Decision ID: aed114ff-8b5b-4ec9-98cd-9ead37c49ba0
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
N. A._,
Beschwerdeführer 1,
und
D. A._,
Beschwerdeführer 2,
beide vertreten durch die Sozialen Dienste B._,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur Waisenrente
Sachverhalt:
A.
A.a Die Brüder N. A._, Jahrgang 1996, und D. A._, Jahrgang 1989, beziehen seit
dem auf den Tod ihrer Mutter am 16. Juli 2007 folgenden Monat August 2007
Waisenrenten der Alters- und Hinterlassenenversicherung. Die Vormundschaftsbehörde
C._ ernannte D._ am 16. August 2007 zur Vormundin des minderjährigen N. A._
(act. G 1.11 im Verfahren EL 2008/39). Diese schloss am 6. September 2007 mit der
Grossmutter der beiden Versicherten einen Pflegevertrag ab, in dem ein monatliches
Pflegegeld von Fr. 800.- vereinbart wurde (EL-act. A 14-7 im Verfahren EL 2008/39).
Am 20. September 2007 erteilte die Vormundschaftsbehörde der Grossmutter die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bewilligung zur Aufnahme N. A._ in Familienpflege (EL-act. A 14-11 im Verfahren EL
2008/39).
A.b Die Vormundin meldete N. A._ am 28. Januar 2008 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (EL) zur Hinterlassenenrente an (EL-act. A 15 im Verfahren EL
2008/39). Die EL-Durchführungsstelle berechnete einen Einnahmenüberschuss von
Fr. 1'885.- und wies das Gesuch mit Verfügung vom 4. Juni 2008 ab. Das Pflegegeld
von Fr. 800.- pro Monat bezog sie nicht in die EL-Berechnung mit ein (EL-act. A 9-1 im
Verfahren EL 2008/39). Gegen diese Verfügung erhob die Vormundin in Vertretung von
N. A._ am 26. Juni 2008 Einsprache. Die Pflegegeldpauschale sei in der Berechnung
zu berücksichtigen (EL-act. A 5 im Verfahren EL 2008/39).
A.c Auch der mündige D. A._ meldete sich am 28. Januar 2008 zum EL-Bezug an
(EL-act. 18 im Verfahren EL 2008/44). Die EL-Durchführungsstelle wies das Gesuch mit
Verfügung vom 4. Juni 2008 infolge Einnahmenüberschusses ab (EL-act. 7 im
Verfahren EL 2008/44). Gegen diese Verfügung liess D. A._, vertreten durch die
Sozialen Dienste B._, am 26. Juni 2008 Einsprache erheben. Gemäss interner
Absprache (Familie und Vormundin des minderjährigen Bruders N. A._) sei der
Versicherte verpflichtet worden, für die Haushaltführung und Betreuung durch seine
Grossmutter eine Entschädigungspauschale von Fr. 600.- monatlich zu bezahlen. Diese
sei in der EL-Berechnung zu berücksichtigen (EL-act. 5 im Verfahren EL 2008/44).
A.d Mit zwei Einspracheentscheiden vom 12. September 2008 wies die EL-Durch
führungsstelle die Einsprachen ab. Die Liste der gemäss ELG anerkannten Ausgaben
sei abschliessend. Die von den Versicherten der Grossmutter für Betreuung und die
Haushaltführung geschuldeten Kosten von monatlich Fr. 800.- bzw. Fr. 600.- könnten
unter keine der vom Gesetz anerkannten Ausgabenpositionen subsumiert werden
(act. G 1.9 im Verfahren EL 2008/39 bzw. act. G 1.3 im Verfahren EL 2008/44).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richten sich die Beschwerden der Vertretung
der beiden Versicherten vom 2. Oktober 2008. In beiden Verfahren verlangt sie die
Aufhebung bzw. Nichtigerklärung der Einspracheentscheide. Die Betreuungskosten für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Versicherten seien in der EL-Berechnung vollumfänglich zu berücksichtigen. Die EL
seien rückwirkend ab 1. August 2007 (analog zur Waisenrente) zu bezahlen. Die
Begründungen der beiden Beschwerden sind weitgehend identisch. Die Vertretung
verlangt die Berücksichtigung des Pflegegelds von Fr. 800.- im Fall des
Beschwerdeführers 1 bzw. der Haushalts- und Betreuungspauschale von Fr. 600.- im
Fall des Beschwerdeführers 2 in den jeweiligen EL-Berechnungen. Die
Beschwerdeführer seien schon als Kleinkind bzw. im Vorschulalter von der
Grossmutter betreut worden. Diese habe sich nach dem Tod ihres Ehemanns ihr
Schweizer Pensionskassenguthaben ausbezahlen lassen und sei in ihre Heimat Serbien
Montenegro zurückgekehrt. Wegen der schweren Erkrankung der Mutter der
Beschwerdeführer sei sie in die Schweiz zurückgekommen und habe die Kinder betreut
und die Mutter gepflegt. Nach dem Tod der Mutter sei eine Fremdplatzierung der
beiden Kinder nicht in Frage gekommen, weil sich die verbleibenden Familienmitglieder
in dieser traumatisierenden Lebenssituation gestützt hätten. Die Beschwerdeführer der
Schule und vertrauten Bezugspersonen zu entziehen, einen Ortswechsel zu
organisieren, hätte dem Wohl der Waisen in keiner Weise entsprochen. Eine
Fremdplatzierung hätte zudem erhebliche Mehrkosten verursacht. In der den
Beschwerdeführer 1 betreffenden Beschwerde hielt die Vertretung fest, sollte der
Beschwerdeführer 1 nun auch noch Sozialhilfebezüger werden, werde seine
Einbürgerung, die im Frühling nächsten Jahres anstehe, mit Sicherheit abgelehnt
(act. G 1 im Verfahren EL 2008/39). In der den Beschwerdeführer 2 betreffenden
Beschwerde wies die Vertretung darauf hin, dass die Berechnung der angefochtenen
Verfügung zudem einen reduzierten Lebensbedarf für Nichtheimbewohner von
Fr. 9'480.- jährlich enthalte (act. G 1 im Verfahren EL 2008/44).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit zwei Schreiben vom 23. Oktober 2008 die

Abweisung der Beschwerden, verweist zu Begründung auf die Erwägungen der
Einspracheentscheide und verzichtet auf weitere Ausführungen (act. G 3 in beiden
Verfahren).
B.c Auf Aufforderung hin reichte die Vertretung der Beschwerdeführer dem Gericht
am 22. Januar 2009 die Waisenrentenverfügungen der Beschwerdeführer vom
5. September 2007 ein (act. G 5.1 in beiden Verfahren). Das Gericht setzte die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin am 26. Januar 2009 über den Aktenbeizug in Kenntnis (act. G 6
in beiden Verfahren).
Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 3a Abs. 4 des bis Ende 2007 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR
831.30) vom 19. März 1965 bzw. Art. 9 Abs. 2 des seit 1. Januar 2008 geltenden ELG
sind die anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen von Waisen, die im
gleichen Haushalt leben, zusammenzurechnen. Nach Art. 4 Abs. 1 lit. a der Verordnung
über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(ELV; SR 831.301) erfolgt für zusammenlebende rentenberechtigte Hinterlassene eine
gemeinsame Berechnung der jährlichen EL. Die Beschwerdegegnerin hat vorliegend in
Bezug auf die beiden im selben Haushalt lebenden Beschwerdeführer also
unzulässigerweise getrennte Berechnungen vorgenommen. Aufgrund der
vorgeschriebenen gemeinsamen Berechnung sind die Verfahren EL 2008/39 und EL
2008/44 aus materiell-rechtlichen und nicht nur aus prozessökonomischen Gründen zu
vereinigen.
2.
2.1 Die Waisenrente wird den Beschwerdeführern seit August 2007 ausgerichtet; in
Frage steht eine allfällige EL-Nachzahlung ebenfalls ab August 2007, da die
Anmeldungen zum EL-Bezug innert sechs Monaten nach Eröffnung der
Rentenverfügungen vom 5. September 2007 eingereicht wurden (vgl. Art. 22 Abs. 1
ELV).
2.2 Auf den 1. Januar 2008 ist das neue ELG in Kraft getreten. Es ersetzt das ELG
vom 19. März 1965 in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung. Neu sind
die Kantone für die Regelung der Vergütung der Krankheits- und Behinderungskosten
gemäss ELG zuständig (Art. 14 Abs. 2 ELG). Gemäss den Übergangsbestimmungen
des neuen ELG gelten die Art. 3-18 der Verordnung über die Vergütung von
Krankheits- und Behinderungskosten bei den Ergänzungsleistungen (ELKV;
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
SR 831.301.1) längstens bis Ende 2010 weiterhin, solange die Kantone die Kosten, die
nach Art. 14 Abs. 1 ELG vergütet werden können, nicht bezeichnet haben. Im Kanton
St. Gallen ist auf den 1. Januar 2008 basierend auf Art. 4 des kantonalen
Ergänzungsleistungsgesetzes (ELG/SG; sGS 351.5) die Verordnung über die Vergütung
von Krankheits- und Behinderungskosten bei den Ergänzungsleistungen (ELKV/SG;
sGS 351.53) in Kraft getreten. Gemäss der Übergangsbestimmung in Art. 16 werden
Krankheits-, Behinderungs- und Hilfsmittelkosten nach dieser Verordnung vergütet,
wenn nach Vollzugsbeginn die Behandlung vorgenommen oder der Kauf getätigt
wurde. Da per 1. Januar 2008 im Bereich der Krankheits- und Behinderungskosten der
Kostenträger vom Bund zum Kanton wechselte, hat vorliegend in Analogie zu Art. 16
ELKV/SG betreffend Kosten für Pflege und Betreuung ab 1. Januar 2008 das kantonale
Recht zur Anwendung zu gelangen. Für die Zeit bis Ende 2007 ist Bundesrecht und
somit das ELG von 1965 bzw. die bundesrechtliche ELKV anzuwenden.
3.
3.1 EL-anspruchsberechtigt sind unter anderem Ausländer mit Wohnsitz und
gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, wenn sie sich unmittelbar vor dem Zeitpunkt,
von dem an die EL verlangt wird, ununterbrochen zehn Jahre in der Schweiz
aufgehalten und Anspruch auf eine Waisenrente haben (Art. 2 Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 2b
lit. a aELG; Art. 4 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 5 Abs. 1 ELG). Die EL entspricht dem Betrag,
um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 3a
Abs. 1 aELG; Art. 9 Abs. 1 ELG).
3.2 Für zuhause lebende Personen wird als Ausgabe ein Pauschalbetrag für den
allgemeinen Lebensbedarf anerkannt. Dieser belief sich bei Alleinstehenden bis Ende
2007 auf jährlich mindestens Fr. 16'540.- und höchstens Fr. 18'140.-, ab 2008 auf
Fr. 18'140.- (Art. 3b Abs. 1 lit. a Ziff. 1 aELG; Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG). Bei
rentenberechtigten Waisen wurde bis Ende 2007 ein Betrag von mindestens Fr. 8'680.-
und höchstens Fr. 9'480.- und ab 2008 von Fr. 9'480.- anerkannt (Art. 3b Abs. 1 lit. a
Ziff. 3 aELG; Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 ELG). Vor der 2008 in Kraft getretenen Novelle
verpflichtete Art. 5 Abs. 1 lit. a aELG die Kantone, den Betrag für den Lebensbedarf
nach Art. 3b Abs. 1 lit. a festzulegen. Der Kanton St. Gallen bezeichnete in Art. 2 Abs. 1
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
lit. a ELG/SG den bundesrechtlich höchstzulässigen Ansatz für den allgemeinen
Lebensbedarf als massgebend.
3.3 Der weit unter dem Lebensbedarf Alleinstehender liegende Waisenansatz wurzelt
in der Erfahrungstatsache, dass der Lebensbedarf pro Kopf bei mehreren im selben
Haushalt lebenden Personen tiefer ist als bei allein lebenden Personen. Die
Lebensbedarfspauschale von Waisen ist vom Gesetzgeber nur als "Zuschlag" zum
allgemeinen Lebensbedarf des mit dem (Halb-)Waisen zusammenlebenden Elternteils
betrachtet worden. Lebt der Waise jedoch allein, ist sein Existenzbedarf mit der
reduzierten Pauschale nicht gedeckt. Der Existenzbedarf des allein lebenden Waisen
liegt nicht tiefer als jener eines Alters-, Invaliden- oder Witwerrentenbezügers bzw.
einer Witwenrentenbezügerin. Art. 3b Abs. 1 lit. a Ziff. 3 aELG bzw. Art. 10 Abs. 1 lit. a
Ziff. 3 ELG weisen daher eine Lücke auf (m.w.H. Ralph Jöhl, Die Ergänzungsleistungen
zur AHV/IV, in: SBVR XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, S. 1696 Rz. 89). Die
vom Bundesamt für Sozialversicherung herausgegebene Wegleitung über die EL zur
AHV/IV (WEL) hält folglich fest, dass die Lebensbedarfspauschale von Alleinstehenden
auch anwendbar ist bei nicht mit Eltern oder einem Elternteil lebenden, also
alleinstehenden minderjährigen oder volljährigen Kindern, denen eine Waisenrente
zusteht. Nicht als alleinstehend seien dabei in der Regel die Kinder zu betrachten, die
zwar ausserhalb der häuslichen Gemeinschaft, aber mit Geschwistern, bei Verwandten
oder Pflegeeltern wohnen (Rz. 2023 WEL). Vorbehalten bleibt gemäss dieser Rz.
allerdings in solchen Fällen der Nachweis, dass dem Kind Unterhaltskosten erwachsen,
die den Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf für Waisen übersteigen und deshalb
die Anwendung eines erhöhten Betrags – höchstens aber der Betrag für den
allgemeinen Lebensbedarf für Alleinstehende – rechtfertigen.
3.4 Vorliegend lautet der Mietvertrag der von den Beschwerdeführern und der
Grossmutter bewohnten Vierzimmerwohnung auf den Namen des Beschwerdeführers
2; er wurde nach dem Tod der Mutter offensichtlich auf ihn umgeschrieben (EL-
act. 12-3 im Verfahren EL 2008/44). Im Gegensatz zu seinem Bruder bezahlt er zudem
bereits die höheren Krankenkassenprämien für Jugendliche. Er ist volljährig und lebt
nicht mit einem Elternteil zusammen, in dessen EL-Berechnung er lediglich in Form des
Zuschlags gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 ELG einzubeziehen wäre. Zwar lebt der
Beschwerdeführer 2 mit seiner Grossmutter zusammen; diese ist jedoch nicht in die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
EL-Berechnung einbezogen und ist nicht zu dessen finanzieller Unterstützung
verpflichtet (dies gilt auch für den Beschwerdeführer 1; EL-act. 14-7, Ziff. 5 im
Verfahren EL 2008/39). Bei dieser Sachlage erscheint es als angezeigt, dem
Beschwerdeführer 2 wie jedem gewöhnlichen unverheirateten erwachsenen Alters-,
Invaliden- oder Witwenrentebezüger grundsätzlich den Pauschalbetrag für
Alleinstehende gemäss Art. 3b Abs. 1 lit. a Ziff. 1 aELG bzw. Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 3
ELG zuzuerkennen. Der Erfahrungstatsache, dass der Lebensbedarf pro Kopf bei
mehreren im selben Haushalt wohnenden Personen abnimmt, ist dadurch Rechnung zu
tragen, dass in der gemeinsamen EL-Berechnung der Brüder für den
Beschwerdeführer 1 lediglich der reduzierte Waisenlebensbedarf gemäss Art. 3b Abs. 1
lit. a Ziff. 3 aELG bzw. Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 ELG anzurechnen ist. Der finanzielle
Bedarf des Beschwerdeführers 1, der in der vom erwachsenen Beschwerdeführer 2
gemieteten Wohnung lebt, ist vergleichbar mit jenem eines Halbwaisen, der bei einem
witwen-/witwerrentenberechtigten Elternteil lebt, bzw. eines mit den Eltern oder einem
Elternteil lebenden kinderrentenberechtigten Kindes. Insgesamt ist in der gemeinsamen
Berechnung bei der Position "Lebensbedarf" somit ein Betrag von Fr. 27'620.-
(Fr. 18'140.- + Fr. 9'480.-) anzuerkennen. Bei den Krankenkassenprämien und den
Mietkosten sind im Übrigen freilich die Ausgaben für beide Beschwerdeführer
anzurechnen.
4.
4.1 EL-Bezügern ist ein Anspruch einzuräumen auf die Vergütung von
ausgewiesenen, im laufenden Jahr entstandenen Kosten u.a. für Hilfe, Pflege und
Betreuung zu Hause sowie in Tagesstrukturen (Art. 3d Abs. 1 lit. b aELG). Der
Bundesrat bezeichnet die vergütungsfähigen Kosten nach Abs. 1. Er kann die
Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten bei Personen regeln, bei denen
die zu vergütenden Kosten höher sind als der Überschuss der anrechenbaren
Einnahmen über die anerkannten Ausgaben (Art. 3d Abs. 4 aELG). Die Kompetenz zur
Bestimmung der vergütungsfähigen Kosten hat der Bundesrat in aArt. 19 ELV auf das
Eidgenössische Departement des Innern übertragen, das die ELKV erlassen hat. In
aArt. 19a Abs. 1 ELV hat der Bundesrat verordnet, dass Personen mit
Einnahmenüberschuss Anspruch auf die Vergütung von Krankheits- und
Behinderungskosten haben, wenn sie die übrigen Voraussetzungen nach Art. 2 aELG
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erfüllen. Die Vergütung entspricht dem Betrag, um den die ausgewiesenen Kosten den
Einnahmenüberschuss übersteigen (aArt. 19a Abs. 2 ELV). Im neuen ELG wurde direkt
im Gesetz verankert, dass Personen, die aufgrund eines Einnahmenüberschusses
keinen Anspruch auf eine jährliche EL haben, Anspruch auf die Vergütung der
Krankheits- und Behinderungskosten haben, die den Einnahmenüberschuss
übersteigen (Art. 14 Abs. 6 ELG). Das System der EL betrachtet die Krankheits- und
Behinderungskosten somit als anerkannte Ausgaben, auch wenn sie aus
verfahrenstechnischen Gründen nicht in die Berechnung der laufenden EL einbezogen
werden (Ralph Jöhl, Die Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: SBVR XIV, Soziale
Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, S. 1864, Rz. 317 sowie Fn. 1087).
4.2 Vorliegend führt die Beschwerdegegnerin in den Einspracheentscheiden
zutreffend aus, dass die Betreuungskosten nicht unter die abschliessende Liste der
anerkannten Ausgaben gemäss Art. 3b aELG bzw. Art. 10 ELG subsumiert werden
können. Zu prüfen bleibt jedoch, ob diese Kosten als Krankheits- und
Behinderungskosten anzuerkennen sind.
4.2.1 Der vom Beschwerdeführer 1 an seine Grossmutter zu leistende
Pflegebeitrag fällt mangels Krankheit nicht unter den Begriff der Krankheitskosten. Eine
Einordnung unter den Begriff der "Behinderungskosten" im weiteren Sinn ist jedoch
möglich. Der Beschwerdeführer 1 leidet zwar nicht an einer Behinderung in Form einer
gesundheitlichen Einschränkung. Er ist aufgrund seines jugendlichen Alters jedoch
darin behindert, ein selbstständiges Leben zu führen – dies ist ihm aus tatsächlichen
und rechtlichen Gründen verwehrt. Ihm fehlt mangels Mündigkeit die
Handlungsfähigkeit (Art. 13 ZGB). Aufgrund seines jugendlichen Alters bedarf er
anerkanntermassen der Pflege, verstanden auch als Betreuung – wie dies analog bei
betagten Personen der Fall sein kann – und "Erziehung". Im System der EL sollen u.a.
notwendige Kosten des EL-Bezügers, die mit dem der EL zugrunde liegenden
rentenanspruchsbegründenden Sachverhalt (u.a. Alter) in Zusammenhang stehen,
vergütet werden; die EL sollen auch diesbezüglich Armut und den Gang zum Sozialamt
ersparen. Das jugendliche Alter des Beschwerdeführers 1 ist vorliegend gemeinsam mit
der Tatsache, dass seine Mutter gestorben ist, rentenanspruchsbegründend
(Waisenrente) und führt dazu, dass er im kindesrechtlichen Sinn pflegebedürftig ist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Grundsätzlich ist vor diesem Hintergrund eine Subsumtion des Pflegegeldes unter den
weit verstandenen Begriff der "Behinderungskosten" möglich.
4.2.2 Anders verhält sich die Sache beim Beschwerdeführer 2. Dieser war im
Zeitpunkt des Todes der Mutter bereits mündig und damit auch handlungsfähig.
Abweichend von seinem jüngeren Bruder wurde für ihn deswegen keine
Vormundschaft errichtet. Auch wenn er sich noch bis Sommer 2009 in Erstausbildung
befindet und somit auch über die Mündigkeit hinaus einen Anspruch auf eine
Waisenrente hat, ist es ihm möglich und zumutbar, ein selbstständiges Leben zu
führen. Anders als sein Bruder bedarf er keiner Betreuung und Erziehung mehr. Die
"Haushaltsführungspauschale" von Fr. 600.-, die er gemäss seinen Angaben mit seiner
Grossmutter vereinbart hat, können nicht unter den Begriff der Behinderungskosten
subsumiert werden. Dem Beschwerdeführer 2 ist es zuzumuten, die auf ihn
entfallenden Hausarbeiten in seiner Freizeit zu erledigen. Die vereinbarte Pauschale fällt
weder unter die anerkennbaren Ausgaben gemäss Art. 3b aELG bzw. Art. 10 ELG noch
unter den Titel der Krankheits- und Behinderungskosten. Die Beschwerdegegnerin hat
deren Einbezug in die EL-Berechnung folglich zu Recht verweigert.
4.3 Weiter zu prüfen ist somit lediglich noch die Anerkennung des vom
Beschwerdeführer 1 zu bezahlenden Pflegegelds von Fr. 800.- unter dem Titel der
Krankheits- und Behinderungskosten. Gemäss Art. 13b Abs. 1 ELKV werden Kosten für
Pflege und Betreuung, die durch Familienangehörige erbracht wird, nur vergütet, wenn
die betreffenden Familienangehörigen nicht in die EL-Berechnung eingeschlossen sind
(lit. a) und durch die Pflege und Betreuung eine länger dauernde, wesentliche
Erwerbseinbusse erleiden (lit. b). Ansonsten kennt die ELKV die Vergütung von Kosten
für Hilfe, Pflege und Betreuung zu Hause, die infolge Alter, Invalidität, Unfall oder
Krankheit notwendig sind und durch eine nicht im selben Haushalt lebende Person
erbracht werden (Art. 13 ELKV; siehe auch Jöhl, a.a.O., S. 1878, Rz. 342 und Fn. 1147;
Rz. 5066.2 der Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV in der bis
Ende 2007 gültig gewesenen Fassung [WEL]).
4.4 Vorliegend erbringt die leibliche Grossmutter des Beschwerdeführers 1 die
Pflegeleistungen. Sie ist eine Familienangehörige im Sinn von Art. 13b ELKV, zumal
dieser Begriff weit zu fassen ist (vgl. zum Begriff Jöhl, a.a.O., S. 1886, Rz. 353). In die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
EL-Anspruchsberechnung des Beschwerdeführers 1 ist die Grossmutter nicht
einbezogen. Zu klären bleibt die Frage, ob sie auch die Voraussetzung der lit. b erfüllt.
Eine Erwerbseinbusse ist nicht nur dann beachtlich, wenn sie infolge Aufgabe einer vor
der Pflege und Betreuung eines Familienangehörigen ausgeübten Erwerbstätigkeit
entstand, sondern auch dann, wenn infolge der Pflege die Aufnahme (bzw. der Ausbau)
einer Erwerbstätigkeit verunmöglicht wurde. Der Wortlaut drängt keine andere
Auslegung auf. Zudem ist zu beachten, dass zu Hause lebende pflegebedürftige EL-
Bezüger eine besondere Förderung erfahren sollten (vgl. die Erläuterungen des BSV zur
im Rahmen der 2. EL-Revision geänderten ELKV; ZAK 1986 S. 379). Dieser Förderung
liefe zuwider, wenn die Berücksichtigung einer Entschädigung von
Familienangehörigen, die durch die Pflege an der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
gehindert werden, ausser Betracht fiele (vgl. LGVE 1994 II Nr. 30, Erw. 4b). Eine
Differenzierung danach, ob der pflegende Familienangehörige vor Aufnahme der Pflege
einer Erwerbstätigkeit nachgegangen ist oder nicht, bezeichnete das
Verwaltungsgericht des Kantons Luzern zu Recht als sachfremd und willkürlich und sah
darin einen Verstoss gegen das verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgebot (LGVE
1994 II Nr. 30, Erw. 4b). Im Rahmen von Art. 13b Abs. 1 lit. b ELKV ist also auch die
hypothetische Aufnahme oder die hypothetische Steigerung einer bestehenden
Erwerbstätigkeit zu berücksichtigen, sofern eine solche überwiegend wahrscheinlich ist
(so auch BVR 1992 S. 350, Erw. 3b).
4.5 Nach Angaben der Vormundin des Beschwerdeführers 1 liess sich dessen in der
Schweiz erwerbstätig gewesene Grossmutter per Ende 2006 frühzeitig pensionieren
und reiste am 27. Dezember 2006 in ihr Heimatland aus, um dort den Lebensabend zu
verbringen. Das Pensionskassenguthaben habe sie sich ausbezahlen lassen. Bereits
am 18. Februar 2007 sei sie wieder in die Schweiz zurückgekehrt, um ihre schwer
erkrankte Schwiegertochter zu pflegen und sich um ihre beiden Enkel zu kümmern (EL-
act. B-2). Die Akten enthalten keine Hinweise darauf, ob die Grossmutter des
Beschwerdeführers 1 sich auch ihr Guthaben der schweizerischen ersten Säule ins
Heimatland überweisen liess oder ob sie in der Schweiz eine Witwenrente oder
frühzeitig eine Altersrente bezieht. Bis unmittelbar vor der als definitiv beabsichtigten
Ausreise aus der Schweiz Ende 2006 hat die Grossmutter hier gearbeitet. Ob ihre
Einkommens- und Vermögenssituation die Frühpensionierung auch dann zugelassen
hätten, wenn sie beabsichtigt hätte, in der Schweiz zu bleiben, hat die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin nicht abgeklärt. Sollte dies nicht der Fall sein, so wäre die
Grossmutter hier in der Schweiz grundsätzlich aus finanziellen Gründen gezwungen,
wieder eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Ob sie dies getan hat, wurde ebenfalls nicht
abgeklärt. Nahm die Grossmutter keine bzw. keine volle Erwerbstätigkeit auf, ist zu
prüfen, ob dies mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in den Betreuungspflichten
gegenüber dem Beschwerdeführer 1 begründet liegt. Bei einer Bejahung dieser Frage
wäre von einer Erwerbseinbusse im Sinn von Art. 13b Abs. 1 lit. b ELKV auszugehen,
sofern die Grossmutter ohne die Betreuungspflichten gegenüber dem
Beschwerdeführer 1 ein Fr. 800.- übersteigendes Einkommen erzielen würde, was im
Hinblick auf das mutmassliche Existenzminimum der Grossmutter naheliegend ist. Der
Pflegebeitrag von Fr. 800.- pro Monat, den der Beschwerdeführer seiner Grossmutter
schuldet, wäre diesfalls unter dem Titel des Art. 13b ELKV anzuerkennen.
5.
5.1 Für die EL-Berechnung ab 1. Januar 2008 ist wie erläutert die kantonale EL-
Gesetzgebung zu berücksichtigen. Art. 4 ELG/SG (sGS 351.5) enthält Regelungen zu
den Krankheits- und Behinderungskosten gemäss Art. 14 Abs. 1 des
bundesrechtlichen ELG. Demnach beschränken sich die anerkennbaren Krankheits-
und Behinderungskosten auf die im Rahmen einer wirtschaftlichen und zweckmässigen
Leistungserbringung erforderlichen Ausgaben, soweit diese nicht Versicherer oder
Dritte decken (Abs. 1). Kosten für Leistungen, die ausserhalb des Geltungsbereichs der
obligatorischen Sozialversicherungen erbracht wurden, werden ausnahmsweise
vergütet, wenn die medizinische Notwendigkeit, die Wirtschaftlichkeit und
Zweckmässigkeit nachgewiesen sind (Abs. 3). Diese Voraussetzungen sind vorliegend
in Bezug auf den Beschwerdeführer 1 erfüllt. Die Wirtschaftlichkeit und
Zweckmässigkeit können beim von der Vormundschaftsbehörde festgelegten
Pflegegeld von lediglich Fr. 800.- pro Monat ohne weiteres bejaht werden. Die
Notwendigkeit ist ebenfalls gegeben, wenn auch nicht aus medizinischen Gründen im
eigentlichen Sinn. Wegen seines jugendlichen Alters könnte und dürfte der
Beschwerdeführer 1 nicht allein leben und ist auf Betreuung und Pflege zwingend
angewiesen. Art. 4 Abs. 3 ELG/SG ist zu eng formuliert und muss in rechtskonformer
Anwendung auch die im beschriebenen Sinn bestehende Notwendigkeit genügen
lassen.
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2 Gemäss Art. 4 Abs. 5 ELG/SG regelt die Regierung die Einzelheiten zu den
Krankheits- und Behinderungskosten durch Verordnung. Sie hat diesen Auftrag durch
den Erlass einer kantonalen ELKV (sGS 351.53) erfüllt. Die Regelung des Art. 12 Abs. 1
ELKV/SG ist mit Art. 13b Abs. 1 aELKV des Bundes identisch. Gemäss Art. 12 Abs. 3
ELKV/SG werden je Stunde Fr. 25.- vergütet. Die Kosten werden im ausgewiesenen
Umfang, höchstens aber in der Höhe des Erwerbsausfalls, berücksichtigt. Wie viele
Stunden die Grossmutter monatlich mit der Pflege und Erziehung des
Beschwerdeführers 1 beschäftigt ist, lässt sich kaum ermitteln. Dies ist jedoch auch
nicht notwendig, da ohnehin nur die Anerkennung des auf Fr. 800.- begrenzten
Pflegegelds zur Diskussion steht. Bei einem Stundenansatz von Fr. 25.- wäre lediglich
ein zeitlicher Aufwand von 32 Stunden pro Monat, also weniger als acht Stunden pro
Woche, notwendig. Es ist ohne weiteres davon auszugehen, dass der effektive
Aufwand höher liegt. Somit kommt auch nach kantonalem Recht der Einbezug der vom
Beschwerdeführer 1 zu leistenden Pflegegeldpauschale von Fr. 800.- in die EL-
Berechnung in Frage.
6.
6.1 Die Beschwerden sind aufgrund der vorstehenden Erwägungen unter Aufhebung
der angefochtenen Einspracheentscheide teilweise gutzuheissen. Die Sache ist an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine gemeinsame EL-Berechnung
der beiden Beschwerdeführer vornehme. Dabei hat sie bei der Ausgabenposition des
Lebensbedarfs für den Beschwerdeführer 2 den Betrag gemäss Art. 3b Abs. 1 lit. a
Ziff. 1 aELG bzw. Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG und für den Beschwerdeführer 1 den
Betrag gemäss Art. 3b Abs. 1 lit. a Ziff. 3 aELG bzw. Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 ELG
anzuerkennen. Weiter hat sie in Bezug auf die Anrechenbarkeit der Pflegepauschale
von Fr. 800.-, die der Beschwerdeführer 1 seiner Grossmutter entrichten muss,
abzuklären, ob die Grossmutter ohne die ihr obliegenden Betreuungspflichten einer
Erwerbstätigkeit nachgehen würde bzw. für den Fall, dass sie bereits eine teilzeitliche
Erwerbstätigkeit ausübt, das Pensum erhöhen würde (insbesondere aufgrund
finanzieller Notwendigkeit). Ist dies zu bejahen, erleidet sie also aufgrund der
Betreuungspflichten eine (hypothetische) Erwerbseinbusse, so ist der Pflegebeitrag von
Fr. 800.- unter dem Titel Krankheits- und Behinderungskosten in die EL-Berechnung
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aufzunehmen. Die Anerkennung der "Haushaltsführungspauschale" von Fr. 600.-, die
der Beschwerdeführer 2 der Grossmutter entrichtet, fällt ausser Betracht.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
7.
Wie bereits unter der Geltung des alten ELG sind die Krankheits- und
Behinderungskosten weiterhin dem Bereich der ordentlichen EL zuzuordnen.
Entsprechend findet sich im kantonalen ELG die Ausführungsgesetzgebung zu den
Krankheits- und Behinderungskosten (Art. 4 ELG/SG) unter dem Gliederungstitel "I.
Ordentliche Ergänzungsleistungen". Die im ELG/SG in der bis Ende 2007 gültig
gewesenen Fassung unter dem Titel ausserordentliche (kantonalrechtliche) EL
anerkannten Krankheits- und Behinderungskosten (vgl. Art. 6 aAbs. 1 ELG/SG) wurden
in der seit 2008 gültigen Fassung mangels praktischer Relevanz gestrichen (vgl. die
Botschaft der Regierung vom 13. Februar 2007 zum Gesetz über die Umsetzung der
Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und
Kantonen [NFA], publ. in ABl 2007 Nr. 9, S. 700). Die Regelung der ordentlichen EL ist
grundsätzlich Sache des Bundesgesetzgebers. Den Kantonen wurden im Rahmen der
NFA im Bereich der Krankheits- und Behinderungskosten gewisse
Regelungskompetenzen eingeräumt. Da diese schwergewichtig vollziehender Art sind
und sich an den engen Rahmen der bundesrechtlichen Vorschriften zu halten haben,
erscheint eine selbstständige Anfechtung dieses Bereichs beim kantonalen
Verwaltungsgericht analog dem Rechtsmittelweg bei den ausserordentlichen EL nicht
als zielführend. Aufgrund des engen Sachzusammenhangs mit dem Bundesrecht
wären die kantonalen Vorschriften bzw. deren Anwendung wohl durch das
Bundesgericht zu überprüfen (vgl. zum Erfordernis des engen Sachzusammenhangs
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, St. Gallen 2003, S. 258, Rz. 493 f.). Dieses hat
denn auch unter der alten Rechtslage im Bereich der EL kantonales Recht
angewendet, sofern nicht die ausserordentlichen EL betroffen waren (vgl. etwa BGE
118 V 142, Erw. 1a und 3b; P 44/03 vom 11. Mai 2004, Erw. 2.1.2; P 66/00 vom
15. Februar 2001, Erw. 2b; P 7/00 vom 29. Dezember 2000, Erw. 3c; P 53/05 vom
18. September 2006, Erw. 2 und 4.3). Eine Aufspaltung der vorliegenden Streitsache in
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einen kantonalrechtlichen und einen bundesrechtlichen Teil wäre zudem kaum sinnvoll
durchführbar. Entsprechend ist der vorliegende Entscheid insgesamt direkt beim
Bundesgericht anfechtbar.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG