Decision ID: 46dd645e-fadc-53ff-8fcb-d77af3e7b9d9
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 21. Januar 2019 als Chauffeur bei der
B._ AG angestellt und dadurch bei der Vaudoise Allgemeine Versicherungs-
Gesellschaft AG (nachfolgend: Vaudoise) gegen die Folgen von Unfällen versichert (act.
G 3.2.1).
A.a.
Mit Schreiben vom 15. April 2019 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis
mit dem Versicherten auf den 22. April 2019 (act. G 3.2.4-1, G 3.2.10).
A.b.
Am 29. April 2019 meldete die Arbeitgeberin der Vaudoise einen Unfall des
Versicherten vom 14. April 2019. Dieser sei auf einer Lieferwagenrampe ausgerutscht,
da nasses, kaltes Wetter gewesen sei. In der Schadenmeldung wurden ein
Muskelfaserriss am rechten Oberschenkel und eine Prellung der linken
Rückenmuskulatur als Verletzungen und eine Arbeitsunfähigkeit ab dem 16. April 2019
angegeben (act. G 3.2.1). Die Erstbehandlung hatte am 18. April 2019 bei Dr. med.
C._, Ärztin für Allgemeine Medizin FMH, stattgefunden, die nach einem
röntgenologischen Ausschluss einer Fraktur im Bereich der LWS eine LWS-Kontusion
A.c.
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sowie eine Adduktorenzerrung rechts diagnostiziert und die in der Schadenmeldung
angeführte (vollständige) Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte (act. G 3.2.5, G 3.2.8).
Mit Schreiben vom 30. April 2019 anerkannte die Vaudoise ihre Leistungspflicht für
das Unfallereignis vom 14. April 2019 und sicherte dem Versicherten die Ausrichtung
von Heilbehandlungsleistungen und Taggeldern zu (act. G 3.2.2).
A.d.
Am 11. Juni 2019 wurde beim Versicherten auf Zuweisung von Dr. med. D._,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, im Netzwerk Radiologie, Klinik für Radiologie
und Nuklearmedizin E._, durch Dr. med. F._, Oberarzt mbF, eine MRI-
Untersuchung der Wirbelsäule (BWK12 - SWK3) und des Beckens durchgeführt. Die
Bildgebung zeigte geringe Bandscheibenhernien LWK4-SWK1 ohne Kompression
nervaler Strukturen, einen abgeflachten Übergang Femurkopf/Femurhals beidseits (DD:
Femoroazetabuläres Impingement) und keine Fraktur oder Muskelläsion (act. G
3.2.19-3).
A.e.
Am 26. Juni 2019 erstellte Dr. D._ zu Fragen der Vaudoise einen Bericht, dem
insbesondere die durch ihn und Dr. C._ anlässlich verschiedener klinischer
Untersuchungen erhobenen Befunde zu entnehmen sind (act. G 3.2.19-1 f.; vgl. act. G
3.2.13).
A.f.
Mit Schreiben vom 10. Juli 2019 teilte die Vaudoise dem Versicherten mit, dass sie
im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 14. April 2019 bis 30. Juni 2019 Taggelder
abgerechnet habe. Zur Überprüfung eines Anspruchs auf weitere Taggelder seien
umfassende medizinische Abklärungen notwendig. Sobald der Bericht über die laut Dr.
D._ bei Dr. med. G._, Facharzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin,
eingeleitete konsiliarische Abklärung vorliege, erfolge eine Beurteilung durch ihren
medizinischen Beratungsdienst (act. G 3.2.21).
A.g.
Dem Versicherten wurde von Dr. C._ und Dr. D._ insgesamt bis 13. August
2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (act. G 3.2.5 f., G 3.2.12, G 3.2.14 f.,
G 3.2.17 f.).
A.h.
Dr. G._ untersuchte den Versicherten am 13. August 2019 und stellte folgende
Diagnosen: Klinik: Chronisches seitenalternierendes lumbosakrales Syndrom beidseits
A.i.
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mit/bei: DD facettogen, myofaszial, diskale Mitkomponente; chronische
Belastungsschmerzen inguinal/Adduktoren rechts mit/bei: DD coxogen,
femoroacetabuläres Impingement, myofaszial, reffered pain; Bildgebungen: Röntgen
LWS a.p./lateral 18. April 2019; MRI LWS und Becken 11. Juni 2019: Wirbelsäule:
Geringe Diskushernien L4/5 und L5/S1 ohne Neurokompression, mässige
Spondylarthrose L4-S1 beidseits; Becken: Normale Muskulatur ohne Nachweis einer
Adduktorenläsion, normale Symphyse, abgeflachter Übergang Femurkopf/Femurhals
beidseits (DD: femoroacetabuläres Impingement); Röntgen Becken und Hüftgelenk
rechts Lauenstein 13. August 2019: leichte Offsetstörung Femurhals rechts; Arthro-MRI
Hüftgelenk rechts noch ausstehend (act. G 3.2.24). Dr. G._ verlängerte die 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bis zum 22. August 2019 (act. G 3.2.23).
In der Folge wurde der Schadenfall von der Vaudoise ihrem beratenden Arzt Dr.
med. H._, zertifizierter Gutachter SIM, Facharzt Chirurgie FMH, Spez.
Allgemeinchirurgie und Traumatologie FMH, vorgelegt. Dr. H._ stellte in seiner
Beurteilung vom 21. August 2019 folgende Diagnosen: Kontusion Becken, Rücken und
Ellbogen mit Aktivierung von chronischem, seitenalternierendem lumbosakralen
Syndrom beidseits mit/bei: DD facettogen, myofaszial, diskale Mitkomponente und
chronischen Belastungsschmerzen inguinal/Adduktoren rechts mit/bei: DD coxogen,
femoroacetabuläres Impingement, myofaszial, reffered pain. Mit den chronischen
Diagnosen würden unfallfremde Faktoren vorliegen. Sie seien entscheidend für die
anhaltenden Beschwerden und die andauernde Arbeitsunfähigkeit. Initial hätten die
Beschwerden im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 14. April 2019 gestanden. Der
Status quo sine sei jedoch nach sechs bis acht Wochen wieder erreicht gewesen. In
den radiologischen Abklärungen hätten sich keine strukturellen Veränderungen gezeigt,
die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 14. April 2019
zurückgeführt werden könnten. Die Muskelzerrung der Adduktoren habe nicht verifiziert
werden können. Die Veränderungen des Hüftgelenks seien unfallfremd (act. G 3.2.25).
A.j.
Am 28. August 2019 attestierte Dr. G._ dem Versicherten vom 23. August bis 1.
September 2019 eine 100%ige und vom 2. bis 15. September 2019 eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit (act. G 3.2.26-2 f.). Ebenfalls am 28. August 2019 berichtete Dr.
G._ nochmals über die Konsultation vom 13. August 2019 und stellte nach einer am
16. August 2019 im Spital I._ durchgeführten Arthro-MRI-Untersuchung des rechten
A.k.
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B.
Hüftgelenks des Versicherten die zusätzlichen Diagnosen Taillierungsstörung am
Übergang des Femurkopfs zum Hals rechts (Cam-Impingement), Einriss des Labrum
acetabulare am postero-superioren Aspekt, minime Bursitis trochanterica mit
Ansatztendinose der Glutealmuskulatur, keine signifikante Koxarthrose oder Bursitis
iliopectinea sowie normales Signal der Adduktoren. Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit hielt
Dr. G._ fest, dass nach dem 15. September 2019 unter Umständen keine
Arbeitsunfähigkeit mehr bestehe. Aktuell sei bei ihm keine weitere Verlaufskontrolle
vorgesehen (act. G 3.2.28).
Gestützt auf die Beurteilung von Dr. H._ eröffnete die Vaudoise dem Versicherten
mit Verfügung vom 3. September 2019, dass die aktuellen Rückenbeschwerden nicht
mehr mit dem gesetzlich erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 14. April 2019 zurückgeführt werden könnten
und es ihr als Unfallversicherung nicht möglich sei, nach dem 9. Juni 2019 Leistungen
zu erbringen (act. G 3.2.27).
A.l.
Gegen die Verfügung vom 3. September 2019 erhob der Versicherte, vertreten
durch die Fortuna Rechtsschutz-Versicherungs-Gesellschaft AG, Adliswil (nachfolgend:
Fortuna), mit Eingabe vom 16. September 2019 vorsorglich Einsprache (act. G 3.2.31).
Mit Eingabe vom 17. September 2019 erhob auch die Concordia als
Krankenversicherung des Versicherten Einsprache gegen die Verfügung vom 3.
September 2019 (act. G 3.2.34). Nachdem die Fortuna der Vaudoise mit E-Mail vom
28. Oktober 2019 mitgeteilt hatte, dass sie ihre Vertretungsvollmacht im Schadenfall
des Versicherten zurückziehe (act. G 3.2.37), gelangte die Vaudoise mit Schreiben vom
29. Oktober 2019 an den Versicherten und ersuchte ihn um Mitteilung, ob er an der
vorsorglichen Einsprache festhalten wolle. Gegebenenfalls verlangte sie von ihm eine
Einsprachebegründung (act. G 3.2.38). Der Versicherte liess sich nicht innert Frist
vernehmen.
B.a.
Mit Schreiben vom 27. November 2019 (act. G 3.2.40) gelangte die Vaudoise mit
Fragen an Dr. D._, welche dieser am 30. Dezember 2019 beantwortete (act. G
3.2.42).
B.b.
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C.
Nachdem die Vaudoise den Schadenfall aufgrund der Einsprache der Condordia
neuerlich Dr. H._ vorgelegt und dieser am 8. Januar 2020 eine Beurteilung
eingereicht hatte (act. G 3.2.43), wies die Vaudoise die Einsprache der Concordia mit
Einspracheentscheid vom 21. Januar 2020 ab (act. G 3.2.44).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 21. Januar 2020 erhob die Condordia
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 19. Februar 2020 beim
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde mit dem Antrag, der
angefochtene Einspracheentscheid der Vaudoise (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, über den 9. Juni 2019
hinaus vollumfänglich die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, unter gesetzlicher
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
Zusammen mit der Beschwerde reichte die Condordia Stellungnahmen ihres
Vertrauensarztes Dr. med. J._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie, vom 11. September 2019 und 6. Februar 2020 ein (act. G 1.1.10, G
1.1.13).
C.a.
Mit Schreiben vom 20. Februar 2020 leitete das Verwaltungsgericht des Kantons
St. Gallen die Beschwerde zuständigkeitshalber an das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen weiter (act. G 0).
C.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 3. April 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 21.
Januar 2020 (act. G 3) und reichte eine weitere Stellungnahme von Dr. H._ vom 22.
März 2020 zu den Äusserungen von Dr. J._ und zur Beschwerde vom 19. Februar
2020 ein (act. G 3.1).
C.c.
Mit Replik vom 22. Juni 2020 bestätige die Concordia ihren Antrag in der
Beschwerde (act. G 8) und reichte eine Stellungnahme von Dr. J._ vom 3. Juni 2020
ein (act. G 8.1).
C.d.
Mit Duplik vom 14. August 2020 hielt die Beschwerdegegnerin ihrerseits an ihrem
Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (act. G 10).
C.e.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
der Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin per 9. Juni 2019. Als
Krankenversicherer des beigeladenen Versicherten ist die Beschwerdegegnerin ohne
Zweifel zur Beschwerdeerhebung aktivlegitimiert (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4.
Aufl. 2020, N 56, 68 zu Art. 59).
2.
Am 9. März 2021 wurde der Versicherte zum Verfahren beigeladen. Es wurde ihm
die Gelegenheit eingeräumt, zur Beschwerde und dem erfolgten Schriftenwechsel
Stellung zu nehmen, doch liess er die ihm dazu eingeräumte Frist unbenutzt
verstreichen (act. G 12).
C.f.
Auf die weiteren Begründungen und Ausführungen in den einzelnen
Rechtsschriften und medizinischen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
C.g.
Der Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung setzt zunächst einen Unfall im
Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) voraus. Als solcher gilt eine plötzliche,
nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Ist die versicherte Person infolge des
Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so hat sie Anspruch auf ein
Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR
832.20]). Sie hat zudem Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen
(Art. 10 UVG). Angesichts dieser gesetzlichen Bestimmungen bildet die Unfallkausalität
Anspruchsvoraussetzung für Heilkosten- und Taggeldleistungen der
Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur
für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f. mit Hinweisen; André
Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-
2.1.
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Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer
[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl.
2012, S. 53 ff.). Gemäss Art. 36 Abs. 1 UVG werden Pflegeleistungen und
Kostenvergütungen sowie die Taggelder und Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt,
wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalls ist. Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts
vom 1. September 2008, 8C_522/2007, E. 4.3.2; KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art.
6; BSK UVG-Hofer, N 66, 74 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58). Im
Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinne von nachweisbaren
strukturellen Veränderungen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus
dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des
Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der
natürlichen deckt (vgl. BGE 134 V 111 E. 2, 127 V 103 E. 5b/bb, 117 V 365 mit
Hinweisen; SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45; BSK UVG-Hofer, N 80 zu Art. 6; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S.58 f.).
Ist die Unfallkausalität im Grundfall einmal mit der erforderlichen
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers
erst dann, wenn der Unfall nicht mehr eine natürliche und adäquate Ursache der
weiterhin geklagten Beschwerden darstellt, d.h. wenn die Beschwerden nur noch und
ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Dies trifft dann zu, wenn
entweder der unmittelbar vor dem Unfall bestandene (allenfalls krankhafte)
Gesundheitszustand (Status quo ante), oder aber derjenige Gesundheitszustand, wie er
sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften oder andersartig
geschädigten Vorzustands auch ohne den Unfall früher oder später eingestellt hätte
(Status quo sine) erreicht ist (vgl. zum Ganzen RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2.;
KOSS UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6, Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54). Trifft ein Unfall auf einen vorgeschädigten Körper und steht
medizinisch fest, dass weder der Status quo ante noch der Status quo sine je wieder
erreicht werden können, spricht die Rechtsprechung von einer richtungsgebenden
2.2.
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Verschlimmerung (BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54;
Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2007, 8C_467/2007, E. 3.1).
Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein; die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008,
8C_101/2008, E. 2.2; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4; Thomas Locher/Thomas
Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N 58 f.).
2.3.
Der Beweis des Dahinfallens jeder kausalen Bedeutung kann durchaus unter
Bezugnahme auf statistische Grundlagen und medizinische Erfahrungswerte geführt
werden, sofern sie der herrschenden Lehrmeinung entsprechen (BGE 126 V 189 E. 4c;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. September 2002, U
60/02, E. 2.2). Dies hat insbesondere für den Nachweis des Status quo sine zu gelten,
bei dem es sich um einen hypothetischen Zustand handelt, der sich häufig nur mit
Erfahrungswerten bestimmen lässt (Urteil des EVG vom 18. September 2002, U 60/02,
E. 2.2).
2.4.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder die Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a). Auch Berichte und
Gutachten, welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren
eigenen bzw. beratenden Ärzten und Ärztinnen einholen, können beweistauglich sein.
An die Beweiswürdigung der Beurteilungen dieser Ärzte und Ärztinnen sind indes
strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an deren
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE
2.5.
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3.
135 V 469 f. E. 4.4. mit Hinweis; bestätigt in Urteil des Bundesgerichts vom 23.
November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Die Rechtsprechung erachtet sodann reine
Aktengutachten als beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden
medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der
versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni
2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1). Angesichts der obigen Darlegungen sprechen keine
formellrechtlichen Gründe gegen den Einbezug der Aktenbeurteilungen von Dr. H._
vom 21. August 2019 (act. G 3.2.25), 8. Januar 2020 (act. G 3.2.43) und 22. März 2020
(act. G 3.1). Auch bei den Beurteilungen von Dr. J._ vom 11. September 2019 (act. G
1.1.10), 6. Februar 2020 (act. G 1.1.13) und 3. Juni 2020 (act. G 8.1) handelt es sich im
Übrigen um Aktenbeurteilungen eines Vertrauensarztes einer Versicherung, hier des
beschwerdeführenden Krankenversicherers.
Die Beschwerdegegnerin hat unbestrittenermassen anerkannt, dass der
Versicherte am 14. April 2019 einen Unfall im Sinne des Gesetzes mit einer
schädigenden Einwirkung auf den Körper erlitten hat und hat ihm mit Schreiben vom
30. April 2019 Heilkosten- und Taggeldleistungen zugesichert (act. G 3.2.2-1 f.). Mit
Einspracheentscheid vom 21. Januar 2020 (act. G 3.2.44) bzw. mit der diesem
zugrundeliegenden Verfügung vom 3. September 2019 (act. G 3.2.27) hat die
Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsleistungen per 9. Juni 2019 eingestellt. Der
Versicherte litt jedoch über das genannte Datum hinaus an lumbosakralen Schmerzen
beidseits, nachts beim Drehen und morgens beim Aufstehen vor allem tieflumbal,
tagsüber mehr lumbosakral/gluteal, sowie an Belastungsschmerzen inguinal medial
rechts bzw. am medialen Oberschenkel ganz proximal (act. G 3.2.24, act. G 1.1.3).
3.1.
Für die Annahme unfallkausaler struktureller Restfolgen werden grundsätzlich eine
unfallkausale strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als
objektivierbares Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die
reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des
Patienten bzw. der Patientin unabhängig sind. Folglich kann von objektiv
ausgewiesenen organisch-strukturellen Unfallfolgen erst dann gesprochen werden,
wenn die erhobenen Befunde mit - wissenschaftlich anerkannten - apparativen/
bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen, MRI, CT, Arthroskopie) bestätigt werden
(BGE 138 V 248 E. 5.1, 134 V 232 E. 51 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom
28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2 mit Hinweisen; BSK UVG-Hofer, N 81 zu Art. 6).
3.2.
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3.3.
Eine erste radiologische Untersuchung der LWS des Versicherten wurde
anlässlich der Erstbehandlung am 18. April 2019 durch Dr. C._ durchgeführt, wobei
sich auf dem Röntgenbild eine Fraktur ausschliessen liess. Dr. C._ diagnostizierte
allerdings aufgrund der von ihm erhobenen klinischen Befunde - links hinkendes
Gangbild, Klopfdolenz über unterer LWS, periphere Sensomotorik intakt, Hüfte rechts
passiv gut beweglich, Abduktion des rechten Oberschenkels massiv schmerzhaft,
Druckdolenz über dem Ansatz der Adduktoren - eine LWS-Kontusion und eine
Adduktorenzerrung rechts (act. G 3.2.8). Die am 11. Juni 2019 durch Dr. F._ von der
Wirbelsäule und dem Becken mittels MRI erstellten Bilder zeigten eine geringe
Bandscheibenhernie LWK4-SWK1 ohne Kompression nervaler Strukturen und einen
abgeflachten Übergang Femurkopf/Femurhals beidseits (DD: Femoroazetabuläres
Impingement). Wie bereits röntgenologisch konnten auch im MRI keine Frakturen
nachgewiesen werden. Eine Muskelläsion der Adduktoren konnte nicht verifiziert
werden (act. G 3.2.19-3). Eine MRI-Untersuchung am 16. August 2019 im Spital I._
brachte sodann laut Bericht von Dr. G._ vom 28. August 2019 ebenfalls eine
Taillierungsstörung am Übergang vom Femurkopf zum Hals rechts (Cam-Impingement)
zur Darstellung und zeigte zudem einen Einriss des Labrums acetabulare am postero-
superioren Aspekt (act. G 3.2.28).
3.3.1.
Wie von Dr. H._ in seinen Beurteilungen vom 21. August 2019 (act. G 3.2.25)
und 8. Januar 2020 (act. G 3.2.43) überzeugend festgestellt, steht ausser Frage, dass
die in Erwägung 3.3.1 genannten Befunde aus den MRI-Untersuchungen - auch wenn
es sich dabei um organische Substrate handelt - unfallfremd sind (zur unfallbedingten
Diskushernie sowie zur richtungsgebenden Verschlimmerung einer Diskushernie durch
Trauma vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 16. Dezember 2020, 8C_552/2020, E. 3.2,
3. September 2020, 8C_319/2020, 8C_346/2020, E. 6.6, und 26. August 2019,
8C_408/2019, E. 3.3; zur Arbeitsunfähigkeit nach dem Unfall vgl. auch act. G 3.2.4-1).
Auch Dr. J._ hält in seiner Stellungnahme vom 3. Juni 2020 (act. G 8.1) fest, dass ein
Unfallereignis mit einem Vorschaden bestehe. Es gebe keine Hinweise, dass dieser
Vorschaden strukturell verändert worden sei, und er erklärt sich mit Dr. H._ bzw.
dessen Beurteilung der Diskushernie und des Impingements (Diskrepanz zwischen
Hüftpfanne und Hüftkopf) rechts als Vorzustände einverstanden. Dr. G._ hält zwar in
seinem Bericht vom 28. August 2019 in Bezug auf den Einriss des Labrum acetabulare
am postero-superioren Aspekt ein traumatisches Auftreten im Rahmen des
Arbeitsunfalls vom 14. April 2019 fest (act. G 3.2.28-1 f.), jedoch nur als
Differentialdiagose. Als solche bezeichnet man eine Diagnose, die alternativ als
3.3.2.
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Erklärung für die erhobenen medizinischen Befunde oder Symptome
(Krankheitszeichen) in Betracht zu ziehen ist, die aber nicht eindeutig feststeht. Zudem
thematisieren weder Dr. H._ (act. G 3.2.25, G 3.1) noch Dr. J._ (vgl. insbesondere
act. G 8.1) in ihren Beurteilungen einen traumatisch bedingten Labrumriss.
In seiner Stellungnahme vom 3. Juni 2020 (act. G 8.1) erklärt Dr. J._ sodann,
dass nicht alle Schäden am Bewegungsapparat bildgebend nachweisbar seien.
Bildgebend nicht nachweisbar seien Fehlfunktionen des Iliosakralgelenks und der
Facettengelenke bzw. ein blockiertes Iliosakralgelenk und Facettengelenksblockaden.
Er führt die Beschwerden des Versicherten auf solche Schäden zurück. Auch Dr. G._
hält in seinem Bericht vom 13. August 2019 fest, dass hartnäckige
Facettengelenksblockaden zu den Gesamtschmerzen beitragen könnten (act. G
3.2.28). Wenn auch nur differentialdiagnostisch hat auch Dr. H._ in seinen
Beurteilungen vom 21. August 2019 (act. G 3.2.25), 8. Januar 2020 (act. G 3.2.43) und
22. März 2020 (act. G 3.1) die Diagnose eines chronischen, seitenalternierenden
lumbosakralen Syndroms beidseits mit/bei facettogen, myofaszial, diskaler
Mitkomponente gestellt. Was eine Facettengelenksblockade angeht, erklärt sich jedoch
Dr. J._ mit Dr. H._ einverstanden, dass eine solche eine funktionelle oder leichte
degenerative Veränderung und damit ebenfalls ein Vorzustand sei (act. G 8.1). In Bezug
auf das Iliosakralgelenk kommt es zwar für Dr. H._ in Frage, dass die Beschwerden
möglicherweise auf eine diesbezügliche Blockierung zurückzuführen seien, doch
verweist er auf die Befunde von Dr. G._ im Untersuchungsbericht vom 13. August
2019 (act. G 3.2.28), welche bezüglich einer Iliosakralgelenksblockade nicht konklusiv
beurteilbar gewesen seien (act. G 3.1). In seiner Stellungnahme vom 3. Juni 2020
spricht denn auch Dr. J._ die Iliosakralgelenksblockade nicht mehr an (act. G 8.1).
3.4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Versicherte mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit durch den Unfall vom 14. April 2019 keine neuen,
bleibenden Gesundheitsschädigungen im Sinn struktureller Veränderungen erlitten hat,
welche fortdauernde LWS-, Hüft- und inguinale Schmerzen bzw. Schmerzen im
Bereich der Adduktoren und am medialen Oberschenkel bewirken könnten. Bildgebend
objektiviert sind jedoch (degenerative) Vorzustände wie eine Diskushernie und eine
Taillierungsstörung am Übergang vom Femurkopf zum Hals. Nach dem in Erwägung
3.4 Gesagten ist sodann davon auszugehen, dass beim Versicherten - wenn auch
bildgebend nicht nachgewiesen - vorbestehend auch eine Facettengelenksblockade
vorliegt.
3.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/21
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4.
Ist es durch den Unfall zu keinen neuen unfallbedingten strukturellen Schäden
gekommen, trifft er aber auf einen vorgeschädigten Körper, kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende oder richtungsgebende
Verschlimmerung des Vorzustandes in Betracht. Letztere wird von den Ärzten im
vorliegenden Fall offensichtlich ebenfalls ausgeschlossen (vgl. Erwägung 3.3.2). Die
lediglich vorübergehende unfallbedingte Verschlimmerung eines Vorzustandes basiert
auf dem Wissen, dass es im Unfallversicherungsrecht Fälle gibt, bei denen die
Unfallfolgen bzw. deren Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des
posttraumatischen Verlaufs nie konkret beschrieben bzw. radiologisch als strukturelle
Verletzung der Gelenke oder Knochen sichtbar gemacht werden können. Dennoch wird
bei einem geeigneten bzw. adäquaten Ereignis in einer ersten Phase von einer
schädigenden Wirkung des Ereignisses (Unfall) auf den Körper ausgegangen und die in
der Folge aufgetretenen bzw. ausgelösten Beschwerden werden nach einem
bestimmten Zeitraum - trotz ihres möglichen Fortdauerns - aufgrund einer
medizinischen Erfahrungstatsache nicht mehr dem Unfall angelastet. Die
Unfallversicherung übernimmt in diesen Fällen nur den durch das Unfallereignis
ausgelösten Beschwerdeschub, d.h. sie hat bis zum Erreichen des Status quo sine vel
ante (vgl. Erwägung 2.2) Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem
Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Als Beispiel dafür gelten insbesondere
Kontusionen. Durch eine Kontusion kann ein zuvor stummer degenerativer Vorzustand
aktiviert werden (vgl. zum Ganzen Urteile des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013,
8C_423/2012, E. 5.3, 9. Januar 2012, 8C_601/2011, E. 3.2.2, und 24. Juni 2008,
8C_326/2008, E. 3.2 und 4; Urteil des EVG vom 14. März 2000, U 266/99, E. 1; vgl.
auch KOSS UVG-Nabold, N 57 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 72 zu Art. 6; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 55; SVR 2010 UV Nr. 31 S. 125). Bei einer Kontusionsverletzung, die
nicht von einer strukturellen Läsion begleitet ist, kann es sich zudem um eine
Weichteilverletzung handeln, die anhand klinischer Befunde - wie Hämatome,
Schwellungen, Druckdolenzen, Bewegungseinschränkungen, Muskelverhärtungen -
objektiviert wird (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie,
S. 412; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 441). Der Unfallversicherer übernimmt
die Leistungen bis zur Heilung dieser spezifischen Kontusionsfolgen, d.h. bis zum
Status quo ante (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54).
4.1.
Wie von Dr. C._ anlässlich der Erstbehandlung vom 18. April 2019 (act. G 3.2.8)
und von Dr. H._ in seiner Beurteilung vom 21. August 2019 (act. G 3.2.25)
diagnostiziert, hat der Versicherte beim Unfall vom 14. April 2019 eine
4.2.
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Kontusionsverletzung des Rückens bzw. der LWS und laut Dr. H._ eine Kontusion
des Beckens erlitten. Damit übereinstimmend schreibt Dr. J._ in seiner
Stellungnahme vom 11. September 2019 (act. G 1.1.10) von einem direkten Trauma der
unteren Wirbelsäule und des Gesässes und von einem kombinierten Becken-
Wirbelsäulentrauma. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin bezüglich
dieser Unfallverletzungen ihre Versicherungsleistungen zu Recht per 9. Juni 2019
eingestellt hat.
Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass im Allgemeinen
Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen der Wirbelsäule ohne strukturelle Läsionen
in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr, abheilen
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 16. Dezember 2020, 8C_552/2020, E. 3.2, 3.
September 2020, 8C_319/2020, 8C_346/2020, E. 6.6, und 26. August 2019,
8C_408/2019, E. 3.3; vgl. dazu auch BSK UVG-Hofer, N 72 zu Art. 6; KOSS UVG-
Nabold, N 57 zu Art. 6). Insofern geht eine vorübergehende Verschlimmerung eines
Vorzustands im Bereich der Wirbelsäule im Regelfall mit einer stetigen Besserung des
unfallkausalen Beschwerdeanteils einher.
4.3.
Dr. H._ geht in seinen Beurteilungen vom 21. August 2019 (act. G 3.2.25) und
8. Januar 2020 (act. G 3.2.43) im vorliegenden Fall von einem überwiegend
wahrscheinlichen Status quo sine sechs bis acht Wochen nach dem Unfall vom 14.
April 2019 aus. Basierend auf dieser Heilungsdauer legte die Beschwerdegegnerin den
Leistungseinstellungszeitpunkt auf den 9. Juni 2019. Die Beschwerdeführerin erhebt in
der Beschwerde vom 19. Februar 2020 (act. G 1) Zweifel an der von Dr. H._
festgelegten Heilungsdauer. In Übereinstimmung mit Dr. J._ sei davon auszugehen,
dass sich die unfallkausalen Beschwerden bzw. die Arbeitsfähigkeit erst im September
2019, und damit rund fünf Monate nach dem Unfallereignis, verbessert hätten.
4.4.
4.5.
Zunächst ist nochmals darauf hinzuweisen, dass der bundesgerichtliche
Zeitrahmen den Regelfall betrifft (vgl. Erwägung 4.3). Eine Ausnahme von der Regel ist
grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie sich eben als solche präsentieren.
Insofern sind die Besonderheiten des Einzelfalls zu berücksichtigen. Zu der von Dr.
H._ angenommenen Heilungsdauer von sechs bis acht Wochen ist zu sagen, dass
sie sich ausserhalb des Zeitrahmens des Regelfalls von sechs bis neun Monaten
befindet. Dr. H._ geht damit offensichtlich von einem Ausnahmefall aus, womit es
nachfolgend zu prüfen gilt, ob den Akten Hinweise für einen solchen im Sinne einer
kürzeren Heilungsdauer zu entnehmen sind.
4.5.1.
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Dr. H._ legt in seiner Beurteilung vom 8. Januar 2020 dar, dass gemäss den
medizinischen Akten initial bzw. anlässlich der Erstbehandlung durch Dr. C._ vom 18.
April 2019 die lumbalen Schmerzen und die Schmerzen in der rechten Leiste im
Vordergrund gestanden hätten. Eine Woche nach dieser Konsultation, d.h. am 25. April
2019, habe sich Dr. C._ über der LWS keine Klopfdolenz mehr und auch keine
Hämatomentwicklung gezeigt. Zehen- und Fersengang seien gut möglich gewesen.
Neurologische Ausfälle hätten nicht bestanden. Gemäss Bericht von Dr. D._ vom 13.
Mai 2019 hätten die Beschwerden sowohl im Rücken, wie auch im Bein zugenommen.
Wegen zusätzlicher psychischer Probleme bei schwieriger Arbeitsplatzsituation sei eine
MRI-Untersuchung veranlasst worden. In dieser Untersuchung seien geringe
degenerative Veränderungen der Wirbelsäule diagnostiziert und ein
femoroacetabuläres Impingement festgestellt worden. Hinweise für eine traumatische
strukturelle Läsion fänden sich nicht (keine Fraktur und keine Muskelläsionen). Somit
könne man nicht von einem erheblichen degenerativen Vorzustand sprechen, der durch
die Kontusion aktiviert worden sei und eine Ausheilungszeit von vier bis sechs Monate
bedinge. Letzteres könnte akzeptiert werden, wenn sich ein erhebliches
Distorsionstrauma (richtig wohl: Kontusionstrauma) ereignet hätte, welches auf einen
erheblichen, strukturellen Vorschaden gewirkt hätte. Erschwerend für den gesamten
Heilungsverlauf sei sicher die belastende psychosoziale Gesamtsituation mit
Kündigung der Arbeitsstelle ab Mai 2019 hinzugekommen. Ob der Status quo sine nun
nach zwei oder drei Monaten in einer solchen Situation erreicht werde, sei eher eine
Ermessenssache und nicht medizinisch harte Evidenz. Eine Zeitdauer von bis zu sechs
Monaten sei aber eindeutig zu lang (act. G 3.2.43).
4.5.2.
Die von Dr. H._ angeführten Gründe für eine Heilungsdauer unterhalb des
bundesgerichtlich bzw. nach medizinischem Wissensstand im Regelfall geltenden
Zeitrahmens vermögen nicht ohne Weiteres zu überzeugen. Zum Beschwerdeverlauf ist
zwar zu sagen, dass sich Dr. C._ am 25. April 2019 über der LWS keine Klopfdolenz
mehr und auch keine Hämatomentwicklung gezeigt haben und offenbar auch der
Zehen- und der Fersengang gut möglich gewesen sind. Allerdings klagte der
Versicherte in Übereinstimmung mit den Befunden anlässlich der Erstbehandlung vom
18. April 2019 immer noch über persistierende Schmerzen und ein Gefühl, als habe
sich lumbal etwas verschoben. Zudem erhob Dr. C._ die klinischen Befunde eines
hinkenden Gangbildes, massiver Schmerzen bei Adduktion am proximalen Ansatz der
Adduktoren medial des rechten Oberschenkels und eine dortige Druckdolenz (act. G
3.2.19). Auch am 13. Mai 2019 zeigten sich Dr. D._ in der klinischen Untersuchung -
wenn auch der Bewegungsumfang der BWS, LWS und der Hüften beidseits
4.5.3.
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uneingeschränkt war - weiterhin linkslumbale Rückenschmerzen ausziehend ins Bein,
Schmerzen an den Adduktoren, eine paravertebrale Druckddolenz L4/5 links und eine
schmerzhafte Beinadduktion rechts (act. G 3.2.19). Am 13. August 2019 wurde der
Versicherte sodann durch Dr. G._ untersucht, der eine beidseits schmerzhafte
Lateralflexion der Wirbelsäulengelenke, einen positiven Quadrantentest tieflumbal
beidseits, Irritationszonen L5/S1 beidseits, eine Flexion mit verminderter segmentaler
Entfaltung sowie eine deutliche Einschränkung des rechten Hüftgelenks in der
Innenrotation mit endphasig Discomfort bis Schmerzprovokation inguinal sowie eine
Druckdolenz der proximalen Adduktoren feststellte (act. G 3.2.24). Die anlässlich der
verschiedenen Untersuchungen erhobenen Befunde sind, wenn auch nicht gänzlich
deckungsgleich, so doch mehrheitlich im unteren LWS-, Hüft-, Leisten- bzw.
Adduktorenbereich lokalisiert und damit kongruent oder zumindest miteinander
vereinbar. Die von Dr. H._ in seiner Beurteilung vom 8. Januar 2020 (act. G 3.2.43)
angenommene Verbesserung der Beschwerdesituation eine Woche nach der
Erstkonsultation erscheint jedenfalls insgesamt betrachtet nicht überzeugend. Auch
kann nicht - wie von Dr. H._ in seiner Stellungnahme vom 22. März 2020 festgestellt
(act. G 3.1) - von einem augenscheinlich zunehmenden Beschwerdebild gesprochen
werden.
Dass der Versicherte beim Unfall vom 14. April 2019 keine strukturellen
Verletzungen erlitten hat, ist - wie in Erwägung 3 dargelegt - mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Im Falle einer vorübergehenden
Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustandes kommt jedoch diesem Umstand
keine Bedeutung zu. Insofern vermag der entsprechende Hinweis von Dr. H._
ebenfalls keinen Ausnahmefall mit einer kürzeren Heilungsdauer zu begründen und
auch seine Feststellung in seiner Stellungnahme vom 22. März 2020 (act. G 3.1), bei
einer strukturellen unfallbedingten Verletzung hätten wohl kaum eine uneingeschränkte
Beweglichkeit der Wirbelsäule und der Hüfte beidseits vorgelegen, nicht zu
überzeugen.
4.5.4.
Eine kürzere Heilungsdauer als sechs bis neun Monate sieht Dr. H._ sodann im
Fehlen eines erheblichen strukturellen Vorzustandes begründet. Im gegenteiligen Fall
könnte er eine Ausheilungszeit von vier bis sechs Monaten akzeptieren. Der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann jedoch nicht entnommen werden, dass die
im Regelfall geltende Heilungsdauer nur im Zusammenhang mit einem erheblichen
Vorzustand gesehen wird. Im Erfahrungssatz wird allgemein auf eine vorübergehende
Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustands der Wirbelsäule durch eine
Prellung, Verstauchung oder Zerrung Bezug genommen. Zwar ist anzunehmen, dass
4.5.5.
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der Erheblichkeit der Degeneration für die Heilungsdauer eine Bedeutung zukommen
kann. Doch wird dafür gerade eben - immer noch im Sinne eines Regelfalls - ein
Zeitrahmen von sechs Monaten ("nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach
einem Jahr") als allgemein gültig bzw. medizinisch wissenschaftlich begründet
betrachtet. In Bezug auf den konkreten Fall ist immerhin zu sagen, dass sich beim
Versicherten in der MRI-Untersuchung der Wirbelsäule vom 11. Juni 2019 durch Dr.
F._ geringe Bandscheibenhernien LWK4/5 und LWK5/SWK1 ohne Kompression
nervaler Strukturen, mässige Spondylarthrosen LWK4-LWK1 beidseits und ein
abgeflachter Femurkopf/Femurhals mit der Differentialdiagnose eines
femoroazetabulären Impingements gezeigt haben (act. G 3.2.19). Ein weiterer
Vorschaden besteht sodann laut Dr. J._ (act. G 1.1.13, G 8.1) in den bildgebend nicht
nachweisbaren Facettengelenksblockaden (vgl. Erwägung 3.4 f.), was von Dr. H._
unwidersprochen geblieben ist. Von hartnäckigen Facettengelenksblockaden geht
auch Dr. G._ in seinem Bericht vom 13. August 2019 aus (act. G 3.2.28).
Dr. J._ bringt in seiner Stellungnahme vom 3. Juni 2020 (act. G 8.1) eine
schlüssige und nachvollziehbare Begründung vor, weshalb er von einer Genesungszeit
von mindestens vier, eher von sechs Monaten ausgeht. Die vorliegenden
traumatisierten Vorschäden - Diskushernien, Facettengelenksblockaden und ein
Impingement (Diskrepanz zwischen Hüftpfanne und Hüftkopf) - würden oft zu einer
Verschlimmerung des Schmerzbildes führen, weil dann noch die Fehlfunktion der
Muskulatur dazukomme. Ein traumatisiertes Impingement sei einer erheblichen
Arthrose gleichzusetzen. Dr. J._ leitet aus den Vorzuständen des Versicherten eine
über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus dauernde Unfallkausalität der
fortdauernden Beschwerden ab. Wenn man aufs Gesäss und den Rücken stürze,
erleide man nebst den Kontusionen auch eine Stauchung der Gelenke. Bei den
vorliegenden Vorschäden würden die Gelenke nicht frei nachgeben. Sie seien
bewegungseingeschränkt und würden deshalb eine stark unphysiologische
Beanspruchung erleiden, die schmerzhaft sei, an der Wirbelsäule und an der Hüfte. Der
Einwand der Beschwerdegegnerin in der Duplik vom 14. August 2020 (act. G 10), die
Ausführungen von Dr. J._ seien hauptsächlich abstrakt, ohne konkrete Anwendung
auf den vorliegenden Fall, überzeugt nicht. Die Ausführungen stimmen mit der
medizinischen Erfahrung überein, dass ein degenerativer Vorzustand durch einen Unfall
ausgelöst oder vorübergehend verschlimmert werden kann (vgl. Erwägung 4.3), und
erheben insofern nicht den Anspruch, auf den konkreten Einzelfall Bezug nehmen zu
wollen oder zu können. Auch Dr. G._ schliesst in seinem Bericht vom 13. August
2019 (act. G 3.2.28) übereinstimmend mit Dr. J._, dass aufgrund der klinischen
4.5.6.
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Untersuchung die Beeinträchtigungen des Versicherten im Alltag nachvollziehbar seien
und nebst den hartnäckigen Facettengelenksblockaden und myofaszialen Befunden
die eher leichtgradigen Diskushernien zu den Gesamtschmerzen beitragen könnten. Im
Weiteren hält Dr. J._ fest, dass die hartnäckigen Blockaden in den Facettengelenken
- auch wenn sie bildgebend nicht nachweisbar seien - bei der vorliegenden
Unfallanamnese und den vorhandenen Brückensymptomen noch zeitgerecht im Verlauf
seien. Diese Beurteilung wird durch seinen weiteren Hinweis untermauert, dass die
testweise Manipulation eine Besserung der Rückenbeschwerden ergeben habe, was
bestätige, dass die bisherige Behandlung noch im Fluss und der Endzustand noch
nicht erreicht gewesen sei (vgl. dazu die Untersuchungsberichte von Dr. G._ vom 13.
und 28. August 2019 [act. G 3.2.28-1 ff.]). Anzufügen ist schliesslich, dass Dr. H._ in
seinen Beurteilungen vom 21. August 2019 (act. G 3.2.25) und 8. Januar 2020 (act. G
3.2.43) im Zusammenhang mit der LWS-Beschwerdeproblematik - wenn auch
differentialdiagnostisch und unfallfremd - immerhin auch eine facettogene und
myofasziale Komponente nennt.
Laut Beurteilung von Dr. J._ vom 11. September 2019 (act. G 1.1.10) mögen
die von Dr. H._ angenommenen sechs bis acht Wochen bei einem einfachen
Prelltrauma gelten, nicht aber bei einem kombinierten Becken-Wirbelsäulentrauma, wie
es der Versicherte erlitten habe. Beim ursprünglichen Geschehen einer
Kontusionsverletzung ist zwar eine zeitlich exakte Unterscheidung zwischen (noch)
wirkenden traumatischen Unfallfolgen und verbleibendem rein degenerativen Zustand
kaum möglich und der Stand der Heilung ist hier naturgemäss fliessend. Dr. H._
vermag allerdings keine überzeugende Begründung für eine gegenüber der vom
Bundesgericht für den Regelfall anerkannten Heilungsdauer von sechs bis neun
Monaten kürzere Heilungsdauer von sechs bis acht Wochen zu nennen. Eher
überzeugen die Schlussfolgerungen von Dr. J._ mit seiner für den konkreten Fall
angeführten medizinischen Erklärung, welche zusätzlich in der Erfahrungsmedizin eine
Stütze finden. Die Feststellung von Dr. H._, ob der Status quo sine nun nach zwei bis
drei Monaten in einer solchen Situation erreicht werde, sei eher eine Ermessenssache
und nicht medizinisch harte Evidenz, macht seine Beurteilung - auch wenn die Heilung,
wie gesagt, naturgemäss fliessend ist - nicht verständlicher. An dieser Beurteilung
ändern auch die von Dr. H._ in seiner Stellungnahme vom 22. März 2020 (act. G 3.1)
geäusserten Zweifel an einem kausalen Zusammenhang zwischen den Beschwerden
und dem Unfall nichts. Dr. H._ legt dar, es sei nach nur einer manualtherapeutischen
Intervention der BWS und LWS vier Monate nach dem Ereignis durch Dr. G._ zu
einer Besserung gekommen. Anlässlich der folgenden Konsultation vom 28. August
4.5.7.
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2019 bei Dr. G._ und nach zwei Physiotherapiesitzungen, ohne Infiltration, sei der
Leidensdruck ohne körperliche Belastung nicht mehr gross gewesen und die
Beschwerden seien nur noch unter stärkeren Belastungen aufgetreten. Die Behandlung
bei Dr. G._ sei ohne weitere Massnahmen beendet und eine rasche Wiederaufnahme
der Arbeit mit Steigerung der Arbeitsfähigkeit veranlasst worden. Dieser Verlauf nach
vier Monaten, mit zuvor starken Beschwerden, langer Leidenszeit und ohne
wesentliche Änderung der bisherig durchgeführten Therapie, sei für ihn auffällig und
werde nicht hinreichend bezüglich Unfallfolgen erklärt. Zwar hielt Dr. G._ in seinem
Bericht vom 13. August 2019 (act. G 3.2.28-4) fest "Bisher keine Physiotherapie" und
"Beginn einer Physiotherapie bei K._ für ....". Andererseits lassen die Einträge zu den
Konsulationen vom 25. April und 13. Mai 2019 bei Dr. C._ und Dr. D._ ("Start
Physiotherapie K._") bzw. "unverändert trotz Physio") annehmen, dass bereits früher
eine Physiotherapie stattgefunden hat (vgl. Bericht von Dr. D._ vom 26. Juni 2019,
act. G 3.2.19-1). Zudem hatte Dr. G._ am 13. August 2019 die Schmerzmedikation
ausgebaut, worauf bis am 28. August 2019 eine Schmerzlinderung erzielt wurde, und
er empfahl bei Bedarf eine Weiterführung der Physiotherapie (act. G 3.2.28-2). Die
Feststellung bezüglich der Manualtherapie vom 13. August 2019 stimmt zwar
grundsätzlich, doch hielt Dr. G._ im Bericht auch gleichzeitig fest, dass das weitere
Ansprechen abgewartet werden müsse (act. G 3.2.28-4). Die Manualtherapie wird
zudem als rasch wirkende Therapie beschrieben (vgl. beispielsweise https://
www.minimed.at/medizinische-themen/bewegungsapparat/manuelle-therapie,
abgerufen am 23. April 2021). Schliesslich vermag auch der Hinweis von Dr. H._, Dr.
D._ sei in seinem Bericht vom 26. Juni 2019 (act. G 3.2.19-2) von einer
Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 0-40 % ausgegangen, was auch
seiner Beurteilung entsprechen würde, keine kürzere Heilungsdauer zu begründen.
Zum damaligen Zeitpunkt basierte der Taggeldanspruch des Versicherten zweifelsohne
noch auf der angestammten Tätigkeit, für welche Dr. D._ von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ausging. Auch Dr. G._ attestierte dem Versicherten bis zum 1.
September 2019 noch eine 100%ige und ab dem 2. September 2019 für zwei Wochen
bis zum 15. September 2019 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Danach sah er "unter
Umständen" eine 0%ige Arbeitsunfähigkeit als gegeben (act. G 3.2.28-2).
4.6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass angesichts der vorstehenden
Erwägungen gewisse Zweifel an der Schlüssigkeit der Beurteilung von Dr. H._
hinsichtlich Status quo sine bestehen. Die frühe Leistungseinstellung per 9. Juni 2019,
und damit bereits acht Wochen nach dem Unfallereignis vom 14. April 2019, überzeugt
4.6.1.
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5.