Decision ID: d83a1648-4558-4d9f-b0cd-40f3d08f8ab3
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X (geb. 1958) und seine Ehefrau, Y (geb. 1964), sind in A wohnhaft. Im Jahre 2013
waren beide unselbständig erwerbstätig, die Ehefrau für die B und der Ehemann als
Geschäftsführer der C GmbH, H (DE), einer Tochtergesellschaft der C Holding AG mit
Sitz in D, und als Angestellter mit einer Wochenarbeitszeit von maximal 15 Stunden bei
der an derselben Adresse in D domizilierten E AG. Als Präsident des Verwaltungsrates
amtet bei beiden Schweizer Gesellschaften Z, der beide Arbeitsverträge mit X
mitunterzeichnete. Als Vergütung für seine Tätigkeit als Geschäftsführer der C GmbH
erhielt X ein Jahresbruttogehalt von Fr. 134‘000.–, für die Tätigkeit bei der E AG ein
solches von Fr. 46‘000.–. Die C GmbH verpflichtete sich zudem, X nach Schweizer
Recht zu versichern (AHV/IV/EO/ALV, berufliche Vorsorge,
Krankentaggeldversicherung, Berufs- und Nichtberufsunfallversicherung). Die
Abrechnung der Beiträge erfolgte jedoch nicht über die deutsche Gesellschaft.
Vielmehr rechnete die E AG die Beiträge auf der Basis eines Jahresgehalts von
Fr. 180‘000.– ab und brachte den gesamten Prämienanteil von X (Fr. 2‘355.75) jeweils
bei der monatlichen Gehaltszahlung von Fr. 3‘833.35 in Abzug; ausbezahlt wurde ein
Monatslohn von Fr. 1‘477.60.
B.- Am 1. April 2014 wurden X und Y mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 15‘100.– (satzbestimmend Fr. 114‘800.–) und ohne steuerbares Vermögen
veranlagt. Dagegen erhoben die Eheleute Einsprache, wobei sie unter anderem geltend
machten, die Veranlagungsbehörde habe die Abzüge und Vorsorgebeiträge für AHV,
IV, EO, ALV, Nichtberufsunfallversicherung und berufliche Vorsorge proportional dem
Einkommen in Deutschland zugeschieden. Dies sei nicht zulässig, da die
entsprechenden Prämien aus seinem in der Schweiz erzielten Einkommen bezahlt
worden seien. Das kantonale Steueramt hiess die Einsprache mit Entscheid vom
15. April 2015 teilweise gut und veranlagte X und Y mit einem steuerbaren Einkommen
von Fr. 14‘900.– (satzbestimmend Fr. 111‘300.–) und ohne steuerbares Vermögen. Zu
den Sozial- und Rentenversicherungsbeiträgen führte es aus, solche Vorsorgebeiträge
müssten von den beteiligten Staaten anteilsmässig getragen werden, wenn
Erwerbstätigkeiten in mehreren Staaten ausgeübt und Vorsorgebeiträge für das
gesamte Einkommen nur in einem Staat im Rahmen der gleichen Versicherung
geleistet würden, und zwar nach den jeweils geltenden Regeln über die Besteuerung
des Erwerbseinkommens. Die Einsprache werde in diesem Punkt abgewiesen.
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C.- Mit Eingabe vom 26. April 2015 erhoben X und Y bei der
Verwaltungsrekurskommission Rekurs gegen den Einsprache-Entscheid der Vorinstanz
vom 15. April 2015. Sie beantragten, das schweizerische Einkommen sei
vollumfänglich um die einbezahlten AHV- und BVG-Beiträge zu reduzieren; diese seien
in der Steuerausscheidung nicht zu berücksichtigen. Die Vorinstanz beantragte mit
Schreiben vom 3. Juni 2015 die Abweisung des Rekurses.
Auf die Ausführungen der Parteien zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 26. April 2015 (Datum des
Poststempels: 28. April 2015) ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Parteien sind sich darüber einig, dass der Rekurrent im Jahr 2013 in der
Schweiz Wohnsitz hatte und sowohl in der Schweiz als auch in der Bundesrepublik
Deutschland unselbständig erwerbstätig war. Ebenso ist zurecht nicht streitig, dass die
jeweiligen Einkommen in den beiden Ländern getrennt zu versteuern waren. Dies
entspricht Art. 15 Abs. 1 des Abkommens zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen
(SR 0.672.913.62, abgekürzt: DBA-D). Danach können Gehälter, Löhne und ähnliche
Vergütungen, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person aus unselbständiger
Arbeit bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden, es sei denn, die Arbeit werde in
dem anderen Vertragsstaat ausgeübt. Da der Rekurrent im Sinne von Art. 4 Abs. 2 lit. a
DBA-D im Jahre 2013 als in der Schweiz ansässig galt, war er dort für das in der
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Schweiz erzielte Einkommen steuerpflichtig. Die Vergütungen der C GmbH waren
hingegen in der Bundesrepublik Deutschland zu versteuern, da dieses Unternehmen in
der Bundesrepublik Deutschland ansässig war (vgl. Art. 15 Abs. 2 lit. b DBA-D).
Aufgrund der Ansässigkeit war der Rekurrent im Jahre 2013 dem schweizerischen
Sozialversicherungsrecht unterstellt. In Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EG)
Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.1) wurde
festgelegt, dass eine Person, die gewöhnlich in zwei oder mehr Mitgliedstaaten eine
Beschäftigung ausübt, den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats unterliegt,
wenn sie dort einen wesentlichen Teil ihrer Tätigkeit ausübt oder bei mehreren
Unternehmen oder Arbeitgebern beschäftigt ist, die ihren Sitz oder Wohnsitz in
verschiedenen Mitgliedstaaten haben. Zu prüfen ist, ob die vom Bruttojahreslohn des
Pflichtigen (Fr. 180‘000.–) nach Schweizer Recht in Abzug gebrachten AHV- und BVG-
Beiträge von Fr. 12‘726.– und 15‘543.– vollständig von dem in der Schweiz steuerbaren
Bruttojahresgehalt (Fr. 46‘000.–) hätten abgezogen werden müssen oder zu Recht eine
Ausscheidung auf die beiden Arbeitsstandorte Schweiz und Deutschland
vorgenommen wurde.
3.- Gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. d StG werden die nach Gesetz, Statut oder Reglement
geleisteten Einlagen, Prämien und Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung und an Einrichtungen der beruflichen Vorsorge von den
Einkünften abgezogen. Diese Norm entspricht Art. 9 Abs. 2 lit. d des Bundesgesetzes
über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14)
bzw. Art. 33 Abs. 1 lit. d des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (SR
642.11, abgekürzt: DBG). Steuerpflichtige, die im Kanton nur für einen Teil ihres
Einkommens und Vermögens steuerpflichtig sind, entrichten die Steuern für die im
Kanton steuerbaren Werte nach dem Steuersatz, der ihrem gesamten Einkommen und
Vermögen entspricht; steuerfreie Beiträge werden ihnen anteilmässig gewährt (Art. 18
Abs. 2 StG). Den steuerfreien Beträgen sind in der vorliegenden Streitsache die Abzüge
von den Einkünften gleichzusetzen (vgl. StE 2012 B 11.3 Nr. 24 E. 3.1 mit Hinweisen).
a) Die Vorinstanz erwog im Einsprache-Entscheid, bei der Steuerausscheidung würden
die abzugsberechtigten Beiträge an die 2. Säule objektmässig verlegt bzw. wie die
Gewinnungskosten dem Steuerdomizil zugeschieden, an dem das entsprechende
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Erwerbseinkommen besteuert werde. Bei anteiliger Zuscheidung des
Erwerbseinkommens würden auch die Beiträge anteilsmässig verteilt. Werde die
Erwerbstätigkeit in mehreren Staaten ausgeführt, müssten die Vorsorgebeiträge von
den beteiligten Staaten anteilsmässig getragen werden, wenn die Vorsorgebeiträge für
das gesamte Einkommen in nur einem Staat im Rahmen der gleichen Versicherung
geleistet würden; und zwar nach den Regeln über die Besteuerung des
Erwerbseinkommens.
Der Rekurrent bringt vor, er habe von seinem Arbeitgeber einerseits Aufgaben für die C
Holding AG in D übernehmen müssen, sei aber gleichzeitig als Geschäftsführer der
deutschen Tochtergesellschaft in H eingesetzt worden. Da der Geschäftsführer aus
Haftungsgründen bei der deutschen Gesellschaft angestellt sein müsse, seien zwei
Arbeitsverträge erstellt und die Gehälter entsprechend dem Arbeitsaufwand zwischen
der Holding und der deutschen Tochtergesellschaft aufgeteilt worden. Weil sein
Lebenszentrum in A gelegen sei, habe man entschieden, grundsätzlich in die
schweizerischen Sozialversicherungen einzubezahlen, wie dies bei ihm seit 40 Jahren
der Fall gewesen sei. Gleichzeitig habe er eine Befreiung von der deutschen
Rentenversicherung erwirken können. In Deutschland seien Vorsorgeabzüge über eine
jährlich bestimmte sogenannte Beitragsbemessungsgrenze hinaus nicht möglich. Nach
dem Entscheid der Vorinstanz müssten bereits in Deutschland versteuerte Einkünfte in
der Schweiz nochmals versteuert werden, was nicht dem Grundsatz des
Doppelbesteuerungsabkommens entspreche. Ausserdem seien in der Schweiz
sämtliche Beiträge in die Sozialversicherungen steuerbefreit, während deren
Leistungen zu versteuern seien. Der Einsprache-Entscheid führe dazu, dass er die
Prämien für die Sozialversicherungen sowohl aus versteuerten wie auch aus
unversteuerten Beiträgen finanzieren müsse.
b) Art. 46 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge (SR 831.40, abgekürzt: BVG) ermöglicht es einem bereits bei einer
Vorsorgeeinrichtung obligatorisch versicherten Arbeitnehmer, sich bei dieser für den
Lohn zusätzlich versichern zu lassen, den er von anderen Arbeitgebern erhält.
Voraussetzung dafür ist, dass die reglementarischen Bestimmungen dies nicht
ausschliessen. Davon machte der Rekurrent Gebrauch. Er liess sämtliche AHV- und
BVG-Beiträge, insgesamt Fr. 2‘355.75, vom Gehalt der E AG abziehen. Die Beiträge
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basierten auf einem Monatsgehalt von Fr. 15‘000.–, davon Fr. 3‘833.35 für die Tätigkeit
bei der E AG und Fr. 11‘166.65 für die Geschäftsleitungsfunktion bei der C GmbH.
Folglich wurde damit nicht nur das Einkommen aus der Schweiz, sondern auch
dasjenige aus Deutschland über die E AG versichert. Werden die Beiträge an die AHV
im internationalen Verhältnis nicht nur auf dem schweizerischen, sondern auch auf dem
ausländischen Erwerbseinkommen erhoben, ist eine proportionale Zuweisung auf das
im Inland und im Ausland erzielte Einkommen vorzunehmen. Für die Beiträge an die
berufliche Vorsorge gelten die gleichen Zuteilungsregeln. Deckt eine Versicherung im
Rahmen der 2. Säule Einkommen aus mehreren Staaten ab, hat eine proportionale
Aufteilung der gesamten Beiträge im Verhältnis der (Netto-) Erwerbseinkommen zu
erfolgen (vgl. Züger/von Ah, in: Zweifel/Beusch/Matteotti [Hrsg.], Kommentar zum
Internationalen Steuerrecht, Basel 2015, Art. 18 OECD-MA N 81 ff.; StE 2012 B 11.3
Nr. 24 E. 3.1). Es ist den Rekurrenten zuzustimmen, dass es dadurch im internationalen
Verhältnis zu einer Ungleichbehandlung kommen kann, wenn der andere Staat Abzüge
nicht im selben Umfang zulässt wie die Schweiz. Der Bundesrat führte dazu in der
Stellungnahme zu der am 29. April 2014 von der ständerätlichen Kommission für
Wirtschaft und Abgaben eingereichten Motion „Berücksichtigung von allgemeinen
Abzügen und Sozialabzügen bei im Ausland beschränkt steuerpflichtigen Personen“
aus, die Schweiz sei im vorliegenden Zusammenhang bestrebt, im internationalen
Verhältnis eine Gleichbehandlung der Steuerpflichtigen hinsichtlich der Beiträge an die
Vorsorge unabhängig von der Ansässigkeit in ihren DBA sicherzustellen. Sie habe dazu
in den letzten Jahren mit einigen Staaten eine entsprechende Regelung getroffen, so in
Art. 18 Abs. 2 DBA mit Rumänien (SR 0.672.966.31). Der Quellenstaat sei nach diesen
Bestimmungen jedoch nicht verpflichtet, Abzüge zu gewähren, die über die in seinem
nationalen Steuerrecht vorgesehenen Abzüge hinausgingen (vgl. Curia Vista,
Geschäftsdatenbank der Bundesversammlung, Motion 14.3299, unter:
www.parlament.ch). Im DBA-D ist keine derartige Regelung enthalten. Der Umstand,
dass die Beitragsbemessungsgrenze bzw. der maximale Abzug in Deutschland für das
Jahr 2013 auf
Fr. 8‘180.– festgelegt wurde – wie die Rekurrenten ausführten –, berechtigte die
Pflichtigen demnach nicht, die AHV- und BVG-Beiträge gestützt auf das DBA-D in
vollem Umfang in der Schweiz in Abzug zu bringen. Im Übrigen ist nicht
nachvollziehbar, weshalb die Beiträge vollumfänglich in der Schweiz zum Abzug
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zugelassen werden sollten, wenn auch in Deutschland entsprechende Abzüge geltend
gemacht werden können. Vor diesem Hintergrund nahm die Vorinstanz zu Recht eine
proportionale Aufteilung der gesamten Beiträge vor. Sie legte dieser die in Deutschland
und der Schweiz erzielten Bruttolöhne von Fr. 140‘907.– und Fr. 46‘000.– zugrunde und
errechnete so ein Verhältnis von 75,39% (Deutschland) zu 24,61% (Schweiz). In dieser
Relation wurden die strittigen Beiträge von insgesamt Fr. 28‘269.– von den Einkünften
in der Schweiz und in Deutschland korrekt in Abzug gebracht (act. 2/1).
4.- Somit ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem Verfahrensausgang
entsprechend gehen die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens zu Lasten der
Rekurrenten (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.– ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.