Decision ID: 3267881d-0463-57cb-bc72-b38867f4f300
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der Politischen Gemeinde B._ als
Klärwärter tätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 18. August 2013 beim
Hinaufsteigen einer Treppe stolperte, sich mit dem rechten Arm am Geländer festhielt,
um einen Sturz aufzufangen, letztlich aber doch auf die rechte Hüftseite fiel (Suva-act.
1, 21). Am 19. September 2013 konsultierte der Versicherte wegen Schmerzen in der
rechten Schulter seinen Hausarzt, Dr. med. C._, FA Innere Medizin (Suva-act. 16).
Durch ihn erfolgte die Zuweisung an das Röntgeninstitut D._ für eine MRI-
Untersuchung der rechten Schulter. Diese zeigte am 29. November 2013 einen
posterior kurzstreckigen Unterrandeinriss der Supraspinatussehne, eine ansatznahe
Tendinopathie der Infraspinatussehne und eine AC-Gelenksarthrose (Suva-act. 87).
Nachdem der Versicherte seine berufliche Tätigkeit nach dem Unfall zunächst weiterhin
ausgeübt hatte (vgl. Suva-act. 4, 34), attestierte ihm Dr. C._ ab dem 8. Januar 2014
eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 11, 16, 26). Nach einer erfolglosen
konservativen, d.h. physiotherapeutischen Behandlung (Suva-act. 3 f., 18) wurde beim
Versicherten am 6. März 2014 durch Dr. med. E._, Orthopädische Chirurgie FMH, im
Spital F._ eine Arthroskopie durchgeführt. Dr. E._ erhob arthroskopisch die
Diagnosen artikulärseitige Supraspinatussehnenpartialruptur, aktivierte AC-Arthrose,
Tendinitis der langen Bizepssehne sowie subakromiales Impingement der rechten
Schulter, worauf sie arthroskopisch eine Tenotomie der langen Bizepssehne, eine
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Bursektomie, eine Akromioplastik, eine AC-Resektion sowie eine
Supraspinatussehnennaht vornahm (Suva-act. 17). Nach dieser Operation wurde dem
Versicherten weiterhin eine 100% Arbeitsunfähigkeit attestiert und eine Physiotherapie
verordnet (Suva-act. 27, 34, 53, 38). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht für den
Unfall vom 18. August 2013 und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten-
und Taggeldleistungen; vgl. Suva-act. 22, 24 f.).
A.b Am 27. Juni 2014 erklärte Suva-Kreisarzt Dr. med. G._, dass für den
Versicherten aufgrund der Schulterverletzung eine Arbeitsaufnahme in der Tätigkeit als
Klärwärter wahrscheinlich nicht mehr möglich sei. Er sei bei Überkopfarbeiten
eingeschränkt (Suva-act. 42). Wegen leicht protrahierten Verlaufs und einer erneuten
"Verletzung beim Baden im Meer mit nun verstärkten Beschwerden" führte Dr. E._
beim Versicherten am 9. Juli 2014 eine AC-Infiltration und eine subacromiale Infiltration
rechts durch (Suva-act. 49, 51 f.). Am 21. August 2014 wiederholte Dr. G._, dass die
Tätigkeit als Klärwärter und die Arbeit in der Entsorgungshalle nicht mehr ideal seien.
Für leichte, angepasste Arbeiten auf Tisch- und Bauchhöhe sei hingegen eine
Arbeitsfähigkeit gegeben, wobei Überkopfarbeiten vermieden werden sollten. Die
Gewichtsbelastung sollte maximal bei 10 kg liegen. 9 Monate nach der Operation vom
6. März 2014 könne geprüft werden, ob von weiteren Behandlungen eine namhafte
Besserung zu erwarten sei (Suva-act. 59). Mit Schreiben vom 22. August 2014
bestätigte die Suva dem Versicherten die aktuelle Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 62). Die
regelmässig durch Dr. E._ durchgeführten Verlaufskontrollen ergaben weiterhin eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit und die Schmerztherapie umfasste noch immer eine
Physiotherapie und zusätzlich eine medizinische Trainingstherapie (vgl. Suva-act. 66,
73, 79, 81 f., 85).
A.c Am 24. Oktober 2014 empfahl Dr. G._ eine kreisärztliche
Abschlussuntersuchung (Suva-act. 77), welche am 13. November 2014 durch Dr. med.
H._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates FMH, durchgeführt wurde. Im Untersuchungsbericht vom 18.
November 2014 stellte Dr. H._ folgende Diagnose: Residualsymptomatik mit
Bewegungs- und Belastungseinschränkung rechtes Schultergelenk bei Zustand nach
Schulterarthroskopie rechts mit Tenotomie der langen Bicepssehne, Bursektomie,
Acromioplastik, AC-Resektion und Naht einer artikulärseitigen
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Supraspinatussehnenpartialruptur nach Treppensturz am 18. August 2013; MRT-
morphologisch am 19. November 2013 diagnostizierter posterior kurzstreckiger
Unterrandeinriss der Supraspinatussehne und AC-Gelenksarthrose; am 9. Juli 2014
AC-Infiltration und subacromiale Infiltration rechts. Dr. H._ erklärte weiter, es seien
keine weiteren Massnahmen zu empfehlen, die zu einer wesentlichen Besserung des
Zustandes führen würden. Die Unfallfolgen seien dauernd und erheblich und
begründeten eine Integritätsentschädigung. Für den bisherigen Beruf als Mitarbeiter
der Entsorgungsstelle und verantwortlicher Leiter für die Kläranlage sei unter
Berücksichtigung der vom Versicherten geschilderten Tätigkeiten mit häufig das rechte
Schultergelenk belastenden Überkopfarbeiten sowie stossenden und ziehenden
Tätigkeiten mit dem rechten Arm weiterhin eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen. Entsprechend dem Zumutbarkeitsprofil für das rechte Schultergelenk -
keine Überkopf- und Armvorhaltetätigkeiten, beidseitiges Anheben und Halten von
Gewichten bis 20 kg bis zur Gürtelhöhe möglich, einseitiges Anheben und Halten von
Gewichten bis 5 kg auf Gürtelhöhe möglich, keine beruflichen Tätigkeiten, die mit einer
vermehrten Vibrationsbelastung für das rechte Schultergelenk verbunden seien -
könnten leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten vollumfänglich durchgeführt
werden (Suva-act. 87). Am 3. Dezember 2014 teilte die Arbeitgeberin des Versicherten
der Suva mit, dass auf den 31. Dezember 2014 per 31. März 2015 die Kündigung des
Arbeitsverhältnisses mit dem Versicherten erfolgen werde (Suva-act. 88). Am 14.
Januar 2015 schätzte Dr. H._ den Integritätsschaden des Versicherten auf 12.5 %. Er
legte seiner Bemessung die Feinrastertabelle der Suva Nr. 1 (Integritätsschaden bei
Funktionsstörung an den oberen Extremitäten) zu Grunde, wonach eine Beweglichkeit
in der rechten Schulter bis zur Horizontalen mit 15% und bis 30° über Horizontale mit
10% bewertet ist. Dem Beschwerdeführer sei das Seitwärtsführen im rechten
Schultergelenk bis knapp zur Horizontalen und das Vorwärtsführen des rechten Arms
bis 110° möglich (Suva-act. 91).
A.d Mit Verfügung vom 30. März 2015 sprach die Suva dem Versicherten eine
Invalidenrente ab 1. April 2015 auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 35% sowie
eine Integritätsentschädigung von Fr. 15'750.-- aufgrund einer Integritätseinbusse von
12.5% zu. Dabei ging sie von der Arbeitsfähigkeitsschätzung bzw.
Zumutbarkeitsbeurteilung und der Integritätsschadenschätzung von Dr. H._ von
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einem Valideneinkommen von Fr. 98'103.85 und einem Invalideneinkommen von Fr.
63'353.-- unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 5% aus (Suva-act. 96).
B.
Die gegen diese Verfügung von Rechtsanwalt lic. iur. Benno Lindegger, St. Gallen, für
den Versicherten am 11. Mai 2015 erhobene Einsprache mit dem Antrag auf
Zusprechung einer Invalidenrente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 50%,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge (Suva-act. 106), wies die Suva mit Entscheid
vom 10. August 2015 ab. Im Einspracheentscheid ging die Suva von einem
Valideneinkommen 2015 von Fr. 92'976.-- aus, womit aus dem Vergleich mit dem
Invalideneinkommen 2015 von Fr. 63'354.-- eine Erwerbseinbusse von 32% resultierte.
Sie hielt jedoch fest, dass im Rahmen des Ermessens, namentlich des
Invalideneinkommens, auf eine Herabsetzung respektive Androhung einer Reformatio
in peius verzichtet werde (Suva-act. 111).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwalt Lindegger für den
Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 11. September 2015 Beschwerde
mit dem Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei eine Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von
45% zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Als
Entscheidungsgrundlage für die Rentenfestsetzung sei - wie in der Verfügung vom 30.
März 2015 - ein Valideneinkommen 2014 von Fr. 98'103.85 heranzuziehen. Ausserdem
sei ein Leidensabzug von 20% anzuerkennen (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. Oktober 2015 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 10. August 2015, wobei sie das Valideneinkommen mit Fr.
98'200.70 bezifferte (act. G 4, vgl. auch Suva-act. 117 ff.).
C.c Mit Replik vom 7. Februar 2016 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
an seinem Beschwerdeantrag fest (act. G 12).
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C.d Mit Duplik vom 25. Februar 2016 erneuerte auch die Beschwerdegegnerin ihren
Antrag auf Beschwerdeabweisung (act. G 14).
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher
die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
Streitig und materiell zu prüfen ist vorliegend die Höhe des Invaliditätsgrads bzw. des
Rentenanspruchs des Beschwerdeführers. Die Beschwerdegegnerin sprach dem
Beschwerdeführer im angefochtenen Einspracheentscheid vom 10. August 2015 eine
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 35% zu (Suva-act. 111).
Dessen Rechtsvertreter verlangt die Aufhebung des Einspracheentscheids, wobei er
das von der Beschwerdegegnerin auf der Grundlage der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (vgl. BGE 129 V 478 E.
4.2.2) berechnete Invalideneinkommen, konkret die Höhe des von ihr getätigten
Abzugs vom Tabellenlohn von 5%, rügt und eine Erhöhung desselben auf 20% fordert.
Im Ergebnis resultiere so ein Invaliditätsgrad von 45% (act. G 1).
3.
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3.1 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid (Erwägung
1) die rechtlichen Grundlagen des Anspruchs auf eine Invalidenrente und deren
Bemessung zutreffend dar; darauf kann verwiesen werden.
3.2 Nach der Rechtsprechung ist ein Abzug vom Invalideneinkommen gerechtfertigt,
wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass eine versicherte Person, die
gesundheitsbedingt selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeiten in ihrer
Leistungsfähigkeit behindert ist, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend
einsetzbaren Arbeitskräften lohnmässig benachteiligt ist und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen muss. Sodann wird mit dem
Tabellenlohnabzug dem Umstand Rechnung getragen, dass weitere persönliche und
berufliche Merkmale einer Person Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können
(PHILIPP GEERTSEN, Der Tabellenlohnabzug, in: UELI KIESER/MIRIAM LENDFERS
[Hrsg.], Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht [JaSo] 2012, S. 140 f.). Als letztere
kommen etwa Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad in Betracht (BGE 126 V 75 E. 5a mit
Hinweisen; GEERTSEN, a.a.O., S. 143 ff.). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das
Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen,
wobei der Abzug auf höchstens 25% zu begrenzen ist (BGE 126 V 78 ff., 129 V 481, E.
4.3.2). Allerdings darf das Sozialversicherungsgericht bei der Überprüfung des Abzugs,
der eine Schätzung darstellt und von der Verwaltung wenigstens kurz zu begründen ist,
sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung
setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine
abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 126 V
81, E. 6). Diese Voraussetzung ist hier, wie zu zeigen sein wird, erfüllt.
3.3 Die Beschwerdegegnerin legte den Tabellenlohnabzug auf 5% fest und sah diesen
offensichtlich (nur) behinderungsbedingt begründet. So hielt sie in der Verfügung vom
30. März 2015 (Suva-act. 96) und im Einspracheentscheid vom 10. August 2015 (Suva-
act. 111) fest, sie erachte "angesichts des Zumutbarkeitsprofils" von Dr. H._ (vgl.
Sachverhalt Bstb. A.c) bzw. "aufgrund der leidensbedingten Einschränkung" einen
Abzug von 5% als gerechtfertigt. Weitere Aspekte, die eine Erhöhung des Abzugs
rechtfertigen könnten, bestehen ihrer Ansicht nach keine. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers fordert demgegenüber, es sei zusätzlich den
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einkommensbeeinflussenden Merkmalen Alter und lange Betriebszugehörigkeit bzw.
Anzahl der Dienstjahre Rechnung zu tragen (vgl. act. G 1, G 12).
3.4
3.4.1 In BGE 126 V 78 E. 5a/bb erachtete das EVG einen Tabellenlohnabzug als
begründet, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter
Hilfsarbeitertätigkeiten in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. In seinen Urteilen
vom 30. März 2009 (9C_72/2009, E. 3.4), 15. Dezember 2008 (8C_559/2008, E. 4), 21.
August 2008 (9C_343/2008, E. 3.2) und 11. Juli 2008 (8C_765/2007, E. 4.3.2) sah das
Bundesgericht hingegen auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit einen Abzug
nicht als gerechtfertigt an, wenn der versicherten Person leichte bis mittelschwere
Arbeiten zumutbar seien. Dies ergebe sich daraus, dass der Tabellenlohn im
Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasse (Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2009, 9C_72/2009, E. 3.4).
3.4.2 Der Beschwerdeführer hatte in seiner angestammten Tätigkeit als Klärwärter
neben den vielen Kontrollarbeiten auch schwere Arbeiten - häufig das rechte
Schultergelenk belastende Überkopfarbeiten, stossende und ziehende Arbeiten mit
dem rechten Arm - auszuüben. Die Gewichtsbelastung konnte offenbar durchaus 30 kg
oder mehr betragen (vgl. Suva-act. 21, 87). Laut dem von Dr. H._ formulierten
Zumutbarkeitsprofil kann der Beschwerdeführer wegen seiner Unfallrestfolgen im
Bereich der rechten Schulter - wenn auch keine schweren Arbeiten mehr - immer noch
körperlich leichte bis mittelschwere Arbeiten mit limitierter Gewichtsbelastung ausüben.
In einer geeigneten leichten bis mittelschweren Tätigkeit ist er allerdings weiteren
Einschränkungen unterworfen (keine Überkopf- und Armvorhaltetätigkeiten, keine
Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelastung). Unter Berücksichtigung dieser
Einschränkungen besteht beim Beschwerdeführer unbestrittenermassen eine 100%-ige
Arbeitsfähigkeit (Suva-act. 87).
3.4.3 Die Beschwerdegegnerin hat, wie bereits erwähnt, den Minimalabzug von 5%
zugebilligt (vgl. dazu GEERTSEN, a.a.O., S. 142). Dieser behinderungsbedingt
begründete Abzug erscheint vor allem aufgrund der über die quantitative
Belastungsbeschränkung hinausgehenden qualitativen Einschränkungen angemessen.
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Zusätzlich gilt es zu berücksichtigen, dass der Durchschnittslohn der Männer seit der
LSE 2012 im Kompetenzniveau 1 im Verhältnis zur Nominallohnentwicklung spürbar
höher ist als derjenige der Männer in der LSE 2010 im Anforderungsniveau 4. Dies ist
offenbar mit einer erhöhten Gewichtung von Schwerarbeiterlöhnen über alle Sektoren
zu begründen (vgl. in TA1 2012 die Legende zur Definition von Tätigkeiten des
Kompetenzniveaus 1 "Einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art").
Nachdem der Beschwerdeführer gerade keine schweren Tätigkeiten mehr ausüben
kann, ist dem vorgenannten Umstand mit einem zusätzlichen Abzug Rechnung zu
tragen (Entscheid des Versicherungsgerichts vom 23. Februar 2016, UV 2014/47, E.
6.2.3).
3.5 Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdegegnerin, soweit sie bei der Festlegung
des Tabellenlohnabzugs dem Merkmal Alter keine Rechnung getragen hat. Der
Beschwerdeführer stand im Zeitpunkt des Rentenbeginns am 1. April 2015 kurz vor
seinem 62. Geburtstag.
3.5.1 Zunächst ist festzuhalten, dass ein Altersabzug insofern nicht als fraglich
erscheint, als in Bezug auf den Beschwerdeführer insgesamt kein Anwendungsfall von
Art. 28 Abs. 4 UVV vorliegt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2016,
8C_754/2015, E. 4.3; siehe auch Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2016,
8C_477/2016,
E. 4.2). So bestehen keine Gesichtspunkte, wonach eine physiologische
Altersgebrechlichkeit vorliegt, geschweige denn, dass diese verglichen mit anderen
Ursachen der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit eine wesentliche Bedeutung
zukommen würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. Juni 2016, 8C_205/2016, E.
3.4). Davon scheint im Übrigen auch die Beschwerdegegnerin auszugehen, die das
Valideneinkommen ebenfalls nicht nach Art. 28 Abs. 4 UVV ermittelt hat (vgl. Suva-act.
109, S. 2).
3.5.2 Über 50-jährige Personen, die infolge gesundheitlicher Beeinträchtigung aus
der Berufskarriere gerissen werden, sind bei der Verwertung einer Restarbeitsfähigkeit
in anderen Tätigkeiten mit zahlreichen lohnwirksamen Nachteilen konfrontiert: hohe
Lohnnebenkosten für die Arbeitgeber, längere gesundheitsbedingte Absenzen,
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schlechtere Anpassungs- und Angewöhnungsfähigkeit, kürzere Aktivitätsdauer,
Entwertung des Erfahrungswissens und zu beachtende GAV-Bestimmungen (vorzeitige
Pensionierung, längerer Ferienanspruch, längere Kündigungsfristen usw.). Ferner sind
bei älteren Personen diverse Arbeitsanforderungen zu vermeiden, was das Spektrum
adaptierter Tätigkeiten zusätzlich einschränkt. Hinzu kommt, dass behindertengerechte
Arbeitsplätze von Invaliden in jungem und mittlerem Alter ebenfalls stark nachgefragt
werden. In Nachachtung dieser Nachteile und der damit einhergehenden Verminderung
des zu erwartenden Entgelts wird in den bundesgerichtlichen Grundsatzentscheiden
jeweils in Erinnerung gerufen, dass das Alter bei der Bemessung des Tabellenlohns zu
berücksichtigen ist (BGE 126 V 75, bestätigt in BGE 129 V 472 E. 4.2.3 und BGE 134 V
322 E. 5.2). Zwar wird in vereinzelten Urteilen ein Abzug unter Hinweis auf den
"invaliditätsfremden" Charakter generell abgelehnt. In der Mehrheit der seit BGE 126 V
75 ergangenen nicht amtlich publizierten Entscheide wird das fortgeschrittene Alter (ab
50 Jahren) hingegen als abzugsrelevant anerkannt (vgl. GEERTSEN, a.a.O., S. 144 Fn.
28 mit Hinweis auf höchstrichterliche Urteile). Eine andere Betrachtungsweise stünde
auch zum Wesen des Tabellenlohnabzugs in Widerspruch, der die invaliditätsfremden
Gegebenheiten bei der Anpassung der statistischen Löhne miteinbezieht (BGE 126 V
75; Urteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_17/2010 E. 3.3.2; vgl. zum
Ganzen GEERTSEN, a.a.O., S. 143 ff.). Zusammenfassend ist mithin festzustellen, dass
die Beschwerdegegnerin das Merkmal "Alter" zu Unrecht nicht berücksichtigt hat.
3.6 Dagegen entfällt vorliegend ein Abzug für den vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers geltend gemachten Sachverhalt der langen Betriebszugehörigkeit
bzw. der Anzahl Dienstjahre des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer war seit 1.
April 1997 für die gleiche Arbeitgeberin tätig. Tritt er nun eine neue Stelle an, verliert er
den bisher allenfalls lohnrelevanten Vorteil der bisherigen Dienstjahre. In dieser Hinsicht
ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich das Anfangseinkommen in einer neuen Firma
in der Regel nicht isoliert nach der Anzahl der Dienstjahre, sondern u.a. auch auf Grund
der mitgebrachten Berufserfahrung bestimmt. Die angestammte Tätigkeit als Klärwärter
ist eine vielschichtige, verantwortungsvolle Tätigkeit, für welche die vom
Beschwerdeführer absolvierte Ausbildung als Maschinenmechaniker - auch wenn sie
länger zurücklag (vgl. Suva-act. 54) - eine gute Voraussetzung bot (vgl. dazu <https://
www.berufslexikon.at/pdf/pdf2921?berufstyp=4 abgerufen am 27. April 2017). Die
Berufserfahrung des Beschwerdeführers in Kombination mit seinen Fähigkeiten als
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gelernter Maschinenmechaniker ist insbesondere im Bereich der Hilfsarbeitertätigkeiten
gegenüber der Ausgangslage anderer Hilfsarbeiter bei der Bestimmung des Lohns als
vergleichsweise gute Qualifikation und damit als positiv zu werten. Insofern wären
allfällige negative Auswirkungen der langen Betriebszugehörigkeit und eventuell damit
verbundene Umstellungsschwierigkeiten vorliegend kompensiert.
3.7
3.7.1 Wurde bei der Festsetzung des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder
ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, ist nicht von
dem von der Vorinstanz bzw. der Unfallversicherung vorgenommenen Abzug
auszugehen und dieser angemessen zu erhöhen. Vielmehr hat das kantonale Gericht
den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 20.
Januar 2015, 8C_536/2014, E. 4.3 und 28. Januar 2014, 9C_796/2013, E. 3.2; SVR
2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009, E. 4.2.1).
3.7.2 In Anbetracht des von der Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht
berücksichtigten fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers sowie der beim
behinderungsbedingten Abzug einzubeziehenden Aspekten der qualitativen
Einschränkungen und der erhöhten Gewichtung von Schwerarbeiterlöhnen in TA1 2012
rechtfertigt sich insgesamt ein Tabellenlohnabzug von 10%. Das Invalideneinkommen
beläuft sich demnach auf Fr. 60'018.30 (Fr. 66'687.70 x 0.9).
3.8 Aus der Gegenüberstellung des in der Beschwerdeantwort vom 16. Oktober 2015
angenommenen und unbestrittenen Valideneinkommens von Fr. 98'200.70 (vgl. dazu
Suva-act. 117 ff., act. G 1) und des Invalideneinkommens von Fr. 60'018.30 resultiert
ein Invaliditätsgrad von gerundet 39% (vgl. BGE 130 V 122 f. E. 3.2) anstatt des im
angefochtenen Einspracheentscheid bestimmten Invaliditätsgrads von 35%.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 10. August 2015 teilweise gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 39%
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zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 ATSG).
4.3 Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung und Prozessführung (Art. 61 lit. g
ATSG). Trotz teilweise Obsiegens ist ihm die volle Parteientschädigung zuzusprechen
(vgl. betreffend Überklagung Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2008,
9C_466/2007, E. 5). Mit Blick auf den Aufwand der vorliegenden Streitsache,
insbesondere die dabei eingeschränkte Streitfrage des Tabellenlohnabzugs, erscheint
eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.