Decision ID: c70cb2ad-1471-4cc3-ae04-6adbfa60d49d
Year: 2022
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

des Sachverhalts und neuer Entscheidung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In verfahrensrecht-
licher Hinsicht werde die Durchführung einer öffentlichen Parteiverhandlung im Sinne von Art. 6
EMRK beantragt. Zur Begründung machte der Versicherte eine Verletzung des Untersuchungs-
grundsatzes geltend. Insbesondere seien die unfallfremden Beeinträchtigungen unberücksich-
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tigt geblieben. Ferner sei eine Arbeitsfähigkeit attestiert worden für Zeiten, in denen er von der
Suva Taggelder infolge einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit erhalten habe.
C. Mit Vernehmlassung vom 16. Juli 2021 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der
Beschwerde. Gestützt auf die medizinische Aktenlage, namentlich die Stellungnahmen des
RAD-Arztes Dr. med. B._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom
30. Juni 2021 sowie des RAD-Arztes Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-
rapie, vom 29. Juni 2021 sei davon auszugehen, dass dem Versicherten seit dem 3. Januar
2018 die Ausübung einer Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar sei. Bis zu diesem Zeitpunkt
seien die Renten gemäss Verfügung geschuldet. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsat-
zes könne vor dem Hintergrund, dass der Versicherte medizinisch wiederholt und auch interdis-
ziplinär abgeklärt worden sei, nicht nachvollzogen werden.
D. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 2. Dezember 2021 zog das Kantonsgericht in
Betracht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Abklä-
rung des medizinischen Sachverhalts und anschliessender Neuentscheidung an die IV-Stelle
zurückzuweisen. Unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach der Be-
schwerde führenden Partei auch dann Gelegenheit zum Rückzug der Beschwerde zu geben ist,
wenn eine rentenzusprechende Verfügung aufgehoben und die Sache zu weiterer Abklärung
und neuer Entscheidung an die IV-Stelle zurückgewiesen werden soll, beschloss es, den Fall
auszustellen und dem Versicherten vorab Gelegenheit zu geben, seine Beschwerde zurückzu-
ziehen (Beschluss vom 2. Dezember 2021).
E. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2021 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er die Be-
schwerde nicht zurückziehe.
F. An der Parteiverhandlung vom 2. Dezember 2021 beriet das Kantonsgericht in Anwe-
senheit des Beschwerdeführers einlässlich über dessen Beschwerde. Der Fall wurde damals
lediglich deshalb ausgestellt, weil dem Versicherten vor der Urteilsfällung noch die Möglichkeit
eingeräumt werden musste, allenfalls seine Beschwerde zurückzuziehen. In der Zwischenzeit
erklärte der Versicherte am 20. Dezember 2021, dass er an seinem Rechtsmittel festhalte. Un-
ter den geschilderten Umständen ist es vertretbar, von der Ansetzung einer erneuten Verhand-
lung abzusehen und den vorliegenden Entscheid mit derselben personellen Besetzung des
Spruchkörpers auf dem Zirkulationsweg zu fällen.

Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g :
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche-
rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden
Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, so dass die örtliche Zustän-
digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset-
zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993
beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan-
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tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur
Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene
Beschwerde der Versicherten vom 27. Mai 2021 ist demnach einzutreten.
2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein-
gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig
gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c).
2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfä-
higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei
langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich
berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur-
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt
zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit
sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti-
ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2).
2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge-
stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens
70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie
zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist.
2.4 Eine rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Re-
duktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und ande-
rerseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe
(Art. 17 Abs. 1 ATSG) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach
Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversiche-
rung (IVV) vom 17. Januar 1961 festzusetzen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember
2008, 8C_534/2008, E. 2.3 mit Hinweisen). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände-
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erfor-
derliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeit-
punkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung
beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 130 V 343 E. 3.5).
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3. Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet die Frage, in welchem Ausmass
die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist.
3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä-
higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Un-
terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung
zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur-
teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen).
3.2 Sämtliche Beweismittel, somit auch medizinische Berichte und Sachverständigengut-
achten, unterliegen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärz-
ten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverläs-
sigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 125 V 351 E. 3b/bb). Demgegenüber
kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen zwar nach der Recht-
sprechung Beweiswert zu, praxisgemäss haben sie aber nicht dieselbe Beweiskraft wie ein ge-
richtliches oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag
gegebenen Gutachten. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens
entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Beste-
hen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinter-
nen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465
E. 4.4, 122 V 157 E. 1d).
4. Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch streitig. Während die IV-Stelle der Auf-
fassung ist, dass Anspruch auf eine abgestufte und per 30. Juni 2016 befristete Rente bestehe,
macht der Beschwerdeführer geltend, dass er ab 1. März 2011 Anspruch auf eine unbefristete
ganze Rente habe mit Ausnahme der Zeiten, in denen er ein IV-Taggeld bezogen habe.
4.1 Als Erstes ist die ab 1. März 2011 bis 30. Juni 2016 befristete Rente der IV-Stelle zu
überprüfen. Die IV-Stelle stützte ihren Rentenentscheid auf versicherungsinterne Einschätzun-
gen, wobei sie die Arbeitsfähigkeit des Versicherten bis Juni 2016 mit Verweis auf die Suva-
Akten festlegte, die Arbeitsfähigkeit jedoch für gewisse Perioden abweichend von der Suva ein-
schätzte, welche in derselben Zeit das volle Taggeld (ausser in der Zeit, als der Versicherte IV-
Taggelder bezog) ausrichtete.
4.1.1 Gemäss konstanter Rechtsprechung haben die IV-Stelle und der Unfallversicherer die
Invaliditätsbemessung selbständig vorzunehmen. Der Rentenanspruch ist folglich unabhängig
von den Ergebnissen der Unfallversicherung zu prüfen (Urteile des Bundesgerichts vom
16. April 2021, 8C_729/202, E. 7.1 und vom 8. Juni 2021, 8C_330/2021, E. 4). Sofern sich bei-
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de Versicherungen auf dieselben Grundlagen stützen, bedarf es einer nachvollziehbaren Be-
gründung, wenn die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen, was vorliegend nicht der Fall ist. Die
von der IV-Stelle vorgenommenen Abstufungen der bis 30. Juni 2016 befristeten Rente sind,
wie sich nachfolgend weisen wird, nicht plausibel.
4.1.2 Der Beschwerdeführer meldete sich im 20. September 2010 zum Bezug von Invaliden-
leistungen an. Anspruch auf eine Rente bestand somit frühestens ab 1. März 2011 (Art. 29 Abs.
1 IVG). Die IV-Stelle ging davon aus, dass der Beschwerdeführer ab 4. August 2009 (Sturz zu-
hause) vollständig arbeitsunfähig war. Per 26. Oktober 2010 sei aber insofern eine Verbesse-
rung des Gesundheitszustandes eingetreten, als ab diesem Zeitpunkt eine 50%ige Arbeitsfä-
higkeit eingetreten sei. Sie verwies auf eine Mitteilung des Suva-Kreisarztes Dr. med. D._,
Facharzt für Orthopädie, vom 25. Oktober 2010, wonach der Versicherte als Wirtschaftsprüfer
aus orthopädischer Sicht nach dem Bericht von Dr. med. E._, FMH Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 11. Oktober 2010, voll arbeitsfähig wäre,
aus neurologischer Sicht dagegen lediglich zu 50 % gemäss Beurteilung von Dr. med. F._,
FMH Neurologie, vom 18. Oktober 2010, welcher eine Arbeitsfähigkeit von 2-3 Stunden täglich
annehme mit Steigerung je nach Verlauf. Die Suva teilte dem Versicherten mit Schreiben vom
26. Oktober 2010 daraufhin mit, dass sie ab 1. November 2010 das halbe Taggeld auszahlen
werde. Dr. med. G._, Klinik für Hand- und periphere Nervenchirurgie, attestierte dem Versi-
cherten hingegen vom 18. Februar 2010 bis 31. Oktober 2010 eine volle Arbeitsunfähigkeit und
ab 1. November 2010 bis auf weiteres eine 70%ige. Dr. F._ erklärte schliesslich mit Schrei-
ben vom 27. Januar 2011, dass eine 50%ige Arbeitsfähigkeit zu optimistisch gewesen und le-
diglich ein Arbeitsversuch von 2-3 Stunden pro Tag möglich sei. Daraufhin kam die Suva mit
Schreiben vom 17. Februar 2011 auf ihren Brief vom 26. Oktober 2010 zurück. Sie folgte der
Argumentation von Dr. F._ und richtete rückwirkend ab 1. November 2010 wieder das volle
Taggeld aus.
Vom 30. März 2011 bis 31. Mai 2011 war eine Frühinterventionsmassnahme in Form eines Be-
lastbarkeitstrainings geplant (Mitteilung der IV-Stelle vom 30. März 2011 sowie Schlussbericht
vom 10. Juni 2011). Nach einem Vorfall an Ostern 2011 musste die Eingliederung aus medizi-
nischen Gründen abgebrochen werden. Vom 26. März 2011 bis 31. Mai 2011 war der Versi-
cherte wieder vollständig arbeitsunfähig und gemäss Dr. F._ danach wieder bis zu 3 Stun-
den pro Tag arbeitsfähig (Bericht vom 12. Juli 2011). Am 10. Oktober 2011 musste sich der
Beschwerdeführer sodann erneut einem operativen Eingriff unterziehen. Zusammenfassend ist
somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gemäss der medizinischen Aktenlage der Suva
seit August 2009 bis 31. Oktober 2010 zu 100 % und vom 1. November 2010 bis 23. März 2011
zu 70 %, vom 24. März 2011 bis 31. Mai 2011 erneut zu 100 %, danach bis zum 9. Oktober
2011 gemäss Dr. F._ ca. 70 % und ab 10. Oktober 2011 wieder zu 100 % arbeitsunfähig
war. Die Annahme der IV-Stelle, dass der Versicherte ab 26. Oktober 2010 bis 10. Oktober
2011 zu 50 % arbeitsfähig gewesen sei, trifft nicht zu. Die gestützt darauf festgelegte halbe
Rente ab 1. März 2011 bis 31. Januar 2012 erweist sich somit als zu tief, war der Beschwerde-
führer in der massgebenden Zeitperiode doch zwischen 70 % und 100 % arbeitsunfähig.
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4.1.3 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer infolge der Schulteroperation vom
11. Oktober 2011 bis 7. Juni 2012 vollständig arbeitsunfähig war (Operationsbericht vom
13. Oktober 2011, Verlaufsberichte vom 23. November 2011 und 8. Mai 2012 sowie Unfall-
schein [Suva-Doc. 188]) und gemäss Kreisarzt eine Tätigkeit von täglich 3-4 Stunden ab 8. Juni
2012 als zumutbar erachtet wurde (Kreisarztbericht vom 8. Juni 2012). Am 14. August 2012
folgte aufgrund des langwierigen Heilverlaufs die Implantation einer Schulterprothese. Der Ver-
sicherte war deshalb ab dem 14. August 2012 erneut zu 100 % arbeitsunfähig. Die IV-Stelle
ging davon aus, dass der Versicherte ab 17. Dezember 2012 wieder zu 50 % arbeitsfähig ge-
wesen sei, gestützt auf die Verlaufskontrolle. Dem kann nicht gefolgt werden. Aus dem entspre-
chenden Bericht vom 20. Dezember 2012 geht vielmehr hervor, dass eine volle Arbeitsunfähig-
keit bis 31. Januar 2013 attestiert worden war. Selbst RAD-Arzt Dr. med. H._, FMH für All-
gemeine Medizin, bestätigte eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 14. August 2012 bis 31. Januar
2013 (vgl. Kurzbericht vom 16. Januar 2013). Die Annahme der IV-Stelle, dass der Versicherte
ab 17. Dezember 2012 zu 50 % arbeitsfähig war, ist falsch. Als Fazit kann festgehalten werden,
dass der Versicherte vom 10. Oktober 2011 bis 7. Juni 2012 100 %, vom 8. Juni 2012 bis 13.
August 2012 (weniger als drei Monate) ca. 50 % sowie vom 14. August 2012 bis 31. Januar
2013 wieder 100 % arbeitsunfähig war.
4.1.4 Gemäss Notiz von Kreisarzt Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädie und Traumatolo-
gie des Bewegungsapparates, vom 7. Januar 2013 könne der Beschwerdeführer ab 1. Februar
2013 allgemeine Bürotätigkeiten in einem Pensum von 50 % durchführen. Die optimistische
Einschätzung der Ärzte der Klinik, dass im Verlauf eine 100%ige Tätigkeit im Büro möglich sein
sollte, teile er nicht. RAD-Arzt Dr. H._ ging in Übereinstimmung mit dem Kreisarzt von einer
50 %igen Arbeitsfähigkeit ab 1. Februar 2013 aus (Bericht vom 16. Januar 2013). Dagegen at-
testierte Dr. med. J._, FMH Innere Medizin und Angiologie, dem Beschwerdeführer ab
24. Januar 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis 30. Mai 2013 und ab 31. Mai 2013 eine
Arbeitsunfähigkeit von 80% (Unfallschein Suva-Doc 253). Dr. F._ kam nach Untersuchung
am 16. Mai 2013 zum Schluss, dass der Versicherte aufgrund der neurologischen Defizite zu
70 % arbeitsunfähig sei (Bericht vom 17. Mai 2013).
Für die Zeit ab 1. Februar 2013 bestehen somit unterschiedliche Arbeitsunfähigkeiten. Die Suva
erachtete den Versicherten jedoch als durchgehend vollständig arbeitsunfähig aufgrund der
Arztzeugnisse von Dr. J._, richtete sie doch weiterhin das volle Taggeld aus. Dem kann ge-
folgt werden, wird die Richtigkeit der vom behandelnden Arzt Dr. J._ attestierten Arbeitsun-
fähigkeiten seitens der Suva nicht in Zweifel gezogen. Die IV-Stelle nahm erst ab 16. Mai 2013
gestützt auf den Bericht von Dr. F._ eine volle Arbeitsunfähigkeit an, was mit den vorliegen-
den Arbeitsunfähigkeitszeugnissen nicht korrespondiert.
4.1.5 Unbestritten ist die volle Arbeitsunfähigkeit (bzw. mindestens 70%ige Arbeitsunfähig-
keit) vom 16. Mai 2013 bis 26. November 2014 (nach Sturz am Flughafen im Juli 2014 und
Treppensturz im August 2014). Die IV-Stelle erachtete den Beschwerdeführer ab 27. November
2014 als wieder zu 50 % arbeitsfähig. Sie stützte sich dabei auf den Kreisarztbericht von Dr.
med. K._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara-
tes, vom 27. November 2014. Entgegen der Annahme der IV-Stelle attestierte Dr. K._ nicht
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eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit. Er führte vielmehr aus, dass sich der Versicherte bezüglich der
Verletzungsfolgen der Unfälle im Juli und August 2014 noch in der medizinischen Phase befin-
de, eine Zumutbarkeitsbeurteilung könne folglich noch nicht abgegeben werden. Er schlage
eine stationäre Rehabilitation Ende Januar 2015 vor. Bis dahin sollte die Diagnostik an der lin-
ken Schulter abgeschlossen sein. Ziel sei es, die berufliche Reintegration zu planen und den
Versicherten für alle drei Schadenfälle hinsichtlich der Zumutbarkeit zu beurteilen. In der an-
schliessenden Besprechung wird die volle Arbeitsunfähigkeit nochmals bestätigt (vgl. Bespre-
chungsnotiz anlässlich der Kreisarztuntersuchung vom 27. November 2014). Die Annahme der
IV-Stelle, dass eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit vom 27. November 2014 bis 25. Januar 2016
(Schulteroperation am 26. Januar 2016) vorlag, deckt sich nicht mit der medizinischen Aktenla-
ge. Aus dem Austrittsbericht der Klinik vom 30. Januar 2015, dem Arbeitsunfähigkeitszeugnis
des Spitals (Suva-Dok. 357), der Besprechungsnotiz der Suva vom 30. November 2015 sowie
dem Unfallschein (Suva-Dok. 404) geht hervor, dass der Beschwerdeführer durchgängig und
somit auch nach dem Aufenthalt in der Klinik im Januar 2015 bis 17. April 2016 namentlich von
Dr. med. E._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
sowie von Dr. med. L._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-
apparates, zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben wurde. Ab 18. April 2016 bis 29. Juni 2016 war
der Versicherte zu 50 % arbeitsunfähig und ab 30. Juni 2016 wurde keine Arbeitsunfähigkeit
mehr attestiert. Somit entspricht die Feststellung der IV-Stelle, der Beschwerdeführer sei ge-
mäss Kreisarztbericht von Dr. K._ vom 30. März 2016 ab diesem Zeitpunkt voll arbeitsfähig
nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Die Suva richtete das Taggeld denn auch bis 30. Juni
2016 aus.
4.1.6 Zusammenfassend kann den Suva-Akten, auf die sich die IV-Stelle bei der Berechnung
der Rente bezieht, folgende Arbeitsunfähigkeiten entnommen werden:
4. August 2009 bis 31. Oktober 2010 100 %
1. November 2010 bis 23. März 2011 70 %
24. März 2011 bis 31. Mai 2011 100 %
1. Juni 2011 bis 9. Oktober 2011 70 %
10. Oktober 2011 bis 7. Juni 2012 100 %
8. Juni 2012 bis 13. August 2012 50 %
14. August 2012 bis 30. Mai 2013 100 %
31. Mai 2013 bis 17. April 2016 zwischen 70% und 100 %
18. April 2016 bis 29. Juni 2016 50 %
Die IV-Stelle wird die Rente ab 1. März 2011 folglich neu zu berechnen haben.
4.2 Es stellt sich weiter die Frage, wie die Situation nach dem 30. Juni 2016 zu beurteilen
ist bzw. ob der Beschwerdeführer allenfalls Anspruch auf eine unbefristete Rente hat. Für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nach diesem Zeitraum stütze sich die IV-Stelle im Wesentlichen
auf die Einschätzungen der RAD-Ärzte. Eine verwaltungsexterne Begutachtung fand nicht statt.
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4.3 Fest steht, dass das Krankheitsbild des Beschwerdeführers anfänglich in wesentlichen
Teilen durch die Folgen der drei erlittenen Unfälle geprägt war. Es kann darum nicht ausge-
blendet werden, dass das Bundesgericht mit Urteil vom 14. November 2018 (8C_402/2018)
letztinstanzlich im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren den Fallabschluss per 30. Juni
2016 bestätigte und die Rentenablehnung durch die Suva gestützt auf die Stellungnahmen des
Kreisarztes Dr. K._ vom 30. März 2016 in Verbindung mit der Ergänzung vom 8. Juni 2016
bestätigte. Dr. K._ kam zum Schluss, dass aufgrund der Verletzungsfolgen an der rechten
und der linken Schulter sowie an der Lendenwirbelsäule dem Versicherten noch leichte, selbst-
bestimmte, wechselbelastende Tätigkeiten zumutbar seien. Klettern auf Leitern und Gerüsten
sowie Überkopfarbeiten seien zu vermeiden. Das Heben und Tragen von Gewichten von bis zu
5 kg sei nur körpernah bis zur Brusthöhe möglich. Im Rahmen dieses Tätigkeitsprofils seien
keine zeitlichen Einschränkungen gegeben. Das Kantonsgericht schloss im UVG-Verfahren
daraus, dass der Beschwerdeführer wieder als Internal Audit Manager zu 100 % tätig sein kön-
ne, dass es ihm aufgrund seiner ausgesprochen guten Ausbildung gesundheitlich aber auch
möglich wäre, eine ähnlich gelagerte anspruchsvolle Erwerbstätigkeit auszuüben. Dies hat das
Bundesgericht bestätigt.
4.4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass es zwar zutreffe, dass im Suva-Verfahren
nach erfolgter Leistungseinschränkung per 30. Juni 2016 davon ausgegangen worden sei, dass
er seine bisherige Tätigkeit in rentenausschliessendem Ausmass ausüben könnte. Dies gelte
aber bloss für die unfallkausalen Beschwerden, nicht aber für die unfallfremden Faktoren. Es
sei daher falsch, wenn die IV-Stelle ohne Vornahme eigener externer Abklärungen und, nach-
dem diese selbst das Vorliegen unfallfremder Faktoren bestätigt habe, einfach auf die Beurtei-
lung der Suva abstellen wolle.
4.4.2 Es ist dem Beschwerdeführer insofern beizupflichten, dass der RAD-Arzt Dr. H._ im
April 2015 unfallfremde Faktoren feststellte. Allerdings handelte es sich dabei um ein passage-
res Alkohol- und Opiatesuchtverhalten, ein Vorhofflimmern und rezidivierende Synkopen unkla-
rer Ätiologie sowie neurologische bzw. alkoholbedingte Störungen. Dr. H._ mass diesen
unfallfremden Faktoren bezüglich der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit neben den Unfallfol-
gen keine ausschlaggebende Bedeutung bei. Wenn er darum am 19. Juli 2016 angab, dass die
Arbeitsfähigkeit (nur) durch Unfallfolgen eingeschränkt sei und auf die Suva-Akten abgestellt
werden könne, so ist dies entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht widersprüch-
lich. Denn die im Jahr 2015 über die Unfallfolgen hinaus festgestellten Leiden dauerten in der
Folge nicht an oder zeigten keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Der Alkoholkonsum
wurde im Übrigen nach Angaben des Beschwerdeführers im Jahr 2014 sistiert und der
Schmerzmittelkonsum reduziert.
4.4.3 Aus den Einwänden des Beschwerdeführers, dass die Suva zusätzlich von unfallfrem-
den einschränkenden Faktoren ausgehen würde, was so unter anderem der Telefonnotiz vom
5. Juli 2016 entnommen werden könne, kann jedenfalls nicht schon auf ein dauerhaftes invalidi-
sierendes Leiden geschlossen werden. Dr. K._ führte im Kreisarztbericht vom 30. März
2016 denn auch aus, dass die Operation der linken Schulter im Januar 2016 streng genommen
nicht aufgrund der Unfallfolgen erfolgt sei, sondern infolge der degenerativen Veränderungen.
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Funktionell habe sich durch den Eingriff weder etwas verbessert noch verschlechtert. Überwie-
gend wahrscheinlich lägen in Bezug auf die linke Schulter noch Unfallfolgen vor, auch wenn mit
dem operativen Eingriff nur degenerative Veränderungen behandelt worden seien.
4.5 Allein gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage kann jedoch nicht ab-
schliessend beurteilt werden, ob vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung, namentlich in
der Zeit nach Fallabschluss der Suva im Jahr 2016 bis 2021, eine gesundheitliche Verschlech-
terung eingetreten ist. Der Beschwerdeführer leidet an vielfältigen Beschwerden nach drei erlit-
tenen Unfällen, insbesondere an einer chronischen Schmerzkrankheit, Beschwerden an der
rechten und linken Schulter sowie an der Wirbelsäule. Er verweist diesbezüglich unter anderem
auf die Berichte des Spitals vom 24. August 2020 sowie vom 22. Januar 2021 und 31. März
2021, wonach die Diagnosen einer Plexusbrachialis-Läsion bei Status nach Humerusfraktur mit
Rotatorenmanschettenruptur infolge Sturzereignis im 2009, eines chronisch-gemischt nozizep-
tiv-neuropathischen Schmerzsyndroms der linken Schulter sowie chronische thorako-lumbale
Rückenschmerzen gestellt worden sind. Ferner nennt er die Berichte des Spitals vom 5. April
2020 sowie vom 24. April 2020, wonach multisegmentale degenerative Veränderungen vorlä-
gen, womit unfallfremde Faktoren bestätigt würden. Seit 2017 hat sich der Beschwerdeführer
zudem mehreren Schulteroperationen unterziehen lassen müssen, ohne dass eine namhafte
Besserung erreicht werden konnte. So wurde er am 2. Oktober 2017, am 17. September 2020
und am 25. Mai 2021 an der linken Schulter operiert (Operationsbericht vom 2. Oktober 2017
und Berichte der Klink vom 16. Mai 2018, vom 17. September 2020, vom 5. Mai 2021 sowie 25.
und 27. Mai 2021). Der Verlauf nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 26. April 2021
ist zwar nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens, weil das Gericht nur
die Entwicklung bis zu angefochtenen Verfügung überprüfen kann. Allerdings kann davon aus-
gegangen werden, dass der Knochensporn, der im Mai 2021 operativ entfernt worden ist, und
die damit verbundenen Schmerzen schon vor Verfügungserlass bestanden haben.
Der Versicherte leidet darüber hinaus auch an täglich mehrmals auftretenden schmerzhaften
Krämpfen aller Finger beider Hände. In diesem Zusammenhang ist auf den Bericht von
Dr. F._ vom 15. Mai 2017 zu verweisen, welcher die schmerzhaften Krämpfe auf die Ple-
xusbrachialis-Läsion zurückführte. Aus dem Bericht von Dr. med. M._, FMH Neurologie,
vom 22. Januar 2021 geht hervor, dass die seit vielen Jahren täglich auftretenden schmerzhaf-
ten Krämpfe unverändert fortbeständen. In der Eletkroneuromyografie habe sich ein weitgehen-
der Normalbefund ergeben bis auf eine rechts um 40 % verminderte SNAP Amplitude des Ner-
vus medianus, die als Residuum des Plexusschadens rechts gewertet werden könne. Die ge-
naue Ursache der Beschwerden konnte abschliessend nicht geklärt werden. Daraus darf aber
nicht ohne Weiteres gefolgert werden, dass die Verkrampfungen keinen Einfluss auf die Ar-
beitsfähigkeit hätten. In diesem Zusammenhang ist auf den Bericht vom 30. März 2020 zu ver-
weisen, wonach der Versicherte motiviert am Belastbarkeitstraining teilgenommen, aber immer
wieder unter Verkrampfungen gelitten habe, wobei die Finger eine unnatürliche Position einge-
nommen hätten. Der Versicherte sei aktuell nicht vermittelbar.
4.6 Inwieweit eine massgebende Arbeitsunfähigkeit infolge der verschiedenen somati-
schen Beschwerden resultiert, lässt sich gestützt auf die vorhandene Aktenlage nicht zuverläs-
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sig beurteilen. Gemäss Verlaufsbericht der Klinik vom 12. Juni 2019 bestand eine Arbeitsfähig-
keit von 60 % und Dr. F._ ging in seinem letzten Bericht vom 8. Juli 2019 weiterhin von ei-
ner Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70 % aus. Dr. F._ führte an, dass es sich um eine
komplexe Situation mit verschiedenen chirurgisch orthopädischen Problemen (vor allem der
Schultern) und einer zusätzlichen neurologischen Komponente (mit unter anderem residuelle
Plexus brachialis Problematik im rechten Arm nach Humeruskopffraktur rechts im August 2009)
handle. Im letzten März sei der Versicherte neurologisch (an den unteren Extremitäten) sowie
rheumatologisch (Osteoporose) in der Klinik abgeklärt worden. Von neurologischer Seite seien
gegenüber den Voruntersuchungen keine nennenswerten Besserungen der Schmerzen und der
residuellen rechtsbetonten Einschränkungen der Schulterbeweglichkeit sowie der Ausfälle des
rechten Armes festgestellt worden. Diese geschätzten Arbeitsunfähigkeiten mögen – wie der
RAD-Arzt Dr. B._ in seinem Bericht vom 29. August 2019 sowie seiner Stellungnahme vom
30. Juni 2021 feststellte – zu hoch ausgefallen sein. Sein Fazit, dass über die unfallkausalen
Beschwerden und Funktionseinschränkungen hinausgehende Limitierungen den aktuellen me-
dizinischen Berichten nicht zu entnehmen seien, überzeugt in dieser Absolutheit hingegen nicht,
handelt es sich doch um eine komplexe Krankengeschichte. Vorliegend fehlt es an einer ganz-
heitlichen Betrachtung und Abklärung der somatischen Beschwerden sowie der psychischen
Komponente, die sich verstärkend auswirken könnte. So diagnostizierte Dr. phil. N._, Psy-
chologin der Psychosomatik, in ihrem Bericht vom 10. September 2020 eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) und eine rezidi-
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit somatischem Syndrom.
Anamnestisch sei von mehreren depressiven Episoden in der Vergangenheit auszugehen. Im
gesamten Verlauf zeige sich, dass die familiäre Belastung, die Belastungssituationen bei der
Arbeit und der progrediente Verlauf der Schmerzsymptomatik dem Versicherten über die Jahre
zugesetzt habe. Aufgrund der Dynamik der Geschehnisse bestehe eine zunehmende Komplexi-
tät der psychischen wie somatischen Schwierigkeiten (vgl. Bericht vom 10. September 2020).
Die dazu von RAD-Arzt Dr. C._ am 29. Juni 2021 abgegebene Stellungnahme, dass die
erhobenen Befunde gegen eine rezidivierende depressive Störung sprächen, überzeugen in der
Kürze nicht. Naheliegender ist, dass der Beschwerdeführer über die Jahre eine zunehmende
psychische Symptomatik entwickelt hat, die die körperlichen Leiden allenfalls überlagert oder
verstärkt und sich auf die Arbeitsfähigkeit zusätzlich auswirkt.
5. Nach Würdigung der vorliegenden Arztberichte erweist sich der medizinische Sachver-
halt als unvollständig. Die Beschwerde ist folglich in dem Sinne gutzuheissen, als die angefoch-
tene Verfügung der IV-Stelle vom 26. April 2021 aufzuheben und die Angelegenheit an die IV-
Stelle zurückzuweisen ist, damit sie die somatischen und psychischen Beschwerden mittels
eines externes, polydisziplinäres Gutachtens abklären lässt, namentlich hinsichtlich einer Ver-
schlechterung des Gesundheitszustandes seit 2016. Ferner wird sie die Invalidenrente ab 2011
neu zu prüfen haben.
6.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwer-
deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor
dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Ver-
fahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle un-
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terliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Der vom Beschwerde-
führer geleistete Kostenvorschuss wird ihm zurückerstattet.
6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten. Da der Versicherte obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteientschädi-
gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Versicherten hat in seiner
Honorarnote vom 1. Dezember 2021 einen angemessenen Aufwand von 21,4 Stunden à
Fr. 250.-- geltend gemacht. Dazu kommen noch 2 Stunden für die Parteiverhandlung (Schrei-
ben vom 20. Dezember 2021) sowie Auslagen von Fr. 169.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer.
Die IV-Stelle hat demnach dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von
Fr. 6'482.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.
7. Nach Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005
ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig
gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide
sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbe-
gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an-
fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93
Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid her-
beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Be-
weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur
Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um
einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei-
sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen
Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2).
Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischenentscheid
im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angele-
genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun-
gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechts-
mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt.
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