Decision ID: e4dc9a51-1e58-554c-bcc3-b14a2b351048
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger aus Gambia, stellte am
17. Februar 2019 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in
Vallorbe ein Asylgesuch (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] A7/15
Ziff. 5.05 f. S. 9).
B.
Ein am 22. Februar 2019 vom SEM durchgeführter Abgleich der Daktylo-
skopierungen des Beschwerdeführers mit der Eurodac-Datenbank ergab,
dass er am 1. Dezember 2016 in Italien ein Asylgesuch gestellt hatte (SEM-
act. A4/2).
C.
Am 18. März 2019 erhob das SEM im EVZ die Personalien des Beschwer-
deführers und befragte ihn zu seinem Reiseweg sowie – summarisch – zu
seinen Ausreisegründen (Befragung zur Person BzP). Er führte dabei un-
ter anderem aus, noch minderjährig zu sein. Nach der Gewährung des
rechtlichen Gehörs zum Alter teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit,
dass es ihn für volljährig erachte. In der Folge wurde im Zentralen Migrati-
onsinformationssystem (ZEMIS) als sein Geburtsdatum der 1. Januar 2001
erfasst (SEM-act. A7/15 Ziff. 8.01 S. 10 f.).
D.
Nachdem dem Beschwerdeführer anlässlich der BzP das rechtliche Gehör
zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG (SR 142.31) infolge der mutmasslichen Verfahrenszuständigkeit Ita-
liens aufgrund der Dublin-Vertragsgrundlagen gewährt wurde, äusserte er
sich dahingehend, dass er in Italien in die Schule habe gehen und eine
Ausbildung habe machen wollen, was jedoch nicht möglich gewesen sei
(SEM-act. A7/15, Ziff. 8.02 S. 11).
E.
Am 25. März 2019 ersuchte das SEM gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (Abl. L 180/31 vom 29. Juni
2013; nachfolgend: Dublin-III-VO), die italienischen Behörden um Über-
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nahme des Beschwerdeführers (SEM-act. A13/5 und A14/2). Diese hies-
sen das Rückübernahmeersuchen des SEM am 8. April 2019 gut (SEM-
act. A15/1).
F.
Mit Verfügung vom 11. April 2019, eröffnet am 23. April 2019, trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und forderte
ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der
Verfügung zu verlassen, ansonsten er in Haft genommen und unter Zwang
nach Italien zurückgeführt werden könne. Ferner beauftragte das SEM den
zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und ordnete die Aus-
händigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den
Beschwerdeführer an (SEM-act. A18/9 und A19/1).
G.
Mit Eingabe vom 29. April 2019 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte die Aufhebung der vor-
instanzlichen Verfügung vom 11. April 2019 und die Rückweisung der An-
gelegenheit zur Durchführung des Asylverfahrens an die Vorinstanz. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Wiederherstellung der aufschie-
benden Wirkung der Beschwerde. Des Weiteren beantragte er die Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses [BVGer-act.] 1).
H.
Am 1. Mai 2019 im Sinne einer superprovisorischen Massnahme verfügte
das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 56 VwVG einen Vollzugs-
stopp (BVGer-act. 2).
I.
Die vorinstanzlichen Akten gingen am 6. Mai 2019 beim Bundesverwal-
tungsgericht ein (Art. 109 Abs. 1 AsylG).
J.
Am 6. Mai 2019 ersuchte der Beschwerdeführer sinngemäss um Gewäh-
rung einer Frist zur Einreichung einer Geburtsurkunde im Original (BVGer-
act. 3).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Asylgesetz und nicht
das am 1. März 2019 in Kraft getretene geänderte Gesetz (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
2.
Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder AsylG
nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und Art. 105 ff. AsylG).
3.
3.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin bzw. eines
zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es
sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche, weshalb auf einen
Schriftenwechsel verzichtet und der vorliegende Entscheid nur summa-
risch begründet wird (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (SR 142.31), im
Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5
und 2015/9 E. 7 f.).
4.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
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Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
5.
5.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss der
Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mit-
gliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM,
nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküber-
stellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE
2017 VI/5 E. 6.2).
5.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
5.3. Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge)
sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der
dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskri-
terien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Si-
tuation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in ei-
nem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im
Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet dem-
gegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Ka-
pitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
5.4. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-
gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat
als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als
zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
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5.5. Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-
recht). Sowohl der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen
Schutz gestellt worden ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates durchführt, als auch der zuständige Mitgliedstaat
kann vor der Erstentscheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mit-
gliedstaat ersuchen, den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum
Zweck der Zusammenführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei
die betroffenen Personen diesem Vorgehen schriftlich zustimmen müssen
(Art. 17 Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel).
6.
6.1. Das SEM hielt zur Begründung seines Nichteintretensentscheids fest,
die italienischen Behörden hätten auf Nachfrage hin einer Rückübernahme
gestützt auf die Dublin-Vertragsgrundlagen explizit zugestimmt. Es würden
keine begründeten Hinweise vorliegen, dass Italien seinen völkerrechtli-
chen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei und das Asyl- und Wegwei-
sungsverfahren nicht korrekt durchgeführt hätte. Falls der Beschwerdefüh-
rer mit dem Entscheid der italienischen Behörden nicht einverstanden sei,
habe er diesen bei der zuständigen Beschwerdeinstanz anzufechten. All-
fällige neue Asylgründe und Wegweisungshindernisse habe er bei den zu-
ständigen italienischen Behörden vorzubringen. Auch würden keine kon-
kreten Anhaltspunkte vorliegen, dass sich Italien nicht an das Non-Refou-
lement-Gebot halten würde. Aufgrund der bestehenden Akten lasse sich
eine Anwendung der Souveränitätsklausel durch die Schweiz nicht recht-
fertigen.
6.2. Der Beschwerdeführer hielt demgegenüber im Wesentlichen fest, er
sei am 2. Februar 2002 geboren und somit minderjährig. Eine Kopie der
Geburtsurkunde liege diesem Schreiben bei, und er werde versuchen, das
Original zu beschaffen. Leider habe seine Mutter wenig Geld, um den Ver-
sand des Dokuments nach Europa zu bezahlen. Er werde nochmals mit ihr
sprechen und versuchen, das Original zu erhalten. Deshalb bitte er darum,
ihm etwas Zeit zu gewähren. In Italien habe er unter schwierigen Bedin-
gungen gelebt.
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7.
7.1 In Bezug auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Minderjäh-
rigkeit ist festzustellen, dass nach Lehre und Praxis die asylsuchende Per-
son die Beweislast für die von ihr behauptete Minderjährigkeit trägt. Mithin
ist die Minderjährigkeit zu beweisen oder zumindest glaubhaft zu machen
(vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5 ff.). Die Vorinstanz hat also
nicht zusätzlich die Richtigkeit der Volljährigkeit zu beweisen (vgl. Urteil
des BVGer E-6883/2016 vom 28. November 2016 E. 2.3 m.H.; EMARK
2000 Nr. 19 E. 8b, 2001 Nr. 22 E. 3b und 2004 Nr. 30 E. 5.3.3).
7.2 Der Beschwerdeführer machte bezüglich der angeblichen Minderjäh-
rigkeit widersprüchliche Aussagen. So gab er bei der BzP zunächst an, am
2. Februar 2002 geboren und somit 17 Jahre alt zu sein. Später führte er
aus, er habe im Alter von 13 Jahren eine Identitätskarte erhalten, was 2010
gewesen sei. Demzufolge wäre er im Jahr 1997 geboren und heute 22
Jahre alt. Des Weiteren führte er aus, Gambia am 31. Oktober 2014 als 14-
Jähriger verlassen zu haben. Sollten diese Angaben zutreffen, wäre er
heute 19 Jahre alt. Ferner sind die Angaben des Beschwerdeführers, wie
er sein Geburtsdatum erfahren haben solle, unsubstantiiert. Er führte aus,
seine Mutter habe ihm gesagt, er sei am 2. Februar 2002 geboren. Er
könne sich aber nicht erinnern, wann ihm seine Mutter dies mitgeteilt habe.
Überdies ist der Beschwerdeführer – gemäss seinen eigenen Angaben –
auch von den italienischen Behörden als volljährig angesehen worden (ge-
boren 1998; vgl. SEM-act. A7/15 Ziff. 1.06 S. 3 f., Ziff. 2.06 S. 7, Ziff. 5.02
S. 9 und Ziff. 8.01 S. 10 f.).
7.3 Bei der vom Beschwerdeführer eingereichten Kopie einer gambischen
Geburtsurkunde handelt sich nicht um ein fälschungssicheres Dokument,
weshalb hinsichtlich der Frage der Identität von Inhabern eines solchen
praxisgemäss von einem reduzierten Beweiswert auszugehen ist. Auch die
Einreichung des Dokuments im Original würde an dieser Feststellung
kaum etwas zu ändern vermögen. Der Beschwerdeführer hat somit keine
Dokumente eingereicht, welche die behauptete Minderjährigkeit rechts-
genüglich nachweisen beziehungsweise glaubhaft machen würden.
Der Antrag um Gewährung einer Frist zur Einreichung der Geburtsurkunde
im Original wird demzufolge abgewiesen.
8.
8.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die im erstinstanzlichen Verfahren
und auf Beschwerdeebene vorgebrachten Gründe nicht geeignet sind, die
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staatsvertragliche Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und
Wegweisungsverfahrens zu ändern.
8.2 Wie das SEM zutreffend festgehalten hat, gibt es keine wesentlichen
Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebeding-
ungen für asylsuchende Personen in Italien würden Schwachstellen im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen, die eine
Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne
des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen
würden.
8.3 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen grundsätzlich nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser
Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus
den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU
vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und
Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) so-
wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
8.4 Der Beschwerdeführer hat des Weiteren nicht konkret dargetan, die ita-
lienischen Behörden hätten sich geweigert, seinen Antrag auf internationa-
len Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen.
Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen,
Italien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach-
ten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben
oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist
oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge-
zwungen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdeführer – der sich ca.
zwei Jahre in Italien aufgehalten hat – nicht dargetan, die ihn bei einer
Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart schlecht,
dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3
EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten (vgl. BVGE 2017 VI/10 E. 5).
8.5 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
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8.6
8.6.1 Soweit der Beschwerdeführer sinngemäss das Vorliegen von "huma-
nitären Gründen" geltend macht, ist Folgendes festzuhalten:
Gemäss Art. Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
(AsylV 1, SR 142.311) kann das SEM "aus humanitären Gründen" das
Asylgesuch auch dann behandeln, wenn die Prüfung ergeben hat, dass ein
anderer Staat dafür zuständig ist.
In diesem Zusammenhang ist aber darauf hinzuweisen, dass der
Gesetzgeber mit der Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 die Kognition
des Bundesverwaltungsgericht im Asylbeschwerdeverfahren einge-
schränkt hat (Streichung der Angemessenheitskontrolle des Bundesver-
waltungsgerichts gemäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG). Das Gericht hat
in einem Grundsatzurteil (vgl. BVGE 2015/9) festgestellt, es bei dieser
Rechtslage den vorinstanzlichen Verzicht auf die Anwendung der Kann-
Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr inhaltlich auf Ange-
messenheit hin überprüfen darf, dass das SEM bei der Anwendung von
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum verfügt und dass
das Gericht seine Beurteilung nunmehr im Wesentlichen darauf zu be-
schränken hat, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt und
vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getragen
und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a
und b AsylG).
8.6.2 Die angefochtene Verfügung ist unter diesem (eingeschränkten)
Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin-
weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unter-
schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb
in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
8.7 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist
festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
8.8 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten.
Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
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Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
9.
Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung kein
Bundesrecht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106
AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
10.
Das Beschwerdeverfahren ist mit diesem Urteil abgeschlossen, weshalb
sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde sowie auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
als gegenstandslos erweisen.
11.
Der am 1. Mai 2019 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Ur-
teil dahin.
12.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind,
weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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