Decision ID: 3f38e1c5-0f98-5f91-a9c9-1d2352a69d3b
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli, advokatur am brühl,
Scheffelstrasse 2, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Mit Schreiben vom 4. Juni 2004 gelangte Dr. med. A._, Arzt für Innere Medizin,
an die IV-Stelle des Kantons St. Gallen. Bei C._ sei seiner Ansicht nach eine
Teilberentung nicht mehr zu umgehen, weshalb er um Zusendung des entsprechenden
Formulars bitte (act. G 4.1.1). Die Versicherte reichte das Anmeldeformular zum Bezug
von IV-Leistungen am 23. März 2005 ein und beantragte eine Rente (act. G 4.1.11). Im
Arztbericht vom 11. Mai 2005 stellte Dr. A._, unter Beilage diverser anderer
Arztberichte, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 1. ein
chronisches cervico-thoraco-brachiales Syndrom rechts mit zunehmender
Halbseitensymptomatik rechts bei St. n. Sturz 9/2000 sowie rezidivierenden Stürzen in
der Folgezeit, muskulären Dysbalancen und subligamentärer Discushernie C6/7 medi-
lateral rechts (MRI 2/2003) sowie 2. eine schwere Depression mit multiplen
funktionellen Störungen. Die Versicherte sei seit September 2000 arbeitsunfähig (act. G
4.1.21-3). Unter den beigelegten Arztberichten befand sich auch derjenige von Dr.
med. B._, Innere Medizin/Rheumatologie FMH, vom 4. November 2004, worin dieser
der Versicherten für die Tätigkeit als Hausfrau eine 100%ige, für eine leichte
ausserhäusliche Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestierte (act. G 4.1.21-10).
A.b Am 25. November 2005 fand eine Abklärung betreffend die Einschränkungen der
Versicherten im Haushalt statt. Im "Abklärungsbericht Haushalt" vom 25. November
2005 ermittelte die Abklärungsperson gestützt auf die Angaben der Versicherten und
unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht eine Einschränkung von 41% im
Haushalt, wobei diese Einschränkung medizinisch nicht begründet sei (act. G
4.1.25-10).
A.c Am 17. Mai 2006 wurde die Versicherte im ABI (Aerztliches Begutachtungsinstitut
GmbH, Basel) internistisch, psychiatrisch und rheumatologisch untersucht und
begutachtet. Im Gutachten vom 3. Juli 2006 wurden keine Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden
diagnostiziert: 1. eine Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0); 2. ein chronisches
unspezifisches, multilokuläres Schmerzsyndrom (ICD-10: R52.9) mit/bei
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Wirbelsäulenfehlhaltung/Fehlform (leichte LWS-Hyperlordose, s-förmige Skoliose),
deutlicher muskulärer Dekonditionierung mit Abschwächung der abdominellen und
Rücken stabilisierenden Muskelgruppen, radiomorphologisch subligamentärer
Discushernie C6/7 rechtsbetont (MRT HWS 5/03), klinisch keinen Hinweisen für ein
cervicales oder lumbales sensibles oder motorisches Ausfallsyndrom,
Halbseitensymptomatik rechts, somatisch nicht erklärbar sowie Verdacht auf
ausgeprägte psychosoziale Überlagerung und 3. ein beginnendes metabolisches
Syndrom mit/bei arterieller Hypertonie (ICD-10: I10), Adipositas (ICD-10: E66.0) und
Dyslipidämie (ICD-10: E78.2). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hauswartin
bestehe eine voll zumutbare Arbeitsfähigkeit im Rahmen der vertraglichen Abmachung
von zwei bis drei Stunden pro Woche. Es könnten der Versicherten sämtliche
körperlich leichten, wechselbelastenden beruflichen Tätigkeiten voll zugemutet werden,
sofern nicht repetitiv Lasten über 10 kg gehoben oder getragen werden müssten oder
sie über längere Zeit eine fixierte Arbeitsposition einnehmen müsse. Ebenso seien
stereotype oder fliessbandähnliche Bewegungen zu vermeiden. Einzig körperlich
schwerbelastende Tätigkeiten seien aufgrund der muskulären Dysbalance nicht
zumutbar. Im Haushalt bestehe eine voll zumutbare Arbeitsfähigkeit. Neben der
Haushalttätigkeit sei ihr auch die ausserhäusliche berufliche Tätigkeit als Hauswartin
während zwei bis drei Stunden pro Woche voll zuzumuten (act. G 4.1.38-14 f.).
A.d Mit Vorbescheid vom 6. Februar 2007 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass sie bei einem Invaliditätsgrad von 0% keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente habe (act. G 4.1.42). Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli, am 30. April 2007 Einwand (act. G 4.1.50).
B.
Mit Verfügung vom 22. Mai 2007 wies die IV-Stelle das Begehren der Versicherten um
eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 0% ab (act. G 4.1.52).
C.
C.a Mit Eingabe vom 22. Juni 2007 erhebt der Vertreter der Versicherten Beschwerde
und beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der
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Beschwerdeführerin seien die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine
Invalidenrente, zuzusprechen. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, das
ABI-Gutachten sei sowohl aus formellen als auch aus materiellen Gründen nicht
beweistauglich. Die Auffassung der ABI-Gutachter, wonach bei einer lediglich leichten
depressiven Komponente eine Somatisierungsstörung keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit mehr haben könne, entspreche zudem nicht der Rechtsprechung (act.
G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 31. August 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, es sei
auf das ABI-Gutachten abzustellen. Die Beschwerdeführerin sei sowohl im Haushalt
wie auch in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit voll arbeitsfähig (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 7. November 2007 hält der Vertreter der Beschwerdeführerin an
seinem Antrag fest. Er macht im Wesentlichen geltend, gemäss Schreiben von Dr.
A._ vom 21. Oktober 2007 (act. G 10.1) sei die Beschwerdeführerin von
verschiedenen Ärztinnen und Ärzten psychiatrisch behandelt worden. Neu
hinzugekommen sei der Bericht von Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, vom 4. Juli 2007 (act. G 10.3), welcher eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischen Symptomen sowie den Verdacht auf eine generalisierte Angststörung bei
vorbestehender ängstlich-histrionischer Persönlichkeit diagnostiziere. Von einer
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin könne im gegenwärtigen Zustand keine Rede
sein (act. G 10).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
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der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anwendbar.
2.
2.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt aArt. 28 Abs. 2 IVG: Es ist darauf abzustellen, in welchem
Mass die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche
Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische
Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
Die Bestimmung von aArt. 28 Abs. 2 IVG regelt die so genannte gemischte Methode
der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil im
Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen "gemischten" Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.
Ist bei einer Person, die nur zum Teil erwerbstätig ist, anzunehmen, dass sie im
Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden vollzeitlich
erwerbstätig wäre, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den
Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 IVV).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
bis
ter
bis
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besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Diese
Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen
Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Führen die im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden
Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger,
objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 400 E. 4.1) zur
Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei überwiegend wahrscheinlich (BGE 126 V
360 E. 5b mit Hinweisen) und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem
feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegen im Verzicht auf die Abnahme
weiterer Beweise weder eine Verletzung der Untersuchungsmaxime noch eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 E. 4b mit
Hinweisen).
2.4 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dies bedeutet nicht, dass Parteigutachten durch
den Umstand allein, dass sie von einer Partei eingeholt und in das Verfahren
eingebracht wurden, ohne weiteres minder beweiskräftig sind. Denn auch sie können
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nützliche Äusserungen zum medizinischen Sachverhalt enthalten. Daraus folgt
wiederum nicht, dass sie den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder vom
Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten
besitzen. Relevant werden sie nur, wenn ihre Aussagen die Auffassungen und
Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachtens in rechtserheblichen Fragen
derart zu erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen wäre (BGE 125 V 351 E. 3c).
Was Berichte von Hausärzten angeht, so darf diesen nicht zum Vorneherein jede
Glaubwürdigkeit abgesprochen werden. Indes muss die Erfahrungstatsache
mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember
2005, 4P.254/2005, E. 4.2).
2.5 Für die Invaliditätsbemessung im Haushalt stellt der nach Massgabe der
Verwaltungsweisungen des BSV (Rz 3084 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Stand 1. Januar 2008) eingeholte
Abklärungsbericht im Haushalt eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage
dar. Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer
versicherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von
Arztberichten – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der
Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und
räumlichen Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich
ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der
versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der
Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel,
begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein
und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft
dies alles zu, ist der Abklärungsbericht beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2). Sofern
der Abklärungsbericht im Sinne der vorstehend genannten Rechtsprechung eine
zuverlässige Entscheidungsgrundlage darstellt, greift das Gericht in das Ermessen der
Abklärungsperson nur ein, wenn – etwa im Lichte der ärztlichen Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeit im Haushalt – klar feststellbare Fehleinschätzungen oder
Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsergebnisse (z.B. infolge von
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Widersprüchlichkeiten) vorliegen (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 mit Hinweis; Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Oktober 2007, I 246/05, E. 5.2.1 mit Hinweisen).
3.
Von den Parteien unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu
10% erwerbstätig und zu 90% im Haushalt tätig wäre. Aus den Akten ergibt sich nichts
Gegenteiliges. Die Ermittlung des Invaliditätsgrades hat somit nach der gemischten
Methode zu erfolgen. Nachfolgend sind daher die Auswirkungen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung auf den Erwerbs- und Aufgabenbereich zu ermitteln.
4.
Die Beschwerdegegnerin stützt die ablehnende Rentenverfügung in erster Linie auf das
ABI-Gutachten vom 3. Juli 2006 (act. G 4.1.38).
4.1 Der Vertreter der Beschwerdeführerin rügt das ABI-Gutachten zunächst in
formeller Hinsicht.
4.1.1 Er macht geltend, mit Dr. med. E._, Gesamtleiter des ABI, habe ein Arzt
mitgewirkt, gegen den im Zusammenhang mit der Erstellung solcher Gutachten ein
Strafverfahren hängig sei. Zwar gelte diesbezüglich die Unschuldsvermutung, doch sei
die Tatsache, dass er in das Arbeitsergebnis anderer Teilgutachter eingegriffen habe,
Grund genug, auch dem vorliegenden Gutachten zumindest den Anschein von
Fehlerhaftigkeit beizumessen, womit es aus formeller Sicht nicht verwertbar sei. Dr.
E._ habe das Gutachten visiert, was nichts anderes bedeute, als dass er sich eine
Intervention vorbehalten habe. Die beiden Teilgutachter, die das inhaltliche Ergebnis
bestimmt hätten, hätten das Gutachten nicht unterzeichnet. Es bestehe somit keinerlei
Gewähr für die Integrität des schliesslich versandten Dokuments.
4.1.2 Was das Strafverfahren gegen Dr. E._ sowie die Medienberichterstattung über
das ABI anbelangt, so hat das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mehrfach
entschieden, dass diese Vorwürfe nicht zum Anlass genommen werden dürfen, alle
Gutachten des ABI pauschal als unglaubwürdig zu qualifizieren. Zu einer
strafrechtlichen Verurteilung des Geschäftsführers des ABI ist es bisher nicht
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gekommen. Die Beschwerdegegnerin bzw. das Gericht hat jedes Gutachten sorgfältig
darauf zu prüfen, ob es die Anforderungen an ein Gutachten mit vollem Beweiswert
erfüllt (Urteil des Versicherungsgerichts St. Gallen, IV 2007/92, vom 8. Mai 2008, mit
Hinweisen). Dass das Gutachten (ausser von Dr. E._) nur vom fachärztlichen
internistischen Fallführer, nicht hingegen je vom rheumatologischen und
psychiatrischen Teilgutachter unterzeichnet wurde, vermag ihm gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung den Beweiswert nicht abzusprechen. Die
Unterschrift sei zwar ein übliches Kennzeichen, um die Echtheit eines Dokuments zu
bezeugen, sei aber für gerichtliche Gutachten im Unterschied zu anderen Dokumenten
nicht ausdrücklich gesetzlich als formelle Gültigkeitsvoraussetzung vorgeschrieben
(Urteile des Bundesgerichts, I 807/04 vom 10. Juli 2006 E. 2.1 und 9C_235/2007 vom
8. Mai 2008 E. 3.2.2). Nachdem der Vertreter der Beschwerdeführerin keine konkreten
Gründe dafür vorbringt, weshalb das Gutachten die Meinung der betreffenden
Teilgutachter nicht richtig wiedergeben sollte und sich diesbezüglich auch keine
entsprechenden Anhaltspunkte aus den Akten ergeben, ist das Gutachten in diesem
Punkt aus formeller Hinsicht nicht zu beanstanden.
4.1.3 Zudem macht der Vertreter der Beschwerdeführerin geltend, dieser sei die
Zusammensetzung des Gutachterteams vorgängig nicht mitgeteilt worden, wodurch ihr
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden sei.
4.1.4 Bezüglich der Zusammensetzung des Gutachterteams trifft es zu, dass diese der
versicherten Person gestützt auf Art. 44 ATSG bekannt zu geben ist. Diese
Bestimmung regelt den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Namen der sachverständigen
Personen nicht ausdrücklich. Vom Normzweck her ist jedoch von einer vorgängigen
Mitteilung auszugehen. Denn nur so wird gewährleistet, dass die Mitwirkungsrechte
ihre Funktion erfüllen. Die Bestimmung fordert indessen nicht, dass die
Namensnennung gleichzeitig mit der Anordnung der IV-Stelle über die durchzuführende
Begutachtung zu erfolgen hat. Ein Zusammenlegen der beiden Mitteilungen ist zwar
zweckmässig und rationell, jedoch im Rahmen der Begutachtung durch eine MEDAS
aus sachlichen Gründen oftmals nicht praktikabel. Es muss daher genügen, wenn die
Namen der Gutachter der versicherten Person erst zu einem späteren Zeitpunkt
eröffnet werden. In jedem Fall muss dies aber frühzeitig genug erfolgen, damit sie in
der Lage ist, noch vor der eigentlichen Begutachtung ihre Mitwirkungsrechte
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wahrzunehmen (BGE 132 V 385 f. E. 8.4). Zwar hat die Beschwerdeführerin vorliegend
erst anlässlich der Begutachtung Kenntnis der einzelnen Begutachtungspersonen
erlangt, doch hat sie diesbezüglich keine Ausstandsgründe geltend gemacht. Auch im
Rahmen des Beschwerdeverfahrens wurden keinerlei Einwände gegen die jeweiligen
Gutachter geltend gemacht. Unter diesen Umständen ist der Mangel der
unterbliebenen Mitteilung jedenfalls als geheilt zu betrachten, ergeben sich doch auch
aus den Akten keinerlei Gründe, welche die ABI-Gutachter als befangen erscheinen
lassen.
4.1.5 Insgesamt genügt das ABI-Gutachten somit den gesetzlichen Anforderungen in
formeller Hinsicht.
4.2 Der Vertreter der Beschwerdeführerin rügt das ABI-Gutachten zudem in materieller
Hinsicht.
4.2.1 Bezüglich der rheumatologischen Begutachtung bringt er vor, der ABI-
Rheumatologe bezeichne die Beschwerdeführerin für eine leichte, adaptierte,
wechselbelastende berufliche Tätigkeit als voll arbeitsfähig, sofern nicht repetitiv
Lasten über 10 kg gehoben oder getragen werden müssten oder über längere Zeit eine
fixierte Arbeitsposition eingenommen werden müsse. Im Unterschied zu Dr. B._
attestiere er der Beschwerdeführerin nicht eine 50%ige sondern eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit und begründe dies mit der Unterstellung, Dr. B._ habe subjektive
Momente einbezogen. Zudem bezeichne er die Beschwerdeführerin als voll
arbeitsfähig für den Haushalt, obwohl er ihr doch nur noch leichte wechselbelastende
Tätigkeiten ohne Heben schwerer Lasten und fixierte Arbeitspositionen zutraue.
Zusammengefasst leide die rheumatologische Beurteilung im ABI-Gutachten an einem
inneren Widerspruch und vermöge auch im Lichte des Gutachtens von Dr. B._ nicht
zu überzeugen.
4.2.2 Entgegen der Auffassung des Vertreters der Beschwerdeführerin ist die von Dr.
B._ abweichende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch
das ABI begründet und nachvollziehbar. Dem ABI-Gutachten ist in diesem
Zusammenhang zu entnehmen, infolge eines Sturzereignisses der Beschwerdeführerin
im September 2000 auf den rechten Arm hätten sich ein chronisches Schmerzsyndrom
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des gesamten Nackenschultergürtels und der rechten oberen Extremität, aber auch der
gesamten Wirbelsäule, des Beckengürtels und der rechten unteren Extremität sowie
eine sensible Halbseitensymptomatik rechts entwickelt. Verschiedene ambulante,
physiotherapeutische wie auch medikamentöse Massnahmen hätten die
Beschwerdesymptomatik nicht positiv beeinflussen können, ebenso wenig eine
anamnestisch bis zirka Februar 2006 durchgeführte psychotherapeutische
Behandlung. Frühere bildgebende Untersuchungen, insbesondere ein MRT der HWS
vom Februar 2003, hätten zwar eine breitbasige subligamentäre Discushernie C6/7
rechtsbetont ergeben, die vorliegenden früheren fachärztlichen Untersuchungen hätten
aber nie eine eindeutige radikuläre cervicale Symptomatik objektivieren können.
Daneben beklage die Beschwerdeführerin eine chronische, zum Teil akut einsetzende
Schwindelsymptomatik und anhaltende Oberbauchbeschwerden. Der aktuelle
rheumatologische Untersuchungsbefund ergebe eine massive Abwehrhaltung und eine
deutliche Gegeninnervation der Beschwerdeführerin bereits bei leichtesten
Bewegungen im Bereich HWS, BWS sowie LWS und ebenso eine deutliche
Abwehrhaltung bei der Prüfung des Schultergelenks rechts und des Hüftgelenks
rechts, während unbeobachtet, zum Beispiel beim An- und Ausziehen der
Kleidungsstücke oder beim Sitzen auf die Untersuchungsliege eine weitgehend
normale Beweglichkeit beobachtet werden könne. Im kursorisch-neurologischen Status
imponiere eine Halbseitenhypästhesie im Bereich der gesamten rechten Körperhälfte
wie bereits anlässlich der letzten rheumatologischen Untersuchung im November 2004
(durch Dr. B._). Hinweise auf aktuelle oder residuelle cervico- oder lumboradikuläre
sensible oder motorische Ausfälle bestünden eindeutig nicht. Im Weiteren imponiere
eine diffuse Druckdolenz im gesamten Nackenschultergürtel, aber auch thorakal-
pectoral, im Bereich der HWS und der LWS, des gesamten Beckengürtels und an den
Weichteilen an der rechten oberen und rechten unteren Extremität; eine relevante
Gelenkspathologie könne nicht objektiviert werden. Zusammengefasst müsse aus
rheumatologischer Sicht festgestellt werden, dass das Ausmass und die weitgehende
Therapieresistenz der geschilderten Beschwerden nicht durch eine somatische
Erkrankung erklärt werden könnten. Dr. B._ habe in seinem Bericht ebenfalls keine
relevanten fassbaren pathologischen Befunde festgestellt. Er sei von wesentlichen
nicht-organischen Komponenten ausgegangen. Bei weiterhin aktuell objektiv kaum
fassbaren Befunden müsse aus rein rheumatologischer Sicht jedoch davon
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ausgegangen werden, dass für eine leichte, adaptierte, wechselbelastende berufliche
Tätigkeit eine normale Arbeitsfähigkeit bestehe, da die subjektive Einschätzung der
aktuell weitgehend nicht möglichen Arbeitsleistung nicht als Grund zur Postulierung
einer partiellen Arbeitsunfähigkeit herangezogen werden dürfe (act. G 4.1.38-9 f.).
Diese Beurteilung vermag zu überzeugen.
4.2.3 Der Vertreter der Beschwerdeführerin bemängelt auch die psychiatrische
Begutachtung durch das ABI. Vor dem ABI-Psychiater hätten alle Ärzte, die mit der
Beschwerdeführerin zu tun gehabt hätten, eine schwere Depression diagnostiziert.
Nicht übersehen werde, dass in den meisten dieser Berichte neben der Depression
auch eine Somatisierungsstörung oder dergleichen erwähnt werde. Die rechtlich
wichtige Frage einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung
und Dauer werde jedoch von all diesen Ärzten bejaht, nur vom ABI-Psychiater nicht.
Die Beschwerdeführerin sei gemäss Dr. A._ von verschiedenen Ärzten und Ärztinnen
psychiatrisch behandelt worden, so von Dr. F._, Dr. G._ und von den
Sozialpsychiatrischen Diensten, die eine schwere Depression diagnostiziert hätten. Neu
hinzugekommen sei der Bericht von Dr. D._ vom 4. Juli 2007, welcher eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen sowie den Verdacht auf
eine generalisierte Angststörung bei vorbestehender ängstlich-histrionischer
Persönlichkeit diagnostiziere. Von einer Arbeitsfähigkeit könne im gegenwärtigen
Zeitpunkt keine Rede sein. Damit sei die Beurteilung des ABI-Psychiaters widerlegt.
4.2.4 Auch diese Vorbringen vermögen die Beweiskraft des ABI-Gutachtens nicht zu
schmälern. Vorab ist festzuhalten, dass - entgegen den Behauptungen des
Beschwerdeführers - einzig Dr. A._ bei der Beschwerdeführerin eine schwere
Depression diagnostiziert hat (act. G4.1.21-3); die Neurologin Dr. I._ äusserte
lediglich einen Verdacht auf eine schwere Depression mit somatischen Symptomen
(act. G 4.1.21-17). Andere Ärzte sprachen demgegenüber vom Verdacht auf eine
Somatisierungsstörung (act. G 4.1.21-7), einer depressiven Verstimmung (act. G
4.1.21-13), einer funktionellen Störung im Rahmen der gesamten aussergewöhnlichen
Situation (act. G 4.1.21-16) sowie einer depressiven Anpassungsstörung (act. G
4.1.21-25). Fachpsychiatrisch war in den Vorakten keine Diagnose festgehalten.
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Es trifft zu, dass die ABI-Gutachter bezüglich der vom Vertreter der
Beschwerdeführerin bzw. von Dr. A._ angesprochenen psychiatrischen
Behandlungen durch Dr. F._, Dr. G._ und die Sozialpsychiatrischen Dienste keine
Akten eingeholt haben. Dieser Umstand schmälert den Beweiswert des ABI-
Gutachtens vorliegend jedoch nicht. Zwar trifft es zu, dass ein Gutachten, welches
vollen Beweiswert beansprucht, grundsätzlich auf umfassenden und lückenlosen
medizinischen Vorakten beruhen muss. Das Fehlen eines ärztlichen Berichts mindert
den Beweiswert der Expertise jedoch nur dann entscheidend, wenn er wenigstens
Zweifel an deren Schlüssigkeit zu wecken vermag (Urteil des Bundesgerichts vom 22.
Dezember 2008, 9C_802/2008, E. 3.2.1). Dies ist vorliegend jedoch nicht der Fall,
wurde die Beschwerdeführerin doch offensichtlich nicht längere Zeit fachpsychiatrisch
betreut. Anlässlich der Begutachtung durch das ABI führte sie diesbezüglich aus, sie
sei mit der Äusserung des Psychiaters, wonach sie den Tod ihrer Kinder definitiv
vergessen und die Schmerzen zu akzeptieren versuchen solle, nicht einverstanden
gewesen (act. G 4.1.38-7). Man habe sie schon zu zwei verschiedenen Psychiatern
geschickt. Der eine sei in Zürich gewesen, der andere in St. Gallen. Beim ersten sei sie
dreimal gewesen, beim zweiten viermal. Die Gespräche hätten mittels Dolmetscher
stattgefunden. Sie habe von diesen Psychiatern Medikamente verschrieben
bekommen, jedoch mit Magenschmerzen darauf reagiert (act. G 4.1.38-11). Unter
diesen Umständen konnten die ABI-Gutachter auf den Beizug der betreffenden Akten
verzichten, waren daraus doch keine weiterführenden Erkenntnisse zu erwarten, die
einen Einfluss auf ihre (der Gutachter) Beurteilung gehabt hätten.
Was den Bericht von Dr. D._ vom 4. Juli 2007 (act. G 10.2) anbelangt, so ist dieser
für das vorliegende Verfahren grundsätzlich unbeachtlich, erfolgte die betreffende
Untersuchung der Beschwerdeführerin doch erst nach Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 22. Mai 2007. Zudem lässt dieser Bericht eine Auseinandersetzung mit
dem ABI-Gutachten vermissen, weshalb auch aus diesem Grund nicht darauf
abgestellt werden kann.
4.2.5 Zusammengefasst kann somit festgehalten werden, dass das ABI-Gutachten
auch in materieller Hinsicht überzeugt, weshalb vollumfänglich darauf abgestellt
werden kann.
5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.1 Im Sinne der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist
das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1 IVG in der seit dem 1. Juli
2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG