Decision ID: bc8cd44d-eb6f-50af-bae5-49f05d2e775f
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Dezember 2001 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Im Januar 2002 berichtete der Chirurg Dr. med.
B._ (IV-act. 6–1 ff.), die Versicherte leide an einem lumbospondylogenen Syndrom
rechts, an einer Periarthropathia humero-scapularis tendinotica rechts, an einer
Doppelniere, an Fibromyalgien sowie an Stimmungsschwankungen. Seit dem 18.
November 2000 und bis auf weiteres sei sie vollständig arbeitsunfähig. Die IV-Stelle
ging gestützt auf einen Bericht der Klinik Valens vom 20. November 2000 (IV-act. 6–8
ff.) davon aus, dass der Versicherten leidensadaptierte Tätigkeiten mit vermehrten
Pausen zumutbar seien. Mit einer Verfügung vom 21. August 2002 wies sie das
Rentenbegehren deshalb ab (IV-act. 23). Mit einem Entscheid vom 12. August 2003 (IV
2002/183; vgl. IV-act. 30) hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen diese
Verfügung auf; es wies die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-
Stelle zurück. Am 6. Januar 2004 berichtete der Rheumatologe Dr. med. C._ (IV-act.
35), die Versicherte sei nach wie vor vollständig arbeitsunfähig. In einer adaptierten
Tätigkeit sollte sie aber zu 50 Prozent arbeitsfähig sein. Der Allgemeinmediziner Dr.
med. D._ berichtete am 6. März 2004 (IV-act. 37), die Versicherte leide an einer
schweren reaktiven Depression und sei deshalb momentan nicht in der Lage, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Am 12. März 2004 notierte Dr. med. E._ vom IV-
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internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 38), der Hausarzt Dr. D._ habe ihm
anlässlich eines Telefonats „absolut glaubwürdig“ eine Depression geschildert. Nach
Ansicht von Dr. E._ sei eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten
ausgewiesen. Mit einer Verfügung vom 16. April 2004 und vom 16. Juni 2004 sprach
die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2001 eine ganze Rente
zu (IV-act. 45 f.).
A.b Im August 2012 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, einen Fragebogen für die
Revision der Invalidenrente auszufüllen (IV-act. 66). Diese gab an, ihr
Gesundheitszustand habe sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Der
Allgemeinmediziner Dr. med. F._ bestätigte dies im Oktober 2012 (IV-act. 73). Trotz
mehreren Anfragen der IV-Stelle nahm Dr. C._ keine Stellung zum Krankheitsverlauf
in den letzten Jahren. Am 18. März 2013 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf zu
begründen, weshalb sie die psychiatrische Behandlung abgebrochen habe (IV-act. 77).
Am 21. März 2013 teilte Dr. F._ der IV-Stelle mit (IV-act.78), seines Wissens sei die
Versicherte wegen eines chronischen Rückenleidens berentet. Sie habe sich nie in
psychiatrischer Behandlung befunden. Am 29. April 2013 notierte der RAD-Arzt Dr.
med. G._ (IV-act. 85), anhand der medizinischen Akten lasse sich das Vorliegen einer
schwergradigen depressiven Störung nicht belegen. Retrospektiv könne nicht
festgestellt werden, ob die Versicherte je an einer schweren depressiven Störung
gelitten habe. Jedenfalls empfehle er zur Standortbestimmung die Einholung eines
polydisziplinären Gutachtens. Am 12. Dezember 2013 erstattete die medizinische
Abklärungsstelle (MEDAS) Zentralschweiz im Auftrag der IV-Stelle ein solches
Gutachten (IV-act. 94). Die Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an
einem chronischen unspezifischen lumbalen Schmerzsyndrom, an einer
subsyndromalen Depression (Differentialdiagnose: Dysthymia), anamnestisch an einer
leichtgradigen Urinbelastungsinkontinenz sowie an einer wiederholt festgestellten
Mikrohämaturie. Aus rheumatologischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand im
Vergleich zu jenem gemäss dem Bericht der Klinik Valens aus dem Jahr 2000 nicht
wesentlich verändert. Der Versicherten seien körperlich belastende Tätigkeiten nicht
mehr zumutbar. Körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten seien
dagegen unter gewissen Einschränkungen im Umfang von etwa 70 Prozent zumutbar.
Aus urologischer Sicht bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus
psychiatrischer Sicht sei die Versicherte zu 75 Prozent arbeitsfähig. Zum Verlauf könne
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keine zuverlässige Stellungnahme abgegeben werden, da sich die Versicherte nie in
psychiatrischer Behandlung befunden habe. Aufgrund der Aktenlage sei aber davon
auszugehen, dass sich die depressive Störung seit dem Jahr 2004 wesentlich
verbessert habe. Der RAD-Arzt Dr. G._ erachtete das Gutachten als überzeugend (IV-
act. 95).
A.c Mit einem Vorbescheid vom 31. Januar 2014 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten die „Einstellung“ der Invalidenrente aufgrund eines nicht mehr
rentenbegründenden Invaliditätsgrades von 30 Prozent an (IV-act. 99). Dagegen
wandte die Versicherte am 19. Februar 2014 ein (IV-act. 100–1), ihr
Gesundheitszustand habe sich seit der Rentenzusprache nicht verbessert, sondern
sogar verschlechtert. Ihrer Eingabe lag ein ärztliches Attest von Dr. F._ bei, der den
Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz vorgeworfen hatte, den „eigentlichen
Grund der Berentung“, nämlich den kompletten Verlust der statisch wichtigsten
Bandscheibe L5/S1 als Schmerzursache nicht anerkannt und als Bagatelle abgetan zu
haben, was medizinisch nicht haltbar sei (IV-act. 100–2 f.). Die RAD-Ärzte Dr. G._
und Dr. med. H._ notierten am 6. März 2014 (IV-act. 101), die Kritik von Dr. F._ sei
nicht geeignet, ernsthafte Zweifel an der Überzeugungskraft des Gutachtens der
MEDAS Zentralschweiz zu wecken. Mit einer Verfügung vom 25. März 2014 hob die IV-
Stelle die laufende Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden
Monats auf (IV-act. 102).
B.
B.a Dagegen liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) am 7. Mai 2014 eine Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und führte zur Begründung
dieses Antrages an, die ursprüngliche Rentenzusprache sei nicht nur wegen einer
schweren Depression erfolgt. Zudem belegten die Akten nicht, dass die
Beschwerdeführerin damals wirklich schwer depressiv gewesen sei. Der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich jedenfalls in den vergangenen
zehn Jahren nicht wesentlich verändert. Der psychiatrische Sachverständige der
MEDAS Zentralschweiz habe das Vorliegen einer schweren Depression einfach
unterstellt und daraus abgeleitet, diese Störung sei teilremittiert. Es liege kein
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Revisionsgrund vor. Überdies hätte die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) vor der Aufhebung der laufenden Rente ohnehin berufliche
Eingliederungsmassnahmen durchführen müssen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. August 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, die Sachverständigen der
MEDAS Zentralschweiz hätten eine Verbesserung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin nach der Rentenzusprache explizit bestätigt. Sollte das Gericht
dennoch zur Auffassung gelangen, dass die Revisionsvoraussetzungen nicht erfüllt
seien, sei die angefochtene Verfügung mit der substituierenden Begründung der
Wiedererwägung zu schützen.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 25. September 2014 an ihrem Antrag festhalten
(act. G 6) und einen Bericht des Psychiatrie-Zentrums I._ vom 23. September 2014
einreichen (act. G 6.1), laut dem sie aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung
mit einer gegenwärtig schwergradigen Episode und einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Die Behandlung hatte am 7.
Mai 2014 begonnen.
B.d Die Beschwerdegegnerin hielt am 9. Oktober 2014 ebenfalls an ihrem Antrag fest
und führte aus, das Attest des Psychiatrie-Zentrums vom 23. September 2014 sei nicht
genügend beweiskräftig (act. G 8).
B.e Am 27. Januar 2017 forderte das Versicherungsgericht das Psychiatrie-Zentrum
I._ auf anzugeben (act. G 10), was der Grund für die erheblichen Differenzen
hinsichtlich der Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung zwischen dem
Bericht vom 23. September 2014 und dem Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom
12. Dezember 2013 sei. Nachdem die ärztliche Leitung des Psychiatrie-Zentrums
mitgeteilt hatte, dass sowohl der damals behandelnde Assistenzarzt als auch der
Oberarzt, der diesen supervisiert habe, nicht mehr beim Psychiatrie-Zentrum
arbeiteten, ersuchte das Versicherungsgericht das Psychiatrie-Zentrum am 3. Februar
2017, die am 27. Januar 2017 gestellte Frage anhand der Akten zu beantworten (act. G
11). Am 6. Februar 2017 führte das Psychiatrie-Zentrum aus (act. G 12), die
Beschwerdeführerin sei im Zeitraum vom 7. Mai 2014 bis zum 5. Januar 2015
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insgesamt zu 14 Konsultationen erschienen. Sie habe jeweils von einem
Familienangehörigen begleitet werden müssen, der übersetzt habe. Nach der letzten
Konsultation habe die Beschwerdeführerin nicht mehr – auch nicht telefonisch –
erreicht werden können. Die Beschwerdegegnerin hielt am 6. März 2017 fest (act. G
14), das Schreiben vom 6. Februar 2017 nenne keinen Grund für die Abweichungen
vom Gutachten der MEDAS Zentralschweiz bezüglich der Diagnose und der
Arbeitsfähigkeit. Die Diskrepanz könnte von aggravatorischen Tendenzen vor dem
Hintergrund eines möglichen Verlustes einer ganzen Rente beeinflusst gewesen sein.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Stellungnahme zur Antwort des
Psychiatrie-Zentrums I._ (act. G 16).
B.f Schon am 14. März 2017 hatte der Hausarzt Dr. F._ darauf hingewiesen (act.G
15), dass sich die Chronizität der mehrfach beschriebenen Abnutzungserscheinungen
nicht ändern lasse. Angesichts des objektivierbaren, eindeutig sichtbaren
radiologischen Befundes sei das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin vollauf
berechtigt. Die Beschwerdegegnerin nahm am 30. März 2017 Stellung dazu (act. G 18).
Sie hielt fest, der fast komplette Verlust der Bandscheibe L5/S1, den Dr. F._ erwähnt
habe, sei schon von den Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz berücksichtigt
worden. Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Stellungnahme (act. G 19).

Erwägungen
1.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
revisionsweise für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben
(Art. 17 Abs. 1 ATSG). Die Notwendigkeit einer solchen Korrektur einer formell
rechtskräftig und damit verbindlich zugesprochenen Rente liegt darin begründet, dass
sich deren Zusprache für die Zukunft naturgemäss nicht auf einen mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermittelten
Sachverhalt, sondern nur auf eine Sachverhaltsprognose stützen kann. In aller Regel
lautet diese Prognose, dass sich der relevante Sachverhalt nicht verändern werde.
Kommt es nach der Rentenzusprache zu einer Sachverhaltsveränderung, verliert die
Prognose ihre Plausibilität. Sie muss für die Zukunft durch eine neue Prognose ersetzt
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werden, die lauten muss, der nun aktuelle Sachverhalt werde sich nicht verändern. Nur
so kann sichergestellt werden, dass die Rente weiterhin – trotz der
Sachverhaltsveränderung – den massgebenden tatsächlichen Verhältnissen entspricht
(vgl. zum Ganzen RALPH JÖHL, Die Revision nach Art. 17 ATSG, in: JaSo 2012, S. 153
ff.).
2.
2.1 Mit der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung vom 16. April 2004 und
vom 16. Juni 2004 ist der Beschwerdeführerin eine ganze Rente bei einem
Invaliditätsgrad von 100 Prozent zugesprochen worden. In medizinischer Hinsicht kann
sich jene Verfügung weder auf die Berichte der Klinik Valens noch auf jene von Dr.
B._ oder Dr. C._ gestützt haben, denn die Klinik Valens und Dr. C._ hatten der
Beschwerdeführerin noch eine Restarbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten
attestiert und auf das Attest von Dr. B._ hatte die Beschwerdegegnerin nicht
abstellen wollen. Aus den Akten ergibt sich zweifelsfrei, dass die Angabe des
Hausarztes Dr. D._, die Beschwerdeführerin sei schwergradig depressiv und daher
vollständig arbeitsunfähig, in medizinischer Hinsicht die Grundlage der
rentenzusprechenden Verfügung gebildet hat. Der RAD-Arzt Dr. E._ hat nämlich nach
dem Eingang des entsprechenden Berichtes ein Telefonat mit Dr. D._ geführt und
dann festgehalten, dass die Angaben überzeugend seien und folglich von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden müsse. Gestützt darauf hat die
Beschwerdegegnerin dann die ganze Rente zugesprochen, was sich auch dem
Übersichtsblatt entnehmen lässt (IV-act. 39). Die ursprüngliche Rentenzusprache hat
also auf der Prognose beruht, die Beschwerdeführerin werde wegen einer
schwergradigen depressiven Störung bis auf weiteres vollständig arbeitsunfähig
bleiben.
2.2 Laut dem überzeugenden rheumatologischen Teilgutachten der MEDAS
Zentralschweiz hat sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Vergleich
zum im Bericht der Klinik Valens beschriebenen Befund und damit auch seit der
Rentenzusprache nicht wesentlich verändert. Daran ändert auch die Stellungnahme
des Hausarztes Dr. F._ vom 14. März 2017 nichts, denn diese ist erst lange nach
dem Erlass der angefochtenen Verfügung verfasst worden, enthält (trotzdem) keine
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Hinweise auf eine zwischenzeitlich eingetretene relevante Verschlechterung des
rheumatologischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin und nimmt keinen
Bezug auf den massgebenden klinischen Befund. Entgegen der offenbar von Dr. F._
vertretenen Ansicht begründet ein radiologischer Befund nicht bereits per se eine
Arbeitsunfähigkeit oder gar eine Invalidität, denn für die Arbeitsfähigkeitsschätzung und
für die Invaliditätsbemessung ist in erster Linie der klinische Befund massgebend, weil
dieser direkte Rückschlüsse auf die Zumutbarkeit der Verrichtung einer
Erwerbstätigkeit zulässt. In rheumatologischer Hinsicht hat sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin also nach der Rentenzusprache
überwiegend wahrscheinlich nicht wesentlich verändert. Eine die körperlichen
Einschränkungen berücksichtigende adaptierte Tätigkeit wäre zu 70 Prozent zumutbar.
Die nach der Rentenzusprache erstmals berichteten urologischen Beschwerden wirken
sich gemäss dem ebenfalls überzeugenden urologischen Teilgutachten der MEDAS
Zentralschweiz nicht wesentlich auf die Arbeitsfähigkeit aus, sodass sich auch
diesbezüglich der rentenrelevante Sachverhalt nicht verändert hat. Der psychiatrische
Sachverständige hat seine Beurteilung nur auf die von ihm selbst in der persönlichen
Untersuchung erhobenen Befunde stützen können, da sich die Beschwerdeführerin nie
in einer psychiatrischen Behandlung befunden hatte und da folglich keine
psychiatrischen Berichte vorhanden gewesen sind, die er hätte würdigen können. Sein
Teilgutachten enthält aber eine ausführliche und anschauliche Befundschilderung,
anhand derer er nachvollziehbar und überzeugend begründete Schlussfolgerungen
hinsichtlich der Diagnose und der Arbeitsfähigkeitsschätzung abgeleitet hat. Rund ein
Jahr nach der psychiatrischen Untersuchung hat dann aber das Psychiatrie-Zentrum
I._ berichtet, die Beschwerdeführerin leide an einer schwergradigen depressiven
Episode und sei deshalb vollständig arbeitsunfähig. Der entsprechende Bericht vom
23. September 2014 enthält zwar keine Befundschilderung, die diese Diagnosestellung
und Arbeitsfähigkeitsschätzung begründen könnte. Daraus kann aber nicht ohne
Weiteres abgeleitet werden, die behandelnden Ärzte hätten den psychischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bloss anders als der psychiatrische
Sachverständige der MEDAS Zentralschweiz beurteilt. Ebenso gut möglich ist, dass
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach der Begutachtung
verschlechtert hat oder dass erst im Verlauf der ab Mai 2014 begonnenen Behandlung
eine depressive Störung entdeckt worden ist, die der psychiatrische Sachverständige
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noch nicht oder nicht im vollen Ausmass hatte feststellen können. Mit der Rückfrage
beim Psychiatrie-Zentrum I._ vom 27. Januar 2017 hat das Versicherungsgericht in
Erfahrung bringen wollen, welche dieser Möglichkeiten die überwiegend
wahrscheinliche Sachverhaltsvariante sei. Der Antwort des Psychiatrie-Zentrums lässt
sich aber keine Aussage zur entsprechenden Frage des Versicherungsgerichtes
entnehmen, denn diese beschränkt sich nur auf eine Zusammenfassung der
Krankenakte, die aber bei lediglich 14 Konsultationen im Zeitraum von rund neun
Monaten ohnehin nicht sehr umfangreich ausgefallen ist. Die damals behandelnden
Ärzte werden sich heute wohl kaum mehr mit jener Gewissheit an die Einzelheiten der
Behandlung erinnern können, dass sie die überwiegend wahrscheinlich richtige Antwort
auf die Frage geben könnten. In antizipierender Beweiswürdigung kann von einer
Rückfrage bei den damals behandelnden Ärzten keine wesentliche neue Erkenntnis
erwartet werden, weshalb von einer solchen weiteren Rückfrage abzusehen ist. Damit
liegt hinsichtlich der Situation im hier massgebenden Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung (März 2014) eine objektive Beweislosigkeit hinsichtlich des
Vorliegens einer stärker ausgeprägten psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung als
der vom psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz beschriebenen
Störung vor, die sich mangels einer spezifischeren gesetzlichen Regelung in analoger
Anwendung des Art. 8 ZGB zulasten der Beschwerdeführerin auswirkt.
Zusammenfassend finden sich also weder im psychiatrischen Teilgutachten der
MEDAS Zentralschweiz noch in den übrigen Akten Hinweise, die Zweifel an der
Überzeugungskraft der im psychiatrischen Teilgutachten enthaltenen Diagnosen und
Arbeitsfähigkeitsschätzung wecken würden. Gestützt auf dieses Teilgutachten steht
folglich mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest,
dass die Beschwerdeführerin im Verfügungszeitpunkt an keiner relevanten depressiven
Störung gelitten hat, jedoch aufgrund der chronischen Schmerzstörung zu 25 Prozent
arbeitsunfähig gewesen ist. Auch die Konsensbeurteilung der Sachverständigen der
MEDAS Zentralschweiz überzeugt. Aus polydisziplinärer Sicht respektive gesamthaft ist
deshalb von einer Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent auszugehen. Eine andauernde
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands seit der Begutachtung ist
zumindest nicht bis zum Verfügungsdatum nicht ausgewiesen.
2.3 Die der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung zugrundeliegende
Prognose, die Beschwerdeführerin werde aufgrund einer schwergradigen depressiven
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Störung vollständig arbeitsunfähig bleiben, ist bei diesem Ergebnis nicht mehr plausibel
gewesen. Zwar hat der psychiatrische Sachverständige der MEDAS Zentralschweiz
mangels Vorakten weder das Vorliegen einer schwergradigen depressiven Störung im
Zeitpunkt der Rentenzusprache sicher bestätigen noch zum genauen Verlauf der
depressiven Störung in der Zeit zwischen der Rentenzusprache und der Begutachtung
durch ihn Stellung nehmen können. Das ändert aber nichts daran, dass die in der
rentenzusprechenden Verfügung enthaltene, massgebende Prognose nicht mehr
plausibel gewesen ist und deshalb im Zuge einer Revision durch eine neue Prognose
hat ersetzt werden müssen. Da keine Meldepflichtverletzung vorliegt, kann auch der
genaue Zeitpunkt der Sachverhaltsveränderung keine relevante Rolle spielen, denn
gemäss dem Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV hat die Rente erst auf das Ende des der
Zustellung der Revisionsverfügung folgenden Monats angepasst werden dürfen. Die
Voraussetzungen des Art. 17 Abs. 1 ATSG für eine Rentenrevision sind vorliegend
jedenfalls erfüllt.
2.4 Gestützt auf die überzeugend begründete Konsensbeurteilung der
Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin zwar nicht mehr die zuletzt ausgeübte, dafür aber eine andere,
leidensadaptierte Tätigkeit im Umfang von 70 Prozent ausüben könnte. Vor dem Eintritt
der Gesundheitsbeeinträchtigung ist sie als Hilfsarbeiterin tätig gewesen. Die Akten
enthalten keinen Hinweis auf eine unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit. Mit Blick
auf den massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt beziehungsweise unter
Ausblendung der invalidenversicherungsrechtlich nicht massgebenden Zwänge des
tatsächlichen Arbeitsmarktes ist folglich davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin heute ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn er¬zielen
könnte. Da der allgemeine Hilfsarbeitermarkt auch Tätigkeiten kennt, die die von den
Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz beschriebenen Anforderungen an eine
leidensadaptierte Tätigkeit erfüllen und da die Beschwerdeführerin folglich trotz ihrer
Gesundheitsbeeinträchtigung wieder als Hilfsarbeiterin arbeiten und – mit den
nachfolgend erwähnten Einschränkungen – einen durchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohn erzielen könnte, entspricht der Ausgangswert des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens dem Valideneinkommen; für beide
Einkommen ist auf den Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne abzustellen.
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Mathematisch kann der genaue Betrag bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
keine Rolle spielen. Der Invaliditätsgrad kann mit anderen Worten anhand eines
sogenannten Prozentvergleichs berechnet werden, bei dem der Invaliditätsgrad dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen Abzug vom Tabellenlohn von
maximal 25 Prozent (vgl. BGE 126 V 75), entspricht. Praxisgemäss wird in Fällen wie
dem vorliegenden ein Tabellenlohnabzug von zehn Prozent berücksichtigt. Der
Invaliditätsgrad beträgt folglich 37 Prozent (= 1 – 0,9 × 0,7). Die Voraussetzungen des
Art. 28 Abs. 1 IVG für einen Weiterbezug der bisherigen Rente sind somit nicht mehr
erfüllt, weshalb die Rente auf das Ende des der Zustellung der angefochtenen
Verfügung folgenden Monats, also per Ende April 2014, aufzuheben ist.
3.
Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtmässig, weshalb die
Beschwerde abzuweisen ist. Die gemäss dem Art. 69 Abs. 1bis IVG zu erhebenden und
angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten sind der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Diese Gebühr ist durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von 600
Franken gedeckt. Eine Parteientschädigung fällt bei diesem Ausgang ausser Betracht.