Decision ID: fdfe14fc-8c92-4ef4-b8f1-e4e0c9a1848d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin, eine nigerianische Staatsangehörige mit gül-
tiger Aufenthaltsbewilligung in der Ukraine, am 12. März 2022 in die
Schweiz einreiste und am 17. März 2022 das SEM um Gewährung vo-
rübergehenden Schutzes ersuchte,
dass sie zur Untermauerung ihres Gesuchs einen nigerianischen Reise-
pass (gültig von [...] 2018 bis [...] 2023) sowie eine ukrainische Aufent-
haltsbewilligung (gültig von [...] 2019 bis [...] 2025) vorlegte,
dass sie ihren Angaben zufolge seit dem Jahr 2019 in der Ukraine lebe
sowie studiere und ihr (...)studium nach Ende des Krieges dort bezie-
hungsweise in der Zwischenzeit in der Schweiz als Online-Studium fortset-
zen wolle,
dass sie anlässlich ihrer Kurzbefragung vom 17. März 2022 (SEM-Akte
1134311-1/3) weiter zu Protokoll gab, sie könne in Nigeria ihre universitä-
ren Online-Kurse nicht fortsetzen, da die Infrastruktur schlecht und keine
gute Internetverbindung vorhanden sei, aus dem Ausland zurückkehrende
Personen in Nigeria zudem Gefahr liefen, von den Behörden ohne ersicht-
lichen Grund festgenommen zu werden und es gefährlich sei,
dass das SEM das Gesuch der Beschwerdeführerin um vorübergehende
Schutzgewährung in der Schweiz mit Verfügung vom 3. Mai 2022 – eröffnet
am 4. Mai 2022 – ablehnte sowie die Wegweisung aus der Schweiz und
den Vollzug anordnete,
dass ihr (...), B._, mit Eingabe vom 25. Mai 2022 im Namen der
Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde erhob,
dass der Beschwerdeführerin am 31. Mai 2022 der Eingang ihrer Be-
schwerde bestätigt wurde,
dass die Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom 9. Juni 2022 auf-
gefordert wurde, eine Beschwerdeverbesserung vorzunehmen,
dass die Beschwerdeverbesserung innert Frist eingereicht wurde,
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und das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung,
dass es gemäss Art. 31 VGG zur Beurteilung von Beschwerden gegen Ver-
fügungen nach Art. 5 VwVG zuständig ist und auf dem Gebiet des Asyls in
der Regel sowie auch vorliegend endgültig entscheidet (Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG; Art. 72 i.V.m. Art. 105 AsylG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die – nach erfolgter Beschwerdeverbesserung – frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 72 i.V.m. Art.
108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72 AsylG)
richten, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 72 i.V.m. Art. 111 Bst. e AsylG)
und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb
das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 72 i.V.m. Art. 111a Abs. 2
AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72 AsylG) auf einen
Schriftenwechsel verzichtet wurde,
dass der Bundesrat am 11. März 2022 gestützt auf Art. 66 Abs. 1 AsylG
eine Allgemeinverfügung zur Gewährung des vorübergehenden Schutzes
im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine erlassen hat (BBl 2022
586),
dass gemäss dieser Allgemeinverfügung vorübergehender Schutz in der
Schweiz gewährt wird
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a) schutzsuchenden ukrainischen Staatsbürgerinnen und -bürgern und
ihren Familienangehörigen, welche vor dem 24. Februar 2022 in der
Ukraine wohnhaft waren,
b) schutzsuchenden Personen anderer Nationalitäten und Staatenlo-
sen sowie ihren Familienangehörigen, welche vor dem 24. Feb-
ruar 2022 einen internationalen oder nationalen Schutzstatus in der
Ukraine hatten,
c) Schutzsuchenden anderer Nationalität und Staatenlosen sowie ih-
ren Familienangehörigen, welche mit einer gültigen Kurzaufenthalts-
oder Aufenthaltsbewilligung belegen können, dass sie über eine
gültige Aufenthaltsberechtigung in der Ukraine verfügen und nicht in
Sicherheit und dauerhaft in ihre Heimatländer zurückkehren können,
dass das SEM zur Begründung der angefochtenen Verfügung ausführte,
seine Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin nach Ni-
geria zurückkehren könne und damit nicht zu der vom Bundesrat mit Be-
schluss vom 11. März 2022 definierten Gruppe der schutzberechtigen Per-
sonen gehöre,
dass sodann keine Gründe ersichtlich seien, die gegen die Zulässigkeit
oder Zumutbarkeit ihrer Rückführung in den Heimatstaat sprechen würden,
zumal sie dort über ein Beziehungsnetz verfüge und ihren Aussagen keine
weiteren Vollzugshindernisse zu entnehmen seien,
dass weder die allenfalls prekäre Sicherheitslage vor Ort noch der Um-
stand, dass sie aufgrund von möglicherweise schlechten Internetverbin-
dungen ihr Online-Studium nicht oder erschwert fortsetzen könne, einer
Rückkehr nach Nigeria entgegenstünden,
dass die Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Beschwerde wiederum
angab, sie habe von Beginn an nicht die Absicht gehabt, für immer in der
Schweiz zu bleiben und von staatlicher Sozialhilfe abhängig zu sein, son-
dern es sei ihr aufgrund ihrer persönlichen Situation zumindest für einige
Monate aus humanitären Gründen vorübergehender Schutz zu gewähren,
dass die vorinstanzliche Verfügung zu überzeugen vermag und die Be-
schwerdeschrift keine neuen Vorbringen enthält, die geeignet wären, diese
Einschätzung zu entkräften,
dass die Beschwerdeführerin einerseits nicht ukrainische Staatsangehö-
rige ist und andererseits nicht über einen Schutzstatus dieses Staats
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verfügt, womit die Anwendung der Buchstaben a und b der Allgemein-
verfügung vom 11. März 2022 ausser Betracht fällt,
dass eine Anwendung von Buchstabe c der Allgemeinverfügung unter an-
derem voraussetzen würde, dass die Beschwerdeführerin nicht in Sicher-
heit und dauerhaft nach Nigeria zurückkehren könnte,
dass der Wunsch der Beschwerdeführerin, ihr (Online-)Studium unter opti-
malen Bedingungen in der Schweiz bei ihrem (...) weiterzuführen zwar
ohne Weiteres nachvollziehbar, jedoch gemäss den vom Bundesrat fest-
gelegten Kriterien in Bezug auf die Gewährung des vorübergehenden
Schutzes in der Schweiz nicht massgeblich ist,
dass das SEM damit zu Recht das Gesuch um Gewährung des vorüber-
gehenden Schutzes abgelehnt hat,
dass die Ablehnung des Gesuchs um Gewährung des vorübergehenden
Schutzes in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 69 Abs. 4 AsylG), vorliegend insbesondere kein Kanton eine Aufent-
haltsbewilligung erteilt hat und im Übrigen kein Anspruch auf Erteilung ei-
ner solchen besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.),
weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Best-
immungen steht und demnach von der Vorinstanz ebenfalls zu Recht an-
geordnet wurde,
dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 69 Abs. 4
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]),
dass Wegweisungsvollzugshindernisse gemäss Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts zu beweisen sind, wenn der strikte Beweis möglich ist, und
andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen sind (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz kein Asylgesuch gestellt hat
und den Akten mithin keine Hinweise auf eine allfällige Verletzung des
flüchtlingsrechtlichen Refoulement-Verbots (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
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ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) zu entnehmen sind,
dass auch keine Anhaltspunkte für eine im Heimat- oder Herkunftsstaat
drohende menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25
Abs. 3 BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 ge-
gen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Be-
handlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK er-
sichtlich sind, womit der Vollzug sich als zulässig erweist,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar
erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG),
dass das Bundesverwaltungsgericht in Bezug auf Nigeria davon ausgeht,
es herrsche keine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. Urteil des BVGer
D-1715/2021 vom 30. Mai 2022 E. 10.4.2),
dass die in der Kurzanhörung vom 17. März 2022 sowie in der Beschwerde
getätigten allgemeinen und pauschalen Ausführungen zur unbefriedigen-
den Sicherheitslage in Nigeria keine Abweichung von dieser Einschätzung
zu bewirken vermögen,
dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine junge, gesunde Frau
handelt (vgl. Fragebogen vom 17. März 2022, SEM-Akte 1134311-2/13),
dass die Eltern der Beschwerdeführerin in C._ (D._) eine
(...) besitzen, in der die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit zwei
Jahre lang gearbeitet hatte, und dass ein Bruder und eine Schwester der
Beschwerdeführerin sich noch Ausbildung befinden und ebenfalls in
C._ leben,
dass die Beschwerdeführerin somit in ihr gewohntes familiäres Umfeld in
Nigeria zurückzukehren kann,
dass im Übrigen die Beschwerdeführerin selbst vorbrachte, ihre Eltern hät-
ten sie zum Studium in die Ukraine geschickt, damit sie nach ihrem Ab-
schluss als qualifizierte (...) nach Nigeria zurückkehren könne,
dass somit weder die allgemeine Lage im Heimatstaat der Beschwerdefüh-
rerin noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer
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Rückkehr schliessen lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung nach
Nigeria zumutbar ist,
dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin in den Heimat-
staat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen
(Art. 83 Abs. 2 AIG), und es der Beschwerdeführerin obliegt, bei der Be-
schaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und
dazu auch BVGE 2008/34 E. 12),
dass nach dem Gesagten auch der von der Vorinstanz verfügte Vollzug der
Wegweisung zu bestätigen ist,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106
Abs. 1 AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung (vgl. Art. 102m
Abs. 1 Bst. a AsylG) unbesehen der finanziellen Verhältnisse der Be-
schwerdeführerin abzuweisen ist, da die Beschwerde gemäss den vorste-
henden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist und es daher an
einer gesetzlichen Voraussetzung zu deren Gewährung fehlt,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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