Decision ID: 5b894a2b-b3e0-53bb-a79e-ecc44fe53156
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 11. November 2015 suchten der Beschwerdeführer A._ und –
nachdem dessen getrennt reisender Sohn C._ bereits am 30. Ok-
tober 2015 in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hatte – am 21. Novem-
ber 2015 die nachgereiste Beschwerdeführerin B._ (mit Kindern) in
der Schweiz um Asyl nach. Am 1. Dezember und 2. Dezember 2015 fanden
die Befragungen zur Person (BzP) und am 7. Februar 2019 die Anhörun-
gen der Beschwerdeführenden zu den Asylgründen statt.
B.
Der Beschwerdeführer A._ machte zur Begründung seines Asylge-
suches im Wesentlichen geltend, er gehöre der kurdischen Ethnie an und
habe mit seiner Familie in G._ in der Provinz H._ gelebt. Er
sei lange als sogenannter Maktum (unregistrierter Ausländer) behandelt
worden, weshalb er erst mit Erlangung der syrischen Staatsangehörigkeit
im Jahre 2009 zum Militärdienst einberufen worden sei, welcher bis Anfang
August 2011 gedauert habe. Während des Militärdienstes sei er einmal we-
gen verspätetem Einrücken aus dem Urlaub von seinem Vorgesetzten so
stark geohrfeigt worden, dass er seit diesem Vorfall auf einem Ohr taub sei.
Zudem habe er einmal wegen einer Klinge oder eines Nagels im Sand eine
Bauchverletzung erlitten. Seine drei ältesten Kinder, insbesondere sein
Sohn I._, hätten an Demonstrationen teilgenommen und Waffen für
die YPG (Yekîneyên Parastina Gel) gereinigt, wobei I._ eine Aus-
bildung im Umgang mit Waffen habe. Er habe nicht gewollt, dass I._
bei der YPG mitmache, habe er doch vor 20 Jahren bereits schon seinen
Bruder verloren. Daher habe er I._ in die Türkei gebracht und sei
wieder nach Syrien zurückgekehrt. Im Oktober beziehungsweise Novem-
ber 2012 habe er von seinem Vater erfahren, dass ihn die syrischen Be-
hörden in den Reservedienst einberufen hätten. Um sich der Einberufung
zu entziehen, habe er im Frühling 2013 mit seiner Familie Syrien Richtung
Türkei verlassen. Auch die allgemein schwierige Sicherheitslage in Syrien
sei ein weiterer Grund für die Ausreise gewesen. Er befürchte, bei einer
Rückkehr nach Syrien von den dortigen Behörden wegen Dienstverweige-
rung verhaftet zu werden. Zudem befänden sich wegen mehrfacher Ein-
reise in die Türkei Stempel der Freien Armee in seinem Reisepass, was ihn
bei einer Wiedereinreise gefährden könnte.
C.
Die Beschwerdeführerin B._ machte ihrerseits geltend, dass sie
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selbst keine Schwierigkeiten mit den syrischen Behörden gehabt habe. Sie
habe Syrien aufgrund des Bürgerkrieges und aus Angst vor einer mögli-
chen Entführung ihrer Kinder verlassen. So habe es einmal einen geschei-
terten Entführungsversuch ihrer Tochter J._ gegeben. Ihre Kinder
I._, K._, und J._ hätten an Demonstrationen teilge-
nommen.
D.
Der Sohn C._ gab seinerseits an, Syrien wegen des Bürgerkrieges
verlassen zu haben.
E.
Zum Nachweis der Identität und zur Stützung der Vorbringen wurden meh-
rere Dokumente eingereicht (u.a. Identitätskarten der Beschwerdeführen-
den, bezüglich A._ Reisepass, Militärbüchlein, Familienbuch, Un-
terlagen hinsichtlich des gefallenen Bruders, militärischer Einberufungsbe-
fehl vom 23. November 2009).
F.
Mit Entscheid vom 14. August 2019 (Eröffnung am 15. August 2019) ver-
neinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden,
lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete deren Wegweisung aus der
Schweiz, wobei der Vollzug der Wegweisung zu Gunsten einer vorläufigen
Aufnahme aufgeschoben wurde.
G.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit auf den
10. September 2019 datierter, zuhanden der Schweizerischen Post am
11. September 2019 aufgegebener Eingabe ihres Rechtsvertreters Be-
schwerde. Sie beantragten die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und die Asylgewährung und in prozessualer Hinsicht den Erlass der Pro-
zesskosten.
H.
Mit Schreiben vom 16. September 2019 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht den Eingang der Beschwerde.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 25. September 2019 wurde das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abgewiesen und unter An-
drohung des Nichteintretens im Unterlassungsfall ein Kostenvorschuss in
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der Höhe von Fr. 750.– mit Zahlungsfrist bis zum 11. Oktober 2019 erho-
ben, welcher in der Folge fristgerecht geleistet wurde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend han-
delt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde in Anwen-
dung von Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet. Antragsgemäss wird das Ver-
fahren in deutscher Sprache geführt.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Die asyl-
suchende Person muss darlegen, dass sie selber von einer konkreten, ge-
gen sie gerichteten Verfolgungshandlung betroffen war oder begründete
Furcht hat, Opfer einer derartigen Verfolgungshandlung zu werden (Erfor-
dernis der Gezieltheit der Verfolgung).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
Die Vorinstanz erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers
A._, wegen seiner Verweigerung, in den Reservedienst einzurü-
cken, Behelligungen durch die syrischen Behörden zu befürchten, als nicht
asylrelevant. Sie führte hierzu mit Hinweis auf die Praxis des Bundesver-
waltungsgerichts (vgl. BVGE 2015/3 vom 18. Februar 2015) aus, dass eine
Wehrdienstverweigerung oder Desertion die Flüchtlingseigenschaft nicht
per se zu begründen vermöge, sondern nur dann, wenn damit eine Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG verbunden sei. Laut aktueller Lageein-
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schätzung unterstellten die syrischen Behörden nicht allen Wehrdienstver-
weigern oder Deserteuren eine regierungsfeindliche Haltung. Nur bei Vor-
liegen spezifischer politischer Faktoren könne davon ausgegangen wer-
den, dass die syrischen Behörden eine Wehdienstverweigerung oder De-
sertion als Stellungnahme für die Opposition einstuften und entsprechend
bestrafen. Daraus folge, dass im syrischen Kontext eine Bestrafung wegen
Wehrdienstverweigerung oder Desertion nur dann aus Gründen im Sinne
von Art. 3 AsylG erfolgte, wenn zusätzliche einzelfallspezifische Risikofak-
toren vorlägen (vgl. BVGer-Urteil E-4263/2018 vom 12. September 2018).
Vorliegend bestünden jedoch keine solchen Risikofaktoren. Die Probleme,
die der Beschwerdeführer A._ während des regulären Militärdiens-
tes gehabt habe, beruhten nicht auf einem Verfolgungsmotiv gemäss Art.
3 AsylG, sondern seien wegen des verspäteten Einrückens in den Dienst
erfolgt. Er habe keine Verfolgungsmassnahmen aufgrund eigener politi-
scher Aktivitäten oder wegen derjenigen seiner Familienangehörigen
(Bruder vormals bei der PKK, Teilnahme seiner Kinder an Demonstratio-
nen) erlitten. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Ausreise- oder Ein-
reisestempel zu einer Verfolgung durch die syrischen Behörden führten,
müsse es doch zu Tausenden von Grenzübertritten und damit Stempeln in
den Pässen gekommen sein. Die eingereichten Beweismittel beträfen un-
bestrittene Sachverhalte, weshalb sie an der Würdigung des Sachverhalts
nichts änderten.
6.
Auf Beschwerdeebene wurde im Wesentlichen geltend gemacht, aufgrund
der Tatsache, dass der Beschwerdeführer A._ trotz Aufforderung
nicht in den Reservedienst eingetreten sei, werde er von den syrischen
Behörden als Wehrdienstverweigerer betrachtet, weshalb ihm eine Haft-
strafe drohe. Wegen der erfolgten Wehrdienstverweigerung würden auch
die Familienangehörigen des Beschwerdeführers «zu leiden haben». Auch
wegen der Stempel in seinem Reisepass müsse er Verfolgung befürchten.
7.
7.1 Zur Stützung seiner Vorbringen, als Reservist in den Militärdienst ein-
berufen worden zu sein, reichte der Beschwerdeführer A._ einen
entsprechenden Einberufungsbefehl ein, dessen Beweiswert aufgrund sei-
nes Erscheinungsbildes beziehungsweise seiner Beschaffenheit (vorge-
drucktes Dokument mit Nassstempel und Originalunterschrift und einge-
fügtem Foto des Beschwerdeführers) und der leichten Fälschbarkeit und
Käuflichkeit syrischer Dokumente als gering einzustufen ist. Es steht daher
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nicht mit Bestimmtheit fest, ob der Beschwerdeführer tatsächlich zum Re-
servedienst einberufen wurde. Die Vorinstanz hat sich zur Authentizität des
eingereichten Einberufungsbefehls nicht geäussert und damit die Glaub-
haftigkeit des Vorbringens nicht abschliessend beurteilt.
7.2 Unabhängig von der Frage der Glaubhaftigkeit hat sie die Asylrelevanz
der geltend gemachten Missachtung des Einberufungsbefehls verneint.
7.2.1 Zur Frage, welche asylrechtliche Relevanz der Entziehung von der
Dienstpflicht in der staatlichen syrischen Armee unter Berücksichtigung der
im syrischen Bürgerkrieg entstandenen Situation zukommt, respektive be-
züglich der Frage, welche Behandlung Dienstverweigerer und Deserteure
seitens der staatlichen syrischen Behörden zu erwarten haben, wurde in
BVGE 2015/3 festgehalten, dass die staatlichen syrischen Sicherheits-
kräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tatsächliche
oder vermeintliche Regimegegner mit grösster Brutalität und Rücksichtslo-
sigkeit vorgehen. Das syrische Militärstrafrecht sieht für verschiedene Ab-
stufungen der Entziehung von der militärischen Dienstpflicht unterschiedli-
che Strafmasse vor. Abgesehen von diesem gesetzlichen Strafrahmen
geht aus zahlreichen Berichten hervor, dass Personen, die sich dem Dienst
in der staatlichen syrischen Armee entzogen haben – etwa, weil sie sich
den Aufständischen anschliessen wollten oder in der gegebenen Bürger-
kriegssituation als Staatsfeinde und als potenzielle gegnerische Kombat-
tanten aufgefasst werden –, seit dem Jahr 2011 in grosser Zahl nicht nur
von Inhaftierung, sondern auch von Folter und aussergerichtlicher Hinrich-
tung betroffen sind.
Bei Wehrdienstverweigerung im syrischen Kontext ist nur dann eine asyl-
relevante Strafe zu befürchten, wenn zusätzliche exponierende Faktoren
gegeben sind. Hingegen ist nicht davon auszugehen, dass herkömmlichen
Wehrdienstverweigerern oder Deserteuren, das heisst solchen, die nicht
zusätzlich politisch exponiert sind, mit genügender Wahrscheinlichkeit eine
die Schwelle der Asylrelevanz erreichende Strafe droht (vgl. u.a. Urteile E-
5262/2018 vom 19. Dezember 2018, E. 6.1, E-3366/2018 vom 4. Juni
2019 E. 6.3.1, E-2304/2020 vom 15. Mai 2020 E. 6.3). Dies gilt auch unter
Berücksichtigung der jüngsten Entwicklungen in Syrien.
Hierzu ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nach eigenen Anga-
ben nie politisch tätig war. Auch in Berücksichtigung der Aktivitäten von Fa-
milienangehörigen bestehen keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass er
die Aufmerksamkeit der syrischen Behörden auf sich gezogen hätte. So ist
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festzuhalten, dass die jugendlichen Kinder des Beschwerdeführers zwar
offenbar an Demonstrationen teilnahmen, ohne allerdings dadurch in den
Fokus der Behörden geraten zu sein. Insbesondere der auch für die YPG
im geringen Ausmass aktive Sohn I._ wurde offenbar vom Be-
schwerdeführer vorsorglich in die Türkei gebracht, bevor dieser behördli-
chen Behelligungen ausgesetzt worden war. Der Tod des bei der PKK ak-
tiven Bruder liegt heute bereits zwanzig Jahre zurück und ist daher nicht
als erschwerender Umstand für den Beschwerdeführer zu betrachten. Dies
umso mehr, als der Beschwerdeführer auch nicht angab, wegen seines
Bruders je einmal von den Behörden behelligt worden zu sein. Auch die
blosse Tatsache, dass der Reisepass des Beschwerdeführers aufgrund
zahlreicher Reisen in die Türkei entsprechende Stempelungen aufweist,
vermag den ansonsten unbescholtenen Beschwerdeführer für die syri-
schen Behörden nicht ernsthaft verdächtig erscheinen zu lassen. Mit dem
SEM ist schliesslich festzuhalten, dass es sich bei der während des Mili-
tärdienstes erlebten Tätlichkeit um eine simple disziplinarische Mass-
nahme handelte, welcher keinerlei Verfolgungsmotiv zugrunde lag. Aus
diesen Gründen folgt, dass keine Hinweise dafür vorliegen, dass der Be-
schwerdeführet als Regimegegner angesehen werden könnte und somit
aus politischen Gründen eine unverhältnismässige Strafe zu befürchten
hätte.
7.3 Schliesslich ist festzuhalten, dass die blosse Tatsache der Asylgesuch-
stellung in der Schweiz nicht zur Annahme führt, dass der Beschwerdefüh-
rer bei einer (hypothetischen) Rückkehr in sein Heimatland mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit eine menschenrechtswidrige Behandlung zu befürch-
ten hätte. Zwar ist aufgrund der längeren Landesabwesenheit davon aus-
zugehen, dass bei einer Wiedereinreise nach Syrien eine Befragung durch
die heimatlichen Behörden stattfinden würde. Da der Beschwerdeführer je-
doch keine Vorverfolgung erlitten hat und nicht davon auszugehen ist, dass
er vor dem Verlassen Syriens als regimefeindliche Person ins Blickfeld der
syrischen Behörden geraten ist, kann mit hinreichender Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden, dass er als staatsgefährdend eingestuft würde,
weshalb die Furcht vor asylrelevanten Massnahmen im Falle einer Rück-
kehr nicht begründet ist.
8.
Somit hat das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu
Recht verneint. Dies gilt auch für die Beschwerdeführenden B._
und C._. (Ehefrau und Sohn des Beschwerdeführers), welche keine
eigenen Asylgründe geltend machten, sondern ausschliesslich aufgrund
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der allgemeinen Bürgerkriegssituation in Syrien ausgereist sind (fehlende
Gezieltheit). Dabei ist festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte dafür vorlie-
gen, dass der geltend gemachte Entführungsversuch nicht Ausdruck der
allgemeinen schwierigen Sicherheitssituation wäre. Entgegen der Auffas-
sung in der Beschwerde ist nicht davon auszugehen, dass sie wegen der
Dienstverweigerung ihres Ehemannes beziehungsweise ihres Vaters bei
einer Rückkehr Reflexverfolgung ausgesetzt wären, zumal bereits der Be-
schwerdeführer, wie vorstehend ausgeführt, die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllt.
9.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerenden verneint und die Asyl-
gesuche abgelehnt hat.
10.
10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
10.2 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung
aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-
tritt. Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.3 Mit der angefochtenen Verfügung wurden die Beschwerdeführenden
allesamt vorläufig in der Schweiz aufgenommen. Da die Wegweisungsvoll-
zugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51), besteht kein
schutzwürdiges Interesse an der Überprüfung, aus welchen Gründen die
Vorinstanz den Vollzug aufgeschoben hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
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(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), welche
durch den geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt sind.
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