Decision ID: 6cc4c70f-d3f1-43d5-b6c4-5ca05bc59bff
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1978, gelernte Coiffeuse, war seit dem 1. Juli 2010 arbeitslos und arbeitete im Zwischenverdienst bei A._ SA, als sie am 14. September 2010 auf einer Treppe ausrutschte und auf das Gesäss und die linke Hüfte fiel (Urk. 6/4, 6/10/1, 6/11, 6/13, 6/14). In der Folge traten Schmer
zen und muskuläre Verspannungen im Bereich der ganzen Wirbelsäule, vor allem linksseitig und im Bereich der Hüfte und des Beckens links auf (Urk. 6/12/3). Die Versicherte war vollständig arbeitsunfähig (vgl. Urk. 6/13). Der zuständige Unfallversicherer erbrachte seine Leistungen bis zum 27. Okto
ber 2010 (Urk. 6/3/6-8). Im Verlauf wurde eine psychiatrische Behandlung ein
geleitet (Urk. 6/12/3).
Am 3. März 2011 beziehungsweise im April 2011 (Eingang bei der IV-Stelle am 13. April 2011) meldete die Versicherte sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, für die Berufliche Integration und für eine Rente an (Urk. 6/4). Die IV-Stelle holte bei den behandelnden Ärzten Berichte ein (Urk. 6/12, 6/14, 6/16, 6/22, 6/26). Vom 1. Juni 2011 datiert ein Bericht von Dr. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, über ein versiche
rungsmedizinisches psychiatrisches Konsilium, welches vom zuständigen Tag
geldversicherer veranlasst worden war (Urk. 6/21).
Am 10. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass im aktuellen Zeitpunkt keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien und der Rentenanspruch geprüft werde. Die IV-Stelle veranlasste eine Begutachtung bei der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) C._, welches Gutach
ten am 26. September 2012 erstattet wurde (Urk. 6/39).
Nach einem anonymen Hinweis vom 13. September 2012 und dem Vorliegen des MEDAS-Gutachtens veranlasste die IV-Stelle sodann eine Überwachung der Versicherten, welche in den Zeiträumen Januar/Februar 2013 und Juni/Juli 2013 erfolgte (Urk. 6/36, 6/44, 7/1/1-2; vgl. zur Eröffnung an die Versicherte vom 2. Mai 2014 Urk. 6/64, 6/65; vgl. auch die rechtskräftig beurteilten Genug
tuungsansprüche: Urteil des Bundesgerichts 9C_236/2017 vom 3. April 2017 und Urteile des Sozialversicherungsgerichts IV.2015.00532 und IV.2015.00697 vom 31. Januar respektive 8. Februar 2017).
Mit Schreiben vom 19. Januar 2015 wurde die Versicherte durch die IV-Stelle auf ihre Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, dass ihr Gesundheitszustand mit einer traumaspezifischen Therapie wesentlich ver
bessert werden könne. Falls an den entsprechenden Massnahmen nicht teilge
nommen werde, könne dies dazu führen, dass bei einer erneuten Anmeldung auf das Leistungsgesuch nicht eingetreten oder ein allfälliger Leistungsanspruch abgelehnt werde (Urk. 6/70). Nach der Durchführung des Vorbescheidverfahrens (vgl. Urk. 6/71) verneinte die IV-Stelle das Bestehen eines Rentenanspruchs mit Verfügung vom 14. April 2015 (Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 15. Mai 2015 mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei der Ver
sicherten eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 2). In prozessualer Hinsicht wurde die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung beantragt. Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 15. Juni 2015 auf Abweisung (Urk. 4). An der am 27. Oktober 2016 durchgeführten Hauptver
handlung hielten beide Parteien in Replik und Duplik an ihren Anträgen fest (Protokoll S. 3).
Mit Beschluss vom 21. November 2016 ordnete das Gericht eine Ergänzung des psychiatrischen Teils des Gutachtens der MEDAS C._ vom 26. September 2012 an (Urk. 12), und mit Beschluss vom 15. Dezember 2016 wurde die MEDAS
C._
beauftragt und über die Fragestellung defini
tiv entschieden (
Urk.
16). Am 13. April 2017 erfolgte die Gutachtenserteilung und die Ernen
nung des Gutachters D._
(
Urk.
23).
Das ergänzende psychiatrische Teilgutachten vom 12. Oktober 2017 (Urk. 28) wurde den Parteien zur Stellungnahme zugestellt. Die Beschwerdeführerin liess auf eine Stellungnahme zum fundierten Gutachten verzichten (Urk. 33). Die Beschwerdegegnerin äusserte sich mit Eingabe vom 29. November 2017 (Urk. 34). Die Parteien wurden am 8. Dezember 2017 gegenseitig über ihre Ein
gaben in Kenntnis gesetzt (Urk. 35).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische K
rankheit ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsäch
liche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenem Urteil 8C_130/2017 vom 30. November 2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; 141 V 547 E. 2).
Nach dem zur Publikation in der amtlichen Sammlung bestimmten Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 können Rentenleistungen nicht allein aus dem Grund verweigert werden, weil es einem Gesundheitsscha
den an der Therapieresistenz fehlt; vielmehr sind die funktionellen Einschrän
kungen der Krankheit objektiv abzuklären und zu beurteilen (E. 4.4). Verlauf und Ausgang von Therapien bilden jedoch wichtige Schweregradindikatoren. Ist eine Störung gut therapierbar, so ist es Aufgabe des medizinischen Sachver
ständigen aufzuzeigen, weshalb im Einzelfall funktionelle Leistungseinschrän
kungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (Urteil des Bun
desgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.5.2).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsren
te und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
1.5.1
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5.2
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 125 V 351 E. 3b/aa).
1.5.3
Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die medi
zinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orien
tieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprec
hend formulierten Frage
stellung
. Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbeson
dere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbe
dingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbei
tsunfähigkeit schliessen lassen
. Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsan
wendern zu überprüfen, ob in concreto ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbar
keitsbeurteilung auf einer ob
jektivierten Grundlage erfolgte
. Eine rentenbegrün
dende Invalidität ist nur dann anzunehmen, wenn funktionelle Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt sind und somit den versicherungsmedizinischen Vorgaben Rechnung getragen wurde
(Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4 mit Hinweisen).
Gelangt der Rechtsanwender nach dieser Beweiswürdigung zum Schluss, ein Gutachten erfülle sowohl die mit BGE 141 V 281 definierten versicherungs
medizinischen Massstäbe wie auch die allgemeinen
rechtlichen Beweisanforde
rungen
, ist es beweiskräftig und die darin formulierten Stellungnahmen zur Arbeitsfähigkeit sind zu übernehmen. Eine davon losgelöste juristische Parallel
überprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens soll nicht stattfinden
(Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017
E. 4.2.5 mit Hinweisen
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 14. April 2015 davon aus, im Hinblick auf die Biographie der Versicherten, die in ihrer sozialen wie auch beruflichen Entwicklung über Jahrzehnte hinweg nicht einge
schränkt gewesen sei, sei die im MEDAS-Gutachten erwähnte Retraumatisierung und Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) als nicht überwiegend wahrscheinlich zu betrachten. Die Foerster-Kriterien seien sodann nicht erfüllt (Urk. 2 S. 2). In der Beschwerdeantwort und in der Duplik hielt die Beschwerdegegnerin fest, die Diagnose PTBS sei erstmals während der psychiat
rischen Begutachtung in der MEDAS C._ gestellt worden und dies zwei Jahre nach dem Sturzereignis. In den medizinischen Vorakten gebe es diesbezüglich keinerlei Hinweise. Das Gutachten stelle vollumfänglich auf die subjektiven Angaben der Versicherten ab (Urk. 4). Weder die Diagnose der somatoformen Schmerzstörung noch diejenige der PTBS seien nachvollziehbar begründet. Beide Störungen seien sodann therapeutisch angehbar und der Leidensdruck sei im Hinblick auf die mangelnde Medikamentencompliance fraglich (Urk. 11).
In der Stellungnahme zum vom Gericht eingeholten ergänzenden Gutachten vom 12. Oktober 2017 hielt die IV-Stelle zudem fest, sie sei weiterhin der Ansicht, dass die gemäss ICD-10 geforderten Kriterien für eine posttraumatische Störung nicht erfüllt seien. Die Angaben zum Trauma seien vage. Auch Anga
ben zu den weiteren typischen Merkmalen fehlten. Es mangle an sämtlichen objektivierbaren Anhaltspunkten für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (Urk. 34 S. 2). Für die Diagnose stütze sich der Gutachter auf allgemeine medizinische Ausführungen sowie eigene Mutmassungen. Er stelle erneut ohne kritische Würdigung vollumfänglich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin ab (Urk. 34 S. 2). Selbst wenn die posttraumatische Belastungsstörung lege artis diagnostiziert wäre, vermöchte diese wie auch die übrigen Leiden keine vollständige Arbeitsunfähigkeit zu begründen (Urk. 34
S. 2). Namentlich seien die Behandlungsoptionen noch nicht vollständig ausge
schöpft. Da die Versicherte sich nicht in einer traumaspezifischen Therapie befinde und keine entsprechenden Medikamente einnehme, bestehe kein ausge
wiesener Leidensdruck (Urk. 34 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin liess in der Beschwerde demgegenüber geltend machen, die Gutachter der MEDAS C._ hätten verschiedene Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt und sie hätten die Foerster-Kriterien als erfüllt beurteilt. Sodann seien die Erkenntnisse des Gutachtens durch die Ergebnisse der durchgeführten Observation bestätigt worden (Urk. 1 S. 4 f. und S. 6 f.). Die Gutachter hätten explizit dargelegt, dass die Beschwerde
führerin durch die Vergewaltigung als damals Achtjährige traumatisiert worden sei und dass dies sie zwar nicht in der Leistungsfähigkeit, jedoch in ihrer Bezie
hungsgestaltung und in anderen sozialen Kontakten eingeschränkt habe. Es gebe keinen Grund, von der von den Gutachtern festgehaltenen Arbeitsunfähig
keit abzuweichen (Urk. 1 S. 9). Auch die neu massgeblichen Indikatoren seien als erfüllt zu betrachten (Protokoll S. 4 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob auf das Gutachten der MEDAS C._ beziehungsweise auf dessen vom Gericht eingeholte Ergänzung abge
stellt werden kann, und ob dementsprechend von einem psychischen Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen ist.
3.
3.1
Die Versicherte befand sich vom 27. Oktober bis 5. November 2010 in der Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation des Stadtspitals E._ (Urk. 6/14/2, 6/12/7). Bei Eintritt habe sich die Versicherte mit stärksten Schmerzen im Bereich der gesamten Wirbelsäule präsentiert. Die durchgeführten Untersuchun
gen hätten keine relevanten Befunde ergeben, die die subjektiven Schmerzen und Einschränkungen vollständig erklären könnten (Urk. 6/12/7). Die Beschwerde
führerin gab gegenüber den Ärzten an, schon immer unter Rücken
schmerzen gelitten zu haben. Nach dem Stolpersturz auf der Treppe sei es zu einer deutlichen Schmerzexazerbation gekommen. Die Schmerzen nähmen zu bei Bewegung, bei schnellem Gehen sowie auch nachts mit mehrmaligem Auf
wachen. Sodann bestehe ein Dauerschmerz und eine allgemeine Schwäche und Müdigkeit (Urk. 6/14/2).
Ab dem 15. November bis zum 13. Dezember 2010 nahm die Versicherte sodann am interdisziplinären Behandlungsprogramm für Patienten mit chro
nischen Schmerzen in der Rehaklinik F._ teil (Urk. 6/12/9 = 6/23). Die Ver
sicherte sei motiviert gewesen und habe bei allen Therapien mitgemacht. Trotz intensiver Rehabilitation hätten weder der Schmerzzustand noch die Belastbar
keit der Versicherten verbessert werden können (Urk. 6/12/10). G._, Psychologin, hielt fest, zu Beginn des stationären Aufenthalts hätten sich Kränkungen, psychische Verletzungen und ein Gefühl von nicht ernst genommen gezeigt. Belastende Erfahrungen am früheren und am jetzigen Arbeitsplatz, erlebter Stress und Zukunftssorgen hätten immer wieder im Zent
rum gestanden (Urk. 6/12/11; vgl. auch Urk. 6/28).
Dr. H._, Facharzt für Innere Medizin, diagnostizierte im Bericht vom 20. April 2011 ein akutes generalisiertes myofasciales Schmerzsyndrom panver
tebral mit Exazerbation nach dem Treppensturz vom 14. September 2010, mit dysfunktionaler Schmerzverarbeitung und depressiver Verstimmung (Urk. 6/12). Er habe die Versicherte wegen der persistierenden Beschwerden nach der inten
siven Therapie in der Rehaklinik F._ dem Zentrum I._ überwiesen (Urk. 6/12/3).
3.2
Nach den Angaben der Ärzte des Zentrums I._ vom 30. März 2011 lagen bei der Beschwerdeführerin ein reaktiv-depressives Syndrom (ICD-10 F 32.9), ein Augenlid-Tic (ICD-10 F 95.8) sowie chronische Rückenschmerzen vor. Es fänden regelmässige psychotherapeutische Sitzungen in ein bis zweiwöchentlichen Abständen sowie eine psychopharmakologische Behandlung der depressiven Symptomatik statt. Die fehlende Belastbarkeit mit verminderter Anpassungsfähigkeit, bedingt durch die psychischen Beschwerden und die chronischen Rückenschmerzen, ergäben aktuell eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit. Wegen der seit neun Jahren andauernden Rückenschmerzen und der begleitenden depressiven Entwicklung bestehe eine ungünstige Prognose (Urk. 6/16/2).
3.3
Nach den Angaben von Dr. B._ vom 1. Juni 2011 liege nach Vorgeschichte, Beschwerdeschilderung, bisherigem Krankheitsverlauf und aktuellem Befund eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F 45.4) vor. Hinweise für eine affektive Erkrankung mit einem episodenartigen Verlauf fänden sich nicht (Urk. 6/21/5). Die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit von zuletzt 100 Prozent als Coiffeuse beziehungsweise Aushilfsverkäuferin sei aus psychiatrischer Sicht dem Krankheitsbild und dessen klinischer Ausprägung bislang angemessen gewesen. Aufgrund der jetzigen Befundlage sei anzunehmen, dass bei der Ver
sicherten eine Arbeitsunfähigkeit nur noch für einen begrenzten Zeitraum bestehe. Ab September 2011 sei die Versicherte aus aktueller Sicht wieder in vollem Umfang arbeitsfähig (Urk. 6/21/5).
3.4
Die Ärzte der Klinik J._ hielten in ihrem Bericht vom 22. Juni 2011 fest, die Versicherte sei zur weiteren Beurteilung und Behandlung bei seit neun Jah
ren bestehenden Rückenbeschwerden zugewiesen worden. Unter Berücksichti
gung der degenerativen Veränderungen bei Spondylarthrosen lumbal sowie bei auch leichtgradigen Diskopathien ohne Anhaltspunkte für eine Neurokompres
sion empfahlen sie die Fortführung der konservativen Therapie (Urk. 6/22/7). Die bisherige Tätigkeit als Coiffeuse sei der Versicherten noch zumutbar (Urk. 6/22/8).
3.5
In ihrem Bericht vom 6. Juli 2011 diagnostizierten die Ärzte des Zentrums I._ eine gemischte Persönlichkeitsstörung, Cluster B mit schizoiden Zügen (ICD-10 F 61.0), und eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig in Remission (ICD-10 F 33.4). Als Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit führten sie einen Augenlid-Tic (ICD-10 F 95.8) und chronische Rückenschmerzen auf (Urk. 6/26/3). Durch eine mangelhafte Aufmerksamkeitsspanne über die Zeit und durch Konzentrationsstörungen könnten Fehler bei der Arbeitsausführung entstehen. Die soziale Kompetenz sei bereits seit der Kindheit eingeschränkt (Urk. 6/26/4). Eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt scheine im Moment nicht gegeben (Urk. 6/26/4). Da es sich um eine chronisch rezidivierende depressive Entwicklung und chronische Rückenschmerzen handle, die sich beide bis zum heutigen Zeitpunkt als sehr schwer behandelbar erwiesen hätten, schätzten sie die Wiedererlangung einer Arbeitsfähigkeit aus ärztlicher Sicht zum heutigen Zeitpunkt als eher schlecht ein (Urk. 6/26/1).
3.6
Im Rahmen eines Gesprächs mit der Berufsberatung der IV-Stelle gab die Ver
sicherte am 6. Oktober 2011 an, sie möchte, dass man sie in Ruhe lasse, am besten gehe es ihr zu Hause. Sie fühle sich nicht in der Lage, unter Leute zu gehen, sie gehe nur täglich kurz mit dem Hund nach draussen (Urk. 6/29/4).
3.7
In der MEDAS C._ wurde die Versicherte im Juni 2012 internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch abgeklärt. Im Rahmen der somatischen Untersuchungen wurden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit gestellt (Urk. 6/39/22). Das generalisierte Schmerzsyndrom sei ohne rheu
matologisches Korrelat und wahrscheinlich mit sekundärer muskulärer Dekondi
tionierung (Urk. 6/39/29).
Bei der Befragung durch von Dr. K._, Facharzt für Innere Medizin, und seiner Frage an die Beschwerdeführerin, wann das Augenzucken begonnen habe, habe die Versicherte zu weinen begonnen und bestätigt, dass in der Ver
gangenheit etwas Schweres vorgefallen sei. Ihr behandelnder Psychiater sei seit zwei Konsultationen darüber in Kenntnis (Urk. 6/39/15).
Über diesen Umstand informierte Dr. K._ den untersuchenden Psychiater. Die
ser diagnostizierte in seinem Bericht vom 26. Juli 2012 eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1), eine anhaltende somatoforme Schmerzstö
rung (ICD-10 F 45.40) und eine Agoraphobie und Phobie vor engen Räumen (ICD-10 F 40.0 und F 40.2). Diese Diagnosen wirkten sich auf die Arbeitsfähig
keit aus. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien ein Verdacht auf Vor
liegen einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F 62.0), höchstwahrscheinlich ab Oktober 2012 zutreffend und dann mit starkem Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit, abhängige Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z 73.0) und ein Augenlid-Tic (ICD-10 F 95.8; Urk. 6/39/40; vgl. auch Urk. 6/39/21-22).
Im Rahmen der Untersuchung habe sich gezeigt, dass die Versicherte mit acht Jahren durch eine Vergewaltigung traumatisiert worden sei. Sie habe dieses Erlebnis sehr lange Zeit für sich behalten. Es habe sie über sehr lange Zeit offenbar wenig in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, jedoch lebenslang in ihrer Beziehungsgestaltung und in anderen sozialen Kontakten. Ein weiteres belastendes Thema sei die früh gestörte Beziehung zum Vater, der dann, als die
se besser geworden sei, verstorben sei. Der Treppensturz im September 2010 habe für sich keine eigene traumatische Reaktion ausgelöst. Es habe aber über
wiegend wahrscheinlich eine Retraumatisierung stattgefunden, da der Explo
randin nach dem Sturz die gleichen Körperregionen geschmerzt hätten wie damals bei der Vergewaltigung. Diese Prozesse seien häufig zu beobachten. Patienten hätten vor langer Zeit ein Trauma erlebt, das noch bewusst sein kön
ne, aber nicht müsse. Kämen sie dann Jahre später in eine Situation, in der nur ein Aspekt sehr ähnlich der Situation bei der Traumatisierung sei, reiche dies aus, dass Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung aktiviert wür
den. Dies sei bei der Beschwerdeführerin zu beobachten. Während sie recht problemlos vom Treppensturz berichten könne, habe sie deutliche, oben beschriebene Auffälligkeiten, die von innerer Betroffenheit und Aufgewühltheit zeugten (Urk. 6/39/42). Die Kriterien nach ICD-10 für eine posttraumatische Belastungsstörung seien stark erfüllt. Die Versicherte habe negative Träume, lebendige Erinnerungen und sie vermeide in der Beziehung oft intime Annähe
rung. Sexualität könne sie nicht geniessen. Sie habe Durchschlafstörungen und sei manchmal reizbar (ohne Medikation). Zudem bestünden Konzentrations
schwierigkeiten. Darüber hinaus dränge sich der Verdacht auf eine anhaltende Persönlichkeitsänderung auf, die jedoch aufgrund des Zeitkriteriums von zwei Jahren noch nicht erfüllt sei, wenn man vom Retraumatisierungsdatum im Sep
tember 2010 ausgehe (Urk. 6/39/42). Die Phobien seien überwiegend wahr
scheinlich ebenfalls Folge der Traumatisierung. Sie hätten eine Relevanz für Arbeit in engen Räumen oder mit vielen Menschen (Urk. 6/39/42). Auch die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung sei weiterhin gegeben. Mit der PTBS liege eine deutliche Komorbidität vor und in kurzer Zeit wahrscheinlich auch mit einer andauernden Persönlichkeitsänderung. Die Diagnose somatofor
me Schmerzstörung sei somit mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu werten. Frühestens nach einem Jahr mache es nach adäquater Psychotherapie Sinn, eventuelle Veränderungen festzustellen (Urk. 6/39/43). Die Versicherte sei sowohl als Coiffeuse wie auch als Verkäuferin nicht mehr arbeitsfähig. Aktuell sei sie zudem in keiner ausserhäuslichen Tätigkeit arbeitsfähig (Urk. 6/39/22).
3.8
RAD-Arzt Dr. L._, Arzt für Neurologie und Psychiatrie und Psychothe
rapie, hielt am 6. Dezember 2012 fest, dass die Versicherte in der Kindheit ein Trauma im Rahmen eines sexuellen Missbrauchs erlitten habe, sei nachvollzieh
bar. Jedoch sei das Trauma einmalig und nur von kurzer Dauer gewesen. Dass dadurch eine erhöhte Anfälligkeit für psychische Störungen entstanden sei, erscheine möglich. Nicht nachvollziehbar sei jedoch, dass der Treppensturz eine Retraumatisierung hervorgerufen habe. Auch sei die Diagnose einer PTBS zu wenig begründet. Dass das Trauma die Ursache der Schmerzverarbeitungsstö
rung darstelle, sei möglich. Warum es bei einem einmaligen kurzen lang zurückliegenden Trauma bereits zu einer schweren Persönlichkeitsänderung gekommen sei, sei ebenfalls nicht ausreichend begründet (Urk. 6/68/2-3).
3.9
Circa im Januar oder Februar 2013 war die Versicherte drei- bis viermal bei Dr. M._ am Universitätsspital N._ in Behandlung (vgl. Urk. 6/58, 6/60). Im Anschluss wechselte sie wieder ins Zentrum I._ (vgl. Urk. 6/58).
Bei der in der Zeit zwischen dem 21. Januar und dem 25. Februar 2013 und zwischen dem 29. Juni und 3. Juli 2013 durchgeführten Observation hatten gemäss den Angaben des Observators keine gravierenden Widersprüche zum MEDAS-Gutachten festgestellt werden können (Urk. 7/1/1 S. 6 und 7/1/2 S. 5).
Nach der Durchführung der Observation hielt RAD-Arzt Dr. L._ am 17. Juli 2013, alles in allem bestätigten die Observationen die Befunde des Gutachtens und die Aussagen der Versicherten (Urk. 6/68/4). Es sei weiterhin auf die Anga
ben im MEDAS-Gutachten abzustellen. Jedoch sollte eine Revision in zwölf Monaten erfolgen (Urk. 6/68/4, vgl. auch Urk. 6/69/8).
3.10
Nach den Angaben der Ärzte des Zentrums I._ vom 20. Januar 2014 leidet die Versicherte an einer posttraumatischen Belas
tungsstörung (seit 1986, ICD-10 F 43.1), einer andauernden Persönlichkeitsän
derung nach Extrembelastung (seit 2010, ICD-10 F 62.0) mit abhängigen Zügen, einer Somatisierungsstörung (seit 2010, ICD-10 F 45), einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F 33.1) sowie unter einer Agoraphobie ohne Angabe einer Panikstörung (seit 2010, ICD-10 F 40.0). Diese Leiden wirkten sich auf die Arbeitsfähigkeit aus. Die Versicherte habe angegeben, dass sie am 14. September 2010 auf einer Treppe auf den Rücken gestürzt sei und seither an Schmerzen leide. Im Alter von acht Jahren sei sie von einem Unbekannten vergewaltigt worden. Seitdem leide sie unter gedrückter Stimmung, Angstzuständen, sozialem Rückzug, Schuld- und Scham
gefühlen, Gedankengrübeln, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und einer Augenlid-Tic-Erkrankung. In den letzten sieben bis acht Jahren hätten diese Symptome stark zugenommen (Urk. 6/63/3). Die Ärzte hielten fest, als Befunde bestünden Intrusionen, Flash-Backs und partielle Amnesie (Urk. 6/63/3). Aus medizinischer Sicht sei von einer ungünstigen Prognose
aus
zugehen, da der Krankheitsverlauf lang und ohne wesentliche Besserung sei und zudem eine Persönlichkeitsstörung als Komorbidität vorhanden sei (Urk. 6/63/3). Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/63/4).
3.11
Bei der durch O._ von der IV-Stelle erfolgten Eröffnung der Observation an die Versicherte am 2. Mai 2014 habe die Versicherte ausgeführt, sie könne sich vorstellen, von wem die anonyme Meldung stamme. Daraufhin sei sie in sehr heftiges Weinen ausgebrochen, habe angefangen zu zittern, stossweise zu amten und zu schluchzen. An ein Gespräch mit der Versicherten sei in der Folge nicht mehr zu denken gewesen (Urk. 6/66/1).
3.12
Am 23. August 2017 gab die Beschwerdeführerin gegenüber D._ an, in Bezug auf eine Arbeit seien für sie die Schmerzen am meisten einschränkend. Sodann ertrage sie es nicht, die ganze Zeit Menschen um sich herum zu haben. Sie brauche einfach viel Ruhe. Die Vorstellung, sich in einem Raum mit vier weiteren Personen aufzuhalten, mache sie nervös. Mit dem Trep
pensturz 2010 habe alles angefangen. Immer wenn sie die Treppe bei sich run
terlaufe, komme ihr das Bild vom Sturz vor Augen und es schleiche sich eine Angst ein. Auch sonst könne der Sturz immer wieder in ihre Gedanken kommen (Urk. 28 S. 7). Der Gutachter gab an, die Versicherte habe sich schluchzend und weinend hinter ihrem Taschentuch versteckt, als er sie auf die als Achtjährige erlebte Vergewaltigung angesprochen habe, und habe sich kaum beruhigen können (Urk. 28 S. 7). Nach einer 25-minütigen Pause hätten sie vereinbart, auf das Thema Vergewaltigung nicht mehr einzugehen. Die Versicherte habe sodann angegeben, dass sie in der in zweiwöchigen Abständen durchgeführten Therapie auch schaue, dass die Vergewaltigung dort nicht so oft vorkomme (Urk. 28 S. 8).
D._ diagnostizierte im Ergänzungsgutachten vom 12. Oktober 2017 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F 45.40), eine post
traumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1) und eine Agoraphobie und Phobie vor engen Räumen (ICD-10 F 40.0 und F 40.2). Diese Diagnosen wirkten sich auf die Arbeitsfähigkeit aus. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die abhängigen Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z 73.0), der Augenlid-Tic (ICD-10
F 95.8) und der Verdacht auf Entwicklung einer andauernden Persönlich
keitsän
derung nach Extrembelastung (ICD-10 F 62.0; Urk. 28 S. 13).
Es scheine, dass keine traumaspezifische Therapie durchgeführt worden sei. Es sei jedoch nicht erkennbar, dass sich die Versicherte einer solchen Therapie verweigert hätte. Nicht über das Trauma reden zu wollen, sei keine Verweige
rung, sondern zeige, dass sie diesbezüglich bei Weitem nicht genügend stabil gewesen sei (Urk. 28 S. 13). Es sei höchstens insofern von einem Erfolg der Therapien auszugehen, als die Versicherte über die letzten fünf Jahre nicht kompensiert sei. Die Psychotherapie scheine zu unspezifisch, und zumindest im Zeitpunkt der Untersuchung bei der MEDAS habe die Versicherte zu wenig Wirkstoffe der Medikamente Duloxetin und Quetiapin im Blut gehabt. Immerhin könne beim Duloxetin festgehalten werden, dass sie es nehme, das Quetiapin sei nicht nachweisbar gewesen. In Zukunft seien hier mehrmals pro Jahr Blutspie
gelkontrollen durchzuführen, um allenfalls die Compliance zu klären. Insgesamt zeige der Psychostatus allenfalls eine leichte Verschlechterung im Vergleich zum Jahr 2012. Aufgrund der Videoaufnahmen erscheine es, dass sie in einem Schutz aus Angehörigen und zumindest mit einer Tendenz zu innerer Dissozia
tion gewisse Alltagsaktivitäten ausführen könne (Urk. 28 S. 14). Jedoch zeigten insbesondere die schriftlichen Angaben der observierenden Firma, dass die Ver
sicherte an den Observationstagen kaum ihre Wohnung verlassen habe, was die Angaben zum sozialen Rückzug stütze (Urk. 28 S. 14).
Es sei eine adäquate Psychotherapie durchzuführen, die die Traumatisierung, die Phobien, die somatoforme Störung und die Zukunft zum Thema habe, und es sei die medikamentöse Behandlung zu klären. Unter adäquater Therapie seien Verbesserungen möglich, wenn die Chronifzierung auch fortgeschritten sei. Die genaue Entwicklung unter Therapieoptimierung sei nicht seriös vorhersagbar. Jährliche Kontrollen seien zu empfehlen (Urk. 28 S. 14 f. und S. 18).
Weiterhin sei er der Ansicht, dass es beim Treppensturz zu einer Retraumatisie
rung gekommen sei. Es habe sehr spürbar gewirkt und nur schwer steuerbar, wie die Explorandin bereits schon beim Ansprechen des Traumas dekompensiert und nur sehr schwer zu beruhigen gewesen sei, weswegen er auf eine weitere Exploration zu diesem Thema verzichtet habe, um eine weitere Gesundheits
schädigung zu vermeiden (Urk. 28 S. 16).
Aufgrund der bestehenden Einschränkungen insbesondere wegen der schweren Beeinträchtigung von Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit und der Selbstbehauptungsfähigkeit und der weiteren mittelschwer oder leicht beeinträchtigten Fähigkeiten seien die angestammten Tätigkeiten nicht mehr zumutbar (Urk. 28 S. 17). Eine angepasste Tätigkeit dürf
te nicht in engen Räumen und/oder mit vielen anderen Personen auszuüben sein. Die Anwesenheit von Angehörigen wäre notwendig, um das Angstniveau reduziert zu halten. Arbeit zu Hause wäre zu bevorzugen. Es dürften keine kör
perlich belastenden Tätigkeiten sein. Sie müsste jederzeit Pausen machen und sich zurückziehen dürfen. Zeitlicher und insbesondere kritischer Leistungsdruck dürften nicht gegeben sein. Die Aufgaben dürften keine Entscheidungsleistung von der Beschwerdeführerin fordern und Veränderungen müssten vermieden werden. Während der Anwesenheit von Angehörigen könnte die Leistungs
fähigkeit dann bei einer körperlich nicht belastenden Heimarbeit ohne relevante Ansprüche an die Konzentration phasenweise bei 50 % liegen. Insgesamt erscheine so jedoch eine Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft als nicht gegeben. Berufliche Massnahmen und dergleichen seien aktuell nicht zumutbar (Urk. 28 S. 17 f.).
Die Schmerzen verstärkten einerseits die depressive Affektivität und umgekehrt nehme die PTBS starken negativen Einfluss auf das Schmerzerleben und die Stimmungslage. Die Phobien seien weiterhin eine Folge der Traumatisierung und gemäss ICD-10 als eigene Störungen zu führen. Hinweise für eine Aggra
vation bestünden keine (Urk. 28 S. 20). Die abhängigen Persönlichkeitszüge könnten die Entwicklung der anderen Störungen wie auch die Chronifizierung derselben (mit-)erklären. Seit dem Jahr 2010 sei es zu einer relevanten Verände
rung der Persönlichkeit gekommen, die die Versicherte erheblich beeinträchtig
te. Die Beeinträchtigungen bestünden in einem Grundmisstrauen, einem starken sozialen Rückzug, in Leere und Hoffnungslosigkeit, in sichtbarer Nervosität und einem Fremdheitsgefühl unter Menschen (Urk. 28 S. 20). Der aktuelle Lebens
kontext seit 2010 halte kaum oder nur wenige Ressourcen bereit (Urk. 28 S. 21). Ob in Bezug auf die Medikamenteneinnahme eine krankheitsbedingte Unfähig
keit zur Therapieadhärenz bestehe, müsste noch geprüft werden (Urk. 28 S. 21).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass sich die von der Beschwerdegegnerin im Hinblick auf künftige Anmeldungen erfolgte Auferlegung einer Schadenminderungs
pflicht im vorliegenden Verfahren nicht auswirken kann (vgl. Urk. 6/70; vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG und Art. 7b IVG). Zu überprüfen ist die Rechtmässigkeit der einen Rentenanspruch verneinenden Verfügung vom 14. April 2015 (Urk. 2).
Sowohl das MEDAS-Gutachten vom 26. September 2012 (Urk. 6/39) als auch das ergänzende psychiatrische Teilgutachten vom 12. Oktober 2017 (Urk. 28) beruhen auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen und den Vorakten. Ein somatisches Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit besteht nach der überzeugenden gutachterlichen Einschätzung, womit auch die Parteien übereinstimmen, nicht.
Auch die von D._ diagnostizierten psychischen Leiden, namentlich die somatoforme Schmerzstörung - werden - mit Ausnahme der posttraumatischen Belastungsstörung, worauf nachfolgend einzugehen ist – von den Parteien zu Recht nicht (mehr) in Frage gestellt (vgl. Urk. 34). Das Bestehen einer somatoformen Schmerzstörung beziehungsweise eines vergleichbaren Lei
dens geht denn auch aus den verschiedenen ärztlichen Berichten deutlich her
vor.
4.2
4.2.1
Nach den Angaben von D._ war die Versicherte durch eine im Alter von acht Jahren erlittene Vergewaltigung traumatisiert worden. Beim Treppensturz vom 14. September 2010 sei sie, da dabei die gleichen Körper
regionen geschmerzt hätten, retraumatisiert worden. Es liege eine posttrauma
tische Belastungsstörung vor (Urk. 6/39/20, 6/39/42, 28 S. 15 f.). Die Beschwer
degegnerin zweifelt das Bestehen der diagnostizierten posttraumatischen Belas
tungsstörung an (vgl. Urk. 34). Zu prüfen ist vorab, ob dieses Leiden als ausge
wiesen zu betrachten ist (vgl. BGE 142 V 346 E. 5.2.2).
4.2.2
Das für die diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung verantwortliche Trauma erlitt die Beschwerdeführerin im Alter von acht Jahren und damit in der Zeit von 1986. Im Zeitpunkt des Treppensturzes am 14. September 2010 lag es bereits 24 Jahre zurück. Die erlittene Vergewaltigung ist allein durch die sub
jektiven Angaben der Beschwerdeführerin, welche nicht einmal die Eltern davon in Kenntnis zu setzen vermocht habe (vgl. Urk. 6/39/34), belegt. Der Beweis für dieses Trauma lässt sich somit nicht ohne Weiteres erbringen (vgl. BGE 142 V 346 E. 5.2.2 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 9C_687/2013 vom 24. Juni 2014 E. 4.2).
Im Rahmen der ersten Untersuchung in der MEDAS C._ beschrieb die Versicherte die Vergewaltigung und den daran anschliessenden Verlauf (Urk. 6/39/34-35). Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin ist damit nicht völlig unklar, was passiert war (vgl. Urk. 34). Bei der zweiten Unter
suchung vom 23. August 2017 vermochte die Beschwerdeführerin sich nicht mehr zu den Umständen der Vergewaltigung zu äussern (Urk. 28 S. 7 f.). Wäh
rend der ersten Untersuchung beobachtete D._, dass der Augenlid-Tic beim Berichten über das Trauma stärker auftrat als sonst während der Untersuchung (Urk. 6/39/34). Die Versicherte habe während der Unter
suchung wiederholt geweint (Urk. 6/39/35, 6/39/40, 6/39/42). Bei der zweiten Untersuchung vom 23. August 2017 habe die Versicherte sich hinter ihrem Taschentuch versteckt und unter Schluchzen und Weinen angegeben, über die Vergewaltigung rede sie nicht gerne. In der Folge sei es zu einer Reaktion mit starker Erregung, Zittern, Weinen und Hyperventilieren gekommen, und die Untersuchung habe unterbrochen werden müssen und in diesem Punkt nicht fortgesetzt werden können (Urk. 28 S. 7 f.). Aufgrund der Schilderungen der Beschwerdeführerin und der dabei beobachteten psychophysischen Symptomen wie der Verstärkung des Augenlid-Tics und dem (intensiven) Weinen bezie
hungsweise dem Dekompensieren erachteten die Gutachter, insbesondere D._, die Angaben der Versicherten als glaubhaft (Urk. 6/39/15, 6/39/34 f., 6/39/40). Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 34 S. 2) waren für die Gutachter, insbesondere für D._, somit nicht nur die (subjektiven) Angaben der Beschwerdeführerin relevant, sondern auch die bei der Untersuchung beobacht- und feststellbaren Symptome.
Das Sozialversicherungsgericht führte im Urteil vom 31. Januar 2017 (Verfahren IV.2015.00532 betreffend Genugtuung) aus, es sei grundsätzlich nachvollzieh
bar, wenn eine versicherte Person ein traumatisches Erleben vorerst auch im Rah
men einer Behandlung verschweige. Im Zeitpunkt der Begutachtung in der MEDAS C._ im Juni 2012 habe die Versicherte bereits seit einein
halb Jahren in psychiatrischer Behandlung gestanden. Angesichts des längeren Verschweigens des bestimmenden Traumas, welches dazu führte, dass nicht rechtzeitig eine geeignete Therapie durchgeführt werden konnte, sei von einer gewissen Inkonsistenz im Verhalten der Beschwerdeführer
in auszugehen gewe
sen (E. 6.3). Dieser gewissen Inkonsistenz im Verhalten der Beschwerdeführerin, die angab, sich nicht vorher getraut zu haben, über das Trauma zu erzählen (vgl. Urk. 6/39/34), kommt bei im Weiteren wahrheitsgetreuen Angaben vorlie
gend keine entscheidende Bedeutung zu.
Wie die Versicherte gegenüber den Ärzten der MEDAS C._ im Juni 2012 angab, entstand im Nachgang zu diesem traumatischen Ereignis der Augenlid-Tic (Urk. 6/39/15, 6/39/34-35). Bereits gegenüber den Ärzten des Zentrums I._ hatte die Versicherte angegeben, seit dem achten Lebensjahr an der Augenlid-Tic-Erkrankung zu leiden, damals noch ohne von der Vergewaltigung zu berichten (Bericht vom 15. Juli 2011, Urk. 6/26/2). Die Aussagen zum Zeitpunkt der erlittenen Vergewaltigung bezie
hungsweise zum Auftreten des Augenlid-Tics sind somit kohärent.
Angesichts der nachvollziehbaren Einschätzungen der Gutachter, insbesondere von D._, und der im Übrigen wahrheitsgetreuen Angaben ist das erlittene Trauma grundsätzlich als ausreichend nachgewiesen zu betrachten.
4.3
Entgegen den Angaben der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 34) lagen sodann die für die posttraumatische Belastungsstörung typischen Nachhallerinnerungen, Flashbacks oder Träume und auch die weiteren Symptome vor (vgl. ICD-10, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 10. Auflage, Bern 2015,
S. 207). Namentlich gab die Versicherte gegenüber D._ an, beim Erzählen des belastenden Ereignisses gehe es ihr schlecht. Es kämen ihr die Bilder hoch, als sie klein gewesen sei. Das mache sie nervös. Aber die Bilder kämen auch sonst, wenn man sie nicht speziell darauf ansprechen würde. Es laufe auch immer wieder ein Film ab (Urk. 6/39/34-35). Zustände wie beim Ansprechen der Vergewaltigung am 23. August 2017 habe sie mindestens zweimal die Woche (Urk. 28 S. 7). Die Versicherte beschrieb sodann auch, dass Bilder vom Treppensturz vor ihre Augen kämen (Urk. 6/39/36, 28 S. 7). D._ bejahte entsprechend das Vorliegen der für eine PTBS relevanten Symptome (vgl. Urk. 28 S. 15).
4.4
Die Latenzzeit zwischen initialer Belastung und Auftreten der PTBS bedarf dort einer eingehenderen Begründung, wo ausnahmsweise ein späterer Beginn - als wenige Wochen bis sechs Monate – berücksichtigt werden soll (vgl. BGE 142 V 346 E. 5.2.2).
D._ ging - wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.7) - von einer beim Treppensturz vom 14. September 2010 erfolgten Auslösung der PTBS aus. Die Fachliteratur beschreibe, dass das traumatische Gedächtnis bereits durch senso
rische Einzelreize, die mit der ursprünglichen Traumasituation in einer (mög
licherweise auch nur zufälligen) räumlichen oder zeitlichen Kontingenz gestan
den hätten, in seiner Gesamtheit ausgelöst werden könne (vgl. Urk. 28 S. 16). Die Versicherte habe problemlos vom Treppensturz berichten können, habe dabei aber Symptome gezeigt, die von innerer Betroffenheit und Aufgewühltheit gezeugt hätten (vgl. Urk. 6/39/42). Die Informationen zur Vergewaltigung seien deutlich nach den Informationen zum Treppensturz erhoben worden (Urk. 6/39/35). Diese Beurteilung ist entgegen den ersten Ausführungen von RAD-Arzt Dr. L._ nachvollziehbar (vgl. Urk. 6/68/2-3; vgl. aber auch Urk. 6/68/4 und 6/69/8). Auch die somatischen Gutachter der MEDAS C._ beschrieben das Unfallereignis als massiven Einschnitt. Es habe sich um eine Bagatelle gehandelt, die aber massivste Schmerzen ausgelöst habe, derge
stalt, dass die Versicherte drei Tage lang habe stationär abgeklärt werden müs
sen und diversen weitgehenden Untersuchungen unterzogen worden sei (Urk. 6/39/19). Auch die Versicherte beschrieb den Treppensturz als für die Ein
schränkungen massgebendes Ereignis (Urk. 6/39/36-37). Die PTBS wird zudem häufig übersehen, namentlich bei lange zurückliegender Traumatisierung im Kindesalter oder bei der Komorbidität mit Angst und Somatisierung (Hausotter, Psychiatrische und psychosomatische Begutachtung für Gerichte, Sozial- und private Versicherungen, Frankfurt 2016, S. 247). Damit kann aus dem Umstand, dass die nach dem Treppensturz zuerst behandelnden Psychiater und Psychiate
rinnen des Zentrums I._ keine entsprechende Diagnose gestellt haben, nicht auf das Fehlen der PTBS geschlossen werden. D._ legte zudem dar, dass die Versicherte nach der Vergewalti
gung stets in ihrer Beziehungsgestaltung und in anderen sozialen Kontakten beeinträchtigt gewesen war (Urk. 6/39/20). Zum selben Schluss waren auch die Ärztinnen und Ärzte des Zentrums I._ gekommen, welche von einer seit der Kindheit eingeschränkten sozialen Kompetenz berich
tet hatten (vgl. Urk. 6/26/4). Es trifft damit nicht zu, dass die Versicherte vor der Retraumatisierung eine gänzlich unbelastete Biographie aufgewiesen hatte, welche eine PTBS unwahrscheinlich mache (vgl. Urk. 34 S. 2).
Auch wenn im Zeitpunkt des Treppensturzes durch die bestehende Arbeitslosig
keit eine psychosoziale Belastungssituation bestand, ist gesamthaft betrachtet und insbesondere aufgrund der nachvollziehbaren und einleuchtenden Beurtei
lung von D._ die Diagnose der PTBS als nachgewiesen zu betrachten.
Selbst wenn aber aufgrund des langen Zeitraums zwischen Trauma und Auftre
ten der PTBS die diagnostische Zuordnung als posttraumatische Belastungsstö
rung als zweifelhaft zu betrachten wäre, so läge mit der als Kind erlebten Ver
gewaltigung zumindest ein erheblicher Belastungsfaktor vor (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_195/2015 vom 24. November 2015 E. 3.3.3, 3.4 und 4.1.1). Eine Vergewaltigung stellt, auch wenn es sich um ein einmaliges Vorkommnis gehandelt hat, eine erhebliche Belastung dar; nach den Angaben von D._ berge eine Vergewaltigung gemäss der Literatur ein 49%iges Risiko für das Auftreten einer PTBS (Urk. 28 S. 15). Zudem gab die Versicherte an, den Täter bis ins Alter von zwölf Jahren, das heisst bis 1990, dem Jahr ihrer Einreise in die Schweiz noch mehrmals gesehen zu haben (Urk. 6/39/34-35), so dass anzunehmen ist, dass die Belastungssituation in gewisser Weise andauerte.
5.
5.1
Zu prüfen ist, ob die Gutachter der MEDAS C._, insbesondere der Psychiater D._, sich im Rahmen ihrer Beurteilungen an die normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, und ob und in welchem Um
fang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4).
5.2
5.2.1
Im Gutachten vom 26. Juli 2012 hielt D._ fest, die Kriterien für eine PTBS seien stark erfüllt (Urk. 6/39/42). Sodann bestehe der Verdacht auf eine anhaltende Persönlichkeitsänderung. Hier würden dann auch die dissozia
tiven, psychotischen und depressionsnahen Elemente erfasst. Sodann bestehe die somatoforme Schmerzstörung (Urk. 6/39/42). Im ergänzenden Gutachten vom 12. Oktober 2017 führte er insoweit aus, es liege bei der Versicherten wei
terhin eine PTBS vor. Bereits beim Ansprechen des Traumas sei die Versicherte dekompensiert und sie sei nur schwer zu beruhigen gewesen. Die Versicherte sei sodann durch das Schmerzerleben beeinträchtigt. Auch die Videoaufnahmen bestätigten, dass die Versicherte jegliches Heben und Tragen schwerer Gegen
stände vermeide (Urk. 28 S. 19). Bei der Versicherten sei sodann eine Änderung der Persönlichkeit feststellbar, die zwar nicht zu einer eigenen Diagnose führe, die Versicherte jedoch stark beeinträchtige (Urk. 28 S. 20). D._ beschrieb die Einschränkungen als erheblich. Die Versicherte sei bei verschiede
nen Aktivitäten mittel- bis schwer beeinträchtigt und eine angepasste Tätigkeit wäre nur eine Tätigkeit, die in Anwesenheit von Angehörigen, am besten zu Hause ausgeübt werden könnte (Urk. 28 S. 17 f.).
Damit wurde durch D._ ein Leiden von erheblichem Schwere
grad plausibel darlegt.
5.2.2
Zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz führte D._ im Ergänzungsgutachten vom 12. Oktober 2017 aus, es sei höchstens insoweit ein Erfolg der Therapien eingetreten, dass die Versicherte über die letz
ten fünf Jahre nicht dekompensiert sei (Urk. 28 S. 14). Es sei eine adäquate Psy
chotherapie durchzuführen, die die Traumatisierung, die Phobien, die somato
forme Schmerzstörung und die Zukunftsrichtung zum Thema habe. Eine erfah
rene Therapeutenperson, die der Versicherten für lange Zeit zur Verfügung stehe, sollte in Verbindung mit guter Medikamenteneinnahme noch Verände
rungen bei der jungen Frau erreichen können. Wieweit diese gehen werden, sei nicht seriös vorauszusagen. Jährliche Kontrollen seien sinnvoll (Urk. 28 S. 14). Die Chronifizierung sei fortgeschritten (Urk. 28 S. 15). In welchem Rahmen Ver
besserungen des psychischen Befindens dann positiven Einfluss auf die Leis
tungs- und Arbeitsfähigkeit haben könnten, könne frühestens nach Eintreten erster feststellbarer Verbesserungen eingeschätzt werden (Urk. 28 S. 18, vgl. auch S. 19).
Gestützt auf diese Ausführungen von D._ kann nicht von der Therapieresistenz des Leidens ausgegangen werden. Ebenso wenig kann aber angenommen werden, das Leiden der Versicherten sei gut therapierbar (vgl. das zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehene Urteil des Bundesge
richts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.5.2); vielmehr beurteilte D._ das Erreichen arbeitsunfähigkeitsrelevanter Verbesserungen als vorderhand nicht einschätzbar.
Unter diesen Umständen ist die Schlussfolgerung von D._, welcher trotz bestehender Behandlungsoptionen eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit annahm, nachvollziehbar.
5.2.3
Somatisch begründete Komorbiditäten liegen keine vor und wurden seitens der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Dies ergaben die im Nachgang zum Treppensturz erfolgten Abklärungen sowie das Ergebnis der Begutachtung in der MEDAS C._. In psychiatrischer Hinsicht stellte D._ verschiedene Diagnosen. Er hielt fest, die Schmerzen verstärkten einer
seits die depressive Affektivität und umgekehrt nehme die PTBS starken nega
tiven Einfluss auf das Schmerzerleben und die Stimmungslage (Urk. 28 S. 19 f.). Die Leiden beeinflussen sich somit gegenseitig negativ.
5.3
Bereits die Ärzte des Zentrums I._ beschrieben die Persönlichkeit der Versicherten im Bericht vom 6. Juli 2011 als auffällig bezie
hungsweise diagnostizierten eine Persönlichkeitsstörung (Urk. 6/26/1). Der Gut
achter D._ beschrieb die Persönlichkeit der Versicherten als abhängig. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge könnten sowohl die Ent-wick
lungen der anderen Störungen wie auch die Chronifizierung derselben (mit-)erklären (Urk. 28 S. 20). Sodann sei von einer stark beeinträchtigenden Persön
lichkeitsänderung auszugehen. Diese bestehe in einem Grundmisstrauen, einem starken sozialen Rückzug, Leere und Hoffnungslosigkeit, sichtbarer Nervosität und einem Fremdheitsgefühl unter Menschen (Urk. 28 S. 20). Insgesamt wurden durch D._ damit erhebliche Hemmnisse deutlich gemacht, die sich aus der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin ergeben.
Die Versicherte gab an, bezüglich sozialer Kontakte seit ihrer Jugend eher zurückhaltend gewesen zu sein (Urk. 6/26/2, 6/63/2). Aktuell beschränkten sich die Kontakte der Versicherten auf die Kernfamilie, die Mutter und die Schwie
germutter und die Geschwister (Urk. 6/39/37, 28 S. 9). D._ hielt fest, ihr aktuelles soziales Netzwerk sei nur noch die enge Familie und das Therapeutensystem. Es liege ein sozialer Rückzug vor (Urk. 28 S. 21). Nach der nachvollziehbaren Einschätzung von D._ ergeben sich aus dem sozialen Kontext nur geringe Ressourcen.
5.4
5.4.1
Im Rahmen der Überwachung wurden keine Inkonsistenzen festgestellt. Die Versicherte vermied es namentlich, (schwere) Gewichte zu tragen, und begab sich nur selten und in der Regel in Begleitung ausser Haus (Urk. 7/1/1-2). Sowohl RAD-Arzt Dr. L._ als auch D._ beschrieben die Versicherte aufgrund der Observationsunterlagen als unsicher, als sie allein unterwegs gewesen sei. Auch in Begleitung habe sie zwar weniger ängstlich, aber dennoch mimisch verarmt gewirkt (vgl. Urk. 6/68 S. 4 und 28 S. 14). D._ schloss daraus, dass die Versicherte im Schutz von Angehörigen gewisse Alltagsaktivitäten ausführen könne (vgl. Urk. 28 S. 14). Entsprechend nahm er auch an, dass die Anwesenheit von Angehörigen Voraussetzung für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit wäre (Urk. 28 S. 18).
Die Versicherte gab an, im Haushalt nur wenige Aufgaben übernehmen zu kön
nen und eigentlich nichts zu haben, womit sie sich gerne beschäftige (Urk. 28
S. 9). In Bezug auf die Einschränkung des Aktivitätenniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen ist keine Ungleichmässigkeit ersichtlich.
5.4.2
Bereits im Dezember 2010, zwei Monate nach dem Treppensturz, wurde eine psychiatrische Behandlung eingeleitet (Urk. 6/39/13). Die Anmeldung bei der Invalidenversicherung erfolgte demgegenüber im April 2011 (Urk. 6/4). Es ist damit nicht anzunehmen, dass die Aufnahme der fachärztlichen Therapie durch das Versicherungsverfahren veranlasst wurde.
Die durchgeführte psychotherapeutische Behandlung war nach der Beurteilung von D._ nicht adäquat (Urk. 28 S. 14). Auch die medikamen
tösen Therapieoptionen sind aufgrund des Ergebnisses der Medikamentenspie
gelbestimmung nicht ausgeschöpft, was auch im Rahmen der ersten Begutach
tung festgestellt worden war (Urk. 6/39/21, 28 S. 14). Entgegen den Ausführun
gen der Beschwerdegegnerin trifft es dagegen nicht zu, dass gar keine entspre
chenden Medikamente eingenommen werden (vgl. Urk. 34 S. 2). Die Versicherte setzte die im Dezember 2010 aufgenommene psychiatrische Behandlung regel
mässig fort. Nach dem Abbruch der nur vorübergehenden Therapie bei Dr. M._ suchte die Versicherte die bisherigen Therapeuten des Zentrums I._ wieder auf (vgl. Urk. 6/58/1). Die konsequente Fortführung der Therapie – auch wenn diese nicht optimal ausgestaltet war – spricht für einen bestehenden Leidensdruck. Auch D._ bejahte einen ausgewiesenen Leidensdruck (Urk. 28 S. 21).
Der Gutachter hielt die Angaben und das Verhalten der Versicherten sodann ausdrücklich für konsistent. Durch den Observationsbericht, die Observations
videos, die Angaben in den Unterlagen der IV-Stelle (zum Beispiel zur Eröff
nung der Observation) und durch den Bericht des Universitätsspitals N._ von 2014 zeigten sich keine Widersprüche zu den von der Versicherten gemachten Angaben. Diese am 23. August 2017 gemachten Angaben seien auch weitest
gehend konsistent zu den 2012 gemachten Angaben (Urk. 28 S. 14).
5.5
Insgesamt erlauben das MEDAS-Gutachten und insbesondere die Beurteilung von D._ eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Lichte der massgeblichen Indikatoren.
Es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer schweren und - trotz fehlender Therapieresistenz - einer Beeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (100%ige Arbeitsunfähigkeit) auszugehen.
Bei der 100%igen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab 1. Oktober 2011, das heisst sechs Monate nach der im April 2011 erfolgten Anmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG).
Die Beschwerdegegnerin wird mit der Rentenzusprechung die Auferlegung schadenmindernder Massnahmen zu prüfen haben.
Die Beschwerde ist gutzuheissen.
6.
6.1
Das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht ist bei Strei
tigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Versicherungs
leistungen kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Die Kosten sind auf Fr. 1‘000.-festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Ausgangsgemäss steht der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung, welche ermessensweise auf Fr. 3'500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzulegen ist.
Das Gericht
erkennt
:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 14. April 2015 aufgehoben, und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2011 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr. 1‘000.-
werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr. 3'500.-
(inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Christos Antoniadis
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.