Decision ID: 9582254c-dbb0-4b16-b9e9-8a00539480ce
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
X._
war ab dem 2
4.
Juni 1997 Mitglied
des Verwaltungsrates
und vom
12
.
März 2002
bis zu ihrem Rücktritt
am
2. August 2011
Präsidentin des
Verwaltungsrates der
A._
(vgl. Urk.
7/237
, Urk. 7/229/81-84
). Die
A._
war der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
Aus
gleichskasse
, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen
. Am 17. April 2012 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts
B._
den Konku
rs über die Gesellschaft
. Das Konkursverfahren wurde mit Verfügung des
Konkursrich
ters
vom 22. Juni 2012 mangels Aktiven wieder eingestellt. Am 1. Oktober 2012 wurde die Gesellschaft im Sinne von Art. 159 Abs. 5
lit
. a der
Handels
register
verordnung
von Amtes wegen gelöscht
(Urk. 7/237)
.
Hieraus erwuchs der
Ausgleichskasse ein Schaden aus entgangenen Lohnbeiträgen (einschliesslich Inkassokosten) von Fr. 11‘566.55 (Urk. 7/239-240).
In der Folge verpflichtete die Ausgleichskasse
mit Verfügungen vom 26. September 2013
Z._
und
Y._
(ehemals
C._
)
in solidarischer Haftung
zum Schadenersatz für
entgangene Lohn
- und FAK-B
eiträge
sowie Verwaltungskosten, Verzugs
zinsen und Gebühren im Betrag von Fr. 9‘806.30 (Urk. 9/1 und Urk. 9/2).
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2013
verpflichtete sie
sodann
X._
, in solidarischer Haftung mit
Y._
und
Z._
, zur Leistung von Scha
denersatz für
entgangene Lohn
- und FAK-B
eiträge
sowie Verwaltungskosten, Verzugszinsen und Gebühren
im Umfang von total
Fr. 9‘993.90 (Urk.
7/221
). Auf die von
Y._
erhobene Einsprache
vom
15. Oktober 2013
, welche bei der Ausgleichskasse
a
m 26. November 2013
ein
ge
g
a
ng
en war
(
Urk. 9/11
-12
)
,
trat
di
e Ausgleichskasse
zufolge Verspätung mit Entscheid vom 22. September 2014 nicht ein (Urk. 9/31; vgl. auch Urk. 9/13 und Urk. 9/30).
Die von
Z._
am
25. Oktober 2013 (Urk. 9/8) erhobene Einsprache (inkl. Ergänzung vom 7. Januar 2014; Urk. 9/14) hiess die
Ausgleichskasse
nach einer sechs
mo
natigen Sistierung des Verfahrens (Urk. 9/29) mit Entscheid vom
22
.
Sep
t
em
ber
2014
(Urk. 9/32) bzw. wiedererwägungsweise mit Entscheid vom 25. Septem
ber 2014
teilweise gut und reduzierte die Schadenersatzsumme
auf Fr. 8‘445.85 (Urk. 9/35).
Die von
X._
am
4. Januar 2014
erhobene
Einsprache (Urk.
7/223
)
hiess die Ausgleichskasse
nach einer sechsmonatigen Sistierung des Verfahrens (Urk. 7/227)
m
it Entscheid vom
22. September
2014
ebenfalls
teilweise gut und
reduzierte die Schadenersatzsumme auf Fr. 7‘605.90
(Urk.
2
[= Urk. 7/232]
).
Die Entscheide betreffend
Y._
und
Z._
er
wuch
sen unangefochten in Rechtskraft.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 22. September
2014
(Urk.
2) erhob
X._
am 21. Oktober 2014 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, eventuell sei das Beschwe
rdeverfahren zu sistieren (Urk.
1
/1
).
Mit Beschwerdeantwort vom 10. November 2014 beantragte die
Be
schwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6, unter Beilage ihrer Akten [Urk.
7/1-241]). Am 13. November 2014 reichte sie auf Ersuchen die Akten der Solidarschuldner
in
Y._
und des Solidarschuldners
Z._
ein (Urk. 8 und Urk. 9/1-41). Mit Eingabe vom 24. November 2014 (Urk. 10) reichte die Beschwerdeführerin zwei
steuerrechtliche
Lohnausweise einer Arbeitneh
me
rin der
Gesell
schaft
der
Jahre 2012 (Urk. 11/1) und 2010 (Urk. 11/2) sowie eine Lohnabrech
nung
der
Konkursitin
für das Jahr 2011 (Urk. 11/3)
für die
besagte
Arbeitnehmerin
zu den Akten. Mit Verfügung vom 25. November 2014 (Urk. 12) wurden
Y._
und
Z._
zum Prozess beigeladen. Gleichzeitig wurden ihnen die Beschwerde
schrift und die Beschwerdeantwort zur
Stellung
nahme zugestellt, und d
ie
Parteien
wur
den über den
Beizug
d
er Akten im Beschwerdeverfahren orientiert. Am 26. November 2014 (Urk. 14) erfolgte die
Zu
stellung
der Eingabe der Be
schwerdeführerin vom 24. November
2014 (
Urk. 10
)
an die Beschwerdegegnerin sowie die Beigeladenen (an die
Beschwer
de
gegnerin
zusätzlich unter Beilage von Urk. 11/1-3). Am 7. Januar 2015 nahm die Beschwerdeführerin Einsicht in die Akten (Urk. 16). Am 23. Januar 2015 wurde den Parteien sowie den Beige
ladenen mitgeteilt (Urk. 17), dass innert der mit Verfügung vom 25. November
2014 angesetzten Frist keine Stellung
nahmen d
er Beigeladenen eingegangen seien
. Am 31. Januar 2015 reichte die Be
schwerdeführerin eine weitere Eingabe (Urk. 18) zu den Akten, welche der
Be
schwerdegegnerin
sowie den Beigeladenen am 4. Februar 2015 zugestellt wurde (Urk. 19).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin brachte in der Beschwerdeschrift vom 21. Oktober 2014 vor, sie habe bei der Beschwerdegegnerin keine Einsicht in die beigezogenen
Akten der Staatsanwaltschaft
D._
nehmen können. Auch bei der Staats
anwaltschaft selbst sei ihr keine Akteneinsicht gewährt worden (Urk. 1/1 und Urk. 1/2).
Das Verfahren sei zu sistieren (Urk. 1/1).
2.2
2.2
.1
Aus Inhalt und Funktion des Akteneinsichtsrechts als Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör folgt, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten gezeigt werden müssen, sofern in der sie unmittelbar betreffen
den Verfügung darauf abgestellt wird. Denn es gehört zum Kerngehalt des recht
lichen Gehörs, dass die Verfügungsadressaten vor Erlass eines für sie nach
teiligen Verwaltungsaktes zum Beweisergebnis Stellung nehmen können. Das Akteneinsichtsrecht ist somit eng mit dem Äusserungsrecht verbunden, gleich
sam dessen Vorbedingung. Die Betroffenen können sich nur dann wirk
sam zur Sache äussern und geeignete Beweise führen oder bezeichnen, wenn ihnen die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche sich die Behörde bei ihrer Verfügung gestützt hat. Das rechtliche Gehör dient in diesem Sinne einerseits der Sachaufklärung und stellt anderseits ein
persönlich
keits
bezogenes
Mitwirkungsrecht im Verfahren dar. Daraus ergibt sich, dass der Ver
sicherer, welcher neue Akten beizieht, auf die er sich in seiner Verfügung zu stützen gedenkt, grundsätzlich verpflichtet ist, die Beteiligten über den Akten
beizug zu informieren. Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich auf sämtliche
ver
fahrensbezogene
Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu bilden. Die Einsicht in die Akten, die für ein bestimmtes Verfahren erstellt oder beige
zogen wurden, kann nicht mit der Begründung verweigert werden, die fragli
chen Akten seien für den Verfahrensausgang belanglos. Es muss vielmehr den Betroffenen selber überlassen sein, die Relevanz der Akten zu beurteilen (BGE 132 V 387 E. 3 mit Hinweisen).
2.
2
.
2
Nach
Art.
42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
(ATSG) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Sie müssen nicht angehört werden vor Verfügungen, die durch Einsprache anfecht
bar sind. Spätestens im
Einspracheverfahren
hat die Verwaltung jedoch die allgemeinen Grundsätze des rechtlichen Gehörs zu wahren und folglich der versi
cherten Person oder ihrem Vertreter Einsicht in die Akten zu gewähren, auf deren Grundlage sie den
Einspracheentscheid
abstützt (vgl. R
KUV 1992 Nr. U 152 S. 200 E.
3b). Wird nach Erhebung einer Einsprache festgestellt, dass die
Ent
scheidungsgrundlagen
unvollständig sind, so ist der Sachverhalt unter Wah
rung der Parteirechte zu vervollständigen und das Verwaltungsverfahren mit dem
Einspracheentscheid
a
bzuschliessen (BGE 131 V 413 E.
2.1.2.2).
2.2
.3
Nach der Rechtsprechung kann eine - nicht besonders schwerwiegende
–
Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die be
troffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leer
lauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderli
chen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
2.3
Die Beschwerdegegnerin
sistierte
das
Einspracheverfahren
am 16. Januar 2014, um
die Akten der Staatsanwaltschaft
D._
beizuziehen und zu klären, ob
das Strafverfahren allenfalls Auswirkungen auf das Ergebnis des
Einsprache
verfahrens
haben könnte
(Urk. 7/227).
Nach
Beizug
der Strafakten erstellte die Beschwerdegegnerin ein Dossier (
Aktenverzeichnis,
Urk. 7/229) und retour
nierte
die Strafakten
der Staatsanwaltschaft am 4. Februar
2014
(Urk. 7/231). Am 22. Septem
b
er 2014 erliess
sie
den
Einspracheentscheid
(Urk. 7/232). Dass sie de
r
Beschwerdeführerin
zuvor
Einsicht in die kopierten
Strafa
kten
gewährt
hätte
, ist den Akten nicht zu entnehmen.
Damit verletzte sie deren rechtliches Gehör
(
vgl.
BGE 132 V 389).
Allerdings
ist nicht von einer
schwere
n
, einer Heilung nicht zugängliche
n
Ver
letzung des rechtlichen Gehörs
auszugehen
.
Die Beschwerdegegnerin vermochte d
en Strafakten
nichts zu entnehmen, was ihre –
der Verfügung vom 11. Dezem
ber 2013
(Urk. 7/221) zugrunde gelegte
–
Beurteilung
geändert hätte. Der
ange
fochtene
Einspracheentscheid
enthält denn auch keine neuen
ent
scheidre
le
van
ten
Gesichtspunkte
zum Nachteil der Beschwerdeführerin
.
Das Gericht seinerseits erstellte zum Schutz privater Interessen Dritter einen Auszug aus den Untersuchungsakten der Staatsanwaltschaft
D._
zur Einsicht für die Beschwerdeführerin (separates Dossier unter Urk. 7/229).
Am 7. Januar 2015 konnte die Beschwerdeführerin anlässlich des
Beschwerde
verfahrens
Einsicht in die Akten
nehmen (Urk. 16), auch
auszugsweise in die für das vorliegende Verfahren relevanten
Strafakten (Urk. 7/229). Inwiefern ihr die zur Verfügung gestellte Zeit von 1 1⁄2 Stunden zur Akteneinsicht
nicht
gereicht hätte (Urk. 18), legte die Beschwerdeführerin nicht dar. Wie sie selbst einräumte, war es ihr durchaus möglich, die wesentlichen Akten fot
ografisch zu erfassen (Urk. 18),
weshalb es ohne Belang ist, dass
sie für eine umfassende Durchsicht der Akten mindestens einen Tag h
ätte aufwenden müssen (Urk. 18).
Es besteht
kein
An
spruch
auf Zustellung von Gerichtsakten,
zumal das Anfertigen von Kopien erlaubt ist.
Da das hiesige Gericht über eine umfassende Kognitionsbefugnis verfügt
und keine schwere Verletzung
des rechtlichen Gehörs anzunehmen ist
,
kann von
einer
Heilung
des prozessualen Mangels
ausgegangen werden.
Damit ist von einer Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin abzusehen,
insbe
son
dere auch deshalb, weil
die
Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren keinen An
trag auf Rückweisung der Sache
gestellt hat
und
somit davon auszugehen
ist
, dass ihr an einer
beförderlichen
Verfahrenserledigung mehr liege als an einer Wiederholung des
Einspracheverfahrens
.
Nachdem die Akteneinsicht gewährt worden ist, besteht auch kein Anlass zur Sistierung des Verfahrens.
3
.
3
.1
Nach Art. 52 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grob
fahrlässige
Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden so
lidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
3
.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener
Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66
des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolven
zentschädi
gung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
desgesetz über die Familienzulagen
(
Art.
25
lit
. c).
4
.
4
.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
4
.2
Die Beschwerdegegnerin machte
gegenüber der Beschwerdeführerin
mit
Scha
denersatzverfügung
vom 11. Dezember 2013 einen Schaden
von Fr. 9‘993.90
für die Beitragsjahre 2010 und 2011
geltend (Urk. 7/221)
. Sie
reduzierte ihre Schadenersatzforderung mit
Einspracheentscheid
vom 22. September
2014
auf Fr. 7‘605.90
(Urk. 7/232)
, da die Beschwerdeführerin nach dem am 2. August 2011 erfolgten Austritt aus dem Verwaltungsrat der Gesellschaft bloss noch an
teilsmässig für die im Jahr 2011 entstandenen Schuld
en (Januar bis Juli 2011) hafte; sie verzichtete sodann auf die
darauf entfallenden, entgangenen
Verzugs
zinsen.
Die Schadenersatzforderung
stützte
die Beschwerdegegnerin
auf
die
in der
Jahres
abrechnu
ng
vom 6. September 2012
erhobenen Nachforderungen
für die
Jahr
e
2010 und 2011 (
für das Jahr 2011 anteilsmässig für die Monate Januar bis Juli
;
Urk. 7/215) sowie die Nachzahlungsverfügung vom 27. Septem
ber 2013 für das Jahr 2010 (Urk. 7/218-219). Konkret umfasst die
geltend gemachte Schadener
satzforderung die am 6. September 2012 – kurz
nach Erhalt
der Jahres
ab
rechnung
2010 (Urk. 7/202) und
der Lohndeklaration
2011 (Urk. 7/204)
– nachträglich in Rechnung gestellten Lohnbeiträge und Ver
waltungskosten für das Jahr 2010 im Umfang von Fr. 2‘674.70 (Urk. 7/215; Pos.
2012 0004;
[
Fr. 9‘055.55 + Fr. 1‘075.90 + Fr. 1‘793.20 + Fr. 271.65 – Fr. 9‘521.60
]
) und für das Jahr 2011 (Januar bis Juli 2011) im Umfang von Fr.
3
‘
343.1
5 (Urk. 7/215; Pos. 2012 0004;
{
[Fr. 11‘471.10 + Fr. 1‘336.45 + Fr. 2‘450.15 + Fr. 315.45 – Fr. 9‘842
.--
] : 12 x 7
}
) sowie die
am 27. September 2013
nach der Arbeitgeberkontrolle
in Rechnung gestellten Lohnbeiträge und Verwaltungskosten im Umfang von Fr. 1‘548.05 (Urk. 7/218-219
; Pos.
2013 0001; [Fr. 1‘149.40 + Fr. 34.50 + Fr. 136.55 + Fr. 227.60]
) für eine nicht ge
meldete Lohnsumme von Fr. 11‘380.-- aus dem Jahr 2010 (vgl. Urk. 7/208).
Die
Summe
der geltend gemachten Ausstände
(Fr. 2‘674.70 + Fr.
3
‘
343.1
5 +
Fr. 1‘548.05)
ergibt
ein Gesamttotal
von
Fr. 7‘565.9
0
und nicht
von
Fr. 7‘605.90
,
wie
im
Einspracheentscheid
festgehalten (Urk. 7/232).
4
.3
Dass die Schadenersatzforderung nicht dem im Kontoauszug per 22. Juli 2011 ausgewiesenen Betrag vo
n Fr. 1‘074.40.
--
(Urk. 7/229/89) entspricht (vgl. das Vorbringen
der Beschwerdeführerin
in Urk. 1/1; vgl. auch Urk. 7/223), ist
ge
mäss den
vor
genannten Ausführungen
selbsterklärend
(E. 4.2)
: I
m Kontoauszug per 22. Juli 2011
konnte
n
die
infolge fehlender bzw. falscher Lohnbescheini
gungen erfolgten Nachforderungen
für das Jahr 2010
und 2011
noch
gar
nic
ht ent
halten
sein
.
4.4
Die Beschwerdeführerin machte unter anderem sinngemäss geltend, es bestün
den Diskrepanzen
zwischen
den
verabgabten
und effektiv ausbezahlten
Lohn
summe
n (Urk. 1/1, Urk. 10, Urk. 11/1-3 und Urk. 18).
Diskrepanzen
sind tat
sächlich feststellbar
:
In der Erfolgsrechnung des Jahres 2010 wurde
für
E._
ein Lohn in der Höhe von Fr. 9‘500.-- als Aufwand verbucht (Urk. 7/210/36)
.
D
erselbe Be
trag
figuriert auch in der Lohnabrechnung für das Jahr 2010 und setzt sich
aus monatlichen Bruttolöhnen von je Fr. 2‘375
.--
für die Monate September
bis Dezember 2010 zusammen
(Urk. 7/210/44).
Aus dem
Versicherungs
nachweis
der AHV
vom 6. Dezember 2010 ergibt sich jedoch, dass
E._
erst ab dem 1. Oktober 2010 angestellt war und
eine Beitragspflicht
erst ab diesem
Zeitpunkt bestand (Urk. 7/156).
Auch im
Lohnausweis für die St
euer
erklärung 2010
bestätigte die
Konkursitin
eine Anstellung vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2010 und
wies
ein
en
Bruttolohn von Fr. 7‘200.--
für die
se drei Monate
aus
(Urk. 11/2).
Zudem wurde auch in der
für das Jahr 2011 aus
gestellten
Lohnabrechnung
zuhanden
E._
der 1. Oktober 2010 als Eintrittsdatum vermerkt (Urk. 11/3).
Nach dem Gesagten ist
davon auszuge
hen, dass
E._
erst ab dem 1. Oktober 2010 angestellt war und
auch erst ab diesem Zeitpunkt
einen Lohn bezog.
Der Lohnausweis für die Steuer
erklärung 2010 scheint
überwiegend wahrscheinlich
die effektiv ausbezahlte Lohnsumme wieder
zugeben.
Damit liegt die effektiv ausbezahlte Lohn
summe
gemäss
Lohnaus
weis
von Fr. 7‘200.
--
um Fr. 2‘300.-- tiefer als die Lohnsumme von Fr. 9‘500.--, gestützt auf w
elche die Beschwerdegegnerin ihre
Beiträge erho
b
en hat
(vgl. Urk. 7/202/2 und Urk.
7/2
15/1).
Da für die Ermittlung des Schadens die effektiv ausbezahlte Lohnsumme massgebend ist, ist eine Be
richtigung der Schadenersatzsumme vorzunehmen.
Auf den
Differenzbetrag
von Fr. 2‘300.
--
entfallen
Beiträge von
Fr.
305.90
(13
,3 Prozent
f
ür AHV-, FAK- und ALV-Lohnbeiträge
;
vgl. E. 3.2
und Urk. 7/215
)
und
Verwaltungs
kosten von
Fr.
6.95
(3 % auf Fr.
232.3
0
[=
AHV-Lohn
bei
träge
]
; v
on den Beiträgen an die Familienausgleichskasse
und Arbeits
losen
versicherung werden keine
Verwaltungskosten erhoben
]
)
.
Da der Beschwer
de
führerin keine Verzugszinsen
auferlegt
wurden, erübrigt sich diesbe
züglich eine
all
fällige
Korrektur.
Die Schadenersatzsumme ist somit auf Fr.
7
‘
253.05
(Fr.
7
‘
565.9
0 - Fr. 305.90 - Fr. 6.95)
zu reduzieren.
In der Erfolgsrechnung des Jahres 2011 wurde für
E._
ein Lohn in der
Höhe von Fr. 28‘806.95 als Aufwand verbucht (Urk. 7/210/41), während in der
Lohnabrechnung (Urk. 7/210/45) und der
Lohn
deklaration
2011
zuhan
den des Kassenrevisors
(Urk. 7/20
4
) ein beitragspflichtiger Lohn von Fr. 28‘500.--
angegeben
wurde.
In der Lohnabrechnung zuhanden der betroffenen Arbeit
nehmerin wurde hingegen ein
(höherer)
Lohn von Fr. 29‘414.-- aufgeführt (Urk. 11/3).
Die
hier festgestellte
Diskrepanz ist allerdings nicht von Belang, da sie
aus unterschiedlichen Lohnangaben in den Monaten September bis Dezember 2011
resultiert
(
vgl.
Urk. 7/210/45 und Urk. 11/3)
und damit
den von der Beschwerdegegnerin nicht mehr berücksichtigten
Zeitraum
nach
Rücktritt der Beschwerdeführerin als
Ver
waltungsratspräsidentin
(
und
Aus
scheiden aus dem Verwaltungsrat
)
betrifft.
In der Lohnabrechnung für das Jahr 2012 (Urk. 7/210/46) wurde für
E._
ein Lohn in der Höhe von
Fr. 4‘750.
--
eingetrag
en, während im Lohnausweis für die Steuererklärung 2012 ein Bruttolohn von Fr. 4‘120.-- ausgewiesen wurde (Urk. 11/1).
Auch diese Dis
krepanz ist nicht von Belang, da sie ebenfalls den von der
Beschwerdegeg
nerin
nicht mehr berücksich
tigten Zeitraum nach Rücktritt der Beschwerde
führerin als
Verwaltungsrats
präsidentin
(und Ausscheiden aus dem Verwal
tungsrat) betrifft.
Y._
(
ehemals
C._
[vgl. Urk. 7/210/3 und Urk. 7/210/17])
sagte
am 20. April 2012
in der konkursamtlichen Einvernahme
aus
,
sie habe
als Arbeit
nehmerin
nie einen Lohn erhalten (Urk. 7/210/12).
Im Widerspruch dazu räumte sie
in der Einver
nahme bei der Polizei
am 27. April 2012 aber
ein, sich jeden Monat einen Lohn von circa Fr. 1‘000.--
anstelle des vollen Lohnes von
Fr. 1‘
500.--
ausbezahlt
zu haben
(Urk. 7/229/30).
In den
Erfolgsrechnungen 2010
und 2011
wurde denn auch
ein Lohn verbucht (im Jahr 2010
von
F
r.
11‘380.
--
[Urk. 7/210/36; vgl.
handschriftlichen
Vermerk
von Unbekannt
bei der Position 4009, wonach der Lohn nicht ausbezahlt worden sei] und im Jahr 2011 von Fr. 18‘714.85 [Urk. 7/210/41]).
Damit ist davon auszugehen, dass
Y._
den in der Buch
haltung
im Jahr 2010
verbuchte
n
Lohn
von Fr. 11‘38
0.-- tatsächlich bezog
en hat
.
Die Beschwerdeführerin ging in ihrer Eingabe vom 24. November 2014 von weiteren Diskrepanzen
in der Lohnbuchhaltung
aus, konnte solche aber nicht
belegen und beantragte daher Untersuchungen von Amtes wegen
(vgl. Urk. 10).
Die festgestellten Diskrepanzen in der Lohnbuchhaltung zeugen von gewissen Missständen. Es erstaunt daher
nicht, dass der mit der
Arbeitgeber
kontrolle
be
traute Revisor in seinem Bericht über die Arbeitgeberkontrolle vom 17. August 2012 festhielt, die Buchhaltung weise erheb
liche Mängel auf (Bilanz weise einen Gewinn, die Erfolgsrechnung einen Verlust aus);
die Buchhaltung
für das Jahr
2011 sei nicht mehr vollst
ändig und die Buchhaltung für das Jahr 2012 sei nicht mehr erstellt worden (Urk. 7/210/1). Allerdings
ist aufgrund der
festge
stellten Diskrepanzen in der Lohnbuchhaltung
, welche
betragsmässig nicht
schwer
ins Gewicht
fallen
,
kein weiterer Aufschluss von zusätzlichen Abklä
rungen mehr zu erwarten
. Im Übrigen muss sich die Gesellschaft
bezie
hungs
weise dessen Organ
Lohnbuchhaltungs
miss
stände
entgegenhalten lassen.
Weitere
Abklärungen von Amtes wegen sind so
mit nicht angezeigt. Ein Schaden in der Höhe von Fr.
7
‘
253.05
ist
jedenfalls
ausgewiesen.
5.
5.1
Art. 14
Abs.
1 AHVG und die
Art.
34 ff.
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei je
der Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
5.2
Den Kassenakten ist zu entnehmen, dass die
Gesellschaft
bereits
ab
dem Jahr 1999 wiederholt
zur
Beitragszahlung gemahnt
(vgl. Urk. 7 „Aktenverzeichnis“ oder beispielsweise Urk. 7/6, Urk. 7/10, Urk. 7/30,
Urk. 7/135, Urk. 7/141, Urk. 7/153 und Urk. 7/162
; Urk.
7/239 S.
3 f.
)
und
ab dem Jahr 2005 regel
mässig
für unbezahlt gebliebene Lohnbeiträge betrieben werden musste
(vgl.
Urk. 7 „
Aktenverzeich
nis
“ oder beispielsweise 7/55, Urk. 7/60, Urk. 7/67, Urk. 7/71,
Urk. 7/143
,
Urk. 7/167
und Urk. 7/171
; Urk. 7/239 S. 5
)
.
Es blieben schliesslich
Akontobeiträge
für
die ersten Monate des Jahres
2012 sowie d
ie Nach
forderunge
n für die Jahre 2010 und
2011
zuzüglich Verzugszinsen
unbe
zahlt (Kontoauszug der Beschwerdegegnerin vom 6. November 2014 [Urk. 7/240 S. 18-19]
;
Urk. 7/23
9
).
Am 9. Dezember 2009 hatte die Beschwerdegegnerin der Gesellschaft mitgeteilt, dass für das Jahr 2010 die Lohnbeiträge quartalsweise in Rechnung gestellt würden, ausgehend von einer Jahreslohnsumme von Fr. 69‘996.-- (Urk. 7/123 „Pauschal-Lohnsummen-Anzeige 2010“). Die Quartalsrechnungen basierten in der Folge wie angekündigt auf einer anteilsmässigen Lohnsumme von
Fr. 17‘499.-- pro Quartal (= ein Viertel von Fr. 69‘996.--; Urk. 7/128, Urk. 7/140,
Urk. 7/152, Urk. 7/155, Urk. 7/160,
Urk.
7/165, Urk. 7/175, Urk. 7/187 und Urk. 7/196).
Diese Pauschalbeträge erwiesen sich aufgrund der effektiven Lohn
summe jedoch als zu tief, weshalb
Nachforderungen
für die Jahre 2010 und 2011
gestellt werden mussten.
Die Gesellschaft wäre verpflich
tet gewesen,
wesent
liche Änderungen der Lohnsumme während
des laufenden Jahres
zu melden
(vgl. Art.
35
Abs.
2 AHVV)
.
Als wesentliche und somit melde
pflichtige Änderung gilt eine Abweichung der jährlichen Lohnsumme um min
destens 10 Prozent von der ursprünglichen voraussichtlichen Lohnsumme (vgl. die Weglei
tung über den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und EO [WBB]
Rz
. 2048, Stand 01.01.2011 [
Rz
. 2048 bis heute unverändert]).
Die
Jahresab
rechnung
2010 wies eine Jahreslohnsumme von Fr. 89‘659.-- aus (Urk. 7/202), was einer Stei
gerung von mehr als 20 % entsprach
und eine Meldepflicht aus
löste
.
Eine Meldepflicht hätte a
uch unter Berücksichtigung der berichtigten Lohnsumme
im Jahr 2010
bestanden (E. 4.4).
In der Lohndeklaration
2011
wurde sogar
eine
Jahreslohnsumme von Fr. 111‘370.
--
aus
gewiesen
(Urk. 7/204)
, was einer Steige
rung von 37 % entsprach.
Nicht einmal
nach Ab
lauf der ordentlichen Frist kam die Gesellschaft
ihrer gesetzlichen Pflicht (Art. 36 Abs. 2 AHVV)
die
Jahres
abrechnungen
einzureichen
(
Mahnung vom 20. April 2011
[Urk.
7/161
]
und
Mahnung vom 7. Mai 2012
[
Urk. 7/192
])
nach.
Erst
der mit der Konkursrevision betraute Revisor
konnte eine
Jahresrech
nung
2010 sowie die Lohndeklarati
on
2011
erhältlich machen (Urk. 7/202-205).
Damit hat
die
Gesellschaft
gegen die Vorschriften von Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV verstossen, was grundsätzlich die volle Scha
den
ersatzpflicht der verantwortlichen Organe gemäss Art. 52 AHVG nach sich zieht.
Auch
hielt die
Gesellschaft
die elementarsten Regeln des Rechnungswe
sens nicht ein, was als grobfahrlässiges Verhalten
ihrer Organe
zu qualifizieren ist.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf quali
fi
ziert schuldhaftes Verhalten der Beschwerdeführerin
zurückzuführen ist.
6.
6.1
6.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des
Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens.
Art.
52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vor
sätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Scha
den zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
6.
1.
2
Nicht jedes einer Firma als
solcher anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfa
chen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in
Organstel
lung
zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Verwaltungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
6.
1.
3
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 156 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts, hängt die Frage, ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, entscheidend von der Verantwortung und den Kom
petenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden. Bei den nicht geschäftsführenden Verwaltungsratsmitgliedern von Aktiengesellschaften ist entscheidend, ob sie den ihnen obliegenden Kontroll- und Aufsichtspflichten nachgekommen sind. Nach
Art.
716
Abs.
1
Ziff.
5 OR obliegt dem Verwal
tungsrat die Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Perso
nen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Regle
mente und Weisungen. Gemäss dieser Bestimmung hat das
Verwaltungsratsmit
glied
nicht nur die Pflicht, an den Verwaltungsratssitzungen teilzunehmen, son
dern sich periodisch über den Geschäftsgang zu informieren und bei Unregel
mässigkeiten einzuschreiten (Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2012 vom 1
5.
Mai 2013 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen). Zwar ist der nicht geschäftsfüh
rende Verwaltungsrat nicht verpflichtet, jedes einzelne Geschäft der mit der Geschäftsführung und Vertretung Beauftragten zu überwachen, sondern darf sich auf die Überprüfung der Tätigkeit der Geschäftsleitung und des Geschäfts
ganges beschränken. Dazu gehört, dass er sich laufend über den Geschäftsgang informiert, Rapporte verlangt, sie sorgfältig studiert, nötigenfalls ergänzende Auskünfte einzieht und Irrtümer abzuklären versucht. Ergibt sich aus diesen Informationen der Verdacht falscher oder unsorgfältiger Ausübung der dele
gierten Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnisse, ist der Verwaltungsrat verpflichtet, sogleich die erforderlichen Abklärungen zu treffen (nötigenfalls durch
Beizug
von Sachverständigen) und eine genaue und strenge Kontrolle hinsichtlich der Beobachtung gesetzlicher Vorschriften auszuüben (BGE 114 V 219 E. 4a mit weiteren Hinweisen).
6.
1.
4
Für die Beu
rteilung der Frage, bis wann ein
Verwaltungsratsmitglied tatsächlich auf die Tätigkeit der Gesellschaft Einfluss nehmen kann, ist auf den Zeitpunkt des effektiven Rücktritts, welcher unmittelbar wirksam ist, und nicht auf die Löschung im Handelsregister oder das Datum der Publikation im Schweizeri
schen Handelsamtsblatt abzustellen (BGE 112 V 1
E. I.3
).
6.2
6.2.1
X._
war ab dem 2
4.
Juni 1997 Mitglied und vom 1
2.
März 2002 bis zu ihrem Rücktritt am 2. August 2011 Präsidentin des
Verwaltungsrates der Gesellschaft
. Am 2. August 2011 schied sie auch als Mitglied des Verwal
tungsrates aus der Gesellschaft aus
(vgl. Urk. 7/237, Urk. 7/229/81-84 und Urk. 7/229/108).
Z._
, welcher
vom
10. Juni 1991 (Gründung der Gesellschaft)
bis am 24. Juni 1997
Präsident
des Verwaltungsrates
war, blieb
nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratspräsident
bis am 8. März 2012
Mit
glied des Verwaltungsrates
(vgl. Urk. 7/237 und Urk. 7/229/68
)
.
Y._
(
ehe
mals
C._
)
war ab dem 8
. August 2006 Mitglied
und ab dem 13
. September 2011
bis
am 28. Februar 2012
Präsidentin des Verwalt
ungsrates
(Urk. 7/237 und Urk.
7/229/30)
. Alle drei Personen verfügten über eine kollektive Zeichnungs
berechtigung
je
zu zweien
(Urk.
7/237 und
Urk.
7/229/108)
.
Bei der
Gesellschaft
handelte es sich um eine kleine AG mit maximal fünf An
gestellten (
Urk. 7/229/109)
–
exklusive Mitglieder des Verwaltungsrates, welche
zum Teil
einen Lohn bezogen (vgl.
Urk. 7/210/21
, Urk. 7/210/26, Urk. 7/210/31, Urk. 7/210/36 und Urk. 7/210/41).
Die Verhältnisse waren somit überschaubar.
6.2.2
Wie bereits erwähnt, ergibt sich aus
den Akten
,
dass
die Gesellschaft bereits in früheren Jahren wiederholt
zur
Beitragszahlung gemahnt
und
ab dem Jahr 2005 regelmässig
für unbezahlt gebliebene Lohnbeiträge betrieben werden musste
(E. 5.2). Dieser Umstand
musste der Beschwerdeführerin als
Verwaltungsrats
präsidentin
bekannt gewesen sein.
Umso mehr war sie
dazu
verpflichtet, im Rahmen ihrer Oberaufsicht
die Einhaltung der öffentlich-rechtlichen
Beitrags
pflicht
zu überwachen und durchzusetzen.
Dieser
Pflicht
kam sie
jedoch erst im Verlauf des Jahres 2011 und damit viel zu spät
und nicht in
haftungsaus
schliessender
Weise nach.
Eine fristgereichte Beitragsabrechnung war nur schon deshalb nicht (mehr) möglich, weil die Gesellschaft unter der Verantwortung der Beschwerdeführerin eine ordnungsgemässe Buchführung missen liess.
Bereits
die
Abschlüsse
für die
Jahre 2008 und 2009
wurden
erheblich
zu spät,
das heisst
erst
an der Generalversammlung vom
21. Dezember 2011
,
abgenommen
(vgl. Urk. 7/229/70 f.)
.
Die
Bilanz f
ür das Jahr
2010
hätte auch in der Generalver
sammlung vom 21. Dezember 2011 abgenommen werden sollen. Dazu kam es aber nicht, weil gemäss
C._
(heute
Y._
) ein Fehler in der von ihr geführten Buchhaltung bestanden ha
ben soll und ein Abschluss deshalb nicht möglich gewesen sei (Urk. 7/229/24).
Die Beschwerdeführerin
wurde
trotz der noch ausstehenden
Genehmigungen
der Jahresrechnungen 2008-2010 und trotz des Umstands, dass der eigentliche Ge
schäftsführer
der Gesellschaft
,
Z._
,
bereits seit Monaten nicht mehr gearbeitet hatte,
erst auf einen im Januar 2011 erfolgten Anstoss
eines Aktio
närs hin aktiv
. Dies lässt sich d
em
eigens
von
ihr
verfassten Rechtsbegehren vom 2. November 2011
(Urk. 7/229/76-78) an das zuständige Bezirksgericht
zur Einberufung
einer
Generalversammlung (GV)
entneh
men.
In diesem
Rechtsbe
gehren
hatte die Beschwerdeführerin ausgeführt,
dass Ende Januar 2011 ein Aktionär die längst fällige GV habe durchführen wollen, um zu klären, wie es mit der Gesellschaft weitergehe, nachdem der Geschäftsführer seit Monaten nicht mehr gearbeitet gehabt habe.
Sie
habe
daraufhin
Kontakt mit einem wei
teren Aktionär aufgenommen, auf dessen Wunsch am 23. Februar 2011 eine Aussprache mit
Z._
stattgefunden habe. Mündlich sei vereinbart wor
den, dass dieser die Arbeit im März
2011
wieder aufnehme
und dass i
m April 2011 der gemeinsame Termin für die GV
bestimmt werde
. Am 23. Juni 2011 habe
sie
zur GV am 2. August 2011 eingeladen. Am 20. Juli 2011 sei diese durch
Y._
und
Z._
abgesagt worden. Am 22. Juli 2011 habe
sie
die Kontoauszüge bei der AHV, der BVG und der Bank angefordert und die
Gesell
schaft
sowie die Revisionsstelle aufgefordert, die revidierten Jahresrechnungen 2008, 2009, 2010 sowie das aktuelle Aktienregister zuzusenden. Der
Verwal
tungsrat (
VR
)
sei gemäss GV-Protokoll vom 27. August 2011 (richtig: 2. August 2011; vgl. Urk. 7/229/83) verpflichtet worden, auf Ende September 2011 eine GV einzuberufen. Dieser Zeitpunkt sei ohne Begründung des VR verstrichen
(
vgl. auch
Urk. 7/229/79-93).
Die Bemühungen der Beschwerdeführerin erfolgten
bereits initial viel zu spät und auch
in der Folge
nur
schleppend
.
6.2.3
Etwas anderes lässt sich
den Einvernahmen und Auskünften im Strafverfahren gegen
C._
(heute
Y._
)
wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung
nicht entnehmen (vgl. Urk. 7/229/21-31, Urk. 7/229/67-74 und Urk. 7/229/104-123).
Davon, d
ass
C._
(heute
Y._
) die Geschäftszahlen für das Jahr 2010
trotz wiederholten Aufforderungen nicht herausgab, ist auszugehen
(vgl.
Urk. 7/229/24-27,
Urk. 7/229/67,
Urk. 7/229/71
und Urk. 7/229/114 f.
).
D
och wäre es der Beschwe
rdeführerin möglich gewesen einzuschreiten, hätte sie ihre Aufsichtspflichten
früher
wahrgenommen. Gemäss ihrer eigenen Auskunft
soll
seit dem Brand im März 2009 im Laden an der
F._
der „Wurm
im Geschäft
drin“
gewesen sein
.
Umsomehr
hätte d
ieser Umstand
sie veranlassen müssen, ihre
r
Aufsichtspflicht
nachzukommen
.
Stattdessen
soll
sie
erst mit der Zeit
bemerkt haben
, dass die Gesellschaft
„finanziell nicht rund
“ laufe
. Sie habe
einfach keine Informationen betreffend die Zahlen von
Z._
erhalten, auch nicht, wenn sie danach gefragt habe (Urk. 7/229/70).
Der
Beschwerdefüh
rerin
war
al
s Verwaltungsratspräsidentin
sodann
nicht einmal bekannt,
wie lange
C._
(heute
Y._
) schon alleine für die Geschäftsbuchhaltung verantwortlich gewesen
sein soll
und wer sie damit betraut hatte (Urk. 7/229/71
; vgl. dazu auch Urk. 7/229/111 f.
).
Dass sie „sicher zu spät ge
handelt“ habe, räumte die Beschwerdeführerin
letztendlich
selber ein (Urk. 7/229/73)
.
Das Verhalten der Beschwerdeführerin erweist sich somit als grobfahrlässig.
7.
7.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52
Abs.
1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Er
folges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereig
nis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
7.2
Hätte die Beschwerdeführerin rechtzeitig gehandelt und die Zahlen für die Jahre 2008-2010 gekannt, wäre ihr aufgefallen, dass im Jahr 2010 eine Meldepflicht gegenüber der Beschwerdeführerin bestanden hätte. Sie hätte dann verhindern können, dass im Jahr 2011 Löhne ausbezahlt w
urden
, ohne dass die finanzielle Lage der Gesellsc
haft es erlaubt hätte, zumal ihr
bewusst
gewesen wäre
, dass es für
das Jahr 2010
noch zu Nachforderungen kommen würde.
In
Zeiten finanzi
eller Schwierigkeiten kommt der Grundsatz zum Tragen, dass nur so viel Lohn ausbezahlt werden darf, als die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge noch gedeckt sind (Urteil des Bundesgerichts H 90/00 vom 2
0.
Juni 2011 E. 4d mit Hinweis).
Ein Mitverschulden der Beschwerdegegnerin besteht nicht.
8
.
Nach dem Gesagten ist die
Beschwerdeführer
in
in teilweiser Gutheissung der Beschwerde zu verpflichten, der Beschwerdegegnerin Schadenersatz in der Höhe von
Fr.
7
‘
253.05
zu leisten (vgl.
E. 4.2 und 4.4
).