Decision ID: e200db42-e59a-499f-94eb-1ab01cfbbe68
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1959 und verheiratet, verfügt über keine Berufsausbildung und war vom 15. April 1998 bis am 31. Juli 2015 bei der Y._ zu 80 % als Mitarbeiterin in der Küche angestellt, wobei ihr letzter effektiver Arbeitstag der 28. Juli 2014 war, danach war sie arbeitsunfähig geschrieben (Urk. 7/31/1 f.). Am 13. Januar 2015 (Urk. 7/4) meldete sie sich im Rahmen der Frühinter
vention bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungs-bezug an. Am 8. April 2015 (Urk. 7/20) teilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten den Abschluss der beruflichen Eingliede
rungsmassnahmen mit; per Ende Juli 2015 wurde das Arbeitsverhältnis gekün
digt (Urk. 7/31/11).
Zur Beurteilung des Rentenanspruchs nahm die IV-Stelle medizinische (Urk. 7/16-7/18, 7/34, 7/39) und erwerbliche (Urk. 7/22, 7/31) Abklärungen vor. Zudem zog sie die Akten des Krankentaggeldversicherers (AXA
Winterthur, Urk. 7/11 f., 7/33) und der BVK
Personalvorsorge des Kantons Zürich
(Urk. 7/29, 7/36, 7/44), insbesondere die in deren
Auftrag erstellte
n
vertrauens
ärztliche
n
Gutachten von
Dr.
med.
Z._
,
Fachärztin
für Allgemeine Innere Medizin,
vom
7
.
Mai 2015
(
Urk. 7
/29)
sowie von Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. Juni 2015 (Urk. 7/36), bei. Mit Vorbe
scheid vom 24. November 2015 (Urk. 7/47) stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Rentengesuchs in Aussicht. Mit Einwand vom 10. Januar 2016 (Urk. 7/52) reichte die Versicherte weitere medizinische Akten (Urk. 7/51) ein und beantragte eine neuerliche Begutachtung. Das in der Folge von der IV-Stelle in Auftrag gegebene rheumatologisch-psychiatrische Gutachten wurde am 2. Juni 2016 (Urk. 7/61 f.) von den medizinischen Sachverständigen Dr. med. B._, Facharzt für
Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medi
zin, und Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattet. Nachdem die behandelnden Arztpersonen ihre Kritik am Gutachten vorgebracht hatten (Urk. 68/1 f., 68/3 f.), wurden die Gutachter von der IV-Stelle zur Stellungnahme aufgefordert. Diese erstatteten sie am 8. Oktober (Dr. B._, Urk. 7/71/7) beziehungsweise am 24. Oktober 2016 (Dr. C._, Urk. 7/71/1-6). Mit Verfügung vom 5. Dezember 2016 (Urk. 2) verneinte die IV-Stelle wie angekündigt einen Rentenanspruch der Versicherten.
2.
Mit Beschwerde vom 24. Dezember 2016 beantragte die Beschwerdeführerin die Zusprechung einer halben Invalidenrente (Urk. 1 S. 1). In der Beschwerdeant
wort vom 6. Februar 2017 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abwei
sung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 7. Februar 2017 (Urk. 8) mitgeteilt wurde.
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Invaliditätsgrad wird bei Erwerbstätigen nach der Ein
kommensmethode (Art. 16 ATSG) und bei Personen, die daneben in einem Auf
gabenbereich tätig sind, nach der gemischten Methode bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
1.3
G
emäss
der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter entwickel
ten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diag
nostizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden (
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche
Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und kon
stant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar mach
ten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt (zur Entstehungsgeschichte dieser Praxis:
BGE 135 V 201
E.
7.1.2;
Urteil des Bundesgerichtes 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 2.1
).
Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte „Foerster-Kriterien“, vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 39 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3.2.3).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung aufge
geben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen struktu
rierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem
gleichermassen
den
äusseren
Belastungsfaktoren wie den vor
handenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.2 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardin
dikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2016 vom 15. April 2016 E. 3.2).
Die Rechtsprechung hat zu den „vergleichbaren psychosomatischen Leiden“ ausdrücklich jene gezählt, die im Nachgang zu BGE 130 V 352 über die Jahre als sogenannte „pathogenetisch-ätiologisch unklare
syndromale
Beschwerdebil
der ohne nachweisbare organische Grundlage“ in invalidenversicherungsrecht
licher Hinsicht den gleichen sozialversicherungsrechtlichen Anforderungen (Regel-Ausnahmemodell mit "Überwindbarkeitsvermutung“) unterstellt wurden (BGE 142 V 342 E. 5.2.1; BGE 141 V 281
E. 4.2; BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3), darunter befindet sich auch die sogenannte Fibromyalgie (
BGE 132 V 65 E. 4 [Urteil des Bundesgericht
s I 336/04 vom 8. Februar 2006]).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung vom 5. Dezember 2016 gestützt auf die Gutachten der Ärzte Dr. C._ und Dr. B._ einen Rentenanspruch und hielt fest, aufgrund der eingeholten Gutachten bestehe in der ursprünglichen Tätigkeit als Küchenmitarbeiterin eine 65%ige Arbeitsfähigkeit, in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit eine solche von mindestens 90 %. Im Aufgabenbereich Haushalt bestehe keine Einschränkung, da die Aufgaben in Etappen erledigt werden könnten. Eine psychische Störung, welche zu einer anhaltenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen würde, sei nicht nachgewiesen (Urk. 2 S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, das psychiatrische Teilgut
achten von Dr. C._ sei unvollständig, da der Gutachter nur sieben Fragen gestellt und die psychischen Beschwerden kaum erfragt habe. Zudem
sei keine neuropsychologische Testung erfolgt, obwohl die behandelnde Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, festgestellt habe, dass sie an Konzentrationsschwächen leide und der Antrieb sowie die Stimmung gestört seien (Urk. 1 S. 3). Der rheumatologische Facharzt Dr. B._ habe ebenfalls kein umfassendes und widerspruchsfreies Gutachten erstattet. Er habe falsche Diagnosen gestellt und den Grad der Arbeitsunfähigkeit nicht überzeugend begründet. Ihr behandelnder Rheumatologe Dr. med. E._ habe in seinem Bericht vom 22. September 2015 eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit auch in angepassten Tätigkeiten festgestellt (Urk. 1 S. 4).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin wurde seit dem 19. September 2014 in der Rheumatolo
gie des F._ ambulant behandelt, worüber den weiteren behandelnden Ärzten, dem Krankentaggeldversicherer sowie der IV-Stelle verschiedentlich berichtet wurde (Urk. 7/11/1 f., 7/11/6-8, 7/33/2-4, 7/33/5 f., 7/34, 7/39/6-8). In diesen Berichten wurde nach bildgebenden und klinischen Untersuchungen vor allem eine dominant axiale und auch peripher nachgewiesene Spondylarthritis diagnostiziert (vgl. Urk. 7/11/1, 7/11/6, 7/33/2). Im Bericht vom 30. Januar 2015 wurde daneben erstmals ein ausge
dehntes
myofasziales
Syndrom mit Betonung auf Becken/Bein links und eine Tendenz zum sekundären Fibromyalgie-Syndrom erwähnt (Urk. 7/33/5). Im Folgebericht vom 24. April 2015 wurden eine ausgedehnte
myofasziale
Schmerzstörung mit Betonung von Becken und Bein links mit sekundärer Fib
romyalgie und Schmerzverarbeitungsstörung als primäre Diagnose neben der weiterhin bestehenden Spondylarthritis und einer depressiven Entwicklung genannt und auf ein disproportional starkes Schmerzerleben sowie diskrepante Angaben der Versicherten hingewiesen (Urk. 7/39/6 f.). Bei gegenüber dem Vor
bericht unveränderten Befunden und Diagnosen berichtete die Rheumatologie des F._ der IV-Stelle im Juni 2015, die Arbeitsfähigkeit betrage aus rein rheumatologischer Sicht mindestens 50 %. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit stehe die psychische Komorbidität im Vordergrund, weshalb eine Begutachtung empfohlen werde (Urk. 7/34/8).
3.2
Gestützt auf die medizinischen Berichte des F._ und einer eigenen klinischen Untersuchung der Beschwerdeführerin erstattete die Allgemeinärztin Dr. Z._ der BVK a
m
7
.
Mai 2015
(
Urk. 7
/29)
ihr vertrauens
ärztliches Gutachten. Dabei stellte sie folgende Diagnosen (Urk. 7/29/12):
-
Ausgedehntes
myofasziales
Schmerzsyndrom mit Betonung auf Bein und Becken links mit/bei
-
sekundärem
Fibromyalgiesyndrom
-
Schmerzverarbeitungsstörung (auch im Rahmen von Diagnose 3)
-
Dominant axiale Spondylarthritis
-
langjährige tieflumbale Rückenschmerzanamnese, in den letzten Jah
ren von typisch entzündlichem Charakter, initial mit gutem Anspre
chen auf NSAR
-
mit peripherer Mitbeteiligung, insbesondere Daktylitis
-
breitflächige
Enthesiopathien
,
multilokulär
-
aktuelle Bildgebung: floride axiale Spondylarthritis (WS und ISG
bds
.)
-
klinisch und szintigraphisch leichte
synovitische
Mitbeteiligung, kar
pal rechtsbetont, Zeigefinger rechts sowie der Schulter- und Kniege
lenke
-
HLA-B27 nachweisbar
-
Verdacht auf depressive Entwicklung, Depression-Angst gemischt
-
Schmerzvermeidungsverhalten.
Medizinisch-theoretisch bestehe aus somatischer Sicht eine mindestens 50%ige Arbeitsfähigkeit, wobei unter fortgeführter Therapie innerhalb der nächsten drei bis vier Monate eine Steigerung auf das vormals ausgeübte 80%ige Arbeits
pensum erwartet werden dürfe. Die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht müsse durch einen psychiatrischen Vertrauensarzt beurteilt werden (Urk. 7/29/12).
3.3
Entsprechend der Empfehlung von Dr. Z._ beauftragte die BVK in der Folge Dr. A._ mit der vertrauensärztlichen Begutachtung aus psychiatrischer Sicht. Unter Berücksichtigung der medizinischen
Vorakten
und der beiden am 9. beziehungsweise am 17. Juni 2015 durchgeführten Untersuchungsgespräche verfasste er am 22. Juni 2015 (Urk. 7/36) sein Gutachten. Er hielt zusammen
gefasst fest, eine psychiatrische Diagnose könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gestellt werden. Das Vorliegen einer Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion sei möglich und eine normalpsychologisch erklärbare Reaktion auf ihre somatische Erkrankung nachvollziehbar (Urk. 7/36/18).
3.4
Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, behandelte die Beschwerdeführerin ab Ende Juni 2014
hausärztlich. In seinem am 17. Juli 2015 (Urk. 7/39/11 f.) zuhanden der Beschwerdegegnerin erstatteten Bericht stellte er neben den bereits aus den Berichten von Dr. Z._ und dem F._ bekannten Diagnosen einer dominant axialen Spondylarthritis und eines ausgedehnten
myofaszialen
Syndroms mit Betonung auf das linke Bein/Becken auch folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
- Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont
-
MRI LWS vom 27. März 2014 (
rodiag
): Leichtgradige
Chondrosis
inter
vertebralis
L5/S1 mit einer kleinen, medio-linksparamedian gele
genen Diskushernie ohne radikuläre Kompression.
Osteochondrose
L4/5. Spondylarthrose nach kaudal zunehmend. Keine Spinalkanal-
s
tenose
.
-
Zervikozephales
Schmerzsyndrom
-
MRI HWS vom 11. Mai 2011 (rag):
Mässiggradige
Unkovertebralarth
rose
und Spondylarthrose C4/5 links, etwas weniger C6/7 links. Mäs
sige ossäre
Foraminalstenose
C5/6 links. Kein Anhalt für eine ent
zündliche Aktivierung oder Spondylarthrose. Kein Anhalt für eine Neurokompression der Nervenwurzel C8 links
-
Radikuläres Reizsyndrom C8 links (Sager 2007)
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit ging er von einer seit dem 29. Juli 2014 unver
änderten 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus (Urk. 7/39/12).
3.5
Am 15. September 2015 (Urk. 7/44/2 f.) beantwortete die seit dem 3. März 2015 therapierende Psychiaterin Dr. D._ vom Rechtsvertreter der Beschwerde
führerin gestellte Fragen im Zusammenhang mit dem vertrauensärztlichen Gut
achten von Dr. A._. Dr. D._ stellte die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) und ging von einer psy
chisch bedingten 50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Küche der Y._ aus (Urk. 7/44/2).
3.6
Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin sowie für Rheumatologie, berichtete dem Hausarzt Dr. G._ am
22. September 2015 über die rheumatologische Behandlung der Beschwerdeführerin seit Ende August 2015. Er stellte die fol
genden Diagnosen (Urk. 7/44/5):
-
Dominant axiale Spondylarthritis
-
HLA-B27 positiv
-
mit peripherer Mitbeteiligung, insbesondere Daktylitis
-
breitflächige
Enthesiopathien
,
multilokulär
-
Ausgedehntes
myofasziales
Syndrom im Sinne einer Fibromyalgie
-
Wiederholte Durchfall-Episoden
-
Arterielle Hypertonie
-
Depression
-
Adipositas
-
Verdacht auf Restless-
Legs
-Syndrom
In Anbetracht der Schmerzen, der Depression und der Be
weg
lich
keits
ein
schrän
kung bestehe aus rheumatologischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 40 % (Urk. 7/44/7).
3.7
3.7.1
Nachdem die Beschwerdeführerin mit Einwand vom 10. Januar 2016 (Urk. 7/52) auf grosse Abweichungen zwischen den vertrauensärztlichen Gutachten der BVK und den Berichten ihrer behandelnden Ärzte hingewiesen hatte, gab die Beschwerdegegnerin eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung in Auftrag. Gestützt auf die am
19. Mai und 1. Juni 201
6 durchgeführten persön
lichen Untersuchungen sowie die von der Beschwerdegegnerin zur Verfügung gestellten medizinischen
Vorakten
erstatteten der Rheumatologe Dr. B._ und der Psychiater Dr. C._ am 2. Juni 2016 (Urk. 7/61 f.) ihr Gutachten.
3.7.2
Gegenüber Dr. B._ klagte die Beschwerdeführerin, unter Rücken-, Nacken-, Kopf- und Schulterschmerzen sowie unter Ellbogenschmerzen, Schmerzen in den Hand-, Finger-, Hüft- und Kniegelenken und an Fuss- und Zehenschmerzen zu leiden. Auf einer Skala von 0-10 entspreche die Schmerzintensität Werten zwischen 7 und 10. Zur Zeit der Befragung hätte sie einem Wert von 7 ent
sprochen, nach der klinischen Untersuchung habe sich dieser auf 8 erhöht. Die Schmerzen seien meistens am Morgen stärker und würden oft auch in der Nacht bestehen, weshalb sie nicht schlafen könne (Urk. 7/62/7 f.).
Dr. B._ stellte bei der klinischen Untersuchung fest, das klinische Beschwerde
bild sei von einem diffusen
myo
-
faszio
-kutanen Schmerzbild im Sinne eines
Fibromyalgiesyndroms
ohne fassbare somatische Ursachen domi
niert worden. Für die axiale Spondylarthritis, vor allem für eine periphere Mit
beteiligung, hätten sich klinisch keine Befunde gezeigt. Dies schliesse jedoch ein weiteres Vorhandensein eines subklinischen Befalls nicht aus. Die Versicherte werde gegenwärtig mit
Cimzia
behandelt, vorher habe sie das Medikament gewechselt und jetzt vermute sie auch wieder, dass sie
Cimzia
nicht vertrage. Die therapeutische Einstellung des
Schmerzbildes sei angesichts der vorherr
schenden Weichteilschmerzsymptomatik sicher nicht einfach, da das
Fibromy
algiesyndrom
auf die durchgeführte Behandlung nicht anspreche, so dass geäusserte Schmerzen als Leitsymptom für die Behandlung der axialen Spon
dylarthritis kaum taugten. Bei der aktuellen Untersuchung habe er Hinweise auf in den Akten mehrfach angesprochene
aggravatorische
Tendenzen gefunden. Augenfällig sei insbesondere die Diskrepanz zwischen der angegebenen Schmerzintensität und dem dabei weitgehend unbeteiligten Verhalten gewesen. Auch der Unterschied zwischen der spontanen aktiven Schulterbeweglichkeit und den Bewegungen bei der gezielten Untersuchung sei nicht zu übersehen gewesen (Urk. 7/62/14).
Dr. B._ mass einzig der Diagnose einer
-
Floriden axialen Spondylarthritis
-
ISG-Arthritis beidseitig und axialer Befall auf drei Etagen
-
Periphere Mitbeteiligung vor allem des Finger II rechts, ferner karpal rechtsbetont sowie Schultern und Kniegelenke
-
Aktuell klinisch nicht mehr erkennbar
-
Aktuell unter
Biologikatherapie
einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei (Urk. 7/62/13).
Eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verneinte er hingegen in Bezug auf folgende Diagnosen (Urk. 7/62/13):
-
Generalisiertes
myo
-
faszio
-kutanes Schmerzsyndrom im Sinne eines
Fibro
my
algiesyndroms
-
17 von 18
Fibromyalgiepunkte
positiv
-
„Halbseitenhyposensibilität“ links
-
Altersübliche degenerative Veränderungen an HWS und LWS
-
Arterielle Hypertonie
-
Mögliche Osteoporose (gemäss Angaben der Versicherten).
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in der Küche der Y._ bezifferte Dr. B._ die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf 35 %. In einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit ging er von einer Leistungseinbusse von maximal 10 % aus. Im Aufgabenbereich Haushalt verneinte er eine krankheitsbedingte Beeinträchtigung aufgrund der Möglichkeit, die Arbeiten in Etappen zu erledi
gen (Urk. 7/62/15).
3.7.3
Anlässlich des psychiatrischen Untersuchungsgesprächs mit Dr. C._ nannte die Ver
sicherte als Hauptproblem die Schmerzkrankheit. Nachdem die ersten im Jahr 2000 aufgetretenen Rückenschmerzen noch optimal hätten behandelt werden können, seien die Schmerzen 2013 schlimmer geworden und würden seither ständig zunehmen. Vor allem in der Kreuzgegend verspüre sie seit Frühjahr 2014 sehr starke Schmerzen. Sie habe sich intensiven Behandlun
gen unterzogen und erhalte momentan
Cimzia
-Spritzen. Seit einem Monat habe sie beinahe keine Stimme mehr, was möglicherweise eine Nebenwirkung der
Cimzia
-Therapie sei (Urk. 7/61/4). Trotz der intensiven Behandlungen leide sie weiterhin an starken Schmerzen. Momentan seien diese in den Fingern beson
ders schlimm. Es bestünden auch Schmerzen in beinahe allen Körperteilen. Die Muskelschmerzen äusserten sich am stärksten im Becken- und Oberschenkelbe
reich. Sie werde regelmässig physiotherapeutisch behandelt und nehme Schmerzmedikamente ein. Sie sei der Meinung, ausschliesslich unter einer kör
perlichen Krankheit, einer Entzündung zu leiden. Sie habe nie begriffen, wes
halb die Ärzte gelegentlich der Auffassung gewesen seien, ihre Schmerzen könnten psychisch verursacht sein. Bisher habe sie nicht beobachtet, dass Lebensprobleme ihre Schmerzen verstärken würden. Vielmehr seien die Schmer
zen von der körperlichen Belastung abhängig, weshalb sie sich schonen müsse. Manchmal gehe es mit den Schmerzen etwas besser, oft seien diese aber stark
vorhanden. Als sie vor einem Jahr in Zürich psychiatrisch begutachtet worden sei, habe sie noch deutlich besser gehen können. Unterdessen würden belas
tungsbedingt relativ rasch starke Schmerzen auftreten. Sie habe auch Mühe, längere Zeit zu sitzen und müsse jeweils nach einer gewissen Zeit aufstehen. Psychisch sei es ihr früher immer gut gegangen, sie habe ein aktives Leben geführt und sehr gerne gearbeitet. Die Schmerzen hätten aber dazu geführt, dass sie in ihrer Lebensführung immer mehr eingeschränkt werde, was sich auch in ihrem Tagesablauf zeige (Urk. 7/61/5).
Dr. C._ diagnostizierte einzig: „ICD-10: F43.21, längere depressive Reak
tion (seit März 2015)“ der er keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuer
kannte (Urk. 7/61/8).
Im Rahmen der Konsensbeurteilung stellten Dr. B._ und Dr. C._ fest, es könne vollumfänglich auf die somatisch-rheumatologische Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit abgestellt werden (Urk. 7/61/17).
3.8
Mit Schreiben vom 14. September 2016 (Urk. 7/68/1 f.) nahm Dr. D._ Stel
lung zum Gutachten von Dr. C._ und hielt im Vergleich zu ihrer Ver
nehmlassung vom 15. September 2015 unverändert eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten aufgrund einer Anpassungsstörung mit län
gerer depressiver Reaktion fest (Urk. 7/68/1).
Am 30. August 2016 (Urk. 7/68/3 f.) äusserte sich Dr. E._ zum rheumatolo
gischen Teilgutachten von Dr. B._. Er kritisierte, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die durch das Fibromyalgie-Syndrom ausgelösten bedeutenden Schmerzen in der Diskussion der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt worden seien. Unter Einbezug dieser Beschwerden resultiere eine um deutlich mehr als 35 % eingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Zudem leide die Versicherte nicht nur an einer floriden axialen Spondylarthritis (Befall der
Iliosakralgelenke
sowie der Wirbelsäule), sondern an einer
seronegativen
Spondylarthropathie
mit axialem und peripherem Befall (Urk. 7/68/3).
3.9
Dr. B._ liess sich am 8. Oktober 2016 (Urk. 7/71/7) zu den von Dr. E._ am 30. August 2016 (Urk. 7/68/3 f.) vorgebrachten Einwänden vernehmen und hielt fest, diese enthielten keine neuen Befunde und änderten nichts an seinem Gut
achten.
Dr. C._ äusserte sich am 24. Oktober 2016 (Urk. 7/71/1-6) zu den Vorbrin
gen von Dr. D._ vom 14. September 2016. Er führte aus, es würden keine neuen Befunde genannt, weshalb sich nichts an den Ergebnissen seiner Begut
achtung ändere (Urk. 7/71/4).
4.
4.1
Die Gutachter Dr. B._ und Dr. C._ führten in ihren jeweiligen Fachdiszip
linen persönliche Untersuchungen durch, welche sie durch eine Laboruntersuchung des Blutes (vgl. Urk. 7/61/18) ergänzten. Unter Erörterung der erhobenen Befunde gelangten sie zum Ergebnis, dass sich einzig die Folgen der vom rheumatologischen Gutachter gestellten Diagnose einer axialen Spon
dylarthritis auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten und zwar im Rahmen einer 35%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und einer um höchstens 10 % eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer leidens
an
ge
passten, leichten und wechselbelastenden Tätigkeit (Urk. 7/61/16 f.). Damit weichen die Gutachter vom anderen rheumatologischen Facharzt Dr. E._ in relevantem Ausmass ab, da dieser – ebenfalls aus somatischer Sicht – die Einschränkungen für erheblicher erachtete und zudem die Diagnosestellung durch den rheumatologischen Gutachter kritisierte.
Zu dieser Kritik ist festzustellen, dass sie einen Punkt getroffen hat, den der Gutachter in der Tat nicht zufriedenstellend klärte. Sowohl die Ärzte des F._ als auch Dr. E._ vermochten - klinisch und bildgebend
erhärtet - neben einem axialen auch einen peripheren Befall des Körpers durch die Spondylarthritis zu erheben. Im Besonderen Schmerzen in den Händen und den Füssen waren mit der somatischen Diagnose eines peripheren Befalls begründet worden. Dr. B._ hingegen vermochte keine klinischen Befunde an den peripheren Gelenken zu erheben, obschon er gleichzeitig bei der Untersuchung von positiven
Gaenslen
-Zeichen (frühzeitiger Kompressionsschmerz bei Zusammenpressen der Finger bzw. der Füsse) sprach, welche zu den
Diagnosekritierien
für eine relevante rheumatische Arthritis auch in den peripheren Gliedmassen gehört, wie sie bei der Versicherten fraglos axial denn auch vorliegt (vgl. Urk. 7/68/3; Roche Lexikon Medizin, 4. A., S. 593). Dr. B._ Einwand dazu, es handle sich bei diesem Zeichen um ein semiobjektives Zeichen, weshalb er nichts an seiner Diagnosestellung oder der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ändere (Urk. 7/71), ist dabei nicht genügend erklärend. Auch die
Aerzte
des F._ hatten von der objektivierten Mitbetroffenheit der Finger, sodann von Schultern und Kniegelenken berichtet, auch wenn sie durchaus nicht ausser Acht liessen, dass daneben ein psychisches Geschehen bei der Auffassung der Versicherten beteiligt war, nicht arbeiten zu können (Urk. 7/34/6). Da der Gutachter einen peripheren Befall negierte und sich nicht mit den anderen fachärztlichen Darlegungen der Zusammenhänge ausführlicher auseinandersetzte, bestehen Zweifel daran, ob der Gutachter der IV-Stelle in somatischer Hinsicht die Krankheit der Versicherten hinreichend und in allen wesentlichen Facetten gewürdigt hat. Dies gilt umso mehr, als der rheumatologische Gutachter im Rahmen der Begutachtung auf bildgebende Untersuchungen verzichtete (vgl. Urk. 7/62/13) und es damit auch unterliess, seine Vermutungen zu objektivieren, gleichzeitig die in den medizinischen Akten enthaltenen Ergebnisse bildgebender Untersuchungen der Jahre 2014 zwar zitierte, jedoch in der Folge darauf verzichtete, diese den Ergebnissen der
von ihm durchgeführten klinischen Untersuchung gegenüberzustellen und zu diskutieren. Die somatische Begutachtung, die zentral ist, vermag nach dem Gesagten nicht zu überzeugen.
4.2
Dr. C._ diagnostizierte auf psychiatrischem Fachgebiet „F43.21 - län
gere depressive Reaktion (seit März 2015)“ (Urk. 7/61/8). Die Codierung und seine weiteren Ausführungen (vgl. Urk. 7/61/9, 7/61/10, 7/61/12) lassen darauf schliessen, damit sei die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion gemeint, obwohl er den Begriff der Anpassungsstörung dabei nicht ausdrücklich erwähnt hat.
Gemäss der Definition handelt es sich bei Anpassungsstörungen um Zustände subjektiven Leidens und emotionaler Beeinträchtigung, welche soziale Funktio
nen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, nach einem belastenden Lebensereig
nis oder bei Vorhandensein oder der drohenden Möglichkeit von schwerer kör
perlicher Krankheit auftreten. Die Anzeichen sind unterschiedlich, sie umfassen depressive Stimmung, Angst, Besorgnis, ein Gefühl, unmöglich zurechtzukom
men, vorausplanen oder in der gegenwärtigen Situation fortfahren zu können, ferner Einschränkungen bei der Bewältigung der alltäglichen Routine. Die betreffende Person kann sich so fühlen, als stehe sie kurz vor dramatischem Verhalten oder Gewaltausbrüchen, wozu es aber selten kommt. Die Störung beginnt im Allgemeinen innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensveränderung. Eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion dauert mehr als einen Monat, aber nicht länger als zwei Jahre (
vgl. Weltgesundheitsorganisation,
Internationale
Klassifikation psychischer Störun
gen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
Dilling
/
Mom
bour
/Schmidt [Hrsg.], 10. Auflage 2015, S. 209
f.).
Dr. C._ hielt betreffend der gestellten Diagnose einzig fest, da ein Zusam
menhang zwischen der Schmerzkrankheit, den Lebensproblemen und der Auf
gabe der Arbeitstätigkeit bestehe, sei von einer depressiven Reaktion auszuge
hen (Urk. 7/61/9). Weiter begründete er die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion nicht. Es bleibt damit zum einen unklar, wel
ches Ereignis er als ursächlich für das Auftreten dieser Störung betrachtete. Zum anderen finden sich die von der Klassifikation ICD-10 verlangten Kriterien für die Anpassungsstörung in der Begründung des psychiatrischen Gutachters nicht. Bei der stichwortartig aufgeführten psychiatrischen Befundung führte der Gutachter im Gegenteil auf, es bestünden keine Befürchtungen, keine Ängste, keine Zwänge. Erwähnt wurde nur, die Versicherte sei mürrisch, etwas nieder
gestimmt, phasenweise subdepressiv, gleichzeitig wiederum verneinte der Psy
chiater in der Begründung die Symptomatik einer depressiven Episode anläss
lich der Untersuchung durch ihn (Urk. 7/61/7, 7/61/9). Wie sich somit die von ihm genannte Störung auf die sozialen Funktionen der Versicherten auswirkt, ist unklar.
Weiter fehlt im Gutachten von Dr. C._ eine Auseinandersetzung mit abwei
chenden psychiatrischen Vorberichten: Zum Gutachten von Dr. A._ führte er aus, die darin enthaltene Diagnose einer Anpassungsstörung könne weiterhin gestellt werden (Urk. 7/61/10). Dies ist jedoch aktenwidrig: Dr. A._ war zum Schluss gelangt, eine psychiatrische Diagnose könne nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit gestellt werden; das Vorliegen einer Anpas
sungsstörung mit depressiver Reaktion hatte er lediglich als möglich bezeichnet (Urk. 7/36/18). Die Stellungnahme von Dr. D._ zum Gutachten von Dr. A._, in welcher diese aufgrund einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit festgehalten hatte
(Urk. 7/44/2
),
fand im Gutachten von Dr. C._ keine Erwähnung, obwohl diese den Gutachtern vorlag
(vgl. Gutachten Dr. B._, S. 7 [Urk. 7/62/7]). Damit ist der Beschwerdeführerin, die den Vorwurf eines in sich inkonsistenten Gutachtens erhoben hat (Urk. 1), Recht zu geben. Es erweist sich als oberfläch
lich und ungenau und ist daher nicht überzeugend und abschliessend beweis
tauglich.
4.3
Unter den behandelnden und begutachtenden Fachärzten herrscht Einigkeit über die Diagnose eines
Fibromyalgiesyndroms
. Diese wurde sowohl von den Gutachtern Dr. B._ (Urk. 7/62/13) und Dr. Z._ (
Urk. 7/29/
12) als auch von den Ärzten des F._
(Urk. 7/34/6
, 7/39/6
)
und vom behandelnden Rheumatolo
gen Dr. E._ (Urk. 7/44/5) gestellt.
Dr. E._ kritisierte in diesem Zusammenhang den rheumatologischen Gutachter Dr. B._, nämlich, dass dieser die Schmerzen des
Fibromyalgiesyndromes
aus der Diskussion der Arbeitsunfähigkeit ausschliesse. Es sei medizinisch nicht möglich, die Schmerzmanifestationen von eng verbundenen Krankheiten (wie vorliegend der
Spondylarthropathie
und der sekundären Fibromyalgie) präzis und sinnvoll auseinanderzutrennen. Mit Einbezug der
Fibromyalgiebeschwerden
wäre die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit deutlich höher als 35 % (Urk. 7/68/3). Dr. B._ äusserte sich dazu einzig, es handle sich bei dieser psychosomatischen Diagnose um eine solche der Psychiatrie und aus psychiatrischer Sicht müsse zur Arbeitsfähigkeit Stellung genommen werden (Urk. 7/71).
Diese Einschätzung der psychosomatischen Grundlage der Diagnose ist grundsätzlich richtig. Aufgrund von Darlegungen der anderen
Somatiker
, so beispielsweise der Ärzte der Rheumatologie des F._, wie auch in der medizinischen Literatur kann davon ausgegangen werden, dass durchaus eine Unterscheidung der Beschwerden zwischen der nachgewiesenen axialen und peripheren Spondylarthritis und dem eher
myofascial
geprägten, sich in der Tendenz ausdehnenden
Fibromyalgiesyndrom
möglich ist (vgl. Urk. 7/33/5; vgl. auch Prof. Dr. med.
Keel
, Fibromyalgie-Syndrom: neue Erkenntnisse zu Diagnostik und Therapie, Schweiz
Med
Forum 2013;
13(26):
517–521
, einge
sehen bei
www.rehaclinic.ch/wp-content/uploads/smf-01554.pdf
). Der Betrach
tung des psychosomatischen Leidens geht deshalb eine sorgfältige Differen
zierung zwischen dem komorbiden, objektiven rheumatologischen
Krankheits
bild und dem damit nicht erklärbaren und deshalb psycho
somatischen Beschwerdebild voraus, was vorliegend im Gutachten von Dr. B._ wie gezeigt wurde, nicht überzeugend gelöst worden ist, da das Ausmass des rheumato
logischen Leidens vom Gutachter nicht hinreichend geklärt und gewürdigt wurde.
Damit ist die Frage nach der invalidisierenden Bedeutung einer allenfalls vorliegenden Diagnose Fibromyalgie noch ungeklärt und bedarf der näheren und sorgfältigeren Betrachtung. Erst wenn
somatischerseits
feststeht, inwiefern die Versicherte durch ihr rheumatisches Grundleiden beeinträchtigt ist und inwiefern weitergehende von ihr geltend gemachte Einschränkungen als psychosomatisch bezeichnet werden müssen (und dies in Abgrenzung zu einer allfälligen Aggravation oder einem anderen psychiatrischen Leiden), ist im Sinne der erwähnten Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. E. 1.3) im Rahmen des normativen strukturierten Beweisverfahrens die Frage nach dem individuellen Leistungsvermögen der Versicherten in einer Gesamtbetrachtung einzelfallgerecht und ergebnisoffen und zwar mit Hilfe des Kriterienkataloges und mittels der ärztlichen Angaben (BGE 137 V 64, 140 V 290) zu prüfen.
4.4
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass das rheumatologisch-psychiatrische Gutachten von Dr. B._ und Dr. C._ weder für die streitigen Belange umfassend ist, noch werden abweichende Beurteilungen diskutiert. Auch leuchtet die Beurteilung der medizinischen Situation nicht ein und die Schlussfolgerungen sind nicht nachvollziehbar.
Es erfüllt damit die Anforde
rungen der Rechtsprechung nicht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E.
3a), weshalb nicht darauf ab
ge
stellt
w
e
rden kann
.
Es stellt sich die Frage, ob der Gesundheitszustand gestützt auf die weiteren im Recht liegenden medizinischen Akten beurteilt werden kann. Es steht
sowohl ein rheumatologisches als auch ein psychiatrisches Leiden zur Diskussion. Die
Kombination mehrerer Funktionsstörungen
führt jedoch
nicht notwendigerweise zu einer Addition der in verschiedenen Fachdisziplinen attestierten Arbeitsun
fähigkeiten
.
Bei ihrem Zusammentreffen überschneiden sich die erwerblichen Auswirkungen in der Regel. Deshalb ist der Grad der Arbeitsunfähigkeit grund
sätzlich in einer Gesamtbeurteilung zu bestimmen (
Urteil des Bundesgerichts 9C_204/2015 vom 29. April 2015 E. 6 mit Hinweis auf das
Urteil 9C_948/2012 vom 2
2.
Juli 2013 E. 4.3)
. Zudem wurde eine psychiatrische Begutachtung sowohl von Seiten der somatischen Vertrauensärztin Dr. Z._ als auch der Rheumatologie des F._ empfohlen
(vgl. Urk. 7/29/11, 7/
34
/
8
).
Die vertrauensärztlich-psychiatrische Untersuchung durch Dr. A._ erfolgte nicht in Zusammenarbeit mit der somatischen Vertrauensärztin Dr. Z._. Zudem enthält das Gutachten von Dr. A._ (Urk. 7/36) auch keine detaillierten Angaben zu den in Bezug auf die Prüfung der Standardindikatoren wesent
lichen Fragen. Auch den Berichten der behandelnden Ärzte fehlt es an der erforderlichen Grundlage dieser psychiatrisch-somatischen Zusammenarbeit.
A
nhand der bestehenden medizinischen Akten
ist es damit nicht möglich
, den für die Beurteilung des Rentenanspruchs mittels Einkommensvergleich festzu
stellenden Invaliditätsgrad zu bestimmen
. Die Beschwerde ist damit insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur neuen Begutachtung und zu neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
5.
Die Beschwerdeführerin äusserte konstant, sie habe die letzten Jahre vor Eintritt der gesundheitlichen Probleme in einem Pensum von 80 % in der Küche der Y._ gearbeitet und würde dies im hypothetischen Gesundheitsfall auch weiterhin tun (vgl. Urk. 7/4/4, 7/13/2, 7/19, 7/21/2, 7/29/2, 7/36/5, 7/61/4, 7/62/6). Unter Berücksichtigung dieser Angaben bestimmte die Beschwerdegeg
nerin das im hypothetischen Gesundheitsfall von der Beschwerdeführerin erzielte Einkommen (
Valideneinkommen
) aufgrund der Lohnangaben der Y._ (Urk. 2 S. 2, 7/31/2).
Abweichend von diesen Äusserungen der Beschwerdeführerin sind in den Auszü
gen aus ihrem Individuellen Konto im Zeitraum ihrer Tätigkeit in der Y._ (1998 bis 2015) Einträge weiterer Arbeitgeber enthalten (Urk. 7/22/2-5). Da es sich dabei um Erwerbseinkommen aus Nebentätigkeiten handeln könnte, wird die Beschwerdegegnerin vor Erlass einer neuen Renten
verfügung abzuklären haben, ob diese allenfalls bei der Bestimmung des
Vali
deneinkommens
und allenfalls des Invalideneinkommens zu berücksichtigen sind.
6.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweis
en
sic
h Fr. 700
.-- als angemessen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung
als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Zudem hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten
(
§
34
Abs.
1
GSVGer
).
Nachdem Milosav Milovanovic keine Zusammen
stellung über seine Bemühungen ein
reichte, erfolgt die Festsetzung seiner Entschädigung nach Ermessen. Unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass er die Beschwerdeführerin bereits im
Einwandverfahren
vertreten hat und seither nur in sehr beschränktem Mass Aktenstudium erforderlich war, ist die Pro
zessentschädigung ermessensweise auf
Fr. 800
.-- (inklusive Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer) festzusetzen.