Decision ID: 743969b4-4694-4b35-80e2-a70393933f44
Year: 2019
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
Mit Veranlagungsverfügung vom 8. Dezember 2015 wurden die geltend gemachten Liegen-
schaftsunterhaltskosten auf den Pauschalbetrag mit der Begründung gekürzt, Prozesskosten
zivilrechtlicher Natur seien nicht abzugsfähig.
Gegen diese Veranlagung erhob die Vertreterin der Pflichtigen Einsprache und beantragte, die
geltend gemachten Liegenschaftsunterhaltskosten seien zum Abzug zuzulassen. Zur Begrün-
dung führte sie aus, im Zusammenhang mit der vermieteten Liegenschaft sei es zu einer recht-
lichen Auseinandersetzung mit der Mieterin gekommen. Der Fall sei weiterhin hängig. Insge-
samt habe der Rechtsstreit bis Ende 2015 Fr. 10‘539.90 gekostet. Es handle sich dabei um eine
Auseinandersetzung im Zusammenhang mit dem Liegenschaftseinkommen, wobei die Mieterin
einseitig die Höhe des Mietzinses reduziert habe.
B.
Mit Einspracheentscheid vom 9. Januar 2019 wies die Steuerverwaltung die Einsprache ab. Zur
Begründung führte sie aus, Gerichtskosten bei Mietangelegenheiten würden in der Regel zum
Abzug zugelassen. Dabei gehe es um die Sicherung der Mietererträge und darum, dass dem
Vermieter durch den Ausfall von Mieterträgen kein Schaden entstehe. Vorliegend gehe es nicht
darum, dass die Mieten nicht bezahlt oder nicht einbringlich gewesen seien, sondern darum das
Mietverhältnis aufzulösen. Die dadurch entstandenen Kosten dienten nicht der Erhaltung, son-
dern dem Wegfall der Mieteinnahmen, weshalb die Aufwendungen nicht abzugsfähig seien.
C.
Mit Schreiben vom 8. Februar 2019 erhebt die Vertreterin Beschwerde und beantragt (1) Die
geltend gemachten Liegenschaftsunterhaltskosten in Höhe von Fr. 20‘380.-- seien zum Abzug
zuzulassen. (2) Unter Kostenfolge. Zur Begründung führt sie u.a. aus, die Mietverträge für das
Restaurant und die Wohnung seien mit der aktuellen Pächterin am 10. Oktober 2002 abge-
schlossen worden. Ab dem Jahre 2014 sei es zu Problemen gekommen. Die Pächterin habe
mehrfach einseitig die Pacht gekürzt sowie Nebenkostenabrechnungen nicht beglichen, woge-
gen die Pflichtige vorgegangen sei. Alle Verfahren hätten erst im Jahre 2018 beendet werden
können. Im Jahre 2014 seien Kosten von rund Fr. 6‘800.-- angefallen. Bis Ende 2015 seien
Fr. 10‘539.90 angefallen und deklariert worden. Die Mieterträge seien seit dem Jahre 2004
rückläufig. Die Verpachtung sei für die Pflichtige nicht mehr wirtschaftlich. Um künftig weitere
Reduktionen zu verhindern, müsse in die Infrastruktur der Gastwirtschaft investiert werden.
Nach Auflösung des Pachtverhältnisses per 31. Oktober 2020 auf Grundlage einer ausserge-
richtlichen Vereinbarung, werde die Gaststätte zu Wohnraum umgenutzt, damit ein steter Ertrag
generiert werden könne. Die Kündigung diene daher langfristig dazu, steuerbaren Ertrag zu
sichern und nicht diesen zu beenden. Die Weiterführung des Pachtverhältnisses sei aufgrund
zunehmender Mängel und der völligen Zerrüttung des Verhältnisses unzumutbar.
Mit Vernehmlassung vom 8. Mai 2019 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung der Be-
schwerde. Zur Begründung führte sie aus, Kosten aus Rechtsstreitigkeiten seien nur abzugsfä-
hig, wenn diese zur Erhaltung und Sicherung oder Mehrung des Einkommens aufgewendet
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würden. Vorliegend gehe es um die Kündigung des Miet- und Pachtverhältnisses betr. das Res-
taurant B._ sowie die Wirtewohnung in C._. Die Kündigung sei am 14. September 2015
mit Wirkung per Ende Oktober 2014 ausgesprochen worden. Im Zivilverfahren sei die Pflichtige
unterlegen. Die Kosten seien vorliegend nicht entstanden, um die Miet- und Pachterträge zu
sichern und zu erhalten, sondern um den Vertrag einseitig aufzulösen. Das Unterliegen im Pro-
zess deute darauf hin, dass es sich um eine unrechtmässige Kündigung gehandelt habe. Die
Gewährung des Abzugs von solch selbst verursachten Kosten würde dazu führen, dass sich
das Gemeinwesen mittels steuerlichen Abzügen indirekt daran beteiligen würde.

Erwägungen:
1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer
(DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zuständig,
wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129 Abs. 1
des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar 1974
Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 3’000.-- nicht über-
steigt, vom Präsidenten des Steuergerichts als Einzelrichter beurteilt werden. Da die in formeller
Hinsicht an eine Beschwerde zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf
einzutreten.
2. Gemäss Art. 33 DBG werden von den gesamten steuerbaren Einkünften die zu ihrer Erzielung
notwendigen Aufwendungen sowie die allgemeinen Abzüge abgezogen. Vom Roheinkommen
abgezogen werden können zunächst jene Aufwendungen, welche mit der Erzielung der steuer-
baren Einkünfte in einem Zusammenhang stehen; durch die Berücksichtigung dieser sog. Ge-
winnungskosten wird die objektive Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen bestimmt (vgl.
SCHWEIGHAUSER in: Nefzger/Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kan-
tons Basel-Landschaft, § 29 N 1 m.w.H.; REICH/VON AH/BRAWAND in: Zweifel/Beusch [Hrsg.],
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der
direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, 3. Aufl. 2017, Art. 9 N 1 ff.).
2.1. Art. 32 Abs. 2 Satz 1 DBG statuiert bei Liegenschaften im Privatvermögen die Möglichkeit
die Unterhaltskosten abzuziehen, und zwar entweder als Pauschalabzug oder die tatsächlich
angefallenen Kosten (vgl. Art. 32 Abs. 4 DBG). Als Gewinnungskosten des Einkommens aus
unbeweglichem Vermögen müssen auch die Unterhaltskosten und die anderen in Art. 32 Abs. 2
erwähnten Aufwendungen in wirtschaftlicher und zeitlicher Hinsicht in direktem und unmittelba-
ren Zusammenhang mit der Einkommenserzielung stehen (vgl. ZWAHLEN/LISSI in: Zwei-
fel/Beusch [Hrsg.] Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direk-
te Bundessteuer, 3. Aufl. 2017, Art. 32 N 9).
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2.2. Kosten, die dem Werterhalt eines Grundstücks dienen, sind grundsätzlich abzugsfähig. So
können praxisgemäss Anwalts- und Gerichtskosten in Abzug gebracht werden, sofern die Strei-
tigkeit bzw. das Prozessthema die Nutzung oder die Erhaltung des Nutzwerts einer Liegen-
schaft (so etwa auch die Abwendung von übermässigen Immissionen) zum Gegenstand hat.
Die Frage der Abzugsfähigkeit hängt dabei nicht davon ab, ob die Steuerpflichtigen mit allen
Rechtsbegehren durchzudringen vermögen. Es wird indes vorausgesetzt, dass das entspre-
chende Verfahren nicht offensichtlich aussichtslos erscheint (BGer 2C_690/2016 vom 2. Febru-
ar 2017 E. 2.2. mit vielen weiteren Hinweisen).
2.3. Die vorliegend geltend gemachten Prozesskosten resultieren aus dem im Jahre 2002 ein-
gegangenen Pachtverhältnis. Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost hob mit Urteil des Ge-
richtspräsidenten vom 31. August 2016 (Ziff. 2 des Dispositivs) die Kündigung des Pachtver-
hältnisses durch die Beschwerdeführerin auf. In der Beschwerde lässt die Beschwerdeführerin
ausführen, dass im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten aus dem Pachtverhältnis bis Ende
2015 Kosten in Höhe von Fr. 10‘539.90 aufgelaufen seien. Da die Mieterträge seit dem Jahre
2004 rückläufig seien, sei die Verpachtung nicht mehr wirtschaftlich. Schliesslich sei eine aus-
sergerichtliche Vereinbarung über die Beendigung des Pachtverhältnisses gefunden worden.
Die Gastwirtschaft werde nach Beendigung des Pachtverhältnisses zu Wohnraum umgenutzt,
weshalb die Kündigung langfristig der Sicherung des steuerbaren Ertrags diene.
2.4. Entgegen der Annahme der Beschwerdeführerin handelt es sich bei den geltend gemach-
ten Kosten nicht um Kosten, die einen Ertrag sichern, sondern diesen entfallen lassen. Die Be-
endigung des Pachtverhältnisses hat nämlich zur Folge, dass daraus keine weiteren steuerba-
ren Erträge fliessen. Der direkte Kausalzusammenhang der Prozesskosten mit der Erzielung
von Einkommen ist somit nicht gegeben. Es entspricht im Übrigen nicht der ratio legis, die Pro-
zesskosten für das Herausklagen eines Mieters oder Pächters, um u.a. zukünftig höhere Miet-
resp. Pachterträge generieren zu können, den Gewinnungskosten gleichzusetzen. Den Charak-
ter von Gewinnungskosten könnten solche Prozesskosten nur dann einnehmen, wenn es da-
rum geht, einen Pächter oder Mieter dazu zu bewegen, seine Miet- resp. Pachtrückstände zu
bezahlen. Um einen solchen Fall handelt es sich vorliegend gerade nicht.
Schliesslich ist festzuhalten, dass die von der Beschwerdeführerin ins Feld geführte und für die
Zukunft geplante Umnutzung der Gastwirtschaft zugunsten eines höheren zukünftigen Ein-
kommens aus ökonomischer Sicht durchaus sinnvoll sein kann. Diese Überlegungen und des-
sen Folgen sind jedoch nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, weshalb sich weitere
Ausführungen hierzu erübrigen (vgl. zur Umnutzung: Urteil des Kantonsgerichts Basel-
Landschaft vom 6. Juni 2018, publ. in: Basellandschaftliche Steuerpraxis [BLStPra], 3/2018, S.
85 ff., www.bl.ch/steuerverwaltung).
3.
Damit erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 500.-- zu
bezahlen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Es wird keine Parteientschädigung entrichtet (Art. 144 Abs. 4
DBG).
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