Decision ID: 87184533-680f-5a51-ae88-793caf272285
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Federico A. Pedrazzini, Vadianstrasse 35,
Postfach 115, 9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ war über die Arbeitslosenversicherung bei der Suva gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als er am 9. Oktober 2009 in Polen einen Auffahrunfall erlitt und
hierauf im Bereich des Rückens bzw. der Wirbelsäule, der rechten Schulter und linken
Hand sowie der linken Rippen Schmerzen verspürte. Die medizinische Erstbehandlung
fand im Gebietsspital statt, wo sich der Versicherte vom 9. bis 19. Oktober 2009
stationär aufhielt (UV-act. 1, 2, 10). Nach der Auslandrückholung in die Schweiz (UV-
act. 10) konsultierte der Versicherte am 9. November 2009 Dr. med. B._, Arzt für
Allgemeine Medizin, der im ärztlichen Zwischenbericht vom 17. November 2009 eine
Rückenkontusion diagnostizierte. Die vom Spital mitgebrachten Röntgenaufnahmen
zeigten keine frischen ossären Veränderungen, wohl aber stark ausgeprägte
degenerative Veränderungen. Dr. B._ attestierte dem Versicherten ab 9. Oktober
2009 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 7). Die lumbo-
vertebrale kernspintomographische Untersuchung (= Magnetresonanztomographie;
MRI) vom 12. November 2009 im C._ Radiologie Zentrum zeigte Veränderungen des
BWK11 sowie an der Deckplatte des BWK12, welche mit subchondralen
Impressionsfrakturen vereinbar seien, eine fortgeschrittene Osteochondrose Th11/
Th12, weniger ausgeprägt L3/L4 und L4/L5, eine Spondylose der übrigen lumbalen
Bewegungssegmente, eine fortgeschrittene hypertrophe und deformierende
Spondylarthose L4/S1 sowie eine links foraminal betonte Diskushernie L3/L4 mit
mässiger Einengung des Neuroforamens der Wurzel L3 links. Im Übrigen zeigte sich
das lumbo-vertebrale Kernspintomogramm als regelrecht (UV-act. 8). Am 3. Dezember
2009 gab der Beschwerdeführer der Suva zu Protokoll, dass ihn aktuell vor allem
Schmerzen im lumbalen Rückenbereich mit Ausstrahlungen in den linken Oberschenkel
plagen würden (UV-act. 10). Am 4. Dezember 2009 wurde im C._ Radiologie Zentrum
eine periradiculäre Infiltration der Nervenwurzel L3 links durchgeführt (UV-act. 12). Vom
13. Januar bis 11. März 2010 erfolgte ein stationärer Aufenthalt in der Rehaklinik D._,
in dessen Rahmen eine Facetteninfiltration L3/4 und L4/5 beidseits verabreicht wurde.
Sodann wurden ein psychosomatisches, ein schmerztherapeutisches und ein
neurologisches Konsilium sowie eine nochmalige MRI-Untersuchung der LWS
durchgeführt. Im Austrittsbericht vom 17. März 2010 wurden als Diagnosen gestellt:
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HWS-Kontusion, LWS-Kontusion; Lumbospondylogenes Syndrom;
Anpassungsstörung mit leichter depressiver Reaktion und Angst gemischt
(ICD-10:F43.22); Adipositas, BMI 39.2 sowie Arterielle Hypertonie (UV-act. 20). Am 29.
April 2010 erfolgte in der Schmerzsprechstunde des Kantonsspitals St. Gallen eine
elektrische Verödungstherapie der schmerzhaften Nervenenden rechts im unteren
Rückenbereich (UV-act. 31 ff.) Die Suva erbrachte für den Unfall vom 9. Oktober 2009
die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen).
A.b Nach einem weiteren stationären Aufenthalt mit beruflicher Abklärung in der
Rehaklinik D._ vom 16. Juni bis 27. Juli 2010 (UV-act. 49, 52) und nach Einholung
einer kreisärztlichen Stellungnahme von Prof. Dr. med. E._, FMH für Orthopädische
Chirurgie (UV-act. 60), eröffnete die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom 23.
November 2010, dass die aktuell bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt,
sondern vorbestehend seien. Soweit psychische Gründe die Beschwerden mit
verursachen sollten, würden diese in keinem rechtserheblichen Zusammenhang zum
Unfall vom 9. Oktober 2009 stehen. Die Versicherungsleistungen würden daher per
31. Dezember 2010 eingestellt. Mangels Vorliegens adäquater Unfallfolgen bestehe
auch kein Anspruch auf weitere Geldleistungen in Form einer Invalidenrente und/oder
Integritätsentschädigung (UV-act. 63).
B.
Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (UV-act. 67) wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 30. März 2011 (UV-act. 76) ab.
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Federico A.
Pedrazzini, St. Gallen, für den Versicherten erhobene Beschwerde vom 16. Mai 2011.
Der Rechtsvertreter beantragt, die Verfügung vom 23. November 2010 sowie der
Einspracheentscheid vom 30. März 2011 seien aufzuheben. Weiter sei auf Kosten der
Beschwerdegegnerin ein neutrales Gutachten zu erstellen, welches darüber Auskunft
gebe, welcher Art die Schmerzen des Beschwerdeführers ausserhalb der
vorbestehenden degenerativen Wirbelsäulenveränderungen seien und inwieweit diese
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als unfallkausal bezeichnet werden könnten. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin
gestützt hierauf zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen (Taggelder,
Heilbehandlungskosten) an den Beschwerdeführer weiterhin auszurichten bzw. zu
übernehmen. Es sei auf Kosten der Beschwerdegegnerin ein ganzheitliches Gutachten
unter Einbezug des psychischen Gesundheitszustands des Beschwerdeführers zu
erstellen und abzuklären, wie hoch der Integritätsschaden im Bereich der HWS sei und
wie hoch die aus diesen Verletzungen unter Berücksichtigung der physischen,
psychischen und psychosomatischen Folgen resultierende Erwerbsunfähigkeit sei.
Eventualiter sei gestützt hierauf eine Integritätsentschädigung in der gutachterlich
festgestellten Höhe auszurichten. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche
Prozessführung sowie Rechtsverbeiständung zu gewähren; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1). Zusammen mit der Beschwerde legte der
Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom
21. April 2011 vor (act. G 1.2).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 9. Juni 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (act. G 6).
C.c Am 23. Juni 2011 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung bewilligt (act. G 9).
C.d Mit Replik vom 11. Juli 2011 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers an
den gestellten Rechtsbegehren unverändert fest (act. G 10).
C.e Mit Schreiben vom 8. August 2011 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine
einlässliche Duplik, hielt jedoch an ihrem Antrag ebenfalls fest (act. G 12).
C.f Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt
der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
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Streitig und zu prüfen ist, ob die beim Beschwerdeführer über den 31. Dezember 2010
hinaus fortbestehenden Schmerzen im Bereich der LWS und die psychische
Problematik eine natürliche und adäquate Folge des Unfalls vom 9. Oktober 2009
bilden und demnach eine weitere Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zur Folge
haben. Unbestritten ist, dass sich die unfallbedingten körperlichen Symptome an der
rechten Schulter, der linken Hand und den linksseitigen Rippen mittlerweile verflüchtigt
haben und als abgeheilt zu betrachten sind.
2.
Mit der im angefochtenen Einspracheentscheid (UV-act. 76) bestätigten Verfügung vom
23. November 2010 (UV-act. 63) stellte die Beschwerdegegnerin insbesondere fest,
dass aufgrund der Abklärungen die noch geklagten Beschwerden organisch als Folge
des erlittenen Unfalls nicht mehr erklärbar, sondern vielmehr auf vorbestehende de
generative Veränderungen zurückzuführen seien. Für psychische Faktoren, welche die
Beschwerden mit verursachten, verneinte sie sodann nach sinngemässer Prüfung der
massgebenden Kriterien nach BGE 115 V 133 bzw. 117 V 359 die Adäquanz und stellte
daher die Versicherungsleistungen per 31. Dezember 2010 ein. Eingestellt wurden die
bisher erbrachten Versicherungsleistungen, wobei es sich um Heilkosten- und
Taggeldleistungen handelte. Die Einstellung bezog sich mithin konkret auf diese
Leistungsarten. Die Verfügung bzw. der Einspracheentscheid enthielt aber auch eine
Ablehnung eines Gesuchs um eine allfällige Berentung und Integritätsentschädigung.
So verfügte die Beschwerdegegnerin im Weiteren, dass kein Anspruch auf weitere
Geldleistungen der Beschwerdegegnerin in Form einer Invalidenrente und/oder
Integritätsentschädigung bestehe. Begründet wurde dies mit der Verneinung der
adäquaten Kausalität zwischen den geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis
vom 9. Oktober 2009, welche es nachfolgend materiellrechtlich zu prüfen gilt. Sollte
nun aber im Beschwerdeverfahren die Kausalität bzw. das Vorliegen unfallkausaler
Gesundheitsschäden bejaht werden, wäre die Sache diesfalls zur Prüfung und
Festsetzung der Leistungsansprüche an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In
diesem Sinne ist auf die Beschwerde vollumfänglich einzutreten.
3.
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3.1 Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Der Unfallversicherer ist demnach nur für Gesundheitsschäden
leistungspflichtig, die natürlich- und adäquatkausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (A. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich 2003, S. 42 ff.). Während es Aufgabe der Ärztin oder
des Arztes ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem
Gericht, die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (PVG
1984 Nr. 82, 174). Bei physischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle (SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45). Besondere
Regeln hat die Rechtsprechung für die Beurteilung der Adäquanz psychischer
Fehlentwicklungen nach einem Unfall aufgestellt (BGE 115 V 133).
3.2 Wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss auch der
Wegfall eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den
bestehenden Beschwerden mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (Th. Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern
2003, S. 451 f.) nachgewiesen sein. Weil es sich dabei um eine anspruchsaufhebende
Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage ob ein
leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim
Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45, 1994 Nr. U
206 S. 328; siehe ebenso BGE 117 V 261 E. 3b). Dabei muss jedoch nicht etwa der
Beweis für unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie vor
geklagtes Leiden hat, ob es Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder
degenerative Veränderungen sind, ist unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der
Unfallversicherer bei einmal bejahter Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde
Ursachen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag.
Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre
kausale Bedeutung verloren haben, also dahin gefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S.
326 E. 3b). Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder
überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers, wenn
entweder der (krankhafte) Zustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, der sich nach dem schicksalsmässigen
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Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne den Unfall früher oder später
eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992
Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen; siehe ebenso BGE 117 V 264 E. 3b). Im
Rahmen der Prüfung des Dahinfallens der Leistungspflicht des Unfallversicherers
genügt es mithin für die Bejahung des fortbestehenden natürlichen
Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für die fragliche gesundheitliche Störung
immer noch eine Teilursache darstellt. Gemäss Art. 36 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) werden die Pflegeleistungen und
Kostenvergütungen sowie die Taggelder und Hilflosentschädigungen nicht gekürzt,
wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese
Bestimmung beinhaltet eine Durchbrechung des Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen
ein Gesundheitsschaden durch das Zusammenwirken konkurrierender, teils
unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen bewirkt worden ist (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. Februar 2003, U 287/02, E. 4.4).
3.3 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Ausschlaggebend
für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder dessen
Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen). Auch
den Berichten versicherungsinterner
Ärztinnen und Ärzte kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden,
sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
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widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135
V 467ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Eine ärztliche
Beurteilung aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von Prof. Dr. E._ am 21. Oktober
2010 (UV-act. 60) erstellt wurde, ist gleichfalls nicht an sich unzuverlässig. Für die
Beweistauglichkeit entscheidend ist, dass genügend Unterlagen von persönlichen
Untersuchungen vorliegen (in RKUV 1988 Nr. U 56 S. 366 publ. E. 5b von BGE 114 V
109; Urteile des Bundesgerichts vom 1. Februar 2010, 8C_792/2009, E. 5, und 26.
Januar 2010, 8C_833/2009, E. 5.1). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die
rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer
Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere
ohne Beizug eines Gerichtsgutachtes - abschliessen (vgl. BGE 135 V 469 E. 4.3.2 mit
Hinweisen).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer klagt seit dem Autounfall vom 9. Oktober 2009 über
persistierende Schmerzen im Bereich der LWS. Für die Annahme unfallkausaler
somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine strukturelle Läsion bzw. eine schlecht
verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares Korrelat verlangt. Gemäss ärztlichem
Zwischenbericht von Dr. B._ vom 17. November 2009 erlitt der Beschwerdeführer
beim fraglichen Ereignis eine Rückenkontusion. Im Austrittsbericht des Gebietsspitals
Gorzow sei kein gravierender Befund erhoben worden. Die mitgebrachten
Röntgenaufnahmen hätten seines Erachtens keine frischen ossären Veränderungen,
wohl aber stark ausgeprägte degenerative Veränderungen gezeigt. Klinisch hatte Dr.
B._ am 9. November 2009 eine blockierte LWS, einen beidseits stark positiven
Lasègue (wahrscheinlich Pseudo-Lasègue), eine symmetrische Kraft, ein
symmetrisches Reflexbild sowie eine Hyposensibilität am linken Oberschenkel vorne
festgestellt (UV-act. 7). Die im Rahmen des Aufenthalts in der Rehaklinik D._
durchgeführte neurologische Konsiliar-Untersuchung vom 8. Februar 2010 – die eine
klinische sowie eine EMG-Untersuchung umfasst - ergab keinen Nachweis einer
lumbalen Radikulopathie. Im Neurostatus liess sich auch keine objektivierbare
organische Beeinträchtigung feststellen (UV-act. 20). Eine lumbo-vertebrale
kernspintomographische-Untersuchung der LWS im C._ Radiologie Zentrum vom 12.
November 2009 bestätigte sodann das Fehlen ossärer Läsionen. Hingegen waren eine
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Osteochondrose L3/L4 sowie L4/L5, eine Spondylose der übrigen lumbalen
Bewegungssegmente, eine fortgeschrittene hypertrophe und deformierende
Spondylarthrose L4/S1 sowie eine breitbasige links foraminal betonte Diskushernie L3/
L4 mit mässiger Einengung des Neuroforamens der Wurzel L3 links sichtbar (UV-act.
8). Anlässlich der MRI-Untersuchung der LWS in der Klinik Hirslanden vom 3. Februar
2010 konnte derselbe Befund gestellt werden (UV-act. 20).
4.2 Bei den genannten Gesundheitsschäden handelt es sich zweifelsohne um klare
organische Substrate, die grundsätzlich als Ursache der geklagten Schmerzen im
Bereich der LWS in Erwägung zu ziehen sind (vgl. dazu Alfred M. Debrunner,
Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., Bern 2002, S. 848 ff., 879 ff.). Zu prüfen
ist demnach im Folgenden, inwieweit sie durch den Unfall bzw. die Kontusion vom 9.
Oktober 2009 verursacht wurden oder inwieweit der Unfall bzw. die Kontusion auf sie
eingewirkt hat. In Frage kommen eine durch den Unfall verursachte organische
Gesundheitsschädigung, eine richtunggebende Verschlimmerung eines degenerativen
Vorzustands oder ein durch den Unfall lediglich ausgelöster (nicht verursachter) oder
vorübergehend verschlimmerter degenerativer Vorzustand. Beim Unfall als
Auslösefaktor interessiert im Weiteren die Frage, ob der Beschwerdeschub noch
andauert bzw. bis zu welchem Zeitpunkt er angedauert hat (vgl. dazu RKUV 2000 Nr. U
378 S. 190 und Nr. U 379 S. 192).
4.3 Aktenmässig erstellt (UV-act. 7, 8) und von beschwerdeführender Seite
unbestritten geblieben ist, dass die fraglichen organischen Gesundheitsschäden im
Bereich der LWS bereits vor dem Unfall vom 9. Oktober 2009 vorlagen und er damit
eine umfassende degenerative Problematik aufwies. In Bezug auf diese degenerativen
Vorzustände ist mithin eine durch den Autounfall verursachte neue, bleibende
Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen Veränderung auszuschliessen. Wie
das EVG in seiner Rechtsprechung festhielt, entspricht es denn auch einer
medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass
Diskushernien in aller Regel degenerative Erkrankungen darstellen. Ein
Bandscheibenvorfall kann nur dann als weitgehend durch eine äussere Einwirkung
entstanden betrachtet werden, wenn die dabei wirkende Kraft ausserordentlich hoch,
der Unfall mithin geeignet war, eine prätraumatisch vollständig unauffällige
Bandscheibe zu zerreissen (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192, 193 E. 2a mit Hinweisen;
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Urteile des EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, E. 3.1, und 18. Februar 2002, U
459/00, E. 3b; Medizinische Mitteilungen der Suva, Nr. 68, S. 17). Diese
Voraussetzungen sind vorliegend weder hinsichtlich des Unfallereignisses - die LWS
wurde durch die Sitzlehne gut abgestützt - noch bezüglich des Gesundheitszustands
vor dem Unfall erfüllt. Bei der Osteochondrose, Spondylose und Spondylarthrose
handelt es sich sodann um häufige degenerative, nicht traumatisch bedingte,
Veränderungen an der Wirbelsäule, die Folge- oder Begleiterscheinungen einer
Diskushernie bilden können (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 852 ff.;
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 261. Aufl., S. 1401, 1810, 1812).
4.4 Angesichts der obigen Ausführungen kommen damit in Bezug auf die Vorzustände
nur noch eine durch die Traumatisierung bewirkte vorübergehende oder dauernde
Verschlimmerung derselben in Betracht. In beiden Fällen käme dem Unfall damit eine
Teilursächlichkeit zu. Eine richtunggebende, mithin dauernde, unfallbedingte
Verschlimmerung der degenerativen Gesundheitsschäden im Bereich der LWS ist
insofern auszuschliessen, als es einer medizinischen Erfahrungstatsache entspricht,
dass eine solche Verschlimmerung nur dann als erwiesen gelten kann, wenn die
Radioskopie ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel und das Auftreten bzw. die
Vergrösserung von Randzacken nach einem Trauma aufzeigt (E. Morscher, in: Baur/
Nigst [Hrsg.], Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 191). Die medizinischen
Akten enthalten keine Hinweise darauf, dass sich der Zustand der LWS im Zeitpunkt
des Unfalls vom 9. Oktober 2009 massiv verändert hätte. Das Vorliegen einer
richtunggebenden Verschlimmerung einer degenerativen Erkrankung wird nirgends
diskutiert. Nun kann eine Kontusion der Wirbelsäule zwar ohne Weiteres eine bisher
stumme, vorbestehende Diskusprotrusion, Spondylarthrose oder andere
Wirbelsäulenerkrankungen symptomatisch machen. Dabei handelt es sich aber
meistens nur um eine vorübergehende Verschlimmerung (Debrunner/Ramseier, Die
Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 5). Hinweise dafür, dass vorliegend
von einem anderen Verlauf auszugehen wäre, finden sich in den Akten keine und sind
auch in der Diagnose eines lumbospondylogenen Syndroms (UV-act. 20) nicht zu
sehen. Laut Roche-Lexikon Medizin (2. Aufl., S. 1659) handelt es sich bei einem
Syndrom um ein sich stets mit etwa den gleichen Krankheitszeichen, d.h. einer
Symptomatik mit weitgehend identischem "Symptommuster" manifestierendes
Krankheitsbild mit unbekannter, vieldeutiger, durch vielfältige Ursachen - eben auch
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degenerativer Ursachen - bedingter oder nur teilweise bekannter Ätiogenese. Gerade
ein Lumbovertebralsyndrom ist typisch für die im Regelfall degenerativ bedingte
Diskushernie bzw. die beim Beschwerdeführer erhobenen Degenerationen (vgl. dazu
Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 860).
4.5 Nach dem Gesagten steht fest und ist letztlich auch unbestritten, dass beim
Beschwerdeführer in Bezug auf die in Erwägung 4.1 festgehaltenen, radiologisch
erhobenen Gesundheitsschäden mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit weder eine durch den fraglichen Unfall klar ausgewiesene neue,
bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen Veränderung noch eine
richtunggebende Verschlimmerung des degenerativen Vorzustands anzunehmen ist.
4.6 Es lassen sich sodann auch keine - wie von Dr. F._ im Bericht vom 21. April
2011 vertreten (act. G 1.2/3) - zusätzlichen Unfallrestfolgen ausserhalb der
vorbestehenden degenerativen Wirbelsäulenveränderungen ausmachen. Laut Dr. F._
äussern sich Beschwerden auf Grund degenerativer Wirbelsäulenveränderungen
deutlich anders. Dies lasse sich dadurch erklären, dass degenerative
Wirbelsäulenveränderungen Schmerzen von der Wirbelsäule, also von den
Knochenstrukturen, Gelenken und Bandscheiben aus verursachen würden. Die
posttraumatisch verletzten Strukturen beim Beschwerdeführer seien aber nicht nur die
Wirbelsäule selbst, sondern vor allem auch die Weichteile des gesamten Rückens.
Darin seien zusätzliche, schmerzverursachende Organe wie Muskulatur, Sehnen,
Faszien, Nervenstränge, Gefässe sowie Haut- und Unterhautgewebe enthalten. Diese
Organe seien sowohl von der Beschwerdegegnerin als auch den konsultierten
Spezialisten völlig ausgeklammert worden. Die vom Beschwerdeführer geäusserten
Beschwerden seien typisch für Unfallfolgen in diesen zusätzlichen Organbereichen. Sie
seien angesichts des Auffahrunfalls mit hoher Geschwindigkeit und des sehr grossen,
sich über dem ganzen lumbalen Bereich ausdehnenden Blutergusses auch
nachvollziehbar (act. G 1.2/3). - Beim Beschwerdeführer wurde am 12. November 2009
im C._ Radiologie Zentrum eine lumbo-vertebrale Kernspintomographie durchgeführt
(UV-act. 8). Am 3. Februar 2010 erfolgte abermals eine MRI-Untersuchung der LWS
(UV-act. 20). Mit der Kernspintomographie lassen sich grundsätzlich einzelne Gewebe -
gesunde und kranke - voneinander unterscheiden, besonders gut in Weichteilen und
Knochenmark. Zur Darstellung der Weichteile ist das MRT allen anderen Verfahren
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überlegen. Dargestellt werden auch die Knochen, das straffe fibröse Bindegewebe
(Sehnen, Bänder, Faszien) sowie fibröser Knorpel. Klar erkennbar sind schliesslich die
einzelnen Muskelpakete. Dank seiner guten Gewebsdifferenzierung steht das MRT
insbesondere für die Indikationsgebiete des zentralen Nervensystems, der
Traumatologie und Gelenke an erster Stelle (Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 225 ff.).
Der Beschwerdeführer wurde sodann am 8. Februar 2010 durch Dr. Z._ neurologisch
untersucht (UV-act. 20). Läsionen, wie sie von Dr. F._ geltend gemacht werden,
hätten im Rahmen der beiden kernspintomographischen Untersuchungen sowie der
neurologischen Untersuchung erhoben werden können bzw. müssen. Solche Läsionen
wurden jedoch nicht diagnostiziert. Dr. F._ erklärt, er habe die Anamnese bzw. die
medizinischen Akten ausführlich studiert. Konkrete Läsionen werden jedoch auch von
ihm keine genannt. Im Rahmen der Traumatologie können mit dem MRT insbesondere
auch Hämatome erhoben bzw. untersucht werden (Alfred M. Debrunner, a.a.O., S.
234). Weder der radiologische Bericht des C._ Radiologie Zentrums vom 13.
November 2009 noch der ärztliche Zwischenbericht von Dr. B._ vom 17. November
2009 enthalten jedoch einen diesbezüglichen Befund (UV-act. 8). Die Beurteilung von
Dr. F._ entspricht damit letztlich nur einer Vermutung. Eine solche vermag jedoch
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine Unfallrestfolge
nachzuweisen (vgl. Th. Locher, a.a.O., S. 451 f.). Seine Ausführungen betreffend
(Facettengelenks-)Infiltrationen vermögen ebenfalls keinen überwiegend
wahrscheinlichen Beweis zusätzlicher Unfall-folgen ausserhalb der vorbestehenden
degenerativen Wirbelsäulenveränderungen zu erbringen. Während im Regelfall
ausgeschlossen werden kann, dass bestehende Läsionen anhand
kernspintomographischer Untersuchungen unerkannt bleiben und die apparative
Diagnostik insofern objektiv ist, stellen Infiltrationen lediglich eine Therapieform dar,
deren Heilungserfolg nicht immer gewährleistet ist. Der Grund dafür kann darin liegen,
dass vor allem bei Rückenschmerzen andere Komponenten - beispielsweise
psychischer Art - eine Rolle spielen. In diesem Sinne ist zu wiederholen, dass selbst
Dr. F._ anhand der radiologischen Untersuchungsergebnisse keine traumatischen
Läsionen zu benennen vermochte. Dass in Bezug auf die im konkreten Fall
vorliegenden Kernspintomogramme eine Fehlbeurteilung erfolgt wäre, wird auch von
ihm nicht geltend gemacht (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 215).
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4.7 Wie bereits erwähnt, kann ein Vorzustand durch einen Unfall ausgelöst oder
vorübergehend verschlimmert werden. In diesem Fall hat die Unfallversicherung jedoch
lediglich den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub zu übernehmen
(RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 E. 2a mit Hinweisen). Die Bejahung der Unfallkausalität
bestimmter gesundheitlicher Störungen für einen bestimmten Zeitpunkt zeitigt sodann
grundsätzlich für einen späteren Zeitpunkt keine Wirkung. Wenn also ein Arzt im
Untersuchungszeitpunkt das Vorliegen von Unfallrestfolgen verneint, bestätigt er damit
nicht gleichzeitig, dass von Anfang an oder bereits zu einem früheren Zeitpunkt keine
Unfall(rest)folgen (mehr) bestanden hätten. Im Unfallversicherungsrecht gibt es
durchaus Fälle, bei denen die Unfallfolgen bzw. deren Anteil an einer
Gesundheitsschädigung im Rahmen des posttraumatischen Verlaufs nie wirklich
sichtbar gemacht werden konnten. Dennoch wird nach einem geeigneten bzw.
adäquaten Ereignis in einer ersten Phase von einer schädigenden Wirkung des Unfalls
auf den Körper ausgegangen, die nach dem Unfall aufgetretenen bzw. ausgelösten
Beschwerden werden jedoch nach einem bestimmten Zeitraum - trotz ihres möglichen
Fortdauerns - aufgrund einer medizinischen Erfahrungstatsache nicht mehr dem Unfall
angelastet. Beispiele dafür sind die durch einen Unfall ausgelöste Diskushernie sowie
die Beschwerden nach erfolgtem Schleuder- oder Halswirbelsäulen (HWS)-Trauma (vgl.
dazu Gerhard Jenzer, Klinische Aspekte bei HWS-Belastungen durch Kopfanprall oder
Beschleunigungsmechanismus; Grenzbereich zum leichten Schädel-Hirn-Trauma, SZS
1996, 467; Medizinische Mitteilungen der SUVA, Nr. 68, 17). Eine solche medizinische
Erfahrungstatsache ist, dass Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen der
Wirbelsäule ohne strukturelle Läsionen normalerweise innert kurzer Zeit - in der Regel
innerhalb von sechs Monaten, spätestens innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr
(bei degenerativen Veränderungen) - folgenlos abheilen und die damit verbundenen
Beschwerden sich gänzlich zurückbilden. Insofern zeichnet sich eine vorübergehende
Verschlimmerung eines Vorzustands im Bereich der Wirbelsäule im Regelfall durch
stetige Besserung des unfallkausalen Beschwerdeanteils aus (vgl. dazu Bär/Kiener,
Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule, Medizinische Mitteilungen der
Suva Nr. 67, S. 45). Medizinische Erfahrungssätze beziehen sich auf den Regelfall, d.h.
auf medizinische Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich dargestellt haben. Eine
Ausnahme von der Regel ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie sich
eben als solche präsentieren. Im vorliegenden Fall liegen keine Hinweise für einen
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Ausnahmefall vor. Beim Beschwerdeführer könnte sich zwar durch die Kontusion eine
vorübergehende Verschlimmerung seiner Vorzustände im Bereich der LWS entwickelt
haben. Für die über die Erfahrungsdauer hinaus fortbestehenden Beschwerden bilden
jedoch lediglich unfallfremde Befunde, beispielsweise degenerativer Art, eine
nachvollziehbare Erklärung. Die Leistungseinstellung des Unfallversicherers setzt keine
Beschwerdefreiheit bzw. volle Arbeitsfähigkeit voraus. Entscheidend ist allein, ob der
durch den Unfall ausgelöste Beschwerdeschub seine kausale Bedeutung verloren hat
(RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b). Damit sprechen vorliegend die Tatsachen
massgebend gegen eine fortdauernde Unfallkausalität. Soweit Dr. F._ und der
Beschwerdeführer geltend machen, letzterer sei bis zum besagten Ereignis
beschwerdefrei gewesen und am Arbeitsplatz sogar für Arbeiten herangezogen
worden, bei denen schwere Teile hätten bewegt werden müssen, ist auf die Formel
"post hoc ergo propter hoc" hinzuweisen, wonach eine gesundheitliche Schädigung
nicht schon deshalb als durch einen Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem
aufgetreten ist (BGE 119 V 341 E. 2b/bb). In diesem Sinn ist auch irrelevant, dass die
degenerativen Wirbelsäulenveränderungen in Folge der Abklärungen der
Unfallbeschwerden als Zufallsbefund festgestellt wurden. Die Aussage von Dr. F._,
dass die im konkreten Fall erhobenen bildgebenden Befunde ebenso häufig keine
Beschwerden machen würden, wie sie Beschwerden erklären könnten, ist
grundsätzlich nicht in Abrede zu stellen. Entscheidend ist jedoch letztlich, dass die
Degeneration einer Wirbelsäule ein über Jahre dauernder, sich im Verlauf vielfältig
gestaltender Prozess darstellt und eben irgendwann kompliziert werden kann. Eine
Korrelation zwischen Rückenschmerzen und degenerativen Veränderungen ist
keineswegs immer gegeben (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 579 ff., 848 ff.).
5.
5.1 Prof. Dr. E._ nimmt in seiner - wenn auch zweifelsohne kurzen - Beurteilung vom
21. Oktober 2010 (UV-act. 60) die in den Erwägungen 4.3 - 4.6 dargelegten - für die
Beurteilung der Unfallkausalität massgebenden - Gegebenheiten auf und kommt
überzeugend zum Schluss, dass im Bereich der LWS des Beschwerdeführers per
31. Dezember 2010 nicht mehr vom Vorliegen von Unfallrestfolgen auszugehen ist. So
weist er auf die erheblichen degenerativen Wirbelsäulenveränderungen hin und hält
fest, dass anlässlich des Unfalls keine strukturellen Läsionen (Frakturen, Luxationen,
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Bandscheibenhernien etc.) gesetzt worden seien. Im Weiteren hält er den Status quo
sine - sogar erst - 14 Monate nach dem Unfall bzw. Ende 2010 als erreicht und wird
diesbezüglich in der Erfahrungsmedizin gestützt. Der Umstand, dass Prof. Dr. E._
seine Beurteilung ausschliesslich aufgrund der Akten abgegeben und den
Beschwerdeführer nicht selbst untersucht hat, steht dem Beweiswert seiner
Beurteilung nicht entgegen (vgl. dazu PVG 1996, 265 E. 3b; RKUV 1988 Nr. U 56 S.
371). Es bestehen keine Hinweise dafür, dass sie nicht in Kenntnis der Vorakten bzw.
der Anamnese abgegeben worden wäre, auch wenn er diese nicht ausführlich festhält.
Mit Blick auf die Rechtsprechung (vgl. Erwägung 3.4) ist der Fokus hinsichtlich
Beweiswert einer reinen Aktenbeurteilung darauf zu legen, dass für die ärztliche
Beurteilung genügend Unterlagen von persönlichen Untersuchungen vorliegen.
Überzeugen müssen die in der Aktenbeurteilung gestützt darauf gezogenen
Schlussfolgerungen. Im konkreten Fall wurde der Beschwerdeführer insbesondere
kernspintomographisch sowie neurologisch untersucht. Die bildgebende Diagnostik
stellt bei Rückenverletzungen die beweiskräftige Grundlage dar. Bei Prof. Dr. E._
handelt es sich zudem um einen Facharzt der Orthopädischen Chirurgie und damit um
einen Arzt mit für den konkreten Fall massgebender Fachkompetenz. Aufgrund des
Gesagten ist festzustellen, dass die vorhandenen medizinischen Akten den Sachverhalt
hinreichend und insgesamt miteinander harmonierend darstellen. Im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung, d.h. rund 14 Monate nach dem Unfall vom 9. Oktober 2009, ist
nach Massgabe der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einem Wegfall der
Kontusionsfolgen als Ursache der noch geklagten lumbalen Beschwerden auszugehen.
Eine Leistungspflicht wegen somatischen Unfallrestfolgen über den 31. Dezember 2010
hinaus lässt sich demzufolge nicht begründen. Die aktuell noch geklagten lumbalen
Beschwerden sind somatisch nicht mehr oder bestenfalls mit den nicht unfallbedingten
Befunden degenerativer Art oder der psychischen Problematik (vgl. dazu Erwägung 6;
psychosomatische Mechanismen sind im Bereich des Rückens bzw. der Wirbelsäule
besonders häufig [Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 564]) erklärbar.
5.2 Dem Begehren, es seien weitere medizinischen Abklärungen vorzunehmen, ist
nach dem Gesagten nicht stattzugeben. Da nicht anzunehmen ist, dass weitere
medizinische Abklärungen für die Beurteilung des vorliegend relevanten natürlichen
Kausalzusammenhangs neue Erkenntnisse bringen, kann darauf verzichtet werden
(antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 131 I 157 E. 3 und Urteil des Bundesgerichts
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vom 9. März 2010, 8C_956/2009, E. 4.2). Obgleich im Austrittsbericht der Rehaklinik
D._ vom 17. März 2010 eine HWS-Kontusion vermerkt ist, drängen sich auch
diesbezüglich keine weiteren Abklärungen auf. Der Beschwerdeführer machte zu
keinem Zeitpunkt cervicale Beschwerden geltend (vgl. dazu auch Bericht von Dr. Z._
vom 9. Februar 2010 [UV-act. 20], die radiologischen Untersuchungen beschränkten
sich entsprechend auf die LWS und ebenso werden allfällige diesbezügliche
Unfallrestfolgen von Seiten des Rechtsvertreters nicht weiter konkretisiert.
6.
6.1 Wie die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 9. Juni 2011 darlegt,
vermögen auch psychische Beeinträchtigungen nach den Grundsätzen der
höchstrichterlichen Rechtsprechung vorliegend keinen Anspruch auf Heilbehandlung
und Geldleistungen zu begründen (vgl. BGE 115 V 133 ff.).
6.2
6.2.1 Der Beschwerdeführer wurde am 18. Januar 2010 im Rahmen des stationären
Aufenthalts in der Rehaklinik D._ vom 13. Januar bis 11. März 2010 umfassend
psychosomatisch untersucht. Die Untersuchungsergebnisse wurden im
psychosomatischen Konsilium vom 3. Februar 2010 ausführlich dargelegt. In
Anbetracht der vorbestehenden, belastenden psychosozialen Faktoren
(Arbeitslosigkeit, getrenntes Familienleben, psychische Angeschlagenheit infolge
Mobbing und Kündigung am Arbeitsplatz, Schulden) habe sich die psychische
Situation des Beschwerdeführers nach dem Unfall verschlechtert. Infolge
kontinuierlicher Schmerzproblematik habe sich auch die Schlafqualität des Patienten
durch Schlafstörungen mit Wachphasen mit Grübeln und Ängstlichkeit um die Existenz,
Gesundheit, Arbeitsplatz, Familie, Zukunft verschlechtert. Die vielen offenen Fragen im
Zusammenhang mit dem Unfallereignis und den Versicherungen würden seine
Gedanken belasten. Er fühle sich allein und einsam, ungeduldig, nervös, traurig und
deprimiert sowie auch frustriert, dass es zu diesem Ereignis gekommen sei. Mit der
jetzigen Situation finde er sich nicht zurecht, komme nicht vorwärts, fühle sich blockiert
und gegenwärtig ohne die Chance, kreativ zu handeln. Dieser Lebensknick beschäftige
seine Gedanken. Der Patient habe Angst, in eine tiefere depressive Phase zu fallen.
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Zum jetzigen Zeitpunkt könne über eine Anpassungsstörung mit leichter depressiver
Reaktion und Angst gesprochen werden (ICD-10:F23.22). Bis Ende des
Klinikaufenthalts hätten recht gute, sowohl psychische als auch somatische
Therapieerfolge erzielt werden können. In seiner psychischen Verfassung zeige sich der
Patient nun zuversichtlich und optimistisch. Eine Wiederaufnahme der beruflichen
Tätigkeit wäre hilfreich und stabilisierend vor allem in psychischer Hinsicht, stützend in
der Entwicklung einer existenziellen Sicherheit und positiven beruflichen Perspektive.
Aus psychiatrischer Sicht liege jedoch zum jetzigen Zeitpunkt keine arbeitsrelevante
Leistungsminderung vor (UV-act. 20).
6.2.2 In den obigen Untersuchungsergebnissen sind einerseits gewisse Vorzustände
bzw. unfallfremde Faktoren benannt, andererseits spricht jedoch die Verschlechterung
der vorbestandenen psychischen Situation durch den Unfall für eine natürliche
Teilkausalität desselben. Die Diagnose einer Anpassungsstörung belegt diese
Kausalität. Letztlich braucht jedoch keine abschliessende Beurteilung der natürlichen
Kausalität zu erfolgen, weshalb auch der unter Hinweis auf den Bericht von Dr. F._
vom 21. April 2011 replicando vorgebrachte Einwand des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers, die psychischen Probleme seien unzureichend abgeklärt und
eingeordnet, keiner näheren Prüfung bedarf. Weitere medizinische Abklärungen wären
lediglich geeignet, den natürlichen Kausalzusammenhang weiter auszuleuchten. Selbst
die Bejahung der natürlichen Unfallkausalität vermag jedoch keine weitergehende
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zu begründen, da es, wie nachfolgend
(Erwägung 6.2.3 ff.) zu zeigen ist, am kumulativ vorausgesetzten adäquaten
Kausalzusammenhang fehlt.
6.2.3 Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem
Unfall und der anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit
Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE
115 V 138 ff. E. 6 bestätigt unter anderem in SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31) vom
Unfallereignis auszugehen. Dabei besteht ein adäquater Kausalzusammenhang
zwischen den Beschwerden und dem Unfall, wenn dem Unfall eine massgebende
Bedeutung für die Entstehung der Beschwerden zukommt. In objektivierter
Betrachtungsweise werden die Unfälle nachihrer erfahrungsgemässen Eignung,
psychische Beschwerden zu bewirken, eingeteilt in banale und leichte Unfälle
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einerseits, schwere Unfälle anderseits und in einen dazwischen liegenden mittleren
Bereich der mittelschweren Unfälle. Bei leichten Unfällen kann der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den nachfolgenden
Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der
allgemeinen Lebenserfahrung davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall
nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen. Bei
schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel zu
bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken. Dabei gelten als schwer nur solche Unfälle, bei
denen sämtliche Umstände, insbesondere die Dramatik des Unfallereignisses und die
Dauer desselben wie auch die somatischen Unfallfolgen eine für die versicherte Person
aussergewöhnliche Eindrücklichkeit aufweisen. Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt
sich die Frage, ob zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit ein
adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig
beantworten. Vielmehr sind weitere, objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar
mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon
erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien gelten
dabei: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; ungewöhnlich
lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen; ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 140 f. E. 6c; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 32).
Keineswegs müssen alle Umstände gegeben sein, um die adäquate Kausalität bejahen
zu können. Vielmehr genügt ein Kriterium, wenn es sich um einen schweren Fall eines
Unfalls im mittleren Bereich handelt. Bei Unfällen im mittleren Bereich genügt ein
Kriterium, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Falls keinem Kriterium
besonderes Gewicht zukommt, müssen mehrere unfallbezogene Kriterien bejaht
werden können. Je leichter der Unfall ist, desto mehr Kriterien müssen erfüllt sein.
Diese Würdigung führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten
Kausalzusammenhangs. Es braucht nicht mehr nach weiteren Ursachen geforscht zu
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werden, die eine psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit begünstigt haben könnten
(SVR 1999 UV Nr. 10 S. 32). Mit Urteil vom 29. Januar 2010 (SVR 2010 UV Nr. 25 S.
100, 8C_897/2009, E. 4.5) präzisiert das Bundesgericht die Rechtsprechung zur Anzahl
der zu erfüllenden Adäquanzkriterien bei mittelschweren Unfällen: bei mittelschweren
Unfällen im engeren Sinn genügen drei Adäquanzkriterien, auch wenn sie nicht in
besonders ausgeprägter oder auffallender Weise vorliegen. Bei Unfällen im mittleren
Bereich an der Grenze zu den leichten Unfällen sind hingegen vier Adäquanzkriterien zu
erfüllen (vgl. auch Urteil vom 7. Dezember 2009, 8C_487/2009, E. 5 mit Hinweis).
Allgemein ist sodann vorwegzunehmen, dass die einzelnen Zusatzkriterien
rechtsprechungsgemäss nur im Zusammenhang mit den somatischen
Gesundheitsschäden zu beurteilen sind. Die psychischen Beschwerden können gerade
hier, wo es um die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfall
und psychisch bedingter Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit geht, keine Berücksichtigung
finden. Sollten also somatische Beschwerden aufgrund psychischer Probleme
intensiver empfunden werden, so können im vorliegenden Fall dennoch nur die
objektivierten Beschwerden im Bereich der LWS berücksichtigt werden (BGE 134 V
116 E. 6.1, 123 V 99 E. 2a).
6.2.4 Beim streitigen Unfall vom 9. Oktober 2009 handelte es sich um eine
Auffahrkollision, bei welcher der Beschwerdeführer wegen eines vorausfahrenden,
immer langsamer werdenden Personenwagenlenkers seine Geschwindigkeit anpassen
musste, worauf der Lenker des nachfolgenden Personenwagens mit angeblich hoher
Geschwindigkeit auf das Heck des Beschwerdeführers auffuhr. Dieser Unfall ist
aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs sowie mit Blick auf die entsprechende
Kasuistik (vgl. A. Rumo-Jungo, a.a.O., S. 55 ff.; vgl. insbesondere RKUV 2005 Nr. U
549 S. 236) - auch angesichts der beschriebenen hohen Geschwindigkeit des
auffahrenden Personenwagens - den mittelschweren Unfällen zuzuordnen. Die Frage
der genaueren Zuteilung innerhalb der mittelschweren Unfälle braucht vorliegend nicht
beantwortet zu werden, weil die nachfolgende Beurteilung zeigt, dass keines der dabei
zu erfüllenden Zusatzkriterien in wesentlichem Ausmass erfüllt ist. Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers äussert sich in seinen Rechtsschriften in keiner Weise zu den
Zusatzkriterien.
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6.2.5 Der Unfall vom 9. Oktober 2009 hat sich weder unter besonders dramatischen
Begleitumständen ereignet noch war er von besonderer Eindrücklichkeit. Insbesondere
war der Unfallablauf offenbar ein kurzes Ereignis, der Beschwerdeführer war
angegurtet und erlitt weder gravierende sichtbare Verletzungen noch eine eigentliche
Bewusstlosigkeit (vgl. Kasuistik zu diesem Kriterium in A. Rumo-Jungo, a.a.O., S.
58-64, sowie Urteile des EVG vom 23. November 2004, U 109/04, E. 2.3, und 2. März
2005, U 309/03, E. 5.1). Schwere Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art,
welche geeignet wären, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, lagen nicht vor.
Den Akten sind des Weiteren keine Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung und
schon gar nicht auf eine solche, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte,
zu entnehmen. Im Zusammenhang mit der Frage der Dauer der Behandlung von
somatischen Unfallfolgen und der Dauer der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist
zu beachten, dass die nach dem Unfall vom 9. Oktober 2009 aufgetretenen
Beschwerden an der linken Hand, der rechten Schulter sowie an den linken Rippen
problemlos heilten und im ärztlichen Zwischenbericht von Dr. B._ vom 17. November
2009 bereits nicht mehr vermerkt waren (vgl. UV-act. 7, 10). Der Beschwerdeführer
erlitt anlässlich des Unfalls keine strukturellen Schädigungen der Wirbelsäule, hingegen
lagen massgebende degenerative Vorzustände vor, in Bezug auf welche nach
spätestens 14 Monaten eine vorübergehende unfallbedingte Verschlimmerung als
abgeschlossen zu betrachten war. Bereits anlässlich des stationären Aufenthalts in der
Rehaklinik D._ vom 13. Januar bis 11. März 2010 wurde eine Anpassungsstörung mit
leichter depressiver Reaktion und Angst gemischt diagnostiziert. Eine lange Dauer der
Behandlung und der Arbeitsunfähigkeit lässt sich daher bezogen auf die somatischen
Unfallfolgen nicht bejahen. Körperlich bedingte Dauerschmerzen sind
dementsprechend ebenfalls zu verneinen. Mangels bleibender physischer
Unfallverletzungen erübrigen sich auch die Fragen nach der Schwierigkeit des
Heilungsverlaufs und nach der Erheblichkeit von diesbezüglichen Komplikationen. Die
ursprünglich unfallbedingten Beschwerden wurden in der Folge durch vorbestehende
und/oder psychische Beschwerden abgelöst. Ein adäquater Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall vom 9. Oktober 2009 und den beim Beschwerdeführer
bestehenden psychischen Beschwerden ist daher zu verneinen. Im Weiteren ist in
Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin zu erwähnen, dass aus psychiatrischer
Sicht ohnehin keine arbeitsrelevanten Einschränkungen bestehen (vgl. UV-act. 20,
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47-49). Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung war auch keine psychiatrische
Behandlung mehr im Gange (UV-act. 47). Es besteht somit ohnehin kein Anlass für eine
weitere Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin in Bezug auf die psychische
Problematik.
6.3 Zusammenfassend lässt sich der angefochtene Einspracheentscheid, mit welchem
eine weitere Leistungspflicht ab 1. Januar 2011 mangels eines nachweisbaren
unfallkausalen somatischen oder unfalladäquaten psychischen Gesundheitsschadens
abgelehnt wurde, nicht beanstanden.
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 15.03.2012 Art. 6 UVG: Dahinfallen der natürlichen Kausalität nach Auffahrunfall nach LWS-Kontusion. Adäquate Kausalität der psychischen Komponente zum Unfall verneint (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. März 2012, UV 2011/30).
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