Decision ID: 3081b287-7979-5d44-9186-7f917d494583
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958, meldete sich am 1
9.
Mai 2007 wegen Arthrose erstmals bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte nach Vornahme der notwendigen
Abklärungen mit Verfügung vom 2
1.
Oktober 2008 einen Rentenanspruch der Versicherten (
Urk.
7/59). Die dagegen am
6.
November 2008 erhobe
ne Beschwer
de (
Urk.
7/62/3 ff.)
hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom
6.
Februar 2009 in dem Sinne gut, dass es die Sache zur erneuten Abklärung zurückwies (Prozess Nr. IV.2008.01136;
Urk.
7/70). Die IV-Stelle holte in der Folge ein
polydiszipli
näres
Gutachten mit Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) am
Y._
ein (
Urk.
7/93;
Urk.
7/100) und
verneinte mit Verfügung vom
5.
Oktober
2010 (
Urk.
7/127) erneut einen Rentenanspruch der Versicherten, was das hiesige Gericht mit Urteil
vom 2
5.
Februar 2011 (Prozess Nr. IV.2010.00959;
Urk.
7/131) und das Bundesgericht mit Urteil vom
5.
Juli 2011 (8C_268/2011;
Urk.
7/132) bestätigte
n
.
1.2
Am 1
4.
März 2014 (
Urk.
7/142)
melde
te
sich
die Versicherte
neu an und machte
eine Verschlechterung geltend.
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizini
sche Abklärungen und veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung der Ver
sicherten am
Z._
, dessen Gutachten am 1
2.
Januar 2015 erstattet wurde (
Urk.
7/177). Mit Schreiben vom 2
1.
Januar
2015 (
Urk.
7/180) auferlegte die IV-Stelle der Versicherten eine
Schadenminderungspflicht in Form einer rheumatologischen Facharztbehandlung
(
Urk.
7/180).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/182;
Urk.
7/190;
Urk.
7/194
-195), in dessen Rahmen eine ergänzende Stellungnahme des
Z._
eingeholt wurde (
Urk.
7/192), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
Juni 2015 einen Rentenanspruch der Versicherten (
Urk.
7/198 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
8.
Juni 2015 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 2
4.
August 2015 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochte
nen Entscheides,
Zusprache
einer Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
, Einholung eines Gerichtsgutachtens und eventuell
Rück
weisung
der Sache zur neuen Abklärung (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
September 2015 (
Urk.
6) die Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
7.
November 2015 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17
Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.
2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) wie folgt: Es sei seit 2011 eine Verschlechterung eingetreten. Aus medizinischer Sicht sei der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit im
Gastronomie
bereich
nicht mehr möglich.
Ab April 2013 sei ihr eine angepasste Tätigkeit noch zu 70
%
zumutbar. Das gestützt auf statistische Werte zu ermittelnde Invalideneinkommen sei um 10
%
zu vermindern, womit ein Invaliditätsgrad von 36
%
resultiere. Auf das
Z._
-Gutachten sei abzustellen (S. 1-2).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, der medizinische Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt und auf das
Z._
-Gutachten könne
aus näher darge
legten Gründen
nicht abgestellt werden.
Insbesondere erachte der
behandelnde
spezialisierte Facharzt sie in einer Teilzeittätigkeit mit reduziertem
Leistungs
profil
als zu 50
%
arbeitsfähig. Das festgelegte Invalideneinkommen treffe nicht zu, und es sei ein Abzug von mehr als 10
%
zu gewähren. Auch das
Validen
einkommen
sei falsch berechnet (
Urk.
1 S. 6 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist
der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin und da
mit verbunden die Frage
, ob sich
ihre
Arbeitsfähigkeit seit Erlass der
Verfügung vom
5.
Oktober 2010 (
Urk.
7/127)
anspruchsrelevant verschlechtert hat (vgl. vorstehend E. 1.2).
3.
3.1
Vor Erlass der Verfügung vom
5.
Oktober 2010 (
Urk.
7/127) veranlasste die Be
schwerdegegnerin aufgrund des Rückweisungsurteils des hiesigen Gerichts (
Urk.
7/70
) eine
rheumatologisch-orthopädische
Begutachtung der Versicherten
am
Y._
. In ihrem am 2
0.
August
2009 nach Durchführung eigener Unter
suchungen und einer Evaluati
on der arbeitsbezogenen funktio
nellen Leistungs
fähigkeit (EFL) sowie unter Berücksichtigung der Akten und der Anamnese erstatteten Gutachten stellten
d
ie Ärzte des
Y._
folgende Diagnosen (Urk. 7/93 S. 6):
Polyarthralgien unklarer Ätiologie mit und bei:
differentialdiagnostisch degenerativ bedingt,
Psoriasisarthropathie
,
Kristallarthropathie
erheblicher Symptomausweitung
Fingerpolyarthrosen
Status nach Kniegelenkserguss links,
Bakerzyste
, leichte
Chondropa
thie
am linken Kniegelenk
rezidivierendes
Zervikovertebralsyndrom
bei degenerativen
Halswir
belsäulen
- (HWS) Veränderungen (Segmentdegeneration C5/6 mit
Osteochondrose
und Begleitdiskushernie)
aktuell kein
radikuläres
Reiz- oder sensomotorisches Ausfallsyndrom
Hallux
valgus
beidseits
Die Wirbelsäule we
ise eine minimale
Fehlform
auf;
die Beweglichkeit sei in al
len drei Abschnitten frei und es lasse sich auch über kombinierte Bewegungen der Halswirbelsäule und bei Nervendehntests keine
radikuläre
Symptomatik provozieren. An den oberen Extremitäten bestünden leichte bis mittelgradige
arthrotische
Deformitäten der Langfinger bei Fingerpolyarthrosen ohne
Syno
vitiden
. Es
zeigten
sich ausgedehnte
Druckdolenzen
im Bereich der
Epikondy
len
, der Handgelenke und der Fingergelenke. Ellbogen- und Handgelenke seien
frei beweglich. An der rechten Hand bestehe ein aktives Faustschlussdefizit. Auffällig sei
en
das Schmerzverhalten und der demons
trierte, praktisch fehlende Dau
meneinsatz in der klinischen Untersuchung. An den unteren Extremitä
ten fehl
ten Hinweise auf
Synovitiden
, aber es gebe
Druckdolenzen
am linken Knie
ge
lenk und über den oberen Spr
unggelenken und den Grosszehen
grundgelenke
n. Ein Erguss lasse sich am linken Knie nicht mehr nachweisen, die Beweglichkeit sei bis auf ein leichtes aktives Extensionsdefizit frei, die Meniskuszeichen seien negativ. Die Sensomotorik sei bis auf eine Kraftverminderung für sämtliche Handfunktionen rechts m
ehr wie links intakt (
S. 5).
In der EFL habe sich als arbeitsbezogen relevantes Problem ein ausgeprägtes Schmerz- und Schonverhalten mit Selbstlimitierung un
d multiplen Inkonsi
sten
zen gezeigt. Die demonstrierte Belastbarkeit sei besonders bei
handbelasten
den
Tests nur minimal gewesen. Die heute fassbaren objektiven strukturellen Befunde könnten das angegebene Schmerzausmass und Schmerzverhalten in der klinischen Untersuchung nicht erklären. Für eine wesentliche,
nichtstruktu
relle
Mitbeteiligung
spreche
ebenfalls die erheblich zu tiefe Selbsteinschätzung und die Selbstlimitierung in der Testung. Es s
ei von einer
Verdeutlichungs
ten
denz
oder Aggravation auszugehen, weshalb eine psychiatrische Beurteilung mit der Frage nach einer psychischen Komorbidität und der Zumutbarkeit der Schmerzüberwindung zu veranlassen sei (Urk. S. 6).
Infolge Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resultate der
Belastbar
keitstests
für die Beurteilung nur teilweise verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei gutem
Effort
mehr leisten könne, als sie bei den Leistungstests gezeigt habe. Aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht sei aufgrund der objektiven Befunde von einer leichten Verminderung der Belast
barkeit beider Hände, der Halswirbelsäule und
des linken Kniegelenks auszu
ge
hen. Körperlich schwe
re Arbeiten, solche mit repetiti
vem Krafteinsatz beider Hände sowie überwiegend stehende und gehende
Tätigkeiten
seien der Be
schwerdeführerin aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Da es sich bei der angestammten Tätigkeit als Wirtin mit einem 100%-Pensum um eine körperlich mittelschwere Arbeit handle, wo beim Kochen, im Service und bei Rei
nigungsarbeit ein repe
titiver Krafteinsatz beider Hände gefordert sei, sei diese Arbeit nicht mehr zumutbar. Die administrativen Tätigkeiten seien noch zumutbar, weshalb ins
gesamt im angestammten Beruf noch eine Arbeitsfähig
keit von 20 % gegeben sei (S. 7).
Eine behinderungsangepasste, körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit wechselbelastenden Anteilen sei - vorbehalten der psychiatrischen Beurteilung - ganztags zumutbar (S. 7).
In der Testung
seien
ein nicht adäquates Schmerzverhalten und eine erhebliche Symptomausweitung festgestellt
worden.
Die Konsistenz sei schlecht gewesen, es sei eine Diskrepanz zwischen den klinischen Befunden und den beobachteten funktionellen Fähigkeiten und Defiziten festgestellt worden: In der EFL setze und hantiere die Beschwerdeführerin die Gewichte
auschliesslich
mit Ring- und Kleinfinger, bei Alltagsbewegungen sei aber ein teilweise unauffälliges Bewegen und Greifen mit beiden Händen zu beobachten gewesen. Zwischen dem Aus
mass der angegebenen Einschränkungen im Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit und den beobachteten funktionellen Fähigkeiten lägen ebenfalls Diskrepanzen vor;
die Selbsteinschätzung sei deut
lich zu tief. Dies gelte auch für das
Gehtempo
im
Gangtest
und bei spontanem Gehen, zwischen der Handkraft beidseits und dem Test des einhändigen Tragens sowie zwischen der demonstrierten generellen und extrem ausgeprägten Funktionsunfähigkeit und dem zu erwartenden problembezogenen differenzierten Muster von Ein
schränkungen (S. 14).
3.2
Sodann holte die Beschwerdegegnerin ein psychiatrisches Gutachten bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, ein
.
Dr.
A._
stellte nach Einsicht in die Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung eigener Untersuchungen in seinem Gutach
ten vom 15. Oktober 2009 (Urk. 7
/100) fest, dass keine psychiatrische Diagnose vorliege. Die Be
schwerdeführerin leide seit 2006 unter
arthrotischen
Schmerzen, die aber ihre psychische Gesundheit nicht beeinträchtigt hätten. Die Diagnose einer
somato
formen
Schmerzstörung könne ausgeschlossen werden, ausserdem präsentiere sich die Beschwerdeführerin in psychopathologischer Hinsicht ganz unauffällig und es habe keine Hinweise auf eine Symptomüberbewertung, Aggravation od
er Simulation gegeben. Damit liege
aus
psychiatrischer Sicht keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit vor; die Beschwerdeführerin sei für jegliche ihrem Bil
dungsniveau entsprechende Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig.
Gleich
zeitig könne die Frage nach der zumutbaren W
illensanstrengung, trotz Schmer
zen zu arbeiten, aus psychiatrischer Sicht klar bejaht werden (S. 5).
3.3
Dr. med.
B._
, F
acharzt für
Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation,
Y._
, und Dr.
A._
nahmen am 18. März
2010 gemeinsam Stellung (Urk. 12
/109) und führten aus, dass aus rheumatologischer Sicht noch nicht definitiv zuzuordnende Polyarthralgien und Rückenbeschwerden mit objektivierbaren degenerativen Veränderungen, überlagert mit einem
dysfunk
tionellen
Krankheitsverhalten, vorlägen. Letzteres habe keiner psychiatrischen Diagnose zugeordnet werden können, eine solche sei auch nicht gegeben. Aus rheumatologischer Sicht betrage die Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Wirtin 20 %. Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin
nicht arbeitsunfähig und für die Restarbeitsfähigkeit sei die Willensanstrengung zur Überwindung der Schmerzen auch zumutbar. Interdisziplinär bestehe eine 20%ige Restarbeitsfähigkeit als Wirtin (S. 1).
Eine adaptierte leichte bis knapp mittelschwere Tätigkeit mit
wechselbelasten
den
Anteilen ohne repetitiven Einsatz der Hände unter Kraftanwendung sei der Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht ganztags zumutbar. Aus psy
chiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit und für eine solche sei die Willensanstrengung zur Überwindung der Schmerzen auch zumutbar. Interdisziplinär sei eine adaptierte Tätigkeit ganztags ohne weitere Leistungsminderung zumutbar (S. 2).
3.4
Gestützt auf diese Aktenlage erliess die Beschwerdegegnerin die
rentenvernei
nende
Verfügung vom
5.
Oktober 201
0.
Im Beschwerdeverfahren
vor dem hiesi
gen Gericht
gingen die nachfolgen
den Berichte ein, welche Berücksichtigung fanden (vgl. E. 4.7-4.8 des Urteils vom 2
5.
Februar 2011;
Urk.
7/131):
Die Ärzte der Abteilung Rheumatologie an der Klinik
C._
stellten mit Bericht vom 8. November 2010
(
Urk.
7/130/12-13)
im Wesentlichen folgende Dia
gnosen:
Hyperparathyr
e
oidismus
chronisch intermittierendes
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom bei
Uncarthrosen
der mittleren HWS, Streckhaltung,
Osteochondrose
C5/6, we
niger C6/7
Lumbovertebralsyndrom
bei
Osteochondrose
L4/5 und L5/S1
Gonalgie
links
Heberden
- und
Rhizarthrose
beidseits, be
ginnende Bouchard-Arthrose beid
seits
unklare Schmerzen
Sternoklavikulargelenk
links
Aufgrund der Fingerpolyarthrose empfehle man eine Ergotherapie sowie je nach Erfolg eine Infiltration. Es bestehe kein eindeutig entzündlicher
Wirbelsäulen
nachtschmerz
, sondern eher ein morgendlicher Anlaufschmerz sowie
Arthrose
schmerz
, der mit den
Wirbelsäulenosteochondrosen
kompatibel sei. Ein kräfti
gender Muskelaufbau der Wirbelsäulenha
ltemuskulatur sei fortzuführen
.
Dr. med.
D._
, Chefarzt der Rheumaklinik am
E._
, stellte mit Bericht vom 24. Dezember 2010 (Urk.
7/130/4-7
) folgende Diagnose
n
(S. 1):
Polyarthrose mit Bouchard-Arthrose,
Heberdenarthrose
und
Rhizarthrose
beidseits
MTP I-Arthrose beider Füsse und
Hallux
valgus
-Deformität links
beginnende Gonarthrose links
d
ifferentialdiagnostisch nicht klassifizierbare Kollagenose
zervikospondylogenes
Syndrom bei
Uncovertebral-Spondylarthrose
degenerative
Diskopathie
und
Spondylarthrose
C6/7
Facettengelenksarthrose C2/3
Die Beschwerdeführerin leide an verschiedenen Beeinträchtigungen des Bewe
gungsapparates. Eine entzündliche rheumatische Erkrankung des Rückens liege aufgrund des Verlaufs, der geschilderten Klinik sowie der erhobenen Befunde nicht vor. Die Beschwerden seien hauptsächlich degenerativ bedingt, teilweise komme es auch zu einer Kompressionssymptomatik durch die
Nervenwurzel
kompression
im Bereich der Halswirbelsäule. Beklagt würden jetzt vor allem A
r
thralgien in den Schultern, Händen und Daumensattelgelenken. Eigentliche
Synovitiden
träten nicht auf, allerdings bestehe eine Morgensteife, die teilweise über eine Stunde dauere.
Szintigraphisch
habe nur die Polyarthrose bestätigt werden können, allerdings liege diese Untersuchung ein Jahr zurück. Aufgrund der Anamnese mit belastungsabhängigen Gelenkbeschwerden in den Händen und Schultern, der Skelettszintigraphie und der bisherigen Röntgenbefunde be
stehe eine Polyarthrose mit gelegentliche
n Entzündungsschüben. Einer ope
rati
ven Therapie der
Rhizarthrose
stehe nichts entgegen. Es sei glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin durch die Fingerpolyarthrose in ihren Tätigkeiten als Wirtin und im Service stark eingeschränkt sei.
Auch feinere manuelle Tätigkei
ten seien nicht über längere Zeit ausführbar (S. 1-2).
3.5
Das hiesige Gericht
(
Urk.
7/131)
wie auch das Bundesgericht
(
Urk.
7/132)
bestätigten gestützt auf diese Aktenlage die rentenverneinende Verfügung vom
5.
Oktober 201
0.
4.
4.1
Der angefochtenen Verfügung vom 1
8.
Juni 2015 (
Urk.
2
)
lagen folgende medi
zinischen Berichte zugrunde
.
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
stellte in seinem Bericht vom 1
2.
Juni 2014 (
Urk.
7/145/5-10) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
Polyarthrose
leichte
Coxarthrose
rechts (November 2012)
erosive
Fingerpolyarthrose DIP, PIP
Rhizarthrose
beidseits
dorsales Handgelenkganglion rechts
cervicospondylogenes
Schmersyndrom
unkovertebrale
Spondylarthrosen
,
breitbasige
rechts
intraforaminale
Diskushernie
Foraminastenose
mit Kompression Nervenwurzel C6 C5/6 2011
degenerative
Diskopathie
und
Spondylarthrose
C6/7 MRI 2009
Facettengelenksarthrose C2/3
2
003
Facettengelenksinfiltration C2/3 ohne Effekt
lumbovertebragenes
und
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
ausgeprägte
Osteochondrose
L5/S1 leichte
osteodiskale
Einengung
Recessus
lateralis
L4/5 ohne Nervenwurzelkompression
Nervenwurzeltaschenzysten praktisch sämtlicher abgebildeter
Nerven
wurzeln
beginnende Gonarthrose links 2009
Status nach Bursitis
trochanterica
rechts Februar 2014
MTP-Arthrose beidseits und
Hallux
valgus
Periarthropathia
humeroscapularis
(PHS)
calcarea
links November 2012
thorakospondylogenes
Schmerzsyndrom
undifferenzierte Kollagenose
Raynaud Phänomen 2007
Livedo
reticularis
mildes
Siccasyndrom
Photosensitivität
Methotrexat
seit April 2014
Allenfalls seien der Beschwerdeführerin leichte Bürotätigkeiten für einige Stun
den pro Tag, mit freier Einteilung der Arbeitszeit, möglich (
Ziff.
1.7).
4.2
Dr.
med.
G._
, Oberärztin an der
H._
, diagnostizierte mit Bericht vom
2.
Juli 2014 (
Urk.
7/147) eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) sowie ein chronisches
multilokuläres
Schmerzsyndrom (bei generalisierter Arthrose, PHS, undifferenzierter Kollagenose, intermittierenden
Enthesiopathien
u
nd anderem;
Ziff.
1.1). Aktuell sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszugehen, welche innerhalb von drei bis sechs Monaten auf mindestens 70
%
steigerbar
sei. Zu bedenken sei die langjährige
Dekonditionierung
. Psychisch sei lediglich von einer geringeren Belastbarkeit bei depressiver Reaktionsbereitschaft auszugehen; gegenwärtig bestünden ausgeprägte körperliche Einschränkungen (
Ziff.
1.6-1.7).
4.3
Dr.
med.
I._
, Oberarzt an der Klinik für Rheumatologie am
J._
, stellte mit Bericht vom 3
0.
Oktober 2014 (
Urk.
7/174/6-11) folgende, verkürzt wiedergegebene Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
generalisierte Arthrose
primärer
Hyperparathyreoidismus
Periarthropathia
humeroscapularis
calcarea
beidseits linksbetont
undifferenzierte Kollagenose
Verdacht auf
Chondrocalcinose
mit klinisch Verdacht auf
crowned
-
dens
-Syndrome
lumbospondylogenes
,
thorakovertebrales
und
cervicospondylogenes
Schmerzsyndrom
intermittierende
Enthesiopathien
Prognostisch werde sich grundsätzlich keine Verbesserung einstellen. Die Symptomatik werde primär von der körperlichen Belastung
beeinflusst werden (
Ziff.
1.4). Die Beschwerdeführerin habe sich zur Nanny ausbilden lassen und arbeite Teilzeit. Für einen körperlich anstrengenden Beruf wie im Gastgewerbe oder auch als Kinderbetreuerin wirkten sich die generalisierte Arthrose und die
periarthropatischen
Beschwerden negativ aus. Die allgemeine Leistungsfähigkeit werde durch die undifferenzierte Kollagenose reduziert. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht zu 100
%
zumutbar. Eine Teilzeittätigkeit zu 50
%
mit einem reduzierten Leistungsprofil sollte machbar sein. Dabei sei die Teilzeitarbeit nicht tageweise, sondern stundenweise umzusetzen (
Ziff.
1.7).
Dr.
I._
hielt fest, dass er sich nie mit dem Belastungsprofil der aktuellen Tätigkeit befasst habe, so dass er hierzu keine Auskunft geben könne (S. 5).
4.4
Die Gutachter des
Z._
stellten in ihrem am 1
2.
Januar 2015 nach Berück
sichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer inter
nistischen, rheumatologischen, psychiatrischen und neurologischen Untersuchung
erstatteten Gutachten (
Urk.
7/177) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der letzten Tätigkeit (S. 26):
Polydegeneration sowohl der peripheren Gelenke (klassisch
erosiv
-destruktive Fingerpolyarthrose) und des Achsenskeletts (
Osteochondrose
C5/C6 und C6/C7 mit
Diskusprotrusion
C6/C7,
Osteochondrose
L4/L5 und L5/S1,
Diskusprotrusion
L4/L5 und L5/S1)
undifferenzierte ANF-positive Kollagenose mit
Oligo
-/Polyarthralgien, Raynaud-Phänomen seit 2007, mildem
Sicca
-Syndrom,
Photosensitivi
tät
,
Livedo
reticularis
, Abgeschlagenheit und rasche Erschöpfbarkeit
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in der letzten Tätigkeit:
primärer
Hyperparathyreoidismus
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
anhaltende leichte depressive Episode
chronisch rezidivierende Sinusitiden
rezidivierende Harnwegsinfekte
Status nach
Divertikulitis
Kolonpolypose,
blande
Kontrollkoloskopien seit Abtragung
Status nach
putrider
Paronychie am rechten Mittelfinger, abgeheilt
mögliche
Migraine
accompagnée
sans
Migraine
Gegenüber dem Vorgutachten aus dem Jahr 2009 seien die Diagnosen einer unspezifischen Kollagenose und eines primären
Hyperparathyreoidismus
neu dazugekommen. Beide Diagnosen seien noch nicht abschliessend geklärt und in ihren Auswirkungen noch nicht ganz abschätzbar. Es sollte daher eine Re-Eva
luation in spätestens zwei Jahren erfolgen. Trotzdem könne man aus rheumato
logischer Sicht festhalten, dass die bisherige Tätigkeit im Gastgewerbe nicht me
hr zumutbar sei und dass die aktuell ausgeübte Teilzeitarbeit in einer Kinderkrippe mit Tätigkeiten auch im Küchenbereich nur partiell zugemutet werden könne, obschon sie von der Beschwerdeführerin gerne ausgeführt werde. Aktuell werde die Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht auf 50
%
beziehungsweise vier Stunden pro Tag in der gegenwärtigen Tätigkeit in der Krippe oder in einer anderen angepassten Arbeit eingeschätzt. In einer dem Leiden bestens ange
passten Tätigkeit gemäss Belastungsprofil seien dagegen sechs Stunden pro Tag
(70
%
)
zumutbar, ohne zusätzlich rheumatologisch bedingte oder begründete zusätzliche Leistungsminderung (S. 27 unten f.
, S. 29 Mitte
).
Aus neurologischer Sicht könnten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit gestellt werden, ebenso aus psychiatrischer Sicht.
Aus
polydiszip
linärer
Sicht sei
die angestammte Arbeit als Gastronomin aus rheumato
logischen Gründen nicht mehr zumutbar. Körperlich leichte, rückenschonende, wechselbelastende Tätigkeiten mit Tragen von Lasten bis höchstens 7-10 kg ohne belastende repetitive Handarbeit seien zumutbar. Die Beschwerdeführerin könne jegliche ihrem Ausbildungs- und Kenntnisstand entsprechende Tätig
keiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verrichten,
soweit diese auch ihrem körperlichen Belastbarkeitsprofil entsprächen. Arbeiten unter besonderem Zeit
druck sowie Nachtarbeiten sollten wegen der psychischen Minderbelastbarkeit bei chronischem Schmerzsyndrom allerdings vermieden werden (S. 28).
Die postulierte Leistungsminderung dürfte ab April 2013, dem Datum der Nach
kontrolle an der Rheumaklinik des
J._
, manifest geworden sein. Die aktuelle Arbeitsfähigkeit in einer ideal angepassten Tätigkeit im Umfang von 6 Stunden täglich stehe in weitgehender Übereinstimmung mit der Beurteilung der Ärzte der Rheumaklinik vom 3
0.
Oktober 2014 (S. 29). Zusammenfassend sei die bis
herige Tätigkeit seit 2008 nicht mehr zumutbar. Eine Verweistätigkeit sei bis April 2013 zu 100
%
zumutbar, danach bestehe medizinisch-theoretisch eine Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit von 70
%
(S. 30).
Die Verschlechterung sei einerseits auf die Zunahme der Beschwerden bei
Poly
arthrose
im Bereich der Hände und des Achsenskeletts, aber auch durch die Diagnose einer unspezifischen Kollagenose bedingt. Der ebenfalls neu diagnos
tizierte primäre
Hyperparathyreoidismus
trage dagegen eher weniger zu den zunehmenden Beschwerden bei, ganz sicher könne dies aber erst nach einer
allfälligen operativen Behandlung der Nebenschilddrüsen-Überfunktion beurteilt
werden (S. 30).
4.5
In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 1
6.
April 2015 (
Urk.
7/192)
führten
die Gutachter des
Z._
aus, dass die durch die Fingerpolyarthrose verursachte
n, belastungsinduzierten Beschwerden im Gutachten gebührend berücksichtigt und betreffend Auswirkung auf die aktuelle Tätigkeit (unter Mitberücksichtigung des Vorliegens der undifferenzierten Kollagenose und des primären
Hyperparathy
reoidismus
) sinngemäss mit einer Reduktion der Belastbarkeit um 50
%
korrekt
eingeschätzt worden seien. Die übrigen degenerativen
Arthropathien
seien radio
logische Befunde
und
zurzeit ohne klinische Relevanz betreffend Einschränkung
der zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Die aufgeführte Verdachtsdiagnose einer
Cho
n
drocalcinose
solle nicht angezweifelt werden, auch wenn die Röntgenaufnahmen
des Handskeletts keine typischen Knorpelverkalkungen aufdecken liessen. Die
Chondrocalcinose
könne
wohl zu einzelnen akuten
inflammatorischen
Attacken führen. Diese liessen sich mittels Gabe von systemischen
Kortikosteroiden
, wie von
Dr.
I._
erwähnt, gut therapieren. Die bisherige Dokumentation schliesse
eine fortschreitende,
erosiv
-destruktive Calcium-Pyrophosphat-
Arthropathie
aus
,
so dass auch diese Diagnose vorerst keine Auswirkungen auf die Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit habe. Ob die Kollagenose tatsächlich für die angegebene Leistungsminderung als schlüssige Erklärung herangezogen werden könne, sei kaum mit genügender Sicherheit zu beweisen. Die Aussage von
Dr.
I._
, wonach die allgemeine Leistungsfähigkeit durch die undifferenzierte Kollagenose reduziert sei, sei kaum objektiv zu begründen, jedenfalls nicht in einer klinisch stabilen Situation ohne nachweisbare klinische und
laborche
mische
Aktivität.
Die angepasste Formulierung für die präsentierte Situation sei die folgende: Die allgemei
ne Leistungsfähigkeit kö
nn
e
möglicherweise durch die undifferenzierte Kollagenose reduziert sein, insbesondere während einer
Schub
situation
der Grundaffektion.
Dr.
I._
halte ferner fest, dass bislang die Arbeitsfähigkeit in seiner Sprechstunde nie ein Thema gewesen sei, dass er sich
nie näher mit dem Belastungsprofil der aktuellen Tätigkeit befasst habe und dem
zufolge hierzu keine Aus
kunft geben könne. Im Kontext der anlässlich der Begutachtung festgehaltenen guten klinischen Befunde sei die Einschätzung von
Dr.
I._
von einer Teilzeittätigkeit von 50
%
mit einem nicht näher defi
nierten Leistungsprofil nicht abschliessend nachvollziehbar (S. 2).
5.
5.1
Die von der Be
schwerdeführerin im Rahmen ihrer
Neuanmeldung
eingereichten Berichte (
Urk.
7/141/1-25) enthalten keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit, wes
halb sie vorliegend nicht berücksichtigt werden können. Dies gilt auch für die im Rahmen der Begutachtung am
Z._
eingereichten Berichte (
Urk.
7/177/74-
81;
Urk.
7/177/90-92), welche im Übrigen im Gutachten Berücksichtigung fanden
(vgl. S. 19 f. des Gutachtens).
5.2
Die Beschwerdeführerin leidet an
einer
Polyarthrose und damit an einer degene
rativen Krankheit, die fortschreitend ist. Dies zeigt sich anhand der medizini
schen Akten, indem seit dem Erlass der letzten Verfügung vom
5.
Oktober 2010 nun nicht mehr von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungs
angepassten
Tätigkeit ausgegangen werden kann. Dies auch, da seither weitere Erkrankungen,
namentlich
eine
unspezifischen Kollagenose
und ein
primäre
r
Hyperparathyreoidismus
, diagnostiziert wurden
.
5.3
Dr.
F._
(vorstehend E. 4.1)
hielt leichte Bürotätigkeiten für einige Stunden pro Tag mit freier Einteilung der Arbeitszeit für möglich (vgl. vorstehend E.
4.1). Diese Einschätzung ist zu vage, um darauf abzustellen.
Dr.
G._
(vorstehend E. 4.2)
ging in psychischer Hinsicht nach einer Übergangsphase von einer mindestens 70%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus. Dies erscheint als nachvollziehbar;
Dr.
G._
wies jedoch darauf hin, dass die Ein
schränkungen der Beschwerdeführerin vo
r allem somatisch bedingt seien. Dem
entsprechend veranlasste die Beschwerdegegnerin eine
gesamthafte Beurteilung in Form eines polydisziplinären Gutachtens.
5.4
Das Gutachten vom 1
2.
Januar 2015 entspricht allen praxisgemässen Anfor
derungen (vgl. vorstehend E. 1.3
). Die Gutachter erhoben
in den Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie und Neurologie
genaue Befunde und berücksichtigten die geklagten Beschwerden
. Sie nahmen zu den früheren Akten Stellung und begründeten die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
sorgfältig und nachvollziehbar.
Es standen den Gutachtern somit alle Informa
tionen zur Verfügung, um eine schlüssige
interdisziplinäre
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
vorzunehmen.
Sie legten dar, dass die angestammte Tätigkeit als Wirtin
nicht mehr zumutbar sei. Hinsichtlich der aktuellen Tätigkeit als Kinderbetreuerin mit Küchenarbeit führten sie aus, dass diese für vier Stunden pro Tag zumutbar, jedoch infolge der Handbelastung nicht optimal angepasst sei. Diese Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit entspricht derjenigen von
Dr.
I._
, der festhielt, dass eine Teilzeittätigkeit zu 50
%
mit reduziertem Leistungsprofil - gemeint sein dürften leichte
hand
schonende
Tätigkeiten - zumutbar sei, der aber ebenfalls festhielt, dass sich die Erkrankung bei der doch anstrengende
n
Tätigkeit als Kinderbetreuerin negativ auswirke (vgl. vorstehend E. 4.3). Somit erachtete auch
Dr.
I._
die
se
aktuelle Tätigkeit als nicht optimal behinderungsangepasst. Was optimal
behinderungs
angepasst
ist, definierten die Gutachter im Gegensatz zu
Dr.
I._
anhand eines Belastungsprofils, welches auf die Beschwerden Rücksicht nimmt. So
sind k
örperlich leichte, rückenschonende, wechselbelastende Tätigkeiten mit Tragen von Lasten bis höchstens 7-10 kg ohne belastende repetitive Handarbeit
,
ohne besonderen
Zeitdruck
und ohne
Nachtarbeiten
zu 70
%
zumutbar.
Dass eine diesem Profil entsprechende Tätigkeit eine
höhergradige
Arbeitsfähigkeits
schätzung
bewirkt, liegt auf der Hand. Darüber hinaus besteht mit
Dr.
I._
auch darin Übereinstimmung, dass die Tätigkeit stundenweise (d.h. sechs Stunden
täglich anstelle von dreieinhalb Tagen am Stück) umzusetzen sein sollte (vgl. vorstehend E. 4.3), wird dadurch doch eine geringere Belastung angestrebt.
Auf die Beurteilung durch die
Z._
-Gutachter ist abzustellen, denn
Dr.
I._
hat, wie er selbst betonte, sich nie mit einem konkreten Belastungsprofil ausein
andergesetzt.
5.5
Somit ist gestützt auf das
Z._
-Gutachten vom 1
2.
Januar 2015 davon auszugehen, dass
im Vergleich zur medizinischen Situation im Jahr 2010
die angestammte Tätigkeit im Gastgewerbe nicht mehr zumutbar ist und seit Mai 2013 in einer optimal behinderungsangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit
von
nunmehr
70
%
besteht. Damit ist eine Verschlechterung eingetreten.
5.6
Angesichts des fortschreitenden Charakters der Erkrankung der Beschwerde
führerin und der gemäss Gutachter noch nicht abschliessend bekannten Auswir
kungen der undifferenzierten Kollagenose und des
primären
Hyperparathy
reoidismus
ist eine
zukünftige
weitere Verminderung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nicht auszuschliessen. Die Gutachter empfahlen denn auch eine Re-Evaluation in zwei Jahren, was im Rahmen eines Revisionsverfahrens geschehen sollte.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen)
, in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommens
entwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung
entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt
sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausge
glichenen Arbeitsmarktlage (Art. 16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Fest
setzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstrukturer
hebung
(LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_192/2014 vom 23. Septem
ber 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).
6.3
Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei ein Brutto-
Valideneinkommen
in
Höhe von
Fr.
78‘000.-- einzusetzen, da gemäss
ihrem früheren
Arbeitsvertrag ab
März 2007
Fr.
6‘000.-- monatlich vereinbart gewesen sei
en
(
Urk.
1 S. 9). Dabei übersieht sie, dass das hiesige Gericht diese Argumentation bereits im Urteil vom 2
5.
Februar 2011 verworfen hatte, indem es festhielt, dass durch die Akten lediglich ein tatsächlich
erzielter
Verdienst von
Fr.
4‘500.-- ausgewiesen war. Es sei deshalb von einem hypothetischen
Valideneinkommen
von
Fr.
56‘250.-- auszugehen (vgl. E. 6.4 der Erwägungen;
Urk.
7/131). An dieser Beurteilung wie auch an der Sachlage (vgl. den Auszug aus dem
individuellen Konto;
Urk.
7/140)
hat sich nichts geändert, weshalb die Beschwerdegegnerin das hypothetische
Valideneinkommen
korrekterweise
darauf abstützte und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung für das massgebliche Jahr 2013
(vgl. vorstehend E.
5.5)
einen Wert von
Fr.
60‘728.30 ermittelte (vgl.
Urk.
7/178
)
.
6.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bun
desamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E.
4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standar
disierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, wes
halb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche
Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b
/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
6.5
Der
LSE 2012
kommt
für alle Fälle erstmaliger Invaliditätsbemessung und auf
Neuanmeldung hin nach vorausgegangener rechtskräftiger Ablehnung oder nach
Aufhebung der Invalidenrente sowie im Revisionsver
fahren (mit Entstehung des potentiellen oder Veränderung des lau
fenden Rente
nan
spruches im Jahr 2012 oder später) Beweiseig
nung zu
(BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1)
.
Das Invalideneinkommen ist damit gestützt auf den standardisierten
Durch
schnittslohn
in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors zu bestim
men und es ist vom mittleren Lohn für Frauen, die einfache und repetitive Ar
beiten ausführen, auszugehen. Dieser belief sich im Jahre 2012 auf monatlich
Fr. 4‘112.-- (LSE 2012, S. 35, Tabelle TA1, Total, Niveau 1), mithin Fr. 49‘344.-- im Jahr (Fr. 4‘112.-- x 12). Unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden (betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total;
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten
) sowie der
Nominallohner
höhung
im Jahr 2013 von 0.7
%
(vgl. Schweizerischer Lohnindex nach Branche;
Index und Veränderungen auf der Basis 2010 = 100
%
, www.bfs.admin.ch, Total)
ergibt dies für das Jahr 2013
ein Invali
deneinkommen von rund Fr. 51‘801
.-- (Fr. 49‘344.-- : 40 x 41.7
x
1.007) beziehungsweise
Fr.
36‘261
.-- in
dem der Beschwerdeführerin zumutbaren Pensum von 70
%
(
Fr. 51‘801
.-- x 0.7
).
6.6
Die Beschwerdegegnerin gewährte einen Abzug vom Tabellenlohn in Höhe von 10
%
, da die Beschwerdeführerin Einschränkungen für körperlich schwere Tätigkeiten habe (
Urk.
7/178 S. 1;
Urk.
2 S. 2). Rechnerisch gewährte sie jedoch nur einen Abzug von 5
%
(vgl.
Urk.
7/178 S. 1 unten: „CHF 40
‘
704.85 x 5
%
“)
und ermittelte so einen Wert von Fr 38‘669.6
0.
Bei einem Abzug von 10
%
re
sultiert ein hypothetisches Invalideneinkommen von
Fr.
32‘635.--
(
Fr.
36‘261
.--
x 0.9)
, was einen
Invaliditätsgrad von gerundet 46
%
und damit Anspruch auf eine
Viertelsrente
ergibt. Für den von der Beschwerdeführer
i
n beantragten
,
im Rahmen der Berechnung des Anspruchs im Jahr 2010 gewährten Abzug von 20
%
besteht kein Raum, denn den
aktuellen
Einschränkungen wurde
bereits
mit der Annahme einer Teilarbeitsfähigkeit
Rechnung getragen. Zudem
gilt
es zu berücksichtigen, dass sich eine
teilzeitlich ausgeübte Beschäftigung im Ver
gleich zu einer Vollzeitbeschäftigung bei Frauen sogar proportional
lohner
höhend
auswirken kann. So weisen die Statistiken 2008 und 2010 bei Frauen im Anforderungsniveau 4 für Teilzeitarbeit zwischen 50
%
und 89
%
höhere Löhne als für Vollbeschäftigung aus. Damit entfällt hier die Rechtfertigung für einen
zusätz
lichen
Tabellenlohnabzug (Urteil des Bundesgerichts 8C_712/2012 vom 3
0.
November 2012 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
Insgesamt erscheint deshalb ein Abzug von 10
%
als angemessen.
6.7
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
infolge der Neuanmeldung vom 14. März 2014 (Art. 29 Abs. 1 IVG)
ab
1.
September 2014
bei einem I
nvaliditätsgrad von 46
%
antragsgemäss
Anspruch auf eine
Viertels
rente
hat.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
7.
7.1
Bei diesem Verfahrensausgang kann auf die Durchführung einer öffentlichen
Verhandlung
(
Urk.
1 S. 2)
verzicht
et werden: Das kantonale Gericht kann von einer öffentlichen
Verhandlung
absehen, wenn es auch ohne eine solche allein aufgrund der Akten zum Schluss gelangt, dass dem materiellen Rechtsbegehren der bezüglich der
Verhandlung
antragstellenden Partei zu entsprechen ist. In einer solchen Situation verdient die Forderung nach einer
Verhandlung
im Sinne von
Art.
6
Ziff.
1 EMRK - unter Vorbehalt gewichtiger öffentlicher Inte
ressen, welche jedoch nicht vorliegen - keinen Rechtsschutz, weshalb es dem erstinstanzlichen Gericht nicht verwehrt sein kann, von einem nachträglichen
Verzicht
auf die zunächst beantragte öffentliche
Verhandlung
auszugehen (BGE 122 V 47 E. 3b/ff.).
7.2
Die Verfahrenskosten gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 9
00.-- festzusetzen und
a
usgangsgemäss
der Beschwerdegegn
erin aufzu
erlegen.
7.3
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Kriterien ist der Beschwerdeführerin ein
e
Prozessentschä
digung
von
Fr.
1'9
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu Lasten der
Beschwer
degegnerin
zuzusprechen.