Decision ID: 43aeae8e-6430-4806-b1c6-7587bb08e52e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
6
7,
stand ab
dem
8.
Januar
bis
8.
April
2018
als
Asbestsanierer
bei der
Y._
AG
in einem befristeten Arbeitsvertrag
und
war
bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert
(Urk. 8/1
,
Urk.
8/5
)
.
Gemäss Schadenmeldung vom 6. Februar 2018 stürzte er a
m
2
3.
Januar 2018 während der Arbeit auf der Baustelle seitlich aufs Becken (Urk. 8/1).
Die
Erstbehandlung erfolgte am 29.
Januar 2018 im Spital
Z._
, wo eine Beckenkontusion links diagnostiziert wurde
(Urk. 8/3). Zudem wu
rde dem Versi
cherten ab dem 29.
Januar 2018 - vorerst für drei Tage - eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert (Urk. 8/2)
, welche im weiteren Verlauf mehrfach verlängert wurde (Urk. 8/
7, 8/10 S. 2-3,
8/17 S. 2
, 8/18-19
, 8/32 S. 3, 8/33 S. 1
2
, 8/44 S. 2
)
. Die Suva erbrachte zunächst die gesetzlichen Versicherungsleistungen
(Urk. 8/9, 8/11-13)
.
Vom 1
7.
Februar bis am
2.
März 2018 war der
Versicherte
wegen zunehmender Schmerzen gluteal links mit Ausstrahlung ins linke Bein und fraglicher radikulä
rer Symptomatik im Spital
Z._
hospitalisiert (Urk. 8/
23 S. 1
)
.
Am 20. Feb
ruar 2018 wurde eine CT-gesteuerte Nervenwurzelinfiltration L5 und am 27. Feb
ruar
2018 eine erneute Infiltration
S1 durchgeführt. Bei persistierenden Schmer
zen wurde der Versicherte an die Abteilung Wirbelsäulenchirurgie der Universi
tätsklinik
A._
überwiesen
(Urk. 8/23 S. 2,
Urk.
8/27, Urk. 8/
29
)
. Dort diag
nostizierten die Ärzte
in ihrem Bericht vom
5.
März 2018
eine schmerzhafte L5-Radikulopathie links bei
Diskusprotrusion
L4/5 mit
recessaler
Enge L4/5 und neuroforaminaler Enge L5/S1 links (Urk. 8/
62 S. 1
). Am
9.
März und am 1
0.
April 2018 führte
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
O
rthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates
, jeweils eine
peridurale
Infiltration der Wirbelsäule (Sakralblock) durch (Urk. 8/
36 S. 2,
Urk.
8/
46 S. 2
). Bei
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Anästhesiologie
und interventionelle Schmerztherapie
, erfolgten weitere Infiltrationsbehandlungen (Urk. 8/
58 S. 7
). Am 3
0.
April 2018 sowie am 21.
/2
2.
Januar 2019 nahm Kreisarzt med. pra
c
t.
D._
, Facharzt für Chirurgie, Stellung
zum Fall
(Urk. 8/
38
und Urk.
8/
65
).
1.2
Gestützt darauf schloss die Suva den Fall mit Verf
ügung vom 23.
Januar 2019 per 3
0.
April 2018 ab, verneinte den Anspruch auf weitere Versicherungsleistun
gen und stellte die bisherigen Versicherungsleistungen auf diesen Zeitpunkt hin ein. Zur Begründung führte sie aus, die
bestehenden Beschwerden seien nicht mehr unfallbedingt. Der
Zustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden habe,
sei gemäss medizinischer Beurteilung spätestens nach drei Monaten wieder
erreicht gewesen (Urk. 8/
66
). Die dagegen vom Versicherten am 21.
Februar 2019 erhobene Einsprache (Urk. 8/
71
) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 1
8.
März 2019 ab (Urk. 8/
76
=
Urk.
2)
, wobei sie
nun
festhielt, der Status quo sine (Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte) sei
spätestens drei Monate nach dem Unfall erreicht gewesen (
Urk.
2 S. 12)
.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 1
8.
März 2019
erhob
der Versicherte
mit Eingabe vom
1
1.
April 2019
Beschwerde und beantragte, d
ies
er sei aufzuheben und
es seien ihm weiterhin die von Gesetzes wegen zustehenden Leistungen aus der obligatorischen Unfallversiche
rung auszurichten; insbesondere
seien über den 30. April 2018 hinaus weiterhin die Heilbehandlun
g
skosten zu übernehmen und ihm darüber hinaus weiterhin Taggelder auszurichten. Eventualiter seien medizi
nische Abklärungen zu tätigen und hernach erneut über seine Ansprüche aus der obligatorischen Unfallversicherung zu entscheiden. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 9. Mai 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer mit Gerichts
verfügung vom 1
5.
Mai 2019 mitgeteilt wurde
. Zugleich wurde ihm Rechtsan
wältin Susanne von Aesch, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt
(
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
wer
den die Versicherungsleistungen
namentlich bei
Berufsunfällen, Nichtberufsun
fällen und Berufskrankheiten gewährt.
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
1.3.1
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/aa). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer
(RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrund
sätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine vel ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine vel ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.
3.2
Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversi
cherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahms
weise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädi
gung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeits
unfä
higkeit auftreten. In solchen Fällen hat die Unfallversicherung praxisgemäss auch für Rezidive und all
fällige Operationen aufzukommen (Urteil des Bundes
gerichts
8C_326/2008
vom 2
4.
Juni 2008 E. 3.1 mit Hinweisen).
Ist indessen die Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur Leis
tungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen
(Urteil des Bun
desgerichts 8C_326/2008 vom 24.
Juni 2008 E. 3.
2
mit Hinweisen)
.
1.3.3
Nach derzeitigem medizinischen Wissensstand kann das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten erwartet werden, wogegen eine allfällige richtunggebende Verschlim
merung röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben muss; eine traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten
(
Urteile des Bundesgerichts 8C_17/2017 vom
4.
April 2017 E. 2.3, 8C_408/2019 vom 2
6.
August 2019 E. 3.3,
8C_326/2008
vom 24. Juni 2008 E.
3.3,
je mit Hinweisen)
.
1.4
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2
.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Einspracheentscheid
vom 18. März 2019
auf den Standpunkt, es stehe gestützt auf
die
überzeugenden
und beweiskräftigen
kreisärztlichen Beurteilungen
fest, dass
es beim Unfallereignis vom 2
3.
Januar
201
8 zu einer nicht richtungsgebenden, vorübergehenden Verschlimmerung einer bereits vorbestehenden, überwiegend wahrscheinlich durch Verschleiss und Abnutzung entstandenen Erkrankung der Wirbelsäule gekommen sei.
Diese Einschätzung decke sich mit den übrigen medizinischen
Akten.
Ursäch
lich für die Schmerzsymptomatik des Beschwerd
eführers seien die
vorbestehend
diagnostiziert
en Bandscheibenprotrusionen
LWK
4/5
sowie LWK5/SWK
1.
Überwiegend wahrscheinlich frische strukturelle Läsionen im Bereich der Wirbelsäule seien nicht nachweisbar gewesen. Allein der zeitliche Faktor des Auftretens von Beschwerden
im Sinne von «post hoc
ergo propter hoc»
begründe nicht deren Unfallkausalität
.
Ferner falle ein Unfallereignis nur aus
nahmsweise unter besonderen Voraussetzungen als eigentliche Ursache von Diskushernien in Betracht, welche vorliegend nicht gegeben seien.
Mithin sei spä
testens drei Monate nach dem Unfall der S
tatus quo sine erreicht gewesen. Folg
lich habe
sie
die Versicherungsleistungen zu Recht per Ende April 2018 eingestellt
(
Urk.
2 S.
8
-12
).
In ihrer Beschwerdeantwort
vom 9. Mai 2019
hielt die Beschwerdegegnerin fest, ein medizinischer Aktenbericht sei vorliegend zulässig gewesen, da die vorhan
denen Unterlagen gesamthaft ein lückenloses Bild erlaubt hätten
. Sodann se
i
die
Rekonvaleszenzzeit von drei Monaten nicht einzig gestützt auf den Reintegrati
onsleitfaden der Schweizer Unfallversicherungen erfolgt, sondern der Kreisarzt
habe dabei auch die vorliegend dokumentierten Befunde berücksichtigt
(
Urk.
7
S. 4).
2
.2
Der Beschwerdeführer
macht demgegenüber
in seiner Beschwerde vom 11. April 2019
geltend
,
die unfallbedingten Beschwerden hätten im Zeitpunkt der Leis
tungseinstellung nach wie vor angehalten
. Die kreisärztliche Beurteilung sei bereits deshalb widersprüchlich und nicht beweistauglich, weil der Kreisarzt von einer vorübergehenden Verschlimmerung einer vorbestehenden Erkrankung der Wirbelsäule ausgehe, aber an anderer Stelle eine unfallbedingte Wirbelsäulenbe
teiligung ausschliesse
(
Urk.
1 S. 6).
Dass der Status quo sine vorliegend nach drei Monaten erreicht gewesen sei
n
soll, sei im Übrigen medizinisch nicht nachvoll
ziehbar. Vielmehr werde in der medizinischen Literatur von einem längeren Zeit
raum ausgegangen
und eine Untersuchung durch den Kreisarzt habe nicht statt
gefunden
(
Urk.
1 S. 7 f.).
Hinzu komme, dass er als Asbestsanierer überwiegend körperlich belastende Arbeiten zu verrichten gehabt habe (
Urk.
1 S. 8).
Nach dem Gesagten sei der Beschwerdegegnerin der Beweis für den anspruchsaufhebenden Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den nach dem 3
0.
April 2018 noch vorhanden Beschwerden und dem Unfall vom 2
3.
Januar 2018 nicht gelungen, weshalb sie über diesen Zeitpunkt hinaus leistungspflichtig bleibe (
Urk.
1 S. 9).
3
.
3
.1
Der erstbehandelnde
Dr.
med.
E._
, Notfallpraxis Spital
Z._
, hielt in seinem Bericht vom 2
9.
Januar 2018 fest, der Beschwerdeführer sei wegen
-
seit dem Sturz eine Woche zuvor
-
anhaltender Schmerzen bis ins linke Bein in die Sprechstunde gekommen. Es liege eine Druckdolenz gluteal links vor mit positivem Lasègue links, jedoch
- gemäss
radiologischer Untersuchung
-
ohne Fraktur
respektive ohne Hinweise auf frische traumatische ossäre Läsionen
(Urk. 8/3
, Urk. 8/28)
.
3
.2
Am 1
4.
Februar 2018 wurden die Lendenwirbelsäule (LWS) und das Iliosakralge
lenk (ISG)
durch
Dr.
med.
F._
, Radiologie
G._
,
untersucht. Dabei zeigten sich
im MRI
eine mediane Diskushernie LW
K
4/5 mit rezessaler Einengung beidseits und Kompression der Wurzel L5 links sowie eine linksbetonte Protrusion LWK5/SWK1 mit etwas foraminaler Einengung und möglicher Wurzelaffektion L5 links. Hingegen konnten weder eine Fraktur der LWS und des
Sacrums
noch ein Knochenödem nachgewiesen werden (Urk. 8/14).
3
.3
Vom 1
7.
Februar bis am
2.
März 2018 war der
Beschwerdeführer
wegen zuneh
mender Schmerzen gluteal links mit Ausstrahlung ins linke Bein und fraglicher radikulärer Symptomatik im Spital
Z._
hospitalisiert (Urk. 8/23 S. 1). Am 20. Februar 2018 wurde eine CT-gesteuerte Nervenwurzelinfiltration L5 und am 27. Februar 2018 eine erneute Infiltration S1 durchgeführt. Bei persi
stierenden Schmerzen wurde der Beschwerdeführer
an die Abteilung Wirbelsäulenchirurgie der Universitätsklinik
A._
überwiesen (Urk. 8/23 S. 2,
Urk.
8/27, Urk. 8/29). Dort diagnostizierten die Ärzte
in ihrem Bericht vom 5.
März 2018 eine schmerz
hafte L5-Radikulopathie links bei Diskusprotrusion L4/5 mit re
z
essaler Enge L4/5 und neuroforaminaler Enge L5/S1 links (Urk. 8/62 S. 1).
3
.4
Am
9.
März und am 1
0.
April 2018 führte
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
,
jeweils eine
peridurale
Infiltration der Wirbelsäule (Sakralblock) durch (Urk. 8/36 S. 2,
Urk.
8/46 S. 2).
Er gab
in seinem Bericht vom
3.
Mai 2018 betreffend die Sprechstunde vom
27.
April 2018 an,
der Beschwerdeführer habe über eine etwa 80%ige Regredienz der vor den Infiltrationen bestandenen posttraumatisch bedingten Beschwerden berichtet
(Urk. 8
/46 S. 2, vgl. auch
Urk.
8
/37).
Dr.
B._
empfahl die Fortführung der Physiotherapie und ging davon aus, eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit werde ab Mitte Juni oder Anfang Juli 2018 möglich sein (Urk. 8/46 S. 3).
3.5
Am 3
0.
April 2018
führte der
Kreisarzt med. pract.
D._
, Facharzt für Chirurgie, Abteilung Versicherungsmedizin,
aus, beim Unfallereignis vom 23.
Ja
nuar 2018 sei es zu einer nicht richtungsgebenden vorübergehenden Verschlim
merung einer vorbestehenden
,
überwiegend wahrscheinlich durch Verschleiss und Abnutzung entstandenen Erkrankung der Wirbelsäule gekommen. Die Rekonvaleszenzzeit betrage drei Monate (
Urk. 8/38
S. 1).
3.6
Am 2
8.
Juli 2018 berichtete
Dr.
B._
, der Beschwerdeführer habe sich am 24. Juli 2018 ausserplanmässig bei ihm vorgestellt. Er habe mitgete
i
lt, dass er vom
4.
bis am 2
3.
Juni 2018 in der Rehaklinik
H._
stationär hospitalisiert gewesen sei und nahezu schmerzfrei entlassen worden sei
(Urk. 8/55 S. 2)
. Seit circa zwei Wochen sei indes erneut eine S1-Radikulopathie links aufgetreten
mit ausgeprägten immobilisierenden Beschwerden (Urk. 8/55 S. 2 f.). Die Röntgenun
tersuchung des Beckens und der Hüfte habe einen Verdacht auf einen Os acetabuli links und einen diskreten
Wirbelsäulenshift
nach rechts ergeben (Urk. 8/55 S. 3).
3.7
Dem Bericht von
Dr.
C._
vom 2
0.
November 2018 ist zu entnehmen, der Beschwerdeführer habe am 2
9.
Januar 2018 einen Unfall mit ungleicher Gewichtsbelastung durch einen schweren Presslufthammer gehabt (Urk. 8/58 S. 6). Zugleich berichtete er über durchgeführte Infiltrationen (Urk. 8/58 S. 7).
A
m 2
9.
November 2018
führte
Dr.
C._
aus, die beschriebenen Schmerzen stünden zeitlich e
i
ndeutig im Zusammenhang mit dem beschriebenen Unfall. Vom Schmerzmuster her passten sie auch zum Unfall. Hinzu kämen jedoch chro
nische Schäden, welche möglicherweise schon zuvor bestanden hätten, wie aus dem MRI der LWS hervorgehe. Daher sei
es
wahrscheinlich, dass sich durch den Unfall eine bereits ungünstige, vorbestehende pathologische Entwicklung ver
schlimmert habe. In seiner angestammten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer zurzeit vollumfänglich arbeitsunfähig
. Wie der
Kreisarzt
schon festgehalten habe, sei es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung einer vorbestehenden, über
wiegend wahrscheinlich durch Verschleiss und Abnutzung entstandenen Erkran
kung der Wirbelsäule gekommen. Allerdings sei diese Verschlimmerung nicht von vorübergehender Natur, wie der beschriebene
K
rankheitsverlauf beweise. Daher stimme er mit der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers überein, dass es zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung an der Wirbelsäule des Beschwerde
führers gekommen sei. Ohne den Unfall wäre der Beschwerdeführer zum jetzigen Zeitpunkt wahrscheinlich weitgehend beschwerdefrei
(Urk. 8/58 S. 4).
Die Fest
setzung der Rekonvaleszenzzeit auf drei Monate sei eine reine Vermutung und nicht faktenbasiert. Nervenreizungen, welche durch Zug und Druck wie beim beschriebenen Unfallmechanismus entstünden, benötigten mindestens ein halbes Jahr zum Abheilen und könnten gar chronisch verlaufen (Urk. 8/58 S. 5).
3.8
Med. pract.
D._
hielt
in seiner kreisärztlichen Beurteilung vom 21. Januar 2019
fest, der Beschwerdeführer habe sich mit einer zeitlichen Latenz von sechs Tagen im Spital
Z._
vorgestellt (Urk. 8/65 S. 3). Die Sonografie-Untersu
chung der Weichteile gluteal und Oberschenkel sei einen weiteren Monat später erfolgt. Dabei seien keine überwiegend wahrscheinlichen Unfallfolgen zu sehen gewesen. Auch die MRI-Untersuchung der LW
S
und des ISG vom 14. Februar 2018 habe keine überwiegend wahrscheinlich frischen, strukturellen, unfallkau
salen Läsionen wie zum Beispiel Knochenmarködeme (Bone bruise), Fraktur oder Verletzung der paravertebralen ligamentären oder muskulären Strukturen zu Tage gefördert.
Med. pract.
D._
äusserte sich dahingehend, dass die Ursache für die Schmerzsymptomatik des Beschwerdeführers im Sinne einer Radikulopa
thie L5/S1 analog zur Beurteilung der Wirbelsäulen-Chirurgie der Universitäts
klinik
A._
in den vorbestehend diagnostizierten Bandscheibenprotrusionen LWK4/5 sowie LWK5/SWK1 mit entsprechenden foraminalen Einengungen liege. Diese Bandscheibenvorfälle seien nicht überwiegend wahrscheinlich unfallkau
saler Natur. Beim Ereignis vom 2
3.
Januar 2018 sei der Beschwerdeführer auf das linke Becken respektive die linke
Glutealregion
gestürzt. Die relativ zeitnah
durchgeführte Diagnostik habe keine überwiegend wahrscheinliche
n
Verlet
zungszeichen im Bereich des Weichgewebes oder der knöchernen Strukturen nachweisen können. Auch die erste klinische Untersuchung habe keine Weichge
webeverletzung gezeigt, sondern durch das Unfallereignis sei lediglich eine Kontusion der linken Becken-/
Glutealregion
entstanden
(
Urk.
8/65 S. 4). Die von
Dr.
C._
ins Feld geführte Richtungsgebung in Bezug auf die von ihm anerkannte ungünstige, vorbestehende, durch Verschleiss und Abnutzung bedingte Erkrankung der Wirbelsäule sei ohne Nachweis frischer, überwiegend wahrscheinlich unfallkausaler struktureller Läsionen nicht nachvollziehbar. Eine Nervenreizung S1 sei genauso hypothetisch wie die Annahme, dass der Beschwer
deführer ohne den beschriebenen Unfall zum Zeitpunkt seiner Beurteilung weitgehend beschwerdefrei wäre (
Urk.
8/65 S. 4-5). Das alleinige zeitgleiche Auf
tre
ten von Beschwerden (Schmerzen) nach einem Unfallereignis begründe ohne Nachweis einer entsp
r
echenden biomechanischen Voraussetzung und entspre
chenden überwiegend wahrscheinlich frischen, durch das Unfallereignis verur
sachten, struk
tur
ellen Läsionen nicht deren Unfallkausalität. Mithin sei es nur zu einer vorübergehenden Verschlimmerung einer bereits vorbestehenden Erkran
kung der Wirbelsäule gekommen. Die Beurteilung der Rekonvaleszenzzeit beziehe s
ich auf den Reintegrationsleitf
aden der Schweizer Unfallversicherungen, welcher nach Kontusion als eigentliche Unfal
lfolge aus dem Ereignis vom 23.
Jan
uar 2018 eine maximale Beh
andlungsdauer von sechs Wochen vorsehe. Ferner merkte med. pract.
D._
an, dass der Beschwerdeführer selbst
im Falle einer relativ zeit
nah
en Operation des Bandscheiben
v
orfalls bereits nach sechs Wochen hätte Gewichte von drei bis vier Kilogramm tragen dürfen und dass drei Monate post
op
erativ gar eine leichte sportliche Betätigung möglich gewesen wäre. Mithin richte sich die Beurteilung der Rekonvaleszenz nach den durch den Unfall verur
sachten Schädigungen, bestehend aus einer Kontusion Becken/Hüfte links (Urk. 8/65 S. 5).
4
.
4
.1
Unbestritten ist, dass das Ereignis vom 2
3.
Januar 2018 einen Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG darstellt (vgl.
Urk.
2 S. 12 lit. c). Die Beschwerdegegnerin aner
kannte in diesem Kontext denn auch grundsätzlich ihre Leistungspflicht (Urk. 8/
12). Strittig und zu prüfen ist jedoch, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht mit der Begründung, der natürliche Kausalzusammenhang sei per 3
0.
April 2018
dahingefallen,
eingestellt hat.
4.2
Der angefochtene Entscheid basiert auf der versicherungsinternen Einschätzung von med. pract.
D._
vom
2
1.
Januar 2019 (vgl.
Urk.
2 S. 9 ff.). Dieser
hatte Kenntnis von den medizinischen Vorakten inklusive namentlich von den
Radio
logieberichten
(Urk. 8/65 S. 1-3).
Med. pract.
D._
legte unter Bezugnahme auf die bildgebenden Untersuchungen
insbesondere
vom
2
9.
Januar 2018 (Urk. 8/28),
14.
Februar 2018
(Urk. 8/14)
, 22. Februar 2018 (Urk. 8/26)
sowie vom
2.
März 2018
(Urk. 8/63)
in nachvollziehbarer Weise dar, dass keine überwiegend wahrscheinlichen Unfallfolgen zu sehen waren, namentlich kein Hämatom, keine Flüssigkeitsansammlung und keine frischen strukturellen Läsionen wie zum Bei
spiel
Knochenödeme (Bone bruise), Frakturen oder Verletzungen der paraverteb
ralen ligamentären oder muskulären Strukturen
(Urk. 8/65 S. 4). Sein Hinweis, dass auch die erstbehandelnden Ärzte des Spitals
Z._
be
i
ihrer klinischen Untersuchung keine Weichgewebeverletzung im Bereich des Beckens oder der Glutealmuskulatur vorgefunden und daher lediglich eine Kontusion der linken Becken-/
Glutealregion
diagnostiziert hatten (Urk. 8/65 S. 4), trifft zu (Urk. 8/3).
Als Ursache für die Schmerzsymptomatik des Beschwerdeführers im Sinne einer Radikulopathie L5/S1 wu
rden eine median
e Diskushernie L4/5 mit rezessaler Ein
engung beidseits und Kompression der Nervenwurzel L5 links sowie eine links
betonte Pro
trusion L5/S1 mit
etwas foraminaler
Einengung
und möglicher Wurzelaffektion L5 links
gefunden (Urk. 8/65 S. 4,
Urk.
8/14, Urk.
8/62-63).
Bereits im Rahmen der Erstbehandlung klagte der Beschwerdeführer über seit dem Unfallereignis vom 2
3.
Januar 2018 anhaltende Schmerzen bis ins linke Bein (Urk. 8/3). Dass die Diskushernie und -
protrusion
anlässlich des genannten Unfalls aktiviert wurden und der Kreisarzt dementsprechend von einer (vorüber
gehenden) Verschlimmerung durch das Unfallereignis ausging (Urk. 8/65 S. 5), ist daher nachvollziehbar. Es bleibt zu prüfen, ob es sich dabei um eine richtung
gebende Verschlimmerung handelte.
4.3
Sowohl in der Unfallmeldung vom
6.
Februar 2018 (Urk. 8/1) als auch in den zeitnahen Arztberichten ist von einem (simplen) Sturz auf das linke Gesäss/Becken die Rede (Urk. 8/3, 8/23 S. 3, 8/37, 8/62 S. 1).
Erst
Dr.
C._
bezog sich in seinem Bericht vom 2
0.
November 2018 auf ein Unfallereignis mit ungleicher Gewichtsbelastung durch einen schweren Presslufthammer (Urk. 8/58 S. 6).
Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den Unfallher
gang ist auf die Beweismaxime abzustellen, wonach die so genannten spontanen «Aussagen der ersten Stunde» in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Über
legungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE
121 V 45 E. 2a; 115 V 133 E. 8; RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546, U 236/03 E. 3.3.4; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183, U 322/02 E. 4). Angesichts dessen sind die Angaben von Dr.
C._
bezüglich des Unfallhergangs
als
nicht massgeblich zu erachten.
Vielmehr ist mit Blick auf die zeitnah erfolgten Unfallbeschreibungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem Sturz ohne Besonderheiten auszugehen.
Vorliegend war der Unfall demnach nicht von besonderer Schwere.
Auch
der Angabe von
Dr.
C._
, die Schmerzen würden zum Unfallhergang passen (
Urk.
8/58 S. 4),
kann
kein Gewicht beigemessen werden
vor dem Hinter
grund, dass
er von einem nicht erstellten Unfallhergang mit ungleicher Gewichts
belastung ausging (
Urk.
8/58 S.
6
)
.
Unabhängig vom exakten Unfallhergang lie
gen zudem keine Begleitverletzungen wie Wirbelbrüche oder
Knochenödeme
vor, welche auf eine schwere Einwirkung hindeuten würden. Auch fehlt ein unver
zügliches Auftreten der Diskushernien-Symptome mit sofortiger Arbeitsunfähig
keit. Der Beschwerdeführer setzte seine Arbeit erst ab dem 29.
Januar 2018 aus (Urk. 8/1). In Einklang damit wurde ihm sodann erst ab dann eine Arbeitsunfä
higkeit attestiert (Urk. 8/2).
Vor diesem Hintergrund ist sowohl eine Unfallkausa
lität der Bandscheibenvorfälle als auch eine diesbezügliche richtunggebende Verschlimmerung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu verneinen.
Daher
ist
vorliegend davon
auszugehen
, dass die Diskushernie und
die Diskus
protrusion bei degenerativem Vorzustand durch das Unfallereignis aktiviert worden sind.
4.
4
Überdies überzeugt die kreisärztliche Beurteilung, wonach die Erkrankung der Wirbelsäule durch Verschleiss und Abnutzung bedingt vorbestehend und durch das Unfallereignis nicht richtunggebend, sondern lediglich vorübergehend ver
schlimmert worden sei (Urk. 8/65 S. 4-5), auch vor dem Hintergrund des Fehlens frischer struktureller Läsionen. Dies be
stätigte grundsätzlich auch Dr.
C._
, indem er ausführte,
durch das Unfallereignis sei es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung einer vorbestehenden, überwiegend wahrscheinlich durch Ver
schle
i
ss und Abnutzung entstandenen Erkrankung der Wirbelsäule gekommen
(Urk. 8/
58 S. 4
Ziff.
6
)
. Unmittelbar danach führte er zwar aus, die Verschlimme
rung sei nicht von vorübergehender Natur, wie der beschriebene Krankheitsver
lauf beweise (Urk. 8/58 S. 4).
Aus dem effektiven Verlauf kann indes nicht auf dessen Ursache geschlossen werden, weshalb diese Angabe
keine
Zweifel an der Beurteilung des Kreisarztes erweckt.
Ebenso erweist sich die
Ausführung von
Dr.
C._
, ohne den beschriebenen Unfall wäre der Beschwerdeführer zum jetzigen Zeitpunkt wahrscheinlich weitgehend beschwerdefrei (Urk. 8/58 S. 4)
,
vor dem geschilderten Hintergrund mit vorbestehender Erkrankung der Wirbel
säule als spekulativ.
Hinzu kommt, dass
Dr.
C._
fälschlicherweise vom 29.
Januar 2018 als Unfalldatum aus
ging
(Urk. 8/58 S. 6), weshalb er
wohl
seinen
Beurteilungen die Annahme einer sofort eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und eines gleichentags erfolgten Arztbesuchs zugrunde legte,
was jedoch
nicht zutrifft.
4.
5
Der Beschwerdeführer brachte sodann vor, der Kreisarzt widerspreche sich, indem er bloss eine unfallbedingte Kontusion des Beckens annehme und eine unfallbe
dingte Wirbelsäulenbeteiligung ausschliesse
, an anderer Stelle aber von einer vorübergehenden Verschlimmerung der Wirbelsäulenerkrankung durch den Unfall ausgehe
(
Urk.
1 S. 6
Ziff.
15). Aus den entsprechenden Ausführungen des Kreisarztes (
Urk.
8/65 S. 4 f.) wird indes klar, dass er die Unfallkausalität der Bandscheibenvorfälle lediglich in dem Sinne verneint, dass
der Unfall nicht die eigentliche Ursache der
Bandscheibenvorfälle
darstellt
. Eine Aktivierung durch das Unfallereignis steht
dem
nicht entgegen (vgl. hierzu die Rechtsprechung in vorstehender E. 1.3.2), weshalb darin ke
ine Widersprüchlichkeit der kreisärztli
chen Beurteilung
zu sehen
ist.
Gegen die Zuverlässigkeit der fachärztlichen versicherungsinternen Stellung
nahme spricht im Übrigen auch nicht, dass med. pract.
D._
den Beschwer
deführer nicht selbst untersucht hat (vgl. den Einwand in
Urk.
1 S. 7
Ziff.
16), da auch Aktengutachten voller Beweiswert zukommt, sofern - wie im vorliegenden Fall - ein lückenloser Befund vorliegt und es
-
in Bezug auf die Richtungsgebung der Verschlechterung der Wirbelsäulenerkrankung durch den Unfall
-
im Wesent
lichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sach
verhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2011 vom 2
2.
Dezember 2011 E.
3.2.2 mit Hinweisen).
4.6
Soweit
der Beschwerdeführer
die Unfallkausalität aus dem Umstand der prätrau
matisch fehlenden Beschwerden
respektive aus dem effektiven Vorhandensein von Symptomen
nach dem Unfallereignis
und
über den Fallabschluss hinaus (vgl.
Urk.
1 S. 6 und S. 8,
Urk.
8/58 S. 4)
beziehungsweise aus dem zeitlichen Zusam
menhang zwischen den Schmerzen und dem Unfall (Urk. 8/58 S. 4)
ableiten w
ill
, ist anzumerken, dass die Argumentation nach der Formel «post hoc ergo
propter hoc», nach deren Bedeu
tung eine gesundheitliche Schädigung schon
dann als durch den Unfall verur
sacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, beweis
rechtlich nicht zulässig ist (BGE 119 V 335 E. 2b/bb, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013. E. 5.1
)
.
Analog dazu bedeutet der Umstand, d
ass weiterhin Beschwerden vorhanden sind, nicht, dass diese nicht auch ohne Unfallereignis vorliegen würden. Zu einer nur vorübergehenden Verschlimmerung des Gesundheitsschadens durch das Unfall
ereignis passt auch der Verlauf:
Erst sechs Tage nach dem Unfall musste der
Beschwerdeführer seine körperlich
belastende
Arbeit
(vgl.
Urk.
1 S. 8
Ziff.
19)
aussetzen (Urk. 8/1),
Mitte Februar 2018 kam es zu einer Zunahme der Schmerzen (Urk. 8/23 S. 1),
im April 2018 nahmen die Beschwerden des Beschwerdeführers
nach einer Infiltration um 80
%
ab (Urk. 8/46 S. 2), bei der Entlassung aus der Rehaklinik
H._
am 23.
Juni 2018 war er fast schmerzfrei,
Mitte Juli 2018
trat indes erneut eine Radikulopathie auf (Urk. 8/55 S. 2)
. Bei diesem schwankenden Verlauf ist es plausibel, dass das Unfallereignis zwar den Auslöser der Beschwerden darstellte, dass die weitere Entwicklung aber entscheidend durch die krankheitswertigen Faktoren beeinflusst wurde. Mit anderen Worten über
zeugt die kreisärztliche Auffassung, wonach das Unfallereignis nach einer gewis
sen Zeit keine Rolle mehr spielte respektive nicht mehr ursächlich war.
Dem steht auch nicht entgegen, dass
Dr.
B._
die Meinung vertrat, die Beschwer
den seien klar auf den Unfall zurückzuführen (Urk. 8/37).
Dr.
B._
bezog sich dabei auf die am
9.
März und 1
0.
April 2018
mittels Infiltrationen
behandelten Beschwerden
(vgl. Urk. 8/36 S. 2,
Urk.
8/46 S. 2)
. Für diesen Zeit
raum
hat die Beschwerdegegnerin die Unfallkausalität noch nicht verneint.
4.
7
Nach dem Gesagten steht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass das Unfallereignis vom 2
3.
Januar 2018 die durch Verschleiss und Abnutzung ent
standene
Vore
rkrankung der Wirbelsäule vorübergehend verschlimmert hat.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, ob im Zeitpunkt des Fallabschlusses per Ende April 2018 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der Status quo sine vorlag
(vgl. hierzu E. 1.3.1 vorstehend)
.
Die zitierte Rechtsprechung
respektive der darin erwähnte medizini
sche Wissensstand
spr
echen
bei der vorliegenden unfallbedingten Aktivierung der zuvor klinisch stummen Bandscheibenschäden für das Erreichen des Status quo sine nach sechs bis neun Monaten, spätestens
nach einem Jahr.
Der Kreisarzt
ging in Abweichung davon
bereits in der kurzen Beurteilun
g vom 3
0.
April 2018 und
ohne Begründung (
Urk.
8/38)
vom Erreichen des Status quo sine gut drei Monate nach dem Unfallereignis aus. Bei seiner
ausführlichen
Beurteilung
vom 2
1.
Januar 2019
stützte
er
sich
namentlich
auf den
«
Reintegra
tionsleitfaden Unfall
»
des Schweizerischen Versicherungsverbands
(Urk. 8/65 S. 5), welchem bei einer Prellung oder Kontusion des Beckens und der
Glutealre
gion
eine maximale Behandlungsdauer von sechs Wochen zu entnehmen ist (Release 2010, Version 1.0, S. 117).
Dies leuchtet nicht ohne weiteres ein
,
denn vorliegend geht es
nicht um die Rekonvaleszenzzeit der Kontusion des Beckens und der
Glutealregion
für sich allein
,
sondern entscheidend ist, wann der Status
quo sine bezüglich der
anlässlich des Unfalls aktivierten
Diskushernie und der
Diskusprotrusion
eingetreten ist.
Zu
dieser
Rekonvaleszenzzeit enthält der genannte Reintegrationsleitfaden Unfall keine
eigenen
Angaben.
Folglich taugt dieser nicht, um
gestützt darauf
und in Abweichung von der Rechtsprechung
von einer Rekonvaleszenzzeit von maximal drei Monaten auszugehen.
Zu den Ausführungen des Kreisarztes betreffend die übliche Rekonvaleszenzzeit nach einer Operation eines Bandscheibenvorfalls (vgl.
Urk.
8/65 S. 5) ist anzu
merken, dass keine solche Operation stattgefunden hat und dem Beschwerdefüh
rer auch keine entsprechende Schadenminderungspflicht auferlegt wurde.
Ferner wurde erstmals in der Sprechstunde vom
2.
März 2018 von den Ärzten der Universitätsklinik
A._
erwähnt, dass bei Nichtansprechen der konservativen
Therapiemassnahmen eine operative Dekompression L4/5 linksseitig indiziert sei (Urk. 8/62 S. 2).
Nicht klar ersichtlich ist aus dem Bericht, ob die konservativen Therapiemassnahmen überhaupt bereits als ausgeschöpft erachtet wurden, zumal mögliche Therapieoptionen besprochen wurden (Urk. 8/62 S. 2).
Diese Begrün
dungen des Kreisarztes, die losgelöst vom konkreten Fall und damit theoretischer Natur sind, leuchten somit zum einen nicht einfach ein und werden dem konkre
ten Fall, mit einem unfallbedingt aktivierten, durchaus erheblichen Vorzustand
,
zum andern
zu wenig gerecht.
Folglich
bestehen hinreichende Zweifel an dieser rein verwaltungsinternen medizinischen Ansicht und es
erweist sich die Leis
tungseinstellung per Ende April 2018
als unklar und
nicht
überzeugend.
5.2
Eine abschliessende Festlegung der Dauer der Leistungspflicht lassen die
vorlie
g
enden,
medi
zinischen Akten nicht zu; namentlich ist nicht bekannt, wie lange eine Heilbe
handlung durchgeführt wurde und wie lange die Arbeitsunfähigkeit andauerte.
Behandlungen sind bis Ende November 2018 dokumentiert (Urk. 8/58 S. 7), als d
er letzte
auf einer Untersuch
ung des Beschwerdeführers beruhende
ärztliche Bericht
erstattet wurde
.
Eine Arbeitsunfähigkeit
wurde
bis im April 2018
attes
tiert (Urk. 8/44 S. 2)
, von einer zunächst erheblichen Besserung der Schmerz
haftigkeit wurde erst nach Austritt aus der Rehaklinik
H._
am 2
3.
Juni 2018 berichtet (
Urk.
8/55); hinsichtlich einer Arbeitsfähigkeit
danach finden sich keine Angaben.
Die Beschwerdegegnerin wird
, nachdem sie bisher nur verwaltungsinterne Mei
nungen beigezogen hat,
nach Beizug
einer externen fachärztlichen Abklärung
über
die Leistungspflicht ab Ende April 2018
– g
egebenen
falls nach Ergänzung der Ak
tenlage - zu entscheiden haben.
Die Beschwerde ist demzufolge
in dem Sinne
gutzuheissen,
dass
der angefochtene Einspracheent
scheid vom
1
8.
März 2019
aufzuheben und die Beschwerdegegne
rin
zu ver
pflichten
ist
,
nach ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen über die Leistungspflicht nach dem 3
0.
April 2018 zu befinden.
6
.
6
.1
Das Verfahren ist kostenlos
(
Art.
61 lit. a ATSG)
.
6
.2
Nach
Art.
61 lit. g ATSG
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht
;
GSVGer).
Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist die
dem Beschwerdeführer respektive dessen unentgeltliche
n
Rechtsvertrete
rin
,
Rechtsanwältin
Susanne von Aesch
, Zürich,
zustehende Prozessentschädi
gung ermessensweise auf Fr.
2’0
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdegegne
rin aufzuerlegen.