Decision ID: df997004-c418-5b04-b3e4-bb817708f998
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Fürsprecherin Dr. iur. Marianne Sonder, Rossimattstrasse 17,
3074 Muri b. Bern,
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betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a T._ war bei der A._ tätig und dadurch bei der Suva unfallversichert, als er am
29. Januar 2002 einen Arbeitsunfall erlitt. Nach Lage der Akten und Angaben des
Versicherten war er auf ein frei stehendes Metallgestell geklettert. Er habe sich auf ca.
zwei Metern Höhe befunden, als er bemerkt habe, wie das 2.9 Meter hohe und sehr
schwere Gestell auf ihn zugekippt sei. Er sei heruntergesprungen, um sich in Sicherheit
zu bringen. Das mit Eisenträgern und Rohren beladene Gestell habe ihn unter sich
begraben. Mit Hilfe von Gabelstaplern wurde der Versicherte von den Gerüststangen
befreit und mit der Rega ins Kantonsspital St. Gallen geflogen (vgl. act. G 1 S. 3; UV-
act. 17, 101b S. 3, 147 S. 2). Gemäss Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie am
Kantonsspital St. Gallen, wo die Erstbehandlung nach dem Unfall stattgefunden hatte,
gab der Beschwerdeführer an, initial bewusstlos gewesen zu sein. Bei Eintreffen der
Rega sei er mit GCS (Glasgow coma scale) 14 wieder wach gewesen und wegen
pulmonaler Insuffizienz intubiert worden. Als Diagnosen wurden eine
Rippenserienfraktur rechts und eine Sternumfraktur mit Hämatopneumothorax rechts
und Kontusion Lunge links, ein Weichteilemphysem bis zum Gesäss reichend,
Claviculafrakturen beidseits und Skapulafraktur rechts, eine LWK1-Keilimpressions-
fraktur, eine unklare Knieverletzung rechts, ein Weichteildefekt der Kleinfingerkuppe
rechts und mehrfache Mittelgesichtsfrakturen festgehalten (UV-act. 2).
A.b Nach Durchführung von ambulanten und stationären medizinisch-therapeutischen
Massnahmen sowie weiteren Abklärungen sprach die Suva dem Versicherten mit
Verfügung vom 21. Juli 2009 für die verbleibenden Folgen des Unfalls vom 29. Januar
2002 eine Integritätsentschädigung auf der Basis einer Integritätseinbusse von 20 %
zu. Einen Rentenanspruch verneinte sie (UV-act. 135). Die hiergegen von Advokat lic.
iur. Martin Boltshauser, procap, erhobene Einsprache (UV-act. 139) wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 10. Februar 2010 ab (UV-act. 147). Die Invalidenversicherung
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hatte dem Versicherten mit Wirkung ab Oktober 2005 eine halbe Rente auf der Basis
eines Invaliditätsgrades von 51 % (Valideneinkommen von Fr. 73'703.60 und
Invalideneinkommen von
Fr. 36'115.20) zugesprochen (UV-act. 146).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 10. Februar 2010 erhob Advokat Boltshauser
für den Versicherten mit Eingabe vom 15. März 2010 Beschwerde mit den Anträgen,
der Entscheid sowie die Verfügung vom 21. Juli 2009 seien aufzuheben. Es sei dem
Beschwerdeführer eine UVG-Rente auszurichten. Eventualiter seien zusätzliche
Abklärungen vorzunehmen. Zur Begründung legte der Rechtsvertreter unter anderem
dar, gemäss Medas-Gutachten habe sich unfallbedingt aus neuropsychologischer
Sicht eine leichte kognitive Funktionsstörung ergeben. Diese Beschwerden seien
unabhängig von den gleichzeitig bestehenden körperlichen Beschwerden, die für eine
adaptierte Tätigkeit im Moment nicht zu einer Einschränkung führen würden, sowie den
erst später aufgetretenen psychischen Beschwerden, die bei der IV zu einer 50 %igen
Berentung geführt hätten. Bedingt durch die neuropsychologische Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 20-30 % könne der Beschwerdeführer aus unfallkausalen Gründen
den von der Beschwerdegegnerin zugrunde gelegten Lohn von Fr. 74'100.-- als
Valideneinkommen nicht erzielen. Es werde deshalb beantragt, den Leistungslohn beim
jetzigen Arbeitgeber und der jetzigen Stelle (die als adaptiert und geeignet gelte)
abzuklären und auf die 70-80 %ige medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit
hochzurechnen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 31. Mai 2010 liess die Beschwerdegegnerin durch
Rechtsanwältin Dr. iur. M. Sonder, Muri, die Abweisung der Beschwerde beantragen.
Als Begründung verwies die Rechtsvertreterin auf die Darlegungen im angefochtenen
Entscheid und hielt unter anderem fest, dass die organischen Unfallfolgen beim
Beschwerdeführer zu einer Integritätsentschädigung geführt, jedoch keine
Arbeitsunfähigkeit zur Folge hätten. Tatsache sei, dass die Ursache der geltend
gemachten neuropsychologischen Einschränkung unklar sei. Eine Hirnbeteiligung sei
nicht belegt. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs sei nicht gegeben.
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Insbesondere komme keinem Kriterium ein besonders ausgeprägtes Gewicht zu. Die
Ermittlung des hypothetischen Invalideneinkommens durch die Beschwerdegegnerin
lasse sich angesichts der konkreten Verhältnisse nicht beanstanden. Dem
Beschwerdeführer komme somit kein Anspruch auf eine Invalidenrente zu.
B.c Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete unter Bestätigung seiner
Anträge auf eine Replik (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer als Folge des Unfalls
vom 29. Januar 2002 Rentenleistungen auszurichten hat oder nicht. Dabei stellt sich
vorab die Frage der Unfallkausalität der beim Beschwerdeführer bestehenden
gesundheitlichen (insbesondere neuropsychologischen und psychischen) Probleme.
Unbestritten ist das Bestehen von unfallkausalen organischen Restfolgen im Bereich
der Wirbelsäule und des rechten Knies, wofür auch eine Integritätsentschädigung zur
Ausrichtung kam. Gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts (bis 31. Dezember
2006 Eidgenössisches Versicherungsgericht [EVG]) kann ein nach einem versicherten
Unfall neu aufgetretenes Leiden nur dann als dessen Folge betrachtet werden, wenn
und soweit es sicher oder doch zumindest überwiegend wahrscheinlich von jenem
Unfall herrührt (natürliche Kausalität; BGE 115 V 133 sowie 117 V 359 und 134 V 109).
Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung des
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 Erw. 3.1; BGE 119 V 338 Erw. 1 und 118 V
289 Erw. 1b je mit Hinweisen). Der Unfallversicherer haftet sodann nur für jene Folgen,
die mit dem Unfall adäquat-kausal zusammenhängen (SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45).
Während es Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist, den natürlichen
Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Fragen nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang zu beurteilen (BGE 123 III 110 Erw. 3a). Im Bereich
klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen
Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit Bild gebenden
Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] nachgewiesen
werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
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Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 Erw. 5b/bb, 123 V 102 Erw. 3b, 118 V 291 Erw. 3a, 117 V 365 Erw. 5d/bb
mit Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist
eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu
differenzieren ist: Hat die versicherte Person beim Unfall kein Schleudertrauma bzw.
keine schleudertraumaähnliche Verletzung erlitten, gelangt die Rechtsprechung
gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen
das Vorliegen einer Schleudertraumaverletzung, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 Erw. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Folgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 359 festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten
Kriterien. Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang
bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus
dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die
ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild
ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 Erw. 3b).
2.
2.1 Beim Beschwerdeführer wurden im Nachgang zum Unfall vom 29. Januar 2002
operative und therapeutische Massnahmen ambulant oder stationär durchgeführt (vgl.
UV-act. 10, 13, 15). Seit dem 1. Mai 2002 war er wieder zu 50 % und ab 1. August
2002 zu 100 % arbeitsfähig geschrieben (UV-act. 16, 21, 25 S. 2). Am 24. April 2003
verfügte die Invalidenversicherung die Übernahme der Kosten einer Ausbildung zum
PC-Supporter und dipl. Kaufmann (UV-act. 30). Am 28. April 2003 berichtete der
Hausarzt Dr. med. B._, Arzt für Allgemeine Medizin, vom Rücken her bestünden
keine Probleme und im rechten Knie bestehe praktisch Beschwerdefreiheit. Die
Physiotherapie sei abgeschlossen (UV-act. 31, 35). Nach Abschluss der
kaufmännischen Umschulung war der Beschwerdeführer im Jahr 2004 einige Monate
bei der C._ als technischer Sachbearbeiter tätig (UV-act. 37, Beilagen zu UV-act. 54,
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UV-act. 63 S. 2 [persönliche Anamnese]). In der Folge bezog er ALV-Taggelder (vgl.
Beilagen zu UV-act. 58). Die Invalidenversicherung erachtete ihn als
rentenausschliessend eingegliedert (UV-act. 55). Wegen anhaltender Kniebeschwerden
war im Oktober 2004 eine Knieoperation vorgenommen worden (UV-act. 41, 51). Dr.
B._ berichtete am 12. Januar 2005 über eine persistierende Knie-Instabilität rechts
und eine psychosoziale Verwahrlosung des Beschwerdeführers ab Frühling 2004 mit
euphorischer/dysphorischer Stimmungslage und Konzentrationsmangel. Bezüglich der
psychischen Situation sei er zu 100 % arbeitsunfähig (UV-act. 59). Eine
psychodiagnostische Untersuchung in der psychiatrischen Klinik Wil ergab gemäss
Bericht vom 24. Februar 2005, dass die kognitive Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers zur Zeit als durchschnittlich bis gut bezeichnet werden könne.
Insgesamt liege die Leistung bei den untersuchten kognitiven Funktionen im
Normbereich. Leicht reduzierte Leistungen seien nur beim verbalen Arbeitsgedächtnis,
beim Abruf aus dem nonverbalen Gedächtnis und bei der Reaktionsgeschwindigkeit
auf einfache visuelle Reize zu finden. Stark ausgeprägte Defizite seien hingegen bei
keiner der untersuchten Funktionen zu finden. Dem Untersucher hatte der
Beschwerdeführer unter anderem angegeben, er kiffe "ab und zu" bzw. "ein- bis
zweimal pro Tag". Das aktiviere und inspiriere ihn. Zweimal habe er auch Kokain
ausprobiert, was er als "recht cool" erlebt habe (Beilage zu UV-act. 77). Von Seiten des
Psychiatrischen Zentrums Wil wurde am 18. März 2005 berichtet, es würden sich
deutliche Hinweise für eine psychotische Störung zeigen, welche sich erstmalig nach
dem Unfall manifestiert hätten und im Oktober 2004 ein weiteres Mal akut geworden
seien (UV-act. 63). Am 13. April 2005 erklärte der Beschwerdeführer dem Suva-
Mitarbeiter unter anderem (UV-act. 64 S. 2), bei teils sitzender, stehender und
gehender Tätigkeit könne er unfallbedingt wieder eine normale volle Leistung erbringen.
Seit der Kündigung beim letzten Arbeitgeber und gehabten Differenzen sowie der
anschliessenden Arbeitslosigkeit und finanziellen Problemen seien bei ihm psychische
Probleme ausgelöst worden. Dazu seien noch Probleme mit der Freundin und andere
Dinge gekommen. Am 4. August 2005 gab der Beschwerdeführer bekannt, er stehe
weiterhin in psychiatrischer Behandlung. Er werde ab 1. September 2005 als PC-
Supporter bei zwei verschiedenen Firmen tätig sein. Unfallbedingt könne weiterhin von
einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (UV-act. 66; vgl. auch
Arbeitgeberfragebogen in UV-act. 77). Am 26. September 2006 berichtete Dr. B._
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über einen ausgeprägten Konzentrationsmangel und psychische Labilität des
Beschwerdeführers mit verminderter Disziplin. Es bestehe im Umfang von ca. 50 %
eine verminderte Leistungsfähigkeit. Zumutbar seien alle Tätigkeiten, die ihn geistig
und psychisch nicht allzu stark belasten würden und wo er genügend Erholungsphasen
habe. Die jetzige Anstellung bei seinem Bruder sei im Prinzip ideal. Dort arbeite er
ganztags, könne sich aber die Arbeit nach Belieben einteilen. Eine definitive
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei aus seiner Warte nicht möglich. Eine
Beantwortung dieser Frage sei von psychiatrischer Seite zu erwarten (Beilage zu UV-
act. 77). Die Ärzte des Ambulatoriums für Sozialpsychiatrie Wil hatten am 30. August
2006 ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma nach Unfall mit
zweiwöchigem Koma, Polytrauma, Mittelgesichtsfrakturen und Durchgangssyndrom
bescheinigt. Sie verwiesen auf die Ergebnisse der neuropsychologischen Testung vom
Februar 2005 und hielten unter anderem fest, aufgrund der belastenden
Familienanamnese mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis sei eine
erhöhte Disposition für eine psychotische Symptomatik sicherlich gegeben. Die
Kriterien für eine Schizophrenie seien bislang jedoch nicht erfüllt worden. Zum
gegenwärtigen Zeitpunkt bestehe eine Einschränkung von 30-50 % unabhängig von
der Art der Tätigkeit. Die Einschränkungen würden sich bei der Arbeit in der
Priorisierung von Aufgaben sowie dem Einhalten von Zeitstrukturen und dem Bedarf
nach häufigeren Pausen und Regenerationszeiten zeigen (Beilage zu UV-act. 77).
2.2 Suva-Ärztin Dr. med. D._, Fachärztin für Neurologie FMH, kam in der
neurologischen Beurteilung vom 6. Mai 2008 zum Schluss, dass sich der
Beschwerdeführer beim Unfall vom 29. Januar 2002 eine leichte Hirnverletzung (MTBI =
mild traumatic brain injury) zugezogen habe, die ausgeheilt sei. Bei fehlendem
Nachweis struktureller Hirnläsionen und unauffälligem neuropsychologischem und
neurologischem Befund liege auf neurologischem Fachgebiet mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine Unfallfolge mehr vor (UV-act. 100). Im Medas-Gutachten vom
28. Mai 2008 wurden als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
neurasthenisches Syndrom mit Erschöpftheit, Konzentrationsstörungen, vermindertem
geistigem Leistungsvermögen, Gedächtnisstörungen und Status nach reaktiver
depressiver Episode sowie ein Status nach Polytrauma am 29. Januar 2002 aufgeführt.
Als Nebendiagnose wurde unter anderem eine nicht näher bezeichnete Psychose im
Sinn eines Durchgangssyndroms nach zweiwöchiger Narkose vermerkt. Die Gutachter
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kamen unter anderem zum Schluss, aus der Sicht des Bewegungsapparates sei im
weiteren Verlauf eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % im Rahmen einer
adaptierten Tätigkeit möglich. Aufgrund von leichten kognitiven Funktionsstörungen
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 20-30 % in geistig komplexen Tätigkeiten. Unter
Betrachtung der leichten kognitiven Funktionseinbussen habe der Beschwerdeführer
bei der Wiedereingliederung über das zumutbare Mass hinaus gearbeitet und sich
langfristig überfordert. Hierbei sei es zu einer Verdrängung psychosozialer und
emotionaler Probleme mit massiv langdauernden Anpassungsstörungen gekommen.
Eine neurotische Störung mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gemäss den
Förster'schen Kriterien mit Flucht in die Krankheit, erfolgloser Rehabilitation und
erheblicher neuropsychologischer Leistungsverminderung bei Überlagerung eventueller
hirnorganischer Ausfälle mit sekundär reaktiv-depressiver Leistungshemmung führe zu
einer Arbeitsunfähigkeit von 50 %. In der aktuellen Tätigkeit als PC-/LAN-Supporter
und bei anderer Tätigkeit bescheinigten die Gutachter unter Betrachtung
neuropsychologischer und psychiatrischer Aspekte eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Der
Beginn der Invalidisierung sei ab Oktober 2004 mit Beginn der psychischen
Weitererkrankung zu sehen. Aus orthopädischer Sicht werde ein Muskelaufbau der
paravertebralen Muskulatur zur Stärkung der Sitz- und Stehfähigkeit empfohlen. Die
laufende psychiatrische Behandlung sei dringend fortzusetzen (UV-act. 101b). Am 17.
Juli 2008 bescheinigte Dr. B._, dass aus der Knieverletzung keine Arbeitsunfähigkeit
resultierte (UV-act. 103). Am 27. Januar 2009 erstattete Suva-Arzt Prof. Dr. med. E._,
Facharzt FMH orthopädische Chirurgie, den Bericht betreffend die ärztliche
Abschlussuntersuchung vom 10. Oktober 2008 (UV-act. 112). Den Integritätsschaden
schätzte Prof. E._ im Bericht vom 30. Januar 2009 aufgrund der posttraumatischen
Folgen an Wirbelsäule und Kniegelenk auf 20 % (UV-act. 121).
3.
3.1 Von organisch-strukturell objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann erst dann
gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden
Abklärungen bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 109 Erw. 9, 117 V 359 Erw. 5d/aa; SVR
2007 UV Nr. 25 S. 81 Erw. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]). Diese
Untersuchungsmethoden müssen zudem wissenschaftlich anerkannt sein (BGE 134 V
231 Erw. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008 i/S H.B.-
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G. [8C_124/2008] mit vielen Hinweisen, sowie vom 7. Februar 2008 i/S D. [U 13/07]
Erw. 3.2 und 3.3). Zur Begründung ihrer Schlussfolgerung, wonach auf neurologischem
Fachgebiet überwiegend wahrscheinlich keine Unfallfolge mehr vorliege, hielt Dr. D._
unter anderem fest, die Diagnose einer MTBI beruhe auf den Angaben einer
kurzzeitigen Bewusstlosigkeit, dem GCS 14 bei Eintreffen der Rega und den
nachgewiesenen Verletzungen des Gesichtsschädels. Neurologische Symptome seien
im weiteren Verlauf nicht dokumentiert worden, die MTBI sei ausgeheilt. Die Angaben
über den Beginn psychischer Auffälligkeiten seien unterschiedlich. Der behandelnde
Psychiater berichte über drei Jahre nach dem Unfall zum Teil über Symptome seit der
Kindheit, anderseits beschreibe er einen direkten Bezug zum Unfallereignis, da der
Beschwerdeführer nach dem Unfall psychotische Symptome gehabt habe. Von Dr.
B._ werde im Januar 2005 erstmalig indirekt über psychische Auffälligkeiten
berichtet. In der Beurteilung vom August 2006 gehe der Psychiater von einem
zweiwöchigen Koma nach dem Unfall aus. Dies widerspreche der echtzeitlichen
Dokumentation, in welcher bereits bei Eintreffen der Rega am Unfallort ein GCS von 14
beschrieben werde. Für das vom Psychiater postulierte organische Psychosyndrom
nach Schädelhirntrauma fänden sich in der echtzeitlichen Dokumentation keine
Hinweise. Eine organische Genese sei auch aufgrund der unauffälligen
neuropsychologischen Untersuchung und dem unauffälligen MRI nicht anzunehmen.
Zu beachten bleibe die positive Familienanamnese für psychische Erkrankungen sowie
die Angabe des Beschwerdeführers, dass er seit 1994 weitestgehend täglich Cannabis
konsumiere (UV-act. 100). Diese Ausführungen überzeugen insofern, als sie mit den im
Recht liegenden, zuvor ergangenen Berichten in Einklang stehen bzw. durch sie
bestätigt werden und schlüssig begründet sind. Eine abweichende Schlussfolgerung
ergibt sich auch nicht gestützt auf die Darlegungen im neuropsychologischen
Konsiliargutachten der Medas vom 17. März 2008. Dort wurde (auf S. 6) unter anderem
festgehalten, ursächlich bleibe aus neuropsychologischer Sicht unklar, ob es sich um
leichte neuropsychologische Funktionsstörungen im Rahmen eines leichten
Schädelhirntraumas handle, ob es sich um die Verstärkung von vorbestehenden
Schwierigkeiten oder ob es sich um Schwierigkeiten handle, die aufgrund von
Anpassungsstörungen im psychischen Bereich entstanden seien und im Rahmen einer
psychiatrischen Erkrankung gewertet werden müssten. Hinweise für eine
vorbestehende psychiatrische Erkrankung im Sinne eines ADS ergäben sich aus
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neuropsychologischer Sicht nicht. Auffällig sei einzig der im frühen Alter zum Teil
regelmässige Haschischkonsum. Ansonsten würden sich in der Vorgeschichte
Hinweise ergeben, dass das sprach-episodische Lernen und Gedächtnis nie eine
Stärke des Beschwerdeführers gewesen seien und starke Anforderungen bis zur
chronischen Überforderung beinhalten würden (UV-act. 101c Beilage). Die Konsiliar-
Neuropsychologin stellte somit mehrere mögliche bzw. gleich wahrscheinliche
Ursachen nebeneinander.
Wenn die Medas-Gutachter im Gesamtgutachten dennoch festhielten, seit dem Unfall
vom 29. Januar 2002 bestünden anhaltende Leistungseinschränkungen, welche am
ehesten im Rahmen einer organischen Hirnschädigung zu werten seien (Medas-
Gutachten S. 29), so setzten sie sich damit zum einen in Widerspruch zur
einleuchtenden Beurteilung der Konsiliar-Neuropsychologin, ohne dies zu begründen.
Der Konsiliar-Psychiater, dem die Frage, ob eine unfallbedingte organische
Hirnschädigung bestehe, ebenfalls vorgelegt wurde, verwies hierzu seinerseits auf die
neurologische/neuro-psychologische Beurteilung bzw. die Untersuchung durch die
Neuropsychologin vom 13. März 2008 (richtig: 12. März 2008; UV-act. 101c Beilagen).
Sogar im Medas-Gutachten selbst ist sodann (auf S. 16) vermerkt, dass eine
Hirnbeteiligung vom Beschwerdeführer und seinen Angehörigen postuliert werde. Eine
solche sei bis jetzt in den Dokumenten weder mit bildgebenden Verfahren noch mit
kognitiven Screeningtests oder von der klinischen Symptomatik her belegt (UV-act.
101b). In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass ein MRI des Neurocraniums
vom 5. März 2008 keinen Nachweis auf eine intracranielle Pathologie, insbesondere
keine Hämosiderinablagerungen nach stattgehabten Blutungen ergab (UV-act. 119),
und eine cranio-cerebrale Kernspintomographie vom 2. April 2008 ein
altersentsprechend normales Schädel-MR zeigte (UV-act. 98). Von daher lässt sich der
Nachweis eines hirnorganischen Schadens offensichtlich nicht führen. Weitere
Abklärungen, wie sie vom Beschwerdeführer eventualiter verlangt werden (act. G 1 S.
6), vermöchten hier überwiegend wahrscheinlich zu keinem anderen (für den
Beschwerdeführer günstigeren) Resultat zu führen. Auf die erwähnte Schlussfolgerung
im Medas-Gutachten kann somit mangels Begründung nicht abgestellt werden. Dies
umso weniger, als konkrete weitere Anhaltspunkte für eine unzutreffende Würdigung
hinsichtlich der Frage der Unfallkausalität der neuropsychologischen Beschwerden im
Bericht von Dr. D._ nicht ersichtlich und auch nicht geltend gemacht werden.
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3.2 Ist ein Schleudertrauma der HWS oder eine äquivalente Verletzung (vorliegend:
Status nach leichter traumatischer Hirnverletzung) diagnostiziert und liegt - bezogen
auf diese Diagnose - kein fassbarer organischer (unfallbedingter) Befund vor, muss für
die Bejahung der natürlichen Kausalität ein typisches Beschwerdebild mit einer
Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations-
und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen,
Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. gegeben sein (BGE
117 V 359 Erw. 4b; vgl. auch BGE 117 V 369 Erw. 3e; Bestätigung in BGE 134 V 109
Erw. 9). Angesichts der geschilderten Aktenlage ist in der Zeit nach dem Unfall vom
29. Januar 2002 insofern nicht vom Auftreten eines typischen Beschwerdebilds mit
einer Häufung von Beschwerden auszugehen, als Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen und psychische Probleme erstmals im Hausarztbericht vom 12.
Januar 2005 (UV-act. 59) - und damit mit einer über zweijährigen Latenzzeit - erwähnt
wurden. Ärztlicherseits wurde sodann bei - allerdings höchstens kurzzeitiger -
unfallbedingter Bewusstseinsbeeinträchtigung/Amnesie (vgl. UV-act. 2) und äusserlich
sichtbarer Kopfverletzung (Mittelgesichtsfrakturen) von Dr. D._ eine leichte
traumatische Hirnverletzung (MTBI) bestätigt (vgl. dazu auch S. Johannes/R.
Schaumann-von Stosch, Grundlegende Aspekte der leichten traumatischen
Hirnverletzung, Medizinische Mitteilungen der SUVA Nr. 78 [2007], 74ff). Die
Beschwerdegegnerin ging im Resultat von einer Unfalleinwirkung aus, indem sie ihre
Leistungspflicht anerkannte.
Es gibt Fälle, in denen bei sonst unauffälligen Untersuchungsbefunden neuro
psychologische Abklärungen Hirnleistungsstörungen aufzeigen können und der
neuropsychologische Befund der einzig verlässliche Parameter ist (BGE 117 V 378
Erw. 3d). Jedenfalls bei eindeutigem, nicht diffusem Befund kann der
neuropsychologischen Diagnostik - im Rahmen einer neurologischen
Gesamtwürdigung - nach der Rechtsprechung auch bei der Kausalitätsbeurteilung ein
Aussagewert zukommen (BGE 119 V 343 Erw. 3c). Hingegen vermag es die
Neuropsychologie nach derzeitigem Wissensstand nicht, selbständig die Beurteilung
der Genese abschliessend vorzunehmen (RKUV 2000, 316 Erw. 3). Nach B.P. Radanov
(Über den Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten nach HWS-
Distorsion, SZS 1996, S. 471 ff) sind psychologische Probleme (und die
eingenommenen Medikamente) geeignet, die kognitiven Leistungen negativ zu
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beeinflussen (S. 477). Psychologische Probleme bzw. die Interrelation psychologischer
und kognitiver Funktionen könnten die reduzierte Leistungsfähigkeit mit erklären (S.
475). - Aufgrund der in Erw. 2 und 3.1 dargelegten einschlägigen medizinischen Akten
ist von einer Beeinflussung der kognitiven Funktionen beim Beschwerdeführer sowohl
durch vorbestehende Defizite als auch durch den psychischen Befund auszugehen,
womit die neuropsychologischen Einschränkungen eine vielschichtige Ursache
aufweisen (vgl. dazu insbesondere den bereits mehrfach
erwähnten Bericht der Konsiliar-Neuropsychologin Dr. phil F._, S. 6, sowie
denjenigen des psychiatrischen Konsiliargutachters Dr. med. G._, S. 8 unten; UV-act.
101c Beilagen). Damit können neuropsychologische Unfall-Restfolgen im Sinn eines
selbständigen, klar abgrenzbaren Befunds nicht als nachgewiesen gelten.
Neuropsychologische Einschränkungen - wie auch diejenigen psychischer Art - können
hingegen Teil des typischen Beschwerdebilds nach leichtem Schädelhirn-Trauma
bilden, wobei konkret allerdings sowohl die psychischen als auch die
neuropsychologischen Einschränkungen wie erwähnt erst mit über zweijähriger
Latenzzeit nach dem Unfall zu Tage traten bzw. Erwähnung fanden (UV-act. 59). Der
Konsiliar-Psychiater Dr. G._ hielt diesbezüglich fest, die leichte kognitive
Funktionsstörung könne ursächlich nicht definitiv geklärt werden. Der
Beschwerdeführer habe mit der darauf zurückzuführenden verminderten
Leistungsfähigkeit bei der Wiedereingliederung über das zumutbare Mass hinaus
gearbeitet und sich langfristig überfordert. Er habe seine psychosozialen und
emotionalen Probleme verdrängt und sei so in eine massive längerdauernde
Anpassungsstörung geraten. Die neuropsychologischen Ausfälle und die körperliche
Müdigkeit seien in diesem Rahmen erklärbar (UV-act. 101c Beilage, S. 8 unten).
Angesichts dieses Umstandes erscheint nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
belegt, dass das Unfallereignis vom 29. Januar 2002 eine natürlich-kausale
(Teil-)Ursache der fortbestehenden neuropsychologischen (Konzentrations- und
Gedächtnisprobleme) und psychischen Beschwerden bildet. Allein der Umstand, dass
sich bei der Wiedereingliederung psychosoziale/emotionale Probleme zeigten, vermag
deren Unfallkausalität noch nicht zu belegen. Aber selbst wenn eine natürliche
Kausalität gegeben wäre, müsste - wie sich aus den nachstehenden Erwägungen
ergeben wird - die Adäquanz des Kausalzusammenhangs verneint werden (vgl. BGE
135 V 465 Erw. 5.1 mit Hinweisen). In diesem Sinn erübrigt sich auch eine weitere
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Abklärung des medizinischen Sachverhalts (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom
20. März 2008 i/S P. [8C_217/2008], E. 7.3). Ob die Adäquanzprüfung angesichts
dieser Fakten nach der Schleudertrauma- oder der Psycho-Praxis durchzuführen wäre,
kann ebenfalls offen bleiben, da die Adäquanz auch nach der für den
Beschwerdeführer günstigeren Schleudertrauma-Praxis (vgl. dazu SVR 2010 UV Nr. 3
S. 11; Urteil des Bundesgerichts vom 18. September 2009 i/S G. [8C_283/2009]) zu
verneinen ist, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen werden.
3.3 Gestützt auf das Medas-Gutachten (UV-act. 101b S. 28) ist davon auszugehen,
dass Mitte 2008 keine unfallbedingte Behandlungsbedürftigkeit mit der Aussicht auf
eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr vorlag und die
(orthopädischen und psychiatrischen) Therapien - bei mittelfristig lediglich möglich
erscheinender Verbesserung der Arbeitsfähigkeit - im Wesentlichen zur
Aufrechterhaltung der bestehenden teilweisen Arbeitsfähigkeit und des
Gesundheitszustandes vorgeschlagen wurden. Die Beschwerdegegnerin nahm somit
zu Recht den Fallabschluss im Sinn von Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetztes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) - als Voraussetzung für die Adäquanzprüfung
(BGE 134 V 109) - an. Das Vorliegen eines Schädel-Hirntraumas, worunter sämtliche
Hirnfunktionsstörungen mit oder ohne morphologisch fassbare Schädigung des
Gehirns und seiner Hüllen, einschliesslich Gehirnschädel und Kopfschwarte subsumiert
werden (Trentz/Bühren, Checkliste Traumatologie, Stuttgart/New York 2001, S. 122 ff.),
rechtfertigt die analoge Anwendung der Schleudertrauma-Praxis nur, wenn die erlittene
Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen Commotio und Contusio
cerebri liegt. Leichte Hirnerschütterungen hingegen reichen hierfür nicht aus (Urteil des
Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG]
i/S K. vom 6. Mai 2003 [U 6/03]). Die Schwere eines Schädel-Hirntraumas wird
üblicherweise nach dem Punktwert in der Glasgow-Coma-Skala (GCS) eingeteilt. In
dieser Skala erhält der Patient für bestimmte Reaktionen (wie Augenöffnen, Reaktion
auf Schmerzreize und sprachliche Äusserungen) eine Anzahl von Punkten, welche zum
Schluss addiert werden. Der schlechteste Wert beträgt 3, der beste 15. Von einem
leichten Schädel-Hirntrauma spricht man bei einem GCS-Wert von 13 bis 15
(mittelschwer: 9 bis 13, schwer: 3 bis 8; vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 260.
Aufl., Berlin/New York 2004, zu "Bewusstseinsstörung"; Trentz/Bühren, a.a.O., S. 123;
Urteil des EVG vom 13. Juni 2005 i/S S. [U 276/04] Erw. 2.2.1). Vorliegend ist nach
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Lage der Akten wie erwähnt von einer leichten traumatischen Hirnverletzung
auszugehen, womit sich die Anwendung der so genannten Schleudertraumapraxis
rechtfertigt. Die Adäquanz beurteilt sich damit nach Massgabe der in BGE 117 V 359
Erw. 6 entwickelten und in BGE 134 V 109 Erw. 10 präzisierten Kriterien. Dabei ist auf
eine Differenzierung zwischen psychischen und physischen Komponenten zu
verzichten, fehlt es doch nach Lage der Akten an einer eindeutigen Dominanz
psychischer Probleme (vgl. BGE 123 V 98 Erw. 2a).
4.
4.1 Der in Frage stehende Unfall - der Beschwerdeführer befand sich auf einem frei
stehenden, mit Eisenträgern und Rohren beladenen schweren Metallgestell, als dieses
auf ihn zukippte und ihn, nachdem er nach unten gesprungen war, unter sich begrub
(vgl. act. G 1 S. 3; UV-act. 17, 101b S. 3, 147 S. 2) - kann nicht als ein ausserordentlich
schweres, lebensbedrohliches Geschehen im Sinn der Praxis (dargestellt in RKUV
1995, 91) eingestuft werden (vgl. auch Urteil des EVG vom 13. Juni 2005 [U 276/04]
Erw. 2.3). Die Unterscheidung zwischen mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu
den schweren Unfällen und solchen im mittleren Bereich ist insofern von Bedeutung,
als bei Unfällen im mittelschweren Bereich nach der Praxis mehrere Zusatzkriterien
erfüllt sein müssen, um die Adäquanz bejahen zu können, wobei die Zahl um so
geringer sein kann, je näher das Ereignis bei den schweren Unfällen liegt (vgl. dazu
BGE 115 V 133 Erw. 6c/bb). Es scheint konkret gerechtfertigt, mit den Parteien (act. G
1 S. 4) von einem mittelschweren Unfall auszugehen, allerdings nicht im Grenzbereich
zu den schweren Ereignissen (vgl. dazu etwa den Sachverhalt im Urteil des EVG vom
24. August 2007 i/S K. [U 497/06] Erw. 4.2). Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs
ist somit zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden
Kriterien in besonders ausgeprägter Weise vorliegt oder die zu berücksichtigenden
Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 117 V 359 Erw. 6b).
Auch wenn dem Vorfall eine gewisse Dramatik eigen war, kann von besonders
dramatischen Begleitumständen oder einer besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls
nicht gesprochen werden. Die unfallbedingten somatischen/körperlichen
Gesundheitsschäden waren zweifellos erheblich (vgl. UV-act. 2), so dass diesbezüglich
von einer schweren Verletzung ausgegangen werden kann. Hingegen sind eine
besondere Schwere der für Schädelhirn-Traumen typischen Beschwerden oder
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besondere Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können, nicht
ersichtlich.
4.2 Was das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen
Behandlung (vgl. BGE 134 V 109 Erw. 10.2.3) betrifft, ist festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer nach dem Unfall vom 29. Januar 2002 mit initialer Behandlung in der
medizinischen Intensivstation und anschliessender konservativer Therapie eine
sechswöchige Therapie in der Klinik Valens absolvierte. Unter regelmässiger
Physiotherapie wurde in der Folge relativ rasch eine Besserung der Beschwerden des
Bewegungsapparates erreicht und die Therapie gut ein Jahr nach Unfall
abgeschlossen. Erst nach Verlust des Arbeitsplatzes im April 2004 mit Misserfolgen bei
der Arbeitssuche und psychosozialer Verwahrosung nahm der Beschwerdeführer eine
psychiatrische Gesprächstherapie auf, welche seither regelmässig durchgeführt wurde
(vgl. UV-act. 25, 31, 35, 59, 101b S. 3f und S. 5-7). In Anbetracht dieser Aktenlage kann
eine fortgesetzt spezifische, den Beschwerdeführer belastende ärztliche Behandlung
im Sinn der Rechtsprechung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2008 i/S S.
[8C_331/2007], Erw. 4.2.3) nicht als belegt gelten; dies umso weniger, als angesichts
der langen Latenzzeit nach dem Unfall auch die natürliche Unfallkausalität der
psychischen Beschwerden zumindest erheblich in Frage gestellt ist.
Adäquanzrelevant können im Weiteren in der Zeit zwischen dem Unfall und dem
Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch bestehende
erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften
Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die
Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 Erw. 10.2.4). Der
Beschwerdeführer leidet gemäss den anamnestischen Angaben im Medas-Gutachten
nach langem Stehen oder Sitzen auf harten Stühlen an Schmerzen in der LWS, wobei
diese bei regelmässigem Wechsel der Körperposition meist erträglich seien. Ca.
dreimal pro Woche komme es zu stärkeren Schmerzen, welche ohne medikamentöse
Therapie sich rasch regredient zeigen würden. Im Weiteren werden anhaltende
Konzentrationsstörungen mit Gedächtnisproblemen und rascher Ermüdung angegeben
(UV-act. 101b S. 4). Bezüglich der letzteren kann jedoch wie dargelegt (Erw. 3.1, 3.2)
wegen der über zweijährigen Latenzzeit nach dem Unfall eine natürliche Unfallkausalität
nicht überwiegend wahrscheinlich als belegt gelten. Sodann kann der
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Beschwerdeführer weiterhin soziale Kontakte pflegen (vgl. psychiatrisches
Konsiliargutachten S. 2; UV-act. 101c Beilage). Damit lässt sich das Kriterium der ohne
wesentlichen Unterbruch bestehenden erheblichen Beschwerden nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit bejahen. Im Weiteren können ein schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen angesichts der medizinischen
Aktenlage (Erw. 2 und 3.1) nicht angenommen werden. Dieses Kriterium ist deshalb
nicht erfüllt. Ebenso wenig steht eine die Unfallfolgen erheblich verschlimmernde
ärztliche Fehlbehandlung zur Diskussion.
4.3 Was schliesslich das Kriterium der Arbeitsfähigkeit anbelangt, ist gemäss BGE
134 V 109 Erw. 10.2.7 dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis
mittelschweren Schleudertraumen der HWS und leichten Schädelhirntraumen ein
längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen
Standpunkt aus eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist
daher massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu
überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Konkret
muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder in
den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person
können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher
Unannehmlichkeiten manifestieren. Sodann können Bemühungen um alternative, der
gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht
fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in
erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag,
kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 Erw. 10.2.7). - Nachdem Dr. B._ im
Nachgang zum Unfall eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte, bescheinigte er ab 1.
August 2002 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit (UV-act. 23). Nach Abschluss der -
wegen der Rücken- und Knieprobleme erforderlich gewordenen - kaufmännischen
Umschulung im Jahr 2004 und anschliessender Tätigkeit bei der C._ (UV-act. 37,
Beilagen zu UV-act. 54, UV-act. 63 S. 2 [persönliche Anamnese]) bezog der
Beschwerdeführer ALV-Taggelder (vgl. Beilagen zu UV-act. 58). Dr. B._ bescheinigte
hierauf am 12. Januar 2005 mit Hinweis auf eine psychosoziale Verwahrlosung des
Beschwerdeführers ab Frühling 2004 mit euphorischer/dysphori-scher Stimmungslage
und Konzentrationsmangel eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der psychischen
Situation (UV-act. 59). Die Medas-Gutachter erachteten aus der Sicht des
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Bewegungsapparates (Orthopädie) eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % in
einer adaptierten Tätigkeit als möglich. Aufgrund der leichten kognitiven
Funktionsstörungen (Konzentration, Gedächtnis) bescheinigten sie aus
neuropsychologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 20-30 % in geistig komplexen
Tätigkeiten. Unter Berücksichtigung neuropsychologischer und psychiatrischer
Aspekte bestätigten sie eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (UV-act. 101b). Wie dargelegt
(Erw. 3.1, 3.2) lässt sich die neuropsychologisch und psychiatrisch begründete
Einschränkung angesichts ihres um über zwei Jahre verzögerten Auftretens nicht
überwiegend wahrscheinlich natürlich kausal mit dem Unfall vom 29. Januar 2002 in
Verbindung bringen. Aber selbst wenn eine solche natürliche Kausalität zu bejahen und
als Folge davon das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz Anstrengungen
als gegeben zu erachten wäre, könnte dem Unfall vom 29. Januar 2002 - bei höchstens
zwei erfüllten Kriterien - keine adäquanzrechtlich massgebende Bedeutung für die
andauernden neuropsychologischen und psychischen Beschwerden mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen werden.
5.
5.1 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Entscheid (Erw. 10) die
rechtlichen Voraussetzungen der Rentenbemessung zutreffend dar; hierauf ist zu
verweisen. Prof. E._ kam im Bericht der ärztlichen Abschlussuntersuchung vom
27. Januar 2009 zum Schluss, dass aus orthopädisch-traumatologischer Sicht
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit infolge der Wirbelsäulenverletzung und auch der
initialen arthrotischen Entwicklung am rechten Kniegelenk bestünden. Der jetzige
Arbeitsplatz, an dem er auch im Stehen arbeiten bzw. häufiger die Arbeitspositionen
wechseln könne, trage an sich seinen Beschwerden Rechnung. Die Einschränkung auf
50 %ige Arbeitsfähigkeit sei nicht rein aufgrund traumatischer Folgen am
Bewegungsapparat zu erklären, sondern habe insbesondere in einer verminderten
Belastbarkeit neurovegetativer Art ihre Ursache. Die Akten der Medas, in Sonderheit
der Befund des Psychiaters, würden über diese wesentlichen Komponenten
entscheidende Auskunft geben. Rein somatisch gesehen bestehe beim
Beschwerdeführer eine fast 100 %ige Arbeitsfähigkeit: Insofern als häufiger Pausen
eingelegt werden müssten, das Geh- und Stehvermögen etwas eingeschränkt sei,
dürfte dieser Ansatz bei 80 bis 90 % liegen (UV-act. 112). Die Schlussfolgerung von
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Prof. E._ weicht hinsichtlich der (unfallkausalen) orthopädischen Situation und
hieraus resultierender Leistungsfähigkeit insofern vom Medas-Gutachten ab, als diese
den Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht in der Arbeitsfähigkeit (in der damals
ausgeübten Tätigkeit als PC-Supporter und in anderer adaptierter Tätigkeit) als nicht
eingeschränkt erachteten (UV-act. 101b S. 28; UV-act. 101c [orthopädisches
Konsiliargutachten] S. 4). Seine Begründung überzeugt insofern nicht, als bei einer aus
orthopädischer Sicht adaptierten Tätigkeit keine erhöhte Pausenbedürftigkeit resultiert
und das eingeschränkte Geh- und Stehvermögen durch die Möglichkeit einer
Wechselbelastung - eine solche dürfte insbesondere bei der aktuellen Tätigkeit des
Beschwerdeführers als PC-Supporter gegeben sein - ausgeglichen wird. Auch der
Beschwerdeführer selbst geht von Seiten der orthopädischen Umstände von einer 100
%igen Arbeitsfähigkeit aus (act. G 1 S. 4 unten). Im Übrigen verwies Prof. E._ zur
Begründung seines Standpunktes auf das Medas-Gutachten. Daher ist nachstehend
unter alleiniger Beachtung von (adäquat-kausalen) Unfallfolgen von einer
uneingeschränkten Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen.
5.2 Der Beschwerdeführer erhielt im Unfallzeitpunkt bei der A._ - der Betrieb
existiert nicht mehr (vgl. Handelsregister) - einen Jahreslohn von Fr. 57'200.-- (Fr.
4'400.-- x 13; UV-act. 1). Unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen
Nominallohnentwicklung (Index 2002: 2'047; Index 2009: 2'266) würde als
Valideneinkommen ein Betrag von Fr. 63'320.-- resultieren. Die Invalidenversicherung
errechnete demgegenüber ein Valideneinkommen von Fr. 73'703.--. Hierbei stützte sie
sich auf Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin in einem Arbeitgeberfragebogen vom
5. Juni 2002, wonach der Beschwerdeführer als Gesunder in der Tätigkeit als CNC-
Spezialist einen Lohn von Fr. 67'600.-- hätte erzielen können. Diesen Betrag rechnete
die IV auf die Nominallohnverhältnisse des Jahres 2009 auf, woraus sich das erwähnte
Betreffnis ergab (vgl. UV-act. 146). Die Frage, ob der Beschwerdeführer tatsächlich
diesen höheren Lohn hätte erzielen können, kann - wie sich nachstehend ergeben wird
- offenbleiben.
Die aktuelle Arbeitgeberin des Beschwerdeführers gab am 9. Juli 2009 bekannt, dass
der Beschwerdeführer bei einem Pensum von 50 % als PC-Supporter einen Lohn von
Fr. 36'790.-- pro Jahr (Fr. 2'830.-- x 13) erziele. Bei einer Vollzeittätigkeit ohne
Einschränkungen würde er einen Jahreslohn von Fr. 74'100.-- erhalten (UV-act. 133).
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Diese Auskünfte sind klar und eindeutig, so dass sich diesbezüglich keine weiteren
Abklärungen (vgl. act. G 1 S. 6) aufdrängen. Ein Vergleich mit dem Bruttolohn im
Bereich Informatik gemäss Tabelle TA 1 2008 der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik, Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse
vorausgesetzt), zeigt im Übrigen, dass dieser mit einem Betrag von Fr. 75'000.-- (Fr.
6'250.-- x 12) bzw. Fr. 76'575.-- (nach Nominallohnanpassung 2009) auf einem
ähnlichem Niveau wie das erwähnte Vollzeit-Salär bei der aktuellen Arbeitgeberin liegt.
Ein Anlass für einen Leidensabzug beim Invalideneinkommen liegt nicht vor, nachdem
der Beschwerdeführer aus unfallkausalen Gründen auf dem in Betracht kommenden
Arbeitsmarkt in einer geeigneten Tätigkeit nicht eingeschränkt wäre (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Oktober 2010 i/S T. [8C_536/2010] Erw. 2.5). Die
Gegenüberstellung des (höheren) Valideneinkommens gemäss IV-Verfügung von Fr.
73'703.-- und des Invalideneinkommens von Fr. 74'100.-- ergäbe keinen
Invaliditätsgrad von mindestens 10 % (vgl. Art. 18 Abs. 1 UVG). Bei dieser Aktenlage
lehnte die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch zu Recht ab.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 10. Februar 2010 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG