Decision ID: 3b9f75f9-1be2-41c9-b4dd-bf9ba1b9a73d
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
(
Intern
: Die Akten sind unnummeriert
[vgl. dazu Hinweis in E.4]
. Dementsprechend auch Urk-Verweise grob „nach Mäppli“ vorgenommen.
)
X._
, geboren 1939,
werden
von der Stadt Winterthur
,
Departement Soziales, Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend:
Durchfüh
rungs
stelle
), Zusatzleistungen ausgerichtet.
Ebenfalls wurden ihm Krankheits- und Behinderungskosten vergütet (Urk. 6/4). Mit Verfügung vom 25. Februar 2013 betreffend Krankheits- und Behinderungskosten für die Zahnbehandlung bei
Dr.
med.
dent
.
Y._
für die Zeit vom 24. September bis 21. Dezember 2012 lehnte die Durchführungsstelle die Kostenübernahme ab. Dagegen erhob der Versicherte am 12. März 2013 beim hiesigen Gericht Be
schwerde. Darauf trat das hiesige Gericht mangels Vorliegen eines
anfecht
-
baren
Einspracheentscheides
mit Beschluss vom 15. März 2013
(Prozess ZL.2013.00026)
nicht ein
(Urk. 6/1)
.
2.
Am 2
2
. Mai 2013
erhob
der Versicherte
Rechtsver
weigerungs
beschwerde
, da es „nicht möglich“ sei, von der Durchführungsstelle einen
Einspracheentscheid
zu erhalten (Urk. 1). In der Beschwerdeantwort vom 25. Juni 2013
verwies die Durchführungsstelle auf die Verfügung vom 17. Mai 2013 sowie die Akten
, wo
bei sie
sich nicht weiter vernehmen
liess
(Urk. 5).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gegen
Einspracheentscheide
oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erhoben werden (Art. 56
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Beschwerde kann auch erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entge
gen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen
Ein
spracheentscheid
erlässt (Art. 56
Abs.
2 ATSG; vgl. BGE 130 V 92 E. 2).
1.2
#BeginnVV090
<Formelle Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung < letzte Revision: 02/5#
Eine Verletzung von Art. 29
Abs.
1
der
Bundesverfassung (
BV
)
- sowie gegebenen
falls von Art. 6
Ziff.
1
der Konvention vom
4.
November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (
EMRK
;
BGE 130 I 174 mit Hinweisen) - liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts
oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Be
hörde wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29
Abs.
1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige
Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Um
stände als angemessen er
scheint (sog. Rechtsverzögerung).
Für den Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe
beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörden oder auf andere Umstände
die Rechtsver
weigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entscheidend ist aus
schliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt (SVR 2001 IV Nr. 24 S. 73 f. E. 3a und b, BGE 124 V 130, 117
Ia
116 E. 3a, 197 E. 1c, 103 V 190 E. 3c).
#EndeVV090#
1.3
Das mit der Rechtsverzögerungs- oder -
verweigerungsbeschwerde
verfolgte recht
lich geschützte Interesse besteht darin, einen an eine gerichtliche Be
schwerdeinstanz weiterziehbaren Entscheid zu erhalten. Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens ist deshalb allein die Prüfung der beanstandeten Rechts
verweigerung oder Rechtsverzögerung. Nicht zum Streitgegenstand gehören da
gegen die durch die Verfügung oder den
Einspracheentscheid
zu regelnden ma
teriellen Rechte und Pflichten (Urteil des damaligen Eidgenössischen
Versiche
rungsgerichts
I 328/03 vom 2
3.
Oktober 2003 E. 4.2).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegnerin eine Rechtsver
weigerung
vorgeworfen werden kann.
Der Beschwerdef
ührer machte sinngemäss geltend
, die Beschwerdegegnerin sei seit dem Erlass der Verfügung vom 25. Februar 2013
untätig geblieben
und es sei bisher nicht möglich gewesen, einen
Einsprache
entscheid
zu erhalten (Urk. 1
).
3.
3.1
Aufgrund der Akten ist erstellt und im Übrigen unbestritten, dass der Beschwer
deführer die Beschwerdegegnerin um einen Verfahrensabschluss ersuchte und bei Ausbleibe
n des Entscheids eine Rechtsverweigerung
sbeschwerde in Aussicht stellte (Schreiben vom 28. April 2013 sowie Schreiben vom 8. Mai 2013; beides Urk. 6/1).
Aus formeller Sicht steht damit die
Erhebung der
Rechtsverweigerungs
be
schwerde
am 22. Mai 201
3 (
Urk.
1) in Einklang mit Art. 56 Abs.
2 ATSG. Denn diese Bestimmung verlangt von der versicherten Person, dass sie - ausdrücklich oder zumindest sinngemäss - den Erlass eines anfechtbaren Entscheids verlangt hat (Ur
teil des Bundesgerichts vom 31. März 2012 9C_24/2010 E.
2).
3.2
Mit Schreiben vom 14. Mai 2013 teilte die Beschwerdegegnerin dem
Be
-
schwerde
führer
mit, dass die Verfügung vom 25. Februar 2013 rechtskräftig sei und somit diesbezüglich keine weitere Verfügung mehr erlassen werden könne (Urk. 6/1).
Damit verkennt sie
jedoch
, dass
der Beschwerdeführer am 12. März 2013 Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. Februar 2013 erhob, welche mit Beschluss vom 15. März 2013 im Prozess ZL.2013.00026 als Ein
sprache an die Beschwerdegegnerin überwiesen wurde.
Denn g
emäss Art. 21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) und nach Art. 39
Abs.
2 ATSG
gilt eine Frist auch dann als gewahrt, wenn die Partei rechtzeitig an eine unzuständige Behörde gelangt.
Die 30-tägige
Einsprachefrist
hat der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 12. März 2013 am hiesigen Gericht gewahrt.
Das
Einspr
acheverfahren
ist grundsätzlich mit einem
Ei
nspracheentscheid
abzu
schliessen
(
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistunge
n zur AHV/IV,
2.
Aufl. 2009, S. 72
)
. N
ach Lage der Akten
fehlt
bisher ein
Einspracheentscheid
betreffend Verfügung vom 25. Februar 2013 und die Beschwerdegegnerin
erliess
trotz Aufforderung durch den Beschwerdeführer keinen Entscheid
.
Soweit die
Be
schwerdegegnerin
in ihrer Beschwerdeantwort
im Übrigen
auf die Verfügung vom 17. Mai 2013 verwies, geht es dabei um die Verneinung eines anderen Leistungsanspruches (Zahnbehandlung bei
Dr.
med.
dent
. Z._
vom 24. Ja
-
nuar
2013; vgl. Urk. 6/1).
3.3
Zusammenfassend ergibt sich, dass betreffend Verfügung vom 25. Februar 2013 eine Einsprache des Beschwerdeführers vorliegt,
über welche
die
Beschwerde
gegnerin
mittels
Einspracheentscheid
zu entscheiden
hat. Die
Rechtsverweige
rungsbeschwerde
ist daher gutzuheissen.
4.
Es
bleibt die Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen, dass gemäss § 21 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) die Akten durch
nummeriert bzw. systematisch erfasst einzureichen s
ind, worauf d
ie
Beschwer
degegnerin
in der Verfügung vom 28. Mai 2013 aufmerksam gemacht wurde (Urk. 3).
Die Akten sind chronologisch geordnet und allenfalls zusätzlich gruppiert nach inhaltlichen Kriterien einzureichen. Eine Nummerierung der Akten gehört zum Standard der Aktenführung
(vgl.
Kobel, in: Gesetz über das
Sozialversiche
rungsgericht
des Kantons Zürich,
2.
Aufl. 2009, N 12 zu
§
21
GSVGer
). Indem sich die Beschwerdegegnerin
jedoch darauf
beschränkte
,
vier thematisch sor
tierte Aktenbündel, welche jeweils zahlreiche
unnummerierte
Aktenstücke ent
halten
, einzureichen
, kam sie der dargelegten gesetzlich geforderten Art und
Weise der Akteneinreichung nicht nach
.
Vorliegend wurde
nur
zu Gunsten der Prozessökonomie auf das Retournieren der Akten
zwecks Nachbesserung
ver
zichtet.