Decision ID: 39252bff-756d-4577-bd96-cd7686909369
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1974 geborene X._ erlitt laut Schadenmeldung vom 3. Dezember 2014 bei seiner Tätigkeit als Angestellter im Autopark von Y._ am 28. November 2014 einen Arbeitsunfall (rechte Schulter ausgerenkt, als ihm ein Motorrad beim Verstellen zu Fuss zu Boden fiel, Urk. 9/1; vgl. auch das For
mular vom 30. Januar 2015 betreffend den genauen Unfallhergang, Urk. 9/10). Am 6. März 2015 unterzog sich der Versicherte einer Schulteroperation nach
Latarjet
im Libanon (Urk. 9/17).
Die Basler Versicherung AG kam für Heilbe
handlungskosten und Taggeld
bis 31. März 2015
auf (
Urk.
9/
15, Urk. 9/18 sowie Urk. 9/20
).
Am 8. Juni 2015 legte die Basler Versicherung AG den Fall ihrem beratenden Facharzt für Innere Medizin, Dr. med. Z._, vor, der von einer Unfallkausali
tät bis zur Operation ausging (Urk. 9/22), worauf die Versicherung X._ mit Schreiben vom 10. Juni 2015 mitteilte (Urk. 9/24), dass die Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung ab dem 6. März 2015 eingestellt würden. Auf Ersuchen des Versicherten (Urk. 9/25/1) erliess die Basler Versicherung AG am 24. Juni 2015 eine entsprechende
einsprachefähige
Verfügung (Urk. 9/27). Dagegen liess der Versicherte am 21. August 2015 (Urk. 9/31) Einsprache erhe
ben. Am 7. Dezember 2015 liess X._ mitteilen, dass er seit Mitte No
vember wieder arbeitsfähig sei (Urk. 9/33). Die Balser Versicherung AG holte bei Dr. med. A._, Spezialarzt für Allgemein- und Unfallchirurgie, ein Akten
gutachten ein (vgl. das Gutachten vom 14. Dezember 2015, wonach der
status
quo ante bereits am 22. Dezember 2014 erreicht worden sei; Urk. 9/36). Mit Entscheid vom 18. Dezember 2015 (Urk. 2) wies sie die Einsprache des Versi
cherten unter dem Hinweis, dass auf eine Rückforderung der bereits ausgerich
teten Leistungen verzichtete werde, ab.
2.
Am 27. Januar 2016 erhob X._ Beschwerde (Urk. 1) gegen den
Ein
spracheentscheid
vom 18. Dezember 2015 (Urk. 2) mit dem sinngemässen An
trag, die Beschwerdegegnerin sei dazu zu verpflichten, den Restbetrag der Tag
gelder zu übernehmen. Die Basler Versicherung AG schloss in ihrer Beschwer
deantwort vom 4. April 2016 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde, wovon der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 8. April 2016 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 11).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
28. November 2014
ereignet, wes
halb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in
dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1).
1.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % (Art. 8 ATSG) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1
UVG
). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.4
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person
beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.5
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber
der
jenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krank
haften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Sta
tus quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995).
Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Ge
sundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänz
lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entspre
chende Beweislast – anders als bei der Frage,
ob ein leistungsbegründender na
türlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b,
1992 Nr.
U 142 S. 76).
Mit dem Erreichen des
S
tatus quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
S
tatus quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfa
llversicherer gestützt auf Art. 36 Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die
Heilbehandlungskosten nach Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den
Einspracheentscheid
vom 18. De-
zember
2015 (Urk. 2) mit dem Wiedererreichen des Vorzustandes. Sie stützte sich dabei auf das Aktengutachten von Dr. A._ vom 14. Dezember 2015. Dieser habe ausgeführt, dass beim Beschwerdeführer eine unidirektionale Instabilität der rechten Schulter vorgelegen habe. Das Ereignis vom 28. November 2014 habe zu einer vorübergehenden Verschlimmerung geführt. Der Status quo ante sei auf den 22. Dezember 2014 und somit auf zwei Wochen nach der Reposition festzulegen. Solange werde eine Schulter nach
einer
Re
zidivluxation
in der Regel ruhig gestellt. Auf eine Rückforderung der bereits ausgerichteten Leistungen werde verzichtet.
In der Beschwerdeantwort vom 4. April 2016 liess die Beschwerdegegnerin aus
führen, der Beschwerdeführer habe laut Angabe im Kurzbericht des B._ vom 28. November 2014 die Schulterluxation im Jahr 2011 selbst repo
nieren können; er sei damals nicht in ärztlicher Behandlung gewesen. Medizi
nische Informationen, die belegen würden, dass die beiden Luxationen im Jahr 2011 und am 28. November 2014 auf einen pathologischen Vorzustand der rechten Schulter zurückzuführen seien, würden sich aus dem MRI vom 14. Januar 2015, der Diagnose von Dr. C._, Stellvertretender Chefarzt B._, vom 4. Februar 2015 und der aktengutachterlichen Beurteilung von Dr. A._ vom 14. Dezember 2015 ergeben. Gegen Letztere bringe der im
Einspracheverfahren
noch anwaltlich vertretene Beschwerdeführer nichts vor, was deren Richtigkeit in Frage stellen würde. Der darauf abgestützte
Ein
spracheentscheid
erweise sich damit als rechtens und sei zu bestätigen.
2.2
Der Beschwerdeführer führte demgegenüber in seiner Beschwerde vom 27. Januar 2016 (Urk. 1) aus, er habe keine Beschwerden in der Schulter gehabt und keine Informationen würden belegen, dass er an der Schulter krank gewe
sen sei. Er habe sich im Jahr 2011 keiner Schulterbehandlung unterzogen, dies ergebe sich aus der beigelegten Aufstellung der Krankenkasse über die
Krank
heits
- und Unfallkosten. Er habe im Jahr 2011 Magenprobleme gehabt. Aus diesen Gründen ersuche er darum, dass der Restbetrag der Taggelder übernom
men werde.
3.
3.1
Im Kurzbericht vom 28. November 2014 nach erfolgter Behandlung auf der chi
rurgischen Notfallstation des B._ (Urk. 9/5) nannten med.
pract
. D._, Assistenzärztin, und Dr. med. E._, Oberarzt, die
Diagnose einer atrauma
tischen vorderen Schulterluxation rechts vom 28. November 2014, Zweitereig
nis; Erstereignis mit Selbstreposition zirka 2011. Sie berichteten, es sei eine Reposition in
Analgosedation
vorgenommen worden. Es würden eine Ruhig
stellung im
O._
, Physiotherapie mit zentriertem Muskelaufbau und eine bedarfsgerechte Analgesie empfohlen. Zum Unfallablauf gaben die Ärzte etwas kryptisch Folgendes an: „der Patient habe beim Anheben an den Bremsen seines Motorrades mit plötzlicher Luxation der rechten Schulter. Sofortige Fehlstellung und starke Schmerzen“. Sie erwähnten zudem, dass es bereits das Zweitereignis einer Schulterluxation rechts mit ähnlichem Mechanismus sei. Der Beschwer
deführer habe sonst keine Verletzungen erlitten. Auf dem beigelegten Notfall-Arbeitsblatt wurde notiert, der Beschwerdeführer sei aus dem Stand mit dem Töff auf die rechte Seite umgefallen. Die Kommunikation auf Deutsch habe problemlos funktioniert (Urk. 9/3). Laut Protokoll von F._ zum Einsatz vom 28. November 2014 hatte beim Rangieren eines
Töffs
ein Sturz auf die rechte Körperseite stattgefunden (Urk. 9/2).
Während der Behandlung im Chirurgie-Ambulatorium des B._ wur
den zwei Röntgenbilder der rechten Schulter veranlasst. Im ersten Bild nach Einweisung durch die Ambulanz lautete der Befund auf eine untere vordere Schulterluxation. Es bestehe bei
orthograder
Aufnahme und Überlagerung kein sicherer Hinweis auf eine ossäre Läsion (Urk. 9/4/2). Nach erfolgter Reposition des rechten Schultergelenks wurde ein Status nach Reposition einer vorderen unteren Schulterluxation mit aktueller regelgerechter Artikulation glenohumeral beschrieben. Es bestünden diskrete
Corticalisirregularitäten
am unteren
Gleno
idrand
, differenzialdiagnostisch seien diese degenerativ oder es liege eine
Bank
art-Läsion
vor. Zudem bestehe eine
Mehrsklerosierung
in Projektion caudal des
superioren
Collum
anatomicum
, wobei differenzialdiagnostisch eine eher alte Hill-Sachs-Delle nicht ausgeschlossen sei (Urk. 9/4/1).
3.2
Laut Schadenmeldung UVG vom 3. Dezember 2014 (Urk. 9/1) fiel dem Beschwer
deführer beim Verstellen zu Fuss ein Motorrad auf den Boden, wobei sich der Beschwerdeführer die Schulter verrenkte.
3.3
Die Beurteilung des in der Radiologie des B._ angefertigten MRI mit
Arthografie
vom 14. Januar 2015 (Urk. 9/6) lautet auf Bankart-Läsion mit leicht disloziertem Knorpeldefekt; diskrete
Ansatztendinose
der Supraspinatussehne; Hill-Sachs-Delle ohne begleitendes Knochenmarködem, passend zum bereits et
was länger zurückliegenden Ereignis.
3.4
In der Folge nannte Dr. med. C._, Stellvertretender Chefarzt Orthopädie B._, am 22. Januar 2015 (Urk. 9/8) die Diagnose einer vorderen unteren In
stabilität nach traumatischer Schultererstluxation rechts mit nun zwei atrauma
tischen
Rezidivluxationen
. Er verwies auf den MRI-Befundbericht und hielt zu
sammenfassend fest, es bestehe ein ossärer Vorderkantendefekt sowie eine lang ausgezogene Hill-Sachs-Delle. Er gab an, dass aufgrund der vorderen unteren Instabilität mit knöchernen Defektzonen ein knöcherner Pfannenaufbau in der Technik nach
Latarjet
empfohlen werde. Der Beschwerdeführer möchte zur Be
sprechung seinen Kollegen mitbringen, der schon eine Stabilisierungsoperation hinter sich gebracht habe. Es sei bereits ein Operationstermin auf den 16. Februar 2015 fixiert worden.
3.5
Im Formular betreffend Unfallhergang und weitere Fragen vom 30. Januar 2015 (Urk. 9/10) verneinte der Beschwerdeführer, bereits vor dem Ereignis vom 28. November 2014 irgendwelche Beschwerden am betroffenen Körperteil (Schulter) gehabt zu haben. Er gab zudem an, es sei ihm ein Motorrad beim Abladen vom Transporter ausgerutscht und umgekippt. Beim Versuch, es zu halten, sei das Motorrad vom Transporter runterfallen und seine rechte Hand, mit der er das Motorrad festgehalten habe, sei mitgegangen und auf den Boden runtergefallen.
3.6
Im Bericht vom 4. Februar 2015 (Urk. 9/11) gab Dr. C._ an, der Beschwerde-
füh
rer
habe heute mit einem gut Deutsch sprechenden Kollegen, welcher sich der Operation unterzogen habe, in der Sprechstunde vorgespro
chen. Die Operation sei ausführlich besprochen und ein Termin fixiert worden. Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit werde bis zur Operation weitergeführt. Die von Dr. C._ angegebene Diagnose lautete nun: Knöcherner Pfannenranddefekt mit grosser Hill-Sachs-Delle Schulter rechts nach Trauma mit Reposition in
Anal
gosedation
am 28. November 2014 bei einem Status nach atraumatischer Schultererstluxation 2011.
3.7
Eine Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin hielt nach einer telefonischen Besprechung vom 24. Februar 2015 mit dem Beschwerdeführer fest (Urk. 9/13), dieser habe angegeben, tatsächlich einmal etwas mit der Schulter gehabt zu ha
ben. Er habe aber nicht von einer Luxation, sondern von einem Knacken ge
sprochen. Dies sei allerdings nicht so schlimm gewesen, dass er deswegen einen Arzt oder das Spital habe aufsuchen müssen. Er habe dann aber rund sechs Mo
nate Schmerzen gehabt und deshalb einen Bekannten, der Arzt sei, gefragt, was zu machen sei. Dieser habe ihn aber nicht behandelt oder einen Tipp gegeben. Er habe dies dem Arzt beim jetzigen Ereignis, als ihn dieser wegen der Historie gefragt habe, erzählt.
3.8
Am 6. März 2015 liess sich der Beschwerdeführer im Libanon an der Schulter operieren. Dr. G._, Chirurgie
Orthopédique
, tätig am H._, gab in seinem in Französisch abgefassten Attest vom 7. März 2015 (Urk. 9/17/3) im Wesentlichen an, der Beschwerdeführer sei am 3. März 2015 zu einer Konsultation wegen invalidisierender Schmerzen an der rechten Schulter nach einer kürzlich erlittenen Luxation (Differenzialdiagnose: Schulterinstabilität) erschienen. Sein Zustand habe eine rasche Intervention er
fordert, die am 6. März 2015 stattgefunden habe. Es sei eine Operation nach
Ltarget
(richtig wohl:
Latarjet
) durchgeführt worden. Der Beschwerdeführer könne die
Klinik an diesem Tag mit leichten Nachwirkungen verlassen. Er habe unbedingt sechs Wochen Erholung mit Rehabilitation nötig.
Am 31. März 2015 bescheinigte Dr. G._ auf Englisch, dass der Beschwerde
führer nach der Operation an der rechten Schulter vier Wochen vollständige Ruhe nötig habe (Urk. 9/17/4).
Nach einer Konsultation vom 5. Mai 2015 verordnete Dr. G._ wiederum in englischer Sprache Physiotherapie für sieben Wochen unter dem Hinweis, dass der Beschwerdeführer während dieser Zeit in vollständiger Ruhe sein sollte (Urk. 9/21/2).
3.9
Dr. Z._, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, gab im Vorlageformular vom 8. Juni 2015 (Urk. 9/22) an, aufgrund der Akten, insbesondere der MRI-Befunde, lasse sich eine richtungsweisende Verschlechterung durch den Unfall vom 28. November 2014 nicht beweisen. Bewiesen werden könne lediglich eine vorübergehende Verschlimmerung. Spätestens mit der Operation sei der Status quo sine erreicht. Eine
Rezidivluxation
sei eine Indikation zur Operation.
3.10
Dr. med. I._, FMH Physikalische Medizin, bescheinigte laut Unfallschein ab dem 24. Juli 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis 29. September 2015 und vom 30. September bis 17. November 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 9/30 und Urk. 3/4).
3.11
In der Einsprache vom 21. August 2015 (Urk. 9/31) liess der Beschwerdeführer geltend machen, er habe sich am 28. November 2014 beim Abladen eines Mo
torrades von einem Transporter beim Versuch, das vom Transporter abrut
schende Motorrad festzuhalten, eine Luxation an der rechten Schulter zugezo
gen. Er liess der Einsprache zudem ein Schreiben von Dr. C._ vom 6. August 2015 beilegen, aus welchem sich ergebe, dass er im Jahr 2011 keine Vorluxa
tion erlitten habe.
Im Schreiben vom 6. August 2015 (Urk. 9/31/2) gab Dr. C._, stellvertretender Chefarzt B._, an, der
Beschwerdeführer habe sich heute zur Bespre
chung seiner Anamnese nochmals vorgestellt. Es sei im Bericht der Notfallam
bulanz vom 28. April (richtig: November) 2014 eine Vorluxation beschrieben worden, die der Beschwerdeführer jedoch nicht erlitten habe. Er habe sich im Jahr 2014 (richtig wohl 2011) aufgrund gastraler Beschwerden im Krankenhaus befunden. Die Schulter selber sei damals nie das Thema gewesen. Zum Unfall
beschrieb führte er aus, das Motorrad sei zur Seite zu Fall gekommen und der Beschwerdeführer habe plötzlich gegenhalten müssen. Dr. C._ gab an, mög
licherweise hätten Verständigungsprobleme zu den Angaben betreffend Anam
nese vom 28. November 2014 geführt. Der Beschwerdeführer habe die Ereig
nisse wie vorher beschrieben berichtet. Die Gegenseite zeige sich bei der heuti
gen Untersuchung normal stabil als sekundärer Hinweis auf eine primär nor
male rechte Schulter.
3.12
Im Aktengutachten vom 14. Dezember 2015 (Urk. 9/36) gab Dr. A._ an,
es liege beim Versicherten eine unidirektionale Instabilität der rechten Schulter vor
, und zwar
aufgrund eines signifikanten unfallkausalen Erstereignisses, des
sen Zeitpunkt aus den vorliegenden Akten zur Anamnese nicht hervorgehe be
ziehungsweise nicht angegeben worden sei. Die ab 2011 vorliegende Kranken
geschichte sei diejenige der klassischen Anamnese einer instabilen Schulter mit zwei sog
enannt
atraumatischen Schulterreluxationen aufgrund von unverhä
l
t
nismässigen Ereignissen. Solche Ereignisse führ
t
en bei einer altersentsprechend vorbestehend unbelasteten Schulter mit weit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu keiner Schulterluxation
(S. 4).
Dr. A._ nannte die folgenden Diagnosen (S. 4):
-
Zustand nach Erstluxation der Schulter rechts (ohne Zeitangaben)
-
Zustand nach angeblich erster, atraumatischer Schulterluxation rechts bei unidirektio
naler,
antero
-inferiorer Schulterinstabilität rechts 2011
-
Zustand nach zweiter, atraumatischer Schulterinstabilität [richtig wohl: -luxation] bei persistierender
unidirektionaler
antero
-inferiorer Schulterinstabilität (rechts am 2
8.
November 2014).
Das Ereignis vom 28. November 2014 sei trotz der
widersprüchlichen Schilderun
gen im Ablauf vereinbar mit einer
antero
-inferioren Schulterluxation rechts, aber unzweifelhaft aufgrund der
sicher vorbestandenen
antero
-i
nferioren Schulterinstabilität (S. 4). Durch das mit an Sicherheit grenzender Wahrschein
lichkeit axiale Transaktionsereignis an der Schulter vom 28. November 2014 könne der knöcherne Pfannenranddefekt biomechanisch nicht entstanden sein (S. 2).
Der Status quo ante sei nach der gleichentags erfolgten Reposition auf den 22.
Dezember 2014 festzulegen (S. 4).
Dr. C._ habe im Nachkontrollbericht vom 22. Januar 2015 absolut korrekt festgehalten, dass sich vor dem zugestandenen Ereignis im Jahr 2011 schon früher eine traumatische Erstluxation ereignet haben musste mit der Folge von nun bereits zwei
Rezidivluxationen
aufgrund eines unfallkausalen, nicht ange
gebenen signifikanten Erstereignisses und der als Vorbefund offensichtlich ty
pischen unidirektionalen Schulterinstabilität (S. 2). Es habe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor dem Ereignis vom 28. November 2014 eine Schulterinstabilität bestanden. Also sei dieser Vorzustand bereits mit der Repo
sition der Schulter im B._ wieder hergestellt worden. Die Angabe des beratenden Arztes Dr. Z._, dass mit der beabsichtigten Operation der Status quo sine erreicht werde, treffe insoweit nicht zu. Es wirke aus versicherungsme
dizinischer Sicht grotesk, wenn ein Unfallversicherer eine aufwendige operative Behandlung der Schulter nach
Latarjet
für ein Ereignis, wie es sich unter der geschilderten Vorgeschichte abgespielt habe, aufkommen sollte. Dies dazu noch unter mehreren widersprüchlich dargestellten Varianten und unter höchst wahrscheinlich unterschlagenen, relevanten Fakten in der Vorgeschichte (S. 3).
Nach heutiger Kenntnis der offensichtlich vorbestehenden posttraumatischen Schulterinstabilität hätten
Versicherungsleistungen längstens bis vier Wochen nach dem Ereignis vom 28. November 2014 erbracht werden müssen (S. 3). Hier sei die Attestierung einer unverhältnismässig langen Arbeitsunfähigkeit der Kollegen im B._ in keiner Weise nachvollziehbar. Im Bericht vom 6. August 2015 revidiere dann Dr. C._ die vorgängig eindeutig klaren Vorbe
funde nach wiederholt früher stattgefundener vorderer Schulterluxationen bei klar festgestellter Hill-Sachs-Impression mit entsprechenden Labrumverände
rungen unter Hinweis auf Sprachprobleme (S. 3 f.)
An unfallkausalen Ereignissen in der Vorgeschichte
des Beschwerdeführers
müsse es (meist in der Adoleszen
z
) zu einem ersten unfal
l
kausal ausgewiesenen signifikanten Tr
a
um
a
der rechten Schulter mit einer
antero
-caudalen Luxation gekommen sein. Unter anderen unfallfremden relevanten Faktoren
müsse
er
wähnt werden, dass offenbar zentral wichtige Angaben zur Vorgeschichte un
terschlagen beziehungsweise versicherungsmedizinisch nicht in der erforderli
chen Wichtigkeit gewichtet würden. Zudem sei es ein völliger Irrtum, dass im vorliegenden Fall Sprachprobleme eine relevante Rolle spielten. Die bildgeben
den Fakten allein seien in der Sache relevant und schlüssig. Es
sei
davon auszu
geben, dass die zitierten Sprachprobleme vorgeschoben würden, um eine un
rechtmässige Versicherungsleistung zu forcieren (S. 5)
. Die bildgebenden Un
tersuchungsbefunde würden eine unmissverständliche nonverbal klare Sprache im Fach der Biologie und Schulterpathologie sprechen (S. 4).
Mit dem Datum des Status quo ante am 2
2.
Dezember 2014 bestünden für das Ereignis vom 2
8.
November 2014 keine Behandlungsindikationen mehr. Zur Behandlung de
s
Vorzustandes in Form der
antero
-inferioren Schulterinstabilität rechts sei die Indikation zur Operation nach
Latarjet
eine geeignete, sehr gerne durchgeführte operative Behandlung (S. 5)
.
4.
4.1
4.1.1
Die Parteien
gehen zutreffend und übereinstimmend davon aus, dass der Be
schwerdeführer am 28. November 2014 einen Unfall im Sinne des Gesetzes er
litt, als ein Motorrad, das er im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit im Autopark zu Fuss verstellen wollte, auf die Seite fiel und er sich dabei die Schulter ausrenkte (vgl. demgegenüber etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_1019/2009 vom 26. Mai 2010 betreffend ein Nachfassen nach einer schweren Bücherschachtel, nachdem diese aus der Hand geglitten war). Die aktenkundigen Angaben des Beschwer
deführers betreffend den Unfallhergang sind zwar nicht in allen Teilen aber doch im Wesentlichen übereinstimmend. Ob ein eigentlicher Sturz stattgefunden hat, bleibt unklar (entsprechend den Angaben in der Einsprache vom 21. August 2015 und im Schreiben von Dr. C._ vom 6. August 2015, E. 3.11, war dies eher nicht der Fall). Doch ist mit dem Ausrutschen und Umkippen des Motorra
des eine programmwidrige, sinnfällige Komponente hinreichend gegeben.
4.1.
2
Ebenfalls
unbestritten
und erstellt
ist
, dass das Ereignis
vom
28. November 2014
nach Lage der medizinischen Akten und Unterlagen zum Unfallhergang für die dabei erlittene Schulterluxation zumindest teilkausal verantwortlich war.
4.2
4.2.1
Umstritten ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht wegen einer vorbestandenen
antero
-inferioren Instabilität der rechten Schulter zutreffend mit Wirkung ab 22. Dezember 2014 verneinte (vgl. E. 1.5), wobei sie auf die Rückforderung der bereits bis zum 31. März 2015 erbrachten Versicherungs
leistungen verzichtete. Im Zentrum steht die Frage, ob der Vorzustand nach ei
nigen Wochen Ruhigstellung der eingerenkten Schulter wieder erreicht war.
4.
2.2
Diese Frage kann gestützt auf die
Aktenbeurteilung
durch
Dr. A._
vom 1
4.
Dezember 2015 (vorstehend E. 3.
12
)
bejaht werden. Die Expertise von Dr. A._
erfüllt
sämtliche
nach der Rechtsprechung für eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage vorausgesetzten Kriterien (vgl. vorste
hend E. 1.
6
). Denn einerseits verfügt er als Spezialarzt für Chirurgie und Unfall
chirurgie über eine für die Beurteilung des streitigen Leidens angezeigte medizi
nische Weiterbildung. Andererseits berücksichtigte er
im Rahmen
seiner
Ein
schätzung
sämtliche medizinischen
Vorakten
, würdigte diese eingehend
und be
gründete seine Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise. Dabei schadet nicht, dass es sich beim Gutachten von
Dr. A._
um ein
Aktengutachten
handelt, da auch reinen Aktengutachten voller Beweiswert zukommen kann, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärzt
liche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hin
tergrund rückt (
vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
8C_674/2015 vom
2.
Februar 2016 E. 2.2.1 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend der Fall.
Dr. A._ stütze seine Würdigung auf den
Arthografie
-MRI-Befund vom 14. Januar 2015, der eine bereits etwas länger zurückliegende Vorschädigung unklaren Datums mit Bankart-Läsion und Hill-Sachs-Delle zeigte. Befunde, die eine aktuelle Läsion dokumentierten, lagen indes keine vor (vgl. auch den Hin
weis, wonach kein Knochenmarksödem ersichtlich sei), so dass sich die beim Er
eignis vom 28. November 2014 erlittene Schädigung in einer Luxation der rechten Schulter erschöpfte. Auch andere — etwa äussere — Verletzungen sind nicht dokumentiert. Entsprechend gab Dr. C._ am 22. Januar 2015 nach Kenntniserhalt der im MRI festgestellten Vorschäden an, dass vor den beiden atraumatischen
Rezidivluxationen
(im Jahr 2014 und zirka im Jahr 2011) eine traumatische Schultererstluxation stattgefunden haben musste (E. 3.4). Weshalb er diese Schlussfolgerung, die sich im Wesentlichen auf bildgebende Befunde stützte, später mit Bezug auf sprachliche Missverständnisse wieder relativierte, bleibt unklar. Anzufügen bleibt, dass das
Gutachten von Dr. A._ auch nicht in Widerspruch zu den Angaben des behandelnden Arztes im Libanon steht, der auf eine kürzlich erlittene Luxation mit Differenzialdiagnose Schulterinstabilität hinwies.
Fest steht, dass der Beschwerdeführer widersprüchliche Angaben zum Vorzu
stand der Schulter machte (vgl. E. 3.1, 3.5, 3.7 und 3.11). Medizinische Akten liegen erst ab dem strittigen Ereignis vom 28. November 2014 vor. Der MRI-Befund wird weder von Dr. C._ im nachgereichten Schreiben vom 6. August 2015 (E. 3.11) noch vom Beschwerdeführer selber in Frage gestellt. Der Be
schwerdeführer legt allerdings Wert darauf, dass er im Jahr 2011 nie wegen der Schulter in ärztlicher Behandlung gewesen sei, wovon allerdings auch Dr. A._ nicht ausging.
4.2.3
Offen gelassen werden kann, ob der vorbestandene Zustand mit nach wie vor vorhandener Schulterinstabilität bereits zwei oder erst vier Wochen nach der Reposition der Luxation eingetreten ist (vgl. die hierzu etwas widersprüchlichen Angaben von Dr. A._, Urk. 9/36 S. 3 Mitte und letzter Abschnitt), da die Beschwerdegegnerin weit über diesen Zeitpunkt hinaus bis zum 31. März 2015 Versicherungsleistungen erbrachte.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Der Beschwerdeführer reichte zusammen mit der Beschwerde ein Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit ein (Urk. 4). Wie es sich damit verhält kann vorliegend offen gelassen werden, da das Verfahren kostenlos ist (Art. 61 Abs. 1
lit
. a ATSG).