Decision ID: 8bb47662-871a-4e4d-9724-e71ae935db4d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
1970 geborene
X._
, Mechaniker mit Fähigkeitsausweis (Urk. 8/1/3) und zuletzt
als Flugzeugmechaniker bei
Y._
in
Z._
tätig, meldete sich am 15. Februar
2014 unter Hinweis auf
eine
Disko
pathie
Höhe L4/5 und L5/S1 mit
Osteochondrose
, eine
Diskusprotru
sion
L4/5 sowie eine Diskushernie L5/S1 bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungs
bezug an (Urk. 8/2)
.
Am
12. Mai 2016
sprach
die IV-Stelle
dem Versicherten
für die Zeit vom 1. September 2014 bis 30. April 2015
eine halbe
Invalidenrente
zuzüglich Kinderrenten
zu
(Urk. 8/
37-
38)
.
Dieser Entscheid erwuchs in Rechts
kraft.
Nachdem das Arbeitspensum
per
1.
Dezember 2015 auf 70
%
reduziert worden war (
Urk. 8/50),
meldete sich der Versiche
r
te
am 21. Mai 2017
unter Verweis auf eine Psoriasis-Arthritis
erneut bei der Invalidenversicherung an (Urk. 8/47).
Die IV-Stelle nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und
infor
m
ierte
den Versicherten
am
31. Oktober
2017 über die Gewährung von Beratung und
Unterstützung bei der Stellensuche
vom 31. Oktober
2017 bis 30. April
2018
durch
die
A._
(Urk. 8/60
)
.
Dies, nachdem das Arbeitsverhältnis per Juni 2017 aufgelöst
worden war (
Urk.
8/17).
Mit Mitteilung vom 6. Juli
2018 (Urk. 8
/68) schloss die IV-Stelle
die Arbeitsvermittlung ab, da
eine Integration in den Arbeits
markt
trotz Bemühungen und Unterstützung seit September
2017 nicht ge
lungen sei. Mit Vorbescheid vom 14. Februar 2019 (Urk. 8/85) stellte die IV
Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens
in Aussicht, wogegen der Ver
sicherte am 18. Februar 2019 Einwand (Urk. 8/86, Urk. 8/89, Urk. 8/99) erhob. Am 6. September 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten ab (Urk. 2).
2.
Dagege
n
erhob der
Versicherte
am 9. Oktober 2019 Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, es sei die Verfügung vom 6. September 2019 aufzuheben und ihm ab November 2017 eine
Dreiviertelsrente
und ab Februar 2019 eine ganze Rente zu
zusprechen. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit diese nach Vornahme der notwendigen Abklä
rungen erneut über den Leistungsanspruch verfüge (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 19. Dezember 2019 (Urk. 7) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Am 10. Januar 2020 (Urk. 10) reichte der Beschwerdeführer wei
tere medizinische Unterlagen (Urk. 11/1-3) ein
, was der Beschwerdegegnerin am 13. Januar 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG)
).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im
Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Zur Frage des Bedeutungsgehalts des
Art.
87
Abs.
2 und 3
IVV hat
das Bundes
gericht in BGE 130 V 64 E. 5.2.5 festgehalten, dass die versicherte Person mit dem Revisionsgesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsachenände
rung glaubhaft machen muss, ihr mithin ausnahmsweise eine Beweisführungslast zukommt. Tritt die Verwaltung auf das erneute Leistungsbegehren ein, hat sie demgegenüber gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
1.
6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden ha
ben
– den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdi
gen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG be
treffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2
IVV
ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung vom 6. September 2019 (Urk. 2) damit, dass der Beschwerdeführer seit September 2015 in
einer angepassten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig sei.
Zudem könne den Kran
kentaggeldakten vom November
2015 entnommen werden, dass eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei davon aus
zu
gehen, dass
seither
eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vorliege.
Eine
wesent
liche Veränderung
des Gesundheitszustands
habe nicht festgestellt werden kön
nen
. Aufgrund des Einkommensvergleichs resultiere ein
rentenaus
chliessen
der
Invali
ditätsgrad von 38 %
(S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(Urk. 1)
,
sein
Gesundheitszustand
habe sich seit der Verfügung vom 12. Mai 2016 derart verschlechtert, dass ihm eine leidensangepasste Tätigkeit nur noch im Umfang von 50 % zumutbar sei. Auf die Beurteilung des RAD-Arztes könne wegen er
heblicher Zweifel an der
en
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit nicht abgestellt wer
den, vielmehr sei die fachärztliche Einschätz
ung des behandelnden Arztes Dr.
med.
B._
, Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin,
relevant, wel
cher von einer Verschlechterung des Gesu
ndheitszustands ausgehe (S. 9 Ziff. 15
).
2.3
Vorliegend ist die Frage zu klären, ob sich der massgebliche Sachverhalt, welcher der Verfügung vom
12
.
Mai 2016
(Urk. 8/38)
zugrunde lag, bis zur an
gefochtenen Verfügung vom
6
.
September 2019
(Urk. 2) in einer für den Leis
tungsanspruch erheblichen Weise verändert hat.
3.
3.1
Im Zeitpunkt der
ursprünglichen
Verfügung 12.
Mai 2016 (Urk. 8/38) präsentierte sich die medizinische Sachlage wie folgt:
3.2
3.2.1
Dr.
med.
C._
,
Oberä
rtzin
Rh
eumatologie, D._
, führte
in
ihrem Bericht vom 12. August 2014 (Urk. 8/29/6-7) folgende Diagnosen auf (S. 1):
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom seit zirka 2008 mit/bei:
-
degenerative
n
Verände
rungen (
Osteochondrosen
L4/5,
L5/S1, Facettenge
lenksarthrosen L3/4 bis S1),
Diskusprotrusion
mit Kontakt zur S1-Wurzel rechts parazentral,
foraminelle
r
Enge rechts
-
CT-gesteuerte
m
Nervenwurzelblock S1 links am 2
7.
November 2013: leichte
Schmerzregredienz
-
k
eine SIG-Arthritis, subtile SIG-
Arthro
se (MRI SIG 10.
Juni 2014)
-
M54.5 Kreuzschmerz
-
rechtsbetonte inguinale Schmerzen mit/bei:
-
klinisch
Impingement
-Symptomatik
-
M25.8 sonstige
n
näher bezeichnete
n
Gelenkkrankheiten
: Knöchel und Fuss (Fusswurzel, Mittelfuss, Zehen, Sprunggelenk, sonstige Gelenke des Fusses)
-
Polyarthralgien der Knie- und Fussgelenke, Differenzialdiagnose
(DD)
: mecha
nisch-entzündlich, EM Ende 2013
-
leichte Knick-/Spreizfussstellung
-
Spreizfussstellung mit Weicht
eilschwellung
Metatarsale
V-Köpf
chen, sub
tile
degenerative Veränderungen MTP
I beidseitig (Röntgen Füsse
dp
3. Juli 2014)
-
Parvovirus
lgG
positiv,
lgM
negativ, EBV
lgG
positiv,
lgM
negativ,
Quan
tiferon-Test
sowie Urin Testung auf PCR, Gon
okokken und
Chlamydia
trachomat
is
negativ,
Cytomegalie
-Virus negativ, TSH, ANA, Anti-CCP, Rheumafaktor, HLA B27 negativ, unauffällige humorale Entzündungs
werte, Hepatitis B-, C- und HIV-Serologie unauffällig (5-7/2014)
Die Ärztin hielt
fest, dass sie kein Arbeitsunfäh
igkeitszeugnis ausgestellt habe,
der Beschwerdeführer
aber
am 2. Juni 2014 schmerzbedingt über eine 50%ige Arbeitstätigkeit berichtete habe. Ob die Arbeitsunfähigkeit im angestammten Be
ruf als Heavy Maintenance A&P bestehen bleibe, sei aktuell nicht beurteilbar. Der Beschwerdeführer werde nach Abschluss aller noch ausstehenden Abklärungen einen neuen Besprechungstermin, auch zur Festlegung der möglichen Arbeitstä
tigkeit, vereinbaren. Aktuell bestünden aufgrund der Leisten- und Rückenschmer
zen Einschränkungen bei körperlich schwerer Arbeit inklusive längerem Stehen, schwerem Heben und Arbeiten in Zwangspositionen (S. 2).
3.2.2
PD
Dr.
med.
E._
, Leitender Arzt/
Stv
. Leiter Hüf
t- und Beckenchirurgie, und Dr.
med.
F._
, Assistenzarzt Orthopädie,
D._
, stellten i
n ihrem Bericht vom 3. Dezember 2014
zusätzlich zu den von Dr.
C._
aufgeführten
(
E. 3.2.1
hievor
) folgende Diagnosen
(
Urk. 8/19/12-13
S.
1)
:
-
asymptomatische Gelenksdegeneration Hüfte rechts mit/bei:
-
anteriorem
Labrumriss mit
paralaparalem
Ganglion
-
Hüftinfiltration rechts am 1
9.
August 2014: nur minime Schmerzreduk
tion von 6/10 auf 4/10, nicht anhaltend
-
intermittierende
Stuhlunregelmässigkeiten,
DD
: NSAR
-
Calprotektin
52.2
μg
/g (Norm unter 50)
-
Antitransgluta
minase
lg
A
,
Antigliadine
-Antikörper negativ
-
Müdigkeit seit zirka Anfang 2014
-
a
ktuell
regredient
Die Ärzte interpretierten die Hüftinfiltration rechts als negativ, weshalb die rechte Hüfte trotz degenerativer Veränderungen bei suboptimaler Anatomie nicht für die
Beschwerden verantwortlich sei
. Die seinerzeit durchgeführte Facettenge
lenk
sinfiltration habe eine deutliche, wenn auch nur kurz anhaltende Besserung, auch der Leistenbeschwerden, gebracht. Von hüftchirurgischer Seite könne somit keine Verbesserung der Situation erzielt werden (S. 2).
3.2.
3
Der behandelnde Rheumatologe
Dr.
B._
nannte in seinem Bericht vom 24. März 2015 (Urk. 8/31/22-23) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Polyarthralgien unklarer Genese
-
aktuell Schwellung OSG links
-
chronisches
lumbospondy
logenes
Schmerzsyndrom rechts
-
chronische
Inguinalschmerzen
rechts
-
Labrumläsion im MRI
Dr.
B._
hielt fest, dass es laborchemisch keine Hinweise auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung g
ebe
, anamnestisch jedoch die nächtlichen Rücken
schmerzen, Besserung der Schmerzen nach Bewegung (zumindest am Morgen), Morgensteifigkeit, starke Müdigkeit/
Fat
igue
und die
Polyarthralgien mit OSG-Schwellung l
inks deutlich für eine
Spondart
h
r
opathie
sprächen (S. 2).
3.2.4
Der Hausarzt des Beschwerdeführers, med.
pract
.
G._
,
wies
am 18. Juni 2015
auf weiter
hin
konstante Schmerzen wechselnder Ausprägung hin und attestierte ab 13. April
2015 eine 40%ige
,
ab 11. Mai
2015 eine 30%ige und vom
1.
bis 6. Juni
2015
- aufgrund eines viralen Infekts – eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Aktuell stelle die 70%ige Arbeitsfähigkeit die oberste Grenze dar, und sei gemäss Beschwerdeführer gerade knapp möglich (
Urk. 8/31/
19-
20
S. 1 Ziff. 3.1).
Im Weiteren berichtete
der Hausarzt
von einer belastungsabhängigen Schmerz
zunahme bis hin zum invalidisierenden Dauerschmerz mit nur partiellem Anspre
chen auf
Analgetika, eine
r
eingeschränkte
n
Beweglichkeit, Müdigkeit und teil
weise
n
Schlafstörungen (
S. 2
Ziff. 5.1).
Med.
pract
.
G._
wies schliesslich darauf hin, dass alle vom Arbeitgeber mög
lichen Anpassungen der Tätigkeit (wechselnd Büro/Mechaniker, Aufteilung der Arbeitszeit) ergriffen worden seien (
S. 2
Ziff. 5.4).
3.2.5
RAD-Arzt
pract
. med.
H._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, stellte am 26. Ja
nuar
2016 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/32/
4
):
-
Diskushernie L5/S1 mit Kompression der Wurzel S1 links
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom rechts
-
Polyarthralgien unklarer Genese
Das Anforderungsprofil in der bisherigen Tätigkeit als Flugzeugmechaniker (ohne Arbeitsplatzanpassung) übersteige mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die funktionelle Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers, wobei jedoch keine de
taillierten Angaben zum Anforderungsprofil vorlägen.
Mit Bezug auf das
Belas
tungsprofi
l kämen sehr leichte bis leicht
e
überwiegend sitzende oder wechselbe
lastende Tätigkeiten ohne H
eben/Tragen von schweren Lasten
und ohne Verrich
tungen in die Wirbelsäule belastenden Zwangshaltungen
in Frage
.
Betreffend die
Höhe und
den
zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit könne ab Beginn der doku
mentierten gesundheitlichen Einschränkungen
im
September
2013 mit dem Kran
kentaggeldversicherer koordiniert werden. Ab
Mai
2015 bestehe eine Arbeitsfä
higkeit von 70 %, dies weiterhin als Flugzeugmechaniker, wobei dem Bericht des Hausarztes vom 18. Juni 2015 (vgl. E. 3.2.
4
hievor
) zu entnehmen sei, dass eine Anpassung des Arbeitsplatzes stattgefunden habe. In einer ideal angepassten Tä
tigkeit sei ab Mai 2015 von einer 100%igen Arbeitsfä
higkeit auszugehen
.
4.
4.1
Bei Erlass der angefochtenen Verfüg
ung vom 6. September 2019 (Urk.
2) lag fol
gender medizinischer Sachverhalt vor:
4.2
4.2.1
Dr.
B._
nannte in seinem Bericht vom 18. Juli 2018 (Urk. 8/7
4
/1
-6) als Diagnose eine Psoriasis mit
Spond
y
l
a
r
thropathie
und ging für leichte körperliche Tätigkeiten (Büro) von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus.
Er wies auf eine OSG-Schwellung links sowie
eine
Beweglichkeitseinschränkung
der LWS
links im Um
fang von 2/3 hin
. A
ls Funktionseinschränkungen
nannte er
eine fehlende körper
liche Belastbarkeit, Konzentrationsschwierigkeit
en sowie eine Mü
digkeit
(S. 2
ff.
Zif
f. 1.3, Ziff. 2.1, Ziff. 2.4,
Ziff. 3.4).
Am
18. August 2018 (Urk. 8/78)
äusserte sich Dr.
B._
- auf Nachfrage des RAD (Urk. 8/84/3) -
zur
Veränderung
des Gesundheitszustands des Beschwerde
führers
und hielt fest
,
dass es seit Mitte Juli 2017 zu einer Zunahme der Gelenks
schmerzen sowie einer vermehrt reduzierten Belastbarkeit gekommen sei. Zusätz
lich liege e
in
chronic
fatigue
syndrome
vor. Als funktionelle Einschränkungen nannte er eine reduzierte Belastbarkeit, eine schnelle Erschöpfbarkeit sowie eine Konzentrationsschwäche,
wobei
der Beschwerdeführer nicht lange sitzen oder stehen könne sowie an
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen leide. Aktuell sei der Beschwerdeführer
nicht
mehr als 50 % arbeitsfähig.
4.2
.2
RAD-Arzt
med.
pract
.
H._
nannte
in
seiner Stellungnahme vom 2. Novem
ber 2018
(Urk. 8/84/4-5)
als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit eine Psoriasis-
Spondyla
r
thropathie
.
Er führte
aus, es lägen ver
schiedene Berichte von Dr.
B._
aus den Jahren 2017 und 2018 vor, wobei sich der behandelnde Rheumatologe im Wesentlichen auf
die
subjektive
n
Anga
ben des Beschwerdeführers (Schmerzen, Müdigkeit,
Fatigue
, Konzentrations
schwäche) abstütze. Eine eigentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands mit objektiv nachvollziehbaren Befunden sei in den
B
erichten nicht ausgewiesen.
Dr.
B._
sei
bereits in seiner Berichterstattung im Jahr
e
2015
nur von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit (wobei der Beschwerdeführer bis 2017 nachweislich in einem 70 %-Pensum tätig gewesen sei) ausgegangen. Gleiches gelte auch für das Jahr 201
8.
Somit werde durch den Rheumatologen aktuell im Vergleich zu 2015 eine unveränderte Arbeitsfähigkeit/funktionelle Leistungsfähigkeit attestiert. So
mit sei aus versicherungsmedizinischer Sicht seit 2015 keine Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgewiesen.
Der RAD-Arzt hielt weiter fest, dass das Anforderungsprofil in der bisherigen Tätigkeit als Schreiner/Flugzeugmechaniker die funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
übersteige
, die
zuletzt ausgeübte angepasste Tätigkeit (Bürotätigkeit)
jedoch
weiterhin möglich
sei
.
So
mit bestehe i
n der a
ngestammten Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
respektive in der zuletzt angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70 %.
Am 13. August 2019
äusserte sich med.
pract
.
H._
erneut zum medizini
schen Sachverhalt und hielt fest,
der Einwand des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 8/99 S. 4)
sei richtig, dass Dr.
B._
im Jahre 2015
keine explizite Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen habe. Der Beschwerdeführer sei je
doch im damaligen Zeitpunkt gestützt auf die Akten des Krankentaggeldver
sicherers
(vgl. Urk. 8/31/11-12)
durch den Hausarzt und die behandelnde
I._
Rheumatologin als zu 50 % arbeitsunfähig
eingeschätzt worden. Somit sei aus versicherungsmedizinischer Sicht davon auszugehen, dass
damals
auch Dr.
B._
von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen sei. Damit liege im Vergleich zum
aktuellen
Zeitpunkt eine unveränderte Einschätzung
der Ar
beitsfähigkeit (50
%
Arbeitsfähigkeit
) vor. Somit sei aus versicherungsmedizini
scher Sicht davon auszugehen,
dass
es
seit 2015
nicht zu eine
r
wesentlichen Ver
schlechterung des Gesundheitszustands gekommen sei (
U
rk. 8/103/3).
5.
5.1
RAD-Arzt
med.
pract
.
H._
verneinte das Vorliegen einer wesentlichen Ver
schlechter
ung des Gesundheitszustands
des Beschwerdeführers seit Erlass der Verfügung vom 12. Mai 2016 (Urk. 8/3
8
)
am 2. November 2018
zunächst damit, dass der behandelnde Rheumatologe Dr.
B._
bereits in seiner Berichterstat
tung
im Jahre 2015
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen sei (vgl. E. 4.2.2
hievor
).
Diese Schlussfolgerung überzeugt nicht, da Dr.
B._
in seinem einzigen
aktenkundigen und
vor Mai 2016 verfassten Be
richt vom 24. März 2015 (Urk. 8/
31/22-23) keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit
machte
. Dies
an
erkannte denn auch
med.
pract
.
H._
, hielt er doch in seiner zweiten Stellungnahme vom 18. August 2018 –
unter Hinweis auf
den Einwand des Beschwerdeführers (Urk. 8/99 S. 4) – fest, dass Dr.
B._
am 24. März 2015 keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen habe (vgl. E. 4.2.2 hier
vor).
Ebenso wenig
ist die vom RAD-Arzt
unter Hinweis auf die Taggeldkarten des Krankentaggeldversicherers (vgl. Urk. 8/31/4-12)
anschliessend
vorgebrachte Begründung
nachvollziehbar
, der Beschwerdeführer sei vom Hausarzt und der behandelnden Rheumatologin des
I._
über einen längeren Zeitraum zu 50 % arbeits
un
fähig geschrieben worden, weshalb
aus
versicherungsmedizinischer Sicht davon auszugehen sei, dass
auch
gemäss
Dr.
B._
im Jahre 2015
eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen habe
(vgl. E.
4.2.2
hievor
)
. Aus dem Um
stand,
dass der Hausarzt und
die
Ärzte
vom
I._
/
D._
eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit attestierten,
kann nicht
ohne Weiteres
darauf gesc
hlossen werden,
dass Dr.
B._
ebenfalls von einer Arbeitsunfähigkeit
von 50 %
ausging.
Nach dem Gesagten ist die RAD-Einschätzung vom 2. November
2018
und 13. August 2019
nicht
plausibel
, weshalb die Beschwerdegegnerin ihre Leistungs
ablehnung nicht darauf abstützen durfte.
5.2
In den Akten finden sich sodann keine fachärztlichen Beurteilungen, die ein abschliessendes Bild betreffend eine allfällige Ve
rschlechterung respektive die Ar
beitsfähigkeit erlauben.
Die von Dr.
B._
in seinen Berichten vom 29. Juni
2017
, 18. Juli
2018
und 18. August
2018 statuierte Arbeitsfähigkeit von 50 % ist nicht vollends nachvollziehbar, da diesbezüglich eine Begrü
ndung fehlt (Urk. 8/54 S. 2 f.,
Urk. 8/74
/1-6
S. 2 f
f
.)
respektive
nicht
in rechtsgenügender Weise
darge
legt wird, wie sich die erwähnten funktionellen Einschränkungen (nicht langes Sitzen/Stehen, Konzentrations-/Aufmerksamkeitsstörungen)
kon
kret
auf die
Leis
tungs
fähigkeit des
Beschwerdeführers auswirken (Urk. 8/78). Da
von abge
sehen mangelt es an
eingehenden
Angaben betreffend die konkrete Na
tur und den Umfang der
Veränderung
des Gesundheitszustands.
Im Übrigen ist die Erfah
rungs
tatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte und Ärztin
nen mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
5.3
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt in wesentlichen Teilen un
geklärt, weshalb
die Sache zu
weiteren
Abklärungen
an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen ist. Hernach wird sie über die Rentenfrage neu zu entschei
den haben. Bei diesem
Verfahrensausgang
erübrigen sich Ausführungen betreffend den Einkommensvergleich
(vgl. Urk. 1 S. 10 ff. Ziff. 18 ff.)
. Die Beschwerde ist
in diesem Sinn
gutzuheissen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu verpflich
ten, eine Prozessentschädigung zu bezahlen. Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) be
misst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Be
deutung der Streitsache, der Schwie
rigkeit des Prozesses und dem Mass des Ob
siegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Es ist de
m
Beschwerdeführer unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine Pro
zess
ent
schädigung von Fr. 1’900.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.