Decision ID: 80123e48-ded4-4bcd-aaa1-e12c0143c64e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhaltsfeststellung und zur Durchführung eines korrekten Verfahrens an die
Regierung zurückzuweisen, eventuell sei sie in die Referenzfunktion "Administrative
Sachbearbeitung 2" einzustufen.
Am 31. Mai 2018 teilten der Vorsteher des Finanzdepartements des Kantons St. Gallen
und der Leiter des Personalamtes der Beschwerdeführerin mit, ihr – ebenfalls am
23. April 2018 eingereichtes – Gesuch um Wiedererwägung der Zuordnung ihrer Stelle
könne nicht behandelt werden. Beim Schreiben vom März 2018 handle es sich nicht
um eine Verfügung, sondern um eine "schriftliche Erklärung in Form einer
personalrechtlichen Mitteilung zur Änderung des Lohnsystems und zu der auf dieser
Grundlage von der zuständigen Arbeitgeberin in Absprache mit dem Personalamt
vorgenommenen Zuordnung zu einer Referenzfunktion". Um dieser "Initialzuordnung"
das notwendige Gewicht beizumessen, sei das Schreiben durch den
Regierungspräsidenten mitunterzeichnet worden.
In der Folge stellte der zuständige Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts der
Beschwerdeführerin einen Nichteintretensentscheid in Aussicht. Innert mehrfach
erstreckter Frist hielt die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 30. November 2018 an
ihrem Rechtsbegehren gemäss Beschwerde vom 23. April 2018 fest und beantragte für
den Fall der fehlenden Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts die Überweisung der
Angelegenheit an die zuständige Behörde.
Mit Vernehmlassung vom 24. Januar 2019 beantragte der Vorsteher des
Finanzdepartements, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei auf die Beschwerde
nicht einzutreten, eventualiter sei sie, soweit darauf einzutreten sei, abzuweisen. Für
den Fall, dass das Gericht wider Erwarten auf die Streitsache eintritt, beantragte er,
eine materielle Stellungnahme und die notwendigen Akten zur Sache nachreichen zu
können. Am 15. Februar 2019 äusserte sich die Beschwerdeführerin zur
Vernehmlassung des Vorstehers des Finanzdepartements. Sie hielt an ihren Begehren
fest und ersuchte für den Fall der Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichts um
Übermittlung der Angelegenheit an die zuständige Behörde.
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Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Der Abteilungspräsident erwägt:
1. Das Verwaltungsgericht hat seine Zuständigkeit von Amtes wegen zu prüfen (Art. 64
und Art. 6 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP).
Die Beschwerdeführerin geht davon aus, beim Schreiben vom März 2018 des
Regierungspräsidenten und des Leiters des Personalamtes handle es sich um eine
beim Verwaltungsgericht gestützt auf Art. 59 Abs. 1 VRP anfechtbare Verfügung der
Regierung.
2. Ausgehend von dem auf Stufe Kantonsverfassung (sGS 111.1, KV) statuierten
Grundsatz der Gewaltenteilung (vgl. Art. 64 KV ff. bezüglich Kantonsrat, Art. 71 ff.
bezüglich Regierung und Art. 78 ff. bezüglich der Justiz) ist vorab festzuhalten, dass
sich die Gerichte im Rahmen der Gesetzgebung selbst organisieren und verwalten (Art.
31 Abs. 1 des Gerichtsgesetzes, sGS 941.1, GerG), insbesondere obliegt ihnen die
Wahl der Gerichtsschreiberinnen oder der Gerichtsschreiber und des übrigen
Personals (lit. b). In Art 37 ff. GerG werden – u.a. auch bezüglich des übrigen Personals
– verschiedene dienstrechtliche Pflichten statuiert und die Bestimmungen des
Personalgesetzes (sGS 143.1, PersG) werden als ergänzendes Recht für sachgemäss
anwendbar erklärt (Art. 42 GerG).
3. Das der Beschwerdeführerin zugestellte Schreiben vom März 2018 betrifft die
Zuordnung einer (dem übrigen Personal zuzuordnenden) Stelle, welche diese beim
Gericht U._ seit 1. Dezember 2012 innehat, zu einer Referenzfunktion. Das für eine
Neuzuordnung vorgesehene Verfahren ist in Art. 73b und Art. 175 der
Personalverordnung (sGS 143.11, PersV) geregelt. Danach fällt die Zuordnung der
Stellen zu den Referenzfunktionen in die Zuständigkeit der als Arbeitgeber handelnden
Behörde (Art. 73b Abs. 2 PersV). Bei den auf den Zeitpunkt des Inkrafttretens der
Bestimmungen am 1. Januar 2019 oder später eingegangenen Arbeitsverhältnissen ist
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die Referenzfunktion gemäss Art. 3 Ingress und lit. e PersV Inhalt des Arbeitsvertrags.
Bei den Arbeitsverhältnissen, die in diesem Zeitpunkt bereits bestanden, werden
gemäss Art. 175 PersV die Zuordnung der Stelle zur Referenzfunktion, das
massgebende Lohnband und die Höhe des Lohns per 1. Januar 2019 schriftlich
mitgeteilt (Abs. 1), wobei die bestehenden Arbeitsverträge keiner Anpassung an Art. 3
Ingress und lit. e PersV bedürfen (Abs. 2). Art. 175 Abs. 1 PersV nennt die mitteilende
Behörde nicht. Eine systematische Betrachtung der massgeblichen und eingangs
angeführten Bestimmungen führt indessen zum Schluss, dass auch bei den
bestehenden Arbeitsverhältnissen die Zuordnung durch die als Arbeitgeberin
handelnde Behörde – Art. 73b Abs. 2 PersV sieht keine Ausnahmen vor – erfolgt und
dementsprechend auch die Mitteilung von dieser Behörde auszugehen hat.
In Konkretisierung von Art. 31 PersG sieht Art. 9 Ingress und lit. c des
Personalgesetzes (PersG) vor, dass als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber die nach Gesetz
zuständigen Organe der Gerichte handeln. Die Gerichte, zu denen auch das Gericht
U._ gehört, organisieren und verwalten sich im Rahmen der Gesetzgebung also
selbst, indem sie insbesondere die Gerichtsschreiberinnen oder die Gerichtsschreiber
und das übrige Personal wählen (Art. 31 Ingress und lit. a des Gerichtsgesetzes, GerG).
Zur Gerichtsverwaltung wiederum gehört unter anderem die Festlegung des Inhalts der
Arbeitsverträge, mithin auch die Zuordnung der einzelnen Stellen zu einer
Referenzfunktion. Zu Wahlen und Verwaltungsgeschäften werden die Mitglieder des
Gerichts einberufen, wobei die Übertragung von Befugnissen an einen
Verwaltungsausschuss vorbehalten bleibt (Art. 35 Abs. 1 und 2 GerG). Beim Gericht
U._ fällt die Wahl des Kanzleipersonals (als übriges Personal i.S. des GerG) – und
damit auch die Zuordnung der Stellen zu einer Referenzfunktion – in die Zuständigkeit
des Verwaltungsausschusses des Gerichts U._, der sich aus _ zusammensetzt (...).
Die vorliegend zu beurteilende, vom Regierungspräsidenten und vom Leiter
Personalamt unterzeichneten Mitteilung vom März 2018 enthält keinerlei Hinweise
dafür, dass das hierfür zuständige Organ des Gerichts U._ die Stelle der
Beschwerdeführerin einer Referenzfunktion zugeordnet hätte. In ihrem
Antwortschreiben vom 31. Mai 2018 auf das Wiedererwägungsgesuch der
Beschwerdeführerin vom 23. April 2018 halten der Vorsteher des Finanzdepartements
und der Leiter des Personalamtes zwar fest, bei dem Schreiben vom März 2018 handle
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es sich um eine "schriftliche Erklärung in Form einer personalrechtlichen Mitteilung zur
Änderung des Lohnsystems und zu der auf dieser Grundlage von der zuständigen
Arbeitgeberin in Absprache mit dem Personalamt vorgenommenen Zuordnung zu einer
Referenzfunktion". Anhaltspunkte dafür, dass das zuständige Organ des Gerichts U._
die Stelle der Beschwerdeführerin der Referenzfunktion "Administrative
Sachbearbeitung 1" zugeordnet hätte, liegen indessen nicht vor und wurden im
vorliegenden Verfahren auch nicht beigebracht. Vielmehr ist aus der vom dafür
zuständigen Organ des Gerichts U._ am 16. April 2018 unterzeichneten Ergänzung zur
Stellenbeschreibung der Beschwerdeführerin zu schliessen, dass sie deren Stelle der
Referenzfunktion "Administrative Sachbearbeitung 2" zuordnen würden, nachdem sich
die von ihnen verwendeten Formulierungen – "bearbeitet ... zahlreiche anspruchsvolle
Aufgaben weitestgehend selbständig", "kein Subordinationsverhältnis zu einer
Kanzleileiterin", "für die daraus resultierenden Abklärungen und Korrespondenz
zuständig" – an der Beschreibung dieser Referenzfunktion im Referenzfunktionskatalog
mit Einreihungsplan vom 4. Juli 2017 orientieren.
4. Aus der skizzierten Sach- und Rechtslage ergibt sich, dass das Verwaltungsgericht
zur Behandlung der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 23. April 2018 nicht
zuständig ist und auf die Beschwerde daher nicht eingetreten werden kann. Die
Zuordnung der Stelle der Beschwerdeführerin zu einer Referenzfunktion fällt in erster
Linie in die Zuständigkeit des Gerichts U._. Dieser hat indes die entsprechende
Zuordnung noch gar nicht vorgenommen und entsprechend liegt auch – noch – keine
darauf gestützt ergangene Mitteilung vor. Jedenfalls aber fällt die Zuordnung der Stelle
in diesem Stadium des Verfahrens weder in die Zuständigkeit der Regierung noch in
jene des Personalamtes. Unter diesen Umständen kann offenbleiben, ob das in
Art. 73b Abs. 3 PersV beschriebene Verfahren – Zustimmung zur Zuordnung durch das
Personalamt, Entscheid der Regierung bei mangelndem Einvernehmen zwischen dem
Personalamt und der Arbeitgeberin – überhaupt auf Stellen bei den Gerichten
anzuwenden ist. Offen gelassen werden kann auch, ob und, allenfalls unter welchen
Voraussetzungen, die Mitteilung gemäss Art. 175 PersV als anfechtbare Verfügung zu
behandeln ist oder Grundlage einer personalrechtlichen Klage bilden kann.
Da die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 23. April 2018 – es fehlt ihr wie dargelegt
an einem Anfechtungsobjekt – an das Verwaltungsgericht offensichtlich unzulässig ist,
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verfügt der zuständige Abteilungspräsident gestützt auf Art. 39 Abs. 1 Ingress lit. a
Ingress und Ziff. 1 VRP über das Nichteintreten.
5. Die Beschwerdeführerin beantragt für den Fall, dass ihre Eingabe vom 23. April 2018
einer materiellen Behandlung durch das Verwaltungsgericht nicht zugänglich sein
sollte, deren Übermittlung an die zuständige Behörde. Ihre Eingabe ist im Sinn eines an
die Arbeitgeberin gerichteten Begehrens um Zuordnung ihrer Stelle zur
Referenzfunktion "Administrative Sachbearbeitung 2" zuständigkeitshalber an das
Gericht U._ zu übermitteln. Diese wird im Verfahren zur Zuordnung der Stelle zu einer
Referenzfunktion zu berücksichtigen haben, dass der Inhalt der vom Gericht U._
abgeschlossenen Arbeitsverträge praxisgemäss der aufsichtsrechtlichen Überprüfung
(de facto: Zustimmung) durch das Z._-Gericht unterliegt (Art. 43 Ingress und lit. _ i.V.
mit Art. 47 Abs. 2 und 3 GerG).
6. Den Begehren der Beschwerdeführerin – auf ihre Eingabe vom 23. April 2018 ist
zwar nicht einzutreten, jedoch ist diese im Sinn ihres Eventualantrags an die zuständige
Behörde zu übermitteln – ist teilweise zu entsprechen. Hinsichtlich der Verlegung der
amtlichen Kosten wäre es angesichts der konkreten Umstände – Mitteilung der
Zuordnung einer Stelle zu einer Referenzfunktion durch eine dafür nicht zuständige
Behörde – zwar gerechtfertigt, dieses Ergebnis als Rückweisung mit ergebnisoffenem
Ausgang zu behandeln, und die Kosten dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP;
vgl. VerwGE B 2017/76 vom 16. August 2018 E. 5, www.gerichte.sg.ch). Indessen
werden in personalrechtlichen Verfahren gemäss Art. 97 Abs. 1 Ingress und lit. b VRP
bis zu einem Streitwert von CHF 30'000 – die Beschwerdeführerin quantifiziert keine
vermögensrechtlichen Ansprüche – ohnehin keine amtlichen Kosten erhoben. Davon
abzuweichen besteht kein Anlass, weshalb keine Kosten erhoben werden.
Die Beschwerdeführerin hat zwar ihre Anträge unter Entschädigungsfolge gestellt; sie
war jedoch weder berufsmässig vertreten noch belegt und begründet sie zu
entschädigende Auslagen. Dementsprechend kann ihr weder eine Partei- noch eine
Umtriebsentschädigung (vgl. VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 E. 4 und 5, K
2014/2 vom 25. Februar 2016 E. 4, www.gerichte.sg.ch) zugesprochen werden (Art. 98
und 98 VRP).
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