Decision ID: c16107fa-4685-5b6d-a929-b4cdab21cd82
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am (Datum) richtete der National Tax Service der Republik Korea (nachfol-
gend: NTS) ein Amtshilfeersuchen an die Eidgenössische Steuerverwal-
tung (nachfolgend: ESTV oder Vorinstanz). Der NTS stützte sich dabei auf
Art. 25 des Abkommens vom 12. Februar 1980 zwischen der Schweiz und
der Republik Korea zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Ge-
biet der Steuern vom Einkommen (SR 0.672.928.11, nachfolgend: DBA
CH-KR).
Als vom Amtshilfeersuchen betroffene Personen nannte der NTS mut-
masslich, namentlich nicht bekannte, in Korea steuerpflichtige Personen,
welche anhand von zwei dem Ersuchen beigelegten Listen mit Kunden-
nummern und weiteren Angaben identifizierbar seien. Dabei äusserte der
NTS den Verdacht, bezüglich der in der Liste enthaltenen Konten könnten
innerstaatliche Meldepflichten verletzt worden sein.
Der im Amtshilfeersuchen angegebene Steuerzweck ist die Veranlagung
und Erhebung von den koreanischen Einkommenssteuern sowie die Er-
mittlung und Verfolgung in Steuerangelegenheiten. Das Ersuchen betrifft
die Steuerjahre 2011 bis 2019.
Als Informationsinhaberin in der Schweiz wird die Bank B._ AG
(nachfolgend: Bank) genannt.
B.
Am 19. August 2020 erliess die Vorinstanz eine Editionsverfügung, mit der
sie die Bank aufforderte, die verlangten Informationen zu edieren. Zudem
bat sie die Bank darum, die betroffenen bzw. die beschwerdeberechtigten
Personen über das Amtshilfeverfahren zu informieren.
C.
Die Bank edierte die Unterlagen am 14. September 2020 und teilte der
Vorinstanz mit, dass nicht alle betroffenen bzw. beschwerdeberechtigten
Personen über das Amtshilfeverfahren informiert werden konnten.
D.
Die Vorinstanz informierte die betroffenen bzw. beschwerdeberechtigten
Personen am 22. September 2020 via Bundesblatt über das laufende
Amtshilfeverfahren und setzte ihnen eine Frist von zehn Tagen ab Publika-
A-5812/2020
Seite 3
tion, um einen Vertreter in der Schweiz oder in der Republik Korea zu be-
zeichnen, der legitimiert sei, Zustellungen entgegenzunehmen, oder der
ESTV eine aktuelle Adresse in der Schweiz oder in der Republik Korea
mitzuteilen.
E.
Am 20. Oktober 2020 erliess die Vorinstanz eine Schlussverfügung gegen-
über A._ (nachfolgend: betroffene Person), welche sie via Publika-
tion im Bundesblatt am gleichen Datum eröffnete. Die Vorinstanz kommt
darin zum Schluss, dass Amtshilfe zu leisten sei.
F.
Am 19. November 2020 reichte die betroffene Person (nachfolgend auch:
Beschwerdeführer) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen
die Schlussverfügungen ein. Der Beschwerdeführer beantragt, dass die
Schlussverfügung aufzuheben und keine Amtshilfe zu leisten sei. Eventu-
aliter sei die Schlussverfügung aufzuheben und zwecks Einholung weiterer
Informationen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die
Schlussverfügung aufzuheben und die Sache zur Gewährung des rechtli-
chen Gehörs und neuerlichen Verfügung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Mit dem prozessualen Antrag verlangt der Beschwerdeführer, dass
sein Name insbesondere im zu veröffentlichenden Entscheid vollumfäng-
lich zu anonymisieren sei. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien zu
Lasten der Vorinstanz zu sprechen.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 27. Mai 2021 verzichtet die Vorinstanz auf
eine Stellungnahme und verweist vollumfänglich auf ihre Schlussverfü-
gung.
H.
Mit seiner Stellungnahme vom 11. Juni 2021 hält der Beschwerdeführer an
seinen Anträgen fest.
I.
Mit ihrer Stellungnahme vom 22. Juni 2021 beantragt die Vorinstanz die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde und verweist vollumfänglich
auf ihren Vernehmlassungsverzicht sowie ihre Schlussverfügung.
Auf die Vorbringen der Parteien und die Akten wird – sofern sie entscheid-
wesentlich sind – im Rahmen der folgenden Erwägungen eingegangen.
A-5812/2020
Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des NTS zu-
grunde. Dieses stützt sich auf Art. 25 DBA CH-KR. Das Verfahren richtet
sich nach dem Bundesgesetz vom 28. September 2012 über die inter-
nationale Amtshilfe in Steuersachen (StAhiG, SR 651.1). Vorbehalten blei-
ben abweichende Bestimmungen des im vorliegenden Fall anwendbaren
DBA CH-KR (Art. 1 Abs. 2 StAhiG).
1.2 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021). Zu den beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbaren Verfü-
gungen gehören auch Schlussverfügungen der ESTV im Bereich der inter-
nationalen Amtshilfe, so auch der Amtshilfe im Rahmen des DBA CH-KR
(Art. 32 VGG e contrario; Art. 19 Abs. 1 StAhiG). Die Zuständigkeit des
Bundesverwaltungsgerichts zur Behandlung der Beschwerde ist somit ge-
geben.
1.3 Der Beschwerdeführer erfüllt als Verfügungsadressat und Person, über
die Amtshilfe verlangt wird, die Voraussetzungen der Beschwerdebefugnis
(vgl. Art. 19 Abs. 2 StAhiG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde
wurde zudem form- und fristgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52
Abs. 1 VwVG). Damit ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 Die ersuchende Behörde stützt ihr Amtshilfeersuchen auf Art. 25 DBA
CH-KR. Dieser entspricht in seinem Wortlaut weitgehend demjenigen von
Art. 26 des Musterabkommens der Organisation für wirtschaftliche Zusam-
menarbeit und Entwicklung OECD.
2.1.1 Gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 DBA CH-KR tauschen die zuständigen
Behörden beider Vertragsstaaten diejenigen Informationen aus, die zur
Durchführung des Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung
des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fallenden
Steuern voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht entspre-
chende Besteuerung nicht dem Abkommen widerspricht. Der Informations-
austausch wird dabei durch Art. 1 DBA CH-KR (persönlicher Geltungsbe-
reich) nicht eingeschränkt.
A-5812/2020
Seite 5
2.1.2 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist erfüllt,
wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit be-
steht, dass sich die angefragten Angaben als erheblich erweisen werden
(BGE 142 II 161 E. 2.1.1). Der ersuchende Staat muss die Erheblichkeit
voraussehen und deshalb im Amtshilfeersuchen geltend machen. Der er-
suchte Staat hat nur diejenigen Informationen von der Amtshilfe auszu-
schliessen, bei denen unwahrscheinlich ist, dass sie für den ersuchenden
Staat erheblich sein können (im Gegensatz zu einigen anderen Doppelbe-
steuerungsabkommen enthält das zum DBA CH-KR gehörige Protokoll
[ebenfalls publiziert unter SR 0.672.928.11] zwar mit Ausnahme des Ver-
bots der «fishing expedition» keine weitere Definition der voraussichtlichen
Erheblichkeit; das Gesagte gilt jedoch auch hier, vgl. BGE 143 II 185
E. 3.3.2 sowie Urteil des BVGer A-6666/2014 vom 19. April 2016 E. 2.3).
In letzterem Sinne ist auch Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen, wonach
Informationen, welche voraussichtlich nicht erheblich sind, nicht übermittelt
werden dürfen und von der ESTV auszusondern oder unkenntlich zu
machen sind (vgl. Urteile des BVGer A-3773/2018 vom 8. Februar 2019
E. 2.5, A-2327/2017 vom 22. Januar 2019 E. 5.3.1). Weil in der Regel nur
der ersuchende Staat abschliessend feststellen kann, ob eine Information
erheblich ist, beschränkt sich die Rolle des ersuchten Staates grundsätz-
lich darauf, zu überprüfen, ob die verlangten Informationen und Dokumente
einen Zusammenhang mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt ha-
ben und ob sie möglicherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Ver-
fahren verwendet zu werden. Der ersuchte Staat hat also in diesem Sinne
nur eine Plausibilitätskontrolle vorzunehmen (vgl. BGE 142 II 161 E. 2.1.1).
Gemäss dem Bundesgericht bildet der Begriff der «voraussichtlichen Er-
heblichkeit» denn auch «eine nicht sehr hohe Hürde für ein Amtshilfeersu-
chen» (BGE 143 II 185 E. 3.3.2, 142 II 161 E. 2.1.1). Keine Rolle für die
Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit spielt, ob sich die Infor-
mationen nach deren Erhebung als nicht erheblich herausstellen (vgl. BGE
142 II 161 E. 2.1.1).
2.1.3 Art. 25 Abs. 3 DBA CH-KR enthält bestimmte Beschränkungen der
Pflicht zur Leistung von Amtshilfe. So muss der ersuchte Vertragsstaat we-
der Verwaltungsmassnahmen durchführen, die von den Gesetzen und der
Verwaltungspraxis dieses oder des anderen Vertragsstaates abweichen
(Bst. a), noch Informationen erteilen, die nach den Gesetzen oder im übli-
chen Verwaltungsverfahren dieses oder des anderen Vertragsstaats nicht
beschafft werden können (Bst. b). Ebenso wenig muss er Informationen
A-5812/2020
Seite 6
erteilen, die ein Handels-, Geschäfts-, Industrie-, Gewerbe-, oder Berufs-
geheimnis oder ein Geschäftsverfahren preisgeben würden oder deren Er-
teilung dem Ordre Public widerspräche (Bst. c).
2.1.4 Die genannten Einschränkungen werden wiederum durch die Be-
stimmung von Art. 25 Abs. 5 DBA CH-KR relativiert. Gemäss dieser ist
Art. 25 Abs. 3 DBA CH-KR nämlich in keinem Fall so auszulegen, als er-
laube er einem Vertragsstaat, die Erteilung von Informationen nur deshalb
abzulehnen, weil sich die Informationen bei einer Bank, einem sonstigen
Finanzinstitut, einem Bevollmächtigten, Beauftragten oder Treuhänder be-
finden oder weil sie sich auf Beteiligungen an einer Person beziehen
(Satz 1). Ungeachtet des Abs. 3 oder entgegenstehender Bestimmungen
des innerstaatlichen Rechts verfügen die Steuerbehörden des ersuchten
Vertragsstaates – sofern dies für die Erfüllung der Verpflichtungen unter
diesem Absatz erforderlich ist – über die Befugnis, die Offenlegung der in
diesem Absatz genannten Informationen durchzusetzen (Satz 2). Dies be-
deutet, dass Informationen zu Bankbeziehungen vollumfänglich erhältlich
sind (BGE 142 II 161 E. 4.5.2 in Bezug auf den im Wesentlichen gleichlau-
tenden neuen Art. 28 Abs. 5 des Abkommens vom 9. September 1966 zwi-
schen der Schweiz und Frankreich zur Vermeidung der Doppelbesteue-
rung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen und
zur Vermeidung von Steuerbetrug und Steuerflucht [SR 0.672.934.91, DBA
CH-FR]).
2.2
2.2.1 In Zusammenhang mit Art. 25 DBA CH-KR ist sodann Ziff. 2 des zu-
gehörigen Protokolls, welches wie Art. 25 DBA CH-KR per 25. Juli 2012 in
Kraft trat (AS 2012 4069) sowie die Verständigungsvereinbarung mit In-
krafttreten am 3. Juli 2012 (AS 2012 4219) zu beachten.
2.2.2 Ziff. 2 Bst. b des Protokolls zum DBA CH-KR enthält formelle Anfor-
derungen an ein Amtshilfeersuchen. Bst. a bestimmt, dass ein Ersuchen
erst gestellt werden darf, wenn der ersuchende Staat die üblichen inner-
staatlichen Mittel zur Informationsbeschaffung ausgeschöpft hat. Bst. c
schliesst «fishing expeditions» aus und Bst. d hält fest, dass zwar keine
Verpflichtung für einen automatischen oder spontanen Informationsaus-
tausch besteht, die Vertragsstaaten aber voneinander erwarten, sich ge-
genseitig die zur Durchführung des Abkommens nötigen Informationen zu
liefern.
A-5812/2020
Seite 7
2.2.3 Gemäss Ziff. 2 Bst. e des Protokolls zum DBA CH-KR besteht Ein-
vernehmen darüber, dass im Falle des Austauschs von Informationen die
im ersuchten Staat geltenden Bestimmungen des Verwaltungsverfahrens-
rechts über die Rechte der Steuerpflichtigen vorbehalten bleiben, bevor die
Informationen an den ersuchenden Staat übermittelt werden. Einig sind
sich die Vertragsparteien auch darüber, dass diese Bestimmungen dazu
dienen, der steuerpflichtigen Person ein ordnungsgemässes Verfahren zu
gewähren, und nicht bezwecken, den wirksamen Informationsaustausch
zu verhindern oder übermässig zu verzögern.
2.3 Im innerstaatlichen Recht richtet sich das Verfahren nach dem StAhiG
(E. 1.1). Das StAhiG regelt den Vollzug der Amtshilfe nach den Abkommen
zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und anderen internationalen Ab-
kommen, die einen Informationsaustausch in Steuersachen vorsehen. Ab-
weichende Bestimmungen des jeweiligen Abkommens sind vorbehalten
(Art. 1 Abs. 2 StAhiG). Es regelt den verfahrensrechtlichen Vollzug, um den
Konventionsbestimmungen zur Durchsetzung zu verhelfen. Seine materi-
ellen Definitionen sind nur von Interesse, soweit sie die Bestimmungen ge-
mäss den anwendbaren internationalen Abkommen erläutern (BGE 143 II
224 E. 6.1, 143 II 136 E. 4.1 ff.). Insbesondere in Bezug auf Art. 7 Bst. c
StAhiG hat das Bundesgericht festgehalten, der Gesetzgeber habe sich mit
der entsprechenden Formulierung nicht seinen internationalen Verpflich-
tungen entziehen wollen (BGE 143 II 224 E. 6.2). Diese Aussage lässt sich
auf sämtliche Bestimmungen des StAhiG übertragen.
2.4 Laut Art. 7 Bst. c StAhiG wird auf ein Amtshilfegesuch nicht eingetreten,
wenn es den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, insbesondere
wenn es auf Informationen beruht, welche nach schweizerischem Recht in
strafrechtlich relevanter Art und Weise erlangt worden sind (Urteil des BGer
2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 6.3). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung ist jedoch nur dann in jedem Fall von einem treuwidrigen
Verhalten auszugehen, wenn ein Staat schweizerische Bankdaten kauft,
um sie danach für ein Amtshilfegesuch zu verwenden. Ansonsten ist die
Frage, ob ein Staat den Grundsatz von Treu und Glauben bei von Art. 7
Bst. c StAhiG erfassten Konstellationen verletzt hat, nach den Umständen
des Einzelfalls zu beurteilen (BGE 143 II 224 E. 6.4). Die blosse Verwen-
dung bzw. Auswertung von Daten illegaler Herkunft stellt für sich allein
noch keinen Verstoss gegen Treu und Glauben dar, solange sie der ersu-
chende Staat nicht gekauft hat, um sie anschliessend für ein Amtshilfege-
such zu nutzen (Urteile des BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018
E. 2.3.5, 2C_819/2017 vom 2. August 2018 E. 4, 2C_648/2017 vom 17. Juli
A-5812/2020
Seite 8
2018 E. 2.3.3 und 3.3). Für die Treuwidrigkeit bedarf es in solchen Fällen
eines zusätzlichen Elements, beispielsweise einer vertraglichen Zusiche-
rung des ersuchenden Staates (Urteil des BGer 2C_545/2019 vom 13. Juli
2020 E. 6.3). Eine solche Zusicherung muss sich auf einen entsprechen-
den Verweis im bilateralen Abkommen oder in einem Protokoll dazu abstüt-
zen lassen. Der ersuchende Staat muss somit diesen Vorbehalt akzeptiert
haben oder der Vorbehalt muss sich aus einer sonstigen gegenseitigen
Zusicherung ergeben (Urteile des BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember
2018 E. 2.3.2 und 2.3.5, 2C_819/2017 vom 2. August 2018 E. 4,
2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 3.3).
2.5 Im Rahmen der internationalen Behördenzusammenarbeit besteht
grundsätzlich kein Anlass, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklärungen
anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip; statt
vieler: Urteil des BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 2.2). Die ESTV
ist an die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden,
als diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüchen
sofort entkräftet werden kann. Gleiches gilt für die vom ersuchenden Staat
abgegebenen Erklärungen. Werden diese sofort entkräftet, kann der er-
suchte Staat ihnen nicht mehr vertrauen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer
A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.2). Es liegt an der betroffenen
Person, den Sachverhalt mittels Urkunden klar und entscheidend zu wider-
legen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-2725/2019 vom 25. Februar
2020 E. 2.3, mit Hinweisen).
3.
3.1
3.1.1 Sofern – wie im vorliegenden Fall – ein Einzelersuchen ohne Na-
mensangabe im Rahmen einer Listenanfrage eingereicht wird (vgl. zu de-
ren Zulässigkeit Art. 25 DBA CH-KR und Ziff. 2 des zugehörigen Protokolls
sowie insbesondere die dazugehörige Verständigungsvereinbarung
[s. E. 2.2.1] sowie auch BGE 143 II 136 E. 5.3.4), sind nach bundesgericht-
licher Rechtsprechung für die Frage der unzulässigen Beweisausfor-
schung diejenigen Kriterien heranzuziehen, welche das Bundesgericht im
Zusammenhang mit Gruppenersuchen entwickelt hat (BGE 143 II 628
E. 5.1). Somit muss der ersuchende Staat eine detaillierte Umschreibung
vorlegen und darin müssen die spezifischen Tatsachen und Umstände,
welche zu der Anfrage geführt haben, dargestellt sein (Urteil des BGer
2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018 E. 5.2). Im Ersuchen müssen auch
die anwendbaren steuerrechtlichen Bestimmungen dargelegt sein sowie
A-5812/2020
Seite 9
die Gründe, welche die Annahme rechtfertigen, die steuerpflichtigen Per-
sonen seien ihren steuerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen.
Schliesslich muss der ersuchende Staat aufzeigen, dass die verlangten In-
formationen geeignet sind, die Erfüllung dieser Verpflichtungen herbeizu-
führen (BGE 146 II 150 E. 6.1.3).
Der NTS verlangt vorliegend Aufschluss über die Identität einer bestimm-
ten, nach den Bankunterlagen bzw. dem Domizilcode mutmasslich in Süd-
korea ansässigen und damit auch steuerpflichtigen Person, deren Kunden-
nummer und Domizilcode ihm bereits bekannt sind. Mit dem Amtshilfeer-
suchen vom 17. Juli 2020 macht der NTS detailliert Ausführungen zu den
rechtlichen Grundlagen und zu den Umständen, welche zum Listenersu-
chen geführt haben. Der NTS möchte mit dem Ersuchen insbesondere die
Einhaltung der steuerlichen Meldepflichten untersuchen («Korean resi-
dents who have accounts in overseas financial institutions with the balance
being KKW 500 million [approximately CHF 400’000] or more at any month
end during the year must report to the NTS on their accounts»). Denn der
NTS hegt nämlich die Vermutung, dass die betroffene Person persönliches
Einkommen nicht versteuert hat («that they failed to report to the NTS the
incomes in the accounts and the accompanying interest and dividend in-
comes»). Im Zusammenhang mit der Vermutung, die betroffene Person
habe die steuerlichen Meldepflichten und Einkommen nicht versteuert,
nennt der NTS auch die anwendbaren Rechtsgrundlagen («Article 34 of
the Adjustment of International Taxes Act of the Republic of Korea», «Un-
der Articles 16-18 of the Income Tax Act», «Article 80 of the Income Tax
Act»). Im Weiteren hat der NTS von den insgesamt 202 Konten zumindest
einige wenige überprüfen können und der Domizilcode hat sich in der bis-
herigen Untersuchung offenbar als korrekt erwiesen (vgl. auch Urteil des
BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 E. 6.2.6 f. sowie Urteil des BVGer
A-1562/2018 vom 3. August 2020 E. 4.2). Daran ändert auch das allge-
mein gehaltene Schreiben der Bank vom 14. September 2020 nichts, denn
in diesem wird nicht angeführt, dass im konkret vorliegenden Fall die Do-
mizilangaben nicht korrekt seien. Schliesslich macht der NTS auch Ausfüh-
rungen zum vorgeworfenen und gesetzwidrigen Verhalten der betroffenen
Person. Nach den Ausführungen der NTS im Ersuchen sind die betreffen-
den Kundennummern nicht in den südkoreanischen Datenbanken geführt
(«in order to verify whether they fulfilled the obligation, the NTS cross-che-
cked the above CUSTOMER ID NUMBER with reports on overseas finan-
cial accounts compiled in its own database for 2011 through 2018», «And
it was found out that only two accounts were reported with the rest 200
A-5812/2020
Seite 10
being unreported»), was einen konkreten Hinweis auf steuerliche Unregel-
mässigkeiten darstellen könnte.
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers – es liege eine
«fishing expedition» vor – ist eine unzulässige Beweisausforschung damit
vorliegend zu verneinen.
3.1.2 Die vom NTS im Zusammenhang mit der Besteuerung der betroffe-
nen Person ersuchten Informationen erscheinen als geeignet, ihre Einkom-
mensbesteuerung und damit ihre Steuersituation in der Republik Korea zu
beeinflussen. Die ersuchten Informationen sind demnach dazu geeignet,
im ausländischen Verfahren gegen die betroffene Person verwendet zu
werden («verify the suspected tax avoidance of overseas incomes»). Die
Übermittlung der Bankunterlagen und des Namens der betroffenen Person
ermöglicht dem NTS, die Ermittlungen weiterzuführen. Dies ist für das Er-
fordernis der voraussichtlichen Erheblichkeit ausreichend (vgl. Urteil des
BGer 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018 E. 5.3.2). Damit ist in casu in
Übereinstimmung mit den Erwägungen in der Schlussverfügung der Vo-
rinstanz die voraussichtliche Erheblichkeit von grundsätzlich sämtlichen In-
formationen gegeben.
Entsprechend misslingt es dem Beschwerdeführer aufzuzeigen, dass ein
Zusammenhang zwischen den verlangten Informationen und der Untersu-
chung in der Republik Korea wenig wahrscheinlich erscheint (vgl. BGE 146
II 150 E. 6.1.1 ff., 141 II 436 E. 4.4.3).
Damit ist aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips an der Rich-
tigkeit der Ausführungen und Erklärungen der ersuchenden Behörde nicht
zu zweifeln (s. E. 2.5).
3.2 Im Ersuchen des NTS steht klar geschrieben, dass die Republik Süd-
korea die Daten im Rahmen zwischenstaatlicher Zusammenarbeit («intel-
ligence collaboration») erlangt hat und es besteht grundsätzlich wegen
dem völkerrechtlichen Vertrauensprinzips gerade kein Anlass (s. E. 2.5),
an der Richtigkeit der Ausführungen und Erklärungen der ersuchenden Be-
hörde zu zweifeln. Im vorliegenden Fall ist entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführers nicht erstellt, dass die Informationen über das von ihm
genannte «Tax Whistleblower Reward Program» erworben wurden. Über-
dies würde die blosse Verwendung bzw. Auswertung von Daten illegaler
Herkunft für sich allein nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung noch keinen Verstoss gegen Treu und Glauben darstellen, solange
A-5812/2020
Seite 11
sie der ersuchende Staat nicht gekauft hat, um sie anschliessend für ein
Amtshilfegesuch zu nutzen (Urteile des BGer 2C_619/2018 vom 21. De-
zember 2018 E. 2.3.5, 2C_819/2017 vom 2. August 2018 E. 4,
2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3.3 und 3.3). Vorliegend würde es
daher eines zusätzlichen Elementes – wie einer vertraglichen Zusiche-
rung des ersuchenden Staates – bedürfen (Urteil des BGer 2C_545/2019
vom 13. Juli 2020 E. 6.3). In der ergangenen bundesgerichtlichen Recht-
sprechung mit Bezug auf Südkorea wurde jedoch eine solche Zusicherung
des südkoreanischen Staates, die eine Verwendung von gestohlenen Da-
ten ausschliessen würde, stets negiert (Urteil des BGer 2C_545/2019 vom
13. Juli 2020 E. 6.3).
Im Sinne dieser Ausführungen erweisen sich somit die Behauptungen und
die Rügen des Beschwerdeführers, die sich mit einem Verstoss gegen Treu
und Glauben beschäftigen, als unbegründet.
3.3 Unbestritten ist schliesslich, dass die Bank durch die Vorinstanz korrekt
aufgefordert wurde, den Beschwerdeführer zu informieren (vgl. Art. 14
Abs. 3 StAhiG bzw. Art. 14a Abs. 3 StAhiG). Diese antwortete mit Schrei-
ben vom 14. September 2020, dass eine Information im vorliegenden Fall
nicht möglich sei (Sachverhalt Bst. C). Wie der Beschwerdeführer richtig-
erweise anerkennt, muss die Vorinstanz lediglich versuchen, die Bank als
Inhaber der Informationen dazu zu bewegen, mit der betroffenen Person
Kontakt aufzunehmen, um einen zur Entgegennahme der Mitteilungen be-
fugten Vertreter zu benennen. Die Vorinstanz kann jedoch die Bank nicht
dazu zwingen, dies zu tun (s. BGE 145 II 119 E. 6.2, mit Hinweisen).
Art. 14 Abs. 4 und 5 StAhiG bzw. Art. 14a Abs. 3bis und 4 StAhiG sieht so-
dann zur Gewährung des rechtlichen Gehörs von Personen, die von einem
Amtshilfeersuchen betroffen oder beschwerdeberechtigt sind und ihren
Wohnsitz im Ausland haben, verschiedene Arten der Information vor (BGE
145 II 119 E. 7.2). Einerseits ist eine direkte Information durch die ESTV
unter bestimmten Voraussetzungen möglich (vgl. Art. 14 Abs. 4
StAhiG bzw. Art. 14a Abs. 3bis StAhiG), anderseits ist die Information durch
die ersuchende Behörde oder durch Veröffentlichung im Bundesblatt er-
laubt (vgl. Art. 14 Abs. 5 StAhiG bzw. Art. 14a Abs. 4 StAhiG).
Ebenfalls unbestritten ist vorliegend, dass die Schweiz und die Republik
Korea keinen Staatsvertrag kennen, welcher eine unmittelbare Zustellung
nach Art. 14 Abs. 4 Bst. a StAhiG bzw. Art. 14a Abs. 3bis Bst. a StAhiG
erlauben würde. Wie der Beschwerdeführer zurecht vorträgt, kann die Vor-
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-II-119%3Ade&number_of_ranks=0#page119 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-II-119%3Ade&number_of_ranks=0#page119
A-5812/2020
Seite 12
instanz im vorliegenden Fall auch nicht den ersuchenden Staat um eine
ausdrückliche Zustimmung anfragen (s. Urteil des BGer 2C_54/2014 vom
2. Juni 2014 E. 3.3 sowie Art. 14 Abs. 4 StAhiG Bst. b bzw. Art. 14 Abs. 3bis
Bst. b StAhiG). Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers («Erst
wenn sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft seien, sei die Vorinstanz dazu
ermächtigt, eine Veröffentlichung im Bundesblatt vorzunehmen») konnte
im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die Information des Be-
schwerdeführers im vorliegenden Fall durch die Veröffentlichung im Bun-
desblatt erfolgen. Denn die Information nach Art. 14 Abs. 5 StAhiG bzw.
Art. 14a Abs. 4 StAhiG setzt lediglich voraus, dass die betroffene Person
nicht direkt kontaktiert werden kann, da die Meldung nach Art. 14 Abs. 5
StAhiG bzw. Art. 14a Abs. 4 StAhiG nach bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung als subsidiär zu den in Art. 14 Abs. 4 StAhiG bzw. Art. 14a Abs. 3bis
StAhiG vorgesehenen Möglichkeiten gilt (s. BGE 145 II 119 E. 7.2). Ohne-
hin hätte – entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers in der Be-
schwerde und seiner Stellungnahme – eine nicht korrekte Zustellung nicht
einfach schlechthin die Aufhebung der Schlussverfügung zur Folge
(s. hierzu Urteil des BVGer A-5579/2020 vom 23. August 2021 E. 3.1 f. und
E. 4).
Insofern können die Argumente und Vorbringen des Beschwerdeführers –
es liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und eine fehlende Infor-
mation im Sinne von Art. 14 StAhiG sowie eine unrechtmässige Zustellung
der Schlussverfügung im Sinne von Art. 17 Abs. 3 StAhiG vor – nicht über-
zeugen.
3.4 Schliesslich entspricht die Anonymisierung von Urteilen im Bereich der
internationalen Amtshilfe in Steuersachen der Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts (Urteil des BVGer A-4876/2019, A-4877/2019 vom 27. Okto-
ber 2020 E. 2.10 und E. 3.1.3), weshalb das vorliegende Urteil entspre-
chend in anonymisierter Form aufzulegen und auf der Internetseite des
Bundesverwaltungsgerichts zu publizieren sein wird (s. Art. 8 Abs. 1 des
Informationsreglements für das Bundesverwaltungsgericht vom 21. Feb-
ruar 2008 [SR 173.320.4]). Die diesbezüglichen Ausführungen des Be-
schwerdeführers erweisen sich insoweit als gegenstandslos.
3.5 Andere Gründe, die im vorliegenden Fall gegen eine Gewährung von
Amtshilfe sprechen würden, sind weder geltend gemacht noch sonst er-
sichtlich.
Die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen.
A-5812/2020
Seite 13
4.
4.1 Ausgangsgemäss hat der unterliegenden Beschwerdeführer die Ver-
fahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 5'000.-
festzulegen (vgl. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur
Bezahlung dieser Kosten zu verwenden.
4.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3
VGKE).
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005
über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur
dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen
um einen besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG
handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist,
entscheidet das Bundesgericht.
Das Dispositiv befindet sich auf der folgenden Seite.
A-5812/2020
Seite 14