Decision ID: 83cd57db-6157-4ac6-8e7c-d1ea49804165
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, meldete sich am 21. Juli 2011 unter Hinweis auf eine bipolare Störung bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 8/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und führte eine Haushaltsabklärung vor Ort durch, worüber am 28. Dezember 2011 berichtet wurde (Urk. 8/26). Zudem holte sie ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 8. Januar 2013 erstattet wurde (Urk. 8/25). Mit Vorbescheid vom 4. Februar 2013 (Urk. 8/31) stellte die IV-Stelle der Versicherten die Zusprache einer ganzen Rente ab August 2012 in Aussicht. Gleichentags auferlegte sie der Versicherten eine Schadenminderungspflicht und hielt sie an, sich einer fach
ärzt
-
lichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen (Urk. 8/29
). Mit Verfügung vom 17. April 2013 (Urk. 8/38) sprach die IV-Stelle der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab dem 1. August 2012 zu (vgl. Verfügungsteil 2, Urk. 8/34).
1.2
Nach Eingang eines am 23. Oktober 2014 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 8/45) klärte die IV-Stelle die medizinische und erwerbliche Situation erneut ab. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/59-60) setzte die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. November 2016 (Urk. 8/77 = Urk. 2) die bisherige ganze Rente auf eine halbe Rente herab.
2.
Die Versicherte erhob am 9. Dezember 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 8. November 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 2). Mit Eingabe vom 4. Januar 2017 (Urk. 6) zog die Versicherte das Gesuch um unentgeltliche Pro
zessführung und Rechtsvertretung (vgl. Urk. 1 S. 2) zurück. Die IV-Stelle bean
tragte mit Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2017 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 6. Februar 2017 zur Kenntnis ge
bracht wurde (Urk. 9). Mit Verfügung vom 16. November 2017 (Urk. 10) wurde die Stiftung Auffangeinrichtung BVG zum Prozess beigeladen. Mit Eingabe vom 24. November 2017 (Urk. 12) teilte die Stiftung Auffangeinrichtung BVG mit, dass die Beschwerdeführerin nie bei ihr versichert gewesen sei. Diese Eingabe wurde den Parteien am 11. Dezember 2017 zur Kenntnis gebracht (Urk. 14). Mit Verfügung vom 9. Januar 2018 (Urk. 15) wurde die Stiftung Auffangeinrichtung BVG aus dem Verfahren entlassen und das Rubrum entsprechend angepasst.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerb
s
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vor
-
zu
kehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Schaden
min
derungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Be
rück
sichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; ZAK 1989 S.
214 E.
1c). Als Ausdruck der allgemeinen Scha
denminderungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbstein
gliederung zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetz
lichen Eingliederungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. Novem
ber 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
Für die Beantwortung der Frage nach der Zumutbarkeit der Behandlung oder Eingliederungsmassnahme im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG kann auf die zu Art. 31
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in der bis 3
1.
Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung ergangene Rechtsprechung verwiesen werden, da sich diesbezüglich mit dem neuen Recht nichts geändert hat (vgl. auch SVR 2007 IV Nr.
34 S.
121, E.
3.1, I 744/06; Urteile des Bun
des
gerichts I 1068/06 vom 3
1.
August 2007 E. 2.2 und I 824/06 vom 13. März 2007 E. 3.1.1). Danach sind die gesamten persönlichen Verhältnisse, namentlich die berufliche und soziale Stellung der versicherten Person, zu berücksichtigen. Massgebend ist aber das objektiv Zumutbare, nicht die subjektive Wertung des Versicherten (ZAK 1982 S. 495, E. 3; Urteil des Bundesgerichts I 105/93 vom 11. März
1994 E. 2a; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staat
lichen Leistungsrecht, Diss. Bern 1985, S. 189). Die gesetzliche Vorgabe, wonach Massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, nicht zumutbar sind, bedeutet nicht, dass eine Vorkehr, die keine solche Gefahr darstellt, automatisch zumutbar ist (ZAK 1985 S. 326, E. 1; Kieser, a.a.O., N 60 zu Art. 21; Meyer-Blaser, a.a.O., S. 138 f.); sie weist aber doch darauf hin, dass nur Gründe von einer gewissen Schwere zur Unzumutbarkeit führen. Die Zumutbarkeit ist sodann in Relation einerseits zur Tragweite der Massnahme, andererseits zur Bedeutung der in Frage stehenden Leistung zu beurteilen. Ins
besondere bei medizinischen Massnahmen, die einen starken Eingriff in die per
sönliche Integrität der versicherten Person darstellen können, ist an die Zumut
barkeit kein strenger Massstab anzulegen (ZAK 1985 S. 325 f., E. 1). Umgekehrt ist die Zumutbarkeit eher zu bejahen, wenn die fragliche Massnahme unbe
denk
lich ist (RKUV 1995 Nr. U 213 S. 68 f., E. 2b). Sodann sind die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruch
nahme der Invalidenversicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleistungen auslöst (BGE 113 V 22
E. 4d.; SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_128
/2007 vom 14. Januar 2008 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Die Leistungen können gemäss
Art.
7b IVG nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7 dieses Gesetzes oder nach
Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist (
Abs.
1).
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Abs.
3).
1.4
Vor der Kürzung oder Verweigerung von Leistungen muss die versicherte Per
son gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG schriftlich ge
mahn
t
und
auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden. Ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Das
Mahn
-
und
Bedenkzeitverfahren
ist im Bereich der Invalidenversicherung zwin
gend. Der versicherten Person ist unter
substantiierter
Bezugnahme
auf das von ihr geforderte Verhalten schriftlich mitzuteilen, welche Folgen ihre Widersetz
lichkeit nach sich ziehen kann,
und
sie ist aufzufordern, ihrer Schadenminde
-
rungspflicht nachzukommen (Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage 2015, Art. 21 N
133-136).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass die Beschwerdeführerin die ihr am 4. Februar 2013 auferlegte Scha
den
minderungspflicht in Form einer fachärztlich psychiatrisch-psychothera
peu
tischen Behandlung nicht umgesetzt habe, weshalb der Rentenanspruch so beurteilt werde, als ob die auferlegte Behandlung durchgeführt worden wäre. Aufgrund der medizinischen Beurteilung hätte mit der auferlegten Massnahme eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % erzielt werden können. Ausser
dem liege keine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands vor (S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1), dass das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 4. Februar 2013 nicht den strengen Anforderungen an ein gehöriges Mahn- und Bedenkzeitverfahren ent
spreche. Ihr sei weder bewusst gewesen, welches Verhalten beziehungsweise welche Art von Behandlung von ihr gefordert werde noch welche konkreten Konsequenzen folgen könnten. Demnach könne ihr keine Verletzung der Scha
den
minderungspflicht vorgeworfen werden (S. 8 Rz 24).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Herabsetzung der ganzen Rente auf eine halbe Rente zu Recht aufgrund einer Verletzung der Schadenminderungspflicht erfolgt ist.
3.
3.1
Der erstmaligen
Rentenzusprache im April 2013 (vgl. Verfügung vom 17. April 2013, Urk. 8/38)
lagen die folgenden Berichte zugrunde.
3.2
Dr. med. Y._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Hausarzt der Beschwerdeführerin, legte in seinem Schreiben vom 19. August 2011 (Urk. 8/9/5) dar, dass er die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2000 nur wenige Male gesehen habe. Die Beschwerdeführerin sei in psychiatrischer Behandlung, weshalb er sich nicht zur Arbeitsfähigkeit äussern möchte.
3.3
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, führte in seinem Bericht vom 28. August 2011 (Urk. 8/11) aus, dass er die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2006 behandle (Ziff. 1.2), und nannte eine seit Jahrzenten bestehende bipolare affektive Störung (ICD-10 F31.30) und eine Persönlichkeitsveränderung (ICD-10 F62.1) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1). Die Beschwerdeführerin sei mindestens seit dem Jahr 2006 dauerhaft zu 80–100 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (Ziff. 1.6).
3.4
Die Ärzte der
A._
nannten in ihrem Bericht vom 5. Oktober 2011 (Urk. 8/12) eine bipolare affektive Störung (ICD-10 F31) sowie einen Diabetes mellitus Typ II als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1). Die bipolare Störung bestehe seit über 25 Jahren, weshalb regelmässige Hospitalisationen in Italien erfolgt seien. Im Rahmen einer manischen Episode sei die Beschwerdeführerin vom 29. Dezember 2005 bis 17. Januar 2006 sowie vom 26. Juli bis 5. August 2010 in der
A._
stationär behandelt worden (Ziff. 1.3-1.4; vgl. auch den Austrittsbericht der
A._
vom 24. Januar 2006
,
Urk. 8/22).
Die bipolare affektive Erkrankung habe im Rahmen der akuten Exazerbationen zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit im Haushalt geführt. Zwischen den Akut
phasen habe die Beschwerdeführerin im Haushalt arbeiten können. Die Lang
zeitprognose sollte durch den behandelnden Psychiater beziehungsweise Hausarz
t erfolgen (S. 1 unten).
3.5
Med. pract.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, erstat
tete das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten am 8. Januar 2013 (Urk. 8/25). Sie nannte eine schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv (ICD-10 F25.1), als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10 f. Ziff. 4.1).
Aktuell bestehe sowohl internistisch als auch psychiatrisch ein schlechtes, unzu
reichend behandeltes Zustandsbild und damit kein stabiler Gesundheitszustand (S. 14 Ziff. 6.2; vgl. S. 12 Ziff. 5.1). Momentan bestehe keine Arbeitsfähigkeit (S. 13 f.
Ziff.
6.1-6.2). Bei adäquat
er
internistischer und psychiatrischer Behand
lung, Verbesserung und Anpassung der Medikation, Gabe eines zusätzlichen Antidepressivums und Psychoedukation sowie tagesklinischer Behandlung zur Stabilisierung und Aktivierung könne durchaus medizinisch-theoretisch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit möglich werden (S. 14 Ziff. 6.4).
3.6
Mit Schreiben vom 4. Februar 2013 (Urk. 8/29) auferlegte die Beschwerde
geg
nerin der Beschwerdeführerin eine Schadenminderungspflicht und begründete diese – unter Hinweis auf Art. 21 Abs. 4 ATSG – damit, dass ihre Abklärungen ergeben hätten, dass sich ihr Gesundheitszustand mit einer fachärztlichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung substantiell verbessern könne (S. 1 unten). Es werde deshalb erwartet, dass sich die Beschwerdeführerin der erwähnten Behandlung unterziehe; dies werde mit amtlicher Revision per Juli
2014 überprüft. Sollte dabei festgestellt werden, dass sich die Beschwerde
füh-rer
in der vorgesehenen Behandlung nicht unterzogen habe, werde der Renten
anspruch so beurteilt, als ob sie durchgeführt worden wäre (S. 2 oben).
4.
4.1
Dr. Y._ führte in seinem Bericht vom 5. November 2014 (Urk. 8/48) aus, dass er als Hausarzt lediglich für die übrigen internistischen Probleme zuständig sei und nicht für die psychiatrische Diagnostik und Therapie (Ziff. 1.3). Diesbezüg-lich sei beim Psychiater nachzufragen (S. 5).
4.2
In seinem Bericht vom 18. Februar 2015 (Urk. 8/52) führte Dr.
Z._
bei gleich gebliebenen Diagnosen (Ziff. 1.2; vgl. vorstehend E. 3.3) aus, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Ausprägung der chronifizierten psy
chischen Störung nicht fähig sei, eine Arbeit auszuüben (Ziff. 2). Die Beschwer
deführerin sei in den letzten 4 Jahren durch den Hausarzt betreut worden (Ziff. 3.1).
Zudem ist dem Bericht zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin psychopharmakologisch, namentlich mit Abilify und Depakine, behandelt wird (Ziff. 3.2).
4.3
In seinem Schreiben vom 30. März 2015 (Urk. 8/55) legte Dr. Z._ auf entsprechende Nachfrage hin (vgl. Urk. 8/53/1) dar, dass die Behand
lung und Betreuung durch den Hausarzt erfolge, auch vor dem Hinter
grund, dass sich dessen Praxis in der Wohngemeinde der Beschwerdeführerin befinde (Ziff. 1). Eine fachärztliche psychiatrisch-psychotherapeutische Behand
lung, wie sie bis 2013 erfolgt sei, würde bei vorliegender schweren und lang
jährig chronifizierten psychiatrischen Störung den weiteren Verlauf und die Prognose bekannterweise nicht massgeblich beeinflussen (Ziff. 2).
4.4
Dr. med.
C._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und für Intensivmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellung
nahme vom 28. April 2015 (Urk. 8/57/3) aus, dass der Gesundheitszustand der Besc
hwerdeführerin basierend auf dem
Bericht
von
Dr.
Z._
(vor
stehend E. 4.3) unverändert sei. Eine fachärztlich psychiatrisch-psychothera
peutische Behandlung sei nicht durchgeführt worden.
In seiner Stellungnahme vom 6. Mai 2015 (Urk. 8/57/3) legte der RAD-Arzt Dr.
C._
dar, dass basierend auf dem Gutachten von med. pract.
B._
vom Januar 2013 (vorstehend E. 3.5) mittels einer fachärztlichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, namentlich durch Anpassen der Medika
mente, Psychoedukation und tagesklinischer Behandlung, eine Arbeitsfähigkeit von 50 % erzielt werden könnte.
4.5
Dr. D._, E._, hielt in ihrem Schreiben vom 19. August 2015 (Urk. 8/63/2) fest, dass die Beschwerdeführerin in F._, Italien, wohne und sich gelegentlich in Zürich aufhalte, wo ihr Ehemann arbeite. Sie behandle die Beschwerdeführerin seit 2010 bis heute, die letzte Konsultation habe am 13. Juli 2015 stattgefunden.
4.6
In seinem Zeugnis vom 28. August 2015 (Urk. 8/63/1) bestätigte Dr. Y._, dass die Beschwerdeführerin wegen ihres psychiatrischen Leidens bei Dr. Z._ regelmässig in Therapie sei, wenn sie sich in der Schweiz aufhalte. In den Monaten, in denen die Beschwerdeführerin in Italien weile, besuche sie regelmässig einen Psychiater im Centro Igiene Mentale F._.
4.7
Dem Austrittsbericht der Ärzte der
A._
vom 27. April 2016 (Urk. 8/70/4-7) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vom 28. März bis 26. April 2016 in der
A._
infolge einer Selbstzuweisung bei akuter Exazerbation einer manischen Episode stationär behandelt wurde (S. 1 Mitte, S. 3 Mitte). Die Ärzte der
A._
diagnostizierten eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F31.2; S. 1 Mitte).
Die Beschwerdeführerin habe zunächst eine Einstellung der bei ihr jahrelang erfolgreich durchgeführten Therapie mit Abilify und Depakine krankheitsbe-dingt verweigert, weshalb eine neuroleptische Pharmakotherapie mit Haldol und Seroquel begonnen worden sei. Unter dieser Therapie habe sich eine rasche Besserung der manischen Symptomatik gezeigt, so dass die Beschwerdeführerin eingewilligt habe, die Medikation auf eine antimanische Therapie mit Depakine und Invega umzustellen (S. 3 unten).
4.8
Dr. Z._ führte in seinem Bericht vom 15. August 2016 (Urk. 8/70/1-3) aus, dass die Behandlung durch ihn unregelmässig erfolge, da die Beschwerdeführerin oft in Italien weile und dort in psychiatrischer Behand
lung stehe (Ziff. 3.1).
4.9
Vom 29. Juli 2016 bis 7. September 2016 wurde die Beschwerdeführerin erneut infolge einer Selbstzuweisung stationär in der A._ behandelt. In ihrem Aus-trittsbericht vom 22. September 2016 (Urk. 8/72/1-5) führten die Ärzte der A._ aus, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine Patientin mit einer manischen Phase mit psychotischen Symptomen bei einer bipolar affektiven Störung (ICD-10 F31.2) handle. Als krisenauslösend könnte der Tod des Vaters der Beschwerdeführerin betrachtet werden (S. 4 oben).
Unter der aktuellen Medikation sei die Beschwerdeführerin während vieler Jahre stabil gewesen sei (S. 2 Mitte). Die bereits bestehende Medikation sei mit Val
proat erhöht worden, währenddessen die Aripiprazol-Dosierung nicht verändert worden sei. Zudem sei noch Quetiapin angesetzt worden (S. 3 unten).
4.10
Der RAD-Arzt med. pract.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
-
therapie, legte in seiner Stellungnahme vom 3. November 2016 (Urk. 8/74/4) dar, dass sich im psychiatrischen Überblick ein jahrelang stabiler Verlauf einer bipolar affektiven Störung zeige. Die Beschwerdeführerin sei erneut unter der Belastung des Todes ihres Vaters dekompensiert und habe im Rahmen einer freiwilligen Hospitalisation zügig und erfolgreich therapiert werden können. Eine wesentliche Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitsschadens liege im langfristigen Verlauf nicht vor.
5.
5.1
Im Rahmen der Auferlegung einer Schadenminderungspflicht ist der versi
-
cherten Person unter
substantiierter
Bezugnahme
auf das von ihr geforderte Verhalten schriftlich mitzuteilen, welche Folgen ihre Widersetzlichkeit nach sich ziehen kann (vorstehend E. 1.4).
5.2
Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 4. Februar 2013 lediglich mitgeteilt, dass ihre Abklärungen ergeben hätten, dass sich ihr Gesundheitszustand mit einer fachärztlichen psychiatrisch-psychothe
rapeutischen Behandlung substantiell verbessern könnte, weshalb sie sich der erwähnten Behandlung zu unterziehen habe. Sollte im Rahmen der amtlichen Revision per Juli 2014 festgestellt werden, dass sie sich der vorgesehenen Behandlung nicht unterzogen habe, werde der Rentenanspruch so beurteilt, als ob die Behandlung durchgeführt worden wäre (vorstehend E. 3.6). In welcher Form die fachärztlich
e
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung stattzu
finden habe, hat die Beschwerdegegnerin hingegen nicht substantiiert dargelegt. Die Beschwerdeführerin wurde namentlich weder aufgefordert, sich einer spezi
fischen Therapie zu unterziehen noch darauf hingewiesen, dass eine
zwar ärztlich verordnete, aber letzlich wohl
rein medikamentöse Therapie
der aufer
legten Schadenminderungspflicht
nicht genüge.
Aufgrund der ungenauen Formulierung war für die Beschwerdeführerin nicht erkennbar, dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf das psychiatrische Gutach
ten vom Januar 2013 (vorstehend E. 3.5) davon ausging, die bisherige Behand
lung sei ungenügend gewesen. Die Beschwerdeführerin durfte die Aufforderung, sich einer fachärztlichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen, so verstehen, dass sie mit der in der Tat
in der Schweiz
sehr grob
maschigen und hauptsächlich medikamentösen Behandlung
(vgl. vorstehend E. 4.2, E. 4.5,
E. 4.7, E. 4.9) der Schadenminderungspflicht genüge.
Ausserdem wurde die Beschwerdeführerin nur ungenügend auf die konkreten Konsequenzen bei Verletzung der Schadenminderungspflicht hingewiesen. Die Beschwerdegegnerin hätte die Beschwerdeführerin darauf hinweisen müssen, dass sie im Widersetzungsfall gestützt auf das psychiatrische Gutachten (vor
stehend E. 3.5) davon ausgehe, dass die Beschwerdeführerin unter Beachtung der auferlegten Massnahme in Form einer fachärztlichen psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Behandlung eine Arbeitsfähigkeit von 50 % erzielen könnte, was eine Herabsetzung der
bisherigen
ganzen Rente auf eine halbe Rente zur Folge hätte.
5.3
Nach dem Gesagten erfüllt das Schreiben vom 4. Februar 2013 die strengen Anforderungen an ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren nach Art. 21 Abs. 4 ATSG
(vgl. vorstehend E. 1.4)
nicht. Indem die Beschwerdegegnerin
das
Mahn- und Bedenkzeitverfahren
nicht
ordnungsgemäss
durchgeführt hat, ist eine
Herab
setzung der bisherigen ganzen Rente auf eine halbe Rente
wegen Ver
letzung der Schadensminderungspflicht nicht zulässig, was zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führt.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) u
nd auf Fr. 5
00.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei-kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim praxi
s
gemässen Stunde
nansatz von Fr. 220
.-- ist die Prozessents
chädigung vorliegend auf Fr. 2’00
0.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.