Decision ID: 5e7992ac-b635-406a-93bf-4469c487036d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1975 geborene
X._
, welcher
über keine abgeschlossene
Aus
bildung
verfügt
,
reiste am 30. September 1995 in die Schweiz ein und
war ab
1997 unregelmässig
bei verschiedenen Arbeitgebern
tätig
(unter anderem i
m Bereich Reinigung oder als Hilfskoch)
.
Am
4. Dezember 2008
meldete er
sich wegen
einer
seit ungefähr
vier Jahren bestehenden
Depression
bei der
Sozial
versicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zu
m Bezug von Leistungen der Inv
aliden
versicherung an (Urk. 7/8
, Urk. 7/13
und Urk. 7/82/4
).
Die IV-Stelle zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk. 7/14 ff.) und klärte die erwerblichen und medizini
schen Verhältnisse ab.
Aus dem Bericht des Haus
arztes
Dr.
med. Y._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medi
zin,
vom 26. Dezember 2008 gingen die folgenden Diagnosen hervor: Schwere soziale Phobie (ICD-10 F40.1), Panikstörung (ICD
10 F41.0) sowie
Alkoholab
hängigkeit
, gegenwärtig Substanzgebrauch (Urk. 7/19
/6
).
Am 19. März 2009 auferlegte die IV-Stelle
dem Versicherten aufgrund der
bestehenden
Suchtprob
lematik
eine Mitwirkungspflicht. Damit sein Gesundheitszustand zuverlässig beurteilt werden könne, müsse ein stationärer Entzug in Verbindung mit einer stationären Psychotherapie während mindestens sechs Monaten in einer geeig
neten Klinik stattfinden. Dem Ver
sicherten wurde zudem eine
Scha
denminde
rungspflicht
auferlegt
(Urk. 7/23).
Mit Schreiben vom 19. März 2009 teilte die IV-Stelle dem Versicherten sodann mit, dass keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen möglich seien (Urk. 7/24). Mit Bericht vom 2. Dezember 2009
bestätigte die Psychiatrische
Universitätsklinik Z._
, dass ein kompli
kationsloser Alkoholentzug durchgeführt worden sei (Urk. 7/33/3). Mit Vorbe
scheid vom 7. Januar 2010 kündigte die IV-Stelle an, der Versicherte habe ab dem 17. März 2009 Anspruch auf eine ganze Rente (Urk. 7/37).
Nach erneut durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Vorbescheid vom 18. März 2010
; Urk. 7/43) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom
5. Juli
2010 eine ganze Rente ab dem 1. Mai 2009 zu (Urk. 7/45 f.
und Urk. 7/52
).
1.2
Am 22. Juni 2011
eröffnete die IV-Stelle ein ordentliches
Rentenrevisionsver
fahren
(Urk. 7/57). Nach Abklärung der erwerblichen und medizinischen Ver
hältnisse teilte sie dem Versichert
en am 15. November 2011
mit, dass weiterhin ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestehe, dass aber die
Restarbeits
fähigkeit
durch einen stationären Alkoholentzug mit anschliessender mehrmo
natiger stationärer Behandlung in einer Suchtklinik verbessert werden könne. Die Massnahme sei dem Versicherten zumutbar und sofort zu beginnen
. Ob er sich der
Behandlung beziehungsweise Massnahme
unterzogen
habe, werde mit amtlicher Revision per
1. August 2012 überprüft. Sollte er sich der Behandlung beziehungsweise
Massnahme nicht unter
zogen haben
, werde sein Rentenan
spruch so beurteilt, als ob
diese durchgeführt worden sei
. Dies könne zur Ein
stellung oder Kürzung der Rente führen
(Urk. 7/63 f.).
1.3
Am 15. August 2012
eröffnete die IV-Stelle das
angekündigt
e
ordentliche
Renten
revisionsver
fahren
(Urk. 7/68).
Nach Einholung eines weiteren Berichts des Hausarztes vom 8. Februar 2013 (Urk. 7/72) forderte die IV-Stelle den Versi
cherten mit Schreiben vom 6. Mai 2013 auf, ihr mitzuteilen, ob er die ihm am 15. November 2011 auferlegte Schadenminderungspflicht (Alkoholentzug und stationäre Behandlung in einer Suchtklinik) umgesetzt habe (Urk. 7/75). Nach
dem sich der Versicherte auf das Schreiben vom 6. Mai 2013 nicht gemeldet hatte, forderte die IV-Stelle ihn mit Schreiben vom 28. September 2013 letzt
mals auf, die erforderlichen Unterlagen bis spätestens am 18. Oktober 2013 zuzustellen (Urk. 7/76). Darauf meldete sich der Versicherte am 1. Oktober 2013 und gab an, das Schreiben vom 6. Mai 2013 nicht verstanden zu haben, da er nicht lesen könne.
Er habe in der Zwischenzeit einen Termin in einer
Suchtkli
nik
organisieren können. Die IV-Stelle forderte ihn auf, die verlangten Angaben schriftlich einzureichen (Urk. 7/77). Mit Vorbescheid vom 8. November 2013 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten an, die Rente per sofort einzustellen (Urk. 7/80). Mit Schreiben vom 12. November 2013 reichte der Versicherte diverse Unterlagen ein (Urk. 7/81 ff.).
Mit Verfügung vom 14. November 2013 stellte die IV-Stelle die Invalidenrente
in der Folge
per sofort ein (Urk. 7/84).
2.
Dagegen erhob der Versicherte
mit Eingabe vom 19. Dezember 2013
Beschwerde
und beantragte sinngemäss, die ange
fochtene Verfügung sei aufzu
heben
und es sei ihm die bisher ausgerichtete ganze Invalidenrente weiterhin auszurichten
(Urk. 1). Mit
Beschwer
de
antwort
vom 7. Februar 2014 (Urk. 6) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 17. Februar 2014 wurde dem Beschwerdeführer Frist angesetzt, um zu erklären, ob er an der Beschwerde festhalte und wenn ja, mit welchem Rechtsbegehren und mit welcher Begründung. Wenn innert Frist kein Beschwerderückzug erfolge, gehe das Gericht davon aus, dass er an der Beschwerde festhalte (Urk. 8).
Am
12. März 2014 reichte die
Z._
im Namen d
es Beschwerdeführers einen B
ericht ein (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vor
zukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der
Schadenmin
derungspflicht
(vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c).
Als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur
Selbst
eingliederung
zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Eingliederungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E.
3.1 mit Hinweisen auf Urteile I
116/03 vom
10.
November 2003 E.
3.1 und I
145/01 vom 12.
September 2001 E.
2b).
1.2
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- oder Ein
gliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (Art. 21 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
2.
2.1
Es ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle die bisher ausgerichtete Invaliden
rente mit Verfügung vom 14. November 2013 einstellte.
Zunächst ist
darauf hinzuweisen, dass d
as Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
ein
gehalten
wurde
: Bereits mit Schreiben vom 15. November
2011
auferlegte die IV-
Stelle dem Beschwerdeführer eine Schadenminderungspflicht
nach Art. 21
Abs.
4 ATSG
und
wies
ihn
auf die Folgen einer Verletzung
dieser Pflicht
hin
(Urk. 7/63 f.)
.
Nach Eröffnung des angekündigten Rentenrevisionsverfahrens forderte die IV-Stelle den Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 6. Mai
2013 und
28. September 2013 zweimal
auf, ihr mitzuteilen, ob die
Sch
adenminde
rungspflicht
umgesetzt
worden
sei
, beziehungsweise die erforderlichen Unterla
gen bis spätestens am 18. Oktober 2013 einzureichen (Urk. 7/75 und Urk. 7/76). Nachdem sich der Beschwerdeführer am 1. Oktober 2013 endlich gemeldet hatte, forderte die IV-Stelle den Beschwerdeführer erneut auf, die verlangten Unterlagen schriftlich einzureichen (Urk. 7/77).
Erst nach Ablauf der ihm angesetzten Frist und nach Erlass des Vorbescheids durch die IV-Stelle reichte der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 12. November 2013 schriftliche Unterlagen ein (Urk. 7/81 ff.).
Die
se
Eingabe
nahm die IV-Stelle zu Recht als
Einwand entgegen. Doch selbst
mit d
en im
Einwandverfahren
eingereichten Unterlagen
konnte der Beschwerdeführer nicht nachweisen, dass er der
Schadenminderungspflicht
nachgekommen
ist
. Dem Bericht der
A._
Klinik vom 11. Oktober 2013 ist zu entnehmen, dass am 26. September 2013 ein Abklärungsgespräch mit dem Beschwerdeführer statt
gefunden hatt
e. Eine
r
stationäre
n
Massnahme
unterzog sich der Beschwerde
führer
innerhalb der
ihm
angesetzten Frist
jedoch
nicht
; es fand
nicht einmal ein
Versuc
h oder der
Begin
n einer
Behandlung
statt. Der Beschwerdeführer gab
gegenüber den Ärzten der
A._
Klinik
lediglich zu verstehen, dass er sich gut vorstellen könne, zum Alkoholentzug stationär in die
Z._
einzutreten (Urk. 7/82)
.
Damit steht fest, dass
der Beschwerdeführer
die ihm auferlegte
Schadenminde
rungspflicht
nicht fristgerecht erfüllt hat
.
2.2
Daran ändert auch das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe den Auf
forde
rungen der IV-Stelle aufgrund seiner Angststörung nicht nachkommen können (Urk. 1), nichts, zumal sich dieses Vorbringe
n als nicht glaubhaft erweist.
Zum einen war der Beschwerdeführer im
Jahr
2012 in der Lage, nach Tunesien zu reisen (Urk. 7/72)
- dies wohl in Begleitung seines Bruders (vgl. Urk. 7/68/4)
. Zum anderen war es ihm
möglich, sich
in Begleitung seines Bru
ders
am 26. September 2013 für ein Abklärungsgespr
äch zur
A._
-Klinik zu begeben
(Urk. 7/88/5). Weshalb es ihm dann nicht möglich gewesen sein soll
te
, in Begleitung seines Bruders den Weg zur
Z._
zurückzulegen, wie in deren Kurzbericht vom 18. Dezember 2013 festgehalten wird (Ur
k. 3/5), ist nicht ersichtlich.
Sodann ist festzuhalten, dass
sich sowohl die Ärzte der
Z._
als auch der Hausarzt
Dr.
Y._
hinsichtlich des Ausmasses der
Angststörung
primär auf die subjektiven Schilderunge
n des Beschwerdeführers stützen.
Ihre Ein
schätzung
ist damit
fraglich, insbesondere auch angesichts des
Umstands, dass
gemäss
Beschwerdeführer
die
Gesamts
ituation „
in Tunesien
immer relativ problemlos“ sei (Urk. 7/72). Es ist
vorliegend deshalb
der Erfahrungs
tat
sache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte und behandelnde Ärzte mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
2.3
Dass sich der
Beschwerdeführer vom 5. Dezember 2013 bis am 17. Januar 2014
– und damit verspätet –
einer
bloss rund sechs Wochen dauernden
stationären Behandl
ung in der
Z._
unterzog
(Urk. 10)
,
ändert ebenfalls nichts an der Ver
letzung der Schadenminderungspflicht.
2.4
Im Sinne des Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
3.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 500.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).