Decision ID: cadc9930-bded-5ee5-ae75-b429d95d4480
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 10. Februar 2020 in der Schweiz um
Asyl nach und wurde in der Folge dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Re-
gion B._ zugewiesen. Am 13. Februar 2020 bevollmächtigte er die
ihm zugewiesene Rechtsvertretung.
A.b Anlässlich der Personalienaufnahme (PA) vom 14. Februar 2020 und
den Anhörungen vom 27. Februar 2020 und 29. Mai 2020 führte er im We-
sentlichen aus, sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie christ-
lichen Glaubens zu sein und aus C._ (Distrikt D._, Nordpro-
vinz) zu stammen. Ab seinem (...) Lebensjahr habe er mit seinen (...) und
seiner (...) in E._ (Distrikt D._, Nordprovinz) gelebt. Sein
(...) habe Kleidung für die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) genäht
und sei deshalb nach Ende des Krieges inhaftiert worden. Mit der Unter-
stützung der TNA (Tamil National Alliance) sei er wieder freigekommen und
habe keine weiteren Probleme gehabt, weshalb er jene fortan unterstützt
habe. Als es seinem (...) aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mög-
lich gewesen sei, dieselbe zu unterstützen, habe die Partei von ihm erwar-
tet, an seiner Stelle teilzunehmen. So habe er im Jahr 2014 – im Alter von
(...) Jahren – begonnen, mit zwei Freunden namens F._ und
G._ an Protestaktionen der TNA teilzunehmen. Im Jahr 2015 hätten
sie aufgrund der Tötung eines Parteimitgliedes regierungskritische Plakate
geklebt und seien deshalb für drei Tage inhaftiert worden. Da er und seine
Freunde noch Schüler gewesen seien, sei es seinem (...) mit Hilfe der
Schulleitung gelungen, ihre Freilassung zu erlangen. Im Jahr 2016 hätten
sie erneut an einem Protest teilgenommen, da eine Kaderperson der TNA
(H._) festgenommen worden sei. Schliesslich seien er und seine
Freunde parteiintern aufgestiegen und im September 2017 nach I._
gereist, um sich dort – unter der Leitung des Jugendverantwortlichen der
TNA H._ – an der Organisation der nächsten Protestaktion für ver-
schollene LTTE-Mitglieder zu beteiligen. Dieselbe Funktion habe auch ein
Verwandter von ihm, J._, innegehabt beziehungsweise hätten sie
diesen in diesem Zusammenhang kennengelernt. Als er im Dezember
2017 an seinen Heimatort zurückgekehrt sei, hätten ihn Beamte des CID
(Criminal Investigation Department) ungefähr sechs Tage später bei seiner
Familie zu Hause festgenommen und an einen ihm unbekannten Ort be-
ziehungsweise in ein Waldstück in der Nähe von I._ gebracht. Dort
seien seine beiden Freunde bereits an Stühle gefesselt gewesen. Die CID-
Beamten hätten von ihnen den Aufenthaltsort von J._ wissen wollen
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und sie so lange geschlagen, bis einer von ihnen denselben verraten habe.
Im Januar 2018 seien sie nach vier beziehungsweise zehn Tagen wieder
freigelassen worden. Nach der Freilassung habe er zunächst seine wäh-
rend der Haft erlittene Armverletzung im Spital in D._ behandeln
lassen und sei danach bei seinem Onkel mütterlicherseits in K._
(Distrikt K._, Nordprovinz) untergetaucht. Währenddessen habe er
über die Medien erfahren, dass J._ getötet worden sei. Um dieselbe
Zeit hätten ihn Beamte des CID erneut bei seiner Familie zu Hause ge-
sucht. Aus Angst um sein Leben habe er Sri Lanka am 2. August 2018 auf
dem Luftweg verlassen. In der Folge habe er rund eineinhalb Jahre in
L._ gelebt, bis er im Januar 2020 in Richtung Europa weitergereist
sei. Nach seiner Ausreise aus Sri Lanka hätten sich die heimatlichen Be-
hörden bei seiner Familie insgesamt fünf Mal nach seinem Verbleib erkun-
digt.
A.c Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh-
rer seine sri-lankische Identitätskarte, seinen Schülerausweis (jeweils im
Original) sowie einen Artikel des Online-Nachrichtendienstes «TamilNet»
vom 23. Juli 2018 über die Inbrandsetzung des Bootes eines tamilischen
Aktivisten namens J._ zu den Akten.
B.
B.a Die zugewiesene Rechtsvertretung nahm zum Verfügungsentwurf des
SEM vom 9. Juni 2020 mit Schreiben vom 10. Juni 2020 Stellung.
B.b Darin führte sie im Wesentlichen aus, dass dem Gesuchsteller gemäss
bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung ein allfällig unlogisches
oder inkohärentes Verhalten des Verfolgers nicht negativ angelastet wer-
den könne (mit Hinweis auf das Urteil des BVGer D-2124/2014 und
D-4194/2015 vom 15. Januar 2016, E. 7.3). Er habe in der zweiten Anhö-
rung erläutert, dass J._ mit H._ verwandt gewesen sei und
dementsprechend über mehr Informationen verfügt habe. Der Gesuchstel-
ler habe damit gemeint, dass es für das CID vermutlich schwieriger gewe-
sen wäre, direkt H._ festzunehmen, da dieser eine höhere Position
innegehabt habe. Ferner könne ihm nicht vorgeworfen werden, dass er
nicht über die aktuelle Situation von H._ Bescheid wisse, wenn er
nach seiner Festnahme gar keinen Kontakt mehr zu diesem gepflegt habe
und bis zu seiner Ausreise untergetaucht sei. Betreffend den angeblichen
Widerspruch in Bezug auf J._ und dessen Verwandtschaft zum Ge-
suchsteller habe letzterer weiter darauf hingewiesen, J._ mit dem
Wort «Bruder» beschrieben zu haben, womit er gemeint habe, dass sie
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eng befreundet gewesen seien. Er könne sich dieses Missverständnis nur
so erklären, dass die Dolmetscherin aufgrund dieser Bezeichnung eine
Verwandtschaft angenommen habe. Ferner werfe das SEM dem Gesuch-
steller vor, sich in Widersprüche verstrickt zu haben. Der einzige Wider-
spruch, welcher vom SEM genannt werde, sei – wie soeben dargelegt –
höchstwahrscheinlich auf ein Missverständnis zurückzuführen. Gestützt
auf diesen einzigen Widerspruch könnten die Aussagen des Gesuchstel-
lers nicht allgemein als widersprüchlich gewertet werden. Des Weiteren
halte das SEM dem Gesuchsteller vor, seine Aussagen seien zu wenig
konkret und detailliert ausgefallen, wobei es sich um eine pauschale Be-
hauptung des SEM handle, welche im Verfügungsentwurf zu wenig be-
gründet werde. Nach dem Gesagten sei klar, dass die Argumentation des
SEM, welche sich mehrheitlich auf die angebliche Unplausibilität der Aus-
sagen des Gesuchstellers stütze, unhaltbar sei.
C.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 12. Juni 2020 stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
nete den Vollzug an. Weiter verfügte es die Aushändigung der editions-
pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis.
D.
Am 12. Juni 2020 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM die
Beendigung des Mandatsverhältnisses mit.
E.
Mit Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters vom 6. Juli 2020 (Datum des
Poststempels) erhob der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Ver-
fügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragte er,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur Neubeur-
teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei ihm Asyl zu ge-
währen oder jedenfalls die Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Subeven-
tualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses sowie um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als
amtlichen Rechtsbeistand.
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Der Beschwerde beigelegt waren – nebst einer Vollmacht vom 6. Juli 2020
und einer Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung desselben Datums – ein Po-
lizeirapport «Extract from the Information Book of M._ Police Sta-
tion» vom 4. Juli 2015, ein Schreiben „To Whom It May Concern“ des Par-
lamentsmitglieds N._ vom 25. Oktober 2017 (jeweils in Kopie und
inklusive englischer Übersetzung) sowie ein Austrittsbericht des
«O._ Base Hospital» vom 6. Januar 2018 (in englischer Sprache
und in Kopie).
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
7. Juli 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 COVID-19-
Verordnung Asyl und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters respektive einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne
Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.
Im Einzelnen hielt sie fest, seine Aussagen würden in wesentlichen Punk-
ten der allgemeinen Erfahrung und Logik des Handelns widersprechen.
Beispielsweise habe er nicht überzeugend zu erklären vermocht, weshalb
er und seine Freunde aus der Haft entlassen worden seien, nachdem einer
von ihnen den Aufenthaltsort von J._ preisgegeben habe. Dies
deute auf eine höhere Funktion J._ hin und sei mit der Angabe des
Beschwerdeführers nicht zu vereinbaren, dass er und seine Freunde eine
gleichgestellte Position innegehabt hätten. Ferner sei nicht nachvollzieh-
bar, warum H._ – einer der Anführer und seine direkte Kontaktper-
son bei der TNA – nach seiner Festnahme im Jahr 2016 gleich wieder frei-
gelassen worden sein solle. Es entbehre jeglicher Nachvollziehbarkeit,
dass das CID ihn und seine Freunde lebensbedrohlich verfolge, während
der Anführer und Verantwortliche H._ unbehelligt leben könne. Auf
entsprechende Nachfrage, warum man J._ geschädigt habe, aber
nicht H._, habe er lediglich erklärt, ab Oktober 2017 (recte: Januar
2018) versteckt gelebt zu haben.
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Des Weiteren habe er in der Erstbefragung deutlich zu verstehen gegeben,
dass er im Oktober 2017 nicht bei der Protestaktion in I._ dabei
gewesen sei, sondern diese lediglich organisiert habe. Auf entsprechende
Nachfrage in der Anhörung habe er ergänzt, dass er eine Beobachterfunk-
tion innegehabt habe. Er habe dafür sorgen müssen, dass den Protestie-
renden nichts zustosse und sei für die Lösung allfälliger Schwierigkeiten
zuständig gewesen. Durch diese Beschreibung habe er quasi eine Kader-
funktion geltend gemacht. Gleichzeitig habe er an anderen Stellen seine
Aussagen – beispielsweise seine Antwort, weshalb er den Ort seiner zwei-
ten Inhaftierung nicht nennen könne – dadurch relativiert, dass er und seine
Freunde «kleine Jungs» gewesen seien. Vor diesem Hintergrund sei auch
nicht nachvollziehbar, weshalb die TNA ausgerechnet eine Gruppe «kleiner
Jungs» für die Organisation bedeutender Proteste in I._ hätte en-
gagieren sollen. Sein Aussageverhalten vermittle den Eindruck, dass er ein
Profil geltend machen möchte, welches er in Realität nicht habe. Seine
Aussagen enthielten keinerlei Details und es fehle an realitätsnahen sowie
erlebnisgeprägten Schilderungen.
Ferner habe er sich bei seinen Erklärungsversuchen in weitere Widersprü-
che verstrickt. So habe er in der Anhörung beispielsweise ausgesagt, dass
H._ und J._ verwandt seien. In der Erstbefragung habe er
noch behauptet, dass J._ ein Verwandter von ihm sei. Auf diesen
Widerspruch angesprochen habe er erklärt, dass er und J._ «eng
befreundet» gewesen seien, etwas anderes habe er nicht gesagt, was als
Erklärungsversuch nicht zu überzeugen vermöge.
Zur Stellungnahme zum Verfügungsentwurf sei schliesslich festzuhalten,
dass damit keine neuen Tatsachen oder Beweismittel vorgelegt worden
seien, welche eine Änderung des dargelegten Standpunktes rechtfertigten
könnten. Diesbezüglich werde auf die oben genannten Erwägungen ver-
wiesen.
5.2 Dem hält der Beschwerdeführer in der Rechtsmittelschrift entgegen,
ihm sei es in der Zwischenzeit gelungen, weitere Beweismittel erhältlich zu
machen, welche seine Fluchtgeschichte untermauern würden. Die bislang
in Kopie eingereichten Beweismittel würden belegen, dass er Mitglied der
TNA sei und als solches an Demonstrationen teilgenommen habe, vom
4. Juli 2015 bis 6. Juli 2015 in Haft gewesen sei und sich im Januar 2018
mit einer Kopfverletzung ins Spital begeben habe. Die Originaldokumente
würden in den nächsten Wochen erwartet. Aufgrund dessen, dass er in-
folge seines politischen Engagements für die TNA inhaftiert und gefoltert
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worden sei, verfüge er über ein Risikoprofil. Demnach sei davon auszuge-
hen, dass er im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka erneut ins Visier der
heimatlichen Behörden geraten würde. Sodann habe sich die politische Si-
tuation für die tamilische Minderheit mit den Wahlen im November 2019
innert kürzester Zeit verschärft, was die Vorinstanz unberücksichtigt gelas-
sen habe. Dasselbe gelte für die Entführung einer Angestellten der Schwei-
zer Botschaft in Colombo durch Unbekannte. Die Schweiz sei damit in eine
spezielle Rolle gedrängt worden, was nicht unterschätzt werden dürfe.
6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer wirft der
Vorinstanz eine Verletzung der Begründungspflicht (respektive allgemein
des Anspruchs auf rechtliches Gehör) vor.
6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle
form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klä-
rung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid
gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentli-
chen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen
und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die
Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184
E. 2.2.1).
6.3 Zunächst rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe die Stellung-
nahme zum Verfügungsentwurf in der angefochtenen Verfügung nicht aus-
reichend gewürdigt. Sie habe zwar festgehalten, dass die bemängelten Un-
glaubhaftigkeitsmerkmale in der Stellungnahme erläutert worden seien, in
der Folge aber lediglich festgestellt, es seien keine neuen Tatsachen oder
Beweismittel vorgelegt worden, welche eine Änderung ihres Standpunktes
rechtfertigten könnten.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Angesichts der Tatsache, dass sich die Stellungnahme zum Verfügungs-
entwurf einzig in oberflächlichen Erklärungsversuchen zu den bereits als
nicht glaubhaft gewürdigten Vorbringen erschöpfte, war die Vorinstanz
nicht gehalten, sie einer umfassenden Würdigung zu unterziehen. In die-
sem Zusammenhang ist festzuhalten, dass sich die verfügende Behörde
nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem recht-
lichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentli-
chen Gesichtspunkte beschränken darf (BGE 143 III 65 E. 5.2). Alleine der
Umstand, dass die Vorinstanz nach Würdigung der Parteivorbringen zu ei-
nem anderen Schluss als der Beschwerdeführer kommt, stellt keine Verlet-
zung der Begründungspflicht respektive des Anspruches auf rechtliches
Gehör dar, sondern beschlägt die Frage der materiellen Würdigung. Diese
Rüge ist unbegründet.
6.4 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Vorinstanz verweise
in der angefochtenen Verfügung unter Ziff. II (Glaubhaftigkeitsprüfung) je-
weils pauschal auf ganze Seiten der Protokolle. Erfolge die Ablehnung ei-
nes Asylgesuches allein gestützt auf eine Glaubhaftigkeitsprüfung, sei die
Vorinstanz gehalten, unter genauer Angabe der konkreten Fragen und Ant-
worten anzugeben, wo sich Unklarheiten und Ungereimtheiten ergeben
hätten. Der Verweis auf ganze Seiten reiche für eine rechtsgenügliche Be-
gründung nicht aus. Es sei vorliegend nicht möglich, auf die einzelnen
«Vorwürfe» der Vorinstanz einzugehen, weil unklar sei, auf welche seiner
Aussagen sich diese beziehen würden.
Es trifft zwar zu, dass eine genauere Angabe der jeweiligen Belegstelle in
der angefochtenen Verfügung zu begrüssen wäre. Die Vorinstanz hat indes
die Überlegungen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt, in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und hin-
reichend differenziert aufgezeigt (vgl. Verfügung des SEM vom 12. Juni
2020, Ziff. II). Eine sachgerechte Anfechtung war denn auch möglich, wie
die vorliegende Beschwerde zeigt. Es liegt keine Verletzung der Begrün-
dungspflicht respektive des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor.
6.5 Schliesslich moniert der Beschwerdeführer, die Anhörung habe unter
«fraglichen Bedingungen» stattgefunden, was die Vorinstanz unberück-
sichtigt gelassen habe. Die Vorinstanz gehe in der angefochtenen Verfü-
gung fälschlicherweise davon aus, dass er am 27. Februar 2020 summa-
risch zu seiner Person befragt und am 29. Mai 2020 vertieft zu seinen Asyl-
gründen angehört worden sei. Zutreffend sei aber, dass er am 14. Februar
2020 summarisch zu seiner Person befragt worden sei und es sich bei den
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Befragungen vom 27. Februar 2020 und 29. Mai 2020 um ein- und dieselbe
vertiefte Anhörung zu den Asylgründen gehandelt habe, welche überdies
durch zwei verschiedene Sachbearbeiter und in einem zeitlichen Abstand
von drei Monaten durchgeführt worden sei.
Dem Beschwerdeführer ist zwar darin zuzustimmen, dass es sich bei der
Befragung vom 27. Februar 2020 nicht um eine summarische Befragung
zur Person, sondern um eine Befragung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG bezie-
hungsweise um eine Anhörung nach Art. 29 AsylG zu den Asylgründen ge-
handelt hat, was in der angefochtenen Verfügung unter Ziff. I unzutreffend
festgehalten worden ist (vgl. Verfügung des SEM vom 12. Juni 2020,
Ziff. I). Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Ansicht handelt
es sich bei der Anhörung vom 29. Mai 2020 aber nicht um eine Weiterfüh-
rung der ersten, sondern um eine neu angesetzte zweite ergänzende An-
hörung. Der Zeitraum von drei Monaten zwischen diesen Anhörungen be-
deutet – wie auch der Umstand, dass dieselben nicht vom gleichen Sach-
bearbeiter durchgeführt worden sind – jedenfalls keine Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör (vgl. statt vieler Urteil des BVGer
D-2799/2018 vom 25. Juni 2019 E. 6.2).
6.6 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der diesbezügliche Antrag ist abzuweisen.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten so-
dann in materieller Hinsicht zum Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Er-
wägungen zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers genügten den Anforderungen an das Glaubhaftmachen im Sinne von
Art. 7 AsylG nicht. Auf die betreffenden Ausführungen in der angefochtenen
Verfügung (vgl. die Zusammenfassung der entsprechenden Erwägungen
in E. 5.1 des vorliegenden Urteils) kann mit den nachfolgenden Ergänzun-
gen verwiesen werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene und die
eingereichten Beweismittel vermögen zu keiner anderen Betrachtungs-
weise zu führen.
7.2 Zunächst ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten, dass
die Schilderungen des Beschwerdeführers zu seiner politischen Tätigkeit
für die TNA – dem Auslöser für seine geltend gemachten Probleme – sehr
allgemein und oberflächlich und ohne markante Details ausgefallen sind.
Dies gilt in erster Linie für die im Zentrum stehende Protestaktion vom
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10. Oktober 2017 in I._. Auch auf (mehrmalige) Nachfrage ver-
mochte er seine Ausführungen nicht zu präzisieren (vgl. A16/23 F115,
F118-128; A19/17 F33-40, F78-85). An dieser Einschätzung vermag auch
das ins Recht gelegte Schreiben «To Whom It May Concern» des Parla-
mentsmitglieds N._ vom 25. Oktober 2017, wonach der Beschwer-
deführer seit dem 5. März 2015 ein aktives Mitglied der TNA sei, an ver-
schiedenen Demonstrationen teilgenommen und schliesslich die Demonst-
ration am 10. Oktober 2017 in I._ geleitet habe, nichts zu ändern.
Angesichts der unterschiedlichen Praxis bei der Ausstellung eines solchen
Dokuments kann nicht schlüssig verifiziert werden, ob das Schriftstück tat-
sächlich von der besagten Person stammt, weshalb ihm kein hoher Be-
weiswert zukommt. Zudem handelt es sich bei einem solchen Schriftstück
erfahrungsgemäss um ein Gefälligkeitsschreiben.
Auch was die geltend gemachten Inhaftierungen in den Jahren 2015 und
2017 sowie den Spitalaufenthalt im Januar 2018 betrifft, sind die Ausfüh-
rungen des Beschwerdeführers vage, detailarm und widersprüchlich aus-
gefallen (vgl. A16/23 F129-141, F160, F170-171, F188-189; A19/17
F57-63, F67). An dieser Einschätzung vermag weder der Polizeirapport
«Extract from the Information Book of M._ Police Station» vom
4. Juli 2015, noch der Austrittsbericht des «O._ Base Hospital» be-
treffend die Behandlung einer Kopfverletzung vom 6. Januar 2018 etwas
zu ändern. Hinsichtlich des eingereichten Polizeirapports ist festzuhalten,
dass diesem angesichts der leichten Käuflichkeit und Fälschbarkeit solcher
Dokumente nur ein beschränkter Beweiswert zukommt. Zudem stimmt das
Beweismittel auch inhaltlich nicht mit den vom Beschwerdeführer im Asyl-
verfahren zu Protokoll gegebenen Angaben überein. Gemäss Polizeirap-
port soll der Beschwerdeführer auf der Buslinie von I._ nach
D._ festgenommen und in einer Zelle der Polizeistation in
M._ festgehalten worden sein. In der ersten Anhörung hat der Be-
schwerdeführer hingegen angegeben, in der Nähe eines Sportplatzes ver-
haftet und im Gefängnis von D._ inhaftiert gewesen zu sein (vgl.
A16/23 F160). In Bezug auf den Arztbericht ist sodann festzuhalten, dass
ein solcher lediglich einen medizinischen Befund geben kann, jedoch nicht
die Situation zu belegen vermag, anlässlich derer die Verletzungen ent-
standen sind. Ausserdem zeigt auch dieses Beweismittel weitere Unge-
reimtheiten auf, hat der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren
doch zu Protokoll gegeben, das Spital aufgrund einer Arm- und nicht etwa
einer Kopfverletzung aufgesucht zu haben und diesbezüglich über keine
Unterlagen zu verfügen (vgl. A16/23 F129, F134).
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Weiter spricht es gegen ein konkretes Verfolgungsinteresse seitens des
sri-lankischen Staates, dass sich der Beschwerdeführer trotz angeblicher
Behelligungen durch das CID im Juni 2018 einen Reisepass ausstellen las-
sen konnte (vgl. A16/23 F111-112, F152-156, F183). Im Übrigen ist darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer angegeben hat, dass seine Fa-
milienangehörigen keine Benachteiligungen erlitten hätten (vgl. A16/23
F194). Hätten die sri-lankischen Behörden tatsächlich ein Interesse an dem
Beschwerdeführer, wäre zu erwarten, dass die behördliche Suche nach
ihm intensiver ausgefallen wäre.
Zusammenfassend ist angesichts dieser zahlreichen Widersprüche und
Ungereimtheiten festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht ge-
lingt, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka bestehende oder dro-
hende asylrechtlich relevante Gefährdung glaubhaft zu machen. Auf das
Abwarten der in Aussicht gestellten Originaldokumente kann somit verzich-
tet werden.
7.3 Schliesslich ergibt sich – entgegen der auf Beschwerdeebene vertrete-
nen Ansicht – auch unter Berücksichtigung allfälliger Risikofaktoren im Hin-
blick auf die Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Ge-
fährdung beziehungsweise eine im heutigen Zeitpunkt begründete Furcht
vor künftiger Verfolgung (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert], E. 8.4). Wie
soeben dargelegt, konnte der Beschwerdeführer keine asylrelevante Ver-
folgung vor seiner Ausreise glaubhaft machen. Sodann haben die weit zu-
rückliegenden Hilfstätigkeiten seines (...) zugunsten der LTTE offensicht-
lich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden an sei-
ner Person ausgelöst (vgl. A16/23 F174-177). Des Weiteren gab der Be-
schwerdeführer nicht an, er sei einer Straftat angeklagt oder gar verurteilt
worden oder verfüge über einen Strafeintrag. Aus den Akten sind ferner
keine exilpolitischen Tätigkeiten ersichtlich und solche werden auch nicht
geltend gemacht. Alleine aus der tamilischen Ethnie, einer Narbe (...) (vgl.
A16/23 F129) und der nunmehr zweijährigen Landesabwesenheit kann er
keine Gefährdung seiner Person ableiten.
7.4 An dieser Einschätzung ändern – entgegen den Beschwerdevorbrin-
gen – sodann weder der Regierungswechsel vom 16. November 2019
noch die Mitte Dezember 2019 erfolgte Verhaftung einer sri-lankischen Mit-
arbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Colombo etwas, da diesbezüg-
lich kein individueller Bezug zum Beschwerdeführer ersichtlich ist.
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Seite 13
Hinsichtlich des Machtwechsels vom 16. November 2019 gilt festzuhalten:
Gotabaya Rajapaksa wurde zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt
(vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan
an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/
2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-premadas-count-
continues, abgerufen am 16. Juli 2020). Er war unter seinem älteren Bru-
der, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis
2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär und wurde angeklagt, zahl-
reiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten
begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechts-
verletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet
die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri
Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei-
nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder,
Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-
hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett
zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl.
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-
brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/,
abgerufen am 16. Juli 2020). Beobachter und ethnische/religiöse Minder-
heiten befürchten verstärkte Repression und die vermehrte Überwachung
von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und
Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie
bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durch-
aus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage für Perso-
nen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszugehen (vgl. Referenzur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW,
Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Zum heuti-
gen Zeitpunkt gibt es aber keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht.
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Im vorliegenden Fall sind den Akten keine Hinweise auf eine Verschärfung
der persönlichen Situation des Beschwerdeführers aufgrund dieser Ereig-
nisse zu entnehmen. Die Anforderungen an die Annahme einer begründe-
ten Verfolgungsfurcht sind somit nicht gegeben.
7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nichts
vorgebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzu-
weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asyl-
gesuch daher zu Recht abgelehnt.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung
wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist – wie
von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche
Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5
AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich viel-
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mehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestim-
mungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-
ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-
rigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Gemäss
Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien,
Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich allein lässt
den Wegweisungsvollzug nach konstanter Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts nicht als unzulässig erscheinen. Der EGMR hatte sich
wiederholt mit der Gefährdungssituation für Tamilen auseinandergesetzt,
die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen
(vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-
schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen
Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K.
gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08;
N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde
Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller
Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine un-
menschliche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung,
ob Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung ihrer Festnahme und
Befragung vorbringen können, verschiedene Aspekte beziehungsweise
persönliche Risikofaktoren in Betracht gezogen werden (vgl. EGMR, T.N.
gegen Dänemark, a.a.O., § 94; EGMR, E.G. gegen Grossbritannien,
a.a.O., § 13 und 69 sowie das bereits erwähnte Referenzurteil des Bun-
desverwaltungsgerichts E-1866/2015).
Nachdem der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, dass er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka befürchten müsste, die Aufmerksamkeit der sri-
lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf
sich zu ziehen (vgl. E. 7), bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm
würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung in
seinem Heimatstaat drohen. Daran vermögen der Regierungswechsel vom
November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu
ändern.
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Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ebenfalls
zu Recht bejaht. Ihre Schlussfolgerungen sind – obwohl sie sich teilweise
nicht auf die aktuelle Rechtsprechung stützen – im Ergebnis nicht zu be-
anstanden. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung
und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri
Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies auch unter
Berücksichtigung der dortigen aktuellen Ereignisse (vgl. dazu statt vieler
Urteil BVGer E-2271/2020 vom 7. Juli 2020 E. 8.3.1). Gemäss nach wie
vor gültiger Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Ost- und
Nordprovinz weiterhin zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zu-
mutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären o-
der sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Ein-
kommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann.
Der Beschwerdeführer lebte seinen Angaben zufolge (mit Ausnahme sei-
nes Aufenthaltes in K._) seit seiner frühen Kindheit in E._
(Distrikt D._ [Nordprovinz]; vgl. A16/23 F16-21). Ein Vollzug in diese
Provinz ist im Lichte der Rechtsprechung grundsätzlich zumutbar. Im vor-
liegenden Fall sprechen sodann – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
– keine individuellen Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug. Beim Be-
schwerdeführer handelt es sich um einen jungen, gesunden Mann (vgl.
A12/1; A16/23 F5; A19/17 F5) mit langjähriger Schulbildung und ersten Be-
rufserfahrungen als (...) (vgl. A16/23 F50, F56-59). Des Weiteren verfügt
er in Sri Lanka mit seiner Familie (...) über ein tragfähiges Beziehungsnetz
(vgl. A16/23 F15, F31, F33), auf dessen Hilfe er bereits zurückgreifen
konnte und – sofern notwendig – bei einer Reintegration zurückgreifen
kann. Besondere Umstände, aufgrund derer von einer Existenzbedrohung
ausgegangen werden müsste, sind vorliegend keine ersichtlich. Nach dem
Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.
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9.4 Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer über eine sri-lankische Iden-
titätskarte und es obliegt ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Hei-
matstaates die für eine Rückkehr weiteren notwendigen Reisedokumente
zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34
E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-
nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes
(Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 102m Abs. 1 Bst. a i.V.m. Abs. 4 AsylG).
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren
als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllen-
den Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb die Gesuche ungeachtet
der ausgewiesenen Mittellosigkeit abzuweisen sind.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses
ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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