Decision ID: f000e86c-d32d-5f60-89b4-5bacf660ddd6
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1982, Mutter einer 2004 geborene
n
Tochter, lebt mit
ihrer Tochter
sowie
ihren Eltern
zusammen
im gleichen Haushalt. Die Eltern der Versicherten meldete
n
diese
erstmals am 2
5.
Oktober 1998 unter Hinweis auf eine nur beschränkt b
enutzbare
Hand bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische
Situation (
Urk.
8/2,
Urk.
8/4-5
) ab
und erteilte der Versicherten daraufhin mit Verfügung vom 1
9.
Februar 1999 (
Urk.
8/7)
Kostengutsprache für einen
Einhändermaschinenschreibkurs
. Nach weiteren Abklärungen (
Urk.
8/10-12) gewährte sie der Versicherten mit Verfü
gung vom 1
8.
August 1999 (
Urk.
8/14) eine dreimonatige Abklärung im Hin
blick auf eine allfällige Bürolehre im
Y._
. Da die Versi
cherte
allerdings
nicht an
einer beruflichen Ausbildung interessiert
war
(vgl.
Urk.
8/15
,
Urk.
8/17
), wurde das Leistungsgesuch mit
Verfügung
vom 3
1.
August 1999 (
Urk.
8/18)
als erledigt abgeschrieben
.
1.2
Am 2
0.
März 2000 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine Dystonie erneut zum
Leistungsbezug an (
Urk.
8/22), worauf
die IV-Stelle medizinische
und erwerbliche
Abklärungen
(
Urk.
8/25-27,
Urk.
8/33)
tätigte und der Versi
cherten
mit Verfügung vom 1
7.
Mai 2002 (
Urk.
8/45)
eine
Status
quo
abklärung
bei der
Z._
für die Zeit vom
3.
Juni bis 3
0.
August 2002
zu
sprach.
Nachdem die Versicherte die berufliche Massnahme
im
Juli 2002 abgebrochen hatte, wurde das
Leistungsg
esuch mit Verfügung vom
4.
November 2002 (
Urk.
8/57) abgeschrieben.
Nach
weitere
n
Abklärungen der medizinischen Situation (
Urk.
8/60
,
Urk.
8/63,
Urk.
8/67) sprach
die IV-Stelle
der Versicherten mit Ver
fügung vom 1
2.
Januar 2004 (
Urk.
8/75) bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente mit Wirkung ab dem
1.
Januar 2002 zu.
Mit Mitteilung vom 2
2.
Februar 2005 (
Urk.
8/84) wurde der Anspruch auf die bisherige ganze
Invalidenrente bestätigt.
1.3
Am 1
3.
Januar respektive 2
8.
Februar 2005 (
Urk.
8/81,
Urk.
8/85/2-5) meldete sich die Versic
herte sodann zum Bezug von Leistungen der
lebenspraktischen Begleitung an.
D
ie IV-Stelle
holte daher
einen Abklärungsbericht für
Hilflo
senentschädigung
ein, welcher am 1
8.
Mai 2005 erstattet wurde (
Urk.
8/86). Gestützt darauf sprach
sie
der Versicherten mit Verfügung vom 2
6.
Mai 2005 (
Urk.
8/87,
Urk.
8/89) eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades mit Wirkung ab dem
1.
Januar 2004 zu
.
Mit Mitteilungen vom 2
9.
Januar 2009 (
Urk.
8/99-100) wurde sowohl der Anspruch auf die bisherige
Hilflosenentschädigung
leichten Grades als auch der Anspruch auf die bisherige ganze Invalidenrente bestätigt.
1.4
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom
2
0.
April 2014
(
Urk.
8/
120
)
klärte die IV-Stelle die medizinische Situation (
Urk.
8/124,
Urk.
8/139)
erneut
ab und
veranlasste eine Abklärung der beeinträchtigen Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt, über welche am 2
1.
August 2014 berichtet wurde (
Urk.
8/140)
,
und
holte
ferner
einen
weiteren
Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
ein, welcher am 2
5.
August 2014 erstattet wurde (
Urk.
8/137).
Mit Mitteilung vom
6.
November 2014 (
Urk.
8/142) bestätigte die IV-Stelle den unveränderten Anspruch auf die bisherige ganze Invalidenrente.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/127-128,
Urk.
8/132
,
Urk.
8/143
)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
7.
Januar 2015 (
Urk.
8/151 =
Urk.
2) die bisher ausgerichtete
Hilflosenent
schädigung
leichten Grades auf.
2.
Die Versicherte erhob am
9.
Februar 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom
7.
Januar 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades
auszurichten
. Eventuell sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuwei
sen
(
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
März 2015 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
1.
April 2015 (
Urk.
14) wurde der Beschwerdeführerin antragsgemäss (
Urk.
1 S.
2) die unent
geltliche Prozessführung bewilligt. Am 1
1.
Mai 2015 reichte die Beschwerde
führerin die Replik ein (
Urk.
15). Mit Schreiben vom 2
6.
Mai 2015 (
Urk.
17) ver
zichtete die Beschwerdegegnerin auf die Duplik, was der Beschwerdeführerin am 2
7.
Mai 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflo
senentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebens
verrichtungen
dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwa
chung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung,
IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgen
den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV ange
wiesen ist.
1.3
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige, versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die
lebensprakti
sche
Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im
Durchschnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Das Ziel der lebenspraktischen Begleitung ist zu
verhindern, dass Personen schwer verwahrlosen und/oder in ein Heim oder eine Klinik eingewiesen werden müssen. Die zu berücksichtigenden Hilfeleistunge
n müssen dieses Ziel verfolgen
(
Rz
8040 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invaliden
versicherung, KSIH,
in der hier anwendbaren Version
ab
1.
Januar 2015
).
Uner
heblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450 E.
2.2.3 und
E.
5).
Das Gesetz macht den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
auch
nicht davon abhängig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Gesundheit beschränkt, sondern es können auch körperlich
Behinderte
lebens
praktische
Begleitung beanspruchen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3,
Rz
8042 KSIH).
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Im Rahmen der lebenspraktischen Begleitung ist sodann neben der indirekten auch die direkte Dritthilfe zu berücksichtigen. Demnach kann die Begleitperson die notwendigerweise anfallenden Tätigkeiten auch selber ausführen, wenn die versicherte Person dazu gesundheitsbedingt trotz Anleitung oder Überwachung und Kontrolle nicht in der Lage ist (BGE 133 V 450 E. 10.2). Das Bundesgericht hielt dabei fest, dass massgeblich nicht die Art der Dritthilfe sei, sondern aus
schliesslich die durch die Dritthilfe zu erreichende Selbständigkeit des Wohnens (BGE 133 V 450 E. 4.3).
1.4
Schliesslich muss beim Bedarf an lebenspraktischer Begleitung
die
Schadenmin
derungspflicht
berücksichtigt werden
(
Rz
8040 KSIH mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 9C_410/2009 vom
1.
April 2010). Die Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Einsatzfähigkeit sind durch geeignete organisato
rische Massnahmen und die Mithilfe der Familienangehörigen, denen dadurch keine unverhältnismässige Belastung entstehen darf, möglichst zu mildern. Diese Mithilfe geht weiter als die ohne Gesundheitsschaden zu erwartende Unterstützung. Es ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige
Familienge
meinschaft
einrichten würde, sofern keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Keinesfalls darf aber unter dem Titel Schadenminderungspflicht die
Bewältigung der Haushalttätigkeit in einzelnen Funktionen oder insgesamt auf die übrigen Familienmitglieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleichsam bei jeder festgestellten Einschränkung danach gefragt werden müsste, ob sich ein Familienmitglied finden lässt, das allenfalls für eine ersatzweise Ausführung der entsprechenden Teilfunktionen in Frage kommt (Urteil des Bundesgerichts I
1013/06 vom
9.
November 2007 E. 7.2).
Grundsätzlich unerheblich ist die Umgebung, in welcher sich
die versicherte Person aufhält
. Versicherte, welche mit Familienangehörigen zusammenleben, hätten sonst kaum je Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
für lebenspraktische Begleitung.
Es ist allein mass
gebend, ob die versicherte Person, wäre sie allein auf sich gestellt, erhebliche Dritthilfe benötigen würde.
Demgegenüber ist die tatsächlich erbrachte Mithilfe von Familienangehörigen eine Frage der Schadenminderungspflicht, die erst in einem zweiten Schritt zu prüfen ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_828/20
11 vom 2
7.
Juli 2012 E. 5.3.1).
1.
5
Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen ärztlicher Fachperson und Verwaltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte Per
son in ihren körperlichen beziehungsweise geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärungen vornehmen. Bei Unklarheiten über physische oder psychi
sche Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche
Lebensverrich
tungen
sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig (BGE 130 V 61 E. 6.1.1).
Ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (
Art.
9 ATSG) oder des Pflegebedarfs hat folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichter
statterin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei diver
gierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der
Berichts
text
schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der ein
zelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfor
dernissen der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung (
Art.
37 IVV) und der lebenspraktischen Begleitung (
Art.
38 IVV) sein. Schliess
lich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige
Entschei
dungsgrundlage
im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein
schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fach
lich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im
Beschwer
defall
zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2, 133 V 450 E.
11.1.1, 130 V 61 E. 6.2, 128 V 93).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die
Angaben der
vor Ort
erfolgten Abklärung
davon aus, dass
die
Beschwerdeführerin in allen sechs Bereichen
der alltäglichen
Lebensverrichtun
gen
weiterhin
selbständig und auch e
ine medizinisch-pflegerische Hilfe nicht notwendig
sei
.
Die Situation habe sich allerdings dahingehend geändert, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr in einem so hohen Masse und in einer so intensiven Regelmässigkeit auf
eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen sei.
Der Mindestansatz von mindestens zwei Stunden pro Woche
werde
nicht mehr
erreicht
, weshalb
d
er Anspruch auf
eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades nicht mehr ausgewiesen
sei
(S. 3).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
7) nahm die Beschwerdegegnerin dahingehend Stellung, dass
die Beschwerdeführerin
im Rahmen der bestehenden Wohnge
meinschaft und unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht aller Mitbewohner ihren Anteil an die Haushaltsführung erbringe. Es könne nicht von einem zwingenden Heimeintritt bei Ausbleiben der Dritthilfe ausgegangen werden (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (
Urk.
1),
sie sei zwar nicht mehr bei jeglichen ausserhäuslichen Verrichtungen auf die Begleitung einer Drittperson angewiesen. Eine allgemeine Verbesserung des Gesundheitszustandes lasse sich hieraus allerdings nicht ableiten.
Sie habe ihre
Angst- und
Panikattacken
aufgrund
einer erhöhten Dosierung des Medikaments im Griff
und könne somit das Haus besser alleine verlassen.
Bei der Rückkehr nach Hause sei sie jeweils sehr müde und benötige mehr Hilfestellung.
Der Abklärungsbericht habe
nicht erfasst, dass
sie aufgrund
ihrer
körperlichen Beschwerden ohne Dritthilfe nicht selbständig wohnen könne.
Dies insbeson
dere aufgrund des multifokalen Dystonie
-S
yndroms, welches sich
progredient verschlechtere (S. 4 ff.).
So seien ihr das Hantieren
mit
Pfannen und Geschirr, das
feinmotorische
Zubereiten von Mahlzeiten, das Einräumen und Ausräumen
der Geschirrspülmaschine sowie
das Bügeln und Kleiderflicken nicht möglich (S.
7 f.).
Die Beschwerdegegnerin habe schliesslich den Anspruch auf rechtliches
Gehör verletzt, indem sie zu den vorgebrachten Einwänden keine Stellung genommen habe
(S. 9).
In der Replik (
Urk.
15) bestritt die Beschwerdeführerin, dass sie einen nicht unwe
sentlichen Anteil an die Haushaltsführung erbringen könne. Die um
fassende Hilfeleistung führe unter Berücksichtigung einer angemessenen Schadenminderu
ngspflicht dazu, dass sie ohne Dritth
ilfe
in ein Heim ein
treten
müsse
(S. 2 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades aufgrund der Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begleitung hat.
3.
3.1
In formeller Hinsicht machte die Beschwerdeführerin geltend, die
Beschwerde
geg
nerin
habe das rechtliche Gehör verletzt, indem sie in der ange
fochtenen Verfügung keine Stellung genommen habe zum vorgebrachten Ein
wand, dass auch die direkte Dritthilfe zur Ermöglichung des selbständigen Wohnens berücksichtigt werden müsse (
Urk.
1 S. 9).
3.2
Gemäss
Art.
57a
Abs.
1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorge
sehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung eine bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von
Art.
42 ATSG. Die Parteien können innerhalb einer Frist von 30 Tagen bei der IV-Stelle mündlich oder schriftlich Einwände zum Vorbescheid vorbringen (
Art.
73
ter
Abs.
1 und
Abs.
2 IVV). Hernach entscheidet die IV-Stelle mittels Verfügung, wobei sie sich darin mit den für den Beschluss relevanten Einwänden der Par
teien auseinanderzusetzen hat (
Art.
74 IVV).
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der explizi
ten gesetzlichen Regelung in
Art.
42 ATSG auch in
Art.
29
Abs.
2 der Bundes
verfassung (BV) garantiert wird, ist das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingrei
fenden Entscheids zur Sache zu äus
sern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentli
cher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1). Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der betroffenen Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der
Entscheid
findung
zu berücksichtigen, weshalb sie ihren Entscheid zu begründen hat (BGE
134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre Verfügungen – sofern sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG) – zu begründen, bezweckt insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu ver
setzen, eine Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können (BGE 124 V 180 E. 1a, 134 I 83 E. 4.1).
Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begrün
dung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und weshalb die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise uner
heblich hält. Es muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versicherten Person seien zur Kenntnis genommen und geprüft worden (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, N 38 zu
Art.
49 ATSG, mit Hinweis auf BGE 124 V 182). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheids möglich ist (
Kieser
, a.a.O., N 126 zu
Art.
61 ATSG9.
3.3
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darau
f an, ob die Anhörung im konkre
ten
Fall für den Ausgang der materiel
len Streitentscheidung von Bedeutu
ng ist, das heisst die Be
hörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE
132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E. 3d/
aa
).
Vorbehalten sind
rechtsprechungs
gemäss
diejenigen Fälle, in denen diese Verletzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 124 V 180 E. 4a;
Kieser
, a.a.O., N10 zu
Art.
42 ATSG). Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtli
chen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleich
gestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beför
derlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E.
5.1).
3.4
Mit Vorbescheid vom
4.
September 2014 (
Urk.
8/127) stellte die
Beschwerdegeg
nerin
der Beschwerdeführerin in Aussicht, die bisher ausgerichtete
Hilflo
sen
entschädigung
leichten Grades aufzuheben. Begründet wurde dies damit, dass die Unterstützung bei der lebenspraktischen Begleitung nicht mehr in einem so hohen Umfang
notwendig
und der Mindestansatz von mindestens zwei Stunden pro Woche
daher
nicht mehr erfüllt sei.
Die Beschwerdeführerin erhob hier
gegen diverse Einwände (
Urk.
8/128,
Urk.
8/132,
Urk.
8/143), wobei sie
am 1
7.
November 2014
unter anderem geltend machte, der
Abklärungsbe
richt
erfasse
nicht
, dass
sie ohne Dritthilfe nicht selbständig wohnen könne und auch
die direkte Dritthilfe zur Ermöglichung des selbständigen Wohnens berück
sichtigt werden müsse
(
Urk.
8/143 S. 2
f.
).
Auf diesen innert erstreckter Frist (vgl.
Urk.
8/135) eingereichten Einwand der Beschwerdeführerin
ging die Beschwerdegegnerin indessen überhaupt nicht ein
. So nahm der
Abklärungs
dienst
lediglich Stellung zum Einwand vom
6.
Oktober 201
4 (vgl.
Urk.
8/132,
Urk.
8/150). In der Folge kopierte
die Beschwerdegegnerin diese Stellungnahme des Abklärungsdienstes
wortwörtlich
in die vo
rliegend angefochtene Verfügung,
dies ohne weitere
Ausführungen (
Urk.
2 S.
3 ff.
).
3.5
Durch dieses Vorgehen verletzte die Beschwerdegegnerin ihre
Begründungs
pflicht
und damit den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör. Von einer Rückweisung der Sache
einzig
zur Gewährung des rechtlichen Gehörs kann vorliegend allerdings abgesehen werden, zumal die Beschwerdeführerin
die Möglichkeit erhalten hat, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Vor
liegend erfolgt jedoch ohnehin eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin aufgrund ungenügender Ab
klärungen (vgl. nachstehend E. 6
), so dass sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen.
4
.
4.1
D
er mit Verfügung vom 2
6.
Mai 2005 (
Urk.
8/89) erfolgten
Zusprache
einer
Hilf
losenentschädigung
leichten Grades
lag
die am 1
3.
Mai 2005 durchgeführte erstmalige Abklärung vor Ort
zugrunde
(vgl. Abklärungsbericht vom 1
8.
Mai 2015,
Urk.
8/86). Die Abklärungsperson hielt dabei fest, dass die Beschwerde
führerin
an einem multifokalen Dystonie-
Syndrom sowie an Panikattacken leide.
Die Beschwerdeführerin
habe kurzzeitig alleine gewohnt, wobei sie aller
dings beim Verlassen der Wohnung jeweils in Panik geraten sei. Sie wohne nun wieder bei ihren Eltern
(S. 1). Die Abklärungsperson führte sodann aus, dass die Beschwerdeführerin in allen sechs Bereichen der alltäglichen
Lebensverrichtun
gen
selbständig sei. Die Beschwerdeführerin benötige
allerdings
bei jeglichen ausserhäuslichen Aktivitäten die Hilfe
von Drittpersonen
, was bei
der
lebens
prakti
schen
Begleitung berücksichtigt werde
. Die Beschwerdeführerin benötige
keine dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe und keine persönliche Überwa
chung (S.
2
f.).
Bei der Beurteilung der lebenspraktischen Begleitung
hielt
die
Abklärungsper
son
für den Bereich „Hilfeleistung, die das sel
bständige Wohnen ermöglichen“ fest
, die Beschwerdeführerin
benötige
keine
Dritthilfe
bei der
Tagesstruk
turierung
und keine Anleitung und/oder Überwachung/Kontrolle zum Erledigen des Haushaltes.
Der Bereich „Begleitung zur Vermeidung dauernder Isolation“ werde
bei den
ausserhäuslichen Verrichtungen berücksichtigt
. D
ie Beschwerde
führerin
sei
aufgrund der Panikattacken
seit zirka Juni 2000
für jegliche ausser
häusliche Verrichtung
en
auf Dritthilfe angewiesen.
Die Beschwerdeführerin könne ohne Begleitung
ihrer
Mutter
weder
den Einkauf erledigen,
noch Termine wahrnehmen oder Spaziergänge mit
ihrer
Tochter unternehmen. Sie gehe nie alleine ausser Haus.
Die Abklärungsperson kam
daher
zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin insgesamt mehr als zwei Stunden pro Woche auf die lebenspraktische Begleitung Dritter angewiesen sei (S. 2 ff.).
4.2
Am 2
9.
Januar 2009
bestätigte die Beschwerdegegnerin sowohl den Anspruch der Beschwerdeführerin auf die bisherige
Hilflosenentschädigung
leichten Gra
des als auch ihren Anspruch auf die bisherige ganze Invalidenrente
(vgl.
Urk.
8/99-100)
. Der
Beurteilung
lag
ein Bericht des
A._
vom 2
7.
November 2008 (
Urk.
8/96
/6-7
)
zugrunde, worin die
Ärzte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Panikstörung (ICD
10 F41.0), einen Verdacht auf ein
Segawa
-Syndrom sowie einen Verdacht auf einen Schreibkrampf (ICD-10 F48.8) a
ufführten
(S. 2
Ziff.
1.1). D
ie Beschwerdeführerin
sei daher langfristig in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeits
unfähig
. Sie sei wegen der Dystonie nicht in der Lage zu kochen
, zu bügeln, zu schreiben und könne der Tochter
auch
kaum die Schuhe binden oder
die
Nägel schneiden
. Zusätzlich leide die Beschwerdeführerin an einer deutlichen
Panik
störung
beim Verlassen des Hauses und sei auf die Begleitung ihrer Mutter angewiesen (S.
1
). Die Prognose sei insgesamt schlecht (S. 2
Ziff.
1.4).
Im Bei
blatt vom
1
8.
Dezember 2008
(
Urk.
8/97/3-5)
gab med.
pract
.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
A._
,
zudem
an, dass die Beschwerdeführerin für die Fortbewegung im Freien und die Pflege gesellschaftlicher Kontakte auf die Hilfe der Mutt
er angewiesen s
e
i
. Eine notwendige Hilfestellung in den übrigen Bereichen der alltäglichen Lebensverrichtungen verneinte sie
hingegen
(S. 1 f.). In Bezug auf die
lebens
praktische
Begleitung erachtete med.
pract
.
B._
eine Hilfeleistung in allen drei Teilbereichen als notwendig (S. 3).
5
.
5
.1
Seither sind die folgenden, wesentlichen Berichte zu den Akten genommen wor
den:
5
.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gab mit Bericht vom
7.
Mai 2014 (
Urk.
8/124) an, dass er die Beschwerdeführerin seit 2011 behandle (S. 1
Ziff.
1.2), und diagnostizier
t
e im Wesentlichen ein multifo
kales Dystonie-Syndrom sowie eine generelle Angststörung (S. 1
Ziff.
1.1). Die Prognose sei unklar (S. 2
Ziff.
1.4). Die Beschwerdeführerin sei nicht arbeitsfä
hig (S. 2
Ziff.
1.6, S. 4).
5
.3
Am 2
5.
August 2014
informierte die Abklärungsperson über die am Wohnort der Beschwerdeführerin
erfolgte Abklärung
(vgl.
Urk.
8/137)
, wobei nebst der Beschwerdeführerin auch deren Mutter anwesend gewesen sei. Die Beschwer
deführerin habe dabei erklärt, dass sie vermehrt unter den Zuckungen leide, wenn die Medikamente nicht gut eingestellt seien. Hiervon sei vor allem die linke Seite betroffen. Mit der linken Hand könne sie gar nichts mehr machen. Sie
verspüre
ein Taubheitsgefühl und
könne
die
Hand nicht mehr koordinieren
. Die aktuelle Medikation
löse
zudem Stimmungsschwankungen aus (S. 1). Die Mutter der Beschwerdeführerin
habe
sodann
an
gegeben
, dass die Zuckungen zeitweise stark seien und die Beschwerdeführerin diese nicht immer unter Kon
trolle habe. Zudem sei sie auch vergesslicher geworden
.
Die Abklärungsperson hielt
nachfolgend
fest, dass während des Abklärungsgesprächs keine Zuckungen aufgefallen seien und die Beschwerdeführerin ruhig
habe sitzen können
(S. 2).
Sodann führte d
ie Abklärungsperson aus, die Beschwerdeführerin
sei
weiterhin in allen sechs Bereichen der alltäglichen Le
bensverrichtungen selbständig
.
Auch benötige
sie
weiterhin keine dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe oder per
sönliche Überwachung (S. 2 f., S. 6).
Die Situation habe sich allerdings dahingehend geändert, dass die Beschwerde
führerin
nicht mehr
in einem so hohen Masse und in einer so intensiven Regel
mässigkeit auf
eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen sei.
D
ie Beschwer
de
führerin
habe
gegenüber der Abklärungsperson
weiterhin
bestätigt,
dass sie bei der Tagesstrukturierung keine Anleitung beim Erledigen der Arbeiten im Haushalt benötige.
Sie
habe
auch
angegeben,
dass sie mehrheitlich selbständig zu den Arzt- und Therapieterminen gehen könne und
nicht mehr ständig begleitet werden
müsse
. Grundsätzlich erledige vor allem die Mutter die Ein
käufe. Im Verhinderungsfall
der Mutter
müsse sie den Einkauf für einige Tage
selbst
übernehmen,
obwohl
sie
dies nicht gern
mache. Behördengänge kämen a
ktuell kaum
noch
vor. Gestützt auf diese Angaben
hielt die Abklärungsperson fest
, dass maximal 60 Minuten pro Woche für den Einkauf beziehungsweise die Begleitung bei aussergewöhnlichen Botengängen auf Amtsstellen und derglei
chen übernommen werden könnten. Die Beschwerdeführerin habe
sodann
wei
ter angegeben, dass
sie nie zu einem Coiffeur gehe. D
ie Haare
würden
zu Hause
geschnitten
. Die Medikamente erhalte sie direkt beim Arzt
, weshalb sie
diese nicht mehr in der
Apotheke
holen
müsse
. Die Abklärungsperson kam zum Schluss, dass
die Beschwerdeführerin hierbei
keine
lebenspraktische
Begleitung mehr benötige
.
Zur Freizeitgestaltung habe die Beschwerdeführerin
sodann
angegeben, dass sie im Sommer öfters mit ihrer Tochter
in den See schwimmen gehe.
Zudem habe sie eine Bekannte, mit welcher sie vor allem telefonischen Kontakt pflege und
teilweise
auch
etwas unternehme. So würden sie
beispiels
weise Einkaufen
oder
ins Kino
gehen. I
m Winter
seien sie Schlittschuh gelaufen
.
Die Abklärungsperson
rechnete
daher
für diesen
Bereich
keine lebenspraktische Begleitung mehr an
.
Die stattfindenden
Elterngespräche
und
Schulanlässe
nehme
die Beschwerdeführe
r
i
n
hingegen
nur in
Begleitung ihrer Mutter wahr
, wofür die Abklärungsperson 10.38 Minuten pro Woche berücksichtigte
. Zusammen
fassend hielt die Abklärungsperson fest, dass der Mindestansatz von mindestens zwei Stunden pro Woche für eine lebenspraktische Begleitung nicht mehr erfüllt und somit der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades nicht mehr ausgewiesen sei (S. 3 ff.).
5
.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt
mit Bericht vom
3.
November 2
014 (
Urk.
8/139/1-4) fest, die Beschwerdeführe
rin leide aufgrund des multifokalen Dystonie-Syndroms an einschiessenden unkoordinierten Zuckungen.
Es lägen keine Ressourcen für eine berufliche Tätigkeit vor. Die Beschwerdeführerin sei in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 1
Ziff.
1.2-1.3,
Ziff.
2.1).
Seit Beginn der Konsultationen im Februar 2012 sei
eine progrediente Ver
schlechterung festgestellt worden
(S. 3
Ziff.
3.3).
5
.5
Mit Schreiben vom 1
9.
November 2014 (
Urk.
8/145
=
Urk.
3/3
) informierte
Dr.
C._
darüber, dass die Beschwerdeführerin
täglich die gleiche Dosierung
des Medikaments
Temesta
zu sich nehme
. Sie erhöhe die Medikation, wenn sie d
ie Wohnung
verl
asse. Dadurch würden
auch die Angst- und
Panik
attacken
besser behandelt. Die Müdigkeit der Beschwerdeführerin sei eine Nebenwirkung des Medikaments.
Als Folge des multifokalen Dystonie-Syn
droms träten bei der Beschwerdeführerin unvermittelt Zuckungen auf, welche auch unter der Wirkung von
Temesta
vorlägen.
6
.
6
.1
Vorliegend ist
gestützt auf die Angaben im aktuellen Abklärungsbericht (vgl. vorstehend E. 5.3) nachvollziehbar
aufgeführt
und
auch
unbestritten, dass die
Beschwerdeführerin in sämtlichen alltäglichen Lebensverrichtungen (Anklei
den/Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Reinigung nach Verrichten der Notdurft, Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte) weiterhin selbständig und ohne regelmässige
Hilfe von Dritten zurechtkommt
(vgl.
Urk.
8/137 S. 2 f.
)
.
Ebenfalls unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin
für
Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung
nicht mehr auf eine derartige Dritthilfe angewiesen ist wie im Zeitpunkt der
Zusprache
der
Hilflosenentschädigung
.
So ist es ihr nun möglich, ihre Arztbesuche zu Fuss oder sogar mit der Bahn selb
ständig wahrzunehmen.
Beim behandelnden Psychiater finden denn auch gar keine regelmässigen Konsultationen mehr statt (
Urk.
8/139 S. 2
Ziff.
3.1).
Auch soziale Kontakte werden von ihr selbständig gepflegt. Sie
geht
mit ihrer Tochter im Sommer öfters
im
See schwimmen und unternimmt auch ab
und zu etwas mit einer Kollegin
, wie
beispielsweise Einkaufen
oder
Kino
besuche
sowie
im Winter Schlittschuhlaufen. Im Verhinderungsfall der Mutter kann sie
die Ein
käufe auch alleine
erledigen
. Für Besuche an der Schule
der
Tochter ist die Beschwerdeführerin allerdings weiterhin auf die Begleitung der Mutter ange
wiesen, da sich die Angst in einem fremden Umfeld verstärkt
(
Urk.
8/137 S.
4 ff.
)
. Die
Abklärungsperson
berücksichtigte hierfür
insgesamt
70.38
Minuten
pro Woche (
vgl.
Urk.
8/
137 S. 4, S. 6), womit die für die
Bejahung der Regelmässig
keit der lebenspraktischen Begleitung
erforderlichen zwei Stunden pro Woche nicht mehr erreicht werden.
6.2
Ein Bedarf an
lebenspraktischer
Begleitung liegt allerdings auch vor, wenn die versicherte Person ohne Dritthilfe nicht selbständig wohnen kann (vorst
ehend E.
1.3),
was
die
Beschwerdeführerin
vorliegend
aufgrund ihrer ebenfalls beste
henden körperlichen Beschwerden geltend macht
(vgl.
Urk.
1
S. 5
,
Urk.
15 S. 2 f.)
.
Die
Beschwerdegegnerin
stellte dies
unter Berücksichtigung der bestehenden Wohngemeinschaft und Schadenminderungspflicht aller Mitbewohner
in Abrede (
Urk.
7 S. 1 f.
).
Zur Notwendigkeit der Begleitung zur Ermöglichung des selbständigen Wohnens
gilt es vorab festzuhalten, dass die seit
1.
Januar 2015 geltende
Rz
8050.1 KSIH, wonach die Berücksichtigung des Haushaltes nur kumulativ zu einer Hilfe bei der Tagesstrukturierung oder der Unterstützung bei der Bewälti
gung von Alltagssituationen berücksichtigt werden k
ann
,
nicht mit der
gelten
den Rechtsprechung, wonach auch körperlich Behinderte Anspruch auf eine lebenspraktische Begleitung haben und sich die Begleitung zur Ermöglichung des selbständigen Wohnens auch auf die Haushaltsarbeiten erstreckt (BGE 133 V 450 E. 2.2.3, E. 9),
in Übereinstimmung zu bringen ist
. Da
Verwaltungswei
sungen
für Gerichtsinstanzen nicht verbindlich sind (vgl. BGE 123 V 70 E. 4a, 118 V 206 E. 4c), ist diese
Bestimmung
vorliegend nicht
zu beachten
.
6.
3
Dem Abklärungsbericht lässt sich
diesbezüglich
entnehmen, dass die Beschwer
de
führerin
bei der Tagesstrukturierung und der Bewältigung von
All
tags
situationen
selbständig und ohne regelmässige Hilfe von Dritten zurecht
kommt
.
So ist sie kognitiv in der Lage, den Haushalt zu organisieren
sowie
Arbeiten zu delegieren und benötigt keine Anleitung beim Erle
digen der Arbei
ten im Haushalt (
Urk.
8/137 S. 3).
Allerdings lässt der
aktuelle
Abklärungsbe
richt
die körperlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin bei der Beurteilung der Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begleitung vollständig ausser Acht.
So kann dem Bericht nicht entnommen werden, ob die Beschwerdeführerin ohne
Hilfe der Mutter im Stande wäre
,
den Haushalt selbständig zu führen.
Die Mutter der Beschwerdeführerin führte diesbezüglich aus, dass die Beschwerde
führerin vor allem Hilfe beim Kochen
benötige
,
dies
im Umgang
mit Flüssig
keiten und
beim
Hantieren mit Tellern und Pfannen sowie beim Rüsten. Zudem
könne sie die Geschirrspülmaschine nicht selbst
ändig
ein- und ausräumen
. A
uch beim Bügeln benötige sie Hilfe.
Allgemein könne die Beschwerdeführerin f
einmotorische
Tätigkeiten
nicht selber ausführen. Hingegen
seien
grobmotori
sche
Tätigkeiten wie das Staubsaugen oder das Putzen der Badewanne
möglich
(
Urk.
8/144 S. 1). Diese Aussage der Mutter wird gestützt durch den Bericht des
A._
aus dem Jahr 2008 (
vgl.
Urk.
8/9
6/6-7
S.
1
). Bei der aktuellen Beurteilung liegt diesbezüglich keine
ärztliche
Einschätzung vor, wobei
der behandelnde Psychiater
Dr.
D._
indessen
eine progrediente
Verschlechterung des multifokalen Dystonie-Syndroms
erwähnte
(
Urk.
8/139/1-
4 S. 3
Ziff.
3.3).
Dabei ist allerdings nicht ersichtlich, wer diese Verschlechte
rung
tatsächlich
attestiert hat, handelt es sich bei
Dr.
D._
doch um einen fach
fremden Mediziner.
6.
4
Die Beschwerdegegnerin bestritt die
von der Mutter der Beschwerdeführerin
geltend gemachten Hilfeleistunge
n im Haushalt zwar nicht, machte allerdings geltend, dass die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der bestehenden Wohngemeinschaft und Schadenminderungspflicht einen nicht unwesentlichen Anteil an die Haushaltsführung erbringe und
nicht
von einem zwingenden Heimeintritt bei Ausbleiben der Dritthilfe ausgegangen werden könne
(
Urk.
7 S.
2).
Dieser Ansicht kann indessen nicht
ohne weiteres
gefolgt werden.
So klärte die Beschwerdegegnerin den tatsächlichen Umfang der benötigen
Dritt
hilfe
gar nicht ab, weswegen auch nicht beurteilt werden kann, ob diese
r
die zum Erreichen der Regelmässigkeit und Erheblichkeit erforderlichen zwei Stun
den pro Wochen erreicht. Insbesondere ist die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben in den elementarsten Haushaltsarbeiten wie dem Kochen auf Dritthilfe angewiesen, so dass tatsächlich fraglich erscheint, ob ohne Dritthilfe nicht
zwingend ein Heimeintritt die Folge wäre. Dies gilt es vorerst abzuklären
und genau zu eruieren, welche Tätigkeiten die Beschwerdeführerin tatsächlich nicht mehr ausüben kann
.
Dabei auffallend ist allerdings, dass der Abklärungsperson während des gesamten Gesprächs keinerlei Zuckungen aufgefallen sind (
Urk.
8/137 S. 2). Auch erscheint es widersprüchlich, dass das Handling mit dem Messer beim Essen möglich
sein soll
,
d
ie
Beschwerdeführerin
beim Rüsten aller
dings
Hilfe benötigen würde
(
Urk.
8/137 S. 3 oben,
Urk.
8/144 S. 1).
Ferner kann die Beschwerdeführerin Verschlüsse bedienen und sich die Schuhe an- und ausziehen, was
die
Aussage der Mutter, dass die Beschwerdeführerin
fein
motorische
Tätigkeiten nicht selber ausführen
könne
(
Urk.
8/137 S. 2,
Urk.
8/144 S. 1)
, als zweifelhaft erscheinen lässt
.
Es gilt somit genau abzuklä
ren, was die Beschwerdeführerin tatsächlich nicht mehr selbständig ausüben kann.
Erst wenn der tatsächliche zeitliche Aufwand der Dritthilfe feststeht, kann auch beurteilt werden, ob
beim Ausbleiben der Dritthilfe ein Heimeintritt zwin
gend zu erfolgen hätte und ob
die Hilfeleistungen der Mutter über das hinaus
gehen, was ihr im Rahmen der Schadenminderungspf
licht zugemutet werden kann
. Diese Beurteilung erfolgt erst in einem zweiten Schritt
(vgl. hierzu vorste
hend E. 1.4)
.
6.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
die Beschwerdegegnerin keine Ab
klärun
gen darüber getätigt hat, auf welche Hilfeleistungen die Beschwerde
führerin aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen angewiesen ist und wie viel Zeit diese in Anspruch nehmen. Damit kann nicht abschliessend beurteilt werden,
ob die Beschwerdeführerin weiterhin auf eine lebenspraktische Beglei
tung von mindestens zwei Stunden pro Woche angewiesen ist und somit
-
nach Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht -
die
Hilflosenent
schädigung
leichten Grades weiterhin auszurichten wäre.
Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzenden Abklärungen über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
In diesem Sinne
ist die Beschwerde gutzu
heissen.
7
.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.--
anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden B
eschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
7.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
62
lit
.
g ATSG in Verbindung mit
§
34
des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungs
ge
richt
(
GSVGer
)
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim ab
1.
Januar 2015 praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
185.-- ist die
Proze
ss
entschädigung
vorliegend
auf
Fr.
2‘200.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) fest
zusetzen.