Decision ID: 52807427-1404-4be7-a6be-1a781b4770be
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975, arbeitete ab 18. Mai 2006 mit einem unregelmässigen Teilzeitpensum als Betreuerin (Spitex) bei der
Y._
GmbH in
Z._
und war bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Allianz) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Bereits ab 16. September 2005 war die Versicherte zu 50 % als
Pfle
geassistentin
im Pflegezentrum
A._
angestellt und deshalb auch bei der Unfallversicherung Stadt Zürich versichert (vgl. dazu Urk. 2 S. 2 und Urk. 10/1-8). Am 11. April 2008 erlitt die Versicherte auf dem Rückweg von ihrer Arbeit bei der
Y._
GmbH einen Autounfall (vgl. Urk. 2 S. 4 Ziffer 1.3 sowie Urk. 10/2 -3, Urk. 10/8 und Urk. 10/40).
Nach der medizinischen Erstversorgung bei Prakt. med.
B._
und
Dr.
med.
C._
, Spezialarzt FMH für Innere Medizin (vgl. Urk. 10/24), sowie physiotherapeuti
schen Behandlungen (vgl. Urk. 10/7) wurde die Versicherte am 25. Juni 2008 von
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Rheumatologie (Urk. 10/25; vgl. auch Urk. 10/88) und am 4. Juli 2008 von
Dr.
med.
E._
, Spezialärztin FMH für Neurologie, untersucht (Urk. 10/23: „atypisches
kraniocervicales
Beschleuni
gungstraum
a
am 11.04.08 mit typischen Folgeschäden“).
Dr.
med.
F._
, Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 7. Januar 2009 ihren Bericht (Urk. 10/60). Prof.
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Radio
logie und Neuroradiologie, sowie PD
Dr.
med.
H._
, Spezialarzt für
Neu
roradiologie
, beurteilten am 6. Februar beziehungsweise am 3. November 2009 die Ergebnisse der durchgeführten computertomographischen Untersuchungen (Urk. 10/97-98).
Dr.
med.
I._
, Spezialärztin FMH für Neurologie, nahm am 20. November 2009 Stellung (Urk. 10/100).
1.2
Am 7. Dezember 2009 gab die Allianz der Versicherten Gelegenheit, sich zur vorgesehenen Verfügung (Einstellung der Versicherungsleistungen per Ende November 2009) zu äussern (Urk. 10/102). Mit Eingabe vom 15. Januar 2010 (Urk. 10/112) liess sie gegen die in Aussicht gestellte Verfügung Einwendungen erheben.
Am 25. Mai 2010 stellte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, der Allianz das polydisziplinäre Gutachten des
J._
vom 18. Mai 2010 zu (Urk. 10/120-121).
Mit Verfügung vom 13. September 2010 (Urk. 10/123) stellte die Allianz die Versicherungsleistungen per 30. November 2009 ein. Die dagegen am 29. September 2010 erhobene Einsprache (Urk. 10/124) wies die Allianz mit Entscheid vom 28. Dezember 2010 (Urk. 10/130 = Urk. 2)
ab
.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 2. Februar 2011 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben, und es seien der Beschwerdeführerin auch nach dem 30.11.2009 die gesetzlichen Leistungen (Taggeld, Heilungskosten, Rente etc.) für den am 11.04.2008 erlittenen Unfall auszurichten.
2.
Alles unter Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegne
rin
.
Die Allianz schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Februar 2011 auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 9).
Replicando
und
duplicando
liessen die Par
teien an ihren Anträgen festhalten (Urk. 14 und 18).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
derlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
contrario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.2.2
Diese Beweisgrundsätze gelten ohne
Weiteres
auch in Fällen mit
Schleuderverlet
zungen
der Halswirbelsäule, Schädelhirntraumata und äquiva
lenten Verletzungen. Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbar
keit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach ein
getretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzuneh
men. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Be
jahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.3.3
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Be
einträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zu
rückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesge
richts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Stö
rungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bezie
hungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adä
quate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträch
tigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne
Weiteres
zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittle
ren Bereichs weitere Krite
rien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig da
von, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
erhebliche Beschwerden;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Be
urteilung des ad
äquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und ei
ner psychischen Fehl
entwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Be
schwerden auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als orga
nischer und/oder psy
chischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109 ff.; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 28. Dezember 2010 (Urk. 2) im Wesentlichen aus, dass die natürliche Kausalität zwischen den noch geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis vom 11. April 2008 trotz den umfassenden medizinischen Abklärungen weder als erstellt angesehen noch verneint werden könne. Wie es sich damit verhalte, könne allerdings offen bleiben, da kein adäquater Kausalzusammenhang gege
ben sei. Aus den Akten ergebe sich, dass der sogenannte medizinische Endzu
stand (spätestens) am 28. Oktober 2009 anlässlich der Untersuchung bei
Dr.
I._
erreicht worden sei und dass keine organisch nachweisbaren Unfallfolgen mehr vorhanden seien. Die Adäquanz sei daher nach der soge
nannten Schleudertrauma-Praxis zu beurteilen. Beim Unfallereignis vom 11. April habe es sich um einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen gehandelt. Es sei allerdings lediglich ein einziges
Adäquanz
kriterium
, nämlich die erheblichen Beschwerden, bis zu einem gewissen Grad gegeben, weshalb die Adäquanz zu verneinen sei (vgl. auch Urk. 9 und 18).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen, dass sowohl der natürliche als auch der adäquate Kausalzusammenhang gegeben seien. Im Übrigen sei auch der Fallabschluss per Ende November 2009 zu früh erfolgt. Der medizinische Endzustand sei noch nicht erreicht. Die Beschwerde
führerin sei noch in rheumatologischer und psychotherapeutischer Behandlung. Die behandelnden Ärzte seien der Ansicht, dass sich die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch gezielte Therapien noch verbessern lasse. Beim Unfall vom 11. April 2008 habe es sich – entgegen den Ausführungen der
Beschwer
degegnerin
– nicht um einen mittleren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen gehandelt, sondern um einen mittleren Unfall im engeren Sinne. Zu
dem seien die Kriterien der fortgesetzten ärztlichen Behandlung, der erheblichen Beschwerden, des schwierigen Heilverlaufs und der langdauernden Arbeitsunfä
higkeit gegeben, weshalb die Adäquanz zu bejahen sei (Urk. 1 und 14).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht per Ende November 2009 eingestellt hat, weil zu diesem Zeitpunkt der medizi
nische Endzustand erreicht war und die noch geklagten
Gesundheitsbeeinträch
tigungen
mit dem Unfall vom 11. April 2008 in keinem adäquaten Kausalzu
sammenhang mehr standen.
3.2
Dr.
D._
diagnostizierte am 26. Juni 2008 ein
zervikospondylogenes
Syndrom mit segmentalen Dysfunktionen im Bereich der oberen Halswirbelsäule und
myo
faszialen
Veränderungen paravertebral sowie im Bereich des Schultergürtels beidseits (Urk. 10/25).
3.3
Dr.
E._
führte in ihrem Bericht vom 7. Juli 2008 (Urk. 10/23) aus, die Beschwerdeführerin habe am 11. April 2008 einen Autounfall erlitten mit einem atypischen
kraniocervicale
n
Beschleunigungstrauma. Es sei zu diversen, letzt
lich typischen Folgeschäden gekommen:
Cervicalsyndrom
,
Hinterkopfweh
, rechtsseitiges
lumbospondylogenes
Syndrom, neurovegetative Beschwerden (anamnestisch), neuropsychologische Funktionsstörungen und Schwindel. Zu
dem sei noch eine vorbestehende Migräne, teils mit Aura, vorhanden; seit dem Unfall sei es zu keiner
Attackenhäufung
gekommen.
3.4
Dr.
F._
äusserte sich in ihrem Bericht vom 7. Januar 2009 (Urk. 10/60) dahingehend, dass die Gefahr einer Invalidisierung bestehe. Die Symptomatik habe im Verlauf eher zugenommen. Die Beschwerdeführerin entwickle zusätz
lich zu den Folgen des Schleudertraumas zunehmend eine Angstsymptomatik mit
Meideverhalten
und sekundärer Depression. Allerdings könne auf eine Bes
serung gehofft werden: Die Beschwerdeführerin sei jung und bis zum Unfall psychisch gesund gewesen. Es seien keine wesentlichen psychosozialen Belas
tungen bekannt.
3.5
Prof.
Dr.
G._
beurteilte am 6. Februar 2009 die Resultate der durchgeführ
ten MRI-Untersuchung des Schädels folgendermassen (Urk. 10/98): „Normales Schädel-MRI, keine strukturellen Veränderungen.“
3.6
Am 26. August 2009 berichtete
Dr.
D._
, dass die Beschwerdeführerin nach wie vor über diffuse zervikale und
zervikothorakale
Beschwerden mit Kopfschmer
zen, Schwindel und Konzentrationsstörungen klage. Die Beschwerden hätten sich in den letzten sechs Monaten kaum verändert. Die depressive Verstimmung habe sich trotz der Behandlung mit Antidepressiva eher verstärkt. Eine statio
näre Behandlung sei nicht sinnvoll, da die Beschwerdeführerin praktisch keine Anwendungen vertr
age
. Er denke, dass sie auf einen intensiven Reha-Aufent
halt physisch und psychisch negativ reagieren würde. Die Prognose sei ungüns
tig (Urk. 10/88).
3.7
PD
Dr.
H._
hielt am 3. November 2009 folgende Beurteilung fest (Urk. 10/97): „Initiale
Chondrosis
intervertebralis
bei LWK 5 / SWK 1 mit um
schriebenem
dorsomediale
m
Faserringeinriss, klinisch minderrelevant imponie
rend, da keine relevante Höhenminderung, keine signifikante
recessale
oder
neuroforaminale
Einengung. Keine
Gefügestörung
bei Zustand nach Autounfall im Jahre 200
8.
Keine Spinalkanalstenose. Zusammenfassend initiale degenera
tive Veränderungen, aber kein sicheres bildmorphologisches Korrelat für ein
höhergradiges
lumbales Schmerzsyndrom.“
3.8
Dr.
I._
äusserte sich in ihrem Bericht vom 20. November 2009 (Urk. 10/100) dahingehend, dass die Beschwerdeführerin zwar über Beschwer
den klage, die bei einer klassischen HWS-Distorsion vorkämen (gestörter Schlaf, undeutliches Sehen, Schmerzen im Bereich des Kopfs und des Nackens, Schwin
del und Konzentrationsstörungen). Damit sei aber ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule noch nicht mit Sicherheit belegt, denn der Unfallmechanismus sei nicht klassisch gewesen. Es habe sich um eine seitliche Kollision gehandelt. Ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule sei in solchen Fällen möglich; die geklagten Beschwerden belegten ein solches aber nicht mit Sicherheit. Es sei
festzustellen, dass die klinischen Befunde mit einem normalen neurologischen Status und insgesamt ohne Hartspann in der Wirbelsäule die geklagten
Bewe
gungseinschränkungen
(vor allem
cervikal
, aber auch lumbal) nicht belegen könnten. Wahrscheinlich erreiche auch die Schmerzintensität nicht das Aus
mass, dass Medikamente eingenommen werden müssten. Insgesamt bestehe nach dem Trauma kein zeitgerechter Ablauf. Die jetzige vollständige Arbeits
unfähigkeit könne nicht mit der körperlichen Symptomatik erklärt werden. Es dürften psychische, unfallunabhängige Gründe eine Rolle spielen.
3.9
Dr.
med.
K._
, Spezialarzt FMH für Kardiologie und Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 4. Februar 2010 (Urk. 10/114) aus, die Beurteilung der diffusen Beschwerden falle bei multifaktorieller Problematik schwer. Sichere Hinweise für eine kardial/
rhythmogene
Ursache für die Schwindelepisoden seien nicht vorhanden. Klinisch finde er eine nur diskrete
orthostatische
Hypo
tonie, die sicher nicht alleine für die Beschwerden verantwortlich sei. Wahr
scheinlich seien die Schwindelanfälle teilweise im Sinne einer
vasovagalen
Re
aktion mit Hypotonie zu interpretieren, auch verbunden mit Hyperventilation. Zusätzlich spielten die posttraumatischen Beschwerden nach Verkehrsunfall mit einer ausgeprägten funktionellen Überlagerung eine Rolle. Auch eine erneute Verstärkung der Migräne mit Aura sei wahrscheinlich. Im Moment würde er mit weiteren kardiologischen Abklärungen zuwarten.
3.10
Dr.
med.
L._
, Spezialarzt FMH für Allgemeine Medizin,
Dr.
med.
M._
, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
N._
, Spezialarzt FMH für Neurologie, vom
J._
vom 18. Mai 2010 (Urk. 10/120; nachfolgend:
J._
-Gutachten) stellten folgende Diagnosen
(S. 28)
:
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
Zustand nach Verkehrsunfall (Kollision links seitlich und im Heck) vom 11.04.2008
-
HWS-Distorsion
-
Keine MTBI
-
Chronisches posttraumatisches Schmerzsyndrom
cervicocephal
sowie lumbal, Schwindel und Konzentrationsstörung
-
Klinisch leichtes rechtsüberwiegendes
Cervicalsyndrom
und dis
kretes
Lumbovertebralsyndrom
, ohne
radikuläre
und/oder spi
nale Funktionsstörungen
-
Bildmorphologisch keine relevante Pathologie in der MRT der HWS und der LWS, ebenso des
Neurocraniums
2.
Leichte depressive Entwicklung (ICD-10 F32.0)
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
3.
Leichte Kontrollzwänge (ICD-10 F42)
4.
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
5.
Bekanntes
Foramen
ovale
apertum
6.
Multifaktorieller Schwindel [...]
7.
Anamnestisch Migräne mit Aura
8.
Adipositas
Die Beschwerdeführerin habe den erlittenen Autounfall wohl in dem Sinne
fehl
verarbeitet
, dass sie unter Ängsten zu leiden begonnen habe, insbesondere durch die aufgetretenen körperlichen Beschwerden. Es gelinge ihr nicht mehr
,
selbständig Auto zu fahren. Diese Anpassungsstörung dauere an. Aufgrund der Dauer dieser Störung müsse mittlerweile eine depressive Entwicklung ange
nommen werden. Es sei aber von einer leichten depressiven Störung auszuge
hen, denn die objektivierbaren Befunde seien recht gering (subdepressive
Stim
mungslage
, allgemeine Verunsicherung und Gehemmtheit). Es zeigten sich auch Hinweise auf eine generalisierte Angststörung. Die Beschwerdeführerin habe grosse Mühe unter Menschen, insbesondere wenn sie in die Stadt gehe oder Lä
den aufsuche. Sie leide dann unter diffusen Beschwerden wie Übelkeit, Schwin
del und einem Gefühl, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Diese Angst
störung störe sie allerdings im Alltag nicht besonders, da sie derartigen Situati
onen kaum ausgesetzt sei. Es zeigten sich auch Hinweise auf eine leichte
Kon
trollstörung
; sie kontrolliere Türen und den Herd öfters. Subjektiv fühle sie sich vor allem durch die körperlichen Beschwerden und die schnelle Erschöpfbarkeit mit kognitiven Einschränkungen beeinträchtigt. Es könne angenommen werden, dass sich die depressive Störung gebessert habe; es sei aber noch keine Remis
sion eingetreten. Insgesamt müsse von einer ängstlich-depressiven Fehlent
wicklung ausgegangen werden, wobei das Ausmass als leicht zu bezeichnen sei. Das subjektive Ausmass der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne demnach aus psychiatrischer Sicht nicht nachvollzogen werden. Es könne zwar begründet werden, dass die Beschwerdeführerin etwas vermindert belastbar sei, doch sollte sie grundsätzlich in der Lage sein, die angestammte Arbeit im bisherigen Pen
sum zu leisten
S. 19 f.)
.
Aufgrund der depressiven Störung bei unsicherer Persönlichkeit sei allenfalls noch eine verringerte Belastbarkeit zu begründen, wodurch sich eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit von etwa 20 % - bezogen auf eine ganztägige Arbeit - begründen lasse. Es sollte der Beschwerdeführerin daher aus psychiatrischer Sicht durchaus möglich sein, die bisherige 50%ige Tätigkeit als Pflegehilfe aus
zuüben und daneben auch noch stundenweise als
Spitexangestellte
tätig zu sein. Es könne nicht nachvollzogen werden, weshalb
Dr.
F._
im Januar 2009 eine volle Arbeitsunfähigkeit angenommen habe
(S. 21)
. Auch aus neuro
logischer Sicht könne die seit dem Unfall vom 11. April 2008 geltend gemachte vollständige Arbeitsunfähigkeit sowohl aufgrund der aktuellen Untersuchungs
befunde als auch gestützt auf die übrigen Akten, namentlich die Ergebnisse der MRI-Untersuchungen der Hals- und Lendenwirbelsäule, nicht begründet wer
den. Aus neurologischer Sicht sei der Beschwerdeführerin in den angestammten Tätigkeiten als Arztgehilfin und
Spitexmitarbeiterin
eine Arbeitstätigkeit von 80 % zumutbar. Im Prinzip könne sie vollschichtig arbeiten; angesichts des leichten
Cervi
c
al
- und
Lumbove
r
tebralsyndroms
sei von einer
Leistungsminde
rung
von 20 % auszugehen
(S. 27)
. Gesamtmedizinisch sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten wie auch in einer vergleichbaren Arbeit eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein Ganztagespensum zu attestieren sei. Genaue Aussagen, ab wann diese Einschätzung Gültigkeit habe, liessen sich nicht machen. Erfahrungsgemäss sei jedoch anzunehmen, dass dies spätestens sechs Monate nach dem Unfall gewe
sen sei. Diese Einschätzung sei durch alle am Gutachten beteiligten Ärzte ge
meinsam erfolgt
(S. 30)
.
3.11
Der Leitende Arzt PD
Dr.
med.
O._
, die psychologische Assistentin
lic
. phil.
P._
und der Neuropsychologe
Dr.
phil.
Q._
vom
R._
diagnostizierten in ihrem Bericht vom 29. Oktober 2010 (Bei
lage zu Urk. 10/126) eine HWS-Distorsion und ein chronisches
zerviko-thorako-spondylogenes
Syndrom. Die neuropsychologische Untersuchung der Beschwer
deführerin habe schwere kognitive Minderleistungen ergeben in den Bereichen
Alertness
/Aufmerksamkeitsaktivierung und zum Teil im Bereich der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit. Leichte bis mittelschwere kognitive Auffällig
keiten fänden sich zudem bei der selektiven Aufmerksamkeit, dem verbal- wie auch non-verbal-episodischen Lernen und bei der verbalen und figuralen Ideenproduktion. Diese Ergebnisse seien am ehesten im Rahmen einer
Fatigue
symptomatik
zu interpretieren. Das aktuelle kognitive Leistungsprofil sei typisch für Patienten mit chronischen Schmerzen, wie sie unter anderem nach einer er
littenen HWS-Distorsion auftreten könnten.
3.12
Der
Dornt
herapeut
S._
erklärte am 27. Januar 2011, die Beschwerdeführerin sei zweimal in seiner Behandlung gewesen. Er habe diverse blockierte Halswir
bel festgestellt und in die richtige Position gebracht. Ein solcher Befund sei symptomatisch bei einem unfallbedingten Schleudertrauma. Der Gesundheits
zustand der Beschwerdeführer
in
habe sich schon stark verbessert, aber es
seien
noch etwa fünf bis sieben Behandlungen notwendig (Urk. 7).
3.13
Am 28. Januar 2011 nahmen
Dr.
L._
,
Dr.
M._
und
Dr.
N._
zum Bericht von PD
Dr.
med.
O._
,
lic
. phil.
P._
und
Dr.
Q._
vom 29. Oktober 2010 (Beilage zu Urk. 10/126) Stellung und zum von der Be
schwerdeführerin erhobenen Einwand, es bestehe im
J._
-Gutachten eine Diskrepanz betreffend Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Bezüglich der für die neuropsychologischen Befunde verantwortlich gemachten Schmerzsymptomatik lasse sich aufgrund der gesamten Datenlage kein erhebliches organisches Kor
relat nachweisen. Die den neuropsychologischen Befunden zugrunde gelegten Faktoren müssten somit als im Wesentlichen funktionell bezeichnet werden. Nicht nur für die Schmerzen finde sich kein namhaftes organisches Korrelat; auch bei der genannten
Fatigue
handle es sich um ein funktionelles Geschehen, dass sich nicht auf eine objektivierbare Grundlage zurückführen lasse. Es sei davon auszugehen, dass vor allem auch ein Schmerzverarbeitungsproblem vor
liege, was sich beispielsweise in der geltend gemachten weitgehenden Unver
träglichkeit aktiver und passiver physiotherapeutischer Massnahmen nieder
schlage. Bei einer vorwiegend funktionellen Grundlage könnten aus den neu
ropsychologischen Befunden keine verwertbaren Rückschlüsse zur Arbeitsfähig
keit gezogen werden. Derartige Tests
würden
stark von der momentanen Be
findlichkeit der jeweiligen Person und verschiedenen anderen Faktoren ab
hän
gen
, weshalb starke Schwankungen zu erwarten seien, wenn derartige Tests mehrmals durchgeführt würden. Die durchgeführten Abklärungen könnten des
halb allenfalls bei traumatischen Hirnverletzungen eine Stütze sein. Eine solche Verletzung liege jedoch hier nicht vor. Aufgrund der geringfügigen klinischen Befunde sei aus neurologischer Sicht und nach eingehender
Konsensbespre
chung
die Arbeitsunfähigkeit auf 20 % geschätzt worden, wobei auch die psy
chiatrische Einschränkung mitberücksichtigt worden sei. Die aus fachärztlicher Sicht vorhandenen Einschränkungen seien minimal; es wäre durchaus auch nachvollziehbar und gerechtfertigt, jeweils eine 10%ige Einschränkung anzuge
ben, was bei additiver Beurteilung eine gesamthafte Arbeitsunfähigkeit von 20 % ergäbe. Man halte an den im
J._
-Gutachten gemachten Einschätzun
gen fest (Urk. 15).
4.
4.
1
Die Beschwerdeführerin liess sowohl gegen den Bericht von
Dr.
I._
als auch das
J._
-Gutachten verschiedene Rügen erheben. Gegen den Bericht von
Dr.
I._
liess die Beschwerdeführerin einwenden, dass es sich da
bei nicht um ein eigentliches Gutachten handle. Dies ist zwar richtig; das Ge
genteil wurde aber auch von der Beschwerdegegnerin nicht behauptet. Auch
Dr.
I._
bezeichnete ihren Bericht nicht als Gutachten, sondern als Konsilium (vgl. Urk. 10/100). Die Beschwerdeführerin trug weiter vor, dass die Ansicht von
Dr.
I._
, wonach es sich vorliegend nicht um ein klassi
sches Distorsionstrauma gehandelt habe, unhaltbar sei (Urk. 1 S. 5). Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin selbst (vgl. Urk. 1 S. 5) ist aber ersicht
lich, dass die Einschätzung von
Dr.
I._
durchaus vertretbar erscheint. Beim Unfall vom 11. April 2008 handelte es sich eben nicht um eine „klassi
sche“
Auffahr
/Heckkollision, sondern um eine seitliche Kollision. Es ist die Aufgabe einer medizinischen Expertin
,
ihre Meinung dazu abzugeben, wie sich dieser Umstand ausgewirkt haben könnte.
4.2
4.2.1
Gegen das
J._
-Gutachten wandte die Beschwerdeführerin ein, dass das
J._
in grosser Zahl Gutachten für die Eidgenössische Invalidenversicherung erstelle, von dieser wirtschaftlich abhängig sei und deshalb der Anspruch auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 Abs. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) verletzt sei (Urk. 1 S. 6). Hinsicht
lich dieser geltend gemachten wirtschaftlichen Abhän
gigkeit ist festzuhalten, dass eine ausgedehnte Gutachtertätigkeit für die
Sozi
alversicherungsträger
nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts kei
nen Befangenheitsgrund dar
stellt. Daran hat das Bundesgericht trotz gele
gent
lich in Rechtsschriften und in der Literatur vorgebrachter Kritik, wer dem Versicherungsträger wirtschaftlich nahe stehe, könne nicht unparteiisch sein, festgehalten (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_900/2009 vom 18. März 2010, E.
5.
2.1 mit Hinweisen auf SVR 2009 UV Nr. 32 S. 111, 8C_509/2008, und SVR 2008 IV Nr. 22 S. 69, 9C_67/2007). Etwas Gegenteiliges ergibt sich auch aufgrund des Urteils des EGMR in Sachen Sara Lind
Eggerts
dóttir
gegen Island vom 5. Juli 2007 Nr. 31930/04 nicht (vgl.
hiezu
Urteil des Bun
desgerichts 9C_134/2009 vom 5. August 2009, E. 2.4 mit Hinweisen, BGE 135 V 465 E. 4.4). Der formell-rechtliche Einwand der fehlenden Unabhängig
keit des
J._
stösst auch mit Blick auf die der MEDAS rechtsprechungsgemäss zu
kommende Unabhängigkeit und Unparteilichkeit (BGE 132 V 376 E. 6.2, 123 V 175; ferner etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_127/2010 vom 7. April 2010, E. 3.2) ins Leere. Das Bundes
gericht hat in seinem Grundsatzentscheid BGE 137 V 210 erwogen, dass das MEDAS-System zwar weiterhin verfassungs- und konventionskonform sei, aber - angesichts des Ertragspotentials der Tätigkeit der MEDAS zuhanden der Inva
lidenversicherung und der damit gegebenen wirtschaftlichen Abhängigkeit - ei
nige Korrektive (insbesondere auf administrativer Ebene) notwendig seien, was
aber nichts daran ändere, dass das Vorbringen, die Abgeltung der Gutachten aus Mitteln der Invalidenversicherung führe zu einer Befangenheit der MEDAS, nicht zu hören sei (E. 3.4.2.7). Auch für eine Befangenheit der einzelnen Gut
achter fehlt es an konkreten Anhaltspunkten.
4.2.2
In inhaltlicher Hinsicht liess die Beschwerdeführerin rügen, dass die psychiatri
sche Untersuchung lediglich dreissig Minuten gedauert habe, keine
fremdanam
nestische
Auskünfte (etwa beim Ehemann der Beschwerdeführerin) eingeholt, keine Tests durchgeführt worden seien und die Einschätzung der Arbeitsfähig
keit im
J._
-Gutachten nicht überzeuge beziehungsweise widersprüchlich sei (Urk. 1 S. 6 ff.). Auch insoweit sind die vorgebrachten Rügen nicht stichhaltig. Die psychiatrische Untersuchung dauerte nach Auskunft des Gutachters etwa eine Stunde (Urk. 15 S. 2). Es kann offen bleiben, ob die Untersuchung dreissig Minuten oder eine Stunde gedauert hat. In beiden Fällen erscheint das zwar tatsächlich etwas knapp zu sein. Nach der Praxis (vgl. anstatt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_664/2009 vom 6. November 2009, E. 3 mit Hinweisen) kommt es aber für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens grund
sätzlich nicht auf die Dauer der Untersuchung an; massgebend ist in erster Li
nie, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Im
merhin muss der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie ange
messen sein. Angesichts dessen, dass vorliegend offensichtlich keine besonders schwierigen psychiatrischen Fragestellungen zu beantworten waren, erscheint die Auffassung von
Dr.
M._
, dass die Explorationsdauer ausreichend war, nachvollziehbar (vgl. Urk. 15 S. 2). Zu beachten ist
sodann
, dass im
J._
-Gutachten (gerade im psychiatrischen Teil) umfangreiche Aussagen der Be
schwerdeführerin wiedergegeben werden (vgl. Urk. 10/120 S. 14-18). Damit ist erstellt, dass der Gutachter die Beschwerdeführerin umfassend befragt und gleichzeitig untersucht hat. Das zuvor Ausgeführte gilt entsprechend für den Verzicht auf fremdanamnestische Erhebungen und auf die Durchführung von Tests (vgl. Urk. 15 S. 2); darauf durfte angesichts der Umstände verzichtet wer
den. Auch die Rüge, dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im
J._
-Gut
achten widersprüchlich sei, ist nicht fundiert. Spätestens seit dem Schreiben der
J._
-Gutachter vom 28. Januar 2011 (Urk. 15) ist klar, dass die Gutachter von einer gesamthaften Arbeitsunfähigkeit von 20 % ausgingen. Dass die attes
tierten Einschränkungen aus psychischen und neurologischen Gründen nicht additiv zu verstehen waren, ergab sich bei objektiver Betrachtung aber bereits aus dem Gutachten (vgl. Urk. 10/120 S. 30): „Gesamtmedizinisch ist somit fest
zuhalten, dass der Versicherten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit wie auch in
einer vergleichbaren Arbeit eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit be
zogen auf ein Ganztagespensum attestiert werden kann. Genaue Aussagen, ab wann diese Einschätzung Gültigkeit hat, lassen sich nicht machen. Aus der Er
fahrung ist jedoch davon auszugehen, dass
unseres Erachtens
nach spätestens 6 Monaten eine entsprechende Arbeitsfähigkeit bestanden hat. Diese Einschätzung ist durch alle involvierten Ärzte gemeinsam erfolgt.“ Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin bestand bereits damals kein Zweifel, wie hoch die Gut
achter die Arbeitsunfähigkeit insgesamt schätzten.
4.3
Aus dem Gesagten folgt, dass – entgegen den Ausführungen der
Beschwerdegeg
nerin
– kein Grund ersichtlich ist, weshalb nicht auf den Bericht von
Dr.
I._
sowie das
J._
-Gutachten abgestellt werden könnte; namentlich sind die oben in E. 1.4 wiedergegebenen, von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien erfüllt.
Der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, dass den von ihr geklagten
Gesundheits
beeinträchtigungen
im Bericht des
R._
vom 29. Oktober 2010 (Urk. 10/126) ein stärkere
r
Einfluss auf die Leistungsfähigkeit zugeschrieben werde, als dies
Dr.
I._
und die
J._
-Gutachter,
Dr.
L._
,
Dr.
M._
und
Dr.
N._
, taten. Die
J._
-Gutachter nahmen dazu – wie ausgeführt (vgl. E.
3.13
) – Stellung und konnten die unter
schiedlichen Beurteilungen beziehungsweise ihre Einschätzungen, an denen sie festhielten, nachvollziehbar erklären. Die Gutachter legten glaubhaft dar, dass nur geringfügige klinische Befunde erhoben werden konnten. Darauf hatte aus neurologischer Sicht zuvor bereits
Dr.
I._
hingewiesen (vgl. Urk. 10/100 S. 9).
5.
5.1
Wie die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2 E. 3.9) zutreffend ausführte, ergibt sich aus dem Bericht von
Dr.
I._
vom 20. November 2009 (Urk. 10/100) nachvollziehbar, dass der sogenannte medizinische Endzustand (spätestens) anlässlich der Exploration vom 28. Oktober 2009 erreicht worden war.
Dr.
I._
hielt denn auch fest, dass die Besserung seit längerer Zeit stagniere. Als Therapievorschläge nannte sie einzig eine langsam aufbauende medizinische Trainingstherapie sowie die Einnahme von antidepressiven Medikamenten. Auch im
J._
-Gutachten wurden ausser einer muskulären Aufbautherapie und einer psychiatrischen Therapie (auch medikamentös) keine weiteren Vorschläge gemacht (vgl. Urk. 10/120 S. 30). Angesichts dieser Umstände ist es nicht zu beanstanden,
dass die Beschwerdegegnerin vom Erreichen des sogenannten medizinischen Endzustandes ausging (vgl. Urk.
2
E. 3.9). Eine namhafte Besserung war durch die vorgeschlagenen Therapien nicht zu erwarten und ist im Übrigen – soweit ersichtlich – auch nicht eingetreten.
5.2
Aus den oben in E. 3.2
-13
wiedergegebenen Arztberichten ist ersichtlich, dass bei der Beschwerdeführerin nach wie vor erhebliche
Gesundheitsbeeinträchti
gungen
vorliegen und dass diese Störungen jedoch auf keinem organischen Korrelat basieren. Letzteres ist insbesondere durch die diversen bildgebenden Abklärungen belegt, die stets zu unauffälligen Befunden führten (vgl. Urk. 10/97-98).
Dr.
I._
sprach von einem normalen neurologischen Status (Urk. 10/100).
5.3
Zwischen den Parteien ist umstritten, ob zwischen den von der Beschwerdeführe
rin geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem
Unfall
ereignis
vom 11. April 2008 ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. An
gesichts der vorliegenden Gesundheitsbeschwerden (typische Beschwerden) und des Umstandes, dass (abgesehen von
Dr.
I._
) stets ein
Schleuder
trauma
der Halswirbelsäule diagnostiziert wurde, ist nach der in E. 1.2.2 wie
dergegebenen Praxis in der Regel vom Vorliegen eines natürlichen Kausalzu
sammenhangs auszugehen. Im vorliegenden Fall ist dieser Schluss jedoch ge
wissen Zweifeln ausgesetzt, nachdem
Dr.
I._
darauf hingewiesen hat, dass der Unfallmechanismus ihres Erachtens nicht „klassisch“ gewesen sei. Es habe sich um eine seitliche Kollision gehandelt. Ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule sei in einem solchen Fall zwar möglich, die geklagten Be
schwerden belegten das aber nicht mit Sicherheit (Urk. 10/100 S. 8 f.).
5.4
Die Beschwerdegegnerin erkannte zutreffend, dass aufgrund der vorhandenen Akten die Frage nach der natürlichen Kausalität nicht schlüssig, mithin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beantwortet werden kann (Urk. 2 E. 3.8). Auf weitere diesbezügliche Abklärungen durfte die Beschwerdegegnerin jedoch ver
zichten, weil – wie sogleich zu zeigen sein wird – zwischen den geklagten Be
schwerden und dem Unfallereignis vom 11. April 2008 jedenfalls kein adäqua
ter Kausalzusammenhang besteht.
6.
6
.1
Im Rapport der Stadtpolizei
T._
vom 7. Mai 2008 (Urk. 10/22) wird der Verkehrsunfall vom 11. April 2008 folgendermassen geschildert (siehe auch die in Urk. 10/22 enthaltene Fotodokumentation):
X._
fuhr mit ihrem Fahrzeug auf der
U._
von
T._
herkommend in Richtung
V._
. [Sie musste] ihr Fahrzeug in der Kolonne anhalten. In der Folge wollte sie mit dem Fahrzeug aus der Kolonne hinaus fahren und auf den linken Fahrstreifen wechseln. Dabei kollidierte sie anschliessend mit dem von hinten kommenden Fahrzeug [...].
Gestützt auf diese Sachverhaltsschilderung und insbesondere auch auf die
Fotodo
kumentation
der Stadtpolizei
T._
(Urk. 10/22) ist das Unfallereignis am ehesten den mittelschweren Unfällen zuzuordnen (vgl. auch die
unfalltech
nische
Expertise der Beschwerdegegnerin [Urk. 10/94]). Ob dabei von einem mittelschweren Unfall an der Grenze zu den leichten Unfällen auszugehen ist, was sowohl die genannte Fotodokumentation als auch die unfalltechnische Ex
pertise nahelegen, kann vorliegend offen bleiben, da die Adäquanz – wie nachfolgend aufzuzeigen ist – auch zu verneinen wäre, wenn von einem mit
telschweren Unfall im engeren Sinne auszugehen wäre.
Bei Unfällen im mittelschweren Bereich im engeren Sinne müssen praxisgemäss mindestens drei Adäquanzkriterien in einfacher Form oder aber eines in beson
ders ausgeprägter Weise erfüllt sein, damit der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen ist (vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 8C_434/2012 vom 2
1.
November 2012 E. 7.2.3 mit Hinweis auf SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100, 8C_897/2009 E. 4.5).
6
.2
Das Unfallereignis vom 11. April 2008 war weder besonders dramatisch noch besonders eindrücklich. Es handelte sich vielmehr um einen alltäglichen Ver
kehrsunfall. Die erlittenen Verletzungen waren nicht schwer oder von besonde
rer Art (vgl. E. 3.2
-13
). Es fand auch keine fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung statt. Die Behandlungen (im Wesentlichen physio- und psychotherapeutische sowie alternativmedizinische Massnahmen) überstiegen nicht das in solchen Fällen übliche Mass. Anzeichen für eine ärztliche
Fehlbe
handlung
sind nicht ersichtlich. Der Heilverlauf war nicht schwierig; es traten keine Komplikationen auf. Auch das Kriterium „erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen“ ist nicht gegeben. Gestützt auf den Bericht von
Dr.
I._
(Urk. 10/100) und das
J._
-Gutachten (Urk. 10/120 und Urk. 10/126) ist dies zu verneinen. Wesentliche Anstrengungen, sich wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren (Arbeitsversuche), hat die
Beschwerdegeg
nerin
(auch gemäss eigenen Angaben [Urk. 1 S. 9]) nicht unternommen. Bis zu einem gewissen Grad ist jedoch das Kriterium „erhebliche Beschwerden“ erfüllt. Das reicht jedoch nicht aus, um die Adäquanz zu begründen.
6.3
Daraus folgt, dass – selbst wenn natürlich-kausale Unfallfolgen vorlägen und der Unfall dem mittelschweren Bereich im engeren Sinne zuzuordnen wäre – die Adäquanz zu verneinen wäre. Somit ist die Beschwerde abzuweisen.