Decision ID: 6fd715a3-67d7-42df-a8df-4f6627d66fbc
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1955, arbeitete vom
7.
Dezember 2005 bis zum 3
0.
Juni 2006 in einem 20%-Pensum als Unterhaltsreinigerin bei
der
Y._
AG (Urk.
7
/1). Am
5.
November
2008
(Eingangsdatum)
meldete sich d
ie Versicherte unter Hinweis auf
R
ückenbeschwerden
und
psychische
Beschwerden bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
7
/2). Mit Verf
ügung vom 2
7.
Juni 2011 sprach die IV-Stelle
der Versicher
ten bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 40
%
mit Wirkung ab dem
1.
April 2008
eine Viertelsrente zu (
Urk.
7/56
), wogegen diese
am 1
7.
August 2011
Beschwerde
erhob
(
Urk.
7/61)
. Mit Beschlu
ss vom
3.
Oktober 2011
gewährte das Gericht der Versicherten die Möglichkeit, die Beschwerde zurückzuzie
hen, da die
Sache nach vorläufiger Beurteilung unter Aufhebung der Rentenverfügung
zu weiteren
Abklärung
en
an die Beschw
erdegegnerin zurückzuweisen wäre
(Urk.
7/63)
.
Mit
Stellungnahme vom 2
5.
Oktober 2011
hielt die
Versicherte an ihrer Beschwerde fest
(
Urk.
7/65/8
). Mit
Urteil IV.2011.00
835 vom
7.
März 2013 (
Urk.
7/68
)
hiess
das Sozialversicherungsgericht die Beschwerde
in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und
die Sache
an die
IV-Stelle zurückwies, damit diese
nach weiteren Abklärungen
über den Leistungsanspruch der Versi
cherten neu verfüge.
1.2
In der Folge gab
die IV-Stelle
bei der
Z._
AG in Basel ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, das am 1
3.
Juni 2016 erstattet wurde (
Urk.
7/126; vgl
. auch ergänzende Stellungnahme
der
Z._
AG
vom
4.
August 2016, Urk.
7/129). Nach durchgeführtem
Vorbeschei
dverfahren
(Vorbescheid vom 20.
Februar 2017,
Urk.
7/132, und Einwand vom 2
2.
März respektive 1
0.
Mai 2017,
Urk.
7/136 und
Urk.
7
/
144) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
28.
Juli 2017 (
Urk.
2)
einen Anspruch der
Versicherten auf IV-Leistungen.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
4.
September 2017 Beschwerde und bean
tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
ihr
ab April
2008
eine ganze Rente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zwecks ergänzender medi
zinischer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. In pr
ozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgeltlich
en Prozessfüh
rung (
Urk.
1 S. 2
). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
Oktober 2017 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6), was der Beschwerde
führerin am 2
4.
Okt
ober 2017 angezeigt wurde (Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgen
den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3
und
E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie aus
gewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1,
141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indi
katoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.6
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgelt
lichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125
V
146; vgl.
Art.
27 und 27
bis
der Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV
,
in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV vom
1.
Dezember 2017, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufga
benbereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisge
mäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im
Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamt
-
invalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125
V
146 E. 2b und 5c).
1.7
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
bei der Beschwerdeführerin
von einem behandelbaren Leiden auszugehen sei. Die
Therapieoptionen
seien
n
och nicht ausgeschöpft. Im Weiteren gehe aus dem Gut
achten der
Z._
AG hervor, dass
sie
über genügend Ressourcen verfüge. Eine Tagesstruktur sei
vorhanden.
Die Beschwerdeführerin kümmere
sich
u
m ihre jüngere
Tochter, erledige
Haushaltaufgaben, unternehme
längere Spaziergänge mit der Tochter
und schaue
Fernsehen.
Zudem pflege sie
soziale Kontakte zu ihre
n
beiden
anderen
Kindern,
zur Schwiegertochter und
zu
den Grosskindern.
Eine Gesamtschau
ergebe
, dass keine IV-relevante gesundheitliche Einschrän
kung vorliege. Die von den Gutachtern der
Z._
AG gestellte Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung
(PTBS)
sei
fraglich und nicht nach
vollziehbar hergeleitet worden (
Urk.
2
).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber gelten
d
,
dass die behauptete The
rapierbarkeit der psychischen Störungen
durch die medizinischen Akten nicht gestützt
werde
.
Die
Beschwerdegegnerin
übersehe auch
, dass die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht im Weg stehe.
Im Weiteren halte
das Gutachten der
Z._
AG
fest, dass die Ressour
cen der Beschwerdeführe
rin weitgehend erschöpft seien,
sich ihre sozialen Kon
takte
auf die Familienmitglieder
beschränken
würden und sie auch in ihren All
tagsaktivitäten eingeschränkt sei.
Die
Verwertung der
von den Gutachtern der
Z._
AG attestierten
Restarbeitsfähigkeit von 30
%
sei
aufgrund des fort
geschrittenen Alters
sodann
nicht mehr
möglich
.
Bezüglich der Qualifikation sei darauf hinzuweisen, dass die Annahme der Beschwerdegegnerin in der Verfü
gung vom 2
7.
Juni 2011, wonach sie aufgrund der Invalidität ihrer Tochter
A._
lediglich im Umfang von 20
%
einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde, nicht
nachvollziehbar sei. Im
Gesundheitsfall
würde sie
einer Erwerbstätigkeit
im Umfang von
mindestens 70
%
nachgehen (
Urk.
1 S. 8 ff.
).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invali
denrente.
3.
3.1
Das Sozialversicherungsgericht erwog im Urteil
IV.2011.0835 vom
7.
März 2013,
dass
aufgrund der vorliegenden Akten eine zuverlässige Beurteilung des Gesund
heitszustands der Beschwerdeführerin sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht möglich sei. Der medizinische Sachverhalt erweise sich sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht als ergänzungsbedürf
tig.
Nach der Rückweisung der Sache
an die Beschwerdegegnerin
habe diese ein
polydisziplinäres Gutachten (jedenfalls rheumatologischer sowie psychiatrischer Fachrichtung, angesichts der unterschiedlichen Krankheitsbilder allenfalls nach gutachterlicher Beurteilung auch unter Beizug weiterer Fachrichtungen)
einzu
holen.
Die Gutachter sollten darlegen, welche Diagnosen sich in welchem Umfang und ab welchem Zeitpunkt auf den bisher ausgeübten Beruf der Beschwerdefüh
rerin als Reinigungsangestellte
und auf angepasste anderweitige Tätigkeiten
(bezogen auf ein 100%-Pensum) auswirken
würden
(
E. 3.2
;
Urk.
7/
68/11).
Zudem
könne
nicht beurteilt werden
, ob die Beschwerdegegnerin den Anteil der hypo
thetischen Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin zu
Recht auf 20
%
veran
schlagt habe.
In diesem Zusammenhang sei auch der notwendige Betreuungsum
fang der Tochter
A._
abzuklären.
Je nach medi
zinischem Abklärungsergebnis seien
ferner
allenfalls
zunächst die
versicherungsmässigen
Voraussetzun
gen erneut zu prüfen
(
E. 3.3.2-3
;
Urk.
7/68/1
2-1
3)
.
3.2
Die Ärzte der
Z._
AG stellten im poly
disziplinären Gutachten vom 13.
Juni 2016
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk.
7/126/
2
3):
(1)
PTBS
(ICD-10 F43.1)
(2)
r
ezidivierende depressive Störung, zurzeit leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0)
(3)
a
nhaltende s
omatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
(4)
sonstige nicht
organische psychotische Störungen (ICD-10 F28)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arb
eitsfähigkeit nannten sie (Urk.
7/126/23):
(1)
arterielle Hypertonie (ICD-10 I10.00)
(2)
Diabetes melli
tus (ICD-10 E1
1.90)
(3)
Adipositas
(ICD-10 E66.
09)
(4)
Hyper
opie
mit beginnender
Presbyopie
beidseits (ICD-10 H52.4)
(5)
Keratokonjunktiv
itis
sicca
(ICD-10 H16.9)
(6)
Osteochondrose (ICD-10 M93.9)
(7)
g
eneralisiertes Schmerzsyndrom mit unspezifischen Sensibilitätsstörungen über der
linken Körperseite (ICD-10 R52)
(8)
c
hronisches
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom mit geringer Degeneration ohne
sensomotorischen Ausfälle (ICD-10 M42.92)
Die Gutachter der
Z._
AG erklärten,
dass
die psychiatrischen Symptome im Vordergrund
stehen würden.
A
ls primäre Beschwerde beschreibe
die
Beschwerdeführerin
seit ca. fünf Jahren bestehende akustische, optische und kör
perliche Halluzinationen, welche durch einen
«schwarzen Geist»
hervorgerufen würden. Dieser sehe sehr bedrohlich aus und gebe
ihr
Befehle. Er erscheine mehr
mals täglich und auch regelmässig in der Nacht in Form von Albträumen. Auf
grund der starken affektiven Beteiligung, der inneren Unruhe und der Ange
spanntheit
der Beschwerdeführerin zum Untersuchungszeitpunkt würden
kaum Zweifel an der Authentizität ihrer Schilderungen
bestehen
. Des Weiteren
lägen
deutliche Symptome einer
PTBS vor
, die s
ich inzwischen chronifiziert habe.
Die
Beschwerdeführerin sei
vermutlich
zwar
schon 1999 mit den Symptomen einer akuten
PTBS in die Schweiz eingereist. S
olange
sie jedoch körperlich gesund gewesen sei
,
habe
sie die psyc
hischen Beschwerden kompensieren
und in der Folge auch arbeiten
können
.
Am
3
1.
Mai
2006
habe sie
während der Arbei
t als Reinigungsangestellte aber
einen Unfall
erlitten
und
sich dabei eine Verletzung am Hinterkopf zugezogen
.
Die körperlichen Schmerzen seien
am ehesten der psy
chiatrischen Erkrankung zuzuordnen, wobei sich hier die Unterscheidung zwi
schen möglichen Körperhalluzinationen und einer somatoformen Schmerzstö
ru
ng nicht eindeutig ergebe. Dafür
sei
die psychotische Störung aktuell zu d
omi
nant. Im weiteren Verlauf sei
es bei der
Beschwerdeführerin
zur Ausbildung von depressiven Zuständen gekommen, die aktuell die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, zurzeit leichtgradige Episode,
rech
tfertige
(
Urk.
7/126/24-25
).
Aufgrund der zur Verfügung stehenden Akten sei von einer weitgehenden Arbeitsunfähigkeit seit mindestens April 2008 (Behandlungs
-
begi
nn
bei
Dr.
med.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
) auszugehen. In
der bisherigen Tätigkeit als Reinigungsangestellt
e
und in einer
mögliche
n
angepass
te
n
Tätigkeit
sei die Beschwerdeführerin zu 70
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
7/126/28-29
).
3.3
In der ergänzenden Stellungnahme vom
4.
August 2016
führte der psychiatrische Gutachter der
Z._
AG
aus, dass
der Balkankrieg
Auslöser
der
PTBS
sei
.
Es sei davon auszugehen
, dass
die PTBS
bereits vor oder während der Einreise in die Schweiz
bestanden habe,
weil sich die Symptome eine
r PTBS
zeitnah zum Ereig
nis ent
wickeln
würden
. Wann genau und in welchem Rahmen die er
sten Symp
tome
aufgetreten seien
(zum Beispiel
als sich
die Beschwerdeführerin
im Heimat
land
habe verstecken müssen
, als sie noch auf der Flucht
gewesen sei
oder erst nach Ankunft in der Schweiz, wo
sie durch Alb
träume aufgefallen sei), sei nicht klar.
Inwiefern die
PTBS
eine Redukt
ion der Arbeitszeit nötig gemacht habe, lasse
sich retrospektiv nicht abschliessend klären, zumal
die Beschwerdeführerin
nie zu 100
%
gearbeitet habe.
Der
Unfall
von
2006
scheine
jedoch
der ausschlagge
bende und auslösende Moment gewesen zu sein, der viele ihrer alten Ängste sowie die ständige Sorge, nicht mehr
funktionieren
zu können und die Kinder im Stich lassen zu müss
en, wieder hervorgeholt habe
. In Bezug auf die Pflege und Unterstützung der IV-berenteten Tocht
er
habe die Beschwerdeführerin angege
ben
, dass
sie
von der älteren, ver
hei
rateten Tochter unterstützt werde
, sodass sich die Pflege, welche
die Beschwerdeführerin
aufzuwenden angebe, in Grenzen hal
ten dürfte. Sie seien in ihrem
Gutachten deshalb davon ausgegangen, dass die
Pflege der jüngeren Toch
ter keine zusätzliche (respektive erhebliche) Belastu
ng darstelle
, sondern die Beschwerdeführerin
vor allem durch ihre eigenen inner
see
lischen Prozesse belastet sei (
Urk.
7/
129/5-6).
3.4
Dr.
B._
hielt
in der Stellungnahme vom 3
0.
Mai 201
7 zuhanden der Beschwerdeführerin
fest
, dass
sich
diese
seit 2008 in seiner Behandlung befinde.
Di
e Wahndynamik
sei
schwankend
und davon abhängig, ob sie
m
it mehr als nur einfachsten Allt
ags
angelegenheiten konfrontiert sei, wie zum Beispiel
admi
nistrative
n
Angelegenheiten und
Behö
rdenkontakte
n
. Lange Zeit und immer wie
der
sei
die diffuse Schmerzsymptomatik im Zentrum der Gespräche
gestanden
. Es
bestünden
ständige Klagen über somatische Beschwerden, eine hochgradige Abhängigkeit sowie Anspruchshaltu
ng gegenüber Betreuungspersonen und
eine
dysphorische
und labile Stimmung
. Gemäss den
fremdanamnestische
n Angaben
liege
im Vergleich zum präm
orbiden Niveau eine eindeutige B
eeinträchtigung der sozialen und beruflichen Funktionsfähigkeit
vor.
Zu den Konsultationen in
seiner
Praxis erscheine
die Beschwerdeführerin
fast immer im Beisein ihrer Toch
ter, welche die
deutsche Sprache besser verstehe und spreche
. Im Ver
la
uf der Behandlung
sei
es öfters zu unangemeldeten oder sehr kurzfristig vereinbarten Sitzungen
gekommen
. Oft
hätten
Ratlosigkeit,
ungerichtete
Umtrieb
ig
keit,
Unruhe, Angst, Erregung und diverse
Schmerzangaben
vorgelegen. Es sei
in den
betreffenden Sitzungen
vor allem darum
gegangen
,
die Beschwerdeführerin
und ihre Tochter zu beruhigen. Aufgrund der Beschwerdesymptomatik mi
t psycho
motorischer Unruhe seien durch
die Behandlung mit
Truxal
15 mg
die besten Behandlungsergebnisse
erzielt worden
. Von
einer hochpotenten Neuroleptika-Einnahme seien
beim vorliegen
den
chronifizierten
Zustandsbild
kaum Verbesse
rungen
zu erwarten. Ebenso habe
eine frühere antidepressive Medikation keine Verbesserung
gebracht
. Bei der einfach
strukturierten Beschwerdeführerin bestünden
eine fehlende Krankheitseinsicht
, fehlende Compliance,
und es sei
von einer nicht konstant
en Medikamenteneinnahme auszugehen.
Von
einer stationä
ren Therapie könne
keine Verbesserung erwartet werden. Ei
ne solche wäre kont
raproduktiv und
würde voraussichtlich zu einer psychophysischen Dekompens
a
tion führen
. Es bestehe eine enge, symbiotische Beziehung zu ihrer Tochter
(
Urk.
7/146
/1-2
).
3.5
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Stellungnahme vom 2
7.
Juli 2017 fest, dass die Kriegserlebnisse
vage und nicht klar beschrieben
seien. Es sei nicht ersicht
lich, w
as für ein traumatisches
und auslösendes Ereignis die Beschwerdeführerin erlebt habe.
Da das behauptete Ereignis schon länger her sei, brauche
es für die Verschlechterung ein besonders s
chwerwiegendes Ereignis.
Ein solches
werde aber nicht erwähnt.
Der Unfall von
2006, bei wel
chem die Beschwerdeführerin auf den Hinterkopf gestürzt sei
und dabei Schmerzen am Kopf, Nacken,
an den Armen und Beinen verspürt habe, sei
angeblich
erneut Auslöser der PTBS
gewe
sen
. Die
Anmeldung
bei der Beschwerdegegnerin
sei
jedoch erst im
Jahr
2008
erfolgt,
was
ebenfalls
nicht für eine PTBS
spreche. Die Diagnose einer PTBS sei
somit fraglich
und
in sich
nicht
nachvollziehbar
erstellt
.
Gemäss den Gutachtern der
Z._
AG könne
mit einer stationären Behandlung, einer intensivierten ambulanten Behandlung und vor allem
durch eine adäquate psychopharmakolo
gische
Behandlung eine Be
sserung der Symptomatik erwartet
werden.
Die
The
rapiemöglichkeit
en seien somit
weiterhin nicht ausgeschöpft,
und es könne
nicht von einem
chronifizierten
gesundheitlich
en Leiden gesprochen werden
(
Urk.
7/158/3).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin wurde
von den Gutachtern der
Z._
AG
im Juni/Oktober bzw. November 2015
in
orthopädischer
,
neurologischer,
allgemein
internistischer
und psychiatrischer Hinsicht
eingehend
untersucht
.
Da sie in orthopädischer Hinsicht abgeklärt wurde, ist dabei nicht zu beanstanden, dass nicht zusätzlich noch eine rheumat
ologische Untersuchung erfolgte (
Urk.
1
S.
16).
Die Gutachter der
Z._
AG habe
n
ihre Expertise
in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben. Sie haben detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mi
t diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge
im Wesentlichen
einleuchtend dargelegt.
Das von der Beschwerdegegnerin bei der
Z._
AG in Auftrag gegebene Gutachten
erfüllt
demnach grundsätzlich die
rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an
eine
beweiskräftige ä
rztliche Entscheidungsgrundlage
(vgl.
E.
1.8
).
4.2
Was den Gesundheitszustand in somatischer Hinsicht betrifft,
legten die Gutach
ter der
Z._
AG dar, dass
die Beschwerdeführerin am 3
1.
Mai 2006 wäh
rend der Arbeit als Reinigungsangestellte
einen Unfall
erlitten habe. Sie sei
beim Fensterputzen von ein
er Leiter gestürzt und aus ca. fünf
Meter
n
Höhe auf eine Treppe gefallen.
Dabei habe sie sich eine
Verletzung
am Hinterkopf zugezogen und sei bewusstlos gewesen. I
n den nach dem Unfall durchgeführten radiologi
schen Untersuchungen
hätten
Osteochondrosen
C4/C5 und C5/C6 mit Halswir
belsäule
n
-
Kyphosierung
C3-C7
festgestellt werden
können
.
Diese Befunde seien als geringe
Degeneration
zu betrachten
und könnten die geschilderten
diffusen Beschwerden am ganzen Körper ohne sensomotorische Ausfälle
aus orthopädi
scher Sicht
nicht erklären
. In der n
eurologischen Untersuchung zeige
sich eben
falls ein generalisiertes Schmerzsyndrom, wobei Nackenschmerze
n in den Vor
dergrund gestellt würden.
Eine
ra
dikuläre
Schmerzsymptomatik werde
nicht beschrieben
. Die Beschwerdeführer
in
berichte
über zeitweise vorhandene leichte Sensibilitätsstörungen an den Fingern III-V der linken Hand. Bei der klinischen Untersuchung hätten in diesem Bereich
aber
keine sensiblen Defizite reproduziert werden können. Es habe sich kein Hinweis auf eine Reizsymptomatik der Nerven am linken Arm bzw. auf eine
radikuläre
Ursache dieser Beschwerden gefunden. Von internistischer Seite her werde der Beschwerdeführerin ein Diabetes mellitus attestiert, welcher mit oralen Antidiabetika behandelt werde. Bei der neurologi
schen Untersuchung fänden sich keine Hinweise auf eine diabetische Polyneuro
pathie.
Ferner bestünden eine Hypertonie und eine Adipositas. Die somatischen Beschwerden seien gesamtgutachterlich im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit zu vernachlässigen.
Aus rein somatischer Sicht könnte die Beschwerdeführerin eine
leichte Tätigkeit (maximale Traglast 5 kg) ausüben
(
Urk.
7/126/24-25 und
Urk.
7/126/29).
4.3
Diese Beurteilung
der Gutachter
der
Z._
AG
ist angesichts der genannten Befunde sowie der dazugehörigen Erläuterun
gen einleuchtend und plausibel.
Sie wurde
von der Beschwerdeführerin
auch nicht
bestritten (vgl.
Urk.
1).
Mit Blick auf die festgestellte
Adipositas kann davon ausgegangen werden, dass
diese durch eine
gee
ignete Behandlung
oder eine zumutbare Gewichtsabnahme redu
ziert werden könnte
(vgl.
Urk.
7/126/31)
.
Auf die Beurteilung der Gutachter der
Z._
AG zum somatischen Gesund
heitszustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
kann
daher
abgestellt werden.
5.
5.1
Was den Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
in psychiatrischer Hinsicht anbelangt,
ist vorab darauf hinzuweisen, dass das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zu den psychischen Leiden mit
BGE 143 V 409 und 418 (Urteile vom 30. November 2017) änderte und prä
zisierte.
Zum einen entschied es
, dass nunmehr
grundsätzlich
sämtliche psychischen Erkrankungen – und nicht mehr nur somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden –
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281
zu unterziehen seien
(vgl. E. 1.3
).
Zum anderen hielt das Bundesgericht speziell
mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Stö
rungen fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr
bereits
mit dem Argument der fehlenden The
rapieresistenz auszuschliessen sei (BGE 143 V 409 E. 5.1).
Im Weiteren ist zu beachten,
dass es
in sämtlichen Fällen
gesundheitlicher Beeinträchtigungen, somit auch bei
psychischen Störungen
,
nach wie vor
kei
neswegs allein
Sache de
r mit dem konkreten Einzelfall gutachtlich
befassten Arztpersonen
ist
, selber
abschliessend
und für die rechtsanwendende Stelle (Ver
waltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer Arbeitsunfähigkeit (bestim
mter Höhe und Ausprägung) führt. Die
Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbe
messung
hat die Rechtsprechung seit jeher
wie folgt verteilt: Sache des begut
achtenden
Mediziners
ist es erstens, den
Gesundheitszustand zu beurteilen
und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu
beschreiben
, das
heisst
mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der
subjektiven Beschwerden die
Befunde
zu erheben und gestützt darauf die
Diag
nose
zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Geri
cht nicht kompetent sind.
Bei der Folgenab
schätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfä
higkeit kommt der Arztperson hingegen keine
abschliessende
Beurteilungskom
petenz z
u (BGE 140 V 193 E. 3.1-2).
Es kann damit von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein - wie vorliegend - grundsätzlich beweiskräftiges Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
5.2
Die Gutachter der
Z._
AG
nannten
als psychiatrische Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zunächst eine
PTBS (ICD-10 F43.1
; Urk.
7/126/23).
Wie die Beschwerdegegn
erin zu Recht bemerkte (
Urk.
2 S. 2
),
muss das Vorliegen dieser
Diagnose
indes zumindest als fraglich gelten.
So gab
die
Beschwerdefüh
rerin im Rahmen der psychiatrischen Untersu
chung bei der
Z._
AG
erst
mals
an, dass ihr Sohn
,
eine
Tochter und sie selber im Kosovo-Krieg Schussver
letzungen erlitten hätten (
Urk.
7/126/73). Solche
Erlebnisse kämen
als
auslösende Ereignisse für
eine PTBS – vorausgesetzt wird ein
traumatisierende
s Ereignis
von
aussergewöhnlicher
Schwere
(vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V, Klinisch-diagnostische Leitlin
ien, 1
0.
Auflage, Bern 2015, S.
208) -
zwar
in Frage.
Die genaueren Umstände dieser behaupteten Vorfälle
sind
j
edoch gänzlich unklar
, und
anläss
lich der
eingeh
enden somatischen Untersuchung
bei
der
Z._
AG
wurde
bei der Beschwerdeführerin
offenbar
keine e
ntsprechende
Narbe
oder dergleichen festgestellt. De
r
psychiatrische Gutachter der
Z._
AG
wies sodann
darauf hin,
dass die
Albträume
der Beschwerdeführerin – eines der
weiteren
charakte
ristischen Kriterien für eine PTBS
–
seit dem
Unfa
ll von
2006 nur
noch schwächer
vorhanden seien
(Urk.
7/126/74
). Dies steht allerdings
im Widerspruch
zu dessen Aussage
, dass die
zuvor weitgehend kompensierten
Symptome der PTBS erst nach diesem Unfallereignis
verstärkt
aufgetreten seien
(
Urk.
7/129/5-6
)
.
Hinzu kommt, dass
der psychiatrische Gutachter der
Z._
AG
erklärte
,
das
PTBS-Kriterium des
anhaltenden
Vermeidens von Reizen
sei
n
ur teilweise erfüllt
, da die
Beschwerdeführerin
mit Unterstützung ihrer
älteren
Toc
hter bereits in den Kosovo
habe
reisen können, um die Mutter zu besuchen. Ob das
PTBS-Kriterium der
negative
n
Veränderungen von Kognitionen und der Stimmung im Zusam
menhang mit dem oder
den traumatischen Ereignissen
vollständig erfüllt
ist
,
ist
gemäss
dem psychiatrischen Gu
tachter der
Z._
AG
ebenfalls
unklar, weil
auch ei
ne depressive
Episode vorliege (
Urk.
7/126/74-75
).
In der Stellungnahme vom 3
0.
Mai 2017 hat
der behandelnde
Dr.
B._
im Übrigen
keine PTBS mehr
diagnostiziert, sondern eine anhaltende Persönlichkeitsänderung nach einer PTBS (
Urk.
7/146).
Dass die Beschwerdeführerin aufgrund von Beschwerden im Zusammenhang mit einer PTBS arbeitsunf
ähig sein soll, kann damit nicht als erwiesen gelten.
5.3
Im Weiteren führten die Gutachter der
Z._
AG als
psychiatrische
Diagno
sen mit Auswirk
ung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Stö
rung, zurzeit leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und sonstige nicht organische psychotische Stö
rungen (ICD-10 F28)
an (
Urk.
7/126/23
).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
sind diesbezüglich
rechtsprechungsgemäss
die Standardindi
katoren zu beachten (vgl. E. 1.3-4
).
Was die
Ausprägung
der diagnoserelevanten Befunde
anbelangt,
ist festzuhalten,
dass die depressive Symptomatik
von den Gutachtern der
Z._
AG
als leicht eingestuft wurde
(
Urk.
7/126/23)
.
Im Zusammenhang mit dem
geklagten
Schmerzleiden gab die
Beschwerdeführerin Schmerzen im Bereich des Nackens
,
der Arme
und
der Beine
an
, welche sich bei Stress und psychischer Belastung deutlich verstärken würden
(
Urk.
7/126/6
3). Eine klare diagnostische Zuordnung
dieses Leidens
war den Gutachtern
der
Z._
AG
aber
nicht möglich, zumal sich hier keine eindeutige Unterscheidung zwischen möglichen Körperhalluzina
tionen und einer somatoformen Schmerzstör
ung ergeben habe (
Urk.
7/126/25
).
Bezüglich der festgestellten nicht organischen psychotischen Störungen
erklärte
die Beschwerdeführerin, dass sie von der Medikation mit
Truxal
15 mg
(1 Tablette pro Tag)
profitiere (
Urk.
7/126/
66 und
Urk.
7/126/
78).
Durch die
psychopharma
k
ologische
Behandlung
kann die betreffende Symptomatik also offenbar vermin
dert werden
.
Zudem
tritt die Wahnsymptomatik – wie der Stellungnahme von
Dr.
B._
vom 3
0.
Mai 2017 zu entnehmen ist (
Urk.
7/146/2) –
in erster Linie
bei
Überforderung (zum Beispiel
bei
Behördenkontakten oder beim Erledigen von administrativen Aufgaben) auf,
in
Alltagssituation
en aber
anscheinend
weniger.
Betreffend Behandlungserfolg/–
resistenz
hielt
der psychiatrische Gutachter der
Z._
AG
insbesondere
fest
, dass
er
die aktuelle
psychothera
peutische
– die Sit
zungen bei
Dr.
B._
finden
zwei bis drei Mal pro Monat statt (
Urk.
7/126/66) -
und vor allem auch
die
psychopharmakologische Behandlung nicht als ausreichend
erachte
. Von einer adäquaten psychoph
armakologischen Behandlung könne
eine Verbesserung der Symptomatik erwartet
werden (
Urk.
7/126/76 und Urk.
7/126/79). Mit Blick darauf, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung einzig
das niedrigpotente
An
ti
psychotikum
Tru
xal
15 mg einnahm (
Urk.
7/126/66; vgl.
https://de.wikipe
dia.org/wiki/Chlorprothixen
),
ist diese Einschätzung nachvollziehbar.
Demen
t
sprechend
muss mit der Beschwerdegegnerin davon ausgegangen werden, dass
die
Therapiemöglichkeiten
vorliegend nicht adäquat ausgeschöpft werden. Dies unabhängig von der zwischen den Gutachtern der
Z._
AG und Dr.
B._
umstrittenen Frage, ob
allenfalls auch
eine statio
näre Therapie sinnvoll wäre
(
Urk.
7/126/30 und
Urk.
7/146/2).
Die fehlende Krankheitseinsicht
der Beschwerdeführerin
vermag daran nichts zu ändern (
Urk.
7/126/2).
Was die Komorbi
di
täten betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass d
ie festgestellt
en somati
schen Beschwerden der
vollzeitlichen Ausübung einer k
örperlich leichten Tätig
keit
nicht entgegen
stehen
(
Urk.
7/126/29
).
Anhaltspunkte
dafür, dass die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin ein Leis
tungsvermögen
ausschliessen
könnte, bestehen nicht.
Entgegen den Darlegungen der Gutachter der
Z._
AG
(
Urk.
7/126/27
)
sind
sodann
auch
gewisse
Res
sourcen
vorhanden. Zu erwähnen
ist
in diesem Zusammenhang
, dass die Beschwerdeführerin einen gereg
elten Tagesablauf hat, Haushalt
aufgaben erle
digt, für die jüngere IV-berentete
, hilfsbedürftige
Tochter die Mahlzeiten zube
reitet
,
diese – gemeinsam mit der älteren Tochter –
betreut
sowie mit ihr
regel
mässig
längere Spaziergänge unternimmt
. Zudem pflegt die Beschwerdeführerin Kontakt zu ihren beiden weiteren Ki
ndern und deren Familien (
Urk.
7/126/64 und
Urk.
7
/126/67).
Eine
gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
ist unter diesen Umständen nicht
ausgewiesen.
Die aktenkundi
gen Behandlungs
- und Eingliederungs
bemühungen
(Arbeitsversuche
wurden keine unternommen
)
deuten
s
chliesslich
nicht
auf einen ausgeprägten psychi
schen Leidensdruck hin
.
Unter Berücksichtigung der beachtlichen Standardindikatoren, insbesondere
der
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, der
ausbaufähigen Behandlungs
bemühungen, der lediglich leichten Komorbiditäten und des Vorhandenseins eines Ressourcenpotentials, sind keine
erheblichen
funktionellen Auswirkungen der geklagten psychischen Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
(vgl. E. 1.3
-4
)
.
Aus rechtlicher Sicht ist daher
von der medizini
schen Einschätzung der
Gutachter der
Z._
AG z
ur Arbeitsfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
abzuweichen. Deren
Prüfung der Standardindikatoren (
Urk.
7/126/24-28
) vermag nicht zu überzeugen.
5.4
Gesam
thaft betrachtet kann somit
zu keiner Zeit
auf eine invalidisierende Wir
kung
der psychischen Beschwerden
geschlossen werden.
Es kann
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
da
von ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführerin eine körperliche leichte Tätigkeit
spätestens seit Dezember 2006 (sechs Monate nach dem Unfallereignis vom 3
1.
Mai 2006
) wie
der zu 100
%
zu
mutbar ist.
Hinsichtlich der
Beurteilu
ng von
Dr.
B._
ist
schliesslich
zu bemerken, dass
dieser
sich
lediglich zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der Tätigkeit als Reinigungsang
estel
lte
geäussert
hat, nicht aber zur Arbeitsfähigkeit in
einer allfälligen leidensangepassten Tätigkeit (
Urk.
7/76/2-3).
Was dessen Einschät
zungen zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin betrifft
(Urk.
7/76 und
Urk.
7/146)
, darf und soll das Gericht
ferner
auch der Erfahrungstatsache Rech
nung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Die von der Beschwerdeführerin
eventualiter beantragten weiteren medizinischen Abklärungen sind
im Übrigen
nicht erforderlich (
Urk.
1 S. 2).
6
.
6.1
Im Weiteren ist zu prüfen, ob
die
Beschwerdeführer
in
ihre
Res
tarbeitsfähigkeit durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt noc
h wirtschaftlich verwerten kann.
6.2
Im Zusammenhang mit der Frage, ob eine Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt noch verwertbar ist, hat das Bundesgericht etwa einen 60-jährigen Versicherten, welcher mehrheitlich als Wirker in der Textilindustrie tätig gewesen war, als zwar nicht leicht vermittelbar erachtet. Es sah aber mit Bezug auf den hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt gleichwohl Möglichkeiten, eine Stelle zu finden, zumal Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen, ausgegliche
nen Arbeitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt werden, und der Versicherte zwar eingeschränkt (weiterhin zumutbar waren leichte und mittel
schwere Arbeiten im Gehen, Stehen und Sitzen in geschlossenen Räumen), aber immer noch im Rahmen eines Vollpensums arbeitsfähig war (Urteil I 376/05 vom 5. August 2005 insbesondere E. 4.2). Bejaht hat das Bundesgericht auch die
Ver
wertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit eines (ebenfalls) 60-jährigen Versicherten mit einer aufgrund verschiedener psychischer und physischer Limitierungen (es bestanden u.a. rheumatologische und kardiale Probleme) um 30 % eingeschränk
ten Leistungsfähigkeit (Urteil I 304/06 vom 22. Januar 2007 E. 4.1 und 4.2).
Schliesslich
erachtete das Bundesgericht die Chancen eines 60 Jahre alten Versi
cherten, der für körperlich leichte Arbeiten, die abwechslungsweise sitzend oder stehend ausgeführt werden können, ohne
regelmässiges
Heben oder Tragen von Gewichten über 10 kg, ohne häufige Arbeiten über der Horizontalen und ohne
regelmässige
Kraftanwendung des linken Arms bei voller Stundenpräsenz im Umfang von 80 % arbeitsfähig war, auf eine Anstellung für intakt (Urteil 9C_918
/2008 vom 28. Mai 2009 E. 4.3).
Verneint wurde die
Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit eines über 61
-
jähri
gen Versicherten, der über keine Berufsausbildung verfügte, bezüglich der aus medizinischer Sicht im Umfang von 50 % zumutbaren feinmotorischen Tätigkei
ten keinerlei Vorkenntnisse
besass
, dessen Teilarbeitsfähigkeit weiteren krank
heitsbedingten Einschränkungen unterlag und dem von den Fachleuten der Berufsberatung die für einen Berufswechsel erforderliche Anpassungsfähigkeit abgesprochen wurde (Urteil I 392/02 vom 23. Oktober 2003 E. 3.2 und 3.3). Als unverwertbar erachtet wurde auch die 50%ige, durch verschiedene Auflagen zusätzlich limitierte Arbeitsfähigkeit eines knapp 64-jährigen Versicherten mit multiplen, die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Beschwerden (Urteil I 401/01 vom 4. April 2002 E. 4c und d), ebenso eine 50%ige Arbeitsfähigkeit einer 61 Jahre und einen Monat alten Versicherten, die bezüglich der für sie in Frage kommenden Tätigkeiten einer Umschulung bedurft hätte (Urteil 9C_437/2008 vom 19. März 2009 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Auch hat das Bundesgericht bei einem 60 Jahre alten Versicherten, welcher in seiner über 20 Jahre dauernden Tätigkeit als Hotelportier meist mittelschwere bis schwere Arbeiten ausgeführt hatte und behinderungsbedingt nur noch teils stehend, teils sitzend tätig sein kann, wobei nur noch Gewichte bis 5 kg zumutbar und ihm wegen seiner Krank
heit sowohl Schichtdienste als auch das Führen von Fahrzeugen und Maschinen nicht mehr möglich sind, erkannt, er würde mit überwiegender Wahrscheinlich
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keinen Arbeitgeber mehr finden (Urteil 9C_918/2012 vom 10. Mai 2013 E. 3.2; vgl. auch Urteil 8C_345/2013 vom 10. September 2013 E. 4.3.2).
6.3
Die
Beschwerdeführer
in
besuchte
im damaligen Jugoslawien
während acht Jah
ren die
Schule
.
Danach abs
olvierte sie eine Ausbildung als
Schneiderin (Urk.
7/2/5)
.
Ca. 1982 heiratete
sie und
1983, 1984 und 1987 kamen i
hre Kinder zur Welt. Der Ehemann
arbeitete als Saisonnier in der Schweiz. 1999 reiste die Beschwerdeführerin mit
i
hren Kindern in die Schweiz ein
(
Urk.
7/126/65-66)
.
Seit 2004
lebt sie von ihrem Ehemann getren
nt (
Urk.
7/141)
. In der Schweiz arbeitete die Beschwerdeführerin
zunächst
teilzeitlich
als Schneiderin und
in der Folge
bis zum Unfall vom 3
1.
Mai 2006
ebenfalls in einem Teilzeitpensum
im Reinigungs
dienst (
Urk.
7/6
und
Urk.
7/126/
66).
Im
massgebenden
Zeitpunkt, in welchem über die
Verwertbarkeit ihrer
verbliebenen Arbeitsfähigkeit entschieden werden konnte, das
heisst
am
1
3.
Juni 2016
(Gutachtenserstellung
der
Z._
AG
, Urk. 7
/126
;
BGE 138 V 457
) war die
im
Juni 1955
geborene Beschwerdeführer
in
61
Jahre alt. Seither (resp.
bereits seit
Dezember 2006) sind ihr
sämtliche
körper
lich
leichten
Tätigkeiten
in einem
100%-Pensum zumutbar
(vgl. E. 5.4).
Ange
sichts der dargelegten Grundsätze und der relativ hohen Hürden, welche das Bun
desgericht für die
Unverwertbarkeit
d
er Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen
entwickelt hat, ist die wirtschaftliche
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
bei objektiver Betrachtung
zu b
ejahen.
7.
7.1
Zu prüf
en ist sodann
, wie sich die eingeschränkte Leistung
sfähigkeit der Beschwerdeführerin
in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
7.2
Der
frühest
mögliche Beginn eines Rentenanspruchs wäre s
echs Monate nach der Anmeldung zum Leistungsbezug vom
5.
November
2008 (
Eingangsdatum, Urk.
7/2
), das
heisst
der
1.
Mai 2009 (
Art.
29
Abs.
1 IVG
; vgl. auch E. 1.7
).
Die
Beschwerdeführerin hat in der Schweiz nur kurzzeitig als Schneiderin
gear
beitet und verfügt über keinen
hier anerkannten
Berufsausbildungsabschluss (
Urk.
7/126/66
). Es ist davon auszugehen, dass sie ohne gesundheitliche Beein
trächtigung
weiterhin
auf dem ganzen Arbeitsmarkt, der ungelernten Frauen mit
sehr
wenig Deutschkenntnissen
(
Urk.
7/126/70)
offen steht
, tätig
gewesen wäre
.
Hierzu zählen
Tätigkeiten
wie
die zuletzt ausgeübten
Reinigungsarbeiten oder andere körperlich mittelschwere Hilfstätigkeiten, bei welchen
sie
bereits
sei
t
Ende Mai
2006 aus
somatischen Gründen
zu
mindest zu 40
%
eingeschränkt ist.
Das
Wartejahr
ist demzufolge
Ende Mai 2007 abgelaufen
(vgl. E. 1.7)
und
auf den
1.
Mai 2009 (
frühest
möglicher Rentenbeginn)
ist
ein Einkommensvergleich vor
zunehmen.
7.3
Da der
Beschwerdeführerin
die zuletzt zwischen Dezember 2005 und
Juni 2006
in einem 20%-Pensum
ausgeübte Stelle als Unterhaltsreinigerin bei der
Y._
AG aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde
(
Urk.
7/1/2 und
Urk.
7/8/
2), ist aufseiten des
Validenei
nkommens
der Tabellenlohn
gemäss
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
des Bundesamtes für Statistik (LSE 2008
) für einfache und repetitive Tätigkeiten (
Tabelle TA1,
Anforderungsniveau 4, pri
vater Sektor, Frauen) heranzuziehen.
Nach
Eintritt des Gesundheitsschaden
s
hat die Beschwerdeführerin
keine neue Erwerb
stätigkeit aufgenommen, weshalb auch aufseiten
des Invalideneinkommens
auf den
LSE-Tabellenlohn
für eine Hilfsarbeitertätigkeit
abzustellen
ist
(BGE 126 V 75
E. 3b/bb).
Da der Beschwer
deführerin eine körperlich leichte Tätigkeit
im Mai 2009 in einem 100%-Pensum möglich war
, resultiert
bei Gegenüberstellung
der
beiden identischen Einkommen
im Erwerbsbereich
ein Invaliditätsgrad von 0
%
(sogenannter Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a
)
. Ein leidensbedingter Abzug ist
nicht zu gewähren (vgl.
BGE 126 V 75 E. 5a/bb).
7.4
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin als teilerwerbstätig mit Auf
gabenbereich qualifiziert, ohne die Anteile der Erwerbstätigkeit und der Hauhalt
arbeit genau festzulegen (
Urk.
7/131/8).
Ginge
man mit der Beschwerdeführerin davon aus, dass sie
als
zu 7
0
%
im Erwerbs- und
als
zu 3
0
%
im Aufgabenbereich
tätig
qualifiziert werden müsste
(Urk.
1 S. 14 ff.
), würde
unter Berücksichtigung
des Teilinvaliditätsgrads von 0
% im Erwerbsbereich
selbst bei einer hypothetischen Behinderung im Haushalt von 100
%
kein rentenbegründender Gesamtinvaliditätsgrad von 40
%
resultieren ([
100
%
x 0,3
] + 0
%
=
3
0
%
; vgl. E. 1.7
).
Überdies
ist zu beachten, dass der (Tei
l-)Invaliditätsgrad im Haushalt
bereich
regelmässig
nicht höher ausfällt als derje
nige im Erwerbsbereich, da im Haushalt hauptsächlich leichtere bis mittelschwere Tätigkeiten zu verrichten sind und es den Versicherten im Rahmen ihrer Scha
denminderungspflicht zumutbar ist, ihre Arbeit einzuteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch zu nehmen (vgl. BGE 133 V 504 E. 4.2 mit Hinweisen).
Dass die Beschwerdegegnerin unter diesen Umständen von
einer genauen Festlegung der Anteile der Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im Haushal
t
bereich sowie von einer Ermittlung des Invaliditätsgra
des im Aufgabenbereich mittels einer Haushaltabklärung absah, ist
deshalb
nicht zu beanstanden (vgl. Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge
richts I 246/03 vom 15. Juni 2004 E. 5.2
).
Damit erübrigen sich auch
Erörterun
gen zur Frage, in
welchem Umfang die Tochter
A._
betr
euungsbedürftig ist
(vgl. E. 3.1
).
8.
Die angefochtene Verfügung
(
Urk.
2)
, mit der
mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens
insbesondere
ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneint wurde, erweist s
ich damit als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
9.
9.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
9.2
Der vorliegende Prozess kann nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Des Weiteren ist die Beschwerdeführerin bedürftig (Urk. 3
/1
). Antrags
gemäss (Urk. 1 S. 2) ist ihr daher die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen.
Die der Beschwerdeführerin auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
9.3
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt wurde, ist zur Nachzah
lung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 16 Abs. 4 Satz 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).