Decision ID: 57b01e6f-86fd-4e89-ba62-ce941e443970
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
PV-PROMEA Pensionskasse, Ifangstrasse 8, Postfach, 8952 Schlieren,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Gnädinger, Seestrasse 6, Postfach 1544,
8027 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
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M._,
Beigeladener,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
betreffend
Rente (i.S. M._)
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1957 geborene M._, reiste nach eigenen Angaben am 1. Juli 2006 aus dem
Ausland in die Schweiz ein (act. G 8.1/1-3 und 8.1/2-1). Am 1. August 2006 trat er eine
Stelle als Metallbautechniker/Ingenieur bei der A._ an (act. G 8.2/5). Wegen einer
grossen eröffneten Blase am lateralen linken Fussrand begab sich der Versicherte am
6. August 2006 in ambulante Behandlung ins Spital, wo die Blase abgetragen und ein
Débridement durchgeführt wurde. Unter anderem am 7., 8. und 12. August 2006
fanden klinische Verlaufskontrollen statt (act. G 8.1/86-18 ff.).
A.b Am 16. August 2006 stellte der Versicherte fest, dass seine Sehkraft beeinträchtigt
war. Abklärungen im Kantonsspital St. Gallen ergaben, dass eine Glaskörperblutung
eingetreten war. Am 23. Oktober 2006 wurde der Versicherte deswegen hospitalisiert.
Nachdem präoperative Abklärungen ein erhöhtes Risiko ergeben hatten, wurde der
Versicherte internistisch eingehend abgeklärt (vgl. act. G 8.3/12). Dabei wurden neben
der Glaskörperblutungen ein Diabetes mellitus Typ II, ein nephrotisches Syndrom bei
einer Glomerulosklerose Kimmelstiel Wilson, ausgeprägten Beinödemen, einer
regredienten Proteinurie und einer Niereninsuffizienz sowie eine normochrome
normozytäre Anämie, ein Morbus Basedow, eine Struma multinodosa und eine
chronische Pankreatitis diagnostiziert; der Versicherte blieb bis 3. November 2006
hospitalisiert (act. G 8.3/16). Zudem wurde der Verdacht auf eine koronare
Herzkrankheit geäussert, der im Rahmen einer kardiologischen Untersuchung am
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7. Dezember 2006 während einer Hospitalisation vom 5. bis 8. Dezember 2006
bestätigt wurde (act. G 8.3/8 und 8.3/22).
A.c Mit Schreiben vom 8. Oktober 2006 kündigte die A._ das Arbeitsverhältnis mit
dem Versicherten per 16. Oktober 2006 (act. G 3.1/19-7). Im Fragebogen gab die
Arbeitgeberin an, sie habe aus persönlichen Gründen gekündigt. Der Versicherte habe
zuletzt am 14. August 2006 gearbeitet (act. G 8.1/19-1).
A.d Am 28. Dezember 2006 rutschte der Versicherte auf Glatteis aus und zog sich
dabei eine Bimalleolarfraktur rechts zu, die am 1. Januar 2007 erstmals operativ
versorgt wurde (vgl. act. G 8.3/20 ff.). Nachdem eine postoperative Röntgenkontrolle
eine verbogene Platte mit ausgerissener Schraube zeigte und es zu medialen
Wundheilungsstörungen kam, wurde am 20. Februar 2007 eine Re-Osteosynthese
durchgeführt (act. G 8.3/18).
A.e Am 12. Juli 2007 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an, nachdem er von der Krankentaggeldversicherung dazu angehalten
worden war (act. G. 8.1/1 und 8.3/1).
A.f Seit November 2007 muss beim Versicherten aufgrund seiner Niereninsuffizienz
dreimal wöchentlich eine Hämodialyse durchgeführt werden. Am 21. Dezember 2007
musste zudem sein rechter Unterschenkel wegen schlechter Wundheilung nach der im
Januar bzw. Februar 2007 durchgeführten (Re-)Osteosynthese amputiert werden (vgl.
act. G 8.1/31-2).
A.g Mit Vorbescheid vom 17. Oktober 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, ihm vom 1. August 2007 bis 31. Januar 2008 eine Dreiviertelsrente und ab
1. Februar 2008 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (act. G. 8.1/50). Dagegen
erhob die PV-Promea als betroffene Pensionskasse mit Schreiben vom 24. Oktober
2008 vorsorglich Einwand (act. G 8.1/51), den sie mit Eingabe vom 17. Dezember 2008
im Wesentlichen mit der Begründung bestätigte, die IV-Stelle habe den
Gesundheitszustand resp. die Arbeitsfähigkeit des Versicherten vor seiner Einreise in
die Schweiz ungenügend abgeklärt. Im Hinblick auf die zum Teil schweren chronischen
Erkrankungen sei davon auszugehen, dass der Versicherte bereits in Deutschland
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arbeitsunfähig geworden sei und deshalb kein Versicherungsschutz in der Schweiz
bestehe. Zudem sei ihr das umfassende Akteneinsichtsrecht zu gewähren (act.
G 8.1/59).
A.h Mit Verfügung vom 29. Dezember 2008 lehnte die IV-Stelle einen Anspruch des
Versicherten auf berufliche Massnahmen ab (act. G 8.1/61).
A.i Zum Einwand der PV-Promea äusserte sich die Rechtsvertreterin des Versicherten,
Rechtsanwältin Christine Kessi vom Procap Schweizerischen Invaliden-Verband, am
27. Februar 2009 dahingehend, dem Versicherten sei beim Umzug in die Schweiz im
Juli 2006 lediglich bekannt gewesen, dass er unter einer essentiellen Hypertonie und
unter einem Diabetes mellitus leide. Vor dem Umzug habe nie eine Erwerbsunfähigkeit
bestanden. Der Versicherte habe vielmehr ohne krankheitsbedingte Einschränkungen in
einem 100%-Pensum gearbeitet (act. G 8.1/69). Mit dieser Stellungnahme reichte die
Rechtsvertreterin ein Arztzeugnis von Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeinmedizin,
vom 9. Januar 2009 ein. Dr. B._, nach eigener Aussage behandelnder Arzt des
Versicherten vom 28. Juni 1993 bis 17. Juli 2006, bestätigte, dass bei diesem zwar eine
essentielle Hypertonie und ein Diabetes mellitus diagnostiziert worden seien, dass aber
zu keinem Zeitpunkt eine Einschränkung in der Erwerbsfähigkeit bestanden habe (act.
G 8.1/69-5).
A.j Die IV-Stelle hielt an ihrer Auffassung fest und bestätigte den Vorbescheid mit
Verfügung vom 22. April 2009 (act. G 8.1/77).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Andreas Gnädinger,
Zürich, für die PV-Promea beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen erhobene
Beschwerde mit den Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben,
das Rentengesuch sei abzulehnen, eventualiter sei die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese den Beginn der Wartezeit neu
festsetze und weitere Abklärungen tätige. Zur Begründung bringt die
Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, der Sachverhalt sei aus medizinischer Sicht,
insbesondere hinsichtlich des Eintritts und des Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit, unklar
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und inkonsistent. Die Beschwerdegegnerin habe entgegen entsprechender
Anweisungen des RAD keine weiteren Abklärungen getätigt. Es sei davon auszugehen,
dass die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten bereits vor seiner Einreise in die Schweiz
eingetreten sei. Sei der genaue Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht bekannt, könne
auch der exakte Beginn der Wartefrist nicht bestimmt werden. Der Versicherte erfülle
zudem die gesetzlich vorgeschriebene einjährige Versicherungs- resp. Beitragszeit
nicht. Die Ansicht der Beschwerdegegnerin, wonach für einen Anspruch auf eine
Invalidenrente in der Schweiz lediglich der Wohnsitz massgeblich sei, verstosse gegen
das Rechtsmissbrauchsverbot, zumal jeder unter die EWR-Verordnung 1408/71
fallende Arbeitsunfähige eine zusätzliche schweizerische Invalidenrente ohne jegliche
effektive Beitragsleistung erhalten würde, wenn er nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit,
aber noch vor Ablauf des Wartejahrs Wohnsitz in der Schweiz nähme (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. Oktober 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, der Versicherte
habe spätestens per 1. August 2006 Wohnsitz in der Schweiz genommen. Eine
ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit seit 14. August 2006 sei ausgewiesen. Entgegen
der Ansicht der Beschwerdeführerin weise nichts darauf hin, dass der
Beschwerdeführer bereits vor seiner Einreise in die Schweiz arbeitsunfähig gewesen
sei. Dies werde einerseits von Dr. B._ bestätigt, anderseits gehe aber auch aus den
Lohnabrechnungen hervor, dass der Versicherte vom 7. Mai 2002 bis Juli 2006 immer
gearbeitet habe. Lediglich im Monat Mai 2006 seien 14 Krankheitstage registriert. Im
Übrigen sei der Versicherte nie krank gewesen. Die Wartefrist und der Rentenanspruch
seien korrekt festgelegt worden (act. G 8).
B.c Am 27. November 2009 legte die Beschwerdegegnerin einen elektronischen
Auszug aus der Krankengeschichte des Versicherten von Dr. B._ und einen Bericht
C._Krankenhauses vom 19. April 2006 ins Recht, wonach der Versicherte für eine
Abszessspaltung am Hals vom 18. bis 20. April 2006 hospitalisiert gewesen sei (act.
G 12).
B.d In ihrer Replik vom 4. Dezember 2009 rügt die Beschwerdeführerin erneut
sinngemäss eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes durch die
Beschwerdegegnerin, indem diese den medizinischen Sachverhalt alleine gestützt auf
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unstimmige Angaben des Versicherten erstellt habe. Es liege kein einziger
glaubwürdiger Bericht über die medizinische Situation des Versicherten in der Zeit vor
der Einreise in die Schweiz bei den Akten. Zudem sei weiterhin unklar, wann der
Versicherte Wohnsitz in der Schweiz genommen habe. Insgesamt sei nicht
nachvollziehbar, wie die Beschwerdegegnerin ohne jegliche Klärung der medizinischen
Situation davon ausgehen könne, dass der Versicherte vollständig arbeitsfähig in die
Schweiz eingereist sei (act. G 13).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 15).
Am 12. Januar 2010 nahm die Rechtsvertreterin des Beigeladenen zum vorliegenden
Beschwerdeverfahren Stellung (act. G 17).

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch
die angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung hat. Vorsorgeeinrichtungen haben nach der
Rechtsprechung ein schutzwürdiges Interesse an der gerichtlichen Überprüfung des
von einer IV-Stelle festgelegten Beginns der einjährigen Wartezeit nach Art. 29 Abs. 1
lit. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), mit
welchem in der Regel der Eintritt des vorsorgerechtlichen Versicherungsfalls
zusammenfällt (Art. 23 und 26 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40]; BGE 118 V 239 E. 3c), wenn
die versicherte Person im fraglichen Zeitpunkt bei ihnen obligatorisch versichert war
(Entscheid des Bundesgerichts vom 24. April 2007, I 687/06). Denn die
Vorsorgeeinrichtungen sind im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG)
nach der Rechtsprechung an die Feststellungen der IV-Organe, insbesondere
hinsichtlich des Invaliditätsgrads (Art. 23 BVG) sowie des Eintritts der invalidisierenden
Arbeitsunfähigkeit (vgl. Art. 26 Abs. 1 BVG), grundsätzlich gebunden, soweit die
invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise auf Grund einer gesamthaften
Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint. Daraus ergibt sich -
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gleichsam als Korrelat der Bindungswirkung - die Verfahrenslegitimation im Sinn des
ausreichenden "Berührtseins" nach Art. 49 Abs. 4 ATSG (BGE 132 V 1). Die
Beschwerdeführerin ist somit berechtigt, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
22. April 2009 betreffend Rentenzusprache an den Beigeladenen anzufechten.
2.
2.1 Am 1. Juni 2002 - und somit vor der Verwirklichung des vorliegend zu
beurteilenden Sachverhalts - ist das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen;
FZA; SR 0.142.112.681) in Kraft getreten. Gemäss Art. 1 Abs. 1 von Anhang II des FZA,
der den Titel "Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit" trägt, auf Art. 8 des
Abkommens beruht und integrierenden Bestandteil des Abkommens bildet (Art. 15
FZA), in Verbindung mit dem Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien
im Rahmen ihrer Beziehungen insbesondere die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des
Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf
Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der
Gemeinschaft zu- und abwandern (nachfolgend: Verordnung Nr. 1408/71 [SR
0.831.109.268.1]) sowie die Verordnung (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 21. März
1972 über die Durchführung der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 (SR 0.831.109.268.11)
oder gleichwertige Vorschriften an. Ein Verweis auf besagte Normen findet sich auch in
Art. 80a IVG. Die erwähnten Koordinationsverordnungen sind unter anderem
anwendbar auf Erwerbstätige mit der Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats, für die
wie für den Beigeladenen die Rechtsvorschriften mindestens eines Mitgliedstaats
gelten oder galten (Art. 2 der Verordnung Nr. 1408/71), wobei im Rahmen des FZA
auch die Schweiz als "Mitgliedstaat" im Sinn dieser Bestimmung zu betrachten ist (Art.
1 Abs. 2 von Anhang II des FZA). In sachlicher Hinsicht sind die
Koordinationsverordnungen auf Rechtsvorschriften über Zweige der sozialen Sicherheit
anwendbar, die, wie das Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, Leistungen bei
Invalidität vorsehen (Art. 4 Abs. 1 lit. b der Verordnung Nr. 1408/71). Der
Anwendungsbereich der entsprechenden Bestimmungen ist damit im vorliegenden Fall
gegeben.
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2.2 Die Verordnung Nr. 1408/71 unterscheidet in Bezug auf die Leistungen bei
Invalidität zwischen sog. "Typ A"- und "Typ B"-Leistungen. Auf "Typ A"-Leistungen,
deren Höhe unabhängig von der Versicherungsdauer ist, finden die Art. 37-39 der
Verordnung Nr. 1408/71 Anwendung. Leistungen des "Typs B" sind demgegenüber in
ihrer Höhe von der Dauer der Versicherungszeit abhängig. Für sie gelten aufgrund der
Verweisung in Art. 40 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 die Verordnungsvorschriften
über die Leistungen bei Alter und Tod (vgl. BGE 131 V 395 f. E. 4.1 = Pra 2006 Nr. 151,
1033; Görg Haverkate/Stefan Huster, Europäisches Sozialrecht, Baden-Baden 1999,
Rz 223). Nachdem auch die Höhe der schweizerischen Invalidenrente von der Dauer
der Versicherungszeit abhängig ist, sind vorliegend nicht die Bestimmungen über die
Invalidität, sondern diejenigen des dritten Kapitels der Verordnung Nr. 1408/71 über die
Leistungen bei Alter und Tod anwendbar.
2.3 Die Verordnung Nr. 1408/71 sieht für die Feststellung der Leistungen bei
Beteiligung von zwei oder mehr Staaten ein Totalisierungs- und
Proratisierungsverfahren vor. Danach wird die Höhe des Rentenbetrags jedes Staats
grundsätzlich anteilmässig anhand der in diesem Staat absolvierten
Versicherungszeiten im Verhältnis zur Gesamtheit der Versicherungszeiten berechnet,
sofern eine autonome Berechnung des Rentenanspruchs nicht zum gleichen oder
einem günstigeren Ergebnis führt (vgl. Art. 44 ff. der Verordnung Nr. 1408/71; Roland A.
Müller, Soziale Sicherheit, in: Daniel Thürer/Rolf H. Weber/Roger Zäch [Hrsg.],
Bilaterale Verträge Schweiz - EG, Zürich 2007, S. 215 f.; Silvia Bucher, Das
Freizügigkeitsabkommen im letztinstanzlichen Sozialversicherungsprozess, in: Thomas
Gächter [Hrsg.], Das europäische Koordinationsrecht der sozialen Sicherheit und die
Schweiz, Zürich 2006, S. 22 f.). Zu beachten ist allerdings, dass Art. 48 Abs. 1 der
Verordnung Nr. 1408/71 eine sog. Minizeitenregelung enthält. Nach dem Wortlaut
dieser Bestimmung ist der Träger eines Mitgliedstaats ungeachtet von Art. 46 Abs. 2
grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, "Leistungen aus Zeiten zu gewähren, die nach
den von ihm angewendeten Rechtsvorschriften zurückgelegt wurden und im Zeitpunkt
des Versicherungsfalls zu berücksichtigen sind, wenn [...] die Dauer dieser Zeiten
weniger als ein Jahr beträgt und [...] auf Grund allein dieser Zeiten kein
Leistungsanspruch nach diesen Rechtsvorschriften erworben worden ist" (BGE 131 V
396 E. 4.2 = Pra 2006 Nr. 151, 1033 f., mit Hinweis auf BGE 130 V 339 E. 3.2.1).
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2.4 Zur Bestimmung der vom Beigeladenen in der Schweiz erwirtschafteten
Versicherungszeiten ist im Licht der vorstehenden Erwägung vorab zu prüfen, was
unter dem Eintritt des Versicherungsfalls im Sinn von Art. 48 Abs. 1 der Verordnung
Nr. 1408/71 zu verstehen ist.
2.4.1 Nach dem Zweckartikel in Art. 1a IVG soll die Invalidenversicherung die Invalidität
mit geeigneten, einfachen und zweckmässigen Eingliederungsmassnahmen verhindern,
vermindern oder beheben (lit. a); die verbleibenden ökonomischen Folgen der
Invalidität im Rahmen einer angemessenen Deckung des Existenzbedarfs ausgleichen
(lit. b) und zu einer eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Lebensführung der
betroffenen Versicherten beitragen (lit. c). Versichertes Risiko ist demnach Invalidität als
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie
die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und
Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG; vgl. BGE 100 V 167 E. 1 mit Hinweis). Der
Invaliditätsbegriff ist damit leistungsbezogen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
2. Aufl., Zürich 2009, N 5 zu Art. 8 ATSG mit Hinweisen). In der Folge muss auch der
Eintritt der Invalidität als massgeblicher Versicherungsfall im Sinn von Art. 48 Abs. 1 der
Verordnung 1408/71 für jede Leistung gesondert ermittelt werden.
2.4.2 Im vorliegenden Verfahren streitig ist der Anspruch des Beigeladenen auf eine
Invalidenrente. Ein solcher Anspruch setzt nach Art. 28 Abs. 1 IVG voraus, dass die
versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich
zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern kann. Zudem muss die versicherte Person während eines
Jahrs ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen und nach Ablauf dieses sog. Wartejahrs zu
mindestens 40 Prozent invalid im Sinn von Art. 8 ATSG sein. Invalidität, die zum Bezug
einer Invalidenrente berechtigt, tritt also frühestens nach Ablauf des Wartejahrs unter
den genannten Voraussetzungen ein. Da die Beitragspflicht einer versicherten Person
ungeachtet einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit (vgl. Art. 2 IVG i.V.m. Art. 3 ff. AHVG)
auch während des Wartejahrs (wie auch in der Folgezeit) weiterbesteht, weist eine
immigrierte versicherte Person bei Eintritt des Versicherungsfalls Invalidität
systembedingt immer bereits dann eine mindestens einjährige Beitragszeit auf, wenn
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sie bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit bereits bei der Invalidenversicherung versichert
war. Trat die Arbeitsunfähigkeit demgegenüber vor der Versicherungsunterstellung ein,
ist im Einzelfall zu prüfen, ob die versicherte Person bei Eintritt der Invalidität eine
mindestens einjährige Beitragszeit aufweist.
2.4.3 Der Beigeladene verlegte seinen Wohnsitz im Verlauf des Monats Juli 2006 in die
Schweiz (act. G 8.2/4 ff.). Somit war er spätestens ab 1. August 2006 bei der
schweizerischen Invalidenversicherung versichert (vgl. Art. 1b IVG i.V.m. Art. 1a Abs. 1
lit. a AHVG).
2.5
2.5.1 Nach dem Gesagten kommt dem Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit
bei der Beurteilung eines allfälligen Rentenanspruchs des Beigeladenen eine
wesentliche Rolle zu. Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, eine
Arbeitsunfähigkeit sei erst am 14. August 2006 und damit nach der Wohnsitznahme in
der Schweiz eingetreten. Diese Feststellung stützt sie im Wesentlichen auf die
Stellungnahme von Dr. B._ vom 9. Januar 2009 und die Lohnabrechnungen der
letzten Arbeitgeberin des Beigeladenen. Die Beschwerdeführerin wirft der
Beschwerdegegnerin demgegenüber vor, den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
ungenügend abgeklärt zu haben.
2.5.2 In seiner Stellungnahme vom 9. Januar 2009 äusserte sich Dr. B._
dahingehend, dass beim Beigeladenen zwar die Diagnosen essentielle Hypertonie und
Diabetes mellitus gestellt worden seien, dass die Erwerbsfähigkeit des Beigeladenen
jedoch zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt gewesen sei (act. G 8.1/69-5; vgl. auch act.
G 17.3). Zudem hat die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort zu Recht
darauf hingewiesen, dass auch die Lohnabrechnungen der letzten deutschen
Arbeitgeberin, für die der Beigeladene von Mai 2002 bis Juli 2006 gearbeitet hat, gegen
eine vor Wohnsitznahme in der Schweiz bestehende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit sprechen. So war der Beigeladene gemäss den in den Akten
vorhandenen Lohnabrechnungen betreffend die Zeit von Januar 2004 bis und mit Juli
2006 lediglich an 14 Tagen krank, wobei diese Krankheitstage allesamt auf Mai 2006
fielen (act. G 8.2/8). Diese Erkrankung war offenbar nur von vorübergehender Dauer,
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ging der Beigeladene im Juni 2006 seiner Tätigkeit doch wieder nach. Darüber hinaus
hat er seine Stelle in der Schweiz per 1. August 2006 ordnungsgemäss angetreten (vgl.
act G 8.1/19). Vor diesem Hintergrund ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit des Beigeladenen erst nach dessen
Wohnsitznahme in der Schweiz eingetreten ist. Weitere diesbezügliche Abklärungen
scheinen nicht angezeigt, sind davon doch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Ab
14. August 2006 ist in den Akten eine andauernde Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (vgl.
Aufstellung in act. G 8.1/41) Damit hat die Beschwerdegegnerin den Beginn des
Rentenanspruchs zu Recht auf den 1. August 2007 festgesetzt. Zu jenem Zeitpunkt
konnte der Beigeladene die geforderte einjährige Beitragszeit vorweisen. Die
angefochtene Verfügung ist damit nicht zu beanstanden.
3.
3.1 Im Sinn der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1 IVG in
der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr.
600.-anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG