Decision ID: 4ea756d1-84d9-56de-bb7f-1e798343a029
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 30. August 2018 hat die Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern ein Disziplinarverfahren gegen Rechtsanwalt A._ eröffnet (AA 18 36). Am 9. Oktober 2018 hat sie ihm die Zusammensetzung des Spruchkörpers mitgeteilt. Am 22. Oktober 2018 hat Rechtsanwalt A._ Stellung genommen und den Ausstand von B._ . Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2018 hat die  das Begehren unter Ausschluss des abgelehnten  abgewiesen.
B.
Dagegen hat Rechtsanwalt A._ am 21. Dezember 2018  erhoben mit dem Antrag, die angefochtene  aufzuheben und B._ in Ausstand zu versetzen. Eventuell sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Am 14. Januar 2019 hat er zudem um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersucht.
Die Anwaltsaufsichtsbehörde hat am 4. Februar 2019 auf Stellungnahme verzichtet, während B._ mit Beschwerdeantwort vom 13. Februar 2019 sinngemäss auf Abweisung der Beschwerde schliesst.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht beurteilt als letzte kantonale Instanz  aus dem Gebiet der Disziplinaraufsicht über die Rechtsanwälte (Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]; vgl. auch Art. 22 des
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 03.04.2019, Nr. 100.2018.455U, Seite 3
Kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 [KAG; BSG 168.11]). Kann in der Hauptsache Verwaltungsgerichtsbeschwerde geführt werden, steht dieses Rechtsmittel auch gegen die angefochtene  zur Verfügung (Grundsatz der Einheit des Verfahrens; Art. 75 Bst. a VRPG, Umkehrschluss). Da diese den Ausstand eines Behördenmitglieds betrifft, ist sie selbständig anfechtbar (Art. 74 Abs. 3 i.V.m. Art. 61 Abs. 1 Bst. b und Abs. 2 VRPG), ohne dass die Voraussetzungen von Art. 61 Abs. 3 VRPG erfüllt sein müssen.
1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren , ist durch die angefochtene Zwischenverfügung besonders  und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder  (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Auf seine form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist jedoch auf den gestellten Eventualantrag, da dieser mit keinem Wort begründet wird; insoweit genügt die Beschwerde den gesetzlichen  von Art. 81 i.V.m. Art. 32 Abs. 2 VRPG nicht (vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15; zu den Begründungsanforderungen vgl. auch BVR 2006 S. 470 E. 2.4).
1.3 Die Beurteilung der vorliegenden Streitigkeit fällt in die  Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 2 Bst. b des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
1.4 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 03.04.2019, Nr. 100.2018.455U, Seite 4
2.
Im Streit liegt, ob B._ wegen Befangenheit in Ausstand zu treten hat.
2.1 Im Verfahren vor der Anwaltsaufsichtsbehörde richten sich  und Ablehnung nach Art. 9 VRPG. Art. 6 der Europäischen  (EMRK; SR 0.101), auf den sich der  beruft (Beschwerde Rz. 5 ff.), findet demgegenüber keine , da es sich bei der Anwaltsaufsichtsbehörde um eine nichtrichterliche Behörde handelt (VGE 2017/336 vom 13.12.2017 mit Hinweis auf den  des Regierungsrats betreffend das Kantonale Anwaltsgesetz, Tagblatt des Grossen Rates 2006, Beilage 4, S. 10; BVR 2004 S. 241 E. 1.1..1.8; BGE 126 I 228 E. 2c; BGer 2C_980/2016 vom 7.3.2017 E. 2.1.2; Walter Fellmann, Anwaltsrecht, 2. Aufl. 2017, Rz. 707). Der  übersieht, dass dies unabhängig davon gilt, ob die Disziplinaraufsicht – mit Blick auf die (abstrakte) Möglichkeit eines Berufsverbots (vgl. Art. 17 Abs. 1 Bst. d des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die  der Anwältinnen und Anwälte [Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61]) – allenfalls ein «civil right» im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK beschlägt (vgl.  BGer 2C_344/2007 vom 22.5.2008 E. 1.3 mit Hinweisen auf die  des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte).
2.2 Gemäss Art. 9 Abs. 1 VRPG tritt eine Person, die eine Verfügung zu treffen oder vorzubereiten oder als Mitglied einer Behörde zu amten hat, in den Ausstand, wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse hat (Bst. a), an einem Vorentscheid mitgewirkt hat (Bst. b), mit einer Partei , verschwägert oder durch Ehe, Kindesannahme, eingetragene  oder faktische Lebensgemeinschaft verbunden ist (Bst. c), eines gesetzlichen Erfordernisses für das Amt verlustig geht (Bst. d), eine Partei vertritt oder für eine Partei in der gleichen Sache tätig war (Bst. e) oder aus andern Gründen in der Sache befangen sein könnte (Bst. f). Letztere  erfasst namentlich Eigeninteressen, Vorbefassungen, enge  und Interessenbindungen, die keinen anderen Ausstandsgrund erfüllen, aufgrund der konkreten Umstände aber doch auf mangelnde Unparteilichkeit schliessen lassen. Solche Umstände können entweder in einem bestimmten persönlichen Verhalten oder in gewissen funktionellen
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und organisatorischen Gegebenheiten begründet sein, wobei nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abzustellen ist, sondern das Misstrauen in objektiver Weise begründet erscheinen muss. Nach der Praxis des  ist bei der Auslegung von Art. 9 Abs. 1 Bst. f VRPG auch die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 29 und 30 der  (BV; SR 101) zu berücksichtigen (BVR 2015 S. 213 E. 3.1, 2014 S. 216 E. 2.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 9 N. 15).
2.3 Der Beschwerdeführer nimmt in seinen Ausführungen keinen Bezug auf die Regelung von Art. 9 Abs. 1 VRPG und macht auch sonst nicht das Vorliegen eines spezifischen Ausstandsgrunds gemäss Bst. a-e geltend. Er lehnt B._ einzig darum ab, weil er gegen dessen Ehefrau Strafanzeige wegen übler Nachrede eingereicht habe (Beschwerde Rz. 12). Insoweit ist zu prüfen, ob eine Befangenheit «aus andern Gründen» im Sinn von Art. 9 Abs. 1 Bst. f VRPG vorliegt.
2.3.1 Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung genügt es nicht, dass eine Partei Strafanzeige einreicht, um den Anschein der  bei der angezeigten Person zu begründen. Andernfalls hätten es die Parteien in der Hand, Richterinnen und Richter in den Ausstand zu versetzen und so die Zusammensetzung des Gerichts zu beeinflussen (BGE 134 I 20 E. 4.3.2; BGer 1B_130/2017 vom 15.6.2017 E. 2.5, 1B_303/2008 vom 25.3.2009 E. 2.3.3). Erst wenn die angezeigte Person auf persönlicher Ebene reagiert – etwa ihrerseits Strafanzeige wegen  und Zivilforderungen erhebt – erhält der Konflikt eine  Dimension, die ihre Unbefangenheit tangiert (BGE 134 I 20 E. 4.3.2; 1B_221/2007 vom 16.1.2008, in AJP 2008 S. 774 E. 4.2, 1P.514/2002 vom 13.2.2003 E. 2.7; zum Ganzen BGer 1B_664/2012 vom 19.4.2013 E. 3.3). Führt das Einreichen einer Strafanzeige gegen die zum Entscheid berufene Person für sich allein nicht zu einer Befangenheit, muss das Gleiche für eine Anzeige gelten, die gegen ein Familienmitglied der zum Entscheid  Person eingereicht wurde. Der Umstand, dass der  gegen die Ehefrau von B._ Strafanzeige eingereicht hat, begründet demnach noch keinen Anschein der Befangenheit. Zudem wird eine Reaktion von B._ auf die Strafanzeige nicht behauptet und
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gibt es auch sonst keine Hinweise für einen persönlichen Konflikt zwischen ihm und dem Beschwerdeführer.
2.3.2 Ebenso wenig sind persönliche Spannungen mit der angezeigten Ehefrau dargetan, zumal die Vorbringen des Beschwerdeführers allein das berufliche Verhältnis zu dieser beschlagen: Anlass für die Strafanzeige gab, dass C._ in ihrer Funktion als ... des Bernischen Anwaltsverbands (BAV) dessen Standeskommission informierte, die Prozessführung des Beschwerdeführers sei vom Bundesgericht mit deutlichen Worten gerügt worden. Die Staatsanwaltschaft verfügte die Nichtanhandnahme dieser Anzeige wegen offensichtlich fehlender , was der Beschwerdeführer bei der Beschwerdekammer des  des Kantons Bern angefochten hat. In diesem Verfahren äusserte sich C._ auf rein sachlicher Ebene (vgl. Stellungnahme vom 25.9.2018, act. 5A pag. 183 ff.). Der Beschwerdeführer weist ferner darauf hin, dass ihm C._ als Verbands... im bei der Standeskommission des BAV hängigen Ausschlussverfahren gegenüberstehe (Beschwerde Rz. 13; Beilagen zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde, act. 1C). Auch dort treffen beide jedoch in ihrer beruflichen Eigenschaft aufeinander und begegnen sich nicht auf persönlicher Ebene. Soweit ersichtlich und dargetan bestand die einzige Reaktion von C._ auf die Strafanzeige des Beschwerdeführers, dass sie die Standeskommission des BAV über den Ausgang des Verfahrens informierte. Besteht zwischen ihr und dem Beschwerdeführer, soweit überhaupt, ein rein beruflicher und kein persönlicher Konflikt, leuchtet von vornherein nicht ein, weshalb das Verhältnis zum Ehemann von C._ auf persönlicher Ebene betroffen sein sollte.
2.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer weder zu B._ selber noch zu dessen Ehefrau einen persönlichen Konflikt darzutun vermag. Das Einreichen der Strafanzeige wegen übler Nachrede begründet bei diesen Gegebenheiten keinen Anschein von Befangenheit, weshalb die angefochtene Zwischenverfügung der Anwaltsaufsichtsbehörde der Rechtskontrolle standhält.
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3.
3.1 Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet und ist , soweit darauf eingetreten wird. Bei diesem Ausgang des  sind die Kosten an sich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Dieser hat jedoch für das verwaltungsgerichtliche Verfahren um unentgeltliche Rechtspflege ersucht.
3.2 Indes muss seine Beschwerde als von vornherein aussichtslos  werden (Art. 111 Abs. 1 Bst. b VRPG; zu den Anforderungen statt vieler BVR 2016 S. 369 E. 3.1 mit Hinweisen): Die  hat im angefochtenen Entscheid überzeugend dargelegt, weshalb im vorliegenden Fall eine Befangenheit von B._ zu verneinen ist. Darauf geht der Beschwerdeführer aber nur am Rand ein und äussert sich stattdessen hauptsächlich zu Fragen im Zusammenhang mit Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Dies obschon ihm aus einem früheren ihn betreffenden Urteil des Verwaltungsgerichts bekannt sein musste, dass diese  auf das Verfahren vor der Anwaltsaufsichtsbehörde keine  findet (vgl. VGE 2017/336 vom 13.12.2017). Im Übrigen setzt er der korrekten Sichtweise der Vorinstanz in seinen knappen Ausführungen zur Sache keine Argumente entgegen. Die Erfolgsaussichten der  müssen deshalb als minimal bezeichnet werden.
3.3 Mithin ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen, ohne dass die Prozessarmut des Beschwerdeführers zu prüfen wäre. Da über das Gesuch nicht vorab, sondern erst im Rahmen des  Entscheids befunden wird, sind die Verfahrenskosten  bloss in der Höhe der üblichen Abschreibungsgebühr zu erheben (BVR 2014 S. 437 E. 7.9). Ersatzfähige Parteikosten sind keine angefallen (Art. 108 Abs. 3 und Art. 104 VRPG).
4.
Gegen selbständig eröffnete Zwischenentscheide über Ausstandsbegehren ist die Beschwerde beim Bundesgericht zulässig (Art. 92 Abs. 1 des  vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichts-
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gesetz, BGG; SR 173.110]). Diese Entscheide können später nicht mehr angefochten werden (Art. 92 Abs. 2 BGG).