Decision ID: 42785539-6705-5ca0-ba9f-89e327e6fb7d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 20. Oktober 2014 wegen chronischen Stresses mit
multiplen Komplikationen, in vorliegender Ausprägung seit August 2011, bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Der Versicherte hatte im
Frühjahr 1988 die Lehre als Galvaniseur abgeschlossen (IV-act. 10-20 ff.), im Frühjahr
1994 das Diplom in psychiatrischer Krankenpflege erworben (IV-act. 10-18 f.) und
seither als psychiatrischer Pfleger und Beschäftigungstherapeut zuletzt seit März 2001
bei B._ gearbeitet. Dieses Arbeitsverhältnis war auf den 31. Juli 2013 aufgrund der
persönlichen Situation bzw. wegen Erschöpfungssymptomen und immer grösseren
Schwierigkeiten bei der Erfüllung des beruflichen Auftrags in gegenseitigem
Einverständnis beendet worden (vgl. Angaben Arbeitgeberin vom 6. Januar 2015, IV-
act. 14; Arbeitszeugnis vom 27. August 2013, IV-act. 20-4 f.).
A.a.
Am 12. September 2013 war der Versicherte durch Dr. phil. C._,
Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, neuropsychologisch abgeklärt worden.
Der entsprechende Bericht der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen
(KSSG) vom 12. September 2013 (IV-act. 10-9 ff.) vermerkte als vorbestehende
A.b.
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Diagnosen eine Polytoxikomanie (ICD-10: F19.22), eine depressive Anpassungsstörung
(ICD-10: F43.2) sowie eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4) und den
Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 60.31). Die
Neuropsychologin hatte insgesamt multiple bis mittelschwere kognitive Einbussen
festgestellt (vgl. IV-act. 10-10 ff.). Eine Akzentuierung der kognitiven Defizite im
Zusammenhang mit der Polytoxikomanie hatte sie nicht ausgeschlossen (IV-
act. 10-12).
Vom 27. Mai 2013 bis 22. Mai 2014 war der Versicherte für eine Suchttherapie und
Rehabilitation in der Institution D._ gewesen. Im Bericht vom 27. Mai 2014 war
festgehalten worden, es bestehe ein Gebrauch psychoaktiver Substanzen seit über
30 Jahren, nach Trennung von Ehefrau und Verlust des Arbeitsplatzes vorwiegend
aufgrund des übermässigen Konsums von Alkohol. Der Versicherte stehe seit 15
Jahren in Methadonbehandlung und habe bereits in den Jahren 2011 und 2012
Alkoholentzugsbehandlungen durchgemacht (IV-act. 10-13). Med. pract. E._,
Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, hatte den Versicherten am
14. November 2013 zu behandeln begonnen und nebst den erwähnten Diagnosen
diejenige einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS; ICD-10: F90)
gestellt. Ab 17. Juli 2014 hatte er dem Versicherten eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt, begründet durch Konzentrationsschwierigkeiten, emotionelle
Unausgeglichenheit und Probleme mit der Planung und Umsetzung von Zielen (Bericht
vom 24. Januar 2014, IV-act. 10-7 f.; Arztbericht vom 20. November 2014, IV-
act. 10-1 f.). Die Arbeitstherapie im D._ war erschwert gewesen durch eine
Arbeitsunfähigkeit vom 2. August bis 11. November 2013 aufgrund einer
Handoperation. Der Versicherte hatte zudem Schwierigkeiten, sich darauf einzulassen
(vgl. Bericht D._ vom 27. Mai 2014, IV-act. 10-16).
A.c.
Die IV-Stelle sprach dem Versicherten mit Mitteilungen vom 10. April 2015 ein
Job-Coaching für die Dauer vom 18. März bis 18. September 2015 (IV-act. 26) sowie
Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 27). Im Rahmen des Coachings absolvierte der
Versicherte ab dem 17. August 2015 einen Arbeitsversuch im Wohnheim der F._.
Dieser war bis zum 29. Februar 2016 geplant (Mitteilung vom 25. August 2015, IV-
act. 31). Das Pensum wurde per 1. Oktober 2015 von 50 % auf 70 % erhöht
(Schlussbericht Coaching vom 11. Dezember 2015, IV-act. 39-3). Die
A.d.
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Eingliederungsverantwortliche hielt am 24. November 2015 fest, der Versicherte sei
damit überfordert. Es zeigten sich auch deutliche Einschränkungen der Belastbarkeit,
Flexibilität, Kommunikations- und Teamfähigkeit (IV-act. 35). Der Arbeitsversuch wurde
am 31. Januar 2016 vorzeitig abgebrochen (Mitteilung vom 19. Januar 2016, IV-act. 43,
Aufhebung der Mitteilung vom 25. August 2015). Med. pract. E._ führte in einem am
9. Dezember 2015 bei der IV-Stelle eingegangenen Arztbericht im Wesentlichen aus, es
bestünden eine psychisch reduzierte Stressresistenz, die zu Rückfällen und
emotioneller Labilität führe, sowie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme. Der
Versicherte sei leicht überfordert und gerate gehäuft in Konflikte, besonders mit
autoritär auftretenden Vorgesetzten. Er habe Probleme mit der Impulskontrolle und
strukturiertem Handeln. Die Leistungen seien inkonstant. In einer adaptierten Tätigkeit
bestehe, wie im Arbeitsversuch ermittelt, ab sofort eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bis
60 % (IV-act. 36-2 ff.). Der Coach G._ äusserte im Schlussbericht vom 11. Dezember
2015, der Arbeitsversuch habe bestätigt, dass der Versicherte nicht mehr im Bereich
der klinischen Psychiatrie arbeiten sollte, da er über zu wenig Eigenstabilität und -
präsenz verfüge. Er benötige eine wohlwollende und stabile Arbeitsumgebung mit
Bezugspersonenarbeit ohne starke Machtstrukturen, personelle Schwankungen oder
flexible Arbeitszeitmodelle (IV-act. 39-4). Die Eingliederungsverantwortliche schloss
ihren Fall am 14. März 2016 ab (IV-act. 46).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte durch IME -Interdisziplinäre
medizinische Expertisen - psychiatrisch und orthopädisch begutachtet (Gutachten vom
25. August 2016; Prof. Dr. med. habil. H._, FMH Neurologie, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie; Dr. med. I._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie;
Untersuchungen 13. Juni 2016 und 10. August 2016, IV-act. 58). Der Versicherte
erschien unentschuldigt nicht zur ebenfalls vorgesehenen neuropsychologischen
Untersuchung (IV-act. 58-49). Der psychiatrische Gutachter stellte leicht- bis
mässiggradige neuro-kognitive Defizite bei Verdacht auf eine einfache
Aufmerksamkeitsstörung, differenzialdiagnostisch bei frühkindlicher
Entwicklungsstörung, differenzialdiagnostisch bei möglichen hirnorganischen Folgen
des langjährigen Substanzgebrauchs (ICD-10: F06.07), eine Polytoxikomanie bei
gegenwärtiger Abstinenz unter Teilnahme an einem ärztlich überwachten
Ersatzdrogenprogramm (ICD-10: F19.22) sowie eine Persönlichkeitsakzentuierung mit
A.e.
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narzisstischen Anteilen (ICD-10: Z73.1) fest (IV-act. 58-58). Aufgrund der neuro-
kognitiven Einschränkung sei die Durchhaltefähigkeit des Versicherten reduziert. Die
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit sei um ca. 30 % eingeschränkt (IV-act. 58-59).
Aufgrund einer Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. med. J._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. September 2016 (IV-act. 62) forderte die IV-
Stelle am 7. September 2016 die Gutachterstelle auf, die fehlende
neuropsychologische Abklärung nachzuholen (IV-act. 59). Lic. phil. K._,
Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, erstattete am 5. Oktober 2016 ein
neuropsychologisches Teilgutachten (IV-act. 61-61 ff.). Sie führte aus, im
Explorationsgespräch und im Testverhalten seien deutliche Verhaltensauffälligkeiten im
Sinne einer ADHS zu beobachten gewesen (IV-act. 61-63, 65). Insgesamt sei aktuell
von einer leichten bis mittelschweren neuropsychologischen Funktionsstörung
gegenüber dem vermuteten prämorbiden Niveau auszugehen (IV-act. 61-66).
A.f.
Prof. H._ überarbeitete daraufhin das psychiatrische Hauptgutachten mit Datum
vom 5. Oktober 2016 (IV-act. 61-6 ff.). Dabei führte er aus, aufgrund des
neuropsychologischen Zusatzuntersuchs und der psychopathologischen Diagnostik
könne eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0; IV-
act. 61-55, 58) bestätigt werden. In einer adaptierten Tätigkeit attestierte er seit
Antragsstellung - mit Ausnahme einer definitionsgemäss 100 %igen Arbeitsunfähigkeit
während der stationären Aufenthalte - eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 61-59). Mit
bidisziplinärem Konsens wurde das Gutachten in neuer Fassung am 8. Oktober 2016
vorgelegt (IV-act. 61-5, Eingang SVA 24. Oktober 2016).
A.g.
Der Berufsberater nahm am 6. Januar 2017 Stellung: Eine Verwertbarkeit bzw.
Ressourcen für eine Umschulung lägen nicht vor. Zudem seien die an das
Arbeitsumfeld gestellten Anforderungen so hoch, dass sogar die Beschäftigung in einer
IV-Werkstatt fraglich sei (IV-act. 65; Strategie-Protokoll vom 6. Januar 2017, IV-act. 66).
Mit Mitteilung vom gleichen Tag wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen ab, da sie aufgrund des Gesundheitszustandes nicht
durchführbar seien (IV-act. 68). RAD-Arzt Dr. J._ äusserte sich am 12. Januar 2017,
da vom Berufsberater unter diesen Adaptationskriterien kein konkretes Stellenprofil
erstellt werden könne, sei aus medizinischer Sicht festzustellen, dass die
A.h.
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ausgewiesenen Einschränkungen eine Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft nicht
umsetzbar machten (IV-act. 70). Der Rechtsdienst der IV-Stelle legte am 28. März 2017
dar, auf die zwischenmenschlichen Einschränkungen könne Rücksicht genommen
werden. Es sei somit nicht davon auszugehen, dass der Versicherte bloss an einem
geschützten Arbeitsplatz ein Einkommen erzielen könnte. Die gutachterlich attestierte
100 %ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei demgemäss auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertbar. Überdies bestünden Zweifel an der
diagnostizierten ADHS. Es sei nicht ausgewiesen, dass sich diese bereits in der
Kindheit/Jugend geäussert habe, obwohl dies gemäss ICD-10 erforderlich wäre. Aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht sei im psychiatrischen Bereich keine relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen (IV-act. 77).
Mit Vorbescheid vom 3. April 2017 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Rentenbegehrens. In einer
adaptierten Tätigkeit bestehe aus gutachterlicher Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit. Ein
Tabellenlohnabzug sei nicht vorzunehmen. Die Arbeitsfähigkeit sei verwertbar; es
bestehe ein Invaliditätsgrad von 34 %.
A.i.
Mit Einwand vom 19. Mai 2017 liess der Versicherte geltend machen, der
psychiatrische Gutachter habe im Juni 2016 eine 70 %ige Arbeitsfähigkeit festgestellt.
Obwohl die Diagnosen unverändert geblieben seien, sei nun plötzlich von einer
Arbeitsfähigkeit adaptiert von 100 % ausgegangen worden. Dies sei nicht
nachvollziehbar, zumal die neuropsychologische Abklärung ergeben habe, dass eine
neuropsychologische Funktionsstörung bestehe. Die medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit sei im ersten Arbeitsmarkt nicht zu verwerten (IV-act. 82).
A.j.
Am 20. Juni 2017 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid. Zur Begründung
führte sie unter anderem aus, die Gutachter hätten eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit
attestiert. Diese Einschätzung sei vom RAD bestätigt worden. Eine die Verwertbarkeit
der Arbeitsfähigkeit ausschliessende Konstellation liege nicht vor. Anhand der Kriterien
einer ADHS gemäss ICD-10 sei die Diagnose aus der Sicht des Rechtsanwenders nicht
nachvollziehbar. Neue objektivierbare Befunde lägen nicht vor (IV-act. 84).
A.k.
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B.
Gegen die Verfügung vom 20. Juni 2017 lässt A._, vertreten durch Rechtsanwalt
lic. iur. L. Sigg, am 22. August 2017 Beschwerde erheben. Er beantragt, die
angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben. Es
sei ihm eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu
weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Weiter seien ihm
die unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu
gewähren. Die Einschätzung des Arztes entgegen der Beurteilung der beruflichen
Fachleute dürfe nicht mit der Verwertbarkeit im ersten Arbeitsmarkt gleichgesetzt
werden. Die Berufsspezialisten erachteten das Finden einer entsprechenden Stelle
(eines Nischenarbeitsplatzes) von vornherein als ausgeschlossen und hätten selbst
Zweifel, ob eine Stelle an einem geschützten Arbeitsplatz gefunden werden könnte.
Das Abweichen von der Expertenmeinung werde nicht begründet. Der Rechtsdienst sei
fachlich nicht kompetent, die Diagnose der ADHS in Zweifel zu ziehen. Die
Argumentation sei willkürlich und nicht nachvollziehbar (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 28. September
2017, die Beschwerde sei abzuweisen. Die 100 %ige Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers sei in der freien Wirtschaft, die auch Nischenarbeitsplätze umfasse,
verwertbar. Die negativen orthopädischen Leistungskriterien stellten keine
übermässigen Anforderungen an eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit im
ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Den Adaptationskriterien aufgrund der psychischen
Einschränkungen könne durch Arbeiten ausserhalb eines hierarchischen Umfeldes mit
wenig beruflich-sozialen Kontakten Rechnung getragen werden. Sie habe ohne
weiteres eine rechtliche Würdigung des Gutachtens vornehmen dürfen und eine
Indikatorenprüfung vorgenommen, um die Schwere des Gesundheitsschadens zu
erfassen. Dabei sei sie zum Schluss kommen, dass nicht von einer invalidisierenden
Beeinträchtigung auszugehen sei. Sie bezweifle die vom Berufsberater behauptete
Nichtverwertbarkeit der 100 %igen Arbeitsfähigkeit (act. G 4).
B.b.
Die Abteilungspräsidentin heisst am 4. Oktober 2017 das Gesuch um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) gut (act. G 5).
B.c.
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Erwägungen
1.
Mit Replik vom 27. Oktober 2017 bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen
vor, die Diagnose einer ADHS könne nicht aufgrund des Umstandes ausgeschlossen
werden, dass die betreffende Person fähig gewesen sei, eine Ausbildung zu
absolvieren. Der Hinweis auf Nischenarbeitsplätze sei nicht stichhaltig, da den
beruflichen Experten der Beschwerdegegnerin die Rechtsprechung und die
invalidenversicherungsrechtlichen Voraussetzungen bekannt seien. Von der ärztlichen
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit dürfe anhand der normativ vorgegebenen Kriterien nur
abgewichen werden, wenn dies einlässlich und nachvollziehbar begründet werde. Eine
gut begründete und nachvollziehbare Indikatorenprüfung sei nicht vorgenommen
worden (act. G 7).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 20. November 2017 auf eine Duplik
(act. G 9).
B.e.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Die invalidenversicherungsrechtliche Anerkennung von Beschwerden setzt
zunächst eine Abgrenzung zu reaktiven, invaliditätsfremden Geschehen durch eine
einwandfreie fachärztliche Diagnose voraus (BGE 141 V 285 E. 2.1; BGE 143 V 416
E. 4.5.2). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden objektiviert
werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. Urteile
des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und vom 27. März
2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch unklare
Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte Diagnosen) sowie
1.2.
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psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der Beweis nach dem
strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 141 V 281 und
BGE 143 V 428, E. 7.1). Die Diagnose führt nur zur Feststellung einer
invalidenversicherungsrechtlich erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigung, soweit sie
nicht auf Aggravation oder ähnlichen Ausschlussgründen beruht (BGE 141 V 287,
E. 2.2 a.E., E. 2.2.1 f.). Die medizinischen Gutachter haben sich nicht auf die
Diagnosestellung zu beschränken, sondern die Leistungsfähigkeit bzw. die
funktionellen Auswirkungen unter Beachtung der einschlägigen Indikatoren
einzuschätzen (BGE 141 V 307 E. 5.2.1; BGE 143 V 427 E. 6). Der Beweis für eine lang
andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als
geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im
Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer
Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer
Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.). Die ärztliche
Arbeitsunfähigkeitsschätzung kann, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den
spezifischen normativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung den rechtlich
geforderten Beweis einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil
sie weitgehend vom Ermessen des Sachverständigen abhängt (BGE 143 V 427, E. 6).
Die Rechtsanwender prüfen insbesondere, ob die Ärzte ausschliesslich funktionelle
Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die versicherungsmedizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter
Satz ATSG). Recht und Medizin tragen je nach ihren fachlichen und funktionellen
Zuständigkeiten zur Festlegung ein und derselben Arbeitsunfähigkeit bei. Es soll keine
losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten
Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft
werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren
schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen
Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 307, E. 5.2.2 f.; BGE 144 V 54, E. 4.3).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgeblich, ob
eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden
kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen
könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften
1.3.
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2.
Die angefochtene Verfügung stützt sich auf die im psychiatrischen Teil überarbeitete
Fassung des bidisziplinären Gutachtens vom 8. Oktober 2016. Danach besteht in einer
bestünde (ausgeglichener Arbeitsmarkt, Art. 16 ATSG). Der als ausgeglichen
unterstellte Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen-
und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen
vonseiten des Arbeitgebers rechnen können. An der Massgeblichkeit des theoretisch
ausgeglichenen Arbeitsmarkt vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass es für
die versicherte Person im Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, im tatsächlichen
Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle zu finden. Von einer Arbeitsgelegenheit kann
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur dann nicht mehr gesprochen werden,
wenn die zumutbare Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie
der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen
erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014 E. 2 und
E. 3.3.1 mit Hinweisen). Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren
Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (BGE 138 V 460 E. 3.1).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.4.
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abwechslungsreichen, bevorzugt gestalterischen, einfachen Tätigkeit ohne
Verantwortung für Menschen und Abläufe, ohne hohe kognitive Anforderungen mit
wenig zwischenmenschlichen Kontakten und ohne vorwiegende Teamaufgaben und
mit geringen Anforderungen an Aufmerksamkeit, Koordination und Sorgfalt in einem
Arbeitsumfeld, das ein hohes Mass an Impulsivität und motorischer Unruhe toleriere,
eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 61-59). Es ist zunächst darüber zu befinden, ob
auf dieses Gutachten abgestellt werden kann.
3.
Der psychiatrische Gutachter führte aus, die Diagnosekriterien gemäss ICD-10
einer insbesondere narzisstischen Persönlichkeitsstörung seien nicht erfüllt. Deshalb
werde von einer sich auf die Arbeitsfähigkeit nicht auswirkenden
Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen Anteilen ausgegangen (IV-act. 61-54 f.,
58; vgl. auch IV-act. 58-53 f., 58). Der Beschwerdeführer stehe in einem Methadon-
Ersatzdrogenprogramm und distanziere sich vom Substanzgebrauch. Die Abstinenz
von Alkohol und Drogen habe verifiziert werden können (Urin-, Blut- und Haaranalyse,
IV-act. 61-68 ff.). Somit dürfe von einer Polytoxikomanie mit gegenwärtiger Abstinenz
unter einem Ersatzdrogenprogramm ausgegangen werden, die die Arbeitsfähigkeit
nicht schmälere (IV-act. 61-55, 58; vgl. auch IV-act. 58-54, 58).
3.1.
Umstritten sind insbesondere die Diagnose einer ADHS und die Auswirkung
neurokognitiver Beeinträchtigungen. Dr. C._ erhob insgesamt multiple bis
mittelschwere kognitive Einbussen, wobei eine mittelschwere dysexekutive
Funktionsstörung im Vordergrund stehe, die sich unspezifisch in einer Verlangsamung
der Reaktionen wie auch mittelschwer in der visuellen Wahrnehmung und Exploration
zeige. Der Versicherte habe sehr schnell und impulsiv gearbeitet, wodurch es zu
übermässig vielen Fehlern und Auslassungen gekommen sei. Zudem lägen eine leichte
visuelle Lern- und Gedächtnisstörung und eine leichte Störung der geteilten
Aufmerksamkeit vor (IV-act. 10-11 f.). Anamnestisch hielt sie fest, der
Beschwerdeführer beschreibe sich als schnell abschweifend und ablenkbar. In der
Kindheit sei es häufig zu Tagträumereien und in der Schule zu Problemen gekommen.
Er habe sich impulsiv und teilweise delinquent verhalten (unabsichtliches Anzünden
eines Schuppens, von der Weide lassen von Kühen, auf Lehrer schiessen mit einem
Luftgewehr). Sie hatte jedoch das Vorliegen einer ADS bzw. ADHS aufgrund des hohen
Arbeitstempos und der hohen Aufmerksamkeit sowie gestützt auf die
testpsychologischen Untersuchungen (WURS-K; ADHS-Fragebogen nach DSM-IV;
CAARS-Selbst- und Fremdeinschätzung; IV-act. 10-10 f.) verneint. Med. pract. E._
leitete aus den von Dr. C._ erwähnten und vom Beschwerdeführer geschilderten
3.2.
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weiteren Vorfällen die Diagnose einer ADHS anamnestisch ab. Der Beschwerdeführer
berichte über erhebliche Probleme in Bezug auf die Aufmerksamkeit, leichte
Ablenkbarkeit, fehlende Ausdauer, Impulsivität und gestörte Selbstorganisation
(Tagesstruktur, Betreibungen, Zerstreutheit). Probleme mit der
Organisationsstrukturierung im Alltag seien auffällig, aber auch Merkmale einer
Überaktivität und Impulsivität zeigten eindeutig erhebliche Hinweise auf eine
Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung. Die Beschwerden bestünden bereits
seit der frühesten Kindheit. Der formale Gedankengang sei beschleunigt, neige zu
Ablenkung und verliere sich in Einzelheiten und sei zum Teil umständlich, sprunghaft.
Testpsychologisch stützte sich med. pract. E._ auf das Screening der
Selbstbeurteilung für Erwachsene, das ADHS-Screening für Erwachsene, das
semistrukturierte Interview nach Krause und die ADHS-diagnostische Checkliste
(HASE; IV-act. 10-7 f.). Lic. phil. K._ beschrieb im Explorationsgespräch und im
Testverhalten beobachtete deutliche Verhaltensauffälligkeiten im Sinne einer ADHS (IV-
act. 61-63). Sie führte weiter aus, testpsychologisch (Selbstbeurteilungsfragebogen,
Wender-Utah-Rating-Scale [WURS-K] sowie ADHS-HKS-Questionnaire bzw. CFADHD-
Testbatterie) hätten sich deutliche Hinweise für eine ADHS in der Kindheit ergeben (IV-
act. 61-65). Im Vordergrund der kognitiven Befunde hätten sich
Aufmerksamkeitsdefizite und exekutive Defizite gezeigt. Es bestehe eine stark erhöhte
Ablenkbarkeit und eine verminderte Fähigkeit zur Selbstregulation und eigenständigen
Strukturierung und Überwachung von Handlungsschritten (IV-act. 61-65). Der
psychiatrische Gutachter fand in seiner Untersuchung Aufmerksamkeit und
Konzentration nicht herabgesetzt, auch sei es im zeitlichen Verlauf der Untersuchung
nicht zu einem Abfall der kognitiven Parameter gekommen (IV-act. 61-45). Er hielt
zunächst fest, aus gutachterlicher Sicht sei das Vorliegen einer ADHS im
Erwachsenenalter nicht mit Sicherheit zu diagnostizieren. Beim Untersuch seien
diesbezügliche Symptome bis auf Impulsivität und emotionaler Überreagibilität nicht
augenfällig gewesen, doch habe der Beschwerdeführer unter Therapie mit Concerta
gestanden. Von den so genannten Wender-Utah-Kriterien seien allenfalls lediglich zwei
erfüllt (IV-act. 58-54 f.). Er schloss somit die Diagnose nicht aus, sondern hielt sie
lediglich für nicht ausreichend objektiviert. Die Anwendung der Wender-Utah-Skala
durch lic. phil. K._ ergab (offenbar im Gegensatz zum Ergebnis desselben Tests bei
Dr. C._) deutliche Hinweise für eine ADHS in der Kindheit (IV-act. 61-65), so dass der
Gutachter schliesslich die Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90) bestätigte (IV-act. 61-55, 58). Dies erscheint
aufgrund der Anamnese, der von med. pract. E._ und lic. phil. K._ erhobenen
Testresultate und des von Letzteren beobachteten Verhaltens nachvollziehbar.
Dr. C._ konstatierte offenbar als einzige ein aufmerksames Testverhalten und dies zu
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einer Zeit, in der der Beschwerdeführer seine Polytoxikomanie noch nicht endgültig
überwunden hatte. Soweit die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Rechtsanwendung
die Diagnosekriterien einer ADHS als nicht gegeben erachtet, weil sie im Kindes- bzw.
Jugendalter nicht nachgewiesen sei, wäre sie gehalten gewesen, das Gutachten als
nicht nachvollziehbar bzw. beweisuntauglich zu würdigen und die medizinischen
Abklärungen weiterzuführen. Festzuhalten gilt sodann, dass die Beschwerdegegnerin
zwar die Diagnose in Frage stellte, nicht jedoch die im Gutachten festgestellten
qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Insofern kann auf weitere
Abklärungen bezüglich der ADHS-Diagnose verzichtet werden.
Der psychiatrische Gutachter hatte zunächst klinisch ein leichtes kognitives Defizit
ohne wesentliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und/oder die Teilhabe im
Alltag erhoben (IV-act. 58-55). Unter zusätzlicher Berücksichtigung des anamnestisch
erhobenen Verdachts auf eine einfache Aufmerksamkeitsstörung, einer möglichen
frühkindlichen Entwicklungsstörung und möglicher Folgen des langjährigen
Substanzgebrauchs (ICD-10: F06.7) hatte er leichte bis mässiggradige neuro-kognitive
Defizite diagnostiziert (IV-act. 58-58). Aufgrund dieser hatte er die Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit ohne Einbezug invaliditätsfremder Aspekte als um 30 %
vermindert eingeschätzt, da die Durchhaltefähigkeit reduziert sei (IV-act. 58-59). Als
adaptiert hatte er abwechslungsreiche Tätigkeiten, wobei der gestalterische Bereich zu
bevorzugen sei, ohne hohe Verantwortung für Menschen und Abläufe, ohne hohe
neuro-kognitive Anforderungen, mit wenig zwischenmenschlichen Kontakten ohne
vorwiegende Teamaufgaben bezeichnet (IV-act. 58-57,59). Nachdem er aufgrund der
neuropsychologischen Untersuchung die Diagnose einer ADHS als gegeben erachtete,
ergänzte er das Zumutbarkeitsprofil auf einfache Tätigkeiten ohne Verantwortung für
Menschen und Abläufe mit geringen Anforderungen an die Aufmerksamkeit,
Koordination und Sorgfalt. Zudem müsse vom Arbeitsumfeld ein hohes Mass an
Impulsivität und motorischer Unruhe toleriert werden. In derartigen Tätigkeiten bestehe
seit Antragsstellung eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 61-59). Dass nach
Bestätigung einer zusätzlichen Diagnose eine höhere Arbeitsfähigkeit attestiert wird,
erscheint nicht ohne weiteres einsichtig. Indes stellte der Gutachter zunächst neuro-
kognitive Einschränkungen fest, deren Ätiologie jedoch klinisch unzureichend fassbar
war; es kamen eine ADHS, eine frühkindliche Entwicklungsstörung und der langjährige
Substanzgebrauch als ursächliche Faktoren in Frage. Nachdem die Diagnose
feststand, kam er offenbar zur Erkenntnis, dass nur Tätigkeiten mit (noch) geringeren
kognitiven Anforderungen, diese dafür aber zeitlich unbeschränkt möglich seien, sofern
Impulsivität und motorische Unruhe toleriert würden. Die für adaptierte Tätigkeiten
festgelegte Arbeitsfähigkeit von 100 % ist insoweit nachvollziehbar, zumal auch RAD-
3.3.
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4.
Der orthopädische Gutachter führte im Wesentlichen aus, die orthopädisch-
chirurgische Anamnese sei geprägt durch das als Geburtsgebrechen anerkannte
rechtsseitige Poland-Syndrom mit Verschmächtigung der Brustmuskulatur, Fehlbildung
der rechten Thoraxhälfte und Muskelminderung im Bereich des rechten Armes. Im Alter
von einem und von 14 Jahren seien rechtsseitige Achillessehnenverlängerungen
durchgeführt worden. Im Jahr 2000 sei ein rechtsseitiger Latissimus-Dorsi-Transfer
durchgeführt worden (IV-act. 58-71). Im Jahr 2014 sei eine operative Revision bei
Dupuytren'scher Kontraktur des linken Ringfingers erfolgt (IV-act. 58-81).
Hauptsächliche Beschwerden seien eine konstant vorhandene, jedoch
belastungsabhängige exazerbierte Schmerzsymptomatik im Bereich des rechten
Armes sowie eine sporadisch, ca. zweimal im Jahr auftretende einschiessende
Schmerzsymptomatik im Bereich der BWS. Der Beschwerdeführer habe häufig
Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule mit ausstrahlenden Schmerzen von der
linken Schulter bis zur Halswirbelsäule und zuweilen auch in den Hinterkopf (IV-
act. 58-75). Beim Gehen langer Strecken und Hochsteigen vieler Treppen verspüre er
gelegentlich auftretende Schmerzen im Bereich der Achillessehne, insbesondere rechts
(IV-act. 58-76). Hinsichtlich des Thorax habe sich aufgrund des konnatalen Poland-
Syndroms eine ausgeprägte Verschmächtigung der rechtsseitigen Brustmuskulatur mit
Asymmetrie des rechten Thorax und begleitender Asymmetrie der
Sternoclaviculargelenke gezeigt (IV-act. 58-111). Bei der klinischen Untersuchung der
Hüftgelenke habe rechtsseitig eine Innenrotationseinschränkung um 30° festgestellt
werden können. Die hierauf veranlasste Bildgebung habe eine Retroversion der
rechtsseitigen Hüftgelenkspfanne mit einem hierdurch bedingten Pincer-Impingement,
jedoch keine Coxarthrose gezeigt (vgl. IV-act. 58-99, 112). Eine angegebene
Spitzfussdeformität habe klinisch nicht objektiviert werden können (IV-act. 58-112). Im
Rahmen der Anamneseerhebung sowie in der klinischen Untersuchung bestünden
keine Hinweise auf etwaige Verdeutlichungstendenzen, Aggravation oder gar
Simulation (IV-act. 58-86). Die Befunde der klinischen Untersuchung seien
Arzt Dr. J._ in seiner Stellungahme vom 31. Oktober 2016 diesbezüglich keine
Ungereimtheit erwähnte (IV-act. 62-2). Auch erschien die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit auf 70 % in der ersten Fassung des psychiatrischen Teilgutachtens
nicht ganz schlüssig, nachdem vorgängig ausgeführt worden war, es bestehe ein
leichtes kognitives Defizit ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 58-55). In
der bisherigen pflegerischen Tätigkeit erachtete der psychiatrische Gutachter den
Beschwerdeführer aufgrund der Abhängigkeitsproblematik, der
Persönlichkeitsakzentuierung und auch der ADHS nicht mehr als arbeitsfähig (IV-
act. 58-59, 61-59).
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durchgehend konsistent (IV-act. 58-110). Eine vermehrte Schmerzsymptomatik im
Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule habe jedoch nicht objektiviert werden können
(IV-act. 58-110). Der Beschwerdeführer sei in der biomechanischen Funktion seiner
Brustwirbelsäule, seiner rechtsseitigen Brustmuskulatur nebst rechtsseitigem
Schultergelenk sowie in Bezug auf die beiden unteren Extremitäten in der Funktion
seines rechten Hüftgelenks limitiert (IV-act. 58-114). Aufgrund des Poland-Syndroms
bestehe eine generalisierte Kraftminderung im rechten Arm (IV-act. 58-81). Nicht
zumutbar seien Schwerst- und Schwerarbeiten, Heben und Tragen von Lasten über 10
kg körperfern und 15 kg körpernah, repetitive, stereotype Bewegungsabläufe, mehr als
gelegentliche Überkopftätigkeiten, mehr als gelegentliches Heben von Lasten über die
Horizontale, Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen an die Brustmuskulatur und in
Zwangshaltungen sowie Akkordarbeiten unter Einschluss des rechten Arms. Unter
Wahrung dieser Schonkriterien bestehe eine quantitativ uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 61-121 f.). Diese Beurteilung gründet auf vollständiger
Erhebung von Anamnese, Beschwerden und Befunden. Sie ist ohne weiteres
nachvollziehbar und schlüssig, so dass darauf abzustellen ist.
5.
Die funktional beeinträchtigenden neuro-kognitiven Störungen sind leicht bis
mässiggradig. Der psychiatrische Gutachter hielt fest, es bestünden erhebliche
psychosoziale Belastungsfaktoren (Epilepsieerkrankung der Tochter,
Beziehungsschwierigkeiten und Trennung, Schulden; vgl. Assessmentprotokoll
Eingliederung vom 5. Februar 2015, IV-act. 21), welche den Krankheitsprozess
zumindest in gewisser Weise unterhielten (IV-act. 61-56). Als somatische Komorbidität
schränkt das Polandsyndrom die Belastbarkeit der Brustmuskulatur und die Kraft im
rechten Arm ein. Weiter hält der psychiatrische Gutachter fest, durch die vorliegenden
Persönlichkeitszüge komme es bei problematischer Selbst- und Fremdwahrnehmung
sowie Impulskontrolle zu einer fehlerhaften Realitätsprüfung und Urteilsbildung, die
eine Ich-Betonung auslöse und Probleme in interpersonellen Aktionen hervorrufen
könne (IV-act. 61-57). Es sei von einer gewissen Interaktion der psychischen und
somatischen Diagnosen auszugehen (IV-act. 61-56). Der Beschwerdeführer lebe
bewusst und nicht krankheitsimmanent etwas zurückgezogen, nicht aber isoliert. Er
verfüge über zahlreiche Ressourcen, habe erfolgreich ein Studium zum
Pflegefachmann absolviert, reichhaltige Berufserfahrung und verschiedene Interessen
im gestalterischen Bereich (IV-act. 61-57). Der Beschwerdeführer stehe in
kontinuierlicher psychiatrischer Behandlung und habe eine einjährige
Entwöhnungsbehandlung durchgeführt (IV-act. 61-55). Die Einschätzung einer vollen
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten erfolgte somit unter Berücksichtigung der
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nach dem strukturierten Beweisverfahren massgeblichen Kriterien. Nach dem
Gesagten kann auf das Gutachten vom 5. Oktober 2016 abgestellt werden.
6.
Bereits im Bericht des D._s vom 27. Mai 2014 war ausgeführt worden, der
Beschwerdeführer habe von Beginn weg regen Austausch mit seinen Mitklienten
gepflegt. Er habe sich eigeninitiativ eingebracht und habe als Person sehr präsent
gewirkt und sei gut integriert gewesen. Obwohl er mit der Einhaltung der institutionellen
Strukturen oft und anhaltend Mühe bekundet habe und dadurch in der Gemeinschaft
aufgefallen und manchmal belächelt worden sei, sei er doch bei vielen aufgrund seiner
entgegenkommenden, kommunikativen und humorvollen Art beliebt gewesen und
geschätzt worden. In der Psychotherapie sei insbesondere der Umgang mit seiner
hohen emotionalen Verletzlichkeit bzw. Kränkbarkeit und die schwierige Balance des
Selbstwertgefühls (bzw. die Tendenzen zur Selbstabwertung und Selbstüberhöhung)
über längere Zeit zentrales Thema gewesen (IV-act. 36-12). Der Arbeitsversuch in der
F._ beinhaltete Bezugspersonenarbeit mit reduziertem Verantwortungsbereich. Sie
war bis zu einem Pensum von 50 % ohne Abenddienste möglich, die Übernahme
letzterer scheiterte offenbar an der familiären Organisation. Erst im Rahmen eines
70 %-Pensums war der Beschwerdeführer überfordert. Schwierigkeiten ergaben sich
aus dem Spannungsfeld zwischen fachlicher Kompetenz, der Art der Kommunikation
(schnell und viel), dem unsicheren Verhalten und Auftreten und den Anforderungen im
Hinblick auf den Erhalt einer unbefristeten Anstellung (vgl. Bericht G._ vom
11. Dezember 2015, IV-act. 39-3). Die neuropsychologische Untersuchung ergab eine
verminderte Fähigkeit zur Selbstregulation, eine starke Ablenkbarkeit und Impulsivität,
welche zu einer flüchtigen, teilweise fehlerhaften Arbeitsweise führten. Am ehesten
kämen einfache Tätigkeiten ohne Anforderungen an die Aufmerksamkeit, die
Koordination und die Sorgfalt in Frage. Vom Arbeitsumfeld müsse ein hohes Mass an
Impulsivität und motorischer Unruhe toleriert werden (IV-act. 61-66). Der psychiatrische
Gutachter hielt fest, es seien vor allem die persönlichkeitsspezifischen
Verhaltensauffälligkeiten für die Teamfähigkeit und nicht die Fachlichkeit beim
Arbeitsversuch hinderlich gewesen (IV-act. 61-56). Durch die vorliegenden
Persönlichkeitszüge komme es bei problematischer Selbst- und Fremdwahrnehmung
sowie Impulskontrolle zu einer fehlerhaften Realitätsprüfung und Urteilsbildung, die
eine Ich-Betonung auslöse und Probleme in interpersonellen Aktionen hervorrufen
könne (IV-act. 61-57). Aufgrund der Abhängigkeitsproblematik, der
Persönlichkeitsakzentuierung und der ADHS sei der Beschwerdeführer in einem
pflegerischen Beruf nicht mehr arbeitsfähig und der Eingliederungsversuch in diesem
6.1.
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Bereich (in der F._) sei daher verfehlt gewesen (IV-act. 61-58). Die
Wiedereingliederung in einen adaptierten Beruf sei zumutbar und möglich (IV-
act. 61-59). Der Berufsberater nahm mit Blick auf die gutachterliche Spezifikation einer
zumutbaren Arbeit Stellung, eine "dermassen niederschwellige Arbeit" existiere in der
"freien Wirtschaft* kaum mehr. Zudem seien die an das Arbeitsumfeld gestellten
Anforderungen an die Toleranz und ständige Nachsicht so hoch, dass sogar die
Beschäftigung in einer IV-Werkstatt fraglich sei (IV-act. 65).
Die Stellungnahme des Berufsberaters erfolgte im Hinblick auf den Anspruch auf
Umschulung. Dass diese berufliche Massnahme aktuell nicht zielführend sein konnte,
ergibt sich daraus, dass aufgrund der ADHS lediglich einfache, keine hohe
Anforderungen an Konzentration und Aufmerksamkeit stellende Tätigkeiten zumutbar
sind. Ein Beratungsgespräch mit dem Beschwerdeführer ist nicht protokolliert, was die
Aussagekraft der Stellungnahme des Berufsberaters bezüglich Zumutbarkeit des
Beschwerdeführers für das Arbeitsumfeld relativiert. Insbesondere aus dem Bericht des
Coach, aber auch aus jenem des D._s, lässt sich herauslesen, dass beim
Beschwerdeführer ein hohes Fachwissen und -interesse im Therapie-/Pflegebereich,
kombiniert mit einer narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung, auf eine
eingeschränkte Leistungsfähigkeit und ein dadurch angeschlagenes Selbstbewusstsein
treffen. Dies erschwert es ihm offenbar, eine Position zu akzeptieren, in der ihm
Personen dieses Fachbereichs den Weg weisen. Diese Problematik dürfte sich in
anderen Arbeitsbereichen, in denen der Beschwerdeführer nicht über besondere
eigene Kenntnisse verfügt, entschärft präsentieren. Aus diesen Überlegungen ist davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit für das
Arbeitsumfeld tragbar ist. Von den Adaptationskriterien her fallen Tätigkeiten im
betreuenden, therapeutischen, pflegerischen Bereich ausser Betracht. Körperlich sind
dem Beschwerdeführer schwerere und die rechte Seite bzw. den rechten Arm
belastende Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. In Frage kommen daher insbesondere
leichtere Überwachungs-, Kontroll- und Verpackungstätigkeiten sowie Arbeiten in der
Lager- oder Ersatzteilbewirtschaftung. Zu prüfen ist, ob ihm ein solcher Berufswechsel
zumutbar ist.
6.2.
6.3.
Von der versicherten Person kann jene berufliche Umstellung verlangt werden,
die ihr unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven
Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar ist. Für die Beurteilung der Zumutbarkeit
eines Berufswechsels sind insbesondere das Alter der versicherten Person, die Art und
6.3.1.
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7.
Dauer ihrer bisherigen Berufstätigkeit, deren selbständige oder unselbständige
Ausübung, die mit einer beruflichen Neueingliederung verbundene Veränderung der
sozialen Stellung der versicherten Person, ihre persönlichen und familiären Verhältnisse
sowie die entsprechend grössere oder geringere Flexibilität hinsichtlich ihres Wohn-
und Arbeitsortes massgebend. Ins Gewicht fällt auch die Art und Dauer der
beanspruchten Versicherungsleistungen sowie deren Kosten. Denn die Anforderungen
an die Schadenminderungspflicht sind zulässigerweise dort strenger, wo eine erhöhte
Inanspruchnahme der Sozialversicherung in Frage steht, wie dies beispielsweise bei
Rentenleistungen an relativ junge Versicherte der Fall ist, denen in einer neuen
beruflichen Tätigkeit noch eine lange Aktivitätsperiode verbleibt (vgl. Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 23. Dezember 2004, I 316/04, E. 2.2; Urteil des
Bundesgerichts vom 3. November 2015, 8C_413/2015, E. 3.3.1 mit Hinweisen).
Aus medizinischer Sicht besteht ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen
dem Erfordernis einer abwechslungsreichen Tätigkeit einerseits und einer einfachen,
keine hohen Anforderungen an Konzentration und Aufmerksamkeit stellenden, den
Beschwerdeführer möglicherweise unterfordernden Hilfsarbeit andererseits. Der
Beschwerdeführer muss eine Tätigkeit aufgeben, für die er sich mit - in Anbetracht der
ADHS wohl ausserordentlichem - Einsatz weiterbildete und die er während rund 20
Jahren, davon rund 12 Jahre in der selben Institution, ausübte. Indes führten auch
invaliditätsfremde Gründe zur Berufsaufgabe, indem dem Beschwerdeführer aufgrund
familiärer Belastungen die Kontrolle über sein Konsumverhalten entglitt (vgl. Bericht
D._ vom 27. Mai 2014, IV-act. 10-13; Protokoll Assessment Eingliederung vom
5. Februar 2015, IV-act. 21; IV-act. 61-40). Gesamtbetrachtend hat der
Beschwerdeführer hinzunehmen, dass er bei der Ausübung einer adaptierten Tätigkeit
möglicherweise unterfordert sein wird bzw. einen beruflichen Abstieg erleidet (vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2019, 8C_759/2018, E. 5.2 und 7.4.2).
Demnach ist die Umsetzung der attestierten Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
zumutbar.
6.3.2.
Der Beschwerdeführer meldete sich am 20. Oktober 2014 bei der IV zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1). Gemäss Gutachten besteht langjährig, zumindest seit
diesem Zeitpunkt eine volle Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (IV-
act. 61-59). Eine solche vollständige Arbeitsunfähigkeit bestand insbesondere auch
schon während des stationären Aufenthalts im D._ (Mai 2013 bis Mai 2014). Das
Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war somit im Zeitpunkt der IV-Anmeldung
7.1.
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abgeschlossen. Die Frist nach Art. 29 Abs. 1 IVG endete im April 2015. Ein allfälliger
Rentenanspruch besteht daher ab 1. April 2015. Das Jahr 2015 ist somit für den
Einkommensvergleich massgebend (BGE 129 V 222).
Der Beschwerdeführer erzielte als therapeutischer Mitarbeiter der B._ ab
1. Januar 2012 ein Einkommen von Fr. 98'201.-- (Angaben Arbeitgeberin vom 6. Januar
2015, IV-act. 14-1 f.). Hinzu kamen Funktionszulagen von Fr. 259.30 im Monat (vgl. IV-
act. 19); insgesamt belief sich das Jahreseinkommen somit auf Fr. 101'312.--. Unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis 2015 (Bundesamt für Statistik [BFS],
Lohnentwicklung, T 39, Indices Männer: 2012: 2188; 2015: 2226) beträgt es
Fr. 103'072.--. Der gemäss Gutachten zur Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
führende Gesundheitsschaden (neuro-kognitive Einschränkungen, ADHS) bestand zwar
diagnoseimmanent schon vor dem Verlust der Stelle, jedoch führte er im
Zusammenhang mit der Sucht und psychosozialen Belastungsfaktoren, die für sich
nicht per se invalidisierend sind, zum Stellenverlust. Ohne die beschriebene
Akzentuierung des Gesundheitsschadens wäre der Beschwerdeführer mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit am innegehabten Arbeitsplatz verblieben, weshalb
das genannte Jahreseinkommen dem Valideneinkommen entspricht (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1, mit weiteren
Verweisen).
7.2.
7.3.
Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist vom Durchschnittseinkommen
gemäss BFS, Kompetenzniveau 1, Männer, 2015 auszugehen. Es beläuft sich auf
Fr. 66'633.-- (Informationsstelle AHV/IV, IV, Ausgabe 2019, Bern 2019, Anhang 2).
7.3.1.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn)
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass
persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E.
3b/aa S. 323). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/aa in fine
S. 80). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und
darf 25 % nicht übersteigen (BGE 126 V 80 E. 5b/bb-cc; 134 V 327 f. E. 5.2; Urteil
7.3.2.
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8.
9C_368/2009 vom 17. Juli 2009 E. 2.1; zum Ganzen auch Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Dezember 2014, 9C_630/2014, E. 2.1 mit weiteren Verweisen). Der
Beschwerdeführer leidet unter einer ungünstigen Kombination einer
Persönlichkeitsakzentuierung einerseits und an neuro-kognitiven Beeinträchtigungen
insbesondere der Aufmerksamkeit und der Konzentration andererseits. Das
Kompetenzniveau 1 umfasst zwar einfache Tätigkeiten ohne besondere kognitive
Anforderungen und Verantwortung für Menschen und Abläufe, doch bestehen beim
Beschwerdeführer diesbezüglich sowie hinsichtlich Teamfähigkeit, Aufmerksamkeit,
Koordination und Sorgfalt weitergehende Einschränkungen, zumal diese im
Adaptationsprofil eigens erwähnt werden (vgl. IV-act. 61-59). Trotz der ADHS konnte
der Beschwerdeführer in der psychiatrischen Pflege bzw. Therapie und somit in einer
intellektuell anspruchsvolleren Tätigkeit Fuss fassen. Die durch die ADHS bewirkten
Einschränkungen erschweren dem Beschwerdeführer jedoch die berufliche Umstellung
und erfordern von einem Arbeitgeber spezielles Entgegenkommen. Sodann reduziert
seine Suchtanamnese seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Auswirkungen des
Poland-Syndroms, welches einerseits mit den psychischen Beeinträchtigungen
interagiert und andererseits schwerere körperliche Arbeiten unzumutbar macht, sind im
Wesentlichen im Anforderungsprofil des Kompetenzniveaus 1 berücksichtigt.
Insgesamt erscheint ein Tabellenlohnabzug von jedenfalls 10 % begründet. Das
Invalideneinkommen beträgt somit maximal Fr. 59'969.-- (90 % x Fr. 66'633.--). Damit
resultiert ein Invaliditätsgrad von jedenfalls 41,8 % ([Fr. 103'072.-- - Fr. 59'969.--] :
Fr. 103'072.--). Erst der maximale Tabellenlohnabzug von 25 % würde zu einem
Invaliditätsgrad von über 50 % führen (Invalideneinkommen Fr. 49'975.--). Ein solcher
Tabellenlohnabzug lässt sich jedoch bei Zugrundelegung eines Hilfsarbeiterlohnes und
100 %iger Arbeitsfähigkeit nicht begründen. Somit bleibt es beim Anspruch auf eine
Viertelsrente.
In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 20. Juni 2017 aufzuheben
und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. April 2015 eine Viertelsrente
zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
8.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
8.2.
bis
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