Decision ID: 6afaf133-d964-4851-ba98-80a9285c45be
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1966,
war
vom 1. November 2015 bis 31. Mai 2017
in einem Teilzeitpensum
als Architekt bei der
Y._
angestellt
(Urk. 7/64-65)
und
absolvierte von
Mai 2018 bis Juni 2019
verschiedene Kurse
an der
Z._
(Urk.
3/7,
7/50
).
Am 6.
April 2020 meldete er sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
A._
zur Arbeitsvermittlung an (Urk.
7/71)
und
stellte am 1
4
. April
2020
Antrag auf Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung ab
dem erstge
nannten Datum
(Urk.
7/51
-54
).
Mit Verfügung vom 28.
Juli 2020
(Urk. 7/19-20
) verneinte
die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
einen Anspruch
des Ver
si
cherten
auf Arbeitslosenentschädigung ab dem
6.
April 2020
,
da dieser
weder die Mindestbeitragszeit erfüllt
habe
noch
v
on der Erfüllung der Beitragszeit befreit werden
könne
.
Daran hielt sie auf
Einsprac
he (
Urk.
7/9
)
hin
mit Entscheid vom 11. September 2020 (Urk. 2)
fest
.
2.
Hiergegen erhob
X._
mit Eingabe vom 5. Oktober 2020 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzu
heben und sein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung sei anzuerkennen. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Oktober 2020 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 3. November 2020 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt
gemäss Art
.
8 Abs.
1
lit
.
e
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venz
entschädigung (AVIG)
unter anderem voraus, dass die versicherte Person die Beitragszeit
erfüllt hat
(Art.
13
AVIG
) oder von der Erfüllung der Beitra
gszeit befreit ist (Art. 14 AVIG
).
1.2
Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine
beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rah
men
frist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die ver
sicherte Person sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Ver
bindung mit Abs. 2 AVIG).
1.3
1.3.1
Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind gemäss Art.
14 Abs.
1 AVIG unter anderem Personen, die innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit während insgesamt mehr als zwölf Monaten wegen Schulausbildung, Umsc
hulung oder Weiterbildung (
lit
.
a) nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und deshalb die Beitragszeit nicht erfüllen konnten, sofern sie während mindestens zehn Jahren W
ohnsitz in der Schweiz hatten.
1.3.2
A
ls Ausbildung im Sinne von Art. 14 Abs. 1
lit
.
a AVIG
gilt
praxisgemäss
jede systematische, auf der Grundlage eines ordnungsgemässen, rechtlich oder zu
mindest faktisch anerkannten (üblichen) Lehrganges beruhende Vorbereitung auf ein konkretes berufliches Ziel bzw. eine künftige erwerbliche Tätigkeit. Sie muss genügend überprüfbar sein
und endet mit der Kenntnisnahme des erfolgreichen
Abschlusses
.
Ein Selbststudium, im Zusammenhang mit einem eigenen For
schun
gs
projekt, kann nicht genügend überprüft werden und fällt deswegen nicht unter den gesetzlichen Befreiungsgrund der Aus- bzw. Weiterbildung oder Um
schulung (Barbara Kupfer Bucher
,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG
,
5. Auflage
2019, S. 76;
Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweiz
erisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Soziale
Sicherheit, 3.
Aufl
age 2016, S. 2336
Rz
. 237;
vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_418/2016 vom 15. November 2016 E. 3.3 mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung).
1.4
Na
ch dem klaren Wortlaut von Art.
14 Abs.
1 AVIG muss die versicherte Person durch einen der in dieser Bestimmung genannten Gründe an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung gehindert worden sein. Zwischen dem Befrei
ungsgrund und der Nichterfüllung der Beitragszeit muss ein Kausalzusammen
hang bestehen. Dabei muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten be
standen haben. Da eine Teilzeitbeschäftigung mit Bezug auf die Erfüllung der Beitragszeit einer Vollzeitbeschäf
tigung gleichgestellt ist (Art. 11 Abs.
4 Satz
1
der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und d
ie Insol
venzentschädigung, AVIV
), liegt die erforderliche Kausalität zudem nur vor, wenn es der versichert
en Person aus einem der in Art. 14 Abs. 1
lit
. a-
c AVIG genannten Gründe auch nicht möglich und zumutbar war, ein Teilzeitar
beits
verhältnis einzugehen (BGE 139 V 37 E.
5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
v
erneinte d
en
Anspruch des
Beschwerdeführer
s
auf Arbeitslosenentschädigung
mit der Begründung
,
dieser habe
in der
vom
6.
April 2018 bis
5.
April 2020 dauernden
Rahmenfrist weder
die Beitragszeit erfüllt
noch
könne er sich auf einen
Grund für die Befreiung von deren Erfüllung nach
Art.
14 AVIG
berufen
.
Insbesondere könne angesichts der Anzahl Lektionen
selbst unter Anrechnung einer gewissen Vorbereitungszeit
nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer mit den an der
Z._
besuchten Kurse
n
einer vollzeitlichen Ausbildung nachgegangen sei, woran die geltend gemachten, nicht näher dargelegten Projektarbeiten nichts änderten.
Demnach wäre es dem Be
schwerdeführer möglich gewesen, daneben eine teilzeitliche Erwerbstätigkeit aus
zuüben und damit die Beitragszeit zu erfüllen (Urk. 2 und 6).
2.2
Dagegen bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor,
er sei im mass
gebenden Zeitraum während mehr als zwölf Monaten
vollzeitlich einer Ausbil
dung
im Bereich
des Dokumentarfilm
s nachgegangen, weshalb ein Grund für die Befreiung von d
er Erfüllung der Beitragszeit
vorliege. Die
Ausbildung habe nicht nur in den besuchten Kursen bzw. den konkreten Kursdaten bestanden, sondern nachweislich auch damit verbundene, sehr zeitintensive Projektarbeiten umfasst, welche periodisch von seiner Dozentin überprüft worden seien. Der Zeitbedarf liege völlig im üblichen Rahmen für Filmbearbeitung
(
Urk.
1).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen
ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeits
losen
entschädigung ab dem
6. April 202
0.
Dabei ist unbestritten, dass der Be
schwerde
führer in der
vom
6. April
2018
bis
5. April
2020 dauernden
zwei
jährige
n
Rahmenfrist für die Beitragszeit
keine beitragspflichtige Beschäftigung ausübte
und
somit
die minimale Beitragszeit von zwölf Monaten (E
. 1.2
hiervor)
nicht erfüllt ist.
3.2
Uneins sind sich die Parteien indes in der Frage
, ob die Voraussetzungen für eine Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit gegeben sind, namentlich ob der Beschwerdeführer sich auf den Befreiungsgrun
d der
Aus
bildung gemäss Art.
14
Abs.
1
lit
.
a AVIG
(
E. 1.3 hiervor
)
berufen kann.
3.3
Laut
den
aufliegenden
Teilnahmebes
tätig
ungen der
Z._
vom 19. Juni und 3. Dezember 2018 sowie
vom
7. Juni 2019
(
Urk. 3/7
; vgl. auch Urk.
7/50)
besuchte der Beschwerdeführer
anlässlich
seiner Aus
bildung
die
drei
folgende
n
Kurse:
08.05.
-19.06.2018
(6 Wochen)
Video – Kamera
&
Filmsprache
25 Lektionen
20.08.
-03.12.2018
(15 Wochen)
Dokumentarfilm
32 Lektionen
08.03.
-07.06.2019
(13 Wochen)
Filmschnitt – Montage
12 Lektionen
Mit
der Teilnahme an diesen drei
Kursen
während insgesamt 34 Wochen
für sich allein
e
wird die
für eine Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit
erforderliche Dauer von mehr als zwölf Monaten
(E. 1.
3.1 und E. 1.4
hiervor)
unbe
stritte
ner
massen
nicht erreicht
.
Aus den
obgenannten Angaben ergibt sich sodann eine
Präsenzzeit
von 4.16 (Kurs 1), 2.13 (Kurs 2) bzw. 0.92 (Kurs 3) Lektionen pro Woche, sodass selbst unter Berücksichtigung
einer
angemess
enen Vo
r- und Nach
bereitung
nicht davon ausgegangen werden
kann
, der Beschwerdeführer
sei
während
der Dauer dieser Kurse
einer vollzeitlichen Ausbildung nachgegangen.
3.4
3.4.1
Der Beschwerdeführer bringt vor,
seine Ausbildung habe nebst den besuchten K
ursen
auch damit verbundene,
sehr zeitintensive Projektarbeiten
umfasst
, wes
halb er in der Gesamtschau über ein Jahr an der Ausübung einer Erwerbstätigkeit verhindert gewesen sei (
Ur
k.
1 S.
1
)
.
Er
verweist
in diesem Zusammenhang
auf eine entsprechende Bestätigung von
B._
, Dozentin
Z._
, vom 24. August 2020
(Urk.
3/2
)
sowie
auf ein Schreiben von
C._
, Leitung Digitale Medien / Softwareentwicklung & Systeme,
Z._
, vom 24. September 2020 (Urk. 3/4), wonach
insbesondere Kurse und Bildungsgänge in den Bereichen «3D» und «Video» mit eigenen Projekten neben der Präsenz ein zusätzliches zeitliches Engagement erforderten. O
hne erheblichen Mehraufwand seien erfolg
reiche Projektarbeiten praktisch nicht möglich.
Des Weiteren
legte
der Beschwer
deführer
je ein «Datenblatt» betreffend die von ihm realisierten Kurzfilme «
D._
» und «
E._
» (Urk. 3/5)
sowie
ein
«Arbeitszeit
protokoll» (Urk. 3/6)
, jeweils datiert vom 5. Oktober 2020,
ins Recht.
In letzterem
bezifferte der Beschwerdeführer den
Zeitaufwand mit 25 % für die Periode vom 8. Mai bis 19. Juni 2018 (Besuch Kurs 1 inklusive Vorbereitung), an welche sich eine
«Sommerpause» vom 20. Juni bis 17. August
2018 schloss.
Für die
Periode
vom
20. August 2018
bis 31. März 2020
(ausgenommen «Sommerpause» vom 1. Juli bis 13. September 2019)
veranschlagte er den
Zeitaufwand auf 100 % (Be
such Kurse 2 und 3 sowie Projektarbeit).
Insgesamt
protokollierte
der Beschwer
deführer betreffend die Rahmenfrist
für die Beitragszeit
vom 6. April 2018 bis 5. April 2020
für die
Ausbildung
eine «Arbeitszeit» von
25 % während
1.3
Mona
ten und eine solche von 100 %
während 16.5 Monaten.
3.4.2
D
er vom Beschwerdeführer
geltend gemachte
zeitliche Aufwand
für die frag
lichen Projektarbeiten
bzw. Dokumentarfilme
lässt sich
anhand seiner Angaben und der von ihm aufgelegten Beweismittel
nicht zuverlässig überprüfen. Dies gilt insbesondere für das
erstmals im Beschwerdeverfahren aufgelegte «Arbeitszeit
pro
tokoll» vom 5. Oktober 2020 (
Urk.
3/6), handelt es sich dabei doch um eine
vom Beschwerdeführer selber nachträglich erstellte, grobe Auflistung der
ausge
führten
Arbeiten. Soweit er für die Zeit
vom
20. August 2018
bis 31. März 2020
e
ine
zeitliche Inanspruchnahme
von 100 % während 16.5 Monaten geltend macht, erscheint dies
sodann
nicht nur
als
unverhältnismässig hoch, sondern findet
diese Angabe
auch in den
Bestätigungen von
B._
vom 24. August 2020 (Urk.
3/2) und von
C._
vom 24. September 2020 (Urk. 3/4) keine hinreichende Stütze, da die
Qualifikation
der Projektarbeiten als «sehr
zeitintensiv»
bzw.
mit «erheblichem
Mehraufwand»
verbunden
nicht
auf ein geleistetes Vollzeitpensum schliessen lässt.
Der Umstand, dass gemäss
nicht näher belegter
Darstellung des Beschwerdeführers eine periodische Überprüfung der Projektarbeiten durch die
genannte
Dozentin erfolgt
sein soll
, vermag daran nichts zu ändern.
Für die Zeit vom
8.
Mai bis 19. Juni 2018 bezifferte der Be
schwerdeführer die Arbeitszeit sodann mit lediglich 25 %, während er
für die Perioden vom
20. Juni bis 17. August 2018 und 1. Juli bis 13. September 2019
gar eine
«Sommerpause» von rund zwei bzw. zweieinhalb Monaten
protokollierte
.
Insgesamt
ist
damit
nicht erstellt
, dass
es
dem Beschwerdeführer in der
vom 6. April 2018 bis 5. April 2020
dauernden Rahmenfrist für die Beitragszeit
wegen der
Ausbildung
nicht
mö
glich und zumutbar
war
,
während mindestens zwölf Monaten wenigstens
teilzeitlich einer beitragspflichtigen
Beschäftigung
nachzu
gehen. Dies gilt umso mehr, als er
bei
der
Aus
bildung
in seiner Zeiteinteilung im Wesentlichen frei war.
Demzufolge scheitert die Berufung auf den Befreiungs
tat
bestand von Art.
14 Abs.
1
lit
. a AVIG.
Bei diesem Ergebnis kann offenbleiben, ob die vom Beschwerdeführer absol
vierten Kurse und die geleisteten «Projektarbeiten» die Anford
erungen an eine Ausbildung
im Sinne von
Art.
14
Abs.
1
lit
. a AVIG (E. 1.3
.2
hiervor) erfüllen.
3.5
Anhaltspunkte für eine anderweitig begründete Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit liegen nicht vor. Entsprechendes wurde vom Beschwerdeführer denn auch nicht geltend gemacht.
4.
Zusammenfassend fehlt es nach dem Ausgeführten innerhalb der massgebenden Rahmenfrist sowohl an der erforderlichen Beitragszeit von mindestens zwölf Monaten als auch an einem Befreiungstatbestand im Sinne von
Art.
14 AVIG. Die Beschwerdegegnerin hat demnach den Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 6. April 2020 zu Recht verneint. Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.