Decision ID: fa9d6730-2e86-5b20-87bc-e3d0fed9e20b
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen  am 2. Mai 2006 auf dem Landweg in Richtung B._, wo er sich während (...) aufhielt. Danach folgten Aufenthalte von (...), von wo er über ihm unbekannte Länder am 4. Juni 2006 unter Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz gelangte. Gleichentags suchte er im Em-pfangs- und Verfahrenszentrum C._ um Asyl nach. Am 12. Juni 2006 fand dort die erste Befragung statt. Am 3. Juli 2006  er durch das Bundesamt in Anwesenheit einer Hilfswerksvertreterin angehört.
Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei  und afghanischer Staatsangehöriger aus D._, wo er als (...) gearbeitet habe. Im Vorfeld der Parlamentswahlen vom August 2005 habe der Kandidat E._ den Vater des Beschwerdeführers um seine Mithilfe ersucht. Der Vater habe zugesagt und dem  sein Auto und den Beschwerdeführer als Chauffeur zur Verfügung gestellt. Nach den Wahlen habe sich E._ nach Kabul begeben. Am 31. Mai 2006 hätten mutmasslich politische Gegner von E._ eine Bombe in den Garten der Familie des  geworfen. Dabei seien (...) getötet und (...) schwer verletzt . Der Beschwerdeführer habe befürchtet, das nächste Opfer zu sein. In der Folge habe ihm der Vater geraten, in die Schweiz zu .
Für die weiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die Protokolle bei den Akten verwiesen.
B. Mit am selben Tag eröffneter Verfügung vom 20. Juli 2006 stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die  des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die  gemachten Verfolgungsvorbringen genügten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht. So seien die Aussagen des  über seine Arbeit als Chauffeur von E._ oberflächlich und unsubstanziiert, ebenso diejenigen über dessen politische Feinde. Die Aussagen, das Haus der Familie des Beschwerdeführers sei meh-
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rere Monate nach den Wahlen Ziel eines Bombenanschlags geworden und E._ habe sich inzwischen nach Kabul begeben, seien  und realitätsfremd. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Der Beschwerdeführer sei jung und gesund. Bis zur Ausreise habe er in einem Dorf in der relativ sicheren Provinz D._ gelebt, wo auch seine relativ wohlhabende Familie  sei. Ausserdem habe er als (...) gearbeitet. Somit stünden die Chancen gut, dass er sich bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat auch ausserhalb seines Heimatdorfes und seiner Herkunftsregion ein wirtschaftliches Auskommen sichern könne.
C. Mit Eingabe vom 21. August 2006 (Datum des Poststempels) an die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK)  der Beschwerdeführer unter Kosten- und , es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die  des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer  wurde unter Bezugnahme auf eine gleichzeitig eingereichte  der Verzicht auf einen Kostenvorschuss und die  der unentgeltlichen Rechtspflege beantragt.
Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt, der  sei Paschtune und habe sein Leben von der Geburt bis zur  im Dorf D._ verbracht. Kabul kenne er nicht und er sei auch nie in eine andere Provinz Afghanistans gereist. Er habe somit weder in Kabul noch in einer anderen Provinz, welche von der ARK als relativ stabil bezeichnet werde, ein tragfähiges Beziehungsnetz oder eine  Wohnmöglichkeit. Seine Herkunft aus der Provinz D._ sei von der Vorinstanz nicht in Zweifel gezogen worden. Gemäss der Rechtsprechung der ARK, insbesondere aufgrund der aktuellen  in Afghanistan in Bezug auf die Zumutbarkeit des  vom 24. Januar 2006, würde zum heutigen Zeitpunkt eine Wegweisung in die östlichen, südlichen und südöstlichen  Afghanistans, so auch in die Provinz D._, als unzumutbar erachtet.
D. Mit Zwischenverfügung vom 24. August 2006 wurde auf einen  verzichtet und der Entscheid über das Gesuch um  der unentgeltlichen Rechtspflege auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass sich die Beschwerde
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nur gegen den Vollzug der Wegweisung richte und somit die Verfügung des BFM vom 20. Juli 2006, soweit die Frage des Asyls und die  betreffend, in Rechtskraft erwachsen sei, damit auch die Wegweisung als solche grundsätzlich nicht mehr zu überprüfen sei, und mithin Gegenstand des Beschwerdeverfahrens lediglich die Frage bilde, ob die Wegweisung zu vollziehen oder an Stelle des  eine vorläufige Aufnahme anzuordnen sei.
E. Mit Vernehmlassung vom 13. September 2006 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte es aus, die  enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder , welche eine Änderung des Standpunkts rechtfertigten. Im Übrigen wurde auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen und daran vollumfänglich festgehalten.
F. Am 4. Oktober 2006 reichte der Beschwerdeführer je eine Kopie eines Formulares betreffend seine Identität und einer Registrierung von E._ zur Wahl sowie drei Fotos zu den Akten.
G. Mit Schreiben vom 31. Mai 2007 reichte der Beschwerdeführer ein  Identitätspapier und einen Wahlhelfer-Ausweis zu den .

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des  vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes
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vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die  der bei der ARK am 31. Dezember 2006 hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen  und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der  ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise . Der Beschwerdeführer ist daher zur Einreichung der  legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
3. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung des  sowie die Wegweisung blieben vorliegend unangefochten und sind mit Ablauf der Beschwerdefrist in Rechtskraft erwachsen.  des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet somit einzig die Frage des Vollzugs der Wegweisung (Art. 44 AsylG).
4. 4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so regelt das Bundesamt gemäss Art. 44 Abs. 2 AsylG das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme nach des Bundesgesetzes vom 16.  2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), welches seit dem 1. Januar 2008 in Kraft ist. Vor dem 1. Januar 2008 wurden die Voraussetzungen für die vorläufige  im Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und  der Ausländer (aANAG, BS 1 121) geregelt, welches  mit dem Inkrafttreten des AuG aufgehoben wurde (vgl. Art. 125 AuG i.V.m. Ziff. I Anhang zum AuG). Inhaltlich hat sich an den Voraussetzungen für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme durch die Gesetzesänderung nichts geändert.
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Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den  (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind  Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug als  zu betrachten und die weitere Anwesenheit der  Person in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die  Aufnahme zu regeln (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2006 Nr. 6).
4.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl.  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
4.2.1 In ihrer vorliegend zu berücksichtigenden Rechtsprechung hatte sich die ARK in EMARK 2003 Nr. 10 eingehend zur Lage in Kabul  und die Unterschiede zwischen der Stadt Kabul und anderen Regionen Afghanistans dargestellt. Infolge der vergleichsweise  Situation hatte sie den Wegweisungsvollzug nach Kabul unter bestimmten strengen Voraussetzungen, insbesondere einem  Beziehungsnetz, der Möglichkeit der Sicherung des  und einer gesicherten Wohnsituation, als zumutbar erachtet. In EMARK 2006 Nr. 9 bestätigte die ARK ihre Rechtsprechung aus dem Jahr 2003. Zusätzlich zu Kabul erachtete sie den Wegweisungsvollzug in weitere, abschliessend aufgeführte Provinzen (Parwan, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul, Herat und die Gegend von Samangan, die nicht zum Hazarajat zu zählen ist) unter den in EMARK 2003 Nr. 10 erwogenen strengen Bedingungen als zumutbar. In den übrigen östlichen, südlichen und südöstlichen Provinzen  hingegen weiterhin eine allgemeine Gewaltsituation, weshalb der Wegweisungsvollzug dorthin nach wie vor als unzumutbar zu  sei (vgl. EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.5.3 und 7.8).
4.2.2 Von der Vorinstanz wurde nicht in Zweifel gezogen, dass der  der Ethnie der Paschtunen angehört und sein  in der Provinz D._ liegt, welcher Auffassung sich auch das Bundesverwaltungsgericht aufgrund der Aktenlage – wenn auch nicht mit letzter Gewissheit – anschliesst. Im Weiteren kann die La-
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geanalyse und Praxis der ARK in EMARK 2003 Nr. 10 und 2006 Nr. 9 in casu nach wie vor als gültige Grundlage herangezogen werden. Der Herkunftsort des Beschwerdeführers befindet sich nach dem  nicht in einer der in EMARK 2006 Nr. 9 abschliessend aufgeführten Provinzen, in welche – neben Kabul – der Wegweisungsvollzug unter strengen Bedingungen als zumutbar erachtet wird. Der  des Beschwerdeführers in sein Herkunftsgebiet muss demnach als unzumutbar qualifiziert werden.
4.2.3 Es stellt sich die Frage, ob dem Beschwerdeführer allenfalls eine Aufenthaltsalternative in einem anderen Landesteil Afghanistans zur Verfügung steht. Die Bejahung einer zumutbaren innerstaatlichen  in Kabul, wo die allgemeine Situation nach wie vor als relativ stabil zu bezeichnen ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 10 S. 67), oder in einer anderen Provinz, in der die allgemeine Situation eine Rückkehr unter bestimmten Umständen als zumutbar erscheinen  (vgl. EMARK 2006 Nr. 9), setzt insbesondere die dortige Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes sowie eine gesicherte  voraus.
Aufgrund der Aktenlage ist nicht davon auszugehen, dass der  in Kabul oder in einer der in EMARK 2006 Nr. 9  aufgelisteten Provinzen über eine gesicherte  und ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt. Es sind keinerlei  des Beschwerdeführers zum Grossraum Kabul oder einer der genannten Provinzen ersichtlich. Aufgrund der Aktenlage kann nicht ernsthaft davon ausgegangen werden, dass mutmasslich  im Land lebende weitere Verwandte dem Beschwerdeführer eine gesicherte Existenzgrundlage bieten könnten. Mithin fehlen die  Zumutbarkeitsfaktoren für die Annahme, der  könne sich im Grossraum Kabul oder einer der anderen  Provinzen eine Existenzgrundlage aufbauen.
4.2.4 Angesichts der gesamten Umstände ist der Vollzug der  als unzumutbar zu bezeichnen. Die Voraussetzungen für die  der vorläufigen Aufnahme sind damit erfüllt.
5. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 20. Juli 2006 sind aufzuheben und das Bundesamt ist anzuweisen, den Beschwerdeführer vorläufig
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aufzunehmen (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 AuG). Einer  Aufnahme stehen keine einschränkenden gesetzlichen  entgegen (Art. 83 Abs. 7 AuG).
6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird somit gegenstandslos.
6.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine  für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Im vorliegenden Fall ist der Beschwerdeführer mit seinem  durchgedrungen. Laut Art. 9 VGKE umfassen die Kosten der Vertretung das Anwaltshonorar oder die Entschädigung für eine  berufsmässige Vertretung (Bst. a), den Ersatz von  (Bst. b) und den Ersatz der Mehrwertsteuer für die  nach den Buchstaben a und b, soweit eine Steuerpflicht besteht und die Mehrwertsteuer nicht bereits berücksichtigt wurde (Bst. c). Das Anwaltshonorar und die Entschädigung für eine nichtanwaltliche  Vertretung werden nach dem notwendigen Zeitaufwand des Vertreters oder der Vertreterin bemessen (Art. 10 VGKE).
Der Beschwerdeführer hat keine Kostennote zu den Akten reichen . Auf die Nachreichung einer solchen kann jedoch verzichtet , nachdem sich der notwendige Vertretungsaufwand zuverlässig abschätzen lässt. Die Parteientschädigung wird von Amtes wegen und in Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 500.– (inkl. Auslagen und MWST) festgesetzt und ist dem Beschwerdeführer von der Vorinstanz zu entrichten.
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