Decision ID: 7f1eeada-92d8-5fab-a439-a862b15006a2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 5. September 2017 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 8. September 2017 fand die Personalienaufnahme statt und
am 18. September 2017 führte das SEM mit ihm das Dublin-Gespräch
durch. Am 18. Januar 2018 fand die erste Anhörung und am 2. Mai 2018
die ergänzende Anhörung statt.
Hierbei machte er im Wesentlichen geltend, er sei ethnischer Tamile und in
B._, Distrikt C._, geboren, wo er mit sieben Geschwistern
aufgewachsen und die Schule bis zur elften Klasse besucht habe. Im Juni
2007 habe er seine heutige Frau geheiratet. Die LTTE (Liberation Tigers of
Tamil Eelam) habe zu dieser Zeit Zwangsrekrutierungen durchgeführt und
er habe durch die Heirat mit seiner Frau einer Zwangsrekrutierung entkom-
men wollen. Nach kurzer Zeit hätten die LTTE sie aber entdeckt und ihn
und seine Frau mitgenommen. Ihn habe man nach zwei Tagen wieder frei-
gelassen, da er gegenüber den LTTE glaubhaft habe darlegen können,
dass er an einer (...) leide und bereits sein älterer Bruder für diese tätig sei.
Seine Frau habe er danach aber nicht mehr gesehen und habe auch keine
Kenntnis über ihren Aufenthaltsort und Zustand gehabt. Am Ende des Bür-
gerkriegs, im Mai 2009, sei er von Regierungssoldaten angeschossen und
festgenommen worden. Er habe sich in einem Rehabilitationscamp für ehe-
malige LTTE-Mitglieder registrieren lassen müssen. Im Oktober 2011 sei er
als Rehabilitierter – mit der Auflage, das Land nicht zu verlassen – freige-
lassen worden. In der Zeit im Rehabilitationscamp sei er mehrmals an ver-
schiedene Orte verlegt und von Regierungssoldaten geschlagen und ge-
foltert worden, wobei er noch heute unter den erlittenen Verletzungen leide.
Nach der Freilassung sei er kurze Zeit bei seinen Eltern geblieben und
habe danach zu seiner Frau zurückgefunden, welche bereits im Jahr 2010
aus einem Flüchtlingscamp zurückgesiedelt worden sei. Fortan habe er mit
seiner Frau in deren Haus in D._, Distrikt E._, zusammen-
gelebt und sie hätten ihre damalige Eheschliessung offiziell registrieren las-
sen. Er sei in den nächsten Jahren als Maler beschäftigt gewesen und
seine Frau habe in den Jahren 2012 und 2016 zwei gemeinsame Kinder
geboren. Nach seiner Haftentlassung hätten ihn regelmässig Beamte des
CID (Criminal Investigation Departement), zu Beginn einmal wöchentlich,
danach einmal im Monat, zuhause aufgesucht, um sicherzugehen, dass er
das Land nicht verlasse. Im Mai 2017 sei ein Polizeifahrzeug in F._
durch eine Bombe explodiert. Er habe sich zu dieser Zeit in C._
aufgehalten, um Malerarbeiten auszuführen. Man habe im Zusammenhang
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mit diesem Vorfall mehrere Personen, darunter einen Freund von ihm, ver-
haftet, befragt und dessen Mobiltelefon beschlagnahmt. Nachdem dieser
Freund nach drei Tagen wieder freigelassen worden sei, habe dieser ihn
telefonisch kontaktiert und ihm mitgeteilt, die Polizei kenne nun seine Tele-
fonnummer und könne ihn jederzeit orten; er solle sich in Acht nehmen und
sein Telefon auswechseln. Er habe daraufhin umgehend sein Telefon aus-
geschaltet und sei nicht nach Hause gegangen, sondern habe sich bei sei-
ner Cousine versteckt. Seine Frau habe ihn währenddessen darüber infor-
miert, dass Beamte des CID nach dem Vorfall zuhause nach ihm gesucht
hätten. Aus Furcht, die Sicherheitsbehörden würden ihn wieder foltern oder
gar töten, sollten sie seiner habhaft werden, habe er sich zur Ausreise aus
dem Land entschieden. Nach einem kurzen Aufenthalt in Colombo sei er
schliesslich Mitte Juni 2017 mit seinem Reisepass unter Mithilfe eines
Schleppers über den Flughafen von Colombo über Indien und Mali nach
Frankreich geflogen und von dort in die Schweiz gelangt.
B.
Mit Verfügung vom 7. August 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfüllte die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung und deren Vollzug aus der Schweiz, setzte eine
Frist zur Ausreise an und beauftragte den Kanton mit dem Vollzug der Weg-
weisung.
C.
Mit Eingabe vom 6. September 2018 reichte der Beschwerdeführer gegen
diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und be-
antragte, die Verfügung sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewähren;
eventualiter sei er vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht bean-
tragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einschliesslich
Verzicht auf Kostenvorschusserhebung, die Bestellung des rubrizierten
Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand sowie die Einräumung ei-
ner Nachfrist zur Einreichung weiterer Beweismittel.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 13. September 2018 stellte der Instruktions-
richter fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens
einstweilen in der Schweiz abwarten, hiess die Gesuche um unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie Verzicht auf Kostenvor-
schusserhebung gut und bestellte dem Beschwerdeführer in der Person
von Fürsprecher Christian Wyss einen amtlichen Rechtsbeistand und
räumte ihm eine Nachfrist zur Nachreichung weiterer Beweismittel ein.
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E.
Mit Eingabe vom 9. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer weitere
Beweismittel ein (Originale diverser bereits eingereichter Schreiben von
Familienmitgliedern und Arbeitskollegen, Fotografien der Verletzungen,
Auszüge aus Zeitungsartikeln in Kopie).
F.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober 2018 lud der Instruktionsrichter
das SEM zur Vernehmlassung ein. Der Beschwerdeführer reichte mit Ein-
gabe vom 15. Oktober 2018 und 18. März 2019 weitere Beweismittel ein
(unter anderem Übersetzung eines bereits eingereichten Zeitungsberichts,
Fotografien von Verletzungen der Ehefrau). Mit Eingabe vom 26. Okto-
ber 2018 kam das SEM der Aufforderung zur Vernehmlassung nach. Der
Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 15. November 2018.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende
Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-
gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
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4.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien weder glaubhaft noch er-
füllten sie die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft. Es werde zwar
nicht in Zweifel gezogen, dass er zwischen (...) und (...) in Rehabilitations-
haft gewesen und dort gefoltert worden sei, doch würde das Asylrecht nicht
dem Ausgleich von erlittenem Unrecht dienen und im Zeitpunkt der Aus-
reise bereits abgeschlossene Verfolgungsmassnahmen seien asyl- und
flüchtlingsrechtlich grundsätzlich irrelevant. Der behauptete Bombenan-
schlag auf ein Polizeifahrzeug im (...) habe gemäss Quellenlage nicht in
F._, sondern in C._ stattgefunden und es habe sich dabei
um einen Gewehrbeschuss und nicht einen Bombenanschlag gehandelt.
Seine diesbezügliche Stellungnahme, wonach ihn ein Freund darüber in-
formiert und er die Angaben aufgrund der gefährlichen Lage nicht habe
verifizieren können, sei als Schutzbehauptung zu qualifizieren. Ausserdem
hätte er – so das SEM weiter – an der ersten Anhörung ein Schreiben er-
wähnt, welches bestätige, dass sein Bruder Mitglied bei den Sea Tigers
gewesen sei und ihn 2007 vor der Zwangsrekrutierung durch die LTTE
hätte schützen sollen. In der ergänzenden Anhörung habe er dies nicht
mehr erwähnt, sondern nur noch ein Haftentlassungsschreiben des Bru-
ders aus dem Jahr 2013, welches seine Mitgliedschaft bei den Sea Tigers
bestätige. Seine diesbezüglichen Erklärungsversuche würden nicht über-
zeugen. Schliesslich sei auch nicht glaubhaft, dass in Sri Lanka nach wie
vor eine Ausreisesperre gegen ihn bestehe, zumal diese nach seinen An-
gaben nur mündlich verhängt worden sei, nach Beendigung der Rehabili-
tationshaft grundsätzlich sämtliche Reiserestriktionen aufgehoben würden
und er sich 2014 oder 2015 von den sri-lankischen Behörden legal einen
Reisepass habe ausstellen lassen können. Zur Flüchtlingseigenschaft
führte die Vorinstanz im Wesentlich aus, der Beschwerdeführer habe keine
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen glaubhaft machen können. Allfäl-
lige mit der Entlassung aus der Rehabilitationshaft zusammenhängende
Beeinträchtigungen seitens der Behörden würden – mit Verweis auf die
Rechtsprechung – in der Regel kein asylrelevantes Ausmass erreichen,
was auch vorliegend der Fall sei, weshalb im Zeitpunkt der Ausreise wie
auch danach von keinem Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behör-
den an der Person des Beschwerdeführers auszugehen sei.
4.2 Hiergegen wendet der Beschwerdeführer in der Beschwerde im We-
sentlichen Folgendes ein: Die Tatsache, dass er bis zum Jahr 2011 in Re-
habilitationshaft gefoltert worden sei, begründe eine höhere Sensibilität vor
erneuten staatlichen Eingriffe, was zu berücksichtigen sei. Die von der
Vorinstanz angeführten Urteile des Bundesverwaltungsgerichts seien in
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diesem Fall nicht anwendbar, da diese Botschaftsverfahren betroffen hät-
ten, aber keine Folter geltend gemacht worden sei. Hinsichtlich des ge-
schilderten Bombenanschlags liege seitens der Vorinstanz ein Irrtum vor,
welcher der Beschwerdeführer im Asylverfahren leider nicht habe auflösen
können. An diesem Tag hätte es verschiedene Anschläge gegeben, unter
anderem auch eine Schiesserei in C._, der Bombenanschlag habe
sich jedoch wie vom Beschwerdeführer vorgebracht in F._ ereignet,
was auch aus dem mit der Beschwerde eingereichten Schreiben seines
Freundes hervorgehe. Bei den in der angefochtenen Verfügung vorgehal-
tenen Widersprüchen zum Schreiben des Bruders sei es lediglich um die
Thematik der damaligen Rekrutierung des Beschwerdeführers durch die
LTTE gegangen. Dieses Schreiben sei für die Beurteilung der Asylgründe
irrelevant, da er nicht deshalb, sondern wie dargelegt aufgrund seiner (...)
von den LTTE nicht definitiv rekrutiert worden sei. Weiter treffe es zwar zu,
dass ihm die sri-lankischen Behörden im Jahr 2015 legal einen Reisepass
ausgestellt hätten, jedoch schliesse dies eine mündlich vom CID ausge-
sprochene Ausreisesperre nicht aus. Sodann würden die auf Beschwerde-
ebene eingereichten Schreiben des Arbeitskollegen und der Familienmit-
glieder seine vorgebrachten Sachverhalte und Fluchtgründe bestätigen
und zeigen, dass ihm im Falle eines Verbleibs erneut Festnahme und Folter
gedroht hätten. Die geltend gemachten Vorbingen würden schliesslich
auch die erforderliche Unmittelbarkeit und Intensität im Sinne von Art. 3
AslyG erreichen. Dass er nach der telefonischen Warnung seines Kollegen
schnell reagiert und gleich geflüchtet sei, sei vor dem Hintergrund der jah-
relangen Überwachung und Folter durch die Behörden verständlich und
unterstreiche die damalige Unmittelbarkeit der Gefährdung. Sein Kollege
sei im Zuge des Bombenanschlags denn auch befragt und gefoltert wor-
den, wie aus dessen Schreiben hervorgehe. Da sich die Verfolgung gezielt
gegen Rehabilitierte und Personen mit einer Vergangenheit bei den LTTE
gerichtet habe, sei sie auch politisch und ethnisch motiviert gewesen.
4.3 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, es gebe auch Urteile
des Bundesverwaltungsgerichts mit vergleichbaren Sachverhalten wie im
vorliegenden Fall – mit durchlaufenem Rehabilitationsprogramm und gel-
tend gemachter Folter –, bei denen die Beschwerde abgewiesen worden
sei; insofern treffe eine entsprechende Kritik der fehlenden Vergleichbar-
keit nicht zu. Die auf Beschwerdeebene eingereichten Schreiben des Ar-
beitskollegen und von Verwandten seien aufgrund teilweiser inhaltlicher
Unstimmigkeiten untereinander und zwischen den Aussagen des Be-
schwerdeführers als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren, weshalb ihnen
kein Beweiswert zukomme.
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4.4 Hiergegen wendet der Beschwerdeführer in seiner Replik im Wesentli-
chen ein, er habe die Festnahme seines Freundes entgegen dem Vorhalt
der Vorinstanz richtig wiedergegeben. Sein Freund sei unmittelbar nach
dem Bombenanschlag von den Behörden befragt, über Nacht festgehalten
und am nächsten Tag wieder freigelassen worden. Anschliessend habe
dieser ihn gleich angerufen, um ihn zu warnen, woraufhin er sofort unter-
getaucht sei. Dass sein Freund danach, am Abend des gleichen Tages,
definitiv festgenommen und für 14 Tage in Haft geblieben und dabei gefol-
tert worden sei, habe er somit nicht wissen können. Dass sich die in den
eingereichten Schreiben getätigten Aussagen der jeweiligen Personen
nicht in sämtlichen Details decken würden, spreche entgegen der Auffas-
sung der Vorinstanz gerade für deren Glaubhaftigkeit. Es seien insgesamt
keine eklatanten Widersprüche auszumachen. Schliesslich sei unter Hin-
weis auf verschiedene Länderberichte auf die vermehrt unsichere Situation
in Sri-Lanka hinzuweisen, namentlich die Verschlechterung der Sicher-
heitslage gefährdeter Tamilen, weshalb die Lage in Sri Lanka neu zu über-
prüfen und die Praxis den aktualisierten Gegebenheiten anzupassen sei.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
5.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 AsylG). Glaubhaft gemacht ist die
Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbeson-
dere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in
sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massge-
blich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden
(Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an
das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dar-
gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden
(BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
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6.
6.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers
weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 3 AsylG noch an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG standzu-
halten vermögen. Es kann vorab auf die im Ergebnis zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen werden.
Der Auslöser für die Flucht des Beschwerdeführers soll der behauptete
Bombenanschlag auf ein Polizeifahrzeug in F._ gewesen sein, zu
dem er keinen Bezug hatte und in dessen Nachgang zahlreiche Personen
verhaftet worden seien, so auch sein Freund, welcher ihn telefonisch vor
einer drohenden Verfolgung gewarnt haben will. Ob sich der fragliche Vor-
fall tatsächlich in F._ abgespielt hat oder doch in C._, wie
die Vorinstanz vorbringt, sowie die Umstände der angeblichen telefoni-
schen Warnung, können an dieser Stelle offengelassen werden. Vielmehr
ist vorliegend entscheidend, ob gestützt auf diese Information und die kon-
kreten Umstände zum damaligen Zeitpunkt Anlass zur begründeten Furcht
vor einer Verfolgung bestanden hat. Dies ist nach Ansicht des Gerichts un-
ter Berücksichtigung der Akten und der Vorbringen zu verneinen. Die Aus-
führungen des Beschwerdeführers hierzu sind weitgehend unsubstantiiert
und insgesamt nicht nachvollziehbar. Er vermag namentlich nicht plausibel
darzulegen, inwiefern die Behörden unmittelbar nach dem besagten Bom-
benanschlag gerade ihn in Verbindung mit diesem Ereignis hätten bringen
sollen. Alleine die Tatsache, dass seine Telefonnummer – wie wohl auch
die Nummern vieler anderer Personen – auf dem Mobiltelefon seines
Freundes, eines angeblich Verdächtigen, gespeichert war, und hierdurch
den Behörden zur Kenntnis gelangt sein soll (vgl. SEM-Akten, A32/9-15,
F60; [...]-53/18, F49), genügt jedenfalls nicht für einen möglichen Verdacht.
Zunächst ist festzuhalten, dass die Begründetheit der Verfolgungsfurcht
nicht ohne weiteres aufgrund der erlittenen Haft und Rehabilitation in den
Jahren 2009 bis 2011 – welche dokumentiert und mit der Vorinstanz als
glaubhaft erachtet wird – anzunehmen ist, zumal diese Vorverfolgung im
Zeitpunkt der Ausreise bereits rund sechs Jahre zurücklag. Selbst wenn
die subjektive Furcht nicht verkannt wird, bestehen keine konkreten objek-
tiven Anhaltspunkte dafür. Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung zutreffend ausführte, erreichen die mit dem Abschluss der Rehabili-
tationshaft regelmässig einhergehenden Überwachungsmassnahmen in-
des in der Regel kein asylrelevantes Ausmass, so auch vorliegend. Der
Beschwerdeführer konnte nach seiner Entlassung zu seiner Frau zurück-
kehren und in den darauffolgenden Jahren dem Beruf als Maler nachgehen
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(vgl. SEM-Akten, A32/9-15, F60). Nach eigenen Angaben sei er zunächst
zirka dreimal und später jeweils einmal monatlich von den Sicherheitsbe-
hörden zuhause aufgesucht worden, ohne jedoch konkret befragt zu wer-
den und auch nie mitgenommen worden zu sein (vgl. SEM-Akten, A32/9-
15, F60; [...]-53/18, F49). Es ist sodann auch nicht ersichtlich und er hat
auch nicht geltend gemacht, nach der Rehabilitation Opfer von besonderen
Verfolgungsmassnahmen asylrelevanten Ausmasses geworden zu sein.
Bereits gestützt darauf ist es objektiv nicht nachvollziehbar, alleine auf-
grund eines telefonischen Hinweises eines Dritten über einen Bombenan-
schlag – ohne jeglichen Bezug zu seiner Person – und darauffolgende Ver-
haftungen von Personen, von einer Verfolgungsgefahr auszugehen. Im Üb-
rigen bestehen auch keine Anhaltspunkte und wird vom Beschwerdeführer
auch nicht vorgebracht, dass er im Nachgang des fraglichen Anschlags von
den Behörden konkret einer Teilnahme oder Gehilfenschaft am Anschlag
verdächtigt worden wäre. Dies wäre denn auch nicht nachvollziehbar, zu-
mal der Anschlag sich nach seinen Aussagen in F._ ereignet habe
und er zur gleichen Zeit in C._, rund 30 Kilometer entfernt gemein-
sam mit dem Bruder und einem weiteren Arbeitskollegen einem Malerauf-
trag nachging und somit über ein Alibi verfügte (vgl. SEM-Akten, A32/9-15,
F60).
Die Befürchtung einer drohenden Verhaftung lässt sich weiter auch nicht
aus seiner Vergangenheit als Rehabilitierter ableiten. Zu diesem Zeitpunkt
waren bereits rund sechs Jahre vergangen, seit er aus der Rehabilitations-
haft entlassen worden war, und er war letztlich auch nie für die LTTE aktiv,
weshalb davon auszugehen ist, dass er seither nicht besonders im Visier
der (Sicherheits-)Behörden gestanden hat, andernfalls ihm die Behörden
im Jahr 2015 wohl nicht legal einen Reisepass ausgestellt hätten. Mit die-
sem ist er denn auch legal über den Flughafen Colombo ausgereist, selbst
wenn dies unter Umständen mit Hilfe eines Schleppers erfolgt sein sollte.
Vor diesem Hintergrund erscheint es in Übereinstimmung mit der Vo-
rinstanz zweifelhaft, dass die (Sicherheits-)Behörden eine im Zeitpunkt der
Ausreise noch aktuelle Ausreisesperre gegen ihn verfügt haben, zumal
diese nach seinen Aussagen lediglich mündlich erfolgt sein soll (vgl. SEM-
Akten, [...]-53/18, F23–F26). Aus diesen Gründen musste der Beschwer-
deführer lebensnah nicht annehmen, dass die Behörden ihn nach dem
fraglichen Anschlag verdächtigen und sofort aufsuchen werden. Wäre dies
der Fall gewesen, so hätten die Behörden seinen Namen etwa unverzüg-
lich auf eine Stop-List gesetzt oder eine andere Massnahme ergriffen, wel-
che es ihm verunmöglicht hätte, rund zwei Wochen nach dem fraglichen
Bombenanschlag über den nationalen Flughafen – trotz angeblicher Be-
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stechung durch den Schlepper – aus Sri Lanka auszureisen. An dieser Auf-
fassung vermögen schliesslich auch die mit der Beschwerde eingereichten
Schreiben von Familienmitgliedern und einem Arbeitskollegen nichts zu
ändern. Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass diesen Gefälligkeitscha-
rakter und somit ein geringer Beweiswert zukommt, weshalb entgegen der
Ansicht in der Beschwerde kein Anlass besteht, im Rahmen der gerichtli-
chen Beweisführung mit bestimmten Verfassern der eingereichten Schrei-
ben Kontakt aufzunehmen und diese zu befragen. Der dahingehende An-
trag in der Beschwerde ist abzuweisen. Die entsprechenden Ausführungen
des Beschwerdeführers in der Replik vermögen nicht zu überzeugen. Dem-
gemäss ist das Vorliegen einer objektiven Furcht vor künftiger asylrelevan-
ter Verfolgung im Zeitpunkt der Ausreise zu verneinen.
6.2 Nach dem Gesagten erfüllte der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner
Ausreise die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es bleibt zu prüfen, ob ihm – wie
auf Beschwerdeebene geltend gemacht – im heutigen Zeitpunkt bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen.
Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesverwal-
tungsgericht eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri
Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der
Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien
(vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri-
sikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung
und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es
sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktu-
ellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exil-
politischen regimekritischen Handlungen und um Vorliegen früherer Ver-
haftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam-
menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE
(sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.1 – 8.4.3). Einem
gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen
ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach
Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog.
schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.4 und 8.4.5). Das
Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risiko-
faktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person
ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer
eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von
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Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zuge-
schrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatismus wie-
deraufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1).
An dieser Einschätzung vermag die aktuelle – zwar als volatil zu bezeich-
nende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungsge-
richt ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Ent-
wicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfin-
dung. Es gibt zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass
seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
6.3 Der Beschwerdeführer hat nach seiner ordentlichen Entlassung aus
der Haft und der anschliessenden Rehabilitation im Jahr 2011 bis Mai 2017
rund sechs Jahre in Sri Lanka gewohnt, in dieser Zeit seine Frau offiziell
geheiratet und mit dieser eine Familie mit zwei Kindern gegründet, ohne
dabei in asylrelevanter Weise behelligt worden zu sein. Ausserdem haben
ihm die Behörden im Jahr 2015 ohne Komplikationen einen Reisepass aus-
gestellt, mit welchem er schliesslich aus Sri Lanka ausreisen konnte. Dass
er nunmehr bei einer Wiedereinreise eine Verfolgung seitens der Behörden
zu befürchten hätte, selbst wenn er nach einer längeren Landesabwesen-
heit bei der Einreise befragt werden sollte, ist nicht ersichtlich. Auf Be-
schwerdeebene reichte er zwei Schreiben seiner Ehefrau ein, in welchen
sie schildert, die Sicherheitsbehörden würden immer noch nach ihm su-
chen und sie zu diesem Zweck regelmässig zuhause besuchen und in be-
drohlicher Weise befragen, letztmals am (...). Wie vorstehend festgestellt,
kommt den diversen eingereichten Schreiben Gefälligkeitscharakter und
damit ein geringer Beweiswert zu. Ausserdem erscheint es, wie oben auf-
gezeigt, nicht glaubhaft und nachvollziehbar, dass die Behörden gerade
den Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem fraglichen Bombenan-
schlag verdächtigt haben sollten. Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass
die Familie im Nachgang an das Ereignis und seiner Ausreise von den (Si-
cherheits-)Behörden mehrmals zuhause aufgesucht und nach dem Aufent-
haltsort des Beschwerdeführers befragt worden ist. Dabei dürfte es sich
jedoch um Überwachungsmassnahmen handeln, die nach Angaben des
Beschwerdeführers bereits vor dem Bombenanschlag stattgefunden hät-
ten und wie gezeigt praxisgemäss nicht ein asylrelevantes Ausmass errei-
chen. Aus den Akten sowie insbesondere den Schreiben der Ehefrau ist im
Übrigen nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht, dass die
Besuche beziehungsweise behaupteten Befragungen im Haus der Familie
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spezifisch im Zusammenhang mit einer konkreten Verdächtigung des Be-
schwerdeführers gestanden hätten. Ausserdem sind die behauptete Ver-
dächtigung und die angeblich konkreten Suchbemühungen seitens der Be-
hörden auch in keiner Weise dokumentiert, etwa durch einen Hafttitel, eine
Vorladung oder eine Anklageschrift, was angesichts des zeitlichen Faktors
– der Bombenanschlag liegt nunmehr über vier Jahre zurück – zumindest
zu erwarten gewesen wäre, sofern der Beschwerdeführer in seiner Heimat
wie behauptet tatsächlich irgendeiner Straftat beschuldigt sein sollte. Vor
diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass ihn die Behörden in
einem asylrelevanten Mass besonders im Visier hätten und ihn bei einer
Rückkehr im Zusammenhang mit dem besagten Bombenanschlag zur Re-
chenschaft ziehen würden. Schliesslich ist der Vollständigkeit halber fest-
zuhalten, dass der Beschwerdeführer sich in der Schweiz auch nie exilpo-
litisch oder regimekritisch betätigt hat und seine Person deshalb auch aus
diesem Grund nicht ein besonderes Interesse der sri-lankischen Behörden
auf sich gezogen haben dürfte.
Das Gesagte gilt sodann auch unter Berücksichtigung der schwach risiko-
begründenden Faktoren, indem der Beschwerdeführer längere Zeit in der
Schweiz geweilt hat, aus diesem Land zurückgeschafft würde und teilweise
über sichtbare Narben verfügt (Hand, Hinterkopf). Auch die politischen Ver-
änderungen seit November 2019 vermögen im vorliegenden Verfahren zu
keiner anderen Beurteilung zu führen. Dass seit dem Machtwechsel in Sri
Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus-
gesetzt wären, lässt sich – wie oben ausgeführt – nicht bestätigen.
6.4 Im Lichte der vorstehenden Erwägungen ist nicht davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem er-
höhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt wäre und ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu befürchten hätte. Die Vorinstanz hat dem-
gemäss zu Recht festgestellt, dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
füllt, und das Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es nicht darauf ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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Seite 13
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 FK).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung ausgeführt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung finde und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar seien. Da es dem Beschwerdeführer wie gesehen nicht
gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen, findet der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
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Nichtrückschiebung hier keine Anwendung. Eine Rückkehr des Beschwer-
deführers nach Sri Lanka ist demgemäss unter dem Aspekt von
Art. 5 AsylG rechtmässig.
Nachdem der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, bei einer Rückkehr
ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem
flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch
keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
8.2.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat-, oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-
der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies auch unter Berück-
sichtigung der aktuellen Ereignisse und Entwicklungen, welche das Bun-
desverwaltungsgericht aufmerksam verfolgt. Gestützt auf eine eingehende
Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka hat das Gericht fest-
gehalten, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz zumutbar ist,
wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (namentlich
das Bestehen eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnet-
zes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsitua-
tion) bejaht werden kann (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 13.3.3). An dieser Einschätzung hat sich bis zum heutigen Zeit-
punkt nichts geändert (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-4546/2017 vom
18. Mai 2021 E. 10.4.2). Daran ändern auch die auf Beschwerdeebene
eingereichten Berichte über die allgemeine (Sicherheits-)Lage in Sri Lanka
nichts.
Es liegen auch keine individuellen Wegweisungsvollzugshindernisse vor.
Der Beschwerdeführer verfügt über Schulbildung und Arbeitserfahrung vor
Ort. Ausserdem leben seine Eltern und Geschwister sowie die Ehefrau und
die beiden Kinder weiterhin in Sri Lanka, weshalb er auf ein tragfähiges
Beziehungsnetz zurückgreifen kann. Er ist in Sri Lanka geboren, hat sein
ganzes Leben dort verbracht und ist erst mit (...) Jahren ausgereist. Wenn
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er nunmehr eine längere Zeit im Ausland verbracht hat, ist aufgrund der
Umstände davon auszugehen, dass ihm die soziale und wirtschaftliche
Reintegration im Heimatland gelingen wird.
In Bezug auf seine gesundheitliche Situation kann zwecks Vermeidung von
Wiederholungen zunächst auf die zutreffenden Ausführungen in der ange-
fochtenen Verfügung verwiesen werden. Die medizinische Situation des
Beschwerdeführers wurde in der Schweiz mehrmals vertieft untersucht.
Nach Ansicht des Gerichts ist der medizinische Sachverhalt aufgrund der
Aktenlage hinreichend erstellt. Gemäss dem ärztlichen Bericht vom
16. Februar 2018 wurde ihm eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert, jedoch
leide er unter einer mittelschweren depressiven Episode, welche eine psy-
chiatrische Begleitung und die Einnahme eines entsprechenden Medika-
ments notwendig macht. Ein (...) ([...]) wurde bereits vor Jahren in Sri
Lanka ärztlich operiert und fachgemäss verschlossen. Die Vorinstanz ist
zum zutreffenden Ergebnis gelangt, dass die Behandlung seiner psychi-
schen Leiden auch in Sri Lanka angemessen erfolgen kann. Sri Lanka ver-
fügt über ein relativ gut funktionierendes Gesundheitssystem und die be-
nötigten Medikamente zur Behandlung psychischer Probleme sind verfüg-
bar. Im Distrikt E._ bestehen mehrere staatliche Institutionen, wel-
che grundsätzlich vom Staat bezahlte, ambulante psychiatrische Gesund-
heitsversorgung anbieten (Ministry of Health, Nutrition and Indigenous Me-
dicine Sri Lanka, Annual Health Bulletin 2014, published in 2016,
<http://www.health.gov.lk/moh_final/english/public/elfinder/files/publica-
tions/AHB/AHB2014.pdf >, abgerufen am 07.09.2021; vgl. ausführlich zum
Ganzen Urteil des BVGer E-7137/2018 vom 23. Januar 2019, E. 12.3
m.w.H.). Die psychischen Probleme des Beschwerdeführers stellen keine
Wegweisungsvollzugshindernisse dar und seine gesundheitliche Situation
insgesamt ist nicht als medizinische Notlage einzustufen. Es ist nicht davon
auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka zu einer raschen
und lebensgefährdeten Beeinträchtigung seines Gesundheitszustands
führen würden. Auf Beschwerdeebene wird denn auch nicht substantiiert
geltend gemacht, dass die gesundheitliche Situation des Beschwerdefüh-
rers eine Rückführung nicht erlauben oder dass es an geeigneten Behand-
lungsmöglichkeiten in Sri Lanka fehlen würde. Soweit er in der Beschwerde
in Frage stellt, ob er einer Rückführung psychisch gewachsen wäre, ist da-
rauf hinzuweisen, dass ihm die Möglichkeit einer medizinischen Rückkehr-
hilfe offensteht, um damit in einer ersten Phase die Behandlungskosten in
der Heimat zu bezahlen. Nach dem Gesagten erachtet es das Gericht nicht
als erforderlich, einen aktuellen Bericht des behandelnden Psychiaters ein-
zuholen, wie in der Beschwerde beantragt, zumal der Beschwerdeführer
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seit Beschwerdeeingang auch nichts mehr zu seinem psychischen Zu-
stand und eine allfällige Verschlechterung desselben ausführt. Der ent-
sprechende Antrag ist abzuweisen.
Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten demnach
sowohl in genereller wie auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
8.2.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung weiterhin auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.2.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs.1 VwVG). Nachdem jedoch das
mit Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit
Zwischenverfügung vom 13. September 2018 gutgeheissen worden ist,
und den Akten nicht zu entnehmen ist, dass sich seine finanzielle Lage
seither entscheidwesentlich geändert hätte, werden keine Verfahrenskos-
ten erhoben.
10.2 Mit derselben Zwischenverfügung hiess der Instruktionsrichter auch
das Gesuch um amtliche Verbeiständung gut und bestellte den rubrizierten
Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand. Die Festsetzung des amtli-
chen Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). Mit letztmaliger
Eingabe vom 18. März 2019 reichte der amtliche Rechtsbeistand eine als
provisorisch bezeichnete Kostennote ein. Da seither keine weiteren Einga-
ben erfolgten und auch keine sonstigen Aufwendungen ersichtlich sind,
wird diese Kostennote als Grundlage für die Berechnung des Honorars
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herangezogen. Darin wird ein Aufwand von 11.5 Stunden (insbesondere
für das Verfassen der Beschwerde und Replik sowie Instruktionsgesprä-
che) sowie Auslagen von Fr. 234.20 ausgewiesen, was angemessen er-
scheint. Der Stundenansatz bewegt sich im Rahmen der vom Gericht fest-
gelegten Praxis bei amtlicher Vertretung. Dem amtlichen Rechtsbeistand
ist demgemäss zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von
insgesamt 2'715.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) zuzuspre-
chen.
(Dispositiv nächste Seite)
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