Decision ID: d2f19a6c-e4af-4f79-addf-e4eb6b83eb6e
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Die verheiratete, aber getrennt von ihrem Ehemann lebende A._ bezog seit Ende
2010 Ergänzungsleistungen zu einer Rente der AHV. Die unter Berücksichtigung ihrer
Ausgaben und ihrer Einnahmen berechnete Ergänzungsleistung belief sich ab dem 1.
Januar 2013 auf 1’278 Franken pro Monat. Im September 2013 meldete sich der
Ehemann der EL-Bezügerin im Kanton St. Gallen zum Bezug von Ergänzungsleistungen
zu seiner Altersrente an. Er war schon im Juli 2013 bei der EL-Bezügerin eingezogen,
weshalb die ihm im Kanton C._ ausgerichtete Ergänzungs- respektive Zusatzleistung
per 30. Juni 2013 aufgehoben worden war. Die EL-Durchführungsstelle teilte dem
Ehemann mit, dass er keinen eigenen EL-Anspruch habe, sondern vielmehr ab Juli
2013 in die EL-Anspruchsberechnung der EL-Bezügerin mit einzubeziehen sei.
Dagegen wandte dieser ein, dass seine „c/o-Adresse“ bei seiner Ehefrau lediglich eine
Notlösung darstelle; nach Erhalt einer eigenen Ergänzungsleistung werde er sich sofort
nach einer neuen Wohnung umsehen. Es handle sich also keinesfalls um ein
Zusammenleben der Eheleute im rechtlichen Sinne. Mit einer Verfügung vom 7.
Dezember 2013 setzte die EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung der EL-
Bezügerin rückwirkend ab dem 1. Juli 2013 auf 905 Franken pro Monat herab. Zur
Begründung führte sie aus, dass die anrechenbaren Einnahmen und die anerkannten
Ausgaben zusammenlebender Ehegatten zusammenzurechnen seien. Das gelte auch,
wenn ein Ehepaar, das gerichtlich getrennt sei, weiterhin oder wieder zusammenlebe.
Aus dieser rückwirkenden Herabsetzung resultierte eine Rückforderung im Betrag von
2’238 Franken. Eine dagegen erhobene Einsprache wurde von der EL-
Durchführungsstelle mit einem Entscheid vom 18. Juni 2015 abgewiesen. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies eine gegen diesen
Einspracheentscheid erhobene Beschwerde vom 14. August 2015 mit einem Urteil vom
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29. November 2016 ab (EL 2015/37). Zur Begründung führte es an, das ELG knüpfe
allein am Zivilstand der Zusammenlebenden an, weshalb es nicht darauf ankomme,
welche Beweggründe zum Zusammenzug geführt hätten. Die revisionsweise
Herabsetzung der Ergänzungsleistung sei folglich rechtmässig gewesen. Da die EL-
Bezügerin der EL-Durchführungsstelle erst im Rahmen einer periodischen Überprüfung
der Ergänzungsleistung im Dezember 2013 mitgeteilt habe, dass ihr Ehemann seit Juli
2013 wieder bei ihr wohne, habe sie ihre Meldepflicht verletzt. Folglich sei die
Ergänzungsleistung nicht nur für die Zukunft, sondern rückwirkend ab dem Zeitpunkt
des Zusammenzuges, also per 1. Juli 2013, herabzusetzen gewesen (vgl. zum Ganzen
das Urteil 2015/37 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 29. November 2016).
A.b Da das Versicherungsgericht in einem obiter dictum darauf hingewiesen hatte,
dass die EL-Bezügerin im Laufe des Verfahrens ein Erlassgesuch betreffend die
Rückforderung im Betrag von 2’238 Franken gestellt hatte, erliess die EL-
Durchführungsstelle am 20. Februar 2017 eine weitere Verfügung, mit der sie das
Erlassgesuch abwies (act. G 3.2.18). Zur Begründung führte sie aus, der Ehemann
habe nicht ohne das Wissen der EL-Bezügerin in deren Wohnung leben können. Diese
habe folglich Kenntnis von der Sachverhaltsveränderung gehabt und ihre
Mitwirkungspflicht verletzt, indem sie diese nicht gemeldet habe. Dagegen erhob die
(durch ihren Ehemann vertretene) EL-Bezügerin am 27. März 2017 eine Einsprache
(act. G 3.2.13). Sie machte geltend, die Wohngemeinde sei vom Einzug des
Ehemannes in die Wohnung der Ehefrau „im Sinn von c/o als Einzugsprovisorium“
informiert gewesen. Die Voraussetzung des guten Glaubens sei folglich erfüllt. Mit
einem Entscheid vom 3. Juli 2017 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab
(act. G 3.2.3). Zur Begründung führte sie an, mit der Meldung bei der Wohngemeinde
sei die Meldepflicht gegenüber der EL-Durchführungsstelle nicht erfüllt gewesen, denn
die Wohngemeinde sei nicht gesetzlich verpflichtet gewesen, eine entsprechende
Meldung bei der EL-Durchführungsstelle zu machen. Die EL-Bezügerin hätte den
Einzug ihres Ehemannes in ihre Wohnung selber bei der EL-Durchführungsstelle
melden müssen.
B.
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B.a Am 14. August 2017 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 3. Juli 2017 erheben (act. G 1).
Ihr Ehemann und Vertreter beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides und eventualiter die Verrechnung mit „den ca. 6’000 Franken
der ordentlich eingereichten Original-Rechnungen der [...]-Krankenkasse;
Selbstbehalte zu KK-Rechnungen“. Zur Begründung führte er an, die EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) könne sich nicht auf
„Schriften zur allgemeinen Kenntnisnahme“ berufen, die sie der Beschwerdeführerin
gar nicht abgegeben habe. Mit ihren „immer wieder kehrenden diktatorischen falschen
Behauptungen“ verletze die Beschwerdegegnerin das
„Sachverhältnismässigkeitsprinzip“. Die Beschwerdegegnerin „kommt immer wieder
mit Formularen und das scheint Methode zu haben, mit den Unterstellungen, dass man
diese zu wissen scheint“.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. September 2017 unter Hinweis auf die

Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).
Erwägungen
1.
Im vorliegenden Verfahren ist nur die Rechtmässigkeit des angefochtenen
Einspracheentscheides zu prüfen, mit dem die Beschwerdegegnerin ein Erlassgesuch
der Beschwerdeführerin abgewiesen hat. Eine Verrechnung der Rückforderung mit
einem allfälligen Nachzahlungsanspruch müsste von jener Behörde verfügungsweise
angeordnet werden, gegenüber der dieser allfällige Nachzahlungsanspruch besteht.
Die Rechtmässigkeit einer solchen Verrechnung wäre im entsprechenden
(Verwaltungs-) Verfahren zu prüfen und kann folglich nicht zum Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens gehören. Auf den Eventualantrag der Beschwerdeführerin kann
jedenfalls nicht eingetreten werden.
2.
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Laut dem Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG muss ein EL-Bezüger unrechtmässig bezogene
Ergänzungsleistungen nicht zurückerstatten, wenn er diese im guten Glauben
empfangen hat und wenn eine grosse Härte vorliegt. „Guter Glaube“ meint dabei, dass
der EL-Bezüger nicht um die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezuges gewusst hat
und dass er auch nicht darum hätte wissen müssen. Die Rückforderung, deren Erlass
hier streitig ist, findet ihren Grund in einer im Dezember 2013 verfügten rückwirkenden
revisionsweisen Leistungsherabsetzung infolge des Einzuges des Ehemannes in die
Wohnung der Beschwerdeführerin im Juli 2013. Die entscheidende Frage lautet
vorliegend also, ob die Beschwerdeführerin bereits mit dem Einzug ihres Ehemannes in
ihre Wohnung im Juli 2013 gewusst hat oder hätte wissen müssen, dass sich ihr EL-
Anspruch dadurch verändern könnte. Diese Frage ist ohne weiteres zu bejahen, denn
jede Verfügung enthält den Hinweis auf eine Veränderung der Anzahl der Mitbewohner
als ein Beispiel für eine meldepflichtige Sachverhaltsänderung, wobei der Begriff des
Mitbewohners offensichtlich dem alltäglichen Sprachgebrauch entspricht. Die
Beschwerdeführerin ist nicht ermächtigt gewesen, den Begriff „Mitbewohner“ nach
ihrem besonderen Verständnis der EL-rechtlichen Vorgaben zu interpretieren und
daraus fälschlicherweise abzuleiten, der Einzug des Ehemannes in ihre Wohnung falle
nicht unter den Tatbestand der meldepflichtigen Sachverhaltsänderungen; diesen
Entscheid hätte sie selbstverständlich der Beschwerdegegnerin überlassen müssen.
Zudem versteht es sich von selbst, dass die frankengenau berechnete
Ergänzungsleistung nicht unverändert bleiben kann, wenn ein Mitbewohner einzieht,
denn es ist für jedermann klar, dass der neue Mitbewohner nicht kostenlos und damit -
ökonomisch betrachtet – durch die Ergänzungsleistung finanziert werden soll. Die
Beschwerdeführerin hat nach dem Einzug ihres Ehemannes in ihre Wohnung also nicht
davon ausgehen können, dass sie (trotzdem) weiterhin einen unveränderten Anspruch
auf die bisherige Ergänzungsleistung habe. Sie kann also nicht gutgläubig im Sinne des
Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG gewesen sein. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass
die Beschwerdeführerin den Einzug ihres Ehemannes in ihre Wohnung bei der
„Gemeinde“ (wohl beim Einwohneramt) gemeldet haben will. Die Beschwerdeführerin
hat nämlich keine Veranlassung gehabt anzunehmen, dass das Einwohneramt in Bezug
auf diese Information weiterleitungspflichtig sei, denn das Einwohneramt hat wohl gar
nicht gewusst, dass die Beschwerdeführerin Ergänzungsleistungen bezog, zumindest
hat das Einwohneramt offensichtlich nicht wissen können, dass der Einzug des
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Ehemannes den Ergänzungsleistungsanspruch der Beschwerdeführerin reduzieren
musste. Im Übrigen hätte die Beschwerdeführerin sofort reagieren und auch eine
Meldung an die Beschwerde¬gegnerin erstatten müssen, als ein Monat nach dem
Einzug des Ehemannes noch keine Veränderung der laufenden Ergänzungsleistung
verfügt worden war. Zwar hat die Beschwerdegegnerin (infolge der Anmeldung des
Ehemannes zum Leistungsbezug) im Oktober 2013 von der Sachverhaltsveränderung
Kenntnis erlangt und trotzdem weiterhin die bisherige Ergänzungsleistung unverändert
ausgerichtet. Aber das hat den guten Glauben der Beschwerdeführerin für die Zeit
nach der Anmeldung des Ehemannes zum Leistungsbezug nicht wiederherstellen
können. Aus dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin zunächst nichts
unternommen hat, hat die Beschwerdeführerin nämlich nicht ableiten können, dass sie
weiterhin einen unveränderten Anspruch auf die bisherige Ergänzungsleistung haben
könne. Der gute Glaube hätte (für die Zukunft) nur wiederhergestellt werden können,
wenn die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die – falsche – Information
vermittelt hätte, dass sich mit dem Einzug des Ehemannes in die Wohnung der
Beschwerdeführerin nichts am Betrag der Ergänzungsleistung ändere. Das ist
offensichtlich nicht geschehen. Da die Beschwerdeführerin den Einzug ihres
Ehemannes nicht sofort gemeldet hat, hat sie die im Umfang von 2‘238 Franken zu
Unrecht ausgerichteten Ergänzungsleistungen nicht gutgläubig bezogen. Die beiden
Voraussetzungen des Erlasses, der gutgläubige Bezug und die durch eine
Rückerstattung bewirkte grosse Härte, müssen kumulativ erfüllt sein, weshalb sich die
Prüfung der zweiten Voraussetzung erübrigt. Zusammenfassend hat die
Beschwerdegegnerin das Erlassgesuch der Beschwerdeführerin also zu Recht
abgewiesen.
3.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben.