Decision ID: 572c9bf1-addd-5cdc-bfa5-69caa6ea7f42
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Im Februar 1983 wurde A._ bei der IV zum Bezug von Leistungen für
Minderjährige angemeldet (IV-act. 2). Aufgrund eines elektiven Mutismus (IV-act. 6)
wurden ihr Sonderschulmassnahmen und medizinische Massnahmen (Psychotherapie)
zugesprochen (IV-act. 18 und 25).
A.b Die Versicherte meldete sich im Oktober 1998 erneut zum Bezug von IV-
Leistungen (Berufsberatung, Umschulung und Arbeitsvermittlung) an. Sie habe im
August 1996 die Bäcker- und Konditorlehre abgeschlossen und sei anschliessend noch
bis Juli 1997 als Bäcker-/Konditorin tätig gewesen. Seit ca. 1995 (immer stärker
werdend) leide sie an Bäckerasthma (IV-act. 37). Nachdem verschiedene
Abklärungsmassnahmen erfolglos waren, wurde mit Verfügung vom 15. Januar 2001
der Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen abgewiesen, da die Versicherte
durch ihre Anstellung bei der B._ rentenausschliessend eingegliedert sei (IV-act. 76).
A.c Im Juni 2007 meldete sich die Versicherte wieder bei der IV-Stelle und beantragte
berufliche Massnahmen (Umschulung). Seit 1997 leide sie an Mehlstaubasthma (IV-act.
78). Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Wil,
diagnostizierte im Gutachten vom 27. Oktober 2007 eine spezifische
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen Zügen (ICD-10: F60.8) und einen Status nach
selektivem (elektivem) Mutismus in der Kindheit (ICD-10: F94.0). Für die Tätigkeit als
Bäcker-/Konditorin bestehe aufgrund des Mehlstaubasthmas eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. In jeder adaptierten Tätigkeit bestehe eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 50%. Ob die Versicherte die verbleibende Restarbeitsfähigkeit von
50% in der freien Wirtschaft auf Dauer umsetzen könne und dies einem Arbeitgeber
zumutbar sei, werde aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre in Zweifel gezogen (IV-
act. 99). Berufliche Massnahmen zur Eingliederung der Versicherten in eine adaptierte
Tätigkeit in freier Wirtschaft seien angezeigt und sinnvoll. Dabei sei zu beachten, dass
die Versicherte weitgehend selbständig und unabhängig von weiteren Mitarbeitenden
arbeiten könne, ohne dass sie mit Kunden in Kontakt zu treten habe. Zusätzlich
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limitierend für eine Ausbildung mit Berufsschule könnten sich die beschränkte
Lernfähigkeit und die lange Schulabstinenz auswirken.
A.d Mit Vorbescheid vom 4. November 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das Leistungsbegehren betreffend berufliche Massnahmen abzuweisen. Die
Eingliederungsberaterin habe der Versicherten mehrere Stelleninserate zugestellt. Trotz
mehrfacher Aufforderung sei kein Feedback eingegangen, weshalb nicht bekannt sei,
ob die Versicherte inzwischen eine Arbeitsstelle gefunden habe. Unter diesen
Umständen seien weitere Arbeitsvermittlungsbemühungen durch die IV nicht
angezeigt. Berufliche Massnahmen im Rahmen einer Umschulung seien unter
Berücksichtigung der gesundheitlichen Einschränkungen nicht angezeigt. Mittels einer
Umschulung könne die aktuelle Erwerbsfähigkeit nicht rententangierend verbessert
werden (IV-act. 123). Gegen den Vorbescheid liess die Versicherte am 25. November
2009 Einwand erheben (IV-act. 127).
A.e Mit Verfügung vom 9. April 2010 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten
entsprechend dem Vorbescheid, dass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen
bestehe (IV-act. 135).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 30. April
2010 mit den sinngemässen Anträgen, die Verfügung vom 9. April 2010 sei aufzuheben
und es seien der Beschwerdeführerin berufliche Massnahmen zu gewähren. Sie habe
sich immer wieder um verschiedene Arbeitsstellen bemüht, um nach kurzer Zeit
festzustellen, dass sie dazu nicht geeignet gewesen sei. Es habe leider nie eine genaue
Abklärung stattgefunden, welche Umschulung oder Massnahmen nötig wären. Es
bestehe ein psychisches Handicap, mit welchem die Beschwerdeführerin viel zu lange
allein gelassen worden sei (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 23. Juli/11. August 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin Nichteintreten auf die Beschwerde bzw. deren Abweisung. Aus
der Beschwerde gehe nicht hervor, ob weiterhin Arbeitsvermittlung, eine Umschulung
oder etwas ganz anderes verlangt werde. Voraussetzung der Arbeitsvermittlung sei
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immer der Wille, die erklärte Bereitschaft und das entsprechende Verhalten der
versicherten Person, arbeiten zu wollen. Die Beschwerdeführerin habe den fehlenden
Eingliederungswillen damit kundgetan, dass sie sich nicht mehr bei der
Eingliederungsberaterin gemeldet habe. Die Beschwerdeführerin habe verlauten lassen,
dass sie beabsichtige Sozialbegleiterin zu werden. Ein Anspruch auf diese Umschulung
bestehe jedoch nicht, da diese Tätigkeit nicht dem von Dr. C._ im Gutachten vom 27.
Oktober 2007 festgelegten Anforderungsprofil entspreche. Das der Beschwerdeführerin
noch zumutbare Tätigkeitsfeld bestehe in einfachen Tätigkeiten, die keiner Umschulung
bedürften. Sobald sie eine zumutbare Stelle gefunden habe, könne sie einen
Einarbeitungszuschuss beantragen (act. G 8).
B.c In der Replik vom 16. Dezember 2010 beantragt Advokat lic. iur. Martin
Boltshauser, Procap, Olten, im Namen der Beschwerdeführerin die Aufhebung der
Verfügung vom 9. April 2010 und die Rückweisung der Angelegenheit zur Prüfung von
beruflichen Massnahmen an die Vorinstanz, eventualiter sei die Angelegenheit zu
weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Bezüglich der theoretischen
Restarbeitsfähigkeit bleibe offen, ob die Vorbehalte betreffend Zumutbarkeit für einen
Arbeitgeber zutreffen würden oder nicht. Dies könne allerdings erst nach einer
entsprechenden Probephase bestätigt oder abgelehnt werden. Somit stehe fest, dass
die Beschwerdeführerin grundsätzlich Anspruch auf berufliche Massnahmen habe. Ob
es sich hierbei um eine Umschulung handle, sei mindestens fraglich. Die
Beschwerdeführerin habe bereits während der Bäckerlehre ein Bäckerasthma
entwickelt und somit die Lehre nach Eintritt des Gesundheitsschadens abgeschlossen.
Somit wäre eine berufliche Massnahme nach höchstrichterlicher Rechtsprechung nicht
in Form einer Umschulung, sondern in Form einer erstmaligen beruflichen Ausbildung
zuzusprechen. Trotz erheblichen Problemen bei den Eingliederungsversuchen hätten
sich verwertbare Fähigkeiten (z.B. gestalterische Fähigkeiten) gezeigt, mit welchen eine
berufliche Ausbildung angegangen werden könnte. Die Beschwerdegegnerin habe sich
allerdings schon früh auf Arbeitsvermittlung mit Stellenzuweisung begrenzt und nicht
mehr berufliche Massnahmen in Form von Umschulung oder erstmalige berufliche
Ausbildung geprüft. Trotz 50%iger Restarbeitsfähigkeit habe die Beschwerdegegnerin
die beruflichen Eingliederungsbemühungen nie auf eine Teilzeitstelle oder eine Stelle
mit leistungsreduzierten Beschäftigungsmöglichkeiten ausgerichtet. Auch die
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Ausrichtung einer Teilrente sei von der Beschwerdegegnerin nie geprüft worden. Die
Annahme der Beschwerdegegnerin in ihrem Schlussbericht vom 7. August 2009,
wonach die Beschwerdeführerin selbst in der Lage wäre, eine geeignete Stelle zu
finden, sei angesichts der aktenkundigen gesundheitlichen Situation und der grossen
Schwierigkeiten geradezu absurd (act. G 16).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine weitere Stellungnahme verzichtet (act. G
18).

Erwägungen:
1.
Gegenstand der angefochtenen Verfügung ist die Ablehnung des Anspruchs auf
berufliche Massnahmen. In der Beschwerde vom 30. April 2010 führte die
Beschwerdeführerin aus, dass sie sich immer um verschiedene Arbeitsstellen bemüht
habe. Ausserdem habe leider nie eine genaue Abklärung stattgefunden, welche
Umschulung oder welche Massnahmen nötig wären. Daraus lässt sich ableiten, dass
die Beschwerdeführerin weiterhin berufliche Massnahmen, insbesondere
Arbeitsvermittlung und eine Umschulung, beantragt. In der Replik vom 16. Dezember
2010 führte die Beschwerdeführerin konkret aus, dass die Streitsache zur Prüfung von
beruflichen Massnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei. Zu prüfen
gilt es somit im vorliegenden Verfahren, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen abgelehnt hat. Insofern
die Beschwerdeführerin in der Replik die Ausrichtung einer Rente beantragt, kann
darauf nicht eingetreten werden, da die Rentenfrage nicht Bestandteil der
angefochtenen Verfügung und somit nicht Anfechtungsgegenstand ist. Die
Beschwerdegegnerin hat denn auch in der angefochtenen Verfügung explizit eine
separate Verfügung betreffend Rente in Aussicht gestellt.
2.
2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
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Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen u.a. in Massnahmen beruflicher Art:
Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
sowie Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG). In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die
dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht
aber auf die nach den gegebenen Umständen best-möglichen Vorkehren (BGE 110 V
102 E. 2). Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als
diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 110 E. 2a mit
Hinweisen).
2.2 Gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG besteht ein Anspruch auf eine Umschulung in eine
neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und
dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert
werden kann. Nach Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) gelten als Umschulung unter anderem Ausbildungsmassnahmen, die
Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer
Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
2.3 Gemäss Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG haben arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte,
welche eingliederungsfähig sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche
eines geeigneten Arbeitsplatzes.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht in der Replik vom 16. Dezember 2010 geltend,
dass ein Anspruch auf eine erstmalige berufliche Ausbildung bestehe, da sie die
Bäcker- und Konditorlehre nach Eintritt des Gesundheitsschadens (Bäckerasthma)
abgeschlossen habe. Bei der Abgrenzung zwischen dem Anspruch auf Umschulung
oder auf eine erstmalige berufliche Ausbildung ist entscheidend, ob die versicherte
Person vor Beginn der Eingliederungsmassnahme bereits tatsächlich erwerbstätig
gewesen war oder nicht. Dabei fällt nur eine ökonomisch erhebliche Erwerbstätigkeit in
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Betracht. Ein ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen als Voraussetzung für einen
Umschulungsanspruch liegt vor, wenn die versicherte Person während sechs Monaten
drei Viertel der minimalen vollen einfachen ordentlichen Invalidenrente erzielte und
dieses Einkommen invaliditätsbedingt verlor (U. Meyer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, Zürich 2010, S. 192 f.). Im Anschluss an die abgeschlossene
Bäcker- und Konditorlehre arbeitete die Beschwerdeführerin vom 15. August 1996 bis
19. Juli 1997 in einer Bäckerei/ Konditorei, wobei sie ein Einkommen von insgesamt Fr.
35'380.-- erzielte (IV-act. 38); es gab auch keine krankheitsbedingten Absenzen.
Überhaupt scheint die Mehlstauballergie nur rudimentär abgeklärt (vgl. IV-act. 66-3).
Insgesamt erscheint es damit gerechtfertigt, einen Anspruch auf Umschulung und nicht
auf eine erstmalige berufliche Ausbildung zu prüfen.
3.2 Nachdem die Beschwerdeführerin im Juni 2007 erneut berufliche Massnahmen
(Umschulung) beantragte, veranlasste der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der IV eine
psychiatrische Verlaufsbegutachtung (Erstgutachten vom 16. Juli 2000; IV-act. 66) bei
Dr. C._ (IV-act. 88). Im entsprechenden Bericht vom 27. Oktober 2007 führte dieser
aus, dass er berufliche Massnahmen zur Eingliederung der Beschwerdeführerin in eine
adaptierte Tätigkeit in freier Wirtschaft für angezeigt und sinnvoll erachte. Berufliche
Eingliederungsmassnahmen seien unter Einbezug des sozialen Umfeldes
(Mitarbeitende, Vorgesetzte) beratend und stützend-aufklärend zu sehen.
Weitergehende Eingliederungsmassnahmen im Sinn einer beruflichen Ausbildung
(Umschulung) seien in gleicher Weise zu befürworten. Die Möglichkeit z.B. eine
Ausbildung als Schriftenmalerin müsste durch die IV-Beratung objektiviert und
abgeklärt werden. Dabei sei darauf zu achten, dass die Beschwerdeführerin
weitgehend selbständig und unabhängig von weiteren Mitarbeitenden arbeiten könne,
ohne dass sie mit Kunden in Kontakt zu treten habe (IV-act. 99). Auf Vorschlag des
RAD veranlasste die IV-Stelle in der Folge lediglich eine Eingliederungsberatung, nicht
aber eine Berufsberatung (IV-act. 100 und 101). Dem Schlussbericht der
Eingliederungsberatung vom 28. Januar 2008 ist zu entnehmen, dass gemäss
Stellungnahme des RAD eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50% ausgewiesen und
eine Umschulung nicht erfolgsversprechend sei (IV-act. 105). In der angefochtenen
Verfügung führte die Beschwerdegegnerin aus, dass eine Umschulung unter
Berücksichtigung der gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin nicht
angezeigt sei. Mittels einer Umschulung könne die aktuelle Erwerbsfähigkeit nicht
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rententangierend verbessert werden. Letzteres ist von vornherein nicht
ausschlaggebend. Das Gesetz verlangt nur, dass mit einer Umschulung die
Erwerbstätigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (U. Meyer,
a.a.O., S. 201).
3.3 Aufgrund dieser Aktenlage ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen in Form einer
Umschulung nicht hinreichend abgeklärt hat. Unbestrittenermassen kann die
Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit (Bäcker-/Konditorin)
gesundheitsbedingt nicht mehr ausüben, wodurch sich ein Bedarf für eine Umschulung
ableiten lässt. Dr. C._ hat sich im Gutachten vom 27. Oktober 2007 dann auch
eindeutig und nachvollziehbar für die Notwendigkeit von beruflichen Massnahmen (u.a.
Umschulung) ausgesprochen. Die im Beratungsprotokoll vom 13. Dezember 2007
integrierte Stellungnahme des RAD, wonach eine Umschulung nicht
erfolgsversprechend sei, berücksichtigt einzig jene Aspekte im Gutachten, die Zweifel
an einer erfolgreichen Eingliederung wecken, lässt aber ausser Acht, dass der
Gutachter berufliche Massnahmen ausdrücklich befürwortete. Die Stellungnahme
erscheint von daher unzureichend begründet (IV-act. 104). Zudem führte der RAD in
der Stellungnahme vom 31. Oktober 2007 selber aus, dass die bisherigen Tätigkeiten
der Beschwerdeführerin und das Berufsfeld nicht optimal leidensadaptiert gewesen
sein dürften (IV-act. 100). Die Verneinung der Erfolgschancen einer Umschulung
aufgrund der Resultate der bisherigen Tätigkeiten ist daher nicht nachvollziehbar. Dies
umso weniger, als die Beschwerdeführerin selbst die nicht optimal angepassten
Tätigkeiten über mehrere Jahre in einem 100% Pensum ausgeführt hat. Auch die
Eingliederungsversuche anlässlich der erstmaligen Anmeldung zum Bezug von IV-
Leistungen erfolgten nicht unter optimal angepassten Bedingungen, da sie vor der
ersten medizinischen Abklärung bei Dr. C._ (Gutachten vom 16. Juli 2000)
durchgeführt wurden. Auf die damaligen Eingliederungsversuche kann somit nicht
mehr abgestützt werden. Die Verwertung der 50%igen Restarbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit ist somit offensichtlich nicht von vornherein auszuschliessen. Die
Beschwerdegegnerin hat daher weitere Abklärungen dahingehend vorzunehmen,
welche beruflichen Massnahmen der Beschwerdeführerin aufgrund der
gesundheitlichen Einschränkungen möglich wären. Ob durch eine Umschulung die
Erwerbsfähigkeit erhalten oder wesentlich verbessert werden kann, lässt sich zum
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jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestimmen, da zuerst konkrete
Umschulungsmöglichkeiten zu prüfen sind.
3.4 Die Beschwerdegegnerin hat die Arbeitsvermittlung mit der Begründung
eingestellt, dass sich die Beschwerdeführerin trotz mehrfacher Aufforderung nicht bei
der Eingliederungsberaterin gemeldet und ihr nicht mitgeteilt habe, ob sie sich auf die
zugestellten Stelleninserate beworben habe. In den vorliegenden Akten befindet sich
diesbezüglich ein Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberaterin. Diesem ist zu
entnehmen, dass die Beraterin der Beschwerdeführerin mehrere Stelleninserate
zustellte und sie gleichzeitig aufforderte, die entsprechenden Bewerbungsschreiben
einzureichen. Dieser Aufforderung ist die Beschwerdeführerin nicht nachgekommen,
weshalb ihr die Beschwerdegegnerin die subjektive Eingliederungsfähigkeit aberkannte
und die Arbeitsvermittlung abschloss. Der Abbruch der Arbeitsvermittlung erscheint
aufgrund der vorliegenden Akten als unverhältnismässig. Zu Recht machte die
Beschwerdeführerin geltend, dass die erhaltenen Stelleninserate zum Teil nicht ihrem
Anforderungsprofil entsprachen. Konkret gilt es diesbezüglich zu bemängeln, dass die
Inserate hinsichtlich des Beschäftigungsgrads (IV-act. 128/3, 5 und 6), der körperlichen
Voraussetzungen (kräftige Mitarbeitende, IV-act. 128/2) oder bezüglich des Arbeitsorts
(Basel, IV-act. 128/5) unpassend waren. Zudem wäre die Beschwerdeführerin auf
Grund ihrer gesundheitlichen Einschränkung (Persönlichkeitsstörung mit
Beziehungsschwierigkeit und Kommunikationsblockaden) gerade auf fachkompetente
Unterstützung bei der Arbeitssuche angewiesen. Sodann belegt die
Beschwerdeführerin mit den übrigen eingereichten Bewerbungsschreiben ihren
Eingliederungswillen (IV-act. 128/9 und 10). Da die Beschwerdeführerin die übrigen
Voraussetzungen für die Arbeitsvermittlung erfüllt, ist ihr Anspruch weiterhin zu
bejahen. Diesbezüglich gilt es an dieser Stelle anzufügen, dass es der
Beschwerdeführerin ohnehin freistehen würde, nach Aberkennung der subjektiven
Eingliederungsbereitschaft erneut berufliche Massnahmen in Form von
Arbeitsvermittlung zu beantragen, und dass der Eingliederungswille dann neu zu prüfen
– und bei entsprechender Mitwirkung auch zu bejahen – wäre.
3.5 Zusammenfassend gilt es festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Umschulung abzuklären und anschliessend
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darüber zu entscheiden hat. Daneben besteht weiterhin ein Anspruch auf
Arbeitsvermittlung.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 9. April 2010 gutzuheissen und die Sache zur Abklärung
des Anspruchs auf eine Umschulung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der
Anspruch auf berufliche Massnahmen in Form von Arbeitsvermittlung ist zu bejahen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, welche gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen ist. Angemessen
ist vorliegend ein Betrag von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP