Decision ID: d244d3e6-89ec-446a-800f-f3b90034b3f1
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1986 geborene
X._
war zuletzt
für verschiedene Arbeitgeber zu
meist in
Temporäreinsätzen
tätig (Telefonkartenverkäufer, Zeitungsdruckereiaus
hilfe, Küchenhilfe, Reinigungsbranche). Am 2
5.
September 2013 meldete er sich unter Hinweis auf ein psychisches Leiden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/1 f. und
Urk.
9/8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und erteilte mit Mitteilung vom 2
6.
Mai 2014 Kostengutsprache für ein Belastbar
keitstraining vom
6.
Mai bis 2
5.
August 2014 (
Urk.
9/19), welches per 3
1.
Juli 2014 aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen wurde (
Urk.
9/31). Sie liess den Versicherten durch
Dr.
Y._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie FMH, psychiatrisch begutachten (Expertise vom 2
9.
September
2015;
Urk.
9/60,
ergänzt am 3
0.
Juni 2016;
Urk.
9/79). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheid
verfahren
(Urk. 9/66,
Urk.
9/76 und
Urk.
9/85)
wies sie das Leistungs
be
geh
ren mit Verfügung vom 1
3.
Januar 2017 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
3.
Februar 2017 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom 1
3.
Januar 2017 sei aufzuheben und es sei ihm ab
1.
März 2014 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter seien ihm berufliche Eingliederungsmassnahmen zu gewähren. Zudem sei ihm die unent
geltliche Prozessführung zu bewilligen. Mit Eingabe vom 1
4.
Februar 2017 (
Urk.
5)
reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Assistenzarzt
Dr.
Z._
von der
p
sychiatrischen
K
linik
A._
vom
8.
Februar 2017 (Urk. 6) nach. Am 1
6.
März 2017 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Das Gericht liess den Beschwerdeführer durch
Dr.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
C._
, Psychologin FSP und Neu
ro
psychologin PVK,
bidisziplinär
(psychiatrisch-neuropsychologisch) begutach
ten
(Expertisen vom
8.
Februar und 2
7.
Mai 2019;
Urk.
26 und
Urk.
28). Die Be
schwer
degegnerin verzichtete mit Eingabe vom 2
3.
August 2019 auf eine Stel
lungnahme
dazu
(Urk. 33). Der Beschwerdeführer liess sich am 2
9.
August 2019 vernehmen (Urk. 34)
und änderte
seinen
Hauptantrag dahingehend, dass ihm von
1.
März 2014 bis 3
1.
März 2017 eine ganze und ab
1.
April 2017 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen sei
. Die entsprechenden Stellungnahmen wurden der jeweils anderen Partei am
2.
September 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 35).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über
die Inva
lidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu
mut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mungen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der
Verordnung über
die Inva
lidenversicherung, IVV
) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinwei
sen
; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein
getreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisions
grund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl.
BGE
125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 1
3.
Januar 2017 (Urk. 2) damit, dass die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten des Beschwerdeführers begründet sei, weshalb
keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege. Auf das Gutachten
von
Dr.
Y._
sei abzustellen. Die Intelligenzminderung könne nicht nachvollzogen werden und sei aus versicherungsmedizinischer Sicht ohne relevanten Einfluss. Denn der Be
schwerdeführer habe eine reguläre Schulzeit absolvieren, zwischen 2005 und 2012 verschiedenen temporären Anstellungsverhältnissen nachgehen und eine Familie gründen können. Die berufliche Laufbahn sei einzig am Suchtmittel
kon
sum gescheitert. Die Diagnose einer Schizophrenie könne zudem nicht bestätigt werden (S. 2).
In ihrer Vernehmlassung ergänzte sie (
Urk.
8), das Abhängigkeitsverhalten sei keine Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens, dem Krank
heitswert zukomme. Ein reines Suchtgeschehen bleibe in der Invalidenver
siche
rung unberücksichtigt.
2.2
D
er
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
die Intelligenzminderung stütze sich auf einen anerkannten Intelligenztest. Er habe in der Schweiz lediglich zwei Schuljahre in einer Kleinklasse für Schüler mit besonderen Bedürfnissen absolviert. Eine Lehre habe er keine machen können. Gearbeitet habe er meist lediglich einen Monat lang, bevor ihm wieder gekündigt worden sei, und dabei nie genügend verdient, um seine Familie ernähren zu können. Die Fähigkeit, Kinder zu zeugen, habe zudem nichts mit Intelligenz zu tun, vor allem nicht, wenn wie vorliegend deren Versorgung und Erziehung nicht sichergestellt werden könne (S. 5 f.). Sein IQ von 52 sei für sich alleine schon IV-relevant. Ein solch tiefer IQ könne zudem die Diagnose einer Schizophrenie erheb
lich erschweren (S. 11 f.). Auf das Gutachten
von
Dr.
Y._
könne - aus näher dargelegten Gründen - nicht abgestellt werden (S. 6 f. und S. 10-12). Der Kokainkonsum sei ein sekundäres Problem beziehungsweise ein nicht konstruk
tiver Selbstheilungsversuch, der die Beschwerden zwar negativ beeinflusse, diese aber nicht verursache. Er nehme Kokain, weil ihm dieses gegen seine psycho
tischen Ängste helfe. Die Intelligenzminderung beeinflusse den diesbezüglichen Behandlungserfolg negativ (S. 8 f.). Er habe sich im Dezember 2016 selbständig für eine Behandlung
des
Kokainkonsums in der
A._
angemeldet. Eine Abstinenz habe erreicht werden können, er leide jedoch weiterhin an Symptomen, die mit der Diagnose einer Schizophrenie vereinbar seien (S. 9). Im ersten Arbeitsmarkt sei er nicht arbeitsfähig, weshalb er ab März 2014 Anspruch auf eine ganze Rente habe (S. 12).
In
seiner
Stellungnahme zum
vom hiesigen Gericht bei
Dr.
B._
und Dr.
C._
eingeholten
Gutachten ergänzte
er
(
Urk.
34),
gemäss Gutachter sei er von März 2013 bis Ende 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Ihm sei deshalb
von
März 2014 bis März 2017 eine ganze Rente zuzusprechen.
Ende 2016
habe sich sein Zustand aufgrund der Kokain-Abstinenz verbessert und
es
sei nach Einschätzung der Gutachter von einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 20
%
habe er ab April 2017 Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung (S. 4-
6
).
3.
3.1
Oberärztin
Dr.
D._
und Assistenzarzt
E._
von der
A._
stellten in ihrem Bericht vom
3.
November 2014 (
Urk.
9/38) folgende Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2):
-
p
aranoide Schizophrenie
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 2):
-
Verdacht auf pathologisches Spielen (Spielautomaten)
-
s
chädlicher Gebrauch von Kokain
Dazu führten sie aus, der Beschwerdeführer werde seit dem
3.
Januar 2013 von ihnen ambulant behandelt. Zuletzt seien psychiatrisch-psychotherapeutische Kon
sul
tationen in unregelmässigen Abständen - zumeist alle drei bis vier Wochen - erfolgt (S. 2 und S. 4). Er habe im Mai 2014 ein Arbeitstraining begonnen und sei dabei sehr motiviert erschienen. Mit steigendem Pensum habe sich jedoch, korrelierend mit
exazerbierenden
Schlafstörungen und vermehrten Ängsten, eine Überforderung gezeigt. Initial habe sich durch die Arbeitsversuche und die da
durch verbesserte Tagesstruktur psychopathologisch eine leicht verbesserte Stim
mung gezeigt, im Verlauf des Arbeitstrainings habe er sich aber mehr zurück
gezogen und sei auch nur unregelmässig zu den Behandlungsterminen erschie
nen. Nach mehrfach unentschuldigten Absenzen beim Arbeitstraining und trotz einigen Gesprächen fehlender Verbesserung sei dieses abgebrochen worden, was beim Beschwerdeführer zu Insuffizienzgefühlen geführt habe. Korrelierend mit dieser wieder vermehrt akzentuierten depressiven Stimmung habe sich in den folgenden Wochen ein phasenweise
exazerbierter
Kokainkonsum gezeigt, was immer wieder zu vorübergehender Stimmungsaufhellung geführt, jedoch im Rah
men der dadurch vermehrten Tag-Nacht-Umkehr die Ängste und psycho
tischen Symptome verstärkt habe (S. 3). Der Kokainkonsum werde als Eigenbehand
lungs
versuch der depressiven Symptome und Ängste angesehen, es sei aber hierdurch phasenweise immer wieder eine Verstärkung der psychotischen Symptome an
nehm
bar (S. 5). In der angestammten Tätigkeit als ungelernter Arbeiter unter anderem im Sektor Reinigung bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Auf
grund der Erfahrung aus dem Arbeitstraining sei davon auszugehen, dass auch in einem leicht bis mittel angepassten Setting gegenwärtig keine Arbeitsfähigkeit bestehe. Allenfalls könnte im Verlauf des kommenden Jahres eine Integration im geschützten Rahmen erfolgen (S. 1).
3.2
Mit Bericht vom 2
3.
Mai 2015 (
Urk.
9/45) führten Oberärztin
Dr.
F._
und Assistenzarzt
E._
von der
A._
ergänzend aus, aufgrund der in den
Gesprächen immer wieder aufgefallenen kognitiven Auffälligkeiten sei eine ne
u
ropsychologische Abklärung erfolgt, in welcher ein IQ von 52 habe festgestellt wer
den können. Die schwere Beeinträchtigung könnte Ausdruck einer deutlich
weniger gravierenden vorbestehenden Beeinträchtigung sein - die Sekundar
schule
C / Kleinklasse sei offenbar erfolgreich besucht worden - welche durch die mittlerweile chronischen schizophrenen Symptome schlechter
kompensierbar
sei. Auch sei gut denkbar, dass sich die kognitive Leistungsfähigkeit im Rahmen der schizophrenen Erkrankung deutlich verschlechtert habe. Deskriptiv müsse eine leichte Intelligenzminderung diagnostiziert werden. In den vergangenen Monaten habe es keine neuen Hinweise für Kokainkonsum gegeben, er habe auch ange
geben, nicht mehr am Spielautomaten gespielt zu haben (S. 1 f.). Derzeit könnten nur kognitiv wenig anspruchsvolle handwerkliche Tätigkeiten unter engma
schi
ger strukturierender, wohlwollender Anleitung, in einem ruhigen Umfeld, ohne Zeitdruck, in einem kleinen Team, bei fehlendem Kundenkontakt bis zu einem Pensum von drei Stunden pro Tag ausgeführt werden. Diese Arbeitstätigkeit sei praktisch nur im geschützten Bereich realisierbar und es erscheine keine erwerbs
relevante Arbeit möglich. Selbst unter idealen Bedingungen sei wohl in den kommenden Jahren eine Arbeitsfähigkeit über 30 % auf dem ersten Arbeitsmarkt
nicht möglich (S. 2
f.).
3.3
Dr.
Y._
stellte in seinem Gutachten vom 2
9.
September 2015 (
Urk.
9/60) folgende Diagnosen (S. 15):
-
psychomotorisch unruhiges-feindseliges (
Hostilitäts
-)Syndrom mit neuras
the
nisch-ängstlicher Verstimmung
-
bei regelmässigem und aktuellem Konsum von Tabak und Kokain sowie vielfältigen sozialen Belastungen
-
bei gemäss Einschätzung in den Akten paranoider Schizophrenie und Intel
ligenzminderung
Dazu hielt er fest, anlässlich der Begutachtung seien die objektivierbaren psy
chopathologischen Befunde gering ausgeprägt
gewesen
. Der Beschwerdeführer sei immer
wieder motorisch leicht unruhig gewesen. Den
Blickkontakt
habe
er unregelmässig
gehalten, d
er Antrieb sei leicht gesteigert
und i
n der Interaktion sei er abweisend, ungeduldig, unwillig und nur mässig kooperativ
gewesen
. Er berichte zögerlich und formuliere wenig differenziert. Insbesondere die Angaben zu den subjektiven Beschwerden würden allgemein, vage, ausweichend und ober
flächlich bleiben. Die Konzentration sei leicht reduziert. Daten würden un
genau genannt. Die Intelligenz wirke gering ausgeprägt. Im Affekt sei er moros,
dysthym
und
dysphorisch
. Es sei aber kein klinisch relevantes depressives Syndrom zu
erkennen. Objektive Hinweise auf Wahrnehmungs- und/oder Ich-Störungen fänden
sich ebenfalls keine. Er nenne zwar
„
Stimmenhören
“
und
„
Beeinträ
chti
gungsempfinden
“, erläutere dies aber nicht weiter
.
Die Formulierungen seien
teilweise bildha
ft. Diese (plakativen) subjekti
ven Hinweise
seien zur Kenntnis zu nehmen, e
s
fände
sich anlässlich der aktuellen Untersuchung aber
kein
korres
pon
die
render (objektiver) Befund dazu (S. 16 f.).
Die Diagnose einer Schizophrenie könne nicht bestätigt werden. Auf den Ge
brauch von Kokain werde von den behandelnden Ärzten zwar hingewiesen, ohne dass dieses Verhalten aber kritisch diskutiert werde. Dabei würden die objektiven psychopathologischen Befunde (beispielsweise antriebsarm, psychomotorisch unruhig, Auffassung und Konzentration reduziert, erhöhte Vigilanz, niederge
schla
gen, hypochondrisch-ängstlich, misstrauisch, reizbar) ein unspezifisches de
pressives Syndrom erkennen lassen, das durchaus Ausdruck eines chronischen Gebrauchs von Kokain sein könne. Auch die gemäss der neuropsychologischen Testung der
A._
vom 1
3.
Mai 2015 (
Urk.
9/46/4-6) postulierten ausgeprägten Defizite (im Bereich Lernen und Gedächtnis sowie bei den Aufmerksamkeits- und Exekutiv
funk
tionen) seien - soweit sie sich tatsächlich reproduzieren lassen wür
den - durch einen chronischen Gebrauch von Kokain weit überwiegend erklär
bar. Der entsprechende Bericht samt Schätzung des Intelligenzquotienten sei darüber hinaus kaum verwertbar, nachdem objektive Angaben zum Kokaingebrauch
und/oder anderem Drogenkonsum sowie eine Symptomvalidierung fehlen würden
(S.
18
)
.
Ein dys
funk
tionaler Gebrauch von Kokain stehe weit überwiegend im Vorder
grund. Die behandelnden Ärzte würden bedeutsame nicht krankheitsbedingte soziale Faktoren (beispielsweise Herkunft, Migration, einfache Schulbildung, fehlender Berufsabschluss, geringe Berufserfahrung, Abstinenz vom und Lage am Arbeitsmarkt, finanzielle Sorgen/Schulden, persönliche Berufswünsche, prekäre Wohn
situation), die die Möglichkeit und Motivation zur beruflichen Reinte
gra
tion mindern würden, nicht kritisch evaluieren. Deren Hinweis, dass trotz Thera
pie keine nachhaltige Besserung erreicht worden sei, überzeuge nicht. Bei einer fehlenden (nicht krankheitsbedingten) Kooperationsbereitschaft, einem anhalten
den Konsum von Kokain und/oder bei wesentlich relevanten negativen sozialen
Einflussfaktoren könne kein Therapieerfolg erwartet werden. Das psychomo
to
r
isch unruhige-feindselige Syndrom mit neurasthenisch-ängstlicher Verstim
mung sei
Ausdruck eines primären regelmässigen und aktuellen Konsums von Kokain und
überwindbar (beispielsweise Teilnahme an der aktuellen Untersuchung inklusive Ortswechsel, Kollegen und Vater treffen, TV sehen, mit Kindern aktiv sein). Dem
Beschwerdeführer sei eine substanzielle Anstrengung zur Teilnahme an berufli
chen Tätigkeiten zumutbar
. Eine mindestens 20%ige Arbeitsunfähigkeit habe zu keinem Zeitpunkt bestanden
(S. 18 f.).
3.4
Am 1
5.
Februar 2016 nahmen Oberärztin
Dr.
F._
und Assistenzärztin
G._
von der
A._
Stellung zum Gutachten (
Urk.
9/74) und führten aus, obwohl
darin
Hinweise auf eine Intelligenzminderung dokumentiert seien, werde dies vom Gutachter nicht diskutiert. Der Gutachter gehe von einem regelmässigen starken Kokainkonsum aus, diskutiere aber weder, ob das Ergebn
is der Urinprobe auch durch ein
einmalige
s
oder sporadische Konsumereignisse - beispielsweise vor der
Untersuchung, um diese überhaupt zu ermöglichen - hervorgerufen werden könnte
, noch wie der Beschwerdeführer den regelmässigen starken Konsum über
haupt finanzieren beziehungsweise diesen angesichts seiner Intelligenzmin
de
rung orga
nisieren solle. Auch der sekundäre Charakter des Kokainkonsums als Selbst
be
handlungsversuch gegen psychotische Ängste werde nicht erwähnt, ebenso wenig
der Umstand, dass er aufgrund seiner Intelligenzminderung Schwierigkeiten haben
werde, eine dauerhafte Abstinenz einzuhalten (S. 1 f.). Die Beurteilung, dass die psychotischen Phänomene allein durch den Substanzkonsum bedingt seien, überzeuge nicht. Auch seien die Beschwerden nicht überwindbar, wie anlässlich des Arbeitsversuches habe festgestellt werden können. Dass die Intelligenzmin
derung durch die Abstinenz von Kokain aufgehoben werden könne, sei nicht überzeugend (S. 3). Die Kriterien für die Diagnose einer Schizophrenie seien erfüllt. Die Ausgestaltung von Schizophrenien bei Menschen mit Intelligenz
min
derung sei schlecht untersucht und weniger häufig. Dies könne begründen, wa
rum
in einem einmaligen gutachterlichen Kontakt die Symptome nicht voll
stän
dig erfasst würden. Die Beschwerden könnten durch den Kokainkonsum negativ be
einflusst werden, würden jedoch nicht durch diesen verursacht (S. 4 f.).
3.5
Dr.
Y._
hielt mit Stellungnahme vom 3
0.
Juni 2016 (
Urk.
9/79) zu den Ein
wänden der behandelnden Ärzte fest, selbst wenn von einem IQ von 52 aus
ge
gangen würde, würde dies nur eine leichte Ausprägung der Intelligenz
min
derung begründen und einem Intelligenzalter von 9 bis unter 12 Jahren entspre
chen. Viele Erwachsene könnten mit dieser Begabung arbeiten, gute soziale Bezieh
ungen unterhalten und ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten. So sei auch der Be
schwerdeführer temporären Erwerbstätigkeiten nachgegangen und habe eine Familie gegründet. Seine nachhaltige berufliche Integration sei am regelmässigen Drogenkonsum gescheitert. Die Minderung der Intelligenz sei somit aus versi
che
rungspsychiatrischer Sicht ohne relevanten Einfluss (S. 2). Der regelmässige star
ke Konsum von Kokain sei vom Institut für Rechtsmedizin anhand einer Haaranalyse festgestellt worden. Gerade dieses Konsumverhalten bestätige die tatsächliche Kompetenz des Beschwerdeführers in der Erreichung seiner persönlichen Ziele
(S.
3). Auch gemäss den behandelnden Ärzten seien die Symptome einer Schizo
phrenie nur vage oder unkonkret beziehungsweise die Kriterien nur fraglich er
füllt. Dies sei umso bedeutsamer, als der Kokainkonsum die Angaben zu auf
fäl
ligen Wahrnehmungen und Verunsicherungen begründen könne. Zusätzlich würden vielfältige krankheitsfremde Motive bestehen, die die Angaben beein
flussen und die Gla
ubwürdigkeit einschränken
. Vor diesem Hintergrund könne nachvollzogen werden, dass auch bei einer Kokainabstinenz die Symptome und Beschwerden nach wie vor vorhanden wären. Eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit sei aus versicherungspsychiatrischer Sicht nicht zu begründen (S. 4).
3.6
Assistenzarzt
Dr.
Z._
von der
A._
führte in seinem Bericht vom
8.
Februar 2017 (
Urk.
6) aus, der Beschwerdeführer stehe seit Dezember 2016 wegen seines Koka
inkonsums bei ihm in Behandlung. Innerhalb weniger Wochen habe eine Absti
nenz von allen Substanzen erreicht werden können. Die Abstinenz habe die Symp
tome einer Schizophrenie lediglich reduziert, was
dafür spreche
, dass die Symptomatik durch den Kokainkonsum verschlechtert worden sei. Das Fortbe
stehen der Symptome sechs Wochen nach Erreichen einer gesicherten Abstinenz spreche jedoch dagegen, dass die Symptomatik gänzlich durch den Kokain
kon
sum erklärt werden könne. Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführer unter einer Schizophrenie leide, deren Symptomatik durch den Kokainkonsum negativ beeinflusst worden sei (S. 1 f.). Die leichte Intelli
genz
minderung könne die Diagnose der Schizophrenie erheblich erschweren. So könnt
en beispielsweise oberflächliche Aussagen nicht auf eine reduzierte Konkor
danz, sondern auf die verminderte Intelligenz zurückzuführen sein (S. 2). Eine ver
wertbare Arbeitsfähigkeit im Sinne eines Erwerbs sei derzeit nicht gegeben (S.
3).
3.7
Dr.
B._
und
Dr.
C._
stellten in ihrem psychiatrisch-
neuro
psycho
logisch
en Gutachten vom
8.
Februar und 2
7.
Mai 2019
(
Urk.
26 und
Urk.
28) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
26 S. 32)
:
-
Abhängigkeitssyndrom von
Cannabinoiden
und Kokain, gegenwärtig absti
nen
t
-
Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung in Zusammen
hang mit dem Kokainmissbrauch, residualaffektives Zustandsbild sowie andere anhaltende kognitive Beeinträchtigungen
-
leichte bis mittelschwere neurokognitive Störung mit leichter Intelligenz
minderung ohne oder mit nur geringfügigen Verhaltensstörungen
Dazu führten sie aus,
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit liege beim Be
schwer
deführer keine schizophrene Erkrankung vor. Die Symptome seien als Folg
e eines kombinierten Einflusses der leichten Intelligenzminderung, der schwie
rigen psychosozialen Situation mit Migrationshintergrund und vor allen Dingen der über Jahre in starkem Ausmass vorhandenen Drogenabhängigkeit zu sehen. In Bezug auf den Cannabis- und Kokainmissbrauch sei es unter einer offenbar
stringent durchgeführten Behandlung mit regelmässigen Urinkontrollen gelungen
, eine Abstinenz zu erreichen. Im Zuge dieser Abstinenz sei es zu einer wesent
lichen Besserung der allgemeinen psychiatrischen Problematik gekommen (
Urk.
26
S. 31).
Die berufliche Integration des Beschwerdeführers sei an seiner gesundheitlichen Gesamtsituation gescheitert. Der damals akute Drogenkonsum, die psychotische Symptomatik (wenn auch nicht von einer schizophrenen Erkrankung ausge
gan
gen werde) und die Intelligenzminderung würden sich gegenseitig stark bedingen. Es gebe allerdings zusätzlich zu diesen kran
kheitsbedingten Einflüssen auf
d
a
s Scheitern der Integrationsmassnahmen auch motivationale Einflüsse, wenn er zum Beispiel selbst als Grund für das Scheitern angebe, er habe keine Lust gehabt zu den Arbeiten und es habe ihn «angeschissen» (
Urk.
26 S. 35).
Zwischen März 2013 und Ende 2016
sei
davon auszuge
h
en, dass aufgrund der psychotischen Symptomatik in Interaktionen mit der Intelligenzminderung und dem massiven Drogenkonsum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen habe
. Diese
sei
im Wesentlichen durch den Einfluss des massiven Kokainmissbrauchs bedingt. Auch bei einfachen Tätigkeiten
habe er jeweils eine 1:1
-Betreuung
ge
braucht beziehungsweise habe
die auch gut betreute und einfache Tätigkeit nur sehr unregelmässig und nicht sehr lange ausführen
können
. Eine Arbeitsinte
grationsmassnahme mit guter Betreuung
habe
deswegen vor allen Dingen auf
grund der Unzuverlässigkeit
des Beschwerdeführers
abgebrochen werden
müssen
. Auch die Betreuer der Arbeitsmassnahmen
hätten
eine 100%
ige
Arbeitsun
fähig
keit auf dem freien Arbeitsmarkt in dieser Zeit
bestätigt
. Ende 2016
habe
eine Entzugstherapie durch die ambulante Institution der
A._
begonnen
, die stringent mit Urinkontrollen durchgeführt
worden sei
und rasch zu einer Abstinenz
des Be
schwerdeführers
geführt ha
be. In der F
olgezeit
seien
die psychotischen Symp
to
me deutlich zurück
gegangen
. Sie
seien
bis heute vorhanden, allerdings nur noch in sehr leichtem und nicht mehr stark behindernden Ausmass. Zwischen Anfang 2017 und heute
sei
also davon auszuge
h
en, dass im Wesentlichen die leichte bis mittelschwere kognitive Beeinträchtigung in Interaktion mit der vor
handenen Restsymptomatik zu einer Arbeitsunfähigkeit von
ungefähr
40
%
ge
führt ha
be
. Eine der Behinderung angepasste Tätigkeit müsste vor allen Dingen nur geringe kognitive
Anforderungen an den
Beschwerdeführer
stellen. Zudem
sei
eine gute Supervision durch die Vorgesetzten und ein wohlwollender Team
geist
erforderlich
. Bei einfacheren,
seinem
Bildungsgrad angepassten Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt
sei
von einer Arbeitsunfähigkeit von 40
%
auszuge
hen
(Urk.
26 S. 39-40).
4.
4.1
Im psychiatrischen
G
utachten von
Dr.
Y._
vom
2
9.
September 2015 (ergänzt am 3
0.
Juni 2016; E. 3.3 und E. 3.5
hievor
)
ging dieser von einer seit jeher über 80%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus. Zwar stellte er
dessen
ge
ring ausgeprägte Intelligenz
im Rahmen des Gesprächs
fest
,
verneinte aber einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
mit der Begründung, dieser habe tempo
rären Erwerbstätigkeiten nachgehen und eine Familie gründen können.
Dies überzeugt offensichtlich nicht
, kann doch vorliegend von einer beruflichen Integration gerade nicht
gesprochen
werden und hat die Fähigkeit,
eine Familie zu gründen, nicht ohne Weiteres etwas
mit dem Bestehen einer Arbeitsfähigkeit zu tun
. Dass die psychotischen Symptome aufgrund der vorhandenen psychosozialen Belas
tungsfaktoren auch bei einer Kokainabstinenz weiterhin
beständen
, ist ebenfalls
nicht nachvollziehbar. Weiter entkräftete er
den Einwand der behandelnden Ärzte
, Schizophrenien bei Menschen mit Intelligenzminderung sei
en
schlecht untersucht und weniger häufig
und allenfalls deshalb anlässlich der Begutachtung nicht festgestellt worden, nicht ausreichend
. D
asselbe gilt für deren
Vorbringen, der Kokainkonsum habe sekundären Charakter
und sei als Selbstbehandlungsversuch gegen psychotische Ängste zu sehen.
Gutachter
Dr.
B._
wies
zudem
darauf hin,
dass es
Dr.
Y._
offenbar nicht gelungen ist, einen vertrauensvollen Kon
takt mit dem Beschwerdeführer herzustellen,
weshalb dieser nicht offen über seine Beschwerden berichtet hat (
Urk.
26 S. 41).
Die Beurteilung der medi
zini
schen Situation kann so nicht nachvollzogen werden, ebenso wenig überzeugt die Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit. Auf das
G
utachten von Dr.
Y._
kann nicht abgestellt werden, weshalb das Gericht ein
psychiatrisch-neuropsycho
lo
gisches
Obergutachten eingeholt hat.
4.2
Das
bidisziplinäre
Obergutachten von
Dr.
B._
und
Dr.
C._
vom
8.
Februar und 2
7.
Mai 2019 (E. 3.7
hievor
) beruht auf den erforderlichen psy
chia
trischen und neuropsychologischen Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt. Die Gutachter setzten sich mit diesen aus
führlich auseinander
und begründete
n
abweichende Einschätzungen nachvoll
ziehbar. Sie legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteil
ten die
medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander.
Sie zeigten
dessen
seit längerem andauernde Kokain- und Cannabisabstinenz auf und
be
grün
deten die Diagnose einer leichten bis mittelschweren neurokognitiven Störung
mit leichter Intelligenzminderung
ausführlich. Nachvollziehbar
verneinten
sie
das
Bestehen
einer schizophrenen Erkrankung.
In diesem Zusammenhang wiesen sie darauf hin, dass die psychotische Symptomatik als Folge eines kombinierten Einflusses der leichten Intelligenzminderung, der schwierigen psychosozialen Situation und insbesondere der über Jahre starken Drogenabhängigkeit zu sehen ist, dass sich die psychiatrische Problematik aber seit dem Beginn der Entzugs
therapie Ende 2016
wesentlich verbessert hat und heute nur noch in sehr leichtem und nicht mehr stark behinderndem Ausmass vorhanden ist. Die Gutachter
gelangten sodann zum ausführlich begründeten und nachvollziehbaren Schluss, dass der Beschwerdeführer
von März 2013 bis Ende 2016 in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig war und dass seither - nach einer deutlichen Verbes
se
rung des Gesundheitszustandes Ende 2016 dank einer Kokain-Abstinenz - eine 60%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und auch für andere ein
fachere, seinem Bildungsgrad angepasste Arbeiten besteht
. Das Gutachten ist schlüssig, leuchtet in der Beurteilung der medizini
schen Situation ein und ent
spricht den rechtsprechungsgemässen Anforderun
gen an eine beweiskräftige medi
zinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.5
hievor
). Dies wird von den Parte
ien denn auch nicht bestritten.
5.
5.1
5.1.1
Mit BGE 143 V 418 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpas
sungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Aus Gründen der
Verhältnismässigkeit
kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren ab
gesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich nach dem konkreten Beweisbedarf. Sie fehlt ganz allgemein in Fällen, die sich durch die Erhebung prägnanter Be
funde und übereinstimmende fachärztliche Einschätzungen hinsichtlich Diagnose und
funk
tioneller Auswirkungen im Rahmen beweiswertiger Arztberichte und Gutachten (vgl. BGE 125 V 351) auszeichnen. Was die Befunde angeht, ist etwa an Störungsbilder wie Schizophrenie, die sich aufgrund klinischer psychiatrischer
Untersuchung bezüglich ihrer Überprüf- und Objektivierbarkeit mit somatischen Erkrankungen vergleichen lassen, zu denken (BGE 139 V 547 E. 7.1.4 S. 562).
Zur Thematik der invalidisierenden Wirkung der Auswirkungen von Drogen
kon
sum änderte das Bundesgericht mit BGE 145 V 215 seine bisherige Recht
spre
chung dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diagnostizierten
–
Abhän
gig
keitssyndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vorn
he
rein jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen werden kann (E. 5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E. 6).
5.1.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funk
tioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
5.2
Zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde verwies Dr.
B._
auf die dokumentierten leichten bis mittelgradigen kognitiven Störungen sowie die affek
tive und psychotische Residualsymptomatik (Urk. 26 S. 35). Es liegen mithin mittelgradig ausgeprägte Befunde vor.
Betreffend Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz steht fest, dass der Beschwerdeführer in regelmässiger psychiatrisch-psychotherapeutischer Be
hand
lung steht, allerdings wurde die Medikation nicht konsequent eingenommen. Berufliche Eingliederungserfolge zeigten sich nicht, wobei indes auch motiva
tio
nale Aspekte vorlagen (Urk. 26 S. 36).
Komorbiditäten liegen in dem Sinne vor, dass neben dem (gegenwärtig absti
nen
ten) Abhängigkeitssyndrom eine psychotische Störung, ein residualaffektives Zu
standsbild, anhaltende kognitive Beeinträchtigungen, leichte bis mittelschwere neurokognitive Störungen sowie eine leichte Intelligenzminderung vorliegen (Urk. 26 S. 32).
Zur Persönlichkeit ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer an keiner Persön
lichkeitsstörung leidet und vor allem ein (subjektiv beschriebenes) sensitives Be
ziehungserleben vorliegt, wobei er immer wieder Gedanken hat, dass andere Menschen ihm Böses wollen. Bei Intelligenzminderung bestehen sodann einge
schränkte Ressourcen. Allerdings konnte der Beschwerdeführer biographisch immer wieder schwierige Situationen bewältigen und nun auch längere Zeit abstinent leben (Urk. 26 S. 37).
Der soziale Kontext zeigt eine schwierige Situation, der Beschwerdeführer hat nur zu einem Bruder Kontakt und die Beziehung zu seiner eigenen Familie ist nach der Trennung durch seine Ehefrau (wegen Drogen- und Spielproblematik) einge
schränkt. Wesentliche Ressourcen sind nicht zu erkennen (Urk. 26 S. 38).
Die Einschränkungen des Beschwerdeführers zeigen sich in allen vergleichbaren Lebensbereichen (Urk. 26 S. 38). So gestaltet sich der Tagesablauf des Beschwer
de
führers unstrukturiert, er vermag sein Privatleben aber doch zu einem grossen Teil vernünftig zu bestreiten. So pflegt er sich, kocht selber oder geht auswärts essen, spaziert und geht seit einiger Zeit ins Fitness-Studio. Er bewältigt Termine, schaut Fernsehen und ist in sozialen Netzwerken aktiv. Er pflegt Hobbys (schwimmen, Fussball spielen, Urk. 26 S. 23).
Der
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesene Leidensdruck
zeigt sich in den fortlaufenden therapeutischen Bemühungen des Beschwerde
füh
rers, wobei die Kooperation bei der Medikamenteneinnahme nicht durchgän
gig gewährleistet war.
5.3
Eine Gesamtwürdigung der Indikatoren ergibt, dass der Beschwerdeführer mass
geblich eingeschränkt ist, indessen durchaus ein Restleistungsvermögen zu er
kennen ist. In diesem Sinne ist die gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit von 40 % plausibel und es ist darauf abzustellen.
Während der zurückliegende
n
Periode (März 2013 bis Dezember 2016), in welcher eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde, zeigen sich derart ein
drückliche Befunde, dass eine
Indikatorenprüfung
erlässlich erscheint. Die
A._
-Ärzte beschrieben
chronifizierte
schizophrene Befunde, welche schlecht
kom
pensierbar
sind und verwiesen auf gescheiterte Arbeitsversuche trotz intakter Moti
vation (E. 3.1-2). Auch zeigte sich bereits in dieser Zeit ein prekärer sozialer
Kontext. Er wohnte zuerst noch mit der Partnerin und dem Sohn in einer kleinen Wohnung, doch bestanden Betreibungen in der Höhe von mehreren zehntausend Franken, welche Situation (Schulden durch Spielsucht und Drogenkonsum) später zur Trennung führte (Urk. 9/9/4). Entsprechende Ressourcen sind demnach auch für diese Zeit nicht erkennbar, zumal der Beschwerdeführer über eine geringe Kommunikationsfähigkeit verfügt (Urk. 9/60 21 f. und Urk. 9/33/2).
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
6
.
6
.1
Von März 2013 bis Ende 2016 war der Beschwerdeführer in jeglicher Tätigkeit zu
100
%
arbeitsunfähig, was einen IV-Grad von 100
%
und Anspruch auf eine ga
nze Rente von 1. März 2014 (6 Monate nach Geltendmachung des Leistungsan
spruchs,
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG in Verbindung mit
Art.
28 IVG) bis 3
1.
März 2017 (dreimonatige Verbesserung der Erwerbsfähigkeit,
Art.
88a
Abs.
1 IVV) ergibt.
6
.2
Ende 2016 hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert. Ein für eine Abstufung der Rente erforderlicher Revisionsgrund ist damit gegeben. Nach Einschätzung der Gutachter ist er dank seiner Kokain-Abstinenz seit Ende 2016 in der angestammten Tätigkeit zu 60
%
arbeitsfähig. Angepasste Tätigkeiten sind gemäss Gutachter
einfachere,
seinem
Bildungsgrad angepasste
Arbeiten. Nach
dem er bislang lediglich einfache Tätigkeiten mit
geringe
n
kognitive
n
An
forderungen
ausgeübt hat (Telefonkartenverkäufer, Zeitungsdruckereiaushilfe, Küchen
hilfe, Reinigungsbranche), entsprechen auch
angepasste Arbeiten der an
ge
stammten Tätigkeit. Bei einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten (Hilfs
arbeiter-)Tätigkeit entspricht der Arbeitsunfähigkeitsgrad dem Invaliditätsgrad und es bleibt kein Raum für einen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. dazu auch Urteile des Bundesgerichts 9C_844/2013 vom 1
8.
Februar 2014 E. 3.1 und 8C_558/2013 vom
2.
April 2014 E. 4.3).
Ohnehin wäre kein solcher von 20
%
zu gewähren, wie dies der Beschwerdeführer verlangte (
Urk.
34 S. 5-6). Zwar ist bei Versicherten, die aus gesundheitlichen Gründen nur noch teilzeitlich erwerbstätig sein können, unter dem Titel «Beschäf
tigungsgrad» ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen, wenn Teilzeitarbeit nach
der im konkreten Fall anwendbaren Tabelle vergleichsweise weniger gut
entlöhnt
wird als eine Vollzeittätigkeit (Urteil 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.2 mit Hinweisen). Dagegen rechtfertigt der Umstand, dass die versicherte Person zwar ganztags arbeitsfähig, hierbei aber nur reduziert leistungsfähig ist, grundsätzlich
keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 9C_581/2016 vom 24. Januar 2017 E. 3 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_421/2017 vom 19. September 2017 E. 2.1.1). Laut der gestützt auf die LSE 2012 erstellten Tabelle zu den nach Beschäftigungsgrad, Geschlecht und beruflicher Stellung diffe
renzierten monatlichen Durchschnittsbruttolöhnen rechtfertigt ein Beschäfti
gungsgrad von 50-74 % bei Männern auf der untersten Stufe der beruflichen Stellung (ohne Kader
funk
tion) keinen zusätzlichen Tabellenlohnabzug (Bundes
amt für Sozialversicherungen, IV-Rundschreiben Nr. 328 vom 22. Oktober 2014, Anhang; vgl. dazu
BGE 142 V 178
E. 2.5.1 mit Hinweis). Denn auf dieser Ebene besteht bei Männern zwischen dem Durchschnittslohn bei einem Teilzeitpensum von 50-74 % proportional bezogen auf ein 100 %-Pensum (Fr. 6'080.--) und dem Durchschnittslohn bei einem Vollzeitpensum (Fr. 6'085.--) eine vernachlässigbare Differenz (von Fr. 5.--) und somit kein wesentlicher Unterschied. Bei Berück
sichtigung der für das Jahr 2014 aktualisierten Tabelle besteht zwar bei den angegebenen Werten (Fr. 5‘714.-- [Teilzeitpensum] und Fr. 6‘069.--
[Vollzeit
pen
sum]) eine Differenz von Fr. 355.-- oder 5.85 %. Daraus ergibt sich jedoch keine überproportionale Lohneinbusse (Urteile des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.2 und 8C_12/2017 vom 28. Februar 2017 E. 5.5.2 mit Hin
weisen). Ob die weiteren vom Beschwerdeführer geltend gemachten Punkte (Erforderlichkeit einer Tätigkeit mit geringen kognitiven Anforderungen sowie eines verständnisvollen Arbeitgebers) überhaupt einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, kann vorliegend offenbleiben, resultierte doch selbst bei einem Leidensabzug von 15
%
kein höherer Rentenanspruch.
Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 40
%
ab Ende 2016 ist nach dem Gesagten ab
1.
April 2017 von einem Invaliditätsgrad von 40
%
und entsprechend einem Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung ab diesem Zeitpunkt auszugehen. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
7
.
7
.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
1’0
00.-- festzusetzen und entsprechend
dessen
Ausgang der
unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung erweist sich
damit
als gegen
standslos.
7
.2
Die Kosten der Begutachtung durch
Dr.
B._
und
Dr.
C._
in der Höhe von
Fr. 11'769.95
(Urk.
29/1-2
) sind von der Beschwerdegegnerin zu tragen und somit
dem Gericht zurückzuerstatten, war doch die Veranlassung eines Gerichts
gutachtens uner
lässlich, nachdem bei Erlass der angefochtenen Verfügung ein offensichtlich nicht beweiskräftiges
G
utachten (vgl. E.
4
.
1
hievor
) vorgelegen
hat
(vgl. BGE 139 V 496 E. 4.4). Der Aufwand für das Gutachten von
Fr. 11'769.95
erscheint mit Blick auf die komplexe und umfangreiche Aktenlage
als
ange
messen.