Decision ID: 05da1a22-bcfc-5d9f-99c8-93685ee8d60b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie, verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am
(...) 2013 und gelangte am 3. Juli 2013 in die Schweiz, wo er zwei Tage
später um Asyl nachsuchte. Am 11. Juli 2013 fand die Befragung zur Per-
son (BzP) und am 17. Februar 2015 die Anhörung statt. Dabei machte er
im Wesentlichen geltend, er sei im Februar 2008 der Mitgliedschaft der
LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) verdächtigt worden und habe des-
halb einen Tag im B._ Armeecamp (bei Jaffna) verbracht und sei
anschliessend einer Meldepflicht unterstellt worden. Nachdem seine Mut-
ter die sri-lankischen Behörden überzeugt habe, dass er keine LTTE-Ver-
bindungen habe, und diese ihm eine Reisegenehmigung ausgestellt hät-
ten, habe ihm ein Freund eine Arbeitsbewilligung in Katar besorgt. Von De-
zember 2008 bis Juni 2013 habe er in Katar gelebt und gearbeitet; in dieser
Zeit sei er mehrmals ohne Probleme nach Sri Lanka gereist; während eines
viermonatigen Aufenthalts in Sri Lanka (zwischen November 2012 und
März 2013) sei er vom sri-lankischen Geheimdienst rekrutiert worden.
Letztmals sei er anfangs Juni 2013 aus Katar nach Sri Lanka zurückge-
kehrt und habe das Land dann am (...) 2013 definitiv verlassen.
A.b Mit Verfügung vom 26. Juni 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers ab, verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
Die Vorbringen betreffend eine angebliche Rekrutierung durch den sri-
lankischen Geheimdienst und eine angebliche Mitarbeit bei der Armee wür-
digte das SEM angesichts krass widersprüchlicher, realitätsferner und völ-
lig unterschiedlicher Aussagen als unglaubhaft. Auch dass im Jahr 2008
angeblich eine mehrmonatige Meldepflicht verhängt worden sei, sei nicht
glaubhaft; angesichts der damaligen Festnahme für bloss einen Tag und
den späteren offiziell genehmigten Reisemöglichkeiten des Beschwerde-
führers sei anzunehmen, dass damals kein Verfolgungsinteresse der sri-
lankischen Behörden bestanden habe.
A.c Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer – auch damals
vertreten durch seinen heutigen Rechtsvertreter – Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht, welche mit Urteil E-4655/2015 vom 6. Oktober
2017 abgewiesen wurde.
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Das Gericht bestätigte die Erwägungen der Vorinstanz und hielt ebenfalls
fest, sowohl für das Jahr 2008 als auch für das Jahr 2013 sei nicht davon
auszugehen, dass die sri-lankischen Behörden dem Beschwerdeführer
Verbindungen zu den LTTE unterstellt hätten; das angebliche Engagement
für den Geheimdienst sei unglaubhaft. Es seien keine relevanten Risiko-
faktoren im Sinne der Rechtsprechung (Referenzurteil des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) festzustellen, und es sei nicht zu befürch-
ten, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfol-
gung zu befürchten habe.
B.
B.a Am 19. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter der Vorinstanz ein Mehrfachgesuch ein. Darin führte er im
Wesentlichen aus, unter dem massiven Druck des negativen Urteils des
Bundesverwaltungsgerichts habe er sein Coming-Out vollzogen. Er be-
finde sich in einem komplexen Prozess der Identitätsfindung, weshalb «von
einer Transgendersexualität auszugehen» (B1 S. 3) sei. Aufgrund dessen
sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit einer asylrelevanten Verfolgung
zu rechnen.
B.b Mit Verfügung vom 26. Februar 2018 verneinte das SEM die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Mehrfachgesuch ab
und verfügte die Wegweisung sowie deren Vollzug. Es begründete diesen
Entscheid dahingehend, dass die neuen Vorbringen den Anforderungen
der Glaubhaftigkeit nicht genügen würden. Die angebliche Transgender-
sexualität und die geltend gemachte Identitätsfindung seien zu bezweifeln,
nachdem die Vorbringen vage, oberflächlich und wenig substanziiert blie-
ben und im bisherigen Verlauf der Verfahren nie erwähnt worden seien.
B.c Eine gegen diese Verfügung durch den Rechtsvertreter erhobene Be-
schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht am 25. Juni 2018 mit Urteil
E-1998/2018 im vereinfachten Verfahren als offensichtlich unbegründet ab.
Das Gericht bestätigte die vorinstanzlichen Erwägungen und hielt wiede-
rum fest, es seien keine Risikofaktoren im Sinne der Rechtsprechung er-
sichtlich, die eine Furcht vor zukünftiger flüchtlingsrelevanter Verfolgung
begründen könnten.
C.
Unter dem Titel «neues Asylgesuch» machte der Beschwerdeführer am
5. September 2018 durch seinen Rechtsvertreter bisher verschwiegene
Asylgründe bei der Vorinstanz geltend. Er könne erst seit Kurzem bewusst
und offen zu seiner bis anhin unterdrückten Homosexualität stehen. Seit
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gut einem Jahr befinde er sich in einem hochkomplexen Coming-Out-
Prozess bezüglich seiner sexuellen Orientierung und geschlechtlichen
Identität. Diesbezüglich wurde ein handschriftlicher Bericht des Beschwer-
deführers (undatiert; gemäss Angaben im Gesuch datierend von August
2018) eingereicht (vgl. Beilage 1). Aus offensichtlichen Gründen könne ein
jahrelanges Verstecken und Tabuisieren nicht einfach von einem Tag auf
den anderen über Bord geworfen werden. Weil es auch heute noch – trotz
seines Coming-Out-Prozesses – viel Überwindung brauche, darüber spre-
chen zu können, sei es bis anhin nicht möglich gewesen, sich SEM-Mitar-
beitenden zu offenbaren. Dass im Rahmen des zweiten Asylgesuchs vom
19. Januar 2018 eine Transgendersexualität geltend gemacht worden sei,
beruhe darauf, dass der Beschwerdeführer damals, in seiner heiklen
Phase der persönlichen Identitätsfindung, diesen irreführenden Begriff auf-
geschnappt und verwendet habe; dies sei aber nicht so gemeint gewesen.
Während eines Gesprächs mit dem Rechtsvertreter habe er vorgebracht,
dass er sich im männlichen Körper nicht wohlfühle. Dies heisse aber nicht,
dass er sich mit seinen Geschlechtsorganen unwohl fühle, sondern dass
er homosexuell sei. Diese Verwirrung habe zu widersprüchlichen Angaben
bezüglich des hochkomplexen und psychisch belastenden Coming-Out-
Prozesses geführt.
Wie aus verschiedenen Berichten (des US Department of State, des UK
Home Office, von Human Rights Watch sowie von einer sri-lankischen
NGO namens Equal Ground; vgl. Beilagen 3-8) hervorgehe, würden
LGBTI-Menschen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transexual/Transgender, Inter-
sexual) in Sri Lanka kriminalisiert, wenn es auch in der Vergangenheit ge-
stützt auf die entsprechenden Strafbestimmungen keine Verurteilungen ge-
geben habe; ihre Situation sei von Diskriminierung und von Menschen-
rechtsverletzungen geprägt; es gebe Berichte über willkürliche Verhaftun-
gen, Erpressung und Gewalt. LGBTI-Personen würden ferner sozial und
kulturell diskriminiert und der Zugang zu staatlichem Schutz sei limitiert.
Mit dem Gesuch wurde ferner ein Länderbericht zu Sri Lanka mit Datum
vom 15. August 2018, verfasst vom Advokaturbüro des Rechtsvertreters,
eingereicht (inkl. Anhang) und mittels diverser Beilagen über die aktuelle
Situation in diesem Land informiert. Aufgrund dieser Entwicklungen seit
dem Urteil vom 25. Juni 2018 und dem neuen Vorbringen (drohende Ver-
folgung wegen Homosexualität) sei der Beschwerdeführer bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka asylrelevant gefährdet.
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Ausserdem lebe der Beschwerdeführer nunmehr seit fünf Jahren in der
Schweiz, einem "Hort des tamilischen Separatismus", weshalb die Gefahr
bestehe, dass er bei der Rückkehr nach Sri Lanka als Sympathisant des
tamilischen Separatismus wahrgenommen werde.
Schliesslich wurde beantragt, dass der Beschwerdeführer bei Zweifel an
seinen Vorbringen zu seiner neuen Asylbegründung anzuhören und dass
auf kantonale Vollzugshandlungen zu verzichten sei.
D.
Das SEM hielt in seiner Verfügung vom 13. September 2018 fest, der Be-
schwerdeführer habe mit dem Vorbringen, er habe erst nach dem Urteil
vom 25. Juni 2018 über seine Homosexualität sprechen können, und mit
der Einreichung des schriftlichen Berichts von August 2018 neue erhebli-
che Tatsachen und Beweismittel (Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG) geltend ge-
macht, welche nach einem materiellen Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts entstanden seien, weshalb es sich hierbei um ein qualifiziertes Wie-
dererwägungsgesuch handle. Die Vorinstanz wies dieses Gesuch jedoch
unter Kostenfolge ab und erklärte, die Verfügung vom 26. Februar 2018 sei
weiterhin rechtskräftig und vollstreckbar. Einer allfälligen Beschwerde
komme keine aufschiebende Wirkung zu. Der Antrag, es sei eine erneute
Anhörung durchzuführen, wurde ebenfalls abgewiesen.
Zur Begründung hielt das SEM fest, es würden keine Gründe zur Beseiti-
gung der Rechtskraft der Verfügung vom 26. Februar 2018 vorliegen, weil
das neue Vorbringen äusserst zweifelhaft sei. Zunächst sei die Glaubwür-
digkeit des Beschwerdeführers insgesamt infrage zu stellen, da er erneut
– notabene nach der Ablehnung seines Asylgesuchs im zweiten materiel-
len Urteil vom 25. Juni 2018 – vorbringe, er habe wesentliche Tatsachen
bis anhin absichtlich verschwiegen. Es dränge sich der Verdacht auf, dass
konstruierte Vorbringen nachgeschoben würden. Ferner könnten zwar Per-
sonen, welche sich in einem Coming-Out-Prozess befänden, unter Um-
ständen nicht auf Anhieb über ihre sexuellen Neigungen berichten. Im vor-
liegenden Fall vermöge diese Erklärung indes nicht zu überzeugen. Im
Rahmen des Mehrfachgesuchs vom 19. Januar 2018 habe er bereits über
seine damals vorgebrachte Transgendersexualität sprechen können, wes-
halb zu erwarten gewesen wäre, dass er zu jenem Zeitpunkt auch über
eine allenfalls bestehende Homosexualität hätte berichten können. Die Be-
gründung, er habe «den irreführenden Begriff der Transgendersexualität
aufgeschnappt», aber eigentlich etwas anderes damit gemeint, sei als
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gänzlich haltlos zu bezeichnen, denn der Begriff Homosexualität sei ver-
breiteter als der Begriff Transgender. Ferner sei seinem handschriftlichen
Bericht (vgl. Beilage 1) zu entnehmen, dass er schon in Jugendjahren erste
homosexuelle Erfahrungen gemacht habe, weshalb zweifelhaft erscheine,
dass er diesbezüglich die richtigen Wörter erst nach dem zweiten ableh-
nenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Juni 2018 gefun-
den habe. Überdies habe der Beschwerdeführer versucht, mit dem hand-
schriftlichen Bericht eine subjektive Perspektive des Vorbringens zu ver-
mitteln. Diesbezüglich sei jedoch darauf hinzuweisen, dass der darin vor-
gebrachte Umzug in die C._-Region im Widerspruch zu früheren
Aussagen stehe, somit sei auch das Vorbringen betreffend einen Jugend-
freund aus der C._-Region respektive seine erste homosexuelle Er-
fahrung mit diesem zu bezweifeln. Stattdessen verstärke er die Vermutung,
sein neues Vorbringen in eine vermeintlich selbst erlebte Geschichte ein-
betten zu wollen, um dadurch authentischer zu erscheinen. Überdies wür-
den die Schilderungen rund um diese erste homosexuelle Erfahrung ein
hohes Mass an Klischeehaftigkeit aufweisen. Die Umschreibung, wonach
er beim Anblick von hübschen Männern immer sexuelle Gefühle erfahre,
sei derart stereotyp, dass diese gänzlich untauglich sei, sein persönliches
Empfinden authentisch erscheinen zu lassen.
Zusammenfassend sei festzustellen, dass das Vorbringen im Zusammen-
hang mit der geltend gemachten Homosexualität den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit nicht standhalte, weshalb auf eine Prüfung der Asylrele-
vanz sowie auf eine vertiefte Prüfung der Zulässigkeit respektive Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs verzichtet werden könne. Die Einschät-
zungen des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Juni 2018 (Urteil E-
1998/2018) seien weiterhin als zutreffend zu erachten. Die eingereichten
Berichte hätten keinen Bezug zur Person des Beschwerdeführers, sondern
würden sich mit geschlechtsspezifischen Vorbringen im Allgemeinen be-
fassen; auf eine einlässliche Auseinandersetzung mit diesen Berichten
könne somit ebenfalls verzichtet werden.
E.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 21. September
2018 vorsorglich Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht; er stellte
die Nachreichung der ausführlichen Beschwerdebegründung innert noch
laufender Beschwerdefrist in Aussicht. Er beantragte, das Bundesverwal-
tungsgericht habe nach Eingang der Beschwerde unverzüglich darzule-
gen, welche Gerichtspersonen mit der Behandlung der vorliegenden Sa-
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che betraut würden, und bekanntzugeben, ob diese Gerichtspersonen zu-
fällig ausgewählt worden seien; andernfalls seien die objektiven Kriterien
der Auswahl bekanntzugeben. Die Verfügung vom 13. September 2018 sei
aufzuheben und die Sache zur Behandlung als Asylgesuch an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung wegen Verletzung
des rechtlichen Gehörs respektive der Begründungspflicht sowie aufgrund
einer unvollständigen und unrichtigen Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Eventualiter sei nach Aufhebung der Verfügung ein Vollzugshindernis
festzustellen. Im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei festzustellen,
dass der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zukomme beziehungs-
weise eventualiter sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen; der Vollzug
der Wegweisung sei zu sistieren und die kantonalen Behörden seien an-
zuweisen, von Vollzugshandlungen abzusehen.
F.
Am 24. September 2018 verfügte das Bundesverwaltungsgericht gestützt
auf Art. 56 VwVG per sofort die einstweilige Aussetzung des Wegwei-
sungsvollzugs.
G.
Am 22. Oktober 2018 wurde innerhalb der Beschwerdefrist eine Beschwer-
deergänzung beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Der Beschwer-
deführer erneuerte sein Rechtsbegehren betreffend die Bekanntgabe des
Spruchgremiums und dessen Auswahl. Ferner beantragte er, es sei fest-
zustellen, dass sich das Lagebild des SEM vom 16. August 2016 zu Sri
Lanka auf nichtexistierende und nicht bewiesene Quellen stütze, weshalb
die Verfügung vom 13. September 2018 aufzuheben und die Sache an die
Vorinstanz zurückzuweisen sei. Es sei die Verfügung wegen Verletzung
des rechtlichen Gehörs aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache
zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sach-
verhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Even-
tualiter sei die Verfügung aufzuheben und ein Vollzugshindernis festzustel-
len. Schliesslich erneuerte der Beschwerdeführer seine Rechtsbegehren
betreffend Feststellung respektive Erteilung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde und Aussetzung des Vollzugs.
Für den Fall, dass das Gericht die Sache nicht an die Vorinstanz zurück-
weise, sondern materiell behandle, wurden in der Beschwerde weitere Be-
weisanträge (vgl. Beschwerdeergänzung S. 25 f.) gestellt.
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Zur Stützung seiner Vorbringen legte der Rechtsvertreter der Rechtsmittel-
eingabe verschiedene Presseberichte und Länderinformationen zu Sri
Lanka – unter anderem einen Bericht vom 18. September 2016 zur aktuel-
len Lage in Sri Lanka (verfasst durch sein Advokaturbüro, inkl. Anhang) –
bei. Auf den Inhalt dieser Rechtsmitteleingabe wird, soweit entscheidwe-
sentlich, in den Erwägungen eingegangen.
H.
Mit Eingabe vom 2. November 2018 wurden Kopien von zwei Arztbriefen
(Briefe des Arztes an den Rechtsvertreter) des Oberarztes des Ambulato-
riums D._) vom 23. und 31. Oktober 2018 zu den Akten gereicht
(vgl. Beilagen 47 und 49). Auf diese Arztberichte wird, soweit entscheidwe-
sentlich, in den Erwägungen eingegangen.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 19. November 2018 wurde der Beschwerde-
führer aufgefordert, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.– zu
leisten. Dieser wurde der Gerichtskasse am 4. Dezember 2018 fristgerecht
überwiesen.
J.
Mit Eingabe vom 4. Dezember 2018 wies der Beschwerdeführer auf die
neuesten politischen Entwicklungen in Sri Lanka hin und reichte in diesem
Zusammenhang zahlreiche Unterlagen zur Lage in diesem Land ein (Ein-
gabe vom 4. Dezember 2018 S. 2-16; Beilagen 47-106; die Beilagen 47-
49 finden sich im vorliegenden Verfahren doppelt, Anmerkung des Ge-
richts). Er führte im Wesentlichen aus, dass sich unter der neuen Regie-
rung von Mahinda Rajapaksa die Bedrohungslage unter anderem für Re-
gimekritiker, Angehörige ethnischer Minderheiten und Sympathisanten des
tamilischen Separatismus verschärft habe. Auch für die tamilische Minder-
heit müsse eine neue Bedrohungslage festgestellt werden (Eingabe S. 17-
19, Beilagen 109-117). Zudem sei die Gefahr einer erhöhten Homophobie
zu befürchten (Eingabe S. 16 f.); diesbezüglich wird auf einen Bericht des
Colombo Telegraph und von Pink News vom 6. beziehungsweise 8. No-
vember 2018 (Beilagen 107 und 108) verwiesen.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Dezember 2018 wurde dem Beschwerde-
führer die Zusammensetzung des damaligen Spruchgremiums (dieses än-
derte später, vgl. Bst. O) bekannt gegeben. Gleichzeitig trat das Bundes-
verwaltungsgericht auf den Antrag um Mitteilung betreffend die Bildung des
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Spruchkörpers nicht ein und hielt fest, dass gestützt auf Art. 111b Abs. 3
AsylG (SR 142.31) der Vollzug der Wegweisung ausgesetzt bleibe und
dem Beschwerdeführer zu gestatten sei, das weitere Verfahren in der
Schweiz abzuwarten.
L.
Am 31. Dezember 2018 wurde dem Bundesverwaltungsgericht das vom
Beschwerdeführer unterschriebene Formular «Entbindung von der ärztli-
chen Schweigepflicht» zugestellt.
M.
Am 4. März 2019 ersuchte die damals zuständige Gerichtsschreiberin das
Ambulatorium D._), bei welchem der Beschwerdeführer in Behand-
lung war, per E-Mail um Informationen, ab welchem Zeitpunkt das Thema
Homosexualität in den Therapiesitzungen aufgekommen sei. Der zustän-
dige Oberarzt nahm dazu am gleichen Tag Stellung. Auf die Korrespondenz
wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
N.
Mit Eingabe vom 10. März 2020 wurde als Update zur Ländersituation in
Sri Lanka ein vom Rechtsvertreter verfasster Bericht zur aktuellen Lage
dieses Landes (Stand 23. Januar 2020, inkl. Anhang; Stand des Update
Ländersituation: 26. Februar 2020) zu den Akten gereicht. Die Verschlech-
terung der Situation erfordere zwingend eine vollständige materielle
Neuprüfung der Sache. Aufgrund seiner Homosexualität und seiner anhal-
tenden separatistischen Haltung, die er in den Augen der sri-lankischen
Behörden durch seinen langjährigen Aufenthalt in der Schweiz bekunde,
sei der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka von asylrele-
vanten Verfolgungsmassnahmen betroffen. Ferner sei aufgrund der Ent-
führung einer Angestellten der schweizerischen Botschaft in Colombo (im
November 2019) abzuklären, ob der Name des Beschwerdeführers auf
dem Mobiltelefon der Angestellten zu finden sei und welche Daten dieses
Mobiltelefons von den sri-lankischen Behörden abgegriffen worden seien.
O.
Mit Instruktionsverfügung vom 2. Oktober 2020 wurde dem Rechtsvertreter
die neue Zusammensetzung des Spruchgremiums bekannt gegeben.
Gleichzeitig wurde gestützt auf Art. 26 VwVG Einsicht in die elektronische
Korrespondenz vom 4. März 2019 (vgl. Bst. M) zwischen dem Gericht und
der Psychiatrie [D._] gewährt und eine Frist zur Einreichung einer
Stellungnahme angesetzt.
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P.
Mit Eingabe vom 19. Oktober 2020 wurde insbesondere nochmals auf die
Komplexität des Coming-Out-Prozesses des Beschwerdeführers hinge-
wiesen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – vorbehältlich der Erwägungen in der Instruktionsverfügung
vom 14. Dezember 2018 (vgl. oben Bst. K) – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Zunächst ist auf den Antrag, die Verfügung des SEM sei aufzuheben
und die Sache zur Behandlung als Asylgesuch an das SEM zurückzuwei-
sen, einzugehen.
3.2 Das SEM habe das Asylgesuch, so der Rechtsvertreter in seiner vor-
sorglichen Beschwerdeeingabe (a.a.O. S. 6), zu Unrecht als qualifiziertes
Wiedererwägungsgesuch entgegengenommen. Indem es das Profil des
Beschwerdeführers nicht in seiner Gesamtheit gewürdigt habe, habe es
bewusst eine Verletzung von Art. 3 EMRK in Kauf genommen, weshalb die
Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei.
3.3 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG), das Verfahren richtet sich nach den revisi-
onsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66-68 VwVG (aArt. 111b Abs. 1
AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blos-
sen Prozessentscheid abgeschlossen wurde, können auch Revisions-
gründe aufgrund eines nachträglich entstandenen Beweismittels einen An-
spruch auf Wiedererwägung begründen, dies im Rahmen eines sogenann-
ten qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs (vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4
m.w.H.). Nach dem Urteilszeitpunkt entstandene Beweismittel, welche
dazu geeignet sind, vorbestandene Tatsachen zu beweisen, können revi-
sionsrechtlich nicht geltend gemacht werden; sie können jedoch auf dem
Weg des Wiedererwägungsgesuchs bei der verfügenden Behörde einge-
reicht werden (vgl. BVGE 2013/22 E. 6 ff.).
3.4 Der Rechtsvertreter reichte am 5. September 2018 eine als «neues
Asylgesuch» betitelte Eingabe beim SEM ein, dies unter Beilage eines
handschriftlichen Schreibens des Beschwerdeführers, welches im August
2018 und somit nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
25. Juni 2018 verfasst worden sei; ferner wurden diverse Länderinformati-
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onen zu Sri Lanka eingereicht. Er führte aus, dass sich der Beschwerde-
führer in einem Coming-Out-Prozess befinde, weil er erst seit Kurzem be-
wusst und offen zu seiner homosexuellen Orientierung stehen könne.
Die Vorinstanz ging zu Recht davon aus, dass der Beschwerdeführer nicht
neue flüchtlingsrechtlich relevante Vorbringen im Sinne eines neuen Asyl-
gesuches gemäss Art. 111c AsylG geltend mache, sondern vielmehr vor-
bestandene, aber bisher nicht geltend gemachte Vorbringen (im Sinne ei-
nes Revisions- oder qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs) vortrage; es
werde angeführt, die bisherigen Verfügungen des SEM respektive die Ur-
teile des Gerichts vom 6. Oktober 2017 und 25. Juni 2018 seien ursprüng-
lich fehlerhaft, was durch Vorlage namentlich des handschriftlichen Schrei-
bens des Beschwerdeführers, das nach dem letzten Urteil vom 25. Juni
2018 entstanden sei, untermauert werden könne. Nachdem ein erst nach-
träglich entstandenes Beweismittel nicht die Revision eines Urteils des Ge-
richts begründen kann (vgl. BVGE 2013/22), hat das SEM das Gesuch pra-
xiskonform als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch entgegengenom-
men. Diese Qualifikation der Eingabe vom 5. September 2018 ist nicht zu
beanstanden und die Rüge, die Eingabe sei zu Unrecht nicht als neues
Asylgesuch (Mehrfachgesuch) an Hand genommen worden, ist unbegrün-
det.
Im Übrigen geht auch der Vorwurf fehl, das SEM habe bewusst eine Ver-
letzung von Art. 3 EMRK in Kauf genommen. Völkerrechtliche Vollzugshin-
dernisse sind auch im Revisions- oder qualifizierten Wiedererwägungsver-
fahren beachtlich. Der Beschwerdeführer verweist auf das Urteil BVGer
D-4401/2013 vom 27. März 2014 E. 3.1; dieses entspricht ständiger Praxis
(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 1995 Nr. 9, EMARK 1998 Nr. 3, BVGE 2013/22
E. 5.4). Festzuhalten bleibt, dass die Feststellung einer drohenden Völker-
rechtsverletzung den schlüssigen Nachweis einer beachtlichen Wahr-
scheinlichkeit einer aktuellen und ernsthaften Gefahr bedingt, was vorlie-
gend – weil die Vorbringen vom SEM als unglaubhaft qualifiziert wurden –
nicht erfüllt ist.
3.5 Das SEM hat demnach die Eingabe vom 5. September 2018 zu Recht
als Wiedererwägungsgesuch behandelt. Prozessgegenstand des vorlie-
genden Beschwerdeverfahrens ist demnach die Frage, ob das SEM das
Wiedererwägungsgesuch zu Recht abgewiesen hat.
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Seite 13
4.
4.1 In der Beschwerde wurden diverse formelle Rügen erhoben, welche
vorab zu beurteilen sind, da sie – sofern begründet – allenfalls geeignet
wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
Der Beschwerdeführer rügte insbesondere eine Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör sowie der Begründungspflicht und eine unvollstän-
dige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts.
Die in der vorsorglichen Beschwerdeschrift erhobene Rüge, die Vorinstanz
habe ihre Begründungspflicht verletzt, wurde jedoch auch später in der Be-
schwerdeergänzung nicht begründet, weshalb auf diese Rüge nicht weiter
einzugehen ist. Dass die angefochtene Verfügung nicht rechtsgenüglich
begründet wäre, ist nicht ersichtlich.
4.2 Weiter beantragt der Beschwerdeführer, es sei die Fehlerhaftigkeit des
Lagebilds des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka festzustellen; die-
ses stütze sich auf nichtexistierende oder nicht offengelegte Quellen, sei in
zentralen Teilen manipuliert und stelle eine absolut mangelhafte Sachver-
haltsgrundlage dar (Beschwerdeergänzung vom 22. Oktober 2018 S. 4 ff.).
Das Gericht hat sich mit diesen Rügen, die der Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers in anderen Verfahren bereits standardmässig wiederholt
vorgetragen hat – im Übrigen auch vorliegend bereits im Rahmen des zwei-
ten Beschwerdeverfahrens gegen die Abweisung des Mehrfachgesuchs
vom 19. Januar 2018 (vgl. Urteil E-1998/2018 vom 25. Juni 2018 E. 8.2.2.1
und 8.2.2.2) – schon wiederholt befasst (vgl. statt vieler zuletzt Entscheide
D-1529/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 4.4.2, E-5733/2018 vom 15. De-
zember 2020 E. 5.5, D-7345/2017 vom 14. Dezember 2020 E. 4.3). Auf die
dortigen Erwägungen kann verwiesen werden; der entsprechende Antrag
ist abzuweisen.
4.3 Das rechtliche Gehör, welches in Art. 29 Abs. 2 BV verankert und in
den Art. 29 ff. VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert wird, dient
einerseits der Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt es ein per-
sönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Gemäss Art. 30
Abs. 1 VwVG hört die Behörde die Parteien an, bevor sie verfügt (vgl.
BVGE 2011/37 E. 5.4.1).
4.3.1 Die Verletzung des rechtlichen Gehörs wurde dahingehend begrün-
det, dass bei Mehrfachgesuchen zwar in der Tat grundsätzlich keine Anhö-
rung durchgeführt werde. Weil nun aber der Beschwerdeführer mit seinem
E-5415/2018
Seite 14
Gesuch ein komplexes Thema vorgebracht habe, wäre er zwingend anzu-
hören gewesen, da nur so seine Aussagen auf ihre Glaubhaftigkeit über-
prüft werden könnten, zumal es sich bei seinen Vorbringen um eine funda-
mentale persönliche Entwicklung handle (Beschwerdeergänzung vom
22. Oktober 2018 S. 9 f.).
4.3.2 Zunächst ist festzuhalten, dass es sich vorliegend nicht um ein Mehr-
fachgesuch im Sinne von Art. 111c AsylG handelt (vgl. E. 3). Ganz allge-
mein bleibt aber anzumerken, dass der Gesetzgeber zwar für das erste
Asylverfahren eine mündliche Anhörung vorgeschrieben hat (Art. 29
AsylG), nicht hingegen für die ausserordentlichen Nachfolgeverfahren
(Art. 111b und Art. 111c AsylG). In der Regel soll ein entsprechendes Ge-
such so abgefasst sein, dass das SEM in der Lage ist, über das Gesuch
ohne eine Anhörung der betroffenen Person zu entscheiden (vgl. für Mehr-
fachgesuche BVGE 2014/39 E. 5.5). Der anwaltlich vertretene Beschwer-
deführer hat in seinem 21 Seiten umfassenden Gesuch vom 5. September
2018 (exkl. Beilagenverzeichnis) sowie mit Einreichung seines achtseitigen
handschriftlichen Schreibens dementsprechend seine Vorbringen ausführ-
lich dargelegt und Beweismittel eingereicht, weshalb eine mündliche Anhö-
rung angesichts dieser Umstände nicht erforderlich ist. Beim Rechtsvertre-
ter des Beschwerdeführers handelt es sich zudem um einen Rechtsanwalt
mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet des Asylrechts. Die Rüge er-
weist sich als unbegründet.
4.4 Weiter machte der Beschwerdeführer eine unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend (Beschwer-
deergänzung vom 22. Oktober 2018 S. 10 ff.). Dies bildet einen Beschwer-
degrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfest-
stellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt
zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvoll-
ständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sa-
chumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013,
Rz. 1043).
4.4.1 Unvollständig sei die Sachverhaltsfeststellung im vorliegenden Fall,
weil das SEM die Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Homosexualität feh-
lerhaft beurteilt habe. Das SEM argumentiere diesbezüglich, dass Homo-
sexualität ein klar geläufigerer Begriff als Transgendersexualität sei. Je-
doch sei darauf hinzuweisen, dass der Begriff Transgendersexualität irre-
führend sei, weil darin sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität
E-5415/2018
Seite 15
vermischt würden, obwohl es sich dabei um zwei verschiedene Dinge
handle. Damit zeige sich, dass der Beschwerdeführer Schwierigkeiten ge-
habt habe, sich im Verlauf seines Coming-Out-Prozesses zu verorten. Vor-
liegend identifiziere sich der Beschwerdeführer vornehmlich als Mann und
sei somit klar nicht transgender; seine sexuelle Orientierung, welche unab-
hängig von der geschlechtlichen Identität definiert sei, sei indes homose-
xuell. Ferner limitiere sich die angefochtene Verfügung darauf, vermeintli-
che Hinweise auf Unglaubhaftigkeit im persönlichen Bericht des Beschwer-
deführers zu identifizieren, was jedoch keine sorgfältige Abklärung sei. Es
wäre angebracht gewesen, die psychischen Folgen der Unmöglichkeit,
sich zur eigenen Sexualität zu bekennen, durch eine Fachperson, wie bei-
spielsweise einen Psychiater, abklären zu lassen.
Des Weiteren sei der Sachverhalt betreffend die Bedrohungsgefahr für
eine homosexuelle Person in Sri Lanka nur unvollständig abgeklärt wor-
den. Angesichts der weit verbreiteten Diskriminierung von Homosexuellen
in Sri Lanka sei es naheliegend, dass der Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen habe.
Schliesslich habe die Vorinstanz die aktuelle Situation in Sri Lanka unvoll-
ständig und nicht korrekt abgeklärt und das von ihr erstellte Lagebild vom
16. August 2016 genüge den Anforderungen an korrekt erhobene Länder-
informationen nicht. Die Sachverhaltsabklärungen betreffend die allge-
meine Verbesserung der Menschenrechtslage in Sri Lanka durch die Vor-
instanz seien ebenfalls falsch. Der Rechtsvertreter reichte einen von ihm
verfassten Länderbericht zu Sri Lanka ein.
4.4.2 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der materiellen Würdigung
der Sache vermengt. Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung
alle wesentlichen Sachverhaltselemente fest und würdigte die Ausführun-
gen des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der Lage. Alleine der
Umstand, dass die Vorinstanz zum einen in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka
einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer vertreten, und sie zum
anderen aus sachlichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung der
Vorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer verlangt, spricht nicht für
eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung, sondern stellt eine inhaltliche
Kritik an der materiellen Würdigung der Vorinstanz dar.
4.4.3 Im Einzelnen gilt es überdies festzuhalten, dass das SEM das Vor-
bringen der Homosexualität gewürdigt und als unglaubhaft qualifiziert hat.
E-5415/2018
Seite 16
Darauffolgend hat es festgestellt, es würden keine Gründe vorliegen, die
Verfügung vom 26. Februar 2018 in Wiedererwägung zu ziehen. Weitere
Überprüfungen waren bei dieser Einschätzung nicht nötig.
Ferner ist der Beschwerdeführer seit Juli 2015 in einer psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung (vgl. Brief Dr. E._ vom 23. Ok-
tober 2018, Beilage 47), weshalb es ihm zumutbar gewesen wäre, im Laufe
der Zeit und gestützt auf seine Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG im
Beschwerdeverfahren ein weiteres (aktuelles) medizinisches Gutachten
bezüglich die psychischen Folgen der vorgebrachten Unterdrückung seiner
Homosexualität einzureichen, zumal aufgrund der langjährigen Therapie
davon auszugehen ist, dass er mit den zuständigen Ärzten der Psychiatrie
[D._] ein Vertrauensverhältnis hat, was bei einer von Amtes wegen
organsierten Fachperson erst noch aufgebaut werden müsste. Die Unter-
suchungs- und Abklärungspflicht der Behörde korreliert im Asylverfahren
mit der Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers beziehungsweise Beschwer-
deführers. Es bleibt festzuhalten, dass der rechtserhebliche Sachverhalt
vom SEM richtig und vollständig festgestellt wurde.
4.5 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün-
det, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Grün-
den aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezügli-
chen Rechtsbegehren sind somit abzuweisen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer stellte für den Fall einer materiellen Beurteilung
seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweis-
anträge (Beschwerdeergänzung vom 22. Oktober 2018 S. 25 f.):
5.1.1 Sein psychischer Gesundheitszustand infolge der jahrelangen Ver-
neinung seiner Homosexualität sei von Amtes wegen abzuklären. Diesbe-
züglich ist auf das bereits Gesagte (vgl. E. 4.4.3) hinzuweisen. Dem Be-
schwerdeführer hätte bis heute genügend Zeit zur Verfügung gestanden,
im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG entsprechende
ärztliche Berichte einzureichen, zumal er im Lauf des Beschwerdeverfah-
rens wiederholt weitere Eingaben und Beweisunterlagen zu den Akten ge-
reicht hat (vgl. oben Bst. H, J, N und P). Der diesbezügliche Antrag ist folg-
lich abzuweisen.
E-5415/2018
Seite 17
5.1.2 Der Beschwerdeführer sei vom SEM erneut betreffend seine Homo-
sexualität und seinen komplexen Coming-Out-Prozess anzuhören. Wie be-
reits erwähnt, wurde der Sachverhalt rechtsgenüglich erstellt, weshalb der
Antrag auf erneute Anhörung abzuweisen ist.
5.2 In der Eingabe vom 10. März 2020 wurde schliesslich der Antrag ge-
stellt, es sei abzuklären, ob der Name des Beschwerdeführers auf dem
Mobiltelefon der (im November 2019) entführten schweizerischen Bot-
schaftsangestellten zu finden sei.
Dieser Antrag ist abzuweisen, zumal eine Verbindung des Beschwerdefüh-
rers zu dieser Botschaftsmitarbeiterin nicht substanziiert dargelegt wird
und sich entsprechendes auch nicht aus den Akten ergibt (vgl. diesbezüg-
lich z.B. Urteile BVGer D-6941/2019 vom 9. November 2020 E. 6,
D-6759/2017 vom 24. September 2020 E. 6.3, D-2130/2017 vom 14. Ok-
tober 2020 E. 6.2 und D-5377/2019 vom 14. April 2020 E. 4.5).
6.
6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er müsse in Sri Lanka in begrün-
deter Weise eine flüchtlingsrelevante Verfolgung befürchten; die Vor-
instanz habe sein Wiedererwägungsgesuch zu Unrecht abgewiesen. Er sei
aufgrund seiner Homosexualität bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefähr-
det. Einerseits würden LGBTI-Personen in Sri Lanka durch gesetzliche
Bestimmungen (gestützt auf das sri-lankische Strafgesetzbuch) kriminali-
siert und es drohten willkürliche Verfolgungsmassnahmen durch die Behör-
den. Anderseits laste ein enormer familiärer Druck auf ihm. Obschon sein
Vater bei ihm eine Homosexualität vermute, sei es nur eine Frage der Zeit,
bis er sich würde verheiraten müssen. Schliesslich sei darauf hinzuweisen,
dass er sich schon jahrelang in der Schweiz, einem "Hort des tamilischen
Separatismus", aufhalte, weshalb eine Verdächtigung als Sympathisant
des tamilischen Separatismus und damit Verhaftung und Misshandlungen
bei einer Rückkehr wahrscheinlich seien.
6.2 Gemäss aArt. 111b Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 2 Bst. a
VwVG hat die Partei bei einem qualifizierten Wiedererwägungsgesuch
neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel beizubringen. Analog zur
Revision wird dabei vorausgesetzt, dass die entsprechenden Beweismittel
auch bei zumutbarer Sorgfalt nicht im Rahmen des ordentlichen Verfahrens
hätten eingereicht werden können. Die Erheblichkeit ist zu bejahen, wenn
die neu angerufenen Tatsachen und Beweismittel geeignet sind, die beur-
teilten Asylvorbringen in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.
E-5415/2018
Seite 18
6.3 Vorab ist festzuhalten, dass die bisherigen Vorbringen des Beschwer-
deführers im Verlaufe seiner bisherigen Asylverfahren allesamt nicht glaub-
haft geworden sind.
Im ordentlichen Asylverfahren hatte der Beschwerdeführer eine angebliche
mehrmonatige Meldepflicht im Jahr 2008 sowie eine angebliche Rekrutie-
rung durch den sri-lankischen Geheimdienst und Zusammenarbeit mit der
sri lankischen Armee geltend gemacht; diese Vorbringen sind nicht glaub-
haft geworden (vgl. oben Bst. A).
Ferner wurde im ersten Beschwerdeverfahren ein Arztbericht der Psychi-
atrie (...), vom 29. Juli 2015 eingereicht, aus dem hervorgeht, dass der
Beschwerdeführer damals den Ärzten gegenüber vortrug, er sei in Sri
Lanka im Krieg gewesen und dort sei etwas Schlimmes passiert, und er sei
ausserdem im Jahr 2008 neun Monate in Gefangenschaft gewesen und in
dieser Zeit auch auf den Kopf geschlagen worden (vgl. den erwähnten Arzt-
bericht sowie Urteil E-4655/2015 vom 6. Oktober 2017 Bst. H.c und E.
4.3.1).
Mit einem erneuten Asylgesuch (Mehrfachgesuch) wurde sodann geltend
gemacht, der Beschwerdeführer müsse wegen Transgendersexualität im
Heimatland Verfolgung befürchten. Auch dieses Vorbringen wurde nicht
glaubhaft gemacht (vgl. oben Bst. B).
6.4 Im vorliegenden Wiedererwägungsverfahren führte der Beschwerde-
führer schliesslich aus, er befürchte Verfolgung wegen seiner Homosexu-
alität. Er habe bereits im Alter von 12 Jahren erstmals mit einem gleichalt-
rigen Freund eine homosexuelle Beziehung geführt; diese Beziehung sei
während zwei Jahren intensiv gewesen, bis der Beschwerdeführer mit sei-
ner Familie von jenem Ort wieder weggezogen sei; die Beziehung habe
aber auch nachher angedauert, bis sein damaliger Freund, im Alter von 20
Jahren, eine Frau geheiratet und die bisherige Beziehung beendet habe
(vgl. handschriftliches Schreiben des Beschwerdeführers, Beilage 1 zum
Wiedererwägungsgesuch).
6.5 Nach Überprüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht
zum Schluss, dass das SEM die geltend gemachten neuen Tatsachen zu
Recht als nicht glaubhaft gemacht im Sinne von Art. 7 AsylG gewürdigt und
das Vorliegen von Wiedererwägungsgründen zu Recht verneint hat.
E-5415/2018
Seite 19
6.5.1 Das handschriftliche Schreiben des Beschwerdeführers (vgl. Bei-
lage 1 zum Wiedererwägungsgesuch) widerspricht in der Tat früheren An-
gaben. So sagte er an der Anhörung vom 17. Februar 2015 aus, dass er
von 1987 bis zum 12. Dezember 2008 in (...) (F._-Region) gewohnt
habe, bevor er nach Katar ausgewandert sei (A16 F15 und 19). Im Brief
führte er hingegen aus, er sei mit zwölf Jahren (d.h. ungefähr im Jahr [...]),
als sein Vater schon in der Schweiz gewesen sei, aufgrund der Kriegswir-
ren mit seiner Mutter in die C._-Region umgesiedelt. Nach zwei
Jahren, beziehungsweise im Jahr 2003, seien sie in ihr Heimatdorf zurück-
gekehrt (Schreiben S. 1 und 3).
6.5.2 Sodann beschreibt er in diesem Brief seine erste homosexuelle Er-
fahrung, welche er schon vor rund zwanzig Jahren erlebt habe. Seine
Schilderung, wie sein Freund sich später mit zwanzig Jahren verheiratet
habe und vom Beschwerdeführer nichts mehr habe wissen wollen, um-
schreibt auf oberflächliche Weise ein äusserliches Rollenverhalten, lässt
jedoch persönliche Gedanken und Emotionen in Bezug auf die neu erfah-
rene Sexualität mit einem Mann missen. Ferner führt der Beschwerdefüh-
rer im Schreiben aus, dass er schon damals relativ klar realisiert habe,
dass er homosexuell sei (vgl. «Only then I realized that I am a homosexual.
From that moment I started to feel ashamed of myself», S. 4). Ausserdem
habe er schon in Sri Lanka an Selbstmord gedacht, doch glücklicherweise
habe er diese Gedanken bis anhin kontrollieren können, auch wenn er un-
ter Depressionen leide (S. 4 f.). Er habe selber gesehen, wie Homosexu-
elle in Sri Lanka aufgrund des gesellschaftlichen Drucks leiden würden
(S. 5). Diese Aussagen reflektieren keine angebliche Identitätsfindung,
sondern beinhalten, dass der Beschwerdeführer offenbar schon im dama-
ligen frühen Zeitpunkt von einer Homosexualität ausging. Daher vermögen
auch die Erklärungen im Wiedererwägungsverfahren, der Beschwerdefüh-
rer befinde sich in einem schwierigen und wirren Prozess zur Findung sei-
ner Identität beziehungsweise sexuellen Orientierung – welche die frühere
irrtümliche Geltendmachung einer Transgendersexualität erklären sollen –
nicht zu überzeugen.
6.5.3 Wie das SEM zutreffend festgestellt hat, zeigen ferner die Aussagen
des Beschwerdeführers über seine Homosexualität in seinem Brief auf,
dass er dieses Vorbringen auch schon im früheren Verlauf des Asylverfah-
rens hätte vorbringen können. Dass er sich erst heute darüber äussern
könne, überzeugt kaum. Es wäre ihm auch nach Einschätzung des Ge-
richts zumutbar gewesen, seine Homosexualität schon früher vorzutragen.
Das Vorbringen muss daher als nachgeschoben gewürdigt werden.
E-5415/2018
Seite 20
6.5.4 Ferner sind gewisse Aussagen des Briefes, welche vom Rechtsver-
treter als Realkennzeichen bezeichnet wurden (wie beispielsweise selbst-
stigmatisierende Vorurteile gegenüber Homosexuellen; vgl. Beschwerde-
ergänzung vom 22. Oktober 2018 S. 26 f.), als stereotyp und nicht als ei-
gene Gedanken des Beschwerdeführers zu qualifizieren. Das Gericht
schliesst sich diesbezüglich der Einschätzung des SEM in der angefochte-
nen Verfügung an.
6.5.5 Schliesslich sind auch die vorliegenden Arztschreiben nicht geeignet,
um die neuen Vorbringen betreffend Homosexualität glaubhaft zu machen.
Wie bereits erwähnt (vgl. oben E. 6.3), hatte der Beschwerdeführer im ers-
ten Beschwerdeverfahren einen ärztlichen Abklärungsbericht vom 29. Juli
2015 eingereicht, in welchem festgehalten wurde, er sei dem Ambulatorium
(...) aufgrund von geäusserten Suizidgedanken nach Gewalterfahrung – er
habe neun Monate in einem Gefängnis verbracht – zugewiesen worden.
Es wurde ein Verdacht auf mittel- bis schwergradige depressive Episode
bei vermutlich aufflammender Symptomatik einer posttraumatischen Be-
lastungsstörung nach negativem Asylentscheid diagnostiziert.
Mit Eingabe vom 2. November 2018 reichte der Beschwerdeführer im vor-
liegenden Beschwerdeverfahren zwei Briefe seines heutigen behandeln-
den Arztes Dr. E._, vom 23. Oktober 2018 und 31. Oktober 2018
ein; das Gericht ersuchte Dr. E._ sodann um eine Präzisierung sei-
ner Angaben (vgl. oben Bst. H und M). In seinem Brief vom 23. Oktober
2018 diagnostizierte der Arzt eine posttraumatische Belastungsstörung
und eine rezidivierende depressive Störung (derzeitig mittelgradige Epi-
sode) und hielt fest, die psychische Erkrankung sei durch traumatische Er-
lebnisse – Misshandlungen durch die sri-lankischen Armee während län-
gerer Zeit – ausgelöst worden; der Beschwerdeführer sei seit Juli 2015 in
ambulanter Behandlung und werde auch psychopharmakologisch behan-
delt; von psychischen Probleme im Zusammenhang mit einer Homosexu-
alität war nicht die Rede (vgl. Eingabe vom 2. November 2018, Beilage 47).
Nach entsprechender ausführlicher Nachfrage durch den Rechtsvertreter
(vgl. Eingabe vom 2. November 2018, Beilage 48) hielt der Arzt in seinem
Brief vom 31. Oktober 2018 dann fest, in der Tat habe der Beschwerdefüh-
rer anlässlich der Therapiesitzungen schon mehrmals auch über seine Ho-
mosexualität, über die Schwierigkeiten im Outing-Prozess und seine
Schamgefühle gesprochen (vgl. Eingabe vom 2. November 2018, Beilage
49). Dem Gericht gegenüber präzisiert Dr. E._, konkret habe der
E-5415/2018
Seite 21
Beschwerdeführer im Januar 2017 angefangen, über ein «diffuses Prob-
lem» zu sprechen und habe im August 2018 erstmals von Homosexualität
gesprochen (vgl. E-Mail-Verkehr vom 4. März 2019). Aktuellere ärztliche
Berichte wurden nicht eingereicht.
Wie bereits festgestellt wurde, bezweifelt das Gericht die Behauptung, der
Beschwerdeführer habe sich erst seit Kurzem mit seiner Homosexualität
auseinandergesetzt (vgl. oben E. 6.5.2 und 6.5.3). Diese Zweifel werden
durch die eingereichten ärztlichen Briefe nicht entkräftet, zumal festzuhal-
ten ist, dass der Beschwerdeführer seinen Ärzten gegenüber schon früher
offenbar von Erlebnissen berichtet hat, die als unglaubhaft eingeschätzt
werden müssen (vgl. oben E. 6.3). Im Übrigen gilt es daran zu erinnern,
dass Beweismittel und ihre Beweiskraft immer im Kontext der konkreten
Vorbringen zu würdigen sind. Vorliegend müssen die gegen die Glaubhaf-
tigkeit des neuen Vorbringens sprechenden Argumente als ausschlagge-
bend gewürdigt werden; die Arztbriefe sind nicht geeignet, eine drohende
flüchtlingsrechtliche Verfolgung des Beschwerdeführers glaubhaft aufzu-
zeigen.
6.6 Das SEM hat nach dem Gesagten die neuen, mit der geltend gemach-
ten Homosexualität in Verbindung stehenden Vorbringen des Beschwerde-
führers zu Recht als nicht glaubhaft gemacht eingeschätzt, demnach auch
zu Recht auf eine Prüfung der Asylrelevanz verzichtet und diesbezüglich
keinen Grund zur Wiedererwägung der früheren rechtskräftig gewordenen
Verfügung festgestellt.
6.7 Der Vollständigkeit halber ist sodann festzuhalten, dass sowohl im ers-
ten wie auch im zweiten Asylverfahren einlässlich begründet worden ist,
dass der Beschwerdeführer keine Risikofaktoren im Sinne der Rechtspre-
chung aufweise, die zur Bejahung einer begründeten Furcht vor zukünfti-
ger Verfolgung führen müssten (vgl. oben Bst. A und B). In diesem Zusam-
menhang hat der Beschwerdeführer im Wiedererwägungsverfahren nichts
aufgezeigt, das zu einer anderen Würdigung und zu einer Wiedererwägung
der früheren Entscheide führen müsste. Dasselbe gilt für die Prüfung der
Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs, die
in den beiden früheren Verfahren ebenfalls einlässlich vorgenommen wor-
den ist; auch diesbezüglich wurde nichts vorgebracht, das zu einer ande-
ren Würdigung der Situation des Beschwerdeführers führen könnte.
E-5415/2018
Seite 22
6.8 Zusammenfassend ist festzustellen, dass im qualifizierten Wiedererwä-
gungsgesuch vom 5. September 2018 keine Umstände glaubhaft darge-
legt wurden, die in Bezug auf die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft
und die Asylgewährung sowie bezüglich der Vollzugshindernisse zu einer
Wiedererwägung der Verfügung vom 26. Februar 2018 führen müssten.
7.
Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
Mit vorliegendem Urteil fällt die Aussetzung des Wegweisungsvollzugs da-
hin.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss angesichts der
ausserordentlich umfangreichen Beschwerdeeingaben und der Einrei-
chung zahlreicher Beweismittel ohne einen direkten Bezug zum Beschwer-
deführer auf insgesamt Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der bereits geleistete Kos-
tenvorschuss von Fr. 1'500.– wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten
verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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