eigene Wohnung in N._. Die beiden Töchter, damals 14 und 13
Jahre alt, blieben beim Vater. Eine Erwerbstätigkeit nahm die
Beschwerdeführerin zunächst nicht auf, sicher auch deshalb, weil sie auch
im Jahr 2016 immer wieder stationär behandelt werden musste (10. bis
15. März und 3. bis 11. April 2016 im Kantonsspital E._ nach
Synkopen [IV-act. 37 und 44], 13. April bis 10. Mai 2016 bei den C._
[IV-act. 44 S. 15], 27. Juni bis 2. September 2016 in der Klinik F._ [IV-
act. 51]). Im Rahmen einer Integrationsmassnahme arbeitete die
Beschwerdeführerin daraufhin vom 1. Juni bis 15. September 2017 an vier
Tagen je vier Stunden bei der K._ (IV-act. 94). Seit dem 1.
Dezember 2017 arbeitete sie bei der Stiftung G._ Sargans in der
Abteilung Industrie als betreute Mitarbeiterin an einem geschützten
Arbeitsplatz in einem Pensum von 15.5 Stunden pro Woche (IV-act. 130).
In den Jahren 2018 und 2019 musste sie erneut stationär behandelt
werden, allerdings nicht mehr so häufig wie zuvor (8. bis 10. April und 18.
bis 23. April 2018 wegen Cholezystolithiasis im KSGR [IV-act. 105 und
112], 13. August bis 5. September 2018 und 4. November bis 19.
Dezember 2019 in der Klinik F._ [IV-act. 125 und 155]). Am 8. April
2020 wurde die Ehe der Beschwerdeführerin geschieden. Die beiden
Töchter, unterdessen 16 und 15 Jahre alt, blieben in der Obhut des Vaters
- 17 -
und der Beschwerdeführerin wurde ein Besuchsrecht an zwei
Wochenenden pro Monat eingeräumt.
4.6. Relevant für die Statusfrage sind auch die finanziellen Verhältnisse. Diese
präsentieren sich bei der Beschwerdeführerin wie folgt. In der Zeit der
Trennung vom 29. Februar 2016 bis zum 8. April 2020 übernahm der
Ehemann die Kosten für den Lebensunterhalt der Töchter vollständig, für
die Beschwerdeführerin weitgehend. Er bezahlte die Miete für ihre
Wohnung in N._ von CHF 1'400.00 und alle Rechnungen über
CHF 100.00. Zudem gab er der Beschwerdeführerin monatlich
CHF 550.00 für die kleineren Ausgaben (Abklärungsbericht Haushalt, IV-
act. 54 S. 3). Um die zusätzlichen finanziellen Lasten tragen zu können,
war der bereits im Pensionsalter stehende Ehemann gezwungen,
weiterhin erwerbstätig zu sein. Mit der Scheidung am 8. April 2020 fielen
die Unterhaltszahlungen des Ehemanns für die Beschwerdeführerin weg.
Im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung wurde der Ehemann
aber verpflichtet, der Beschwerdeführerin CHF 100'000.00 per 30. Juni
2020 und CHF 80'000.00 in monatlichen Raten von je CHF 1'000.00 ab 1.
Juni 2020 zu bezahlen. Die Beschwerdeführerin hatte hierbei als Beitrag
an den Kindesunterhalt auf CHF 40'000.00 verzichtet. Im Übrigen hatte
der Ehemann aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auf Unterhaltsbeiträge für die beiden Töchter
verzichtet (IV-act. 163 S. 15 ff.).
4.7. Von Bedeutung für die Statusfrage ist natürlich auch die Aussage der
betroffenen Person. Erklärt diese in glaubhafter Weise, wie sie sich ihr
Leben ohne die gesundheitlichen Einschränkungen einrichten würde, ist
von dieser Aussage nicht ohne Weiteres abzuweichen. Widersprechen
sich - wie vorliegend - die Aussagen, so wird in der Regel den
sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" ein grösseres
Gewicht beigemessen als den späteren, im Wissen um die rechtlichen
Konsequenzen getätigten Aussagen (BGE 143 V 168 E.5.2.2, Urteil des
- 18 -
Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020 E.3). Vorliegend
gab die Beschwerdeführerin bei der Haushaltabklärung am 6. Oktober
2016 an, sie wäre im Gesundheitsfall an zwei bis drei Tagen pro Woche
erwerbstätig (IV-act. 53). Später korrigierte sie sich und macht nun im
vorliegenden Verfahren geltend, sie wäre in der Phase der Trennung im
Gesundheitsfall zu mindestens 80 %, nach der Scheidung sogar zu 100 %
erwerbstätig. Diese korrigierte Aussage vermag vorliegend
ausnahmsweise weitgehend zu überzeugen. Dies, weil anzunehmen ist,
dass die Beschwerdeführerin bei der Aussage der ersten Stunde die Frage
nicht vollständig erfasst hatte. Nur zwei bis drei Tage pro Woche zu
arbeiten, wäre im Gesundheitsfall nicht realistisch gewesen. Nachfolgend
wird dies im Detail zunächst für die Phase der Trennung und dann für die
Zeit nach der Scheidung aufgezeigt.
4.7.1. Wie bereits erwähnt zog die Beschwerdeführerin bei der Trennung von der
Familie weg in eine eigene Wohnung und die Kinder blieben beim Vater.
Es ist anzunehmen, dass dies auch im Gesundheitsfall so verlaufen wäre.
Allerdings hätte der Ehemann im Gesundheitsfall sicherlich nicht sämtliche
Kosten für sich selber, die Kinder und die Beschwerdeführerin getragen
und zudem die Betreuung der Kinder und die Führung des
Familienhaushalts übernommen. Vielmehr hätte der Ehemann mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit verlangt, dass die Beschwerdeführerin
zumindest für ihren Lebensunterhalt selbständig aufkomme. Um diese
finanzielle Belastung tragen zu können, wäre die Beschwerdeführerin
gezwungen gewesen, mindestens zu 80 % zu arbeiten. Als angelernte
Coiffeuse, als Verkäuferin oder als Familienhelferin hätte sie auch im
Gesundheitsfall eher schlechte Verdienstmöglichkeiten gehabt (ca. CHF
3'400.00 bei 80 % gemäss dem statistischen Lohnrechner Salarium des
Bundesamtes für Statistik;
https://www.gate.bfs.admin.ch/salarium/public/index.html#/start; zuletzt
besucht am 8. Juni 2021). Weil die Beschwerdeführerin ihre Kinder nur
- 19 -
jedes zweite Wochenende bei sich betreute, hätte sie als gesunde,
alleinlebende Person problemlos in einem 80%igen Arbeitspensum tätig
sein können. Es darf angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin
ohne die gesundheitlichen Einschränkungen finanziell dazu beigetragen
hätte, dass die Familie die Trennungsphase gut übersteht. Es wäre unfair
gewesen, wenn der Ehemann, der ja bereits einen Grossteil der Lasten
trug, seiner hypothetisch gesunden, aus dem Familienhaushalt
ausgezogenen Ehefrau auch noch Unterhaltszahlungen geleistet hätte.
Dies umso mehr, als der Ehemann damals schon das Rentenalter erreicht
hatte und nicht problemlos zwei separate Haushalte finanzieren konnte.
Für die Phase der Trennung ist somit anzunehmen, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall in einem 80 % Pensum als
Coiffeuse, Verkäuferin, Familienhelferin oder in einer ähnlichen Tätigkeit
gearbeitet hätte, um zumindest ihren eigenen Lebensunterhalt zu
bestreiten.
4.7.2. Mit der Scheidung am 8. April 2020 veränderte sich die
Betreuungssituation nicht, die Töchter blieben in der Obhut des Vaters und
die Beschwerdeführerin erhielt ein Besuchsrecht an zwei Wochenenden
pro Monat. Es kann davon ausgegangen werden, dass dies auch im
Gesundheitsfall so gewesen wäre. Seit der Scheidung ist die
Beschwerdeführerin finanziell auf sich selber gestellt. Wäre sie gesund,
wäre dies ebenso. Sie erhält keine nachehelichen Unterhaltszahlungen
und muss einen Beitrag von CHF 40'000.00 an den Unterhalt der Töchter
leisten. Aus der güterrechtlichen Auseinandersetzung stehen ihr
insgesamt CHF 220'000.00 zu. Im Umfang von CHF 40'000.00 wurde
dieser Anspruch mit der Verpflichtung zur Zahlung von Kinderalimenten
verrechnet, CHF 100'000.00 musste der Ehemann am 30. Juni 2020
bezahlen und CHF 80'000.00 werden seit dem 1. Juni 2020 in Form von
monatlichen Raten in der Höhe von CHF 1'000.00 ausbezahlt
(Scheidungsurteil, IV-act. 163 S. 15 f.). Auch diese güterrechtliche
- 20 -
Auseinandersetzung wäre im Gesundheitsfall in gleicher Weise erfolgt, so
dass bei der Beurteilung der Frage, in welchem Umfang die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall erwerbstätig wäre, auf ihre
aktuellen finanziellen Verhältnisse abgestellt werden kann.
4.7.3. Die Beschwerdeführerin erhält bis Februar 2027 jeden Monat eine
Zahlung von CHF 1'000.00 von ihrem Ehemann. Die Parteien sind sich
nicht einig darin, inwieweit diese Zahlungen bei der Beurteilung der
Statusfrage zu berücksichtigen sind. Die Beschwerdeführerin ist der
Ansicht, da der Vorsorgefall beim ehemaligen Ehemann bei der Scheidung
bereits eingetreten gewesen sei, habe kein Vorsorgeausgleich
vorgenommen werden können. Stattdessen sei eine güterrechtliche
Ausgleichszahlung vorgesehen worden, wie dies in solchen Fällen üblich
sei. Diese Zahlung sei deshalb nicht als Einkommen zu berücksichtigen,
sondern als Alterskapital. Dem kann nicht gefolgt werden. Es trifft zwar zu,
dass der Vorsorgefall im Rahmen der beruflichen Vorsorge für den
ehemaligen Ehemann bei der Scheidung bereits eingetreten war. Ein
Vorsorgeausgleich fand aber trotzdem statt. Wie in Art. 124a Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) vorgesehen, wurde
der der Beschwerdeführerin zugesprochene Rentenanteil von jährlich
CHF 2'091.25 in eine lebenslange Rente umgerechnet und auf ihr
Freizügigkeitskonto überwiesen (Scheidungsurteil Ziff. 8 der Erwägungen
und Ziff. 6 des Dispositivs; IV-act. 163 S. 8 f. und S. 15 f.). Die IV-Stelle
ging somit zu Recht davon aus, dass die Zahlungen des Ehemannes
aufgrund der güterrechtlichen Auseinandersetzung bei der Statusfrage zu
berücksichtigen sind.
4.7.4. Für den hypothetischen Gesundheitsfall lässt sich aus all dem auf eine
80%ige Erwerbstätigkeit nach der Scheidung schliessen. Mit ihrer
Aussage anlässlich der Haushaltabklärung, sie würde im Gesundheitsfall
2 bis 3 Tage pro Woche arbeiten (IV-act. 53), machte die
Beschwerdeführerin glaubhaft deutlich, dass sie als Gesunde nicht in
- 21 -
einem vollen Pensum arbeiten würde, sondern nur Teilzeit in dem Umfang,
in welchem es ihre finanziellen Verhältnisse erfordern würden. Nach der
Scheidung hätte sie auch als Gesunde aus der güterrechtlichen
Auseinandersetzung eine Reserve von CHF 100'000.00 gehabt und mit
monatlichen Zahlungen von CHF 1'000.00 bis im Februar 2027 rechnen
können. Bei dieser Ausgangslage hätte sie mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine 100%ige Erwerbstätigkeit ausgeübt. Um den
bisherigen Lebensstandard auf lange Sicht zu halten, wäre sie aber darauf
angewiesen gewesen, im Umfang von 80 % erwerbstätig zu sein.
Aufgrund ihrer beschränkten Ausbildung und Berufserfahrung wäre sie auf
dieses Arbeitspensum angewiesen gewesen, um einen monatlichen Lohn
von rund CHF 3'400.00 zu erzielen (vgl. oben E.4.7.1), so dass ihr
zusammen mit der Zahlung von CHF 1'000.00 durch den ehemaligen
Ehemann CHF 4'400.00 pro Monat zur Verfügung gestanden hätten.
4.8. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie hätte zusätzlich zu ihrem
eigenen Lebensunterhalt auch noch Kinderalimente leisten müssen und
hätte deshalb zu 100 % erwerbstätig sein müssen. Dies trifft nicht zu. Die
Kinderalimente waren bei der Scheidung im Betrag von CHF 40'000.00 bei
der güterrechtlichen Auseinandersetzung berücksichtigt worden. Dies
wäre mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch im Gesundheitsfall so
gewesen.
4.9. Die IV-Stelle begründet die Annahme einer 50%igen Erwerbstätigkeit
unter anderem damit, dass statistisch betrachtet alleinlebende Mütter mit
Kindern unter 25 Jahren zu zwei Dritteln teilerwerbstätig seien. Sie stützt
sich dabei auf eine Erhebung des Bundesamtes für Statistik zu
Teilzeiterwerbstätigkeit nach Geschlecht, Familiensituation und
Beschäftigungsgrad betreffend das Jahr 2019
(https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home.assetdetail.13108479.html,
zuletzt besucht am 8. Juni 2021). Dieser Sichtweise kann nicht gefolgt
werden. Die Kategorie "alleinlebende Mütter, jüngstes Kind unter 25
- 22 -
Jahren" bezieht sich auf Mütter, welche mit ihren Kindern zusammenleben
und entsprechende Betreuungsaufgaben haben. Dies ist vorliegend eben
gerade nicht der Fall.
4.10. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die
Beschwerdeführerin als Gesunde sowohl in der Phase der Trennung ab
dem 29. Februar 2016 als auch nach der Scheidung am 8. April 2020 zu
80 % erwerbstätig und nur zu 20 % im Haushalt tätig gewesen wäre. Die
IV-Stelle hat demnach zwar zu Recht die gemischte Methode angewendet,
indessen die beiden Bereiche Erwerbstätigkeit und Haushalt zu Unrecht
mit je 50 % gewichtet. Sie wird dies im Sinne der vorstehenden
Ausführungen zu korrigieren haben.
5. Geprüft wird nun, ob die IV-Stelle das Valideneinkommen gestützt auf Art.
26 IVV hätte festlegen müssen. Art. 26 IVV betrifft die sogenannten
Geburts- und Frühinvaliden, mithin versicherte Personen, die wegen der
Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnten.
Gemäss Art. 26 IVV entspricht das Valideneinkommen von über
30jährigen Geburts- oder Frühinvaliden dem jährlich aktualisierten
Medianwert gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für
Statistik. Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, sie falle unter diese
Bestimmung, sie lebe seit der Geburt mit gesundheitlichen
Einschränkungen und habe lediglich eine Anlehre zur Coiffeuse
absolvieren können. Eine Anstellung in dieser Tätigkeit habe sie nie
gefunden und es sei ihr nie gelungen, mit den Einkünften aus der
Erwerbstätigkeit ihren ordentlichen Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch
die IV-Stelle halte in den Akten fest, dass sie keine zureichende
Ausbildung habe absolvieren können und dass sie als Frühbehinderte
einzustufen sei. Dem kann, aus den nachfolgend dargelegten Gründen,
nicht gefolgt werden.
- 23 -
5.1. Es trifft zu, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Kindheit und Jugend unter
gesundheitlichen Problemen litt. Sie kam als Mangelgeburt unter
Komplikationen zur Welt (IV-act. 1 S. 3 ff.). Sie hatte einen angeborenen
Herzfehler, der indessen keinen wesentlichen Einfluss auf den
Schulbesuch und die Ausbildung hatte und erst im Erwachsenenalter
festgestellt und operiert wurde (IV-act. 1 S. 73 f.). Mit rund 3 Jahren erlitt
sie einen Epilepsieanfall. Unter antiepileptischer Therapie besserte sich
ihr Zustand, so dass diesbezüglich keine wesentliche Beeinträchtigung
bestand (IV-act. 1 S. 21 f., 1 S. 41 f.). Sie brauchte spezielle Förderung
mit Legasthenie-Unterricht (IV-act. 1 S. 38), konnte aber die obligatorische
Schulzeit absolvieren. Diese Vorkommnisse verunmöglichten ihr somit
nicht, zureichende berufliche Kenntnisse zu erwerben.
5.2. Die Beschwerdeführerin beruft sich auf den Bericht des IV-Berufsberaters
vom 3. März 1995 (IV-act. 1 S. 81 ff.). Dieser Bericht steht in
Zusammenhang mit der Anmeldung der Beschwerdeführerin für
Umschulung und Rente am 1. März 1994, weil sie nach der Operation des
angeborenen Herzfehlers im November 1993 nur noch körperlich wenig
belastende Tätigkeiten ausüben konnte (IV-act. 1 S. 43 ff.). Der
Berufsberater führte aus, wie aus der Anamnese zu entnehmen sei, habe
die Beschwerdeführerin bis zum damaligen Zeitpunkt keine ausreichende
berufliche Ausbildung absolvieren können. Die Anlehre als Coiffeuse
ermögliche ihr nicht, ein Einkommen wie eine gelernte Coiffeuse zu
realisieren, da sie bei ihrer Arbeit immer sehr langsam gewesen sei (IV-
act. 1 S. 82). Die damals zuständige IV-Stelle des Kantons I._ prüfte
daraufhin, ob die Beschwerdeführerin als Frühinvalide einzustufen sei (IV-
act. 1 S. 85). Der ärztliche Dienst hielt dazu fest, diese Frage sei derzeit
nicht leicht zu beantworten. Aus somatischen Gründen (operierter
Herzfehler) sei ihr wohl eine körperlich leichte Arbeit voll zumutbar. (...)
Ob sie auf einen geschützten Arbeitsplatz angewiesen sei – so müsse der
heutige hier wohl angesehen werden – müsse eine psychiatrische
- 24 -
Begutachtung klären (IV-act. 1 S. 92 f.). Darauf holte die IV-Stelle des
Kantons I._ bei Dr. med. O._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, ein Gutachten ein, welches dieser am 30.
November 1995 erstattete (IV-act. 1 S. 104 ff.). Dr. med. O._ erkannte
keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht, es
bestehe kein Verdacht auf Geisteskrankheit oder ein anderes
schwerwiegendes psychiatrisches Leiden, die Beschwerdeführerin sei
nicht auf einen geschützten Arbeitsplatz angewiesen und die Prognose für
Umschulungsmassnahmen sei nicht grundsätzlich ungünstig. Die
Sozialisationsdefizite im beruflichen und zwischenmenschlichen Bereich
führte Dr. med. O._ auf die schwierige Kindheit und Jugend der
Beschwerdeführerin zurück, eine Frühinvalidität bestätigte er nicht.
5.3. Unbehelflich ist auch das Argument der Beschwerdeführerin, es sei ihr nie
gelungen, mit den Einkünften aus der Erwerbstätigkeit ihren ordentlichen
Lebensunterhalt zu bestreiten. Wie gezeigt war sie aus gesundheitlicher
Sicht in der Lage, die ordentliche Schulzeit zu absolvieren und eine
Anlehre zu machen. In körperlich leichten Tätigkeiten war sie als junge
Frau voll arbeitsfähig, ebenso aus psychiatrischer Sicht. Dass sie
verschiedene Arbeitsverhältnisse nur für relativ kurze Zeit innehatte, weist
deshalb nicht auf gesundheitliche Probleme, sondern eher auf
Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich hin. So hielt denn auch
Dr. med. O._ fest, die Beschwerdeführerin tue sich im
zwischenmenschlichen Bezug schwer, Konflikte auszuhalten, sie neige zu
kurzschlüssigem Reagieren und somatisiere dann ihre Trennungs- und
Existenzängste, was in Anbetracht der schwierigen Jugend nicht weiter
verwundere (IV-act. 1 S. 107).
6. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die IV-Stelle den
Beginn des Rentenanspruchs zu Recht auf den 1. Juli 2016 gelegt hat. Für
die Bemessung des Invaliditätsgrades hat die IV-Stelle zu Recht die
gemischte Methode angewendet. Allerdings hat sie dabei den Bereich
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Erwerb mit 50 statt mit 80 % gewichtet, den Bereich Haushalt mit 50 statt
mit 20 %. Die angefochtene Verfügung ist in diesem Punkt rechtswidrig
und die IV-Stelle hat den Invaliditätsgrad neu zu berechnen. Von einer
Frühinvalidität ging die IV-Stelle zu Recht nicht aus, bei der Bemessung
des Valideneinkommens hat sie zu Recht nicht auf Art. 26 IVV abgestellt.
Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtswidrig und die
Angelegenheit ist an die IV-Stelle zurückzuweisen.
7. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF
200.00 bis CHF 1'000.00 festgelegt. Vorliegend werden die Kosten auf
CHF 700.00 festgesetzt. Sie sind angesichts des Verfahrensausganges
der unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen.
8. Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. Vorliegend hat die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 18. März 2021 eine Honorarnote
im Umfang von CHF 2'085.50 eingereicht. Dieser Betrag basiert auf einem
Arbeitsaufwand von total 11.75 Stunden und einem Stundenansatz von
CHF 160.00. Der geltend gemachte Arbeitsaufwand erscheint dem Gericht
angemessen und der Stundenansatz ist nicht zu beanstanden. Die IV-
Stelle hat die Beschwerdeführerin deshalb aussergerichtlich mit CHF
2'085.50 zu entschädigen.