Decision ID: d39ff006-dbae-5cfd-b515-454af20efd4b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 0000Y_, P._, Grundbuch Y._, in der
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Politischen Gemeinde X._. Der Ortsteil, in dem das Grundstück liegt, gehörte bis zur
Vereinigung mit der Politischen Gemeinde X._ per 1. Januar 2013 zur Politischen
Gemeinde Y._. Das Grundstück umfasst heute 1'617 m . A._ erwarb es per 24. Juni
2014 mittels Schenkung von seinem Vater B._.
B.
Im Rahmen einer Revision ihrer Ortsplanung legte die damalige Politische Gemeinde
Y._ erstmals vom 27. Januar bis 25. Februar 2010 einen revidierten Zonenplan
öffentlich auf. Dieser sah die Auszonung einer Teilfläche des damaligen Grundstücks
Nr. 0000_ aus der Wohn /Gewerbezone (WG2) in die Grünzone Freihaltung vor. B._,
vertreten durch den heutigen Rechtsvertreter von A._, erhob am 24. Februar 2010
Einsprache gegen diesen Zonenplan. Er beantragte, auf die Auszonung sei zu
verzichten. Eventualiter machte er ausdrücklich einen enteignungsrechtlichen Anspruch
auf volle Entschädigung des Minderwertes geltend.
Bei den darauffolgenden Verhandlungen kamen die Politische Gemeinde Y._ und B._
überein, dass im Gegenzug für dessen Einverständnis mit der erwähnten Auszonung
ein Teil des Grundstücks Nr. 0000_ (heute Nr. 0000Y_) sowie das – damals ebenfalls
ihm gehörende – Grundstück Nr. 0001_ (heute Nr. 0001Y_) kompensationsweise der
Kernzone Q._ zugewiesen würden. Nach Verhandlungen mit weiteren Einsprechern
zog der Gemeinderat Y._ den Zonenplan am 16. Februar 2011 in Wiedererwägung
und verabschiedete die angepassten Instrumente der (revidierten) Ortsplanung. Am
17. Februar 2011 schrieb er die Einsprache von B._ am Protokoll als gegenstandslos
ab.
Vom 23. Februar bis 24. März 2011 legte der Gemeinderat den angepassten Zonenplan
öffentlich auf. Dieser sah unbestrittenermassen die erwähnten Zuweisungen eines Teils
des damaligen Grundstücks Nr. 0000_ sowie des damaligen Grundstücks Nr. 0001_
zur Kernzone vor. Am 24. März 2011 erhob B._ auch gegen diesen Zonenplan
Einsprache. Er tat dies "vorsorglich" in dem Sinne, als er mit dem Zonenplan
einverstanden war, sich jedoch für den Fall absichern wollte, dass die zu seinen
Gunsten vorgesehene kompensationsweisen Einzonungen nicht rechtskräftig würden.
Das zuvor (eventualiter) gestellte Entschädigungsbegehren wiederholte er in dieser
Eingabe nicht. Nachdem keine weiteren Einsprachen eingegangen waren, wies der
Gemeinderat die Einsprache von B._ mit Entscheid vom 14. Juni 2011 ab. Im
Protokollauszug ist festgehalten, B._ habe "als Kompensation für die Zuweisung eines
Teils seines Grundstücks Nr. 0000_ zur Grünzone Freihaltung eine 'Ersatzfläche' in
der Kernzone Q._ eingezont erhalten [...], welche andernfalls nicht eingezont worden
wäre" (Vorakten Schätzungskommission [nachfolgend vi-act.] 1/7 Erwägung 3.4). B._
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focht den Entscheid vom 14. Juni 2011 nicht an.
Im Frühjahr 2013 erfuhren B._ bzw. A._, dass die erwähnten Einzonungen in die
Kernzone nicht rechtskräftig geworden waren, weil es offenbar – einerseits – zu einem
Planungsfehler zwischen der öffentlichen Auflage und der Genehmigung gekommen
war und – andererseits – das Baudepartement die Einzonungen nicht genehmigt hatte.
Aus diesem Grund wurden erneut Verhandlungen geführt. Anlässlich einer
Besprechung vom 25. Juni 2013 vereinbarten die Beteiligten unter anderem, dass der
Rechtsvertreter von B._ bzw. A._ der Stadt X._ einen Vorschlag unterbreiten werde,
wie der "Planungsfehler" zu entschädigen sei. Am 28. Juli 2015 – nachdem in der
Zwischenzeit ein Teilzonenplan erlassen worden war, auf dessen Basis rund 260 m
des heutigen Grundstücks Nr. 0002Y_ zu Gunsten der Familie AB._ der Wohn- und
Gewerbezone zugewiesen wurden – übermittelte der Rechtsvertreter ein die
"verbleibende" Fläche von 1'357 m (1'617 m ausgezonte Fläche abzüglich 260 m )
betreffendes Entschädigungsbegehren an den Stadtrat X._. Es folgten weitere
Verhandlungen sowie eine Schätzung durch eine neutrale Fachperson. Eine Einigung
erzielten die Beteiligten indes auch hernach nicht.
C.
Am 25. Juli 2019 reichte A._ ein Entschädigungsbegehren an die
Schätzungskommission für Enteignungen des Kantons St. Gallen (nachfolgend
Schätzungskommission) ein. Er beantragte insbesondere eine Entschädigung für die
Auszonung der Fläche von 1'357 m zuzüglich Zins seit 17. Oktober 2012. Nach
durchgeführter Einigungsverhandlung mit Augenschein verpflichtete die
Schätzungskommission die Stadt X._ mit Entscheid vom 30. November 2020, dem
Grundeigentümer von Grundstück Nr. 0000Y_ für die von der
Eigentumsbeschränkung auf Grundstück Nr. 0000Y_ betroffene Fläche von 1'357 m
eine Entschädigung von CHF 424'020 nebst Zins zu 2,75% seit 26. Juli 2019 zu
bezahlen (Dispositiv Ziffer 1).
D.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 3. Dezember 2020 versandten Entscheid
der Schätzungskommission (Vorinstanz) durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
30. Dezember 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragt, Ziffer 1 des
angefochtenen Entscheids sei insofern aufzuheben, als die Stadt X._ verpflichtet
worden sei, für die ihm zugesprochene Entschädigung Zins zu 2,75% seit 26. Juli 2019
zu bezahlen. Die Stadt X._ sei zu verpflichten, auf der zugesprochenen Entschädigung
Zins zu 2,75% seit 17. Oktober 2012 zu bezahlen. Mit Beschwerdeergänzung vom
18. Januar 2021 beantragte der Beschwerdeführer neu, eventualiter sei der Zins zu
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2,75% seit 29. Juli 2015 zuzusprechen. Am 1. Februar 2021 verzichtete die Vorinstanz
auf eine Vernehmlassung und einen Antrag und verwies auf den angefochtenen
Entscheid. Mit Eingabe vom 1. März 2021 liess sich die Politische Gemeinde X._
(Beschwerdegegnerin) vernehmen und beantragte die kostenfällige Abweisung der
Beschwerde. Am 16. April 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellung zu den Eingaben
der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin äusserte sich
am 5. Mai 2021 dazu. Der Beschwerdeführer verzichtete stillschweigend auf eine
Antwort.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers und der Beschwerdegegnerin zur Begründung ihrer Anträge sowie
die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 3 des
Enteignungsgesetzes; sGS 735.1, EntG). Die Rechtsprechung erfolgt in
Fünferbesetzung, da eine Rechtsfrage erstmals zu beurteilen ist (Art. 18 Abs. 3 Ingress
und lit. b Ziff. 1 des Gerichtsgesetzes; sGS 941.1). Der Beschwerdeführer, der mit
seinem Begehren betreffend den Beginn des Zinsenlaufs vor Vorinstanz unterlag, ist
zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der erstmals in der
Beschwerdeergänzung gestellte Antrag, eventualiter sei der Zins zu 2,75% seit 29. Juli
2015 zuzusprechen, stellt eine (eventuelle) Reduktion des in der Beschwerde vom
30. Dezember 2020 gestellten Hauptbegehrens dar und ist zulässig (kein neues
Begehren im Sinne von Art. 61 Abs. 3 VRP; vgl. VerwGE B 2007/218 vom 13. März
2008 E. 2.2; Looser/Looser-Herzog, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 12 zu Art. 61
VRP). Die Beschwerde gegen den am 3. Dezember 2020 versandten Entscheid
(Zustellung am 4. Dezember 2020) wurde mit Eingabe vom 30. Dezember 2020 unter
Berücksichtigung der Gerichtsferien rechtzeitig erhoben (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 sowie Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 145 Abs. 1 lit. c der Schweizerischen
Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO). Sie erfüllt zusammen mit der
Beschwerdeergänzung vom 18. Januar 2021 inhaltlich und formal die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
bis
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2. Streitgegenstand
Der Beschwerdeführer ficht weder die Höhe der von der Vorinstanz zugesprochenen
Entschädigung von CHF 424'020 noch des Zinssatzes von 2,75% an. Er beanstandet
den vorinstanzlichen Entscheid einzig in Bezug auf den Beginn des Zinsenlaufs. Diesen
setzte die Vorinstanz – entsprechend der Einreichung des Entschädigungsbegehrens
bei ihrem Präsidenten mit Eingabe vom 25. Juli 2019 – auf den 26. Juli 2019 fest. Der
Beschwerdeführer hält dafür, die Vorinstanz hätte ihm Zinsen bereits ab 17. Oktober
2012 – an diesem Datum trat der revidierte Zonenplan gemäss seinem unbestrittenen
Vorbringen in Kraft (vgl. auch Erwägung 1 des angefochtenen Entscheids) –,
spätestens aber seit 29. Juli 2015 – am Vortag hatte der Rechtsvorgänger des
Beschwerdeführers ein Entschädigungsbegehren an den Stadtrat X._ gerichtet –
zusprechen müssen. Die Beschwerdegegnerin vertritt den Standpunkt, die Vorinstanz
habe den Beginn des Zinsenlaufs korrekt festgesetzt. Falls dem nicht so wäre, wäre
allerdings auch der Zinssatz zu beanstanden bzw. zu senken (act. 10 S. 2). Letzterer
Einwand ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht zu hören, zumal die
Beschwerdegegnerin keine Beschwerde erhob und es keine Anschlussbeschwerde
gibt.
Die Vorinstanz begründete den Beginn des Zinsenlaufs per 26. Juli 2019 wie folgt (vgl.
Erwägung 2 des angefochtenen Entscheids): Der Sichtweise des Beschwerdeführers,
wonach die Anspruchserhebung bereits in der Einsprache vom 24. Februar 2010
erfolgt sei, stehe die spezialgesetzliche kantonale Bestimmung von Art. 51 Abs. 3 EntG
entgegen. Angesichts der ausdrücklichen Gesetzesbestimmung von Art. 51 Abs. 3
EntG werde die Entschädigung zwingend ab Einreichung des
Entschädigungsbegehrens verzinst. Die Einsprache vom 24. Februar 2010 könne nicht
als Entschädigungsbegehren im Sinne des kantonalen Enteignungsgesetzes
angesehen werden. Hinzu komme, dass die Geltendmachung in der Einsprache vom
24. Februar 2010 vor Inkrafttreten der Eigentumsbeschränkung erfolgt sei und deshalb
als vorsorglich erhobener Anspruch gegenüber der klaren Bestimmung von Art. 51 Abs.
3 EntG nicht stärker gewichtet werden könne. Die Vorschriften des kantonalen
Gesetzes über die Enteignung würden gemäss Art. 50 Abs. 2 EntG sachgemäss für die
Folgen enteignungsähnlicher Eigentumsbeschränkungen angewendet. Demnach sei
das Entschädigungsbegehren, wie es in Art. 51 Abs. 3 EntG als rechtlich massgebliche
Eingabe gefordert sei (insofern habe das kantonale Enteignungsrecht für den Beginn
des Zinsenlaufs ein Formerfordernis geschaffen), gestützt auf Art. 27 Abs. 1 lit. b EntG
beim Präsidenten der Schätzungskommission schriftlich einzureichen. Dieser Vorgang
sei erstmals mit Eingabe vom 25. Juli 2019 erfolgt, weshalb für den Beginn des
Zinsenlaufs auf dieses Datum abzustellen sei.
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Es bedarf in einem ersten Schritt der Klärung, ob mit Blick auf die massgeblichen
Rechtsgrundlagen für den Beginn des Zinsenlaufs auf die Einreichung eines
Entschädigungsbegehrens bei der Schätzungskommission abzustellen ist oder auch
eine Geltendmachung gegenüber dem Gemeinwesen genügt (vgl. Erwägung 3
nachfolgend). In einem zweiten Schritt ist zu untersuchen, wann der Beschwerdeführer
vorliegend sein Entschädigungsbegehren geltend machte (vgl. Erwägung 4
nachfolgend). Daraus ergibt sich der Beginn des Zinsenlaufs (vgl. Erwägung 5
nachfolgend).
3. Rechtsgrundlagen
Bundesrechtliche Vorgaben
Die Verzinsung der Vergütung aus materieller Enteignung bildet nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung Teil des bundesrechtlichen Anspruchs auf volle
Entschädigung gemäss Art. 26 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) bzw. Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Raumplanung (SR 700, RPG; BGE 125 II 1 E. 1a; BGer 1A.104/2000 vom 20. Oktober
2000 = ZBl 102/2001 S. 550 E. 6b; E. Riva, in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen
[Hrsg.], Praxiskommentar RPG: Nutzungsplanung, Zürich 2016, N 245 zu Art. 5 RPG;
B. Waldmann/P. Hänni, Handkommentar Raumplanungsgesetz, Bern 2006, N 84 zu
Art. 5 RPG). Der Zins hat dabei den Charakter eines Schadenszinses. Mit ihm wird der
Schaden abgegolten, der dem Grundeigentümer dadurch entsteht, dass er im
Zeitpunkt des Eigentumseingriffs nicht sofort entschädigt wird und die Vergütung
ertragsbringend anlegen kann (BGE 125 II 1 E. 3b; 114 Ib 174 E. 4; 97 I 809 E. 3a
zweiter Absatz; zit. Urteil 1A.104/2000, a.a.O.; R. Merker, Der Grundsatz der "vollen
Entschädigung" im Enteignungsrecht, Zürich 1975, S. 92 f.).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung steht dem Grundeigentümer, der durch eine
materielle Enteignung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 RPG betroffen wird, grundsätzlich von
dem Tage an ein Anspruch auf Verzinsung der Entschädigung zu, an dem er
unmissverständlich um Vergütung für den Eingriff ersucht, frühestens aber ab
Entstehen der Forderung bei Inkrafttreten der Eigentumsbeschränkung (BGE 114 Ib
174 E. 4; 113 Ib 30 E. 3a, 112 Ib 496 E. 4, 109 Ib 257 E. 2; 108 Ib 334 E. 7b; BGer 1A.
104/2000 E. 6b; Riva, a.a.O., N 247 zu Art. 5 RPG). Das Bundesgericht betrachtet dies
als Mindestanforderung (BGE 112 Ib 496 E. 2b S. 504 [Hervorhebung hinzugefügt]:
"deve fruttarli almeno dal momento in cui il proprietario ha manifestato
inequivocabilmente la sua intenzione di farsi risarcire"; siehe auch H. Aemisegger,
3.1.
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Raumplanung und Entschädigungspflicht, Bern 1983 [nachfolgend
Entschädigungspflicht], S. 74).
Zwar hat sich das Bundesgericht bislang, soweit ersichtlich, nicht explizit dazu
geäussert, ob es gestützt auf eine entsprechende kantonale Gesetzesbestimmung
zulässig ist, zur Auslösung des Zinsenlaufs eine förmliche Einreichung eines
Entschädigungsbegehrens bei der zuständigen kantonalen Instanz zu verlangen.
Soweit die hier im Streit liegende Bestimmung überhaupt einer solchen Auslegung
zugänglich ist (vgl. dazu Erwägung 3.2 nachfolgend), erscheint dies jedoch zumindest
fraglich:
In BGE 113 Ib 30 entschied das Bundesgericht, die Absichtsäusserung erfordere nicht
zwingend eine förmliche Geltendmachung vor der zuständigen Behörde (so
ausdrücklich die Regeste zu E. 3b). Weiter hat das Bundesgericht bereits festgehalten,
dass es den Anforderungen der in aArt. 22 BV und Art. 5 RPG verankerten vollen
Entschädigung widerspräche, übermässig formalistische Anforderungen an die
Willensbekundung zu stellen. Es sei notwendig – und ausreichend –, dass das
Gemeinwesen nach Treu und Glauben Kenntnis davon erlange, dass der
Grundeigentümer im konkreten Fall eine Entschädigung verlange (BGE 112 Ib 496 E. 4
S. 512). Die zitierten Entscheide hatten zwar keine einschlägige Gesetzesbestimmung,
welche ein Formerfordernis vorsah, zum Gegenstand. Hinweise darauf, dass die
erwähnten Grundsätze unter einem entsprechenden Vorbehalt stünden, lassen sich
den Entscheiden allerdings nicht entnehmen. Dies macht denn auch Sinn, führt man
sich die Ratio der dargelegten Rechtsprechung vor Augen. Diese geht gemäss
Bundesgericht dahin, dass eine Eigentumsbeschränkung in bestimmten Fällen weder
die bestehende Nutzung noch das aus dem Grundstück fliessende Einkommen
beschneide. Unter Umständen habe der Grundeigentümer auch Anlass, mit der
Geltendmachung seiner Rechte zuzuwarten. Weil eine Planungsmassnahme sehr
verschiedene Sachlagen betreffen und unterschiedliche Folgen auslösen könne, sei es
gerechtfertigt, vom Eigentümer eine eindeutige Willenserklärung, wonach er die
Entschädigungsforderung geltend mache, zu verlangen (BGE 114 Ib 283 E. 2a;
112 Ib 496 E. 4; 97 I 809 E. 3a S. 818). Der vom Bundesgericht gebilligte Aufschub des
Beginns des Zinsenlaufs ist mithin nicht etwa als Ausdruck einer kantonalen Autonomie
bei der Regelung des Entschädigungsumfangs zu verstehen, sondern vielmehr als eine
zeitlich beschränkte Ausnahme vom bundesrechtlichen Grundsatz der vollen
Entschädigung – zu der, wie erwähnt, auch der (Schadens-)Zins gehört. Diese
Ausnahme findet ihre Rechtfertigung im passiven Verhalten des Eigentümers. Sobald
dieser indes klar zu erkennen gibt, dass er entschädigt werden will und das
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Gemeinwesen Kenntnis hiervon erlangt, entfällt die Rechtfertigung für einen
weitergehenden Aufschub des Zinsenlaufs. Für eine solche Einschränkung des
Grundsatzes der vollen Entschädigung ist denn auch kein sachlicher Grund bzw. kein
schützenswertes – nicht rein fiskalisches (vgl. BGE 111 Ia 93 E. 2b) – öffentliches
Interesse auszumachen, was die Beschwerdegegnerin auch nicht behauptet.
Schliesslich erschiene ein entsprechender Aufschub des Zinsenlaufs auch mit Blick auf
die Rechtsgleichheit (Art. 8 BV) als problematisch. Ab Inkrafttreten der eine materielle
Enteignung darstellenden Eigentumsbeschränkung befindet sich das Gemeinwesen
nämlich in derselben Situation wie bei einer vorzeitigen Besitzeinweisung, bei welcher
die Zinspflicht bereits ab Vollzug besteht (vgl. Art. 38 Abs. 2 EntG; siehe dazu BGE 112
Ib 496 mit Bezug auf die insoweit vergleichbare Regelung in Art. 76 Abs. 5 des
Bundesgesetzes über die Enteignung; SR 711).
Ob es unter diesen bundesrechtlichen Vorgaben zulässig ist, den Beginn des
Zinsenlaufs durch eine entsprechende Bestimmung im kantonalen Recht von der
förmlichen Einreichung eines Entschädigungsbegehrens bei der zuständigen
kantonalen Instanz – hier der Schätzungskommission – abhängig zu machen, braucht
hier nicht abschliessend beantwortet zu werden. Selbst wenn nämlich davon
ausgegangen würde, eine solche Regelung vertrage sich mit dem erläuterten Regime,
wäre darauf nicht abzustellen, zumal sich, wie nachfolgend aufzuzeigen ist, in Bezug
auf Art. 51 Abs. 3 EntG keine einschlägige gesetzgeberische Absicht ergibt.
Auslegung von Art. 51 Abs. 3 EntG
Art. 51 Abs. 3 EntG nennt als zeitlichen Anknüpfungspunkt für den Zinsenlauf die
"Einreichung des Entschädigungsbegehrens". Dem Wortlaut der Bestimmung lässt sich
nicht entnehmen, ob damit das formelle Anhängigmachen eines Antrags bei der
Schätzungskommission (vgl. Art. 53 Abs. 1 EntG) gemeint ist oder die Einreichung beim
beteiligten Gemeinwesen genügt. Insofern erweist sich der Wortlaut von Art. 51 Abs. 3
EntG als unklar. Daran ändert entgegen der Vorinstanz nichts, dass der Begriff des
Entschädigungsbegehrens auch in Art. 27 Abs. 1 lit. b EntG Erwähnung findet. Allein
daraus lässt sich nicht schliessen, das Gesetz meine mit "Entschädigungsbegehren"
immer nur jene Begehren, die der Schätzungskommission eingereicht würden. Dies gilt
umso mehr angesichts des Umstands, dass Art. 50 Abs. 2 EntG (im Abschnitt "Folgen
enteignungsähnlicher Eigentumsbeschränkungen") lediglich auf die Vorschriften dieses
Gesetzes über die Entschädigung verweist. Von diesem Verweis erfasst sind einzig die
Artikel 14 bis 19 EntG, nicht aber jene über das Verfahren, zu denen Art. 27 Abs. 1 lit. b
EntG gehört. Der Wortlaut von Art. 51 Abs. 3 EntG vermag demnach nebst der
vorinstanzlichen Deutung (Einreichung bei der Schätzungskommission nötig) gerade
3.2.
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auch jene des Beschwerdeführers (Einreichung beim Gemeinwesen genügt) zu stützen.
Art. 51 Abs. 3 EntG ist deshalb auszulegen.
Als aufschlussreich erweist sich dabei ein Blick in die Materialien: Art. 51 Abs. 3 EntG
geht auf den im Wesentlichen gleichlautenden Art. 55 Abs. 3 EntG ("Die Entschädigung
ist ab Einreichung des Entschädigungsbegehrens [...] zu verzinsen") im Entwurf des
Regierungsrats zum Enteignungsgesetz zurück. Die Botschaft des Regierungsrats vom
24. August 1982 (ABl 1982, 1289 ff. [nachfolgend Botschaft]) hielt dazu fest, die
Bestimmung enthalte eine besondere Regel für die Verzinsung von Entschädigungen
aus materieller Enteignung. Sie lehne sich an die Bestimmungen anderer Kantone und
an die bundesgerichtliche Rechtsprechung (Hinweis auf BGE 97 I 817 f.) an (S. 1307).
Im zitierten Grundsatzentscheid bejahte das Bundesgericht die Verfassungskonformität
einer vom Verwaltungsgericht des Kantons Bern aufgestellten Regelung, wonach die
Pflicht zur Verzinsung der Entschädigung (erst) in dem Zeitpunkt beginnt, wo der
Entschädigungsanspruch "gegenüber dem Gemeinwesen in unverkennbarer Weise
geltend gemacht wird" (vgl. insbesondere E. 3a in fine). Im konkreten Fall erblickte das
Bundesgericht diese Geltendmachung darin, dass die betroffenen Grundeigentümer
sich in entsprechenden Briefen an die betreffende Gemeinde bzw. deren Organe
gerichtet hatten. Hingegen ist im Entscheid keine Rede von einem weitergehenden –
sprich über den Zeitpunkt der Geltendmachung gegenüber dem Gemeinwesen
hinausgehenden – Aufschub des Zinsenlaufs. Sodann ist nicht ersichtlich, dass andere
Kantone zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Botschaft eine Regelung gekannt
hätten, wonach der Zinsenlauf ab dem Zeitpunkt der förmlichen Einreichung des
Entschädigungsbegehrens bei der zuständigen Instanz beginnt (vgl. H. Aemisegger,
Gesetzliche Grundlagen über die Entschädigung von Eigentumsbeschränkungen, Bern
1978, S. 41, betreffend die Regelungen der Kantone Zürich, Aargau und Waadt
[Verzinsung jeweils spätestens ab Geltendmachung, ohne dass eine
Verfahrenseinleitung erwähnt wird]; siehe auch derselbe, Entschädigungspflicht, S. 75
und 144 f., wo er die "vom Bundesgericht und auch von einigen kantonalen
Gesetzgebern" getroffene Lösung als "am besten und [...] ausgewogen" bezeichnet;
siehe ferner BGE 108 Ib 334 [vom 28. April 1982] E. 7 betreffend die damalige
Rechtslage im Kanton Obwalden [Zinsenlauf ab Inkrafttreten der
Eigentumsbeschränkung aufgrund der vorangehenden Geltendmachung in der Form
von Verkaufsverhandlungen]). Die erwähnten Verweise in der Botschaft (kantonale
Regelungen, bundesgerichtliche Rechtsprechung) lassen sich folglich nur dahingehend
auffassen, dass der kantonale Gesetzgeber den Beginn des Zinsenlaufs auf den
Zeitpunkt der unmissverständlichen Geltendmachung (zumindest) gegenüber dem
Gemeinwesen – das heisst der öffentlich-rechtlichen Körperschaft, von welcher die
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4. Geltendmachung des Entschädigungsbegehrens
Nachdem feststeht, dass es für den Beginn des Zinsenlaufs nicht auf die Einreichung
des förmlichen Begehrens bei der Schätzungskommission bzw. deren Präsidenten
ankommt, gilt es zu prüfen, wann der Beschwerdeführer bzw. dessen Rechtsvorgänger
ihr Begehren gegenüber der Beschwerdegegnerin bzw. deren Rechtsvorgängerin
geltend machten. Dabei ist vorauszuschicken, dass es dem Beschwerdeführer nicht
schadet, dass die ursprüngliche Geltendmachung des Entschädigungsbegehrens
durch seinen Rechtsvorgänger und nicht durch ihn persönlich erfolgte. Die
Beschwerdegegnerin behauptet denn auch nichts anderes.
materielle Enteignung ausgeht und gegenüber der (allein) ein allfälliger Anspruch auf
eine entsprechende Entschädigung besteht – festsetzen wollte, ohne dabei eine
förmliche Einreichung bei der Schätzungskommission bzw. deren Präsidenten zu
verlangen. Diese gesetzgeberische Absicht fand insofern Niederschlag im Gesetz, als
die entsprechende Deutung, wie dargelegt (vgl. den vorangehenden Absatz), vom
Wortlaut von Art. 51 Abs. 3 EntG gedeckt ist. Darauf ist somit abzustellen (vgl.
S. Hrubesch-Millauer/M. Bosshardt, Die Einleitungsartikel des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches, Bern 2019, § 2 N 100 zweiter Spiegelstrich mit Hinweisen).
Nach dem Gesagten ist Art. 51 Abs. 3 EntG so auszulegen, dass für den Beginn des
Zinsenlaufs nicht die Einreichung eines Entschädigungsbegehrens bei der
Schätzungskommission bzw. deren Präsidenten erforderlich ist, sondern es genügt,
dass der Grundeigentümer unmissverständlich gegenüber dem Gemeinwesen um
Vergütung für den Eingriff ersucht. Dieser Schluss steht im Einklang mit der
einschlägigen Literatur zu Art. 51 Abs. 3 EntG (vgl. B. Heer, Materielle Enteignung, in:
Das neue st. gallische Enteignungsgesetz, St. Gallen 1985, S. 88, der mit Hinweis auf
BGE 108 IB 344 E. 7b ausführt, Verkaufsverhandlungen mit dem Gemeinwesen seien
einer Anmeldung der Forderung gleichzusetzen).
Was die übrigen Anforderungen an die Geltendmachung angeht, so genügt es, dass
eine Entschädigung für den Fall verlangt wird, dass die Eigentumsbeschränkung nicht
wieder aufgehoben werde (vgl. BGE 113 Ib 30 E. 3b; Riva, a.a.O., N 248 zu Art. 5 RPG
mit weiteren Hinweisen). An den Inhalt der Erklärung des Entschädigungsberechtigten
dürfen keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden. Die Angabe eines bestimmten
Forderungsbetrags wird nicht verlangt (vgl. BGer 1C_98/2010 vom 13. August 2010
E. 3.2). Entgegen der Vorinstanz kann es auch nicht darauf ankommen, ob die
Geltendmachung vor oder nach dem Inkrafttreten der Eigentumsbeschränkung
4.1.
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erfolgte. So hielt das Bundesgericht etwa im zitierten BGE 112 Ib 496 fest, die
Eigentümer hätten ihren Willen bereits im Rahmen des Widerstands, den sie gegen die
dort strittige Eigentumsbeschränkung und sodann im Jahr 1975 gegen in diesem
Zusammenhang erlassene Sicherungsmassnahmen geleistet hätten, ausgedrückt.
Unter diesen Umständen rechtfertige es sich, den Zinsenlauf mit dem Inkrafttreten des
(die Eigentumsbeschränkung nach sich ziehenden) Richtplans per 7. Juli 1978
beginnen zu lassen (BGE 112 Ib 496 E. 4 S. 512 f.; siehe auch den vorzitierten BGE 108
Ib 344 E. 7b, wo die Verkaufsverhandlungen vor Inkrafttreten der
Eigentumsbeschränkung dazu führten, dass der Zinsenlauf mit Inkrafttreten begann).
Vorliegend erhob B._, der Rechtsvorgänger des Beschwerdeführers, am 24. Februar
2010 Einsprache gegen den aufgelegten (ersten) Zonenplan. Eventualiter machte er
darin ausdrücklich einen "enteignungsrechtlichen Anspruch auf volle Entschädigung
des Minderwertes geltend" (vi-act. 1/3 S. 4). Zu diesem Zeitpunkt konnte die
Rechtsvorgängerin der Beschwerdegegnerin nach Treu und Glauben somit keine
Zweifel daran haben, dass B._ für die geplante Auszonung, sollte von dieser nicht
abgesehen werden, entschädigt werden wollte. Solche Zweifel waren auch später nicht
angezeigt:
Wie ausgeführt zog der Gemeinderat den erwähnten Zonenplan am 16. Februar 2011 in
Wiedererwägung und schrieb die Einsprache von B._ als gegenstandslos ab. Der
angepasste, hinsichtlich der Auszonung eines Teils des Grundstücks aus der Zone
WG2 unveränderte, Zonenplan lag vom 23. Februar bis 24. März 2011 neu auf (vi-
act. 1/5 S. 3). In seiner dagegen erhobenen vorsorglichen Einsprache wiederholte B._
sein Entschädigungsbegehren zwar nicht ausdrücklich. Daraus liess sich indes nicht
ableiten, für den Fall, dass die im aufgelegten Zonenplan vorgesehenen
kompensationsweisen Einzonungen nicht rechtskräftig würden, verzichte er auf eine
Entschädigung. Zwar genügt es dem Erfordernis der Geltendmachung im hiervor
dargelegten Sinne für sich gesehen nicht, Einsprache zu erheben, ohne eine
Entschädigung zu verlangen (vgl. Riva, a.a.O., N 248 zu Art. 5 RPG mit Hinweisen). Die
(zweite) Einsprache vom 24. März 2011 ist jedoch nicht isoliert, sondern im Kontext der
vorangehenden ersten Einsprache sowie der darauffolgenden Ereignisse zu betrachten.
Daraus erhellt ohne weiteres, dass der Umstand, dass B._ das
Entschädigungsbegehren in der zweiten Einsprache nicht wiederholte, darin begründet
lag, dass der ihm entstehende "Schaden" mit einer Aufzonung anderer
Grundstücksflächen in seinem Eigentum kompensiert werden sollte. In seiner
Einsprache hielt B._ fest, dass er für den Fall, dass diese Kompensation nicht
4.2.
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rechtskräftig würde, "nicht bereit [sei], die Auszonung der Teilfläche des Grundstücks
Nr. 0000_ hinzunehmen" (vi-act. 1/6 S. 2 f.). Darin liegt nichts anderes als ein
Festhalten an der Position, die er in der (ersten) Einsprache vom 24. Februar 2010
eingenommen hatte. Es widerspräche Treu und Glauben, zu unterstellen, er habe sich
zum Zeitpunkt der zweiten Einsprache für den Fall einer ausbleibenden
kompensationsweisen Aufzonung – welche gerade der Deckung seines "Schadens"
dienen sollte – wohl weiterhin gegen die Auszonung wehren, nicht aber an seinem
Entschädigungsbegehren festhalten wollen.
Alsdann wies der Gemeinderat der Rechtsvorgängerin der Beschwerdegegnerin die
Einsprache am 14. Juni 2011 ab. Aus nachfolgenden Überlegungen lässt sich B._
bzw. dem Beschwerdeführer allerdings nicht anlasten, dass diese Verfügung
unangefochten blieb und B._ die Sache hernach bis ins Frühjahr 2013 nicht weiter
vorantrieb. Zum einen ist unbestritten, dass der vom 23. Februar bis 24. März 2011
öffentlich aufgelegte Zonenplan, gegen den keine weiteren Einsprachen eingingen, die
Einzonung eines Teils des damaligen Grundstücks Nr. 0000_ sowie des damaligen
Grundstücks Nr. 0001_ vorsah. Insoweit spielt auch keine Rolle, dass der Entscheid
vom 14. Juni 2011 – dem diesbezüglich keine Rechtskraftwirkung zukommt – in
Erwägung 3.4 einzig die erstere Einzonung erwähnte. Unbestritten ist sodann, dass die
entsprechenden Einzonungen vom Baudepartement nicht genehmigt wurden (vgl. zur
Zuständigkeit Art. 31 Abs. 1 des damals in Kraft stehenden Gesetzes über die
Raumplanung und das öffentliche Baurecht; nGS 32 47) und dies dem
Rechtsvorgänger des Beschwerdeführers nicht mitgeteilt wurde (vgl. auch vi act. 1/8
Rz. 3 f.). Der Beschwerdeführer trägt zu Recht vor, dass dieser als betroffener
Grundeigentümer vor der Verweigerung der Genehmigung hätte angehört werden
müssen (vgl. BGE 104 Ia 65 E. 2b; B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht,
Bern 2003, Rz. 264). Vor diesem Hintergrund (keine Einsprachen, keine Mitteilung der
Nichtgenehmigung) durften der Beschwerdeführer respektive sein Rechtsvorgänger
nach Treu und Glauben davon ausgehen, die Einzonungen seien entsprechend der
öffentlichen Auflage bzw. vereinbarungsgemäss in Rechtskraft erwachsen. Umgekehrt
bestand auf Seiten der Beschwerdegegnerin kein Grund zur Annahme, der
Entschädigungsanspruch sei trotz Wegfallen der erwähnten Einzonungen hinfällig
geworden. Davon ging die Beschwerdegegnerin denn auch in tatsächlicher Hinsicht
nicht aus. Gegenteils wurden die Verhandlungen, soweit aus den Akten ersichtlich,
unmittelbar fortgeführt, nachdem der Beschwerdeführer bzw. dessen Rechtsvorgänger
von den nicht rechtskräftig gewordenen Einzonungen erfahren hatten. Anlässlich der
Besprechung vom 25. Juni 2013 wurde vereinbart, dass der Rechtsvertreter einen
Vorschlag unterbreiten werde, wie die "Familie AB._" für den "Planungsfehler" zu
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5. Zusammenfassung
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin bzw. deren
Rechtsvorgängerin sich seit Erhebung der Einsprache vom 24. Februar 2010 zu jedem
Zeitpunkt im Klaren darüber sein mussten, dass B._ bzw. der Beschwerdeführer als
dessen Rechtsnachfolger für den Fall einer (rechtskräftigen) – nicht anderweitig
kompensierten – Auszonung des damaligen Grundstücks Nr. 0000_ eine volle
Entschädigung verlangten. In Anbetracht dieser unmissverständlichen
Anspruchserhebung kann für den Beginn des Zinsenlaufs in der vorliegenden
Konstellation nur das – unbestrittene – Datum des Inkrafttretens der
Eigentumsbeschränkung, das heisst der 17. Oktober 2012, massgebend sein.
Hingegen besteht weder in rechtlicher (vgl. Erwägung 3 vorstehend) noch tatsächlicher
(vgl. Erwägung 4 vorstehend) Hinsicht Raum, auf die förmliche Einleitung des
Verfahrens vor der Schätzungskommission abzustellen.
Anzumerken bleibt, dass dieses Ergebnis mit der Anwendung des Zinssatzes von
2,75% nicht im Widerspruch steht. Abgesehen davon, dass der Zinssatz, wie erwähnt,
unangefochten blieb, ergibt sich der Beginn des Zinsenlaufs – entgegen der Prämisse,
auf der die Argumentation der Beschwerdegegnerin fusst (vgl. act. 10 S. 2) – aus
Art. 51 Abs. 3 EntG selbst, sodass diese Norm integral zur Anwendung gelangt. Im
Übrigen tut die Beschwerdegegnerin nicht dar, inwiefern dieses Ergebnis stossend sein
bzw. zu einem "finanziellen Vorteil" des Beschwerdeführers führen sollte, der vom
verfassungsmässigen und gesetzlichen Anspruch auf volle Entschädigung – zu dem
nach der Rechtsprechung eben auch der auf die Entschädigung entfallende Zins
gehört – nicht gedeckt wäre. Die Beschwerde ist gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer sind Zinsen zu 2,75% auf der Entschädigung von CHF 424'020 seit
17. Oktober 2012 zuzusprechen.
6. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von CHF 2'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Da die vorliegend behandelte Rechtsfrage
indes erstmals zu beantworten war, ist in Anwendung von Art. 97 VRP auf die
Erhebung der Kosten zu verzichten (VerwGE B 2016/115 vom 27. Juni 2016 E. D;
entschädigen sei (vi-act. 1/9 S. 2). Dem kam der Rechtsvertreter mit Eingabe vom
28. Juli 2015 nach (vi-act. 1/10). Da eine Einigung auch hernach nicht erzielt wurde (vgl.
vi-act. 1/11 ff.), leitete der Beschwerdeführer am 25. Juli 2019 das Verfahren bei der
Schätzungskommission ein.
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B 2009/22 vom 22. September 2009 E. 5.1; R. von Rappard-Hirt, in: Rizvi/Schindler/
Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 7 zu Art. 97 VRP). Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von CHF 2'500 ist ihm zurückzuerstatten.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer, dessen Rechtsvertreter keine Kostennote eingereicht hat, für seine
ausseramtlichen Kosten ermessensweise mit einem Pauschalhonorar von CHF 3'500
zuzüglich Barauslagen von CHF 140 (4% von CHF 3'500) zu entschädigen (Art. 98 Abs.
1 in Verbindung mit 98 VRP; Art. 6 in Verbindung mit Art. 19, 22 Abs. 1 Ingress und
lit. b und Art. 28 der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO). Mangels Antrags (vgl. act.
1 und 5) ist keine Mehrwertsteuer hinzuzurechnen (Art. 29 HonO).