Decision ID: 34b1dcc2-56d6-46fc-a543-6664956bdfd3
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 11. Januar 2006 erstmals bei
der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). In der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) wurde ein Status nach
konservativ behandelter, in Fehlstellung verheilter Kondylus ulnaris-Fraktur
diagnostiziert (Berichte vom 1. September 2005, IV-act. 9-7 f., und vom 3. Oktober
2005, IV-act. 9-5 f.). Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin, berichtete zusätzlich
von einem BWS-Syndrom bei Kyphoskoliose und Morbus Scheuermann. Seit
10. Dezember 2005 sei der Versicherte voraussichtlich andauernd zu 50 %
arbeitsunfähig (Arztbericht vom 13. Februar 2006, IV-act. 9-1 ff.; Verlaufsbericht vom
12. Januar 2007, IV-act. 33-1 ff.). RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt für
Arbeitsmedizin, nahm am 12. Februar 2007 Stellung, es bestehe eine dauerhafte
Einschränkung des rechten Arms bei mittelschwerer und schwerer körperlicher
Tätigkeit. In adaptierten Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-
act. 34). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheide vom 23. Februar
2007, IV-act. 44 f.) wies die IV-Stelle mit Verfügungen vom 11. April 2007 das Gesuch
bezüglich Arbeitsvermittlung (IV-act. 46) und bezüglich Rente (IV-act. 47) ab, da der
Versicherte in der Stellensuche nicht beeinträchtigt und in adaptieren Tätigkeiten zu
100 % arbeitsfähig sei.
A.a.
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Am 28. September 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug
an (IV-act. 48). Er gab an, als Küchenhilfe in einer Pizzeria tätig zu sein. Am 29. Oktober
2014 hatte er eine Parierfraktur am rechten Unterarm mit undislozierter Querfraktur im
mittleren Ulnaabschnitt erlitten (Berichte der Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom 3. November 2014, IV-
act. 59-3 f., vom 18. November 2014, IV-act. 159, vom 16. Dezember 2014, IV-
act. 59-1 f., und vom 5. Februar 2015, IV-act. 157).
A.b.
Der Versicherte äusserte im Assessmentgespräch vom 22. Dezember 2015, das
Kneten und Formen des Pizzateigs bereite ihm Mühe. Er möchte eine andere Arbeit
ausführen, für ihn denkbar wäre eine Tätigkeit am Fliessband oder im feinmotorischen,
handwerklichen Bereich (vgl. Assessmentprotokoll, IV-act. 73). Die IV-Stelle sprach ihm
mit Mitteilung vom 19. Januar 2016 Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 78). Die
Eingliederungsverantwortliche schloss diese ab, da der Versicherte nicht mitgewirkt
und unwahre Angaben gemacht habe (IV-act. 94-3), worauf die IV-Stelle das
Leistungsbegehren auf berufliche Massnahmen mit Mitteilung vom 26. Juli 2016
abwies (IV-act. 102).
A.c.
Mit Vorbescheid vom 24. August 2016 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Abweisung des Leistungsbegehrens
hinsichtlich Rente. Zur Begründung wurde angeführt, dass der Versicherte in einer
adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei (IV-act. 108). Dagegen liess der
Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin K. Schläpfer, am 29. September 2016
Einwand erheben (IV-act. 113). Nach Eingang weiterer Unterlagen (Zwischenbericht
P._ vom 7. November 2016, IV-act. 119-2 ff.; Berichte von med. pract. D._ vom
13. Januar 2017, IV-act. 125, und vom 8. Mai 2017, IV-act. 132; Stellungnahme der
RAD-Ärztin Dr. E._ vom 12. Juni 2017, IV-act. 133) gewährte die IV-Stelle dem
Versicherten am 12. Juni 2017 die zweite Anhörung (IV-act. 135). Der Versicherte nahm
am 30. Juni 2017 Stellung (IV-act. 137-1 ff.). Nach Eingang weiterer Berichte von
Dr. F._ vom 25. August 2017 (IV-act. 162) und der Klinik für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom 27. Oktober 2017 (IV-
act. 172) ordnete die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung an.
A.d.
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Die Gutachter der estimed AG (Dr. med. G._, Facharzt für Neurologie,
Psychiatrie und Psychotherapie [Neurologie], Dr. med. H._, Fachärztin für Allgemeine
Innere Medizin, Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
[Psychiatrie], Dr. med. J._, Facharzt für Orthopädie und Rheumatologie [Orthopädie];
Untersuchungen 1., 8., 9. und 28. Februar 2018, IV-act. 187) diagnostizierten als
Gesundheitsbeeinträchtigungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Gleichgewichtsstörungen unklarer Genese, eine Polyneuropathie der Beine distal
betont, vermutlich diabetogen oder alkoholtoxisch bedingt, eine hirnatrophische
Störung frontal betont, am wahrscheinlichsten alkoholtoxisch bedingt, einen Zustand
nach in Fehlstellung und Pseudoarthrose (bei) nicht korrekt (verheilter), dislozierter
Epicondylus ulnaris Fraktur rechter Humerus im Alter von ca. 14 Jahren mit
verbliebener Beugekontraktur mit einer Streckhemmung von 60 Grad und
belastungsabhängigen Schmerzen (IV-act. 187-36 f.) sowie eine Alkoholabhängigkeit,
derzeit ständiger Konsum (ICD-10: F10.25, IV-act. 187-46). Weiter bestünden unter
anderem ein Diabetes mellitus Typ II und ein Status nach depressiver Episode
(remittiert, ICD-10: F32.4; IV-act. 187-46). Leichte Tätigkeiten im Wechsel von Stehen,
Gehen und Sitzen ohne einseitige oder schwere Belastung des rechten
Ellbogengelenks und ohne Benutzung von Treppen, Leitern, Gerüsten oder laufenden
Maschinen seien dem Versicherten vollumfänglich zumutbar (vgl. IV-act. 187-35 ff., 41).
Die retrospektive Beurteilung sei problematisch, da auf echtzeitlich erhobene Befunde
abgestellt werden müsse. Die volle Arbeitsfähigkeit gelte auch retrospektiv mit
Ausnahme der Phase mit einer depressiven Episode. Aufgrund der Aktenlage habe
wohl eine 50%ige (richtig wohl: 20%ige bis 30%ige, vgl. psychiatrisches Teilgutachten,
IV-act. 187-103) Arbeitsunfähigkeit bestanden von November 2016 bis Mitte 2017 (IV-
act. 187-41, 49). RAD-Ärztin Dr. E._ befand am 15. Mai 2018, das Gutachten sei
plausibel und nachvollziehbar, es könne darauf abgestellt werden (IV-act. 188).
A.e.
Mit Vorbescheid vom 24. Mai 2018 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Leistungsbegehrens (IV-act. 191).
Im Einwand vom 29. Juni 2018 (IV-act. 192) bzw. 26. Juli 2018 (IV-act. 194-1 ff.) liess
der Versicherte ausführen, das Gutachten sei mangelhaft; es bestehe eine faktische
Einarmigkeit, weitere durch die behandelnden Ärzte gestellten Diagnosen würden nicht
gewürdigt und es fehle an einer Konsensbeurteilung. Weiter sei ihm ein
A.f.
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B.
Tabellenlohnabzug von 20 % zuzugestehen. Die Gutachterstelle nahm am 1. April 2019
zum Einwand Stellung (IV-act. 202).
Die IV-Stelle gewährte nach Eingang der RAD-Stellungnahme vom 3. April 2019
(IV-act. 203) dem Versicherten wiederum das rechtliche Gehör (IV-act. 204) und wies
das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 1. Mai 2019 ab. Sie führte aus, der
dominante Arm könne zumindest als Zudienarm eingesetzt und dürfe keiner einseitigen
Belastung ausgesetzt werden. Somit bestehe keine faktische Einarmigkeit. Auch sei die
Arbeitsfähigkeit bei Einarmigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertbar. Da
von einer gewissen Einschränkung der Leistungsfähigkeit auszugehen sei, werde ein
Leidensabzug von 10 % gewährt. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 6 %, womit kein
Rentenanspruch bestehe (IV-act. 205).
A.g.
Gegen die Verfügung vom 1. Mai 2019 lässt der Versicherte (fortan:
Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin K. Schläpfer, MLaw, am
5. Juni 2019 Beschwerde erheben. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und es sei ihm mindestens eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen. Weiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu
gewähren. Zur Begründung macht er - zusammengefasst, auf Einzelheiten wird in den
Erwägungen eingegangen - geltend, auf das der angefochtenen Verfügung
zugrundeliegende Gutachten vom 28. April 2018 sowie die Stellungnahme der
Gutachterstelle vom 1. April 2019 könne nicht abgestellt werden. Die Gutachter setzten
sich unzureichend mit den in den Akten liegenden Arztberichten auseinander. Seine
gesundheitliche Situation habe sich seit der ablehnenden Verfügung vom 11. April 2007
wesentlich verschlechtert. Die Beschwerden am rechten Ellbogen und Arm sowie an
den Schulterblättern hätten sich verstärkt. Berichten von med. pract. D._ zufolge
leide er an einer langjährigen Alkoholabhängigkeit und sei seit ca. November 2016
durch eine mittelgradige depressive Episode in seiner Arbeitsfähigkeit um 20 % bis
30 % eingeschränkt. Es liege eine faktische Einarmigkeit des dominanten Arms vor,
weshalb die Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
erheblich erschwert sei. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der
einzelnen Diagnosen und nicht einer Gesamtwürdigung unter Berücksichtigung der
B.a.
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Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Gesundheitsbeeinträchtigungen
erfolgt. Erhebliche Zweifel an der gutachterlichen Einschätzung erwecke auch die
Aussage, die Befunderhebung habe eventuell an einem überdurchschnittlich guten Tag
stattgefunden. Die bisherigen Arbeitsversuche seien aufgrund seiner körperlichen
Beschwerden und Einschränkungen gescheitert. Selbst in einer angepassten Tätigkeit
sei es ihm nur möglich, dreieinhalb bis vier Stunden pro Tag zu arbeiten. Mit dem
aktuellen Pensum von 20 % komme er an seine körperlichen Grenzen. Das
Invalideneinkommen sei gestützt auf seinen tatsächlichen Lohn und nicht auf den
Tabellenlohn zu ermitteln. Wenn allerdings der Tabellenlohn herangezogen werde, sei
ein Tabellenlohnabzug von 25 % gerechtfertigt (act. G 1).
Am 12. Juni 2019 reicht der Beschwerdeführer Berichte der Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom
11. April 2016 (act. G 4.1.1) und 27. Oktober 2017 (act. G 4.1.2) zu den Akten (act. G 4).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 30. Juli 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin, die
Beschwerde sei abzuweisen. Unter Hinweis auf Aufgabe und Stellung der
Gutachterstelle als MEDAS und des polydisziplinären Ansatzes führt sie aus, die
Gutachterstelle habe die Berichte der behandelnden Ärzte zur Kenntnis genommen.
Die körperlichen und psychiatrischen Befunde seien diskret bis leicht ausgeprägt.
Einzig die Einschätzung des nicht fachärztlich qualifizierten Dr. F._ stehe nicht im
Einklang mit den Gutachtern. Zudem begründe dieser seine Einschätzung nicht
ausführlich bzw. plausibel. Die Berichte der behandelnden Ärzte enthielten keine
objektiv feststellbaren Gesichtspunkte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt
geblieben und geeignet seien, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen. Weitere
medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt. Das Invalideneinkommen könne nicht
aufgrund des tatsächlichen Lohns berechnet werden, da der Beschwerdeführer die
Restarbeitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weise ausschöpfe. Für den Beschwerdeführer
geeignet seien etwa leichtere Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten,
leichtere Aufgaben bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung oder eine
Beschäftigung an einem Empfang oder als Telefonist. Der Beschwerdeführer könne
seinen rechten Arm bei nicht schweren Tätigkeiten noch einsetzen und Tätigkeiten
ineinem bestimmten Wirtschaftszweig seien nicht ausgeschlossen, weshalb es sich
rechtfertige, den Durchschnittswert der Tabellenlöhne im gesamten privaten Sektor
B.c.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/22
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heranzuziehen. Da er nur noch leichte Hilfstätigkeiten ausführen könne, sei ein
Leidensabzug von 10 % vorzunehmen. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 10 %
(act. G 7).
Die Präsidentin bewilligte dem Beschwerdeführer am 6. August 2019 die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, unentgeltliche
Rechtsverbeiständung; act. G 8).
B.d.
In seiner Replik vom 13. Dezember 2019 bringt der Beschwerdeführer vor, er sei
vom 16. bis 30. August 2019 in stationärer psychiatrischer Behandlung gewesen. Er
legt dazu einen Bericht der Suchtstation der Psychiatrie K._ vom 13. September
2019 ins Recht (act. G 17.1.2). Weiterhin stehe er in orthopädischer Behandlung (dazu:
Berichte Orthopädie N._ vom 12. Juni und 18. November 2019, act. G 17.1.3). Die
Einschätzungen der MEDAS seien nicht unumstösslich, sie seien finanziell von den IV-
Stellen abhängig. Auffällig sei, dass nahezu sämtliche Gutachter in Deutschland
praktizierten. Der pauschale Hinweis auf die auftragsrechtliche Stellung behandelnder
Ärzte genüge nicht, um Zweifel an der Einschätzung der Gutachter auszuräumen. Dies
habe durch ein erneutes Gutachten zu geschehen. Das Gutachten der estimed AG sei
in mehrerer Hinsicht mangelhaft und nicht nachvollziehbar. Für die retrospektive
Beurteilung sei auf die Einschätzung der behandelnden Ärzte abzustellen. Das
orthopädische Teilgutachten sei auffällig kurz gehalten, was Zweifel an der
Einschätzung begründe. Von fachärztlicher Seite seien nebst der erheblichen
Beweglichkeitseinschränkung im rechten Ellbogengelenk zahlreiche weitere
orthopädische Beschwerden und Einschränkungen festgestellt worden. Es treffe nicht
zu, dass er seit Mitte 2017 nicht mehr in orthopädischer Behandlung stehe.
Psychiatrisch könne nicht von einer "relativ harmlosen Befundlage" ausgegangen
werden. Entgegen dem psychiatrischen Gutachter habe im Mai 2017 kein gebesserter
psychopathologischer Befund vorgelegen und es habe auch nach Mai 2017 eine 20%-
bis 30%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Aufgrund des Schweregrads der
Suchterkrankung und der Aussage, dass diese die Auswirkungen einer möglichen
Komorbidität überdecke, sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar. Die
psychiatrische Einschätzung sei folglich nicht abschliessend. Der Hausarzt Dr. F._ sei
durchaus in der Lage, seine Arbeitsfähigkeit einzuschätzen. An seinen Stellen in der
Pizzeria L._, im P._ und im Restaurant sei er nicht in der Lage gewesen, die
B.e.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/22
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Erwägungen
1.
erwarteten Aufgaben zu erfüllen. Selbst an einem angepassten Arbeitsplatz sei es ihm
nur möglich gewesen, dreieinhalb bis vier Stunden pro Tag zu arbeiten. Eine
gesamtheitliche Einschätzung führe zu einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 60 %.
Er schöpfe die Restarbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise aus. Arbeiten in der Industrie
seien ihm zufolge ihrer Gefährlichkeit nicht zumutbar. Die Restarbeitsfähigkeit sei nur
mit gegenüber dem Durchschnitt über alle Wirtschaftszweige stark vermindertem
erwerblichem Erfolg verwertbar. Es sei daher von einem tieferen Invaliditätseinkommen
als dem durchschnittlichen Tabellenlohn auszugehen und ein Leidensabzug von 20 %
bis 25 % gerechtfertigt (act. G 17).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 20).B.f.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. BGE 143 V 427 E. 6, Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017,
8C_350/2017, E. 5.4, und vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1;). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/22
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143 V 428, E. 7.1 und BGE 141 V 281). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden
Instanzen haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -
ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227
1.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/22
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2.
Ein erstes Leistungsgesuch des Beschwerdeführers wurde mit Verfügung vom 11. April
2007 (IV-act. 47) abgewiesen. Die Beschwerdegegnerin ist auf das neue Gesuch vom
28. September 2015 eingetreten, weshalb auf die entsprechenden Voraussetzungen
gemäss Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) nicht mehr einzugehen und zu prüfen ist, ob sich der
Gesundheitszustand seit dem Ergehen des abweisenden Entscheids rentenwirksam
verändert hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. September 2019, 8C_467/2019,
E. 3.2). Ein allfälliger Rentenanspruch aufgrund der Neuanmeldung vom 28. September
2015 besteht frühestens ab 1. März 2016 bzw. nach Ablauf des Wartejahrs gemäss
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG; BGE 142 V 550 f. E. 3.1 f.; Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Februar 2016, 9C_942/2015, E. 3.3.3).
E. 1.3.4, BGE 125 V 353 E. 3b/bb, Urteile des Bundesgerichts vom 15. Juli 2020,
8C_335/2020, E. 4.1, und 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, N 107 zu Art. 61).
1.5.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b, BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.6.
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3.
Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung vom 1. Mai 2015 (IV-act. 205)
bildet das polydisziplinäre Gutachten der estimed AG vom 28. April 2018 (IV-act. 187).
Dessen Beweistauglichkeit ist umstritten.
3.1.
Der Beschwerdeführer erlitt im Jugendalter eine Ellbogenfraktur. Seither leidet er
an einer so genannten Fishtail-Deformity bei bildgebend festgestellter mal union bzw.
non union des medialen Condylus. Aufgrund dessen bestünden funktionelle
Einschränkungen und Schmerzen. Die Beschwerden würden vor allem bei körperlicher
Mehrbelastung bei der Arbeit auftreten und imponierten eher im Sinne einer
Epikondylitis humeri radialis bzw. einer muskulären Überlastung (Bericht der Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom
24. April 2015, IV-act. 58). Mit neuem Gesuch macht der Beschwerdeführer geltend,
die Beschwerden hätten sich nach dem Unterarmbruch vom 29. Oktober 2014
verschlimmert. Mittlerweile liege eine funktionelle Einarmigkeit des dominanten Arms
vor und die Schmerzen hätten sich auf den Schulter- Nackenbereich ausgedehnt
(vgl. Arztberichte Dr. M._ vom 9. Oktober 2014, IV-act. 57-2 f., und der Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom
24. April 2015, IV-act. 58; Assessmentprotokoll vom 23. Dezember 2015, IV-
act. 73-1 f.).
3.1.1.
Bezüglich der Parierfraktur mit undislozierter Querfraktur im mittleren
Ulnaabschnitt war gemäss Berichten der Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates KSSG vom 16. Dezember 2014 (IV-
act. 59-1 f.) lediglich noch eine minimale Druckdolenz im ehemaligen Frakturbereich
vorhanden und am 5. Februar 2015 war sie mit stabiler Callusbildung konsolidiert (IV-
act. 157). Es ist somit nicht davon auszugehen, dass diese zu einer längerdauernden
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit führte.
3.1.2.
Am rechten Ellbogen erhoben der neurologische und der orthopädische
Gutachter eine Beugekontraktur mit eingeschränkter Beugung zwischen 60° und 100°
ohne entzündliche Veränderungen. Der Sulcus ulnaris sei druckdolent. Als Folge der
Beugekontraktur und der Immobilität nach der Ulnaschaftfraktur im Jahr 2014 bestehe
im rechten Arm eine deutliche Muskelatrophie. Die rechte Schulter sei schmerzlos frei
bewegbar, im linken Schultergelenk seien bei passiver Rotation Schmerzen
provozierbar. Die Unterarmdrehung sei lediglich einwärts diskret eingeschränkt
3.1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/22
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gewesen (IV-act. 187-64, 79). Aus der Krankengeschichte der Orthopädie N._
(Eintrag vom 6. November 2019) geht hervor, dass beim Beschwerdeführer vier Monate
zuvor am Ellbogen rechts eine Arthrolyse mit Pseudoarthrosen-Resektion und
Rekonstruktion des ulnaren Seitenbandes vorgenommen worden war. Es wurde
festgehalten, es bestünden unverändert ein Extensionsdefizit von 40° und deutliche
Restbeschwerden (act. G 17.1.3).
An der rechten Schulter wurde durch die Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG eine AC-Gelenksarthropathie mit
Druckdolenz und Schulterbeweglichkeit von Flexion und Abduktion von je 120° und
positivem Cross-Body-Test festgestellt und durch eine Infiltration behandelt, wonach
ein Beschwerderückgang nach Angaben des Beschwerdeführers aufgrund der
Schonung des Gelenks mit Reduktion des Arbeitspensums auf 50 % eintrat (Berichte
vom 15. Januar 2016, IV-act. 152, und vom 11. April 2016, IV-act. 151). Bezüglich der
linken Schulter vermerkte die Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des KSSG in ihrem Bericht vom 27. Oktober 2017, es bestehe
eine Instabilitätsarthropathie nach Humeruskontusion am 26. August 2017.
Anamnestisch habe sich der Beschwerdeführer vor ca. 15 Jahren und danach
wiederholt die Schulter "ausgekugelt" und selbst reponieren können. Bildgebend (CT
vom 25. Oktober 2017) wurden eine knöcherne Bankartläsion und eine leichte Hill-
Sachs-Läsion, beide älter, sowie Osteophyten, eine Omarthrose und Knorpeldefekte
am kaudalen Glenoid festgestellt (IV-act. 172). Bei der Begutachtung im Februar 2018
gab der Beschwerdeführer belastungsabhängige Schmerzen der linken Schulter an (IV-
act. 187-61). Der neurologische Gutachter führte im Befund aus, bei passiver Rotation
des Oberarms seien im Schultergelenk links Schmerzen provozierbar. Die rechte
Schulter sei frei bewegbar, ohne Provokation von Schmerzen (IV-act. 187-64). Der
orthopädische Gutachter erhob bei angegebenen manchmal auftretenden
Beschwerden der linken Schulter bei besonderer Belastung (IV-act. 187-81)
seitengleich eine freie Bewegbarkeit beider Schultern. Der Nacken- und Schürzengriff
sei regulär mit beiden Armen durchführbar gewesen (vgl. IV-act. 187-79 f.). Die linke
Schulter sei völlig frei bewegbar. Bei der aktuellen Untersuchung hätten keine
Auffälligkeiten festgestellt werden können (IV-act. 187-80). Der orthopädische
Gutachter erwähnte die im Oktober 2017 erhobenen Befunde an der linken Schulter
nicht und attestierte auch keine entsprechenden Adaptionskriterien (zum Beispiel
Einschränkung bezüglich Überkopfarbeiten). Die am 5. Juni 2019 durch die Orthopädie
N._ erhobenen kernspintomographischen Befunde zeigten eine PASTA-Läsion der
Supraspinatussehne sowie eine fortgeschrittene Omarthrose nach Bankartläsion. Es
3.1.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/22
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wurden eine aktuelle Bursitis subacromialis infiltrativ behandelt und eine
arthroskopische Sanierung in Betracht gezogen. Klinisch zeigte sich beidseits, links
deutlich, ein subacromiales Impingementsyndrom. Im Bericht zur Konsultation vom
6. November 2019 wurde festgehalten, in der linken Schulter bestehe radiologisch eine
sekundäre posttraumatische Omarthose mit sekundärem subacromialem Impingement.
Bisher sei eine Infiltrationstherapie erfolgreich durchgeführt worden. Weitere
Massnahmen hätten aufgrund der geringen Beschwerden noch nicht ergriffen werden
müssen (Einträge Krankengeschichte Orthopädie N._ vom 12. Juni 2019,
act. G 17.1.3). Der die Befunde dokumentierende Untersuchungsbericht der Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom
27. Oktober 2017 ist zwar im allgemeinen Aktenauszug, jedoch nicht unter den
spezifisch orthopädisch relevanten Akten aufgeführt (IV-act. 187-25, 74).
Nachvollziehbar ist indes, dass der Gesundheitsschaden der Schultern die
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nicht quantitativ einschränkt. Diese
Schlussfolgerung erscheint auch anhand der Krankengeschichte-Einträge der
Orthopädie N._ als bestätigend (act. G 17.1.3).
Im Bereich der HWS und des Schultergürtels konnte der neurologische
Gutachter bis auf einen paravertebralen Hartspann keine pathologischen Befunde bzw.
Einschränkungen erheben (IV-act. 187-64). Der orthopädische Gutachter hielt fest, die
Beweglichkeit der Wirbelsäule sei durch die deutlich verkürzte ischiocrurale/untrainierte
Muskulatur eingeschränkt. Ansonsten sei die Wirbelsäule auf allen Ebenen gut
beweglich. Es würden wiederholt Verspannungen im Bereich der Lendenwirbelsäule
beklagt (IV-act. 187-79). Die Beschwerden würden nur gelegentlich auftreten und seien
bei der aktuellen Untersuchung nicht relevant gewesen (IV-act. 187-81). Sie wurden
offenbar insoweit berücksichtigt, als Tätigkeiten im Wechsel von Stehen, Gehen und
Sitzen als angepasst bezeichnet wurden (IV-act. 187-82).
3.1.5.
Der neurologische Gutachter erhob sodann Gleichgewichtsstörungen unklarer
Genese, eine Polyneuropathie der Beine distal betont sowie eine hirnatrophische
Störung frontal betont (IV-act. 187-65). Letztere würden einen Gesundheitsschaden
von 20 % ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bedingen. Dies erscheint
insoweit nachvollziehbar, als die Gangprüfungen beim orthopädischen Gutachter
unauffällig verliefen (IV-act. 187-78) und sich keine Hinweise für wesentliche
Konzentrations-, Gedächtnisstörungen oder ein Korsakow Syndrom fanden (IV-
act. 187-65).
3.1.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/22
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Die internistische Gutachterin hielt fest, auf ihrem Fachgebiet seien keine
Beschwerden beklagt worden, die zu IV-relevanten Funktionsstörungen oder
Leistungseinbussen geführt hätten (IV-act. 187-34). Es ergäben sich keine Hinweise für
Sekundärschäden infolge der arteriellen Hypertonie oder des Diabetes mellitus. Ebenso
fänden sich keine Hinweise für Blutdruck- oder Blutzuckerinstabilitäten im Alltag (IV-
act. 187-35). Der Beschwerdeführer sei in angepassten Tätigkeiten zu 100 %
vollumfänglich arbeitsfähig (IV-act. 187-35).
3.1.7.
Der neurologische Gutachter hielt fest, die von ihm erhobenen Befunde seien
(noch) nicht so ausgeprägt, dass die Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt sei (IV-
act. 187-68). Der orthopädische Gutachter führte aus, die Schmerzen im rechten
Ellbogen träten nur bei Belastung auf. Dazu und zu den vom Beschwerdeführer
beklagten mittlerweile auch in der linken Schulter bestehenden Schmerzen hielt er fest,
seit ca. Mitte 2017 seien keine Behandlungen oder Schmerzmedikation auf
orthopädisch/rheumatologischem Gebiet erfolgt (IV-act. 187-75). Letzteres trifft zwar
nicht zu, doch lässt der Eintrag der Orthopädie N._ vom 25. November 2019 darauf
schliessen, dass die Beschwerden im rechten Ellbogen nach der Operation in etwa
unverändert gegenüber der Begutachtung persistieren und dass die Beschwerden der
linken Schulter (noch) gering sind (vgl. act. G 17.1.3). In somatischer Hinsicht ist der
Beschwerdeführer insoweit eingeschränkt, als der rechte Arm und als Folge von
dessen Entlastung zuungunsten des linken Arms die linke Schulter zu schmerzen
beginnt, je stärker der Beschwerdeführer den rechten Arm belasten muss. Von einer
faktischen Einarmigkeit ist indes aufgrund der gutachterlichen Befunde und mit Blick
darauf, dass die Beschwerden auch durch die Orthopädie N._ als nicht gravierend
eingeschätzt wurden, nicht auszugehen. Die Folgerung des orthopädischen und
neurologischen Gutachters sowie der internistischen Gutachterin, dass keine die
Arbeitsfähigkeit quantitativ beschränkenden Gesundheitsschäden vorliegen, ist nach
dem Gesagten nachvollziehbar. Zur abweichenden Einschätzung der Institution P._,
wo der Beschwerdeführer ein Pensum von 3,5 bis 4 Stunden bewältigen konnte, ist
Folgendes festzuhalten: Der Aufgabenbereich umfasste das Bereitstellen der
Pausenverpflegung, das Zubereiten, Anrichten und Garnieren des Salatbuffets, der
Menusalate und Desserts, die Lager- und Automatenbewirtschaftung, Pflege und
Reinigung der Kaffeemaschinen und Kassieren. Die Leistung bei nicht angepassten
Tätigkeiten wurde auf 60 % geschätzt (IV-act. 119-2 ff.). Das Tätigkeitsspektrum dürfte
nicht vollumfänglich angepasst gewesen sein in dem Sinne, dass der rechte Arm
ausreichend geschont werden konnte. Aus dem Bericht lässt sich nicht folgern, dass
der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen wäre, auch in der zweiten
3.1.8.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/22
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Tageshälfte zu arbeiten, wenn auch allenfalls wiederum während lediglich 3,5 bis 4
statt während 4,5 Stunden. Er vermag die gutachterliche Einschätzung somit nicht
massgeblich in Frage zu stellen.
Dem psychiatrischen Gutachter berichtete der Beschwerdeführer, er habe am
Vorabend innerhalb von drei Stunden etwa einen halben Liter Whisky getrunken, um
seine Nervosität zu beruhigen. Er leide unter häufigen Angstzuständen, habe Existenz-
und Zukunftsängste und mache sich grosse Sorgen um seine Mutter, der vielleicht die
Ausschaffung drohe (IV-act. 187-89). Wegen dieser Ängste könne er seit drei Jahren
nicht schlafen, vor allem nicht einschlafen. Er trinke seit ca. zehn Jahren praktisch
täglich eine halbe bis eine ganze Flasche Whisky, dies meistens erst abends und
mehrheitlich heimlich, damit seine Mutter es nicht mitbekomme. Kollegen hätten ihm
schon einen Entzug empfohlen. Die Ängste, Schlafstörungen und Sorgen erschwerten
ihm den Verzicht. Er leide seit ca. zehn Jahren unter Diabetes mellitus. Er habe
Stimmungsschwankungen, vor allem, wenn er an die drohende Ausschaffung seiner
Mutter denke. Er könne sich andererseits jedoch durchaus freuen, verspüre aber keine
grosse Motivation, etwas anzufangen. Er wüsste nicht was und so schaue er halt fern.
Auch dies verstärke seinen Drang, etwas zu trinken (IV-act. 187-90). Bewusstsein,
Orientierung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Auffassung, Merkfähigkeit und
Langzeitgedächtnis erhob der Gutachter als ungestört bzw. unauffällig. Im formalen
Gedankengang sei der Beschwerdeführer geordnet, nicht verlangsamt, nicht grübelnd
gewesen, dabei leicht eingeengt auf Zukunftsängste und umstellfähig gewesen.
Phobische Gedankengänge im engeren Sinn hätten sich nicht gezeigt. Diskrete
paroxysmale Ängste seien berichtet worden. Die Grundstimmung sei leicht gedrückt
gewesen, aber nicht tief depressiv, nicht labil, nicht dysphorisch. Die affektive
Modulationsfähigkeit sei leicht vermindert, situative Aufhellungen seien mehrfach
feststellbar gewesen. Der Antrieb sei nicht vermindert gewesen, Mimik und Gestik
mitschwingend. Zirkadiane Besonderheiten seien berichtet worden (IV-act. 187-93).
Zwei testpsychologische Untersuchungen ergaben keinen Hinweis auf ein depressives
Symptom (IV-act. 187-94). Nicht beeinträchtigt seien die Fähigkeit zur Anpassung an
Regeln und Routinen sowie zur Anwendung fachlicher Kompetenzen, die
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Fähigkeit zu
engen, intimen Beziehungen und zur Selbstpflege sowie die Verkehrsfähigkeit. Leicht
beeinträchtigt seien die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, leicht beeinträchtigt bis
beeinträchtigt die Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähigkeit, beeinträchtigt
seien die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben und die
Durchhaltefähigkeit, bis zur Hilfsbedürftigkeit beeinträchtigt sei die Fähigkeit zu
Spontanaktivitäten (IV-act. 187-95 ff.). Der Gutachter diagnostizierte eine
3.2.
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4.
Alkoholabhängigkeit, derzeit ständiger Konsum (ICD-10: F10.25) und legte dar, dass
deren Diagnosekriterien erfüllt seien (IV-act. 187-98 ff.). Aus psychiatrischer Sicht sei
der Beschwerdeführer für sämtliche körperlich adaptierten Tätigkeiten zu 100 %
arbeitsfähig. Einzig für den Zeitraum zwischen November 2016 und Mai 2017 (gemäss
Berichten von med. pract. D._ vom 13. Januar 2017 [IV-act. 125], vom 8. Mai 2017
[IV-act. 132] und vom 31. Mai 2017 [IV-act.143]) sei eine 20% bis 30%ige
Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer mittelgradigen depressiven Episode/komorbide
Alkoholabhängigkeit nachvollziehbar. Angesichts der floriden Alkoholproblematik seien
Arbeiten mit potenziell gefährlichen Geräten nicht zumutbar (IV-act. 187-101). Im
Hinblick auf die diagnostische Einschätzung komorbider Erkrankungen (Depression,
Angststörung, Persönlichkeitsstörungen) könne allerdings zum aktuellen Zeitpunkt
nicht zuverlässig Stellung genommen werden, da die Diagnose einer psychischen
Störung bei gleichzeitig floridem Alkoholkonsum nicht gestellt werden sollte; dieser
überlagere gegenwärtig jede mögliche psychische Störung (IV-act. 187-103).
Mit Urteil vom 11. Juli 2019 (BGE 145 V 215) unterstellte das Bundesgericht auch
Suchtleiden - unabhängig ob primär oder sekundär - dem strukturierten
Beweisverfahren nach BGE 141 V 281. Die neue Rechtsprechung ist vorliegend
anzuwenden (vgl. BGE 142 V 558 f., E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts vom 1. April
2014, 9C_769/2013, E. 2) und es ist zu prüfen, ob das Gutachten, gegebenenfalls im
Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten, eine schlüssige Beurteilung im Lichte
der massgeblichen Indikatoren erlaubt oder nicht (vgl. BGE 141 V 281 E. 8 S. 309;
Urteil des Bundesgerichts vom 13. April 2016, 9C_168/2015, E. 2.2.3).
4.1.
Die Alkoholabhängigkeit erscheint aufgrund der angegebenen Menge gravierend.
Indes sind die kognitiven Funktionen nicht beeinträchtigt und das Gleichgewicht
zumindest nicht durchgehend. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, das
psychiatrische Gutachten sei widersprüchlich, indem sich einerseits auf relevante
komorbide psychische Erkrankungen keine Hinweise ergäben (IV-act. 187-100),
andererseits aber deren Vorhandensein diagnostisch wegen der Alkoholerkrankung
nicht zuverlässig beurteilt werden könne (IV-act. 187-103) ist in Betracht zu ziehen,
dass nicht primär die Diagnosen, sondern die funktionellen Einschränkungen
massgebend sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. August 2019, 9C_344/2019,
E. 4.2, und vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1). Schwerergradige
Auswirkungen der Sucht sind dem Gutachten oder den Berichten von
med. pract. D._ nicht zu entnehmen. Ebenso erwähnten die Betreuer des P._ im
Zwischenbericht vom 7. November 2016 keine Alkoholprobleme (IV-act. 119). Näheres
4.2.
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ergibt sich auch nicht aus dem Bericht der Psychiatrie K._ zum stationären
Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 16. bis 30. August 2019 auf der Suchtstation.
Zwar berichtete der Beschwerdeführer dort von schlimmen Erlebnissen in seiner
Heimat (Ermordung eines Onkels in seiner Anwesenheit, häufigeres
Geschlagenwerden). Er sei jedoch in den letzten Jahren wieder in die Heimat in den
Urlaub gereist. Ein Vermeidungsverhalten scheine diesbezüglich nicht zu bestehen.
Über die Einschränkungen der psychischen Belastbarkeit unter Alltagsbedingungen
konnte aufgrund der lediglich 14-tägigen Behandlungsdauer keine Aussage gemacht
werden, da Belastungserprobungen nicht möglich gewesen seien. Der
Beschwerdeführer habe keine anschliessende Langzeittherapie gewünscht und eine
rasche Wiedereingliederung am Arbeitsplatz erreichen wollen. Da er am Folgetag des
Austritts eine Aushilfsarbeit bei seinem früheren Arbeitgeber habe antreten wollen, sei
keine Krankschreibung erfolgt (act. G 17.1.2.). Auch mit diesen Ausführungen wird die
Einschätzung des psychiatrischen Gutachters nicht durch objektivierte Gesichtspunkte
in Frage gestellt. Somit ist eine schwerwiegendere Einschränkung aufgrund
psychischer Erkrankungen - insbesondere der Sucht - nicht nachgewiesen und war
selbst im Rahmen eines zweiwöchigen stationären Klinikaufenthalts nicht nachweisbar.
Von Seiten der Persönlichkeit ergibt sich aus den Akten kein Anhaltspunkt für eine
Beeinträchtigung. Zum sozialen Kontext hielt der psychiatrische Gutachter fest, es
seien Zeichen sozialer Desintegration (praktisch keine sozialen Kontakte, fehlende
Tagesstruktur) eruierbar gewesen (IV-act. 187-99). (Weitere) reaktive
(invaliditätsfremde) Faktoren spielten gegenwärtig keine wesentliche Rolle im
Behandlungs- und Heilungsverlauf. Im Vordergrund der aktuellen
Beschwerdeproblematik stehe nach wie vor die schwerwiegende Alkoholproblematik
(IV-act. 187-101). Der Beschwerdeführer gibt an, er sei seit 2014 geschieden und seine
Kinder im Alter von 13, 17 und 18 Jahren lebten bei der Mutter. Er lebe mit seiner
Mutter in einer Wohnung (IV-act. 187-62). Deren unsicherer Aufenthaltsstatus belaste
ihn. Er verfüge über keine Schul- oder Berufsbildung und sei in den Tätigkeiten als
Kurier und Küchenhilfe angelernt worden (IV-act. 187-62 f.). Seinen Alltag schildert der
Beschwerdeführer ereignislos geprägt von Fernsehen und Spazieren (IV-act. 187-92).
Er müsse viel liegen, könne wegen der Schmerzen nicht viel unternehmen. Seine
Mutter kümmere sich um alles (IV-act. 187-63).
4.3.
Zur Konsistenz wurde von den Gutachtern festgehalten, die Angaben des
Beschwerdeführers zu den Schmerzen seien unklar: einerseits habe er in Ruhe kaum
Schmerzen, sondern nur bei 100%iger Arbeitsbelastung (IV-act. 187-161), andererseits
könne er wegen der Schmerzen nicht viel unternehmen (IV-act. 187-63). Während er
4.4.
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zunächst angab, er trinke kaum Alkohol, seine Stelle habe er wegen der Schmerzen
verloren (IV-act. 187-61), räumte er daraufhin ein, er trinke täglich bis zu einem Liter
Whisky (IV-act. 187-62) und äusserte anlässlich der orthopädischen Begutachtung, die
bisherige Stelle sei ihm gekündigt worden, weil er ab 20. Dezember 2017 nicht mehr
zur Arbeit erschienen sei (IV-act. 187-77). Der neurologische Gutachter führte
Widersprüchlichkeiten in den Angaben des Beschwerdeführers zu den Schmerzen und
der Händigkeit an (IV-act. 187-66). Hierzu ist indes anzumerken, dass im Nachhinein
degenerative Befunde an beiden Schultern erhoben wurden und der orthopädische
Gutachter eine deutliche Muskelatrophie rechts gegenüber links feststellte (IV-
act. 187-79). Der orthopädische Gutachter führte aus, eine Diskrepanz zwischen den
objektiven Befunden und den geklagten Beschwerden habe nicht festgestellt werden
können. Die belastungsabhängigen Beschwerden im Bereich des rechten
Ellenbogengelenks und die damit zusammenhängende Einschränkung seien glaubhaft.
Eine Aggravation oder Simulation liege nicht vor (IV-act. 187-81). Der psychiatrische
Gutachter hielt fest, es hätten sich keine wesentlichen Diskrepanzen gezeigt
hinsichtlich der subjektiven Symptombeschreibungen des Beschwerdeführers, der
Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen (weitmaschige psychotherapeutische
Behandlung), der Schilderung seines Tagesablaufs (Aktivitätsniveau), des aktuellen
Untersuchungsbefundes wie auch hinsichtlich der vorliegenden Befundberichte (IV-
act. 187-101).
Zusammenfassend erscheint nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer bei
reger Benützung des rechten Armes zunehmend Schmerzen verspürt und bei gewissen
Bewegungen eingeschränkt ist. Deshalb kann eine Tätigkeit in der Küche mit schweren
Arbeiten nicht als adaptiert angesehen werden. Im Rahmen der Eingliederungsberatung
wurde der Beschwerdeführer explizit darauf hingewiesen, dass er sich auf Tätigkeiten
in einer Produktionsfirma, bei einem Auslieferdienst sowie für andere Hilfstätigkeiten zu
bewerben habe. Dabei stellte die Eingliederungsberaterin jedoch fest, dass er sich
nicht genügend intensiv und auch nicht auf passende Stellen beworben und zudem
auch wenig Motivation gezeigt habe. Weiter fehlte er bei einem 10-wöchigen
Deutschkurs mehrfach unentschuldigt (Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung,
Eintrag vom 30. Juni 2016, IV-act. 94-3). Anlässlich eines Assessmentgesprächs vom
22. Dezember 2015 hatte er zudem noch angegeben, dass er trotz der
Einschränkungen am Ellbogen über ein sehr gutes Feinspitzengefühl verfüge und sich
allenfalls auch vorstellen könne, an einem Fliessband in einer Fabrik oder in einem
feinmotorischen oder handwerklichen Bereich zu arbeiten (IV-act. 73-3). Der
Alkoholkonsum, den er bereits seit Jahren betreibt, hat sich bis anhin wie vorstehend
dargetan (vgl. E. 4.2), nie direkt relevant auf seine Arbeit und offenbar noch nicht
4.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/22
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5.
bleibend auf seinen Gesundheitszustand ausgewirkt. Jedoch wird eine
Abstinenzbehandlung unter anderem aus internistischer Sicht im Hinblick auf die
Blutzuckereinstellung als optimal angesehen (IV-act. 187-35). Auch der psychiatrische
Gutachter sprach sich für eine Alkoholentzugs- mit anschliessender -
entwöhnungsbehandlung aus, die medizinisch angezeigt und auch zumutbar sei (IV-
act. 187-101). Auch aus IV-rechtlicher Sicht müsste im Rahmen der allgemein gültigen
Selbsteingliederungs- sowie Schadenminderungspflicht eine Alkoholabstinenz verlangt
werden, sobald sich der Konsum auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Dabei ist zu
bemerken, dass dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit Verkehrsdelikten der
Führerschein auf unbestimmte Zeit entzogen worden war und er diesen nach der vom
Strassenverkehrsamt Z._ verlangten einjährigen Abstinenz anfangs 2016 wieder
erhalten hat (gemäss seinen Angaben gegenüber Dr. D._, Bericht vom 13. Januar
2017, IV-act. 125-2). Psychosoziale und motivationale Faktoren scheinen eine nicht
unerhebliche Rolle zu spielen, welche in IV-rechtlicher Hinsicht jedoch unbeachtlich
sind. Insgesamt wurden Vorakten, Anamnese und Befunde ausreichend berücksichtigt
und die medizinischen Einschätzungen sind nachvollziehbar. Auf das Gutachten kann
daher abgestellt werden. Somit ist für die Zeitspanne von November 2016 und Mai
2017 von einer 25%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (zum Durchschnittswert vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juni 2013, 9C_730/2012, E. 4.2; vgl. psychiatrisches
Teilgutachten, IV-act. 187-103 und Sachverhalt A.e vorstehend; bei der interdisziplinär
erwähnten 50%igen Arbeitsunfähigkeit, dürfte es sich um einen Verschrieb handeln, IV-
act. 187-41). Ansonsten ist die Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten in vollem
Umfang erhalten.
Die Beschwerdegegnerin stellt für die Bemessung des Valideneinkommens auf das
im O._ erzielte Einkommen von 13 x Fr. 3'500.-- (Angabe Arbeitgeber vom 15. Juli
2006, IV-act. 23-6) ab (IV-act. 38; IV-act. 190). Der Beschwerdeführer arbeitete dort
jedoch lediglich während eines Monats vollzeitlich und erzielte nie längerfristig ein
durchschnittliches oder existenzsicherndes Einkommen, so dass dieses keine
zuverlässige Validenbasis bildet und eine solche auch sonst fehlt. Auf das tatsächliche
Invalideneinkommen kann nicht abgestellt werden, da er seine Arbeitsfähigkeit nicht
ausschöpfte, was auch eine allfällige Aufrechnung des tatsächlichen auf ein volles
Pensum ausschliesst (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Januar 2016, 9C_762/2015,
E. 3.2 und E. 4.1). Somit entspricht der Invaliditätsgrad der Arbeitsunfähigkeit
(Prozentvergleich, vgl. Urteil vom 24. Januar 2019, 9C_492/2018, E. 4.3.2).
5.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/22
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5.2.
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 %
gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau
nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
zu verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtsprechung gewährt
insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte
Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/bb S. 78; zum Abzug bei
Einschränkungen an den Armen/Händen: vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 15. Juli
2020, 8C_151/2020, E. 6.1, 30. Oktober 2019, 8C_587/2019, E. 6.2 und 7.3; zum
Ganzen auch PH. EGLI, M. FILIPPO, TH. GÄCHTER, M. E. MEIER, Grundprobleme der
Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, Zürich 2021, Rz. 433 ff.,).
5.2.1.
Die Beschwerdegegnerin gewährte einen Tabellenlohnabzug von 10 %, während
der Beschwerdeführer einen solchen von 25 % für rechtens hält. Dem Fehlen einer
beruflichen Ausbildung und von Sprachkenntnissen wird Rechnung getragen, indem für
die Bemessung des Validen- und Invalideneinkommens auf denselben Tabellenlohn
abgestellt wird. Im Übrigen erfordern Hilfsarbeiten weder gute Kenntnisse der
deutschen Sprache noch eine Ausbildung, weshalb deren Fehlen keinen
Tabellenlohnabzug begründet (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Februar 2020,
9C_550/2019, E. 4.3). Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit bleibt kein Raum für einen
Teilzeitabzug. Der Beschwerdeführer macht zufolge faktischer Einarmigkeit und
zahlreicher weiterer Einschränkungen einen Tabellenlohnabzug von 25 % geltend
(act. G 1-24). Von einer faktischen Einarmigkeit ist vorliegend jedoch nicht auszugehen
(vgl. E. 3.1.8). Mit Blick auf die Rechtsprechung erscheint der gewährte
Tabellenlohnabzug von 10 % als angemessen. Selbst bei einem Tabellenlohnabzug
5.2.2.
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6.