Decision ID: ecb12614-21fa-50f8-8749-3356fb8b3822
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954,
ist gelernter
Dekorateur und war zuletzt von Juni
2011 bis August 2015 bei der
A._
auf Abruf
als Orches
tertechniker
angestellt. Ausserdem ging er einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach, im Rahmen derer er Möbel entwarf und herstellte (
Urk.
7/1 ff., 7/7, 7/10, 7/12 f. und 7/16
). Am
1
2.
April 2016 meldete er sich bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte in der Folge nebst Auszügen aus dem indivi
duellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
7/1 ff., 7/10 und 7/13)
insbesondere einen Arbeitgeberfragebogen (
Urk.
7/16) sowie diverse Arztberichte (
Urk.
7/6 und 7/24/2 ff.) ein. Mit Schreiben vom 1
4.
Oktober 2016 teilte sie dem Versicherten mit, dass
keine beruflichen Massnahmen angezeigt seien (
Urk.
7/26). Nach Ein
gang einer Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom
7.
November 2016 (
Urk.
7/27/3 ff.)
stellte die IV-Stelle dem Versicherten
sodann
mit Vorbescheid vom 2
4.
November 2016 die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht (
Urk.
7/28).
Dieser erhob in der Folge am
3.
Januar 2017 (
Urk.
7/30) und ergänzend am 2
4.
Februar 2017 Einwand (
Urk.
7/40)
. Am
7.
März 2017 verfügte die IV-Stelle
indes
im angekündigten Sinne (
Urk.
7/44 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am
6.
April 2017 Beschwerde
(
Urk.
1) mit dem
Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter seien medizinische Abklärungen anzuordnen, um den Leistungsanspruch zu bestimmen. Ausserdem ersuchte der Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Mai 2017 (
Urk.
6) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde, worüber der Versicherte mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2017 (
Urk.
8) in Kenntnis gesetzt wurde. Gleichzeitig wurde dessen Gesuch um unentgeltliche Prozessführung bewilligt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
7.
März 2017 (
Urk.
2) stellte sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, der Versicherte sei aus versiche
rungsmedizinischer Sicht sowohl in seiner bisherigen als auch in einer ange
passten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig
. Die Zusprechung von Leistungen der Invalidenversicherung sei daher nicht möglich
, zumal
der Beschwerdeführer im
Vorbescheidverfahren
keine neuen medizinischen Tatsachen vorgebracht
habe
.
2.2
Demgegenüber vertrat der Versicherte in seiner Beschwerdeschrift vom
6.
April 2017 (
Urk.
1) im Wesentlichen die Auffassung,
er leide an diversen physischen Beeinträchtigungen
wie unter anderem Hepatitis C
sowie an starken Depressio
nen. Seine gesundheitliche Situation habe sich seit 2014 massiv verschlechtert und er sei seither in seiner Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt (S. 3).
Es habe
weder eine RAD-Untersuchung noch eine Begutachtung stattgefunden, obwohl die behandelnden Ärzte diverse Diagnosen gestellt hätten, die gesamthaft betrachtet eine Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Der Sachverhalt sei daher nicht genügend abgeklärt worden (S. 7).
Er
könne bei bestem Willen nicht mehr in einem Pensum arbeiten, welches zur Bestreitung seines Lebensunterhalts notwendig wäre. Er sei über 60 Jahre alt, seine Energiereserven seien erschöpft und er habe sich sozial völlig zurückgezogen. Wenn überhaupt sei ihm nur noch ein sehr kleine
s
Arbeitspensum zumutbar
(S. 8).
2.3
Unter Bezugnahme auf die seitens des Versicherten im Beschwerdeverfahren eingereichten ärztlichen Unterlagen führte die IV-Stelle in ihrer Beschwerde
antwort vom 2
3.
Mai 2017 (
Urk.
6)
ergänzend
an, dass psychische Störungen nur dann als invalidisierend gelten würden, wenn sie schwer und erwiesener
massen therapieresistent seien.
Hiervon könne für die Zeit vor Erlass der Verfü
gung vom
7.
März 2017 nicht ausgegangen werden, da die Behandlung des psychischen Leidens erst im Anschluss daran aufgenommen worden sei.
3.
3.1
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers lässt sich anhand der Aktenlage im Wesentlichen wie folgt darstellen:
Vom 2
4.
Juni bis
3.
Juli 2014 war der Versicherte
zur stationären Abklärung wegen dunklen Durchfalls
im
B._
, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, hospitalisiert. Dem Bericht vom 1
0.
Juli 2014 sind namentlich die folgenden Diagnosen zu entnehmen (
Urk.
7/6/1):
-
Reizdarmsyndrom seit 2013,
-
Gastro-Oesophageale
Refluxkrankheit
,
-
Unklare Raumforderung in der Harnblase,
-
Bulbäre
Urethrastriktur
,
-
Prostatahyperplasie,
-
Einfache kortikale Nierenzysten links,
-
Chronische Hepatitis C (Erstdiagnose 1990),
-
COPD mit Lungenemphysem mittelschweren Grades,
-
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts,
-
Depression,
-
Penicillin-Allergie.
Der Stuhlgang habe sich nach Absetzen von
Ciproxin
zur Behandlung eines Harnwegsinfektes vollständig normalisiert (
Urk.
7/6/2). In mikrobiologischer Hinsicht konnten keine Auffälligkeiten eruiert werden (
Urk.
7/6/9 f.).
3.2
Anlässlich
einer ambulanten Untersuchung vom
6.
Oktober 2014 in der Klinik für Urologie des
B._
wurde - unter Berücksichtigung der Ergebnisse einer Computertomographie vom 2
9.
September 2014 - zusätzlich ein
Angiomyolipom
im
Oberpol
der rechten Niere diagnostiziert (
Urk.
7/6/11).
Im Rahmen weitere
r
computertomographische
r
Untersuchungen
vom
7.
April 2015
und 1
0.
Juni 2016
konnten in Bezug auf das
Angiomyolipom
sowie die Nierenzysten keine Grössenveränderungen festgestellt werden (
Urk.
7/6/13 f.
und 7/24/12
).
3.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Arbeitsmedizin, attestierte am 1
2.
April 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Mai 201
6.
Der Versicherte sei auch schon vorgängig in seiner Arbeits
kapazität wesentlich eingeschränkt gewesen. Die bereits seit längerer Zeit indi
zierte Anmeldung bei der Invalidenversicherung sei mittlerweile unumgänglich (
Urk.
7/6/18).
In seinem Bericht vom
8.
Oktober 2016 führte
Dr.
C._
sodann aus, der Allgemeinzustand des Beschwerdeführers reduziere sich zusehends
, und
er leide
zudem
an
eine
r
konstante
n
Müdigkeit
. Während der gesamten Beobachtungszeit seien
ferner
zu tiefe Blutdruckwerte feststellbar gewesen. Aufgrund der verminderten physischen Belastbarkeit sei er als Orchestertech
niker seit Juli 2015 bis auf weiteres zu 75
%
arbeitsunfähig. Einer angepassten Tätigkeit könne der handwerklich erfahrene und vielseitig begabte Versicherte in einem Teilzeitpensum nachgehen (
Urk.
7/24/3 f.).
3.4
RAD-Ärztin
d
ipl.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medi
zin sowie Präve
ntion und Gesundheitswesen,
vertrat in ihrer Stellung
nahme vom
7.
November 2016 die Auffassung, keine der bekannten Diagnosen wirke sich dauerhaft auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten aus. Eine leichte körperliche und wechselbelastende Tätigkeit sei seit jeher ohne Einschränkun
gen möglich. Den Unterlagen könne entnommen werden, dass sich aus urolo
gischer Sicht keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen lasse. Hin
sichtlich der Gastroenterologie fehle es an Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit. Die festgestellten Symptome seien jedoch behandelbar, weshalb auch in diesem Kontext nicht auf eine Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden könne. Eine Depression werde weder beschrieben noch sei diese fachärztlich belegt. Eine Behandlung
sei
ebenfalls nicht
erfolgt
, was auch für die diagnostizierte Peri
arthritis
humeroscapularis
gelte. Die COPD werde im Übrigen in den Arzt
berichten als seit vielen Jahren stabil beschrieben.
Aus versicherungsmedizi
nischer Sicht könne in Anbetracht dieser Umstände nicht nachvollzogen wer
den, weshalb der Versicherte in seiner angestammten oder in einer angepassten Tätigkeit nicht mehr arbeiten könne (
Urk.
7/27/3 ff.).
3.5
Dem im Beschwerdeverfahren eingegangenen Bericht von
lic
. phil.
E._
, Fachpsychologe für Psychotherapie, und
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
3.
April 2017 sind folgende Diagnosen zu entnehmen:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (ICD-10 F33.2)
,
-
Erschöpfungsdepression (ICD-10 F32.9)
.
Der Beschwerdeführer befinde sich seit dem
8.
März 2017 in psychiatrisch-psy
chotherapeutischer Behandlung mit einer Einzelsitzung pro Woche. Die depres
sive Störung schweren Grades
äussere sich durch ein starkes Gefühl, sich zu viele Sorgen machen zu müssen, eine ausgeprägte Hoffnungslosigkeit ange
sichts der Zukunft, sehr starke Schuldgefühle
, eine ausg
eprägt gedrückte Stim
mung, eine
Verminderung der Interessen und
der
Freude, ziemliche Energielo
sig
keit und Selbstvorwürfe, starke
Ein
schlafschwierigkeiten und frühes
Erwachen am Morgen, eine starke Tendenz zum Weinen sowie dem Gefühl, das
s
alles sehr anstrengend sei. Der Versicherte habe berichtet, bereits in seiner Kindheit depressive Symptome gehabt zu haben, welche sich phasenweise bis heute durch sein ganzes Leben gezogen hätten. Aufgrund der genannten Symptome habe er sich sozial isoliert und gehe nur noch aus seiner Wohnung, wenn er wirklich müsse. Eine Tätigkeit im angestammten Beruf als Orchester
techniker sei dem Beschwerdeführer aufgrund der depressiven Symptomatik nicht
mehr
zumutbar (zum Ganzen
Urk.
3/4).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist strittig, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat
.
Die IV-Stelle stützte sich bei ihrer leis
tungsabweisenden Verfügung vom
7.
März 2017 (
Urk.
2) im Wesentlichen auf die Stellungnahme der RAD-Ärztin
dipl.
med.
D._
vom
7.
November 2016 (vgl. E. 3.4). Der Beschwerdeführer rügt allerdings
, der medizinische Sachverhalt
sei
ungenügend abgeklärt worden
.
(vgl. E. 2.1 ff.).
4.2
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setzun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungs
fähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fach
lichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Ver
sicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungser
gebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach
eigener Untersuchung im Sinne von
Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengut
achten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärzt
liches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.
3
4.
3
.1
Dipl. med.
D._
nahm eine Würdigung des medizinischen Sachverhalts vor, ohne den Beschwerdeführer selbst zu untersuchen.
Dies ist
grundsätzlich
nicht zu beanstanden,
sofern es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht,
da
die direkte ärztliche Auseinan
dersetzung mit dem Explo
randen
in solchen Fällen
in den Hintergrund rückt
(Urteile des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 1
4.
Juli 2009 E. 4.3.1
und 9C_73/2014 vom
9.
April 2014 E. 4.2).
Vorliegend mag dies in Bezug auf die vorwiegend der Gastroenterologie
und
Urologie
zuzuordnenden Diagnosen
zutreffen
, da in diesem Zusammenhang
in regelmässige
n
Abst
änden
computer
tomographische
Untersuchungen
durchgeführt
und
die Diagnosen
ausserdem
mehrfach
seitens
verschiedener behandelnder Ärzte
bestätigt wurden (vgl. E.
3.1
f.
).
Anders verhält es sich indes
namentlich in Bezug auf die konkreten Auswir
kungen der ebenfalls festgestellten COPD
sowie der Hepatitis C-
Erkrankung.
Allein
in Anbetracht des
Umstand
s
, dass Erstere in den Arztberichten seit meh
reren Jahren als sta
bil bezeichnet wu
rd
e
(
Urk.
7/6/1 und 7/6/11)
,
ist
nicht leichthin
darauf
zu
schliessen, dass sie die Leistungsfähigkeit des Versicherten nicht beeinträchtigt, zumal dies
e Erkrankung typischerweise mit Atem
-
losigkeit
und verminderter körperlicher Belastbarkeit einhergeht
(vgl.
h
ttps://www.lungen
liga.ch/de/krank
heiten-ihre-folgen/copd/symptome.html
,
z
u
letzt
besucht am
6.
Dezember 2017)
.
Des Weiteren fällt auf, dass sich
dipl.
med.
D._
nicht
mit den Symptomen der
chronischen
Hepatitis C
und deren allfälligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auseinandergesetzt
, sondern lediglich die Diagnose auf
ge
führt
hat
(
Urk.
7/27/4).
Diesbezüglich ist zum einen festzuhalten, dass
in
den Akten keine Berichte der behandelnden Ärzte
- insbesondere der
G._
(vgl.
Urk.
7/27/2) -
enthalten
sind, obwohl sich der Beschwerdeführer
regelmässigen
Kontrolle
n zu unterziehen hat
(
Urk.
1 S. 8).
Insofern
erfolgte die
Beurteilung des RAD nicht
in Kenntnis
der
vollstän
digen
Vorakten
. Zum anderen weist der Versicherte in seiner Beschwerdeschrift wiederholt auf seine ständige Müdigkeit respektive die erschöpften Energiere
serven hin (
Urk.
1 S. 5 ff.), wobei ein Zusammenhang zur Hepatitis C nicht
unwahrscheinlich ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts I 430/02 vom 1
9.
November 2003 E. 5).
Ungeklärt bleibt sodann, ob die Müdigkeit allenfalls durch die depressive Erkrankung (mit)verursacht wird und damit psychischer Natur ist (vgl. hierzu
Urk.
3/4).
4.3.2
Im Weiteren ist festzuhalten, dass auch die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
dipl.
med.
D._
,
welche die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung übernommen hat (
Urk.
2 S. 1),
nicht
überzeugt. Nachvollziehbar ist
zwar, dass sich aus urologischer Sicht keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen lässt, zumal eine solche auch von den Ärzten des
B._
nicht attestiert worden ist (vgl.
Urk.
7/6/2, 7/6/12 und 7/27/2).
Als nicht widerspruchsfrei erweist sich indes die Stellungnahme zur Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit des Versicherten als Orchestertechniker.
So wurde zunächst festgehalten, dass der Versicherte in dieser Hinsicht unter anderem durch seinen reduzierten Allgemeinzustand und die zunehmende Müdigkeit eingeschränkt sei. Schliesslich wurde allerdings der Schluss gezogen, dass kein Gesundheitsschaden vorliege, welcher die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit längerfristig beeinträchtige (
Urk.
7/27/4 f.). Es verhält sich allerdings so, dass die Arbeit als Orchestertechniker mit Blick auf die Angaben des Arbeitgebers im Fragebogen vom 1
6.
Juni 2016 keineswegs als leichte körperliche Tätigkeit
im Sinne des von
dipl.
med.
D._
genannten individuellen Belastungsprofils (
Urk.
7/27/4)
eingestuft werden kann
. Der Beschwerdeführer hatte oftmals unter grossem Zeitdruck mittelschwere Lasten von zehn bis 25 Kilogramm zu heben oder zu tragen. Die auszuführende Arbeit erforderte nebst einer sehr guten körperlichen Konstitution
insbesondere auch
ein hohes Mass an Konzentration und Pflichtbewusstsein (
Urk.
7/16/3 und 7/16/8 f.).
Betreffend die vom Versicherten über viele Jahre ausgeübte selbstän
dige Erwerbstätigkeit als Möbeldesigner respektive -hersteller
(vgl.
Urk.
7/12/1)
liegt
ebenfalls
nahe
, dass es sich hierbei nicht
bloss
um eine leichte körperliche Tätigkeit gehandelt hat.
Angesichts all dieser Gegebenheiten
leuchtet nicht ein, weshalb die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit aus versicherungs
medizinischer Sicht in keiner Weise eingeschränkt sein soll.
Selbiges gilt
sodann
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Bezug auf beh
inderungsangepasste Tätigkeiten. Auch in diesem Kontext bestehen zumindest geringe Zweifel daran, ob die von
dipl.
med.
D._
festgestellten Beeinträchtigungen - reduzierter Allgemeinzustand, zunehmende Müdigkeit und verminderte physische Belast
barkeit (vgl.
Urk.
7/27/4) - nicht auch die Leistungsfähigkeit bei körperlich leichte
n
, wechselbelastenden Tätigkeiten negativ beeinflussen.
4.3.3
Nach dem Gesagten
kann
also
festgehalten werden, dass
die Stellungnahme von
dipl.
med.
D._
vom
7.
November 2016 die allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen
RAD-
Bericht
nicht
erfüllt
, da
in mehrfacher Hinsicht
zumindest geringe Zweifel an
deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit nicht auszuräumen sind.
Auf die Beurteilung kann folglich i
n Nachachtung der stren
gen bundesgerichtlichen Praxis (vgl. E. 4.2) nicht abgestellt werden.
4.3.4
Entgegen dem Hauptantrag des Beschwerdeführers rechtfertigt sich allerdings gestützt auf die zum jetzigen Zeitpunkt
bestehende
Aktenlage keine Zuspre
chung einer Invalidenrente.
Namentlich kann
nicht ohne weiteres auf die
Ein
schätzungen
der behandelnden Ärzte abgestellt werden.
So
attestierten
lic
. phil.
E._
und
Dr.
F._
einzig
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf die angestammte Tätigkeit (vgl. E. 3.5).
Unklar bleibt, wie es sich hinsichtlich einer angepassten Tätigkeit verhält und von welchem Belastungsprofil aus psychiat
rischer Sicht auszugehen ist. Ohnehin ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
Dies gilt insbesondere auch für die Einschätzung von
Dr.
C._
, welcher davon ausging
,
dass der Versicherte einer angepassten Tätigkeit
nur in einem Teilzeitpensum nachgehen könne (vgl. E. 3.3).
4.3.5
W
ie vom Versicherten eventualiter beantragt
,
besteht
Anlass
für zusätzliche medizinische
Abklärungen
, da die Beantwortung der
entscheidwesentlichen
Tat
fragen wie namentlich Gesundheits
zustand und Arbeitsfähigkeit
nur auf einer
vollständige
n
Beweisgrundlage
möglich ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_953/2
010 vom 2
9.
April 2011 E. 5.1
).
Angesichts des geltenden Unter
suchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) wäre die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, für die Zusammentragung dieses Beweismaterials besorgt zu sein
, was sie jedoch
zu Unrecht unterlassen
und nun nachzuholen
hat
.
Hierbei drängt sich i
n Anbetracht der multiplen Erkrankungen des Beschwerdeführers, welche sowohl physischer als auch psychischer Natur sind, eine polydisziplinäre Begutachtung auf
.
4.4
Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass sich die Aktenlage für ein
e abschlies
sende Beurteilung der
gesundheitlichen Situation sowie der (allfälligen) Invali
dität des Beschwerdeführers als unzulänglich erweist.
Die angefochtene Verfü
gung vom
7.
März 2017 (
Urk.
2)
ist demnach aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der obigen Erwägungen an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.--
anzusetzen. Die Kosten sind der
u
nterliegenden Beschwerde
gegne
r
in
aufzuerlegen
.