Decision ID: 8a69b973-82be-4ec7-8794-e71852f5a374
Year: 2022
Language: de
Court: AG_VB
Chamber: AG_VB_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
A. ist Eigentümer der Liegenschaft Q., Parzelle aaa, mit Adresse X, Q..
Darauf befindet sich ein Wohnhaus.
2.
Mit Verfügung vom 19. Mai 2020 legte das Kantonale Steueramt (KStA),
Grundstückschätzung (GS), für die Parzelle aaa (Gebäudenummer bbb)
folgende Werte fest:
unüberbaut m2
Mietwert-Total
Ertragswert
steuerlicher
Verkehrswert
Steuerwert
Normmietwert
Eigenmietwert
pro Jahr
27'039
409'682
542'727
476'200
19'674
7'365
13'321
4'987
Steuerwert ab Steuerperiode 2018
Total Fr.
476'200
Eigenmietwert ab Steuerperiode 2018
Total Fr.
18'308
Als Schätzungsgrund wurde "Wechsel von selbstgenutzt zu Fremdnutzung
u. umgekehrt (Nutzungsänderung)" angegeben.
3.
Gegen die Verfügung vom 19. Mai 2020 erhob A. Einsprache. Er stellte
sinngemäss den Antrag, der Eigenmietwert sei zu überprüfen, wobei er auf
den Engpass zum Parkplatz und die Notwendigkeit der vorgenommenen
Renovationen hinwies.
4.
Mit Schreiben vom 2. Juli 2020 äusserte sich das Departement Bau, Ver-
kehr und Umwelt zu Einsprache.
5.
Am 2. Oktober 2020 nahm der Schätzer des KStA GS zur Einsprache Stel-
lung.
6.
Am 8. Oktober 2020 führte der Schätzer des KStA GS mit A. ein Telefonat.
7.
Mit Entscheid vom 6. Juli 2021 wies das KStA GS die Einsprache ab.
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8.
Den Einspracheentscheid vom 6. Juli 2021 (Zustellung nicht bekannt; Ver-
sand am 16. Juli 2021) hat A. mit Rekurs vom 2. August 2021 (Postaufgabe
am 3. August 2021) an das Spezialverwaltungsgericht weitergezogen. Er
stellt sinngemäss den Antrag, die Schätzung sei in Bezug auf die in den
Jahren 2018 und 2019 unbewohnbare Wohnung zu überprüfen. Ebenso
wurde auf das Parkplatzproblem hingewiesen.
Auf die Begründung wird, soweit für die Entscheidung erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.
9.
Das KStA beantragt die Abweisung des Rekurses.
10.
A. hat keine Replik erstattet.
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Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Der vorliegende Rekurs betrifft eine Einzelschätzung gültig ab der Steuer-
periode 2018. Massgebend für die Beurteilung des Rekurses sind somit
das Steuergesetz vom 15. Dezember 1998 (StG) und die Verordnung über
die Bewertung der Grundstücke vom 4. November 1985 (VBG).
2.
2.1.
Im Einspracheentscheid wurde vom KStA GS ausgeführt, dem Einsprecher
sei der Sachverhalt mit Schreiben vom 2. Oktober 2020 erläutert und es
seien detaillierte Unterlagen zu den Schätzungen beigelegt worden. Das
Ergebnis der Überprüfung, dass die neue Schätzung korrekt erfolgt sei, sei
mitgeteilt und um Rückmeldung gebeten worden. Am 8. Oktober 2020 sei
mit dem Steuerpflichtigen ein Telefonat geführt worden. Der Rekurrent
habe mündlich den Rückzug der Einsprache erklärt. Entgegen der mündli-
chen Zusicherung sei der Rückzug nicht schriftlich bestätigt worden. In der
Folge wurde die Einsprache abgewiesen.
2.2.
Wird der Steuerpflichtige zu einer Verhandlung vor die Verwaltungsbe-
hörde vorgeladen, sind dessen Angaben zu protokollieren und unterzeich-
nen zu lassen (§ 190 Abs. 3 StG). Es entspricht einem aus dem Anspruch
auf rechtliches Gehör abgeleiteten allgemeinen Verfahrensgrundsatz, dass
entscheidrelevante Tatsachen und Ergebnisse schriftlich festzuhalten sind.
Dazu gehört auch die Pflicht zur Protokollführung über entscheidrelevante
Abklärungen und Verhandlungen im Rechtsmittelverfahren. Das Protokoll
bildet eine Entscheidgrundlage und soll daher den Inhalt der Verhandlung
mindestens stichwortartig zusammenfassen. Ein Wortprotokoll wird dage-
gen nicht verlangt (SGE vom 22. September 2016 [3-RV.2016.76],
Erw. 2.2.2., mit Verweisen).
2.3.
Im Einspracheentscheid wird eine telefonische Kontaktaufnahme mit dem
Rekurrenten vom 8. Oktober 2020 erwähnt. In den Akten finden sich kei-
nerlei Aufzeichnungen über ein Telefongespräch vom 8. Oktober 2020.
Vorliegend wurde die Protokollführungspflicht offensichtlich verletzt.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Seine Verletzung
führt ungeachtet der Erfolgsaussichten des Rekurses in der Sache selbst
grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Eine Heilung
in einem Rechtsmittelverfahren ist nur ausnahmsweise möglich; dies hängt
namentlich von der Schwere und Tragweite der Gehörsverletzung sowie
davon ab, ob die Rechtsmittelinstanz den angefochtenen Entscheid in
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rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei überprüfen kann (vgl. VGE vom
7. Juni 2000 [BE.98.00103]).
2.4.
Nach den Angaben des Schätzers KStA GS im Einspracheentscheid soll
der Rekurrent anlässlich des Telefonates den Rückzug der Einsprache er-
klärt haben. Ein solcher ist jedoch nie schriftlich bestätigt worden. Vielmehr
hat der Rekurrent den Einspracheentscheid mit Rekurs angefochten. Es ist
sodann nicht nachvollziehbar, ob und in welchem Umfang die Ausführun-
gen des Schätzers des KStA GS im Schreiben vom 2. Oktober 2020 vom
Rekurrenten anerkannt oder weiterhin in Zweifel gezogen wurden. Vorlie-
gend bleibt im Ergebnis völlig unklar, was anlässlich des Telefonates vom
8. Oktober 2020 besprochen wurde. Mangels Protokollierung des Telefo-
nats wurde der Anspruch auf rechtliches Gehörs damit offensichtlich ver-
letzt.
3.
3.1.
Der Einspracheentscheid ist gemäss § 195 Abs. 3 StG schriftlich zu be-
gründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass jedenfalls die bun-
desrechtlichen Minimalanforderungen, wie sie aus Art. 29 Abs. 2 BV ("Die
Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör") abgeleitet werden, Be-
achtung finden. Die tatsächlichen Feststellungen und rechtlichen Überle-
gungen, welche die Einsprachebehörde dem Entscheid zu Grunde gelegt
hat, müssen nachvollzogen werden können. Die Begründung hat zudem
eine Beurteilung der Beweismittel zu enthalten. Weiter hat die Einsprache-
behörde zu den Anträgen der steuerpflichtigen Person so Stellung zu neh-
men, dass ersichtlich wird, wieweit ihnen entsprochen wird. Sie muss sich
jedoch nicht mit jedem Vorbringen der steuerpflichtigen Person auseinan-
dersetzen und jedes einzelne Argument ausdrücklich widerlegen. Sie darf
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Als Mini-
malerfordernis verbleibt aber stets, dass sich die am Verfahren beteiligten
Personen anhand der Begründung über die Tragweite des Entscheids Re-
chenschaft ablegen können. Dieses Minimalerfordernis wird verletzt, wenn
sich die Steuerbehörde im Einspracheentscheid mit mehreren Begehren
und mit Beweismitteln, welche die steuerpflichtige Person angerufen hat,
überhaupt nicht auseinandersetzt (Bundesgerichtsurteil vom 20. Dezember
2012 [2C_843/2012]; Bundesgerichtsurteil vom 3. Mai 2005 [1P.115/2005],
mit Verweis auf BGE 126 I 97; VGE vom 1. Dezember 2008 [WBE.2007.
154]; Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Auflage, Muri-Bern 2015,
§ 175 StG N 31, § 195 StG N 9, mit Hinweisen).
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3.2.
Dass es Gründe für eine Abweisung der Einsprache gegeben haben muss,
geht mindestens aus der Vernehmlassung des KStA GS im Rekursverfah-
ren hervor, wo zum "Antrag: Reduktion Eigenmietwert" und "Antrag: Sach-
verhalt 'Parkplatzproblem'" (wohl zutreffende) Ausführungen gemacht wur-
den. Dem Einspracheentscheid ist aber keine Begründung für die Abwei-
sung der Einsprache zu entnehmen. Die Begründungspflicht und damit der
Anspruch auf rechtliches Gehör wurden wiederum verletzt.
4.
Im Ergebnis ist der Einspracheentscheid des KStA GS vom 6. Juli 2021
aufzuheben und die Angelegenheit zur nochmaligen Durchführung des Ein-
spracheverfahrens an das KStA GS zurückzuweisen.
5.
Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Rekursverfahrens auf die Staats-
kasse zu nehmen (§ 189 Abs. 1 StG). Nicht vertretenen Rekurrenten ist
keine Parteientschädigung auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG).
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