Decision ID: c1f8f025-d092-4d46-891e-42e762e84a1a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 29. August 2019 (DG190026)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 29. März
2019 (Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 58 S. 36 ff.)
"Es wird erkannt:
1. a) Der Beschuldigte B._ ist schuldig der mehrfachen sexuellen Handlungen mit
Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB.
b) Vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt im Sinne
von Art. 196 StGB wird der Beschuldigte freigesprochen.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wovon 44 Tage
durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-
setzt.
4. Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.
5. Dem Beschuldigten wird für die Dauer von 10 Jahren ein Tätigkeitsverbot im Sinne von
Art. 67 Abs. 3 aStGB in Verbindung mit Art. 67a aStGB erteilt, das jede berufliche und jede
organisierte ausserberufliche Tätigkeit umfasst, die einen regelmässigen Kontakt zu Minder-
jährigen mit sich bringt.
6. Für die Dauer des Tätigkeitsverbots wird Bewährungshilfe im Sinne von Art. 67 Abs. 7
aStGB angeordnet.
7. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin dem Grundsatz nach anerkannt hat. Hinsichtlich des Umfangs des Schaden-
ersatzanspruches wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 8'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 1. September 2017 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren der Privatklägerin abgewiesen.
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9. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'600.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 393.55 Auslagen (Berichte Therapeuten Dr. C._ und Dr. D._)
Fr. 2'535.00 Auslagen Polizei (Befragungen Opfer / Auswertung Geräte)
Fr. 16'376.80 Kosten amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und Barauslagen);
Fr. 10'156.65 Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin
Fr. 36'062.00 Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
10. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühr Vorverfahren, Auslagen) und des gerichtlichen Ver-
fahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Rechtsvertretung der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin werden
indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung dieser Kosten
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO bleibt vorbehalten.
11. [Mitteilungen]
12. [Rechtsmittel]"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 12)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 89)
1. Es sei für die Dauer von fünf Jahren ein Kontaktverbot des Beschuldigten
gegenüber der Privatklägerin A._ sowie ein Rayonverbot des Beschul-
digten für folgende Orte anzuordnen:
- Campingplatz E._ (Planbeilage 1)
- Wohnumgebung des Wohnortes der Privatklägerin (Planbeilage 2)
- Schule "F._" der Privatklägerin (Planbeilage 3).
b) Der Privatklägerin:
(Urk. 96)
Es sei für die Dauer von je 5 Jahren ein Kontaktverbot für den Beschuldigten
gegenüber der Privatklägerin sowie ein Rayonverbot für das ganze Stadtge-
biet G._ für den Beschuldigten anzuordnen.
Eventualiter sei für die Dauer von je 5 Jahren ein Kontaktverbot für den
Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin sowie ein Rayonverbot an
folgenden Orten für den Beschuldigten anzuordnen:
- Campingplatz E._ (siehe Planbeilage in act. [recte: Urk.]
91/1)
- Wohnumgebung des Wohnortes der Privatklägerin
(siehe Planbeilage in act. [recte: Urk.] 91/2)
- Schule "F._" der Privatklägerin
(siehe Planbeilage in act. [recte: Urk.] 91/3).
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c) Der Verteidigung des Beschuldigten
(Urk. 99 sinngemäss)
Anerkennung eines Rayon- und Kontaktverbotes im Sinne der Anträge der
Staatsanwaltschaft und der Eventualanträge der Privatklägerin
Vollumfängliche Kostenübernahme durch die Gerichtskasse bzw. maximal
1/5 durch den Beschuldigten

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte / Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Bezüglich des Verfahrensgangs bis zum Urteil der Vorinstanz vom
29. August 2019 kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 58 S. 3 f.). Mit Urteil der Vorinstanz vom 29. August 2019 wurde der
Beschuldigte der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von
Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer bedingt vollziehbaren
Freiheitsstrafe von 24 Monaten bestraft. Von der Anordnung einer Landesver-
weisung wurde abgesehen. Der Beschuldigte wurde zudem für die Dauer von
10 Jahren mit einem Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 3 aStGB belegt
(Urk. 58). Für die genauen Einzelheiten ist auf das eingangs wiedergegebene
Urteilsdispositiv der Vorinstanz zu verweisen.
1.2. Mit Eingabe vom 3. September 2019 meldete die Staatsanwaltschaft
dagegen fristgerecht Berufung an (Urk. 51) und liess mit Eingabe vom
29. November 2019 (Datum Poststempel) die Berufungserklärung ebenfalls innert
Frist erstatten (Urk. 60). Mit Eingabe vom 17. Dezember 2019 liess die Privat-
klägerin Anschlussberufung anmelden, wobei sie mit der Staatsanwaltschaft die
Anordnung eines Kontakt- und Rayonverbotes nach Art. 67b StGB beantragt,
soweit keine Landesverweisung ausgesprochen werde (Urk. 67).
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1.3. Mit Beschluss vom 14. September 2020 wurde Rechtsanwalt Dr. iur.
Y2._ als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten mit Wirkung per
30. September 2020 entlassen und entschädigt, sowie Rechtsanwalt lic. iur.
Y1._ als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten mit Wirkung per 1. Oktober
2020 bestellt (Urk. 78).
1.4. Mit Präsidialverfügung vom 2. November 2020 wurde die Publikumsöffent-
lichkeit für die bereits terminierte Berufungsverhandlung vom 4. März 2021 aus-
geschlossen (Urk. 81).
1.5. Mit Eingabe vom 24. November 2020 orientierte die Staatsanwaltschaft die
hiesige Kammer darüber, dass der Verteidiger des Beschuldigten mit einem
"Gentlemen's Agreement" an die Staatsanwaltschaft gelangt sei, wonach sich die
Parteien auf ein Urteil einigen könnten und dem Obergericht hernach überein-
stimmende Anträge stellen, bzw. die Staatsanwaltschaft den (teilweisen) Rückzug
der Berufung erklären würde. Nach Rücksprache mit der Vertreterin der Privat-
klägerin, welche einem derartigen Vorgehen auch positiv gegenüberstehe, könne
sich die Staatsanwaltschaft mit der Beschränkung auf die Eventualanträge
gemäss Ziffer 4 der Berufungserklärung unter Anerkennung dieser durch den
Beschuldigen und Rückzug der Hauptanträge (Ziffer 1-3) sowie der Anordnung
des schriftlichen Berufungsverfahrens einverstanden erklären (Urk. 83).
1.6. Auf telefonische Nachfrage bzw. schriftliche Mitteilung hin erklärten sich die
Vertreterin der Privatklägerin und der Verteidiger des Beschuldigten mit dem
skizzierten Vorgehen der Staatsanwaltschaft und der Anordnung des schriftlichen
Berufungsverfahrens einverstanden (Urk. 84 und 85). Mit Präsidialverfügung vom
1. Dezember 2020 wurde in der Folge das schriftliche Berufungsverfahren an-
geordnet und der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um die Berufung zu begrün-
den (Urk. 87).
1.7. Mit Eingabe vom 2. Dezember 2020 ging am 4. Dezember 2020 die
Berufungsbegründung der Staatsanwaltschaft ein (Urk. 89). Mit Präsidialve-
rfügung vom 9. Dezember 2020 wurde dem Beschuldigten Frist zur Berufungs-
antwort und der Privatklägerin Frist zur Berufungsantwort und Begründung der
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Anschlussberufung angesetzt. Zugleich erhielt die Vorinstanz die Möglichkeit zur
Vernehmlassung (Urk. 92). Die Vorinstanz verzichtete am 14. Dezember 2020
ausdrücklich auf eine Vernehmlassung (Urk. 94).
1.8. Mit Eingaben vom 16. Dezember 2020 bzw. 31. Dezember 2020 gingen die
Berufungsantworten der Privatklägerin und des Beschuldigten bzw. die Begrün-
dung der Anschlussberufung der Privatklägerin ein (Urk. 96 und Urk. 99). Mit
Präsidialverfügung vom 6. Januar 2021 wurde dem Beschuldigten und der
Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um die Anschlussberufungsantwort zu erstat-
ten (Urk. 101). Mit Eingabe vom 27. Januar 2021 liess der Beschuldigte innert
Frist die Anschlussberufungsantwort erstatten (Urk. 103). Die Staatsanwaltschaft
verzichtete stillschweigend (vgl. Urk. 102).
2. Umfang der Berufung
In seiner Eingabe vom 30. November 2020 erklärte der Beschuldigte die vorbe-
haltlose Anerkennung eines Kontakt- und Rayonverbots im Sinne von Ziffer 4 bei
einem Rückzug der Hauptanträge gemäss Ziffern 1-3 der Berufungserklärung der
Staatsanwaltschaft (Urk. 85; auch Urk. 99). Damit gelten die Hauptanträge Ziffern
1-3 der Staatsanwaltschaft als zurückgezogen und nicht mehr Verfahrensgegen-
stand (Urk. 83 S. 2). Die Berufung der Staatsanwaltschaft beschränkt sich nun-
mehr noch auf die Anordnung eines Kontakt- und Rayonverbots gegenüber dem
Beschuldigten für die Dauer von fünf Jahren im Sinne von Ziffer 4 der Berufungs-
erklärung der Staatsanwaltschaft (Urk. 60 S. 2). Die Anschlussberufung der
Privatklägerin bezieht sich ebenfalls ausschliesslich auf die Anordnung eines
Kontakt- und Rayonverbotes (Urk. 67 und Urk. 96). Die Anordnung einer dies-
bezüglichen Ergänzung zum Urteil der Vorinstanz ist von allen Parteien aner-
kannt. Darüber ist nachfolgend zu befinden.
II. Kontakt- und Rayonverbot
1. Parteivorbringen
1.1. Die Staatsanwaltschaft lässt ausführen, es sei gestützt auf Art. 67b StGB
ein Kontakt- und Rayonverbot für die Dauer von fünf Jahren anzuordnen, um der
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Gefahr zu begegnen, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin erneut
strafbare Handlungen ausführe. Der Campingplatz E._, wo die Familie der
Privatklägerin während den Sommermonaten sowohl Ferien als auch die Freizeit
verbringe, ihre Wohnumgebung inklusive Haltestelle des Busses für die Schule
sowie die Schule "F._" selbst müssten Orte für die Privatklägerin sein, an
denen sie sich ungestört, ohne Angst und in Sicherheit ausleben und entwickeln
könne. Die entsprechenden Pläne der vom Rayonverbot belegten Gebiete seien
der Berufungsbegründung beigelegt. Die Anordnung eines Kontaktverbotes in
Kombination mit dem Rayonverbot verstehe sich von selbst. Für die Privatklägerin
sei es unerlässlich, dass sie nicht mehr auf den Beschuldigten treffe, bzw. die
Möglichkeit, ihn anzutreffen, für gewisse Orte ausgeschlossen oder zumindest
minimiert werde. Für die Privatklägerin und ihre Entwicklung erscheine es sehr
wichtig, dass sie Orte habe, an denen sie mit hoher Sicherheit davon ausgehen
könne und dürfe, nicht auf den Beschuldigten zu treffen. Dies werde auch durch
die die Privatklägerin behandelnde Fachpsychologin bestätigt (zum Ganzen
Urk. 89 und Urk. 91/1-4).
1.2. Die Privatklägerin lässt ausführen, den Antrag der Staatsanwaltschaft auf
Anordnung eines Kontakt- und Rayonverbotes für die Dauer von 5 Jahren zu
unterstützen, wobei sie neu in der Hauptsache ein Rayonverbot für das ganze
Stadtgebiet G._ für den Beschuldigten fordert. Im Eventualstandpunkt erklärt
sie sich mit dem von der Staatsanwaltschaft beantragten Umfang des
Rayonverbotes, d.h. für den Campingplatz E._, die Wohnumgebung ihres
Wohnortes und ihre Schule "F._", einverstanden (Urk. 96). Zur Begründung
wird angeführt, mit dem beschränkten Rayonverbot gemäss Pläne könne ein un-
erwünschtes Zusammentreffen der Privatklägerin und des Beschuldigten auf dem
übrigen Stadtgebiet G._ eintreten. Aus therapeutischer Sicht sei es absolut
notwendig, dass sie nicht in ständiger Angst leben müsse, dem Beschuldigten
über den Weg zu laufen. Die Privatklägerin und auch ihre Mutter hätten wiederholt
mitgeteilt, dass sie ein Rayonverbot des Beschuldigten für das gesamte Stadtge-
biet wünschten. Die Privatklägerin würde es kaum wagen, alleine in der Nähe des
Wohnortes einkaufen zu gehen, im Wissen darum, dass sie auf den Beschuldig-
ten treffen könnte. Das Gleiche gelte, wenn sie voraussichtlich im nächsten Jahr
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eine Lehrstelle im Stadtgebiet G._ annehme, was sehr wahrscheinlich sei.
Sollte das Gericht von einem Rayonverbot für das ganze Stadtgebiet G._
absehen, so sei eventualiter ein Rayonverbot gemäss den Anträgen und Plänen
der Staatsanwaltschaft auszusprechen (Urk. 96 S. 1 f.).
1.3. Der Beschuldigte lässt mit Eingabe vom 31. Dezember 2020 mitteilen, das
von der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin im Eventualstandpunkt bean-
tragte Kontakt- und Rayonverbot zu anerkennen und auch zu respektieren
(Urk. 99). Mit Eingabe vom 27. Januar 2021 sprach sich der Beschuldigte zudem
gegen ein Rayonverbot für das gesamte Stadtgebiet G._ aus. Die Stadt
G._ sei sein Lebensmittelpunkt. Seinen Wohnsitz habe er seit Jahrzehnten
auf dem Stadtgebiet. Auch sein Arbeitsort befinde sich dort. Seine Kinder und
auch seine Ex-Frau, mit der er nach wie vor einen regelmässigen und guten Aus-
tausch pflege, würden in unmittelbarer Nähe zu seiner Wohnung leben, und auch
seine anderen sozialen Kontakte fänden weit überwiegend in der Stadt G._
statt. Eine Ausgrenzung aus der Stadt G._ sei vom Beschuldigten nie aner-
kannt worden, weil dies einen überaus massiven Eingriff in seine persönlichen
Verhältnisse darstellen würde. Der Beschuldigte hätte einem Rayonverbot für das
Gebiet der Stadt G._ nie zugestimmt. Ein derart ausgedehntes Rayonverbot
sei nicht erforderlich und unverhältnismässig. Die Voraussetzungen für die An-
ordnung eines Rayonverbotes gestützt auf Art. 67b StGB seien nicht erfüllt, so-
weit das Verbot über den Umfang hinausgehe, dem der Beschuldigte zugestimmt
habe. Die vorbehaltlose Bekenntnis des Beschuldigten basiere auf der Einsicht,
dass er mit seinem Verhalten die sexuelle und psychische Integrität der Privatklä-
gerin verletzt habe und ihr nun gebührenden Abstand zugestehen müsse. Die
Ausdehnung des Rayonverbotes auf das Gebiet der Stadt G._ würde auch
den Grundsatz des fairen Verfahrens von Art. 3 Abs. 1 und 2 lit. a und b StPO
verletzen (Urk. 103).
2. Würdigung
2.1. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz kein Kontakt- und
Rayonverbot ausgesprochen hat. Die Parteien beantragen dem Obergericht je-
doch übereinstimmend die Anordnung eines Rayon- und Kontaktverbotes für die
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Dauer von fünf Jahren gestützt auf Art. 67b StGB im Sinne einer Einigung. Einzig
bezüglich des Umfangs des Rayonverbotes geht die Privatklägerin in der Haupt-
sache über die Einigung hinaus und beantragt ein Rayonverbot für das gesamte
Stadtgebiet G._.
2.2. Mit dem Rayonverbot gestützt auf Art. 67b Abs. 1 StGB kann das Gericht
dem Täter verbieten, sich einer bestimmten Person zu nähern oder sich in einem
bestimmten Umkreis ihrer Wohnung aufzuhalten (Art. 67b Abs. 2 lit. b StGB)
sowie sich an bestimmten Orten, namentlich bestimmten Strassen, Plätzen oder
Quartieren, aufzuhalten (Art. 67b Abs. 2 lit. c StGB). Ein Rayonverbot entspricht
demnach einer Beschränkung des Aufenthaltsrechts in räumlicher Hinsicht. Es ist
bei der Anordnung die Verhältnismässigkeit zu wahren, weshalb das Verbot
in räumlicher Hinsicht auf das Notwendige zu beschränken ist (vgl. BSK I-
Hagenstein, 4. Aufl. 2019, Art. 67b N 7 f.).
2.3. Es ist mit der Verteidigung (Urk. 103) festzuhalten, dass der Beschuldigte
selbst in der Stadt G._ wohnt und arbeitet. Zudem befindet sich seine Familie
und sein soziales Umfeld dort. Die Stadt G._ ist sein Lebensmittelpunkt seit
Jahrzehnten. Ein Rayonverbot für das gesamte Stadtgebiet käme daher einer
Ausgrenzung gleich, was mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip nicht vereinbar ist.
Vielmehr ist mit dem von der Staatsanwaltschaft beantragten und vom Beschul-
digten anerkannten Umfang des Rayonverbotes den Schutzbedenken für die Pri-
vatklägerin genügend Rechnung getragen, zumal sich die Parteien darauf geei-
nigt haben.
2.4. Nach dem Gesagten ist gegenüber dem Beschuldigten für die Dauer von
fünf Jahren ein Rayonverbot für den Campingplatz E._ (Planbeilage 1), die
Wohnumgebung des Wohnortes der Privatklägerin (Planbeilage 2) und die Schule
"F._" der Privatklägerin (Planbeilage 3) gestützt Art. 67b StGB anzuordnen.
Die Planbeilagen 1-3 sind diesem Urteil anzufügen. Zudem ist der Beschuldigte
mit einem Kontaktverbot gegenüber der Privatklägerin ebenfalls für eine Dauer
von 5 Jahren gestützt Art. 67b StGB zu belegen. Dieses beinhaltet jegliche Kon-
taktaufnahme unabhängig vom Kommunikationsmittel (elektronisch, telefonisch,
brieflich, physisch – direkt oder über Dritte –).
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Festzuhalten bleibt, dass dieses Kontakt- und Rayonverbot auf einer Übereinkunft
der beteiligten Parteien beruht. Es soll vorliegend der Stabilisierung und der un-
gestörten künftigen Entwicklung der Privatklägerin dienen, indem es gewisse Orte
definiert, wo sie nicht dem Risiko eines Zusammentreffens mit dem Beschuldigten
ausgesetzt ist. Es geht um Sicherheit und Rückzugsorte für die Privatklägerin. Die
gesetzlichen Voraussetzungen von Art. 67b StGB sind nicht weiter zu prüfen.
III. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 1'500.– festzuset-
zen.
2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Auflage der Kosten in der Regel im Ver-
hältnis von Obsiegen und Unterliegen der Verfahrensbeteiligten (Art. 428 Abs. 1
StPO). Aufgrund der besonderen Umstände rechtfertigt es sich jedoch im konkre-
ten Fall, die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive der Kosten der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, definitiv
auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3.1 Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin macht ein Honorar
von insgesamt Fr. 2'970.– (berechnet durch das Gericht mit Stundenansatz von
Fr. 220.–) geltend, was ausgewiesen und angemessen ist (Urk. 109), wobei
darauf keine Mehrwertsteuer zu entrichten ist.
3.2 Der amtliche Verteidiger macht einen Honorar von insgesamt Fr. 2'905.65
geltend, wobei sich ein kleiner Rechnungsfehler bei der Position "11.12.2020 Stu-
dium Berufungsbegründung, Rayonverbote" einschlich (Urk. 107). 0.20 h ergeben
bei einem Stundenansatz von Fr. 220.– nicht Fr. 60.– sondern Fr. 44.–. Entspre-
chend ist das Honorar um diesen Rechnungsfehler anzupassen. Ansonsten ist
das Honorar ausgewiesen und angemessen, weshalb die amtliche Verteidigung
mit Fr. 2'888.40 (inkl. MwSt.) zu entschädigen ist.
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