Decision ID: 063fe4eb-58b5-4d95-911c-207cf4c68e30
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, war
vom
1.
Januar 2015
bis zum 3
0.
August 2016
als
Taxifahrer bei der
Y._
GmbH
angestellt (
Urk.
1 S.
3
und 4
; vgl. Urk.
2/3
und 2/8 S. 4
). Im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses war er bei der
Basler Ver
si
cherung
AG du
rch Kollektivvertrag gegen Lohn
ausfall bei Krankheit versichert (Police-Nummer
80/9.887.568-1
; vgl.
Urk.
8/8-11
). Mit dem letztge
nannten Ver
trag war ein Taggeld nach Ablauf einer Wartefrist von
7
Tagen je Ver
siche
rungs
fa
ll in der Höhe von 80
%
des
AHV-pflichtigen
Lohnes während einer Leistungs
dauer von
maximal
73
0 Tagen vereinbart worden (
Urk.
8/
10 und 8/
14
).
1.2
Dr.
med.
Z._
attestierte dem Versicherten m
it ärztlichem Zeugnis vom 28.
Januar 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähi
gkeit vom 2
7.
Januar bis zum 1.
Feb
ruar 2016 wegen Krankheit (
Urk.
1 S. 3; vgl.
Urk.
2/4).
In einem Bericht vom 2
1.
April 2016 hielt
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
fest, der Versicherte sei seit dem 22.
Februar 2016
in ihrer Behandlung. Er habe angegeben, an innerer Unruhe, Angespanntheit, Herzrasen, einem Druck im Brustbereich, Erstickungsgefühlen, Todesangst und Schlaflosigkeit zu leiden. Sie
habe eine Panikstörung (ICD-10: F41.0) sowie eine posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10: F43.1
) diagnosti
ziert.
Aktuell weise
der Versicherte
eine Angst
-
und Panik-Symptomatik sowie eine depressive Symptomatik
in Form von Verzweiflung, Misstrauen, Ange
spannt
heit, Stimmungsinstabilität, verminderter Aufmerksamkeit und Konzen
tr
a
tion sowie Schlaflosigkeit auf.
Es bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit
(Urk.
1 S. 3; vgl.
Urk.
2/6 S. 2-3
=
8/28-29
).
A
m 2
0.
Mai 2016
vertrat
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Orthopädie und bera
tende
r
Arzt der Basler Versicherung AG
, die Auffassung, der Versicherte sei trotz seiner Lendenwirbelsäulen- und Hüftprobleme in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Bezüglich der Hand habe der Versicherte zwei Monate nach dem operativen Eingriff vom
3.
Februar 2016 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht
(
Urk.
1 S. 4; vgl.
Urk.
2/7
).
Die Basler Versicherung AG gab am 2
2.
Juni 2016 bei
Dr.
med.
C._
, Facharzt
FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches er am
1
6.
August 2016
erstattete
(
Urk.
1 S. 4
und 7 S. 5
; vgl.
Urk.
2/8 =
8/30-39).
Darin wurden eine Anpassungsstörung mit längerer depres
siver Reaktion (ICD-10: F43.21) und eine generalisierte Angststörung (ICD
10: F41.1) als Diagnosen mit
Auswirkung aufgeführt (
Urk.
2/8 S. 6). Seit dem 27.
Januar 2016
bestehe
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
2/8 S. 7
).
1.3
Die Basler Versicherung
AG erbrachte
vom
3.
bis zum 1
2.
Februar und vom 22.
Februar
bis zum 3
1.
August 2016
Taggeldleistungen
,
anschliessend
stellte sie
ihre Zahlungen ein
(
Urk.
1 S.
2
;
vgl.
Urk.
2/5,
2/9
und 2/11
).
Am
6.
Oktober 2016 bestätigte
Dr.
A._
, der Versicherte sei weiterhin vollständig arbeitsunfähig (
Urk.
1 S. 4; vgl.
Urk.
2/10).
Mit Schreiben vom 27.
Oktober 2016
liess der Versi
cherte bei
der Basler Versicherung
AG die Weiterausrichtung der Taggeldzahlun
gen
geltend machen (
Urk.
1 S. 4
; vgl. Urk.
2/9
). Diese lehnte darauf
mit Schreiben vom 15.
November 2016
die Ausrichtung der geforderten Leistungen
ab, da
die Arbeitsunfähigkeit ab dem
1.
September 2016 mit einem psychischen Krankheits
bild begründet werde und
der Versicherte
diesbezüglich
eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung begangen habe
(Urk.
1 S. 5; vgl.
Urk.
2/11
).
Dazu
nahm
der Rechtsvertreter des Versichertes
am 2
4.
Januar 2017 schriftlich
Stellung (
Urk.
2/15) und sandte
mit
E-Mail
vom 1
0.
Februar 2017
(Urk.
2/17
)
ein Schrei
ben von
Dr.
med.
D._
, Facharzt
FMH
für Psychiatrie und Psychothera
pie, und
E._
, Psychologin FSP, von der
F._
, a
mbulante ärztliche Einrichtung für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 7.
Dezember 2016
(
Urk.
2/16)
an die Basler Versicherung AG
,
worauf sich
die
s
e nicht mehr zu ihrer Leistungspflicht
äusserte
(
Urk.
1 S. 3
und 5 f
.
; vgl.
Urk.
2/18 und 2/20
).
2.
Der Versicherte erhob, vertreten durch Rechtsanwalt Mark
A.
Glavas
, mit Eingabe vom 10.
Mai 2017 (
Urk.
1) Klage
gegen die Basler Versicherung
AG und bean
tragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm im Sinne einer Teilklage für die Zeit vom
1.
September 2016 bis zum 3
0.
April 2017
Fr.
27'295.20 zuzüglich 5
%
Zins ab den jeweiligen Fälligkeiten zu bezahlen. Für die übrigen noch nicht fälligen Krankentaggelder sei ein mindestens zweijähriger Nachklagevorbehalt anzubrin
gen. Eventualiter sei eine psychiatrische Begutachtung in Auftrag zu geben, worauf die Beklagte zu verpflichten sei, dem Kläger die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit mit
Fr.
153.40 (Ansatz bei 100
%
) pro Kalendertag zu ver
gü
ten. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
(zuzüglich 8
%
MwSt
)
zulasten der Beklagten (
Urk.
1 S. 2). Mit Verfügung vom 1
5.
Mai
2017 wurde der Beklagten eine Frist von 30 Tagen zur Einreichung einer Klageantwort angesetzt (
Urk.
4). Diese
Frist wurde antragsgemäss bis zum 1
6.
August 2017 erstreckt (Urk. 6).
Am
1
6.
August 2017
beantragte die Beklagte die Abweisung der Klage, unter
K
osten-
und Entschädigungsfolgen
zu Lasten des Klägers
(
Urk.
7
S. 1
). Mit Verfügung vom
2.
Oktober
2017 wurde ein zweiter
Schriftenwechsel angeordnet und dem Kläger eine Frist von 30 Ta
gen zur Replik angesetzt (
Urk.
9
).
Die Replik wurde
am 1
8.
August 2017 erstattet (
Urk.
1
1
). Am
3
0.
Januar 2018
reichte die B
eklagte ihre Duplik ein (
Urk.
15
). Davon wurde dem Kläger mit Verfügung vom
3
1.
Januar
201
8
Kenntnis gegeben (
Urk.
1
7
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Unter
lagen wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Kläger machte mit seiner Klage vom 10. Mai 2017 (
Urk.
1) eine streitige Zivilsache rechtshängig, welche nach den Verfahren
svorschriften der Schweiz
e
rischen Zivilprozessordnung (ZPO) im vereinfachten Verfahren gemäss
Art.
243 ff. ZPO zu behandeln ist (
Art.
1
lit
. a,
Art.
62
Abs.
1 und 243
Abs.
2
lit
. f ZPO; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 4A_680/2014 vom 2
9.
April 2015 E. 2.1 und 3.1). Die Kantone können gestützt auf
Art.
7 ZPO ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitigkeiten in diesem Gebiet sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozialversiche
rungs
gericht (
§
2
Abs.
2
lit
.
b des Gesetzes über das Sozialversiche
rungs
gericht,
GSVGer
), ohne dass vorgängig ein Schlichtungs
verfahren durchzu
führen ist (BGE
138 III 558 E. 4).
1.2
Das Gericht stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (
Art.
247
Abs.
2
lit
. a ZPO). Nach dem Willen des Gesetzgebers ist das Gericht im Rahmen der sozialen Untersuchungsmaxime gemäss
Art.
247
Abs.
2
lit
. a ZPO nur einer erhöhten Fra
gepflicht unterworfen (vgl.
Art.
247
Abs.
1 ZPO). Wie unter der Verhandlungs
maxime müssen die Parteien selbst den Stoff beschaffen. Das Gericht kommt ihnen nur mit spezifischen Fragen zur Hilfe, damit die erforderlichen Behaup
tungen und die entsprechenden Beweismittel genau aufgezählt werden. Es ermittelt aber nicht aus eigenem Antrieb. Ist eine Partei durch einen Anwalt ver
treten, kann und muss sich das Gericht ihr gegenüber wie bei Geltung der Ver
handlungsmaxime zurückhalten (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 4A_702/2016 vom 2
3.
März 2017 E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 141 III 569 E. 2.3.1 bis 2.3.3 und die dortigen Verweise).
2.
2.1
Die
Y._
GmbH
und die Beklagte setzten den Beginn ihres Versiche
rungs
vertragsverhältnisses auf den 1
5.
Januar 2015
fest und erklärten
die allge
meinen Vertragsbedingungen,
Kollektiv-Krankentaggeldversicherung, Produkt
in
formation und Vertragsbedingungen,
Ausgabe 2011 (im Folgenden: AVB; Urk.
2/2 =
16/15-22
; vgl. auch
Urk.
8/15-22
) als Bestandteil
des Vertrages (
U
rk.
1 S. 2
und 7 S. 2; vgl.
Urk.
8/9
).
2.2
Das Ver
tragsverhältnis betrifft eine Zusatzversic
herung zur sozialen Kranken-versiche
rung (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 4A_680/2014 vom 2
9.
April 2015 E. 2.1 mit Hinweisen), weshalb nebst den vert
raglichen Bestimmungen auch diejeni
gen
des Bundesgesetzes über den Ver
sicherungsvertrag vom
2.
April 1908 (VVG) zu beachten sind (
Art.
12
Abs.
3 des Bundesges
etzes über die Kranken
ver
sicherung [KVG] in der bis zum 3
1.
Dez
ember 2015 gültig gewesenen Fas
sung und
Art.
2
Abs.
2 des am
1.
Januar 2016
in Kraft getretenen Bundesgeset
zes betreffend die Au
fsicht über die soziale Kranken
versicherung [KVAG]; vgl. auch
Ziff.
G1
A
V
B).
2.3
Bei
krankheitsbedingter
Erwerbsunfähigkeit
von
mind. 25
%
zahlt die Ver
siche
rung das vereinbarte Krankentaggeld (ganze oder Teil-Taggelder) max. für 730
Tage bis zum Einsetzen der Leistung
en der beruflichen Vorsorge (2.
Säule), abzü
gl
ich der vereinbarten Wartefrist
, proportional zum Grad der Erwerbsun
fähigkeit aus (vgl.
Ziff.
3
Abs.
4 und D2 ff.
AVB
).
2.4
Versichert sind
die im Versicherungsvertrag bezeic
hneten Arbeitnehmer (vgl.
Ziff.
D1 AVB).
2.5
Der Versicherungsvertrag endet durch Kündigung sowie aus den von Gesetz oder Vertrag vorgesehenen Gründen.
Unter anderem kann der Versicherer wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeige
pflicht 4 Wo
chen ab Kenntnis der Verletzung eine Kündigung aus
spre
chen, die schriftlich erfolgen muss. Als
Erlöschenszeitpunkt
gilt der Zugang der Kündigung.
Beim Ausscheiden aus dem Kreis der versicherten Personen erlöscht der Versi
cherungsschutz zu diesem Zeitpunkt
(vgl. zum Ganzen
Ziff.
13
und G3
AVB)
.
2.6
Die der versicherten Person allfällig gestellten Gesundheitsfragen müssen wahr
heits
getreu sowie vollständig beantwortet werden (vorvertragliche Anzeige
pflicht;
Ziff.
11
Abs.
1 AVB).
Verletzt die versicherte Person, welche nicht zugleich Versicherungsnehmer ist, die oben erwähnte Pflicht, so treffen die Rechtsfolgen der Pflichtverletzung (Kün
digung, Leistungskürzung oder –
verweigerung
) nur diese Person (
Ziff.
11
Abs.
4 AVB).
Die
Leistungspflicht der Versicherung
erlischt für bereits eingetretene Leistungs
fälle, deren Eintritt oder Umfang (vgl.
Ziff.
G8):
-
Durch die nicht oder unrichtig angezeigte erhebliche Gefahrentatsache beein
flusst worden ist
-
Auf ein Risiko zurückzuführen ist, über das sich die Versicherung als Folge der Anzeigepflichtverletzung kein verlässliches Bild machen konnte.
2.7
Art.
6 VVG darf nicht durch Vertragsabreden zuungunsten des Versicherungs
nehmers oder des Anspruchsberechtigten abgeändert werden (Art. 98
Abs.
1 VVG). Diese Bestimmung lautet wie folgt:
Hat der Anzeigepflichtige beim Abschluss der Versicherung eine erhebliche Gefahren
tatsache, die er kannte oder kennen musste
und
über die er schriftlich befragt worden ist, unrichtig mitgeteilt oder verschwiegen, so ist der Versicherer berechtigt, den Vertrag durch schriftliche Erklärung zu kündigen. Die Kündigung wird mit dem Zugang beim Versicherungsnehmer wirksam (
Abs.
1).
Das Kündigungsrecht erlischt vier Wochen, nachdem der Versicherer von der Ver
letzung der Anzeigepflicht Kenntnis erhalten hat (
Abs.
2).
Wird der Vertrag durch Kündigung nach Absatz 1 aufgelöst, so erlischt auch die Leistungspflicht des Versicherers für bereits eingetretene Schäden, deren Eintritt oder Umfang durch die nicht oder unrichtig angezeigte erhebliche Gefahren
tat
sache beeinflusst worden ist. Soweit die Leistungspflicht schon erfüllt wurde, hat der Versicherer Anspruch auf Rückerstattung (
Abs.
3).
3.
3.1
Es ist strittig und zu prüfen, ob die Beklagte
dem Kläger vom
1.
September 2016
bis zum 3
0.
April 2017 Krankentaggelder ausrichten muss
. In diesem Zusammen
hang wurde zwischen den Parteien insbesondere kontrovers diskutiert,
ob die Leistungs
verweigerung der Beklagten aufgrund e
ine
r
vorvertraglichen Anzeige
pflichtverletzung
des Klägers rechtens ist
(
Urk.
1 S. 2
f.
und
7 S. 5)
.
3
.
2
Die
vorvertragliche
Anzeigepflicht weist keinen umfassenden Charakter auf. Sie beschränkt sich auf die Angabe jener
Gefahrstatsachen
, nach denen der Ver
si
cherer ausdrücklich und in unzweideutiger Art gefragt hat
;
diese werden als erheblich vermutet (vgl.
Art.
4
Abs.
3 VVG)
.
O
hne entsprechende Fragen
ist daher niemand dazu
verpflichtet, von sich aus über bestehende Gefahren Auskunft zu geben (BGE 136 III 334 E. 2.3
, 134 III 511 E. 3.3.2 und
116 II 338 E. 1a, je mit Hinweisen). Bei sehr umfassend und weit formulierten bzw. offengehaltenen Fragen, in denen nicht näher spezifizierte Begriffe verwendet werden, ist eine Anzeigepflichtverletzung nur restriktiv anzunehmen. Dies gilt umso mehr, wenn der Versicherer im Anschluss an solche Fragen nicht genügend Raum in Form von Leerzeilen zur Verfügung stellt, um allfällige Zweifel oder Erläuterungen zu
r
Antwort anzubringen (vgl.
BGE 134 III 511
E. 5.2.1).
3.3
Der Kläger unterzeichnete die von der Beklagten geforderte Gesundheitserklärung am 1
5.
Januar 2015 (
Urk.
1 S. 5
und 7 S. 2
;
vgl.
Urk.
2/13 =
8/23-27).
In derselben
verneinte
er
das Bestehen von Gesundheitsstörungen, Anomalien, Geburts
ge
bre
chen, Folgen eines Unfalls und/oder einer Krankheit (
Urk.
2/13 S.
2).
D
ie Frage 8: "Haben oder hatten Sie in den letzten 5 Jahren Erkrankungen, Unfälle, Beschwer
den, Gesundheitsstörungen, Anomalien oder Gebrechen, die zu einer A) Untersu
chung, B) Beratung, C) Behandlung oder D) Kontrolle bei einem Arzt, Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten, Chiropraktiker, Physio
therapeuten, Heilprakti
ker,
Osteopathen
, einer Person für traditionelle chinesi
s
che Medizin oder anderen medizinisch geschulten
Personen geführt haben?"
beantwortete er
mit "nein" (
Urk.
1 S. 5
und 7 S. 2; vgl.
Urk.
2/13 S. 3
).
Soweit der Kläger diese Frage bean
standete (
Urk.
1 S. 7
f.
), ist festzuhalten, dass sie klar, verständlich und unzwei
deutig formuliert
war
. Sie erstreckte sich auf einen überschaubaren Zeithorizont
und die erfragten Tatsachen waren für die Abschätzung des zu versichernden Risikos bedeutsam
. Ebenso stand genügend Raum in Form von Leerzeilen für eine ausführliche Fragenbeantwortung zur Verfügung. Darüber hinaus wurde aus
drücklich darauf hingewiesen, bei Platzmangel seien weitere Angaben auf der Rück
seite anzubringen (
Urk.
2/13 S.
3).
3.4
Zu Recht wurde von keiner der Partei
en in Abrede gestellt, dass
aufgrund der Fragestellung in der Gesundheitserklärung
der
Zeitraum vom 1
5.
Januar 2010 bis zum 1
5.
Januar 2015
massgeblich ist (
vgl.
Urk.
1
und 7 S. 2).
Die Beklagte machte
im Wesentlichen
geltend, der Kläger habe sich während dieser Periode, namentlich
vom 1
5.
Juli bis zum 2
4.
September 2010
wegen Schlaf
störungen, Gereiztheit, sozialem Rückzug und Rückenschmerzen
behan
deln
,
zumindest aber beraten oder ärztlich kontrollieren
lassen
(
Urk.
7 S. 2
und 15 S. 2
)
.
Es sei ihm damals auch
Deanxit
ärztlich
verschrieben word
en (Urk.
15 S. 2
und 3
mit Hinweis auf
Urk.
16/46
).
Seine Gesundheitsprobleme seien schon seit langem vorbestehend (
Urk.
7 S. 4)
.
B
ereits die vorläufige Beurteil
ung im Jahr 2010 habe
Anpassungsstörung
en
betroffen (
Urk.
7 S. 5).
Die Informa
tionen, wel
che der Kläger weggelassen habe, stünden exakt im Zusammenhang mit seiner späteren Arbeitsunfähigkeit. Mit anderen Worten liege hier ein Kausal
zusammen
hang zwischen den
aktuellen
Beschwerden und den nicht deklarierten psychi
schen und
sogar auch
physischen Störungen vor (
Urk.
7 S. 5). Wenn die Beklagte im Zeitpunkt des Vertragsschlusses den wirklichen Zustand des Klägers gekannt hätte, hätte sie den Vertrag nicht beziehungsweise nicht zu diesen Bedingungen abgeschlossen
(
Urk.
7 S. 5).
Demgegenüber
brachte der Kläger vor
, er habe im Jahr 2010 an keiner die Arbeitsfähigkeit einschränkenden psychischen Störung gelitten. Er
habe
bloss zwei Vorabklärung
sgespräche mit
einer Psychologin
geführt
, anlässlich welche
n
er gemerkt habe, dass er gar keine psychiatrische bzw. psychotherapeutische Behandlung benötige (
Urk.
1 S. 2
,
5
und
8
; vgl. auch
Urk.
11 S. 2 und 4
).
Da weder eine Untersuchung noch eine Behandlung
oder Beratung
erfolgt sei, habe er diese
beiden
Konsultationen
vergessen
und sich auch nicht daran erinnern müssen
(
Urk.
1 S.
5
und 7
f.
; vgl. auch
Urk.
11 S.
2 und 5
)
.
Die Beklagte hätte den Kläger
überdies
auch versichert, wenn sie von den Vorabklärungsgesprächen im Jahr 2010 Kenntnis gehabt hätte, da sie nachvollzogen hätte, dass er
beinahe
fünf Jahre vollumfänglich arbeitstätig gewesen sei (
Urk.
11 S. 5).
3.5
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
die
Psychologin
E._
teilten der Beklagten mit
Schreiben vom 1
8.
Oktober 2016
ihre Beurteilung und ihre Erfahrungen aus dem bisherigen Behandlungsverlauf mit. Es habe
keine Diagnose im engeren Sinne gestellt wer
den könne
n
, zumal
der Kläger
von fünf geplanten lediglich zwei Termine wahr
genommen habe. Die vorläufige Beurteilung bei der
letzten
Konsultation am
5.
August 2010 habe auf "Anpassungsstörungen mit vorwiegender Beein
trächti
gung anderer Gefühle (ICD-10: F43.23) und nichtorganische Insomnie (ICD-10: F.51)" gelautet (Urk. 2/12 = 8/40).
Der Rechtsvertreter des Klägers forderte bei
Dr.
G._
die Krankengeschichte seines Mandanten an, worauf sich
Dr.
G._
nicht verlauten liess (
Urk.
1 S. 5; vgl.
Urk.
2/14). Stattdessen äusserten sich
Dr.
D._
, der Nachfolger von
Dr.
G._
bei
F._
, und die Psychologin
E._
in einem Schreiben vom
7.
Dezember 2016 (
Urk.
2/16). Darin
wu
rden eine
Behandlungs
aufnahme am 1
5.
Juli und
ein
Behandlungsabschluss am 24.
September 2010 (im Rahmen wiederholt nicht eingehaltener vereinbarter Behandlungstermine)
aufge
führt
. Behandlungsanlass seien Schlafstörungen, Gereizt
h
eit, sozialer Rück
zug und Rückenschmerzen gewesen (
Urk.
2/16 S. 1).
Als Medikation sei
Deanxit
ver
ordnet worden. Der Kläger habe berichtet, dass er seit dem
5.
August 2010 besser schlafen könne. Die Nervosität sei immer noch vorhanden, seinen Aus
führungen entsprechend sogar in einem grösseren Ausmass (Urk. 2/16 S. 2).
Da der Kläger von den fünf vereinbarten Behandlungsterminen lediglich zwei Sitzungen wahrgenommen habe, könne nicht von einer psychiatrischen beziehungs
weise psychotherapeutischen Behandlung im engeren Sinne gespro
chen werden (
Urk.
2/16 S. 2).
3.6
Dem Schreiben von
Dr.
G._
und der Psychologin
E._
vom 1
8.
Oktober 2016
lässt sich nicht entnehmen,
es seien
lediglich Vorabklärungs
gespräche mit dem Kläger geführt
worden
.
Vielmehr wird darin
– im Widerspruch zur klägerischen Sachverhaltsdarstellung (
Urk.
1 S. 7) – v
on einem "Behand
lungs
verlauf" gesprochen
.
Aus dem Umstand, dass der Kläger bloss zwei von fünf geplanten Terminen wahrgenommen
ha
tt
e
, lässt sich nicht ableiten, diese hätten weder eine Behandlung noch eine Untersuchung bezweckt. Dies muss umso mehr gelten, als zumindest im Rahmen einer vorläufigen Einschätzung psychische Leiden diagnostiziert worden waren.
Dass dieselben die Arbeitsfähigkeit des Klägers damals noch nicht
einschränkten
(vgl.
Urk.
1 S. 2), spielte
keine Rolle, insbesondere nicht
für die Beantwortung der Frage 8
der Beklagten
.
Auch im Schreiben von
Dr.
D._
und der
Psychologin
E._
vom
7.
Dezember 2016
war wiederholt von einer Behandlung die Rede
(Behandlungsbeginn, Behandlungsabschluss, Behandlungsanlass, Behandlungs
termine). Es wurde lediglich
eine psychotherapeutisc
he Behandlung im engeren Sinne ver
neint, da
bloss zwei Sitzungen
wahrgenommen worden seien
.
Dafür wurde die medikamentöse Behandlung mit
Deanxit
bestätigt.
Vor diesem Hintergrund
erkannte
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zwar
zutreffend, eine psychotherapeutische Behandlung im engeren Sinne habe nicht stattgefunden.
Die vom Kläger damals beschriebene Symptomatik (Schlafstörungen, Gereiztheit) sei so unspezifisch, dass von einem medizinischen Laien nicht unbedingt erwartet werden könne, das Vorliegen einer (krankheitswertigen,
behandlungsbedürftigen
) Störung an
zu
nehmen (
Urk.
8/45). Aus diesen Ausführungen
kann der Kläger indessen
entge
gen der von ihm vertretenen Ansicht (
Urk.
11 S. 3, 4 und 5)
nichts zu seinen Gunsten ableiten. Sie ändern nichts daran, dass er
wie er selbst sehr wohl wusste
wegen seine
r
damaligen Beschwerden
einen Psychiater bzw. eine Psycho
login auf
ge
sucht
hatt
e, wo er
-
für eine vorläufige Einschätzung
-
u
nter
sucht wurde und eine Behandlung in Form von zwei Gesprächen
und
einer Medikation mit
Deanxit
in Anspruch nahm
.
Eine
delegierte psychotherapeutische
Behandlung
im fraglichen Zeitraum
wurde
denn auch
von seiner damaligen Krankenkasse
Assura
-Basis SA
bestätigt, welche dafür Versicherungsleistu
ngen erbracht hatte (
Urk.
15 S.
4; vgl.
Urk.
16/51
). Der Kläger hätte daher die Frage 8, welche sich nicht auf allfällige psychotherapeutische Behandlungen im engeren Sinne beschränkte (
Urk.
2/13 S. 3
), nicht
in guten Treuen
mit "nein" beantworten dürfen (vgl. auch
Urk.
1
5
S. 4
und 7
). Indem er dies dennoch tat,
beging er eine
vorver
tragliche An
zeigepflichtverletzung,
da
er
erhebliche
Gefahrstatsache
n
ver
schwieg
, die er kannte oder zumindest kennen musste.
3.7
Dem Gutachten von
C._
vom
1
6.
August 2016
ist sodann zu entnehmen, dass der K
l
äger
anlässlich der Untersuchung vom
9.
August 2016 schilderte, vor sechs Jahren seien psychische Probleme aufgetreten, als er abends während der Arbeit überfallen worden sei. Er habe einen Mann und eine Frau in seinem Taxi trans
portiert. Als er bemerkt habe, dass die Frau aus seiner Brieftasche Geld entwendet habe, sei er ihr nachgerannt und habe sie angehalten. Dabei sei er aber von ihrem Begleiter von hinten mit einem Messer attackiert worden. Er habe versucht aus
zuweichen, sei aber an der rechten Hand mit dem Messer verletzt worden
.
Anschliessend sei das Paar davongerannt. Nach dem Vorfall habe er wieder gearbeitet, aber er sei zunehmend misstrauisch geworden. Während eineinhalb bis zwei Jahren habe er nachts immer gezittert, wenn jemand ins Taxi einge
stiegen sei. Aus Angst, die Stelle zu verlieren, habe er jedoch weitergearbeitet. Seine Familie habe aber gemerkt, dass er sich gereizter und aggressiver verhalten habe (
Urk.
2/8 S. 4).
Dies steht im Einklang mit den Angaben in
den Berichten von
Dr.
A._
vom 2
0.
April
und vom
6.
Oktober 201
6.
Demnach
habe der Kläger
ihr gegenüber
erklärt,
e
r habe schwere Trauma als Taxifahrer erlebt. Einmal sei er beraubt, mit einem Messer bedroht und verletzt worden, wovon er sich nie habe erholen können. Das sei der Grund für den Ausbruch der Panikstörung. Seitdem leide er an innerer Unruhe, Angespanntheit, Herzrasen, Druck im Brustbereich, Ersti
ckungsgefühlen, Todes
angst und Schlaflosigkeit (Urk.
2/6 S. 2
und 2/10 S.
1).
In Anbetracht dieser Ausführungen ist der Beklagten beizupflichten, dass die aktuellen psychischen Beschwerden des Klägers,
welche
eine Arbeitsunfähigkeit
von zuerst 100 und später 50
%
begründet
en
, einen Zusammenhang mit den Beschwerden und der (kurzen
) Behandlung im Jahr 2010 aufwie
sen, welche der Kläger der Beklagten gegenüber verschwiegen hatte (
Urk.
7 S.
5
sowie
15 S. 7
f. und 9
).
Die vom Kläger vertretene gegenteilige Ansicht
(
Urk.
1 S. 8 und 11 S. 5)
findet in den Akten keine Stütze.
3.8
Die Beklagte erhielt unbestritten erst mit dem Schreiben von
Dr.
G._
und der Psychologin
E._
vom 1
8.
Oktober 2016 sichere Kenntnis von der
Behandlung im Jahr 2010
wegen psychischer Beschwerden
und
damit einherge
hend von der
Anzeigepflichtverletzung
des Klägers
.
Die vierwöchige Verwir
kungsfrist begann folglich erst nach Erhalt dieses Schreiben zu laufen (BGE
130 V 9 E. 2.1 und 119 V 283 E. 5a; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 4A_104/2018 vom 1
2.
Juni 2018 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen).
Mit Schreiben vom 15.
November 2016, das heisst innert 4 Wochen teilte
die Beklagte
de
m
Rechtsvertreter
des Klägers mit
,
sein Mandant
habe in d
er Gesundheitserklärung vom 15.
Januar 2015 jegliche gesundheitlichen Beeinträchtigungen verneint.
Dr.
G._
habe mittlerweile in einem der Beklagten vorliegenden Bericht bestätigt, dass bereits Anpassungsstörungen vorgelegen
hätten. Es hätten zuletzt am 5.
August 2010 Konsultationen bei ihm stattgefunden. Der Kläger sei somit seiner Anzeigepflicht nicht nachgekommen. Ab dem
1.
September 2016 sei die weitere Arbeitsunfähigkeit mit dem psychischen Krankheitsbild begründet wor
den, für welches der Kläger
seiner Anzeigepflicht nicht nachgekommen sei. Aus den genannten Gründen bestehe über den 3
1.
August 2016 hinaus kein Leistungsanspruch aus dem Vertrag der Kollektivkrankentaggeldversicherung des ehemaligen Arbeitgebers (
Urk.
2/11
; vgl. auch
Urk.
1 S. 5
).
Zu Recht wurde von keiner Seite in Frage gestellt, dass sowohl
bezüglich der
verschwiegene
n
Gefahrstatsache
n
als auch
der Falschbeantwortung im Fragen
katalog hinreichende Angaben gemacht wurden.
Diese Erklärung genügt folglich,
um sich auf das Erlöschen der Leistungspflicht für den bereits eingetretenen Leistungsfall zu berufen,
zumal
der Kläger mit der Beendigung seines Arbeitsver
hältnisses per 3
0.
August 2016 (vgl.
Urk.
1 S. 4) bereits aus dem Kreis der versi
cherten Personen ausgeschieden war.
3.9
Aus dem Gesagten folgt, dass ein Leistungsanspruch des Klägers für den hier strittigen Zeitraum zu verneinen ist
,
unabhängig davon, wie sich sein damaliger
Gesundheitszustand präsentierte wie die weiteren strittigen Standpunkte zu beurteilen wären
. Dies führt zur Abweisung der
Klage
.
4.
Das Verfahren ist kostenlos, da es eine Streitigkeit aus einer Krankentaggeldver
sicherung betrifft, welche gemäss bundesgerichtlicher Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung (nach dem Bundesge
setz vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung; KVG) zu subsumieren ist (vgl. Art. 114
lit
. e ZPO
i.V.m
. § 33 Abs. 1
GSVGer
und das Urteil des Bundesge
richts 4A_680/2014 vom 29. April 2015 E. 2.1 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 142 V 448 E. 4.1).
Der nicht durch einen externen Rechtsanwalt vertretenen obsie
genden Beklagten steht
praxisgemäss
keine Parteientschädigung zu (BGE 133 III 439 E. 4).