Decision ID: d1e338a5-5a5d-4799-aabb-7b9ad56876e9
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Am 7. September 2020 erhob die Kantonale Staatsanwaltschaft Anklage
gegen die Beschuldigte wegen gewerbsmässigen betrügerischen
Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 StGB,
gewerbsmässigen Betrugs gemäss Art. 146 StGB und qualifizierter
Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB.
2.
Mit Urteil vom 26. Januar 2021 erkannte das Bezirksgericht Baden:
1. Die Beschuldigte A. ist schuldig: - des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage i.S.v. Art. 147 Abs. 1 und 2 StGB (Anklageziffer 1); - des gewerbsmässigen Betrugs i.S.v. Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB (Anklageziffer 2); - der qualifizierten Geldwäscherei i.S.v. Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB (Anklageziffer 3).
2. Die Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie Art. 34 StGB, Art. 40 StGB, Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren sowie mit einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu Fr. 30.00, d.h. total Fr. 6'000.00, als Gesamtstrafe i.S.v. Art. 46 Abs. 1 StGB bestraft.
3. Der Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe wird gestützt auf Art. 43 StGB im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben. Die restliche Strafe von 18 Monaten Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.
Die Probezeit für den aufgeschobenen Teil der Freiheitsstrafe wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 4 Jahre festgesetzt.
4. Die ausgestandene Untersuchungshaft von 142 Tagen (in Untersuchungshaft vom 1. April 2019 bis 20. August 2019) wird der Beschuldigten gestützt auf Art. 51 StGB auf den unbedingten Teil der Freiheitsstrafe angerechnet.
5. Der der Beschuldigten mit Urteil der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. März 2018 gewährte bedingte Strafvollzug einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 40.00 wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 StGB widerrufen. Die Strafe ist zu vollziehen. Sie bildet Teil der Gesamtstrafe gemäss Ziffer 2 hievor.
6. Die Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes verwiesen. Diese Landesverweisung gilt für den gesamten Schengenraum und ist entsprechend im SIS einzutragen.
7. Gestützt auf Art. 69 StGB i.V.m. Art. 267 Abs. 3 StPO werden die zwei beschlagnahmten Mobiletelefone (Marke Huawei) eingezogen und vernichtet:
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8. 8.1. In Gutheissung der Anträge der Privatkläger wird die Beschuldigte verpflichtet, die folgenden Zivilforderungen zu bezahlen:
- Fr. 208.70 an P1. (Zivil- und Strafkläger 2); - Fr. 1'150.00 an P2. (Zivil- und Strafklägerin 3); - Fr. 1'200.00 an P3. (Zivil- und Strafkläger 4); - Fr. 4'200.00 an P4. (Zivil- und Strafklägerin 5); - Fr. 125.00 an P5. (Zivil- und Strafkläger 7); - Fr. 6'021.75 an L GmbH. (Zivil- und Strafklägerin 8); - Fr. 8'070.70 an P6. (Zivilkläger 1); - Fr. 1'500.00 an P7. (Zivilkläger 2).
8.2. Die darüber hinausgehenden Forderungen von P4. (Zivil- und Strafklägerin 5) und von P6. (Zivilkläger 1) werden gestützt auf Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen.
8.3. Die Zivilforderungen der M GmbH. (Zivil- und Strafklägerin 1) und von P8. (Zivil- und Strafkläger 6) werden gestützt auf Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen:
9. 9.1. Die Verfahrenskosten bestehen aus: a) der Gerichtsgebühr Fr. 3'500.00 b) der Anklagegebühr Fr. 4'100.00 c) den Kosten für die amtliche Verteidigung Fr. 19'769.25 d) den Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr. 527.00 e) den Spesen Fr. 358.80 f) den Kosten für das begründete Urteil Fr. 225.00 Total Fr. 28'480.05
9.2. Der Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a) und b) sowie die Kosten gemäss lit. d) bis f) im Gesamtbetrag von Fr. 8'710.80 auferlegt.
Der amtlichen Verteidigerin der Beschuldigten, MLaw Kim Attenhofer, Rechtsanwältin, Baden, wird eine Entschädigung von Fr. 19'769.25 (inkl. 7.7% MwSt. und Auslagen) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen (Kosten gemäss lit. c.). Es wird davon Vormerk genommen, dass der amtlichen Verteidigerin der Betrag von Fr. 11'380.00 bereits ausbezahlt worden ist, weshalb die Gerichtskasse Baden angewiesen wird, die Auszahlung des Resthonorars von Fr. 8'389.25 nach Rechtskraft vorzunehmen.
Die Gesamtentschädigung von Fr. 19'769.25 wird einstweilen auf der Gerichtskasse Baden vorgemerkt. Der Betrag von Fr. 19'769.25 wird von der Beschuldigten zurückgefordert, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).
3.
Mit Berufungserklärung vom 15. Oktober 2021 beantragte die
Beschuldigte, dass sie von den Vorwürfen des gewerbsmässigen Betruges
gemäss Art. 146 Abs. 2 StGB sowie der qualifizierten Geldwäscherei
gemäss Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB freizusprechen und stattdessen des
Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB und der Geldwäscherei gemäss
Art. 305bis Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen sei. Sie sei weiter des
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gewerbsmässigen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss
Art. 147 Abs. 1 und Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen. Sodann beantragte
sie, dass sie mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren, Probezeit
3 Jahre, zu bestrafen sei. Auf den Widerruf des mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. März 2018 für eine Geldstrafe
von 150 Tagessätzen à Fr. 40.00 gewährten bedingten Strafvollzugs sei zu
verzichten und stattdessen die angesetzte Probezeit um 1 Jahr zu
verlängern. Schliesslich sei auf die Anordnung einer Landesverweisung zu
verzichten, und es seien sämtliche Zivilforderungen auf den Zivilweg zu
verweisen.
4.
Am 19. November 2021 reichte die Beschuldigte vorgängig zur
Berufungsverhandlung ihre Berufungsbegründung ein.
5.
Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 13. Dezember 2021 beantragte die
Kantonale Staatsanwaltschaft die Abweisung der Berufung.
6.
Die Berufungsverhandlung fand am 7. Juni 2022 statt.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte gestützt auf den Sachverhalt gemäss
Anklageziffern I.1.1. bis I.1.14. des gewerbsmässigen betrügerischen
Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 Abs. 1 und
Abs. 2 StGB schuldiggesprochen.
Die Beschuldigte beantragt sinngemäss, sie sei betreffend die
Anklageziffern I.1.11. und I.1.12. vom Vorwurf des gewerbsmässigen
betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage freizu-
sprechen (Berufungsbegründung S. 4 f.).
1.2.
Die Anklage wirft der Beschuldigten in der Anklageziffer I.1.11. vor, sich
des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbei-
tungsanlage strafbar gemacht zu haben, indem sie am 13. August 2018
unrechtmässig unter Verwendung der Personalien ihres Kollegen P9., der
Telefonnummer ihrer Kollegin E. sowie der von ihr erstellen E-Mailadresse
«[...]@hotmail.com» ein Kundenkonto bei der N. eingerichtet und dieses
anschliessend zwischen dem 13. und dem 22. August 2018 dazu
verwendet habe, um mit der N.-Mobile-App 21 Ticketkäufe für
- 5 -
verschiedene Fahrten im Gesamtwert von Fr. 489.30 zu tätigen. Die
erworbenen Fahrkarten habe sie für sich sowie für ihre Kollegen benutzt.
Sie habe anlässlich der Käufe gewusst, dass sie diese mangels finanzieller
Möglichkeiten nicht werde bezahlen können und habe dies auch nicht
vorgehabt. Die Rechnungen für die Ticketkäufe habe P9. erhalten, welcher
mit den Bestellungen nichts zu tun gehabt und deshalb auch nichts davon
gewusst habe (Anklageziffer I.1.11).
In der Anklageziffer I.1.12. wird der Beschuldigten vorgeworfen, sich des
gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungs-
anlage strafbar gemacht zu haben, indem sie zwischen dem 5. August
2018 und dem 3. November 2018 insgesamt 12 Onlinebestellungen beim
Unternehmen L SE. im Gesamtwert von Fr. 6'021.75 getätigt und die
gelieferten Waren an sich genommen habe, ohne diese zu bezahlen. Sie
habe sich die bestellten Waren teilweise unter Angabe diverser fiktiver,
jedoch dem Namen von P9. ähnelnder Namen und erfundener E-
Mailadressen an die [...]-strasse in W. liefern lassen, wo sie bis am
11. August 2018 bei P9. gewohnt habe. Dadurch habe sie vorgetäuscht,
dass eine tatsächlich existierende Person die bestellten Waren bezahlen
würde und die Kontrollen bei der Geschädigten erschwert. Die
Beschuldigte habe bereits im Zeitpunkt der Bestellungen gewusst, dass sie
die Waren nicht werde bezahlen können und habe dies auch nicht
vorgehabt (Anklageziffer I.1.12).
1.3.
In der Berufungserklärung findet sich kein Antrag, wonach die Beschuldigte
betreffend die Anklageziffern I.1.11. und I.1.12. vom Vorwurf des
gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbei-
tungsanlage freizusprechen sei (vgl. Berufungserklärung S. 3). In der
Berufungsbegründung wird zwar einzig um Gutheissung der in der
Berufungserklärung gestellten Anträge ersucht, jedoch ebenfalls
festgehalten, dass die Vorinstanz den Sachverhalt der Anklageziffern
I.1.11. und I.1.12. unvollständig und unrichtig festgestellt habe
(Berufungsbegründung S. 3 ff.). Es kann offenbleiben, ob die Beschuldigte
den vorinstanzlich ergangenen Schuldspruch wegen gewerbsmässigen
betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage rechtsgenüg-
lich angefochten hat (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2018
vom 13. November 2018 E. 2.3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
6B_1167/2015 vom 25. August 2016), da ohnehin mit der Vorinstanz als
erstellt zu erachten ist, dass die Beschuldigte das N.-Kundenkonto auf den
Namen von P9. erstellt und anschliessend die in der Anklageziffer I.1.11.
aufgeführten Fahrkarten erworben und sämtliche in der Anklageziffer
I.1.12. aufgeführten Bestellungen getätigt hat:
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1.4.
1.4.1.
In Bezug auf die Anklageziffer I.1.11. macht die Beschuldigte geltend, dass
sie zwar ein Kundenkonto bei der N. auf den Namen von P9. erstellt habe,
dieses jedoch nur einmal für einen Ticketkauf unter der Angabe des
Namens «F.» benutzt habe. Die weiteren mit diesem Kundenkonto
getätigten Ticketkäufe seien ihr nicht bekannt, sondern von ihrer Cousine
B. vorgenommen worden. Sodann habe sie die verwendete E-Mailadresse
«[...]@hotmail.com» nicht erstellt (Berufungsbegründung S. 4 f.).
1.4.2.
Den Vorbringen der Beschuldigten kann nicht gefolgt werden. So hat sie –
nachdem sie anlässlich ihrer Einvernahme vom 4. Februar 2019 den ihr
vorgeworfenen Sachverhalt noch abstritt resp. geltend machte, nichts zu
wissen (UA act. 4/19 f.) – an ihrer Einvernahme vom 30. April 2019
eingestanden, das N.-Kundenkonto auf den Namen von P9. erstellt und
dieses anschliessend für den Kauf von Tickets verwendet zu haben. Dabei
ist hervorzuheben, dass die Beschuldigte anlässlich dieser Einvernahme
eingestanden hat, das Kundenkonto für den Erwerb mehrerer Fahrkarten
verwendet zu haben. Auch den dadurch entstandenen Schaden von
Fr. 489.30 hat sie auf entsprechende Nachfrage hin bestätigt. Sie gab
weiter an, dass sie glaube, auch noch Tickets für andere Personen mit
diesem Kundenkonto erworben zu haben. Dass auch Tickets durch ihre
Cousine gekauft worden seien, hat sie nicht erwähnt (UA act. 4/130 f.).
Anlässlich ihrer Einvernahme vom 20. Mai 2019 bestätigte die
Beschuldigte, das vorgenannte Kundenkonto mit der E-Mailadresse
«[...]@hotmail.com» erstellt zu haben. Weiter gab sie nach Durchsicht der
Beilage Nr. 12 – welche unter anderem eine Auflistung sämtlicher
erworbener Tickets inkl. Kaufdatum und Vor- und Nachnamen sowie
Geburtsdaten aller Reisenden enthält sowie auch die Strecken, für welche
die Tickets jeweils gelöst wurden (vgl. UA act. 4/282 ff.) – zu, Fahrkarten
für mehrere Personen gelöst zu haben. Auf die Frage hin, ob sie noch
etwas zu berichtigen oder beizufügen habe, erwähnte sie nicht, dass
gewisse Tickets von ihrer Cousine gelöst worden seien (UA act. 4/172;
280 ff.). Wäre dies jedoch tatsächlich der Fall gewesen, so wäre zu
erwarten gewesen, dass die Beschuldigte dies spätestens in diesem
Zeitpunkt klargestellt hätte. Erst anlässlich ihrer Schlusseinvernahme vom
29. Juli 2020 machte die Beschuldigte erstmals geltend, dass ihre Cousine
B. Fahrkarten für G. und E. gekauft habe. Sodann gab sie – ihrer früheren
Aussage widersprechend – an, die verwendete E-Mailadresse
«[...]@hotmail.com» nicht erstellt zu haben (UA act. 4/340). Auch an der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung widersprach die Beschuldigte ihren
früher gemachten Aussagen, indem sie zu Protokoll gab, das Kundenkonto
nicht erstellt zu haben. Möglicherweise habe dies ihre Cousine gemacht.
Nachdem sie darauf aufmerksam gemacht wurde, dies vorgängig bereits
eingestanden zu haben, führte sie aus, es sei möglich, dass sie dieses
- 7 -
Konto erstellt habe. Sodann machte die Beschuldigte an der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung erstmals geltend, dass eine Kollegin
ihrer Cousine die Tickets erworben habe (GA act. 99 f.). An der
Berufungsverhandlung gestand die Beschuldigte ein, mit dem von ihr
erstellten Kundenkonto mehrere Fahrkarten für sich selbst sowie für andere
Personen erworben zu haben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 9).
Nachdem die Beschuldigte mehrmals eingestanden hat, mehrere
Fahrkarten für mehrere Personen mit dem von ihr erstellten Kundenkonto
erworben zu haben, kann ihrem Vorbringen, wonach sie nur einmal
unrechtmässig einen Ticketkauf unter Angabe des Namens «F.» getätigt
habe, nicht gefolgt werden. Es handelt sich hierbei um eine reine
Schutzbehauptung. Hervorzuheben ist, dass die Beschuldigte anlässlich
ihrer Schlusseinvernahme, bei welcher sie erstmals geltend machte, dass
gewisse Tickets durch ihre Cousine erworben worden seien, denn auch nur
betreffend die für G. und E. gekauften Tickets zu Protokoll gab, diese nicht
selbst erworben zu haben. Sie bestritt jedoch nicht, die weiteren Tickets,
welche nicht für «F.» gelöst worden sind, selber erworben zu haben. Hätte
sie tatsächlich einzig eine Fahrkarte für «F.» gelöst, so wäre zu erwarten
gewesen, dass sie sämtliche anderen Ticketkäufe bestritten hätte und dass
sie dies bereits in demjenigen Zeitpunkt gemacht hätte, in welchem ihr die
vollständige Liste mit allen ihr vorgeworfenen Ticketkäufe gezeigt wurde.
Folglich erachtet es das Obergericht als erstellt, dass die Beschuldigte
zwischen dem 13. und dem 22. August 2018 mit dem von ihr erstellten und
auf P9. lautenden Kundenkonto sämtliche ihr in der Anklageschrift
vorgeworfenen Fahrkarten bei der N. zum Preis von insgesamt Fr. 489.30
erworben hat.
1.4.3.
Die Aussage ihrer Cousine B. vom 27. Juni 2019, mit welcher diese
eingestanden hat, das auf P9. lautende Kundenkonto erstellt und zwischen
dem 13. und dem 22. August 2018 sämtliche Tickets erworben zu haben
(UA act. 4.1/7), vermag – entgegen dem Vorbringen der Beschuldigten
(Berufungsbegründung S. 4) – nichts daran zu ändern. So wurde B. mit
Strafbefehl der Kantonalen Staatsanwaltschaft vom 30. Juni 2020 wegen
mehrfachen Betrugs verurteilt, weil sie zwischen dem 9. Juli 2018 und dem
8. August 2018 drei verschiedene falsche N.-Kundenkonten erstellt und
damit Fahrkarten im Gesamtwert von über Fr. 1'500.00 gekauft hat
(UA act. 1/278 ff.). Gerade unter Berücksichtigung der eingestehenden
Aussagen der Beschuldigten und der vorgängigen Ausführungen, erachtet
es das Obergericht als sehr wahrscheinlich, dass sich B., die bereits
mehrere falsche N.-Kundenkonten erstellt und damit diverse Fahrkarten
erworben hatte, anlässlich ihrer Einvernahme nicht mehr genau daran
erinnern konnte, welche Kundenkonten sie erstellt und welche Tickets sie
damit erworben hatte und deshalb einem Irrtum unterlegen ist und den ihr
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anfänglich vorgeworfenen Sachverhalt fälschlicherweise aufgrund einer
Verwechslung eingestanden hat. Aufgrund dessen ist denn auch keine
Verurteilung von B. gestützt auf diesen Sachverhalt erfolgt.
Mit der Vorinstanz bestehen für das Obergericht keine Zweifel daran, dass
die Beschuldigte das auf P9. lautende Kundenkonto unter Angabe der von
ihr eigens kreierten E-Mailadresse «[...]@hotmail.com» erstellt und
anschliessend sämtliche ihr vorgeworfenen Fahrkarten erworben hat.
1.5.
Betreffend die Anklageziffer I.1.12. macht die Beschuldigte geltend, dass
sie nicht für sämtliche Bestellungen verantwortlich sei, da ihre Tante und
ihre Cousine auch Waren bestellt hätten. Die Bestellungen
Nr. 10703047927487 im Wert von Fr. 592.00 sowie Nr. 1070304807148
(recte: Nr. 10703048507148) im Betrag von Fr. 580.00 habe sie nicht
getätigt (Berufungsbegründung S. 5).
Entgegen dem Vorbringen der Beschuldigten erachtet es das Obergericht
als erstellt, dass sie sämtliche ihr vorgeworfenen Bestellungen selber
getätigt hat. Nachdem sie an ihrer Einvernahme vom 4. Februar 2019 noch
angegeben hatte, nicht zu wissen, ob sie die ihr vorgeworfenen
Bestellungen aufgegeben habe (UA act. 4/16 ff.), gestand sie an ihrer
Einvernahme vom 30. April 2019 ein, Waren bei L. bestellt zu haben. Sie
selbst habe die Bestellungen aufgegeben, wobei sie auch gewisse Sachen
für ihre Tante C. bestellt habe. Die Beschuldigte bestätigte – mit Ausnahme
der Babyartikel, welche ihr vorliegend jedoch nicht vorgeworfen werden
(vgl. UA act. 6/176 ff.) – sämtliche Bestellungen bei L. getätigt zu haben.
Auf entsprechende Nachfrage hin gestand sie ein, zwischen dem 5. August
2018 und dem 3. November 2018 die ihr vorgehaltenen 12 Bestellungen
aufgegeben zu haben. Während sie noch bei P9. gewohnt habe, habe sie
die Pakete jeweils in Empfang genommen. Als sie dann später bei ihrer
Tante in X. gewohnt habe, habe sie weiterhin Sachen bestellt und diese
anschliessend bei P9. zuhause abgefangen. Für die Bestellungen habe sie
die Namen von P9. und P10. entweder korrekt oder leicht verändert
angegeben und verschiedene E-Mailadressen und Telefonnummern
verwendet. Die Beschuldigte bestätigte erneut, dass sie die Bestellungen
getätigt habe. Ihre Cousine B. habe davon gewusst, da sie teilweise deren
Mobiltelefonnummer bei Bestellungen angegeben habe, damit ihre
Cousine eine SMS erhalten würde, wenn die Lieferung ankomme. Die
Beschuldigte bestätigte, dass sie die einzige Person gewesen sei, welche
Sachen unter Angabe der Adresse von P9. bestellt habe. Sie habe auch
Waren für andere Personen bestellt. Sie bestätigte auch den entstandenen
Schaden von Fr. 6'021.75 (UA act. 4/121; 126 ff.). Auch an ihrer
Einvernahme vom 20. Mai 2019 gestand die Beschuldigte nach Durchsicht
der Bestellübersicht (UA act. 4/199 ff.), sämtliche ihr darin vorgeworfenen
Bestellungen selber getätigt und die daraufhin durch L. versendeten Waren
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an sich genommen zu haben (UA act. 4/166). Diese Bestellübersicht
enthält ebenfalls die von ihr mit Berufung bestrittenen Bestellungen
Nr. 10703047927487 sowie Nr. 10703048507148 (vgl. UA act. 4/199 f.),
weshalb sie anlässlich ihrer Einvernahme vom 20. Mai 2019 klar
eingestanden hat, auch diese beiden Bestellungen selber getätigt zu
haben. Aufgrund dessen und unter Berücksichtigung der früheren
Aussagen der Beschuldigten, in welchen sie konstant angegeben hat, alle
12 Bestellungen selber getätigt zu haben, erscheint ihre noch in derselben
Einvernahme vom 20. Mai 2019 gemachte Angabe, wonach ihre Tante
auch Sachen an die Adresse von P9. bestellt habe (vgl. UA act. 4/166 f.;
214 ff.), als reine Schutzbehauptung. Dass ihre Cousine ebenfalls Waren
bestellt habe, führte die Beschuldigte anlässlich dieser Einvernahme nicht
aus (vgl. UA act. 4/166 f.). An ihrer Schlusseinvernahme vom 29. Juli 2020
gab die Beschuldigte erneut zu Protokoll, dass ihre Tante ein Paar
Bestellungen getätigt habe. Sie erwähnte erstmals, dass auch ihre Cousine
Sachen bestellt habe (UA act. 4/337). An der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung gab die Beschuldigte an, dass ihre Cousine, wie auch
ihre Tante, Bestellungen aufgegeben hätten. Sie bestätigte jedoch, dass
die von ihr abgefangenen Pakete einen Gesamtwert von Fr. 6'021.75
aufgewiesen hätten (UA act. 100 f.). An der Berufungsverhandlung
gestand die Beschuldigte ein, die meisten Waren selber bestellt zu haben,
wobei ein Teil von ihrer Cousine und ihrer Tante bestellt worden sei
(Protokoll Berufungsverhandlung S. 9).
Nachdem die Beschuldigte anlässlich ihrer Einvernahmen vom 30. April
2019 und vom 20. Mai 2019 eingestanden hat, dass sie die einzige Person
gewesen sei, welche Bestellungen unter Angabe der Adresse von P9.
aufgegeben habe und sodann auch zugegeben hat, sämtliche ihr
vorgeworfenen Bestellungen selber getätigt zu haben, erachtet es das
Obergericht als erstellt, dass sie zwischen dem 5. August 2018 und dem
3. November 2018 12 Onlinebestellungen bei L. im Gesamtwert von
Fr. 6'021.75 getätigt hat. Ihre später gemachten gegenteiligen Angaben,
wonach gewisse Waren auch von ihrer Cousine oder ihrer Tante bestellt
worden seien, sind als reine Schutzbehauptungen zu qualifizieren.
1.6.
Vorbringen zur rechtlichen Würdigung dieser beiden Sachverhalte finden
sich in der Berufung nicht (vgl. Berufungsbegründung S. 6 ff.), weshalb
diesbezüglich auf die unbestritten gebliebenen Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden kann (vorinstanzliches Urteil E. II.A.1.2.4.).
Die Berufung der Beschuldigten erweist sich in diesem Punkt als
unbegründet, und sie ist des gewerbsmässigen betrügerischen
Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 Abs. 1 und
Abs. 2 StGB (Anklageziffern I.1.1 – I.1.14.) schuldig zu sprechen.
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2.
2.1.
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte gestützt auf den Sachverhalt gemäss
Anklageziffern I.2.1. bis I.2.8. des gewerbsmässigen Betrugs gemäss
Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB schuldig gesprochen.
Die Beschuldigte beantragt mit Berufung, sie sei vom Vorwurf des
gewerbsmässigen Betrugs freizusprechen und stattdessen des Betrugs
gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen (Berufungserklärung
S. 3).
2.2.
Die Anklage wirft der Beschuldigten vor, sich des gewerbsmässigen
Betrugs strafbar gemacht zu haben, indem sie zwischen dem 12. Juli 2018
und dem 21. Oktober 2018 insgesamt achtmal Esswaren bei der M GmbH.,
O., Q. und OA. sowie insgesamt fünfmal Waren bei der R GmbH., der
S AG. und der T GmbH. im Gesamtwert von Fr. 1'871.15 online bestellt und
diese Bestellungen anschliessend nicht bezahlt habe. Sie habe bereits im
Zeitpunkt der Aufgabe der Bestellungen gewusst, dass sie diese nicht
werde bezahlen können und habe dies auch nicht vorgehabt. Bei den
Esswaren habe die Beschuldigte jeweils bei der Ablieferung versprochen,
die Bestellungen zu einem späteren Zeitpunkt zu bezahlen. Anlässlich der
Warenbestellungen bei der R GmbH., der S AG. und der T GmbH. habe
die Beschuldigte die [...]-strasse in W. als Lieferadresse sowie fiktive
Namen und eigens kreierte E-Mailadressen angegeben. Dadurch habe sie
vorgetäuscht, dass eine tatsächlich existierende Person die bestellten
Waren bezahlen würde. Die letzte Bestellung bei der T GmbH. habe sie
sich an die Adresse c/o C., [...]-strasse in X. weiterleiten lassen, weil sie zu
diesem Zeitpunkt nicht mehr bei P9. gewohnt habe. Die Beschuldigte habe
gewerbsmässig gehandelt, da sie keinem Beruf nachgegangen sei, kein
Einkommen gehabt und die Beute zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes
verwendet habe (Anklageziffern I.2.1. – I.2.8.).
2.3.
Die Beschuldigte bestreitet nicht, die ihr in der Anklage vorgeworfenen
13 Bestellbetrüge begangen zu haben (Berufungsbegründung S. 6). Es
kann deshalb betreffend die mehrfache Erfüllung des objektiven wie auch
des subjektiven Tatbestands des Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB auf
die unbestritten gebliebenen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (vorinstanzliches Urteil E. II.B).
Die Beschuldigte macht geltend, dass keine Gewerbsmässigkeit vorliege
und begründet dies damit, dass sie nicht sämtliche Bestellungen für sich
getätigt habe, sondern die Waren teilweise an ihre Cousine und an ihre
Tante weitergegeben habe, weshalb nicht von einem monatlichen
Deliktserlös von Fr. 620.00 zur teilweisen Finanzierung ihrer
- 11 -
Lebenshaltungskosten ausgegangen werden könne. Weiter müsse
berücksichtigt werden, dass nur wenige Taten in einem äusserst kurzen
Zeitraum von Mitte Juli bis Mitte Oktober 2018 begangen worden seien.
Aufgrund dessen habe sie die Betrüge nicht nach der Art eines Berufs
ausgeübt und nie in der Absicht gehandelt, ein Erwerbseinkommen zu
erlangen. Sodann habe sie lange vor ihrer Verhaftung mit den Bestellungen
aufgehört, weshalb nicht davon ausgegangen werden könne, dass sie dazu
bereit gewesen sei, eine Vielzahl weiterer Delikte zu begehen
(Berufungsbegründung S. 6 f.).
2.4.
Der Täter handelt gewerbsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln,
die er für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der
Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus den
angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische
Tätigkeit nach der Art eines Berufs ausübt. Die Einnahmequelle braucht
nicht den hauptsächlichen oder regelmässigen Erwerb zu bilden. Die
Relation der deliktischen Einnahmen zum ordentlichen Erwerbseinkommen
ist nach der Rechtsprechung irrelevant. Wesentlich ist ausserdem, dass der
Täter sich darauf einrichtet, durch sein deliktisches Handeln relativ
regelmässige Einnahmen zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die
Kosten seiner Lebensgestaltung darstellen. Zudem muss er die Tat bereits
mehrfach begangen haben, und es muss aus den gesamten Umständen
geschlossen werden, er sei zu einer Vielzahl unter den entsprechenden
Tatbestand fallender Handlungen bereit gewesen (BGE 147 IV 176 E. 2.2.1
und 2.4.1 mit zahlreichen Hinweisen).
2.5.
Entgegen dem Vorbringen der Beschuldigten ist mit der Vorinstanz das
Vorliegen der Gewerbsmässigkeit klar zu bejahen:
Es liegen keine einzelnen, voneinander unabhängige Betrüge vor, da den
Betrugshandlungen ein umfassender Tatentschluss zugrunde lag, weshalb
für die zwischen dem 12. Juli 2018 und dem 21. Oktober 2018 begangenen
13 Betrüge eine Deliktserie anzunehmen ist, was die Beschuldigte denn
auch nicht bestreitet (vgl. Berufungsbegründung S. 6 f.). Die Beschuldigte
wollte mit den von ihr begangenen betrügerischen Bestellungen ihre
Lebensgestaltung in nicht unbeachtlichem Umfang mitfinanzieren.
Tatsächlich hat sie in dieser Zeit denn auch Waren und Nahrungsmittel im
Wert von insgesamt Fr. 1'871.15 auf betrügerische Art und Weise erhältlich
gemacht. Sie hat einen beträchtlichen Aufwand betrieben, indem sie –
nebst der Tatsache, dass sie bei den Bestellungen jeweils falsche Namen
angegeben hat, welche sie sich zuerst ausdenken musste – vor allem,
immer wieder neue E-Mailadressen für die Bestellungen generiert hat (vgl.
UA act. 6/300; 304; 128 f.; UA act. 4/122; 160 ff.; 168; 176 ff.; 290; 335 ff.).
- 12 -
Durch ihr deliktisches Handeln hat sie – umgerechnet auf die gesamte
Deliktsdauer von drei Monaten – einen monatlichen Deliktserlös von mehr
als Fr. 600.00 erzielt. Gerade deshalb kann der Beschuldigten nicht gefolgt
werden, wenn sie geltend macht, dass die bestellten Waren für sie keinen
Beitrag an ihre Lebenshaltungskosten geleistet hätten. Indem sie
zugegeben hat, Essensbestellungen aufgegeben zu haben, weil sie und
ihre Familie nichts zu essen sowie kein Geld für Nahrungsmittel gehabt
hätten (UA act. 4/121; 160 ff.; vgl. Protokoll Berufungsverhandlung S. 13),
ist erstellt, dass sie die bestellten Esswaren tatsächlich für sich selbst und
ihre Familie genutzt hat. Auch bei den Warenbestellungen hat sie
eingestanden, die Sachen entweder für sich oder für ihre Familie bestellt
zu haben (UA act. 4/129 f.). Sodann hat die Beschuldigte an der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung eingestanden, von den Deliktserlösen
gelebt zu haben (GA act. 90). Dass ihre Familie ebenfalls von den
Bestellungen profitiert hat, führt – entgegen ihrem Vorbringen
(Berufungsbegründung S. 6) – nicht dazu, dass keine Gewerbsmässigkeit
vorliegen würde, setzt der objektive Tatbestand des Betrugs doch gerade
voraus, dass die beschuldigte Person in der Absicht handelt, sich oder
einen anderen unrechtmässig zu bereichern. Nachdem der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge bereits ein monatlicher
Deliktserlös von Fr. 500.00 als Nebenerwerb genügt, um die Absicht, ein
Erwerbseinkommen zu erzielen und damit die Gewerbsmässigkeit bejahen
zu können (BGE 123 IV 113 E. 2), führt auch der vorliegend monatlich
erzielte Deliktserlös zur Bejahung eines gewerbsmässigen Vorgehens der
Beschuldigten.
Sodann beging die Beschuldigte die Tat mehrfach, hat sie doch insgesamt
13 Bestellungen innerhalb von lediglich drei Monaten getätigt. Diese grosse
Anzahl an begangenen Taten lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass
sie zu einer Vielzahl weiterer Betrüge bereit gewesen wäre. Dass sie –
soweit ersichtlich – zwischen dem 22. Oktober 2018 und dem
12. September 2020 keinen Bestellbetrug mehr begangen hat, vermag
daran nichts zu ändern. So ist davon auszugehen, dass die Beschuldigte
lediglich aufgrund der am 18. Oktober 2018 gegen sie wegen
Geldwäscherei eröffneten und am 11. Februar 2019 wegen Betrugs und
missbräuchlicher Verwendung einer Datenverarbeitungsanlage
ausgedehnten Strafuntersuchung, von welcher sie spätestens Ende
Oktober 2018 erfahren hat (vgl. UA act. 1/198 ff.; vgl. UA act. 3/76), in der
vorgenannten Zeit keine betrügerischen Bestellungen mehr getätigt hat
(vgl. UA act. 1/185 f.). Weiter gilt es diesbezüglich zu berücksichtigen, dass
sie sich von Anfang Dezember 2018 bis Ende Januar 2019 nicht in der
Schweiz, sondern in Brasilien aufgehalten hat (GA act. 79a S. 521; S. 516;
GA act. 87) und wohl auch aus diesem Grund in dieser Zeit keine
Bestellbetrüge mehr begangen hat. Dass sie – wenn auch erst später –
tatsächlich zu einem weiteren Bestellbetrug bereit war, zeigt sich daran,
dass sie – eigenen Angaben zufolge – am 13. September 2020 erneut über
- 13 -
«eat.ch» eine Bestellung beim Restaurant [...] im Wert von Fr. 105.00
getätigt und diese Lieferung im Anschluss daran nicht bezahlt hat. Aus dem
durch das Sozialamt der Gemeinde Y. aufgesetzten und durch die
Beschuldigte unterzeichneten Schreiben geht hervor, dass es deshalb nicht
zu einem Strafverfahren gekommen ist, weil das Sozialamt den offenen
Betrag dem Restaurant direkt überwiesen hat, um den Reisepass der
Beschuldigten, welchen diese dort als Depot hinterlegt hatte,
zurückzuerhalten (vgl. GA act. 79a S. 526).
Die Beschuldigte handelte damit in Bezug auf die Vorwürfe in den
Anklageziffern I.2.1. – I.2.8. gewerbsmässig. Nach dem Gesagten erweist
sich ihre Berufung auch in diesem Punkt als unbegründet. Sie ist des
gewerbsmässigen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB
schuldig zu sprechen.
3.
3.1.
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte gestützt auf den Sachverhalt gemäss
Anklageziffer I.3. der qualifizierten Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 2
lit. c StGB schuldiggesprochen.
Die Beschuldigte beantragt mit Berufung, sie sei von der qualifizierten
Geldwäscherei freizusprechen und stattdessen der Geldwäscherei gemäss
Art. 305bis Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen (Berufungserklärung S. 3).
3.2.
Die Anklage wirft der Beschuldigten vor, sich der qualifizierten
Geldwäscherei strafbar gemacht zu haben, indem sie zwischen dem
19. September 2018 und dem 26. Februar 2019 die im Rahmen des
gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungs-
anlage gemäss Anklageziffer I.1. erlangten Gelder auf die Bankkonten von
B., H. und I., welche sich als «Money Mules» zur Verfügung gestellt hätten,
überwiesen habe. Die «Money Mules» hätten das Geld nach den
Überweisungen durch die Beschuldigte jeweils bar abgehoben und der
Beschuldigten übergeben oder es ihr nach Brasilien gesendet, als sie sich
dort in den Ferien aufgehalten habe. Durch den Einsatz von Drittpersonen
als «Money Mules», die Barabhebungen und die Überweisungen ins
Ausland habe die Beschuldigte den «Papertrail» unterbrochen. Sodann
seien P11., P12., P13., P14., P15., P16. sowie eine unbekannte Person mit
der Mobiltelefonnummer [...] von der Beschuldigten getäuscht und
unwissentlich von ihr als «Money Mules» missbraucht worden, weshalb
diese als mittelbare Werkzeuge gehandelt hätten. Insgesamt sei es zu 65
durch die Beschuldigte vorgenommene Geldwäschereihandlungen im
Gesamtbetrag von Fr. 22'742.00 gekommen. Sie habe dabei
gewerbsmässig sowie als Mitglied einer Bande gehandelt
(Anklageziffer I.3.).
- 14 -
3.3.
Die Beschuldigte bestreitet nicht, die ihr in der Anklage vorgeworfenen
Geldwäschereihandlungen begangen zu haben und dass der
Deliktsbetrag, wie von der Vorinstanz festgestellt (vgl. vorinstanzliches
Urteil E. II.C.2.), bei Fr. 22'580.00 liege (Berufungsbegründung S. 7). Es
kann deshalb betreffend die mehrfache Erfüllung des objektiven wie auch
des subjektiven Tatbestands der Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 1
StGB auf die unbestritten gebliebenen Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen werden (vorinstanzliches Urteil E. II.C).
Die Beschuldigte macht geltend, dass keine qualifizierte Geldwäscherei
gemäss Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB vorliege, da es sich bei den durch die
Rechtsprechung festgelegten Beträgen von Fr. 100'000.00 für die
Qualifikation als grosser Umsatz und von Fr. 10'000.00 für die Qualifikation
als erheblicher Gewinn lediglich um theoretische, nicht jedoch um absolute
Schwellenwerte handle und stets eine Einzelfallbeurteilung notwendig sei.
Die von ihr überwiesenen Beträge hätten zumeist lediglich im dreistelligen
Bereich gelegen (Berufungsbegründung S. 7 f.).
Nachdem vorinstanzlich lediglich ein Schuldspruch wegen
gewerbsmässiger Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB, nicht
jedoch wegen bandenmässiger Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 2
lit. b StGB ergangen ist (vgl. vorinstanzliches Urteil E. II.C.4.), ist unter
Berücksichtigung des geltenden Verschlechterungsverbots (vgl. E. 1) nicht
weiter auf die Vorbringen der Beschuldigten zur bandenmässigen
Geldwäscherei (vgl. Berufungsbegründung S. 7 f.) einzugehen, da das
Obergericht diesbezüglich ohnehin keinen Schuldspruch ausfällen könnte.
3.4.
Ein schwerer Fall der Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB
liegt vor, wenn der Täter durch gewerbsmässige Geldwäscherei einen
grossen Umsatz oder einen erheblichen Gewinn erzielt. Betreffend die
Gewerbsmässigkeit im Allgemeinen kann auf die vorgängig in E. 2.4
gemachten theoretischen Ausführungen verwiesen werden. Die
Gewerbsmässigkeit hat sich auf die Geldwäschereihandlungen zu
beziehen. Der Täter muss zusätzlich alternativ einen grossen Umsatz oder
einen erheblichen Gewinn erzielt haben. Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung hat hierfür als Grenzwerte Fr. 100'000.00 für den Umsatz
und Fr. 10'000.00 für den Gewinn festgelegt. In subjektiver Hinsicht muss
der Täter beabsichtigen, einen grossen Umsatz oder einen erheblichen
Gewinn zu erzielen (BGE 129 IV 253 E. 2.2 ff.).
3.5.
Mit der Vorinstanz ist das Vorliegen eines schweren Falles i.S.v. Art. 305bis
Ziff. 2 lit. c StGB zu bejahen:
- 15 -
Den durch die Beschuldigte zwischen dem 19. September 2018 und dem
26. Februar 2019 begangenen Geldwäschereihandlungen lag ein
umfassender Tatentschluss zugrunde, weshalb eine Deliktsserie
anzunehmen ist, was sie denn auch nicht bestreitet (vgl.
Berufungsbegründung S. 7 f.). Durch diese Handlungen hat die
Beschuldigte ihren Lebensunterhalt in erheblichem Umfang mitfinanziert,
indem sie damit beispielsweise ihre Ferien in Brasilien bezahlt hat
(vgl. UA act. 4/141 f.; GA act. 99). Sie hat mehrmals eingestanden, von den
Deliktserlösen gelebt zu haben (GA act. 90; Protokoll Berufungs-
verhandlung S. 13). Insgesamt hat sie Fr. 22'580.00 gewaschen. Dazu hat
sie einen beträchtlichen Aufwand betrieben, indem sie die durch den
gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungs-
anlage erlangten Gelder zuerst mittels 62 Überweisungen auf die
Bankkonten von I., H., B., P14., P15., P16. sowie der unbekannten Person
mit der Mobiltelefonnummer [...] überwiesen und diese Personen
anschliessend angewiesen hat, die erhaltenen Gelder bar abzuheben und
ihr zu übergeben oder nach Brasilien zu überweisen (UA act. 6.3/135 ff.;
UA act. 6/6; UA act. 4/134 f.; 148 ff.; 292; 328 ff.; vgl. vorinstanzliches Urteil
E. II.C.2. f.). Auch die Tatsache, dass die Beschuldigte jeweils bei
denjenigen Personen, welche nicht wussten, dass die Gelder aus einer
strafbaren Handlung stammten, Lügengeschichten erfinden und diese
Personen von ihren Lügen überzeugen musste, um die Geldwäscherei-
handlungen sicherstellen zu können (vgl. UA act. 6.3/146; UA act. 6/5;
UA act. 4/152 f.; 293; 334; GA act. 99), zeigt, welchen Aufwand sie
betrieben hat, um die Fr. 22'580.00 zu waschen.
Durch ihr deliktisches Handeln hat die Beschuldigte – umgerechnet auf die
gesamte Dauer von fünf Monaten – einen monatlichen Deliktserlös von
mehr als Fr. 4'500.00 erzielt. Unter Berücksichtigung der bereits vorgängig
in E. 2.5 dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach bereits
ein monatlicher Deliktserlös von Fr. 500.00 genügt, um die Absicht, ein
Erwerbseinkommen zu erzielen und damit die Gewerbsmässigkeit bejahen
zu können, liegt aufgrund des erzielten Deliktserlöses ein
gewerbsmässiges Vorgehen vor.
Die Beschuldigte beging die Tat mehrfach, indem sie insgesamt 62 Mal
Geld an die obengenannten Personen zum Zweck der Geldwäscherei
überwiesen und diese anschliessend dazu gebracht hat, ihr das Geld
entweder bar zu übergeben oder es ihr auf ein brasilianisches Bankkonto
zu überweisen (vgl. Anklageziffer I.3.; vorinstanzliches Urteil E. II.C.2. f.).
Da sie die vielen Geldwäschereihandlungen in einer relativ kurzen
Zeitspanne von nur fünf Monaten begangen hat, bestehen keine Zweifel
daran, dass sie zu einer Vielzahl weiterer Geldwäschereihandlungen bereit
gewesen wäre. Dies wird auch durch die Tatsache untermauert, dass sie
im Februar 2019 trotz ihrer seit dem 19. Oktober 2018 gesperrten
Bankkonten bei der Bank U. (UA act. 3/76 ff.) sowie der Beschlagnahme
- 16 -
ihrer Mobiltelefone am 12. Februar 2019 (UA act. 5/275; 4/154) weiterhin
im Rahmen des von ihr begangenen gewerbsmässigen betrügerischen
Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage ihr bekannten Personen
Gelder über Twint entzogen (vgl. UA act. 6/26 f.; Anklageziffern I.1.7. –
I.1.10.; vorinstanzliches Urteil E. II.A; Protokoll Berufungsverhandlung
S. 16 f.) und diese anschliessend gewaschen hat. Dies zeigt, dass nicht
einmal die Sperrung ihrer Bankkonten und die Beschlagnahme ihrer
Mobiltelefone sie aufhalten konnte. Sodann vermochte sie nicht einmal die
Einvernahme vom 12. Februar 2019, anlässlich welcher sie zum Vorwurf
der Geldwäscherei befragt wurde (vgl. UA act. 4/94 ff.), von der Begehung
weiterer Delikte abzuhalten, hat sie doch am 25. und 26. Februar 2019
erneut Geldwäschereihandlungen vorgenommen.
Der von der Beschuldigten erzielte Gewinn von Fr. 22'580.00 ist mehr als
doppelt so hoch wie der von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
festgelegte Grenzwert für die Annahme eines erheblichen Gewinns.
Aufgrund dessen liegt ein erheblicher Gewinn vor, welchen die
Beschuldigte denn auch zu erzielen beabsichtigte. Dass dieser Gewinn
durch mehrere Geldwäschereihandlungen erwirtschaftet worden ist,
welche jeweils Beträge zwischen Fr. 50.00 und Fr. 3'500.00 betrafen,
vermag – entgegen ihrem Vorbringen – nicht die Annahme eines
erheblichen Gewinns zu verhindern, ist doch für die Ermittlung des erzielten
Gewinns nicht auf die einzelnen Beträge abzustellen, sondern auf den
durch sämtliche Geldwäschereihandlungen insgesamt erwirtschafteten
Gewinn. Der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge muss der
massgebliche Gewinn denn auch nicht in einem bestimmten Zeitraum
erzielt worden sein. Die Kriterien der Intensität, Regelmässigkeit und
Zeitdauer sind allein für die Prüfung der Frage relevant, ob
Gewerbsmässigkeit vorliegt. Für die Prüfung, ob ein erheblicher Gewinn
vorliegt, ist – unabhängig von der Intensität und somit von den einzelnen
Beträgen – der in einer absoluten Zahl ausgedrückte tatsächlich erzielte
Gewinn massgeblich (vgl. BGE 129 IV 188 E. 3.2.1).
Die Beschuldigte handelte damit in Bezug auf die Vorwürfe in der
Anklageziffer I.3. gewerbsmässig und erzielte einen erheblichen Gewinn.
Nach dem Gesagten erweist sich ihre Berufung auch in diesem Punkt als
unbegründet. Sie ist der gewerbsmässigen Geldwäscherei gemäss
Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB schuldig zu sprechen.
4.
4.1.
Die Vorinstanz hat den mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 28. März 2018 für eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen à
Fr. 40.00 gewährten bedingten Vollzug widerrufen und die Beschuldigte zu
einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren mit einem vollziehbaren
und einem bedingt zu vollziehenden Anteil von je 18 Monaten, Probezeit
- 17 -
4 Jahre, sowie zu einer unbedingten Geldstrafe von 200 Tagessätzen à
Fr. 30.00, d.h. Fr. 6'000.00, verurteilt.
Die Beschuldigte beantragt mit Berufung, dass sie mit einer bedingten
Freiheitsstrafe von 2 Jahren, Probezeit 3 Jahre, zu bestrafen sei. Auf den
Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
28. März 2018 für eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 40.00
gewährten bedingten Vollzug sei zu verzichten und stattdessen die
angesetzte Probezeit um 1 Jahr zu verlängern (Berufungserklärung S. 3).
4.2.
Die Beschuldigte hat sich des gewerbsmässigen betrügerischen
Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 Abs. 1 und
Abs. 2 StGB, des gewerbsmässigen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 und
Abs. 2 StGB und der gewerbsmässigen Geldwäscherei gemäss Art. 305bis
Ziff. 2 lit. c StGB strafbar gemacht. Dafür ist sie angemessen zu bestrafen.
4.3.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV
217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen).
Darauf kann verwiesen werden.
4.4.
Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter
Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die
Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre
Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre
Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen
(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).
Die Beschuldigte ist einschlägig vorbestraft. So wurde sie mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. März 2018 wegen
gewerbsmässigen Betrugs zu einer bedingten Geldstrafe von
150 Tagessätzen à Fr. 40.00, Probezeit 2 Jahre, sowie einer
Verbindungsbusse von Fr. 1'200.00 verurteilt (vgl. Strafregisterauszug). Sie
hat die vorliegend zu beurteilenden Delikte nur wenige Monate nach der
vorgenannten Verurteilung begangen. Mithin hat sie noch während der
laufenden Probezeit erneut im einschlägigen Deliktsfeld delinquiert. Die
Vorstrafe hat keinerlei Wirkung gezeigt. Weiter ist zu berücksichtigen, dass
die Beschuldigte während des vorliegenden Strafverfahrens und somit
unbeeindruckt von der ausgestandenen Untersuchungshaft (1. April 2019
bis 20. August 2019) im Dezember 2019 erneut einschlägig straffällig
geworden ist, sich zwei Tage in Untersuchungshaft befand und sodann mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. März 2020
wegen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage zu
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- 18 -
einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 45.00 verurteilt
worden ist (siehe aktueller Strafregisterauszug). Dies zeigt die
Ungerührtheit der Beschuldigten gegenüber dem hiesigen Straf- und
Vollzugssystem und dass sie sich durch die Ausfällung einer weiteren
bedingten oder unbedingten Geldstrafe nicht beeindrucken lassen würde.
Damit sind für sämtliche begangenen Delikte Freiheitsstrafen auszufällen,
wobei die Freiheitsstrafe für die gewerbsmässige Geldwäscherei mit einer
Geldstrafe von bis zu 500 Tagessätzen zu verbinden ist (vgl. Art. 305bis
Ziff. 2 StGB).
4.5.
4.5.1.
Die Einsatzstrafe ist für den gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauch
einer Datenverarbeitungsanlage als schwerstes Delikt festzusetzen:
Der Tatbestand des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer
Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 Ziff. 2 StGB sieht eine
Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren oder eine Geldstrafe nicht unter
90 Tagessätzen vor. Ausgangspunkt für die Strafzumessung innerhalb des
Strafrahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen
Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Das durch Art. 147 StGB geschützte
Rechtsgut ist das Vermögen (Urteil des Bundesgerichts 6S.597/2001 vom
13. Dezember 2002 E. 4.3.1).
Die Beschuldigte hat zwischen dem 11. September 2018 und dem
26. Februar 2019 mittels diverser Lügen und Täuschungen von insgesamt
zehn Personen, bei welchen es sich teilweise um ihre (Ex-)Freunde
handelte, deren Kontoangaben und teilweise auch deren Geburtsdaten
erschlichen und damit anschliessend auf deren Namen, jedoch ohne deren
Wissen, Twint-Accounts eröffnet und mit deren Bankkonten verknüpft. Dies
hat die Beschuldigte gemacht, um sich anschliessend insgesamt 85 Mal
Gelder auf ihr Bankkonto oder auf Bankkonten von Freunden oder
Familienmitgliedern zu überweisen oder um damit diverse Einkäufe über
die Twint-App vorzunehmen. Sodann hat sie zwischen dem 2. Januar 2019
und dem 5. Februar 2019 mit den P8. entlockten Informationen die
PostFinance-App eingerichtet und anschliessend insgesamt sieben
Überweisungen ab dem Konto ihres Freundes P8. auf Bankkonten von
Freunden vorgenommen. Weiter hat sie am 13. August 2018
unrechtmässig unter Verwendung der Personalien ihres Freundes P9., der
Telefonnummer ihrer Freundin E. sowie einer von ihr erstellen E-
Mailadresse ein Kundenkonto bei der N. eingerichtet und dieses
anschliessend zwischen dem 13. und dem 22. August 2018 dazu
verwendet, um mit der N.-Mobile-App 21 Ticketkäufe für verschiedene
Fahrten zu tätigen. Zwischen dem 5. August 2018 und dem 3. November
2018 hat die Beschuldigte sodann 12 Onlinebestellungen unter der Angabe
diverser fiktiver Namen und E-Mailadressen beim Unternehmen L. getätigt
- 19 -
und die gelieferten Waren an sich genommen, ohne diese zu bezahlen.
Schliesslich hat sie bei der K AG. zwei Onlinebestellungen unter der
Angabe von falschen Namen sowie fiktiven E-Mailadressen getätigt.
Aufgrund der Tatsache, dass sie diese Lieferungen nicht abfangen konnte,
gingen die bestellten Smartphones wieder zurück zur Verkäuferin.
Durch die vorgenannten Handlungen hat die Beschuldigte – ohne die
beiden versuchten Delikte – Vermögensverschiebungen von insgesamt
Fr. 43'770.30 herbeigeführt und sich bzw. teilweise auch ihre Freunde oder
Familienmitglieder in diesem Umfang bereichert. Insoweit es bei blossen
Versuchen geblieben ist, ist zu beachten, dass das versuchte Verbrechen
zwar grundsätzlich mit milderer Strafe bedroht ist als das vollendete (vgl.
Art. 22 Abs. 1 StGB). Dieser Grundsatz erleidet indessen gewisse
Einschränkungen, wo der Täter – wie vorliegend – vollendete und
versuchte gleichartige Delikte begangen und dabei gewerbsmässig
gehandelt hat. In diesem Fall liegt ein Kollektivverbrechen vor, das sowohl
die vollendeten wie auch die versuchten Taten umfasst. Der Versuch geht
hier im vollendeten gewerbsmässigen Kollektivdelikt auf (BGE 123 IV 113
E. 2d mit Hinweisen). Der Betrag des wirklich verursachten Schadens ist
beim gewerbsmässigen Delikt verschuldensmässig nicht wesentlich
relevanter als der Deliktsbetrag, der sich aus den versuchten Delikten
ergibt. Eine bloss versuchte Handlung ist daher im Rahmen der
Gewerbsmässigkeit bei der Strafzumessung zu vernachlässigen (Urteil des
Bundesgerichts 6B_1223/2013 vom 4. Dezember 2014 E. 5.2). Unter
Berücksichtigung der versuchten Tatbegehungen ist von einem innerhalb
von sechseinhalb Monaten erwirtschafteten Deliktsbetrag von
Fr. 45'627.30 auszugehen. Es handelt sich dabei um einen erheblichen
Betrag, der sehr deutlich über dem mittleren im Jahr 2019 verfügbaren
Einkommen der Privathausalte in der Schweiz von monatlich Fr. 6'609.00
liegt (vgl. Medienmitteilung des Bundesamtes für Statistik vom
19. November 2018). Der Taterfolg ist damit in Relation zum weiten
Strafrahmen von bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe und den davon erfassten
Deliktssummen als nicht mehr leicht bis mittelschwer zu bezeichnen.
Verschuldenserhöhend wirkt sich die Art und Weise der Tatbegehung und
damit einhergehend die Verwerflichkeit des Handelns der Beschuldigten
aus. Sie hat über einen Zeitraum von etwas mehr als einem halben Jahr
insgesamt 13 natürliche oder juristische Personen an deren Vermögen
geschädigt und ist dabei gewerbsmässig vorgegangen. Dazu hat sie
teilweise das ihr durch ihre (Ex-)Freunde entgegengebrachte Vertrauen
ganz gezielt ausgenutzt, um diese zur Übermittlung ihrer Kontoangaben
sowie weiterer Informationen zu bewegen, um anschliessend die
Vermögensverschiebungen zu deren Nachteil vornehmen zu können.
Damit schädigte sie diese Personen nicht nur in deren Vermögen, sondern
missbrauchte ihr Vertrauen in missbilligender Weise. Insgesamt ist es zu
154 Vermögensverschiebungen gekommen. Ihr Vorgehen zeugt von einer
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6b_24%2F2014&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-IV-113%3Ade&number_of_ranks=0#page113
- 20 -
erheblichen kriminellen Energie. Sie hat viel Zeit investiert, um sämtliche
notwendigen Angaben zu erhalten, die Accounts einzurichten und die
Geschädigten nach der Abhebung der Beträge auf deren Konten davon zu
überzeugen, dass es sich dabei um Fehlbuchungen gehandelt habe. Dies
zeigt sich exemplarisch an den Chatverläufen mit den Geschädigten
(vgl. hierzu beispielsweise UA act. 6.2/76 ff.; 117 ff.; 174 ff.). Besonders
perfide erscheint die Vorgehensweise der Beschuldigten bei P6., bei
welchem sie, nachdem dieser aufgrund der Abbuchungen seinen Twint-
Account sperren liess, erneut unrechtmässig einen Twint-Account mit
dessen Kontoangaben erstellte und damit anschliessend weitere Gelder
abbuchte (vgl. UA act. 6.2/49 ff.). Auch die Tatsache, dass die Beschuldigte
P4. glauben liess, sie benötige deren Kontoangaben, um in Brasilien Geld
beziehen zu können, um damit ihrer Grossmutter eine Operation zu
bezahlen (UA act. 6.3/21), zeigt die unverfrorene und durchaus
verwerfliche Vorgehensweise der Beschuldigten. In Bezug auf die in den
Anklageziffern I.1.11. bis I.1.13. angeklagten Tathandlungen (Ticketkäufe
bei der N., Onlinebestellungen bei L. und K AG.) ist die Beschuldigte
ebenfalls systematisch und mit einer nicht zu vernachlässigenden
kriminellen Energie vorgegangen, indem sie immer wieder neue E-
Mailadressen erstellt und sich neue Vor- und Nachnamen sowie
Geburtsdaten ausgedacht hat. Insgesamt ist die Art und Weise des
Handelns der Beschuldigten deutlich über die blosse Erfüllung des
Tatbestands hinausgegangen. Das Doppelverwertungsverbot bedeutet
nicht, dass bei der Strafzumessung die Tatumstände, die bereits für die
Begründung des Schuldspruchs herangezogen wurden, gänzlich
unerwähnt zu bleiben haben. Vielmehr darf berücksichtigt werden, in
welchem Ausmass ein qualifizierendes Merkmal (hier: die
Gewerbsmässigkeit) gegeben ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_56/2017 vom 19. April 2017 E. 2.1).
Die Beschuldigte hat aus rein monetären Gründen gehandelt, was für sich
alleine allerdings nicht verschuldenserhöhend zu berücksichtigen ist, da
dieser Umstand jedem Vermögensdelikt immanent ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_1327/2015 vom 16. März 2016 E. 4.2).
Verschuldenserhöhend zu berücksichtigen ist jedoch das sehr hohe Mass
an Entscheidungsfreiheit, über welches sie verfügte. Sie hätte ein legales
Einkommen erzielen und von den Onlinebestellungen und Twint-
Überweisungen absehen können. Sie hat jedoch bewusst darauf verzichtet,
einer geregelten Arbeit nachzugehen und ein legales Einkommen zu
erwirtschaften und sich vielmehr für den aus ihrer Sicht einfachsten Weg
entschieden. Auch wenn ihre finanzielle Lage angespannt war, befand sie
sich nicht in einer Notsituation und ist auch nicht in die Kriminalität
gezwungen worden. Es wäre damit für sie ein Leichtes gewesen, das
fremde Vermögen zu respektieren. Entsprechend schwer wiegt die
Entscheidung dagegen und damit das Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112
E. 1 mit Hinweisen).
- 21 -
Insgesamt ist unter Berücksichtigung des breiten Spektrums möglicher
gewerbsmässiger betrügerischer Missbrauchshandlungen einer
Datenverarbeitungsanlage und davon erfasster Deliktsbeträge von einem
in Relation zum Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe nicht
mehr leichten bis mittelschweren Tatverschulden und einer dafür
angemessenen Freiheitsstrafe von 2 1⁄2 Jahren auszugehen.
4.5.2.
Diese Einsatzstrafe ist für die weiteren Straftaten in Anwendung des
Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen.
4.5.3.
In Bezug auf die gewerbsmässige Geldwäscherei ergibt sich Folgendes:
Für die qualifizierte Geldwäscherei sieht Art. 305bis Ziff. 2 StGB alternativ
Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe vor, wobei mit der
Freiheitsstrafe eine Geldstrafe bis zu 500 Tagessätzen zu verbinden ist.
Durch Art. 305bis StGB werden die staatlichen Einziehungsansprüche und
– in Fällen, in denen die Vermögenswerte aus Straftaten gegen
Individualinteressen herrühren – die Vermögensinteressen der durch die
Vortat geschädigten Personen geschützt (GRAF in: Annotierter Kommentar
StGB, 2020, N. 1 zu Art. 305bis StGB).
Die Beschuldigte hat die Einziehung von insgesamt Fr. 22'580.00 vereitelt,
indem sie 62 Überweisungen der im Rahmen des gewerbsmässigen
betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage erlangten
Gelder auf Bankkonten von diversen Personen, welche die erhaltenen
Gelder entweder bar abgehoben und der Beschuldigten übergeben oder
ihr nach Brasilien überwiesen haben, vorgenommen hat. Weiter hat sie in
diesem Umfang die Vermögensinteressen der durch die Vortat
geschädigten Personen verletzt. Dieser Deliktsbetrag ist nicht zu
bagatellisieren, ist er doch doppelt so hoch wie der von der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung festgelegte Grenzwert für die
Annahme eines erheblichen Gewinns. Unter Berücksichtigung des grossen
Spektrums möglicher Deliktssummen innerhalb des ordentlichen
Strafrahmens ist von einem vergleichsweise nicht mehr leichten bis
mittelschweren Taterfolg auszugehen.
Die Art und Weise des Handelns der Beschuldigten ist über die Erfüllung
des Tatbestands hinausgegangen, was sich verschuldenserhöhend
auswirkt. So hat sie teilweise ihren eigenen Freunden, welche nicht
wussten, dass die Gelder aus einer strafbaren Handlung stammten, Lügen
aufgetischt, um diese zu täuschen und dazu zu bringen, ihr die vorgängig
überwiesenen Gelder wieder zurückzugeben und damit deren Einziehung
zu vereiteln. Dadurch hat die Beschuldigte das ihr durch diese Freunde
- 22 -
entgegengebrachte Vertrauen gezielt ausgenutzt und zusätzlich zwei
dieser Personen insofern geschadet, als dass gegen diese Strafverfahren
eingeleitet worden sind, welche erst im Jahr 2020 eingestellt worden sind
(vgl. UA act. 1/257 ff. betreffend P18.; UA act. 1/314 ff. betreffend P14.).
Ebenfalls verschuldenserhöhend ist das hohe Mass an
Entscheidungsfreiheit, über welches die Beschuldigte hinsichtlich der
gewerbsmässigen Geldwäscherei verfügte, zu berücksichtigen (vgl. hierzu
oben).
Insgesamt ist in Bezug auf die gewerbsmässige Geldwäscherei von einem
nicht mehr leichten bis mittelschweren Tatverschulden und in Relation zum
Strafrahmen von bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe, die mit einer Geldstrafe
von bis zu 500 Tagessätzen zu verbinden ist, von einer bei isolierter
Betrachtung angemessenen Einzelstrafe von 18 Monaten Freiheitsstrafe
sowie einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen (siehe dazu unten) als eine in
ihrer Summe dem Verschulden angemessenen Sanktion auszugehen. Im
Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass die gewerbsmässige
Geldwäscherei in einem relativ engen sachlichen Zusammenhang mit der
Vortat – dem gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauch einer
Datenverarbeitungsanlage – steht, was den Gesamtschuldbeitrag geringer
erscheinen lässt. Es würde sich deshalb rechtfertigen, die
Einsatzfreiheitsstrafe im Umfang von 9 Monaten zu erhöhen. Aufgrund des
Verschlechterungsverbots bleibt es jedoch bei der von der Vorinstanz
ausgesprochenen und als mild zu bezeichnenden Freiheitsstrafe von
3 Jahren.
4.5.4.
Die Strafe wäre nunmehr für den von der Beschuldigten begangenen
gewerbsmässigen Betrug in Anwendung des Asperationsprinzips gemäss
Art. 49 Abs. 1 StGB deutlich zu erhöhen. In Nachachtung des
Verschlechterungsverbots kommt eine Erhöhung über die von der
Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von 3 Jahren hinaus jedoch
nicht infrage. Unter neutraler Berücksichtigung der Täterkomponente und
strafmindernder Berücksichtigung der Verletzung des Beschleunigung-
sgebots (siehe dazu sogleich) bleibt es somit bei einer Freiheitsstrafe von
3 Jahren.
4.5.5.
In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der aktuelle
Strafregisterauszug der Beschuldigten weist zwei Eintragungen auf. Mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. März 2018
wurde sie wegen gewerbsmässigen Betrugs zu einer bedingten Geldstrafe
von 150 Tagessätzen à Fr. 40.00, Probezeit 2 Jahre, sowie einer
Verbindungsbusse von Fr. 1'200.00 verurteilt. Insoweit gilt sie als
einschlägig vorbestraft. Dies wirkt sich straferhöhend aus, da sie
offensichtlich nicht die notwendigen Lehren aus ihrer Vorstrafe gezogen hat
- 23 -
(BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Es ist jedoch zu beachten, dass aus dem
täterbezogenen Strafzumessungskriterium der Vorstrafe nicht indirekt ein
tatbezogenes Kriterium gemacht werden darf. Mithin darf eine Vorstrafe
nicht wie ein eigenständiges Delikt gewürdigt werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.4). Sodann wurde
sie mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. März
2020 wegen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage
zu einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 45.00 verurteilt,
wobei auf einen Widerruf des bedingten Vollzugs der mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. März 2018 ausgesprochenen
Geldstrafe verzichtet, jedoch eine Verwarnung ausgesprochen wurde.
Diese Strafe wurde nach der Begehung der vorliegend zu beurteilenden
Delikte ausgesprochen, weshalb es sich hierbei – entgegen der
vorinstanzlichen Feststellung (vorinstanzliches Urteil E. III.3.2.) – nicht um
eine Vorstrafe handelt. Nichtsdestotrotz ist massgeblich straferhöhend zu
berücksichtigen, dass die Beschuldigte während des vorliegenden
Strafverfahrens erneut und sogar einschlägig delinquiert hat (Urteil des
Bundesgerichts 6B_ 782/2011 vom 3. April 2012 E. 4.2). Im
Strafregisterauszug der Beschuldigten ist sodann eine Strafuntersuchung
der Staatsanwaltschaft Zug aus dem Jahr 2018 betreffend betrügerischen
Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage ersichtlich. Dieses neue
Strafverfahren darf jedoch aufgrund der Unschuldsvermutung und des
Doppelbestrafungsverbots nicht berücksichtigt werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_488/2011 vom 27. Dezember 2011 E. 3.3).
Die Geständnisse der Beschuldigten haben zur teilweisen Verkürzung des
Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beigetragen. Aufgrund dessen sind
diese strafmindernd zu berücksichtigen. Ausgeschlossen ist jedoch eine
erhebliche Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an vollumfänglich
geständigen sowie einsichtigen und reuigen Täter möglich ist. So war die
Beschuldigte – entgegen ihrem Vorbringen (Berufungsbegründung S. 9) –
gerade nicht von Anfang an geständig, da sie an ihrer ersten Einvernahme
vom 2. April 2019 noch angab, nichts zu wissen (vgl. UA act. 4/1 ff.). Dass
sie nur sehr beschränkt einsichtig ist, zeigt sich einerseits darin, dass sie
die Verweisung sämtlicher Zivilforderungen auf den Zivilweg beantragt,
anstatt um eine Wiedergutmachung bemüht zu sein, und andererseits
darin, dass sie vorbringt, diejenigen Personen, gegen welche ein
Strafverfahren wegen Verdachts auf Geldwäscherei eingeleitet worden sei,
seien selbst für ihr Handeln verantwortlich (Berufungsbegründung S. 8).
Dass dies gerade nicht der Fall war, zeigt sich an den
Einstellungsverfügungen (vgl. E. 4.5.3; vgl. UA act. 1/258). Ihre Reue
scheint insgesamt nicht wesentlich über eine blosse Tatfolgenreue
hinauszugehen.
Was die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten anbelangt, so haben
sich diese gegenüber dem Tatzeitpunkt insofern verändert, als dass sie
- 24 -
mittlerweile alleinerziehende Mutter eines einjährigen Kindes ist. Die
Beschuldigte ist nach wie vor ledig und war bis vor kurzem arbeitslos sowie
ohne konstanten Wohnsitz. Sie ist bisher immer wieder bei Freunden oder
Familienmitgliedern untergekommen (vgl. GA act. 87 ff.). An der
Berufungsverhandlung hat sie angegeben, seit Anfang dieses Monats eine
Wohnung für sich und ihre Tochter in Z. gemietet zu haben und seit kurzem
zwei Arbeitsstellen zu haben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 2; vgl.
E. 5.3.1). Sie verfügt nicht über eine abgeschlossene Berufsausbildung
und bezieht seit März dieses Jahres Sozialhilfe, nachdem sie bereits
zwischen dem 1. September 2020 und Anfang Juli 2021 Sozialhilfe
bezogen hatte (GA act. 79a S. 463; S. 511 und S. 565; UA act. 4/341;
Protokoll Berufungsverhandlung S. 4 f.). Ihre Schulden belaufen sich –
ohne jene im Zusammenhang mit dem vorliegenden Strafverfahren – auf
mehr als Fr. 15'000.00.
Es ist zwar unbestritten, dass der Strafvollzug eine Belastung für die
Beschuldigte und ihr Kind darstellen wird. Die Verbüssung einer
Freiheitsstrafe ist aber für jede in ein familiäres Umfeld eingebettete Person
mit einer gewissen Härte verbunden. Der Umstand allein, dass sie
(alleinerziehende) Mutter eines minderjährigen Kindes ist, führt noch nicht
zur Annahme einer besonderen Strafempfindlichkeit. Auch allein-
erziehende Mütter haben die Rechtsfolge ihrer Straftat, den Strafvollzug,
zu dulden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_40/2020 vom 17. August
2020 E. 3.2.2 f.). Das Bundesgericht hat denn auch wiederholt betont, dass
eine erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen
zu bejahen ist (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 6B_1235/2018 vom
28. September 2020 E. 5 mit Hinweisen). Solche liegen hier nicht vor. Auch
ist darauf hinzuweisen, dass die Möglichkeit einer gemeinsamen
Unterbringung von Mutter und Kleinkind in der Strafanstalt besteht, sofern
dies auch im Interesse des Kindes liegt (Art. 80 Abs. 1 lit. c StGB).
Insgesamt halten sich die negativen und die positiven Faktoren etwa die
Waage, so dass sich die Täterkomponente neutral auswirkt.
4.5.6.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots
wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020
vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen
werden.
Vorliegend ist in Bezug auf die Dauer zur Begründung des vorinstanzlichen
Urteils eine Verletzung des Beschleunigungsgebots auszumachen. Muss
das Gericht das Urteil begründen, so stellt es innert 60 Tagen,
ausnahmsweise 90 Tagen, der beschuldigten Person und der
Staatsanwaltschaft das vollständig begründete Urteil zu (Art. 84 Abs. 4
StPO). Nachdem zwischen der Eröffnung des Urteils im Dispositiv und der
- 25 -
Versendung des motivierten Urteils acht Monate vergangen sind, hat die
Vorinstanz das Beschleunigungsgebot – nicht mehr bloss leicht, aber auch
nicht schwerwiegend – verletzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_82/2021
vom 9. September 2021 E. 2.4). Dies ist im Umfang von einem Monat zu
berücksichtigen, was aber nicht zu einer Reduktion der vorinstanzlichen
Strafe führt, da es bei dieser nur aufgrund des Verschlechterungsverbots
bleibt und ansonsten eine – auch unter strafmindernder Berücksichtigung
der Verletzung des Beschleunigungsgebots – deutlich höhere Strafe
auszufällen gewesen wäre (siehe dazu oben).
4.5.7.
Zusammenfassend bleibt es aufgrund des Verschlechterungsverbots bei
der von der Vorinstanz ausgesprochenen und als mild zu bezeichnenden
Freiheitsstrafe von 3 Jahren.
4.5.8.
Die Vorinstanz hat der Beschuldigten für die Freiheitsstrafe von 3 Jahren
den teilbedingten Vollzug gewährt bei einem bedingten und unbedingten
Anteil von je 18 Monaten und einer Probezeit von 4 Jahren für den
bedingten Anteil.
Der Beschuldigten ist bei einer Gesamtwürdigung ihres bisherigen
Verhaltens und ihrer persönlichen Verhältnisse (siehe dazu oben) eine
eigentliche Schlechtprognose zu stellen, welche die Gewährung des
teilbedingten Strafvollzugs an sich ausschliessen würde (BGE 134 IV 1
E. 5.3.1). Mithin hat die Beschuldigte trotz Vorstrafe ein sehr grosses Mass
an Gleichgültigkeit und Unbekümmertheit gegenüber der Rechtsordnung
gezeigt und insbesondere noch während laufender Probezeit und trotz
laufenden Strafverfahrens und erfolgter Untersuchungshaft weiter
delinquiert. Aufgrund des Verschlechterungsverbots ist auf die Gewährung
des teilbedingten Strafvollzugs jedoch nicht zurückzukommen. Mit der
Vorinstanz ist der vollziehbare Anteil der teilbedingten Strafe unter
Berücksichtigung des erheblichen Verschuldens der Beschuldigten und der
ihr zu stellenden ungünstigen Prognose auf 18 Monate festzusetzen.
Insoweit die Beschuldigte vorbringt, es bestehe eine begründete Aussicht
auf Bewährung (Berufungsbegründung S. 10), steht dies dem Vollzug eines
Teils der Strafe nicht entgegen, sondern ist vielmehr Voraussetzung dafür,
dass überhaupt eine teilbedingte Strafe ausgesprochen werden kann (BGE
134 IV 1 E. 5.3.1 S. 10). Das gilt auch für den an sich positiven Umstand,
dass die Beschuldigte Mutter geworden ist und ihrer Tochter ein gutes
Vorbild sein will. Allerdings hat die Beschuldigte bis anhin gezeigt, dass
zumindest die Schwangerschaft sie nicht davon hat abhalten können,
unbeirrt weiter zu delinquieren.
Ist aufgrund des Verschlechterungsverbots ein Teil der Strafe bedingt
auszusprechen, ist den erheblichen Bedenken an der Legalbewährung der
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- 26 -
Beschuldigten mit einer erhöhten Probezeit Rechnung zu tragen. Die von
der Vorinstanz auf 4 Jahre festgesetzte Probezeit kann nicht herabgesetzt
werden.
4.6.
4.6.1.
Die Beschuldigte hat die gewerbsmässige Geldwäscherei, für welche unter
anderem eine Geldstrafe ausgesprochen wird, vom 19. September 2018
bis 26. Februar 2019 und somit in einem Zeitraum verübt, bevor sie mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. März 2020
wegen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage zu
einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen verurteilt worden ist. Es
liegt damit – insoweit für die gewerbsmässige Geldwäscherei eine
Geldstrafe auszufällen war – ein Fall retrospektiver Konkurrenz vor,
weshalb die vorliegend auszusprechende Geldstrafe als Zusatzstrafe
gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB zum vorgenannten Strafbefehl auszusprechen
ist.
Handelt es sich – wie vorliegend – bei der neu zu beurteilenden Tat
(gewerbsmässige Geldwäscherei) um die schwerste Straftat, ist diese um
die rechtskräftige Grundstrafe (Geldstrafe von 30 Tagessätzen)
angemessen zu erhöhen. Die infolge Asperation eintretende Reduzierung
der rechtskräftigen Grundstrafe ist von der Strafe für die neu zu
beurteilenden Delikte abzuziehen und ergibt die Zusatzstrafe (BGE 142 IV
265 E. 2.4.4).
Für die gewerbsmässige Geldwäscherei ist – zusätzlich zur Freiheitsstrafe
– eine Geldstrafe von 240 Tagessätzen als in ihrer Summe dem
Verschulden angemessene Sanktion auszusprechen (siehe dazu oben).
Diese ist um die rechtskräftige Grundstrafe (Geldstrafe von
30 Tagessätzen) angemessen auf 250 Tagessätze zu erhöhen, was eine
Zusatzstrafe von 220 Tagessätzen ergeben würde. In Nachachtung des
Verschlechterungsverbots kommt eine Erhöhung über die von der
Vorinstanz ausgesprochene Strafe von 200 Tagessätzen Geldstrafe jedoch
nicht infrage. Da die für die gewerbsmässige Geldwäscherei
auszusprechende Freiheitsstrafe gemäss Art. 305bis Ziff. 2 StGB mit einer
Geldstrafe bis zu 500 Tagessätzen zu verbinden ist, findet keine
Begrenzung der Geldstrafe auf 180 Tagessätze statt (Art. 34 Abs. 1 StGB).
Unter neutraler Berücksichtigung der Täterkomponente und
strafmindernder Berücksichtigung der Verletzung des Beschleunigungs-
gebots (siehe dazu oben) ist somit eine Zusatzstrafe zum Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. März 2020 von
200 Tagessätzen Geldstrafe auszusprechen.
- 27 -
4.6.2.
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn
eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der
Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (vgl. Art. 42
Abs. 1 StGB). Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen
oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten
verüben wird, so widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den
bedingten Teil der Strafe. Sind die widerrufene und die neue Strafe gleicher
Art, so bildet es in sinngemässer Anwendung von Artikel 49 eine
Gesamtstrafe (Art. 46 Abs. 1 StGB).
Das Nebeneinander von zwei Sanktionen (neue Strafe und Widerrufs-
strafe) erfordert eine Beurteilung in Varianten: Möglich ist, dass der Vollzug
der neuen Strafe erwarten lässt, der Verurteilte werde dadurch von weiterer
Straffälligkeit abgehalten, weshalb es nicht notwendig erscheine, den
bedingten Vollzug der früheren Strafe zu widerrufen. Umgekehrt kann der
nachträgliche Vollzug der früheren Strafe dazu führen, dass eine
Schlechtprognose für die neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB
verneint und diese folglich bedingt ausgesprochen wird (Urteil des
Bundesgerichts 6B_808/2018 vom 6. Mai 2019 E. 2.3 mit Hinweisen).
4.6.3.
Die Probezeit für die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
vom 28. März 2018 bedingt ausgesprochene Geldstrafe wurde auf zwei
Jahre festgesetzt und lief damit bis Ende März 2020 (vgl.
Strafregisterauszug). Die vorliegend zu beurteilenden Straftaten wurden
zwischen Juli 2018 und Februar 2019 und somit während der laufenden
Probezeit begangen. Seit Ablauf der Probezeit sind noch keine drei Jahre
vergangen, weshalb ein Widerruf nicht ausgeschlossen ist (Art. 46 Abs. 5
StGB).
Der Beschuldigten ist eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen (siehe
dazu oben), weshalb die Widerrufsstrafe zu vollziehen ist. Daran ändert
auch der Umstand nichts, dass die Freiheitsstrafe – aufgrund des
Verschlechterungsverbots – nicht unbedingt, sondern teilbedingt und die
neu als Zusatzstrafe auszufällende Geldstrafe unbedingt auszusprechen
ist, zumal auch diesbezüglich eine eigentliche Schlechtprognose vorliegt.
Gerade aufgrund der Tatsache, dass die Beschuldigte nur wenige Monate
nach der ausgestandenen Untersuchungshaft, welche beinahe fünf Monate
gedauert hat, erneut delinquiert hat (siehe Strafregisterauszug), ist nicht
anzunehmen, dass der teilweise Vollzug der neu auszusprechenden
Freiheitsstrafe eine genügende Warnwirkung entfalten würde. Dasselbe gilt
in Bezug auf die neu auszufällende unbedingte Geldstrafe, hat die
Beschuldigte doch z.B. durch die Essensbestellung ohne Zahlungsabsicht
bei «Eat.ch» am 13. September 2020 aufgezeigt, dass auch eine unbedingt
- 28 -
ausgesprochene Geldstrafe sie von einer weiteren Deliktsbegehung nicht
abzuhalten vermag.
4.6.4.
Nach dem Gesagten ist der gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Limmat vom 28. März 2018 für die Geldstrafe von 150 Tagessätzen
à Fr. 40.00 gewährte bedingte Vollzug zu widerrufen und die neu als
Zusatzstrafe auszufällende Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu vollziehen.
Bei der Bildung der Gesamtstrafe ist die neue Strafe als Einsatzstrafe in
sinngemässer Anwendung des Asperationsprinzips durch die widerrufene
Strafe zu erhöhen (BGE 145 IV 146 E. 2.4). Aufgrund des
Verschlechterungsverbots ist dies jedoch ausgeschlossen, weshalb es bei
der als Zusatzstrafe auszusprechenden Geldstrafe von 200 Tagessätzen
sein Bewenden hat.
4.6.5.
Die Höhe des Tagessatzes bemisst sich nach den Verhältnissen des Täters
im Urteilszeitpunkt (Art. 34 Abs. 2 StGB). Massgebende Kriterien für die
Bestimmung der Tagessatzhöhe sind das Einkommen, das Vermögen und
der Lebensaufwand des Beschuldigten, seine Unterstützungspflichten und
persönlichen Verhältnisse sowie sein Existenzminimum (BGE 142 IV 315
E. 5 = Pra 2018 Nr. 52, Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung).
Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, das der Täter im Zeitpunkt des
Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geldwerten Leistungen, die ihm
zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1).
Die Beschuldigte, Mutter einer kleinen Tochter, arbeitet seit kurzem als
Raumpflegerin, wobei sie im Stundenlohn angestellt ist sowie auf Abruf als
Mitarbeiterin Sitzwache (vgl. Beilagen Berufungsverhandlung). An der
Berufungsverhandlung konnte sie ihre künftigen Einkünfte noch nicht
beziffern (Protokoll Berufungsverhandlung S. 2). Aktuell ist sie nach wie vor
von der Sozialhilfe abhängig. Sie lebt somit nahe oder unter dem
Existenzminimum. Zudem ist eine hohe Anzahl Tagessätze
auszusprechen. Es rechtfertigt sich deshalb, den Tagessatz unter
Berücksichtigung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse auf
das Minimum von Fr. 10.00 festzusetzen (Art. 34 Abs. 2 StGB; BGE 135 IV
180; BGE 134 IV 60 E. 6.5.2).
4.7.
Die bisher ausgestandene Untersuchungshaft von 142 Tagen (1. April 2019
bis 20. August 2019) ist der Beschuldigten gestützt auf Art. 51 StGB an die
Freiheitsstrafe anzurechnen.
- 29 -
4.8.
Zusammenfassend ist die Beschuldigte zu einer teilbedingten
Freiheitsstrafe von 3 Jahren mit einem vollziehbaren und einem bedingt zu
vollziehenden Anteil von je 18 Monaten, Probezeit 4 Jahre, und als
Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
23. März 2020 zu einer unbedingten Geldstrafe von 200 Tagessätzen à
Fr. 10.00, d.h. Fr. 2'000.00, zu verurteilen. Der mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. März 2018 gewährte bedingte
Vollzug der Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 40.00 ist zu widerrufen
und bildet Bestandteil der vorliegend als Zusatzstrafe auszusprechenden
Gesamtgeldstrafe. Die Berufung der Beschuldigten erweist sich damit im
Strafpunkt als unbegründet.
5.
5.1.
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte für 10 Jahre des Landes verwiesen.
Die Beschuldigte beantragt, es sei auf die Anordnung einer
Landesverweisung zu verzichten (Berufungserklärung S. 3) und begründet
dies damit, dass ein persönlicher Härtefall vorliege und ihr persönliches
Interesse an einem Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an der
Landesverweisung überwiege (Berufungsbegründung S. 11).
5.2.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung nach
Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu
Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE
146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 145 IV
161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_513/2021
vom 31. März 2022). Darauf kann verwiesen werden.
Das Gericht verweist den Ausländer, der wegen gewerbsmässigen Betrugs
oder gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbei-
tungsanlage verurteilt wird, unabhängig von der Höhe der Strafe für 5 bis
15 Jahre aus der Schweiz (Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB; obligatorische
Landesverweisung). Die Beschuldigte hat zwei Katalogtaten im Sinne von
Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB begangen. Sie ist somit grundsätzlich aus der
Schweiz zu verweisen.
Von der Landesverweisung kann nur ausnahmsweise unter den
kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, wenn sie (1.) einen
schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und (2.) die öffentlichen
Interessen an der Landesverweisung die privaten Interessen des
Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a Abs. 2
StGB). Art. 66a StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessen-
abwägung im Rahmen der Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB hat
- 30 -
sich daher an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK
zu orientieren.
5.3.
5.3.1.
Die 25-jährige Beschuldigte wurde in Brasilien geboren und lebte bis zu
ihrer Einreise in die Schweiz in Brasilien bei ihren Grosseltern
väterlicherseits (GA act. 89). Sie ist im Jahr 2004 mit 7 Jahren im Rahmen
des Familiennachzugs in die Schweiz eingereist, hat eine
Aufenthaltsbewilligung B erhalten und lebte anschliessend zusammen mit
ihrer Mutter und ihrem Stiefvater (UA act. 2/15; GA act. 79a S. 7;
GA act. 89). Vom 17. Juli 2013 bis zum 26. Januar 2014 ging sie im Alter
von 16 Jahren wieder für ein halbes Jahr nach Brasilien, wo sie erneut bei
ihren Grosseltern väterlicherseits wohnte (GA act. 79a S. 31 ff.; S. 54;
GA act. 91). Am 27. Januar 2014 reiste sie erneut in die Schweiz ein,
woraufhin sie wiederum die Aufenthaltsbewilligung B erhielt (GA act. 79a
S. 54). Die Beschuldigte verfügt seit November 2018 über keinen gültigen
Aufenthaltstitel mehr für die Schweiz (vgl. GA act. 79a S. 82 ff.; S. 186;
S. 511; Protokoll Berufungsverhandlung S. 5). Vom 7. Dezember 2018 bis
am 29. Januar 2019 hielt sie sich im Alter von 21 Jahren während beinahe
zwei Monaten in Brasilien bei ihren Grosseltern auf, um diese – eigenen
Angaben zufolge – zu besuchen (GA act. 79a S. 521; S. 516; GA act. 87).
Zwischen Ende Juli 2021 und Anfang März 2022 hielt sie sich erneut für
sieben Monate bei ihren Grosseltern in Brasilien auf (Plädoyer der
amtlichen Verteidigerin an der Berufungsverhandlung S. 2; Protokoll
Berufungsverhandlung S. 5). Die Beschuldigte spricht Portugiesisch und
Schweizerdeutsch (Protokoll Berufungsverhandlung S. 6; GA act. 88). Sie
hat die prägende Jugend- und Adoleszenzphase (zwischen dem
vollendeten 10. und dem vollendeten 20. Altersjahr) grösstenteils in der
Schweiz verbracht, wobei sie im Alter von 16 Jahren ein halbes Jahr lang
in Brasilien gelebt hat. Sie gilt somit als in der Schweiz aufgewachsen. Der
besonderen Situation von in der Schweiz geborenen oder aufgewachsenen
Ausländern ist zufolge Art. 66a Abs. 2 StGB Rechnung zu tragen, indem
eine längere Aufenthaltsdauer, zusammen mit einer guten Integration –
beispielsweise aufgrund eines Schulbesuchs in der Schweiz – in aller
Regel als starke Indizien für ein gewichtiges Interesse an einem Verbleib
in der Schweiz und damit für das Vorliegen eines Härtefalls zu werten sind
(BGE 146 IV 105 E. 3.4.4).
Der Lebensmittelpunkt der Beschuldigten, welche hier die Schulen besucht
hat, liegt in der Schweiz. Ihre Mutter sowie ihre Tochter wohnen in der
Schweiz. Den Angaben der Beschuldigten zufolge sei ihr Verhältnis zu ihrer
Mutter, bei welcher sie zuletzt gewohnt hat (Berufungsbegründung S. 11),
sehr gut. Dies erscheint jedoch unter Berücksichtigung ihrer Aussagen,
wonach sie im Jahr 2019 derart verstritten gewesen seien, sodass die
Beschuldigte bei ihrer Mutter ausgezogen sei, die beiden eine Zeit lang
- 31 -
keinen Kontakt zueinander gehabt hätten und ihre Mutter sie im Sommer
2013 wegen des schlechten Verhältnisses untereinander sogar nach
Brasilien geschickt habe (GA act. 88 ff.; vgl. Protokoll Berufungs-
verhandlung S. 12), zumindest fraglich.
Unterdurchschnittlich erweist sich die persönliche und gesellschaftliche
Integration der Beschuldigten ausserhalb der Familie: Sie hat das
Vertrauen diverser Personen, welche früher zu ihrem Freundeskreis
zählten und bei denen sie teilweise sogar zeitweise gewohnt hat, im
Rahmen der von ihr begangenen Delikte missbraucht, um sich um deren
Geld zu bereichern resp. um die Geldwäschereihandlungen begehen zu
können. Es erscheint deshalb fraglich, ob die Beschuldigte überhaupt noch
einen echten Freundeskreis hat, zu welchem sie nicht nur zwecks eigener
Bereicherung Kontakt pflegt. In einem Verein oder in einer kulturellen oder
kirchlichen Institution ist sie nicht aktiv (GA act. 108). Erwähnenswert in
Bezug auf die Integration an einem bestimmten Ort erscheint denn auch
die Tatsache, dass die Beschuldigte in den letzten Jahren diverse Male
umgezogen ist. So hat sie eigenen Angaben zufolge seit März 2018 an
mindestens elf verschiedenen Orten gewohnt (vgl. GA act. 79a S. 522;
UA act. 4/3). Gegen eine gelungene Integration sprechen auch ihre
Verurteilungen in den vergangenen Jahren (siehe dazu oben). Diese
lassen in ihrer Gesamtheit auf ein hohes Mass an Gleichgültigkeit
gegenüber der hiesigen Rechtsordnung und Geringschätzung fremder
Rechtsgüter schliessen.
Es sind keine gesundheitlichen Probleme bei der Beschuldigten erkennbar,
die einer Ausweisung entgegenstehen, da sie eigenen Angaben zufolge
gesund ist (Protokoll Berufungsverhandlung S. 5; UA act. 4/341;
GA act. 86).
Ihre wirtschaftliche und berufliche Integration erweist sich als
unterdurchschnittlich und perspektivlos. Die Beschuldigte hat die
obligatorische Schulzeit in der Schweiz absolviert und ihre im Anschluss
daran begonnene kaufmännische Lehre abgebrochen. Weiter hat sie auch
ihr angefangenes Praktikum in der Pflege abgebrochen und ein weiteres
Praktikum bei einer Kinderkrippe absolviert. Sie hat beabsichtigt, einen
dreimonatigen Kurs als Pflegehelferin beim Schweizerischen Roten Kreuz
zu absolvieren, diesen jedoch nicht beendet (GA act. 90; UA act. 4/342).
Die Beschuldigte hat am 19. April 2022 ein Praktikum im Bereich Hotellerie
beim Spital 1. begonnen, dieses Arbeitsverhältnis jedoch zwischenzeitlich
bereits wieder aufgelöst, weil die Arbeitszeiten nicht mit der
Kinderbetreuung vereinbar gewesen seien (Plädoyer der amtlichen
Verteidigerin an der Berufungsverhandlung S. 2). Seit dem 1. Juni 2022
und somit erst seit einer Woche arbeitet die Beschuldigte als
Raumpflegerin bei der V GmbH. (Arbeitsvertrag V GmbH. vom 26. Mai
2022). Weiter ist sie seit Mitte Mai 2022 im Spital 2. als Mitarbeiterin
- 32 -
Sitzwache tätig, wobei der Arbeitseinsatz lediglich auf Abruf und somit
unregelmässig stattfindet (Arbeitsvertrag Spital 2. vom 2. Juni 2022). Auch
wenn der Beschuldigten zugutezuhalten ist, dass sie sich erfolgreich um
Arbeitsstellen bemüht hat, so ist dennoch festzustellen, dass sie diese erst
unmittelbar vor der Berufungsverhandlung in Kenntnis der drohenden
Landesverweisung angetreten hat. Sie verfügt über keine abgeschlossene
Berufsausbildung, war in der Schweiz bis vor kurzem noch nie erwerbstätig
und bezieht Sozialhilfe (GA act. 79a S. 463; S. 511 und S. 565;
UA act. 4/341). Aufgrund ihres bisherigen beruflichen Werdegangs und
Verhaltens kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass sie sich
erfolgreich und dauerhaft in den Schweizer Arbeitsmarkt integrieren würde.
Bis zum Sozialhilfebezug sei sie eigenen Angaben zufolge von ihrer Mutter
sowie von ihren Freunden, bei denen sie habe wohnen können, finanziell
unterstützt worden. Weiter habe sie auch von den Deliktserlösen gelebt
(GA act. 90). Die Beschuldigte weist ganz erhebliche Schulden auf. Nebst
den Sozialhilfeschulden und den Schulden im Zusammenhang mit dem
vorliegenden Strafverfahren (u.a. zugesprochene Zivilforderungen im
Gesamtbetrag von Fr. 16'000.00; Verfahrens- und Anwaltskosten von
insgesamt Fr. 38'000.00), hat sie Schuldscheine im Gesamtbetrag von
Fr. 17'627.75 (GA act. 83), womit sie als finanziell schlecht integriert
erscheint.
5.3.2.
Ohne Frage würde eine Landesverweisung die Tochter der Beschuldigten
direkt betreffen. Die Beschuldigte ist ledig und der von ihr als Kindsvater
bezeichnete D., welcher die Tochter jedoch nicht anerkannt hat und sodann
auch keinen Kontakt mehr zur Beschuldigten hat (Protokoll
Berufungsverhandlung S. 4 und 7), wurde am 8. Januar 2020 aus der
Schweiz weggewiesen (GA act. 79a S. 337; UA act. 4/342). Die Tochter
der Beschuldigten, welche am 2. März 2021 in der Schweiz geboren
worden und gesund ist (Plädoyer der amtlichen Verteidigerin an der
Berufungsverhandlung S. 1; Protokoll Berufungsverhandlung S. 5), ist noch
im anpassungsfähigen Alter, sodass es ihr ohne Weiteres zugemutet
werden kann, ihrer sorgeberechtigten Mutter in die gemeinsame Heimat zu
folgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_164/2017 vom 12. September
2017 E. 3.4.3). Dass die Beschuldigte bei einer Arbeitstätigkeit in Brasilien
eine Betreuung ihrer Tochter sicherstellen müsste, vermag – entgegen
ihrem Vorbringen (vgl. Berufungsbegründung S. 12) – die
Landesverweisung nicht zu verhindern, muss doch auch bei einer
Berufstätigkeit in der Schweiz eine Fremdbetreuung organisiert werden
(vgl. Plädoyer der amtlichen Verteidigerin an der Berufungsverhandlung
S. 3).
5.3.3.
Weiter sind die Gegebenheiten zu berücksichtigen, die die Beschuldigte in
Brasilien erwarten würden. Sie spricht ihre Muttersprache Portugiesisch
- 33 -
(Protokoll Berufungsverhandlung S. 6). Nachdem sie während ihren sechs
ersten Lebensjahren in Brasilien aufwuchs und anschliessend dreimal für
insgesamt 15 Monate dorthin zurückkehrte, ist sie mit der Kultur und den
Gebräuchen ihrer Heimat bestens vertraut, weshalb auch eine
gesellschaftliche Wiedereingliederung realisierbar ist. Ihre Halbschwester,
ihr Vater sowie ihre Grosseltern väterlicherseits wohnen in Brasilien (GA
act. 89; UA act. 4/342). Dass die Beschuldigte eigenen Angaben zufolge
keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater haben soll (Berufungsbegründung
S. 11; Protokoll Berufungsverhandlung S. 6), vermag – sollte es sich hierbei
nicht ohnehin um eine Schutzbehauptung handeln – die Landesverweisung
nicht zu verhindern. So stellen – gerade unter Berücksichtigung des Alters
der Beschuldigten und der aufgrund ihrer bisherigen Aufenthalte
bestehenden Vertrautheit mit Brasilien – entgegen ihrem Vorbringen
(Berufungsbegründung S. 11) weder das Vorhandensein von Verwandten
im Heimatland noch ein gutes Verhältnis zu diesen Voraussetzungen für
das Aussprechen einer Landesverweisung dar. Ein Unterkommen bei
Verwandten oder deren Unterstützung in der Anfangsphase vermögen
einen Neubeginn im Heimatland wohl zu erleichtern. Notwendig ist dies
aber nicht. Hinzukommt, dass die Beschuldigte an der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung angegeben hat, deshalb keinen Kontakt mehr zu ihrem
Vater zu haben, weil dieser verloren gegangen sei, nicht jedoch, weil
mittlerweile ein schlechtes Verhältnis bestehe (vgl. GA act. 87). Aufgrund
dessen erscheint es für die Beschuldigte möglich, wieder zu diesem
Kontakt aufzunehmen. Wie bereits vorgängig ausgeführt, stellt dies jedoch
keine Voraussetzung für die Anordnung einer Landesverweisung dar. Eine
Reintegration in ihrem Heimatland sollte für die Beschuldigte mit
zumutbaren Anstrengungen möglich sein. Ihrem Vorbringen, wonach die
Arbeitslosenquote und die soziale Not in Brasilien aufgrund der COVID-19-
Pandemie stetig wachsen würden, weshalb eine Rückkehr
unverhältnismässig sei (Berufungsbegründung S. 12), ist
entgegenzuhalten, dass eine eventuelle schwierigere Wirtschaftslage in
Brasilien als auch in der Schweiz praxisgemäss eine Ausweisung nicht und
die strafrechtliche Landesverweisung umso weniger zu verhindern vermag
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_300/2020 vom 21. August 2020
E. 3.4.5). Eine soziale und berufliche Integration erscheint unter den
vorliegenden Umständen, die einen engen Bezug zum Heimatland
aufzeigen und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die junge und
gesunde Beschuldigte in der Schweiz eine gute Schulbildung genossen hat
und Portugiesisch spricht, bei entsprechender Anstrengung als durchaus
möglich, weshalb die Reintegrationschancen als intakt zu qualifizieren sind.
5.3.4.
Hinsichtlich der nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung zumindest
teilweise bereits bei der Frage des Härtefalls vorzunehmenden
Interessenabwägung ergibt sich Folgendes:
- 34 -
Die Beschuldigte kann sich vorliegend darauf berufen, dass sie im Alter von
7 bis 25 Jahren – mit Unterbrüchen von insgesamt 15 Monaten – in der
Schweiz gelebt und hier ihre obligatorische Schulzeit absolviert hat. Ihr ist
deshalb ein hohes persönliches Interesse an einem Verbleib in der Schweiz
zuzusprechen. Ihre Mutter sowie ihre minderjährige Tochter leben hier. Es
gilt jedoch zu berücksichtigen, dass ihre Tochter im anpassungsfähigen
Alter ist, weshalb es dieser zugemutet werden kann, der Beschuldigten
nach Brasilien zu folgen. Weiter erscheint mit Verweis auf die obigen
Ausführungen eine soziale und berufliche Eingliederung in Brasilien
möglich bzw. die Chancen auf eine solche erscheinen dort nicht wesentlich
schlechter als in der Schweiz. Die Beschuldigte hat sich – nebst der
gewerbsmässigen Geldwäscherei, welche keine Katalogtat im Sinne von
Art. 66a Abs. 1 StGB darstellt – des gewerbsmässigen Betrugs sowie des
gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungs-
anlage strafbar gemacht. Dabei hat sie diverse Personen und
Unternehmen geschädigt und einen nicht unbeachtlichen Deliktserlös von
beinahe Fr. 50'000.00 erzielt, wodurch sie ihr dreistes Verhalten und eine
erhebliche kriminelle Energie offenbart hat. Mit den begangenen Taten
zeigt sie, dass sie fremdes Vermögen in keiner Weise respektiert und aus
rein egoistischen Beweggründen nicht davor zurückschreckt, sogar eigene
Freunde und Personen, welche sie bei sich zuhause aufgenommen haben,
um nicht unerhebliche Geldbeträge zu erleichtern. Aufgrund der von ihr
begangenen Taten wird sie zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 3
Jahren verurteilt, wobei darauf hinzuweisen ist, dass das Obergericht eine
höhere und – aufgrund der ihr zu stellenden Schlechtprognose –
unbedingte Freiheitsstrafe ausgefällt hätte, wenn es nicht an das
Verschlechterungsverbot gebunden wäre (siehe dazu oben). Im Rahmen
der Landesverweisung und ausländerrechtlich ist denn auch bereits ab
einer Verurteilung von zwei Jahren von einem schweren Verstoss gegen
die schweizerische Rechtsordnung auszugehen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.6). Es gilt weiter
zu beachten, dass bei der Interessenabwägung betreffend die
Landesverweisung andere, strengere Kriterien und Massstäbe
entscheidend sind, als bei der Prüfung der Bewährungsaussichten (Urteil
des Bundesgerichts 6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.5.3).
Erschwerend kommt hinzu, dass die Beschuldigte die vorliegend zu
beurteilenden Delikte noch während der laufenden Probezeit begangen
hat. Sodann ist sie während des vorliegenden Strafverfahrens erneut
(teilweise einschlägig) straffällig geworden. Ihrem Vorbringen, wonach sie
seit der ausgestandenen Untersuchungshaft ein straffreies Leben geführt
habe, kann somit nicht gefolgt werden. Dies führt deutlich vor Augen, dass
nicht einmal die drohende Landesverweisung sie zu einer
Verhaltensänderung zu bewegen und von einer weiteren Deliktsbegehung
abzuhalten vermochte. Den MIKA-Akten lassen sich noch weitere, im
Strafregister nicht eingetragene Verurteilungen entnehmen. So wurde die
Beschuldigte mit Strafbefehlen der Staatsanwaltschaft Baden vom
- 35 -
21. Januar 2019 sowie des Statthalteramts des Bezirks Horgen vom
27. April 2020 wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Personen-
beförderungsgesetz gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG zu Bussen von Fr. 300.00
resp. Fr. 910.00 verurteilt (GA act. 79a S. 197 f.; S. 446 f.). Auch ohne diese
bestehen bezüglich des künftigen Wohlverhaltens der Beschuldigten ganz
erhebliche Zweifel an ihrer Legalbewährung. Entgegen ihrem Vorbringen
(Berufungsbegründung S. 12), kann ihr keine günstige Legalprognose
gestellt werden. Zu erwarten sind ähnliche Straftaten, wie sie die
Beschuldigte bereits begangen hat, wobei der Schwerpunkt bei
(qualifizierten) Vermögensdelikten und Delikten gegen die Rechtspflege
liegen dürfte. Insgesamt ist damit von einer hohen Gefährlichkeit der
Beschuldigten für die öffentliche Sicherheit und einer ungünstigen
Legalprognose auszugehen, womit ein hohes öffentliches Interesse an der
Landesverweisung gegeben ist. Dieses überwiegt das private Interesse der
Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz, zumal ihre
Resozialisierungschancen in Brasilien durchaus intakt erscheinen.
5.4.
Zusammenfassend kann unter Würdigung der gesamten Umstände das
Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls zwar knapp bejaht
werden. Jedoch überwiegen die öffentlichen Interessen an der Landes-
verweisung die privaten Interessen der Beschuldigten am Verbleib in der
Schweiz deutlich. Die Landesverweisung ist deshalb anzuordnen.
5.5.
Die Landesverweisung dauert zwischen 5 und 15 Jahre. Dem Gericht
kommt bei der Festsetzung der Dauer ein grosser Ermessenspielraum zu.
Die Beschuldigte wird vorliegend wegen mehreren schweren Straftaten zu
einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt. Auch an dieser
Stelle ist erneut darauf hinzuweisen, dass das Obergericht eine höhere und
unbedingte Freiheitsstrafe ausgefällt hätte, wenn es nicht an das
Verschlechterungsverbot gebunden wäre. Die Beschuldigte hat ein hohes
Mass an krimineller Energie gezeigt und es kann ihr keine positive
Legalprognose gestellt werden. Die von der Vorinstanz für die Dauer von
10 Jahren angeordnete Landesverweisung kann deshalb nicht
herabgesetzt werden. Eine Erhöhung der Dauer ist aufgrund des
Verschlechterungsverbots jedoch ausgeschlossen.
5.6.
Mit vorliegendem Urteil wird die Beschuldigte zu einer dreijährigen
Freiheitsstrafe verurteilt und es wird eine obligatorische Landesverweisung
angeordnet. Entsprechend ist davon auszugehen, dass sie eine Gefahr für
die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-
Verordnung darstellt. Gründe, welche eine Ausschreibung im SIS als
unverhältnismässig erscheinen lassen würden, sind keine ersichtlich
- 36 -
(vgl. BGE 146 IV 172 E. 3.2). Somit ist die Ausschreibung der Landes-
verweisung im Schengener Informationssystem (SIS) anzuordnen.
5.7.
Zusammenfassend ist somit eine obligatorische Landesverweisung für die
Dauer von 10 Jahren anzuordnen und diese ist im SIS einzutragen. Die
Berufung der Beschuldigten erweist sich diesbezüglich als unbegründet.
6.
Die Vorinstanz hat die Einziehung und Vernichtung von zwei
Mobiltelefonen angeordnet, was im Berufungsverfahren unangefochten
geblieben ist, weshalb es damit sein Bewenden hat.
Hinzuweisen ist jedoch darauf, dass eine Einziehung gemäss Art. 69 StGB
nicht nur voraussetzt, dass ein beschlagnahmter Gegenstand zur
Begehung einer Straftat gedient hat, bestimmt war oder durch eine Straftat
hervorgebracht worden ist. Vielmehr kommt nach dem klaren Wortlaut von
Art. 69 StGB eine Einziehung nur infrage, wenn ein solcher Gegenstand
zusätzlich die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche
Ordnung gefährdet. Mithin genügt ein Deliktkonnex alleine für eine
Einziehung noch nicht. Dass diese Voraussetzungen vorliegend
hinsichtlich der beiden Mobiltelefone erfüllt sind, ist weder ersichtlich noch
von der Staatsanwaltschaft, welche die Einziehung und Vernichtung
beantragt hat, dargelegt worden. Es handelt sich dabei um
Alltagsgegenstände, die von jedermann legal erworben werden können.
Eine Einziehung muss immer auch verhältnismässig, d.h. geeignet und
erforderlich sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_355/2020 vom 19. Mai
2021 E. 5.2). Der blosse Umstand, dass ein Täter mit solchen
Gegenständen erneut eine Tat begehen könnte, rechtfertigt die Einziehung
nicht. Da die erwähnten Gegenstände jederzeit und voraussetzungslos von
jedem und damit auch von der Beschuldigten erworben werden können, ist
die Zwecktauglichkeit einer Einziehung offensichtlich nicht gegeben, womit
von der Einziehung dieser Gegenstände abzusehen gewesen wäre.
Eingezogene Gegenstände sind der Staatsanwaltschaft abzuliefern. Sie
hat die sachgemässen Verfügungen zu treffen (§ 45 Abs. 2 EG StPO).
7.
7.1.
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte verpflichtet, Schadenersatzzahlungen
von Fr. 208.70 an P1., Fr. 1'150.00 an P2., Fr. 1'200.00 an P3., Fr. 4'200.00
an P4., Fr. 125.00 an P5., Fr. 6'021.75 an die L GmbH., Fr. 8'070.70 an P6.
und Fr. 1'500.00 an P7. zu leisten.
Die Beschuldigte beantragt mit Berufung, dass sämtliche Zivilforderungen
wegen mangelnder Substantiierung und fehlender Beweismittel auf den
- 37 -
Zivilweg zu verweisen seien (Berufungserklärung S. 4; Berufungsbegrün-
dung S. 13).
7.2.
Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, unter
anderem wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1
lit. a StPO). Gemäss Art. 41 Abs. 1 OR ist, wer einem anderen
widerrechtlichen Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus
Fahrlässigkeit, ihm zum Ersatze verpflichtet. Art. 41 OR setzt voraus, dass
ein Schaden besteht, welcher schuldhaft durch eine widerrechtliche
Handlung verursacht wurde und dass zwischen Handlung und Schaden ein
adäquater Kausalzusammenhang besteht. Verstösst jemand gegen
Normen des Strafgesetzes, so ist diese Handlung grundsätzlich
widerrechtlich. Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen Handlung
und Schaden ist zu bejahen, wenn die betreffende Ursache nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an
sich geeignet war, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass der
Eintritt dieses Erfolges als durch die fragliche Tatsache allgemein als
begünstigt erscheint.
7.3.
Auf die Zivilklage von P1. (vgl. UA act. 6/64) ist nicht einzutreten, nachdem
dieser seine Stellung als Inhaber des Einzelunternehmens Q. sowie seine
daraus hervorgehende Unterschriftsberechtigung nicht nachgewiesen hat,
wozu er jedoch verpflichtet gewesen wäre (vgl. zum Ganzen: BGE 141 III
80). Dieser Mangel wurde im vorinstanzlichen Verfahren bis zum
spätestens möglichen Zeitpunkt nicht behoben (vgl. Art. 123 Abs. 2 StPO).
Die Vorinstanz hätte auf die Zivilklage deshalb mangels
Prozessvoraussetzung nicht eintreten dürfen, was auch im
Berufungsverfahren zu beachten ist.
7.4.
Die Beschuldigte wird mit vorliegendem Urteil unter anderem des gewerbs-
mässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage
schuldiggesprochen. Indem sie im Rahmen des vorgenannten Delikts
unrechtmässig einen Twint-Account eröffnet und mit dem [...]-Konto von
P2. verknüpft und sich anschliessend Fr. 1'150.00 auf ihr eigenes
Bankkonto überwiesen hat, ist P2. ein Vermögensschaden von Fr. 1'150.00
entstanden (vgl. Anklageziffer I.1.5.; vorinstanzliches Urteil E. II.A). Die
unbefugte Verwendung der Bankdaten von P2. war kausal für den
entstandenen Vermögensschaden. Sie hat ihre Zivilforderung beziffert und
rechtsgenüglich begründet (vgl. Art. 123 Abs. 1 StPO; UA act. 6.2/136;
115).
Somit ist die Beschuldigte zu verpflichten, P2. einen Schadenersatz von
Fr. 1'150.00 zu bezahlen.
- 38 -
7.5.
Durch die unrechtmässige Eröffnung eines Twint-Accounts und dessen
Verknüpfung mit dem [...]-Bankkonto von P3. durch die Beschuldigte und
die anschliessend daran durch sie veranlassten Überweisungen von
insgesamt Fr. 1'200.00 auf das Bankkonto von B. im Rahmen des
gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungs-
anlage, ist P3. ein Vermögensschaden von Fr. 1'200.00 entstanden
(vgl. Anklageziffer I.1.7.; vorinstanzliches Urteil E. II.A). Die unbefugte
Verwendung der Bankdaten von P3. durch die Beschuldigte war kausal für
den ihm entstandenen Vermögensschaden. Er hat seine Zivilforderung
beziffert und rechtsgenüglich begründet (vgl. Art. 123 Abs. 1 StPO;
UA act. 1/234 ff.).
Die Beschuldigte ist zu verpflichten, P3. einen Schadenersatz von Fr.
1'200.00 zu bezahlen.
7.6.
P4. ist ein Vermögensschaden von Fr. 4'200.00 entstanden, indem die
Beschuldigte im Rahmen des von ihr begangenen gewerbsmässigen
betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage einen Twint-
Account eröffnet und mit dem [...]-Konto von P4. verknüpft hat, um
anschliessend Gelder von diesem Konto auf die Konten von P15., P14. und
der Person mit der Mobiltelefonnummer [...] zu überweisen (vgl.
Anklageziffer I.1.8.; vorinstanzliches Urteil E. II.A). Die unbefugte
Verwendung der Bankdaten von P4. war kausal für den ihr entstandenen
Vermögensschaden. Sie hat ihre Schadenersatzforderung beziffert und
rechtsgenüglich begründet (vgl. Art. 123 Abs. 1 StPO; UA act. 6.3/12;
18 f.).
Die Beschuldigte ist deshalb zu verpflichten, P4. einen Schadenersatz von
Fr. 4'200.00 zu bezahlen.
7.7.
Die Beschuldigte wird mit vorliegendem Urteil unter anderem des
gewerbsmässigen Betrugs schuldig gesprochen. Im Rahmen dieses
Delikts ist dem Inhaber des Einzelunternehmens OA., P5., aufgrund der
arglistigen Täuschung ein Vermögensschaden von Fr. 125.00 entstanden
(vgl. Anklageziffer I.2.4.; vorinstanzliches Urteil E. II.B). Die arglistige Täu-
schung war kausal für den ihm entstandenen Vermögensschaden. P5.,
einzelunterschriftsberechtigter Inhaber des Einzelunternehmens OA. (vgl.
Handelsregisterauszug), hat seine Zivilforderung beziffert und
rechtsgenüglich begründet (UA act. 6/71 ff.).
Somit ist die Beschuldigte zu verpflichten, P5. einen Schadenersatz von
Fr. 125.00 zu bezahlen.
- 39 -
7.8.
Auf die Zivilklage der L GmbH. ist nicht einzutreten, nachdem weder eine
rechtsgültige Konstituierung als Privatklägerin noch eine rechtsgültig
unterzeichnete Zivilklage vorliegt. Die Eingabe vom 15. November 2018,
mit welcher sich die L GmbH. als Privatklägerin zu konstituieren und eine
Zivilforderung von Fr. 6'021.75 geltend zu machen beabsichtigte, führt die
Unterschrift «i.A. J.» über dem Namen von P17. auf (vgl. UA act. 6/173 f.).
Gemäss den Ausführungen auf der ersten Seite des vorgenannten
Schreibens handelt es sich bei J. um einen Sachbearbeiter (vgl.
UA act. 6/173). Aus seiner Stellung innerhalb des Unternehmens als
Sachbearbeiter geht hervor, dass J. grundsätzlich nicht
unterschriftsberechtigt ist. Eine individuelle Ermächtigung wurde nicht
nachgewiesen, wozu die L GmbH. jedoch verpflichtet gewesen wäre (vgl.
zum Ganzen: BGE 141 III 80). Dieser Mangel wurde im vorinstanzlichen
Verfahren bis zum spätestens möglichen Zeitpunkt nicht behoben (vgl.
Art. 123 Abs. 2 StPO). Die Vorinstanz hätte auf die Zivilklage deshalb
mangels Prozessvoraussetzung nicht eintreten dürfen, was auch im
Berufungsverfahren zu beachten ist.
7.9.
Die Beschuldigte hat im Rahmen des von ihr begangenen gewerbsmässi-
gen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage
unrechtmässig zwei Twint-Accounts eröffnet und mit dem [...]-Konto von
P6. verknüpft, um anschliessend Überweisungen im Gesamtbetrag von
Fr. 7'908.70 auf ihr eigenes Bankkonto sowie auf Bankkonten von I., H.
sowie B. und sodann auch Zahlungen in der Coop Genossenschaft
vorzunehmen. Die unbefugte Verwendung der Bankdaten war kausal für
den P6. entstandenen Vermögensschaden von Fr. 7'908.70 (Anklageziffer
I.1.4.; vorinstanzliches Urteil E. II.A). Er hat seine Zivilforderung in diesem
Umfang rechtsgenüglich beziffert und begründet (vgl. Art. 123 Abs. 1 StPO;
UA act. 1/255 f.; UA act. 5/51 ff.; 138; UA act. 6.2/57 ff.; UA act. 4.1/50 ff.;
UA act. 3.1/276 ff.).
Die Beschuldigte ist deshalb zu verpflichten, P6. einen Schadenersatz von
Fr. 7'908.70 zu bezahlen.
Betreffend die übrigen Fr. 162.00, welche von P6. als Schadenersatz
beantragt und diesem von der Vorinstanz zugesprochen worden sind (vgl.
vorinstanzliches Urteil E. IX.1.2.4.1.), ist festzuhalten, dass diesbezüglich
kein Schuldspruch ergangen ist (vgl. vorinstanzliches Urteil E. II.A.1.2.1.).
Aufgrund dessen sind die Voraussetzungen von Art. 41 OR vorliegend
nicht erfüllt, weshalb die Schadenersatzforderung von P6. im Umfang von
Fr. 162.00 abzuweisen ist.
- 40 -
7.10.
Durch die unrechtmässige Eröffnung von drei Twint-Accounts sowie deren
Verknüpfung mit dem [...]-Bankkonto von P7. und die veranlassten
Überweisungen von insgesamt Fr. 1'500.00 auf die Bankkonten von B. und
H. im Rahmen des von der Beschuldigten begangenen gewerbsmässigen
betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, ist P7. ein
Vermögensschaden von Fr. 1'500.00 entstanden (vgl. Anklageziffer I.1.9.;
vorinstanzliches Urteil E. II.A). Die unbefugte Verwendung der Bankdaten
war kausal für den P7. entstandenen Vermögensschaden. Er hat seine
Zivilforderung beziffert und rechtsgenüglich begründet (vgl. Art. 123 Abs. 1
StPO; UA act. 6.3/53; 60).
Die Beschuldigte ist zu verpflichten, P7. einen Schadenersatz von
Fr. 1'500.00 zu bezahlen.
7.11.
Zusammenfassend ist die Beschuldigte zu verpflichten, Schadenersatz-
zahlungen von Fr. 1'150.00 an P2., Fr. 1'200.00 an P3., Fr. 4'200.00 an
P4., Fr. 125.00 an P5., Fr. 7'908.70 an P6. und Fr. 1'500.00 an P7. zu
bezahlen. Die Schadenersatzforderung von P6. ist im Umfang von
Fr. 162.00 abzuweisen. Auf die Zivilklagen der L GmbH. und von P1. ist
nicht einzutreten.
Die Berufung der Beschuldigten erweist sich im Zivilpunkt somit als
teilweise begründet.
8.
8.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei
im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon
ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge
gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom
10. November 2017 E. 4.3). Erwirkt eine Partei, die ein Rechtsmittel
ergriffen hat, einen für sie günstigeren Entscheid, so können ihr die
Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn der angefochtene Entscheid nur
unwesentlich abgeändert wird (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO).
Die Beschuldigte unterliegt mit ihrer Berufung beinahe vollumfänglich. Sie
hat einzig in Bezug den Zivilpunkt einen für sie teilweise günstigeren
Entscheid erwirkt. Dabei handelt es sich jedoch um einen vergleichsweise
untergeordneten Punkt und das vorinstanzliche Urteil wird nur unwesentlich
abgeändert. Insbesondere bleibt es auch trotz der vorliegend
auszusprechenden Zusatzstrafe bei der vorinstanzlich festgelegten Strafe.
Im Übrigen ist die Berufung abzuweisen, weshalb es sich rechtfertigt, die
- 41 -
obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 (§ 18 VKD)
vollumfänglich der Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO).
8.2.
Die amtliche Verteidigerin ist für das Berufungsverfahren aus der
Staatskasse zu entschädigen, wobei ein Stundenansatz von Fr. 200.00 zur
Anwendung gelangt (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis
AnwT). Entschädigungspflichtig sind jene Bemühungen, die in einem
kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im Strafverfahren
stehen und die notwendig und verhältnismässig sind (BGE 141 I 124
E. 3.1). Als Massstab bei der Beantwortung der Frage, welcher Aufwand
für eine angemessene Verteidigung im Strafverfahren nötig ist, hat der
erfahrene Anwalt zu gelten, der im Bereich des materiellen Strafrechts und
des Strafprozessrechts über fundierte Kenntnisse verfügt und deshalb
seine Leistungen von Anfang an zielgerichtet und effizient erbringen kann
(Urteil des Bundesgerichts 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 18.3.1 mit
Hinweisen).
Mit anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichter Kostennote macht
die amtliche Verteidigerin einen Aufwand von 18.49 Stunden à Fr. 200.00
und einen weiteren Aufwand von 6 Stunden à Fr. 300.00 sowie Auslagen
von Fr. 423.90 und die gesetzliche Mehrwertsteuer, gesamthaft somit
Fr. 6'377.90 geltend. Dieser Aufwand erweist sich unter Berücksichtigung
des Umfangs der vorliegenden Strafsache als überhöht und ist zu kürzen.
In ihrer Kostennote macht die amtliche Verteidigerin Aufwände geltend, die
zum erstinstanzlichen Verfahren gehören. Der geltend gemachte Aufwand
für das Studium des vorinstanzlichen Urteils, die Kenntnisnahme
vorgängiger Verfügungen der Vorinstanz und diesbezügliche resp.
vorgängige Korrespondenzen mit der Beschuldigten, das Telefonat mit
Rechtsanwalt Jauner und die Stellungnahme an die Vorinstanz wird
grundsätzlich durch die vorinstanzlich zugesprochene Entschädigung
abgedeckt. Das ergibt sich bereits daraus, dass wenn die Berufung gar
nicht erst angemeldet wird, der amtliche Verteidiger einen im Nachgang zur
erstinstanzlichen Urteilseröffnung ergangenen Aufwand selbstredend nicht
bei der Rechtsmittelinstanz in Rechnung stellen kann. Grundsätzlich kann
im Berufungsverfahren nur der angemessene Aufwand ab Berufungs-
erklärung entschädigt werden. Der zuvor anfallende Aufwand (vorliegend
3.56 Stunden) ist im erstinstanzlichen Verfahren geltend zu machen. Dass
dieser Aufwand teilweise nur geschätzt werden kann, ändert nichts daran,
dass er zum erstinstanzlichen Verfahren gehört. Für Kontakte mit der
Beschuldigten werden insgesamt 4.35 Stunden geltend gemacht. Es ist
nicht ersichtlich, inwiefern Kontakte von einer solchen Dauer von Nöten
gewesen sein sollen. Dies erschliesst sich sodann auch nicht aus der
Kostennote. Der amtlichen Verteidigerin waren der Sachverhalt sowie die
Aussagen der Beschuldigten bereits aus dem erstinstanzlichen Verfahren
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bekannt und die Beschuldigte hielt vor Obergericht an ihren bereits
gemachten Aussagen fest. Der geltend gemachte Aufwand ist daher
deutlich überhöht. Auch im Übrigen wurde im Wesentlichen an den
gleichen Vorbringen festgehalten. Mangels notwendiger Änderung der
Verteidigungsstrategie ist nur ein kleinerer Aufwand für solche Kontakte
angemessen. Angemessen und zu vergüten ist allein der notwendige
Zeitaufwand für das konkrete Strafverfahren, nicht hingegen z.B. ein
Aufwand für bloss soziale Betreuung (Urteil des Bundesgerichts
6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 18.4.3, nicht publ. in: BGE 143 IV 214).
Mithin geht es bei der amtlichen Verteidigung nicht um eine umfassende
soziale Betreuung, auch wenn diese von der Beschuldigten gewünscht und
von der amtlichen Verteidigerin als wünschenswert erachtet wird. Aufgrund
dessen ist dieser Aufwand auf 1 Stunde zu kürzen. Sodann ist der für die
Berufungsverhandlung inkl. Hin- und Rückweg geltend gemachte Aufwand
von 5 Stunden auf 3 Stunden zu kürzen, nachdem die
Berufungsverhandlung 2 Stunden gedauert hat und der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge maximal insgesamt 1 Stunde
für die Hin- und Rückreise an die Berufungsverhandlung zu entschädigen
ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_385/2021 vom 25. Oktober 2021
E. 4.8).
Angemessen erscheint somit ein Aufwand von 15 Stunden à Fr. 200.00.
Hinzu kommen die pauschalisierten (§ 13 AnwT) und praxisgemäss auf 3%
zu veranschlagenden Auslagen und die gesetzliche Mehrwertsteuer,
woraus eine auf gerundet Fr. 3’300.00 festzusetzende Entschädigung
resultiert.
Ausgangsgemäss ist diese Entschädigung von der Beschuldigten
zurückzufordern, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben
(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Sie hat zudem der amtlichen Verteidigerin die
Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung (Stundenansatz
Fr. 200.00 und darauf berechnete Mehrwertsteuer) und dem vollen Honorar
(Stundenansatz Fr. 220.00 und darauf berechnete Mehrwertsteuer) zu
erstatten, d.h. gerundet insgesamt Fr. 300.00, sobald es ihre
wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO).
8.3.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO).
Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die
Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Da die Beschuldigte hinsichtlich
sämtlicher Delikte verurteilt wird, erweist sich die vorinstanzliche
Kostenverlegung, wonach der Beschuldigten sämtliche Kosten
aufzuerlegen sind, grundsätzlich als korrekt. Es ist jedoch betreffend die
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Höhe der erstinstanzlichen Verfahrenskosten korrigierend festzuhalten,
dass der Beschuldigten mangels einer gesetzlichen Grundlage keine
zusätzlichen Spesen für die schriftliche Urteilsbegründung auferlegt
werden können. Gemäss Art. 424 Abs. 1 StPO regeln Bund und Kantone
die Berechnung der Verfahrenskosten und legen die Gebühren fest.
Massgebend ist vorliegend das Dekret über die Verfahrenskosten des
Kantons Aargau (Verfahrenskostendekret, VKD). Die Kosten für
Strafverfahren vor Bezirksgericht sind in § 17 Abs. 1 VKD geregelt und
betragen Fr. 300.00 bis Fr. 20'000.00. Abgedeckt sind damit auch die
Aufwendungen, welche im Rahmen der Urteilsbegründung anfallen. Ein
Vorbehalt analog zivilrechtlicher Streitigkeiten (vgl. § 13 Abs. 3 VKD) ist für
Strafverfahren nicht vorgesehen. Unklar ist sodann, was es mit den
«Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden» auf sich hat und wie sich
diese zusammensetzen. Diese können der Beschuldigten deshalb auch
nicht auferlegt werden.
Nach dem Gesagten belaufen sich die erstinstanzlichen Verfahrenskosten
(inkl. Anklagegebühr von Fr. 4'100.00) auf insgesamt Fr. 7'958.80 und sind
vollumfänglich der Beschuldigten aufzuerlegen.
8.4.
Die Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigerin für das
erstinstanzliche Verfahren von Fr. 19'769.25 ist im Berufungsverfahren
unangefochten geblieben und somit keiner Überprüfung zugänglich (Urteil
des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2).
Diese Entschädigung ist von der Beschuldigten zurückzufordern, sobald es
ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Die
Beschuldigte hat zudem der amtlichen Verteidigerin die Differenz zwischen
der amtlichen Entschädigung (Stundenansatz Fr. 200.00 und darauf
berechnete Mehrwertsteuer) und dem vollen Honorar (Stundenansatz
Fr. 220.00 und darauf berechnete Mehrwertsteuer) zu erstatten, d.h.
gerundet Fr. 2'000.00 sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen
(Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO).
8.5.
Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 IV
47). Ausgangsgemäss hat die Beschuldigte ihre Parteikosten im
erstinstanzlichen Verfahren für ihren freigewählten Verteidiger,
Rechtsanwalt Jauner – soweit solche überhaupt entstanden sind
(vgl. GA act. 196) – selber zu tragen (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO e contrario).
8.6.
Den Privatklägern P2., P3., P4., P5., P6., P7., M GmbH. und P8. ist für das
erstinstanzliche Verfahren keine Parteientschädigung zuzusprechen,
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nachdem sie eine solche weder beantragt noch beziffert haben (Art. 433
Abs. 2 StPO).
9.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO,
Art. 81 StPO).