Decision ID: 2231a145-468a-580f-a8b3-cb45dffa6685
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden reisten eigenen Angaben gemäss am 13. Sep-
tember 2015 (A._, im Folgenden Beschwerdeführer) beziehungs-
weise 15. Oktober 2015 (B._, im Folgenden Beschwerdeführerin)
aus dem Heimatland aus und am 9. August 2016 in die Schweiz ein, wo
sie gleichentags um Asyl nachsuchten. Die Befragungen zur Person fan-
den am 26. August 2016 statt. Die Anhörungen zu den Asylgründen erfolg-
ten am 3. Oktober 2018 (Beschwerdeführer) und 12. Februar 2020 (Be-
schwerdeführerin).
Zur Begründung ihrer Asylgesuche brachten die Beschwerdeführenden im
Wesentlichen vor, sie seien ethnische Oromo aus C._ (Kreis
D._, Zone E._) und seit dem 20. September 2014 verheira-
tet. Seit der Heirat lebe die Beschwerdeführerin bei der Familie des Be-
schwerdeführers. Vor langer Zeit sei der Vater des Beschwerdeführers Mit-
glied der Oromo-Partei ABO (Adda Bilisummaa Oromo, engl. Oromo Libe-
ration Front [K._]) gewesen.
Der Beschwerdeführer sei in seiner Jugend einmal für eine Nacht im Hei-
matort inhaftiert worden, da er mit Freunden politische Lieder gehört habe.
Seine Eltern hätten durch Schmiergeldzahlung seine Freilassung aus dem
Gefängnis erwirken können. Er habe damals unterschreiben müssen, nie
wieder politische (ABO)-Lieder zu hören. Er sei Sympathisant der ABO-
Partei, aber kein Mitglied. Im (...) hätten die Beschwerdeführenden an ei-
ner Demonstration teilgenommen, die von bewaffneten Regierungsfunkti-
onären auseinandergetrieben worden sei. Der Bruder des Beschwerdefüh-
rers sei im (...) bei einer Demonstration gegen die Regierung an der
F._ Universität, wo er studiert habe, getötet worden.
Der Beschwerdeführer habe im (...) an einer weiteren Demonstration ge-
gen die Regierung teilgenommen. Er sei hierbei festgenommen und in ein
Gefängnis, eine Art Umerziehungsanstalt, in G._ (Region
H._), gebracht worden, wo er von den Regierungsbeamten auf ver-
schiedene Arten gefoltert und mehrere Monate festgehalten worden sei. Er
sei mehrfach verhört und danach gefragt worden, wer die Demonstration
organisiert habe und wo die verantwortlichen ABO-Militanten seien. An ei-
nem Tag (...), als er auf einer Baustelle im Gefängnis habe arbeiten müs-
sen, seien viele neue Gefangene gebracht worden. Dadurch seien die ihn
bewachenden Wächter abgelenkt gewesen und er habe die Gelegenheit
zur Flucht ergreifen können. Er habe einen Motorradfahrer angetroffen, der
D-1842/2020
Seite 3
ihn nach I._ (sudanesisches Grenzgebiet) gebracht habe. Von
I._ aus habe er einen Nachbarn angerufen, um seine Familie zu
sprechen. Er habe ihnen von seiner Flucht aus dem Gefängnis berichtet
und davon, dass er Geld bräuchte, um den Schlepper für die Flucht in den
Sudan zu bezahlen. Der Motorradfahrer habe dann das Geld von seiner
Familie abgeholt und der Beschwerdeführer sei am 13. September 2015 in
den Sudan ausgereist.
Wenig später nach der Flucht aus dem Gefängnis seien Behördenvertreter
im Elternhaus erschienen und hätten dieses nach ihm durchsucht und die
Beschwerdeführerin unter Anwendung von Gewalt nach seinem Verbleib
befragt. Hierbei sei ihre Hand gebrochen und auch der ihr zur Hilfe eilende
Vater des Beschwerdeführers angegriffen und am Auge verletzt worden.
Die Beschwerdeführerin sei daraufhin mit der Hilfe eines Schleppers vom
Heimatort zum Beschwerdeführer nach J._ (Sudan) geflohen. Dort
hätten sie erfahren, dass ein Bild des Beschwerdeführers als gesuchte Per-
son bei der äthiopischen Botschaft im Sudan ausgehängt worden sei. Da
die äthiopische und die sudanesische Regierung zusammenarbeiteten,
hätten sie Angst gehabt, im Sudan festgenommen und zurück nach Äthio-
pien geschickt zu werden. Sie seien daher gemeinsam weiter nach Libyen
geflohen, wo der Beschwerdeführer fünf Monate eingesperrt gewesen und
die Beschwerdeführerin zur Zwangsarbeit in einem Privathaus gezwungen
worden sei, und weiter über Italien in die Schweiz gereist. Nach der Aus-
reise hätten sie erfahren, dass der Vater der Beschwerdeführerin bei einer
Demonstration getötet worden und die Mutter der Beschwerdeführerin ge-
storben sei.
Zusätzlich machten die Beschwerdeführenden allgemeine Benachteiligun-
gen als Oromo durch die Regierung geltend. Zudem sei der Beschwerde-
führer in der Schweiz als Mitglied der K._ aktiv und habe an meh-
reren Demonstrationen und Veranstaltungen teilgenommen.
Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden folgende Dokumente
ein: Geburtsmitteilungen der Kinder und weitere Registerauszüge des Zi-
vilstandsamtes Männedorf, Bestätigung der L._ vom 26. Januar
2017 (in englischer Sprache) sowie mehrere Fotos von Demonstrations-
und Veranstaltungsteilnahmen des Beschwerdeführers.
B.
Am (...) und am (...) wurden die beiden Kinder geboren.
D-1842/2020
Seite 4
C.
Mit Verfügung vom 9. März 2020, eröffnet am 10. März 2020, verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte
ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Wegweisungsvollzug.
D.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden durch ihre
Rechtsvertreterin am 1. April 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde und beantragten, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben
und ihnen sei Asyl zu gewähren oder jedenfalls die Flüchtlingseigenschaft
festzustellen. Eventualiter seien sie wegen Feststellung der Unzulässig-
keit, allenfalls Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufzu-
nehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses sowie um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin
als amtliche Rechtsbeiständin.
E.
Mit Schreiben vom 2. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.
F.
Mit Schreiben vom 8. April 2020 reichte die Rechtsvertreterin eine Fürsor-
gebestätigung vom 6. April 2020 ein.
G.
Mit Verfügung vom 14. April 2020 hielt die Instruktionsrichterin fest, die Be-
schwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz
abwarten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015). Das Verfahren richtet sich
nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts ande-
res bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
D-1842/2020
Seite 5
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art.
52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
D-1842/2020
Seite 6
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.4 Massgeblicher Zeitpunkt für die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
ist derjenige des Entscheides über das Asylgesuch, das heisst, es ist zu
prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren Verfolgung dannzumal (noch)
begründet ist; dabei sind Veränderungen der objektiven Situation im Hei-
matstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid zugunsten und zulasten der
asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5.2
S. 154 f.).
5.
5.1 Die Vorinstanz lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden im
Wesentlichen mit der Begründung ab, die politische Lage in Äthiopien habe
sich seit dem Frühling 2018 grundlegend verändert, so dass die Asylrele-
vanz der Vorbringen (Inhaftierungen und Folter des Beschwerdeführers so-
wie Misshandlung der Beschwerdeführerin und des Vaters des Beschwer-
deführers) nicht erfüllt sei. So sei im Juni 2018 der seit Februar 2018 gel-
tende Ausnahmezustand aufgehoben worden. Die Regierung habe die im
Exil lebende Opposition dazu aufgerufen, zurückzukehren und sich am po-
litischen Prozess in Äthiopien zu beteiligen. Viele Oppositionelle seien seit-
her zurückgekehrt. Tausende politischer Gefangener seien seit April 2018
begnadigt und freigelassen worden. Das für Folter und unmenschliche Be-
handlung von Inhaftierten bekannte Gefängnis Makelawi sei geschlossen
worden. Vor diesem Hintergrund sei nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer als vor der Ausreise lediglich niederschwellig politisch ak-
tive Person im heutigen Zeitpunkt bei einer Rückkehr nach Äthiopien sei-
tens der heimatlichen Behörden asylrechtlich relevanter Verfolgung ausge-
setzt wäre. Das gleiche gelte auch für eine allfällige zukünftige Reflexver-
folgung der Beschwerdeführerin. Auch die exilpolitische Betätigung des
Beschwerdeführers sei nur niederschwellig und würde keine objektive
Furcht vor zukünftiger asylrelevanter Verfolgung und somit eine Zuerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft begründen. Wegen mangelnder Asylrele-
vanz könne die Glaubhaftigkeit der Asylvorbingen somit dahinstehen.
Auch die vorgebrachten verschiedenen allgemeinen Benachteiligungen
und Diskriminierungen der Oromo-Gemeinde in Äthiopien seien nicht asyl-
D-1842/2020
Seite 7
relevant, da bereits in der Zeit vor der politischen Öffnung durch Premier-
minister Abiy Ahmed im Jahr 2018 keine Anhaltspunkte für die Annahme
vorgelegen hätten, dass jedem Oromo-Volkszugehörigen in Äthiopien mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine auch von ihrer Intensität her asylbe-
achtliche Verfolgung drohe. Es sei nicht von einer Kollektivverfolgung der
Angehörigen der Oromo in Äthiopien auszugehen.
Die auf den Aufenthalt in Libyen geltend gemachten Vorbingen der Fest-
haltung und Ausnutzung seien insofern nicht asylrelevant, als dass sich
diese nicht im Heimat- oder Herkunftsstaat zugetragen hätten.
5.2 In ihrer Beschwerde machen die Beschwerdeführenden geltend, trotz
der Reformen von Abyi Ahmed habe sich die Lage in Äthiopien, wie auch
einer Schnellrecherche der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) von
Dezember 2019 zu entnehmen sei, verschlechtert. Es bestünden im gan-
zen Land politische, ethnische und soziale Spannungen. Die Regierung
greife auf die alten repressiven Instrumente zurück. Auch sei die Situation
in der Region M._ und die der K._-Anhänger eine andere
als in Addis Abeba, wo die Mitglieder ehemals verbotener politischer Par-
teien ungehindert ihrer politischen Tätigkeiten nachgehen könnten. In der
Region M._ habe es im Oktober 2019 wieder Unruhen gegeben und
die Herkunftsregion der Beschwerdeführenden E._ stehe noch im-
mer unter Militärverwaltung und sei ein Konfliktgebiet, wie einem Bericht
des SEM vom 3. Januar 2020 zu entnehmen sei. Gemäss Angaben von
Amnesty International hätten auch unter Abyi Ahmed Verhaftungen von
K._-Mitgliedern in Addis Abeba und in verschiedenen Teilen der
M._ Region stattgefunden. Auch Berichten der «Human Rights Lea-
gue of the Horn of Africa» (HRLHA) und der «BBC News» seien Menschen-
rechtsverletzungen und Repressionen von K._-Mitgliedern und
Sympathisanten zu entnehmen.
Da sich die menschenrechtliche Situation in Äthiopien für Angehörige der
Oromo nicht verbessert habe und die Herkunftsregion des Beschwerdefüh-
rers noch immer unter Militärrecht stehe, wäre er angesichts seiner politi-
schen Aktivitäten in Äthiopien, wo er aufgrund seiner vermuteten ABO-Mit-
gliedschaft und Teilnahme an Demonstrationen inhaftiert und schwer ge-
foltert worden sei, sowie angesichts seines exilpolitischen Engagements in
der Schweiz und seiner Mitgliedschaft in der K._ Schweiz asylrecht-
lich verfolgt.
6.
D-1842/2020
Seite 8
6.1 Im aktuellen Referenzurteil zur Lage in Äthiopien D-6630/2018 vom
6. Mai 2019 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass sich die Situa-
tion mit Amtsantritt von Abiy Ahmed als erstem Präsidenten des Landes mit
Oromo-Volkszugehörigkeit im April 2018 und den damit einhergehenden
Reformen deutlich verbessert habe (vgl. a.a.O. E. 7.3.). Dieser Wandel ma-
nifestiere sich unter anderem in der Versöhnung mit den oppositionellen
Kräften sowie deren Einbezug in den politischen Prozess, in der Stärkung
der Menschenrechte sowie im geschlossenen Frieden mit Eritrea. Auch
wenn die Protestbewegungen noch nicht vollständig abgeklungen seien
und das Land in den Regionen teilweise nach wie vor unter ethnischen
Konflikten zu leiden habe, sei insgesamt von einer Normalisierung der Si-
tuation auszugehen, was durch die Aufhebung des Notstandes im Juni
2018 bestätigt werde (vgl. a.a.O. E. 7.2 und E. 8.2). Politische Dissidenten,
ehemalige Rebellen, Abspaltungsanführer und Journalisten seien seither
nach Äthiopien zurückgekehrt. Tausende politische Gefangene seien seit
April 2018 begnadigt und freigelassen worden. Die Vereinigungen Gin-
bot 7, K._ und Ogaden National Liberation Front (ONLF), die sich
für die Anliegen der Oromo einsetzen, seien im Juli 2018 von der Liste der
terroristischen Gruppierungen gestrichen worden (vgl. a.a.O. E. 7).
Dennoch kommt es nach wie vor zu ethnischen Unruhen in verschiedenen
Regionen Äthiopiens, so auch in M._. Es wird teilweise von massi-
ven Menschenrechtsverletzungen äthiopischer Sicherheitskräfte berichtet.
Dabei würden vor allem Unterstützer der Oromo Liberation Army (OLA),
dem bewaffneten Arm der K._, Opfer von Menschenrechtsverlet-
zungen, wie zum Beispiel willkürliche Inhaftierungen (vgl. u.a. Amnesty In-
ternational, Beyond Law Enforcement: Human Rights Violations by Ethio-
pian Security Forces in Amhara and Oromia, 29. Mai 2020, https://www.am-
nesty.ch/de/laender/afrika/aethiopien/dok/2020/sicherheitskraefte-vertrei-
ben-verhaften-und-toeten-menschen, abgerufen am 16. Juli 2020). Das
Bundesverwaltungsgericht verkennt folglich nicht, dass die Situation in
Äthiopien nach dem Amtsantritt von Abiy Ahmed weiterhin von ethnischen
Spannungen und entsprechenden Unruhen geprägt ist. Dies ist jedoch
Ausfluss des angeschobenen Demokratisierungsprozesses, der in der Tat
als fragil einzuschätzen ist. Ausserdem bezieht sich der zitierte Bericht von
Amnesty International insbesondere auf die Provinz Guji, nicht auf das ge-
samte
Oromo-Gebiet (vgl. Amnesty International, Beyond Law Enforcement,
a.a.O.).
https://www.amnesty.ch/de/laender/afrika/aethiopien/dok/20 https://www.amnesty.ch/de/laender/afrika/aethiopien/dok/20
D-1842/2020
Seite 9
6.2 Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer mit seinem bescheidenen politischen Profil – Teilnahme an
zwei Demonstrationen in Äthiopien – und aufgrund seiner geltend gemach-
ten Vorgeschichte im heutigen Zeitpunkt bei einer Rückkehr nach Äthiopien
seitens der heimatlichen Behörden asylrechtlich relevanter Verfolgung aus-
gesetzt wäre. Für die Bejahung der Flüchtlingseigenschaft im Sinn von
Art. 3 AsylG bedarf es einer Verfolgung oder der Furcht vor einer solchen
aufgrund einer konkret auf die Person gezielten Handlung mit asylrelevan-
ter Motivation. Dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr zum
jetzigen Zeitpunkt derartigen gezielten Verfolgungshandlungen ausgesetzt
werden könnte, ist nicht wahrscheinlich, zumal die K._, zu welcher
er seinen Angaben zufolge eine Sympathie hegt, als politische Partei aner-
kannt und in den Demokratisierungsprozess einbezogen ist. Folglich las-
sen die geltend gemachten Asylgründe im Zeitpunkt der Gesuchstellung
nicht auf eine heute aktuelle Verfolgung schliessen. Auch für die Beschwer-
deführerin ist demnach nicht vom Vorliegen einer Reflexverfolgung auszu-
gehen. An dieser Einschätzung vermögen auch die Eingaben in der Be-
schwerde nichts zu ändern.
Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Vorverfolgung in Form der
Inhaftierung und massiven Folter – sollte angesichts der detailreichen
Schilderungen (vgl. act. A36, S. 8-10, F67; A8, S. 8) von ihrer Glaubhaf-
tigkeit ausgegangen werden – wäre ausnahmsweise auch nach Wegfall
einer zukünftigen Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 AsylG als asyl-
rechtlich relevant zu betrachten, wenn eine Rückkehr in den früheren Ver-
folgerstaat aus zwingenden, auf diese Verfolgung zurückgehenden Grün-
den nicht zumutbar ist. Als "zwingende Gründe" sind in erster Linie trauma-
tisierende Erlebnisse zu betrachten, die es dem Betroffenen angesichts er-
lebter schwerwiegender Verfolgungen, insbesondere Folterungen, im
Sinne einer Langzeittraumatisierung psychologisch verunmöglichen, ins
Heimatland zurückzukehren (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.4). Der Beschwerde-
führer macht zwar Folterungen durch die Sicherheitskräfte geltend, die (bei
Annahme der Glaubhaftigkeit) eine schwerwiegende Verfolgung darstellen
könnten. Aber es sind vorliegend keine Anzeichen dafür vorhanden, ihm
sei die Rückkehr nach Äthiopien im Sinne einer Langzeittraumatisierung
psychologisch unmöglich. So bezeichnet sich der Beschwerdeführer als
gesund und macht keinerlei psychische Beschwerden geltend. Es liegen
entsprechend auch keine ärztlichen Bestätigungen vor.
D-1842/2020
Seite 10
6.3 In Bezug auf die in den Befragungen geltend gemachten allgemeinen
Benachteiligungen der Oromo ist im Übrigen angesichts der obigen Aus-
führungen nicht von einer Kollektivverfolgung der Angehörigen der Oromo
in Äthiopien auszugehen, zumal die Anforderungen an die Feststellung ei-
ner Kollektivverfolgung gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts sehr hoch sind (vgl. BVGE 2013/12 E.6).
6.4 Auch die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers führt zu keiner
anderen Einschätzung. Der Beschwerdeführer hat an verschiedenen De-
monstrationen für die Rechte der Oromo und an Versammlungen der
L._ teilgenommen. Die diesbezüglich eingereichten Fotos lassen
jedoch nicht auf ein exponiertes exilpolitisches Engagement schliessen,
das ihn als ernsthaften Regimekritiker erkennen lassen würde. Er selbst
führte aus, er nehme an verschiedenen Anlässen der Oromo teil und sei
Mitglied der L._ (vgl. act. A36, S. 21, F150-153), neben seiner ein-
fachen Mitgliedschaft (inklusive der Zahlung der Mitgliedsbeiträge) und den
Demonstrations- und Veranstaltungsteilnahmen hat er keine besonderen
Aufgaben oder Funktionen inne. Es erscheint denn auch mit Blick auf die
aktuelle politische Lage nach der Wahl von Abiy Ahmed, selbst Oromo,
nicht wahrscheinlich, dass seitens der äthiopischen Behörden ein beson-
deres Interesse an der Person des Beschwerdeführers besteht und ihm als
Oromo bei einer Rückkehr eine asylrechtlich relevante Verfolgung drohen
würde. Die Ausführungen der Beschwerdeführenden in der Rechtsmitte-
leingabe vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern.
6.5 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge-
bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder
zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihre Asylgesuche zu
Recht abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über
eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch
auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
D-1842/2020
Seite 11
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Die Vorinstanz wies in ihrer Verfügung zutreffend darauf hin, dass das
Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt,
die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden
nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen
oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz
der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung fin-
den. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Äthiopien ist dem-
nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Weder aus den Aus-
sagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten ergeben sich An-
haltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Äthiopien
dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1
FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss der
Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) so-
D-1842/2020
Seite 12
wie jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführen-
den eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen,
dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Be-
handlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom
28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Äthiopien lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig er-
scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von der
grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen
Äthiopiens aus (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 12.2.,
in Bestätigung von BVGE 2011/25 E. 8.3). Den Akten lassen sich auch
keine konkreten Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass die Beschwerde-
führenden aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder ge-
sundheitlicher Natur bei einer Rückkehr nach Äthiopien in eine existenz-
bedrohende Situation geraten würden. Die Beschwerdeführenden stam-
men aus der Region Oromo, der flächen- und bevölkerungsmässig gröss-
ten Region Äthiopiens, die von mehr als 80% der ethnischen Oromo besie-
delt ist. Sie haben vor ihrer Ausreise in C._, Zone E._, ge-
lebt. Diese Region ist aktuell nicht von relevanten Konflikten geprägt. Ent-
sprechendes wurde seitens der Beschwerdeführenden in der Beschwerde
auch nicht geltend gemacht beziehungsweise konkretisiert. Die Beschwer-
deführenden sind jung und, bis auf Schmerzen am Rücken (vgl. act. A36,
S. 22, F162) und am Arm (vgl. act. A41, S. 17, F168), weitgehend gesund.
Sie haben die Schule 10 Jahre besucht und der Beschwerdeführer besitzt
Arbeitserfahrung im (...) seines Vaters (vgl. act. A8, S. 4; A9, S. 4). Mit den
Eltern des Beschwerdeführers sowie etlichen Geschwistern der Beschwer-
deführenden verfügen sie über ein grosses familiäres Beziehungsnetz in
Äthiopien (vgl. act. A8, S. 5; A9, S. 5). Gemäss ihren Ausführungen lebt die
Familie des Beschwerdeführers von der Landwirtschaft mit grossem Land-
besitz und vielen Tieren, besitzt einen familieneigenen Kleinwarenladen
und ist als wohlhabend zu bezeichnen (vgl. act. A36, S. 5, F33, 34; A41, S.
8, F79, S. 14, F131). Sie hätten, ebenso wie die Geschwister des Be-
schwerdeführers, von dem Erlös der Landwirtschaft des Vaters des Be-
schwerdeführers gelebt (A41, S. 8, F77, 78) und in einem eigens für sie
neben dem Haus der Eltern des Beschwerdeführers errichteten Haus ge-
wohnt (vgl. act. A41, S. 7, F69).
D-1842/2020
Seite 13
Angesichts pauschaler und teils widersprüchlicher Aussagen sind der an-
geblich nur spärliche telefonische Kontakt zu den Familienangehörigen im
Heimatland (vgl. act. A36, S. 4, F20 ff.; A41, S. 6, F58) sowie die Behaup-
tung, nicht zu wissen, ob die Familienangehörigen im Heimatland noch am
Leben seien und wie es den Geschwistern der Beschwerdeführerin gehe
(vgl. act. A36, S. 13, F71; A41, S. 8; F80), ebenso in Zweifel zu ziehen wie
die angebliche Schliessung des Ladengeschäfts des Vaters (vgl. act. A36,
S. 19, F140, 141; A41, S. 20, F204). Es ist vielmehr davon auszugehen,
dass das familiäre Netzwerk sie angesichts einer gesicherten Wohnsitua-
tion und ausreichender finanzieller Ressourcen, mit denen auch die Aus-
reise der Beschwerdeführenden problemlos (vgl. act. A36, S. 19, F135) fi-
nanziert werden konnte, nach der Rückkehr bei der Wiedereingliederung
unterstützen wird.
Eine Rückkehr nach Äthiopien dürfte sich sodann auch in Bezug auf die
(...) und (...) geborenen Kinder der Beschwerdeführenden nicht als prob-
lematisch erweisen. Für die (...) Kinder, die mithin bereits aufgrund ihres
Alters nicht massgeblich in der Schweiz verwurzelt sind, stellen ihre Eltern
ihre wichtigsten Bezugspersonen dar. Das Wohl der Kinder steht einem
Wegweisungsvollzug demnach vorliegend nicht entgegen (vgl. Art. 3 des
Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes
[KRK, SR 0.107]). Daher erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl
in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
8.4 Es obliegt den Beschwerdeführenden, sich bei der zuständigen Vertre-
tung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku-
mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; dazu auch BVGE 2008/34
E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-
nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt vor-
aus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, son-
dern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf
Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären
Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es
sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, wel-
D-1842/2020
Seite 14
chem somit im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Be-
hörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der
Situation im Heimatland angepasst wird.
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache wird der Antrag der Be-
schwerdeführenden auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht gegen-
standslos.
10.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist ab-
zuweisen, da die Begehren, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen
ergibt, als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzun-
gen von Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der belegten Mittellosigkeit der
Beschwerdeführenden – nicht erfüllt sind. Aus demselben Grund kann
auch dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung nicht stattge-
geben werden (aArt. 110a Abs. 1 AsylG).
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.-
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
D-1842/2020
Seite 15