Decision ID: 23ae4881-6fd2-527b-85c5-3004ceaca50f
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie – verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge mit einem gefälsch-
ten Pass am 6. Juni 2016 und gelangte über Malaysia, Katar, die Türkei
und Ungarn am 6. Juli 2016 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl
ersuchte. Am 19. Juli 2016 wurde er im Rahmen der Befragung zur Person
(BzP) summarisch befragt.
B.
Mit Verfügung vom 18. August 2016 trat das SEM gestützt auf Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers nicht ein und verfügte die Wegweisung nach Ungarn. Die gegen diese
Verfügung erhobene Beschwerde vom 31. August 2016 hiess das Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil E-5268/2016 vom 30. Juni 2017 gut, weshalb
sein Asylverfahren in der Schweiz durchgeführt wurde.
C.
Am 12. September 2018 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asylgrün-
den angehört.
D.
Zur Begründung seines Gesuchs machte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen geltend, er sei im Jahr 2015 oder im April 2016 von sechs oder
sieben vermummten Unbekannten angegriffen und mit einem Stock oder
einer Eisenstange geschlagen worden – seither habe er Probleme mit sei-
nem linken Auge. Sie hätten ihn nach seiner in der Schweiz lebenden
Schwester gefragt. Die Unbekannten seien ausserdem einmal beziehungs-
weise zwei Mal im Januar und Mai 2016 zu ihm nach Hause gekommen
und hätten sich nach ihm erkundigt. Anlässlich der BzP gab er auf die
Frage, ob er die Unbekannten zur Anzeige gebracht habe, an, sein Vater
habe Anfang 2016 beim Polizeiposten von B._ eine Anzeige erstat-
tet, wobei die Behörden die Anzeige nicht entgegengenommen hätten. An-
lässlich der Anhörung führte er demgegenüber aus, weder er noch seine
Eltern hätten den Vorfall den Behörden gemeldet. Weder er noch seine
Familie seien für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) tätig gewe-
sen.
Der Beschwerdeführer habe in der Schweiz an einer Kundgebung sowie
am Heldentag-Anlass teilgenommen.
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Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er unter anderem seine Identitäts-
karte im Original, drei Fotos betreffend exilpolitische Tätigkeiten, ärztliche
Berichte und Anmeldungen betreffend Operation des linken Auges datie-
rend vom 5. September 2016 – 13. September 2017 und Untersuchung
zwecks Abklärung Darmprobleme (Arztzeugnis, 100% Arbeitsunfähigkeit
am 2. Juli 2018 und Untersuchungstermin vom 12. Juli 2018) sowie einen
allgemeinen Bericht zur Menschenrechtslage in Sri Lanka zu den Akten.
E.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2020 – eröffnet am 31. Januar 2020 – lehnte
das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg-
weisung sowie den Vollzug an.
F.
Mit Eingabe vom 2. März 2020 (Poststempel) erhob der Beschwerdeführer
gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung
der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung beziehungsweise die
Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz infolge der Unzu-
lässigkeit, Unzumutbarkeit oder der Unmöglichkeit des Wegweisungsvoll-
zugs. In prozessualer Hinsicht wurde um vollumfängliche unentgeltliche
Rechtspflege sowie Verzicht auf Kostenvorschuss ersucht.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 17. März 2020 stellte die damals zuständige
Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abwarten und hiess das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Befreiung von der Kosten-
vorschusspflicht gut. Den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der
amtlichen Verbeiständung verschob sie auf einen späteren Zeitpunkt und
forderte den Beschwerdeführer auf, eine Person zu bezeichnen, die ihm
als amtliche Rechtsbeiständin oder amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet
werden könne.
H.
Mit Eingabe vom 26. März 2020 zeigte die rubrizierte Rechtsvertreterin die
Mandatsübernahme an.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2020 hiess die Instruktionsrichterin
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das Gesuch um amtliche Verbeiständung gut und setzte die rubrizierte
Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin ein.
J.
Mit Eingabe vom 3. April 2020 reichte die rubrizierte Rechtsvertreterin eine
Beschwerdeergänzung sowie ihre Kostennote zu den Akten.
K.
In seiner Vernehmlassung vom 29. April 2020 hielt das SEM vollumfänglich
an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
L.
Mit Replik vom 26. Mai 2020 nahm die rubrizierte Rechtsvertreterin zur
Vernehmlassung des SEM Stellung und reichte eine aktualisierte Kosten-
note zu den Akten.
M.
Das vorliegende Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die
im Rubrum genannte vorsitzende Richterin umgeteilt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht
zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-
chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG
[SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und der
Beschwerdeführer ist beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen fest,
die geltend gemachten Vorbringen betreffend den Übergriff durch Dritte
seien offensichtlich nicht asylrelevant. Der Beschwerdeführer hätte sich an
die sri-lankischen Behörden wenden können, um sich vor diesen Personen
zu schützen. Es gebe keinerlei Anzeichen, dass die Behörden in seinem
Fall nicht schutzwillig beziehungsweise schutzfähig gewesen seien. Er
habe geltend gemacht, die Polizei habe die Anzeige seines Vaters nicht
entgegengenommen, jedoch habe die Attacke auf ihn zum Zeitpunkt der
Anzeige noch gar nicht stattgefunden. Im Januar 2016 hätten sich die un-
bekannten Personen lediglich nach ihm erkundigt, wobei ihm zuzumuten
gewesen wäre, nach dem tätlichen Angriff auf seine Person persönlich bei
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der Polizei um Schutz zu suchen. Weil er auf Nachfrage die Verantwortli-
chen und die Gründe für die Suche nicht habe nennen können, handle es
sich bei den Angreifern wohl nicht um sri-lankische Behörden. Bei offen-
sichtlich fehlender Asylrelevanz könne darauf verzichtet werden, auf die
vorhandenen Unglaubhaftigkeitselemente einzugehen.
Auch die geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten würden keine
Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka begründen. Den Akten seien keine konkreten Hinweise zu entneh-
men, dass er sich in qualifizierter Weise exilpolitisch betätige. An dieser
Einschätzung würden auch die eingereichten Beweismittel nichts ändern,
zumal sich anhand der Fotos seine angebliche exilpolitische Tätigkeit nicht
ableiten liesse. Sein Verhalten in der Schweiz sei insgesamt nicht geeignet,
ein ernsthaftes Interesse der sri-lankischen Behörden zu bewirken. Zudem
bestünden keine Anhaltspunkte für die Annahme, in Sri Lanka wäre gegen
ihn aufgrund der geltend gemachten Aktivitäten behördliche Massnahmen
eingeleitet worden. Demnach könne nicht davon ausgegangen werden,
dass er als konkrete Bedrohung für die sri-lankischen Behörden wahrge-
nommen und verfolgt werde.
In Anwendung der Rechtsprechung zur Prüfung der Risikofaktoren sei fest-
zuhalten, dass er nicht geltend gemacht habe, Vorverfolgung erlitten zu
haben. Vielmehr sei er bis im Jahr 2016 in Sri Lanka wohnhaft gewesen.
Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren vermöchten
folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden
auszulösen und es sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten sollte. Auch die
aktuelle Lage in Sri Lanka vermöge diese Einschätzung nicht umzustos-
sen, zumal der Beschwerdeführer keinen konkreten Bezug hierzu aufwei-
sen würde. Demzufolge würden seine Vorbringen den Anforderungen an
die Flüchtlingseigenschaft nicht stand halten.
4.2 In seiner Beschwerdeschrift beziehungsweise der Beschwerdeergän-
zung hielt der Beschwerdeführer fest, seine Vorbringen seien glaubhaft, die
wenigen Widersprüche habe er erklären oder sie auf seine Vergesslichkeit
zurückführen können. Seine Schwester habe Sri Lanka verlassen müssen,
weil ihr Ehemann Beziehungen zu den LTTE gehabt habe. Er wisse nicht,
weshalb seine Schwester Probleme gehabt habe, da sie ihm auch auf
Nachfrage die Umstände ihrer Verfolgung verschwiegen habe. Seine an-
dere Schwester sei im Januar 2020 auf dem Weg zu einer Fahrzeugkon-
trolle nach ihm gefragt worden. Die Vorinstanz sei bezüglich der fehlenden
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Inanspruchnahme staatlichen Schutzes mit den Verhältnissen in Sri Lanka
wenig vertraut. Er könne als Tamile, der mit Unbekannten Schwierigkeiten
habe, die womöglich im Auftrag des Staates agieren würden, nicht mit
Schutzmassnahmen rechnen. Mit Verweis auf den eingereichten Länder-
bericht führte er aus, seit dem Machtwechsel könne nicht von einem
Schutzwillen gegenüber Tamilen ausgegangen werden, weil sich der sri-
lankische Staat offenkundig nicht um Minderheiten schere; die staatliche
Repression habe zugenommen. Angesichts der politischen Verschärfung
der Lage in Sri Lanka sei damit zu rechnen, dass Personen, die lediglich
schwache Risikofaktoren erfüllen würden, ein erhöhtes Verfolgungsrisiko
unter dem neuen Regime zu befürchten hätten. Bezüglich seines Risi-
koprofils sei festzuhalten, dass dieses vom Profil seiner Schwester und ih-
rem Ehemann sowie von den ihm vorenthaltenen Geschehnissen abhänge
– er bitte das Gericht, ihm Zeit zur Einholung dieser Informationen zu ge-
ben.
Es stimme zwar, dass er nach einem Angriff ausgereist sei. Es sei aber
absehbar gewesen, dass die Unbekannten ihn erneut angreifen, inhaftie-
ren oder sogar foltern würden, wobei bei Angriffen durch Unbekannte mit
der Zunahme von Repressalien zu rechnen sei. Als Angehöriger einer un-
terdrückten Minderheit in einem Willkürstaat lebe er in Gefahr, erneut An-
griffen ausgesetzt zu sein. Diese Annahme bestätige sich durch die Suche
nach ihm bei ihm zuhause, als er bereits bei seinem Onkel gewesen sei.
Sein Leben sei in Gefahr gewesen, weshalb er ernsthafte Nachteile zu be-
fürchten habe. Er sei auch exilpolitisch tätig (er nehme an Feierlichkeiten
des Heldentages und Kundgebungen zum 1. Mai teil). Er sei wegen seiner
gesundheitlichen Probleme (Auge und Darm) in der Schweiz in Behand-
lung. Sein Auge sei erneut operiert worden. Sein Rücken fühle sich seit den
Schlägen immer noch taub an.
4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, das Asyldossier der
Schwester des Beschwerdeführers sei von der behandelnden Fachspezi-
alistin konsultiert worden. Aus den Akten der Schwester hätten sich jedoch
keine Hinweise auf eine asylrelevante Verfolgung des Beschwerdeführers
ergeben. Lediglich der an ihrer Anhörung gemachte Hinweis, zwei Unbe-
kannte hätten sich bei ihren Eltern nach ihr erkundigt, ändere nichts an der
fehlenden Asylrelevanz der vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Vorbringen. Auch seine Schwester spreche lediglich von einer Erkundigung
durch Unbekannte, welche nicht zwingend den sri-lankischen Behörden
zuzuordnen seien. Weiter habe der Beschwerdeführer seine von der
Schwester geltend gemachte Erkundung im Jahr 2014 nicht erwähnt und
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nur von Problemen ab dem Jahr 2016 gesprochen. Es erscheine zudem
unplausibel, dass die sri-lankischen Behörden, die hinter seiner Schwester
her seien, sich nach seiner Ausreise nach ihm und nicht nach der eigentli-
chen Zielperson, seiner Schwester, erkundigt hätten. Es werde im Übrigen
am Vorbehalt zu den vorhandenen Unglaubhaftigkeits-elementen festge-
halten.
4.4 In seiner Replik führte der Beschwerdeführer aus, sein Schwager sei
in der Schweiz aufgrund seiner LTTE-Tätigkeit – er habe in deren Admi-
nistration gearbeitet – als Flüchtling anerkannt worden. Bis die Schwester
des Beschwerdeführers im Jahr 2014 mittels Familiennachzug in die
Schweiz gereist sei und während sie in Sri Lanka alleine gelebt habe, sei
sie einer starken Regressverfolgung ausgesetzt gewesen und von zivilge-
kleideten Armeeangehörigen sexuell belästigt worden. Zwei Jahre später
sei auch der Beschwerdeführer Opfer staatlicher Verfolgung geworden. Es
sei unklar, ob sich das Interesse an seiner Schwester auf ihre sexuelle Aus-
beutung beschränke oder auf ihr unterstelltes Wissen über ihren Ehemann.
Die vom Bundesverwaltungsgericht aufgestellten Risikofaktoren seien
noch immer aktuell und müssten unter der neuen Regierung verschärft An-
wendung finden. Eine verwandtschaftliche Beziehung zu einer Person, der
in der Schweiz Asyl erteilt worden sei, führe unweigerlich zu einer Verfol-
gung. Irrelevant sei, ob die verfolgte Person tatsächlich über das ihr unter-
stellte Wissen verfüge beziehungsweise Kontakte zur gesuchten Person
habe oder nicht. Es sei einzig auf den Blickwinkel des sri-lankischen Staa-
tes abzustellen. Das Interesse an der Schwester des Beschwerdeführers
sei aktuell und gross, weshalb die Behörden versucht hätten, über den Be-
schwerdeführer an wichtige Informationen zu seiner Schwester zu gelan-
gen. Es sei nicht unüblich, dass Verwandte von gesuchten Personen einer
sehr intensiven und lebensgefährlichen staatlichen oder quasi-staatlichen
Verfolgung ausgesetzt seien. Auch ohne vertiefte Kenntnis der Tätigkeiten
und Verfolgung seiner Schwester könne davon ausgegangen werden, dass
ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit Verfolgung drohen werde. Angesichts der
politischen Veränderungen in Sri Lanka sei von einer Verschärfung der Si-
tuation auszugehen. Somit sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von künf-
tiger asylrelevanter Verfolgung auszugehen.
Es sei irrelevant, ob die Aggressoren in Uniform aufgetreten seien oder
nicht. Der sri-lankische Staat gewähre Personen mit dem Profil des Be-
schwerdeführers keinen Schutz, sondern bediene sich regelmässig priva-
ter Gruppen wie der regimetreuen Eelam People’s Democratic Party
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(EPDP) und der Karuna-Gruppe, um Menschenrechtsverletzungen wie
Einschüchterungen, Entführungen, Vergewaltigungen oder Tötungen
durchzuführen. Die paramilitärischen Gruppierungen hätten die Aufgabe,
das Entstehen eines ernsthaften politischen Widerstands gegen die Regie-
rung zu verhindern. Sie würden mit ihren Aktivitäten ihre Gebiete abgren-
zen, ihr Einkommen sichern und die von den sri-lankischen Sicherheits-
kräften gegebenen Aufgaben wahrnehmen. Dabei würden neue Mitglieder
auch zwangsrekrutiert. Zu den Aktivitäten der EDPD existierten viele doku-
mentierte Fälle, die aufzeigen würden, dass die tamilische Zivilgesellschaft
in Jaffna regelmässig durch diese Aktivitäten bedroht, entführt und gefoltert
werde. Vor diesem Hintergrund sei der Schluss der Vorinstanz unzutref-
fend, es sei in Zweifel zu ziehen, ob es sich bei den Unbekannten um staat-
liche Akteure handle. Diese Verschleierung der Herkunft habe in Sri Lanka
System und müssten dem sri-lankischen Staat zugerechnet werden. Dass
der Beschwerdeführer lediglich von seinen Problemen im Jahr 2016 ge-
sprochen habe, die Suche nach seiner Schwester im Jahr 2014 aber uner-
wähnt gelassen habe, erstaune nicht weiter, zumal er gefragt worden sei,
was ihm persönlich widerfahren sei. Als rechtsunkundige Person ohne
Rechtsvertretung habe er nicht verstanden, dass mit dieser Frage auch die
Verfolgung gegenüber anderen Familienmitgliedern gemeint sei. Schliess-
lich könne die Nachfrage nach ihm und nicht seiner Schwester damit erklärt
werden, dass die Unbekannten glaubten, er sei immer noch in Sri Lanka.
5.
5.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass es
dem Beschwerdeführer nicht gelingt, eine asylrelevante Verfolgung glaub-
haft zu machen. Die diesbezügliche Einschätzung der Vorinstanz in der
angefochtenen Verfügung ist zu bestätigen. Zur Vermeidung von Wieder-
holungen kann auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwie-
sen werden. Das Gericht zieht zur Beurteilung das Dossier der Schwester
C._ (N [...]) bei.
5.2 Wie auch die Vorinstanz geht das Gericht davon aus, dass es sich vor-
liegend um mögliche Übergriffe von privaten Dritten gehandelt hat. Der Be-
schwerdeführer hat mehrmals bestätigt, nicht zu wissen, wer ihn verfolgt
habe, wobei er lediglich vermutete, dass dieser Überfall mit den Ausreise-
gründen seiner Schwester zusammenhänge (vgl. BzP Ziff. 7.01; Anhörung
F35, F38-F39 und F42). Er vermag somit seine subjektiven Befürchtungen,
im Heimatstaat im Fall einer Rückkehr von den Behörden gezielt verfolgt
zu werden, nicht substanziell zu konkretisieren. Hätten die Behörden im
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Jahr 2015/2016, also ein Jahr nach der Ausreise seiner Schwester, tat-
sächlich ein aktuelles und grosses Interesse an seiner Schwester gehabt,
wäre anzunehmen gewesen, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls
an seine vier Geschwister in Sri Lanka gewandt hätten. Der Einwand des
Beschwerdeführers, die Behörden hätten sich wohl nicht nach seiner Fa-
milie über seine Schwester erkundigt, weil diese das Haus kaum verlassen
habe (vgl. Anhörung F62), ist nicht überzeugend, zumal die Familie auch
zu Hause hätte ausfindig gemacht werden können. Seine Schwester ist
zwar ins Visier der Behörden geraten; dies jedoch bereits im Jahr 2014,
weshalb die Vorfälle betreffend die Schwester weder sachlich noch zeitlich
kausal für die Ausreise des Beschwerdeführers im Jahr 2016 erscheinen.
Weiter ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass die Verfolger sich bei Inte-
resse an seiner Schwester oder ihrem Mann wohl kaum nach ihm, sondern
nach seiner Schwester erkundigt hätten. Ausser dem Hinweis auf die Ver-
mummung und die langen Haare bestehen keine Anhaltspunkte und somit
nicht genügend Hinweise, die auf die Identität der Angreifer als paramilitä-
rische Gruppierungen schliessen lassen würden wie auf Beschwerde-
ebene geltend gemacht wurde.
5.3 Die Flüchtlingseigenschaft setzt bei einer Verfolgung durch Dritte
voraus, dass der geltend gemachten Verfolgung oder der staatlichen
Schutzverweigerung ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv gemäss Art. 3
Abs. 1 AsylG (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be-
stimmten sozialen Gruppe, politische Anschauungen) zugrunde liegt
(vgl. Urteil des BVGer D-2002/2020 vom 3. Dezember 2021 E. 6.7).
5.3.1 Aus dem Vorfall von 2015 oder 2016 lässt sich seitens der Unbekann-
ten kein Motiv gemäss Art. 3 AsylG erkennen. Die Flüchtlingseigenschaft
muss schon deshalb verneint werden.
5.3.2 Auch ist die Vorinstanz vorliegend zu Recht vom bestehenden
Schutzwillen und der Schutzfähigkeit der sri-lankischen Behörden ausge-
gangen. Eine Garantie für langfristigen individuellen Schutz der von nicht-
staatlicher Verfolgung bedrohten Person kann dabei nicht verlangt werden.
So kann es keinem Staat gelingen, jederzeit und überall die absolute Si-
cherheit seiner Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. Hingegen muss
der Staat eine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfü-
gung stellen. Zu denken ist an funktionierende polizeiliche Einrichtungen
und ein verlässliches Rechts- und Justizsystem, welches eine effektive
Strafverfolgung ermöglicht. Zudem muss die Inanspruchnahme des
Schutzsystems der betroffenen Person objektiv zugänglich und individuell
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zumutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung unter Be-
rücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu beurteilen ist
(vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3 f. m.w.H.; Urteil des BVGer E-6902/2019 vom
5. Oktober 2021 E. 5.3).
5.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht praxisgemäss von der Schutz-
fähigkeit und dem Schutzwillen des sri-lankischen Staates gegenüber sei-
nen Bürgerinnen und Bürgern aus (vgl. Urteil E-6902/2019 E. 5.3; Urteil
des BVGer E-3931/2020 vom 22. März 2021 E. 10.3). Dem Einwand, der
tamilischen Minderheit werde generell kein Schutz gewährt, kann jeden-
falls nicht gefolgt werden. Auch der Einwand des Beschwerdeführers zur
individuellen Schutzunwilligkeit der Behörden muss als unbehelflich gewer-
tet werden, zumal er sich gemäss seinen Angaben anlässlich der Anhörung
auch nicht bemüht hat, um Schutz zu suchen. Es wäre dem Beschwerde-
führer durchaus zumutbar gewesen, den Übergriff bei den Sicherheitskräf-
ten anzuzeigen, zumal wie eingangs erwogen, nicht zu überzeugen ver-
mag, dass die Behörden selbst hinter den Übergriffen steckten.
5.4 Dem Beschwerdeführer ist darüber hinaus entgegenzuhalten, dass er
sich den Nachstellungen Dritter auch ohne weiteres durch eine Wohnsitz-
verlegung zu seinem im Vanni-Gebiet lebenden Onkeln hätte entziehen
können, bei welchem er sich vor seiner Ausreise mehrere Monate unbe-
helligt aufgehalten hatte.
5.5 Schliesslich sind angesichts der vagen Zeitangaben des Beschwerde-
führers zum Überfall (im Jahr 2015 oder 2016) auch Zweifel an der Kausa-
lität zwischen den geltend gemachten Vorfällen und seiner Ausreise am
6. Juni 2016 ersichtlich. Angesichts der vorstehenden Erwägungen erübrigt
es sich, weiter auf diese einzugehen.
5.6 Gesamthaft ist daher für den Zeitpunkt der Ausreise nicht von einer
asylrelevanten Vorverfolgung des Beschwerdeführers auszugehen, wel-
che die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG begründen und zur
Asylgewährung führen könnte.
6.
6.1 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb die Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen wäre. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenz-
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urteil E-1886/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der ta-
milischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind
(vgl. a.a.O. E. 8.3). Bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die «Stop-List»,
Verbindungen zu den LTTE, frühere Verhaftungen und exilpolitische Aktivi-
täten) sind als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im
Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich allein genommen zur
Bejahung einer begründeten Furcht führen können. Demgegenüber stellen
das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, gut sichtbare Narben und
eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risiko-
begründende Faktoren dar. Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die kon-
kret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Ge-
fährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht,
dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaf-
ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-
lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den ta-
milischen Separatismus wieder aufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1).
An dieser Einschätzung vermag die aktuelle – zwar als volatil zu bezeich-
nende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungsge-
richt ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Ent-
wicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfin-
dung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer mögli-
chen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Personen mit
einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits
vorher ausgesetzt waren (vgl. Urteil des BVGer E-4603/2021 vom 9. De-
zember 2021 E. 7.5 m.w.H). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt kei-
nen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze
Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
6.2 Vorliegend erwog die Vorinstanz zu Recht, es bestehe kein begründe-
ter Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit oder in absehbarer Zu-
kunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Der
Beschwerdeführer selbst hat keine LTTE-Verbindungen geltend gemacht
(vgl. BzP Ziff. 7.01; Anhörung F32), weshalb auch nicht anzunehmen ist,
dass er deswegen ins Visier der heimatlichen Behörden geraten ist. Viel-
mehr hat er nach Ende des Krieges noch sieben Jahre unbehelligt in Sri
Lanka gelebt. Auch die in Sri Lanka verbliebene Familie hat keinen Bezug
zu den LTTE. Das Risikoprofil massgeblich zu schärfen, vermag auch der
Umstand nicht, dass sowohl der Schwager des Beschwerdeführers, der für
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die LTTE in der Administration tätig war, als auch seine Ehefrau – die
Schwester des Beschwerdeführers – aufgrund von Reflexverfolgung in der
Schweiz Asyl erhalten haben. Dass diese Verwandtschaft zu einem gestei-
gerten Interesse der Behörden zu führen vermöchte, erscheint unwahr-
scheinlich, zumal das Profil des Schwagers wenig hervorspringt, der Be-
schwerdeführer entsprechende Behelligungen vor der Ausreise nicht
glaubhaft machen konnte und auch die übrige Familie weiterhin gänzlich
unbehelligt im Heimatland verblieb. Zudem erweist sich das geltend ge-
machte exilpolitische Engagement des Beschwerdeführers (Teilnahme an
der 1. Mai Kundgebung und am Heldentag-Anlass sowie Halten einer
Flagge) – aufgrund seines Schulbesuchs habe er keine Zeit, weitere Ver-
anstaltungen zu besuchen (vgl. Anhörung F86) – als niederschwellig und
ist nicht geeignet, die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden auf sich
zu ziehen. Obwohl nicht auszuschliessen ist, dass er bei seiner Rückkehr
im Rahmen eines sogenannten «Background Check» (Befragung und
Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) von den sri-lankischen
Behörden befragt wird, vermag dieser Umstand noch keine Asylrelevanz
zu begründen. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass er auf
einer «Stop-» oder «Watch-List» vermerkt ist. Angesichts dieser Konstella-
tion ist vorliegend weder aus seiner rund fünfjährigen Landesabwesenheit
noch den fehlenden Reisepapieren eine Gefährdung ableitbar.
6.3 In Würdigung dieser Umstände ist folglich nicht davon auszugehen,
dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine asylrelevante Verfol-
gung drohen könnte, weshalb das SEM das Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt hat.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
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gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
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müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.1 Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allge-
meiner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz Sri Lankas ist
zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien
(insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil E-1886/2015 vom
15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichti-
gung der aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka festzuhalten.
8.4.2 Das Gericht erachtet den Vollzug vorliegend als zumutbar. Wie das
SEM zutreffend ausführt handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen
jungen Mann mit einem O-Level-Schulabschluss, der zuletzt während ein-
einhalb Jahren als (...) im D._ -Spital sowie als Tagelöhner gear-
beitet (vgl. Anhörung F29) und somit Aussichten auf ein gesichertes Ein-
kommen hat. Zudem verfügt er über ein familiäres Beziehungsnetz in Sri
Lanka, bestehend aus vier Geschwistern, seinen Eltern und Onkeln und
Tanten. Seine Familie besitzt ein eigenes Grundstück und zumindest sein
Vater und seine Brüder arbeiten als Tagelöhner. Somit ist davon auszuge-
hen, dass er sich reintegrieren und für seine Lebenskosten aufkommen
können wird. Es darf auch davon ausgegangen werden, dass ihn die in Sri
Lanka verbliebenen Familienmitglieder sowie seine in der Schweiz wohn-
hafte Schwester zumindest vorübergehend finanziell unterstützen können.
Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme ist festzu-
stellen, dass diese bereits in der Schweiz weitgehend behandelt wurden.
Seine medizinischen Probleme – und allfällige künftige Beschwerden –
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können zudem in Sri Lanka angemessen behandelt werden. Sri Lanka ver-
fügt über ein funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem (vgl. Urteil
des BVGer D-68/2020 vom 25. Mai 2021 E. 8.5); die Gesundheitsversor-
gung ist grundsätzlich kostenlos und hat in den letzten Jahren insgesamt
grosse Fortschritte erzielt (vgl. Urteil des BVGer E-782/2021 vom 22. März
2021 E. 8.4.2.m.w.H.). Ferner kann der Beschwerdeführer auf die Möglich-
keit der Inanspruchnahme medizinischer Rückkehrhilfe hingewiesen wer-
den (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11.
August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Nach dem Gesagten erweist sich der
Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfah-
rens grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Nachdem das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 17. März 2020 gutgeheissen
wurde und es keine Hinweise auf eine massgebliche zwischenzeitliche Ver-
änderung gibt, sind jedoch keine Kosten aufzuerlegen.
10.2 Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2020 wurde die rubrizierte
Rechtsvertreterin dem Beschwerdeführer als amtliche Rechtsbeiständin
beigeordnet. Diese ist unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu ent-
schädigen soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8
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Abs. 2 VGKE). Die Rechtsvertretung wurde erst nach Beschwerdeerhe-
bung mandatiert, weshalb der Aufwand erst ab Einsetzung zu entschädi-
gen ist. In ihrer aktualisierten Kostennote vom 26. Mai 2020 hat die Rechts-
vertreterin einen Aufwand von insgesamt 5.5 Stunden geltend gemacht,
was als der Sache grundsätzlich angemessen erscheint. Allerdings wird
der Aufwand für die Erstellung der Kostennote praxisgemäss nicht vergü-
tet. Nach dem Gesagten ist das amtliche Honorar aufgrund der Aktenlage,
der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 9-11 VGKE)
und des praxisgemässen Stundenansatzes auf Fr. 940.– festzusetzen
(inkl. Auslagen; das amtliche Honorar umfasst keinen Mehrwertsteuerzu-
schlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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