Decision ID: c1468eaa-72ff-5cbb-83f2-26f6918a7a2d
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war seit 24. Oktober 2013 bei der B._ AG (nachfolgend: Arbeitgeberin)
beschäftigt. Diese hatte für ihre Mitarbeiter eine Kollektiv-Taggeldversicherung bei der
Helsana Zusatzversicherungen AG (nachfolgend: Helsana) abgeschlossen (act. G1.2).
A.b Infolge Krankheit war A._ ab 24. Januar 2016 zu 100% arbeitsunfähig (vgl. act.
G1.3). Nach Ablauf der Wartefrist entrichtete ihm die Helsana vom 23. Februar bis 30.
April 2016 Taggelder (act. G1.4 ff.). Mit Schreiben vom 21. April 2016 hatte die Helsana
der Arbeitgeberin mitgeteilt, sie werde die Taggeldleistungen per sofort einstellen und
die bereits ausbezahlten Leistungen zurückfordern, weil A._ bei seiner Anstellung das
65. Altersjahr bereits erreicht gehabt habe und daher nicht versichert sei (act. G1.7).
Am 14. Juni 2016 teilte die Helsana A._ mit, die Leistungen seien direkt an die
Arbeitgeberin ausgerichtet worden, welche ihm diese weitergeleitet habe. Die
Arbeitgeberin wünsche daher, dass die Helsana die Taggelder direkt bei ihm
zurückfordere (act. G1.8). Trotz einer Mahnung (act. G1.10) und eines
Erinnerungsschreibens (act. G1.11) beglich A._ die Rechnung im Gesamtbetrag von
Fr. 7‘361.25 nicht. Die Schuldanerkennung, welche die Helsana ihm mit Schreiben vom
24. Januar 2017 zustellte (act. G1.12), unterzeichnete er nicht (vgl. act. G1.13). Am 13.
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März 2017 setzte die Helsana A._ eine letzte Frist bis zum 30. April 2017 zur
Rückerstattung der Taggelder (act. G1.13, vgl. erneute Zustellung per A-Post am 24.
März 2017; act. G1.16)
B.
B.a Mit der vorliegenden Klage vom 7. Juni 2017 beantragt die Helsana (nachfolgend:
Klägerin), A._ (nachfolgend: Beklagter) sei zu verpflichten, der Klägerin Fr. 7‘361.25
zuzüglich Zins zu 5% seit 13. Januar 2017 zu erstatten; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Sie macht geltend, der Beklagte habe zum Zeitpunkt seiner
Anstellung bei der B._ AG das AHV-Alter bereits erreicht gehabt und sei deshalb
nicht krankentaggeldversichert. Er habe vom 23. Februar bis 30. April 2016 zu Unrecht
Taggeldleistungen im Umfang von Fr. 7‘631.25 erhalten und müsse diese
zurückerstatten (act. G1).
B.b In seiner undatierten (Postaufgabe 3. Juli 2017) Stellungnahme brachte der
Beklagte sinngemäss vor, er sei beim Antritt seiner Stelle bei der Arbeitgeberin davon
ausgegangen, dass er “ganz normal“ krankenversichert sei, und die entsprechenden
Beiträge seien ihm vom Lohn abgezogen worden. Trotz seiner Krankheit habe die
Arbeitgeberin ihm seinen Lohn weiterbezahlt, von der Klägerin habe er nie direkt
Taggelder ausbezahlt bekommen. Aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse könne er
die Forderung der Klägerin nicht begleichen (act. G3).
B.c Mit Schreiben vom 12. Juli 2017 teilte die Verfahrensleitung der Klägerin mit, nach
Lage der Akten habe sie die Taggelder der Arbeitgeberin ausbezahlt. Ein
Krankentaggeldversicherer könne aber grundsätzlich nicht befreiend an den
Versicherungsnehmer, den Arbeitgeber, leisten. Der Arbeitnehmer müsse sich
Leistungen des Versicherers an den Arbeitgeber nur soweit anrechnen lassen, als die
Voraussetzungen für eine Auszahlung effektiv erfüllt gewesen seien. Aus den
Allgemeinen Versicherungsbedingungen der Klägerin ergebe sich ferner nicht, dass
vom Versicherungsnehmer zu Unrecht bezogene Leistungen von der versicherten
Person zurückzuerstatten wären. Vor diesem Hintergrund und da zudem davon
auszugehen sei, dass der Beklagte gegenüber seiner Arbeitgeberin einen
Lohnfortzahlungsanspruch gehabt habe, sei die Begründetheit der Klage fraglich. Sie
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setzte der Klägerin eine Frist zur Stellungnahme und stellte ihr zudem in Aussicht, ohne
ihre gegenteilige Mitteilung innert angesetzter Frist von einem Verzicht auf eine
mündliche Verhandlung auszugehen (act. G4).
B.d Mit Eingabe vom 19. Juli 2017 hielt die Klägerin an ihren Anträgen fest. Dass sie
die Taggelder an die Arbeitgeberin und nicht direkt an den Beklagten ausbezahlt habe,
ändere nichts daran, dass der Beklagte vorliegend passivlegitimiert sei. Nur der
Beklagte selbst sei zur Einklagung von Leistungsansprüchen aus dem besagten
Versicherungsverhältnis aktivlegitimiert und somit im Umkehrschluss passivlegitimiert.
Indem die Arbeitgeberin dem Beklagten jeweils einen Betrag für die
Krankentaggeldversicherung abgezogen habe und der Klägerin eine Krankmeldung
eingereicht habe, habe sie unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass sie von
einem Anspruch des Beklagten auf Taggeldleistungen aus der
Kollektivtaggeldversicherung ausgehe und dementsprechend die von der Klägerin
erhaltenen Taggeldleistungen an den Beklagten weiterleite. Der endgültige
Leistungsempfänger der aus dem Kollektivvertrag erbrachten Leistungen sei nicht die
Arbeitgeberin, sondern ausschliesslich der Beklagte gewesen. Ob der Beklagte nach
Rückerstattung der zu Unrecht bezogenen Taggeldleistungen an die Klägerin einen
arbeitsvertraglichen Lohnanspruch gegen die Arbeitgeberin habe, sei nicht Gegenstand
des vorliegenden Verfahrens. Sie verzichte auf die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung (act. G5).
B.e Die Verfahrensleitung teilte dem Beklagten am 25. Juli 2017 mit, ohne seinen
Gegenbericht innert angesetzter Frist gehe sie davon aus, dass er mit dem Verzicht auf
die Durchführung einer mündlichen Verhandlung einverstanden sei, und gab ihm
Gelegenheit zur Stellungnahme zur Eingabe der Klägerin (act. G6). Der Beklagte liess
sich darauf nicht mehr vernehmen (vgl. act. G7).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch der
Klägerin auf Rückerstattung der im Zeitraum vom 23. Februar bis 30. April 2016
geleisteten Taggelder gegenüber dem Beklagten.
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1.1 Das vorliegende Verfahren beschlägt Leistungen aus einer Zusatzversicherung zur
sozialen Krankenversicherung. Die Versicherungsbedingungen und -leistungen richten
sich insbesondere nach den allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) für die
Helsana Business Salary Kollektiv-Taggeldversicherung nach VVG, Ausgabe 2014 (act.
G1.1), sowie der Police Helsana Business Salary vom 29. Juni 2015 (act. G1.2).
1.2 Gemäss Ziff. 38 AVB sind für Klagen aus dem Versicherungsvertrag die Gerichte
am schweizerischen Wohnort des Versicherungsnehmers bzw. des
Anspruchsberechtigten zuständig. Mit dem Wohnsitz des Beklagten im Kanton St.
Gallen ist die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
gegeben.
1.3 Das Versicherungsgericht entscheidet gemäss Art. 9 des Einführungsgesetzes zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung (EG-ZPO; sGS 961.2) in Verbindung mit Art. 7
der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) als einzige kantonale Instanz
über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach
dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10). Darunter werden
praxisgemäss auch Zusatzversicherungen subsumiert, auf die das Bundesgesetz über
den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) zur Anwendung gelangt (vgl. etwa BGE
138 III 2 E. 1.1). Damit ist vorliegend auch die Voraussetzung der sachlichen
Zuständigkeit erfüllt.
1.4 Vor der Klageanhebung beim Versicherungsgericht muss kein
Schlichtungsverfahren gemäss Art. 197 ff. ZPO durchgeführt werden (vgl. BGE 138 III
558 E. 4.6).
1.5 Die Eintretensvoraussetzungen sind somit erfüllt und auf die Klage ist einzutreten.
2.
2.1 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss Art.
2 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über die soziale
Krankenversicherung (KVAG; SR 832.12) dem VVG. Streitigkeiten aus solchen
Versicherungen sind privatrechtlicher Natur (BGE 133 III 439 E. 2.1). Nach Art. 243 Abs.
2 lit. f ZPO gilt für vermögensrechtliche Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur
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sozialen Krankenversicherung nach KVG ohne Rücksicht auf den Streitwert das
vereinfachte Verfahren.
2.2 Art. 247 Abs. 2 ZPO sieht vor, dass das Gericht den Sachverhalt im vereinfachten
Verfahren von Amtes wegen feststellt. Im Anwendungsbereich dieses beschränkten
Untersuchungsgrundsatzes hat die Initiative für die Beweiserhebung primär von den
Parteien auszugehen, denen es obliegt, die abzunehmenden Beweise zu bezeichnen
und entsprechende Beweisanträge zu stellen. Die Mitwirkung des Gerichts besteht in
der Ausübung seiner Fragepflicht, indem es die Parteien dazu auffordert, (weitere)
Beweismittel beizubringen oder zu bezeichnen. Von sich aus kann das Gericht Beweis
abnehmen, wenn sich aus den Sachvorbringen einer Partei ergibt, dass mit einem
Beweismittel eine entscheidrelevante Tatsache bewiesen werden könnte, aber kein
entsprechender Beweisantrag gestellt worden ist (FRANZ HASENBÖHLER in: Thomas
Sutter-Somm/Franz Hasenböhler/Christoph Leuenberger [Hrsg.], ZPO Kommentar, 3.
Aufl. Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 153 N 5 ff.; BERND HAUCK IN: ZPO Kommentar,
Art. 247 N 33). Im Zivilprozess gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 157
ZPO). Das Gericht hat bei der Bewertung der erhobenen Beweise unabhängig von
abstrakten Regeln nach seiner eigenen Überzeugung darüber zu befinden, ob es eine
behauptete Tatsache als wahr oder unwahr einstuft. Dabei bleibt es dem Gericht
überlassen, die Kraft eines Beweismittels nach seiner Überzeugung festzulegen (vgl.
HASENBÖHLER, a.a.O., Art. 157 N 14 ff.).
3.
3.1 Wird der Arbeitnehmer aus Gründen, die in seiner Person liegen, wie Krankheit
oder Unfall, ohne sein Verschulden an der Arbeitsleistung verhindert, so hat ihm der
Arbeitgeber für eine beschränkte Zeit den darauf entfallenden Lohn zu entrichten,
sofern das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder für mehr als drei
Monate eingegangen ist. Sind durch Abrede, Normalarbeitsvertrag oder
Gesamtarbeitsvertrag nicht längere Zeitabschnitte bestimmt, so hat der Arbeitgeber im
ersten Dienstjahr den Lohn für drei Wochen und nachher für eine angemessene längere
Zeit zu entrichten, je nach der Dauer des Arbeitsverhältnisses und den besonderen
Umständen (Art. 324a Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [OR; SR 220]). Gestützt auf Art. 324a Abs. 4 OR
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kann die Lohnfortzahlungsanspruch durch eine freiwillige Versicherung abgedeckt
werden, zum Beispiel durch eine Taggeldversicherung. Bei Gleichwertigkeit der
Versicherungsdeckung ist der Arbeitgeber von der Lohnfortzahlungspflicht befreit.
Besteht eine Versicherung nur vermeintlich, lebt grundsätzlich die gesetzliche
Lohnfortzahlungspflicht wieder auf (WOLFGANG PORTMANN/ROGER RUDOLPH, in:
Basler Kommentar zum Obligationenrecht I, 6. Aufl. Basel 2015 [nachfolgend: BSK
OR], N 50 ff. und 56 zu Art. 324a).
3.2 Gemäss Art. 87 VVG steht aus der kollektiven Unfall- oder Krankenversicherung
demjenigen, zu dessen Gunsten die Versicherung abgeschlossen worden ist, mit dem
Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungsrecht gegen den
Versicherer zu. Das direkte Forderungsrecht gemäss Art. 87 VVG bedeutet, dass die
versicherte Person immer und jederzeit die Ausrichtung der Leistungen direkt an sich
selbst, ohne Umweg über den Arbeitgeber, verlangen kann, selbst wenn die
allgemeinen Versicherungsbedingungen oftmals nur Letzteres vorsehen. Der
Versicherte hat einen eigenen gesetzlich geschützten Anspruch gegenüber der
Versicherung (CHRISTOPH HÄBERLI/DAVID HUSMANN, Krankentaggeld,
versicherungs- und arbeitsrechtliche Aspekte, Bern 2015, S. 191 Rz 604 ff., vgl. PETER
STEIN, in: Basler Kommentar zum VVG, Basel 2001, N 23 zu Art. 87). Das direkte
Forderungsrecht hat zur Folge, dass der Versicherer im Gegenzug nicht befreiend an
den Versicherungsnehmer, den Arbeitgeber leisten kann. Somit gilt die
Versicherungsleistung erst dann als ausgerichtet und erfüllt, wenn die Taggelder
effektiv bei der anspruchsberechtigten Person angekommen sind. Werden sie dem
Arbeitgeber überwiesen, bevor dieser seinerseits Vorschussleistungen an die
versicherte Person erbracht hat, so wird die Versicherung erst dann befreit, wenn der
Arbeitgeber seiner Pflicht zur Weiterleitung nachgekommen ist. Für die Behauptung,
mit befreiender Wirkung an den Versicherungsnehmer (Arbeitgeber) geleistet zu haben,
trägt die Versicherung die Beweislast (CHRISTOPH HÄBERLI/DAVID HUSMANN,
a.a.O., S. 191 Rz 604 ff.). Die Versicherung wird von ihrer Verpflichtung gegenüber dem
Arbeitnehmer durch Zahlung an den Arbeitgeber nur soweit befreit, als effektiv ein
Versicherungsfall vorliegt und der Arbeitgeber seinerseits dem Arbeitnehmer den Lohn
bezahlt. Der Arbeitnehmer muss sich Zahlungen der Versicherung an den Arbeitgeber
(etwa bei der üblichen Beschränkung der Leistungsdauer) dementsprechend nur soweit
anrechnen lassen, als die Voraussetzungen für eine Auszahlung effektiv erfüllt waren
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(CHRISTOPH FREY/NATHALIE LANG, in: Basler Kommentar zum VVG,
Nachführungsband, Basel 2012, ad N 23 zu Art. 87).
3.3 Vorliegend hat die Arbeitgeberin als Versicherungsnehmerin mit der Klägerin als
Versicherung einen Versicherungsvertrag für eine kollektive Krankenversicherung nach
VVG zugunsten ihrer Angestellten abgeschlossen. Unbestritten ist, dass der Beklagte
beim Antritt seiner Stelle bei der Arbeitgeberin das ordentliche AHV-Alter bereits
erreicht hatte, daher gemäss Ziff. 5.2 bzw. Ziff. 5.5 AVB nicht versichert war und
deshalb keinen Anspruch auf Leistungen aus der Kollektiv-Taggeldversicherung der
Klägerin hatte. Die Klägerin leistete die Taggeldzahlungen an die Arbeitgeberin (act.
G1.4 ff., G1.8, G3), statt wie in Lehre und Praxis gefordert an den Beklagten. Wie sich
dem Schreiben der Klägerin an den Beklagten vom 14. Juni 2016 entnehmen lässt,
leitete die Arbeitgeberin die Leistungen an den Beklagten weiter (act. G1.8; der
Beklagte selbst hält fest, während der Krankheit von der Arbeitgeberin seinen Lohn
weiter erhalten zu haben, act. G3). Da aber die Voraussetzungen für eine Auszahlung
der Taggelder mangels Versicherungsdeckung gar nicht erfüllt waren, muss der
Arbeitnehmer sich die Zahlungen der Klägerin an die Arbeitgeberin nicht anrechnen
lassen. Dabei zu berücksichtigen ist, dass sich der Beklagte im Zeitraum der
Taggeldleistungen im dritten Dienstjahr befand und somit gemäss der Berner bzw.
Zürcher Skala einen Anspruch auf Lohnfortzahlung während 2 Monaten bzw. 9 Wochen
hatte (vgl. PORTMANN/RUDOLPH, a.a.O., N 20 zu Art. 324a). Er durfte somit nach
Treu und Glauben davon ausgehen, dass es sich bei den von der Arbeitgeberin
erhaltenen Zahlungen um Leistungen im Rahmen der Lohnfortzahlungspflicht handelte,
dies mindestens in den Monaten Februar und März 2016 (vgl. act. G3). Die Klägerin hat
damit nicht rechtsgenüglich nachgewiesen, dass sie die (nicht geschuldeten) Taggelder
mit befreiender Wirkung an die Arbeitgeberin geleistet hat. Den Beklagten trifft folglich
keine Rückerstattungspflicht.
4.
Selbst wenn man davon ausginge, dass sich die Klägerin mit den Taggeldzahlungen an
die Arbeitgeberin von ihrer – vorliegend mangels Versicherungsdeckung gar nicht
bestehenden – Zahlungspflicht befreit hätte, würde sich wie nachfolgend ausgeführt
kein Rückerstattungsanspruch gegenüber dem Beklagten ergeben.
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4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 OR kann, wer eine Nichtschuld freiwillig bezahlt, das
Geleistete nur dann zurückfordern, wenn er nachzuweisen vermag, dass er sich über
die Schuldpflicht im Irrtum befunden hat. Leistet jemand aufgrund eines infolge
versteckten Dissenses nicht zustande gekommenen Vertrages, so hat er eine
Nichtschuld erbracht. Eine im Rahmen eines Vertrages irrtümlich erfolgte Leistung kann
nicht durch “Lückenfüllung“ zu einer vertraglichen gemacht werden; vielmehr bleibt sie
eine Leistung ohne Rechtsgrund und kann bereicherungsrechtlich zurückgefordert
werden. Der Irrtum des Leistenden muss sich auf die Schuldpflicht beziehen, d.h. auf
den Rechtsgrund der Leistung. Auf die Wesentlichkeit des Irrtums kommt es nicht an.
Der Leistende darf den Irrtum nicht erkannt haben. Irrtum liegt jedoch selbst dann vor,
wenn der Leistende den Irrtum hätte erkennen müssen (HERMANN SCHULIN, in: BSK
OR, N 3 ff. zu Art. 63). Die Rückerstattung kann insoweit nicht gefordert werden, als der
Empfänger nachweisbar zur Zeit der Rückforderung nicht mehr bereichert ist, es sei
denn, dass er sich der Bereicherung entäusserte und hierbei nicht in gutem Glauben
war oder doch mit der Rückerstattung rechnen musste (Art. 64 OR). Wo das Gesetz
eine Rechtswirkung an den guten Glauben einer Person geknüpft hat, ist dessen
Dasein zu vermuten (Art. 3 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR
210]). Art. 64 OR will verhindern, dass die Rückerstattungspflicht zu einer Schädigung
des gutgläubig Bereicherten führt, d.h. dieser soll nach der Rückerstattung der
grundlosen Zuwendung nicht schlechter gestellt sein, als wenn die Zuwendung an ihn
nie erfolgt wäre (SCHULIN, a.a.O., N 1 zu Art. 64). Verwendet der gutgläubig
Bereicherte die grundlos erhaltene Leistung für etwas, das er ohne das Erhaltene nicht
vorgenommen hätte, so braucht er die Bereicherung nicht zurückzuerstatten
(SCHULIN, a.a.O., N 5 f. zu Art. 64).
4.2 Da der Beklagte beim Anstellungsbeginn das AHV-Alter bereits erreicht hatte und
damit die Versicherungsbedingungen nicht erfüllte (vgl. Ziff. 5.5 AVB), handelte es sich
bei den Taggeldleistungen der Klägerin um eine Nichtschuld. Sie befand sich über die
Schuldpflicht im Irrtum, da sie erst im April 2016 (vgl. act. G1.7) bemerkte, dass der
Beklagte die Versicherungsbedingungen nicht erfüllte. Dabei unerheblich ist, dass sie
dies durch Prüfung des Geburts- und Anstellungsdatums bereits vorher hätte erkennen
können und müssen. Der Beklagte bringt vor, er könne den geforderten Betrag von
seiner AHV-Rente nicht bezahlen. Er lebe am Existenzminimum und habe kein
Vermögen (act. G3, vgl. act. G1.12). Damit hat er glaubhaft gemacht, dass er im
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Zeitpunkt der Rückforderung durch die Taggeldzahlungen nicht mehr bereichert war.
Die Gutgläubigkeit des Beklagten ist zu vermuten, zumal nicht davon auszugehen ist,
dass gleichzeitig Lohn- und Taggeldzahlungen stattgefunden hätten. Wie oben
ausgeführt, durfte er davon ausgehen, dass es sich bei den erhaltenen Zahlungen
seiner Arbeitgeberin um Leistungen im Rahmen der Lohnfortzahlungspflicht und nicht
um weitergeleitete Taggelder, welche die Klägerin fälschlicherweise der Arbeitgeberin
entrichtete, handelte. Aus Sicht des Beklagten lagen auch keine Hinweise darauf vor,
dass er die erhaltenen Leistungen würde zurückzahlen müssen. Es besteht damit keine
Rückerstattungspflicht aus ungerechtfertigter Bereicherung im Sinne von Art. 63 f. OR.
Gemäss Ziff. 33.2 AVB sind vom Versicherungsnehmer oder der versicherten Person zu
Unrecht bezogene Leistungen dem Versicherer zurückzuerstatten. Daraus ergibt sich
jedoch nicht, dass zu Unrecht bezogene Leistungen von der versicherten Person statt
vom Versicherungsnehmer (Arbeitgeber), welchem vorliegend die Leistungen
ausbezahlt wurden, zurückzuerstatten wären. Zudem ist die Anwendbarkeit dieser
Bestimmung in Bezug auf den Beklagten fraglich, zumal dieser gar nicht versichert war
und es damit an einer gültigen vertraglichen Grundlage fehlte.
4.3 Zusammenfassend ist der Beklagte weder gestützt auf den Versicherungsvertrag
noch aus ungerechtfertigter Bereicherung zur Rückerstattung der Leistungen der
Klägerin verpflichtet.
5.
5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Klage abzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 114 lit. e ZPO).
5.3 Ausgangsgemäss hat die Klägerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.