Decision ID: 44b5ee26-22ae-5737-92ea-02b2a2abf9c2
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Im Oktober 2005 erwarb die Stadt Wil die auf Stadtgebiet liegende, 21'245 m2
grosse Parzelle Nr. 1049. Das Grundstück ist rund 90 m breit und rund 250 m lang und
liegt gemäss Zonenplan der Stadt Wil vom 25. November 1992 in der Zone für
öffentliche Bauten und Anlagen. Im Süden wird es durch die Thurau- und die
Friedhofstrasse, beides Gemeindestrassen 2. Klasse, begrenzt, im Westen und im
Norden durch den Zeughausweg, eine Gemeindestrasse 3. Klasse. Der Zeughausweg
schliesst im Norden auf einer Länge von rund 180 m an die unüberbaute Parzelle Nr.
1038 an, sowie anschliessend weiter östlich an die Grundstücke Nrn. 1950 und 1915.
Entlang der östlichen Parzellengrenze verläuft die Georg-Renner-Strasse, eine
Kantonsstrasse 1. Klasse.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B./ Die Parzelle Nr. 1049 wird in der Länge durch drei je rund 70 m lange ehemalige
Zeughäuser unterteilt. Der Abstand zwischen der knapp an der westlichen
Parzellgrenze liegenden Baute 1 und der nachfolgenden Baute 2 beträgt rund 70 m,
derjenige zwischen der Baute 2 und der Baute 3 rund 50 m. Das Grundstück ist mit
einem Maschenzaun umgeben, der im Bereich der Baute 2 zwei Tore aufweist, welche
die Ein- und Ausfahrt über die Thuraustrasse gewährleisten. In der Mitte der Fläche
zwischen den Bauten 1 und 2 befindet sich eine grössere Grünfläche. Zwischen den
Bauten 2 und 3 liegt ein Hof, der als Parkplatz genutzt werden kann. Sowohl auf der
Nord- als auch auf der Südseite der Baute 2 ist der Durchgang von einem Platz zum
anderen gewährleistet.
C./ In Anbetracht der Tatsache, dass eine langfristige Nutzung der ehemaligen
Zeughäuser noch nicht feststeht, beschloss der Stadtrat Wil zwischenzeitlich eine
provisorische Nutzung des Geländes zuzulassen und die Bauten bis Ende des Jahres
2008 zu vermieten. Unter anderem wurde mit dem Verein Kulturzentrum Wil ein Vertrag
über die Miete von Räumlichkeiten für die Zeit vom 1. Juli 2006 bis 31. Dezember 2008
in der Baute 1 abgeschlossen. Dort soll ein Kulturcafé betrieben werden.
D./ Das Baugesuch vom 18. Mai 2006 für die teilweise Umnutzung des Zeughauses 1
als Kulturcafé mit verlängerten Öffnungszeiten am Freitag und Samstag bis 02.00 Uhr
(verlängerte Öffnungszeiten für maximal 20 Anlässe pro Jahr) lag vom 1. bis 14. Juni
2006 öffentlich auf. Innert der Auflagefrist gingen Einsprachen ein, so auch diejenige
von X.Y., welcher sich zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner anschlossen.
Am 14. August 2006 trat die Baukommission der Stadt Wil auf eine Einsprache nicht
ein und wies die anderen Einsprachen sowohl in öffentlichrechtlicher als auch in
privatrechtlicher Hinsicht ab. Das Baugesuch wurde im Sinn der Erwägungen unter
anderem mit folgenden Bedingungen und Auflagen genehmigt (Ziff. D):
"1. Die Bewilligung ist befristet bis 31. Dezember 2008.
2. ... (Ziffern 2 bis 7)
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
8. Das Gesuch um Verkürzung der Schliessungszeiten bzw. Verlängerung der
Öffnungszeiten wird im Sinne der Erwägungen unter folgenden Bedingungen und
Auflagen genehmigt.
Die Öffnungszeiten werden vorbehältlich der gastwirtschaftlichen Bewilligung wie folgt
festgelegt:
Täglich: bis 24.00 Uhr
Freitag und Samstag: bis 02.00 Uhr für maximal 20 Anlässe bzw. Abende pro Jahr
9. Die Fenster und Türen sind jeweils ab 22.00 Uhr zu schliessen.
10. Der Betreiber des Kulturcafés hat mittels eines Ordnungsdienstes und durch
Information der Gäste folgendes zu regeln:
11. Es dürfen keine Veranstaltungen im Freien durchgeführt werden."
Die maximale Belegung von 200 Personen ist mittels Zugangskontrolle einzuhalten.–
Kontrolle vor dem Kulturcafé und auf den Parkplätzen, um übermässige
Immissionen (Türknallen, lautes Gerede, Musik aus Autoradios usw. ...) zu
vermeiden.
–
Die Besucher des Kulturcafés sind aktiv anzuhalten, unnötige Immissionen auf dem
Zeughausareal und den Parkplätzen zu vermeiden.
–
Die Besucher des Kulturcafés sind aktiv anzuhalten, ohne Motorfahrzeuge
anzureisen.
–
Bei grösseren Veranstaltungen mit Verkürzung der Schliessungszeiten bzw.
Verlängerung der Oeffnungszeiten ist der Ordnungsdienst durch eine kantonal
anerkannte Sicherheitsfirma durchzuführen.
–
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E./ Gegen den Entscheid der Baukommission Wil vom 14. August 2006 erhob X.Y. am
16. August 2006 Rekurs beim Baudepartement. Er stellte die Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Baubewilligung sei nicht zu erteilen.
Zur Begründung machte der Rekurrent im Wesentlichen geltend, die Vorinstanz habe
die Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner zu wenig berücksichtigt und keine
echte Interessenabwägung vorgenommen. Das Quartier diene vorwiegend
Wohnzwecken. Die den Betreibern des Kulturcafés auferlegten Bedingungen und
Auflagen seien unrealistisch und wenig wirksam. Aufgrund der allgemeinen
Lebenserfahrung und mit Blick auf die bewilligten Öffnungszeiten sei davon
auszugehen, dass die Nachtruhe der Anwohnerinnen und Anwohner regelmässig
erheblich gestört werde.
Nachdem das Baudepartement am 29. November 2006 im Beisein der
Verfahrensbeteiligten sowie des kantonalen Fachverantwortlichen für Lärmschutz einen
Augenschein an Ort und Stelle durchgeführt hatte, hiess es den Rekurs am 28. März
2007 im Sinn der Erwägungen teilweise gut und wies ihn im übrigen ab. Der Entscheid
der Baukommission Wil vom 14. August 2006 wurde um folgende Auflage ergänzt: "Die
Fusswegverbindung für die Besucher und Besucherinnen zwischen den
Räumlichkeiten des Kulturcafés und dem Parkplatz auf dem Zeughausareal ist
ausschliesslich um die Nordseite des mittleren Zeughauses herumzuführen".
F./ Am 12. April 2007 erhob X.Y. gegen den Entscheid des Baudepartements vom 28.
März 2007 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und stellte die Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Baubewilligung sei nicht zu erteilen.
Zur Begründung machte er in der Beschwerdeergänzung vom 24. April 2007 im
Wesentlichen geltend, das Baudepartement gewichte das öffentliche Interesse an
einem Kulturcafé zu Unrecht höher als das Interesse der Quartierbewohner an
ungestörter Nachtruhe, zumal ein Lokal dieser Art an einem anderen, besser
passenden Ort als in einem Wohnquartier betrieben werden könne.
Das Baudepartement nahm am 10. Mai 2007 Stellung und beantragte, die Beschwerde
sei abzuweisen. Am 31. Mai 2007 verzichtete die Baukommission der Stadt Wil darauf,
sich vernehmen zu lassen. Gleichentags nahm der Verein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kulturzentrum Wil Stellung und stellte das Begehren, der Beschwerde sei keine Folge
zu geben. X.Y. verzichtete darauf, sich zu neuen tatsächlichen und rechtlichen
Argumenten in den Vernehmlassungen zu äussern.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP), und die
Beschwerdeeingabe vom 12. April 2007 und ihre Ergänzung vom 24. April 2007
entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs.
1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
1.2. Nach Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur Erhebung einer
Beschwerde berechtigt, wer an der Änderung oder Aufhebung des Entscheids ein
eigenes schutzwürdiges Interesse dartut. Nach ständiger Rechtsprechung werden
Nachbarn zur Beschwerdeführung zugelassen, wenn eine enge räumliche Beziehung
zum Baugrundstück gegeben ist und der Nachbar direkt und in höherem Mass als
irgendjemand in den eigenen Interessen beeinträchtigt wird (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 414). Zur
Immissionseinrede ist der Nachbar befugt, wenn er von Immissionen direkt betroffen ist
oder wenn dies zumindest wahrscheinlich ist (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 417 mit
Hinweisen). Im Zusammenhang mit Umweltbeeinträchtigungen ist der bundesrechtliche
Rechtsschutz nicht erst dann gegeben, wenn die Belastung festgelegte Grenzwerte
erreicht, sondern schon vorher, sofern der Beschwerdeführer mehr als jedermann
betroffen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 20. September 2006 [1A.44/2006 1],
teilweise publiziert in URP 7/2006 811 f. mit Hinweis auf BGE 124 293 E. 3a, 110 Ib 99
E. 1d und 124 II 517 E. 1 und 3a; vgl. auch A. Griffel, Auswirkungen der neuen
Bundesrechtspflege, insbesondere auf den Rechtsschutz im Raumplanungs-, Bau- und
Umweltrecht, in: URP 7/2006 822 ff.). Ist dies zu bejahen, können die
Beschwerdeführer generell die Rechtmässigkeit des Vorhabens in Frage stellen und
somit auch die Überschreitung von Grenzwerten auf anderen Grundstücken rügen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Urteil des Bundesgerichts vom 20. September 2006 [1A.44/2006], teilweise publiziert
in URP 7/2006 811 f. mit Hinweis auf BGE 128 II 168 E. 2.6).
X.Y. ist Eigentümer und Bewohner des mehrstöckigen Wohnhauses T-strasse 00
(Grundstück-Nr. 0000). Nach den unbestritten gebliebenen Feststellungen der
Vorinstanz beträgt der Abstand zwischen der nordöstlichen Ecke dieses Gebäudes und
dem Tor zum Zeughausareal rund 33 m. X.Y. ist zudem Eigentümer der in westlicher
Richtung angrenzenden Liegenschaften Thuraustrasse 01 und 02. Sodann macht er
geltend, durch die teilweise Umnutzung der auf der gegenüberliegenden Seite der
Thuraustrasse liegenden Baute 1 als Lokal für kulturelle Veranstaltungen mit Bühne und
Bar würden die bundesrechtlichen Vorgaben betreffend Lärmschutz nicht eingehalten.
Somit ist er zur Beschwerde zuzulassen.
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Nach Art. 78 Abs. 1 des Baugesetzes (sGS 731.1, abgekürzt BauG) bedarf das
Errichten und Ändern von Bauten und Anlagen einer Baubewilligung.
Bewilligungspflichtig sind unter anderem Neu-, Um-, An-, Auf- und Nebenbauten jeder
Art (Art. 78 Abs. 2 lit. a BauG), bauliche Veränderungen im Innern mit baupolizeilich
erheblichen Auswirkungen (Art. 78 Abs. 2 lit. b BauG) sowie Zweckänderungen, die
Einwirkungen auf die Umgebung oder eine Vergrösserung des Benützerkreises zur
Folge haben (Art. 78 Abs. 2 lit. o BauG). Sodann muss von Bundesrechts wegen ein
Bewilligungsverfahren durchgeführt werden, wenn umweltrechtlich relevante
Änderungen von Bauten und Anlagen zur Diskussion stehen (vgl. B. Heer, St.
Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 3003, Rz. 861 mit Hinweis auf GVP 1999 Nr.
94 E. 2c und Juristische Mitteilungen des Baudepartements 2000 Nr. 21).
Unbestritten ist, dass die teilweise Umnutzung des ehemaligen Zeughauses in ein
öffentlich zugängliches Lokal, wofür das Gebäude im Innern geringfügig baulich
verändert werden muss, bewilligungspflichtig ist.
3. Seit dem Erlass des Umweltschutzgesetzes (SR 814.01, abgekürzt USG) und seiner
Ausführungsvorschriften, so auch der Lärmschutzverordnung (SR 814.41, abgekürzt
LSV) wird das in einer Zone konkret zulässige Immissionsmass weitgehend durch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
öffentliches Bundesrecht bestimmt. Das ist insofern bedeutsam, als die Zonenkon-
formität einer Baute und Anlage im Sinn von Art. 22 Abs. 2 lit. a des
Raumplanungsgesetzes (SR 700, abgekürzt RPG) lediglich einen abstrakt wirkenden
öffentlichrechtlichen Immissionsschutz gewährleistet. Dabei gilt es bloss festzustellen,
ob eine Baute oder eine Anlage zu einer bestimmten Kategorie gehört, die in der
betreffenden Zone zulässig ist. Hingegen wird nicht geprüft, welche Immissionen ein
Betrieb tatsächlich verursacht. Erst in einer zweiten Stufe ist die konkrete Beurteilung
einer Baute oder Anlage vorzunehmen. Dabei ist namentlich zu prüfen, ob der Betrieb
Immissionen zur Folge hat, die das zulässige Mass überschreiten. Die zweistufige
Beurteilung von Bauten und Anlagen auf ihre immissionsrechtliche Zulässigkeit wird
durch Art. 43 LSV bestätigt. Nach dieser Bestimmung sind den Nutzungszonen nach
Art. 14 ff. RPG Empfindlichkeitsstufen zuzuordnen.
3.1. Das Zeughausareal liegt in einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Diese
Zone ist für bestehende und künftige öffentliche Bauten und Anlagen bestimmt (Art. 18
BauG, vgl. auch Art. 17 des Baureglements der Beschwerdebeteiligten). Sodann gilt die
Empfindlichkeitsstufe II, in der keine störenden Betriebe zugelassen sind (Art. 43 Abs. 1
lit. b LSV, Art. 6 Abs. 1 des Grossratsbeschlusses über den Lärmschutz, sGS 672.43
und Art. 6 des Baureglements der Beschwerdebeteiligten; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts vom 19. August 2004 [1A.43/2004], teilweise publiziert in ZBl 106[2005]
36 ff. mit Hinweisen).
3.2. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass der Betrieb eines Kulturcafés, wie ihn
der Beschwerdegegner plant, zonenkonform ist und damit im öffentlichen Interesse
liegt (Heer, a.a.O., Rz. 387). Er beruft sich indessen darauf, der Treffpunkt für kulturell
Interessierte könnte an einem anderen, besser geeigneten Ort als in einem
Wohnquartier betrieben werden.
Nach Art. 22 Abs. 2 RPG ist die Baubewilligung zu erteilen, wenn die geplanten Bauten
und Anlagen der
Nutzungszone entsprechen und das Land erschlossen ist, wobei die übrigen
Voraussetzungen des Bundesrechts und des kantonalen Rechts vorbehalten bleiben.
Art. 87 Abs. 1 BauG bestimmt, dass die Baubewilligung zu erteilen ist, wenn keine im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
öffentlichen Recht begründeten Hindernisse vor- liegen. In materieller Hinsicht ist die
Baubewilligung somit überwiegend feststellender Natur. Sind die gesetzlichen
Voraussetzungen und Bedingungen erfüllt, besteht ein Anspruch auf deren Erteilung
(Heer, a.a.O., Rz. 847 mit Hinweisen). Entgegen der Annahme des Beschwerdeführers
ist im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens somit nicht zu prüfen, ob für das
Vorhaben ein anderer Standort in Frage kommen könnte, der allenfalls besser geeignet
wäre.
4. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Bewilligung hätte nicht erteilt werden
dürfen, weil damit zu rechnen sei, dass der Betrieb des Kulturcafés die Nachtruhe der
Anwohner regelmässig erheblich stören werde. Dies erweise sich unter dem
Gesichtspunkt von Art. 11 Abs. 3 und Art. 15 USG als unzulässig, zumal die Zone für
öffentliche Bauten und Anlagen der Empfindlichkeitsstufe II zugeordnet sei. Die
Vorinstanz habe das öffentliche Interesse an der geplanten Einrichtung zu Unrecht
höher gewichtet als das Interesse der Anwohner an ungestörter Nachtruhe.
4.1.
4.1.1. Unbestritten ist, dass es sich beim Lokal, das der Beschwerdegegner eröffnen
will, um eine neue ortsfeste Anlage im Sinn von Art. 7 Abs. 7 USG handelt, die den
bundesrechtlichen Bestimmungen über den Lärmschutz unterliegt (dazu GVP 2005 Nr.
27 und F. Bellanger, Das Schweizerisches Umweltschutzrecht, Rechtsprechung von
1995 bis 1999, in: URP 7/2001 619 ff., 652). Davon wird grundsätzlich der direkt mit
dem Betrieb einer Anlage verbundene "Verhaltenslärm" von Menschen erfasst (BGE
123 II 74 ff.). Soweit diese Emissionen nach aussen dringen (Aussenlärmemissionen),
fallen sie in den Regelungsbereich der LSV (Art. 1 Abs. 2 lit. a LSV). Der Innenlärm wird
davon teilweise erfasst (Art. 1 Abs. 2 lit. d und Abs. 3 lit. a LSV).
Zu dem nach USG zu beurteilenden Lärm einer Gastwirtschaft gehören durch die
bestimmungsgemässe Nutzung der Anlage innerhalb und ausserhalb derselben
verursachte Geräusche, namentlich auch die Emissionen der Gartenterrasse sowie der
von den Besuchern beim Betreten und Verlassen der Gaststätte und beim Parkieren
auf dem reservierten Besucherparkplatz verursachte Lärm, sogenannte
Sekundärimmissionen (Urteil des Bundesgerichts vom 24. Juni 1997 [1A.86/1996],
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
teilweise publiziert in: URP 6/1997 495; vgl. auch Bellanger, a.a.O., in: URP 7/2001
663). Dasselbe gilt für ein Lokal, wie es der Beschwerdegegner betreiben will, das in
erster Linie der Durchführung kultureller Veranstaltungen dient, in dem aber auch
alkoholische und andere Getränke ausgeschenkt werden.
4.1.2. Das Konzept des Immissionsschutzes nach USG basiert auf der Grenzziehung
zwischen Einwirkungen, die "schädlich und lästig" sind und Einwirkungen die als
"unschädlich" bzw. "nicht lästig" gelten (A. Schrade, in: Kommentar zum USG, 2. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2004, N 1 zu Art. 13 USG). Gemäss Art. 11 Abs. 2 USG sind
Emissionen unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung im Rahmen der
Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und
wirtschaftlich tragbar ist. Die Emissionsbegrenzungen werden nach Art. 11 Abs. 3 USG
verschärft, wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter
Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden.
Emissionen werden nach Art. 12 Abs. 1 lit. a und c USG unter anderem durch den
Erlass von Emissionsgrenzwerten und Verkehrs- und Betriebsvorschriften
eingeschränkt. Solche Emissionsbegrenzungen werden gemäss Art. 12 Abs. 2 USG
durch Verordnungen oder, soweit diese nichts vorsehen, durch unmittelbar auf das
USG abgestützte Verfügungen vorgeschrieben. Schutzmassnahmen nach Art. 12 Abs.
2 USG sind nicht erst zu ergreifen, wenn die Umweltbelastung schädlich oder lästig
wird, sondern es müssen gestützt auf das Vorsorgeprinzip schon sämtliche unnötigen
Emissionen vermieden werden. Dies ist allerdings nicht so zu verstehen, dass jeder im
strengen Sinn nicht nötige Lärm völlig untersagt werden müsste. Es gibt keinen
absoluten Anspruch auf Ruhe; vielmehr sind geringfügige, nicht erhebliche Störungen
hinzunehmen (BGE 126 II 368 mit Hinweisen).
4.1.3. Für die Beurteilung der schädlichen und
lästigen Einwirkungen legt der Bundesrat gemäss Art. 13 Abs. 1 USG
Immissionsgrenzwerte fest. Immissionsgrenzwerte für Lärm und Erschütterungen sind
gemäss Art. 15 Abs. 1 USG so festzulegen, dass nach dem Stand der Wissenschaft
oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die Bevölkerung in ihrem
Wohlbefinden nicht erheblich stören. Gemäss Art. 13 Abs. 2 USG ist auf
Personengruppen mit erhöhter Empfindlichkeit, wie Kinder, Kranke, Betagte und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schwangere, Rücksicht zu nehmen. Dabei ist nicht auf das subjektive Lärmempfinden
einzelner Personen abzustellen, sondern es ist eine objektivierte Betrachtung
vorzunehmen (BGE 126 II 307). Ob im Einzelfall eine unzumutbare Störung vorliegt, ist
neben der zonenmässigen Zuordnung und der entsprechenden Empfindlichkeitsstufe
auch nach dem Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit seines Auftretens sowie
der Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbelastung der Zone, in der die Immissionen
auftreten, zu beurteilen (GVP 2005 Nr. 27 mit Hinweis auf BGE 130 II 36 und BGE 123 II
335).
4.1.4. In Bezug auf Lärm, so auch auf Strassenverkehrslärm, sind die
Belastungsgrenzwerte der LSV massgebend (vgl. Anhänge 3-8).
4.1.5. Für die durch Gäste einer Gaststätte und somit auch eines Kulturcafés der
geplanten Art verursachten Lärmemissionen fehlen indessen Belastungsgrenzwerte.
Ob die Störung zumutbar ist, beurteilt sich deshalb gemäss Art. 40 Abs. 3 LSV im
Einzelfall gestützt auf die allgemeinen Bestimmungen des USG (GVP 2005 Nr. 27 mit
Hinweis auf BGE 123 II 334 f. und 126 III 226 f.; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
vom 19. August 2004 [1A.43/2004], teilweise publiziert in: ZBl 106[2005] 36 ff.).
Angesichts der Tatsache, dass gesicherte Grenzwerte fehlen, darf auf Lärmmessungen
und -schätzungen verzichtet und eine Einzelfallbeurteilung aufgrund von Feststellungen
an einem Augenschein vorgenommen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 24. Juni
1997 [1A.86/1996], teilweise publiziert in: URP 6/1997 495).
4.1.6. Entscheidend ist weiter, dass es sich bei der teilweisen Umnutzung des
Zeughauses 1 als Kulturcafé nicht um die Änderung einer bestehenden Anlage,
sondern um eine neue ortsfeste Anlage handelt.
Die Bewilligung für eine neue Anlage ist zu verweigern, wenn dadurch mehr als
geringfügige Störungen resultieren, zumal dann, wenn sie in einer Zone mit
Empfindlichkeitsstufe II liegt, wo grundsätzlich keine störenden Betriebe zugelassen
sind (vgl. Ziff. 3.1. hievor). Dabei ist während der Nacht ein strengerer Massstab
anzulegen als tagsüber (Urteil des Bundesgerichts vom 19. August 2004 [1A.43/2004],
teilweise publiziert in: ZBl 106[2005] 36 ff. 39 mit Hinweisen).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ortsfeste Anlagen dürfen nach Art. 25 Abs. 1 USG zudem nur errichtet werden, wenn
die durch diese Anlagen allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte in der
Umgebung nicht überschreiten; die Bewilligungsbehörde kann eine Lärmprognose
verlangen. Art. 7 Abs. 1 LSV sieht weiter vor, dass die Lärmemissionen einer neuen
ortsfesten Anlage nach den Anordnungen der Vollzugsbehörde so weit begrenzt
werden als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (lit. a)
und dass die von der Anlage allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte
nicht überschreiten (lit. b). Mit der Ausrichtung auf die Planungswerte, die unterhalb der
in den Immissionsgrenzwerten definierten Grenze der Schädlichkeit und Lästigkeit
angesetzt sind, soll insbesondere erreicht werden, dass auch beim Zusammentreffen
des Lärms mehrerer Anlagen oder einer anderweitigen Zunahme der Lärmbelastung
wenigstens die Immissionsgrenzwerte eingehalten werden.
Nach Art. 9 LSV darf der Betrieb neuer oder wesentlich geänderter ortsfester Anlagen
nicht dazu führen, dass durch die Mehrbelastung einer Verkehrsanlage die
Immissionsgrenzwerte überschritten werden (lit. a) oder durch die Mehrbeanspruchung
einer sanierungsbedürftigen Verkehrsanlage wahrnehmbar stärkere Lärmimmissionen
erzeugt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 19. August 2004 [1A.43/2004],
teilweise publiziert in: ZBl 106[2005] 36 ff.).
4.2. Die Vorinstanz hat am 29. November 2006 einen Augenschein durchgeführt, an
dem sich der Beschwerdeführer durch seine Ehefrau und seine Tochter vertreten liess.
Das Augenscheinprotokoll, das im Anschluss daran am 13. Dezember 2006 erstellt
worden ist, enthält ausführliche Angaben bezüglich der tatsächlichen Verhältnisse. Es
ist dem Beschwerdeführer am 14. Dezember 2006 zugestellt worden, und es wurde
ihm Gelegenheit geboten, sich bis 10. Januar 2007 dazu zu äussern. Der
Beschwerdeführer hat auf eine Stellungnahme verzichtet. Unbestritten geblieben sind
insbesondere auch die Ausführungen des kantonalen Fachverantwortlichen für
Lärmschutz. Die Feststellungen im Augenscheinprotokoll liegen dem angefochtenen
Entscheid zu Grunde, und der Beschwerdeführer hat sie auch im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens nicht in Frage gestellt. In Anbetracht der unbestrittenen
Tatsachenfeststellungen und der ebenfalls unbestrittenen Ausführungen des
Lärmschutzsachverständigen rechtfertigt es sich, auf die Durchführung eines
Augenscheins zu verzichten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Beschwerdegegner ist gemäss Statuten vom 5. April 2006 ein Verein, der sich für
den Betrieb und den Erhalt eines Kulturzentrums in Wil einsetzt. Er verfolgt keine
kommerziellen Zwecke und erstrebt keinen Gewinn. Die Mitgliedschaft steht allen
natürlichen und juristischen Personen offen, die den Vereinszweck unterstützen und
einen Beitrag von Fr. 50.-- je Jahr leisten. Das Projekt des Beschwerdegegners, das
von der Beschwerdebeteiligten finanziell unterstützt wird, geht auf eine von rund 2'300
Personen unterschriebene Petition zurück, die der Beschwerdebeteiligten im Jahr 2005
eingereicht worden ist. In einem "Übergangskonzept" für den zeitlich befristeten
Betrieb eines Kulturcafés hält der Beschwerdegegner fest, das Lokal solle zum einen
ein Ort der Begegnung für Kunstschaffende und Kunstinteressierte sein und zur
Vernetzung verschiedener Sparten beitragen. Zum anderen solle es er-möglichen,
einem breiten Publikum Kunstschaffen u.a. aus den Bereichen Musik, Film, Comedy,
Kabarett, Theater und Literatur zu präsentieren. Geplant sei sodann, an der Bar
ausschliesslich Getränke anzubieten. Eine Küche sei nicht vorgesehen. Weiter solle das
Lokal an Dritte (unter)vermietet werden.
4.3. Nach den Feststellungen der Vorinstanz liegen die für das Kulturcafé
vorgesehenen Räumlichkeiten in der Mitte des Zeughauses 1 und umfassen rund einen
Drittel der Grundfläche. Der Eingang führt in einen rund 7.5 m auf 4.5 m grossen Raum,
der zum Foyer und zur Garderobe umgestaltet werden soll und von dem aus ein Gang
zum südlich angrenzenden Veranstaltungsraum mit Bühne führt, der rund 16 m auf 9 m
misst. Die ehemalige Waffenkammer (13.5 m auf 4.5 m), die zwischen Foyer und
Veranstaltungsraum liegt, soll als Lager und Aufbewahrungsort für Getränke, Stühle
und dergleichen dienen. Auf dem Zeughausareal stehen rund 80 Parkplätze zur
Verfügung.
Die Parzellen, die das Grundstück Nr. 1049 umgeben, sind den Wohnzonen W2, W3
und W4 zugeordnet. Südwestlich des Grundstücks befindet sich das ebenfalls in der
Zone für öffentliche Bauten und Anlagen liegende Schulareal Lindenhof, südöstlich der
Friedhof. Die Alterswohnungen, auf die sich der Beschwerdeführer beruft, befinden
sich an der Thuraustrasse 26 und 26a bzw. südlich des Zeughausareals an der
Flurhofstrasse 4, 5 und 7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Von der Thuraustrasse aus gelangt man nach den Feststellungen der Vorinstanz durch
das östlich der Baute 2 gelegene Tor auf den Parkplatz. Das Tor liegt im Bereich der
Kreuzung, an welcher die Friedhof- und die Flurhofstrasse von der Thuraustrasse
abzweigen. Die Flurhofstrasse führt in einer leichten Kurve dem Grundstück Nr. 2391
des Beschwerdeführers entlang nach Süden. Das mehrstöckige Wohnhaus auf dieser
Parzelle weist nach Norden zur Thuraustrasse hin eine geschlossene Fassade auf. Dort
befindet sich lediglich der Hauseingang. Fenster und Balkone sind in die nach Osten
und Westen ausgerichteten Seiten eingelassen. Der Abstand zwischen der
nordöstlichen Hausecke und der Mitte des Zufahrtstors beträgt rund 33 m.
4.4. Der Beschwerdeführer macht geltend, beim
Betrieb des Kulturzentrums mit bewilligten Öffnungszeiten
täglich bis 24.00 Uhr sowie Freitag und Samstag bis 02.00 Uhr für höchstens 20
Anlässe bzw. Abende je Jahr könne nicht mit geringfügigen Störungen gerechnet
werden. Auch wenn der Beschwerdegegner bemüht sei, die ihm auferlegten
Bedingungen und Auflagen einzuhalten, sei es aufgrund der allgemeinen
Lebenserfahrung unrealistisch zu glauben, die Nachtruhe im Quartier werde
gewährleistet sein, wenn im Kulturcafé ein Anlass stattfinde. Die Vorinstanz habe es
unterlassen, das Schutzbedürfnis der Anwohner, so auch dasjenige der Bewohner der
angrenzenden Alterssiedlung mit erhöhter Empfindlichkeit, in die Beurteilung
miteinzubeziehen, wozu sie nach Art. 13 Abs. 2 USG verpflichtet gewesen wäre.
Andernfalls hätte angeordnet werden müssen, dass die Fenster immer, allenfalls ab
21.00 Uhr, geschlossen zu halten seien, wie dies Art. 15 Abs. 4 der
Lärmschutzverordnung der Beschwerdebeteiligten vorsehe. Die Vorinstanz mache es
sich einfach und gehe von unrealistischen Hypothesen aus, wenn sie argumentiere,
sekundäre Lärmimmissionen seien nicht den ganzen Abend über, sondern nur beim
Kommen und Gehen der Besucherinnen und Besucher am Ende der Veranstaltung
sowie im Rahmen der Parkplatzbenützung zu erwarten. Beim Kulturcafé handle es sich
nicht um ein Theater, sondern um einen Ausstellungsraum mit Bar, wo auch Konzerte
geplant seien, weshalb nicht davon ausgegangen werden könne, das Publikum treffe
zusammen ein und verlasse das Lokal mehr oder weniger gleichzeitig wieder. Vielmehr
sei mit einem stetigen Kommen und Gehen zu rechnen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.4.1. Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101) schreibt vor, dass staatliches
Handeln verhältnismässig sein muss. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit erfordert,
dass die Verwaltungsmassnahmen zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse
liegenden Ziels geeignet und notwendig sind. Ausserdem muss der angestrebte Zweck
in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die den Privaten auferlegt
werden (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich/Basel/
Genf 2006, Rz. 581 mit Hinweisen). Art. 87 Abs. 2 BauG sieht vor, dass die
Baubewilligung mit einschränkenden Bedingungen und Auflagen verbunden werden
kann. Sie darf unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit nicht verweigert
werden, wenn dies möglich ist (Heer, a.a.O., Rz. 8 mit Hinweisen).
Zu prüfen ist somit, ob den lärmschutzrechtlichen Vorgaben des Bundesrechts mit den
von der Vorinstanz und der Beschwerdebeteiligten angeordneten Massnahmen
Rechnung getragen werden kann oder ob die Baubewilligung hätte verweigert werden
müssen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es nicht nur im Interesse der Anwohner
liegt, dass die im Kulturcafé stattfindenden Veranstaltungen möglichst
störungsfrei vonstatten gehen, sondern auch im Interesse des Beschwerdegegners als
verantwortlichem Mieter der Räumlichkeiten und als Betreiber des Kulturzentrums
sowie der Beschwerdebeteiligten als Vermieterin. Mit dem Mietvertrag sind "Besondere
Vereinbarungen" betreffend die Nutzung der Räumlichkeiten geschlossen worden, und
die Beschwerdebeteiligte hat sich vorbehalten, Weisungen auszusprechen und
Sicherheitsmassnahmen oder betriebliche Einschränkungen anzuordnen. Nach den
Erwägungen zum angefochtenen Entscheid hätte die Beschwerdebeteiligte zudem den
Widerruf der Bewilligung in Erwägung zu ziehen, sollte sich herausstellen, dass damit
verknüpfte Bedingungen und Auflagen nicht eingehalten werden. Überdies wären die
angeordneten Massnahmen gegebenenfalls zu verschärfen, für den Fall, dass sich
erweisen sollte, dass sie unzureichend sind. Ins Gewicht fällt weiter, dass der Betrieb
des Kulturcafés nur bis Ende des Jahres 2008 bewilligt worden ist. Somit wären die
lärmmässigen Auswirkungen auf die Umgebung in Kürze neu zu beurteilen, sofern die
Weiterführung des Lokals über diesen Zeitpunkt hinaus in Erwägung gezogen werden
sollte.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.4.2. Entsprechend den Erläuterungen, die der Fachverantwortliche für Lärmschutz
anlässlich des Augenscheins vom 29. November 2006 gemacht hat, geht die
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid davon aus, dass im Zusammenhang mit dem
Betrieb des Kulturcafés vier Lärmquellen bestehen: Betrieb des Kulturcafés im Innern
der Räumlichkeiten, Lüftung, Parkplatz, Strassenbenützung. Unbestritten geblieben ist
die Feststellung der Vorinstanz, wonach nicht damit zu rechnen ist, die Lüftung, die mit
besonderer Schalldämmung eingebaut werden soll, werde zu störenden
Lärmimmissionen führen.
Die Vorinstanz nimmt an, dass der Lärm, der durch den Betrieb des Kulturcafés im
Innern der Räumlichkeiten verursacht wird, zu keinen übermässigen Lärmimmissionen
führt, wenn sich höchstens 200 Personen dort aufhalten, was gemäss Baubewilligung
vom 14. August 2006 mittels Zugangskontrolle zu gewährleisten ist, und wenn die
Fenster jeweils um 22.00 Uhr geschlossen werden, wozu der Beschwerdegegner
ebenfalls verpflichtet worden ist. Sie begründet dies damit, lärmintensive
Veranstaltungen wie Rockkonzerte seien nicht vorgesehen und der
Fachverantwortliche für Lärmschutz habe die baulichen Massnahmen zur
Schalldämmung als ausreichend bezeichnet.
Im "Übergangskonzept" des Beschwerdegegners, das integrierender Bestandteil des
Mietvertrages ist, wird bezüglich des Angebots festgehalten, das Raumkonzept erlaube
verschiedene Veranstaltungsformen (kleine Konzerte,
Lesungen, Theater, Alternativ-Kino usw.) und es sei geplant, in gemütlichem Ambiente
ruhigere Musikstile wie Folk oder Singer/Songwriting zu fördern. Auch anlässlich des
Augenscheins der Vorinstanz wurde von Seiten des Beschwerdegegners geäussert,
das Konzept sei mit demjenigen der "Grabenhalle" oder des "Flon" nicht zu
vergleichen. Es seien keine Rockkonzerte geplant, sondern ruhige Anlässe wie
Lesungen, Theater und Gitarrenkonzerte. In der Vernehmlassung an das
Verwaltungsgericht vom 31. Mai 2007 führt der Beschwerdegegner sodann aus, Ziel sei
es, an einzelnen Abenden die Kleinkunst sowie Künstlerinnen und Künstler aus der
Region zu fördern. Dementsprechend kultiviert werde sich das Publikum
zusammensetzen, was sich innerhalb und ausserhalb der Räumlichkeiten im Sinn des
Beschwerdeführers positiv auswirken werde.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist davon auszugehen, dass vom
Innern des Kulturcafés auch für Personengruppen mit erhöhter Empfindlichkeit wenn
überhaupt, nur geringfügige Lärmimmissionen ausgehen werden, da die
Räumlichkeiten nicht überbelegt werden dürfen und die Fenster entsprechend den
Vorgaben der Beschwerdebeteiligten spätestens um 22.00 Uhr zu schliessen sind.
Hinzu kommt, dass die Fenster auf der Westseite des Veranstaltungsraums aus
Schallschutzgründen mit Novopan-Platten verkleidet und die Fenster auf der Ostseite
voraussichtlich durch dicke Filzvorhänge abgeschirmt werden. Im weiteren wird eine
Lüftung installiert, welche eine genügende Frischluftzufuhr gewährleistet. Die
Befürchtung des Beschwerdeführers, es könne zu unzumutbaren Lärmeinwirkungen
aus dem Innern des Lokals kommen, erweist sich somit als unbegründet. Entgegen
seiner Annahme handelt sich auch nicht um einen Betrieb gemäss Art. 15 Abs. 4 der
Lärmschutzverordnung der Beschwerdebeteiligten, wo, wenn Drittpersonen gestört
werden, die Fenster und Türen von 21.00 Uhr an oder stets geschlossen gehalten
werden müssen.
Was die Sekundärimmissionen anbetrifft, die Besucher beim Betreten und Verlassen
des Lokals und insbesondere auf dem Parkplatz verursachen (laute Unterhaltungen,
Lachen, Zuschlagen von Autotüren, Motorengeräusche), wird im angefochtenen
Entscheid festgehalten, das Kulturcafé komme zwar in eine Umgebung mit relativ
hoher Lärmempfindlichkeit zu liegen (Empfindlichkeitsstufe II). Es sei indessen davon
auszugehen, dass auch der Zeughausbetrieb zu gewissen Immissionen geführt habe.
Sodann seien die Öffnungszeiten des Kulturcafés die ganze Woche über auf die Zeit
von 05.00 Uhr bis 24.00 Uhr begrenzt. Nur 20 mal je Jahr (jeweils an Freitagen oder
Samstagen) sei es gestattet, den Betrieb bis 02.00 Uhr offen zu halten (vgl. Art. 17 und
Art. 18 des Gastwirtschaftsgesetzes, sGS 553.1). Im weiteren verfüge das Kulturcafé,
das kein Nichtraucherlokal sei, über ein Foyer und die Eingangstüre bleibe ab 22.00
Uhr grundsätzlich geschlossen. Zu berücksichtigen sei zudem, dass gemäss
"Übergangskonzept" ein eher gesetztes, kultiviertes Publikum angesprochen werde,
das vom Kulturangebot profitieren und nicht in erster Line (alkoholische) Getränke
konsumieren wolle und von dem ein rücksichtsvolles Verhalten auch ausserhalb der
Räumlichkeiten erwartet werden dürfe. Schliesslich sei nicht zuletzt aufgrund
beschränkter personeller Kapazitäten des Beschwerdegegners nicht damit zu rechnen,
dass das Kulturcafé täglich geöffnet sein werde; der Beschwerdegegner behalte sich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
indessen vor, je nach Programm einen Anlass an mehreren aufeinander folgenden
Abenden durchzuführen.
In Anbetracht der Tatsache, dass sich das Verhalten von Besuchern auf dem
Zeughausareal störend auswirken kann, sind verschiedene Massnahmen angeordnet
worden, u.a.: Keine Veranstaltungen im Freien; Fusswegverbindung zwischen dem
Kulturcafé und den Parkplätzen auf dem Zeughausareal ausschliesslich auf der
nördlichen Seite des Zeughauses 2; Ordnungsdienst vor dem Lokal und auf den
Parkplätzen, bei grösseren Anlässen mit verlängerter Öffnungszeit bis 02.00 Uhr durch
kantonal anerkannten Ordnungsdienst (vgl. Art. 51bis des Polizeigesetzes, sGS 451.1);
Pflicht, die Besucher aktiv aufzufordern, unnötige Immissionen auf dem Zeughausareal
zu vermeiden und ohne Motorfahrzeuge anzureisen.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sind diese Verpflichtungen sinnvoll
und geeignet, unnötigen Lärm zu verhindern, zumal nichts dafür spricht, der
Beschwerdegegner werde sie nicht befolgen und sie seien deshalb wirkungslos. Hinzu
kommt, dass der geplante Betrieb nicht mit einem Speiserestaurant, einem Dancing
oder einer Bar verglichen werden kann. Im Vordergrund steht das Kulturangebot und
nicht die Restauration. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass die Veranstaltungen,
die nach dem "Übergangskonzept" im Kulturcafé durchgeführt werden sollen, in aller
Regel ein kulturinteressiertes, eher ruhiges Publikum ansprechen werden. Von
Besuchern dieser Art darf ein rücksichtsvolles Benehmen beim Verlassen des Lokals
erwartet werden. Es ist jedenfalls nicht anzunehmen, dass die Auflagen, die der
Beschwerdegegner insbesondere auch zwecks Sicherstellung eines möglichst
störungsarmen Verhaltens der Besucher auf dem Zeughausareal einzuhalten hat, von
vornherein missachtet werden oder dass es nicht möglich sein soll, die Besucher bei
Bedarf zu ruhigem Verhalten zu bewegen. Im weiteren hat der Vertreter des
Beschwerdegegners anlässlich des Augenscheins der Vorinstanz bestätigt, dass es
aufgrund der personellen Kapazitäten gar nicht möglich sein wird, das Lokal, dessen
Betrieb zudem nur bis Ende des Jahres 2008 bewilligt worden ist, im Durchschnitt an
mehr als zwei Abenden je Woche geöffnet zu halten. Sodann stehen auf dem
Zeughausareal genügend Abstellflächen für Motorfahrzeuge zur Verfügung. Es sind
rund 80 Parkplätze vorhanden, weshalb nicht mit Lärm verursachendem Suchverkehr
gerechnet werden muss. Somit ist davon auszugehen, dass durch das Verhalten der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Besucher ausserhalb des Lokals nicht mit mehr als geringfügigen Störungen zu
rechnen ist, die in Kauf genommen werden müssen.
An dieser Beurteilung ändert nichts, dass der Beschwerdeführer geltend macht, im
Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz sei mit einem stetigen Kommen und Gehen
von Besuchern zu rechnen bzw. es könne nicht davon ausgegangen werden, das
Publikum reise zusammen an und geschlossen ab. Zutreffend ist, dass der Betrieb des
Beschwerdegegners auch ohne konkretes Programm (Theater, Lesung, Konzert) für
das Publikum geöffnet sein kann. In diesem Fall werden die Besucher zu
verschiedenen Zeiten im Lokal eintreffen und dieses auf diese Weise wieder verlassen.
Auch wenn eine Veranstaltung stattfindet, kann überdies nicht damit gerechnet
werden, dass alle Besucher das Kulturcafé unmittelbar anschliessend verlassen. Weil
das Kulturcafé auf kulturelle Aktivitäten und nicht auf Restauration ausgerichtet und
zudem nicht täglich und in der Regel nur bis 24.00 Uhr geöffnet ist, muss indessen
nicht damit gerechnet werden, dass zu später Stunde weitere Personen eintreffen, die
den Abend dort beschliessen wollen, weil andere Lokale nicht mehr zugänglich sind.
Unter Berücksichtigung des Betriebskonzepts stellen die verfügten Massnahmen
deshalb sicher, dass nicht mit unzumutbaren Sekundärimmissionen gerechnet werden
muss.
Unbestritten geblieben ist schliesslich, dass der Betrieb des Kulturcafés nicht eine
Mehrbelastung der Thuraustrasse zur Folge hat, die wahrnehmbar stärkere
Immissionen erzeugt (Art. 9 lit. b LSV) bzw. dass er nicht dazu führt, dass die
Immissionsgrenzwerte überschritten werden (Art. 9 lit. a LSV).
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Geräusche, die im Innern des Lokals
erzeugt werden, wenn überhaupt höchstens zu geringfügigen Störungen der
Nachbarschaft
führen, die hingenommen werden müssen. Demgegenüber kann sich das Verhalten der
Besucher des Kulturcafés auf dem Zeughausareal störend auswirken und die
Bedenken des Beschwerdeführers, es könnte zu unzulässigen Lärmbelästigungen
kommen, sind nicht ganz unbegründet. Die von der Vorinstanz und der
Beschwerdebeteiligten angeordneten Massnahmen tragen diesem Umstand indessen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechnung, und es ist davon auszugehen, dass sich die Sekundärimmissionen im
Rahmen des rechtlich Zulässigen halten. Dem Beschwerdegegner kann nicht unterstellt
werden, er werde das Kulturcafé nicht entsprechend den rechtlichen Vorgaben
betreiben. Andernfalls wäre die Beschwerdebeteiligte gehalten, entsprechende
Anordnungen zu treffen oder den Widerruf der Bewilligung in Erwägung zu ziehen.
Berücksichtigt man zusätzlich, dass die Bewilligung für den Betrieb des Kulturcafés bis
Ende des Jahres 2008 befristet ist, wird dem Schutzbedürfnis der Anwohner, so auch
demjenigen von Personen mit erhöhter Empfindlichkeit, genügend Rechnung getragen.
Offen bleiben kann bei dieser Sachlage, ob der Zeughausbetrieb, der vor längerer Zeit
eingestellt worden ist, mit gewissen Immissionen verbunden war, was der
Beschwerdeführer bestreitet. Das öffentliche Interesse am geplanten kulturellen
Angebot des Beschwerdegegners überwiegt somit gegenüber dem privaten Interesse
des Beschwerdeführers an gänzlich ungestörter Nachtruhe. Demzufolge ist die
Beschwerde abzuweisen.
5.1. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Sie ist mit dem Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
5.2. Der Beschwerdegegner hat Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art.
98 Abs. 1 und Art. 98bis VRP). Sein Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht.
Folglich ist die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen. Das Gericht erachtet eine
Entschädigung von Fr. 1'500.-- (inkl. Barauslagen, zuzüglich MWSt) für das
Beschwerdeverfahren für angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75).