Decision ID: 4200fedf-943d-4f47-b4ca-3757a4142ff3
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 196
2
,
absolvierte nach einer Berufslehre zum Tiefbauzeichner eine Weiterbildung zum Immobilienverwalter, welche er am 18.
November 1997 mit dem Fachausweis «
Immobilien-Verwalter» abschloss, und war i
n der Folge vom 2.
November 1998 bis 31. Dezember 2008 bei der
Y._
,
Z._
, und vom 1. Januar 2009 bis 30. November 2018 bei der
A._
,
B._
, als Immobilienbewirtschafter tätig (
(Urk. 3/3);
Urk.
7/8).
1.2
Der Versicherte bezog während einer Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 1.
Dezember 2018 bis 30. November 2020 Leistungen der Arbeitslosenversicherung (Urk. 7/6), als er am 22. Juli 2019 mit der
C._
,
B._
, einen Arbeitsvertrag (Urk. 3/4)
vereinbarte
, womit er per 22. Juli 2019 im Umfang eines Arbeitspensums von 100 % (Urk. 3/4 S. 3) als «Leiter der Liegenschaftsverwaltung für Renditeobjekte und allfällige Stockwerkeigentümergemeinschaften (Wohnun
gen und Gewerbe) mit Kollektivprokura zu zweien» (Urk. 3/4 S. 1) angestellt wurde.
Am
8. August 2019
stellte
die
C._
für den Versicherten
ein Gesuch um
Arbeitsmarktliche
Massnahmen im Sinne von Einarbeitungs
zu
schüssen für eine Einarbeitung
des Versicherten
als
«Leiter Immobilien-Bewirt
schaftung»
(Urk.
3/5
).
Mit Verfügung vom 23. August 2019 (Urk. 3/8) verneinte das Amt für Wirtschaft und Arbeit, Qualifizierung für Stellensuchende (AWA), einen Anspruch des Ver
sicherten auf Einarbeitungszuschüsse gemäss dem Gesuch
vom
8. August 2019.
Die vom Versicherten am 25.
September
2019
d
agegen erhobene Einsprache (Urk.
3/9) wies das
AWA
mit Einspracheentscheid vom
30. September
2019 ab (Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 30. September 2019
(Urk. 2) erhob der Ver
sicherte am 29. Oktober 2019
Beschwerde
(Urk. 1)
und beantragte,
dieser sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere ein Ein
arbeitungszuschuss, zu gewähren; eventuell sei eine Verletzung des rechtlichen Gehörs festzustellen und der angefochtene Einspracheentscheid sei aus diesem Grunde aufzuheben.
Mit Beschwerdeantwort vom
20. November
2019
(Urk. 6) beantragte das AWA die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 9. Dezember 2019 (Urk. 10) hielt der Beschwerdeführer an seinem beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren fest (S. 5). Mit Duplik
vom 27. Januar
2020 (Urk. 12) hielt der Beschwerdegegner an seinem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (S. 2)
. Diese Rechtsschriften wurden den Parteien am 12. Dezem
ber 2018 (Urk. 11) und 29. Januar 2020 (Urk. 13) zur Kenntnis gebracht
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 1a Abs. 2 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) gehört zu den Zielen des Gesetzes, drohende Arbeitslosigkeit zu verhüten und bestehende zu bekämpfen. Diesem Zwecke dienen die so genannten
arbeitsmarktlichen
Massnahmen (Art.
59-75 AVIG). Gemäss Art. 59 AVIG erbringt die Versicherung finanzielle Leistungen für
arbeitsmarktliche
Massnahmen zu Gunsten von versicherten Per
sonen und von Personen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind (Abs. 1). Laut Abs.
2 dieser Bestimmung soll mit
arbeitsmarktlichen
Massnahmen die Einglie
derung von Versicherten, die aus Gründen des Arbeitsmarktes erschwert ver
mittel
bar sind, gefördert werden. Solche Massnahmen sollen insbesondere:
a.
d
ie Vermittlungsfähigkeit der Versicherten verbessern, damit diese rasch und dauerhaft wieder eingegliedert werden können;
b.
die beruflichen Qualifikationen
entsprechend den Bedürfnissen des Arbeits
markts fördern;
c.
die Gefahr von Langzeitarbeitslosigkeit vermindern; oder
d.
die Möglichkeit bieten, Berufserfahrungen zu sammeln.
1.2
Der im Zuge der 3. Teilrevision des AVIG vom 22. März 2002 (in Kraft seit 1. Juli 2003) neu gefasste Art. 59 Abs. 2 AVIG setzt für die Erbringung von Leistungen eine erschwerte Vermittelbarkeit aus Gründen des Arbeitsmarktes voraus (gegen
über unmöglicher oder stark erschwerter Vermittelbarkeit nach alt Art. 59 Abs. 1 Satz 1 AVIG). Damit hat der Gesetzgeber
indes
weder eine erleichterte Begrün
dung des Anspruchs auf
arbeitsmarktliche
Massnahmen noch eine Ausweitung des Kreises der Anspruchsberechtigten eingeführt, weshalb die bisherige Recht
sprechung weiterhin anwendbar bleibt (Urteil des Bundesgerichts 8C_222/2016 vom 30. Juni 2016 E. 2.1; SVR 2
005 ALV Nr. 6 S. 19, C 77/04 E.
3).
1.3
Zu den
arbeitsmarktlichen
Massnahmen gehören auch d
ie
Einarbeitungs
zu
sc
hüsse.
Damit
soll versicherten Personen, deren Vermittlung erschwert ist, im Hinblick auf eine definitive Anstellung in einem Betrieb für eine Einarbeitungsphase, wäh
rend der diese Personen einen verminderten Lohn erhalten, Einarbeitungs
zu
schüsse gewährt werden. Diese Massnahme soll die konkrete dauerhafte Wieder
eingliederung einer arbeitslosen Person an einem
bestimmten Arbeitsplatz för
dern (Urteil des Bundesgerichts 8C_363/2014 vom 23. September 2014 E. 5.2).
Gemäss
Art. 65 AVIG
können versicherten Personen, deren Vermittlung erschwert ist, für die Einarbeitung in einem Betrieb bei vermindertem Lohn Einarbeitungs
zuschüsse gewährt werden, wenn der verminderte Lohn mindestens der während der Einarbeitungszeit erbrachten Arbeitsleistung entspricht (lit. b) und die ver
si
cherte Person nach der Einarbeitung mit einer Anstellung zu orts- und bran
chen
üblichen Bedingungen, allenfalls unter Berücksichtigung einer dauernd vermin
derten Leistungsfähigkeit, rechnen kann (lit. c).
1.4
Ge
mäss
Art. 90
Abs. 1
der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung
(AVIV)
gilt
die
Vermittlung einer versicherten Person
im Sinne von Art. 65 AVIG
als erschwert, wenn sie bei der herrschenden Arbeitsmarktlage besonders grosse Schwierigkeiten hat, e
ine Stelle
zu finden, weil sie in
fortgeschrittenem Alter steh
t (lit. a),
körperlich, psychisch oder
geistig behindert ist
(lit. b),
ungenügende berufliche Voraussetzungen hat
(lit. c),
bereits 150 Taggelder bezogen hat
(lit. d) oder i
n einer Zeit erhöht
er Arbeitslosigkeit nach Art.
6
Abs.
1
ter
AVIV
mangel
nde berufliche Erfahrungen hat (lit. e).
1.5
Gemäss der Rechtsprechung kann
in gr
undsätzlicher Hinsicht bei einer
im An
stellungszeitpunkt 62-jährigen
v
ersicherten
Person
die erschwerte Vermittlungs
fähigkeit auf
G
rund des Alters gegeben sein
, wobei
dies anhand der konkreten Situation im Einzelfall zu beurteilen
ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_363/2014
vom 23. September 2014 E. 5
.2
). Damit übereinstimmend soll gemäss
Rz.
J5 der AVIG-Praxis AMM des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO)
auf die Festle
gung einer Altersgrenze
verzichtet werden
, da die individuelle Situation der ver
sicherten Person in jedem Einzelfall massgebend
sei
.
Das Bundesgericht hat im
Urteil 8C_363/2014 vom 23. September 2014
(
E. 5.2)
selbst bei einer 62-jährigen versicherten Person eine erschwerte Vermittlungsfähigkeit verneint,
weil
diese
aus eigener Kraft bereits während der Kündigungsfrist eine neue Arbeitsstelle
gefunden habe
, die mit kurzer Unterbrechung an die verlorene Stelle
angeknüpft hat, weshalb es zusätzlich
auch
an
einer
arbeitsmarktlichen
Indikation für die
arbeitsmarktliche
Massnahme
beziehungsweise für die Einarbeitungszuschüsse gefehlt hat.
1.6
Gemäss Rz. J7
der AVIG-Praxis AMM
ist von ungenügenden beruflichen Voraus
setzungen im Sinne von Art. 90 Abs. 1 lit. c AVIV vor allem bei überholten Qualifikationen, beispielsweise bedingt durch den technologischen Wandel, bei einem Fehlen eines Berufsabschlusses und bei einer länger ausgeübten Tätigkeit in einem Beruf, der nicht den erworbenen Fähigkeiten entspricht, auszugehen.
1.7
Laut Rz. J25
der AVIG-Praxis AMM
stellen normale betriebsübliche Einarbei
tungen im Sinne einer Angewöhnung an den neuen Arbeitsplatz und Umstel
lungen infolge branchenüblicher Erneuerungen
,
beispielsweise
im Sinne
eine
r
Modernisierung, eine
r
Rationalisierung oder eine
r
Übernahme einer neuen Tech
no
logie, kein
e ausreichenden
Gründe für
die Gewährung von
Einarbeitungszu
schüssen dar
.
1.8
Gemäss
der Rz. J27 der AVIG-Praxis AMM ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitnehmer und die zuständige Amtsstelle über die folgenden Punkte schriftlich
zu
informieren: die Namen der Vertragsparteien, das Datum des Beginns des Arbeitsverhältnisses, die Funktion des Arbeitnehmers, den Lohn und allfällige Lohnzuschläge sowie die wöchentliche Arbeitszeit.
1
.9
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entschei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben dar
stellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner ging im angefochtenen Einspracheentscheid
vom 30. September 2019
(Urk.
2
) davon aus, dass
der Beschwerdeführer auf Grund seiner langjährigen Berufstätigkeit als Immobilienbewirtschafter sowie auf Grund der entsprechenden in den Jahren 1997 und 2001 absolvierten Weiterbildungen sehr gut qualifiziert für die neu angetretene Stelle bei der
C._
sei. Sodann handle es sich bei
den
im
Einarbeitungsplan
aufgeführten Einarbeitungen unter dem Titel
«Digitalisierung
D._
»
und «Organisation/Kundenstamm» um betriebsübliche Einarbeitungen, für welche keine Einarbeitungszuschüsse gewährt werden könnten. Die
C._
habe im eingereichten Einar
beitungsplan lediglich Einarbeitungen während der ersten sechs Monate aufge
führt, obwohl sie Einarbeitungszuschüsse für zwölf Monate beantragt habe. Zu
dem habe die
C._
einen Arbeitsvertrag ohne Angabe der
Entlöhnung
und der Gratifikation beziehungsweise des Bonus eingereicht. Aus diesen Gründen sei das eingereichte Gesuch um Einarbeitungszuschüsse abzu
lehnen (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt hiegegen vor
(Urk. 1)
, dass er im Alter von 56 Jahren arb
eitslos geworden sei, und dass
er seit
der
Absolvierung der Weiterbildung zum Immobilienverwalter im Jahre 1997 und zum Immobilientreuhänder im Jahre 2001 keine Weiterbildungen mehr besucht habe
. Sodann habe er sich im Rahmen der von ihm zuletzt ausgeübten, langjährigen Tätigkeiten bei der
Y._
und bei der
A._
nicht mit der neuesten
Immobilien
be
wirt
schaftungs-Software
auseinandersetzen müssen. Er habe bei der
A._
zwar mit der Software «
Pro
Soft
» gearbeitet. Er habe die Software indes nicht selbst bedienen müssen, da dies eine ihm zugeteilte Sachbearbeiterin erledigt habe. Auf Grund seines fortgeschrittenen Alters sowie auf Grund der ungenügenden beruflichen Voraussetzungen hinsichtlich der am neuen Arbeits
platz anzuwendenden Software sei eine erschwerte Vermittlungsfähigkeit zu be
jahen
(
S. 6). Zudem habe ihm der Beschwerdegegner nach der vorsorglich erho
benen Einsprache während des
Einspracheverfahrens
keine Akteneinsicht und keine Gelegenheit zur Ergänzung der Einsprache eingeräumt und damit seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weshalb der angefochtene Einsprache
entscheid bereits aus diesem Grunde aufzuheben sei (S. 8).
An dieser Begründung hielt der Beschwerdeführer in seiner Replik fest (Urk. 10).
2.3
In der Beschwerdeantwort vom 20. November 2019 (Urk. 6) führte der Beschwer
degegner aus, dass eine erschwert
e
Vermittelbarkeit
auf Grund fortgeschrittenen Alters
nicht gegeben sei,
da der
Beschwerdeführer bereits nach einer Arbeits
losigkeit von rund sieben Monaten
aus eigener Kraft eine neue Arbeitsstelle gefunden habe (S. 5). Sodann übersteige der tatsächlich erforderliche Einarbei
tungsaufwand des Beschwerdeführers den betriebsüblichen Einarbeitungsauf
wand
nicht
beziehungsweise nicht
erheblich, weshalb auch aus diesem Grunde ein An
spruch auf Einarbeitungszuschüsse nicht ausgewiesen sei (S. 6 f.).
In Bezug auf die Verletzung des rechtlichen Gehörs im Rahmen des
Einspracheverfahrens
sei von einer Heilung im vorliegenden Verfahren auszugehen (S. 4).
An dieser Begründung hielt der Beschwerdegegner in seiner Duplik fest (Urk. 12).
2.4
Im Streite steht vorliegend daher die Frage, ob die Vermittlung des Beschwer
de
führers auf Grund eines fortgeschrittenen Alters
erschwert war, beziehungsweise, ob der Beschwerdeführer aus diesem Grunde
besonders grosse Schwierigkeiten hat
te
, eine Stelle zu finden,
sowie
die
Frage, ob seine Vermittlungsfähigkeit auf Grund
ungenügende
r
berufliche
r
Voraussetzungen
eingeschränkt war.
3.
3.1
Vorerst gilt es die gerügte Verletzung des rechtlichen Gehörs (Urk. 1 S. 2) zu prüfen.
3
.2
Die Parteien haben nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) und Art. 42 Satz 1 ATSG Anspruch auf rechtliches Gehör; sie müssen nicht angehört werden vor Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind (Art. 42 Satz 2 ATSG; BGE 134 V
97 E. 2.8.1). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist von Amtes wegen zu überprüfen (Art. 29 Abs. 2 BV; Urteil des Bundesgerichts H 4/05 vom 19. April 2005 E. 2).
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E. 3d/
aa
).
3
.3
Vorbehalten sind rechtsprechungsgemäss Fälle, in denen die Gehörsverletzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Die Heilung eines – allfälligen – Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 135 I 279 E. 2.6.1, 125 V
368 E. 4c/
aa
, 124 V 183 E. 4a). Von einer Rückweisung der Sache ist aber selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhö
rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2 mit Hinweisen).
3.4
Das Akteneinsichtsrecht als Teilaspekt des Gehörsanspruchs wird in Art. 47 ATSG separat geregelt. Aus Inhalt und Funktion des Akteneinsichtsrechts als Teil des
Anspruchs auf rechtliches Gehör folgt nach der Rechtsprechung, dass grund
sät
z
lich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten gezeigt werden müssen, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung darauf abgestellt wird. Denn es gehört zum Kerngehalt des rechtlichen Gehörs, dass der Verfügungsadressat vor Erlass eines für ihn nachteiligen Verwaltungsaktes zum Beweisergebnis Stel
lung nehmen kann. Das Akteneinsichtsrecht ist somit eng mit dem Äusse
rungs
recht verbunden, gleichsam dessen Vorbedingung. Die versicherte Person kann sich nur dann wirksam zur Sache äussern und geeignete Beweise führen oder bezeichnen, wenn ihr die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzu
sehen, auf welche sich die Behörde bei ihrer Verfügung gestützt hat. Das recht
liche Gehör dient in diesem Sinne einerseits der Sachaufklärung und stellt ander
seits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht im Verfahren dar. Daraus ergibt sich, dass der Versicherer, welcher neue Akten beizieht oder erstellt, auf die er sich in seiner Verfügung zu stützen gedenkt, grundsätzlich verpflichtet ist, die Beteiligten über den
Aktenbeizug
zu informieren (BGE 115 V 297 E. 2e). Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich auf sämtliche verfahrensbezogene Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu bilden. Die Akteneinsicht ist demnach auch zu gewähren, wenn die Ausübung des Akteneinsichtsrechts den Entscheid in der Sache nicht zu beeinflussen vermag. Die Einsicht in die Akten, die für ein bestimmtes Verfahren erstellt oder beigezogen wurden, kann demnach nicht mit der Begründung verweigert werden, die fraglichen Akten seien für den Verfah
rensausgang belanglos. Es muss vielmehr dem Betroffenen selbst überlassen sein, die Relevanz der Akten zu beurteilen (BGE 132 V 387 E. 3).
3.5
Der Beschwerdeführer ersuchte in seiner Einsprache vom 25.
September
2019 (Urk.
3/9 S. 2) gegen die Verfügung vom 23. August 2019 (Urk. 3/8) den Be
schwerdegegner um Akteneinsicht sowie um Fristansetzung für eine ergänzende Begründung der Einsprache.
Es wird vom Beschwerdegegner nicht bestritten, dass er es versäumt hat, dem Beschwerdeführer vor dem Erlass des angefochtenen Ein
spracheentscheid
e
s vom 30. September 2019 (Urk. 2) Akteneinsicht zu gewäh
ren (Urk. 6 S. 3). Dadurch hat der Beschwerdegegner das rechtliche Gehör
des Beschwerdeführers
verletzt
. Angesichts des Umstandes, dass der Beschwerde
füh
rer
anschliessend am 3.
Oktober 2019 (Urk.
1 S.
5) in die
Akten
Einsicht hat nehmen können
und
dazu i
m
vorliegenden Beschwerdeverfahren vor einem den Sachverhalt und die Rechtslage frei prüfenden Gericht (vgl. Art. 61 lit. c und d ATSG;
BGE 132 V
387 E. 5.1) umfassend hat
Stellung nehmen
,
sich zu allen Aspekten des Verfahrens
hat
äussern
(Urk. 1, Urk. 6)
und neue Beweismittel
hat
einbringen
können
(Urk.
3/10
)
,
i
st
von einer nicht besonders schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs
und einer Heilung des
festgestellte
n
Gehörs
m
angel
s
im vorliegenden Rechtsmittelverfahren
auszugehen
(vgl. vorstehend E.
3.3)
.
4.
4.1
Zu prüfen ist im Folgenden die Frage nach einer erschwerten Vermitt
lungs
fähigkeit des Beschwerdeführe
r
s auf Grund eines fortgeschrittenen Alters im Sinne von Art. 90 Abs. 1 lit. a AVIV.
4.2
Gemäss der Rechtsprechung sind
unter älteren
Arbeitnehmenden
beziehungs
weise
unter solchen
in einem fortgeschrittenen Alter
Arbeitnehmende
zu ver
stehen, die 55 Jahre und älter sind, aber das AHV-Rentenalter noch nicht erreicht haben
(Urteil des Bundesgerichts C 179/04 vom 21. August 2006 E. 3.1). Der Beschwerdeführer, welcher am 3. Mai 1962 geboren wurde (vgl. Urk. 3/3), hatte bei
Stellung
des Gesuchs
um Einarbeitungszuschüsse vom 8. August 2019 (Urk. 3/5) das 57. Altersjahr erreicht und befand sich daher bereits in
einem fort
geschrittenen
Alter in Sinne von Art. 90 Abs. 1 lit. a AVIV. Die Frage nach einer
erschwerte
n
Vermittlungsfähigkeit aufgrund des Alters
ist indes, wie bereits erwähnt (vorstehend E.
1.5
), a
nhand der konkreten Situation im Einzelfall zu beurteilen
.
4.3
Den Akten lassen sich keine Hinweise
entnehmen,
dass der Beschwerdeführer nach dem Verlust der Arbeitsstelle als Immobilienbewirtschafter bei der
A._
per
1.
Dezember 2018 (Urk. 7/8)
auf Grund seines Alters grosse Schwierigkeiten gehabt hätte, eine
neue
Arbeitsstelle
zu finden.
So ist den Nachweisen der persönlichen Arbeitsbemühungen
(Urk. 7/9)
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer auf Grund seiner Stellenbemühungen regelmässig von potentiellen Arbeitgeberinnen zu Vorstellungsgesprächen eingeladen wurde, so
insbesondere am
1. und 25. September
sowie am 8. November
2018
und
am 8. und
29. Januar, am 18. Februar sowie am 2. April 2019. Ein gewichtiges Indiz gegen eine erschwerte Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers auf Grund seines Alters stellt sodann der Umstand dar, dass
er bereits
nach
einer relativ kurzen Zeit seit
Beginn der Arbeitslosigkeit am 1. Dezember 2018 per 22. Juli 2019
auf Grund eigener Stellbemühungen
eine im Vergleich zur bisherigen Arbeitsstelle bei der
A._
vergleichbare Arbeitsstelle als Leiter der
Liegen
schaften
verwaltung
bei der
C._
antreten konnte.
Demzufolge erfüllt der Beschwerdeführer die Voraussetzung einer erschwerten Vermittlungs
fähigkeit
auf
Grund
eines
fortgeschrittenen Alters im Sinne von Art. 65 AVIG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 lit. a AVIV nicht.
5.
5.
1
Zu prüfen bleibt eine erschwer
te Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers auf Grund
ungenügende
r
berufliche
r
Voraussetzungen
im Sinne von Art. 65 AVIG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 lit. c AVIV.
5.2
Der Beschwerdeführer absolvierte
zu
erst eine Berufslehre zum Tiefbauzeichner
(Urk. 3/3) und anschliessend eine Weiterbildung zum Immobilienverwalter, welche
er am 18. November 1997 mit dem Fachausweis «Immobilien-Verwalter» ab
s
chloss.
Im Jahre 2001 besuchte der Beschwerdeführer sodann eine Weiterbildung zum
Immobilien-Treuhänder (Urk. 3/3, Urk. 7/8).
Vom
2. November 1998 bis 31. Dez
em
ber 2008
war der Beschwerdeführer bei der
Y._
und vom 1. Januar 2009 bis 30. November 2018 bei der
A._
als Immobilienbe
wirtschafter tätig (Urk. 7/8).
Bei der
A._
befasste sich der Beschwerdeführer gemäss dem Arbeitszeugnis vom 3. Dezember 2019 (Urk. 7/8)
mit der Bewirtschaftung
und der
Vermarktung
von
Immobilien
. Im Bereich
der
Bewirtschaftung von Immobilien umfasste das Au
fgabengebiet
des Beschwerde
führers
bei der
A._
die f
olgende
n
Haupttätigkeiten:
-
Betreuung eines Portfolios von Mietliegenschaften (Wohnen/Gewerbe)
-
Erstellung von Mietverträgen für Wohn- und Geschäftsräume
-
Durchführung von Objektabnahmen und -übergaben von Wohn- und Geschäftsräumen
-
Vollvermietung durch gezielte Mieterauswahl und Vertragsverhand
lungen
-
Redaktion von Inseraten, Objektbesichtigungen, Mieter-Auskünfte
-
Abwicklung von Mieterwechseln, Erstellung von Schlussabrechnungen
-
Mithilfe und Kontrolle von Jahresabschlüssen und Heiz- und Betriebs
kostenabrechnungen
-
Kontrolle von Handwerkerrechnungen, Weiterverrechnungen an Mi
eter, Stockwerkeigentümer oder Versicherungsgesellschaften
-
Durchführung und Leitung von Stockwerkeigentumsversammlungen, Protokollierung und Umsetzung der Beschlüsse
-
Abnahme von Neubauten sowie deren Mängelaufnahme und Mängel
rüge
-
Planung und Betreuung von Renovations- sowie Umbauarbeiten
-
Vertretung der Auftraggeber vor gerichtlichen Instanzen (Streitigkeiten unter Mietern, Zwangsvollstreckung)
-
Mahnwesen und Abbau von offenen Posten
-
Betreibungswesen
-
p
eriodische Immobilienbegehungen,
Liegenschaftenunterhalt
, Erstellung
von Zustandsberichten
-
Durchführung von regelmässigen Mietzinsanpassungen nach Wir
t
schafts
lage und nach Rücksprache mit dem Auftraggeber
-
Erfassung der Mieter und Verträge im Bewirtschaftungssystem bei Mandatsübernahmen
-
Durchführung und Organisation von Mandatsübernahmen und
–
ab
gaben
-
Führung einer Assistentin
5.3
Demnach steht fest, dass der Beschwerdeführer bei der
A._
unter anderem
bei Mandatsübernahmen
mit der (eigenhändigen)
Erfassung der Mieter und
der
Verträge im Bewirtschaftungssystem
betreut war.
Auf Grund des erwähnten
Aufgabenkatalogs
ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei der
A._
in einem für die Tätigkeit eines Immobilien
bewirtschafters üblichen Umfang mit der Handhabung der dort verwendeten Software zur Immobilienbewirtschaftung befasst war.
Damit verfügt er grund
sätzlich über genügende Kenntnisse, um sich mit einem anderen Programm innert nützlicher Frist vertraut zu machen.
5.4
Demzufolge ist vorliegend nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer
im Hinblick auf die Tätigkeit bei der
C._
infolge des techno
logischen Wandels über
eine
üb
erholte Qualifikation verfügte
, und dass aus diesem Grunde von ungenügenden beruflichen Voraussetzungen im Sinne von Art. 90 Abs. 1 lit. c AVIV auszugehen wäre.
5.5
Dem von der
C._
erstellten Einarbeitungsplan für den Be
schwerdeführer (Urk. 3/10) ist
sodann
zu entnehmen, dass die Einarbeitung des Beschwerdeführers während der Zeit
vom
22. Juli 2019 bis 22. Juli 2020 vor allem aus einer Einarbeitung in das Immobilienbewirtschaftungssystem
D._
be
standen
hätte
. Für die Einarbeitung in dieses Immobilienbewirtschaftungs
system
waren
gemäss dem Einarbeitungsplan im Juli 2019 14.5 und 33.5 Stunden, im August 2019 42.5 und 77.5 Stunden, im September 2019 105 und 15 Stunden, im Oktober 2019 90, 15, 45 und 15 Stunden, im November 2019 10, 15 und
100
Stunden, im Dezember 2019 10, 15 und 87 Stunden, im Januar 2020 10, 18
und
100 Stunden, im Februar 2020 10, 10, 50 und 50 Stunden, im März 2020 10, 10, 50 und 58 Stunden, im April 2020 10, 10, 50 und 50 Stunden, im Mai 2020 10, 10, 50 und 50 Stunden und in den Monaten Juni und Jul
i 30, 30, 50, 50 und 8 Stunden, mithin insgesamt 1'474 Stunden vorgesehen.
5.6
Bei
der von der
C._
verwendeten Immobilienbe
wirtschaf
tungs
software
handelt es sich gemäss Einarbeitungsplan
um die Software
D._
der
F._
,
G._
(vgl. Urk. 3/10)
. Gemäss der Dokumentation der
F._
beinhalte das Einsteigermodell
der
Software
D._
zwei ganztägige Einsteiger
kurse
. Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer, welcher über eine langjährige Berufserfahrung als Immobilienbewirt
schafter verfügte, und welcher
sich
vor Eintritt der
Arbeitslosigkeit bei der
A._
während Jahren mit einer branchen- und handelsüblichen
Immobilienbewirtschaftungssoftware befasste, nicht einer Einarbeitung im Umfang
von mehr als 1‘400 Stunden, sondern lediglich einer solchen im Umfang von wenigen Tagen benötigte.
5.7
Eine solche lediglich während einiger weniger Tage erforderliche Einarbeitung am neuen Arbeitsplatz bei der
C._
stellt indes eine
norma
le
betriebsübliche Einarbeitung
im Sinne einer Angewöhnung an den neuen Arbeits
platz
dar, ohne dass der Beschwerdeführer deswegen
in seiner Vermitt
lungs
fähig
keit beeinträchtigt gewesen wäre. Praxisg
emäss stellt
eine solche Ein
arbeitung
zudem
keinen ausreichenden Grund für die Gewährung von
Einarbei
tungszu
schüssen dar
(vorstehend E.
1.7
).
5
.8
Nach Gesagtem ist eine
erschwerte Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers
auf Grund ungenügender beruflicher Voraussetzungen im Sinne von Art. 65 AVIG
in Verbindung
mit Art. 90 Abs. 1 lit. c AVIV daher zu verneinen.
6.
Da
der
Beschwerdeführer, welcher bei Antritt der Arbeitsstelle bei der
C._
am 22. Juli 2019 lediglich 117 Taggelder
beziehungsweise während lediglich 117 Tagen
Arbeitslosenentschädigung bezogen hat (Urk. 7/6)
, weder körperlich noch psychisch oder geistig behindert
ist
,
und damit
auch die weiteren in Art. 90 Abs. 1 AVIV genannten Gründe für eine e
rschwerte Vermittlungs
fähig
keit
nicht erfüllt
waren
, hat es dabei zu bleiben, dass der Beschwerdeführer bei Antritt der Arbeitsstelle bei der
C._
per 22. Juli 2019 nicht in seiner Vermittlungsfähigkeit eingeschränkt war.
7.
Demzufolge ist mangels erschwerter Vermittlungsfähigkeit ein Anspruch des Be
schwerdeführers auf Einarbeitungszuschüsse zu verneinen, weshalb die Be
schwer
d
e abzuweisen ist.