Decision ID: 83301ad1-7764-4193-b822-4688bd55df06
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1958 geborene X._ war jahrelang in der Textil
branche tätig. Nach dem Verlust der entsprechenden Arbeitsstelle und an
schliessender Arbeitslosigkeit (Urk. 9/11) begann er ab 8. Mai 2013 als Hilfsar
beiter auf dem Bau für die Y._ zu arbeiten. Infolge starker Rückenschmerzen mit anschliessender Krankschreibung und Kündigung (Urk. 9/9) - letzter effektiver Arbeitstag war der 21. Oktober 2013 (Urk. 9/12) – meldete er sich am 14. April 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 9/4). Nach medizinischen und beruflich-erwerblichen Ab
klärungen sowie Durchführung des Vorbescheidverfahrens (Urk. 9/33, Urk. 9/40) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 20. Mai 2016 (Urk. 2) einen Anspruch des Versi
cherten auf eine Invalidenrente. Dabei stützte sie sich insbesondere auf die Ak
tenbeurteilung ihres regionalen ärztlichen Dienstes (RAD; Stellungnahmen vom 23. Januar 2014 [Urk. 9/32/6] und 26. April 2016 [Urk. 9/45/2 und 3]).
2.
Hiergegen erhob X._ am 9. Juni 2016 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung vom 20. Mai 2016 sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente auszurichten, sowie eventualiter ein polydisziplinäres Gutachten anzuordnen (Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Juli 2016 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 28. Juli 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. Allerdings sind in solchen Fällen an die Beweiswürdi
gung strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur gerin
gen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinter
nen ärztlichen Feststellungen eine versicherungsexterne Begutachtung anzu
ordnen ist (BGE 139 V 225 E.
5.2,
135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt gestützt auf die Einschätzung ihres RAD im Wesent
lichen dafür, da keine Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit doku
mentiert sei, sei versicherungsmedizinisch-theoretisch eine 100%ige Arbeitsfä
higkeit in angepasster Tätigkeit anzunehmen (Urk. 9/45/3, Urk. 2, Urk. 8).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer zusammengefasst auf den Stand
punkt, es seien die Ansichten der Fachärzte beweisrechtlich entscheidend und nicht die Aktenbeurteilung des RAD-Arztes, der zudem keinen spezialärztli
chen Titel in der zu beurteilenden Disziplin aufweise. Die behandelnden Fach
ärzte attestierten eine volle Arbeitsunfähigkeit. Sollte das Gericht Zweifel an dieser Beurteilung haben oder diese als nicht umfassend und abschliessend ge
nug erachten, so sei das beantragte polydisziplinäre Gutachten einzuholen und die Erwerbsfähigkeit und mit ihr die Invalidität auf dessen Basis festzulegen (Urk. 1, Urk. 6).
3.
3.1
Dr. med. Z._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, berichtete am 21. Mai 2014 (Urk. 9/13) zuhanden der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer sei bei ihm seit Oktober 2005 in Behandlung. Seit 2013 liege ein lumbospondylo
genes Schmerzsyndrom mit Verdacht auf eine radikuläre Komponente L5 links bei Segmentdegeneration L4/L5, ein chronifiziertes Schmerzsyndrom sowie eine Depression vor. Eine stationäre Therapie auf der Rheumatologie des A._ stehe bevor. Momentan sei keine Arbeitstätigkeit möglich. Die Frage, ob mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne, beant
wortete er mit nein, zum jetzigen Zeitpunkt nicht, und fügte an, „evtl. neue Er
kenntnisse nach stationärer Behandlung“ (Urk. 9/13/3).
3.2
Seinem Bericht an die IV-Stelle legte er u.a. die folgenden weiteren Unterlagen bei:
Dr. med. B._, FMH Neurochirurgie, von der Schmerzklinik des C._, stellte im Schreiben vom 20. November 2013 (Urk. 9/13/5) die Diagnose lumboradikuläres L5-Syndrom links bei bekannter Diskusprotrusion LWK4/5 links.
Das am 10. Januar 2014 im D._ durchgeführte MRT (Urk. 9/13/10) ergab minimal progrediente intraforaminale Diskusprotrusi
onen auf Höhe L3/L4 und L4/L5 links mit leicht progredienten, aktuell mässigen Foraminalstenosen mit Tangierung der Wurzel L3 und L4 intraforaminal links; keine Wurzelkompressionen.
Dr. med. E._, Facharzt für Neurochirurgie FMH, akkreditierter Belegarzt an der F._ stellte mit Bericht vom 27. März 2014 (zu Händen von Dr. B._, der den Versicherten an ihn überwiesen hatte; Urk. 9/13/8-9), die Diagnose eines lumbospondylogenen Schmerzsyndroms mit möglicher radikulärer Komponente am ehesten L5 linksseitig bei beginnender Segmentdegeneration L4/5 mit Diskopathie, Höhenminderung des Bandschei
benfachs, breitbasiger Bandscheibenprotrusion mit möglicher rezessaler Kom
pression der Nervenwurzel L5 links. Dazu führte er aus, dass der Patient seit etwa drei Jahren an fluktuierenden Rückenschmerzen leide. Vor etwa zwei Jahren habe der Patient, der bisher in der Textilbranche tätig gewesen sei, den Beruf wechseln müssen und sei seither im Baugewerbe tätig. Unter der ver
mehrten körperlichen Anstrengung mit dem Heben auch schwerer Lasten sei es zur deutlichen Zunahme der Beschwerden gekommen; aus diesem Grund sei der Patient seit Oktober 2013 100 % arbeitsunfähig. Unter „Beurteilung und Proze
dere“ erwähnte er, dass bisher noch keine längerdauernden physiotherapeuti
schen Massnahmen durchgeführt worden seien. Der Patient möchte auch unbe
dingt einen operativen Eingriff vermeiden. Er empfehle daher die Fortführung der Physiotherapie für mindestens drei Monate, und für mindestens weitere vier Wochen sollte der Patient auch zu 100 % krankgeschrieben werden. Auf längere Sicht sei sicher ein Arbeitswechsel anzustreben.
3.3
Seit dem 22. November 2013 ist der Beschwerdeführer in psychiatrischer Behand
lung bei med. pract. G._ welcher - mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – die Diagnose einer schweren depressiven Episode (ICD-10 F33.2) stellte (Bericht vom 3. Dezember 2014, Urk. 9/19/1-3). Anamnestisch be
stünden seit einem Jahr chronische Schmerzen aufgrund einer degenerativen Erkrankung der Wirbelsäule, welche Druck auf die austretenden Nerven ausübe. Diese Schmerzen träten im Stehen, Sitzen und Liegen auf. Nach Angaben der Chirurgen sei der Befund inoperabel, Physiotherapie und Infiltration hätten in nur kurzfristiger Linderung resultiert. Als ärztlichen Befund hielt er fest: „56-jähriger Mann, schlank, gepflegt. Wach, allseits orientiert. Ansonsten keine psy
chiatrischen Auffälligkeiten. Affektiv: Herr X._ ist zutiefst verzweifelt, da er sein ganzes Leben hart gearbeitet hat und in der Arbeit seine Lebensaufgabe sieht. Untätig sein zu müssen, betrübt ihn zutiefst. Er zieht sich deprimiert zu
rück, hat immer wieder einmal Wutausbrüche und ist latent suizidal.“ Es be
stehe keine Hoffnung auf Heilung seiner somatischen Beschwerden. Eine leichte Beschäftigung, bei welcher er immer wieder seine Position ändern könnte, täte ihm gut. Im bisherigen Beruf besteht gemäss med. pract. G._ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, eine (behinderungsangepasste) Tätigkeit in einer behinder
tengerechten Einrichtung hielt er aber für möglich; in welchem zeitlichen Um
fang liess er offen.
3.4
RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie, führte in seiner Stellung
nahme vom 23. Januar 2014 (Urk. 9/32/3) als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Lumboischialgie ohne neurologische Ausfälle auf, und - als solche ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit - eine Anpassungsstörung bei psychosozialer Belastungssituation. Er fügte an, med. pract. G._, Psychiater, attestiere eine schwere depressive Epi
sode. Die mitgeteilten Befunde liessen diese nicht als wahrscheinlich erscheinen, denn im Vordergrund stehe eine psychosoziale Belastungssituation. Zu den Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter hielt er fest, aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe bei Erkrankungen der Len
denwirbelsäule eine verminderte Belastbarkeit für regelmässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten mit Überstreckbelastung der Wirbelsäule über Kopf- und Schulterhöhe, auf Leitern und Gerüsten, für ausschliesslich stehende Tätigkeiten, für häufiges Bücken und Arbeiten in vorgeneigter Körperposition sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen. Unter „Belastungsprofil“ erwähnte er, dass leichte (ange
passte) Tätigkeiten in Wechselbelastung unter Ausschluss ungünstiger Witte
rungsbedingungen, auch mit gelegentlichem Heben, Tragen und Transportieren von Lasten bis max. 10 kg körpernah, ohne Verharren in Zwangshaltungen me
dizinisch-theoretisch zumutbar seien. Die Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter legte er auf 100 % seit November 2013 fest; für ange
passte Tätigkeiten gemäss Belastungsprofil sei eine Arbeitsunfähigkeit nicht ausgewiesen.
3.5
Im Vorbescheidverfahren reichte der Beschwerdeführer einen Bericht der Dres. I._ (Chefarzt) und J._ (Oberärztin i.V.), Klinik für Rheumatologie am A._, vom 20. Februar 2015 (Urk. 9/39) über die ambulante rheumatologische Untersuchung vom 27. Juni bis 24. Oktober 2014 ins Recht. Als Diagnosen werden darin aufgeführt:
1.
Chronisches lumbospondylogenes und lumboradikuläres Schmerzsyndrom L4 links
-
MRI LWS 10.01.2014: Intraforaminale Diskusprotrusion auf Höhe L3/4 und L4/5 links mit mässiger Foraminalstenose mit Tangierung der Wurzeln L3 und L4 intraforaminal links
-
Röntgen LWS 06/2014: Linkskonvexe Skoliose. Diskrete ventrale Spon
dylose LWK3, 4 und 5
2.
Verdacht auf depressive Episode
3.
Vitamin D-Mangel
-
substituiert
Weiter wird erwähnt, dass der Patient mit stark lumbalbetonten Schmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein vorgestellt worden sei. Als morphologisches Korre
lat für die beschriebenen Beschwerden sei eine Diskusprotrusion auf Höhe L3/4 und L4/5 links mit mässiger Foraminalstenose und Tangierung der Wurzeln L3 und L4 links MR-tomografisch nachgewiesen. Der Patient habe analgetische Therapie sowie intensive Physiotherapie erhalten, womit eine deutliche Be
schwerdebesserung habe erzielt werden können. Er sei hinsichtlich weiterer therapeutischer Optionen, insbesondere der Infiltration und der Neurochirurgie beraten worden. Vorläufig komme kein Ausbau der Therapie für ihn in Betracht. Er ziehe weiterhin Physiotherapie sowie analgetische Massnahmen vor. Die Ärzte attestierten vom 27.06. bis 31.07.2014, vom 14.08. bis 30.08.2014 und vom 24.10.2014 bis und mit 30.03.2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %.
3.6
Dr. H._ vom RAD zitierte in seiner Stellungnahme vom 26. April 2016 (Urk. 9/45/2-3) diese im Bericht des A._ gestellten Diagnosen. Dabei fügte er bei 2. und 3. „nicht IV-relevant“ an. Zu den aufgelisteten Arbeitsunfä
higkeiten fügte er an, „weitere AUF Zeiten finden sich nicht. Eine AUF in ange
passter Tätigkeit wird nicht dokumentiert.“ Er wiederholte seine bereits in der letzten Stellungnahme gemachten Ausführungen zu den Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter und das Belastungsprofil für angepasste Tätigkeiten und zog die Schlussfolgerung, dass, da keine Arbeitsun
fähigkeit in angepasster Tätigkeit dokumentiert werde, versicherungsmedizi
nisch-theoretisch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit anzu
nehmen sei. So lägen zusammenfassend keine neuen medizinischen Fakten vor.
4.
4.1
Nach Lage der Akten haben die fluktuierenden Rückenbeschwerden des Beschwer
deführers nach der Aufnahme der Tätigkeit in der Baubranche eine deutliche Zunahme erfahren. Die (bisherige) Tätigkeit als Bauarbeiter ist ihm deshalb unbestrittenermassen nicht mehr zumutbar, und es wird ihm diesbe
züglich eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Strittig und zu prüfen ist je
doch seine Einschränkung in einer leidensangepassten Tätigkeit. Der Beschwer
deführer vertritt dazu die Meinung, es sei auf die behandelnden Fachärzte, wel
che dafür eine „volle Arbeitsunfähigkeit“ attestierten, abzustellen, oder – sollte das Gericht Zweifel daran haben oder diese als nicht umfassend und abschlies
send genug erachten – eine neutrale polydisziplinäre gutachterliche Abklärung anzuordnen (Urk. 1 S. 13).
4.2
4.2.1
Ersterem kann nicht gefolgt werden, da keiner der behandelnden Ärzte sich in diesem Sinne äusserte. So erwähnte Dr. E._ im März 2014 lediglich, dass der Beschwerdeführer seit Oktober 2013 100 % arbeitsunfähig sei, und empfahl Physiotherapie für mindestens drei Monate, Krankschreibung für mindestens weitere vier Wochen und auf längere Sicht einen Arbeitswechsel (oben E. 3.2). Dr. Z._ nahm am 21. Mai 2014 - zu Recht – lediglich eine Momentaufnahme vor, weil er sich von der geplanten stationären Behandlung auf der Rheumato
logie des A._ neue Erkenntnisse erhoffte (E. 3.1). Auch die Ärzte des A._ selber attestierten in ihrem Bericht vom 20. Februar 2015 - die rheumatologische Untersuchung vom 27. Juni bis 24. Oktober 2014 wurde ef
fektiv ambulant durchgeführt – einerseits keine durchgehende Arbeitsunfähig
keit von 100 % und andererseits eine solche lediglich bis 30. März 2015. Zudem erwähnten sie ausdrücklich weitere therapeutische Optionen (insbesondere In
filtrationen und Neurochirurgie), welche aber für den Beschwerdeführer vorläu
fig nicht in Betracht gekommen seien. Dieser ziehe weiterhin Physiotherapie sowie analgetische Massnahmen vor (E. 3.5). Aus dem Gesagten lässt sich folg
lich nicht der Schluss ziehen, wie es der Beschwerdeführer tut (Urk. 1 S. 12), dass ihm damit eine volle Arbeitsunfähigkeit bzw. eine nicht mehr verwertbare Resterwerbsfähigkeit attestiert wird. Im Gegenteil muss festgehalten werden, dass sie bezüglich der Arbeitsfähigkeit keinerlei Unterscheidung zwischen an
gestammter und behinderungsangepasster Tätigkeit trafen, was nicht weiter verwundert, diente
doch ihr kurz gehaltener Bericht lediglich der Information des den Beschwerdeführer als Hausarzt behandelnden Dr. Z._ über die am
bulante rheumatologische Untersuchung im A._. Als Grundlage zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepasster Tätigkeit genügt ihr Bericht klar nicht.
4.2.2
Dasselbe trifft auch auf die Ausführungen von Psychiater med. pract. G._ zu (E. 3.3). Einerseits geht dieser gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers in seiner Anamnese davon aus, der Befund sei nach Angaben des Chirurgen in
operabel, was so nicht zutrifft bzw. nicht mit den medizinischen Unterlagen übereinstimmt. Seine Bemerkung, es bestehe keine Hoffnung auf Heilung der somatischen Beschwerden, ist zwar nicht gänzlich falsch, aber in seiner Abso
lutheit nicht zutreffend und überdies ebenfalls nicht auf die vorhandenen rheumatologischen und chirurgischen Akten abgestützt. In Bezug auf seine ei
genen Befunde konnte er neben der schweren depressiven Episode (ICD-10 F33.2) bzw. der tiefen Verzweiflung keine psychiatrischen Auffälligkeiten fin
den. Seine Ausführungen zum affektiven Zustand des Beschwerdeführers (siehe auch Urk. 1 S. 4) erhellen sodann, dass für seine Beurteilung - invalidenversi
cherungsrechtlich nicht zu berücksichtigende – psychosoziale Umstände eine grosse Rolle gespielt haben. So begründete er die tiefe Verzweiflung einzig mit dem Umstand, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Rückenbeschwerden untätig sein müsse und er in der Arbeit seine Lebensaufgabe sehe. Die gestellte Diagnose einer schweren depressiven Episode lässt sich so aber nicht rechtsge
nügend nachvollziehen. Weiter führt med. pract. G._ in seinem Bericht vom 3. Dezember 2014 aus, eine leichte Beschäftigung, bei welcher der Beschwerde
führer immer wieder seine Position ändern könnte, täte ihm gut. Von einer at
testierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit kann folglich nicht gesprochen werden. Eine solche attestierte dieser wohl nur für die bisherige Tätigkeit, da er gleich
zeitig auch „eine Tätigkeit in einer behindertengerechten Einrichtung“ erwähnt, aber ohne einen zeitlichen Rahmen zu nennen oder näher zu beschreiben, was er unter einer behindertengerechten Einrichtung versteht. Insgesamt kann somit weder auf die gestellte Diagnose noch auf die Ausführungen zur Arbeitsunfä
higkeit in behinderungsangepasster Tätigkeit von med. pract. G._ abgestellt werden.
4.2.3
Angemerkt sei hier noch, dass aus dem Umstand, dass die Krankentaggeldversi
cherung ab Eintritt der Arbeitsunfähigkeit 720 Taggelder erbrachte, zwar – wie vorgebracht (Urk. 1 S. 6) - auf eine volle Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden kann, aber der Logik dieser Versicherung folgend lediglich auf eine solche für die angestammte und nicht für eine behinderungsangepasste Tätigkeit.
4.2.4
Zusammengefasst lässt die medizinische Aktenlage für eine behinderungsange
passte Tätigkeit weder den Schluss auf die vom Beschwerdeführer behauptete 100%ige Arbeitsunfähigkeit, noch auf die von Dr. H._ vom RAD dafür angenommene 100%ige Arbeitsfähigkeit zu. Denn einmal fehlt es an einer im vorliegenden Gerichtsverfahren verwertbaren psychiatrischen Diagnosestellung und Einschätzung der dem Beschwerdeführer in psychischer Hinsicht noch zu
mutbaren Arbeitstätigkeit. Die Annahme, eine schwere Depression liege nicht vor, ansonsten in der Zwischenzeit weitere Berichte eingegangen wären, die auch über den Verlauf der Therapie Aufschluss geben würden (vgl. Beschwerde
antwort, Urk. 8), überzeugt nicht. Sie ist angesichts der Pflicht der IV-Stelle zur Abklärung der Eingliederungsfähigkeit und zur Bemessung der Invalidität (Art. 57 IVG) invalidenversicherungsrechtlich auch nicht haltbar. Wie bereits dargelegt (oben E. 4.2.1) ist aus rheumatologischer Sicht die noch verwertbare Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit ebenfalls unklar. Das Gericht kann seine Entscheidung zudem nicht auf die diesbezügliche Beurteilung von Dr. H._ abstützen (vgl. dazu oben E. 1.5), weil Zweifel an der Zuverläs
sigkeit und Schlüssigkeit seiner versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen bestehen. Denn Dr. H._ Schlussfolgerung aus dem Umstand, dass sich keiner der ärztlichen Berichte zur Arbeitsunfähigkeit in behinderungsangepass
ter Tätigkeit äusserte, nämlich dass dem Beschwerdeführer eine solche zu 100 % zumutbar ist, ist so nicht nachvollziehbar. Angesichts der insgesamt dürftigen medizinischen Aktenlage hätte die Verwaltung vielmehr weitere Abklärungen vornehmen bzw. veranlassen müssen, und es nicht bei einer invalidenversiche
rungsrechtlich nicht überzeugenden Interpretation der wenigen ärztlichen An
gaben belassen dürfen. Demzufolge hat sie die notwendigen Abklärungen nach
zuholen und hernach erneut über das Leistungsgesuch des Beschwerdeführers zu verfügen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen als vollständiges Obsie
gen, weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessent
schädigung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 1‘900.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.