Decision ID: dfc95bd1-6e27-4104-8420-065f0e1b77af
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rentenrevision (Einstellung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 2. November 1999 zum Bezug von IV-Leistungen
(Berufsberatung, Umschulung, Arbeitsvermittlung) an (act. G 5.1/2). Gemäss dem
Bericht der Psychotherapiestation "Villa" des Kantonsspitals Winterthur vom 26.
November 1999 litt er unter einer protrahierten Adoleszentenkrise mit polyneurotischer
Symptomatik (Depression, Essstörung, Somatisierungen) bei Persönlichkeit mit
narzisstischer Problematik und Status nach sexueller Traumatisierung (ICD-10: F43.25,
F60.8). Erste Symptome hätten sich seit 1987/88 gezeigt und seit 1992 sei eine
erhebliche Verschlechterung eingetreten. Der Versicherte stehe seit 5. Juli 1999 in ihrer
Behandlung und sei als Masseur/Hilfspfleger seit 1. Juli 1999 zu 100% arbeitsunfähig.
Zuvor habe vom 15. Februar 1996 bis 6. November 1996 eine Arbeitsunfähigkeit von
50% und vom 7. November 1996 bis 10. Januar 1997 von 100% bestanden (act.
G 5.1/10-4). Der behandelnde Psychiater Dr. med. B._ befand den Versicherten im
Bericht vom 15. November 2000 in einer angepassten leichten Tätigkeit als zu 50%
arbeitsfähig; es sei eine berufliche Umstellung notwendig und für die weitere
Entwicklung entscheidend, dass er in einer geeigneten Tätigkeit beruflich eingegliedert
werden könne. Seine Belastbarkeit und Eignung lasse sich am ehesten in einem
Berufsförderungskurs feststellen (act. G 5.1/17-3). Im Ergänzungsbericht vom
22. Januar 2001 hielt Dr. B._ fest, dass der Versicherte nur an einer geschützten
Stelle (z.B. Tagesklinik oder Berufsförderungskurs) zu 50% arbeitsfähig sei. Wichtig sei
auf jeden Fall, dass versucht werde, seine Arbeitsfähigkeit noch zu fördern. In der
freien Wirtschaft bestehe zur Zeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (act. G 5.1/22).
A.b Auf Grund einer beruflichen Abklärung in der Stiftung C._ (vgl. act. G 5.1/37)
resultierte gemäss dem Ergebnisbericht vom 10. Dezember 2001, dass der Versicherte
eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich absolvieren könnte. Voraussetzung für
den Einstieg in die Lehre seien jedoch die Aneignung der nötigen
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Französischkenntnisse sowie das vorgängige Absolvieren eines Arbeitstrainings (act.
G 5.1/41-3). Am 8. Januar 2002 sprach ihm die IV-Stelle des Kantons Zürich berufliche
Massnahmen in Form eines Vorlehrjahrs ab 7. Januar 2002 sowie einer
käufmännischen Ausbildung zu (act. G 5.1/47-1). Der Beschwerdeführer brach die
beruflichen Massnahmen per 25. Januar 2002 jedoch aus persönlichen Gründen ab
(act. G 5.1/50). Weitere berufliche Massnahmen scheiterten per 6. November 2002 auf
Grund des Gesundheitszustands des Versicherten (act. G 5.1/63).
A.c Am 26. Mai 2003 verfügte die IV-Stelle eine ganze Invalidenrente gestützt auf
einen Invaliditätsgrad von 100% rückwirkend ab 1. November 2002 (act. G 5.1/71).
A.d Im April 2005 leitete die IV-Stelle des Kantons St. Gallen eine Rentenrevision ein
(act. G 5.1/84). Gemäss dem Verlaufsbericht von Dr. med. D._, Allgemeine Medizin
FMH, vom 30. Mai 2005 bestand seit geraumer Zeit keine psychiatrische Begleitung
des Versicherten mehr; der Gesundheitszustand habe sich gemäss Angaben des
Versicherten verbessert (act. G 5.1/88). Laut dem Bericht von Dr. E._, Chiropraktor
SCG/ECU, vom 30. Mai 2005 war dem Versicherten eine Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit, d.h. ohne starke körperliche Belastung über längere Zeit und mit möglichst
vielseitiger Arbeitseinteilung in stehender sowie sitzender Position, aus
biomechanischer sowie orthopädischer Sicht ganztags zumutbar (act. G 5.1/89).
A.e Vom 3. August bis 22. November 2005 und vom 30. November 2005 bis 17.
Januar 2006 wurde der Versicherte in der Psychiatrischen Klinik Wil (KPK)
hospitalisiert. Danach war er in ambulanter psychiatrischer Behandlung bei med. pract.
F._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (bzw. delegiert an lic. phil. G._,
Psychologin). Diese hielt im Bericht vom 18. Mai 2006 folgende Diagnose fest:
Undifferenzierte Somatisierungsstörung (F45.1), Neurasthenie (F48.0), Kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit schizoiden und narzisstischen Zügen (F61.0), emotionale
Vernachlässigung im Kindesalter (Z62.4) und Probleme bei sexuellem Missbrauch im
Jugendalter durch eine Person ausserhalb der Familie (Z61.4). Die Psychiaterin befand
den Versicherten an einer geschützten Arbeitsstelle zu 50% einsatzfähig mit der
Möglichkeit einer Steigerung der Arbeitszeit. Der Versicherte wolle mit der IV-
Berufsberatung in Kontakt treten. Ob eine berufliche Eingliederung möglich sei, sei
fraglich, aber der Elan des Versicherten sollte aufgenommen werden können (act.
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G 5.1/111). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 8. Juni 2006 mit, dass er
unverändert Anspruch auf eine ganze Rente habe. Es bestehe aktuell keine
Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft (und damit kein Anspruch auf berufliche
Massnahmen; act. 5.1/112f.).
A.f Im Rahmen eines weiteren im Juni 2009 von Amtes wegen eingeleiteten
Revisionsverfahrens wurde der Versicherte am 18. Januar 2010 durch Dr. med. H._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH sowie die Fachärztin I._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, begutachtet. Gestützt auf die Diagnose einer narzisstischen
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.8) sowie einer ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit bestehenden rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
remittiert (ICD-10: F33.1 wohl F33.4), beurteilten die Gutachter den Versicherten in der
angestammten Tätigkeit als Hilfspfleger und Masseur als zu 70% und in einer
adaptierten Tätigkeit ab dem Untersuchungszeitpunkt im Januar 2010 als zu 80%
arbeitsfähig mit einer als vorsichtig günstig einzustufenden Prognose (act.
G 5.1/128-17f.). Gestützt darauf hielt der Regionale Ärztliche Dienst der
Invalidenversicherung (RAD) eine deutliche Besserung des Gesundheitszustands fest
(act. G 5.1/129).
A.g Mit Vorbescheid vom 1. März 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, die Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 20% einzustellen
(act. G 5.1/133).
A.h Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch die Beratungsstelle Pro Infirmis
am 15. April 2010 Einwand mit den Anträgen auf eine weiterhin ganze Invalidenrente
sowie die Gewährung beruflicher Massnahmen (act. G 5.1/139). Die IV-Stelle hielt mit
Verfügung vom 30. August 2010 an der Einstellung der Invalidenrente fest. Berufliche
Massnahmen hielt sie deshalb nicht für erfolgversprechend, weil den erhaltenen
Unterlagen keine Willensäusserung entnommen werden könne, dass der Versicherte
sich subjektiv arbeitsfähig fühle und bereit sei, sich einer beruflichen
Wiedereingliederung zu stellen (act. G 5.1/143). Am 15. Oktober 2010 reichte der
Versicherte der IV-Stelle ein Gesuch um Berufsberatung und Arbeitsvermittlung ein
(act. G 5.1/150).
B.
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B.a Gegen die Verfügung vom 30. August 2010 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 29. September 2010. Der Beschwerdeführer liess darin,
vertreten durch die procap, deren Aufhebung und die weitere Ausrichtung einer ganzen
Invalidenrente beantragen. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung führte die Rechtsvertreterin aus, dass das
Gutachten vom 5. Februar 2010 nicht als umfassend und auf allseitigen
Untersuchungen beruhend bezeichnet werden könne. So sei entgegen der Annahme
im Gutachten nicht von einem wöchentlichen Theologieseminartagesbesuch des
Beschwerdeführers auszugehen und es hätte der geschilderte Tagesablauf des
Beschwerdeführers hinterfragt werden müssen. Ausserdem hätten die Gutachter es
unterlassen, die selber festgestellten Widersprüche während der Untersuchung zu
hinterfragen und es sei überhaupt fraglich, ob die früher beschriebene polyneurotische
Symptomatik nicht nur im momentanen Zustand zurückgebildet erscheine. Zudem sei
von der Begutachtung zu erwarten gewesen, dass die neue Beziehung des
Beschwerdeführers mit der Theologiegruppe etwas genauer unter die Lupe genommen
werde. Auch erklärten die Gutachter nicht, weshalb sie - entgegen allen anderen
ärztlichen Einschätzungen - die Tätigkeit als Masseur als weiterhin zumutbar
erachteten. Schliesslich könne eine Rente grundsätzlich erst dann aufgehoben oder
herabgesetzt werden, wenn der Rentenbezüger hinreichend eingegliedert sei. Da der
Beschwerdeführer seit über zehn Jahren gesundheitsbedingt keine Tätigkeit im ersten
Arbeitsmarkt mehr inne gehabt habe, wäre es für ihn unmöglich, überhaupt wieder
Fuss zu fassen, weshalb eine Unterstützung von Seiten der Beschwerdegegnerin
unabdingbar sei (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 11. November
2010 die Beschwerdeabweisung. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass sie gestützt
auf das aussagekräftige Gutachten zu Recht von einer bestehenden 80%igen
Restarbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit ausgegangen sei. Zudem bestehe auf
Grund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer keinen Beruf erlernt habe, auch kein
Anspruch auf Umschulung (act. G 5).
B.c Am 16. November 2010 bewilligte das Versicherungsgericht die beantragte
unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; act. G 6).
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B.d In der Replik vom 1. Dezember 2010 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen und deren Begründung fest (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Umstritten ist, ob die revisionsweise Einstellung der ganzen Invalidenrente zu Recht
erfolgt ist und sich der Sachverhalt im massgebenden Zeitraum vom 26. Mai 2003
(Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung, act. G 5.1/71) bis zum 30. August
2010 (Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung, act. G 5.1/143) revisionserheblich
verändert hat.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28
Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht
der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens
zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so
wird die Rente gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für
die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Anlass zu einer
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
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Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet
dabei die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, die auf
einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen
Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die
Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108).
Nach der Rechtsprechung ist die Invalidenrente nicht nur bei einer wesentlichen
Veränderung des Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die
erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands
erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5). Eine bloss unterschiedliche
Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts stellt keine
revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 E. 2 mit Hinweisen). Eine
anspruchsbeeinflussende Änderung ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne
wesentliche Unterbrechung 3 Monate angedauert hat (Art. 88a der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die
Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar
erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten,
die auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht
in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange
nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V
351 E. 3b/bb).
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3.
3.1 Als Grundlage für die ursprüngliche Rentenzusprache dienten die Angaben der
behandelnden Ärzte. Eine medizinische Begutachtung fand demgegenüber nicht statt.
Laut Arztbericht von Dr. B._ vom 11. November 2000 wurden beim Versicherten die
Diagnosen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit polyneurotischer
Symptomatik (Depressionen, Essstörungen, multiple Somatisierungen) sowie ein Status
nach jahrelangem sexuellem Missbrauch gestellt (act. G 5.1/17-4). Im Bericht vom
15. November 2000 hielt Dr. B._ fest, dass der Beschwerdeführer weder in seinen
intellektuellen Fähigkeiten noch in der Körperkraft beeinträchtigt sei, er aber sehr rasch
aus dem Gleichgewicht gerate, wenn er sich körperlich verausgabt habe. Auch reagiere
er sehr empfindlich auf zwischenmenschliche Unstimmigkeiten. Die Arbeit in der
angestammten Tätigkeit als Masseur sei für den Beschwerdeführer wegen seiner
Vorgeschichte nicht mehr zumutbar. In einer anderen leichten Tätigkeit betrage die
Arbeitsfähigkeit zuerst 50% und könne dann bei guter Entwicklung gesteigert werden.
Eine schwere körperliche Arbeit komme zur Zeit nicht in Frage, weil er darauf rasch mit
massiven Verspannungs- und Erschöpfungszuständen reagiere (act. G 5.1/17-3). Am
22. Januar 2001 führte Dr. B._ ergänzend aus, dass der Beschwerdeführer zur Zeit
nur an einer geschützten Stelle zu 50% arbeitsfähig sei. In der freien Wirtschaft sei er
vollständig arbeitsunfähig (act. G 5.1/22). Nachdem der Beschwerdeführer im Rahmen
beruflicher Massnahmen vom 22. April bis 3. Mai 2002 eine Kurzabklärung in C._
(act. G 5.1/54-1) sowie vom 13. Oktober bis 12. November 2002 ein Arbeitstraining in
der Institution J._ zugesprochen erhalten hatte (act. G 5.1/57), attestierte Dr. B._
mit Zeugnis vom 4. Oktober 2002 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres (act.
G 5.1/59-3). Als Folge des Abbruchs der beruflichen Massnahmen am 6. November
2002 aus gesundheitlichen Gründen hielt der RAD-Arzt am 25. Februar 2003 die
Zusprache einer ganzen Rente für angemessen (act. G 5.1/64).
3.2 In den Verlaufsberichten vom 30. Mai 2005 (act. G 5.1/88) und 31. Mai 2005 (act.
G 5.1/89) gaben Dr. D._ und Dr. E._ einen verbesserten Gesundheitszustand (nach
Angaben des Versicherten) an. Es bestehe seit geraumer Zeit keine psychiatrische
Begleitung mehr (act. G 5.1/88-1). Im Sommer 2005 kam es jedoch zu einer
psychischen Dekompensation mit Hospitalisation in der KPK, weil die Eltern des
Beschwerdeführers, bei welchen er bisher wohnte, in eine Alterswohnung umgezogen
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waren. Im Bericht vom 18. Mai 2006 hielt med. pract. F._ fest, der Beschwerdeführer
sei aktuell voll mit sich selber, d.h. mit der Aufrechterhaltung der eigenen
psychophysiologischen Balance beschäftigt. Daher dürfte er kaum in der Lage sein,
seine Aufmerksamkeit über längere Zeit und verantwortungsvoll anderen Menschen
zukommen zu lassen. Die bisherige Tätigkeit befand sie für nicht mehr zumutbar, in
einer angepassten Tätigkeit sei er jedoch zu 50% arbeitsfähig, unter günstigen
Umständen mit Steigerungsmöglichkeit. Zudem sei der Beschwerdeführer willig zu
arbeiten. Seine Symptomatik zeige sich hauptsächlich auf der Ebene basaler
körperlicher Bedürfnisse (Wärme, Sättigung) und zwar so, dass diese Bedürfnisse von
ihm als ungeheuer drängend wahrgenommen würden und unbedingt Vorrang hätten,
analog eines vor Hunger schreienden Säuglings, den man nicht auf "in 20min gibt's
etwas" vertrösten könne. Werde dies von der Umgebung nicht ernst genommen (oder
als Manipulation oder Machtkampf missverstanden) bzw. werde ihm die Möglichkeit
genommen, sich diesbezüglich ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln,
versetze ihn das dermassen in Spannung, dass mit einer Verschlechterung seines
Gesamtzustands zu rechnen sei und er anschliessend längere Zeit brauche, bis er sich
wieder einigermassen "aufgepäppelt" habe (act. G 5.1/111). Auf Grund dieser
gesundheitlichen Schwankungen blieb der Anspruch des Beschwerdeführers gemäss
IV-Mitteilung vom 8. Juni 2006 weiterhin bei der bisherigen Invalidenrente (act.
G 5.1/13).
3.3 Der angefochtenen Verfügung vom 30. August 2010 liegt in medizinischer
Hinsicht das Gutachten des Psychiaters Dr. H._ und der pract. psychiatrischen
Fachärztin I._ vom 5. Februar 2010 zu Grunde. Mit Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Experten eine narzisstische Persönlichkeitsstörung
(ICD-10: F60.8) und als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellten sie
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4) fest. Bei
dieser Persönlichkeitsstörung bestünden beim Beschwerdeführer nicht unerhebliche
Defizite bezüglich der Selbstwahrnehmung, der Fremdwahrnehmung, der
Kommunikation und der Bindung. Diese Auffälligkeiten und Defizite seien in der
aktuellen Untersuchungssituation deutlich geworden. Sein Selbsterleben
(Selbstwahrnehmung) erscheine vordergründig positiv, dabei aber wenig realistisch und
ziemlich fragil. Die Fähigkeit zur Selbstkritik erscheine deutlich eingeschränkt. In der
Konfrontation mit einem realen Gegenüber bestehe die Neigung zur Manipulation und
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Instrumentalisierung, damit das positive (grandiose) Selbstbild aufrechterhalten werden
könne. In Konfliktsituationen bestehe die ausgeprägte Neigung, den anderen zu
entwerten. Die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv zu lösen, sei deutlich eingeschränkt. Bei
geringen Frustrationen oder Kritik durch andere komme es zu Kontaktabbruch.
Bezugnehmend auf die früheren ärztlichen Einschätzungen kamen die Gutachter zum
Schluss, dass ihre Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit der
Diagnose von Dr. B._ übereinstimme. Die früher beschriebene polyneurotische
Symptomatik mit Depression, Essstörungen und multiplen Somatisierungen, d.h. die
damals bestehende medizinische Sachlage, die zur Rentenzusprache geführt habe,
habe sich inzwischen vollständig zurückgebildet. Dies gehe aus den Angaben des
Beschwerdeführers zu seinem aktuellen gesundheitlichen Zustand und den Angaben
über seine umfangreichen Tagesaktivitäten hervor. Im Rahmen der gutachterlichen
Untersuchung seien keine wesentlichen psychopathologischen Symptome festgestellt
worden, einzig die Interaktion sei im Sinn von manipulativen Tendenzen auffällig (act.
G 5.1/128-14ff.).
3.4 Im Vergleich mit den psychiatrischen Befunden 1999 und 2000 habe sich das
Störungsbild des Beschwerdeführers in der psychiatrischen Gesamtsicht wesentlich
gebessert. Im Einzelnen hätten sich bei ihm aktuell keine körperlichen Beschwerden
und auch kein sozialer Rückzug feststellen lassen. Eine lähmende Müdigkeit, vermehrte
Erschöpfung, eine Initiativlosigkeit, eine Essstörung bei einem stabilen Normalgewicht,
Stimmungsschwankungen und auch hypochondrische Ängste hätten sich nicht mehr
eruieren lassen. Die im Jahr 2000 beschriebene "Unfähigkeit", die einfachsten
Angelegenheiten wegen "überwältigender Erschöpfung" zu verrichten, bestehe mit
Sicherheit nicht mehr. Für eine wesentliche Besserung der Beschwerden und eine
deutliche Minderung des subjektiven Leidensdrucks spreche u.a. auch die Tatsache,
dass der Beschwerdeführer eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung vor anderthalb Jahren beendet habe und seither keine Psychopharmaka
mehr einnehme. Im Rahmen der aktuellen Untersuchung schildere der
Beschwerdeführer umfangreiche und anspruchsvolle Aktivitäten. Er schildere seine
vielen sozialen Kontakte und habe angegeben, seinen vielfältigen Interessen und
Hobbies ohne jegliche Einschränkungen in vollem Umfang nachgehen zu können (act.
G 5.1/128-16f.). Die Gutachter schätzten die auf Grund der diagnostizierten
psychischen Störung bestehenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit und
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Leistungsfähigkeit als allenfalls leicht bzw. in der bisherigen Arbeitstätigkeit als
Hilfspfleger/Masseur als zu 30% und in adaptierten Tätigkeiten als zu 20% bestehend
ein. Sie seien bedingt durch eine leichte Einschränkung der Stress- und
Frustrationstoleranz und eine Einschränkung der emotionalen Belastbarkeit,
insbesondere der Konflikt- und Anpassungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer verfüge
jedoch über gute Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit sowie eine bemerkenswerte
Ausdauer und die Fähigkeit zur Durchsetzung eigener Interessen (act. G 5.1/128-17).
3.5 Es fällt auf, dass das Gutachten bezüglich der durch einen Naturheiler bzw. den
Ausbildner des Beschwerdeführers erlittenen sexuellen Übergriffe lediglich von
Abhängigkeiten und Ausbeutung spricht (vgl. u.a. act. G 5.1/128-8), wogegen die
bisherigen Ärzte alle von Missbrauch ausgegangen waren (vgl. act. G 5.1/9-2,
5.1/111-2). Zudem handelten die Gutachter die Frage der Arbeitsfähigkeit als
Hilfspfleger ohne Auseinandersetzung mit dieser Problematik in Einheit mit der mit der
"Ausbeutung" verknüpften angestammten Tätigkeit als Masseur ab und schätzten
beide Tätigkeiten als im Rahmen einer 70%igen Arbeitsfähigkeit als zumutbar ein, was
nicht überzeugt. Zwar kann der Begründung, die Tätigkeit als Hilfspfleger sei wegen
der Anforderungen an die sozialen Kompetenzen weniger leidensadaptiert und daher
mit einer Arbeitsunfähigkeit von 30% einzustufen, noch gefolgt werden. Die
Einschätzung einer weiterhin bestehenden Arbeitsfähigkeit als Masseur, nachdem der
Beschwerdeführer während seiner Ausbildung dazu im Abhängigkeitsverhältnis von
seinem Ausbildner über mehrere Jahre sexuell missbraucht worden war, ist unter den
gegebenen Umständen aber nicht nachvollziehbar. Im Übrigen hatten bereits der
behandelnde Psychiater Dr. B._ und die Psychologin G._ eine zumutbare
Arbeitsfähigkeit als Masseur ausgeschlossen (vgl. act. G 5.1/17-3, 5.1/111-3).
3.6 Immerhin kann mit dem RAD, welcher insbesondere die Frage einer Veränderung
des Gesundheitszustands als klar beantwortet hielt (act. G 5.1/129), tatsächlich von
einer Verbesserung des Gesundheitszustands ausgegangen werden. Das Gutachten ist
ausführlich und stützt sich auf ein breites Voraktenstudium sowie eine persönliche
testpsychologische Untersuchung des Beschwerdeführers (vgl. act. G 5.1/127)
während mehr als drei Stunden (vgl. act. G 5.1/128-12). Wie das Bundesgericht
mehrmals festhielt, kann es für den Aussagegehalt eines Arztberichts im Allgemeinen
nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommen. Massgeblich sei vielmehr, ob der
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Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sei (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG, seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 17. November 2006, I 719/05, E. 3, vgl. auch Urteile vom 14.
November 2007, I 1094/06, E. 3.1.1, vom 19. September 2006, I 192/06, E. 3 und vom
9. August 2006, I 391/06, E. 3.2.2). Dass die Gutachter vorliegend nach der
dreistündigen Begutachtung keinen zweiten Termin zur Fortführung ansetzten, obgleich
der Beschwerdeführer mit seinen Ausführungen noch nicht fertig gewesen sei, vermag
dem Beweiswert des Gutachtens nicht zu schaden. Vielmehr scheinen die beiden
Psychiater aus den ausführlichen Erzählungen des Beschwerdeführers genügend
Erkenntnisse gewonnen zu haben, um eine nachvollziehbare Beurteilung abgeben zu
können. Hätten sie einen Bedarf zur Fortsetzung der Begutachtung gesehen, hätten sie
diese durchgeführt und den Beschwerdeführer nicht um die schriftliche Nachreichung
seiner Angaben sowie eines Tages- und Wochenplans gebeten (vgl. act. G 5.1/128-12).
Auch hinsichtlich der gerügten Widersprüche zwischen den Angaben des
Beschwerdeführers zu seinen Schlafgewohnheiten mit dem Tages- und Wochenablauf
ist festzuhalten, dass die Gutachter explizit darauf hinwiesen (vgl. act. G 5.1/128-11).
Sie führten jedoch aus, dass der Beschwerdeführer die Themen des Gesprächs selber
vorzugeben versuchte, viele der ihm gestellten Fragen nicht beantwortete und
stattdessen umfassend über Jahre zurückliegende Beschwerden und Probleme
sprach. Dass in einer solchen Gesprächssituation ein Nachhaken kaum weitere
Erkenntnisse bringt, ist daher nachvollziehbar. Entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführers handelte das Gutachten den Befund der eigenen
Selbstwahrnehmung ebenfalls genügend tief im Zusammenhang mit der
Diagnosestellung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ab (vgl. oben sowie act.
G 5.1/128-16). Auch der Vorwurf, das Gutachten hätte sich stärker mit den neuen
Kontakten der Theologiegruppe auseinandersetzen müssen, überzeugt nicht. So ist es
nicht Aufgabe anlässlich einer einmaligen Begutachtung, welche die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit zum Ziel hat, auch noch zu untersuchen, ob der Beschwerdeführer
durch die neu gewonnenen Kontakte möglicherweise erneut - wie schon zu seinem
früheren älteren Massage-Ausbildner - in ein Abhängigkeitsverhältnis mit allfälligen
negativen Auswirkungen geraten könnte. Vielmehr haben die psychiatrischen Experten
die Tatsache der neuen Kontakte zu Recht ins Gutachten aufgenommen und
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festgehalten, dass der Beschwerdeführer durch sie wieder einen aktiveren Anteil am
Leben nehme.
3.7 Insgesamt kann somit darauf abgestellt werden, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erheblich verbessert hat, womit ein
Revisionsgrund nach Art. 17 Abs. 1 ATSG gegeben ist. Die Beschwerdegegnerin macht
in ihrer Verfügung jedoch nicht nur einen Revisions- sondern auch einen
Wiedererwägungsgrund gelten, letzteres wegen dem angeblich ungenügend
abgeklärten Sachverhalt. Die Bestätigung einer revisionsweisen Rentenaufhebung
durch die substituierte Begründung der Wiedererwägung kann nur bei Unvertretbarkeit
der ursprünglichen Rentenzusprache erfolgen. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn
kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Erscheint
die Beurteilung der Anspruchsvoraussetzungen (einschliesslich ihrer Teilaspekte wie
etwa die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit) vor dem Hintergrund der Sach- und
Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot
als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Das Gutachten
geht weder von einer unrichtigen Diagnose noch von einer unzutreffenden Schätzung
der Arbeitsfähigkeit aus. Allein der Umstand, dass bei der damaligen Rentenzusprache
keine externen Gutachter beigezogen wurden, macht diese nicht unvertretbar. Damit
entfällt ein Wiedererwägungsgrund. Nicht entscheidend ist demgegenüber, ob die
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten tatsächlich auf längere Zeit 80% beträgt.
Auch die Beschwerdegegnerin geht nicht von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit, sondern gestützt auf das psychiatrische Gutachten von
einer 80%igen Arbeitsfähigkeit aus. In Anbetracht der im Gutachten geschilderten
Defizite bezüglich Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung, Kommunikation und
Bindung (vgl. act. G 5.1/128-16) mag fraglich sein, ob auf längere Sicht gesehen
tatsächlich eine 80%ige Arbeitsfähigkeit gegeben ist. Entscheidend bleibt, dass von
einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustands auszugehen ist, so dass
sich nunmehr wieder die Frage der beruflichen Eingliederung stellt. Es geht mit anderen
Worten in erster Linie darum, dort weiterzufahren, wo die IV-Stelle Zürich aufgehört hat,
d.h. mit der Frage der beruflichen Eingliederung.
4.
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4.1 Die IV-Stelle Zürich war bereit, dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 16 Abs. 2
lit. b IVG eine erstmalige berufliche Ausbildung bzw. eine Neuausbildung zuzusprechen
(vgl. act. G 5.1/35-4, 5.1/37-1). Gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG besteht bei
Neuausbildung invalider Versicherter, die nach dem Eintritt der Invalidität eine
ungeeignete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen haben,
Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der
versicherten Person entspricht. Laut dem Bericht des Kantonsspitals Winterthur vom
26. November 1999 hatten sich beim Beschwerdeführer bereits 1987/1988 erste
Symptome gezeigt (act. G 5.1/10-4). Auch gemäss der Beurteilung von Dr. B._ vom
11. November 2000 war anzunehmen, der Beschwerdeführer hätte selbst ohne den
nachfolgenden sexuellen Missbrauch von der Veranlagung und vom familiären Umfeld
her ein gewisses Mass an neurotischen Problemen mitbekommen (act. G 5.1/17-6).
Gemäss internem Dokument der IV-Stelle Zürich vom 29. März 2001 sowie ihrem
ärztlichen Dienst vom 2. April 2001 wurde davon ausgegangen, dass der Heilpraktiker
auch nur auf Grund der bereits vorhandenen Störungen beigezogen worden und der
sexuelle Missbrauch erst später erfolgt war. Seine Auswirkungen seien daher nicht
primär die Ursache für die vorhandenen Störungen gewesen, sondern hätten diese
vielmehr verschärft. Dafür spreche auch, dass nach der vorbestehenden Diagnose des
Kantonsspitals Winterthur einer "protrahierten Adoleszentenkrise mit polyneurotischer
Symptomatik (Depression, Essstörungen, Somatisierungen) bei Persönlichkeit mit
narzisstischer Problematik" davon auszugehen sei, dass diese Störung schwerwiegend
gewesen sein müsse, ansonsten sich die einfache Herkunftsfamilie des
Beschwerdeführers nicht in die Lage versetzt gesehen hätte, einen Heilpraktiker
beizuziehen. Der Gesundheitsschaden des Beschwerdeführers müsse daher bereits in
der Jugend eingetreten sein (act. G 5.1/26). Eine Erstausbildung war dannzumal somit
noch nicht erfolgt. Gestützt darauf verfügte die IV-Stelle am 8. Januar 2002 berufliche
Massnahmen in Form einer Neuausbildung für ein Vorlehrjahr vom 7. Januar bis 4.
August 2002 sowie für eine kaufmännische Ausbildung vom 5. August 2002 bis 4.
August 2005 (act. G 5.1/47-1f.).
4.2 Gemäss Art. 10 IVG entsteht der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen,
sobald solche im Hinblick auf den Gesundheitszustand der versicherten Person
angezeigt sind. Vorliegend waren die beruflichen Massnahmen mit Verfügung vom 15.
November 2002 auf Grund einer Verschlechterung des Gesundheitszustands des
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Beschwerdeführers per 6. November 2002 abgebrochen und die Leistungen eingestellt
worden. Nachdem sich sein Gesundheitszustand gestützt auf das Gutachten H._ und
I._ ab Januar 2010 in deutlich relevantem Ausmass verbessert hat (vgl. act. G 128/17),
stellt sich nun die Frage, ob erneut ein Anspruch auf eine Neuausbildung besteht.
Bisher wurde weder behauptet noch geprüft, ob hinsichtlich des Anspruchs auf
Übernahme der Kosten einer erstmaligen beruflichen Ausbildung bzw. einer
Neuausbildung ein Wiedererwägungstitel gegeben wäre. Dafür sind denn auch keine
Anhaltspunkte ersichtlich. Nachdem zwischen der erstmaligen Zusprache der
Neuausbildung bzw. ihres Abbruchs aus gesundheitlichen Gründen und der
Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers einige Zeit vergangen
ist, ist die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur Prüfung dieser Frage
zurückzuweisen.
5.
5.1 Selbst wenn die Beschwerdegegnerin vorliegend zur Ansicht gelangen sollte,
dass eine berufliche Erstausbildung bzw. eine Neuausbildung gestützt auf Art. 16 Abs.
2 lit. b IVG nicht in Frage kommt, wäre beim Beschwerdeführer, der acht Jahre lang
eine ganze Invalidenrente bezog, diese Rente nicht ohne vorherige Prüfung der
beruflichen Eingliederung aufzuheben gewesen.
5.2 Gemäss Rechtsprechung ist zwar grundsätzlich von der medizinischen
Verwertbarkeit einer verbesserten oder wiedergewonnenen Arbeitsfähigkeit auf dem
Weg der Selbsteingliederung auszugehen (Urteil des Bundesgerichts vom 10.
September 2010, 9C_163/2009, E. 4.2.2 mit Hinweisen). Ausnahmsweise können
jedoch aus medizinischer oder beruflich-erwerblicher Sicht vom Gesetz vorgesehene
Eingliederungsmassnahmen angezeigt sein, etwa in Fällen langjähriger Absenz vom
Arbeitsmarkt und allenfalls daraus sich ergebender psychischer Probleme, eher
schwachem Leistungsprofil hinsichtlich Wissen und intellektuellen Fähigkeiten sowie
bei Fehlen nennenswerter beruflicher Erfahrung (Urteil des Bundesgerichts vom 30.
August 2010, 9C_457/2010, E. 4.2 mit Hinweisen). Dagegen haben nicht gesundheitlich
bedingte Umstände, welche einer erfolgreichen Eingliederung entgegenstehen, ausser
Acht zu bleiben (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2011, 9C_882/2010, E. 8.1
mit Hinweisen).
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5.3 Das Gutachten H._ und I._ empfiehlt eine gestufte berufliche Eingliederung
beginnend mit etwa 50% Leistungsfähigkeit bei voller zeitlicher Präsenz und
Steigerung bis auf eine Leistungsfähigkeit von 80%. Die Schätzung der medizinisch-
theoretischen Arbeitsfähigkeit von 80% für jede leidensadaptierte Tätigkeit erfolgte
zwar nicht unter dem expliziten Vorbehalt der Durchführung befähigender
Massnahmen. Es wurde jedoch festgehalten, dass vor Beginn der beruflichen
Eingliederung die Motivation des Beschwerdeführers nochmals gründlich geprüft
werden sollte und auf Grund der beschriebenen Tendenzen zu manipulativem
Verhalten zu befürchten sei, dass er bei etwaigen, seinen Vorstellungen nicht
entsprechenden Reaktionen der Beschwerdegegnerin mit einem erneuten Vorbringen
von Beschwerden reagieren werde (vgl. act. G 5.1/128-18f.). Da dem nunmehr 37-
jährigen Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Masseur aus den
oben dargelegten Gründen (vgl. Erwägung 3.5) eine Arbeitsfähigkeit nicht mehr
zumutbar, und sie gemäss den Gutachtern in der lediglich während zweieinhalb Jahren
ausgeübten Tätigkeit als Hilfspfleger (act. G 5.1/2-4) ebenfalls nicht adaptiert und
empfehlenswert ist (vgl. act. G 5.1/128-17), muss sich der Beschwerdeführer somit
nach elfjähriger Erwerbslosigkeit völlig neu orientieren. In Frage kommen schliesslich
lediglich Tätigkeiten ohne besondere Anforderungen an Stress- und
Frustrationstoleranz sowie an die sozialen Kompetenzen (act. G 5.1/128-17). Dass sich
der Beschwerdeführer denn auch lediglich vorstellen könnte, stundenweise
Botendienste im sozialen Bereich zu übernehmen, für andere einkaufen oder mit
Leuten spazieren zu gehen (act. G 5.1/128-12), zeigt ebenfalls seine subjektiv fehlende
Arbeitsperspektive und eine gewisse Hilflosigkeit. Familie oder ein unterstützendes
Umfeld fehlen sodann gleichfalls. Gestützt darauf sowie aus den gesamten Akten wird
damit deutlich, dass er nicht auf die Selbsteingliederung verwiesen werden kann,
sondern dringend Hilfe benötigt. Daraus ergibt sich, dass selbst bei einer Verneinung
des Anspruchs auf Neuausbildung gestützt auf Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG, in diesem Fall
ausnahmsweise vor der Rentenrevision die Eingliederungsfrage geprüft werden
müsste. Sollte die berufliche Eingliederung erneut scheitern, so wäre bei der
Rentenprüfung auch abzuklären, ob beim Einkommensvergleich Art. 26 IVV zur
Anwendung gelangt.
6.
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6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 30. August 2010 gutzuheissen und dem Beschwerdeführer weiterhin
eine ganze Invalidenrente auszurichten. Die Streitsache ist sodann zur Prüfung und
allfälligen Durchführung von Eingliederungsmassnahmen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Da der vorliegende Verfahrensausgang in Bezug auf die
Kostenverlegung als vollständiges Obsiegen des Beschwerdeführers gilt, hat die
Beschwerdegegnerin die Gerichtsgebühr zu bezahlen.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG hat eine obsiegende beschwerdeführende
Person Anspruch auf den Ersatz ihrer Parteikosten. Die Parteientschädigung bemisst
sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses.
Sie wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. Im vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP