Decision ID: f3e101f1-a4a7-5c57-991c-bdc4d528d4e4
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der (...) A._ (nachfolgend: Gesuchsteller) gab bei seinem Asyl-
gesuch vom 15. April 2008 diesen Namen als den seinigen und als Ge-
burtsdatum den (...) 1977 an. Er sei ein "Maktum" (staatenloser Kurde
ohne Registrierung bei den syrischen Behörden).
Anlässlich seiner Befragung zur Person (BzP) vom 16. April 2008, äusserte
er sich zu seinen persönlichen Umständen und summarisch zu seinen
Asylgründen. Dabei bestätigte er die obigen Angaben und hielt sinngemäss
fest, der Schlepper habe ihm einen Reisepass organisiert, diesen immer
bei sich behalten und sei am Flughafen damit verschwunden. Er dürfe kei-
nen Pass besitzen. Als Staatenloser habe er sich in Syrien mit einer Bestä-
tigung vom Bürgermeister ausgewiesen, welche er zuhause gelassen
habe. Im Dorf gebe es auch keine Geburtsscheine.
Am 23. April 2008 hörte das Bundesamt für Migration (nachfolgend: BFM;
seit 1. Januar 2015: Staatssekretariat für Migration [SEM]) den Gesuch-
steller zu seinen Asylgründen an. Dabei äusserte sich dieser auf die ent-
sprechende Frage erstmals dazu, dass er mit einem gefälschten Reise-
pass unter dem Namen "B._" in die Schweiz eingereist war. Mit Hin-
weis auf seine Mitwirkungspflicht hielt das BFM den Gesuchsteller erneut
zur vollständigen Offenlegung seiner Identität an. Auf konkrete Nachfrage
bestätigte er, sein Name sei "A._" und er sei am (...) 1977 geboren
worden (A11 S. 5).
Mit Schreiben vom 5. Februar 2009 setzte das BFM den Gesuchsteller un-
ter anderem darüber in Kenntnis, dass es sich gemäss Nachfragen bei der
Schweizerischen Vertretung in Damaskus bei A._ um einen
"Ajnabi" und nicht um einen "Maktum" handle, und der Gesuchsteller unter
dem Namen B._ einen Pass habe. Das BFM gewährte ihm dazu
das rechtliche Gehör.
Mit Stellungnahme vom 6. März 2009 äusserte sich der Gesuchsteller der-
gestalt, dass er sich gezwungen gesehen habe, lediglich für die Ausreise
aus Syrien eine falsche Identität zu verwenden (A30/2).
Mit Verfügung vom 18. März 2009 wies das BFM das Asylgesuch des Ge-
suchstellers unter Verneinung seiner Flüchtlingseigenschaft ab, wies ihn
aus der Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an.
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Dagegen erhob der Gesuchsteller am 20. April 2009 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht.
Mit Verfügung vom 12. August 2011 zog das BFM seine angefochtene Ver-
fügung im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens zurück. In teilweiser
Wiedererwägung nahm sie den Gesuchsteller aufgrund der Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf.
Mit Urteil D-2510/2009 vom 16. Mai 2012 wies das Bundesverwaltungsge-
richt die Beschwerde – soweit nicht gegenstandslos geworden – ab.
A.b Mit Schreiben vom 22. Mai 2013 ersuchte der Gesuchsteller das BFM
erstmals um Anerkennung der Staatenlosigkeit. Zur Begründung hielt er im
Wesentlichen fest, er habe nie die syrische Staatsangehörigkeit besessen.
Er und seine Familienangehörigen würden von Syrien als Maktumin be-
trachtet. Als Beweismittel reichte er eine Personalienbescheinigung für
Maktumin (Original samt Übersetzung), datiert vom 1. April 2013, ein. Mit
Verfügung vom 6. Februar 2014 lehnte das BFM das Gesuch ab.
A.c Am 19. Juni 2014 reichte der Gesuchsteller ein Wiedererwägungsge-
such in Sachen Flüchtlingseigenschaft und Asyl ein und wurde am 10. Juli
2015 vom SEM zu seinen neuen Asylgründen angehört. Dabei wies er da-
rauf hin, dass sein Name falsch geschrieben sei und er nicht "C._
[Vorname]", sondern "D._ [Vorname]" heisse. Mit Verfügung vom
25. September 2015 wies das SEM das neue Asylgesuch des Beschwer-
deführers ab.
A.d Am 25. Juni 2014 reichte der Gesuchsteller ein zweites Gesuch um
Anerkennung der Staatenlosigkeit ein. Im Rahmen dieses zweiten Ge-
suchs äusserte sich der Gesuchsteller mit Stellungnahme vom 26. März
2015, er habe den syrischen Pass durch die Vermittlung des beauftragten
Schleppers erhalten. Da er ihm sein Passbild abgegeben habe, nehme er
an, dass es sich um ein echtes Reisedokument mit ausgetauschtem Pass-
bild handle. Er kenne B._ nicht, gehe aber davon aus, dass es sich
um eine real existierende beziehungsweise staatlich registrierte Person
handle, da er die Kontrollen unbeschadet überstanden habe (D4). Mit Ein-
gabe vom 20. Juni 2015 hielt er fest, er sei von der Gruppe der Ajanib (D7).
Mit Verfügung vom 3. Dezember 2015 lehnte das SEM das zweite Gesuch
ab. Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht wurde mit Urteil F-448/2016 vom 16. Februar 2018 abge-
wiesen.
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A.e Mit Schreiben vom 15. Dezember 2015 setzte das SEM den Gesuch-
steller darüber in Kenntnis, dass eine Anpassung seiner Personalien ent-
sprechend seinem syrischen Reisepass beabsichtigt werde. Mit Schreiben
vom 7. Januar 2016 opponierte der Beschwerdeführer dagegen und
brachte erneut vor, seinen syrischen Reisepass habe er von einem Schlep-
per illegal erworben. Der bisherige Eintrag sei zu belassen. Die im Pass
enthaltenen Personalien seien falsch und bloss vom Schlepper eingetra-
gen worden. Ferner habe er die syrische Staatsangehörigkeit nie erworben
und sei staatenlos.
B.
Mit Schreiben vom 6. August 2018 reichte der Gesuchsteller einen neuen
syrischen Pass ein und bat um Datenberichtigung: Sein Name sei auf
"B._" und sein Geburtsdatum auf den "(...) 1975" anzupassen.
C.
Die interne Dokumentenprüfung des SEM kam am 10. August 2018 zum
Schluss, dass der eingereichte Reisepass keine Fälschungsmerkmale auf-
weise.
D.
Mit Schreiben vom 15. August 2018 eröffnete das SEM dem Gesuchsteller
die Gelegenheit, sich umfassend zu dieser Angelegenheit zu äussern. Ins-
besondere sei darzulegen, auf welche Weise er in den Besitz des neu aus-
gestellten syrischen Reisepasses gelangt und weshalb der vormals noch
offenkundig falsche Reisepass nun doch echt sein solle, obwohl beide Aus-
weise von derselben Quelle stammten.
E.
Mit Schreiben vom 12. September 2018 nahm der Gesuchsteller Stellung.
F.
Mit Schreiben vom 17. Oktober 2018 gewährte das SEM dem Gesuchstel-
ler das rechtliche Gehör zur Ablehnung seines Gesuchs um Datenberichti-
gung.
G.
Mit Schreiben vom 19. November 2018 nahm er erneut Stellung und tat
seine Verzweiflung kund.
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H.
In einem Nachtragsbericht vom 24. Juli 2019 äusserte das SEM – ergän-
zend zum Prüfbericht vom 10. August 2018 – den Verdacht, dass es sich
beim eingereichten syrischen Pass um einen sogenannten Proxy-Pass
handeln könnte. Dabei handle es sich um Pässe mit maschinenlesbarer
Personalseite, die in Abwesenheit des späteren Passinhabers von offiziel-
len Behörden des Ausstellerstaates ausgestellt würden.
I.
Eine E-Mail vom 17. Dezember 2019 an das syrische Konsulat in Genf
blieb, wie auch ein Schreiben vom 8. Januar 2020, unbeantwortet.
J.
Mit Verfügung vom 8. Juni 2020 lehnte das SEM (nachfolgend: Vorinstanz)
das Datenberichtigungsgesuch des Gesuchstellers vom 6. August 2018 ab
und beliess im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) die
Hauptidentität "A._" und das Geburtsdatum "(...) 1977", versehen
mit einem Bestreitungsvermerk.
K.
Dagegen erhebt der Gesuchsteller (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
10. Juli 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragt,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und zwecks weiterer Abklä-
rungen für eine Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Even-
tualiter sei festzustellen, dass seine Hauptidentität B._ sei, er am
(...) 1975 geboren worden sei und aus Syrien stamme. Die Vorinstanz sei
anzuweisen, den ZEMIS-Eintrag entsprechend zu berichtigen. Zudem sei
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm sei die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Darüber hinaus sei ihm die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, eine Vollmacht, Ko-
pien von Auszügen aus dem Personenstandsregister sowie der Geburtsur-
kunde samt Übersetzungen und eine Bestätigung des Sozialhilfebezugs
bei.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Juli 2020 hiess die damalige Instruktions-
richterin das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozess-
führung gut und forderte den Beschwerdeführer vor einem Entscheid über
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die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu weiteren Angaben bezüglich
seiner Rechtsvertreterin auf.
M.
Mit Eingabe vom 10. Juli 2020 (Eingang: 23. Juli 2020) reichte der Be-
schwerdeführer weitere Beweismittel – einen Auszug aus dem Personen-
standsregister sowie der Geburtsurkunde im Original – nach.
N.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Juli 2020 wies die Instruktionsrichterin das
Gesuch um Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin ab.
O.
In ihrer Vernehmlassung vom 14. August 2020 hält die Vorinstanz an ihrem
bisherigen Standpunkt fest und bekräftigt diesen mit weiteren Ausführun-
gen.
P.
Mit Eingabe vom 16. September 2020 verzichtet der Beschwerdeführer auf
eine Replik und hält an seinen bisherigen Ausführungen in der Beschwerde
fest.
Q.
Auf die weiteren Vorbringen und die sich bei den Akten befindenden Unter-
lagen wird, soweit entscheidrelevant, in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Anfechtungsobjekt ist vorliegend eine Verfügung im Sinne von Art. 5
des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG,
SR 172.021), die von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d des Ver-
waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) erlassen
wurde. Da keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt, ist das Bundesver-
waltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde zuständig (vgl. Art. 31
VGG). Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Zur Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht ist nach Art. 48 Abs. 1
VwVG berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat
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oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat (Bst. a), durch die ange-
fochtene Verfügung besonders berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Bst. c). Der Beschwer-
deführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und hat als Ad-
ressat der angefochtenen Verfügung ein aktuelles, schutzwürdiges Inte-
resse an deren Aufhebung. Damit ist er zur Beschwerdeerhebung berech-
tigt.
1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 50
Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist demnach einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Verletzungen von Bundesrecht – einschliesslich der unrichtigen oder un-
vollständigen Feststellung des Sachverhalts und Überschreitung oder
Missbrauch des Ermessens – sowie auf Angemessenheit hin (Art. 49
VwVG). Es wendet das Recht von Amtes wegen an und ist an die Begrün-
dung der Parteien nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
3.
3.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes
über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom
20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-
rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (ZEMIS-Verord-
nung, SR 142.513) näher geregelt ist. Die ZEMIS-Verordnung sieht in
Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor, dass unrichtige Daten von Amtes wegen zu
berichtigen sind. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verordnung richten sich die
Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Auskunfts-, Berichtigungs-
und Vernichtungsrecht sowie das Recht auf Information über die Beschaf-
fung besonders schützenswerter Personendaten, insbesondere nach den
Bestimmungen des DSG (Bundesgesetz über den Datenschutz vom
19. Juni 1992; SR 235.1) und des VwVG.
3.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass
unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25
Abs. 3 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein
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absoluter und uneingeschränkter Anspruch (statt vieler Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts [BVGer] A‐1338/2020 vom 14. Oktober 2020 E. 3.2,
m.w.H.).
3.3 Grundsätzlich obliegt der gesuchstellenden Person der Beweis der
Richtigkeit der von ihr ersuchten Änderung. Die Bundesbehörde hat im Be-
streitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personen-
daten zu beweisen (Urteil des BGer 1C_613/2019, 1C_614/2019 vom
17. Juni 2020 E. 2.2; BVGE 2013/30 E. 4.1; Urteil des BVGer A‐318/2019
vom 4. Februar 2020 E. 3.3). Das sonst im Asylverfahren gemäss Art. 7
des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) genügende Be-
weismass der Glaubhaftmachung reicht bei Berichtigungen von Personen-
daten im ZEMIS nicht aus (BVGE 2018/VI 3 E. 3.3 und 4.2.3). Nach den
vorliegend massgeblichen Beweisregeln des VwVG gilt eine Tatsache erst
als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkenntnisse so wahr-
scheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; unumstössliche Ge-
wissheit ist dagegen nicht erforderlich. Die mit dem Berichtigungsbegehren
konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Untersuchungsgrundsatz den
Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abzuklären (Art. 12 VwVG);
die gesuchstellende Person ist jedoch gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG
verpflichtet, an dessen Feststellung mitzuwirken (vgl. statt vieler Urteil des
BVGer A-6821/2018 vom 4. Juli 2019 E. 5.3 m.w.H.).
3.4 Im Asylverfahren vermögen einzig Reisepapiere oder Identitätsaus-
weise im Sinne von Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG einer Person eindeutig
eine Identität zuzuordnen. Gemäss Art. 1a Bst. b und c der Asylverordnung
1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV 1; SR 142.311) fallen
namentlich ein Pass, ein Ersatzreisedokument oder eine Identitätskarte da-
runter (vgl. Urteil des BGer 1C_613/2019, 1C_614/2019 vom 17. Juni 2020
E. 5.3). Amtliche Dokumente ausländischer Staaten, deren Zweck es ist,
die Identität ihres Inhabers nachzuweisen, gelten nicht als öffentliche Ur-
kunden im Sinne von Art. 9 ZGB, weshalb ihnen nicht ohne Weiteres ein
erhöhter Beweiswert zukommt und sie wie andere Urkunden einer freien
Beweiswürdigung zu unterziehen sind (Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des
Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess
[BZP, SR 273]; vgl. auch Urteil des BVGer A-6741/2015 vom 11. Mai 2016
E. 4.2 m.w.H.).
3.5 Kann bei einer verlangten beziehungsweise von Amtes wegen beab-
sichtigten Berichtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige
der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder
https://www.swisslex.ch/doc/lawdoc/937d3401-07bd-4b79-8ead-07f82c882400/source/document-link
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die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (Art. 5 Abs. 1 DSG).
Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Personenda-
ten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendigerweise bear-
beitet werden, was namentlich auch für im ZEMIS erfasste Namen und Ge-
burtsdaten gilt. In solchen Fällen überwiegt das öffentliche Interesse an der
Bearbeitung möglicherweise unzutreffender Daten das Interesse an deren
Richtigkeit. Unter diesen Umständen sieht Art. 25 Abs. 2 DSG deshalb die
Anbringung eines Vermerks vor, in dem darauf hingewiesen wird, dass die
Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten bestritten ist. Spricht dabei
mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die bisherigen Angaben zu-
nächst zu berichtigen und die neuen Daten anschliessend mit einem der-
artigen Vermerk zu versehen. Ob die vormals eingetragenen Angaben (als
Neben- bzw. Aliasidentität) weiterhin abrufbar bleiben sollen oder ganz zu
löschen sind, bleibt grundsätzlich der Vorinstanz überlassen. Verhält es
sich umgekehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher eingetragenen Da-
ten als wahrscheinlicher oder zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind
diese zu belassen und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über
dessen Anbringung ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig davon zu
entscheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl. zum
Ganzen BVGE 2018 VI/3 E. 3.4; Urteile des BVGer A-6821/2018 vom
4. Juli 2019 E. 5.4 und A‐3051/2018 vom 12. März 2019 E. 5.4 je m.w.H.).
4.
4.1 Vorliegend obliegt es der Vorinstanz zu beweisen, dass der aktuelle
ZEMIS-Eintrag korrekt ist. Der Beschwerdeführer hat demgegenüber zu
beweisen, dass der von ihm im Datenberichtigungsgesuch geltend ge-
machte Name " B._" und das Geburtsdatum "(...) 1975" korrekt be-
ziehungsweise zumindest wahrscheinlicher sind als die im ZEMIS erfass-
ten Personalien. Dafür muss ihnen eine höhere Glaubwürdigkeit zukom-
men als dem bisherigen Eintrag. Gelingt beiden der sichere Nachweis
nicht, so ist derjenige Name und dasjenige Geburtsdatum im ZEMIS zu
belassen oder einzutragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist (Urteil
des BVGer D-3015/2017 vom 16. Juni 2017 E. 4).
4.2 Die Vorinstanz lehnt in der angefochtenen Verfügung das Datenberich-
tigungsgesuch des Beschwerdeführers ab. Als Begründung hält sie im We-
sentlichen fest, sie könne nicht beweisen, dass der aktuell im ZEMIS ein-
getragene Name A._ und das Geburtsdatum (...) 1977 korrekt
seien. Den eingereichten Faxkopien von Muktharbestätigungen bezie-
hungsweise solchen mit notariell beglaubigter Übersetzung käme generell
ein geringer Beweiswert zu. Beim illegal durch Bestechung erworbenen
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Ausweis, der die beantragte Identität beweisen soll, handle es sich eben-
falls nicht um ein gültiges amtliches Ausweispapier. Angesichts der einge-
standenen korrumpierten Ausstellungsweise sei einem solchen Ausweis
jeglicher Beweiswert abzusprechen. Bei beiden syrischen Pässen handle
es sich auch aus Sicht des Beschwerdeführers nicht um seine wahre Iden-
tität. Der Beschwerdeführer habe zu jedem Zeitpunkt während seines Auf-
enthaltes in der Schweiz und in jedem Verfahren vor der Vorinstanz und
dem Bundesverwaltungsgericht die eingetragenen ZEMIS-Daten geltend
gemacht. Im vorliegenden Verfahren dränge sich der Eindruck auf, dass
das Datenberichtigungsgesuch im Hinblick auf ein kantonales Härtefallge-
such aus "taktischen" Gründen eingereicht worden sei. Sein Verhalten sei
zutiefst widersprüchlich und als rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren. Zu-
sammenfassend sei keiner der obgenannten Namen und Geburtstage als
erwiesen zu erachten. Aufgrund der bisherigen Ausführungen erscheine
der Name A._ und das Geburtsdatum (...) 1977 wahrscheinlicher
als der Name B._ und das Geburtsdatum (...) 1975.
4.3 Dagegen bringt der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe
vor, er besitze einen echten syrischen Pass, lautend auf den Namen
B._, geboren am (...) 1975. Dieser Pass weise gemäss der internen
Dokumentenprüfung der Vorinstanz vom 10. August 2018 keine Fäl-
schungsmerkmale auf. Daher liege eine gesicherte Identität vor, die als
Hauptidentität zu betrachten sei. Diese liesse sich zudem mittels Auszugs
aus dem Personenstandsregister und seiner Geburtsurkunde, beide aus-
gestellt am 10. Juni 2020, belegen. Diese Urkunden wiesen keine Fäl-
schungsmerkmale auf, weshalb seine Hauptidentität bewiesen sei. Im
Schreiben vom 15. Dezember 2015 sei die Vorinstanz aufgrund der Akten
noch davon ausgegangen, dass er mit seinem eigenen syrischen Reise-
pass aus Syrien ausgereist sei, und habe beabsichtigt, von Amtes wegen
die Identität entsprechend der Kopie des syrischen Reisepasses zu än-
dern. Dies obwohl sie bereits zu diesem Zeitpunkt von seiner Behauptung,
dieser Pass sei gefälscht, Kenntnis gehabt habe. Ansonsten hätte sie die
Staatenlosigkeit anerkennen müssen. Indem sie nun die Datenänderung
im ZEMIS verweigere, verhalte sich die Vorinstanz widersprüchlich. Auf-
grund der Beweismittel sei wahrscheinlicher, dass er B._ heisse
und am (...) 1975 geboren worden sei. Für den Namen A._ und das
Geburtsdatum (...) 1977 läge nur eine Muktharbescheinigung mit entspre-
chend geringerem Beweiswert vor. Die Vorinstanz habe das rechtliche Ge-
hör verletzt, indem sie es unterlassen habe, seine Interessen an der Be-
richtigung der Personendaten gegenüber den öffentlichen Interessen ab-
zuwägen. Ob er behaupte, der syrische Pass sei gefälscht oder nicht, sei
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Seite 11
vorliegend nicht von Relevanz. Fakt sei, dass er den Pass und die genann-
ten Urkunden von offiziellen syrischen Behörden erhalten habe und die Do-
kumente keine Fälschungsmerkmale aufwiesen.
4.4 Mit Vernehmlassung vom 14. August 2020 bekräftigt die Vorinstanz,
die rein formale Echtheit des syrischen Passes sei in der Verfügung nie
angezweifelt worden. Allerdings könne eine vom Schlepper organisierte
Fälschung auch ohne explizite Fälschungsmerkmale kein echter Pass
sein. Der Beschwerdeführer habe sich zu keinem Zeitpunkt dazu bekannt,
B._, geboren am (...) 1975, zu sein. Die Datenberichtigung sei auf-
grund der Aussage, die "echten" syrischen Pässe seien von beauftragten
Schleppern mit falschen Personalien versehen worden, gerade nicht vor-
genommen worden. Zudem sei gegen die Verfügung vom 6. Februar 2014
gar nie Beschwerde erhoben worden. Die Intention der Datenberichtigung,
die B-Bewilligung zu erlangen, bestätige sich in den Aussagen der Be-
schwerde. Die Offenlegung der Identität des Beschwerdeführers bleibe er
selbst nach Einreichen weiterer Originaldokumente schuldig. Die Vo-
rinstanz könne keine Datenberichtigung basierend auf "echten" Dokumen-
ten, lautend auf eine Identität, vornehmen, von der man behaupte, sie nicht
inne zu haben.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer
in den letzten Jahren den schweizerischen Behörden eine Vielzahl von Un-
terlagen eingereicht hat, mit denen er schlussendlich zwei verschiedene
Identitäten – sowie zunächst die Zugehörigkeit zu den Maktumin, später
diejenige zu den Ajanib und jetzt schliesslich seine syrische Staatsangehö-
rigkeit – zu belegen versuchte. In seinen beiden Asylverfahren wie auch in
seinen beiden Gesuchen um Anerkennung der Staatenlosigkeit leitete der
Beschwerdeführer seine Identität als A._, geboren am (...) 1977,
aus diversen Bescheinigungen ab. Für das vorliegende Verfahren reichte
er der Vorinstanz erstmals einen Reisepass lautend auf den Namen
B._, geboren am (...) 1975 ein, nachdem er im Jahr 2008 mit dieser
Identität in die Schweiz eingereist war. Auf Beschwerdestufe legte er einen
Auszug aus einem Personenstandsregister sowie eine Geburtsurkunde im
Original ins Recht, welche die beantragte Änderung in Übereinstimmung
mit dem präsentierten Reisepass zusätzlich bescheinigen sollen.
5.2 Wie die Vorinstanz zu Recht festhält, kann sie den Beweis für die Rich-
tigkeit des aktuellen ZEMIS-Eintrags nicht erbringen. Der Beweiswert der
dies bescheinigenden Muktharbescheinigung ist – wie bereits das Urteil
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Seite 12
des Bundesverwaltungsgerichts feststellte – als gering zu erachten (Urteil
des BVGer D-2510/2009 vom 16. Mai 2012 E. 3.4). Darüber hinaus wies
der Beschwerdeführer in seinem ersten Gesuch um Anerkennung der
Staatenlosigkeit vom 22. Mai 2013 darauf hin, dass sein Vorname korrekt
"E._ [Vorname]" laute (act. B8). Mit dieser Schreibweise seines Na-
mens reichte der Beschwerdeführer in den Vorverfahren (erstes Gesuch
um Anerkennung der Staatenlosigkeit, erstes Asylverfahren) einen Maktu-
minausweis im Original (act. B9) sowie eine Bescheinigung der Azadi-Par-
teimitgliedschaft (A29) ein. Im Rahmen seines zweiten Asylverfahrens hielt
er an der Anhörung vom 10. Juli 2015 fest, er heisse "D._" (act. C8
S. 11). Unter diesem Vornamen liegt eine Identifizierungsbescheinigung
(act. D17) vor, welche der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren um
Anerkennung der Staatenlosigkeit dem Bundesverwaltungsgericht im Ori-
ginal eingereicht hatte. All diesen Dokumenten ist gemein, dass sie nicht
über vernünftige Zweifel erhaben sind, soweit es um den Beweis der Rich-
tigkeit der aktuell eingetragenen Personendaten geht. Damit gereichen sie
zwar nicht zum Beweis der im ZEMIS aufgeführten Identität des Beschwer-
deführers. Die mehrmaligen Hinweise auf die korrekte Schreibweise seines
Namens bilden jedoch Indizien dafür, dass diese Personendaten eher auf
den Beschwerdeführer zutreffen als die nun beantragten.
5.3 Der Beschwerdeführer stützt die vorliegend beantragte Änderung auf
seinen am 1. Juli 2018 ausgestellten Reisepass. Die Vorinstanz fand zwar
in diesem syrischen Reisepass keine Fälschungshinweise und zweifelt
auch in ihrer Vernehmlassung deren formale Echtheit nicht an (act. E5;
BVGer-act. 7). Doch wendet sie zutreffenderweise ein, dass nicht nur das
Dokument, sondern auch die darin verbriefte Identität korrekt sein müss-
ten. Davon kann mit Blick auf die bisherigen Aussagen des Beschwerde-
führers anlässlich aller ihn betreffenden Verfahren nicht die Rede sein: Der
Beschwerdeführer hielt stets an seiner Identität gemäss dem aktuellen
ZEMIS-Eintrag fest (mit Ausnahme von orthografischen Vorbehalten, vgl.
dazu oben E. 5.2). Dies insbesondere auch, nachdem das Bundesverwal-
tungsgericht seine illegale Ausreise nicht als überzeugend erachtete (Urteil
des BVGer D-2510/2009 vom 16. Mai 2012 E. 4.5). Als die Vorinstanz am
15. Dezember 2015 eine Datenänderung im vorliegend beantragten Sinne
ankündigte, opponierte der Beschwerdeführer in der Stellungnahme vom
7. Januar 2016 noch vehement dagegen und ersuchte um Belassung der
bisherigen Personalien. Selbst seinem vorliegenden Gesuch um Datenän-
derung im ZEMIS vom 6. August 2018 ist zu entnehmen, dass er einen
syrischen Pass auf seinen Alias-Namen erhalten habe, da sich die syrische
Botschaft in der Schweiz weigere, ihm einen Pass lautend auf den Namen
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Seite 13
A._ auszustellen (act. E3). In der Stellungnahme vom 12. Septem-
ber 2018 hält er gar explizit fest, seine richtigen Personalien seien
A._, doch er erhalte unter diesem Namen keinen syrischen Pass
(act. E7). Angesichts dessen, dass er seit bald 13 Jahren trotz wiederholter
behördlicher Zweifel konsistent an der bisher im ZEMIS registrierten Per-
sonalie festhielt und die nun beantragte Änderung mehrfach als auf einem
vom Schlepper gefälschten Dokument beruhend bezeichnete (vgl. etwa
act. A6 S. 1 und S. 5 f.; A11 S. 3, 5 und 10; A30; D4), erscheint der Beweis-
wert des vorliegenden Dokuments stark beeinträchtigt. Ein nachvollziehba-
rer Grund für seine angeblichen jahrelangen Falschangaben ist nicht er-
kennbar. Jedenfalls vermag der ins Recht gelegte Pass selbst bei formaler
Gültigkeit nicht ohne vernünftige Zweifel die Identität des Beschwerdefüh-
rers zu belegen.
5.4 Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass der Beschwerde-
führer im vorliegenden Beschwerdeverfahren einen Auszug aus einem
Personenstandsregister sowie eine Geburtsurkunde im Original nach-
reichte. Die darin verbrieften Daten stimmen zwar mit denjenigen des Rei-
sepasses überein. Doch die obigen Ausführungen (vgl. insbesondere oben
E. 5.3) behalten ihre Geltung auch hinsichtlich dieser nachgereichten Do-
kumente, und zwar ungeachtet von ihrer allfälligen formalen Echtheit. Da-
her erübrigt sich eine Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklä-
rungen, wie dies der Beschwerdeführer vorliegend hauptsächlich bean-
tragt.
5.5 Zusammenfassend erscheinen aufgrund des oben dargelegten gesam-
ten Aussageverhaltens des Beschwerdeführers die eingetragenen Perso-
nendaten wahrscheinlicher als die im vorliegenden Antrag behaupteten.
Jedenfalls vermag selbst ein formal gültiger Reisepass keine Identität zu
belegen, wenn sich aufgrund der diesbezüglich konsistenten Angaben des
Beschwerdeführers vernünftige Zweifel an der Richtigkeit der darin enthal-
tenen Personalien ergeben. Der bestehende ZEMIS-Eintrag ist daher un-
verändert mit einem Bestreitungsvermerk versehen zu belassen. Damit ist
auch der Eventualantrag des Beschwerdeführers abzuweisen.
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6.
6.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfügung vom
15. Juli 2020 wurde indes sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gutgeheissen. Somit sind keine Verfahrenskosten zu er-
heben.
6.2 Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE e
contrario). Als Bundesbehörde hat auch die Vorinstanz keinen solchen An-
spruch (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
7.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) be-
kanntzugeben.
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