Decision ID: 72c86cf3-b5f4-528d-aac7-8a31d1ab0911
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Kategorie B seit 1981. Im
Administrativmassnahmen-Register ist er nicht verzeichnet. Am Montag,
27. September 2010, lenkte er gegen 22.00 Uhr seinen Personenwagen mit dem
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amtlichen Kennzeichen SG 000 auf dem Parkplatz vor der B-Filiale an der N-Strasse in
C vorwärts aus einem Parkfeld. Er touchierte dabei den auf dem angrenzenden Feld
parkierten Personenwagen und fuhr, nachdem er sich fluchend den Schaden
angeschaut hatte, weg. Ein Passant, der den Vorfall beobachtete, orientierte die
Kantonspolizei St. Gallen, die X im Lauf der Nacht jedoch weder an seinem Wohnort in
U antraf noch ihn über seine Natel-Nummer erreichte. Nachdem die Polizei am
folgenden Vormittag Kontakt mit ihm aufnehmen konnte und er zu einem vereinbarten
Termin in der Tiefgarage an der S-Strasse in C, wo er das Fahrzeug in der
vorangehenden Nacht abgestellt hatte, nicht erschienen war, suchte sie ihn an seinem
Arbeitsplatz auf. Da der wegen Alkoholmundgeruchs durchgeführte Atemlufttest eine
Blutalkoholkonzentration von umgerechnet 0,86 Gew.-‰ ergab, wurde ihm der
Führerausweis abgenommen. Die Analyse der anschliessend abgenommenen
Blutprobe ergab für den Zeitpunkt der Blutentnahme um 8.50 Uhr eine
Blutalkoholkonzentration zwischen 0,95 und 1.05 Gew.-‰ und zurückgerechnet auf
den Zeitpunkt des Ereignisses vom Vorabend eine solche von mindestens 1,86 und
höchstens 3,40 Gew.-‰ (Mittelwert 2,63 Gew.-‰).
B.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen eröffnete am
2. November 2010 ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung und entzog X
vorsorglich den Führerausweis. Die am 2. Dezember 2010 angeordnete spezialärztliche
Untersuchung wurde am 13. Dezember 2010 an der verkehrsmedizinischen Abteilung
des Instituts für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen durchgeführt. Im
Gutachten vom 14. Januar 2011 wird festgestellt, eine Alkoholabhängigkeit gemäss
ICD-10 könne nicht ausgeschlossen und die Fahreignung wegen einer
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchsproblematik nicht befürwortet werden.
C.- Mit Verfügung vom 1. Februar 2011 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis wegen einer Alkoholproblematik gestützt auf Art. 16d Abs. 2 lit. b SVG
auf unbestimmte Zeit. Als Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs wurden eine
kontrollierte und fachlich betreute Alkoholabstinenz (Arzt und Beratungsstelle) von
mindestens sechs Monaten (gemäss Info-Blatt) und eine verkehrsmedizinische
Besprechung (inkl. Laborkontrollen) genannt. Einem allfälligen Rekurs wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen.
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D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
7. Februar 2011 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge seien die entzogene aufschiebende Wirkung des
Rekurses wieder herzustellen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und der
Führerausweis für drei Monate zu entziehen. Zudem sei Vormerk davon zu nehmen,
dass der Rekurrent seit 3. Februar 2011 eine sechsmonatige Alkoholabstinenz einhalte,
die entsprechend einer Vereinbarung mit seinem Hausarzt vom 7./8. Februar 2011
zwei- bis dreimal monatlich mittels kurzfristig angesetzter Urinkontrollen überwacht
werde. Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in
den Erwägungen eingegangen. Am 8. März 2011 verzichtete die Vorinstanz auf eine
Vernehmlassung.
Mit Verfügung vom 15. März 2011 wies der zuständige Abteilungspräsident der
Verwaltungsrekurskommission das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
ab. Die Kosten der Verfügung wurden bei der Hauptsache belassen. Am 29. März 2011
ersuchte der Rekurrent um sofortige Wiedererteilung des Führerausweises, um
während der Arbeitszeit Fahrzeuge seines Arbeitgebers führen zu dürfen. Am 14. April
2011 nahm die verkehrsmedizinische Abteilung des Instituts für Rechtsmedizin am
Kantonsspital St. Gallen Stellung zur Frage, ob die – vom Rekurrenten behauptete –
Verwendung eines alkoholhaltigen Haarwassers den EtG-Gehalt im Haar beeinflussen
könne.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 7. Februar 2011 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs wird geltend gemacht, aus dem verkehrsmedizinischen Gutachten vom
14. Januar 2011 könne nicht auf eine mangelnde Fahreignung geschlossen werden.
bis
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a) Führerausweise dürfen nicht erteilt werden, wenn der Bewerber an einer die
Fahreignung ausschliessenden Sucht leidet (Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG). Sie sind zu
entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung
nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Wegen fehlender Fahreignung
wird einer Person der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer
Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG), wie
beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit (Botschaft zur
Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491).
Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene Person regelmässig
so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird und sie diese
Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu
überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Der
Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff
der Alkoholabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber
jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt, können demnach vom Führen eines
Motorfahrzeugs ferngehalten werden (BGE 129 II 82 E. 4.1 mit Hinweis; vgl. auch Urteil
6A.8/2007 vom 1. Mai 2007 E. 2.1). Der auf unbestimmte Zeit entzogene Führerausweis
kann bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche
oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des
Mangels nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG). Für
den Nachweis der Heilung wird in der Regel eine mindestens einjährige kontrollierte
Abstinenz verlangt. Der Sicherungsentzug greift damit tief in den
Persönlichkeitsbereich des Betroffenen ein. Nach der Rechtsprechung ist daher in
jedem Fall und von Amtes wegen eine genaue Abklärung der persönlichen Verhältnisse
und insbesondere der Trinkgewohnheiten des Betroffenen vorzunehmen. Das Ausmass
der notwendigen behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein
medizinisches Gutachten eingeholt werden soll, richtet sich nach den Umständen des
Einzelfalles und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (BGE 129 II 82
E. 2.2 mit Hinweisen; vgl. Urteil 1C_98/2007 vom 13. September 2007 E. 2.1-3).
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b) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 14. Januar 2011 stützt sich einerseits auf
die Vorgeschichte und den Untersuchungsgrund sowie die Angaben des Rekurrenten
insbesondere zu seinem Alkoholkonsum und zum Ereignis vom 27. September 2010,
anderseits auf die Befunde der körperlichen Untersuchung, den
Selbstbeurteilungsfragebogen AUDIT und die Ergebnisse der Analysen von Blut- und
Haarproben. Die körperliche Untersuchung verlief in verkehrsmedizinischer Hinsicht
unauffällig. Die Laboruntersuchungen ergaben leicht ausserhalb der Norm liegende
Werte für den MCV- (98 fl, 80-95) und den Erythrocyten-Gehalt (4,5 T/l, 4,6-6,4). Die
Haarprobe von 3 cm Länge ab Kopfhaut wies einen Gehalt an Ethylglucuronid (EtG)
von 160 pg/mg auf.
In der Beurteilung wird ausgeführt, fehlende alkoholbedingte Folgeveränderungen
vermöchten einen problematischen Alkoholkonsum nicht auszuschliessen. Der erhöhte
MCV-Gehalt könne mit einem überhöhten Alkoholkonsum einhergehen und die übrigen
unauffälligen Laborwerte schlössen einen episodenhaften Alkoholüberkonsum nicht
aus. Die EtG-Konzentration von 160 pg/mg spreche klar für einen regelmässigen und
übermässigen Alkoholkonsum, d.h. für einen Konsum von täglich über 60 g reinen
Alkohols in den rund drei Monaten vor der Probenahme am 13. Dezember 2010. Die
hohe Blutalkoholkonzentration (1,8-3,4 Gew.-‰) spreche vor dem Hintergrund, dass
der Rekurrent zielgerichtet und fehlerfrei gehandelt, das Auto in die Tiefgarage
gefahren und dort parkiert habe, für eine besondere Alkoholgewöhnung und –toleranz.
Der Rekurrent habe demgegenüber jedoch über einen geringen, eher seltenen
Alkoholkonsum berichtet, der in keiner Weise geeignet sei, diese besondere
Alkoholtoleranz und das Ergebnis der Haaranalyse zu erklären. Der vom Rekurrenten
berichtete Zusammenhang des Alkoholkonsums mit einer Belastungssituation
(Anwaltstermin wegen bevorstehender Trennung, betagte Eltern) sei Ausdruck eines
psychischen Verlangens in bestimmten Situationen zur Erleichterung Alkohol zu
konsumieren. Insgesamt liege beim Rekurrenten ein bagatellisierter,
belastungsbeeinflusster, überhöhter Alkoholkonsum mit besonderer Alkoholtoleranz
vor, der mit dem Ereignis vom 27. September 2010 verkehrsrelevant geworden sei. Aus
verkehrsmedizinischer Sicht sei zu erwarten, dass der Rekurrent zukünftig ein
Motorfahrzeug unter Alkoholeinfluss lenken werde und / oder als Folge eines
unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vorlägen, die das sichere Führen
eines Motorfahrzeuges in Frage stellten.
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c) aa) Nach der Rechtsprechung gehören zu den für den Nachweis der Trunksucht
erforderlichen Abklärungen etwa eine gründliche Prüfung der persönlichen
Verhältnisse, welche namentlich die Einholung von Fremdberichten von Hausarzt,
Arbeitgeber und Familienangehörigen usw. umfasst, eine einlässliche Aufarbeitung der
konkreten Trunkenheitsfahrten, eine Alkoholanamnese, d.h. die Erforschung des
Trinkverhaltens (Trinkgewohnheiten und Trinkmuster) des Betroffenen und seine
subjektive Einstellung dazu sowie eine umfassende, eigens vorzunehmende körperliche
Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung von alkoholbedingten
Hautveränderungen usw. (BGE 129 II 82 E. 6.2.2). Die Einholung von Fremdberichten
ist im Zusammenhang mit den bisherigen weitgehend indirekten
Nachweismöglichkeiten zu sehen. Nachdem sich der direkte Nachweis des
Alkoholkonsums durch die Haaranalyse durchgesetzt hat, erübrigen sich weitgehende
und teils durchaus heikle Abklärungen im Umfeld in der Regel, um zu einem sicheren
Befund zu gelangen. Indessen richtet sich der Umfang der Nachforschungen nach den
Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der
Entzugsbehörde. Beweiserhebungen sind nach den allgemeinen Grundsätzen nur
soweit durchzuführen, als sie erforderlich sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.
8/2007 vom 1. Mai 2007 E. 2.5).
bb) Die dem Rekurrenten anlässlich der Untersuchung am 13. Dezember 2010
abgenommene Haarprobe wies einen Gehalt an EtG von 160 pg/mg auf. Wie im
verkehrsmedizinischen Gutachten vom 14. Januar 2011 dazu ausgeführt wird, weist
diese Konzentration auf einen regelmässigen und übermässigen Alkoholkonsum von
täglich über 60 g reinen Alkohols in den rund drei Monaten vor der Probenahme hin.
Anders als bei der bisher verwendeten Laboranalytik zur Überprüfung des
Alkoholkonsums anhand der in der Regel aus dem Blut ermittelten Parameter CDT,
Gamma-GT, GOT, GPT und MCV (vgl. BGE 129 II 82 E. 6.2.1.), mit der kein direkter
Alkoholkonsum-Nachweis erbracht werden kann, handelt es sich bei der forensisch-
toxikologischen Haaranalyse auf EtG um eine direkte, beweiskräftige Analysemethode.
Das EtG ist ein nicht oxidatives Nebenprodukt des Stoffwechsels von Trinkalkohol (B.
Liniger, Die forensisch-toxikologische Haaranalyse auf Ethylglucuronid – eine
beweiskräftige Untersuchungsmethode zur Überprüfung des Alkoholkonsums in der
verkehrsmedizinischen Begutachtung, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2006,
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St. Gallen 2006, S. 41 ff.). Weil EtG ein Abbauprodukt von Alkohol ist, belegt dessen
Nachweis den Konsum von Alkohol. Aufgrund des Kopfhaar-Längenwachstums von
ca. 1 cm pro Monat lassen sich Aussagen über den Alkoholkonsum während der
entsprechenden Zeit vor der Haarentnahme machen. EtG-Resultate über 30 bzw. 51
pg/mg werden nur bei Patienten mit Alkoholproblemen beobachtet (Urteil des
Bundesgerichts 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007 E. 2.3). Mit einer EtG-Konzentration von
160 pg/mg wurden diese Werte weit überschritten.
Der Rekurrent macht geltend, das Ergebnis der Haaranalyse sei durch die tägliche
Verwendung eines Haarwassers gegen Haarausfall mit einem Alkoholgehalt von 71%
beeinflusst worden. Dies allein erkläre auch die Differenz zu den an sich normalen
Leberwerten. Dem ist vorab entgegenzuhalten, dass die Analyse der dem Rekurrenten
am 13. Dezember 2010 abgenommenen Blutprobe nicht durchwegs unauffällig verlief,
sondern leicht ausserhalb der Norm liegende Werte für MCV (98 fl, 80-95) und für
Erythrocyten (4,5 T/l, 4.6-6.4) ergab. Zudem vermöchten auch unauffällige Werte bei
der Analyse der Blutproben einen übermässigen Alkoholkonsum nicht auszuschliessen.
Dies gilt angesichts des erheblichen Anteils von sogenannten Non-respondern
(20-40%) insbesondere für den CDT-Wert, dessen Erhöhung regelmässig im
Zusammenhang mit einem erhöhten Alkoholkonsum steht. Bei den Non-respondern
handelt es sich um Personen, bei denen trotz bekanntem Alkoholüberkonsum kein
erhöhter CDT-Wert nachgewiesen werden kann (vgl. U. Grimm, Beurteilung der
Fahreignung [Alkohol, Drogen] und Aussagemöglichkeit der Laborparameter, publiziert
auf www.fosumos.ch Referate; ders., Verkehrsmedizinische Beurteilung bei
Suchtmittel-Problematik, publiziert auf www.fosumis.ch Referate). Schliesslich ist nach
der Darstellung des Verkehrsmediziners die Verwendung eines alkoholhaltigen
Haarwassers nicht geeignet, zu einer Verfälschung des alkoholkonsumbedingten EtG-
Gehalts im Haar zu führen, da es sich beim EtG um ein in der Leber entstehendes
Alkoholabbauprodukt handle (vgl. act. 21). Im Übrigen ist dem Gutachten vom
14. Januar 2011 nicht zu entnehmen, dass der Rekurrent – obwohl er dazu befragt
wurde – bereits gegenüber dem Gutachter auf die Verwendung alkoholhaltiger
Haarpflegemittel hingewiesen hätte.
cc) Im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 14. Januar 2011 wird zwar keine
Alkoholabhängigkeit im medizinischen Sinn diagnostiziert, eine solche aber auch nicht
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ausgeschlossen. Kann wie beim Rekurrenten eine Alkoholabhängigkeit im Sinn von
ICD-10 nicht diagnostiziert werden, stellt sich die Frage nach der Verkehrsrelevanz
eines Alkoholmissbrauchs, namentlich nach der Fähigkeit der betroffenen Person,
Alkoholüberkonsum und Fahren hinreichend konsequent trennen zu können. Obwohl
eine Trunkenheitsfahrt als solche schon den Bezug zum Strassenverkehr und somit die
verkehrsrelevante Bedeutung des im Einzelfall zu beurteilenden Alkoholproblems
hinreichend belegt, kommt den detaillierten FiaZ-Umständen sowie dem FiaZ-
Problembewusstsein zusätzlich sehr grosse Bedeutung zu (vgl. B. Liniger,
Verkehrsmedizin: Fahreignungsbegutachtung und Auflagen, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004 S. 94).
Aus dem in der dem Rekurrenten am 13. Dezember 2010 abgenommenen Probe von
Kopfhaaren festgestellten EtG-Gehalt von 160 pg/mg ist auf einen massiv erhöhten
Alkoholkonsum in den der Probenentnahme vorangegangen drei Monaten zu
schliessen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung deuten bereits EtG-Werte
von 45 pg/mg und von 66 pg/mg auf einen übermässigen Alkoholkonsum hin (vgl.
Urteil 1C_150/2010 vom 25. November 2010, E. 5.3). Der beim Rekurrenten
festgestellte EtG-Wert liegt über dem Fünffachen des von der Medizin als Grenze eines
chronisch-exzessiven Alkoholkonsums vorgeschlagenen Wertes von 30 pg/mg
(Konsens der Internationalen Gesellschaft für Haaranalytik vom Juni 2009;
vgl. www.soht.org, Consensus on Alcohol Markers). Gemäss der Schweizerischen
Gesellschaft für Rechtsmedizin sprechen Ergebnisse von über 30 pg/mg für einen
risikoreichen Alkoholkonsum im Sinn eines starken bis chronisch-exzessiven
Alkoholkonsums (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_243/2010 vom 10. Dezember 2010
E. 2.7 mit Hinweis). Selbst bei der von der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung
berücksichtigten erheblichen Messunsicherheit von +/- 25% beträgt er noch das
Vierfache (vgl. VerwGE B 2010/247 vom 9. November 2010 E. 2.2). Die Bedeutung
dieser massiven Überschreitung wird auch durch die bundesgerichtliche
Rechtsprechung, die aus einem EtG-Wert von 100 pg/mg bei einem unklaren Ergebnis
der Analyse von Brusthaaren nicht ohne Weiteres auf einen Alkoholmissbrauch im
relevanten Zeitraum schloss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_230/2009 vom 9. März
2010 E. 5.2), nicht relativiert. Vielmehr begründet bereits ein EtG-Wert von 94 pg/mg
bei der Analyse von Kopfhaaren ein schwerwiegendes Indiz für einen
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch mit Suchtgefährdung im Sinn von Art. 16d
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Abs. 1 lit. b SVG (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_243/2010 vom 10. Dezember 2010
E. 2.7 mit Hinweis auf das Urteil 1C_150/2010 vom 25. November 2010 E. 5.2-5.3).
Beim Rekurrenten wurden Kopfhaare untersucht und es bestehen keine Anhaltspunkte
dafür, dass das Ergebnis von 160 pg/mg mit Zweifeln behaftet wäre.
Dementsprechend ist von einem massiven Alkoholüberkonsum des Rekurrenten in den
rund drei Monaten vor der Entnahme der Haarprobe am 13. Dezember 2010
auszugehen.
Im Rekurs wird geltend gemacht, der problematische Alkoholkonsum habe sich auf die
Zeit seit der Abnahme des Führerausweises beschränkt. Dem steht – nebst der
massiven auf eine Alkoholgewöhnung hindeutende Alkoholisierung anlässlich der
Trunkenheitsfahrt vom 27. September 2010 mit durchschnittlich 2,63 Gew.-‰ – die
rekurrentische Schilderung des Konsumverhaltens gegenüber dem
verkehrsmedizinischen Gutachter am 13. Dezember 2010 entgegen. Nach seiner
eigenen Darstellung sind die Trinkgewohnheiten seit langem unverändert und Zeiten
mit vermehrtem Alkoholkonsum nicht vorgekommen. Da die am 27. September 2010
festgestellte durchschnittliche Blutalkoholkonzentration von 2,63 Gew.-‰ und die
Alkoholgewöhnung im Widerspruch zu den geschilderten moderaten
Trinkgewohnheiten stehen, wird im Gutachten nachvollziehbar auf eine Bagatellisierung
des Trinkverhaltens durch den Rekurrenten geschlossen. Die Darstellung des
Ereignisses vom 27. September 2010 zeigt, dass der Rekurrent die Kontrolle über die
konsumierte Alkoholmenge verloren hat. Dementsprechend bestehen Anhaltspunkte
dafür, dass der chronische und exzessive Alkoholüberkonsum des Rekurrenten nicht
erst mit der Abnahme des Führerausweises auf der Stelle nach der Trunkenheitsfahrt
vom 27. September 2010 einsetzte.
Der problematische Alkoholkonsum des Rekurrenten wurde am 27. September 2010
verkehrsrelevant. Die festgestellte Blutalkoholkonzentration von durchschnittlich 2,63
Gew.-‰ und das vergleichsweise sichere Führen des Personenwagens deuten nicht
nur auf eine allgemeine Alkoholgewöhnung, sondern auch auf eine Gewöhnung des
Lenkens eines Motorfahrzeuges unter Alkoholeinfluss hin. Personen, welche wirklich
nur selten Alkohol trinken, sind nicht in der Lage, eine Blutalkoholkonzentration von 2,0
Gew.-‰ überhaupt zu erreichen, zumal sie – aufgrund der alkoholtoxischen Wirkung –
schon vorher mit unter anderem zunehmender Übelkeit, Bewusstseinstrübung und
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beispielsweise Erbrechen reagieren. Derart beeinträchtigte Personen werden von daher
auch nicht mehr in der Lage sein, nur noch halbwegs zielgerichtete Handlungen
auszuführen, geschweige denn das Fahrzeug zu finden bzw. dieses nur einigermassen
korrekt bedienen und führen zu können (vgl. B. Liniger, Verkehrsmedizin:
Fahreignungsbegutachtung und Auflagen, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht
2004, S. 92). Obwohl der Fahrweg nach der eigenen Darstellung des Rekurrenten nur
gerade 500 Meter betrug und ihm der erhebliche Konsum alkoholischer Getränke
bewusst sein musste, erachtete er es nicht als angezeigt, sein Motorfahrzeug stehen zu
lassen und den relativ kurzen Heimweg zu Fuss zurückzulegen. Die Restalkoholisierung
am nächsten Morgen gegen 9.00 Uhr betrug noch rund 1 Gew.-‰. Der Rekurrent, der
im Zustelldienst der Firma Y tätig ist, hätte in diesem Zustand, d.h. mit einer
Alkoholisierung, welche das Ausmass der schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG in Verbindung mit
Art. 55 Abs. 6 SVG und Art. 1 Abs. 2 der Verordnung der Bundesversammlung über
Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr (SR 741.13) deutlich überschritt, auch
Motorfahrzeuge im Zustelldienst der Post geführt. Deshalb musste ihm der
Führerausweis von der Polizei auf der Stelle abgenommen werden. Der Rekurrent
schätzt das Risiko einer künftigen Trunkenheitsfahrt zwar als gleich Null ein. Dies
begründet er damit, es sei "Willenssache", Alkoholtrinken und Autofahren zu trennen.
In dieser Strategie kann allerdings angesichts des massiven Alkoholüberkonsums und
des damit verbundenen regelmässigen Kontrollverlustes, wie er insbesondere auch der
Trunkenheitsfahrt vom 27. September 2010 zugrunde lag, noch kein ausreichendes
Problembewusstsein erkannt werden (vgl. B. Liniger, Verkehrsmedizin: Bericht über
den Stand der Wissenschaft, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen
2003, S. 112). Unter Berücksichtigung der dargelegten Umstände erscheint der
Schluss des Gutachters auf die Verkehrsrelevanz des massiven Alkoholüberkonsums
des Rekurrenten als schlüssig.
Wenn der Gutachter auch keine Alkoholabhängigkeit im Sinn von ICD-10
diagnostizierte, erscheint der Rekurrent schliesslich doch erhöht suchtgefährdet. Eine
hohe Blutalkoholkonzentration bei einer Trunkenheitsfahrt ist ein erhebliches Indiz für
eine Gefährdung bezüglich Entwicklung eines chronischen Missbrauchs bzw. einer
Sucht (vgl. Liniger, a.a.O., Jahrbuch 2004, S. 93). Dies gilt vor allem für den
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Rekurrenten, der seinen massiven Alkoholüberkonsum selbst zumindest teilweise in
den Zusammenhang mit psychischen Belastungssituationen stellt.
dd) Dass der Gutachter unter diesen Umständen darauf verzichtet hat, Erkundigungen
im familiären und beruflichen Umfeld des Rekurrenten einzuholen, ist angesichts des
klaren Ergebnisses der Analyse der Haarprobe, der konkreten Umstände der
Trunkenheitsfahrt vom 27. September 2010 und der eigenen Angaben des Rekurrenten
zu seinem Alkoholkonsum nicht zu beanstanden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.
8/2007 vom 1. Mai 2007 E. 2.5 bei einem EtG-Gehalt von 147,4 pg/mg). Insgesamt
erweist sich damit die Schlussfolgerung im Gutachten vom 14. Januar 2011 auf eine
verkehrsrelevante Alkoholmissbrauchsproblematik als widerspruchsfrei,
nachvollziehbar und schlüssig. Der Rekurrent hält – nach der Darstellung im Rekurs –
mittlerweile seit Februar 2011 eine Alkoholabstinenz ein. Ob diese den Anforderungen
an eine ärztlich kontrollierte und fachlich betreute Totalabstinenz, die ein wesentlicher
Schritt auf dem Weg zur Überwindung des diagnostizierten verkehrsrelevanten
Alkoholmissbrauchs ist, genügt, wird die Vorinstanz im Rahmen der Prüfung eines
Gesuchs um Wiedererteilung des Führerausweises zu prüfen haben. Soweit der
Rekurrent tatsächlich seit Februar 2011 alkoholabstinent lebt, spricht dies zwar für
seine Einsichtsfähigkeit, ändert jedoch nichts an der Schlüssigkeit des Gutachtens, das
sich auf die im Dezember 2010 erhobenen Tatsachen stützt.
3.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 14. Januar 2011 abgestellt, die Fahreignung des
Rekurrenten gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG verneint, den Führerausweis auf
unbestimmte Zeit entzogen und die Wiedererteilung unter anderem von einer
kontrollierten und betreuten Alkoholabstinenz von mindestens sechs Monaten Dauer
abhängig gemacht hat. Dementsprechend ist der Rekurs abzuweisen. Das Gesuch
vom 29. März 2011, dem Rekurrenten den Führerausweis sofort wieder zu erteilen,
damit er während der Arbeitszeit Fahrzeuge seines Arbeitgebers führen dürfe, wird mit
dem Entscheid in der Sache gegenstandslos. Die berufliche Notwendigkeit, ein
Motorfahrzeug zu führen, ist administrativrechtlich einzig für die Bemessung der Dauer
eines Warnungsentzugs relevant (vgl. Art. 33 Abs. 2 der Verordnung über die Zulassung
von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr; SR 741.51, abgekürzt: VZV; Urteil
des Bundesgerichts 6A.23/2004 vom 11. Juni 2004 E. 2.2).
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4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'800.-- – darin
enthalten die Kosten der Verfügung zur aufschiebenden Wirkung vom 15. März 2011
und der zusätzlichen verkehrsmedizinischen Stellungnahme vom 14. April 2011 –
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 111 und 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- ist zu verrechnen.