Decision ID: 94d13955-e565-593a-83a5-2bb352a61846
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 2. November 2020 in der Schweiz
um Asyl nach und wurde dem BAZ der Region B._ zugewiesen. Die
Personalienaufnahme fand am 9. November 2020 statt (PA; Protokoll in
den SEM-Akten: 1080264 [nachfolgend A]-10/10) und am 10. Dezem-
ber 2020 wurde der Beschwerdeführer in Anwesenheit seiner zugewiese-
nen Rechtsvertretung zu seinen Asylgründen befragt (Anhörung; Protokoll
in den SEM-Akten: A16/12).
A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen aus, er sei ethnischer Assyrer und in C._ geboren.
Bei der Geburt habe er die irakische Staatsangehörigkeit besessen. 1996
habe er den Irak verlassen und sei nach Deutschland geflüchtet. Seit 2000
sei er in D._ wohnhaft, wo auch seine (...) lebten. Seine Eltern
seien mittlerweile beide verstorben. 2005 habe er die deutsche Staatsbür-
gerschaft erlangt.
Ab 2000 sei er (...) der mittlerweile verstorbenen U. gewesen. Er habe als
Untermieter von U. in einer kleinen Wohnung neben ihr gelebt. Nachdem
die Hauptvermieterin (nachfolgend V.) ihn verleumdet und falsch ange-
schuldigt habe sowie die Kündigung des Mietverhältnisses mit U. gericht-
lich habe durchsetzen wollen, habe er seinerseits dagegen rechtliche
Schritte eingeleitet; allerdings hätten weder die Behörden noch seine An-
wälte etwas unternommen. Es sei zu falschen Informationen und Prozess-
betrügen gekommen. Die Medien hätten den Fall aufgegriffen und sich her-
ablassend über ihn geäussert. Der Bundesgerichtshof habe zwar entschie-
den, dass der Räumungsbefehl gegen ihn und U. aufzuheben und die Sa-
che neu zu beurteilen sei, das Verfahren sei aber an dieselben Richter in
D._ zurückgewiesen worden, welche bereits zuvor entschieden ge-
habt hätten.
Am (...) 2017 sei U. verstorben. Das Gericht habe ihren Tod ausgenutzt
und ihn Ende (...) 2017 zur Räumung seiner Wohnung angehalten. Die
Behörden hätten einen hochgradigen Hass gegen ihn gehabt und sich ge-
gen ihn verbündet. Schliesslich sei er im (...) 2017 dem Räumungsbefehl
nachgekommen. Seit dem Ableben von U. sei er keiner Tätigkeit mehr
nachgegangen, da er aufgrund dieser Ereignisse geschwächt sei; aller-
dings habe er vom deutschen Staat Sozialhilfe erhalten. Diese sei nach
seiner Abmeldung und Ausreise in die Schweiz eingestellt worden.
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Er habe weiterhin gegen das erlittene Unrecht gekämpft und gegen acht in
das Verfahren involvierte Personen Anklage erhoben. Es sei jedoch alles
vertuscht worden. Er vermute, dass V. gute Beziehungen zur deutschen
Justiz habe und diese hingegen ihn sowie seine Eingaben aufgrund seiner
ausländischen Wurzeln als wertlos betrachtet habe.
Am (...) 2019 habe ein Sondereinsatzkommando seine Wohnung ge-
stürmt, mutmasslich um ihn mundtot zu machen, weil er die Justiz massiv
kritisiert habe. Man habe ihn in eine forensisch geschlossene Psychiatrie
entführt und die Angelegenheit so dargestellt, dass er eine Gefahr für die
Allgemeinheit sei. Am Folgetag sei er aus der Psychiatrie entlassen wor-
den. Kurze Zeit später sei erneut ein Sondereinsatzkommando gekommen,
um ihn, seinen Bruder, seine Schwester und seine damals schwerkranke
Mutter zu töten. Die Polizisten hätten die Wohnungstüre aufgebrochen und
einen Vollstreckungsbefehl vorgewiesen.
Am 30. November 2020 hätte er in Deutschland vor Gericht erscheinen
müssen, da er beschuldigt werde, Polizisten vor seiner Wohnung angegrif-
fen zu haben. Allerdings habe er nur Widerstand gegen den Angriff der Po-
lizisten geleistet. Da er aufgrund dieses Verfahrens befürchte, erneut zu
Unrecht in einer Psychiatrie untergebracht und dort geschädigt sowie ver-
höhnt zu werden – die Behörden in D._ seien schwer «vernazifi-
ziert» – sei er am 1. November 2020 mit dem Zug von D._ legal in
die Schweiz gereist.
Zu seiner Gesundheit gab er an, die Ärzte in Deutschland hätten bei ihm
eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert. Die letzte
Behandlung habe er dort Ende Oktober 2020 gehabt. Die Medikamente,
welche er aus Deutschland mitgenommen habe, nehme er nicht regelmäs-
sig ein, da sie Nebenwirkungen hätten und nicht vollständig wirksam seien.
In der Schweiz habe der Arzt schriftlich festgehalten, dass er unter Para-
noia und Wahnvorstellungen leide. Indes werde er tatsächlich von den
deutschen Behörden verfolgt. Zudem habe er aufgrund der Quarantäne, in
welche er sich in der Schweiz habe begeben müssen, zweimal das Be-
wusstsein verloren. Müsste er nach Deutschland zurückkehren, könnte es
sein, dass er Suizid begehe.
A.c Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit
der geltend gemachten Mietstreitigkeit diverse behördliche Unterlagen, von
ihm verfasste Schreiben an die deutsche Justiz, anwaltliche Korrespon-
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denz und zwei Zeitungsartikel zu den Akten. Ausserdem gab er seine deut-
sche Identitätskarte (im Original), diverse Unterlagen betreffend U., meh-
rere Fotos, einen Zeitungsartikel aus dem Spiegel, von ihm Ende Novem-
ber und im Dezember 2020 verfasste Ausführungen, diverse medizinische
Unterlagen aus Deutschland, aus denen hervorgeht, dass er insbesondere
an einer PTBS leide, sowie eine Einladung vom 3. Dezember 2020 für zwei
Arzttermine im Januar 2021 in der Schweiz, zu den Akten.
B.
Am 26. November und am 11. Dezember 2020 wurde der Beschwerdefüh-
rer von Dr. E._, Facharzt für Allgemeinmedizin, in F._, me-
dizinisch untersucht. Der Arzt diagnostizierte eine PTBS mit teils paranoi-
den Zügen und Verfolgungswahn. Dem Arztbericht vom 16. Dezem-
ber 2020 der Klinik (...) in F._ sind als Diagnosen eine psychische
Belastungsstörung mit schwerer Depression sowie ein Verdacht auf eine
Gastroenteritis zu entnehmen.
C.
Am 17. Dezember 2020 nahm der zugewiesene Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers Stellung zum Verfügungsentwurf des SEM vom 16. De-
zember 2020 und hielt im Wesentlichen fest, der Beschwerdeführer sei der
Meinung, das SEM habe seine Beweismittel im Entscheidentwurf nicht ge-
würdigt. Er sei zudem der Ansicht, dass er die Flüchtlingseigenschaft er-
fülle, da er davon ausgehe, dass er aufgrund seiner politischen Einstellung
verfolgt werde, zumal er deutsches Unrecht kritisiert habe. Die deutschen
Behörden seien nicht schutzwillig und missbrauchten ihre Position.
D.
Mit Verfügung vom 18. Dezember 2020, gleichentags eröffnet, verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte
sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
E.
Am 18. Dezember 2020 legte die zugewiesene Rechtsvertretung das Man-
dat nieder.
F.
Der Beschwerdeführer gelangte mit Beschwerde vom 28. Dezember 2020
an das Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die Verfügung des SEM
vom 18. Dezember 2020 sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren.
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Seite 5
Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen.
In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
Als Beilagen reichte er unter anderem diverse Beweismittel ein, die sich
bereits in den vorinstanzlichen Akten befinden, sowie einen Bericht von hu-
manrights.ch vom 16. Juli 2020 betreffend einen Entscheid des Europäi-
schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) vom 30. Juni 2020.
G.
Am 29. Dezember 2020 bestätigte die zuständige Instruktionsrichterin den
Eingang der Beschwerde und stellte das einstweilige Anwesenheitsrecht
des Beschwerdeführers in der Schweiz fest.
H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
29. Dezember 2020 in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 1 AsylG [SR
142.31]).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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Seite 6
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 7
5.
5.1 Zur Begründung der fehlenden Flüchtlingseigenschaft und der Ableh-
nung des Asylgesuches qualifiziert die Vorinstanz die Vorbringen des Be-
schwerdeführers als den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im
Sinne von Art. 3 AsylG nicht genügend. Diese Einschätzung begründet sie
im Wesentlichen wie folgt:
Zunächst sei festzuhalten, dass der Bundesrat alle EU- und EFTA-Staaten,
darunter auch Deutschland, als sichere Drittstaaten («safe country») im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet habe. Werde ein Staat
vom Bundesrat als verfolgungssicher bezeichnet, bestehe die gesetzliche
Regelvermutung, dass eine flüchtlingsrechtlich relevante staatliche Verfol-
gung nicht stattfinde und Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewähr-
leistet sei. Es handle sich hierbei um eine relative Verfolgungssicherheit,
welche im Einzelfall auf Grund konkreter und substantiierter Hinweise um-
gestossen werden kann (m.H.a. Urteil des EGMR, Saadi gegen Italien, Ur-
teil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127,
m.w.H.). Eine bloss entfernte Möglichkeit zukünftiger Verfolgung genüge
nicht.
Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den einge-
reichten Beweismitteln gingen Hinweise auf eine flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hervor. Dass ihm die Wohnung
nach dem Ableben von U. gekündigt worden sei, entspreche gängigem
Mietrecht. Falls eine Beschwerde dagegen keinen Erfolg gezeitigt habe,
sei dies weder den deutschen Behörden anzulasten noch sei es auf partei-
ische Verfahrensführung zurückzuführen. Das SEM bedauere, dass er sich
seitens der Gerichte, der Anwälte, der Medien und der Exekutive benach-
teiligt und schlecht behandelt fühle. Flüchtlingsrechtlich relevant sei dies
nicht und es treffe ihn auch nicht aus einem entsprechenden Motiv. Die
Behandlung durch die Polizei im Herbst 2019 sei kein Nachteil, der ihn auf-
grund seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimm-
ten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Anschauungen getrof-
fen habe. Dass die Massnahmen – zweimalige zwangsweise Einweisung
in eine psychiatrische Klinik und Eröffnung eines Verfahrens wegen Dro-
hungen oder Angriffen gegenüber Beamten – anderen als rechtsstaatlich
legitimen Zwecken gedient hätten, sei nicht ersichtlich. Zwar erkläre er, die
Behörden und anderen Akteure hätten sich wegen seiner Kritik gegen ihn
verschworen, ihn mundtot machen und lebenslang in eine psychiatrische
Anstalt wegsperren wollen. Seine Darlegungen widerspiegelten aber ledig-
lich seine eigene subjektive Sichtweise, die anhand objektiver Merkmale
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keine Bestätigung finde. Dasselbe lasse sich zu seinen selbst verfassten
Unterlagen und Nachrichten sagen, aus denen seine persönliche Anschau-
ung hervorgehe und die nicht als Belege für eine Verfolgung gemäss Art. 3
AsylG taugten.
Zwar sei bedauerlich, dass es anlässlich der behördlichen Zugriffe zu phy-
sischer Gewaltanwendung gekommen sei, wie er mit der Nachreichung
von Fotos belege. Sollten Beamte bei der Ausübung ihrer Pflicht aber zu
Unrecht oder übermässig Gewalt angewandt haben, könne er dies bean-
standen, was bei begründetem Verdacht bestimmt ein internes Verfahren
nach sich ziehen würde. Dem deutschen Staat per se könne ein allfälliges
Fehlverhalten vereinzelter Beamter, das geahndet werden könne, nicht an-
gelastet werden. Auch die diversen Prozessakten, die er als weitere Be-
weismittel abgegeben habe, deuteten nicht darauf hin, dass ihm in
Deutschland eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung drohe. Der
blosse Umstand, dass er die Einschätzung der heimatlichen Gerichte oder
der Staatsanwaltschaft nicht teile, vermöge nicht auf mangelhafte oder gar
politisch motivierte Verfolgung schliessen. Des Weiteren stehe ihm, sollte
er sich Verleumdungen oder Schikanen ausgesetzt sehen, der Rechtsweg
offen.
Insgesamt seien seine Aussagen und die eingereichten Beweismittel nicht
geeignet, die für Deutschland geltende Regelvermutung, dass dort Sicher-
heit vor Verfolgung bestehe, umzustossen. Es sei somit von einer unab-
hängigen Rechtsprechung sowie vom Vorhandensein eines adäquaten
Schutzes durch den Heimatstaat auszugehen. Daran vermöge auch seine
Stellungnahme zum Entscheidentwurf nichts zu ändern. Das SEM erkenne
weder objektive Anzeichen für ein politisch motiviertes Verfahren gegen ihn
noch Hinweise auf eine gegen ihn gerichtete Verschwörung deutscher Be-
hörden und Anwälte.
5.2 In seiner Beschwerde moniert der Beschwerdeführer in formeller Hin-
sicht, das SEM habe den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig
beziehungsweise unrichtig festgestellt. Es habe wichtige Tatsachen, wel-
che zur Abklärung der Asylgewährung von grosser Relevanz seien, un-
sachgemäss interpretiert und den Sachverhalt in Bezug auf die gesund-
heitlichen Beschwerden mangelhaft abgeklärt.
Sodann wiederholt er im Wesentlichen seine anlässlich der Anhörung ge-
machten Vorbringen. Zudem hält er fest, es könne von ihm nicht erwartet
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oder verlangt werden, dass er, trotz seinem am 16. Dezember 2020 diag-
nostizierten posttraumatischen Belastungssyndrom, aufgrund dessen er
auf adäquate medizinische Unterstützung angewiesen sei, gegen die
Staatswillkür in Deutschland kämpfe. Deutschland sei kein Rechtsstaat.
Das SEM habe sich in Widersprüche verwickelt, indem es einerseits seine
Vorbringen geglaubt habe, sie andererseits wiederum als unglaubhaft qua-
lifiziert habe. Des Weiteren habe das HEKS ihn im Stich gelassen und sei
kaum gewissenhaft in seinem Einsatz. Schliesslich wendet er ein, das SEM
habe zwei für ihn im Januar 2021 vorgesehene Arzttermine annulliert und
ihn von F._ nach G._ transferiert, um offenbar keine recht-
lich medizinischen Beweise zu seinen Gunsten zu schaffen. Er habe nun
aber in G._ einen neuen Termin erhalten. Es gehe ihm gesundheit-
lich sehr schlecht. Er sei bereits zwei Mal umgefallen, habe Magenschmer-
zen gehabt, sei im Spital gewesen, habe Mangelerscheinungen, weshalb
er Pillen nehme, und leide öfters an Bluthochdruck. Diese Beschwerden
habe er zuvor nie gehabt und sie seien auf Stress und Angst zurückzufüh-
ren.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zu fol-
genden Schlüssen:
6.2 Der Beschwerdeführer begründet weder substantiiert noch ist aus den
Akten ersichtlich, inwiefern das SEM den rechtserheblichen Sachverhalt
unvollständig beziehungsweise unrichtig festgestellt haben soll. Insbeson-
dere erhellt auch nicht, weshalb das SEM die gesundheitlichen Leiden des
Beschwerdeführers mangelhaft abgeklärt oder gewürdigt hätte. Vielmehr
hat es sich in der angefochtenen Verfügung eingehend mit seinem Ge-
sundheitszustand befasst (vgl. dort E. III Ziff. 2 S. 6 f.). Eine Verletzung
formellen Rechts ergibt sich auch nicht aus dem Umstand, dass das SEM
die beiden für Januar 2021 vorgesehenen Arzttermine des Beschwerde-
führers zwecks seines Transfers in eine andere Asylunterkunft offenbar an-
nulliert hat, zumal der medizinische Sachverhalt des Beschwerdeführers
im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Verfügung vom 18. Dezember 2020 an-
hand der zahlreich vorhandenen ärztlichen Berichte aus Deutschland und
der Schweiz ausreichend erstellt war. Demnach erweisen sich die formel-
len Rügen des Beschwerdeführers als unbegründet, weshalb der entspre-
chende Antrag abzuweisen ist.
6.3 In materieller Hinsicht ist die Vorinstanz zu Recht zum Schluss gekom-
men, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers die Vermutung, in
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Deutschland finde keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG statt, nicht
umzustossen vermögen. Es sind keine objektiven Hinweise auf seine
Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf Deutschland ersichtlich. Zur Vermei-
dung von Wiederholungen kann auf die zutreffenden Erwägungen in der
angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. Zusammenfassung
oben E. 5.1). Weder die pauschalen Einwände in der Beschwerde noch die
eingereichten Beweismittel vermögen zu einer anderen Gewichtung zu
führen:
Die Behauptung des Beschwerdeführers, dass das SEM seine Vorbringen
teilweise als unglaubhaft qualifiziert habe, ist nicht zutreffend, geglaubt hat
es ihm einzig nicht, dass dem geltend gemachten Vorgehen und den Mas-
snahmen der deutschen Behörden ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv
im Sinne von Art. 3 AsylG zugrunde liege. Sollte der Beschwerdeführer sich
in Deutschland auch in Zukunft ungerecht behandelt fühlen, stehen ihm
auch künftig rechtsstaatliche Mittel zur Verfügung. Sein gesundheitlicher
Zustand steht dem nicht entgegen, wie er in der Beschwerde moniert. Viel-
mehr kann er sich nötigenfalls erneut an fachkundige unterstützende Stel-
len (Rechtsberatung, Rechtsvertretung) wenden. Schliesslich kann der Be-
schwerdeführer auch nichts aus dem Hinweis, dass das HEKS ihn im Stich
gelassen habe, zu seinen Gunsten ableiten, war er doch offenbar im
Stande, eigenständig eine rechtsgenügliche Beschwerde zu verfassen.
6.4 Zusammenfassend hat das SEM seine Erwägungen auf eine
genügende Sachgrundlage gestützt und kein formelles Recht verletzt. Es
hat ausserdem zu Recht festgestellt, der Beschwerdeführer erfülle die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Entsprechend hat es
auch sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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Seite 11
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest-
gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren.
Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer
weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat
ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.3 Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs hält das SEM folgendes fest:
8.3.1 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle,
könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1
AsylG nicht angewandt werden. Ferner ergäben sich aus den Akten keine
Anhaltspunkte dafür, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene
Strafe oder Behandlung drohe.
8.3.2 Betreffend Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ergäben sich aus
den Akten keine Hinweise, die geeignet wären, die Regelvermutung nach
Art. 83 Abs. 5 AIG zu widerlegen, obschon das SEM seine psychische Ver-
fassung nicht verkenne.
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Seite 12
Aus seinen Aussagen und den medizinischen Akten sei zu entnehmen,
dass er namentlich an einem ausgeprägten posttraumatischen Belastungs-
syndrom erkrankt sei. Des Weiteren bestehe gemäss einem nervenärztli-
chen Befundbericht vom 26. Oktober 2020 der Verdacht auf eine kombi-
nierte Persönlichkeitsstörung. Er habe sich deswegen in Deutschland
schon seit längerer Zeit in Behandlung befunden. Es spreche nichts dage-
gen, dass er dort auch in Zukunft wieder vollumfänglichen Zugang zu einer
adäquaten medizinischen Versorgung haben werde. Die Einnahme seiner
derzeitigen Medikation könne nahtlos fortgesetzt werden. Ausserdem er-
achte das SEM die Rückkehr in seine vertraute Umgebung und in die Nähe
seiner Geschwister als sehr erstrebenswert. Zudem sei davon auszuge-
hen, dass ihm erneut staatliche Unterstützungsleistungen offenstehen wür-
den. Demzufolge sollte er nach einer Rückkehr nach D._ nicht in
eine existenzbedrohende Situation geraten.
Was seine suizidalen Tendenzen anbelange, stelle Suizidalität gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung kein Vollzugshindernis dar (m.H.a.
Urteil des BGer 2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1). Seinem Ge-
sundheitszustand sei bei der Vollzugsorganisation mit einer angemesse-
nen Vorbereitung Rechnung zu tragen. Aus der bestehenden Aktenlage
liessen sich somit keine medizinischen Gründe ableiten, welche gegen die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen würden.
Es gelinge ihm somit nicht, die Regelvermutung der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs zu widerlegen. Demzufolge sei davon auszugehen,
dass der Vollzug der Wegweisung nach Deutschland zumutbar sei.
8.3.3 Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und
praktisch durchführbar.
8.4 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung ausführlich, und in Be-
rücksichtigung sämtlicher bekannter Umstände des vorliegenden Einzel-
falles zutreffend begründet, weshalb dem Vollzug der Wegweisung keine
Hindernisse entgegenstünden. Soweit der Beschwerdeführer in der Be-
schwerde seine aktuellen gesundheitlichen Leiden beschreibt, vermag er
damit nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, zumal diese einerseits aus der
Anhörung und andererseits aus den Arztberichten vom 11. und 16. Dezem-
ber 2020 hervorgehen, und somit dem SEM im Zeitpunkt der Verfügung
vom 18. Dezember 2020 offenbar bekannt waren. Es kann deshalb vollum-
fänglich auf die entsprechende Begründung seitens des SEM verwiesen
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Seite 13
werden (vgl. oben E. 8.3). Aus dem eingereichten Bericht zu einem jünge-
ren EGMR-Urteil ergibt sich nichts anderes, zumal nicht ersichtlich ist, in-
wiefern der diesem Urteil zu Grunde liegende Sachverhalt mit dem vorlie-
genden Einzelfall vergleichbar wäre.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist
(Art. 49 Bst. c VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Es verbleibt der Entscheid über die Kosten.
10.1 Die Behandlung des Gesuchs um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses erübrigt sich mit dem vorliegenden abschliessenden
Urteil in der Sache.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Beschwerde entsprechend den
vorstehenden Erwägungen bereits bei Eingang der Begehren, unbesehen
der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers, als aussichtlos er-
wiesen hat. Demzufolge hat der Beschwerdeführer die Verfahrenskosten
in der Höhe von Fr. 750.– zu tragen (Art. 1 ‒ 3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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