Decision ID: 0268959a-63e0-4690-ae51-98bb39825446
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1995,
gelernte Pflegefachfrau,
war beim
Zentrum Y._
in
Z._
angestellt. Nach Beendigung des Anstellungsverhältnisses
schloss die Versicherte eine
Abredeversicherung
ab, wodurch sie bei der
Visana
Versicherungen AG (nachfolgend:
Visana
) obliga
torisch gegen die Folgen von Unfällen versichert war.
Gemäss Unfallmeldung
vom
5.
November 2020
erlitt die Versicherte am 31.
Oktober 2020 beim
Rau
s
stossen ihres im Matsch steckengebliebenen Autos (gemeinsam mit anderen Personen) am linken Knie eine
Patellaluxation
(Urk.
7/
22-24).
Nachdem die Versicherte
mit der Sanität notfallmässig
in die Universitätsklinik
A._
über
führt worden war, stellten
d
ie erstbehandelnden Ärzte im Sprechstundenb
ericht vom 3
1.
Oktober 2020 eine
atraumatische
, laterale
Patellaluxation
links fest (
Urk.
7/12).
Am 1
7.
November 2020
reichte die
Versicherte den
ausgefüllten
Fragebogen zum E
reignis vom 3
1.
Oktober 2020 ein
(
Urk.
7/34-36).
Am 2
1.
Januar 2021 nahm
Dr.
med.
B._
, FMH Chirurgie und FMH Intensiv
medizin, beratender Arzt der
Visana
, ein
e Beurteilung vor (Urk.
7/75).
Mit Verfügung vom 1
8.
März 2021 verneinte die
Visana
einen
Anspruch auf Versi
cherungsleistungen
, da kein versichertes Ereignis vorliege (
Urk.
7/106-108).
Dagegen erhob die Unfallversicherung der Stadt Zürich (zuständige Versicherung hinsichtlich eines Ere
ignisses im Jahr 2013
) am 24
.
März 2021
vorsorglich Einsprache (
Urk.
7/115
). Die
Versicherte
erhob gegen die Verfügung der
Visana
vom 1
8.
März 2021
am
2
9.
März 2021 Einsprache (Urk.
7/117-119
; vgl. auch
Einspracheergänzung
vom
3.
Mai 2021,
Urk.
7/131-138
)
.
Am
6.
April 2021 zog die Unfallversicherung der Stadt Zürich die provisorisc
he Einsprache zurück (
Urk.
7/129
).
Am 3
0.
Oktober 2021 nahm Dr.
med.
C._
, FMH Ortho
pädische Chirurgie, beratender Arzt der
Visana
, eine Beurteilung vor (
Urk.
7/163-166). Mit
Entscheid vom
9.
November 2021
wies die
Visana
die E
insprache der
Versicherten ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
9.
November 2021 Beschwerde und bean
tragte, es sei
en
der
Einspracheentscheid
vom
9.
November 2021 aufzuheben
und
die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zwecks Vornahme der notwendigen Sachverhaltsabklärungen an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit sie hernach nochmals über die gesetzlichen Ansprüche der Beschwerdeführerin entscheide (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerde
gegnerin schloss mit Besc
hwerdeantwort vom
4.
Januar 2022
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Besch
werdeführerin am 1
4.
Januar 2022
angezeigt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
– soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleis
tungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.
2
1.2.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.2.2
Nach der Rechtsprechung bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschrei
tet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom 17. September 2020 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.2.3
UV170650
Unfallbegriff, ungewöhnlicher äusserer Faktor, unkoordinierte Bewegung, insb. Sportverletzung
04.2021
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusse
ren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natür
lichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein unge
wöhnlicher Faktor (Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 130 V 117 E. 2.1). Ohne besonderes Vorkomm
nis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hinweis).
1.2.4
Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der versi
cherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die not
wendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfaller
eignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglich
keit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person auswirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b; Urteil des Bundesgerichts 8C_358/2016 vom 28. September 2016 E. 3.4 mit Hinweisen).
1.3
1.3.1
UV170220
Gegenstand der Unfallversicherung, unfallähnliche Körperschädigung, Gesetzestext, gültig ab 1.1.2017
02.2021
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (
lit
. a); Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 146 V 51 E. 7.1 sowie BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.3.2
Gemäss BGE 146 V 51 hat der Unfallversicherer nach Meldung einer Listenver
letzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG die genauen Begleitumstände abzuklären. Ist die Listenverletzung auf ein Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG zurückzu
führen, so ist der Unfallversicherer solange leistungspflichtig, bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Sind hingegen nicht sämtliche Kriterien des Unfallbegriffs nach Art. 4 ATSG erfüllt, so wird der Unfallversicherer für eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG grundsätzlich leistungspflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Verlet
zung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (E. 9.1). Der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers ist erbracht, wenn die Listendiag
nose zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung beruht (E. 8.2.2.1, E. 8.6).
1.4
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die sogenannten spontanen «Aussagen der ersten Stunde» ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2, 121 V 45 E. 2a, je mit Hinweisen).
1.5
1.5.1
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5.2
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass
es gemäss
den Schilderungen des
Ereignisablauf
s
vom 3
1.
Oktober 2020 während des Schiebens bzw. Stossens des Autos zu keinerlei Programmwidrigkeiten gekommen sei.
Die
Beschwerdeführerin
sei
wede
r ausgerutscht noch gestolpert oder
ähnliches.
Dass von den beteiligten
Personen
beim
Versuch,
das Auto zu stossen, viel Kraft aufgewendet worden sei
, sei nicht belegt
. Das Vorliegen e
ines Unfallereignisses sei
zu verneinen
.
Dr.
C._
habe
in
der Beurteilung
vom
30.
Oktober 2021
sodann
in nachvollziehbarer Weise erklärt, weshalb die
von der Beschwerdeführerin am 3
1.
Oktober 2020 erlittene
Patellaluxation
auf den vorbestehenden
, krankhaften
Zustan
d zurückzuführen sei
(
Urk.
2 S. 4 ff.
).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend,
dass
sie
gemäss
Darstel
lung der
Beschwerdegegnerin
anlässlich des
Ereignisses vom 3
1.
Oktober 2020
nicht gerutscht sei
und
auch
keine Kontu
sion stattgefunden habe
n
solle.
Ob dies tatsächlich so gewesen sei, sei
allerdings
un
bewiesen respektive
von der Beschwerdegegnerin
ungenügend abgeklärt worden. Wer schon einmal ein Auto aus dem Schlamm habe stossen müssen, wisse, dass man im Schlamm immer rutsche. Diese Tatsache dürfte gerichtsnotorisch sein.
Die Beschwerdeführerin sei eine junge Frau mit einem Gewicht von 73 kg. Ein Personenwagen wiege schnell einmal über eine Tonne und wenn dieser noch im Schlamm
fest
stecke, müsse
beim Stossen
eine erhebliche Kraft eingesetzt werden. Die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors sei unter diesen Umständen zu bejahen.
Im Weiteren ergebe sich auch aus der eingetretenen Verletzung per se eine Programmwidrigkeit.
Es sei
damit
ein
U
nfall
ereignis
gegeben
.
Nachdem im
Rahmen der Erstuntersuchung nach dem Unfalle
reignis
eine
Reruptur
des
femoralen
Ursprungs des medialen
patellafemoralen
Ligaments bei Status nach Rekonstruktion diagnostiziert worden
sei, l
ägen
überdies
mehrere
Listendiagnosen im S
inne von
Art.
6
Abs.
2 UVG vor.
Dass
die stattgehabte
Patellaluxation
vorwiegend degenerativer Natur gewesen sei
, sei unzutreffend
. Die im Jahr 2015 durchgeführte Operation habe das krankhafte Problem behoben. Nach diesem Eingriff habe keine
Pate
llain
stabilität
mehr bestanden (
Urk.
1 S.
4 ff.
).
3.
3.1
Dr.
B
._
hielt in der
Beurteilung v
om 2
1.
Januar 2021 fest, dass
in den
MRI-Untersuchungen des linken Knies vom 1
4.
Oktober 2015 und vom
2.
November 2020
jeweils eine in Subluxation befindliche Patella mit
dysplastischer
Form und gleichzeitiger
Trochleadysplasie
zur Darstellung gekommen sei. Rein theoretisch stelle eine
Patellaluxation
eine
unfallähnliche Körperschädigung- (
UKS-
)
Diagnose gemäss
Art.
6
Abs.
2
lit
. b UVG dar. Bei der
Beschwerdeführerin
seien
wegen wiederholter
Patellaluxationen
bei Patella- und
Trochleadysplas
ie
drei MRI-Untersuchungen
durchgeführt worden
(Untersuchungen vom 2
8.
November 2013, 1
4.
Oktober 2015 und
2.
November 2020). Zudem sei eine Rekonstruktion der
Patellaführung
vom 2
1.
Oktober 2015 bekannt.
Wegen
der Dysplasien
bestehe
im Bereich des linken
Femoropatellargelenks
ein krankhafter Zustand
. Die erneute
Patellaluxation
sei überwiegend wahrscheinlich auf eine vorwiegend krankhafte Veränder
ung zurückzuführen (
Urk.
7/75
).
3.2
Dr.
C._
führte in der Beurteilung
vom 3
0.
Oktober 2021 aus,
dass die gege
bene UKS-Listendiagnose ve
rsicherun
gsmedizinisch über
wiegend wahrscheinlich v
orwiegend durch Abnützung oder
Erkrankung bedingt
sei
.
Entgegen der Ein
schätzun
g der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
stelle die laterale
Patellaluxation
die Hauptdiagnose dar. Die
Verletzung des medialen
kapsul
oli
gamentären
Halteapparates
sei
nicht
Ursache, sondern Folge der stattgehabten
Luxation
(
Urk.
7/
164
-166
).
4
.
4
.1
Zu prüfen ist zunächst, ob ein Unfa
llereignis im Sinne von
Art.
4 ATSG
gegeben ist.
4.2
Der Unfallmeldung
vom
5.
November 2020
ist zu entnehmen, dass
das Auto der Beschwerdeführerin am 3
1.
Oktober 2020 im Matsch stecken geblieben sei. Als sie es hätten raus
stossen wollen, habe
die Patel
la am linken Knie luxiert (Urk.
7/22).
Im Fragenbogen vom 1
7.
November 2020 gab die Beschwerdeführerin an, dass das Auto im Feld im Schlamm steck
en geblieben sei. Sie seien ca.
sechs Personen gewesen, die das Auto hätten rauss
tossen wollen. Beim Stossen habe
die linke Patella luxiert (
Urk.
7/34).
4.3
Gestützt auf die
se
sogenannten Aussagen der ersten Stunde kann als erstellt ge
lten, dass sich die Beschwerdeführerin
am 3
1.
Oktober 2020 beim Hinaus
s
tossen des
Autos aus dem Matsch
/Schlamm
(
gemeinsam mit
ca.
fünf
Personen
)
am linken Knie
verletzt bzw.
eine
Patellaluxation
zug
ezogen hat. Im Fragebogen vom 1
7.
November 2020 wurde die Beschwerdeführerin von der Beschwerde
gegnerin gebeten, den Ablauf des Ereignisses vom 3
1.
Oktober 2020 so genau wie möglich zu beschreiben (
Urk.
7/34).
Da die Beschwerdeführerin weder in der Unfallmeldung noch im erwähnten Fragebogen angab, beim Hinaus
stosse
n gerutscht oder
gestolpert
zu sein
oder
das linke Knie angeschlagen zu haben
,
kann nicht
davon
ausgegangen werden, dass dies der Fall war. Dass man beim Stossen eines Autos
aus dem Matsch/Schlamm,
dessen Beschaffenh
eit
unter
schiedlich sein kann,
zwingend
weg- oder aus
rutscht, ist unzutreffend. Im Weiteren
ist
nach
der
allgemeinen Lebenserfahrung
anzunehmen
, dass
die Beschwerdeführerin
beim Stossen des
sicherlich mehr als eine
Tonne schweren
Personenwagens
durchaus viel Kraft aufwendete.
Wie
Dr.
C._
in nachvoll
ziehbarer Weise
erklärte
, führt das Anschieben eines
Autos mit einem erhöhten
Kraftaufwand jedoch
nicht zu einer
unphysiologischen
Belastung am Halte
apparat der Patella.
Entspr
echend ging
Dr.
C._
davon aus, dass eine als Alltagsbeanspruchung anzuse
hende Bewegung
zur lateralen
Patellaluxation
geführt habe (
Urk.
7/164). Das gemeinsame Hinaus
stossen eines Autos aus dem Matsch
/Schlamm
ohne
besondere
Vorkommnisse fällt
mit anderen Worten
noch in die gewöhnliche Bandbreite der alltäglichen Bewegungsmuster.
Der normale Bewegungsablauf wurde vorliegend nicht durch etwas Programmwidriges wie
ein
Ausgleiten, Stolpern, Abwehren eines Sturzes oder dergleichen unte
rbrochen bzw. gestört.
Demzufolge fehlt es an der Voraussetzung der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors.
Mit den von der Beschwerdeführerin angeführten Bundes
gerichtsentscheiden, bei denen
es um eine Krankenschwester bzw.
Physiothera
peut
in
ging, welche (plötzlich) umfallende Patienten auffangen mussten (
Urk.
1 S. 6), kann die vorliegende Konstellation nicht verglichen werden.
Dasselbe gilt auch für den von der Beschwerdeführerin erwähnten Fall, bei dem es um das Wegrollen eines Flügels ging, der einen einseitigen Druck auf die Wirbelsäule hervorrief. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass a
us der eingetretenen Verletzung nicht auf eine Programmwidrigkeit des Bewegungsablaufs geschlos
sen werden
kann.
Das Vorliegen eines Unfallereignisses
im Sinne von
Art.
4 ATSG
ist somit zu verneinen.
Nachdem die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin
nach Erhalt der Unfallmeldung vom
5.
November 2020 (
Urk.
7/22)
die Gelegenheit gegeben hat, dass Ereignis vom 3
1.
Oktober 2020 im zugestellten Fragebogen
nochmals genau
zu schildern (
Urk.
7/34-36
), ist eine Verletzung der Abklärungs
pflicht nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG im Übrigen zu verneinen.
5
.
5
.1
Im Weiteren ist zu prüfen, ob eine unfallähnliche Körper
schädigung im Sinne von
Art.
6
Abs.
2
UVG
gegeben ist.
5
.
2
Dr.
C._
legte in diesem Zusammenhang
in der Beurteilung vom 3
0.
Oktober 2021 dar, dass
d
ie
UKS-Listendiagnose «Verrenkung» (
Art.
6
Abs.
2
lit
. b UVG) rein for
mal erfüllt
sei
. Mit der Verletzung des medialen
kapsuloligamentären
Halteapparat
s
wäre im Grundsatz auch an die UKS-Lis
tendiagnose «Bandläsion» (
Art.
6
Abs.
2
lit
. g UVG) zu denken.
Dabei sei
ab
er zu berücksichtigen, dass am 2
1.
Oktober 2015 be
reits eine Rekonstruktion dieser Struktur erfolg
t sei. Im
Rahmen des physiologisc
hen Heilungsprozess
es
habe sich daraus
e
ine Narben
platte entwickelt
, die
morphologisch nicht mehr mit einem
intakten Ba
nd (Liga
ment) gleichzusetzen sei. Erwähnenswert sei
zudem der Umstand, dass die
Trochlea
femoris
einen sehr flac
hen Aspekt habe
und die Patella eine Typ IV-Form gemäss der Kl
assifikation von Wiberg aufweise
.
Dies begünstige Instabili
täten und habe
im Fall der
Beschwerdeführerin
auch in der Vergangenheit schon zu rezidivierenden Luxationen geführt
.
Aus dem Bericht der
Universitätsk
linik
A._
Zürich vom 3
1.
Oktober 2013 ergebe sich,
dass die
Beschwerdeführerin
schon seit vielen Jahren relevante Probleme an ihrem linken Kniegel
enk zu beklagen
habe
.
Damals sei die Diagnose
einer chronischen
Patellainst
abilität
mit rezidivierenden Lu
xationen bei
Trochleadysplasie
und
osteochondraler
Läsion am
dorsolateralen
Femur
kondylus
gestellt und ein konservatives Prozedere vereinbart
worden
. Dies
habe
allerdings nicht zu einem befriedigenden Zustand
geführt. A
nlässlich einer Konsultation
in der Universitätsklinik
A._
am 1
0.
Juli
2014
sei festgehalten worden
,
dass die Beschwerdeführerin die Patella
zwischenzeitlich dreimal luxiert
habe
, letztmals
ein
Monat
zuvor
bei
einem Bagatelltrauma. Auch in der Folge sei keine Besserung eingetreten und am 2
1.
Oktober 2015 sei in der Universitätsklinik
A._
eine Kniearthroskopie mit Resektion einer
Plica
mediopatellaris
, Rekonstruktion des medialen
p
atellofemo
ralen
Ligaments
(MPFL)
mittels
autologer
Grazilis
-Sehne sowie lateral
release
durchgeführt
worden. Dadurch sei
der Halteapparat der Patella
zwar wiederher
gestellt worden.
An der
weiterhin ausgeprägten Dysplasie der
Trochlea
femoris
, die wesentlich dazu beigetragen habe, dass es überhaupt zu den rezidivierenden Luxationen gekommen sei, habe sich aber nichts geändert.
Entsprechend
sei
durch diesen Eingriff auch nicht eine für die
Beschwerdeführerin
vol
lumfänglich befriedigende Situa
tion
entstanden. A
nlässlich einer Konsultation im
Spital
E._
vom 1
9.
Mai 2019,
wo eine laterale
Patellaluxation
am r
echten Knie im Vordergrund gestanden habe, sei beispielsweise auch links eine
unklare Schwel
lung
und
Gonalgie
anteromedial
beschrieben worden.
Mit Blick auf den von der Beschwerdeführerin geschilderten Ablauf des Ereignisses vom 3
1.
Oktober 2
02
0
könne die erlittene
laterale
Patellaluxation
fast nur im Kontext mit
der
medizi
nischen Vorges
chichte
am
linken Knie gesehen
werden. Es würden sich
k
eine namhaften Zweifel ergeben,
dass die vorliegende Problematik
am linken Knie
eine erneute Episode einer seit mindestens 2011 bestehenden chronischen
Patel
lainstabilität
bei anlagebedingter Dysplasie
an beiden Kniegelenken darstelle
. Versicherun
gsmedizinisch sei
di
e UKS-Listendiagnose über
wiegend wahrschein
lich v
orwiegend durch Abnützung oder
Erkrankung bedingt
(
Urk.
7/163-164
).
Diese Darlegungen von
Dr.
C._
, die in den vorhandenen
medizinischen
Vora
kten
ihre Stütze finden,
sind einleuchtend und plausibel. Ärztliche Einschät
zungen, die der Beurteilung von
Dr.
C._
widersprechen würden, liegen
nicht vor.
5.3
Weiter nahm
Dr.
C._
zum Vorbringen der Rechtsvertreterin der Beschwerde
führerin, dass das Band intakt gewesen und es durch das Ereignis zum Reissen des Bandes und durch das Reissen des Bandes zur Luxation der Patella gekom
men sei, eingehend und nachvollziehbar Stellung.
Bei einer
Patellalu
xation
ohne direkte äussere Kont
usion - wie im Fall
der Beschwerdeführerin
-
entspreche
diese Beschreibung
indes
nicht dem realen biome
chanischen Ablauf
.
Bei korrekter anatomischer Au
sbildung eines Kniegelenks trete
die Patella bei physiologischem Ablauf der Flexion zuerst mit ihrer Spitze ziemlich mittig in die proximale
Trochlea
femoris
ein. Mit
zunehmender Flexion vergrössere
sich der Kontakt der beiden re
lativ kongruenten Gelenkflächen, wodurch ein weiteres gut geführtes Glei
ten der Patella nach distal ermöglicht
werde
, ohne dass di
e Gefahr einer Luxation bestehe.
Im Fall
der Beschwerdeführerin
mit ihrer anlagebedingten Dysplasie des
Femoropatellargelenks
und einer deutlichen Inkong
ruenz der beiden Gelenkflächen habe dieser Ablauf in der Ver
gangenheit leider nicht immer in dieser Weise statt
gefunden
, da die
Trochlea
proximal mehr eine
konvexe Fläche
als eine konkave Grube darstelle. Deshalb sei
auch nicht gewährleistet, dass die
Patellaspitze
der proximalen
Trochlea
möglichst mittig
begegne. E
ntsprechend
komme es
nicht zum beschriebenen gut geführten Gleit
en nach distal. Vielmehr bestehe
aufgrund des entsprechenden
Muskelzuges die Gefahr eines Ab
gleitens nach lat
eral - wie es auch am 3
1.
Oktober 2020 stattgefunden habe
- und bei zunehmender Fle
xion komme
es dann zu einer vollständigen lateralen Luxation der Patella. Mit diesem Manöv
er nahezu zwingend verbunden sei
eine massive Überdehnung der medialen Haltestrukturen, die zuletzt oftmals ganz zerreissen
würden
, wie dies
im Fall der
Beschwerdeführerin
ge
schehen sei
.
Eine
laterale
Patellaluxation
sei somit
die nahezu zwingende Voraussetzung für eine Verletzung des medialen Halteapparates und keines
wegs dessen Folge. Somit stelle
aus
traumabiologischer
Sicht i
n jedem Fall die
Pa
tellaluxation
die primäre Diagnose dar und sämtliche damit verbundenen strukturellen Schäden - damit auch die Ruptur de
s MPFL-Transplantats - entstünden
konsekutiv. Dabei sei
auch zu berücksichtigen, dass sich spätestens seit der Operati
on vom 2
1.
Oktober
2015 an der Stelle des MPFL gar kein Band
im anatomischen Sinn mehr befunden habe
, sondern viel
mehr eine narbige Platte vor
gelegen habe (
Urk.
7/164-165
).
Das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung
im Sinne von
Art.
6 Abs.
2 UVG
ist
damit
ebenfalls zu verneinen.
6
.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.