Decision ID: a3027cfd-5f3e-4a1d-b684-28183ca2a1c0
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1975 geborene
X._
,
Mutter
zweier
Kinder (geboren
1995 und
1997)
, ohne Berufsausbildung,
reiste im November 2003 aus
Y._
in die Schweiz ein
und erhielt den Status einer vorläufig aufgenommenen Ausländerin (Ausweis F)
. Am 2
8.
Juni 2011
(Eingangsdatum) meldete
sie
sich unter Hinweis
auf eine psychische Erkrankung
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
9/3
).
Mit Verfügung vom
7.
März 2012 verneinte die IV-Stelle
wie vorbeschieden einen Rentenansp
ruch aufgrund
der
nicht erfüllten
Mindestbeitragsda
u
er
(Urk. 9
/
1
5).
Am
8.
Mai 2013
(Eingangsdatum)
stellte
die Versicherte
erneut bei der IV-Stelle ein Rentengesuch (
Urk.
9
/
20
).
Zunächst
zog die IV-Stelle
einen Auszug aus dem individuellen Konto
bei (
Urk.
9/22).
Daraufhin verneinte sie m
it Vorbescheid vom 1
4.
Juni 2013
abermals
aufgrund
der nicht erfüllten Mindes
t
beitragsdauer e
inen Rentenanspruch
(
Urk.
9/26).
Dagegen erhob
die Abteilung Soziales der
Gemeinde
Z._
Einwand (
Urk.
9/27). Nach
Rücksprache
mit
der AHV-
Ausgleichs
kasse
(
Urk.
9/28)
veranlasste
die IV-Stelle medizinische Abklärungen
(
Urk.
9/30-33)
,
liess die Versicherte polydisziplinär (allgemein-internistisch, rheumatolo
gisch und psychiatrisch) begutachten
(Expertise vom 23. Oktober 2014, Urk. 9/53)
und
führte am
2
9.
November 2013
eine Haushaltsabklärung
durch
(
Urk.
9/56
)
.
Mit Verfügung vom 1
7.
F
ebruar
2015
lehnte die IV-Stelle erneut einen Renten
anspruch wegen
nicht erfüllter
Mindestbeitragsdauer ab (
Urk.
9
/58) und teilte m
it Schreiben vom 2
0.
August 2015
der Durchführungs
stelle für Zusatzleistungen AHV/IV
der Gemeinde
Z._
mit
, dass aus medizinischer Sicht kein
für die Invalidenversicherung relevanter
Gesundhei
t
s
schaden vorliege (
Urk.
9/65).
Mit Verfügung vom 2
6.
August 2015 verneinte diese einen Anspruch
der Beschwer
de
führerin
auf Ergänzungsleistungen (
Urk.
9/67/4).
Am
6.
Februar 2018 (Eingangsdatum) stellte
X._
unter Mithilfe der
Psychiatrische
n
Universitätsklinik
A._
einen Antrag zur Neubeurteilung des
Rentenanspruchs
(
Urk.
9/72-73). Zur Abklärung der medizinischen und erwerb
lichen Verhältnisse zog die IV-
Stelle
zunächst
einen Auszug aus dem individuellen Konto bei (
Urk.
9/83) und holte
Arztberichte
ein (Urk. 9/85). Mit Vorbescheid
vom 1
9.
Juni 2018
stell
t
e die IV-Stelle der Versicherten
die
Abwei
sung
des
Leistungsbegehrens
in Aussicht (
Urk.
9/87). Dagegen lies
s
sowohl die
Versicherte
am 2
5.
Juni 2018 (Urk. 9/88)
als auch
die Abteilung Soziales der Gemeinde
Z._
am 1
6.
Juli 2018 vorsorglich und am 1
1.
September
2018 ergänzend
E
inwand
erheben (
Urk.
9/94 un
d
Urk.
9/
96)
.
Dies veranlasste die IV-Stelle weitere Ar
ztberichte
einzuholen
(
Urk.
9/105,
Urk.
9/124
,
Urk.
9/126
und
Urk.
9/153
) sowie die
Versicherte psychiatrisch
begutachten zu lassen (Expertise vom 1
8.
Juni 2020, Urk. 9/151).
Nachdem die
Verfahrensbeteiligten
Gelegenheit hatten, zum Gutachten Stellung
zu nehmen (
Urk.
9/154-158)
, erging am
1
0.
Dezember 2020
ein IV-
Leistungen verneinender
Entscheid (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
2
2.
Januar 2021
Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom
1
0.
Dezember 2020
sei aufzuheben und es sei ihr eine Inva
lidenrente
zuzusprechen, eventualiter sei zuhanden der Ergänzungsleistungs
behörde der Gemeinde
Z._
festzustellen, dass falls die
versicherungs
mäs
sigen Voraussetzungen nicht erfüllt seien, ein Invaliditätsgrad von 100
%
im Erwerbsbereich vorliege.
In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführe
rin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung sowie Verbeiständung (
Urk.
1 und
Urk.
3
/3-4). Mit Beschwerdeantwort vom
7.
April 2021
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8
)
, was der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom
1
3.
April 2021
zur Kenntnis gebracht
wurde
(
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
4
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die
Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fak
toren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psy
cho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den inva
liditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände auf
zuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.
5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
6
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herab
gesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich
gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den
Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3,
134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeits
unfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
7
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.
8
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwer
defall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
9
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin trat auf die Neuanmeldung ein und erwog im angefoch
tenen Entscheid, eine Unterstützung für Eingliederungsmassnahmen sei nicht angezeigt, da die Beschwerdeführerin nie arbeitsfähig gewesen sei und über keine Ausbildung verfüge. Weiter seien seit dem letzten Entscheid im Jahr 2015 gröss
tenteils unveränderte Tatsachen gegeben. Auch in der Begutachtung durch Dr. med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe
rapie, habe sich ergeben, dass nach wie vor psychosoziale und soziokulturelle Faktoren (desolate Zustände im Heimatland und deshalb Angst vor einer Rück
kehr sowie deshalb Rückzug in eine Klinik, Leben von der Sozialhilfe usw.) vor
lägen. Diese
Faktoren
seien aus juristischer Sicht für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit auszuklammern, weshalb kein Rentenanspruch bestehe (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, seit der
letzten
Beurteilung habe sich ihr Gesundheitszustand massiv verschlechtert. Sie habe auch eine
Zeitlang
ins «betreute
Wohnen
» eintreten müssen. Eine Ver
schlechterung sei aufgrund der Arztbericht
e
, insbesondere der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._,
erstellt. Ihr hätte aufgrund des ausführlichen Gutachtens von
Dr.
B._
, welches das strukturelle Beweisverfahren anhand der sogenannten Indikatoren
v
or
ge
nommen habe
und keine Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit
mehr
attestiere,
eine Rente zugesprochen werden müssen
. Würde die Beschwerdegegnerin von
einem langjährigen unveränderten Gesundheitsschaden
ausgehen, hätte sie zuhanden der E
rgänzungsleistungsbe
hörde feststellen müssen, dass
seit
langer Zeit eine 100%ige
Erwerbsunfähigkeit
vorliege
,
gestützt
auf das
frühere
Gutachten
der
C._
a
us dem Jahr 2014 und
d
a
s neue Gutachten
von
Dr.
B._
.
Keines
wegs
dürf
e sie
gestützt auf die
vorhandenen Akten von
einer
vollen Erwerbsfähigkeit ausgehen (
Urk.
1).
3
.
3
.1
Bevor geprüft werden kann, ob
eine anspruchserhebliche Änderung
vorliegend gegeben
ist (E. 1.5)
, stellt sich aufgrund
der Erstanmeldung am 28. Juni 2011 (Urk. 9/3)
und d
er Neuanmeldung am 8. Mai 2013 (Urk. 9/
20
) sowie am 6. Februar 2018 (Urk. 9/72-73)
die Frage nach der Vergleichsbasis. Dabei bildet der zeitliche Referenzzeitpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung oder Mitteilung, welche auf einer umfassenden materiellen Prüfung beruht (E.
1.
6
)
.
3
.2
Anlässlich de
s
mit Verfügung vom 7. März 2012 abgeschlossenen Erstanmel
dungsverfahren
s
erfolgte weder in medizinischer noch in erwerblicher Hinsicht eine rechtskonforme Sachverhaltsabklärung (Urk. 9/10). Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin gestützt auf die fehlende
Erfüllung der
dreijährige
n
Beitragspflicht (Urk. 9/15). Im Rahmen des mit Verfü
gung vom 17. Februar 2015 (Urk. 9/
58
) abgeschlossenen Neuanmeldungsver
fahrens erfolgte nach
Rücksprache mit
der Ausgleichskasse
in medizinischer und erwerblicher Hinsicht eine rechtskonforme Sachverhaltsabklärung (Urk. 9/57). So führte die IV-Stelle
umfangreiche medizinische Abklärungen, welche auch eine polydisziplinäre Begutachtung (Expertise vom 23. Oktober 2014, Urk. 9/53) umfassten, sowie am
29. November 2013
eine Haushaltsabklärung
mit entspre
chender Qualifikation der Beschwerdeführerin als 50 % im Haushalts- und 50 % im Erwerbsbereich Tätige durch (Urk. 9/56). Mit Verfügung vom 17. Februar 2015 verneinte d
ie
IV-Stelle zwar einen Rentenanspruch wiederum
gestützt
auf die für die Rente notwendige fehlende Beitragszeit bei Eintritt des Versicherungsfalls per August 2008 (Urk. 9/58), bemass jedoch im Auftrag der EL-Stelle den Invalidi
tätsgrad der Beschwerdeführerin (KSVI Anhang ll, Abklärung des Invaliditäts
grades im Auftrag der EL-Stellen, Rz. 5). Nach entsprechenden Abklärungen
ermittelte
die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 0 %, da aufgrund der im Vor
dergrund stehenden psychosozialen und soziokulturellen Faktoren sowie de
s
sekundären Krankheitsgewinn
s
kein für die Invalidenversicherung relevanter Gesundheitsschaden vorliege (Urk. 9/64/4).
Die entsprechende Meldung an die EL-Stelle erfolgte am 20. August 2015 (Urk. 9/65), woraufhin diese mit Verfü
gung vom 26. August 2015 das Gesuch aufgrund des fehlenden Invaliditätsgrades ablehnte (Urk. 9/67). Dies entspricht dem praxisgemässen Vorgehen, wobei bei der Bestreitung des Invaliditätsgrades das Rechtsmittel gegen die Verfügung der EL-Stelle zu ergreifen ist und diese diesfalls eine Stellungnahme der IV-Stelle einzuholen hat
(KSVI Anhang ll, Abklärung des Invaliditätsgrades im Auftrag der EL-Stellen, Rz. 6).
3
.3
Zeitliche Vergleichsbasis für die Neuanmeldung bildet somit der Sachverhalt, welcher der leistungsverneinenden Verfügung vom 17. Februar 2015 (
Urk.
9/
58
) zugrunde lag.
4
.
4
.1
Die Verfügung vom 1
7.
Februar 2015 stützte sich
im Wesentlichen
auf
das
poly
disziplinäre Gutachten des
C._
vom 2
3.
Oktober 201
4
(
Urk.
9/
53
).
4
.2
4
.2.1
Die
C._
-Gutachter hielten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit fest (Urk. 9/53/30):
-
Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0)
-
Chronisches lumbovertebrales Syndrom
-
i
ntermittierende spondylogene Ausstrahlung nach rechts
-
Fehlform der Wirbelsäule, Haltu
n
g
sinsuffizienz
-
Diskopathie L4/5 und L5/S1
-
Multisegmentale F
acettengelenksarth
r
o
sen
Als ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit beurteilten sie folgende Diagnosen:
-
Adipositas
-
Struma diffusa l bis ll
-
St. n. Lungentuberkulose
-
Isoniazidther
ap
ie über 9 Monate
2007/2008
-
S
chult
erschmerzs
y
n
drom beidseits
-
Tendomyotisch-betontes cervikovertebrales Syndrom
-
Weichteilrheumatische Beschwerden Arme beidseits
-
Spannung
s
kopfschmerzen
-
Spre
izfussdeformität
beidseits
4
.2.2
Der allgemein-internistische Gutachter hielt fest, palpatorisch werde eine diffuse Struma vor allem im Unterlappenbereich beidseits palpiert. Es werde eine gele
gentliche Kontrolle
der Schilddrüse
mittels Ultraschall empfohlen. Die Schild
drüsenwerte im Blut lägen im Normbereich. Die Cholesterinwerte seien erhöht. Eine Therapie sei zu erwägen. D
ie
Ferritinwerte seien nur grenzwertig erniedrigt, weshalb lediglich eine gelegentliche Nachkontrolle empfohlen werde. Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit habe diese Untersuchung respektive eine allfällige Struma nicht (
Urk.
9/53
/
16-17).
4
.2.3
Der rheumatologische Teilgutachter führte aus,
bei der klinischen Untersuchung habe sich eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule, insbesondere lu
m
bal, ohne sichere Zeichen für radikuläre Reiz- oder Ausfallphänomene
gezeigt
. Es bestehe keine Umfangdifferenz der Beine. Hinw
eis
e für Paresen
seien nicht vorhanden
. Der Muskeleigenreflex-Status PSR und ASR
seien
symmetrisch, das Lasègue-Phänomen
rechts sei
beidseits
negativ. Es bestünden diffuse D
ru
ck
dolenzen
lumbal
über der Ligament
um
iliolumbale und Trochanter major-Region rechts. Bei der
Sensibilitäts
prüf
ung
werde am rechten Bein eine
herabgesetzte
Sensibilität
angegeben. Im B
er
e
i
ch der p
eripheren Gelenke fände sich ein Schul
terschmerzsyndrom beidseits ohne Hinweise für Rotatorenmanschettenläsion
en
oder Om
arthrosen
. Im cervikalen Abschnitt der Wirbelsäule
bestünden
Zeichen eines t
endomyotischbetonten vert
ebralen Syndroms
,
hier ebenfalls ohne radiku
läre Reiz- oder Ausf
a
llphänomene. Im Weiteren fände sich eine Weichteilirrita
tionszone/Bereiche im Schultergebiet sowie im periartikulären Bereich der Hüften rechtsbetont. Es werde eine konsequente
Kräftigungsgymnastik
inklusive MTT-Training
empfohlen. Es könne auch eine epidurale Infiltration auf Höhe L5/S1 empfohlen werden. Für eine leichte Tätigkeit in Wechselhaltung bestehe eine Teil
arbeitsfähigkeit
(
Urk.
9/53/21
-22
).
4
.2.4
Der psychiatrische Teilgutachter berichtete,
im ICF zeige
sich
eine schwere bis vollständige Beeinträchtigung in praktisch allen Items. Diese Beeinträchtigung könne
wahrscheinlich
nicht
vollständig
auf di
e
traumatischen
Ereignisse
zurück
geführt werden. Da jedoch
der psychische Zustand der
Beschwerdeführerin
vor den traumatischen Ereignissen nicht bekannt sei, sei
davon
auszugehen, dass der aktuelle Zustand massge
b
lich durch die
erlittenen
Traumatisierungen ausgelöst worden sei. Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage einer
Erwerbsarbeit
nachzugehen. Auch
A
rbeiten im Haushalt
seien
nur beschränkt
m
öglich
. Die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung solle weitergeführt werden
(
Urk.
9/53/
28
)
.
4
.2.5
In der interdisziplinären Zusammenfassung legten die Gutachter dar,
sie sähen in der bisherigen Tätigkeit als auch in einer Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit als nicht mehr geben an. Der Beginn dieser Arbeitsunfähigkeit werde ab August 2007 festgelegt. Angesichts des schweren psychischen Krankheitsbildes werde auch
langfristig
keine Möglichkeit gesehen, die
Arbeitsfähigkeit
positiv zu
beein
flussen
. Auch wenn die Rückenproblematik erst seit einem Jahr zusätzlich dazu
gekommen se
i
und diese teilweise
therapeutisch
ange
h
bar sei, habe dies keiner
lei
Auswirkung auf die G
esamtarbeits
f
ähigkeit
und den Gesamtzustand der Beschwer
deführerin. Die anlässlich der diversen Hospitalisationen in
psychiat
rischen
Kliniken gestellt
e
Diagnose
einer posttraumatischen B
elastu
n
g
sstörung sei zu revidieren, da das Trauma, welches für den jetzigen Zustand auslösend
gewesen
sei
,
mittlerweile
doch mindestens
zehn
Jahre
zurück
liege
. Es sei davon auszugehen, dass es sich um eine chroni
fiz
i
e
rte Form der Belastungsstörung handle, welch
e
üblicherweise
unt
er
einer andauernden Persönlichkeitsänderung
qualifiziert
werde (
Urk.
9/53/32-33).
5
.
5
.1
In der rentenverneinenden Verfügung vom
1
0.
Dezember 2020
(Urk. 2) stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das
psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
vom 1
8.
Juni 2020 (
Urk.
9/151)
. Darin wurden die bis zur Begutachtung der Beschwerdeführerin aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (Urk. 9/
151/5-
18 und Urk. 9/151/44-49
), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
5
.2
Dr.
B._
nannte
als Diagnose
n
eine kombinierte Persönlichkeits
störung
, I
CD-10: F61
,
eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit
telgradige Episode, ICD-10: F32.1/2
,
sowie differenzialdiagnostisch zusätzlich eine Somatisierungsstörung gemä
ss
,
ICD-10: F45.0
(
Urk.
9/151/37-41)
.
Es sei geplant gewesen, dass die Beschwerdeführerin in Begleitung ihres Eheman
nes zur Untersuchung ersch
einen würde
. Nachdem es aber zu einer weiteren bedroh
lichen Auseinandersetzung zwischen den Eheleuten gekommen sei und zu
einer Wegweisung des Ehemannes aus der gemeinsamen Wohnung, sei die Beschwer
deführerin mit der Sozialarbeiterin zum vereinbarten Untersuchungs
termin erschienen (
Urk.
9/151/19).
In den vorliegenden Dokumenten wie auch in den aktuellen
Angaben
anlässlich der
psychiatrischen
Begutachtung fänden sich eine ganze Reihe von
Inkonsistenzen
, welche Kriegserfahrungen die Beschwerde
führerin tatsächlich selbst
durchgemacht
habe und welche allenfalls andere
Angehörige
der Gruppe der Roma
erlebt hätten. Dies
habe
auch
in der Unter
suchung nicht geklärt werden könne
n
.
Verifizierbar sei die Tatsache, dass die Gruppe der Roma
in Y._
und insbesondere während der Kriegszeit
diskrimi
niert
worden und nicht erwünscht gew
esen sei
. D
urch Kriegshandlungen
seien sie auch
noch mehr als
andere
Volksgruppen
beeinträchtigt
gewesen
. Die Bedrohung im
Krieg
sei zweifellos real gewesen und die Angst vor
der
Rückkehr
nach Y._
sei damals wie heute nachvollziehbar. Laut
verschiedener
Internet
-
Berichte
n
(Wikipedia zum
Y._-Krieg
und zur
Situation
der Roma aber auch HEKS u.a.) sei
e
n die Roma 1999 systematisch aus
Y._
v
ertrieben worden,
teils
aus
schliesslich unter der Drohung
,
sie
ansonsten
umzubringen
,
und
teils mit Gewalt (anzünden der Häuser, Tötungen,
Vergewaltigungen
). Die
aktuelle
Klärung der Beeinträchtigung werde
dadurch
erschwert
,
dass die Beschwerdeführerin
viele
Äusserungen
gemacht habe, die sie sich
als
sozial erwünsch
t
vorstell
e
(beispiels
weise, dass es in der Schule gut gegangen sei versus Diskriminierung als Roma
kind, was sie zu verbergen versuche)
.
S
chambesetzt
sei
die
Alkoholabhängigkeit
des Ehemannes,
d
ie überdies mit der Angst verknüpft sei, wenn sie nicht mit ihrem Mann zurechtkomme, ausgewiesen zu werden. Die
vielfäl
tigen
Angaben von Stimmen hören, wieder nicht Stimmen hören, ganz unterschiedliche
Stim
men
hören, die auch nicht oder allenfalls vage in den Kontext einer
komplexen
posttraumatischen
Belastungsstörung
eingeordnet
werden könnten (Aufforde
rung sich selbst umzubringen, Stimme des Vaters, der
sie zu sich holt, Erklärung, sie
gehör
e
nicht hierher etc.)
,
w
erde als Ausdruck ihrer ausgeprägten Ängste und
teils
als
erlernte
Symptomatik
,
nachdem
sie sich sehr häufig in verschiedenen psychiatrischen
Kliniken
aufgehalten
habe,
interpretiert.
Die Äusserungen und das Verhalten der Beschwerdeführerin seien offensichtlich geprägt von der grossen Angst, ausgewiesen
zu werden
,
und zwar
in einem solchen Ausmass, dass es schwer sei
,
an die tatsächlichen Defizite heranzukommen. Die vielfältigen kürzeren und längeren
Hospitalisationen
, die kontinuierliche psychiatrisch-
psycho
therapeutisch
bzw. psy
chiatrisch-psychologische Behandlung seit 2004, die aufwendige Betreuung durch verschiedene soziale Institutionen, allen voran die Gemeinde
Z._
, die ebenso wiederkehrende plötzliche Entscheidung aus dem Spital wieder auszutreten, die Unterbringung im Heim zum dritten Mal
,
wieder Rückkehr nach Hause, die vielfältigen Hilfeschreie in der problematischen, gestörten Beziehung zum Ehemann und spätere Rücknahme,
wie
sen nicht
zuletzt
angesichts der grossen
Angst,
ausgewiesen zu werden
,
auf eine ausgeprägte
Per
sönlichkeitspathologie hin
, die durch di
e
aktuelle
Untersuchung
ergänzt
werden könne
. Schliesslich sei auch darauf hingewiesen, dass weder die
Sympto
matik
der
Beschwerdeführerin
noch ihr Verhalten als
zielgerichtetes
Erstreben einer Leis
tung oder einer
Vergünstigung
interpretiert
werden könne.
Vielmehr
sei
der Verlauf
dadurch
geprägt, dass sie
Hilfsangebote
über die ganz
kurzfristige
Entlas
tung hinaus nicht realisiere
n
und nutzen könne (
Urk.
9/151/49-50).
Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führte
Dr.
B._
aus, die Beschwerdeführerin habe ca. zwischen 2004-2007 stundenweise für die Gemeinde
Z._
Reinigungs- und Gartenarbeiten übernommen. Das ent
spreche
keiner
Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt. Ab Juli 2007 sei sie auch dazu nicht mehr in der Lage gewesen. Selbst ihren Haushalt scheine die Beschwer
deführerin nur mit Mühe und je nach Tagesverfassung
bewältigen
zu
können. Die vielen Hospi
t
a
l
i
sationen, die unzähligen notfallmässigen Spitalinter
ventionen zusätzlich zur sozialen Betreuung,
die
ambulanten psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Behandlung
en
sei
t
2004,
die
wiederholte Spitex
betreuung und die wiederholt
en
Heimunterbringungen
zeigten, dass die
Beschwerdeführerin
selbst mit ihrem Alltag überfordert sei. Zu einer
Tätigkeit
auf
dem
freien Arbeits
markt
sei sie nach allen
vorliegenden
Informationen seit 2010 nicht in d
e
r
Lage.
Die aktuelle Untersuchung habe dies noch einmal bestätigt. Zudem sei es gelungen, die Diskrepanzen näher einzuordnen und einzugrenzen: Zwar gebe es Hinweise auf Verdeutlichung, erlernte Symptome und regressives Verhalten, andererseits jedoch auch auf fehlende Krankheitseinsicht im Hinblick auf die Persönlichkeitspathologie, die das Krankheitsbild neben der seit Jahren wieder
holt bestätigten Einschränkung durch die ausgeprägte depressive Störung präge. Nachdem die Beschwerdeführerin selbst zu einer stundenweisen Tätigkeit in quasi geschütztem Rahmen nicht mehr in der Lage sei, sei eine noch besser angepasste Tätigkeit nicht vorstellbar (
Urk.
9/151
/53-54)
.
6.
6.1
Dem
polydisziplinären
C._
-
Gutachten vom 2
3.
Oktober 2014 lässt sich in soma
tischer Hinsicht entnehmen, dass das diagnostizierte chronische lumbovert
ebrale
Syndrom eine
Teilarbeitsunfähigkeit
für eine leichte Tätigkeit in Wechselhaltung begründet
e. Dabei wurde jedoch die genaue Bestimmung der Teilarbeitsfähigkeit offengelassen, da die Hauptproblematik eindeutig im psychiatrischen Fachbereich lag und bereits alleine aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit bestand.
Aus internistischer Sicht wurden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben
(E. 3.1-3.3).
Schliessliche erfolgte auch die Neuan
meldung a
m
6.
Februar 2018
aufgrund
eines
durch die
Psychiatrische Universitätsklinik A._
angestossenen Antrags
um Neubeurteilung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht (
Urk.
9/72-73).
Hinzu kommt, dass den Akten
zur Neuan
meldung vom
6.
Februar 2018 keine
weiteren
somatischen Berichte entnommen werden können
.
Demnach sind aus somatischer Sicht
keine neuen Diagnosen hinzugekommen.
Im
Rahmen
der im Neuanmeldungsverfahren durchgeführten psychiatrischen Begutachtung
wurde die Beschwerdeführerin auf die früher
berichteten
Rückenbeschwerden angesprochen, wobei
sie angab
, sie sei deswegen beim Hausarzt in Behandlung und leide seit
der Infiltration
vorübergehend
an keinen Beschwerden
am Rücken mehr (
Urk.
9/151/
2
7)
.
Die von den
C._
-Gutach
tern genannten Befunde im Bereich des Bewegungsapparates präsentieren sich
somit
nach Lage der Akten – und unbestrittenermassen –
unverändert
, wobei es
wohl
zum Zeitpunkt der Begutachtung aufgrund der Infiltration
zu einer
vorübergehenden Schmerzmilderung
kam
. Die zeitlich begrenzte Verbesserung der subjektiven Beschwerden ist jedoch nicht geeignet
,
um
auf eine
allfällige
anspruchs
relevante Veränderung
zu
schliessen,
zumal
es dadurch zu keiner B
efund
änderung kam
.
Demnach ist
von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand
aus somatischer Sicht
auszugehen.
Zu klären bleibt, ob sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin wesentlich verändert hat.
6.2
Das
psychiatrische
Gutachten
vom
8.
Juni 2020
von
Dr.
B._
beruht
auf den umfassenden fachärztlichen
psychiatrischen
Untersuchungen und wurde in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) verfasst (
Urk.
9/151/5-18
und
Urk.
9/151/44-49
). Die Gutachter
in hat
detaillierte Befunde und hieraus begrün
dete Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt. Zudem
hat
sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge schlüssig dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Mithin erfüllt das Gutachten die rechtssprechungsgemässen Anforderungen an beweiskräftige ärztliche Ent
scheidungsgrundlagen (vgl. E. 1.
9
), weshalb darauf abgestellt werden kann.
6.3
Aus psychiatrischer Sicht präsentierte sich die Beschwerdeführerin
sowohl in der
Begutachtung durch die
C._
-Gutachter als auch in derjenigen von
Dr.
B._
misstrauisch
sowie
örtlich und zeitlich ausreichend orien
tiert
.
Des Weiteren
wurde sie zu beiden Begutachtungen
von einer vertrauten Person
begleitet und es
fielen sowohl im Gutachten vom 2
3.
Oktober 2014 als auch im Gutachten vom 1
8.
Juni 2020 Ungereimtheiten
bezüglich der
Angaben zu den Jahreszahlen auf
.
Die formalen Gedankengänge wurden
jeweils
als nicht beeinträchtigt
beurteilt und
die Stimmungslage im Wesentlichen
g
leich beschrie
ben (verzweifelt, traurig, bei den Gewaltszenen von Schmerz überwältigt, ängst
lich).
Inhalt
l
ich fand sich eine Einengung der Gedan
ken
auf
die
Erkrankung und
mögliche
traumatische Erfahrungen während des Krieges
.
Ferner berichtete d
ie B
eschwerdeführerin
bei beiden Begutachtungen
ü
ber
dieselben Beschwerden
,
nämlich, dass sie S
timmen
höre
, welche ihr teilweise befählen
sich selber umzu
bringen
.
Weiter gab sie an
,
kraftlos zu sein, weshalb
sie
praktisch für alle alltäg
lichen
Verrichtungen
und
die
Kö
r
perpflege auf Hilfe des
Ehemanns
, der Söhne
oder der Spit
e
x angewiesen
sei
.
Gleich verhalte es sich mit den Tätigkeiten im Haushalt.
Zudem
leide
sie unter vielen
Ängste
n:
Angst
,
das Haus alleine zu ver
lassen
,
vor dem
Alleinsein
sowie vo
r
Alpträumen
.
In beiden Begutachtungs
situationen erwähnte sie eine
Vergewaltigung durch Personen mit Masken und Handschuhe
n
sowie die Ermordung ihrer Grossmutter und eines Bruders im
Y._-Krieg
. Sie leide an Schlaf- und Konzentrationsstörungen und habe
keinen Appetit und
e
sse nur
, weil sie müsse
(Ur. 9/151/19-
29
,
Urk.
9/151/
3
2
-34
und
Urk.
4/53/24-2
8
).
So wurde auch in beiden
Gutachten die in den
aktenkundigen medizinischen Berichten immer wieder
diagnostizierte
p
osttraumatische Belas
tungsstörung durch die Diagnose
der andauernden Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung bzw.
später
der
Persönlichkeitsstörung
präzisiert
(
Urk.
9/151/37
-40
und
Urk.
9/53/26
)
.
Was sodann die im Gutachten
vom
1
8.
Juni 2020
genannte Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung
, gegenwärtig mittelgradige Episode
,
anbelangt
(Urk. 9/151/40)
,
ist anzumerken, dass
d
ie ent
sprechenden
Diagnosekriterien nach ICD-10
schon
i
m Zeitpunkt
der
Begutach
tung im Jahr 2014 erfüllt waren
.
Die Beschwerdeführerin wurde
bereits
damals
affektiv im Wesentlichen gleich
beurteilt.
Weiter
berichtete
sie
bereits in der Begutachtung 2014
über die Symptome
Schlaflosigkeit,
Appetitlosigkeit
,
Hoff
nungslosigkeit
, Konzentrationsstörungen
sowie über ihre Ängste
.
Auch
wurde
eine
Einschränkung in allen Items
sowie
ein
starke
r
soziale
r
Rückzug
im Gutach
ten vom 2
3.
Oktober 2014 beschrieben
(
Urk.
9/53/28
)
.
Hinzu kommt, dass
die im
Gutachten vom 1
8.
Juni 2020
mögliche
Somatisierungsstörung
l
ediglich
diffe
r
e
nz
diagnostisch
aufgrund der in den Vorakten
beklagten
unterschiedlichen
körperlichen
Symptomen
(muskuloskelettale Beschwerden, Herzrasen, diverse dissoziative Symptome) gestellt
wurde
(
Urk.
9/151/41)
. Diese Symptome beklagte die Beschwerdeführerin aber
gestützt auf die Vorakten
ohnehin
bereits
auch
vor
sowie
während der Begutachtung
im Jahr 2014
(
Urk.
9/53/24
-25
)
.
Darüber hinaus wurde
in beiden Gutachten von einer volle
n Arbeits
un
fähigkeit ausgegangen (
Urk.
9/53/28 und
Urk.
9/151/
54)
und
weder
die
Ausführungen der Beschwerde
führerin
noch
die
Akten
deuten
auf eine
veränderte
soziokulturelle oder
psycho
soziale
Situation
hin
. Spätestens ab 2008 gab es
nach
Dr.
B._
auf
grund der
vorliegenden
Behandlungsberichte deutliche Hinweise auf häusliche
Gewalt
(
Urk.
9/151/
43-44
)
.
Auch im Gutachten der
C._
wurde darauf hingewie
sen, dass sich in den Akten Hinweise auf häusliche Gewalt fänden, die Beschwer
deführerin in den Begutachtungen jedoch nicht darüber
gesprochen habe
(
Urk.
9/
53/28
).
Des Weiteren sind die
Äusserungen
sowie
das
Verhalten
der Beschwerdeführerin
nach wie vor von der grossen
Angst geprägt, ausgewiesen zu werden
(
Urk.
9/151/50 und
Urk.
9/53/
26
)
, weshalb es weiterhin zu zahlreichen
s
tationären
Aufenthalten
in der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
sowie im Sanatorium
D._
oder in Heimen kam
(
Urk. 9/151/47-48
)
.
Wie das von den Gutachtern erhobene Krank
heitsbild diagnostisch
exakt
einzuordnen wäre, spielt letztlich indes keine Rolle, ist doch wie aufgezeigt eine erhebliche Befundänderung nicht ausgewiesen.
Dem
nach
ist aufgrund
des Gutachtens aus psychiatrischer Sicht
von einem im Wesent
lichen unveränderten Gesundheitszustand auszugehen
, weshalb sich eine Ressourcenprüfung anhand des strukturierten Beweisverfahren erübrigt. Entge
gen der Ansicht der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 4) stellt allein die seit der letzten Begutachtung geänderte Rechtsprechung zum strukturellen Beweisver
fahren für sich keinen Neuanmeldungs- oder Revisionsgrund dar (BGE 141 V 585 E. 5.2 und E. 5.3).
6.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine Veränderung des Gesundheits
zu
standes oder
der
Arbeitsfähigkeit weder aus somatischer noch aus psychiat
risch
er Sicht
ausgewiesen ist
.
Sofern die
Beschwerdeführerin den
zuhanden der EL-Stelle gemeldete Invaliditätsgrad vom 2
0.
August 2015 (Urk. 9/65) bestreitet,
hätte
sie
die
von der EL-Stelle erlassene
leistungsablehnende
Verfügung vom 2
6.
August 2015 (
Urk.
9/67)
anfechten und die entsprechende Begründung vor
bringen müssen.
Bei dieser medizinisch-erwerblichen Sachlage erübrigen sich Weiterungen zu den
versicherungsmässigen Voraussetzungen, nachdem mit Verfügung vom 1
7.
Februar 2015 (Urk. 9/58) ein Rentenanspruch mangels Erfüllung der Beitrags
zeit verneint worden war und d
ie Rechtskraft von Entscheiden über Dauerleis
tungen sich auch auf Vorausset
zungen
der Leistungsberechtigung
erstreckt
, welche zeitlich abgesc
hlossene Sachverhalte betreffen (
BGE 136 V 369
).
7.
Die angefochtene Verfügung vom
10. Dezember 2020
(
Urk.
2) erweist sich dem
zufolge als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8.
8.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die unentgeltliche Verbeistän
dung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt (
Urk.
3/4
). Antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2) ist der Beschwerdeführerin deshalb die unentgeltliche Prozessführung sowie die unentgeltliche Verbeiständung zu bewilligen.
8.2
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt.
Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
800.-- als angemessen. Ausgangsgemäss ist diese der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
8.3
Mit Honorarnote vom
2
0.
April 2021 (
Urk.
12)
machte
Rechtsanwältin Lotti Sigg
einen Aufwand von Total
Fr.
1'511.40
(
Fr.
1'467.40
Arbeitsaufwand für
6.40
Stunden plus
Fr.
44.--
Barauslagen zzgl. MwSt.)
geltend, was der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer) angemessen erscheint, weshalb
sie
in diesem Umfang aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
8.4
Die Beschwerdeführerin ist zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (
§
16
Abs.
4 GSVGer).