Decision ID: a13866b7-9da9-5b13-9eb8-1d4e11a9d61d
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Stephanie Bialas, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
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gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a G._, Jahrgang 1954, bezieht seit Jahren Ergänzungsleistungen (EL) zur IV-Rente.
Mit Verfügung vom 20. August 2009 setzte die EL-Durchführungsstelle den EL-
Anspruch der Versicherten mit Wirkung ab 1. September 2009 auf Fr. 1'514.- monatlich
fest (EL-act. 19). Die Neuberechnung erfolgte aufgrund der Anrechnung eines hälftigen
Mietzinsanteils für den Enkel der Versicherten. Die Mietzinsaufteilung zwischen der
Versicherten und ihrem Enkel war bereits Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens
EL 2009/32 vor Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (EL-act. 9). Der
schulpflichtige Enkel der Versicherten, Jahrgang 1995, wohnt seit 16. Januar 2009 bei
seiner Grossmutter. Die Umstände, welche zur Aufnahme des Enkels durch die
Versicherte führten, wurden im vorgenannten Urteil dargelegt. Darauf kann verwiesen
werden. Bis zum Umzug in eine 3 1⁄2-Zimmer-Wohnung per September 2009
bewohnten die Versicherte und ihr Enkel eine 1-Zimmer-Wohnung. Mit Urteil EL
2009/32 vom 10. November 2009 stellte das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen fest, dass eine Aufteilung des Mietzinses zu unterbleiben habe, solange die
Versicherte und ihr Enkel in der 1-Zimmer-Wohnung leben würden (EL 2009/32, Erw.
2.3 f.). Das Urteil vom 10. November 2009 erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Bereits damals war bekannt, dass die Versicherte – im Hinblick auf den Erhalt der vom
Ausländeramt verlangten Pflegeplatzbewilligung – per September 2009 in eine 3 1⁄2-
Zimmer-Wohnung umziehen würde. Zur EL-Berechnung nach Umzug in die 3 1⁄2
Zimmer-Wohnung, welche nicht mehr zum Anfechtungsgegenstand des damaligen
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Beschwerdeverfahrens zählte, hielt das Versicherungsgericht fest, dass ein gänzliches
Unterbleiben der Mietzinsaufteilung wohl nicht mehr gerechtfertigt sei (EL 2009/32,
Erw. 3.3).
A.b Die EL-Durchführungsstelle rechnete der Versicherten mit Verfügung vom 20.
August 2009 per 1. September 2009 als Ausgaben für Wohnkosten Fr. 7'380.- und
somit die Hälfte der Mietkosten der 3 1⁄2-Zimmer-Wohnung (Nettomiete zzgl. Heiz- und
Nebenkosten sowie Hauswartkosten) an (EL-act. 15, 23). Gegen die Verfügung vom 20.
August 2009 liess die Versicherte am 21. September 2009 Einsprache erheben und die
Aufhebung der Verfügung vom 20. August 2009 beantragen. Ihr sei der den
Maximalbetrag für Wohnkosten für Alleinstehende in der Höhe von Fr. 17'600.- nicht
übersteigende effektive Mietzins von Fr. 1'264.- monatlich bzw. Fr. 15'168.- jährlich
anzurechnen (EL-act. 14). Mit Schreiben vom 10. November 2009 teilte der
Rechtsdienst der SVA der Vertreterin der Versicherten mit, dass die Einsprache vom
21. September 2009 bis zum Abschluss des Beschwerdeverfahrens EL 2009/32 sistiert
werde (EL-act. 10). Nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens liess die Versicherte
mit Schreiben vom 8. Dezember 2009 ergänzend ausführen, gemäss Ziffer 3 des Urteils
des Versicherungsgerichts vom 20. November 2009 sei bei der Berechnung der EL
grundsätzlich ein Einkommensverzicht (entgangene Miete) anzurechnen. Sie bitte
jedoch, auf die Anrechnung des (entgangenen) Mietzinses wenigstens so lange zu
verzichten, bis der Enkel der Versicherten Unterstützungsleistungen erhalte. Zur Zeit
weigere sich das Sozialamt, für den Enkel der Versicherten irgendwelche
Unterstützungsleistungen zu erbringen. Sie werde gegen den Entscheid des
Sozialamtes rechtliche Schritte unternehmen. Falls es nicht möglich sei, diese
tatsächlichen Gegebenheiten bei der EL-Berechnung entsprechend zu würdigen, sei
lediglich ein Drittel der Miete als Einkommensverzicht anzurechnen (EL-act. 5). Am 28.
Dezember 2009 verfügte die EL-Durchführungsstelle über den EL-Anspruch der
Versicherten mit Wirkung ab 1. Januar 2010, wobei die Wohnkosten unverändert in
Höhe der hälftigen tatsächlichen Mietkosten der 3 1⁄2-Zimmer-Wohnung angerechnet
wurden (EL-act. 3). Gegen die Verfügung vom 28. Dezember 2009 liess die Versicherte
am 28. Januar 2010 erneut Einsprache erheben und die Aufhebung der Verfügung
beantragen (EL-act. 111).
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A.c In Vertretung der EL-Durchführungsstelle wies der Rechtsdienst der SVA die
Einsprache vom 21. September 2009 gegen die Verfügung vom 20. August 2009 mit
Entscheid vom 12. Februar 2010 ab (G act. 1.1.1). Die Einsprache gegen die Verfügung
vom 28. Dezember 2009 wurde mit separatem Einspracheentscheid vom 17. Februar
2010 ebenfalls abgewiesen (G act. 1.1.3).
B.
B.a Gegen die Einspracheentscheide vom 12. und 17. Februar 2010 richtet sich die
Beschwerde vom 17. März 2010. Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der
beiden Einspracheentscheide, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Ab September
2009 seien der Beschwerdeführerin EL in der Höhe von Fr. 1'719.-, ab Januar 2010 in
der Höhe von Fr. 1'750.- monatlich auszurichten. Zudem sei der Beschwerdeführerin
die unentgeltliche Prozessführung in Form der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
zu gewähren. Zur Begründung führt sie aus, das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen habe im Urteil EL 2009/32 festgehalten, dass eine Mietzinsanrechnung für
den Enkel der Beschwerdegegnerin im Sinne eines hypothetischen
Einkommensverzichts wohl erfolgen müsse, es könne aber auch eine Aufteilung bzw.
eine Anrechnung gemäss den bewohnten Zimmern erfolgen (EL 2009/32, Erw. 3). Die
Beschwerdegegnerin sei ihrem Antrag, eventuell nur 1/3 des Mietzinses im Sinne eines
Einkommensverzichts zu berücksichtigen, nicht gefolgt. Dies habe die
Beschwerdegegnerin damit begründet, dass gemäss Art. 16c Abs. 2 ELV die Aufteilung
in der Regel zu gleichen Teilen nach Personen vorzunehmen sei. Der Gesetzgeber
habe in Art. 16c Abs. 2 ELV jedoch den Begriff "grundsätzlich" verwendet. Dies
bedeute, dass ein Abweichen vom Grundsatz durchaus möglich sei. Dies könne z.B.
dann der Fall sein, wenn eine Person eine andere unentgeltlich in der Wohnung leben
lasse, weil sie dazu rechtlich oder moralisch verpflichtet sei. Nachdem die Eltern des
Enkels der Beschwerdeführerin diesen bei ihr zurückgelassen hätten, ohne Unterhalt zu
bezahlen, und das Sozialamt weiterhin keine Sozialhilfe leiste, sei die
Beschwerdeführerin moralisch und allenfalls im Rahmen der Verwandtenunterstützung
sogar rechtlich verpflichtet, ihren Enkel unentgeltlich bei ihr wohnen zu lassen. Sobald
die Beschwerdeführerin irgendeine Unterstützung durch die Eltern oder das Sozialamt
erhalte, sei die Anrechnung von Wohnkosten für den Enkel angezeigt. Eine Aufteilung
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des Mietzinses im Verhältnis 2/3 für die Beschwerdeführerin und 1/3 für ihren Enkel sei
daher in vorliegendem Fall sachgerecht (G act.1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 24. März 2010 die Abweisung der
Beschwerde, verweist auf die Einspracheentscheide vom 12. und 17. Februar 2010 und
verzichtet auf eine weitere Stellungnahme (G act. 3).
B.c Mit Eingabe vom 28. Juni 2010 beantragt die Beschwerdeführerin eine Anpassung
der Rechtsbegehren der Beschwerde vom 17. März 2010. Der Enkel der
Beschwerdeführerin werde seit Mai 2010 vom Sozialamt unterstützt. Im Rahmen dieser
Unterstützung übernehme das Sozialamt auch einen Teil der Wohnkosten (G act. 5.1).
Es seien der Beschwerdeführerin bei der EL-Berechnung die vom Sozialamt tatsächlich
ausgerichteten Beiträge für die Wohnkosten des Enkels anzurechnen. Für die Zeit von
Januar 2010 bis und mit April 2010 halte sie an ihren ursprünglichen Anträgen fest (und
somit wohl sinngemäss auch für den Zeitraum von September 2009 bis und mit
Dezember 2009). Der Enkel der Beschwerdeführerin erhalte für die Monate Mai 2010
bis und mit Juli 2010 einen Wohnkostenbeitrag von Fr. 632.- monatlich. Somit sei die
Anrechnung des hälftigen Mietzinses für diesen Zeitraum korrekt. Ab September 2010
werde das Sozialamt den Beitrag für die Wohnkosten auf Fr. 500.- pro Monat
reduzieren. Ab September 2010 sei bei der Berechnung der EL das tatsächlich
geleistete Wohngeld für den Enkel der Beschwerdeführerin in der Höhe von Fr. 500.- zu
berücksichtigen (G act. 5).
B.d Mit Replik vom 5. Juli 2010 hält die Beschwerdegegnerin an ihren Anträgen fest.
Solange die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrem Enkel in einer Wohnung lebe,
könne sie nur die Hälfte der Wohnung benutzen. Es gehe nicht an, in der EL-
Berechnung Ausgaben zu berücksichtigen, für welche die EL-Bezügerin keine
Gegenleistung erhalte. Eine Berücksichtigung von mehr als der Hälfte der Mietkosten
würde bedeuten, dass indirekt EL an den Enkel der Beschwerdeführerin ausgerichtet
würden (G act. 7).

Erwägungen:
1.
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1.1 Streitig ist die Berücksichtigung der Wohnkosten der Beschwerdeführerin seit dem
Umzug in die 3 1⁄2-Zimmer-Wohnung per 1. September 2009. Die übrigen
Berechnungspositionen sind nicht umstritten und von der per 1. September 2009
durchgeführten Revision nicht betroffen.
1.2 Die EL-rechtlichen Voraussetzungen betreffend die Anrechnung von Wohnkosten
(Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG) sowie deren Aufteilung, wenn eine EL-Ansprecherin ihre
Wohnung zusammen mit einer Personen bewohnt, die nicht in die EL-Berechnung
eingeschlossen ist (Art. 16c ELV), wurden bereits im Urteil EL 2009/32 dargelegt.
Darauf kann verwiesen werden (EL 2009/32, Erw. 1).
2.
2.1 Vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Einspracheentscheide vom 12. und
17. Februar 2010. Mit letzterem hat die Beschwerdegegnerin über die Einsprache vom
28. Januar 2010 gegen die Verfügung vom 28. Dezember 2009 befunden. Vorab ist zu
prüfen, ob die Beschwerdegegnerin auf die Einsprache vom 28. Januar 2010
überhaupt hätte eintreten dürfen. Die EL-Bemessung hat nicht nur für das Kalenderjahr
Rechtsbeständigkeit (keine befristete Verfügung), sondern betrifft einen unbefristeten
Dauersachverhalt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen EL
2002/76 vom 10. September 2003, Erw. 3; Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen zur AHV/
IV, in: SBVR XIV-Meyer, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Basel 2007, S. 1655 f.; anders
die Rechtsprechung des BGer im Urteil 8C_94/2007 vom 15. April 2008). Die jährliche
Anpassung des EL-Anspruchs auf das neue Kalenderjahr hin hat dementsprechend
keine umfassende Neuüberprüfung zur Folge. Vielmehr hat sie den Zweck, den EL-
Anspruch an veränderte Positionen wie z.B. die Pauschale der individuellen
Prämienverbilligung oder Erhöhungen der AHV-Renten etc. anzupassen. Die Revision
dieser einzelnen Positionen bedarf eines Revisionsgrundes nach Art. 17 Abs. 2 ATSG,
also primär einer Sachverhaltsveränderung. Gegenstand des der Verfügung vom 20.
August 2009 zugrunde liegenden Revisionsverfahrens war die Anpassung des
Mietzinses aufgrund des Umzugs der Beschwerdegegnerin in eine 3 1⁄2-Zimmer-
Wohnung. In diesem Punkt wurde die Verfügung vom 20. August 2009 angefochten
und befand sich somit im Einspracheverfahren. Die am 28. Dezember 2009 per 1.
Januar 2010 verfügten Anpassungen betreffen die Position Wohnkosten jedoch
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mangels Sachverhaltsveränderung nicht. Entsprechend fehlt diesbezüglich ein
Anfechtungsgegenstand, sodass die Verwaltung auf die Einsprache der
Beschwerdeführerin vom 28. Januar 2010 mit Nichteintreten hätte reagieren müssen.
Die Verfügung vom 28. Dezember 2009 hatte betreffend die Position des Mietzinses als
mitangefochten zu gelten (mit Einsprache vom 21. September 2009). Materieller
Anfechtungsgegenstand des Beschwerdeverfahrens kann somit nur der
Einspracheentscheid vom 12. Februar 2010 sein. Seine Rechtmässigkeit wird
nachfolgend zu überprüfen sein.
2.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei moralisch und allenfalls rechtlich
verpflichtet, ihrem Enkel eine unentgeltliche Wohngelegenheit zur Verfügung zu stellen
(G act. 1). Nach der Rechtsprechung können im Einzelfall Umstände vorliegen, die eine
Abweichung des in Art. 16 Abs. 2 ELV statuierten Grundsatzes gebieten, wonach die
Aufteilung des Mietzinses zu gleichen Teilen zu geschehen hat. So kann das
gemeinsame Wohnen auf einer rechtlichen oder moralischen Pflicht beruhen und daher
zu einer anderen und – ausnahmsweise – auch zu einem Absehen von einer
Mietzinsaufteilung Anlass geben (BGE 130 V 263, Erw. 5.3). Das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen hat bereits im Urteil EL 2009/32 festgestellt, dass die
Beschwerdeführerin weder eine familienrechtliche Unterstützungspflicht trifft, noch die
Voraussetzungen für die Verwandtenunterstützung im Sinn von Art. 328 ff. ZGB
gegeben sind (EL 2009/32, Erw. 2.2). Sodann ist es nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin ihren Enkel bei Ablauf der Aufenthaltsbewilligung dessen Vaters
aufgenommen hat. Eine moralische Pflicht zur Finanzierung des Lebensunterhalts ihres
Enkels bzw. dazu, ihn unentgeltlich bei sich wohnen zu lassen, ist angesichts der
wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin hingegen zu verneinen (vgl. Urteil
des EVG vom 13. März 2002, P 53/01, Erw. 3a)cc)).
2.3 Die Aufteilung der Wohnkosten nach Art. 16c Abs. 2 ELV ist bei gleicher Nutzung
der Wohnung angezeigt. Diese Bestimmung lässt aber auch Raum für eine andere
Aufteilung der Mietkosten als nach Anzahl Köpfen. Wird die Wohnung ungleich genutzt,
so können die Mietkosten auch entsprechend dem Nutzungsgrad berücksichtigt
werden. Die Annahme, eine Person hätte eine kleinere Wohnung genommen, wenn sie
nicht mit einer anderen Person zusammen wohnen würde, stellt im Zusammenhang mit
der Wohnkostenaufteilung kein brauchbares Kriterium dar. Massgebend sind nämlich
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ausschliesslich die Kosten der Wohnung, in der die betreffende Person effektiv lebt und
die sie mit einer anderen Person teilt (Ralph Jöhl, a.a.O., S. 1705, Rz. 102). Die
Beschwerdeführerin beantragt die Anrechnung von 2/3 der Wohnkosten ab September
2009 bis April 2010. Ab Mai 2010 seien die effektiv vom Sozialamt geleisteten Beiträge
für die Wohnkosten des Enkels in der Höhe von Fr. 632.- bzw. Fr. 500.- ab September
2010 zu berücksichtigen. Dem hält die Beschwerdegegnerin sinngemäss entgegen, ein
Abweichen von einer hälftigen Aufteilung der Mietkosten aufgrund einer ungleichen
Nutzung sei nicht angezeigt. Bei einer 3 1⁄2-Zimmer-Wohnung benutze in der Regel
jeder Bewohner ein Zimmer für sich allein. Das dritte Zimmer werde als Ess- und
Aufenthaltsraum von beiden Bewohnern gebraucht. Der Enkel der Beschwerdeführerin
brauche viel Platz für seine Schulaufgaben und seine Freizeitaktivitäten (Fernsehen,
Spielkonsole, PC, usw.). Er habe keineswegs einen kleineren Raumbedarf als die EL-
Bezügerin. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist vorliegend davon
auszugehen, dass der 15-jährige schulpflichtige Enkel die gemeinsam genutzten
Räume und insbesondere das Ess- und Wohnzimmer aufgrund von Schule,
Freizeitaktivitäten und zunehmenden sozialen Kontakten ausserhalb der Wohnung
deutlich weniger intensiv nutzt als die nicht berufstätige Beschwerdeführerin. Kinder im
Alter des Enkels der Beschwerdeführerin erledigen Hausaufgaben in der Regel in ihrem
eigenen Zimmer und nicht mehr unter Aufsicht in Wohn- oder Esszimmer. Ganz
allgemein wird das eigene Zimmer in diesem Alter notorischerweise oftmals zum
Hauptaufenthaltsort innerhalb der Wohnung. Dies dürfte nicht zuletzt darauf zurück zu
führen sein, dass Jugendliche in der Pubertät ein starkes Bedürfnis nach ihrem
"eigenen Reich" und Privatsphäre entwickeln. Dementsprechend befinden sich auch
Computer, Musikanlage etc. im eigenen Zimmer – es ist denn auch der Ort, an dem
man gegebenenfalls mit Freunden verweilt. Unter dieser Betrachtung der Nutzung der
Wohnung erscheint ein Abweichen vom Grundsatz der hälftigen Teilung vorliegend
durchaus gerechtfertigt. Unter Berücksichtigung der Zimmeranzahl erweist sich eine
Aufteilung der Wohnkosten im Verhältnis 2/3 für die Beschwerdeführerin und 1/3 für
ihren Enkel als angemessen. Die Wohnkosten der Beschwerdeführerin sind somit ab 1.
September 2009 mit 2/3 der Bruttomiete (abzüglich Radio- und TV-Gebühren) und
folglich mit Fr. 9'840.- anzurechnen. Korrekterweise hat die EL-Berechnung so zu
erfolgen, dass auf der Ausgabenseite der ganze Mietzins anzurechnen ist.
Demgegenüber ist im Sinn einer Mietzinseinnahme bzw. allenfalls eines
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Einkommensverzichts auf der Einnahmeseite 1/3 des Mietzinses und somit Fr. 4'920.-
als Einnahme anzurechnen. Im Ergebnis werden der Beschwerdeführerin somit 2/3 des
Mietzinses als Wohnkosten angerechnet.
2.4 Da sich der Sachverhalt nach Erlass des Einspracheentscheids bezüglich der
Nutzung der Wohnung nicht geändert hat, wird auch für die Zeit danach keine andere
Aufteilung der Mietkosten angezeigt sein. Für die EL-Berechnung ist unbeachtlich,
dass das Sozialamt dem Enkel der Beschwerdeführerin für die Miete ab Mai 2010 einen
Beitrag von Fr. 631.- bzw. ab September 2010 einen solchen von Fr. 500.- gewährt.
Aufgrund der Nutzung der Wohnung schuldet der Enkel der Beschwerdeführerin 1/3
des Mietzinses. Es kann aus EL-rechtlicher Sicht nicht darauf ankommen, wie viel das
Sozialamt bei seiner Unterstützungsleistung an den Enkel der Beschwerdeführerin für
das Wohnen ausscheidet. Ab Mai 2010 wird der geschuldete Anteil an der Miete nicht
mehr als Einkommensverzicht, sondern als tatsächliche Einnahme in der EL-
Berechnung zu berücksichtigen sein.
3.
3.1 Gestützt auf vorstehende Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid
vom 12. Februar 2010 aufzuheben und die Beschwerde gutzuheissen. Die Sache ist an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese den EL-Anspruch der
Beschwerdeführerin ab 1. September 2009 unter Anrechnung von 2/3 der jährlichen
Wohnkosten neu berechne.
3.2 Der Einspracheentscheid vom 17. Februar 2010 ist aufzuheben. Auf die Einsprache
vom 28. Januar 2010 gegen die Verfügung vom 28. Dezember 2009 ist nicht
einzutreten.
3.3 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
3.4 Der Einspracheentscheid vom 12. Februar 2010 hat sich als rechtswidrig erwiesen.
Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin ungeachtet des
Nichteintretens auf die Einsprache vom 28. Januar 2010 Anspruch auf ungekürzte
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
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(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Da sich der Streit in
diesem Verfahren nur um eine einzige Frage drehte und diese bereits Gegenstand des
vorangegangenen Gerichtsverfahrens war, erscheint die Zusprache einer
Parteientschädigung von Fr. 2'500.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird bei diesem
Verfahrensausgang gegenstandslos.