Decision ID: a1c747b2-d3cd-4e75-b602-3c2b7fd57105
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, verheiratet und Mutter von zwei Kindern, stürzte im Rahmen des
Schulsportunterrichts beim Abgang von den Schaukelringen auf den
Hinterkopf und erlitt dabei ein schweres Schädelhirntrauma mit mehreren
Schädelfrakturen und Hirnblutungen. Zum Unfallzeitpunkt war sie Schülerin
an der Berufsfachschule der D._ wo sie eine dreijährige Ausbildung
zur Hotelfachfrau absolvierte. Nach dem Unfall schloss sie ihre Ausbildung
zur Hotelfachfrau im Jahr 2010 ab.
2. Am 28. Juni 2012 meldete sich A._ bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen an, wobei
sie insbesondere einen Antrag auf Gewährung von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen stellte. Insbesondere seien die Kosten einer
dreijährigen Umschulung zur Kauffrau mit eidgenössischem
Fähigkeitszeugnis zu übernehmen. Ferner seien ihr während dieser
Umschulungsmassnahmen Taggeldleistungen zu bezahlen.
3. Im August 2012 begann A._ die dreijährige Umschulung zur Kauffrau,
wobei sie die Diplomprüfung im Frühsommer 2013 nicht bestand. Seit
Oktober 2013 arbeitet sie als Allrounderin im Unternehmen ihres Vaters in
einem Teilzeitpensum.
4. Mit Verfügung vom 17. März 2015 sprach die IV-Stelle A._ mit Wirkung
ab dem 1. Dezember 2012 eine Dreiviertelsrente zu. Die dagegen am 20.
April 2015 erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden mit Urteil S 15 47 vom 7. Januar 2016 ab.
5. Nachdem die IV-Stelle von der Geburt des zweiten Kindes von A._
erfahren hatte, leitete sie am 26. Juli 2019 ein Revisionsverfahren ein. In
diesem Zusammenhang reichte A._ am 27. August 2019 den
ausgefüllten Fragebogen bezüglich Revision der Invalidenrente sowie den
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Lohnausweis des Jahres 2018 und die Lohnabrechnung vom Juni 2019
ein.
6. Mit Vorbescheid vom 23. Oktober 2019 stellte die IV-Stelle A._ in
Aussicht, die Dreiviertelsrente rückwirkend per 1. Januar 2015 wegen
Verletzung der Meldepflicht herabzusetzen.
7. Dagegen erhob A._ am 21. November 2019 Einwand und beantragte,
es sei von einer Revision der Invalidenrente abzusehen und diese weiterhin
im bisherigen Umfang als Dreiviertelsrente zu gewähren. Eventualiter habe
die IV-Stelle beim für die Revisionsprüfung zuständigen
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ein Gesuch um
Rentenrevision zu stellen.
8. Mit als "Vorsorgliche Einstellung (recte: Reduktion) der Invalidenrente /
Renten-Revision" bezeichneter Verfügung vom 26. November 2019 teilte
die IV-Stelle A._ mit, dass noch weitere Abklärungen erforderlich
seien, um über eine allfällige Rückforderung bereits ausgerichteter
Rentenleistungen infolge Meldepflichtverletzung und über den künftigen
Rentenanspruch ausreichend entscheiden zu können. Sie verfügte
vorsorglich die sofortige Reduktion der Dreiviertelsrente auf eine halbe
Rente und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
9. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2019 informierte die IV-Stelle A._
über die Höhe der ihr ab 1. Januar 2020 zustehenden IV-Leistungen
(Invalidenrente, Kinderrenten).
10. Am 23. Dezember 2019 liess A._ beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden Beschwerde erheben und beantragte, es seien die
Verfügungen vom 26. November 2019 und 10. Dezember 2019
aufzuheben und es sei die IV-Stelle anzuweisen, die herabgesetzten
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Renten (Dreiviertelsrente und Kinderrenten) weiterhin im bisherigen
Umfang zu gewähren (Beschwerdeverfahren S 19 151).
11. Am 27. Januar 2020 verfügte die IV-Stelle rückwirkend per 1. April 2015
die definitive Reduktion der Dreiviertelsrente auf eine halbe Rente.
Gleichzeitig wurden die Kinderrenten betreffend B._ und C._
rückwirkend per 1. Juni 2017 bzw. 1. März 2019 herabgesetzt. Zur
Begründung wurde ausgeführt, dass A._ ohne gesundheitliche
Beschwerden heute unter Berücksichtigung der Einkommensentwicklung
in einem 100%-Pensum als Hotelfachfrau mit abgeschlossener
Berufsprüfung ein Jahreseinkommen von maximal CHF 64'711.55 erzielen
könnte. Sie habe ab 2015 ein Einkommen erwirtschaftet, welches die
Dreiviertelsrente nicht mehr rechtfertige. Gemäss dem Auszug aus dem
individuellen Konto (IK-Auszug) habe sie in den Jahren 2015 bis 2017 ein
Jahreseinkommen von CHF 29'000.--, CHF 27'500.-- bzw. CHF 27'000.--
erzielt. Da sie ihrer Meldepflicht nicht nachgekommen sei, müsse die
Dreiviertelsrente rückwirkend auf eine halbe Rente reduziert werden. Die
zu Unrecht bezogenen Leistungen seien zurückzuerstatten. Laut IK-
Auszug und eingereichtem Lohnausweis habe A._ im 2018 ein
tieferes Einkommen erzielt. Sie habe jedoch mitgeteilt, dass keine
Pensumsreduktion stattgefunden habe, weshalb es ihr somit auch
weiterhin zumutbar sei, ein (der Teuerung angepasstes) Einkommen
zwischen CHF 27'000.-- und CHF 29'000.-- (Mittelwert CHF 28'000.--) zu
erzielen. Zum Einwand wurde hauptsächlich festgehalten, dass das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden den Zeitraum ab April 2015
mit Urteil S 15 47 vom 7. Januar 2016 nicht beurteilt habe, weshalb die IV-
Stelle für die Revision des Rentenanspruchs ab April 2015 zuständig sei.
Zudem würden sich die für die Jahre 2015 bis 2018 ermittelten
Invalideneinkommen bzw. das Abstellen auf den IK-Auszug als richtig
erweisen. Es dränge sich nämlich der Verdacht auf, dass beim Verfassen
des Einwandes Überlegungen versicherungsrechtlicher Natur eine Rolle
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gespielt hätten. A._ wäre es sodann möglich gewesen zu erkennen,
dass sie die erhebliche Änderung in ihren Einkommensverhältnissen der
IV-Stelle melden müsse. Indem sie die erhebliche Steigerung ihres
Erwerbseinkommens trotz der einfach zu verstehenden Hinweise in den
Rentenverfügungen nicht (rechtzeitig) gemeldet habe, habe sie nicht das
Mindestmass an Aufmerksamkeit aufgewendet, das von einer 30-jährigen,
in rechtlichen Dingen unerfahrenen Person verlangt werden dürfe. Aus
gesundheitlicher Sicht sei davon auszugehen, dass sie ihrer Meldeplicht
trotz der zweifelsfrei vorliegenden Hirnschädigung hätte nachkommen
können.
12. Dagegen liessen A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) und ihre
beiden Kinder B._ und C._ am 24. Februar 2020 beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerde mit folgenden
Anträgen erheben:
"1. Es seien die Verfügungen vom 27. Januar 2020 aufzuheben.
2. Es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die herabgesetzten Renten
(Dreiviertelsrente für Mutter A._ und Kinderrenten für Töchter B._ und
C._) weiterhin im bisherigen Umfang ungekürzt zu gewähren.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin."
Zur Begründung wurde zusammenfassend ausgeführt, dass die IV-Stelle
den rechtserheblichen Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt und die
Vorbringen der Beschwerdeführerin vom 21. November 2019 nicht
ausreichend geprüft und gewürdigt habe. Zudem habe die IV-Stelle in den
angefochtenen Verfügungen vom 27. Januar 2020 Feststellungen
getroffen, welche mit dem Urteil S 15 47 des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden kollidierten. Ferner habe die Beschwerdeführerin
keine Meldepflichtverletzung begangen und die IV-Stelle habe Art. 7b Abs.
3 IVG verletzt. Sodann habe die Beschwerdeführerin ab 2018 weniger als
das zulässige Invalideneinkommen von CHF 22'200.-- pro Jahr erzielt,
weshalb der Einkommensvergleich keine Veränderung des
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Invaliditätsgrades ergebe und eine Rentenherabsetzung
bundesrechtwidrig sei. Schliesslich verstosse die verfügte Reduktion der
Kinderrenten gegen Art. 21 Abs. 2 ATSG.
13. Mit Verfügung vom 25. Februar 2020 schrieb die Einzelrichterin am
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden das Beschwerdeverfahren
S 19 151 wegen nachträglichen Wegfalls des Rechtsschutzinteresses als
gegenstandslos geworden ab. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
14. Mit Vernehmlassung vom 10. März 2020 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung verwies sie auf die angefochtenen Verfügungen vom 27.
Januar 2020 und äusserte sich ergänzend zu den Vorbringen in der
Beschwerde.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie in den
angefochtenen Verfügungen wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügungen der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 27. Januar 2020. Solche
Anordnungen, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegen,
können beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich
und sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR
370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes
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über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Ausserdem wurde die Beschwerde frist- und formgerecht
eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39
Abs. 1 ATSG sowie Art. 61 lit. b ATSG).
1.2. Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung hat (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Nach Art. 35 Abs. 1
IVG haben Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, für
jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung beanspruchen könnte, Anspruch auf eine
Kinderrente. Es handelt sich um einen im Verhältnis zur Haupt- oder
Stammrente strikte akzessorischen Anspruch des rentenbeziehenden
Elternteils und nicht etwa des Kindes (vgl. BGE 134 V 15 E.2.3.3 mit
Hinweis). Damit steht fest, dass die Kinder der Beschwerdeführerin nicht
legitimiert sind, im eigenen Namen einen Anspruch auf die Kinderrenten im
bisherigen Umfang geltend zu machen. Insoweit kann folglich auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden.
2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisher
ausgerichtete Dreiviertelsrente der Beschwerdeführerin und die beiden
Kinderrenten zu Recht rückwirkend per 1. April 2015, 1. Juni 2017 bzw. 1.
März 2019 revisionsweise herabgesetzt hat.
3.1. In Bezug auf die formellen Einwände der Beschwerdeführerin in ihrer
Beschwerde vom 23. Dezember 2019 gegen den Zwischenentscheid der
Beschwerdegegnerin vom 26. November 2019 (Verletzung von Art. 5 Abs.
1 und Abs. 3, Art. 9 und Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101], Verletzung von Art. 6
Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten [EMRK; SR 0.101], Verletzung von Art. 43 Abs. 1 und Art.
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49 Abs. 3 ATSG; vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 221 S. 4 f.
und S. 8 f.) ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin mit Zwischenentscheid vom 26. November
2019 nicht die definitive Herabsetzung der Dreiviertelsrente auf eine halbe
Rente verfügte, sondern nach Vornahme einer Interessensabwägung
lediglich die Dreiviertelsrente per sofort vorsorglich auf eine halbe Rente
reduzierte (vgl. Bg-act. 214). Insofern ist nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin in ihrem Zwischenentscheid vom 26. November 2019
ausführte, dass noch weitere Abklärungen erforderlich seien, um über eine
allfällige Rückforderung bereits ausgerichteter Rentenleistungen infolge
Meldepflichtverletzung und über den künftigen Rentenanspruch
ausreichend entscheiden zu können. Zudem musste sich die
Beschwerdegegnerin entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin im
Zwischenentscheid vom 26. November 2019 nicht mit deren, das
Hauptverfahren betreffende Vorbringen im Einwand vom 21. November
2019 auseinandersetzen. Thema des beschwerdegegnerischen
Zwischenentscheids vom 26. November 2019 war nämlich einzig die
Anordnung einer vorsorglichen Massnahme im Sinne einer einstweiligen
Rentenreduktion und damit einhergehend die Vornahme einer
Interessensabwägung (vgl. Bg-act. 214). Demgegenüber beziehen sich die
erwähnten Vorbringen der Beschwerdeführerin auf den von ihr gegen den
Vorbescheid vom 23. Oktober 2019 erhobenen Einwand (vgl. Bg-act. 209),
zu welchem die Beschwerdegegnerin korrekterweise in ihren definitiven
Verfügungen vom 27. Januar 2020 betreffend rückwirkende Reduktion der
Invalidenrente Stellung nahm (vgl. Bg-act. 228 S. 8 ff.). Schliesslich
begründete die Beschwerdegegnerin entgegen der Behauptung der
Beschwerdeführerin ihren Zwischenentscheid vom 26. November 2019
über die vorsorgliche Reduktion der Invalidenrente, indem sie im Rahmen
einer Interessensabwägung jenen der Sozialversicherungsverwaltung,
unrechtmässige Rentenauszahlungen und aufwendige Rückforderungen
zu vermeiden, den Vorrang gegenüber dem Interesse der versicherten
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Person, eventuell vorübergehend Sozialhilfe beanspruchen zu müssen,
einräumte (vgl. Bg-act. 214 S. 2). Somit erweisen sich die formellen
Einwände der Beschwerdeführerin gemäss ihrer Beschwerde vom 23.
Dezember 2019 als unbegründet.
3.2.1. Nachfolgend ist auf die formellen Rügen der Beschwerdeführerin in ihrer
Beschwerde vom 24. Februar 2020 einzugehen.
3.2.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der Sachverhalt nicht
hinreichend abgeklärt worden sei, weil die Beschwerdegegnerin weder sie
noch ihren Vater bezüglich des Vorbringens, wonach die ihr in den Jahren
2014 bis 2017 über den vereinbarten Lohn von jährlich CHF 21'000.-- bzw.
über das gerichtlich festgesetzte Invalideneinkommen von CHF 22'200.--
pro Jahr hinaus zugeflossenen Geldbeträge nicht als Lohn, sondern als
Eltern-Kind-Unterstützung zu qualifizieren seien (vgl. nachstehend E.6.2
ff.), befragt habe. Da – wie auch nachfolgend aufgezeigt wird – von der
Befragung der Beschwerdeführerin bzw. ihres Vaters zum besagten
Beweisthema kein entscheidrelevanter neuer Aufschluss zu erwarten ist
und dem Zeugnis des Vaters der Beschwerdeführerin nur geringe
Beweiskraft beizumessen wäre (vgl. nachstehend E.10), durfte die
Beschwerdegegnerin von den beantragten Befragungen willkürfrei
absehen. Jedenfalls kann darin keine unzureichende
Sachverhaltsabklärung erblickt werden. Ebenfalls ist nicht ersichtlich,
inwiefern die Beschwerdegegnerin mit Blick auf die unterbliebenen
Befragungen den Anspruch auf ein faires Verfahren nach Art. 29 Abs. 1 BV
bzw. Art. 6 Ziff. 1 EMRK verletzt haben soll.
3.2.3. Ferner rügt die Beschwerdeführerin, dass sich die Beschwerdegegnerin bei
ihrer Schlussfolgerung, wonach die im IK-Auszug wiedergegebenen
Beträge tatsächlich Lohnzahlungen darstellen würden (vgl. nachstehend
E.6.1 ff.), auf blosse Mutmassungen, Verdächtigungen und
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Unterstellungen abgestützt habe, weshalb der Sachverhalt nicht
rechtsgenüglich abgeklärt worden sei. Vorliegend hat die
Beschwerdegegnerin den diesbezüglichen Sachverhalt gestützt auf den
Untersuchungsgrundsatz gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG soweit ermittelt,
dass sie unter Berücksichtigung des im Sozialversicherungsrecht
massgebenden Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_721/2019 vom 27. Mai 2020 E.3; KIESER,
ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/ Genf 2020, Art. 43 Rz. 20) und
unter Würdigung der konkreten Umstände des Einzelfalls korrekterweise
die Schlussfolgerung traf, dass die sich aus dem IK-Auszug ergebenden
Beträge tatsächlich als Lohnzahlungen zu qualifizieren seien (vgl. Bg-act.
228 S. 9 f.; siehe auch nachstehend E.6.4). Die Sachverhaltsrüge der
Beschwerdeführerin erweist sich somit als unbegründet. Ebenfalls liegt
nach dem Ausgeführten keine Verletzung des Willkürverbots gemäss Art.
9 BV bzw. des Anspruchs auf ein faires Verfahren nach Art. 29 Abs. 1 BV
bzw. Art. 6 Ziff. 1 EMRK vor.
3.2.4. Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung der aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV fliessenden Begründungs- (vgl.
Art. 49 Abs. 3 ATSG), Prüfungs- und Berücksichtigungspflicht behauptet,
erweist sich ihre Rüge als nicht stichhaltig. Die Beschwerdegegnerin hat
sich in den angefochtenen Verfügungen vom 27. Januar 2020 mit den
Vorbringen der Beschwerdeführerin vom 21. November 2019,
insbesondere auch zur finanziellen Unterstützung durch den Vater und zur
erlittenen Gehirnschädigung, ernsthaft und sorgfältig auseinandergesetzt
und ist auf die entscheiderheblichen Einwände eingegangen (vgl. Bg-act.
228 S. 8 ff.). Die besagten Verfügungen sind auf fünf Seiten
rechtsgenüglich begründet, sodass es der Beschwerdeführerin auch ohne
Weiteres möglich war, diese sachgerecht anzufechten.
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4.1. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.2. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie
folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu
mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und
auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist.
4.3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist
Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der
Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der
Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des
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Einkommensvergleichs; vgl. BGE 144 I 21 E.2.1, 142 V 290 E.4, 141 V 15
E.3.2, 128 V 29 E.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_225/2019 vom
11. September 2019 E.2).
4.4. Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung
der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer
wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter
sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte
Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung
(vgl. BGE 141 V 9 E.2.3, 134 V 131 E.3; Urteil des Bundesgerichts
8C_170/2020 vom 2. Juli 2020 E.2.3). Ferner kann ein Revisionsgrund
unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für
die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts
bestehen (vgl. BGE 144 I 28 E.2.2, 130 V 343 E.3.5, 117 V 198 E.3b).
Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im
Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen
Kontext unbeachtlich (vgl. BGE 141 V 9 E.2.3 mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts 8C_170/2020 vom 2. Juli 2020 E.2.3). Liegt in diesem
Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und
tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine
Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E.2.3 mit
Hinweisen).
4.5. Kann eine rentenberechtigte Person neu ein Erwerbseinkommen erzielen
oder ein bestehendes Erwerbseinkommen erhöhen, so wird die Rente nur
dann im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG revidiert, wenn die
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Einkommensverbesserung jährlich mehr als CHF 1'500.-- beträgt (Art. 31
IVG). Zu berücksichtigen ist dabei lediglich diejenige
Einkommensverbesserung, die nicht teuerungsbedingt ist (Art. 86ter der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
4.6. Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten, der
Hilflosenentschädigungen und der Assistenzbeiträge erfolgt gemäss Art.
88bis Abs. 2 IVV frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats an (lit. a) oder rückwirkend ab Eintritt der für
den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu
Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht
nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der
Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die
Weiterausrichtung der Leistung war (lit. b).
5.1. Die Beschwerdeführerin rügt eine Zuständigkeitsverletzung. Dabei bringt
sie im Wesentlichen vor, dass nicht die Beschwerdegegnerin für die
Revision der Renten zuständig sei, sondern das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden, welches mit rechtskräftigem Urteil S 15 47 vom 7.
Januar 2016 entschieden habe, dass ihr nicht nur betreffend die Jahre 2012
bis 2014, sondern aufgrund des Datums des Urteilserlasses auch für die
Jahre 2015 und 2016 auf der Basis eines Invalideneinkommens von jährlich
CHF 22'200.-- eine Dreiviertelsrente zustehe. Da die Beschwerdegegnerin
kein Revisionsgesuch beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
eingereicht und Feststellungen getroffen habe, welche mit dem
rechtskräftigen Urteil S 15 47 vom 7. Januar 2016 kollidierten, würden die
angefochtenen Revisionsverfügungen vom 27. Januar 2020 an einem
Rechtsmangel leiden.
5.2. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts ist in sozialversicherungsrechtlichen Streitigkeiten für
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die Beurteilung der Gesetzmässigkeit einer Verwaltungsverfügung
grundsätzlich der sich bis zum Erlass der Verfügung verwirklichte
Sachverhalt massgebend (vgl. BGE 144 V 224 E.6.1.1, 132 V 215 E.3.1.1
mit Hinweis). Somit hatte das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden in seinem rechtskräftigen Urteil S 15 47 vom 7. Januar 2016
lediglich über den bis zur Verfügung vom 17. März 2015 (vgl. Bg-act. 164)
verwirklichten Sachverhalt zu befinden, weshalb es auch nur bezüglich
dieses Zeitraumes für die Behandlung eines Revisionsgesuches zuständig
wäre. Entsprechend stellte denn auch die Beschwerdegegnerin – nachdem
sie in ihrem Vorbescheid vom 23. Oktober 2019 noch vorsah, die
Dreiviertelsrente rückwirkend per 1. Januar 2015 herabzusetzen (vgl. Bg-
act. 205 S. 1 f.). – in den angefochtenen Verfügungen vom 27. Januar 2020
fest, dass sie vorliegend auf den Zeitraum bis und mit März 2015 nicht
zurückkommen könne (vgl. Bg-act. 228 S. 9). Es ist somit nicht zu
beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin in den besagten
Verfügungen davon ausgegangen ist, dass sie für die Revision des
Rentenanspruchs ab April 2015 zuständig sei. Damit ist nicht ersichtlich,
inwiefern das Verhalten der Beschwerdegegnerin, den Beginn der
Rentenreduktion vom 1. Januar 2015 auf den 1. April 2015 zu verschieben,
rechtsmissbräuchlich sein soll. Vielmehr wurde der Zeitraum ab April 2015
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht bereits durch das
Verwaltungsgericht mit Urteil S 15 47 vom 7. Januar 2016 rechtskräftig
beurteilt, weshalb vorliegend auch nicht die prozessuale Revision, sondern
die Anpassung gemäss Art. 17 ATSG zur Anwendung gelangt.
6.1. Die Beschwerdegegnerin begründete die revisionsweise rückwirkende
Herabsetzung der Dreiviertelsrente per 1. April 2015 auf eine halbe Rente
in den angefochtenen Verfügungen vom 27. Januar 2020 damit, dass die
Beschwerdeführerin ab dem Jahr 2015 ein Einkommen erzielt habe,
welches die Dreiviertelsrente nicht mehr rechtfertige. Aus dem IK-Auszug
ergebe sich, dass sie in den Jahren 2015 bis 2017 ein Einkommen von
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CHF 29'000.--, CHF 27'500.-- bzw. CHF 27'000.-- erzielt habe. Da sie ihrer
Meldepflicht nicht nachgekommen sei, müsse die Dreiviertelsrente
rückwirkend auf eine halbe Rente reduziert werden. Gemäss IK-Auszug
und dem eingereichten Lohnausweis habe sie im 2018 ein tieferes
Einkommen erzielt. Sie habe allerdings mitgeteilt, dass keine
Pensumsreduktion stattgefunden habe, weshalb es ihr somit auch
weiterhin zumutbar sei, ein (der Teuerung) angepasstes Einkommen
zwischen CHF 27'000.-- und CHF 29'000.-- (Mittelwert CHF 28'000.--) zu
erzielen. Nach Durchführung des Einkommensvergleichs resultiere ein
Invaliditätsgrad von 54 % für das Jahr 2015, von 56 % für das Jahr 2016,
von 57 % für das Jahr 2017 und von 51 % ab 2019 (vgl. Bg-act. 228 S. 7
f.).
6.2. Die Beschwerdeführerin stellt sich hingegen auf den Standpunkt, dass sie
seit dem 1. Oktober 2013 im Betrieb ihres Vaters (E._ AG) als
Allrounderin in einem 50%-Pensum bei einer Arbeitsleistung und
Entlöhnung von ca. 25 % arbeite. Das Arbeitspensum sei seit Jahren
unverändert, weshalb auch der Arbeitsvertrag nie angepasst worden sei.
Da die monatlichen Leistungen der Invaliden- und Unfallversicherung
sowie der Monatslohn von CHF 925.-- zur Bestreitung ihres
Lebensunterhalts nicht ausgereicht hätten, habe sie ihren Vater um
finanzielle Unterstützung gebeten. In der Folge habe dieser ihr in den
Jahren 2014 bis 2017 über seine Firma zusätzlich zum vereinbarten Lohn
von jährlich CHF 21'000.-- finanzielle Zuwendungen (zwischen CHF 750.--
und CHF 8'000.-- pro Jahr) gewährt. Ab 2018 sei ihr wieder ausschliesslich
der vereinbarte Lohn von CHF 21'000.-- pro Jahr überwiesen worden, da
sie aufgrund der Ausrichtung von Kinderrenten und Familienzulagen nicht
mehr auf die finanziellen Zusatzhilfen ihres Vaters angewiesen gewesen
sei. Das Ganze sei als "innerfamiliäre Angelegenheit" betrachtet worden,
weshalb keine externen Fachleute beigezogen worden seien. Die den
vereinbarten Lohn übersteigenden finanziellen Zuwendungen seien zwar
- 16 -
über die E._ AG abgewickelt worden, jedoch handle es sich dabei
nicht um ein Entgelt gegen Arbeit (Lohn), sondern um freiwillige Leistungen
und somit um eine Eltern-Kind-Unterstützung. Folglich habe sie sich auch
nicht veranlasst gesehen, der Beschwerdegegnerin gegenüber eine
Meldung zu machen. Es sei zwar ein Fehler gewesen, die Zuwendungen
nicht über das Privat-, sondern über das Geschäftskonto abzuwickeln.
Jedoch sei es unverhältnismässig, einer schwer hirngeschädigten Person
wegen eines buchhalterischen Fehlers die Rente zu kürzen. Da sie stets
die Wahrheit gesagte habe, könne die Beschwerdegegnerin aus dem
Grundsatz der "Aussage der ersten Stunde" nichts zu deren Gunsten
ableiten.
6.3. Eine Rentenrevision kann durchgeführt werden, wenn sich die
tatsächlichen Verhältnisse anspruchserheblich verändern (vgl. vorstehend
E.4.4). Liegt in einem für die Invaliditätsbemessung grundsätzlich
massgeblichen Punkt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist
der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, das
heisst unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung
ausschlag-gebenden Tatsachenspektrums und ohne Bindung an die
ursprüngliche Rentenverfügung, zu prüfen (vgl. BGE 117 V 198 E.4b;
Urteile des Bundesgerichts 8C_436/2011 vom 10. Mai 2012 E.4,
8C_72/2010 vom 17. Juni 2010 E.2, je mit Hinweisen; vgl. vorstehend
E.4.4)
6.4. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob die revisionsweise
rückwirkende Herabsetzung der mit Verfügung vom 17. März 2015 (vgl. Bg-
act. 164) zugesprochenen Dreiviertelsrente auf eine halbe Rente per
1. April 2015 rechtmässig erfolgt ist. Im Rahmen einer im Juli 2019
eingeleiteten Rentenrevision (vgl. Bg-act. 197) holte die
Beschwerdegegnerin einen IK-Auszug ein, dem zu entnehmen ist, dass die
Beschwerdeführerin in den Jahren 2015 bis 2017 mit ihrer Tätigkeit bei der
- 17 -
E._ AG ein Einkommen von CHF 29'000.--, CHF 27'500.-- bzw.
CHF 27'000.-- erzielte (vgl. Bg-act. 191). Dieses im IK-Auszug
dokumentierte Einkommen entspricht den Lohndeklarationen des
Arbeitgebers der Beschwerdeführerin, von welchen
Sozialversicherungsbeiträge abgerechnet wurden. Wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht festhält, ist davon auszugehen, dass sich
die Beschwerdeführerin beim Verfassen ihres Einwandes, wonach die ihr
in den Jahren 2015 bis 2017 über den vereinbarten Jahreslohn von
CHF 21'000.-- bzw. über das gerichtlich festgesetzte Invalideneinkommen
von jährlich CHF 22'200.-- hinaus zugeflossenen Geldbeträge nicht als
Entgelt gegen Arbeit (Lohn), sondern als Eltern-Kind-Unterstützung zu
qualifizieren seien, von Überlegungen versicherungsrechtlicher Art leiten
liess. Denn es ist aktenkundig, dass die anwaltlich vertretene
Beschwerdeführerin den dargelegten Einwand erst aufgrund des
Vorbescheids der Beschwerdegegnerin vom 23. Oktober 2019 einbrachte,
aus welchem sie erfuhr, dass ihre Dreiviertelsrente aufgrund des im IK-
Auszug für die Jahre 2015 bis 2017 ausgewiesenen und nicht gemeldeten
höheren Einkommens rückwirkend auf eine halbe Rente herabgesetzt wird
(vgl. Bg-act. 205 und 209). Aufgrund des Gesagten ist überwiegend
wahrscheinlich, dass die dem IK-Auszug der Beschwerdeführerin für die
Jahre 2015 bis 2017 zu entnehmenden Beträge von CHF 29'000.--,
CHF 27'500.-- und CHF 27'000.-- – entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin – in ihrer gesamten Höhe Entgelt gegen Arbeit und
damit Lohn darstellen. Hierfür spricht letztlich auch, dass andernfalls bei
der E._ AG verdeckte Gewinnausschüttungen vorliegen würden und
damit der Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt sein könnte (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 2C_449/2017 vom 26. Februar 2019 E.2.1,
E.3.1 und E.4.1, 2C_505/2018 vom 7. Dezember 2018 E.2.1). Seit der
ursprünglichen Rentenzusprache mit Verfügung vom 17. März 2015 hat
sich somit das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin
anspruchserheblich verändert (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des
- 18 -
Kantons Graubünden S 15 47 vom 7. Januar 2016 E.5a ff.), wobei
insbesondere auch die in Art. 31 Abs. 1 IVG statuierte Erheblichkeitsgrenze
von CHF 1'500.-- pro Jahr erreicht ist. Damit liegt ein Revisionsgrund vor
(vgl. vorstehend E.4.4 f.).
6.5.1. Nachfolgend ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin anhand eines
Einkommensvergleiches zu ermitteln.
6.5.2. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Valideneinkommens entscheidend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte.
Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und
der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da
es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. BGE 139 V 28 E.3.3.2,
135 V 58 E.3.1, 134 V 322 E.4.1). Grundsätzlich ist das durchschnittliche
Lohnniveau in der betreffenden Branche und in der konkreten beruflichen
Situation massgebend. Ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass die bisherige Anstellung weitergeführt worden wäre, ist
gegebenenfalls auf die GAV-Lohnentwicklung abzustellen (vgl.
MEYER/REICHMUTH in: STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a
Rz. 54). Da die Invaliditätsbemessung der voraussichtlich bleibenden oder
längere Zeit dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat, ist bei der
Bestimmung des Valideneinkommens auch die berufliche
Weiterentwicklung mitzuberücksichtigen, die eine versicherte Person
normalerweise vollzogen hätte (siehe dazu MEYER/REICHMUTH, a.a.O.,
Art. 28a Rz. 63 f. mit Hinweisen).
- 19 -
6.5.3. Die Beschwerdegegnerin ging in den angefochtenen Verfügungen vom 27.
Januar 2020 (zu Gunsten) der Beschwerdeführerin davon aus, dass sie
heute ohne Gesundheitsschaden in einem 100%-Pensum als
Hotelfachfrau mit abgeschlossener Berufsprüfung nach Art. 27 lit. a des
Bundesgesetzes über die Berufsbildung (BBG; SR 412.10) gestützt auf die
Mindestlöhne des Gesamtarbeitsvertrages im Schweizerischen
Gastgewerbe (L-GAV, abrufbar unter www.l-gav.ch), Stand 1. Januar 2014,
und unter Berücksichtigung der Einkommensentwicklung ein
Jahreseinkommen von CHF 64'711.55 erzielen könnte (vgl. Bg-act. 219 S.
8 ff. und 228 S. 7). Dies ist nicht zu beanstanden und wird von der
Beschwerdeführerin denn auch nicht bestritten. Damit ergibt sich für die
Jahre 2015 bis 2019 ein Valideneinkommen in der Höhe von CHF
62'759.75, CHF 63'184.05, CHF 63'436.50, CHF 64'070.85 bzw. CHF
64'711.55 (vgl. Bg-act. 219 S. 8 und 228 S. 7 f.; siehe auch Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 15 47 vom 7. Januar 2016
E.6a ff.).
6.5.4. Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der
Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
herangezogen werden (vgl. BGE 139 V 592 E.2.3, 135 V 297 E.5.2, 129 V
472 E.4.2.1, 126 V 75 E.3bb). Dabei sind grundsätzlich die im
Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu
verwenden (vgl. BGE 143 V 295 E.4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten
statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E.4.2.2, 142
V 178 E.2.5.8.1, 133 V 545 E.7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär,
das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des
Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten
Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178
E.2.5.7, 139 V 592 E.2.3, 135 V 297 E.5.2; siehe auch MEYER/REICHMUTH,
- 20 -
a.a.O., Art. 28a Rz. 55 und 89 mit weiteren Hinweisen auf die
Rechtsprechung). Nach der Rechtsprechung ist für die Bemessung des
Invalideneinkommens auf den aktuell erzielten Lohn abzustellen, sofern
der ausbezahlte Lohn keinen Soziallohn darstellt, die versicherte Person in
einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis steht und anzunehmen ist,
dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll
ausschöpft (vgl. BGE 145 V 141 E.5.4 mit Hinweis auf BGE 117 V 8
E.2c/aa, BGE 135 V 297 E.5.2, 126 V 75 E.3b/aa f.).
6.5.5. Die Beschwerdeführerin arbeitet unstreitig seit dem 1. Oktober 2013 bei
der E._ AG als Allrounderin in einem Teilzeitpensum (vgl. Bg-act. 200)
und erzielte gemäss IK-Auszug in den Jahren 2015 bis 2017 mit dieser
Tätigkeit ein Einkommen von CHF 29'000.--, CHF 27'500.-- sowie
CHF 27'000.-- (vgl. Bg-act. 191), was zu einem dementsprechenden
Invalideneinkommen führt, da die vorerwähnten Voraussetzungen für das
Abstellen auf den aktuell erzielten Lohn vorliegend gegeben sind. So
erscheint der für die Jahre 2015 bis 2017 ausgerichtete Lohn
unbestrittenermassen nicht als Soziallohn. Zudem liegt ein besonders
stabiles Arbeitsverhältnis vor, da die Beschwerdeführerin – wie soeben
ausgeführt – seit dem 1. Oktober 2013 bei der E._ AG tätig ist. Auch
ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre verbleibende
Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausgeschöpft hat. Aus dem Urteil
des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 15 47 vom 7. Januar
2016 ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. Oktober 2013 als
Allrounderin im Unternehmen ihres Vaters bei einem 25%-Pensum bzw.
bei 10.25 Stunden pro Woche ein jährliches Einkommen von CHF 11'100.--
erzielte (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 15
47 vom 7. Januar 2016 E.5c). Insofern ist in Bezug auf den in den Jahren
2015 bis 2017 erzielten Verdienst von CHF 29'000.--, CHF 27'500.-- sowie
CHF 27'000.-- davon auszugehen, dass es sich dabei um ein über ein 50%-
Pensum hinausgehendes Einkommen handelt, zumal es nicht
- 21 -
nachvollziehbar ist, weshalb die Beschwerdeführerin bei gleich
gebliebenem Pensum von 25 % ursprünglich nur ein Einkommen von
CHF 11'100.--, in den Jahren 2015 bis 2017 hingegen ein solches von
durchschnittlich rund CHF 28'000.-- erzielen kann. Somit hat die
Beschwerdeführerin die ihr medizinisch-theoretisch zumutbare
Restarbeitsfähigkeit von rund 50 % auf dem zweiten Arbeitsmarkt in den
Jahren 2015 bis 2017 voll ausgeschöpft (vgl. Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 15 47 vom 7. Januar 2016
E.4d). Davon scheint denn auch die Beschwerdegegnerin auszugehen,
indem sie in den angefochtenen Verfügungen vom 27. Januar 2020 ohne
Weiteres betreffend die Jahre 2015 bis 2017 auf ein Invalideneinkommen
von CHF 29'000.--, CHF 27'500.-- bzw. CHF 27'000.-- abstellt (vgl. Bg-act.
228 S. 7 f.).
6.5.6. Laut IK-Auszug und den im Recht liegenden Lohnunterlagen erzielte die
Beschwerdeführerin in den Jahren 2018 und 2019 ein Einkommen von je
CHF 21'000.--, welches deutlich unter dem in den Vorjahren (2015 bis
2017) erzielten Verdienst liegt (vgl. Bg-act. 191, 194, 195, 201 und 202
sowie beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 11 und 12). Dennoch ging die
Beschwerdegegnerin in den angefochtenen Verfügungen vom 27. Januar
2020 betreffend den Zeitraum ab dem Jahr 2018 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es der Beschwerdeführerin auch
weiterhin zumutbar sei, ein (der Teuerung angepasstes)
Invalideneinkommen zwischen CHF 27'000.-- und CHF 29'000.--
(Mittelwert CHF 28'000.--) zu erzielen, zumal sie mitgeteilt habe, dass
keine Pensumsreduktion stattgefunden habe (vgl. Bg-act. 219 S. 9 f. sowie
228 S. 8 und S. 10). Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Wie
bereits ausgeführt (vgl. vorstehend E.6.5.4), ist für die Festsetzung des
Invalideneinkommens unter gewissen hier vorliegenden Voraussetzungen
primär von den konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles auszugehen.
Insofern entspricht das von der Beschwerdegegnerin betreffend die Jahre
- 22 -
2018 und 2019 ermittelte Invalideneinkommen nicht der – in Bezug auf
diese Jahre – konkreten erwerblichen Situation der Beschwerdeführerin.
Im Übrigen kann es nicht angehen, dass die Beschwerdegegnerin für die
Bestimmung des Invalideneinkommens betreffend die Jahre 2015 bis 2017
auf den IK-Auszug der Beschwerdeführerin abstellt (vgl. Bg-act. 228
S. 7 f.), diesen dann aber betreffend das Invalideneinkommen für das Jahr
2018 nicht berücksichtigt haben will (vgl. Bg-act. 228 S. 8). Aufgrund des
Gesagten ist das von der Beschwerdeführerin als Allrounderin bei der
E._ AG in den Jahren 2018 und 2019 tatsächlich erzielte Einkommen
in der Höhe von je CHF 21'000.-- als Invalideneinkommen zu
berücksichtigen (vgl. Bg-act. 191 sowie Bf-act. 11 und 12). Die oben
erwähnten Voraussetzungen für das Abstellen auf den aktuell erzielten
Lohn sind auch hier gegeben, weshalb diesbezüglich grundsätzlich auf das
in Erwägung 6.5.5 Gesagte verwiesen werden kann. Bezüglich des
Verdienstes für die Jahre 2018 und 2019 von CHF 21'000.-- gilt allerdings,
dass es sich dabei um einen einem etwa 50%-Pensum entsprechenden
Lohn handelt (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden S 15 47 vom 7. Januar 2016 E.5c).
6.5.7. Der Vergleich des Valideneinkommens von CHF 62'759.75 mit dem
Invalideneinkommen von CHF 29'000.-- im Jahr 2015 ergibt eine
Einkommenseinbusse von CHF 33'759.75 und damit einen Invaliditätsgrad
von rund 54 % (vgl. zu den Rundungsregeln: BGE 130 V 121), was einen
Anspruch auf eine halbe Rente begründet. Aus dem Vergleich des
Valideneinkommens von CHF 63'184.05 mit dem Invalideneinkommen von
CHF 27'500.-- im Jahr 2016 resultiert eine Erwerbseinbusse von
CHF 35'684.05 und damit ein Invaliditätsgrad von rund 56 %, was auch
einen Anspruch auf eine halbe Rente verleiht. Aus der Gegenüberstellung
des Valideneinkommens von CHF 63'436.50 und des
Invalideneinkommens von CHF 27'000.-- im Jahr 2017 ergibt sich eine
Einkommenseinbusse von CHF 36'436.50 und damit ein Invaliditätsgrad
- 23 -
von rund 57 %, was ebenfalls einen Anspruch auf eine halbe Rente
begründet. Der Vergleich des Valideneinkommens von CHF 64'070.85 mit
dem Invalideneinkommen von CHF 21'000.-- im Jahr 2018 ergibt eine
Erwerbseinbusse von CHF 43'070.85 und damit einen Invaliditätsgrad von
rund 67 %, was einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente verleiht. Aus der
Gegenüberstellung des Valideneinkommens von CHF 64'711.55 und des
Invalideneinkommens von CHF 21'000.-- im Jahr 2019 resultiert eine
Einkommensbusse von CHF 43'711.55 und damit ein Invaliditätsgrad von
rund 68 %, was ebenfalls einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente
begründet.
7.1. Zu prüfen bleibt, ob die rückwirkende Rentenherabsetzung per 1. April
2015 zulässig war. Dies ist der Fall, wenn die Beschwerdeführerin ihrer
nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist
(Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV; vgl. vorstehend E.4.6).
7.2. Nach Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV erfolgt die Herabsetzung oder Aufhebung
der Rente rückwirkend ab Eintritt der für den Anspruch erheblichen
Änderung, wenn die beziehende Person die Leistung zu Unrecht erwirkt
hat oder der ihr nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht
nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht
oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung
der Leistung war. Gemäss Art. 77 IVV haben der Berechtigte oder sein
gesetzlicher Vertreter sowie Behörden oder Dritte, denen die Leistung
zukommt, jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung,
namentlich eine solche des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder
Erwerbsfähigkeit, des Zustands der Hilflosigkeit, des invaliditätsbedingten
Betreuungsaufwandes oder Hilfebedarfs, des für den Ansatz der
Hilflosenentschädigung und des Assistenzbeitrages massgebenden
Aufenthaltsortes sowie der persönlichen und gegebenenfalls der
wirtschaftlichen Verhältnisse des Versicherten unverzüglich der IV-Stelle
- 24 -
anzuzeigen. Eine Meldepflichtverletzung setzt ein schuldhaftes
Fehlverhalten voraus, wobei bereits eine leichte Fahrlässigkeit genügt (vgl.
BGE 118 V 214 E.2a; Urteile des Bundesgerichts 9C_286/2019 vom 22.
August 2019 E.2.3, 8C_87/2019 vom 13. Juni 2019 E.5.2).
7.3. Die Beschwerdeführerin ist seit dem 1. Oktober 2013 als Allrounderin im
Unternehmen ihres Vaters tätig und erzielte dabei in den Jahren 2015 bis
2017 ein den Anspruch auf eine Dreiviertelsrente ausschliessendes
Einkommen (vgl. vorstehend E.6.5.5 und E.6.5.7). Den während dieses
Zeitraumes erzielten höheren Verdienst meldete die Beschwerdeführerin
der Beschwerdegegnerin unstreitig nicht. Vielmehr erfuhr die
Beschwerdegegnerin davon erst im Rahmen der im Juli 2019 eingeleiteten
Rentenrevision aufgrund des beigezogenen IK-Auszuges vom 31. Juli
2019 (vgl. Bg-act. 191, 205 S. 2 und 228 S.7). Zwar darf die versicherte
Person als Arbeitnehmer von einem pflichtgemässen Vorgehen des
Arbeitgebers, welcher gehalten ist, der Ausgleichskasse den Lohn zu
melden sowie die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge zu
entrichten, ausgehen. Dies enthebt sie aber nicht von der sie persönlich
treffenden Meldepflicht. Mit anderen Worten ist das Wissen der
Ausgleichskasse nicht der IV-Stelle anzurechnen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_245/2012 vom 29. Oktober 2012 E.4.2.2). Mit Bezug
auf ein schuldhaftes Fehlverhalten ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin in den an sie adressierten Mitteilungen und
Verfügungen in einer leicht verständlichen Sprache auf die Meldepflicht
hingewiesen wurde, wobei explizit festgehalten wurde, dass Änderungen
in den wirtschaftlichen Verhältnissen unverzüglich mitzuteilen seien (vgl.
Bg-act. 8, 140 S. 3 und 164 S. 4 f.). Zudem beeinträchtigen das organische
Psychosyndrom, die Frontalhirnschädigung nach schwerem Schädel-
Hirntrauma mit leichten bis mittelschweren kognitiven Funktionsstörungen,
die verminderte psychophysische Belastbarkeit sowie die Störung im
Verhalten und in der emotionalen Wahrnehmung (ICD-10: F07.2) (vgl. Bg-
- 25 -
act. 6 S. 17, 27 S. 6, S. 9, S. 11, S. 13, S. 17 f., S. 28 f., S. 31 f. und S. 34
f., 30 S. 1, 34 S. 1, 36 S. 6 f., S. 10, 77 S. 105 f., 109 S. 1 f., S. 4 f., S. 7
und S. 9, 112 S. 4 f., 114 S. 2, 115 S. 4 und S. 12 f., 135 S. 24 f., S. 27 ff.,
S. 63 f., S. 78 f. und S. 108, 154 S. 55, S. 74 ff., S. 104 ff., S. 109, S. 116
f. und S. 135 sowie 177 S. 33) die Beschwerdeführerin nicht derart
erheblich, dass sie ihrer Meldepflicht nicht hätte nachkommen können. So
beschlagen diese kognitiven Defizite denn auch nicht das Sprach- und
Instruktionsverständnis bzw. die Fähigkeit zu lesen oder zu schreiben,
welche gemäss neuropsychologischem SMAB-Teilgutachten vom 16. Mai
2014 differenziert vorhanden bzw. genügend sind (vgl. Bg-act. 135
S. 76 f.). Zudem war die Beschwerdeführerin trotz des erlittenen Unfalls
sowie des darauffolgenden mehrwöchigen Spital- und
Rehabilitationsaufenthaltes in der Lage, im Sommer 2010 ihre Ausbildung
zur Hotelfachfrau EFZ abzuschliessen (vgl. Bg-act. 6 S. 14, 13, 26 S. 33,
27 S. 5, S. 10 und S. 28, 30 S. 1, 77 S. 105, 135 S. 27, S. 57, S. 72 und S.
105 sowie 154 S. 31 und S. 40). Auch war es ihr mit Hilfe einer
neuropsychologischen Therapie im Sinne einer psychotherapeutischen
Unterstützung sowie eines beruflichen Coachings immerhin möglich, von
August 2012 bis im Frühsommer 2013 an der dreijährigen Umschulung zur
Kauffrau EFZ an der Handels- und Kaderschule teilzunehmen (vgl. Bg-act.
77 S. 105 ff., 80 S. 3 ff. sowie 135 S. 63 und S. 105 f.). Sodann nahm sie
ab Oktober 2013 – neben der zeitgleich begonnenen Tätigkeit als
Allrounderin im Unternehmen ihres Vaters – an einem Tag pro Woche eine
Ausbildung an derselben Schule mit dem Ziel eines Bürofachdiploms VSH
in Angriff (vgl. Bg-act. 80 S. 5, 135 S. 3, S. 45, S. 50 ff., S. 73, S. 86 und
S. 106 sowie 154 S. 31, S. 40 und S. 110). Schliesslich ist die
Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Tätigkeit als Allrounderin nach
eigenen Angaben für die Lohnbuchhaltung, das Bearbeiten von
Einzahlungen, das Erstellen von Einsatzplänen, die Betreuung des "Café-
Stübchens" sowie für das Lieferbudget und das Kontrollieren von
Lieferscheinen zuständig (vgl. Bg-act. 135 S. 45 und S. 106 sowie 154 S.
- 26 -
40). Wer als hirngeschädigte Person im Stande ist, solche (mehrheitlich
administrativen) Tätigkeiten auszuüben, muss auch in der Lage sein,
einfache Hinweise auf die Meldepflicht zu verstehen. Nach dem Gesagten
erscheint es als überwiegend wahrscheinlich, dass es der
Beschwerdeführerin angesichts der vorerwähnten Gegebenheiten bewusst
sein musste, dass sie das in den Jahren 2015 bis 2017 erzielte höhere
Einkommen der Beschwerdegegnerin unverzüglich hätte melden müssen.
Demnach ist mindestens von einem leicht schuldhaften Verhalten der
Beschwerdeführerin auszugehen, was für die Verletzung der Meldepflicht
genügt (vgl. vorstehend E.7.2). Die rückwirkende Herabsetzung der
Dreiviertelsrente auf eine halbe Rente vom 1. April 2015 bis zum
31. Dezember 2017 gestützt auf Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV ist deshalb nicht
zu beanstanden (vgl. vorstehende E.5.2 und E.6.5.7). Gleichzeitig ist die
zur Hauptrente akzessorische Kinderrente betreffend B._ per 1. Juni
2017 bis zum 31. Dezember 2017 auf monatlich CHF 314.-- zu reduzieren
(vgl. Bg-act. 228 S. 3).
8.1. Die Beschwerdeführerin bringt ferner vor, die Beschwerdegegnerin habe
Art. 7b Abs. 3 IVG verletzt, weil sie vor Erlass ihres Entscheides die nach
diesem Artikel gebotene Einzelfall- und Verschuldensprüfung nicht pflicht-
gemäss vorgenommen habe.
8.2. Art. 7b Abs. 3 IVG schreibt vor, dass beim Entscheid über die Kürzung oder
Verweigerung von Leistungen alle Umstände des einzelnen Falles,
insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu
berücksichtigen sind.
Vorliegend führte die Beschwerdegegnerin in den angefochtenen
Verfügungen vom 27. Januar 2020 aus, dass es der Beschwerdeführerin
möglich gewesen wäre zu erkennen, dass sie das erheblich gesteigerte
Erwerbseinkommen mitteilen müsse. Dies gelte umso mehr, als sie mit den
- 27 -
Rentenverfügungen auf die Meldepflicht bei jeder Änderung in den
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen, so auch ausdrücklich bei
Änderungen in den Einkommensverhältnissen, hingewiesen worden sei.
Indem die Beschwerdeführerin die erhebliche Steigerung des
Erwerbseinkommens (und notabene auch die Geburt ihrer Kinder) trotz der
einfach zu verstehenden Hinweise nicht (rechtzeitig) gemeldet habe, habe
sie nicht das Mindestmass an Aufmerksamkeit aufgewendet, das von einer
30-jährigen, in rechtlichen Dingen unerfahrenen Person verlangt werden
dürfe. Dies gelte umso mehr, als sie ihr Einkommen wohl auch gegenüber
den Steuerbehörden erklärt habe. Aus gesundheitlicher Sicht sei sodann
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihrer Meldepflicht trotz
der zweifelsfrei vorliegenden Hirnschädigung hätte nachkommen können.
Es liege denn auch keine Beistandschaft oder dergleichen vor und die
Beschwerdeführerin habe beispielsweise auch den Revisionsfragebogen
am 27. August 2019 ausfüllen können. Somit liege eine
Meldepflichtverletzung vor und die Rente sei rückwirkend per 1. April 2015
auf eine halbe Rente zu reduzieren (vgl. Bg-act. 228 S. 11). Aus dem
Dargelegten ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin bei ihrem Entscheid
betreffend rückwirkende Reduktion der Invalidenrente die Umstände des
Einzelfalles und insbesondere das Ausmass des schuldhaften Verhaltens
der Beschwerdeführerin berücksichtigte und würdigte, wobei auch ihre
Hirnschädigung in die Beurteilung einbezogen wurde. Von einer
Nichtberücksichtigung bzw. Bagatellisierung der funktionellen
Hirnstörungen und deren Auswirkungen sowie einer Unkenntnis der
medizinischen Aktenlage durch die Beschwerdegegnerin – wie die
Beschwerdeführerin behauptet – kann vorliegend nicht die Rede sein.
Demnach liegt keine Verletzung von Art. 7b Abs. 3 IVG vor, weshalb der
diesbezügliche Einwand der Beschwerdeführerin als unbegründet
anzusehen ist.
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9. Soweit die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Reduktion der
Kinderrenten schliesslich eine Verletzung von Art. 21 Abs. 2 ATSG geltend
macht, weil ihr nur eine Meldepflichtverletzung nach Art. 31 Abs. 1 ATSG
vorgeworfen werde und eine solche nicht unter Art. 21 Abs. 2 ATSG falle,
ist ihr entgegenzuhalten, dass die Kinderrente – wie bereits dargelegt (vgl.
vorstehend E.1.2) – eine akzessorische Leistung zur Invalidenrente
darstellt und gemäss Art. 38 Abs. 1 IVG 40 % der dem massgebenden
durchschnittlichen Jahreseinkommen entsprechenden Invalidenrente
beträgt. Als Konsequenz davon führt eine Reduktion der Hauptrente
gleichzeitig auch zur Herabsetzung einer zugesprochenen Kinderrente. Es
ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin nebst der
Dreiviertelsrente der Beschwerdeführerin für den Zeitraum vom 1. April
2015 bis zum 31. Dezember 2017 auch die ihr zustehenden Kinderrenten
bzw. die Kinderrente betreffend B._ rückwirkend herabgesetzt hat
(vgl. nachstehend E.11), weshalb sich der besagte Einwand der
Beschwerdeführerin ebenfalls als unbegründet erweist.
10. Auf die beantragte Einvernahme der Beschwerdeführerin bzw. ihres
Vaters, den Beizug weiterer Akten (aktuelle Lohnauskunft), die Einholung
eines Ergänzungsgutachtens sowie die weiteren Beweisvorkehren kann
verzichtet werden, da das streitberufene Gericht aufgrund der bereits
abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und annehmen
kann, dass diese Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht
geändert würde; dies verstösst weder gegen den Untersuchungsgrundsatz
noch gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 136 I 229 E.5.3 mit Hinweisen; Urteile des
Bundesgerichts 9C_216/2020 vom 8. Juli 2020 E.3.2, 9C_339/2017 vom
19. Juni 2017 E.2.3, je mit Hinweisen). Der Zeugenaussage des Vaters der
Beschwerdeführerin wäre ohnehin nur geringe Beweiskraft zuzumessen,
zumal er kaum gegen die Darstellungen seiner Tochter gerichtete
Aussagen machen würde.
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11. Im Ergebnis erweist sich die verfügte rückwirkende Reduktion der
Dreiviertelsrente der Beschwerdeführerin auf eine halbe Rente per 1. April
2015 bis zum 31. Dezember 2017 bzw. die verfügte rückwirkende
Herabsetzung der Kinderrente betreffend B._ vom 1. Juni 2017 bis
zum 31. Dezember 2017 als rechtens. Ab dem 1. Januar 2018 steht der
Beschwerdeführerin wieder eine Dreiviertelsrente mit entsprechenden
Kinderrenten (betreffend B._ ab dem 1. Januar 2018, betreffend
C._ ab dem 1. März 2019) zu. Die Beschwerde ist somit teilweise
gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist, und die angefochtenen
Verfügungen vom 27. Januar 2020 sind insoweit aufzuheben, als darin die
Dreiviertelsrente und die Kinderrenten der Beschwerdeführerin ab dem
1. Januar 2018 herabgesetzt werden. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
12. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in
Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig (vgl. Art. 83 ATSG). Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- festgelegt.
Vorliegend rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten auf CHF 700.--
festzulegen. Betreffend Parteientschädigung ist zu berücksichtigen, dass
die Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren zumindest
dem Grundsatz nach obsiegt, weil sie mit ihrem Antrag auf eine künftige
Weiterausrichtung der Dreiviertelsrente durchgedrungen ist. Somit besteht
ein Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_288/2015 vom 7. Januar 2016 E.4.2, 9C_178/2011
vom 20. Mai 2011 E.3.3.1, 9C_580/2010 vom 16. November 2010 E.4.1).
Diese Rechtsprechung des Bundesgerichts betrifft die Parteientschädigung
gemäss Art. 61 lit. g ATSG. Für die Verteilung der Gerichtskosten im Betrag
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von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- im Sinne von Art. 69 Abs. 1bis letzter Satz
IVG besteht hingegen keine entsprechende Rechtsprechung des
Bundesgerichts. Die Verteilung dieser Gerichtskosten erfolgt mangels
gegenteiliger Regelungen im Bundesrecht und in Nachachtung von Art. 61
erster Satz ATSG nach dem massgebenden kantonalen
(Verfahrens-)Recht und somit nach Art. 72 ff. VRG (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_254/2018 vom 6. Dezember 2018 E.2.1, 8C_304/2018
vom 6. Juli 2018 E.4.2, 8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E.4.2; Urteil
des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 16 77 vom 18.
Dezember 2018 E.11.1). Nach Ansicht des streitberufenen Gerichts
rechtfertigt sich namentlich in der vorliegenden Konstellation, wo die
Beschwerdeführerin die künftige Weiterausrichtung einer Dreiviertelsrente
erreichen konnte, eine Verlegung der Gerichtskosten analog zur
rechtsprechungsgemässen Festsetzung der ungekürzten
Parteientschädigung. Somit sind die Gerichtskosten im Betrag von
CHF 700.-- vollumfänglich der Beschwerdegegnerin zu überbinden.
Die Beschwerdeführerin hat – wie vorstehend dargelegt – Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), welcher nicht aufgrund des
Verfahrensausgangs gekürzt werden darf. Trotz Aufforderung des Gerichts
reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin keine Honorarnote ein.
Daher wird die Parteientschädigung vom Gericht ermessensweise auf
pauschal CHF 2'000.-- (inkl. Barauslagen und MWST) festgesetzt.