Decision ID: b721f02d-d993-487a-b29a-77856afe16e9
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1995 geborene
X._
verfügte - nach abgebrochenem 10. Schul
jahr und laut ihren Angaben bereits nach zwei Wochen abgebrochener Lehre (Urk. 5/23/4,
Urk.
5/108/7) - noch über keine berufliche Erstausbildung, als sie sich am 26. Januar 2017 unter Hinweis auf psychische Probleme bei der Invalidenversicherung für Berufliche Integration/Rente anmeldete (Urk. 5/5).
Sie gab an, Unterstützung bezüglich einer erstmaligen beruflichen Ausbildung zu wünschen (Urk. 5/9). Die IV-Stelle holte einen Bericht bei ihrem behandelnden Psychologen ein (Urk. 5/11), liess einen Auszug aus ihrem individuellen Konto erstellen (IK-Auszug,
Urk.
5/10) und führte Gespräche mit der Versicherten (Urk. 5/23). Am 3
1.
Oktober 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Mehrkosten ein
e
s Job Coachings zur Vorbereitung auf die erstmalige berufliche Ausbildung zur Tierpflegeassistentin übernehme, und dass die Ver
sicherte ein Arbeitstraining zum Aufbau der Leistungsfähigkeit absolvieren könne (Urk. 5/24).
Hernach übernahm die IV-Stelle die Kosten für ein Aufbautraining vom
5.
März bis
4.
Juni 2018 (
Urk.
5/35), ein Job Coaching zur Praktikums-Lehr
stellensuche für die Zeit vom
1.
Juli bis 1
9.
Dezember 2018 (Urk. 5/42
i.V.m
.
Urk.
5/46), ein Aufbautraining bei der Stiftung
Y._
vom 10. Dezember 2018 bis am 28. Februar 2019 (Urk. 5/46
i.V.m
.
Urk.
5/58/1) und eines beim Tier
rettungsdienst
Z._
vom
1.
März bis 31. Juli 2019 (Urk. 5/62). Während dieser Zeit
richtete
die IV-Stelle der Versicherten
ein
kleines
Taggeld aus
(
Urk. 5/25
,
Urk. 5/3
6
-38
,
Urk. 5/47, Urk. 5/49-50, Urk. 5/63). Nachdem die Versicherte auf den Sommer 2019
hin
keine Lehrstelle gefunden hatte,
stimmte sie den Bedingungen
für ein Praktikum im Rahmen einer von einem Taggeld begleiteten IV-Massnahme zwecks berufspraktischer Vorbereitung bei
m
Tierrettungsdienst Z._
vom 1.
August 2019 bis am 3
1.
Juli 2020
zu
(Urk. 5/71-73). Zudem übernahm die IV-Stelle mit Mitteilung vom 3. September 2019 die Kosten für
ein
Mentoring nebst der berufspraktischen Vorbereitung (Urk. 5/75).
Nachdem die zuletzt festgesetzten Ziele laut Leistungsbericht vom
5.
Juli 2020 wegen psychischer Labilität, Schwangerschaft sowie Pandemie nur teilweise erreicht werden konnten (
Urk.
5/87/1), gebar die Versicherte i
m Sommer 2020
ein Kind (vgl.
Urk.
5/87/2).
Mit Mitteilung vom 21.
August 2020
erteilte
die IV-Stelle
Kostengutsprache
für die weitere ber
ufspraktische Vorbereitung beim
Tierrettungsdienst Z._
bis zum 3
1.
Juli 2021 sowie für Projekt
management Coaching und Wohncoaching, wobei die von der Versicherten am
5.
Oktober 2020 unterzeichnete Zielvereinbarung (Urk. 5/92) integrierende
r
Bestandteil der Mitteilung bildete (Urk. 5/89). Ferner wurden ihr
wiederum
Tag
gelder zugesprochen (Urk. 5/94-95). Mit Vorbescheid vom 2
3.
März 2021 stellte die IV-
Stelle der Versicherten in Aussicht, dass sie die mit Mitteilung vom 21. August 2020 zugesprochene berufliche Massnahme per Ende Juli 2021 ab
schliesse und anschliessend keine weiteren beruflichen Massnahmen geplant seien. Dies, da die vereinbarten Ziele nicht erreicht worden seien und zudem keine Arb
eitsfähigkeit von mindestens 80
% gegeben sei, um im Sommer 2021 eine Ausbildung beginnen zu können (Urk. 5/97). Die IV-Stelle holte einen Bericht der behandelnden Psychologin ein (Urk. 5/101-102
, vgl. auch
Urk. 5/104). Am 1
7.
Mai 2021 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne und leitete die Rentenprüfung ein (Urk. 5/107 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
7.
Mai 2021 erhob die Versicherte am
9.
Juni 2021 Beschwerde mit dem Antrag, die IV-Stelle habe ihren Fall nochmals gründlich zu
prüfen
und sie sei zu verpflichten, ihr die gesetzlich vorgesehenen Leistungen zu bezahlen, insbesondere die beruflichen Massnahmen mit Taggeldern weiter
zuführen oder ihr eine Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
2.
August 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4), was der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfügung vom
4.
August 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
6). Mit
Eingabe vom
1
4.
August 2021 sowie Beilagen dazu wandte sich die Beschwerdeführerin erneut ans Gericht (
Urk.
7 und
Urk.
8/1-5). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am
8.
September 2021 auf eine Stellungnahme (
Urk.
10), was der Beschwerdeführerin am 10. September 2021 mitgeteilt wurde (
Urk.
11).
Auf die Ausführungen der Parteien und die
eingereicht
en Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts;
ATSG)
bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität.
Die Eingliederungs
massnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Massnahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Ab
gabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.2
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
die berufliche Grundbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
Unter erstmaliger beruflicher Ausbildung im Sinne von Art
.
16
Abs.
1 IVG ist die gezielte und planmässige Förderung in beruflicher Hinsicht zu verstehen, mit anderen Worten, der systematische Erwerb oder die Vermittlung spezifischer beruflicher Kenntniss
e und Fertigkeiten (AHI 2002 S.
176 E. 3
b.aa
mit Hinweis). Als derartige Ausbildung gelten Massnahmen erst dann, wenn sie nach getroffener Berufswahl zur Vorbereitung auf die eigentliche Berufsausbildung notwendig werden. Die schulischen Vorkehrungen müssen abgeschlossen, die Berufswahl getroffen und die vorgesehenen Massnahmen als integrierende Bestandteile des Berufszieles formuliert worden sein. Vorbereitende Massnahmen fallen dann unter
Art.
16 IVG, wenn sie nach getroffener Berufswahl als gezielte Vorbereitung auf die eigentliche Berufsausbildung notwendig werden. Nicht zur erstmaligen beruflichen Ausbildung gehören Zwischenjahre, die der Förderung der Berufswahlreife, der Berufsfindung, dem Ausfüllen schulischer Lücken und der Förderung des Arbeitsverhaltens dienen (Urteil des Bundesgerichts I 485/01 vom 1
5.
Mai 2002
m.w.H
.).
1.3
Als invalid im Sinne von
Art.
16 IVG gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen bei einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Ausbildung erhebliche Mehrkosten auf sich nehmen muss. Bezüglich psychischer Beeinträchtigungen sind die von der
Rechtsprechung zum invalidisierenden geistigen oder psychischen Gesundheits
schaden (
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
7 und 8
Abs.
1 ATSG) ent
wickelten Grundsätze auch im Bereich des
Art.
16 IVG massgeblich; dabei ist jedoch nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang mit seinen spezifischen Anforderungen Bezugspunkt (BGE 114 V 29 E. 1b in
fine
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 3.2.2). So
dann ist es unerheblich, ob die versicherte Person bei Erlass der Verwaltungs
verfügung an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden leidet. Denn es kommt im Rahmen von
Art.
4
Abs.
1 IVG (in Verbindung mit
Art.
7 und 8
Abs.
1 ATSG), von seinem ausdrücklichen Wortlaut wie von der Systematik der Invaliden
versicherung als final konzipierte Erwerbsausfallversicherung (AHI 1999 S. 79) her, nicht auf die Gleichzeitigkeit (
Kontemporalität
), sondern auf die Kausalität von Gesundheitsschaden und Erwerbsunfähigkeit an (BGE 126 V 461 E. 2 in
fine
, AHI 2003 S. 158 E. 2).
Erhebliche Mehrkosten liegen gemäss
Art.
5
Abs.
2 IVV vor, wenn die Aufwendun
gen
der versicherten Person
für die Ausbildung wegen der Invalidität jährlich um 400 Franken höher sind, als sie ohne Invalidität gewesen wären.
1.4
Versicherte haben gemäss
Art.
22 IVG während der Durchführung von Ein
gliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahmen verhindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) sind (Abs. 1). Versicherte in der erstmaligen beruflichen Ausbildung und Versicherte, die das 20. Altersjahr noch nicht vollendet haben und noch nicht erwerbstätig gewesen sind, haben Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit ganz oder teilweise einbüssen (Abs. 1
bis
). Das Taggeld besteht aus einer Grundentschädigung, auf die alle Ver
sicherten Anspruch haben, und einem Kindergeld für Versicherte mit Kindern (Abs. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung
vom 17. Mai 2021
damit, dass
d
ie am 2
1.
August 2020 vereinbarten Ziele nicht erreicht
wor
den seien
und noch keine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80
%
gegeben
sei
,
wie sie für den Beginn einer Ausbildung
im Sommer 2021
erforderlich wäre
.
D
ie berufliche Massnahme
werde
daher per 3
1.
Juli 2021 ab
geschlossen und
die Rentenprüfung
werde
ein
geleitet
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte in ihrer Beschwerde dagegen ein,
sie habe
das Ziel einer stabilen 50%igen Arbeitsfähigkeit erreicht. Das zweite Ziel, das erfolg
reiche Absolvieren des FBA-Praktikums sowie Bestehen der Abschlussprüfung (vgl.
Urk.
5/92/1), habe nicht erfüllt werden können, da Tierheime pandemie
bedingt keine Praktikanten eingestellt
hätten
. Die Ausbildungsstätte habe ihr
in Anerkennung dieses Umstands
einen Aufschub gewährt diesbezüglich (Urk. 1 S. 1). Sie habe alles ihr Mögliche getan, um die
Fachspezifische Berufsunab
hängige Ausbildung
(FBA)
abzuschliessen und sei nach wie vor bestrebt, diese zu absolvieren.
Sie habe durch ihre Arbeit beim
Tierrettungsdienst Z._
und durch die Job-Coaching-Sitzungen bereits viel erreicht und ihre gesundheitliche Ausgangslage stark optimiert, sei indes definitiv noch nicht bereit für den ersten Arbeitsmarkt.
Die Zusprechung einer
Invalidenrente sei nicht zielführend (
Urk.
1 S. 2).
2.3
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Beschwerdeantwort fest, berufliche Mass
nahmen müssten einfach und zweckmässig sein (
Urk.
4 S. 1), was nicht mehr der Fall sei. Die beruflichen Massnahmen dauerten nun schon seit dem
1.
Oktober 2017 an und die Beschwerdeführerin habe die vereinbarten Ziele nicht erreicht - weder habe sie eine stabile Arbeitsfähigkeit von 50
%
erreicht noch eine
n
Aus
bildungsplatz als
Tierpflegeassistentin gefunden (
Urk.
4 S. 2).
2.4
Die Beschwerdeführerin hielt daraufhin an ihrer Darstellung der Sachlage fest und brachte zudem vor, sie
sei noch vor Ablauf der Massnahme mündlich von der Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Uri für ein Qualifikations
verfahren nach
Art.
32 der Verordnung über die Berufsbildung (Berufsbildungs
verordnung; BBV) angenommen worden, worüber sie die Beschwerdegegnerin
am 2
9.
Juli 2021
orientiert habe
. Am 1
9.
August 2021 werde sie ihre Ausbildung beginnen (
Urk.
7 S. 1-2).
3.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde
vorgängig verbindlich – in Form einer Ver
fügung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Soweit die Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren in pauschaler Weise die Ausrichtung der gesetzlich vorgesehenen IVG-Leistungen respektive als Alternative zu den beruflichen Massnahmen die Zusprechung einer Invalidenrente beantragt (
Urk.
1 S. 1), liegt ihr Rechtsbegehren
teilweise
aus
serhalb des Anfechtungsgegenstandes. Diesbezüglich
-
namentlich hinsichtlich des Rentenbegehrens
-
ist daher auf die Beschwerde nicht einzutreten.
4.
4.1
Der seit dem 2
0.
Januar 2017 behandelnde (vgl.
Urk.
5/11/3)
lic
. phil.
A._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP/Psychoanalytiker, und
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, gaben in ihrem Bericht vom 2
4.
April 2017 an, die Beschwerdeführerin leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit impulsiven und ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10 F61.0), und lebe seit Jahren in instabiler psychischer Verfassung und sozialer Instabilität. Sie führten aus, vermutlich seien Tätigkeiten möglich, bei welchen die Beschwerdeführerin möglichst wenig mit anderen Menschen zusammen
arbeiten müsse. Zurzeit sei auch die zeitliche Belastbarkeit noch gering; es sei sicher ein Arbeitstraining notwendig (Urk. 5/11/1).
4.2
Im Zusammenhang mit der für die Zeit vom
1.
August 2020 bis 3
1.
Juli 2021 gewährten ber
ufspraktischen Vorbereitung beim
Tierrettungsdienst Z._
(vgl. Urk. 5/89)
wurden folgende Ziele vereinbart (am 2
0.
August 2020 auf
gesetzte Zielvereinbarung,
Urk.
5/92/1):
1.
Aufbau der Präsenzzeit auf stabile 50
%
nach der Schwangerschaft,
2.
erfolgreiches Absolvieren des FBA-Praktikums sowie Bestehen der Abschlussprüfung,
3.
Finden und Starten einer Aus- oder Weiterbildung im Fernstudium zur Verbesserung der
arbeitsmarkt
lichen
Chancen.
4.
3
Dem Bericht von
lic
. phil. I
C._
, klinische Psychologin FSP, vom 2
7.
März 2021 ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin seit April 2018 bei ihr
in Behandlung befinde,
wöchentlich sowie bei Krisen (Urk. 5/102/6).
In der bisherigen Tätigkeit als Tierrettungs-Assistentin (Urk. 5/102/8) sei sie in ihrer Belastbarkeit und durch Energiemangel eingeschränkt
(Urk. 5/102/10). Diese Tätigkeit sei während drei Stunden pro Tag zumutbar (Urk. 5/102/12), bei genügender Erholung sei eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
zu erwarten (Urk. 5/102/8). Des Weiteren hielt sie fest, die aktuelle Arbeitgeberin verhalte sich aggressiv und wenig professionell (Urk. 5/102/4,
Urk.
5/102/10,
Urk.
5/104/1
, Urk. 5/110
).
4.
4
Lic
. phil.
C._
hielt am
3.
August 2021 fest, die Beschwerdeführerin sei durch
aus fähig, die Ausbildung als Tierpfleger
in
Wildtiere EFZ mit Erfolg zu absolvieren. Dazu benötige sie psychologische Unterstützung. Das Arbeitspensum sei auf 80
%
zu begrenzen
und es dürf
e kein zusätzlicher Stress entstehen durch Verlust der finanziellen Unabhängigkeit (Urk. 8/4).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin wurde bis im Sommer 202
1 von der Invalidenversicherung
bei der
Vorbereitung auf die erstmalige berufliche Aus
bildung
unterstützt
und
wünscht nun sinngemäss
eine Weiterführung der Mass
nahmen
(vgl.
Urk.
1).
5.2
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Ver
waltungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis).
5.3
Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
vom 1
7.
Mai 2021 lag als neuster medizinischer Bericht jener von
lic
. phil.
C._
vom 2
7.
März 2021 vor, in welchem der Beschwerdeführerin die Tätigkeit als Tierrettungs-Assistentin während drei Stunden täglich zugemutet wurde (E. 4.
3
vorstehend). Dieser Bericht wies damit nicht auf eine stabile 50%ige Arbeitsfähigkeit hin. Auch stand zu diesem Zeitpunkt weder eine Ausbildung im Anschluss an die bis Ende Juli 2021 laufende Massnahme noch eine Festanstellung in Aussicht (vgl. Urk. 5/108/1).
Damit erweist sich der Einwand der Beschwerdeführerin, die Ziele hätten aus
schliesslich pandemiebedingt nicht erreicht werden können, als nicht berechtigt.
Im Übrigen
ist auch nicht auszuschliessen, dass
bei der Höhe der erreich
ten
Arbeitsfähigkeit
invaliditätsfremde
Faktoren
eine Rolle gespielt haben könnten, beispielsweise
private Schwierigkeiten (Urk.
5
/96/2),
der drohende Kindsentzug durch die KESB (Urk. 5/108/25 und Urk. 5/108/27)
und ihre
zeitliche
Belastung zuhause nicht nur durch das Baby, sondern
zusätzlich durch
ihren Hund
und ihre Katzen
(
Urk.
5
/32/2,
Urk.
5
/
108/6)
.
Nach dem Gesagten steht die Eingliederungs
fähigkeit der Beschwerdeführerin in Frage.
Für die Leistungsgewähr
ung fallen nur Massnahmen in Be
tracht, die den Fähig
keiten und soweit als möglich auch den Neigungen der
versicherten Person
ent
sprechen und die das Eingliederungsziel auf einfach
e und zweckmässige Weise anstre
ben. Dies bedeutet, dass zwischen der Dauer und den Kosten der Mass
nahme
einerseits und dem wirtschaftli
chen Erfolg (im Sinne de
r Eingliederungs
wirksamkeit) an
dererseits ein vernünftiges Verhältnis bestehen soll. Zudem soll die berufliche Ausbild
ung in einer auf die Anforderun
gen des Arbeitsmarktes ausgerichteten Weise soweit wie möglich im ersten Arbeitsmarkt erfolgen
(
Kreis
schreiben über die Eingliede
rungsmassnahmen beruflicher Art [
KSBE
]
,
Rz
1006
).
Bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung bezieht sich das Erfordernis der Ein
fachheit und Zweckmässigkeit der Massnahme nicht auf das Ausbildungsniveau, sondern auf die Art der Verwirklichung der Ausbildung, die so auszugestalten ist, dass der Invalidenversicherung nicht unnötige Kosten entstehen. Es bedeutet demnach nicht, dass sich eine Person auf ein unter ihren Fähigkeiten liegendes Ausbildungsniveau beschränken müsste. Dass umgekehrt die Ausbildung auch insofern den Fähigkeiten der versicherten Person entsprechen muss, als sie diese nicht übersteigen darf, ist ein Aspekt der Geeignetheit der Massnahme (Silvia Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, S. 326 mit Hinweisen).
In ihrer Beschwerdeantwort verneinte die IV-Stelle die Einfachheit und Zweck
mässigkeit der beruflichen Massnahmen unter Hinweis darauf, dass die verein
barten Ziele nicht erreicht worden seien und die Massnahmen schon seit dem
1.
Oktober 2017 andauerten (
Urk.
4 S. 2). Die Dauer stellt dabei nur einen einzel
nen Aspekt in der Gesamtbeurteilung der Verhältnismässigkeit dar
und steht einer Weiterführung beruflicher Massnahmen daher nicht per se entgegen
. Doch im Zusammenspiel damit, dass bei Erlass der angefochtenen Verfügung die Beschwerdeführerin weder einen Praktikumsplatz für den FBA-Abschluss noch eine andere neue Ausbildungsmöglichkeit gefunden hatte, ist nachvollziehbar, dass die IV-Stelle Zweifel am baldigen wirtschaftlichen Erfolg
des
Weiterführens der Massnahme h
egte
. Überdies hatte auch
lic
. phil.
C._
die Eignung der laufenden Massnahme
beim
Tierrettungsdienst Z._
und damit implizit deren Weiterführung in Frage gestellt (vgl. vorstehende E. 4.
3
am Ende)
, und sich für
deren
Beendigung ausgesprochen (
Urk.
5
/101/4
Ziff.
3.1)
. Vor diesem Hinter
grund ist es nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle nicht die Weiterführung einer beruflichen Massnahme, sondern die Einleitung der Rentenprüfung, als zweckmässig erachtete. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist (vgl. E. 3 vorstehend).
5.4
Mit der am 2
9.
August 2019 von der IV-Stelle bewilligten «Kostengutsprache für erstmalige berufliche Ausbildung» (
Urk.
5/73) wurden u.a. die Mehrkosten für die berufspraktische Vorbereitung im Berei
ch Tierpflege / Rettung beim Tierrettungsdienst Z._
vom
1.
August 2019 bis 3
1.
Juli 2020 gewährt, und in der vom gleichen Tag datierten Zielvereinbarung wurden neben dem Finden einer Anschlusslösung im Sinne einer Ausbildung im
1.
Arbeitsmarkt der Aufbau der Leistungsfähigkeit und Präsenz auf 100
%
als Ziele aufgeführt (
Urk.
5/76). In der «Vereinbarung für ein Praktikum» vom 1
0.
Juli 2019 zwischen dem Tierrettungsdienst Z._
und der Beschwerdeführerin (
Urk.
5/71) wurde in
Ziff.
1, Ausgangslage, festgehalten, da auf Sommer 2019 keine Lehrstelle gefunden worden sei, habe sich der Arbeitgeber bereit erklärt, das Praktikum zu verlängern. Ziel des Praktikums sei ein schritt
weiser Aufbau der Arbeitsleistung und ein Zuwachs an beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Hinblick auf die spätere Ausbildung (
Urk.
5/2
Ziff.
3). Die Massnahme und Zielvereinbarung wurde am 2
1.
August 2020 um ein Jahr ver
längert (
Urk.
5/89 f
.
).
Beim Praktikum beim Tierrettungsdienst Z._
handelte es sich somit nicht um eine erstmalige berufliche Ausbildung im Sinne von
Art.
16 IVG
und
Art.
5 IVV, sondern um eine Massnahme zur sozial-beruflichen Rehabilitation im Sinne von
Art.
14
a
Abs.
2
lit
. a IVG
und
Art.
4
quinquies
Abs.
1 IVV. Entsprechend erhielt der Tierrettungsdienst Z._
für den Mehraufwand eine Entschädigung von
CHF 80.00 respektive CHF 100.00 pro
Tag (
Urk.
5/73, 5/89), wie diese im Gesetz für Inte
grationsmassnahmen vorgesehen ist (
Art.
14a
Abs.
5 IVG,
Art.
4
octies
Abs.
1 IVV).
Da die IV-Stelle der Beschwerdeführerin bereits in der Zeit zwischen
1.
Oktober 2017 und 1
0.
Juni 2019 während insgesamt 14 Monaten Integrations
massnahmen zugesprochen hatte (
Urk.
5/24, 5/35, 5/39, 5/46, 5/53, 5/62, 5/64) und Integrationsmassnahmen von Gesetzes wegen während höchstens zwei Jahren gewährt werden können (
Art.
14a
Abs.
3 IVG, 4
sexies
Abs.
6 IVV), ist auch unter diesem Gesichtspunkt
nicht zu beanstanden, dass die
Massnahme in Bezug auf den
Tierret
tungsdienst Z._
nicht über den 3
1.
Juli 2021 verlängert wurde.
5.
5
In der Zwischenzeit hat sich die Beschwerdeführerin
beim Berufsbildungszentrum
D._
, Erwachsenenbildungszentrum, für den zweijährigen
Vorbereitungskurs auf das Qualifikationsverfahren für Erwachsene
zur Tierpflegerin EFZ angemeldet (
Urk.
8/3).
Abgesehen davon, dass
der Erlass der
angefochtene
n
Verfügung vom
1
7.
Mai 2021 rechtsprechungsgemäss
die zeitliche Grenze
der richterlichen Über
prüfungsbefugnis bildet (E. 5.2 vorstehend
sowie BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1,
BGE 129 V 167 E. 1
und weitere
)
,
weshalb dieser Umstand für das vorliegende Ver
fahren nicht entscheidend ist,
ist fraglich, ob der Beschwerdeführerin bei
diesem Ausbildungsgang
überhaupt invaliditätsbedingte erhebliche Mehrkosten im Sinne vorstehender Erwägung 1.3 anfallen. Dies gilt umso mehr, falls die Kosten der Ausbildung vom Kanton Uri getragen werden (vgl.
Urk.
8/3 S. 1 und
Urk.
8/5 S. 1).
Nach dem Gesagten ändert
diese nach Erlass der angefochtenen Verfügung veränderte Ausgangslage
nichts am Ausgang des Verfahrens.
6.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von
L
eistungen
der Invalidenversicherung
. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
4
00.
--
anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten
der Beschwer
de
führerin
aufzuerlegen.