Decision ID: c47b8502-1b4c-47c9-bfa5-75745aa6a90f
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Z kam am xx.xx.2012 als Kind von X (Mutter) und Y (Vater) zur Welt. Die Eltern sind
nicht miteinander verheiratet und leben nicht zusammen. Z wohnt bei seiner Mutter in
D. Der Vater lebt in E. Am xx.xx.2014 trafen die Eltern eine Vereinbarung über das
Besuchsrecht von Vater und Sohn. Darin wurde festgehalten, dass der Vater das Recht
habe, seinen Sohn jedes zweite Wochenende zu sehen, wobei das Besuchsrecht über
die Dauer von einem guten Jahr hinweg in vier Phasen von anfänglich ein paar Stunden
bis zum gesamten Wochenende hin ausgedehnt werden sollte.
B.- Am 2. Juni 2015 stellte der Vater bei der KESB einen Antrag auf Erteilung des
gemeinsamen Sorgerechts. Mit Schreiben vom 19. Juni 2015 gab die KESB der Mutter
Gelegenheit zur Stellungnahme. Diese erklärte sich am 7. Juli 2015 mit der
gemeinsamen elterlichen Sorge nicht einverstanden. Gleichzeitig stellte sie ein Gesuch
um Anpassung des persönlichen Verkehrs von Z mit seinem Vater. Y äusserte sich
dazu mit Schreiben vom 18. August 2015. Am 18. September 2015 beantragte er bei
der KESB zudem die Anpassung des Kindesunterhalts. Mit Verfügung vom
25. September 2015 erteilte die KESB X und Y die gemeinsame elterliche Sorge über Z
(Ziffer 1) und passte die Regelung des persönlichen Verkehrs zwischen Y und Z an.
C.- Gegen die Verfügung der KESB vom 25. September 2015 erhob X mit Eingabe ihrer
Rechtsvertreterin vom 28. Oktober 2015 Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei Ziffer 1 der vorinstanzlichen Verfügung aufzuheben, auf die
Gewährung der gemeinsamen elterlichen Sorge für Z zu verzichten und die alleinige
elterliche Sorge bei der Beschwerdeführerin zu belassen. Gleichzeitig stellte sie ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Mit präsidialer Verfügung vom 29. Oktober
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2015 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und
Rechtsanwältin A als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt. Am 3. November 2015
ergänzte die Beschwerdeführerin die Beschwerde. Mit Vernehmlassung vom
10. November 2015 beantragte die KESB die kostenfällige Abweisung der
Beschwerde. Y verzichtete stillschweigend auf eine Stellungnahme. Am 14. Januar
2016 äusserte sich die Beschwerdeführerin zur Vernehmlassung der Vorinstanz.
Am 3. März 2016 setzte der Präsident Rechtsanwältin C als Kindesvertreterin ein.
Zuvor erhielten die Verfahrensbeteiligten Gelegenheit dazu Stellung zu nehmen, wobei
dagegen keine Einwände erhoben wurden. In ihrer Stellungnahme vom 18. März 2016
beantragte die Kindesvertreterin die Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Am 8. April 2016 äusserte sich die Beschwerdeführerin dazu. Am
12. Mai 2016 erfolgte eine weitere Eingabe der Kindesvertreterin. Schliesslich ging am
17. Mai 2016 eine Stellungnahme von Y ein, wozu sich die Beschwerdeführerin am
25. Mai 2016 nochmals vernehmen liess.
D.- Am 24. November 2016 fand die mündliche Verhandlung statt, an der X und Y
zusammen mit ihren Rechtsvertretern, die Kindesvertreterin sowie der Präsident und
eine Mitarbeiterin des Abklärungsdienstes der Vorinstanz teilnahmen und angehört
wurden (vgl. Verhandlungsprotokoll). Alle Beteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum
Ergebnis der Anhörung zu äussern. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur

Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die KESB am
Wohnsitz des Kindes ist für den Entscheid über die Erteilung der gemeinsamen
elterlichen Sorge zuständig (Art. 12 Abs. 4 SchlT ZGB i.V.m. Art. 298b Abs. 1 ZGB).
Gegen Entscheide der KESB kann Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission
erhoben werden (Art. 314 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 450 Abs. 1 ZGB und Art. 27 Abs. 1
des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über das Kindes- und
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Erwachsenenschutzrecht, sGS 912.5, abgekürzt: EG-KES). Die Beschwerde vom
28. Oktober 2015 ist rechtzeitig eingereicht worden. Die Beschwerdebefugnis ist
gegeben. Die Bestimmungen des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege zum
Rekursverfahren (sGS 951.1, abgekürzt: VRP) sind sinngemäss anwendbar (Art. 11 lit. a
EG-KES). Die Beschwerde erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 314 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 450 ff. ZGB, Art. 48 VRP). Auf die
Beschwerde ist daher einzutreten.
2.- Umstritten ist, ob die Vorinstanz mit Verfügung vom 25. September 2015 den Eltern
zu Recht die gemeinsame elterliche Sorge über das gemeinsame Kind, das bisher
unter der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter gestanden ist, erteilt hat.
a) aa) Seit Inkrafttreten der neuen Bestimmungen über das elterliche Sorgerecht am
1. Juli 2014 tritt die gemeinsame elterliche Sorge bei unverheirateten Eltern durch
gemeinsame Erklärung der Eltern (Art. 298a ZGB), durch Entscheid der
Kindesschutzbehörde (Art. 298b ZGB) oder durch das Gericht ein (Art. 298c ZGB). Bei
wesentlicher Änderung der Verhältnisse regelt die Kindesschutzbehörde die Zuteilung
der elterlichen Sorge neu, wenn dies zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist (Art. 298d
ZGB). Auch wenn die gemeinsame elterliche Sorge nicht automatisch entsteht, so ist
sie nach neuem Recht dennoch als Regelfall vorgesehen (BSK ZGB I-Schwenzer/
Cottier, 5. Aufl. 2014, Art. 298b N 3 ff.). Stand bei Inkrafttreten der Gesetzesänderung
die elterliche Sorge nur einem Elternteil zu, so konnte sich der andere Elternteil binnen
Jahresfrist nach Inkrafttreten der Änderung mit dem Antrag auf Verfügung der
gemeinsamen elterlichen Sorge an die zuständige Behörde wenden, wobei Art. 298b
ZGB sinngemässe Anwendung findet (Art. 12 Abs. 4 SchlT ZGB). Demnach verfügt die
Kindesschutzbehörde die gemeinsame elterliche Sorge, sofern nicht zur Wahrung des
Kindeswohls an der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter festzuhalten oder die
alleinige elterliche Sorge dem Vater zu übertragen ist (Art. 298b Abs. 2 ZGB).
bb) Das neue Recht fusst auf der Annahme, dass dem Wohl des Kindes am besten
gedient ist, wenn die Eltern das Sorgerecht gemeinsam ausüben. Von diesem
Grundsatz soll nur abgewichen werden, wenn eine andere Lösung die Interessen
ausnahmsweise besser wahrt (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 5A_22/2016 vom
2. September 2016 E. 4.2). Die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge bzw. die Belassung
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der alleinigen elterlichen Sorge muss deshalb die eng begrenzte Ausnahme bleiben,
wenn auch nicht die Interventionsschwelle für eine Kindesschutzmassnahme nach
Art. 311 ZGB erforderlich ist (BGer 5A_186/2016 vom 2. Mai 2016 E. 4 mit Hinweis auf
BGE 141 III 472). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein
Ausnahmegrund insbesondere der schwerwiegende elterliche Dauerkonflikt oder die
anhaltende Kommunikationsunfähigkeit sein, wenn sich der Mangel negativ auf das
Kind auswirkt und die Alleinzuteilung des Sorgerechts eine Verbesserung der Situation
erwarten lässt. Es muss sich in jedem Fall um einen erheblichen und chronischen
Konflikt handeln. Auseinandersetzungen oder Meinungsverschiedenheiten, wie sie in
allen Familien vorkommen und insbesondere mit einer Trennung oder Scheidung
einhergehen können, dürfen angesichts des mit der Gesetzesnovelle klarerweise
angestrebten Paradigmenwechsels nicht Anlass für eine Alleinzuteilung des elterlichen
Sorgerechts bzw. für die Belassung eines bestehenden Alleinsorgerechts sein (BGE
142 III 1 E. 3.3). Allein die Befürchtung, dass sich der verlangte Wechsel zur
gemeinsamen elterlichen Sorge zu Lasten des Kindeswohls auswirken werde, genügt
freilich nicht. Vielmehr müssen der Wahrscheinlichkeitsaussage über die künftige
Entwicklung konkrete Anhaltspunkte zugrunde liegen, die aktenmässig erstellt sind
(BGer 5A_22/2016 vom 2. September 2016 E. 4.2). Aufgrund einer tatsachenbasierten
Sachverhaltsprognose muss geprüft werden, ob der Wechsel zum gemeinsamen
Sorgerecht eine erhebliche Beeinträchtigung des Kindeswohls befürchten lässt und die
Alleinzuteilung eine Verbesserung der Lage bzw. die Belassung der Alleinsorge die
Abwendung einer zu befürchtenden Verschlechterung verspricht (BGE 142 III 197
E. 3.7). Dies ist einerseits der Fall, wenn ein sich manifest auf verschiedene
Lebensbereiche des Kindes erstreckender Elternkonflikt vorliegt, bei welchem nötige
Entscheidungen nicht getroffen oder verschleppt wurden und erwiesenermassen eine
auf der Uneinigkeit beruhende negative Auswirkung für das Kind besteht. Andererseits
besteht ein solcher Umstand dann, wenn die Konstellation vorliegt, dass der nicht die
Obhut innehabende Elternteil über lange Zeit in einer Weise physisch und informationell
vom Kind abgeschnitten war, dass ihm die Ausübung des Sorgerechts gar nicht
möglich wäre (BGer 5A_81/2016 vom 2. Mai 2016 E. 5).
cc) Das Bundesgericht erachtete die Voraussetzungen für die Belassung des alleinigen
Sorgerechts namentlich dort als erfüllt, wo das Kind zum nicht sorgeberechtigten
Elternteil seit etlichen Jahren überhaupt keinen Kontakt mehr hatte, sei es, dass die
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ablehnende Haltung des 15-jährigen Kindes zur vollständigen Blockade des
sorgeberechtigten Elternteils hinzutrat (BGer 5A_926/2014 vom 28. August 2015 E.
3.4), sei es, dass der nicht sorgeberechtigte Vater zufolge kompletter mütterlicher
Blockade seit Jahren vollständig aus dem Leben der inzwischen 6-jährigen Tochter
ausgeschlossen war (BGE 142 III 197 E. 3.6). Zum gleichen Schluss kam das
Bundesgericht in einem Fall, in welchem die Kommunikation zwischen den Eltern
komplett blockiert war und sich der chronifizierte Konflikt auf verschiedene
Lebensbereiche des Kindes erstreckte, in denen ein Zusammenwirken erforderlich
wäre, so dass in verschiedener Hinsicht anstehende Entscheide nicht möglich waren,
insbesondere auch in Bezug auf eine notwendige Therapie. In tatsächlicher Hinsicht
war in jenem Fall erstellt, dass der Vater einen gegen die Mutter gerichteten
Machtkampf über das Kind austrug, dass das Kind unter diesem Missbrauch und
allgemein unter dem Elternkonflikt stark litt und dass bei ihm eine darauf
zurückzuführende psychische Störung diagnostiziert wurde. Das Bundesgericht räumte
ein, dass in einer solchen Situation von der Alleinzuteilung des Sorgerechts an die
Mutter keine Wunder erwartet werden dürfen, weil die väterliche Obsession in Bezug
auf das mütterliche Verhalten dadurch nicht einfach verschwinden würde. Es befand
aber, dass eine alleinige Entscheidzuständigkeit den Druck auf das Kind
voraussichtlich doch mindern dürfte, weil mit der Alleinsorge weniger Boden für die
dem Wohl des Kindes in hohem Mass abträgliche Instrumentalisierung besteht und
nötige Entscheide nicht mehr verschleppt werden oder unterbleiben, sondern rasch
gefasst und umgesetzt werden können (BGer 5A_89/2016 vom 2. Mai 2016 E. 3 f.).
Demgegenüber verneinte das Bundesgericht die Voraussetzungen für eine
Alleinzuteilung in einem Fall, wo sich die Eltern im Rahmen eines heftigen
Dauerkonflikts mit chronischer Kommunikationsunfähigkeit zwar gegenseitig mit
Vorwürfen überhäuften und gegeneinander auch eine Gefährdungsmeldung bzw. eine
Strafanzeige eingereicht hatten, sich aber in Bezug auf das Besuchsrecht doch einigen
konnten, so dass dieses ohne nennenswerte Probleme ausgeübt werden konnte. Das
Bundesgericht erwog, die von der Mutter vorgebrachten stark divergierenden
Erziehungsansichten bzw. Erziehungsstile bezögen sich primär auf die
Kindesbetreuung und würden für sich genommen noch keinen Grund zur Alleinsorge
darstellen. Ferner war nach Ansicht des Bundesgerichts nicht davon auszugehen, dass
sich der Loyalitätskonflikt, dem die Kinder aufgrund der Streitereien zwischen den
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Eltern ausgesetzt waren, unter einer gemeinsamen Sorge in entscheidender Weise
verstärken würde (BGer 5A_186/2016 vom 2. Mai 2016 E. 4). In gleicher Weise
widersprach das Bundesgericht einer Mutter, die trotz ersichtlichen Defiziten beim
Vater die Tochter nicht loslassen und eine normale Ausübung des Besuchsrechts nicht
zulassen konnte. Der Streit um das Besuchsrecht war in jenem Fall heftig und
chronisch und die Eltern hatten Strafanzeigen gegeneinander eingereicht. Die
Besuchsrechtsbeistandschaft war äusserst aufwändig; eine interventionsorientierte
Begutachtung war im Gang. Der Vater sah die Tochter aber einigermassen
regelmässig, wenn auch unter erschwerten Umständen. Eine Ausweitung des sich
bislang auf das Besuchsrecht konzentrierenden Streites auf die Belange, welche sich
aus einem gemeinsamen Sorgerecht ergeben, und eine zusätzliche Belastung für das
Kind waren nicht unbedingt indiziert; allerdings ging das Bundesgericht angesichts der
Grundsätzlichkeit, mit welcher die Mutter auch den Sorgerechtsprozess führte und eine
Ausweitung des Konfliktes in Aussicht stellte, von einem Grenzfall aus (BGer
5A_81/2016 vom 2. Mai 2016 E. 5).
b) Die Mutter bringt vor, der Vater habe versucht, sie zum Schwangerschaftsabbruch
zu drängen. Nachdem sie das Kind habe behalten wollen, habe er versucht, das Kind
„herauszuprügeln“. Sie sei deswegen traumatisiert. Regelmässige und nahe
Konfrontationen mit ihm könnten sich nachteilig auf ihre Gesundheit auswirken. Nach
den Kontakten mit dem Vater sei sie gereizt und psychisch instabil. Werde Z älter,
könne er dies bestimmt zuordnen, weshalb ein Loyalitätskonflikt vorprogrammiert sei.
Nach der Geburt habe der Vater sie und das Kind alleine gelassen und zunächst kein
Interesse am Sohn gezeigt. Auch die vereinbarten Unterhaltsbeiträge habe er früher
nicht bezahlt; dies funktioniere aber mittlerweile. Sie habe nach der Geburt zwar
nochmals eine Annäherung versucht, sei aber an Desinteresse und beruflichen
Ambitionen des Vaters gescheitert. Er habe sie und den Sohn über lange Zeit alleine
gelassen und sie weder persönlich noch finanziell unterstützt. Erst im Jahr 2014 habe
er begonnen, eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen, und habe diesen bei den
Grosseltern mütterlicherseits regelmässig besucht. Sie würden ausschliesslich über
Textnachrichten kommunizieren, welche sich auf ein Minimum beschränkten. Der Vater
hole Z vor der Haustüre ab und bringe ihn dorthin zurück. Mit dem Schuleintritt stünden
diverse Entscheidungen an, die bei gemeinsamer elterlicher Sorge von beiden
Elternteilen gemeinsam besprochen werden müssten. Ausserdem zeige der Vater
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wenig Interesse an der Entwicklung seines Sohnes und frage auch nicht nach
Informationen. Eine Gefährdung des Kindeswohls sei nicht auszuschliessen und
präventiv zu verhindern. Z würde ansonsten zunehmend in einen Loyalitätskonflikt
geraten. Von den Besuchen beim Vater kehre Z angespannt und aggressiv zurück. Die
Übergänge seien für ihn schwierig. Ansonsten funktioniere das Besuchsrecht.
Der Vater von Z führt dagegen aus, er habe Mutter und Sohn nach der Geburt sowohl
finanziell als auch in der Betreuung unterstützt. Herbstferien und Weihnachtsfest mit
der Familie seien ihm wichtig gewesen. Im Januar 2013 habe sich die Mutter von ihm
getrennt und ihm mitgeteilt, dass sie bereits seit längerer Zeit eine Beziehung mit einem
anderen Mann und auch während der gemeinsamen Beziehung regelmässig sexuellen
Kontakt zu anderen Männern gehabt habe. Dies habe ihn hinsichtlich der Vaterschaft
verunsichert, was er ihr mitgeteilt habe. Danach habe sie den Kontakt abgebrochen.
Nach der Alimenteneinforderung und dem Vaterschaftstest habe er Z bei den Eltern
von ihr besuchen können. Er bemühe sich sehr darum, mit der Mutter
zusammenzuarbeiten und auf ihre Forderungen und Ängste einzugehen. Er erfahre
kaum etwas davon, was Z während der Woche mache. Dass Z nach den Besuchen bei
ihm aggressiv sei, habe er nicht gewusst. Geschenke, Osternest etc. dürfe er im
Übrigen Z nicht mit nach Hause geben. Ausserdem nenne Z ihn manchmal Y. Er habe
nicht gewusst, dass die Mutter psychisch so schwer erkrankt sei. Er könne sich nicht
vorstellen, dass dies durch den einen Vorfall verursacht worden sei. Sie habe bereits
früher psychische Probleme gehabt, sich 2010 in psychiatrischer Behandlung befunden
und sei zwischen 2010 und 2011 längere Zeit stationär in der Klinik gewesen. Damals
sei die Diagnose einer depressiven Persönlichkeitsstörung gestellt worden. Er werde
nun aber Rücksicht auf sie nehmen. Aus Sicht der Mutter würden hauptsächlich ihre
psychischen Probleme und ihr Wohlbefinden im Vordergrund stehen, was ihn traurig
mache. Ihm sei es wichtig, dass es Z gut gehe, dass er ihn unterstützen könne und
auch informiert sei, was in seinem Leben vor sich gehe.
c) Aufgrund der Erkenntnisse der Ausführungen anlässlich der mündlichen Verhandlung
vom 24. November 2016 steht fest, dass es Z gut geht. Gemäss der Mutter ist Z ein
glückliches Kind. Seit Sommer 2016 finden die Besuche zwischen Vater und Sohn
jedes zweite Wochenende von Samstagmorgen bis Sonntagabend statt. Probleme gab
es seither bei der Ausübung des Besuchsrechts keine. Am Abend vor den
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Besuchswochenenden schreibt der Vater der Mutter, was er für das Wochenende mit Z
geplant hat. Am Samstagmorgen holt er ihn dann ab und bringt ihn am Sonntagabend
wieder zurück. Bei den Übergaben werden keine Informationen ausgetauscht. Die
Mutter bemängelte, dass Z nach den Besuchswochenenden häufig Mühe habe, ins
Bett zu gehen; er sei auch schon krank zurückgekehrt. Die Eltern wünschen sich
weiterhin einen Kontakt zwischen Vater und Sohn. Aus Sicht der Mutter sprechen ihre
eigenen, aus der damaligen Beziehung herrührenden Erfahrungen mit dem Vater von Z
gegen die gemeinsame elterliche Sorge. Sie leide an einer posttraumatischen
Belastungsstörung, deren Ursache einerseits im Vorfall während der Schwangerschaft
und andererseits im Verlauf der Beziehung als solche zu sehen sei. Aufgrund dessen
sei sie nicht fähig, mit dem Vater von Z Kontakt zu halten und ihn über wichtige
Ereignisse im Leben von Z zu informieren. Ihre Bedenken bestehen insbesondere darin,
dass es Z mitbekommt, wenn es ihr psychisch nicht gut geht. Da sie den Vater nicht in
Entscheidungen, die Z betrafen, miteinbezogen hat, und der Vater dagegen auch nicht
opponierte, gab es bis anhin keine Reibungspunkte. Gemäss eigenen Aussagen ist der
Vater bereit, Hand zu bieten und auf die Befindlichkeiten der Mutter Rücksicht zu
nehmen. Er sieht sich eher als zurückhaltende Person, und er werde im Umgang mit ihr
den eingeschlagenen Weg weiterführen. Auf die Gewaltanwendung während der
Schwangerschaft gegen die Mutter angesprochen gab er an, dass jeder Mensch
einmal an einen Punkt komme, wo es ihm einfach zu viel werde; manchmal komme es
dann vor, dass man falsch reagiere. Er verurteile Gewalt jedoch absolut. Er möchte
indes bei wichtigen Entscheidungen, wenn es um Z geht, mitreden können. Er stellt
sich dabei vor, dass er zusammen mit der Mutter Probleme ausdiskutiert, allenfalls mit
vorübergehender Unterstützung durch die KESB (vgl. Verhandlungsprotokoll).
d) Die gemeinsame elterliche Sorge ist in der heutigen Gesellschaft die Regel – und
nicht die Ausnahme. Um eine Ausnahme vom Grundsatz der gemeinsamen elterlichen
Sorge zu rechtfertigen, müssten konkrete Feststellungen die Befürchtung nahelegen,
dass sich der Elternkonflikt aller Wahrscheinlichkeit nach auf gemeinsam zu regelnde
Kindesbelange ausweiten, der Wechsel zur gemeinsamen elterlichen Sorge also zu
einer Verschlechterung der Situation führen würde, zum Beispiel weil sich der Konflikt
bereits in so gravierender Weise auf verschiedene Lebensbereiche des Kindes
ausgewirkt hat, dass nötige Entscheidungen nicht getroffen oder verschleppt wurden.
Dies ist vorliegend offenkundig nicht der Fall. Das Hauptargument der Mutter, weshalb
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sie die gemeinsame elterliche Sorge ablehnt, sieht sie in ihrer eigenen psychischen
Verfassung, welche eine Verschlechterung erfahren könnte, wenn sie mit dem Vater
von Z Kontakt halten müsse. Dies könnte sich wiederum negativ auf Z abfärben. Durch
die Besuchswochenenden steht die Mutter jedoch bereits regelmässig mit dem Vater in
Kontakt. Obwohl bereits dieser Kontakt der Mutter zu schaffen macht, scheint Z damit
gut umgehen zu können. Ein Loyalitätskonflikt ist jedenfalls nicht auszumachen. Er
freut sich vielmehr auf die Besuche beim Vater. Auch die Kindesvertreterin erlebte Z als
fröhlichen, aufgeweckten Jungen, welcher sehr offen sei. Die Mutter übersieht, dass
aufgrund der gemeinsamen elterlichen Sorge nicht täglich Entscheidungen getroffen
werden müssen. Auch wäre es denkbar, sich schriftlich über die Belange von Z
auszutauschen oder allenfalls über eine Drittperson, wie beispielsweise einen Beistand.
Ausserdem wäre sie, unabhängig davon, wie die elterliche Sorge geregelt ist, gehalten,
Informationen über Z dem Vater zukommen zu lassen. Jedenfalls ist nicht ersichtlich,
inwiefern die gemeinsame elterliche Sorge dauerhaft eine Verschlechterung der
aktuellen Situation mit sich bringen sollte. Weiter genügt es nicht, dem Vater
vorzuwerfen, er habe sich früher nicht eingebracht und sie habe alles alleine
entscheiden müssen. Im Übrigen bemühte sich der Vater sehr um Z und besuchte
diesen anfänglich bei den Grosseltern mütterlicherseits, bis sich die Eltern auf eine
Besuchsrechtsregelung einigen konnten. Die Beschwerdeführerin übersieht, dass die
präventive Anordnung der alleinigen elterlichen Sorge aufgrund einer möglichen
späteren Gefährdung nicht im Sinne des Gesetzgebers liegt.
Die Zuteilung des gemeinsamen elterlichen Sorgerechts setzt des Weiteren nicht
unabdingbar voraus, dass die Ausübung des Besuchsrechts reibungslos funktioniert.
Soweit Schwierigkeiten bei der Besuchsrechtsausübung das Kindeswohl
beeinträchtigen, sind sie auf der entsprechenden Stufe, das heisst im Rahmen der
Regelung des persönlichen Verkehrs zu lösen und nicht im Streit um die elterliche
Sorge. In der Vergangenheit verhielt sich Z gemäss den Ausführungen der Mutter nach
den Besuchswochenenden gegenüber seinem jüngeren Halbbruder gelegentlich
aggressiv. Dieses Verhalten scheint er nun aber abgelegt zu haben. Soweit Z nach den
Besuchen bei seinem Vater Mühe hat, ins Bett zu gehen, erscheint solches im Übrigen
nicht aussergewöhnlich, muss der Junge doch das Erlebte beim Vater, welchen er nur
jedes zweite Wochenende sieht, verarbeiten. Dass die Eltern in Belangen, die nicht die
tägliche Betreuung des Kindes, sondern die elterliche Sorge beschlagen, zu keinem
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gemeinsamen Nenner finden könnten, lässt sich den Ausführungen der Mutter
jedenfalls nicht entnehmen. Insbesondere sind derzeit keine erheblichen, chronischen
Elternkonflikte ersichtlich.
Ebenso wenig stellt der mittlerweile beigelegte Konflikt um den Kindesunterhalt ein
Argument für die Zuteilung der Alleinsorge dar. Die Unterhaltsfrage betrifft
ausschliesslich finanzielle Aspekte. Sie hat keinen Zusammenhang mit der Frage, ob
die Eltern fähig sind, die elterliche Sorge zum Wohl des Kindes gemeinsam auszuüben.
Welcher Elternteil in welchem Umfang finanzielle Leistungen erbringen muss, bestimmt
sich nach der Obhutsregelung bzw. den jeweiligen Anteilen der Eltern an der Betreuung
und nicht danach, unter wessen elterlicher Sorge das Kind steht.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass es an einem stichhaltigen, rechtsgenüglichen
Grund fehlt, die Alleinsorge der Mutter beizubehalten. Allein die Befürchtungen der
Mutter, ihr könnte es aufgrund vermehrter Kontakte mit dem Vater schlechter gehen
und Z könnte dies mitbekommen, genügt nicht. Vielmehr sind aktenmässig erstellte
Anhaltspunkte über die künftige Entwicklung nötig. Z befindet sich weder in einem
Loyalitätskonflikt noch leidet er stark unter einem sich manifest auf verschiedene
Lebensbereiche erstreckenden Elternkonflikt. Die Eltern konnten sich in Bezug auf das
Besuchsrecht einigen, welches ohne nennenswerte Probleme ausgeübt werden kann.
Weiter finden sich keine Anhaltspunkte, dass der Wechsel zum gemeinsamen
Sorgerecht zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Kindeswohls führen würde. Die
Beibehaltung der alleinigen elterlichen Sorge bei der Mutter lässt keine wesentliche
Verbesserung der Situation erwarten und es ist nicht zu erwarten, dass eine Belastung
des Kindes aller Wahrscheinlichkeit nach in entscheidender Weise verstärkt würde, weil
die elterliche Sorge beiden Eltern gemeinsam übertragen wird. Es liegt in der
Verantwortung der Eltern, sich das Wohl ihres Sohnes Z vor Augen zu halten und sich
eingedenk dessen die Kooperation in Kinderbelangen zu Herzen zu nehmen, sowohl im
Verhältnis untereinander als auch gegenüber den Behörden und allfälligen
Beistandspersonen. Andernfalls laufen sie Gefahr, dass sich der Streit um das
Sorgerecht früher oder später erneut entfacht. Die Beschwerde der Mutter ist folglich
abzuweisen.
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3.- a) Nach Art. 11 lit. a EG-KES in Verbindung mit Art. 95 Abs. 1 VRP hat in
Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden. Eine Kostenverteilung nach Ermessen, wie sie
insbesondere in Kinderbelangen häufig angeordnet wird (vgl. Mitteilungen des
Kantonsgerichts St. Gallen zum Familienrecht Nr. 7, Oktober 2005, S. 43, abrufbar auf:
www.gerichte.sg.ch), bietet sich vorliegend nicht an, denn die Beschwerdeführerin ist
mit ihrem Begehren vollständig unterlegen. Es gilt der Grundsatz der Kostentragung
nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens. Die Beschwerde ist abzuweisen und
die amtlichen Kosten dementsprechend der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Am
29. Oktober 2015 wurde ihr die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt und sie
wurde von der Erhebung der Kosten einstweilen befreit. Angemessen erscheint eine
Entscheidgebühr von 1‘500.– (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Hinzuzurechnen sind die Kosten der Kindesvertretung. Die Vertreterin von Z
macht eine Entschädigung von insgesamt Fr. 3‘985.20 (Honorar von Fr. 3‘590.–
zuzüglich Barauslagen von Fr. 100.– und Mehrwertsteuer von Fr. 295.20) geltend. Im
Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen erscheint der entsprechende Zeitaufwand von
knapp 18 Stunden als angemessen. Die amtlichen Kosten von insgesamt Fr. 5‘485.20
sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge der Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung ist auf die Erhebung der Kosten einstweilen zu verzichten. Eine
Nachforderung der Kosten bleibt im Sinn von Art. 98 VRP in Verbindung mit Art. 123
ZPO vorbehalten. Namentlich ist eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege
gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (vgl.
Art. 123 Abs. 1 ZPO).
b) Es bleibt, die ausseramtlichen Kosten festzusetzen. Das Honorar in der
Verwaltungsrechtspflege wird grundsätzlich als Pauschale bemessen; vor der
Verwaltungsrekurskommission beträgt es zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.– (Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75,
abgekürzt: HonO). Für ein aussergewöhnlich kompliziertes Verfahren kann das Honorar
bis zum Doppelten erhöht werden (Art. 22 Abs. 2 HonO). Das Honorar wird nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
festgesetzt (Art. 19 HonO und Art. 31 Abs. 1 und 2 AnwG). Das Honorar wird bei
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unentgeltlicher Prozessführung oder amtlicher Verteidigung um einen Fünftel
herabgesetzt (Art. 31 Abs. 2 AnwG).
aa) Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat eine Kostennote im Betrag von
Fr. 4‘183.80 eingereicht (Honorar von 3‘690.– [18.45 Stunden à Fr. 200.–] zuzüglich
Fahrspesen von Fr. 36.30, Barauslagen von Fr. 147.60 und Mehrwertsteuer von
Fr. 309.90). Dieses erscheint tarifkonform (vgl. Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO). Die
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beträgt
demnach Fr. 4‘183.90. Die ausseramtlichen Kosten sind zufolge unentgeltlicher
Rechtspflege einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 98 Abs. 2 VRP).
Verbessern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin, so ist sie zur
Nachzahlung verpflichtet (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).
bb) Zufolge Abweisung der Beschwerde hat der anwaltlich vertretene Vater Anspruch
auf eine volle ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP). Der
Rechtsvertreter macht in seiner Kostennote ein Honorar von Fr. 1‘061.60 zuzüglich 8%
Mehrwertsteuer geltend (act. 37); dies entspricht einem Zeitaufwand von etwa
4.25 Stunden. Zu beachten ist, dass der Rechtsvertreter vier Arbeitstage vor der
mündlichen Verhandlung vom 24. November 2016 mandatiert wurde, weshalb sich sein
Aufwand auf die Vorbereitung der Verhandlung, die Teilnahme daran und eine kurze
Nachbesprechung beschränkt. Zu berücksichtigen ist weiter, dass der Aktenumfang
durchschnittlich ist. Das geltend gemachte Honorar erscheint daher tarifkonform. Die
Beschwerdeführerin ist folglich zu verpflichten, den Kindsvater mit Fr. 1‘146.55
ausseramtlich zu entschädigen.