Decision ID: 1c361a04-f246-4a14-8779-cedd35751b22
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, welche 1975
geboren
ist und die Ausbildung zur Klein
kindererzieherin abgeschlossen hat (
Urk.
8/6/4)
, war
zuletzt
ab
1.
März 2016 als Miterzieherin (Springerin/Aushilfe) auf Stundenbasis in einer Kinderkrippe ange
stellt (
Urk.
8/30)
. Nach am
6.
Juli 2016
erfolgter Krankschreibung zu 100
%
(
Urk.
8/10/2
Ziff.
3,
8/10/14)
meldete sie sich am 1
5.
März 2017 (Eingangsdatum,
Urk.
8/6)
unter Hinweis auf eine posttraumatische Belastungsstörung sowie Panikattacken zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog daraufhin die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (
Urk.
8/10)
und holte einen Arbeitge
berbericht ein (
Urk.
8/30).
Mit Mitteilung vom 2
9.
März 2018 (
Urk.
8/33) beschied die IV-Stelle der Versicherten, berufliche Eingliederungsmassnahmen seien auf
grund ihres Gesundheitszustandes derzeit nicht möglich.
Sodann
ersuchte
die Versicherte
am
7.
August 2018 (Eingangsdatum,
Urk.
8/41) unter Hinweis
auf einen im März 2018 erlittenen Hörsturz und eine
n
damit verbundenen Hörverlust von 90 % auf dem linken Ohr
um Kostengutsprache für ein Hörgerät. Diesem Gesuch wurde entsprochen und der Versicherten Kostengutsprache für eine beid
seitige Hörgerät
e
versorgung gewährt (Mitteilung vom 3
0.
August 2018,
Urk.
8/44).
Hingegen
stellte die IV-Stelle
der Versicherten
mittels Vorbes
cheid vom 2
4.
Januar 2019 (Urk.
8/51) einen ablehnenden Rentenentsch
eid in Aussicht und verfügte
am
5.
März 2019 (
Urk.
2) in diesem Sinne.
2.
Dagegen erhob
X._
am
3.
April 2019 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte
sinngemäss, die Verfügung vom
5.
März 2019
sei
aufzuheben und es seien ihr Leistungen der Invalidenversicherung auszurichten. Die IV-Stelle
schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
4.
Mai 2019 (
Urk.
7) auf Abweisung
der Beschwerde
, wovon der
Beschwerdeführerin
am 1
5.
Mai 2019 Kenntnis gegeben wurde.
Gleichzeitig wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
9). Die Beschwerdeführerin liess sich jedoch nicht vernehmen,
was
der Beschwerdegeg
nerin
m
it Verfügung vom
1.
Juli 2019 mitgeteilt
wurde
(
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung einen Ren
tenanspruch
mit der Begründung, es könne - gestützt auf die im Recht liegenden Akten - keine begründete gesundheitliche Einschränkung festgestellt werden, die sich
auf die Arbeitsfähigkeit auswirke
(
Urk.
2)
.
In ihrer
Beschwerdeantwort
hielt sie ergänzend fest, die vom be
handelnden Psychiater gestellte Verdachtsdiagnose sei
nicht hinreichend, um eine Arbeits
un
fähigkeit zu begründen. Aufgrund der erhobenen Befunde sei nicht von einer invalidisierenden psychis
chen Erkrankung auszugehen. Psychosoziale Belastungsfaktoren, die das Beschwerdebild mitpräg
ten, hätten sich teilweise verbessert. Unter Fortführung der Behandlung sei von einer weiteren Verbesserung auszugehen, weshalb nicht von einer anhaltenden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne (
Urk.
7).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber
(
sinngemäss
)
vor, ihr Gesund
heitszustand habe sich verschlechtert, weshalb sie um Leistungen der Invaliden
versicherung ersuche (
Urk.
1).
3.
3.1
A
m
2
5.
Juli
2016
trat die Beschwerdeführerin
zwecks
Alkoholentwöhnung und
Temestaentzug
s
ins Sanatorium
Y._
ein
, wo sie bis zum
8.
September 2016 verblieb
(
Urk.
8
/10/40).
Dort wurden
folgende Diagnosen
gestellt
(
Austrittsbericht
vom 2
3.
September 2016,
Urk.
8/10/40-42
):
Hauptdiagnose:
-
Psychische und Verhaltungsstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyn
drom (ICD-10 F10.2)
Nebendiagnosen:
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2)
-
Agorapho
bie: mit Panikstörung (ICD-10 F
40.01)
-
Anpassungsstörungen
:
Angst und Depression gemischt, aufgrund Woh
nungseinbruch (ICD-10 F43.2)
-
St. n.
Faziobrachiokrurales
Hemisyndrom
li ED
2.
März 2012 bei unklarer Ätiologie und ohne organisches Korrelat. DD funktionell (
Z._
, 3/2012)
X-, Y-, und Z-Diagnosen:
-
Absichtliche Selbstbeschädigung, St. n. Mischintoxikation mit Alkohol und Benzodiazepinen am 3
0.
Mai 2016 (ICD-10 X84.9)
Zur Therapie und zum Behandlungsverlauf
hielt
en
der
behandelnde
Arzt sowie die behandelnde Psychologin
des Sanatoriums
Y._
fest, die
Beschwerde
führerin
habe angegeben, seit drei Jahren nur sel
ten Alkohol getrunken zu haben, wobei sie während
dieser Zeit auch keine Panikattacken erlebt
habe
.
Temesta
habe sie nur circa zweimal
im
Monat
genommen
.
In jüngerer Vergangenheit habe sie - aus Angst vor
erneuten
Panikattacken - wieder zu trinken begonnen.
Vor einer Woche habe ihr älterer Sohn, als er sie zu Hause angetroffen habe,
den Alkohol
und
das
Temesta
weggenommen. Dana
ch sei sie notfallmässig ins S
pital
A._
eingeliefert worden, wo sie sechs Tage lang auf der Intensivstation behandelt worden sei
(körperlicher Alkoholentzug)
.
Der
behandelnde
Arzt sowie die behandelnde Psychologin
hielten,
bezogen auf den Klinikaufenthalt fest,
während
diesem
habe die
Beschwerdeführerin
- trotz Reduktion von
Temesta
- auf Alkohol verzichten können. Auch seien während des Aufenthalts keine Panikattacken aufgetreten. Die beim Eintritt subjektiv berichteten Konzentrationsstörungen hätten sich aus Sicht der
Beschwerdeführe
rin
ebenfalls deutlich gebessert.
Auch habe sich
die affektive Niedergeschlagen
heit im Verlauf gebessert. Durch den erneut aufgebauten Kontakt zu ihrem jün
geren Sohn habe es
die Beschwerdeführerin
auch geschafft, ihre Schuldgefühle gegenüber ihren Kindern etwas zu verringern. Nachdem sich die
Beschwerdefüh
rerin
vor Klinikeintritt sozial stark isoliert gehabt habe, habe sie sich auf der Station häufig im Kontakt mit Mitpatienten gezeigt.
Die Beschwerdeführerin habe nach einigen Wochen - verglichen mit der Situation beim Klinikeintritt - auch deutlich wacher
mit mehr Antrieb und schwingungsfähiger
gewirkt.
Sie habe so
gar
Veranstaltungen
mit grossen Menschenmengen, wie das Theaterspektakel und die
Streetparade
,
besucht (
Urk.
8/10/41).
Als Prozedere
empfahlen der
behandelnde
Arzt sowie die behandelnde Psycholo
gin eine psychotherapeutische Behandlung der Panikattacken, um einen Risiko
faktor für einen Alkoholrückfall oder einen
Temestamissbrauch
zu minimieren. Die
Beschwerdeführerin
habe sich auch eine Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit gewünscht. Dies könne langfristig hilfreich sein, um ihre Resilienz zu stärken (
Urk.
8/10/42).
Zur Arbeitsfähigkeit
wurden seitens
des Sanatoriums
Y._
, mit Ausnahme für die Zeit des Klinikaufent
halts, für die eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert wurde
, keine Aussagen
gemacht
(Bericht vom 2
9.
September 2016 zuhanden der Krankentaggeldversi
cherung,
Urk.
8/10/39).
3.2
Im Anschluss an
den stationären Aufenthalt
im Sanatorium
Y._
begab sich die Beschwerdeführer
in
in die
Behandlung
von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und
Dr.
phil.
C._
, SBAP Psychot
h
erapie
.
Dr.
B._
stellte mit Bericht vom 2
8.
April 2017
(Eingang IV-Stelle)
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkei
t (Urk.
8/15/1):
-
Posttrau
ma
tisches Psychosyndrom (ICD-10 F07.2)
-
Panikstörungen (ICD-10 F41.0)
-
Verdacht auf generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
Dr.
B._
verwies bezüglich des ärztlichen Befunds auf den Bericht des Sanato
riums
Y._
, bezeichnete die Prognose als offen und empfahl eine Fortsetzung des
bisherigen Settings (14 täglich
psychotherapeutische Sitzungen
und
folgende Medikation: täglich 150 mg
Trittico
,
Temesta
1.0
Exp
. bei Bedarf
sowie
25 mg
Lyrica
, wobei die Zieldosierung bei 300 mg liege). Er
attestierte der Beschwerde
führerin in Bezug auf die angestammte Tätigkeit
als Kleinkindererzieherin wie auch für eine
nicht näher umschriebene
Verweistätigke
it eine 30%ige Arbeitsfä
higkeit. Die Fragen nach den vorhandenen körperlichen, geistigen und psychi
schen Einschränkungen
sowie
deren Auswirkungen bei der Arbeit liess er unbe
antwortet
(
Urk.
8/15/2
-
3).
Am 12. Dezember 2017 berichtete Dr. phil.
C._
, die Arbeitsfähigkeit habe sich verbessert und könne nun mit 50 % beziffert werden, was auch dem Wunsch der Beschwerdeführerin entspreche. Im Nachgang zu einer am 19. Oktober 2017 durchgeführten Operation der Gebärmutter habe sie eine postoperative Depres
sion entwickelt, die therapeutisch angegangen werde (Urk. 8/25).
3.3
Im Verlaufsbericht vom 2
0.
Juni 2018 nannten
Dr.
B._
und
Dr.
phil.
C._
folgende
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/37/1):
-
Panikstörungen (ICD-10 F41.0)
-
Verdacht auf generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Verstärkt Schlafstörungen, beeinflusst durch Tinnitus sowie den im März 2018 erlittenen Hörsturz
Befragt zu den aktuellen Befunden beziehungsweise den funktionellen Einschrän
kungen führten Dr.
B._
und Dr. phil.
C._
aus, anfangs März habe die Beschwerdeführerin einen Hörsturz erlitten, weshalb allenfalls die Anbringung eines Cochlea-Implantates notwendig sei. Sie hielten fest, die bisherige Tätigkeit als Kleinkindererzieherin könne täglich während zwei bis vier Stunden ausgeübt werden, wobei von starken Schwankungen auszugehen sei (Urk. 8/37/1).
3.4
In Absprache mit ihrem regionalen ärztlichen Dienst (RAD; Stellungnahme von Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 13. September 2018, Urk. 8/50/4-5) unterbreite
te die Beschwerdegegnerin Dr.
B._
mit Schreiben vom 3. Oktober 2018 (Urk. 8/45)
Zusatzfragen und ersuchte ihn um eine ausführliche Stellungnahme.
In seinem Bericht vom 30. November 2018 (Urk. 8/47/1-4) verwies Dr.
B._
unter dem Titel Anamnese auf die stationären Behandlungen im Spital
A._
(körperlicher Alkoholentzug) und im Sanatorium
Y._
(weitere Alkoholent
wöhnung und
Temestaentzug
) und führte aus, nach aktuellen Angaben der Beschwerdeführerin könne die im Sanatorium
Y._
gestellte Hauptdiagnose Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2) «nur für eine bestimmte Phase gelten», in der eine
Retraumatisie
rung
bezüglich einer im Alter von 15 Jahren erlebten Vergewaltigung stattgefun
den habe. Bei ihm und Dr. phil.
C._
sei die Beschwerdeführerin zur psychothe
rapeutischen Behandlung der Panikattacken vorstellig geworden, um einen Risikofaktor für einen Alkoholrückfall oder erneuten
Temestamissbrauch
zu mini
mieren. Ausserdem wünsche sie die Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit in einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung. Am 19. Oktober 2017 habe sie sich einer Gebärmutteroperation (Totaloperation) unterzogen, worauf es zu einer postoperativen Depression gekommen sei, welche eine eingehende therapeutische Behandlung erfordert habe. Im Dezember 2017 habe eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % attestiert werden können, was auch dem Wunsch der Beschwerdeführerin entsprochen habe. Im Jahr 2018 habe sie einen Hörsturz erlitten, der ihre gesundheitliche Gesamtsituation wieder weiter beeinträchtigt habe. Die familiären Verhältnisse der Beschwerdeführerin hätten sich teilweise zum Guten gewendet. So habe der ältere Sohn den Kontakt zu seiner Mutter wiedergefunden, was für die Beschwerdeführerin von grosser positiver Bedeutung sei. Die Arbeitssituation (Kinderkrippe) sei derzeit mit 50 % definiert, wobei sich die Beschwerdeführerin eher eine Arbeit mit Jugendlichen vorstelle (Urk. 8/47/1-2).
Den psychopathologischen Befund schilderte Dr.
B._
unter Hinweis auf das von ihm beigelegte Manual zur Dokumentation psychiatrischer Befunde (AP/Schieder Februar 2005, Urk. 8/47/5-57) wie folgt (Urk. 8/47/2-3):
•
Ziff. 27: gelegentlich, im Kontext der Traumatisierung bzw. übergrif
figer Situationen
•
Ziff. 29: Ängste bis zur Panik
•
Ziff. 33: Wahnstimmung im Sinne stärkeren Argwohns
•
Ziff. 34, 35, 39, 40, 62 und 64: gelegentlich
•
Ziff. 42 und 73: starke Schuldgefühle v.a. der Mutter gegenüber
•
Ziff. 59: leicht, gelegentlich
•
Ziff. 63 und 70: häufig
•
Ziff. 65: häufig - aber kontextuell mit dem Trauma verknüpft
•
Ziff. 69 und 119: häufig über das zu erwartende Mass hinaus (medi
kamentös angegangen)
•
Ziff. 79, 80, 81: gelegentlich
•
Ziff. 89: trifft zu
•
Ziff. 101: wird medikamentös angegangen (
Trittico
)
Dr.
B._
vermerkte, als therapeutische Massnahmen würden eine Gesprächs
therapie (beziehungsorientiert) mit Durcharbeitung der traumatischen Erlebnisse und eine Aufmerksamkeitsschulung (
Focusing
= Bezugnahme auf das Körperge
fühl) durchgeführt. Die Prognose sei vorsichtig günstig «bei Anpassung an die Arbeitsfähigkeit: gewünscht 50 % und evtl. Arbeit mit Jugendlichen» (Urk. 8/47/4).
3.5
Bezugnehmend auf den
B
ericht von
Dr.
B._
vom 3
0.
November
2018
(E.
3.4
)
hielt
Dr.
D._
vom RAD am
4.
Dezember 2018
fest, die
geschilderte
Anamnese falle knapp aus.
Im Weiteren sei die
psychopathologische Befunderhebung nach dem AMDP-System schwer lesbar und zudem nicht korrekt
ausgefallen
. In der Gesamtschau der Aktenlage könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen eines Gesundheitsschadens mit anhaltender Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (
Urk.
8/50/5).
4.
D
ie
Beschwerdegegnerin stützte
ihren abweisenden Entscheid auf
die RAD-Stellungnahme vom
4.
Dezember 2018
(
E
.
3.5
), wonach
bei der
Beschwerdefüh
rer
in
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht vom Vorliegen eines Gesund
heits
schadens
mit anhaltender Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausgegan
gen werden könne
.
Nach Lage der Akten war die Beschwerdeführerin vom 2
5.
Juli bis
8.
September 2016 im Sanatorium
Y._
hospitalisiert. Als Hauptdiagnose wurden dabei psychische und Verhaltungsstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2) genannt. Als Nebendiagnose wurde unter anderem eine Agora
phobie: mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) aufgeführt (
E. 3.1
). Im Anschluss an
den Aufenthalt
im Sanatorium
Y._
begab sich die Beschwerdeführer
in bei
Dr.
B._
und
Dr.
phil
.
C._
insbesondere
zur Behandlung der Panikattacken
in Psychotherapie
(E. 3.4), woraufhin
diese
Panikstörungen (ICD-10 F41.0)
sowie verstärkte Schlafstörungen diagnostizierten und einen
Verdacht auf eine genera
lisierte Angststörung
äusserten
(ICD-10 F41.1) (E. 3.3).
Vorwegzuschicken ist, dass es sich bei einer Verdachtsdiagnose
- mithin der
ver
dachtsweise diagnostizierten
generalisierten Angststörung -
um ein beweismässig
nicht gesichertes Leiden handelt und dieses somit k
eine
rechtsgenügliche
Grund
lage
bilden kann, um eine mögliche Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit nach
zuw
e
i
sen (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2
019 vom 1
1.
November 2019 E.
3.3
.2). In Bezug auf die Panikstörung ist
sodann
festzuhalten, dass eine solche bereits während des Aufenthalts im Sanatorium
Y._
nicht mehr zu ver
zeichnen war. Der Beschwerdeführerin war es vielmehr möglich, stark frequen
tierte Veranstaltungen wie
das
Theaterspektakel und die
Streetparade
zu besuchen (E. 3.1). Darüber hinaus sind auch im weiteren Verlauf, namentlich in den Berichten von
Dr.
B._
und
Dr.
phil.
C._
, keine Panikattacken dokumentiert. Anhand des von ihnen
aufgeführten
psychopathologischen Befundes (E. 3.4) lässt sich
die Diagnose einer Panikstörung
nicht
nachvollziehen. Im Weiteren ist infolge der geringen
Therapiefrequenz von 14 Tagen beziehungsweise einmal in drei Wochen (
Urk.
8/10/49, 8/15/2, 8/37/2) nicht
von einem
erheblichen Leidens
druck
auszugehen
.
In Bezug auf das Abhängigkeitssyndrom ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nach ihrem
körperlichen
Entzug im Spital
A._
im Sanatorium
Y._
erfolgreich eine Entwöhnungstherapie durchlief (E. 3.1). Für den Verlauf zwischen dem Klinikaustritt und dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom
5.
Mär
z
2019 (
Urk.
2), welche
r
die Grenze der richterlichen Über
prüfungsbefugnis bildet (BGE 132 V 215 E. 3.1.1), bestehen keine Hinweise
auf
eine Suchtproblematik.
Im Gegenteil
lässt der Bericht von
Dr.
B._
vom 3
0.
November 2018, wonach die im Sanatorium
Y._
gestellte Haupt
diagnose laut Angaben der Beschwerdeführerin «nur für eine bestimmte Phase gelten könne» (E. 3.4), auf eine Remission schliessen.
Insgesamt
fehlt es an einer fachärztlich gestellten psychiatrischen, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützten Diagnose, welche für die Annahme eines psychischen Gesundheitsschaden
s
im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG sowie
Art.
3
Abs.
1 und
Art.
6 ATSG vorausgesetzt
wird
(BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1,
130 V 396 E. 5.3 und 6).
Schliesslich ist
darauf hinzuweisen, dass psychosoziale Belastungsfaktoren (insbesondere angespannte Familienverhältnisse und Überforderung am Arbeitsplatz infolge damals n
eu aus
geübter Leitungsfunktion [
vgl.
Urk.
8/10/41, 8/47/2
]
) - welche im invalidenver
sicherungsrechtlichen Kontext grundsätzlich unberücksichtigt zu haben bleiben (BGE 127 V 294) - erkennbar mitursächlich waren für die geklagten Beschwerden.
In der Folge ist nicht zu beanstanden, dass der RAD-Facharzt
Dr.
D._
(Stellungnahme vom
4.
Dezember 2018, E. 3.5) und mit ihm die Beschwerdegeg
nerin (
Urk.
2, 7) davon
ausgingen
, ein (psychischer) Gesundheitsschaden mit an
haltender Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei nicht mit dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126
V 353 E. 5b) aus
gewiesen. Diese Beweislosigkeit wirkt sich zu Lasten der Beschwerdeführerin aus,
welche die (materielle) Beweislast trägt (BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6). Konkrete Anhaltspunkte, welche auf das Vorliegen eines invalidenversicherungs
rechtlich relevanten psychischen Gesundheitsschadens hinweisen würden, sind nicht aktenkundig. Von weiteren medizinischen Abklärungen sind
daher
keine
entscheidrelevanten
Ergebnisse zu erwarten, weshalb darauf verzichtet werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3).
Nach dem Gesagten ist ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, weshalb sich die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung vom
5.
März 2019 (
Urk.
2) als rechtens erweist
. D
ie dagegen erhobene Beschwerde
ist
daher
abzuweisen
.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
6
00.-- festzu
setzen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.