Decision ID: d6f46369-197c-4a0c-9394-730f86e9bf3e
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
Die im Jahre 1966 geborene
X._
ist gelernte
Damencoiffeuse
und verfügt über einen Handelsschulabschluss.
Seit 1998 war sie mehrheitlich
kaufmännisch tätig, zuletzt seit dem
1.
Mai 2003 als Verwaltungsassistentin beim
Z._
(
Urk.
8/32,
Urk.
8/4). Infolge psy
chi
scher Beschwerden sowie einer seit 2000 bestehenden HIV-Infektion musste sie die angestammte Tätigkeit per
4.
Januar 2011 niederlegen und mel
dete sich in diesem Zusammenhang am 2
2.
Dezember 2011 bei der
Sozialversi
cherungs
an
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/4).
Mit Mit
teilung vom 2
5.
Juli 2012 wurde im Rahmen von
Integrati
onsmassnahmen
Kos
ten
gutsprache
für ein Aufbautraining
bei der
A._
GmbH
erteilt (
Urk.
8/33).
Als Ziel wurde das Erreichen einer stabilen 50%igen Arbeitsfähigkeit nach sechs Monaten definiert (
Urk.
8/38). Im Dezember 2012 verneinte der bisherige Ar
beitgeber der Versicherten
auf Anfrage
die Möglichkeit eines
Arbeitsver
su
ches
nach Beendigung des Aufbautrainings per Ende Januar 2013
und kündigte
das Arbeitsverhältnis (
Urk.
8/52). Mit Mitteilung vom 2
9.
Januar 2013 wurde das
Aufbautraining um
vier
Monate verl
ängert
bei gleicher Zielsetzung (
Urk.
8/53,
Urk.
8/58).
Aufgrund einer Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes der Versicher
ten wurde die berufliche Massnahme am
1.
März 2013 abgebrochen
und die
Ren
t
enprüfung
eingeleitet (
Urk.
8/67). In der Zeit vom 1
1.
März bis 1
8.
April 2013 wurde die Versicherte stationär im Sanatorium
B._
behandelt (
Urk.
8/74). Mit Vorbescheid vom 1
7.
Juli 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten für die Monate Juni und Juli 2012 sowie für die Zeit ab
1.
März 2013 die Ausrichtung
einer
Dreiviertel
srente
in Aussicht (
Urk.
8/83) und hielt an diesem Entscheid nach
weiteren Abklärungen mit Verfügungen vom
7.
Februar 2014 fest (
Urk.
8/114 ff.
=
Urk.
2). Mit Schreiben vom 1
8.
Februar 2014 teilte die BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich mit, dass sie die Berufsinvalidität gestützt auf eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit auf 100
%
eines vollen Pensums festsetzen würden (
Urk.
3/4).
2.
G
egen
die Verfügungen vom
7.
Februar 2014
erhob die Vertreterin der Versi
cher
ten am 1
1.
März 2014 Beschwerde und beantragte, es sei der Beschwerde
füh
rerin eine ganze Rente zuzusprechen; unter Kosten- und
Entschädigungsfol
gen
(
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
5.
April 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin mit Schrei
ben vom 2
9.
April 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit
Art.
8
ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und da
mit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten
Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das
Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen
ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem aus
geglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist.
Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsun
fähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alter
s
jahres folgt (
Abs.
1).
Der Anspruch entsteht nicht, solange die versi
cherte Per
son ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2).
Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Abs.
3).
Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die entspre
chen
den Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraus
setzung ist auch von Angehörigen zu erfüllen, für die eine Leistung be
ansprucht wird (Abs. 4)
.
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des
strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arzt
berichtes
ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den
berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
me
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Ex
per
ten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c, je mit Hinwei
sen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtenen Verfügungen damit, dass
der Beschwerdeführerin ab Januar 2012 in einer angepassten Tätigkeit eine Ar
beitsfähigkeit von 50
%
zuzumuten sei. In einer kaufmännisch-adm
inistrati
ven Tätigkeit könn
t
e sie
dabei ein Einkommen von
Fr.
36
‘
528
.
--
erzielen, was bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
92‘320.-- zu einem Invaliditätsgrad von 60
%
führe (
Urk.
2/2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
ihre Mandantin ihr Möglichstes getan habe, um sich beruflich wie
der einzugliedern. Sie selbst, wie auch ihre behandelnden Ärzte, hätten zu Be
ginn des Jahres 2012 die Hoffnung gehabt, dass eine Teilzeitarbeit mit nicht zu hoher Belastung möglich sein könnte. Der Gesundheitszustand habe sich in der
Folge aber stetig verschlechtert, trotz psychotherapeutischer Behandlung seit Mai
201
2.
Weshalb die Beschwerdegegnerin von einer 50%igen Arbeitsun
fähigkeit ausgehe, sei nicht ersichtlich, vielmehr sei von einer solchen von 100
%
aus
zu
gehen (
Urk.
1).
2.3
Aufgrund der Anmeldung des Leistungsanspruchs im Dezember 2011 sowie der Integrationsmass
nahmen
samt Taggeldleistungen
in den Monaten August 2012
bis Februar 2013 ist vorliegend insbesondere die Arbeitsfähigkeit in den Mona
ten
Juni
(
frühest
möglicher Rentenbeginn sechs Monate nach Anmeldung; E.
1.2)
und
Juli 2012 sowie ab März 2013 zu prüfen.
3.
3.1
Im Zusammenhang mit der Prüfung von psychischen und kognitiven Defiziten wurde am Kantonsspital
C._
, Klinik für Neurologie, eine Abklärung in die
Wege geleitet. Die für den Bericht vom 3
0.
November 2011 verantwortlichen Fach
ärzte
hie
lten dabei fest, dass aus neuropsychologischer Sicht von einer bis
mittelschweren kognitiven und emotionalen Funktionsstörung ausgegangen werden müsse
,
mit sicherer Verschlechterung in den letzten zwei Jahren. Als Ur
sache
würde
n
neben einem HAND (HIV-assozi
i
ertes neurokognitives Defizit) und
Me
dikamentennebenwirkungen
auch metabolische, vaskuläre und psychi
a
tri
sche Faktoren oder eine Kombination
derselben
in Frage kommen. In erster Linie wür
den sie eine psychiatrische Abklärung und eine interdisziplinäre Be
hand
lung der psychischen Störung empfehlen (
Urk.
8/14 S. 8 ff.).
3.2
Dr.
med.
D._
, Oberarzt am Kantonsspital
C._
, Departement Innere Medizin,
Infektiologie
/Spitalhyg
i
ene, diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
9.
Februar 2012
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine HIV-Infektion CDC Stadiu
m B3,
Erstdiagnose
(
ED
)
1992 bei multiplen
Medikamentenun
ver
träg
lichkeiten
; multiple bis mittelschwere kognitive und emotionale Funktions
stö
rung
en
(Testung 2
9.
November 2011)
bei differenzialdiagnostischem
(DD) HAND,
vaskulär, metabolisch, bei Depression
; ein
en psychischen
Erschöpfungs
zu
stand, ED Januar 2011 bei Verdacht auf Depression sowie ein
en
chronische
n
Tinnitus links, ED ca. 2006.
Er führte aus, a
b Januar 2011 sei bis aktuell von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit auszuge
hen, wobei ein Arbeitsversuch bei 50
%
in geschütztem Rahme
n wohl denkbar sei. Auf längere Sicht scheine eine angepasste Tätigkeit bei einem Pensum von 50
%
realistisch (
Urk.
8/14 S. 5 ff.).
3.3
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnosti
zierte in seinem
Gutachten
vom 2
7.
April 2012
zu
Handen
des
Berufsvor
sorge
versicherers
eine mittelgradig depressive Epi
sode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10).
Aus gutachterlicher Sicht sei festzustellen, dass die Beschwer
de
führerin in den psychischen Fähigkeiten wie Durchhaltevermögen, Selbst
be
hauptung und Anwendung fachlicher Kompeten
zen schwer eingeschränkt sei. In der angestammten Tätigkeit sei aus psychiat
rischer Sicht aktuell von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Eine abschliessende Beurteilung
der Berufsunfähigkeit
sei noch nicht möglich, da eine ausreichende Behandlung noch nicht stattgefunden habe (
Urk.
8/17
/13-30 S. 15
).
3.4
Die für den Austrittsbericht des Sanatoriums
B._
(betreffend stationäre Behandlung vom 11. März bis 18. April 2013)
vom 1
9.
April 2013
ver
antwort
lichen Fachpersonen diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom, DD organisch
bedingt, bei multiplen bis mittelschweren kognitiven und emotiona
len Funktions
störungen sowie eine HIV-Infektion
CDC Stadium B2, ED Januar 199
2.
Aus psy
chia
trischer Sicht
erachteten
sie für eine angepasste Tätigkeit gege
benenfalls eine Tätigkeit von zwei Stund
en pro Tag als möglich (
Urk.
8/74).
3.5
In seinem Gutachten vom 2
8.
Juni 2013
zu
Handen
des
Berufsvorsorge
ver
si
che
rers
diagnostizierte
Dr.
E._
eine schwere depressive Episode, ohne psych
oti
sche
Symptome (ICD-10 F32.2), und führte aus, in
der ange
stammten Tätigkeit sei aus psychiatrischer Sicht aktuell von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehen. Eine abschliessende Beurteilung der Berufsun
fähigkeit sei noch nicht möglich, da etablierte Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft worden seien (
Urk.
8/89
S. 14 und S. 17 f.
).
3.6
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
, diagnosti
zier
te in seinem Bericht vom 1
4.
August 2013 ein schwer depressives
Zustands
bild
(ICD-10 F32.2),
eine
g
edanklich assoziative Lockerung
sowie ein
en
Ver
dacht
auf neurokognitive Defizite bei lang
jähriger HIV-Infektion und anti
retro
vi
raler Behandlung. Die Beschwerdeführerin stehe bei ihm seit Mai 2012 in Be
hand
lung. Im Anschluss an die stationäre Therapie sei sie regelmässig zur Thera
pie erschienen, wobei sich ihr Zustand langsam aber deutlich verschlechtert habe. Nach zwei Minuten Gespräch würden ihre Worte oft wir
r
und neologistisch. Über ihre assoziative Lockerung der Gedanken würde jede längere
Sprechse
quenz
bei verzweifelt-angstvollen Gedanken enden. Aktuell schätze er die Be
schwerdeführerin als zu 100
%
arbeitsunfähig ein, wobei er eine Verbesserung für wenig wahrscheinlich halte (
Urk.
8/95).
3.7
In seinem Schreiben vom 1
0.
Februar 2014 hielt
Dr.
E._
fest, dass gestützt auf den Bericht von
Dr.
F._
bis zum 1
4.
August 2013 eine Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes ausgeschlossen werden könne. Im Gegenteil: laut
Dr.
F._
habe sich eine stetige Verschlechterung ergeben (
Urk.
8/129
/1-2
).
3.8
Mit Bericht vom
3.
März 2014 hielt
Dr.
F._
an den bereits mit Bericht vom 1
4.
August 2013 gestellten Diagnosen fes
t. Differentialdiagnostisch sei eine
Misch
psychose
(ICD-10 F25) mit schwerer Depressivität und assoziativ gelo
cker
tem, ungeordnetem Denken bei organischer (Mit-) Verursachung in Betracht zu ziehen. Weiterhin sei ein Zerfall des Denkens nach wenigen Minuten der Dis
kussion festzustellen. Beachtlich sei dabei, dass es sich ja nicht um Sitzun
gen
mit „zufälligem“ Verlauf handle, sondern um ein hoch strukturiertes Set
ting. Nach
einer gewissen Zeit erfolge dann eine starke Ermüdung. Die Termine wür
den aktuell hauptsächlich der Stützung der Beschwerdeführerin sowie der Prä
ven
tion eines Suizides dienen. Seit 2012 habe sich der Zustand der Patientin weiter verschlechtert, so dass auch für einfache Tätigkeiten von einer vollstän
digen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (
Urk.
3/7).
3.9
In seinem Bericht vom
5.
März 2014 hielt
Dr.
D._
fest, dass der Beschwerde
führerin neben der Depression in den letzten zwei Jahren auch diverse somati
sche Beschwerden zu schaffen gemacht hätten. Im Vordergrund gestanden hät
ten
dabei Hautprobleme und Schwellungen der Beine
sowie wandernde Ge
lenk
schmer
zen
, wobei diese Beschwerden am ehesten im Rahmen einer
extrahe
pa
tischen
Manifestation der chronischen Hepatitis C zu sehen seien. Aufgrund der limitierten Erfolgschancen bei HCV-Genotyp 4 und der relativen Kontrain
dika
tion bei Depression hätten sie im Moment von einer Behandlung der chro
ni
schen Hepatitis C abgesehen. Nach seiner Einschätzung sei eine Arbeitsfähig
keit
aufgrund der Gesamtsituation (Psyche und somatische Probleme) weiterhin nicht
gegeben. Zudem sei es im Rahmen der psychischen Dekompensation mehrmals zu kurzzeitigen Therapieunterbrüchen gekommen, was bezüglich der
Resistenz
entwicklung
gefährlich sei und immer rasch zu einer Verschlechterung der zellu
lären Abwehrlage führe (
Urk.
3/19).
4.
4.1
Für die Monate Juni und Juli 2012
ergibt sich, dass
Dr.
D._
im
Februar 2012 eine
n
Arbeitsversuch im geschützten Rahmen
zu
50
%
als möglich erachtete (E.
3.2).
Dr.
E._
nahm
in seinem Gutachten vom
2
7.
April 2012 allein
zur bis
herigen Tätigkeit Stellung
und attestierte
vollständige Arbeitsunfähigkeit
(E. 3.3)
.
Nachdem die Beschwerdegegnerin mit Mitteilung vom
9.
Mai 2012 berufliche Eingliede
rungsmassnahmen aufgrund fehl
ender Arbeitsfähigkeit verneint hatte
(Urk.
8/21), hielt der Hausarzt mit Schreiben vom 1
6.
Mai 2012 ein Aufbau
trai
ning für sinnvoll (
Urk.
8/23), welches in der Folge mit Mitteilung vom
2
5.
Juli 2012 an
geordnet wurde (
Urk.
8/33).
Dem Verlaufsprotokoll Berufsberatung vom 2
5.
Juli 2012 ist dabei zu entnehmen, dass in einer administrativen
Routine
tätig
keit
oder einer einfachen Bürotätigkeit von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausge
gangen werden könne. Die Beschwerdeführerin habe im Erstgespräch an
ge
ge
ben, dass es
ihr heute bedeutend besser gehe
als zum Zeitpunkt der Begut
ach
tung im Januar 2012 (Gutachten vom 2
7.
April 2012
,
E. 3.3
). Sie sei bezüg
lich der HIV-Infektion medikamentös wieder optimal behandelt und wünsche sich eine baldige Rückkehr in eine Arbeit (
Urk.
8/35). Nach Auskunft der
IV-Berufsbera
terin
(Frau
G._
) habe die Beschwerdeführerin im Rahmen der
Integrations
massnahme
ab 3
0.
Juli
2012 eine regelmässige Tätigkeit aufgenom
men, die sie bis September 2012 rasch auf ein Pensum von 80
%
habe steigern können. Da
bei sei allerdings eine grosse Willensanstrengung nötig gewesen, wobei sich die Beschwerdeführer
in
wahrscheinlich überfordert habe, um den Wiedereinstieg beim bisherigen Arbeitgeber zu erreichen (
Urk.
8/89 S. 11).
Damit ergibt sich, dass im Verlaufe des Frühlings 2012 auf ärztlichen Rat hin Integrationsmassnahmen ins Auge gefasst und diese auch (zunächst) er
folg
reich umgesetzt wurden. Bei dieser Ausgangslage besteht für die Annahme
einer voll
umfänglichen Arbeitsunfähigkeit in der besagten Zeitspanne kein Raum,
wäre doch
ansonsten die Massnahme kaum gerechtfertigt gewesen, zumal sich aus
den
Verlaufsberichten nicht ergibt, dass das Integrations-Setting von mass
geblicher Bedeutung für die von der Beschwerdeführerin von Beginn weg ge
leis
tete 50%ige Arbeitsfähigkeit war. Das entsprechende Attest von Dr.
E._
(E. 3.3
) bezog sich denn auch lediglich auf die bisherige Tätigkeit und nicht auf eine
angepasste (administrative Routine- oder einfache Bürotätigkeit). In diesem Sinn
war auch das Attest einer 50%igen Arbeitsfähigkeit lediglich in geschütztem
Rahmen (Arbeitsversuch) des Dr.
D._
vom Februar 2012 (E.
3.2) überholt. Eine
Stei
ge
rung über 50 % erwies sich dann aber als unmöglich, konnte doch die Steige
rung
auf ein Pensum von 80 % nur mit einer letztlich unzumutbaren
Willens
an
stren
gung
der
Beschwerdeführerin
erfolgen.
Damit ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass für den Zeitraum Juni und Juli 2012 in einer optimal angepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit gegeben war.
4.2
Für die Zeit ab März 2013 ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführer
in
vom 1
1.
März bis 1
8.
April 2013 am Sanatorium
B._
stationär behandelt wurde. Die zuständigen Fachpersonen hielten im Anschluss daran aus psychiat
rischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von gegebenenfalls zwei Stunden pro Tag
für
möglich
(E.
3.4)
.
Für die nachfolgende Zeitspanne
ist den Akten eine stetige Verschlechterung des Gesund
heitszustandes zu entnehmen. So diagnostizierte
Dr.
E._
bereits in seinem Gutachten vom 2
8.
Juni 2013 eine nunmehr schwere
depressive Episode
(E.
3.5)
, wäh
rend
Dr.
F._
in seinem Bericht vom 1
4.
August
2013 erstmals auf die asso
ziative Lockerung der Gedanken der Be
schwerdeführerin hinwies und ihr auch in einer angepassten Tätigkeit eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit attestierte
(E. 3.6)
. In diesem Zusammenhang disku
tierte
Dr.
F._
im
Bericht vom
3.
März 2013 differentialdiagnostisch eine Mischpsychose, da eine Diskussion auch in einem hoch strukturierten Setting zunehmend nicht mehr möglich war
(E.
3.8)
. Abgesehen von der Verschlech
te
rung des Zustandes aus psychiatrischer Sicht ist entsprechend dem Bericht von
Dr.
D._
vom
5.
März 201
4
zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführer
in
aufgrund der HIV- und Hepatitis C-Erkrankung auch an so
matischen Beschwer
den leidet, welche sich ebenfalls auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
(E.
3.9).
Insgesamt ist somit sowohl im psychiatrischen als auch im somatischen Bereich
von einer Verschlechterung auszugehen, so dass ab März 2013 auch in einer an
ge
passten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist.
Nicht gefolgt werden kann demgegenüber der Einschätzung der
Beschwer
de
gegnerin
für diesen Zeitraum.
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für Psychi
atrie und Psychotherapie
vom Regional-ä
rztlichen Dienst (RAD)
der
Beschwerde
gegnerin
,
begründete
die 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer an
gepassten Tätigkeit am
3
0.
Mai 2012
mit dem Gutachten
von
Dr.
E._
vom 2
7.
April 2012 sowie der klinischen Erfahrung (
Urk.
8/81 S.
3). Diese Ein
schätzung wurde mit RAD-Stellungnahmen
des Allgemeinmediziners Dr. med.
I._
vom
8.
Juli 2013 und 1
8.
September 2013 bestätigt (
Urk.
8/81 S.
4,
Urk.
8/99 S.
2
).
Auch wenn die Einschätzung der Lage
per Mitte
Mai 2012
mit den
echtzeitlichen
medizinischen Akten
begründet werden kann
, gehen die nachfolgenden Stellungnahmen kaum auf die
Entwicklung ab März 2013 ein. Die Akten enthalten für diesen Zeitraum eine Vielzahl von Berichten, welche
eine Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes ausweisen. Darauf gehen die neueren RAD-Stellungnahmen
aber nur unzu
reichend ein, so
dass nicht von einer schlüssigen und nachvollziehbaren Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gesprochen werden kann, welche die medizi
ni
schen
Vorakten
ausreichend würdigt.
Damit hat es mit der Feststellung einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit auch in
angepassten Tätigkeiten ab März 2013 sein Bewenden.
5.
5.1
Für das Jahr 2012 bemass die
Beschwerdegegnerin
das
Valideneinkommen
aus
gehend von den Angaben der letzten Arbeitgeberin (Urk. 8/12 Ziff. 2.10) mit
Fr.
92‘320.-- und das Invalideneinkommen basierend auf den statistischen Löhnen gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE 2010) für andere
kaufmännisch-administrative Tätigkeiten mit vorausgesetzten Berufskennt
nissen
unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit und der Lohnentwicklung beim zumutbaren Pensum von 50 % mit Fr. 36‘528.--,
woraus sich ein Invaliditätsgrad von 60 % ergab (Urk. 2/2). Dieser
Einkom
mens
vergleich
wurde von der
Beschwerdeführerin
nicht bestritten
, gibt jedoch zu fol
gen
den Bemerkungen Anlass:
5.2
5.2.1
Vorweg ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdegegnerin bei der Bemessung des
Invalideneinkommens auf statistische Lohnangaben stützte, die im Zeitpunkt der erstmaligen Berechnung (am 8. Juni 2012, Urk. 8/80) abrufbar (Erste Ergeb
nisse der LSE 2010, Ausgabe 2011), im Zeitpunkt des Verfügungserlasses aber überholt waren, wiesen doch die definitiven Werte (LSE 2010, Neuchâtel 2012) in der (von der Beschwerdegegnerin verwendeten und irrtümlich als TA1 be
zeich
neten) Tabelle T7S im korrekt beigezogenen Tätigkeitsbereich 23 „Andere
kaufmännisch-administrative Tätigkeiten“ für Frauen mit Berufs- und Fach
kennt
nissen ein Einkommen von Fr. 5‘925.-- (statt Fr. 5‘782.--) aus.
Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit per 2012
von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft 3/4-2015 S. 88 Tabelle B9.2) sowie der seither eingetretenen Nominallohnentwicklung (von Index 2579 auf Index 2630
,
Die Volkswirtschaft 3/4-2015 S. 89 Tabelle B10.3) führt dies per 2012 zu einem zumutbaren Jahreseinkommen von Fr.
75
‘
58
8
.
--. Bei einem zumutbaren
Pensum von 50 % für die Monate Juni und Juli 2012 ergibt dies ein Ein
kom
me
n von Fr.
37
‘
794
.--.
5.2.2
Die Beschwerdegegnerin gewährte - ausgehend von den beigezogenen zu tiefen
Werten - keinen Abzug vom Tabellenlohn. Hierzu ist festzuhalten, dass das
Sozial
versicherungsgericht
sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen darf und
diesfalls
Gegebenheiten darlegen muss, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erschei
ne
n lassen (BGE 126 V 75 E. 6 mit Hinweisen). Ein Abweichen ist grundsätzlich nur bei Unangemessenheit möglich (BGE 137 V 71 E. 5.1).
Zu berücksichtigen ist, dass der Beschwerdeführerin nur noch einfache
Routine
tätigkeiten
zugemutet werden konnten, was ihr Leistungsvermögen nicht als durch
schnittlich in der Kategorie mit Berufs- und Fachkenntnissen erscheinen
lässt. Die ihr zumutbaren Arbeiten sind vielmehr solche, für welche zuweilen gar
Arbeitnehmerinnen ohne Fachkenntnisse beigezogen werden. Bei dieser Aus
gangs
lage ist ein Abzug vom Tabellenlohn zwingend und dieser ist mit 10 % zu bemessen.
5.3
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von Fr. 92‘320.-- mit dem
Invaliden
ein
kommen
von Fr. 34‘015.-- (Fr.
37
‘
794
.-- x 0.9) ergibt eine Einkommenseinbusse von Fr. 58‘305.-- und einen Invaliditätsgrad von 63 %. Damit steht der Be
schwerdeführerin für die fragliche Periode die
gewährte
Dreiviertelsrente
zu.
Für die Zeit ab
1.
März 2013 besteht ausgehend von einer voll
ständigen Arbeits
un
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ein Anspruch auf eine ganze Rente.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
füh
rerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in An
wen
dung
von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Be
deu
tung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
1'4
00.-- (inklu
sive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.