Decision ID: d56c07dd-ebc4-42d0-a9b6-8e36c72ad7e9
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 14. September 2007 (Eingangsdatum) zum Leistungsbezug
bei der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Der Versicherte war seit 1. September 1996
bei der B._ AG als Maschinenführer angestellt. Auf Ende Februar 2008 wurde diese
Beschäftigung gekündigt, wobei der Versicherte krankheitsbedingt lediglich bis 23. Mai
2007 arbeitete (IV-act. 24, 22/1-7, 12). Gemäss Bericht der Arbeitgeberin vom
22. Oktober 2007 (Eingangsdatum) bestanden keine Möglichkeiten für eine
Umplatzierung im bisherigen Betrieb (IV-act. 22/2). Die Arbeitsvermittlung wurde am
28. Juli 2008 durch die IV-Eingliederungsberatung eingestellt, weil der Versicherte sich
subjektiv nicht arbeitsfähig fühle (IV-act. 36).
B.
B.a Der seit 1992 behandelnde Arzt Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, hatte
dem Versicherten im Zusammenhang mit Rückenbeschwerden verschiedentlich eine
Arbeitsunfähigkeit zwischen 50% und 100% bescheinigt, u.a. eine solche von 100%
vom 12. Juli 2006 bis zum 13. August 2006, eine solche von 50% vom 14. August 2006
bis zum 17. September 2006 und eine solche von 100% seit 29. Mai 2007 (IV-act. 3).
B.b Der Versicherte war am 28. Juni 2007 nach einer sechsmonatigen depressiven
Symptomatik mit Gewichtsverlust (14kg) akut suizidal in der Klinik für Psychiatrie,
Psychotherapie und Suchtbehandlung St. Pirminsberg untergebracht worden, wo er
bis zum 12. Oktober 2007 blieb. Diese Entwicklung sei durch vielfältige psychosoziale
Belastungsfaktoren, nämlich Trennung von der Frau und den Kindern, Schulden und
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bevorstehendem Verlust des Arbeitsplatzes ausgelöst und aufrechterhalten worden -
so der Hospitalisationsbericht von Dr.med. D._, Oberärztin, vom 9. November 2007.
Aufgrund der Anamnese sei eine bipolare affektive Störung - mit wohl erster
Manifestation einer mittelgradigen depressiven Episode - anzunehmen (IV-
act. 28/8-11).
B.c In einem Arztbericht vom 24. September 2007 zuhanden der IV-Stelle stellte
Dr. C._ unter anderem die Diagnosen schwere depressive Episode ohne
psychotische Symptome und chronische rezidivierende Rückenbeschwerden. Der
Hausarzt attestierte seit 29. Mai 2007 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-act. 13/3).
B.d In einem Arztbericht vom 25. Oktober 2007 zuhanden der IV-Stelle hatte die Klinik
St. Pirminsberg angegeben, dass von psychiatrischer Seite her nach völliger Remission
der affektiven Symptomatik von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen
sei (IV-act. 23/4).
B.e Im Hinblick auf eine ab 12. Februar 2008 angekündigte psychotherapeutische
Behandlung teilte Dr. C._ mit Schreiben vom 30. Januar 2008 der Psychiaterin
Dr. med. E._ mit, dass die psychische Problematik des Versicherten vorwiegend
somatisiert werde und sich in Form von Rückenschmerzen und muskulärer
Verspannung manifestiere. Diesbezüglich sei eine physiotherapeutische Behandlung
eingeleitet worden (IV-act. 28/5).
B.f Dr. med. F._, Spezialarzt FMH für Chirurgie, Wirbelsäulenleiden,
Schleudertrauma und orthopädische Traumatologie, stellte am 20. März 2008 die
Diagnosen cervical- und lumbalbetontes Panvertebralsyndrom mit pseudo-radikulärer
Ausstrahlung rechts und degenerative Veränderungen der LWS mit Discopathie L5/S1.
Der Versicherte habe Arbeiten über dem Kopf und in vornübergeneigter Haltung sowie
das Heben von schweren Lasten - nicht mehr als 15 kg kurzfristig und 4 kg längerfristig
- zu vermeiden. Er sei für eine leichte,
wechselbelastende Arbeit mit wahlweise Sitzen oder Stehen zu 100% arbeitsfähig (IV-
act. 28/6f.).
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B.g Dr. C._ berichtete am 5. Mai 2008 zuhanden der IV-Stelle, ein am 19. November
2007 begonnener Arbeitsversuch sei infolge Verschlechterung der psychischen
Situation abgebrochen worden. Seit 8. Dezember 2007 bestehe daher eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 28 und 30).
B.h Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ging in einem Bericht vom
8. Juli 2008 zuhanden der IV-Stelle – unter Hinweis auf eine bipolare affektive Störung,
ggw. mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F13.31) und einen Status nach
dissoziativer Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4) – von einer zumutbaren halbtägigen
Arbeitszeit bei voller Leistung in einer adaptierten Tätigkeit aus (IV-act. 31).
B.i Das Institut für medizinische und ergonomische Abklärungen (IME) erstellte am
17. Juli 2008 ein interdisziplinäres Gutachten zuhanden des Krankentaggeld-
Versicherers. Das IME schätzte die Arbeitsfähigkeit des Versicherten aufgrund einer
psychiatrischen, rheumatologischen und ergonomischen Begutachtung auf 50% in
einer adaptierten Tätigkeit (act. G 3.2)
B.j Die IV-Stelle beauftragte am 21. Oktober 2008 die Medizinische Abklärungsstelle
(MEDAS) Ostschweiz mit einer interdisziplinären Begutachtung (IV-act. 41). Das
MEDAS-Gutachten wurde am 18. März 2009 – unter Einbezug des psychiatrischen
Teilgutachtens des Dr. med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 25. Februar
2009 (IV-act. 46/17-20) – durch Dr. med. H._, Allgemeine Medizin FMH, Facharzt für
Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Dr. med. I._, Innere Medizin
und Rheumatologie FMH, erstellt. Die Experten führten als Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode [im Rahmen einer
manisch-depressiven Störung?] (ICD-10: F31.31), eine emotional instabile
Persönlichkeit mit ängstlich-abhängigen Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73.1) und ein
diffuses chronisches Schmerzsyndrom cervicocephal und –brachial sowie thorakal
rechts und lumboischialgiform rechts mit vielen vegetativen Begleitbeschwerden an.
Ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die Diagnosen Status nach
dissoziativer Bewegungsstörung (ICD-10: F44.4), Status nach schädlichem Gebrauch
von Alkohol (ICD-10: F10.1), Abhängigkeitssyndrom bei Gebrauch von Tabak (ICD-10:
F17.25) und Status nach traumatischer Endgliedamputation Mittelfinger links. Es liege
weder ein klassisches Fibromyalgiesyndrom noch eine somatoforme Schmerzstörung
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vor. Für die Zeitspanne vom 28. Juni 2007 bis 12. Oktober 2007 habe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Danach betrage die Arbeitsfähigkeit sowohl in der
bisherigen als auch in einer adaptierten Tätigkeit 50% (IV-act. 46/1-16).
B.k In einer Stellungnahme vom 28. April 2009 hielt der Regionale Ärztliche Dienst der
Invalidenversicherung (RAD) Ostschweiz fest, dass das MEDAS-Gutachten in sich
widerspruchsfrei sei und seine medizinische Schlussfolgerungen
versicherungsmedizinisch plausibel und nachvollziehbar seien (IV-act. 47).
C.
C.a Mit Vorbescheid vom 22. Mai 2009 ermittelte die IV-Stelle ausgehend von einer
zumutbaren Arbeitsleistung von 50% einen Invaliditätsgrad von 48% und stellte die
Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Mai 2008 in Aussicht (IV-act. 51). Dagegen erhob
der Versicherte mit Eingabe vom 11. Juni 2009 (IV-act. 55) und ergänzender
Begründung vom 13. Juli 2009 (IV-act. 57) Einwand.
C.b In einem Verlaufsbericht vom 5. August 2009 teilte Dr. E._ der IV-Stelle eine
Verschlechterung des psychischen Zustandes mit. Die Psychiaterin habe im Jahr 2009
den Versicherten lediglich dreimal gesehen und dabei einen massiven Gewichtsverlust
und eine depressive Stimmungslage festgestellt. Die Prognose sei ungünstig und eine
stationäre psychiatrische Behandlung erforderlich (IV-act. 58).
C.c Am 13. Januar 2010 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid die Zusprache
einer Viertelsrente ab 1. Mai 2008 (IV-act. 72).
D.
D.a Gegen die Verfügung vom 13. Januar 2010 richtet sich die von Rechtsanwältin I.
Zuber Hofer für den Versicherten am 15. Februar 2010 erhobene Beschwerde mit dem
Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer eine
halbe Invalidenrente zuzusprechen, unter Kosten und Entschädigungsfolgen.
Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-Stelle
zurückzuweisen. Zur materiellen Begründung der Beschwerde wird hauptsächlich
ausgeführt, dass aufgrund des reduzierten Beschäftigungsgrades, der Nationalität, der
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mangelhaften Sprachkenntnisse und der psychisch bedingten starken
Leistungsschwankungen ein Abzug von mindestens 15% von den Löhnen der LSE
vorgenommen werden müsse (act. G 1).
D.b In der Beschwerdeantwort vom 30. März 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Feststellung, dass kein
Rentenanspruch bestehe. Sie hält fest, dem Beschwerdeführer sei zu Unrecht eine
Viertelsrente zugesprochen worden, denn dieser sei nicht in rentenbegründendem
Ausmass invalid. Die depressive Episode habe sich gutachtensmässig einerseits aus
einer nicht objektivierbaren Schmerzsymptomatik und andererseits im Zusammenhang
mit Problemen in der Ehe und finanziellen Schwierigkeiten entwickelt. Wenn aber
solche psychosoziale Faktoren derart im Vordergrund stünden und die depressive
Symptomatik mitbestimmen und unterhalten würden, könne nur eine ausgeprägte
psychische Störung von Krankheitswert eine Invalidität begründen. Die mittelgradige
depressive Episode bilde allerdings keine solche ausgeprägte psychische Störung und
die instabile Persönlichkeit mit ängstlich abhängigen Zügen falle nicht unter den Begriff
des rechtserheblichen Gesundheitsschadens. Dem MEDAS-Gutachten sei somit in
Bezug auf die medizinischen Tatsachenfeststellungen voller Beweiswert beizumessen.
Was die Arbeitsfähigkeit betreffe, sei jedoch (mangels eines invalidisierenden
psychischen Gesundheitsschadens) abweichend von den gutachterlichen
Schlussfolgerungen von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für behinderungsangepasste
Tätigkeiten auszugehen. Dadurch liege in erwerblicher Hinsicht keine
invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse in rentenbegründendem Ausmass vor. Die
Gewährung eines 15%igen Abzuges ändere nichts daran und sei zudem nicht
gerechtfertigt. Denn dem Beschwerdeführer seien leichte bis mittelschwere Arbeiten
noch zumutbar. Ein Teilzeitabzug falle aufgrund der uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
für angepasste Tätigkeiten nicht in Betracht. Die Nationalität könne ausser Acht
gelassen werden, weil die Erfassung von statistischen Löhnen auf den Einkommen der
schweizerischen und der ausländischen Wohnbevölkerung beruhe. Auch die angeblich
schlechten Sprachkenntnisse seien für Hilfsarbeiten nicht als einkommensmindernder
Faktor anzusehen und für einen psychisch bedingten Abzug vom Tabellenlohn bestehe
ebenfalls kein Anlass (act. G 3).
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D.c Dem in der Beschwerdeschrift enthaltenen Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung wird am 8. April 2010 von der Verfahrensleitung des
Versicherungsgerichts entsprochen (act. G 4).
D.d Mit Replik vom 12. Mai 2010 führt die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
aus, dass sowohl die Gutachter der Krankentaggeldversicherung als auch die von der
Beschwerdegegnerin eingesetzte MEDAS Ostschweiz, die behandelnden Ärzte und der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) zum Schluss gekommen seien, der Beschwerdeführer
sei lediglich zu 50% arbeitsfähig. Angesichts der Tatsache, dass der Rechtsdienst der
Beschwerdegegnerin über keine fachpsychiatrischen Qualifikationen verfüge und keine
direkte Untersuchung vorgenommen habe, sei dessen Behauptung über eine aus
psychischen Gründen nicht beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit zurückzuweisen.
Andererseits sei ein 15%iger Abzug vom Tabellenlohn angemessen, weil die
angepasste Tätigkeit leicht wechselbelastend sein solle. Dabei betrage die maximale
Gewichtsbelastung 10kg. Zwangshaltungen der Wirbelsäule und Überkopfarbeiten
seien zu vermeiden (act. G 6).
D.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet mit Schreiben vom 27. Mai 2010 auf die
Einreichung einer Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Während der Beschwerdeführer lediglich die Höhe der zugesprochenen Rente
beanstandet, stellt die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort in Abrede, dass
dem Beschwerdeführer überhaupt eine Invalidenrente zusteht. Einen solchen
Leistungsanspruch haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG diejenigen versicherten Personen,
die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch (Wartezeit) durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen (Art. 6 Satz 1 ATSG) und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 8 Abs. 1 ATSG), sofern sie ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (vgl. Art. 16 ATSG).
2.
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2.1 Zum anwendbaren Recht ist anzumerken, dass die 5. Revision der
Invalidenversicherung (AS 2007 5129 ff.) am 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist.
Angefochten ist vorliegend eine Verfügung vom 13. Januar 2010 (IV-act. 72), die
aufgrund einer IV-Anmeldung vom 14. September 2007 ergangen ist (IV-act. 1). Der zu
beurteilende Sachverhalt entwickelte sich teilweise vor dem Zeitpunkt des
Inkrafttretens der 5. IV-Revision. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit
eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist für die
Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem
Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006 Eidgenössisches
Versicherungsgericht, EVG] vom 7. Juni 2006 [I 428/04] E. 1).
2.2 In diesem Urteil werden dennoch die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) wiedergegeben. Dies zum einen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des Be
griffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Zum andern, da die
frühere Regelung in Bezug auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns (aArt. 29 Abs. 1 lit. b
IVG) und die Nachzahlung von Leistungen (aArt. 48 Abs. 2 IVG) vorliegend zu keinen
anderen Rechtsfolgen führt als zu denjenigen des anderslautenden neuen Rechts.
Denn die für die Wartezeit erforderliche ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit fing
jedenfalls erst im Mai 2007 an, sodass ein allfälliger Rentenbeginn bei Anmeldung zum
Leistungsbezug im September 2007 sowohl nach altem als auch nach neuem Recht
auf den Mai 2008 festzulegen ist (vgl. IV-act. 48/2).
3.
Strittig und zunächst zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer an einer invalidisierenden
Gesundheitsschädigung leidet.
3.1 Invalidität ist gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 1 ATSG die
durch eine körperliche, geistige oder psychische Gesundheitsschädigung als Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder
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längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit. Erfasst wird damit der Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten in jeder zumutbaren Tätigkeit. Dieser Verlust muss auf eine
Gesundheitsschädigung zurückgeführt werden können und nach Vornahme von
zumutbaren Behandlungs- und Eingliederungsmassnahmen verbleiben (Art. 7 Abs. 1
ATSG). Die Tatsache, dass eine versicherte Person nicht imstande ist, im bisherigen
Beruf zu arbeiten bzw. als arbeitsunfähig im Sinn von Art. 6 Satz 1 ATSG gilt, führt
nicht zur Invalidität, wenn sie ohne wesentliche Erwerbseinbusse eine andere
zumutbare Tätigkeit ausüben kann.
3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40%
auf eine Viertelsrente. Der Invaliditätsgrad bei Erwerbstätigen ist der in Prozenten
ausgedruckte Fehlbetrag, der aus dem Vergleich zwischen den möglichen
Erwerbseinkommen ohne und mit Gesundheitsschaden resultiert (Art. 16 ATSG). Um
den Invaliditätsgrad bemessen zu können, sind die rechtsanwendenden Behörden auf
die fachärztliche Feststellung der Gesundheitsschäden (Befunderhebung und
Diagnose) angewiesen. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung
der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 125 V 261 E. 4; vgl. BGE 105 V 158 E. 1 und ZAK 1982 S. 34).
3.3 Die rechtsanwenden Behörden haben alsdann die erwerblichen Auswirkungen
der Gesundheitsschädigung zu ermitteln. Dabei dürfen sie sich weder über die
medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen
Einschätzungen und Schlussfolgerungen zur verbliebenen Arbeitsfähigkeit unbesehen
ihrer konkreten sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen
machen. Insbesondere haben sie zu prüfen, ob die ärztliche Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit auch "invaliditätsfremde" Gesichtspunkte mit berücksichtigt, welche
vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich bleiben müssen
(BGE 130 V 355f. E. 2.2.5; vgl. Art. 7 Abs. 2 Satz 1 ATSG).
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4.
Unbestritten ist, dass das MEDAS-Gutachten vom 18. März 2009 nach eigenen
Untersuchungen der MEDAS-Experten auf den Erkenntnissen allgemeinmedizinischer,
rheumatologischer und psychiatrischer Fachrichtungen sowie auf einer
interdisziplinären Konsensdiskussion beruht, das vorgebrachte Leiden sowie die
Vorakten berücksichtigt, die medizinischen Zusammenhänge nachvollziehbar darlegt
und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet, weshalb es als
medizinische Grundlage eine zuverlässige Beurteilung der verbliebenen
Erwerbsfähigkeit gestattet (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a).
5.
Zu prüfen ist allerdings das Argument der Beschwerdegegnerin im Schriftenwechsel,
wonach sie eigentlich von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
hätte ausgehen müssen, weil die aufgrund psychischer Beeinträchtigungen festgelegte
gutachterliche Arbeitsfähigkeit von 50% auf invaliditätsfremde Faktoren zurückzuführen
sei.
5.1 Der versicherungsrechtliche Sammelbegriff "invaliditätsfremde Faktoren" ist
irreführend, weil sein Wortlaut lediglich auf einen leistungsausschliessenden Charakter
hinzuweisen scheint. Diese nicht gesundheitsbedingten, insbesondere psychosozialen
und soziokulturellen Umstände fallen dennoch einerseits bei ausgeprägten
psychischen Störungen und andererseits im Zusammenhang mit der Prüfung der
zumutbaren Arbeitsleistung und der Bemessung des Invaliditätsgrads (Leidensabzug)
in Betracht, wobei zu differenzieren ist. Nur wenn solche Umstände selbstständig und
insofern direkte Ursache der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sind, liegt keine
Krankheit im Sinn der Invalidenversicherung vor. Soweit aber die invaliditätsfremden
Faktoren zur Entwicklung wie auch zur Aufrechterhaltung eines verselbstständigten
psychischen Gesundheitsschadens beitragen, können sie sich mittelbar
invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_578/2007 vom
13. Februar 2008 E. 2.2; Locher Thomas, Die invaliditätsfremde Faktoren in der
rechtlichen Anerkennung von Arbeitsunfähigkeit und Invalidität, in: René Schaffhauser/
Franz Schlauri (Hrsg.): Schmerz und Arbeitsfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 253). Ist eine
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verselbstständigte psychische Störung im Sinn der ICD-Klassifikation fachärztlich
festgestellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei
geeigneter therapeutischer Behandlung und unter Berücksichtigung der
psychosozialen und soziokulturellen Faktoren, von der versicherten Person trotz des
Leidens willensmässig erwartet werden kann, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (BGE
127 V 299 E. 5a; Locher Thomas, a.a.O., S. 254f.).
5.2 Die Annahme einer psychischen Gesundheitsschädigung setzt eine fachärztlich
(psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten
Klassifikationssystem voraus. Im interdisziplinären MEDAS-Gutachten vom 18. März
2009 wurden als für die Arbeitsfähigkeit relevante Diagnosen eine mittelgradige
depressive Episode (ICD-10: F31.31), eine emotional instabile Persönlichkeit mit
ängstlich-abhängigen Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73.1) und ein diffuses
chronisches Schmerzsyndrom cervicocephal und –brachial sowie thorakal rechts und
lumboischialgiform rechts mit vielen vegetativen Begleitbeschwerden genannt.
5.2.1 Die Gutachter halten allerdings fest, die Arbeitsfähigkeit werde nur
vordergründig durch das diffus ausgebreitete chronische Schmerzsyndrom
eingeschränkt. Klinisch und bildgebend seien aktuell und früher nie gravierende
Befunde erhoben worden, die ein übliches Alterausmass an degenerativen
Veränderungen wesentlich überschritten hätten. Damit sei die psychische Komponente
im Krankheitsbild prägend bzw. massgebend gewesen (IV-act. 46/12, 19).
5.2.2 Es fällt zudem auf, dass die zweite Hauptdiagnose auf die Z-Kategorie des
ICD-10-Systems verweist. Bei diesen Z-Kodierungen handelt es sich um Faktoren, die
den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheits
wesens führen. Die Kategorien Z00-99 sind für Fälle vorgesehen, in denen
Sachverhalte als "Diagnosen" oder "Probleme" angegeben sind, die nicht als
Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89
klassifizierbar sind. Diese Belastungen fallen an sich allein nicht unter den Begriff des
rechtserheblichen Gesundheitsschadens (SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.2.2 [I
514/06]; Urteil 8C_570/2008 vom 4. Mai 2009 E. 4.2.5). Sie werden gemäss Einleitung
des Kapitels XXI des ICD-10-Systems unter anderem als ein Zusatzfaktor
dokumentiert, der dann berücksichtigt werden muss, wenn die Person wegen
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irgendeiner Krankheit oder Schädigung behandelt wird. Angesichts der
Wechselwirkungen zwischen diesen Belastungen und den affektiven Störungen
(ICD:F30-F39) ist deshalb nachvollziehbar, dass die mit Kodierung Z versehene
emotional instabile Persönlichkeit den Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit zugeordnet wurde.
5.3 Die Tatsache, dass die depressive Symptomatik, die ab 28. Juni 2007 zu der
stationären psychiatrischen Behandlung in der Klinik St. Pirminsberg führte, durch
familiäre und finanzielle Belastungsfaktoren ausgelöst und aufrechterhalten wurde (IV-
act. 28/8-11), spricht für sich allein nicht gegen eine invalidisierende Wirkung der
Gesundheitsschädigung. Gerade die affektiven Störungen sind dadurch
gekennzeichnet, dass der Beginn der einzelnen Episoden oft mit belastenden
Ereignissen oder Situationen in Zusammenhang zu bringen ist (vgl. ICD: Kapitel V,
Einleitung zu F30-F39). Die erwähnten Sorgen begleiteten den Beschwerdeführer
weiterhin, wie sich aus der Berichterstattung der seit Februar 2008 behandelnden
Psychiaterin ergibt (IV-act. 31/1.5). Er hat erwiesenerweise über die Jahre hinweg
Probleme im Zusammenhang mit Eheleben, Trennung, Schulden, Alkohol, Spielsucht
und Angst vor drohendem Arbeitsplatzverlust durchgemacht.
5.3.1 Der psychiatrische Experte Dr. G._ stellte im Teilgutachten vom
25. Februar 2009 fest, seit Herbst 2008 leide der Beschwerdeführer an Depressionen,
Lust- und Freudlosigkeit, Erschöpfungszuständen, pessimistischen Gedanken,
Selbstmordgedanken eingeschlossen. Er ziehe sich zurück und vermeide wegen
Angstzuständen jeden sozialen Kontakt. Bei der psychiatrischen Exploration mache er
einen bedrückten, resignierten, ratlosen und vom Leben enttäuschten Eindruck. Er
wirke psychomotorisch verlangsamt, nachdenklich, lustlos und freudlos und
interessenlos. Er fühle sich müde, erschöpft, antriebslos, sei stets schläfrig, wobei er
nachts trotzdem nicht tief schlafen könne und sich jeden Morgen übernächtigt fühle. Er
könne sich nicht konzentrieren, so vergesse er z.B. die Medikamente einzunehmen. Er
leide an einer depressiven Störung. In dieser psychischen Verfassung sei die
Leistungsfähigkeit stark herabgesetzt. Eine Wiedereingliederung ins Arbeitsleben wäre
schwer realisierbar, solange der Beschwerdeführer sich nicht einer intensiven Psycho-
und Psychopharmakotherapie in einer psychiatrischen Klinik unterziehe (IV-
act. 46/18-20).
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5.3.2 Der RAD teilt grundsätzlich die Auffassung der MEDAS-Gutachter, äussert
sich nur skeptisch über die unmittelbare Wirkung der von Dr. G._ vorgeschlagenen
medizinischen Massnahmen. Es könne nicht die Rede davon sein, dass diese
Massnahmen nach einer nunmehr zweijährigen Dauer der depressiven Episode und
einer bereits stattgefundenen stationären Behandlung in der Klinik St. Pirmisberg mit
einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit innerhalb eines bestimmbaren Zeitrahmens zu
einer relevanten Verbesserung der depressiven Störung führen würden. Insofern
könnten keine Behandlungsauflagen vorgeschlagen werden (IV-act. 47).
5.4 Aus diesen Angaben der medizinischen Experten geht hervor, dass die
depressive Störung sich verselbstständigt und verfestigt hat. Es kann nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit behauptet werden, dass bei Wegfall der
mitwirkenden psychosozialen und soziokulturellen Faktoren die festgestellte Störung
verschwinden würde. Die Arbeitsprognose fällt gemäss MEDAS-Gesamtbeurteilung
negativ aus (IV-act. 46/13). Dem Beschwerdeführer ist gemäss der überzeugenden
MEDAS-Beurteilung nur eine Arbeitsleistung mit einer Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit sowohl für die frühere als auch für die adaptierten Tätigkeiten von 50%
zuzumuten.
6.
Des Weiteren sind die erwerblichen Auswirkungen der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
(50%) zu prüfen. Angesichts der bisherigen Vollerwerbstätigkeit des
Beschwerdeführers ist nach Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ein
Einkommensvergleich vorzunehmen. Die zu vergleichenden Einkommen sind auf
zeitidentischer Grundlage zu erheben. Massgebend ist vorliegend das Jahr 2008 (siehe
oben Erwägung 2.2) als Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns (vgl. BGE 129 V 223 ff.
E. 4.1, 4.2; BGE 128 V 174).
6.1 Es stellt sich zuerst die Frage nach dem hypothetischen Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde
(Valideneinkommen). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu
erfolgen. Es ist in der Regel vom letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor
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Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt hat, auszugehen (Urteil des Bundesgerichts
vom 16. Mai 2001, I 42/01, mit Hinweisen). Diese Praxis wird mit der empirischen
Feststellung begründet, dass die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel
weitergeführt worden wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2002, I 97/00).
Die Beschwerdegegnerin geht gestützt auf die Angaben der Arbeitgeberin (IV-act. 22/3)
davon aus, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2007 Fr. 57'218.-- verdient hätte (IV-
act. 22/3), womit sich aufgerechnet auf das Jahr 2008 (+ 1.6%) ein Valideneinkommen
von Fr. 58 ́134.-- ergebe (Feststellungsblatt, IV-act. 48). In diesem Betrag sind
allerdings nicht alle Zulagen berücksichtigt, die der Beschwerdeführer in den Vorjahren
2004 bis 2006 aufgrund von Überstunden, Schichtarbeit und Dienstalter erhalten hat;
anderseits war der Beschwerdeführer in diesen Jahren teilweise arbeitsunfähig und
bezog hiefür Taggelder (IV-act. 22/8-10). Aufgrund der nicht eindeutigen Angaben der
Arbeitgeberin ist es gerechtfertigt, auch beim Valideneinkommen vom LSE-
Tabellenlohn für Hilfsarbeiter auszugehen, der nur wenig über dem von der
Arbeitgeberin angegebenen "Grundlohn" liegt, so dass weitere regelmässige Zulagen
damit erfasst sind (s. nachstehende Ausführungen zum Invalideneinkommen).
6.2 Für das Invalideneinkommen ist das Erwerbseinkommen massgebend, das nach
dem Gesundheitsschaden und nach Durchführung von Eingliederungsmassnahmen auf
zumutbare Weise in einer angepassten Tätigkeit erreicht werden könnte. Dabei ist
primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte
Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 76 f. E. 3b/aa und
bb, mit Hinweisen). Vorliegend hat der Beschwerdeführer seit Mai 2007 nicht mehr
gearbeitet. Im Jahr 2008 erzielten Männer gemäss Tabelle TA1 (Privatsektor) im tiefsten
Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) und bei einer Arbeitszeit von
40 Wochenstunden einen Monatslohn in der Höhe von Fr. 4 ́806.--. Bei einer
betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,6 Wochenstunden resultiert ein
Jahreslohn von Fr. 59 ́976.-- (Fr. 4 ́806.--/40 x 41,6 x 12). Ausgehend von diesem
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statistischen Tabellenlohn ergibt sich bei einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ein
Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 29 ́988.--.
6.3 Zu beurteilen bleibt noch die Frage, ob und in welchem Umfang ein
Tabellenlohnabzug auf dem Invalideneinkommen vorzunehmen ist, um den
statistischen Durchschnittslohn an die individuell-konkreten Verhältnisse anzupassen
und allfällige lohnsenkende Faktoren zu berücksichtigen.
6.3.1 Behinderungsbedingte und anderweitige Umstände vermögen zusätzliche
Abzüge vom Tabellenlohn zu begründen, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die
versicherte Person wegen persönlicher und beruflicher Merkmale wie Art und Ausmass
der Behinderung, Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad ihre gesundheitlich bedingte
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichen Erfolg verwerten kann. Es rechtfertigt sich aber nicht, für jedes zur
Anwendung gelangende Merkmal separat quantifizierte Abzüge vorzunehmen und
diese zusammenzuzählen, da damit Wechselwirkungen ausgeblendet würden. Diese
zusätzlichen Abzüge erfolgen nicht automatisch, sie sind vielmehr unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und
auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (BGE 134 V 327f. E. 5.2; BGE 126 V 78ff.
E. 5).
6.3.2 Mit der quantitativen Umschreibung der Restarbeitsfähigkeit von 50%
wurde dem Umstand genügend Rechnung getragen, dass aufgrund der mit der
mittelgradigen depressiven Störung zusammenhängenden Erscheinungen
(Erschöpfungszustände, Verlangsamung, fehlende Konzentration, Interessenlosigkeit,
etc) der Beschwerdeführer eine reduzierte Leistung erbringt, weshalb auf dieser
Grundlage an sich keine zusätzliche Herabsetzung der Tabellenlöhne gerechtfertigt ist.
Anders verhält es sich jedoch bei einem erhöhten Krankheitsrisiko, das aus der
negativen Arbeitsprognose und Dauer der psychischen Störungen hervorgeht. Dies
macht den Beschwerdeführer im Vergleich zu einer gesunden Person für einen
ökonomisch denkenden Arbeitgeber weniger attraktiv. Das Krankheitsrisiko, dessen
Verwirklichung die Gesamtlohnkosten des Betriebes erhöhen würde, senkt den "Wert"
des Beschwerdeführers als Arbeitnehmer. Um dies zu kompensieren und
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konkurrenzfähig zu bleiben, müsste der Beschwerdeführer mit einem entsprechend
tieferen Lohn rechnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_650/2008, E. 5.4 vom
25. November 2008).
6.3.3 Von der gesundheitsbedingt reduzierten Arbeitsleistung sind auch die
lohnsenkenden Auswirkungen des reduzierten Beschäftigungsgrads zu unterscheiden.
Die behandelnde Psychiaterin Dr. E._ legt eine Restarbeitsfähigkeit von 50% im
Rahmen einer Teilzeitbeschäftigung mit voller Leistung fest (IV-act. 31/5). Das
Bundesgericht geht gestützt auf statistische Nachweise davon aus, dass
teilzeitbeschäftigte Männer lohnmässig benachteiligt werden (8C_379/2011 vom
26. August 2011 E. 4.2.2.1 und 9C_833/2007 vom 4. April 2008 E. 3.5). Die
Beschwerdegenerin gewährt allerdings im zu beurteilenden Fall keinen Teilzeitabzug,
weil die MEDAS-Gutachter soweit ersichtlich von einer ganztägigen Präsenz mit
reduzierter Leistungsfähigkeit von 50% ausgegangen sind (IV-act. 46/12 und 20). Ein
rund hälftiges Arbeitspensum, das lediglich über einen ganzen Arbeitstag verteilt und
nicht beispielsweise vormittags oder nachmittags erbracht werden kann, ist jedoch aus
betriebswirtschaftlicher Sicht (Auslastung des Arbeitsplatzes) als lohnmässig relevante
Erschwernis für die erwerbliche Verwertung der verbliebenden Arbeitsfähigkeit
anzuerkennen (Urteil des Bundesgerichts 9C_603/2007 vom 8. Januar 2008 E. 4.2.3;
vgl. RKUV 1999 S. 412 ff. und Urteil des EVG I 511/03 vom 13. September 2004 E. 5.2
f.). Ganztägig anwesende Arbeitnehmer beanspruchen die Infrastruktur des
Arbeitgebers im Vergleich zu Teilzeitangestellten länger, ineffizienter und damit
kostenintensiver. Durch die ganztägige Präsenz an einem Arbeitsplatz wird im
Vergleich zu einer Teilzeitanstellung auch verhindert, dass der Arbeitgeber den
Arbeitsplatz durch eine weitere – im kontrastierenden Teilzeitpensum voll
leistungsfähige – arbeitnehmende Person nutzen kann. Deshalb wird kein Arbeitgeber
bereit sein, dem ganztägig anwesenden Arbeitnehmer für eine Leistung von 50%
denselben Lohn zu bezahlen als dem zeitlich nur 50% anwesenden,
vollleistungsfähigen Angestellter. Der Teilzeitnachteil kommt daher im vorliegenden Fall
der ganztägigen Anwesenheit bei erheblich reduzierter Leistungsfähigkeit ebenfalls
zum Tragen (vgl. dazu Ph. Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in: Kieser/Lendfers [Hrsg],
Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff., S. 148 f. mit Hinweisen; der
vom Bundesgericht im Urteil 8C_20/2012 [4. April 2012] entschiedene Fall, in welchem
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kein Leidensabzug gewährt wurde, betraf dagegen einen Versicherten, der im Rahmen
einer ganztägigen Präsenz immerhin noch eine Leistung von 80% erbringen konnte).
6.3.4 Auch wenn aus somatischer Sicht keine wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit besteht, muss der Beschwerdeführer schwere Belastungen vermeiden
(nicht mehr als 15 kg heben). Allerdings sind ihm immer noch leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Arbeiten zumutbar, wie aus den Feststellungen des Dr. F._ vom
20. März 2008 und der Rehaklinik Valens vom 5. September 2008 hervorgeht (IV-
act. 28/6f. und IV-act. 46/11). Unter diesen Umständen kommt nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung ein Tabellenlohnabzug nicht in Betracht, weil der
Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und
mittelschweren Verweistätigkeiten umfasst (Urteile 8C_559/2008 vom 15. Dezember
2008 E. 4, 9C_343/2008 vom 21. August 2008 E. 3.2, 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008
E. 4.3.2 und 9C_72/2009 vom 30. März 2009 E. 3.4).
6.3.5 Die Nationalität und die mangelhaften Sprachkenntnisse des
Beschwerdeführers fallen hier nicht ins Gewicht. Die in Frage kommenden Arbeiten
werden mehrheitlich von Menschen mit Migrationshintergrund ausgeführt. Bei solchen
einfachen und repetitiven Tätigkeiten sind die sprachlichen Anforderungen nicht zu
hoch.
6.3.6 Angesichts der Tatsache, dass ein Tabellenlohn in der Höhe von Fr. 29
́988.-- im Anforderungsniveau 4 nur von einer gesunden Person erzielbar wäre, ist
unter Berücksichtigung der Nachteile im Zusammenhang mit der vollen Auslastung des
Arbeitsplatzes trotz tieferer Leistung und erhöhtem Krankheitsrisiko ein
Tabellenlohnabzug von 10% zu gewähren. Daraus resultiert ein Invalideneinkommen
von Fr. 26 ́989.-- und bezogen auf das Valideneinkommen von Fr. 59'976.-- eine
Erwerbseinbusse von Fr. 32'987.-- bzw. ein Invaliditätsgrad von 55%. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG ein Anspruch
auf eine halbe Rente. Auch die Gewährung des vom Beschwerdeführer beantragten
Leidensabzugs von 15% würde nicht zu einem höheren Rentenanspruch führen
(Invalideneinkommen von Fr. 25'490.--, Erwerbseinbusse von Fr. 34'486.--,
Invaliditätsgrad 57%).
7.
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7.1 Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde unter Aufhebung
der angefochtenen Verfügung vom 13. Januar 2010 gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer eine halbe Rente mit Wirkung ab 1. Mai 2008 zuzusprechen.
7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor
dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt. Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend
zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in
Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden. Die Beschwerdegegnerin unterliegt. Ihr ist deshalb die
gesamte Gerichtsgebühr aufzuerlegen.
7.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat bei diesem Verfahrensausgang
einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung bemisst sich
gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des Prozesses. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien, insbesondere des anwaltlichen
Aufwandes, erweist sich eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP