Decision ID: 54a36cd4-cf77-5eee-9e1c-bf00898c8931
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X war am 20. Dezember 2012 um 8 Uhr mit einem schweren Anhängerzug auf der
Autobahn A1 in Richtung A unterwegs, als er auf der Höhe von B infolge einer
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Bewusstseinsstörung rechts von der Strasse abkam und einen Selbstunfall
verursachte. Aufgrund der unklaren medizinischen Umstände ordnete das
Strassenverkehrsamt eine vertrauensärztliche Untersuchung an. Der Amtsarzt kam im
Bericht vom 26. März 2013 zu Schluss, bei X bestehe der Verdacht auf regelmässigen
Alkoholkonsum. Es sei nicht auszuschliessen, dass dies beim Unfall eine Rolle gespielt
habe. Deshalb sei eine Abstinenzauflage anzuordnen und die Fahreignung
anschliessend im Rahmen einer Kontrollfahrt in medizinischer Begleitung zu
überprüfen. Aufgrund dieser Stellungnahme musste sich X am 15. Juli 2013 einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin (IRM), St. Gallen,
unterziehen. Im Bericht vom 25. September 2013 führte der Gutachter aus, im
Zusammenhang mit zwei aus medizinischer Sicht bis jetzt nicht erklärbaren
Bewusstseinsverlusten – am 7. Juni 2013 wurde X wegen eines weiteren derartigen
Vorfalls bei sich zu Hause zur Abklärung hospitalisiert – könne die Fahreignung aus
medizinischen Gründen nicht befürwortet werden. Zudem bestehe eine
Alkoholgefährdung bei früherer Alkoholabhängigkeit. Gestützt auf dieses Gutachten
verbot das Strassenverkehrsamt X das Führen von Motorfahrzeugen mit Verfügung
vom 30. September 2013 vorsorglich ab sofort. Mit Verfügung vom 24. März 2014
entzog es ihm den Führerausweis auf unbestimmte Zeit. Die Wiedererteilung wurde an
folgende Bedingungen geknüpft: regelmässige hausärztliche und gegebenenfalls
fachärztliche Betreuung und Behandlung im Zusammenhang mit den unklaren
Bewusstseinsstörungen, Kontrolle des Alkoholkonsumverhaltens mittels Haaranalyse,
Einreichen von Verlaufsberichten (inklusive hausärztlichen Berichts), welche eine
mindestens einjährige Phase ohne Bewusstseinsstörung bestätigen, sowie eine
verkehrsmedizinische Neubeurteilung.
B.- Mit Eingabe vom 9. April 2014 erhob X durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 24. März 2014 sei vollumfänglich aufzuheben, und es sei
ihm der Führerausweis wieder auszuhändigen; dem Rekurs sei die aufschiebende
Wirkung zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Auf die weiteren
Ausführungen zur Begründung dieser Anträge wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 23. Mai 2014
auf eine Vernehmlassung.
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Mit Entscheid vom 6. Juni 2014 wies der Präsident das Gesuch um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung ab.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 9. April 2014 (Poststempel) ist
rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent bringt vor, es sei bis heute nicht erwiesen, dass anlässlich des
Unfalls vom 20. Dezember 2012 eine Bewusstseinsstörung vorgelegen habe. Das
Strafverfahren laufe noch, und die Umstände des Unfalls seien nicht rechtskräftig
festgestellt worden. Dementsprechend sei – wenn überhaupt – von einem Warnungs-
und nicht von einem Sicherungsentzug auszugehen.
Es trifft zu, dass die Administrativbehörde grundsätzlich an die Feststellungen in einem
Strafurteil gebunden ist. Sie darf von den Sachverhaltsfeststellungen des Strafrichters
nur unter bestimmten, von der Rechtsprechung bezeichneten Umständen abweichen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_135/2008 vom 13. August 2008 E. 2.3.1).
Entsprechend ist die Administrativbehörde gehalten, in der Regel den Ausgang des
Strafverfahrens abzuwarten. Im vorliegenden Fall schilderte der Rekurrent den
Unfallhergang gegenüber der Polizei wie folgt (act. 11/22): "(...) Environ 2 minutes plus
tard, j'ai senti que je transpirais au front. J'ai essuyé mon front avec la main. Je n'ai
aucun souvenir de l'accident. Je ne sais pas ce qui s'est passé. Je n'ai pas mangé
avant l'accident. J'ai seulement bu un café. J'ai repris mes esprits au moment où j'ai
entendu quelqu'un qui tapait contre la portière de ma cabine (...)". Gegenüber dem
Gutachter des IRM bestätigte er später, ihm sei übel geworden und er wäre kurz "weg"
gewesen. Dabei sei es zum Unfall gekommen. Unter diesen Umständen musste die
Vorinstanz weitere Abklärungen treffen, denn die vom Rekurrenten geschilderten
Vorkommnisse erweckten ernsthafte Zweifel an seiner Fahreignung. Angesichts des
grossen Gefährdungspotentials, welches dem Führen eines Motorfahrzeugs –
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insbesondere eines Anhängerzuges – eigen ist, erlauben schon Anhaltspunkte, die den
Fahrzeugführer als besonderes Risiko für die anderen Verkehrsteilnehmer erscheinen
lassen, den vorsorglichen Ausweisentzug zu Sicherungszwecken nach Art. 16d des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG). Eine schuldhafte
Widerhandlung im Strassenverkehr setzt diese Administrativmassnahme nicht voraus
(vgl. Philippe Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen
2011, Art. 16d N 3 ff.), denn sie hat Sicherungscharakter und unterscheidet sich
dadurch wesentlich vom Warnungsentzug. Letzterer steht nur dann zur Diskussion,
wenn die Anlasstat keinen ernsthaften Zweifel an der Fahreignung des Lenkers erweckt
(vgl. BGer 1C_331/2014 vom 28. August 2014 E. 4.3). Die Vorinstanz war folglich nicht
gehalten, den Entscheid des Strafrichters abzuwarten. Ob es überhaupt zu einer
strafrechtlichen Verurteilung kommt, ist vor diesem Hintergrund nicht entscheidend.
Eine solche hätte auf den Sicherungsentzug gemäss Art. 16 Abs. 1 SVG nur insofern
einen Einfluss, als dieser, wenn er rechtmässig verfügt worden war, mit einer Sperrfrist
verbunden würde (vgl. Art. 16d Abs. 2 SVG).
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz die Fahreignung des Rekurrenten
gestützt auf die verkehrsmedizinischen Gutachten des IRM St. Gallen vom 25.
September 2013 und 24. Januar 2014 nach Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG zu Recht
verneinte. Sie begründete die Verfügung mit zwei nicht geklärten
Bewusstseinsverlusten und einer aufgrund einer früheren Alkoholabhängigkeit
bestehenden Gefährdung durch Alkohol.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 SVG). Art. 16d SVG regelt den Führerausweisentzug wegen fehlender
Fahreignung. Nicht geeignet, ein Fahrzeug zu führen, ist namentlich, wer nicht oder
nicht mehr über die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, um ein
Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG), wer an einer Sucht leidet,
welche die Fahreignung ausschliesst (lit. b), oder wer aufgrund seines bisherigen
Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass er künftig beim Führen eines Motorfahrzeugs die
Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen wird (lit. c). Im
Bereich der eigentlichen Alkoholsuchterkrankung rechtfertigt sich die Ablehnung der
Fahreignung bereits bei Vorliegen eines verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs.
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Letzterer liegt vor, wenn das Führen von Motorfahrzeugen und ein die Fahreignung
beeinträchtigender Alkoholkonsum nicht hinreichend sicher getrennt werden können
oder zu erwarten ist, dass die untersuchte Person zukünftig ein Motorfahrzeug unter
Alkoholeinfluss lenken wird oder als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums
Beeinträchtigungen vorliegen, die das sichere Führen eines Motorfahrzeuges in Frage
stellen. Die Beurteilung der Fahreignung bei Alkoholproblemen beruht folglich nicht
ausschliesslich auf einem Suchtnachweis, sondern berücksichtigt auch die übrigen
gesetzlich festgelegten Anforderungen (Urteil der Verwaltungsrekurskommission
[VRKE] IV-2012/99 vom 10. Januar 2013 E. 2b/aa, in: www.gerichte.sg.ch).
Unter Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG fallen demgegenüber alle physischen und psychischen
Gründe, welche die Fahreignung ausschliessen. Von Bedeutung kann zudem das
Zusammenwirken von medizinischen Beeinträchtigungen sein, auch wenn die
einzelnen Faktoren für sich genommen keine fehlende Fahreignung zu begründen
vermöchten. Eine fehlende Fahreignung kann sich demnach aus der Verbindung von
Umständen ergeben, die einzeln die Fahreignung nicht ausschliessen (BGer 6A.5/2004
vom 17. Mai 2004 E. 3.3).
Gemäss Art. 17 Abs. 3 SVG kann der auf unbestimmte Zeit entzogene Lernfahr- oder
Führerausweis bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige
gesetzliche oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person die
Behebung des Mangels nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat. Die an die
Wiedererteilung des Führerausweises regelmässig geknüpften Auflagen sind
Nebenbestimmungen, die dazu dienen, Unsicherheiten beim Nachweis Rechnung zu
tragen, dass der jeweilige Fahreignungsmangel tatsächlich behoben ist und die
Fahrfähigkeit der betroffenen Person stabil ist. Auflagen müssen den konkreten
Umständen angepasst und verhältnismässig sein (Weissenberger, a.a.O., Art. 17 N 10).
b) Der Gutachter stützte seine Beurteilung auf die Vorgeschichte, die Angaben des
Rekurrenten, die Befunde der körperlichen Untersuchung, das Ergebnis des
Selbstbeurteilungsbogens "AUDIT", die Resultate der Laboruntersuchungen und auf
Fremdauskünfte. Damit berücksichtigte er die wesentlichen Aspekte und traf die
notwendigen Abklärungen (BGE 129 II 82 E. 6.2.2).
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aa) Im Gutachten vom 25. September 2013 wurde ausgeführt, beim Rekurrenten seien
in den letzten Monaten zwei unklare Bewusstseinsstörungen aufgetreten. Beim ersten
Vorfall im Dezember 2012 sei es zu einem Verkehrsunfall gekommen. Der Rekurrent
habe berichtet, Übelkeit verspürt zu haben und kurz "weg" gewesen zu sein. Beim
zweiten Ereignis im Juni 2013 seien neurologische Auffälligkeiten beobachtet worden.
Die daraufhin eingeleiteten Abklärungen hätten keine klare Ursache ergeben. Aus
kardiologischer Sicht werde eine sogenannte vasovagale Bewusstseinsstörung
(Synkope) – dabei handle es sich um eine Störung der Regulation der Blutverteilung
durch das vegetative Nervensystem mit entsprechender Minderdurchblutung des
Gehirns – als mögliche Ursache diskutiert. Aufgrund der vorliegenden Angaben zur
Krankenvorgeschichte des Rekurrenten bestehe offenbar eine Arteriosklerose, d.h. eine
Verkalkung der Körperschlagadern, weswegen vor einigen Jahren eine Bypass-
Operation im Bereich der Bauchschlagader und Oberschenkelschlagader erforderlich
gewesen sei. Der Rekurrent werde zwar mit einem den Cholesterinspiegel senkenden
Mittel und Blutverdünner behandelt, sei im Übrigen aber gesund. Eine derartige
Gefässverengung in Form einer Verkalkung der Gefässwände trete gewöhnlich nicht
lokalisiert, sondern generalisiert auf. Eine Arteriosklerose könne zu einem
Bluthochdruck und/oder zu Gefässlichtungseinengungen, z.B. Hirngefässe, oder einer
Herzgefässerkrankung mit der Folge von Hirndurchblutungsstörungen führen. Aufgrund
der Angaben des Spitals in C habe sich der Rekurrent bei der Hospitalisierung
bewusstseinsklar gezeigt und einen stabilen Blutdruck aufgewiesen. Dem Bericht der
Notfallequipe seien keine Hinweise auf gravierende gesundheitliche Störungen nach
dem Unfall vom 20. Dezember 2012 zu entnehmen. Eine kurzfristige
Hirndurchblutungsstörung könne sich aber einer späteren Erfassung entziehen. Von
daher bleibe die Ursache für das Unfallereignis bzw. der Synkope unklar. Zu dieser
Einschätzung sei auch der verkehrsmedizinische Vertrauensarzt gelangt. Nach einer
zweiten Bewusstseinsstörung sei der Rekurrent im Juni 2013 ins Spital S eingeliefert
worden. Dort habe sich ein unklares neurologisches Zustandsbild gezeigt. Die
Verkalkung der Halsschlagadern sei nur mässig und ohne Relevanz gewesen. Zudem
seien keine relevanten Herzrhythmusstörungen gemessen worden. Die Klinik habe
deshalb eine vasovagale Ursache in Betracht gezogen. Es stelle sich jedoch die Frage,
ob die anlässlich der radiologischen Untersuchung im Spital S festgestellten
mikroangiopathischen Glioseherde (gefässbedingte Gewebeuntergänge ähnlich einer
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Narbenbildung) in der Nähe der Hirnkammern eine Erklärung für die
Bewusstseinsstörung darstellten. Letztlich sei auch nach diesem zweiten Vorfall keine
eindeutige Diagnose gestellt worden. In einer derartigen Situation könne die
Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht für mindestens ein Jahr nicht befürwortet
werden. Falls in dieser Zeit keine weitere Störung auftrete, sei der Fall neu zu
beurteilen.
Im Weiteren habe der Rekurrent nach eigenen Angaben vor 20 bis 25 Jahren
erhebliche Mengen Alkohol konsumiert und sich im Spital Q stationär therapieren
lassen. Deshalb sei von einer früheren Alkoholabhängigkeit gemäss ICD-10
auszugehen (vgl. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und
verwandter Gesundheitsprobleme, ICD-Code, in: www.icd-code.de). In der Folgezeit
habe der Rekurrent nach eigenen Angaben während mehrerer Jahre keinen Alkohol
mehr konsumiert. Die anlässlich der hausärztlichen Blutuntersuchungen von März und
Juni 2013 gemessenen GGT-, MCV- und CDT-Werte hätten auf einen erhöhten
Alkoholkonsum hingewiesen. Das CDT stelle einen spezifischen und rasch auf Alkohol
reagierenden Parameter dar, der bei einem täglichen Konsum von 50 - 80 Gramm
Alkohol im Verlaufe von ein bis zwei Wochen über den Normbereich ansteige. Ein
solches Konsumverhalten stelle eine nicht unwesentliche Belastung des Herzens dar
und könne unter Umständen das Auftreten von Herzrhythmusstörungen begünstigen.
Im Juni 2013, drei Monate nach dem festgestellten erhöhten CDT-Wert, sei ein
unauffälliger CDT-Wert bei erhöhten GGT- und MCV-Werten gemessen worden. Die
Erhöhung der beiden letztgenannten Parameter könne alkoholbedingt gewesen oder
durch Medikamente verursacht worden sein. Da sich die GGT- und MCV-Werte bis zur
Blutanalyse im Juli 2013 normalisiert hätten, sei auf rückläufige Parameter zu
schliessen und ihr früherer Anstieg – gleich wie der CDT-Wert – auf den Alkoholkonsum
zurückzuführen. Für die Reduktion des Alkoholkonsums spreche auch die Haaranalyse
mit einem EtG-Wert von 12 pg/mg (Probenahme: 15. Juli 2013). Aufgrund der
Gesamtbewertung sei aktuell trotzdem von einer nicht unerheblichen
Alkoholgefährdung auszugehen. Der Rekurrent habe regelmässig und nicht
unerhebliche Mengen Alkohol zu sich genommen; nach eigenen Angaben zwei- bis
dreimal pro Woche je 5 bis 10 Deziliter Bier. Zwar hätten sich keine Hinweise auf einen
fortbestehenden Alkoholüberkonsum ergeben, unter Berücksichtigung der früheren
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Alkoholproblematik und der beiden unklaren Bewusstseinsstörungen sei aus
verkehrsmedizinischer Sicht die Fahreignung indes nicht zu befürworten.
c) Der Rekurrent bringt im Wesentlich vor, die gering erhöhten Blutwerte könnten –
müssten aber nicht – alkoholbedingt sein. Das Ergebnis der Haaranalyse spreche
dagegen. Fest stehe, dass er seinen Alkoholkonsum seit mehr als 20 Jahren im Griff
habe. Dass nun eine Alkoholgefährdung geltend gemacht werde, sei deshalb nicht
nachvollziehbar. Im Weiteren sei bis heute nicht erwiesen, dass anlässlich des Unfalls
eine Bewusstseinsstörung vorgelegen habe. Die Unfallursache sei nicht geklärt.
Ebenso unklar sei, weshalb ihm anlässlich der Gartenarbeit im Juni 2013 schwindlig
geworden sei. Allenfalls habe es sich um eine vasovagale Bewusstseinsstörung
gehandelt. Nach derartigen Vorfällen sei die Fahreignung in der Regel bald wieder zu
befürworten. Eine Karenzzeit von sechs Monaten sei angemessen, weil die Störung
lediglich in spezifischen Situationen auftrete – so habe er sich kurz vor dem Unfall
unwohl gefühlt und geschwitzt – und sich durch zweckmässiges Verhalten vermeiden
lasse. Sowohl das Gutachten vom 25. September 2013 als auch die Stellungnahme
des Gutachters vom 24. Januar 2014 seien deshalb weder in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge noch in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen
einleuchtend und nachvollziehbar. Da er nun bereits von mehreren Ärzten untersucht
worden sei und bis heute weder eine neurologische noch eine kardiologische Ursache
für die Bewusstseinsverluste gefunden worden seien, sei vom Wahrscheinlichsten
auszugehen, und das sei eine vasovagale Synkope. Zudem habe er seit Juni 2013 –
mithin seit neun Monaten – keine weitere derartige Störung mehr erlitten. Die
Karenzzeit von sechs Monaten sei folglich bereits im Verfügungszeitpunkt abgelaufen
gewesen. Somit sei nicht ersichtlich, weshalb er weiterhin nicht fahrfähig sein solle,
zumal der Sicherungsentzug einem Berufsverbot gleichkomme.
d) Sowohl die Ärzte des Spitals S als auch der Gutachter des IRM St. Gallen zogen eine
vasovagale Bewusstseinsstörung in Betracht, sahen sich jedoch ausser Stande, eine
gesicherte Diagnose zu stellen. Der Gutachter des IRM St. Gallen lokalisierte bei der
körperlichen Untersuchung keine verkehrsmedizinisch relevanten Besonderheiten und
hielt fest, im vorliegenden Fall sei nicht ohne Weiteres von einer vasovagalen Synkope
auszugehen. Er verwies auf die vorhandene Verkalkung der Körperschlagadern
(Arteriosklerose), die mit cholesterinsenkenden und blutverdünnenden Medikamenten
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behandelt werde. Die Arteriosklerose könne zu Bluthochdruck und zu
Gefässlichtungseinengungen oder einer Herzgefässerkrankung und in der Folge zu
Hirndurchblutungsstörungen führen. Eine derartige gesundheitliche Störung sei nach
dem Unfall jedoch nicht nachgewiesen worden. Ebenso sei unklar, ob die anlässlich
der Untersuchung im Spital S festgestellten unspezifischen mikroangiopathischen
Glioseherde ("Narbenbildungen") ursächlich für die Ohnmachtsanfälle gewesen seien.
Der Gutachter setzte sich sodann mit der Frage auseinander, ob der Unfall vom
20. Dezember 2012 die Folge eines Sekundenschlafs aus nicht krankhafter Ursache
hätte sein können. Er verneinte dies, weil es an den dafür typischen Faktoren (langer
Arbeitstag, bekannte Fahrstrecke, monotone Verkehrssituation, vorgängiger Stress)
gefehlt habe.
Die medizinischen Ursachen der beiden Bewusstseinsstörungen sind folglich nach wie
vor nicht bekannt. Ob es sich um eine vasovagale Synkope handelte – wie der
Rekurrent vermutet –, ist unklar. Ebenso steht nicht fest, ob die Störungen durch den
Konsum von Alkohol begünstigt wurden und wenn ja, in welchem Ausmass. Gelingt es
nicht, die Gründe für einen solchen Vorfall zu eruieren, ist eine Fahrabstinenz von in der
Regel 12 Monaten Dauer einzuhalten. Nur wenn weitere Störungen in dieser Zeit nicht
mehr vorgekommen sind, ist die Fahreignung wieder zu bejahen (R. Seeger,
Neurologische Erkrankungen und Fahreignung, in: Handbuch der
verkehrsmedizinischen Begutachtung, 1. Aufl. 2005, S. 76). Dies war beim Rekurrenten
jedoch nicht der Fall. Bereits am 7. Juni 2013 kam es zu einer weiteren nicht
erklärbaren Bewusstseinsstörung. Dass die Vorinstanz angesichts der beiden kurz
nacheinander aufgetretenen Ereignisse gestützt auf das Gutachten des IRM St. Gallen
von der Gefahr einer weiteren Bewusstseinsstörung ausging, ist nachvollziehbar, zumal
aufgrund der unklaren Diagnose keine Behandlungsmöglichkeit besteht. Sie entzog
dem Rekurrenten den Führerausweis deshalb zu Recht auf unbestimmte Zeit und
machte die Wiedererteilung folgerichtig von einer mindestens einjährigen
regelmässigen ärztlichen Kontrolle abhängig. Die Massnahme erscheint
verhältnismässig, weil es auch im Interesse des Rekurrenten liegt, die Ursachen der
sowohl für ihn als auch für die übrigen Verkehrsteilnehmer gefährlichen
Ohnmachtsanfälle zu klären. Als Chauffeur muss ihm die grosse Bedeutung einer guten
körperlichen Verfassung im Strassenverkehr klar sein (vgl. Anhang zur Verordnung über
die Zulassung von Fahrzeugführern und Fahrzeugführerinnen zum Personen- und
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Gütertransport auf der Strasse, SR 741.521). Zu prüfen bleibt, ob die Anordnung der
Kontrolle des Alkoholkonsumverhaltens mittels Haaranalyse angemessen ist.
e) Aufgrund des vom Vertrauensarzt am 21. März 2013 gemessenen erhöhten CDT-
Wertes (Carbohydrate Deficient Transferrin) von 1.9% ging der Gutachter zu Recht von
einer gewissen Gefährdung durch Alkohol aus. Je nach Testverfahren gilt ein
Grenzwert von 3% bzw. 6% als pathologisch (BGE 129 II 82 E. 6.2.1). Die
Normbereichsgrenze liegt bei 1.3% (vgl. R. Aderjan, Marker missbräuchlichen
Alkoholkonsums, Klinische und rechtliche Bedeutung, Stuttgart 2000, S. 89). Dieser
Wert sank später auf 0.9% (14. Juni 2013) bzw. 1.2% (15. Juli 2013). Die beiden mit
CDT korrelierenden (vgl. Aderjan, a.a.O., S. 90) Blutmarker GGT (Gamma-
Glutamyltransferase) und MCV (mittleres korpuskuläre Erythrozytenvolumen) wurden
wie folgt gemessen: 14. Juni 2013: GGT 105 U/l, MCV 97 fl; 15. Juli 2013: GGT 37 U/l,
MCV 94 fl. Beim GGT liegt der Normwert für Männer bei < 60 U/l, beim MCV bei 92 bis
100 fl (Aderjan, a.a.O., S. 16, Soyka/Küfner, Alkoholismus, Missbrauch und
Abhängigkeit, 6. Aufl. 2008, S. 295). Angesichts der unterschiedlichen
Normalisierungsdauer dieser Werte (GGT 2-5 Wochen, CDT ca. 2 Wochen, MCV 1-3
Monate; vgl. Soyka/Küfner, a.a.O., S. 295) ist die Feststellung im Gutachten, die frühere
Erhöhung der Werte sei aufgrund dieser Umstände auf den Alkoholkonsum
zurückzuführen, nachvollziehbar, zumal auch der im Juni 2013 gemessene MCV-Wert
von 97 fl auf einen überdurchschnittlichen Alkoholkonsum schliessen lässt (R. Seeger,
Fahreignung und Alkohol, in: Probleme der Verkehrsmedizin, hrsg. vom Institut für
Rechtsmedizin der Universität Zürich, 1999, S. 13). Daran ändert nichts, dass der EtG-
Messwert (Ethylglucuronid) vom 15. Juli 2013 bei 12 pg/mg (0-3 cm ab Haut) lag und
auf einen moderaten Alkoholkonsum hindeutete (vgl. VRKE IV-2014/10 vom 28. Mai
2014 E. 2b/cc, in: www.gerichte.sg.ch). Diese Messung erfasste nur die drei der
Analyse vorangegangenen Monate. Über das Trinkverhalten im März 2013 bzw. in der
Zeit davor sagte sie nichts aus. Angesichts dieser Messresultate, der ungeklärten
Bewusstseinsverluste und der früheren Alkoholabhängigkeit des Rekurrenten erscheint
die Feststellung des Gutachters, es bestehe eine gewisse Gefährdung durch Alkohol,
plausibel. Ins Gewicht fällt dabei, dass der Rekurrent angab, wöchentlich zwei- bis
dreimal ein bis zwei grosse Flaschen Bier zu trinken; dies entspricht rund zwei bis fünf
Stangen. Ein überdurchschnittlicher Alkoholkonsum von täglich 50 bis 80 Gramm
Alkohol (80 Gramm entsprechen rund 8 bis 10 Stangen Bier; vgl. Schweizerische
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Gesellschaft für Ernährung, Merkblatt Alkohol, November 2011, unter: www.sge-
ssn.ch) stellt gemäss Gutachter eine nicht unwesentliche Belastung des Herzens dar
und kann bei akuten Bewusstseinsstörungen eine bedeutende Rolle spielen (vgl. R.
Seeger, "Blackout" am Steuer, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2010, S. 26).
Damit erscheint auch die angeordnete Kontrolle des Alkoholkonsumverhaltens des
Rekurrenten angemessen.
Eine Trunksucht bzw. ein verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch wurden jedoch nicht
nachgewiesen. Dem Rekurrenten ist nicht vorzuwerfen, er sei unfähig, Alkohol und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen. Entsprechend liesse sich ein
Sicherungsentzug alleine aus diesem Grunde nicht rechtfertigen (vgl. BGE 129 II 82 E.
4.1). Es müsste hinreichend dargetan sein, dass der Rekurrent seine Neigung zum
übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu überwinden oder zu
kontrollieren vermag (BGer 1C_150/2010 vom 25. November 2010 E. 5.3). Dies war
beim Rekurrenten – soweit aus den Akten ersichtlich – nicht der Fall. Vielmehr lässt das
Resultat des Selbstbeurteilungsfragebogens "AUDIT" (Resultat: 5 Punkte) auf einen
moderaten Alkoholkonsum schliessen. Danach ist eine Alkoholabhängigkeit erst ab
einer Punktzahl von acht und mehr wahrscheinlich.
f) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz dem Rekurrenten den
Führerausweis zu Recht wegen mangelnder Fahreignung auf unbestimmte Zeit entzog.
Nicht zu beanstanden sind zudem die Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs,
wobei die Vorinstanz nicht festlegte, in welchen Intervallen die angeordnete ärztliche
Behandlung zu erfolgen hat. Die Betreuungsintensität liegt dementsprechend in der
Verantwortung des Hausarztes, der – allenfalls unter Beizug eines Facharztes – zu
bestätigen haben wird, dass es während zwölf Monaten zu keinen weiteren
Bewusstseinsstörungen gekommen ist. Aus der Verfügung geht zudem nicht hervor,
wann bzw. in welchen zeitlichen Abständen die Haaranalysen vorzunehmen sind. Der
Rekurrent darf jedoch erwarten, dass die medizinisch bedingten Auflagen in der
Entscheidungsformel genau umschrieben werden. Er soll wissen, unter welchen
Umständen er wieder zum Verkehr zugelassen wird (vgl. dazu BGE 104 Ib 179 E. 3c).
Demnach ist von nur einer Haaranalyse im Rahmen der verkehrsmedizinischen
Neubeurteilung auszugehen.
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4.- Die Massnahme des Sicherungsentzugs soll sicherstellen, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn der Rekurrent während eines
Rechtsmittelverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'700.–, davon
Fr. 200.– für die Zwischenverfügung vom 6. Juni 2014, erscheint angemessen (vgl.
Art. 7 Ziff. 121 und Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist anzurechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).