Decision ID: 982c93aa-9119-45d6-b6fe-3c42c62f2bec
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 27. November 2008 (Eingang:
1. Dezember 2008) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 1).
A.b Mit Arztbericht vom 10. Februar 2009 stellte Dr. med. B._, Innere Medizin FMH,
die Diagnosen einer Depression sowie eines Status nach Dekompression und
Neurolyse des Nervus medianus rechts wegen funktionellem Karpaltunnelsyndrom am
22. Oktober 2008 (IV-act. 18). Aus somatischer Sicht gebe es keine Einschränkungen
zur Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit. Eine Depression sei erstmals durch
einen Austrittsbericht des Kantonsspitals St. Gallen über die Hospitalisation vom 6. bis
10. Januar 1990 wegen Suizidversuchs mit Tabletten im Rahmen einer Depression bei
psychosozialer Belastungssituation aktenkundig geworden. Anscheinend habe es sich
dort bereits um die vierte Episode gehandelt. Dr. B._ erachtete die Prognose
aufgrund dieses Verlaufs als eher ungünstig, verwies jedoch für ein kompetenteres
Urteil auf den behandelnden Psychiater. Gemäss telefonischer Auskunft des
behandelnden Psychiaters, Dr. med. C._, vom 24. Februar 2009, hatte sich der
Gesundheitszustand leicht gebessert, so dass berufliche Massnahmen empfehlenswert
seien (IV-act. 19). Es bestehe in der angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin und in
einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50%. Im Arztbericht
vom 25. Februar 2010 diagnostizierte Dr. med. D._, Spezialarzt für Neurologie, eine
ausgeprägte langdauernde Depression, bestehend seit etwa drei Jahren (ICD-10:
F 32.11; IV-act. 48). Seit 27. Oktober 2009 werde die Beschwerdeführerin bei ihm
ambulant behandelt. Nach ihren eigenen Angaben sei sie seit März 2009 zu 100%
arbeitsunfähig. Er werde in den nächsten Monaten versuchen, sie zu einer 50%igen
geeigneten Tätigkeit zu motivieren. Am 22. Juni 2010 attestierte Dr. D._ der Be
schwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom März 2009 bis 31. Juli 2010,
und eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab 1. August 2010 (IV-act. 52-5/5).
A.c Die Ende November 2010 begonnene und bis 4. März 2011 vorgesehene berufliche
Abklärung im E._ wurde am 2. Februar 2011 wegen zu vieler krankheitsbedingter
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Fehlzeiten und insbesondere wegen Operation vom 3. Februar 2011 (Sinusitis)
abgebrochen (IV-act. 68, 71, 76-6).
A.d Gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 29. August 2011 war die Beschwerde
führerin als Vollerwerbstätige zu qualifizieren (IV-act. 90).
A.e Mit bidisziplinärem Gutachten vom 10. Januar 2012 (IV-act. 98) von Dr. med. F._,
Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen und Dr. med. G._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zertifizierter medizinischer Begutachter SIM,
wurden als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit rezidivierende
Cervikalbeschwerden, Migräne bei cervikaler Osteochondrose, ein rezidivierendes,
lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei leichter S-Skoliose, Hohlrundrücken und
lumbaler Osteochondrose L5/S1, gering L4/L5, ohne neurologische Ausfälle, eine
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig mit somatischem Syndrom, und als
Differenzialdiagnose ein somatisches Syndrom als Somatisierungsstörung, gestellt. In
der angestammten, wie auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit bestehe seit 6. Mai
2011 zumindest eine 40%ige, nach begutachtendem Psychiater eher eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit in leichter Arbeit. Zum Gutachtenzeitpunkt am 26. September 2011 sei
die somatisch bedingte Arbeitsfähigkeit von 80% in rheumatologisch adaptierter
leichterer Arbeit nicht zu kumulieren gewesen mit der geringeren psychiatrischen
Arbeitsfähigkeit von 60%.
A.f Mit Vorbescheid vom 27. Februar 2012 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentenbegehrens bei einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 20% in
Aussicht (IV-act. 103).
A.g Dagegen liess die Versicherte am 22. März 2012 Einwand erheben (IV-
act. 111-1ff.).
A.h Am 23. April 2012 liess der Rechtsvertreter der IV-Stelle einen Bericht von
med. pract. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 19. April
2012 zukommen (IV-act. 114). Bei Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode,
differenzialdiagnostisch einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, ging med. pract. H._ davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit bei
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einer solchen Erkrankung normalerweise für eine Arbeit in der Reinigung oder eine
psychisch ähnlich anspruchsvolle Tätigkeit zu 50% eingeschränkt sei.
A.i Am 30. April 2012 verfügte die IV-Stelle im Sinne des Vorbescheids (act. G 1.1; IV-
act. 116).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 9. Mai 2012 (act. G 1) liess die Beschwerdeführerin durch
Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, St. Gallen, beantragen, die Verfügung vom 30. April
2012 sei aufzuheben und ihr sei eine ganze Invalidenrente ab wann rechtens,
spätestens ab Juni 2009, zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur
Vornahme weiterer Abklärungen und anschliessender Zusprechung einer ganzen
Invalidenrente ab wann rechtens, spätestens ab Juni 2009, an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung mit Fürsprecher
Küng als unentgeltlichem Rechtsvertreter zu bewilligen. Zur Begründung liess sie
insbesondere vorbringen, die psychischen Beschwerden seien bei der Ermittlung des
Invaliditätsgrads zu berücksichtigen. Es sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% aus
psychischen Gründen und einer solchen von 20% aus somatischen Gründen
auszugehen. Da die Arbeitsunfähigkeit gesamthaft mindestens 70% betrage, habe sie
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Sie habe sich im November 2008 zum Bezug
von Leistungen angemeldet, sei aber bereits ab 2003 lediglich zu 25% arbeitstätig
gewesen. Da ihr nicht bewusst gewesen sei, dass sie sich bereits zu einem früheren
Zeitpunkt hätte anmelden können, sei die verspätete Anmeldung entschuldbar und der
Anspruch bestehe bereits seit 2004.
B.b Am 21. Juni 2012 legte der Rechtsvertreter einen Bericht von med. pract. H._
vom 18. Juni 2012 ins Recht (act. G 5.1). Darin diagnostizierte er neben einer rezidi
vierenden depressiven Störung, bei der weiterhin eine mittelgradige Episode vorliege,
auch eine abhängige Persönlichkeitsstörung, eine posttraumatische Belastungsstörung
und eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung. Seine
Arbeitsfähigkeitseinschätzung vom 19. April 2012 passte er dahingehend an, dass er
für angepasste Tätigkeiten eine 20%ige Arbeitsfähigkeit für gegeben ansah.
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B.c Mit Beschwerdeantwort vom 28. Juni 2012 (act. G 6) schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen
an, die diagnostizierte mittelgradige depressive Störung sei nicht als invalidisierende
psychische Komorbidität einzustufen, und die Foerster-Kriterien seien nicht erfüllt. Eine
Willensanstrengung für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sei zumutbar.
B.d Am 16. Juli 2012 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechts
pflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechts
verbeiständung durch Fürsprecher Küng) entsprochen (act. G 7).
B.e Mit Replik vom 6. August 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem bisherigen
Standpunkt fest (act. G 11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung
einer Duplik.
B.f Mit Schreiben vom 27. Mai 2013 legte der Rechtsvertreter ein Schreiben der I._
vom 7. Mai
2013 und ein Schreiben von med. pract. H._, vom 24. Mai 2013 ins Recht
(act. G 14ff.).
B.g Das Versicherungsgericht ersuchte Dr. C._ um Kopien der Krankengeschichte
der Beschwerdeführerin. Dieser reichte Arbeitsunfähigkeitsatteste für jeweils einzelne
Tage in der Zeit von Juni 2007 bis Oktober 2008 ein (act. G 16 und 17).

Erwägungen:
1.
1.1 Zwischen den Parteien streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
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Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Gemäss Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und dadurch den Invaliditäts
grad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung gestellt haben. Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für
die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem
Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 351
E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
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2.1 Zu prüfen ist zunächst die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.2 Dabei steht insbesondere die psychische Problematik der Beschwerdeführerin im
Vordergrund. Die Beschwerdeführerin stützt sich für die Beurteilung der aus rein psy
chischen Gründen bestehenden Einschätzungen einerseits auf das im Auftrag der Be
schwerdegegnerin erstellte psychiatrische Untergutachten von G._, wonach sie zu
40% arbeitsunfähig sei. Andererseits verweist sie aber auch auf die Arbeitsfähig
keitsschätzung von Dr. D._, wonach sie in einer adaptierten Tätigkeit lediglich eine
40-50%ige Arbeitsfähigkeit ausüben könne und in diesem zeitlichen Rahmen eine um
30-40% verminderte Leistungsfähigkeit aufweise (IV-act. 77) und auf diejenige von
med. pract. H._, worin von einer Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 50%
ausgegangen wird (IV-act. 114). Die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. D._
erscheint deshalb nicht konsistent, weil er – ohne dass von einer Änderung bzw.
Verschlechterung des Gesundheitszustands die Rede war – mit Arztbericht vom 4. Mai
2011 plötzlich von einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von 30-40%
ausgeht. Med. pract. H._ hielt das Gutachten von G._ für nachvollziehbar und wich
davon zunächst lediglich um 10% ab, mit der Begründung, dass eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit normalerweise bei einer mittelgradigen depressiven Episode üblich
sei. Mit Bericht vom 18. Juni 2012 stellte er jedoch neu auch noch die Diagnosen einer
abhängigen Persönlichkeitsstörung, einer posttraumatischen Belastungsstörung und
einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, und ging dabei
von einer 20%igen Arbeitsfähigkeit aus. Diese Diagnosen wurden jedoch weder von
Dr. D._, der die Beschwerdeführerin vom 27. Oktober 2009 bis ca. April 2012 (vgl. IV-
act. 114-3/7) ambulant behandelt und die belastende Lebensgeschichte der
Beschwerdeführerin auch gekannt hatte (IV-act. 48, 52, 77, 86) noch vom Gutachter
G._, dem zumindest die anamnestischen Angaben ebenfalls vorlagen, in Erwägung
gezogen, obwohl sie dieselben Befunde wie med. pract. H._ erhoben hatten. Insofern
erscheint die Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. pract. H._ nicht nachvollziehbar.
Hingegen sind die Schlussfolgerungen von G._ konsistent und überzeugend. Das
Gutachten beruht auf eigenen Abklärungen, ist für die streitigen Belange umfassend
und wurde in Kenntnis und unter Berücksichtigung der medizinischen Vorakten
verfasst. Auf das Untergutachten von G._ ist somit abzustellen.
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2.3 Hinsichtlich der somatischen Beschwerden vertrat Dr. F._ im bidisziplinären
Gutachten vom 10. Januar 2012 (IV-act. 98) die Ansicht, aufgrund von rezidivierenden
Cervikalbeschwerden, Migräne bei cervikaler Osteochondrose, einem rezidivierenden,
lumbovertebralen Schmerzsyndrom bei leichter S-Skoliose, einem Hohlrundrücken und
einer lumbalen Osteochondrose L5/S1, gering L4/L5, ohne neurologische Ausfälle, sei
die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht grundsätzlich arbeitsfähig für
Tätigkeiten wie in der E._ ausgeübt, ebenso für leichte Reinigung, als Stickerin,
Näherin und für leichte industrielle Arbeit. Infolge der nachgewiesenen degenerativen
Rückenveränderungen könnten somatisch vermehrt eingestreute Kurzpausen, eine
leicht reduzierte Arbeitsleistung, zeitlich verwertbar zu 90% und eine leicht
eingeschränkte Leistung um 10% - insgesamt eine Arbeitsfähigkeit zu 80% -
angenommen werden. Auch die Beschwerdegegnerin hat diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung zwar als grosszügig, aber akzeptabel bezeichnet (act. G 6;
IV-act. 100). Auf diese Beurteilung kann ebenfalls abgestellt werden.
2.4 Die Beschwerdeführerin hat sich am 27. November 2008 zum Bezug von IV-
Leistungen angemeldet, wobei die Anmeldung am 1. Dezember 2009 bei der IV-Stelle
einging (IV-act. 1). Eine Arbeitsunfähigkeit vor diesem Zeitpunkt ist in medizinischer
Hinsicht nicht ausgewiesen. Der frühestmögliche Beginn eines allfälligen Rentenan
spruchs liegt somit am 1. Juni 2009 (Art. 29 Abs. 1 und Abs. 3 IVG). In der Anmeldung
gab die Beschwerdeführerin an, bei Dr. B._ in Behandlung zu stehen. Dieser
bescheinigte ihr jedoch keine Arbeitsunfähigkeit und verwies auf den behandelnden
Psychiater, Dr. C._ (IV-act. 18). Dr. C._ äusserte sich allerdings am 24. Februar
2009 nur einmalig und telefonisch zur Arbeitsfähigkeit (IV-act. 19). Auch auf nochmalige
Nachfrage des Versicherungsgerichts konnte die Krankengeschichte der
Beschwerdeführerin nicht erhältlich gemacht werden (act. G 16f.). Zwar hatte der seit
27. Oktober 2009 behandelnde Psychiater, Dr. D._, der Beschwerdeführerin seit
März 2009 eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit attestiert, er wies allerdings darauf
hin, dass dies nach eigenen Angaben der Beschwerdeführerin erfolgt sei und er sie im
Umfang von 50% zur Ausübung einer geeigneten Tätigkeit motivieren wolle (IV-act. 48).
Ab 1. August 2010 bescheinigte er ihr entsprechend auch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit.
Auffallend ist, dass bei der Beschwerdeführerin seit Behandlungsbeginn bei Dr. D._
bis im Mai 2011 die gleiche Dosis Antidepressiva fortgeführt wurde (vgl. IV-act. 48-2
und 86-6). Der Beginn des sogenannten Wartejahrs (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) ist
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aufgrund der Aktenlage beim Behandlungsbeginn bei Dr. D._ (Oktober 2009)
anzusetzen. Hinsichtlich des Arbeitsunfähigkeitsgrads seit Oktober 2010 nahm
Dr. D._ bis Mai 2011 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit an, begründete jedoch bei
unverändertem Gesundheitszustand seine neue Einschätzung nicht, wonach der
Beschwerdeführerin in einfachen körperlichen Tätigkeiten lediglich noch eine Tätigkeit
zu 30-40% zumutbar sei. Entsprechend ging G._ ab 6. Mai 2011 auch eher von einer
60%igen Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 98-15/17). Anders als die Beschwerdeführerin
vorgibt, kann aus dem Umstand, dass sie sich schon seit März 2009 vollständig
arbeitsunfähig fühlte, also nicht auf einen früheren Beginn des Wartejahres
geschlossen werden.
2.5 Gestützt auf die medizinischen Akten ist daher gesamthaft betrachtet ein Ablauf
des Wartejahrs im Oktober 2010 anzunehmen und ab dann von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit und ab 6. Mai 2011 gemäss rheumatologisch-psychiatrischem
Gutachten vom 10. Januar 2012 von Dr. F._ und G._ von einer 60%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen, wobei die ab 26. September 2011 bestehende 80%ige
Arbeitsfähigkeit in rheumatologisch adaptierten leichteren Arbeiten nicht mit der
geringeren psychiatrischen von 60% zu kumulieren ist (act. 98).
3.
3.1 Des Weiteren ist die von der Beschwerdegegnerin verneinte Frage (act. G 6; IV-
act. 100) zu prüfen, ob die gutachterlich bescheinigte psychisch bedingte Arbeitsun
fähigkeit invalidenversicherungsrechtlich relevant ist. Hierzu bringt die Beschwerde
gegnerin verschiedene Argumente vor, die nachfolgend auf ihre Stichhaltigkeit zu
prüfen sind.
3.2
3.2.1 Betreffend das depressive Leiden führt die Beschwerdegegnerin aus, mittel
gradige depressive Episoden vermöchten grundsätzlich keine Invalidität im Rechtssinn
zu begründen (act. G 6).
3.2.2 Die Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens setzt grundsätzlich
eine fachärztliche, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten
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Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (Urteil des Bundesgerichts vom
25. Juli 2013, 8C_79/ 2013, E. 4.2.1; BGE 130 V 396 E. 6). Im Rahmen der freien
Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) darf sich die Verwaltung – und im Streitfall das
Gericht – weder über die (den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden)
medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen
Einschätzungen und Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer
konkreten sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen
(Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2013, 8C_79/2013, E. 3.2.2). Die
invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung ist nicht von
vornherein auszuschliessen. Allerdings bedingt deren Annahme, dass es sich dabei
nicht bloss um die Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit handelt (vgl. in Bezug
auf mittelgradige depressive Episoden: Urteil vom 7. Februar 2012, 9C_736/2011,
E. 4.2.2.1 mit Hinweisen), sondern um ein selbständiges, vom psychogenen
Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden (Urteil des Bundesgerichts vom
17. Juli 2013, 8C_162/2013, E. 3.1.2 mit Hinweisen).
3.2.3 G._ stellte die Diagnose einer depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradig
mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) als Hauptursache für die Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Er deutete das Auftreten der vielfältigen Schmerzzustände als
Somatisierungsprozess. Mit anderen Worten ging G._ davon aus, dass bei der
Beschwerdeführerin seelische Probleme als körperliche Beschwerden wahrgenommen
würden. Gemäss einhelliger medizinischer Aktenlage (IV-act. 18, 28, 48, 52, 77, 83, 86)
und auch nach Ansicht von Dr. F._ (IV-act. 98-9/17) steht die psychische Problematik
eindeutig im Vordergrund; diese scheint losgelöst von den körperlichen Beschwerden
zu bestehen. Denn von Dr. F._ wurde keine somatoforme Schmerzstörung oder ein
anderes pathogenetisch-ätiologisches unklares syndromales Beschwerdebild ohne
nachweisbare organische Grundlage diagnostiziert; für die von der Beschwerdeführerin
geklagten somatischen Beschwerden – insbesondere für das rezidivierende,
lumbovertebrale Schmerzsyndrom – finden sich schliesslich objektiv-strukturelle
organische Korrelate (degenerative Veränderungen der HWS und LWS sowie leichte S-
Skoliose; vgl. E. 2.3). Insofern sind die somatischen Beschwerden der
Beschwerdeführerin wohl erklärbar und führen gemäss Dr. F._ sogar zu einer
20%igen Arbeitsunfähigkeit. Zwar werden im Gutachten von G._ psychosoziale
Faktoren erwähnt, diese bestehen allerdings schon seit mehreren Jahren und hinderten
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die Beschwerdeführerin lange nicht daran, voll erwerbstätig zu sein. Sie kommen
lediglich als Auslöser der depressiven Erkrankung in Frage. Wenn – wie hier – ein
psychopathologischer Befund mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einmal
festgestellt ist, spielt es im Übrigen überhaupt keine Rolle, ob zu diesem Krankheitsbild
(auch) psychosoziale Probleme beigetragen haben mögen. Es ist nicht möglich und
auch nicht zweckmässig, den (allenfalls ursächlichen) psychosozialen Anteil an der
psychischen Erkrankung bei der Arbeitsunfähigkeit "auszusondern". Damit ist die
mittelschwere depressive Störung der Beschwerdeführerin als eigenständiges
Krankheitsbild anzusehen.
3.3
3.3.1 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, die Foerster-Kriterien
seien nicht erfüllt. Die diagnostizierte mittelgradige depressive Störung entspreche
keiner invalidisierenden psychischen Komorbidität und diese leite sich aus der
vorhandenen Schmerzstörung ab.
3.3.2 Somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche pathogenetisch-ätiologisch
unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage ver
mögen rechtsprechungsgemäss in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität
im Sinn von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken
(Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 2013, 8C_162/2013, E. 3.1.1; BGE 136 V 279
E. 3.2.1; 130 V 352 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Die – nur in Ausnahmefällen anzunehmende
– Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs
in den Arbeitsprozess setzt das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch
ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und
Dauer oder aber das Vorhandensein anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität und
Konstanz erfüllter Kriterien wie chronische körperliche Begleiterkrankungen und
mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen
des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung
(primärer Krankheitsgewinn) oder schliesslich unbefriedigende Behandlungsergebnisse
trotz konsequent durchgeführter Behandlungsbemühungen (auch mit
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unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der
versicherten Person voraus. Je mehr diese Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich
die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind – ausnahmsweise – die
Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 137 V 64
E. 4.1; 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweis).
3.3.3 Nach G._ besteht bereits seit den 90er Jahren eine gleichbleibende insuffiziente
psychische Befindlichkeit im Sinn einer mittelgradigen Depression (mit Hinweis auf
Suizidversuche; IV-act. 18; 83-6 unten; 97-6/7f.). Es habe sich in der Untersuchung
eine wenig motivierte und perspektivenlose Versicherte gezeigt. Ihr sozialer Rückzug
könne als Flucht in die Krankheit (Depression) gewertet werden. Innerseelische
Konflikte habe die Beschwerdeführerin mehr als genug durch ihre schwierige Kindheit
und die beiden missglückten Ehen. Psychiatrisch wäre eine ausserhäusliche Tätigkeit
jedoch geradezu heilsam, erfahre die Beschwerdeführerin doch nur so Wertschätzung,
Perspektive, soziale Kontakte und eine Tagesstruktur. Ihr fehle jedoch die Motivation
dazu. Aufgrund der psychiatrischen Befunde sei ihr jedoch eine Willensanstrengung zur
Überwindung ihrer Beschwerden durchaus zuzumuten. Es ergäben sich keine
Hinweise, warum die Willensanstrengung aufgrund von psychischer Krankheit
aufgehoben sein sollte. Die Befunde sprächen für eine Depression, aktuell mittleren
Grades. Auch mit einer solchen Diagnose sei eine Arbeitsfähigkeit gegeben, wenn auch
im leicht reduziertem Ausmass aufgrund der Konzentrationsstörungen. Nach
Erfahrungswerten sei eine mittelgradige Depression mindestens mit einer 60%igen
Arbeitsfähigkeit vereinbar.
3.3.4 Grundsätzlich sind die Foerster-Kriterien aufgrund der Diagnose einer mittel
gradigen Depression nicht zu prüfen. Indessen sind die Symptome der mittelgradigen
Depression (als eine selbständige psychiatrische Diagnose) ähnlich jenen, die bei
"syndromalen Beschwerden" auf eine psychische Komorbidität hinweisen. G._ hat
nachvollziehbar und überzeugend dargelegt, dass bei der Beschwerdeführerin ein
psychopathologischer Befund vorliegt. Er mutet der Beschwerdeführerin dennoch zu,
die Willensanspannung aufbringen und einer Tätigkeit nachgehen zu können. Jedoch
ist ihre Arbeitsfähigkeit nach Einschätzung des Gutachters auf Grund der
Konzentrationsstörungen, welche durch die mittelgradige Depression bedingt sind, um
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40% reduziert. Diese Beurteilung ist durchaus einleuchtend. Das Ausmass an zu
mutbarer Willensanstrengung und zu überwindender Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
im konkreten Einzelfall ist denn auch vom medizinischen Sachverständigen – und nicht
vom Rechtsdienst – zu ermitteln (Noah Birkhäuser/Andreas Brunner, Somatoforme
Schmerzstörung - Gedanken zur Rechtsprechung und deren Folgen für die Praxis,
insbesondere mit Blick auf die Rentenrevision, BJM 2007, S. 185; vgl. auch Entscheide
des st. gallischen Versicherungsgerichts vom 30. August 2012, IV 2010/131, E. 5.2,
vom 9. November 2010, IV 2010/122, E. 1.3.3 [bestätigt durch Urteil des
Bundesgerichts vom 25. Februar 2011, 8C_958/2010 und 8C_1039/2010,
insbesondere E. 6.2.2.2], vom 27. Januar 2010, IV 2008/331, E. 5.2, und vom
10. Dezember 2009, IV 2008/223, E. 1.3). Entsprechend befand auch der Regionale
Ärztliche Dienst (RAD) mit Stellungnahme vom 31. Januar 2012, auf das bidisziplinäre
Gutachten der Dres. F._ und G._ könne – ebenfalls in Bezug auf die psychisch
bedingte Arbeitsfähigkeit von 60% – vollumfänglich abgestellt werden. Die
Arbeitsfähigkeit werde klar als zumutbare Willensanspannung deklariert. Das
Gutachten sei umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei.
Hingegen vermag die vom Rechtsdienst angebrachte Begründung – es passe ins Bild,
dass die Versicherte wenig motiviert sei, perspektivlos erscheine und die verordnete
Antidepressiva nur unregelmässig einnehme, was dafür spreche, dass die Versicherte
sich selbst nicht als besonders depressiv oder sonstwie psychisch beeinträchtigt
erlebe – nicht zu überzeugen, zumal auch ein Abstellen auf das subjektive
Krankheitsempfinden grundsätzlich nicht sachgerecht erscheint.
3.4 Damit ist im vorliegenden Fall von der invalidisierenden Wirkung der psychischen
Problematik auszugehen. Den Gutachtern zufolge ist die somatisch bedingte Arbeits
unfähigkeit nicht kumulativ zur psychiatrischen anzunehmen, weshalb ab 1. Oktober
2010 eine 50%igen Arbeitsfähigkeit, und ab 6. Mai 2011 eine 60%igen Arbeitsfähigkeit
besteht (vgl. E. 2.5; IV-act. 98-15/17). Ein früherer Eintritt der rentenrelevanten
Invalidität ergibt sich aus den beigezogenen Arbeitsunfähigkeitsattesten des vor
Dr. D._ behandelnden Psychiaters Dr. C._ (act. G 17) nicht. Gemäss
bidisziplinärem Gutachten vom 10. Januar 2012 sind leichte Reinigungsarbeiten,
Näharbeiten mit Ermölichung der pausen- und leistungsbedingt zumutbaren Tätigkeit,
leichte industrielle Tätigkeiten mit den Vorgaben zu vermehrten eingestreuten
Kurzpausen, Tätigkeiten in Wechselhaltung, nicht andauernd gebückt, vorgebeugt oder
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kauernd, bei Näharbeit und industrieller Tätigkeit Möglichkeit, die Arbeit teils sitzend,
stehend und gehend, in Wechselhaltung mit Lasthebegrenze Boden/Tisch 10kg, Tisch/
Brusthöhe 3-4kg, ohne Überkopfarbeit zu verrichten, möglich.
4.
Das von der Beschwerdegegnerin nach LSE ermittelte Valideneinkommen von
Fr. 51'368.-- wurde von Seiten der Beschwerdeführerin nicht bestritten und ist auch
nicht zu beanstanden. Beim Invalideneinkommen beanstandete die
Beschwerdeführerin lediglich die ihr zugrunde gelegte Arbeitsfähigkeit von 80%,
Ausgangspunkt war auch hier der (unbestrittene) LSE-Wert. Nachdem sich die
Beschwerdeführerin nicht gegen dieses Vorgehen ausgesprochen hat und sich auch
aus den Akten keine Anhaltspunkte ergeben, welche Zweifel an der von der
Beschwerdegegnerin herangezogenen Vergleichseinkommen entstehen liessen, ist
darauf abzustellen. Da zur Bestimmung des Validen- und Invalideneinkommens
dieselbe Vergleichsgrösse herangezogen wird, kann ein sogenannter Prozentvergleich
vorgenommen werden. Nachdem sich bei der Beschwerdeführerin aufgrund der
persönlichen und beruflichen Merkmale kein Tabellenabzug rechtfertigt, resultiert ab
1. Oktober 2010 ein Invaliditätsgrad von 50% (100% - [50% x 1]) und ab 6. Mai 2011
ein solcher von 40% (100% - [60% x 1]). Damit hat die Beschwerdeführerin ab
1. Oktober 2010 Anspruch auf eine halbe Rente und ab 1. September 2011 (Art. 88a
IVV) auf eine Viertelsrente.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die
Verfügung vom 30. April 2012 aufzuheben ist und der Beschwerdeführerin mit Wirkung
ab 1. Oktober 2010 eine halbe Rente und ab 1. September 2011 eine Viertelsrente
zugesprochen wird. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erbis
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scheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Aufgrund
des Obsiegens der Beschwerdeführerin im wesentlichen Punkt – der Beurteilung der
psychischen Beeinträchtigung als selbständiges Krankheitsbild – unterliegt die Be
schwerdegegnerin vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- zu bezahlen. Die am 16. Juli 2012 bewilligte unentgeltliche Rechtspflege wird
damit gegenstandslos (act. G 7).
5.3 Die obsiegende Beschwerdeführerin hat gegenüber der Beschwerdegegnerin zu
dem einen Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Bei
vollständigem Obsiegen erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3‘500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin – wie in
vergleichbaren Fällen üblich – angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39