Decision ID: 36f584b1-f17e-463a-a60e-3aedd35f0dcb
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im Januar 1998 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Sie erhielt daraufhin zwei Hörgeräte vergütet (IV-act. 5). Im April 2004 meldete
sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 21). Im März 2006
wurde sie in der MEDAS Ostschweiz polydisziplinär medizinisch begutachtet (IV-
act. 60). Die Gutachter gelangten zur Auffassung, als Serviceangestellte sei die
Versicherte aufgrund ihrer beidseitigen Schwerhörigkeit und des Tinnitus zu 100%
arbeitsunfähig. Bei einer anderen Tätigkeit sei die Versicherte aufgrund des
chronischen zervikospondylogenen Schmerzsyndroms und der episodischen
Spannungskopfschmerzen zu 20% eingeschränkt. Es gelte zu berücksichtigen, dass
Berufe in lauter Umgebung, die das Gehör stark beanspruchten, sowie ständige
Überkopfarbeiten oder das Heben schwerer Lasten der Versicherten nicht zumutbar
seien (IV-act. 60-9). Da sich die Versicherte subjektiv nicht arbeitsfähig fühlte (IV-
act. 65), wurden keine beruflichen Massnahmen geprüft (IV-act. 73, 77). Am
27. September 2006 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Invalidenrente (IV-
act. 78).
A.b Am 16. Dezember 2006 reichte die Versicherte erneut eine Anmeldung ein. Da sie
an einem starken Tinnitus leide, habe sie häufig Kopfschmerzen und sei sehr stark
eingeschränkt. Sie sei dann nicht mehr in der Lage, die täglichen Hausarbeiten zu
verrichten und sie leide auch zunehmend an depressiven Verstimmungen. Im April
2007 wurde die Versicherte nochmals durch Dr. med. B._, Facharzt für Oto-Rhino-
Laryngologie und Phoniatrie, untersucht (IV-act. 88). Er hielt im Bericht vom 29. Mai
2007 fest, bei der Versicherten bestehe eine hochgradige progrediente
Innenohrschwerhörigkeit. Es müsse mit einer weiteren Verschlechterung gerechnet
werden. Der Versicherten seien alle Tätigkeiten zumutbar, die keine grossen Ansprüche
an das Sprachverstehen stellten. Bezogen auf das von ihm beurteilte medizinische
Fachgebiet bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Gestützt auf diese Einschätzung wurde
mit Verfügung vom 4. Januar 2008 ein Rentenanspruch verneint (IV-act. 96).
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A.c Im Juni 2008 meldete sich die Versicherte nochmals bei der IV an (IV-act. 97). Die
IV-Stelle trat mit Verfügung vom 24. Oktober 2008 nicht auf dieses Gesuch ein (IV-
act. 108).
B.
B.a Mit Gesuch vom 4. April 2011 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von
IV-Leistungen an (IV-act. 130). Sie gab an, an einer Hörbehinderung, einem Tinnitus,
einer Depression und einer Intelligenzminderung zu leiden. Dazu reichte sie die
Ergebnisse einer testpsychologischen Untersuchung vom 2. März 2011 ein, welche
ergeben hatte, dass ihr IQ mit 90%iger Wahrscheinlichkeit bei 55-65 liege (IV-
act. 134-6). Die untersuchende Psychologin hatte erläutert, dass die Versicherte zudem
beim Beck-Depressionsinventar 36 Punkte erreicht habe, womit der Cut-Off-Wert von
18 Punkten für eine mittelschwere Depression weit überschritten werde. Weiter lag der
Anmeldung ein Bericht des Psychiatrischen Zentrums C._ bei (IV-act. 134). Dr. med.
D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hatte darin angegeben, die
Versicherte stehe mit Unterbrechungen seit dem 1. Juni 2010 in Behandlung beim
Psychiatrischen Zentrum. Der Schwerpunkt liege in der Beratung und Begleitung durch
einen Sozialarbeiter. Es handle sich nicht um eine psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung im engeren Sinn. Die Erstvorstellung sei nach einer Überweisung durch
den Hausarzt in der akuten Trennungssituation entstanden. Aufgrund einer inneren
Unruhe, Schlafstörungen und einer Affektlabilität sei diagnostisch zunächst von einer
Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (ICD-10: F43.2) ausgegangen worden.
Nach dem Umzug sei es ohne spezifische Therapie zu einer Besserung der affektiven
Komponente gekommen. Aufgrund der Auffälligkeiten sei eine testpsychologische
Untersuchung erfolgt, die sehr niedrige Intelligenzwerte gezeigt habe. Aus diesem
Grund und wegen der Innenohrschwerhörigkeit schätze sie die Möglichkeiten einer
regulären Erwerbstätigkeit der Versicherten als hochgradig eingeschränkt ein. Die
Versicherte sei allenfalls in der Lage, einfache sprachunabhängige Hilfsarbeiten in einer
klar strukturierten Umgebung (am besten in einem beschützten Rahmen) auszuführen.
B.b Die Versicherte gab an, ohne den Gesundheitsschaden würde sie einer 100%igen
Erwerbstätigkeit nachgehen (IV-act. 144). Der Regionale Ärztliche Dienst Ostschweiz
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(RAD) erachtete eine erneute Begutachtung inkl. neuropsychologischer Testung als
angezeigt (IV-act. 156).
B.c Die Begutachtung erfolgte am 7. und 9. Februar 2012 in der MEDAS Ostschweiz.
Das Gutachten datiert vom 3. Mai 2012 (IV-act. 167). Aus rheumatologisch-internis
tischer Sicht konnte nichts Auffälliges festgestellt werden (IV-act. 167-7). Der
psychiatrische Sachverständige Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, hielt fest, die Versicherte sei bewusstseinsklar und allseits
orientiert gewesen. Das formale Denken sei geordnet und gut nachvollziehbar
gewesen. Trotz Schwerhörigkeit habe die Versicherte geordnet und prompt auf die
gestellten Fragen eingehen können. Sie habe einfach strukturiert gewirkt und ihr IQ
dürfte im unteren Bereich der Norm liegen, doch seien während der Untersuchung
keine weiteren groben Störungen der mnestischen und kognitiven Funktionen
aufgefallen. Klinisch bestünden keine Hinweise für einen tiefen IQ von 55-65. Bereits
die mit der Testung befasste Psychologin habe darauf aufmerksam gemacht, dass die
IQ-Testung bei einem depressiven Zustandsbild vorgenommen worden sei und dass
dies sicherlich zu Verzerrungen bei der Durchführung und Auswertung der Testung
geführt habe. Die Versicherte mache sich Sorgen um ihren Gesundheitszustand und sie
habe aufgrund ihrer Schwerhörigkeit und des Tinnitus Mühe, einer Arbeitstätigkeit
nachzugehen, die mit Lärm und Stress verbunden sei. Dies führe zusammen mit den
psychosozialen Belastungen zu einer depressiven Verstimmung. Eine
Anpassungsstörung könne nach dieser Zeit gemäss ICD-10 nicht mehr diagnostiziert
werden, daher werde die Diagnose einer sonstigen anhaltenden affektiven Störung
(ICD-10: F34.8) gestellt. Ansonsten leide die Versicherte an keiner schweren
psychischen Erkrankung, die sie in ihrer psychisch-mentalen Ebene oder im sozialen
Bereich einschränken würde. Es lägen keine chronischen körperlichen
Begleiterkrankungen vor, die erheblich zum Krankheitsbild beitragen würden. Die Ver
sicherte pflege ihre sozialen Kontakte und lebe nicht zurückgezogen. Verfestigte,
therapeutisch nicht mehr angehbare innerseelische Verläufe seien nicht eruierbar.
Aufgrund fehlender psychischer Erkrankungen von erheblicher Schwere, Ausprägung
und Dauer sei der Versicherten die Willensanstrengung zur adäquaten Überwindung
ihrer Beschwerden voll zumutbar. Psychiatrisch seien keine Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit gegeben. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien (IV-
act. 167-12):
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"- Sonstige anhaltende affektive Störung (ICD-10: F34.8)
- Familienzerrüttung durch Scheidung (ICD-10: Z63.5)
- Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z73.3)".
Polydisziplinär hätten die Innenohrschwerhörigkeit (beidseits mit binauraler
Hörgeräteversorgung) und der chronisch rezidivierende Tinnitus rechtsbetont (ICD-10:
H91.9) einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die Gutachter schätzten im Jahr 2012 die
Einschränkung mit 30% im Vergleich zum Gutachten 2006 etwas höher, da die
Verständigung auch in einer lärmarmen Umgebung immer wieder erschwert sein
könne. Sie (die Gutachter) hätten aber bei der Untersuchung selbst festgestellt, dass
eine Verständigung in lärmfreier Umgebung gut möglich sei. Es sei daher ein ruhiger
Arbeitsplatz nötig. Es müsse sich überdies um einfache, körperlich leichte bis vereinzelt
mittelschwere Tätigkeiten in stressarmer Atmosphäre ohne höhere Ansprüche an die
sprachliche Verständigung handeln. Die Arbeitsprognose sei durch die bescheidene
Schul- und die fehlende Berufsbildung, die langjährige Erwerbsabstinenz und familiäre
Faktoren eingeschränkt. Es müsse unter Abrede einer unterdurchschnittlichen
Intelligenz kein geschützter Arbeitsplatz empfohlen werden. Bei der 10-jährigen
Arbeitsabstinenz sei aber wohl eine ca. 3-monatige Einarbeitungszeit nötig.
B.d Gestützt auf diese Arbeitsfähigkeitsschätzung erliess die IV-Stelle am 4. Juni 2012
einen rentenablehnenden Vorbescheid (IV-act. 171), wogegen die Versicherte am
7. Juni 2012 durch ihren Rechtsvertreter Einwand erheben liess (IV-act. 172). Am
22. Juli 2012 ergänzte der Rechtsvertreter seinen Einwand (IV-act. 176). Er legte den
Bericht einer psychiatrischen Untersuchung der Versicherten durch Dr. med. F._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 26. Juni 2012 bei (IV-act. 177).
Dr. F._ hatte angegeben, die Schwerhörigkeit der Versicherten habe ein Problem bei
der Befunderhebung dargestellt. Die Versicherte verstehe oft die Fragen nicht genau,
zudem merke man sofort, dass sie auch einfache Zusammenhänge nicht erkennen
könne. Die Versicherte habe sich Mühe gegeben, sich von der besten Seite zu zeigen,
nach 30 Minuten habe sich aber ein deutlicher Abfall der Konzentration und der
Auffassung gezeigt. Im formalen Denken sei sie verlangsamt. Die Versicherte sei auf die
Hilfe der Gemeinde angewiesen und habe durch den Sozialdienst hingebracht werden
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müssen, da sie den Weg nicht alleine gefunden hätte. Der Affekt sei sehr fassadenhaft,
sie habe oft parathym gelächelt, sei aber nach 20 Minuten eingebrochen und habe
begonnen zu weinen. Es sei ein deutlicher Leidensdruck spürbar gewesen und sie
habe innerlich leer gewirkt. Sie versuche mit allen Mitteln, sich im besten Licht zu
zeigen und dissimuliere stark. Dabei merke man sofort, dass vieles übertrieben sei und
gar nicht stimmen könne. Die Versicherte wolle gerne "kompetent" sein, nicht
depressiv. Es fehle ihr an Introspektionsfähigkeit und sie erkenne nicht, dass sie
dringend psychiatrische Hilfe notwendig habe. Dr. F._ gelangte zur Auffassung, die
Versicherte leide an einer chronischen mittelgradigen Depression (ICD-10: F33.11). Er
schätzte sie als zu mindestens 80% arbeitsunfähig ein. Ein geschützter Arbeitsplatz sei
für die Tagesstruktur und den sozialen Kontakt dringend zu empfehlen. Die Depression
sei nicht behandelbar, da die Krankheitseinsicht und die Compliance aufgrund der
Minderintelligenz fehlten. Die Versicherte sei zu mindestens 80% arbeitsunfähig und in
der freien Marktwirtschaft nicht mehr integrierbar. Für leichte Arbeiten sei sie in einem
geschützten Rahmen theoretisch bis zu 50% arbeitsfähig.
B.e RAD-Arzt Dr. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seiner
internen Stellungnahme vom 14. August 2012 fest, der Bericht von Dr. F._ enthalte
keine neuen medizinischen Gesichtspunkte, die nicht bereits den MEDAS-Gutachtern
bekannt gewesen seien. Das Gutachten sei sachlich gehalten, sorgfältig in der
Anamnese und Symptomerfassung sowie der Befundstellung und enthalte
nachvollziehbare Schlussfolgerungen. Er erachtete die Ausführungen von Dr. F._ als
nicht geeignet, um von der Einschätzung der MEDAS-Gutachter abzuweichen (IV-
act. 178).
B.f Der Bericht von Dr. F._ wurde dem MEDAS-Gutachter Dr. E._ zur
Stellungnahme unterbreitet. Am 28. September 2012 hielt dieser dazu fest, der Fall der
Versicherten sei in einer pluridisziplinären Besprechung ausführlich diskutiert worden.
An den damaligen Schlussfolgerungen könne auch nach dem Bericht von Dr. F._
festgehalten werden. Eine leichte Intelligenzminderung stelle alleine keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dar. Die Versicherte habe im Gastgewerbe arbeiten
können, habe geheiratet und einen Sohn gross gezogen. Demnach bestehe keine
deutliche emotionale oder soziale Unreife. Die Diagnose eines "chronischen
mittelgradigen depressiven Zustandsbildes (ICD-10: F33.11)" sei an sich
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widersprüchlich, da unter F33 rezidivierende depressive Störungen verstanden würden,
deren einzelne Episoden zwischen drei und sechs Monaten dauerten und bei denen
eine Besserung zwischen den Episoden im Allgemeinen vollständig sei. Wenn eine
rezidivierende depressive Störung bestehe, könne man nicht gleichzeitig von einem
chronischen mittelgradig depressiven Zustandsbild sprechen. Diese Diagnose sei nicht
nachvollziehbar. Es müsse aber auch festgehalten werden, dass, wenn tatsächlich ein
mittelgradig depressives Zustandsbild, chronisch oder rezidivierend, bestehen würde,
dieses durch eine adäquate psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
besserungsfähig wäre (IV-act. 180).
B.g Gestützt auf diese Einschätzungen verfügte die IV-Stelle am 5. Oktober 2012 die
Ablehnung des Leistungsgesuchs (IV-act. 181).
C.
C.a Am 7. November 2012 liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter gegen die
Verfügung vom 5. Oktober 2012 Beschwerde erheben (act. G 1). Zur Begründung führt
der Rechtsvertreter an, auf das MEDAS-Gutachten könne, soweit es die psychiatrische
Seite beleuchte, nicht abgestellt werden.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. Februar 2013 beantragte die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen (act. G 8). Es sei auf die
Einschätzung der MEDAS-Gutachter abzustellen, die nachvollziehbar begründet sei.
Der Bericht von Dr. F._ sei nicht geeignet, das MEDAS-Gutachten in Frage zu stellen.
C.c Mit Replik vom 23. Mai 2013 (act. G 12) reichte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin eine Stellungnahme von Dr. F._ ein (act. G 12.1). Darin gab
Dr. F._ an, er sei in keiner Weise mit der Beurteilung Dr. E._s einverstanden. Das
Testergebnis, dass die Beschwerdeführerin sowohl minderintelligent als auch depressiv
sei, sei klar und Dr. E._ versuche diese Ergebnisse zu bagatellisieren. Aufgrund ihrer
Minderintelligenz und ihrer zu optimistischen Einschätzung fehle der
Beschwerdeführerin die Krankheitseinsicht. Es bestehe anamnestisch sicherlich seit
Jahren eine mittelgradige Depression.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 14).
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Erwägungen:
1.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
1.2 Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
SR 831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a),
wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3 Für die Bemessung des Invaliditätsgrades sind die zuständige Behörde und später
das Gericht auf von den Ärzten zur Verfügung zu stellende Unterlagen angewiesen.
Aufgabe der Ärzte ist es denn auch, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten eine
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versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Im
Rahmen der freien Beweiswürdigung dürfen sich Verwaltung und Gericht weder über
die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen, noch sind die ärztlichen
Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer sozialversicherungsrechtlichen
Tragweite zu übernehmen. Die rechtsanwendende Behörde hat sorgfältig zu prüfen, ob
die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt,
welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus, unbeachtlich sind
(BGE 130 V 356, E. 2.2.5).
1.4 Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung können psychische Beeinträchtigungen
der Gesundheit in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden Invalidität im
Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG bewirken (Urteil des Bundesgerichts
vom 22. Januar 2007, I 290/06, E. 4.2.1). Ein geistiger oder psychischer
Gesundheitsschaden liegt dann vor, wenn aufgrund eines Geburtsgebrechens, eines
Unfalles oder einer Krankheit eine bleibende oder längere Zeit dauernde
Beeinträchtigung der mentalen, intellektuellen, kognitiven oder emotionalen Funktionen
besteht, welche durch therapeutische Massnahmen nicht ausreichend behoben
werden kann und die Arbeitsfähigkeit langdauernd vermindert oder verunmöglicht
(Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH],
Rz. 1007). Zur Annahme einer Invalidität braucht es in jedem Fall ein medizinisches
Substrat, welches schlüssig von einem Facharzt festgestellt wird und nachweislich die
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt (Urteil des Bundesgerichts vom
28. Juni 2012, 9C_537/2011, E. 3.2). Das klinische Beschwerdebild darf nicht einzig in
Beeinträchtigungen bestehen, die von den belastenden soziokulturellen und
psychosozialen Faktoren herrühren, sondern es hat davon unterscheidbare Befunde zu
umfassen, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar
unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinn oder einen damit
vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Damit überhaupt von Invalidität
gesprochen werden kann, muss eine von soziokulturellen oder psychosozialen
Belastungssituationen zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte
psychische Störung mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vorliegen
(Urteil des Bundesgerichts vom 20. September 2011, 8C_302/2011, E. 2.5.1).
2.
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2.1 Vorliegend ist aufgrund der medizinischen Akten erstellt, dass die Beschwerde
führerin an einer beidseitigen Schwerhörigkeit leidet. Die MEDAS-Gutachter (Gutachten
Mai 2012) betrachteten die Beschwerdeführerin aufgrund dessen als zu 30%
eingeschränkt, da die Verständigung auch in lärmarmer Umgebung immer wieder
erschwert sein könne. Diese Einschätzung erscheint sehr vage formuliert und ist aus
den folgenden Gründen als zu hoch zu betrachten: Die Gutachter hielten fest, dass eine
Verständigung in lärmfreier Umgebung gut möglich sei und einen geschützten
Arbeitsplatz betrachteten sie nicht als notwendig. Der psychiatrische Gutachter hatte
festgehalten, die Beschwerdeführerin habe trotz der Schwerhörigkeit geordnet und
prompt auf die gestellten Fragen eingehen können. Als adaptierte Tätigkeit
beschrieben sie einen ruhigen Arbeitsplatz in stressarmer Atmosphäre ohne höhere
Ansprüche an die sprachliche Verständigung. Es leuchtet nicht ein, dass die
Beschwerdeführerin, wenn auf diese Vorgaben Rücksicht genommen wird und sie
beide Hörgeräte sachgemäss benützt, in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sein soll.
2.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte geltend, es bestehe bei ihr
gemäss der testpsychologischen Untersuchung eine Minderintelligenz, die bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung zu beachten sei. Diese Annahme stützte sich auf den
Arztbericht von Dr. F._, der bei der Beschwerdeführerin ohne Weiteres von einer seit
der Geburt bestehenden Minderintelligenz ausging. Diese Einschätzung vermag
indessen nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführerin war bereits im Jahr 2006 in der
MEDAS begutachtet worden. Damals gab es keine Hinweise auf eine Minderintelligenz.
Ganz im Gegenteil hatten die Gutachter damals sogar Folgendes festgehalten:
"Psychisch vernünftig und geordnet wirkende Patientin, klares Bewusstsein bei
normaler Intelligenz und klarem Denken". Im MEDAS Gutachten vom 3. Mai 2012 hatte
Dr. E._ festgehalten, die Beschwerdeführerin lasse sich von ihren Beschwerden gut
ablenken. Trotz der Schwerhörigkeit habe sie geordnet und prompt auf die gestellten
Fragen eingehen können. Sie wirke einfach strukturiert und der IQ dürfe im unteren
Bereich der Norm liegen. Weitere grobe Störungen der mnestischen und kognitiven
Funktionen seien während der Untersuchung nicht aufgefallen. Klinisch beurteilt
würden keine Hinweise auf einen tiefen IQ von 55-65 bestehen. Dr. E._ wies darauf
hin, dass die testpsychologische Untersuchung bei einem depressiven Zustandsbild
vorgenommen worden sei, was zu Verzerrungen bei der Durchführung und Auswertung
der Testung geführt habe. Denn eine derartige Intelligenzminderung lasse sich klinisch
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beurteilt, mit der Lebensführung und Selbständigkeit der Beschwerdeführerin nicht in
Einklang bringen. Da auch die Psychologin in Bezug auf die Testung relativierend
festgehalten hatte, dass die Stimmungslage der Beschwerdeführerin einen mindernden
Einfluss auf das Testergebnis gehabt haben könnte und sich auch der psychologische
Gutachter dieser Ansicht anschloss, erscheint es nicht wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin an einer massgeblichen Minderintelligenz leidet. Vielmehr
erscheint es nachvollziehbar, dass die depressive Verstimmung zum Zeitpunkt der
Testung tatsächlich eine Einfluss auf das Resultat gezeigt hat. Auch Dr. B._, Arzt an
der HNO-Klinik des Kantonsspitals St. Gallen, der die Beschwerdeführerin mehrfach
untersucht hat, hat nie vermerkt, dass es Hinweise für die Möglichkeit des Vorliegens
einer Minderintelligenz bei der Beschwerdeführerin gebe.
2.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte gestützt auf den Bericht von
Dr. F._ weiter geltend, die Beschwerdeführerin leide an einer mittelgradigen
chronischen Depression, die vor allem seit 2010 zunehme. Der psychiatrische Sach
verständige konnte zum Zeitpunkt der Begutachtung keine psychische Erkrankung von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer feststellen. Er hielt fest, passend zum
aktuellen klinischen Bild sei der Zustand nach einer Anpassungsstörung mit
depressiver Reaktion. Die Beschwerdeführerin habe Mühe, mit ihrer Schwerhörigkeit
umzugehen. Zusammen mit der Scheidung, der Arbeitslosigkeit und den finanziellen
Problemen führe dies zu depressiven Verstimmungen. Er stellte daher die Diagnose
einer sonstigen anhaltenden affektiven Störung (ICD-10: F34.8). Das MEDAS-
Gutachten ist nachvollziehbar und schlüssig begründet. Es erfolgte in Kenntnis der
Vorakten und auf Basis eigener Untersuchungen der Gutachter. Insbesondere da auch
Dr. D._, Ärztin am Psychatrischen Zentrum, die Diagnose einer Anpassungsstörung
mit depressiver Reaktion (ICD-10: F43.2) gestellt hatte und die Beschwerdeführerin
nicht in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung steht, ist dieser
Einschätzung und nicht der abweichenden Einschätzung Dr. F._s zu folgen. Gerade
die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin regelmässig das Psychiatrische Zentrum
aufsucht, sie aber dort "lediglich" Unterstützung in administrativen Angelegenheiten
durch einen Sozialarbeiter erhält, deutet darauf hin, dass bei der Beschwerdeführerin
keine behandlungsbedürftige psychische Störung vorliegt. Auch ihre Lebensführung
deutet in keiner Weise auf eine Depression hin. Die Beschwerdeführerin lebt nicht
zurückgezogen, sie pflegt soziale Kontakte und sie sieht sich selbst nicht als depressiv.
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Da die Beschwerdeführerin nicht an einer psychischen Krankheit von erheblicher
Schwere, Ausprägung und Dauer leidet, ist ihr eine Willensanstrengung zur adäquaten
Überwindung ihrer Beschwerden zumutbar.
2.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin an keiner
invalidisierenden psychischen Krankheit leidet und eine massgebliche Minderintelligenz
als nicht überwiegend wahrscheinlich erscheint. Ihre beidseitige Schwerhörigkeit wirkt
sich lediglich auf die Art der ihr zumutbaren Tätigkeit aus. Demnach ist die
Beschwerdeführerin in einer stressarmen, lärmfreien Umgebung ohne hohe
Anforderungen an die sprachliche Verständigung zu 100% arbeitsfähig.
3.
Der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin ist anhand eines Einkommensvergleichs
zu ermitteln. In der Regel wird für die Bestimmung des Valideneinkommens auf das
zuletzt erzielte Einkommen abgestellt. Da die Beschwerdeführerin bereits seit dem Jahr
2003 nicht mehr erwerbstätig war, kann darauf allerdings nicht mehr abgestellt werden.
Es müssen die statistischen Durchschnittslöhne der Lohnstrukturerhebung (LSE) des
Bundesamtes für Statistik herangezogen werden. Da auch für die Berechnung des
Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne zurückzugreifen ist, sind die beiden
Vergleichseinkommen identisch und ein eigentlicher Einkommensvergleich erübrigt
sich. Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit resultiert keine Erwerbseinbusse, d.h. es
besteht keine rentenbegründende Invalidität. Dementsprechend hat die
Beschwerdegegnerin das Rentengesuch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
5. Oktober 2012 zu Recht abgewiesen.
4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend beurteilten Angelegenheit als angemessen. Da die
Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren unterlegen ist, hat sie die
bis
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Gerichtskosten zu tragen. Die Gerichtskosten sind durch den bezahlten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP