Decision ID: 62b98fed-caac-42ef-a67d-8cf2044353bd
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im August 2016 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 5). Er
gab an, er habe eine Berufslehre als B._ absolviert. Am 16. September 2016
berichtete Dr. med. C._ (IV-act. 15), Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH,
der Versicherte habe 2008 einen Zeckenstich erlitten. Danach sei es zu generalisierten
Gelenkbeschwerden gekommen. Der Versicherte habe über Fingergelenks-,
Handgelenks-, Kniegelenks- und Ellbogengelenksschmerzen beidseits geklagt. Zum
Teil, vor allem bei Anstrengung oder körperlicher Tätigkeit, sei eine Schwellung der
Gelenke aufgetreten. Eine körperliche Tätigkeit sei daher weitgehend ausgeschlossen;
dem Versicherten sei es am ehesten möglich, eine beratende, vorwiegend geistige
bzw. intellektuelle Tätigkeit auszuführen. Am 19. Oktober 2016 berichtete Dr. med.
D._ (IV-act. 24-2), Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, er habe beim
Versicherten am 20. Juni 2016 eine Kniearthroskopie links mit medialer
Teilmeniskektomie vorgenommen; der Versicherte sei ab dem 26. September 2016
wieder voll arbeitsfähig. Am 1. November 2016 gab Dr. med. E._ (IV-act. 26),
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, an, der Versicherte leide an
unspezifischen Arthralgien und Periarthralgien (DD: degenerativ, Gicht-Arthropathie)
und an einem Status nach lang anhaltendem Immunkontakt mit Borrelia burgdorferi.
Für die letzte Tätigkeit als Servicemonteur/-techniker bestehe eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Bereits am 21. Januar 2016 hatte Dr. E._ gegenüber Dr. C._
berichtet (IV-act. 26-7), bezüglich Borrelia burgdorferi, d.h. gegenüber der IgG-
Antikörpertiter, habe sich gegenüber der Voruntersuchung kein signifikant
unterschiedliches Resultat ergeben. Damit könne mit Eindeutigkeit eine
durchgemachte oder noch floride Lyme-Borreliose im Stadium II oder III als Ursache
der Beschwerden ausgeschlossen werden. Der serologische Befund sei damit als
"Narbe" ohne Krankheitswert zu interpretieren. Am 23. Dezember 2015 hatte Dr. D._
berichtet (IV-act. 30-6), dass bereits am 14. Dezember 2015 eine Kniearthroskopie links
A.a.
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B.
mit medialer Teilmeniskektomie vorgenommen worden sei. Am 21. Januar 2016 hatte
er festgehalten (IV-act. 30-12), der Versicherte habe anlässlich der Untersuchung vom
13. Januar 2016 weiterhin Schmerzen von Seiten einer Plica mediopatellaris
angegeben. Die Arbeitsunfähigkeit betrage nach wie vor 100%. Am 4. Januar 2017
notierte die RAD-Ärztin Dr. med. F._ (IV-act. 35), die Arbeitsfähigkeit als
Servicetechniker betrage 80% mit Steigerungspotential.
Mit einer Verfügung vom 2. März 2017 wies die IV-Stelle das Begehren um
berufliche Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 39). Mit einem Vorbescheid vom 1.
Juni 2017 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des
Rentenbegehrens an bei einem IV-Grad von 17% (IV-act. 44). Sie führte aus, dass für
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, ohne häufig oder über längere Zeit
einzunehmende Zwangshaltungen eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Am 17. Juli 2017
verfügte sie wie angekündigt (IV-act. 46). Die Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
A.b.
Am 18. Oktober 2018 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 55). Er gab an, an Schwindel, Depression und körperlichen
Beschwerden (Knie, Arme, Hände) zu leiden; dies sei auf einen Zeckenstich
zurückzuführen. Am 14. November 2018 berichtete die letzte Arbeitgeberin (IV-act. 59),
der Versicherte sei vom 1. Juni 2017 bis zum 31. Mai 2018 bei ihr als
Aussendienstmitarbeiter tätig gewesen und habe ein monatliches Einkommen von Fr.
6'000.-- erzielt. Ihm sei wegen zu vielen Krankheitstagen gekündigt worden. Dr. E._
gab am 26. November 2018 unveränderte Diagnosen an (IV-act. 62). Der Versicherte
sei seit dem 1. November 2016 als Servicemonteur voll arbeitsunfähig. Am 15. Januar
2019 berichtete Dr. C._ (IV-act. 68), der Versicherte leide neu an einer Depression
und an multiplen degenerativen Veränderungen (Arthrosen). Am 7. Januar 2019
berichtete Dr. med. G._ (IV-act. 71), Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, sie habe beim Versicherten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit erhoben: Mittelgradige depressive Episode (2018) und chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (2018). Die RAD-Ärztin Dr.
F._ notierte am 11. Februar 2019 (IV-act. 72), der Versicherte sei in adaptierten
B.a.
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Tätigkeiten mindestens 50% arbeitsfähig. Sie nannte folgende Adaptionskriterien:
Körperlich leicht, wechselbelastend, keine Zwangshaltungen der Wirbelsäule,
regelmässige Pausen, kein hoher Zeit- oder Erfolgsdruck. Der
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 16. April 2019 (IV-act. 77), der
Versicherte habe seine enormen Einschränkungen (Energielosigkeit, Schmerzen beim
Sitzen und Gehen, Schmerzen in den Schultern und Händen, Einschränkungen in allen
Aufgaben zu Hause, etc.) detailliert geschildert. Diese Einschränkungen seien jedoch
während des Gesprächs nicht sicht- oder spürbar gewesen. Der Versicherte habe
energievoll von seinem Leben erzählt und nicht wirklich niedergeschlagen gewirkt.
Auch körperliche Einschränkungen seien nicht sichtbar gewesen. Obwohl er erwähnt
habe, während des Gesprächs enorme Schmerzen im Sitzen zu haben, habe er die
Sitzposition ruhig gehalten und sei während einer Stunde nie aufgestanden.
Mit einer Mitteilung vom 17. April 2019 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch des
Versicherten auf berufliche Massnahmen (IV-act. 80).
B.b.
Am 20. August 2019 gab Dr. E._ an, das Beschwerdebild sei unverändert (IV-
act. 89). Dr. G._ berichtete am 9. September 2019 von gleichgebliebenen Diagnosen
(IV-act. 91). Sie führte aus, die depressive Symptomatik habe sich im Verlauf als
rückläufig gezeigt. Der Versicherte habe aber weiterhin über Schmerzen (insb.
Gelenkschmerzen) und eine rezidivierende Übelkeit geklagt. Der Versicherte könne
nicht zu 100% arbeiten; eine Teilzeitstelle, bei welcher eine flexible Arbeitszeiteinteilung
möglich sei, sei ihm aber zu 40% zumutbar.
B.c.
Am 24. Dezember 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 95), zur
Klärung der Leistungsansprüche erachte sie eine umfassende medizinische
Untersuchung (Allgemeine Innere Medizin, Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit [EFL], Psychiatrie und Rheumatologie) als notwendig. Am 4. August
2020 erstattete die SMAB AG St.Gallen (nachfolgend: SMAB) ihr interdisziplinäres
Gutachten (IV-act. 112). Die Sachverständigen gaben keine Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit an. Folgende Diagnosen, denen sie keine Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit zuschrieben, wurden von den Sachverständigen erhoben:
Alkoholabusus, Polyarthralgien ohne somatisches Korrelat, Status nach
Kniearthroskopie links wegen Meniskusläsion 12/2015 und 06/2016, Status nach
B.d.
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Zeckenbiss mit positiver Borrelien-Serologie (ohne Hinweise auf eine fortgeschrittene
Borrelienerkrankung), Status nach Refluxösophagitis bei Hiatushernie 2015
(regelmässige PPI-Einnahme), substituierte Hypothyreose und Nikotinabusus (über 30
py). Die Sachverständigen gaben an, sowohl in der bisherigen Tätigkeit als auch in
einer leidensangepassten Tätigkeit habe zu keinem Zeitpunkt eine länger andauernde
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden. Der psychiatrische Sachverständige
führte in seinem Teilgutachten aus, die Suchterkrankung habe keine Einschränkung im
Aktivitätenniveau zur Folge; solche seien vom Versicherten auch nicht angegeben
worden. Weiter habe der Versicherte, wie dies auch der Eingliederungsverantwortliche
am 11. April 2019 bemerkt habe (vgl. IV-act. 77), über Beschwerden berichtet, ohne
dass diese während des Gesprächs sicht- oder spürbar gewesen wären. Eine
Zuordnung dieser Diskrepanz sei aus psychiatrischer Sicht nicht möglich. Hinweise auf
eine somatoforme Genese der multilokulären Gelenkbeschwerden lägen nicht vor. Der
Hausarzt habe am 6. April 2018 von einer Erschöpfungsdepression gesprochen. Die
behandelnde Psychiaterin habe in ihrem Bericht vom 7. Januar 2019 eine mittelgradige
depressive Episode genannt; ausserdem habe sie eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren zugrundegelegt. Diese Diagnosen habe sie
auch am 9. September 2019 wieder erwähnt. Die Therapie sei dann aber zwei Monate
später eingestellt worden. Eine längere psychopharmakologische Behandlung habe
nicht stattgefunden, eine zwischenzeitliche antidepressive Medikation sei wegen
Unverträglichkeit abgesetzt worden. Somit sei fraglich, ob das seinerzeitige depressive
Syndrom tatsächlich die Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode erfüllt
habe. Zumindest müsse die in den Unterlagen angegebene Dauer bezweifelt werden.
Eine punktuelle Terminierung der Entwicklung einer allfälligen Depression lasse sich
aber anamnestisch anhand der Aktenunterlagen nicht realisieren. Möglicherweise habe
für einige Monate, höchstens ein Jahr, eine Depression bestanden. Die Diagnose einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren könne nach
der aktuellen Exploration nicht bestätigt werden, da dafür somatisch erklärbare
Schmerzen vorliegen müssten, bei denen psychische Faktoren die Wahrnehmung und
Aufrechterhaltung der Beschwerden ungünstig beeinflussen würden. Dies sei hier nicht
der Fall. Aus psychiatrischer Sicht sei daher keine Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Für
einen Zeitraum von etwa 04/2018 bis 04/2019 könnte eine mittelgradige depressive
Episode angenommen werden (eine punktuelle Terminierung der Entwicklung einer
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solchen allfälligen Diagnose sei nicht möglich); dabei sei von einer Arbeitsunfähigkeit in
einer Grössenordnung von 30% auszugehen. Für den Versicherten seien Tätigkeiten in
der Personenbeförderung und andere Tätigkeiten mit besonderem Anspruch an die
Fahrtauglichkeit (z.B. häufiges/langes Fahren) oder mit leichtem Zugang zu
alkoholischen Getränken (zum Beispiel Gastronomie) nicht geeignet. Der
rheumatologischer Sachverständige gab an, es hätten sich erhebliche Inkonsistenzen
ergeben; die geschilderten Beschwerden seien wenig plausibel gewesen. So habe der
Versicherte trotz der heftig beklagten Schmerzen während einer Dreiviertelstunde
locker dem Sachverständigen gegenüber gesessen. Seine Bewegungen seien flüssig
und unbehindert gewesen. Bei der klinischen Untersuchung und den
Funktionsprüfungen am Bewegungsapparat seien keine Schmerzen provoziert worden.
Dazu habe der Versicherte angegeben, die Schmerzen seien einfach immer da. Eine
relevante Einschränkung im geschilderten Alltagsleben sei nicht erkennbar. Immerhin
sei der Versicherte fähig, mit seinem Hund rund eine Dreiviertelstunde zu spazieren,
den eigenen Haushalt zu besorgen und Auto zu fahren. Der Versicherte habe die
Schmerzen kaum beschreiben können; die Angaben seien diffus und vage geblieben.
In diesem Kontext sei die durch Dr. E._ erfolgte Krankschreibung nicht
nachvollziehbar. Aus rheumatologischer Sicht seien keine Hinweise auf eine
Einschränkung der medizinischen Leistungsfähigkeit vorhanden. Die RAD-Ärztin Dr.
F._ notierte am 7. August 2020 sinngemäss (IV-act. 113), auf das SMAB-Gutachten
könne abgestellt werden.
Mit einem Vorbescheid vom 7. August 2020 kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 116). Am 19. September
2020 erhob der Versicherte Einwand gegen den Vorbescheid vom 7. August 2020 (IV-
act. 122). Zur Begründung gab er an, dass er mit dem Entscheid nicht einverstanden
sei. Aufgrund eines Zeckenbisses im Jahr 2009 habe er eine Borrelieninfektion erlitten,
welche diverse Beschwerden (Übelkeit, Gelenkschmerzen, Herzbeutelentzündung etc.)
mit sich gebracht habe. Aufgrund von vielen Absenzen habe er seine letzten
Arbeitsstellen verloren. Vor dem Zeckenbiss sei er kerngesund gewesen. Jetzt sei er
physisch und psychisch am Ende, was sich auch im Alkohol- und Drogenmissbrauch
niederschlage. Er verlange daher bessere Abklärungen durch die IV-Stelle und
(sinngemäss) eine Invalidenrente ("Aufkommen für den körperlichen Schaden"). Am 30.
B.e.
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C.
September 2020 verfügte die IV-Stelle auf der Grundlage eines IV-Grades von 0% die
Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 123). Sie begründete dies damit, dass der
Versicherte gemäss ihren Abklärungen in der angestammten Tätigkeit als
Aussendienstmitarbeiter wie auch für jede leidensangepasste Tätigkeit eine volle
Arbeitsfähigkeit aufweise.
Am 29. Oktober 2020 erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
vom 30. September 2020 (act. G 1). Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der
Verfügung, die Neubeurteilung seines Gesundheitszustandes, die Zusprache von
beruflichen Eingliederungsmassnahmen und die Zusprache einer Invalidenrente (vom
Beschwerdeführer als "Lösungen" angegeben). Zur Begründung führte er aus, sein
angestammter Beruf sei nicht Aussendienstmitarbeiter, sondern B._. Weiter gab er
an, an Fibromyalgie zu leiden; als Folge dieser Krankheit könne er keinerlei Leistung
erbringen.
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte
sie aus, der Beschwerdeführer sehe sich aus gesundheitlichen Gründen nicht in der
Lage, regelmässig einer Arbeit nachzugehen; unter diesen Voraussetzungen seien
berufliche Massnahmen nicht angezeigt. Dies sei dem Beschwerdeführer mitgeteilt
worden. Da der Beschwerdeführer keine beschwerdefähige Verfügung eingefordert
habe, sei die Mitteilung zwischenzeitlich in Rechtskraft erwachsen und damit nicht
mehr anfechtbar. Auch bei einer rechtzeitigen Geltendmachung hätte kein Anspruch
bestanden, da der Beschwerdeführer keine Mindesterwerbseinbusse von rund 20%
erleide (mit Verweis auf BGE 130 V 488 E. 4.2 und BGE 124 V 108, E. 3). Weiter sei der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers umfassend abgeklärt worden. Auf das
SMAB-Gutachten vom 4. August 2020 könne abgestellt werden. Weitere Abklärungen
würden keine zusätzlichen Erkenntnisse bringen.
C.b.
Am 12. Januar 2021 bewilligte das Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen
dem Beschwerdeführer das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von
Gerichtskosten) für das Beschwerdeverfahren (act. G 8).
C.c.
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 30. September 2020 hat die
Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen. Da
das Beschwerdeverfahren die Prüfung der Rechtmässigkeit dieser Verfügung zum Ziel
hat, muss es sich auf den in der Verfügung enthaltenen Gegenstand beschränken.
Folglich ist nur zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
gehabt hat. Auf den Antrag um die Zusprache von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen (welche auch die Umschulung umfasst) kann schon
deshalb nicht eingetreten werden, weil das Begehren um berufliche Massnahmen mit
einer zwar formal rechtswidrigen (vgl. dazu Art. 74ter lit. b IVV, laut dem nur
Leistungszusprachen ohne Verfügung erfolgen dürfen), aber trotzdem inzwischen
verbindlichen Mitteilung vom 17. April 2019 (IV-act. 80) abgewiesen worden ist.
2.
Der Beschwerdeführer liess die Frist zur Einreichung einer Replik unbenützt
ablaufen (act. G 14).
C.d.
Mit einem Schreiben vom 26. Oktober 2021 ersuchte das Versicherungsgericht die
Beschwerdegegnerin um die Zustellung des in den Akten fehlenden EFL-Berichts (act.
G 15). Am 4. November 2021 stellte die Beschwerdegegnerin dem
Versicherungsgericht den angeforderten EFL-Bericht (Testung am 9. und 10. Juli 2020)
zu (act. G 16 und G 16.1). Die Sachverständige hatte angegeben, die beobachtete
Leistungsfähigkeit entspreche einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit. Aufgrund der
festgestellten Symptomausweitung könne von einer leicht höheren Belastbarkeit
ausgegangen werden. Die Belastung sei ganztags möglich. Ein geringfügiges
Leistungsdefizit sei bei vornüber geneigtem Stehen, bei Arbeiten über Schulterhöhe
und beim Knien zu beobachten. Die letzte Tätigkeit als Aussendienstmitarbeiter
entspreche einer körperlich sehr leichten Tätigkeit und sei ganztags ohne
Einschränkungen zumutbar.
C.e.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
2.1.
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durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
Die Beschwerdegegnerin hat auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten der
SMAB AG abgestellt. Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation
einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (vgl. etwa BGE
125 V 351, E. 3a). Die Sachverständigen haben die medizinischen Vorakten eingehend
gewürdigt und die subjektiven Klagen des Beschwerdeführers umfassend
wiedergegeben. In ihren Teilgutachten haben sie die von ihnen erhobenen objektiven
klinischen Befunde anschaulich und vollständig dargelegt und in ihrer Art und Schwere
gewürdigt, wobei sie sich auch mit den Angaben des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt haben. Sie haben ihre versicherungsmedizinische Beurteilung
detailliert begründet. Es besteht kein Grund zur Annahme, dass sie eine wesentliche
medizinische Tatsache übersehen oder versehentlich ignoriert hätten. Der für ihre
Beurteilung massgebende medizinische Sachverhalt ist den Sachverständigen des
SMAB vollumfänglich bekannt gewesen. Die Sachverständigen haben Diskrepanzen
aufgezeigt. Insbesondere hat der psychiatrische Gutachter angegeben, dass die vom
Beschwerdeführer berichteten Beschwerden während des Gesprächs nicht sicht- oder
spürbar gewesen seien (IV-act. 112-31); eine Zuordnung dieser Diskrepanz sei aus
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/13
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psychiatrischer Sicht nicht möglich. Auch der internistische Sachverständige hat
ausgeführt, dass die geklagten Symptome und Funktionseinbussen aufgrund der
Untersuchungsergebnisse nicht vollständig nachvollziehbar seien (IV-act. 112-43). Die
von den SMAB-Sachverständigen abschliessend abgegebene interdisziplinäre
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist einleuchtend und mit den in den beiden
Teilgutachten enthaltenen Würdigungen vereinbar. Insbesondere ist aus
psychiatrischer Sicht nachvollziehbar, dass sowohl der Alkoholabusus als auch die
leichte Depression keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben. Der
Alkoholabusus hat nämlich gemäss den eingehenden Abklärungen keine
Einschränkungen zur Folge, zumal solche auch vom Beschwerdeführer nicht
angegeben worden sind. Aufgrund der festgehaltenen Befunde ist ebenfalls
nachvollziehbar, dass keine Depression mehr besteht. So ist denn auch die
psychiatrische Therapie zwischenzeitlich eingestellt worden; sodann hat der
Beschwerdeführer auch keine Psychopharmaka mehr eingenommen bzw. auch zuvor
nie über einen längeren Zeitraum solche benötigt. Auch die Ausführungen des
rheumatologischen Sachverständigen sind nachvollziehbar; so hat er anlässlich der
Untersuchung keine relevanten Einschränkungen feststellen können, insbesondere sind
durch die klinische Untersuchung und die Funktionsprüfungen am Bewegungsapparat
keine Schmerzen provoziert worden. Die vom Beschwerdeführer geschilderten
Beschwerden sind denn auch nur vage beschrieben worden und gemäss dem
rheumatologischen Sachverständigen nicht plausibel gewesen. Bei dieser objektiven
Befundlage überzeugt das interdisziplinäre Attest einer vollen Arbeitsfähigkeit für
grundsätzlich jegliche Tätigkeiten (mit Ausnahme der vom Psychiater angegebenen
maximalen 30%igen Arbeitsunfähigkeit vom 04/2018 bis 04/2019; vgl. dazu
nachfolgend Erw. 2.5), wobei Tätigkeiten in der Personenbeförderung und andere
Tätigkeiten mit besonderem Anspruch an die Fahrtauglichkeit (z.B. häufiges/langes
Fahren) oder mit leichtem Zugang zu alkoholischen Getränken (zum Beispiel
Gastronomie) aufgrund des Alkoholabusus zu vermeiden seien. Der psychiatrische
Gutachter hat damit die vom Bundesgericht vorgegebenen Standardindikatoren (BGE
141 V 281), die auch bei depressiven Störungen relevant sind (BGE 143 V 409)
abgehandelt, womit das Gutachten vollständig ist. Zusammenfassend überzeugt das
SMAB-Gutachten und die darin abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung.
Der Einwand des Beschwerdeführers, er leide an Fibromyalgie, überzeugt nicht.
Wie oben ausgeführt kann auf das SMAB-Gutachten abgestellt werden; die Diagnose
der Fibromyalgie ist darin nicht erhoben worden. Würde der Beschwerdeführer an einer
Fibromyalgie leiden, wäre diese Diagnose durch die SMAB-Sachverständigen erhoben
worden. In den Vorakten hat nie eine medizinische Fachperson die Diagnose einer
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/13
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Fibromyalgie gestellt. Der Beschwerdeführer hat ausserdem keinen medizinischen
Bericht eingereicht, welcher die Diagnose einer Fibromyalgie erwähnen würde. Selbst
wenn der Beschwerdeführer den medizinischen Bericht einer behandelnden
Fachperson, welche die Diagnose einer Fibromyalgie gestellt hätte, eingereicht hätte,
wäre zu beachten, dass diese Diagnose bzw. die daraus resultierende Arbeitsfähigkeit
einer Prüfung der Standardindikatoren (BGE 141 V 281) standhalten müsste, damit sie
überhaupt geeignet wäre, berechtigte Zweifel an der Arbeitsunfähigkeitsschätzung der
Gutachter zu erwecken.
Weiter hat der Beschwerdeführer moniert, sein angestammter Beruf sei B._ und
nicht Aussendienstmitarbeiter. Da die SMAB AG in ihrem überzeugenden Gutachten
keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit angegeben und in der
Konsequenz für sämtliche Berufe eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert (vgl. für die vom
Psychiater angegebene 30% Arbeitsunfähigkeit vom 04/2018 bis 04/2019
nachfolgende Erw. 2.5) hat, kann letztlich offen bleiben, welcher Beruf nun der
angestammte Beruf des Beschwerdeführers ist. Denn sowohl als
Aussendienstmitarbeiter als auch als B._ hat stets eine volle Arbeitsfähigkeit
bestanden.
2.4.
Der psychiatrische Sachverständige hat zwar für einen Zeitraum von etwa 04/2018
bis 04/2019 aufgrund einer mittelgradigen depressiven Episode eine Arbeitsunfähigkeit
von maximal 30% angegeben. Diese Arbeitsunfähigkeit ist jedoch nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Der psychiatrische Gutachter hat
seine Einschätzung nämlich nur gestützt auf die Berichte behandelnder Fachpersonen
(insb. Dr. G._) abgegeben. Bei den Berichten der behandelnden Psychiaterin Dr.
G._ ist zu beachten, dass diese lediglich auf die subjektiven Klagen des
Beschwerdeführers abgestellt hat, ohne diese Klagen kritisch zu würdigen; ein
Validierungsverfahren, um allfällige Diskrepanzen/Aggravationen auszuschliessen oder
eben aufzudecken, fehlt. Bei der Würdigung der Behandlerberichte ist im Übrigen der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass die behandelnden Ärzte aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
auszusagen pflegen und dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen
ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b.cc;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2).
Daher überzeugt die angegebene Arbeitsunfähigkeit von etwa 04/2018 bis 04/2019 von
30% nicht. Da von weiteren Abklärungen naturgemäss kein weiterer Aufschluss zu
erwarten ist, muss in Anwendung der materiellen Beweislastverteilung davon
ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer stets voll arbeitsfähig gewesen ist
2.5.
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3.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die Gerichtskosten sind angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf Fr. 600.-- festzusetzen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien. Eine Partei,
der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur Nachzahlung der
Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Parteientschädigung verpflichtet, sobald
sie dazu in der Lage ist (Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP SG [sGS 951.1]).