Decision ID: 95fc05f8-40f5-5a1d-b6a7-13b39f83a3d1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden suchten am (...) 2018 in der Schweiz um Asyl
nach. Sie wurden am 10. August 2018 zu ihrer Person (Befragung zur Per-
son, BzP) und am 20. Dezember 2018 vertieft zu ihren Asylgründen (An-
hörung) befragt.
A.a Die Beschwerdeführerin 1 machte im Wesentlichen Folgendes gel-
tend:
Sie sei kurdischer Ethnie und stamme aus D._, wo sie bis zuletzt
gelebt habe. Sie habe in E._, F._, ein Jahr an der (...) stu-
diert. Seit dem Jahr 2015 habe sie unentgeltlich gewisse Aktivitäten im Be-
reich der humanitären Hilfe für das Büro der kurdischen Jugend (Tevgera
Ciwanen Kurd, TCK) ausgeführt, welche der «Al Parti Partei» / «Yeketi Pa-
reti» / «Kurdisch Demokratische Partei» (KDP) nahestehe respektive diese
als Krankenpflegerin unterstützt. Da sie in F._ studiert habe, sei sie
jeweils zur Ablegung von Examen mit dem Flugzeug von D._ nach
F._ geflogen. Die Beamten am Flughafen hätten ihr bei der Kon-
trolle jeweils vorgeworfen, bei der Bewegung / Organisation zu sein, sie
bedroht und von ihr verlangt, stattdessen für sie zu arbeiten. Dies habe sie
jedoch abgelehnt. Wegen der in diesem Zusammenhang stehenden An-
werbungen und Drohungen am Flughafen habe sie ihr Studium in
F._ sowie ihr politisches Engagement etwa im (...) 2017 nicht mehr
fortzusetzen gewagt. Etwa im (...) 2017 sei ihr Vater (Ehemann der Be-
schwerdeführerin 2) (...) Tage lang von den syrischen Behörden inhaftiert
und schliesslich wieder freigelassen worden. Danach sei nichts Auffälliges
vorgefallen bis circa (...) 2018, als ihr Vater ermordet worden sei. Die syri-
schen Behörden hätten den Leichnam gebracht und ihnen gedroht, nie-
mandem davon zu erzählen. Aus Furcht vor Verfolgung sei sie etwa 15
Tage später im (...) 2018 mit Hilfe der Partei aus Syrien geflohen und
schliesslich am (...) 2018 in die Schweiz eingereist. Bei einer Rückkehr
befürchte sie, festgenommen zu werden. Darüber hinaus sei sowohl ihr
Bruder (N [...]) als auch ihre Schwester (N [...]) im Jahr 2014 aus Syrien
ausgereist, da sie von der YPD / PYD (Partiya Yekîtiya Demokrat, Partei
der Demokratischen Union) verfolgt worden seien. Ihnen sei im Jahr 2014
in der Schweiz Asyl gewährt worden.
Die Beschwerdeführerin reichte eine Kopie ihrer Identitätskarte, ein Mit-
gliedschaftsdokument der kurdischen Jugend vom (...) März 2015 sowie
ein Bestätigungsschreiben der PDK-S (Demokratische Partei Kurdistan-
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Syrien) vom (...) September 2014, gemäss welchem ihr Vater das Land
habe verlassen müssen, zu den Akten.
A.b Die Beschwerdeführerin 2 machte im Wesentlichen Folgendes gel-
tend:
Sie sei kurdischer Ethnie und sei in G._, H._, geboren. Zu-
letzt habe sie in D._ gelebt. Sie habe nie eine Schule besucht. Seit
(...) 2018 sei sie verwitwet. Zwei Töchter und ihre Eltern lebten noch in
D._; eine Tochter und ein Sohn lebten bereits seit längerem in der
Schweiz. Weitere Kinder lebten teilweise in Drittstaaten. Sie sei zusammen
mit ihrer Tochter (Beschwerdeführerin 1) und ihrer Enkelin in die Schweiz
gereist. Die Mutter ihrer Enkelin sei bei der Geburt verstorben, seither
wachse sie bei ihr auf. Der Aufenthalt ihres Sohnes und Vater der Enkelin
sei ihr nicht bekannt. Ihr Ehemann (Vater der Beschwerdeführerin 1) sei
Parteimitglied der «Al Parti Partei» (KDP) gewesen und habe zuhause Sit-
zungen abgehalten. Aus diesem Grund sei er von den syrischen Behörden
schliesslich getötet worden. Die Tochter werde ebenfalls von den Behörden
gesucht und einer ihrer Söhne sei im Militärdienst ums Leben gekommen.
Sie persönlich habe keine Probleme gehabt. Mit Hilfe der KDP habe sie
Syrien im (...) 2018 verlassen können und sei schliesslich am (...) 2018
zusammen mit der Beschwerdeführerin 1 in die Schweiz eingereist.
Die Beschwerdeführerin 2 reichte eine Kopie ihrer Identitätskarte sowie
den Zivilregisterauszug ihrer Enkelin ein.
B.
Mit zwei separaten Verfügungen vom 4. Februar 2020 (einerseits die Be-
schwerdeführerin 1 und andererseits die Beschwerdeführerin 2 und die En-
kelin betreffend) verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführenden (Dispositivziffer 1) und lehnte ihre Asylgesuche ab
(Dispositivziffer 2). Gleichzeitig verfügte es ihre Wegweisung aus der
Schweiz (Dispositivziffer 3), deren Vollzug es jedoch zugunsten einer vor-
läufigen Aufnahme aufschob (Dispositivziffern 4-6).
C.
Mit separat erhobenen Beschwerden an das Bundesverwaltungsgericht
vom 6. März 2020 beantragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung
der vorinstanzlichen Verfügungen in den Dispositivziffern 1-3, die Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl sowie even-
tualiter die Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. In
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prozessualer Hinsicht beantragten sie die koordinierte Behandlung der bei-
den Beschwerdeverfahren, den Beizug der Asylakten ihrer in der Schweiz
lebenden Kinder respektive Geschwister (N [...] sowie N [...]), die Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Kostenvorschussver-
zicht sowie die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als unentgelt-
licher Rechtsbeistand.
Die Beschwerdeführenden reichten als Beweismittel eine Vorladung vom
(...) 2018, ein Bestätigungsschreiben der PDK-S sowie das Protokoll der
an der Anhörung anwesenden Hilfswerksvertretung ein.
D.
Mit separaten Schreiben vom 10. März 2020 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht den Beschwerdeführenden den Eingang ihrer Beschwerde.
E.
Das Bundesverwaltungsgericht zog im vorliegenden Verfahren die
vorinstanzlichen Akten des Bruders der Beschwerdeführerin 1 respektive
des Sohnes der Beschwerdeführerin 2 (N [...]) sowie der Schwester der
Beschwerdeführerin 1 respektive der Tochter der Beschwerdeführerin 2
(N [...]) bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
2.
Grundsätzlich bildet jeder vorinstanzliche Entscheid ein selbständiges An-
fechtungsobjekt. Ein gemeinsames Beschwerdeverfahren mit einem einzi-
gen Urteil ist indes zuzulassen, wenn die einzelnen Sachverhalte in einem
engen inhaltlichen Zusammenhang stehen und sich ähnliche Rechtsfragen
stellen (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessie-
ren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.17).
Die Vorinstanz lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden in zwei
separaten Verfügungen ab. Da es sich um einen zusammenhängenden
Sachverhalt handelt und sich die gleichen Rechtsfragen stellen, sind die
Verfahren zu vereinigen und es ist in einem einzigen Urteil über die beiden
Verfügungen zu entscheiden. Mit der Vereinigung der Verfahren ist dem
Beschwerdeantrag auf koordinierte Behandlung der beiden Verfahren ent-
sprochen worden.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
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unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen
in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis.
Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11
E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.).
5.
5.1 Das SEM begründete die angefochtenen Verfügungen im Asylpunkt
damit, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen
an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit gemäss Art. 3 AsylG nicht genüg-
ten. Die von den Beschwerdeführenden beschriebenen allgemeinen Nach-
teile – namentlich der schwierige Alltag in Kriegszeiten sowie der Abbruch
des Studiums der Beschwerdeführerin 1 – seien auf die zurzeit herr-
schende Situation sowie die allgemein gegenwärtige Gewalt in Syrien zu-
rückzuführen, womit sie keine flüchtlingsrechtliche Relevanz hätten. Es be-
stünden im Übrigen Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen, da die
Schilderungen in wesentlichen Punkten teilweise unsubstanziiert, allge-
mein und widersprüchlich ausgefallen sowie mit fehlenden respektive un-
geeigneten Beweismitteln untermauert worden seien. Darauf werde ange-
sichts der fehlenden Asylrelevanz aber nicht vertieft eingegangen.
5.1.1 Die von der Beschwerdeführerin 1 geltend gemachte Reflexverfol-
gung betreffend die Probleme ihres Vaters respektive der Geschwister ent-
falte keine flüchtlingsrechtliche Relevanz. Aufgrund der Tätigkeiten ihres
Vaters habe sie persönlich keine Konsequenzen erlebt und die Probleme
hätten lediglich ihren Vater betroffen. Eine Drohung ihr gegenüber – bei-
spielsweise betreffend ihr vorgebrachtes politisches Engagement – hätten
die Behörden nicht ausgesprochen. Das Verhalten der Behörden, ihr einen
Leichnam nach Hause zu bringen, sie aufzufordern, darüber zu schweigen
und dabei ihr geltend gemachtes politisches Engagement ausser Acht zu
lassen, deute nicht auf ein Verfolgungsinteresse an ihr oder der Beschwer-
deführerin 2 hin. Im Weiteren könne sie aus der allfälligen Hilfestellung der
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Seite 7
Partei bei ihrer Ausreise aus Syrien nichts zu Gunsten der Glaubhaftigkeit
der angeblichen Ermordung ihres Vaters sowie der geltend gemachten Re-
flexverfolgung ableiten. Das von ihr eingereichte Schreiben der Partei
weise den Charakter eines Gefälligkeitsschreibens auf. Zudem bestätige
es entgegen ihrer Darstellung lediglich eine Ausreise ihres Vaters aus Sy-
rien, welche er trotz angeblichen Drängens der Partei nicht angetreten
habe. Das auf das Jahr 2014 datierte Dokument wäre demnach etwa vier
Jahre vor seinem Ableben ausgestellt worden, womit es in keinem Zusam-
menhang mit der von ihr vorgebrachten Ermordung durch die Behörden im
Jahr 2018 stehe. Aufgrund des als ungeeignet zu erachtenden Beweismit-
tels und ihrer oberflächlichen Aussagen sei nicht auszuschliessen, dass ihr
Vater eines natürlichen Todes verstorben sei. Überdies handle es sich so-
wohl bei der geltend gemachten Ermordung des Vaters sowie der daraus
resultierenden Reflexverfolgung lediglich um eine Vermutung; es gebe
keine konkreten Hinweise auf eine flüchtlingsrechtliche Verfolgung bei ei-
ner Rückkehr. Auch aus der Asylgewährung ihrer Geschwister lasse sich
nichts zu Gunsten einer Reflexverfolgung ableiten, zumal sie nach deren
Ausreise noch etwa vier Jahre im PYD-Gebiet gelebt habe.
Auch aus ihrem Vorbringen, wegen ihres politischen Engagements von den
syrischen Behörden verfolgt worden zu sein, lasse sich keine flüchtlingsre-
levante Verfolgung ableiten. Die in diesem Zusammenhang erwähnten
Drohungen im Rahmen von Flughafenkontrollen seien im Kontext der all-
gemeinen Lage in Syrien zu betrachten. Die geschilderten Kontrollen hät-
ten keine Hinweise darauf enthalten, dass die Behörden tatsächlich an ih-
rer Person interessiert gewesen seien. So hätten sie den Namen des Vor-
sitzenden der kurdischen Jugend erfahren wollen und hätten allgemein ge-
droht, alle Mitglieder zu verhaften oder zu rekrutieren. Trotz viermaliger Be-
gegnung mit den Behörden habe sie weder eine Festnahme noch sonstige
Konsequenzen diesbezüglich geltend gemacht. Nachdem sie ihr Studium
abgebrochen habe, habe sie auch die Aktivitäten bei der Bewegung einge-
stellt. Es sei zudem, nachdem ihr Vater wieder aus der Haft entlassen wor-
den sei, nichts weiter vorgefallen und sie habe bis zu ihrer Ausreise unbe-
helligt in D._ gelebt. Ihre Furcht, jederzeit festgenommen zu wer-
den oder von der Bildfläche zu verschwinden, habe sich nicht bewahrhei-
tet. Dies auch dann nicht, als die Behörden 15 Tage vor ihrer Ausreise bei
ihr zuhause aufgetaucht seien, um den Leichnam des Vaters zu bringen.
Damit lasse sich aus dem von ihr vorgebrachten politischen Engagement
keine begründete Furcht vor Verfolgung ableiten. Hierzu habe sie überdies
erklärt, dass die Behörden in ihrer Region nicht mehr anwesend gewesen
seien.
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Seite 8
5.1.2 Betreffend die Beschwerdeführerin 2 hielt das SEM fest, dass sie per-
sönlich keine Probleme gehabt habe, sondern die geltend gemachten
Probleme lediglich ihren Ehemann respektive die Beschwerdeführerin 1
betroffen hätten. Im Übrigen seien ihre Angaben hierzu vage gewesen. Es
sei ihr nicht gelungen, glaubhaft darzulegen, dass sie deswegen durch die
Behörden respektive die syrische Regierung verfolgt worden sei. Dasselbe
gelte für die Ausreiseunterstützung der Partei, welche sie vage und ohne
Erlebnisbezug geschildert habe. Aus einer allfälligen Unterstützung durch
die Partei bei der Ausreise vermöge sie nichts zu Gunsten der Glaubhaf-
tigkeit der von ihr vorgebrachten Ermordung ihres Ehemannes durch die
syrischen Behörden sowie der vorgebrachten Verfolgung ihrer Tochter ab-
zuleiten. Aufgrund fehlender respektive ungeeigneter Beweismittel und ih-
res oberflächlichen Aussagverhaltens diesbezüglich sei nicht auszu-
schliessen, dass ihr Ehemann aufgrund eines natürlichen Todes verstor-
ben sei. Hinsichtlich der geltend gemachten Ermordung des Ehemannes
und Reflexverfolgung führte das SEM dieselben Argumente wie bei der Be-
schwerdeführerin 1 an (vgl. oben E. 5.1.1).
5.2 Ihre Beschwerdeeingaben begründeten die Beschwerdeführenden wie
folgt:
Die Beschwerdeführerin 1 habe ihr Studium nicht wie von der Vorinstanz
behauptet aufgrund der allgemeinen Lage, sondern aufgrund der gezielten
Befragungen und Drohungen ihr gegenüber am Flughafen abgebrochen.
Die Behörden hätten alles über ihr politisches Engagement gewusst, sie
deswegen bedroht und gezielt unter Druck gesetzt. Die Vorfälle am Flug-
hafen seien daher asylrelevant. Zudem hätten ihnen die Behörden explizit
gedroht, dass sie niemandem vom Leichnam und der Übergabe berichten
dürften – dies verdeutliche doch gerade das Verfolgungsinteresse. Sodann
hätten sie gegen diese Anweisung verstossen, indem sie sich umgehend
mit dem Parteibüro in Verbindung gesetzt und mit diesem ihre Ausreise
organisiert hätten. Es sei naheliegend, dass die syrischen Behörden davon
Kenntnis erhalten hätten. Entgegen dem pauschalen Vorwurf des SEM,
das Schreiben der PDK-S sei ein Gefälligkeitsschreiben, sei dieses viel-
mehr geeignet, die Vorbringen betreffend die bereits vor der Ermordung
mehrere Jahre andauernde Verfolgung des Vaters / Ehemannes zu unter-
mauern. Das mit der Beschwerde eingereichte neue Schreiben der PDK-S
bestätige zudem seinen Tod im (...) 2018 durch die Ermordung infolge
schwerer Folter durch das syrische Regime. Es bestätige auch, dass er ein
hochrangiges Mitglied der PDK-S gewesen sei. Dieses politische Engage-
ment sei geeignet, eine Verfolgung der syrischen Behörden auszulösen.
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Seite 9
Das Bundesverwaltungsgericht erkenne auch, dass dies eine Verfolgung
der Familienmitglieder nach sich ziehen könne. Durch ihre deckungsglei-
chen Aussagen und die eingereichten Beweismittel hätten sie sowohl ihre
eigene gezielte Verfolgung als auch diejenige des Ehemannes / Vaters be-
legen können. Damit sei die Argumentation des SEM, dass der Ehemann /
Vater eines natürlichen Todes gestorben sei, haltlos. Indem ihnen bei der
Übergabe des Leichnams gedroht worden sei, lägen konkrete Hinweise
vor, dass bei einer Rückkehr eine flüchtlingsrelevante Verfolgung drohe. In
diesem Zusammenhang sei auch die von der Vorinstanz nicht bestrittene
Fluchthilfe der PDK-S von Relevanz. Dadurch hätten die Beschwerdefüh-
renden gegen die klare Anweisung der syrischen Behörden, nicht über den
Tod des Vaters / Ehemannes zu sprechen, verstossen. Dass sie damit gar
zur PDK-S gegangen seien und deren Hilfe in Anspruch genommen hätten,
stelle in den Augen des syrischen Regimes einen noch viel schwerwiegen-
deren Verrat dar. Die Beschwerdeführerin 1 habe zudem ihre politischen
Aktivitäten erst einige Wochen vor der Ermordung ihres Vaters eingestellt.
Dies, weil sich die Lage für sie zugespitzt habe und das Parteibüro der
Jugendbewegung in Brand gesetzt worden sei. Nach ihrer Flucht habe sie
zudem erfahren, dass eine Parteikollegin ermordet worden sei und auch
andere Mitglieder der Bewegung hätten fliehen müssen. Ferner drohten ihr
weitere Nachteile, weil sie der Vorladung des syrischen Geheimdienstes
keine Folge geleistet habe. Entgegen der Ansicht des SEM seien die syri-
schen Behörden in D._ nach wie vor präsent. Damit habe sie be-
gründete Furcht vor Verfolgung. Sodann seien in den vom SEM genannten
Protokollstellen kein einziger inhaltlicher oder logischer Widerspruch zu fin-
den. Ihre Antworten seien vielmehr detailliert, logisch und stringent ausge-
fallen. Bei einer Gesamtbetrachtung ihrer Aussagen sei die Glaubhaftigkeit
insgesamt zu bejahen. Aufgrund ihres politischen Engagements würden
der Beschwerdeführerin 1 bei einer allfälligen Rückkehr bereits am Flug-
hafen die Verhaftung, Folter oder sogar die willkürliche Tötung drohen. Im
Weiteren hätten sie bei einer allfälligen Rückkehr zudem eine Verfolgung
aufgrund ihrer kurdischen Ethnie zu befürchten, wobei sie aufgrund des
exponierten familiären politischen Engagements weiter gefährdet seien.
Kurden im Norden Syriens seien zunehmend einer Kollektivverfolgung
ausgesetzt. Sodann müssten sie im Sinne subjektiver Nachfluchtgründe
aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Syrien und des Stellens eines Asyl-
antrages im Ausland bei einer Rückkehr nach Syrien mit Verhaftungen und
Misshandlungen rechnen.
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6.
6.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-
matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind, be-
ziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1,
2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5). Begründet ist die Furcht vor Verfolgung,
wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich – aus
der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger
Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk-
lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-
drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage
Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen
würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten
Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der be-
troffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in ver-
gleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmass-
nahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (sub-
jektive) Furcht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2).
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Verfügungen der Vorinstanz zu stützen sind. Das SEM
ist mit überzeugender Begründung zum Schluss gelangt, dass die Vorbrin-
gen der Beschwerdeführenden den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die
flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügten. Mit ihren Beschwerde-
eingaben vermögen die Beschwerdeführenden den Argumenten des SEM
kaum Stichhaltiges zu entgegnen. Mit den nachfolgenden Ergänzungen
kann daher zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Er-
wägungen des SEM gemäss angefochtener Verfügung (dort E. II) sowie
obiger Zusammenfassung (vgl. E. 5.1) verwiesen werden, denen sich das
Gericht vollumfänglich anschliesst. Die nachfolgende Prüfung beschränkt
sich daher im Wesentlichen auf die Beschwerdeargumentation.
6.2.1 Zunächst ist die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte
Asylrelevanz der Behelligungen der Beschwerdeführerin 1 am Flughafen
zu verneinen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden ergeben
sich aus den Akten keine Hinweise auf eine gezielte und konkrete, gegen
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Seite 11
ihre Person gerichtete Drohung respektive Verfolgungsabsicht. Dies zu-
nächst vor dem Hintergrund, dass man die Beschwerdeführerin jedes Mal
ohne weitere Konsequenzen habe gehen lassen und man sie nicht am
Flugantritt gehindert habe (vgl. N [...], A13, F84). Dieses Vorgehen der Be-
hörden ist mit dem von den Beschwerdeführenden geltend gemachten er-
heblichen Verfolgungsinteresse an der Beschwerdeführerin 1 logischer-
weise nicht in Einklang zu bringen, zumal man sie diesfalls wohl einer rich-
tigen Einvernahme zugeführt hätte. Die anlässlich der Flughafenkontrollen
ihr gegenüber ausgesprochenen Drohungen hätten sich zudem nicht kon-
kret und gezielt auf ihre Person, sondern vielmehr in allgemeiner Weise auf
die «Organisation» als solche respektive deren Mitglieder bezogen. Zudem
hätten die Beamten sie nach dem Namen des Vorsitzenden der kurdischen
Jugend gefragt (vgl. a.a.O.). Darin lässt sich ebenfalls keine gezielte Ver-
folgungsabsicht erkennen. Nach dem Gesagten ist die Schlussfolgerung
des SEM, diese Drohungen – bei Wahrunterstellung dieser Vorfälle – hät-
ten bloss der allgemeinen Einschüchterung gedient und seien im Gesamt-
kontext des Bürgerkriegs zu betrachten, nicht zu beanstanden.
Auch das mit der Beschwerde eingereichte neue Beweismittel einer an-
geblichen Vorladung des syrischen Geheimdienstes vom (...) 2018
(vgl. Beschwerdebeilage 3) führt nicht zu der Annahme einer asylrelevan-
ten Verfolgung der Beschwerdeführerin 1. Zum einen gehen aus der Be-
schwerde die Umstände des Erhalts dieser im Zeitpunkt der Beschwerde-
erhebung bereits rund (...) Jahre alten Vorladung nicht hervor. Es ist in
keiner Weise nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführenden dieses
Beweismittel erst jetzt einreichten. Zum anderen liegt das Dokument ledig-
lich als (unübersetzte) Kopie vor, womit es über keinerlei fälschungssichere
Merkmale und einen entsprechend geringen Beweiswert verfügt. Die an-
gebliche Vorladung ist im Lichte der vorstehenden Ausführungen daher
nicht geeignet, eine asylrelevante Verfolgung der Beschwerdeführerin 1
durch die syrischen Behörden glaubhaft zu machen.
6.2.2 Im Weiteren ist nicht ersichtlich, inwiefern die Beschwerdeführenden
in der Aussage der Behörden anlässlich der Übergabe des Leichnams, nie-
mandem davon zu erzählen, überhaupt eine Drohung oder gar ein Verfol-
gungsinteresse der Behörden an ihrer Person zu erkennen glauben. Aus
den Befragungsprotokollen geht auch nicht hervor, dass die Behörden
ihnen für den Fall, dass sie dies trotzdem jemandem erzählen würden,
Konsequenzen angedroht hätten. Die Beschwerdeführerin 1 erwähnte
zwar eingangs, dass man ihnen mit Gefängnis gedroht habe, sollten sie
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Seite 12
jemandem erzählen, dass ihr Vater getötet worden sei (vgl. A13, F86); spä-
ter aber nach Einzelheiten zu diesem Behördenbesuch gefragt erwähnte
sie weder die Gefängnisandrohung noch dass die Behördenmitglieder
ihnen gesagt hätten, den Vater umgebracht zu haben – vielmehr hätten die
Behördenmitglieder die Verantwortung für den Tod des Vaters verneint und
gesagt, die Leiche irgendwo gefunden zu haben (vgl. A13, F87 und F97,
F102 f.; wie auch N [...] A15, F27, F44 f.). Insbesondere ist auch kein Zu-
sammenhang der Aussage der Beamten mit der vorgebrachten politischen
Tätigkeit der Beschwerdeführerin 1 ersichtlich. Zudem ist ihren Angaben
zufolge in den rund 15 Tagen bis zu ihrer Ausreise aus Syrien nichts weiter
vorgefallen. Dass ihr Vater von den Behörden gefoltert und ermordet wor-
den sei, stellt sodann eine einfache Vermutung dar respektive dies sei
ihnen von der Partei mitgeteilt worden (vgl. N [...] A13, F97 f.; N [...] A15,
F27 und F44). Überdies ergeben sich aus den Akten keine Hinweise da-
rauf, dass die Behörden von ihrem Gespräch mit der PYD über den Tod
des Vaters / Ehemanns erfahren hätten.
6.2.3 Sodann sind auch die weiteren Beweismittel nicht geeignet, eine Er-
mordung des Vaters / Ehemannes durch das syrische Regime glaubhaft zu
machen. Die eingereichten Schreiben der PDK-S liegen einerseits nur als
Kopie vor und verfügen über keinerlei fälschungssicheren Merkmale, an-
dererseits weisen sie – wie vom SEM zu Recht festgestellt – klar den Cha-
rakter eines Gefälligkeitsschreibens auf. Deren Beweiswert ist daher sehr
gering. Ohnehin wäre selbst bei Wahrunterstellung der Verfolgung des Va-
ters / Ehemanns noch nicht automatisch auf eine Verfolgung der Beschwer-
deführenden zu schliessen. Ein derartiges Verfolgungsinteresse der syri-
schen Behörden an den Beschwerdeführenden ist – wie oben dargelegt –
nicht anzunehmen. Für weitere behördliche Behelligungen zwischen der
Übergabe des Leichnams und ihrer Ausreise ergeben sich aus den Akten
keine Hinweise.
6.2.4 Eine begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung ergibt sich
schliesslich auch nicht aus dem Umstand, dass den Geschwistern der Be-
schwerdeführerin in der Schweiz Asyl gewährt wurde. Aus den entspre-
chenden Akten geht hervor, dass sowohl dem Bruder der Beschwerdefüh-
rerin 1 (N [...]) als auch ihrer Schwester (N [...]) aufgrund einer glaubhaften
asylrelevanten Verfolgung durch die PYD respektive YPG (Yekîneyên Pa-
rastina Gel, kurdische Volksverteidigungseinheiten) respektive Asayish
(kurdische Sicherheitskräfte) Asyl gewährt wurde (vgl. N [...], A14 und A16;
N [...], A47 und A53). Probleme mit dem syrischen Regime verneinte die
Schwester gar ausdrücklich (vgl. a.a.O. A14, F80). In Anbetracht dessen,
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dass die Beschwerdeführenden – wie vom SEM erwähnt – nach der Aus-
reise der Geschwister vier weitere Jahre im Einflussgebiet der PYD / YPG
unbehelligt gelebt hätten, ist eine Reflexverfolgung zu verneinen.
6.2.5 Soweit die Beschwerdeführenden eine Verfolgung aufgrund ihrer kur-
dischen Ethnie geltend machen, ist weiter festzuhalten, dass das Bundes-
verwaltungsgericht nicht davon ausgeht, Kurden hätten in besonderer und
gezielter Weise aufgrund ihrer Ethnie in einem derart breiten und umfas-
senden Ausmass unter Anfeindungen zu leiden, dass von einer Kollektiv-
verfolgung ausgegangen werden müsste. Auch die heute stark veränderte
Lage – insbesondere seit dem Einmarsch der Türkei in Nordsyrien – führt
nicht zu einem anderen Schluss (vgl. Urteil des BVGer E-937/2017 vom
16. Januar 2020 E. 6.3 m.w.H.; vgl. auch Urteil des BVGer D-6128/2019
vom 15. März 2021 E. 4.3). Praxisgemäss führt sodann weder eine illegale
Ausreise aus Syrien noch das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland zur
begründeten Furcht, bei einer Rückkehr in das Heimatland mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt
zu werden. Daran vermag der Umstand nichts zu ändern, dass die Be-
schwerdeführenden aufgrund ihrer längeren Landesabwesenheit bei einer
(angesichts ihrer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz) hypothetischen
Wiedereinreise in Syrien wahrscheinlich einer Befragung durch die heimat-
lichen Behörden unterzogen würden (vgl. Urteile des BVGer D-3839/2013
vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als Referenzurteil publiziert]; E-822/2019
E. 6.4; E-2322/2019 vom 21. Juni 2019 E. 7.3).
6.3 Im Übrigen schliesst sich das Gericht den vorinstanzlichen Zweifeln an
der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführenden an. Ihren
Schilderungen mangelte es weitgehend an der zu erwartenden Substanz.
Insbesondere fällt auf, dass die Beschwerdeführerin 2 beinahe allen Fra-
gen zum Kerngeschehen auswich, indem sie wenig überzeugend aus-
führte, sich an nichts mehr zu erinnern und man hierzu die Beschwerde-
führerin 1 befragen solle (vgl. N [...] A15, F26, F31 f., F35, F37 f.). Sie
konnte nicht einmal sagen, welche Probleme die Beschwerdeführerin 1 ge-
habt habe und weshalb sie hätten fliehen müssen (vgl. a.a.O., F35), was
auch unter Berücksichtigung ihres geringen Bildungsniveaus in keiner
Weise nachvollziehbar ist. Dass beim Vergleich der Aussagen der Be-
schwerdeführenden keine Widersprüche festgestellt werden konnten, ist
angesichts der substanzlosen Schilderungen insbesondere der Beschwer-
deführerin 2 daher nicht von grosser Tragweite. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführenden ist es dennoch zu gewissen widersprüchlichen Aus-
E-1350/2020 und E-1353/2020
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sagen gekommen (vgl. bspw. die in E. 6.2.2 angeführten Aussagen der Be-
amten zum Tod ihres Vaters / Ehemannes). Angesichts der ohnehin fest-
gestellten fehlenden Asylrelevanz ihrer Vorbringen kann auf eine ab-
schliessende Würdigung der Glaubhaftigkeit vorliegend verzichtet werden.
6.4 Gesamthaft betrachtet ist es den Beschwerdeführenden nicht gelun-
gen, eine asylrelevante Verfolgungsgefahr respektive subjektive Nach-
fluchtgründe nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Das SEM hat dem-
nach ihre Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und folgerichtig ihre
Asylgesuche abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der anerkannten konkreten
Gefährdung aufgrund des in Syrien herrschenden Bürgerkrieges mit der
Anordnung der vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführenden in der
Schweiz aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rech-
nung getragen worden ist. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alter-
nativer Natur sind (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober
2015 E. 8.4.2) erübrigen sich damit weitere Ausführungen zur Zulässigkeit
und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs und auf das entsprechende
Rechtsbegehren ist mangels Rechtsschutzinteresse nicht einzutreten.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
10.
E-1350/2020 und E-1353/2020
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10.1 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten den
mit ihren Begehren unterlegenen Beschwerdeführenden zu überbinden
(Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da sie jedoch ausgewiesenermassen bedürf-
tig sind und sich die Beschwerde zum Zeitpunkt der Einreichung nicht als
aussichtslos präsentierte, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen und auf
die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.
10.2 Nachdem der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung gutgeheissen
wurde und das Bundesverwaltungsgericht gemäss aArt. 110a Abs. 1 Bst. a
AsylG der asylsuchenden Person, welche von der Bezahlung der Verfah-
renskosten befreit wurde, auf Antrag eine amtliche Rechtsbeiständin oder
einen amtlichen Rechtsbeistand bestellt, ist auch das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutzuheissen und antrags-
gemäss Herr Tarig Hassan als amtlicher Rechtsbeistand der Beschwerde-
führenden einzusetzen. Ihm ist ein amtliches Honorar zu entrichten.
Bei amtlicher Vertretung geht das Bundesverwaltungsgericht in der Regel
von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche
Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE).
Der Rechtsvertreter reichte keine Kostennote ein. Auf eine entsprechende
Nachforderung kann indes verzichtet werden, da der notwendige Vertre-
tungsaufwand aufgrund der Akten zuverlässig abgeschätzt werden kann
(Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die Beschwerdeführenden reichten vorlie-
gend zwei Beschwerden ein, welche jedoch weitgehend deckungsgleich
sind, womit eine volle Anrechnung beider Beschwerdeschriften nicht sach-
gerecht erscheint. Unter Berücksichtigung der massgebenden Berech-
nungsfaktoren ist ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 2’181.– (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuerzusatz) als angemessen zu veranschlagen.
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