Decision ID: aa054b14-e2ac-41c8-8e07-8ae950009940
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973, arbeitete seit dem
1.
Dezember
200
9
bei
der
Z._
als Servicemitarbeiter und war in dieser Eigenschaft bei der
Vau
doise
Allgemeine, Versicherungs-Gesellschaft
AG (nachfolgend:
Vaudoise
) gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als er a
m
1.
Mai 2010
beim Laufen aus
rutschte
und sich den kleinen Finger der rechten Hand
brach
(
Urk.
10/1).
Die Verletzung musste mehrfach operativ versorgt werden (
insbes.
Urk.
10/3,
Urk.
10/6).
Die
Vaudoise
gewährte Heilbe
handlung und Taggeld (
Urk.
10/8).
Sie
tätigte Abklärungen in medizinischer Hinsich
t, wobei sie insbesondere
die Stel
lungnahme ihres Vertrauensarztes,
Dr.
med.
A._
, Spe
zialarzt FMH
für orthopädische Chirurgie
, vom 1
3.
Dezember 2011 (
Urk.
10/114)
einholte
.
Gestützt darauf stellte die
Vaudoise
mit Verfügung vom 2
2.
Dezember 2011
ihre Leistungen
rückwirkend per 1
3.
April 2011 ein (
Urk.
10/117).
Dage
gen erhob
X._
am
9.
Januar 2012
Einsprache (Urk. 10/120
, mit
Einspracheer
gänzung
vom
6.
Februar 2012,
Urk.
10/131
). Am 10. Januar 2012 erhob
dessen Krankenkasse, die
avanex
Ver
sicherungen AG
(nachfolgend:
avanex
)
, ebenfalls Einsprache (Urk. 10/121).
Mit
Einspracheentscheid
vom
2
9.
Mai 2012 wies die
V
audoise
die Einsprachen ab (
Urk.
2).
2.
G
egen
diesen
Einspracheentscheid
führte
n
die
avanex
(Beschwerdeführerin 1) und
X._
(Beschwerdeführer 2) mit Eingaben vom
8.
Juni 2012 (
Urk.
1)
resp.
2.
Juli 2012 (
Urk.
6/1)
Beschwerde und beantragten, in Aufhebung des
Ein
spracheentscheids
vom 2
9.
Mai 2012 sei die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen
.
X._
beantrag
t
e ev
e
ntualiter
, dass ein Gut
achten zur Abklärung der Unfall
kausalität in Auftrag zu geben sei (
Urk.
6/1 S. 1).
Mit Gerichtsverfügung vom
5.
Juli 2012
wurde der Prozess in Sachen
X._
gegen die
Vaudoise
(UV.2012.00149) mit dem vorliegenden Prozess vereinigt (
Urk.
7). Die
Vaudoise
beantragte mit
Beschwer
dean
t
wort
vom
6.
August 2012, die Beschwerden seien abzuweisen (
Urk.
9, unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
10/1-140), was der
avenex
und
X._
mit Mitteilungen vom 2
0.
August 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin
wegen der Folgen des Un
falls vom
1.
Mai 2010
über den 13. April 2011
hinaus
Leistungen
zu erbringen hat, mithin, ob die nach diesem Zeitpunkt geklagten Beschwerden noch in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom
1.
Mai 2010 stehen.
1.2
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
9.
Mai 2012 führte die
Beschwer
degegnerin
aus, der Beschwerdeführer
habe
sich am
1.
Mai 2010 den kleinen Finger der rechten Hand gebrochen. Daraufhin habe sich eine
Algodystrophie
mit Schmerzen der gesamten Hand entwickelt.
D
ie Fraktur habe sich jedoch kon
solidiert.
Im Austrittsbericht der
B._
vom
4.
März 2011
(
Urk.
10/78)
sei die Rede von einer leichten Schwanenhalsdeformität der Finger III, IV und angedeutet auch V rechts, sowie von Handgelenksbeschwerden „unklarer Äti
o
lo
gie“.
Ihr Vertrauensarzt,
Dr.
A._
, sehe die Fingerfraktur als stabil an. Die während der Operation vom 1
3.
April 2011 festgestellt
en
Diag
nosen („TFCC
[Triangulärer
Fibrocartilaginärer
Complex
]
-Läsion, SL-Läsion Geissler II,
Ulnocarpal
-Arthrose,
Lunatum-Knorpel
glatze
“) könnten nicht mit diesem bereits konsolidierte
n
Fingerbruch in Ver
bindung gesetzt werden. Es seien erhebliche degenerative Veränderungen fest
gestellt worden, welche nicht als Unfallfolge betrachtet werden könnten
. Somit könne der Sturz vom
1.
Mai 2010 nicht als überwiegend wahrscheinliche Ursache für die
Handgelenks
be
schwer
den
des Beschwerde
führers angesehen
werden
(
Urk.
2 S. 4).
Mit
Beschwerdeant
wort
vom
6.
August 2012
bringt
die Beschwerdegegnerin
vor
, dass weder auf die Stellungnahme von
Dr.
med.
C._
, Vertrauens
arzt der Helsana Versicherungen AG,
vom
5.
Juni 2012
(Urk. 3/22)
noch auf diejenige von
PD Dr.
D._
, Klinik für Plastische Chirurgie und
Handchirur
gie
,
E._
,
vom 24. Januar 2012
(
Urk.
10/130)
abzu
stellen sei. Das
complex
regional
pain
syn
drom
(CRPS)
habe sich dreieinhalb Monate nach dem Unfall entwickelt, weshalb es mit Blick auf die Rechtspre
chung des Bundesgerichts nicht als unfallkausal
betrachtet werden könne (
Urk.
9 S. 1).
1.3
Die Beschwerdeführerin 1 stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass alle behandelnden und operierenden Spezialärzte die Unfallkausalität der rechtsseitigen Handbeschwerden sowie deren mittelbare Folgen bejahen würden.
Die degenerativen Veränderungen sei
en, wie sämtliche Spezialärzte bescheini
gen würden, als Folgeerscheinung zu werten.
Selbst der beratende Arzt der
Be
schwerdegegnerin
,
Dr. med.
F._
, habe ausgeführt, dass das CRPS eine typische Komplikation nach mehrfacher Reposition einer Fraktur sei und aus
drücklich
den natürlichen Kausalzusammenhang bejaht. Nichts anderes sei der Stellungnahme von
Dr.
A._
vom 2
2.
Dezember 2010
(
Urk.
10/59)
zu ent
neh
men. An dieser Sichtweise würde auch die gegenteilige Stellungnahme von
Dr.
A._
vom 1
3.
Dezember 2011
(
Urk.
10/114)
nicht
s
ändern.
Die Beschwerden an der rechten Hand seien demnach mit dem Grad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit natür
lich kausal zum Unfallereignis vom
1.
Mai 2010 (
Urk.
1
S.
8
).
1.4
Der Beschwerdeführer 2 verweist auf den Bericht von
PD
Dr.
D._
vom 2
4.
Januar 201
2
(
Urk.
10/130)
.
Für
diesen
seien die heutigen Beschwerden Folge des Sturzes vom
1.
Mai 201
0.
(
Urk.
6/1 S. 3
). Es müsse davon ausgegangen werden, dass sich die Beschwerdegegnerin nicht mit dem Bericht von
PD
Dr.
D._
vom 2
4.
Januar 2012
aus
einandergesetzt habe
(
Urk.
6/1 S. 4).
2.
2.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
–
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt
–
die Versicherungs
leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten ge
währt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (Abs. 3).
2.2
2.2.1
Die
Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 29. Mai 2012
(
Urk.
2)
die Rechtsprechung
zu
m nebst anderem vorausgesetzten natürlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfall und eingetretenem Schaden
und de
m
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung
(BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen) zutreffend wiedergegeben
(
Urk.
2 S. 3 bis 4)
. Darauf kann verwiesen werden.
Zu ergänzen ist das Folgende:
2.2
.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der
Gesund
heits
schaden
nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen;
nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 2
6.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
). Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu
sammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76).
2.3
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E. 1c).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
3.
3.1
In seiner Beurteilung vom 1
3.
Dezember 2011
(
Urk.
10/114)
führte
Dr.
A._
im Wesentlichen
aus, dass der Beschwerdeführer am
1.
Mai 2010 beim Laufen aus
gerutscht sei. Es sei eine
undislozierte
Fraktur des
fünften
Metacarpale-Köpf
chens
festgestellt worden, welche notfa
llmässig vor Ort in
G._
be
handelt
worden sei.
Die Fraktur, welche mögl
icherweise
nicht korrekt stabilisiert worden sei,
sei um 40 Grad disloziert
, weshalb
sie
zehn Tage sp
äter in der c
hirurgischen Klinik
des Spitals
H._
versorgt
worden
sei
. Nach der
operativen Reposi
tion und Schienung mit zwei Spickdrähten
vom 1
9.
Mai 2010 sei
es
wegen einer erneuten
Rotationsdislokation
am 1. Juni 2010
zu einer Reposition des Spickdrahtes gekommen
. Weder im Bericht des Spitals
H._
vom 1
4.
Juni 2010 noch im Bericht der behandelnden Ärztin
Dr.
I._
vom 1
9.
Juni 2010 seien Komplikationen erwähnt worden.
Dr.
I._
habe i
n
ihrem Bericht
vom 1
2.
August 2010 eine
Algod
ystrophie
diagnostiziert,
ohne jedoch
weitere Angaben zu den Untersuchungen, welche zu dieser Diagnose geführt hätten, zu machen. Im Operationsbericht des Spitals
H._
vom 2
4.
August 2010 werde die
Algodystrophie
erwähnt. Es werde festgehalten, dass diese Kompli
kation dreieinhalb Monate nach dem Unfall, also Mitte August, aufge
treten sei. Am 2
4.
August 2010 seien unter Lokalanästhesie die Spickdrähte entfernt worden.
Bei der Verlaufskontrolle vom 1. September 2010
sei
festge
stellt worden, dass d
ies eine Verbesserung der Beweglic
hkeit zur Folge gehabt habe
.
Beim
bei Dr. J._
eingeholten
hand
chirur
gischen
Konsilium
sei
en
eine günstige Entwicklung nach dem Bruch de
s
Meta
carpale-Köpfchens
, aber auch Schmerzen im Handgelenk sowie
– als
Röntgen
befund
– eine diffuse Osteoporose
und eine Erosion im
Lunatum
fest
gestellt worden
.
Vom 2. Februar bis 2. März 2011 habe sich der Beschwerdeführer in der
B._
aufgehalten.
Beim Au
stritt hätten Schmerzen im Bereich der Strahlen IV und V der rechten Hand
,
im Ellenbereich des Handge
lenks und sogar in der rechten Schulter persistiert.
Anhaltend hätten
Zeichen einer Dystrophie, ein
Faust
schlussdefizit
der Hand rechts, vor allem der Finger IV und V, eine leichte Schwanenhalsdeformität der drei letzten Finger, eine Ein
schränkung der
Hand
gelenksbeweglich
keit
rechts
bestanden. Die
Röntgen
unter
suchung
des Hand
ge
lenks vom 2
2.
Februar 2011
habe
eine Konsoli
dierung des Bruchs des
Metacar
pale-Köpfchens
mit einer leichten
Verkippung
nach
palmar
und einer leichten Eindellung des Os
lunatum
rechts am Unterrand gegenüber dem
Ulnaköpfchen
gezeigt
(Urk. 10/114 S. 1)
.
Nach dem MRI vom 15. März 2011
sei eine Arthro
skopie zur Fest
stellung de
r
Schmerzen im Handgelenk vorgeschlagen worden, welche am 13. April 2011 durchgeführt worden sei. Bei dieser sei eine
grosse
zentrale
Chon
d
r
omalazie
mit
Knorpeldefekt
auf dem
Lunatum
und
ein grosse
r
Defekt im
Zen
trum des
„
complexe
ligamentaire
cubito-carpien
“
(ge
meint ist
das TFCC
, vgl.
Urk.
10/89)
diagnostiziert worden
.
Es handle sich somit um degene
rative Läsionen ohne Zusammen
hang mit dem Trauma und seinen Folgen.
Bei der Besprechung vom
1
0.
Mai 2011 sei
, ohne das
s
die Diagnosestellung klar gewesen sei,
an den
Diagnosen der TFCC-Läsion, SL-Läsion Geissler II,
Ulnocar
pal-Arthrose
und
Lunatum
-Knorpelglatze Hand rechts
festgehalten worden
. Es sei eine
Proximal-
Row
-
Carpectomie
vor
ge
schlagen worden. Er (
Dr.
A._
) sehe keinen
Zusammenhang zwischen
der kor
rekt
ver
sorgten
und
stabilisierten
Fraktur des fünften
Meta
carpale-Köpfchens
und den nach dieser letzten Kon
sultation gestellten Diag
nosen. Bei diesem Ein
griff sei
auch
eine Korrektur der
Schwanenhalsde
formität
nicht nur des fünften Fingers
,
son
dern auch der
– beim Unfall vom
1.
Mai 2010 – nicht verletzten dritten und vierten Finger vor
genommen worden. Nach der Arthroskopie des Handgelenks (vom 1
3.
April 2011) sei die Beschwerdegegnerin als Unfall
versicherung nicht mehr
leistungs
pflichtig
, sondern es handle sich um einen Fall von Krankheit ohne Zusammen
hang mit dem Bruch des fünften
Meta
carpale-Köpfchens
(
Urk.
10/114 S.
2
).
3.2
Nachdem PD
Dr.
D._
den Beschwerdeführer am 2
4.
Januar 2012 in seiner Sprechstunde untersucht hatte
,
gelang
t
e er zur Beurteilung
, dass
das
Schmerz
bild
des Beschwerdeführers einen postoperativen Folgezustand mit CRPS nach Handgelenks-Operation und SORL-Rekonstruktion der Finger dar
stelle. Mittler
weil
e sei unter analgetischer und ergotherapeutischer Be
handlung eine Bes
se
rung deutlich erkennbar. Dem Ganzen liege ein traumatisches Ereignis aus dem Jahre 2010 zugrunde, welches zu intra
arti
kulären Pro
blemen bei nicht diagnos
tizierte
r
TFCC-Läsion, mit nachfolgender
Ulnokar
palarthrose
sowie
Knorpel
glatze
des Os
lunatum
geführt habe. Die nach
folgende
Proximal-Row-C
arpec
tomie
habe dann ein CRPS ausgelöst (
Urk.
10/123, Urk. 10/130 = Urk. 3/23).
3.3
Dr.
C._
weist in seiner Stellungnahme vom
5.
Juni 2012 darauf hin, dass in all den Unterlagen und Operationsberichten von Beg
inn weg nirgends beschrie
ben sei, dass die Sekundärveränderungen im ganzen Bereich der rechten Mittelhand und Finger vorbestehend gewesen wären. Aufgrund deren Aus
prä
gung wäre der Beschwerdeführer sicherlich (schon) vor dem Unfall bei der Arbeit eingeschränkt gewesen, oder er hätte Beschwerden gehabt. Diese seien Folgen des Unfalles vom
1.
Mai 2010 und des sich entwickelnden, ausgeprägten CRPS, das sich kaum mehr vollständig
restituieren
werde (
Urk.
3/22).
4.
4.1
Mit der beim Unfall vom
1.
Mai 2010 erlittenen,
am 1
9.
Mai 2010 im Spital
H._
opera
tiv versorgte
n
(
Urk.
10/3)
Metacarp
ale V-Köpfchenfraktur stand
d
ie Reposition des
Spi
ckdrahtes bei der Operation vom
1. Juni 2010
(
Urk.
10/
6
)
im Zusammenhang.
Gemäss
der Stellungnahme des
beratenden Arzt
es
der
Beschwerde
gegnerin
, Dr. med.
F._
,
vom 2
3.
November 2011
ist die
Algodystrophie
des Beschwerdeführers eine Komplikation nach mehrfa
cher Reposition einer Fraktur (Urk. 10/57 S. 2). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Qualifikation des Beschwerdebildes CRPS, welches auch als sympathische
Algo
dy
strophie
, Reflexdystrophie oder Sudeck-Syndrom bezeich
net wird (vgl. Pschy
rembel, Klinisches Wörterbuch, 263. Auflage, Berlin/Boston 2011), sollten als Folge eines Unfalles die folgenden drei Kriterien erfüllt sein: a) Nachweis eines Körperschadens nach einem Unfall (beispiels
weise in Form eines Hämatoms oder einer Schwellung) oder das Auftreten einer
Algodystro
phie
nach einer wegen Unfall
verletzung durchge
führten Operation, b) Aus
schluss anderer nicht trauma
tischer, ursächlicher Faktoren (wie z.B. Zustand nach Myokardinfarkt, nach
Apopelexie
, nach/bei Barbiturat-Einnahme, bei Tumoren, bei Schwanger
schaften etc.) sowie c) kurze Latenzzeit (maximal sechs bis acht Wochen) zwischen dem Unfall und dem Auftreten der
Algodystrophie
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_384/2009 vom 5. Januar 2010, E. 4.2.1, mit wei
teren Hinweisen).
Im
Operationsbericht des Spitals
H._
zur
Osteosyn
these
materialentfernung
(OSME) des
Meta
carpal
köpfchens
Dig
.
V Hand rechts
wird
zwar
ausdrücklich
festgehalten
, dass es dreieinhalb Monate nach
der Fraktur und
Versorgung zu einer
Algodystrophie
gekommen sei (Urk. 10/40)
.
Dr. med.
I._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin,
welche den Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr in die Schweiz am 1
1.
Juni 2010
als Erste untersuchte
(
Urk.
10/18)
und von diesem auch im Folgenden kon
sultiert wurde
,
schrieb Dr.
A._
am 7. Dezember 2011
allerdings
, das
s
der Verdacht auf eine
Algo
dystrophie
erstmals im Juni
2010 von den Chirurgen im
S
pital
H._
gestellt worden sei (Urk. 10/113).
Bereits am
2
1.
Juni 2010
, also schon drei Wochen nach der zweiten Operation vom
1.
Juni 2010, wurde im Spital
H._
der Verdacht auf eine
Algodystrophie
erhoben
(
Urk.
10
/138).
Auf
die seiner Einschätzung
klar
widersprechende
Beurteilung von Dr. med.
F._
vom 2
3.
November 2011 (
Urk.
10/57) sowie de
n
Umstand
, dass
am 2
1.
Juni 2010
das CRPS bereits
als Verdachtsdiagnose ge
stellt wurde, geht
Dr.
A._
in seiner Stellungnahme vom
13. Dezember 2011 (Urk. 10/114
) mit keinem Wort ein,
weshalb seine Stellungnahme mangelhaft
erscheint
.
4.
2
In den
echtzeit
lichen
Akten nach dem Unfall vom 1. Mai 2010
war
zwar
einzig
von
einer Metacarp
ale
V-Köpfchen
fraktur
die Rede, a
n
lässlich der
Handge
lenks
arthroskopie
im
E._
vom 13. April 2011
fand sich
aber
i
m TFCC z
entral
ein grosser De
fekt.
Dorso-ulnar
war das TFCC ausgerissen (Urk. 10/89).
Es ist nicht au
s
geschlossen, dass diese
TFCC-Läsion
beim Handgelenk des 1973 geborenen Beschwerdeführer
s
nicht auf eine degenerative Veränderung zurück
zuführen, sondern traumatisch bedingt ist,
jedoch
(anfänglich)
nicht diag
nostiziert
und schliesslich
erst durch die Arthroskopie vom
13. April 2011 definitiv
sichtbar bzw. definitiv
bestätigt werden konnte.
Davon geht
zumindest
PD
Dr.
D._
in seinem Bericht vom
24. Januar 2012
aus
(E. 3.2)
.
Die Beschwerdegegnerin hätte den Fall nicht erledigen dürfen, ohne auch diesen Befund medizinisch zu wür
digen. Sie
behauptet,
ihr beratender Arzt
Dr.
A._
habe nach Kenntnis
nahme des Be
richtes von PD
Dr.
D._
vom 2
4.
Januar 2012 auf eine neuerliche Stel
lung
nahme ver
zichtet, weil der Bericht
an s
eine
r
Beurteilung nicht
s
geändert
hätte
(
Urk.
9 S. 3). Die Stellungnahme von
Dr.
A._
vom
13. Dezember 2011 (Urk. 10/114)
vermag den Widerspruch zur Einschätzung von PD
Dr.
D._
jedoch
gerade
nicht zufriedenstellen
d
aufzu
lösen.
Zwar fanden sich
bei der
Handge
lenksarthroskopie
im
E._
vom 13. April 2011 im Handgelenk auch
degenerative Verän
derungen
– worauf
Dr.
A._
hinwies (E. 3.1) –
und b
ei der Röntgenuntersuchung vom 22. Februar 2011
namentlich
auch eine minime
Ulna
-Plus-Variante beid
seits
(Urk. 10/78 S. 7). Selbst
wenn
die
Handgelenks
be
schwerden
teilweise
auf diese Befunde
zurückgeführt werden könnten, so ist fraglich, ob diese Beschwerden nicht
doch
zumindest durch den Unfall
vom
1.
Mai 2010
ausgelöst wurden.
Auch hierzu
nahm
Dr.
A._
keine
Stellung
.
4.
3
Nach dem Gesagten vermag
die Einschätzung von
Dr.
A._
vom 13. Dezember 2011 (Urk. 10/114)
insgesamt
nicht
zu über
zeugen, weshalb darauf nicht abge
stellt werden kann. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurück
zu
weisen, damit diese zur Frage, ob die
am
13. April 2011
noch
geklagten Beschwerden in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem
Unfallereig
nis
vom 1. Mai 2010 stehen, ein handchirurgisches Gutachten einhole.
D
ie Beschwerden sind
demnach
in dem Sinne gutzuheissen, dass der angefoch
tene
Einspracheentscheid
vom 29. Mai 2012 (Urk. 2) aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwer
deführer
2
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
,
welche auf
Fr.
800.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen ist.
Die Beschwerdeführerin 1 stellte keinen Antrag auf Zusprechung einer
Prozess
entschädigung
und ihr steht, als Versicherungsträgerin, mithin als Organisation, welche öffentliche Aufgabe
n
zu erfüllen hat, grundsätzlich kein Anspruch auf eine Parteientschädigung zu (BGE 128 V 124 E. 5a, Wilhelm, in: Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich,
2.
Aufl., 2009, N 7 zu
§
34
GSVGer
)
.