Decision ID: a608a0af-98c2-49d0-a7e1-4ba0a13d9b3b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Persönlichkeitsverletzung / UWG
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Rechtsbegehren: (act. 23 S. 3 ff.)
" 1. Es sei festzustellen, dass die Beklagten mit den Berichten ab tt.mm.2009 in ihren jeweiligen Medien D._, E._, den  F._, G._, H1._, H2._, I._, J._ (jeweils print und online) sowie K._ insbesondere mit den nachfolgenden Aussagen (in diesen  und in ähnlichen Formulierungen mit gleichem Sinngehalt): Themenkreis Erpressung, Drohung, Nötigung, Freiheitsberaubung: Dem ... und ... [Bezeichnung] werden Erpressungsversuche vorgeworfen I Er soll Sexspiele mit Frauen aus der ... [einer Berufsgattung Zugehörige] gefilmt haben und mit den Sexvideos versucht haben, die Frauen zu erpressen I "A._ hat immer wieder junge Frauen unter einem Vorwand in den ... [Ort] im B._ gelockt, da  er mit ihnen Sex, der von den Überwachungskameras aufgezeichnet wurde", so eine ... [Angehörige einer soziale Gruppe]. Mit diesen Aufnahmen soll A._ laut D._ die Mädchen erpresst haben
Themenkreis Sexualdelikte (sex. Nötigung, Belästigung, ): ln ... [Angehörige einer soziale Gruppe]-kreisen sei es "ein offenes Geheimnis" bzw. "ein mehr oder weniger offenes Geheimnis, dass A._ im ... [Ort] seines B'._ an der ...-strasse Frauen zu Sex gezwungen oder auch geschlagen habe / Im ... [Ort] sollen wahre Orgien stattgefunden haben, wobei von erzwungenem Oralsex und Nacktfotos die Rede ist I Schwere Vorwürfe gegen A._, er sitzt in UHaft,  Mädchen haben ihn wegen sexueller Nötigung angezeigt / Im Beitrag reden , die wissen, was im ... [Ort] vom [Lokalität] passiert ist: "Mini Fründin hät gseit, dass sie mit zwei Typä i dem ... [Ort] inä gsi isch. De eint devo isch dr A._ gsi. Und dänn hät er gseit: blas eus eis oder chunsch da numä usä". Diese Kollegin hat A._ jetzt angezeigt. Laut L._ ist ihre Freundin zu Oralsex gezwungen  I "Es isch im ... [Ort] ine gsi, dänn hät er abgschlosse. Ich bin verschrocke. Er hät mich am Hals packt und so quasi gseit: blas mer eis". Seine Sucht ist dem ... [] jetzt zum Verhängnis geworden. Aus dieser Situation hilft ihm kein ... I Es melden sich immer mehr junge Frauen bei der Polizei, A._ habe sie im ... [Ort] sexuell belästigt I mm.2004: er sitzt 16 Tage in UHaft wegen sexueller Beziehung mit Minderjährigen. mm.2009: jetzt kommt die ... Sex Affäre so richtig ins Rollen I ln  3 Fällen junge Frauen im B'._ zu Oralsex gezwungen I Weiteres Detail kommt ans Tageslicht A._ soll sogenannte "... [Getränk]" benutzt haben, um seine weiblichen Opfer willig zu machen I Laut Insidern nicht das erste Mal, dass der Unternehmer wegen Sex Übergriffen mit dem Gesetz in Konflikt kommt I So  ein Mädchen, die ein Heimfahr Angebot von A._ annahm, die : "Entweder du bläst mir einen, oder du steigst aus"
Themenkreis physische Gewalt: Seit Jahren kursieren Gerüchte über seinen groben Umgang mit Frauen, Ohrfeigen I Prügelei in M._ I Fusstritte I Prügelei im N._ [Hotel]: "A._ ist unser ... [Bezeichnung]" I Anwältin des Opfers sagt klar, A._ habe sie mit ... [] angegriffen I Videoaufnahmen zeigen klar, dass A._ mit ... [Gegenstand] angegriffen hat I Opfer: A._ habe sie und O._ mit einer ... [Gegenstand] geschlagen. Dann kam es noch schlimmer: ,er rannte auf mich zu und schlug mich
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voll ins Gesicht' I ... [Personen] sollen A._ als Täter schützen I So kann man selbst als ... [Bezeichnung] risikolos zuschlagen
Themenkreis Charakterschwäche, psychische Krankheit, sittenwidriges Verhalten: Die psychosexuelle Entwicklung von A._ ist retardiert zurückgeblieben / Sein  hatte offenbar Mühe, den Söhnen klare Grenzen aufzuzeigen / Jetzt ist da nur noch ein ... Mann, der ... und offensichtlich damit nicht fertig wird / A._s : ... / Nicht das erste Mal ... / Er hatte aber den Frauen jeweils ... geboten, damit sie ihre Anzeigen zurückzogen / Orgien von ... im B._ / Immenses  / Widerruf der Vorwürfe nur wegen massivem Druck und Drohung /  klar gemacht, dass es für sie besser wäre, wenn sie ihre Aussage  würde / Nutzt seine Stellung und sein ... skrupellos aus / Lange gab es Gerüchte über das, was in A._s ... [Lokalität] vorgeht, jetzt erst kommt alles raus. Warum dauerte das so lange? Diese ... [soziale Gruppierung] ist ekelhaft. Wenn man so etwas geschrieben hätte oder nur recherchiert, was eigentlich ohnehin alle wussten, so hätte es Drohungen gegeben und der Anwalt wäre gekommen I "..." ... [Auszeichnung] für A._ / Das Ende des Systems B._ / Jahrelang hatten Betroffene Anzeigen zurückgezogen und erhielten dafür ... Für einmal konnte sich A._ nicht freikaufen von juristischen Problemen / Er ist ein Sexual- und  / A._ scheint sich nicht bewusst zu sein, was er bei seinen Opfern angerichtet hat. War jemand nicht willig, so brauchte er Gewalt - körperlich und sexuell. Nicht immer, aber immer wieder. Das Ganze hatte System
sowie indem sie durch ihre Berichte (Artikel, Bilder, Videos, Radiosendungen; jeweils unter voller Namensnennung) und deren permanente  eine eigentliche Medienkampagne gegen den Kläger geführt 
a) den Kläger in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt haben; b) eventualiter das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb ver-
letzt haben. 2. Es sei festzustellen, dass die Beklagten mit den Berichten ab
tt.mm.2009 in ihren jeweiligen Medien D._, E._, den  F._, G._, H1._, H2._, I._, J._ (jeweils print und online) sowie K._ mit den nachfolgenden Aussagen (in diesen Formulierungen und in ähnlichen Formulierungen mit gleichem Sinngehalt): Themenkreis Erpressung im B._ "A._ hat immer wieder junge Frauen unter einem Vorwand in den ... [Ort] im B._ gelockt, da hatte er mit ihnen Sex, der von den Überwachungskameras  wurde", so eine ... [Angehörige einer soziale Gruppe]. Mit diesen  soll A._ laut D._ die Mädchen erpresst haben
Themenkreis Sexualdelikte im B._ ln ... [Angehörige einer soziale Gruppe] sei es "ein offenes Geheimnis" bzw. "ein mehr oder weniger offenes Geheimnis", dass A._ im ... [Ort] seines B'._ an der ...-strasse Frauen zu Sex gezwungen oder auch geschlagen habe / Im ... [Ort] sollen wahre Orgien stattgefunden haben, wobei von erzwungenem Oralsex und Nacktfotos die Rede ist / Im Beitrag reden Frauen, die wissen, was im ... [Ort] vom ... [Lokalität] passiert ist: "Mini Fründin hät gseit, dass sie mit zwei Typä i dem ... [Ort]
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inä gsi isch. De eint devo isch dr A._ gsi. Und dänn hät er gseit: blas eus eis  chunsch da numä usä". Diese Kollegin hat A._ jetzt angezeigt. Laut L._ ist ihre Freundin zu Oralsex gezwungen worden / "Es isch im ... [Ort] ine gsi, dänn hät er abgschlosse. Ich bin verschrocke. Er hät mich am Hals packt und so quasi gseit: blas mer eis". Seine Sucht ist dem ... [Bezeichnung] jetzt zum Verhängnis  / Es melden sich immer mehr junge Frauen bei der Polizei, A._ habe sie im ... [Ort] sexuell belästigt / ln mindestens 3 Fällen junge Frauen im B._ zu Oralsex gezwungen / Weiteres Detail kommt ans Tageslicht: A._ soll  "... [Getränk]" benutzt haben, um seine weiblichen Opfer willig zu machen
sowie indem sie eine eigentliche Medienkampagne gegen die Klägerin  haben
a) das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb verletzt haben; b) eventualiter die Klägerin in ihrer Persönlichkeit widerrechtlich verletzt
haben. 3. Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, innert 20 Tagen nach Eintritt der
Rechtskraft das Urteilsdispositiv zweimal aufeinanderfolgend auf  1 sämtlicher Print-Ausgaben ihrer Medien F._ und G._ in der Grösse einer ganzen Seite zu publizieren, als Top-Artikel in K._ online zu platzieren sowie in der Sendung P._ von E._ und den News von D._ in sämtlichen Ausgaben eines bestimmten Tages zu verlesen. Es sei die Beklagte 2 zu verpflichten, innert 20 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft das Urteilsdispositiv zweimal aufeinanderfolgend auf Seite 1 von H1._ in der Grösse einer ganzen Seite zu publizieren und als Top-Artikel im H1._ online zu platzieren. Es sei die Beklagte 3 zu verpflichten, innert 20 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft das Urteilsdispositiv zweimal aufeinanderfolgend auf Seite 1 von H2._ in der Grösse einer ganzen Seite zu publizieren und als Top-Artikel im H2._ online zu platzieren. Es sei die Beklagte 4 zu verpflichten, innert 20 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft das Urteilsdispositiv zweimal aufeinanderfolgend auf Seite 1 der J._ und im I._ zu publizieren.
4. Es seien die Beklagten zu verpflichten, sämtliche Presseartikel, TV/Video und Radiobeiträge mit persönlichkeitsverletzenden und  das UWG verstossenden Inhalten aus allen verfügbaren Archiven in allen Formen und Formaten zu löschen, insbesondere in den  (online) Archiven, den Mediendatenbanken (inkl. Q._ und R._) und den Internet-Suchmaschinen (z.B. S._, inkl. S._-lndex und S._ Cache); eventualiter seien die Beklagten zu verpflichten, die genannten Artikel und Beiträge in allen verfügbaren online Archiven mit dem  zu verlinken.
5. Es sei den Beklagten zu verbieten, in sämtlichen ihrer Medien die in Ziffer 1 und 2 genannten Aussagen in diesen Formulierungen oder in
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ähnlichen Formulierungen mit gleichem Sinngehalt weiter zu , unter Androhung von Strafe gemäss Art. 292 StGB im .
6. Die Beklagten seien zu verpflichten, dem Kläger den durch die  Berichte (inkl. Folgeberichte) bzw. die Medienkampagne in ihren Medien erzielten Gewinn, dessen Höhe nach Durchführung des Beweisverfahrens beziffert bzw. nach richterlichem Ermessen i.S.v. Art. 42 Abs. 2 OR abzuschätzen sein wird, herauszugeben und es seien die Beklagten zu verpflichten, sämtliche Informationen zur Eruierung bzw. Abschätzung des Gewinns offen zu legen, insbesondere die , Auflage und Leserzahlen (einschliesslich Anzahl Klicks auf -Artikel und statistische Auswertungen zu den meistgelesenen ), die Anzahl der Einzelverkäufe, die Aushänge an den Kiosken und Zeitungsboxen an den Daten mit Negativberichten über die Kläger, die Entwicklung der Abonnementszahlen, die Entwicklung der Inserate und Werbeeinnahmen, die Umsatzrendite ihrer einzelnen Titel und  Medien und insgesamt, sowie alle relevanten Vergleichszahlen in Schweizer Franken, im Zeitraum ab tt.mm.2008 bis zum Urteilsdatum.
7. Es seien die Beklagten unter deren solidarischer Haftbarkeit zu , dem Kläger CHF 638'931.60 als Schadenersatz zu bezahlen, unter dem Vorbehalt der Nachklage; eventualiter seien die Schadenersatzforderungen nach richterlichem Ermessen auf die Beklagten aufzuteilen.
8. Es seien die Beklagten unter deren solidarischen Haftbarkeit zu , dem Kläger CHF 50'000. als Genugtuung zu bezahlen; eventualiter sei die Genugtuungsforderung nach richterlichem  auf die Beklagten aufzuteilen.
Alles und Kosten und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST von 8%) zu Lasten der Beklagten."
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Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Der Kläger 1 ist Unternehmer und betrieb bis Ende 2010 den ... [Lokalität]
"B._" in Zürich. Er ist Verwaltungsratsmitglied der Klägerin 2, die namentlich
das Betreiben von Restaurationsbetrieben, wie den zuvor genannten ... [Lokalität],
bezweckt.
Bei den Beklagten 1-2 (nachfolgend: Beklagte) handelt es sich um Schweizer
Medienunternehmen.
b. Prozessgegenstand
Streitgegenstand bilden diverse Berichte, die die Beklagten in ihren Mediener-
zeugnissen (Zeitungen, Radio, Fernsehen etc.) veröffentlichen. Im Kern drehen
sich diese um ein vor rund 10 Jahren gegen den Kläger 1 angestrengtes Strafver-
fahren der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat.
Diese Berichterstattung verletzte verschiedentlich die Persönlichkeitsrechte des
Klägers 1, wobei es nach zweiter Rückweisung des Bundesgerichts im vorliegen-
den Prozess erneut über den genauen Umfang zu befinden gilt.
B. Prozessverlauf
Am 24. Februar 2011 (Datum Poststempel) reichten die Kläger die Klage mit obi-
gen Rechtsbegehren hierorts ein (act. 1). Den ihnen – nach Streitwertbezifferung
(act. 6) – mit Verfügung vom 14. März 2011 (Prot. S. 3) auferlegten Gerichtskos-
tenvorschuss leisteten sie fristgerecht (act. 9). Mit Verfügung vom 31. März 2011
(Prot. S. 4) wurde den Beklagten Frist zur Einreichung der Klageantwort ange-
setzt. Deren Erstattung erfolgte am 5. Juli 2011 (act. 15). Mit Verfügung vom
2. September 2011 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Prot. S. 8).
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Die Replik datiert vom 7. November 2011 (act. 23) und die Duplik vom 17. Febru-
ar 2012 (act. 29). Zwischenzeitlich reichten die Kläger eine Noveneingabe ein
(act. 27), zu welcher sich die Beklagten mit Eingabe vom 5. März 2012 äusserten
(act. 32). Die Kläger nahmen hierzu und zur Duplik mit separaten Eingaben vom
24. April 2012 (act. 36; act. 37) Stellung. In der Folge verzichteten die Parteien
auf die Durchführung einer Hauptverhandlung; die Kläger ausdrücklich (act. 43)
und die Beklagten durch ihr Stillschweigen (vgl. Prot. S. 13). Das hernach ergan-
gene Urteil des Handelsgerichts vom 26. Juni 2014 (act. 69) wurde mit Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Mai 2015 (act. 75) teilweise aufgehoben. Gleiches ge-
schah mit Urteil des Handelsgerichts vom 8. Februar 2016 (act. 84), das mit Urteil
des Bundesgerichts vom 9. Juni 2017 (act. 90) teilweise kassiert wurde. In der
Folge scheiterten sowohl gerichtliche als auch aussergerichtliche Vergleichsbe-
mühungen (Prot. 2; act. 93). Am 27. Juni 2018 (act. 94) erging ein Beweisbe-
schluss. Die Parteibefragung des Klägers 1 sowie die Stellungnahmen der Partei-
en dazu fanden am 10. Dezember 2018 statt (Prot. S. 4 ff.). Mit Verfügung vom
1. Februar 2019 (act. 99) wurde den Parteien schliesslich Wechsel in der Ge-
richtsbesetzung angezeigt. Die Beklagten reichten mit Eingabe vom 5. Februar
2019 (act. 101) eine unaufgeforderte Stellungnahme betreffend ihre Interpretation
des bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheids ein. Diese kann den Klägern
mit diesem Urteil zugestellt werden; sie findet, da vom Gericht nicht angeordnet,
keine Berücksichtigung in den nachfolgenden Erwägungen und ist ohnehin nicht
entscheidrelevant. Das Handelsgericht ist an den bundesgerichtlichen Rückwei-
sungsentscheid gebunden. Der Prozess ist spruchreif.

Erwägungen
1. Einleitung
Sowohl das Handelsgericht als auch das Bundesgericht haben sich bereits zwei-
fach mit der vorliegenden Streitsache befasst und – bei hauptsächlicher Klageab-
weisung – verschiedentlich Persönlichkeitsverletzungen festgestellt (siehe im
Überblick E. 8.3). In Nachachtung des letzten vorgenannten, höchstrichterlichen
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Entscheides gilt es – nebst der Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen
– in einem ersten Schritt noch über folgende Punkte zu befinden:
− "T._ [Zeitungstitel]" (I._ vom tt.mm.2009 [act. 4/52]) − "U._ [Zeitungstitel]" (H1._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/91]) − "V._: Die meistgelesenen Artikel 2009" (F._ online und
W._ vom tt.mm.2009 [act. 4/102]) − Medienkampagne ab tt.mm.2011 − Anspruch des Klägers 1 auf Auskunft und Rechnungslegung − Genugtuung
Erst danach kann in einem zweiten Schritt die Höhe des Gewinnherausgabean-
spruchs des Klägers 1 beurteilt werden (zum Ganzen: BGE 143 III 297 E. 8.2.6).
2. Formelles
Die Beklagten bestreiten die Zulässigkeit der klägerischen Noveneingabe vom
10. Februar 2012 (act. 27). Die darin enthaltenen Tatsachenbehauptungen seien
nicht ohne Verzug vorgebracht worden (act. 32 N 5 f.). Dies gelte insbesondere
für den beanstandeten Artikel vom 10. Januar 2012 (act. 32 N 6).
Die Beklagten verkennen mit diesen Ausführungen die Tragweite einer möglichen
"Medienkampagne". Das Vorliegen einer Medienkampagne gilt es in materieller
Hinsicht abstrakt und losgelöst von einzelnen Artikeln über einen gewissen Zeit-
raum zu beurteilen. Dies macht es in prozessualer Hinsicht notwendig, solange
mit deren Einbringung als Novum zuzuwarten, bis sie abgeschlossen oder zumin-
dest abgeflaut ist. Erst danach kann überhaupt eine gerichtliche Beurteilung des
Novums "weitere Medienkampagne" erfolgen. Aus der lediglich dienenden Funk-
tion des Prozessrechts können sich keine höheren Anforderungen ergeben. Das
klägerische Vorgehen erweist sich vor dem Hintergrund von Art. 229 ZPO damit
ohne Weiteres als zulässig.
Zusammenfassend liegt mit Eingabe vom 10. Februar 2012 eine prozessual zu-
lässige Noveneingabe des Klägers 1 vor.
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3. "T._" (I._ vom tt.mm.2009 [act. 4/52])
3.1 Ungerechtfertigte Persönlichkeitsverletzung
Der Inhalt des genannten Artikels stellt gemäss Bundesgericht eine nicht gerecht-
fertigte Persönlichkeitsverletzung dar (Urteil BGer 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015
E. 7.2.3.8; vgl. Urteil BGer 5A_256/2016 vom 9. Juni 2017 E. 4.3 [nicht publ. E. in
BGE 143 III 297]).
3.2. Fazit
Versehentlich wurde dies nur in den Erwägungen, aber nicht im Dispositiv des
aufgehobenen Urteils vom 8. Februar 2016 festgestellt (act. 84). Dies gilt es hier-
mit nachzuholen. Die Beklagte 2 ist entsprechend zu verpflichten, eine Willenser-
klärung auf Löschung gegenüber der Q._ AG, R._ AG und S._
GmbH abzugeben.
4. "U._" (H1._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/91])
4.1. Persönlichkeitsverletzung
Das Bundesgericht stufte den streitgegenständlichen Artikel – anders als das hie-
sige Gericht – als persönlichkeitsverletzend ein (Urteil BGer 5A_256/2016 vom
9. Juni 2017 E.5.2.4 [nicht publ. E. in BGE 143 III 297]. Neu zu entscheiden hat
das Handelsgericht somit nur noch über das Vorliegen eines Rechtfertigungs-
grundes, den die Beklagte 1 darzutun hat (a.a.O. E. 5.2.5.).
4.2. Rechtfertigungsgründe
Vorauszuschicken ist, dass unter einem Rechtfertigungsgrund der Nachweis der
Wahrheit der persönlichkeitsverletzenden Äusserung oder der Begründetheit der
Kritik bzw. eines des den Interessen des Verletzten mindestens gleichwertigen öf-
fentlichen oder privaten Interesses, zu verstehen ist (BGE 143 III 297 E. 6.7.1).
Der Beklagten 1 misslingt der Beweis eines Rechtfertigungsgrundes: In bloss
pauschaler Weise führt sie aus, dass die Darstellungen im erwähnten Artikel
"ausnahmslos sachlich korrekt und rechtlich zulässig" seien (act. 15 N 76) bzw. es
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keine "Falschmeldung" gäbe (act. 15 N 159). Weder findet sich im beklagtischen
Vortrag eine konkrete, inhaltliche Bezugnahme zu einzelnen Textpassagen noch
werden Belege zu deren Untermauerung eingereicht. Es wird vielmehr auf zahl-
reiche, zum Beweis anerbotene Zeugenaussagen verwiesen, womit sich das un-
genügend vorgetragene Tatsachenfundament allerdings nicht korrigieren lässt
(Urteil BGer 4A_504/2015 vom 28. Januar 2016 E. 2.4; Urteil des Handelsgerichts
des Kantons Zürich HG150173-O vom 12. Juli 2017 E. 3.3.1; vgl. Urteil BGer
4A_221/2015 vom 23. November 2015 E. 3.1 [nicht publizierte E. in BGE 141 III
549]). Die Beklagte 1 spricht in diesem Zusammenhang selbst von einer bloss
"allgemeinen Bestreitung" (act. 29 N 140). Überhaupt werden dieselben 21 Zeu-
gen zum Wahrheitsbeweis einer Vielzahl von beklagtischen Publikationen angeru-
fen. Solche mehrthematischen Beweismittel sind ebenfalls unzulässig (statt vieler:
HASENBÖHLER, Das Beweisrecht der ZPO, Band 1, Zürich 2015, § 2 N 2.11; Urteil
des Handelsgerichts des Kantons Zürich HG140246-O vom 12. Mai 2017 E. 3.2
[teilweise in ZR 116/2017 Nr. 42 publiziert]).
4.3. Fazit
Zusammenfassend ist – mangels gehörig dargetaner Rechtfertigungsgründe – die
persönlichkeitsverletzende Natur des Artikels festzustellen. Die Beklagte 1 ist ent-
sprechend zu verpflichten, ihn – da weiterhin auffindbar – auf ihrer Webseite zu
löschen und eine Willenserklärung auf Löschung gegenüber der Q._ AG,
R._ AG und S._ GmbH abzugeben.
5. "V._: Die meistgelesenen Artikel 2009" (F._ online und W._ vom tt.mm.2009 [act. 4/102])
5.1. Vorbemerkung
Das Bundesgericht hat die handelsgerichtliche Argumentation hinsichtlich der
rechtlichen Qualifikation des genannten Online-Artikels verworfen (Urteil BGer
5A_256/2016 vom 9. Juni 2017 E. 5.3.3 [nicht publ. E. in BGE 143 III 297]. Erneut
gilt es deshalb über die Frage der Verletzung der Persönlichkeit und diejenige der
Rechtfertigung zu entscheiden.
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5.2. Persönlichkeitsverletzung
Der streitgegenständliche Bericht bündelt eine Reihe von Artikeln aus dem Ress-
ort "Zürich", die im Jahr 2009 "besonders häufig beachtet wurden", in die fünf Ka-
tegorien "Verkehr", "Leben in Zürich", "Panorama", "Leute" und "Politik". Als
zweitplatzierten Artikel in der Kategorie "Leute" nennt der Bericht ein Porträt über
den Kläger 1 aus der Zeit kurz bevor bekannt geworden sei, dass dieser "mehr-
fach wegen Tätlichkeiten und sexuellen Übergriffen angeklagt sei" (Urteil BGer
5A_256/2016 vom 9. Juni 2017 E. 5.3.1 [nicht publ. E. in BGE 143 III 297]).
Begriffe wie "Tätlichkeiten" und "sexuelle Übergriffe" stellen landläufig Straftatbe-
stände dar; auch der Durchschnittsleser verbindet sie ohne Weiteres mit dem
Strafrecht. Er wird aufgrund deren häufigen Sprachgebrauchs auch eine ungefäh-
re Vorstellung von der Tragweite solcher Vorwürfe haben.
Anders sieht dies, wie bereits im Grundsatz vom Bundesgericht erwogen (Urteil
BGer 5A_256/2016 vom 9. Juni 2017 E. 5.3.3 [nicht publ. E. in BGE 143 III 297],
mit dem Begriff der "Anklage" aus. Einerseits kann eine Person von einer anderen
ausserhalb eines strafrechtlichen Verfahrens angeklagt werden, etwas Unrechtes
getan zu haben. Andererseits kann der Durchschnittsleser ohne juristische Fach-
kenntnisse kaum präzise einordnen, was mit diesem Ausdruck genau gemeint ist.
Dennoch wird er die strafrechtliche Konnotation aufgrund der Verknüpfung mit
den Straftatbeständen erkennen, aber es wird für ihn lediglich die Verknüpfung
der Person des Klägers 1 mit einem Strafverfahren im Vordergrund stehen. Ob
eine Anklage im juristisch-technischen Sinn erhoben wurde oder nicht, spielt für
das Durchschnittsverständnis aber gar keine Rolle. Die im Artikel beschriebene
Involvierung des Klägers 1 in ein Strafverfahren genügt bei objektivierter Betrach-
tungsweise nämlich bereits für sich genommen, um dem Kläger 1 ein verwerfli-
ches, gesellschaftlich verpöntes Verhalten zu unterstellen (in diesem Sinne: Urteil
des Handelsgerichts des Kantons HE170166-O vom 29. Juni 2017 = ZR
116/2017 Nr. 69, S. 226 ff., Urteil des Handelsgerichts des Kantons Zürich
HG150249-O vom 15. März 2018 E. 1.2). Dies gilt im besonderen Ausmass, da
auch nur schon mutmasslichen Sexualstraftätern eine gesellschaftliche Ächtung
widerfährt (vgl. Urteil BGer 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015 E. 7.2.3.4). Die persön-
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lichkeitsverletzende Natur des streitgegenständlichen Online-Artikels ist daher zu
bejahen.
5.3. Rechtfertigungsgründe
Es ist ohne Weiteres möglich, über die Involvierung einer Person in ein Strafver-
fahren zu berichten. Es gilt dabei allerdings die von der Rechtsprechung und Lite-
ratur herausgearbeiteten Grenzen zu wahren (dazu ausführlich: z.B. Urteil des
Bundesgerichts 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015 E. 8.2 m.w.H.). Deren Einhaltung
vermag die Persönlichkeitsverletzung zu rechtfertigen.
Während es auf die effektive Erhebung der Anklage im juristisch-technischen
Sinn, wie gezeigt, nicht ankommen kann, hat die Beklagte 1 zum Gelingen des
Wahrheitsbeweises als Rechtfertigungsgrund immerhin darzulegen, dass ein
Strafverfahren gegen den Kläger 1 wegen Tätlichkeiten und sexuellen Übergriffen
geführt wurde. Zur Führung dieses Beweises kann sich die Beklagte 1 aber nicht
einfach auf später bekannt gewordene Tatsachen stützen, sondern sie hat aufzu-
zeigen, dass der Artikel zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung am tt.mm.2009 der
Wahrheit entsprach. Dies misslingt ihr wiederum: Sie verweist pauschal auf die
Akten der Stadtpolizei Zürich ohne im Parteivortrag selbst deren zeitlichen Bezug
zum tt.mm.2009 näher auszuführen. Sie begnügt sich bei allgemein gehaltenen
Aussagen wie "das Strafverfahren war hinlänglich bekannt" (act. 29 N 142) und es
sei nicht "falsch" berichtet worden. Dies ist ungenügend. Überhaupt nennt die Be-
klagte 1 für eine Vielzahl von Tatsachenvorbringen dieselben Beweismittel
(act. 15 N 80; act. 29 N 142), was angesichts des zuvor beschriebenen Verbots
mehrthematischer Beweismittel nicht angeht. Die Beklagte 1 vermag deshalb den
Wahrheitsbeweis nicht zu erbringen. Weitere Rechtfertigungsgründe tut sie nicht
dar.
5.4. Fazit
Zusammenfassend ist – mangels gehörig dargetaner Rechtfertigungsgründe – die
persönlichkeitsverletzende Natur des Artikels festzustellen. Die Beklagte 1 ist ent-
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sprechend zu verpflichten, eine Willenserklärung auf Löschung gegenüber der
Q._ AG, R._ AG und S._ GmbH abzugeben.
6. Medienkampagne ab tt.mm.2011 ("Medienkampagne 2")
6.1. Vorbemerkung
Das Bundesgericht bejahte eine gegen den Kläger 1 geführte persönlichkeitsver-
letzende Medienkampagne im Zeitraum vom tt.mm.2009 bis tt.mm.2010 (vgl. Ur-
teil BGer 5A_256/2016 vom 9. Juni 2017 E. 7.4.2, E. 8 [nicht publ. E. in BGE 143
III 297]). Es hat dem Handelsgericht aufgetragen, über eine zweite Medienkam-
page ab tt.mm.2011 zu befinden (a.a.O. E. 6.8).
6.2. Streitpunkte
Der Kläger 1 führt replicando aus, es sei im Zuge des erstinstanzlichen Strafver-
fahrens vor Bezirksgericht Zürich zu einer zweiten gegen ihn gerichteten Medien-
kampagne gekommen (act. 23 N 333 ff.). Diese sei massgeblich von den beklag-
tischen Presseerzeugnissen mitgetragen worden (z.B. act. 23 N 336). Der letzte,
diesbezügliche Artikel datiere vom tt.mm.2012 (act. 27 N 25).
Die Beklagten bestreiten ihre Mitwirkung an einer persönlichkeitsverletzenden
Medienkampagne (z.B. act. 29 N 242). Die Inhalte der Berichte sei unter den Ge-
sichtspunkten des Persönlichkeitsrechts nicht zu beanstanden (z.B. act. 32 N 7).
Teils handle es sich um blosse Kommentare (z.B. act. 29 N 246 ff.), teils um
wahrheitsgemässe Gerichtsberichterstattung (z.B. act. 29 N 260; act. 32 N 19).
Diese greife in zulässiger Weise die Eigendarstellungen des Klägers 1 rund um
den Prozess auf (act. 32 N 12) und weise auf eklatante Widersprüche in dieser
hin (act. 32 N 10).
6.3. Würdigung
a.) Persönlichkeitsverletzung
Gemäss Bundesgericht stellt eine Medienkampagne einen unzulässigen Eingriff
in die informationelle Privatsphäre dar, die ebenfalls vom Persönlichkeitsrecht ge-
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schützt wird (BGE 143 III 297 E. 6.5). Die Persönlichkeitsverletzung folgt daraus,
dass der Verletzte seines privaten Herrschaftsbereichs beraubt wird, selbst dar-
über zu bestimmen, von welchen Informationen über sich und sein Leben die Öf-
fentlichkeit erfahren soll (a.a.O.). Der Inhalt der einzelnen Berichte ist bei der Be-
urteilung einer Medienkampagne folglich ohne Relevanz, wird die Privatsphäre
doch erst durch das Zusammenspiel zahlreicher Artikel verletzt, die sich zu einer
eigentlichen Kampagne verdichten (vgl. BACHER, Persönlichkeitsverletzung durch
eine Medienkampagne, in: sui-generis 2017, N 30). Dies macht es in tatsächlicher
Hinsicht namentlich erforderlich, den Umfang der Berichterstattung festzustellen
(BACHER, a.a.O., N 15 ff.).
Diesbezüglich ist der Sachverhalt unbestritten, gestanden die Beklagten doch
Folgendes ein:
act. 29 N 239 "Die vom Kläger behauptete Zahl von 1'463 Print-Artikel im Zeitraum vom tt.mm.-tt.mm.2011 dürfte zutreffend sein. Davon wurde nur eine verschwindend kleine Anzahl von den Beklagten [1-2] publiziert."
act. 29 N 248 "Wie der Kläger an anderer Stelle behauptet, lief damals ein Medienhype, der Kläger selbst macht bekanntlich allein für diesen Zeitraum 1'463 Print-Artikel geltend (...). Hinzu kommen noch zahlreiche Online-Artikel. Hinzu kommt vor allem auch eine äusserst umfangreiche Berichterstattung der Monopolmedien AA._ und AB._."
Auch bezüglich der anfangs 2012 erfolgten, intensiven Berichterstattung finden
sich keine konkreten, beklagtischen Bestreitungen. Vielmehr wird mehrfach pau-
schal darauf hingewiesen, dass die Beklagten nicht alleine für diese verantwort-
lich gewesen seien (z.B. act. 32 N 16).
Somit ist ohne Weiteres erstellt, dass ab Herbst 2011 wiederum eine beispielslose
Anzahl von Artikeln über den Kläger 1 veröffentlicht wurde. Es war, wie die Be-
klagten dies selbst bezeichneten, ein eigentlicher "Medienhype" rund um dessen
Person im Gang. Nebst Berichten in Print-Medien wurde in überdurchschnittlicher
Weise auch online sowie im Radio und Fernsehen über das Zürcher Strafverfah-
ren des Klägers 1 berichtet. Dieser sah sich demzufolge mit einer kaum zu über-
- 15 -
blickbaren Anzahl an Presseberichten konfrontiert, die seine mediale Skandalisie-
rung weiter vorantrieben. Obgleich aufgrund seiner Stellung als Boulevard-
Prominenter Abstriche an Privatsphäre und Diskretionsbedürfnis zu machen sind
(Urteil BGer 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015 E. 5.6 f.; BGE 143 III 297 E. 6.5),
sprengt die journalistische Auseinandersetzung mit seiner Person jeden Rahmen.
Durch die Preisgabe zahlreicher personenbezogener Gegebenheiten und Ereig-
nisse aus dem Leben des Klägers 1 verdichtete sich die Berichterstattung zu ei-
ner persönlichkeitsverletzenden Medienkampagne. Zu dieser trugen auch die
Presserzeugnisse der Beklagten bei, die – unbestrittenermassen (z.B. act. 29
N 243; act. 32 N 26) – mehrfach über den Kläger 1 berichteten. Ohne Relevanz
ist, wie dies die Beklagten einwenden, dass auch andere Medienhäuser die Medi-
enkampagne befeuerten (BGE 143 III 297 E. 6.5). Durch ihre Beteiligung an der
Medienkampagne verletzten die Beklagten ihrerseits die Persönlichkeit des Klä-
gers 1. Aufgrund der Bundesgerichtlichen Vorgaben führt dies zur Bejahung einer
persönlichkeitsverletzenden Medienkampagne im Zeitraum vom tt.mm.2011 bis
tt.mm.2012, da hier der letzte, eingeklagte Artikel der Beklagten erschien, der sich
mit dem gegen den Kläger 1 angestrengten Zürcher Strafverfahren beschäftigte.
b.) Rechtfertigungsgründe
Als Rechtfertigungsgründe kommen hier allenfalls überwiegende öffentliche oder
private Interessen in Frage (BGE 143 III 297 E. 6.7.2). Der Wahrheitsgehalt der
einzelnen Berichte respektive überhaupt deren Inhalt vermag eine Medienkam-
pagne nicht zu rechtfertigen, steht doch – wie erörtert – der Verlust an Privatsphä-
re im Vordergrund (siehe vorne E. 6.3/a und BGE 143 III 297 E. 6.7.2). Dies ist
auch bei der Prüfung der Rechtfertigungsgründe zu berücksichtigen. Mithin muss
ein bestimmtes öffentliches oder privates Interesse an dieser besonders intensi-
ven Form der Publikation vorliegen und nicht einfach daran, die fraglichen Inhalte
zu veröffentlichen (BACHER, Persönlichkeitsverletzung durch eine Medienkam-
pagne, in: sui-generis 2017, N 38). Nach BACHER soll ein solches überwiegendes
Interesse namentlich dann bejaht werden, wenn gegen starken (z.B. politischen)
Widerstand auf schwerwiegende Missstände aufmerksam gemacht wird (BACHER,
a.a.O., N 38).
- 16 -
Im konkreten Fall können sich die Beklagten weder auf ein öffentliches noch auf
ein privates Interesse stützen, das die Medienkampagne rechtfertigen würde. Ihre
Berichterstattung diente nicht dazu, dem Publikum Klarheit über den erstinstanzli-
chen Prozess vor Bezirksgericht Zürich zu verschaffen. Dies gaben die Beklagten
denn auch unumwunden zu, wollten sie durch ihre Berichterstattung doch "zahl-
reiche eklatante Widersprüche in der Selbstdarstellung des Klägers [1] basierend
auf der richterlichen und gutachterlichen Würdigung des Falls" aufzuzeigen, die
auch für die "Urteilsfindung und Strafzumessung" von zentraler Bedeutung gewe-
sen seien (act. 32 N 10). Die informative Darstellung des eigentlichen Prozesses
geriet, wie aus diesem Zugeständnis ersichtlich wird, in den Hintergrund. Vielmehr
verliessen die Beklagten ihre Rolle als informierende Gerichtsberichterstatter, um
mit eigenen Wertungen, Mutmassungen und Interpretationen die Ereignisse auf-
zubauschen und die Person des Klägers 1 stückweise zu demontieren. Diese
Form der Berichterstattung diente keinem legitimen Informationsbedürfnis mehr,
sondern (allenfalls) nur einem Unterhaltungsbedürfnis der Öffentlichkeit. Dieses
vermag für sich genommen die Persönlichkeitsverletzung, die dem Kläger wider-
fahren ist, nicht zu rechtfertigen. Gleiches gilt hinsichtlich privater Interessen der
Beklagten, die diese auch nicht gehörig behaupteten.
6.4. Fazit
Zusammenfassend ist eine persönlichkeitsverletzende Medienkampagne der Be-
klagten im Zeitraum vom tt.mm.2011 bis tt.mm.2012 zu bejahen.
7. Grundsätzlicher Gewinnherausgabeanspruch des Klägers 1
Gemäss Bundesgericht bilden bei der Gewinnherausgabe die widerrechtliche Ver-
letzung des Persönlichkeitsrechts, die Entstehung eines Gewinns sowie der Kau-
salzusammenhang zwischen der unrechtmässigen Verletzung und dem erzielten
Gewinn Beweisthemen (BGE 133 III 153 E. 3.3).
Das hiesige Gericht, zuletzt mit diesem Urteil, und das Bundesgericht haben ver-
schiedentlich widerrechtliche Persönlichkeitsverletzungen des Klägers 1 durch
einzelne Artikel sowie zwei gegen ihn geführte Medienkampagnen festgestellt
- 17 -
(siehe nachfolgend im Überblick E. 8.3). Mithin besteht in diesen Zeiträumen ein
grundsätzlicher Gewinnherausgabeanspruch des Klägers 1 (vgl. BGE 143 III 297
E. 8.2.5.3). Über diesen gilt es, wie erwähnt, in einem zweiten Urteil – nach Aus-
kunftserteilung und Rechenschaftsablage durch die Beklagten (dazu sogleich) –
zu befinden.
8. Anspruch des Klägers 1 auf Auskunft und Rechnungslegung
8.1. Vorbemerkung
Das Bundesgericht hat die handelsgerichtliche Argumentation bezüglich des klä-
gerischerseits geltend gemachten Anspruchs auf Auskunft und Rechnungslegung
verworfen (BGE 143 III 297 E. 8.2.5.3 ff.]). Er ist erneut zu behandeln.
8.2. Streitpunkte
Der Kläger verlangt die Offenlegung der in Ziffer 6 der Rechtsbegehren enthalte-
nen Informationen (insbesondere Umsatz, Auflage, Leserzahlen, Anzahl Klicks
auf online-Artikel etc.), um ihm die Abschätzung des herauszugebenden Gewinns
zu ermöglichen (act. 1 N 650).
Die Beklagten bestreiten einen Auskunfts- und Rechenschaftsablageanspruch
des Klägers 1. Anhand der eingeforderten Unterlagen könne überdies auch kein
allfälliger Gewinn festgestellt werden. Beispielsweise habe eine Bewegung auf ei-
ner Webseite noch nichts mit einem Gewinn zu tun (act. 15 N 298). Überhaupt
stünden dem Anspruch Geschäftsgeheimnisse entgegen (act. 15 N 300).
8.3. Würdigung
Der Auskunftsanspruch ist materiell-rechtlicher Natur und leitet sich dogmatisch
aus Art. 2 Abs. 1 ZGB ab (BGE 143 III 297 E. 8.2.5.2). Er setzt voraus, dass der
Geschädigte einen Eingriff und die Erzielung eines Verletzergewinns glaubhaft
macht (JENNY, Die Eingriffskondition bei Immaterialgüterrechtsverletzungen, Diss.,
Zürich 2005, N 290). In der Regel genügt es, wenn er Verletzungshandlungen
dartut, die geeignet sind, auf einen Schadeneintritt zu schliessen (FISCHER, Scha-
- 18 -
denberechnung im gewerblichen Rechtsschutz, Urheberrecht und unlauteren
Wettbewerb, Diss., Basel 1961, S. 45).
Diese Voraussetzungen sind im konkreten Fall ohne Weiteres als erfüllt zu be-
trachten. In den Urteilen des Handelsgerichts des Kantons Zürich vom 26. Juni
2014 bzw. 8. Februar 2016 (act. 69 S. 113; act. 84 S. 120) und des Bundesge-
richts vom 6. Mai 2015 bzw. 9. Juni 2017 (act. 75 S. 57; act. 90 S. 62) wurde –
teilweise rechtskräftig – über die Verletzungshandlungen respektive die seitens
der Beklagten widerrechtlich begangenen Persönlichkeitsverletzungen zum Nach-
teil des Klägers 1 befunden. Übersichtshalber sind sie noch einmal chronologisch
wiederzugeben:
− "P._" (TV-Sender E._ am tt.mm.2009 [act. 4/42 und act. 4/43]);
− "AC._" (H1._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/38]); − "AD._" (H2._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/39]); − "AE._" (H1._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/40 = act. 4/45 lin-
ke Spalte]); − "AF._" (F._ vom tt.mm.2009 [act. 4/50]); − "T._" (I._ vom tt.mm.2009 [act. 4/52]); − "AG._" (H1._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/47]); − "AH._" (H2._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/48]); − "AI._" (H2._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/49]); − "AJ._" (H1._ vom tt.mm.2009 [act. 4/44, act. 4/45]); − "U._" (H1._ online vom tt.mm.2009 [4/91]); − "V._: Die meistgelesenen Artikel 2009" (F._ online und
W._ vom tt.mm.2009 [act. 4/102]) − "AK._" (H2._ vom tt.mm.2010 [act. 4/133 und act. 4/134]); − "AL._" (H1._ vom tt.mm.2010 [act. 4/135]).
sowie
− Medienkampagne 1: Zeitraum vom tt.mm.2009 bis tt.mm.2010; − Medienkampagne 2: Zeitraum vom tt.mm.2011 bis tt.mm.2012.
Dem Kläger 1 steht damit im Grundsatz ein Anspruch auf Auskunfts- und Re-
chenschaftsablage gegen die Beklagten zu. Da er allerdings noch gar nicht weiss,
- 19 -
was genau der Inhalt der ihm zustehenden Informationen ist, kann von ihm nicht
verlangt werden, jeden Beleg einzeln zu bezeichnen (zum Ganzen: BGE 143 III
297 E. 8.2.5.4 in fine). Daraus folgert das Bundesgericht, dass die Anforderungen
an die Bestimmheit des Informationsbegehrens nicht zu streng sein dürfen
(a.a.O.). Einzig zu umfassend formulierten Informationsbegehren ist richterlicher-
seits Einhalt zu gebieten, und sie sind auf ein zulässiges Mass einzuschränken
(a.a.O.).
Eine solche Einschränkung ist in casu nur bezüglich des Zeitraums zu machen,
verlangt der Kläger 1 doch die Auskunftserteilung und Rechenschaftsablage ab
tt.mm.2008 bis heute. Wie aus der vorne stehenden Übersicht ersichtlich wird, fal-
len sämtliche widerrechtlichen Artikel in die Zeitspannen der beiden Medienkam-
pagnen. Nur während deren Dauer wird ein allfälliger Gewinnherausgabean-
spruch des Klägers 1 überhaupt bestehen können, so dass die Beklagten auch
nur hierfür informationspflichtig sind. Wie vom Kläger 1 anbegehrt, rechtfertigt sich
indes, den Zeitraum auf die volle Dauer des jeweiligen Geschäftsjahres auszuwei-
ten, um entsprechende Vergleichsschlüsse überhaupt erst zu ermöglichen. Die
Beklagten werden selbstständig gehalten sein, eine Auswahl von für die Medien-
kampagnen / verletzende Berichterstattung relevanten Belegen zu liefern (BGE
143 III 297 E. 8.2.5.4 in fine). Weitergehende Einschränkungen sind, wie erwähnt,
nicht angezeigt. Sämtliche klägerischerseits begehrten Informationen erweisen
sich als potentiell gewinnrelevant. Dies gilt im heutigen Zeitalter der Digitalisierung
auch für die Anzahl Klicks auf einer Webseite, zumal dem Werbegeschäft auf
dem Internet gerichtsnotorisch ein grosser Stellenwert zukommt.
Sofern die Beklagten Geschäftsgeheimnisse gegen den klägerischen Anspruch
ins Feld führen, sind sie nicht zu beachten. Fraglich erscheint nur schon, ob sie im
Zusammenhang mit einem Gewinnherausgabeanspruch überhaupt geltend ge-
macht werden können (in diesem Sinne z.B. Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau vom. 30. Mai 2005 E. 2.4 = ZBJV 143/2005 S. 63 ff.; AFFOLTER, Die
Durchsetzung von Informationspflichten im Zivilprozess, Diss., Bern 1994,
S. 188). Jedenfalls fällt eine Interessenabwägung zugunsten des Klägers 1 aus,
haben doch allfällige Geheimhaltungsinteressen der Beklagten angesichts der
- 20 -
Schwere der durch sie begangenen Persönlichkeitsverletzungen vor dessen legi-
timen Offenbarungsinteressen zurückzutreten. Dies ist im Grundsatz seit jeher in
der Lehre anerkannt (z.B. FISCHER, Schadenberechnung im gewerblichen
Rechtsschutz, Urheberrecht und unlauteren Wettbewerb, Diss., Basel 1961,
S. 46).
8.4. Fazit
Zusammenfassend sind die Beklagten für den Zeitraum vom tt.mm.2009 bis
tt.mm.2012, insbesondere vom tt.mm.2009 bis tt.mm.2010 (Medienkampagne 1)
und vom tt.mm.2011 bis tt.mm.2012 (Medienkampagne 2), zur Herausgabe der
klägerischerseits anbegehrten Informationen zu verurteilen.
9. Genugtuung
9.1. Vorbemerkung
Das Bundesgericht hat die handelsgerichtliche Argumentation bezüglich der Ge-
nugtuungsklage verworfen (BGE 143 III 297 E. 9.4). Sie ist erneut zu behandeln.
9.2. Streitpunkte
Der Kläger 1 fordert eine Genugtuung von CHF 50'000.– für die durch die Medi-
enberichterstattung der Beklagten erlittene immaterielle (seelische) Unbill, wie
permanente Angst vor schweren öffentlichen Verunglimpfungen, Panik, Gereizt-
heit, Nervosität, Frustration, Schlaflosigkeit, Dauerärger, Angst, in der Öffentlich-
keit auf offene Ablehnung zu stossen, starken Stimmungsschwankungen, einem
ohnmächtigen Gefühl, sich nicht wehren zu können (act. 1 N 339 ff., N 679).
Die Beklagten bestreiten den Genugtuungsanspruch des Klägers 1. Die seeli-
schen Schmerzen des Klägers 1 seien unbelegt geblieben (act. 15 N 315) bzw.
anlässlich der Parteibefragung novenrechtlich in diversen Punkten verspätet prä-
zisiert worden (Prot. S. 17). Ausserdem bestreiten die Beklagten die Kausalität
(Berichterstattung auch von anderen Medien, psychische Vorerkrankungen des
Klägers 1, Erkrankung und Tod seines Vaters zum inkriminierten Zeitpunkt, lau-
fendes Strafverfahren etc.; act. 15 N 315; Prot. S. 17 ff.).
- 21 -
9.3. Würdigung
a.) Schwere, immaterielle Unbill
Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat gemäss Art. 49
Abs. 1 OR Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern die
Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders wiedergutgemacht
worden ist. Hierfür muss die Persönlichkeitsverletzung einerseits objektiv als
schwer bewertet werden können; andererseits ist erforderlich, dass die Persön-
lichkeitsverletzung vom Ansprecher als seelischer Schmerz empfunden wird, so-
mit auch "subjektiv" als schwer qualifiziert werden kann (statt vieler:
REY/WILDHABER, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 5. Aufl., Zürich 2018, N 517
m.w.H.).
Das Handelsgericht hat sich bislang noch nicht eindeutig zur Frage der Schwere
der erlittenen Persönlichkeitsverletzungen des Klägers 1 geäussert, aber immer-
hin ausgeführt, sie erscheine "äusserst fraglich" (act. 85 E. 5.14.3, S. 116). Daran
kann nicht festgehalten werden. Der Kläger 1 war während einer mehrere Monate
umfassenden Zeitdauer den negativen Medienkampagnen der Beklagten ausge-
liefert. Diese Tatsache muss erfahrungsgemäss bereits genügen, um in objektiver
Hinsicht die notwendige Schwere zu bejahen (ähnlich bereits: BGE 120 II 97
E. 2a). Die einzelnen Artikel, deren persönlichkeitsverletzender Inhalt ver-
schiedentlich festgestellt wurde (siehe vorne im Überblick E. 8.3), verstärken nur
noch mehr dieses Bild.
Der Kläger 1 wurde am 10. Dezember 2018 im Rahmen einer Parteibefragung
ausgiebig zu seinen subjektiven Empfindungen während den Medienkampagnen
befragt. Er schilderte detailliert und präzise, wie sehr er während dieser Zeit unter
der beklagtischen Berichterstattung gelitten hatte. Er wirkte von den damaligen
Vorgängen auch heute noch sehr mitgenommen, rang nach Worten und versuch-
te das Erlebte fassbar zu machen (z.B. "Es war pausenlos. Es hatte wie keine
Regeln. Wenn alles geht. Wenn jeder, der auch in der Primarschule mal etwas
gehört hat, hervorkommt (...). Es lief ein Horrorfilm ab. (...) [Prot. S. 4 f.]). Diese
nachvollziehbare und eindringliche Schilderung führt zur Bejahung auch der sub-
- 22 -
jektiven Betroffenheit des Klägers 1. Anzumerken ist, dass es bei der Prüfung ei-
ner schweren, immateriellen Unbill – entgegen den Beklagten (Prot. S. 17) – irre-
levant bleiben muss, ob sich der seelische Schmerz (zusätzlich) nach aussen hin,
wie z.B. in Form von psychiatrischen Therapien etc., sichtbar manifestierte.
b.) Kausalität
Für den Beweis der natürlichen Kausalität genügt der Anscheinsbeweis (BGE 143
III 297 E. 9.5). Der Anscheinsbeweis wendet weder die Beweislast, noch be-
stimmt er das Beweismass; er verschiebt lediglich das Beweisthema, indem der
Beweisbelastete den Sachumstand beweisen muss, aufgrund dessen das Gericht
– bei Vorliegen eines typischen Geschehensablaufs – auf den natürlichen Kau-
salzusammenhang mit der eingetretenen Wirkung schliesst. Er ist ein Anwen-
dungsfall einer tatsächlichen Vermutung (Urteil BGer 4A_262/2016 vom 10. Okto-
ber 2016 E. 4.4.2.1). Aus dem persönlichkeitsverletzenden Verhalten, nämlich
den geführten Medienkampagnen der Beklagten, kann in casu bereits der An-
scheinsbeweis für den natürlichen Kausalzusammenhang gezogen werden. Wer
von einem zur Kampagne gewordenen, abwertenden Journalismus betroffen ist,
wird typischerweise eine hieraus kausale, schwere immaterielle Unbill erleiden.
Etwas Abweichendes läge schlicht ausserhalb jeder vernünftigen Betrachtungs-
weise. Dieses Ergebnis wird zusätzlich durch das durchgeführte Beweisverfahren
bestätigt. Der Kläger 1 legte in einer ihm eigenen, authentischen Art dar, wie sehr
ihm die Vielzahl dieser Berichte zusetzte. Die Schilderung ist überzeugend und
nachvollziehbar; insbesondere erwähnte der Kläger 1 mehrfach lebensnah die
enorme Intensität der Berichterstattung, verbunden mit einem zunehmenden Ge-
fühl der Ohnmacht, und ihren Einfluss auf sein seelisches Wohlbefinden ("Was
wollte ich machen? Man konnte nichts machen" [Prot. S. 8] etc.).
Nach dem Gesagten ist auch auf den adäquaten Kausalzusammenhang zu
schliessen, was bereits im handelsgerichtlichen Urteil vom 8. Februar 2016 im
Grundsatz erwogen wurde (act. 85 E. 5.14.3, S. 117). Die beklagtischen Publika-
tionen waren geeignet, dem Kläger 1 schwere, seelischen Schäden zuzufügen.
- 23 -
b.) Höhe der Genugtuung
Zunächst weisen die Beklagten zu Recht auf den Umstand hin, dass diverse Tat-
sachenvorbringen des Klägers 1 anlässlich seiner Parteibefragung vom
10. Dezember 2018 in dieser Form in seinen Rechtsschriften nicht behauptet
worden sind. Über ein Beweisverfahren lässt sich nach ständiger Praxis des hie-
sigen Gerichts und des Bundesgerichts ein nur ungenügend behauptetes Tatsa-
chenfundament nicht korrigieren (siehe bereits vorne E. 4.2). Kurzum gilt: Was
nicht gehörig behauptet wurde, ist einem Beweis nicht zugänglich und darf nicht
berücksichtigt werden. Immerhin ist anzumerken, dass die (unzulässigen) Noven
für den Entscheid ohnehin nicht von Bedeutung gewesen wären.
Betreffend die Höhe der Genugtuung fehlen, soweit ersichtlich, einschlägige bzw.
vergleichbare Fälle. Es besteht allerdings in der Rechtsprechung eine Tendenz,
höhere Genugtuungsbeträge für Persönlichkeitsrechtsverletzungen zuzusprechen
(BK-BREHM, Art. 49 OR N 84). Jedenfalls muss die auszusprechende Genugtuung
die schwere immaterielle Unbill des Klägers 1 angemessen ausgleichen.
Hierbei fällt ins Gewicht, dass die beklagtischen Medienkampagnen / Berichter-
stattungen insgesamt über ein Jahr dauerten und gerade durch die Involvierung
diverser Kanäle (online, TV etc.) eine Intensität erreichten, der sich selbst eine
nicht interessierte Person nicht entziehen konnte. Die Beklagten befeuerten die
Medienkampagne durch eigene Berichte selbständig und boten mutmasslichen
"Opfern" eine Präsentationsplattform. Die beklagtische Beteiligung erscheint
demnach – entgegen der Geltendmachung der Beklagten (Prost. S. 20) – nicht
untergeordnet. Gerade das neuerliche Aufnehmen einer zweiten Medienkampag-
ne macht diesen Umstand deutlich; den Kläger 1 belastet denn auch die damalige
Berichterstattung, wie gezeigt, bis heute.
Auf Seiten des Klägers 1 zu berücksichtigen ist allerdings, dass er an vorbeste-
henden, psychischen Erkrankungen leidet (vgl. HÜTTE/LANDOLT, Genugtuungs-
recht, Band 2, Zürich / St. Gallen 2013, § 7 N 507), den damaligen Tod seines Va-
ters zu verarbeiten hatte und zu Beginn der Berichterstattung die Öffentlichkeit
auch suchte. Gerade der letzte Umstand wird aber durch das Ausmass der Medi-
- 24 -
enkampagne wiederum deutlich relativiert. Nur in beschränktem Mass ist sodann
von Bedeutung, dass der Kläger 1 sich tatsächlich einem Strafverfahren ausge-
setzt sah und auch strafrechtliche Repressionen zu gewärtigen hatte. Zwar wird
sein Wohlbefinden auch unter dieser Situation gelitten haben, doch trug die fort-
währende, intensive Berichterstattung dazu bei, ihn zusätzlich herabzusetzen und
seiner – vom Strafverfahren nicht betroffenen – informationellen Privatsphäre zu
berauben.
Schliesslich liegen keine Wiedergutmachungshandlungen der Beklagten vor und
wurden auch nicht geltend gemacht.
In Würdigung sämtlicher Umstände erscheint eine Genugtuung von CHF 25'000.–
als angemessen.
9.4. Fazit
Der Kläger 1 erlitt durch die Medienkampagne / Berichterstattung der Beklagten
eine schwere, immaterielle Unbill. Eine Genugtuung von CHF 25'000.– erscheint
angemessen, um diese ausgleichen.
10. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen
Zusätzlich zu den bereits rechtskräftig festgestellten Persönlichkeitsverletzungen,
verletzten die Artikel "T._" (I._ vom tt.mm.2009 [act. 4/52]), "U._"
(H1._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/91]) und "V._: Die meistgelesenen
Artikel 2009" (F._ online und W._ vom tt.mm.2009 [act. 4/102]) den Klä-
ger 1 widerrechtlich in seiner Persönlichkeit, was festzustellen ist.
Eine persönlichkeitsverletzende (zweite) Medienkampagne im Zeitraum vom
tt.mm.2011 bis tt.mm.2012, die durch die Beklagten mitgetragen wurde, ist in
Gutheissung der Klage zu bejahen.
In weiterer Gutheissung der Klage sind die Beklagten zur Auskunftserteilung und
Rechenschaftsablage sowie zur Leistung einer Genugtuung in der Höhe von
CHF 25'000.– zu verpflichten.
- 25 -
11. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Sowohl die Festsetzung der Gerichtsgebühr als auch die Festsetzung der Partei-
entschädigung richten sich in erster Linie nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a
GebV OG; § 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Dieser beträgt betreffend die Rechtsbe-
gehren Ziffer 7 und 8 (Schadenersatz und Genugtuung) CHF 688'931.60. Für den
mit Rechtsbegehren Ziffer 6 eingeklagten (Hilfs-)Anspruch auf Auskunfts- und
Rechenschaftsabgabe rechtfertigt sich die Annahme eines Streitwerts von
CHF 100'000.–, zumal der Kläger 1 selbst Berechnungen bezüglich des Hauptan-
spruchs (Gewinnherausgabe) in Millionenhöhe anstellt (z.B. act. 1 N 602 ff.). Im
Zweifelsfall ist praxisgemäss ohnehin auf dessen Berechnung abzustellen (zuletzt
z.B. Urteil und Beschluss des Handelsgerichts des Kantons Zürich HG150187-O
vom 28. November 2017 E. 6.1 m.w.H. [teilweise in ZR 117/2018 Nr. 50 publi-
ziert]). Insgesamt ist von einem Streitwert von CHF 788'931.60 auszugehen. Dar-
aus resultiert eine ordentliche Gerichtsgebühr von (aufgerundet) CHF 27'000.–.
Von einer Erhöhung ist angesichts der langen Verfahrensdauer nunmehr abzuse-
hen, obschon der Prozessstoff umfangreich war. Hinsichtlich der nicht vermö-
gensrechtlichen Rechtsbegehren Ziffern 1 bis 5 (dazu z.B.: Urteil BGer
5A_459/2014 vom 29. Juli 2014 E. 4.1) gilt § 5 GebV OG, wobei die hierfür auszu-
fällende Gebühr auf CHF 13'000.– festzusetzen ist. Gesamthaft ist somit eine Ge-
richtsgebühr für diesen Teilentscheid von CHF 40'000.– auszufällen.
Die Gerichtskosten sind nach Ausgang des Verfahrens zu verteilen (Art. 106
Abs. 2 ZPO).
In casu hält sich das Obsiegen und Unterliegen der Parteien ungefähr die Waage:
Während der Kläger 1 hinsichtlich der eingeklagten Persönlichkeitverletzungen zu
einem grossen Teil und beim eingeklagten Hilfsanspruch praktisch vollständig ob-
siegt, unterliegt er hinsichtlich Schadenersatz vollumfänglich und zur Hälfe hin-
sichtlich Genugtuung. Es rechtfertigt sich daher, die Gerichtsgebühr den Parteien
insgesamt je zur Hälfe aufzuerlegen, zumal die Klägerin 2 mit ihren – gemessen
am Verfahren eher untergeordneten Rechtsbegehren – ebenfalls vollständig un-
terlegen ist.
- 26 -
Entsprechend sind die Parteientschädigungen wettzuschlagen. Dies gilt auch für
die aussergerichtliche Kosten, die dem Kläger 1 durch den Medienbeobachtungs-
auftrag (act. 23 N 332) entstanden sind.
- 27 -
Das Handelsgericht erkennt:
1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird festgestellt, dass die Beklagten 1
und 2 den Kläger 1 mit den folgenden Artikeln in seiner Persönlichkeit wider-
rechtlich verletzt haben: Beklagte 1
− "U._" (H1._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/91]);
− "V._: Die meistgelesenen Artikel 2009" (F._ online und W._ vom
tt.mm.2009 [act. 4/102]);
Beklagte 2
− "T._" vom tt.mm.2009 (I._ vom tt.mm.2009 [act. 4/52]).
2. Die Beklagte 1 wird verpflichtet, den folgenden persönlichkeitsverletzenden
Artikel auf ihrer Webseite zu löschen:
− "U._" (H1._ online vom tt.mm.2009 [act. 4/91]).
3. Die Beklagten 1 und 2 werden verpflichtet, gegenüber der Q._ AG bzw.
der R._ AG eine Willenserklärung abzugeben, die in Dispositiv-Ziff. 1
und 2 genannten Artikel aus ihren Archiven zu löschen, unter Androhung der
Bestrafung der Beklagten 1 und 2 bzw. ihrer Organe mit Busse wegen
Verstosses gegen Art. 292 StGB im Falle der Zuwiderhandlung.
4. Die Beklagten 1 und 2 werden verpflichtet, gegenüber S._ GmbH eine
Willenserklärung abzugeben, die in Dispositiv-Ziff. 1 und 2 genannten Artikel
aus der Suchmaschine S._ (einschliesslich S._ Cache und
S._ Index) zu entfernen, unter Androhung der Bestrafung der Beklagten
1 und 2 bzw. ihrer Organe mit Busse wegen Verstosses gegen Art. 292
StGB im Falle der Zuwiderhandlung.
5. Es wird festgestellt, dass die Beklagten 1 und 2 den Kläger 1 widerrechtlich
in seiner Persönlichkeit verletzt haben, indem sie in der Zeit vom tt.mm.2011
bis tt.mm.2012 an der Medienkampagne rund um das Strafverfahren des
Klägers 1 mitwirkten.
- 28 -
6. Die Beklagten 1 und 2 werden verpflichtet, innert 90 Tagen nach Rechtskraft
dieses Urteils sämtliche Informationen zur Eruierung bzw. Abschätzung des
mit den Medienkampagnen / verletzenden Berichterstattung im Sinne von
E. 8.3 erzielten Gewinns offen zu legen, insbesondere
− die Umsatz-, Auflage- und Leserzahlen (einschliesslich Anzahl Klicks auf Online-Artikel und statistische Auswertungen zu den  Artikeln),
− die Anzahl der Einzelverkäufe, − die Aushänge an den Kiosken und Zeitungsboxen, − die Entwicklung der Abonnementszahlen und die Entwicklung der Inse-
rate und Werbeeinnahmen, − die Umsatzrendite ihrer einzelnen Titel und ihrer Medien und insge-
samt, sowie alle relevanten Vergleichszahlen in Schweizer Franken,
im Zeitraum vom tt.mm.2009 bis tt.mm.2012, insbesondere vom tt.mm.2009
bis tt.mm.2010 (Medienkampagne 1) und vom tt.mm.2011 bis tt.mm.2012
(Medienkampagne 2).
Die Beklagten 1 und 2 sind selbstständig gehalten, eine Auswahl von für die
Medienkampagnen / verletzende Berichterstattung relevanten Belegen zu
liefern.
7. Die Beklagten 1 und 2 werden unter solidarischer Haftung verpflichtet, dem
Kläger 1 eine Genugtuung von CHF 25'000.– zu bezahlen.
8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 40'000.–.
9. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte und unter solidarischer Haf-
tung auferlegt und aus dem von den Klägern 1 und 2 geleisteten Kostenvor-
schuss gedeckt. Für die den Beklagten 1 und 2 auferlegte Hälfte der Kosten
wird den Klägern 1 und 2 das Rückgriffsrecht auf die Beklagten 1 und 2 ein-
geräumt.
10. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
11. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an die Kläger unter Beilage eines
Doppels von act. 101.
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12. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt CHF 788'931.60.