Decision ID: bff26edb-4c85-4fbf-888f-d7b303a70435
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1995
, besuchte die Primarschule in
der Schweiz
und hatte seinen Wohnsitz
von
Mai 2007 bis April 2015 in
I._
(USA). D
ort besuchte
er
von 2009 bis 2013 eine M
ittelschule und hielt sich ein halbes Semester an einer Universität auf (
Urk.
10/4
Ziff.
4.1 und
Ziff.
5.2).
Danach
arbeitete er
rund zwei Jahre
als
Park
(
platz
)
-Wächter und als
Küchenhilfe
,
bevor er
am 1
6.
April 2015
in die Schweiz zurückkehrte
und
in die Rekrutenschule
ein
rückte (
Urk.
10/23 und
Urk.
10/76/18)
.
Wegen
Rückenbeschwerden
bei Vor
liegen einer
Diskushernie wurde er
am 2
5.
November 2015
vom Militärdienst suspendiert (Bericht vom 1
0.
Dezember 2015 mit Verweis auf das
MR
I vom 30.
November 2015 [
Urk.
10
/
18/
12, vgl. auch
Urk.
10/6 und
10/21]).
Unter An
gabe
seit 1.
Dezember 2015 bestehender Rückenprobleme
meldete
er
sich
mit For
mular vom
2
7.
August 2016
bei d
er Eidgenössischen Invalidenver
sicheru
ng zum
Leistungsbezug an (
Urk.
10/4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation unter Beizug der Akten der
Militärversicherung (vgl.
Urk.
10/14, 10/32
) ab
. Am 2
4.
Oktober 2017 teilte die IV-Stelle
dem Versicherten
mit, dass Eingliederungsmassnahmen nicht möglich
seien
und der Rentenanspruch geprüft werde (
Urk.
10/35).
Am 2
2.
April
2020 teilte sie die
Notwendigkeit
einer
bidisziplinären
Abklärung
mit
(
Urk.
10/68), wobei das
rheumatologische
Gutachten
am
6.
August 2020 (
Urk.
10/75) und das psychiatrische Gutachten
sowie
die Gesamtbeurteilung am 1
8.
August
2020 (
Urk.
10/76
) erstattet wurde
n
.
Nach durchgeführ
tem Vorbescheidverfahren (
Urk.
10/79
,
10/87
) verneinte di
e IV-Stelle mit Verfügung vom 2
5.
Februar 2021
(
Urk.
2) einen Rentenanspruch.
2.
Dag
egen erhob der Versicherte am 1
2.
April 2021
Beschwerde
mit den Anträgen
(
Urk.
1 S. 2)
:
«1.
Die Verfügung vom 2
5.
Februar 2021 sei aufzuheben.
2.
Es sei dem Beschwerdeführer mindestens ab April 2019 eine ganze Inva
lidenrente zuzusprechen.
3.
Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten durchzuführen.
»
In p
rozessualer Hinsicht ersuchte der Versicherte
um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung
. Die IV-Stelle be
antragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2021 (
Urk.
9
) die Abweisung der Beschwerd
e, was dem Beschwer
de
führer am 2
5.
Juni 2021 (
Urk.
11
) zur Kenntnis gebracht wurde.
Am
9.
August 2021 reichte der Beschwerdeführer
einen
weitere
n
ärztlichen Bericht
ein (
Urk.
12 und
Urk.
13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Stellung
nahme (
Urk.
15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
di
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3
;
in Bezug auf schizophrene Störungsb
ilder vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1
).
1.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dür
fen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer re
ntenabweisenden Verfügung vom 25
.
Februar 2021
(
Urk.
2) aus
, zur abschliessende
n
Beurteilung der Arbeitsfähig
keit sei ein rheumatologisches und psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben worden. Aus dem rheumatologischen Teilgutachten gehe hervor, dass der Be
schwerdeführer seit
1.
November 2015 in seiner
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
und für eine körperlich schwere Tätigkeit, wie beispielsweise als Küchenhilfe, wei
ter
hin nicht arbeitsfähig sei. Eine körperlich leichte und nicht rückenbe
las
tende Tätigkeit
sei jedoch ab Mai 2016 wieder zu 100
%
zumutbar
. Das psychia
trische Teilgutachten sei aus medizinischer und rechtlicher Sicht nicht nachvoll
ziehbar. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ergebe sich rein aus den subjektiven Angaben und die zahlreichen Ressourcen, welche sich
im
Tagesablauf zeigten, würden nicht berücksichtigt. Aus psychiatrischer Sicht sei deshalb ebenfalls von keiner Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit auszugehen.
In ihrer Beschwerdeantwort hielt sie fest (
Urk.
9), im psychiatrischen Gutachten
sei
en
eine schizotype Störung
lediglich
mit hoher Wahrscheinlichkeit und diffe
rentialdiagnostisch eine Autismus-Spektrum-Störung erhoben worden.
Eine fach
ärztlich lege art
is erstellte Diagnose sei
damit nicht
mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrsch
einlichkeit ausgewiesen und d
er Be
schwer
deführer habe die Folgen der nicht rechtsgenüglich diagnostizierbaren psychiatrischen Befunde zu tragen.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1 S.
6
f
f
.), das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene Gutachten atte
stiere ihm aufgrund der psychischen Beschwerden ein
e
100%ige Arbeitsun
fähig
keit in jeglicher Tätigkeit. Das Gutachten
sei
umfassend und
die Dia
gnosen ausführlich
und nachvollziehbar
begründet. Der psychiatrische Gutachter habe dabei auch eine umfassende Indikatorenprüfung vorgenommen und es dürfe nicht eine davon losgelöste juristische Parallelüberprüfung stattfinden. Aufgrund des als beweiskräftig zu beurteilenden Gutachtens bestehe mindestens ab April 2019 Anspruch auf eine ganze Rente. Sollte das Gutachten n
icht als beweiskräftig erachtet
werden
,
sei ein Gerichtsgutachten in der Fachdisziplin Psychiatrie zu veranlassen (S. 9).
3.
3.1
Im Formularbericht vom
9.
Mai 2018 (
Urk.
10/42) zu Händen der Beschwer
degegnerin nannte
n die Ärzte der
Z._
,
pract. med.
A._
und
Dr.
med.
B._
, Facharzt
für
Psychiatrie und Psycho
the
rapie FMH
,
die folgenden Diagnosen:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1).
-
Andauernde Persönlichkeitsveränderung nach psychischer Krankheit mit kritisch
-
zögerlichen, einzelgängerischen Zügen (ICD-10 F62.1)
-
Differentialdiagnostisch
e
Überlegungen seien
eine schizoid
e Persönlich
-
keitsstörung
, eine Autismus-Spektrum-Störung und eine
s
omatoforme Schmerzstörung
Die Behandlung erfolge fortlaufen
d
seit
6.
April 2017 mit letzter Kontrolle am 23. März 201
8.
Der Beschwerdeführer wohne gemeinsam mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder und einem weiteren Mitbewohner in einer Wohngemeinschaft. Die Mutter wohne in der Nachbarschaft.
Er gebe an
,
Kontakte z
u Menschen zu vermeiden,
sehr zurückgezogen
zu leben
und nur
Kontakt
mit
wenigen (primär familiären) Personen
zu haben
.
Die
Zeit
verbringe er
gerne alleine im Wald
und
gehe
viel
.
Zum Befund
wurde festgehalten
,
der Beschwerdeführer sei
in normalem Allge
mein- und schlank
em Ernährungszustand. Die Gesichtshaut
sei auffall
end bleich und
die Körperhaltung steif.
Die
Konsultation
erfolge im Knien
oder Stehen
,
di
es mit der Angabe,
dass er
aufgrund d
er Schmerzen weder die eine
noch die andere Position länger
durchhalten
könne
. Im Kontakt zeige er
sich höflich
mit kaum mimischer Modulation und affektarm. Er sei w
ach, bewusstseinsklar und zu allen vier Qualitäten orientiert. Aufmerksamkeit
und Konzentrationsfähigkeit seien l
eicht vermindert und es bestehe s
ubjektiv
ein
starkes
Gedankenkreisen
. Formal
gedanklich erscheine
d
er
Beschwerdeführer
kohärent,
i
nhaltlich stark
auf einen
passiven Todeswunsch
eingeschränkt (Zitat
:
«
Helfen
Sie mir, mich einzuschlä
fern
»
). Während allen Konsul
tationen
sei er
immer wieder auf das Thema
Exit, Sterbe
hilfe, Todeswunsch zurückgekommen,
bei
klarer Distanzierung von akuten Sui
zid
gedanken oder handlungsrelevanten Impulsen.
Es ergäben sich keine e
in
deutigen Hinweise auf
Wahnerleben, Halluzinationen oder I
ch-Störungen. Insge
samt
zeige
d
er
Beschwerdeführer
aber ein bizarres
Verhalten. Die affektive Schwin
gungs
fähigkeit
sei
deutlich reduziert. Subjektiv
gebe er
mittelgradige bis starke
depres
sive Verstimmungen mit Schlafstörungen, Mut-, Hoffnungs-
u
nd Perspektiv
losig
keit an
.
Es bestünden Affekts
tarre, Affekta
r
mut und Schmerze
r
wartungsängste. Punktuell
sei er
sehr flüchtig aufhellbar.
Es bestehe eine ausgeprägte Selbst
wert
problema
tik. Psychomotorisch
sei
d
er
Beschwerdeführer
verlang
samt bei vermin
dertem Antrieb
. Er gebe
m
assive Ein- und Durchschlafstörungen an
.
Es zeig
t
e
n
sich
deutlich ein starkes Misstrauen
sowie
Verunsicherung und Skepsis im Kon
takt.
Zur Prognose
führten die Ärzte aus
, der Beschwerdeführer habe
sich
im Jahr 2017 zeitweilig auf
eine
Behandlung mit Antidepressiva ei
ngelassen, diese aber wegen
«
Unwirksamkeit
»
selbstst
ändig abgesetzt. Di
e Prognose
sei nicht sehr günstig
. Es
bedürfe
weiterer diagnostische
r Abkl
ärung
en
und Motivati
on zu spezifischen Behandlungen
und sicher eine längerfristige, vermutlich über Jahre andauernde Behandlung und Begleitung.
Aktuell fänden alle zwei bis vier Wochen psychia
trisch-psychotherapeutische Konsultationen statt. Dabei sei der Beschwerdeführer recht skeptisch bezüglich einer Erhöhung der Frequenz der Behandlungstermine.
Gelegentlich nehme auch die Mutter an den Konsultationen teil und könne ergänzende anamnestische Daten liefern.
Zu den Funktionseins
chränkungen wurde festgehalten, die
A
n
passung an Regeln und Routinen
sei
mä
ssig ausgeprägt
beeinträchtigt
.
Er
erscheine
zwar
pünktlich zu den vereinbarten Terminen
,
vermeide aber solche am Vormittag
, da
er es
«
dann nicht schaffe
»
. Im
Verhalten
sei er
stets adäquat, e
s
bestehe
aber
ein a
usgeprägtes Vermeidungsverhalten von Terminvere
inbarungen und Sozialkontakten. Die
Fähig
keit zur Planung
und Strukturierung von Aufgaben sei erheb
lich ausgeprägt beeinträchtigt. So
habe
er
kein
e Tagesstruktur
und
keine Planung
,
Tätigkeiten und Aktivitäten seien
befindlichkeitsabhängig
.
Dabei bedürfe
er
teilweise
der Unterstützung
durch die Mu
tter
bei der Haushaltsführung. Die
Flexib
ilität und Umstellungsfähigkeit sei
en
voll ausgeprägt
b
eeinträchtig
t. Er sei
in
seinem Ver
halten,
Denken und Fühlen sehr rigide, wenig anpassung
sfähig und
Verände
ru
ngen, neue Aufgaben oder andere Sichtweisen erlebe er als Stressoren und reagiere
m
it passiver Duldung oder Flucht, Vermeidung oder Rückzug. In Sachen Kompetenz und Wissensanwendung sei er mässig ausgeprägt
beeinträchtigt. So erledige er
administrative Aufgaben selbst
ändig, die an ihn gestellten Rollener
wartungen würden aber in keiner Weise erfüllt. Die Entscheidungs- und Urteils
fähigkeit sei
voll ausgeprägt beeinträchtigt. Er habe Schwierigkeiten
,
sachliche Schlussfolgerungen
aus objektiven Fakten zu ziehen
,
und
Ents
cheidungen und Planungen seien
durch int
rapsychische Faktoren wie
Erwartungsängste, Lebens
müdig
keit, Hoffnungslosigkeit
beeinflusst
. Die
Fähigkeit zu Spontanaktivitäte
n sei erheblich ausgeprägt beei
nträchtig
t. Er nehme zwar v
ereinbarte Term
ine wahr,
aber nur falls er die Frequenz (
nicht so oft,
alle zwei bis vier Wochen, am Nach
mittag
) mitbestimmen
könne. Ansonsten lebe
er sehr zurückgezogen, verbringe
seine Zeit mei
st alleine, meide
soziale
Kontakte und gehe keinen Hobbies nach. Die Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit sei
en
erheblich ausgeprägt
be
ein
trächtigt.
So
gebe
er
bei Pr
oblemen schnell a
uf und reagiere mit Passivität und
bedürfe
teilweise
der motivi
erenden Unterstützung
der Mutter
,
um seine Kon
sul
t
a
tionstermine wahr
nehmen
zu können
. Bei der
Se
lbstbehauptungsfähigkeit be
stehe eine mässig
ausgeprägte Beeinträchtigung.
Er könne, wenn auch unsicher
und unangemessen sowie angespannt, seine eigene Meinung vertreten und
darauf beharren. Problematisch sei
dies, wenn er
etwa sein Gegenüber auffordere
, ihn bei seinem passiv
en Todeswunsch zu unterstützen
(
«
Helfen Sie mir, mich kosten
güns
tig und schmerzfrei umzubringen
»
).
Das ethis
ch und inhaltlich Unange
messene
sowie die Irritation
, welche beim Gegenüber entstehe, ignoriere er. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähigkeit sei
en
voll ausgeprägt be
einträchtigt
.
E
r
meide
s
oziale Kontakte und
sei
zutiefst misstrauisch und ableh
nend.
Erheblich ausgeprägt
beeinträchtigt sei die
Fähigkeit zu famil
iären oder intimen Beziehungen. Er
unter
halte zwar
eine
von der Mutter initiiert
e
Beziehung zu
dieser und im
W
ohnumfeld (Bruder, Mi
tbewohner) bestehe eine Zweck-
,
aber
keine Beziehungsgemeinschaft
.
Kontakte zu Kolle
ginnen oder Kollegen sowie eine partnerschaftliche
Beziehung pfleg
e er
nicht.
Es
bestehe
damit
im Hinblick auf Alltag und Beruf eine sehr deutliche Beeinträchtigung in allen Bereichen
.
Es wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab
6.
April 2017 fortlaufend attestiert
(
Urk.
10/42/4)
.
3.2
Nachdem bereits
Dr.
med.
C._
, Neurologie FMH, mit Bericht vom 1
1.
April 2016 bei anamnestisch gebesserten
lumboischialgieformen
Schmerzen keine spezifischen Ausfallsymptome von Seiten der Wurzel L5 bei medianer und paramedianer Diskushernie L4/
5 mehr festgestellt h
atte (
Urk.
10/44/4-5
, bestätigt
im
Bericht de
s Rheumatologen
Dr.
med.
D._
vom 1
9.
September
2016,
Urk
.
10/14/5),
waren auch gemäss Bericht von
Dr.
med.
E._
, Neurologie FMH,
vom 2
9.
August 2019 (
Urk.
10/65)
keinerlei sensible
n
oder motorischen Ausfälle für die schon lange bestehenden, das Segment L5 betreffenden
lumbo
radikulären
Schmerzen nachweisbar. Sodann führte
Dr.
E._
aus
, der Beschwerdeführer sei im Kontakt sehr eigenartig, fast
athym
,
mit einer
sehr geringe
n
emotionale
n
Schwingungsfähigkeit und ein
em depressiven Affekt
(
Urk.
10/65/2)
.
3.3
3.3.1
Im
bidisziplinären
Gutachten
vom 1
8.
August 2020
, basi
erend auf Untersu
chun
gen vom
3.
und 1
3.
August 2020
,
nannten
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Rheu
matologie und für Innere Medizin
,
und
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie
,
die folgenden Diagnosen (
Urk.
10/76/4
):
-
Lumbovertebralsyndrom
mit
spondylogener
Ausstrahlung rechts mit/bei
-
medianen Diskushernien L4/5 und L5/S1
-
Status nach
wahrscheinlich
intermittierender rad
ikulärer rechtsseitiger Reizung L5
-
aktuell: K
ein Hinweis für radikuläre Reiz
situation oder
ein
senso
mo
torisches
Ausfallsyndrom
-
Schizo
type Störung (ICD-10 F21)
-
DD: Asperger-Syndrom (ICD-10 F84.5)
3.
3.
2
Zur Herleitung der Diagnosen aus rheumatologischer
Sicht
wurde
gesamt
gut
achterlich
festgehalten (
Urk.
10/76/3), der Beschwerdeführer beklage Rücken
schmerzen mit Ausstrahlung ins re
chte Bein, die
im November 2015 im Militär während der Rekrutenschule
aufgetreten seien
. In einem MRI der LWS vom
3
0.
November 2015 habe sich eine mediane leicht rechtsseitige Diskushernie L4/5 gezeigt
. Nachfolgend habe sich eine Schmerzsymptomatik im Sinne
einer rechts
seitigen Ischialgie
entwickelt, wobei die Massnahmen eine etwa sechsmonatige
Physiotherapie nebst einer
Infiltration L
4/5 rechtsseitig umfasst h
ätten
. Darauf
sei
en
im Jahr
2017 oder 2018 nochmals
eine
Therapie,
deren Dauer nicht
genau
habe eruiert werden
können
,
und eine weitere Therapie b
is zwei Monate
vor der Untersuchung
durchgeführt
worden. In einem MRI der LWS vom 1
6.
August
2019
hätten
sich eine
R
egredienz
der Diskushernie L4/5
sowie eine leichte Zunahme einer Diskushernie L5/1 ohne Wurzelkompression
gezeigt. Die beiden
Diskopa
thien
seien nicht sehr eindrücklich
,
aber geeignet
,
zeitweilig eine i
ntermittierende radiku
läre Reizsituation zu erklären. Anl
ässlich der Untersuchung
habe
keine radikuläre Reizsituation, sondern ein
Lumbovertebralsyndrom
mit
spondylogener
Ausstrahlung
(
LSS
)
rechts bestanden.
Zur Arbeitsfähigkeit
aus rheumatologischer Sicht
wurde festgehalten, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Küchenhilfe bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 0
% und in der Tätigkeit als Park
Attendant
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit, welche zusammengefasst rückenscho
nend sei, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
bezogen auf ein Ganzta
g
e
s
pensum (
Urk.
10/76/4).
Dabei wies
Dr.
F._
im rheumatologischen Gutachten in Auseinandersetzung mit der Aktenlage darauf hin, dass
Dr.
D._
bereits in seinem Bericht vom 1
9.
September 2016
(
Urk.
10/14/5)
von einer identischen Arbeitsfähigkeit ausgegangen sei
(
Urk.
10/75/47).
3.3
.3
Der psychiatrische
Sachverständige
führte
anamnestisch
aus (
Urk.
10/76/8-27, S.
9 f.
), der Beschwerdeführer gebe an
,
er sei müde, schlafe nicht regelmässig und denke die ganze Zeit daran, sich mit Exit das Leben zu nehmen.
Er sei 2015 in der Rekrutenschule gewesen und habe bei einer Übung einen Kollegen tragen müssen, dabei habe er starke Schmerzen im Rücken verspürt, die Beine seien kurzfristig gelähmt gewesen und eine Woche später habe man die Diagnose einer Diskushernie gestellt. Wegen seinem Rückenleiden sei er aus der Armee entlassen worden
. S
eithe
r habe er andauernd Schmerzen. Dies mache ihn aggressiv und
die Aggression
en
verstärkten die Schmerzen. Gelegentlich würden physiotherapeu
ti
sche Behandlungen durchgeführt, die vorübergehend hilfreich seien. Seit anfangs 2018 sei er in ambulanter psychiatrischer Behandlung in der Psychiatrischen Poli
klinik
,
wo ein- bis zweimal pro Monat ein Gespräch stattfinde. Er nehme keine Medikamente und er frage sich manchmal, ob die Gespräche mehr bringen würden, als wenn er sich unter einen Baum legen und in den Himmel sehen würde. Die Psychiaterin habe ihm schon einen Klinikaufenthalt vorgeschlagen, wo
mit er sich
nicht habe einverstanden erklären können. Er sehe keinen Sinn
darin, sich in eine Klinik ein
sperren
zu lassen
.
Zur
A
namnese
wurde
weiter
festgehalten
(S. 11
f.
)
,
der Beschwerdeführer berichte, er
sei in
H._
und in d
en USA aufgewachsen. Die Mutter sei
von schwarzer Hautfarbe und lebe in
H._
. Er wisse nicht wie alt sie sei und
wisse nicht, ob sie irgendeiner Tätigkeit nachgehe. Der Vater, ein Schweizer, sei schon vor seiner Geburt in die USA emigriert. Er habe dort als Computertechniker gearbeitet.
Er habe wenig Erinnerungen an seine Kindheit. Er habe einen älteren Bruder, den die Mutter aus dem Haus gejagt habe. Der Bruder lebe mit einer Partnerin zu
sammen, habe ein Kind, er wisse nicht
,
was der Bruder mache. Auch der jüngere Halbbruder sei vor kurzem von der Mutter aus der Wohnung gewiesen worden. Dieser lebe auf der Strasse. Zwischen seinem
7.
und 1
5.
Lebensjahr habe er
, der Beschwerdeführer,
bei seinem Vater in den USA gelebt. Der Vater habe immer wieder wechselnde Freundinnen gehabt, sei aggressiv gewesen, habe ihm Vor
würfe gemacht und sei einmal mit einer Schrotflinte auf ihn losgegangen. Da
raufhin sei er von Nachbarn aufgenommen worden. Mit dem Vater habe er keinen Kontakt mehr. Mit der Mutter lebe er zusammen in einer gemeinsamen Wohnung, wobei sie nichts miteinander zu tun hätten. Jeder esse für sich, man spreche nicht m
iteinander, er wisse auch nicht
,
was die Mutter den ganzen Tag mache. Bezüglich schulische
m
und berufliche
m
Werdegang habe
er
während drei Jahren die Primarschule in
H._
und während vier Jahren eine Mittelschule in
I._
besucht
sowie
ein Semester an der Universität mit dem Ziel
,
mechanischer Ingen
ieur zu werden
,
studiert. Er sei aber überfordert gewesen, habe schon nach zirka einem halben Semester die Ausbildung aufgeben müssen, habe dann kein Geld gehabt und während knapp zwei Jahren in den USA als Parkwächter und Küchen
gehilfe gearbeitet. 2015 sei er in die Schweiz zurückgekehrt, sei in die Rekru
tenschule eingetreten
,
jedoch schon nach wenigen Wochen für untauglich erklärt worden. Seither habe er nicht mehr gearbeitet.
Er würde am liebsten mechani
scher Ingenieur studieren, dazu fehlten ihm aber die Voraussetzungen
.
E
ine andere Tätigkeit könne er sich nicht vorstellen. Einer einfachen Tätigkeit möchte er nicht nachgehen und nicht das ganze Leben in einer Küche verbringen, ohne Ziel, ohne Abwechslung. Am liebsten wäre er tot. Er sei sowieso überzeugt, dass die Welt irgendwann in die Luft fliegen könnte, beispielsweise durch einen Aste
roiden.
Das Leben mache für ihn keinen Sinn und die Politik sei manipuliert. Er lese keine Zeitungen, sehe kein TV. Am liebsten würde er eine Maschine erfinden, die der Menschheit behilflich sein könn
t
e
.
E
r habe aber keine konkreten Ideen und das Gefühl, alle
würden unterdrückt, manipuliert und
die Länder kämpften um die Weltherrscha
ft. Er fühle sich nicht wohl und wäre froh, wenn das Ganze, das
Leben, bald vorbei wäre
.
Zum Tagesablauf schilder
t
e
er
(S. 13), er habe keine festen Zeiten, an denen er zu Bett gehe. Manchmal schlafe er bis gegen Mittag. Wenn er einen Termin habe, stehe er um 6 oder 8 Uhr auf. Wenn er am Mittag aufgestanden sei, trinke er eine
«
Schoggimilch
»
. Er f
ühle sich meistens etwas unwohl und
das Trinken der Milch beruhige ihn. Dann nehme er eine Dusche, erledige allfällige Einkäufe. Er koche eher selten. Meistens sei er unterwegs, mache planlose Spaziergänge. Es komme vor, dass er mehrere Spaziergänge von einer Stunde unternehme, gelegentlich mache er auch einen fünfstündigen Spaziergang. Er sei immer alleine unterwegs. Abends mache er sich stundenlang Gedanken,
welche
Maschinen er entwickeln könnte. Zum Teil informiere er sich im Internet. Zur heutigen Untersuchung sei er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist.
Zu
m Untersuchungsbefund hielt der Sachverständige
fest (S. 14), der altersent
sprechend aussehende Beschwerdeführer mache einen gepflegten Eindruck
und die Verständigung in
Mundart
sei problemlos
möglich.
Er sei innerlich ange
spannt, rede sehr viel und sein Redeschwall habe kaum unterbrochen werden können. Affekte seien nicht spürbar
.
W
ährend der meisten Zeit der Untersuchung sei er gestanden und habe dies mit seinen Schmerzen begründet. Ein eigentlicher Dialog sei
nicht möglich gewesen.
Der Beschwerdeführer
habe die Fragen
jeweils kurz
beantwortet und sei dann wieder in Monologe über seinen Wunsch z
u ster
ben, seine Exit-Fantasien und
seine Vorstellung
,
eine Maschine bauen zu wollen
,
verfallen. Es bestehe
ein gesteigertes Misstrauen, in
dem er die Meinung äussere, die Welt
sei
manipuliert, dass insgeheim die Mächtigen zusammenspannten, um die Menschen zu kontrollieren. Der Antrieb sei nicht vermindert, der Beschwer
deführer sei aber unnahbar und ein affektiver Kontakt sei nicht zustande ge
kommen. Es scheine
,
als lebe er völlig in seiner eigenen W
elt, äussere auch das Bedürfnis
,
keine Beziehungen eingehen zu wollen
,
und wirke vollständig auf sich selbst
bezogen. Das Verhalten sei sehr auffällig und bizarr. Er mache einen wachen Eindruck, sei bewusstseinsklar und zeitlich, örtlich, situativ und zur eige
nen Person orientiert. Er drücke sich differenziert aus und die im Rahmen der Untersuchung gemachten Beobachtungen und Feststellungen wiesen auf durch
schnittliche Intelligenzleistungen hin.
Der Beschwerdeführer
habe aber grosse Mühe
,
auf die gestellten Fragen einzugehen
. S
eine
Ausführungen seien kom
pli
ziert und hätten zum Teil keinen logischen Zusammenhang. Das Denken
sei auf seine
f
ixen Ideen eingeengt. E
r zeige aber kein Gedankenabreissen, keine Neo
logismen und keine
Gedankenleere. In seinen Schilderungen
seien
auch
keine
Hinweise auf überwertige Ideen
erk
ennbar. Es bestehe ein übersteigertes Miss
trauen und der Verdacht, dass die Welt von
wenigen mächtigen Sta
a
ten mani
puliert sei. D
abei zeige er
einen eingeschränkten Bezug
zur Re
alität und zu seiner Person. Er könne
sich
aber
gegenüber der Umgebung klar
abgrenzen
.
Gedanken
ausbreitung
en,
Fremdbeeinflussungserlebnisse
oder Hinweise auf Z
wangshand
lungen
seien keine
vorhanden.
Der Beschwerdeführer
beric
hte auch nicht über Ängste und erwähne
keine Phobien.
Zur
Herleitung der Diagnosen erläuterte
der Sachverstän
dige
(S. 15)
,
der Be
schwerdeführer zeige keine Affekte und
ein affektiver Kontakt
sei während der Untersuchung
nicht zustande
gekommen
. Sein Verhalten und
seine Bewegungs
muster
seien
eigentümlic
h und zum Teil bizarr.
In seinen Schilderungen
sei
klar feststellbar, dass
er in einer eigenen Welt lebe und
die Auss
enwelt nur sche
menhaft wahrnehme
. So
sei
er nicht in
de
r Lage
,
detaillierte Angaben
über seine Eltern
und
seine Geschwister zu mache
n,
könne etwa das Alter seiner Eltern nicht nennen und
bezweifl
e, ob er überhaupt das Kind sei
ner Eltern sei. Immer wieder komme er auf
seine fixen Ideen zurück,
wie die
Konstrukt
ion von mechanischen Maschinen und Suizid mithilfe von Exit.
Sein Verhalten
sei
sehr auffällig, ein Leidensdruck
nicht feststellbar und wiederholt
habe
er
betont
, dass er sich wohl
fühle, da er keine m
enschlichen Kontakte pflege und er
diese gar nicht wünsche.
Damit
kämen
die Diagnosen einer schizotypen
Störung oder eines Asperger-Syn
droms infrage. Für
eine schizotype Störung
sprächen
der
inadäquate oder ein
geschränkte Affekt, das seltsame
, exzentrische und eigenwillige
Verhalten, der völlige soziale R
ückzug, das erhöhte Misstrauen und
das zwanghafte Grübeln
.
D
e
r
Beschwerdeführer
berichte auch davon, dass er überzeugt sei, di
e ganze Welt
sei
ferngesteuert. Differentialdiagnostisch müsse auch
ein Asperger-Syndrom in Erwä
gung gezogen werden. Allerdings
zeigte
n sich
bis 2015 k
eine grösseren Auf
fälligkeiten. So habe er
o
hne
Schwierigkeiten die Schulen
absolvier
t
und
auch einige kurzdauernde Beziehungen
gehabt
. Auch
sei
er
in der Lage gewesen
,
ca. zwei
Jahre zu arbeiten. Daher liege
mit hoher Wahrscheinlichkeit eine schizotype Störung vor. Der in den Akten erwähnte Alkohol- und Cannabiskonsu
m habe keinen Einfluss auf die S
chwere der psychiatrischen Krankheit. Eine Alkohol- oder Cannabisabhängigkeit bestehe nicht.
Weiter hielt der Sachverständige fest,
der Beschwerdeführer befinde sich in ambulanter psychot
herapeutischer Behandlung
,
e
ine medikamentöse Therapie
w
erde
nicht durchgeführt. Die
ambulante psychotherapeutische
Behandlung
könne
zwar
helfen
,
mit der schweren psychischen Störung besser umzugehen. Es
sei
aber kaum zu erwarten, dass die schwere
psychiatrische Störung, die
eine sehr schlechte Prognose habe, durch eine therapeutische
In
tervention wesentlich be
einfl
usst werden k
önne (S. 16).
Der Beschwerdeführer
sei sich seinen Einschrän
kungen nur teilweise
bewusst
, auch wenn er berichte
, dass er etwas auffällig sei, dass die anderen Menschen mit ihm wohl Schwierigkeiten hätten. Er sehe sich auch nicht in der Lage, einer einfachen, geregelten beruflichen Tätigkeit nach
gehen zu können,
was aufgrund der Schwere der psychischen Störung nach
vollziehbar sei. Die schwere psychiatrische Störung schliess
e
eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt aus (S. 17).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe
mit Aufnahme der psychiatrischen Behandlung
seit April 2018
(
gemeint wohl:
April 2017 [
vgl.
Urk.
10/42
Ziff.
1.2 und
Ziff.
1.6])
eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
(S. 18)
.
3.3.4
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung schlossen
Dr.
F._
und
Dr.
G._
auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der schweren psychischen Störung (
Urk.
10/76 S. 7).
3.4
Der
Arzt des
regionale
n
ärztliche
n Dienstes
(RAD) der Beschwerdegegnerin
,
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
führte in
seiner
Stellungnahme vom 2
5.
August 2020 zum Gutachten
aus (
Urk.
10/78/10), die Diagnostik des psychiatrischen Teilgutachter
s überzeuge nicht wirklich. D
er
Gut
achter
postuliere nach einer eineinviertelstündigen Exploration neu die Diagnose schizotype Störung (F21)
(
DD Asperger-Syndrom
,
F84.5). Nur schon die Diffe
rentialdiagnostik sei kaum überzeugend. Die vollständige Arbeitsunfähigkeit sei aufgrund der wenig beeinträchtigten nicht beruflichen Tagesaktivität wenig über
zeugend.
In einer weiteren Stellungnahme vom
2.
Februar 2021 (
Urk.
10/90/3) wies RAD
-Arzt
Dr.
J._
darauf hin, er habe in seiner
vorgängigen
Stellungnahme
zwar die
Diagnostik des psyc
hiatrischen Teilgutachters als
nicht
wirklich überzeugend beurteilt
, jedoch darauf abgestellt
. Daran halte er fest.
3.5
Dr.
me
d.
K._
, leitende Ä
rztin
,
und Dipl. Arzt
L._
, Oberarzt
,
Z._
, nannten im Bericht vom 1
1.
Juni 2021 fol
gende Diagnosen
(
Urk.
13 S. 1)
:
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, schizoiden,
schizoty
pischen
und zwanghaften Anteilen
(ICD-10 F61)
, zusätzlich Verdacht
auf eine
Autismusspektrumstörung
(ICD-10 F84.1
)
-
schädl
icher Gebrauch von Alkohol, gegenwärtig
abstinent
(ICD-10 F10.1)
-
schädli
cher Gebrauch von Cannabis, gegenwärtig
abstinent
(ICD-10 F12
.1)
Die Ärzte führten aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit 2017 in integrierter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung
in
der
Z._
.
Die
Zuweisung
sei
über das Sozialzentrum aufgrund einer schwer depressiven Symptomatik mit Suizidgedanken erfolgt. Der Beschwerdeführer habe damals berichtet, seit einem Unfall in der Rekrutenschule 2015 unter ständigen Rücken
schmerzen z
u leiden, was ihn sehr belaste
. Es hätten tägliche Suizidgedanken sowie ein gesteigerter Alkohol- und Cannabiskonsum im Sinne einer dysfunk
tionalen Eigenbehandlung bestanden.
Im Verlauf habe sich die depressive Symp
tomati
k reduziert und es sei deutlich
geworden, dass
sich der Beschwerdeführer
darüber hinaus in der Welt als Fremdkörper wahrnehme und ihm
die
Welt wiederum fremd sei. Kontakt mit anderen Personen empfinde er als schwierig, da er nie sicher sein könne, was diese von ihm wollten. Am liebsten sei er alleine in einer Hütte und
denke über den Weltraum nach. Dabei sei d
er Gedanke, dass die Welt in Perspektive des Alls klein und die Menschen unwichtig seien, für ihn tröstlich. Er wolle an etwas arbeiten, das die Menschheit als Ganzes voranbringe, wie ein Raumschiff zum Mars oder einen Roboter. Er fühle sich durch die Ge
sellschaft bedrängt, er könne nicht durch
«
hingehaltene Reifen
»
springen. Wenn er Termine habe oder etwas nicht wisse,
ihm
zum Beispiel einzelne Worte nicht einfielen, dann beschäftige ihn dies tagelang und rufe eine erhebliche Unruhe hervor. Wenn etwas nicht in einer gewissen Struktur, Reihenfolge oder Ordnung geschehe, entstehe ebenfalls Unruhe. Wenn er etwas kaput
tmache, eine Tasse fallen lasse
, mache er sich grosse Vorwürfe und
sein Tag sei dann gelaufen. Am liebsten würde er
durch Exit aus dem
Leben scheiden, aber das gehe ja nicht, denn er sei ein junger
Mann. Ansonsten wünsche er sich
manchmal
,
in einem abgeschiedenen Bergtal,
im Wald oder im Weltall
zu leben
.
Er habe keine
Freunde, kommuniziere mit einigen Familienbekannten übe
r Chats in Form von «
Memes
».
Er h
abe
eine
gewisse Zeit
mit diesen Bekannten Musik gemacht, aber nac
hdem er auf einer Geburtstagsfeier
auf seine Arbeitslosigkeit angesprochen worden sei, habe er
den Kontakt abgebrochen. Er
denke,
die vor
herige Freundlichkeit sei nur eine Vorbereitung
gewesen, um ihn dann böswillig
herunterzumachen.
Er sei lieber in der Nacht wach, da er dann
«
seinen Frieden
»
haben könne. Er beschäftige sich sehr lange und ausdauernd mit 3-D-Druck von
Fantasyfiguren
oder 3-D-Mode
l
ling, wobei die Ergebnisse aber meist nicht zu
friedenstellend seien, was ihn belaste. In der Stadt sei es ihm meist zu voll, andere Menschen, besonders in Massen, seien ihm unangenehm. Er sei am liebsten alleine im Wald und höre Musik, was ihn beruhige. Die Zeit der Pandemie habe er als angenehm empfunden, da es in der Stadt sehr ruhig und leer gewesen sei.
In den Gesprächen zeige er sich im Kontakt freundlich, dabei zunächst eher verschlossen und affektiv nicht spürbar. Seine Mimik wirke starr, sein Verhalten
teilweise bizarr,
zum Beispiel wenn er
an der Wand stehe aufgrund seines Rü
ckens. Im Sprechen benutze er teilweise eine ungewöhnlich
manieriert wirkende Aus
drucksweise, teilweise sei er auch unbeholfen, nach Worten suchend. Er sei sehr freundlich, was aber stereotyp wi
rke. Es falle auch ein S
chwarz
-W
eiss
-D
enken bei geringsten Anforderungen auf
,
zum Beispiel bei
m
Vorschlag,
zur Tages
struk
tur
einer Beschäftigung
in einem Tierheim nachzugehen mit teils drastischen Aussagen über sich, die Welt oder die Gesellschaft. Immer wieder komme es zu psychotisch
anmutenden Symptomen mit dem Gefühl, von anderen absichtlich geplagt und beeinträchtig zu werden, wie etwa
,
die Mutter höre
,
was er sage, lästere über ihn, lege ihm absichtlich Gegenstände in den Weg. Bei den wenigen sozialen Interaktionen komme es zu Missverständnissen mit abrupten Bezie
hungs
abbrüchen
seitens des Beschwerdeführers.
Fremdanamnestisch
habe
die Mutter
berichtet
,
dass der Beschwerdeführer seit seiner frühen Kindheit auffällig gewesen sei. Er habe eine geringe Frustrations
toleranz gezeigt, geschrien und getobt, wenn Dinge nicht nach seiner Vorstellung gelaufen seien. Im Kontakt mit anderen Kindern sei er schwierig gewesen, was ihn aber nicht gekümmert habe. Er habe seine Zeit meist alleine verbracht, sei viel im Wald gewesen und habe Tiere gesammelt und nicht verstehen können, warum er diese nicht habe in die Wohnung bringen dürfen. Bereits im Alter von sechs Jahren habe er mit Lego für 16-jährige gebastelt und dabei Zeit, Hunger und Durst vergessen. In der Schule sei er ein guter Schüler gewesen, aber immer wieder sehr überfordert bei Aufgabenstellungen, da er zunächst von der Fülle der Aufgaben auf dem ganzen Blatt überfordert gewesen sei. Als Jugendlicher sei er
«
wild
»
gewesen und habe viel Unfug gemacht, gezündelt oder mit Eiern geworfen. Weiterhin habe er kaum Kontakt zu anderen Gleichaltrigen gesucht
. Soziale I
nteraktionen
verstehe er nicht
. Wenn
er zum Beispiel ein Geschenk
als Ent
schuldigung
für ein Missvers
tändnis in der Hausgemeinschaft
erhalte
, befürchte er, dass er
den Schenkern
etwas
schulde.
Er sei sehr
zurückgezogen und lebe
«
wie ein
Astronaut
»
i
n seiner eigenen Wel
t.
Zu den Testbefunden erläuterten die Ärzte (S. 3), im ADP-IV habe der Be
schwerdeführer den Cut-Off für
eine
paranoide, schizoide und zwa
nghafte Per
sönlichkeitsstörung
erreicht. Der Cut-Off für die schizotype Störung
sei
knapp nicht erreicht
worden und es hätten sich weiterhin
Hinweise auf eine
Autis
musspektrum
störung
sowie der Verdacht auf eine
Legast
henie gezeigt.
Es
bestünden seit der frühen Kindheit durchgehende und anhaltenden psychische Beeinträchtigung
en
, die das Fühlen, Denken, Verhalten und
die
soziale Interaktion umfassten. Innerhalb der Einschränkungen bestünden zahlreiche Symptome, die sowohl in der Exploration als auch testpsychologisch als paranoide, schizoide
,
schizotypische
und zwanghafte Persönl
ichkeitsstörungen imponier
t
en
.
Auch wenn der Cut-Off der
schizotypischen
Störung im ADP-IV, einem vom Beschwer
deführer selbst ausgefüllten Fragebogen nicht erreicht worden sei, bestehe diese Symptomatik gemäss ihrer Meinung.
Dabei
sei unklar, ob diese zusätzlich im Verlauf der
Kindheit und Jugend durch belastende Erlebnisse
in der Biographie (mit und
ohne
Zusammenhang mit dem Au
ti
smus) entstanden
seien
oder sich direkt aus dem Autismus erklär
ten. B
eide Varianten
seien
möglich
(S. 4)
.
Aufgrund der ausgeprägten Einschränkungen bei kombinierter Persönlichkeits
störung und Verdacht auf
Autismusspektrumstörung
sei der Beschwerdeführer für Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt dauerhaft arbeitsunfähig. Aufgrund seiner schwersten interpersonellen Auffälligkeiten erscheine er keinem Arbeit
geber zumutbar und er sei auch in seiner Alltagsfunktionalität schwergradig eingeschränkt
(S. 4)
.
4.
4.1
Das Gutachten von
Dr.
F._
und
Dr.
G._
erging in Kenntnis und in Aus
ein
andersetzung mit den Vorakten, den geklagten Beschwerden sowie gestützt auf eigene Untersuchungen. Die Gutachter haben ihre Diagnosen und Schluss
folge
rungen a
usführlich und differenziert be
gründet und zu den Beurteilungen in den Vorakten einlässlich Stellung bezogen. Mithin genügt das Gutachten den an eine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage geste
llten Anforderungen (vgl. E. 1.4
).
4.2
Die Gutachter und
die behandelnden Ärzte
stimmen darin überein
, dass
die Ein
schränkungen, welche den Beschwerdeführer in seiner Lebensführung als auch in der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
hindern
,
auf psychiatrischem F
achgebi
et zu erheben sind, während das somatische Leiden in Form von Rückenbeschwerden im Hintergrund steht.
Zu Recht stellte denn auch der Beschwerdeführer die gut
achterliche Einschätzung, wonach er
aus somatischer Sicht
in angepasster Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei (E. 3.3.2)
,
nicht in Frage.
Nachdem
Dr.
D._
bereits am 1
9.
September 2016 von einer identischen Arbeitsfähigkeit ausge
gan
gen war (
Urk.
10/14/5), erübrigen sich
aus somatischer Sicht
ausserdem Weite
rungen zum Verlauf.
D
ie
von
Dr.
G._
erhobenen
, seiner Diagnostik zugrunde gelegten
psychia
trischen
Untersuchungsbefunde
stimmen
sodann
weitgehend mit
denjenigen
der behandelnden Ärzte
überein
.
So
berichteten
bereits
die Ärzte
A._
und
B._
aufgrund
der
seit April 2017
durchgeführten Behandlungen
über
ein bizarres Verhalten mit deutlich reduzierter
affektive
r Schwingungsfähigkeit, Affektstarre, Affekta
r
mut,
Schmerzerwartungsängste
n, über eine
ausg
eprägte Selbstwert
prob
lematik
sowie eine
p
s
ychomotorisch
e
Verlangsamung
bei ver
mindertem Antrieb und
über
ein
starke
s
Misstrauen,
Verunsi
cherungen und Skepsis im Kontakt.
Ebenso zeigten sie
im
Hinblick auf
den
Alltag und Beruf deutliche
Funktions
einschränkungen
in praktisch allen Bereichen
auf
(vgl. E
.
3
.1
hiervor
)
.
Im
Bericht desselben Instituts
vom 1
1.
J
uni 2021 notierten die Ärzte im nach AMDP erhobenen klinischen Befund unter anderem intermittierend überwertige
Verfol
gungs
- und Beeinträchtigungsideen, teilweise bizarre, schwer nachvollziehbare Gedankeninhalte und
-
gänge bezüglich der eigenen Person, der Existenz und Umwelt und führten ebenfalls eine Affektarmut und
-
starrheit an (
Urk.
13 S. 3).
In grundsätzlicher Übereinstimmung mit der Beurteilung von
Dr.
G._
erach
teten auch sie die Symptomatik einer
schizotypischen
Störung als gegeben, ordneten die Störung aber im Ergebnis, wenn auch unter Hinweis auf die Unsicherheiten in der Anamnese
,
diagnostisch leicht abweichend ein (E. 3.5).
Dies ändert nichts daran, dass
Dr.
G._
seine Diagnose einer schizotypen Störung gemäss ICD-10 F21 im Lichte der Vorgaben dieser Klassifikation (
vgl. K
linisch-diagnostische Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V
[
F
]
,
Dilling
/
Mom
bour
/Schmidt [Hrsg.],
1
0.
Auflage, Bern 2015, S. 139 f.)
grundsätzlich
nachvoll
ziehbar herleitete (E. 3.3.3
). Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass
eine psy
chiatrische Exploration stets gewisse Ermessenszüge
aufweist
und dem psychia
trischen Gutachter einen gewissen Spielraum
eröffnet
, in dem verschiedene Interpretationen möglich sin
d (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.1.2).
In
sofern der RAD-Arzt
Dr.
J._
in seiner
Aktenbeurteilung vom 2
5.
August 2020
die Ansicht
vertrat
,
das psychiatrische Teilgutachten
von
Dr.
G._
sei
in Bezug auf die Diagnostik
nicht wirklich überzeugend,
begründete er dies einzig mit der Untersuchungsdauer, welche für sich alleine
aber
nicht entscheidend ist für den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts (Urteil des Bundesgerichts 8C_384/2014 vom 1
6.
September 2014 E. 4.4.2 mit Hinweisen)
. Zudem
relati
vierte
Dr.
J._
seine Meinung
am
2.
Februar 2021
dahingehend, dass
dennoch
auf das von der Verwaltung in Auftrag gegebene Gutachten
abzustellen sei
(vgl.
E.
3.4 hiervor).
Damit ei
n
hergehend erachtete
es
der RAD
offensichtlich auch
nicht für erforderlich
,
allfällige
Unklarheiten mittels Ergänzung
s
fragen
oder wei
te
ren Abklärungen zu
bereinigen
.
Unhaltbar sind in diesem Zusammenhang die
Ausführungen
der Beschwerdegegnerin
in
ihrer
Beschwerdeantwort, wonach
die
nur
mit hoher Wahrscheinlichkeit
diagnostizierte
schizotype Störung dem Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht genüge, was sich im Sinne
einer
B
eweislosigkeit bezüglich des Vorliegens einer
psychischen Störung und
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit zu Ungunsten des Beschwerdeführers auswirken soll
e
(vgl.
Urk.
9)
.
Abgesehen davon, dass eine «hohe Wahrscheinlichkeit» das geforderte Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit wohl übersteigt,
wäre
es der Verwaltung im Rahmen ihrer Untersuchungspflicht
oblegen,
die für die B
eurteilung d
es streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen solange abzu
klären
,
bis
hinreichende Klarheit
darüber bestand
en hätte,
insofern sie der An
sicht war
, dass
ihre Abklärungen dazu nicht aus
reichten
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_794/2016
v
om 2
8.
April 2017
E. 4.1).
Ander
er
seits
sind die Ausführungen
der Beschwerdegegnerin
auch dahingehend unzutreffend, als
der
Quantifizierung
der
ü
berwiegenden Wahrscheinlichkeit bereits dann
genüge getan
ist
, wenn einer begründeten Überzeugung keine kon
kreten Einwände ent
gegen
steh
en
(vgl. BGE 111 V 374)
, was bei Vorliegen eines von der Verwaltung im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anfor
de
rungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachtens externer Spezialärzte wie dem vorliegenden der Fall ist, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver
lässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
Solche vermochte die Beschwerdegegnerin
aber
nicht aufzuzeigen.
Im Übrigen ist die
zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person
gesund
heitsbedingt zumutbar ist
eine Arbeitsleistung zu erbringen
,
und die damit ein
hergehende Frage nach
der
Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie nach einem weitgehend objektivierten Massstab
vorzunehmen
(E. 1.2
)
.
Dabei zeig
t
en
die
Gutachter
einhergehend mit den
behandelnde
n
Ärzte
n
ein
insgesamt
konsi
stentes
und authentisches
Störungs
bild auf
, welches aufgrund seiner Schwere gemäss deren übereinstimmende
n
Beurteilung mit einer medizinisch-theore
ti
schen Arbeitsunfähigkeit von 100
%
einhergeht
.
Insoweit die
Gutachter
aufgrund d
er
auffallende
n
emotionale
n
Kühle
grosse Schwierigkeiten bei der
Anamnese
erhebung
(vgl.
Urk.
10/76/5)
verzeichneten,
lassen sich
d
iesbezügliche
Lücken
aufgrund der
fremdanamnestischen
Angaben
der Mutter des Beschwerdeführers im Bericht der
Psychiatrischen Poliklinik
vom 1
1.
Juni 2011 (E. 3.5)
schliessen
.
Dazu
liess sich die Beschwerdegegnerin mit keinem Wort vernehmen
und sie erachtete es auch nicht für notwendig
,
den Bericht ihrem medizinischen Dienst
vorzulegen
(vgl.
Urk.
15).
Bei weitgehend identischen Befunden
und
einer
stö
r
ungs
bedingt schwierigen Erhebung der Anamnese
ist
angesichts der überein
stimmenden
fachärztlichen
Beurteilung der psychischen Störung als schwer und die Arbeitsfähigkeit gänzlich einschränkend
im Ergebnis letztlich
nicht aus
schlaggebend, ob das Beschwerdebild
eher
einer
schizotypen
Störung (ICD-10 F21) oder
einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, schizoiden,
schizotypischen
und zwanghaften Anteilen mit Verdacht auf eine Autismus
-
s
pektrumstörung
zuzuordnen ist
, zumal keine klare Abgrenzung zwischen diesen Diagnosen vorhanden
ist
(K
linisch-diagnostischen Leitlinien
, a.a.O., S. 140)
.
4.3
D
ie
Gutachter
setzten sich
auch mit den
massgebenden Standardindikatoren (vorstehend E. 1.3.2)
auseinander
(
Urk.
10/76 S. 5 f. und S. 23 f.)
, wobei
sie die
Gesundheitsschädigung im Lichte der Befundlage nachvollziehbar als schwer bezeichneten (
Urk.
10/76 S. 5)
.
So
dann erachteten
sie
den Beschwerdeführer als weitgehend behandlungsresistent, sei doch nicht zu erwarten, dass die schwere Störung durch eine therapeutische Intervention wesentlich beeinflusst werden könne (
Urk.
10/76 S. 7 und S. 23).
Überdies
wurde aufge
zeigt
, dass
der Beschwer
deführer
, welcher in seiner inneren
Welt
ohne Bezug zur Aussenwelt und ohne Pflege von menschlichen Kontakten lebt,
störungsbedingt
keinen spezifischen Leidens
druck
verspürt
.
Ebenso
ist
eine
Krankheitseinsicht
nur teilweise vorhan
den
und
die Störung hindert ihn
daran
,
seine
Situation zu verändern
oder
damit
besser um
zugehen
, was
insgesamt
auf eine schlechte Ressourcenlage im Komplex «Persönlichkeit»
sowie «Sozialer Kontext»
schliessen lässt (E. 1.3.2)
.
Erwerblich verwertbare
Ressourcen
lassen sich
auch nicht
daraus herleiten, dass
sich
der Be
schwerdeführer
stundenlang
mit seinen Gedanken beschäftigen
und
stunden
lange
Spaziergänge
u
nternehmen kann, wobei er
darauf achtet, dass er nieman
dem begegnet
(vgl.
Urk.
10/76
S. 17
.).
An der Konsistenz der Beeintr
ächtigungen
änder
n
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin auch die Erhebungen
des
Tagesablaufs, welcher im Übrigen nicht nur
im
rheumatologischen,
sondern
auch
im
psychiatrischen
Gutachten erfragt wurde
(vgl.
Urk.
10/75
/
S.
25
f. und
Urk.
10/76
S. 13
)
,
nicht
s
. Diesbezüglich geh
t
zwar hervor,
dass
beim Beschwerde
führer
die
S
elbstpflege
erhalten ist
,
er
die
öffentliche
n
Verkehrsmittel
benu
tz
en kann
und bei
der
Haush
alt
sführung mit
E
inkaufen,
Putzen und
mit der Erledigung
bestimmter administrativer
B
elange
(Rechnungen bezahlen) in
der
W
ohnung d
er Mutter
im Wesentlichen
selbständig
ist
.
Doch erachtete
Dr.
G._
die Kons
i
stenz weder dadurch noch im Lichte des fehlenden Leidensdruckes des B
e
schwer
deführers, welcher sich der Einschränkungen nur teilweise bewusst sei, in Frage gestellt (
Urk.
10/76 S. 17).
Dies erscheint angesichts des Charakters der Störung nachvollziehbar, geht diese doch im Falle des Beschwerdeführers mit einem völligen sozialen Rückzug, Selbstbezogenheit, stundenlangem Spazieren und
teilweise zwanghaftem
Gedankendrehen
sowie einer misstrauischen Haltung
mit Verfolgungsideen
einher
, nicht aber per se mit dem Verlust jeglicher Alltags
kom
petenzen
(vgl.
Urk.
10/76
S.
24
).
Die
funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten
psychischen
Stö
rung
erweisen sich damit auch im Lichte
der
von den Experten überzeugend be
rücksichtigten
Standardindikatoren
als
schlüssig
,
w
eshalb der Folgenabschätzung der Gutachter
aus rechtlichen Gründen zu folgen ist
. Vor
diesem Hintergrund
besteht
grundsätzlich
ke
in Raum für eine
vom medizinischen Beschwerdebild
losgelöste juristische Parallel
prüfung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_407
/2020 vom
3.
März 2021 E. 6.3).
4.4
Damit
ist
auf
die
Beurteilung der
Arbeitsfähigkei
t
gemäss dem
Gutachten abzu
stellen. D
ie gutach
terliche Beurteilung einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit
seit Beginn der psychologisch/psychiatrischen Behandlung, mithin
seit
April 2017
(vgl. E. 3.3 letzter Satz)
,
steht
sodann
im Einklang mit den Einschätzungen der Behandler; so attestierte
n
auch
die
Ärzte der
Z._
dem Beschwerdeführer
seit Behandlungsbeginn
a
m
6.
April 2017 eine fortlaufende
100%ige A
rbeitsunfähigkeit (vgl. E. 3.1
).
Für die Annahme einer
bereits vor April 2017 eingetretenen, psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit f
ehlt
es den Akten an einer entsprechenden fachärztlichen Beurteilung.
5.
Das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG endete
damit
im
April
2018, nachdem der Beschwerdeführer
gemäss gutachterlicher Einschätzu
n
g seit Anfang
April 2017
aus psychiatrischer Sicht in jeglicher Erwerbstätigkeit
zu 100
%
arbeitsunfähig
ist
.
De
mnach hat der Beschwerdeführer
seit dem
1.
April 2018
(
Art.
29
Abs.
3 IVG)
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
Dies führt zur
Aufhebung de
r angefochtenen Verfügung vom 2
5.
Februar 2021 mit der Feststellung, dass der
Beschwerdeführer seit dem
1.
April 2018
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
Die Beschwerde ist damit gutzuheissen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Entsprechend erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2) als gegenstandslos.