Decision ID: 4f809566-cef1-5b83-aaaa-70da6f5c9d28
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführer,
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St.Galler Gerichte
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
D._ (Jg. 1966) meldete sich am 15. Juli 2003 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Anmeldeformular gab er u.a. an, er habe in Bosnien die Primarschule besucht und
dann eine Ausbildung zum Verkäufer/Detailhandel absolviert. Die A._ teilte am 12.
August 2003 mit, sie habe den Versicherten als Bodenleger beschäftigt. Ohne den
Gesundheitsschaden würde der Lohn ca. Fr. 7000.- (x12) betragen. Der Versicherte
habe im Jahr 2000 einen Lohn von Fr. 91'273.-, 2001 einen Lohn von Fr. 86'889.- und
2002 einen Lohn von Fr. 74'477.- (offenbar inklusive Krankentaggeld) erzielt. Dr. med.
B._ berichtete am 8. Oktober 2003, als Bodenleger sei der Versicherte seit dem 27.
September 2002 zu 100% arbeitsunfähig. Die Ursache dafür liege in einem
lumbospondylogenen Schmerzsyndrom rechts. Verschiedene ambulante Therapien
hätten nur unbefriedigende Erfolge gebracht. Auch eine intensive stationäre Therapie in
Valens sei nicht von grösseren Erfolgen gekennzeichnet gewesen. Diverse Infiltrationen
durch das Kantonsspital St. Gallen seien vom Versicherten als nicht erfolgreich taxiert
worden. Er halte eine Beurteilung durch eine MEDAS für sinnvoll. Trotzdem gab Dr.
med. B._ für eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von
100% an. Die Klinik Valens berichtete am 13. Oktober 2003, das relevante Problem sei
eine stark reduzierte körperliche Belastbarkeit. Es bestünden Hinweise auf eine
Funktionsstörung der LWS (Shift- und Bewegungseinschränkungen, aber auch
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Beobachtungen, die auf eine Selbstlimitierung hinwiesen). Es habe einerseits eine
erhebliche Dekonditionierung und andererseits eine mangelnde Bereitschaft
bestanden, bei den Belastungstests ein gewisses Mass an unvermeidbaren
Beschwerden bei Belastung zu tolerieren und an effektiven funktionellen Limiten zu
arbeiten. Für eine leichte wechselbelastende Tätigkeit bestehe eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Die IV-Stelle ordnete am 18. Dezember 2003 eine dreimonatige
berufliche Abklärung (Arbeitsversuch) im Hinblick auf eine Umschulung zum
Metallbearbeiter an. Der Arbeitsversuch wurde bereits in der zweiten Woche
abgebrochen, weil der Versicherte nur zwei Stunden am Tag hatte arbeiten wollen. Es
hatte sich um eine leichte und für Rückenpatienten erträgliche Arbeit gehandelt. Dr.
med. C._ vom RAD hielt am 9. Februar 2004 fest, der Versicherte zeige den
typischen Verlauf eines Akkordanten, der nach einem Jahrzehnt dekompensiere. Das
Hauptproblem sei die negative Selbstüberzeugung des Versicherten. Dr. med. C._
empfahl eine rheumatologische und psychiatrische MEDAS-Begutachtung.
B.
Das Ärztliche Begutachtungsinstitut ABI führte in seinem Gutachten vom 14. Dezember
2004 aus, der Versicherte leide aus orthopädischer Sicht an einem chronischen
lumbovertebralen Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik mit/bei
mittelgradigen degenerativen Veränderungen L4 bis S1, Diskusprotrusion L4/5 mit
Rezessuseinengung rechtsbetont und Diskusprotrusion L5/S1 ohne wesentliche
Rezessuseinengung. Die angegebenen Beschwerden seien durch die objektivierbaren
Befunde nur unzureichend zu erklären. Insbesondere sei nicht verständlich, weshalb
sich der Versicherte eine derart schiefe Körperhaltung angewöhnt habe. Es bestehe
zudem ein stark erhöhter Muskeltonus bereits bei geringgradigen Bewegungen,
wodurch wohl eine Schmerzreduktion erzielt werden solle, vermutlich aber eher das
Gegenteil erreicht werde. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten,
bevorzugt in wechselnder Position und ohne Zwangshaltungen der unteren Wirbelsäule
bestehe aus orthopädischer Sicht eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Der psychiatrische Gutachter berichtete, es liege eine
Schmerzverarbeitungsstörung vor. Diese Diagnose entspreche zwar nicht den ICD-10
Klassifikationen. Der nicht adäquate Umgang mit Schmerzen resp. die ausgeprägte
subjektive Einschränkung durch Schmerzen, die nicht durch somatische Befunde
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objektiviert werden könnten, liessen sich aber am besten mit dieser Diagnose
klassifizieren. Es handle sich nicht um eine bewusste Aggravation. Vielmehr komme es
aufgrund persönlicher oder soziokultureller Besonderheiten oder aufgrund einer
wirtschaftlichen Bedrängnis zu einer psychischen Überlagerung körperlicher
Symptome. Da keine langandauernden psychosozialen Belastungen vorgelegen hätten,
könne nicht die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gestellt
werden. Das passive Bewältigungsmuster trage vermutlich wesentlich zur
Chronifizierung der Schmerzen bei. Hinweise auf eine depressive Erkrankung fehlten.
Bei der Blutuntersuchung seien die verordneten Antidepressiva nicht nachweisbar
gewesen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Es sei dem Versicherten zumutbar, die erforderliche Willensanstrengung aufzubringen,
um weiterhin ganztags und ohne Leistungseinschränkung einer Arbeit nachzugehen.
Aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung und der Selbstlimitierung seien
berufliche Massnahmen kaum durchführbar.
C.
Der Berufsberater der IV-Stelle hielt am 24. Januar 2005 fest, der E._ hätte einem
erneuten Arbeitsversuch nur zugestimmt, wenn der Versicherte bereit gewesen wäre,
während eines dreiwöchigen Arbeitsversuchs zu beweisen, dass er die nötige Präsenz
und Motivation einhalten könne. Berufsberaterisch könne dem Versicherten nicht
geholfen werden. Mit Verfügungen vom 18. Februar 2005 wies die IV-Stelle die
Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen und das Rentenbegehren ab. Der
Versicherte liess Einsprache gegen diese Verfügungen erheben. Er machte u.a.
geltend, das Ergebnis der psychiatrischen Abklärung durch das ABI sei falsch. Die IV-
Stelle widerrief daraufhin die Verfügungen vom 18. Februar 2005. Dr. med. F._ vom
RAD empfahl am 20. Juli 2005, am ABI-Gutachten festzuhalten. Dr. med. G._
berichtete der IV-Stelle am 27. Januar 2006 über einen mehrwöchigen stationären
Aufenthalt des Versicherten in der Klinik Gais. Er gab an, neben der chronischen
Lumboischialgie rechtsbetont bestehe eine depressive Anpassungsstörung.
Vorwiegend aus somatischer Sicht bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Der
Versicherte sollte neurochirurgisch beurteilt werden. Der Berufsberater der IV-Stelle
hielt am 28. Februar 2006 fest, bei den Besprechungen mit dem Versicherten sei eine
Diskussion über das Thema Schmerzen hinaus gar nicht möglich gewesen. Der
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Psychiater Dr. med. H._ berichtete am 13. Februar 2006, der Versicherte leide an
einer mittelgradigen depressiven Störung mit somatischen Symptomen auf dem Boden
einer anankastischen Persönlichkeit. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe spätestens
seit dem 29. November 2003 (Behandlungsbeginn) eine Arbeitsunfähigkeit von 70%.
Trotz der Therapie mit Antidepressiva, Anxiolytika und psychotherapeutischen
Gesprächen sei der Gesundheitszustand des Versicherten unverändert. Auch eine
stationäre Therapie in Gais habe keine Besserung gebracht. Dr. med. F._ vom RAD
empfahl am 26. Juli 2006 eine Verlaufsbegutachtung.
D.
Das ABI führte in seinem Gutachten vom 25. Juni 2007 aus, bei der psychiatrischen
Untersuchung habe der Versicherte mit leidender Mimik, humpelnd und den
Oberkörper seitlich gebeugt den Untersuchungsraum betreten. Während der gesamten
Untersuchung habe sich das Bild nicht geändert. Der Versicherte habe gestöhnt und
auch im Sitzen eine unnatürliche, angespannte Haltung eingenommen. Der Versicherte
sei bei klarem Bewusstsein, zeitlich, örtlich und autopsychisch voll orientiert gewesen.
Hinweise auf ein psychotisches Geschehen hätten nicht eruiert werden können.
Insbesondere hätten Wahnideen, Halluzinationen oder eine Ich-Störung gefehlt.
Wahrnehmung, Auffassung und Gedächtnis seien klinisch nicht als beeinträchtigt
erschienen. Der Versicherte sei in der Lage gewesen, die Konzentration und die
Aufmerksamkeit über die gesamte Untersuchungsdauer von 55 Min. aufrecht zu
erhalten. Affektiv habe er mehr leidend und schmerzgeplagt als depressiv und
niedergeschlagen gewirkt. Aus psychiatrischer Sicht könne nur eine
Schmerzverarbeitungsstörung erhoben werden. Es bestehe eine gewisse Verstimmung
als Folge der Schmerzen, jedoch liege kein depressives Symptom vor. Hinweise für
unbewusste psychische Konflikte hätten nicht eruiert werden können. Psychosoziale
Belastungsfaktoren in der Anamnese hätten nicht eruiert werden können. Dem
Versicherten sei eine körperlich angepasste Tätigkeit in einem vollen Pensum
zumutbar. Es liege eine leichte reaktive Verstimmung bei chronischen Schmerzen vor.
Auch jetzt seien die Serumwerte wieder so tief gewesen, dass die medikamentöse
Behandlung nicht wirksam sein könne. Es müsse zwischen depressiven Symptomen
einerseits und Verstimmungszuständen als Folge von somatischen Schmerzen und von
psychosozialen Belastungszuständen andererseits unterschieden werden. Daraus
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ergebe sich eine andere Gesamteinschätzung als bei Dr. med. G._ von der Klinik
Gais und bei Dr. med. H._. Der orthopädische Gutachter des ABI berichtete, es liege
ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik bei
mittelgradigen Veränderungen L4 bis S1 mit Diskusprotrusionen L4/5 und L5/S1, MR-
tomographisch ohne sichtbare Kompression neuraler Strukturen vor. Die vom
Versicherten angegebenen Beschwerden hätten sich durch die objektivierbaren
Befunde höchstens teilweise erklären lassen. Zwar bestünden gewisse degenerative
Veränderungen im tieflumbalen Bereich, welche die Belastungsfähigkeit daselbst
verminderten, doch sei es nach wie vor nicht erklärbar, weshalb sich der Versicherte
eine derart schiefe Körperhaltung angewöhnt habe, die aufgrund allgemeiner Erfahrung
nicht zu einer Schmerzminderung führen könne, sondern den Schmerz sogar verstärke.
Die Untersuchung habe gezeigt, dass es dem Versicherten ohne weiteres möglich sei,
jederzeit wieder eine orthograde Oberkörperhaltung einzunehmen. Für körperlich
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit einer Hebe- und Tragelimite von 15 kg, in
wechselnden Positionen und ohne Zwangshaltungen der unteren Wirbelsäule bestehe
eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Die
objektivierbaren Befunde vermöchten aufgrund der allgemeinen Erfahrung bei derart
angepassten Tätigkeiten keine wesentliche Schmerzprovokation zu begründen,
weshalb sie dem Versicherten zumutbar seien. Im Vergleich zur Begutachtung von
2004 hätten sich keine objektivierbaren Veränderungen ergeben. Bei ihrer
Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter u.a. fest, die Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte
im genannten Ausmass seit September 2002. Abschliessend wiesen sie nochmals
darauf hin, dass depressive Verstimmungszustände der Schmerzverarbeitungsstörung
zuzuordnen seien, was auch die Klinik Gais so gesehen habe. Nur der behandelnde
Psychiater Dr. med. H._ sei hier ausgeschert, wobei er sogar noch eine
anankastische Persönlichkeit festgestellt habe, die sonst keine Facharzt erhoben habe.
Die Diagnosen von Dr. med. H._ könnten in keiner Weise nachvollzogen werden.
Selbst bei seinen Diagnosen hätte im übrigen noch eine Teilarbeitsfähigkeit bestehen
müssen.
E.
Der Berufsberater der IV-Stelle stellte auch am 22. Februar 2008 wieder fest, dass er
dem Versicherten nicht weiterhelfen könne. Er stellte ein Valideneinkommen des
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Versicherten als Bodenleger von Fr. 95'856.- einem durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn
von Fr. 59'028.- gegenüber. Daraus resultierte eine Invalidität von 38%. Die IV-Stellte
teilte dem Versicherten mit zwei Vorbescheiden vom 22. April 2008 mit, dass sie
beabsichtige, sowohl das Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen als
auch das Rentenbegehren abzuweisen. Der Versicherte liess am 23. Mai 2008
einwenden, mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. H._ (30%) und der vom
Hausarzt ab August 2004 attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit auch für
adaptierte Tätigkeiten sei der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente erstellt, zumal Dr.
med. G._ die Einschätzung von Dr. med. H._ bestätigt habe. Auf das ABI-
Gutachten könne nicht abgestellt werden, weil die psychiatrische Abklärung nur 55
Min. gedauert habe, weil die Gutachter nicht alle relevanten Akten berücksichtigt hätten
(Behandlung in der Klinik Teufen) usw. Bei der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens hätte ein zusätzlicher Abzug von 10% berücksichtigt werden
müssen. Dr. med. G._ hatte dem Rechtsvertreter des Versicherten am 20. Mai 2008
u.a. mitgeteilt, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der
Begutachtung von 2004 wesentlich verschlechtert habe. Der Versicherte habe sich
völlig zurückgezogen, er lebe total isoliert und ertrage keine Gesellschaft mehr. Der
psychiatrische Gutachter des ABI habe die bestehende depressive Störung übersehen.
Die psychische Störung (Depression) sei eine eigenständige psychische Erkrankung
und nicht nur die Reaktion auf Schmerzen. Während eines 55-minütigen Gesprächs sei
es gar nicht möglich, den komplexen psychischen Zustand des Versicherten zu
beurteilen. Am 21. Oktober 2008 teilte Dr. med. G._ dem Rechtsvertreter des
Versicherten mit, dass letzterer nun an einer leichten depressiven Episode und an einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung leide. Die Arbeitsfähigkeit sei dadurch um
30% reduziert. Die IV-Stelle ordnete eine nochmalige Begutachtung durch das ABI an.
F.
Das ABI erstattete sein drittes Gutachten am 18. Mai 2009. Der psychiatrische
Gutachter berichtete, es liege eine somatoforme Schmerzstörung vor. Die Abhängigkeit
von der Sozialhilfe belaste den Versicherten, da er sich als "Schmarotzer" fühle. Die
psychosozialen und die emotionalen Belastungsfaktoren seien deutlich ausgeprägt und
drückten sich durch die psychische Überlagerung auch in den Schmerzen aus. Wegen
der depressiven Verstimmungen sei der Versicherte bei Dr. med. H._ und bei der
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psychiatrischen Tagesklinik in I._ in Behandlung. Er erhalte eine antidepressive
Medikation. Der Medikamentenspiegel der beiden verordneten Antidepressiva liege
aber deutlich unter den Referenzwerten. Der Versicherte nehme zudem ein
Opoidanalgetikum ein. Hinweise auf eine missbräuchliche Einnahme dieses
Medikaments gebe es nicht. Diagnostisch bestehe derzeit eine leichte depressive
Episode mit depressiven Verstimmungen, leichten Konzentrationsstörungen, erhöhter
Ermüdbarkeit, Antriebsstörungen und Schlafstörungen. Die Arbeitsfähigkeit sei durch
die leichte depressive Episode und durch die anhaltende somatoforme
Schmerzstörung eingeschränkt. Eine mittelgradige oder sogar schwere psychische
Störung liege nicht vor. Hinweise auf unbewusste Konflikte fehlten, so dass kein
primärer Krankheitsgewinn gegeben sei. Die komplexen Ich-Funktionen seien nicht
deutlich schwer gestört. Daher könne es dem Versicherten trotz der geklagten
Beschwerden zugemutet werden, einer den körperlichen Einschränkungen
angepassten Tätigkeit zu 80% nachzugehen. Die Beurteilung und Einschätzung durch
Dr. med. H._ könne nicht nachvollzogen werden. Im Gegensatz zur Auffassung von
Dr. med. G._ betrage die Arbeitsunfähigkeit nur 20% und nicht 30%. Der soziale
Rückzug des Versicherten sei nicht deutlich schwer ausgeprägt. Die nächtlichen
Schlafschwierigkeiten würden dadurch verstärkt, dass sich der Versicherte tagsüber
hinlege. Der Versicherte leide nicht unter deutlich schweren Konzentrationsstörungen.
Er fahre nämlich längere Strecken selbst mit dem Auto, was eine gute
Konzentrationsfähigkeit voraussetze. Der orthopädische Gutachter berichtete, folgende
Befunde seien objektivierbar gewesen: Der ebene Gang sei mitsamt den geprüften
Varianten unauffällig gewesen. Bei der Untersuchung der Wirbelsäule habe sich lumbal
eine erhebliche Bewegungseinschränkung gezeigt. Der initial deutlich erweiterte Finger-
Boden-Abstand sei später durch den korrekt einnehmbaren Langsitz relativiert worden.
Die explizite Prüfung der Kopfrotation sei stark eingeschränkt gewesen. In abgelenkter
Situation sei die Kopfrotation aber aktiv frei bis in die Endstellung gelungen. An den
oberen und den unteren Extremitäten habe eine freie Beweglichkeit bei guter
Kraftentfaltung bestanden. Die gesamte Untersuchung sei von einer wiederholten
Schmerzäusserung lumbal sowie in den Hüften bds. begleitet gewesen, allerdings
weitestgehend unabhängig von der gerade durchgeführten Prüfung. Fünf von fünf
Waddell-Zeichen seien positiv gewesen. Auf der neurologischen Ebene hätten sich
keine Hinweise für eine Pathologie im Bereich des peripheren Nervensystems gezeigt.
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Eine spinale Kompressionsproblematik oder eine Läsion eines grösseren peripheren
Nervs könne klinisch weitestgehend ausgeschlossen werden. Auf radiologischer Ebene
hätten sich mässige degenerative Veränderungen an der unteren HWS gezeigt, die
allerdings im Verlauf nicht zugenommen hätten. Der kernspintomographische Befund
der HWS sei altersentsprechend regelrecht gewesen. Die angegebenen Beschwerden
liessen sich durch die objektivierbaren Befunde und die Bilddokumente nicht
begründen. Die unablässige Schmerzäusserung und die verschiedenen Inkonsistenzen
während der gesamten körperlichen Untersuchung seien ein klarer Hinweis auf eine
nichtorganische Komponente der Schmerzen gewesen. Die mässigen degenerativen
Veränderungen an der lumbalen Wirbelsäule könnten bei hohen körperlichen
Belastungen zu Beschwerden führen. Ungeklärt sei, weshalb es trotz der körperlich
weitgehenden Schonung während längerer Zeit und trotz verschiedener konservativer
Therapiemassnahmen nicht zu einer klaren Schmerzreduktion gekommen sei. Auch der
effektive Leidensdruck durch die somatischen Beschwerden sei nicht klar. Trotz der
um 08:00 Uhr begonnenen Untersuchung und der vorgängigen Anreise aus der
Ostschweiz habe der Versicherte nämlich erst um 09:30 Uhr eine Schmerztablette
eingenommen. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten unter
Wechselbelastung bestehe aus rein orthopädischer Sicht eine zeitlich und
leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Das Heben und Tragen von Lasten
über 15 kg sollte vermieden werden. Im Vergleich zum aktuellen Alltagsleben sollte bei
einer angepassten Tätigkeit kaum eine wesentliche Schmerzprovokation entstehen, so
dass eine solche Tätigkeit zumutbar sei. Die Gesamtdiagnose aller Gutachter lautete:
leichte depressive Episode, anhaltende somatoforme Schmerzstörung, chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Ausfälle (Diskusprotrusionen
LWK4/5 und LWK5/SWK1 ohne Neurokompression und beginnende Osteochondrose
LWK4/5, im Verlauf unverändert), chronische Zervikozephalgie ohne radikuläre Ausfälle
(freie Beweglichkeit der HWS und altersentsprechend regelrechter
kernspintomographischer Befund der HWS). Aus polydisziplinärer Sicht wurde für eine
körperlich leichte bis mittelschwere, angepasste Tätigkeit bei ganztägigem Einsatz von
einer Leistungseinbusse von 20% ausgegangen. Die vollständige Arbeitsunfähigkeit im
Beruf als Bodenleger bestand nach der Ansicht der Gutachter seit September 2002.
Die Leistungseinbusse von 20% aus psychiatrischer Sicht konnte frühestens ab
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November 2007 und spätestens ab April 2009 bestätigt werden, da sie bei der letzten
Begutachtung am 25. Juni 2007 noch nicht bestanden hatte.
G.
Die IV-Stelle hielt am 6. Oktober 2009 fest, gemäss einer telephonischen Auskunft des
früheren Arbeitgebers verdiene ein Bodenleger Fr. 7000.- (x12). Die IV-Stelle verglich
ein Valideneinkommen von Fr. 84'000.- mit einem anhand statistisch ermittelter
Durchschnittszahlen bestimmten zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 49'174.-.
Das ergab einen Invaliditätsgrad von 41%. Mit einer Verfügung vom 5. November 2009
wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen ab. Mit einem
Vorbescheid vom gleichen Tag teilte sie dem Versicherten mit, dass sie beabsichtige,
mit Wirkung ab 1. November 2008 eine Viertelsrente auszurichten. Der Versicherte liess
am 7. Dezember 2009 einwenden, gestützt auf die Berichte von Dr. med. H._vom
20. Mai 2008 und von Dr. med. G._ vom 21. Oktober 2008 sei von einer mindestens
mittelgradigen Depression auszugehen. Das psychiatrische Zentrum J._ habe am 5.
Mai 2009 ebenfalls eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung attestiert und eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% angegeben. Das Gutachten des ABI überzeuge u.a.
deshalb nicht, weil kein Bericht des psychiatrischen Zentrums J._ angefordert
worden sei, weil sich die psychiatrische Gutachterin in einem offensichtlichen
Widerspruch zur Beurteilung aller behandelnden Psychiater befunden habe und weil sie
sich mit den abweichenden Meinungen nicht auseinandergesetzt habe. Das
massgebende Valideneinkommen betrage Fr. 97'781.-. Bei einer Ermittlung des
zumutbaren Invalideneinkommens hätte ein zusätzlicher Abzug von 15% berücksichtigt
werden müssen. Dr. med. K._ vom RAD gab am 22. Dezember 2009 an, der Bericht
des psychiatrischen Zentrums J._ sei nicht auf eine nach der Begutachtung
eingetretene Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes
zurückzuführen. Die beschriebenen psychopathologischen Befunde unterschieden sich
nicht wesentlich von der Beurteilung durch das ABI. Rein formal seien aufgrund der
Beschreibung die diagnostischen Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode
nicht erfüllt. Insgesamt liege eine andere Beurteilung eines an sich unveränderten
medizinischen Sachverhalts vor. Mit einer Verfügung vom 26. Februar 2010 sprach die
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IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab November 2008 bei einem Invaliditätsgrad
von 41% eine Viertelsrente zu.
H.
Der Versicherte liess am 18. März 2010 Beschwerde erheben und die Zusprache einer
ganzen Rente mit Wirkung ab November 2008, eventualiter die Zusprache einer halben
Rente mit Wirkung ab November 2008, subeventualiter die Rückweisung zur weiteren
Abklärung beantragen. In bezug auf die Ermittlung des massgebenden
Invaliditätsgrades deckte sich die Beschwerdebegründung mit der Stellungnahme vom
7. Dezember 2009. Der Rechtsvertreter des Versicherten machte weiter geltend, die
Ermittlung des Valideneinkommens anhand einer telephonischen Auskunft sei
unzulässig, da eine Telephonnotiz keinen Beweiswert entfalte. Ausgehend vom
Durchschnitt der Jahre 1999 bis 2001 und unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung sei von einem Valideneinkommen von Fr. 98'764.-
auszugehen. Das zumutbare Invalideneinkommen betrage bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20% und einem zusätzlichen Abzug von 15% Fr. 41'601.-.
Das entspreche einem Invaliditätsgrad von 58%. Selbst wenn nicht von einer
Arbeitsunfähigkeit von 100% ausgegangen würde, bestünde also ein Anspruch auf
mindestens eine halbe Rente.
I.
Die IV-Stelle formulierte in ihrer Beschwerdeantwort vom 25. Mai 2010 folgende
Begehren: "Es sei festzustellen, dass keine Rente geschuldet sei. Eventuell sei die
Beschwerde abzuweisen". Zur Begründung machte die IV-Stelle u.a. geltend, weder im
Gutachten des ABI vom 14. Dezember 2004 noch im provisorischen Austrittsbericht
vom 27. Januar 2006 sei eine leichte depressive Episode festgestellt worden. Demnach
müsse sich die leichte depressive Episode später entwickelt haben. Dr. med. G._
und die psychiatrische Gutachterin seien sich in der Diagnose, nicht aber in der
Arbeitsunfähigkeit einig gewesen. Die Begründung der psychiatrischen Gutachterin für
eine Arbeitsfähigkeit von 80% sei schlüssig und plausibel. Auf die Meinung von Dr.
med. H._ könne nicht abgestellt werden, weil es verwaltungs- und gerichtsnotorisch
sei, dass er stets tiefe Arbeitsfähigkeiten attestiere. Der Bericht des psychiatrischen
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Zentrums vom 5. Mai 2009 habe keine Aussagekraft. Weder die anhaltende
somatoforme Schmerzstörung noch die leichte depressive Episode könnten eine
Invalidität im Rechtssinn begründen. Die Kriterien für eine Abweichung von diesem
Grundsatz seien nicht erfüllt. Deshalb sei der Versicherte zwar medizinisch-theoretisch
zu 20% arbeitsunfähig, aus rechtlicher Sicht aber zu 100% arbeitsfähig. Das Gutachten
vom 19. November 2008 erfülle alle Anforderungen und es entfalte vollen Beweiswert.
Der Versicherte wäre ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin bei seinem
früheren Arbeitgeber tätig gewesen. Dort hätte er aktuell Fr. 84'000.- verdient. Das
entspreche dem vom Arbeitgeber genannten Durchschnittseinkommen der Jahre 2000
bis 2002. Das Valideneinkommen beruhe also auf dem Fragebogen für den Arbeitgeber
und nicht auf einer telephonischen Auskunft. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 100%
resultiere ein Invaliditätsgrad von 33%. Ein zusätzlicher Abzug vom Einkommen sei
nicht gerechtfertigt.
J.
In seiner Replik vom 16. Juni 2010 liess der Versicherte zusätzlich beantragen, die IV-
Stelle sei zu verpflichten, die mit einem Schreiben vom 26. Mai 2010 formlos
eingestellte Ausrichtung der laufenden Rente ab der Eröffnung des
Zwischenentscheids wieder auszurichten. In der Sache liess der Versicherte ausführen,
der Austrittsbericht des psychiatrischen Zentrums J._ vom 5. Mai 2009 sei durchaus
begründet. Es sei nämlich angegeben worden, die Dosierung des Antidepressivums
habe erhöht werden müssen. Die berichtende Psychiaterin sei eine erfahrene
Fachärztin und sie habe aufgrund der zweieinhalb monatigen Beobachtung eine
objektive Grundlage für ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung gehabt. Wenn die IV-Stelle die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI nicht akzeptieren wolle, dann setze sie sich über
die dem Mediziner obliegende Beurteilung hinweg, obwohl sie dem Gutachten vollen
Beweiswert zumesse. Die IV-Stelle könne nicht nachvollziehbar begründen, weshalb
das früher angenommene Valideneinkommen von Fr. 86'889.- nicht mehr zutreffen
solle. Die Feststellung im Gutachten, dass aus orthopädischer Sicht in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit bestehe, sei aufgrund der
neuesten Abklärungen ernsthaft in Frage gestellt. Dr. med. L._ habe nämlich einen
operativen Eingriff (Spondylodese) empfohlen. Der Versicherte legte mehrere Berichte
des Neurochirurgen Dr. med. L._ bei.
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K.
Die IV-Stelle wandte am 25. Juni 2010 ein, die Rentenverfügung sei nicht in Rechtskraft
erwachsen. Deshalb habe der Versicherte keinen Anspruch auf die Rente. Die
vorsorgliche Auszahlung bestrittener Leistungen sei gar nicht zulässig. Der Versicherte
verkenne, dass zwischen einer medizinisch-theoretischen und einer rechtlichen
Erwerbsfähigkeit zu unterscheiden sei.
L.
Die Gerichtsleitung machte den Versicherten am 12. Juli 2010 darauf aufmerksam,
dass aufgrund einer vorläufigen Durchsicht der Akten und der Rechtsschriften von der
Möglichkeit einer reformatio in peius auszugehen sei. In seiner Eingabe vom 2.
September 2010 erklärte der Versicherte, er könne von der Möglichkeit eines
Beschwerderückzugs keinen Gebrauch machen. Aufgrund seiner zunehmenden und in
den letzten Jahren massiv verschlimmerten Rückenbeschwerden werde er sich
demnächst einem operativen Eingriff unterziehen müssen. Deshalb sei die Annahme
der IV-Stelle, er sei in allen leichten bis mittelschweren Tätigkeiten ohne zeitliche und
leistungsmässige Einschränkung leistungsfähig, schlichtweg nicht nachvollziehbar.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren
Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und der
Invalidenkarriere voraus.
1.1 Der Beschwerdeführer hat gemäss seinen eigenen Angaben in seinem
Herkunftsland eine Berufslehre als Verkäufer/Detailhandel absolviert. In der Schweiz
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hat er diesen Beruf aber nie ausgeübt. Erst ist hier ab 1988 als – ungelernter –
Bodenleger tätig gewesen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass er später wieder in
seinen Beruf als Verkäufer zurückgekehrt wäre, wenn er gesund geblieben wäre. Viel
wahrscheinlicher ist, dass er weiterhin als ungelernter Bodenleger tätig gewesen wäre.
In dieser Tätigkeit hat er bei seinem früheren Arbeitgeber gemäss den Einträgen in
seinem individuellen Beitragskonto (IK) im Jahr 1996 Fr. 68'971.-, im Jahr 1997 Fr.
83'084.-, im Jahr 1998 Fr. 82'631.-, im Jahr 1999 Fr. 85'922.-, im Jahr 2000 Fr.
91'277.- und im Jahr 2001 Fr. 74'689.- verdient. Gemäss den Angaben des
Arbeitgebers im entsprechenden Formular hat der Beschwerdeführer im Jahr 2001
nicht Fr. 74'689.-, sondern Fr. 86'889.- verdient. Die Angaben des Arbeitgebers für das
Jahr 2002 sind nicht relevant, da der entsprechende Betrag möglicherweise
Krankentaggelder in unbekannter Höhe enthält. Der Arbeitgeber hat seine
Einkommensangaben für die Jahre 2000 bis 2002 mit dem Vermerk "Akkord" versehen.
Das erklärt die für einen ungelernten Bodenleger ausserordentlich hohen Einkommen.
Akkordarbeiten im Baugewerbe sind nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht mit
einer normalen Beschäftigung zu vergleichen. Akkordarbeiten werden unter
ausserordentlich hohem Leistungs- und Zeitdruck geleistet und die Wochenarbeitszeit
liegt weit über dem Durchschnitt im Baugewerbe, denn der Lohn richtet sich
ausschliesslich nach der ganz konkreten Leistung. Akkord wird aber nur dann geleistet,
wenn entsprechende Arbeitsaufträge vorliegen. Das ist nicht immer der Fall, d.h. es
gibt auch Zeiten, in denen "nichts läuft". Das zeigen die stark schwankenden jährlichen
Einkommenszahlen zwischen 1996 und 2001. Bodenlegen im Akkord ist keine
Tätigkeit, die bis zur altersbedingten Pensionierung ausgeübt wird, denn der
gesundheitliche Verschleiss ist aufgrund der ständigen Überforderung enorm. Die
Validenkarriere muss aber auf einer langfristigen Hypothese, im Idealfall einer
Hypothese bis zur altersbedingten Pensionierung, beruhen. Das bedeutet, dass die
vom Beschwerdeführer zuletzt ausgeübte Akkordtätigkeit nicht als Validenkarriere
angesehen werden kann. Dies schliesst es aus, das im letzten Jahr oder in den letzten
drei Jahren vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung erzielte Einkommen als
Valideneinkommen in den Einkommensvergleich einzusetzen, denn dieses Einkommen
kann nach dem oben Gesagten nicht Ausdruck der langfristigen Validenkarriere sein.
Der Beschwerdeführer wäre der Akkordbelastung auch ohne die nun eingetretene
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht bis zu seiner Pensionierung gewachsen gewesen.
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Dies zwingt dazu, zur Bemessung des Valideneinkommens nicht auf die in der
Vergangenheit erzielten Einkommen, sondern auf das Einkommen abzustellen, das ein
ungelernter Bodenleger erzielen würde, wenn er nicht im Akkord tätig wäre. Der letzte
Arbeitgeber des Beschwerdeführers hat ein Einkommen von Fr. 84'000.- angegeben.
Dieses Einkommen liegt weit über dem Durchschnitt der Hilfsarbeiterlöhne. Da es sich
beim Bodenlegen nicht um eine besonders qualifizierte Hilfsarbeit handelt, muss auch
dieses hohe Einkommen auf einer Arbeit beruhen, die wenigstens teilweise im Akkord
zu leisten ist. Dies schliesst es aus, auf die Angaben des letzten Arbeitgebers
abzustellen (womit sich auch die Frage nach dem Beweiswert der Telephonnotiz vom
6. Oktober 2009 erübrigt). Die Sache ist deshalb zur weiteren Abklärung des
Valideneinkommens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
Beschwerdegegnerin wird zu ermitteln haben, welchen Lohn ein ungelernter, aber
erfahrener Bodenleger erzielen kann, wenn er nicht im Akkord tätig ist.
1.2 Die zumutbare Invalidenkarriere des Beschwerdeführers richtet sich nach der
medizinischen Definition einer adaptierten Erwerbstätigkeit. Gemäss dem Gutachten
des ABI vom 18. Mai 2009 handelt es sich dabei um eine körperlich leichte bis
mittelschwere Tätigkeit unter Wechselbelastung und ohne Heben oder Tragen von
Lasten über 15 kg. Der vom Beschwerdeführer erlernte Beruf eines
Detailhandelsverkäufers erfüllt diese Vorgaben. Ein Detailhandelsverkäufer kann
wechselbelastend tätig sein, mehr als mittelschwere Arbeiten hat er nicht auszuführen
und Gewichte über 15 kg kann er mit einem Hilfsmittel (Gabelstapler) heben. Die
Tätigkeit eines Detailhandelsverkäufers hat sich seit der Berufslehre des
Beschwerdeführers nicht so stark verändert, dass das berufliche Wissen des
Beschwerdeführers nicht mehr brauchbar wäre, die Ausübung des erlernten Berufes
also eine Wiedereinschulung im Sinne von Art. 17 Abs. 2 IVG erfordern würde.
Natürlich hat auch im Detailhandel die EDV Einzug gehalten, aber der Umgang damit ist
bekanntlich einfach und deshalb im Rahmen einer kurzen Einführung am konkreten
Arbeitsplatz auch für den Beschwerdeführer erlernbar. Das gilt auch für die
notwendigen Branchenkenntnisse, die sich auch jeder andere Verkäufer neu aneignen
muss, wenn er die Stelle und damit auch die Detailhandelsbranche wechselt. Der
Beschwerdeführer könnte also ohne berufliche Eingliederung wieder in seinem
erlernten Beruf arbeiten, sofern er eine Stelle finden würde, an der er sich seiner
Muttersprache bedienen könnte, d.h. durch die fehlenden Deutschkenntnisse nicht
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behindert wäre. Der Beschwerdeführer könnte aber auch eine adaptierte Hilfsarbeit
ausüben. Dabei wäre er durch die fehlenden Deutschkenntnisse nicht behindert, denn
erfahrungsgemäss weist ein Grossteil der Hilfsarbeiter nicht mehr Deutschkenntnisse
auf als der Beschwerdeführer und kommt trotzdem am Arbeitsplatz sehr gut zurecht.
Der Beschwerdeführer könnte seine verbliebene Arbeitsfähigkeit als Hilfsarbeiter in
praktisch allen Branchen einsetzen, so dass sich eine zumutbare Invalidenkarriere als
Hilfsarbeiter nicht weiter definieren lässt. Das zumutbare Invalideneinkommen wäre
also bei einer allfälligen Qualifikation des Beschwerdeführers als Hilfsarbeiter anhand
des Zentralwerts der Hilfsarbeiterlöhne aller Branchen (vgl. die vom Bundesamt für
Statistik herausgegebene Lohnstrukturerhebung, Anhang Tabelle TA1) zu ermitteln. Da
nicht feststeht, dass die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im erlernten Beruf
als Detailhandelsverkäufer in der Schweiz verwertbar wäre und da auch nicht bekannt
ist, welchen Lohn der Beschwerdeführer an einer geeigneten Arbeitsstelle erzielen
könnte, ist es nicht möglich, die massgebende zumutbare Invalidenkarriere definitiv zu
bestimmen. Auch in bezug auf die Frage nach der zumutbaren Invalidenkarriere ist die
Sache also zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird durch einen ihrer Berufsberater prüfen,
ob die Arbeitskraft des Beschwerdeführers als Detailhandelsverkäufer auf dem
schweizerischen Arbeitsmarkt verwertbar ist und welches Einkommen damit
gegebenenfalls erzielt werden könnte. Sie wird dann dieses Einkommen mit dem
statistischen Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiter vergleichen und die zumutbare
Invalidenkarriere nach derjenigen beruflichen Tätigkeit festlegen, die dem
Beschwerdeführer das höhere zumutbare Invalideneinkommen einbringen würde.
1.3
1.3.1 Die Höhe des zumutbaren Invalideneinkommens hängt nicht nur von der Art der
Invalidenkarriere bzw. dem entsprechenden Lohnniveau, sondern auch von der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab. Im Gutachten des ABI vom 18. Mai 2009
ist für eine adaptierte Erwerbstätigkeit aus rein somatischer (insbesondere
orthopädischer) Sicht eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
angegeben worden. Diese Einschätzung stimmt mit den Angaben in den beiden
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früheren Gutachten des ABI und auch mit den Angaben anderer Ärzte (vgl. etwa den
Bericht der Klinik Valens vom 13. Oktober 2003) überein. Der Beschwerdeführer lässt
nun aber unter Verweis auf mehrere Berichte des Neurochirurgen Dr. med. L._
geltend machen, er sei auch aufgrund rein somatischer Beschwerden in seiner
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Diese Berichte zeigen, dass Dr. med. L._ nicht über
die langjährige medizinische Abklärung und insbesondere nicht über die mehrfache
Begutachtung des Beschwerdeführers im ABI informiert worden ist. Anfangs ist Dr.
med. L._ – den Schmerzangaben des Beschwerdeführers entsprechend – von einer
rein somatischen Erkrankung ausgegangen. Er hat dann aber bei seinen
Untersuchungen und bei der Schmerzbehandlung festgestellt, dass eine Verquickung
somatischer und psychischer Faktoren für die Schmerzangaben verantwortlich war.
Trotzdem hat er eine Operation empfohlen. Dabei kann es sich nur um eine
abweichende Einschätzung der Bedeutung der somatischen Ursache der geklagten
Beschwerden handeln, denn Dr. med. L._ hat keine von der letzten Begutachtung
abweichende Diagnose angegeben, so dass seine Berichte keine nach der letzten
Begutachtung eingetretene Verschlimmerung des somatischen Gesundheitszustandes
belegen. Dr. med. L._ hat auch keine Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf eine
adaptierte Tätigkeit abgegeben. Trotz seiner Berichte ist deshalb davon auszugehen,
dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine somatisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit vorliegt.
1.3.2 Im dritten Gutachten des ABI vom 18. Mai 2009 sind vom psychiatrischen
Gutachter eine leichte depressive Episode und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert worden. Daraus soll nach der Ansicht der Gutachter in
einer adaptierten Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 20% resultieren.
Dagegen hat der Beschwerdeführer einwenden lassen, Dr. med. H._, Dr. med. G._
und das psychiatrische Zentrum J._ hätten eine mittelgradige depressive Episode
diagnostiziert und daraus auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit geschlossen. Dr.
med. H._ hat am 20. Mai 2008 tatsächlich gegenüber dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers angegeben, die Restarbeitsfähigkeit könne nur noch in einem
geschützten Rahmen verwertet werden. Die Gesamtdiagnose von Dr. med. H._
weicht ganz erheblich von derjenigen des psychiatrischen Gutachters des ABI und von
derjenigen der anderen behandelnden Psychiater ab. Da Dr. med. H._ zudem den
Gesundheitszustand – und damit auch die Arbeitsfähigkeit - seiner Patienten
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bekanntermassen immer ausserordentlich pessimistisch einzuschätzen pflegt,
überzeugt die Aussage des psychiatrischen Gutachters vom 18. Mai 2009, die
Beurteilung und die Einschätzung von Dr. med. H._ seien nicht nachvollziehbar. Die
Angaben von Dr. med. H._ vermögen deshalb die Überzeugungskraft des
Gutachtens vom 18. Mai 2009 nicht zu erschüttern. Dasselbe gilt für den Bericht von
Dr. med. G._ vom 21. Oktober 2008, denn dieser Bericht bezieht sich auf die hier
nicht massgebende gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers in der Zeit bis
zum 7. November 2007. Zudem hat auch hier der Gutachter des ABI darauf
hingewiesen, dass die Symptome einer mittelgradigen Depression nicht erfüllt seien,
weil der Beschwerdeführer durchaus noch Kontakte zu Kollegen habe, der soziale
Rückzug zumindest nicht schwer ausgeprägt sei und die Schlafschwierigkeiten auch
darauf zurückzuführen seien, dass der Beschwerdeführer sich tagsüber hinlege. Auch
der Bericht von Dr. med. G._ vermag also keine Zweifel an der Richtigkeit des
psychiatrischen Teils des Gutachtens vom 18. Mai 2009 zu wecken. Das psychiatrische
Zentrum J._ hat am 5. Mai 2009 eine mittelgradige depressive Episode und eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% angegeben. Die zuständige Ärztin war, wie sich ihrem
Bericht entnehmen lässt, über die Ergebnisse der Begutachtungen durch das ABI nicht
informiert. Insbesondere hatte der Beschwerdeführer offenbar nicht angegeben, dass
er nur wenige Tage zuvor durch das ABI abgeklärt worden war. Hätte die zuständige
Ärztin des psychiatrischen Zentrums J._ über die Abklärungsergebnisse verfügt,
wäre ihr aufgefallen, dass der Beschwerdeführer seinen Zustand übertrieben schlecht
darzustellen pflegt. Mit diesem Wissen wäre eine objektivere psychiatrische Beurteilung
möglich gewesen. Es ist davon auszugehen, dass sowohl die Diagnose als auch die
Arbeitsfähigkeitsschätzung dann anders, nämlich optimistischer ausgefallen wären.
Zudem kann den Angaben behandelnder Ärzte erfahrungsgemäss weniger
Überzeugungskraft beigemessen werden als den Angaben unabhängiger
Sachverständiger. Bei den behandelnden Ärzten handelt es sich nämlich um – rein
formal betrachtet den Anschein der Befangenheit erweckende - Auskunftspersonen,
von denen anzunehmen ist, dass sie aufgrund ihrer persönlichen Beziehung zu ihren
Patienten kaum je völlig objektiv Auskunft geben können. Unter diesen Umständen ist
auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Zentrums J._ nicht
geeignet, die Überzeugungskraft der Angaben des psychiatrischen Gutachters des ABI
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zu erschüttern. Es steht deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 80% arbeitsfähig ist.
1.3.3 Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, es müsse zwischen einer medizinisch-
theoretischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit unterschieden werden, ist
unhaltbar. Es gibt nur eine medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung. Bei dieser muss
die medizinische Fachperson allerdings dem Umstand Rechnung tragen, dass der
versicherten Person als Folge der IV-spezifischen Schadenminderungspflicht
zugemutet werden muss, trotz der objektiv vorhandenen oder auch nur subjektiv
empfundenen Schmerzen und Beeinträchtigungen soweit als objektiv möglich und
zumutbar einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, d.h. die Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
zu überwinden. Dieser Pflicht der versicherten Person muss die medizinische
Fachperson bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung Rechnung tragen. Es kann deshalb
nicht die Sache der Beschwerdegegnerin oder sogar des Gerichts sein, ärztliche
Arbeitsfähigkeitsschätzungen durch eigene Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu ersetzen,
selbst wenn anzunehmen ist, dass die medizinische Fachperson der vorhandenen
Willensenergie nicht oder ungenügend Rechnung getragen hat. Sollte das ABI das
Ausmass der dem Beschwerdeführer zumutbaren Willensenergie unterschätzt haben,
kann dies nur zur Folge haben, dass die Sache zur nochmaligen medizinischen
Beurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. Die von der
Beschwerdegegnerin verlangte "gerichtliche" Arbeitsfähigkeitsschätzung ist
ausgeschlossen, da einer solchen Arbeitsfähigkeitsschätzung zum vornherein jede
Überzeugungskraft abgesprochen werden müsste. Die Beschwerdegegnerin erklärt
ihre Forderung nach der Feststellung einer Arbeitsfähigkeit von 100% sinngemäss
damit, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. die Darstellung in
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Ulrich Meyer,
Invalidenversicherung, 2.A., S. 25 f.) weder eine leichte Depression noch eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung geeignet seien, eine objektive
Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Im vorliegenden Fall besteht aber nicht nur eine
relevante psychische Komorbidität, sondern auch ein chronischer Schmerzzustand, der
wenigstens teilweise eine somatische Ursache hat. Dabei handelt es sich um
Umstände, die grundsätzlich geeignet sind, entweder die zumutbare Willensenergie zu
vermindern oder den zu überwindenden Widerstand zu erhöhen. Im übrigen ist zu
beachten, dass auch die Schwere der somatoformen Schmerzstörung für sich allein
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geeignet ist, die vollständige Überwindung der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung als
unzumutbar erscheinen zu lassen. Entgegen der von der Beschwerdegegnerin offenbar
vertretenen Auffassung gibt es hier nämlich kein "Alles oder Nichts", d.h. entweder eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit oder eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Im konkreten
Fall kann durchaus auch eine Teilarbeitsfähigkeit dem Verhältnis von zumutbarer
Willensenergie und zu überwindender Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung am besten
Rechnung tragen. Die erfahrenen Gutachter des ABI sind sich im Jahr 2009 der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu dieser Frage sicherlich bewusst gewesen.
Wenn sie trotzdem eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit angegeben haben, dann
sind sie nach einer sorgfältigen Abwägung davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer auch bei Aufwendung aller zumutbaren Willensenergie nicht in der
Lage wäre, zu mehr als 80% einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Diese Einschätzung
ist überwiegend wahrscheinlich richtig. Bei der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens wird die Beschwerdegegnerin deshalb eine Arbeitsfähigkeit von
80% zugrunde legen.
2.
Am 5. November 2009 hat die Beschwerdegegnerin einerseits die Abweisung des
Gesuchs um berufliche Eingliederungsmassnahmen verfügt und andererseits einen
Vorbescheid erlassen, mit dem sie die Zusprache einer Viertelsrente angekündigt hat.
Die Rentenverfügung ist erst am 26. Februar 2010 ergangen. Der Beschwerdeführer hat
diese Rentenverfügung, nicht aber die Verfügung vom 5. November 2009 betreffend
die berufliche Eingliederung angefochten. Damit stellt sich die Frage, ob die
Eingliederungspflicht, die zwingend erfüllt sein muss, bevor eine Rente zugesprochen
werden darf, im vorliegenden Beschwerdeverfahren bzw. im anschliessenden
Verwaltungsverfahren der Beschwerdegegnerin noch beurteilt werden kann oder ob
aufgrund der formell rechtskräftigen Verfügung vom 5. November 2009 definitiv keine
Eingliederungspflicht des Beschwerdeführers besteht. Diese Frage stellt sich, weil die
Beschwerdegegnerin wohl zu Unrecht die Möglichkeit einer beruflichen Eingliederung
verneint hat. Sie ist nämlich gestützt auf eine entsprechende Aussage im Gutachten
vom 18. Mai 2009 und gestützt auf die subjektive Überzeugung des
Beschwerdeführers, arbeits- und insbesondere eingliederungsunfähig zu sein, davon
ausgegangen, dass zum vornherein keine berufliche Eingliederung möglich sei. Dabei
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hat die Beschwerdegegnerin übersehen, dass nicht nur bei der Bemessung der
Arbeitsfähigkeit, sondern auch bei der Beurteilung der Eingliederungsfähigkeit einer
versicherten Person die zumutbare Willensanstrengung Berücksichtigung finden muss.
Bemisst sich die Arbeitsfähigkeit nach jener objektiven Leistungsfähigkeit, die bei einer
zumutbaren Willensanstrengung bestehen würde, so muss das auch für die
Eingliederungsfähigkeit gelten. Die Beschwerdegegnerin wäre also verpflichtet
gewesen, die Möglichkeit einer beruflichen Eingliederung des Beschwerdeführers
anhand der bei einer zumutbaren Willensanstrengung bestehenden
Eingliederungsfähigkeit zu prüfen, um so der im Grundsatz der Eingliederung vor Rente
(vgl. etwa U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., Vorbemerkungen N. 47) zum Ausdruck
gebrachten IV-spezifischen Schadenminderungspflicht zu genügen. Das hat die
Beschwerdegegnerin unterlassen, indem sie nur auf die subjektive Überzeugung des
Beschwerdeführers abgestellt und die Sanktionsmöglichkeit gemäss Art. 21 Abs. 4
ATSG nicht zur Anwendung gebracht hat. Es dürfte also eine Verletzung des
Grundsatzes der Eingliederung vor Rente vorliegen, weil die Eingliederungsmöglichkeit
nie geprüft worden ist. Die Berufung auf den Umstand, dass die Beschwerdegegnerin
mit der Verfügung vom 5. November 2009 nur über einen Anspruch, nicht aber über
eine Pflicht zur beruflichen Eingliederung verfügt habe, so dass nun noch über diese
Pflicht verfügt werden könne, ist nicht stichhaltig, denn Gegenstand der Verfügung vom
5. November 2009 hat die Sozialversicherungsleistung an sich, also die berufliche
Eingliederung gebildet. Ob die Beschwerdegegnerin diese Sozialversicherungsleistung
nur aus der Perspektive eines möglichen Anspruchs des Beschwerdeführers oder aber
auch aus der Perspektive einer möglichen Pflicht des Beschwerdeführers betrachtet
hat, ist für den Verfügungsgegenstand bedeutungslos. Da also eine formell
rechtskräftige Verfügung betreffend die berufliche Eingliederung – und damit über die
Erfüllung des Grundsatzes der Eingliederung vor Rente – vorliegt, kann das Gericht
diese Frage nicht prüfen. Massgebend ist die zumutbare Invalidenkarriere, die ohne
berufliche Eingliederung möglich ist. Die Beschwerdegegnerin könnte diese Frage im
wieder aufzunehmenden Verwaltungsverfahren nur prüfen, wenn sie die Verfügung vom
5. November 2009 in Wiedererwägung ziehen würde oder wenn nach dem 5.
November 2009 eine erhebliche Änderung des für die berufliche Eingliederung
massgebenden Sachverhalts eingetreten wäre, was aber sehr unwahrscheinlich ist.
Zwischen der Eingliederungspflicht und der Rentenberechtigung besteht ein
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untrennbarer Zusammenhang. Es kann keine (definitive) Rente zugesprochen werden,
bevor die Eingliederung geprüft und gegebenenfalls durchgeführt worden ist, denn der
"Schaden" kann nicht ersetzt werden, bevor die "Schadenminderungspflicht" erfüllt
worden ist. Das gilt nicht für den umgekehrten Ablauf: Es ist zulässig, über die
Eingliederung zu verfügen, bevor über die Rente verfügt wird. Bei der Verfügung vom 5.
November 2009 handelt es sich deshalb nicht um einen zwingenden Bestandteil der
Verfügung vom 26. Februar 2010. Die Beschwerdegegnerin hat über die berufliche
Eingliederung des Beschwerdeführers getrennt vorab verfügen dürfen. Obwohl diese
Verfügung möglicherweise inhaltlich falsch ist, auf jeden Fall aber gestützt auf eine
unzureichende Sachverhaltsabklärung erlassen worden ist, bindet sie aufgrund ihrer
formellen Rechtskraft und der daraus resultierenden Wirksamkeit das Gericht und – in
dem aufgrund des vorliegenden Rückweisungsentscheides wieder aufzunehmenden
Verwaltungsverfahren zur Prüfung der Rentenberechtigung – auch die
Beschwerdegegnerin. Die Rentenberechtigung des Beschwerdeführers wird also ohne
einen Gedanken an eine allfällige berufliche Eingliederung des Beschwerdeführers zu
prüfen sein.
3.
Mit dem vorliegenden Urteil in der Sache selbst wird das Begehren um den Erlass einer
vorsorglichen Massnahme in der Form der Anordnung, die Beschwerdegegnerin habe
während der Dauer des Beschwerdeverfahrens eine Viertelsrente auszuzahlen,
gegenstandslos. Mit der Rückweisung der Streitsache an die Beschwerdegegnerin fällt
die Kompetenz zum Erlass einer derartigen vorsorglichen Massnahme (Ausrichtung
einer Viertelsrente während der Dauer des wieder aufgenommenen
Verwaltungsverfahrens) an die Beschwerdegegnerin zurück. Der Beschwerdeführer
wird also ein entsprechendes Gesuch an die Beschwerdegegnerin richten müssen.
4.
Entsprechend den Ausführungen in den Erwägungen 1 bis 3 ist die Beschwerde
teilweise gutzuheissen. Die Verfügung vom 26. Februar 2010 ist aufzuheben und die
Sache ist zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Das Begehren um den Erlass einer
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vorsorglichen Massnahme ist als gegenstandslos abzuschreiben. Bei diesem
Verfahrensausgang ist praxisgemäss in bezug auf die Verfahrenskosten von einem
vollständigen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen. Der Beschwerdeführer
hat deshalb einen Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung. Diese bemisst
sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
(Art. 61 lit. g ATSG). In Anwendung dieser Kriterien erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die
vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr zu
bezahlen. Deren Höhe richtet sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Da es sich um einen durchschnittlichen Prozess handelt, ist die Gerichtsgebühr
praxisgemäss auf Fr. 600.- festzusetzen. Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von ebenfalls Fr. 600.- ist zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG