Decision ID: c79f21f7-183a-44ce-8251-a2d1c49ee5ca
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1986, Mutter von einem Kind (Jahrgang 2011), war seit 2012 in unterschiedlichem Pensum bei der
Y._
AG als Zustellerin tätig (
Urk.
6/5
Ziff.
3
). Unter Hinweis auf
eine Multiple Sklerose (MS)
meldete sich die Versicherte am
2
5.
September 2014 zur Früherfassung
bei der Invalidenversicherung
an (
Urk.
6/5
).
Am
1
2.
November 2014 meldete sie sich sodann zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/15).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab und holte bei der
Z._
AG
ein
neurologisch
-neuropsychologisches Gutachten ein,
das am
8.
April 2016
erstattet wurde (
Urk.
6/85
).
Bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, holte sie sodann ein psychiatrisches Gutach
ten ein, das am
5.
Januar 2017 erstattet wurde (
Urk.
6/158).
Nach
durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/
176-177,
Urk.
6/181-182) s
prach di
e IV-Stelle mit Verfügung
en
vom 2
3.
November 2017
der Versicherten bei einem Invali
ditätsgrad von 100
%
eine
ganze
Rente ab
März 2016
plus Kinderrente
zu (Urk.
6/192-218
;
Urk.
2
/1-4
).
2.
Die Versicherte erhob am
9.
Januar 2018
Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfü
gung
en
vom
2
3.
November 2017
(
Urk.
2
/1-4
) und beantragte, diese sei
en
teil
weise aufzuheben (S. 2
Ziff.
1) und es sei
ihr
statt ab März 2016
bereits ab Sep
tember 2015 eine Rente der Invalidenversicherung auszurichten, zuerst eine
Viertelsrente
und ab Dezember 2015
beziehungsweise Oktober 2015
eine ganze Rente (
S. 2
Ziff.
2
und S. 8
).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Februar 2018
(
Urk.
5
) die Abwei
sung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
2.
März 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Mit Gerichtsverfügung vom 15. Februar 2019 (Urk. 8) wurde die ASGA Pensions
kasse zum Prozess beigeladen. Die Beigeladene liess sich
innert angesetzter Frist
nicht vernehmen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts;
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einge
treten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungs
vermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entspre
chender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitsgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umgekehrt ist eine in der berufli
chen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf
es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen Ein
schätzung, die
ordentlicher
weise
echtzeitlicher Natur ist. Der Zeitpunkt des Ein
tritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesge
richts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
Obwohl das Gesetz dies nicht ausdrücklich bestimmt, kann ein Rentenanspruch nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG nur entstehen, wenn nach Ablauf der Wartezeit eine Erwerbsunfähigkeit gegeben ist. Damit eine Rente zugesprochen werden kann, müssen sowohl die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres als auch die nach Ablauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunfähigkeit die für die betreffende Rentenabstufung erforderliche Mindesthöhe erreichen (BGE
129 V 411 E. 2.1, 121 V 264 E. 6b/cc; AHI 2001 S. 279 E. 2; Urteil des Bun
des
gerichts 8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass die Beschwerdeführerin weder in ihrer angestammten noch in angepasster Tätig
keit arbeitsfähig sei.
Die gesundheitlichen Einschränkungen bestünden seit dem
1.
März 2015, ein Rentenanspruch entstehe frühestens nach einem Jahr und somit ab März 2016 (Verfügungsteil 2 S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber beschwerdeweise auf den Standpunkt (Urk. 1),
der Beginn des Wartejahres beziehungsweise der Beginn der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40
%
während eines Jahres sei bereits auf den September 2014 festzusetzen. Denn bereits ab Juli 2014 habe eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
bestanden, womit die untere Grenze der
Erheblichkeitsschwelle
erreicht gewesen sei (S. 4).
Vom
1.
bis 1
1.
Juli 2014 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, wel
che sich bis November 2014 kontinuierlich verbessert habe,
so
dass die Arbeits
un
fähigkeit im November 2014 noch 20
%
betragen habe. Danach habe sich der Gesundheitszustand nicht mehr weiter verbessert, so dass auch im Januar 2015 noch immer eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Ab März 2015 werde eine deutliche Verschlechterung erwähnt. Gemäss Gutachten bestehe ab Mitte März 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit und ab Juli 2015 sodann eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 6 f.
). Eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40
%
während eines Jahres sei somit im September 2015 erreicht. Damit bestehe ab September 2015 Anspruch auf eine
Viertelsrente
. Aufgrund der
anhaltenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab Juli 2015 sei die Rente ab Oktober 2015 auf eine ganze Rente zu erhöhen (S. 7 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, in welchem Zeitpunkt das sogenannte Wartejahr (vor
stehend E. 1.3) er
öffnet wurde.
3.
3.1
Mit Zeugnis vom
1.
Juli 2014 (
Urk.
6/4/9) attestierten die Ärzte der Klinik für Neurologie,
B._
, der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom
1.
bis
6.
Juli 2014.
3.2
Am
4.
Juli 2014 (
Urk.
6/4/8) attestierten die Ärzte der Klinik für Neurologie,
B._
, der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom
4.
bis 1
1.
Juli 201
4.
3.3
Mit Zeugnis vom 2
9.
Juli 2014 (
Urk.
6/4/6
) attestierte
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 2
9.
Juli bis 2
7.
August 2014.
3.4
Am
2
5.
August 2014 (
Urk.
6/4/5) attestierte
Dr.
C._
der Beschwerde
führe
rin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 2
8.
August bis 2
6.
September 2014.
3.5
Mit Zeugnis vom 2
3.
September 2014 (
Urk.
6/4/
4
)
attestierte
Dr.
C._
der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 2
7.
September bis 26.
Oktober 2014.
3.6
Am
7.
Oktober 2014 (
Urk.
6/12) attestiert
e
Dr.
C._
der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 2
7.
Oktober bis 2
5.
November 2014.
3.7
Die Ärzte der
Klinik für Neurologie,
B._
, berichteten am
4.
November 2014 (Urk.
6/14/3-7)
über die Neuroimmunologie
-
Sprechstunde
vom gleichen Tag
und nannten als Hauptdiagnose eine schubförmige Multiple Sklerose (MS), Erst
mani
festation 2012, Erstdiagnose Juli 2014
(S. 1)
.
Sie führten aus, der Beschwerde
führerin gehe es aktuell gut, es bestünden keine neuen schubver
dächtigen Symp
tome seit der letzten Konsultation im August 2014
(S. 3 oben)
.
Seitens der MS
zeige sich ein erfreulicher Verlauf, ohne anamnestische/klinische Hinweise auf ein erneutes Schubereignis. Der Drehschwindel, welcher seit dem Schub im Sommer dieses Jahres bestehe
,
habe sich gebessert und sei nur noch inter
mittierend vorhanden
. Die intermittierende
Visusminderung
am linken Auge sei unverändert vorhanden. Die Therapie mit
Rebif
habe die Beschwerdeführerin vor
etwa
sieben Wochen begonnen, an Nebenwirkungen berichte sie über Gelenk- und Kopfschmerzen sowie Schüttelfrost
, welche jedoch rückläufig seien
(S. 3 unten)
.
Die Beschwerdeführerin werde bei einem weiterhin stabilen Verlauf nach
erfolgtem Kontroll-MRI im Januar 2015 wieder in die Sprechstunde aufgeboten (S. 4).
3.8
Die Ärzte der Klinik für Neurologie,
B._
, berichteten am 1
6.
Januar 2015 (Urk.
6/30/1-5) und führten aus, in der angestammten Tätigkeit bestehe eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit vom
4.
November 2014 bis 2
0.
Januar 2015 (S. 2
Ziff.
1.6).
Es bestehe
eine verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie ein langsameres Arbeiten (S. 2
Ziff.
1.7).
Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin sechs Stunden pro Tag zumutbar. Es bestehe ein verminder
tes Konzentrationsvermögen (S. 3
Ziff.
1.7). Die Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit sei ihr ab sofort wieder möglich zu 50-80
%
(
S. 3
Ziff.
1.9
).
3.9
Die Ärzte der Klinik für Neurologie,
B._
, berichteten am
3.
März 2015 (Urk.
6/85/48-51
) und führten aus, vordergründig hätten sich in der heutigen neuro
psychologischen Untersuchung eine leichte Verlangsamung im
attentiona
len
Bereich, eine mittelgradige Minderleistung im figural-episodischen Gedächt
nis und eine mittelgradig reduzierte verbale Ideenproduktion gezeigt.
Die objek
tivierten neuropsychologischen Auffälligkeiten sprächen für Minder
leistungen, welche sich auf die Erwerbsfähigkeit auswirken würden. Basierend auf den Befunden sei die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für ihre zuletzt erlernte Tätigkeit im Zoofachhandel um 20
%
reduziert. Dabei seien jedoch die anam
nestisch geschilderten, eher somatischen Beschwerden nicht berücksichtigt. Hin
sichtlich der
Fatiguesymptomatik
sei die weitere Diagnostik abzuwarten. Gege
benenfalls sollte ein vermehrter Einbau von Ruhe- und Erholungszeiten am zukünftigen Arbeitsplatz eingeräumt werden (S. 3).
3.10
Die Ärzte der Klinik für Neurologie,
B._
, berichteten am 1
8.
Mai 2015 (
Urk.
6/41/2-5) und führten aus, aktuell bestünden eine spastische Tonuserhö
hung der Beine, anamnestisch ein Schweregefühl der Beine seit Mitte März 2015 sowie eine Parese der Fussflexion/-extension
(S. 1)
.
3.11
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 2
7.
Mai 2015 (
Urk.
6/37/6-9) und führte aus, im Frühling 2015 habe ein neuer Schub stattgefunden mit Symptomen i
n den Beinen. Es bestünden
weiterhin eine ausgeprägte
Fatigue
und Grippesymp
t
ome unter
Rebif
(S. 1
Ziff.
1.4).
Es bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 2
9.
Juli 2014 bis aktuell (S. 2
Ziff.
1.6).
Es bestünden eine Müdigkeit, psychische Instabilität, Beinkrämpfe, Gang
schwierigkeiten, eine ausgeprägte Leistungsintoleranz sowie Grippe
symptome. Die Beschwerdeführerin brauche viel mehr Zeit, die Zeitungen auszu
tragen. Sie habe grosse Mühe, die Treppe zu ihrer Wohnung zu bewältigen. Am Morgen brauche sie mehr als eine Stunde Zeit, bis sie sicher auf den Beinen sei, dass sie
aufstehen könne. Dies mache es schwierig, den Haushalt und ihren dreijährigen Sohn zu versorgen (S. 2
Ziff.
1.7).
3.12
Die Ärzte der Klinik für Neurologie,
B._
, berichteten am 1
2.
Juni 2015 (
Urk.
6/39) und führten aus,
aktuell bestehe eine spastische Tonuserhöhung der Beine mit Schwächegefühl und Parese der Fussflexion/-extension (S. 2
Ziff.
1.4).
3.1
3
Die Ärzte der Klinik für Neurologie,
B._
, berichteten am 3
0.
Juni 2015 (Urk.
6/41/1) und führten aus, seit Mitte März bestehe eine spastische Tonuser
höhung der Beine mit spastisch ataktischem Gangbild und Schwäche der Beine.
Die Beschwerdeführerin leide an einer ausgeprägten körperlichen und kognitiven
Fatiguesymptomatik
. Für eine genauere Einstufung der Symptomatik beziehungs
weise der Arbeitsfähigkeit sei ein neuropsychologisches Gutachte
n
einzufordern.
3.1
4
Dr.
D._
berichtete am 2
3.
Juli 2015 (
Urk.
6/48) und führte aus, der Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin habe sich seit Juni 2015 verschlechtert. Es sei in den vergangenen Wochen zu einem neuen Schub der MS gekommen und die Gehfähigkeit habe sich deutlich verschlechtert. Die Beschwerdeführerin sei nun auf einen Rollator angewiesen und könne im Moment nicht arbeiten. Die Beschwerdeführerin möchte in den nächsten Wochen unbedingt noch einmal ver
suchen, die eine Austrags-Tour, die sie noch mache, durchzuführen. Dies entspre
che einer Arbeitsfähigkeit von 20
%
. Aus ärztlicher Sicht sei jedoch nicht damit zu rechnen, dass dies längerfristig noch möglich sei.
3.15
Die Ärzte
des
Z._
erstatteten ihr
bidisziplinäres
Gutachten am
8.
April 2016 (Urk.
6/85
/1-18
) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchun
gen der Beschwer
deführerin. Sie nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schubförmige Multiple Sklerose sowie leichte kognitive Einschränkungen (ICD-10 F06.7
; S. 8
). Sie führten aus,
eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit im Zustelldienst sei wegen eingeschränkter Gehfähigkeit nicht mehr zumutbar, hier sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
anzunehmen (S. 9). In einer leidensangepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung des Belastungsprofils bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Falls durch eine zusätzliche psychiatri
sche Begutachtung der differentialdiagnostische Verdacht auf eine dissoziative Störung als Mitursache der Beschwerden der Beschwerde
führerin bestätigt würde, wäre aus strikt neurologischer Sicht eine höhere Arbeitsfähigkeit in Verweistä
tigkeiten anzunehmen (S. 10).
Die zunehmende Gang
störung seit März bis Mai 2015 habe eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit im Zustelldienst mit sich gebracht. Seit diesem Zeitpunkt könne von einer Arbeits
fähigkeit von 50
%
im angestammten Bereich ausge
gangen werden. Die Krank
heitsentwicklung habe bewirkt, dass Ende Juli 2015 eine vollständige Arbeitsun
fä
higkeit eingetreten sei
.
In einer angepassten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit Juli 2015 zu 50
%
reduziert (S. 10 Mitte).
3.16
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein psychiatrisches Gutachten am
5.
Januar 2017 (
Urk.
6/158) gestützt
auf die Akten sowie die Untersuchung der Beschwerdeführerin. Er nannte als Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kognitive und motorische MS-
Fatigue
. Er führte aus, dass bei der Beschwerdeführerin ein weitgehend normaler psychischer Befund festgestellt worden sei. Ihre Angaben zu rascher Ermüdbarkeit seien in sich widerspruchsfrei, nachvollziehbar und ohne Hinweise für Verdeutlichung oder Aggravation. Hinweise auf eine dissoziative Störung hätten sich im Rahmen der aktuellen Untersuchung nicht gefunden
(S. 17)
.
Die körperliche Aktivität sei entsprechend der neurologischen Grunderkrankung beeinträchtigt.
Die Durchhal
tefähigkeit sei aufgrund der kognitiven MS-
Fatigue
entsprechend den Ergebnis
sen der neuropsychologischen Testuntersuchung um 20
%
herabgesetzt.
Zusätz
lich bestünden Hinweise auf eine motorische
Fatigue
, deren Ausmass im Rahmen einer EFL festge
stellt werden könne (S. 18
f.).
Psychiatrischerseits
bestehe eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und auch
in
einer neurologisch angepassten Tätigkeit
seit Juli 2014
(S. 21 f.)
.
3.17
Dr.
med. univ.
F._
, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 2
1.
März 2017 Stellung (Urk.
6/175/11-12) und führte aus, die neuesten Berichte des
B._
würden eine weitere Progredienz der klinischen Defizite berichten, was vor dem Hintergrund eines sekundär-progredienten Verlaufes einer MS auch ohne Verschlechterung der MR-Bildgebung nachvollziehbar sei. Es könne auf die Einschätzung des
B._
abgestellt werden, wonach von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt auszugehen sei. Seit März 2015 sei von einer 50%igen Arbeitsun
fähigkeit und ab dem 2
3.
Juli 2015 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in allen Erwerbstätigkeiten auszugehen. Eine Besserung sei nicht zu erwarten.
4.
4.1
Aufgrund der Akten ausgewiesen und unbestritten ist, dass die Beschwerde
führerin seit März 2015 zu 50
%
und seit
23.
Juli 2015 zu 100
%
in sämtlichen Erwerbstätigkeiten arbeitsunfähig ist.
Zu prüfen bleibt, ob
aus den
medizinischen B
erichten eine
deutliche
und dauernde
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
bereits vor März 2015 eingetreten
und die
Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
somit
vor März 2015
eröffnet wurde.
4.2
Aus den Angaben in den Berichten des
B._
(vorstehend E. 3.1-3.2, E. 3.7-3.10, E. 3.12-3.13) sowie des Hausarztes beziehungsweise der Hausärztin (vorstehend E. 3.3-3.6, E. 3.11, E. 3.14)
ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin im Juli 2014 einen Schub erlitten hatte,
welcher eine vorübergehende 100%ige Arbeitsunfä
higkeit begründete
(E. 3.1-
3.2)
. Der
Verlauf zeigte
sich erfreulich, so dass der Beschwerdeführerin
ab Ende Juli bis Ende
November
2014
vom Hausarzt
eine 50%ige
(E. 3.3-
3.6) und schliesslich
ab dem
4.
November 2014
bis zum 2
0.
Januar 2015
von den Ärzten des
B._
noch eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde
(E. 3.7-3.8)
.
Auch a
b
dem 2
0.
Januar 2015 hat sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht weiter verbessert,
so
wurde
ihr
über
dieses Datum hinaus
noch eine
mindestens
20%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (E. 3.8).
Ab März 2015 wird in den Berichten eine Verlangsamung im
attentionalen
Bereich, eine mittelgradige Minderleistung im figural-episodischen Gedächtnis und eine mittelgradig reduzierte verbale Ideenproduktion beschrieben, wobei
sich
diese objektivierten neuropsychologischen
Auffällig
keiten
auf die Erwerbsfähigkeit auswirkten
(E. 3.9). Seit Mitte März 2015 bestehe eine spastische Tonuserhöhung der Beine mit spastisch ataktischem Gangbild und Schwäche der Beine
(
E. 3.13). Im Juli 2015 wird berichtet, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit Juni 2015 verschlechtert, es sei zu einem neuen Schub gekommen
. Es sei nicht damit zu rechnen, dass eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
längerfristig auf
rechterhalten werden könne
(E. 3.14).
4.3
Die Berichte des
B._
beziehungsweise der Hausärzte der Beschwerdeführerin erscheinen schlüssig und nachvollziehbar und geben kein
en
Anlass, an den darin attestierten Arbeitsunfähigkeiten, insbesondere
einer
anhaltenden
mindestens
20%igen Arbeitsunfähigkeit nach dem ersten Schub im Juli 2014 bis
zur Ver
schlechterung
im März 2015
,
zu zweifeln.
So erscheint es schlüssig und nachvoll
ziehbar, dass die Beschwerdeführerin nach dem ersten Schub im Juli 2014 vorübergehend
zu
100
%
arbeitsunfähig war, s
ich die Arbeitsfähigkeit
sodann
kontinuierlich verbesserte, und
ab November 2014 noch von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. D
ie Ärzte des
B._
machten
im November 2014
in ausführlicher
Weise
darauf aufmerksam
, dass
es der Beschwerdeführerin aktuell zwar gut gehe und keine neuen schubverdächtigen Symptome bestünden. Der Drehschwindel sei nur noch intermittierend vorhanden, die intermittierende
Visusminderung
am linken Auge sei jedoch unverändert. Die Therapie mit
Rebif
bewirke als Nebenwirkungen Gelenk- und Kopfschmerzen
,
Schüttelfrost
sowie eine Tagesmüdigkeit und gelegentlich schlechte Stimmung
(
Urk.
6/14/3-7
S. 3 unten
)
.
Vor d
e
m Hintergrund dieser beschriebenen Befunde erscheint e
in
e Arbeits
unfähigkeit von 20
%
auch ab November 2014 bis zur unbestrittenen Ver
schlechterung im März 2015
als nachvollziehbar und ausgewiesen.
Gestützt auf diese echtzeitlichen medizinischen Berichte kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da
von ausgegangen werden, dass auch unter Berücksichti
gung der
Erfahrungstatsache, dass
Hausärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten au
ssagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc)
,
eine mindestens
20%ige Arbeitsunfähigkeit
nach dem ersten Schub -
und einer vorübergehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit bis zum 1
1.
Juli 2014
-
über den 2
0.
Januar 2015 hinaus bis zur weiteren Verschlechterung ab März 2015 bestanden hatte.
Somit bestand ab Juli 2014 bis Mitte März 2015 eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
.
4.4
Die Beschwerdegegnerin stützte sich für ihren Entscheid ausschliesslich auf das
Z._
-Gutachten (vorstehend E. 3.15)
beziehungsweise die RAD-Stellungnahme (vorstehend E. 3.17)
ab und liess die angeführten Berichte ausser Acht. Für die Berechnung des Wartejahres ist jedoch bereits eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit von 20
%
zu berücksichtigen (vgl. vorstehend E. 1.3), weshalb
diese Zeitperioden anzurechnen sind.
Wie die Beschwerdeführerin zu Recht ausführte, ist ausgehend von
der echtzeitlich beweiskräftig attestierten
mindestens 2
0%igen Arbeitsunfä
higkeit ab Juli 2014,
der
50%igen Arbeitsunfähigkeit ab März 2015 und
der
100%igen Arbeitsunfähigkeit ab dem 2
3.
Juli 2015 eine durchschnittliche Arbeits
unfähigkeit von mindestens 40
%
während eines Jahres im S
eptember 2015 erreicht
und das Wartejahr entsprechend erfüllt gewesen.
Die angefochtene Verfügung erweist sich somit bezüglich Wartejahr
und Rentenbeginn
als unzu
treffend. Richtig ist der beschwerdeweise vertretene Standpunkt, dass das Warte
jahr im September 2015 bestanden war, so dass
der Rentenanspruch
(
mit Beginn der vollständigen Arbeitsunfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit
ab Juli 2015
)
am
1.
September 2015 entstanden ist.
Die Beschwerdeführerin hat somit mit Wirkung ab 1.
Sep
tember 2015
Anspruch auf eine
Viertelsrente
.
Bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ist im Hinblick auf eine revi
sionsweise Neufestsetzung des Rentenanspruchs gemäss Art. 17 ATSG die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesent
liche Unterbrechung drei Monate angedauert hat (Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV). Nach Gesagtem hat die Beschwerdeführerin nach Ablauf der gesetzlichen Wartezeit mit Wirkung ab 1. September 2015 Anspruch auf eine
Viertelsrente
. Da die gesetzliche Dreimonatsfrist gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV nicht vor der Entstehung des Rentenanspruchs zu laufen beginnt (AHI 2001 S. 277 E. 4), kann die seit dem 23. Juli 2015 bestehende voll
ständige Arbeitsunfähigkeit erst ab September 2015 in Betracht gezogen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_985/2009 vom 2. März 2010 E. 4.4.3). Daraus folgt,
dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Dezember 2015 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung entsprechend ab
zuändern.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
le
gen.
5.2
Die obsiegende und vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf
eine Pro
zessentschädigung, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr.
185
.--
(zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf Fr.
1‘4
00.-- (inklusive Barausla
gen und Mehrwertsteuer) festzulegen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.