Decision ID: 7723cdd3-a494-44bc-a852-3755baf9ef82
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom
23. Oktober 2014 (DG140180)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 16. Juni 2014 (Urk. 15)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der Drohung und der Tätlichkeiten (ND) wird der Beschuldigte
freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom
9. März 2009 ausgefällten Freiheitsstrafe von 16 Monaten (abzüglich 105
Tage erstandener Haft) wird widerrufen.
6. Es wird festgehalten, dass der Beschuldigte das Schadenersatzbegehren
des Privatklägers B._ in der Höhe von Fr. 13'109.45 sowie das Genug-
tuungsbegehren in Höhe von Fr. 2'000.– anerkannt hat. Weiter wird festge-
halten, dass sich der Beschuldigte dem Grundsatz nach zur Leistung von
weiterem Schadenersatz bereit erklärt hat.
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7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'500.-- ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'500.-- Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 99.20 Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltli-
chen Vertretung des Privatklägers B._ wird separat entschieden.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens einschliess-
lich derjenigen der amtlichen Verteidigung werden zu zwei Dritteln dem Be-
schuldigten auferlegt, aber einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Eine Nachforderung dieser Kosten erfolgt, sobald es die wirtschaftlichen
Verhältnisse des Beschuldigten erlauben. Im Übrigen werden die Kosten de-
finitiv auf die Gerichtskasse genommen, ebenfalls die Kosten der unentgelt-
lichen Vertretung des Privatklägers.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 60 S. 2)
1. Dispo-Ziff. 4 sei dahingehend abzuändern, als dass meinem Mandanten der
bedingte Strafvollzug gewährt werde.
2. Dispo-Ziff. 5 sei dahingehend abzuändern, als dass vom Widerruf des be-
dingten Vollzuges der Freiheitsstrafe von 16 Monaten abgesehen werde.
3. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.
4. Unter ausgangsgemässer Verlegung von Kosten und Entschädigungsfolgen.
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b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 53 schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richts Zürich, 7. Abteilung, vom 23. Oktober 2014 meldete der amtliche Verteidi-
ger mit Eingabe vom 29. Oktober 2014 rechtzeitig Berufung an (Urk. 38; Art. 399
Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des begründeten Urteils reichte er mit Eingabe vom
16. Februar 2015 fristgerecht die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399
Abs. 3 StPO ein und beschränkte die Berufung auf die Dispositivziffern 4 und 5
des Urteils, mit den Anträgen, der bedingte Strafvollzug sei zu gewähren und vom
Widerruf des bedingten Vollzuges der Vorstrafe sei abzusehen (Art. 399 Abs. 4
lit. b StPO; Urk. 49; Urk. 47/2). Mit Präsidialverfügung vom 18. Februar 2015 wur-
de den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um zu erklären,
ob Anschlussberufung erhoben oder ein Nichteintreten beantragt werde (Urk. 51),
worauf die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 2. März 2015 auf Anschlussberu-
fung verzichtete und die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragte
(Urk. 53). Die Privatkläger liessen sich nicht vernehmen, und Beweisanträge wur-
den keine gestellt. Dem Dispensationsgesuch der Staatsanwaltschaft von der
Teilnahme an der Berufungsverhandlung wurde mit dem Einverständnis der Ver-
teidigung stattgegeben (Art. 405 StPO; Urk. 55 f.). Anlässlich der Berufungsver-
handlung beantragte die Verteidigung zudem eine Reduktion der Strafe (Urk. 60
S. 5).
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2. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Mit der An-
fechtung des Strafvollzuges gilt die gesamte Strafzumessung als angefochten
(HUG, in: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, Kommentar zur Schweizerischen Straf-
prozessordnung, 2. Aufl. 2014; Art. 399 N 20; a.A. SCHMID, Praxiskommentar
StPO, 2. Aufl. 2013, N 399 N 20; EUGSTER, BSK-StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 399 N 9,
vgl. BGer 6B_498/2011 vom 23.1.2012: wonach die Anfechtung des Strafvollzu-
ges alleine möglich ist). Die von der Verteidigung anlässlich der Berufungsver-
handlung erstmals geltend gemachte Reduktion der Strafe ist demnach nicht zu
beanstanden. Nachdem die Urteilsdispositivziffern 1 und 2 (Schuld-
punkt/Teilfreispruch), 6 (Zivilansprüche) sowie 7 und 8 (Kostendispositiv) unange-
fochten blieben, ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil
in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte die eingangs
erwähnten Anträge stellen (Urk. 60 S. 2).
4. Am 8. Juni 2015 wurde ein aktueller Strafregisterauszug eingeholt
(Urk. 58). Unmittelbar vor der Berufungsverhandlung reichte der Beschuldigte das
Datenerfassungsblatt ein (Urk. 59).
II. Strafzumessung
1. Der Beschuldigte wurde im angefochtenen Urteil mit einer Freiheitsstrafe
von 8 Monaten bestraft, wobei der bedingte Strafvollzug verweigert wurde. Der
mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März 2009 gewährte bedingte Auf-
schub der damals ausgefällten Freiheitsstrafe von 16 Monaten (abzüglich 105
Tage erstandener Haft) wurde widerrufen (Urk. 48 S. 33 ff.). Der Beschuldigte
strebt mit der Berufung eine Strafreduktion, den bedingten Strafvollzug sowie ei-
nen Verzicht auf den Widerruf des Vollzugsaufschubes der Vorstrafe an (Urk. 49
S. 2; Urk. 60 S. 5 f.). Die Staatsanwaltschaft hat die Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils beantragt (Urk. 53).
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2. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Verteidigung zur Begrün-
dung der Strafreduktion aus, das Geständnis des Beschuldigten müsse als Straf-
minderungsgrund bei der Strafzumessung berücksichtigt werden. Es müsse dem
Beschuldigten gerade bei seiner finanziellen Situation positiv angerechnet wer-
den, dass er um den Ausgleich des Schadens bemüht sei. Die Strafe sei zudem
zu reduzieren, da der Beschuldigte im beträchtlichen Umfang erstinstanzlich frei-
gesprochen worden sei (Urk. 60 S. 5).
3. Den gesetzlichen Strafrahmen und die allgemeinen Grundsätze der Straf-
zumessung legte die Vorinstanz zutreffend dar. Um unnötige Wiederholungen zu
vermeiden, kann darauf verwiesen werden (Urk. 48 S. 31).
3.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist hervorzuheben, dass der Be-
schuldigte dem Privatkläger B._ unvermittelt einen Faustschlag ins Gesicht,
einer äusserst empfindlichen Körperstelle, versetzte. Der Faustschlag hatte zu-
dem eine gewisse Intensität, sodass der Kiefer des Privatklägers dadurch gebro-
chen wurde.
3.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass der Beschuldigte
aus gänzlich nichtigem Anlass zuschlug und dadurch eine völlige Gleichgültigkeit
gegenüber der körperlichen Integrität des Privatklägers zum Ausdruck brachte.
Der Vorinstanz führte zutreffend aus, dass die offenbar geladene Stimmung auf-
grund der vorhergehenden verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschul-
digten und C._ das Verhalten des Beschuldigten nicht zu relativieren vermag
(vgl. Urk. 49 S. 32 f.).
Das Verschulden erweist sich als nicht mehr leicht und rechtfertigt eine hy-
pothetische Einsatzstrafe von 4 Monaten Freiheitsstrafe.
3.3. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
kann auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 48
S. 32 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte ergänzend
aus, dass er seit Februar 2015 einen kleinen Raum für seine Velowerkstatt habe,
dort Reparaturen mache und auf Wunsch Velos zusammenstelle. Das Einkom-
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men aus dieser selbständigen Erwerbstätigkeit variiere. Meistens benötige er zu-
sätzlich Unterstützung vom Sozialamt. Am 1. Juli 2015 werde er eine neue Stelle
in einer Velowerkstatt in ... beginnen. Den Arbeitsvertrag werde er am 1. Juli
2105 unterschreiben. Es sei eine 80% Stelle. Er wisse nicht, wie viel er dort ver-
dienen werde. Seine Velowerkstatt wolle er weiterhin betreiben. Er habe Schulden
in der Höhe von etwa Fr. 8'000.– sowie weitere Schulden im Zusammenhang mit
den Gerichtsverfahren und Alimentenschulden. Er habe seit acht Monaten keinen
Alkohol mehr getrunken. Er sei nicht mehr in Clubs anzutreffen. Er wolle keine
Probleme mehr mit den Behörden (Prot. II S. 8 ff.).
3.4. Aus der Biografie und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldig-
ten ergeben sich keine Anhaltspunkte, die für die Strafzumessung von wesentli-
cher Bedeutung wären.
3.5. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk. 48 S. 33), legte der
Beschuldigte kein Geständnis ab, welches strafmindernd zu berücksichtigen wä-
re. Positiv ist hingegen zu werten, dass der Beschuldigte den Schuldspruch und
das Schadenersatzbegehren anerkannt hat. Diese Umstände sind leicht strafmin-
dernd zu berücksichtigen. Hingegen wirken sich die vier teils einschlägigen Vor-
strafen des Beschuldigten massiv straferhöhend aus. So wurde er mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. September 2006 wegen Gewalt
und Drohung gegen Behörden und Beamte, mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
9. Abteilung, vom 9. März 2009 wegen Angriff, mehrfach versuchter einfacher
Körperverletzung (mit Gift, Waffe oder gefährlichem Gegenstand), sexuellen
Handlungen mit einem Kind und Tätlichkeiten, mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Zürich-Sihl am 7. Dezember 2009 wegen Drohung und mit Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, am 12. April 2011 wegen Sachbeschädigung
verurteilt. Zudem delinquierte der Beschuldigte trotz laufender Probezeit unbeein-
druckt weiter, was ebenfalls erheblich straferhöhend zu veranschlagen ist
(Urk. 58).
4. Unter diesen Umständen ist die von der Vorinstanz ausgefällte Freiheits-
strafe von 8 Monaten gerade noch angemessen. Der Beschuldigte ist folglich mit
einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten zu bestrafen.
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III. Vollzug
1. Die rechtlichen Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Straf-
vollzuges wurden im angefochtenen Urteil korrekt wiedergegeben, darauf ist zu
verweisen (Urk. 48 S. 33 f.). Ergänzend ist festzuhalten, dass gemäss Rechtspre-
chung besonders günstige Umstände im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB vorliegen,
wenn die neuerliche und frühere Tat in keinerlei Zusammenhang stehen oder
wenn in der Zwischenzeit eine besonders positive Veränderung in den Lebens-
umständen des Täters eingetreten ist. Der Rückfall für sich genommen, schliesst
den bedingten Strafvollzug nicht aus (BGE 134 IV 1 E. 4.2.3).
2. In objektiver Hinsicht sind die Voraussetzungen zur Gewährung des be-
dingten Strafvollzuges erfüllt, da der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von
8 Monaten zu bestrafen ist.
3. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abtei-
lung, vom 9. März 2009 zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt
(Urk. 58). Folglich müssen in subjektiver Hinsicht besonders günstige Umstände
im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB vorliegen, damit der bedingte Vollzug gewährt
werden kann.
3.1. Der Beschuldigte erklärte anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-
lung, er habe oft Probleme, weil er ein Provokateur sei und seinen Mund nicht hal-
ten könne. Er lerne aber, sich zu kontrollieren und ruhiger zu werden. Er habe
sich zurückgezogen. Wenn er aber mit seinen Kollegen ausgehe, habe er immer
Probleme, die meistens mit seiner Vergangenheit und seinen Kollegen zu tun hät-
ten (Urk. 30 S. 15). In der Berufungsverhandlung führte er aus, dass er als selbst-
ständiger Velomechaniker arbeite. Er mache Reparaturen und stelle auf Wunsch
Velos zusammen. Der Verdienst sei unterschiedlich, und er werde vom Sozialamt
unterstützt, wenn sein Verdienst nicht ausreiche. Ab 1. Juli 2015 werde eine 80%
Stelle in ... antreten und dort Velos restaurieren und herstellen. Er habe seit etwa
acht Monaten keinen Alkohol mehr getrunken. Er gehe nicht mehr in Clubs, er
habe genug davon. Ab und zu gehe er noch in die ... Bar etwas trinken. Er sei in
den letzten Jahre zu impulsiv gewesen und habe sich auf Sachen eingelassen,
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auf die er sich nicht hätte einlassen dürfen. Es tue ihm leid, was passiert sei. Er
wolle keine Probleme mehr mit den Behörden, er habe genug von diesen Termi-
nen und Briefen (Prot. II S. 8 ff.).
3.2. Diese Ausführungen des Beschuldigten lassen eine gewisse Einsicht
erkennen, dennoch sind keinerlei konkreten Schritte im Sinne eines neuen Umfel-
des oder einer gefestigten Veränderung in seinen Lebensumständen ersichtlich.
Seine berufliche Situation ist weiterhin unbeständig. In den vergangenen Monaten
finanzierte er seinen Lebensunterhalt teilweise durch Veloreparaturen, teilweise
musste er jedoch noch finanziell vom Sozialamt unterstützt werden. Zwar machte
der Beschuldigte geltend, ab 1. Juli 2015 eine 80% Stelle bei einer Velowerkstatt
in ... antreten zu können. Diese nicht mit Unterlagen dokumentierte Anstellung
vermag jedoch noch keine besonders positive Veränderung in seinen Lebensum-
ständen begründen. Dem Beschuldigten ist zugute zu halten, dass er nunmehr
die Verantwortung für sein Tun übernimmt, indem er den Schuldspruch akzeptiert
und auf eine Berufung im Schuldpunkt verzichtet hat. Zudem anerkannte er das
Schadenersatzbegehren des Privatklägers B._, wobei er diesem bis anhin
noch keinerlei Zahlungen geleistet hat. Der Hinweis der Verteidigung, wonach der
Beschuldigte nur entsprechende Zahlungen leisten könne, wenn er auch ein Ein-
kommen erziele (Urk. 49 S. 2; Urk. 60 S. 5), ist zwar zutreffend, allerdings ist dies
für die Prognose-Stellung irrelevant. Zu berücksichtigen ist hingegen, dass der
Beschuldigte teilweise einschlägige Vorstrafen aufweist.
4. Aufgrund obigen Erwägungen sind beim Beschuldigten keine besonders
günstigen Umstände auszumachen, welche einen Aufschub der Strafe rechtferti-
gen könnten. Die Freiheitsstrafe von 8 Monaten ist zu vollziehen.
IV. Widerruf
1. Begeht der Beschuldigte während der Probezeit einer bedingt ausgespro-
chenen Strafe ein Verbrechen oder Vergehen, so kann der Strafaufschub widerru-
fen werden (Art. 46 Abs. 1 StGB). Ein während der Probezeit begangenes Ver-
brechen oder Vergehen führt aber nicht zwingend zum Widerruf des bedingten
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Strafaufschubs. Dieser erfolgt gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB nur, wenn "deshalb"
also wegen der Begehung des neues Delikts, zu erwarten ist, dass der Täter wei-
tere Straftaten verübten wird. Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters
ist anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen.
Der Vollzug der neuen Strafe ist für den Widerruf der früheren Strafe in der Ge-
samtwürdigung mitzuberücksichtigen. Liegt eine Verurteilung von einer gewissen
Tragweite aus den letzten fünf Jahren vor der Tat im Sinne von Art. 42 Abs. 2
StGB vor, setzt der Aufschub des Vollzugs für die neue Strafe – wie bereits aus-
geführt – "besonders günstige Umstände" voraus. Für den Widerrufsverzicht sind
jedoch besonders günstige Umstände nicht erforderlich (BGE 134 IV 140 E. 4.3
ff.).
2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abtei-
lung, vom 9. März 2009 zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt, wobei
eine Probezeit von 4 Jahren angesetzt wurde. Diese wurde mit Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 12. April 2011 um 1 Jahr verlängert
(Urk. 58). Der Beschuldigte delinquierte trotz laufender Probezeit weiter und war
im Rahmen seiner diversen Strafverfahren bereits drei Mal in Untersuchungshaft
(Urk. 58). Wie bereits erwähnt (vorstehend Ziff. II.3.5.), sind die Vorstrafen des
Beschuldigten zudem teilweise einschlägiger Natur. Der Beschuldigte musste je-
doch noch nie eine längere Freiheitsstrafe verbüssen. Auch sind gewisse positive
Tendenzen des Beschuldigten erkennbar. Der Beschuldigte übernimmt nun of-
fenbar die Verantwortung für sein Handeln. Er focht den Schuldspruch nicht an
und anerkannte das Schadenersatzbegehren des Privatklägers. Der Beschuldigte
bemüht sich offenbar um Arbeit und kann – wobei hierfür keinerlei Belege vorlie-
gen – per 1. Juli 2015 bei der Velowerkstatt in ... eine 80% Stelle antreten. Ihm ist
in Anbetracht der positiv zu wertenden Signale und insbesondere der Wirkung der
erstmalig längeren unbedingt auszusprechenden Strafe eine allerletzte Chance
einzuräumen. Angesichts des Vollzugs der heute auszufällenden Freiheitsstrafe
von 8 Monaten kann deshalb vom Beschuldigten erwartet werden, dass er keine
weiteren Straftaten mehr begehen wird. Auf den Widerruf der mit Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 9. März 2009 ausgesprochenen Freiheits-
strafe ist somit zu verzichten.
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3. Um den verbleibenden Bedenken Rechnung zu tragen, ist die mit vorer-
wähntem Urteil festgesetzte Probezeit von 4 Jahren, welche mit Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 12. April 2011 um 1 Jahr verlängert wurde,
um 1 weiteres Jahr zu verlängern. Dem klaren Gesetzeswortlaut folgend kann
auch eine Probezeit von fünf Jahren um höchstens die Hälfte verlängert werden,
auch wenn dabei die vom Gesetz vorgesehene Höchstgrenze der Probezeit von
fünf Jahren überstiegen wird (Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 46 Abs. 2 StGB).
V. Kosten
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seiner Berufung betreffend die Gewährung des bedingten Strafvoll-
zugs. Er obsiegt hingegen in Bezug auf den Verzicht des Widerrufs der im Urteil
des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 9. März 2009 ausgesprochenen
Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Es rechtfertigt sich deshalb, die Kosten des Beru-
fungsverfahrens dem Beschuldigten zur Hälfe aufzuerlegen. Im Übrigen sind die
Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Von der Rückzahlungspflicht des Be-
schuldigten wird angesichts seiner miserablen wirtschaftlichen Verhältnisse abge-
sehen.