Decision ID: 5a6214ec-7416-4bbb-9b7b-0d59c6a9b6b3
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964
, war vom
1.
Febru
ar 2000 bis am 3
1.
Juni 2003 als Bäcker-Konditor für die
Bäckerei
Y._
,
in Z._
,
tätig, wobei e
r ab dem 2
3.
Oktober 2002 krank
geschrieben war. Am 1
9.
März 2003 meldete er sich unter Hinweis auf nach einer
Diskushernienoperation
mit Entfernung der Bandscheibe und Versteifung der Wirbel fortbestehende starke Schmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge erwerbliche und medizinische
Abklärungen durch und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom
1.
April 2004 eine ganze Invalidenrente
ab
1.
Oktober 2003
zu (
Urk.
8/26).
1.2
Anlässlich
der 2004 durchgeführten Rentenrevision bestätigte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 2
1.
Dezember 2004 einen unveränderten Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
8/45).
Mit Verfügung vom 2
8.
Januar 2005 sprach sie ihm sodann mit Wirkung ab
1.
Januar 2004 eine
Hilflosenentschädigung
bei leichter Hilflosigkeit zu (
Urk.
8/51).
1.3
Nachdem
die IV-Stelle
eine
weitere
Revision
der
Rente und
überdies eine Revision
der
Hilflosenentschädigung
durchgeführt und den
unveränderten
Leistungsan
spruch des Beschwerdeführers
mit Mitteilungen vom 2
8.
und 2
9.
Januar 2008
bestätigt hatte (
Urk.
8/79,
Urk.
8/80), legte die
IV-Stelle
anlässlich einer weiteren, im Jahr 2011 durchgeführten Revision,
die aktualisierten medizinischen Unterla
gen
Dr.
med.
A._
, Praktischer Arzt, vom Regionalärztlichen Dienst
(RAD) zur Stellungnahme vor
(
Urk.
8/103/2
f.
). Daraufhin teilte sie dem Versicherten am 1
1.
Mai 2011 mit, es bestehe weiterhin ein unveränderter
Hilf
losenentschädigungs
- und Rentena
nspruch (
Urk.
8/104
f.).
1.4
Anlässlich des
im Jahr
2016 durchgeführten Revisionsverfahren
s
holte die IV-Stelle
aktuelle Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
8/123,
Urk.
8/127) und teilte dem
Versicherten
am 2
7.
September 2016 mit, er habe weiterhin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (
Urk.
8/130). Am 2
4.
Oktober 2016 führte sie
sodann
beim Versicherten zu Hause
eine Abklärung betreffend
Hilflose
nentschä
digung
durch (
Urk.
8/132)
und teilte ihm am
3.
November 2016 mit, auch der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
bestehe unverändert fort (
Urk.
8/133).
1.5
Nach einem
Hinweis vom 1
0.
September 2018 auf verschiedene Tätigkeiten des Versicherten eröffnete die IV-Stelle
ein
weite
res R
evisionsverfahren
(
Urk.
8/146,
Urk.
8/140)
. I
n dessen
Verlauf
führte
sie
zunächst
Internetrecher
ch
en
durch
und
führte mit
dem
Versicherten
in diesem Zusammenhang ein telefonisches Gespräch
(
Urk.
8/143 ff.).
In der
weite
ren
Folge
gab sie beim
Zentrum
B._
ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachrichtun
gen
Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie
, Neurologie und Psychiatrie
in Auf
trag
(
Urk.
8/153), das am 1
2.
Juli
2019
erstattet wurde
(
Urk.
8/162).
Ferner holte sie eine
schriftliche
Auskunft
des Strassenverkehrsamtes ein
und
führte weitere
Internetrecherche
n durch (
Urk.
8/164
,
Urk.
8/166).
Mit Vorbescheiden vom 1
2.
November 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Einstellung
der
Hilf
losenentschädigung
und
der Invalidenrente, beides rückwirkend per August 2016, in Aussicht (
Urk.
8/169,
Urk.
8/170). Nachdem der Versicherte hiergegen am 1
0.
Dezember 2019 Einwand erhoben (
Urk.
8/173,
Urk.
8/174) und diesen am 3
0.
Januar 2020 begründet hatte (
Urk.
8/179)
,
hob die IV-Stelle die
Hilflosenent
schädigung
und die Invalidenrente mit Verfügungen vom
4.
August 2020 wie angekündigt
rückwirkend
per
1.
Au
gust 2016 auf (
Urk.
8/185
=
Urk.
2/1
,
Urk.
8/187
=
Urk.
2/2
).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertre
ten durch Rechtsanwalt
Dr.
Keller
,
Winterthur,
am 1
0.
September 2020 Beschwerde mit dem Antrag, die Verfügun
g
en
der Beschwerdegegnerin vom
4.
August 2020 betreffend Einstellung der I
nvalidenrente sowie betreffend Aufhebung der
Hilflosenentschädigung
seien aufzuheben und es seien ihm weiterhin un
verändert die Leistungen gemäss dem
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG)
auszurichten (
Urk.
1
S. 2
). Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Oktober 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Auf die Anordnung eines zweiten Schriften
wechsels hin (
Urk.
9) stellte d
er Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2
4.
Februar 2021 einen Antrag auf Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und der Bestellung von Rechtsanwalt
Dr.
Walter Keller als unentgeltliche
r
Rechtsvertreter
(
Urk.
14). Mit
Replik vom
1.
März 2021 hielt
er sodann in materieller Hinsicht an seinen Anträgen fest (
Urk.
17). Mit Duplik vom 2
7.
Mai 2021
erneuerte
die Beschwerdegegnerin
ihre
Ant
räge ebenfalls
und reichte eine Stellungnahme von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
,
vom RAD zu den Akten (
Urk.
24
-25
).
Das
Gesuch
des Beschwerdeführers
um
unent
geltliche
Prozessführung
wurde
mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2021 mit Wirkung ab
dem 2
4.
Februar 2021 bewilligt
und ihm Rechtsanwalt
Dr.
Walter Keller als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (
Urk.
26).
Mit Verfügung vom
6.
August 2021 wurde dem Beschwerdeführer
Gelegenheit
zur Stellungnahme zur mit der Duplik eingereichten Anfrage an den Regionalärztlichen Dienst vom 2
7.
Mai 2021 sowie zu
m unter Umständen zu prüfenden
Rückkom
m
ens
titel
der
Wieder
erwägung
gegeben
(
Urk.
28), worauf dieser am 1
4.
Oktober 2021 verzichtete (
Urk.
32).
Schliesslich erfolgte mit Verfügung vom
4.
November 2021 die Beila
dung der PANVICA Pensionskasse
zum Verfahren
(
Urk.
33), welche sich innert Frist nicht vernehmen liess.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
IVG
).
1.4
Gemäss
Art.
42
Abs.
1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitli
chen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38 IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massge
bend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
•
Ankleiden, Auskleiden;
•
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
•
Essen;
•
Körperpflege;
•
Verrichtung der Notdurft;
•
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfs
mitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die B
eschwerdegegnerin führte in der
rentenaufhebende
n Verfügung aus
, sie
sei
gestützt auf Hinweise
aus der Nachbarschaft
sowie eigene
Recherchen
zum Schluss gekommen
, dass verschiedene Inkonsistenzen zu den bisherigen versi
cherungsmedizinischen Annahmen bestünden
(
Urk.
2/1 S. 2 f.)
. In der Folge sei eine polydisziplinäre Begutachtung angeordnet worden
. Diese
habe ergeben, dass der Beschwerdefü
hrer aufgrund der orthopädischen Probleme (vor allem Rücken
problematik) seit dem Zeitpunkt der
Rentenzusprechung
im Jahr 2003 in der bisherigen Tätigkeit als Bäcker arbeitsunfähig, in einer angepassten Tätigkeit indes
sen zu 100
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
2/
1 S. 4).
Für die Beurteilung der Frage, ob eine massgebliche
Ä
nderung des Gesundheits
zustandes eingetreten sei, sei auf die Rentenrevision
von
2011 ab
zustellen, da im Rahmen der R
evision 2016 eine blosse Bestätigung der bisherigen Rentenverfü
gung erfolgt sei. Im Verhältnis zum Jahr 2011 habe sich der Gesundheitszustand erheblich verbessert. N
ach
einer Magenbypass-O
peration im
Mai 2013 habe der Beschwerdeführer sein Gewicht um rund 50 kg reduzieren können, was sich positiv auf seinen Gesundheitszustand ausgewirkt
habe.
Mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit sei
der
Gesundheitszustand
per (spätestens) August 2016 wie
der so gut
gewesen
, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
hätte arbeiten können. Ein Revisionsgrund sei damit ausgewiesen
(
Urk.
2/1 S. 7)
.
Zwar treffe es zu, dass im Gutachten nicht von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes ausgegangen werde.
Die Gutachter
sei
en
indessen zum Schluss gekommen, dass die Spezialabklärungen
erst für die Zeit ab circa 2014 und insbesondere ab 2016
Hinweise auf ein beträchtliches Aktivitätsniveau und Ressourcen
ergäben
. Ein solches
Aktivitätsniveau
habe für die Zeit vorher nicht festgestellt werden können.
Daher
sei es in Verbindun
g mit dem durch die Magenbypass-O
peration 2013 ausgelösten Gewichtsverlust von mehr als 50 kg überwiegend wahrscheinlich, dass seit der Rev
ision 2011 eine Verbesserung der
Beweglichkeit und
der
Funktionalität eingetreten sei
. Auch gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Begutachtung sei
davon auszugehen
. Es könne daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem ab August 2016 gebesserten Gesundheitszustand ausgegangen werden (
Urk.
2/1
S. 10).
Hinzu komme, dass die Gutachter ein
aggravatorisches
Verhalten festgestellt hätten. Ein solches Verhalten, welches vorliegend zumindest ab 2016 vorgelegen haben dürfte, stelle einen Ausschlussgrund für eine versicherte gesundheitliche Beein
trächtigung und gleichzeitig einen R
evisionsgrund dar (
Urk.
2/
1 S. 7).
Falls die Rentenrevision 2016 als materielle Rentenprüfung qualifiziert werden sollte, käme eine prozessuale Revision der Mitteilung vom 2
7.
September 2016 in Betracht, da der spätestens per August 2016 massgebend verbesserte Gesund
heitszustand und auch die Aggravation erst aufgrund der Meldungen
aus der Nachbarschaft
vom September 2018 und den darauffolgenden Spezialabklärun
gen in Verbindung mit dem Gutachten vom 1
2.
Juli 2019 erkannt
w
o
rden
seien
. Vor diesem Hintergrund erscheine die Mitteilung vom 2
7.
September
2016
als
unrichtig und
sie
sei gestützt auf
Art.
53
Abs.
1 ATSG aufzuheben (
Urk.
2/
1 S. 7).
Da die 90-tägige Revisionsfrist erst zu laufen beginne, wenn die ärztliche Beur
teilung vorliege beziehungsweise der medizinische Sachverhalt feststehe und das Gutachten am 1
5.
J
uli 2019 bei ihr eingegangen sei, sei die Frist unter Berück
sichtigung der Gerichtsferien erst nach Erlass des Vorbescheids vom 1
2.
Novem
ber 2019 abgelaufen (
Urk.
2/
1 S. 10).
Eine wesentliche Verbesserung dürfte bereits im Laufe der Jahre 2014/2015
ein
getreten sein, weshalb in diesem Zeitpunkt
sowie im Sommer 2016, als der
Beschwerdeführer
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wieder zu 100
%
ange
passt
arbeitsfähig gewesen sei
,
eine Meldepflicht bestanden
habe
. Die im Rahmen der Rentenrevision gemachten Angaben hätten die wesentliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes
nicht aufzuzeigen verm
ocht
.
Der Beschwerdeführer sei im Rahmen der Rentenzusprechung sowie der Revisionsmitteilungen auf die Melde
pflicht hingewiesen worden, diese sei somit bekannt gewesen.
Somit
habe der Beschwerdeführer die Meldepflicht verletzt. Da zudem ein Invaliditätsgrad von unter 40
%
vorliege, könne die Rente rückwirkend ab der Verbesserung - also per August 2016 - aufgehoben werden
(
Urk.
2/
1 S
.
8).
Vorgängige
Eingliederungs
massnahmen müssten
keine durchgeführt werden
, da der Beschwerdeführer im massgeblichen Zeitpunkt der Rentenaufhebung Ende Juli 2016 noch nicht wäh
rend 15 Jahren eine Rente bezogen habe und auch noch nicht 55 Jahre alt gewe
sen sei
(
Urk.
2/
1 S. 8).
Beim
Einkommensvergleich vom 1
0.
Mai 2011 sei das
Valideneinkommen
auf einer falschen Grundlage bestimmt worden
; namentlich seien die Kinderzulagen nicht ausgeschieden worden
. Ferner könne aus heutiger Sicht nicht davon aus
gegangen werden, dass der Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrschein
lichkeit noch in der damaligen Funktion bei der damaligen Arbeitgeber
in tätig wäre
(
Urk.
2/
1
S 8 u.
S. 14).
Für den Einkommensvergleich sei daher sowohl für das Validen- als auch das Invalideneinkommen auf die Tabellenwerte der Lohn
strukturerhebung 2016 abzustellen. Ein Vergleich dieser Einkommen ergebe einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 19
%
(
Urk.
2/1 S. 8 f.).
B
eim
Invalideneinkommen sei sodann kein leiden
sbedingter Abzug vorzunehmen (
Urk.
2/
1 S. 15).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte d
em
gegen
über
vor,
es sei für die Beurteilung, ob eine massgebende
Änderung
des Sachverhalt
s
eingetreten sei, auf die Rentenre
vision
von
2016 abzustellen (
Urk.
1 S. 4). Es werde bestritten, dass die durchge
führte Magenbypass-O
peration zu einer
B
esserung der Rückenschmerzen und damit
zu einer höheren
Arbeitsfähigkeit geführt habe. Es handle sich um eine reine Behauptung, die medizinisch nicht belegt sei, insbesondere ergäben sich auch aus dem
B._
-Gutachten vom 1
2.
Juli 2019 keine diesbezüglichen Hinweise (
Urk.
1 S. 5).
Es liege daher kein Revisionsgrund nach
Art.
17 ATSG vor, es erfolge bei unverändertem Gesundheitszustand eine reine Neubeurteilung der Arbeits
fähigkeit ohne Nachweis einer entsprechenden Veränderung. Dies sei rechtlich unzulässig (
Urk.
1 S. 9 f.).
Die Magenbypass-O
peration einschliesslich des Gewichtsverlusts sei der Beschwer
degegnerin ferner im Zeitpunkt der Revision im Jahr 2016 bekannt gewesen. Sie hätte daher im Rahmen der Revision 2016 die Möglichkeit geha
bt, eine Verände
rung geltend zu
machen. Im Rahmen der Revision nach
Art.
53
Abs.
1 ATSG könnten nur Beweismittel beigebracht werden, welche trotz hinreichender Sorg
falt nicht bekannt gewesen seien, wovon vorliegend nicht die Rede sein könne. Ein
allfälliger
Revisionsanspruch nach
Art.
53 ATSG sei daher längst verwirkt (
Urk.
1 S. 5 f.).
Was die angebliche Meldepflichtverletzun
g betreffe, sei die Magenbypass-O
pera
tion mit Gewichtsabnahme der
B
eschwerdegegnerin bereits bekannt gewesen, in Bezug auf die Aktivitäten habe sodann keine Meldepflicht bestanden
, da die Voraussetzunge
n für eine Meldepflicht, namentlich
einer
wesentlichen Änderung der
für die Leistu
ng massgeblichen Verhältnissen
, nicht erfüllt seien (
Urk.
1 S. 6). Von einer Meldepflichtverletzung könne somit nicht die Rede sein (
Urk.
1 S. 7).
Sodann hätten
sämtliche Gutachter die
Plausibilität und Konsistenz seiner Anga
ben
bestätigt, an keiner der einschlägigen Stellen im Gutachten finde sich der Vorw
urf der Aggravation. Die anders
lautende Behauptung
der Beschwerdegeg
nerin sei
klar wider besseres Wissen erfolgt (
Urk.
1 S. 9).
Die Sachverhaltsabklärungen der Beschwerdegegnerin seien durchwegs mängel
behaftet. Die denunziatorischen Angaben
aus der Nachbarschaft
würden kritiklos übernommen und in keiner Art und Weise überprüft, die aus den Internetrecher
chen gewonnenen Erkenntnisse seien allesamt ohne Relevanz für die vorliegend interessierenden Fragestellungen, teilweise würden
sie auf reinem Irrtum beruhen (
Urk.
1 S. 14).
Sollte wider Erwarten ein Revisionsgrund
bejaht
werden, so wäre die Frage der Arbeitsfähigkeit neu zu beurteilen. In den vergangenen Jahren seit der Renten
zusp
r
echung seien eine ganze Reihe medizinischer Berichte und Beurteilungen erstellt w
orden, welche allesamt mit Blick
auf die festgestellten Gesundheitsschä
den eine volle Arbeitsunfähigkeit bestätigen würden (
Urk.
1 S. 14).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ergänzte in der Beschwerdeantwort, anlässlich der Revision im Jahr 2016 habe keine fachärztliche Beurteilung bezüglich der inva
liditätsbegründenden Rückenbeschwerden und der Arbeitsfähigkeit stattgefun
den. Ferner sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Hausarzt nicht nachvollziehbar und die Arztbericht
e
seien nicht dem RAD vorgelegt worden. Die Mitteilung vom 2
7.
September 2016 habe somit nicht auf einer materiellen Prü
fung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweis
würdigung und Invaliditätsbemessung basiert und komme als Vergleichsbasis nicht in Betracht (
Urk.
7 S. 2).
Die geltend gemachten Mängel in der Beu
r
teilung der A
rbeitsfähigkeit, nament
lich, dass das Gutachten in einem Widerspruch zur übrigen Aktenlage stehe, seien pauschal und undifferenziert. Bezüglich der Gonarthrose sei anzumerken
,
dass der Beschwerdeführer gegenüber dem orthopädischen Gutachter angeführt habe, die Beschwerden seitens der Hüft- und Kniegelenke seien nach der Gewichtsre
duktion verschwunden. Inwiefern aufgrund der subjektiven Beschwerdefreiheit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultieren sollte, sei nicht nachvollzieh
bar, das formulierte Belastungsprofil beinhalte denn auch eine Rücksichtnahme auf die Knie (
Urk.
7 S. 3).
2.4
Der Beschwerdeführer legte in der Replik ergänzend dar,
die Beschwerdegegnerin habe sich anlässlich der Revis
ion
von
2016 einlässlich mit der re
vis
i
onsrechtlich relevanten Fragestellung auseinandergesetzt. Die
Plausibilität
der damaligen medizinischen Beurteilung werde durch das
B._
-Gutachten, welches einen unveränderten medizinischen Zustand bestätige, gestützt (
Urk.
17 S. 2). Die gesamten
medizinischen
Akten würden keine Anhaltspunkte
dafür
liefern, dass die Gewichtsabnahme zu einer Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit geführt
habe
;
die orthopädischen Gesundheitsschäden, welche ursprünglich zur Berentung geführt hätten, bestünden unverändert fort, hinzugetreten sei
eine
Gonarthrose beidseitig. Die Ausführungen betreffen
d
die Meldepflichtverletzung seien vage und unbestimmt. Die Beschwerden im
Bereich
der Hüfte un
d der Knie seien irre
levant, da
im Rahmen der
Rentenzusprache
und der bisherigen
Revisionen
jeweils
allein das Rückenleiden
die relevante Arbeitsfä
higkeit begründet habe. Dieses dauere unverändert fort
. Im Bereich der Knie sei sodann zwischenzeitlich eine Versorgung beider Knie mittels Kniegelenktotalprothese
n
notwendig geworden
(
Urk.
17 S. 3).
2.5
Die Beschwerdegegnerin führte schliesslich in der Duplik aus, gemäss Stellung
nahme des RAD gälten Kniegelenke nach
der
Implantation einer
Knietotalendo
prothese
wieder als normal belastbar. Abgesehen von einer postoperativen Reha
bilitationszeit von drei
bis vier Monaten pro Kniegelenk
bestehe gemäss RAD in dieser Hinsicht wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
im Zusammenhang mit der Knieproblematik
liege daher nicht vor (
Urk.
24 S. 1).
3.
3.1
Dem Feststellungsblatt vom 2
5.
Februar 2004 (
Urk.
8/23) ist zu entnehmen, dass die rentenzusprechende Verfügung vom
1.
April 2004 einerseits auf dem Bericht von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom 1
7.
April 2003 basierte, worin dieser ein
lumboradikuläres
Reizsyndrom bei Status nach
Dis
kushernienoperation
L2/L3 im Jahr 1995 und Status nach
Diskushernien
rezidivoperation
am
9.
Dezember 2002 diagnostizierte (
Urk.
8/8/1) und festhielt, die Wiederaufnahme einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei voraussichtlich in einigen Monaten ganztags möglich (
Urk.
8/9/2). Andererseits stützte sich die Beschwerdegegnerin auf den Bericht der behandelnden Ärzte der Uni
versitäts
kli
nik
E._
vom
2.
Februar 2004, worin diese über eine am 1
3.
Oktober 2003 durchgeführte OSME
(Entfernung von
Osteosynthesematerial
)
, Exploration der
Spondylodese
L2/3 sowie
Reinstrumentation
und
posterolaterale
Fusion L2/3,
Lumbotomie
und ALIF mit
trikortikalem
Knochenblock bei persistierenden Rückenschmerzen mit Verdacht auf Pseudoarthrose berichteten, dem Beschwer
deführer eine Arbeitsunfähigkeit für die Tätigkeit als Bäcker von 100
%
ab dem 2
5.
Oktober 2002 attestierten und
davon ausgingen
, dass dieser nie mehr in einem körperlich anstrengenden Beruf
werde
arbeiten könne
n
. Ob eine Rückkehr in den angestammten Beruf möglich sei, bleibe abzuwarten (
Urk.
8/22/6
). Die Beschwer
degegnerin hatte dem RAD
ihre Absicht unterbreitet
, die Wartezeit am 2
5.
Feb
ruar 20
02
zu eröffnen, von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
auszugehen und die Revision acht Monate später ein
zuleiten,
was
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
vom Regionalärztlichen Dienst (RAD)
,
in ihrer
Stellungnahme vom 2
3.
Februar 2004
als nachvollziehbar erachtete
(
Urk.
8/23/2).
Mit Verfügung vom
1.
April 2004 sprach die Beschwer
degegnerin dem Beschwerdeführer in der Folge eine ganze Invalidenrente ab
1.
Oktober 2003 zu (
Urk.
8/26).
3.2
Im anlässlich der Revision im Jahr 2004 eingeholten Bericht von
Dr.
D._
vom 1
5.
Dezember 2004
wies
dieser
auf
einen stationären Gesundheitszustand mit unveränderten Beschwerden
hin
. Es sei dem Beschwerdeführer
weiterhin
keinerlei Erwerbstätigkeit zumutbar (
Urk.
8/43/2). Gestützt darauf bestätigte die Beschwer
degegnerin den Rentenanspruch des Beschwerdeführers mit Mitteilung vom 2
1.
Dezember 2004 (
Urk.
8/45).
3.3
Die Mitteilung vom 2
8.
Januar 2008, worin ein unveränderter Anspruch auf eine ganze Invalidenrente festgehalten wurde (
Urk.
8/79), basierte auf dem Bericht von
Dr.
D._
vom 2
0.
Januar 2008
,
worin dieser
zusätzlich
eine somatoforme Schmerzstörung mit intermittierend depressiven Phasen
erwähnte, im Übrigen aber
festhielt, es habe sich keine Veränderung des Zustandes ergeben (
Urk.
8/77/2
f., vgl.
auch
Urk.
8/78).
3.4
Im 2011 durchgeführten Revisionsverfahren holte die Beschwerdegegnerin eine Stellungnahme von
RAD-Arzt
Dr.
A._
ein.
Er
stützte
sich auf den
Bericht von
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 1
4.
April 201
1.
Diese
stellte
darin
in psychiatrischer Hinsicht die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.1), phasenweise mit Sui
zidalität, einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und ängstlichen Zügen (ICD-10 F61) sowie einer anhaltenden Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.42;
Urk.
8/101/1)
und
attes
tierte
dem Beschwerdeführer seit mindestens
dem
Behandlungsbeginn am 1
0.
Juli 2009 bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für seine angestammte Tätigkeit als Bäcker-Konditor
;
sie
erachtete
auch keine behinderungsangepasste Tätigkeit für möglich (
Urk.
8/101/3)
.
Dr.
A._
hielt daraufhin
einen unver
änderten Gesundheitsschaden und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten des freien Arbeitsmarktes fest
. Dies stimme ebenfalls mit der Ein
schätzung des Hausarztes überein
(
Urk.
8/103/3). Die Beschwerdegegnerin bestä
tigte daher den Rentenanspruch des Beschwerdeführers mit Mitteilung vom 1
1.
Mai 2011 (
Urk.
8/104).
3.5
Die Mitteilung vom 2
7.
September 2016
,
worin der Rentenanspruch des Beschwerdeführers wiederum bestätigt wurde (
Urk.
8/130), stützte sich einerseits auf den Verlaufsbericht von
Dr.
D._
vom
2.
September 2016, worin dieser einen stationären Gesundheitszustand
erwähnte
und zusätzlich eine Gonarthrose beid
seits bei Status nach Meniskusteilresektion rechts 1986 und links 2000 sowie einen Status nach distalem Magenbypass mit mehrfachen Revisionen 2013 und einer
Narbenhernienoperation
2014 diagnostizierte. Die Tätigkeit als Bäcker sei dem Beschwerdeführer ausser im Haushalt nicht
mehr
möglich. Eine angepasste Tätigkeit beinhalte eine jeweils halbstundenweise Belastungsphase mit folgender Pause sowie
der
Möglichkeit, bei einer Verschlechterung kurzfristig abzusagen. Dem Beschwerdeführer sei nur kurzfristig körpernahes Heben von Gewichten unter 10 kg zumutbar
;
die Arbeiten sollten zeitweise im Gehen, Stehen und im Sitzen durchgeführt werden,
wo
bei
eine
stark eingeschränkte Gang- und Stand
sicherheit
bestehe
(
Urk.
8/127/2).
Andererseits lagen die Berichte von PD
Dr.
med.
H._
, Chefarzt der
C
hirurgischen Klinik des Kantonsspitals
I._
, vor, der in seinem Bericht vom
4.
Mai 2015 die Hauptdiagnose eines Status nach offener Versorgung einer Narbenhernie sowie einer
Trokarhernie
am 1
8.
März 2014
mit
aktuell ziehende
n
Schmerzen pararektal links stellte. Als Nebendiagnosen
nannte
er einen Status nach
laparoskopischem
Magenbypass am
3.
Mai 2013 bei morbider Adipositas, eine rezidivierende depressive Störung und ein chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (
Urk.
8/123/5). Im am 2
8.
Juli 2016 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen Bericht ergänzte
Dr.
H._
, der Beschwerdeführer habe sein Gewicht durch die am
3.
Mai 2013 erfolgte Magenbypass-O
peration von 135 kg (BMI: 44.0) auf 85.8 kg (BMI 27.1, Stand
4.
Mai 2015) reduzieren können. Inwie
fern die Gewichtsabnahme die Arbeitsfähigkeit beeinflusse, könne von seiner Seite her nicht eingeschätzt werden (
Urk.
8/123/3).
3.6
3.6
.1
Im aktuellen,
im Jahr
2018 eingeleiteten Revisionsverfahren
holte die Beschwer
degegnerin den
Verlaufsbericht
von
Dr.
D._
vom
7.
November 2018
ein, worin dieser über
einen stationären Gesundheitszustand
berichtete, die
bereits bekann
ten Diagnosen
nannte
und festhielt, i
m Beruf als Bäcker sei k
eine Tätigkeit mehr möglich
und
bei
leichte
n
Arbeiten müsse nach ein bis zwei Stunden die Möglich
keit
bestehen, sich hinzulegen (
Urk.
8/142/2).
3.6
.2
RAD-Arzt
Dr.
C._
ging in seiner Aktenbeurteilung vom
6.
Februar 2019 davon aus, die vom Beschwerdeführer geschilderten funktionellen Einschränkun
gen und der dazu vom Hausarzt bescheinigte körperliche und seelische Gesund
heitsschaden st
ünden
offenbar im Widerspruch zu den Ergebnissen der Spezial
abklärungen. Einerseits würden
chronifizierte
gehstock-/
rollatorpflichtige
Schmerzeinschränkungen geltend gemacht, andererseits fänden sich jedoch umfängliche Fremdhinweise auf möglicherweise davon abweichende soziale Aktivitäten des Beschwerdeführers. Zur Plausibilisierung empfehle er daher eine polydisziplinäre fachärztliche Evaluation (
Urk.
8/168/3 f.).
3.6.3
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Neurologie,
Dr.
med.
K._
, Facharzt für All
gemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
,
und
Dr.
med. M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
stellten im polydisziplinären
B._
-Gutachten vom 1
2.
Juli 2019 die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/162/8
f.
):
-
c
hronisches
lumbospondylogenes
Syndrom mit schmerzhafter Bewegungse
in
schränkung ohne
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik bei Status nach operativen Eingriffen in den Jahren 1986, 1995, 2002 und 2003
-
Gonarthrose beidseits
,
derzeit asymptomatisch bei Status nach Meniskus
teilresektion rechts 1986, links 2000
-
Coxarthrose
beidseits leichten Grades mit leichter Bewegungseinschränkung, derzeit schmerzfrei
.
Den
folgenden Diagnosen massen die Gutachter keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit zu (
Urk.
8/162/9):
-
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen, Differential
diagnose anhaltende somatische Schmerzstörung (anamnestisch)
-
h
istrionisch
akzentuierte Persönlichkeitszüge, Differentialdiagno
s
e:
histrioni
sche
Persönlichkeitsstörung
-
a
namnestisch rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig höchstens leichte depressive Episode
-
d
ringender Verdacht auf schädlichen Gebrauch von
Cannabinoiden
und Opioiden
-
l
eichtes Übergewicht (BMI 25.8) bei Status nach distaler
Magenbypass
O
peration
und
laparo
skopischer
Cholezystektomie
am
3.
Mai 2013,
Revisions-Lapar
o
tomie am 1
1.
Mai 2013 und endoskopischer
end
o
luminaler
Stent-Einlage am 1
3.
Mai 2013 sowie Operation einer Narbenhernie und
Trokarhernie
im März 2014
-
Fussinsuffizi
enz beidseits mit
Rückfussvalgus
und
Pes
planus
sowie
Hallux
rigidus
, beschwerdefrei
Die Gutachter führten aus, der Beschwerdeführer gebe seit vielen Jahren konstant vorhandene, belastungsabhängige Kreuzschmerzen an, mit einer
eingeschränkten
Beweglichkeit und
phasenweise
r
Ausstrahlung in den rechten O
berschenkel dorsal bis zum Knie.
Gefühlsstörungen oder Lähmungen
verneine er, w
eitere Beschwerden
gebe er keine an
(
Urk.
8/162/6)
.
Auf internistischem Fachgebiet erwähnenswert sei ein Status nach Magenbypass
-O
peration im Mai 2013 mit Folgeeingriffen, wobei aktuell noch ein leichtes Über
gewicht mit einem BMI von 25.
8
vorliege
(
Urk.
8/162/6).
Aus orthopädischer Sicht sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit zwei Walkingstöcken zur Untersuchung erschienen sei, auch trage er ein Lende
n
mie
der. Im aufrechten Stand nehme er ein
e starke Rechtsneigung der
oberen Wirbel
säulenhälfte bei konstitutionell flacher Brustkyphose und Lendenlordose ein. Die Lende
n
wirbelsäule zeige eine reizlose Narbe, die Muskulatur in diesem Bereich sei reduziert, sämtliche Bewegungen würden als schmerzhaft bezeichnet. Eine detaillierte
segmentale
Untersuchung und
Bestimmung
der Schmerzquellen sei
en
aufgrund einer Schmerzabwehr nicht möglich
gewesen
. Die Beweglichkeit sei eingeschränkt mit einem Finger-Boden-Abstand von etwa 40 cm. Die aktuellen
Röntgenaufnahmen
würden einen Zustand nach
Spondylodese
des Segments L2/3 ohne Anhaltspunkte für eine Pseudoarthrose zeigen. In den benachbarten Gelenken stelle sich eine möglicherweise symptomerzeugende Facettenarthrose L3/4 dar, die übrigen Segmente seien ohne relevante Degenerationszeichen. Letzt
lich könne die Ursache der
als
hochgradig empfundenen/
geschilderten Schmerz
haftigkeit in der gesamten Lendenwirbelsäule n
icht identifiziert werden. Daneben
stelle sich bei der Untersuchung eine
leichte
Streckhemmung der Kniegelenke und
palpatorisch
eine
ausgeprägte
me
di
alseitige
Randzackenbildung dar. Rönt
genologisch ergebe sich hier eine
mässiggradige
Gonarthrose rechts mit Vermin
derung der Gelenkspalthöhe media
l und Zeichen einer leichten
Femoropatella
r
-Arthrose. Seitens der Kniegelenke bestehe aktuell
eine
Beschwerdefreiheit. An den Füssen ergäben sich Zeichen einer
mässiggradigen
Fussinsuffizienz mit
Rückfuss
valgus
,
Pes
Planus
und
Hallux
rigidus
.
D
iesbezüglich würden
jedoch
keine Beschwerden geschildert (
Urk.
8/162/6 f.).
Aus neurologischer Sicht sei festzuhalten, dass auch in der Aktenlage nie eine relevante
radikuläre
Problematik dokumentiert sei. So stelle sich die Situation auch aktuell dar. Der Beschwerdeführer gebe zwar eine intermittierend vorhan
dene Ausstrahlung dorsal in den rechten Oberschenkel bis zum Knie an, Hinweise auf eine
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik ergäben sich klinisch aber keine (
Urk.
8/162/7).
Aus psychiatrischer Sicht sei
en
in der
Vergangenheit
immer wieder die Diagnose
n
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sowie einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt worden. Anlässlich der aktuellen Untersuchung habe sich aber keine über die Rückenschmerzen hinausgehende Schmerzangabe und keinerlei Angaben typisch
er
psychovegetativer Symptome ergeben, auch lasse sich kein hintergründiger Konflikt feststellen.
Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne
daher
nicht gestellt werden. Hingegen sei es eindeutig, dass eine psychisch bedingte Überlagerung
der Rückenschmerzen
ausgeprägten Ausmass
es vorliege,
weshalb
die Diagnose einer Entwicklung kör
perlicher Symptome aus psychischen Gründen gestellt
werde
. Es handle sich dabei um eine Überlagerung, Ausprägung und Ausdehnung der somatisch objektivier
baren Beschwerden, die als sehr bewusstseinsnah beurteilt würden. Anlässlich der Untersuchung sei der Beschwerdeführer auch nicht depressiv gewesen, es habe
allenfalls
eine gewisse
Klagsamkeit
bestanden bei einer
deutlich
suggestive
n Stimmungslage, der Versichert
e habe
aber
auch lachen und fröhlich sein können. Vor dem Hintergrund dieses Verhaltens mit auch einem deutlich demonstrativen Verhalten, dem Gehen an Walkingstöcken, einem grotesken Hinken und exzessi
ven Klagen könne
von einer deutlich
histrionisch
akzentuierten Persönl
ichkeit gesprochen werden, wobe
i die Symptomatik
für die Diagnose einer Persönlich
keitsstörung
nicht
ausgeprägt und schwer genug sei
. Des
Weiteren
bestehe ein dringender Verdacht auf einen abusiven, medizinisch nicht induzierten Gebrauch sowohl von
Cannabinoiden
als auch Opioiden (
Urk.
8/162/
7 f.).
Zur Konsistenz hielten die Gutachter fest, dass Rückenschmerzen prinzipiell unter Berücksichtigung der Vorgeschichte mit Status nach vier lumbalen Eingriffen und der aktuellen klinischen und radiologischen Befunde erklärt werden
könnten
. Die Situation sei aber
chronifiziert
, wahrscheinlich auch im Rahmen einer Fehlverar
beitung
;
ungünstig sei auch der Langzeiteinsatz von Opiaten. Auffallend bei den klinischen Untersuchungen sei gewesen, dass der Beschwerdeführer an zwei Walkingstöcken erschienen sei, stark gehinkt habe und
den Oberkörper bei den Untersuchungen massiv zur rechten Seite gehalten habe, was mit den klinischen Befunden nicht zwanglos erklärt werden könne. Es bestehe auch ein deutlich
demonstratives
Element
;
zu
erwähnen
sei
auch
das ständige Vor- und Rück
wippen mit dem Oberkörper in sitzender Position, was mit der
histrionischen
Persön
lich
keitsstruktur zusammenhängen dürfte (
Urk.
8/162/11).
Die Gutachter kamen
in der Gesamtwürdigung
zum Schluss, der Beschwerdefüh
rer sei in der als mittelschwer zu beurteilenden Tätigkeit als Bäcker
mit
der häu
figen
Notwendigkeit
der Einnahme
von Zwangshaltungen und dem repetitiven Tragen von Lasten arbeitsunfähig. Dies gelte seit Oktober 200
2.
Eine angepasste Tätigkeit müsse körperlich leicht sein, mit einem Hebe- und Tragelimit von 5 kg, ohne häufiges Bücken, Heben und Tragen von Lasten, mit der Möglichkeit von Positionswechseln, nicht auf unebenem Boden oder auf Leitern
und
nicht in kniender oder kauernder Position. Für
eine derart angepasste Tätigkeit
bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
D
ieses Belastungsprofil
habe
bereits
im
Zeitpunkt der
Zusprache
der Invalidenrente im Oktober 2003 gegolten. Aus psy
chiatrischer Sicht
sei
von einem bewusstseinsnahen Vortragen des Leidens aus
zu
gehen, das dem Erhalt
der
einmal vorgenommenen Fehlentscheidung diene
.
I
n d
ie
Folgen dieser Fehlentscheidung
habe
sich der Versicherte gut eingerichtet und
er sehe
auch keinen
W
eg
heraus
(
Urk.
8/162/12). Mit einige
n
Schwankungen
habe der aktuelle Zustand schon zum Zeitpunkt der Zuspr
echung
der Rente im
Oktober
2003 und somit auch im
September
2016 vorgelegen (
Urk.
8/162/13).
3.6.4
In seiner Stellungnahme vom
2
6.
Juli 2019 empfahl RAD-Arzt
Dr.
C._
,
auf das somatische Gutachten
sei
abzustellen, da dieses auf
eigenen
Untersuchun
gen der Gutachter beruhe, schlüssig und umfassend erscheine und die gesamte Aktenlage sowie sämtliche Beschwerden und Symptome des Beschwerdeführers berücksichtige (
Urk.
8/168/6).
RAD-Ärztin
Dr.
med.
N._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ergänzte, da
im Gutachten
prinzipiell ein Aggravationsverhalten beschrieben w
o
rde
n
, könne ihrer Ansicht nach auf die Diagnose der Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10 F68.0) auch verzichtet werden. Grundsätzlich könne jedoch auf das psychiatrische Gutachten abgestellt werden (
Urk.
8/168/6).
4
.
4
.1
4.1.1
Ausgehend von den ärztlichen Berichten und Gutachten
ist
zu prüfen, ob ein zur Rentenanpassung berechtigender
Rückkommenstitel
vorliegt.
Die Beschwerde
gegnerin
vertritt
diesbezüglich
die Ansicht,
dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der rentenbestätigenden Mitteilung vom 1
1.
Mai 2011 -
die ihrer Ansicht nach die letzte
rechtsgenügliche
Überprüfung des Sachverhalts darstellt und daher
von ihr
als Referenzzeitpunkt für die Beurteilung einer Tatsa
chenänderung her
an
gezogen wird - in rentenrelevantem Ausmass verändert hat
und demnach ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1
ATSG vorliegt
(
Urk.
2 S.
7)
.
Der Besch
werdeführer dagegen
stellt
unter Verweis auf das polydis
ziplinäre
B._
-Gutachten vom 1
2.
Juli 2019
in Abrede
,
dass sich sein Gesund
heitszustand massgeblich verändert habe
(
Urk.
1 S. 5).
4.1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. Ap
ril 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
4.1.3
Zur Beurteilung der Frage, ob eine
massgebliche
Veränderung des Gesundheits
zustandes des Beschwerdeführers eingetreten ist,
ist
insbesondere
auf
das poly
disziplinäre
B._
-Gutachten vom 1
2.
Juli 2019
(
Urk.
8/162)
einzugehen und
des
sen Beweiswert
zu beurteilen
.
Zu beachten ist, dass
d
ie Expertise auf umfassenden allgemein-internistischen, orthopädischen, neurologischen und psychiatrischen Untersuchungen
beruht
(Urk. 8/162/30 ff., Urk. 8/162/41 ff., Urk.
8/162/51
f.,
Urk.
8/162/56 ff.)
und in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt
wurde
(Urk. 8/162/18 ff.). Der Beschwerdeführer
konnte gegenüber den
einzelnen Sach
verständigen seine
aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils — soweit fachspezifisch erfor
derlich — eingehend befragt. Er
konnte sich insbesondere zu verschiedenen Themenbereichen wie dem beruflichen Werde
gang sowie dem gewöhnlichen T
agesablauf
äussern
(Urk. 8/162/32,
Urk.
8/162/35,
Ur
k. 8/162/57 ff.
). Die geklagten Leiden fanden sodann im Rah
men der Diagnostik Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit darge
legt und nachvollziehbar e
rläutert wurden (Urk. 8/162/37
f., Urk. 8/162/44 ff., Urk. 8/162/52 ff.,
Urk.
8/162/63 ff.
).
Die Gutachter nahmen
ausserdem
Stellung zu vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen (Urk. 8/162/7).
G
esamthaft erfüllt das
B._
-Gutachten
somit die vom Bundesgericht festgelegten formellen Krite
rien für eine beweiswerte medizinische Expertise
(vgl. E. 1.4
vorstehend).
4.1.4
In somatischer Hinsicht diagnostizierten die Gutachter
ein chronisches
lum
bospondylogenes
Syndrom mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung ohne
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik, eine asymptomatische Gonarthrose beidseits sowie eine leichtgradige
Coxarthrose
be
idseitig
(
Urk.
8/162/8). Diese schränkten laut den Experten
den
Beschwerdeführer be
reits im Zeitpunkt der Zusprechung
der Inv
alidenrente im Oktober 2003 und auch weiterhin einzig dahingehend ein, dass er in seinem
angestammten Beruf als Bäcker zu 100
%
arbeitsunfähig, in einer angepassten Tätigkeit jedoch
zu 100
% arbeitsfähig ist
(
Urk.
8/162/11 f.)
.
In psychischer Hinsicht konnten die Gutachter sodann keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellen
(
Urk.
8/162/8 f.)
und schlossen auf einen seit Oktober 2003 unveränderten Zustand.
Insgesamt beschrieben die Gutachter
somit nicht eine Sachverhaltsveränderung, sondern würdigten den Sachverhalt rückwirkend anders.
4.1.5
Die
Beschwerdegegnerin
stellte
in der angefochtenen Verfügung
für den Zeitraum nach der Gewichtsabnahme ab dem Jahr 2015 auf das Gutachten ab, erachtete dieses jedoch für den Zeitraum davor
für
nicht
überzeugend. Sie
bemerkte
, die Gutachter würden den Einfluss des Übergewichts und der Gewichtsreduktion auf den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
nicht thematisieren.
Werde dieser berücksichtigt, sei
es überwiegend wahrscheinlich, dass in diesem Zeitpunkt
eine Verbesserung der Beweglichkeit und Funktionalität eingetreten sei
, woraus zu folgern sei, dass sich
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
seit dem Jahr 2011
verbessert
habe. Die von den Gutachtern attestierte
Arbeitsfähigkeit
von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit
sei
daher
ab dem Jahr 2016
als
einge
treten
zu betrachten
(
Urk.
2/1 S. 5 ff.)
.
Zwar trifft es zu, dass die
B._
-Gutachter
den Gewichtsverlust
nach der Magen
bypass-O
peration im Jahr 2016
und die
Aktivitäten des Beschwerdeführers
in der Gesamtbeurteilung nicht
ausdrücklich
diskutierten. I
hre Beurteilung
erfolgte
indessen in Kenntnis
diese
r
Aspekte
, wurden diese doch als Begründung für
die Begutachtung
angeführt (
Urk.
8/162/4) und ergaben sich im Detail aus den im Gutachten berücksichtigten
Vorakten
(
Urk.
8/162/28 f.).
Dennoch kamen die Experten
ausdrücklich zu Schluss, es liege keine Veränderung des Gesundheits
zustandes seit der rentenzusprechenden Verfügung vom
1.
April 2004 vor (
Urk.
8/162/12).
Eine davon abweichende Ansicht
lässt sich auch aus den Stel
lungnahmen von
Dr.
C._
vom RAD
vom
6.
Februar und 2
6.
Juli 2019
nicht
ableiten.
Dr.
C._
hatte
zwar
in seiner ersten Stellungnahme darauf hingewiesen
, die vom Beschwerdeführer und seinem Hausarzt geschilderten funk
tionellen Einschränkungen stünden offenbar im Widerspruch zu den Ergebnissen der Spezialabklärungen der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/168/4),
erachtete
indes
sen in der Folge das zur Plausibilisierung angeordnete Gutachten für
schlüssig
und empfahl, darauf abzustellen (
Urk.
8/168/6). Ferner bezeichnete auch der behandelnde Hausarzt den Gesundheitszustand trotz des Gewichtsverlustes als gleichbleibend (
Urk.
8/142/1).
Dafür, dass sich entgegen der
gesamten
medizini
schen Aktenlage die Gewichtsabnahme derart auf die Rückenbeschwerden und die Funktiona
lität ausgewirkt hätte
, dass dem Beschwerdeführer eine vorher unzumutbare angepasste Tätigkeit nun vollzeitig möglich wäre,
bieten dessen
A
lltagsa
ktivitäten
, die überdies in den medizinischen Beurteilungen bereits
berücksichtigt
wurden
,
nicht genügende Anhaltspunkte.
Es besteht daher kein Anlass
, von der Beurteilung durch die
B._
-Gutachter
abzuweichen.
4.1.
6
Da nach dem Gesagten von einem seit der rentenzusprechenden Verfügung vom
1.
April 2004
für die Rentenrelevanz
unveränderten Gesundheitszustand aus
zu
gehen
ist
, ist während der gesamten Rentenbezugszeit ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17 ATSG
nicht
ausgewiesen. Ausführungen dazu, ob die renten
bestätigende Mitteilung vom 2
7.
September 2016 (
Urk.
8/130) oder
gegebenen
falls
diejenige vom 1
1.
Mai 2011 (
Urk.
8/104) den zeitlichen Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Veränderung der Verhältnisse darstellt (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4,
Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2
)
,
erüb
rigen sich daher.
4.2
4.2.1
Die B
eschwerdegegnerin ging
alternativ
davon aus, gestützt auf das von den Gut
achtern festgestellte Aggravationsverhalten
liege
ein
Revisionsgrund vor
, da es sich dabei um einen
Rentenau
sschlussgrund handle
und
demnach
keine
versi
cherte Gesundheitsschädigung
vorliege (
Urk.
2/1 S. 7). Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, die Behauptung, dass die Gutachter von einer Aggravation ausgegangen wären, treffe nicht zu (
Urk.
1 S. 9).
4.2.2
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann unter Umständen ein früher nicht gezeigtes Verhalten eine im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG relevante Tatsachen
änderung darstellen, wenn es sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Rentenanspruchs auswirken kann. Dies trifft etwa zu bei Versicherten mit einem Beschwerdebild, auf das die Rechtsprechung
gemäss
BGE 141 V 281 anwendbar ist, wenn ein Ausschlussgrund vorliegt, das
heisst
die Leistungsein
schränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht, die
ein
-
deutig
über die
bloss
(unbewusste) Ten
denz zur Schmerzausweitung und
–
ver
deutlichung
hinausgeht (zum Ganzen: Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2019 vom 1
1.
Oktober 2019 E. 4.1 und 8C_825/2018 vom
6.
März 2019 E. 6.1). Ist im Einzelfall ein solcher Grund gegeben, ist ein Revisionsgrund nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG zu bejahen und der Rentenanspruch umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3).
Die
zitierte Rechtsprechung
bezieht sich ausdrücklich auf Beschwerdebilder, auf welche die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 anwendbar ist, mithin
die Frage,
unter welchen Voraussetzungen anhaltende somatoforme Schmerzstörun
gen und damit vergleichbare psychosomatische Leiden
-
beziehungsweise seit
BGE 143 V 418
sämtlich
e psychische
Leiden
-
eine allenfalls rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermögen
. Sie ist jedoch
vorliegend nicht einschlägig
,
liegt
beim Beschwerd
e
führer
doch
die somatisch begründete Diagnose eines
lumbospondylogenen
Syndroms bei Status nach mehreren operativen Eingriffen
v
or
(
Urk.
8/162/8)
, die im Jahr 2004 zur
Zusprechung der Rente
geführt hatte
(vgl.
Urk.
8/23)
.
Sodann kamen d
ie
B._
-
Gutachter zum Schluss, dass
die Rückenschmerzen des Beschwerdeführers prinzipiell nachvollziehbar
seien
und
dem
lumbospondylogenen
Syndrom
trotz de
r
festgestellten Inkonsistenzen
Ein
fluss auf die
Arbeitsfähigkeit zuzumessen
sei
.
Dem
bewusstseinsnah
e
n Vortragen des Leidens
trugen sie sodann
dadurch Rechnung, dass sie der gestellten psychi
atrischen Diagnose
,
nämlich
der Entwicklung körperlicher S
ymptome aus psychi
schen Gründen
,
keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beimassen
(
Urk.
8/162/9 u. 11)
.
Es ist
daher
nicht davon
auszugehen
, dass es sich beim
lumbospondylogenen
Syndrom
und dessen Auswirkungen
um eine nicht versi
cherte Gesundheitsschädigung handelt,
weil
ein
Ausschlussgrund
vorliegt. Ein
Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1
ATSG liegt
in diesem Zusammen
hang
nicht vor.
4.3
4.3.1
Ausgehend von der
Mitteilung vom 2
7.
September 2016
(
Urk.
8/130)
erachtet die Beschwerdegegnerin die Voraussetzungen für e
in
e
prozessuale Revision
gemäss
Art. 53 Abs. 1 ATSG
für erfüllt
, da
her
nach erhebliche neue Tatsachen
entdeckt
worden seien, deren Beibringung zuvor nicht möglich
gewesen sei
. Ins Gewicht fielen Aktivitäten wie die Tätigkeit als Punktrichter, Zeitnehmer und Betreuer im Inlinehockey oder eine Reise
nach
O._
. Bekannt geworden sei auch, dass der Beschwerdeführer Halter von Motorrädern sei
(
Urk.
2/1 S. 7
u. 9 f.
).
4.3.2
Im Rahmen von Art. 53 Abs. 1 ATSG sind Tatsachen neu, wenn sie sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung verwirklicht haben, jedoch dem Revisions
gesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsa
chen müssen ferner erheblich sein, das heisst sie müssen geeignet sein, die
tatbe
ständliche
Grundlage des zur Revision beantragten Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer anderen Entscheidung zu führen (BGE 144 V 245 E. 5.2 und Urteil des Bundesgerichts 8C_210/2017 vom 22. Au
gust 2017 E. 7.1). Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind. Erheblich ist ein Beweismittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Entscheid geführt, falls die Verwal
tung im früheren Verfahren davon Kenntnis gehabt hätte. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung, sondern der Sach
verhaltsfeststellung dient. Es bedarf dazu neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen (vgl. BGE 143 V 105 E. 2.3, 138 V 324 E. 3.2, je mit Hinweisen).
4.3.3
Die
Magenbypass-O
peration und die darauffolgende Gewichtsabnahme
ergeben
sich
unbestrittenermassen
aus den im Mitteilungszeitpunkt vom 2
7.
September 2016 bereits vorhandenen medizinischen Unterlagen
(
Urk.
8/123/3,
Urk.
8/127/
1
). Die Beschwerdegegnerin wäre
daher
bereits in diesem Zeitpunkt
-
mithin vor der Mitteilung vom 2
7.
September 2016 -
gehalten
und in der Lage
gewesen, weitere Abklärungen im Hinblick auf eine dadurch allenfalls erfolgte Verbesserung der
Arb
eitsfähigkeit durchzuführen.
Eine allfällige Verbesserung der Funktionalität, wie sie von der Beschwerdegegnerin aufgrund des Aktivitäts
niveaus des Beschwerdeführers angenommen wurde, hätte somit bei
hinreichen
der Sorgfalt
bereits
im
Jahr 2016
erkannt und berücksichtigt werden
können
. Darüber
hinaus
stellen
die Aktivitäten des Beschwerdeführers
wie
in vorstehender E. 4.1
erwähnt keine
B
esserung des
Gesundheitszustand
s
dar
und sind daher nicht geeigne
t,
die
tatbeständliche
Grundlage des zur Revision beantragten Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer anderen Ent
scheidung
zu führen
.
Von
erhebliche
n
neue
n
Tatsachen
im Sinne von
Art.
53
Abs.
1 ATSG
ist mithin nicht auszugehen
.
Eine prozessuale Revision der Mittei
lung vom 2
7.
September 2016 ist nicht zulässig.
4.4
4.4.1
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein vernünf
tiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser ein
zige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom
2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung kann das Gericht eine zunächst auf
Art.
17 ATSG gestützte Rentenaufhebung oder -herabsetzung gegebenenfalls mit d
er substitu
ierten
Begründung schützen, dass die ursprüngliche (bzw. die letzte auf einer umfassenden materiellen Prüfung beruhende, vgl. BGE 140 V 514, 133 V 108) Rentenverfügung oder Mitteilung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung sei (BGE 144 I 103 E. 2.2, 140 V 85 E. 4.2, 125 V 368 E. 2, je mit Hinweisen; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversi
cherung, 3. Auflage 2014,
Rn
77 zu Art. 30–31).
4.4.2
Zu prüfen ist, ob die Verfügung vom
1.
April 2004 zweifellos
zu Unrecht
erlassen wurde
und daher der Wiedererwägung zugänglich ist.
Den zu
m
betreffenden
Zeit
punkt vorliegenden medizinischen Unterlagen ist zu entnehmen, dass die behan
delnden Ärzte einstimmig davon ausgingen, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seiner Rückenbeschwerden
in seiner bisherigen Tätigkeit als Bäcker zu 100
%
arbeitsunfähig sei (
Urk.
8/8/1, 8
/9/5,
Urk.
8/11/1
,
Urk.
8/22/6). Was die Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit betrifft,
vermochte
Dr.
D._
im Bericht vom 1
7.
April 2003 die körperliche Belastbarkeit vor dem bevorstehenden Reha-Auf
enthalt nicht beurteilen (
Urk.
8/9/1), ging indessen von einer voraussichtlich in wenigen Monaten erreichbaren Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit aus (
Urk.
8/9/2). Die Ärzte des
Kantonsspitals P._
attestierten dem Beschwerdeführer am
1.
Mai 2003 eine ganztägige Arbeitsfähigkeit in einer angepasste
n Tätigkeit (
Urk.
8/11/6). Nachdem
am 1
3.
Oktober 2003
eine
OSME
durchgeführt worden war
,
konnten die behandelnden Ärzte de
r Universitätsklinik
E._
die Belast
barkeit nicht beurteilen
und beantworteten d
ie Frage nach der Zumutbarkeit einer angepassten Tätigkeit nicht (
Urk.
8/22/
3 u.
5).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit vor der Operation vom 1
3.
Oktober 2002 liegen somit
keine übereinstimmenden
ärztliche
n
Beurteilungen vor, wobei die behandelnden Ärzte jeweils zumindest davon ausgingen, dass der Beschwerdeführer innerhalb einer verhältnismässig kurzen Zeit eine
angepasste
Tätigkeit
werde
aufnehmen könne
n
. Nach der Operation bestand gemäss den behandelnden Ärzten
zwar
ein unveränderter
Gesundheits
zustand (
Urk.
8/22/6),
e
ine
verlässliche
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
in diesem Zeitpunkt
ist den Akten
jedoch
nicht zu entnehmen.
Trotz dieser unklaren Situation diskutierte d
ie beigezogene RAD-Ärztin
Dr.
F._
die Frage der
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
in ihrer Stellungnahme vom 2
3.
Feb
ruar 2004
nicht
weiter
, sondern erklärte sich ohne Weiter
es
mit der
Einschätzung der
Beschwerdegegnerin
einverstanden,
es sei von
einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab dem 2
5.
Oktober 2002
auszugehen
(
Urk.
8/23/2).
Obwohl kein Arztbe
richt vorlag,
welcher die für die Invaliditätsbemessung kardinale Fra
ge nach der zumutbaren Arbeits
fähigkeit in Verweistätigkeiten beantwortet
e
, sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer in der Folge mit Verfügung vom
1.
April 2004
mit Wirkung ab
1.
Oktober 2003
eine unbefristete ganze Rente zu
(
Urk.
8/26)
. Die Abklärung des medizinischen Sachverhaltes erweist sich
vor die
sem Hintergrund offensichtlich
als ungenügend
und die Verfügung vom
1.
April 2004 ist folglich zweifellos unrichtig im Sinne von
Art.
53
Abs.
2 ATSG (vgl. Urteil des
Bundesgerichts
9C_862/2015 vom 2
3.
Februar 2016 E. 2.2).
Ohne Wei
teres ist mit Blick auf den Charakter der zugesprochenen Invalidenrente als peri
odische Dauerleistung die Voraussetzung der erheblichen Bedeutung der Berich
tigung zu bejahen.
Der Umstand, dass eine Rentenverfügung anlässlich
späterer
Revision
en
bestätigt worden ist, steht einer Wiedererwägung nicht entgegen. Die zwischenzeitliche Bestätigung der Rente ist wiedererwägungsrechtlich unerheb
lich (Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl., Zürich 2014, Art. 30-31
Rz
83 mit Hinweisen).
4.4.3
Bei zweifelloser Unrichtigkeit wegen einer klaren Verletzung des Untersuchungs
grundsatzes erübrigt es sich, den damals rechtserheblichen Sachverhalt weiter abzuklären und auf dieser nunmehr hinreichenden tatsächlichen Grundlage den Invaliditätsgrad zu ermitteln. Abgesehen davon, dass Abklärungen, welche einen weiter zurückliegenden Zeitraum betreffen, häufig keine verwertbaren Ergebnisse zu liefern vermögen, geht es im Kontext darum, mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
einen rechtskonformen Zustand herzustellen (Urteile des Bundesgerichts 8C_789/2017 vom 30. Mai 2018 E. 3.2.1 und 9C_633/2015 vom 3.
November
2015 E. 3.2 mit Hinweisen).
Die von der Beschwerdegegnerin mit der angefoch
tenen Verfügung vorgenommene Aufhebung der ganzen Invalidenrente ist dem
nach materiell zu prüfen. Dafür ist – wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – auf der Grundlage eines richtig und vollständig festge
stellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad im Zeitpunkt der Verfügung zu ermit
teln (BGE 144 I 103 E. 4.4.1 mit Hinweisen, 141 V 9 E. 2.3).
5.
5.1
5.1.1
Zum
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung ist dem
B._
-
Gutachten vom 1
2.
Juli 2019
(
Urk.
8/162)
i
n somatischer Hinsicht zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer unter einem chronischen
lumbospondylogenen
Syndrom mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung ohne
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik, einer asymptomatischen Gonarthrose beidseits sowie einer leichtgradigen
Coxarthrose
beidseitig leidet
, welche sich einschränkend auf seine Arbeitsfähigkeit auswirken
(
Urk.
8/162/8
f.
). Die Gutachter hielten Rückenschmerzen unter Berücksichtigung der Vorge
schichte mit vier lumbalen Eingriffen und den aktuellen klinischen und radiolo
gischen Befunden
prinzipiell
für
nachvollziehbar
(
Urk.
8/162/11), konnten jedoch die Ursache der als hochgradig geschilderten Schmerzhaftigkeit letztlich nicht identifizieren. Insbesondere konnten sie aus neurologischer Sicht keine relevante
radikuläre
Problematik feststellen (
Urk.
8/162/7). Angesichts der lediglich in gewissem Masse nachvollziehbaren Beschwerden mit psychisch bedingter Über
lagerun
g ausgeprägten Ausmasses (
Urk.
8
/162/7) sowie dem zusätzlich festge
stellte
n demonstrativen Element (
Urk.
8
/162/8) ist es nachvollziehbar, dass die Gutachter den Beschwerdeführer in einer körperlich leichten Tätigkeit mi
t einem Hebe- und Tragelimit von
5 kg ohne häufiges Bücken, Heben und Tragen von Lasten, mit der Möglichkeit zu Positionswechseln, nicht auf unebenem Boden oder
auf
Leitern und nicht in kniender oder kauernder Position
,
eine Arbeitsfä
higkeit von 100
%
attestierten (
Urk.
8/162/12). Das formulierte Belastungsprofil berücksichtigt die Rückenbeschwerden sowie die Gon- und
Coxar
t
hrose
, indem diese Körperteile belastende Tätigkeiten ausgeschlossen werden
,
und ist daher überzeugend.
5.1.2
In psychi
atri
scher Hinsicht stellten die Gutachter keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Den Diagnosen Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen,
histrionisch
akzentuierte Persönlichkeitszüge sowie aktuell höchstens leichtgradige depressive Episode im Rahmen einer anamnestisch geschilderten rezidivierenden depressiven Störung
,
massen sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (
Urk.
8/162/9). Angesichts der nicht depressiven Stim
mung mit einzig einer gewissen
Klagsamkeit
ist es überzeugend, dass kein die Arbeitsfähigkeit beeinflussender depressiver Zustand vorliegt. Der psychiatrische Gutachter legte sodann dar, dass seiner Ansicht nach die Symptomatik nicht aus
reichend schwer sei für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung, weshalb er lediglich akzentuierte Persönlichkeitszüge diagnostizierte (
Urk.
8/162/64). Auch die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung konnte er auf
grund der nicht erfüllten Diagnosekriterien nicht bestätigen. Hingegen stellte er eine psychisch bedingte Überlagerung, Ausprägung und Ausdehnung der soma
tisch objektivierbaren Beschwerden fest (
Urk.
8/162/7
f.).
Da er von einem bewusstseinsnah
en Vortragen des
Leidens ausging, das dem Erhalt
der zugespro
chenen Versicherungsleistung
und der damit verbundenen Lebensumstände
diene, in
denen sich
der Versicherte gut eingerichtet habe und aus de
nen
er kei
nen Ausweg sehe (
Urk.
8/162/12)
,
ist es nachvollziehbar
, dass er
dem diagnosti
zierten psychischen Leiden weder retrospektiv noch aktuell
einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimass.
5.1.3
Der Beschwerdeführer brachte vor, die von den Gutachtern attestierte Arbeitsfä
higkeit stehe in einem unerträglichen Widerspruch zu den übrigen medizinischen Unterlagen, worin ihm jeweils eine volle Arbeitsunfähigkeit bestätigt worden sei (
Urk.
1 S. 15).
In Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Dies bedeutet jedoch nicht, dass diesen Berichten keinerlei Beweiswert zuzumes
sen ist - die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung kann oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen - doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arzt
personen beziehungsweise Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begut
achtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
Solche Aspek
te sind hier nicht ersichtlich, beruhten doch die Arbeitsfähigkeitseinschätzungen von
Dr.
D._
jeweils
mass
geblich
auf den subjektiven Schmerzangaben des Beschwerdeführers, wobei
Dr.
D._
überdies
keine Unterscheidung zwischen somatisch begründeten Schmerzen und einer sich immer mehr abzeichnenden psychischen Komponente
des Leidens
vornahm (
Urk.
8/
77
/
2 f.
,
Urk.
8/99/2)
. Eine solche Abgrenzung
kann auch dem Bericht der behandelnden Psychiaterin
Dr.
G._
nicht entnommen werden
;
auch sie bezog
neben den psychischen die
nicht ihr Fachgebiet berüh
renden
somatischen Beschwerden
in ihre Beurteilung
mit
ein
(
Urk.
8/101/
2 f.
). Die Frage einer allfälligen Verdeutlichung beziehungsweise Aggravation wurde von den
behandelnden Ärzten sodann nicht angesprochen. Konkrete Aspekte, welche von den Gutachtern nicht berücksichtigt worden seien, werden ferner
auch seitens des
Beschwerdeführer
s
nicht vorgebracht.
5.1.4
Was die vom Beschwerdeführer geltend gemachte zwischenzeitliche Verschlech
terung des Gesundheitszustandes
durch das Fortschreiten der Gonarthrose und der dadurch notwendigen Versorgung beider Knie mittels Kniegelenktotalprothe
sen betrifft (
Urk.
17 S. 3)
,
ist festzuhalten, dass
gemäss
der
nachvollziehbaren
Stellungnahme von
Dr.
C._
vom 1
9.
April 2021 verschlissene Gelenke nach sachgerechter
Totalendoprothesenversorgung
als wieder normal belastbar gelten, weshalb eher von einem verbesserten als einem verschlechterten Gesund
heitszustand auszugehen sei. Einzig
während der Operations- und Reha
bilita
tionszeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit postoperativ während drei bis vier Monaten je Kniegelenk
(
Urk.
25 S. 1).
Dem
entgegenstehende Beurteilungen
der behandelnden Ärzte
liegen keine vor. Eine nach dem Gutachtenszeitpunkt eingetretene
massgebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers ist somit nicht ausgewiesen.
5.1.5
Damit ist der medizinische Sachverhalt erstellt und es ergeben sich keine hinrei
chenden Anhaltspu
nkte
dafür
,
dass der Beschwerdeführer
im Zeitpunkt der ren
tenzusprechenden Verfügung vom
1.
April 2004
oder
im seitherigen Verlauf
in einer dem von den Gutachtern formulierten Belastungsprofil angepassten Tätig
keit in seiner Arbeitsfähigkeit
wesentlich
eingeschränkt ist
beziehungsweise war
.
Indessen ist er in seiner bisherigen Tätigkeit als Bäcker
damals und
weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig.
5
.
2
5.2.1
Zu prüfen
sind
die finanziellen Auswirkungen der attestierten Arbeitsunfähigkeit.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2.2
Die Beschwerdegegnerin
ging bezüglich des
Valideneinkommens
davon aus, dass der Beschwerdeführer
zwischenzeitlich auch ohne den Eintritt des Gesundheits
schadens
nicht mehr
für die
Bäckerei
Y._
tätig wäre und stell
te
stattdessen
auf den Durchschnittslohn im Bereich der Herstellung von Nahrungsmitteln gemäss der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen
Lohnstrukturerhebung
(LSE) für das Jahr
2016
ab
(
TA1_tirage_skill_level,
Ziffer 10-11
, nach Wirt
schaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht
,
Kompetenzniveau 3
;
Urk.
2/1 S. 8 f.
)
. Der Beschwerdeführer ist hingegen der Ansicht, das
Valideneinkommen
sei gestützt auf den zuletzt erzielten Ve
rdienst zu bemessen (
Urk.
1 S. 14
).
Wie die Beschwerdegegnerin
aber
richtig darlegt
(
Urk.
2/1 S.
14)
,
kann
es
vorlie
gend offenbleiben, ob der Beschwerdeführer
ohne die Gesundheitsschädigung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
weiterhin für den seinerzeitigen Arbeitgeber
tätig wäre, da
diesfalls
ebenfalls kein rentenbegründender Invaliditätsgrad ent
stehen würde
. So ist
für die Berechnung des
Valideneinkommens
von demjenigen Einkommen auszugehen, auf das Beiträge gemäss
dem Bundesgesetz
über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG)
entrichtet werden (
Art.
25
Abs.
1
IVV
i
n
V
erbindung
m
it
Art.
4 ff. AHVG
)
.
Somit
sind abweichend vom im Jahr 2011 durchgeführten Einkommensvergleich
(
Urk.
8/102)
die Familienzulagen
bei der Bestimmung des
Valideneinkommens
nicht miteinzurechnen
(
Art.
6
Abs.
2
lit
. f
der Verordnung über die Alters-
und
Hinterlassenenversicherung
;
AHVV)
.
Das für die AHV relevante Einkommen i
m Jahr 2002
betr
ug
Fr.
77'360.--
(
Urk.
8/3/8,
Urk.
8
/4/1).
A
ngepasst an die Entwicklung der Nominallöhne für
männliche Arbeitskräfte
(
Bundesamt für Statistik,
Entwicklung der Nominal
löhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, T39
;
abrufbar im Internet
) von 1933
Pu
nkten im Jahr 2002
auf 2298
Punkte im Jahr 2020
ergibt dies e
in
Vali
deneinkommen
von
Fr.
91’968
.--
(
Fr.
77'360
.--
/
1933
x 2298)
.
5.2.3
Das
Invalideneinkommen
ist sodann
unbestrittenermassen
gestützt auf statisti
sche Werte zu berechnen,
so dass die
im Verfügungszeitpunkt aktuellsten Zahlen und daher
die
LSE 2018
(veröffentlicht am 2
1.
April 2020)
statt
die
von der Beschwerdegegnerin ver
wendeten
LSE
2016
heranzuziehen sind
.
Ausgehend vom Gesamtwert für Hilfsarbeiten
der Tabelle TA1 der Lohnstrukturerhebung 2018
(
TA1_tirage_skill_level
, Kompetenzniveau 1
)
ist für das Jahr 2020 mit einem Invalideneinkommen von
Fr.
68'906.-- (
Fr.
5'417.-- / 40 x 41.7
x 12 / 2260 x 2298)
zu rechnen
.
Ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug wurde von der Beschwerdegegnerin nicht vorgenommen. Da keine persönlichen oder beruflichen Merkmale ersichtlich sind, aufgrund derer der Beschwerdeführer negative Aus
wirkungen auf die Lohnhöhe zu gewärtigen hätte (vgl. BGE
135 V 297 E. 5.2
), ist ein solcher auch nicht angezeigt.
Der Beschwerdeführer macht im Übrigen auch nicht geltend, dass ein zusätzlicher Abzug vorzunehmen sei.
Insgesamt
ist somit von einem
nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von
25
%
(100 -
[100 /
Fr.
91’968
.-- x
Fr.
68'906.--])
auszugehen
.
Steht aufgrund des Abklärungsergeb
nisses fest, dass weder im Zeitpunkt der Re
ntenzusprechung am
1.
April 2004
noch im weiteren Verlauf ein
zu einer Invalidenrente berechtigender Invaliditäts
grad
vorlag
respekt
ive vorliegt
, dann waren
nicht nur
die Zusprechung der Rente mit Verfügung vom
1.
April 2004
(Urk. 8/26
) und
deren
spätere Bestätigung
en
der Rente
am
2
1.
Dezember 2004,
2
8.
Januar 2008
,
1
1.
Mai 2011 und 2
7.
Sep
tember 2016
(
Urk.
8/ 45,
Urk.
8/79,
Urk.
8/104,
Urk.
8/130)
ungerechtfertigt, son
dern es besteht auch bezogen auf den Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung kein Rentenanspruch.
6.
6.1
6.1.1
Die eine frühere Verfügung berichtigende Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG zieht grundsätzlich die Pflicht zur Rückerstattung der von der Inva
lidenversicherung zu Unrecht bezogenen Leistung nach sich (Art. 25 ATSG; BGE 130 V 318 E. 5.2, 130 V 380 E. 2.3.1, 110 V 298 Regeste). Wenn die Ver
waltung bei Erlass der ursprünglichen Verfügung einen spezifisch IV-rechtlichen Gesichtspunkt falsch beurteilt hat, kommt eine Rückforderung der unrechtmässig bezogenen Leistungen jedoch nur im Fall einer unrechtmässigen Leistungserwir
kung oder einer Verletzung der Meldepflicht (Art. 77 IVV) in Frage (vgl. Art. 85 Abs. 2 IVV und Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV).
Per 1. Januar 2015 wurde Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV dahingehend ergänzt, dass bei verletzter Meldepflicht eine rück
wirkende Herabsetzung unabhängig davon erfolgt, ob die Verletzung der Melde
pflicht ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war.
6.1.2
Die Versicherten sind im Verwaltungsverfahren zur Mitwirkung und Auskunft verpflichtet. Hierzu gehört, dass die versicherte Person vollständige und wahr
heitsgetreue Angaben zu machen hat. Für das Ausfüllen der Anmeldeformulare hält dies Art. 29 Abs. 2 ATSG positivrechtlich fest. Art. 31 ATSG sodann ver
pflichtet die versicherte Person dazu, jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung
massgebenden
Verhältnissen dem Versicherungsträger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu melden. Für die Invalidenversicherung fin
det dieser Grundsatz in Art. 77 IVV seinen expliziten Niederschlag. Diese Bestim
mung verlangt, dass die versicherte Person, die Leistungen beansprucht, jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit sowie der persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse, unverzüglich und unauf
gefordert der IV-Stelle anzuzeigen hat. Ob eine Meldepflicht besteht, beurteilt sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalles.
Massgebend
ist die Umschreibung der Aufmerksamkeit, welche der meldepflichtigen Person zumut
bar ist. Dabei ist auf die Fähigkeiten und den Bildungsstand abzustellen. Von Bedeutung ist zudem, dass die betreffende Person unzweideutig auf die Melde
pflicht aufmerksam gemacht worden ist.
Regelmässig
wird von den Sozialversi
cherern bei der Zusprechung einer Dauerleistung in der Leistungsverfügung auf die Meldepflicht hingewiesen (vgl. dazu Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich 2020, Art. 31
Rz
14 f. u. Art. 43
Rz
96; Kurt
Pärli
/Alain Borer, in: Ghislaine
Frésard-Fellay
, Barbara Klett, Susanne
Leuzinger
[Hrsg.], Basler Kommentar ATSG, Basel 2020, Art. 31 N 17 ff.; Cristina
Schiavi
, in: Basler Kommentar ATSG, a.a.O., Art. 43 N 28).
6.1.3
Aus gutachterlicher Sicht ist
-
wie
in
vorstehend
er
E. 4.1
dargelegt
wurde
-
seit der Zusprechung der Rente
keine
wesentliche
Besserung
des Gesundheitszustan
des eingetreten
, welche
ohne Weiteres
eine Meldepflicht
ausgelöst hätte
.
Was die von der
Beschwerdegegnerin angeführten
Aktivitäten des Beschwerdeführers betrifft
(Reise nach O._
, Coaching bei Inline-Hockey-Veranstaltungen,
Hunde
spaziergänge
; vgl.
Urk.
1 S. 6,
Urk.
7 S. 2,
Urk.
8/143/3 f.)
, stellen diese für sich alleine
be
t
rachtet
- ohne
nachweisliche
B
esserung des Gesundheitszustands - keine wesentliche Änderung der massgeblichen Verhältnisse dar. Dies entspricht auch der übereinstimmenden Ansicht der Parteien, bezog doch die Beschwerde
gegnerin die Meldepflicht
beziehungsweise deren Verletzung
nicht direkt auf die
betreffenden
Aktivität
en, sondern auf eine
dadurch
ersichtliche Verbesserung der Funktionalität und damit des Gesundheitszustandes (
Urk.
7 S.
2)
.
Aus ärztlicher Sicht ist eine Besserung des Gesundheitszustandes
indessen gerade
nicht nachge
wiesen und die erwähnten Aktivitäten, über deren Häufigkeit und Intensität keine konkreten Angaben vorhanden sind, stehen auch nicht in einem offensichtlichen Widerspruch zu den im Zeitpunkt der Zusprechung der Rente aktenkundigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen (vgl.
Urk.
8/23).
Den
im weiteren Verlauf
nach de
r
Magenbypass
-O
peration vom Mai 2013
realisierten
Gewichtsverlust ha
ben
der Beschwerdeführer
beziehungsweise dessen behandelnde Ärzte
sodann im Rahmen der Revision im Jah
r 2016
der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht
(
Urk.
8/123/3,
Urk.
8/127/1
).
Eine Verletzung der Meldepflicht ist daher nicht ausgewiesen.
6.1.4
Die Zusprechung der Rente und deren mehrfache revisionsweise Bestätigung hatte andere Gründe.
Es steht fest, dass
d
er
Beschwerdeführer
aufgrund seiner Rückenbeschwerden
in seiner angestammten Tätigkeit als Bäcker aktuell und auch retrospektiv zu 100
%
arbeitsunfähig
war und
ist. E
ine objektivierbare
gesundheitliche Beeinträchtigung i
st damit erstellt, auch wenn diese
invaliden
versicherungsrechtlich nicht von Bedeutung ist.
In einer angepassten Tätigkeit wäre der Beschwerdeführer
gemäss den Gutachtern
indessen seit Rentenbeginn zu 100
%
arbeitsfähig gewesen. Dass er dennoch eine Rente zugesprochen erhielt,
ist jedoch nicht dem Verhalten des Beschwerdeführers zuzuschreiben
. So stellten die behandelnden Ärzte ihre Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
im Zeitpunkt der Rentenzusp
r
echung
nicht
bloss
auf die subjektiven Schmerzangaben des Beschwer
deführers ab, sondern auf objektivierbare Veränderungen der Wirbel
säule bezie
hungsweise auf den Umstand, dass sich der Beschwerdeführer im Berichtszeitpunkt in der Phase direkt nach der operativen Behandlung einer Dis
kushernie befand
(vgl. E. 4.4.2)
.
Die von
ihnen einzig angegebene Unfähigkeit des Beschwerdeführers, in der bisherigen beziehungsweise allgemein in einer
schweren Tätigkeit zu arbeiten
,
wurde
im aktuellen Gutachten denn auch weiter
hin bestätigt
(
Urk.
8/162/12)
. Die unrichtige Rentenzusprechung beruhte vielmehr auf
einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes durch die Besch
werdegegne
rin,
die
dem Beschwerdeführer
eine ganze Invalidenrente zusprach
, obwohl keiner der behandelnden Ärzte eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepass
ten Tätigkeit
abgegeben
hatte
.
Diese mangelhafte Abklärung der
trotz des
Rückenschaden
s
vorhandenen
Arbeitsunfähigkeit in
einer
angepasste
n
Tätigkeit wurde im weiteren Verfahren denn auch nicht nachgeholt. So bestätigte die Beschwerdegegnerin die Rente des Beschwerdeführers mit Mitteilungen vom 2
1.
Dezember 2004 und 2
8.
Januar 2008 jeweils einzig gestützt auf die Berichte des Hausarztes
;
der Mitteilung vom 2
8.
September 2016 lagen darüber hinaus Berichte betreffend
die
Magenbypass
-O
pe
ration zugrunde (vgl. E. 3.2-3.5)
. Was das Revisionsverfahren 2011 betrifft, nahm RAD-Arzt
Dr.
A._
sodann ein
zig zu den Berichten der beh
andelnden Psychiaterin Stellung und diskutierte weder
die aus somatischer Sicht bestehenden Einschränkungen
noch überprüfte er, ob die dargelegten psychischen Beschwerden aus invalidenversicherungs
rechtlicher Sicht eine Invalidität zu begründen vermochten
(
Urk.
8/103/2 f.).
Die Beschwerdegegnerin
wäre bereits vor der Rentenzusprechung a
ufgrund der damaligen medizinischen Akte
nlage
sowie anlässlich der jeweiligen Revisions
verfahren
dazu gehalten gewesen
, die Frage der Arbeitsfähigkeit
des Beschwer
deführers
in einer angepassten Tätigkeit
weiter abzuklären.
Dass sie dies unter
lassen hat, kann nicht
auf das Verhalten des
Beschwerdeführer
s
zu
rückgeführt
werden.
Die
rückwirkende Aufhebung der Rente ist
nach Würdigung der gesam
ten Umstände
nicht zulässig.
6.2
6.2.1
Die
Aufhebung der Rente
fällt
nach dem Gesagten
erst
auf
d
as Ende des der
Ver
fügung vom
4.
August 2020 fo
lgenden Monat
s
in Betracht
. Der Beschwerdeführer bezog die Rente
gemäss Verfügung vom
1.
April 2004 mit Wirkung ab
Oktober 2003 und damit
beim
Erlass der angefochtenen Verfügung
seit mehr als 15 Jah
ren
;
darüber hinaus
war
d
er
am
7.
Dezember 1964 geborene Beschwerdeführer bei Erlass der angefochtenen Verfügung
bereits über 55-jährig. Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Eingliederungsmass
nahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöp
fen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder,
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Ren
tenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellun
gen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizi
nisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_233/2021 vom 7. Juni 2021 E. 2.3 mit Hinweisen).
6.2.2
Die Beschwerdegegnerin hat aufgrund der Annahme
, die Rente sei
rückwirkend aufzuheben,
bisher keine Eingliederungsmassna
hmen durchgeführt
,
beziehungs
weise ist
sie
gestützt auf die im Jahr 2016 vorliegenden Unterlagen davon aus
gegangen, dass solche gesundheitsbedingt nicht möglich seien.
Zudem hielt sie fest, es spreche nichts dagegen, dass sich der Beschwerdeführer selbst eingliedern könne. Er führe ein durchaus aktives Leben, sei sozial integriert und seine Rest
arbeitsfähigkeit betrage 100
%
. Hilfsarbeiten würden sodann auf dem massge
benden ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig nachge
fragt (
Urk.
2/1 S. 15).
Dazu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in seinem Alltag gemäss eigenen Angaben zwar einige Aktivitäten ausübt. Diese finden jedoch
hauptsächlich
im häuslichen Umfeld oder alleine draussen statt
(
Urk.
8/144
)
, so dass sich der Beschwerdefüh
rer diese selbst einteilen
und jederzeit Pausen einlegen beziehungsweise auf das Ausüben der Aktivität ganz verzichten kann. Einer Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt
,
bei der der Beschwerdeführer sich in eine Organisation mit fixen Arbeits- und Pausenzeiten sowie einem Weisungs
recht des Arbeitgebers eingliedern müsste, entsprechen diese Aktivitäten jedoch nicht. Bezug
zum gesellschaftlichen Leben weisen
allenfalls die Tätigkeiten des Beschwerdeführers
als Punktrichter und Betreuer der
Inline-Hockey
-Teams seiner Söhne
auf
,
diese erfolgten indessen gemäss den Abklärungen der Beschwerde
gegnerin nur sporadisch.
Dies gilt auch für
das wöchentliche Bügeln von 5-6
Hemden einer Kollegin
und das wöchentliche Backen eines
Brot
es
für Nach
barn
(
Urk.
8/144
)
.
Die mehr als 15-jährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt w
ird
dadurch nicht aufgewogen. Dass der Beschwerdeführer besonders
agil, gewandt oder im gesellschaftlichen Leben integriert wäre, geht daraus nicht hervor.
Weiter hat
der
Beschwerdeführer
zwar eine Ausbildung als Bäcker, für die er jedoch wei
terhin
arbeitsunfähig
ist
, eine darüber hinaus gehende Ausbildung
oder berufs
fremde Arbeitserfahrung hat er
soweit ersichtlich
keine
. Da
ihm die behandelnden Ärzte jeweils
eine Arbeitsunfähigke
it von 100
%
attestierten, die jeweils auch von der Beschwerdegegnerin anerkannt wurde, kann
darüber hinaus
nicht von einer
vorwerfbaren
fehlenden Verwertung einer an sich vorhandenen Arbe
itsfähigkeit gesprochen werden.
6.2.3
Praxisgemäss darf bei fehlender subjektiver Eingliederungsfähigkeit, wenn die Eingliederungsbereitschaft aus invaliditätsfremden Gründen nicht gegeben ist, die Rente ohne vorgängige Prüfung von Massnahmen der (Wieder-) Eingliede
rung und ohne Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG herabgesetzt oder aufgehoben werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_480/2018 vom 2
6.
November 2018 E. 7.3 und 8C_311/2018 vom 1
6.
Novem
ber 2018 E. 5.5). So können berufliche Massnahmen zwar unter anderem dazu dienen, subjektive Eingliederungshindernisse im Sinne einer Krankheitsüberzeu
gung der versicherten Person zu beseitigen. Es bedarf indessen auch
diesfalls
eines Eingliederungswillens b
eziehungsweise
einer entsprechenden Motivation der versicherten Person (Urteile des Bundesgerichts 8C_111/2018 vom 2
1.
August 2018 E. 6.4 und 9C_59/2
017 vom 2
1.
Juni 2017 E. 3.3).
Von fehlendem Einglie
derungswillen
oder
fehlender subjektiver Eingliederungsfähigkeit ist indes nur dann auszugehen, wenn sie mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit (BGE 138 V 218 E. 6) feststehen. Dabei sind insbesondere die gegenüber der Verwaltung und den medizinischen Experten gemachten Aussagen betreffend Krankheitsüberzeugung
und
Arbeitsmotivation zu berücksichtigen. Ebenfalls von Belang sein können die im
Vorbescheidverfahren
und vor
dem
kantonale
n
Ver
sicherungsgericht gemachten Ausführungen
und die
gestellten Anträge (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 8C_611/2018 vom
7.
Januar 2019 E. 6.1 und 6.2 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer gab
dem psychiatrischen Gutachter gegenüber an, er könne infolge seiner starken Rückenschmerzen kaum arbeiten, auch sei niemand bereit, ihn teilzeitlich zu beschäftigen (
Urk.
8/162/59). Die Gutachter hielten in der Folge fest, er brauche wahrscheinlich eine Hilfestellung beim Finden einer geeigneten Arbeitstätigkeit und in der Einarbeitungsphase (
Urk.
7/162/13). Im Revisionsfra
gebogen vom 1
1.
Oktober 2018 kreuzte der Beschwerdeführer bei der Frage, ob er sich einen Versuch vorstellen könne, Teilzeit zu arbeiten sodann
die
5 auf einer Skala von 1 bis 10 an und führte dazu aus, er wisse nicht, was ihm dabei helfen könnte (
Urk.
8/140/2). Auch
Dr.
D._
hielt fest, die Motivation des Beschwerde
führers sei mittelmässig ausgeprägt (4 von 10
;
Urk.
8/142/4
). Sowohl im Einwand
als auch in der Beschwerde beantragte der Beschwerdeführer sodann
die Durch
führung von beruflichen Massnahmen vor der Rentenaufhebung
(
Urk.
2 S. 14,
Urk.
8/179/10 f.)
.
Aus
dem Gesagten
kann zwar in gewissem Masse auf eine Überzeugung des Beschwerdeführers geschlossen werden, aufgrund seiner Beschwerden keiner Arbeit mehr nachgehen zu können, allerdings auch eine Ratlosigkeit, zu welchen Tätigkeiten er
effektiv
in der Lage sein könnte. Seine Motivation erscheint
somit
zwar eingeschränkt aber nicht komplett
fehlend
. Es kann daher
bei der aktuellen Aktenlage (noch)
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer fehlen
den subjektiven Eingliederungsfähigkeit ausgegangen werden.
6.2.4
Die
Rentenaufhebung
ist
mangels
nachgewiesener
Fähigkeit des Beschwerdefüh
rers zur Selbsteingliederung so lange nicht gerechtfertigt, bis die Beschwerdegeg
nerin die erforderlichen Eingliederungsmassnahmen an die Hand genommen hat. Dies hat zur Folge, dass die Rente einstweilen weiter auszurichten ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_50/2020 vom
9.
Juli 2020 E. 4.3 mit Hinweis auf 8C_80/2020 vom 1
9.
Mai 2020 E. 2.3.3). Die Beschwerdegegnerin wird daher
zeitnah und mit der gebotenen Schnelligkeit
Eingliederungsmassnahmen mit dem Ziel der Integration des Beschwerdeführers ins Erwerbsleben beziehungsweise einer Befä
higung zur Ausschöpfung der
Restarbeitsfähigkeit
zu prüfen und allenfalls durch
zuführen und anschliessend über die Aufhebung der ihm einstweilen weiter aus
zurichtenden Rente zu
entscheiden
haben
.
Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde
betreffend Invalidenrente
mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer einstweilen im Sinne der Erwä
gungen
weiterhin
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
7.
7
.1
Betreffend die Aufhe
bung der
Hilflosenentschädigung
führte die Beschwerdegeg
nerin
aus,
im Nachgang zur Meldung
vom 1
0.
September 2018 (
Urk.
8/146)
seien
verschiedene neue
Tatsachen entdeckt worden
(
Engagement beim
Inline Hockey, Haushaltsarbeiten, Reisetätigkeit, Motorrad
)
und
die
durchgeführte ärztliche Begutachtung habe ergeben, dass
in angepasster Tätigkeit spätestens
ab
August 2016
eine Arbeitsfähigkeit gegeben sei.
Diese
Umstände
seien erst im Nachgang zur Bestätigung der
Hilflosenentschädigung
vom
3.
November 2016 entdeckt worden, im Zeitpunkt der Revision hätten keine Hinweise vorgelegen
, die Veran
lassung zu weiteren Abklärungen geboten hätten, so dass eine Beibringung dieser Tatsachen zuvor nicht möglich gewesen sei. Diese neuen Tatsachen hätten
seinerzeit
voraussichtlich
zu einer anderen Beurteilun
g im Sinne der
Verneinung der Hilflosigkeit geführt
. Die Mitteilung vom
3.
November 2016 sei daher in pro
zessuale Revision zu ziehen und aufzuheben (
Urk.
2/2 S. 3).
Die Weiterausrich
tung der
Hilflos
enentschädigung
ab November 2016
habe der Beschwerdeführer durch Aggravation und durch falsche und unvollständige Angaben und damit zu Unrecht erwirkt. Die Aufhebung habe daher rückwirkend ab Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung zu erfolgen. Entsprechend dem Vorgehen bei der Rentenprüfung sei davon auszugehen, dass der Anspruch auf
Hilflosenentschä
digung
ab August 2016 nicht mehr ausgewiese
n gewesen sei (
Urk.
2/2 S. 4).
In de
r Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin
,
im Sinne einer sub
stituierten Begründung
sei
anzuführen, dass der Beschwerdeführer und sein Hausarzt auf den entsprechenden Formularen
anlässlich der Revision
im Jahr
2016
eine Hilflosigkeit verneint hätten. Im Abklärungsbericht sei vermerkt wor
den, dass sich seit dem Jahr 2005 nichts verändert habe. Der Gewichtsverlust
nach der Magenbypass
-O
peration, der nach überwiegender Wahrscheinlichkeit einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit und insbesondere auch die Fähigkeit zur Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtungen gehabt habe
,
sei
im Abklärungsbericht
weder
erwähnt noch
beurteilt worden
. Dies verletze den Untersuchungsgrundsatz und stelle damit einen Wiedererwägungsgrund dar. Zudem begründe eine blosse Erschwerung oder Verlangsamung der Vornahme
einer der alltäglichen
Lebensverrichtungen grundsätzlich keine Hilflosigkeit, wes
halb das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit auch hierdurch erfüllt sei. Auch nicht geprüft worden sei eine Schadenminderungspflicht, die aus damaliger Sicht zu bejahen gewesen wäre, da der Beschwerdeführer mit geeigneten Hilfs
mitteln seine Selbständigkeit hätte erhalten können (
Urk.
7 S. 3 f.).
7
.2
Der Beschwerdeführer verwies betreffend die
Hilflosenentschädigung
gru
ndsätz
lich auf seine
Ausführungen zur Renteneinstellung und fügte in der Replik an, da sich die Feststellung im Abklärungsbericht vom 2
4.
Oktober 2016
,
wonach keine wesentliche Veränderung festgestellt wurde, mit der medizinischen Aktenlage decke, entbehre die Behauptung der Beschwerdegegnerin, es liege im Bereich der
Hilflosenentschädigung
im Zusammenhang mit der Revision 2016 eine offen
sichtliche Unrichtigkeit vor, jeglicher Grundlage (
Urk.
17 S. 3).
8
.
8
.1
Die Verfügung
vom 2
8.
Januar 2005, mit welcher der
Beschwerdeführer erstmals eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades zugesprochen
erhalten hatte
(
Urk.
8/51), basierte - neben den bereits dargelegten medizinischen Gr
undlagen - hauptsächlich auf dem
Abklärungsbericht vom 2
5.
Januar 2005 (
Urk.
8/47).
Die
Abklärungsperson
hielt darin
anlässlich eines am
5.
Januar 2005 durchge
führten Hausbesuchs beim Beschwerdeführer zum Bereich
Ankleiden/A
uskleiden
fest, der Beschwerdeführer könne sich am Oberkörper selbständig anziehen. Bei den unteren Extremitäten sei er beim Anziehen der Socken
, wozu er eine
Anzieh
hilfe
benütze,
auf Dritthilfe angewiesen, da er die Socken
mit de
r
Anzieh
hilfe
zwar über die
Fersen bringe, diese jedoch nicht selber hochziehen könne. Das Anziehen der Unterhosen und Hosen erfolge mit Hilfe der Ehefrau, da er Mühe habe, sich zu bücken beziehungsweise dies zu starke Schmerzen auslöse. Das Bedienen von Verschlüssen sei selbst
möglich
.
Er trage MPD-Schuhe, da diese die Schläge beim Gehen besser abfedern würden.
Gebunden
würden
sie durch Dritte
.
Der Beschwerdeführer sei in diesem Bereich seit der Operation im Jahr 2002 regelmässig und erheblich a
uf Dritthilfe angewiesen, anrechenbar
sei
diese ab Dezember 2002
(
Urk.
8/47/2)
.
Betreffend die Körperpflege hielt die Abklärungsperson sodann fest, das
Betreten und Verlassen der
Dusche
sei
selbständig möglich.
Der Beschwerdeführer
erledige die komplette Körperreinigung selbständig. Die Füsse wasche er, indem er Seife auf die Füsse tropfen lasse und die Beine aneinander reibe
, einmal pro Monat erfolge eine
gründliche Reinigung mit Hilfe der Ehefrau. Beim Abtrocknen der unteren Extremitäten sei der Beschwerdeführer auf die Hilfe seiner Ehefrau angewiesen. Er sei sehr anfällig
für
Fusspilz, weshalb es wichtig sei, dass die Füsse gründlich abgetrocknet würden.
Das
Rasieren, Zähneputzen und
K
ämmen sei selbständig möglich,
das
Schneiden der Zehennägel erledige die Ehefrau. Seit der Operation im Dezember 2002 habe der Beschwerdeführer Mühe, sich zu bücken
,
und sei daher beim Abtrocknen der unteren Extremitäten au
f Dritthilfe angewie
sen, weshalb
dies
e
ab Dezember 2002 angerechnet werden könne
(
Urk.
8/47/2)
.
In den weiteren Bereichen Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Reinigung nach Verrichtung der Notdurft und Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte liege keine Hilflosigkeit im Sinne des Gesetzes vor (
Urk.
8/47/2 f.).
8
.2
Die Mitteilung vom
3.
November 2016, mit der die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
bei einer Hilflosigkeit leichten Grades bestätigte (
Urk.
8/133), basierte auf dem Abklärungsbericht vom
1.
November 201
6.
Die Abklärungsperson führte am 2
4.
Oktober 2016 einen Hausbesuch beim Beschwerdeführer durch und
hielt fest
, dieser habe zu seinem Tagesablauf ange
geben, er versuche sich nach dem Frühstück im Haushalt etwas nützlich zu machen. Unter Erschwernissen räume er auf oder er bereite sich eine einfache warme Mahlzeit am Mittag zu. Grundsätzlich
erledige die Ehefrau
mindestens 80
%
aller Haushaltsarbei
ten
, er komme auf höchstens 20
%
. Um seinen psychi
schen Zustand zu verbessern, habe er einen Therapiehund angeschafft. Mit die
sem versuche er einmal am Tag kurz
hinauszugehen
. Grundsätzlich sei jedoch eine 80-jährige Nachbarin zuständig dafür, dass der Hund wirklich bei jedem Wetter draussen spazieren könne. Der Beschwerdeführer leide an starken Rücken
schmerzen, weshalb er immer wieder sein
e
Körperposition wechseln müsse. Er nehme seine Therapietermine selbständig wahr. Am Abend koche jeweils die Ehe
frau für die Familie. Die Abklärungsper
s
on hielt fest, der Gesundheitszustand sei gemäss Fragebogen betreffend
Hilflosenentschädigung
gleich geblieben
. Gemäss den aktuellen Angaben seien weitere Operationen wegen des Magen-Bypasses nötig geworden, die letzte davon vor 1.5 Jahren. Aktuell leide der Beschwerde
führer zudem an einer Achillessehnenentzündung am rechten Bein. Es sei unklar, ob dies von einer Arthrose herrühre oder ob es Rheuma sei
(
Urk.
8/132/2).
Zum Bereich Ankleiden/Auskleiden verwies die Abklärungsperson auf den
Vor
bericht
vom 2
5.
Januar 200
5.
Seither habe sich die Situation im Grundsatz nicht
verändert
. Der Beschwerdeführer könne einfachste und auch normale Kleider in einem Zeitrahmen von 30 bis 45 Minuten alleine unter starken Rückenschmerzen und Pausen anziehen. Er verwende
für die
Socken
eine
Anzie
h
hilfe. Wenn es schneller gehen müsse, helfe die Ehefrau. Nach wie vor könne sich der Beschwer
deführer nicht bücken, weshalb er mit einem Schuhlöffel in weit gebundene Schuhe steige, ohne diese richtig verschliessen zu können. Grundsätzlich helfe die Ehefrau beim Verschliessen von gebundenen Schuhen. Er benötige nur teil
weise die Hilfe der Ehefrau
bei
der Verrichtung. Wegen
des
direkte
n
Hilfsbedarf
s
sei dieser Bereich weiterhin
ausgewiesen
(
Urk.
8/132/2).
Auch im Bereich Körperpflege verwies die Abklärungsperson auf den
Vorbericht
vom 2
5.
Januar 200
5.
Seither habe sich die Situation im Grundsatz nicht verän
dert. Der Beschwerdeführer könne eine einfache
W
äsche am Lavabo machen. Er könne
sich
auch auf den Duschstuhl transferieren und den Oberkörper inklusive die Haare selbst waschen. Mit der Brause wasche er die untere Körperhälfte ab. Er könne sich nach wie vor nicht bücken, weshalb seine Ehefrau die Füsse waschen müsse, wenn es gründlich sein solle. Er habe eine Zeitlang versucht, seine Zehen mit einer Verlängerung an einem Tuch zu trocknen, habe dies aber wieder aufgegeben, weshalb ihm die Ehefrau beim Abtrocknen helfe. Er benötige nur teilweise die Hilfe der Ehefrau in dieser Verrichtung.
Der
direkte Hilfsbedarf sei
in
diese
m
Bereich weiterhin ausgewiesen
(
Urk.
8/132/3)
.
In den weiteren Bereichen sei der Beschwerdeführer funktionell unter Erschwer
nissen selbständig, es lägen keine Einschränkungen im Sinn
e des Gesetzes vor (
Urk.
8/132/3 f
.).
8
.3
Anlässlich des aktuellen Verfahrens wurde keine weitere Abklärung beim Beschwerdeführer zu Hause
mehr
durchgeführt. Den medizinischen Unterlagen ist betreffend Hilflosigkeit das Folgende zu entnehmen:
Dem Bericht von
Dr.
D._
vom
7.
November 2018 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei der Erledigung der alltäglichen Lebensverrichtungen keine Hilfe benötig
e
(
Urk.
8/142/1).
Aus dem
B._
-Gutachten vom 1
2.
Juli 2019 ergibt sich, dass der Beschwerdefüh
rer ang
egeben h
ab
e
, dass er eigentlich alles machen könne. Er sei offensichtlich auch aktiv, gehe mit dem Hund spazieren und führe Gymnastik durch.
Er
sei also selbständig im Alltag und erledige auch den Haushalt (
Urk.
8/162/11).
Spezifisch vom internistischen Gutachter
Dr.
K
._
auf die Alltagsver
r
ichtungen (Anklei
den
/Auskleiden, Körperpflege, Toilette, Essen) angesprochen
,
habe der Beschwer
deführer
bestätigt
, dass er
diesbezüglich
selbständig sei (
Urk.
8/162/31).
9
.
9
.1
Die Beschwerdegegnerin stützt die Aufhebung der
Hilflosenentschädigung
zunächst auf den
Rückkommenstitel
der
prozessualen Revision
gemäss
Art. 53 Abs. 1 ATSG, wobei die Mitteilung vom
3.
November 2016 in prozessuale Revi
sion zu ziehen sei, da nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt wor
den seien, deren Beibringung zuvor nicht möglich gewesen
sei
(
Urk.
2/2 S.3).
Betreffend die Aktivitäten des Beschwerdeführers ist grundsätzlich auf die Aus
fü
hrungen zur Rentenaufhebung (E.4.3
) zu verweisen
und
insbesondere
darauf, dass der Beschwerdegegnerin der Gewichtsverlust des
Beschwerdeführers
bereits anlässlich des im Jahr 2016 durchgeführten Revisionsverfahrens bekannt war und sie damit über genügende Informationen verfügte, um beurteilen zu können, ob bezüglich des Gesundheitszustandes
und des Hilfsbedarfs
des Beschwerdeführers weitere Abklärungen notwendig waren
. Dadurch wäre
sie in der Lage gewesen
,
einen allfälligen positiven Einfluss des Gewichtsverlusts auf die Funktionalität
zu erkennen
.
Was das Verhalten des Beschwerdeführers anlässlich des Hausbesu
ches der Abklärungsperson vom 2
4.
Oktober 2016
betrifft, bestehen
k
eine Hinweise dafür
, dass die Angaben zu
m
Tagesablauf falsch waren, ist doch nicht nachge
wiesen, dass
d
er
Beschwerdeführer den
ab dem Jahr 2018 beschriebenen Aktivi
täten bereits in diesem Zeitpunkt
nachgegangen war
.
Sie sind somit nicht geeig
net, das Abklärungsergebnis im Zeitpunkt der Mitteilung vom
3.
November 2016 zu beeinflussen.
Namentlich die Einsätze
des Beschwerdeführers
als Zeitnehmer und Punktrichter bei
Inline Hockey
-Spielen
(vgl.
Urk.
8/143/
4
u.
7,
Urk.
8/166/2
ff.) datieren teilweise aus der Zeit vor der Mitteilung vom
3.
No
vember 201
6.
Inwiefern die
ses
(soweit ersichtlich) gelegentliche
Engagement
als Betreuer des
Inline Hockey-
Teams seines Sohnes beziehungsweise
der Einsatz
als Punkt
richter bei dessen Spielen die gegenüber der Abklärungsperson gemachten Angaben als unwahr erscheinen lassen
und somit
für die Beurteilung des Anspruchs auf
Hilflosenentschädigung
erheblich sein
können
, ist nicht ersicht
lich
. Die betreffenden
Aktivitäten sind grundsätzlich auch mit dem geltend gemachten sozialen Rückzug vereinbar.
Weiter ist nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdeführer anlässlich des Hausbesuchs
durch die Abklärungsorgane der Beschwerdegegnerin
seinen Gesundheitszustand schlechter dargestellt
hat
, als dieser tatsächlich war.
Anzeichen dafür
,
dass
die
Fähigkeit zur Selbstpflege im Zeitpunkt der Abklärung beim Beschwerdeführer zu Hause nicht im damals ange
gebenen
Umfang beeinträchtigt war, sind nicht ersichtlich.
Es liegen somit keine erheblichen, nachträglich entdeckten Tatsachen vor, die anlässlich des Revisionsverfahrens 2016 nicht hätten beigebracht werden können.
Die Voraus
setzungen für eine prozessuale Revision
im Sinne von
Art.
53
Abs.
1 ATSG
sind somit bezüglich der
Hilflosenentschädigung
nicht erfüllt.
9
.2
Die Beschwerdegegnerin
erachtet
sodann
die Voraussetzungen für gegeben, die
Weiterausrichtung der
Hilflosenentschädigung
vom
3.
November 2016
wiederer
wägungsweise auf
zuheben
,
einerseits aufgrund einer Verletzung des Untersu
chungsgrundsatzes,
der darin bestehe,
da
ss
der
Gewichtsverlust nach der Magen
bypass
-O
peration weder im Abklärungsbericht erwähnt noch in dessen Beurteilung miteinbezogen
worden sei
,
und
andererseits
, da eine
blosse Erschwerung oder Verlangsamung bei der Vornahme von Lebensverrichtungen grundsätzlich keine Hilflosigkeit
begründe
, was die Mitteilung
als
zweifellos unrichtig erscheinen lasse
(
Urk.
7 S. 3 f.).
Im Bereich Ankleiden/Auskleiden liegt eine Hilflosigkeit vor, wenn die versicherte Person ein unentbehrliches Kleidungsstück oder ein Hilfsmittel nicht selber an- oder ausziehen kann
(Randziffer 8014
des Kreisschreibens über
Invalidität
und Hilflosigkeit
in der Invalidenversicherung; KSIH,
gültig ab
1.
Januar 2015
, Stand ab
1.
Juli 2020
).
Die Abklärungsperson, die den Beschwerdeführer am
1.
Oktober 2016 zu Hause aufgesucht hatte, hielt
dazu fest, der Beschwerdeführer könne einfache und normale Kleider in einem Zeitrahmen von 30 bis 45 Minuten unter Rückenschmerzen und Pausen
selbst
anziehen. Er verwende eine Socken-Anzieh
hilfe.
Die Ehefrau helfe ihm
, wenn es schneller gehen müsse
, hierbei und
beim Verschliessen von gebundenen Schuhen (
Urk.
8/132/2).
Somit hat
te
sich die Situation - entgegen den Ausführungen der Abklärungsperson, die festgehalten hatte, dass keine Veränderungen eingetreten seien - dahingehend geändert, dass der Beschwerdeführer
im Jahr 2016
,
anders als noch im Jahr 2005
,
zum Anziehen der Unterhosen und Hosen sowie der Socken die Hilfe seiner Ehefrau nicht mehr regelmässig benötigt
e
.
Diese leistete ihm nur noch Hilfe beim Binden der Schuhe sowie beim Anziehen der Kleider, wenn das Anziehen schneller gehen musste.
Gemäss Randziffer 8013 KSIH begründet jedoch eine blosse Erschwerung oder Verlangsamung bei der Vornahme von Lebensverrichtungen grundsätzlich keine Hilflosigkeit
, weshalb die Hilfe der Ehefrau beim Anziehen der Kleider keine Hilflosigkeit begründet
.
Betreffend das
Binden der Schuhe wäre
es
dem Beschwer
deführer sodann
zumutbar, die Schuhe seinen Einschränkungen entsprechend auszuwählen und auf Schuhe
m
it Schnürsenkeln zu verzichten, wodurch die Not
wendigkeit der Hilfeleistung auch bei diesem
Kleidungsstück dahingefallen wäre
.
Diese Aspekte hat die Abklärungsperson in ihrem Bericht vom 2
4.
Oktober 2016 nicht berücksichtigt
, weshalb
der Bericht keine zuverlässige Entscheidungsgrund
lage im Sinne der Rechtsprechung darstellte
.
Es wäre daher geboten gewesen, vom
Abklärungsbericht
vom 2
4.
Oktober 2016 abzuweichen und eine
regel
mässige
und erhebliche Hilfsbedürftigkeit im Bereich
Ankleiden/Auskleiden
zu verneinen
.
Auch bei
der Körperpflege
erscheint es darüber hinaus fraglich, ob im Jahr 2016 eine Hilflosigkeit vorlag. Dies wäre
nämlich
dann der Fall
, wenn die versicherte Person eine täglich notwendige Verrichtung im Rahmen der Körperpflege (Waschen, Kämmen, Rasieren, Baden/Duschen) nicht selber
ausführen könnte
. Keine Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person Hilfe beim Frisieren braucht (
Rz
. 8020 KSIH).
Die Abklärungsperson hielt diesbezüglich fest, dass der Beschwerdeführer sich
nach wie vor nicht bücken könne. Daher
bestehe ein Hilfs
bedarf beim
gründlichen
Waschen der Füsse und beim Abtrocknen der Füsse.
Dazu ist festzuhalten, dass die Ehefrau dem Beschwerdeführer beim Waschen der
Füsse
offensichtlich nicht täglich hilft, sondern nur wenn es gründlich sein
muss
, im Vorbericht war diesbezüglich von einer rund einmal monatlich notwendigen Hilfestellung ausgegangen worden. Ein tägliches Einseifen der Beine und
Füsse
ist denn beim Duschen auch nicht notwendig
. Das Abtrocknen der
Füsse
liesse
sich überdies zum Beispiel mithilfe eines geeigneten Badteppichs bewerkstelligen.
9
.3
Nach dem Gesagten besteht kein vernünftiger Zweifel daran, dass
sich der Hilfs
bedarf
bereits im Zeitpunkt der Mitteilung vom
3.
November 2016
dahingehend verändert hatte, dass
keine Hilflosigkeit in mindestens zwei Lebensverrichtungen mehr bestand und die Voraussetzungen für eine
Hilflosenentschädigung
bei leichter Hilflosigkeit daher nicht mehr erfüllt waren. Die Mitteilung vom
3.
No
vember 2016 war somit zweifellos unrichtig
,
was es rechtfertigt, wiedererwä
gungsweise darauf zurückzukommen
.
9
.4
Wenn im Wiedererwägungsverfahren gemäss
Art.
53
Abs.
2 ATSG die Wiederer
wägungsvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die entsprechende Entscheidung zurückzukommen und es ist unter Berücksichtigung der massgebenden Umstände ein neuer Entscheid zu fällen.
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit war die Fähigkeit zur Selbstpflege jeden
falls im Gutachtenszeitpunkt im Juni 2019 nicht mehr negativ tangiert, als der Beschwerdeführer selbst festhielt, in diesem Bereich selbständig zu sein.
Da
damit
ein aktueller regelmässiger und erheblicher Hilfsbedarf des Beschwerdeführers nicht ausgewiesen ist, ist die Aufhebung der bisher ausgerichteten
Hilflosenent
schädigung
jedenfalls
ex
nunc
et pro
futuro
nicht zu beanstanden
(BGE
125 V 368
Regeste u. E. 3b,
Urteil des Bundesgerichts 8C_634/2017 vom 2
0.
Februar 2018 E. 5.3 mit Hinweisen)
.
9
.
5
Was die rückwirkende Einstellung der
Hilflosenentschädigung
per
August 2016 betrifft,
ist wiederum auf die Ausführungen zur Aufheb
ung der Rente zu verwei
sen (E. 6.1
).
Von einer Meldepflichtverletzung betreffend die Aktivitäten des Beschwerdeführers
ist demgemäss nicht auszugehen. Was das unrechtmässige Erwirken der
Hilflosenentschädigung
betrifft,
ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass der Beschwerdeführer deren Weiterausrichtung im November 2016 durch Aggravation sowie durch falsche und unvollständige Angaben
erwirkt habe
, namentlich der Angabe im Revisionsfragebogen vom
4.
Juli 2016, dass sein Gesundheit
szustand unverändert sei
,
und den
Angaben zum Tagesab
lauf
anlässlich des Hausbesuchs vom 2
4.
Oktober 201
6.
Der Beschwerdeführer habe seinen Gesundheitszustand und die Funktionalität schlechter dargestellt als sie
damals gewesen seien
(
Urk.
2/2 S. 3).
Wie bereits erwähnt,
hatte sich
gemäss den Erkenntnissen der
B._
-Gutachter
der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers
im Verlauf
tatsächlich nicht verändert
.
W
eiter ist abgesehen von wenigen Ausnahmen
nicht erwiesen, dass
er
die angeführten Aktivitäten bereits im
Zeit
punkt des Hausbesuchs vom 2
4.
Oktober 2016
ausübte
beziehungsweise dass er seinen Zustand schlechter dargestellt hat, als er in diesem Zeitpunkt war
(vgl.
vorstehende
E.
9
.1)
. Somit
ist nicht nachgewiesen
, dass
der Beschwerdeführer
die Weiterausrichtung der
Hil
flosenentschädigung
durch unwahre oder unvollstän
dige Angaben erwirkt
hat
.
Eine rückwirkende Einstellung der
Hilflosenentschädi
gung
ist somit nicht gerecht
fertigt.
1
0
.
Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom
4.
August 2020 betreffend Einstellung der Invalidenrente (
Urk.
2/1) aufzuheben und es ist unter Hinweis auf die Erwä
gungen festzustellen, dass der Beschwerdeführer einstweilen weiterhin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
Hinsichtlich der Verfügung vom
4.
August 2020 betreffend Aufhebung der
Hilflosenentschädigung
per
1.
August 2016 ist die Beschwerde
sodann
in dem Sinne
gutzuheissen
, dass die
Hilflosenentschädi
gung
auf den ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats (
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV) - mithin per
1.
Oktober
2020
-
aufzuheben
ist
.
1
1
.
1
1
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
1’0
00.-- festzusetzen.
Entsprechend dem Verfahrensausgang sind
sie zu einem Viertel dem Beschwerdeführer und zu drei Vierteln der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen wobei der Anteil des Beschwerdeführers
, das heisst
Fr.
250
.--
,
zufolge der gewährten unentgeltlichen Prozessführung einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen ist.
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.
1
1
.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Da der Rechtsvertreter
von der Möglichkeit zur Einreichung
eine
r
Hono
rarnote
keinen Gebrauch gemacht
hat (
Urk.
26
Dispositiv-Ziffer 3)
,
ist unter Berücksich
tigung der genannten Kriterien die Parteientschädigung ermessensweise auf
Fr.
3’800
.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen. Ausgangsge
mäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung
in dieser Höhe
zu bezahlen
. Eine Kürzung der Entschädi
gung ist nicht vorzunehmen, da die Rechtsbegehren, soweit sie über die teilweise
Gutheissung
der Beschwerde hinausgehen (sog. Überklagen), den Prozessaufwand nicht wesentlich beeinflusst haben (
BGE 117 V 401 E. 2c S. 407; Urteil des Bun
desgerichts 9C_846/2015 vom
2.
März 2016 E. 3).