Decision ID: c8eeb0c6-b19b-5384-817b-0cf1259dd5ba
Year: 2007
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

a) Mit Beschwerde vom 14. März 2007 beantragten die Beschwerdeführerinnen beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids vom 15. Februar 2007. Es sei festzustellen, dass die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt nicht hinreichend abgeklärt habe. Es sei festzustellen, dass sich die Vorinstanz in ihrem Entscheid zu Unrecht auf den Asylausschlussgrund gemäss Art. 52 Abs. 1 des Asylgesetze vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) berufen habe. Die Sache sei zur materiellen Neubeurteilung - namentlich zur Prüfung der Flüchtlingseigenschaft - an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei , dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft erfülle, und ihr Asyl zu erteilen. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit und allenfalls die  des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Die aufschiebende Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustellen. Der Vollzug der Wegweisung sei auszusetzen und die kantonale Behörde im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzuweisen, von Vollzugshandlungen bis zum Entscheid über die Wiederherstellung der  Wirkung der Beschwerde abzusehen. Zur Begründung wurde vorab geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin und ihr Lebenspartner seit einiger Zeit grosse Beziehungsprobleme hätten. Diese seien auf den Alkoholkonsum des Lebenspartners und dessen aus Sicht der Beschwerdeführerin ungenügende  zum Glauben zurückzuführen. Die zuständige kantonale Behörde suche  nach Lösungen, um die Beschwerdeführerin und ihre Tochter getrennt von deren Partner respektive Vater unterzubringen. Das BFM verweise in seinem  sodann weder auf Art. 52 AsylG noch auf die diesbezügliche  der ARK. Es halte indes fest, dass die Beschwerdeführerin jederzeit in der Lage sei, mit ihrem Mann nach Jemen zurückzukehren. Dem sei , dass die Beschwerdeführerin und ihr Lebenspartner während der Anhörungen übereinstimmend ausgesagt hätten, nicht nach jemenitischem beziehungsweise , sondern lediglich nach Brauch geheiratet zu haben. Demnach sei  nach islamischem oder schweizerischem Recht gültige Ehe zustande . Angesichts des im Wiedererwägungsverfahren geschilderten Sachverhalts respektive der Anhaltspunkte für die Zerrüttung der Beziehung hätte das  jedenfalls vertieft prüfen müssen, ob die Rückkehr der Beschwerdeführerin
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nach Jemen auch tatsächlich möglich sei. Den effektiven Nachweis für die  der Rückkehr der Beschwerdeführerinnen nach Jemen habe die Vorinstanz entsprechend nicht erbracht. Überdies wäre es für die Beschwerdeführerin als  Anhängerin der Zeugen Jehovas angesichts der Situation vor Ort nicht zuzumuten, nach Jemen zurückzukehren. Im Ergebnis hätte das BFM demnach auch die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Jemen verneinen und die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin in Bezug auf ihren Heimatstaat Eritrea materiell vornehmen müssen. Der Sachverhalt sei  nicht hinreichend erstellt worden, und der Beschwerdeführerin hätte im Rahmen des rechtlichen Gehörs auf Wiedererwägungsebene Gelegenheit  werden müssen, zu allfälligen neuen rechtlichen oder tatsächlichen  im Hinblick auf eine Rückkehr beziehungsweise einen dauerhaften  in Jemen Stellung zu nehmen. Hinsichtlich der Eventualanträge (Feststellung der Flüchtlingseigenschaft respektive vorläufige Aufnahme) wurde festgehalten, dass die entsprechenden Voraussetzungen in Anbetracht der Aktenlage ebenfalls als gegeben zu erachten wären. Der Eingabe lag ein Schreiben der sozialen Dienste _ vom 26. Februar 2007 sowie ein von zwei Privatpersonen unterzeichnetes Schreiben vom 10. März 2007 bei.
b) Am 15. März 2007 setzte das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der  provisorisch aus.
c) Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2007 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gut. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet und dem Gesuch um Erlass allfälliger Verfahrenskosten entsprochen.
d) Mit Vernehmlassung vom 10. April 2007 hielt das Bundesamt an seinen  vollumfänglich fest und beantragte mit summarischen Erwägungen die  der Beschwerde.
e) Am 13. April 2007 wurde die vorinstanzliche Stellungnahme den  zur Kenntnis gebracht.
f) Mit Eingabe vom 10. Mai 2007 gaben die Beschwerdeführerinnen ein Schreiben der sozialen Dienste _ vom 8. Mai 2007 zu den Akten. Gemäss diesem Schreiben wohnten die Beschwerdeführerinnen und ihr Partner respektive Vater nicht mehr unter demselben Dach.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das  [VwVG, SR 172.021]), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105
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AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss bisheriger Praxis letztinstanzlich auch Beschwerden gegen Verfügungen, in denen das Bundesamt es ablehnt,  früheren Entscheid auf Gesuch hin in Wiedererwägung zu ziehen, zumal die diesbezügliche Rechtslage in der vorliegenden und massgeblichen Konstellation keine Änderung erfahren hat.
1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die  gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; die Beschwerdeführerinnen sind legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.
3.
3.1 Ein Anspruch auf Wiedererwägung besteht unter anderem dann, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz (vgl.  und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 21 E. 1c S. 204) in wesentlicher Weise verändert hat und die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 7 E. 1 S. 42 f.).
3.2 Das Bundesamt ist auf das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführerinnen eingetreten und hat es abgelehnt mit der Begründung, diesen sei nach wie vor , zusammen mit dem Ehemann respektive Vater nach Jemen . Entsprechend liege keine wesentlich veränderte Sachlage vor. Im  ist somit zu prüfen, ob die vorinstanzliche Argumentation mit der aktuellen  zu vereinbaren ist.
3.3 Im Rahmen des ordentlichen Verfahrens kam das Bundesamt zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin und ihres Partners in Bezug auf die geltend gemachte Verfolgung in Jemen - wo sich die Beschwerdeführerin ungefähr während zehn Jahren vor der Ausreise aufgehalten hatte und woher die Mutter ihres Partners und Vater des Kindes stammt - seien unglaubhaft, und lehnte deren Asylgesuch sowie dasjenige ihres (damaligen) Partners mit Verfügung vom 9. November 2004 ab. Die Voraussetzungen des Wegweisungsvollzugs prüfte es ebenfalls ausschliesslich bezüglich Jemen. Damit hat sich die Vorinstanz bereits in der Verfügung vom 9. November 2004 implizit auf die Möglichkeit der Drittstaatenwegweisung gemäss Art. 52 Abs. 1 AsylG gestützt. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft, weshalb entsprechende Einwände nur noch im beschränkten Rahmen der Wiedererwägung oder Revision zugelassen werden können. Das BFM hielt im Wiedererwägungsverfahren dementsprechend fest, es sei den Beschwerdeführerinnen nach wie vor zuzumuten, sich nach Jemen zu begeben. Die eingereichten Beweismittel in Bezug auf eine Verfolgung in Eritrea blieben dabei, weil für die Frage der Rückkehr nach Jemen unerheblich, zu Recht unberücksichtigt. Fraglich ist hingegegen, ob die Vorinstanz die Einreise- und Aufenthaltsmöglichkeiten der Beschwerdeführerinnen für Jemen angesichts der
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geltend gemachten Trennung vom Partner hinreichend geprüft hat. Der pauschale Hinweis, es bestünden gemäss Aktenlage keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr mit ihrem Mann zusammenlebe, weshalb es ihr zuzumuten sei, nach Jemen zurückzukehren, vermag in dieser Form mit Blick auf die strengen Voraussetzungen gemäss Art. 52 Abs. 1 AsylG nicht zu überzeugen (vgl. EMARK 2001 Nr. 4). Aufgrund der zwar teilweise nur behaupteten, aber immerhin durch ein vom BFM offenbar nicht gewürdigtes Schreiben vom 26. September 2006 bestätigten Veränderung der Sachlage respektive der Beziehung zu ihrem vormaligen Partner wäre das Bundesamt grundsätzlich gehalten gewesen, weitere Abklärungen vorzunehmen beziehungsweise der Beschwerdeführerin - wenn auch nicht zwingend im Rahmen einer Anhörung - Gelegenheit für eine differenzierte Stellungnahme einzuräumen. Zu erwähnen ist, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin, was die Zerrüttung der Beziehung anbelangt, in der Folge auch durch das auf Beschwerdeebene eingereichte amtliche Dokument vom 26. Februar 2007 bestätigt wird, was die Vorinstanz auf Vernehmlassungsebene indes nicht zu detaillierten Erwägungen oder zur Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Wiedererwägungsverfahrens motivierte. Dass es sich im Übrigen nicht um bloss vorübergehende Beziehungsschwierigkeiten handelte, geht aus dem ferner eingereichten Schreiben der zuständigen kantonalen Behörde vom 8. Mai 2007 hervor, gemäss welchem der vormalige Partner der Beschwerdeführerin die gemeinsame Wohnung verlassen hat. Diese Zerrüttung der Beziehung stellt in wiedererwägungsrechtlicher Hinsicht eine wesentlich veränderte Sachlage dar. So ist aktuell zumindest unklar, ob die Beschwerdeführerin ohne ihren vormaligen Partner nach Jemen zurückkehren könnte und dort wiederum in den Genuss einer verlängerbaren Aufenthaltsbewilligung käme. Anzufügen ist, dass die familienrechtliche Situation der Tochter der Beschwerdeführerin und ihres vormaligen Partners aufgrund der jüngsten Entwicklung in keiner Weise geklärt erscheint, weshalb sich auch in diesem Bereich weitere Abklärungen aufdrängen. Dies ist ebenfalls Sache der Vorinstanz, welche den rechtserheblichen Sachverhalt vorliegend nicht genügend erstellt hat.
3.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Zerrüttung der Beschwerdeführerin und ihres ehemaligen Partners den im ordentlichen Verfahren noch gegebenen Familienverband getrennt und zu einer neuen Sachlage geführt haben dürfte. In Anbetracht weiterer erwähnter Fallumstände erscheint diese Sachlage als in  Hinsicht wesentlich verändert.
3.5 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 15. Februar 2007 (inkl. Kostenauflage gemäss Ziffer 4) aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Bundesamt ist gehalten, die Vorbringen der Beschwerdeführerinnen im Lichte ihrer massgeblich veränderten persönlichen Situation detailliert zu prüfen.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
4.1 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 11.  2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
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richt [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens der Rechtsvertretung wurde keine  eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indes verzichtet werden, da im vorliegenden Verfahren der Aufwand für die Beschwerdeführerin zuverlässig abgeschätzt werden kann und die von der Vorinstanz zu entrichtende  von Amtes wegen und in Berücksichtigung der massgeblichen  auf Fr. 600.-- (inkl. allfällige Spesen und Mehrwertsteuer)  ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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