Decision ID: 77f5399e-8387-51d9-8878-d614df57c6d7
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, arbeitete in der Schweiz zunächst
im
Saisonnierstatus
und ab 1989
ganzjährig als Gipser
(
Auszug aus dem individuellen
Konto
vom 2
7.
Januar 1998,
Urk.
10/5
),
zuletzt von Oktober 1991 bis Juli 1995 bei
Y._
(
Urk.
10/5 und Arbeitsvertrag
vom 6./1
0.
Dezember 1991, Urk.
10/3/6-8
), vom
7.
September bis zum 1
0.
November 1995 bei der
Z._
(
Urk.
10/5 sowie Arbeitsvertrag vom 2
7.
Juni 1995,
Urk.
10/3/2, und Angaben
vom 1
9.
Februar 1998
i
m Frag
e
bogen für den Arbeitgeber
,
Urk.
10/8) und ab
dem 1
3.
November 1995
bei der
A._
in Winterthur (
Urk.
10/5 sowie
Arbeitsvertrag vom
3.
Novemb
er 1995,
Urk.
10/3/3-4, und
Angaben
vom
3
0.
Januar 1998
im
Fragebogen für den Arbeitgeber
,
Urk.
10/6
).
Nachdem
sich
X._
schon Ende 1994
wegen Rückenbeschwerden in ärztliche
Behandlung
begeben hatte
(Bericht des Hausarztes
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom 2
5.
Januar 1998,
Urk.
10/7/1-3)
und
des
wegen
im Februar/März 1995 im
C._
hospitalisiert gewesen war
(Zusammenfassung der Krankengeschichte des
C._
,
Urk.
10/1),
war er ab dem
7.
Juli 1997
erneut
zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben (vgl.
Urk.
10/7/1), und es
fanden weitere medizinische Abklärungen statt
(Berichte im Anhang zum hausärztlichen Bericht
vom 2
5.
Januar 1998
,
Urk.
10/
7/
4-16)
. Zudem stand
X._
von September bis November 1997 in psychotherapeutischer Behandlung bei
Dr.
med.
D._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie
(Bericht
e
von
Dr.
D._
vom
1
9.
Dezember 1997 und
vom
17.
März 1998,
Urk.
10/10).
Im Dezember 1997 meldete sich
X._
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
10/2).
Nachdem d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-St
elle, die Angaben der behandelnden Ärzte und der Arbeitgeber eingeholt und die Möglichkeiten der beruflichen Eingliederung geprüft hatte (Verlaufsprotokoll in
Urk.
10/12/2-5)
, liess sie ihn durch das
E._
polydiszip
linär begutachten (Guta
chten vom 1
1.
Februar 1999
von
Dr.
med.
F._
, Innere Medizin,
Dr.
med.
G._
, Orthopädische Chirurgie,
Dr.
med.
H._
, Neurologie, und
Dr.
med.
I._
, Psychiatrie,
Urk.
10/22).
1.2
Mit Verfügung vom
8.
Juni 1999 teilte die IV-Stelle
X._
mit, dass berufliche Massnahmen nicht durchgeführt werden könnten (
Urk.
10/28); mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 1999
sprach sie ihm ab dem
1.
Juni 1998 eine ganze Rente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 71
%
zu, nebst Zusatzrenten für die Ehefrau und die fünf
Kinder (
Urk.
10/30)
, ab Dezember 2000 die sechs Kinder
(Verfügung vom
1.
März 2001,
Urk.
10/32).
In der Folge bestätigte die IV-Stelle den
unveränderten
Anspruch des Versicherten
auf die bisherige ganze Invalidenrente m
it den Mitteilungen vom 1
9.
Juli 2001 (
Urk.
10/35), vom
2.
September 2004 (
Urk.
10/42), vom 1
3.
Dezember 2007 (
Urk.
10/50), vom 1
1.
Januar 2011 (
Urk.
10
/61) und vom 1
4.
Mai 2014 (Urk.
10/68
).
1.3
Im Frühjahr 201
5 leitete die IV-Stelle wieder
ein Rentenrevisionsverfahren ein
(Angaben des Versicherten und des Hausarztes
Dr.
B._
vom 1
3.
März 2015 im Fragebogen für die Revision,
Urk.
10/71 und
Urk.
10/74) und teilte dem Versicherten mit Schreiben vom 1
2.
Juni 2015 mit, dass sie eine polydisziplinäre Begutachtung anzuordnen gedenke (
Urk.
10/78). Mit Schreiben vom 1
6.
Juni 2015 informierte
Dr.
B._
die IV-Stelle über die zwischenzeitliche Diagnose eines Plattenepithelkarzinoms des linken Lungenoberlappens und über die geplante Operation
vom Folgetag (
Urk.
10/79/1 mit dem Bericht des
C._
vom
3.
Juni 2015,
Urk.
10/79/9). Die IV-Stelle stellte die Begutachtung daraufhin vorerst zurück (vgl.
Urk.
10/80-87)
und liess sich vom
C._
den Austrittsbericht vom
2.
Juli 2015 sowie den Bericht vom
2
8.
Dezember 2015 zustellen (
Urk.
10/89 und
Urk.
10/92).
Danach fand i
m April 2016 die vorgesehene Begutachtung
durch die
Gutachtenstelle
J._
statt (Gutachten vom 1
9.
Juli 2016 von
Dr.
med.
K._
, Innere Medizin,
Dr.
med.
L._
, Psychiatrie,
Dr.
med.
M._
, Neurologie, und
Dr.
med.
N._
, Rheumatologie
, mit zusätzlichem
pneumologischem
Fachgutachten von Prof.
Dr.
O._
sowie
pract
. med.
P._
und
Dr.
med.
Q._
,
Urk.
10/111).
Die IV-Stelle unterbreitete das Gutach
t
en ihrem Regionalärztlichen Dienst (Stellungnahme von
Dr.
med.
R._
, Orthopädische Chirurgie, vom 2
5.
Juli 2016,
Urk.
10/126/3) und teilte dem Versicherten anschliessend m
it Vorbescheid vom
7.
Oktober 2016 mit, dass sie die bisherige ganze Rente aufgrund des neu errechneten Invaliditätsgrades von 55
%
auf eine halbe Rente herabzusetzen gedenke (
Urk.
10/114; Einkommensvergleich in
Urk.
10/113). Mit den Eingaben vom 2
8.
Oktober und vom 1
2.
Dezember 2016 liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg, Einwendungen erheben
und
beantragen, ihm sei weiterhin die ganze Rente auszurichten (
Urk.
10/120 und
Urk.
10/123).
Ausserdem liess er einen Bericht des
C._
vom
9.
Dezember 2016 einreichen, wo er vorgesprochen hatte, um den Einfluss der durchgemachten
Tumorerkrankung auf seine Arbeitsfähigkeit zu klären (
Urk.
10/124). Die IV-Stelle führte mit dem Versicherten, seiner
Rechtsvertreterin
und seinem Hausarzt Gespräche im Hinblick auf allfällige Einglieder
ungsmassnahmen (Notizen in Urk.
10/126/4-5
;
Schreiben vom 2
2.
November 2016 betreffend Auferlegung der Mitwirkungspflicht,
Urk.
10/122
; Aktennotiz der Rechtsvertreterin in
Urk.
3
).
Danach entschied sie mit Verfügung vom
3.
Mai 2017 im Sinne ihres Vorbescheids und setzte die ganze Rente per
1.
Juli 2017 bei einem Invaliditätsgrad von 55
%
auf eine halbe Rente herab (
Urk.
2
und
Urk.
7
=
Urk.
10/131+135; vgl. die Feststellungsblätter in
Urk.
10/127 und
Urk.
10/128).
2.
Gegen diese Verfügung liess
X._
durch Rechtsanwältin Lotti Sigg mit Eingabe vom 3
0.
Mai 2017 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und ihm sei weiterhin eine ganze Rente auszurichten (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
3.
Juli 2017 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), wovon
X._
mit Verfügung vom
7.
Juni 2017 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8).
Mit Verfügung vom 1
8.
Oktober 2018 wurde die AXA als zuständige Einrichtung der beruflichen Vorsorge zum Prozess beigeladen (
Urk.
12). Sie verzichtete mit Eingabe vom 2
0.
November 2018 auf eine Stellungnahme (
Urk.
13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am
1.
Januar 2003 sind das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts vom
6.
Oktober 2000 (ATSG) und die Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 1
1.
September 2002 (ATSV) in Kraft getreten und haben in einzelnen Sozialversicherungsgesetzen und -verordnungen zu Revisionen geführt. Des Weiteren sind
per
1. Januar 2004,
per
1. Januar 2008 und
per
1. Januar 2012
die Teilrevisionen
4, 5 und 6a
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG), der Ver
ordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV) und des
ATSG
erfolgt
. In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am
3.
Mai 2017 erlassen worden. Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der
schon
vor dem Inkrafttreten des ATSG sowie der nachfolgenden Teilrevisionen des IVG und der IVV
begonnen hat - zur Diskussion steht die Aufhebung einer Rente, die dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 1999 ab dem
1.
Juni 1998 zugesprochen und in den Jahren 2001, 2004, 2007 und 2011 jeweils bestätigt worden war - und die Verfügung eine
Dauerleistung betrifft,
ist entsprechend der dar
gelegten intertemporalrechtlichen Regelung
für die Zeiten bis Ende 2002 auf die damals gültig gewesenen
Bestimmungen
und für die Zeiten ab dem
1.
Januar 2003,
a
b dem
1.
Januar 2004, ab dem
1.
Januar 2008 und ab dem
1.
Januar 2012 auf die jeweils neuen Normen
des ATSG sowie
der Revisionen 4, 5 un
d 6a abzustellen (vgl. zur
4.
IV-Revision:
BGE 130 V 445
; Urteil des
Bundesgerichts I
428/04 vom
7.
Juni 2006, E.
1).
Soweit je
doch die
neuen Gesetzesartikel
keine substanziellen Änderungen gegenüber der früheren Rechtslage gebracht haben, ist die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend (Urteil des Bun
desgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009, E. 2).
Im Folgenden werden die aktuell gültigen Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen zitiert, soweit nicht ausdrücklich auf früher gültig gewesene Fassung
en
verwiesen wird.
2.
2.1
2.1.1
Invalidität ist
nach
Art.
8
Abs.
1 ATSG
die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbs
unfähigkeit
.
Sie kann
nach Art. 4 Abs. 1 IVG
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall sein.
Erwerbsunfähigkeit
wird in
Art.
7
Abs.
1 ATSG definiert als
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arb
eitsmarkt.
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
gemäss
Art.
7
Abs.
2 ATSG
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen
(Satz 1), und e
ine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Satz 2).
2.1.2
Im Hinbl
ick auf das Erfordernis in
Art.
7
Abs.
2
Satz 2 ATSG hatte das Bundes
ge
richt die Arbeitsunfähigkeit bei bestimmten Leiden seit dem Jahr 2004 nach besonderen Grundsätzen beurteilt. Es hatte diese Leiden unter dem Begriff der p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromale
n
Beschwerdebilder ohne nach
weisbare organische Grundlage
zusammengefasst und festgestellt, es seien dies Störungen,
die sich hinsichtlich ihrer invalidisierenden Wirkung einer objektiven Beurteilung weit
gehend entzögen
, weil sie
in erster Linie
auf den Angaben der Patienten basier
t
en
(BGE 139 V 547 E. 5.9
mit Hinweis auf BGE 130 V 352
). Das Bundesgericht war weiter zum Schluss gelangt, dass solche Störungen keinen
direkten Nachweis einer anspruchsbegründen
den Arbeitsunfähigkeit erlaubten und der Nachweis daher indirekt, g
estützt auf Indizien, zu erbrin
gen sei, wobei bei Beweis
losigkeit vermutet werde, dass sich der geklagte
Gesundheitsschaden nicht invali
disierend auswirke (
BGE 139 V 547 E. 7.2 und E. 8.1).
Für diesen Nachweis hatte das Bundesgericht in Anlehnung
an eine bestimmte medizinisch
e Lehrmeinung
(vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 mit Hinweis auf Klaus Foerster, Begutachtung und Erwerbsfähigkeit bei Patienten mit psychogenen Störungen, SZS 1996 S. 486
ff.) besondere Kriterien aufge
stellt, die in gewisser Ausprägung und Zahl erfüllt sein mussten (BGE 137 V 64 E.
4.1). Als
Haupt
krite
rium hatte das Bundesgericht eine psychische Komorbidität genannt, also die
Diagnose einer weiteren, von der
pathogenetisch
-ätiologisch
unklaren Stö
rung
zu unterscheidenden psychischen Krankheit von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dau
er. Für den Fall des Fehlens einer
psychischen Komorbidität
hatte das Bundesgericht
weitere Faktoren
bezeichnet
, die bei entsprechender Intensität auf eine Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit hatten hinweisen können
, nämlich chronische körperliche Begleiterkrankungen und ein
en mehrjährigen
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung, ein
en ausgewiesenen sozialen
Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein
en verfestigten
, the
rape
utisch nicht mehr angehbaren in
nerseelischen
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung (sogenannter primärer Krankheitsgewinn, "Flucht in die Krank
heit") sowie unbefriedigende Ergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter oder stationärer Behandlungs- oder Rehabilitationsbemühungen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versic
herten Person (BGE 139 V 547 E. 9.1.1, 137 V 64
E.
4.1, 131 V
49 E.
1.2, 130 V 352 E.
2.2.3).
Ursprünglich hatte das Bundesgericht diese Kriterien für die Diagnose der
an
haltenden so
matoformen Schmerzstörung (Code
F45.4 der Internationalen Klassi
fikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10)
ent
wickelt, später hatte es sie auf alle p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
Be
schwerdebilder im dargelegten Sinne ausgedehnt (vgl. die Kasuistik in BGE 140 V 8 E.
2.2.1.3, 139 V 547 E. 2.2). Das
Bundesge
richt hatte den Kriterien norma
tiven Charakter zugeschrieben und dazu festgehalten, der ursprüngliche Katalog fachpsychologischer Prognosekriterien habe
sich zu einem rechtlichen Anfor
derungsprofil verselbständigt (vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 und E. 7.2).
2.1.3
Im Grundsatzurteil vom
3.
Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat das Bundesgericht entschieden, an der bisherigen Rechtsprechung zu den
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklaren
syndromalen
Beschwerdeb
ildern ohne nachweisbare organi
sche
Grundlage nicht länger festzuhalten
und die sogenannte Überwindbar
keitsver
mutung aufzugeben. Stattdessen
hat das Bundesgericht unter Auf
stellung von Standardindikatoren ein neues Prüfungsraster entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen solcher Beschwerdebilder zu ermitteln sind. Es präsentiert sich wie folgt
(BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E.
6):
-
Kategorie „fu
nktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnos
erelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserf
olg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, p
ersönliche
Res
sourcen
)
-
Kompl
ex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesich
tspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewi
esener Lei
densdruck.
Dieses
Raster verzichtet insbesondere auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und auf die Bedeutung der psychia
trischen Komorbidität als Haupt
kriterium (vgl. BGE 141 V 281 E. 6). Hingegen schreibt das Bundesgericht dem neuen Raster wiederum normativen Charakter zu, weist jedoch darauf hin, dass es die Aufgabe der medizinischen Fach
personen sei, innerhalb der ein
schlägigen Indikatoren das Leistungsvermögen einzuschätzen (v
gl. BGE 141 V 281 E. 5.1 und E.
5.2). Des Weiteren müssen die funktionellen Einschränkungen nach wie vor mit überwiegender Wahrscheinl
ichkeit nachgewies
en sein - nun
mehr anhand der neuen Standardindikatoren -, und es ist die versicherte Per
son, welche die
Beweislast dafür trägt (vgl. BGE 141 V 281 E. 6).
2.1.4
In einem weiteren Schritt hat das Bundesgericht die Anwendbarkeit der
Standard
indikatoren
schliesslich auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt (BGE 143 V 418 E. 7, BGE 143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5).
2.1.
5
Von vornherein nicht als relevant im Sinne des Invalidenversicherungsrechts gelten geklagte Beschwerden insoweit, als sie
aggraviert
werden, also als stärker beeinträchtigend dargestellt werden, als sie tatsächlich sind beziehungsweise empfunden werden. Hinweise für eine Aggravation erblickt das Bundesgericht etwa darin, dass
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeig
ten Verhalten oder der Anamnese besteht, dass
intensive
Schmerzen angegeben werden, die jedoch nur vage charakterisiert werden, dass
Klagen
in einer Weise demonstrativ vorgetragen werden, die unglaubwürdig wirkt, dass keine
medizinische
n
Behandlung
en in Anspruch genommen werden
und dass
schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfe
ld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 141 V 281 E. 2.2 und E. 3.7.1, 131 V 49).
2.2
Gemä
ss
Art.
28
Abs.
2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze R
ente, wenn sie mindestens zu 70
%
, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60
%
, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50
%
oder auf e
ine
Viertelsrente
, wenn sie min
destens zu 40
%
invalid sind. Bis Ende 2003 war der A
nspruch auf eine ganze Rente be
reits bei einem Invaliditätsgrad von 66
2
/
3
%
und der Anspruch auf eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad zwischen 50
%
und unter 66
2
/
3
%
gegeben, wogegen die
Dreivier
telsrente
noch nicht ein
ge
führt gewesen war (vgl.
Art.
28
Abs.
1 IVG in der bis Ende 2003 in Kraft gewe
senen Fassung).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist d
er Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG (
in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG) aufgrund eines Ei
nkommensver
gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei a
usgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in B
eziehung gesetzt zum Erwerbsein
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (so
genanntes
Valideneinkommen
).
2.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Erheblich ist rechtsprechungsgemäss
jede Änderung
in den persönlichen Verhält
nissen der versicherten Person, die zu einer Über- oder Unterschreitung eines Schwellenwertes der Rentenabstufung führt (vgl. BGE 133 V 545 E. 6.3 und E. 7, unter anderem mit Hinweis auf BGE 130 V 343
)
. Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, so besteht nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung keine Bindung mehr an das Mass der übrigen, unverändert gebliebenen Parameter, die dem vorange
gangenen rechtskräftigen Entscheid
zugrundegelegt
worden sind. Vielmehr ist der Rentenanspruch
diesfalls
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei und umfassend zu prüfen (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3, 117 V 198 E. 4b, je mit Hinwei
sen)
.
Unerheblich unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten ist
dagegen nach der Rechtsprechung die unterschiedliche Beurteil
ung eines im
wesentlichen
unver
ändert gebliebenen Sachverhaltes (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Fr
age, ob sich der Invali
di
täts
grad im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG erheblich geändert hat, gilt die letzte rechtskräftige Verfügung - bei einer Bestätigung der bisherigen Rente auch die Mitteilung nach
Art.
74
ter
lit
. f IVV und
Art.
51 ATSG - welche
auf einer materiellen Anspruchs
prüfung mit rechtskonformer Sachverhaltsabklä
rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des G
esund
heitszustands) beruht (Urteile des Bu
ndesgerichts 9C_52/2016 vom 2
3.
März
2016 E. 3.1, 9C_213/2015 vom
5.
November 2015 E
. 4.3.2 und 8C_162/2015 vom 3
0.
September 2015 E. 2.1, je mit Hinweis auf die mit Urteil vom
6.
November 2006 geänderte Rechtsprechung in BGE 133 V 108).
2.4
Der Grundsatz, wonach eine Sachverhaltsänderung nachgewiesen sein muss,
damit eine formell rechtskräftig zugesprochene Rente erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben werden kann, gilt dann nicht, wenn die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision oder für eine Wiedererwägung erfüllt sind.
Nach
Art.
53
Abs.
1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Ein
spracheentscheide
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen ent
deckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (sogenannte prozessuale Revision im Gegensatz zur Revision aufgrund verän
derter Verhältnisse). Ferner bestimmt
Art.
53
Abs.
2 ATSG, dass der Versiche
rungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
zurückkommen kann, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (sogenannte Wiedererwägung).
Was das Invalidenversicherungsrecht im Beso
nderen betrifft, so kann das Ge
richt dort, wo es bei der Überprüfung einer Revisionsverfügung feststellt, dass zwar die Voraussetzungen für eine Revision zu verneinen sind, dass hingegen die Voraussetzungen für eine Wiedererwägun
g gegeben sind, die rentenherab
setzende oder -aufhebende Verfügung mit dieser substituierten Begründung schützen (vgl. BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Zweifellose Unrichtigkeit im Sinne der Wiedererwägungsvoraussetzung verlangt, dass
kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit
der Verfügung besteht; massgebend ist die
Rechts
lage
, einschliesslich der Rechtspraxis,
im Zeitpunkt des Verfügungserlasses (BGE 140 V 77
E. 3.1 mit Hinweisen; Urteil des Bun
desgerichts 9C_566/2016 vom 1
9.
April 2017 E. 2.2). Kein vernünftiger Zweifel kann in der Regel dann bestehen,
wenn eine
Leistungszusprache
aufgrun
d falscher Rechtsregeln erfolgt ist
oder
wenn massgebende
Be
stimmungen
nicht oder unricht
ig angewandt worden sind. Eine unrichtige Anwendung einer Gesetzesbestimmung liegt auch dort vor, wo der Sachverhalt
in klarer
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
im Sinne von
Art.
43
Abs.
1 ATSG unvollständig abgeklärt worden ist
(BGE 140 V 77
E. 3.1 mit Hinweisen; Urteile des Bun
desgerichts 8C_280/2017 vom 2
8.
Juli 2017 E. 2.3 und
9C_566/2016 vom 1
9.
April 2017 E. 2.2). Dort wo hingegen Anspruchsvoraussetzungen zur Diskussion ste
hen, deren Beurteilung notwendi
gerweise Ermessenszüge aufweist, scheidet die
Annahme zweifelloser Unrichtig
keit aus, soweit bei der Beurteilung der einzelnen Schritte das Ermessen vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der
damaligen Leis
tungszusprechung in vertretbarer Weise ausgeübt worden ist (vgl. Urteile des Bu
ndesgerichts 8C_381/2017 vom
7.
August 2017 E. 2 und 8C_280/2017 vom 2
8.
Juli 2017 E. 2.3).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Rente des Beschwerdeführers mit der angefochtenen Verfügung vom
3.
Mai 2017 zu Recht auf eine halbe Rente herabgesetzt hat.
Die Zulässigkeit der Rentenherabsetzung hängt
grundsätzlich
davon ab, dass entweder eine Änderung im Sachverhalt eingetreten ist oder
sich die ursprüngliche Rentenzu
sprechung als zweifellos unrichtig erweist. Da die ordentliche Rentenrevision aufgrund einer Sachverhaltsänderung vorrangig ist gegenüber der substituierten Begründung der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfügung, ist zunächst die Frage nach einer rentenrelevanten Veränderung zu prüfen.
3.2
3.2.1
Als massgebende Vergleichsbasis für die Prüfung einer Veränderung fällt
zum einen der Sachverhalt zur Zeit der rentenzusprechenden Verfügung vom 1
4.
Oktober 1999 in Betracht (
Urk.
10/30)
,
und zum andern kommen die Sachverhalte in Frage, wie sie zur Zeit der Mitteilungen über die Bestätigung der bisherigen Rente vom 1
9.
Juli 2001 (
Urk.
10/35), vom
2.
September 2004 (
Urk.
10/42), vom 1
3.
Dezember 2007 (
Urk.
10/50), vom 1
1.
Janua
r 2011 (
Urk.
10/61) und vom 14.
Mai 2014 (
Urk.
10/68) bestanden haben.
3.2.2
Das Bundesgericht hat Abklärungen, die lediglic
h in der Einholung von Verlaufs
berichten bei den behandelnd
en Ärzten bestanden hatten, ver
schiedentlich als zu oberflächlich für eine rechtskonforme, eine taugliche V
er
gleichsbasis schaffende Sachverhaltserhebung im Si
nne des Grundsatzurteils in BGE
133 V 108 beurteilt (Urteile des Bundesgericht 9C_52/2016 vom 2
3.
März 2016 E. 3.2 und 9C_213/2015
vom
5.
November 2015 E. 4.3.3).
Der letztmaligen Rentenbestätigung vom 1
4.
Mai 2014
(
Urk.
10/68)
liegen die Angaben vom
2
3.
Januar 2014
im Fragebogen für die Rentenrevision zugrunde,
die der Hausarzt
Dr.
B._
eingetragen oder
zumindest mit seinem Stempel und seiner Unterschrift bestätigt hat (
Urk.
10/63/1-3). Wie aus dem Feststellu
ngsblatt
ersichtlich ist, hielt es
der RAD-Arzt
Dr.
med.
S._
aber
explizit nicht für angezeigt, weiter
e
Abklärungen durchzuführen (Urk.
10/67/2).
D
ie Rentenbestätigung vom 1
4.
Mai 2014 stellt daher keine taugliche Vergleichsbasis im Sinne der zitierten Rechtsprechung dar. Gleich verhält
es sich mit der Rentenbestätigung vom 1
1.
Januar 2011 (
Urk.
10/61), denn auch sie basiert nur a
uf den hausärztlich bestätigten
Angaben (vom 2
3.
Dezember 201
0) im Revisionsfragebogen (Urk.
10/57) und wiederum auf einer kurzen S
tellungnahme des RAD-Arztes Dr.
S._
, wonach eine medizinische Neubeurte
ilung nicht angezeigt sei (Urk.
10/60/2). Nicht anders ist schliesslich in Bezug auf die Mitteilungen vom 1
3.
Dezember 2007 (
Urk.
10/50), vom
2.
September 2004 (
Urk.
10/42) und vom 1
9.
Juli 2001 (
Urk.
10/35) zu entscheiden.
Im Jahr 2007 holte die Beschwerdegegnerin zwar
zusätzlich zu
den Angaben im
Fragebogen (
Urk.
10/45) bei Dr.
B._
den Verlaufsbericht vom
6./
7.
Dezember 2007 ein (Urk.
10/48)
,
dieser ist jedoch sehr knapp gehalten, und dasselbe gilt für die Verlaufsberichte
vom 27.
August 2004 (
Urk.
10/40) und vom 2
3.
April 2001 (Urk.
10/34), welche die Beschwerdegegnerin anlässlich der Revisionen in den Ja
hren 2004 und 2001
neben
den Angaben in den Fragebogen (
Urk.
10/39 und
Urk.
10/33) einholte.
3.2.3
Massgebende Vergleichsbasis ist daher die ursprüngliche
,
rentenzusprechende Verfügung vom
1
4.
Oktober 1999
,
währenddem
die
späteren
,
r
entenbestätigenden Mitteilungen für den Vergleich unerheblich sind.
3.3
3.3.1
Der rentenzusprechenden Verfügung vom 1
4.
Oktober 1999 lag in medizinischer Hinsicht das
polydisziplinäre
Gutachten des
E._
vom 1
1.
Februar 1999 zugrunde (
Urk.
10/22
).
Dr.
G._
analysierte die verschiedenen radiologischen Aufnahmen der Wirbelsäule, die das
C._
angefertigt hatte (
Urk.
10/22/10-11)
,
stellte aus
orthopädisch-chirurgischer Sicht
die Diagnose eines
lumbospondylogenen
Syndroms bei degenerativen Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule mit Generalisierungstendenz und führte dazu näher aus, die eher mässigen degenerativen Veränderungen könnten, selbst wenn sich dazu eine kleine Diskushernie geselle, das ganze
Verhalten des Beschwerdeführers -
mit stärksten
Abwehrmechanisme
n und Schmerzäusserungen (
Urk.
10/22/9) -
und das geklagte Beschwerdebild nicht erklären (
Urk.
10/22/11).
Dr.
H._
bestätigte von Seiten
des neurologischen Fachgebietes eine degenerative Raumforderung leichten Grades im Bereich der unte
ren Lendenwirbelsäule und hielt eine intermittierende
radikuläre
Reizung für wahrscheinlich, ohne dass er aktuell
radikuläre
Ausfallsymptome feststellen konnte. Dementsprechend lautete seine Diagnose auf eine chronische
Lumboischialgie
(
Urk.
10/22/13).
Der Psychiater
Dr.
I._
schliesslich
befand die kognitiven Funktionen als uneingeschränkt und konnte ausser einem gestörten Appetit auch keine depressive Symptomatik beobachten. Hingegen beschrieb er den Beschwerdeführer als labil im Affekt und deutlich
histrionisch
(
Urk.
10/22/14) und stellte
eine starke Fixierung auf die Schmerzen
fest
, die als sehr gravierend erlebt würden (
Urk.
19/22/15).
Er bezeichnete diese Symptomatik als typisch psychosomatisch, was ihn zur Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung auf der Grundlage einer
histrionischen
Persönlichkeitsstörung führte
(
Urk.
10/22/16).
3.3.2
In der Zeit
zwischen der Begutachtung durch
das
E._
und dem Erlass der re
ntenzusprechenden Verfügung vom 1
4.
Oktober 1999 sind
keine medizinischen Abklärungen oder Vorkehren und somit auch keine Veränderungen dokumentiert. Für die Frage nach einer Sachverhaltsänderung seit dem Erlass der Verfügung vom
1
4.
Oktober 1999
ist daher in medizinischer Hinsicht der Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers zur Zeit der
Begutachtung durch das
E._
massgebend für den Vergleich
.
3.3.3
3.3.3.1
Eine
körperliche
Veränderung ist zweifellos mit der Tumorerkrankung im Jahr 201
5 eingetreten.
M
it ihr und den
Vorakten
hierzu setzten sich Prof.
O._
und seine Mitarbeiter im
pneumologischen
Fachgutachten der Guta
chtenstelle
J._
auseinander.
Dabei waren die Untersuchungsergebnisse der Spiroergometrie und der Lungenfunktionsprüfung mangels ausreichender Kooperation nicht verwertbar; aufgrund der Aktenanamnese gingen
die Gutachter jedoch von
einer
Verbesserung der Lungenfunktion
seit der Operation
und
vom
Erfahrungswert einer etwa 15%igen Verschlechterung der Sauerstoffaufnahme nach einer Lobekt
omie aus (
Urk.
10/111/105-108).
3.3.3.2
Da
s
Gutachten
der Gutachtenstelle
J._
deutet
sodann
auch
auf
gewisse
weitere
somatische
Veränderungen im Zeitverlauf
hin, ungeachtet dessen, dass
Dr.
B._
den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in den Verlaufs- und Formularberichten
, die er anlässlich der
amtlichen Rentenrevisionen im Zeitraum
von
2001 bis 2014
verfasst hatte
,
jew
eils als unverändert bezeichnet
hatte
(
Urk.
10/34/1, Urk.
10/4
0/3,
Urk.
10/48/7 und
Urk.
10/57/1
; vgl. auch
Urk.
10/63/1-3).
W
ährend
Dr.
N._
als Fachgutachter der Rheumatologie
rein von Seiten seines Fachgebietes weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes erkennen konnte (
Urk.
10/1
11/91), erhob der Neurologe Dr.
M._
Befunde im Bereich der Hals-
und der Lendenwirbelsäule (Urk.
10/111/100-103), die in der Gesamtbeurteilung als Verschlechterung gegenüber den gutachterlich erhobenen Befunden des Jahres 1999 gewertet wurden (
Urk.
10/111/
9-12
).
Tatsächlich hatten sich die somatischen Diagnosen im Gutachten des
E._
auf die Lendenwirbelsäule beschränkt, wogegen
Dr.
M._
nunmehr auch Diagnosen stellte, die sich auf die Halswirbelsäule bezogen, nämlich eine zervikale Myelopathie und ein
zervik
obrachiales
Schmer
zsyndrom (Urk.
10/111/101-102).
Es
ist allerdings augenfällig, dass die neu
rologischen Abklärungen von Dr.
M._
viel umfassender waren als diejenigen, die
Dr.
H._
im Jahr 1999 getroffen hatte; insbesondere
hatten
damals
im Gegensatz zum Jahr 2016
(vgl.
hierzu
Urk.
10/111/55-56 und
Urk.
10/111/100-101)
nur radiologische Aufnahmen der Lenden- und der Brustwirbelsäule, nicht aber der
H
alswirbelsäule
vorgelegen
(vgl.
Urk.
10/22/10-11),
und
es waren
keine neurophysiologischen Untersuc
hungen
(Elektroneurographie und
Elektromyographie
; vgl. Urk.
10/111/
52-54 und
Urk.
10/111/
100
)
durchgeführt worden
. Da der Beschwerdeführer aber schon damals auch über Nackenbeschwerden
geklagt hatte (
vgl.
Urk.
10/22/8-9), ist
gut denkbar
, dass die neu erhobenen Befunde zumindest teilweise bereits damals vorhanden gewesen waren, jedoch erst im Zuge der detaillierten Abklärungen des J
ahres 2016 zu Tage traten
. Und soweit die Gutachter der Gutachtenstelle
J._
nicht nur
in Bezug auf
die Halswirbelsäule, sondern auch in Bezug auf
die Lendenwirbelsäule
von einer Verschlechterung ausgin
gen und dies damit begründeten, dass
ein intermittierendes
lumbor
adikuläres
S1
Schmerzsyndrom rechts nicht auszuschliessen sei (
Urk.
10/111/11
und Urk. 10/111/100-
101), so hatte
Dr.
H._
schon im Jahr 1999 von einer intermittierenden
radikulären
Reizung aufgrund von Veränderungen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule gesprochen (
Urk.
10/22/13). Da diese Veränderungen
aktuell jedoch als deut
licher ausgeprägt beschrieben wur
den -
Diskusbulging
mit
rezessalem
Kontakt zu den L5- und den S1-Nervenwurzeln beidseits im Jahr 2016 (
Urk.
10/111/101) im Vergleich zu einer höchstens leichten Einengung des
Rezessus
vo
n S1 im Jahr 1995 (
Urk.
10/22/10
) und einer nur linksbetonten
Ein
engung
im Jahr 1997 (
Urk.
10/22/11) -, erscheint die Annahme einer gewissen Verschlechterung als einleuchtend.
3.3.3.3
Aus somatischer Sicht hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers somit
bis zur Begutachtung durch die Gutachtenstelle
J._
auf jeden Fall nicht verbessert, sondern
entsprechend der interdisziplinären Beurteilung der Gutachter
in verschiedener Hinsicht tendenziell verschlechtert.
3.3.4
Der psychiatrischen Fachgutachter
Dr.
L._
sodann
konnte
wie
Dr.
I._
keine depressive Symptomatik feststellen, und im
Gegensatz zu
Dr.
I._
konnte er auch
keine Auffä
lligkeiten im Affekt
und keine
his
trionischen
Verhaltensweisen beobachten (
Urk.
10/111/72-74
).
Dementsprechend stellte er die
frühere
Diagnose einer
histrionischen
Persönlichkeitsstörung
(
ICD-10
Code F60.4)
nicht (Urk.
10/111/79). Hingegen ging er
nach wie vor von einer psychisch bedingten Schmerzstörung aus, qualifizierte diese jedoch aufgrund der
zahlreicher
en
somatischen Korrelate nicht mehr als anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD
10 Code F45.4), sondern als chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 Code F45.41;
Urk.
10/111/
74-76).
Trotz des Fehlens einer weiteren psychiatrischen Diagnose wie derjenigen einer Persönlichkeitsstörung
stufte
Dr.
L._
die Schmerzstörung
als schwer ein und begründete dies mit dem hohen
Chronifizierungsgrad
, den bescheidenen Ressourcen, der Belastung durch den neu diagnostizierten malignen Lungentumor und die zusätzlichen neurologischen Befunde
(
Urk.
10/111/
79; vgl. auch
Urk.
10/111/
76+77)
.
Und was die Beobachtung betrifft, dass der Beschwerdeführer während der
Exploration keine Schmerzäusserungen zeigte (vgl.
Urk.
10/111/72),
so hielt Dr.
L._
fest, eine indifferente Äusserung zu den Schmerzen sei beim Auftreten somatoformer Störungen nicht selten (
Urk.
10/111/79).
In der Gesamtbeurteilung
qualifizierten die Gutachter die abweichende psychiatrische Diagnose
von
Dr.
L._
nicht als Zeichen einer Veränderung, sondern als Andersbeurteilung (
Urk.
10/111/12
+15
). Dies
ist in Bezug auf das Fehlen einer Persönlichkeitsstörung plausibel, denn es gehört zu den Merkmalen einer Persönlichkeitsstörung, dass sie bereits in der Kindheit oder Adoleszenz beginnt und
danach
mit stabilen Verhaltensmustern einhergeht (ICD-10, allgemeine Ausführungen zu den Codes F60-F69, zu den Codes F60-F62 und zum Code F60).
Demgegenüber ist die neue Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren anstelle der bisherigen Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung durch eine Veränderung begründet, nämlich dadurch, dass sich im Vergleich zu früher
ausgeprägtere
organische Korrelate für die geklagten Schmerzen fanden. Die Veränderung ist hier also
nicht primär im psychischen, sondern im somatischen Zustandsbild begründet, wie es vorstehend bereits erörtert worden ist
(vgl. E. 3.3.3.2)
.
Rein psychiatrisch muss somit
bis zur Begutachtung durch die Gutachtenstelle
J._
von weitgehend gleich gebliebenen Verhältnissen ausgegangen werden.
3.3.5
Dass
in der Zeit nach der Begutachtung durch die Gutachtenstelle
J._
vom Frühjahr/Sommer 2016 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
3.
Mai
2017
noch gesundheitliche Veränderungen eingetreten wä
ren, ist nicht ersichtlich.
Ins
besondere ergab eine Computertomographie des Thorax vom Oktober 2016
gemäss dem Bericht des
C._
vom
9.
Dezember 2016
keine Hinweise auf ein Tumorrezidiv, eine Metastase oder ein Zweitkarzinom
(Urk.
10/124/2), und die übrigen im Bericht festgehaltenen Symptome, wie
Kraftlosigkeit,
Atembeschwerden
und kalte Gliedmassen (
Urk.
10/124/1)
,
sind schon im Gutachten der Gutachtenstelle
J._
beschrieben (
vgl.
Urk.
10/111/87+96).
3.4
3.4.1
Es stellt sich die
Frage nach der
E
rheblichkeit der vorstehend dargelegten Veränderungen des Gesundheitszustands
in Form des
Lungenleiden
s
und
der
zusätzliche
n
Befunde der W
irbelsäule
.
3.4.2
Das Bundesgericht
hat wiederholt
wieder darauf hin
gewiesen
, dass für eine Rentenanpassung nicht bereits
„
irgendeine" Veränderung im Sachverhalt genüge
. Dort, wo
sich nicht der Gesundheitszustand, sondern nur das erwerbliche
Ar
beitspensum
geändert hat, verlangt das Bundesgericht dementsprechend, dass diese Änderung den Rentenanspruch
berührt
, und verneint einen Revisionsgrund, wenn die Änderung für sich allein nicht anspru
chsrelevant ist (BGE 141 V 9 E.
5.2 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_844/2016 vom
2.
März 2017 E. 6.2 u
nd 9C_223/2011 vom
3.
Juni 2011
E. 3.1 und E. 3.2)
. Und dort, wo
eine
Änderung in Form einer
hinzugetretene
n
oder weggefal
lene
n
Diagnose
vorliegt, stellt dies nach der Formulierung des Bundesgericht
s
ebenfalls
nicht per se einen
Revisionsgrund
dar
, da damit das quantitative Element der erheblichen Gesundheitsverbesserung oder -verschlechteru
n
g nicht zwingend ausgewiesen sei
(BGE 141 V 9 E. 5.2 mit Hinweisen;
Urteile des Bundesgerichts 9C_91/2018
vom
7.
Juni 2018 E. 4.2.2 und
8C_335/2015 vom 2
6.
August 2015 E. 3.1.2).
Auch hier findet sich zudem die Wendung, eine revisionsrechtlich relevante Gesundheitsverschlechterung oder -verbesserung bestehe nur dann, wenn der Rentenanspruch durch die hinzugekommene oder weggefallene Diagnose
berührt
werde (BGE 141 V 9 E. 5.2).
Wie die Beschw
erdegegnerin zutreffend zitiert hat
(
Urk.
9), erachtet es d
as Bundesgericht aber dann dort, wo ein Revisionsgrund zu bejahen ist, nicht
als
erforderlich, dass gerade die geänderte Tatsache zu einer Neufestsetzung der Invalidenrente
führt, sondern hält fest,
bei der allseitigen Prüfung des Rentenanspruchs
könne sich auch
ergeben, dass ein anderes Anspruchselement zu einer Herauf- oder Herabsetzung oder zu einer Aufhebung der Invalidenrente führe (Urteil 8C_668/2016 vom
5.
Dezember 2016 E. 5.2.2).
3.4.3
Die
beiden Aussagen
in Absatz 1 und Absatz 2 des vorherigen Abschnittes
stehen in einem Spannungsfeld zu
einander, indem in einem ersten Schritt für die Frage, ob überhaupt ein Revisionsgrund vorliegt, noch eine Bindung an die früheren Beurteilungen zu bestehen scheint und nur die Rolle des geändert
en Elementes zu beleuchten wäre
und erst bei Bejahung eines Revisionsgrundes in einem zweiten Schritt die Bindung an die früheren Beurteilungen aufzugeben wäre.
Ob die bundesgerichtliche Rechtsprechung tatsächlich
in allen Fällen
diese
Konsequenz hat
, braucht indessen
nicht abschliessend
beantwortet zu werden.
Denn in einem Fall wie dem vorliegenden, wo
die
Veränderung
ausschliesslich
in einer gesundheitlichen Verschlechterung
begründet ist,
kann
eine Rentenreduktion
oder Rentenaufhebung auch bei Qualifikation der Verschlechterung als
Revi
si
onsgrund aus Gleichbehandlungsgründen nur dann zulässig sein, wenn sich die ursprüngliche Zusprechung der Rente
beziehungsweise
d
er Rente in der bisherigen Höhe
im Sinne der Wiedererwägungsvoraussetzungen als zweifellos unrichtig erweist. Denn könnte eine gesundheitliche Verschlechterung ohne diese Schranke zu einer Rentenreduktion oder -aufhebung führen, so wären diejenigen Rentenbezüger, deren Gesundheitszustand sich verschlechtert, benachteiligt gegenüber den Rentenbezügern mit unverändertem Gesundheitszustand, deren Rente mangels Revisions- und Wiedererwägungsgrund unangetastet bleibt.
Die freie und umfassende Prüfung des Rentenanspruchs
für sich allein
kann in solchen Fällen also nur ei
ne Bestätigung oder Erhöhung der
bisherigen Rente zur Folge haben,
währenddem
eine Herabsetzung oder Aufhebung der Rente
ausschliesslich
dann statthaft sein kann
, wenn zusätzlich die
ursprüngliche Rentenverfügung
als
zweifellos unrichtig
zu qualifizieren ist
. Etwas
anderes
kann auch aus dem bereits zitierten Grundsatzurteil nicht abgeleitet werden, wo das Bundesgericht eine Rentenaufhebung
bestätigt hat, nachdem sich der Gesundheitszustand durch eine hinzugetretene Schulterproblematik verändert hatte. D
enn das Bundesgericht hat dort
die Schulterproblematik wohl als Revisionsgrund akzeptiert und demnach
zum Anlass für eine freie und umfassende Prüfung des Rentenanspruchs genommen (BGE 141 V 9 E. 5.3 und E. 6.1), die Rentenaufhebung hat es jedoch mit dem Argument bestätigt, dass trotz dieser Verletzung insgesamt eine gutachterlich attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eingetreten sei (BGE 141 V 9 E. 6.3.2).
3.5
3.5.1
Eine Herabsetzung der bisherigen ganzen Rente des Beschwerdeführers fällt demnach selbst bei Zulassung der zur Diskussion stehenden gesundheitlichen Verschlechterung
als Revisionsgrund
nur dann in Betracht, wenn die Voraus
set
zungen für eine Wiedererwägung - also zweifellose Unrichtigkeit und erhebliche Bedeutung der Berichtigung -
der rentenzusprechenden Verfügung vom 1
4.
Oktober 1999 gegeben sind. Dies ist aufgrund des Folgenden zu verneinen. Es kann daher
offen bleiben
, ob die gesundheitliche Verschlechterung
überhaupt als Revisionsgrund taugt,
ungeachtet dessen, dass sie nicht dazu geeignet ist, für sich allein zu einer Senkung des Invaliditätsgrades unter den Schwellenwert
für eine ganze Rente zu führen.
3.5.2
Die Gutachter des
E._
kamen im Februar 1999 zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Gipser oder Bauarbeiter aufgrund der radiologischen Befunde nicht mehr beziehungsweise nur noch zu weniger als 30
%
zumutbar sei (
Urk.
10/22/11+17). Aufgrund der psychiatrischen Diagnose eine
r
somatoformen Schmerzstörung
erachteten sie den Beschwerdeführer sodann auch in einer rückenadaptierten Tätigkeit nur noch
als zu 50
%
arbeitsfähig (Urk.
10/22/17).
Von dieser Einschätzung ging die Beschwerdegegnerin aus und legte der Invaliditätsbemessung in medizinischer Hinsicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten, leichteren Tätigkeit zugrunde (vgl. die Notizen vom 1
8.
Februar 1999,
Urk.
10/25).
Die Beurteilung im Gutachten des
E._
ist in Bezug auf die körperlic
h bedingte Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als Gipser ohne Weiteres einleuchtend.
Hingegen
entbehrt die
Annahme einer 50%igen psychisch b
edingten Einschränkung
für körperlich angepasste Arbeiten
einer Her
leitung, wie sie
unter der Herrschaft der aktuell geltenden Standardindikatoren
erwartet wird.
Es
ist
je
doch zu beachten, dass
diese Standardindikatoren im Jahr 1999 noch nicht entwickelt gewesen waren und dass sich auch die vorangegangen
en
Kriterien, welche auf der Vermutung einer Überwindbarkeit von psychosomatischen Beeinträchtigungen basiert hatten, erst mit einem Urteil aus dem Jahr 2004
konsolidert
hatten (BGE 130 V 352). Zur Zeit der Rentenzusprechung vom Oktober 1999 war die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Falle von psychosomatischen Leiden somit noch nicht in dem Masse vereinheitlicht und standardisiert, wie dies ab dem Jahr 2004 der Fall war.
Immerhin
galt ungeachtet dessen, dass
die explizite Regelung in Art. 7 ATSG
erst auf Anfang 2003 in Kraft trat, schon seit jeher, dass krankheitsfremde Faktoren bei der Bemessung der Arbeitsunfähigkeit auszuklammern sind. Dieser Anforderung kamen die Gutachter des
E._
aber n
ach, wenn sie zur Begründung der 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausführten, dem
Beschwerdeführer sei medizinisch-theoretisch eine Willensanstrengung zur teilweisen Überwindung seines psychischen Leidens zumutbar und die multiplen
invaliditätsfremden Faktoren, wie ungenügende Deutschkenntnisse eine bescheidene Schulausbildung und eine mangelnde berufliche Qualifikation, seien in der
Beurteilung nicht mitberücksichtigt worden (
Urk.
10/22/17).
Und vor allem gelangte der
psychiatrische Fachg
utachter
Dr.
L._
der Gutachtenstelle
J._
im Jahr 2016 bei grundsätzlich gleichgebliebenem psychischen Zustandsbild wiederum zu einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
für körperli
ch angepasste Tätigkeiten (Urk.
10/111/81)
, diesmal unter eingehender Diskussion der bundesgerichtlichen Standardindikatoren (
Urk.
10/111/
75-79).
Damit vermag das Abstellen auf die
im Jahr 1999
gutachterlich attestierte 50%ige Arbeitsunfäh
i
gkeit für körperlich angepasste Tätigkeit keine zweifellose Unrichtigkeit der Rentenzusprechung vom 1
4.
Oktober 1999 zu begründen.
3.5.3
3.5.3.1
Was die Invaliditätsbemessung betrifft,
so setzte die Beschwerdegegnerin das
Valideneinkommen
des massgebenden Jahres 1998 auf
Fr.
74'186.-- fest (Urk.
10/25).
Dieser Betrag liegt in der Nähe des Jahreslohnes von
Fr.
73'450.--, den der Beschwerdeführer gemäss den Angaben der
A._
vom Januar 1998 ab April 1996 erhalten hätte, wenn er gesund
gewesen wäre (13 x Fr.
5'650.
;
Urk.
10/6/2). Da der Beschwerdeführer bei Antritt dieser Stelle im November 1995 bereits gesundheitlich beeinträchtigt war (vgl.
Urk.
10/7/1), stellt sich die Frage, ob das
Valideneinkommen
richtigerwe
ise ni
cht aufgrund des Lohnes in demjenigen
Arbeitsverhältnis zu bemessen gewesen wäre, in d
em der
Beschwerdeführer vor dem Auftreten
der
Rückenbeschwerden zu Ende des Jahres 1994 gestanden hatte.
Im Auszug aus dem individuellen Konto sind indessen für jenes Arbeitsverhältnis mit
Y._
in den Jahren 1993 und 1994 Einkünfte von
Fr.
77'474.-- beziehungsweise von
Fr.
75'018.-- eingetrag
en (Urk.
10/5).
Das abweichende Vorgehen bei der Festlegung des
Valideneinkommens
würde somit zu einem höheren und nicht zu einem niedrigeren Wert führen.
Es ist daher i
m Hinblick auf den Invaliditätsgrad, der zu einer ganzen Rente berechtigt,
nicht als zweifellos unrichtig zu qualifizieren.
3.5.3.2
Das Invalideneinkommen von
Fr.
21'244.-- (
Urk.
10/25)
basiert auf dem Durchschnittswert der Jahres
löhne in drei konkreten Arbeitsstellen der Arbeitsplatzdoku
mentation der Suva (
Urk.
10/24), den die Beschwerdegegnerin aufgrund d
er nur noch 50%igen Arbeitsfähig
keit des
Beschwerdeführers halbiert hat.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
sind für eine zuverlässige
Bemessung des Invalideneinkommens anhand dieser Dokumentation die Angaben zu mindestens fünf realen Arbeitsplätzen notwendig, und diese fünf Stellen müssen zudem
repräsentativ für die Verhältnisse auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
sein
, was Angaben zur Gesamtzahl der
in Frage kommende
n d
okumentierten Arbeitsplätze
sowie zum Höchst-/
Tiefstlohn
und
Durchschnittslohn der
gesamten Gruppe nötig macht
(BGE 129 V 472 E. 4.2.2
).
Diesen Anforderungen genügte die Beschwerdegegnerin mit ihrem Vorgehen nicht
. Zum einen erging
jedoch
das zitierte Grundsatzurteil erst im Jahr 2003, weshalb eine Abweichung davon für sich allein nicht als zweifellos unrichtig zu beurteilen ist. Und zum andern
ergibt auch eine Plausibilitätsprüfung anhand der
T
abellen
der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
des
Bundesamt
es für Statistik (
vgl. BGE 126 V 75 E. 3b mit Hinweisen
)
kein Ergebnis, welches das Invalideneinkommen von
Fr.
21'244.-- als zweifellos unrichtig erscheinen lassen würde.
So betrug
der Zentralwert (Lohn, über dem bez
iehungsweise unter dem sich 50
%
aller Lohnangaben befinden) des monatlichen Bruttolohnes
(inklusive Anteil des 1
3.
Monatslohnes), den männliche Arbeitnehmer im
Privaten Sektor in der Anforde
rungskategorie 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) bei 40
Wochenstunden erzielten, im Jahr 1998
Fr.
4’268.-- (
LSE 1998 S. 25 Tabelle TA1). Unter Berücksichtigung der
durchschnittlichen betriebsüblichen Arbeitszeit von
41,9 Stunden pro Woche
(vgl. Die Volkswirtschaft - Das Magazin für Wirtschaftspolitik 7
-2001,
S. 96 Tabe
lle B
9.2)
resultiert
ein
monatlicher Zentralwert von Fr.
4'4
71.--. Die Hälfte des Jahreswertes von
Fr.
53'652.-- (12 x
Fr.
4'471.--)
beträgt
Fr.
26'826.--, und der Wert von
Fr.
21'244.-- entspricht einer Reduktion des Betrages von
Fr.
26'826.-- um rund 21
%
.
Dieser Wert ist daher vereinbar mit der
Rechtsprechung, wonach der lohnmässigen Benachteiligung
aufgrund der
g
esundheitlich
en
B
eeinträchtig
ung sowie aufgrund von weiteren
persönlichen und beruflichen Merkmalen
durch eine Herabsetzung des
tabellarisch ermitte
lten Lohnes um maximal 25
%
Rechnung zu tragen ist (
vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.3 mit Hinweisen
).
3.5.3.3
Sind somit das Validen- und das Invalideneinkommen für sich allein nicht zweifellos unrichtig, so ist es auch der daraus resultierende I
nvaliditätsgrad von 71
%
nicht.
3.5.4
Damit ist die zweifellose Unrichtigkeit der
ursprünglichen, rentenzusprechenden Verfügung vom 1
4.
Oktober 1999 zu verneinen, und die Voraussetzungen für deren Wiedererwägung sind
somit
nicht gegeben. Eine Herabsetzung der damals zugesprochenen ganzen Rente verbietet sich deshalb aufgrund der vorstehenden rechtlichen Darlegungen (E. 3.4.3 und E. 3.5.1).
A
uf die Ausführungen in der Beschwerdeschrift zur Höhe des Validen- und des Invalideneinkommens (
Urk.
1 S. 4 ff.)
ist daher
nicht mehr näher einzugehen.
3.6
Anzufügen bleibt, dass auch
eine
- von den Revisions
- und
Wiedererwägungs
voraussetzungen
unabhängige -
Rentenherabsetzung in Anwendung von
lit
. a
der Schlussbestimmungen zur Änderung des IVG v
om 1
8.
März 2011
ausser
Betracht fällt. Denn als die Beschwerdegegnerin die zur Diskussion stehende Rentenrevision im Frühjahr 2015 einleitete, war der Beschwerdeführer bereits seit
mehr als 15 Jahren Rentenbezüger, und eine Rentenherabsetzung nach l
it. a
Abs.
1
SchlB
IVG
konnte daher gestützt auf
l
it. a
Abs.
4
SchlB
IVG nicht mehr erfolgen.
3.7
Damit ist die angefochtene Renten
herabsetzungsverfügung vom
3.
Mai 2017 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.
4.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende
Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 700.--
festzusetzen.
5.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person An
spruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 8 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien recht
fertigt es sich, dem Beschwerde
führer eine Prozessentschädigung von
Fr.
2'200.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.