Decision ID: a2b2d6f9-73a4-57dd-94a4-1a1d3993bbaf
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Alex R. Le Soldat, Stadelhoferstrasse 40,
8001 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 14. März 2008 bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (SVA) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an.
Neben der Ausrichtung einer Rente beantragte sie Berufsberatung und
Arbeitsvermittlung. Die Behinderung bzw. Arbeitsunfähigkeit bestehe seit 23. Februar
2007. Sie sei durch Unfall und Krankheit herbeigeführt worden. Die zuständige
Unfallversicherung sei die SUVA. Nähere Angaben über die Art der gesundheitlichen
Beeinträchtigung wurden keine gemacht. Zuletzt habe sie bei der B._ gearbeitet (IV-
act. 1-1 ff.).
A.b In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen. Dabei ergab sich im
Wesentlichen, dass die Versicherte seit 1. Dezember 2006 bei der B._ als
Produktionsmitarbeiterin gearbeitet hatte. Am 14. Februar 2007 kündigte die
Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis während der Probezeit, da die Versicherte die
erforderliche Leistung nicht erbringen konnte (IV-act. 11-3 ff.). Am 23. Februar 2007
erlitt sie am Arbeitspatz ein Distorsionstrauma OSG rechts (IV-act. 17-1). Bis zum 1.
September 2007 erbrachte die SUVA Leistungen aus der Unfallversicherung (IV-act.
21-28).
A.c Am 5. Mai 2008 ging der Bericht von Dr. med. C._, Arzt für Allgemeine Medizin
FMH, vom 27. April 2008 bei der IV-Stelle ein. Er nannte folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Schmerzhafte Synostose zwischen Fibula und
Tibia rechts; Distorsionstrauma OSG rechts bei Arbeitsunfall vom 23.02.2007; St. n.
Abtragung der Synostose vom 17.04.2007 in Grabs; St. n. Unterschenkelfraktur rechts
2000 mit St. n. Marknagelosteosynthese; Fussfehlstellung mit Hohl-Spreizfuss sowie
Calcaneus varus beidseits; V. a. sensible Reizsymptomatik der peronealen Hautäste
(Neurologisches Konsil vom 28.06.2007). Es bestünden Schmerzen im rechten
Sprunggelenk mit Verdacht auf Sudeck. Die Versicherte sei seit 23. Februar 2007 und
bis auf weiteres 100% arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig. Es
handle sich jedoch um einen recht komplizierten Fall. Er empfehle eine MEDAS-
Abklärung. Die Kopien der weiteren vorhandenen medizinischen Akten werde er
nachreichen (IV-act. 17-1 ff.; 21-f ff.).
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A.d Am 22. August 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die
Voraussetzungen für Eingliederungsmassnahmen nicht erfüllt seien (IV-act. 23).
A.e Dr. med. D._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, stellte im Bericht vom
3. November 2008 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Depressive Episode mittleren Grades; Anpassungsstörung mit multipler Symptomatik;
Schmerzsyndrom bei diversen orthopädischen und rheumatologischen
Komplikationen, sich posttraumatisch entwickelnd. Aus psychiatrischer Sicht sei die
Versicherte als Arbeiterin und Hausfrau seit September 2007 und bis auf Weiteres zu
50-60% arbeitsunfähig. Den Gesundheitszustand erachte er als sich verschlechternd
(IV-act. 27-1, betreffend Datum des Berichts vgl. IV-act. 45-9 f.).
A.f Nach Sichtung der Akten empfahl der Regionale Ärztliche Dienst der IV-Stelle
(RAD) eine polydisziplinäre Begutachtung (IV-act. 28-2). Diese wurde im März und April
2009 von der MEDAS Zentralschweiz durchgeführt (IV-act. 34-1 ff.).
A.g Im MEDAS-Gutachten vom 6. Juli 2009 wurde der Versicherten eine
Arbeitsfähigkeit von 70% in diversen Tätigkeiten, welche nicht ausschliesslich stehend-
gehend verrichtet werden müssten, attestiert. Die Einschränkung von 30% basiere
ausschliesslich auf der psychiatrischen Beurteilung (IV-act. 34-24 f.).
A.h Mit Vorbescheid vom 16. Oktober 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten
gestützt auf das MEDAS-Gutachten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-
act. 39). Am 13. November und 8. Dezember 2009 liess die Versicherte, vertreten durch
die Vereinigung E._, gegen den Vorbescheid Einwand erheben (IV-act. 40; 46). Mit
Verfügung vom 5. Januar 2010 wies die IV-Stelle einen Rentenanspruch wie
angekündigt ab (IV-act. 49).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. A. Le Soldat in
Vertretung der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 3. Februar 2010. Die
Beschwerdeführerin lässt unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegnerin die Aufhebung der Verfügung beantragen. Es sei ihr eine
angemessene Invalidenrente, mindestens basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von
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60%, auszurichten (act. G 1). Die Beschwerde wird im Wesentlichen damit begründet,
dass die Beschwerdegegnerin bei der Invaliditätsbemessung keinen Leidensabzug
vorgenommen habe. Gemäss Beschwerdegegnerin bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
70%. Es sei somit nur noch eine Teilzeitarbeit möglich. Hinzu komme, dass auch
qualitative Einschränkungen bestünden. Gerechtfertigt sei daher ein Leidensabzug von
mindestens 20%. Somit ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 41% (act. G 1, S. 6).
Sodann sei im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS nicht auf die in verschiedenen
Berichten geäusserte abweichende Meinung des behandelnden Psychiaters
eingegangen worden. Dieser sei in seinen ausführlichen Berichten von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 60% ausgegangen. Aktuell (nach der Begutachtung
durch die MEDAS) habe sich der Zustand noch verschlechtert. Es liege auf der Hand,
dass ein ausgewiesener Facharzt, der seine Patientin über längere Zeit behandelt habe,
über eine wesentlich bessere Grundlage zur Beurteilung der entsprechenden Patientin
verfüge. Es sei somit von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 60% auszugehen.
Zusätzlich bestünden physische Einschränkungen, worunter auch das chronische
Handekzem falle, das im MEDAS Gutachten bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
keinerlei Beachtung gefunden habe (act. G 1, S. 7).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 26. April 2010 beantragt die Beschwerdegegenerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Es sei nicht einzusehen, wieso nicht auf das
MEDAS-Gutachten abgestellt werden könne. Der Meinung der neutralen MEDAS-
Experten sei ein grösserer Stellenwert beizumessen als derjenigen des nicht ganz
unbefangenen behandelnden Arztes. Zudem orientiere sich der behandelnde Arzt an
dem hier nicht relevanten bio-psychosozialen Modell der WHO und schätze die
Arbeitsunfähigkeit daher höher ein als der Versicherungsexperte. Sodann könne aus
dem Gutachten nicht abgeleitet werden, dass die Beschwerdeführerin nur noch Teilzeit
arbeiten könne. Fest stehe nur, dass sie aufgrund der Schmerzfixierung eine Leistung
von 70% der Norm erbringen werde. Die Berücksichtigung eines Leidensabzugs sei
daher nicht zulässig, da ansonsten die Einschränkung zweimal berücksichtigt würde.
Bei einer Leistungsfähigkeit von 70% der Norm liege der IV-Grad unter 40%. Die ange
fochtene Verfügung sei somit nicht zu beanstanden (act. G 4, Ziff. 2 f.).
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B.c Mit Replik vom 8. Juni 2010 lässt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten (act. G 8). Ergänzend stellt sie mit Hinweis auf das Rechtsgutachten von
Prof. Dr. iur. Jörg-Paul Müller und Dr. iur. Johannes Reich die Unabhängigkeit der
medizinischen Abklärungsstellen in Frage. Im Rechtsgutachten werde die Auffassung
vertreten, die IV-Stellen würden bei der Abklärung von Ansprüchen die Grundsätze
eines fairen Verfahrens gemäss Art. 6 EMRK verletzen. Gerade deshalb sei vorliegend
auf die Beurteilung des behandelnden Psychiaters und nicht auf das MEDAS-
Gutachten abzustellen (act. G 8, S. 3 f.).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 9. Juni 2010 auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 10).

Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin beantragt in diesem Verfahren einzig Rentenleistungen.
Die Mitteilung vom 22. August 2009 betreffend die Ablehnung von
Eingliederungsmassnahmen wurde nicht beanstandet (IV-act. 49-1; act. G 1).
1.2 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467
Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am
5. Januar 2010 (act. G 1.2), wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den all
gemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
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damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 Erw. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
1.3 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte
und nach zumut-barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.4 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b); und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).
1.5 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrund von mindestens 50% vor,
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so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 Erw. 4 mit Hinweisen). Einem
ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange umfassend
ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, wenn
die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenhänge einleuchtet und
die Schlussfolgerungen des Arztes begründet sind (BGE 134 V 231 Erw. 5.1; 125 V 351
Erw. 3a). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Sozialversicherung
eingeholten Gutachten ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 Erw. 3b/bb).
2.
2.1 Umstritten ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine Invalidenrente
zu Recht abgelehnt hat. Es stellt sich zunächst die Frage, ob die medizinische
Aktenlage die gesetzeskonforme Beurteilung des Leistungsanspruchs der
Beschwerdeführerin zulässt.
2.2 Der Rechtsvertreter macht geltend, es könne nicht auf das Gutachten der MEDAS
abgestellt werden. Das Abklärungsverfahren in der IV verstosse gegen Art. 6 EMRK.
Die medizinischen Abklärungsstellen seien von den IV-Stellen wirtschaftlich abhängig.
Sinngemäss macht er damit Befangenheit der medizinischen Abklärungsstellen
geltend.
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2.3 In BGE 137 V 210 wurde die Stellung der medizinischen Abklärungsinstitute
(MEDAS) rechtlich genauer beleuchtet. Insbesondere prüfte das Bundesgericht, ob die
von der Bundesverfassung (Art. 29 Abs. 1 und 2, Art. 30 Abs. 1 BV) und der
Europäischen Konvention für Menschenrechte (Art. 6 Ziff. 1 EMRK) gestellten
Anforderungen an ein faires Verfahren eingehalten sind und kam zum Schluss, dass der
Einsatz von MEDAS grundsätzlich verfassungs- und EMRK-konform sei. Gleichzeitig
stellte das Bundesgericht im Zusammenhang mit Administrativgutachten der MEDAS
jedoch auch Defizite fest, welche auf verfahrensrechtlichem Weg zu korrigieren seien
(Erw. 2; 3). Im Verwaltungsverfahren sei in Anlehnung an Art. 93 MVG die
einvernehmliche Gutachtenseinholung verstärkt in den Vordergrund zu stellen. Die bei
fehlendem Konsens zu treffende Anordnung, eine Expertise einzuholen, sei in Ver
fügungsform zu kleiden (Erw. 3.4.2.6). Dabei handle es sich um eine
Zwischenverfügung; der nicht wieder gutzumachende Nachteil sei zumindest für das
kantonale Verfahren zu bejahen (Erw. 3.4.2.7). Die Anordnung habe direkt in
Verfügungsform zu erfolgen, ohne Vorbescheid und nicht (zunächst) formlos, und zwar
jedes Mal, wenn eine Festlegung getroffen werde, welche die Verfahrensrechte der
versicherten Person zu berühren geeignet sei (insbesondere bei späterer Nennung der
Gutachter; Erw. 3.4.2.8). Der versicherten Person sei ein Anspruch einzuräumen, sich
vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern (Erw. 3.4.2.9). Sodann zeitigen die
verfahrensrechtlichen Korrektive auch Auswirkungen auf der Ebene der gerichtlichen
Beurteilung streitiger Rentenansprüche. Gelangten die Gerichte bei der Würdigung
eines Administrativgutachtens zum Schluss, weitere Abklärungen seien notwendig,
hätten sie diese in der Regel selbst vorzunehmen (Erw. 4.2). Die Angelegenheit dürfe
diesfalls nicht ohne Not an die Verwaltung zurückgewiesen werden (Erw. 4.4.1.1). Eine
Rückweisung bleibe hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung
einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet sei. Ausserdem bleibe es dem
kantonalen Gericht unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine
Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich
sei (Erw. 4.4.1.3). Es bestehe demnach ein Anspruch auf ein Gerichtsgutachten, wenn
die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren in rechtserheblichen Punkten
nicht ausreichend beweiswertig seien (Erw. 4.4.1.5). Der Umstand alleine, dass ein
Administrativgutachten aus Mitteln der Invalidenversicherung finanziert werde, bilde
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indessen kein genügendes Motiv, in jedem Beschwerdefall auf der Grundlage eines
Gerichtsgutachtens zu urteilen (Erw. 4.4.1.4).
2.4 Die vom Bundesgericht in vorstehender Erw. 2.3 erwähnten Anpassungen des
Verfahrens wirken sich auf den vorliegend zu beurteilenden Fall insoweit aus, dass
gegebenenfalls die Veranlassung eines Gerichtsgutachtens in Betracht zu ziehen wäre,
sollte sich nach Prüfung der spezifischen Gegebenheiten und der erhobenen Rügen
herausstellen, dass der relevante Sachverhalt nicht rechtsgenüglich erhoben wurde.
Indessen bedeutet die Anwendbarkeit justiziabler Korrektive auf laufende Verfahren
nicht, dass nach altem Verfahrensrecht eingeholte Gutachten ihren Beweiswert per se
verlören (BGE 137 V 210 Erw. 6).
2.5 Somit ist insbesondere zu prüfen, ob das MEDAS-Gutachten vor Bundesrecht
standhält. Die Beschwerdeführerin rügt die Befangenheit der MEDAS aufgrund der
wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Beschwerdegegnerin. Hinsichtlich einer
allfälligen Befangenheit der MEDAS unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen
Abhängigkeit hielt das Bundesgericht an seiner bisherigen Rechtsprechung fest, dass
der regelmässige Beizug eines Gutachters oder einer Begutachtungsinstitution durch
den Versicherungsträger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen
Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen für sich allein
genommen nicht zum Ausstand führten (BGE 137 V 210 Erw. 1.3.3 m. H. auf SVR 2009
UV Nr. 32 S. 111 Erw. 6, 8C_509/2008; SVR 2008 IV Nr. 22 S. 69 Erw. 2, 9C_67/2007;
RKUV 1999 Nr. U 332 S. 193 Erw. 2a/bb, U 212/97). Ein Ausstandsbegehren könne
sich ohnehin stets nur gegen Personen und nicht gegen Behörden richten; nur die für
eine Behörde tätigen Personen, nicht die Behörde als solche, könnten befangen sein
(SVR 2010 IV Nr. 2 S. 3 Erw. 2.1, 9C_500/2009; Urteil 9C_603/2010 vom 6. Oktober
2010 Erw. 5.2). Nach dem Gesagten ist der pauschale Vorwurf der Befangenheit der
MEDAS als Institution nicht zu hören. Die persönliche Befangenheit einer der MEDAS-
Gutachter hat die Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht. In den Akten finden sich
auch keine Hinweise, die für eine Befangenheit der Gutachter sprechen würden. Somit
erfüllt das Gutachten die formellen Anforderungen.
3.
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3.1 Des Weiteren ist umstritten, ob der Sachverhalt rechtsgenüglich erhoben worden
ist, insbesondere ob das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS inhaltlich eine
taugliche Grundlage zur Beurteilung der der Beschwerdeführerin verbleibenden
Arbeitsfähigkeit darstellt.
3.2 Das MEDAS-Gutachten stützt seine Beurteilung auf sämtliche Vorakten, die
eigenen persönlichen Befragungen der Beschwerdeführerin und die eigenen
internistischen, psychiatrischen und rheumatologischen Untersuchungen vom 31. März
und 2. April 2009 (IV-act. 34-1 ff.).
3.3
3.3.1 Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in Tirana,
der Hauptstadt Albaniens, als Tochter des Parteisekretärs der damaligen
kommunistischen Partei aufgewachsen ist. In ihrem Heimatland habe sie den
Krankenschwesternberuf erlernt und mehrere Jahre als Arztgehilfin in einer städtischen
Poliklinik gearbeitet (IV-act. 34-21; 34-33 f.). Ihren ursprünglich aus Mazedonien
stammenden Ehemann habe sie im Rahmen eines Ferienaufenthalts am Meer in
Albanien kennen gelernt. Er habe damals schon in der Schweiz gearbeitet. Sie sei 1995
zu ihrem Ehemann in die Schweiz gezogen. Bis im November 2006 habe sie
ausschliesslich als Hausfrau und Mutter ihrer vier Kinder gearbeitet. Ihr Ehemann habe
im Jahr 2004 einen Unfall gehabt. Ein eigenes Einkommen habe er nicht. Nach dem
Unfall habe zwei Jahre lang die Haftpflichtversicherung gezahlt (IV-act. 34-14). Aus
Geldmangel habe sie die Stelle bei der B._ angenommen (IV-act. 34-14). Sie habe
bereits im August 2000 eine Unterschenkelfraktur rechts erlitten. Davon habe sie sich
jedoch gut erholt (IV-acat. 34-21). Die Beschwerdeführerin geht offenbar seit dem
Unfall vom 23. Februar 2007 an Krücken (IV-act. 34-13).
3.3.2 In der zusammenfassenden Beurteilung kamen die Gutachter zum Schluss,
dass die Beschwerdeführerin aktuell in diversen Tätigkeiten, welche nicht
ausschliesslich stehend-gehender Natur seien, zu 70% arbeitsfähig sei. Die
Einschränkung von 30% basiere ausschliesslich auf der psychiatrischen Beurteilung;
das psychische Leiden könne sich aber auch spontan bessern (ohne Psychotherapie),
sodass die Arbeitsfähigkeit später eventuell höher angesetzt werden könne. In einer
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Fabriktätigkeit, beispielsweise in der Elektronik und Montage, bestehe eine 70%-ige
Arbeitsfähigkeit, wenn diese Tätigkeit nicht ausschliesslich stehend erfolge, sondern
zwischendurch auch sitzend ausgeübt werden könne. Zudem seien kraftvolle
Betätigungen des rechten Fusses (z.B. Pedalbedienung) nicht zumutbar. Im
Pflegebereich - die Versicherte verfüge über keine aktuellen Berufskenntnisse als
Krankenschwester mehr und müsste daher auf dem Niveau einer Pflegerin arbeiten -
sei sie aktuell zu 50% arbeitsfähig. Auch im Pflegeberuf bestehe eine
Steigerungsoption. Gemäss der rheumatologischen Beurteilung wäre nach einer
aufbauenden Behandlung nach einigen Monaten eine volle Belastung (100%) möglich,
wobei sich die Psyche weiterhin einschränkend auswirken könnte. Als Hausfrau im
eigenen Haushalt sei die Beschwerdeführerin, ebenfalls mit Steigerungsoption, zu 70%
arbeitsfähig. Die Beschwerdeführerin solle nochmals - und energisch - einer
aufbauenden Behandlung unterzogen werden. Es müsse ihr vor Augen geführt werden,
dass die weitere Benützung von Krücken absolut kontraproduktiv sei. Bei nur geringer
gesundheitlicher Störung und der attestierten Arbeitsfähigkeit von 70% mit
Steigerungsoption sei von einer guten Prognose auszugehen. Das Umfeld der
Beschwerdeführerin sei aber gezeichnet durch nicht durchschaubare psychosoziale
Faktoren, deren Einfluss nicht beurteilt werden könne (IV-act. 34-24 f.).
3.4
3.4.1 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bemängelt insbesondere die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im psychiatrischen Teilgutachten. Es sei entgegen
dem psychiatrischen Teilgutachten auf die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit des
behandelnden Psychiaters von 60% abzustellen.
3.4.2 Im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS wurde mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine chronische dissoziative Störung (ICD F 44) diagnostiziert. Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden Schwierigkeiten bei der kulturellen
Eingewöhnung (ICD Z 60.3; IV-act. 34-36 f.). Die Beschwerdeführerin habe die ganzen
Lebensbedingungen unreflektiert geschildert. Sie habe angegeben, dass alles kein
Problem gewesen sei, dass sich alle Veränderungen auf natürliche Weise zugetragen
hätten. Über das System im Osten und die Verhältnisse im Westen habe sie nie
intensiver nachgedacht. Den aktuellen Alltag und auch die Unfallfolgen habe sie
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indifferent, emotional kaum beteiligt, geschildert. Zwischendurch habe sie geweint,
ohne dass die Trauer als echte und überzeugende Gefühlsäusserung spürbar
geworden sei. Die Beschreibung der Fussbeschwerden seien pauschal geblieben, in
allgemeinen Formulierungen. Es tue dauernd weh und sie könne unmöglich stehen (IV-
act. 34-36). Die diagnostische Einordnung der Problematik sei nicht leicht. Neben einer
dissoziativen Störung würden auch eine hypochondrische Störung oder eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung in Frage kommen. In der Biographie der
Beschwerdeführerin sei auffällig, wie sie den Wechsel des ganzen soziokulturellen
Umfelds beurteile, mit wie wenig Emotionen sie auf den Umbruch von der Rolle als
Tochter eines angesehenen Staatsunktionärs (im Herkunftsland Albanien) zur
Fabrikarbeiterin (in der Schweiz) reagiert habe. Es könne aber als gesichert gelten, dass
sie über eine mindestens durchschnittliche Intelligenz verfüge und ihr unter diesen
Voraussetzungen auch einige Anpassungsleistungen abverlangt werden könnten. Die
Realität hier in der Schweiz, die Enttäuschung über das wirtschaftliche Scheitern,
möglicherweise auch die Invalidität des Ehemannes und später ihre eigenen
Beeinträchtigungen veranschaulichten den totalen Verlust eines Lebensplans, einer
Hoffnung, einer Vision, was ohne Zweifel eine schwere seelische Belastung darstelle.
Der für die Differentialdiagnosen notwendige seelische Konflikt sei damit ohne Zweifel
gegeben. Das weitgehende Fehlen von Emotionen bei der Schilderung, der explizite
Hinweis darauf, dass ihr all diese Veränderungen nichts hätten anhaben können,
würden für eine dissoziative Störung sprechen. Patienten mit anhaltender
somatoformer Störung oder einem Leiden aus dieser Gruppe seien sich der Konflikte
mindestens in groben Zügen bewusst und würden diese mit starker emotionaler
Beteiligung darlegen. Gewisse Inkohärenzen in den Angaben der Versicherten,
streckenweise ungenaue Erinnerungen, würden nun aber schlecht zur vermuteten
Intelligenzlage der Versicherten passen. Die Fussverletzung hätte auf der psychischen
Ebene eine Fixierung des Schmerzes, der Belastungsfähigkeit und der selbstdefinierten
Invalidität zur Folge gehabt. Mit dem Aufhänger des verletzten Fusses habe eine fast
schon als maligne zu bezeichnende Regression stattgefunden (die es als
psychiatrische Diagnose jedoch nicht gebe) die dazu geführt habe, dass sie dem
Status als Alleinernährerin einer Grossfamilie mit sehr bescheidenem Stundenansatz
habe entgehen können. Die Dysthymie, die dauernde Herabgestimmtheit, könne als
direkte Folge dieser misslichen sozialen Situation in Kombination mit der
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Chronifizierung der Fussbeschwerden gesehen werden. Sicher fehle es der
Beschwerdeführerin an Lebenslust, sicher sei der Antrieb vermindert, sicher sei der
dauernde Gebrauch von Krücken letztlich hinderlich, auch wenn er wie ein Symbol die
Behinderung letztlich für jeden sichtbar machen lasse (IV-act. 34-37). Betreffend die
Arbeitsfähigkeit in der bisher ausgeübten Tätigkeit bzw. einer Verweistätigkeit hielt der
Gutachter weiter fest, die Verarbeitung der ursprünglichen Beeinträchtigung und die
Chronifizerung der Beschwerden hätten ohne Zweifel eine psychische Dimension. Die
dissoziative Störung sei der Beschwerdeführerin bei der Bewältigung verschiedenster
Tätigkeiten hinderlich. Die Fixierung auf die Beschwerden schränke ihre
Leistungsfähigkeit, ihre Vitalität, ihre Initiative ein, und sie werde auch ein Bedürfnis
nach längeren Pausen bzw. nach Erholungszeiten daraus ableiten. Mit den erwähnten
Einschränkungen sei noch eine Arbeitsfähigkeit von 70% anzunehmen. Die
psychiatrischen Aspekte würden sich auf sämtliche Tätigkeiten auswirken (IV-act.
34-38).
3.4.3 Demgegenüber nannte der behandelnde Psychiater, Dr. D._, im Bericht
vom 3. November 2008 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
depressive Episode mittleren Grades; Anpassungsstörung mit multipler Symptomatik;
chronisches Schmerzsyndrom bei diversen orthopädischen und rheumatologischen
Komplikationen, sich posttraumatisch entwickelnd. Die Beschwerdeführerin sei seit
September 2007 bei ihm in Behandlung und seitdem als Arbeiterin und Hausfrau zu 50
- 60% arbeitsunfähig (IV-act. 27-1). Sie klage über Schmerzen, Zukunftsängste,
Schlafstörungen, Bedrücktheit, Angst auf die Strasse zu gehen, die sozialen Kontakte
seien abgebrochen worden, Müdigkeit und Erschöpftheit, kreisende Gendanken sowie
ein Gefühl von Sinnlosigkeit.
3.4.4 Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass rechtsprechungsgemäss unter
Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag es
nicht angehen kann, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets
dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an
solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält
es sich hingegen, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte
vorbringen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet
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sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 13. März 2006, I 676/05, E. 2.4 mit Hinweisen).
3.4.5 Objektiv feststellbare Gesichtspunkte, welche im psychiatrischen
Teilgutachten unberücksichtigt geblieben wären, können dem Bericht von Dr. D._
nicht entnommen werden. Der psychiatrische Gutachter hatte von diesem Bericht
Kenntnis und kommt im Ergebnis übereinstimmend mit Dr. D._ zum Schluss, dass
ein psychiatrisches Beschwerdebild mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt.
Unbeachtlich ist dabei, dass der Gutachter von einer unterschiedlichen Diagnose
ausgeht. Denn unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der
Aetiologie ist die durch die erhobenen Befunde bedingte Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit für das Vorliegen einer Invalidität massgebend (vgl. dazu Meyer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Auflage 2010, S. 19 f.). Gründe, die
an der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
Zweifel aufkommen liessen, sind dem Bericht von Dr. D._ indessen ebenfalls nicht zu
entnehmen. Die Schlussfolgerung des Gutachters, dass eine Gesundheitsstörung mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt - die Beschwerdeführerin jedoch offenbar
zumindest im Zeitpunkt der Begutachtung nicht in der Lage gewesen ist, diese
vollständig zu überwinden - erscheint nachvollziehbar. Dasselbe gilt für die
Feststellung, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich über die Ressourcen verfügt,
Anpassungsleistungen zu erbringen. Unter diesen Umständen erscheint die
gutachterliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit von 30% in sämtlichen Tätigkeiten
nachvollziehbar, zumal die psychiatrischen Befunde keine derartige Schwere
aufweisen, dass von einer höheren Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Daran vermag
auch der im Beschwerdeverfahren eingereichte Bericht von Dr. D._ vom 1. Dezember
2009 nichts zu ändern. Darin machte er eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands geltend, die Arbeitsunfähigkeit betrage seit Frühling 2008 mehr
als 66.6% (IV-act. 47-1 ff.). Inwiefern diese Verschlechterung eingetreten sein soll,
wird jedoch nicht dargelegt. Vielmehr gibt er weiterhin ein unverändertes
psychopathologisches Bild sowie unveränderte Befunde an, mithin scheinen keine
neuen Symptome mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgetreten zu sein. Auch die
gleichgebliebene Medikation (vgl. IV-act 27-2 und 45-3) sowie die lediglich
zweimonatliche Frequenz der Behandlungen lassen nicht auf eine erhebliche
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Verschlechterung der Beschwerden schliessen. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass
keine Gründe ersichtlich sind, weshalb nicht auf das psychiatrische Teilgutachten der
MEDAS abgestellt werden könnte.
3.5
3.5.1 Betreffend die somatischen Beschwerden kam der Gutachter im
rheumatologischen Teilgutachten zum Schluss, dass aus rheumatologischer Sicht
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden. Ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende Diagnosen genannt (IV-act. 34-30): Nicht
klassifizierbare Lumbosakralgie rechts; Kopfschmerzen frontal und occipital;
chronifizierte Arthralgien und Periarthralgien nach Supinationstrauma des rechten
Fusses (23.02.2007); St. n. Abtragung der Synostose resp. der hypertrophen
Pseudoarthrose (17.04.2007) und nach UTN-Marknagelung (18.08.2001) und
Marknagelentfernung (03.10.2001). Das jetzige Zustandsbild im Bereich des rechten
Fusses ergebe, soweit klinisch beurteilbar, keine Hinweise für dystrophe
Residualbefunde. Es zeige sich einzig ein immobilisationsbedingtes, leichtes
oberflächliches Ödem. Die vollständige Schonung der gewichttragenden Gelenke der
rechtsseitigen unteren Extremitäten seit dem Supinationstrauma durch Stockentlastung
beidseits und vorwiegender Horizontallage während des Tages erkläre die fehlende
Belastungstoleranz, welche durch die weitgehende Immobilisation und die ausgeprägte
Selbstlimitierung der Beschwerdeführerin weiter unterhalten werde (IV-act. 34-31). Die
früher festgestellte Diagnose einer Algodystrophie (CRPS 1 [Morbus Sudeck]) sei
vorwiegend auf den radiologischen Befund einer fleckigen Osteoporose abgestützt
worden. Dystrophiezeichen im engeren Sinn seien aber in der jetzt zur Verfügung
stehenden Dokumentation nirgends aufgeführt (IV.act. 34-22; 34-31). Bereits im
vergangenen Jahr habe eine Algodystrophie ausgeschlossen werden können. Die
funktionellen Einschränkungen im Bereich der rechten unteren Extremität sowie die
chronifizierten Schmerzen beurteile er als Immobilisationsfolge. Auch mittels einer
aktualisierten konventionell-radiologischen Abklärung der Sprunggelenke zeigten sich
weiterhin keine Hinweise für eine posttraumatische Arthroseentwicklung. Die
Beschwerdeführerin sei in ihrer angestammten Tätigkeit als Fabrikarbeiterin zu 100%
arbeitsfähig, sofern die Berufsausübung nicht vorwiegend stehend, sondern auch
sitzend und ohne kraftvolle Bewegung mit dem rechten Fuss (Pedalbedienung)
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ausgeführt werden könne. Dies gelte auch für jede andere leichte bis mittelschwere
manuelle Tätigkeit die vorwiegend sitzend ausgeführt werde. In der früher ausgeübten
Tätigkeit als Pflegefachfrau sei sie zur Zeit zu 50% arbeitsfähig, da diese Tätigkeit
vorwiegend stehend und gehend ausgeführt werden müsse. Bei begleitender Physio
therapie sei jedoch eine volle Belastung nach einigen Monaten wieder zumutbar (IV-
act. 34-31 f.).
3.5.2 Gründe, weshalb nicht auf das rheumatologische Teilgutachten abgestellt
werden könnte, sind keine ersichtlich, mithin benennt auch die Beschwerdeführerin
keine solchen. Sodann decken sich die Untersuchungsergebnisse des
rheumatologischen Teilgutachtens im Wesentlichen mit jenen der Uniklinik F._ vom
25. Juni 2008 (IV-act. 21-36 f.). Bereits damals hatte ein MRI des Fusses einen
unauffälligen Befund ergeben. Insbesondere konnte keine Arthrose festgestellt werden.
Ebenso fehlten klinische oder bildgebende Hinweise für eine Algodystrophie. Die Ärzte
der Uniklinik F._ kamen zusammenfassend zum Schluss, bei den Beschwerden
handle es sich um ein chronisches Schmerzsyndrom nach Distorsionstrauma und
nachfolgender Operation, wobei die Ursache dieser Schmerzerkrankung unklar bleibe.
Unter diesen Umständen erscheint die gutachterliche Einschätzung einer 100%-igen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit plausibel.
3.6 Das polydisziplinäre Gutachten erfüllt sämtliche rechtsprechungsgemässen
Kriterien der Beweistauglichkeit. Es ist für die strittigen Belange umfassend, beruht auf
allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die beklagten Beschwerden und ist in
Kenntnis der Vorakten abgegeben worden. Auch von dem im Beschwerdeverfahren
geltend gemachten Handekzem hatten die Gutachter Kenntnis (IV-act. 34-24). Dass
dieses einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben sollte, erscheint nicht
nachvollziehbar. Zudem sind die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und beinhalten
begründete Schlussfolgerungen. Zusammenfassend ist gestützt auf das
polydisziplinäre Gutachten der MEDAS vom 6. Juli 2009 von einer 70%-igen
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit, wie im Gutachten beschrieben,
auszugehen.
4.
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4.1 Sodann bemängelt die Beschwerdeführerin die Invaliditätsbemessung. Die Be
schwerdegegnerin habe keinen Leidensabzug vorgenommen. Angemessen sei ein
Leidensabzug von mindestens 20%.
4.2 Die Invaliditätsbemessung hat unbestritten nach der allgemeinen Methode des
Einkommensvergleichs zu erfolgen. Die Beschwerdeführerin war in der Schweiz einzig
als Hilfsarbeiterin tägig. Die Vergleichseinkommen (Validen- und Invalideneinkommen)
sind daher auf der gleichen Grundlage zu erheben. In derartigen Fällen, wo zur
Bestimmung des Validen- und Invalideneinkommens dieselbe Vergleichsgrösse
herangezogen wird, kann ein sogenannter Prozentvergleich vorgenommen werden.
Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts I 697/05
vom 9. März 2007 Erw. 5.4 mit Hinweis).
4.3 Mit dem Abzug vom Tabellenlohn soll der Tatsache Rechnung getragen werden,
dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321
Erw. 3b/aa) und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 Erw. 5b/aa
in fine). Der Abzug ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen
(BGE 126 V 75 Erw. 5b/bb-cc; Urteil 9C_721/2010 vom 15. November 2010 Erw. 4.2).
4.4 Gründe für einen Leidensabzug in der geltend gemachten Höhe von mindestens
20% sind nicht ersichtlich. Ein gewisser sogenannter Konkurrenznachteil ist zwar nicht
auszuschliessen. Das Alter fällt nicht relevant ins Gewicht. Insgesamt erscheint ein
Abzug von maximal 10% gerechtfertigt. Somit ergibt sich bei einer Arbeitsfähigkeit von
70% in einer adaptierten Tätigkeit ein Invaliditätsgrand von weniger als 40% und damit
kein Anspruch auf eine Invalidenrente (100% - [100 x 0.7 x 0.9]).
4.5 Zu prüfen bleibt ein allfälliger Anspruch auf eine befristete Rente. Versicherte
haben Anspruch auf eine Rente, wenn sie u.a. während eines Jahres ohne
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wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen
sind (Art. 6 ATSG) und nach Ablauf des Wartejahres eine Invalidität von mindestens
40% verbleibt (Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG). Über den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit
hat sich im MEDAS-Gutachten einzig der psychiatrische Gutachter geäussert (vgl. IV-
act. 34-25 bzw. 34-38). Der Hausarzt attestierte seit dem Arbeitsunfall vom 23. Februar
2007 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 17). Demgegenüber schätzten die Ärzte
der Klinik G._ die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus rheumatologischer
Sicht in einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit in sitzender Position bereits im
Austrittsbericht vom 6. August 2007 ab dem 23. Juli 2007 für zwei Wochen auf 50%,
mit Steigerung innert vier Wochen auf 100% ein (IV-act. 21-23). Sodann ergab die
kreisärztliche Untersuchung der SUVA vom 22. August 2007, dass bei der
Beschwerdeführerin keine messbare Behinderung mehr vorliege und sie daher ab 1.
September 2007 voll arbeits- und vermittlungsfähig sei (IV-act. 21; vgl. auch SUVA-act.
43). Eine Arbeitsunfähigkeit aus rheumatologischer Sicht ab September 2007 ist somit
aufgrund der Aktenlage - insbesondere dem Umstand, dass im MEDAS-Gutachten
keine organische Ursache für die Beschwerden festgestellt werden konnte und diese
vielmehr als Immobilisationsfolge ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt
wurden - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Betreffend den Verlauf
der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht wurde im MEDAS-Gutachten
festgehalten, dass die ganze Psychodynamik nach etwa einem halben Jahr nach dem
Unfall schon zu einem vorläufigen Abschluss und zu einer Fixierung und
Chronifizierung im heutigen Ausmass gekommen sei (IV-act. 34-38). Es kann daher
davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in
einer adaptierten Tätigkeit ab September 2007 zu 30% arbeitsunfähig gewesen war.
Somit fehlt es auch ein Jahr nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit jedenfalls an einer
verbleibenden Invalidität von mindestens 40%. Ein Anspruch auf eine befristete Rente
ist somit zu verneinen.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
bis
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Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Als unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin die Gerichtskosten zu bezahlen
(vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Diese sind ermessensweise auf Fr. 600.-- zu veranschlagen.
Mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist die geschuldete
Gerichtsgebühr getilgt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP