Decision ID: cd458e7a-e80b-4979-b532-1a6311f545a3
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Nach am 3
0.
Januar 2019 erfolgter Wiederanmeldung von
X._
, geboren 19
32
, zum Bezug von Zusatzleist
ungen zur Altersrente (Urk. 9
/
63) berechnete die Stadt Zürich, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV, m
it Verfügung vom
16
.
April 2019 einen Anspruch auf jährliche Ergänzungsleistungen in der Höhe von
Fr.
3‘816.-- (
Urk.
9/V/5).
Dagegen erhob d
ie
Versicherte am 1. Mai 2019 Einspra
che (Urk. 9/74) und beantragte, dass
ein Vermögensverzicht
im Jahr 2014
von
Fr.
35‘000
.
—
angerechnet und
die Pflegetaxe
mit den vom Altersheim erhobenen
Fr.
6.60
pro Tag eingesetzt
sowie
der Betrag für persönliche Auslagen auf jährlich
Fr.
6‘000.--
festgesetzt werde
. Mit
Einspracheentscheid
vom 2
4.
Juli 2019
hiess
die Stadt Zürich, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV
,
die Einsprache teilweise gut, indem der Eigenanteil für die Pflege auf
Fr.
6.60 erhöht und von der Anrech
nung eines Verzichtsvermögens abgesehen wurde
(
Urk.
9/V/6
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
2.
September 2019 Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom 24. Juli 2019 (Urk. 2) und beantragte, es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zu gewähren und der
angefochtene
Einspracheentscheid
sei in der Weise abzuändern, dass ihr unter dem Titel der „persönlichen Auslagen“ mit Wir
kung ab Januar 2019 der maximale Betrag nach
§
11
Abs.
2
des Zusatzleistungs
gesetzes
(
ZLG
)
zu gewähren se
i
(Urk.1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2019 (Urk. 8) beantragte die Stadt Zürich, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV, die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde der Beschwerdeführerin am
5.
November
2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) haben Personen Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wenn sie die Voraussetzungen nach den Art. 4-6 ELG erfüllen. Dabei entspricht die jährliche Ergänzungsleistung dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG).
1.2
Die anrechenbaren Ausgaben werden nach Art. 10 ELG ermittelt. Bei zu Hause lebenden Personen wird für den allgemeinen Lebensbedarf und den Mietzins je ein näher bezifferter
Betrag
berücksichtigt (Abs. 1). Bei
in Heimen oder Spitälern lebenden Personen werden die Tagestaxe
(wobei die Kantone die wegen des Heim- oder Spitalaufenthalts berücksichtigten Kosten begrenzen können) und ein
vom Kanton zu bestimmender
Betrag
für persönliche
Auslagen
berücksichtigt (Abs. 2).
Der Betrag für die persönlichen
Auslagen
umfasst das Taschengeld und weitere Ausgaben wie Kleider, Toilettenartikel, Zeitungen, Steuern und Ähnliches (Ziff. 3330.01 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, WEL).
1.3
Der Kanton Zürich hat von der ihm in Art. 10 Abs. 2
lit
. b ELG eingeräumten Kompetenz mit Erlass von § 11 Abs. 2
ZLG
Gebrauch gemacht.
Gemäss
dieser Bestimmung wird für persönliche
Auslagen
nach Art. 10 Abs. 2
lit
. b ELG höchstens ein Drittel des Betrags für den allgemeinen Lebensbedarf für Alleinste
hende
gemäss
Art. 10 Abs. 1
lit
. a Ziff. 1 ELG anerkannt.
Die Bestimmung von § 11 Abs. 2 ZLG wird durch § 2 der Zusatzleistungs
ver
ordnung (ZLV) konkretisiert.
Danach wird der Betrag für persönliche
Auslagen
nach den persönlichen Bedürfnissen der anspruchsberechtigten Person bemessen und beträgt mindestens
einen Drittel
des Höchstbetrages nach § 11 Abs. 2 ZLG.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass hinsichtlich der beantragten Erhöhung der Ausgabe «Eigenanteil Pflege» auf
Fr.
6.60 die Einsprache gutzuheissen
und
weiter von
der Anrechnung eines Ver
zichtsvermögens
im Jahr 2019
abzusehen sei
(S. 1 f.
Ziff.
3-5
,
S. 3
Ziff.
9-11
).
Was die Höhe des jährlichen Betrages für persönliche Auslagen anbelange, bestehe gestützt auf
§
2 ZLV ein Ermessenspielraum, weshalb der Betrag für per
sönliche
Auslagen
vom anrechenbaren tatsächlichen Vermögen abhängig gemacht werde. Dieser Gedanke werde mit der Subsidiarität der
Ergänzungs
leistungen begründet.
Demnach sei im Rahmen der Gemeindeautonomie bestimmt worden, dass bei einem anrechenbar
en Vermögen über
Fr.
100'000.--,
wie dies bei der
Beschwerdeführerin der Fall sei,
der Betrag für persönliche Aus
lagen auf das Minimum von
Fr.
2'500.-- pro Jahr beschränkt bleibe (S. 2 f.
Ziff.
6
8).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass für die persönlichen Auslagen nicht auf das Vermögen der Gesuchsteller abgestellt werden dürfe, wie dies das hiesige Gericht in seinem Urteil ZL.2015.00055 vom 2
2.
August 2016 erkannt habe (S. 4
Ziff.
2
lit
. b). Der Kanton Zürich verweise seit Erlass der Bestimmung von
§
2 ZLV im Jahr 2008 öffentlich zuerst auf den Maximalansatz nach
§
11
Abs.
2 ZLG, um danach festzuhalten, dass eine Reduktion bis auf
einen Drittel
dieses Maximalansatzes möglich sei, wenn ein offensichtlich verminderter Verwendungsbedarf vorliege (S. 4
Ziff.
2
lit
.
c).
Wie aus den Mitteilungen des
Bundesamtes für Sozialversicherungen (
BSV
)
an die AHV-Ausgleichskassen und EL-Durchführungsstellen Nr. 411 hervorgehe, sei
es
der publizierte ständige Wille des Kantons Zürich, dass vom Maximalbetrag der persönlichen Auslagen nur abzuweichen sei, wenn ein offensichtlich vermin
derter Verwendungsbedarf vorliege (S. 4 f.
Ziff.
2
lit
. c). Sie weise aber gerade keinen offensichtlich verminderten Verwendungsbedarf auf, weshalb ihr ab Leistungsbeginn vom Januar 2019 als Pauschale für die persönlichen Auslagen ein jährlicher Betrag von
Fr.
6'480.-- zustehe (S. 5 f.
lit
. f-g).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
8) führte die Beschwerdegegnerin aus, dass die Beschwerdeführerin den ihr eingeräumten Ermessensp
ielraum grundsätzlich bestreite
. Die Mitteilung des BSV sei falsch ausgelegt worden. Mit «für alle» seien nicht die Bezüger in Heimen
,
sondern alle Institutionsarten gemeint. Eine ent
sprechende Weisung sei nicht ergangen. Vielmehr sei es sogar so, dass die Kantone in der Vergangenheit diejenigen Durchführungsstellen gerügt hätten, welche den Betrag für persönliche Auslagen systematisch beim Maximum ange
setzt hätten. Eine individuelle Festsetzung des Betrages für persönliche Auslagen sei im Massengeschäft klar nicht realistisch
,
und das Gleich
behandlungsgebot könnte zudem nur dann eingehalten werden, wenn ganz klare Kriterien bestün
den (S. 2 Mitte). Dies sei sich die Einzelrichterin im Urteil ZL.2015.000555 nicht in der gan
zen Bandbreite bewusst gewesen.
Es sei nicht einfach nachvollziehbar, wieso das Vermögen nicht als Anhaltspunkt für eine gerechte Bemessung hinzu
gezogen werden k
önne (S. 3 Mitte)
.
Bei einer allfälligen Anerkennung eines individuellen Mehrbedarfs der Beschwerdeführerin werde beantragt, bei einer all
fälligen Rückweisung di
e Bemessungskriterien zu nennen und
insbesondere die Unterscheidung zwischen Bedarf und Bedürfnis im Zusammenspiel mit der Schadenminderungspflicht zu konkretisieren (S. 4).
2.4
Strittig und zu prüfen bleibt, in welchem Umfang der Bes
chwerdeführerin ein Betrag für persönliche Auslagen
anzurechnen ist.
3.
3.
1
Mit
Art.
10
Abs.
2
lit
b
ELG wurde den Kantonen
die
Kompetenz
eingeräumt, den Betrag festzulegen, der den Heimbewohnern für persönliche Auslagen überlassen wird.
Geregelt sind nach
§
11
Abs.
2 ZLG und
§
2 ZLV
auf kantonaler Ebene sodann der Mindestbetrag für persönliche Auslagen von
Fr.
2'
160
.--
sowie der Höchstbetrag von
Fr.
6'4
80
.-- im Jahr
(vorstehend E. 1.3)
.
Der von der Beschwer
degegnerin festgelegte Betrag von
Fr.
2‘500.--
liegt demnach im
unte
ren
Bereich des
möglichen
Ansatzes
.
3.
2
Die Beschwerdeführerin stellte sich auf den Standpunkt, dass entsprechend den im Urteil des hiesigen Gerichts vom
2
2.
August 2016
getroffenen Feststellungen sowie der
Mitteilungen des BSV an die AHV-Ausgleichskassen und EL
Durch
führungsstellen Nr. 411
nur dann der Höchstbetrag von
Fr.
6'4
80
.--
nicht zu gewähren sei,
wenn ein offensichtlich verminderter Verwendungsbedarf vorliege
, was bei ihr nicht
der Fall sei
(vorstehend E. 2.2)
. So benötige sie infolge ihrer chronischen Hauterkrankung regelmässig Salben, Lotionen und Kleider, die von keiner Versicherung gedeckt würden. Weiter habe sie Auslagen für kleine Snacks, Tee und Kaffee und Kosten für Telefon, Pflege der privaten Bettwäsche und Aus
lagen für die Gästeverpflegung.
Sie habe
zwei Zeitschriftenabonnemente und eine Privathaftpflichtversicherung für das Heim
.
Wechselhaft bezahlte sie Steuern
(
Urk.
1 S. 6
,
Urk.
3/2-5
).
Wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend machte, geht aus
den
Mitteilungen des BSV an die AHV-Ausgleichskassen und EL-Durchführungsstellen Nr. 411
, kantonale Regelungen auf dem Gebiet der bundesrechtlichen Erg
änzungs
leis
tungen im Jahr 2019
,
unter dem Titel Betrag für persönliche Auslagen (Stand 2019) für den Kanton Zürich klar hervor, dass maximal
Fr.
540.-- pro Monat für alle zu gewähren
sind
. Dass es sich hierbei
um die versicherten Personen
handelt und nicht,
wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort (vorstehend E. 2.3) geltend macht
e, lediglich um die Institutionen,
geht klar aus der Fussnote hierzu hervor, wo festgehalten wurde, dass bei offensichtlich vermindertem Ver
wendungsbedarf der Betrag bis höchstens auf einen Drittel gesenkt werden k
önne
.
Aus den
genannten für die Beschwerdegegnerin als direkte Adressatin verbindli
chen Mitteilungen des BSV
geht demnach hervor, dass
im Kanton Zürich
nach
diesem
Bemessungsmodell
vorzugehen ist
.
Folglich erweist es
sich
mit
dem Gebot der Rechtsgleich
h
eit
als
nicht verneinbar, dass die Beschwerdeführerin,
indem
die Beschwerdegegnerin
unter dem Titel der Gemeindeautonomie
ein von
den kantonalen Vorgaben
abweichendes
Berechnungsmodell wählte, benachteiligt wird.
Im Übrigen ist die Koppelung des für die persönlichen Auslagen zu gewährenden Betrags an das anrechenbare tatsächliche Vermögen eine unzu
lässige Schlechterstellung der Heimbewohner gegenüber den zu Hause lebenden Perso
nen
und auch aus diesem Grund unzuläss
i
g
.
Da die Beschwerde
führerin, wie sie geltend machte,
keinen
offensichtlich
verminderten Ver
wendungs
bedarf auf
weist
,
erweist sich die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Reduktion des Maximalbetrages
von
Fr.
6'480.--
auf
Fr.
2'
500.-- als nicht gerechtfertigt. Der Beschwerdeführerin steht der Maximalbetrag von
Fr.
6'480.-- zu.
3.
3
In
Gutheissung
der Beschwerde sind daher der
Einspracheentscheid
vom
24
.
Juli 2019
(Urk. 2)
und
die
diesem zugrundeliegende Verfügung
dahingehend abzuän
dern, als der
Betrag für persönliche Auslagen bei Heimaufenthalt mit
Fr.
6‘480.
- zu veranschlagen ist.
Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie in diesem Sinne
über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2019
neu verfüge.
4.
4.1
Das Verfahren ist kostenlos.
4.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführer
in
eine angemessene Prozessentschädigung auszurichten. Diese bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Beim
praxisge
mässen
Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) sowie unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit de
s Prozesses wird diese auf Fr. 2
’000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgelegt.