Decision ID: 904e3f6e-4f8a-4fd9-b437-9aa87407ead7
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
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A.a A._ meldete sich am 9. April 2018 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) zur Arbeitsvermittlung an und beantragte bei der UNIA Arbeitslosenkasse
(nachfolgend: Kasse) Arbeitslosenentschädigung ab 3. April 2018 (act. G3.1.1 und
G3.1.2). Die Kasse ermittelte gestützt auf das im Rahmen des Lehrverhältnisses bei der
B._ GmbH erzielte Einkommen einen versicherten Verdienst von Fr. 798.-- bzw. eine
Taggeldleistung von Fr. 27.95 (Fr. 758.-- x 80% / 21.7) und eröffnete eine Rahmenfrist
für den Leistungsbezug ab 9. April 2018 (vgl. Informationsschreiben vom 14. Juni 2018,
act. G3.1.13).
A.b Mit Brief vom 10. Juli 2018 ersuchte der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
M. Graf, um Korrektur des versicherten Verdienstes. Er habe sich aufgrund seiner
Rückenbeschwerden bei der IV-Stelle angemeldet. Deshalb bestehe eine
Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung, die das Taggeld bei einem
ungekürzten versicherten Verdienst auszurichten habe. Er verfüge seit Juni 2018 über
ein eidgenössisches Berufsattest. Damit habe er beim versicherten Verdienst Anspruch
auf einen Pauschalansatz von Fr. 127.-- am Tag. Der versicherte Verdienst von Fr.
758.-- bzw. Fr. 379.-- (50%) gemäss Abrechnung vom 2. Juli 2018 sei deshalb nicht
nachvollziehbar (act. G3.1.21).
A.c Mit Verfügung vom 7. August 2018 sprach die Kasse dem Versicherten folgende
Taggelder zu:
- Fr. 27.95 für die Kontrollperiode April 2018
- Fr. 17.60 für die Kontrollperiode Mai 2018
- Fr. 13.95 ab der Kontrollperiode Juni 2018
Zur Begründung führte sie aus, mit Arztzeugnis vom 12. März 2018 sei der Kasse
mitgeteilt worden, dass der Versicherte zu 50% arbeitsunfähig sei. Ab dem 9. April
2018 erbringe die Basler Versicherung Taggelder in der Höhe von Fr. 10.-- gestützt auf
Arbeitsunfähigkeit. Versicherte Personen, die wegen Krankheit vorübergehend
vermindert arbeits- und vermittlungsfähig seien, hätten längstens bis zum 30.
Kalendertag Anspruch auf das volle Taggeld, danach auf ein um 50% gekürztes
Taggeld, wenn sie zu mindestens 50% arbeitsfähig seien. Vorliegend sei der
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Versicherte ab dem 9. April 2018 (Beginn der Rahmenfrist) zu 50% arbeitsunfähig,
weshalb ihm das volle Taggeld bis 8. Mai 2018 ausbezahlt worden sei. Ab 9. Mai 2018
müsse sein Taggeld um 50% gekürzt werden. Trete eine Veränderung des versicherten
Verdienstes im Laufe einer Kontrollperiode ein, müsse das Taggeld mit einer
Mischrechnung ermittelt werden. Die Anzahl Tage multipliziert mit dem bisherigen
versicherten Verdienst und die Anzahl Tage multipliziert mit dem neuen versicherten
Verdienst, geteilt durch die Anzahl kontrollierter Tage ergebe den anwendbaren
versicherten Tagesverdienst. Davon betrage das 80%ige Taggeld für die
Kontrollperiode Mai 2018 Fr. 17.60. Für die Kontrollperiode Juni 2018 belaufe sich das
Taggeld, das durchgehend um 50% gekürzt sei, auf Fr. 13.95 (Fr. 758.-- x 50% x
80% / 21.7; act. G3.1.22).
A.d Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 15. August 2018 Einsprache und
beantragte, der versicherte Verdienst sei auf Fr. 2'756.-- zu korrigieren, und es sei
durchgehend ein Taggeld von Fr. 101.60 auszubezahlen. Zudem sei von einer
Anpassung des versicherten Verdienstes wegen verminderter Arbeitsfähigkeit
abzusehen und lediglich das Krankentaggeld vom Arbeitslosentaggeld abzuziehen.
Seine Ausführungen im Brief vom 10. Juli 2018 seien in Verletzung des rechtlichen
Gehörs überhaupt nicht gewürdigt worden. Aufgrund des pendenten IV-Verfahrens
bestehe eine Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung. Er habe sich bereits vor
Eintritt der Arbeitslosigkeit und Eröffnung der Rahmenfrist bei der
Invalidenversicherung gemeldet. Für die angestammte Tätigkeit sei er langfristig
arbeitsunfähig und für eine adaptierte Tätigkeit seit längerer Zeit, nicht bloss
vorübergehend, nur zu 50% arbeitsfähig. Somit bestehe kein Raum für die von der
Kasse angewandten Koordinationsregeln. Vielmehr bestehe im Rahmen der
Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung die Fiktion einer durchgehenden
vollen Vermittelbarkeit, wobei bei einer Arbeitsfähigkeit von mindestens 20% – unter
Abzug des Krankentaggelds der Basler Versicherung – Anspruch auf das volle
Arbeitslosentaggeld bestehe (act. G3.1.23).
A.e Mit Entscheid vom 27. August 2018 wies die Kasse die Einsprache ab. Zwar seien
die Pauschalansätze auch auf Personen anwendbar, die wie der Versicherte im
Anschluss an eine berufliche Grundbildung bzw. nach Abbruch einer solchen
Arbeitslosenentschädigung beziehen würden. Der anwendbare Pauschalansatz würde
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indessen Fr. 20.-- betragen, da der Versicherte zum Zeitpunkt der Anmeldung vom 9.
April 2018 unter zwanzigjährig gewesen sei und keine Grundausbildung gehabt habe.
Der während des Lehrverhältnisses erzielte Lohn übersteige den Pauschalansatz,
weshalb von einem versicherten Verdienst von Fr. 758.-- auszugehen sei, womit sich
ein Taggeld von Fr. 27.95 ergebe. Dass der Versicherte seine Lehre im August 2018
abgeschlossen habe, begründe keine Erhöhung des versicherten Verdienstes, da die
Pauschalansätze vorliegend nicht zur Anwendung kämen. Grundsätzlich werde der
versicherte Verdienst nur neu berechnet, wenn sich der Grad der Vermittelbarkeit bzw.
der anrechenbare Arbeitsausfall der versicherten Person ändere oder diese während
mindestens sechs Monaten ununterbrochen eine Beschäftigung zu einem Lohn
ausgeübt habe, der über dem versicherten Verdienst liege, und sie erneut arbeitslos
werde. Die zwischen AVIG, KVG, VVG und UVG bestehende Koordinationsregel werde
nicht unterbrochen, wenn sich der Versicherte zusätzlich bei der Invalidenversicherung
angemeldet habe (act. G3.1.26).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die Beschwerde vom 18. September 2018.
Der Beschwerdeführer lässt unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin beantragen, der Einspracheentscheid vom 27. August 2018
sowie die angefochtene Verfügung vom 7. August 2018 seien aufzuheben und der
versicherte Verdienst sei ab 1. Juni 2018 auf Fr. 1'378.-- zu korrigieren. Zur
Begründung führt er aus, für versicherte Personen im Anschluss an eine Berufslehre
richte sich der versicherte Verdienst nach Pauschalansätzen. Für Personen mit
Abschluss in der Sekundarstufe II, wozu sein Lehrabschluss gehöre, betrage der
Pauschalansatz Fr. 127.-- pro Tag. Er erfülle die Voraussetzungen für diesen
Pauschalansatz, nachdem er im Juni 2018 das Berufsattest erhalten habe. Änderten
sich die Umstände für die Bestimmung der Pauschalansätze im Laufe des
Taggeldbezuges, gelte der neue Pauschalansatz ab Beginn der entsprechenden
Kontrollperiode. Damit sei der höhere versicherte Verdienst bereits ab 1. Juni 2018
anwendbar. Sein versicherter Verdienst betrage 50% des Pauschalansatzes, weil er
weniger als 25 Jahre alt sei und keine Unterhaltspflicht gegenüber Kindern zu erfüllen
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habe. Daraus ergebe sich ein Taggeld von Fr. 50.80 (80% von Fr. 1'378.-- / 21.7; act.
G1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. Oktober 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin
unter Verweis auf ihre Ausführungen im Einspracheentscheid die Abweisung der
Beschwerde. Bei der Berechnung des versicherten Verdienstes sei kein
Pauschalansatz zur Anwendung gekommen. Deshalb sei die Änderung des
Pauschalansatzes während des Leistungsbezugs unbeachtlich (act. G3).

Erwägungen
1.
1.1 Als versicherter Verdienst gilt der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende
Lohn, der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren
Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde; eingeschlossen sind die vertraglich
vereinbarten regelmässigen Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für
arbeitsbedingte Inkonvenienzen darstellen. Der Höchstbetrag des versicherten
Verdienstes entspricht demjenigen der obligatorischen Unfallversicherung. Der
Verdienst gilt nicht als versichert, wenn er eine Mindestgrenze nicht erreicht. Der
Bundesrat bestimmt den Bemessungszeitraum und die Mindestgrenze (Art. 23 AVIG).
Der versicherte Verdienst bemisst sich grundsätzlich nach dem Durchschnittslohn der
letzten sechs oder, falls jener Durchschnittslohn höher ist, der letzten zwölf
Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug (Art. 37 Abs. 1 und
2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Er wird auf die nächste Kontrollperiode
neu festgesetzt, wenn innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug der
Versicherte während mindestens sechs Monaten ununterbrochen eine
beitragspflichtige Beschäftigung zu einem Lohn ausgeübt hat, der über dem
versicherten Verdienst liegt und er erneut arbeitslos wird, oder wenn die
Vermittlungsfähigkeit des Versicherten sich verändert (Art. 37 Abs. 4 AVIV).
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1.2 Für den versicherten Verdienst von Personen, die im Anschluss an eine berufliche
Grundbildung Arbeitslosenentschädigung beziehen, gelten Pauschalansätze (vgl. Art.
23 Abs. 2 AVIG). Weil der Verdienstausfall durch die Arbeitslosigkeit im Anschluss an
die erfolgreich abgeschlossene Berufslehre ungleich höher ist als es ein
Verdienstausfall während der Lehrzeit wäre, kann für diese Personengruppe
billigerweise für den versicherten Verdienst nicht auf die Vergangenheit, also auf den
früheren Lehrlingslohn, abgestellt werden. Der Erwerbsausfall ist vielmehr an der
Zukunft zu bemessen, weshalb Pauschalansätze angewandt werden (GERHARD
GERHARDS, AVIG-Kommentar, Bd I, Art. 23 N 39). Für Personen mit einem Abschluss
der Sekundarstufe II (abgeschlossene berufliche Grundbildung, insbesondere
eidgenössisches Berufsattest) beträgt der Pauschalansatz Fr. 127.-- pro Tag. Für
Personen ohne einen solchen oder ohne einen höheren Abschluss beträgt der
Pauschalansatz Fr. 102.-- pro Tag, wenn sie jünger als 20 Jahre sind Fr. 40.-- pro Tag
(Art. 41 Abs. 1 lit. b und c AVIV; Kreisschreiben des Seco, AVIG-Praxis ALE
[nachfolgend: AVIG-Praxis ALE], C32). Die Pauschalansätze werden um 50% reduziert
bei Versicherten, die weniger als 25 Jahre alt sind und keine Unterhaltspflicht
gegenüber Kindern zu erfüllen haben (Art. 41 Abs. 2 lit. b und c AVIV). Diese
Bestimmungen sind nicht anwendbar auf Personen, deren Lehrlingslohn den
entsprechenden Pauschalansatz übersteigt (Art. 41 Abs. 3 AVIV).
1.3 Die Pauschalansätze sind auch auf Personen anwendbar, die ihre berufliche
Ausbildung abgebrochen haben, um eine Arbeitnehmertätigkeit aufzunehmen. Streben
sie hingegen die Fortsetzung oder den Neubeginn einer beruflichen Grundbildung an
und stellen sich diese Personen somit nur zwischenzeitlich (bis zur Aufnahme oder
Fortführung der beruflichen Grundbildung) dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, so richtet
sich der versicherte Verdienst nicht nach dem Pauschalansatz für Ungelernte, sondern
nach dem zuletzt erzielten Lohn in der beruflichen Grundbildung (AVIG-Praxis ALE,
C33).
1.4 Ändern sich die Umstände für die Bestimmung der Pauschalansätze im Laufe des
Taggeldbezuges, so gilt der neue Pauschalansatz ab Beginn der entsprechenden
Kontrollperiode (Art. 41 Abs. 4 AVIV). Das hat zur Folge, dass der entsprechend höhere
Pauschalansatz anzuwenden ist, sobald der Versicherte während der Bezugsdauer
einen Ausbildungsabschluss vorweisen kann, der ihn zu einer höheren Pauschale
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berechtigt. Massgebender Zeitpunkt für die Anwendung des höheren
Pauschalansatzes ist das Datum, an welchem der Versicherte vom erfolgreichen
Bestehen der Ausbildung Kenntnis erhalten hat (GERHARD GERHARDS, a.a.O., Art. 23
N 50).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer hat den Lehrvertrag mit seinem Lehrbetrieb per 2. April
2018 aufgelöst (act. G1.4), nach eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen (vgl.
act. G3.1.2). Zu jenem Zeitpunkt hatte er noch keinen Berufsabschluss. Da die
Pauschalansätze gemäss Art. 41 Abs. 1 AVIV auch auf Personen anwendbar sind, die
ihre berufliche Ausbildung abgebrochen haben, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht
eine entsprechende Berechnung angestellt. Zum Zeitpunkt der Vertragsauflösung im
April 2018 war der Beschwerdeführer noch keine 20 Jahre alt, sodass der auf ihn
anwendbare Pauschalansatz Fr. 20.-- betragen hätte (Art. 41 Abs. 1 lit. c i.V.m. Abs. 2
AVIV). Sein Lehrlingslohn hatte hingegen bis September 2017 Fr. 600.-- und ab
Oktober 2017 Fr. 700.-- pro Monat betragen. Dazu trat ein 13. Monatslohn (act.
G3.1.9/1). Der nach Art. 37 AVIV berechnete versicherte Verdienst betrug demnach Fr.
758.-- (für die Berechnung siehe auch act. G3.1.14), woraus ein Taggeld von Fr. 27.95
resultiert (Fr. 758.-- / 21.7 x 80%). Weil der Lehrlingslohn somit höher liegt als der
Pauschalansatz, ist für den Zeitraum, für den der Beschwerdeführer keinen
Berufsabschluss vorweisen kann, darauf abzustellen (Art. 41 Abs. 3 AVIV).
2.2 Mit Schreiben vom 22. Juni 2018 wurde dem Beschwerdeführer zur Kenntnis
gebracht, dass ihm das eidgenössische Berufsattest erteilt worden war (Notenausweis,
act. G1.6). Es ist davon auszugehen, dass er dieses Schreiben noch im Juni 2018
erhalten hat. Damit haben sich die Umstände für die Bestimmung der Pauschalansätze
geändert. Nachdem der Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt über einen Abschluss
der Sekundarstufe II (berufliche Grundbildung als Auto-Mobil-Assistent EBA) verfügte,
ist der Pauschalansatz von Fr. 127.-- (Art. 41 Abs. 1 lit. b AVIV) ab der Kontrollperiode
Juni 2018 anwendbar, zumal die Regelung in Art. 41 Abs. 4 AVIV eine sofortige
Änderung ausdrücklich vorsieht. Diese Bestimmung geht im Anwendungsfall der
allgemeinen Regel von Art. 37 Abs. 4 AVIV vor. Dass die Beschwerdegegnerin den
versicherten Verdienst gestützt auf den konkreten Lehrlingslohn festgelegt hatte,
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vermag daran nichts zu ändern, denn die entsprechende Bestimmung findet sich
ebenfalls in Art. 41 AVIV (Abs. 3) und untersteht systematisch ebenfalls der Anpassung
an veränderte Verhältnisse von Art. 41 Abs. 4 AVIV.
2.3 Dem Beschwerdeführer ist nach dem Gesagten insofern Recht zu geben, als ab
Juni 2018 der Pauschalansatz von Fr. 127.-- zur Anwendung gelangt. Dieser ist um
50% zu reduzieren (Art. 41 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AVIV). Somit ergibt sich
grundsätzlich ein Taggeld von Fr. 50.80 (Fr. 127.-- x 50% x 80%) bzw. ein versicherter
Verdienst von Fr. 1'377.95 (Fr. 127.-- x 21.7 / 50%). Ob dieses Taggeld wegen der
aufgrund der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ausgerichteten
Krankentaggelder um 50% zu kürzen ist, ist nachfolgend zu prüfen.
3.
3.1 Zwischen den Parteien ist streitig, ob der Beschwerdeführer nach seiner
Anmeldung bei der Invalidenversicherung gestützt auf Art. 70 Abs. 2 lit. b des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) i.V.m. Art. 15 Abs. 2 AVIG Anspruch auf Vorleistung der
Arbeitslosenversicherung hat oder ob vielmehr Art. 28 Abs. 4 AVIG zur Anwendung
gelangt, wonach er in Koordination mit der Krankentaggeldversicherung lediglich
Anspruch auf das um 50% gekürzte Taggeld hat.
3.2 Versicherte, die wegen Krankheit, Unfall oder Schwangerschaft vorübergehend
nicht oder nur vermindert arbeits- und vermittlungsfähig sind und deshalb die
Kontrollvorschriften nicht erfüllen können, haben, sofern sie die übrigen
Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, Anspruch auf das volle Taggeld. Dieser Anspruch
dauert längstens bis zum 30. Tag nach Beginn der ganzen oder teilweisen
Arbeitsunfähigkeit und ist innerhalb der Rahmenfrist auf 44 Taggelder beschränkt (Art.
28 Abs. 1 AVIG). Taggelder der Kranken- oder Unfallversicherung, die Erwerbsersatz
darstellen, werden von der Arbeitslosenentschädigung abgezogen (Art. 28 Abs. 2
AVIG). Dies gilt sowohl für sozialversicherungsrechtliche wie auch für privatrechtliche
Krankentaggelder (vgl. Art. 100 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den
Versicherungsvertrag [VVG; SR 221.229.1] i.V.m. Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Krankenversicherung [KVG; SR 832.10]).
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3.3 Arbeitslose, die ihren Anspruch nach Art. 28 Abs. 1 AVIG ausgeschöpft haben,
weiterhin vorübergehend vermindert arbeitsfähig sind und Leistungen einer
Taggeldversicherung beziehen, haben, sofern sie unter Berücksichtigung ihrer
verminderten Arbeitsfähigkeit vermittelbar sind und die übrigen
Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, Anspruch auf das um 50% gekürzte Taggeld,
wenn sie zu mindestens 50% arbeitsfähig sind (Art. 28 Abs. 4 lit. b AVIG).
3.4 Begründet ein Versicherungsfall einen Anspruch auf
Sozialversicherungsleistungen, bestehen aber Zweifel darüber, welche
Sozialversicherung die Leistungen zu erbringen hat, so kann die berechtigte Person
Vorleistung verlangen. Für Leistungen, deren Übernahme durch die
Arbeitslosenversicherung, die Krankenversicherung, die Unfallversicherung oder die
Invalidenversicherung umstritten ist, ist die Arbeitslosenversicherung
vorleistungspflichtig (Art. 70 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b ATSG). Eine bei der
Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldete ganz arbeitslose aber aus
gesundheitlichen Gründen nur teilzeitlich arbeitsfähige Person, die bereit ist, im
Umfang der ärztlich attestierten Arbeitsfähigkeit eine Stelle anzunehmen, hat aufgrund
der Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung Anspruch auf eine volle
Arbeitslosenentschädigung. Solange die Frage der IV-Rentenberechtigung noch nicht
geklärt ist, muss sich ihre Vermittlungsbereitschaft nur auf ein Pensum beziehen,
welches der ärztlich attestierten Arbeitsfähigkeit entspricht. Ist die
Vermittlungsbereitschaft in diesem Rahmen gegeben, besteht Anspruch auf eine ganze
Arbeitslosenentschädigung (KUPFER BUCHER, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2013, S. 89 mit Verweis auf BGE 136 V 95; Art. 15 Abs. 2 AVIG i.V.m. Art. 15 Abs. 3
AVIV).
3.5 Gemäss Art. 15 Abs. 2 AVIG gilt der körperlich oder geistig Behinderte als
vermittlungsfähig, wenn ihm bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage, unter
Berücksichtigung seiner Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt eine zumutbare Arbeit
vermittelt werden könnte. Der Begriff der Behinderung gemäss Art. 15 Abs. 2 AVIG
unterscheidet sich vom Begriff der Invalidität gemäss Art. 8 ATSG. Er wird benutzt,
wenn die Vermittlungsfähigkeit nicht bloss vorübergehend, sondern dauernd
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eingeschränkt ist. Von einer dauernd weggefallenen oder verminderten
Vermittlungsfähigkeit wird ausgegangen, wenn die versicherte Person während
mindestens eines Jahres eingeschränkt ist oder wenn sie sich bei der
Invalidenversicherung zum Bezug von Leistungen angemeldet hat (UELI KIESER, Die
Koordination von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung mit Taggeldern anderer
Sozialversicherungszweige, ARV 2012, S. 217 ff. [nachfolgend: KIESER, ARV 2012]).
3.6 Um die Leistungspflicht der Arbeitslosenversicherung bei teilweiser
Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person zu klären, sind in zeitlicher Hinsicht drei
Phasen zu unterscheiden. Die erste Phase dauert längstens bis zum 30. Tag nach
Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Während dieser Zeitspanne leistet die
Arbeitslosenversicherung das volle Taggeld, wobei Taggelder der Kranken- und
Unfallversicherung, die Erwerbsersatz darstellen, von der Arbeitslosenentschädigung
abgezogen werden (Art. 28 Abs. 1 und Abs. 2 AVIG). An diesen Zeitraum schliesst sich
die zweite Phase an, welche voraussetzt, dass die betreffende Person weiterhin
vorübergehend vermindert arbeitsfähig ist und Leistungen einer Kranken- oder
Unfalltaggeldversicherung bezieht (Art. 28 Abs. 4 AVIG). Das Gesetz legt das Ende
dieser zweiten Phase nicht explizit fest, stellt aber auf den Bezug eines Taggeldes der
Kranken- oder Unfallversicherung ab, wobei privatrechtliche Krankentaggelder den
sozialversicherungsrechtlichen gleichgestellt sind (vgl. Art. 100 Abs. 2 VVG). Die
besondere Koordinationsregel von Art. 28 Abs. 4 AVIG dauert demnach an, solange
eine Taggeldversicherung eine Leistung gewährt bzw. nach den massgebenden
Bestimmungen gewähren muss. Eine dritte Zeitphase ergibt sich unter
Berücksichtigung von Art. 15 Abs. 2 AVIG. Sie beginnt, wenn die Vermittlungsfähigkeit
dauerhaft eingeschränkt ist, mithin nach mindestens einem Jahr (teilweiser)
Arbeitsunfähigkeit oder mit der Anmeldung bei der Invalidenversicherung zum Bezug
von Leistungen (KIESER, ARV 2012, S. 227 f.).
3.7 Die zweite Phase wird durch das Eintreten einer Behinderung nicht abgeschlossen.
Vielmehr gilt die Koordinationsregelung von Art. 28 Abs. 4 AVIG und Art. 73 Abs. 1 KVG
weiterhin. Art. 28 Abs. 4 AVIG kommt – unabhängig von einer solchen Anmeldung –
soweit und solange zur Anwendung, wie die betreffende Krankentaggeld- oder
Unfalltaggeldversicherung Taggelder zu erbringen hat. Tritt während der
Koordinationsphase von Art. 28 Abs. 4 AVIG mit der Kranken- oder Unfallversicherung
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eine Behinderung bzw. Anmeldung bei der Invalidenversicherung ein, ändert sich an
der Massgeblichkeit dieser Koordinationsregeln nichts. Denn bei den
Taggeldversicherungen der Kranken- und der Unfallversicherung finden sich keine
Bestimmungen, welche eine Einschränkung der je eigenen Leistungspflicht
ermöglichen würden, wenn die betreffende Person behindert oder invalid wird. Die
Taggeldkoordinationsbestimmungen zwischen AVIG, KVG, VVG und UVG legen eine
sich gegenseitig ergänzende, definitive Leistungspflicht fest. Die Vorleistungspflicht der
Arbeitslosenversicherung gemäss Art. 15 Abs. 3 AVIV gilt gegenüber dem
Krankentaggeld- und Unfalltaggeldversicherer, der eine vertragliche, definitive
Leistungspflicht hat, nicht. Nur wenn die arbeitsunfähige Person keine Leistungen einer
Taggeldversicherung (mehr) bezieht, kommt Art. 28 Abs. 4 AVIG nicht zur Anwendung.
In solchen Fällen beurteilt sich nach den sonstigen Bestimmungen des AVIG,
insbesondere Art. 15 Abs. 2 AVIG, ob und in welchem Umfang eine Leistungspflicht,
insbesondere eine Vorleistungspflicht besteht (KIESER, ARV 2012, S. 227; S. 232 ff.;
vgl. auch AVIG-Praxis ALE, C178 ff.).
4.
4.1 Vorliegend ist zwar die dritte zeitliche Phase dadurch eingetreten, dass der
Beschwerdeführer sich am 12. Januar 2018 bei der Invalidenversicherung zum Bezug
von Leistungen angemeldet hat (act. G3.1.16). Die zweite zeitliche Phase wurde
dadurch aber nicht abgeschlossen. Die Kollektiv-Krankentaggeldversicherung leistete
weiterhin Taggelder im Umfang von 50% (act. G3.1.15). Demnach sind weiterhin die
Koordinationsregeln zwischen der Arbeitslosenversicherung und der Versicherung,
welche die Krankentaggelder leistet, mithin Art. 28 Abs. 4 AVIG (und Art. 73 Abs. 1
KVG) massgebend. Das hat zur Folge, dass die Arbeitslosenkasse keine
Vorleistungspflicht gestützt auf Art. 70 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b ATSG trifft.
4.2 Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass eine solche Vorleistungspflicht erst eintritt,
wenn die Invalidenversicherung bei Vorliegen einer Invalidität tatsächlich Leistungen
erbringen würde. Dies bedingt den Ablauf des Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20; vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 27. Januar 2017, 8C_791/2016, E. 5.1). Vorliegend trat die
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers im Dezember 2017 ein, sodass ein allfälliger
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Rentenanspruch gegenüber der Invalidenversicherung frühestens ab Dezember 2018
entstand. Frühestens ab dann hätte auch die Vorleistungspflicht der Arbeitslosenkasse
einsetzen können.
4.3 Die Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit der Beschwerdeführer eine
Vorleistungspflicht der Beschwerdegegnerin geltend macht. Der um 50% reduzierte
Pauschalansatz von Fr. 127.--, der ab Juni 2018 zur Anwendung gelangt (vgl. E. 2.3
vorstehend), ist gestützt auf Art. 28 Abs. 4 AVIG noch einmal um 50% zu kürzen. Somit
ergibt sich ein Taggeld von Fr. 25.40 (Fr. 127.-- x 50% x 50% x 80%) bzw. ein
versicherter Verdienst von Fr. 689.-- (Fr. 127.-- x 21.7 x 50% x 50%).
5.
5.1 Die für April und Mai 2018 ausgerichteten Taggelder sind nach dem Gesagten
korrekt berechnet worden. Ab der Kontrollperiode Juni 2018 betragen die Taggelder
hingegen nicht Fr. 13.95, sondern sind unter Beizug des Pauschalansatzes höher
anzusetzen. Die Beschwerde ist somit teilweise gutzuheissen, und es ist festzustellen,
dass der Beschwerdeführer ab Juni 2018 bei einem versicherten Verdienst von Fr.
689.-- Anspruch auf Taggelder in Höhe von Fr. 25.40 hat. Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Bei diesem Ausgang
des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine partielle
Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; in der
vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30bis HonO;
sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Bei vollständigem Obsiegen wäre
dem Beschwerdeführer mit Blick auf die Bedeutung der Streitsache und den Aufwand
eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zugesprochen worden. Wegen des nur teilweisen Ob¬siegens
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erscheint eine hälftige Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.