Decision ID: 8d624089-6bda-4a8a-bca6-188e43d3cb70
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1956, selbständige Betreiberin eines Lederateliers, meldete sich erstmals im April 2006 bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk 12/
2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, führte die erwerblichen und medizinischen Abklärungen durch und zog ei
nen Auszug
aus de
n
Individuellen Konten (IK)
(
Urk.
12/5), eine
Beitrags
verfügung der Ausgleichskasse betreffend das Jahr 2006 (
Urk.
12/7/1), Steuer
unterlagen (Urk.
12/7/2-13) sowie Berichte von den behandelnden Ärzte
n
bei (
Urk.
12/8-9). Am 29. November 2006
gab
die IV-Stelle
beim
Y._
,
Neurologische Klinik, ein Gutachten in Auftrag (Urk.
12/11), welches am 15.
Mai 2007 erstattet wurde. Oberarzt PD
Dr.
med.
Z._
kam darin zum Schluss, bei der Beschwerdeführerin fänden sich keine Hinweise für ein
die Arbeitsfähigkeit einschränkendes
somatisches Leiden.
Er empfahl
eine
psychi
atrische
Abkl
ärung
(
Urk.
12/16). Die IV-Stelle
beauftragte damit
Dr.
med.
A._
,
Spezialarzt Psychiatrie und Psychotherapie (Urk.
12/18). Dieser kam in seinem Gutachten vom 24. Oktober 2007 zum Schluss, aus psychiatrischer Sicht liege bei der Beschwerdeführerin eine dauerhafte Einschränkung der Arbeits
fä
higkeit im Umfang von 25 bis 30
%
vor (
Urk.
12/19).
Nach Durch
führung des Vorbescheidverfahrens wies
die IV-Stelle das Leistungsgesuch
mit Verfügung vom
7. Januar 2008
ab (
Urk.
12/23).
2.
Im Januar 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/30).
Die IV- Stelle führte wiederum die erwerblichen und medizinischen Abklärungen durch und
holte
unter anderem
einen IK-Auszug (
Urk.
12/34), einen Fragenbogen für Arbeitgebende (
Urk.
12/36) sowie Berichte von den behandelnden Ärzten e
in
(
Urk.
12/38-
39
;
Urk.
12/50; 12/52/5-6;
Urk.
12/53;
Urk.
12/55/5-13
)
. Ebenfalls zog sie die Akten des Unfallversicherers bei betref
fend ein Unfallereignis vom 1. Juli 2009,
im Rahmen dessen die Versicherte
auf den rechten Ellenbogen
gestürzt war (
Urk.
12/29;
Urk.
12/46).
Am 23. Juni 2011 legte
die IV-Stelle
das Dossier dem Regionalen ärztlichen Dienst (RAD) zur Prüfung vor. Dieser empfahl in seiner Stellungnahme die Durchführung einer RAD-Untersuchung (
Urk.
8/64/4-5). Am 13. Juli 2011
fand
folglich
beim RAD
eine a
rbeitsmedizinische Untersuchung durch
pract. med.
B._
,
Facharzt für Arbeitsmedizin,
sowie eine orthopädische Untersuchung durch
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
statt. In ihrer versicherungsmedizinischen Beurteilung gelangten die RAD-Ärzte zum Ergeb
nis, die Versicherte sei in ihrer bisherigen Tätigkeit nur noch zu 50
%
arbeitsfä
hig, hingegen sei in einer
optimal
angepassten Tätigkeit keine Arbeitsunfähig
keit gegeben (
Urk.
12/59-60). Am 6. Oktober 2011 führte die IV-Stelle eine
Abklärung für Selbständigerwerbende durch (
Urk.
12/62).
Mit Vorbescheid vom 2
2.
November 2011 stellte
sie
der Versicherten die Ablehnung ihres Rentenge
suchs in Aussicht (
Urk.
12/66), woraufhin die Versicherte, vertreten durch Rechts
anwältin Freund, mit Eingabe vom 25. November
, ergänzt am
19.
De
zember 2011 Einwand erhob (
Urk.
12/67
,
Urk.
12/69
). Mit Vorbescheid vom 2
2.
Februar 2012
teilte
die IV-Stelle der Versicherten
mit
, es bestehe auch kein Anspruch auf eine Kostengutsprache für Berufsberatung (
Urk.
12/71).
Eben
falls am 2
2.
Februar 2012 wies
sie
den Rentenanspruch der Versicherten ver
fü
gungsweise ab (
Urk.
12/73
). Mit
Eingabe
vom 19. Mä
rz 2012 machte die Versi
cherte
von neuem Einwände geltend gegen die Ablehnung ihres Renten
gesuchs (
Urk.
12/77). Am 25. April 2012
verneinte
die IV-Stelle
entsprechend
ihre
m
V
orbescheid vom 2
2.
Februar 2012
den
Anspruch auf Kostengutsprache für Berufsberatung (
Urk.
12/82).
3.
In einem Schreiben vom 30. April 2012 erhob die Versicherte gegenüber der IV
Stelle den Vorwurf, mit der Zustellung vom 2
2.
Februar 2012 sei in irrefüh
render Weise der Eindruck erweckt worden, dass es sich sowohl bei der Mittei
lung der Ablehnung einer IV-Rente wie auch einer Kostengutsprache für Berufsberatung um einen Vorbescheid handle (
Urk.
1). Die IV-Stelle überwies dieses Schreiben am 16. Mai 2012 als Beschwerde ans Sozialversicherungsge
richt (
Urk.
3).
Mit Verfügung vom 4. Juni 2012
forderte
das Sozialversiche
rungsgericht
die
Beschwerdeführerin
au
f
, ihre Eingabe
entsprechend
den for
mellen gesetzlichen Anforderungen an eine Beschwerde
zu verbessern und
setzte ihr eine Frist von zehn Tagen an (
Urk.
5).
Am 13. Juni 2012 reichte die Beschwerdeführerin ihre verbesserte Beschwerdeschrift ein, mit dem Rechtsbe
gehren, es sei der Versicherten in Aufhebung der Verfügung vom 2
2.
Februar 2012 eine IV-Rente zuzusprechen; es seien die vollständigen Akten der Beschwer
degegnerin von Amtes wegen beizuziehen; unter Entschädigungsfol
gen für die Beschwerdegegnerin (
Urk.
7).
Mit Eingabe
vom 20. August 2012
verzichtete
die Beschwerdegegnerin
auf Stellungnahme zur
Beschwerde (
Urk.
11), was der Beschwerdeführerin am 2
2.
August 2012 angezeigt wurde (
Urk.
13).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
In formeller Hinsicht ist zunächst auf die Frage einzugehen, ob die Beschwerde rechtzeitig
erhoben wurde
. Gemäss Art. 60 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrecht
s
(ATSG) ist die Beschwerde innert 30
Tagen seit Eröffnung der angefochtenen Verfügung einzureichen. Vorliegend wurde die angefochtene Verfügung am 2
2.
Februar 2012 erlassen und der Beschwerdeführerin gleichzeitig mit
dem Vorbescheid betreffend Kostenzuspra
che für Berufsberatung zugestellt. Die Frage,
ob
mit dieser Zustellungsmodalität von der Beschwerdegegnerin in irreführender Weise der Eindruck erweckt wurde, gegen den Rentenentscheid könne ebenfalls Einwand erhoben werden, kann grun
dsätzlich offen gelassen werden, denn
d
ie Beschwerdeführerin hat in ihrem Schreiben vom 19. März 2012
-
welches von ihr selbst als Einwand bezeichnet wurde
-
hinreichend ihren Willen kundgetan, den Rentenbescheid anfechten zu wollen.
Die
betreffende
Eingabe ist
ohne weiteres
als
-
fristgemäss erhobene
-
Beschwerde
zu betrachten
.
D
ie Zustellung an die falsche Amtsstelle schadet gemäss Art. 30 ATSG nicht. Im Übrigen wurde
auch von Seiten der Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung nicht bestritten
, dass die Beschwerde rechtzeitig erhoben wurde
.
Nachdem somit sämtliche formellen Erfordernisse
als
erfüllt
zu betrachten
sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbs
unfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fas
sung).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG; bis 31. Dezember 2007: Art. 28 Abs. 1 IVG).
2.
3
Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und die gestützt darauf gestellte Diagnose, die Prognose und die Pathogenese sind Tatfragen, für deren Beantwortung im Verfahren betreffend Invalidenrente in der Regel Sachverständige beigezogen werden. Diese nehmen auch zu der durch die festgestellten Gesundheitsbeeinträchtigungen kausal verursachten Arbeits
unfähigkeit Stellung (BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 397 f. mit Hinweisen). Die medi
zinischen Berichte sind frei zu würdigen, das heisst insbesondere ohne Berück
sichtigung förmlicher Regeln bezüglich ihrer Herkunft. Es besteht deshalb kein grundsätzlicher Anspruch der versicherten Person auf versicherungsexterne Begutachtung. Erlauben die Berichte der behandelnden und all
fällig beigezoge
ner versicherungsinterner Fachärzte die Beurteilung des Rentenanspruchs, ist das Verfahren ohne Einholung eines versicherungsexternen Gutachtens abzu
schliessen. Ein solches ist allerdings anzuordnen, wenn auch nur geringe Zwei
fel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztli
chen Feststellungen bestehen (BGE 135 V 465).
2.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
3.
3.1
In Bezug auf die medizinische Aktenlage bis zum Zeitpunkt der Begutachtung in der Neuroklinik
des
Y._
ist auf das betreffende Gut
achten vom 15. Mai 2007 (
Urk.
12/16) zu verweisen.
3.2
Das
Y._
selber berichte
te
damals
von folgenden Diagnosen
(
Urk.
12/16/5)
:
Chronifiziertes lumbales Schmerzsyndrom, mit/bei
Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung;
psychosoziale Belastungssituation;
reaktive Depression;
Epilepsie unklarer Klassifikation, mit/bei
Therapie mit Maliasin;
Anfallsfrei seit 1981.
In seiner Beurteilung führte das Spital aus, in der klinisch-neurologischen Unter
suchung imponiere ein nur diskretes lumbo-vertebrales Syndrom. Es bestünden keinerlei Hinweise für eine Kompression von neuralen Strukturen, ins
besondere nicht für ein radikuläres Reiz- oder Au
s
fallsyndrom. Auch der übrige somatische Neurostatus sei unauffällig. Während der neurologischen Untersuchung habe sich jedoch der Eindruck einer depressiven Verstimmung ergeben.
Die somatisch-neurologischen Befunde vermöchten die von der Beschwerdeführerin angegebenen heftigsten Schmerzen und ihre verminderte Belastbarkeit nicht zu erklären. In den radiologischen Untersuchungen fänden sich nur diskrete degenerative Veränderungen ohne Hinweise für eine klare Nervenkompression. Das Ausmass dieser degenerativen Veränderungen unter
scheide sich nicht vom Altersdurchschnitt und habe deshalb keinen sicheren Krankheitswert. Die Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin mit wechselnder Körperposition, körperlich leichtgradig belastender Arbeit und der Möglichkeit zur freien Einteilung der Arbeitszeit sei aus neurologischer Sicht ihren Beschwerden optimal angepasst. Demgegenüber bestünden vorliegend deutliche Hinweise für eine somatoforme Schmerzstörung im Kontext einer lange anhal
tenden psych
o
sozialen Belastungssituation mit im Vordergrund stehenden finanziellen Schwierigkeiten. Entsprechend erscheine eine psychiatrische Beur
teilung und Therapie vordringlich (
Urk.
12/16/5).
3.3
Dr.
A._
stellte
mit psychiatrischem Gutachten vom 24. Oktober 2007 fol
gende Diagnosen (
Urk.
12/19/4):
Verstimmungszustände bei einem chronischen Schmerzsyndrom (ICD-10: F43.8);
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10; F 45.4).
In der Beurteilung hielt
Dr.
A._
fest, das einzige Problem der Beschwerdeführe
rin bestehe in Rückenschmerzen, die sie bei der Arbeit behin
derten. Es handle sich um Rückenschmerzen, die sich chronif
i
ziert hätten und welche die Beschwerdeführerin als massiv einstufe
. Subjektiv klage sie auch
über psychische Probleme leicht depressiver Art sowie Verstimmungen, die von den Schmerzen herrührten. Die Beschwerdeführerin habe Mühe zu akzeptieren, dass sie als Folge ihrer psychischen Probleme Schmerzen haben solle.
Das Leiden der Beschwerdeführerin
sei als somatoforme Schmerzstörung zu quali
fizieren, indes ohne erhebliche psychische Komorbidität körperlicher Begleiterkrankungen. Die Störung habe einen chronif
i
zierten Verlauf ange
nommen, aber zu keinem sozialen Rückzug geführt. Daneben spielten auch psy
chische Faktoren eine Rolle. Es sei diesbezüglich an die etwas gestörte Beziehung zu ihrem Ehemann zu denken, insbesondere nach der Hysterektomie und dem Beginn der Trunksucht des Ehemanns, was sie nicht akzeptiere. Das somatische Leiden dürfte von seinem Ausmass her eine untergeordnete Rolle spielen.
Die Beschwerdeführerin sei
nach wie vor
im Stande
,
als Sel
bständigerwerbende zu arbeiten.
Zufolge der häufigen Positions
wechsel, Erhol
ungspausen, etc. dürfte sie nicht im Stande sein, eine volle Leistung zu erbringen.
Vom psychi
atrischen Fach her gesehen bestehe eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 25 bis 30
%
. Hinsichtlich der Tätigkeit im Haushalt für zwei Perso
nen gäbe es keine besonderen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Aus prog
nostischer Sicht sei festzustellen, dass die Störung der Beschwerdeführerin the
rapie
r
bar und positiv beeinflussbar sei (
Urk.
12/19/4-5).
3.4
Die
D._
stellte in ihrem Bericht vom 1
2.
O
ktober 2009 die Diagnose poster
olaterale Ellbogenschmerzen rechts bei St. n. Ellbogenkontusion 5/09. Vor knapp sechs Monaten sei die Beschwerdeführerin auf den rechten Ell
bogen gestürzt, seither bestünden persistierende Schmerzen. Diese seien posterolateral im Bereich des dorsalen Radiusköpfchens und im lateralen Recessus lokalisiert. Die Beschwerden seien vorwiegend belastungsabhängig und vor allem auch einschiessend bei Extension und Supination endgradig, zum Teil habe die Beschwerdeführerin jedoch auch Schmerzen in Ruhe (Urk.
12/39/11). Am 18. Dezember 2009 berichtete die
D._
, die Beschwerde
führerin habe auf die intraartikuläre Infiltration relativ gut angesprochen; bis vor 2-3 Wochen sei eine 50%ige Besserung eingetreten, seither würden die Schmerzen wieder zurückkommen, aber nicht so ausgeprägt wie vor der Infil
tra
tion. Die Beschwerdeführerin absolviere zusätzlich
Physiotherapie (
Urk.
12/39/9)
.
3.5
Die
E._
stellte in ihrem Bericht vom 4. März 2010 folgende Diagno
sen
(
Urk.
12/39/5-6)
:
Chronische lumbale Rückenschmerzen mit wechselseitigen Beinausstrahlun
gen bds mit/bei
im Jahr 2004 initial links, seit Ende 2009 auch rechtsseitige
n
Beinaus
strahlungen
;
Bandscheibenprotrusion LWK 5/SWK 1 mit möglicher Wurzelkompres
sion S1 bds (MRI März 2006);
St. nach Sakralblock im Jahr 2006 (
Dr.
H._
) mit ca. 2-3-monatiger Schmerz
freiheit;
St. nach Sakralblock unter Bildverstärkung am 18.2.10 (
Dr.
I._
) mit gutem Ansprechen und anhaltender Schmerzfreiheit.
3.6
Dr.
med.
F._
,
Spezialarzt für innere Medizin FMH,
nannte
in seinem Arztbe
richt vom 26.
April 2010 (
Urk.
12/38/2-6)
als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische traumatisch bedingte Epicondylopathia radialis u. ulnaris rechts infolge Kontusion des rechten Ellbogens. Fraglich sei die Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit in Bezug auf eine akut aufgetretene Lumbalgie und Lumboischialgie rechts bei vorbestehendem chronischem thora
kolumbalem Syndrom, bei früher festgestelltem lumboradikulärem Syndrom S1 links bei Protrusion der Bandscheibe L5/S1 und möglicher Nervenwurzelkom
pression S1 beidseits. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine chronische depressive Stimmungslage (vermutlich lebensgeschichtlich bedingte depressive Entwicklung); eine Epilepsie (primär oder sekundär generalisiert, mit Grand-mal-Anfällen), seit vielen Jahren
A
nfallsfrei; Besenreise
r
varizen an Ober- u. Unterschenkel bds. mit chronischen venös-statischen Beschwerden; Adiposi
tas (BMI 30.3); arterielle Hypertonie. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer bishe
rigen Tätigkeit wegen der Ellbogenschmerzen des rechten Arms deutlich einge
schränkt.
Es bestünden zudem belastungsabhängige Wirbelsäulenschmerzen und das geistige Konzentrationsvermögen sei aufgrund der Schmerzen vermin
dert. Aufgrund der Ellbogen- und Wirbelsäulenschmerzen könne die Beschwer
deführerin die Nähmaschine mit der rechten Hand nicht richtig bedienen. Als Folge der Ellbogenschmerzen habe sie ausserdem grosse Mühe beim Zuschnei
den von Leder und Kartonschablonen mit der Lederschere. Wegen de
r
Schmer
zen könne sich die Beschwerdeführerin bei der Arbeit zu wenig konzentrieren, so dass Fehler passieren würden, und sie müsse zwischendurch immer wieder Pausen einlegen bzw. sich etwas ausruhen. Das Ausmass der Arbeits(un)
fähigkeit sei indes schwierig zu bestimmen, da die Beschwerdeführe
rin selb
ständig sei und sie ihre Arbeit selber der jeweiligen Situation anpassen könne.
In Bezug auf eine angepasste Tätigkeit führte
Dr.
F._
aus, da die Beschwer
deführerin ein eigenes Geschäft habe, könne sie gar keine anderen Tätigkeiten ausführen, sonst müsste sie ja ihren Betrieb aufgeben und wüsste dann auch nicht was arbeiten. In einem Anstellungsverhältnis könne die Beschwerde
führerin nicht einfach nach Belieben Pausen einschalten und wieder etwas aus
ruhen, je nach Befindlichkeit.
3.
7
Dr.
med
.
G._
,
Allgemeine Medizin FMH, stellte in seinem Arztbericht vom 30. April 2010 (
Urk.
12/39/1-3) folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit:
Chronisches Lumbovertebralsyndrom mit wechselseitigen radikulären Kompo
nenten (anfänglich im Jahr 2004 links, später bds. bzw. auch nur rechts)
MRI März 2006: Bandscheibenprotrusion L5/S1 und mögliche Wurzel
kom
pression beidseits;
St. n. Sakralblock
2006
Dr.
H._
;
St. n. Sakralblock unter BV Febr.
2010,
E._
,
Dr
.
med
.
I._
, mit
gutem Erfolg, belastungsabhängige Verschlechterungen rapportiert;
St. n. Ellbogenkontusion 5/09 mit posttraumatischer Bewegungsein
schrän
kung und Belastungsschmerzen
Besserung auf intraartikuläre Steroidinjektion
,
D._,
mit 50%iger Besserung für ca. drei Wochen
;
rezidivierende depressive Störungen, gegenwärtig leichte Episode mit somati
schem
S
yndrom (F33.01), Einfluss der jahrzehntelangen posttrauma
tischen Epilepsie bzw. deren Therapie mit Maliasin?
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien folgende Diagnosen:
Generalisierte posttraumatische Epilepsie seit dem 1
2.
Altersjahr, Behand
lung seither mit Maliasin, z.
Z. verordnet durc
h
Dr.
F._
;
Hypertonie;
Hypercholesterinämie;
Adipositas (BMI 30,47).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
führte
Dr.
G._
aus, die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht eingeschränkt durchaus noch zumutbar. Die medizi
nische begründete Arbeitsunfähigkeit s
ei
auf 30
%
zu beziffern. Die Frage nach der weiteren Prognose sei nicht klar zu beantworten.
3.8
Am 26. Mai 2010 berichtete die
D._
,
die Wi
rkung der Infiltration sei abgeklungen, die Beschwerdeführerin habe wieder die gleichen Beschwerde
n
wie zuvor (
Urk.
12/
55/11-12
).
3.9
Vom
2.
bis 4. Februar 2011 war die
Beschwerdeführerin in der
D._
hospitalisiert, wo eine Ellbogenarthroskopie rechts durchgeführt wurde. Die
D._
sprach in ihrem Bericht vom
8
. Februar 2011 von einem regelrechten postoperativen Verlauf (
Urk.
12/5
5/7
). Mit Arztbericht vom 17.
März 2011 hielt sie sodann fest,
der Beschwerdeführerin gehe es inzwischen relativ gut, sie leide noch unter Bewegungseinschränkungen und etwas Schmer
zen
,
sei aber mit dem jetzigen Zustand zufrieden.
Nachdem nach der Operation zunächst eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, sei nun ab dem 16.
März 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 70
%
anzunehmen, ab dem 4. April 2011 50
%
und ab dem 25. April 2011 0
%
(
Urk.
12/53).
3.10
In seinem Zwischenbericht vom 8. Juni 2011 führte
Dr.
G._
aus, die Diagnose
liste bleibe unverändert und auch Anamnese, Befund und Verlauf ergäben keine neuen Gesichtspunkte. Neu seien in der rechten Hand Gefühls
störungen aufgetreten (Dysästhesien, Parästhesien). Die Beschwerden könnten je nach Schulter- bzw. Armstellung im Sinne eines oberen En
g
passsyn
droms (TOS) provoziert werden. Ebenfalls bestehe bei den Provokationstests im Handgelenk der Hinweis auf ein leichtes Karpaltunnelsyndrom. Bezüglich Rücken seien die Beschwerden sehr einschränkend geworden und stärkere Belastungen seien nur stundenweise zu ertragen. Beispielsweise führe bei der Arbeit am Tisch das Lederschneiden in leicht vorgeneigter Stellung mit den verschiedenen Schnei
degeräten rasch zu starken Rückenschmerzen. Sie müsse sich nach max. zwei Stunden hinlegen und könne erst nach 30 bis 60 Minuten Entlastung weiterar
beiten, wenn die Beschwerden erträglich geworden seien.
Die Beschwerdeführe
rin würde nun für einen weiteren Sakralblock in der
E._
angemel
det
(
Urk.
12/55/6).
3.11
Dem RAD-Untersuchungsbericht vom
21. Juli 2011 sind folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen:
Geringfügige Bewegungseinschränkung des rechten Ellenbogengelenks nach durchgeführter arthroskopischer Operation mit Débridement 02/2011 ein
schliesslich persistierender ulnarseitiger Reizung des Kapsel-Muskelansatzes;
rezidivierende Lumbalgie mit anamnestisch pseudoradikulärer Ausstrahlung bei deutlicher Hyperlordose der LWS und MRT-gesicherter Bandscheiben
protrusion, fortgeschrittener Osteochondrose und Facettenarthrose L5/S1 (MRT 04/2006).
Unter den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sind aufgeführt:
Varikosis inklusive Besenreise
r
varizen an beiden Beinen;
Supraspinatus-Ansatztendinose rechts mehr als links;
rezidivierendes Cervicalsyndrom mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dege
nerativer Genese;
anamnestisch bekannte, bei der Untersuchung nachweisbare depressive Ver
stimmung.
In der Beurteilung wird ausgeführt,
bei der
Beschwerdeführerin sei anhand der vorliegenden medizinischen Berichterstattung und der körperlichen Untersu
chung ein
somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähig
keit beeinträchtige. In der bisherigen beruflichen Tätigkeit als selbständige Leder-Schneiderin sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestehend bereits seit 4.
April 2011 (abge
stützt auf den Arztbericht der
D._
vom 17.
April 2011
)
. Das Hauptproblem in dieser Tätigkeit sei die Notwendigkeit
,
mit der rechten Hand immer wieder sehr fest und teilweise auch mit gespreizter Hand zuzufassen und kraftvoll die Nähmaschine zu bedienen bzw. oftmals auch Nadel und Faden durch das Leder zu stechen bei Arbeiten, die (bisher) nicht hätten maschinell erledigt werden können. Es sei plausibel, dass diese Tätigkeit nicht vollschichtig ausgeübt werden könne. In optimal angepasster Tätigkeit
sei
jedoch
seit
dem
4.
April 2011 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben. In qualitativer Hinsicht müsse es sich hierbei um eine körperlich leichte
, überwiegend sitzende Beschäf
tigung
handeln
, ohne regelmässiges Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne Ar
beiten auf Leitern und Gerüsten sowie
ohne häufiges Treppensteigen
. Ebenfalls auszuschliessen seien
Wirbelsäulen belastende Zwangshaltungen sowie Tätigkeiten wie Bücken, Hocken, Knien
oder Überkopfarbeiten
. Ungünstig seien schliesslich
auch Arbeiten mit Armvorhalten
(
Urk.
12/59-60).
3.12
In seinem Bericht vom 10. April 2012 führte
Dr
.
G._
aus, seit dem letzten Herbst drehe sich die Beschwerdeführerin vor allem von der psychischen Seite her in einer negativen Spirale, mit einer unglaublich pessimistischen Lebens
einstellung und ausgeprägten depressiven Resignation in Bezug auf ihre Arbeits- und Lebenssituation sowie ihre Partnerschaft mit ihrem ebenfalls „behinderten“ Gatten. Die Schmerzexazerbationen im rechten Ellbogen und
im
Rücken seien mit dieser psychischen Verfassung noch schlechter zu bewält
igen. Bezüglich der Ellbogenproblematik sei nun eine weitere Sprechstunde im
D._
geplant. Bezüglich des chronischen Lumbovertebralsyndroms sei eine Abklärung in
der
E._
veranlasst worden, um auch ein neues MRI zu evaluieren.
Dr.
G._
legt
e
sodann ausführlich dar, weshalb die Ergebnisse des RAD-Untersuchungsberichts nicht nachvollziehbar seien. Insbesondere sei die psychische Problematik
(Angs
t
störung)
der Beschwerdeführerin
unzu
reichend berücksichtigt worden. Es sei diesbezüglich eine psychiatrische Begut
achtung angezeigt (
Urk.
12/78).
4.
Die Abklärung der beruflichen Verhältnisse vor Ort (Abklärungsbericht für Selb
ständigerwerbende vom 7. Oktober 2011
;
Urk.
12/62) ergab, dass die Beschwer
deführerin ihr Geschäft seit rund elf Jahren führe.
Wenn es ihr Gesundheitszu
stand zulasse, betrage ihre Arbeitszeit noch vier Stunden pro Tag. Dieses Arbeitspensum verteile sie über den ganzen Tag. Nach rund zwei Stunden würde sie nämlich solche Rückenschmerzen bekommen, dass sie ihre Arbeit unterbrechen und entweder einen Spaziergang machen oder sich ausruhen müsse. Von daher sei die Selbständigkeit ein Vorteil, da sie kein
en
Chef habe, der ihr dies
allenfalls
nicht erlauben würde. Das Bearbeiten des Leders, das Sitzen an der Nähmaschine usw. seien alles strenge Arbeiten und würden Rückenschmerzen auslösen. Den rechten Arm könne sie jetzt auch nicht mehr einsetzen. Die Erledigung der Arbeiten würde sich dadurch in die Länge ziehen
,
und die Kunden müssten geduldiger sein. Zum Teil seien Kunden deshalb schon abgesprungen. Sie spüre
bereits
, dass ihre Einkünfte merklich zurückgegangen seien. Die Ladenöffnungszeiten habe sie beibehalten. Wenn ihr die Anwesenheit nicht mehr möglich sei, würde sie einfach gehen. Ihr Ehemann könne ja den Laden hüten. Manchmal müsse sie halt aber einfach auch durchbeissen und mit Schmerzen arbeiten.
Sie sehe keine andere
Tätigkeit und damit
auch
keine Umschulung,
wo
mit
sie ihre Arbeitsleistung wesentlich verbessern könnte. Sie denke, mit ihrer selbständigen Tätigkeit sei sie optimal eingegliedert.
5.
5.1
Die angefochtene Rentenverfügung basiert auf dem RAD-Untersuchungsbericht von pract. med
.
B._
und
Dr.
C._
, wonach die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit zu 50
%
und
in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig
ist
. Die Beschwerdeführerin hält den Entscheid
der
Beschwerdegeg
nerin in verschiedener Hinsicht nicht für nachvollziehbar. So bringt sie zu
nächst vor
, sie sei
auch bei Haushaltsarbeiten wesentlich eingeschränkt
,
wes
halb
zwingend auch eine Haushaltsabklärung durchzuführen gewesen
wäre. Diesen Ausführungen ist entgegenzuhalten,
dass eine Haushaltsabklärung nur dann in Frage kommt, wenn die betreffende Person
auch bei voller Leistungsfä
higkeit nicht vollzeitlich erwerbstätig wäre und zudem über einen sogenannten
Aufgabenbereich verfügt. Ein solcher ist aktenmässig aber
nicht dokumentiert.
D
ie Beschwerdeführerin nimmt keine eigentlichen Betreuungsaufgaben wahr und ist auch weder künstlerisch noch gemeinnützig tätig.
Bei den von ihr erwähnten Haushaltsarbeiten, betreffend welcher sie eine Einschränkung gel
tend macht, handelt es sich mit anderen Worten um einen nicht versicherten Bereich
, wie er bei jeder vollzeitlichen Erwerbstätigkeit anfällt
. Im Ergebnis ist
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin von einer Haushaltsabklä
rung abgesehen
und die Beschwerdeführerin als Erwerbstätige qualifiziert
hat
.
5.2
Die Beschwerdeführerin ist sodann der Ansicht, dass ihre psychische Proble
ma
tik unzutreffend als nicht rentenrelevant eingestuft worden sei
. Panikattacken und Klaustrophobie seien zweifellos keine
günstige
Ausgangsposition für eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft.
Die Ausführungen der Beschwerdeführerin stützen sich auf den Bericht ihres
Hausarztes
Dr.
G._
, welcher bei ihr eine Angststörung (Panikattacken, Klaustrophobie, Arachnopho
bie) diagnostizierte. Es finden im Zusammenhang mit diesen Leiden offenbar regelmässige Gesprächstherapien bei
Dr.
G._
statt. Fachpsychiatrische Unterstützung nimmt die Beschwerdeführerin hingegen keine in Anspruch.
Schon a
ngesichts dieser Tatsache erscheint fraglich, inwieweit vorliegend eine relevante Arbeitsunfähigkeit angenommen werden kann.
Davon abgesehen
geht
jedoch
aus dem Bericht von
Dr.
G._
nicht konkret hervor, inwi
efern sich die von ihm gestellte Diagnose auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt.
Zwar
spricht
Dr.
G._
in seinen Berichten vom 30. April 2010 und 10. April 2012 jeweils von einer „ausgeprägten
depressiven Resignation“
bzw.
diagnostiziert
in jenem vom 30.
April 2010
rezidivierende
depressive Störungen, gegenwärtig leichte
Episode mit somatischem Syndrom
. Es werden allerdings im Zusammenhang mit dieser Diagnose
wiederum
keine näheren Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit gemacht, insbesondere
auch
nicht im aktuelleren Bericht vom 10. April 201
2.
Im Ergebnis ist festzustellen,
dass sich aus den Akten keine
zuverlässigen
Hinweise für ein die Arbeitsfähigkeit einschränkendes psychiatri
sches Leiden
, das über psychische Belastungen infolge der sozialen Situation hinausgeht,
ergeben.
Entsprechend durfte die Beschwerdegegnerin berechtigter
weise von weiteren psychiatrischen Abklärungen absehen.
5.
3
5.3
.1
Die Beschwerdeführerin hält sodann die somatischen und arbeitsmedizinischen Feststellungen im RAD-Untersuchungsbericht
nicht für
nachvollziehbar.
Sie führt aus, entgegen der Ansicht des RAD sei ihre jetzige Tätigkeit optimal ange
passt.
Dies habe auch
das
Y._
in seinem neurologischen Gutachten vom 15. April
2007
bestätigt.
Im Rahmen ihrer Tätigkeit sei es ihr
möglich
,
die Arbeit zu unterbrechen, mit Stehen
und Gehen, wenn dies nötig sei
.
5.
3
.2
Vorliegend muss bezweifelt werden, dass die bisherige Tätigkeit der Beschwer
de
führerin ihrem Leiden optimal angepasst ist.
Aus dem Bericht des RAD geht hervor
, dass eine vollschichtige Ausübung derselben höchstens zu 50
%
zumutbar sei aufgrund der Ellbogenproblematik.
Die Beurteilung ist mit jener des behandelnden Arztes
Dr.
F._
(vgl. E.
3.6)
als weitgehend überein
stimmend
zu qualifizieren
.
Dieser hatte
im gleichen Sinn wie der RAD das Hauptproblem in de
n
Ellbogen
beschwerden
geortet
und
ausgeführt,
sämtliche
Ein
schränkungen der
Arbeitsfähigkeit seit
dem Unfallereignis im
Juli 2009
hät
ten
im Zusammenhang mit dieser Verletzung
gestanden
. Konkret habe die Arbeits
unfähigkeit zwischen dem 13. Juli und dem 25. September 2009 50
%
betragen, vom 26. September bis 31. Dezember 2009 90
%
, vom
1. bis 31.
Januar 70
%
und seit 1. Februar 2010 nun vorläufig
60
%
.
Dr.
F._
hielt aber auch fest, dass
das tatsächliche Ausmass der Arbeitsfäh
igkeit
schwierig zu bestimm
en
sei
, weil die
Beschwerdeführerin
s
elbständigerwerbend
sei
.
Letztlich
sind
die Ein
schätzungen von
Dr.
F._
zu den Auswirkungen der Ellbogen
problematik auf die Arbeitsfähigkeit
jedoch nicht mehr aktuell
, nachdem im Februar 2011 in der
D._
eine Arthroskopie durchgeführt wurde.
Die
D._
selbst hatte
in ihrem Bericht vom 17. März 20
11
ab dem 1
6
. März 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von
7
0
%
angenommen, ab dem
4. April 2011 50
%
und ab dem 25. April 2011 0
%
(
Urk.
12/53). Die RAD-Beurteilung macht somit deutlich, dass sich die vom
D._
prognostisch eingeschätzte volle Arbeits
fähigkeit offenbar nicht realisieren liess.
Dass die vom RAD attes
tierte Arbeits
un
fähigkeit von 50
%
falsch sein soll, ergibt sich
aber
auch aus den Berichten des
D._
nicht.
Im
Übrigen
ist darauf hinzuweisen
, dass
die
Beurteilung
des
Y._
vom
15. Mai 2007
, wonach die bis
herige Tätigkeit optimal angepasst sei,
offensichtlich nicht zum Bezug genom
men werden
kann
, da die Ellbogenproblematik der Beschwerdeführerin zum damaligen Zeitpunkt noch keine Rolle spielte.
Gesamthaft
finden sich keine
konkreten
Anhalts
punkte,
welche gegen die Zuverlässigkeit der
Feststellungen des RAD zur Arbeits
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
sprechen, so dass diesen voller Beweiswert
zukommt
.
5.
3
.3
Im Folgenden ist
auf
die Arbeitsfähigkeit in einer allfälligen Verweistätigkeit einzugehen.
D
er
RAD
erachtet eine leidensangepasste Tätigkeit als vollschichtig ausübbar.
Es müsse sich hierbei um eine körperlich leichte, überwiegend sitzende Beschäftigung handeln, ohne regelmässiges Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie ohne häufiges
Treppensteigen. Ebenfalls auszuschliessen seien Wirbelsäulen belastende
Zwangs
haltungen sowie Tätigkeiten wie Bücken, Hocken, Knien oder Überkopf
arbeiten. Ungünstig seien schliesslich auch Arbeiten mit Armvorhalten.
Diese Beurteilung
ist
umfassend. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Stand
punkt, dass eine zuverlässige Untersuchung gar nicht möglich gewesen sei, da noch tags zuvor praesacrale Injektionen stattgefunden hätten und die LWS-Beschwerden am Unter
suchungstag kaum nachweisbar gewesen seien.
Mit Blick auf
die genannten
vielfältigen
qualitativen
Anforderungen an eine Verweistä
tigkeit
ist jedoch festzustellen
, dass den Rückenbeschwerden sehr wohl Rech
nung ge
tragen wurde
. Zudem ist
der Erfolg zumutbarer medizinischer Behandlungen
zu berücksichtigen.
Was die Einschätzungen der behandelnden Ärzte betrifft, hatte sich
Dr
.
F._
dahingehend geäussert,
weil die Beschwerdeführerin ein eigenes Geschäft habe, könne sie gar keine andere Tätigkeit ausführen
,
als für den Betrieb erforderlich sei, sonst müsste sie ja das Atelier aufgeben, und sie wüsste dann auch nicht, was sie arbeiten solle. In einem Anstellungsverhältnis könne sie ja nicht einfach Pausen einschalten und wieder etwas ausruhen, je nach Befindlichkeit.
Damit äussert sich
Dr.
F._
zur Zumutbarkeit einer Geschäftsaufgabe oder eines Berufswechsels, wozu aus invalidenversicherungs
rechtlicher Sicht nachstehend Ausführungen folgen (E. 6.3).
Dr.
F._
gibt
hingegen
nicht an, in welchem Pensum eine angepasste Tätigkeit zumutbar
ist. Seine Ausführungen, wonach die Beschwerdeführerin einen erhöhten Pausenbedarf
habe
,
beziehen sich auf die angestammte
Tätigkeit
.
Es wurde indes vorstehend aufgezeigt, dass die angestammte Tätigkeit gerade nicht als leidensangepasst angesehen werden kann. Dass
die beschriebene zusätzliche
Erholungs
zeit
auch in einer Tätigkeit nötig ist, bei denen ein weniger intensiver Einsatz des rechten Arms als beim Lederschneidern erforderlich ist, erscheint deshalb nicht ausge
wiesen.
Z
uverlässige
abweichende
Angaben
in den Akten
bezüglich Zumutbar
keit einer Verweistätigkeit
finden sich auch sonst nicht.
Dr
.
G._
hatte
in sei
nem Bericht vom 10. April 2012 erwähnt, eine nicht näher definierte behinde
rungsangepasste Tätigkeit entspreche in keiner Weise den Fähigkeiten der Beschwerdeführerin
(
Urk.
12/78), was indes nicht die medizinische Seite
beschlägt
. Im Ergebnis
bestehen
keine begründete
n
Zweifel
an
der Beurteilung des RAD, wonach die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig ist.
5.
3
.4
Zusammenfassend ist aufgrund des RAD-Untersuchungsberichts vom 21. Juli 2011 rechtsgenüglich erstellt, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestamm
ten Tätigkeit zu 50
%
und in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig ist. Die von der Beschwerdeführerin geforderten zusätzlichen medizinischen Abklärungen erübrigen sich bei diesem Ergebnis.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Auf Grund der einer v
ersicherten
Person
obliegenden Schadenminderungs
pflicht (BGE 130 V 99 Erw. 3.2 mit Hinweisen; BGE 113 V 28 Erw. 4a) kann die Aufnahme einer unselbstständigen (Haupt
)Erwerbstätigkeit als zumutbar erscheinen, wenn hie
rvon
eine bessere erwerbliche Verwertung der Arbeitsfä
higkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichti
gung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bis
herigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (
Urteil des Bundesgerichts I 38/06 vom
7.
Juni 2006 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
Die Anfor
derungen an die Schadenminderungspflicht sind dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht. Dies trifft bei
spielsweise zu, wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Renten
leistungen auslösen würde (BGE 113 V 32 E. 4d). Der Selbständigerwerbende muss sich daher unter Umständen jene Einkünfte anrechnen lassen, welche er bei Aufnahme einer leidensangepassten Tätigkeit zumutbarerweise verdienen könnte.
6.3
Die 1956 geborene Beschwerdeführerin verfügt über keinen beruflichen Aus
weis, absolvierte jedoch nach der obligatorischen Schulzeit eine Bürolehre ohne Abschluss (
Urk.
12/2,
Urk.
12/19/4). Nach der Familienpause soll sie aushilfs
weise an verschiedenen Orten, zum Teil auch als Buchhalterin gearbeitet haben. Längere Zeit arbeitete sie im Gemüsehandel und bei der
J._
(Urk.
12/5,
Urk.
12/19/5). Seit 1999 betreibt sie das Nähatelier, ursprünglich soll sie vor allem Fasnachtskleider angefertigt haben, spezialisierte sich jedoch auf Lederar
beiten. Vereinzelt arbeite
te
sie zusätzlich in Heimarbeit für die
Firma
K._
und erzielte hierbei ein jährliches Bruttoei
nkommen von zwischen
Fr.
3‘100.
und
Fr.
3‘600.
(
Urk.
12/62/7). Aus ihrer selbständigen Erwerbstä
tigkeit erzielte die Beschwerdeführerin stets nur bescheidene Einkünfte (unter
Fr.
10‘000.--), teilweise Verluste (vgl. die Aufstellung in
Urk.
12/62/5-6). Ange
sichts dieser kaum die notwendigen Lebenshaltungskosten deckenden Einkom
men, der anderweitigen praktischen beruflichen Erfahrungen der Beschwerde
führerin, der noch zur erwartenden, erheblichen Aktivitätsdauer sowie der massgeblich höheren medizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit ist ihr daher eine berufliche Umstellung zuzumuten, auch wenn der Betrieb
ihre
s
Nähateliers ihrem persönlichen Wunsch entspricht. Zumindest muss sich die Beschwerdeführerin im Rahmen der ihr zumutbaren Schadenminderungspflicht anrechnen lassen, was sie in einer angepassten Tätigkeit auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. hierzu: BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 321 E. 3b und 1985 S. 462 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.2) zu erzielen noch in der Lage wäre.
7.
Die Beschwerdeführerin ermittelte in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die Lohnstrukturerhebungen (LSE) des Bundesamts für Statistik
, hochgerechnet auf das Jahr 2011,
ein Invalideneinkommen in der Höhe von
Fr.
53‘607.-- (
LSE
2008
;
TA 1;
Ziff.
1 – 93;
Zentralwert
; Anforderungsniveau 4;
Frauen), eine Annahme
,
die aufgrund der Akten nicht zu beanstanden ist.
Was das Validen
einkommen
betrifft
,
erachtete
die Beschwerdegegnerin aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin keinen Beruf erlernte und in der Vergangenheit verschiedene Tätigkeiten
ausübte
, nicht das zuletzt erzielte Einkommen
als massgebend,
sondern zog ebenfalls
die
Lohnstrukturerhebungen des Bundes
amts für Statistik
heran
(LSE 2008
;
TA 1
;
Ziff.
52
[Reparaturtätigkeiten]
;
Zent
ralwert
;
Anforderungsniveau 4
;
Frauen)
, wobei sich hochgerechnet auf das Jahr 2011 ein Einkommen von
Fr.
52‘500.-- errechnete
.
Das
Abstellen auf
einen LSE-Wert
erscheint
insoweit
fragwürdig,
als
die Beschwerdeführerin bereits seit 1999 als selbständige Lederschneiderin tätig
ist
und im Rahmen der Abklärung für Selbständigerwerbende an
gab
, sie sehe keine andere Tätigkeit.
Demzufolge
ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne ihren Gesundheits
schaden die bisher
ige Tätigkeit fortgesetzt hätte bzw.
spricht wohl grundsätzlich nichts dagegen, die Arbeit als
selbständige Lederschneiderin
als Validentätigkeit zu qualifizieren.
Diese Frage braucht letztlich aber nicht abschliessend beant
wortet zu werden, denn unabhängig
davon, ob auf den betreffenden Tabellen
lohn von
Fr.
52‘
500.--
oder das Einkommen aus der zuletzt ausgeübten Tätig
keit
-
der Höchstverdienst
gemäss IK-Auszug
seit 1999
be
lief
sich auf
Fr.
8‘698.-- im Jahr 2007
-
abgestellt wird,
ist festzustellen, dass bei Gegen
überstellung mit dem Invalideneinkommen
von
Fr.
53‘607.--
keine Erwebsein
busse resultiert.
Daran würde sich auch nichts ändern, wenn die Vergleichsein
kommen auf der massgebenden Basis (vgl.
BGE 129 V 222, BGE 128 V 174
) im Zeitpunkt des mutmasslichen Rentenbeginns (
1.
Juli 2010) oder der angefochte
nen Verfügung (2
2.
Februar 2012) berechnet würden.
Die Verneinung eines Rentenanspruchs in der angefochtenen Verfügung ist im Ergebnis nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kan
tonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind
nach dem Ver
fahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert
unter Berücksichti
gung des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 600.-- fest
zusetzen und der unterliegenden Beschwerde
führerin aufzuerlegen.