Decision ID: bf91fddf-8954-4bf0-aa1e-032d509d1ad0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 10. Dezember 2013 unter anderem wegen einer
Polyarthrose mit einer Gehbehinderung und einer depressiven Entwicklung infolge von
Folterungen im Z._ zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an. Er
gab an, Medizin studiert und bei der Klinik B._, bei der Klinik C._ sowie bei zwei
weiteren Kliniken (Schrift nicht entzifferbar) gearbeitet zu haben (IV-act. 1). Das
Einwohneramt der Gemeinde D._ teilte am 30. Dezember 2013 mit (IV-act. 5), der
Versicherte sei am 7. Juli 2013 von Y._ kommend in die Schweiz zugezogen.
A.a.
Die Klinik C._ teilte am 30. Dezember 2013 mit (IV-act. 4), der Versicherte sei
ihnen nicht bekannt. Die Klinik B._ gab am 7. Januar 2014 an (IV-act. 7), über den
Versicherten seien keine Daten auffindbar.
A.b.
Dr. med. E._, Facharzt für allgemeine Medizin FMH, berichtete am 21. Januar
2014 (IV-act. 9-1), der Versicherte leide an einer Polyarthrose, einer fortgeschrittenen
Gonarthrose, einer Coxarthrose, einem chronischen lumbospondylogenen Syndrom,
einem metabolischen Syndrom, einem Schlafapnoe-Syndrom, einem Reflux sowie
einer Hepatopathie. Zudem hielt er einen Status nach Folterungen im Z._ und einen
Status nach ulcera fest. Die Arbeitsunfähigkeit bestehe seit Juli 2013. Der Versicherte
sei gehbehindert und könne nur noch Tätigkeiten im Sitzen und Liegen ausüben. Er
legte seinem Bericht verschiedene Arztberichte bei: Dr. med. F._, physikalische
Medizin FMH, hatte am 18. April 2008 folgende Diagnosen notiert (IV-act. 9-20):
Multitendinotische Periarthropathia humeroscapularis rechts, Brachialgia paraesthetica
rechts, beginnende Chondrose C3/4, mässig C4/5, reaktive, teils hyperostotische
Spondylose cervical, Cervicolumbovertebralsyndrom bei Chondrose L4/5, gestreckte
Fehlhaltung der LWS, Diskopathie L2-S1, Status nach einer Nervenwurzelreizung L5
A.c.
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links 2006, mässiggradige Varusgonarthrose beidseits, Streckdefizit rechts,
fortgeschrittene Femoropatellararthrose, Adipositas und latenter Diabetes, welcher in
Abklärung sei. In der Beurteilung hatte er unter anderem festgehalten, im Jahr 2006 sei
aufgrund eines MRI eine beidseitige Varusgonarthrose festgestellt worden. Dr. med.
G._ hatte am 29. Mai 2012 über eine gleichentags durchgeführte lumbale-
vertebrospinale Kernspintomographie berichtet (IV-act. 9-17). Fachärzte des
universitären Herzzentrums des X._ hatten am 17. September 2013 angegeben, beim
Versicherten seien eine Koronarsklerose ohne signifikante Stenosen der
Koronararterien, eine chronisch venöse Insuffizienz (Beine), ein Status nach
Leistenhernienoperationen rechts (3x) sowie leicht erhöhte Transaminasen (DD i.R. der
Adipositas) diagnostiziert worden (IV-act. 9-9). Dr. med. H._, Oberarzt Orthopädie an
der W._, hatte am 10. Dezember 2013 eine fortgeschrittene Varusgonarthrose
beidseits und eine mässige Coxarthrose beidseits diagnostiziert (IV-act. 9-4).
Am 22. Januar 2014 (IV-act. 14) reichte der Versicherte unter anderem eine amtlich
beglaubigte englische Übersetzung einer ihm ausgestellten Promotionsurkunde eines
Doktors der Medizin vom 9. Oktober 1987 der Universität V._ sowie einen Entscheid
des Departements für U._ vom 17. März 2003 betreffend eine Verlängerung der
Bewilligung zur unselbstständigen Berufsausübung als Arzt in der Klinik I._ und in der
Klinik J._ ein (IV-act. 15).
A.d.
Am 4. Februar 2014 teilte die Klinik J._ mit (IV-act. 20), dass über den
Versicherten keine Unterlagen mehr vorhanden seien.
A.e.
Der Hausarzt Dr. E._ erstattete am 8. April 2014 einen Verlaufsbericht (IV-
act. 25). Er gab folgende Diagnosen an: Fortgeschrittene Gonarthrose beidseits,
Coxarthrose, chronische Diskopathie L4/5, depressive Entwicklung bei einem Status
nach Folterungen im Z._, Cervicobrachialgie rechts, Verdacht auf ein obstruktives
Schlafapnoe-Syndrom, chronische Müdigkeit, metabolisches Syndrom sowie Nephro-
und eine Urolithiasis. Er attestierte dem Versicherten eine seit dem 21. Januar 2014
bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit in dessen Beruf als Arzt. Er legte dem
Verlaufsbericht mehrere Arztberichte bei: Fachärzte des Departements Innere Medizin
des X._ hatten in einem Bericht vom 11. Mai 2009 (IV-act. 25-23) anlässlich einer
notfallmässigen Behandlung zunehmende Beinödeme, eine arterielle Hypertonie, leicht
A.f.
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erhöhte Transaminasen, eine chronische hypochrome, normozytäre Anämie unklarer
Aetiologie und eine Adipositas diagnostiziert. Fachärzte der T._ hatten in einem
Bericht vom 26. August 2013 (IV-act. 25-16) folgende Diagnosen notiert: Progrediente
belastungsabhängige Dyspnoe NYHA III unklarer Ätiologie (DD im Rahmen der
Diagnose 2), metabolisches Syndrom, Verdacht auf ein obstruktives Schlafapnoe-
Syndrom, Polyarthrose und Klaustrophobie.
Gemäss einem Bericht des FF._ vom 24. September 2013 (IV-act. 33, Datum
Posteingang unbekannt) war der Versicherte im Jahr 1999 erstmals in die Schweiz
eingereist und anschliessend wiederholt aus der Schweiz aus- und wieder eingereist.
A.g.
Vom 11. bis 13. Juni 2014 war der Versicherte in der Augenklinik des X._
notfallmässig hospitalisiert. Gemäss dem Austrittsbericht vom 13. Juni 2014 (IV-act. 35)
war er am 11. Juni 2014 einer pars plana Vitrektomie unterzogen worden. Die
Fachärzte hatten eine rhegmatogene Amotio retinae, eine Cataracta corticonuclearis,
eine Hyperopie und einen Astigmatismus diagnostiziert.
A.h.
Am 18. Juni 2014 berichtete Dr. H._ über eine gleichentags erfolgte
Verlaufskontrolle (IV-act. 30). Er notierte – wie im Bericht vom 10. Dezember 2013 – die
Diagnosen einer fortgeschrittenen Varusgonarthrose beidseits und einer mässigen
Coxarthrose beidseits.
A.i.
Dr. med. K._, Facharzt FMH für Ophthalmologie, berichtete am 28. Juli 2014 (IV-
act. 43), ca. sechs Wochen nach der Amotio-Operation hätten regelrechte Befunde
bestanden. Eine beginnende Cataract habe sich nun ausgebildet. Mit einer Operation
sollte noch zugewartet werden.
A.j.
Der Hausarzt Dr. E._ berichtete am 16. September 2014 (IV-act. 43), die
Gonarthrose und die Coxarthrose seien weit fortgeschritten. Eine Infiltrationstherapie
würde den Befund nicht verbessern. Es liege eine Diskushernie L4/L5 vor. Der Visus
links betrage unter 40%; rechts bestehe ein Stigmatismus. Die Gelenkzerstörung könne
nicht mehr durch eine Gewichtsreduktion aufgehalten werden. Die Abklärungen wegen
des Verdachts auf ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom seien wegen des Eingriffs
am Auge verschoben worden. Die Arbeit als operativ tätiger Arzt sei für den
A.k.
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Beschwerdeführer nicht mehr denkbar. Zu bedenken seien auch eine Harninkontinenz
respektive Drang (BPH) und die Folterungen.
Der RAD-Arzt L._ hielt am 17. Oktober 2014 fest (IV-act. 58-3), in der bisherigen
ärztlichen Tätigkeit im operativen Bereich bestehe derzeit vor allem wegen des
Augenleidens, aber auch wegen der beidseitigen Gonarthrose, kein
Eingliederungspotential. In einer leidensadaptierten leichten bis mittelschweren,
wechselbelastenden (vor allem sitzenden, nur wenig gehenden oder stehenden)
Tätigkeit, ohne die Einnahme von Zwangspositionen, ohne das Gehen auf unebenem
Gelände und ohne hohe Anforderungen an die Sehleistung, könne von einem mittleren
Eingliederungspotential mit einer Arbeitsfähigkeit von provisorisch 50%, evtl. in den
folgenden Wochen steigerbar, ausgegangen werden.
A.l.
Am 9. Januar 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 52), dass
zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien und dass eine
medizinische Begutachtung angezeigt sei.
A.m.
Am 26. Oktober 2015 erstattete der Hausarzt Dr. E._ einen Verlaufsbericht (IV-
act. 53). Er gab folgende Diagnosen an: Polyarthrose, Omarthrose, fortgeschrittene
Gonarthrose beidseits, Coxarthrose rechts, Diskopathie LWK4/5 und LWK5/S1,
metabolisches Syndrom, obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, Amotio retinae links
6/2014, posttraumatische Belastungsstörung nach Folterungen im Z._,
Refluxkrankheit, Nephrolithiasis, Tinnitus beidseits, Migräne (Gesichtsschmerz) und
Inkontinenz. Der Versicherte sei in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als operativ
tätiger ORL-Arzt seit Juli 2013 zu 100% arbeitsunfähig.
A.n.
Am 25. Februar 2016 und 1. März 2016 wurde der Versicherte durch die
Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen (PMEDA) polydisziplinär (internistisch,
orthopädisch und psychiatrisch) abgeklärt. Im Gutachten vom 24. Mai 2016 nannten
die Gutachter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 79-38 f.):
A.o.
Hochgradige Varusgonarthrose beidseits–
Leichtgradige Hüftgelenkarthrose beidseits–
Schultereckgelenkarthrose rechts–
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Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter an:
Der internistische Gutachter Dr. med. M._ hielt fest (IV-act. 79-19), eine die
Arbeitsfähigkeit namhaft einschränkende invalidisierende Diagnose sei nicht evident.
Der orthopädische Gutachter Dr. med. N._ führte aus (IV-act. 79-27 f.), die
Untersuchung habe einen leichtgradigen Verspannungszustand des cervico-thorakalen
Abschnittes ohne Zeichen eines namhaften Cervicalsyndroms, insbesondere keine
Zeichen einer radikulären Kompression oder Läsion, gezeigt. Im Bereich der
Lendenwirbelsäule habe eine erhöhte Muskelspannung mit einer endgradig
dargebotenen eingeschränkten Beweglichkeit bestanden. In Bezug auf die
Schultergelenke habe rechts das klinische Bild einer Schultereckgelenkarthrose mit
einer leichtgradigen Belastungslimitierung ohne eine namhafte Einschränkung der
Funktionalität vorgelegen. Die Daumensattelgelenke betreffend habe sich links führend
eine degenerative Krepitation mit Zeichen der Rhizarthrose sowie einer linksseitig
demonstrierten Minderfunktionalität des Daumens in der Grob- und Feinmotorik
gefunden. In Bezug auf die Hüftgelenke habe eine mittelgradige
Bewegungseinschränkung beidseits vorgelegen. Im Bereich der Knie habe eine
höhergradige Varusgonarthrose mit einem Bewegungsdefizit, Bewegungs- und
Palpationsschmerzen, einer Krepitation der Gelenkpartner, einer Minderbelastbarkeit
und einer Einschränkung der Gehfähigkeit trotz dem Tragen von Kniegelenkbandagen
und der Nutzung eines Gehstockes festgestellt werden können. Die erhobenen
Befunde begründeten schlüssig eine qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit mit
einem Ausschluss körperlich schwerer Arbeiten sowie von überwiegend gehend und
stehend oder kniend ausgeübten Tätigkeiten (Arbeitsfähigkeit 0%) auf Dauer. In der
Daumensattelgelenkarthrose beidseits, links deutlicher als rechts–
Adipositas Grad II–
Diabetes mellitus Typ II, Erstdiagnose 2000–
Arterielle Hypertonie, Erstdiagnose 1999–
Koronarangiographischer Ausschluss einer signifikanten KHK mit Nachweis von
Koronarsklerose am 16. September 2013, normale systolische linksventrikuläre
Funktion
–
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erlernten Tätigkeit als Arzt sei in angepasster Form (rein konservative, nicht-
chirurgische Arbeiten) eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit anzunehmen
(Arbeitsfähigkeit 100%, Pensum und Rendement 100%), zumal eine Besserung und
Stabilisierung der Gesundheitsstörungen durch eine Gewichtsreduktion zu erwarten
sei. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. O._ notierte (IV-act. 79-33 f.), ein Anhalt
für eine psychische Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehe nicht. Im
nach AMDP-konform erhobenen psychiatrischen Untersuchungsbefund habe sich ein
logorrhoischer Versicherter präsentiert, welcher ohne Zeichen mnestischer oder
konzentrativer Defizite über seinen Werdegang und seine Beschwerden berichtet habe.
In der Untersuchung seien narzisstische Persönlichkeitszüge wie eine erhöhte
Kränkbarkeit sowie inadäquat imponierende Grössenfantasien deutlich geworden. Die
Stimmung sei situationsadäquat unauffällig gewesen. Klinische Zeichen einer
namhaften Depressivität wie Anhedonie, Interessenreduktion, eine Antriebsstörung
oder eine Störung der zirkadianen Rhythmik hätten nicht vorgelegen. Der Versicherte
habe gelegentlich auftretende Unruhezustände sowie klaustrophobe Ängste
beschrieben, die jedoch nicht die Intensität einer eigenständig zu klassifizierenden
Angststörung erreicht hätten. Die diagnostischen Kriterien einer posttraumatischen
Belastungsstörung wie eine erhöhte Schreckhaftigkeit, eine Hypervigilanz, Intrusionen
beziehungsweise Flashbackerlebnisse seien nicht zu eruieren gewesen. Da eine
posttraumatische Belastungsstörung üblicherweise innerhalb von sechs Monaten im
Anschluss an das traumatische Ereignis auftrete und es dem Versicherten in der Zeit
nach der Entlassung aus dem Gefängnis im Z._ im Jahr 1996 bis im Jahr 2011
offenbar problemlos gelungen sei, einer regelmässigen Arbeitstätigkeit als
Assistenzarzt nachzugehen, sei eine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende
Traumafolgenstörung ohnehin nicht wahrscheinlich. Insgesamt habe sich keine
namhafte psychische Störung feststellen lassen. Die vom Versicherten berichteten
gelegentlich auftretenden Stimmungsschwankungen sowie Ein- und
Durchschlafstörungen seien nicht als namhaft krankheitswertig einzuschätzen. Eine
psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung finde nicht statt. Der
Versicherte empfinde sich auch nicht als psychisch krank oder hilfsbedürftig. In der
Konsensbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss (IV-act. 79-34 f., 79-41), dass in
Zusammenfassung aller Teilgutachten, der dabei erhobenen Anamnesen und Befunde
sowie der Aktenlage der Versicherte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Arzt in der
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Chirurgie sowie in jedweder vergleichbaren Tätigkeit oder auch in einer anderen,
überwiegend gehend und stehend ausgeübten Tätigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt, aufgrund einer hochgradigen Varusgonarthrose beidseits, einer
leichtgradigen Hüftgelenkarthrose beidseits, einer Schultereckgelenkarthrose rechts
und einer Daumensattelgelenkarthrose beidseits auf Dauer zu 100% arbeitsunfähig sei.
Die orthopädischen Befunde begründeten schlüssig eine qualitative Minderung der
Arbeitsfähigkeit mit einem Ausschluss von körperlich schweren Arbeiten sowie von
überwiegend gehend und stehend oder kniend ausgeübten Tätigkeiten (Arbeitsfähigkeit
0%) auf Dauer. Diese qualitative Minderung gelte retrospektiv betrachtet etwa seit dem
Jahr 2006, da im Jahr 2008 eine bereits seit 2006 bestehende Gonarthrose genannt
worden sei. In der erlernten Tätigkeit als Arzt sei in angepasster Form (rein
konservative, überwiegend sitzend ausgeübte oder wechselbelastende nicht-
chirurgische Arbeiten) eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit anzunehmen
(Arbeitsfähigkeit 100%, Pensum und Rendement 100%), zumal eine Besserung und
Stabilisierung der Gesundheitsstörungen durch eine Gewichtsreduktion zu erwarten
sei. Dies gelte ex tunc. Eine Arbeitsfähigkeit von 100% sei auch in nicht-ärztlichen,
überwiegend sitzend oder wechselbelastend ausgeübten, körperlich leichten
Tätigkeiten anzunehmen. Gut geeignet seien zum Beispiel Arbeiten im Bürobereich, in
Wach- und Telefondiensten oder in Übersetzungsdiensten.
A.p. Die RAD-Ärztin Dr. med. P._ notierte am 16. Juni 2016 (IV-act. 81), auf das
Gutachten der PMEDA vom 24. Mai 2016 könne vollumfänglich abgestellt werden.
Dieses sei umfassend, in sich widerspruchsfrei, kohärent und schlüssig.
A.q. Die IV-Stelle teilte dem Versicherten mit einem Vorbescheid vom 22. Juni 2016 mit
(IV-act. 84), dass sie beabsichtige, das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen
abzuweisen. Zur Begründung hielt sie fest, nach den ihr zur Verfügung stehenden
Unterlagen sei der Versicherte in der Tätigkeit als Arzt oder in nicht-ärztlichen,
körperlich leichten Tätigkeiten mit rein konservativen, vorwiegend sitzend oder
wechselbelastend ausgeübten Tätigkeiten uneingeschränkt leistungsfähig. Auf eine
aktive Arbeitsvermittlung bestehe ein Anspruch, wenn gesundheitsbedingte
Einschränkungen die Stellensuche (z.B. das Führen eines Vorstellungsgesprächs)
beeinträchtigten. Beim Versicherten liege keine solche gesundheitsbedingte
Einschränkung vor. Mit einem auf Englisch verfassten Schreiben vom 9. Juli 2016 (IV-
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act. 85) bzw. einem auf Deutsch übersetzten Schreiben vom 20. Juli 2016 (IV-act. 88)
erhob der Versicherte dagegen einen Einwand. Er machte sinngemäss geltend, der
Vorbescheid basiere auf dem Gutachten der PMEDA von Prof. Dr. med. Q._,
Facharzt für Neurologie FMH. Die Untersuchungen vom 25. Februar 2016 und 1. März
2016 seien unprofessionell und ausserhalb der Regeln der medizinischen Praxis
durchgeführt worden. Prof. Q._ sei ausser sich und wütend auf ihn gewesen, weil er
(der Versicherte) aufgrund seiner ausgeprägten Klaustrophobie eine Untersuchung in
einem offenen MRI-Gerät verlangt habe. Was immer Prof. Q._ im Gutachten
geschrieben habe, basiere auf Rache. Der Hausarzt Dr. E._ hielt in einem ärztlichen
Zeugnis vom 8. Juli 2016 im Wesentlichen fest (IV-act. 86), die im Vorbescheid als
uneingeschränkt bezeichnete Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers als Arzt oder
in nicht-ärztlichen leichten Tätigkeiten werde der Polymorbidität nicht gerecht. Der
Beschwerdeführer leide an einem Cervicalsyndrom mit Brachialgie sowie einer
Tendenz zu Muskelkrämpfen, was seine Arbeit als operativ tätigen Arzt ausschliesse.
Eine Rhizarthrose rechts behindere zudem seine Arbeit. Seit der Netzhautablösung sei
sein Visus ebenfalls beeinträchtigt.
A.r. Dr. P._ vom RAD notierte am 5. August 2016 (IV-act. 91), die Gutachter müssten
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeiten auf Befunde abstellen. Von einer
Manipulation der Befunde oder der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus Rache könne
daher nicht ausgegangen werden.
A.s. Mit einer Verfügung vom 5. September 2016 (IV-act. 95) wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen ab. Zum Einwand hielt sie fest, in den
eingereichten Unterlagen seien keine neuen, medizinisch objektivierbaren wesentlichen
Änderungen der Befunde oder der Symptome mitgeteilt worden, welche nicht schon im
Zeitpunkt des Vorbescheids bekannt gewesen wären.
A.t. Am 21. September 2016 teilte die Klinik I._ mit (IV-act. 99), gemäss ihren
Unterlagen habe in der Zeit von 2001 bis 2003 kein Arbeitsverhältnis mit dem
Versicherten bestanden.
A.u. Der Versicherte hielt in einem Schreiben an die IV-Stelle vom 27. September 2016
fest (IV-act. 100), er sei mit der Verfügung vom 5. September 2016 nicht einverstanden.
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A.v. Dr. med. R._ erstattete am 6. Oktober 2016 einen Arbeitgeberbericht (IV-
act. 101). Er gab an, den Versicherten von Februar 2001 bis April 2002 zu vier bis sechs
Stunden pro Woche als Operationsassistent beschäftigt zu haben. Der Jahreslohn
habe im Jahr 2001 Fr. 3'023.80 und im Jahr 2002 Fr. 1'801.-- betragen.
A.w. Mit einem Vorbescheid vom 7. Dezember 2016 (IV-act. 104) stellte die IV-Stelle
dem Versicherten bei einem IV-Grad von 5% die Abweisung des Begehrens um eine
Invalidenrente in Aussicht. Zur Begründung gab sie an, die Abklärungen hätten
ergeben, dass dem Versicherten die erlernte Tätigkeit als Chirurg und jedwede andere,
überwiegend gehend und stehend ausgeübte Tätigkeit nicht zumutbar sei. Die in der
Schweiz ausgeübte Tätigkeit als Operationsassistent oder andere adaptierte
Tätigkeiten, zum Beispiel im Bürobereich, in Wach- und Telefondiensten oder in
Übersetzerdiensten, seien ihm hingegen uneingeschränkt zumutbar. Damit sei er in der
Lage, ein Bruttojahreseinkommen in der Höhe von Fr. 66'453.-- (Lohnstrukturerhebung
des Bundesamts für Statistik [LSE], Tabelle TA 1, Anforderungsniveau AN1) zu erzielen.
Beim Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 69'732.-- stütze sie sich auf die LSE,
Tabelle TA 1, Sektor Gesundheits- und Sozialwesen, Anforderungsniveau AN2. Der
Versicherte erhob am 26. Januar 2017 bzw. am 16. Februar 2017 dagegen einen
Einwand (IV-act. 107, 108). Er beantragte, das Leistungsbegehren, insbesondere die
Rentenprüfung, sei nochmals zu überprüfen und die Berichte des Psychiaters seien
abzuwarten. Zur Begründung führte er an, er könne höchstens zwei Stunden sitzen und
20 Minuten gehen. Wenn er stehe, müsse er sich nach kurzer Zeit wieder setzen oder
hinlegen. Eine Gewichtsreduktion sei – entgegen der Annahme des Gutachters – nicht
zu erwarten, da die Bedingungen nicht optimal seien. Infolge einer Netzhautablösung
habe er notfallmässig operiert werden müssen. An diesem Auge sei ein beträchtlicher
Verlust der Sehfähigkeit eingetreten. Das andere Auge müsse wahrscheinlich auch
noch behandelt werden. Bei ständiger Anstrengung der Augen könnte eine Erblindung
eintreten. Aufgrund der psychischen Probleme werde er sich einer Behandlung bei
einem Psychiater unterziehen.
A.x. Mit einer Verfügung vom 6. April 2017 (IV-act. 115) wies die IV-Stelle,
entsprechend dem Vorbescheid, das Begehren um eine Invalidenrente ab. Zum
Einwand hielt sie fest, die erwähnten orthopädischen und internistischen Beschwerden
seien im Zeitpunkt der Begutachtung bekannt gewesen und bei der Beurteilung der
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Restarbeitsfähigkeit berücksichtigt worden. Die Adipositas habe keine Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit. Das rechte Auge verfüge korrigiert über eine Sehkraft von 0.8.
Damit sei der Versicherte in der Lage, die zugemutete vollständige Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Hilfstätigkeit umzusetzen. Aus psychiatrischer Sicht habe anlässlich
der Begutachtung keine Erkrankung festgestellt werden können. Den eingereichten
Unterlagen könne keine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der
Begutachtung entnommen werden. Weitere medizinische Unterlagen seien nicht
nachgereicht worden.
A.y. Am 10. April 2017 ging bei der IV-Stelle ein Bericht der Augenklinik des Y._ vom
8. Juli 2014 betreffend eine Nachkontrolle des linken Auges nach der pars plana
Vitrektomie vom 11. Juni 2014 ein. Laut diesem Bericht war der postoperative Verlauf
zufriedenstellend gewesen.
B.
B.a. Am 22. Mai 2017 erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. April 2017 (act. G 1). Er beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung der Sache zur Vornahme ergänzender
Abklärungen und zur anschliessenden Neuverfügung an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin). Eventualiter sei ihm mit Wirkung ab 1. Juni 2014 eine ganze
Rente zuzusprechen. Zudem beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Ergänzend zu den Einwänden im
Vorbescheidverfahren machte der Beschwerdeführer geltend, Dr. E._ habe ab dem
Jahr 2007 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Die medizinischen Berichte bis
Anfang 2014 hätten eine Polymorbidität aufgezeigt. Die Arbeitsfähigkeit sei auch in
einer adaptierten Tätigkeit erheblich eingeschränkt gewesen. Die weiteren Berichte der
Jahre 2014/2015 hätten die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und die
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestätigt. Die Beschwerdegegnerin habe Ende 2014
zwar mindestens provisorisch eine leicht höhere Arbeitsfähigkeit als Dr. E._ für
möglich gehalten, nämlich 50%, evtl. in den nächsten Wochen steigerbar, jedoch mit
zahlreichen Einschränkungen beim Zumutbarkeitsprofil. Sie habe es offenbar auch
nicht als hinreichend wahrscheinlich erachtet, dass Behandlungs- oder
Eingliederungsmassnahmen noch zu einer erheblichen Verbesserung der
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Arbeitsfähigkeit führen könnten. Schadenminderungsmassnahmen in der Form einer
nötigen Behandlung oder einer Gewichtsreduktion seien ihm nicht auferlegt worden.
Vor diesem Hintergrund sei er invaliditätsbedingt nicht mehr eingliederbar gewesen. Er
habe deshalb ab dem 1. Juni 2014 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Bei der
Begutachtung sei der orthopädischen Begutachtung das entscheidende Gewicht
zugekommen. Dabei sei es zu einer groben Auseinandersetzung in Bezug auf die
Untersuchung in einem offenen MRI-Gerät gekommen. Aus diesem Grund könne nicht
ohne weiteres von einer vollständigen Unbefangenheit von Dr. N._ und Prof. Q._
bei der weiteren Untersuchung und Gutachtensabfassung ausgegangen werden. Die
Ergebnisoffenheit des Gutachtens sei infolge dieses Vorfalls als erheblich beeinträchtigt
einzustufen. Des Weiteren sei die vollständige Arbeitsfähigkeit in einer "adaptierten"
Arzttätigkeit oder in einer anderen adaptierten Tätigkeit nicht nachvollziehbar. Dr. E._
habe zum Gutachten bzw. zum darauf gestützten IV-Vorbescheid festgehalten, die
uneingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers als Arzt oder in nicht
ärztlichen leichten Tätigkeiten werde der Polymorbidität in keiner Weise gerecht. Er
habe konkret darauf hingewiesen, dass er (der Beschwerdeführer) an einem
Cervicalsyndrom mit Brachialgie sowie an einer Tendenz zu Muskelkrämpfen leide, was
seine Tätigkeit als operativ tätiger Arzt ausschliesse. Auch sei das Zumutbarkeitsprofil
zu wenig spezifisch und die erwähnten Einschränkungen begründeten das von der
Beschwerdegegnerin veranschlagte Invalideneinkommen nicht. Das PMEDA-Gutachten
sei zudem nicht genügend umfassend, da das Augenleiden nicht mituntersucht worden
sei. Hinsichtlich des psychiatrischen Teils des Gutachtens falle auf, dass die
Folterungen im Gefängnis trotz offensichtlich erheblichen Schädigungen kaum erwähnt
worden seien (vgl. act. G 1.1.8). Nicht hinreichend klar sei, inwieweit die spärlichen und
emotionslos bzw. inadäquat vorgetragenen Angaben in der Untersuchung sowie der
fehlende Behandlungswunsch im Sinne eines Vermeidungsverhaltens
krankheitsbedingt seien, sodass eine tiefer liegende, traumatische Störung vorliegen
könnte. Dr. E._ habe wiederholt auf diesen Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit hingewiesen. Der Beschwerdeführer reichte mit der
Beschwerdeschrift einen Bericht des Spitals AA._ vom 4. Juni 1999 ein (act. G 1.1.8).
Demnach war der Beschwerdeführer vom 10. Mai bis 17. Mai 1999 in der Klinik für
Chirurgie hospitalisiert gewesen und einer Leistenrevision und einer Narbenkorrektur
am Penis unterzogen worden. In der Anamnese war festgehalten worden, der
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Beschwerdeführer sei seit März 1999 in der Schweiz. Zuvor sei er 14 Monate in BB._
inhaftiert gewesen. Er habe einen Status nach einer Hernienoperation rechts 1997 in
BB._ gehabt und sei postoperativ gefoltert worden, wobei es zu einem Hernienrezidiv
rechtsseitig und zu Vernarbungen am Penis gekommen sei.
B.b. Die Beschwerdegegnerin beantragte am 10. Juli 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, für die
Annahme eines Anscheins der Befangenheit sei nicht die subjektive Sicht der
betroffenen Parteien, sondern eine objektive Beurteilung massgebend. Da die
Ausführungen im orthopädischen Teil des Gutachtens sachlich und neutral gehalten
seien, lägen keine Anhaltspunkte für eine Befangenheit des orthopädischen Gutachters
vor. Selbst wenn dieser über die Untersuchung im offenen MRI-Gerät verärgert
gewesen sein sollte, könne darin noch kein Ausstandgrund erblickt werden. Soweit der
Beschwerdeführer einwende, das PMEDA-Gutachten sei nicht umfassend, weil das
Augenleiden nicht mituntersucht worden sei, sei darauf hinzuweisen, dass es im
Ermessen der Gutachter liege, weitere Fachleute beizuziehen. Vorliegend sei davon
auszugehen, dass die PMEDA-Gutachter aufgrund der in den Vorakten aufgeführten
Berichte über das Augenleiden im Bilde gewesen seien. Demnach hätten sechs
Wochen nach der Operation regelrechte Befunde vorgelegen. Mangels Hinweisen
darauf, dass seither weitere ophthalmologische Behandlungen stattgefunden haben
könnten, und weil der Beschwerdeführer bei der Anamneseerhebung nicht über eine
Sehstörung geklagt habe, sei nicht erkennbar, weshalb bei der Begutachtung ein
Facharzt für Ophthalmologie hätte beigezogen werden müssen. Nicht stichhaltig sei
auch die Kritik am psychiatrischen Teil des PMEDA-Gutachtens. Der psychiatrische
Gutachter habe nachvollziehbar darauf hingewiesen, dass die Kriterien einer
posttraumatischen Belastungsstörung nicht zu eruieren gewesen seien. Soweit der
Beschwerdeführer geltend mache, er habe Anspruch auf eine ganze Rente, weil er
invaliditätsbedingt nicht mehr eingliederbar sei und ihm keine Massnahmen der
Schadenminderungspflicht in Bezug auf eine nötige Behandlung oder eine
Gewichtsreduktion auferlegt worden seien, könne ihm nicht gefolgt werden. Vielmehr
habe der Beschwerdeführer die Schadenminderungspflicht verletzt, weil er keine
Anstrengungen unternommen habe, in der Schweiz wieder eine Erwerbstätigkeit
aufzunehmen. Solange es ihm möglich und zumutbar sei, mittels der ihm obliegenden
Selbsteingliederung eine Stelle zu finden, wo er seine verbliebene Leistungsfähigkeit
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erwerblich verwerten könne, müssten Eingliederungs- und Integrationsmassnahmen
nicht geprüft werden. Auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt stünden
den physischen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers angepasste
Verweistätigkeiten in einer genügenden Vielzahl offen.
B.c. Das Versicherungsgericht bewilligte am 14. August 2017 das Gesuch um die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 11).
Bd. Der Beschwerdeführer machte in der Replik vom 12. Oktober 2017 ergänzend
geltend (act. G 16), der Gesundheitsschaden sei in somatischer und in psychischer
Hinsicht erheblicher, als im angefochtenen Entscheid und im PMEDA-Gutachten
angenommen worden sei. Er reichte dazu verschiedene Unterlagen ein. Dr. E._ hatte
in einem Bericht vom 2. August 2017 unter anderem festgehalten (act. G 16.2), die
Polyarthrose sei weiter fortgeschritten. Der Beschwerdeführer leide an Nykturie (bei
BPH), Schwindel, Vergesslichkeit, Müdigkeit, Tinnitus und Krampfneigung in den
Händen. Zudem lägen ein Bruxismus und eine Cervicobrachialgie rechts vor. Des
Weiteren weise er ein metabolisches Syndrom mit einer Hypertonie, einem Diabetes
mellitus sowie einer Adipositas auf. Aufgrund der Polyarthrose sei ein adäquates
Training praktisch unmöglich. Ein Zustand nach einer Netzhautablösung beeinträchtige
und bedrohe die Sehkraft. Aufgrund der Polymorbidität sei die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers als nicht mehr gegeben festzulegen. Dipl. Arzt S._, Dignität FMH,
Psychiatrie und Psychotherapie, Fachpsychotherapeut für Traumatherapie (DIPT/SIPT),
hatte am 3. Oktober 2017 berichtet (act. G 16.3), er habe beim Beschwerdeführer eine
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (late onset, ICD-10 F43.1) sowie
rezidivierende depressive Episoden, gegenwärtig eine mittelgradige Episode mit einem
somatischen Syndrom (ICD-10 F33.11), diagnostiziert. Der Beschwerdeführer habe
schwerste physische und psychische Gewalt mit Folter erlitten und sei mit dem Leben
bedroht worden. Aufgrund der intrusiven Erinnerungen auf verschiedenen Ebenen sei
das für eine posttraumatische Belastungsstörung erforderliche Kriterium des
Wiedererlebens erfüllt gewesen. Der Beschwerdeführer habe ein deutliches
Vermeidungsverhalten mit einem starken sozialen Rückzug, einer zunehmenden
Teilnahmlosigkeit an sozialen Aktivitäten, einer Vermeidung, über die belastenden
Ereignisse zu sprechen, und einer affektiven Bagatellisierung im Sinne einer Abspaltung
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der schwer traumatisierenden Ereignisse gezeigt. Er leide an einem Hyperarousal mit
Durchschlafstörungen, Albträumen, Konzentrationsstörungen, Nervosität und
emotionaler Reizbarkeit. Der Beschwerdeführer habe das relativ rasche Auftreten
posttraumatischer Symptome geschildert. Aufgrund der nicht erhaltenen Unterstützung
habe er dann versucht, die Ereignisse und die Symptome selbstständig zu verarbeiten
und ein "normales Leben" zu leben. In nicht seltenen Fällen werde die
posttraumatische Symptomatik unterdrückt bzw. verdrängt. Erst beim Wegfall von
stabilisierenden Faktoren und/oder bei heftigen Triggersituationen könne die komplexe
posttraumatische Symptomatik exazerbieren (sogenannte late onset PTBS). Dies sei
beim Beschwerdeführer erfüllt gewesen. In Bezug auf die Begutachtung durch den
psychiatrischen Gutachter Dr. O._ bleibe fraglich, ob die traumarelevante
Psychopathologie überhaupt erfragt worden sei. Des Weiteren habe Dr. O._
ausgeführt, die "Schilderungen der Traumatisierungen während der psychiatrischen
Exploration seien ohne affektive Beteiligung" geschehen. In der Psychotraumatologie
sei aber genau diese Schilderung als sogenanntes "emotional numbing" bei
traumatisierten Patienten zu beurteilen. Gemäss der Theorie der traumabezogenen
strukturellen Dissoziation stelle eine komplexe PTBS bereits eine primäre strukturelle
Dissoziation dar. Die prämorbide Persönlichkeitsstruktur spalte sich durch die
traumatisierenden Ereignisse in einen "anscheinend normalen
Persönlichkeitsanteil" (ANP) und in einen "emotionalen Persönlichkeitsanteil" (EP) auf.
Genau dies liege beim Beschwerdeführer vor. Der ANP habe über viele Jahre versucht,
den Alltag zu bewältigen und einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Aufgrund
bestimmter Triggerereignisse sowie des Verlustes von stabilisierenden Faktoren sei es
zur Exazerbation des EP gekommen, wobei der Beschwerdeführer mit den
traumabezogenen Intrusionen und Emotionen überflutet worden und psychosozial
dekompensiert sei. Aufgrund der aktuellen Psychopathologie liege gegenwärtig eine
mittelgradige depressive Episode mit einem somatischen Syndrom vor. Da diese
Episoden wiederkehrend seien, könne von einer rezidivierenden depressiven Episode
ausgegangen werden. Die häufigste Komorbidität bei komplexen
Traumafolgenstörungen seien affektive Störungen respektive depressive Episoden.
Beim Beschwerdeführer seien die rezidivierenden depressiven Episoden als komorbide
Störungen einzuordnen, weil die traumatisierenden Ereignisse nicht integriert worden
seien, weshalb es phasenweise zu intrusiven und emotionalen Überflutungen komme,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/24
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die depressiv bewältigt würden. Die aktuelle traumabezogene Psychopathologie sei
von Dr. O._ im PMEDA-Gutachten nicht ausreichend beschrieben und gewürdigt
worden. Der Beschwerdeführer sei aufgrund der Psychopathologie sowie der
somatischen Erkrankungen im angestammten Beruf als Chirurg sowie in einer
Verweistätigkeit gegenwärtig zu 100% arbeitsunfähig. Als weitere Unterlagen reichte
der Beschwerdeführer ein Befragungsprotokoll des CC._ vom 22. März 1999 (act. G
16.1.2), ein Protokoll der DD._ vom 20. Mai 1999/11. Juni 1999 (act. G 16.1.2) sowie
ein Protokoll der Befragung des EE._ vom 28. November 2011 (act. G 16.1.3) ein.
B.e. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 18).

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 6. April 2017 einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad von 5% verneint. Strittig ist
somit, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/24
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3.
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat zur
Beantwortung dieser Frage die Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen (PMEDA) mit
der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens (internistisch, orthopädisch und
psychiatrisch) beauftragt. Im Gutachten der PMEDA vom 24. Mai 2016 ist dazu
angegeben worden (IV-act. 79-34 f., 79-41), der Beschwerdeführer sei in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Arzt in der Chirurgie sowie in jedweder vergleichbaren
Tätigkeit oder auch in einer anderen, überwiegend gehend und stehend ausgeübten
Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auf Dauer zu 100% arbeitsunfähig. Die
orthopädischen Befunde begründeten schlüssig eine qualitative Minderung der
Arbeitsfähigkeit mit Ausschluss von körperlich schweren Arbeiten sowie von
überwiegend gehend und stehend oder kniend ausgeübten Tätigkeiten. Retrospektiv
gelte dies aktenkundig etwa seit 2006. In der erlernten Tätigkeit als Arzt sei in
angepasster Form (rein konservative, überwiegend sitzend ausgeübte oder
wechselbelastende nicht-chirurgische Arbeiten) eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
anzunehmen (Arbeitsfähigkeit 100%, Pensum und Rendement 100%). Dies gelte ex
tunc. Eine Arbeitsfähigkeit von 100% sei auch in nicht-ärztlichen, überwiegend sitzend
oder wechselbelastend ausgeübten, körperlich leichten Tätigkeiten anzunehmen. Eine
namhafte psychische Erkrankung sei nicht wahrscheinlich und werde aktenkundig und
anamnestisch nicht behandelt. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob dem
Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob es die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
belegt.
3.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
3.2.
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Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
Die Sachverständigen der PMEDA haben den Beschwerdeführer persönlich
untersucht und seine subjektiven Klagen aufgenommen. Sie haben die objektiven
klinischen Befunde wiedergegeben, umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt
und diese gewürdigt. Der internistische Gutachter Dr. M._ hat nachvollziehbar
dargelegt, dass er keine die Arbeitsfähigkeit namhaft einschränkende invalidisierende
Diagnose hat feststellen können. Der orthopädische Gutachter Dr. N._ hat ebenfalls
schlüssig aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer an einer hochgradigen
Varusgonarthrose beidseits, einer leichtgradigen Hüftgelenkarthrose beidseits, einer
Schultereckgelenkarthrose rechts und einer Daumensattelgelenkarthrose beidseits,
links deutlicher als rechts, leidet und infolgedessen nicht mehr in der Lage ist,
körperlich schwere Arbeiten sowie überwiegend gehend oder stehend ausgeübte
Tätigkeiten zu erfüllen. In der erlernten Tätigkeit als Arzt ist er in angepasster Form (rein
konservative, nicht-chirurgische Arbeiten) jedoch vollständig arbeitsfähig
(Arbeitsfähigkeit 100%, Pensum und Rendement 100%). Die Erhebung der Befunde,
die Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. M._ und Dr. N._
überzeugen. Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, bei der MRI-Untersuchung
sei es zu einer groben Auseinandersetzung in Bezug auf die Untersuchung in einem
offenen MRI-Gerät gekommen. Aus diesem Grund könne nicht ohne weiteres von einer
vollständigen Unbefangenheit von Dr. N._ und Prof. Q._ bei der weiteren
Untersuchung und der Gutachtensabfassung ausgegangen werden. Wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht festgehalten hat, ist für die Annahme des Anscheins
einer Befangenheit eine objektive Beurteilung massgebend. Auf die subjektiven
Schilderungen des Beschwerdeführers, wie sich der Sachverhalt zugetragen haben
soll, kann deshalb nicht abgestellt werden. Der orthopädische Teil des Gutachtens ist
sachlich verfasst worden. Anhaltspunkte für eine Befangenheit von Dr. N._ und Prof.
Q._ sind nicht ersichtlich. Selbst wenn es zu einer Auseinandersetzung zwischen den
Sachverständigen und dem Beschwerdeführer gekommen sein sollte, muss davon
ausgegangen werden, dass die Sachverständigen problemlos damit haben umgehen
können. Dies zeigt sich auch daran, dass sie einer Untersuchung in einem offenen MRI-
Gerät zugestimmt haben. Den Sachverständigen zu unterstellen, sie hätten das
Gutachten aus Rache manipuliert, ist in Anbetracht dessen absurd. Des Weiteren hat
3.2.1.
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der Beschwerdeführer eingewendet, das Gutachten sei nicht umfassend, weil das
Augenleiden nicht mituntersucht worden sei. Die Gutachter hatten aufgrund der
Vorakten und der Anamneseerhebung Kenntnis vom Augenleiden. Sie sind
offensichtlich davon ausgegangen, dass dieses in Bezug auf die Beurteilung der
verbleibenden Arbeitsfähigkeit nicht von Relevanz ist. Aus dem Bericht von Dr. K._
vom 28. Juli 2014 ist ersichtlich (IV-act. 43), dass ca. sechs Wochen nach der Amotio-
Operation regelrechte Befunde vorgelegen hatten; eine beginnende Cataract hatte sich
nun ausgebildet. In der Anamneseerhebung hat der Beschwerdeführer das
Augenleiden erwähnt; über anhaltende Beschwerden hat er jedoch nicht geklagt. Für
die Gutachter hat damit kein Anlass bestanden, das Augenleiden zu untersuchen bzw.
einen Ophtalmologen beizuziehen. Dies ist nicht zu beanstanden. Der
Beschwerdeführer hat im Übrigen auch nicht geltend gemacht, dass das Auge eine
bleibende Schädigung erlitten hätte, welche ihn in einer adaptierten Arbeitstätigkeit,
insbesondere in einer reinen Schreibtischarbeit, einschränken würde. Damit ist davon
auszugehen, dass die Nichtuntersuchung des Augenleidens keinen Mangel am
Gutachten darstellt respektive das Augenleiden keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit hat. Der Beschwerdeführer hat sodann vorgebracht, der
Hausarzt Dr. E._ habe zum Gutachten bzw. zum darauf gestützten IV-Vorbescheid
festgehalten, die uneingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers als Arzt
oder in nicht ärztlichen leichten Tätigkeiten werde der Polymorbidität in keiner Weise
gerecht. Dr. E._ habe konkret darauf hingewiesen, dass er (der Beschwerdeführer) an
einem Cervicalsyndrom mit Brachialgie sowie an einer Tendenz zu Muskelkrämpfen
leide, was seine Tätigkeit als operativ tätigen Arzt ausschliesse. Es bestehe auch eine
Rhizarthrose rechts, die seine Arbeit behindere. Dieser Einwand ist nicht stichhaltig. Die
Gutachter haben nämlich die Rhizarthrose (Daumensattelgelenkarthrose) rechts
berücksichtigt und die Arbeitsfähigkeit als operativ tätiger Arzt ausgeschlossen (vgl. IV-
act. 79-38 f., 79-41). Der vom Beschwerdeführer im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens eingereichte Bericht von Dr. E._ vom 2. August 2017 enthält
auch keine neuen Erkenntnisse, welche geeignet wären, Zweifel an der Einschätzung
von Dr. M._ und Dr. N._ zu wecken. Soweit sich der Bericht auf den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Zeitraum vor dem Erlass der
Verfügung vom 6. April 2017 bezieht (der zweitletzte Bericht von Dr. E._ datiert vom
8. Juli 2016), hat Dr. E._ darin als neue Befunde nämlich lediglich einen Schwindel,
eine Vergesslichkeit und einen Bruxismus genannt. Diese Befunde sind mit einer dem
Beschwerdeführer aus somatischer Sicht zumutbaren adaptierten Tätigkeit (erlernte
Tätigkeit als Arzt in angepasster Form, das heisst rein konservative, überwiegend
sitzend oder wechselbelastend ausgeübte nicht-chirurgische Arbeit, oder jede andere
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nicht-ärztliche, überwiegend sitzend oder wechselbelastend ausgeübte, körperlich
leichte Tätigkeit) vereinbar. Das PMEDA-Gutachten überzeugt somit in den Teilen, als
Dr. M._ und Dr. N._ aus internistischer und orthopädischer Sicht die Befunde
erhoben, die Diagnosen gestellt und eine Arbeitsfähigkeitsschätzung für die
angestammte und eine zumutbare adaptierte Tätigkeit abgegeben haben.
Der psychiatrische Gutachter Dr. O._ hat den Beschwerdeführer ebenfalls
persönlich untersucht, seine subjektiven Klagen aufgenommen, die objektiven
klinischen Befunde wiedergegeben sowie umfassende Kenntnis von den Vorakten
gehabt. Psychiatrische Vorakten haben im Begutachtungszeitpunkt nicht bestanden.
Der Beschwerdeführer hat Dr. O._ gegenüber auch angegeben, sich nicht in
psychiatrischer Behandlung zu befinden (IV-act. 79-34). Einzig der Hausarzt Dr. E._
hat wiederholt einen Status nach Folterungen im Z._ festgehalten (IV-act. 9-1, 25, 43,
53) und eine depressive Entwicklung (IV-act. 25) bzw. eine posttraumatische
Belastungsstörung (IV-act. 53) diagnostiziert. Dr. O._ hat im psychiatrischen Teil des
Gutachtens aufgezeigt, dass er keine Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung
mit einem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat feststellen können. Die Ausführungen
betreffend die Verneinung einer posttraumatischen Belastungsstörung sind mit der
Begründung, die diagnostischen Kriterien wie eine erhöhte Schreckhaftigkeit,
Hypervigilanz, Intrusionen bzw. Flashbackerlebnisse seien nicht zu eruieren gewesen
und üblicherweise trete eine posttraumatische Belastungsstörung innerhalb von sechs
Monaten im Anschluss an das traumatische Ereignis auf, vorliegend sei es dem
Beschwerdeführer jedoch offenbar problemlos gelungen, in der Zeit nach der
Entlassung aus dem Gefängnis einer regelmässigen Arbeitstätigkeit nachzugehen,
allerdings sehr kurz ausgefallen. Daraus geht nicht ausreichend ausführlich hervor,
weshalb die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung verneint worden ist.
Dipl. Arzt S._ hat im Bericht vom 3. Oktober 2017 detailliert aufgezeigt, welche
Kriterien für eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung massgebend und
dass diese in Bezug auf den Beschwerdeführer erfüllt gewesen sind. Insbesondere hat
er beschrieben, dass eine posttraumatische Symptomatik nicht selten unterdrückt bzw.
verdrängt werde und erst beim Wegfall von stabilisierenden Faktoren und/oder bei
heftigen Triggersituationen exazerbieren könne. Des Weiteren hat er erklärt, dass die
häufigste Komorbidität bei komplexen Traumafolgenstörungen depressive Episoden
seien und dass beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Berichterstellung eine
mittelgradige depressive Episode mit einem somatischen Syndrom vorgelegen habe.
Gestützt darauf hat er eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (late onset,
ICD-10 F43.1) sowie rezidivierende depressive Episoden, gegenwärtig eine
3.2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/24
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mittelgradige Episode mit einem somatischen Syndrom (ICD-10 F33.11), diagnostiziert.
In Bezug auf die Begutachtung durch Dr. O._ hat er festgehalten, es sei fraglich, ob
die traumarelevante Psychopathologie überhaupt erfragt worden sei. Komplex
traumatisierte Patienten verhielten sich in der Regel so, dass die traumarelevante
Psychopathologie nicht von selbst berichtet werde. Dipl. Arzt S._ ist somit der
Ansicht, dass die posttraumatische Belastungsstörung bereits im Zeitpunkt der
Begutachtung exazerbiert ist. Sein Bericht vom 3. Oktober 2017 bezieht sich damit
(auch) auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Zeitraum vor Erlass der
Verfügung vom 6. April 2017 und ist damit dem Beweis zugänglich. Spätestens mit
diesem Bericht von dipl. Arzt S._ hätte Dr. O._ deshalb aufgefordert werden
müssen, seine Ausführungen im Gutachten betreffend die Verneinung einer
posttraumatischen Belastungsstörung zu ergänzen. Da eine solche Ergänzung bislang
nicht erfolgt ist, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Rückweisung in diesem Fall zulässig (vgl.
BGE 137 V 210, E. 4.4.1.4, wonach eine Sache zurückgewiesen werden kann, wenn
lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen
Ausführungen erforderlich ist; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 15. November
2019, 8C_525/2019, E. 3.3). Da seit der Begutachtung rund dreieinhalb Jahre
vergangen sind und Dr. O._ deshalb möglicherweise nicht mehr in der Lage ist, das
Gutachten zu ergänzen, steht es der Beschwerdegegnerin frei, einen anderen
Gutachter mit der Erstellung eines neuen psychiatrischen Gutachtens zu beauftragen
statt eine Rückfrage an Dr. O._ zu richten. Anzufügen bleibt, dass der Bericht von
dipl. Arzt S._ die verbleibende Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus
psychiatrischer Sicht nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu belegen vermag. Zum einen hat er in seiner Beurteilung die für psychische Leiden
massgebenden Standardindikatoren nicht berücksichtigt, was aus der Sicht eines
behandelnden Psychiaters nachvollziehbar ist. Zum anderen ist der Erfahrungstatsache
Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und
dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv
ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf das PMEDA-Gutachten vom
24. Mai 2016 abzustellen ist, soweit darin aus internistischer und orthopädischer Sicht
die Diagnosen gestellt und eine Arbeitsfähigkeitsschätzung für die angestammte und
für eine zumutbare adaptierte Tätigkeit abgegeben worden ist. Aus psychiatrischer
3.2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/24
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4.
Die Beschwerdegegnerin hat unter Verweis auf den IK-Auszug notiert, dass die
versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt gewesen seien (IV-act. 103). Der
Beschwerdeführer ist im Jahr 1999 erstmals in die Schweiz eingereist und
anschliessend wiederholt aus der Schweiz aus- und wiedereingereist (vgl. IV-act. 5, 33,
act. G 16.1.2 und 16.1.3). Der IK-Auszug zeigt (IV-act. 6), dass der Beschwerdeführer in
den Jahren 2001 bis 2004 sowie 2008 und 2009 ein Einkommen erzielt hat, allerdings
nicht durchgehend über sämtliche Monate hinweg. Die versicherungsmässigen
Voraussetzungen dürften unter Zugrundelegung des Sachverhalts, wie er sich im
Verfügungszeitpunkt am 6. April 2017 dargestellt hat, erfüllt gewesen sein. Sofern aus
den ergänzenden Abklärungen eine rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit resultiert,
sind die versicherungsmässigen Voraussetzungen insbesondere mit Blick auf die Frage
des Zeitpunkts des Eintritts der Invalidität jedoch nochmals zu prüfen (vgl. Art. 4
Abs. 2, 6 Abs. 2 und 36 IVG i.V.m. Art. 28 IVG und Art. 7 und 8 ATSG).
5.
Die Beschwerdegegnerin ist in Bezug auf die Invalidenkarriere davon ausgegangen,
dass dem Beschwerdeführer einzig eine Karriere als Hilfsarbeiter offensteht. Aus der
Sicht des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen ist dies nicht nachvollziehbar.
Für einen ausgebildeten Arzt sollte es einen Arbeitsplatz geben, welcher die
Adaptionskriterien einer Tätigkeit, die der Beschwerdeführer noch ausüben kann,
erfüllt. Der Beschwerdegegnerin steht es frei, diese Frage durch eine Berufsberaterin
oder einen Berufsberater abklären zu lassen. Ebenfalls steht es ihr frei abzuklären, ob
der Beschwerdeführer eine kantonale Berufsausübungsbewilligung erneut erhalten
würde bzw. welcher Eingliederungsmassnahmen es dazu bedürfte.
6.
Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 6. April 2017 in teilweiser Gutheissung
Sicht vermag weder das PMEDA-Gutachten noch der Bericht von dipl. Arzt S._ vom
3. Oktober 2017 die verbleibende Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Die Sache ist zur ergänzenden
Abklärung im Sinne der Erwägung 3.2.2 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Für den Fall, dass eine Arbeitsunfähigkeit für eine leidensadaptierte Tätigkeit
festgestellt wird, wird sich Dr. O._ oder eine andere zu beauftragende
sachverständige Person auch zur Frage äussern müssen, wann diese eingetreten ist.
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der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme ergänzender
medizinischer Abklärungen und zur anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.