Decision ID: 9d6e4ee2-3cb5-5c8e-a1d1-6e9abd05325b
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Übersicht
a) Der Beschwerdeführer A_ gründete im Jahr 2014 mit D_ die E_ GmbH. Beide
waren bis zum 10. Juni 2015 Gesellschafter mit je 100 Stammanteilen sowie Mitglieder
der Geschäftsführung. Der Beschwerdeführer war zudem seit Gründung der Gesellschaft
bis zu seiner fristlosen Entlassung am 21. April 2015 als Arbeitnehmer bei der
Gesellschaft angestellt gewesen. Am 10. Juni 2015 wurde der Beschwerdeführer als
Mitglied der Geschäftsführung abgewählt bzw. als Gesellschafter entlassen (act. B 6/1).
b) Am 17. Juni 2015 liess die E_ GmbH bei der Staatsanwaltschaft Appenzell
Ausserrhoden Strafklage gegen den Beschwerdeführer einreichen wegen Veruntreuung
und ungetreuer Geschäftsbesorgung (act B 6/1). In der Folge ordnete die
Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung und Beschlagnahme beim Beschwerdeführer
an sowie dessen sachdienliche Befragung (act. B 6/9).
c) Dem Beschwerdeführer wurde am 8. September 2015 die Klagebewilligung betreffend
Forderung aus Arbeitsvertrag gegen die E_ GmbH erteilt (act. B 6/25/6). Die
entsprechende Klage reichte er am 24. November 2015 beim Kantonsgericht Appenzell
Ausserrhoden ein (act. B 6/29).
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d) Am 8. Oktober 2015 teilte die Staatsanwaltschaft dem Beschwerdeführer mit, dass das
Untersuchungsverfahren abgeschlossen und vorgesehen sei, das Strafverfahren mit
einem Strafbefehl abzuschliessen. Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer Frist
angesetzt, um neue Tatsachen und Beweisanträge sowie Einwendungen gegen die
vorgesehene Erledigung der Strafsache geltend zu machen (act. B 6/20). Davon machte
der Beschwerdeführer am 26. Oktober 2015 innert erstreckter Frist Gebrauch und
ersuchte neben der Befragung einer Auskunftsperson um Einstellung des Verfahrens
(act. B 6/24).
e) D_ erhob am 13. November 2015 Strafanzeige gegen A_ wegen übler Nachrede und
Beschimpfung (act. B 6/37).
f) Die E_ GmbH liess am 11. Januar 2015 (richtig: 2016) zuhanden der
Staatsanwaltschaft ihre Stellungnahme einreichen (act. B 6/30). Die Replik des
Beschwerdeführers datiert vom 20. Januar 2016 (act. B 6/33), die Duplik der E_ GmbH
vom 8. Februar 2016 (act. B 6/35).
g) Mit Sistierungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 16. Februar 2016 wurde das
Untersuchungsverfahren bis zum Vorliegen des vollständigen Urteils des Kantonsgerichts
sistiert (act. B 6/38).
h) Der Beschwerdeführer und die E_ GmbH schlossen am 27. September 2016 im
Verfahren betreffend Forderung aus Arbeitsvertrag einen Vergleich ab (act. B 6/39).
Gemäss dem Abschreibungsentscheid der Einzelrichterin des Kantonsgerichts wurde im
Vergleich unter anderem festgehalten, dass die Parteien die Gerichtsgebühren je zur
Hälfte übernehmen und jede Partei ihre Anwalts- und Umtriebskosten selbst trägt (act. B
6/41).
i) In der Eingabe vom 5. Oktober 2016 beantragte der Beschwerdeführer die Einstellung der
Strafverfahren aufgrund des Vergleichs und hielt im Übrigen an seinen Anträgen im
Strafverfahren fest (act. B 6/39).
j) Am 20. Oktober 2016 liessen die E_ GmbH und D_ über ihren Verteidiger mitteilen,
dass kein weiteres Interesse mehr an der Strafverfolgung des Beschwerdeführers
bestehe und hiermit die Strafanzeige zurückgezogen bzw. Desinteresse erklärt werde. Die
Parteien hätten sich im Rahmen des Zivilverfahrens auseinandersetzen können (act. B
6/42).
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k) Das Strafverfahren Nr. U 15 817 gegen A_ wurde mit Verfügung der Staatsanwaltschaft
vom 8. November 2016 eingestellt, die Untersuchungskosten auf die Staatskasse
genommen und keine Parteientschädigungen und keine Genugtuung zugesprochen (act.
B 2).
Der Begründung kann im Wesentlichen entnommen werden, dem Beschwerdeführer
werde Veruntreuung, eventuell ungetreue Geschäftsführung sowie üble Nachrede und
Beschimpfung vorgeworfen. Am 27. September 2016 hätten die Parteien einen
gerichtlichen Vergleich geschlossen. Darin habe sich die E_ GmbH unter anderem
dazu verpflichtet, den Strafantrag zurückzuziehen und im Strafverfahren eine
Desinteresseerklärung abzugeben. Weiter hätten sie sich auch über die Parteikosten
geeinigt und festgehalten, dass jede Partei ihre Anwalts- und Umtriebskosten selber
trage. Mit Schreiben vom 20. Oktober 2016 habe der Verteidiger der E_ GmbH sowie
von D_ mitgeteilt, dass kein weiteres Interesse mehr an der Strafverfolgung des
Beschwerdeführers bestehe und die Strafanzeige zurückgezogen werde. Gestützt auf die
Desinteresseerklärung und nach dem Rückzug des Strafantrages könne das Verfahren
nach Art. 319 Abs. 1 lit. a und lit. d StPO eingestellt werden. Nachdem die Parteien
bereits eine eigene Regelung über die Parteikosten getroffen hätten, bleibe kein Raum
mehr für die Zusprache von Parteientschädigungen. Es würden daher keine
Parteientschädigungen und keine Genugtuung ausgerichtet.
Prozessgeschichte
a) Gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 8. November 2016 (act. B
2) liess der Beschwerdeführer A_ mit Eingabe seines Verteidigers vom 14. November
2016 Beschwerde beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden einreichen und die eingangs
angeführten Anträge stellen (act. B 1).
b) Mit Verfügung vom 15. November 2016 wurden der Staatsanwaltschaft, der E_ GmbH
und D_ je eine Kopie der Beschwerdeschrift samt Beilagen zugestellt und ihnen
Gelegenheit zur Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme eingeräumt (act. B 3).
c) Die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft ging am 24. November 2016 beim Obergericht
ein (act. B 5). Die E_ GmbH und D_ liessen sich am 25. November 2016 vernehmen
(act. B 7).
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d) Die E_ GmbH und D_ wurden mit Schreiben vom 30. November 2016 um Mitteilung
ersucht, ob sie sich am vorliegenden Beschwerdeverfahren beteiligen wollen. Des
Weiteren wurden sie darauf hingewiesen, dass bei einem allfälligen Verzicht ihre
Stellungnahme vom 25. November 2016 nicht berücksichtigt werden könne (act. B 8). Mit
Eingabe vom 14. Dezember 2016 verzichteten die E_ GmbH und D_ auf eine
Teilnahme (act. B 9).
e) Mit Verfügung vom 16. Dezember 2016 wurde dem Beschwerdeführer eine Kopie der
Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zugestellt und ihm Frist eingeräumt, allfällige
Entschädigungsansprüche für das Beschwerdeverfahren geltend zu machen und zu
beziffern (act. B 10).
f) Der Verteidiger des Beschwerdeführers reichte am 19. Dezember 2016 eine Replik ein
(act. B 11). Die Staatsanwaltschaft verzichtete stillschweigend auf eine Duplik.
Auf die Ausführungen in den vorstehend aufgeführten Eingaben kann verwiesen werden.
Soweit für die Beurteilung der Beschwerde erforderlich, ist darauf im Rahmen der
nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Erwägungen
1. Formelles
1.1 Zunächst kann festgehalten werden, dass die Dispositiv-Ziffern 1 und 2 der
Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden vom 8. November
2016 in Sachen Staat und E_ GmbH sowie D_ gegen A_ (Verfahren Nr. U 15 817)
mangels Beschwerde in Rechtskraft erwachsen sind.
1.2 Die Regelung über die Zuständigkeit der Behörden in der Strafrechtspflege befindet sich
in den Art. 26 und Art. 27 JG.1 Nach Art. 26 JG ist das Obergericht Berufungs- und
Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Strafrechtspflege, unter Vorbehalt der Befugnisse
des Einzelrichters (letztere beschränken sich laut Art. 27 JG auf den Bereich des
Zwangsmassnahmerechts).
1 Justizgesetz vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31)
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1.3 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft ist die
Beschwerde zulässig (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO2). Eine Einstellungsverfügung der
Staatsanwaltschaft stellt eine solche Verfahrenshandlung dar (Art. 393 Abs. 1 lit. a i.V.m.
Art. 319 Abs. 1 und Art. 322 Abs. 2 StPO)3. Ausschlussgründe gemäss Art. 394 StPO
liegen keine vor.
1.4 Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen
schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO).
Vorliegend versandte die Staatsanwaltschaft die Einstellungsverfügung am 8. November
2016 (act. B 2). Mit der Erhebung der Beschwerde am 14. November 2016 (act. B 1)
wurde die Beschwerdefrist von Art. 396 Abs. 1 StPO gewahrt.
1.5 Legitimiert zur Anfechtung einer Einstellungsverfügung ist jede Partei, die ein rechtlich
geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des Entscheids hat (Art. 382
Abs. 1 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO). Parteien sind die beschuldigte Person, die
Privatklägerschaft sowie im Haupt- bzw. Rechtsmittelverfahren die Staatsanwaltschaft
(Art. 104 Abs. 1 StPO). In der Strafuntersuchung Nr. U 15 817 der Staatsanwaltschaft ist
A_ Beschuldigter und hat damit Parteistellung.4 Bei einer Einstellungsverfügung ist die
beschuldigte Person regelmässig nicht beschwert, es sei denn die Kosten- und
Entschädigungsfolgen seien zu ihren Ungunsten geregelt worden.5 Dadurch, dass dem
Beschwerdeführer in der Einstellungsverfügung vom 8. November 2016 eine
Parteientschädigung und Genugtuung verwehrt worden ist, ist er in seinem rechtlich
geschützten Interesse tangiert und folglich zur Beschwerdeerhebung legitimiert.
1.6 Mit der Beschwerde können
a. Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung; b. die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts; c. Unangemessenheit
gerügt werden (Art. 393 Abs. 2 StPO).
2 Schweizerische Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO, SR 312.0) 3 PATRICK GUIDON, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 10 zu Art. 393 StPO 4 NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N. 3
zu Art. 382 StPO 5 NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 7 zu Art. 322 StPO; LANDSHUT/BOSSHARD in:
Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 11 zu Art. 322 StPO
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Der Beschwerdeführer bemängelt die willkürliche Erhebung des Sachverhalts, die
Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie eine falsche Anwendung der vom Bundesgericht
entwickelten Entschädigungsgrundsätze (act. B 1/S. 4ff.).
1.7 Neue Tatsachenbehauptungen und Beweise sind zulässig.6 Die Beschwerde wird in
einem schriftlichen Verfahren behandelt (Art. 397 Abs. 1 StPO). Gegen Entscheide der
kantonalen Beschwerdeinstanzen ist die Strafrechtsbeschwerde ans Bundesgericht
zulässig.7
2. Materielles
2.1 Entschädigung für das Strafverfahren
2.1.1 Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen A_ gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a
und lit. d StPO eingestellt, die Untersuchungskosten auf die Staatskasse genommen und
dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung und Genugtuung verweigert (act. B 2).
Zur Begründung wurde angeführt, es bleibe kein Raum mehr für die Zusprache von
Parteientschädigungen, da die Parteien bereits eine eigene Regelung über die
Parteikosten getroffen hätten.
2.1.2 Der Beschwerdeführer liess einwenden, die Annahme der Staatsanwaltschaft, er und die
Verfahrensbeteiligten hätten sich in der Vereinbarung vom 27. September 2016 über die
Entschädigungsfolgen des Strafverfahrens geeinigt, sei willkürlich. Weder lasse der
Wortlaut der Vereinbarung einen solchen Schluss zu, noch entspreche diese
Interpretation dem Willen der Parteien. Sie hätten eine zivilrechtliche Streitigkeit bereinigt,
nicht aber die Kostenfolgen des Strafverfahrens. Zudem sei D_ lediglich als Strafkläger
aufgetreten, jedoch nicht Partei des Zivilverfahrens gewesen. Seine
Entschädigungsansprüche seien gegen die Strafverfolgungsbehörde bzw. den Staat
gerichtet, nicht gegen die Verfahrensbeteiligten. Indem die Staatsanwaltschaft davon
ausgehe, die Parteien hätten die Entschädigungsfolgen des Strafverfahrens mittels
Vergleich geregelt, fälle sie einen für ihn überraschenden Entscheid. Dadurch verletze sie
das rechtliche Gehör. Nach ständiger Rechtsprechung präjudiziere der Kostenentscheid
6 ANDREAS J. KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 42 zu Art. 393 StPO 7 NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 8 zu Art. 322 StPO; GRÄDEL/HEINIGER, Basler Kommentar, StPO,
2. Auf. 2014, N. 7 zu Art. 322 StPO
Seite 8
die Entschädigungsfrage. Der angefochtene Entscheid verletze diesen Grundsatz, weil
die Kosten auf die Staatskasse genommen und ihm trotzdem keine Entschädigung
zugesprochen werde. Die im Raum stehenden strafrechtlichen Vorwürfe seien so
erheblich gewesen, dass der Beizug eines Anwalts geboten gewesen sei. Es sei kein
Grund ersichtlich, ihm eine Entschädigung zu verweigern. Die Staatsanwaltschaft blende
den Unterschied zwischen Straf- und Zivilverfahren aus. Aufgrund der Vorakten und von
der Staatsanwaltschaft ergriffenen Zwangsmassnahmen sei erstellt, dass es im
vorinstanzlichen Verfahren primär um den Vorwurf von Eigentums- bzw.
Wirtschaftsdelikten gegangen sei. Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung
seien Offizialdelikte. Er und die Verfahrensbeteiligten hätten daher nicht die Befugnis
gehabt, abschliessend über die Strafverfahren zu befinden. Eigentlicher Grund für die
Verfahrenseinstellung sei die Erkenntnis gewesen, dass ihm aus dem Arbeitsverhältnis
(nunmehr anerkannte) Forderungen zustünden, die ein Delikt zulasten der
Verfahrensbeteiligten ausschliessen. Ferner entfielen sämtliche anwaltlichen
Aufwendungen auf die Abwehr der Vorwürfe der Veruntreuung und der ungetreuen
Geschäftsbesorgung; das Dossier „Ehrverletzungsdelikte“ sei ihm bis anhin nicht eröffnet
worden (act. B 1 und act. B 11).
2.1.3 Die Staatsanwaltschaft hielt in ihrer Stellungnahme fest (act. B 5), der Vergleich vom
27. September 2016 nehme auch Bezug auf das Strafverfahren. Es sei ausdrücklich
vereinbart worden, den Strafantrag zurückzuziehen bzw. eine Desinteresseerklärung
abzugeben. Daraus sei auf den Willen der Parteien zur umfassenden Regelung der
Streitsache zu schliessen. Mit der in solchen Fällen üblichen Wettschlagung der
Parteikosten seien die gesamten Aufwendungen, mithin auch jene des Strafverfahrens,
mit erfasst worden. Es treffe zu, dass D_ nicht Partei des Zivilverfahrens gewesen sei.
Dieser habe einen Strafantrag wegen zweier Antragsdelikte gestellt. Daher seien nur
diese Antragsdelikte gemeint gewesen mit dem im Vergleich vereinbarten Rückzug des
Strafantrages. In der Erklärung des Rechtsvertreters der E_ GmbH und von D_ sei
ausdrücklich vom Rückzug der Strafanzeige die Rede gewesen und es sei ein Hinweis
auf die Regelung im Rahmen des Zivilverfahrens enthalten. Daraus sei zu schliessen,
dass auch D_ die Regelung betreffend Wettschlagung der Parteikosten stillschweigend
auch in Bezug auf die Sache mit dem Antragsdelikt übernommen habe. Im Übrigen
müssten die nur das Antragsdelikt betreffenden Aufwendungen des Beschwerdeführers
als geringfügig im Sinne von Art. 430 Abs. 1 lit. c StPO erachtet werden, weshalb auch
deshalb eine Parteientschädigung abzulehnen wäre (act. B 5).
Seite 9
2.1.4 Nach Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskosten, wenn sie
verurteilt wird. Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person
freigesprochen, so können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden,
wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen
Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).
Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das Verfahren
gegen sie eingestellt, so hat sie nach Art. 429 Abs. 1 StPO Anspruch auf:
a. Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte;
b. Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind;
c. Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug.
Die Strafbehörde prüft den Anspruch von Amtes wegen. Sie kann die beschuldigte Person
auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu belegen (Art. 429 Abs. 2 StPO). Die
Voraussetzungen für eine Herabsetzung oder Verweigerung der Entschädigung oder
Genugtuung sind in Art. 430 StPO geregelt.
Auszugehen ist davon, dass eine Kostenauflage nach Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO in der
Regel einen Anspruch auf Entschädigung und Genugtuung ausschliesst. Die
Entschädigungsfrage ist nach der Kostenfrage zu beantworten. Insoweit präjudiziert der
Kostenentscheid die Entschädigungsfrage. Es gilt folglich der Grundsatz, dass bei
Auferlegung der Kosten keine Entschädigung oder Genugtuung auszurichten ist, während
bei Übernahme der Kosten durch die Staatskasse die beschuldigte Person Anspruch auf
Entschädigung und evtl. Genugtuung hat. Spezielle Gründe können ein ausnahmsweises
Abweichen vom Grundsatz des Anspruchs auf eine Parteientschädigung bei
Kostenauflage an den Staat sachlich rechtfertigen.8
Zu den nach Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu entschädigenden Aufwendungen gehören
primär die Kosten der frei gewählten Verteidigung. Angemessen im Sinne dieser
Bestimmungen sind die Verteidigerkosten dann, wenn der Beistand angesichts der
tatsächlichen oder der rechtlichen Komplexität notwendig war und wenn der
Arbeitsaufwand und somit das Honorar des Anwalts gerechtfertigt waren.9 Beim Entscheid
über die Angemessenheit des Beizugs eines Anwalts sind neben der Schwere des
8 BGE 137 IV 352 E. 2.4.2; YVONA GRIESSER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.],
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 2 und N. 7 zu Art. 430 StPO
9 ZR 113/2014 S. 132
Seite 10
Tatvorwurfs und der tatsächlichen und rechtlichen Komplexität des Falls insbesondere
auch die Dauer des Verfahrens und dessen Auswirkungen auf die persönlichen und
beruflichen Verhältnisse der beschuldigten Person zu berücksichtigen.10
2.1.5 Dem Beschwerdeführer wurde Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung – mithin
ein Verbrechen und ein Vergehen – vorgeworfen und es wurden Zwangsmassnahmen
gegen ihn durchgeführt. Aufgrund dieser Umstände ist der Beizug eines Verteidigers
sachlich angemessen.
Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft den in der arbeitsrechtlichen Streitigkeit vor der
Zivilrichterin erzielten Vergleich in Bezug auf die Kostenfolgen auf das Strafverfahren
übertragen. Der Verteidiger des Beschwerdeführers macht diesbezüglich eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs geltend. Dem ist beizustimmen. Die Parteien der
arbeitsrechtlichen Streitigkeit – der Beschwerdeführer und die E_ GmbH – haben in
ihrem Vergleich auch Bezug auf das Strafverfahren genommen. Angesichts dessen, dass
auch ein strafrechtliches Verfahren hängig war und ein Interesse bestand, sämtliche
Differenzen zwischen ihnen auszuräumen, ist eine solche Bezugnahme nicht unüblich.
Jedoch kann den Parteien allein deshalb nicht unterstellt werden, sie hätten mit der
Bezugnahme auf das Strafverfahren auch die Kostenfolgen für letzteres geregelt. Zum
einen waren beide Parteien im Zivilverfahren anwaltlich vertreten und ein entsprechender
Wille wäre von den beiden Rechtsvertretern im Vergleich sicherlich explizit festgehalten
worden. Zum anderen betrafen die Hauptvorwürfe im Strafverfahren Offizialdelikte, bei
denen es nicht in der Hand der Parteien liegt, eine Regelung der Kosten zu treffen. Mit
einer derartigen Kostenregelung im Strafverfahren durch die Staatsanwaltschaft mussten
der Beschwerdeführer bzw. sein Verteidiger daher nicht rechnen. Vielmehr hätte die
Staatsanwaltschaft zuerst den Parteien des Strafverfahrens Gelegenheit zur
Stellungnahme geben müssen, wenn sie den Vergleich derart interpretiert, dass die
Parteien darin – entgegen dem Wortlaut – auch die Kosten des Strafverfahrens
verbindlich regeln. Allerdings kann im vorliegenden Beschwerdeverfahren aufgrund der
Umstände eine Heilung der Verletzung des rechtlichen Gehörs angenommen werden.
Zum einen entscheidet das Obergericht mit voller Kognition über die vorliegende
Streitsache und zum anderen konnten sich die Parteien nun zum Ganzen äussern. Ferner
würde eine Rückweisung des Verfahrens lediglich zu einem formalistischen Leerlauf und
damit zu unnötigen Verzögerungen führen, die mit dem Interesse des Beschwerdeführers
an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht vereinbar ist.11
10 BGE 138 IV 197 E. 2.3.5 11 PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011,
Rz. 541 und Rz. 346ff. mit zahlreichen Hinweisen
Seite 11
Der Beschwerdeführer rügt sodann zu Recht, dass die angefochtene
Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft den vom Bundesgericht aufgestellten
Grundsatz, wonach der Kostenentscheid die Entschädigungsfrage präjudiziere, verletze.
Für die Entschädigungsfrage gilt es zunächst zwischen den erst später angezeigten
Antragsdelikten (üble Nachrede und Beschimpfung) und den ursprünglich angezeigten
Offizialdelikten (Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung) zu unterscheiden. Aus
dem Dossier über die Ehrverletzungsdelikte (act. B 6/37) geht hervor, dass diesbezüglich
sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Verteidiger des Beschwerdeführers einen
geringen bzw. keinen Aufwand betrieben haben. Insofern ist es sachlich gerechtfertigt, für
die Entschädigungsfrage nur auf die Offizialdelikte, deren Behandlung letztlich auch die
Kosten verursacht haben, abzustellen. Gemäss dem Abschreibungsbeschluss der
Einzelrichterin des Kantonsgerichts wollten die Parteien die zwischen ihnen bestehenden
Differenzen bereinigen (act. B 6/41). Jedoch fehlt im Vergleich der anwaltlich vertretenen
Parteien ein Hinweis, dass die dort vorgesehene Kostenregelung auch für das
Strafverfahren gelten solle. Wenn diese Regelung der Wille der Parteien gewesen wäre,
hätten die involvierten Rechtsvertreter dies entsprechend im Vergleich festgehalten.
Darüber hinaus konnten sich die Parteien – wie bereits erwähnt – über die Kosten des die
Offizialdelikte betreffenden Strafverfahrens gar nicht einigen, da die Hoheit für die
Kostenverlegung dem Staat zukommt. Die Staatsanwaltschaft hat in der
Einstellungsverfügung entschieden, die Untersuchungskosten zu Lasten des Staates zu
verlegen. Entsprechend und in Nachachtung der ständigen Rechtsprechung des
Bundesgerichtes sowie der Lehre hätte sie dem Verteidiger des Beschwerdeführers eine
Entschädigung zusprechen müssen.12 Gründe, welche allenfalls ein ausnahmsweises
Abweichen vom Grundsatz des Anspruchs auf eine Parteientschädigung bei
Kostenauflage an den Staat sachlich rechtfertigen könnten, führt die Staatsanwaltschaft
nicht an und sind im Übrigen auch nicht ersichtlich. Insbesondere besteht auch kein
Anspruch auf Entschädigung aufgrund rechtswidrig angewandter Zwangsmassnahmen
(Art. 431 Abs. 1 StPO).13
Im Übrigen handelt es sich bei der Kostenpflicht des freigesprochenen oder aus dem
Verfahren entlassenen Beschuldigten nicht um eine Haftung für ein strafrechtliches
Verschulden, sondern um eine zivilrechtlichen Grundsätzen angenäherte Haftung für ein
fehlerhaftes Verhalten, durch das die Einleitung oder Erschwerung eines Strafverfahrens
12 BGE 137 IV 352 E. 2.4.2, zuletzt bestätigt in Urteil des Bundesgerichts 6B_893/2016 vom
13. Januar 2017 E. 3.1; NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 4 zu Art. 429 StPO; WEHRENBERG/FRANK, Basler Kommentar, StPO, 2. Auf. 2014, N. 7a zu Art. 429 StPO
13 Vgl. E. 2.2.4 und E. 2.2.5
Seite 12
verursacht wurde.14 Im vorliegenden Fall wurde die zivilrechtliche Lage nicht schlüssig
geklärt. Es ist daher fraglich, ob dem Beschwerdeführer überhaupt allenfalls ein
fehlerhaftes Verhalten vorzuwerfen wäre. Aufgrund dieser Umstände ist vorliegend eine
Kostenauflage nicht möglich.15
Die Beschwerde ist daher insoweit, als dem Beschwerdeführer eine Entschädigung für
das Strafverfahren zusteht, gutzuheissen.
2.1.6 Die vom Verteidiger des Beschwerdeführers geltend gemachten Bemühungen sind in
zeitlicher Hinsicht – er war an einer Einvernahme dabei und hat zwei grössere Eingaben
verfasst – ausgewiesen und angemessen (act. B 6/40). Hingegen ist nach Art. 13 Abs. 2
i.V.m. Art. 18 lit. c und Art. 19 Abs. 1 AT16 lediglich ein Stundenansatz von CHF 200.00
gerechtfertigt. Damit ist dem Beschwerdeführer für das vorinstanzliche Verfahren eine
Entschädigung in Höhe von CHF 2‘046.15 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zuzusprechen.
2.2 Genugtuung für das Strafverfahren
2.2.1 Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen A_ gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a
und lit. d StPO eingestellt, die Untersuchungskosten auf die Staatskasse genommen und
dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung und Genugtuung verweigert (act. B 2).
Zur Begründung wurde angeführt, nachdem die Parteien bereits eine eigene Regelung
über die Parteikosten getroffen hätten, bleibe kein Raum mehr für die Zusprache von
Parteientschädigungen. Daher würden keine Parteientschädigungen und keine
Genugtuung ausgerichtet.
2.2.2 Der Beschwerdeführer liess einwenden, insbesondere eine ungerechtfertigte
Hausdurchsuchung löse Genugtuungsansprüche aus. Die Staatsanwaltschaft hätte
bereits beim Erlass des Beschlagnahmebefehls erkennen können, dass die
strafrechtlichen Vorwürfe auf eine zivilrechtliche Auseinandersetzung hinauslaufen. Seine
pekuniären Ansprüche und sein Retentionsrecht am beschlagnahmten Fahrzeug seien
absehbar gewesen. Die strafprozessuale Zwangsmassnahme habe sich als
14 Urteil des Bundesgerichts 6B_499/2014 vom 30. März 2015 E. 2.1 15 THOMAS DOMEISEN, Basler Kommentar, StPO, 2. Auf. 2014, N. 35 und N. 37 zu Art. 426
StPO; WEHRENBERG/FRANK, a.a.O., N. 12 zu Art. 430 StPO 16 Verordnung vom 14. März 1995 über den Anwaltstarif (AT, bGS 145.53)
Seite 13
ungerechtfertigt erwiesen, da kein hinreichender Tatverdacht für eine solche bestanden
und auch die zeitliche Dringlichkeit gefehlt habe. Deshalb sei ihm eine Genugtuung von
mindestens CHF 500.00 zuzusprechen (act. B 1).
2.2.3 Die Staatsanwaltschaft bringt hierzu vor, der Anspruch auf Genugtuung sei wegen
Geringfügigkeit des durch die verfügte Zwangsmassnahme erfolgten Eingriffs abzuweisen
(act. B 5).
2.2.4 Zwangsmassnahmen können nach Art. 197 Abs. 1 ZPO nur ergriffen werden, wenn:
a. sie gesetzlich vorgesehen sind; b. ein hinreichender Tatverdacht vorliegt; c. die damit angestrebten Ziele nicht durch mildere Massnahmen erreicht werden
können; d. die Bedeutung der Straftat die Zwangsmassnahme rechtfertigt.
Zwangsmassnahmen, die in die Grundrechte nicht beschuldigter Personen eingreifen,
sind besonders zurückhaltend einzusetzen (Art. 197 Abs. 2 StPO). Gemäss Art. 198
Abs. 1 StPO können die Staatsanwaltschaft, die Gerichte – in dringenden Fällen deren
Verfahrensleitung – sowie die Polizei in den gesetzlich vorgesehenen Fällen
Zwangsmassnahmen anordnen.
Bei rechtswidrig angewandten Zwangsmassnahmen besteht gemäss Art. 431 StPO ein
Anspruch auf Entschädigungen evtl. Genugtuung unabhängig von der Kostenauflage.17
2.2.5 Hausdurchsuchung (Art. 244f. StPO) und Beschlagnahme (Art. 263ff. StPO) sind
gesetzlich vorgesehen (Art. 197 Abs. 1 lit. a StPO). Ein hinreichender Tatverdacht – wie in
Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO vorausgesetzt – war durch die vom Rechtsvertreter der E_
GmbH eingereichte Strafklage samt Beweismitteln gegeben (act. B 6/1f.). Entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers waren für die Staatsanwaltschaft bei Erlass des
Beschlagnahmebefehls und aufgrund der ihr damals vorliegenden Unterlagen allfällige
pekuniäre Ansprüche des Beschwerdeführers und ein Retentionsrecht nicht absehbar.18
Weiter rechtfertigte die Bedeutung der angezeigten Straftaten – dem Beschwerdeführer
wurde Veruntreuung sowie ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen – die ergriffenen
Zwangsmassnahmen (Art. 197 Abs. 1 lit. d StPO).
17 YVONA GRIESSER, a.a.O., N. 2 zu Art. 430 StPO 18 Vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1025/2013 vom 13. März 2014 E. 1.3.1
Seite 14
Doch stellt sich die Frage, ob die mit den Zwangsmassnahmen angestrebten Ziele nicht
durch mildere Massnahmen hätten erreicht werden können (Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO).
Es gilt das Subsidiaritätsprinzip. Stehen mildere Mittel zur Verfügung, müssen
grundsätzlich zuerst diese milderen Massnahmen ergriffen werden.19 Das
Subsidiaritätsprinzip ist auch dann zu beachten, wenn verschiedene Zwangsmassnahmen
mit unterschiedlicher Eingriffsintensität zur Diskussion stehen. Teilweise stösst es auch an
seine praktischen Grenzen. Vielfach ist es notwendig, mehrere Zwangsmassnahmen
parallel, überlappend oder nacheinander anzuordnen. Wenn sich z.B. gestützt auf die
Ergebnisse der Hausdurchsuchung herausstellt, dass eine Überwachung des Post- und
Fernmeldeverkehrs unnötig gewesen wäre, bedeutet dies noch lange keinen Verstoss
gegen das Subsidiaritätsprinzip. Die einzelnen Zwangsmassnahmen haben verschiedene
Stossrichtungen, weshalb ein ganzes Bündel von Massnahmen notwendig sein kann.20
Vorliegend ist die von der Staatsanwaltschaft angeordnete Beschlagnahme der
Gegenstände aufgrund der in der Strafklage erhobenen erheblichen Vorwürfe nicht zu
beanstanden (act. B 6/13). Die beschlagnahmten Gegenstände stellen Beweismittel dar
und sind – je nach Ausgang der Untersuchung – dem Geschädigten herauszugeben (Art.
263 Abs. 1 lit. a und lit. c StPO). Nach Art. 244 Abs. 2 lit. b StPO ist die
Hausdurchsuchung ohne Einwilligung der berechtigten Person zulässig, wenn Tatspuren
oder zu beschlagnahmende Gegenstände oder Vermögenswerte im zu durchsuchenden
Objekt vermutet werden. Aufgrund der in der Strafklage erhobenen schweren Vorwürfe
durfte die Staatsanwaltschaft vermuten, dass sich im Haus des Beschwerdeführers die zu
beschlagnahmenden Gegenstände befinden. Sodann durfte die Staatsanwaltschaft
aufgrund der Schilderungen in der Strafklage, wonach der Beschwerdeführer trotz
mehrfacher Aufforderung die Gegenstände nicht herausgab, die Befürchtung hegen, dass
die gesuchten Gegenstände vernichtet, versteckt oder fortgeschafft werden könnten.21
Somit erscheinen die von der Staatsanwaltschaft im vorliegenden Fall angeordnete
Hausdurchsuchung sowie die Beschlagnahme als gerechtfertigt. Eine Genugtuung
aufgrund rechtswidrig angewandter Zwangsmassnahmen ist damit nicht geschuldet
(Art. 431 Abs. 1 StPO).
19 HUG/SCHEIDEGGER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 17 zu Art. 197 StPO; NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 6 zu Art. 197 StPO
20 HUG/SCHEIDEGGER, a.a.O., N. 19 zu Art. 197 StPO 21 STEFAN HEIMGARTNER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur
Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 12 zu Art. 265 StPO; THORMANN/BRECHBÜHL, Basler Kommentar, StPO, 2. Auf. 2014, N. 27 zu Art. 244 StPO
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2.2.6 Soweit die Staatsanwaltschaft unter Hinweis auf Art. 430 Abs. 1 lit. c StPO den
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Genugtuung abweist, kann ihr insoweit
gefolgt werden, als keine besonders schwere Verletzung in den persönlichen
Verhältnissen des Beschwerdeführers vorliegt und eine solche vom Beschwerdeführer
auch nicht glaubhaft gemacht worden ist.
Damit eine Genugtuung zugesprochen werden kann, muss eine gewisse Intensität der
Verletzung vorliegen, wie zum Beispiel eine publik gewordene Hausdurchsuchung.
Dabei hat die betroffene Person die Schwere der Verletzung glaubhaft zu machen. Die
Höhe der Genugtuung richtet sich nach der Schwere der Verletzung in den persönlichen
Verhältnissen und deren Einwirkung auf die Persönlichkeit des Betroffenen. Nicht
massgebend für die Höhe der Genugtuung sind die wirtschaftlichen Verhältnisse der
betroffenen Person.22
Zu berücksichtigen ist vorliegend, dass die Hausdurchsuchung beim Beschwerdeführer
am frühen Morgen stattfand (act. B 6/14) und gleichentags die in Anwesenheit des
Verteidigers des Beschwerdeführers durchgeführte Einvernahme durch die Polizei
erfolgte (act. B 6/19). Diese Umstände – eine Hausdurchsuchung sowie eine einmalige
Einvernahme – wiegen nicht dermassen schwer und zogen vorliegend keinen dadurch
bedingten erheblichen Nachteil nach sich, dass sie Anlass zu einer Entschädigung
geben könnten.23 Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Staatsanwaltschaft unter
Hinweis auf Art. 430 Abs. 1 lit. c StPO eine Genugtuung verweigert.
2.3 Fazit
Heisst die Beschwerdeinstanz die Beschwerde gut, kann sie gemäss Art. 397 Abs. 2
StPO entweder reformatorisch oder kassatorisch entscheiden: Im erstgenannten Fall
fällt sie einen neuen Entscheid, der an die Stelle des vorinstanzlichen Entscheides tritt.
Sie wird dies dann tun, wenn ein Entscheid in der Sache nach der konkreten Sach- und
22 WEHRENBERG/FRANK, a.a.O., N. 26ff. zu Art. 429 StPO mit zahlreichen Hinweisen; NIKLAUS
SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2013, Rz. 1816ff. 23 Urteil des Bundesgerichts 6B_808/2011 vom 24. Mai 2012 E. 3.2 mit Hinweisen; NIKLAUS
SCHMID, Praxiskommentar schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N. 6 zu Art. 430 StPO; YVONA GRIESSER, a.a.O., N. 14 zu Art. 430 StPO; WEHRENBERG/FRANK, a.a.O., N. 18 zu Art. 430 StPO
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Rechtslage im Zeitpunkt des Beschwerdeentscheids möglich ist, der Fall also spruchreif
ist.24
Insofern und mit Blick auf das Beschleunigungsgebot drängt sich ein reformatorischer
Entscheid auf.25 Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen, als die angefochtene
Dispositiv-Ziffer 3 der Einstellungsverfügung vom 8. November 2016 aufzuheben ist.
Weiter ist sie insoweit teilweise gutzuheissen, als dem Beschwerdeführer für das
vorinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von CHF 2‘046.15 (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen ist. Im Übrigen ist die Beschwerde in
Bezug auf den geltend gemachten Anspruch auf eine Genugtuung abzuweisen.
3. Kosten des Beschwerdeverfahrens
3.1 Nach Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens
nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Vorliegend wird die Beschwerde in
Bezug auf die Parteientschädigung weitestgehend gutgeheissen; in Bezug auf den
Anspruch auf eine Genugtuung abgewiesen.26 Daher rechtfertigt es sich, dem
Beschwerdeführer 1/4 der Verfahrenskosten aufzuerlegen und die restlichen 3/4 gestützt
auf den Verfahrensausgang auf die Staatskasse zu nehmen. Die Gerichtsgebühr wird auf
CHF 800.00 festgesetzt (Art. 29 Abs. 1 lit. b Gebührenordnung27), so dass der
Beschwerdeführer den Betrag von CHF 200.00 zu übernehmen hat.
Die E_ GmbH und D_ haben sich am Beschwerdeverfahren nicht beteiligt
(insbesondere haben sie keine Anträge gestellt), weshalb ihnen keine Kosten auferlegt
werden können.28
24 PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011,
Rz. 556 25 PATRICK GUIDON, Basler Kommentar, StPO, 2. Auf. 2014, N. 5 zu Art. 397 StPO 26 PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011,
Rz. 566 27 Verordnung vom 15. Juni 1981 über die Rechtskosten und Entschädigungen in der Zivil- und
Strafrechtspflege (Gebührenordnung, bGS 233.3) 28 BGE 138 IV 248; YVONA GRIESSER, a.a.O., N. 2 zu Art. 428 StPO
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3.2 Ansprüche auf Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren richten sich
nach den Artikeln 429-434 StPO (Art. 436 Abs. 1 StPO). In den Art. 429-434 StPO ist
keine Bestimmung im Sinne von Art. 428 Abs. 1 StPO zu entnehmen, wonach sich der
Anspruch auf Entschädigung nach Massgabe des Obsiegens oder Unterliegens richtet.
Das muss jedoch - wie bei der Kostenauflage - auch bezüglich der Entschädigung
gelten.29
Wird das Verfahren gegen die beschuldigte Person eingestellt, hat sie in erster Linie
Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer
Verfahrensrechte sowie Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer
notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (Art. 429 Abs. 1 lit. a und b
StPO). Die Strafbehörde prüft den Anspruch von Amtes wegen. Sie kann die beschuldigte
Person auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu belegen (Art. 429 Abs. 2 StPO).
RA B_ reichte für das Beschwerdeverfahren trotz entsprechender Aufforderung keine
Kostennote ein (act. B 10). Die Entschädigung für das Beschwerdeverfahren ist demnach
nach Ermessen festzulegen (Art. 4 Abs. 2 AT30). Aufgrund der gesamten vorliegenden
Umstände erscheint eine Entschädigung in Höhe von CHF 1‘123.20 (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als gerechtfertigt (Art. 3, Art. 13 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 15 Abs. 1 lit. a
i.V.m. Art. 17 AT). Der Beschwerdeführer hat zu 3/4 obsiegt. Dementsprechend hat er
Anspruch auf Entschädigung von 3/4 des Gesamtbetrages von CHF 1‘123.20, somit von
CHF 842.40 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse.
29 PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011,
Rz. 578; NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N. 1 zu Art. 436 StPO
30 Verordnung vom 14. März 1995 über den Anwaltstarif (AT, bGS 145.53)
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