Decision ID: ceeeb6fb-eaeb-501b-bede-61e8faf9a023
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Filiz-Félice Aydemir Séquin, Magnihalden 7,
Postfach 14, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision (Einstellung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 8. August 2005 unter Hinweis auf zwei Verkehrsunfälle im
Jahr 2002 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Am 12. September 2005 berichtete med. pract. B._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, er habe eine schwere depressive Episode ohne
psychotische Symptome sowie ein chronisches cervico-thoraco-brachiales Syndrom
rechts bei muskulärer Dysbalance, Fehlhaltung des Rückens und mässigen nicht-
neurokomprimittierenden degenerativen Veränderungen der Hals- und Brustwirbelsäule
bei Status nach zweimaliger Distorsion der Halswirbelsäule diagnostiziert. Seit Mitte
2004 sei der Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Aufgrund der
Sprachschwierigkeiten könne keine psychotherapeutische Behandlung durchgeführt
werden. Es werde sich in den nächsten Wochen oder Monaten zeigen, inwieweit eine
Verbesserung durch eine adäquate, genug hoch dosierte medikamentöse
antidepressive Therapie möglich sei. Die Prognose sei allerdings eher schlecht (IV-
act. 13–1 ff.). Herr B._ legte einen Bericht von Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Neurologie, vom 19. Juli 2005 bei. Dieser hatte ein Cervicobrachialsyndrom bei Status
nach zweimaliger Distorsion der Halswirbelsäule sowie eine schwere Depression mit
fremdanamnestischem Hinweis auf eine mögliche Suizidalität diagnostiziert und eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Depression bzw. eine vollständige
Arbeitsfähigkeit unter Ausklammerung der Depression attestiert (IV-act. 13–6 ff.).
A.c Am 31. August 2005 berichtete Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin,
in Vertretung des Hausarztes des Versicherten (Dr. med. E._), der Versicherte habe
seit dem 11. Juni 2004 wegen Hals-Nacken- und Rückenschmerzen nicht mehr
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gearbeitet. Physiotherapie habe zu keiner Besserung geführt. Im Dezember 2004 sei es
zu einem „Übergang“ zu einer „psychischen Depression“ gekommen. Aufgrund der
ethnischen Herkunft des Versicherten, des Versuchs, „alte Unfälle zu reaktivieren“, der
langsamen Ausbreitung vermeintlich organischer Beschwerden, des fehlenden Erfolgs
der Physiotherapie, der Unfähigkeit, „gute“ Schmerzmittel von Placebo zu
unterscheiden und des Übergangs auf psychische Beschwerden ohne Ansprechen auf
Antidepressiva sei „bei unserer Erledigungsgewohnheit“ von einer sicheren
Invalidenrente auszugehen. Die Existenz der Invalidenversicherung sei das
Hauptproblem: „Nichts hilft, nichts kann helfen, nichts wird helfen“ (IV-act. 14–1 ff.).
Dr. D._ legte weitere medizinische Berichte bei, unter anderem einen am
14. Dezember 2004 von Dr. med. F._ verfassten vertrauensärztlichen Bericht.
Dr. F._ hatte im Wesentlichen ein chronisches cervico-thoraco-brachiales Syndrom
rechts mit Schmerzverarbeitungsstörung diagnostiziert und eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert, jedoch auch festgehalten, dass bei weiterem Fortschritt
der „nun langsam einsetzenden Genesung“ mit einem Wiedererlangen der
Arbeitsfähigkeit in absehbarer Zeit zu rechnen sei. Bis Ende März 2005 sei mit
Wiedererreichen einer hälftigen Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf zu rechnen (IV-
act. 14–14 ff.).
A.d Mit einer Verfügung vom 27. Januar/28. April 2006 wurde dem Versicherten eine
ganze Rente mit Wirkung ab dem 1. Mai 2005 zugesprochen (IV-act. 31 f.).
B.
B.a Im Rahmen eines von Amtes wegen eingeleiteten Verfahrens betreffend die
revisionsweise Überprüfung des Rentenanspruchs gab der Versicherte am
6. Dezember 2010 an, sein Gesundheitszustand habe sich nicht verändert (IV-act. 36).
B.b Am 20. Dezember 2010 berichtete der neue Hausarzt des Versicherten, Dr. med.
G._, der Gesundheitszustand habe sich nicht verbessert. Herr B._ habe die
Behandlung im November 2007 wegen nicht mehr zu erwartender Besserung sistiert
und eine rein medikamentöse Therapie empfohlen (IV-act. 38–1 ff.). Dr. G._ legte
einen Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik H._ vom 23. Dezember 2005
betreffend eine stationäre Behandlung vom 15. bis zum 22. Dezember 2005 bei. Die
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Ärzte hatten eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome sowie
einen Status nach zweimaliger Distorsion der Halswirbelsäule diagnostiziert (IV-act. 38–
5 ff.).
B.c Auf eine entsprechende Anfrage der IV-Stelle (vgl. IV-act. 43) hin teilte Herr B._
am 14. März 2011 mit, dass er den Versicherten am 17. Juni 2008 letztmals gesehen
habe. Dieser habe damals eine medikamentöse Umstellung wie auch eine Behandlung
in einem teilstationären Rahmen abgelehnt. Die Behandlung durch einen Psychiater,
der die Muttersprache des Versicherten spreche, könne allenfalls eine Besserung nach
sich ziehen, da ein solcher den kulturellen Hintergrund besser kenne und die
sprachlichen Probleme geringer seien, doch habe Herr B._ den Versicherten nicht
immer als sehr motiviert erlebt (IV-act. 44).
B.d Daraufhin beauftragte die IV-Stelle die Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI)
GmbH mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 49). Diese
erstattete das Gutachten am 1. November 2011. Die Gutachter diagnostizierten im
Wesentlichen ein chronisches cervicospondylogenes rechtsbetontes Schmerzsyndrom,
ein chronisches thoraco-lumbospondylogenes rechtsbetontes Schmerzsyndrom und –
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit – eine leichte depressive Episode sowie
eine Schmerzverarbeitungsstörung. Sie erachteten den Versicherten als vollständig
arbeitsfähig für körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten und
führten aus, rückwirkend habe möglicherweise seit dem Jahr 2008 keine
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht mehr bestanden (IV-act. 54–2).
B.e Auf entsprechende Nachfragen der IV-Stelle (vgl. IV-act. 55 ff.) hin führten die
Gutachter der ABI GmbH am 1. Februar 2012 ergänzend aus, es sei im Verlauf zu einer
Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes gekommen, wobei allerdings
die früheren ärztlichen Einschätzungen nicht geteilt würden; rückblickend könne keine
schwere depressive Störung bestätigt werden (IV-act. 59).
B.f Mit einem Vorbescheid vom 27. April 2012 teilte die IV-Stelle mit, dass die
Einstellung der Invalidenrente auf das Ende des der vorgesehenen Verfügung
folgenden Monats geplant sei (IV-act. 64).
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B.g Dagegen wandte der Versicherte am 28. Juni 2012 ein, sein Gesundheitszustand
habe sich nicht verbessert; er leide nach wie vor unter denselben Beschwerden wie bei
der Rentenzusprache. Er habe wiederum eine Behandlung bei Herrn B._
aufgenommen und werde nach Ende Juli zu einem anderen Psychiater wechseln, der
seine Muttersprache spreche. Entsprechende Berichte werde er zu gegebener Zeit
einreichen (IV-act. 72–4).
B.h Am 18. Juli 2012 verfügte die IV-Stelle die revisionsweise Einstellung der
Invalidenrente. Sie führte zur Begründung aus, der Gesundheitszustand habe sich seit
Mitte des Jahres 2008 erheblich verbessert. Ab diesem Zeitpunkt werde dem
Versicherten von den Sachverständigen eine volle Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten attestiert. Bezugnehmend auf die Einwände des Versicherten führte die IV-
Stelle aus, da keine neuen Akten eingereicht worden seien, bestehe kein Anlass,
anders als vorgesehen zu entscheiden (IV-act. 73).
B.i Am 13. August 2012 wandte sich die neu beauftragte Rechtsvertreterin des Ver
sicherten an die IV-Stelle. Sie machte geltend, der Versicherte sei zur stationären Be
handlung in die Psychiatrische Klinik H._ eingewiesen worden. Bevor ein
Rechtsmittel gegen die Verfügung vom 18. Juli 2012 ergriffen werde, ersuche sie die
IV-Stelle effizienzhalber darum, die Verfügung innert der laufenden Rechtsmittelfrist zu
widerrufen und weitere Abklärungen vorzunehmen (IV-act. 74).
B.j Am 20. August 2012 antwortete die IV-Stelle, dass keine Neubeurteilung
vorgesehen sei (IV-act. 75).
C.
C.a Am 11. September 2012 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
die Aufhebung der Verfügung vom 18. Juli 2012, die Weiterausrichtung der ganzen
Invalidenrente sowie eventualiter die Rückweisung zu weiteren Abklärungen
beantragen und zur Begründung im Wesentlichen ausführen, es liege keine wesentliche
Verbesserung des Gesundheitszustandes vor, welche eine Anpassung rechtfertigen
würde. Das Gutachten der ABI GmbH überzeuge nicht; gemäss dem Zwischenbericht
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der Psychiatrischen Klinik H._ vom 30. August 2012 (act. G 1.1.8) liege eine
depressive Störung mit schwergradiger Ausprägung vor (act. G 1).
C.b Am 12. Oktober 2012 liess der Beschwerdeführer einen Bericht der
Psychiatrischen Klinik H._ vom 11. Oktober 2012 nachreichen (act. G 3). Die Ärzte
hatten darin auf eine „deutliche Änderung der Diagnose“ hingewiesen, da sich in
mehreren Einzel- und Familiengesprächen eine schwere Traumatisierung in der Heimat
während des Krieges herauskristallisiert habe. Der Beschwerdeführer sei im Gefängnis
gefoltert worden und habe die Ermordung seiner Schwester miterleben müssen
(act. G 3.1).
C.c Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom
16. November 2012 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte zur Begründung im
Wesentlichen aus, der Bericht der Psychiatrischen Klinik H._ vom 11. Oktober 2012
überzeuge in mehrerlei Hinsicht nicht. Die Schilderung der Traumatisierungen während
des Krieges sei neu, ebenso wie der Wille des Beschwerdeführers, sich in
psychiatrische Behandlung zu begeben. Die Umstände der Klinikeinweisung würden
inszeniert wirken und substanzielle Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Schilderungen
des Beschwerdeführers wecken. Es sei gesamthaft auf das Gutachten der ABI GmbH
abzustellen und die Einstellung der Rente zu bestätigen, allenfalls mit der
substituierenden Begründung der Wiedererwägung (act. G 7).
C.d Am 28. November 2012 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt (act. G 8).
C.e In der Replik vom 14. Januar 2013 liess der Beschwerdeführer an den Anträgen
festhalten und den Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik H._ vom 20. Dezember
2012 einreichen (act. G 10). Die Ärzte hatten in besagtem Bericht eine rezidivierende
depressive Störung mit schwerer Episode ohne psychotische Symptome sowie eine
posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Die stationäre Behandlung hatte
vom 2. August bis zum 31. Oktober 2012 gedauert (act. G 10.1.1).
C.f Die Beschwerdegegnerin liess mit Duplik vom 21. Februar 2013 ebenfalls an
ihrem Antrag festhalten und ein Protokoll einer anonymen Aussage eines ehemaligen
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Nachbars des Beschwerdeführers vom 11. Januar 2013 einreichen (act. G 12 und
G 12.1).
C.g Am 3. April 2013 liess der Beschwerdeführer Stellung zum Protokoll vom
11. Januar 2013 nehmen (act. G 14).

Erwägungen:
1.
1.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird gemäss
Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG; SR 830.1) eine formell rechtskräftig zugesprochene Rente für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Entscheidend ist, ob sich der
massgebende Sachverhalt (vgl. Art. 17 Abs. 2 ATSG) nach Erlass der rentenzu
sprechenden Verfügung so verändert hat, dass damit auch eine Änderung des Renten
anspruchs einher geht. Eine Anpassung setzt also zwingend eine Entwicklung des tat
sächlichen Sachverhalts nach Erlass der rentenzusprechenden Verfügung voraus, die
von der prognostizierten Entwicklung abweicht. Es ist mit anderen Worten ein Vergleich
zwischen der der rentenzusprechenden Verfügung zugrunde liegenden Sachverhalts
prognose und der zwischenzeitlichen tatsächlichen Sachverhaltsentwicklung durchzu
führen. Hat sich der Sachverhalt anders entwickelt als in der Verfügung prognostiziert,
ist diese für die Zukunft entsprechend anzupassen. Stimmen dagegen die
Sachverhaltsentwicklung und die Prognose überein, ist eine Revision unzulässig, auch
wenn der der Verfügung zugrunde liegende Sachverhalt im Revisionszeitpunkt anders
beurteilt würde.
1.2 Vorliegend ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht davon
ausgegangen ist, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich nach der
Rentenzusprache so verbessert, dass sich der Invaliditätsgrad von 100 Prozent auf null
Prozent vermindert habe. Im Zeitpunkt der Rentenzusprache haben der
Beschwerdegegnerin diverse medizinische Berichte vorgelegen. Der behandelnde
Psychiater, Herr B._, hatte in seinem Bericht vom 12. September 2005 eine
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schwergradige depressive Störung mit ungünstiger Prognose diagnostiziert und bis auf
weiteres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten attestiert. Auch
Dr. C._, der allerdings Neurologe ist, hatte in seinem Bericht vom 19. Juli 2005 dafür
gehalten, dass der Beschwerdeführer aufgrund der depressiven Störung wohl bis auf
weiteres nicht arbeitsfähig sei. Dr. F._, der Vertrauensarzt der
Krankentaggeldversicherung, hatte in seinem Bericht vom 14. Dezember 2004
ebenfalls eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, war aber noch davon
ausgegangen, der Genesungsprozess setze langsam ein, weshalb bis März 2005 eine
hälftige Arbeitsfähigkeit vorliegen sollte. Dem Bericht des Hausarzt-Stellvertreters
Dr. D._ vom 31. August 2005 lässt sich abgesehen von einer generellen Kritik am
Sozialversicherungssystem nichts Substantielles entnehmen. Schliesslich hatten auch
die Ärzte der Psychiatrischen Klinik H._ in ihrem Bericht vom 23. Dezember 2005
eine schwergradige depressive Störung diagnostiziert und eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die Gutachter der ABI GmbH haben diese Einschätzungen
retrospektiv zwar in Frage gestellt, indem sie sich auf den Standpunkt gestellt haben,
eine mehr als mittelgradig ausgeprägte depressive Störung habe nicht vorgelegen.
Diese retrospektive Neubeurteilung der echtzeitlichen Berichte der behandelnden und
vertrauensärztlich untersuchenden Fachärzte ist allerdings nicht plausibel. Es handelt
sich dabei um eine blosse Vermutung der Sachverständigen, die sie gestützt auf
formale Kriterien getroffen haben. Ohnehin ist aber entscheidend, dass der
leistungszusprechenden Verfügung die Prognose zugrunde liegt, der Beschwerdeführer
werde auf unbestimmte Zeit aufgrund einer schwergradigen depressiven Störung zu
100 Prozent arbeitsunfähig bleiben. Die tatsächliche Sachverhaltsentwicklung ist mit
dieser Prognose zu vergleichen.
1.3
1.3.1 Bezüglich des aktuellen Sachverhalts liegen divergierende Angaben im
Recht. Die Gutachter der ABI GmbH haben ausgeführt, beim Beschwerdeführer liege
lediglich noch eine leichtgradige depressive Störung vor, welche die Arbeitsfähigkeit
nicht beeinträchtige. Die behandelnden Ärzte der Psychiatrischen Klinik H._ haben
dagegen eine schwergradige depressive Störung sowie neu eine posttraumatische
Belastungsstörung diagnostiziert. Der Beschwerdeführer hat sodann geltend gemacht,
sich wieder bei Herrn B._ in Behandlung begeben zu haben. Gemäss den Angaben
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des Beschwerdeführers und der Ärzte der Psychiatrischen Klinik H._ soll eine
ambulante Behandlung durch einen Psychiater, der die Muttersprache des
Beschwerdeführers spricht, in die Wege geleitet worden sein. Weder von diesem
Psychiater noch von Herrn B._ liegen allerdings aktuelle Berichte vor. Es stellt sich
deshalb die Frage, ob entweder auf die einen oder die anderen Berichte abzustellen
und die Rente dementsprechend einzustellen oder weiterhin auszurichten ist, oder ob
sich weitere Abklärungen als notwendig erweisen.
1.3.2 Gegenüber dem Psychiater der ABI GmbH hat der Beschwerdeführer
ausgeführt, er leide an Schmerzen und nehme regelmässig diverse Medikamente ein.
Die Behandlung bei Herrn B._ sei vor allem aufgrund von sprachlichen
Verständigungsschwierigkeiten abgeschlossen worden. Der Appetit sei gut. Er schlafe
aber schlecht. Manchmal erwache er wegen der Schmerzen, manchmal aber auch
wegen „Träumen mit Angst“. Er fahre noch selber Auto, aber nur kurze Strecken. Er
gehe zwei- bis dreimal täglich mit seiner Ehefrau spazieren und begleite diese auch zu
den Einkäufen. Zu Hause müsse er sich hinlegen. Bei kleineren Haushaltsarbeiten leiste
er seiner Ehefrau Hilfe. Unter Leuten werde er nervös, weshalb er nicht mehr viele
Kontakte pflege. Manchmal gehe er in ein türkisches Café. In der Heimat sei er
letztmals diesen Sommer gewesen. Der Schwager sei am Steuer des Autos gesessen.
Alle zwei Stunden hätten sie eine Pause eingelegt. Er würde sich gerne zu einem
türkisch sprechenden Psychiater in Behandlung geben. Er sei in der Türkei
aufgewachsen. Seine Mutter lebe noch dort. Der Vater sei infolge eines Herzinfarktes
gestorben. In der Türkei sei er aus politischen Gründen auch einmal drei bis vier Tage
inhaftiert und auch geschlagen worden. Der ältere Bruder sei länger im Gefängnis
gewesen und auch ein weiterer Bruder sei im Gefängnis gewesen. Er sei aus
politischen Gründen in die Schweiz eingereist. Der Psychiater führte aus, der
Beschwerdeführer habe das Untersuchungszimmer mit wenig auffälligem Gang
betreten. Nach dem Gespräch sei sein Gang deutlich verlangsamt gewesen. Während
des Gesprächs habe er keine Zeichen einer Beschwerdewahrnehmung gezeigt. Er
habe still, in sich gekehrt und traurig, aber nicht müde gewirkt. Der affektive Kontakt
habe hergestellt werden können. Die Stimmung sei depressiv gewesen. Hinweise auf
Suizidalität hätten nicht bestanden. Es habe keine deutlich ausgeprägte Zirkadianität
mit Morgentiefs vorgelegen. Ängste mit vegetativen Symptomen und Zwängen oder
Störungen der Vigilanz seien nicht vorhanden gewesen. Der Beschwerdeführer sei
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bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen. Es hätten keine Beeinträchtigungen
der Aufmerksamkeit, der Auffassung oder des Gedächtnisses vorgelegen. Das Denken
sei formal geordnet gewesen. Inhaltlich seien keine Wahnideen, Halluzinationen und
Ich-Störungen aufgefallen. Die Beziehungsfähigkeit sei nicht gestört gewesen.
Hinweise auf eine verminderte Affektsteuerung oder Impulskontrollstörung hätten nicht
bestanden. Der Antrieb sei eher herabgesetzt, die Intentionalität und die
Selbstwertregulation allerdings erhalten gewesen. Es hätten sich keine Auffälligkeiten
der Abwehrmechanismen gezeigt. Der Psychiater gelangte deshalb zum Schluss, dass
eine leichte depressive Episode zu diagnostizieren sei. Er verneinte das Vorliegen einer
somatoformen Schmerzstörung und führte zur Begründung aus, deutlich schwere
psychosoziale oder emotionale Belastungsfaktoren fehlten. Angesichts der
festgestellten depressiven Verstimmungen, der erhöhten Ermüdbarkeit und der
Schlafstörungen sei von einer bloss leichten depressiven Störung auszugehen. Diese
wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit nicht aus. Insbesondere fehlten deutliche
Konzentrationsstörungen, eine Suizidalität, ein schwer ausgeprägter sozialer Rückzug
und auffällige Persönlichkeitszüge (IV-act. 54–9 ff.). Demgegenüber attestierten die
behandelnden Ärzte der Psychiatrischen Klinik H._ in ihrem Bericht vom
20. Dezember 2012 (act. G 10.1) betreffend die stationäre Behandlung vom 2. August
bis zum 31. Oktober 2012 eine schwere depressive Episode sowie eine
posttraumatische Belastungsstörung. Sie führten aus, der Beschwerdeführer habe sich
freiwillig in die Behandlung begeben. Er habe angegeben, sich in den letzten Monaten
verstärkt antriebs-, motivations- und hoffnungslos gefühlt zu haben. Er sei nachts
immer wieder aufgewacht und habe bemerkt, dass ihm schnell alles zu viel werde. Er
habe oft den Gedanken gehabt, nicht mehr leben zu wollen. Konkrete Pläne für einen
Suizidversuch habe es aber nicht gegeben. Weiter habe er angegeben, er und seine
Familie seien während des Krieges in der Heimat schwer traumatisiert worden. Ein
Bruder sei mehrere Jahre im Gefängnis gewesen. Ein anderer Bruder sei für etwa drei
Jahre im Gefängnis gewesen. Er selber sei über mehrere Monate im Gefängnis gefoltert
worden. Man habe ihn an den Händen gefesselt und nackt in der Zelle geschlagen.
Manchmal sei er mit einem Schlauch und kaltem Wasser gefoltert worden. Die Hände
und die Unterschenkel seien am meisten geschlagen worden, bis diese angeschwollen
seien. Zudem habe er vor der Wohnung seiner Eltern die Ermordung seiner Schwester
miterleben müssen. Auch die Ankunft in der Schweiz sei traumatisierend gewesen. Er
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sei mit etwa 60 Personen zusammen für drei Monate in einer Halle ohne Fenster im
Keller gewesen, weshalb er für zwölf Tage in den Hungerstreik getreten sei. Danach sei
er mit 160 Personen in ein Militärcamp geschickt worden. Dort seien allen
Asylbewerbern Spaziergänge im Dorf verboten worden. Er und die anderen
Asylbewerber seien ständig mit Waffen bewacht worden. Die Ärzte stellten sich auf den
Standpunkt, die beiden Autounfälle hätten zu Retraumatisierungen geführt. Die
traumatischen Ereignisse würden sich immer wieder in Träumen widerspiegeln, was zu
schweren Schlafstörungen geführt habe. Der Beschwerdeführer träume oft, dass er
sich in einer hilflosen Position befinde. Während des Aufenthaltes seien neben den Ein-
und Durchschlafstörungen eine erhöhte Schreckhaftigkeit, Konzentrationsschwierig
keiten und eine starke innere Unruhe beobachtet worden. Bei den ersten Gesprächen
über die traumatischen Erlebnisse oder über die Alpträume sei eine Verschlechterung
des Allgemeinzustandes mit vermehrten Schlafstörungen und einer Zunahme der flash
backs beobachtet worden. In den Gesprächen hätten auch deutliche
Erinnerungslücken beobachtet werden können. Zudem seien intensive Gefühle von
Ärger und Wut im Gesprächsverlauf aufgetreten. Im Verlauf des Aufenthaltes sei die
depressive Symptomatik etwas zurückgegangen. Es sei dann eine kognitive
Leistungsprüfung durchgeführt worden, welche deutliche Defizite im exekutiven
Bereich und der mentalen Flexibilität sowie beim Erfassen von Zusammenhängen
ergeben habe. Es seien zudem mittelgradige Defizite im Erkennen und Anwenden von
Konzepten objektivierbar gewesen. Weitere deutliche Defizite seien auch in der
visuellen räumlichen Merkspanne feststellbar gewesen, während das visuelle räumliche
Langzeitgedächtnis knapp im Erwartungsbereich gelegen habe. Bezüglich der
Aufmerksamkeitsleistungen hätten sich stark reduzierte Leistungen gezeigt. Zum
Zeitpunkt des Austritts sei der Beschwerdeführer wach und allseits orientiert gewesen.
Die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis seien beeinträchtigt gewesen. Im formalen
Denken sei der Beschwerdeführer noch grüblerisch und leicht verlangsamt gewesen.
Es hätten sich keine Hinweise auf Zwänge, wahnhafte Inhalte oder Sinnestäuschungen
gezeigt. Im Rahmen von flash backs seien gemäss den Angaben des
Beschwerdeführers selten Ich-Störungen in Form von Derealisation und
Depersonalisation aufgetreten. Im Affekt sei er noch leicht innerlich unruhig, affektarm
und ängstlich gewesen. Der Antrieb sei leicht vermindert gewesen. Es seien noch
deutliche Existenz- und Zukunftsängste vorhanden gewesen. Der Austrittsbericht der
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Psychiatrischen Klinik H._ enthält nicht nur vom Gutachten der ABI GmbH
abweichende Schlussfolgerungen. Die darin wiedergegebenen Angaben des
Beschwerdeführers weichen auch erheblich von seinen Angaben gegenüber den
Gutachtern der ABI GmbH ab. Die beiden medizinischen Berichte unterscheiden sich
also nicht nur hinsichtlich ihrer Beurteilung; sie beruhen vielmehr auf völlig
unterschiedlichen Angaben des Beschwerdeführers. Es stellt sich daher in erster Linie
die Frage, ob die Widersprüche zwischen den verschiedenen Angaben aufgelöst
werden können oder ob allenfalls auf die einen oder die anderen Angaben abzustellen
ist und falls ja, welche als überwiegend wahrscheinlich zutreffend zu qualifizieren sind.
1.3.3 Die wiedergegebenen Ausführungen des Beschwerdeführers zu den an
geblichen Traumatisierungen im Heimatland und bei der Ankunft in der Schweiz (offen
bar im Jahr 1988; vgl. IV-act. 1–3) erstaunen. Wenn es tatsächlich zu solchen erheb
lichen Traumatisierungen gekommen ist, ist nicht nachvollziehbar, weshalb diese
weder im Rahmen der ersten stationären Behandlung im Jahr 2005 (in derselben Klinik)
noch im Rahmen der mehrere Jahre dauernden ambulanten Behandlung durch Herrn
B._ erwähnt bzw. „entdeckt“ worden sind. Wenn der Beschwerdeführer tatsächlich
solche Traumatisierungen hätte erleiden müssen und diese durch die beiden (leichten)
Autounfälle reaktiviert worden wären, hätte dies eine wesentliche Rolle bei der an
schliessenden stationären und ambulanten Behandlung spielen müssen. Die damit ver
bundene Störung wäre nicht so lange „unentdeckt“ geblieben und dann im Rahmen
einer neuerlichen Behandlung plötzlich „entdeckt“ worden. Ein derartiger Verlauf wäre
völlig atypisch, zumal keinerlei Hinweise für eine erneute Retraumatisierung ersichtlich
sind. Die Angaben des Beschwerdeführers widersprechen sich denn auch deutlich.
Gegenüber Dr. C._, Herrn B._ und den Sachverständigen der ABI GmbH hat er
angegeben, eine Schwester habe sich selbst umgebracht, in der Psychiatrischen Klinik
H._ dagegen, er habe zusehen müssen, wie seine Schwester ermordet worden sei.
Dieser Widerspruch lässt sich nicht mit Erinnerungsstörungen oder Wahrnehmungs
verzerrungen erklären. Die beiden Sachverhaltsvarianten weichen so stark voneinander
ab, dass nur eine der beiden Varianten zutreffend sein kann; anders kann der Wider
spruch nicht erklärt werden. Dasselbe gilt sinngemäss auch in Bezug auf die
angebliche Inhaftierung des Beschwerdeführers in seinem Heimatland. Davon ist
erstmals im Rahmen der Begutachtung durch die ABI GmbH die Rede gewesen. Dort
hat der Beschwerdeführer angegeben, er sei drei bis vier Tage inhaftiert gewesen. Laut
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seinen neusten Angaben soll er mehrere Monate inhaftiert und in erheblicher Weise
gefoltert worden sein. Auch diese beiden Angaben sind widersprüchlich. Nur eine der
beiden Schilderungen kann zutreffend sein. Es ist deshalb danach zu fragen, welche
der beiden Varianten wahrscheinlicher ist. Angesichts der oben angeführten Zweifel an
den Angaben des Beschwerdeführers gegenüber den Ärzten der Psychiatrischen Klinik
H._ erscheinen die Angaben gegenüber den Sachverständigen der ABI GmbH
wahrscheinlicher. Genährt werden diese Zweifel nämlich auch durch die wenig
wahrscheinlich scheinenden Angaben zur Ankunft in der Schweiz. Es mag sein, dass
der Beschwerdeführer zunächst in einer Zivilschutzanlage untergebracht worden ist,
die sich unter einem Haus befunden und über keine Fenster verfügt hat. Die Mehrheit
der Schweizer Soldaten hat aber ebenfalls schon längere Zeit in einer solchen Anlage
verbracht, ohne nennenswerte Schäden davongetragen zu haben. Diesbezüglich
scheinen die Angaben des Beschwerdeführers wiederum dramatisierend. Dass er
sodann gewissermassen in einer Art Ghetto verbracht und von bewaffneten Soldaten
oder Polizisten bewacht worden sein soll, ist gänzlich unglaubwürdig. Ein derartiges
Vorgehen wäre als Menschenrechtsverletzung zu qualifizieren und hätte sicherlich für
grosses Aufsehen in der Schweiz gesorgt. Im Übrigen ist auch nicht nachvollziehbar,
weshalb sich der Zustand des Beschwerdeführers in den Monaten vor dem Eintritt in
die Psychiatrische Klinik H._ hätte verschlechtern sollen. Diese Aussage wirkt im
Kontext der übrigen Angaben des Beschwerdeführers unglaubwürdig. Sie lässt sich mit
den geltend gemachten Traumatisierungen und dem zu erwartenden Verlauf einer
daraus folgenden psychiatrischen Erkrankung nicht in Einklang bringen. Insgesamt
überzeugen die Angaben des Beschwerdeführers gegenüber den Ärzten der Klinik
H._ nicht. Die Ärzte der Psychiatrischen Klinik H._ haben allerdings darauf
abgestellt und ihre Schlussfolgerungen zu wesentlichen Teilen auf diese Angaben
gestützt. Aufgrund ihres Behandlungsauftrages hatten sie wohl auch keinen Anlass, die
Aussagen des Beschwerdeführers anzuzweifeln. Offenbar lagen ihnen die älteren Akten
und insbesondere das Gutachten der ABI GmbH nicht vor. Die Schlussfolgerungen
wären wohl plausibel, wenn auf die Angaben des Beschwerdeführers abgestellt würde.
Aufgrund der erheblichen Zweifel an der Zuverlässigkeit der Angaben des
Beschwerdeführers gegenüber den Ärzten der Psychiatrischen Klinik H._ kann
allerdings nicht darauf abgestellt werden. Diese Sachverhaltsvariante erweist sich mit
anderen Worten als wesentlich unwahrscheinlicher als diejenige gemäss den Angaben
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des Beschwerdeführers gegenüber den Sachverständigen der ABI GmbH. Die
wahrscheinlichere von zwei Sachverhaltsvarianten ist die überwiegend wahrscheinliche
Variante (vgl. BGE 111 V 370 E. 2b S. 374). Dementsprechend ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Angaben des Beschwerdeführers
gegenüber den Sachverständigen der ABI GmbH zutreffend sind. Der
Beschwerdeführer hatte die ambulante Behandlung bei Herrn B._ nur mit mässiger
Motivation in Anspruch genommen (vgl. IV-act. 44). Obwohl seit mittlerweile
mindestens sechs Jahren feststeht, dass eine Behandlung durch einen türkisch
sprechenden Psychiater am meisten Hoffnung auf Besserung verspricht, fehlt nach wie
vor jeglicher Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer versucht hätte, einen solchen
Psychotherapeuten zu finden, der bereit gewesen wäre, ihn zu behandeln. Ent
sprechende Berichte, deren Einreichung er im Rahmen seines Einwandes vom 28. Juni
2012 in Aussicht gestellt hat, liegen nach wie vor nicht im Recht. Damit kontrastiert der
Umstand, dass er sich zwei Wochen nach Erhalt der angefochtenen Verfügung in
stationäre Behandlung begeben hat. Abgesehen von der Angst, die bisherigen Renten
leistungen definitiv zu verlieren, ist jedenfalls kein Anlass für die Aufnahme einer
stationären Behandlung ersichtlich. Auf den Bericht der Psychiatrischen Klinik H._
kann aus diesen Gründen nicht abgestellt werden. Die Weiterausrichtung der
bisherigen Rente gestützt auf diesen Bericht rechtfertigt sich mit anderen Worten nicht.
Insgesamt erscheinen die Ausführungen der Sachverständigen der ABI GmbH am
überzeugendsten, weshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer relevanten
Verbesserung des Gesundheitszustandes auszugehen ist.
2.
2.1 Gestützt auf das Gutachten der ABI GmbH ist deshalb der Invaliditätsgrad für die
Zukunft neu zu bemessen. Laut dem Gutachten besteht eine zeitlich und
leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit wie
für jede andere körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit. Der
Beschwerdeführer ist deshalb in der Lage, ein Einkommen in der Höhe seines Validen
einkommens (also des Einkommens, das er ohne jegliche Gesundheitsbeeinträchtigung
erzielen könnte) zu erzielen. Dies schliesst die Annahme eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades ohne Weiteres aus, weshalb die Beschwerdegegnerin die Rente zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
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St.Galler Gerichte
Recht mit Wirkung auf den 31. August 2012 eingestellt hat. Die Beschwerde ist dem
nach abzuweisen.
2.2 Die Kosten für dieses Verfahren, die auf 600 Franken festzusetzen sind, hätte an
sich der Beschwerdeführer zu bezahlen. Da ihm aber die unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt worden ist, ist er von der Bezahlung der Kosten zu befreien. Der Staat hat so
dann für die Kosten der Rechtsvertretung aufzukommen. Ausgehend von einem praxis
gemässen Pauschalhonorar von 3’500 Franken, das gemäss Art. 31 Abs. 3 des
St. Galler Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) um einen Fünftel zu kürzen ist, ist die Ent
schädigung auf 2’800 Franken festzusetzen. Wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse
des Beschwerdeführers gestatten, kann er gemäss Art. 99 Abs. 2 des St. Galler Ver
waltungsrechtspflegegesetzes (sGS 951.1) in Verbindung mit Art. 123 der Schweizer
Zivilprozessordnung (SR 272) zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rück
erstattung der Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung verpflichtet
werden.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP