Decision ID: 08915286-0651-4f30-94d9-3390f9b6e88e
Year: 2009
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
A und B werden seit Juli 2003 zusammen mit ihren beiden Kindern C (geboren 1993) und D (geboren 2001) von der Sozialbehörde G mit wirtschaftlicher Hilfe unterstützt. Bis Ende September 2007 richtete die Sozialbehörde aufgrund einer Behinderung der Tochter D den Beschwerdeführenden Fr. 180.- für die Kosten des privaten Autos aus. Am 14. November 2008 verfügte der Sozialvorstand, dass die Familie A und B für die Dauer vom 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2008 mit wirtschaftlicher Hilfe unterstützt werde. Kosten für das Auto würden keine übernommen.
II.
Dagegen erhoben A und B Rekurs an den Bezirksrat G. Sie beantragten, dass ihnen ab September 2007 weiterhin Beiträge an das private Auto in der Höhe von Fr. 180.- pro Monat auszurichten seien. Der Bezirksrat wies den Rekurs am 18. März 2009 ab.
III.
Mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht vom 20. April 2009 beantragten A und B, dass der Rekursentscheid des Bezirksrats G aufzuheben sei und ihnen rückwirkend ab September 2007 Fr. 180.- pro Monat an die Autokosten auszurichten seien. Gleichzeitig stellten sie ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung.
Der Bezirksrat G beantragte am 27. April 2009 Abweisung der Beschwerde. Den nämlichen Antrag stellte die Beschwerdegegnerin am 29. April 2009.

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das Verwaltungsgericht ist gemäss § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19c Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2
Strittig ist vorliegend die Ausrichtung von monatlich Fr. 180.- an die Autokosten der Beschwerdeführenden für den Zeitraum vom 1. September 2007 bis 31. Dezember 2008. Der Streitwert liegt demnach unter Fr. 20'000.-, weshalb die Einzelrichterin zum Entscheid berufen ist (§ 38 Abs. 2 VRG).
2.
Wer für seinen Lebensunterhalt und den seiner Familienangehörigen nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann, hat nach § 14 des Sozialhilfegesetzes vom 14. Juni 1981 (SHG) Anspruch auf wirtschaftliche Hilfe. Diese soll das soziale Existenzminimum gewährleisten, das neben den üblichen Aufwendungen für den Lebensunterhalt auch individuelle Bedürfnisse angemessen berücksichtigt (§ 15 Abs. 1 SHG). Grundlage für die Bemessung bilden gemäss § 17 der Verordnung zum Sozialhilfegesetz vom 21. Oktober 1981 (SHV) die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien in der Fassung vom Dezember 2004), wobei begründete Abweichungen im Einzelfall vorbehalten bleiben.
Zur materiellen Grundsicherung zählen die Wohnkosten, die medizinische Grundversorgung und der Grundbedarf für den Lebensunterhalt, wozu auch die laufende Haushaltsführung, insbesondere die Reinigung und Instandhaltung von Kleidern und Wohnung, gehört (SKOS-Richtlinien, Kap. B.2.1).
Daneben werden Sozialhilfeempfängern unter gegebenen Voraussetzungen weitere Kosten erstattet. Dazu gehören krankheits- und behinderungsbedingte Spezialauslagen. Dabei handelt es sich um situationsbedingte Leistungen, die nicht im Rahmen der medizinischen Grundversorgung liegen, im konkreten Einzelfall aber sinnvoll und nutzbringend sind (SKOS-Richtlinien, Kap. C. 1.1).
3.
3.1
Der Bezirksrat führte aus, dass die Beschwerdegegnerin die am 2. Februar 2007 verfügte Höhe der wirtschaftlichen Unterstützung geändert habe, indem sie ab September 2007 den Beschwerdeführenden keinen Beitrag mehr an die Autokosten leistete. Zu diesem Zeitpunkt sei jedoch kein begründeter und anfechtbarer Entscheid gefällt worden. Ein solcher sei jedoch am 14. November 2008 getroffen worden. Die Kosten für die mit dem Verein Tixi Zürich durchgeführten Transporte von D würden durch die Sozialhilfe abgedeckt. Für die übrigen notwendigen Fahrten könne die Familie der Beschwerdeführenden die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, deren Kosten bereits im Grundbedarf berücksichtigt seien. Die Beschwerdeführenden seien somit nicht auf ein eigenes Motorfahrzeug angewiesen und hätten daher keinen Anspruch auf einen Beitrag an die Autokosten.
3.2
Die Beschwerdeführenden machen geltend, dass D zweimal wöchentlich zur Therapie gehe und immer in die Schule gefahren werde. Daneben müsse sie für Kontrollen regelmässig zum Arzt gefahren werden. Das Tixi-Taxi sei für diese Fahrten kein ausreichender Ersatz, da es nur für gelegentliche Fahrten zur Verfügung stehe. Die Kosten für das Tixi-Taxi seien zudem fast gleich hoch wie der bisher durch die Sozialbehörde ausgerichtete Betrag für die Autokosten. Im Übrigen hätten sowohl die Beschwerdeführerin als auch der Beschwerdeführer selber gesundheitliche Probleme, weshalb sie auf das Auto angewiesen seien.
3.3
Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass sich das Tixi-Taxi bereit erklärt habe, D zu ihren regelmässigen Terminen zu transportieren. Die Lösung, D mit dem Tixi-Taxi zu Arzt- und Therapiebesuchen transportieren zu lassen, sei für die Beschwerdeführenden sinnvoll, verhältnismässig und zumutbar. Die finanzielle und organisatorische Situation der Familie werde dadurch zudem entlastet. Falls D auch zur Schule gefahren werden müsste, wäre die Möglichkeit eines Fahrdienstes über die Schulbehörde zu prüfen und zu beantragen. Dass die Beschwerdeführenden aufgrund ihres Gesundheitszustandes ein Auto benötigen würden, sei klar zu verneinen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin entschied am 2. Februar 2007 über die Unterstützung der Beschwerdeführenden mit wirtschaftlicher Hilfe für das Jahr 2007. Dabei sah sie unter anderem einen Beitrag für die Autokosten vor, welcher sich auf monatlich Fr. 180.- belief. Ab Oktober wurde der Kostenbeitrag an das Auto aus dem Budget gestrichen (anders die Darstellung der Beschwerdeführenden und des Bezirksrats, welche von einer Streichung ab September 2007 ausgehen). Wie der Bezirksrat richtig erkannt hat, wurde die Streichung des Kostenbeitrags jedoch nicht verfügt, beruhte sie doch nicht auf einem begründeten, anfechtbaren Entscheid. Erst am 14. November 2008 verfügte die Beschwerdegegnerin erstmals, dass keine Kosten für das private Auto der Beschwerdeführenden übernommen würden. Diese Verfügung bezieht sich jedoch nur auf den Zeitraum vom 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2008. Daraus ergibt sich, dass für die Ausrichtung der wirtschaftlichen Hilfe im Jahr 2007 allein die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2. Februar 2007 massgebend ist. In dieser wurde ein Betrag für die Autokosten vorgesehen, auf welchen die Beschwerdeführenden einen Anspruch haben.