Decision ID: a949b774-bec2-47c6-97a7-e3e63938b8de
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde erstmals im März 1980 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 3). Der Neuropädiater Dr. med. B._
berichtete im März 1983 (IV-act. 15 f.), der Versicherte leide an einem schwersten
frühinfantilen organischen Psychosyndrom, an einer schwersten Lese- und
Schreibschwäche, an einer schwersten grapho-motorischen Behinderung sowie an
einem Bewegungsbild einer spastischen Tetraparese mit einer statischen und
kinetischen Ataxie. Zudem bestehe ein hochgradiger Verdacht auf eine Epilepsie. Der
Versicherte wurde verspätet eingeschult, wechselte von der gewöhnlichen in eine
Sprachheilschule und von dieser dann in eine Sonderschule, wo er eine positive
Entwicklung durchlief. Er konnte zuletzt in eine öffentliche Werkklasse wechseln. Im
April 1992 empfahl ein Berufsberater der Regionalstelle für die Eingliederung von
Behinderten die Vergütung der behinderungsbedingten Mehrkosten für eine erstmalige
berufliche Ausbildung des Versicherten zum Bäcker-Konditor (IV-act. 77). Diese
Ausbildung konnte der Versicherte im August 1995 erfolgreich abschliessen (IV-act.
79). Aufgrund einer Empfindlichkeit bezüglich Weizen- und Roggenmehl beantragte der
Versicherte im Jahr 1999 eine Umschulung zum Programmierer. Der zuständige
Berufsberater empfahl die Vergütung der Kosten für einen Kurs zum „Web-Publisher“
und für einen Handelskurs (IV-act. 111). Im Februar 2000 erging eine entsprechende
Verfügung (IV-act. 114). Im April 2002 schloss der Versicherte seine schulische
Ausbildung zum kaufmännischen Sachbearbeiter ab (IV-act. 144 f.).
A.b Im Mai 2011 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act.
150). Laut einem Lebenslauf, den er der Anmeldung beigelegt hatte (IV-act. 152), hatte
er im Mai 2006 eine Ausbildung zum Informatiker mit einem eidgenössischen
Fachausweis abgeschlossen (vgl. IV-act. 162–2) und in den Jahren 2008–2010 an
einem Lehrgang zum diplomierten Projektmanager teilgenommen (vgl. IV-act. 162–1).
In den Jahren 2003–2011 hatte er diverse Tätigkeiten für verschiedene Arbeitgeber
ausgeübt. Die Arbeitsverhältnisse hatten jeweils nur wenige Monate gedauert. Im
Oktober 2011 berichtete das Psychiatrie-Zentrum C._ (IV-act. 166), der Versicherte
leide anamnestisch an einem ADHS im Erwachsenenalter und an einer
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Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion. Zudem bestehe der
Verdacht auf eine bipolare Störung mit einer gemischten Episode und auf eine Störung
durch Alkohol und Cannabis bei einem schädlichen Gebrauch. Der Versicherte sei von
April bis September 2011 tagesklinisch behandelt worden. Angesichts der Schwere der
Beeinträchtigung, der langjährigen Krankheitsentwicklung und der erschwerten
Compliance sei die Prognose negativ. Im Juni 2011 sei ein Antrag auf eine freiwillige
Beistandschaft gestellt worden. Der Versicherte könne keiner geregelten Arbeit auf
dem freien Arbeitsmarkt nachgehen, denn schon bei kleinen Stress- und
Konfliktsituationen verstärke sich die Symptomatik. Im November 2011 teilte der
Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit (IV-act. 172), dass sich sein
Gesundheitszustand gebessert habe. Er habe einen Studiengang in Betriebswirtschaft
an der Universität D._ begonnen. Im Frühjahr 2012 werde er ein Praktikum beginnen.
Im Dezember 2011 gab der Versicherte an (IV-act. 177), die
Krankentaggeldversicherung habe ihre Taggeldleistungen eingestellt, weil er wieder
arbeitsfähig sei. Das Psychiatrie-Zentrum C._ berichtete im Januar 2012 über einen
unveränderten Zustand; der Versicherte zeige unter anderem nach wie vor eine
Unfähigkeit zur Selbstreflexion. Aktuell werde eine stationäre psychiatrische
Behandlung erwogen. Im März 2012 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass er in
zwei Studienmodulen sehr schlecht abgeschnitten habe und dass er deshalb ein
Semester wiederholen müsse (IV-act. 183). Im August 2012 gab er an (IV-act. 196),
dass er Ende September 2012 in eine tagesklinische Behandlung eintreten werde. Da
er seinen Studiengang nicht ohne eine Repetition des ersten Semesters fortsetzen
könne, überlege er sich, den im Jahr 2008 begonnenen Nachdiplomstudiengang zum
diplomierten Projektmanager fortzusetzen. Im Dezember 2012 teilte er mit, dass er die
tagesklinische Behandlung abbrechen und sich – entgegen den Empfehlungen der
behandelnden Ärzte – als voll vermittlungsfähig beim regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum melden werde (IV-act. 209). Das Psychiatrie-Zentrum C._
berichtete im Januar 2013 über eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
(hypomanisches Zustandsbild und starke Angetriebenheit); es empfahl eine volle
Berentung (IV-act. 211). Im Januar 2013 notierte Dr. med. E._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD), retrospektiv müsse seit Januar 2011 von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ausgegangen werden (IV-act. 212).
Am 27. Januar 2013 forderte der Versicherte die IV-Stelle auf, bis spätestens am 1.
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Februar 2013 einen Entscheid betreffend ein Gesuch um eine Kapitalhilfe in der Höhe
von 50’000–100’000 Franken zu fällen (IV-act. 214). Die IV-Stelle teilte dem
Versicherten am 31. Januar 2013 mit, die Voraussetzungen für eine Kapitalhilfe seien
nicht erfüllt; ohnehin werde derzeit geprüft, ob ein Anspruch auf Rentenleistungen
bestehe, weshalb berufliche Massnahmen nicht angezeigt seien (IV-act. 216). Nachdem
der neu behandelnde Psychiater Dr. med. F._ eine unabhängige psychiatrische
Begutachtung empfohlen hatte (IV-act. 242–8 f.), beauftragte die IV-Stelle die Kliniken
Valens mit einer psychiatrischen Exploration des Versicherten einschliesslich einer
neuropsychologischen Testung (IV-act. 248). Das Gutachten wurde am 22. Januar
2014 erstellt (IV-act. 258). Der Sachverständige Dr. med. G._ hielt fest, der
Versicherte leide an einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung sowie an
einer bipolaren affektiven Störung mit einer gegenwärtig manischen Phase. Obwohl der
Versicherte eine gute und in manchen Teilbereichen sogar eine überdurchschnittlich
gute Intelligenz besitze und obwohl er über eine grosse Bereitschaft verfüge, berufliche
und private Ziele mit einer maximalen Willensanspannung zu verfolgen, bedingten die
ständigen Wechsel zwischen manischen und depressiven Phasen sowie das mehr oder
weniger unbehandelte adulte ADHS letztlich eine weitestgehende Einschränkung der
privaten und beruflichen Alltagstauglichkeit. Solange der Versicherte nicht angemessen
behandelt werde, könne keine berufliche Integration durchgeführt werden. Aus
fachärztlicher Sicht sei es sehr unwahrscheinlich, dass der Versicherte eine
ausreichende Behandlungscompliance entwickeln werde. Maniker liessen sich
erfahrungsgemäss zu gar nichts zwingen. Mit einer Verfügung vom 18. Juli 2014 sprach
die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Januar 2012 eine ganze Rente
bei einem Invaliditätsgrad von 94 Prozent zu (IV-act. 270).
A.c In der Zeit zwischen August 2014 und Mai 2015 ersuchte der Versicherte mehrfach
um berufliche Massnahmen, insbesondere um eine Kapitalhilfe (IV-act. 271 ff.). Die IV-
Stelle hatte den Versicherten bereits am 9. Dezember 2014 darauf hingewiesen (IV-act.
298), dass sie auf ein neues Leistungsbegehren nur eintreten werde, wenn eine
relevante Veränderung der wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Situation glaubhaft
gemacht worden sei. Für eine entsprechende Neuanmeldung sei das standardisierte
Anmeldeformular zu verwenden. Im Mai 2015 reichte der Versicherte schliesslich ein
ausgefülltes Anmeldeformular ein (IV-act. 317). Mit einem Vorbescheid vom 11. Juni
2015 teilte die IV-Stelle ihm mit (IV-act. 325), dass sie nicht auf sein Gesuch eintreten
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werde, weil er keine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht habe.
Dagegen wandte der (als Geschäftsführer seiner Unternehmung H._ GmbH
auftretende) Versicherte am 21. Juni 2015 ein (IV-act. 327), der ihm von der IV-Stelle
unterstellte Gesundheitsschaden sei gar nicht vorhanden. Er habe die Rente nur
akzeptiert, weil er finanziell darauf angewiesen gewesen sei. Aktuell arbeite er an
sieben Tagen pro Woche, um zehn Projekte an verschiedenen Standorten in der
Schweiz zu realisieren. Er verlange eine Kapitalhilfe. Der Kapitalbedarf betrage etwa
zwei Millionen Franken. Der Schadenfall könne mit einer Kapitalerhöhung von
1’980’000 Franken und einer Genugtuung von 20’000 Franken erledigt werden. Er
erwarte einen Anruf der IV-Stelle innert der nächsten fünf Tage. Mit einer Verfügung
vom 25. Juni 2015 trat die IV-Stelle nicht auf das Leistungsbegehren ein (IV-act. 328).
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies eine dagegen erhobene
Beschwerde (vgl. IV-act. 329) mit einem Entscheid vom 7. Juli 2016 (IV 2015/229) ab,
soweit es überhaupt darauf eingetreten war (vgl. IV-act. 360). Zur Begründung führte es
an, gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung werde eine Neuanmeldung
betreffend berufliche Massnahmen in analoger Anwendung des Art. 87 Abs. 3 IVV nur
geprüft, wenn eine relevante Sachverhaltsveränderung seit der Abweisung des letzten
Leistungsbegehrens glaubhaft gemacht worden sei (Urteil des Bundesgerichtes
8C_624/2011 vom 2. November 2011, E. 4.2). Der Versicherte habe keine solche
Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht, weshalb die IV-Stelle zu Recht nicht auf
sein neues Leistungsbegehren eingetreten sei. Auf eine gegen diesen Entscheid
erhobene Beschwerde (vgl. act. G 364) trat das Bundesgericht mangels einer
ausreichenden Begründung nicht ein (Urteil des Bundesgerichtes 8C_569/2016 vom 4.
Oktober 2016). Bereits am 18. August 2016 hatte die IV-Stelle dem Versicherten
mitgeteilt, dass sie auf sein Wiedererwägungsgesuch betreffend die Vergütung von
Ausbildungskosten nicht eintrete (IV-act. 362).
A.d Ab Ende Oktober 2016 wandte sich der Versicherte erneut mehrfach mit dem
sinngemässen Begehren um die Vergütung von beruflichen Massnahmen an die IV-
Stelle (IV-act. 368 ff.). Am 30. Mai 2017 teilte der behandelnde Psychiater Dr. F._ der
IV-Stelle mit (IV-act. 387), dass er zwar einer selbständigen Tätigkeit des Versicherten
skeptisch gegenüberstehe, aber trotzdem eine nochmalige vertiefte Abklärung von
möglichen beruflichen Massnahmen empfehle. Von den intellektuellen
Grundvoraussetzungen und auch von seiner Aufmerksamkeits- und
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Konzentrationsfähigkeit her sei der Versicherte grundsätzlich durchaus in der Lage,
eine höhere schulische Ausbildung erfolgreich abzuschliessen. Am 14. Juli 2017
notierte die RAD-Ärztin Dr. med. I._ (IV-act. 417), eine wesentliche Veränderung des
Gesundheitszustandes des Versicherten seit der Begutachtung durch die Kliniken
Valens sei nicht auszumachen. Mit einer Mitteilung vom 17. Juli 2017 informierte die IV-
Stelle den Versicherten darüber, dass er weiterhin einen unveränderten Anspruch auf
die laufende ganze Rente habe (IV-act. 419).
A.e Im Januar 2018 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei der
IV-Stelle an (IV-act. 427). Die IV-Stelle interpretierte diese Anmeldung als ein Gesuch
um die Gewährung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Mit einer Verfügung
vom 19. Januar 2018 trat die IV-Stelle mangels Glaubhaftmachung einer relevanten
Sachverhaltsveränderung nicht auf diese Neuanmeldung ein (IV-act. 430).
B.
B.a Am 19. Februar 2018 erhob der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. Januar 2018 (act. G 1). Er beantragte
sinngemäss eine Kostenbeteiligung der Invalidenversicherung an der Ausbildung zum
diplomierten Techniker HF Energie und Umwelt. Zur Begründung führte er unter
anderem an, dass Rentenbezüger einen Anspruch auf Massnahmen zur
Wiedereingliederung hätten (vgl. auch act. G 3). Am 1. März 2018 machte er unter
anderem geltend, die Kliniken Valens seien keine medizinische Abklärungsstelle
(MEDAS), weshalb das von diesen erstellte Gutachten nicht beweiskräftig sei (act. G 5).
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 9. April 2018
die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, der
Beschwerdeführer habe keine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht.
B.c Mit einer Replik vom 14. Mai 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinem Antrag
fest (act. G 13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 16).
B.d Der Beschwerdeführer wies am 17. Juli 2018 darauf hin (act. G 18), dass er den
Lehrgang zum diplomierten Techniker HF Energie und Umwelt begonnen habe. Ihm sei
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zudem aufgefallen, dass die Klinik J._ auffallend viele Überweisungen an die
Tagesklinik in K._ vornehme.
B.e Am 6. September 2018 ersuchte der Beschwerdeführer unter Hinweis auf eine
mögliche Anstellung um eine rasche Erledigung des Beschwerdeverfahrens (act. G 22).
Am 24. September 2018 machte der Beschwerdeführer geltend (act. G 24), Personen
mit einer psychischen Beeinträchtigung würden erfahrungsgemäss keine stark
belastenden Funktionen anstreben. Er frage sich deswegen, an welchem
Gesundheitsschaden er leiden sollte; eine psychische Krankheit könne es ja wohl kaum
sein. Am 6. Oktober 2018 teilte der Beschwerdeführer mit (act. G 26), dass er im
Lehrgang zum diplomierten Techniker HF Energie und Umwelt die ersten Module
erfolgreich abgeschlossen habe.

Erwägungen
1.
Bei der angefochtenen Verfügung vom 19. Januar 2018 handelt es sich um eine
Nichteintretensverfügung. Das bedeutet, dass sich ihr Dispositiv auf den Entscheid
beschränkt, das Begehren des Beschwerdeführers vom Januar 2018 um die Vergütung
von beruflichen Massnahmen nicht materiell zu behandeln. Weil dieses
Beschwerdeverfahren darauf abzielt, die angefochtene Verfügung auf ihre
Rechtmässigkeit zu überprüfen, kann das Gericht nur der Frage nachgehen, ob es
rechtmässig gewesen ist, nicht auf jenes Begehren des Beschwerdeführers
einzutreten. Da die Beschwerdegegnerin das Begehren um die Gewährung von
beruflichen Massnahmen nicht materiell behandelt hat, verbietet sich auch im
gerichtlichen Beschwerdeverfahren dessen materielle Prüfung. Der sinngemässe
Antrag des Beschwerdeführers um berufliche Massnahmen kann folglich nicht vom
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens erfasst sein. In diesem Antrag muss
allerdings notwendigerweise der (sinngemässe) Antrag enthalten gewesen sein, die
angefochtene Nichteintretensverfügung sei durch einen verfahrensleitenden
Eintretensentscheid zu ersetzen. Darauf ist einzutreten. Das vorliegende
Beschwerdeverfahren hat sich aber auf die Prüfung dieses (sinngemässen) Antrags zu
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beschränken, das heisst auf den materiellen Antrag des Beschwerdeführers betreffend
berufliche Massnahmen kann nicht eingetreten werden.
2.
Laut dem Art. 57a Abs. 1 Satz 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den
vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsgesuch oder über den Entzug oder die
Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels eines Vorbescheides mit.
Gegenstand eines Vorbescheides bilden gemäss dem Art. 73bis Abs. 1 IVV aber nur
jene Fragen, die in den Aufgabenbereich der IV-Stellen (vgl. Art. 57 Abs. 1 lit. c–f IVG)
fallen, also die Abklärung der versicherungsmässigen Voraussetzungen, die Abklärung
der Eingliederungsfähigkeit, die Berufsberatung und die Arbeitsvermittlung, die
Bestimmung und Überwachung der Eingliederungsmassnahmen sowie die Bemessung
des Invaliditätsgrades. Wäre die Beschwerdegegnerin auf das Begehren des
Beschwerdeführers eingetreten, hätte sie die Eingliederungsfähigkeit abklären und
allenfalls Eingliederungsmassnahmen bestimmen und überwachen sowie unter
Umständen den Invaliditätsgrad neu bemessen müssen. Die anschliessend zu
erlassende(n) Verfügung(en) wäre(n) also „vorbescheidspflichtig“ gewesen. Vor diesem
Hintergrund rechtfertigt es sich über den (allzu) engen Gesetzeswortlaut hinaus – dem
Sinn und Zweck des Vorbescheides Rechnung tragend – auch für das Nichteintreten
auf eine Neuanmeldung zum Leistungsbezug von einer „Vorbescheidspflicht“
auszugehen. In einem entsprechenden Vorbescheid hätte nicht nur das Nichteintreten
auf das Leistungsbegehren angekündigt, sondern auch der Grund für den
vorgesehenen Nichteintretensentscheid genannt werden müssen. Der
Beschwerdeführer hätte also darüber informiert werden müssen, dass er selbst mittels
Indizien eine revisionsrechtlich erhebliche Sachverhaltsveränderung glaubhaft machen
müsse und dass die von ihm bis dahin eingereichten Unterlagen nicht genügten, um
eine solche Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen. Die angefochtene
Verfügung vom 19. Januar 2018 ist folglich bereits wegen einer Verletzung der
„Vorbescheidspflicht“ aufzuheben (vgl. zum Ganzen auch den Entscheid IV 2008/167
des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 24. April 2009, E. 2.3). Das spielt vorliegend
allerdings keine entscheidende Rolle, da es ohnehin unzulässig gewesen ist, einen
Nichteintretensentscheid zu erlassen, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen
werden.
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3.
Der Art. 29 ATSG sieht ein jederzeitiges Anmelderecht in Bezug auf
Sozialversicherungsleistungen und damit notwendigerweise auch einen Anspruch auf
ein Eintreten auf jede Anmeldung beziehungsweise auf eine materielle Behandlung
jeder Anmeldung vor. Bei diesem Recht auf eine materielle Behandlung jeder
Anmeldung handelt es sich um einen elementaren Grundsatz des
Sozialversicherungsleistungsrechtes, denn es stellt einen wichtigen Baustein für die
Durchsetzung des Prinzips dar, dass jede versicherte Person jene gesetzlich
vorgesehenen Sozialversicherungsleistungen erhalten soll, die sie benötigt. Da im Art.
29 ATSG nicht zwischen einer erstmaligen Anmeldung und einer sogenannten Neu-
oder Wiederanmeldung (also einer erneuten Anmeldung nach einer formell
rechtskräftigen Abweisung eines früheren Gesuchs) unterschieden wird und da sich
eine solche Unterscheidung auch nicht mit dem Sinn und Zweck des Anmelderechtes
vereinbaren liesse, muss der uneingeschränkte Anspruch auf ein Eintreten auf ein
Leistungsbegehren auch für Neuanmeldungen gelten. Dieser Anspruch wird vom Art.
87 Abs. 3 IVV für bestimmte Leistungen der Invalidenversicherung eingeschränkt,
nämlich für die Rente, für die Hilflosenentschädigung und für den Assistenzbeitrag. Die
ratio legis des Art. 87 Abs. 3 IVV besteht darin, die IV-Stellen vor jenem Aufwand zu
schützen, mit dem diese konfrontiert wären, wenn Versicherte repetitiv Anmeldungen
zum Leistungsbezug einreichen könnten, die von den IV-Stellen jedes Mal wieder
umfassend materiell geprüft werden müssten. Der Art. 87 Abs. 3 IVV dient also allein
der Verfahrensökonomie, bei der es sich anerkanntermassen um kein besonders
schützenswertes öffentliches Interesse handelt. Das ist umso problematischer, als die
Anwendung des Art. 87 Abs. 3 IVV eine Durchbrechung des – elementar wichtigen –
jederzeitigen Anspruchs auf eine materielle Prüfung einer Anmeldung zur Folge hat.
Dennoch kann der Art. 87 Abs. 3 IVV wohl gerade noch als gesetzmässig qualifiziert
werden, denn die Sachverhaltsabklärung bezüglich der in dieser
Verordnungsbestimmung genannten Leistungen – Rente, Hilflosenentschädigung und
Assistenzbeitrag – erweist sich in aller Regel als äusserst aufwendig, weshalb
diesbezüglich ein gewisser „Schutzbedarf“ der Verwaltung vor repetitiven
Neuanmeldungen anerkannt werden kann. Auch wenn sich der Art. 87 Abs. 3 IVV nicht
auf eine explizite gesetzliche Grundlage stützen kann, die eine Einschränkung des im
Art. 29 ATSG verankerten uneingeschränkten Anspruchs auf ein Eintreten auf ein
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Leistungsbegehren erlauben würde, trägt er also doch offenkundig einem wesentlichen
praktischen Interesse Rechnung, ohne dafür die gesetzliche Regelung im Art. 29 ATSG
in einem unverhältnismässig hohen Mass einzuschränken. Er dürfte also gerade noch
vom Vollzugsverordnungsauftrag im Art. 86 Abs. 2 Satz 1 IVG abgedeckt sein. Die
Anwendung des Art. 87 Abs. 3 IVV führt auch nicht zu einer rechtsungleichen
Behandlung der Versicherten, denn die Eintretenshürde stützt sich auf einen sachlichen
Grund, nämlich auf die Vermeidung eines unnötigen Verfahrensaufwandes bei
repetitiven Neuanmeldungen. Über andere Leistungsansprüche als die Rente, die
Hilflosenentschädigung und den Assistenzbeitrag kann dagegen regelmässig mit einem
eher geringen Abklärungsaufwand entschieden werden. Eine Ausweitung des
Anwendungsbereichs des (sich nicht auf eine explizite gesetzliche Grundlage
stützenden und einen elementaren Grundsatz des Sozialversicherungsleistungsrechts
aus blossen verfahrensökonomischen Überlegungen unterlaufenden) Art. 87 Abs. 3 IVV
auf von dessen Wortlaut nicht erfasste Leistungen der Invalidenversicherung ist
dagegen nicht zu rechtfertigen, weil damit die Gefahr einer eigentlichen Untergrabung
des im Art. 29 ATSG verankerten Grundsatzes des uneingeschränkten Anspruchs auf
ein Eintreten auf ein Leistungsbegehren verbunden wäre. Eine Anwendung des Art. 87
Abs. 3 IVV auf von diesem nicht namentlich erwähnte Leistungen könnte nämlich nur in
Betracht kommen, wenn deren Prüfung eine ebenso aufwendige
Sachverhaltsabklärung wie die Prüfung eines Rentenbegehrens, eines Begehrens um
eine Hilflosenentschädigung oder eines Begehrens um einen Assistenzbeitrag erfordern
würde. Das würde jedoch voraussetzen, dass der Verordnungsgeber es versehentlich
versäumt hätte, diese weiteren Leistungen zu erwähnen. Für die Annahme einer
entsprechenden ausfüllungsbedürftigen Verordnungslücke fehlt aber jeder Hinweis.
Selbst als der Verordnungsgeber den Wortlaut im Zuge der Einführung des
Assistenzbeitrages ergänzen musste, hat er ganz offensichtlich bewusst nur den
Assistenzbeitrag als dritte Leistung angeführt, in Bezug auf die eine Neuanmeldung die
sogenannte „Eintretenshürde“ meistern muss. Er hat weder weitere Leistungen
genannt noch den Art. 87 Abs. 3 IVV auf alle Leistungen der Invalidenversicherung
ausgedehnt. Dabei kann es sich augenscheinlich nicht um ein Versehen gehandelt
haben. Deshalb muss die im Art. 87 Abs. 3 IVV enthaltene Aufzählung als vollständig
und damit abschliessend qualifiziert werden. An der früheren Praxis des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen, mit der die im Art. 87 Abs. 3 IVV
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enthaltene Aufzählung (vermeintlich) lückenfüllend auf sämtliche Leistungen der
Invalidenversicherung ausgedehnt worden war (vgl. etwa das Urteil IV 2015/229 des St.
Galler Versicherungsgerichtes vom 7. Juli 2016), kann folglich nicht länger festgehalten
werden. Auf Neuanmeldungen betreffend berufliche Massnahmen kann der Art. 87
Abs. 3 IVV also offensichtlich nicht angewendet werden, denn die Prüfung einer
entsprechenden Neuanmeldung erfordert in aller Regel keinen
Sachverhaltsabklärungsaufwand, der mit jenem betreffend eine Rente, eine
Hilflosenentschädigung oder einen Assistenzbeitrag verglichen werden könnte. Folglich
rechtfertigt es sich nicht, die IV-Stellen – in Abweichung vom Wortlaut des Art. 29
ATSG – vor jenem Aufwand zu schützen, der für die Prüfung eines (erneuten)
Begehrens um berufliche Massnahmen notwendig ist. Mit anderen Worten muss bei
einer Neuanmeldung betreffend berufliche Massnahmen nicht erst glaubhaft gemacht
werden, dass sich der anspruchsbegründende Sachverhalt seit der letzten
Leistungsverweigerung wesentlich verändert hat. Auf jede Neuanmeldung ist
einzutreten, das heisst jede Neuanmeldung ist materiell zu prüfen. Die
Beschwerdegegnerin hätte folglich auf das Begehren vom Januar 2018 eintreten
müssen, auch wenn keine Veränderung des massgebenden Sachverhaltes nach der
letzten Leistungsverweigerung glaubhaft gemacht war (vgl. zum Ganzen auch den
Entscheid IV 2016/268 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 24. Januar 2018, E.
3.1). Das Versicherungsgericht würde den Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens
in unzulässiger Weise ausdehnen, wenn es sich mit der Frage nach dem Anspruch auf
die beantragten beruflichen Massnahmen befassen würde, obwohl nur die
Eintretensfrage streitig sein kann. Deshalb muss sich das Versicherungsgericht damit
begnügen, den Nichteintretensentscheid aufzuheben und durch den
verfahrensleitenden Entscheid zu ersetzen, dass auf die Neuanmeldung einzutreten
und das Leistungsbegehren materiell zu prüfen sei. Die Beschwerdegegnerin wird den
massgebenden Sachverhalt umfassend abklären und dann über einen Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine berufliche Eingliederungsmassnahme verfügen.
4.
Die Gerichtskosten von 600 Franken sind der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.