Decision ID: 5cf4428d-50f0-5d1f-a466-a0693a9f49fc
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ leidet seit ihrer Geburt an einer Epilepsie, einer rechtsbetonten Tetraparese
und einem intellektuellen Entwicklungsrückstand (IV-act. 16, 78, 84, 127, 155, 199,
227). Sie wurde im Jahr Y._ bei der Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von
Leistungen für Minderjährige angemeldet (IV-act. 13). Im Jahr X._ meldete ihre Mutter
sie zum Bezug von Leistungen für Erwachsene an (IV-act. 112). Mit einem Beschluss
vom 16. Dezember X._ und einer Verfügung vom 7. Februar W._ wurde der
Versicherten ab 1. Oktober X._ eine ganze Invalidenrente zugesprochen (IV-act. 121,
124), die sie bis heute bezieht (vgl. IV-act. 224, 225). Mit einer Verfügung vom
28. Dezember X._ wurde der Versicherten ebenfalls ab 1. Oktober X._ eine
Hilflosenentschädigung wegen einer Hilflosigkeit mittleren Grades zugesprochen (IV-
act. 123). Im Jahr V._ stellte die Vormundschaftsbehörde B._ die Versicherte unter
die erstreckte elterliche Gewalt der Mutter i.S.v. Art. 385 Abs. 3 aZGB (IV-act. 209; die
erstreckte elterliche Sorge wurde am 1. Januar 2013 durch die umfassende
Beistandschaft nach Art. 398 ZGB von Gesetzes wegen ersetzt; mit einem Beschluss
der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C._ vom 24. Oktober 2016 wurde die
Mutter der Versicherten als Beiständin bestätigt, IV-act. 242). Ab 1. Oktober 2004 lebte
die Versicherte in einer eigenen Wohnung und wurde durch ihre Mutter unterstützt (IV-
act. 177, 180, 189). Sie bezog weiterhin eine Hilflosenentschädigung wegen einer
Hilflosigkeit mittleren Grades (IV-act. 186). Im Rahmen einer in den Jahren 2011/2012
durchgeführten Revision der Hilflosenentschädigung holte die IV-Stelle des Kantons
St. Gallen einen Arztbericht ein (IV-act. 227) und führte mit der Mutter der Versicherten
am 12. März 2012 eine telefonische Abklärung durch (IV-act. 231). Gestützt auf ihre
A.a.
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Abklärungen gelangte sie zum Ergebnis, dass nur noch ein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung leichten Grades wegen eines Bedarfs nach einer
lebenspraktischen Begleitung ausgewiesen sei. Mit einer Verfügung vom 2. Juli 2012
reduzierte die IV-Stelle die Hilflosenentschädigung per 1. August 2012 (IV-act. 238),
wobei sie den Betrag für eine zuhause lebende Person zusprach.
Am 21. August 2014 ging bei der IV-Stelle eine Adressänderung ein (IV-act. 239).
Aus dieser ging hervor, dass sich die Versicherte seit dem 3. Februar 2014 im
Werkheim D._ aufhielt. Am 28. September 2015 ging eine weitere Adressänderung
ein, laut der sich die Versicherte seit dem 1. Juli 2015 in E._ aufhielt (IV-act. 240). Ein
Telefonat der IV-Stelle mit dem Einwohneramt E._ vom 15. Oktober 2015 ergab, dass
die Versicherte in der Gemeinde E._ als Wochenaufenthalterin gemeldet war und
ihren gesetzlichen Wohnsitz weiterhin im Kanton St. Gallen hatte (IV-act. 241).
A.b.
Am 3. Juli 2017 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für die leihweise
Abgabe eines Handrollstuhls mit einem Elektroantrieb (IV-act. 250). Die Versicherte
hatte bereits zuvor einen Rollstuhl mit einem Hilfsantrieb genutzt.
A.c.
Im März 2018 leitete die IV-Stelle eine Revision der Hilflosenentschädigung ein (IV-
act. 253). Die Mutter der Versicherten gab am 16. April 2018 im Fragebogen an (IV-
act. 255, 256), die Versicherte halte sich zurzeit im U._ in F._ auf. Der
Gesundheitszustand habe sich seit einem Jahr schleichend verschlechtert. Die
Versicherte leide an häufigeren und stärkeren Störungen/Anfällen, auch in der Nacht.
Sie sei auf eine Betreuung angewiesen, speziell in der Nacht. Sie sei im G._ auf eine
paroxysmale Dyskinesie untersucht worden; die letzte Kontrolle sei am 17. Januar 2018
gewesen. Die Versicherte sei in allen alltäglichen Lebensverrichtungen grundsätzlich
selbstständig. Bei Störungen (mehrmals pro Woche) sei sie links, rechts oder beidseitig
blockiert und auf Hilfe angewiesen. Sie benötige eine persönliche Überwachung sowie
eine lebenspraktische Begleitung (Freizeitgestaltung, Einkäufe, Unterstützung bei
gesellschaftlichen Kontakten). Die Überwachung besorge das U._ oder, wenn die
Versicherte zu Hause sei, die Familie. Im Wohnheim lebe die Versicherte in einer
Wohngemeinschaft mit neun Bewohnern. Sie habe ein Einzelzimmer. Das Fachpersonal
sei für alle benötigten Unterstützungsleistungen vor Ort. Aufgrund der häufigeren und
stärkeren Störungen sei die Versicherte auf mehr Begleithilfe angewiesen. Die
A.d.
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Versicherte benötige Hilfe bei der Tagesstrukturierung (Besprechung und Koordination
des Tagesablaufs und der Terminplanung, ca. zwei Stunden pro Woche) und bei der
Bewältigung von Alltagssituationen (Besprechung der täglichen Mahlzeiten zur
Vermeidung von unverträglichen Lebensmitteln, ca. 15 Minuten pro Tag; Unterstützung
in administrativen Belangen, ca. drei bis vier Stunden pro Monat, das Taschengeld
verwalte die Versicherte selbst). Das persönliche Zimmer werde von der Versicherten
selbst unterhalten, bei Bedarf erhalte sie Unterstützung durch das Fachpersonal (ca. 30
Minuten pro Woche). Die Wäsche werde durch die interne Wäscherei erledigt. Die
Menuplanung erfolge mit den Klienten. Das Kochen erfolge in Begleitung oder
stellvertretend (ca. eineinhalb Stunden pro Tag für die ganze Wohngruppe); vereinzelte
Mahlzeiten bereite die Versicherte selber zu. Einzelne Einkäufe tätige die Versicherte
selbstständig; grössere Einkäufe erfolgten in Begleitung oder stellvertretend (eineinhalb
Stunden pro Woche). Bei Behördengängen, Coiffeur- und Arztbesuchen sei eine
Begleitung nötig (ca. vier Stunden pro Monat). Besuche könne die Versicherte
grösstenteils selbstständig durchführen; sie benötige Unterstützung bei der
Koordination und beim Transport (eine Stunde pro Woche).
Am 13. Juli 2018 gingen bei der IV-Stelle mehrere Berichte der Klinik für
Neurologie des G._ ein (IV-act. 260-265). Im aktuellsten Bericht vom 17. Januar 2018
hatten die Fachärzte die folgenden Diagnosen genannt: V.a. paroxysmale Dyskinesie
mit dystonen (v.a. rechte Körperhälfte, z.B. Inversionsdystonie im Fuss) und
choreatiformen Bewegungsstörungen (Extremitäten, Augen und Gesichtsmuskulatur)
sowie ausgeprägter Dysarthrie seit Geburt, V.a. perinatale Hirnschädigung. Sie führten
aus, fremdamanmestisch lasse sich eruieren, dass die vorbekannten Anfallsmuster mit
rechtsbetonten dystonen Haltungen, ohne Bewusstseinsverlust, nach wie vor, bis zu
etwa viermal wöchentlich, aufträten. Die Anfälle hielten für Minuten bis zu mehreren
Stunden, teilweise sogar über einen halben Tag, an. Die Versicherte sei immer bei
Bewusstsein und ansprechbar und sie reagiere auf Aufforderungen. Bei "grossen"
Anfällen habe die Versicherte auch Probleme mit dem Schlucken und Sprechen. Nach
den Anfällen sei die Versicherte sehr rasch wieder orientiert. In der Beurteilung gaben
die Fachärzte an, die Lumbalpunktion von Ende November 2017 habe einen
grenzwertigen Befund gezeigt. Es bestehe nach wie vor die Möglichkeit einer
paroxysmalen belastungsinduzierten Dyskinesie.
A.e.
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Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle hielt am 16. Juli 2018 im Feststellungsblatt
Hilflosenentschädigung/Sachleistungen fest (IV-act. 266), gemäss dem Fragebogen zur
Revision der Hilflosenentschädigung mit einer lebenspraktischen Begleitung und den
aktuellen medizinischen Berichten hätten sich keine relevanten gesundheitlichen
Veränderungen ergeben, die einen Einfluss auf den invaliditätsbedingten Hilfsbedarf
hätten. Somit bestehe weiterhin ein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung wegen
einer Hilflosigkeit leichten Grades. Die Versicherte sei bis auf den Bereich
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte selbstständig. Aufgrund der
kognitiven Einschränkungen sei sie unverändert für die Alltagsbewältigung auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen. Die IV-Stelle teilte der Mutter der
Versicherten gleichentags mit (IV-act. 267), dass die Versicherte unverändert einen
Anspruch auf die bisherige Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit bei Aufenthalt zu
Hause habe.
A.f.
Am 18. Mai 2020 notierte eine Mitarbeiterin der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (IV-act. 270), die Hilflosenentschädigung der Versicherten sei zu
überprüfen. Die Versicherte lebe seit dem 3. Februar 2014 in einem IV-Heim (ab
3. Februar 2014 im Werkheim D._, ab 1. Juli 2015 im U._ und ab 1. Juli 2019 in der
Stiftung H._). Am 20. Mai 2020 hielt eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle im
Feststellungsblatt Hilflosenentschädigung/Sachleistung fest (IV-act. 271), sie hätten
von der Abteilung EL eine Meldung erhalten, wonach die Hilflosenentschädigung
infolge Heimaufenthalt der Versicherten zu überprüfen sei. Die Versicherte sei im Jahr
2014 ins Werkheim D._ eingetreten. Per 1. Juli 2015 habe sie ins U._ gewechselt
und anschliessend in die Stiftung H._, wo sie sich aktuell aufhalte. Im Jahr 2014 sei
vom Werkheim D._ eine Rechnung eingereicht worden. Dabei hätte bemerkt werden
müssen, dass sich die Versicherte im Heim befinde und der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung überprüft werden müsste. Eine explizite Mutationsmeldung sei
im August 2014 eingegangen. Aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen
könne davon ausgegangen werden, dass die Versicherte weiterhin hauptsächlich in
den Bereichen der lebenspraktischen Begleitung auf eine regelmässige und erhebliche
Dritthilfe angewiesen sei. Da ein Heimaufenthalt bestehe, werde die
Hilflosenentschädigung sistiert. Auf eine Rückforderung werde verzichtet, da die
Versicherte EL beziehe und somit die Kosten lediglich "umgeschoben" würden und da
A.g.
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B.
auch keine Meldepflicht verletzt worden sei. Eine Fachberaterin hielt am 22. Mai 2020
fest, dieser Entscheid sei teilweise richtig. Die Versicherte leide seit ihrer Geburt an
Gehschwierigkeiten und sei infolge ihres Leidens (Cerebral Parese) bereits seit Jahren
auf einen Rollstuhl angewiesen, sowohl im Innen- wie auch im Aussenbereich. Sie sei
im Besitz eines Handrollstuhls sowie eines Hilfsantriebs. Sie erfülle den Tatbestand
einer Rollstuhlabhängigkeit gemäss Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV bzw. Rz 8064 des
Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH).
Somit bestehe weiterhin ein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades,
jedoch auf einen Viertel des vollen Ansatzes. Auch wenn bei der Abklärung vom
12. März 2012 die Rollstuhlabhängigkeit nicht genau geprüft worden sei, könne davon
ausgegangen werden, dass die Versicherte die gesetzlichen Vorgaben erfülle. Da die
IV-Stelle im Jahr 2014 über den Heimeintritt informiert worden sei und da auch in der
letzten Revision nicht berücksichtigt worden sei, dass die Versicherte im Heim lebe,
werde auf eine Rückforderung verzichtet.
Mit einer Verfügung vom 26. Mai 2020 setzte die IV-Stelle die
Hilflosenentschädigung mit der Begründung, die Versicherte lebe im Heim, per 1. Juni
2020 neu fest ("Leicht zu IV im Heim"), indem sie den Betrag auf einen Viertel
reduzierte.
A.h.
Die Mutter der Versicherten erhob am 7. Juni 2020 in ihrer Funktion als Beiständin
der Versicherten eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 26. Mai 2020 (act. G 1).
Sie führte aus, mit dieser Verfügung seien sie informiert worden, dass die
Hilflosenentschädigung für die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) ab dem
1. Juni 2020 von bisher Fr. 474.-- auf Fr. 119.-- reduziert werde. Dies sei völlig
unverständlich. Nachdem sie im Frühjahr 2018 diverse Fragebogen in Bezug auf die
Hilflosenentschädigung hätten ausfüllen müssen, seien sie mit einem Schreiben vom
16. Juli 2018 informiert worden, dass der Anspruch unverändert bleibe. In der
Zwischenzeit habe sich für die Beschwerdeführerin nur verändert, dass sie nicht mehr
in der Wohngruppe des U._ in F._ wohne, sondern seit dem 1. Juli 2019 in der
AWG in I._. Über diese Änderungen hätten sie die Sozialversicherungsanstalt
St. Gallen laufend informiert. Es gebe folglich für sie keinen Grund, die
B.a.
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Hilflosenentschädigung um mehr als Fr. 4'000.-- pro Jahr zu reduzieren. Sie bitte das
Versicherungsgericht darum, die Hilflosenentschädigung auf dem bisherigen Stand zu
belassen.
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 2. September
2020 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, die
Beschwerdeführerin habe ab dem 3. Februar 2014 in verschiedenen Wohngruppen/
Wohngemeinschaften der Stiftung Werkheim D._, der Stiftung U._ (ab 1. Juli 2015)
und der Stiftung H._ (ab 1. Juli 2019) gelebt. Es handle sich dabei um
Wohngemeinschaften, welche unter der Verantwortung eines Trägers mit einer Leitung
sowie angestelltem Personal stünden. Dabei hätten die verschiedenen Träger nicht nur
Wohnraum zur Miete zur Verfügung gestellt, sondern hätten gegen Entgelt auch
darüberhinausgehende Leistungen wie Verpflegung, Beratung, Betreuung, Pflege,
Beschäftigung oder Integration erbracht. Diese weitergehenden Dienstleistungen
würden in ihrer Art und ihrem Ausmass bei einem Aufenthalt in der eigenen Wohnung
nicht zur Verfügung stehen bzw. müsste durch die Beschwerdeführerin erbracht
werden (vgl. Rz 8005.2 KSIH). Demzufolge lebe die Beschwerdeführerin seit dem
Eintritt ins Werkheim D._ am 3. Februar 2014 in einem Heim und nicht mehr
ausserhalb eines Heims. Sie erfülle damit die Voraussetzungen für den Anspruch auf
eine Entschädigung für leichte Hilflosigkeit wegen lebenspraktischer Begleitung seit
dem 3. Februar 2014 nicht mehr. Die Beschwerdeführerin benutze einen
handgetriebenen Rollstuhl mit einem Elektro-Hilfsantrieb (IV-act. 252) sowie einen
Elektroscooter (IV-act. 255-5). Gemäss dem telefonischen Abklärungsbericht vom
12. März 2012 könne sich die Beschwerdeführerin in der Wohnung und in der näheren
Umgebung ohne Hilfsmittel frei bewegen. Für weitere Distanzen nutze sie den Rollstuhl
mit Elektroantrieb. Ansonsten werde sie in aller Regel begleitet. Gemäss dem
Fragebogen betreffend die Revision der Hilflosenentschädigung wegen
lebenspraktischer Begleitung vom 16. April 2018 könne die Beschwerdeführerin
Besuche zwar selber wahrnehmen, jedoch sei ein Transport durch Dritte notwendig,
welcher in der Regel durch die Mutter erledigt werde. Aus den Akten gehe somit
hervor, dass sich die Beschwerdeführerin in einer weiteren Umgebung der Wohnung
trotz der Benutzung eines Rollstuhls nicht ohne Dritthilfe fortbewegen könne. Es sei ihr
aufgrund ihrer Einschränkungen beispielsweise nicht möglich, mit dem Bus zu fahren.
B.b.
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Erwägungen
1.
Mit einer Verfügung vom 26. Mai 2020 hat die Beschwerdegegnerin die
Hilflosenentschädigung der Beschwerdeführerin in Anwendung von Abs. 42 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) per 1. Juni 2020
Die Beschwerdeführerin erfülle damit die Voraussetzungen gemäss Art. 37 Abs. 3 lit. d
IVV. Entsprechend habe sie Anspruch auf eine Entschädigung für leichte Hilflosigkeit.
Gemäss Art. 42 IVG betrage die monatliche Entschädigung bei leichter Hilflosigkeit
20% des Höchstbetrages einer Altersrente. Für Versicherte, die sich in einem Heim
aufhielten, entspreche die Hilflosenentschädigung einem Viertel des genannten
Ansatzes. Da die Beschwerdeführerin mehr als 15 Nächte pro Monat im Heim
verbringe, halte sie sich in einem Heim auf (Rz 8003.1 KSIH) und habe entsprechend
Anspruch auf eine Entschädigung in der Höhe von rund Fr. 119.--. Ändere sich der für
den Ansatz der Hilflosenentschädigung massgebende Aufenthaltsort, so werde der
neue Ansatz ab dem Folgemonat berücksichtigt (Art. 2 Abs. 2 IVV, recte: Art. 82 Abs. 2
IVV). Demnach habe die Beschwerdegegnerin die Entschädigung mit einer Verfügung
vom 26. Mai 2020 korrekt ab dem 1. Juni 2020 angepasst.
ter
Die Mutter der Beschwerdeführerin brachte in der Replik vom 28. September 2020
ergänzend vor (act. G 6), offensichtlich seien die von ihnen eingereichten Unterlagen
weder zur Kenntnis genommen noch der Sachverhalt geprüft worden.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 12. Oktober 2020 auf eine Duplik (act.
G 8).
B.d.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bat das Kantonale Sozialamt
des Kantons T._ am 16. Februar 2021 um Mitteilung, ob die Aussenwohnungen des
H._ in I._ am 26. Mai 2020 über eine Anerkennung des Kantons T._ nach Art. 4
des Bundesgesetzes über die Institutionen zur Förderung der Eingliederung von
invaliden Personen (IFEG, SR 831.26) verfügt hatten (act. G 10). Das Kantonale
Sozialamt bestätigte am 26. Februar 2021, dass diese Institution im genannten
Zeitpunkt über eine Anerkennung nach Art. 4 IFEG verfügt hatte (act. G 11).
B.e.
ter
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von Fr. 474.-- auf Fr. 119.-- reduziert. Strittig ist, ob diese Reduktion zu Recht erfolgt
ist.
2.
Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos
sind, haben Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung (Art. 42 Abs. 1 Satz 1 IVG). Als
hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Es ist zu unterscheiden zwischen
schwerer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG).
2.1.
Eine leichte Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe
von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a der
Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201), einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV), einer durch das Gebrechen
bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. c
IVV) oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder wegen eines schweren
körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen
Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV).
2.2.
Als hilflos gilt auch eine Person, die zu Hause lebt und die wegen einer
Beeinträchtigung der Gesundheit dauernd auf eine lebenspraktische Begleitung
angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 IVG, Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV). Ein Bedarf nach einer
lebenspraktischen Begleitung liegt vor, wenn eine volljährige versicherte Person
ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit ohne
Begleitung einer Drittperson nicht selbstständig wohnen kann (Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV),
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer
Drittperson angewiesen ist (Art. 38 Abs. 1 lit. b IVV) oder ernsthaft gefährdet ist, sich
dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (Art. 38 Abs. 1 lit. c IVV). Als Heim im Sinne
des Gesetzes gelten kollektive Wohnformen, die der Betreuung und Pflege der
versicherten Person dienen, sofern die versicherte Person für den Betrieb der
kollektiven Wohnform nicht die Verantwortung trägt, sie nicht frei entscheiden kann,
welche Hilfeleistung sie in welcher Art, wann oder von wem erhält, oder sie eine
pauschale Entschädigung für Pflege- oder Betreuungsleistungen entrichten muss
(Art. 35 Abs. 1 IVV). Institutionen nach Art. 3 Abs. 1 lit. b IFEG, die nach Art. 4 IFEG
von einem oder mehreren Kantonen anerkannt sind, gelten als Heime (Art. 35 Abs. 2
2.3.
ter
ter
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3.
Als erstes ist zu prüfen, ob es sich bei der Mitteilung vom 16. Juli 2018, dass die
bisherige Hilflosenentschädigung unverändert ausgerichtet werde (IV-act. 267), um
einen Entscheid gehandelt hat, kein Verfahren zur Revision der Hilflosenentschädigung
zu eröffnen, oder ob damit ein ordentliches Revisionsverfahren abgeschlossen worden
ist, welches auf einer materiellen Prüfung des Anspruchs auf eine
Hilflosenentschädigung beruht hat (vgl. dazu etwa den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Februar 2017, IV 2014/256, E.
1.1). Die Beschwerdegegnerin hat die Mutter der Beschwerdeführerin im April 2018 den
Fragebogen zur Revision der Hilflosenentschädigung ausfüllen lassen (IV-act. 255) und
sie hat Berichte des G._ zur Abklärung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen der
Beschwerdeführerin eingeholt (IV-act. 260-265). Sie hat diese Beweismittel gewürdigt
und ist gestützt darauf zum Schluss gelangt, dass sich keine relevanten
gesundheitlichen Veränderungen ergeben hätten, die einen Einfluss auf den
invaliditätsbedingten Hilfebedarf hätten (IV-act. 266). Sie hat also den Anspruch auf
eine Hilflosenentschädigung anhand einer Sachverhaltsabklärung mit einer Würdigung
der Beweismittel materiell geprüft. Damit steht fest, dass die Beschwerdegegnerin im
Jahr 2018 ein ordentliches Revisionsverfahren durchgeführt und dieses mit der
Mitteilung vom 16. Juli 2018 abgeschlossen hat. Da die Mutter der Beschwerdeführerin
keine beschwerdefähige Verfügung verlangt hat, die an die Stelle der Mitteilung
getreten wäre (vgl. Art. 74 Abs. 1 IVV), ist diese Mitteilung für beide Parteien
verbindlich geworden. Der genaue Zeitpunkt, wann die Mitteilung verbindlich geworden
ist, kann offengelassen werden; im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung (26. Mai 2020) und damit knapp zwei Jahren nach ihrer Eröffnung ist sie
nämlich verbindlich gewesen, denn die Beschwerdeführerin hat keine Möglichkeit mehr
gehabt, den Erlass einer anfechtbaren Verfügung zu verlangen.
IVV). Wohngruppen, die von einem Heim nach Abs. 1 betrieben werden und von
diesem Hilfeleistungen beziehen, sind Heimen gleichgestellt (Art. 35 Abs. 3 IVV).
Nicht als Heim gelten insbesondere kollektive Wohnformen, in denen die versicherte
Person ihre benötigten Leistungen bezüglich Pflege und Betreuung selbst bestimmen
kann, eigenverantwortlich und selbstbestimmt leben kann und die Wohnverhältnisse
selbst wählen und gestalten kann (Art. 35 Abs. 4 IVV).
ter
ter
Die monatliche Entschädigung beträgt bei leichter Hilflosigkeit 20 Prozent des
Höchstbetrages der Altersrente nach Art. 34 Abs. 3 und 5 AHVG (Art. 42 Abs. 1 IVG).
Die Höhe der Hilflosenentschädigung für Versicherte, die sich in einem Heim aufhalten,
entspricht einem Viertel der Ansätze nach Abs. 1 (Art. 42 Abs. 2 IVG).
2.4. ter
ter
quater
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4.
Im Folgenden ist die Rechtsnatur der angefochtenen Verfügung vom 26. Mai 2020 zu
prüfen. Das Gesetz sieht als Mittel zur Änderung einer mit einer formell rechtskräftigen
Verfügung zugesprochenen Dauerleistung die Revision nach Art. 17 ATSG die
prozessuale Revision nach Art. 53 Abs. 1 ATSG und die Wiedererwägung nach Art. 53
Abs. 2 ATSG vor. Eine prozessuale Revision fällt vorliegend ausser Betracht, da keine
erheblichen neuen Tatsachen entdeckt oder Beweismittel aufgefunden worden sind,
deren Beibringung zuvor, das heisst im Rahmen des im Jahr 2018 durchgeführten
Revisionsverfahrens, nicht möglich gewesen wäre. Die Beschwerdegegnerin hat
damals nämlich nicht beachtet, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr in einer
eigenen Wohnung, sondern in einer Wohngruppe der Stiftung U._ in F._ gewohnt
hat (vgl. die Angaben im Fragebogen zur Revision der Hilflosenentschädigung, IV-
act. 255). Bei der angefochtenen Verfügung vom 26. Mai 2020 kann es sich also nur
um eine Wiedererwägungsverfügung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG oder um eine
Revisionsverfügung im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG gehandelt haben. Das einzige
Indiz dafür, dass es sich bei der angefochtenen Verfügung vom 26. Mai 2020 um eine
Wiedererwägungsverfügung gehandelt haben könnte, mit der die verbindlich
gewordene Mitteilung vom 16. Juli 2018 aufgehoben und ersetzt worden wäre, ist die
Bemerkung der Beschwerdegegnerin im Feststellungsblatt Hilflosenentschädigung/
Sachleistungen, dass sie auf eine Rückforderung verzichte (IV-act. 271); die
Beschwerdegegnerin könnte also der Meinung gewesen sein, die Mitteilung vom
16. Juli 2018 sei fehlerhaft gewesen. Diese Bemerkung könnte aber auch so gemeint
gewesen sein, dass auf eine rückwirkende Revision verzichtet werde. Diese Bemerkung
reicht deshalb nicht aus, um die Verfügung vom 26. Mai 2020 als
Wiedererwägungsverfügung zu interpretieren. Andere Indizien dafür, dass die
Beschwerdegegnerin mit der Verfügung vom 26. Mai 2020 die Mitteilung vom 16. Juli
2018 wiedererwägungsweise hätte aufheben und ersetzen wollen, fehlen. Das
bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung den
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung im Rahmen einer ordentlichen Revision auf
einen Viertel reduziert haben muss. Bei der angefochtenen Verfügung vom 26. Mai
2020 kann es sich also nur um eine Revisionsverfügung im Sinne von Art. 17 Abs. 2
ATSG handeln.
5.
Eine formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung wird von Amtes wegen
oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu
5.1.
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Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2
ATSG). Die letzte ordentliche Revision der Hilflosenentschädigung ist mit der
verbindlichen Mitteilung vom 16. Juli 2018 abgeschlossen worden, weshalb der 16. Juli
2018 den Referenzzeitpunkt zur Prüfung einer relevanten Sachverhaltsveränderung
bildet. Auch wenn die Mitteilung vom 16. Juli 2018 möglicherweise fehlerhaft gewesen
ist, kann sie aus verfahrensrechtlicher Sicht nicht einfach "ignoriert" werden. Am
16. Juli 2018 hat die Beschwerdeführerin in einer Wohngruppe der Stiftung U._ in
F._ gewohnt. Seit dem 1. Juli 2019 hält sie sich in einer der Aussenwohnungen des
H._ in I._ auf (IV-act. 270, act. G 1). Die Mutter der Beschwerdeführerin hat zu
Recht geltend gemacht, dass sich ausser dem Wechsel des Aufenthaltsorts nichts
verändert habe, denn Anhaltspunkte für anderweitige Sachverhaltsänderungen liegen
nicht vor. Zur Beurteilung, ob dieser Wechsel des Aufenthaltsorts eine rechtserhebliche
Sachverhaltsveränderung darstellt, ist relevant, ob die Wohngruppe der Stiftung U._
in F._ sowie die Aussenwohnungen des H._ in I._ als Heime im Sinne von
Art. 35 IVV zu qualifizieren sind und falls ja, ob die Beschwerdeführerin in diesen
Heimen gelebt hat bzw. lebt (vgl. Art. 42 Abs. 3 IVG i.V.m. Art. 38 IVV).
ter
Im Bereich der Invalidenversicherung gilt grundsätzlich ein materieller Heimbegriff,
das heisst es wird nicht auf formale Kriterien wie eine kantonale Betriebsbewilligung
oder eine kantonale Anerkennung als Heim abgestellt. Diesen materiellen Heimbegriff
hat der Verordnungsgeber in dem (am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen) Art. 35
Abs. 1, 3 und 4 IVV umschrieben; bis dahin wurde der Heimbegriff lediglich auf
Weisungsebene im Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung (KSIH) geregelt (vgl. BGE 146 V 326, E. 4, m.w.H.). In Art. 35
Abs. 2 IVV hat der Verordnungsgeber nun aber festgehalten, als Heime gälten
Institutionen nach Art. 3 Abs. 1 lit. b IFEG, die nach Art. 4 IFEG von einem oder
mehreren Kantonen anerkannt seien. Er hat damit – neben einem materiellen
Heimbegriff – einen formalen Heimbegriff eingeführt (vgl. auch Rz 8005.1 KSIH, Stand
1. Januar 2021). In den Erläuterungen zur Änderung der IVV vom 19. September 2014
hat sich der Verordnungsgeber nicht zu den Beweggründen für diese Änderung
geäussert. Aufgrund des klaren Wortlauts von Art. 35 Abs. 2 IVV ist aber auf diesen
formalen Heimbegriff abzustellen. Dies bedeutet, dass nur dann eine weitergehende
Prüfung in dem Sinne, ob eine Institution nach dem materiellen Heimbegriff als Heim zu
qualifizieren ist, erforderlich ist, wenn die Kriterien nach Art. 35 Abs. 2 IVV nicht erfüllt
sind. Als Institutionen nach Art. 3 Abs. 1 lit. b IFEG gelten Wohnheime und betreute
kollektive Wohnformen für invalide Personen. Die Stiftung H._ bietet am Standort in
I._ zehn invaliden Personen in drei Wohnungen ein betreutes Wohnen an. Werktags
ist jeweils am Morgen und am Abend eine Betreuungsperson vor Ort anwesend; an den
5.2.
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Wochenenden ist am Morgen oder am Abend eine Betreuungsperson vor Ort (vgl.
S._, zuletzt besucht am 6. April 2021). Diese Institution ist deshalb als kollektive
Wohnform im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. b IFEG zu qualifizieren. Am 26. Mai 2020 hat
sie zudem über eine Anerkennung des Kantons T._ gemäss Art. 4 IFEG verfügt (act.
G 11). Damit erfüllt sie die Heimqualifikation gemäss Art. 35 Abs. 2 IVV. Ob die
Wohngruppe der Stiftung U._ in F._, in welcher sich die Beschwerdeführerin am
16. Juli 2018 aufgehalten hat, bezogen auf den damaligen Zeitpunkt als Heim i.S.v.
Art. 35 IVV zu qualifizieren ist, ist bislang nicht abgeklärt worden; die
Beschwerdegegnerin hat vielmehr ohne weitere Abklärungen angenommen, es handle
sich um ein "IV-Heim". Im Weiteren fehlen Abklärungen dazu, ob die
Beschwerdeführerin in diesen Institutionen gelebt hat (vgl. Art. 42 Abs. 3 IVG i.V.m.
Art. 38 IVV, laut denen ein Bedarf nach einer lebenspraktischen Begleitung nur dann
besteht, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt). Weder
der Gesetz- noch der Verordnungsgeber haben ausgeführt, was unter "ausserhalb
eines Heimes leben" zu verstehen sei (vgl. Botschaft über die 4. Revision des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, BBl 2001 3289, sowie Erläuterungen
zu den Änderungen der IVV vom 21. Mai 2003, AHI-Praxis 5/2003 327). Da ein
Heimaufenthalt nicht nur in Bezug auf den Bedarf nach einer lebenspraktischen
Begleitung, sondern auch in Bezug auf die Höhe einer Hilflosenentschädigung relevant
ist, rechtfertigt sich ein Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 42
Abs. 2 IVG: Nach der Auffassung des Bundesgerichts gelangt der reduzierte Ansatz der
Hilflosenentschädigung nämlich nur dann zur Anwendung, wenn sich eine versicherte
Person die meiste Zeit, also mehr als 15 Nächte pro Kalendermonat, in einem Heim
aufhält (BGE 132 V 328, E. 7; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom
24. Juli 2006, I 459/05, E. 3.4.3; vgl. auch Rz 8003.1 KSIH). Zur Gewährleistung einer
einheitlichen Rechtsanwendung in Bezug auf den Begriff des Heimaufenthalts
(Art. 42 Abs. 2 IVG) respektive des Lebens ausserhalb eines Heimes (Art. 42 Abs. 3
IVG i.V.m. Art. 38 IVV) ist diese Praxis auf den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung wegen eines Bedarfs nach einer lebenspraktischen Begleitung
auszudehnen, zumal kein Grund ersichtlich ist, weshalb eine gesundheitlich
beeinträchtigte Person, die sich während höchstens 15 Nächten pro Kalendermonat in
einem Heim aufhält und die übrige Zeit "zuhause" lebt und dafür einer regelmässigen
Dritthilfe in der Form einer lebenspraktischen Begleitung bedarf, kein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung wegen eines Bedarfs nach einer lebenspraktischen Begleitung
haben sollte. Der Zweck der lebenspraktischen Begleitung ist es nämlich, einer
gesundheitlich beeinträchtigten Person ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen
(Botschaft über die 4. Revision des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
BBl 2001 3245). Dieses Ziel würde beeinträchtigt, wenn aufgrund eines teilweisen
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6.
Im Sinne eines obiter dictum ist festzuhalten, dass es der Beschwerdegegnerin frei
steht zu prüfen, ob die verbindliche Mitteilung vom 16. Juli 2018 im Rahmen einer
Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG aufzuheben und durch eine rechtmässige
Revisionsverfügung zu ersetzen sei. In diesem Fall hätte sie abzuklären, ob die
Mitteilung vom 16. Juli 2018 zweifellos unrichtig gewesen ist und ob ihre Berichtigung
von erheblicher Bedeutung ist.
7.
Heimaufenthalts die für ein selbstbestimmtes Leben notwendige Dritthilfe in der Form
einer lebenspraktischen Begleitung nicht "eingekauft" werden könnte. Ein Bedarf nach
einer lebenspraktischen Begleitung setzt also voraus, dass sich eine versicherte Person
mehrheitlich, also während mehr als 15 Nächten pro Kalendermonat, nicht in einem
Heim aufhält. Wie viele Nächte sich die Beschwerdeführerin pro Kalendermonat in der
Stiftung U._ und in der Stiftung H._ aufgehalten hat, hat die Beschwerdegegnerin
nicht abgeklärt. Die Sache ist deshalb zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sollten die weiteren Abklärungen ergeben, dass
sich die Beschwerdeführerin sowohl während des Aufenthalts in der Stiftung U._ als
auch während des Aufenthalts in der Stiftung H._ während mehr als 15 Nächten pro
Kalendermonat in einem Heim i.S.v. Art. 35 IVV aufgehalten hat bzw. sich während
maximal 15 Nächten in einem Heim i.S.v. Art. 35 IVV aufgehalten hat, wäre keine
relevante Sachverhaltsveränderung eingetreten, weshalb kein Revisionsgrund vorliegen
würde und die Hilflosenentschädigung unverändert zu belassen wäre. Sollten die
weiteren Abklärungen jedoch ergeben, dass sich der Sachverhalt in einer für den
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung wegen eines Bedarfs nach einer
lebenspraktischen Begleitung relevant verändert hätte – sei es, dass die Wohngruppe
der Stiftung U._ in F._ im Unterschied zu den Aussenwohnungen der Stiftung
H._ in I._ nicht als Heim i.S.v. Art. 35 IVV zu qualifizieren wäre, oder sei es, dass
der Heimaufenthalt in einer Institution mehr als 15 Nächte pro Kalendermonat und in
der anderen Institution maximal 15 Nächte pro Kalendermonat gedauert hätte – dann
läge ein Revisionsgrund vor. In diesem Fall wäre aber auch abzuklären, ob die
Beschwerdeführerin aufgrund einer anders gearteten Hilflosigkeit einen Anspruch auf
eine Hilflosenentschädigung gehabt hätte. Insbesondere wäre wohl abzuklären, ob die
Beschwerdeführerin wegen eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank
regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte hätte
pflegen können (vgl. Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV). Die Beschwerdegegnerin ist sich
diesbezüglich bewusst gewesen, dass sie dies am 12. März 2012 nicht genau
abgeklärt hatte (IV-act. 271).
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Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Entsprechend dem Beurteilungsaufwand
erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles Obsiegen der
Beschwerdeführerin zu werten (vgl. BGE 132 V 235, E. 6.1). Dementsprechend ist die
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird der Beschwerdeführerin
zurückerstattet.