Decision ID: 7a0851f3-4878-5d38-8899-e6d5bb471d88
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
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vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.a A._ meldete sich am 8. Juli 2008 aufgrund einer psychischen Erkrankung zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an. Die Mutter zweier Kinder
(Jahrgang 2005 und Jahrgang 2006) arbeitete seit 1. Juli 2002 in einem Teilzeitpensum
bei der B._ (ehemals C._) als Sachbearbeiterin bzw. seit 1. Januar 2004 als Leiterin
Finanzen und Personal (IV-act. 2-1 ff.). Da sie diese Funktion nicht mehr ausüben
konnte, wurde sie zuletzt mit einem reduzierten Pensum und Salär bei der Mitarbeit in
der Finanzbuchhaltung eingesetzt (IV-act. 24-1 ff.). Darüber hinaus war sie zu ca. 10%
als selbstständigerwerbende Bäuerin tätig (IV-act. 2-1 ff.).
A.b In der Folge tätigte die IV-Stelle der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen (SVA) weitere Abklärungen. Die behandelnde Psychiaterin, Dr. med. D._,
Spezialärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, nannte im Bericht vom 10. Sep
tember 2008 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine seit Jahren
bestehende rezidivierende depressive Störung. Die Versicherte sei vom 6. Juli 2007 bis
15. August 2007 zu 100%, vom 16. August 2007 bis 1. November 2007 zu 50%, vom
2. November 2007 bis 28. Februar 2008 zu 100%, vom 1. März 2008 bis 31. Mai 2008
zu 75% und vom 1. Juni 2008 bis 15. Juni 2008 zu 63% arbeitsunfähig gewesen. Seit
dem 16. Juni 2008 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50% (IV-act. 23-3).
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A.c Mit Stellungnahme vom 26. September 2008 hielt die Ärztin des
Regionalärztlichen Dienstes der IV-Stelle (RAD) fest, bei der Versicherten bestehe eine
gegenwärtig mittelgradige rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33.1). Der
Gesundheitszustand sei stabil. In ihrer angestammten Tätigkeit sei die Versicherte seit
16. Juni 2008 zu 50% arbeitsunfähig. In einer adaptierten Tätigkeit betrage die
Arbeitsfähigkeit ebenfalls 50%. Betreffend medizinische Massnahmen zur
Beeinflussung der Arbeitsfähigkeit führte sie aus, die zumutbare Behandlung sei am
Laufen (IV-act. 25-2).
A.d Auf Nachfrage der IV-Stelle präzisierte die behandelnde Psychiaterin mit Verlaufs
bericht vom 19. Dezember 2008 ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung von 50%. Diese be
ziehe sich auf das abgemachte Arbeitspensum von 40%. Ferner beschrieb sie den
Gesundheitszustand der Versicherten als stationär (IV-act. 29).
A.e Am 23. Juli 2009 führte die IV-Stelle eine Abklärung vor Ort durch. Im Abklärungs
bericht vom 17. August 2009 hielt die Abklärungsperson bei einer Gewichtung der
Haushalttätigkeit von 48%, der unselbständigen Erwerbstätigkeit von 40% sowie der
Tätigkeit als Bäuerin von 12%, einen Invaliditätsgrad von 60.11% fest (IV-act. 33-1 ff.).
Am 21. August 2009 empfahl die RAD-Ärztin eine psychiatrische Begutachtung (IV-
act. 36).
A.f Im Gutachten der St. Gallischen Psychiatrie-Dienste Süd vom 28. Juni 2010 (IV-
act. 43-1 ff.) nannten die Gutachter zusammenfassend folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Mittel- bis schwergradige depressive Episode mit so
matischem Syndrom (ICD-10: F 32.11); akzentuierte Persönlichkeitszüge mit ängstlich-
vermeidenden und anankastischen Anteilen (ICD-10: Z 73.1). In Bezug auf die Tätigkeit
als Leiterin Finanzen und Personal bestehe in der freien Wirtschaft keine verwertbare
Arbeitsfähigkeit mehr, da die Versicherte wesentliche Führungsaufgaben infolge der
vorliegenden psychischen Störung nicht ausführen könne. In der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Hilfe in der Buchhaltung sei ein zeitlicher Rahmen von zwei mal zwei
Stunden pro Tag zumutbar. Dabei bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit infolge
einer deutlichen Verlangsamung des Arbeitstempos sowie Konzentrationsstörungen.
Die Verminderung der Leistungsfähigkeit betrage aus psychiatrischer Sicht geschätzt
50%, womit sich in der bisherigen Tätigkeit (Buchhaltung) derzeit gesamthaft eine
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Arbeitsfähigkeit von ca. 25% ergebe. Sodann seien die sich in den Akten befindenden
Angaben zur Arbeitsfähigkeit in Bezug auf den retrospektiv zu beurteilenden
Krankheitsverlauf nachvollziehbar (IV-act. 43-29 ff.). Ebenfalls nachvollziehbar seien die
im Abklärungsbericht festgehaltenen Einschränkungen in den Bereichen Haushalt und
der Tätigkeit als Bäuerin. Ferner äusserten sich die Gutachter zu möglichen
Rehabilitationsmassnahmen. Diesbezüglich sei eine stationäre, allenfalls teilstationäre
Behandlung indiziert. Die Arbeitsfähigkeit könne wahrscheinlich durch eine
Intensivierung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung deutlich
gesteigert werden, sodass auf Dauer weniger Unterstützung notwendig sein werde, die
Pharmakotherapie reduziert und die Leistungsfähigkeit gesteigert werden könne (IV-
act. 43-33).
A.g Mit Stellungnahme vom 2. August 2010 hielt RAD-Arzt Dr. med. E._ fest, es
könne vollumfänglich auf das psychiatrische Gutachten abgestellt werden. Es sei in
allen versicherungsmedizinischen Belangen nachvollziehbar, insbesondere was die
Beurteilung der aktuellen Arbeitsfähigkeit betreffe, einschliesslich der prognostischen
Überlegungen. Der Gesundheitszustand sei noch nicht stabil. Er könne durch medi
zinische Massnahmen verbessert werden. Hierzu werde zunächst eine stationäre psy
chiatrische und anschliessend halbstationäre Behandlung empfohlen. Damit sei eine
deutliche Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten (IV-act. 45-1 f.).
B.
B.a Mit Schreiben vom 3. August 2010 teilte die IV-Stelle der behandelnden Psychia
terin mit, dass der Gesundheitszustand der Versicherten gemäss ihren Abklärungen
durch "medizinische Massnahmen/stationäre psychiatrische Behandlung" verbessert
werden könne. Sie werde gebeten, dies mit der Versicherten zu besprechen und die
entsprechenden Schritte in die Wege zu leiten. In der Anlage erhalte sie zudem die
Aufforderung betreffend die Schaden- und Mitwirkungspflicht zu Handen der Ver
sicherten. Diese sei ihr zu übergeben (IV-act. 47 f.).
B.b Mit Schreiben vom 9. September 2010 machte die Versicherte geltend, dass sie
zum jetzigen Zeitpunkt nicht in eine Klinik eintreten wolle. Zur Begründung verwies sie
auf das Schreiben ihrer Psychiaterin vom 9. September 2010 (IV-act. 53). Diese führte
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darin im Wesentlichen aus, dass sie die vorgeschlagene Hospitalisation mit nach
folgender halbstationärer Therapie in Anbetracht der therapeutischen Vorgeschichte
und der sozialen Gegebenheiten für wenig Erfolg versprechend, kontraindiziert,
gefährlich und teuer halte (IV-act. 53-3).
B.c Am 17. September 2010 wies die IV-Stelle die Versicherte erneut auf ihre
Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht hin. Es sei ihr zumutbar, sich in eine
stationäre Behandlung zu begeben (IV-act. 56). Mit Schreiben vom 25. September
2010 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass sie ihre Anordnung nicht akzeptiere.
Zur Begründung verwies sie auf ein weiteres Schreiben ihrer Psychiaterin (IV-act. 58).
Am 15. Dezember 2010 gelangte die Versicherte, nunmehr vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. R. Hochreutener, an die IV-Stelle. Sie liess im Wesentlichen
ausführen, dass die angeordnete stationäre Behandlung unzumutbar sei. Aufgrund der
von ihrer Psychiaterin überzeugend begründeten Kontraindikation einer stationären
psychiatrischen Be-handlung sei ernsthaft zu bezweifeln, dass mit einer solchen
Massnahme eine dauerhafte und erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustands
erreicht werden könne (IV-act. 65-1 ff.). Am 11. Januar 2011 räumte die IV-Stelle der
Versicherten eine letzte Frist zur Erfüllung ihrer Auflagen ein (IV-act. 67). Am 28. Januar
2011 nahm der Rechtsvertreter der Versicherten zur Frage der Indikation und
Zumutbarkeit einer stationären psychiatrischen Behandlung erneut Stellung (IV-act.
70-1).
B.d Mit Verfügung vom 3. Februar 2011 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der
Versicherten ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Versicherte habe
sich der zumutbaren angeordneten Auflage einer fachärztlichen stationären psychiat
rischen Behandlung widersetzt, weshalb androhungsgemäss aufgrund der Akten ent
schieden werde (IV-act. 73).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Hochreutener in Ver
tretung der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 4. März 2011 mit den Anträgen,
die Verfügung vom 3. Februar 2011 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
Lasten der Beschwerdegegnerin aufzuheben. Es sei der Beschwerdeführerin eine
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Dreiviertelsrente per 1. Juli 2008 auszurichten. Eventualiter sei die Streitsache zur
Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sub
eventualiter sei die Streitsache zur Prüfung der Verhältnismässigkeit der Sanktion und
einlässlichen Begründung der Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Mai 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 1. Juni 2011 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest
(act. G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 8. Juni 2011 auf eine Duplik und verwies
auf ihre Ausführungen und ihren Antrag in der Beschwerdeantwort (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG [SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung; IVG [SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG in der seit 1.
Januar 2008 geltenden Fassung).
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1.2 Nach Art. 7 IVG muss die versicherte Person alles ihr Zumutbare unternehmen,
um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu verringern und den Eintritt
einer Invalidität zu verhindern (Abs. 1). Sie muss an allen zumutbaren Massnahmen, die
zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins
Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich
dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind insbesondere unter anderem medizinische
Behandlungen nach Art. 25 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG,
Abs. 2 lit. d). Gemäss Art. 7a IVG gilt als zumutbar jede Massnahme, die der
Eingliederung der versicherten Person dient; ausgenommen sind Massnahmen, die
ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind. Gemäss Art. 7b Abs. 1 IVG können
die Leistungen nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die
versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 IVG oder nach Art. 43 Abs. 2 ATSG nicht
nachgekommen ist.
1.3 Art. 21 Abs. 4 ATSG lautet wie folgt: Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte
Person einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine
wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit
verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so
können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert
werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen
werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- oder Ein
gliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind
nicht zumutbar.
1.4 Art. 7 Abs. 2 lit. d IVG konkretisiert Art. 21 ATSG, während Art. 7a IVG (eingefügt
im Rahmen der 5. IV-Revision) von Abs. 4 letzter Satz dieser Bestimmung abweicht
(Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2008, Art. 21 Rz 111). Es gilt als Ausfluss einer ver
stärkten Schadenminderungspflicht und Ausdruck des Prinzips "Eingliederung statt
Rente" (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_768/2009 vom 10. September 2010 E. 4.1.2)
der Grundsatz der Zumutbarkeit jeder Massnahme, die der Eingliederung ins Erwerbs
leben oder in einen Aufgabenbereich dient (Botschaft vom 22. Juni 2005 zur Änderung
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [5. Revision], BBl 2005 S. 4459 ff.,
4524 und 4526; AB 2006 N 345). Nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip müssen das
Mass der Sanktion (Leistungskürzung oder -verweigerung) und der voraussichtliche
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Eingliederungserfolg (Verbesserung oder Erhaltung der Erwerbsfähigkeit) einander
entsprechen. Die versicherte Person ist grundsätzlich so zu stellen, wie wenn sie ihre
Schadenminderungspflicht wahrgenommen hätte, was umgekehrt bedeutet, dass Leis
tungen, welche bei gesetzeskonformem Verhalten dennoch zu erbringen wären, nicht
gekürzt oder verweigert werden können (vgl. SVR 2008 IV Nr. 7 S. 19, I 824/06 E. 3
und 4 sowie Kieser, a.a.O., Art. 21 Rz 93; zum Ganzen: Urteil des
Bundesgerichts 9C_842/2010 vom 26. Januar 2011 E. 2).
1.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls
auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsun
fähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002
S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1 Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin infolge der Weigerung der Beschwerde
führerin, der Anordnung einer stationären psychiatrischen Behandlung Folge zu leisten,
zu Recht eine vollumfängliche Leistungsabweisung verfügt hat. Diesbezüglich ist
festzuhalten, dass es sich bei der angefochtenen Verfügung entgegen ihrem Wortlaut
nicht um einen Aktenentscheid aufgrund einer Verletzung der Mitwirkungspflicht nach
Art. 43 Abs. 3 ATSG handelt (zur Auslegung von Verfügungen vgl. etwa BGE 120 V 496
ff., E. 1). Vielmehr ist die angefochtene Verfügung als Leistungsverweigerung im Sinn
einer Sanktionsverfügung wegen Verletzung der Schadenminderungspflicht nach Art.
21 Abs. 4 ATSG zu verstehen. Unbestritten ist, dass die Beschwerdegegnerin das er
forderliche Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchgeführt hat (IV-act. 48, 56, 67). Unbe
achtlich ist, dass die Beschwerdegegnerin dabei bezugnehmend auf Art. 43 Abs. 3
ATSG einen Aktenentscheid oder Nichteintreten auf das Leistungsgesuch wegen Ver
letzung der Mitwirkungspflicht angedroht hat, denn es war jedenfalls zu erkennen, dass
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die Beschwerdegegnerin im Fall der Verweigerung der Anordnung Folge zu leisten
keine Leistungen der Invalidenversicherung erbringen würde.
Aufgrund der Aktenlage drängt sich jedoch zunächst die Frage auf, ob die
Beschwerdegegnerin über den Rentenanspruch für den zurückliegenden Zeitraum
hätte entscheiden müssen.
3.
3.1 Der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" hat rechtsprechungsgemäss zur Folge,
dass keine Rente gewährt werden darf, bevor nicht Eingliederungsmassnahmen durch
geführt worden sind. Allerdings gilt dies nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung
nur für Versicherte, die tatsächlich eingliederungsfähig sind. Ist eine versicherte Person
nach Ablauf der einjährigen Wartezeit auf Grund ihres Gesundheitszustands hingegen
nicht oder noch nicht eingliederungsfähig, steht ihr - mindestens vorübergehend - eine
Rente zu, selbst wenn in Zukunft Eingliederungsmassnahmen beabsichtigt sind
(BGE 121 V 190 Erw. 4, AHI 1997 S. 41 Erw. 5a, SVR 2001 IV Nr. 24 S. 73). Der
Rentenanspruch bleibt dabei so lange bestehen, als die Erwerbsunfähigkeit nicht mit
geeigneten Eingliederungsmassnahmen tatsächlich behoben oder in einer für den
Rentenanspruch erheblichen Weise verringert wird, oder aber so lange, bis aufgrund
des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens nach Art. 21 Abs. 4 ATSG zur Sanktion der
Rentenkürzung oder -verweigerung geschritten werden kann. Der gleiche Grundsatz
hat auch hinsichtlich der Massnahmen der Selbsteingliederung zu gelten, so lange
solche noch nicht durchgeführt sind und noch keine Aufforderung zur Mitwirkung im
Sinn von Art. 31 Abs. 1 IVG (in Kraft gestanden bis 31. Dezember 2002) bzw. nunmehr
Art. 21 Abs. 4 ATSG erfolgt ist (in BGE 122 V 218 nicht publizierte E. 5a [AHI 1997 S.
41]; Urteil S. vom 31. März 2006 E. 3.2, I 291/05).
3.2 Gemäss BGE 127 V 294 kommt es auf die Behandelbarkeit eines psychischen
Leidens (zumindest im Bereich der Invalidenversicherung) nicht an. In diesem Urteil hat
das Eidgenössische Versicherungsgericht erwogen, die Therapierbarkeit einer psy
chischen Störung, für sich allein betrachtet, sage nichts über deren invalidisierenden
Charakter aus. Für die Entscheidung des Anspruchs auf eine Invalidenrente sei immer
und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch)
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eine mindestens 40 %ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe und eine anspruchsbe
gründende Erwerbsunfähigkeit weiterhin bestehe (vgl. Urteil S. vom 31. März 2006
E. 3.3, I 291/05).
3.3 Vorliegend ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Empfehlung im Gut
achten der St. Gallischen Psychiatrie-Dienste Süd vom 28. Juni 2010 davon aus, dass
die Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin im Rahmen einer stationären, allen
falls teilstationären psychiatrischen Behandlung angegangen werden könne und die
Erwerbsfähigkeit dadurch wesentlich verbessert werden könne (vgl. IV-act. 43-33). Sie
forderte die Beschwerdeführerin deshalb auf, sich einer entsprechenden Therapie zu
unterziehen. Die Auferlegung der Schadenminderungspflicht zwecks zukünftiger Er
möglichung der Eingliederung erlaubt es nach der zitierten Rechtsprechung nicht, von
einer (allfällig vorübergehenden) Rentenzusprache abzusehen. Die Beschwerde
gegnerin wäre damit verpflichtet gewesen, über einen allenfalls bereits bestehenden
Rentenanspruch zu befinden. Nach der Aktenlage hätte dazu hinreichender Anlass
bestanden. Im psychiatrischen Gutachten wurde der Beschwerdeführerin in der zuletzt
ausgeübten, wohl bereits leidensangepassten Tätigkeit als Mitarbeiterin in der
Abteilung Buchhaltung (vgl. IV-act. 43-35) eine Restarbeitsfähigkeit von 25% attestiert.
Ferner hielten die Gutachter die Angaben zur Arbeitsfähigkeit in Bezug auf den
retrospektiv zu beurteilenden Krankheitsverlauf für nachvollziehbar (IV-act. 43-29 ff.).
Sodann ergab die Abklärung vor Ort im Bereich Haushalt eine Einschränkung von
51.90 % bzw. im Bereich der Tätigkeit als Bäuerin eine Einschränkung von 68.33 %
(IV-act. 33-1 ff.). Die Gutachter hielten diesbezüglich fest, die Ergebnisse der Abklärung
vor Ort seien unter Berücksichtigung, dass bereits eine Unterstützung durch eine
Haushalthilfe und ein Aupair-Mädchen bestehe, aus psychiatrischer Sicht
nachvollziehbar (IV-act. 43-36). RAD-Arzt Dr. E._ hielt mit Stellungnahme vom 2.
August 2010 fest, auf das psychiatrische Gutachten könne vollumfänglich abgestellt
werden. Es sei in allen versicherungsmedizinischen Belangen nachvollziehbar,
insbesondere was die Beurteilung der aktuellen Arbeitsfähigkeit betreffe. Ferner seien
die Abklärungsergebnisse aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar (IV-act. 46-1 ff.).
Damit lagen deutliche Anhaltspunkte dafür vor, dass nach Ablauf der Wartezeit wohl
ein Rentenanspruch entstanden ist. Gleichwohl hat die Beschwerdegegnerin das
Leistungsbegehren sanktionsweise abgewiesen, obwohl ein zurückliegender
Rentenanspruch im Raum steht, der in keinem Zusammenhang mit der Erfüllung der
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Schadenminderungspflicht steht und daher von vornherein nicht sanktioniert werden
kann. Bei korrektem Vorgehen wäre aufgrund der Aktenlage wohl zumindest
vorübergehend eine Rente zuzusprechen gewesen. Alsdann hätte nach Durchführung
des erforderlichen Mahn- und Bedenkzeitverfahrens die nach Ansicht der
Beschwerdegegnerin notwendige Sanktionierung erfolgen können (betreffend
Zeitpunkt und Ausmass der Sanktionierung vgl. nachstehende Erwägung 5.4). Faktisch
hat die Beschwerdegegnerin damit den Entscheid über den Rentenanspruch
aufgeschoben bzw. mit einer Sanktion erledigt. Dies lässt sich weder mit dem Unter
suchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) noch mit dem Gebot der Raschheit des
Verfahrens (Art. 61 lit. a ATSG als Ausdruck eines allgemeinen
Verfahrensgrundsatzes; BGE 110 V 54 E. 4b S. 61 mit Hinweis) vereinbaren und ist
mangels Tätigwerdens innert angemessener Frist als Rechtsverzögerung bzw.
Rechtsverweigerung zu qualifizieren (BGE 103 V 195 E. 3c; vgl. auch BGE 119 Ib 325
E. 5b mit Hinweisen; Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts, I. sozialrechtliche
Abteilung, in Sachen D. vom 22. Dezember 2007, 8C_344/2007, E. 3.1). Soweit die
Beschwerdegegnerin einen zurückliegenden Rentenanspruch sanktionsweise
verweigert hat, erweist sich die angefochtene Verfügung somit als rechtswidrig.
4.
4.1 Zu prüfen ist im Weiteren, ob die Beschwerdegegnerin das Verhalten der Be
schwerdeführerin zu Recht mit einer vollumfänglichen Verweigerung zukünftiger Leis
tungen sanktioniert hat.
4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die angeordnete stationäre
psychiatrische Behandlung sei unzumutbar (act. G 1). Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, die behandelnde Psychiaterin halte die vorgeschlagene stationäre
Behandlung angesichts der bekannten therapeutischen Vorgeschichte und der sozialen
Gegebenheiten (Ehefrau, Mutter, Bäuerin) mit nachfolgender teilstationärer Therapie für
wenig erfolgsversprechend, kontraindiziert, gefährlich und teuer. Ferner habe die
behandelnde Psychiaterin darauf hingewiesen, dass das schwerste Leiden innerhalb
der chronischen Depression das Gefühl von Wertlosigkeit, die Angst, als Mutter zu
versagen und die Beziehung zu den Kindern zu verlieren sowie dem Ehemann nicht
gerecht zu werden, sei. Rezidivierend führe diese Angst zur Suizidalität. Dank
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sozialpsychiatrischer Massnahmen gehe es nun so gut, dass die Beschwerdeführerin
Mutter und Ehefrau sein könne. Ohne Not sollte sie deshalb keinesfalls aus der Familie
herausgenommen werden. Zudem habe sie darauf hingewiesen, dass im Gutachten
eine wesentliche Tatsache unberücksichtigt geblieben sei: Trotz der im Jahr 2003
vorgenommenen stationären Hospitalisation und der anschliessenden intensiven
psychotherapeutischen Behandlung sei ein halbes Jahr später wieder eine
Verschlechterung eingetreten. Die Schlussfolgerung, dass durch die stationäre
Behandlung in der Klinik F._ im Jahr 2003 eine wesentliche Verbesserung habe
erzielt werden können, treffe somit nicht zu. Sodann habe dank der engmaschigen
psychiatrischen und psychotherapeutischen Therapien inzwischen eine Überforderung
im Rahmen der Arbeiten als Mutter und Hausfrau verhindert werden können, sodass
eine stationäre Therapie derzeit nicht sachgerecht und unverhältnismässig sei. Es sei
nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, dass die angeordnete Massnahme
eine erhebliche Verbesserung verspreche. Aufgrund der Kontraindikation könne nicht
angenommen werden, dass damit eine dauerhafte und erhebliche Verbesserung des
Gesundheitszustands erreicht werden könne. Es könne daher nicht an der auferlegten
stationären Behandlung festgehalten werden. Eine eigentliche Auseinandersetzung mit
den Bedenken der behandelnden Psychiaterin sei zudem unterblieben. Hinzu komme,
dass die gewünschte Stabilisierung des Gesundheitszustands mit der dauerhaften
Einstellung einer Haushaltshilfe und der Entlastung durch die Schwiegermutter sowie
weiteren Familienangehörigen bereits eingetreten sei (act. G 1, S. 11 f.). Die von der
behandelnden Psychiaterin für die Kontraindikation ins Feld geführten Aspekte hätten
eingehend geprüft werden müssen. Dazu wäre zumindest eine Nachfrage beim
Gutachter geboten gewesen (act. G 1, S. 12).
4.3 Demgegenüber macht die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen geltend, eine
stationäre psychiatrische Behandlung stelle offensichtlich keine Gefahr für Leben und
Gesundheit dar. Die stationäre Behandlung und somit die Herausnahme aus der
Familie sei im Rahmen der Schadenminderungspflicht durchaus zumutbar. Die
Gutachter hätten ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nicht zuletzt die häusliche
Lebenssituation zur Überforderung der Beschwerdeführerin geführt habe. Sodann
könne die Arbeitsfähigkeit gemäss Gutachten wahrscheinlich deutlich gesteigert
werden. Es sei somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht in
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rentenbegründendem Ausmass eingeschränkt wäre, falls sie die Therapie durchgeführt
hätte (act. G 4).
5.
5.1
5.1.1 Die Leistungsverweigerung bzw. Leistungskürzung nach Art. 21 Abs. 4
ATSG enthält vier Elemente: Die medizinische Behandlung muss zumutbar und
geeignet sein, eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit zu bewirken.
Sodann muss sich die versicherte Person einer solchen Massnahme widersetzt oder
entzogen oder nicht das ihr Zumutbare dazu beigetragen haben. Schliesslich muss die
Sanktion in ihrer konkreten Gestalt verhältnismässig sein, indem das Kürzungsmass
und die voraussichtliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit einander entsprechen.
5.1.2 Die Frage, ob die verweigerte Leistung zu einer Steigerung der Erwerbs
fähigkeit beigetragen hätte, wird zuweilen unter dem Aspekt der Zumutbarkeit (so in
Art. 18 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1992 über die Militärversicherung
[MVG, SR 833.1]), jedenfalls aber als Problem des Kausalzusammenhangs zwischen
der Verweigerung und dem Ausbleiben der Zustandsverbesserung behandelt (vgl.
Gabriela Riemer-Kafka, Die Pflicht zur Selbstverantwortung, Zürich 1999, S. 160 ff.).
Die Kausalität muss notwendigerweise prospektiv und damit hypothetisch beurteilt
werden (Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungs
recht, Bern 1985, S. 84 Fn. 381 und S. 140 Fn. 587). Es bedarf keines strikten Be
weises, dass die verweigerte Massnahme tatsächlich zum erwarteten Erfolg geführt
hätte; es genügt, wenn die Vorkehr mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erfolgreich
gewesen wäre. Der erforderliche Grad an Wahrscheinlichkeit ist wiederum unter Be
rücksichtigung der Schwere des mit der Massnahme verbundenen Eingriffs in Per
sönlichkeitsrechte zu beurteilen: Bei therapeutischen Massnahmen, welche mit einem
nur geringen Eingriff verbunden sind, dürfen an die Wahrscheinlichkeit der zu er
wartenden Besserung keine hohen Anforderungen gestellt werden (Jürg Maeschi,
Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000, N. 24 zu
Art. 18 MVG). Ist der Eingriff erheblich, wird eine höhere Wahrscheinlichkeit, nicht aber
ein sicherer Erfolg verlangt.
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5.1.3 Für die Beantwortung der Frage der Zumutbarkeit der Behandlung kann auf
die zu altArt. 31 Abs. 1 IVG ergangene Rechtsprechung verwiesen werden, da sich
diesbezüglich mit dem neuen Recht nichts geändert hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts
I 824/06 vom 13. März 2007 E. 2.3; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
I 462/05 vom 16. August 2006 E. 3.2 und 3.3; vgl. auch Kieser, a.a.O., N. 65 ff. zu
Art. 21 ATSG). Danach sind die gesamten persönlichen Verhältnisse, insbesondere die
berufliche und soziale Stellung der Versicherten, zu berücksichtigen. Massgebend ist
jedoch, was objektiv zumutbar ist, nicht die subjektive Wertung der Versicherten (ZAK
1982, S. 495 E. 3; Urteil des Bundesgerichts I 105/93 vom 11. März 1994 E. 2a; Ulrich
Meyer-Blaser, a.a.O., S. 189). Die gesetzliche Vorgabe, wonach Massnahmen, die eine
Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, nicht zumutbar sind, bedeutet nicht, dass
eine Massnahme, die keine solche Gefahr darstellt, automatisch zumutbar ist (ZAK
1985, S. 326 E. 1; Kieser, a.a.O., N. 60 zu Art. 21 ATSG; Ulrich Meyer-Blaser, a.a.O., S.
138 f.), sie weist aber doch daraufhin, dass nur Gründe von einer gewissen Schwere
zur Unzumutbarkeit führen. Die Zumutbarkeit ist sodann im Verhältnis zur Tragweite
der Massnahme, andererseits zur Bedeutung der in Frage stehenden Leistung zu
beurteilen (Urteil des Bundesgerichts I 744/06 vom 30. März 2007 E. 3.1). Gerade bei
medizinischen Massnahmen, die einen starken Eingriff in die persönliche Integrität der
versicherten Person darstellen, ist an die Zumutbarkeit kein strenger Massstab
anzulegen (ZAK 1985, S. 326 E. 1). Umgekehrt ist die Zumutbarkeit umso eher zu
bejahen, als die fragliche Massnahme unbedenklich ist (RKUV 1995 Nr. U 213, S. 68 E.
2b). Ferner sind die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht dort strenger, wo
eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht, namentlich,
wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleistungen auslöst (BGE
113 V 22 E. 4b; Urteil des Bundesgerichts I 824/06 vom 13. März 2007 E. 3.1.1).
5.2
5.2.1 Die Gutachter äusserten sich zu möglichen Rehabilitationsmassnahmen
wie folgt: Die derzeit bestehende ambulante Behandlung sei basierend auf den zur Ver
fügung stehenden Akten als unzureichend zu bewerten. Es sei eine stationäre, allen
falls teilstationäre Behandlung indiziert. Insbesondere die Erfahrungen während der
stationären Behandlung in der Klinik F._ im Jahre 2003, wo die Versicherte aufgrund
einer schweren Depression mit Suizidgedanken behandelt worden sei, würden diese
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Empfehlung stützen. Dem Bericht der Klinik F._ sei zu entnehmen, dass sich im
Laufe der stationären Behandlung eine deutliche Besserungstendenz gezeigt habe. Die
Versicherte habe in deutlich gebessertem Zustand entlassen werden können. Im
Rahmen einer stationären resp. teilstationären Behandlung könnte eine Wiederein
gliederung in die bisherige Tätigkeit schrittweise geplant, vorbereitet und eventuell ein
geleitet werden. Nach ausreichender Zustandsstabilisierung könnte in ein ambulantes
Behandlungssetting übergegangen werden. Die Arbeitsfähigkeit könnte wahrscheinlich
durch eine Intensivierung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
deutlich gesteigert werden, sodass auf Dauer weniger Unterstützung notwendig sein
werde, die Pharmakotherapie reduziert und die Leistungsfähigkeit gesteigert werden
könnte (IV-act. 43-33).
5.2.2 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Gutachter eine Empfehlung
betreffend medizinische Massnahmen in Form einer stationären, allenfalls
teilstationären Behandlung zur Vorbereitung der Wiedereingliederung der
Beschwerdeführerin abgegeben haben. Ihre diesbezüglichen Ausführungen erscheinen
plausibel und nachvollziehbar. Offenbar hat das bisherige Behandlungssetting, das im
Verfügungszeitpunkt rund dreieinhalb Jahre andauerte, betreffend die Steigerung der
Erwerbsfähigkeit noch nicht den gewünschten Erfolg gezeigt. Demgegenüber halten
die Gutachter eine deutliche Steigerung der Arbeitsfähigkeit durch die vorgeschlagene
Intensivierung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung für
wahrscheinlich. Immerhin konnte aufgrund der stationären Behandlung in der Klinik
F._ im Jahr 2003 eine deutliche Besserungstendenz festgestellt werden.
Unbeachtlich ist, dass die Beschwerdeführerin auch damals nicht vollumfänglich
beschwerdefrei war, zumal sie bereits seit dem Jugendalter an depressiven Störungen
leidet und wohl nie ganz beschwerdefrei gewesen ist (IV-act. 23-3, 43-25 ff.).
Gleichwohl war sie zwischen Juli 2002 und Herbst 2007 in der Lage, eine
Teilzeittätigkeit als Sachbearbeiterin bzw. Leiterin Finanzen und Personal in einem
Gymnasium auszuüben, was nach Verschlechterung des Gesundheitszustands offen
sichtlich nicht mehr möglich war, sodass sie lediglich noch einer Tätigkeit als Hilfskraft
in der Buchhaltung mit reduziertem Pensum nachgehen konnte (IV-act. 24-2). Soweit
die Beschwerdeführerin vorbringt, eine stationäre Behandlung sei kontraindiziert und
gefährlich, ist darauf hinzuweisen, dass die Indikation einer stationären, allenfalls teil
stationären Massnahme durch die Gutachter in Kenntnis der therapeutischen Vorge
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schichte - insbesondere auch der persistierenden Suizidalität - und der sozialen Ge
gebenheiten erfolgte (vgl. IV-act. 43-1 ff.). Es ist in Übereinstimmung mit RAD-Arzt
Dr. med. E._ davon auszugehen, dass die Gutachter die stationäre Behandlung nicht
für angezeigt erachtet hätten, wenn objektive Anhaltspunkte für eine Kontraindikation
vorgelegen hätten (vgl. IV-act. 59-2). Somit ist festzuhalten, dass eine stationäre bzw.
allenfalls teilstationäre psychiatrische Behandlung entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin geeignet erscheint, den Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin wesentlich zu verbessern.
5.2.3 Eine stationäre therapeutische Massnahme stellt keinen starken Eingriff in
die persönliche Integrität dar, da sie nur geringe Risiken birgt und wenig geeignet ist,
irreversible Schäden zu hinterlassen. Andererseits stellt sie einen beträchtlichen Eingriff
in die grundrechtlich geschützte persönliche Freiheit der Beschwerdeführerin dar. Im
Rahmen des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit nach Art. 5 Abs. 2 der Bundes
verfassung (BV; SR 101) hat die Verwaltung bei der Anordnung von medizinischen
Massnahmen diejenige Massnahme zu wählen, die in ihrer Form und ihrem Ausmass
die mildest mögliche ist, um den angestrebten Eingliederungserfolg herbeiführen zu
können. Im Gutachten wurde die Empfehlung einer stationären, allenfalls teilstationären
Massnahme abgegeben (IV-act. 43-33). RAD-Arzt Dr. med. E._ hielt in seiner
Stellungnahme vom 15. Oktober 2010 diesbezüglich fest, diese Formulierung könne
als gewisse Relativierung der Empfehlung einer vorrangig stationären Behandlung
gesehen werden, sodass als medizinische Massnahme die Aufnahme in eine psycho
therapeutische Tagesklinik akzeptiert werden könnte, womit die Versicherte ihre Kinder
jeden Tag sehen könnte (IV-act. 59-2). Daraus kann geschlossen werden, dass der
Beschwerdegegnerin zur Erreichung des Eingliederungserfolgs eine mildere Mass
nahme zur Verfügung gestanden hätte. Gleichwohl beharrte sie auf der Durchführung
einer stationären psychiatrischen Behandlung. Dass die Beschwerdeführerin nicht von
sich aus angeboten hat, die mildere teilstationäre psychiatrische Behandlung anzu
treten, kann ihr nicht vorgeworfen werden. Offensichtlich ging sie davon aus, dass sie
mit der laufenden psychiatrischen Behandlung, mit der Entlastung im familiären
Bereich sowie der Ausübung der reduzierten Erwerbstätigkeit ihrer
Selbsteingliederungspflicht ausreichend nachging. Gestützt wurde diese Ansicht auch
von der behandelnden Psychiaterin, welche sich gegen eine Hospitalisation aussprach
(abgesehen zum Zweck lebensrettender Massnahmen). Aufgrund des von Seiten der
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Gutachter sowie der behandelnden Psychiaterin beschriebenen Gesundheitszustands
konnte - ohne Unterstützung der behandelnden Psychiaterin - ein Angebot seitens der
Beschwerdeführerin anstelle einer stationären an einer teilstationären Behandlung
teilzunehmen, nicht erwartet werden.
5.2.4 Eine teilstationäre psychiatrische Behandlung erscheint indessen
vorliegend objektiv und subjektiv zumutbar. Insbesondere könnte damit eine
vollständige Trennung von der Familie, was für die Beschwerdeführerin gemäss
Angaben der behandelnden Psychiaterin mit Versagens- und Verlustängsten
verbunden wäre (IV-act. 57-1), weitgehend vermieden werden. Andererseits könnte die
von den Gutachtern empfohlene intensive Therapie mit Abstand vom belastenden
sozialen Umfeld und unter Entlastung von der Verantwortung und den täglichen
Aufgaben, welche die Beschwerdeführerin offenbar nur noch mit Hilfe eines Au-pair-
Mädchens und Unterstützung der Schwiegereltern sowie einer Putzfrau zu bewältigen
vermag, in Angriff genommen werden (IV-act. 33-1 ff, 43-32). Die Tatsache, dass die
Beschwerdeführererin Mutter zweier Kinder ist, lässt eine teilstationäre Behandlung
sodann nicht per se als unzumutbar erscheinen, zumal zur Kinderbetreuung offenbar
bereits jetzt jederzeit eine Drittperson anwesend sein muss, da bei Überforderung die
Gefahr unangemessener Reaktionen gegenüber den Kindern besteht (IV-act. 33-8).
5.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin in Verletzung des
Grundsatzes der Verhältnismässigkeit nicht die mildest mögliche Massnahme zur Er
reichung des angestrebten Eingliederungserfolgs angeordnet hat. Die Beschwerde
führerin hat sich daher auch nicht an ihre Anordnung halten müssen. Die angefochtene
Sanktionsverfügung erweist sich somit auch diesem Grund als rechtswidrig.
5.4 Die Sanktionsverfügung vom 3. Februar 2011 wäre jedoch auch dann
aufzuheben, wenn die Anordnung einer stationären psychiatrischen Behandlung zu
schützen gewesen wäre. Wie sich vorstehend in Erwägung 3 gezeigt hat, steht
aufgrund der Aktenlage ein zurückliegender Rentenanspruch im Raum. Nun ist bei
einer Sanktion wegen Verletzung der Schadenminderungspflicht die
Verhältnismässigkeit der Sanktion zu beachten. Die Beschwerdegegnerin hätte daher
prüfen müssen, ob und wenn ja, welche Leistungen sie bei korrekter Beachtung der
Schadenminderungspflicht durch die Beschwerdeführerin dennoch hätte erbringen
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müssen. Dazu wäre prospektiv zu beurteilen gewesen, in welchem Umfang die
stationäre Massnahme zu einer Verringerung des Invaliditätsgrads geführt hätte.
Diesbezüglich haben die Gutachter jedoch keine hypothetische Schätzung abgegeben
und die Beschwerdegegnerin hat auch keine eigene Prognose gestellt. Unter diesen
Umständen ist eine vollumfängliche Leistungsverweigerung abzulehnen, denn es fehlt
an einer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, wie sie nach erfolgter psychiatrischer
Massnahme hätte erreicht werden können. Ferner kann sich eine Verletzung der
Schadenminderungspflicht erst dann auswirken, wenn die angeordnete Behandlung
Erfolg zeitigen würde. Somit wäre auch diesbezüglich prospektiv zu beurteilen
gewesen, wann mit dem erhofften Erfolg der stationären Behandlung hätte gerechnet
werden können. Eine Leistungskürzung bzw. Verweigerung hätte alsdann erst ab
diesem Zeitpunkt erfolgen können.
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin den zurückliegenden
Rentenanspruch von vorherein nicht hätte sanktionsweise gänzlich verweigern dürfen.
Soweit sie damit den Entscheid über den Rentenanspruch faktisch aufgeschoben hat,
liegt eine Rechtsverzögerung bzw. Rechtsverweigerung vor. Die Beschwerdegegnerin
ist daher anzuhalten, ohne Verzug über den zurückliegenden Rentenanspruch zu ent
scheiden bzw. allfällig zusätzlich erforderliche Abklärungsmassnahmen zur Beurteilung
des zurücklegenden Rentenanspruchs unverzüglich einzuleiten, zügig voranzutreiben
und beförderlich darüber zu entscheiden. Sodann hat sie in Verletzung des
Grundsatzes der Verhältnismässigkeit nicht die mildest mögliche Massnahme zur
Erreichung des angestrebten Eingliederungserfolgs angeordnet. Die
Beschwerdeführerin hat sich daher auch nicht an deren Anordnung halten müssen.
Ungeachtet dessen wäre die angefochtene Sanktionsverfügung jedenfalls wegen Ver
letzung des Verhältnismässigkeitsprinzips zwischen dem Mass der Sanktion und dem
voraussichtlichen Eingliederungserfolgs aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin hat
den Rentenanspruch mit sofortiger Wirkung verweigert, ohne dabei den Eintritt sowie
den Umfang des hypothetischen Eingliederungserfolgs zu beachten. Damit hat sie
möglicherweise Leistungen verweigert, die auch bei gesetzeskonformem Verhalten zu
erbringen gewesen wären.
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Da eine teilstationäre psychiatrische Behandlung in Würdigung der gesamten
Umstände zumutbar erscheint, ist die Angelegenheit an die Beschwerdegegenerin
zurückzuweisen. Ob eine teilstationäre Massnahme indessen noch notwendig ist, wird
die Beschwerdeführerin zunächst abzuklären haben. Bejahendenfalls wäre eine
teilstationäre psychiatrische Behandlung anzuordnen. Sollte die Beschwerdeführerin
sich weigern, der Anordnung Folge zu leisten, wäre bei einer Leistungskürzung bzw.
Leistungsverweigerung das Verhältnismässigkeitsprinzip im Sinn der vorstehenden
Erwägungen zu berücksichtigen. Sollte die Eingliederungsfähigkeit inzwischen jedoch
wiederhergestellt sein, hat die Beschwerdegegnerin weitere konkrete
Eingliederungsmassnahmen zu prüfen.
7.
7.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 3. Februar 2011
aufzuheben. Die Streitsache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
im Sinn der Erwägungen verfahre.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt
Fr. 600.-- erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung
gilt praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin
hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
7.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand angemessen erscheint eine pauschale Parteient
schädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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