Decision ID: 045cd42c-9d39-5880-8a10-933ea5570ee8
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 4. Februar 2009 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und beantragte ab 5.
Februar 2009 bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse Arbeitslosenentschädigung (act. G
3.1, A88 und A99). Die Kantonale Arbeitslosenkasse eröffnete dem Versicherten eine
Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 2. März 2009 bis 1. März 2011 und legte den
versicherten Verdienst auf Fr. 8‘503.-- fest (vgl. Taggeldabrechnung für den Monat
März 2009, act. G 3.1, A73). Per 30. Juni 2009 meldete sich der Versicherte von der
Arbeitsvermittlung ab, da er sich selbstständig mache (vgl. act. G 3.1, A 60, A65, A 67).
A.b Am 1. März 2010 meldete sich der Versicherte erneut zur Arbeitsvermittlung
beim RAV und beantragte ab 1. März 2010 bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse
Arbeitslosenentschädigung. Dabei gab er an, dass er seit dem 1. Dezember 2009 als
Aushilfe bei der B._ AG bzw. der C._ AG stundenweise tätig sei (act. G 3.1, A63 f.).
Gemäss Arbeitgeberbescheinigung vom 15. März 2010 der C._ AG war der
Versicherte vom 1. Dezember 2009 bis 5. März 2010 in einem befristeten
Temporärarbeitsverhältnis als Hilfsmetzger angestellt gewesen. Er befinde sich
weiterhin im Einsatz (act. G 3.1, A58).
A.c Im Formular „Angaben der versicherten Person“ (AvP) für die Monate März bis
Oktober 2010 gab der Versicherte an, dass er bei der B._ AG bzw. der C._ AG
gearbeitet habe (act. G 3.1, A21, A24, A32, A37, A41, A43, A48, und A56). Er reichte
der Arbeitslosenkasse entsprechend die Bescheinigungen über Zwischenverdienste für
die Monate März bis Oktober 2010 ein (act. G 3.1, A22, A26, A33, A36, A40, A44, A47
und A50). Per 31. Oktober 2010 meldete sich der Versicherte von der
Arbeitsvermittlung ab, da er ab 1. November 2010 eine 100% Beschäftigung antreten
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konnte (act. G 3.1, A31). Diese Stelle gab er per 29. Februar 2012 aus gesundheitlichen
Gründen auf (act. G 3.2, B116).
A.d Am 18. Januar 2012 meldete sich der Versicherte erneut zur Arbeitsvermittlung
beim RAV an und beantragte per 1. März 2012 Arbeitslosenentschädigung (act. G 3.2,
B113 und B116). Die Kantonale Arbeitslosenkasse eröffnete eine zweite Rahmenfrist
für den Leistungsbezug vom 1. März 2012 bis 28. Februar 2014 und setzte den
versicherten Verdienst gestützt auf den während 12 Monaten erzielten Verdienst (vgl.
act. G 3.2, B93) auf Fr. 7‘504.-- fest (vgl. Taggeldabrechnung für den Monat März 2012,
act. G 3.2, B91).
A.e Im AvP für die Monate März 2012 bis September 2012 verneinte der
Versicherte, dass er in dieser Zeit bei einem oder mehreren Arbeitgebern gearbeitet
habe (act. G 3.2, B77, B80, B83, B85, B87, B90 und B98). Entsprechend wurden dem
Versicherten von März 2012 bis September 2012 Taggelder der
Arbeitslosenversicherung ohne Anrechnung eines Zwischenverdienstes aus einem
Arbeitsverhältnis ausbezahlt (act. G 3.2, B75, B79, B82, B84, B86, B88 und B91).
A.f Im AvP für die Monate Oktober bis Dezember 2012 gab der Versicherte an, dass
er bei D._ gearbeitet habe (act. G 3.2, B62, B66 und B70). Er reichte der
Arbeitslosenkasse entsprechend die Bescheinigungen über Zwischenverdienste für
Oktober bis Dezember 2012 ein (act. G 3.2, B63, B65 und B69).
A.g Im AvP für die Monate Januar bis Mai 2013 verneinte der Versicherte, dass er in
dieser Zeit bei einem oder mehreren Arbeitgebern gearbeitet habe (act. G 3.2, B51,
B53, B56, B58 und B60). Entsprechend wurden dem Versicherten von Januar bis Mai
2013 Taggelder der Arbeitslosenversicherung wiederum ohne Anrechnung eines
Zwischenverdienstes ausbezahlt (act. G 3.2, B50, B52, B55, B57 und B59). Per 31. Mai
2013 wurde der Versicherte von der Arbeitsvermittlung abgemeldet, da sein
Taggeldanspruch ausgeschöpft sei (act. G 3.2, B49).
A.h Nach einem Abgleich von AHV-pflichtigen Löhnen für die Jahre 2011 bis 2013
zwischen der Arbeitslosenkasse und AHV-Ausgleichskassen im Rahmen des
Bundesgesetzes zur Bekämpfung von „Schwarzarbeit“ stellte die Arbeitslosenkasse
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am 16. Juli 2014 fest, dass der Versicherte seit 2010 bei der E._ gmbh und im Jahr
2013 bei der D._ gearbeitet hatte (vgl. act. G 3.2, B47 f.). Gemäss den eingereichten
Unterlagen der D._ hatte der Versicherte von Januar bis Mai 2013 bei dieser im
Stundenlohn gearbeitet (vgl. act. G 3.2, B41 ff.). Gemäss den eingereichten Unterlagen
der E._ gmbh arbeitete der Versicherte seit Februar 2010 für diese im Stundenlohn
(vgl. act. G 3.2, B35 ff. und B32 ff.).
A.i Mit Verfügung vom 15. September 2014 forderte die Kantonale
Arbeitslosenkasse vom Versicherten zu viel bezogene Taggeldleistungen im
Totalbetrag von Fr. 29‘347.35 (netto) zurück. Es sei festgestellt worden, dass der
Versicherte im kontrollierten Zeitraum vom 4. Februar 2010 bis 31. Oktober 2010 bzw.
vom 1. März 2012 bis 31. Mai 2013 bei der E._ gmbh und vom 1. Januar 2013 bis 31.
Mai 2013 für die D._ gearbeitet und einen Zwischenverdienst erzielt habe. Aufgrund
der Unterlagen habe der Versicherte vom 1. November 2010 bis 29. Februar 2012 bei
der F._ AG mit einem Beschäftigungsgrad von 100% gearbeitet. Gleichzeitig habe er
bei der E._ gmbh als Fahrer weiter gearbeitet. Aus diesem Grund sei dieses
Arbeitsverhältnis für die weitere Taggeldauszahlung von Arbeitslosenentschädigung ab
1. März 2012 als Nebenverdienst und nicht wie in der ersten Rahmenfrist zum Bezug
von Arbeitslosenentschädigung in den Kontrollperioden März bis Oktober 2010
vollumfänglich als Zwischenverdienst zu berücksichtigen. Das bedeute, dass das
Einkommen bei der E._ gmbh, im Zeitraum von März 2012 bis Mai 2013, welches
über dem Durchschnitt der vorgängigen 12 Monate gelegen habe, ebenfalls als
Zwischenverdienst zu berücksichtigen sei. Da der Versicherte auf den monatlich
einzureichenden Formularen „Angaben der versicherten Person“ in den
Kontrollperioden März 2010 bis Oktober 2010 und März 2012 bis Mai 2013 die
Arbeitsverhältnisse bei der E._ gmbh und ab 1. Januar 2013 der D._ nicht
angegeben habe, müsse der Zwischenverdienst rückwirkend angerechnet werden, was
zu einer Rückforderung von Fr. 29‘347.35 führe (act. G 3.2, B31).
A.j Mit Einsprache vom 14. Oktober 2014 beantragte der Versicherte die Aufhebung
der Verfügung vom 15. September 2014 (act. G 3.2, B13). Zur Begründung brachte der
Versicherte in der Einspracheergänzung vom 19. November 2014 vor, dass die
Arbeitslosenkasse bereits bei der ersten Arbeitslosigkeit Kenntnis davon hatte, dass er
bei der E._ gmbh angestellt gewesen sei. Es könne ihm nicht vorgeworfen werden,
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dass er nicht angegeben habe, wenn er mehr als den zuvor erzielten Durchschnittslohn
verdient habe, da er nicht darüber informiert gewesen sei, dass ein Nebenverdienst in
diesem Zeitpunkt als Zwischenverdienst gelte. Er sei zu keinem Zeitpunkt über seine
Pflichten in Bezug auf die Meldung von Lohnänderungen bei Nebenverdienst informiert
worden. Er sei sich bewusst, dass er einen Teil der erhaltenen Leistungen
zurückerstatten müsse, sei aber mit der Berechnung des Nebenverdienstes nicht
einverstanden. Als Basis für die Berechnung des Zwischenverdienstes hätte der
Durchschnittslohn der letzten sechs Beitragsmonate herangezogen werden müssen.
Weiter könne aus den Gesprächsnotizen des RAV’s entnommen werden, dass er
seinen Berater jederzeit über seinen Zwischenverdienst bei der D._ informiert habe.
Hätte er den Zwischenverdienst korrekt angegeben, hätte er ab Mai 2013
(Aussteuerungsdatum) weitere 66.6 Taggelder zugute gehabt. Dies hätte einen Betrag
von Fr. 16‘120.55 ergeben, welcher ihm die Arbeitslosenkasse noch hätte auszahlen
müssen. Dass ihm dieses Geld zugestanden hätte, könne man den
Arbeitsbemühungen entnehmen, welche er auch nach seiner Aussteuerung weiterhin
regelmässig vorgenommen habe. Der Rückforderungsanspruch in Bezug auf den
Zwischenverdienst bei der D._ sei spätestens im Juni 2014 verjährt, da die
Arbeitslosenkasse bereits 2012 und 2013 über diesen Zwischenverdienst informiert
gewesen sei. Der Betrag, welcher rückerstattungspflichtig sei, müsse entsprechend
neu berechnet werden (act. G 3.2, B8).
A.k Mit Einspracheentscheid vom 16. April 2015 wies die Kantonale
Arbeitslosenkasse die Einsprache ab. Der Versicherte habe weder auf dem Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung noch auf den monatlich eingereichten AvP die
Beschäftigung bei der E._ gmbh mitgeteilt. Da die Kantonale Arbeitslosenkasse keine
Kenntnis über dieses Arbeitsverhältnis hatte, habe sie den Versicherten auch nicht
bezüglich der Meldung von Lohnänderungen im Nebenverdienst informieren können.
Das Arbeitsverhältnis bei der D._ habe der Versicherte zwar dem Personalberater
gemeldet und auf dem AvP für die Monate November und Dezember 2012 angegeben.
Ab Januar 2013 habe er auf dem AvP keine Angaben zu diesem Arbeitsverhältnis mehr
gemacht. Somit sei der Versicherte seiner Auskunftspflicht nicht nachgekommen und
habe Falschangaben gemacht. Die Kantonale Arbeitslosenkasse habe erst nach dem
automatischen Abgleich von Bezügerdaten zwischen ihr und der AHV-Ausgleichskasse
nochmals sämtliche Kontrollperioden kontrolliert und sei somit auf die
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Falschauszahlungen gestossen. Die Anrechnung des Zwischenverdienstes aus dem
Arbeitsverhältnis bei der D._ sei nicht verjährt (act. G 3.2, B4).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 12. Mai 2015. Der Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung des
Einspracheentscheides und der diesem zugrunde liegenden Verfügung. Die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer Fr. 16‘120.55
zuzüglich Verzugszinsen zu 5% seit dem 1. Juni 2013 zu bezahlen. Eventualiter sei
festzustellen, dass kein Rückforderungsanspruch der Beschwerdegegnerin bestehe.
Subeventualiter sei der Beschwerdeführer zu verpflichten, der Beschwerdegegnerin Fr.
3‘080.90 zu bezahlen. Der Beschwerdeführer sei stets in engem Kontakt mit der
Beschwerdegegnerin und dem RAV gestanden. Nur so lasse sich erklären, dass die
Einkommen der E._ gmbh nicht mehr als Zwischen- (wie in der ersten Rahmenfrist)
sondern als Nebenverdienst angenommen worden seien. Aufgrund der neuen
Einordnung seines Einkommens als Nebenverdienst und dessen Nichtberücksichtigung
durch die Beschwerdegegnerin habe der Beschwerdeführer davon ausgehen dürfen,
dass er alles, was damit zu tun habe, inklusive allfälliger Ausdehnung des
Nebenverdienstes nicht zu melden habe. Es könne vom Beschwerdeführer nicht
verlangt werden, dass er von sich aus zu erkennen habe, dass ein Mehrverdienst eines
Nebenverdienstes als Zwischenverdienst anzunehmen sei. Die Beschwerdegegnerin
hätte seit dem Zeitpunkt, als sie den Beschwerdeführer hätte aufklären müssen,
respektive dann, als der Beschwerdeführer innert angemessener Frist nach der
Aufklärung die Beschwerdegegnerin über sein zusätzliches Einkommen informierte
hätte, Kenntnis haben können. Die einjährige Verwirkungsfrist sei zum Zeitpunkt der
Verfügung im September 2014 bereits abgelaufen gewesen. Der Beschwerdeführer
habe die Beschwerdegegnerin stets ordentlich über den Zwischenverdienst bei der
D._ informiert. Auch diesbezüglich sei der Rückforderungsanspruch zum Zeitpunkt
der Verfügung im September 2014 bereits verwirkt gewesen. Eine Berücksichtigung
des Zwischenverdienstes bei der D._ hätte sodann zur Folge, dass der
Beschwerdeführer dadurch einen Anspruch auf weitere 66.6 Taggelder gehabt hätte,
was einem Betrag von Fr. 16‘120.55 entspreche, welcher ihm zustehe (act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. Juni 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer habe sowohl bei der ersten wie
bei der zweiten Rahmenfrist für den Leistungsbezug keine Meldung bezüglich seinem
Einkommen gemacht. Bis zur Bekanntgabe im Rahmen der Massnahmen zur
Bekämpfung der Schwarzarbeit habe die Kasse keine Kenntnis von diesen Einkommen
gehabt. Eine allfällige mündliche Erwähnung eines Einkommens im Rahmen der
Gespräche beim RAV entbinde den Beschwerdeführer nicht von seiner Pflicht, in den
Formularen die verlangten Angaben wahrheitsgetreu zu machen. Die Frage der
Verwirkung stelle sich nicht. Auch entfalle jegliche Möglichkeit, eines Anspruchs auf
zusätzliche Taggelder, oder einer Verrechnung von Ansprüchen (act. G 3).
B.c Mit der Replik vom 6. August 2015 hält der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest und ersucht zudem um die Durchführung einer mündlichen Verhandlung
(act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 12. August 2015 auf
die Einreichung einer Duplik (act. G 11).
C.
C.a Anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 27. April 2016 hielt der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers fest, dass die Ausführungen in der
Beschwerdeantwort (insbesondere in Ziffer 2) einen falschen Eindruck von der Person
des Beschwerdeführers (und des Rechtsvertreters) vermitteln würden. Zudem sei zu
berücksichtigen, dass es bei der Beschwerdegegnerin auch immer wieder zu Fehlern
komme.
C.b Der Vertreter der Beschwerdegegnerin entschuldigte sich für den Stil der Ziffer 2
der Beschwerdeantwort. Inhaltlich halte er aber an seinen Ausführungen fest. Auf
Nachfrage hin bestätigte er, dass die Beschwerdegegnerin erst im Juli 2014 Kenntnis
von der Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der E._ gmbh erhalten habe.
C.c Der Beschwerdeführer bemängelte insbesondere die Beratung beim RAV, es sei
dort zu wenig auf seine Anliegen und Bedürfnisse eingegangen worden. Bei D._ habe
er nur tageweise gearbeitet und dies habe er seinem Berater gesagt. Auf die Frage,
warum er die Tätigkeit bei der E._ gmbh ab Februar 2010 und die Tätigkeit bei der
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D._ nach Dezember 2012 auf den Formularen AvP nicht angegeben habe, vermochte
der Beschwerdeführer keine ausreichende Antwort zu geben.

Erwägungen
1.
1.1 Nach Art. 95 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) in
Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten. Den formell rechtskräftigen Verfügungen gleichgestellt sind auch die
im formlosen Verfahren ergangenen Entscheide, soweit sie eine mit dem Ablauf der
Beschwerdefrist bei formellen Verfügungen vergleichbare Rechtsbeständigkeit erreicht
haben (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf, Art. 53 N 46).
Taggeldabrechnungen der Arbeitslosenversicherung, die nicht in die Form einer
formellen Verfügung gekleidet werden, weisen materiell Verfügungscharakter auf (Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit dem 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] C 7/02 vom 14. Juli 2003 E. 3; BGE
125 V 476 E. 1; BGE 122 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kann der
Versicherungsträger, der einen formlosen Entscheid erlassen hat, diesen nur innerhalb
einer Frist von 30 Tagen voraussetzungslos abändern. Die Frist von 30 Tagen läuft ab
Erlass der zu berichtigenden Verfügung oder ab Leistungsausrichtung (vgl.
Kreisschreiben über Rückforderung, Verrechnung, Erlass und Inkasso [KS-RVEI],
Januar 2014, Rz A3). Zu einem späteren Zeitpunkt bedarf demnach das
Zurückkommen auf eine faktische Verfügung, z.B. auf eine Taggeldabrechnung, eines
Rückkommenstitels in Form einer Wiedererwägung oder einer prozessualen Revision
(BGE 129 V 110 E. 1.2.3). Die Voraussetzungen der Wiedererwägung und der
prozessualen Revision sind in Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG umschrieben. Gemäss Art. 53
Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und Einspracheentscheide in
Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger
nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet,
deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der
Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide
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zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von
erheblicher Bedeutung ist.
1.2 Es steht fest, dass der Beschwerdeführer von Oktober 2012 bis Mai 2013 bei
der D._ gearbeitet und einen Zwischenverdienst erzielt hatte, welcher in den
Taggeldabrechnungen der Monate Januar bis Mai 2013 nicht berücksichtigt wurde und
ihm in diesem Zeitraum deshalb zu viel Taggeld ausbezahlt wurde. Ebenso steht fest,
dass der Beschwerdeführer ab Februar 2010 bei der E._ gmbh gearbeitet hatte und
die daraus erzielten Einkünfte in den Monaten März bis Oktober 2010 als
Zwischenverdienst zu berücksichtigen waren. Nach seiner Abmeldung bei der
Arbeitslosenversicherung per 31. Oktober 2010, übte er diese Tätigkeit neben seiner
neu aufgenommenen 100% Beschäftigung bei der F._ AG weiter aus und setzte die
Tätigkeit auch nach seiner Wiederanmeldung bei der Arbeitslosenversicherung in den
Monaten ab März 2012 fort, ohne das Einkommen bei der Arbeitslosenversicherung
anzugeben. Unbestritten ist, dass diese Einkünfte in den Monaten März 2012 bis Mai
2013 als Zwischenverdienst zu qualifizieren sind, soweit ein Mehrverdienst zum
vorgängig erzielten Nebenverdienst vorliegt (vgl. nachfolgend E. 3). Die
Nichtberücksichtigung der Einkünfte bei der E._ gmbh – sei es als normaler
Zwischenverdienst in den Monaten März 2010 bis Oktober 2010, sei es als
Mehrverdienst in den Monaten März 2012 bis Mai 2013 – führten ebenfalls dazu, dass
zu viel Taggeld ausbezahlt wurde.
1.3 Damit waren die Taggeldabrechnungen der Monate März bis Oktober 2010
sowie März 2012 bis Mai 2013 (mit Ausnahme der Monate September und November
2012, vgl. Verfügung vom 15. September 2014, act. G 3.2, B31, S. 3) zweifellos
unrichtig und es handelt sich um eine Berichtigung von erheblicher Bedeutung. Somit
sind die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG erfüllt
und es kann offen bleiben, ob auch die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision
gegeben sind.
2.
2.1 Weiter ist die Verwirkung des Rückforderungsanspruchs zu prüfen. Gemäss Art.
25 Abs. 2 ATSG erlischt der Rückforderungsanspruch mit dem Ablauf eines Jahres,
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nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber
mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Diese
Fristen sind gewahrt, wenn vor dem Ablauf eine Rückerstattungsverfügung ergeht und
der pflichtigen Person zugestellt wird (U. Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Rz 65 zu
Art. 25 ATSG).
2.2 Die vorliegend von der Rückforderung betroffenen Leistungen wurden dem
Beschwerdeführer ab März 2010 ausgerichtet. Die absolute fünfjährige
Verwirkungsfrist, deren Beginn an die Leistungsentrichtung anknüpft, ist mit der
angefochtenen Rückerstattungsverfügung vom 15. September 2014 offensichtlich
gewahrt.
2.3 Mit Bezug auf den Beginn der einjährigen relativen Verwirkungsfrist ist nicht die
tatsächliche, sondern die zumutbare Kenntnis des zur Rückforderung Anlass gebenden
Sachverhalts massgebend, wobei nicht das erstmalige Handeln der Verwaltung als
fristauslösend angesehen werden kann. Vielmehr ist auf jenen Tag abzustellen, an dem
sich die Verwaltung später – beispielsweise anlässlich einer Rechnungskontrolle – unter
Anwendung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit über ihren Fehler hätte Rechenschaft
geben müssen. Dieser Grundsatz, wonach nicht der ursprüngliche Irrtum der
Verwaltung, sondern erst ein „zweiter Anlass“ die relative einjährige Verwirkungsfrist
auslöst, ist in der Rechtsprechung verschiedentlich bestätigt worden. Damit mag
insofern eine gewisse Rechtsunsicherheit verbunden sein, als häufig erst die Einleitung
einer periodischen Überprüfung, deren Zeitpunkt von der Verwaltung bestimmt wird,
die Verwirkungsfrist auslöst. Dies ist indessen nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung hinzunehmen, zumal auch andere Umstände – wie etwa ein Hinweis
der versicherten Person auf einen Fehler der Verwaltung – fristauslösend wirken und
schliesslich die absolute Verwirkungsfrist von fünf Jahren seit Entrichtung der
jeweiligen Leistung den Rückforderungsanspruch begrenzt (Urteil des Bundesgerichts
vom 19. Februar 2010, 9C_482/2009, E. 3.3.2 mit Hinweisen).
2.4 Selbst wenn der Beschwerdegegnerin – wie der Beschwerdeführer behauptete
(vgl. act. G 1, S. 5) – bekannt gewesen wäre, dass dieser seit einiger Zeit bei der E._
gmbh gearbeitet hatte, würde dies die einjährige Verjährungsfrist noch nicht auslösen,
sondern erst der automatische Abgleich von Bezügerdaten zwischen der Kantonalen
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Arbeitslosenkasse und der AHV-Ausgleichskasse als „zweiter Anlass“. Die zumutbare
Kenntnis der Verwaltung über die Zwischenverdienste des Beschwerdeführers ist
vorliegend somit frühestens ab Juli 2014 gegeben (vgl. act. G 3.2, B48), womit die
Rückforderungsansprüche mit der Verfügung vom 15. September 2014 nicht verjährt
sind. Ebenso verhält es sich mit dem Zwischenverdienst bei der D._. Selbst wenn
man – wie der Beschwerdeführer – davon ausgeht, dass die Kantonale
Arbeitslosenkasse von diesem Zwischenverdienst aufgrund der Angaben des
Beschwerdeführers beim RAV hätte informiert sein müssen, liegt auch hier der „zweite
Anlass“ erst mit dem Abgleich von Bezügerdaten zwischen der Kantonalen
Arbeitslosenkasse und der AHV-Ausgleichskasse vor, womit auch bezüglich dieses
Zwischenverdienstes keine Verwirkung vorliegt.
3.
3.1 Nach Art. 24 Abs. 1 AVIG gilt jedes Einkommen aus unselbständiger oder
selbständiger Erwerbstätigkeit, das der Arbeitslose innerhalb einer Kontrollperiode
erzielt, als Zwischenverdienst. Der Versicherte hat Anspruch auf Ersatz des
Verdienstausfalls. Als Verdienstausfall gilt die Differenz zwischen dem in der
Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst, mindestens aber dem berufs- und
ortsüblichen Ansatz für die betreffende Arbeit, und dem versicherten Verdienst. Ein
Nebenverdienst bleibt unberücksichtigt (Art. 24 Abs. 3 AVIG). Als Nebenverdienst gilt
gemäss Art. 23 Abs. 3 AVIG jeder Verdienst, den ein Versicherter ausserhalb seiner
normalen Arbeitszeit als Arbeitnehmer oder ausserhalb des ordentlichen Rahmens
seiner selbständigen Erwerbstätigkeit erzielt.
3.2 Ein Nebenverdienst kann während der Arbeitslosigkeit nicht als
Zwischenverdienst angerechnet werden, es sei denn, die versicherte Person dehne ihre
Nebenverdiensttätigkeit aus. Diesfalls ist der erzielte Mehrverdienst als
Zwischenverdienst zu berücksichtigen (vgl. BGE 120 V 518 E. 3, BGE 123 V 233 E. 3d;
Urteil des EVG C 186/00 vom 28. Februar 2001; AVIG-Praxis ALE vom Januar 2016,
C9).
3.3 Es ist unbestritten, dass die Tätigkeit bei der E._ gmbh während der
100%igen Tätigkeit bei der F._ AG vom 1. November 2010 bis 29. Februar 2012 als
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Nebenverdienst zu qualifizieren ist (vgl. act. G 3.2, B8, S. 3 und B31, S. 2). Dass die
Beschwerdegegnerin bei der Berechnung des durchschnittlichen Nebenverdienstes
analog zur Berechnung des versicherten Einkommens auf den Durchschnitt der letzten
12 Monate abstellte, ist nicht zu beanstanden. Der Zwischenverdienst wird für jede
Kontrollperiode neu berechnet und der Verdienstausfall entsprechend bestimmt (vgl.
Art. 24 AVIG). Somit kann bei der Bestimmung des Zwischenverdienstes ein
unterdurchschnittlicher Nebenverdienst – entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers (vgl. act. G 1, S. 6) – nicht berücksichtigt bzw. angerechnet
werden.
3.4 Aus dem Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe nicht von sich aus zu
erkennen, dass ein Mehrverdienst eines Nebenverdienstes ein Zwischenverdienst sei,
und dass er davon habe ausgehen können, dass er den Nebenverdienst nicht zu
melden habe (act. G 1, S. 6), kann nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden, da der
Beschwerdeführer jede Erwerbstätigkeit und damit auch seine Tätigkeit bei der E._
gmbh im AvP hätte angeben müssen. Es war nicht Sache des Beschwerdeführers, die
mit dieser Tätigkeit erzielten Einkünfte als nicht anrechenbaren Nebenerwerb oder als
anrechenbarer Zwischenverdienst zu qualifizieren. Er hatte lediglich alle erzielten
Einkünfte im AvP anzugeben und damit die Beschwerdegegnerin in die Lage zu
versetzen, die zutreffenden Schlüsse zu ziehen. Die Tätigkeit bei der E._ gmbh
konnte denn auch erst nach Bekanntwerden durch den Abgleich von Bezügerdaten
zwischen der Kantonalen Arbeitslosenkasse und der AHV-Ausgleichskasse, als
Zwischenverdienst (Monate März bis Oktober 2010) bzw. als Nebenverdienst (März
2012 bis Mai 2013) qualifiziert werden. Es ist nicht ersichtlich, dass in diesem
Zusammenhang eine Aufklärungspflicht der Beschwerdegegnerin hätte bestehen
können, nachdem sie erstmals im Juli 2014 Kenntnis von diesem Erwerb erhalten hat
(act. G 3.2, B48).
3.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Rückforderung von
Taggeldleistungen im Totalbetrag von Fr. 29‘347.35 nicht zu beanstanden ist.
4.
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4.1 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass er bei Berücksichtigung der
zusätzlichen Zwischenverdienste einen Anspruch auf weitere 66.6 Taggelder gehabt
hätte, was einem Betrag von Fr. 16‘120.55 entspreche (act. G 1, S. 7).
4.2 Gegenstand der angefochtenen Verfügung sind lediglich die
Taggeldabrechnungen bis Mai 2013 und die daraus resultierende Rückforderung von
zu viel bezogenen Taggeldleistungen. Ob der Beschwerdeführer darüber hinaus ab
Juni 2013 weiterhin Anspruch auf Taggeldleistungen hat, wurde von der
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 16. September 2014 nicht
beurteilt und ist auch nicht Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheides.
Somit fehlt es bezüglich des Antrags des Beschwerdeführers auf Entschädigung von
weiteren 66.6 Taggeldern im Betrag von Fr. 16‘120.55 an einem
Anfechtungsgegenstand und es kann darauf nicht eingetreten werden.
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.