Decision ID: 081ed62d-383c-4e05-8fa1-11b813150153
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
F._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Mattias Dolder, Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Ergänzungsleistung zur AHV
Sachverhalt:
A.
F._ wurde von ihrem Sohn am 7. Mai 2006 zum Bezug einer Ergänzungsleistung zur
Altersrente angemeldet. Sie war im April 2006 in ein Heim eingetreten. Im
Anmeldeformular wurde u.a. angegeben, sie habe im Juni 2002 Vermögenswerte auf
ihre beiden Söhne übertragen. Sie habe Schulden im Betrag von Fr. 100'000.-. Gemäss
den Angaben des Heimes vom 5. Mai 2006 belief sich die Tagestaxe auf Fr. 160.-. Laut
einem Vertrag vom 28. Juni 2002 hatte einer der beiden Söhne der EL-Ansprecherin ein
Darlehen über Fr. 100'000.- gewährt. Der Zins belief sich auf 5% jährlich; er wurde
jeweils per 31. Dezember berechnet und zum Kapital geschlagen. Mit einem weiteren
Vertrag vom 28. Juni 2006 hatte die EL-Ansprecherin eine Liegenschaft mit einem
amtlichen Verkehrswert von Fr. 381'000.- ihren beiden Söhnen geschenkt. Die
Liegenschaft war nicht belastet gewesen. Bei der Anspruchsberechnung
berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle neben einem Sparvermögen von Fr.
68'514.- und den Schulden von Fr. 100'000.- ein hypothetisches Vermögen im Betrag
des amtlichen Verkehrswertes der verschenkten Liegenschaft, reduziert um einen
fiktiven Verzehr von Fr. 10'000.- jährlich also Fr. 351'000.-. Daraus resultierte ein
Vermögensverzehr von Fr. 58'902.-. Zu dieser Einnahmenposition kamen die
Altersrente, der Ertrag aus dem Sparvermögen, die Leistungen der Krankenkasse und
ein hypothetischer Zinsertrag aus dem Verzichtsvermögen hinzu. Die Summe der
anrechenbaren Einnahmen war weit höher als die Summe der anerkannten Ausgaben.
Mit einer Verfügung vom 5. Juli 2006 wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch um
die Ausrichtung einer Ergänzungsleistung ab. Diese Verfügung erwuchs unangefochten
in formelle Rechtskraft.
B.
Am 6. Januar 2008 meldete sich F._ erneut zum Bezug einer Ergänzungsleistung zur
Altersrente an. Sie bezifferte ihr Sparvermögen per 1. Januar 2008 mit Fr. 1655.15 und
den Zinsertrag daraus mit Fr. 100.45. Gemäss den Angaben des Heimes vom 13.
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November 2007 betrug die Tagestaxe nach wie vor Fr. 160.-, woran die Krankenkasse
einen Beitrag von Fr. 30.- pro Tag leistete. Die EL-Durchführungsstelle trat auf die
Neuanmeldung nach einer vorausgegangenen Abweisung ein. Sie berücksichtigte auf
der Ausgabenseite die pauschale Krankenkassenprämie von Fr. 3036.-, die Heimtaxe
von Fr. 58'400.- und die Pauschale für die persönlichen Auslagen Alleinstehender von
Fr. 6048.-, zusammen Fr. 67'484.-. Auf der Einnahmenseite rechnete die EL-
Durchführungsstelle das von der Versicherten angegebene Sparvermögen von
Fr. 1655.-, ein hypothetisches Vermögen aus der Schenkung von Fr. 331'000.- und
Schulden von Fr. 100'000.-, insgesamt – nach Abzug des gesetzlichen Freibetrages
von Fr. 25'000.- - Fr 207'655.- an. Daraus resultierte als Einnahmenposition
'Vermögensverzehr' ein Betrag von Fr. 41'531.-. Hinzu kamen die Altersrente von Fr.
23'532.-, die Leistungen der Krankenkasse von Fr. 11'132.- und ein hypothetischer
Zinsertrag aus dem Verzichtsvermögen von Fr. 1986.-, zusammen Fr. 78'181.-. Da die
anrechenbaren Einnahmen die anerkannten Ausgaben um Fr. 10'697.- überstiegen,
wies die EL-Durchführungsstelle am 7. Februar 2008 auch das neue
Leistungsbegehren ab.
C.
Der Sohn der EL-Ansprecherin erhob am 14. Februar 2008 Einsprache gegen die
Abweisungsverfügung. Er machte geltend, das Sparguthaben resultiere aus seinen
Unterstützungsleistungen bei der Begleichung der Heimkosten, der Krankenkasse, der
laufenden Ausgaben etc. Effektiv bestehe also kein Vermögen. Die Schenkung sei per
28. Juni 2002 erfolgt. Seither hätten er und sein Bruder sämtliche Kosten für den
Unterhalt und den Betrieb der Liegenschaft übernommen. Bis zum Umzug in das Heim
im April 2006 habe die EL-Ansprecherin unentgeltlich in der Liegenschaft gewohnt.
Gleichzeitig habe sie von ihm Unterstützungsleistungen erhalten. Sämtliche Steuern
(Eigenmietwert, Grundsteuer etc.) seien von ihm und von seinem Bruder übernommen
worden, wodurch sich die Steuerlast der EL-Ansprecherin stark vermindert habe. Das
Darlehen sei zinslos gewährt worden. Bei einem Zinssatz von 5% wären nach fünf
Jahren Fr. 27'600.- an Zinsen aufgelaufen. Da der Vermögensverzehr einen Fünftel
betrage, müsse das hypothetische Vermögen nach fünf Jahren aufgebraucht sein. Auf
eine entsprechende Anfrage der EL-Durchführungsstelle gab der Sohn der EL-
Ansprecherin am 11. März 2008 an, aus dem Darlehen von Fr. 100'000.- seien Fr.
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50'000.- zur Amortisation der Hypothek verwendet worden. Die restlichen Fr. 50'000.-
seien auf dem Konto der EL-Ansprecherin verblieben; sie habe damit laufende
Zahlungen geleistet. Er habe die Rechnungen des Altersheims jeweils ab seinem Konto
beglichen. Gleichzeitig habe er eine Rückzahlung des Darlehens im gleichen Betrag
gebucht. Da diese Darlehensrückführung etwas umständlich gewesen sei, habe er am
16. März 2007 den noch vorhandenen Kontosaldo von Fr. 48'000.- als effektive
Darlehensrückführung gebucht. Seither bezahle er die laufenden Rechnungen ab dem
Konto der EL-Ansprecherin. Er leiste die entsprechenden Unterstützungsbeiträge.
D.
Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 26. Juni 2008 ab. Sie führte aus,
massgebend sei das Vermögen am 1. Januar des Bezugsjahres. Gemäss dem
Kontoauszug habe die EL-Ansprecherin am 31. Dezember 2007 über Fr. 1649.90
verfügt. Von Belang sei nur die Zeit ab Januar 2008. Die Aufwendungen der Söhne
beträfen einen früheren Zeitraum, weshalb darauf nicht einzugehen sei. Im Übrigen
seien diese Ausgaben nicht belegt. Neben den Kosten der Liegenschaft müsse auch
der Nutzen berücksichtigt werden. Seit dem Auszug der EL-Ansprecherin hätten die
Söhne die Liegenschaft nämlich vermieten oder selbst bewohnen können. Die EL-
Ansprecherin verwechsle im Übrigen den Vermögensverzehr mit der jährlichen
Reduktion des Verzichtsvermögens. Ersterer regle, welcher Teil des Vermögens als
Einnahme anzurechnen sei. Das habe mit dem Verzichtsvermögen nichts zu tun.
Dieses reduziere sich pauschal um Fr. 10'000.- jährlich. Im Darlehensvertrag sei ein
Zins von 5% vereinbart worden. Darlehenszinsen seien allerdings keine anerkannten
Ausgaben.
E.
Die EL-Ansprecherin liess am 24. Juli 2008 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid erheben. Sie beantragte sinngemäss die Zusprache der
gesetzlichen Ergänzungsleistung ab wann rechtens; eventualiter sei die Sache an die
EL-Durchführungsstelle zurückzuweisen. Zur Begründung liess sie geltend machen, als
Gegenleistung für die Schenkung der Liegenschaft hätten ihr die beiden Söhne nach
mündlicher Absprache ein faktisches lebenslängliches und unentgeltliches Wohnrecht
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eingeräumt, wobei sie zusätzlich von sämtlichen Unterhaltsverpflichtungen befreit
worden sei. Deshalb habe sie absprachegemäss bis zum Heimeintritt unentgeltlich in
der Liegenschaft gewohnt. Der amtliche Mietwert habe Fr. 20'815.- betragen.
Ausserdem habe ihr der Sohn ein Darlehen von Fr. 100'000.- gewährt. 2006 seien ihr
Unterstützungsleistungen von Fr. 21'500.- und 2007 von Fr. 28'000.- erbracht worden.
Die von den Söhnen erbrachten Gegenleistungen für die Liegenschaft seien
unberücksichtigt geblieben. Der Kapitalwert des lebenslänglichen und unentgeltlichen
Wohnrechts habe Fr. 306'604.95 betragen. Die Differenz zwischen Leistung und
Gegenleistung belaufe sich auf rund Fr. 74'400.-. Die frühere rechtskräftige Abweisung
als Folge der Anrechnung eines hypothetischen Vermögens von Fr. 381'000.- sei ohne
Belang, da EL-Verfügungen nur für ein Kalenderjahr Rechtsbeständigkeit entfalteten.
Nach Abzug des fiktiven Vermögensverzehrs von Fr. 10'000.- jährlich verbleibe ein
hypothetisches Vermögen von Fr. 24'400.-. Damit liege kein anrechenbares Vermögen
vor. Würde man die Gegenleistung nur anhand der tatsächlichen Dauer, während der
sie die Liegenschaft bewohnt habe, berechnen, beliefe sich die Gegenleistung auf Fr.
79'800.-. Das hypothetische Vermögen würde also Fr. 301'200.- betragen. Damit
verbliebe ein hypothetisches Vermögen von Fr. 251'200.-, nach Abzug der Schulden
ein verzehrbares Vermögen von Fr. 126'000.-. Ein Vermögensverzehr von Fr. 25'240.-
ergäbe einen Ausgabenüberschuss von Fr. 6594.-. Im übrigen führe Art. 17a ELV zu
einer Ungleichbehandlung und sei gesetzwidrig. Bei der Anrechnung des
Vermögensverzehrs müsse konsequenterweise zugebilligt werden, dass sich das
hypothetische Vermögen in demselben Umfang reduziere. So wäre 2008 noch von
einem hypothetischen Vermögen von Fr. 82'207.- auszugehen. Die Einnahmen würden
sich somit auf höchstens Fr. 51'000.- belaufen.
F.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 5. August 2008 die Abweisung der
Beschwerde.

Erwägungen:
1.
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Der Grund dafür, dass die Frage nach der Anrechnung eines hypothetischen
Vermögens ohne jede Bindung an die formell rechtskräftige Abweisungsverfügung vom
5. Juli 2006 zu prüfen ist, liegt nicht in der von der Beschwerdeführerin angerufenen
Rechtsprechung, laut der EL-Verfügungen nur Rechtsverbindlichkeit für ein
Kalenderjahr entfalten sollen, denn diese Rechtsprechung lässt sich weder mit dem
Sinn und Zweck der entsprechenden Bestimmungen des ELG noch mit dem Wesen
der Ergänzungsleistung als einer Dauerleistung auf unbestimmte Zeit (analog etwa
einer Invalidenrente) in Übereinstimmung bringen (vgl. Ralph Jöhl und Patricia Usinger-
Egger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Ulrich Meyer [Hrsg.], Bd. XIV Soziale Sicherheit, N. 24 ff., S.
1655 ff.). Die Ursache besteht vielmehr darin, dass eine Abweisungsverfügung, anders
als eine Verfügung, mit der eine Dauerleistung zugesprochen wird, keine Dauerwirkung
entfalten kann. Andernfalls wäre nämlich auch eine formell rechtskräftige Abweisung
eines Gesuchs um eine Dauerleistung in analoger Anwendung von Art. 17 ATSG zu
revidieren, d.h. eine erneute Anmeldung zum Leistungsbezug wäre als
Revisionsgesuch zu behandeln. Damit würde ohne jede Rechtfertigung die Zielsetzung
des Leistungsrechts, jeder Person, die Leistungen benötigt, diese Leistungen auch
zukommen zu lassen, für eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe von Personen
verfehlt. Grundsätzlich ist deshalb, einem allgemeinen Verfahrensgrundsatz des
Sozialversicherungsrechts entsprechend, laut dem jedes Leistungsgesuch behandelt
werden muss, auch auf eine Neuanmeldung nach einer vorausgegangenen formell
rechtskräftigen Gesuchsabweisung voraussetzungslos einzutreten. Eine Ausnahme
erlauben nur die repetitiven, inhaltlich immer gleichen Neuanmeldungen. Die von
diesem Problem besonders betroffene Invalidenversicherung hat deshalb in Art. 87
Abs. 4 IVV eine Eintretenshürde aufgerichtet: Auf eine Neuanmeldung wird nur
eingetreten, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der massgebende
Sachverhalt seit der letzten Gesuchsabweisung leistungserheblich verändert habe.
Diese Eintretenshürde erlaubt es den IV-Stellen, repetitive Neuanmeldungen ohne
jeden Verwaltungsaufwand durch eine Nichteintretensverfügung zu erledigen. Derselbe
verfahrensökonomische Bedarf besteht bei anderen Sozialversicherungszweigen,
insbesondere auch bei der Ergänzungsleistung. Es handelt sich um einen allgemeinen
Verfahrensgrundsatz, der eigentlich im ATSG oder in der ATSV geregelt sein müsste
(vgl. die Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. August
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2006 i.S. A. Z., EL 2006/6, und vom 2. Mai 2007 i.S. A. B., EL 2007/1). Die
Beschwerdegegnerin hätte also nicht auf die Neuanmeldung vom 7. Januar 2008
eintreten dürfen, denn die Beschwerdeführerin hatte keine leistungserhebliche
Veränderung ihrer wirtschaftlichen Situation geltend gemacht. Trotzdem ist der
angefochtene Einspracheentscheid nicht als rechtswidrige materielle Behandlung der
Neuanmeldung vom 7. Januar 2008 aufzuheben und durch einen Entscheid, nicht auf
die Neuanmeldung einzutreten, zu ersetzen. Es ist nämlich gerichtsnotorisch, dass die
Beschwerdegegnerin ausnahmslos auf alle Neuanmeldungen nach einer
vorausgegangenen formell rechtskräftigen Gesuchsabweisung eintritt, ohne die
Glaubhaftmachung einer leistungserheblichen seitherigen Sachverhaltsveränderung zu
prüfen. Im Sinne einer 'Gleichbehandlung im Unrecht' hatte deshalb auch die
Beschwerdeführerin einen Anspruch darauf, dass auf ihre Neuanmeldung vom 7.
Januar 2008 eingetreten wurde. Im Ergebnis hat die Beschwerdegegnerin also im
angefochtenen Einspracheentscheid zu Recht erneut einen allfälligen
Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin geprüft. Die Frage nach der Anrechnung
eines Verzichtsvermögens ist deshalb auch vom Gericht ohne Bindung an die formell
rechtskräftige Verfügung vom 5. Juli 2006 zu beantworten.
2.
2.1 Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist, sind als Einnahmen
anzurechnen (Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. b und c ELG). Der Begriff des
Verzichts ist gesetzlich nicht definiert. Die Rechtsprechung hat folgende Umschreibung
entwickelt: Ein Verzicht liegt vor, wenn eine Person ohne rechtliche Verpflichtung oder
ohne adäquate Gegenleistung auf Vermögen verzichtet hat (vgl. Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, 2.A.,
bearbeitet von Urs Müller, N. 451, S. 140). Diese auf den ersten Blick tautologisch
anmutende Definition wird verständlich, wenn der Blick auf die klassische
Verzichtshandlung, nämlich auf die Schenkung gerichtet wird: Gemäss Art. 239 Abs. 1
OR besteht eine Schenkung in einer Bereicherung aus dem Vermögen eines anderen
ohne entsprechende Gegenleistung. Mit dem Verzicht ist also eine ohne Rechtspflicht
vorgenommene Vermögensverminderung zugunsten einer anderen Person gemeint. Im
vorliegenden Fall ist deshalb zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin ihr Vermögen um
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den Wert der Liegenschaft vermindert hat, weil sie diese Liegenschaft den beiden
Söhnen zu Eigentum überlassen hat, ohne sich eine gleichwertige Gegenleistung
ausrichten zu lassen.
2.2 Der zwischen der Beschwerdeführerin und den beiden Söhnen am 28. Juni 2002
vor dem Grundbuchverwalter abgeschlossene Vertrag betreffend die Übertragung des
Eigentums an der Liegenschaft ist ein reiner Schenkungsvertrag. Im Vertragstext fehlt
jeder Hinweis auf eine Gegenleistung der beschenkten beiden Söhne, etwa in der Form
einer Übernahme der bestehenden Grundpfandschuld. Im Gegenteil ist der
Beschwerdeführerin ein Darlehen gewährt worden, damit sie die Hypothek amortisieren
konnte. Insbesondere enthält der Vertrag aber keinen Hinweis darauf, dass der
Beschwerdeführerin ein unentgeltliches und lebenslängliches Wohnrecht an der
übertragenen Liegenschaft eingeräumt worden wäre. Trotzdem behauptet die
Beschwerdeführerin, es habe sich nicht um eine reine, sondern um eine gemischte
Schenkung gehandelt, weil ihr gestützt auf eine mündliche Vereinbarung mit ihren
beiden Söhnen ein unentgeltliches und lebenslängliches Wohnrecht eingeräumt
worden sei und weil sich die Söhne verpflichtet hätten, während der Dauer der
Ausübung des Wohnrechts auch die Kosten des Liegenschaftsbetriebs und –unterhalts
zu übernehmen. Gemäss den Angaben in der Beschwerde haben die beiden Söhne mit
der Beschwerdeführerin nur die Einräumung des Wohnrechts und die Übernahme der
mit der Liegenschaft verbundenen Kosten vereinbart. Soweit der eine Sohn für den
persönlichen Unterhalt der Beschwerdeführerin aufgekommen ist, kann er demnach
keine Gegenleistung für die Liegenschaftsübertragung erbracht haben, denn dies
bildete ja nicht Gegenstand der behaupteten mündlichen Vereinbarung. Die der
Beschwerdeführerin erbrachten persönlichen Unterhaltsleistungen können deshalb
zum vornherein nicht als Gegenleistung für die Liegenschaftsübertragung betrachtet
werden; es handelt sich um freiwillige Verwandtenunterstützungsleistungen. Die
Behauptung, es liege in Ergänzung zum Grundstückschenkungsvertrag eine mündliche
Vereinbarung vor, ist erstmals in der Beschwerde aufgestellt worden. In der Einsprache
ist zwar auf das Wohnrecht und die Übernahme der Liegenschaftskosten hingewiesen
worden, aber es fehlt dort jeder Hinweis auf eine entsprechende mündliche
Vertragsergänzung. Von der beantragten Befragung/Einvernahme der beiden Söhne
zum Thema der behaupteten mündlichen Zusatzvereinbarung ist kein überzeugendes
Resultat zu erwarten, da die nahe Verwandtschaft zur Beschwerdeführerin eine
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erhebliches Risiko unzutreffender Angaben zur Folge hat und da die Zusprache einer
Ergänzungsleistung für die beiden Söhne einen wirtschaftlichen Vorteil bedeuten
würde, denn sie könnten die freiwilligen Verwandtenunterstützungsleistungen an die
Beschwerdeführerin einstellen oder zumindest erheblich reduzieren. In antizipierender
Beweiswürdigung wird deshalb auf die beantragte Befragung/Einvernahme der beiden
Söhne verzichtet.
2.3 Die Behauptung einer mündlichen Ergänzung des
Grundstückschenkungsvertrages kann somit nur anhand von Indizien auf ihre
Überzeugungskraft geprüft werden. Die Tatsache allein, dass die Beschwerdeführerin
bis zum Heimeintritt in der Liegenschaft gewohnt hat, ohne dafür ein Entgelt zu
entrichten und für irgendwelche Liegenschaftskosten aufkommen zu müssen, spricht
nicht als Indiz für das Bestehen der behaupteten mündliche Vertragsergänzung ins Feld
geführt werden, denn dabei kann es sich ebensogut um
Verwandtenunterstützungsleistungen gehandelt haben. Gegen die Behauptung der
Beschwerdeführerin spricht, dass es keine Veranlassung gegeben hat, die
Vereinbarung einer Gegenleistung nicht in den schriftlichen Vertrag über die
Liegenschaftsübertragung aufzunehmen, zumal damit möglicherweise sogar
steuerliche Vorteile verbunden gewesen wären. Schliesslich bleibt der Umstand zu
würdigen, dass auch in der Beschwerde, in der erstmals von einer faktischen
absprachegemässen Einräumung eines Wohnrechts die Rede ist, jede Begründung für
die völlig unübliche Vorgehensweise bei der - angeblichen - vertraglichen Regelung der
Gegenleistung in der Form eines Wohnrechts fehlt. Zusammenfassend ist davon
auszugehen, dass die von der Beschwerdeführerin behauptete Gegenleistung für die
Schenkung der Liegenschaft nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Da die Beschwerdeführerin den Nachteil
der Beweislosigkeit für den anspruchsbegründenden, nicht (mittels eines
Vermögensverzichts) selbstverschuldeten Bedarf nach Ergänzungsleistung trägt, muss
davon ausgegangen werden, dass keine Gegenleistung für die schenkungsweise
Übertragung des Eigentums an der Liegenschaft auf die beiden Söhne erbracht
worden ist. Die tatsächliche Nutzung der Liegenschaft durch die Beschwerdeführerin
und die Übernahme der Kosten des Liegenschaftsunterhalts durch die Söhne ist
deshalb als freiwillige Verwandtenunterstützung zu qualifizieren, die nicht nachträglich
in eine Gegenleistung für die Schenkung der Liegenschaft uminterpretiert werden kann.
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Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin auf die Liegenschaft und den daraus zu erzielenden Ertrag
verzichtet hat.
3.
3.1 Bei der Bemessung des Verzichtsvermögens ist die Beschwerdegegnerin von
dem im Schenkungsvertrag vom 28. Juni 2002 und in früheren Steuerveranlagungen
ausgewiesenen amtlichen Verkehrswert der Liegenschaft von Fr. 381'000.-
ausgegangen. Gemäss Art. 17 Abs. 5 ELV ist bei der Prüfung eines möglichen
Vermögensverzichts aber auf den Verkehrswert abzustellen. Gemeint ist damit nicht
der st. gallische amtliche Verkehrswert, sondern der Marktwert. Die
Beschwerdegegnerin hat es unterlassen, den Marktwert der verschenkten Liegenschaft
zu ermitteln. Da die amtliche Verkehrswertschätzung konservativ ist, liegt der
Marktwert jedenfalls nicht unter dem amtlichen Verkehrswert, sondern in der Regel
darüber. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass der Marktwert der
verschenkten Liegenschaft jedenfalls mindestens Fr. 381'000.- betragen hat. (Sollte die
Beschwerdeführerin sich ein drittes Mal zum Bezug einer Ergänzungsleistung
anmelden, wird die Beschwerdegegnerin aufgrund des dann weiter amortisierten
Verzichtsvermögens nicht darum herum kommen, den Marktwert am 28. Juni 2002 zu
ermitteln.) Demnach kann vorliegend von einem Verzichtsvermögen von mindestens Fr.
381'000.- ausgegangen werden. Die Beschwerdegegnerin hat dieses Vermögen in
Anwendung von Art. 17a Abs. 2 ELV unverändert auf den 1. Januar 2003 übertragen
und es dann per 1. Januar 2004 erstmals um Fr. 10'000.- reduziert. Diese pauschale
Reduktion hat das hypothetische Vermögen bis 1. Januar 2008 auf Fr. 331'000.- sinken
lassen. Die Beschwerdeführerin wendet dagegen unter Verweis auf die Ausführungen
von Ralph Jöhl und Patricia Usinger Egger, a.a.O., N. 245, S. 1814 f. ein, diese
Pauschalierung sei gesetzwidrig und verstosse gegen den
Gleichbehandlungsgrundsatz. Das hypothetische Vermögen sei um den Betrag zu
reduzieren, der in den Jahren 2002 bis 2007 als Vermögensverzehr gemäss Art. 11
Abs. 1 lit. c ELG anzurechnen gewesen wäre. Nun hat das Bundesgericht aber die
Lösung des Art. 17a ELV als dem Gleichbehandlungsgrundsatz konform bezeichnet
(vgl. ZAK 1992 S. 413 ff.). An dieser Rechtsprechung hat es bis anhin trotz der in der
Literatur geäusserten Kritik konsequent festgehalten. Tatsächlich ist aber offenkundig,
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dass diese Bestimmung jene EL-Ansprecher ungerechtfertigt benachteiligt, die auf ein
grosses Vermögen verzichtet haben. Würde man nun aber dem Art. 17a ELV mit dieser
Begründung die Anwendung versagen, müsste wohl zu der früheren Praxis
zurückgekehrt werden, die keine Amortisation des hypothetischen Vermögens
zugelassen hat (vgl. etwa ZAK 1988 S. 191 ff.). Damit wären alle EL-Ansprecher, denen
ein hypothetisches Vermögen anzurechnen ist, schlechter gestellt. Die damit
geschaffene Rechtslage wäre aber nicht so stossend, dass von einer
ausfüllungsbedürftigen Lücke ausgegangen und dass diese Lücke durch eine
richterrechtlich zu schaffende, dem Gleichbehandlungsgrundsatz vollumfänglich
Rechnung tragende Amortisationslösung gefüllt werden müsste. Unter diesen
Umständen bleibt nichts anderes übrig, als den Art. 17a ELV weiterhin anzuwenden.
Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht eine Amortisation des hypothetischen
Vermögens um Fr. 50'000.- vorgenommen.
3.2 Zusätzlich zum hypothetischen Vermögen hat die Beschwerdegegnerin das von
der Beschwerdeführerin bei der Anmeldung angegebene Bar-/Sparvermögen von Fr.
1655.- angerechnet. Dieser Vermögensbestandteil hat am 1. Januar 2008 effektiv Fr.
1650.- betragen. Die Anspruchsberechnung ist entsprechend zu korrigieren. Entgegen
der Auffassung der Beschwerdeführerin ist es irrelevant, aus welcher Quelle dieser
Vermögensbestandteil stammt. Deshalb ist der Betrag von Fr. 1650.- als Vermögen
anzurechnen, selbst wenn er aus Verwandtenunterstützungsleistungen resultiert, die
als Einnahmen nicht anrechenbar sind (Art. 11 Abs. 3 lit. a ELG). Von diesen beiden
Vermögenspositionen hat die Beschwerdegegnerin eine Darlehensschuld der
Beschwerdeführerin von Fr. 100'000.- abgezogen. Dabei hat sie übersehen, dass sich
diese Darlehensschuld im Zeitablauf erhöht hat, denn gemäss der Ziffer 2 des
Darlehensvertrages ist der Zins nicht zu bezahlen. Er wird stattdessen zum Kapital
geschlagen. Am 31. Dezember 2007 belief sich die Darlehensschuld somit auf Fr
130'819.-. Bei einem hypothetischen Vermögen von Fr. 331'000.-, einem Bar-/
Sparvermögen von Fr. 1650.- und Schulden von Fr. 130'819.- beträgt das
Nettovermögen Fr. 201'831.-. Nach Abzug des gesetzlichen Freibetrages von Fr.
25'000.- resultiert ein anrechenbares Vermögen von Fr. 176'831.-. Der
Vermögensverzehr beläuft sich somit auf Fr. 35'366.-. Hinzu kommen die Altersrente
von Fr. 23'532.-, die Leistung der Krankenkasse von Fr. 11'132.- und der
hypothetische Ertrag aus dem hypothetischen Vermögen von Fr. 331'000.-. Dabei wird
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nicht fingiert, dass der Vermögensverzehr gar nie stattgefunden habe (womit im
vorliegenden Fall ein hypothetischer Nettoertrag aus der – nicht selbstbewohnten -
Liegenschaft anzurechnen wäre), sondern dass der Veräusserungserlös sicher angelegt
würde. Deshalb ist praxisgemäss auf den durchschnittlichen Zinssatz der Spareinlagen
im Vorjahr des Bezugsjahres abzustellen. Dieser Zinssatz hat sich im Jahr 2007 auf
0.6% belaufen (vgl. die Rz 2091.1 WEL). Daraus resultiert der von der
Beschwerdegegnerin angerechnete hypothetische Vermögensertrag von Fr. 1986.-. Die
Summe der anrechenbaren Einnahmen der Beschwerdeführerin beläuft sich somit auf
Fr. 72'016.-. Das entspricht einem Einnahmenüberschuss von Fr. 4532.-. Die
Beschwerdegegnerin hat somit das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin im
Ergebnis zu Recht abgewiesen.
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Da die
Beschwerdeführerin vollumfänglich unterliegt, ist auch ihr Begehren um eine
Parteientschädigung abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG