Decision ID: af0d2dea-a222-4958-a4ba-3f5e923a1ee6
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, war zuletzt bei der
Y._
AG als
Bau
hilfsarbeiter
angestellt. Am
7.
April 2009 erlitt er einen Unfall, als er beim Hinabstieg in eine Baugrube auf einer Stahltreppe ausrutschte und hinfiel, wobei er sich den linken Ellbogen und das Knie anschlug (
Urk. 5/9/2
).
Am 30. April 2012 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung an (Urk. 5/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 5/11), holte Arztberichte ein (Urk. 5/12-13) und veranlasste eine orthopädische (Urk. 5/16) sowie psychiatrisch-neurolo
gische (Urk. 5/22) Abklärung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 5/24-26) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 21. Juni 2013 ab (Urk. 5/34 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob
am 19. August 2013 Beschwerde
gegen die Verfügung vom 21. Juni 2013 (Urk. 2)
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente zu gewähren. Eventuell sei die Sache a
n die IV-Stelle zu
rückzuweisen
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 17. September 2013 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 4).
Mit Verfügung vom 20. September 2013
(Urk. 6)
wurden
Prof.
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Neurologie,
zum bereits im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren UV.2013.00110 in Auftrag gegebenen Gutachten ergänzende Fragen zur Beantwortung unterbreitet. Ebenfalls wurde der Prozess bis zur Erstattung des Gutac
htens von Prof.
Z._
sistiert
.
Das neurologische Gutachten wurde
a
m 24. April 2014 erstattet
(Urk. 9)
.
Am 15. September 2014 nahm der Beschwer
deführer Stellung zum Gutachten und
am
17. November 2014 reichte er
einen Bericht von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie
vom 8. Oktober 2014
(Urk. 18) ein und beantragte die Durchführung einer MEDAS-Abklärung (Urk. 17). Mit Verfügung vom 20. November 2014 wurde
n
die im V
erfahren UV.2013.00110 eingereichten Stellungnahmen des Beschwerdeführers vom 15. September 2014 sowie vom 17. November 2014 als Urk. 19 und 20 im vorliegenden Verfahren beigezogen (Urk. 21).
Die
Beschwer
degegnerin
verzichtete mit Eingabe vom 6. Januar 2015 auf eine Stellungnahme (Urk. 23), was dem Beschwerdeführer am 9. Januar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 24). Am 23. Januar 2015 (Urk. 25/1) reichte der Beschwerdeführer einen MRI-Bericht vom 26. November 2014 des
B._
ein (Urk. 25/2).
3.
Nach dem Unfall vom 7. April 2009 erbrachte die Unfallversicherung die gesetz
lichen Leistungen. Gegen die Leistungseinstellung mit
Ein
spracheent
scheid
vom
1
4.
März
201
1
erhob d
er Beschwerdeführer am 4
.
Mai
2011 ebenfalls Beschwerde am hiesigen Gericht. Diese wurde mit Urteil vom 22. August 2012 abgewiesen (Prozess UV.2011.00135). Nachdem dieses Urteil vom Bundesgericht aufgehoben und die Angelegenheit zur Einholung eines Gutachtens an das hie
sige Gericht zurückgewiesen wurde (Urteil 8C_851/2012; Urk. 5/29), wurde d
as unfallversicherungsrechtliche Verfahren unter der Nummer UV.2013.00110 neu angelegt. Über die Beschwerde wurde abermals mit Urteil vom heutigen Tag entschieden.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
blei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der me
d
izinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fach
kenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stel
len, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfas
sen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die
Gerichtsexper
tise
widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingehol
tes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner ge
rechtfer
tigt sein, wenn gegensätzliche Mei
nungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als trif
tig genug erschei
nen, die Schlüssigkeit des
Gerichtsgutach
tens
in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer
Ober
expertise
für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine sol
che vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schluss
folgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung davon aus (Urk. 2), beim Beschwerdeführer liege eine chronische Schmerzstörung vor. Diese Diagnose gehöre zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerde
bildern
ohne organische Grundlage
. Dieses Krankheitsbild sei gemäss Rechtspre
chung grundsätzlich überwindbar und führe in der Regel nicht zu einer Inva
lidität.
Beim Beschwerdeführer sei ein somatischer Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige, nicht sicher nachweisbar, da das geklagte
Schmerz
syndrom
und die geklagte Funktionsminderung des Armes durch objek
ti
ve Befunde nicht zu erklären sei. Lediglich die elektrophysiologisch nach
ge
wiesene Minderung der Nervenleitgeschwindigkeit des
Nervus
ulnaris
links blei
be als objektivierbarer Befund. Hinweise auf Ausfallerscheinungen mit Atrophie einzelner Muskelgruppen, speziell
der
Muskulatur des Handrückens, wie sie bei einem Ausfall des
Nervus
ulnaris
zu erwarten wären, seien nicht gefunden wor
den. Es liege somit kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesund
heits
schaden
vor.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Besc
hwerdeführer auf den Standpunkt
,
in den RAD-Berichten würde
das diagnostizierte
Sulcus
ulnaris
-Syndrom links ausge
blendet, obschon der Kreisarzt der Unfallversicherung sowie
Dr.
med.
C._
und
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie,
ein solches diag
nostiziert hätten. Die
RAD-Berichte seien nicht einleuchtend und unbegründet und würden sich auf unwahre Feststellungen stützen
. Da sich den übrigen ärzt
lichen Berichten nichts Näheres zur Restarbeitsfähigkeit entnehmen lasse, sei ein MEDAS-Gutachten anzuordnen (
Urk. 1
S. 4 f. Ziff. 4 f.).
Im Weiteren machte
er geltend, sowohl dem Gutachten von Prof.
Z._
als auch dem Bericht von
Dr.
A._
sei zu entnehmen, dass bei ihm diverse unge
klärte medizinische Beeinträchtigungen in Form von Se
nsibilitätsstörungen, Schmerzen
etc. vorliegen würden. Diese Beeinträchtigungen seien jedoch nicht näher untersucht worden, was im Rahmen der MEDAS-Abklärung nachzuholen sei (Urk. 17).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen
invalidenversiche
rungsrechtlich
relevanten Gesundheitsschaden zu Recht verneinte.
3.
3.1
Am
2.
November 2009 erfolgte eine Untersuchung bei einem Kreisarzt des
Unfall
versicherers
,
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation (Urk. 5/11/146-149). Dieser führte aus, der Be
schwerdeführer habe berichtet, es gehe ihm seit einem Monat besser mit dem linken Arm, er habe aber dennoch bei den geringsten Bewegungen im linken Ellenbogengelenk Schmerzen an der dorsalen Oberarmseite mit
Schmerzmaxi
mum
im Ellbogenbereich. Die Schmerzen strahlten auch in die Hand, den Schulterbereich und teilweise auch zur Halswirbelsäule (HWS) aus (S. 2
Ziff.
3).
Dr.
E._
äusserte in seiner Beurteilung den Verdacht auf eine
somatoforme
Schmerzstörung, da das vom Beschwerdeführer beklagte Schmerzsyndrom mit den Unfallfolgen nicht erklärbar sei. Aus orthopädischer Sicht könne keine Arbeitsunfähigkeit begründet werden (S. 3
Ziff.
5).
3.2
Im Rahmen der unfallversicherungsrechtlichen Abklärung wurde der Beschwer
de
führer am
2
6.
April 2010 von
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
G._
,
Assis
tenz
ärztin
,
H._
, untersucht (Urk. 5/11/125-127
),
welche folgende Diagnosen stellten (S. 1):
anhaltende Schmerzsymptomatik links mit/bei
Anpassungsstörung mit Existenzsorgen, Schlafstör
ungen und
Libido
verlust
(ICD-10
F43.28)
Anpassungsproblemen bei Veränderung der Lebensumstände (Angst vor Arbeitsplatz
verlust, Existenzängste, ICD-10
Z60.0)
Die Ärzte
des
H._
führten aus, der Beschwerdeführer leide seit einem
Treppen
sturz
unter Beschwerden des linken Ellbogens mit Schmerzen, schmerzbedingter Kraftlosigkeit, Zittern,
Parästhesien
sowie ausgeprägter
Schonhaltung und sei durch bisher fehlende medizinische Befunde deutlich verunsichert. Die Be
schwerden seien im Zusammenhang mit der persistierenden Symptomatik bei fehlenden Befunden und dadurch stressbedingt verstärktem Schmerzerleben zu interpretieren. Dabei sei es im Verlauf des Jahres 2009 zur beschriebenen
An
pas
sungsstörung
gekommen. Die Kriterien für eine
somatoforme
Schmerzstö
rung
seien nicht erfüllt, da der Beschwerdeführer keine hartnäckige Forderung nach weiteren Untersuchungen stellte und kein Zusammenhang zu
innerpsy
chischen
Konflikten deutlich geworden sei
, was im Rahmen der
geführten
Abklä
rungsgespräche
aber nicht abschliessend zu beurteilen sei
(S. 3).
3.3
Mit Bericht vom 2
4.
Juni 2010 (Urk. 5/11/98-99) hielten
Dr.
C._
und
Dr.
D._
fest, anamnestisch, klinisch und unter Berücksichtigung der elektroneurophysiologischen (vgl.
Urk.
5/11/100-102) Befunde liege beim Be
schwerdeführer ein mittelschweres, sensomotorisches, rein
demyelinisierendes
Sulcus
ulnaris
-Syndrom links bei Status nach Ellbogenkontusion vor zirka einem Jahr vor. Diese Diagnose sei für die Beschwerden vollständig erklärend.
3.4
Am
4.
Januar 2011 wurde der Beschwerdeführer auf Veranlassung des
Unfall
ver
sicherers
durch
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Neurologie, untersucht (Urk. 5/11/49-69). Dieser führte aus, die vom Beschwerdeführer präsentierten Symptome seien in Übereinstimmung mit den Beurteilungen des Kreisarztes
Dr.
E._
nicht durch eine Läsion eines peripheren Nervs (
Nervus
ulnaris
) erklärbar. Zusätzlich fänden sich weitere - näher dargelegte - Inkonsis
tenzen (S. 14 f.).
Dr.
I._
räumte ein, dass der Anprall des Ellenbogens, eventuell mit Betei
ligung des
Nervus
ulnaris
im Bereich des
Sulcus
, selbstverständlich akut schmerzhaft sei, diese Schmerzen jedoch langsam wieder abheilen würden. Es sei also typischerweise eine
Regredienz
- und nicht wie im vorliegenden Falle ein Zunahme - der Beschwerden zu verzeichnen. Die Einordnung des präsen
tier
ten Schmerzbildes sei schwierig, da die Ausprägung der Schmerzen im
ulnaren
Versorgungsgebiet nicht parallel mit den klinischen und
elektrophysi
ologischen
Befunden einhergehe (S. 16 Mitte).
Aufgrund der klinischen Beobachtungen des Hausarztes, des erstbehandelnden Chirurgen, der ersten neurologischen Untersuchung, der Persistenz der sensiblen Ausfallmuster und der Schmerzen im Bereich des
ulnaren
Ellbogens sei mit Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer tatsächlich
initial
eine Anprallkontusion des
Nervus
ulnaris
ohne erhebliche Verletzung des Nervs vorgelegen sei, welche nach den Kriterien von
Seddon
als leicht- bis allen
falls mittelgradig einzuordnen sei und spontan abheile. Die Messung der
motorischen Nervenleitgeschwindigkeit durch
Dr.
C._
im Juni 2010 belege objektiv einen Geschwindigkeitssprung im Bereich des
Sulcus
ulnaris
als Aus
druck einer lokalen
Demyelinisierung
des Nervs. Über die Ursache dieser
Demyelinisierung
könne die Messung aber keine Aussage machen. Klinisch und elektrophysiologisch objektivierbar habe keine Verschlimmerung in den ersten eineinhalb Jahren nach dem Unfall nachgewiesen werden können. Das heutige Beschwerdebild sei geprägt durch eine Symptomausweitung (S. 17 ff.).
Zur Arbeitsfähigkeit äusserte sich
Dr.
I._
nicht.
3.5
Am 2. Oktober 2012 wurde der Beschwerdeführer durch med.
pract
.
J._
, Fachärztin Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
RAD
, unter
sucht
(
Bericht vom 8. Oktober 2012,
Urk. 5/16)
. Med.
p
ract
.
J._
nannte als Diagnose mit Auswirku
ng auf die Arbeitsfähigkeit Schu
lter-Armschmerzen bei Status nach Ellenbogengelenksprellung und neurologisch gesicherter Neuro
pathie des
Nervus
ulnaris
links (S. 5 Ziff. 8).
Beim Beschwerdeführer sei anhand der vorliegenden medizinischen Berichter
stattung und der körperlichen Untersuchung vom 2. Oktober 2012 ein somati
scher Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige, nicht sicher nachweisbar. Das geklagte Schmerzsyndrom und die geklagte
Funktionsminde
rung
des linken Armes seien durch objektive Befunde nicht zu erklären. Ledig
lich die elektrophysiologisch nachgewiesene Minderung der
Nervenleit
ge
schwin
digkeit
des
Nervus
ulnaris
links bleibe als objektivierbarer Befund.
Bei der Untersuchung habe kein Hinweis auf einen dem Schmerzbild entspre
chenden Muskelabbau durch Schonung des linken Armes bei Nichtbenutzung gefunden werden können. Die Umfangsdifferenz der Arme im Oberarm habe der zu erwartenden Differenz bei einem Rechtshänder entsprochen. Lediglich im Bereich des Unterarmes habe sich eine etwas
grössere
Umfangsdifferenz gefun
den, die durch Schonung bedingt sein könn
t
e. Hinweise auf Ausfallerscheinun
g
en
mit Atrophie einzelner Muskelgruppen, speziell der Muskulatur des Hand
rückens, wie sie bei einem Ausfall des
Nervus
ulnaris
zu erwarten sei, seien nicht gefunden worden.
Eine konklusive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf sei aus orthopädischer Sicht derzeit nicht möglich. Medizinisch-theoretisch sei dem Beschwerdeführer jedoch eine angepasste Tätigkeit mit körperlich leichter Wechselbelastung, ohne Hebe- und Tragebelastung des linken Armes, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne Arbeiten in Armvorhalte und ohne besondere Belastung des linken Armes sowie ohne Schlag- und
Vibrationsbe
lastung
der Arme zu 100 % zumutbar
(S. 6 Ziff. 10)
.
3.
6
Die psychiatrisch-neurologische Untersuchung beim
RAD
erfolgte am 16. Januar 2013 und wurde von
dipl.
med.
K._
, Facharzt für Psychiat
rie und Psychotherapie sowie für Neurologie, durchgeführt
(
Bericht vom 30. Januar 2013,
Urk. 5/22)
.
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit hielt
dipl.
med.
K._
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.0) bei wahrscheinlich traumatisch bedingter sensibler distaler
Nervus
ulnaris
Läsion links fest (S. 4 Ziff. 11).
In
der
Beurteilung führte
dipl.
med.
K._
aus, beim Krankheitsverlauf falle auf, dass zu Beginn nur starke Schmerzen im Bereich des linken Ellenbogens mit Ausstrahlung in den vierten und fünften Finger vorhanden gewesen seien. Im Verlauf der weiteren Konsultationen sei dann über eine
Schmerzausstrah
lung
im Bereich des Unter- und Oberarmes sowie über Schmerzen im Bereich der Brust, der linken Schulter und des gesamten linken Unterarmes berichtet worden.
Ausserdem
habe der Beschwerdeführer angegeben, er könne seinen Arm kaum noch gebrauchen. Immer wieder sei in den entsprechenden neurolo
gischen, neurophysiologischen sowie kernspinntomographischen Abklärungen eine deutliche Diskrepanz zwischen der praktischen Funktionsaufhebung des linken Armes und der ausgeprägten Schmerzsymptomatik
einerseits und den objektiv gefundenen Befunden andererseits festgehalten worden.
Letztlich lasse sich auch anlässlich der aktuellen Untersuchung festhalten, dass die ausgeprägte Schmerzsymptomatik und praktische Funktionslosigkeit des linken Armes bei fehlenden Muskelatrophien und relativ geringen objektiven Be
funden nicht nachvollzogen werden könne. Es sei am ehesten von einer
deutlichen Schmerzausweitung und Selbstlimitierung auszugehen beim Vorlie
gen einer chronischen Schmerzstörung. Hinweise für eine schwerere psychiat
ri
sche Störung hätten nicht erhoben werden können. Ebenso habe in der aktuellen Un
tersuchung kein Hinweis für das Vorliegen einer leichten psychiatrischen Störung
im Sinne einer Anpassungsstörung gefunden werden können. Dass sich der Beschwerdeführer Sorgen um die weitere Zukunft mache, sei nachvollziehbar und nicht als krankheitswertig einzustufen (S. 5 Ziff. 12).
Die zugrunde liegende neurologische Schädigung schränke die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht ein (S. 6).
3.
7
Prof.
Z._
nannte in seinem am 24. April 2014 erstatteten Gutachten (Urk. 9) folgende Diagnosen (S. 29 Ziff. 4):
Status nach leichter unfallbedingter Kontusion des
Nervus
ulnaris
links
chronisches Schmerzsyndrom des linken Armes
In seiner Beurteilung (S. 23 ff.) führte Prof.
Z._
aus, der linke Arm des Be
schwerdeführers sei seit dem Unfall im Jahr 2009 mehrfach klinisch untersucht worden. Es habe sich zu Beginn der Beschwerden eine Hypästhesie des
Nervus
ulnaris
links versorgten Hautareals, zudem wahrscheinlich auch eine leichte Lähmung des Fingerspreizens beziehungsweise der Abduktion des Kleinfingers gezeigt. Dieses Ausfallsmuster entspreche einer
leichtgradigen
Funktionsstörung des
Nervus
ulnaris
links, so dass zu Recht davon ausgegangen worden sei, es sei beim Unfall zu einer leichten
Kontusionierung
des linken
Nervus
ulnaris
ge
kommen. In den späteren Untersuchungen sei, wohl wegen der Ausweitung der Schmerzen, der damit verbundenen Schonhaltung und dem deshalb verminder
ten Mitmachen des Beschwerdeführers, die klinische Symptomatik nicht mehr so klar gewesen. Es könne aber immerhin festgestellt werden, das
s
Echtzeitdo
kumente
tatsächlich auf eine leichte, klinisch feststellbare Funktionsstörung des
Nervus
ulnaris
hinweisen würden, die durch den erlittenen Unfall mit Anschla
gen des Ellenbogens zu erklären gewesen sei. Derartige leichte
Nervenkontusio
nen
hätten eine sehr günstige Prognose, würden sie doch nach wenigen Wochen ohne Residuen ausheilen
(S. 24 oben)
.
Ab etwa Juli 2009 seien von den untersuchenden Ärzten zunehmend Beschwer
den notiert worden, die über eine reine
Ulnarisstörung
links hinausgegangen seien. Auch bei der aktuellen Untersuchung habe der Beschwerdeführer über Beschwerden geklagt (Schmerzen linker Kopf, linkes Bein, rechte Hand, Muskel
schwäche praktisch aller Muskeln des linken Armes, sensibles
Hemisyndrom
links), welche nicht durch eine Ellenbogenkontusion und/oder eine
Funktions
stö
rung des
Nervus
ulnaris
links verursacht sein könnten. Es sei davon auszu
ge
hen, dass es seit dem Unfall zu einer Ausweitung der anfänglichen Symptoma
tik
gekommen sei, die nicht durch eine organische Störung des
Nervus
ulnaris
links erklärbar sei
(S. 24 f.)
.
Hinsichtlich der Frage wie gross der Anteil organisch begründeter Beschwerden am gesamten Beschwerdebild sei, sei bemerkenswert, dass keine objektiven klinischen Befunde einer Nervenschädigung des
Nervus
ulnaris
haben gefunden werden können: So liege keine spürbare Temperaturdifferenz zwischen den Händen vor, ebenso wenig eine deutliche Muskelatrophie der vom
Nervus
ulna
ris
versorgten intrinsischen Handmuskulatur und auch kein vermehrtes oder vermindertes Schwitzen an der linken Hand. Sodann seien die
Muskeleigenre
flexe
seitengleich, obwohl bei der Kraftprüfung weitreichende linksseitige Mus
kelschwächen demonstriert worden seien, dementsprechend die
Muskeleigenre
flexe
links also hätten vermindert sein müssen. Alle anderen klinischen Befunde (insbesondere Kraft, motorische Prüfung, Sensibilität) seien nur bei einwand
freier Kooperation des Beschwerdeführers „objektiv“ und deshalb nicht zur kli
ni
schen Objektivierung oder Quantifizierung einer allfälligen
Nervenschädi
gung
geeignet
(S. 25)
.
Bei der aktuellen Messung seien normale Nervenleitgeschwindigkeiten des
Ner
vus
ulnaris
im Bereich des linken
Sulcus
ulnaris
gemessen worden. Es seien nie Zeichen einer
axonalen
Nervenschädigung nachgewiesen worden. In diesem Punkt seien sich die vier bisher durchgeführten Neurographien einig.
Axonale
Nervenschädigungen könnten auch in der
Nadelmyographie
nachgewiesen wer
den. Alle, auch die aktuell durchgeführte
Nadelmyographie
, hätten keine
Dener
vationszeichen
und damit keine Zeichen einer
axonalen
Ulnarisschädigung
gezeigt. Auch die aktuell durchgeführte quantitative
Nadelmyographie
, welche Veränderungen erfasse, die durch eine in der Vergangenheit abgelaufene
axo
nale
Nervenverletzung entstehen würden, sei normal. Dementsprechend habe auch diese Untersuchung also keine Hinweise auf eine früher abgelaufene Läsion des
Nervus
ulnaris
links gezeigt
(S. 25 ff.)
.
Zusammengefasst habe beim Beschwerdeführer keine nennenswerte Läsion des
Nervus
ulnaris
links nachgewiesen werden können. Es fänden sich auch keine objektiven klinischen Zeichen einer
Ulnaris
-Läsion. Im gutachterlichen
Gesamt
zusammenhang
könne damit gefolgert werden, dass kein organisches Korrelat der enormen vom Beschwerdeführer geklagten Schmerzen habe gefunden wer
den können
(S. 28).
Aus neurologischer Sich könne keine Diagnose gefunden werden und könne auch retrospektiv keine Diagnose rekonstruiert werden, welche eine
funkionelle
oder zeitliche Leistungseinbusse begründen könnte. Demnach sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Bauhilfsarbeiter aus
zugehen
(S. 29
f.
Ziff.
6 ff.
).
3
.
8
Dr.
A._
hielt in seinem Bericht vom 8. Oktober 2014 fest, es bestünden keine Hinweise auf eine
Ulnaris
-Läsion links am
Sulcus
, auch seien keine signifikan
ten Seitendifferenzen feststellbar. Ebenfalls habe die neurographische Unter
suchung für den
Nervus
medianus
beidseits normale Verhältnisse aufgezeigt. Auch die Tatsache, dass das quantitative EMG eines
Ulnaris
-versorgten kleinen Handmuskels im April 2014 völlig normal ausgefallen sei, spreche gegen eine sign
ifikante
Ulnaris
-Läsion (Urk. 18
S. 2 f.).
3.
9
Am 26. November 2014 wurde im
B._
ein MRI beider Ellbogen durchgeführt
(Urk. 25/2
).
Im
entsprechenden
Bericht wurde ausgeführt, es
seien Zeichen eines
Sulcus
ulnaris
-Syndroms links mit deutlicher Neuropathie des
Nervus
ulnaris
festzustellen. Ansonsten habe sich ein normaler Befund ergeben.
4.
4.1
Prof.
Z._
nahm Bezug auf die gestellten Diagnosen sowie die - insbesondere auch durch elektrophysiologische Messungen - erhobenen Befunde und legte ausführlich sowie nachvollziehbar dar, dass kein organisches Korrelat der ge
klagten Beschwerden vorliegt. Er berücksichtigte die medizinischen
Vorakten
ebenso wie die geklagten Beschwerden des
Beschwerdeführers. Die
Darlegung der medizinischen Befunde sowie deren Beurteilung ist einleuchtend und die Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet, mithin erfüllt das
Gerichts
gutachten
die seitens der Rechtsprechung konkretisierten Anforderungen (v
gl.
E. 1.3
) vollumfänglich.
Wie Prof.
Z._
darlegte (vorangehend E.
3.7
), konnten keine objektiven klini
schen Befunde einer Nervenschädigung des
Nervus
ulnaris
gefunden werden. Die elektrophysiologischen Untersuchungen ergaben einen Normalbefund. Es fehlt sowohl an objektivierbaren klinischen Befunden als auch an einem
elekt
rophysiologischen
Korrelat hinsichtlich der geklagten Beschwerden. Die Diag
nose eines
Sulcus
ulnaris
-Syndroms sei wegen der generellen Schmerzschonung klinisch ni
cht nachvollziehbar (vgl. Urk.
9 S. 31 unten). Demnach verneint
e
Prof.
Z._
das Vorliegen eines
Sulcus
ulnaris
-Syndroms
und attestierte dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in seiner bisherigen Tätigkeit
.
4.2
Ni
chts anderes ergibt sich aus de
m
Bericht
von
m
ed.
p
ract
.
J._
(voran
gehend E. 3.5
)
.
So fand sie k
einen Hinweis auf einen dem Schmerzbild entspre
chenden Muskelabbau durch Schonung des linken Armes und wies insbeson
dere darauf hin, dass es an einer Atrophie der Muskulatur des Handrückens fehle, was bei einem Ausfall des
Nervus
ulnaris
jedoch zu erwarten wäre
.
4.3
Auch die
von der Beschwerdegegnerin beim
Unfallversicherer
beigezogenen Arztberichte vermögen die
Schlüssigkeit des Gutachtens von Prof.
Z._
nicht in Frage zu stellen
: Sowohl
Dr.
E._
als auch
Dr.
I._
kamen zum Schluss, dass die vom
Beschwerdeführer präsentierten Symptome nicht durch
eine Läsion eines peripheren Nervs (
Nervus
ulnaris
) erklärbar seien und spra
chen von
einer Symptomausweitung.
Dr.
E._
attestierte - wie Prof.
Z._
- eine 100%ige Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht.
Zu den im Vergleich zum Bericht von
Dr.
C._
und
Dr.
D._
abweich
en
den Ergebnissen der elektrophysiologischen Untersuchungen
nahm Prof.
Z._
-
insbesondere zur Interpretation der verschiedenen Messwerte - Stellung und legte ausführlich dar, weshalb diese Messparameter nicht als organisches Korrelat der beklagten Schmerzen herangezogen werden können beziehungs
wei
se weshalb der Befund einer Verlangsamung der Leitgeschwindigkeit im
Sulcus
ulnaris
zur Objektivierung des organischen Ursprunges der Beschwerden
ungeeignet sei (vgl. Urk. 9 S. 27).
Somit ist auch deren Bericht nicht geeignet, die Schlussfolgerungen von Prof.
Z._
in Frage zu stellen.
4.4
Ni
cht zu prüfen
sind
im Übrigen d
ie
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ein
gereichte
n
Bericht
e von
Dr.
A._
(vorangehend E. 3.8
) sowie betreffend
das im November 2014 durchgeführte MRI
(
v
orangehend E. 3.9
), da das Datum der angefochtenen Verfügung vom 2
1.
Juni
201
3
die zeitliche Grenze der richterli
chen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 131 V 9 E. 1, 130 V 445 E. 1.2,
122 V 77 E. 2b, je mit Hinweis).
Ohnehin
konnte in einem
früheren MRI vom 6. Juli 2009 eine Pathologie des linken Ellenbogens ausgeschlossen werden (vgl. Urk. 5/11/157)
.
A
n diesem Befund vermag das neue MRI nichts zu ändern.
Die
Beschwerdegeg
nerin
wird die
neuen bildgebenden Befunde
allerdings
nach Eintritt der Rechts
kraft dieses Urteils
im Rahmen einer erneuten Prüfung
würdigen, wozu die Sache an s
ie
zu überweisen ist
.
4.5
Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge
hen, dass
beim Beschwerdeführer
keine organische Ursache für
seine
Beschwer
den
vorli
egt. Aus somatischer Sicht ist
er zu 100 % arbeitsfähig
.
5.
5.1
Für die vom Beschwerdeführer angegebenen Schmerzen fehlt es aufgrund des
vorstehend
(
E
.
4
.
)
Dargelegten an einer organischen Ursache.
Aufgrund der
psychia
trisch-neurologischen
Untersuchung beim RAD wurde
eine chronische
Schmerz
störung
(ICD-10 F45.0) diagnostiziert.
Soweit
dipl.
med.
K._
aller
dings an
führte, es liege wahrscheinlich eine sensible distale
Nervus
ulnaris
Läsion links vor
, womit die Schmerzstörung teilweise somatische Faktoren habe, kann ihm nach dem Gesagten nicht gefolgt werden. Insbesondere widerspricht er sich
in dieser Hinsicht
, da er nach eigenen Angaben einen weitgehend normalen
Neu
rostatus
festhielt und
auch er
keine bei einer
Nervus
ulnaris
Läsion typische Parese im Bereich der Handmuskulatur feststellen konnte (vgl. Urk. 5/22/3 Ziff. 8
). Aus psychiatrischer Sicht konnten weder Hinweise für eine schwere psychiatrische Störung noch solche für das Vorliegen einer leichten psychiatri
schen Störung im Sinne einer Anpassungsstörung finden (vgl. E. 3.6). Somit
ist erstellt, dass der Beschwerdeführer an einer Schmerzerkrankung ohne fassbares organisches Korrelat leidet.
Soweit die Ärzte des
H._
im Jahr 2010 übrigens noch davon ausgingen, es liege keine Schmerzstörung vor, ist hervorzuheben, dass sie in ihrem Bericht explizit darauf hinwiesen, dass sie keine abschliessende Abklärung über das
Bestehen oder Nichtbestehen einer
somatoformen
Schmerzstörung vornahmen (vgl. voran
gehend E. 3.2).
5.2
Zur Arbeitsfähigkeit führte
dipl.
med.
K._
aus (Urk. 5/22/6): „Die zugrunde liegende neurologische Schädigung schränkt die Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit nicht ein.“ Damit ist nicht ohne weiteres klar ersichtlich, wie er aus psychiatrischer Sicht die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf
grund der Schmerzstörung
einschätzt
e
. Selbst wenn
aufgrund der
Schmerz
stö
rung
eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden wäre,
ist
aus
versicherungs
recht
licher
Sicht
zu prüfen, ob diese
überhaupt berücksichtigt werden kann. Bei solchen Krankheitsbildern sind die rechtlichen Kriterien zur Beurteilung von
somatoformen
Schmerzstörungen und ähnlichen
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage heranzuziehen.
5.3
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein
ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch
aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
; „Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behandlungs
er
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch
mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilita
tions
massnahmen
bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (koope
rative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind
–
aus
nahms
weise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
5.4
Das zentrale Kriterium einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer ist vorliegend nicht gegeben.
Beim Beschwerdeführer sind auch keine somatischen Beschwerden vorhanden, welche zu einer
massge
blichen
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit führen würden
(vorangehend E. 4)
. Chronische körperliche Begleiterkrankungen liegen demnach nicht vor. Demgegenüber ist von einem
chronifizierten
Krankheitsverlauf mit unverän
derter oder progredienter Symptomatik auszugehen, da beim Beschwerdeführer bereits seit dem Unfall im April 2009 eine Schmerzsymptomatik vorlag und sich in der Folge eine Schmerzstörung entwickelte, die sich nicht mehr zurückgebil
det hat. Das Kriterium des Scheiterns einer konsequent durchgeführten ambu
lanten oder stationären Behandlung trotz kooperativer Haltung der versicherten Person ist vorliegend nicht gege
ben.
So
ergab
die
Überprüfung der medika
mentösen Behandlungssituation und -
compliance
,
dass die Werte der verordne
ten
Medikamente unterhalb
der Nachweisgrenze
lagen (vgl. Urk.
5
/
22
/
4
).
Schliesslich fehlen auch Hinweise für das Vorliegen eines primären
Krankheits
gewinns
und eines sozialen Rückzugs in allen Belangen des Lebens
. Bezüglich Letzterem ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführe
r
mehrmals pro Woche
eine
Ergotherapie
besucht
, seine Ehefrau teilweise beim Einkaufen begleitet (Urk. 9 S. 18) und verschiedene Kontakte zu Landsleuten hat (Urk. 5/22/1 Ziff. 2)
.
Die Gesamtwürdigung der bei Fehlen einer psychischen
Komorbidität
zu beach
tenden
massgebenden
Kriterien ergibt, dass einzig von einem
chronifizierten
Krankheitsverlauf auszugehen ist. Angesichts dessen kann nicht gefolgert wer
den, eine Schmerzbewältigung sei ausnahmsweise unzumutbar.
5.5
Beeinträchtigungen aufgrund eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
synd
ro
malen
Beschwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage können nur dann eine Invalidität begründen, wenn entweder eine erhebliche psychische
Komorbidität
besteht oder bestimmte andere Kriter
ien erfüllt sind (vorstehend E. 5.3
). Die Würdigung der Akten hat ergeben, dass vorliegend beides nicht der Fall ist; weder ist eine erhebliche psychische
Komorbidität
zu bejahen noch sind die alternativen Kriterien erfüllt. Somit vermögen die genannten Beeinträchti
gungen keine versicherungsrelevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen.
Dem
ent
sprechend
ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Wenn der Beschwerdeführer diese medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit nicht verwertet, ist er trotzdem nach dieser, mithin nach dem ihm objektiv zu
mutbaren Arbeitsausmass, zu beurteilen (BGE 127 V 294 E. 4c mit Hinweisen und AHI 2001 S. 228 E. 2b).
Soweit der Beschwerdeführer verlangt, es seien weitere Abklärungen durchzu
führen (vgl. E. 2.2), kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 127 V 491 E. 1b mit Hinweisen)
verzichtet werden
. Der Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sind aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt. Von weiteren Untersuchungen wären keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.