Decision ID: e844175f-3c9c-4d79-8168-f55c7bcb925e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964 und
eidg
.
dipl.
Sortimentsb
uchhändler, meldete sich am
1.
September 2017 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf schwere Depressionen mit Schlafstörungen und Angstzuständen, starken Stimmungsschwankungen und Wutanfällen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4).
Initiiert
durch die S
ozialen Dienste der Stadt Zürich
absolvierte der Versicherte vom
1.
bis zum 2
6.
August 2016 eine Basisbe
schäftigung in einem Pensum von 75
%
(
Urk.
7/23)
.
A
b dem
1.
Dezember
2017 war er in einem Umfang von 60
%
in einem Sozialzentrum tätig (
Urk.
7/26). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und holte das
neu
ropsychologisch-psychiatrische Gutachten vom 2
2.
Mai 2019 ein (
Urk.
7/41/3 ff.).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
9.
Juni
2019,
Urk.
7/43; Einwand vom
2.
Juli 2019,
Urk.
7/44; ergänzende
Einwandbe
grün
dung
vom 2
0.
Dezember
2019,
Urk.
7/57) wies die IV-Stelle das Leistungs
begeh
ren mit Verfügung vom 2
0.
Januar 2020 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
9.
Februar 2020 Beschwerde und bean
tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm rückwirkend eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache für weitere medizinische Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In pro
zessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
1). Mit Be
schwerdeantwort vom
6.
März 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
6 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/1-65), worüber der Beschwerdeführer am 1
7.
März 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
In der angefochtenen Verfügung hielt die Beschwerdegegnerin dafür, dass aus den
Unterlagen keine Diagnose hervor
gehe
, welche die Arbeitsfähigkeit in erheb
lichem Masse einschränke. Sämtliche Tätigkeiten seien ihm vollumfänglich zu
mutbar. Es sei lediglich
zu beachten, dass die Tätigkeit nur
g
eringe soziale Kon
takte und
Verpflichtungen und keine direkten Kontakte im Kundenbereich, mit Kunden oder im Verkaufsbereich
beinhalte
. Aus Sicht der Invalidenversicherung liege somit keine Einschränkung vor und es bestehe kein Anspruch auf berufliche Massnahmen oder eine Invalidenrente (
Urk.
1).
Der Beschwerdeführer
brachte demgegenüber vor,
dass
Dr.
med.
Z._
,
Fachärztin für des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), festgehalten habe, dass die Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin lediglich eine an
dere Be
urteilung desselben Sachverhalts wie im Gutachten sei.
Allerdings
habe
dipl.
psych.
A._
, Approbierter Psychologischer Psychotherapeut und Fach
psychologe für Neuropsychologie/Verkehrspsychologie und zertifizierter neuro
psycho
logischer Gutachter,
im neuropsychologischen Gutac
hten den
Bericht über den Einsatz bei den
B._
, Arbeits
integration, nicht berücksichtigt, aus welchem die bekannten Probleme, nämlich Konflikte mit anderen Menschen, Mitarbei
tern und Vorgesetzen, hervorgingen
.
Hinzu komme, dass das von
dip
l
.
psych.
A._
festgehaltene Belastungsprofil einer Tätigkeit im geschützten Rahmen gleichkomme, da Arbeiten mit geringen sozialen Kontakten und Verpflichtungen kaum zu finden seien.
Das psy
chia
tri
sche Teilgutachten sei ebenfalls nicht nachvollziehbar, da darin die Sucht
proble
matik als mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit klassifiziert würden, obwohl diese nicht mehr bestehe.
D
ie Einschränkungen
seien
nicht nur im erwerblichen Bereich gegeben, sondern auch in weiteren, wie z.B. im sozialen Bereich. Das beschriebene Aktivi
tätsniveau und
die festgestellten
Ressourcen im Gutachten seien nicht nachvoll
ziehbar, die ressourcenhemmende Wirkung der
psychiatri
schen Diagnosen sei
in alle
n Bereichen erwiesen und hielt
der Konsistenzprüfung statt. Die Behandlung des Einwandes sei darüber hinaus nur ungenügend erfolgt, so dass die Verfügung nicht nachvollziehbar sei. Vielmehr sei davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer keiner Tätigkeit im erste
n Arbeitsmarkt nachgehen könne. Aktuell leiste er wieder einen Einsatz bei den
B._
im geschützten Rahmen zu 60
%
, wobei ein höheres Pensum nicht möglich sei (
Urk.
1).
2
.
Der Beschwerdeführer brachte vor, dass die Behandlung des Einwandes durch die Beschwerdegegnerin nur rechtsungenügend erfo
l
gt sei, so dass die Verfügung nicht nachvollzogen werden könne (
Urk.
1). Entsprechend ist zu prüfen, ob die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durchdringt, da
dies
falls
die angefochtene Verfügung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Be
schwerde aufzuheben wäre.
Die Begründungspflicht als Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör bedeu
tet nicht, dass sich die Behörde mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausein
andersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Es genügt, wenn die Begründung kurz die Überlegungen nennt, auf die sich der Entscheid stützt und dieser sachgerecht angefochten werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_511/2007 vom 2
2.
November 2007 E. 4.2.2 mit weiteren Hin
weisen). Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Von einer Rück
weisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Ver
letzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückwei
sung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffe
nen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 133 I 201 E.2.2).
Inwiefern der Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung nicht sachgerecht anfechten konnte, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht näher dargetan. Eine Verletzung der Begründungspflicht und damit des Anspruchs auf rechtliches Ge
hör liegt daher nicht vor.
3
.
3
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3
.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten
Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in
ih
rem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3
.3
3
.3.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E.
4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen
)..
3
.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
3
.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
3
.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
2
0.
Janu
ar
2020
(
Urk.
2) im Wesentlichen auf das
neuropsychologi
sch-psychiatrische Gutachten von
dipl.
psych.
A._
und
Dr.
med. C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
2.
Mai 2019
ab. Darin werden die bis zur Begut
achtung der Beschwerdeführerin aktenkundigen medizinischen Berichte zusam
mengefasst (
7/41/24 ff.),
weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wieder
gegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwä
gun
gen aber darauf Bezug genommen.
Die Gutachter hielten folgende Diagnosen fest (
Urk.
7/41/11):
-
L
eichte kognitive Funktionsstörungen in der visuellen Wahrnehmung und des figuralen und verbalen Lernens
-
L
eicht beeinträchtigtes kognitives Leistungsvermögen
-
R
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1)
Zum aktuellen Zeitpunkt f
inde
sich eine
geringgradig
ausgeprägte neuropsycho
logische Einschränkung. Zu berücksichtigen sei jedoch auch, dass keine klare Aussage bezüglich der Alkoholzufuhr innerhalb der Gesamtzeit vor der Untersu
chung möglich sei. Zusätzlich könne nicht validiert werden, inwieweit Kokain eingenommen werde.
In der angestammten Tätigkeit werde eine maximale Arbeitsunfähigkeit aufgrund der kognitiven Fähigkeiten von 20
%
formuliert. Psy
chiatrisch fänden sich keinerlei Einschränkungen. Es sei damit von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit zum aktuellen Zeitpunkt auszugehen.
Zu problematisieren sei die Tatsache, dass
anlässlich einer Untersuchung im Jahr
2005 ke
ine Einschränkung von Konzentra
t
i
on und Aufmerksamkeit zu finden gewesen sei. Zu diskutieren wäre in diesem Gesamtzusammenhang, dass ab 2005 bis zum aktuellen Zeitpunkt immer noch Alkohol und Kokain nachweisbar ein
genommen worden seien. Die wahrscheinlichste Hypothese wäre eine Einschrän
kung aufgrund der dauerhaften Kokain-, Alkohol- und Cannabiszufuhr. Dies sei dann als Folgeerkrankung einer Drogenabhängigkeit zu sehen. Hierbei sei zusätz
lich zu berücksichtigen, dass dringend weiter eine Abstinenz nötig sei.
Unklar sei auch, wie der Beschwerdeführer Bücher von Marcel Proust, Voltaire oder James Joyce mit einer entsprechenden Einschränkung der kog
nitiven Fähig
keit lesen könne (
Urk.
7/41/13).
Bei
m Beschwerdeführer lägen
folgende, beruflich
relevanten Einschränkungen vor:
A
uffälliges Sozialverhalten
und
leichte Gedächtnisprobleme
bzw. Lernstö
rungen bei der Aufna
hme neuer Informationen sowohl
figuraler als auch verbaler Art.
Insgesamt könne auf die vorliegende Dokumentation nicht nachvollziehbar ab
gestellt werden. Der Beschwerdeführer gebe eine volle Arbeitsunfähigkeit für sich selber an. Andererseits könne er zurzeit in einer Massnahme zu 60
%
arbeiten und es fänden sich dort keinerlei Einschränkungen. In allen anderen Feldern fän
den sich Einschränkungen.
Er selber empfinde es nicht als einschränkend, wenn er jahrela
ng intravenös kokainabhängig sei
, und dies sei für ihn nicht einschrän
kend bezüglich der Arbeitsfä
higkeit. Auch dies sei
nicht nachvollziehbar
.
Es
sei
damit der zeitliche Verlauf der Arbeitsfähigkeit weder aus der Aktendokumenta
tion noch aus den Angaben des
Beschwerdeführers
mit ausreichender
Sicherheit darstellbar. Zum ak
tuellen Zeitpunkt
sei
eine 100%ige Arbeitsfäh
igkeit
dokumen
tierbar
. Damit sei
nicht
mit
ausreichender
Sicherheit
davon auszugeh
en, dass retro
spektiv eine Arbeitsunfähigkeit
dokumentierbar
sei
. Basierend auf der neuen neurop
sychologischen Dokumentation sei
daher zum aktuellen Zeitpunkt von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit auszugehen
(
Urk.
7/41/14).
Basierend auf den neuropsychologischen Einschränkungen sei eine volle Arbeits
fähigkeit mit folgenden Definitionen bezüglich angestammter Tätigkeit mö
glich:
Geringe soziale Kontakte
bzw. Verpflichtungen und keine direkte Tätigkeit im Kundenbereich, mit Kundenkontakten oder im Verkaufsbereich (
Urk.
7/41/14).
4
.2
Dr.
med. D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera
pie, nahm am 1
7.
Dezember 2019 zuhanden der Vertreterin des Beschwerdefüh
rers Stellung zum Gutachten. Sie hielt folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
7/56):
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, emotional insta
bilen und dissozialen Anteilen (ICD-10 F61)
-
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Persistenz ins Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.0)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit notierte sie psychische und Verhal
tensstörungen durch Alkohol, Cannabis und Kokain, Abhängigkeitssyndrom, ge
genwärtig abstinent (ICD-10 F10.20; ICD-10 F12.20; ICD-10 F14.20) sowie eine
Hepatits
C, Status nach Interferontherapie 2002-200
3.
Dr.
D._
führte aus, dass ein ADHD vorliege. Dies könne auch an den Arbeits- und Schulzeugnissen festgemacht werden
- die Argumentation im Gut
achten schlage diesbezüglich fehl. Auch würden das ADHD und die Persönlich
keitsstörung im Gutachten getrennt besprochen, der im ICD-10 beschriebene Zusammenhang der Diagnosen werde einfach ausgeklammert, obwohl mehrfach betont werde, dass der Besch
werdeführer die Pathologie vor a
llem im Verhalten zeige.
Die gutachterliche Stellungnahme bezüglich gemischte Persönlichkeitsstörung sei extrem tendenziös, da
,
wo es ihm passe, bringe er die Aussagen des Beschwerde
führers als Argument
e
und da wo es nicht passe
,
als Widerspruch. So werde fest
gehalten, dass der Beschwerdeführer gesagt habe, dass die Einschränkungen nur im Arbeitsbereich bestünden - als langjährige
Behandlerin
sehe sie allerdings, dass diese in mehreren Funktionsbereichen vorhanden seien (Streit mit Nachbarn, Bauleiter, keine Freunde mehr, könne keine Arbeitsstelle länger aufrechterhalten, konflikthafte Beziehungen). Die Mitarbeiter der aktuellen Arbeitsstelle (in einer angepassten Tätigkeit) seien die einzigen
sozialen Kontakte, die er habe.
Der Be
schwerdeführer
sehe sie aber nicht in der Freizeit und gehe ihnen während der Arbeit aus dem Weg. Die anderen Kontakte seien nicht spürbar oder tragend v
or
handen. Er habe mit denen ein- bis zwei
mal pro Jahr Kontakt, sehe sie alle drei bis vier Jahre. In einer Krise könne er sich nur an seine Partnerin wenden, andere Vertrauenspersonen gebe es nicht. Dass er eine Beziehung
habe und reise
n
könne
,
heisse nicht, dass seine ausserberuflichen Aktivitäten nicht deutlich einge
schränkt seien. Die Impulskontrolle sei nicht nur während der Arbeit ein Problem, sondern auch in anderen Lebensbereichen.
Die rezidivierende depressive Störung sei aktuell remittiert, da er aber rezidivie
rend auch mittelgradige Episoden habe, sei fraglich, ob dies nicht als relevant für die Arbeitsfähigkeit
beurteilt werden müsste, da sie klar eine
komorbide
Störung der Persönlichkeitsstörung sei. Dass die Hauptursache dafür die psychosoziale Situation sei, könne nicht argumentiert werden, da er zum aktuellen Zeitpunkt si
cherlich in der für ihn schwierigsten psychosozialen Situation sei und die de
pres
siven Symptome aktuell trotzdem nicht vorhanden seien.
Bezüglich Abhängigkeitserkrankungen sei festzuhalten, dass er
nur in adäquaten Mengen trinke - er nütze zwar den Alkohol teilweise zur Emotionsregulation, dies aber sicherlich nicht im Rahmen einer Abhängigkeit. Die Depression sei im Rah
men der Persönlichkeitsstörung zu sehen und nicht mit dem Konsum in Verbin
dung zu bringen. Er sei - bis auf ein einmaliges Rauchen eines Joints - abstinent von Cannabis und Kokai
n
.
5
.
5
.1
Das neuropsychologisch-psychiatrische Gutachten vom
2.
Mai
2019 erfüllt
sämtliche
Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E.
2.4).
Es beruht auf fachärztlichen Untersuchungen durch die Gutachter (Urk. 7/41/28 ff.
und
Urk.
7/37/5 ff.) und wurde in Kenntnis der relevanten Vor
akten (Urk. 7/41/24 ff.)
abgegeben. Es würdigt die vorhandenen Arztberichte sorgfältig (
Urk.
7/41/38 ff.;
Urk.
7/41/6 ff.). Es berücksichtigt die vom Beschwer
de
führer geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinreichend ausein
ander. Die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ist einleuchtend und das Gutach
ten ist schlüssig.
5
.2
5
.2.1
Dr.
C._
setzte sich ausreichend mit den Standardindikatoren (E. 2.3) aus
einander (vgl.
7/41/44 ff.)
. Seine Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belas
tungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Der psychiatrische Gutachter ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungs
vermögen einschätzte, den
einschlägigen Indikatoren gefolgt und hat
ausschliess
lich
funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Be
einträchtigung sind. Seine versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prü
fende Frage, ob er sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist zu bejahen. Die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das psychiatrische Teilgutachten abzustellen ist.
5
.2.2
Der Beschwerdeführer brachte vor, dass der Bericht der
B._
(
Urk.
7/26) im Gegensatz zum Bericht der Basisbeschäftigung (
Urk.
7/23), welcher bereits über drei Jahre alt sei, seitens des neuropsychologi
schen Gutachters nicht berücksichtigt worden sei. Entsprechend seien im neu
ropsychologischen Gutachten nicht alle Akten gewürdigt worden (
Urk.
1 S. 7).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass dem psychiatrischen Gutachter die Dokumen
tation Arbeitsintegration (
Urk.
7/26) vorlag und dieser den Bericht in der Akten
zusammenfassung aufführt (
Urk.
7/41/27). Auch der neuropsychologische Gut
achter notierte, dass ihm sämtliche Akten zur Verfügung gestanden hätten, er
aber
auf eine vollständige Darstellung
verzichte (
Urk.
7/37/5) -
an anderer Stelle notierte er, dass
der Beschwerdeführer gemäss Schreiben vom Sozialamt vom 3
0.
Mai 2018 in einem gemeinnützigen Einsatz in einem Pensum von 60
%
tätig sei, wobei sie von dieser Stelle noch keinen Bericht erhalten hätten (
Urk.
7/37/3).
Es
kann
offen bleiben
, ob der neuropsychologische Gutachter im Besitze dieses Berichts war oder nicht - seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruht auf den durch ihn erhobenen objektiven Befunden, welche er entsprechend würdigte. Hinzu kommt, dass
dipl.
-psych.
A._
berücksichtigte, dass der Beschwerdefüh
rer auffälliges Sozialverhalten sowie Probleme mit hierarchischen Strukturen auf
weise (
Urk.
7/37/17). Entsprechend vermag dies die Beweiskraft des neuropsy
chologischen Gutachtens nicht zu entkräften.
5
.2.3
Der Beschwerdeführer bringt des Weiteren vor, dass
Dr.
D._
in ihrem Bericht vom
1
7.
Dezember 2019
klar aufzeige, dass das Gutachten tendenziös sei und weder die Diagnosestellung, die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit noch die beschriebenen funktionellen Einschränkungen nachvollziehbar seien (
Urk.
1).
Zur Diagnosestellung ist festzuhalten, dass
Dr.
C._
ausführlich darlegt, war
um er kein frühkindliches ADHS diagnostiziert (
Urk.
7/41/6 f.).
In Bezug auf die durch die Behandler diagnostizierte Persönlichkeitsstörung führt
Dr.
C._
aus, dass der Beschwerdeführer Impulskontrollstörungen
immer wieder nur im Zusam
menhang mit der Arbeit angebe
. I
nnerhalb der sozialen In
teraktion, die er als po
sitiv und angenehm empfinde
, speziell, wenn ihm B
ewun
derung entgegengebracht werde, kö
nn
e
er adäquat agieren. Die Unausgeglichen
heit inn
erhalb der Struktur dokumentiere
sich immer wieder be
i Kritik. Im Ge
gensatz hierzu kö
nn
e
er jedoch bei sozial wichtigen Strukturen wie innerhalb der Untersuchung eine ausreichende Impulskontrolle aufrechterhalten, er w
e
rd
e nicht wütend, sondern kö
nn
e
fast charmant interagieren
. Entsprechend sei keine Per
sönlichkeitsstörung zu diagnostizieren, sondern lediglich eine narzisstische Per
sönlichkeitsakzentuierung (
Urk.
7/41/8 f.). Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dr.
C._
erklärte des Weiteren, dass psychische Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen, Störung durch Alkohol und
Cannabinoide
, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1; ICD-10 F12.1) zu dokumentieren sei, da er gelegentlich Alkohol trinke und vor kurzem einen Joint geraucht habe - bei einer vorbeste
henden Hepatitis C-Erkrankung sei die Zufuhr von Alkohol als nicht sinnvoll zu erachten, womit die Diagnose eines schädlichen Gebrauchs gerechtfertigt sei (
Urk.
7/41/42).
Dr.
C._
und
Dr.
D._
sind sich aber darin
einig, dass der aktuelle Gebrauch dieser Substanzen keinen
unmittelbaren
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zeitigt
(vgl. hierzu
Urk.
7/41/52 f.)
, womit sich eine weitere Diskussion diesbezüglich erübrigt.
Dr.
D._
und
Dr.
C._
sind sich des Weiteren auch einig, dass die rezidivierende depressive Störung aktuell remittiert sei. Soweit
Dr.
D._
ausführt, dass fraglich sei,
ob
diese Erkrankung
nicht doch
Einfluss auf die Arbeitsfäh
igkeit zeitige, da der Beschwerdeführer
auch mittelgradige Episoden habe, ist festzuhalten, dass
invalidenversicherungsrechtlich
nur
lang andauernde Verschlechterung
en
des Gesundheitszustandes
relevant sind
.
Dies
ist bei depres
siven Episoden nicht ohne Weiteres gegeben
und in
casu
nicht überwiegend wahrscheinlich
.
Zusammenfassend hat
Dr.
C._
nachvollziehbar erläutert, warum er von den
Behandlern abweichende Diagnosen gestellt hat. Aus dem Bericht von
Dr.
D._
gehen darüber hinaus
keine
konkreten, objektiv fassbaren Aspekte
hervor
, die den ärztlichen Experten entgangen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
2. August
2006 U 58/06 E. 2.2) oder die zu einer anderen rechtlichen Beur
teilung Anlass geben würden.
Der Bericht von
Dr.
D._
vermag das Gutachten entsprechend nicht in Zweifel zu ziehen.
5
.3
Zusammenfassend ist gestützt auf das Gutachten von einer vollen Arbeitsfähig
keit in einer Tätigkeit mit geringen sozialen Kontakten und Verpflichtungen sowie ohne direkte Kontakte im Kundenbereich, mit Kunden oder im Verkaufsbe
reich auszugehen.
6.
Zu prüfen bleibt, ob die auf qualitativer Ebene eingeschränkte Arbeitsfähigkeit der angestammten Tätigkeit entspricht und falls nein, ob dies erwerbliche Aus
wirkungen zeitigt.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.2
Der Beschwerdeführer absolvierte nach dem Abbruch des Gymnasiums eine Lehre als
Eidg
. Dipl. Sortimentsbuchhändler. Danach arbeitete er an diversen unter
schiedlichen Stellen, wobei er diese jeweils nur während relativ kurzer Dauer innehatte (Lebenslauf,
Urk.
7/1).
Auch inhaltlich unterschieden sich die Stellen
, z
uletzt war er
für zwei verschiedene Arbeitgeber bzw. mit Unterbrüchen
als Marke
ting Assistent/Internal
Sales
Associate
tätig, wobei er dabei
ein Einkommen von
Fr.
58'353
.--
im Jahr
2012
, von
Fr.
65'855.
-- im Jahr
2013 und von
Fr.
75'317.--
im Jahr 2014 erzielte,
woraus ein durchschnittliches Einkommen in Höhe von
Fr.
66'508.-- resultiert. Dazu ist allerdings zu bemerken, dass er in den Jahren davor und danach zu keinem Zeitpunkt
ein vergleichbar hohes Ein
kommen erzielt hat (Auszug aus dem individuellen Konto,
Urk.
7/6).
6.3
Aufgrund der häufigen Stellenwechsel, sowie der langen Absenz von der ur
sprünglich gelernten Tätigkeit als Sortimentsbuchhändler ist fraglich, was genau die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers ist. Das zuletzt erzielte Ein
kommen von durchschnittlich jährlich
Fr.
66'508.-- entspricht allerdings nahezu dem Einkommen, das ein Hilfsarbeiter gestützt auf die
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
erzielen würde (LSE 2016, Männer,
Total
Kompetenzniveau
1 = Einfache Tätigkeiten kör
perlicher oder handwerklicher Art
,
Fr.
5'340.--;
Fr.
5'340.-- : 40 x 41.7 [BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche] x 12 =
Fr.
66'803.--). Entsprechend kann
offen bleiben
, ob für das
Valideneinkom
men
das zuletzt erzielte durchschnittliche Einkommen oder aber der Tabellenlohn für Hilfsarbeiter heranzuziehen wäre.
6.4
Für das Invalideneinkommen ist auf den Tabellenlohn als Hilfsarbeiter abzu
stellen. Dieser beinhaltet bereits eine grosse Bandbreite an unterschiedlichen Tätig
keiten, wobei e
ine psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorge
setzter und
Arbeitskollegen
nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigen
ständiger Abzugsgrund anerkannt w
ird
, ebenso wenig etwa das Risiko von ver
mehrten gesundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand oder we
niger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mitarbeiters anbetrifft (Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2).
Entsprechend ist kein Leidensabzug gerechtfertigt.
6.5
Da das Validen- dem Invalideneinkommen entspricht bzw. bei Abstellen auf di
e letzte Tätigkeit sogar minim
höher ausfällt, liegt kein
e Invalidität
vor. Damit kann auch
offen bleiben
, was genau die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers wäre.
Zusammenfassend erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzuset
zen. Ausgangsgemäss sind sie dem
Be
schwerdeführer
aufzuerlegen.
Der vorliegende Prozess kann nicht als von vornherein aussichtslos bezeich
net werden. Des Weiteren ist der
Beschwerdeführ
er
bedürftig (Urk. 3). Antrags
ge
mäss (Urk. 1) ist ihm
deshalb die unentgeltliche Proze
ssführung zu bewilligen. Die dem
Beschwerdeführer
auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Kommt
der Beschwerdeführer
künftig in günstige wirtschaftliche Verhältnisse, so kann
ihn
das Gericht zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechts
pflege verpflichten (§ 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungs
gericht,
GSVGer
).
Das Gericht beschliesst,
In Bewilligung des Gesuchs vom
1
9.
Februar 2020 wird dem Beschwerdeführer
die unentg
elt
liche Prozessführung gewährt,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.