Decision ID: e4b5e9c0-ee7d-43ce-8263-8bae3835a056
Year: 2012
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. C._ und B._ sowie A._ und D._ wohnen als Nachbarn am E._weg 21 bzw. 19
in F._. Seit Jahren bestehen zwischen den Parteien Nachbarschaftsstreitigkeiten, wobei sich
der Konflikt auf die Pflanzen entlang der gemeinsamen Parzellengrenze und entlang der Korpo-
rationsparzelle bezieht. Mit friedensrichterlichem Vergleich vom 16. Oktober 2007 einigten sich
die Parteien, jene Pflanzen mindestens einmal jährlich entsprechend den gesetzlichen Bestim-
mungen über Grünhecken zurück zu schneiden.
B. Mit Schreiben vom 26. August 2010 liessen C._ und B._, vertreten durch Advokat Dr.
Sven Oppliger, Strafanzeige gegen A._ wegen Tätlichkeiten, Hausfriedensbruchs und Sach-
beschädigung beim damaligen Bezirksstatthalteramt Arlesheim erheben. Dieser wiederum er-
stattete am 23. Oktober 2010 (Schreiben datiert vom 23. Oktober 2005) beim damaligen Be-
zirksstatthalteramt Arlesheim Gegenanzeige gegen C._ und B._ jeweils wegen Hausfrie-
densbruch und Sachbeschädigung. Die am 1. Februar 2011 durchgeführte Vergleichshandlung
zwischen A._ und C._ zeitigte keinen Erfolg, da sich die Parteien weder bezüglich des
mündlich präsentierten Vergleichsvorschlags noch betreffend den nachträglich durch A._
vorgebrachten schriftlichen Vergleichsvorschlag zu einigen vermochten.
C. Mit Verfügung vom 7. Juni 2012 stellte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Haupt-
abteilung Arlesheim, das Verfahren gegen B._ in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO
ein. Die Zivilklage wurde auf den Zivilweg verwiesen, die Verfahrenskosten zu Lasten des Staa-
tes genommen und der beschuldigten Person keine Entschädigung und keine Genugtuung zu-
gesprochen (Art. 430 Abs. 1 lit. c StPO). Die Einstellung wurde damit begründet, dass konkrete
Hinweise fehlten, wonach sich der Beschuldigte auf das Grundstück des Beschwerdeführers
begeben habe bzw. Pflanzen entgegen dem gerichtlichen Vergleich abgeschnitten habe. Da der
Beschuldigte die Vorwürfe ausdrücklich bestreite, habe sich der Tatverdacht nicht erhärtet,
weshalb das Verfahren zu Recht eingestellt worden sei.
D. Dagegen erhob A._ mit Eingabe vom 12. Juni 2012 Beschwerde. Er bat um Erstre-
ckung der Frist, um die Beschwerde ausreichend begründen zu können. Mit Verfügung des
Kantonsgerichts vom 14. Juni 2012 wurde dem Gesuch des Beschwerdeführers nicht stattge-
geben mit dem Hinweis, dass es sich bei der 10-tägigen Beschwerdefrist um eine nicht
erstreckbare gesetzliche Frist handle. Der Beschwerdeführer wurde zudem zur Zahlung einer
Sicherheitsleistung von CHF 300.00 verpflichtet, welche innert der angesetzten Frist erfolgte.
Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht
E. Mit erneuter Eingabe vom 18. Juni 2012 reichte der Beschwerdeführer die Begründung
seiner Rechtsmitteleingabe nach, wobei er die Bestrafung des Beschuldigten und seiner Ehe-
frau sowie die Auferlegung einer Genugtuung und der Kosten zu dessen Lasten beantragte. Auf

die Begründung der Beschwerde wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen dieses Be-
schlusses eingegangen.
F. In der Stellungnahme vom 10. Juli 2012 erklärte die Beschwerdegegnerin, dass sie an
ihren Ausführungen in der Einstellungsverfügung vom 7. Juli 2012 festhalte und die Abweisung
der Beschwerde beantrage, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
G. Mit Stellungnahme vom 11. Juli 2012 beantragte der Beschuldigte, vertreten durch Advo-
kat Dr. Sven Oppliger, die Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zu Lasten des Beschwerdeführers. Die Vorinstanz habe das Verfahren zu Recht eingestellt, da
konkrete Hinweise, wonach er sich auf das Grundstück des Beschwerdeführers begeben und
Sachbeschädigung an den Pflanzen des Beschwerdeführers begangen habe, fehlten.
Erwägungen
1.1 Die Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, ist gemäss § 15 Abs. 2 EG
StPO zur Beurteilung von Beschwerden sachlich zuständig. Die Beschwerde ist laut Art. 393
Abs. 1 lit. a StPO gegen Verfügungen und die Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsan-
waltschaft und Übertretungsstrafbehörden zulässig. Nach Art. 393 Abs. 2 StPO können Rechts-
verletzungen, die falsche Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt wer-
den, womit die Beschwerde ein umfassendes ordentliches Rechtsmittel darstellt. Mit der Be-
schwerde können somit alle Mängel des angefochtenen Entscheides geltend gemacht werden
(STEPHENSON/THIRIET, Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 393 N 15). Die Beschwerdefrist ge-
gen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide beträgt zehn Tage, wobei die Beschwerde
schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen ist (Art. 396 Abs. 1 StPO).
Nach Art. 385 Abs. 1 StPO hat die Person oder die Behörde, die ein zu begründendes Rechts-
mittel ergreift, genau anzugeben, welche Punkte des Entscheides sie anficht (lit. a); welche
Gründe einen anderen Entscheid nahe legen (lit. b); und welche Beweismittel sie anruft (lit. c).
Die geschädigte Person ist zur Beschwerde legitimiert, sofern sie sich als Privatklägerin konsti-
tuiert hat (Art. 105 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO; Urteil des Bundesgerichts
6B_557/2010 vom 9. März 2011 E. 5.2).
Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht
1.2 Der Beschwerdeführer hat mit Eingabe vom 12. Juni 2012 gegen die Einstellungsverfü-
gung vom 7. Juni 2012 rechtzeitig Beschwerde erhoben. Die Beschwerdebegründung vom
18. Juni 2012 wurde innert der Rechtsmittelfrist nachgereicht und ist deshalb vorliegend zu be-
rücksichtigen. Der Beschwerdeführer beantragt, es seien der Beschuldigte und seine Ehefrau
zu bestrafen und zur Bezahlung der Kosten und einer Genugtuung zu verpflichten. Es geht aus
den Anträgen sinngemäss hervor, dass der Beschwerdeführer die Aufhebung der Einstellungs-
verfügung beantragt und die Zusprechung einer Genugtuung sowie die Auferlegung der Kosten
zu Lasten des Beschuldigten verlangt. Da es sich um eine Laieneingabe handelt und infolge-
dessen praxisgemäss geringere Anforderungen an die Rügepflicht der Rechtsmittel zu stellen
sind als bei anwaltlich vertretenen Parteien, ist der Rügepflicht mit der Eingabe vom 18. Juni
2012 Genüge getan. Fraglich ist allerdings, ob die Rechtsmitteleingabe auch rechtsgenüglich
begründet ist. Der Beschwerdeführer führt gegen die Einstellungsverfügungen betreffend C._
und B._ mit derselben Eingabe vom 12. Juni 2012 Beschwerde und setzt sich in der Begrün-
dung vom 18. Juni 2012 primär mit der Verfahrenseinstellung betreffend C._ auseinander.
Zur Begründung beider Beschwerden - und deshalb vorliegend als Begründung gegen die Ver-
fahrenseinstellung betreffend B._ - führt der Beschwerdeführer in der Eingabe vom 18. Juni
2012 aus, dass er entgegen den Schilderungen des Ehepaars C._ und B._ nie behauptet
habe, sein Grundstück sei zwecks Rückschnitten betreten worden, sondern um Zweige auf sei-
nem Grundstück zu entsorgen. Die Vorinstanz habe ausserdem in ihrer Verfügung nicht be-
rücksichtigt, dass seit dem friedensrichterlichen Vergleich vom 26. Oktober 2007 gar kein Kapp-
recht bestehe, weshalb die Nachbarn die Schnitte zu Unrecht vorgenommen hätten. Unter Be-
rücksichtigung des bei Laien anwendbaren, weniger strengen Massstabes an die Begründung
einer Rechtsschrift, vermögen die obgenannten Ausführungen den rechtlichen Anforderungen
zu genügen. Nachdem auch die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
einzutreten.
2.1 Die Staatsanwaltschaft verfügt die vollständige oder teilweise Einstellung des Verfahrens,
wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt (Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO).
Das Bundesgericht hat sich in verschiedenen Entscheiden für den Grundsatz "in dubio pro duri-
ore" ausgesprochen, wonach die Staatsanwaltschaft eine Einstellung nur bei klarer Straflosig-
keit bzw. offensichtlich fehlenden Prozessvoraussetzungen verfügen darf (BGE 137 IV 219 E.
7.1; Urteile des Bundesgerichts 1B_46/2011 vom 1. Juni 2011 E. 4 und 1B_366/2011 vom
24. Oktober 2011 E. 2.1). In Zweifelsfällen hat eine Anklage und gerichtliche Beurteilung zu
erfolgen. Eine Einstellung des Verfahrens ist aber immer dann angezeigt, wenn nach der ge-
Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht
samten Aktenlage ein Freispruch zu erwarten ist (GRÄDEL/HEINIGER, Basler Kommentar StPO,
2011, Art. 319 StPO N 8; SCHMID, Praxiskommentar StPO, Art. 319 N 5). Im Interesse der Ver-
fahrensökonomie und der beschuldigten Person ist jedoch darauf zu achten, dass keine leicht-
fertigen Anklagen erhoben werden (LANDSHUT, Zürcher Kommentar StPO, 2010, Art. 319 N 3).
2.2 Die Argumente des Beschwerdeführers vermögen den Entscheid der Vorinstanz betref-
fend Einstellung des Verfahrens gegen den Beschuldigten nicht umzustossen. Das Argument,
er habe behauptet, dass sein Grundstück zwecks Entsorgung von Zweigen auf seinem Grund-
stück betreten worden sei und nicht, um dabei Rückschnitte vorzunehmen, taugt nicht um zu
belegen, dass der Beschuldigte sich tatsächlich auf die Parzelle des Beschwerdeführers bege-
ben hat. Wie die Videoaufzeichnungen der Beschuldigten deutlich belegen (act. 189), ist eine
Entsorgung von Schnittmaterial auf eine Nachbarsparzelle möglich, ohne diese zu betreten. Es
gelingt dem Beschwerdeführer auch nicht nachzuweisen, dass der Beschuldigte überhaupt
überragende Äste bzw. Zweige abgeschnitten hat. In den Verfahrensakten finden sich diesbe-
züglich keinerlei Hinweise und der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe des Beschwerdeführers
anlässlich seiner Einvernahme vom 8. Dezember 2010 vehement. Er sagte dabei aus, dass er
das Grundstück des Beschwerdeführers seit dem Hausverbot mit Sicherheit nicht mehr betreten
habe (act. 261, Frage 5). Überdies habe er keinerlei Handlungen vorgenommen, welche dem
gerichtlichen Vergleich zuwider laufen oder als Sachbeschädigung gelten würden (act. 261,
Frage 6). Aufgrund der Aktenlage ist festzustellen, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren
zu Recht eingestellt hat. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen und die Verfügung der
Vorinstanz vom 7. Juni 2012 zu bestätigen.
3. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend gehen die Verfahrenskosten in Anwendung
von Art. 428 Abs. 1 StPO zu Lasten des unterliegenden Beschwerdeführers. Die dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegende Gerichtsgebühr ist gestützt auf § 14 Abs. 1 der Verordnung
über die Gebühren der Gerichte auf CHF 500.00, zuzüglich Auslagen von CHF 50.00, somit auf
total CHF 550.00, festzulegen. Dieser ist überdies zu verpflichten, der Beschuldigten eine pau-
schale Parteientschädigung von CHF 300.00 (inklusive Auslagen) zuzüglich 8 % Mehrwertsteu-
er, somit insgesamt CHF 324.00, zu entrichten (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 432 Abs. 1 und 2
StPO). Dem sinngemässen Antrag des Beschwerdeführers, es sei ihm eine Genugtuung zuzu-
sprechen, kann schon deshalb nicht entsprochen werden, weil die Vorinstanz die Zivilklage auf
den Zivilweg verwiesen hat, was vorliegend nicht beanstandet wurde (Art. 320 Abs. 3 StPO).
Auch bei Gutheissung der Beschwerde wäre es nicht in der Kompetenz des Kantonsgerichts
Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht
gelegen, dem Opfer eine Genugtuung zuzusprechen, da über diesen zivilrechtlichen Anspruch
im Hauptverfahren zu entscheiden gewesen wäre (vgl. auch Art. 397 Abs. 2 StPO).