Decision ID: 457d6e42-62d3-49ba-adf2-20a76e01375d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Der 1965 in Algerien geborene D._ ist deutscher Staatsangehöriger. Er heiratete im
April 1997 eine deutsche Staatsangehörige und liess sich im Oktober 2004 scheiden.
Am 4. Februar 2008 reiste D._ in die Schweiz ein. Hier erhielt er vorerst eine
Kurzaufenthaltsbewilligung EU/EFTA mit Gültigkeit bis zum 1. Februar 2009. Mit
Gesuch vom 19. Juni 2008 bat er zum Zweck der Erwerbstätigkeit um Umwandlung
der Kurzaufenthaltsbewilligung in eine Aufenthaltsbewilligung. Dabei legte er einen
Arbeitsvertrag vom 9. Juni 2008 vor, gemäss welchem er ab dem 13. Juni 2008 bei der
X._ AG unbefristet als Schweisser angestellt wurde. D._ wurde die
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA bis am 3. Februar 2013 erteilt.
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b. D._ heiratete am 12. Januar 2010 N._. Sie wurde 1979 geboren und stammt aus
Algerien. Am 30. Oktober 2010 reiste N._ im Rahmen des Familiennachzuges in die
Schweiz ein und ihr wurde eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA ausgestellt. Diese
Bewilligung wurde ihr auf Gesuch hin bis zum 29. Oktober 2020 verlängert.
c. Im Verlängerungsgesuch vom 17. Januar 2013 gab D._ an, dass er weiterhin eine
Erwerbstätigkeit ausübe. Am 4. Februar 2013 erhielt er die Niederlassungsbewilligung
EU/EFTA mit Gültigkeit bis zum 3. Februar 2018.
d. Die Sozialen Dienste der Stadt Q._ informierten das Migrationsamt des Kantons
St. Gallen am 12. November 2015, dass D._ und seine Ehefrau seit Dezember 2013
Sozialhilfeleistungen beziehen würden. D._ sei seit Oktober 2013 gesundheitlich
angeschlagen. Das IV-Verfahren sei noch hängig. Bis Februar 2014 habe D._
Arbeitslosentaggelder bezogen, ab April 2014 werde die Familie vollumfänglich von der
Sozialhilfe unterstützt. Am 23. Juni 2016 liessen die Sozialen Dienste der Stadt Q._
dem Migrationsamt die abweisende Verfügung der IV-Stelle betreffend IV-
Rentenleistungen zukommen. Bis zum 9. Dezember 2016 betrug der offene
Schuldensaldo bei den Sozialen Diensten der Stadt Q._ CHF 97'121.95.
e. Nach weiteren Abklärungen und Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das
Migrationsamt mit Verfügung vom 3. Mai 2017 die Niederlassungsbewilligung EU/EFTA
von D._ und wies ihn an, die Schweiz spätestens 60 Tage nach Rechtskraft der
Verfügung zu verlassen. Das Migrationsamt begründete seinen Entscheid im
Wesentlichen damit, dass D._ auf den 31. Oktober 2012 gekündigt worden sei. Seither
sei er keiner Erwerbstätigkeit mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt nachgegangen. Sofern
dies dem Migrationsamt bekannt gewesen wäre, wäre ihm die
Niederlassungsbewilligung nicht erteilt worden. Indem D._ das Migrationsamt nicht
über den Verlust der Arbeitsstelle informiert habe, habe er das Migrationsamt
getäuscht. Es liege damit ein Widerrufsgrund vor. Die Integration von D._ sei nicht
gefestigt. Er habe den grössten Teil seines Lebens im Ausland verbracht. Eine
Rückkehr nach Deutschland oder Algerien sei ihm zuzumuten.
Gleichentags verfügte das Migrationsamt den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung EU/
EFTA für N._. Zur Begründung ihres Entscheides führte das Migrationsamt aus, dass
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dem Ehegatten die Niederlassungsbewilligung entzogen worden sei, weshalb ihre
Bewilligung ebenfalls zu widerrufen sei. Das Recht auf Familiennachzug setze immer
ein originäres Aufenthaltsrecht eines EU/EFTA-Angehörigen voraus. Aufgrund der
kurzen Aufenthaltszeit in der Schweiz und der mangelhaften Integration sei ihr trotz den
gesundheitlichen Beschwerden eine Rückkehr in ihr Heimatland oder ein Leben
zusammen mit ihrem Ehemann in Deutschland zumutbar. Den gegen diese Entscheide
erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom 3.
Juni 2019 (Versand: 4. Juni 2019) ab.
f. Am 10. November 2018 brachte N._ eine Tochter zur Welt.
B. N._ (Beschwerdeführerin) und D._ (Beschwerdeführer) reichten am 19. Juni 2019
und mit Ergänzung vom 2. September 2019 durch ihre Rechtsvertreterin Beschwerde
gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) beim
Verwaltungsgericht ein mit dem Rechtsbegehren, der Entscheid der Vorinstanz sei
aufzuheben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 16. September 2019 die

Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressaten des
angefochtenen Entscheids sind die im Rekursverfahren unterlegenen
Beschwerdeführer zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 19. Juni 2019
rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 2. September 2019
bis
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formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision des (vormaligen)
Ausländergesetzes (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; AuG),
welches neu Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG, SR 142.20) heisst, erfuhr das Gesetz einige – für die vorliegende
Streitsache indes nicht massgebende – Anpassungen. Art. 126 Abs. 1 AIG bestimmt,
dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten des AIG eingereicht worden sind, das
bisherige materielle Recht anwendbar bleibt. Das Verfahren richtet sich demgegenüber
nach dem neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AIG). Die Überprüfung der Verlängerung der
Niederlassungs- bzw. Aufenthaltsbewilligung begann Ende Dezember 2016 und die
Widerrufsverfügung wurde am 3. Mai 2017 erlassen. Folglich ist die Angelegenheit
nach dem bis zum 31. Dezember 2018 geltenden Ausländergesetz (AuG) in der
Fassung vom 1. Oktober 2015 zu beurteilen.
3. Die Vorinstanz erachtete den Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG als erfüllt.
Sie erwog im Wesentlichen, dass die Beschwerdeführer bei den Sozialen Diensten der
Stadt Q._ mit Sozialhilfeschulden in der Höhe von CHF 175'352.25 verzeichnet seien.
Die IV-Stelle sei mit Verfügung vom 15. Februar 2018 nicht auf das neue
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen des
Beschwerdeführers eingetreten. Es wäre dem Beschwerdeführer möglich und
zumutbar gewesen, sich eine entsprechende Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt zu
suchen. Er habe jedoch keine Anstrengungen gezeigt, wieder eine Arbeitsstelle zu
erlangen. Es liege ein dauerhafter Sozialhilfebezug von erheblichem Ausmass vor und
es könne nicht damit gerechnet werden, dass die Beschwerdeführer in Zukunft für
ihren Lebensunterhalt sorgen könnten. Ob der Beschwerdeführer falsche Angaben
gemacht habe und damit auch ein Widerrufsgrund nach 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung
mit Art. 62 Abs. 1 lit. a AuG vorliege, könne offenbleiben. Aufgrund der langjährigen
Arbeitslosigkeit und der Abhängigkeit von der Sozialhilfe habe der Beschwerdeführer
auch keinen freizügigkeitsrechtlichen Anspruch auf einen Aufenthalt in der Schweiz.
Durch die mehrjährige Unterstützungsbedürftigkeit würden gewichtige öffentliche
Interessen an der Wegweisung der Beschwerdeführer vorliegen. Eine
Wiedereingliederung in Deutschland wäre wieder möglich. Die gesundheitlichen
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Beschwerden wären auch dort behandelbar. Die Sozialhilfeabhängigkeit spreche gegen
eine gelungene Integration. Eine Rückkehr nach Deutschland sei dem
Beschwerdeführer somit zumutbar.
Der Beschwerdeführer weist darauf hin, dass er im Januar 2013 erst seit zwei Monaten
unfreiwillig arbeitslos gewesen sei. Zu diesem Zeitpunkt wäre die
Aufenthaltsbewilligung nach Art. 6 Abs. 1 Anhang I des Abkommens zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA)
automatisch um weitere fünf Jahre verlängert worden. Es könne ihm daher nicht
vorgeworfen werden, seine Angaben seien nicht korrekt gewesen. Er sei davon
ausgegangen, dass er rasch wieder eine neue Arbeitsstelle finden werde. Die
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung sei daher nicht durch falsche Angaben erwirkt
worden, sondern wäre ohne Weiteres auch bei korrekter Angabe gestützt auf das FZA
erfolgt. Es liege auch kein anderer Widerrufsgrund vor. Nach der Ablehnung des
Gesuchs durch die IV-Stelle habe er erneut eine Anmeldung eingereicht. Es würden
neue Befunde im physischen Bereich (Schulter- und Sprunggelenk) vorliegen und er
leide zudem an einer psychischen Beeinträchtigung. Er sei mindestens 50%
arbeitsunfähig. Wenn sich die Einschätzung von Dr. R._ aus IV-rechtlicher Sicht
bestätige, so habe er Anspruch auf eine ganze IV-Rente. Es sei dann offenkundig, dass
er nicht mehr in der Lage sei, zu arbeiten bzw. der Verzicht, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen, unfreiwillig sei. Er könne sich damit weiterhin auf das FZA berufen.
Darüber hinaus habe er auch ein Bleiberecht, wenn genügend finanzielle Mittel
vorhanden seien. Wenn er sich von der Sozialhilfe lösen könne, weil er aufgrund seines
Gesundheitszustandes berechtigterweise Anspruch auf IV-Leistungen habe, setze er
keinen Grund mehr für den Widerruf der Niederlassungsbewilligung. Er bemühe sich
durchaus, seine ihm attestierte 50%-ige Arbeitsfähigkeit umzusetzen, indem er an
einem Arbeitsprogramm im Z._ teilgenommen habe. Allerdings werde erst der
Entscheid der IV-Stelle Klarheit über seine finanzielle Situation und damit auch über
den Anspruch auf ein Bleiberecht gemäss FZA bringen. Mit Verweis auf den Entscheid
des Bundesgerichts 2C_1102/2013 vom 8. Juli 2014 E. 4.5 sei das Verfahren vor
Verwaltungsgericht bis zum Abschluss des IV-Verfahrens zu sistieren. Sofern das
Verfahren nicht sistiert werden sollte, werde geltend gemacht, dass die
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Sozialhilfeabhängigkeit unverschuldeter Natur sei. Er sei geplagt von körperlichen und
psychischen Beeinträchtigungen, welche es ihm verunmöglicht hätten, seinen Unterhalt
selbst zu bestreiten.
4. Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger und erhielt zum Zwecke der
Ausübung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit erst eine Aufenthaltsbewilligung EU/
EFTA und ab Februar 2013 eine Niederlassungsbewilligung EU/EFTA. Als deutscher
Staatsangehöriger kann er sich auf das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit berufen
(Freizügigkeitsabkommen, SR 0.142.112.681, FZA).
4.1. Nach Art. 2 Abs. 2 AuG gilt dieses Gesetz für Staatsangehörige der Mitgliedstaaten
der Europäischen Union (EU) und ihre Familienangehörigen nur so weit, als das FZA
keine abweichenden Bestimmungen enthält oder dieses Gesetz günstigere
Bestimmungen vorsieht. Das Freizügigkeitsrecht kennt den Status der
Niedergelassenen nicht; vielmehr handelt es sich bei der Niederlassungsbewilligung um
eine grundsätzlich einzig auf nationalem Recht beruhende Bewilligung (BGer
2C_938/2018 vom 24. Juni 2019 E. 4.1). Der Widerruf von Bewilligungen ist im FZA
ebenfalls nicht geregelt. Die Ausführungsbestimmungen finden sich in der Verordnung
über die Einführung des freien Personenverkehrs (SR 142.203, VEP, vgl. auch BGE 129
II 249 ff. E. 3.3 mit Hinweisen). Nach Art. 23 Abs. 1 VEP können Kurzaufenthalts- und
Aufenthaltsbewilligungen EU/EFTA sowie Grenzgängerbewilligungen EU/EFTA
widerrufen oder nicht verlängert werden, wenn die Voraussetzungen für ihre Erteilung
nicht mehr erfüllt sind. Für die Niederlassungsbewilligung EU/EFTA gilt Art. 63 AuG
(Art. 23 Abs. 2 VEP). Ist einer der in Art. 63 AuG niedergelegten Widerrufsgründe erfüllt
und ist die Massnahme verhältnismässig im Sinn von Art. 96 Abs. 1 AuG und Art. 8
Ziff. 2 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK), ist in einem nächsten Schritt zu prüfen, inwiefern
das FZA zusätzliche Schranken auferlegt (BGer 2C_483/2018 vom 23. April 2019 E.
5.1, 2C_1148/2013 vom 8. Juli 2014 E. 3.3).
4.2. Die Niederlassungsbewilligung kann unter anderem widerrufen werden, wenn die
Ausländerin oder der Ausländer im Bewilligungsverfahren falsche Angaben macht oder
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wesentliche Tatsachen verschwiegen hat (Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62
Abs. 1 lit. a AuG). Eine ausländische Person, welche um Aufenthalt in der Schweiz
ersucht, ist verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken und
zutreffende und vollständige Angaben über die für die Regelung des Aufenthalts
wesentlichen Tatsachen zu machen (Art. 90 Abs. 1 lit. a AuG). Nach der
Rechtsprechung zu Art. 62 Abs. 1 lit. a AuG muss die ausländische Person die Fragen
der Migrationsbehörde wahrheitsgetreu beantworten. Falsche Angaben, welche für die
Erteilung der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung relevant sind, führen zum
Widerruf derselben. Dabei ist nicht erforderlich, dass die Bewilligung bei richtigen oder
vollständigen Angaben mit Sicherheit verweigert worden wäre. Es genügt, wenn der
Anspruch auf eine Bewilligung bei Offenlegung der Verhältnisse ernsthaft in Frage
gestellt gewesen wäre. Was das Verschweigen wesentlicher Tatsachen betrifft, muss
bei der ausländischen Person eine Täuschungsabsicht vorliegen. Eine solche ist zu
bejahen, wenn die ausländische Person einen falschen Anschein über Tatsachen
erweckt hat oder aufrechterhält, von denen sie vernünftigerweise wissen musste, dass
sie für den Bewilligungsentscheid von Bedeutung sein könnten (BGer 2C_169/2018
vom 17. August 2018 E. 2.2).
4.3. Beim Verlängerungsgesuch der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA gab der
Beschwerdeführer am 17. Januar 2013 an, einer übrigen Erwerbstätigkeit nachzugehen
(act. Migrationsamt D._, nachfolgend: MA D._, 88 f.). Dies obwohl ihm gemäss dem
Schreiben der Y._ AG vom 14. August 2012 auf den 31. Oktober 2012 gekündigt
worden (act. MA D._ 122) und er gesundheitlich angeschlagen war (act. MA D._ 43).
Fest steht, dass der Beschwerdeführer die Angabe "übrige Erwerbstätigkeit" ankreuzte
anstatt korrekterweise "auf Stellensuche". Allerdings liess die Vorinstanz die Frage zu
Recht offen, ob beim Beschwerdeführer bei dieser Angabe eine Täuschungsabsicht
vorlag. Denn wie sich nachfolgend zeigt, liegt ein anderer Widerrufsgrund vor (siehe E.
4.4 f.).
4.4. Nach Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen
werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer oder eine Person, für die sie oder er
zu sorgen hat, dauerhaft und in erheblichem Mass auf Sozialhilfe angewiesen ist. Beim
Widerruf der Niederlassungsbewilligung eines Ausländers wegen Bedürftigkeit geht es
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in erster Linie darum, eine zusätzliche künftige Belastung der öffentlichen Wohlfahrt zu
vermeiden. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, ist kaum je mit Sicherheit zu ermitteln.
Es muss daher die wahrscheinliche Entwicklung der finanziellen Situation der
ausländischen Person berücksichtigt werden. Nach der Rechtsprechung ist eine
andauernde konkrete Gefahr einer Sozialhilfeabhängigkeit erforderlich; Hypothesen
und pauschalierte Gründe genügen hierzu nicht. Neben den bisherigen und den
aktuellen Verhältnissen ist auch die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere
Sicht abzuwägen. Ein Widerruf fällt in Betracht, wenn eine Person hohe finanzielle
Unterstützungsleistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass
sie in Zukunft selber für ihren Lebensunterhalt sorgen wird. Nach gefestigter
Rechtsprechung stellen Sozialversicherungsleistungen unter Einschluss der
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
grundsätzlich keine Sozialhilfe im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG dar (BGer
2C_458/2019 vom 27. September 2019 E. 3.2, 2C_98/2018 vom 7. November 2018 E.
4.1).
4.5. Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführer seit Dezember 2013 von
den Sozialen Diensten der Stadt Q._ finanziell unterstützt werden (act. MA D._ 93,
99, act. Vorinstanz 17). Gemäss dem Kontenauszug der Sozialen Dienste der Stadt
Q._ vom 25. März 2019 beliefen sich die Sozialhilfeschulden des Ehepaares auf einen
Betrag von CHF 175'352.25 (act. Vorinstanz 17). Dieser Betrag ist im Lichte der
Rechtsprechung als erheblich zu qualifizieren (BGer 2C_23/2018 vom 11. März 2019 E.
4.2.1). Aufgrund gesundheitlicher Probleme stellte der Beschwerdeführer bereits
zweimal ein Gesuch um Ausrichtung von IV-Leistungen bei der IV-Stelle. Mit Verfügung
vom 24. Mai 2016 wies die IV-Stelle das Gesuch des Beschwerdeführers ab. Sie
erachtete ihn in einer adaptierten Tätigkeit als 100% arbeitsfähig. Auf die
Wiederanmeldung vom 15. Juni 2017 trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. Februar
2018 nicht ein. Laut den Angaben des Beschwerdeführers stellte er erneut ein
Leistungsgesuch bei der IV-Stelle, welches noch pendent ist. Es seien neue objektive
Befunde im Bereich der Schulter- und Sprunggelenke festgestellt worden. Die
gesundheitlichen Beschwerden wie die Rückenschmerzen bzw. das generalisierte
Schmerzsyndrom (act. MA D._ 110), die Probleme mit der Schulter (act. MA D._ 116)
sowie die posttraumatische Belastungsstörung (act. MA D._ 125) waren bereits in den
IV-Verfahren, welche mit einer abweisenden Verfügung und einem Nichteintreten
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abgeschlossen wurden, bekannt. Die vom Hausarzt attestierte 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit wurde im IV-Verfahren nicht bestätigt (act. MA D._ 116). Spätestens
ab dem 24. Mai 2016 (Datum der abweisenden IV-Verfügung), wobei die gutachterlich
attestierte Arbeitsfähigkeit wohl bereits vorher bekannt gewesen sein musste, bis
mindestens zum Datum der rechtskräftigen Verfügung vom 15. Februar 2018 wäre der
Beschwerdeführer damit fähig gewesen, einer adaptierten Tätigkeit nachzugehen. Aus
den Akten ergibt sich allerdings nicht, dass sich der Beschwerdeführer nach seiner
letzten Tätigkeit Ende 2012 trotz Arbeitsfähigkeit jemals um Arbeit bemüht hätte. Seit
März 2019 ist er auf dem zweiten Arbeitsmarkt im Z._ zu 50% tätig. Diese Tätigkeit
wird durch die Gemeinde finanziert (Vereinbarung zwischen der politischen Gemeinde
Q._ und dem Beschwerdeführer vom 18. Februar 2019, act. Vorinstanz 29). Derzeit
kann folglich nicht damit gerechnet werden, dass der Beschwerdeführer in naher
Zukunft selbständig für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann, zumal seine
Bedürftigkeit nun bereits sechs Jahre andauert und er mit der erneuten IV-Anmeldung
aufzeigt, dass er sich nicht für arbeitsfähig hält. Wie sein aktuelles Gesuch um
Zusprache einer IV-Rente von der zuständigen Behörde beurteilt werden wird, ist
derzeit noch offen. Allerdings könnte sich der Beschwerdeführer selbst bei Zusprache
einer allfälligen IV-Rente nicht vollständig von der Unterstützung durch die öffentliche
Hand loslösen. Der Beschwerdeführer ging mit Unterbrüchen (Arbeitslosentaggeld Juni
2009 bis April 2010, act. MA D._ 37 ff.) vom Juni 2008 bis Ende November 2012 einer
Erwerbstätigkeit nach bzw. bezog bis Februar 2014 Arbeitslosentaggelder, wobei sein
Grundgehalt bei der X._ AG (act. MA D._ 18) bzw. der versicherte Verdienst bei der
Arbeitslosenversicherung (act. MA D._ 37 ff.) CHF 4'875 betrug. Die allfällige Rente
wäre aufgrund der wenigen bzw. fehlenden Beitragsjahre (Teilrente) und des tiefen
massgeblichen durchschnittlichen Jahreseinkommens nicht existenzsichernd
(Rentenberechnung nach Art. 36 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [SR 831.20, IVG] in Verbindung mit Art. 29 bis Art. 30 des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [SR 831.10, AHVG]).
Damit wäre der Beschwerdeführer zur Bestreitung seines Lebensunterhalts
voraussichtlich auf den Bezug von Ergänzungsleistungen angewiesen.
Ergänzungsleistungen stellen zwar keine Sozialhilfe im engeren Sinn dar, sie gehen
aber als beitragsunabhängige Sonderleistungen dennoch zu Lasten der Öffentlichkeit.
Obwohl der Bezug von Ergänzungsleistungen keinen Widerrufsgrund bildet, darf er im
bis
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Rahmen der Prüfung der Verhältnismässigkeit der aufenthaltsbeendenden Massnahme
dennoch mitberücksichtigt werden (BGer 2C_98/2018 vom 7. November 2018 E. 4.1,
Urteile 2C_1018/2016 vom 22. Mai 2017 E. 6.2 BGE 135 II 265 E. 3.7 S. 273).
4.6. Massgebend für die Prognose zur voraussichtlichen Entwicklung der finanziellen
Situation sind nicht nur die realisierbaren Einkommensaussichten des
Beschwerdeführers, sondern diejenigen sämtlicher Familienmitglieder bzw. auch die
der Beschwerdeführerin. Ehegatten sind im Zusammenhang mit Sozialhilfeleistungen
als wirtschaftliche Einheit zu betrachten: Unterstützungsbeiträge werden für Ehepaare
gemeinsam berechnet und ausgerichtet; umgekehrt schlägt das Erwerbsverhalten der
Ehegatten - aufgrund der Unterstützungspflicht (Art. 159 des Schweizerisches
Zivilgesetzbuchs [SR 210, ZGB]) - auf den jeweils anderen Partner durch (BGer
2C_458/2019 vom 27. September 2019 E. 3.2, 2C_98/2018 vom 7. November 2018 E.
4.1). Die Beschwerdeführerin ging seit der Einreise im Oktober 2010 nie einer
Erwerbstätigkeit nach. Ihre Deutschkenntnisse sind gemäss den E-Mails der Sozialen
Dienste der Stadt Q._ vom 12. November 2015 und 9. Dezember 2016 beschränkt.
Sie leidet am Sjörgen-Syndrom bzw. einer Krankheit aus dem rheumatischen
Formenkreis, welche zu Entzündungen der Speicheldrüse und auch Problemen an
inneren Organen und am Bewegungsapparat führen kann (act. MA D._ 139, kritische
Anmerkungen zu dieser Diagnose: Bericht von Dr. S._ vom 11. Februar 2019, act.
Vorinstanz 29) oder einer Allergie (Dr. S._, act. Vorinstanz 29). Allerdings muss laut
Angaben des Hausarztes Dr. med. T._ vom 25. Januar 2017 keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit vorliegen. Dr. med. S._, leitender Arzt der Klinik für Rheumatologie am
Kantonsspital St. Gallen, attestierte der Beschwerdeführerin am 29. April 2019 eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit. Hingegen ist aus diesem Zeugnis nicht ersichtlich,
inwiefern sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verändert hat und ob
diese Arbeitsunfähigkeit andauernd ist. Jedenfalls wurde gemäss den vorliegenden
Akten keine IV-Anmeldung vorgenommen. Aufgrund der Umstände, dass die
Beschwerdeführerin in der Schweiz nie auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeitstätig war,
nur über beschränkte Deutschkenntnisse verfügt, seit langem von der Fürsorge
abhängig ist und gemäss ihren Angaben an gesundheitlichen Problemen leidet, ist die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, durch welche ein Lohn zur Ablösung von der
Sozialhilfe erzielt werden könnte, kaum realistisch. Dagegen bringt die
Beschwerdeführerin auch nichts vor. Im Ergebnis steht demnach fest, dass die beiden
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Beschwerdeführer die öffentliche Hand weiter in erheblichen Umfang belasten werden
und nicht aus eigener Kraft für sich selbst sorgen können. Folglich ist der
Widerrufsgrund infolge der Sozialhilfeabhängigkeit erfüllt.
5.
5.1. Gemäss Art. 6 Ziff. 6 Anhang I FZA darf einem Arbeitnehmer wie dem
Beschwerdeführer die gültige Aufenthaltsbewilligung nicht alleine deshalb entzogen
werden, weil er keine Beschäftigung mehr hat, entweder weil er infolge von Krankheit
oder Unfall vorübergehend arbeitsunfähig ist oder weil er unfreiwillig arbeitslos
geworden ist, sofern letzteres vom zuständigen Arbeitsamt ordnungsgemäss bestätigt
wird. Wie die Vorinstanz richtig ausführt, kann nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung eine unselbständig erwerbstätige Person hingegen ihren
freizügigkeitsrechtlichen Status verlieren, wenn sie freiwillig arbeitslos geworden ist,
wenn aufgrund ihres Verhaltens feststeht, dass keinerlei ernsthafte Aussichten (mehr)
darauf bestehen, dass sie in absehbarer Zeit eine andere Arbeit finden wird, oder wenn
ihr Verhalten gesamthaft als rechtsmissbräuchlich bezeichnet werden muss, da sie ihre
Bewilligung (etwa) gestützt auf eine fiktive beziehungsweise zeitlich kurze
Erwerbstätigkeit einzig zum Zweck erworben hat, von günstigeren Sozialleistungen als
im Heimat- oder einem anderen Vertragsstaat zu profitieren (vgl. BGE 141 II 1 E. 2.2.1
mit weiteren Hinweisen). Der Unterbruch der Erwerbstätigkeit infolge Krankheit oder
Unfall, die von der zuständigen Behörde bestätigte Zeit unfreiwilliger Arbeitslosigkeit
und der unfreiwillige Erwerbsunterbruch von unselbständig Erwerbstätigen gelten als
Beschäftigungszeiten (BGE 141 II 1 E. 2.1.2). Arbeitslosenversicherungsrechtliche
Beschäftigungsmassnahmen hingegen sind nicht geeignet, die
Arbeitnehmereigenschaft der betroffenen Person zu begründen bzw. fortdauern zu
lassen (BGE 141 II 1 E. 2.2.4 und 2.2.5 mit weiteren Hinweisen).
Den Akten ist nicht zu entnehmen, ob der Beschwerdeführer Ende Oktober 2012
freiwillig arbeitslos wurde. Hingegen zeigt sich wie bereits unter E. 4.5 ausgeführt, dass
der Beschwerdeführer in der Folge keine Anstrengungen unternahm, eine neue
Arbeitstätigkeit aufzunehmen. Auch kann die unfreiwillige Arbeitslosigkeit nicht durch
Krankheit oder Unfall begründet werden, da die IV-Leistungsbegehren des
Beschwerdeführers bereits zweimal rechtskräftig abgewiesen bzw. nicht darauf
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eingetreten wurde und ergaben, dass dem Beschwerdeführer eine 100%-ige
Arbeitstätigkeit in einer adaptierten Tätigkeit zumutbar ist. Der Beschwerdeführer kann
demnach durch den Verweis auf diese FZA-Bestimmungen bezüglich des Widerrufs
der Niederlassungsbewilligung nichts zu seinen Gunsten ableiten. Daran ändert auch
seine seit März 2019 aufgenommene 50%-ige Beschäftigung im Z._ und damit auf
dem zweiten Arbeitsmarkt nichts (siehe Vereinbarung zwischen der politischen
Gemeinde Q._ und dem Beschwerdeführer vom 18. Februar 2019: Integrationszulagen
von CHF 250 [act. Vorinstanz 29], BGer 2C_374/2018 vom 15. August 2018 E. 5.6,
2C_167/2018 vom 9. August 2018 E. 5.1). Der Beschwerdeführer hat seinen
freizügigkeitsrechtlichen Status als Arbeitnehmer verloren (BGer 2C_806/2018 vom
20. März 2019 E. 5.3, Achermann/Boillet/Caroni/Epiney/Künzli/Uebersax (Hrsg.),
Jahrbuch für Migrationsrecht 2018/2019, S. 309).
5.2. Kein freizügigkeitsrechtlicher Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz ergibt sich
auch aus Art. 2 Abs. 1 oder Art. 2 Abs. 2 i.V.m. Art. 24 Anhang I FZA. Diese beiden
Bestimmungen setzen voraus, dass die betreffende Person über die für den Unterhalt
ausreichenden finanziellen Mittel verfügt (vgl. Art. 18 Abs. 2 VEP und zu Art. 2 Abs. 1
Anhang I FZA auch BGE 130 II 388 E. 3 S. 391 ff.). Da die Beschwerdeführer von der
Sozialhilfe abhängig sind und sich voraussichtlich auch in Zukunft nicht davon lösen
können (siehe E. 4.5 und 4.6), ist dies offensichtlich nicht der Fall. Besteht kein
freizügigkeitsrechtlicher Anspruch, kann dieser auch nicht unter Beachtung der
Vorgaben von Art. 5 Anhang I FZA beschränkt werden (BGE 141 II 1 E. 2.2.1, BGer
2C_882/2017 vom 7. Dezember 2017 E. 2.3.2 und 2.3.3).
5.3. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführer muss im vorliegenden Fall
auch nicht der Ausgang des IV-Verfahrens des Beschwerdeführers abgewartet und der
Fall somit sistiert werden. In diesem Zusammenhang verweisen die Beschwerdeführer
auf BGer 2C_1102/2013 vom 8. Juli 2014 E. 4.5, gemäss welchem der Anspruch nach
Art. 4 Anhang I FZA erst beurteilt werden könne, wenn der Ausgang des IV-Verfahrens
feststehe. Denn die Arbeitsunfähigkeit sei Teil des rechtserheblichen Sachverhalts,
welcher dem Entscheid über das Verbleiberecht zugrunde zu legen sei. Auch sei es bei
Zusprechung einer Invalidenrente möglich, dass die Beschwerdeführer für ihren
Lebensunterhalt selbst aufkommen könnten, was ihnen einen Anspruch aus Art. 6 FZA
i.V.m. Art. 24 Anhang I FZA verschaffen würde. Hingegen hielt das Bundesgericht in
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BGE 141 II 1 E. 4.2.1 fest, dass der Aufenthaltsstatus dann früher geregelt werden
kann, wenn die IV-rechtliche Ausgangslage als Vorfrage zum Bewilligungsentscheid
klar und eindeutig erscheine.
Wie bereits unter 5.1 ausgeführt, verlor der Beschwerdeführer seine
Arbeitnehmereigenschaft im Gegensatz zu dem in BGer 2C_1102/2013 zu
beurteilenden Fall bereits vor Einreichung des dritten Leistungsgesuchs bei der IV-
Stelle (BGer 2C_79/2018 vom 15. Juni 2018 E. 4, BVGer F-2307/2016 vom 13.
September 2018 E. 7). Die IV-Verfahren ergaben, dass beim Beschwerdeführer nach
Beendigung seiner Erwerbstätigkeit keine andauernde Arbeitsunfähigkeit bestand.
Auch ist vorliegend eine rückwirkende Zusprache einer IV-Rente aufgrund der
rechtskräftigen IV-Verfügungen vom 24. Mai 2016 und 15. Februar 2018
ausgeschlossen bzw. der Beschwerdeführer könnte selbst bei Zusprache einer IV-
Rente nicht selbst für den Lebensunterhalt aufkommen und die vorhandenen
Sozialhilfeschulden zurückzahlen (vgl. E. 4.5). Der rechtserhebliche Sachverhalt ist
demzufolge liquid und das Verfahren betreffend die im Mai 2018 eingereichte
Wiederanmeldung bei der IV-Stelle muss nicht abgewartet werden. Daher ist im
vorliegenden Verfahren von einer Sistierung abzusehen.
6.
6.1. Das Vorliegen eines Widerrufsgrunds führt nicht zwingend zum Widerruf der
Niederlassungsbewilligung. Der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung muss stets
verhältnismässig sein, was aus Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) hervorgeht und im
Anwendungsbereich des Ausländergesetzes von Art. 96 Abs. 1 AuG verdeutlicht wird.
Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung zu berücksichtigen sind nach
bundesgerichtlicher Praxis namentlich die Ursachen, weshalb eine Person
sozialhilfeabhängig geworden ist bzw. ob sie ein Verschulden trifft, ihre bisherige
Anwesenheitsdauer sowie der Grad ihrer Integration in der Schweiz. In die
Interessenabwägung einzubeziehen sind ferner die konkreten Verhältnisse im Land, in
das die betroffene Person auszureisen hätte, und die sich daraus für sie ergebenden
Auswirkungen auf ihre künftigen Lebensumstände. Allgemein gebietet der Grundsatz
der Verhältnismässigkeit, dass die Aufenthaltsbeendigung im öffentlichen Interesse
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geeignet, erforderlich und zumutbar erscheint, d.h. es muss ein sachgerechtes
Verhältnis von Mittel und Zweck bestehen (BGer 2C_458/2019 vom 27. September
2019 E. 4.3, 2C_83/2018 vom 1. Februar 2019 E. 3.2).
6.2. Wie bereits in E. 4.5 und 5.1 ausgeführt, wäre der Beschwerdeführer während des
Bezugs der Arbeitslosentaggelder und spätestens nach der abweisenden IV-Verfügung
vom Mai 2016 gehalten gewesen, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Den Akten
sind keine solchen Stellenbemühungen zu entnehmen. Die gesundheitliche
Verschlechterung machte der Beschwerdeführer erst über ein Jahr später mit Gesuch
vom 15. Juni 2017 bei der IV-Stelle geltend, wobei die IV-Stelle auf dieses Gesuch mit
Verfügung vom 15. Februar 2018 nicht eintrat. Die Nichtwiederaufnahme einer
Erwerbstätigkeit ist folglich objektiv weder durch gesundheitliche noch andere
Probleme erklärbar. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist die
Sozialhilfebedürftigkeit somit im rechtlichen Sinne selbstverschuldet. Angesichts der
langjährigen und umfangreichen Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführer ist ein
öffentliches Interesse an einer Beendigung des Aufenthalts ausgewiesen (BGer
2C_167/2018 vom 9. August 2018 E. 5.3, 2c_870/2018 vom 13. Mai 2019 E. 5.3.5).
Weitere private Interessen, welche die Beendigung des Aufenthalts als
unverhältnismässig erscheinen lassen, macht der Beschwerdeführer nicht geltend. So
ist unbestritten, dass er seine gesundheitlichen Probleme auch in Deutschland
behandeln lassen kann, er nicht über ein vertieftes soziales Netzwerk in der Schweiz
verfügt und sich hier weder wirtschaftlich noch sozial integriert hat. Die erheblichen
öffentlichen Interessen an einer Fernhaltung des Beschwerdeführers überwiegen
vorliegend. Einer Rückkehr nach und Wiedereingliederung in Deutschland steht
demnach nichts entgegen.
7.
7.1. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Anhang I FZA haben die Familienangehörigen einer Person,
die Staatsangehörige einer Vertragspartei ist und ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht,
bei ihr Wohnung zu nehmen. Es handelt sich dabei um ein abgeleitetes
Aufenthaltsrecht des Ehegatten, das dazu bestimmt ist, durch Ermöglichung des
gemeinsamen Familienlebens die Wirksamkeit der Freizügigkeit der EU-Angehörigen
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sicherzustellen und das nur so lange dauert, als das originäre Aufenthaltsrecht des EU-
Angehörigen besteht (BGE 144 II 1 E. 3.1, BGE 139 II 393 E. 2.1).
7.2. Die Beschwerdeführerin erlangte ihre Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des
Familiennachzuges aufgrund ihrer Ehe mit einem EU-Staatsangehörigen und dem
damit verbundenen Recht, bei ihm Wohnung zu nehmen. Infolge des Widerrufs der
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers besteht damit das originäre
Aufenthaltsrecht des Beschwerdeführers nicht mehr. Die abgeleitete Bewilligung der
Beschwerdeführerin kann demnach mangels Fortdauerns der
Bewilligungsvoraussetzungen gestützt auf Art. 23 Abs. 1 VEP in Verbindung mit Art. 62
lit. d AuG (Nichteinhalten einer mit der Verfügung verbundenen Bedingung) widerrufen
werden, da das Freizügigkeitsabkommen diesbezüglich keine eigenen abweichenden
Bestimmungen enthält.
7.3. Wie die Vorinstanz zu Recht feststellte, erweist sich die Wegweisung auch als
verhältnismässig. Die Beschwerdeführerin reiste erst im Alter von 31 Jahren am 30.
Oktober 2010 in die Schweiz ein. Sie verbrachte damit den grössten Teil und damit die
prägenden Jahre ihres Lebens in ihrem Heimatland. In der Schweiz ist sie wie ihr
Ehemann weder wirtschaftlich noch sozial gut integriert. Sie war nie erwerbstätig, ist
der deutschen Sprache lediglich beschränkt mächtig und verfügt über kein
ausserfamiliäres soziales Umfeld in der Schweiz. Die medizinische Versorgung der
Allergien bzw. des Sjörgen-Syndrom, wobei es für diese Diagnose gemäss dem Bericht
von Dr. S._ vom 11. Februar 2019 am Antikörpernachweis fehle und die Histologien
nicht klassisch seien (act. Vorinstanz 29), ist zumindest auch in den grossen Städten in
Algerien sichergestellt (https://www.eda.admin.ch/countries/algeria/de/home/
reisehinweise/vor-ort.html). Dass das Gesundheitssystem im Herkunftsland der
betroffenen Person nicht mit jenem in der Schweiz vergleichbar ist und die hiesige
medizinische Versorgung allenfalls einem höheren Standard entspricht, spricht nicht
gegen eine Rückkehr (vgl. BGE 139 II 393 E. 6, BGer 2C_724/2018 vom 24. Juni 2019
E. 5.2.2). Nicht ausgeschlossen ist auch, dass der Beschwerdeführer in Deutschland
einen Antrag auf Familiennachzug stellen könnte, sofern die gesetzlichen
Bestimmungen nach deutschem Recht erfüllt sind.
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7.4. Die Beschwerdeführerin kann sich für das Aufenthaltsrecht auch nicht auf Art. 8
Ziff. 1 EMRK berufen. Weder der Beschwerdeführer noch sie verfügen nach dem
Gesagten über ein gefestigtes freizügigkeits- oder nationalrechtliches
Anwesenheitsrecht; sie haben das Land gemeinsam zu verlassen und können ihr
Familienleben in einem anderen Land pflegen.
7.5. Das unmündige Kind teilt grundsätzlich schon aus familienrechtlichen Gründen
(Art. 25 Abs. 1 und Art. 301 Abs. 3 ZGB; BGE 133 III 505 E. 3.3 S. 306 ff.) das
ausländerrechtliche Schicksal des sorge- bzw. obhutsberechtigten Elternteils und hat
gegebenenfalls mit diesem das Land zu verlassen, wenn der Elternteil keine
Bewilligung (mehr) hat (BGE 143 I 21 E. 5.4, 139 II 393 E. 4.2.3, Urteil 2C_154/2016
vom 3. Oktober 2016 E. 3.3). Ist dem Kind die Ausreise zumutbar (was grundsätzlich zu
bejahen ist, wenn es sich in einem anpassungsfähigen Alter befindet), liegt gar kein
Eingriff in das durch Art. 8 EMRK geschützte Recht auf Familienleben vor (BGE 135 I
153 E. 2.1 S. 155; 122 II 289 E. 3c S. 298; Urteil 2C_656/2011 vom 8. Mai 2012 E. 3.2).
Die Tochter der Beschwerdeführer kam am 10. November 2018 zur Welt. In ihrem Alter
ist ihr eine Ausreise mit den Beschwerdeführern ohne Weiteres zumutbar.
8. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Auf die Erhebung der Kosten ist aufgrund der finanziellen Verhältnisse der
Beschwerdeführer zu verzichten (Art. 97 VRP).
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu entschädigen (Art.
98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).