Decision ID: 092fa7b5-174d-4e01-8c41-b1f1326406fb
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (geb. 15. Januar 1975) ist Staatsangehörige von Somalia. Das Asylgesuch, das
sie nach ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 2003 gestellt hatte, wurde am 5. März
2004 rechtskräftig abgewiesen. Wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
wurde sie in der Schweiz vorläufig aufgenommen (act. 8/5, Dossier X.Y. S. 271-276).
Am 17. Juni 2005 heiratete sie in Wittenbach einen Landsmann, dessen vorläufige
Aufnahme in der Schweiz erlosch, nachdem sein Aufenthaltsort ab Mai 2010
unbekannt war (act. 8/5, Dossier K.Y. S. 4/5, 74/75 und 105-110). Sie ist die Mutter von
drei Kindern (A., geb. 28. April 2005, B., geb. 17. Juli 2006 und C., geb. 22. Oktober
2007). Ihre Gesuche um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus humanitären
Gründen blieben 2007 mangels fünfjähriger Dauer der Anwesenheit und 2010 wegen
Sozialhilfeabhängigkeit erfolglos.
Das kantonale Migrationsamt behandelte ein erneutes Begehren um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung als Wiedererwägungsgesuch und trat darauf am 1. Mai 2013
nicht ein. Nachdem das Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen am
26. Juli 2013 den dagegen erhobenen Rekurs gutgeheissen und die Angelegenheit zur
Prüfung in der Sache zurückgewiesen hatte, weigerte sich das kantonale
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Migrationsamt am 29. November 2013, das Gesuch dem Bundesamt (seit 1. Januar
2015 Staatssekretariat) für Migration zu unterbreiten. Das Migrationsamt hielt fest, X.Y.
sei – selbst bevor ihr Ehemann verschwunden sei und er zu 60 Prozent gearbeitet habe
– in der Schweiz nie auch nur wenigstens einer Teilzeitarbeit nachgegangen, um zu den
Lebenshaltungskosten beizutragen. Deshalb vermöchten weder der langjährige
Aufenthalt noch Integrationsbemühungen und klagloses Verhalten einen Härtefall zu
begründen.
Den gegen die Verfügung des Migrationsamtes erhobenen Rekurs wies das
Sicherheits- und Justizdepartement am 27. November 2014 unter Verzicht auf die
Erhebung der Entscheidgebühr und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung ab.
B. X.Y. (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 1. Dezember 2014 versandten
Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch ihre
Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 16. Dezember 2014 und Ergänzung vom 26. Januar
2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und der
Beschwerdeführerin und ihren Kindern eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.

Die Vorinstanz verwies am 4. Februar 2015 auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen. Der Präsident des
Verwaltungsgerichts gewährte der Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom 13.
Februar 2015 die unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung.
Auf die Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid und der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die in der Schweiz
vorläufig aufgenommene Beschwerdeführerin und ihre Kinder sind Adressaten des
angefochtenen Entscheides, mit dem ihr vertieft zu prüfendes Gesuch um Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung abgewiesen wurde, und damit zur Erhebung der
Beschwerde befugt (Art. 84 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer, Ausländergesetz, SR 142.20, AuG; Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 16. Dezember 2014 rechtzeitig erhoben
und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 26. Januar 2015 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Die Vorinstanz hat das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung und
Unterbreitung als Härtefall mit der Begründung abgewiesen, die Familie sei seit ihrer
Ankunft in der Schweiz im Oktober 2003 bis zum Verschwinden des Ehemannes – der
damals noch teilzeitlich als Küchenhilfe erwerbstätig gewesen sei – von der Sozialhilfe
mit rund CHF 133‘700 und seither bis zum Zeitpunkt der Verfügung mit rund CHF
178‘400 inklusive Krankenkassenprämien unterstützt worden. Zurzeit erhalte die
Familie finanzielle Sozialhilfe von monatlich rund CHF 3‘370. Die Beschwerdeführerin
sei noch nie – auch nicht vor der Geburt des ersten Kindes oder als der Ehemann sie in
der Kinderbetreuung hätte unterstützen können und auch nicht stundenweise –
erwerbstätig gewesen. Zwar sei sie nach dem Verschwinden ihres Ehemannes im
Frühsommer 2010 als alleinerziehende Mutter zunächst nicht in der Lage gewesen,
einer ausserhäuslichen Erwerbsarbeit nachzugehen. Inzwischen seien die Kinder aber
sieben-, acht- und neuneinhalbjährig – mittlerweile achteinhalb-, neuneinhalb- und
elfjährig – und eigenen Angaben zufolge mindestens am Morgen in der Schule. Es sei
der Beschwerdeführerin zuzumuten, wenigstens in bescheidenem Umfang erwerbstätig
zu sein beziehungsweise sich eine entsprechende Stelle zu suchen, um für einen
kleinen Teil der Lebenshaltungskosten selber aufzukommen. Ihr klagloses Verhalten
und die belegten erheblichen Integrationsbemühungen, unter anderem der
regelmässige Besuch eines Deutschkurses und die gute Zusammenarbeit mit der
Schule und weiteren Behörden, vermöchten für sich allein keinen schwerwiegenden
persönlichen Härtefall zu begründen. Als vorläufig Aufgenommene könne die
Beschwerdeführerin mit ihren Kindern weiterhin in der Schweiz bleiben und unabhängig
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von der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftslage eine Bewilligung zur Erwerbstätigkeit
erhalten.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Bestimmung über die humanitäre
Aufenthaltsbewilligung verweise implizit auf die Härtefallbewilligung. Zwei gewichtige
Kriterien – der langjährige Aufenthalt und die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs – seien per se schon erfüllt. Andere Kriterien – insbesondere die
(noch) unzureichende berufliche Integration – könnten die Interessenabwägung nur
noch im Ausnahmefall negativ beeinflussen. Die Aufenthaltsbewilligung könne nur bei
erheblichen Integrationsdefiziten, das heisse bei selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit
und/oder Sozialhilfeabhängigkeit, verweigert werden. Der Entscheid BGer
2C_1228/2012 vom 20. Juni 2013 sei auf ihren Fall nicht übertragbar, da es nicht um
die Frage des Verbleibs in der Schweiz, sondern um die Frage, mit welchem
Aufenthaltstitel sie und ihre Kinder in Zukunft hier leben sollten, gehe. Die vorläufige
Aufnahme solle nicht zum Daueraufenthaltstitel werden, weshalb nach über elf Jahren
in der Schweiz die Ersetzung durch eine ordentliche Bewilligung beantragt werde. Es
liege auf der Hand, dass ihr und ihren hier geborenen Kindern auch bei einem Wegfall
des heutigen Wegweisungshindernisses ein völliger Neuanfang in Somalia nicht
zuzumuten wäre, da insbesondere der älteste bald zehnjährige – mittlerweile elfjährige
–Sohn, nicht mehr in einem anpassungsfähigen Alter wäre. Es sei dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass die Kinder in der Schweiz bleiben werden. Der von der
Vorinstanz zitierte Entscheid des Bundesgerichts halte nicht fest, dass es einer
alleinerziehenden Mutter nach Vollendung des dritten Altersjahrs des jüngsten Kindes
zumutbar sei, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Die Beschwerdeführerin habe drei
Kinder zu betreuen, die in einem Alter seien, in welchem auch das Familienrecht davon
ausgehe, dass die Aufnahme einer Teilerwerbstätigkeit nicht zumutbar sei. Eine
Erwerbstätigkeit wäre nur in sehr geringem Umfang – stundenweise am Vormittag –
möglich und entsprechende Stellen seien schwer zu finden. Es sei besonders zu
beachten, dass der Beschwerdeführerin, die nach dem Weggang des Ehemannes und
Vaters der Kinder im Jahr 2010 in einem für sie fremden Land und einer vollkommen
fremden Kultur auf sich alleine gestellt gewesen sei, von allen Seiten erhebliche
Integrationsbemühungen attestiert würden.
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Die Stellungnahmen des Einwohneramts der Wohnsitzgemeinde der
Beschwerdeführerin zu ihrem Gesuch um Erteilung einer humanitären
Aufenthaltsbewilligung sind widersprüchlich: Auf dem beim Migrationsamt am 23.
August 2013 eingegangenen Formular wird das Gesuch mit der Begründung, die
Kinder seien in der Schweiz geboren und hätten bei der Berufswahl bessere
Integrationsmöglichkeiten, unterstützt; per E-Mail teilte dasselbe Amt am 29. August
2013 mit, es stimme dem Gesuch nicht zu, weil die Beschwerdeführerin vollumfänglich
vom Sozialamt unterstützt werde und keiner Erwerbstätigkeit nachgehe (act. 8/5
Dossier Beschwerdeführerin Seiten 41-43). Das Sozialamt unterstützte das
entsprechende Gesuch der Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2010 (act. 8/5 Dossier
der Beschwerdeführerin Seiten 174/175).
3.
3.1. Gemäss Art. 84 Abs. 5 AuG werden Gesuche um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung von vorläufig aufgenommenen Ausländerinnen und Ausländern,
die sich seit mehr als fünf Jahren in der Schweiz aufhalten, unter Berücksichtigung der
Integration, der familiären Verhältnisse und der Zumutbarkeit einer Rückkehr in den
Herkunftsstaat vertieft geprüft. Die Bestimmung stellt keine eigenständige
Rechtsgrundlage dar, sondern verweist diesbezüglich implizit auf die in Art. 30 Abs. 1
Ingress und lit. b AuG geregelte Bewilligung wegen eines schwerwiegenden
persönlichen Härtefalls, den Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt
und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) mit ausdrücklichem Hinweis im Randtitel
unter anderem auf Art. 84 Abs. 5 AuG konkretisiert. Danach sind bei der Beurteilung
insbesondere die Integration (lit. a), die Respektierung der Rechtsordnung (lit. b), die
Familienverhältnisse, insbesondere der Zeitpunkt der Einschulung und die Dauer des
Schulbesuchs der Kinder (lit. c), die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille zur
Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (lit. d), die Dauer der
Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), der Gesundheitszustand (lit. f) und die Möglichkeit
der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat (lit. g) zu berücksichtigen. Die Aufzählung ist
nicht abschliessend, und für die Erteilung einer Härtefallbewilligung kann es genügen,
dass eines oder einige der genannten Kriterien erfüllt sind (vgl. dazu VerwGE B
2010/294 vom 31. Mai 2011 E. 3, www.gerichte.sg.ch; BVerwGer C-1136/2013 vom
24. September 2013 E. 5.2). Da die Bestimmung auf verschiedene Härtefallregelungen
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im Ausländergesetz verweist, ist es denkbar, dass die Beurteilung von wichtigen
persönlichen Gründen unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem, auf welche
gesetzliche Ausgangslage sie sich bezieht (vgl. BGer 2C_195/2010 vom 23. Juni 2010
E. 6.3).
Die Voraussetzungen zur Anerkennung eines Härtefalls sind restriktiv zu handhaben.
Der Betroffene muss sich in einer persönlichen Notlage befinden. Das bedeutet, dass
seine Lebens- und Existenzsicherung, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von
Ausländern, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein müssen beziehungsweise die
Verweigerung einer Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen für ihn mit
schweren Nachteilen verbunden wäre. Bei der Beurteilung eines Härtefalles müssen
sämtliche Umstände des jeweiligen Einzelfalls berücksichtigt werden. Die Anerkennung
als Härtefall setzt nicht zwingend voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz das
einzige Mittel zur Verhinderung einer persönlichen Notlage darstellt. Auf der anderen
Seite reichen eine lang dauernde Anwesenheit und eine fortgeschrittene soziale und
berufliche Integration sowie klagloses Verhalten für sich alleine nicht aus, um einen
schwerwiegenden persönlichen Härtefall zu begründen. Vielmehr wird vorausgesetzt,
dass der Ausländer so enge Beziehungen zur Schweiz unterhält, dass von ihm nicht
verlangt werden kann, in einem anderen Land, insbesondere in seinem Heimatstaat zu
leben. Berufliche, freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen, welche der
Betroffene während seines Aufenthalts in der Schweiz knüpfen konnte, genügen
normalerweise nicht für eine Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen (vgl.
BVerwGer C-351/2010 vom 2. November 2012 E. 6.3, C-2240/2010 vom 14. Dezember
2012 E. 5.3 mit Hinweis unter anderem auf BGE 130 II 39 E. 3).
Art. 84 Abs. 5 AuG räumt als Härtefallbewilligung keinen Rechtsanspruch ein (BGer
2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 6.3; vgl. zur Entstehungsgeschichte R. Illes, in:
Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer, Stämpflis Handkommentar, Bern 2010, N 1 und 27 zu Art. 84 AuG). Das
Verwaltungsgericht kann lediglich prüfen, ob die Vorinstanz das ihr zustehende
Ermessen ohne Rechtsverletzung, das heisst ohne Unter- oder Überschreitung ihres
Ermessens und ohne Ermessensmissbrauch ausgeübt hat (Art. 61 Abs. 1 VRP).
3.2.
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3.2.1. Die Beschwerdeführerin hält sich seit 2003 und damit mittlerweile seit rund 13
Jahren in der Schweiz auf. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist selbst bei
einem Asylbewerber, der sich seit zehn Jahren in der Schweiz aufhält, ohne dass über
sein Gesuch befunden worden wäre, lediglich dann von einem schwerwiegenden
persönlichen Härtefall aufgrund der Dauer der Anwesenheit in der Schweiz
auszugehen, wenn er finanziell unabhängig, sozial und beruflich gut integriert ist und
sich klaglos verhalten hat (vgl. BGE 124 II 220 E. 3). Ebenso leitete das Bundesgericht
aus einer mittlerweile 16 Jahre dauernden Landesanwesenheit unter Berücksichtigung
der konkreten persönlichen beziehungsweise wirtschaftlichen Verhältnisse keinen
Bewilligungsanspruch gestützt auf Art. 8 der Europäischen Konvention zum Schutze
der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) ab (vgl. BGer
2C_1003/2012 vom 9. Oktober 2012 E. 2). Das Bundesgericht lehnt es vielmehr ab, von
einer bestimmten Aufenthaltsdauer an schematisierend eine solche besondere, einen
Anspruch auf die Erteilung eines Anwesenheitsrechts begründende Verwurzelung in
den hiesigen Verhältnissen anzunehmen (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.2.1). Auf dem
Hintergrund dieser Rechtsprechung ist die lange Anwesenheit der Beschwerdeführerin
– und ihrer Kinder – in der Schweiz zwar ein gewichtiger Umstand, welcher für die
Erteilung der anbegehrten Aufenthaltsbewilligung spricht. Insbesondere werden bei
einer derart langen Aufenthaltsdauer weniger hohe Anforderungen an das Vorliegen
besonderer Umstände wie etwa eine überdurchschnittliche Integration oder andere
Faktoren gestellt, welche die Rückkehr beziehungsweise eine Wiedereingliederung ins
Heimatland als ausgesprochen schwierig erscheinen lassen (vgl. BVerwGer
C-351/2010 vom 2. November 2012 E. 9.1, C-1884/2009 vom 6. März 2012 E. 8.1). Für
sich allein genügt die Dauer der Anwesenheit allerdings auch bei der
Beschwerdeführerin nicht, um einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall
anzunehmen.
3.2.2. Alle drei Kinder der Beschwerdeführerin sind in der Schweiz geboren, nämlich in
den Jahren 2005, 2006 und 2007. Sie sind hier sozialisiert und – wie aus den Akten zu
schliessen ist – altersgerecht gesellschaftlich integriert. Zwar sind sie in einem Alter,
welches die bundesgerichtliche Rechtsprechung als anpassungsfähig bezeichnet (vgl.
beispielsweise BGer 2C_1228/2012 vom 20. Juni 2013 E. 5.5, 2C_857/2013 vom 4.
Oktober 2013 E. 4.2), so dass eine Ausreise zusammen mit ihrer Mutter in deren
Heimatland – ein anderes Land steht nicht in Frage – nicht von vornherein als
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unzumutbar erscheint. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Kinder in der Schweiz
geboren und mit den Verhältnissen in ihrem Heimatstaat nicht vertraut sind. Zudem ist
nicht damit zu rechnen, dass in absehbarer Zukunft eine Rückkehr der
Beschwerdeführerin nach Somalia als zumutbar erscheint und deshalb die Aufhebung
ihrer vorläufigen Aufnahme in Frage steht. Deshalb ist davon auszugehen, dass die
gesellschaftliche Integration der Kinder in der Schweiz entsprechend ihrer Entwicklung
voranschreiten wird. Die bestehende und künftige Integration der in der Schweiz
geborenen Kinder, die einen Vollzug der Wegweisung nach Somalia zunehmend als
unzumutbar erscheinen lässt, stellt ein gewichtiges Argument dafür dar, ihre vorläufige
Aufnahme durch eine ordentliche Aufenthaltsbewilligung abzulösen. Dieser Umstand
verstärkt auch die Interessen der Beschwerdeführerin, ihr Anwesenheitsrecht als
Mutter der Kinder auf der gleichen Grundlage zu regeln.
3.2.3. Die Beschwerdeführerin ist gesellschaftlich insoweit integriert, als sie persönliche
Beziehungen, die sich im Zusammenhang mit der Integration ihrer Kinder ergeben,
pflegt und sie problemlos gestaltet. Sie bemüht sich sodann um den Spracherwerb.
Gemäss Angaben der Kindergärtnerin ihres ältesten Sohnes vom 28. März 2013 nahm
sie den angebotenen Deutschunterricht in Anspruch und verbesserte sich, so dass es
mit der Kommunikation immer besser funktionierte und sich „eine ganz tolle und gut
funktionierende Beziehung“ zwischen ihr und der Lehrperson entwickelte (act. 8/5,
Dossier X.Y. S. 73). Die Leiterin eines Kurses für somalische Frauen im Solidaritätshaus
bestätigte sodann am 12. Mai 2013, sich könne sich auf Deutsch verständigen (act.
8/5, Dossier X.Y. S. 75). Im Auftrag des Migrationsamts befragte die Kantonspolizei St.
Gallen die Beschwerdeführerin am 16. August 2013 und beurteilte ihre
Deutschkenntnisse als gut. Die Verständigung in Deutsch sei über alltägliche Inhalte
gut möglich. Sie verstehe gesprochenes Hochdeutsch und wenig Schweizerdeutsch.
Die Fähigkeiten werden hinsichtlich Lesen als gut, hinsichtlich Schreiben als
mangelhaft bezeichnet (act. 8/5, Dossier X.Y. S. 72). Das Sozialamt der
Wohnsitzgemeinde hielt am 3. November 2014 fest, eine Verständigung auf
Hochdeutsch sei gut möglich (act. 8/9 Ziffer 4). Den Akten lässt sich allerdings keine
Bestätigung über die Einstufung der Deutschkenntnisse der Beschwerdeführerin nach
dem gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER;
www.europaeischer-referenzrahmen.de) entnehmen. Das Verhalten der
Beschwerdeführerin kann insgesamt nicht als besondere Integrationsbemühung
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gewertet werden, die über dem liegt, was von einer seit mehreren Jahren als
alleinerziehende Mutter in der Schweiz lebenden Ausländerin erwartet werden darf (vgl.
dazu BVerwGer C-2240/2010 vom 14. Dezember 2012 E. 9.2, BVerwGer C-1884/2009
vom 6. März 2012 E. 8.2). Immerhin fällt aber auf, dass die Beschwerdeführerin sich
aktiv und erfolgreich bemüht, verschiedene Beziehungen ausserhalb ihres eigenen
Kulturkreises zu knüpfen und zu leben.
3.2.4. Die Beschwerdeführerin hat sich sodann in der Schweiz klaglos verhalten.
Allerdings leben sie und ihre Kinder vollständig von der Sozialhilfe. Die
Sozialhilfeabhängigkeit steht unter Umständen dem Anspruch auf eine
Aufenthaltsbewilligung entgegen.
Gemäss Art. 62 Ingress und lit. e AuG kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen
werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer oder eine Person, für die sie oder er
zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Beim Widerruf beziehungsweise der
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung eines Ausländers wegen Bedürftigkeit
geht es in erster Linie darum, eine zusätzliche und damit künftige Belastung der
öffentlichen Wohlfahrt zu vermeiden. Ob dies der Fall sein wird, ist allerdings kaum je
mit Sicherheit feststellbar. Es muss daher auf die wahrscheinliche finanzielle
Entwicklung beim Ausländer abgestellt werden. Nach der Rechtsprechung ist für die
Bejahung dieses Widerrufsgrundes eine konkrete Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit
erforderlich und es kann dafür nicht auf Hypothesen und pauschalierte Gründe
abgestellt werden. Neben den bisherigen und den aktuellen Verhältnissen ist auch die
wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen. Ein Widerruf soll
in Betracht kommen, wenn eine Person hohe finanzielle Unterstützungsleistungen
erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass sie in Zukunft für ihren
Lebensunterhalt sorgen wird (BGer 2C_1228/2012 vom 20. Juni 2013 E. 2.3 mit
Hinweisen auf weitere Rechtsprechung, insbesondere BGE 122 II 1 E. 3c). Aus dem
von der Vorinstanz erwähnten Entscheid des Bundesgerichts ist zumindest zu
schliessen, dass ausländerrechtlich zur Beurteilung der Frage, wann einer
alleinerziehenden Mutter eine Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann, die
sozialversicherungs- und sozialhilferechtliche Betrachtungsweise beizuziehen ist, da
die scheidungsrechtliche Praxis aus spezifisch familienrechtlichen Gründen das
Vertrauen des ansprechenden Ehegatten auf Fortführung der Ehe und auf den
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Weiterbestand der bisherigen Aufgabenteilung schützt (vgl. BGer 2C_1228/2012 vom
20. Juni 2013 E. 5.4).
Die Familie der Beschwerdeführerin wurde seit ihrem Zuzug in die Politische Gemeinde
Wittenbach im Sommer 2005 bis zum Zeitpunkt des angefochtenen Entscheides von
den Sozialhilfebehörden mit insgesamt über CHF 300‘000 zuzüglich
Krankenkassenprämien unterstützt. Zurzeit beläuft sich der Finanzbedarf der
Beschwerdeführerin, die keine eigenen Mittel erwirtschaftet, und ihrer drei Kinder auf
monatlich rund CHF 3‘300. Dass die Familie in der Vergangenheit und zurzeit erheblich
und dauerhaft von Sozialhilfe abhängig war, ist damit offenkundig.
Auch die Vorinstanz geht davon aus, dass der Beschwerdeführerin die Abhängigkeit
von Sozialhilfe nicht entgegen gehalten werden kann, soweit sie nach dem
Verschwinden ihres Ehemannes im Frühjahr 2010 als alleinerziehende Mutter von drei
Kindern im Alter von fünf, vier und drei Jahren finanzielle Unterstützung bezog. Fraglich
ist, ab welchem Zeitpunkt der Beschwerdeführerin die fehlenden Bemühungen um eine
teilzeitliche Erwerbstätigkeit als mangelndes Bestreben um eine wirtschaftliche
Integration entgegenzuhalten sind. Sozialhilferechtlich sollten konkrete Massnahmen
der beruflichen Integration Alleinerziehender spätestens für den Zeitpunkt vorgesehen
werden, wenn das jüngste Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat. Gemeinsam mit
der unterstützten Person ist – immer mit dem Kindeswohl im Blick – die Vereinbarkeit
von Berufstätigkeit und Familienpflichten abzuwägen und der berufliche
(Wieder-)einstieg zu planen und zu unterstützen. Eine gute Kinderbetreuung muss
dabei in jedem Fall gewährleistet sein (vgl. Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe
[Hrsg.], Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe, C.1.3; http://
skos.ch). Die Ausübung einer – teilzeitlichen – Erwerbstätigkeit stellt unter
Berücksichtigung des Alters der Kinder – sie sind achteinhalb-, neuneinhalb- und
elfjährig – selbst an eine in der schweizerischen Gesellschaft umfassend integrierte
alleinerziehende Mutter besondere Anforderungen. Umso mehr gilt dies für die
Beschwerdeführerin, die weder in der europäischen noch insbesondere in der
schweizerischen Kultur verwurzelt ist. In der polizeilichen Befragung vom 16. August
2013 im Zusammenhang mit der Abklärung des Sachverhalts zur Beurteilung des
Gesuchs äusserte die Beschwerdeführerin, sie würde gerne halbtags einer Arbeit
nachgehen, jedoch sei es schwierig, mit dem F-Aufenthaltsstatus eine Arbeit zu finden
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(act. 8/5, Dossier X.Y. S. 72). Anhaltspunkte für konkrete Bemühungen um eine
zumindest ansatzweise wirtschaftliche Integration sind allerdings mindestens zurzeit
nicht nachgewiesen. Auch für die Dauer des Beschwerdeverfahrens macht die
Beschwerdeführerin keine solchen Bemühungen, die für den Beschwerdeentscheid zu
berücksichtigen wären (vgl. BGE 128 II 145 E. 1.1.3), geltend. Dafür, dass die
konkreten Lebensumstände der Beschwerdeführerin zurzeit jedoch nur sehr wenig
Raum für Massnahmen zur beruflichen Integration lassen, spricht auch, dass
entsprechende konkrete Hilfestellungen der Sozialhilfebehörde nicht dokumentiert sind.
Für eine günstige Beurteilung der künftigen wirtschaftlichen Integration gibt es damit
lediglich – aber immerhin – einen konkreten Anhaltspunkt. Für die Glaubwürdigkeit des
Willens der Beschwerdeführerin, auch die wirtschaftliche Existenz der Familie
zumindest teilweise auf eigene Füsse zu stellen, spricht, dass sie sich – was ihr auch
die Vorinstanz attestiert – aktiv um eine Integration in der Schweiz bemüht. Die
Bemühungen beschränkten sich mit Sprachkursen, der Nutzung der Integration
dienender Angebote und der Pflege guter persönlicher Beziehungen vor allem auch zu
den Lehrpersonen ihrer Kinder zwar vorab auf den gesellschaftlichen Bereich. Dieses
Verhalten ist aber an sich geeignet, auch eine günstige Ausgangslage für eine
wirtschaftliche Integration zu schaffen.
Das bisher fehlende konkrete Bemühen der Beschwerdeführerin um eine
wirtschaftliche Integration ist – auch aus der Sicht der Vorinstanz – der einzige
Umstand, welcher gegen die Erteilung einer Härtefallbewilligung spricht.
3.3. Abschliessend sind die dargelegten Umstände im Hinblick auf das Vorliegen einer
persönlichen Notlage, welche die Annahme eines schwerwiegenden persönlichen
Härtefalls im Sinn von Art. 84 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b
AuG und Art. 31 Abs. 1 VZAE rechtfertigt, zu würdigen.
3.3.1. Ist die ausländische Person vorläufig in der Schweiz aufgenommen, steht bei der
Prüfung, ob die Voraussetzungen der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung wegen
eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls erfüllt sind, nicht in Frage, ob die mit
der Verweigerung verbundene Wegweisung aus der Schweiz zu einer persönlichen
Notlage führt. Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder bleiben auch bei der Fortführung
der humanitären Aufnahme auf unbestimmte Zeit in der Schweiz
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anwesenheitsberechtigt. Stünde der Widerruf oder die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung in Frage, wäre im Zusammenhang mit der Wegweisung
entsprechend Art. 83 Abs. 1 AuG erneut zu prüfen, ob deren Vollzug möglich, zulässig
und zumutbar ist. In beiden Fällen ist das Anwesenheitsrecht befristet. Die humanitäre
Aufenthaltsbewilligung bedarf der jährlichen Überprüfung; die vorläufige Aufnahme ist
mit einem unbestimmten Endzeitpunkt – nämlich dem Eintritt der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs – befristet und wird ebenfalls periodisch überprüft (Art. 84 Abs. 1
AuG).
Trotzdem hat Art. 84 Abs. 5 AuG insofern eine grosse Bedeutung, als viele vorläufig
aufgenommene Personen dauerhaft in der Schweiz bleiben und sie somit bei einem
sich abzeichnenden dauerhaften Verbleib in der Schweiz ein Interesse an einer
ordentlichen ausländerrechtlichen Regelung ihres Aufenthaltsstatus haben (vgl. Illes,
a.a.O., N 24 zu Art. 84 AuG). Mit Art. 84 Abs. 5 AuG hat der Gesetzgeber zum
Ausdruck gebracht, dass ein auf einer vorläufigen Aufnahme beruhendes
Anwesenheitsrecht in einem Ausmass per se prekär erscheint, das jedenfalls nach
einer fünfjährigen Anwesenheit eine vertiefte Prüfung eines Gesuchs um Erteilung einer
härtefallbedingten Aufenthaltsbewilligung rechtfertigt. Das Anwesenheitsrecht der
Beschwerdeführerin und ihrer Kinder erhielte mit der Erteilung der – humanitären –
Aufenthaltsbewilligung insoweit eine sicherere Grundlage, als für die Frage der
Beendigung des Aufenthalts in der Schweiz nicht mehr bloss – wie bei der Beurteilung
der Weiterführung der vorläufigen Aufnahme – die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs von Bedeutung ist. Allerdings werden auch bei der Beurteilung
der Zumutbarkeit des Vollzugs einer Wegweisung Umstände berücksichtigt, die ihren
Ursprung in der Schweiz haben. Darunter fallen beispielsweise die Einschulung der
Kinder und der Grad der sozialen und beruflichen Integration (vgl. R. Illes, Die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Ausländer- und Asylrecht, in: Jahrbuch für
Migrationsrecht 2006/2007, S. 31 ff., S. 45 f.), vor allem aber auch das Kindeswohl,
indem die Integration im Heimatland sich umso schwieriger gestaltet, je weiter sie in
der Schweiz erfolgt ist (vgl. BVerwGer D-4001/2006 vom 4. Juni 2007 E. 3.3).
Hinsichtlich der Aussichten für eine wirtschaftliche Integration darf zudem
berücksichtigt werden, dass nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
vorläufig Aufgenommene auf dem Arbeitsmarkt mit Schwierigkeiten konfrontiert
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werden, die nicht geleugnet werden können (vgl. BVerwGer C_1138/2013 vom 24.
September 2013 E. 6.2.1 mit Hinweis auf C-351/2010 E. 9.3.1).
3.3.2. Fraglich ist, ob unter diesen Umständen allein deshalb ein persönlicher
schwerwiegender Härtefall im Sinn von Art. 84 Abs. 5 AuG in Verbindung mit Art. 30
Abs. 1 Ingress und lit. b AuG verneint werden darf, weil der beantragten
Aufenthaltsbewilligung der Widerrufsgrund von Art. 62 Ingress und lit. e AuG entgegen
gehalten werden kann.
Eine solche Handhabung der Bestimmung zur Härtefallbewilligung entspricht im
vorliegenden Fall nicht einer pflichtgemässen Ermessensausübung und erscheint als
Ermessensunterschreitung rechtsfehlerhaft, weil bei der Beurteilung des Härtefalls eine
umfassende Würdigung sämtlicher Umstände erforderlich ist und in der Regel nicht ein
einzelnes Kriterium für sich allein und ohne Berücksichtigung der weiteren Umstände
ausschlaggebend sein soll. In der Literatur wird denn auch die Auffassung vertreten,
eine (noch) unzureichende berufliche Integration dürfe sich nicht entscheidwesentlich
auswirken. Die Aufenthaltsbewilligung könne nur bei erheblichen Integrationsdefiziten,
das heisst bei selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit und/oder Sozialhilfeabhängigkeit
verweigert werden. Insbesondere könne von alleinerziehenden Personen die
Eingliederung in den Arbeitsprozess und die Unabhängigkeit von Sozialhilfe nicht
verlangt werden (vgl. P. Bolzli, in: Spescha/Thür/Zünd/ Bolzli/Hruschka [Hrsg.],
Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, Rz. 12 zu Art. 84 AuG).
Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin in der Zeit, als der Aufenthaltsort ihres
Ehemannes noch bekannt war und sie mit ihm zusammen lebte, keinen wirtschaftlichen
Beitrag an den Unterhalt der Familie leistete, kann nicht ein von der Dauer der
Anwesenheit unabhängiges absolutes Gewicht zugemessen werden. Dies ist jedoch
der Fall, wenn die Abweisung der Gesuche um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
sowohl im Jahr 2010 als auch Ende 2014 im Wesentlichen gleichermassen damit
begründet wird. Im weiteren Verlauf der familiären Entwicklung liegen wie bereits
dargelegt nachvollziehbare Gründe dafür vor, dass die Beschwerdeführerin bisher
keine Erwerbstätigkeit aufnahm und sich – jedenfalls sind solche Bemühungen nicht
aktenkundig – nicht konkret darum bemühte.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
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4. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde dementsprechend als begründet.
Sie ist gutzuheissen und der angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 27.
November 2014 aufzuheben. Die Angelegenheit ist zur umfassenden Prüfung und zum
neuen Entscheid, gegebenenfalls zur Unterbreitung an das Staatssekretariat für
Migration zur Prüfung als Härtefall gestützt auf Art. 99 AuG und Art. 85 VZAE sowie Art.
5 Ingress und lit. d der Verordnung des EJPD über die dem Zustimmungsverfahren
unterliegenden ausländerrechtlichen Bewilligungen und Vorentscheide (SR 142.201.1)
in Verbindung mit Ziffer 5.6.1 der Weisungen und Erläuterung Ausländerbereich des
Staatssekretariats für Migration (Weisungen AuG in der Fassung vom 6. Januar 2016,
www.sem.admin.ch) zurückzuweisen.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2‘000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP).
Die Beschwerdeführer, deren Rechtsvertreterin keine Kostennote eingereicht hat, sind
ausseramtlich für das Beschwerdeverfahren mit CHF 2‘500 zuzüglich pauschal vier
Prozent Barauslagen und Mehrwertsteuer sowie für das Rekursverfahren mit CHF
1‘000 inklusive Barauslagen zuzüglich Mehrwertsteuer unter Anrechnung der von der
Vorinstanz aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung der Rechtsvertreterin
zugesprochenen Entschädigung von CHF 800 zuzüglich Mehrwertsteuer, soweit sie
bereits bezahlt wurde, zu entschädigen (Art. 6, Art. 19, Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. a
und b, Art. 28bis Abs.1 und Art. 29 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten; sGS 963.75, HonO).