Decision ID: 811034a5-7543-4dca-b655-2e1aef745aa3
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 28. Januar 2002 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Die B._. AG gab am 8. Februar 2002 an (IV-act. 2), sie habe den Versicherten
bis 31. Januar 2002 als Maschinist beschäftigt. Dr. med. C._, Rheumatologie FMH,
gab in einem Gutachten vom 29. November 2003 folgende Diagnosen an: Chronisches
Lumbovertebralsyndrom mit Schmerzausstrahlung in das rechte Bein (bei Abflachung
der Lendenlordose und leichter s-förmiger Skoliose der Wirbelsäule, Chondrose L1/2,
L3/4 und L4/5, Osteochondrose L5/S1, rechts paramedianer Diskushernie L5/S1 mit
Sequester, mässigen Spondylarthrosen untere LWS und muskulärer Dysbalance),
Flexionskontraktur Kleinfinger links und St. n. Daumenendgliedamputation links in der
Kindheit. Er führte weiter aus, leichte bis mittelschwere Arbeiten ohne Heben von
Lasten über 15 kg und mit der Möglichkeit, in Wechselstellung tätig zu sein, seien
zumutbar (IV-act. 39). In einer mit "Keine Kostengutsprache für berufliche Massnahmen
und IV-Rente" überschriebenen Verfügung vom 23. November 2004 wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren mit der Begründung ab, es liege keine Invalidität vor (IV-act.
63). Die vom Versicherten erhobene Einsprache (IV-act. 65) wurde am 1. März 2005
abgewiesen (IV-act. 71). Der Versicherte liess am 31. März 2005 Beschwerde erheben
und die Zusprache einer ganzen Invalidenrente beantragen (IV-act. 74-2 f.). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hob den Einspracheentscheid am 17.
Oktober 2005 auf (IV-act. 88). Es wies die Sache zur ergänzenden medizinischen
Abklärung an die IV-Stelle zurück. Die IV-Stelle beauftragte die MEDAS Zentralschweiz
mit einer interdisziplinären Abklärung (IV-act. 114). Die Sachverständigen der MEDAS
berichteten in ihrem Gutachten vom 12. Oktober 2007 (IV-act. 120), der Versicherte
habe über Rückenschmerzen (hauptsächlich lokalisiert etwas paravertebral bds. auf
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der Höhe L5/S1 mit Ausstrahlung rechtsbetont in beide unteren Extremitäten) begleitet
von einer ganzen Reihe von neurovegetativen Beschwerden geklagt. Ausserdem habe
er Probleme mit dem rechten Bein, "eingeschlafene" Arme rechtsbetont und
Magenbeschwerden angegeben. Der rheumatologische Sachverständige habe ein
chronifiziertes lumbospondylogenes Syndrom rechts sowie eine erhebliche
Funktionseinschränkung der linken Hand festgestellt. Das Schmerzverhalten sei völlig
übertrieben gewesen. In einer körperlich leichten, wechselnd belastenden Tätigkeit mit
einer Limite von 10 kg bei seltenem und 5 kg bei häufigem beidhändigem Heben unter
Vermeidung von rückenhygienisch ungünstigen Körperpositionen sei der Versicherte
aus rheumatologischer Sicht zu 100% arbeitsfähig. In einer rein sitzenden Tätigkeit
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70%. Der psychiatrische Sachverständige habe eine
Symptomausweitung ohne psychiatrischen Krankheitswert festgestellt und deshalb
keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Mit einer Verfügung vom 16. April 2008 wies die IV-
Stelle das Rentengesuch ab (IV-act. 138). Das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen wies die dagegen erhobene Beschwerde am 16. Februar 2009 ab (IV-act. 149).
Es begründete dies damit, dass der Invaliditätsgrad bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad
von 100% nur von der Höhe des Tabellenlohnabzugs abhängen könne. Da dieser
maximal 25% betrage, liege der Invaliditätsgrad jedenfalls unter 40%. Damit könne die
effektive Höhe des Tabellenlohnabzugs offen bleiben.
B.
B.a Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, teilte der IV-
Stelle am 30. Oktober 2009 mit (IV-act. 154), er behandle den Versicherten seit dem 12.
März 2009 wegen einer chronifizierten mittelgradigen Episode, einer chronischen
Schmerzstörung und einer somatoformen autonomen Funktionsstörung des
Urogenitaltrakts. Der Versicherte sei zu 100% arbeitsunfähig. Dr. D._ legte einen
Bericht der Institution E._ vom 1. Oktober 2009 bei (IV-act. 155). Laut diesem Bericht
war der Versicherte seit dem 16. März 2009 mit verminderter Leistung in einem
geschützten Rahmen tätig. Er arbeitete relativ selbständig, zeigte sich motiviert, aber
mit wenig Initiative, grundsätzlich zuverlässig, gelassen auf Kritik reagierend und die
Verantwortung im Betrieb wahrnehmend. Dr. D._ berichtete am 23. Dezember 2009
(IV-act. 165), der Versicherte sei im Mai 2001 durch den Verlust mehrerer
Familienangehöriger bei einem Bombenangriff traumatisiert worden. In den folgenden
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Jahren habe sich zunehmend eine Depressivität entwickelt. Es bestehe ein starker
Miktionszwang mit zwanghaftem, bis zu stündlichem Wasserlösen vor allem bei
verstärkter innerer Unruhe und bei Zunahme der Rückenschmerzen.
Fremdanamnestisch sei es zu einer völligen Veränderung der Persönlichkeit mit
dominant-gereiztem Verhalten in der Familie, ständigem Klagen über körperliche
Beschwerden und einer auffallenden Vergesslichkeit gekommen. Das Einsatzprogramm
E._ habe sich durch die Strukturierung des Tagesablaufs und die Distanz zur Familie
günstig auf die psychische Verfassung ausgewirkt.
B.b Die IV-Stelle beauftragte am 21. Januar 2010 die MEDAS Zentralschweiz mit einer
polydisziplinären Verlaufsbegutachtung (IV-act. 173). Deren Sachverständige
berichteten im Gutachten vom 12. Juli 2010 (IV-act. 181), sie hätten folgende
Diagnosen erhoben: Chronifiziertes, therapierefraktäres lumbospondylogenes Syndrom
rechts, erhebliche Funktionsbeeinträchtigung der linken Hand und leichte depressive
Episode ohne somatisches Syndrom (mit chronischer Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren, somatoformer autonomer Funktionsstörung
des Urogenitaltrakts, generalisiertem sensomotorischem Halbseitensyndrom rechts
ohne objektivierbares pathophysiologisches Korrelat und starker
Verdeutlichungstendenz) sowie - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - Diabetes
mellitus Typ II, Inguinalhernien bds. rechtsbetont und Nikotinabhängigkeit. Die
Sachverständigen führten in ihrem Gutachten weiter aus, für die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit 50%, wobei die rheumatologischen Befunde
etwas stärker limitierend wirkten als die psychischen. Für eine Verweistätigkeit in
Wechselposition ohne rückenhygienisch ungünstige Körperhaltungen, ohne Heben und
Tragen schwererer Gewichte, ohne Einsatz der linken Hand in mehr als Zudien- und
Haltefunktion und ohne besondere Anforderungen an die psychische Belastbarkeit
betrage die Arbeitsfähigkeit 70% der Norm, wiederum etwas mehr eingeschränkt durch
die rheumatologischen als durch die psychiatrischen Gegebenheiten. Die
rheumatologische Situation habe sich seit der letzten Begutachtung nicht verändert,
die psychiatrische Situation hingegen habe sich seither verschlechtert. Der
psychiatrische Sachverständige hatte in seinem Teilgutachten vom 17. Mai 2010 (IV-
act. 182-33 ff.) ausgeführt, die psychosozialen Belastungen stünden klar im
Vordergrund: Abgebrochenes Studium, Arbeit an Stellen mit tiefen Anforderungen und
tiefem Ansehen, Krieg mit Verlust von Angehörigen und survivor guilt, Zerstörung des
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Hauses, familiäre Konflikte, finanzieller Engpass, gefährdete Aufenthaltsbewilligung,
geringe Deutschkenntnisse und wenig Integration. Bei einem bio-psycho-sozialen
Krankheitsmodell sei verständlich, dass sich der Versicherte keine Erwerbstätigkeit
mehr zutraue. Auszugehen sei jedoch von einem bio-psychischen Krankheitsmodell.
Eine Depression habe zwar immer Auswirkungen auf die Gesundheit, aber nicht immer
auf die Arbeitsfähigkeit. Eine leichte bis mittelgradige Depression könne höchstens bei
einer hochqualifizierten Arbeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50% oder mehr bewirken.
Hätte der Versicherte keine Schmerzen, würde man aus therapeutischer Sicht auf ein
rasche Wiederaufnahme der Arbeit drängen, da ihm dies Tagesstruktur, Kontakte und
Betätigung geben würde, was eine Heilung der Depression unterstützen würde. Die
frühere Tätigkeit habe leicht erhöhte Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit
gestellt. Deshalb sei sie auch bei einer leichten Depression aufgrund der
Konzentrationsstörungen nur noch erschwert möglich. Aufgrund der Schmerzen und
der Depression seien das Selbstvertrauen, der Antrieb, die Konzentration und die
Ausdauer beeinträchtigt. Die Regenerationsfähigkeit sei eingeschränkt. Die
Miktionsstörung bedinge häufige Kurzpausen, was die Arbeitsfähigkeit um etwa 5%
reduziere. Da auch die Leistung um etwa einen Drittel eingeschränkt sei, resultiere für
die Tätigkeit als Maschinenüberwacher eine Arbeitsunfähigkeit von 40%. In einer
adaptierten Tätigkeit (ohne besondere Anforderungen an die psychische Belastbarkeit
und ohne Bedarf nach besonderen Fähigkeiten) betrage die Arbeitsunfähigkeit 25%.
Ursache seien die Konzentrations- und Antriebsstörungen, die Verlangsamung und die
erhöhte Müdigkeit. Der Gesundheitszustand dürfte sich seit der letzten Abklärung
schleichend verschlechtert haben. Es sei angemessen anzunehmen, dass die
Arbeitsfähigkeit ab dem Behandlungsbeginn bei Dr. D._ im aktuellen Ausmass
eingeschränkt sei.
B.c Dr. med. F._ vom RAD hielt am 30. Juli 2010 fest (IV-act. 184), da insgesamt die
somatischen Beeinträchtigungen limitierend seien für die Arbeitsfähigkeit und da sich
der somatische Gesundheitszustand gegenüber der letzten Begutachtung nicht
verändert habe, seien die Sachverständigen der MEDAS betreffend die Arbeitsfähigkeit
zum selben Ergebnis gelangt wie damals, nämlich eine Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit von 70%. Die IV-Stelle verglich in der Folge ein
Valideneinkommen von Fr. 56'181.-- mit einem zumutbaren Invalideneinkommen von
Fr. 35'394.-- (Fr. 56'181.-- bei 30% Arbeitsunfähigkeit und 10% Tabellenlohnabzug)
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und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 37% (IV-act. 187). Mit einem Vorbescheid
vom 13. Oktober 2011 kündigte sie dem Versicherten die Abweisung eines
Rentenbegehrens an (IV-act. 192). Der Versicherte liess am 13. Dezember 2010
einwenden (IV-act. 201), aufgrund der Verschlechterung des Gesundheitszustands
hätte wenigstens der Tabellenlohnabzug erhöht werden müssen. Zudem gebe es keine
adaptierten Arbeitsplätze, da Hilfsarbeiten entweder körperlichen Einsatz erforderten
oder mit Verantwortung verbunden und damit belastend seien. Mit einer Verfügung
vom 23. August 2011 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 207).
C.
C.a Der Versicherte liess am 26. September 2011 Beschwerde erheben und die
Zusprache mindestens einer Viertelsrente beantragen; eventualiter sei die Sache zur
weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 1). Zur
Begründung führte seine Rechtsvertreterin aus, es sei fraglich, ob die
Restarbeitsfähigkeit ausserhalb eines geschützten Rahmens noch verwertet werden
könne. Die Anforderungen an eine adaptierte Erwerbstätigkeit seien hoch, die
Belastbarkeit aber tief. Zudem bestünden erhebliche Einschränkungen bei manuellen
Tätigkeiten. Der zusätzliche Teilzeitnachteil lasse einen Tabellenlohnabzug von 20% als
angemessen erscheinen.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 10. November 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Sie machte geltend, es sei keine Verschlechterung des
somatischen Gesundheitszustands ausgewiesen. Deshalb müsse aus
rheumatologischer Sicht weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 100% ausgegangen
werden. Es handle sich um eine abweichende Beurteilung eines unverändert
gebliebenen Sachverhalts. Ob aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden könne, sei fraglich. Da kein Revisionsgrund vorliege, könne
weder die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit noch ein höherer Tabellenlohnabzug
geprüft werden. Im Übrigen biete der ausgeglichene Arbeitsmarkt der Behinderung des
Beschwerdeführers angepasste Arbeitsplätze. Früher sei ein Tabellenlohnabzug von
10% erfolgt, weil die Einsatzfähigkeit der linken Hand reduziert gewesen sei. Ein
weiterer Abzug sei nicht gerechtfertigt. Ein Teilzeitnachteil sei nicht gegeben, da der
Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit ganztags verwerten könne.
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C.c Am 14. November 2011 wurde die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt (act. G 8).
C.d Der Beschwerdeführer liess am 14. Dezember 2011 einwenden (act. G 10), er
habe eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands glaubhaft gemacht. Damit sei
die Voraussetzung für eine materielle Prüfung des neuen Rentengesuchs erfüllt
gewesen. Die Beschwerdegegnerin habe denn auch eine materielle Prüfung
vorgenommen. Weil sich der psychische Gesundheitszustand verschlechtert habe,
müsse er frei geprüft werden. Wenn von Durchschnittslöhnen und einer Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgegangen werde, müsse der
Abzug von den Durchschnittslöhnen deutlich erhöht werden.
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 5. Januar 2012 auf eine Stellungnahme
(act. G 12).

Erwägungen:
1.
Ist eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrads verweigert bzw. ein
Rentengesuch abgewiesen worden, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen des Eintretens auf ein Rentenrevisionsgesuch (analog) erfüllt sind,
d.h. wenn mit der Neuanmeldung glaubhaft gemacht wird, dass eine
anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrads eingetreten ist (Art. 87 Abs. 4
i.V.m. Abs. 3 IVV, seit dem 1. Januar 2012 Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV). Gelingt es
nicht, eine anspruchserhebliche Veränderung des Invaliditätsgrads glaubhaft zu
machen, erlässt die IV-Stelle eine Nichteintretensverfügung. Entgegen dem Wortlaut
der genannten Verordnungsbestimmung ist nicht direkt eine Veränderung des
Invaliditätsgrads glaubhaft zu machen. Es genügt, wenn eine Veränderung eines für die
Invaliditätsbemessung relevanten Sachverhaltselements (i.d.R. des
Arbeitsfähigkeitsgrads) glaubhaft gemacht wird und daraus eine leistungsrelevante
Veränderung des Invaliditätsgrads resultieren kann. Die rechtskräftige Abweisung des
ersten Rentengesuchs des Beschwerdeführers beruhte auf einer Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Erwerbstätigkeit von 100%. Die Beeinträchtigung der somatischen
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Gesundheit hatte nur eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (nur noch
behinderungsadaptierte Tätigkeiten) zur Folge gehabt und die Beeinträchtigung der
psychischen Gesundheit hatte sich gar nicht auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers ausgewirkt. Dr. D._ hat bei der Neuanmeldung im Jahr 2009 eine
chronifizierte mittelgradige depressive Episode, eine chronische Schmerzstörung und
eine autonome somatoforme Funktionsstörung des Urogenitaltrakts angegeben. Aus
dieser Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit hat er auf eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit geschlossen. Die Diagnosen und - teilweise - auch die daraus
abgeleitete Arbeitsunfähigkeit sind glaubhaft gewesen. Damit hat Dr. D._ für den
Beschwerdeführer einen anspruchsbegründenden Invaliditätsgrad glaubhaft gemacht.
Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin macht sinngemäss geltend, die im zweiten Gutachten
der MEDAS Zentralschweiz abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung könne, soweit sie
auf der Abklärung des somatischen Gesundheitszustands beruhe, nicht berücksichtigt
werden, da sie nur eine abweichende medizinische Beurteilung eines unveränderten
medizinischen Zustands sei. Es müsse deshalb dabei bleiben, dass der
Beschwerdeführer durch die Beeinträchtigung seiner somatischen Gesundheit bei einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
sei. Auf die im zweiten Gutachten abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung (70%) könne
also nicht abgestellt werden. Auch in Bezug auf den Abzug vom Tabellenlohn gelte,
dass mangels einer nachträglichen Veränderung des massgebenden Sachverhalts
keine Neuschätzung möglich sei, dass es also bei einem Tabellenlohnabzug von 10%
bleiben müsse. Die Beschwerdegegnerin begründet dies sinngemäss damit, dass ein
Rentenrevisionsverfahren nur den nachträglichen Veränderungen des massgebenden
Sachverhalts Rechnung tragen könne und deshalb keine umfassende Neubeurteilung
des Sachverhalts zulasse. Tatsächlich hat die Beschwerdegegnerin aber kein
Rentenrevisionsverfahren durchgeführt. Sie ist vielmehr auf eine Neuanmeldung, d.h.
auf ein erneutes Gesuch um Ausrichtung einer Invalidenrente eingetreten. Die
Revisionsbestimmung des Art. 17 Abs. 1 ATSG regelt, ihrem klaren Wortlaut gemäss,
nur die Anpassung einer laufenden, d.h. früher rechtskräftig zugesprochenen
Invalidenrente an eine nachträgliche, gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG erhebliche
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Veränderung des Invaliditätsgrads. Da die Beschwerdegegnerin das erste
Rentengesuch des Beschwerdeführers am 16. April 2008 (gerichtlich bestätigt am 16.
Februar 2009) abgewiesen hat, der Beschwerdeführer also keine Invalidenrente
bezieht, kann kein Anwendungsfall von Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliegen. Die
Beschwerdegegnerin dürfte sich deshalb auf die höchstrichterliche Rechtsprechung
bezogen haben, laut welcher der Art. 17 Abs. 1 ATSG analog auf die Neuanmeldung
zum Rentenbezug nach einer vorausgegangenen rechtskräftigen Abweisung eines
Rentengesuchs Anwendung finden soll: "Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung
ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die vom
Versicherten glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrads [...] auch
tatsächlich eingetreten ist. Nach der Rechtsprechung hat sie in analoger Weise wie bei
einem Revisionsfall [...] vorzugehen. Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad [...] seit
Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist
sie das neue Gesuch ab" (BGE 117 V 198). Die höchstrichterliche Rechtsprechung
zieht also einen Analogieschluss vom Rentenrevisionsverfahren auf das Verfahren bei
einer Neuanmeldung, da es sich um ähnliche Rechtsinstitute handle, "insoweit beide
auf eine erneute Prüfung eines Leistungsanspruchs aufgrund veränderter Verhältnisse
zielen", was nicht nur für die Eintretensfrage, sondern auch für die materiell-rechtliche
Anpassungsprüfung gelte (BGE 133 V 111). Da in einem Rentenrevisionsverfahren
tatsächlich nur jene Sachverhaltselemente neu gewürdigt werden dürfen, die eine
Veränderung erfahren haben, hat dieser Analogieschluss im vorliegenden Fall
tatsächlich zur Folge, dass die neue Arbeitsfähigkeitsschätzung aus somatischer Sicht
(70% statt 100%) keine Berücksichtigung finden darf, da sie sich auf einen
unveränderten somatischen Gesundheitszustand stützt, d.h. eine abweichende
medizinische Beurteilung eines unveränderten Sachverhalts darstellt. Damit kann auch
nicht geltend gemacht werden, die körperliche Beeinträchtigung sei so stark, dass es
auf dem Arbeitsmarkt gar keine geeigneten Arbeitsstellen mehr gebe, denn anlässlich
der erstmaligen Prüfung eines Rentenanspruchs ist die Verwertbarkeit der trotz der
körperlichen Einschränkungen verbliebenen Arbeitsfähigkeit bejaht worden.
2.2 In Bezug auf den Tabellenlohnabzug trifft das entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin nicht zu, da die Umstände, die für die Höhe des Abzugs
massgebend sind, als Folge der Verschlimmerung des psychischen
Gesundheitszustands indirekt auch eine relevante Veränderung erfahren haben. Bei
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einem depressiven Arbeitnehmer besteht aus der Sicht eines rein ökonomisch
handelnden potentiellen Arbeitgebers auch an einem ideal adaptierten Arbeitsplatz eine
deutlich erhöhte Gefahr überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen, es fehlt die
Fähigkeit, bei Bedarf vorübergehend den Beschäftigungsgrad zu erhöhen bzw.
Überstunden zu leisten, die Flexibilität in Bezug auf den Arbeitsplatz ist eingeschränkt
und es besteht aufgrund der Konzentrationsschwierigkeiten, der Antriebsstörung usw.
ein besonderer Bedarf nach Rücksichtnahme seitens der Vorgesetzten und der
Arbeitskollegen. Diese in dieser Art und Stärke neu aufgetretenen Nachteile haben
betriebswirtschaftlich betrachtet eine Erhöhung der Lohnkosten der entsprechenden
Arbeitskraft zur Folge und müssen deshalb durch einen Minderverdienst bzw. durch
einen unterdurchschnittlichen Lohn kompensiert werden, wenn der Beschwerdeführer
die gleichen Chancen auf einen Arbeitsplatz haben soll wie gesunde Hilfsarbeiter. Die
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands hat also indirekt zu stärkeren
Konkurrenznachteilen geführt, denen praxisgemäss durch einen Tabellenlohnabzug
von 15% Rechnung zu tragen ist. Bei der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens anhand des Tabellenlohns der Hilfsarbeiter ist deshalb nicht wie
bei der erstmaligen Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs im Jahr 2007 ein Abzug
von 10%, sondern neu ein solcher von 15% vorzunehmen. Da die psychische
Beeinträchtigung für sich allein gemäss den Angaben im psychiatrischen Teilgutachten
vom 17. Mai 2010 (vgl. IV-act. 182-40) nur eine Arbeitsunfähigkeit von 25% zur Folge
hat, resultiert aus einem (angesichts der Identität von Valideneinkommen und
Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens zulässigen)
Prozentvergleich nur ein Invaliditätsgrad von 36%. Erst bei einem Tabellenlohnabzug
von 20% wäre ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von wenigstens 40% (Art. 28
Abs. 2 IVG) erreicht. Die Konkurrenznachteile des Beschwerdeführers an einem
adaptierten Arbeitsplatz sind aber nicht so ausserordentlich stark, dass sie einen
Tabellenlohnabzug von mehr als 15% rechtfertigen würden. Erst recht vermögen sie
nicht zu bewirken, dass der Beschwerdeführer nur noch in einem geschützten Rahmen
einer Erwerbstätigkeit nachgehen könnte. Deshalb besteht nach wie vor kein Anspruch
auf eine Invalidenrente.
2.3 Daran würde sich auch dann nichts ändern, wenn trotz fehlender Veränderung des
entsprechenden Sachverhaltselements grundsätzlich auf die im rheumatologischen
Konsilium vom 7. Juni 2010 (vgl. IV-act. 182-30) abgegebene
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Arbeitsfähigkeitsschätzung von 70% abgestellt werden könnte. Bei dieser
Arbeitsfähigkeitsschätzung handelt es sich nämlich mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit um einen Irrtum. Der rheumatologische Sachverständige hat
angegeben, dass bei einer der Behinderung angepassten Tätigkeit nach wie vor eine
Arbeitsfähigkeit von 70% bestehe (vgl. IV-act. 182-30). Er ist also davon ausgegangen,
dass aufgrund des unveränderten rheumatologischen Gesundheitszustands die frühere
Arbeitsfähigkeitsschätzung weitergeführt werden müsse. Dabei hat er aber übersehen,
dass im ersten Gutachten der MEDAS Zentralschweiz zwar für eine rein sitzende
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70% angegeben worden ist, dass es sich dabei aber
nicht um eine ideal behinderungsadaptierte Tätigkeit gehandelt hat. Eine adaptierte
Tätigkeit ist damals nämlich folgendermassen definiert worden: Körperlich leicht, ohne
häufiges (körpernahes) Heben von über 5 kg resp. seltenes Heben über 10 kg, in
Wechselposition und unter Vermeidung von rückenhygienisch ungünstigen
Körperpositionen auszuüben. Für eine solche Tätigkeit ist nicht eine Arbeitsfähigkeit
von 70%, sondern eine solche von 100% angegeben worden. Wäre sich der
rheumatologische Sachverständige anlässlich der zweiten Begutachtung dieses
Umstands bewusst gewesen, so hätte er ebenfalls eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit angegeben, denn aus der Sicht seines Fachgebiets hatte sich der
Gesundheitszustand ja gar nicht relevant verändert. Die polydisziplinäre Einschätzung
anlässlich der zweiten Begutachtung hätte dann nicht 70%, sondern 75% ergeben,
wobei nicht die somatische, sondern die psychische Einschränkung ausschlaggebend
gewesen wäre. Es hätte also ebenfalls nur ein Invaliditätsgrad von 36% resultiert.
3.
Da keine anspruchsbegründende Invalidität besteht, ist die Beschwerde abzuweisen.
Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung und er hat grundsätzlich für die Gerichtskosten aufzukommen. Da
ihm die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist, hat der Staat für die
Vertretungskosten aufzukommen. Ausserdem ist der Beschwerdeführer von der
Bezahlung der Gerichtskosten zu befreien. Sollten sich seine wirtschaftlichen
Verhältnisse in der Zukunft aber so verbessern, dass sie die Bezahlung der Gerichts-
und der Vertretungskosten gestatten, kann der Beschwerdeführer zu einer Nach- bzw.
Rückzahlung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 VRP/SG i.V.m. Art. 123 Abs. 1 ZPO).
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Entsprechend dem durchschnittlichen Vertretungsaufwand würde sich eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen erweisen. Das Honorar der unentgeltlichen Rechtsbeiständin beträgt aber
gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes nur 80% dieses Betrages,
also Fr. 2'800.--. Dem ebenfalls als durchschnittlich einzuschätzenden
Beurteilungsaufwand würde praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
entsprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP