Decision ID: 466de7e5-e4f3-58be-80e6-767e59f37f84
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
I._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
A.a I._, geboren 1965, meldete sich am 8. März 2003 zum Rentenbezug an. Sie
machte geltend, wegen einer Diskushernie an Rücken- und Beinschmerzen zu leiden
(act. G 6.1/1). Der behandelnde Arzt, Dr. med. A._, FMH Innere Medizin,
diagnostizierte bei der im Haushalt tätigen Versicherten im Arztbericht vom 30. Juni
bzw. 3. Juli 2003 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
Lumbalsyndrom mit pseudoradikulärer Irritationssymptomatik ins linke Bein und einen
Status nach Diskushernienoperation L4/5 links (1999; act. G 6.1/11.1 ff.).
A.b Am 9. Januar 2004 wurde bei der Versicherten eine Abklärung an Ort und Stelle
durchgeführt. Anlässlich dieser Abklärung gab die Versicherte an, dass sie auch im
Gesundheitsfall nicht einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Die Abklärungsperson
ermittelte einen Behinderungsgrad von 40% (act. G 6.1/18.1 ff.). Gegen die
Abklärungsergebnisse liess die Versicherte am 9. Februar 2004 vorbringen, dass in
einzelnen Haushaltsbereichen eine höhere Einschränkung zu berücksichtigen sei.
Insgesamt müsse mindestens von einem 50%igen Behinderungsgrad ausgegangen
werden (act. G 6.1/18.12 ff.). In Würdigung dieses Vorbringens kam die
Abklärungsperson zum Schluss, dass eine halbe Rente ausgerichtet werden könne,
sofern ein Invaliditätsgrad von 50% medizinisch nachvollziehbar sei (act. G 6.1/18.9).
A.c Mit Schreiben vom 11. März 2004 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass die
anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle gemachte Aussage, sie würde im
Gesundheitsfall keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, aufgrund der gesundheitlich
bedingten Erwerbslosigkeit des Ehemannes und seiner sich abzeichnenden
Invalidisierung nicht mehr zutreffend sei (act. G 6.1/24).
A.d Gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50% wurde der Versicherten mit Verfügung
vom 6. Mai 2004 eine halbe Rente beginnend ab 1. März 2002 zugesprochen. Die
Versicherte wurde dabei als nichterwerbstätig qualifiziert (act. G 6.1/22, 23 und 26).
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.a Anlässlich der amtlichen Revision berichtete die Versicherte am 6. April 2006, ihr
Gesundheitszustand habe sich weiter verschlechtert. Es habe sich wieder ein
Bandscheibenvorfall ereignet, und es sei eine erneute Operation (erweiterte
Refenestration L4/5 links, Rezessotomie und Narbenlösung am 23. März 2006; act.
G 6.1/31) von den Ärzten der neurochirurgischen Abteilung des Kantonsspitals
St. Gallen (KSSG) durchgeführt worden. Der Ehemann sei dadurch gezwungen, die
Haushaltsarbeiten zu erledigen (act. G 6.1/28). Die erhebliche Verschlechterung
bestehe seit September 2005 (act. G 6.1/27).
B.b Im Verlaufsbericht vom 7. Mai 2006 stellte Dr. A._ einen verschlechterten
Gesundheitszustand fest. Angaben bezüglich der theoretischen Arbeitsfähigkeit seien
bei den behandelnden Neurochirurgen einzuholen. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehe mit
Sicherheit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 6.1/38.1 ff.). Der behandelnde
Neurochirurg Dr. med. B._ gab im Verlaufsbericht vom 22. Mai 2006 ebenfalls an,
dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert habe. Er
diagnostizierte eine anhaltende Lumboischialgie bei Status nach
Discushernienoperation LW4/5 links (1999), bei Status nach erweiterter Refenestration
LW4/5 links, Rezessotomie und Narbenlösung (23. März 2006) sowie bei Status nach
Revision LW4/5 links bei Liquorleck (25. April 2006). Nach der Operation vom 23. März
2006 habe sich das Beschwerdebild drastisch verschlechtert. Nach Entdeckung eines
grossen Liquorlecks mit Flüssigkeitskollektionen subcutan und im Bereich der
aufrechten Rückenmuskulatur sei am 25. April 2006 eine Revision durchgeführt
worden. Bei der Nachkontrolle am 22. Mai 2006 habe die Versicherte über anhaltende
chronische lumboischialgiforme Schmerzen der linken Seite geklagt. Sie sei seit März
2006 im Alltag regelmässig auf die Hilfe ihres Ehemannes angewiesen. Ihr seien weder
die bisherige Tätigkeit als Reinigungsgehilfin noch andere Tätigkeiten zumutbar (act.
G 6.1/39).
B.c Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, vom Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD) kam in seiner Beurteilung vom 16. August 2006 zum Schluss, dass sich
die 100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der derzeitigen nicht stabilen Verhältnisse
noch reduzieren werde. Es sei Ende Oktober 2006 beim Hausarzt ein Verlaufsbericht
einzuholen (act. G 6.1/42). Dr. A._ beurteilte die Versicherte im Arztbericht vom
6. November 2006 zu 60 bis 80% arbeitsunfähig. Aufgrund der gesundheitlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerden sei vermutlich auch eine körperlich leichte (Teilzeit-)Tätigkeit,
wechselweise im Sitzen und Stehen nicht realisierbar. Der Gesundheitszustand sei
stationär (act. G 6.1/43.1 ff.).
B.d Am 2. März 2007 führte die IV-Stelle eine erneute Abklärung an Ort und Stelle
durch. Die Abklärungsperson berichtete, dass die Versicherte auch im Gesundheitsfall
zu 100% als Hausfrau und Mutter tätig sein würde. Sie ermittelte einen
Behinderungsgrad von 57% (act. G 6.1/50.2).
B.e Mit Vorbescheid vom 10. Mai 2007 stellte die IV-Stelle gestützt auf den ermittelten
Invaliditätsgrad von 57% die Abweisung des Rentenerhöhungsgesuches in Aussicht
(act. G 6.1/53).
C.
C.a Die Versicherte liess gegen diesen Vorbescheid am 11. Juni 2007 Einwand erheben
und beantragte mit Wirkung ab Juni 2006 die Zusprache einer ganzen Rente. Die
Annahme der IV-Stelle sei nicht zutreffend, dass sie im Gesundheitsfall zu 100% im
Haushaltsbereich tätig sein würde. Die anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle vom
2. März 2007 anwesenden Familienmitglieder (Tochter Sara und Ehemann) könnten
bestätigen, dass eine entsprechende Statusfrage in dieser Art nicht gestellt worden sei.
Falls die Frage überhaupt gestellt worden sei, sei sie möglicherweise nicht verstanden
worden. Aus der nach der Erkrankung des Ehemannes entstandenen prekären
finanziellen Situation ergebe sich, dass sie im Gesundheitsfall einer 100%igen
Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Sie müsse daher als voll Erwerbstätige eingestuft
werden (act. G 6.1/57.1 ff.).
C.b Am 20. Juni 2007 wurde im Sinne des Vorbescheids verfügt und das
Rentenerhöhungsgesuch abgewiesen. Die IV-Stelle begründete die Abweisung damit,
dass zwar eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen sei. Die
Arbeitsunfähigkeit im Haushaltsbereich habe sich aber nicht im rentenrelevanten
Ausmass erhöht. Zur Statusfrage brachte die IV-Stelle vor, dass die Versicherte seit
März 1999 keine Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt habe. Auch im Rahmen der
Vorortabklärung vom 2. März 2007 habe sie auf konkrete Befragung hin angegeben, in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gesundem Zustand ausschliesslich den eigenen Haushalt zu versorgen. Die
entsprechende Frage sei von ihrem Ehemann bzw. ihrer Tochter beantwortet worden.
Die Versicherte spreche kein deutsch und verfüge nur über rudimentäre schulische und
berufliche Qualifikationen. In der heutigen Arbeitswelt seien selbst in einfachen
Hilfsarbeiten Deutschkenntnisse und eine längere Berufserfahrung vorausgesetzt. Vor
diesem Hintergrund sei ihre Aussage, ohne Behinderung 100%ig erwerbstätig zu sein,
nicht nachvollziehbar (act. G 6.1/59).
D.
D.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 20. August 2007. Die
Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren
Aufhebung sowie die Zusprache einer ganzen Rente ab Juni 2006. Bezüglich der
Statusfrage lautet die Begründung im Wesentlichen gleich wie diejenige des Einwands
vom 11. Juni 2007. Des Weiteren bringt die Beschwerdeführerin vor, dass selbst wenn
davon ausgegangen werde, sie wäre zu 100% im Haushaltsbereich tätig, ein
Invaliditätsgrad von über 70% resultieren würde. Der Abklärungsbericht vom 12. April
2007 (act. G 6.1/50) sei nicht korrekt. Insbesondere fielen keine Betreuungsaufgaben
gegenüber den Kindern oder Familienangehörigen mehr an. Ferner sei zu Unrecht im
Bereich Einkauf keine Einschränkung mehr anerkannt worden. Ohnehin sei dieser
Aufgabenbereich weggefallen. Werde dem nicht gefolgt, sei eine 100%ige
Einschränkung in diesem Bereich zu berücksichtigen (act. G 1). Der Beschwerde ist ein
Schreiben des Ehemannes der Beschwerdeführerin an deren Rechtsvertreter vom 19.
März 2007 beigelegt. Er macht darin geltend, dass er und seine Tochter die Frage,
würde heute ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausgeübt, mit "ja" beantwortet
hätten (act. G 1.2).
D.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 30. Oktober
2007, die Beschwerde sei abzuweisen. Bezüglich der Statusfrage entspricht die
Begründung derjenigen der angefochtenen Verfügung. Zum Abklärungsbericht an Ort
und Stelle macht die Beschwerdegegnerin geltend, dass die Beschwerdeführerin
gegenüber der 16-jährigen, noch unmündigen Tochter Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben zu erfüllen habe. Die weiteren Einwände gegenüber dem
Abklärungsbericht seien unzutreffend. Unter Berücksichtigung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schadenminderungspflicht sei die ermittelte Einschränkung von 57% im
Haushaltsbereich korrekt (act. G 6).
D.c In ihrer Replik vom 14. Dezember 2007 führt die Beschwerdeführerin aus, dass sie
spätestens bei der sich abzeichnenden finanziellen Notlage durch die invalidisierenden
Beschwerden des Ehemannes im Gesundheitsfall eine Erwerbstätigkeit wieder
aufgenommen hätte. Betreffend die anderslautende Angabe im Abklärungsbericht sei
erneut auf die problematischen Übersetzungsverhältnisse hinzuweisen. Ferner habe sie
sich bereits am 11. März 2004 (act. G 6.1/24) gegen die Einstufung als
Nichterwerbstätige verwehrt. Sie bestreitet, dass gegenüber ihrer Tochter noch
Betreuungs- und Erziehungsaufgaben anfielen (act. G 8).
D.d Die Beschwerdegegnerin teilt am 7. Januar 2008 ihren Verzicht auf eine Duplik mit
(act. G 10).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des IVG in
Kraft getreten. Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 127 V 467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis
zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt
abzustellen ist (BGE 121 V 366 E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007
geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen, und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
als Invalidität. Die Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt aArt. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20; Fassung bis 31. Dezember 2007): Es ist darauf
abzustellen, in welchem Mass die betreffende Person behindert ist, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen. Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person
gelten insbesondere die übliche Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie
gemeinnützige und künstlerische Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). aArt. 28 Abs. 2 IVG regelt die so genannte
gemischte Methode der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig
und zum Teil im Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen "gemischten" Fall sind
der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich
festzulegen und der Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden
Bereichen zu bemessen. Ist bei einer Person, die nur zum Teil erwerbstätig ist,
anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den
Gesundheitsschaden vollzeitlich erwerbstätig wäre, so ist die Invaliditätsbemessung
ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 IVV).
Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente (aArt. 28 Abs. 1 IVG).
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
2.3 Für die Invaliditätsbemessung im Haushalt stellt der nach Massgabe der
Verwaltungsweisungen des BSV (Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in
der Invalidenversicherung [KSIH], Stand bis 31. Dezember 2007) eingeholte
bis
ter
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abklärungsbericht im Haushalt eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage
dar. Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer
versicherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von
Arztberichten (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu
berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person
verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen sowie den
aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu
berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht
aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und
angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in
Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft dies alles
zu, ist der Abklärungsbericht beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2). Sofern der
Abklärungsbericht im Sinne der vorstehend genannten Rechtsprechung eine
zuverlässige Entscheidungsgrundlage darstellt, greift das Gericht in das Ermessen der
Abklärungsperson nur ein, wenn – etwa im Lichte der ärztlichen Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeit im Haushalt – klar feststellbare Fehleinschätzungen oder
Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsergebnisse (z.B. infolge von
Widersprüchlichkeiten) vorliegen (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 mit Hinweis; Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Oktober 2007 i.S. T., I 246/05, E. 5.2.1 mit Hinweisen).
2.4 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung der Frage, was sie bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde (BGE 125 V 150 E. 2c). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen
sind nach der Rechtsprechung die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen
Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber
Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die
persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt
sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c; BGE 117
V 194 f. E. 3b; AHI 1997 S. 288 ff. E. 2b je mit Hinweisen). Nebst dem früheren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsverhalten sind im Wesentlichen die Absicht der versicherten Person und ihre
Vorstellungen und Pläne zum Alltag ohne Gesundheitsschaden zu berücksichtigen. Von
Bedeutung sind insbesondere auch die Sicherstellung der Kinderbetreuung und die
Verdienstverhältnisse. Die konkrete Situation und die Vorbringen der Versicherten sind
nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Zu beachten ist
allerdings, dass der Entscheid über die Statusfrage immer ein solcher über eine
Hypothese bleibt, da sie sich immer stellt, wenn in Wirklichkeit eine gesundheitliche
Beeinträchtigung (schon seit längerer oder kürzerer Zeit) eingetreten ist. Die
Arbeitseinteilung in der Vergangenheit kann für die massgebliche Hypothese nur ein
Indiz darstellen; die spätere reale Einteilung ist andererseits meist bereits durch die
Invalidität beeinflusst (nicht veröffentlichter Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 2. Februar 2006, IV 2005/53, E. 2c).
2.5 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Anlass zu einer
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ob
eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes,
wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit
demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (vgl. BGE 125 V 369 E. 2 mit
Hinweis).
3.
Nicht bestritten und aufgrund der Akten (act. G 6.1/42) erstellt ist, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wesentlich verschlechtert hat. Die
Beschwerdeführerin macht nebst der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes
geltend, dass sie insbesondere aufgrund des Wegfalls von Betreuungs- und
Erziehungspflichten sowie der gesundheitlich bedingten Arbeitslosigkeit des
Ehemannes und der dadurch verursachten finanziellen Notlage im Gesundheitsfall eine
volle Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte, zumindest aber in einem Pensum von 50%
(act. G 1, act. G 6.1/57.5, 57.20). Die geltend gemachte Aufnahme mindestens einer
Teilerwerbstätigkeit ist durchaus glaubhaft. Die Beschwerdegegnerin wendet dagegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ein, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle
anderslautende Aussagen gemacht habe, kaum ein Wort deutsch spreche und nur
über rudimentäre schulische und berufliche Qualifikationen (act. G 6.1/59, 72) sowie
über äusserst geringe Berufserfahrung in den Jahren 1990 bis 1991 verfüge. Vor
diesem Hintergrund sei darauf zu schliessen, dass sie auch bei guter Gesundheit nicht
ausser Haus arbeiten würde (act. G 6).
3.1 Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin bereits am
11. März 2004 geltend machen liess, sie würde im Gesundheitsfall eine
Erwerbstätigkeit aufnehmen (act. G 6.1/24). Ins Gewicht fällt aber vor allem, dass die
im Abklärungsbericht enthaltene Angabe zur Statusfrage von der Beschwerdeführerin
nie aktenkundig anerkannt, sondern bestritten wurde (act. G 1 und 1.2, act G 6.1/57.5
und 57.20; der Abklärungsbericht vom 12. April 2007 wurde auch nicht von ihr
unterzeichnet [act. G 6.1/50.8]). Ferner stammt die im Abklärungsbericht enthaltene
Aussage nicht unmittelbar von der Beschwerdeführerin, sondern wird ihrem Ehemann
bzw. ihrer Tochter zugeschrieben (act. G 6.1/50.9; "Die entsprechende Frage wurde
von Ihrem Ehemann bzw. Ihrer Tochter beantwortet, [...]" act. G 6.1/59.2). Des
Weiteren bestehen erhebliche Anhaltspunkte für Verständigungsschwierigkeiten (act.
G 6.1/50.9; 57.5). Vor diesem Hintergrund kann die Frage, ob die Beschwerdeführerin
ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100% im Haushalt tätig wäre, nicht gestützt
auf die im Abklärungsbericht enthaltene - bestrittene - Aussage zuverlässig
beantwortet werden.
3.2 Was den Umstand anbelangt, dass die Beschwerdeführerin kaum deutsch spreche
und lediglich über rudimentäre Berufserfahrungen verfüge (act. G 6.1/72), gilt es zu
beachten, dass das Fehlen ausreichender Deutschkenntnisse auf der Stufe Hilfsarbeit
sehr häufig vorkommt. Die geringen Anforderungen an die verbale Kommunikation, die
Hilfsarbeiten stellen, können in aller Regel durch sprachkundige Vorgesetzte oder
durch die Übersetzerdienste von Arbeitskollegen oder Arbeitskolleginnen erfüllt
werden. Eine lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt steht der Aufnahme einer
Hilfsarbeitertätigkeit ebenfalls nicht entgegen, da Hilfsarbeiten definitionsgemäss keine
Berufskenntnisse voraussetzen, die über eine kurze Einarbeitung am konkreten
Arbeitsplatz hinausgehen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 22. April 2008, IV 2007/10 und IV 2007/110, E. 4.3; vgl. auch zur Realisierbarkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eines Erwerbseinkommens durch eine Analphabetin, die über äusserst rudimentäre
Deutschkenntnisse und keine Berufsausbildung verfügte, Urteil des Bundesgerichts
vom 12. Juni 2008 i.S. Y., 8C_255/07, E. 4.3). Die Behauptung der
Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin verfüge über keine realistischen
Chancen auf dem heutigen Arbeitsmarkt, ist daher nicht nachvollziehbar. Das gilt umso
mehr, als die Beschwerdeführerin vom September 1990 bis März 1991 (act. G 6.1/7)
sowie vom Juli bis Dezember 2003 (act. G 6.1/32) ein - wenn auch geringes -
Erwerbseinkommen zu erzielen vermochte.
3.3 Nach dem Gesagten bestehen keine Gründe, die an der Aussage der
Beschwerdeführerin, sie würde im Gesundheitsfall einer Erwerbstätigkeit nachgehen
(act. G 1, act. G 6.1/57.2, 57.5), erhebliche Zweifel entstehen zu lassen vermögen. Der
Wegfall des durch den Ehemann bisher erzielten Erwerbseinkommens, dessen
Aussteuerung (vgl. act. G 6.1/24.1), das Alter der jüngsten Tochter sowie die prekäre
finanzielle Lage sprechen vielmehr für die Aufnahme jedenfalls einer
Teilerwerbstätigkeit durch die Beschwerdeführerin. Dies wird auch durch die – wenn
auch kurze – Teilerwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin in den Monaten Juli bis
Dezember 2003 untermauert (act. G 6.1/32). Da die Unterstützung im Haushaltsbereich
durch den Ehegatten nicht umfassend ist, sondern sich auf einzelne Teilbereiche
(Nahrungszubereitung am Mittag, Einkauf, weitere Besorgungen und Transport)
beschränkt (act. G 6.1/50.5; vgl. act. G 6.1/57.20), ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin selbst im Gesundheitsfall halbtags im Haushaltsbereich zur
Besorgung der übrigen Aufgaben tätig wäre. Es ist daher mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin entsprechend
ihrer bisherigen Biographie trotz einer Arbeitsaufnahme teilweise auch den Haushalt
besorgen würde. Es ist demnach mit der Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass
sie im Gesundheitsfall einer 50%igen Erwerbstätigkeit nachgehen und daneben den
Haushalt besorgen würde (act. G 1, S. 3 und 4).
3.4 Die Ermittlung des Invaliditätsgrades hat somit nach der gemischten Methode (vgl.
vorstehende E. 2.1) zu erfolgen. Nachfolgend sind daher die Auswirkungen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung auf den Erwerbs- und Aufgabenbereich zu
ermitteln.
4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.1 Für den Haushaltsbereich ermittelte die Beschwerdegegnerin gestützt auf die
Abklärung an Ort und Stelle vom 2. März 2007 einen Teilinvaliditätsgrad von 57% (act.
G 6.1/50.1 ff.). Die Beschwerdeführerin rügt die Beurteilung der Einschränkungen im
Haushaltsbereich in verschiedener Hinsicht als mangelhaft.
4.2 Im Hinblick auf die Würdigung des Abklärungsberichts vom 12. April 2007 (act.
G 6.1/50.1 ff.) fällt ins Gewicht, dass er von einer fachlich qualifizierten
Abklärungsperson der IV-Stelle in Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse
und in Berücksichtigung der medizinischen Diagnosen sowie ärztlichen
Einschätzungen erfolgt ist. Er befasst sich einlässlich mit den einzelnen
Haushaltsbereichen und deren prozentualen Gewichtung, umschreibt die zu
verrichtenden Tätigkeiten sowie die an Ort und Stelle unter Einbezug der zumutbaren
Mitwirkungspflichten durch die Familienmitglieder festgestellten Einschränkungen in
diesen Bereichen, so dass er den rechtsprechungsgemässen Anforderungen (AHI 2003
S. 218 E. 2.3.2 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2007 i.S. T., I
246/05, E. 5.2.1 mit Hinweisen) in jeder Hinsicht entspricht.
4.3
4.3.1 Die Beschwerdeführerin bringt gegen den Abklärungsbericht vor, dass im Bereich
der Betreuung von Kindern oder anderen Familienangehörigen keine Aufgaben mehr
anfielen. Dieser Punkt hätte daher keine Berücksichtigung mehr finden dürfen (act. G 1,
S. 4). Bereits im Abklärungsbericht vom 6. März 2004 wurde indes davon
ausgegangen, dass die jüngste Tochter sehr selbstständig sei und nicht mehr betreut
werden müsse (act. G 6.1/18.6). Ohnehin besteht auch bei Jugendlichen über 16
Jahren - selbst wenn diese nicht mehr im gleichen Hauhalt wie die Eltern leben oder
sich lediglich an den Wochenenden bei den Eltern aufhalten - eine gewisse
Betreuungs- und Erziehungsbedürftigkeit. Die Bemessung der Betreuungsaufgaben mit
ungefähr 10% stellt daher keine klare Fehleinschätzung der Abklärungsperson dar.
4.3.2 Einen weiteren Mangel erblickt die Beschwerdeführerin darin, dass in
Abweichung vom Abklärungsbericht vom 6. März 2004 – wo eine 40%ige
Einschränkung im Bereich Einkauf und weitere Besorgungen anerkannt wurde – (act.
G 6.1/18.5) im Abklärungsbericht vom 12. April 2007 (act. G 6.1/50.5) keine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einschränkung mehr ermittelt worden sei. Bei ihrer Kritik übersieht die
Beschwerdeführerin, dass sich die Situation im Vergleich zum erstmaligen
Abklärungsbericht bezüglich der Mitwirkungsmöglichkeit des Ehegatten wesentlich
verändert hat. Dieser nimmt nicht mehr an einem RAV-Arbeitsprogramm teil (vgl. act.
G 6.1/18.3) und ist auch nicht voll erwerbstätig. Zu Recht berücksichtigte die
Beschwerdegegnerin daher im aktuellen Abklärungsbericht neu eine zumutbare
Mitwirkungspflicht des Ehegatten im Bereich Einkauf und weitere Besorgungen. Dabei
ist zu berücksichtigen, dass die Mitwirkung des Ehegatten – nebst der Unterstützung
bei der Nahrungszubereitung des Mittagessens – vor allem im Bereich des Einkaufs
und der weiteren Besorgungen realisiert wird (act. G 6.1/50.5). Die Beurteilung der
Abklärungsperson, dass durch die zumutbare Mithilfe des Ehegatten die
Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Bereich Einkauf und weitere
Besorgungen vollumfänglich kompensiert werden, erscheint nachvollziehbar. Sie stellt
zumindest keine vom Gericht zu korrigierende klare Fehleinschätzung dar.
4.3.3 Die von der Beschwerdegegnerin anerkannte 70%ige Einschränkung im Bereich
Wohnungspflege erachtet die Beschwerdeführerin als zu niedrig. In diesem Bereich
bestehe eine Leistungsfähigkeit von höchstens 10% (act. G 1, S. 6). Wie die
Beschwerdeführerin selbst ausführt (act. G 6.1/50.5; act. G 1, S. 6), ist sie in der
Wohnungspflege nicht vollumfänglich eingeschränkt. Abstaubarbeiten auf Körperhöhe
könne sie noch vornehmen. Unter Mitberücksichtigung der zumutbaren Mithilfe der
Familienangehörigen ermittelte die Abklärungsperson eine Einschränkung von 70%
(act. G 6.1/50.5). Selbst wenn davon ausgegangen werden würde, dass die
Beschwerdeführerin im Bereich Wohnungspflege vollumfänglich eingeschränkt wäre,
würde – bei Festlegung der Einschränkung mit 70% – die zumutbare Mithilfe durch die
Familienangehörigen 30% betragen. Dies entspräche einer berücksichtigten täglichen
Mithilfe von 0.25 Stunden bzw. einer Viertelstunde (vgl. act. G 6.1/18.11 wo der
tägliche Aufwand im Bereich der Wohnungspflege von der Beschwerdeführerin mit
0.84 Stunden angegeben wurde). Die angerechnete Mithilfe durch die
Familienangehörigen bzw. die Festlegung der Einschränkung auf 70% ist nicht zu
beanstanden.
4.3.4 Bezüglich des Bereichs Haushaltführung macht die Beschwerdeführerin geltend,
dass eine Einschränkung von 100% und nicht bloss 50% zu berücksichtigen sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(act. G 1, S. 5). Dieser Auffassung ist nicht zuzustimmen. Denn die Bestimmung der
Einschränkung durch die Abklärungsperson erfolgte unter Mitberücksichtigung der
zumutbaren Mithilfe der Tochter im Rahmen von 50%. Dass die angerechnete
Unterstützung durch die Tochter oder andere Familienmitglieder unzumutbar sei, wird
von der Beschwerdeführerin weder dargelegt und ist aufgrund der Aktenlage auch
nicht ersichtlich.
4.4 Insgesamt bildet der Abklärungsbericht vom 12. April 2007 eine zuverlässige
Entscheidungsgrundlage. Klar feststellbare Fehleinschätzungen liegen nicht vor. Es ist
deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Haushaltsbereich einen
Teilinvaliditätsgrad von 57% aufweist. Der Umstand, dass die jüngste Tochter der
Beschwerdeführerin neuerdings lediglich an den Wochenenden zu Hause sei (act. G 8,
S. 4), vermag an der Zuverlässigkeit des Abklärungsberichts nichts zu ändern, zumal
sich die gerichtliche Prüfung auf den Sachverhalt zu beschränken hat, wie er sich bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung (20. Juni 2007) ereignet hat (BGE 132 V 215
E. 1.1.1).
5.
5.1 Zu prüfen bleibt die Einschränkung der Beschwerdeführerin im Erwerbsbereich.
5.2 Gestützt auf die in Würdigung der medizinischen Aktenlage erfolgten Beurteilung
des RAD-Arztes vom 16. August 2006 ergibt sich, dass sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin seit September 2005 revisionserheblich verschlechterte und
ab diesem Zeitpunkt eine 75%ige Arbeitsunfähigkeit besteht. Aufgrund einer weiteren
Verschlechterung erachtete der RAD-Arzt die Beschwerdeführerin ab 20. März 2006 als
zu 100% arbeitsunfähig. Die Verhältnisse seien allerdings noch nicht stabil (act.
G 6.1/42). Die bestehende medizinische Aktenlage äussert sich aber nicht hinreichend
klar zur Frage, wie sich in der Folge der Verlauf der Gesundheit und der Arbeitsfähigkeit
gestaltete. Namentlich bestehen für die Folgezeit bezüglich der
Arbeitsunfähigkeitseinschätzung divergierende Beurteilungen, die von 60 bis 80% (act.
G 6.1/43.7) bzw. bis 100% (act. G 6.1/38.4, 43.9) reichen. Die Sache ist daher zur
Abklärung des Verlaufes der Arbeitsunfähigkeit sowie deren erwerblichen
Auswirkungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zweckmässigerweise wird
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sie diese Beurteilung und die Würdigung der diesbezüglich divergierenden
medizinischen Aktenlage durch den mit dem Fall vertrauten RAD-Arzt vornehmen
lassen. Hernach wird sie unter allfälliger Vornahme eines sogenannten Leidensabzuges
sowie allfälliger Berücksichtigung von Wechselwirkungen zwischen dem Aufgaben-
und Erwerbsbereich erneut über den Umfang des Leistungsanspruchs der
Beschwerdeführerin zu befinden haben. Dabei hat die Beschwerdegegnerin der
Bestimmung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich gestützt auf die
nachvollziehbare RAD-Beurteilung vom 16. August 2006 (act. G 6.1/42) für die Zeit von
September 2005 bis 19. März 2006 eine 75%ige Erwerbsunfähigkeit und für die Zeit ab
20. März 2006 bis zu einer – noch abzuklärenden – allfälligen Reduktion der
Arbeitsunfähigkeit eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit zugrunde zu legen.
6.
6.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 20. Juni 2007
aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme ergänzender Abklärungen im Sinne der
Erwägungen und zu entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 127 V 234 E. 2b/bb in fine). Somit unterliegt die
Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss der Beschwerdeführerin von
Fr. 600.-- wird ihr zurückerstattet.
6.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer
Kostennote. Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG