Decision ID: 89cf0d58-6e5c-5e49-802f-f22ae83a84dd
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli, advokatur am brühl,
Scheffelstrasse 2, 9000 St. Gallen,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a D._, Jahrgang 1960, meldete sich am 28. April 2006 (Eingang bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen am 5. Mai 2006) zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte die Ausrichtung einer
Rente (IV-act. 2). Dr. med. A._, Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen (KSSG),
nannte im Arztbericht vom 2. Juni 2006 die Diagnosen Lumboischialgie S1 links mit/bei
Rezidivhernie L5/S1 links, Status nach Refenestration L5/S1 links mit Neurolyse am
22. Februar und 9. März 2006, Status nach Voroperation L5/S1 links am 1. April 2005,
Status nach ISG-Infiltration links sowie Infiltration der Facettengelenke L5/S1 beidseits
am 6. Dezember 2005, deutliche Osteochondrose lumbo-sakral,
kernspintomographisch nachgewiesen. Schwere Arbeit komme für die Versicherte
nicht mehr in Betracht. Für eine leichte rückenadaptierte Tätigkeit sehe er allerdings
maximal eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 13-1; 13-3).
A.b Die Hausärztin der Versicherten Dr. med. B._ attestierte im Arztbericht vom
12. Juli 2006 für die Zeit vom 29. März bis 3. Juli 2005 eine volle, vom 4. Juli bis
4. September 2005 eine halbe und ab 5. September 2005 wiederum eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Der Versicherten seien keinerlei Tätigkeiten mehr zumutbar (IV-
act. 16-1; 16-4). Dr. med. C._ und Dr. med. E._, beide vom Psychiatrischen
Zentrum St. Gallen, nannten im Arztbericht vom 17. Juli 2007 die Diagnosen leichte bis
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, anhaltende somatoforme
Schmerzstörung und Verdacht auf Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion gemischt. Seit 26. April 2006 betrage die Arbeitsfähigkeit bis auf Weiteres
50% (IV-act. 20-1).
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A.c Im Auftrag der IV-Stelle begutachteten Dr. med. F._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und Dr. med.
G._, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, die Versicherte. Dr. G._ nannte in seinem
Teilgutachten vom 19. April 2007 die Diagnosen anhaltende somatoforme
Schmerzstörung und Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion. Dr. F._
diagnostizierte insbesondere eine Degeneration der Supraspinatus- und
Subscapularissehne mit mässigem Impingement und Chondropathie glenohumeral
Grad II sowie Verdacht auf leichte frozen shoulder links, mässige mediolinksseitige
Diskushernie C6/7 mit Dorsalverlagerung der C7-Nervenwurzel am foraminalen
Eingang und mässige mediorechtsakzentuierte Diskushernie C5/6 ohne
Nervenkompression, Status nach dreimaliger Diskushernienoperation L5/S1 links mit
Schmerzpersistenz und diskreter Torsionsskoliose der LWS, Verdacht auf Myogelose
des Musculus sternocleidomastoideus rechts. Die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Reinigungsangestellte betrage bei voller Stundenpräsenz
ca. 35%. In optimal adaptierter Tätigkeit bestehe gemäss orthopädisch/psychiatrischer
Beurteilung bei voller Stundenpräsenz eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 75% (IV-
act. 32).
A.d Gestützt auf diese Einschätzung kündigte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom
11. Juli 2007 bei einem Invaliditätsgrad von 31% die Abweisung des Rentenbegehrens
an (IV-act. 45) und verfügte am 24. September 2007 gemäss Vorbescheid (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die für die Versicherte am 25. Oktober 2007
von Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli erhobene Beschwerde. Er beantragt die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen,
insbesondere einer Invalidenrente, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter Dr. F._ und Dr. G._ sei nicht stichhaltig.
Der Orthopäde setze sich nicht mit dem Arztbericht der Neurochirurgie des KSSG vom
2. Juni 2006 auseinander. Der Psychiater verneine das Vorliegen eines depressiven
Syndroms mit Hinweis auf ICD-Kriterien und die normierte Depressionsskala
(Hamilton), er gebe aber nicht an, was er bezüglich der massgeblichen Kriterien
festgestellt habe. Somit sei die Nachvollziehbarkeit insofern auch hier nicht gegeben.
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Bereits "unter bewusster medizintheoretischer Ausblendung" der körperlichen
Beschwerden attestiere er eine Arbeitsunfähigkeit von 20%. Beim Valideneinkommen
sei das Entgelt aus Nebenerwerbstätigkeiten ebenfalls zu berücksichtigen.
Massgeblich sei, ob das Nebenerwerbseinkommen im Gesundheitsfall überwiegend
wahrscheinlich weiterhin erzielt worden wäre, was bei der Beschwerdeführerin der Fall
sei. Im Übrigen sei beim Invalideneinkommen ein Leidensabzug von 20% gerechtfertigt
(act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 18. Dezember
2007 die Abweisung der Beschwerde. Die beiden Gutachter hätten die Arbeitsfähigkeit
aufgrund einer Konsensusbesprechung aus gesamtgutachterlicher Sicht festgelegt.
Diese Schlussfolgerungen seien einleuchtend, dem Gutachten sei volle Beweiskraft
zuzuerkennen. Gemäss der gutachterlichen Gesamtbeurteilung überdecke die
somatisch bedingte höhere Arbeitsunfähigkeit die psychiatrisch bedingte geringere
Arbeitsunfähigkeit. Eine Erklärung für die Divergenz der Beurteilung von Dr. A._ zu
jener der Gutachter sei darin zu sehen, dass der Spitalbericht aus der Sicht eines auf
die Therapie fokussierten behandelnden Mediziners verfasst worden sei. Ärztliche
Behandlung bedinge aber eine integrale Berücksichtigung des Leidenszustands und
dürfe, so sie erfolgreich sein wolle, beeinträchtigende Elemente ohne Krankheitswert im
engeren Sinn nicht ausklammern. Diesen unterschiedlichen Ausgangslagen sei es wohl
auch zuzuschreiben, dass der behandelnde Spitalarzt den Ressourcen und dem
Leistungspotential nicht gleich viel Beachtung geschenkt habe wie die Gutachter.
Gegen die Überzeugungskraft der im Spitalbericht attestierten Arbeitsunfähigkeit
spreche zudem, dass der Spitalarzt aus seiner Fachdisziplin heraus nicht in der Lage
gewesen sei, der Interdependenz des somatischen und psychiatrischen
Krankheitsgeschehens Rechnung zu tragen. Schliesslich würden sich auch aus dem
Arztbericht des Psychiatrischen Zentrums St. Gallen vom 17. Juli 2006 keine konkreten
Indizien ergeben, die gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen würden. Bei
der Berechnung des Invaliditätsgrads seien nur Einkommen in die Vergleichsrechnung
einzubeziehen, die im Rahmen eines normalen Arbeitspensums zu erzielen seien.
Erfahrungsgemäss gelte bei Arbeitnehmern ein 100%-Pensum als "normal". Deshalb
könne vorliegend nur das von der Beschwerdeführerin aus ihrem 100%-Pensum als
Wäschereimitarbeiterin bei der H._ erzielte Einkommen berücksichtigt werden,
obwohl die Beschwerdeführerin jahrelang darüber hinaus im Nebenerwerb bei der
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Reinigung I._ sowie für kurze Zeit auch noch in geringem Ausmass für die H._ als
Mitarbeiterin in der Reinigung gearbeitet habe. Beim Invalideneinkommen sei
höchstens ein Abzug von 10% zu berücksichtigen. Insgesamt ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von 34% (act. G 4).
B.c Die Beschwerdeführerin lässt in der Replik vom 28. April 2008 an ihren
Rechtsbegehren festhalten. Die Beschwerdegegnerin räume ein, dass in den
Gutachten von Dr. G._ und Dr. F._ eine Auseinandersetzung mit wesentlichen
abweichenden Vorakten fehle. Ein Jurist könne ein entsprechendes Versäumnis der
Gutachter nicht im Nachhinein kompensieren, etwa dadurch, dass er die Aussagekraft
der nicht berücksichtigten Vorberichte herabwürdige. Zum Zeitpunkt der Erstattung
des Berichts des KSSG vom 2. Juni 2006 sei die Behandlung der Beschwerdeführerin
abgeschlossen gewesen. Der Operateur habe keinen Grund gehabt, die Verhältnisse
schlechter darzustellen, als sie seien. Im Gutachten G._ und F._ erfahre man nicht,
warum die psychiatrisch festgestellte Arbeitsunfähigkeit durch die höhere körperlich
bedingte überdeckt werde. Die Schlussfolgerungen seien demnach nicht so begründet,
dass sie nachvollzogen werden könnten. Dr. G._ weise darauf hin, klinische Daten
und Angaben aus der allgemeinen Sozialanamnese würden belegen, dass Ressourcen
zur Überwindung des funktionellen Schmerzanteils vorhanden seien. Um welche Daten
es sich handle, lasse sich aus dem Gutachten indessen nicht erschliessen. Auffällig sei
schliesslich, dass Dr. G._ die Diagnose einer Anpassungsstörung mit depressiver
Reaktion stelle, obwohl diese Diagnose bei längerem Andauern der Symptome als
sechs Monate nach dem belastenden Ereignis geändert werden sollte. Betreffend
Valideneinkommen sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin 16 Jahre lang auf
ihrem gesamten, mit einem überdurchschnittlichen Pensum erzielten Einkommen
Beiträge geleistet habe und als für dieses Gesamteinkommen versichert gelten müsse
(act. G 12.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin hält mit Schreiben vom 8. Mai 2008 an ihrem
Abweisungsantrag fest (act. G 14).
B.e Die Beschwerdeführerin lässt mit Schreiben vom 18. Juni 2008 in Bezug auf die
Bemessung des Valideneinkommens auf den Bundesgerichtsentscheid I 433/06 vom
23. Juli 2007 hinweisen (act. G 16).
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Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung vom 24. September 2007 eingetretenen Sachverhalt
abzustellen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind auf die angefochtene Verfügungdie bis
zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Fassung besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn der
Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn er
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wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40%
auf eine Viertelsrente (aArt. 28 Abs. 1 IVG).
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
2.3 Vorab ist die medizinische Aktenlage zu würdigen, wobei mit der somatischen
Situation der Beschwerdeführerin zu beginnen ist.
2.3.1 Dr. A._ hatte im Arztbericht vom 2. Juni 2006 unter Bezugnahme auf eine
Kernspintomographie der LWS vom 1. Februar 2006 eine im Vergleich zur
Voruntersuchung vom 22. September 2005 grössenprogrediente Rezidivhernie L5/S1
links mit rezessaler Kompression der Nervenwurzel S1 bemerkt. Das MRI vom 3. März
2006 habe eine residuelle kleine paramedian links leicht akzentuierte Rest-/
Rezidivhernie mit fraglicher Kompression der Nervenwurzel S1 links ergeben. Der
Befund sei nicht sehr beeindruckend gewesen, man habe sich allerdings für den
erneuten Eingriff entschieden, weil die Versicherte sehr geklagt habe. Die Prognose
hinsichtlich der Aufnahme einer Arbeit müsse als schlecht bezeichnet werden. Die
Versicherte werde, nachdem sie seit April 2005 nicht mehr gearbeitet habe, kaum
wieder eine Arbeit aufnehmen oder suchen. Für eine leichte, rückenadaptierte Tätigkeit
sah Dr. A._ eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 50%. Diese Einschätzung sollte
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gegebenenfalls noch durch eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
gestützt werden (IV-act. 13-2 f.). Im Anschluss an die Bildgebung vom 3. März 2006
war am 9. März 2006 eine Rezidiv-Operation durchgeführt worden. Postoperativ hätten
sich die Schmerzen erst gebessert, seien dann allerdings am vierten postoperativen
Tag zurückgekehrt, wie das KSSG in einem Bericht vom 28. März 2006 festhielt. Ein
psychosomatisches Konzil habe dabei gezeigt, dass die Schmerzen auch auf eine
depressive Reaktion zurückzuführen sein könnten (IV-act. 16-10). Einem Bericht des
KSSG vom 3. Mai 2006 ist zu entnehmen, dass die Beschwerden der Versicherten trotz
mehrmaliger Operationen persistierten. Zumindest anatomisch habe man hier kein
klares Korrelat mehr. Möglicherweise handle es sich um einen neurogenen Schmerz,
wobei eine gewisse funktionelle Überlagerung auch nicht ausgeschlossen werden
könne (IV-act. 16-8).
2.3.2 Die orthopädische Teilbegutachtung fand am 23. März 2007 statt. Dr. F._ lagen
die früheren medizinischen Berichte vor. Er veranlasste Röntgenuntersuchungen, eine
zervikale und vertebrospinale Kernspintomographie und ein Arthro-MRI der linken
Schulter. Die oberen und unteren Extremitäten würden eine unauffällige Trophik
aufweisen, die rohe Kraft in Armen und Beinen sei wegen fehlender Mitarbeit der
Versicherten nicht beurteilbar. Der Lasegue-Test war links und rechts unauffällig. Das
MRI vom 27. März 2007 machte ein mässiges lokales Narbengewebe teilweise die
Nervenwurzel S1 und S2 umgebend mit diskreter neuraler Entzündungsreaktion ohne
Nervenwurzelkompression sichtbar. Bei der degenerierten Bandscheibe L5/S1 lag
keine Rezidivdiskushernie mehr vor. Das Segment L5/S1 wies eine diskrete
linkskonvexe Torsionsskoliose mit Scheitelwirbel L1 und eine Spondylarthrose L5/S1
auf. Im Weiteren erkannte Dr. F._ eine mässige mediolinksseitige Diskushernie C6/7
mit Dorsalverlagerung der C7-Nervenwurzel am foraminalen Eingang und eine mässige
mediorechtsakzentuierte Diskushernie C5/6 ohne Nervenkompression. An der HWS
bestehe eine leichte Osteochondrose C4/5. Körperlich leichte Tätigkeiten in
temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend durchgeführt
werden könnten, ohne dass dabei regelmässig Gegenstände über zehn kg gehoben
oder getragen oder Arbeiten über der Horizontalen durchgeführt und vorwiegend
inklinierte oder reklinierte Kopfhaltungen sowie unphysiologische, speziell gebückte
Körperhaltungen eingenommen werden müssten, seien bei voller Stundenpräsenz zu
ca. 75% zumutbar (IV-act. 32).
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2.3.3 Insgesamt erscheint die Beurteilung von Dr. F._ zumindest für den Zeitpunkt
der Begutachtung als plausibel und nachvollziehbar. Er stützte sich auf umfassende
aktuelle Bildgebung. Die seit etwa sechs Monaten vor der Begutachtung bestehenden
Schulterschmerzen links lassen sich gemäss Dr. F._ sowohl mit der im MRI
sichtbaren Degeneration der Rotatorenmanschette und dem Impingement als auch der
leichten frozen shoulder vereinbaren. Die Beschwerden könnten laut dem Gutachter
allerdings auch durch die mediolinksseitige Diskushernie C6/7 mit Kompression der
Nervenwurzel C7 bedingt sein. Obwohl die Ursache also nicht restlos geklärt ist, kann
doch davon aufgegangen werden, dass die erhobenen Befunde hinreichend auf die
durch die Schulterschmerzen bedingten Einschränkungen schliessen liessen. Dr. F._
hielt anamnestisch fest, dass die Beschwerdeführerin Schmerzmittel einnehme. Da
keine Anhaltspunkte für eine fehlende Wirkung derselben vorliegen, erscheint es als
plausibel, dass die Beschwerdeführerin nötigenfalls unter Einnahme der Schmerzmittel
in körperlich leichter, rückenschonender Arbeit im Ausmass von 75% weiterhin
arbeitsfähig ist. Möglicherweise ist ein solches Pensum für die Beschwerdeführerin
nicht zuletzt deshalb schwer vorstellbar, weil sie während vieler Jahre körperlich
belastende Tätigkeiten ausübte. Die somatischen Befunde lösen an der
Arbeitsfähigkeitsschätzung jedenfalls keine ernsthaften Zweifel aus.
2.3.4 Dr. A._ hatte knapp elf Monate vor der Einschätzung von Dr. F._ von einer
Arbeitsunfähigkeit von maximal 50% gesprochen. Die letzte Kontrolle durch ihn hatte
am 27. April 2006 stattgefunden. Die letzte Operation lag damals erst knapp anderthalb
Monate zurück. Den Verlauf bis zur Begutachtung durch Dr. F._ beurteilte Dr. A._
nicht. Er begrenzte die Arbeitsunfähigkeit auf höchstens 50%, schloss also explizit
nicht aus, dass auch ein höheres Arbeitspensum möglich wäre. Insgesamt lieferte er
weder Befunde noch Begründungen, die an den Ausführungen von Dr. F._ Zweifel
aufkommen lassen würden. Es kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass er als
behandelnder Operateur, der die Leidensgeschichte der Beschwerdeführerin offenbar
seit längerer Zeit kannte und mitverfolgte und der Zeuge davon wurde, dass die
Eingriffe zumindest subjektiv nicht den gewünschten Erfolg brachten, sich wenigstens
ansatzweise von der subjektiven Überzeugung der Beschwerdeführerin, nicht mehr
arbeiten zu können, beeinflussen liess. Gemäss der Rechtsprechung ist u.a. der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte mitunter wegen ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten ihrer Patienten
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aussagen. Im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und Interessenkonflikt (Behandlung
versus Begutachtung) gilt das auch für Spezialärzte. Namentlich in umstrittenen Fällen
kann nicht ohne weiteres auf die Angaben eines behandelnden Spezialarztes abgestellt
werden (EVGE I 814/03 vom 5. April 2004, Erw. 2.4.2; vgl. auch Ulrich Meyer-Blaser,
Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der
Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der
Invaliditätsbemessung, in: Schaffhauser/ Schlauri [Hrsg.], Schmerz und
Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 51). Selbst wenn die Beschwerdeführerin bei
Berichterstellung durch Dr. A._ nicht mehr in direkter Behandlung am KSSG stand,
so ist Dr. A._ doch eindeutig als behandelnder Arzt zu qualifizieren; jedenfalls ist er
nicht neutraler, von der mehrjährigen Behandlungsgeschichte unbeeinflusster
Gutachter. Zwar ist bedauerlich, dass Dr. F._ sich mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. A._ nicht einlässlich auseinandersetzte. Von einer Rückweisung der Sache an
die Beschwerdegegnerin, damit diese bei Dr. F._ diesbezüglich eine Stellungnahme
einhole, kann jedoch ausnahmsweise abgesehen werden, zumal Dr. F._ nicht etwa
Befunde von Dr. A._ unberücksichtigt liess, die Arbeitsfähigkeitsschätzungen nicht
sonderlich weit auseinander liegen ("maximal" 50% Arbeitsunfähigkeit bei Dr. A._
und "ca." 75% Arbeitsfähigkeit bei Dr. F._) und der Gutachter auch bei einlässlicher
Auseinandersetzung mit der Einschätzung von Dr. A._ mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht von seiner Beurteilung abrücken würde. Dr. F._ hatte die
optimal adaptierte Tätigkeit genauer beschrieben als Dr. A._. Nur unter idealen
Bedingungen und bei Berücksichtigung sämtlicher von Dr. F._ genannten
Einschränkungen in Bezug auf die Arbeitsposition erachtete der Gutachter die
Arbeitsfähigkeit von 75% als gegeben. Dr. A._ hingegen nannte die maximal 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit für "leichte rückenadaptierte Tätigkeiten". Insgesamt erscheinen
weitere Abklärungen in Bezug auf die somatische Gesundheitssituation der
Beschwerdeführerin nicht als angezeigt (antizipierte Beweiswürdigung; m.w.H. Urteil
8C_77/2008 des Bundesgerichts vom 5. Juni 2008, Erw. 3.2.1).
2.4 Die Aktenlage zur psychiatrischen Situation präsentiert sich folgendermassen:
2.4.1 Seitens des Psychiatrischen Zentrums St. Gallen nannten die behandelnden Ärzte
die Diagnosen leichte bis mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom,
anhaltende somatoforme Schmerzstörung und die Verdachtsdiagnose
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Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt. Ab 26. April 2006
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Anamnestisch hielten die Ärzte fest, das
psychische Zustandsbild habe sich aufgrund der Schmerzsymptomatik zunehmend
verschlechtert. Die Beschwerdeführerin sei zunehmend traurig und wisse nicht mehr,
wie es weitergehe und was sie tun solle. Darüber hinaus bestünden ausgeprägte
Zukunftsängste in Bezug auf die weitere Krankheitsentwicklung und ein zunehmender
finanzieller Druck. Die Versicherte habe über Schlaflosigkeit, Nervosität, Unruhe und
erhöhte Reizbarkeit berichtet. Die Psychiater beschreiben die Versicherte im
interpersonellen Kontakt als offen und auskunftsbereit. Sie sei bei vollem Bewusstsein
und in allen Qualitäten vollständig orientiert gewesen, Anhaltspunkte für kognitive
Störungen bestünden nicht. Im Vordergrund stehe eine besorgte, leicht- bis
mittelgradig deprimierte Stimmung. Im formalen Denken sei sie thematisch eingeengt
auf die aktuelle Situation mit spürbaren Scham- und Schuldgefühlen und reduziertem
Selbstwertgefühl. Für akute Fremd- oder Selbstgefährdung bestünden keine
Anhaltspunkte. Die Beschwerdeführerin fühle sich überfordert durch die aktuelle
Lebenssituation und äussere Ängste und Befürchtungen dahingehend, dass sie ihrer
psychosozialen Belastungssituation in keiner Weise gewachsen sei (IV-act. 20-2 f.).
2.4.2 Der Psychiater und Neurologe Dr. G._ erlebte die Beschwerdeführerin in der
Begutachtung als zunehmend lebhafter werdend mit lebendiger, ausdrucksstarker
Mimik und seitengleich lebhafter Gestik. Dr. G._ nennt die Diagnosen anhaltende
somatoforme Schmerzstörung und Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion.
Neben den somatischen Schmerzanteilen und den sicherlich vorhandenen,
bewusstseinsfernen funktionellen Schmerzanteilen sei ein relativ ausgedehnter Anteil
bewusstseinsnaher Schmerzanteile im Sinn von Verdeutlichung oder Hervorhebung
enthalten. Entsprechend könne bezüglich des letztgenannten und nicht im
orthopädischen Teilgutachten dargestellten Schmerzanteils von einer weitgehenden
Überwindung durch zumutbare Willensanspannung ausgegangen werden. Dass
Ressourcen zur Überwindung des funktionellen Schmerzanteils vorhanden seien,
würden klinische Daten sowie die Angaben aus der allgemeinen Sozialanamnese
belegen. Ein eigentliches depressives Syndrom könne aktuell weder nach ICD-Kriterien
noch nach der normierten Depressionsskala (Hamilton) diagnostiziert werden. Unter
bewusster medizinischtheoretischer Ausblendung der im orthopädischen Teilgutachten
ausführlich dargestellten qualitativen und quantitativen Leistungseinschränkungen
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lasse sich aus rein psychiatrischer Sicht in der angestammten Tätigkeit als
Wäschereiarbeiterin eine Arbeitsfähigkeit von 80% feststellen. Diese Einschätzung
gelte auch für alle anderen, den körperlichen Limitationen und dem Ausbildungsniveau
entsprechenden Verweistätigkeiten (IV-act. 33).
2.4.3 Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts auch eine diagnostizierte anhaltende
somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine
Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer
zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die
Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in
den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht
über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein
solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener
Kriterien. Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen
Konstellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (statt
vieler BGE 131 V 49, Erw. 1.2).
2.4.4 Vorliegend anerkannte Dr. G._, dass die Beschwerdeführerin die somatoforme
Schmerzstörung auch mit der ihr zumutbaren Willensanstrengung nicht vollständig
überwinden kann. Im Ausmass von 80% betrachtete er jedoch eine Überwindung als
möglich und zumutbar. Wenn auch nicht Aggravation, so erkannte Dr. G._ immerhin
bewusstseinsnahe Schmerzanteile im Sinn von Verdeutlichung oder Hervorhebung.
Das für die Beurteilung der Überwindbarkeit zentrale Kriterium der psychischen
Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer ist gemäss den Akten
nicht erkennbar. Auf eine solche Komorbidität lassen auch die Ausführungen des
Psychiatrischen Zentrums St. Gallen nicht schliessen. Gewisse andere Kriterien wie
chronische körperliche Begleiterkrankungen und ein mehrjähriger, chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger
dauernde Rückbildung sind zwar offenbar gegeben, rechtfertigen aufgrund der
Aktenlage mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aber keine vollständige
Unüberwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung.
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2.4.5 Die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums St. Gallen wiesen im Bericht vom 17. Juli
2006 darauf hin, dass die Beschwerdeführerin ihrer psychosozialen Belastungssituation
in keiner Weise gewachsen sei (IV-act. 20-3). Wie das Bundesgericht wiederholt
festgehalten hat, lassen sich psychosoziale und soziokulturelle Faktoren oft nicht klar
vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. Trotzdem können solche äusseren
Umstände nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen im Sinn des Gesetzes
verstanden werden, weil der gesetzliche Invaliditätsbegriff selber klar zwischen der
versicherten Person als Trägerin des (invalidisierenden) Gesundheitsschadens und der
durch ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. Infolgedessen können
psychische Störungen, die durch soziale Umstände verursacht werden und bei Wegfall
der Belastungsfaktoren wieder verschwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Je
stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund
treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine davon zu
unterscheidende fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert
vorhanden sein (BGE 127 V 294 neues Fenster, Erw. 5a). Nur wenn und soweit
psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen derart verselbständigten
Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder seine – unabhängig von den
invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich
mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Entscheid 9C_578/2007 vom 13. Februar
2008, Erw. 2.2 in fine mit Hinweisen). In diesem Sinne werden Wechselwirkungen
zwischen sich körperlich und psychisch manifestierenden Störungen und der sozialen
Umwelt berücksichtigt, wenn auch bedeutend weniger stark als nach dem bio-psycho-
sozialen Krankheitsmodell (SVR 2008 IV Nr. 6 S. 15 Erw. 5.4; Entscheid 9C_830/2007
vom 29. Juli 2008, Erw. 4.2). Die höhere Arbeitsfähigkeitsschätzung des
Psychiatrischen Zentrums St. Gallen lässt sich vorliegend möglicherweise nicht zuletzt
mit der Berücksichtigung der von den behandelnden Ärzten offensichtlich als zentral
betrachteten psychosozialen Belastungssituation erklären, die die behandelnden Ärzte
aufgrund ihres Therapieauftrags nicht unberücksichtigt lassen dürfen, von der der
Gutachter jedoch abstrahieren muss.
2.4.6 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin weist in der Replik darauf hin, dass
Dr. G._ die Diagnose Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion stelle, obwohl
diese Diagnose bei längerem Andauern der Symptome geändert werden sollte.
Gemäss den klinisch-diagnostischen Leitlinien zur internationalen Klassifikation
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psychischer Störungen halten die Symptome bei einer Anpassungsstörung meist nicht
länger als sechs Monate an, ausser bei der längeren depressiven Reaktion (Dilling/
Mombour/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10
Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 5. Aufl., S. 171). F43.21, längere
depressive Reaktion, nennt einen leichten depressiven Zustand als Reaktion auf eine
länger anhaltende Belastungssituation, der aber nicht länger als zwei Jahre dauere
(Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], a.a.O., S. 172). Ein leichter depressiver Zustand
wurde nicht nur von Dr. G._, sondern auch von den Ärzten des Psychiatrischen
Zentrums St. Gallen beobachtet. Im Gegensatz zu deren Beurteilung vom Sommer
2006 konnte Dr. G._ bei seiner Exploration vom April 2007 jedoch kein eigentliches
depressives Syndrom, keine depressive Episode im Sinn von F32.0 oder F32.1 mehr
erkennen. Diesbezüglich ist zu beachten, dass eine depressive Episode
definitionsgemäss vorübergehend ist und im Mittel etwa sechs Monate dauert (Dilling/
Mombour/Schmidt [Hrsg.], S. 145; Entscheid I 152/05 des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 23. Mai 2006, Erw. 3.3). Eine längere depressive Reaktion
im Zusammenhang mit einer Anpassungsstörung i.S.v. F43.21 stellte aber auch
Dr. G._ nicht in Abrede. Ansonsten stimmt seine Diagnosestellung mit jener des
Psychiatrischen Zentrums St. Gallen weitgehend überein. Seine Schlussfolgerungen
und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung erscheinen als plausibel.
2.4.7 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin stellte wiederholt die Frage, wie die
von Dr. G._ erwähnte bewusste medizinischtheoretische Ausblendung der im
orthopädischen Teilgutachten dargstellten Leistungseinschränkungen zu bewerten sei.
Im Gesamtkontext ist diese Äusserung damit zu erklären, dass Dr. G._ wie erläutert
die mit der somatoformen Schmerzstörung – und nicht mit den objektivierbaren
somatischen Schmerzen – in Zusammenhang stehenden Schmerzen im Ausmass von
20% als nicht überwindbar betrachtete. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese
Einschränkung zur von Dr. F._ aus somatischer Sicht attestierten Einschränkung von
25% hinzuaddiert werden müsste. Eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne
Funktionsstörungen und Beschwerdebilder geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrade aus
psychischer und somatischer Sicht ist nicht zulässig. Vielmehr ist beim
Zusammentreffen verschiedener Gesundheitsbeeinträchtigungen der Grad der
Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer sämtliche Behinderungen umfassenden ärztlichen
Gesamtbeurteilung zu bestimmen (Entscheid I 314/03 des Eidgenössischen
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Versicherungsgerichts vom 17. November 2003, Erw. 4.2). Diese Gesamtbeurteilung
nahmen Dr. G._ und Dr. F._ am 30. April 2007 vor (IV-act. 32-10). Nach dem
Gesagten kann darauf abgestellt werden. Folglich ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin bei Verfügungserlass in einer optimal ihren Beschwerden
angepassten Tätigkeit zu 75% arbeitsfähig war.
3.
3.1 Für die Invaliditätsbemessung sind Validen- und Invalideneinkommen festzulegen.
3.1.1 Die Parteien sind sich nicht einig darüber, ob der Verdienst aus den
Nebenerwerbstätigkeiten der Beschwerdeführerin beim Valideneinkommen zu
berücksichtigen ist.
3.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 129 V 224 neues
Fenster, Erw. 4.3.1, mit Hinweisen). Die ältere Rechtsprechung bezog in die
Vergleichsrechnung nur Einkünfte ein, die bei einem normalen Arbeitspensum zu
erzielen waren (Ulrich Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
1997, S. 207 mit Verweis auf die Urteile I 273/61 vom 10. Juli 1962 und I 59/62 vom
19. November 1962). In neueren Entscheiden hielt das Bundesgericht demgegenüber
fest, dass ein Nebenverdienst bei Valideneinkommen zu berücksichtigen sei, sofern er
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weiterhin erzielt worden wäre, wenn die
versicherte Person gesund geblieben wäre. Dies gelte ohne Rücksicht auf den hiefür
erforderlichen zeitlichen oder leistungsmässigen Aufwand. Soweit sich hinsichtlich der
letzterwähnten Vorgabe aus älteren Entscheiden (die von Meyer-Blaser a.a.O.
erwähnten Entscheide I 273/61 und I 59/62) etwas anderes ergeben sollte, könne daran
nicht festgehalten werden. Als Invalideneinkommen sei ein Zusatzeinkommen aus
Nebenerwerb nur insoweit zu berücksichtigen, als die versicherte Person ein solches
trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise weiterhin erzielen könne
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(Entscheide U 130/02 vom 29. November 2002, Erw. 3.2.1 [=RKUV 2003 Nr. U 476]; U
66/02 vom 2. November 2004 [=RKUV 2005 Nr. U 538]; vgl. auch Hans-Jakob
Mosimann, Praxis der Invaliditätsbemessung: aktueller Stand der Rechtsprechung, in:
SZS 2007, S. 15). Der Invaliditätsbemessung ist der höhere Lohn also nicht nur bei sehr
guten Berufskenntnissen, breiter Berufserfahrung und optimaler Leistung zugrunde zu
legen, sondern eben auch bei einem dauernd überdurchschnittlichen
Gesamtarbeitspensum (Peter Omlin, Die Invalidität in der obligatorischen
Unfallversicherung, 1995, S. 181).
3.3 Im Entscheid I 181/05 vom 3. Februar 2006 hielt das Eidgenössische
Versicherungsgericht fest, ein unüblich hoher zeitlicher Aufwand führe nicht zur
Reduktion des Valideneinkommens. Zwar gelte der Grundsatz, dass die IV als
Erwerbsunfähigkeitsversicherung nur für eine normale erwerbliche Tätigkeit
Versicherungsschutz biete. Eine herabgesetzte Anrechenbarkeit komme aber nur bei
Mehrfachbeschäftigungen über ein Vollpensum hinaus (Kumulierung von Erwerbs- und
Haushaltarbeit, Ausübung verschiedener wirtschaftlich gleichbedeutender
Erwerbstätigkeiten) zum Tragen. Diesbezüglich verweist der Entscheid auf ZAK 1988
S. 476. Bei jenem Entscheid ging es jedoch nicht um Entgelte für ein Pensum von über
100%, sondern um eine Frau, die aus konstitutionellen Gründen nicht in der Lage war,
neben der Hausarbeit einem vollen Erwerbspensum nachzugehen. Dieses Unvermögen
wurde als invaliditätsfremd bezeichnet. Im Entscheid I 433/06 vom 23. Juli 2007 hielt
das Bundesgericht fest, aus einem "Über-100%-Pensum" stammendes Einkommen
werde vollumfänglich berücksichtigt, wenn jemand regelmässig Überstunden leiste
oder eine Nebenerwerbstätigkeit ausübe oder selbstständigerwerbend sei, wohingegen
Einkommen, das aus zwei parallel zueinander ausgeübten, wirtschaftlich
gleichbedeutenden Erwerbstätigkeiten stamme, auf ein 100%-Pensum "gekürzt" würde
(Erw. 4.1.2). Eine derartige Kürzung lässt sich allerdings nicht überzeugend begründen.
Weder in Bezug auf das Einkommen noch in Bezug auf die Leistungsfähigkeit einer
versicherten Person vor Eintritt des invalidisierenden Gesundheitsschadens ist es von
Belang, ob diese Person beispielsweise zwei wirtschaftlich gleichbedeutende
Teilerwerbstätigkeiten von je 60% oder eine Vollerwerbstätigkeit von 100% und einen
Nebenerwerb von 20% ausübt; in beiden Fällen wird zu einem entsprechenden Lohn
ein Pensum von insgesamt 120% absolviert. Kann nun mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit darauf geschlossen werden, dass dieses Gesamtpensum ohne
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Eintritt des Gesundheitsschadens weitergeführt worden wäre, so ist das
Valideneinkommen in beiden Fällen auf dieser Basis festzusetzen. Für eine Kürzung im
ersten Fall bleibt kein Raum, zumal bei der IV nicht grundsätzlich ein "gewöhnliches"
100%-Pensum versichert ist, sondern das Potential, die Leistungsfähigkeit einer
Person kombiniert mit ihrer Leistungsbereitschaft. Entsprechend beschränkt sich die
IV-Beitragspflicht auch nicht auf das mit einem 100%-Pensum erzielbare Einkommen.
Vorliegend sind diese Überlegungen jedoch nicht zentral, weil die Beschwerdeführerin
unbestrittenermassen eine Vollzeiterwerbstätigkeit in der Wäscherei der H._ ausübte
und die Putzarbeiten nicht als wirtschaftlich gleichbedeutende Erwerbstätigkeiten,
sondern klarerweise lediglich als Nebenverdienst zu betrachten sind.
3.4 Die Beschwerdeführerin war seit 1990 bis zur gesundheitsbedingten Auflösung des
Arbeitsverhältnisses per 31. Juli 2006 mit einem Pensum von 100% bei der H._ als
Mitarbeiterin in der Wäscherei tätig. Daneben arbeitete sie von 1. Mai 2003 bis 31. Juli
2007 bei derselben Arbeitgeberin als Mitarbeiterin im Reinigungsbereich. Die
Normalarbeitszeit für die 100%-Anstellung belief sich auf 41 Stunden wöchentlich bei
einem Monatslohn von Fr. 3'990.-. Im Reinigungsbereich war die Versicherte zusätzlich
während vier bis acht Stunden pro Woche bei einem Stundenlohn von Fr. 22.45
zuzüglich Ferienentschädigung (10.64%) tätig (IV-act. 11-1 bis 11-3). Seit 1995
arbeitete sie zudem als Raumpflegerin bei der Reinigung I._ AG, wobei die
wöchentliche Arbeitszeit sich vor Eintritt des Gesundheitsschadens auf ca. 15 Stunden
und der Stundenlohn sich auf Fr. 18.83 belief (IV-act. 38-3 f.). Die Tätigkeit bei der
Reinigung I._ AG dauerte bei Eintritt des Gesundheitsschadens im März 2005 also
bereits viele Jahre an. Auch den Nebenerwerb bei der H._ führte die
Beschwerdeführerin bereits seit knapp zwei Jahren aus, wobei im Jahr 2004 das
Nebenerwerbseinkommen der Reinigung I._ AG etwas zurückging. Aufgrund der
langjährigen Dauer und Konstanz der Putztätigkeiten sowie der Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin als Hilfsarbeiterin kein hohes Lohnniveau hatte, ist davon
auszugehen, dass sie als Gesunde weiterhin neben der Tätigkeit in der Wäscherei
geputzt hätte. Grundsätzlich ist also das gesamte Einkommen zu berücksichtigen.
Aufgrund der Schwankungen erscheint es als gerechtfertigt, das
Durchschnittseinkommen der letzten fünf Jahre vor Eintritt des Gesundheitsschadens
beizuziehen. Zwischen 2000 und 2004 verdiente die Beschwerdeführerin
durchschnittlich Fr. 67'640.- pro Jahr (vgl. den IK-Auszug in IV-act. 9-1 f.).
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3.5 Beim Invalideneinkommen sind die Tabellenlöhne der vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) beizuziehen, zumal die
Beschwerdeführerin ihre Resterwerbsfähigkeit zurzeit nicht ausschöpft. Sie ist als
Hilfsarbeiterin im Anforderungsniveau 4 zu klassifizieren. Im Jahr 2004 verdienten
Frauen dieser Anforderungsstufe bei der betriebsüblichen durchschnittlichen
Arbeitszeit von 41.6 Wochenstunden Fr. 48'585.-. Eine Aufrechnung auf das Jahr 2007
kann unterbleiben, da davon auszugehen ist, dass sich das Validen- und das
Invalideneinkommen in etwa gleich entwickeln würden. Die Beschwerdegegnerin hat in
der Beschwerdeantwort zu Recht einen Abzug vom Tabellenlohn von 10% anerkannt.
Damit soll die verminderte Belastbarkeit der Beschwerdeführerin berücksichtigt
werden, die ihr gegenüber einem gesunden Konkurrenten einen Nachteil verschaffen
dürfte. Ein grösserer Abzug ist nicht angezeigt. Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend
festhält, erleiden in Teilzeit arbeitende Frauen statistisch gesehen aufgrund der
Teilzeitarbeit aufgerechnet auf ein volles Pensum keinen Lohnnachteil, sondern sogar
einen Lohnvorteil. Bei einem zumutbaren Arbeitspensum von 75% und unter
Berücksichtigung eines Abzugs von 10% ergibt sich ein Invalideneinkommen von
Fr. 32'795.- (Fr. 48'585.- x 0.75 x 0.9).
3.6 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 67'640.- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 32'795.- beläuft sich der Invaliditätsgrad auf gerundet 52%. Die Beschwerdeführerin
hat folglich Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
3.7 Die Beschwerdeführerin wurde im Jahr 2005 mehrmals operiert und war ab
29. März 2005 voll arbeitsunfähig geschrieben. Der Beginn des Wartejahrs (Art. 29
Abs. 1 lit. b IVG) ist auf dieses Datum zu legen. Folglich entsteht der Rentenanspruch
per 1. März 2006 (Art. 29 Abs. 2 IVG), zumal die Beschwerdeführerin während des
Wartejahrs durchschnittlich zu mehr als 40% arbeitsunfähig war.
4.
Dr. F._ hielt in seinem Teilgutachten fest, die Schmerzen im Schultergürtel und
Sternoclaviculargelenk rechts sollten mittels nichtsteroidalen Antirheumatika und
Physiotherapie behandelt werden. Bei Persistenz der Beschwerden seien weitere
Abklärungen wie zum Beispiel eine Funktionsmyelographie indiziert, um allenfalls die
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Operationsindikation der Diskushernie C6/7 genauer beurteilen zu können (IV-act. 32-8,
Ziff. C.1). Der Beschwerdeführerin steht es frei, im Anschluss an allfällige weitere
Abklärungen bei der Beschwerdegegnerin gegebenenfalls ein Gesuch um
Rentenrevision zu stellen.
5.
5.1 Die Beschwerde ist unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom
24. September 2007 gutzuheissen. Die Beschwerdegegnerin hat ab 1. März 2006 bei
einem Invaliditätsgrad von 52% Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Die Sache ist
zur Festsetzung der Rentenhöhe an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Sie ist der unterliegenden Beschwerdegegnerin als nicht von der
Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten befreiter selbstständiger öffentlich-rechtlicher
Anstalt aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.- zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG