Decision ID: 7cda510d-e90f-4abf-8432-7735c71fe94d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

BDE 2019 Nr. 71 Art. 12 Abs. 1 VRP, Art. 56 Abs. 2 VRP, Art. 115 Bst. g PBG. Aufgrund der Ortskenntnisse, den Vorkenntnissen aus dem vorangegangenen Verfahren sowie den umfangreichen Abklärungen konnte die Vorinstanz den äusseren Schutz der umstrittenen Objekte festlegen. Für die konkrete Festlegung des Schutzumfangs im Innern des Wohnhauses wäre jedoch ein Augenschein zwingend notwendig gewesen. Durch den Verzicht auf die Durchführung eines Augenscheins wurde der Sachverhalt ungenügend ermittelt (Erw. 3.3). Vorliegend fehlt zudem die für eine Unterschutzstellung notwendige Gesamtbetrachtung über das gesamte Gemeindegebiet (Erw. 4.2).
BDE 2019 Nr. 71 finden Sie im angehängten PDF-Dokument
Kanton St.Gallen
Baudepartement
19-4313
Entscheid Nr. 71/2019 vom 18. November 2019
Rekurrentin
A._GmbH
vertreten durch lic.iur. Jürg Bereuter, Rechtsanwalt, Vadian-
strasse 44, 9001 St.Gallen
gegen
Vorinstanz Gemeinderat Z._ (Entscheid vom 13. Mai 2019)
Betreff Unterschutzstellungsverfügung
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 71/2019), Seite 2/9
Sachverhalt
A.
a) Die A._GmbH ist Eigentümerin von Grundstück Nr. 001,
Grundbuch Z._, an der W._strasse (Gemeindestrasse 1. Klasse)
in Z._. Das Grundstück liegt gemäss geltendem Zonenplan der Ge-
meinde Z._ vom 20. Oktober 1998 in der Wohnzone W2b. Es ist mit
einem Wohnhaus (Vers.-Nr. 002) mit angebauter Scheune (Vers.-Nr.
003) überbaut. Das inzwischen von Grundstück Nr. 001 abgetrennte
Grundstück Nr. 004 gehört ebenfalls der A._GmbH und wird zurzeit
mit zwei Mehrfamilienhäusern überbaut. Südlich und teilweise westlich
angrenzend zu Grundstück Nr. 001 befindet sich gemäss geltender
Schutzverordnung der Gemeinde Z._ vom 20. Oktober 1998 ein
Ortsbildschutzgebiet.
b) Vor der Abtrennung von Grundstück Nr. 004 von Grundstück
Nr. 001 hat der Gemeinderat Z._ mit Entscheid vom 23. Oktober
2017 ein Gesuch der A._GmbH um Abbruch des Gebäudes (Vers.-
Nrn. 002 und 003) unter Hinweis auf dessen Schutzwürdigkeit abge-
lehnt. Der Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
B.
a) Mit Schreiben vom 16. Juni 2018 stellte die B_AG in Vertre-
tung der A._GmbH einen Antrag um Entscheid über die Unter-
schutzstellung des Wohnhauses mit angebauter Scheune auf Grund-
stück Nr. 001 (sog. Provokationsverfahren).
b) Mit Beschluss vom 13. Mai 2019 erliess der Gemeinderat Z._
eine Schutzverfügung und legte den Schutzgegenstand sowie den
Schutzumfang mit entsprechenden Auflagen und Bedingungen des als
Schutzobjekt von lokaler Bedeutung eingestuften Gebäudes (Vers.-
Nrn. 002 und 003) fest. Zur Begründung wurde ausgeführt, die Schutz-
würdigkeit beziehe sich auf die gesamte Substanz sowie die Struktur
des Bauernhauses (Vers.-Nr. 002) einschliesslich der festen histori-
schen Ausstattung im Inneren und Äusseren, auf die Volumetrie des
Scheunenanbaus (Vers.-Nr. 003) sowie auf deren Umgebung. Das öf-
fentliche Schutzinteresse überwiege vorliegend die wirtschaftlichen In-
teressen der Gesuchstellerin. Da sich der rechtserhebliche Sachver-
halt aus den Akten genügend ergebe, könne auf einen Augenschein
verzichtet werden.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob die A._GmbH, vertreten durch
lic.iur. Jürg Bereuter, Rechtsanwalt, St.Gallen, mit Schreiben vom
28. Mai 2019 Rekurs beim Baudepartement. Mit Rekursergänzung
vom 19. Juni 2019 wird beantragt, den Entscheid vom 13. Mai 2019
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und festzustel-
len, dass es sich bei den Gebäuden (Vers.-Nr. 002 und 003) auf
Grundstück Nr. 001 nicht um Baudenkmäler handelt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 71/2019), Seite 3/9
Zur Begründung wird geltend gemacht, die Vorinstanz habe den Sach-
verhalt ungenügend abgeklärt und die Anträge der Rekurrentin igno-
riert. Insbesondere die Ablehnung des Antrags um Durchführung eines
Augenscheins sei ungenügend begründet. Ebenso gehe die
Vorinstanz nicht auf die verschiedenen Eingaben der Rekurrentin ein,
was ebenfalls einer Verweigerung des rechtlichen Gehörs gleich-
komme. Darüber hinaus genüge die reine Übernahme der Fachmei-
nungen für eine Unterschutzstellung nicht. Vielmehr hätte die
Vorinstanz gestützt darauf eigene Überlegungen anstellen sollen, was
nur mittels umfassender Besichtigung des Objekts möglich gewesen
wäre. Da der Aufwand für Sanierung und Erneuerung des Gebäudes
viel zu hoch wäre, sei die Unterschutzstellung zudem unverhältnis-
mässig. Weiter verunmögliche der festgelegte Schutzumfang insbe-
sondere zeitgemässe Raumhöhen und das Zusammenlegen von Räu-
men. Die Eigentumsbeschränkungen seien unverhältnismässig, da
damit eine zeitgemässe Wohnnutzung nicht ermöglicht werden könne.
Im Übrigen sie die unter Schutz gestellte Umgebung gar nicht mehr
vorhanden, da die von der Vorinstanz bewilligte Baupiste für das Nach-
bargrundstück unweigerlich die Rodung der bestehenden Bäume mit
sich brachte.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 11. Juli 2019 beantragt die Vorinstanz
den Rekurs abzuweisen.
b) Mit Amtsbericht vom 6. September 2019 führt die kantonale
Denkmalpflege aus, das Gebäude (Vers.-Nrn. 002 und 003) sei ein
prägendes Gebäude für das Ortsbild und für die Identität von Z._
von Bedeutung und somit erhaltungswürdig sowie erhaltungsfähig. Es
handle sich dabei um ein Baudenkmal von lokaler Bedeutung.
c) Mit Schreiben vom 26. September 2019 nimmt die Rekurrentin
durch ihren Rechtsvertreter zur Vernehmlassung der Vorinstanz sowie
zum Amtsbericht der kantonalen Denkmalpflege Stellung. Es wird
vorgebracht, die Unterschutzstellung – insbesondere der inneren
Gebäudeteile – sowie die Beurteilung durch die Denkmalpflege könne
nicht ohne Besichtigung vor Ort vorgenommen werden.
d) Mit Schreiben vom 30. Oktober 2019 (Vorinstanz), 5. November
2019 sowie 12. November 2019 (Rekurrentin) erfolgen weitere
Stellungnahmen.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 71/2019), Seite 4/9
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1; ab-
gekürzt PBG) in Kraft getreten und das Baugesetz vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a
PBG). Aufgrund der direkten Anwendbarkeit der Verfahrensbestim-
mung zum Provokationsverfahren (Art. 116 i.V.m Art. 135 ff. PBG)
kommt diesbezüglich das PBG zur Anwendung (vgl. Anhang zum
Kreisschreiben „Übergangsrechtliche Bestimmungen im PBG“ vom
8. März 2017, in: Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen
2017/I/1).
3.
Die Rekurrentin macht geltend, die Vorinstanz habe ihren Antrag auf
Durchführung eines Augenscheins zu Unrecht abgelehnt und damit
den Sachverhalt unvollständig abgeklärt.
3.1 Nach Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr
beauftragte Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Be-
weise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten, Auskunfts-
personen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten
und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeig-
nete Weise. Der Augenschein dient in erster Linie der Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts. Ob ein Augenschein durchzuführen
ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der entscheidenden Instanz.
Ergibt sich eine Tatsache zweifelsfrei aus den Akten, so braucht sie
nicht durch Augenschein überprüft zu werden. Vor allem umstrittene
Tatsachen, deren Feststellung und Würdigung eine eigene Wahrneh-
mung erheischen, sind in Augenschein zu nehmen. Dies gilt insbeson-
dere bei Fragen der Eingliederung von Bauten und Anlagen in eine
Umgebung oder der besonderen Schutzwürdigkeit (CAVELTI/VÖGELI,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gallen, St.Gallen 2003,
Rz. 966).
3.2 Vorliegend verzichtete die Vorinstanz auf die Durchführung ei-
nes Augenscheins, weil sich der rechtserhebliche Sachverhalt aus den
Akten – insbesondere den vorhandenen Gutachten – ergebe. Im Zu-
sammenhang mit einem von der Rekurrentin vorgängig eingereichten
Abbruchgesuch wurden zwei Gutachten (Gutachten C._ AG vom
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 71/2019), Seite 5/9
11. April 2017 sowie Gutachten D._/E._ vom 28. Juni 2017) ein-
geholt. Dabei wurde das betroffene Objekt jeweils von den Gutachtern
in Begleitung des Bauverwalters besichtigt. In der Folge wurde mit
rechtskräftigem Entscheid vom 23. Oktober 2017 unter Berufung auf
die in den Gutachten festgestellte Schutzwürdigkeit das vorgenannte
Abbruchgesuch abgelehnt. Im vorliegenden Verfahren hat die kanto-
nale Denkmalpflege sodann auf Ersuchen der Vorinstanz aufgrund der
Akten am 13. Februar 2019 eine Beurteilung und Einstufung der Baute
vorgenommen. Gestützt auf diese Beurteilungen wurde im angefoch-
tenen Entscheid das Wohnhaus (Vers.-Nr. 002) mitsamt angebautem
Nebengebäude (Vers.-Nr. 003) als Schutzgegenstand von lokaler Be-
deutung eingestuft. Das Gebäude sei in seiner, für den besonderen
kulturellen Zeugniswert massgeblichen Substanz, Erscheinungsform,
Struktur und Wirkung, einschliesslich der historischen Oberflächen
und der festen historischen Ausstattung, im Innern und Äussern ein-
schliesslich seiner Umgebung geschützt und zu erhalten. Der Schutz-
umfang des Wohnhauses umfasse dabei namentlich die primäre Trag-
struktur des Wohnteils (tragende Wände und Decken), die Hauptfront
mit Schindelschirm, Fensteranordnung und Fenstereinfassungen, die
Ausstattung von Stube und Nebenstube, insbesondere das maserierte
Wand- und Deckentäfer sowie Holzböden, den Kachelofen mit rück-
seitiger Feuerwand sowie die historischen Zimmertüren. Beim Scheu-
nenanbau (Vers.-Nr. 003) beschränke sich der Schutzumfang auf die
Volumetrie. Schliesslich sei auch die Umgebung mit dem Bauerngar-
ten und der Hauswiese mit den Einzelbäumen geschützt.
3.3 Aufgrund der erfahrungsgemäss vorhandenen Ortskenntnisse
der Vorinstanz, den Vorkenntnissen aus dem vorangegangenen Ver-
fahren sowie den umfangreichen Abklärungen konnte die Vorinstanz
ohne Weiteres den äusseren Schutz der umstrittenen Objekte festle-
gen. In diesem Zusammenhang war – wie von der Vorinstanz vorge-
nommen – eine eigenständige Würdigung der Gutachten sowie sämt-
licher Vorbringen möglich. Allerdings bemängelt die Rekurrentin zu
Recht, dass insbesondere für die konkrete Festlegung des Schutzum-
fangs im Innern des Wohnhauses ein Augenschein zwingend notwen-
dig gewesen wäre. Ohne sinnliche Wahrnehmung der betroffenen
Bauteile ist eine eigene Würdigung der Gutachten sowie der weiteren
Umstände durch die dafür zuständige Vorinstanz nicht möglich. Es ist
zwar anzuerkennen, dass in beiden Gutachten Fotografien der Innen-
räume vorhanden sind und auch Aussagen zur Schutzwürdigkeit inne-
rer Bauteile gemacht werden. Allerdings sind diese nicht derart genau
und umfangreich, dass damit ohne Augenschein eine umfassende
Würdigung der von den Gutachtern festgestellten Besonderheiten und
eine konkrete Festlegung des Schutzumfangs möglich gewesen wäre.
So sind beispielsweise die im angefochtenen Entscheid erwähnten
historischen Türen in den Gutachten nicht erwähnt. Darüber hinaus
geht aus den Gutachten nicht hervor, dass sämtliche tragenden
Wände und Decken zwingend zu erhalten sind, zumal dies den Spiel-
raum insbesondere für eine Anpassung der Raumeinteilung erheblich
einschränkt. Im Übrigen ist fraglich, inwiefern die durch die Baustellen-
zufahrt zerstörte Umgebung (bzw. die vom Schutzumfang umfassten
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 71/2019), Seite 6/9
Bäume und der Bauerngarten) von der Vorinstanz tatsächlich in die
Gesamtbetrachtung miteinbezogen wurde. Darüber hinaus wären die
konkreten Schutzgegenstände zu bezeichnen gewesen. Beispiels-
weise ist nicht klar, welche Türen als historisch einzustufen sind und
wo sich diese genau befinden. Auch dafür wäre zwingend ein Augen-
schein durchzuführen gewesen. Insgesamt ergibt sich, dass durch den
Verzicht auf die Durchführung eines Augenscheins der Sachverhalt
ungenügend ermittelt wurde.
4.
Die Rekurrentin beanstandet darüber hinaus, im angefochtenen Ent-
scheid fehle der für eine Unterschutzstellung nötige Quervergleich mit
anderen vergleichbaren Objekten.
4.1 Ein schützenswertes Baudenkmal zeichnet sich insbesondere
dadurch aus, dass es sich um ein herausragendes Objekt von beson-
derem kulturellen Zeugniswert handelt (Art. 115 Bst. g PBG). Die Be-
antwortung der Frage, ob ein bauliches Objekt bzw. welche Teile da-
von Schutz verdienen, hat auf einer auf fachlichen Kriterien abgestütz-
ten Gesamtbeurteilung zu erfolgen. Wesentlich für die Denkmaleigen-
schaft eines Objekts sind dabei seine physische Gestalt (Materie), sein
kultureller Zeugniswert (ideeller Wert) und seine Besonderheit, aus der
sich das öffentliche Interesse an seinem Schutz ergibt (vgl. Leitfaden
Denkmalpflege und Archäologie, Kanton St.Gallen, Amt für Kultur
2018, Ziff. 1.4 ff.; abrufbar unter: www.sg.ch/kultur/denkmalpflege/Leit-
faden/_jcr_content/Par/sgch_downloadlist_951639602/DownloadList-
Par/sgch_download_229703.ocFile/Leitfaden%20gesamthaft.pdf).
Aus den Anforderungen an eine haushälterische Nutzung des Bodens
(Art. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung [SR 700; abge-
kürzt RPG]) und aus der Beachtung weiterer öffentlicher Interessen
ergibt sich grundsätzlich das rechtliche Erfordernis, aus einer Vielzahl
potentieller Schutzobjekte in pflichtgemässem Ermessen eine Aus-
wahl zu treffen. Die Tatsache allein, dass ein Haus über ein mehr oder
weniger unversehrtes Erscheinungsbild aus einer bestimmten
Zeitepoche verfügt, macht es noch nicht zum unverzichtbaren Doku-
ment der Zeitgeschichte, welches die Unterschutzstellung rechtfertigt.
Durch einen Quervergleich sind in jeder Stilepoche diejenigen Objekte
zu eruieren, die dank ihrer Qualität als Einzelbauwerk oder als Teil ei-
ner in sich geschlossenen wertvollen Einheit Schutz verdienen (vgl.
B. HEER, St.Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 1053
mit Verweis auf VerwGE vom 10. Mai/7. Juni 2001 i.S. S.H. [GVP 2001
Nr. 12] sowie GVP 1997 Nr. 16).
4.2 Die Vorinstanz verweist im angefochtenen Entscheid vom
13. Mai 2019 auf die Gutachten bzw. die Beurteilung der kantonalen
Denkmalpflege, wonach dem Bauernhaus samt Scheune unter ande-
rem als Bestandteil der historischen Siedlungsstruktur des Dorfs ein
besonderer und herausragender kultureller Zeugniswert zukomme,
weil es das historische und baukulturelle Selbstverständnis der Ge-
meinde präge (Erw. 4). Der für eine Unterschutzstellung notwendige
Quervergleich mit allfälligen weiteren vergleichbaren Objekten auf
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 71/2019), Seite 7/9
dem Gemeindegebiet fehlt jedoch. Wie die Rekurrentin zu Recht ein-
wendet, fehlt die erforderliche Gesamtbetrachtung. Aus dem ange-
fochtenen Entscheid geht nicht hervor, ob sich die Vorinstanz mit die-
ser für die Bestimmung der Schutzwürdigkeit wichtigen Frage ausei-
nandergesetzt hat. Namentlich aufgrund der von der Rekurrentin dies-
bezüglich vorgebrachten Einwände hätte zumindest eine kurze Ge-
samtbetrachtung über das gesamte Gemeindegebiet und insbeson-
dere auch das Gebiet H._ – mit Einsichtsrecht der Rekurrentin in
allfällige Entscheidgrundlagen – vorgenommen werden müssen. Aus
dem Gesagten folgt, das auch diesbezüglich eine ungenügende Sach-
verhaltsermittlung vorliegt, welche nachzuholen ist.
5.
5.1 Obschon die Rekursinstanz über die gleiche Kognition wie die
Vorinstanz verfügt, kommt vorliegend eine Heilung der Mängel im
Rechtsmittelverfahren nicht in Frage.
5.2 Eine Rückweisung ist dann geboten, wenn der angefochtene
Verwaltungsakt mit formellen Mängeln behaftet ist und diese im
Rechtsmittelverfahren nicht geheilt werden können. Ferner ist die
neue Verfügung auch dann der Vorinstanz zu überlassen, wenn aus-
gesprochene Ermessensfragen zu entscheiden sind. Schliesslich
drängt sich eine Rückweisung auf, wenn die Vorinstanz den rechtser-
heblichen Sachverhalt nur ungenügend ermittelt hat oder im Verfahren
umfangreiche Nova vorgebracht worden sind, so dass weitere Abklä-
rungen und Beweiserhebungen nötig werden, die vorzunehmen die
Vorinstanz aus personellen, fachlichen oder anderen Gründen allen-
falls besser in der Lage ist (W.E. HAGMANN, Die st.gallische Verwal-
tungsrechtspflege und das Rechtsmittelverfahren vor dem Regie-
rungsrat, Diss. Zürich 1979, S. 263).
5.3 Bei der Beurteilung der Schutzwürdigkeit und der Festlegung
des Schutzumfangs sowie der entsprechenden Eigentumsbeschrän-
kungen handelt es sich im Wesentlichen um Fragen, bei welchen der
zuständigen Behörde ein erheblicher Ermessensspielraum zukommt,
in den die Rekursinstanz nicht ohne Not eingreift. Zurückhaltung ist
zudem darum geboten, weil diese Beurteilung nicht zuletzt von der
Würdigung der konkreten, insbesondere örtlichen Gegebenheiten ab-
hängt, mit denen sich die verfügende Behörde besser auskennt. Der
angefochtene Entscheid ist wegen der unvollständigen Sachverhalts-
abklärung daher aufzuheben und zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Entscheid der Vorinstanz vom
13. Mai 2019 antragsgemäss aufzuheben ist. Die Sache ist zur Abklä-
rung des rechtserheblichen Sachverhalts, namentlich zur Durchfüh-
rung eines Augenscheins sowie der gebotenen Gesamtbetrachtung,
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Über die beantragte Feststellung
der fehlenden Schutzwürdigkeit der betroffenen Objekte kann die Re-
kursinstanz deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht befinden. Der Rekurs
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 71/2019), Seite 8/9
erweist sich als begründet und ist im Sinn der Erwägungen gutzuheis-
sen.
7.
7.1 In verwaltungsrechtlichen Streitigkeiten hat nach Art. 95 Abs. 1
VRP grundsätzlich jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Be-
gehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Da der angefochtene
Entscheid des Gemeinderates Z._ vom 13. Mai 2019 aufzuheben
ist und die Vorinstanz wesentliche Verfahrensvorschriften verletzt bzw.
den Sachverhalt ungenügend abgeklärt hat, sind die amtlichen Kosten
der Politischen Gemeinde Z._ aufzuerlegen. Die Entscheidgebühr
beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 10.01 des Gebührentarifs für die Kantons- und
Gemeindeverwaltung, sGS 821.5). Auf deren Erhebung wird jedoch
verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP).
7.2 Der von der Rekurrentin am 4. Juni 2019 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– wird zurückerstattet.
8.
Die Rekurrentin stellt ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen
Kosten.
8.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
8.2 Die Rekurrentin obsiegt. Ihr Begehren um Ersatz der ausseramt-
lichen Kosten ist deshalb gutzuheissen. Das Verfahren bot in tatsäch-
licher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten, die den Beizug eines
Rechtsvertreters rechtfertigen. Weil keine Kostennote vorliegt, ist die
ausseramtliche Entschädigung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung
mit Art. 22 der Honorarordnung (sGS 963.75) ermessensweise auf Fr.
2'750.– festzulegen; sie ist von der Politischen Gemeinde Z._ zu
bezahlen. Weil die zu entschädigende Rekurrentin selber mehrwert-
steuerpflichtig ist, kann sie die der Honorarrechnung ihres Anwalts be-
lastete Mehrwertsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld abziehen,
ohne dass ihr dadurch eine Mehrbelastung entsteht. Daher muss die
Mehrwertsteuer bei der Bemessung der ausseramtlichen Entschädi-
gung nicht zusätzlich berücksichtigt werden (HIRT, Die Regelung der
Kosten nach st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, La-
chen/St.Gallen 2004, S. 194).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 71/2019), Seite 9/9