Decision ID: bfe8d1da-8e84-489e-8b48-fff0799deeaf
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
V._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
V._ (Jahrgang 1947) schlug am 19. Dezember 2003 seinen rechten Ellbogen mit
grosser Wucht an einer Tischkante an. Zunehmend leidet er seither an
Schulterschmerzen. Seit 7. Januar 2004 besteht gemäss Unfallmeldung der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) vom 12. Februar 2004 in der
angestammten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. A._, Spezialarzt
Orthopädie FMH, gab in seinem Bericht vom 26. Januar 2004 an, der Versicherte klage
seit dem Unfall über Ruhe- und Belastungsschmerzen in der rechten Schulter. Es
bestehe ein positives Impingementzeichen sowie radiologisch eine AC-Gelenksarthrose
und leichte degenerative Veränderungen des Glenohumeralgelenks. Die
Arbeitsunfähigkeit betrage 100%. Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Die
Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen gab am 20. August
2004 an, MR-tomographisch habe der Nachweis einer Rotatorenmanschettenruptur
rechts erbracht werden können. Sodann liege eine unklare Schwellung der rechten
Hand vor. Eine Thrombose des rechten Armes habe ausgeschlossen werden können.
Aus orthopädischer Sicht sei eine Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten unterhalb des
Schulterniveaus möglich. Die Schwellung im Bereich der rechten Hand sei wohl
dadurch bedingt, dass der Versicherte den Arm ständig herunterhängen lasse (bei den
Suva-Akten). Die Suva teilte dem Versicherten am 10. November 2004 mit, dass sie
gemäss ihren medizinischen Unterlagen von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ab
15. November 2004 und von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ab 29. November 2004
ausgehe, weshalb das Taggeld entsprechend angepasst werde (bei den Suva-Akten).
Mit Verfügung vom 20. September 2005 sprach die Suva dem Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 14% (Valideneinkommen Fr. 57'000.-- und Invalideneinkommen Fr.
49'000.--) eine Rente sowie eine Integritätsentschädigung von 10% zu. Auf Grund der
reinen Unfallfolgen sei er für leichte Tätigkeiten unterhalb des Schultergürtels voll
arbeitsfähig (bei den Suva Akten). Die dagegen erhobene Einsprache hiess die Suva
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mit Entscheid vom 21. Juli 2006 teilweise gut und erhöhte den Invaliditätsgrad auf
15%. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab (IV-act. 73). Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen wies mit Entscheid vom 16. August 2007 die Beschwerde des
Versicherten gegen den Einspracheentscheid der Suva ab (bei den Suva Akten).
B.
B.a Der Versicherte meldete sich am 8. Oktober 2004 bei der Invalidenversicherung
zum Bezug von Leistungen an wegen "Arm unbeweglich, kann nicht anheben,
Schulter" (IV-act. 3). Die Arbeitgeberin des Versicherten berichtete der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen am 27. Oktober 2004, der Versicherte sei als Maschinist vom
1. April 1993 bis 31. Oktober 2004 bei ihr tätig gewesen. Im 2003 habe er insgesamt Fr.
58'629.55 verdient (IV-act. 12). Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, gab in seinem
Arztbericht vom 2. November 2004 an, der Versicherte sei seit 7. Januar 2004 auf
unbestimmte Zeit voll arbeitsunfähig. Es liege eine Rotatorenmanschettenruptur rechts,
eine fragliche somatoforme Schmerzstörung und ein Münchhausensyndrom vor.
Jegliche Therapien seien bisher ohne Erfolg gewesen. Die bisherige Tätigkeit sei dem
Versicherten nicht mehr zumutbar. Sitzend und linkshändig könnte der Versicherte
irgendeine Tätigkeit verrichten (IV-act. 14).
B.b Zur Abklärung einer psychischen Komorbidität beauftragte die IV-Stelle am
28. Januar 2005 die Klinik Gais mit einer psychiatrischen Begutachtung des
Versicherten (IV-act. 25). Dr. med. C._, Psychiatrie/Psychotherapie, gab in seinem
Gutachten vom 18. Mai 2005 an, der Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit
Angst und Depression gemischt (ICD-10: F43.22). Die Arbeitsfähigkeit sei dadurch um
20% eingeschränkt. Zur Überwindung der Schmerzen seien die Somatiker zu befragen
(IV-act. 36). Am 9. August 2005 meldete das Spital Rorschach, beim Versicherten habe
man eine Diskushernie C5/6 rechtsbetont festgestellt (IV-act. 45).
B.c Die IV-Stelle verzichtete am 12. Dezember 2005 formlos auf die Durchführung von
beruflichen Massnahmen, weil sich der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig fühle (IV-
act. 55).
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B.d Mit Verfügung vom 13. Januar 2005 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab.
Gemäss ihren Abklärungen sei dem Versicherten eine leidensangepasste Tätigkeit zu
75% zumutbar. Da der Invaliditätsgrad mit 25% unter 40% liege, habe er keinen
Anspruch auf eine Rente (IV-act. 59). Dagegen liess der Versicherte am 9. Februar 2006
Einsprache erheben. Wie aus dem Gutachten des Krankentaggeldversicherers vom
2. Februar 2006 in der Beilage hervorgehe, bestehe mindestens eine 35%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 61). Das Institut für Assessment GmbH (IA) hatte in seinem
Gutachten vom 2. Februar 2006 angegeben, die klinisch fassbare
Rotatorenmanschettenruptur rechts zusammen mit dem mässigen Zervikalsyndrom
würden eine Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten
nicht ausschliessen. Das somatisch gestaltete Leiden lasse sich in seinem ganzen
Ausmass durch objektive Befunde nicht genügend begründen. Eine teilweise
Arbeitsunfähigkeit resultiere aus der Interaktion von somatischer Einschränkung in
Verbindung mit der depressiven Stimmungsbeeinträchtigung im Umfang von 35%. Auf
Grund der durch lange Arbeitslosigkeit erfolgten Dekonditionierung müsse ein Aufbau
zur Erreichung der maximalen Restarbeitsfähigkeit von 65% vorgenommen werden (IV-
act. 65-6/57).
B.e Am 18. Mai 2006 liess der Versicherte der IV-Stelle den ausstehenden Bericht
seines Psychiaters zukommen (IV-act. 67). In diesem Bericht vom 7. April 2006 gab Dr.
med. D._, Spezialarzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, an, der Versicherte leide
an einer mittelgradigen depressiven Störung mit somatischem Symptomen (ICD-10:
F32.11) auf dem Boden einer ängstlichen Persönlichkeit (ICD-10: F60.6) sowie an
einem chronifizierten Schmerzsyndrom nach einem Arbeitsunfall am 19. Dezember
2003 mit Verletzung des rechten Ellbogens. Der Versicherte zeige eine selbstunsichere,
sehr ängstliche Persönlichkeitsstruktur und besitze nur bescheidene intellektuelle
Fähigkeiten. Durch den Unfall sei es zu einer psychischen Dekompensation und zum
Ausbruch einer Depression gekommen. Wegen der Komorbidität und Chronifizierung
der Beschwerden sei der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 68).
B.f Daraufhin widerrief die IV-Stelle am 14. September 2006 ihre Verfügung vom
13. Januar 2006 und stellte weitere Abklärungen in Aussicht (IV-act. 78). Am 21.
September 2006 teilte sie dem Versicherten mit, dass auf Grund des Widerrufs der
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Verfügung vom 13. Januar 2006 das gegen diese Verfügung gerichtete
Einspracheverfahren abgeschlossen sei (IV-act. 82).
B.g Am 13. Februar 2007 ging bei der IV-Stelle das von der
Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten von Dr.
med. E._, Spezialarzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein. In seinem Gutachten
vom 15. November 2006 gab der Psychiater als Diagnose eine Anpassungsstörung mit
Angst, Depression und Sorgen bei einem chronischen Schmerzsyndrom infolge
körperlicher Krankheit und zum Teil des Unfalls (ICD-10: F43.23) seit 2004 an. Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünde eine psychogene Überlagerung der
körperlichen Beschwerden (ICD-10: F54) sowie eine einfache ängstliche Persönlichkeit
(ICD-10: F60.6). In einer leidensangepassten Tätigkeit könne der Versicherte sechs bis
sieben Stunden arbeiten mit einer reduzierten Leistungsfähigkeit von etwa 20%.
Inklusive somatische Beschwerden bestünde eine Arbeitsunfähigkeit von 35% (G act.
10.2). Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz erachtete eine polydisziplinäre
Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz als erforderlich (IV-act. 75 und 88).
B.h Am 23. Januar 2008 erstattete die MEDAS Ostschweiz das Gutachten. Der
Versicherte war orthopädisch, internistisch und psychiatrisch begutachtet worden. Die
Ärzte gaben folgenden Hauptdiagnosen (mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit) an:
- Anpassungsstörung mit depressiven Phänomenen und Beeinträchtigung von anderen
Gefühlen (ICD-10: F43.23)
- Psychische Überlagerung der somatischen Beschwerden (ICD-10: F54)
- PHS pseudoparalytica rechts (ICD-10: M75.1) bei/mit:
- St. n. heftiger Ellbogenkontusion rechts 19.12.2003
- ausgedehnter Rotatorenmanschettenruptur rechts (Supraspinatussehne,
Subcapularissehne) mit Tendinopathie der Infraspinatussehne und Luxation der langen
Bicepssehne sowie AC-Arthrose (MRI 26.02.2004)
- passagerem Sulcus-ulnaris-Syndrom rechts möglich
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- massiver Schmerzausweitung
- Zervikalsyndrom (ICD-10: M54.2) bei/mit:
- leichter medio-lateraler Diskusprotrusion C5/C6 ohne Neurokompression
(MRI 01.12.2004)
- neurologisch Ausschluss einer paraspinalen oder peripheren Neurokompression
15.03.2005
- klinisch wegen massiver Überlagerung nicht beurteilbar
- Chondropathia-patellae-Symptomatik links (ICD-10: M22.4) bei/mit:
- radiologisch beginnender Gonarthrose und Femoro-Patellar-Arthrose 02.20.2007
- ohne Funktionsstörungen.
Die Ärzte gaben in der zusammenfassenden Beurteilung an, der Versicherte stamme
aus dem Kosovo und arbeite seit 1973 in der Schweiz. Er habe viele Arbeitsstellen
gewechselt, vermutlich aber meistens mit seinen Landsleuten kommuniziert, weshalb
er die Landessprache nicht gelernt habe. Er habe acht Jahre lang die Grundschule
besucht. Durch seine praktischen Tätigkeiten habe er etwas gelernt und habe
entsprechend qualitativ gute Arbeit leisten können. Der Versicherte habe berichtet, das
Hauptproblem sei seine rechte Schulter. Er könne den Vorderarm vom Ellbogen bis zur
rechten Hand gut gebrauchen, jedoch nicht den Oberarm zwischen Ellbogen und
Schulter. Die Elevation sei unmöglich, er müsse den Arm immer hängenlassen.
Zunehmend habe er auch Schmerzen bei Kopfrotation und Schwindel. Ein beidseitiger
Tinnitus sei fachärztlich abgeklärt worden. Er sei immer sehr müde. Er sitze viel ruhig
da und mache mehrere kleine Spaziergänge. Wegen Doppelbildern könne er weder
lange lesen noch fernsehen. Aus dem psychiatrischen MEDAS-Konsiliargutachten vom
12. Dezember 2007 von Dr. E._ geht hervor, dass der Unfall zu einer psychischen
Dekompensation geführt habe. Dazu habe die Persönlichkeitsstruktur mit wenig
Abwehrmöglichkeiten und Durchschlagskraft bei geringen intellektuellen und
emotionalen Ressourcen verholfen. Die laufende psychiatrische Behandlung habe
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keine Veränderung bewirken können. Der Versicherte sei nicht imstande, seine aktuelle
psychische Situation zu beschreiben, also auch nicht, sie wahrzunehmen. Umso mehr
fokussiere er auf somatische Beschwerden. Verglichen mit der Begutachtungssituation
vor einem Jahr habe sich der Gesundheitszustand aus psychischer Sicht
verschlechtert. Die vorliegende Anpassungsstörung werde durch die Zunahme
depressiver Symptome, Sorgen, Anspannung, Ärger und Aggression verstärkt. Aus
psychischer Sicht liege deshalb ab sofort eine Arbeitsunfähigkeit von 40 bis 45% vor.
Der Zustand habe sich weitgehend chronifiziert und es sei anzunehmen, dass sich die
psychische Störung praktisch nicht mehr beeinflussen lasse (IV-act. 105). Aus
somatischer Sicht konnten die Ärzte die angegebene und demonstrierte Hilflosigkeit
respektive Funktionsunfähigkeit der rechten Schulter nicht objektivieren. Der klinische
Befund im Schultergürtel oder im Bereich der HWS könne auf Grund der nicht
übersehbaren massiven Schmerzausweitung nicht herangezogen werden. Die
nachgewiesene Rotatorenmanschettenruptur lasse Tätigkeiten über Schultergürtelhöhe
und/oder mit repetitiver Kraftanwendungen rotatorischer Art als nur sehr eingeschränkt
bis nicht mehr zumutbar begründen. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei wegen der
arthrographisch nachgewiesenen grossen Rotatorenmanschettenläsion rechts für
körperlich belastende Tätigkeiten keine Restarbeitsfähigkeit mehr in einem vernünftigen
Ausmass zumutbar, dies seit dem Unfall vom 19. Dezember 2003. Für alle anderen
Tätigkeiten bestehe von Seiten des rechten Schultergürtels und des rechten Armes
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei ab dem Unfall
bis zur Begutachtung durch Dr. E._ im November 2006 von einer 35%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Danach sei wahrscheinlich allmählich eine
Verschlechterung eingetreten, die spätestens seit der aktuellen Begutachtung
ausgewiesen sei. Die Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht betrage 40 bis 45 % (IV-
act. 104).
B.i Der RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 22. Februar 2008 fest, beim
Versicherten sei recht schnell im Anschluss an den Unfall die Diagnose einer
Anpassungsstörung gestellt worden. Diese Diagnose werde nach den ICD-10-Kriterien
auf zwei Jahre beschränkt. Die einzelnen Symptome seien nicht dergestalt, dass sie
eine spezifische Diagnose rechtfertigten. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung könne eine Anpassungsstörung per se keine länger dauernde
Invalidität bewirken. Deshalb sei die Diagnose von Dr. E._ nicht ganz nachvollziehbar,
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weshalb um eine Stellungnahme gebeten werde (IV-act. 106). Dr. E._ teilte der IV-
Stelle am 28. Februar 2008 mit, beim Versicherten sei die Diagnose einer
Anpassungsstörung gerechtfertigt. An die Begrenzung auf zwei Jahre gemäss ICD-10
halte man sich nicht mehr so strikte, weil Therapeuten mitunter tatsächlich einen
längeren Verlauf einer Anpassungsstörung feststellten. Dies sei auch beim Versicherten
der Fall. Natürlich könne man auch eine depressive Störung diagnostizieren. Damit
würde man aber die Kausalitätsfrage ausser Acht lassen, was nicht korrekt sei (IV-act.
108). Der RAD hielt unter Verweis auf ICD-10 fest, dass die Anpassungsstörung per se,
in Analogie zur Dysthymie, keine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit bewirken könne.
Deshalb könne weiterhin von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit ausgegangen werden (IV-act.109).
B.j Mit Vorbescheid vom 17. März 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht. Bei einem Einkommen ohne Behinderung
von Fr. 54'476.-- und einem Einkommen mit Behinderung von Fr. 40'857.-- resultiere
eine Einkommenseinbusse von Fr. 13'619.-- beziehungsweise ein Invaliditätsgrad von
25%. Der RAD komme nach ausführlicher Prüfung der Unterlagen sowie des erstellten
Gutachtens zum Schluss, dass die spezifische Diagnose einer Anpassungsstörung auf
Grund der Symptome nicht gerechtfertigt sei (IV-act. 112). Dagegen liess der
Versicherte am 30. April 2008 unter anderem einwenden, wenn die IV-Stelle nicht auf
die Diagnose und Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS abstellen wolle, so habe sie
eine erneute psychiatrische Begutachtung in Auftrag zu geben (IV-act. 115). Der RAD
gab am 31. Juli 2008 zu den Einwänden des Versicherten an, man habe nicht die
Feststellungen des MEDAS-Gutachtens "uminterpretiert", sondern die
Schlussfolgerungen der vom Bundesgericht vertretenen Auffassung angepasst (IV-act.
122). Mit Verfügung vom 4. August 2008 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab. Zu
den Einwänden des Versicherten verwies die IV-Stelle auf die Stellungnahme des RAD
vom 31. Juli 2008 (IV-act. 123).
C.
C.a Gegen diese Verfügung lässt der Versicherte am 8. September 2008 Beschwerde
erheben. Er beantragt die Aufhebung der Verfügung vom 4. August 2008. Ihm sei mit
Wirkung ab wann rechtens, allerspätestens ab 1. Dezember 2004, eine ganze
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Invalidenrente, eventualiter eine 3⁄4-IV-Rente zuzusprechen und auszurichten.
Eventualiter sei die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
weitere Abklärungen vornehme, insbesondere medizinische Berichte und Gutachten
einhole, und gestützt darauf neu über die Leistungsansprüche des Beschwerdeführers
verfüge. Der Beschwerdeführer begründet seine Beschwerde damit, dass die
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen derjenigen aus somatischen Gründen
hinzugerechnet werden müsse, weshalb er Anspruch auf mindestens eine 3⁄4-IV-Rente
habe. Betreffend die Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen sei auf die
Einschätzung der MEDAS-Ärzte abzustellen und nicht auf diejenige des RAD. Bereits
sein behandelnder Psychiater gehe von einer höheren Arbeitsunfähigkeit aus
psychischen Gründen aus. Diesbezüglich sei deshalb ein ergänzender Bericht von Dr.
med. F._, Spezialarzt Otorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie FMH, Dr.
D._ und der MEDAS einzuholen oder ein Obergutachten in Auftrag zu geben. Sodann
habe die MEDAS die Schwindelbeschwerden zuwenig beachtet. Gemäss Bericht von
Dr. F._ vom 16. September 2008 liege eine mittelgradige Einschränkung vor, die in
der Leistungsbeurteilung zu berücksichtigen sei (G act. 4.1). Weil eine erhebliche
Komorbidität gegeben sei und weitere rechtsprechungsgemässe Kriterien erfüllt seien,
könne eine zumutbare Willensanstrengung zur Überwindung der Schmerzen
ausgeschlossen werden. Auch sei das Valideneinkommen gemäss
Einspracheentscheid der Suva auf Fr. 62'568.-- anzuheben. Sein letztes Einkommen
habe bereits mehr betragen als das von der Beschwerdegegnerin verwendete.
Schliesslich rechtfertige sich beim Invalideneinkommen ein zusätzlicher Abzug in der
Höhe von 25% (G act. 1).
C.b Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung wurde
dem Beschwerdeführer mit Zwischenentscheid vom 11. Dezember 2008 bewilligt (G
act. 12).
C.c In der Beschwerdeantwort vom 11. Dezember 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie führt aus, die MEDAS habe
den Beschwerdeführer sorgfältig untersucht. Dabei hätten sich keine Hinweise
ergeben, dass seine Schwindelbeschwerden organischer Natur seien. Aus dem Bericht
von Dr. F._ ergebe sich, dass sich seine Diagnose auf aggravierendes Verhalten
abstütze. Auf diesen Bericht könne man deshalb nicht abstellen. Aus somatischer Sicht
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sei dem Beschwerdeführer deshalb eine angepasste Tätigkeit zu 100% zumutbar. Die
von der MEDAS gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung sei nicht per se
invalidisierend. Vielmehr wäre dies nur der Fall, wenn der Schweregrad dieser Diagnose
die Kriterien für eine Komorbidität erfüllte. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Der von
der MEDAS erhobene Befund belege keinen invalidisierenden Gesundheitszustand.
Vielmehr seien im Wesentlichen einzig die Schmerzensäusserungen des
Beschwerdeführers beschrieben worden. Eine einfache Persönlichkeitsstruktur und
soziale Probleme würden keine Invalidität begründen. Das MEDAS-Gutachten sei
bezüglich der erhobenen Befunde und Diagnosen schlüssig. Hingegen stehe die
psychiatrisch festgesetzte Arbeitsfähigkeit von 55 bis 60% nicht im Einklang mit der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Die von der MEDAS diagnostizierte psychische
Überlagerung von somatischen Beschwerden sei nicht invalidisierend, weil keine
psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vorliege.
Deswegen sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen auszugehen.
Betreffend Valideneinkommen könne vom im Jahr 2003 zuletzt erzielten Einkommen
des Beschwerdeführers von Fr. 58'833.-- ausgegangen werden. Weil davon
auszugehen sei, dass sich Validen- und Invalideneinkommen in etwa gleich
entwickelten, könne eine Aufwertung unterbleiben. Das Invalideneinkommen für
Hilfsarbeiter habe gemäss den Tabellen der schweizerischen Lohnstrukturerhebung
2003 Fr. 57'745.-- betragen. Weil der Beschwerdeführer an der linken Schulter
eingeschränkt sei, könne ein sogenannter Leidensabzug von 10% angenommen
werden. Ein höherer Leidensabzug sei nicht gerechtfertigt. Das Invalideneinkommen
betrage Fr. 51'971.--, voraus ein Invaliditätsgrad von 12% resultiere. Damit bestehe
kein Anspruch auf eine Invalidenrente (G act. 10).
C.d Der Beschwerdeführer hält in seiner Replik vom 24. Februar 2009 an seinen
Anträgen fest (G act. 17).
C.e Am 5. März 2009 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer
Duplik (G act. 19).
C.f Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit entscheidrelevant, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
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1.
1.1 Mit Beschwerde vom 8. September 2008 hat der Beschwerdeführer die Verfügung
vom 4. August 2008 angefochten. Das Einspracheverfahren gegen die Verfügung vom
13. Januar 2006 ist mit Mitteilung vom 21. September 2006 formell rechtskräftig
abgeschrieben worden (IV-act. 82).
1.2 Die Verfügung vom 4. August 2008 ist nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am
1. Januar 2008 ergangen. Mangels einer übergangsrechtlichen Norm rechtfertigt es
sich allerdings, für die vor diesem Zeitpunkt massgebenden Verhältnisse (Einleitung
des Rentenprüfungsverfahrens unter altem Recht) die im Folgenden zitierten, bis zum
31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden.
1.3 Streitig ist ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Nach aArt. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht der Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%,
derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente. Gemäss aArt. 28
Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist die Invalidität grundsätzlich durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
1.4 Für das gesamte Verwaltungs- und gerichtliche Beschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
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ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
2.
2.1 Die Höhe der behinderungsbedingten Erwerbseinbusse hängt vor allem von der
ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung ab, d.h. davon, in welchem Umfang für die
versicherte Person noch eine Tätigkeit in Betracht fällt (BGE 125 V 261 E. 4). Die
Beschwerdegegnerin stellt teilweise auf die Ergebnisse der MEDAS-Begutachtung ab,
nicht hingegen auf deren Arbeitsfähigkeitsschätzung aus psychischer Sicht.
Diesbezüglich macht die Beschwerdegegnerin geltend, die Arbeitsfähigkeitsschätzung
der MEDAS sei an die bundesgerichtliche Rechtsprechung anzupassen. Demgemäss
bewirke die Anpassungsstörung keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit, weshalb die
Einschränkung von 40 bis 45% nicht zutreffen könne. Diese Diagnose werde nämlich
gestellt, wenn für eine andere spezifische Diagnose die Kriterien einer einzelnen
Störung nicht erfüllt seien. Der Beschwerdeführer verlangt dagegen eine erneute
psychiatrische Untersuchung, wenn auf das MEDAS-Gutachten nicht abgestellt würde.
2.2 Aus den Akten geht hervor, dass der Unfall vom 19. Dezember 2003 bei
vorbestehenden degenerativen Veränderungen zu einer Rotatorenmanschettenruptur
geführt hat. Nach der MEDAS-Beurteilung besteht seither in der bisherigen Tätigkeit
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 104-24/27). Diese körperliche
Beeinträchtigung hat gemäss übereinstimmender Beurteilung der begutachtenden
Ärzte des Kantonspitals St. Gallen, des IA und der MEDAS dazu geführt, dass
Überkopfarbeiten und/oder Tätigkeiten mit repetitiver Kraftanwendung rotatorischer Art
nicht mehr möglich sind. Unter Berücksichtigung dieser qualitativen Anforderungen
sind dem Beschwerdeführer alle anderen Arbeiten unterhalb des Schultergürtels nach
der objektiven Einschätzung der Ärzte nach wie vor zumutbar (Suva-act. 26, IV-act.
65-40/57 und IV-act. 104). Der Beschwerdeführer hat anlässlich der Begutachtung
durch die MEDAS eine Vielzahl von weiteren Beschwerden beklagt. Diese konnten
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grösstenteils nicht objektiviert werden und wurden einer psychischen Überlagerung
zugeordnet. Aus somatischer Sicht ist deshalb in einer leidensangepassten Tätigkeit
keine Arbeitsunfähigkeit in quantitativer Hinsicht begründbar.
2.3 Hingegen ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer an psychischen Beschwerden
mit Krankheitswert leidet und deshalb die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Wie Dr.
E._ in seinem Konsiliargutachten vom 12. Dezember 2007 überzeugend begründet
hat, hat der Unfall zu einer psychischen Dekompensation geführt. Dr. E._ hat
ausgeführt, der Beschwerdeführer könne auf Grund seiner Persönlichkeitsstruktur
seine psychische Situation weder beschreiben noch wahrnehmen, weshalb er auf die
somatischen Beschwerden fokussiere. Diese überlagere er und bringe sie auf eine
primitive Art und Weise durch einen demonstrativen und aggravatorischen Auftritt zum
Ausdruck. Diese Verhaltensform sei primär nicht Ausdruck einer Rentenbegehrlichkeit,
sondern einer beschränkten Fähigkeit, sich emotional und intellektuell adäquat
auszudrücken. Als Diagnose hat Dr. E._ wie bereits in seinem vorangehenden
Gutachten vom 14. September 2006 eine Anpassungsstörung mit Angst, Depression
und Sorgen (ICD-10 F: 43.23) angegeben. Die Arbeitsfähigkeit sei dadurch um 40 bis
45% eingeschränkt (IV-act. 105). Diese Diagnose stimmt mit der Einschätzung von Dr.
C._ überein, der in seinem Gutachten vom 18. Mai 2005 ebenfalls einer
Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10: F43.22) festgestellt
hat (IV-act. 45). Der behandelnde Psychiater, Dr. D._, hat dagegen in seinem Bericht
vom 7. April 2006 angegeben, der Beschwerdeführer leide an einer mittelgradigen
depressiven Störung mit somatischen Symptomen auf dem Boden einer ängstlichen
Persönlichkeit. Wegen der Komorbidität und der Chronifizierung der Beschwerden liege
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor (IV-act. 68). Bereits in seinem ersten Gutachten
vom 15. November 2006 hat Dr. E._ ausgeführt, die von Dr. D._ geschilderten
Symptome der psychomotorischen Verlangsamung, Antriebsverminderung,
Konzentrationsstörungen, Einengung des Denkens auf die bestehenden Beschwerden
sowie Lust- und Interessenlosigkeit seien in der aktuellen psychiatrischen Exploration
zwar vorhanden, sie würden jedoch nicht so stark dominieren (G act. 10.2). Dr. E._
hat deshalb die von Dr. D._ gestellte Diagnose einer mittelschweren depressiven
Störung nicht bestätigt. Zur Arbeitsfähigkeit hat er ausgeführt, der Beschwerdeführer
könne in einer adaptierten Tätigkeit sechs bis sieben Stunden bei einer reduzierten
Leistungsfähigkeit von 20% arbeiten. Insgesamt betrage die Arbeitsunfähigkeit 35% (G
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act. 10.2). Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht ist somit nicht
ausgewiesen.
2.4 Ein Jahr später hat Dr. E._ in seinem Gutachten vom 12. Dezember 2007
angegeben, der Beschwerdeführer leide nach wie vor an einer Anpassungsstörung mit
depressiven Phänomenen und Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10:
F43.23). Sodann liege eine psychische Überlagerung der somatischen Beschwerden
(ICD-10: F54) vor. Seit seiner letzten Begutachtung sei eine Verschlechterung
eingetreten, indem die depressiven Symptome, Anspannung, Ärger und Aggression
zugenommen hätten. Der Beschwerdeführer stecke in einer für ihn ausweglosen
Situation, sei rat- und hilflos und habe resigniert. Ab sofort halte er ihn für 40 bis 45%
als arbeitsunfähig. An eine Besserung der gesundheitlichen Situation und der
Arbeitsfähigkeit sei nicht zu denken. Der Zustand habe sich chronifiziert und die
psychischen Störungen seien praktisch nicht mehr beeinflussbar. Im Gegenteil sei mit
einer allmählichen Verschlechterung zu rechnen (IV-act. 105). Auf Nachfrage des RAD
hat Dr. E._ seine Diagnose damit begründet, dass diese weiterhin zutreffend sei, weil
nicht nur Elemente einer depressiven Störung vorlägen, sondern auch eine Störung
betreffend das Sozialverhalten. Mit der Diagnose einer depressiven Störung allein
würde die Frage der Kausalität ausser Acht gelassen. Schliesslich hat er darauf
hingewiesen, dass die Diagnose einer Anpassungsstörung nicht per se für eine milde
Form einer Depression mit geringen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit spreche (IV-
act. 108). Der RAD ist mit dieser Diagnose nicht einverstanden. Diesbezüglich ist
festzuhalten, dass die Invalidenversicherung grundsätzlich nicht nach Art und Genese
des Gesundheitsschadens fragt, der die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt, sondern ob
medizinischerseits ein psychopathologischer Befund, eine psychische Erkrankung also
und eine daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit festgestellt werden (vgl. BGE 132 V 65
E. 3.4). Aus den Akten ergibt sich, dass unabhängig von der Diagnose sowohl vom
behandelnden Arzt wie von den begutachtenden Psychiatern davon ausgegangen wird,
dass beim Beschwerdeführer seit 2005 eine psychische Störung mit Krankheitswert
vorliegt.
2.5 Dr. e._ hat in seinem Gutachten vom 12. Dezember 2007 angegeben, der
Beschwerdeführer sei auf Grund seiner einfachen Persönlichkeitsstruktur nicht in der
Lage, seine psychische Situation adäquat wahrzunehmen oder zu beschreiben,
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weshalb er auf die somatischen Beschwerden fokussiere. Seine geringen Ressourcen
würden verhindern, dass er seine Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung vollständig
überwinden könne. Der Unfall habe zur psychischen Dekompensation mit einer
depressiven Störung geführt. Der Beschwerdeführer sei daher ab sofort zu 40 bis 45%
arbeitsunfähig (IV-act. 105). Diese Ausführungen erscheinen dem Gericht überzeugend.
Ein weiterer Hinweise auf eine psychische Störung mit Krankheitswert liegt sodann in
der regelmässigen psychiatrischen Behandlung seit 4. Februar 2005 ohne sichtbaren
Therapieerfolg sowie in der umfassenden Medikation mit Antidepressiva und
Anxiolytika (IV-act. 67 und 104-3/27). Auf das überzeugende MEDAS-Gutachten vom
23. Januar 2008 kann deshalb abgestellt werden. Demgemäss ist der
Beschwerdeführer in einer körperlich belastenden Tätigkeit seit 19. Dezember 2003 zu
100% arbeitsunfähig. Aus psychiatrischer Sicht besteht seit 12. Dezember 2007 eine
40 bis 45%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 104-24/27).
2.6 Die Beurteilung des RAD vermag dagegen nicht zu überzeugen. Aus den Akten ist
klar ersichtlich, dass der Arbeitsunfähigkeit eine somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
einer psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit gefolgt ist. Dass allein das Kriterium
der theoretisch anzunehmenden Dauer einer psychischen Störung zur Nichtbeachtung
der psychiatrischen Arbeitsfähigkeitsschätzung führt, ist nicht gerechtfertigt. Wie Dr.
e._ klar angegeben hat, bedeutet die Anpassungsstörung nicht durchwegs eine
milde Form einer Depression. Daher ist die Annahme, dass der Beschwerdeführer statt
an einer Anpassungsstörung an einer Dysthymia leidet, die keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit habe, nicht schlüssig. Die psychiatrische Aktenlage verdeutlicht
hinreichend, dass ein pathologischer Zustand eingetreten ist und die daraus
resultierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch mit einer dem Beschwerdeführer
zumutbaren Willensanstrengung nicht vollständig überwunden werden kann. Eine
somatoforme Schmerzstörung wurde nicht diagnostiziert, sodass entgegen der Ansicht
der Beschwerdegegnerin die analoge Anwendung der entsprechenden Rechtspraxis
dem vorliegenden Fall von vornherein nicht gerecht wird. Im Übrigen ist es nicht
Aufgabe des RAD, die schlüssigen medizinischen Grundlagen einer juristischen
Würdigung zu unterziehen (vgl. IV-act. 122).
2.7 Zusammenfassend ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
aus somatischer Sicht in seiner bisherigen Tätigkeit ab 19. Dezember 2003 zu 100%
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arbeitsunfähig war (IV-act. 104-24/27). Dr. c._ hat ihm aus psychischer Sicht ab
18. Mai 2005 eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Das Gutachten des IA vom
2. Februar 2006 hat eine 35%ige Arbeitsunfähigkeit festgestellt, wobei eine Interaktion
von somatischen Einschränkungen in Verbindung mit der depressiven
Stimmungsbeeinträchtigung berücksichtigt worden war. Dr. e._ hat den
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 35% in seinem Gutachten vom 15. November 2006
bestätigt. Damit kann ab Februar 2006 von einer 35%igen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden. Dass dieser Arbeitsunfähigkeitsgrad gemäss MEDAS-Gutachten
vom 23. Januar 2008 jedoch bereits ab 19. Dezember 2003 galt, ist bei der
vorliegenden Aktenlage (vgl. Gutachten Dr. C._) nicht überwiegend wahrscheinlich.
Hingegen ist von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes ab der MEDAS-
Begutachtung auszugehen. So ist der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht ab
12. Dezember 2007 zu 40 bis 45%ige arbeitsunfähig. Dr. F._ hat in seinem Bericht
vom 16. September 2008 keine Arbeitsunfähigkeit angegeben (G act. 4.1). Daher ist
nicht anzunehmen, dass eine mittelgradige Einschränkung der Leistungsfähigkeit auf
Grund der Schwindelbeschwerden eine höhere Arbeitsunfähigkeit begründen würde,
als sie aus psychiatrischer Sicht gegeben ist.
3.
3.1 Auf der Basis der gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeitsgrade für eine
leidensadaptierte Tätigkeit ist im Folgenden der Invaliditätsgrad zu bemessen. Das
Valideneinkommen beläuft sich für das Jahr 2003 auf Fr. 58'633.-- (IV-act. 8, 12). Der
Beschwerdeführer arbeitet seit dem Unfall nicht mehr. Das Invalideneinkommen ist
deshalb auf Grund der LSE-Tabellenlöhne zu bestimmen (vgl. etwa Urteil des
Bundesgerichts vom 10. März 2008 [8C_119/2007] E. 5.2). Gemäss der Tabelle TA 1
der LSE 2002 und angepasst an die Nominallohnentwicklung belief sich das
Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiter aller Branchen im Jahr 2003 auf
Fr. 57'745.-- im Jahr.
3.2 Betreffend den geltend gemachten Leidensabzug ist festzuhalten, dass der oftmals
als "Leidensabzug" bezeichnete Abzug nichts mit dem Leiden zu tun hat. Vielmehr
sollen damit jene Nachteile ausgeglichen werden, welche die versicherte Person bei
der Anwendung statistischer Daten für das Invalideneinkommen erleidet. Die Invalidität
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bewirkt - neben der Arbeitsunfähigkeit - auf den realen Arbeitsmarkt bezogen eine
zusätzliche Lohneinbusse. Denn die statistischen Tabellenlöhne werden auf der
Grundlage von Daten gesunder Arbeitnehmer erhoben. Solche Werte erreicht der
invalide Arbeitnehmer im Allgemeinen nicht. Vielmehr muss er in der Entwicklung des
Invaliditätseinkommens beziehungsweise der Invalidenkarriere mannigfaltige Nachteile
gewärtigen (vgl. BGE 126 V 75 neues Fenster zum Leidensabzug). Der
Beschwerdeführer ist gegenüber einem gesunden Konkurrenten benachteiligt, weil
mehr Krankheitsabwesenheiten zu erwarten sind und er weniger flexibel ist (z.B. in
Bezug auf Überstunden). Er wird deshalb seine Arbeitskraft zu einem
unterdurchschnittlichen Lohn anbieten müssen, was in der ärztlichen Schätzung der
Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt ist. Sodann ist bei Männern im tiefsten
Anforderungsniveau die Teilzeitarbeit hochgerechnet auf ein Vollpensum statistisch
gesehen schlechter entlöhnt als Vollzeitarbeit (Tabelle T8* auf S. 28 der LSE 2002).
Männer im tiefsten Anforderungsniveau erzielten im Jahr 2002 mit einem zwischen
50% und 89% liegenden Arbeitspensum aufgerechnet auf ein Vollpensum ein zwischen
8.5% und 10.4% tieferes Einkommen. Dies ist zu berücksichtigen. Der geringen
Ausbildung sowie den mangelnden Deutschkenntnissen ist mit der Einstufung auf das
Niveau 4 gemäss den statistischen Löhnen im Anhang der LSE bereits Rechnung
getragen worden. Ebenso rechtfertigt das fortgeschrittene Alter (Jahrgang 1947) keinen
zusätzlichen Abzug. Es ist von einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage auszugehen.
Dabei ist die Neuanstellung auch älterer Arbeitskräfte nicht notwendigerweise mit einer
unterdurchschnittlichen Entlöhnung verbunden. Aus dem Umstand, dass ältere
Arbeitnehmer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten seltener eine Anstellung finden als
jüngere, ist für das hypothetische Invalideneinkommen nichts abzuleiten. Vielmehr liegt
primär ein Aspekt des Arbeitslosigkeitsrisikos vor (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. September 2008 [IV 2007/242]
E. 4.3.5 mit Hinweisen). Insgesamt erscheint unter diesen Umständen ein Abzug von
15% als angemessen.
3.3 Gemäss IA-Gutachten vom 2. Februar 2006 war dem Beschwerdeführer zu jener
Zeit eine leidensangepasste Tätigkeit noch zu 65% zumutbar. Für die Zeit zuvor ist mit
Dr. C._ von einer Arbeitsunfähigkeit von 20% auszugehen (IV-act. 36-3/4), was eine
rentenbegründende Invalidität ausschliesst. Das Invalideneinkommen betrug für die
Zeit ab Februar 2006 bei einem 65%-Pensum und einem "Leidensabzug" von 15%
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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Fr. 31'904.--. Die Einkommenseinbusse betrug im Vergleich zum Valideneinkommen
von Fr. 58'633.-- somit Fr. 26'729.-- und der Invaliditätsgrad 45.58%. Das Wartejahr
(aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG) war bei einer seit Dezember 2003 bestehenden 100%igen
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit im Februar 2006 erfüllt. Der
Beschwerdeführer hat somit ab 1. Februar 2006 Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.4 Seit Dezember 2007 (Zeitpunkt des MEDAS-Gutachten) ist der
Arbeitsunfähigkeitsgrad auf 40 bis 45% gestiegen. Das Invalideneinkommen beträgt
somit in einem 55- bis 60%-Pensum noch Fr. 31'760.-- beziehungsweise Fr. 34'647.--
und nach einem weiterhin angemessenen "Leidensabzug" von 15% Fr. 26'996.--
beziehungsweise
Fr. 29'445.--. Werden diese Einkommen dem Valideneinkommen von Fr. 58'633.--
gegenübergestellt, resultiert ein Invaliditätsgrad von 49.78 (gerundet 50%)
beziehungsweise von 53.96%. Der Beschwerdeführer hat somit in Anwendung von Art.
88a Abs. 2 IVV ab 1. März 2008 Anspruch auf eine halbe Rente.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung in
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Der Beschwerdeführer hat ab 1. Februar
2006 Anspruch auf eine Viertelsrente. Ab 1. März 2008 besteht ein Anspruch auf eine
halbe Rente. Die Sache wird zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten
Leistung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt. Da sie gemäss Art. 3
Abs. 1 lit. b des st. gallischen Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der
Sozialversicherungsanstalt und damit Teil einer selbständigen öffentlich-rechtlichen
Anstalt ist, kommt Art. 95 Abs. 3 VRP (Befreiung von der Pflicht zur Übernahme
amtlicher Kosten) nicht zur Anwendung (vgl. Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor
bis
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dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., 2003, Rz 792). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb
die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
4.3 Die obsiegende beschwerdeführerende Partei hat bei diesem Verfahrensausgang
einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung bemisst sich
gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des Prozesses. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Bei diesem Verfahrensausgang wird die bereits bewilligte unentgeltliche
Prozessführung gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG