Decision ID: 9187c7a2-1b0b-41ce-987a-b3dcda5b059e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) B._, Z._, ist Eigentümerin von Grundstück Nr. 001, Grund-
buch Z._, an der M._strasse in Z._. Das Grundstück liegt ge-
mäss geltendem Zonenplan der Gemeinde Z._ vom 6. November
2001 in der Wohnzone Bauklasse 2a. Es ist mit einer Villa überbaut
und weist eine grosszügige Gartenanlage auf. Nach dem Schutzzo-
nenplan der Gemeinde Z._ vom 9. August 2002 liegt das Grund-
stück in einem Baumschutzgebiet.
b) Rund 50 m östlich des Grundstücks Nr. 001 – auf Grundstück
Nr. 002 – ist A._, Z._, Mieter einer Wohnung an der N._-
Strasse; auch dieses Grundstück ist dem Baumschutzgebiet zugeteilt.
c) Mit Schreiben vom 23. Februar 2019 machte A._ das Z._
darauf aufmerksam, dass auf Grundstück Nr. 001 am 13. Februar
2019 ein zweistämmiger Kirschbaum gefällt worden sei. Die beiden
Stämme des Baums hätten einen Umfang von mehr als 0,8 m aufge-
wiesen, weshalb seine Fällung nach Art. 39 der Bauordnung der Ge-
meinde Z._ vom 1. Oktober 2006 (BauO) bewilligungspflichtig ge-
wesen wäre. Er verlangte deshalb gestützt auf Art. 39 Abs. 3 BauO die
Ersatzpflanzung eines mittelkronigen einheimischen Laubbaums.
d) Am 27. Februar 2019 bestätigte der Leiter Bauaufsicht, Z._,
dem Anzeiger den Eingang seines Schreibens. Zudem teilte er mit,
eine Fällbewilligung sei bislang nicht erteilt worden; es werde nun
nachträglich ein Fällgesuch einverlangt.
e) Am 19. März 2019 reichte B._ dem Y._ ein nachträgliches
Fällgesuch für die Vogelkirsche ein. Zur Begründung wurde ausge-
führt, bei Baumschnittarbeiten durch die Gartenbaufirma C._, Z._,
seien an der Vogelkirsche hohle und morsche Äste festgestellt wor-
den, weshalb die Fachleute die Fällung des Baums empfohlen und an-
schliessend auch vorgenommen hätten.
f) Am 27. März 2019 erteilte der Leiter Bauaufsicht B._ die
nachträgliche Fällbewilligung u.a. mit der Auflage, dass während der
nächsten Pflanzperiode die Ersatzpflanzung von drei einheimischen
Wildgehölzen vorzunehmen sei.
g) Auf seine Nachfrage nach dem Stand des Verfahrens vom
6. April 2019 teilte der Leiter Bauaufsicht dem Anzeiger am 9. April
2019 mit, dass die Fällbewilligung inzwischen erteilt worden sei. Da-
raufhin ersuchte A._ mit Schreiben vom 24. April 2019 um Eröffnung
der Fällbewilligung; diese wurde ihm mit E-Mail vom 25. April 2019 zu-
gestellt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 57/2019), Seite 3/9
B.
Gegen diese Fällbewilligung erhob A._ mit Schreiben vom 3. Mai
2019 Rekurs beim Baudepartement mit den Anträgen:
1. Es sei die Verfügung des Y._ vom 27. März 2019
betreffend das Fällgesuch 56504 aufzuheben und eine Ersatzpflanzung in Form eines mittelkronigen  Laubbaums zu verfügen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung wird geltend gemacht, sein Anspruch auf rechtliches
Gehör sei von der Vorinstanz verletzt worden, weil es ihm nicht mög-
lich gewesen sei, sich am nachträglichen Verfahren zu beteiligen.
Trotz seiner Anzeige habe er weder Kenntnis vom nachträglichen Fäll-
gesuch noch von der Erteilung der Fällbewilligung erhalten. Folglich
müsse es zulässig sein, gegen die Fällbewilligung Rekurs zu erheben.
In materieller Hinsicht wird vorgebracht, die als Auflage verfügte Er-
satzpflanzung genüge den Anforderungen von Art. 39 BauO nicht. An-
stelle blosser Wildgehölze müsse die Pflanzung eines Laubbaums an-
geordnet werden.
C.
a) Mit E-Mail vom 6. Juni 2019 verzichtet B._ auf eine Vernehm-
lassung zum Rekurs.
b) Mit Vernehmlassung vom 11. Juni 2019 beantragt das Y._,
den Rekurs abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Zur Begrün-
dung wird geltend gemacht, der Rekurrent sei bezüglich der Frage,
welche Ersatzpflanzung für die gefällte Vogelkirsche vorzunehmen
sei, weder einsprache- noch rekursberechtigt.

Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt.
1.3 Die Vorinstanz bestreitet die Rekursberechtigung des Rekurren-
ten.
1.3.1 Nach Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur Erhebung eines Rekurses be-
rechtigt, wer an der Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 57/2019), Seite 4/9
Entscheids ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut. Schutzwür-
dig ist es, wenn der Betroffene rechtlich geschützte Interessen geltend
macht oder wenn eine Verfügung oder ein Entscheid seine tatsächli-
che Interessenlage mehr berührt als irgendeinen Dritten oder die All-
gemeinheit (CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St.Gallen, St.Gallen 2003, Rz. 390 mit Hinweisen). Nicht entscheidwe-
sentlich ist, ob der Beschwerdeführer zum Baugrundstück direkten
Sichtkontakt hat (VerwGE B 2009/25 vom 15. Oktober 2009 Erw. 1.2,
VerwGE B 2009/219 vom 24. August 2010 Erw. 3.2.2). Das schutz-
würdige Interesse besteht im praktischen Nutzen, den ein erfolgreich
geführtes Rechtsmittel dem Betroffenen in seiner rechtlichen oder tat-
sächlichen Situation einträgt, bzw. in der Abwendung materieller, ide-
eller oder sonstiger Nachteile, den ein Bestand der angefochtenen
Verfügung oder des Entscheids mit sich bringen würde
(CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 391; Urteil des Bundesgerichtes
1C_236/2010 vom 16. Juli 2010 Erw. 1.3 ff.).
1.3.2 Ein wesentliches Kriterium für die Beurteilung der Beschwerde-
befugnis eines Nachbarn ist die räumliche Nähe seines Grundstücks
zum umstrittenen Bauvorhaben. Die räumliche Beziehung ist insbe-
sondere dann gegeben, wenn sie eine Beeinträchtigung des Nachbar-
grundstücks nicht ausschliesst (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 414). Das
Beschwerderecht wird grundsätzlich anerkannt, wenn die Liegen-
schaft des Nachbarn unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder
allenfalls nur durch einen Verkehrsträger davon getrennt wird. Dies gilt
grundsätzlich auch bei Nachbarn bis im Abstand von etwa 100 m; bei
grösseren Entfernungen muss eine Beeinträchtigung aufgrund der
konkreten Gegebenheiten glaubhaft gemacht werden (BGE 140 II 214
Erw. 2.3). Daneben wird eine besondere Betroffenheit in Fällen bejaht,
in denen von einer Anlage aus mit Sicherheit oder mit grosser Wahr-
scheinlichkeit Immissionen auf Nachbargrundstücke ausgehen oder
die Anlage einen besonderen Gefahrenherd darstellt und die Anwoh-
ner dabei einem besonderen Risiko ausgesetzt sind (Urteil des Bun-
desgerichtes 1C_40/2010 vom 9. März 2010 Erw. 2.3 mit Hinweisen,
Urteil des Bundesgerichtes 1C_340/2007 vom 28. Januar 2008
Erw. 2.2 mit Hinweisen). Bei diesen Abstandsangaben handelt es sich
allerdings um keine verbindlichen absoluten Werte. Es ist vielmehr
eine Würdigung aller rechtlich erheblichen Sachverhaltselemente vor-
zunehmen.
1.3.3 Der Nachweis der besonderen Beziehungsnähe ist nur dann
nicht nötig, wenn der Einsprecher behauptet, das Bauvorhaben ver-
letze die Norm einer Schutzverordnung, in deren Schutzbereich sich
auch seine Liegenschaft befindet. Schutzverordnungen verfolgen
Ziele, die ausschliesslich im öffentlichen Interesse liegen (VerwGE
B 2010/233 vom 15. Dezember 2011 Erw. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3.4 Im vorliegenden Fall wohnt der Rekurrent nur etwa 50 m östlich
des Grundstücks der Rekursgegnerin; die enge räumliche Beziehung
ist damit gegeben. Nach dem Schutzzonenplan der Gemeinde Z._
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 57/2019), Seite 5/9
liegen beide Grundstück zudem im Baumschutzgebiet. Dieser Schutz-
zonenplan stellt zwar keine Schutzverordnung im Sinn von Art. 99
Abs. 3 des Baugesetzes vom 6. Juni 1972 (nGS 8, 134; abgekürzt
BauG) dar. Vielmehr beruht dieser auf der Bestimmung von Art. 75bis
BauG, nach der die politischen Gemeinden auch beispielsweise in Zo-
nenplänen die Erhaltung bestehender Grünflächen und deren Bepflan-
zung anordnen konnten. Das ändert indessen nichts daran, dass auch
der vorliegende Schutzzonenplan – genauso wie eine Schutzverord-
nung – ausschliesslich öffentliche Interessen verfolgt und sich beide
Liegenschaften in seinem Schutzbereich befinden.
1.3.5 Die Rekursberechtigung ist folglich gegeben (Art. 45 VRP). Auf
den Rekurs ist einzutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1; ab-
gekürzt PBG) in Kraft getreten und das BauG aufgehoben worden
(Art. 172 Bst. a PBG). Die neuen Regelungen im PBG finden aller-
dings in der Regel auf Baugesuche erst dann Anwendung, wenn die
kommunalen Rahmennutzungspläne revidiert und in Kraft gesetzt
sind. Mithin sind – soweit vorliegend überhaupt relevant – weiterhin
das BauG und das entsprechende Baureglement anwendbar, mit Aus-
nahme der gemäss Anhang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche
Bestimmungen im PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Ju-
ristische Mitteilungen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärten
Bestimmungen.
3.
Der Rekurrent verlangt neben der Aufhebung der angefochtenen Fäll-
bewilligung sinngemäss auch, die Vorinstanz sei anzuweisen, eine Er-
satzpflanzung in Form eines mittelkronigen einheimischen Laubbaums
zu verfügen.
3.1 Eine solche Anweisung fiele nur dann in Betracht, wenn die
Vorinstanz im Rahmen der Bearbeitung des Fällgesuchs ein den
rechtlichen Gehörsansprüchen genügendes Bewilligungsverfahren
durchgeführt hätte und sich – neben ihm – auch allfällig weitere be-
troffene Dritte daran hätten beteiligen können (vgl. dazu Baudeparte-
ment SG, Juristische Mitteilungen 2018/IV/6 mit Hinweisen).
3.2 Wie sich aus den Vorakten ergibt, hat die Vorinstanz vor Ertei-
lung der angefochtenen Fällbewilligung kein Bewilligungsverfahren
durchgeführt. Zwar wurden vor Erteilung der Bewilligung vereinzelte
interne Verwaltungsstellen zum Fällgesuch angehört, ein Verfahren,
das es Dritten erlaubt hätte, ihre Rechte wahrzunehmen, fand indes-
sen nicht statt. Diesem Umstand mag möglicherweise die unzutref-
fende Ansicht zugrunde gelegen haben, Drittpersonen hätten keine
Berechtigung, sich im Rahmen von Fällgesuchen bezüglich der Art der
Ersatzpflanzung einzubringen (vgl. dazu oben Erw. 1.3.3 f.). Trotzdem
durfte die Vorinstanz nicht davon ausgehen, Interessen von Ein-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 57/2019), Seite 6/9
spracheberechtigten, zumindest wenn diese denselben Schutzbestim-
mungen unterliegen, würden vom Vorhaben nicht berührt. Hinzu
kommt, dass das Vorliegen eines hinreichenden öffentlichen Interes-
ses an der Erhaltung bestehender Grünflächen bereits unabdingbare
Voraussetzung für den Erlass des Schutzzonenplans gewesen war
(B. HEER, Materielles Baupolizeirecht II und Baubewilligungsverfah-
ren, in: Das Nachtragsgesetz zum st.gallischen Baugesetz, Veröffent-
lichungen des Schweizerischen Instituts für Verwaltungskurse an der
Hochschule St.Gallen, Neue Reihe Bd. 20, St.Gallen 1983, S. 213).
Denn nur bei ortsplanerisch bedeutenden Grünflächen rechtfertigt das
öffentliche Interesse an deren Erhaltung den aus der Unterschutzstel-
lung resultierenden Eigentumseingriff. Daraus ergibt sich, dass sowohl
das Fällen von Bäumen als auch die Art der Ersatzpflanzung in sol-
chen Schutzgebieten neben Interessen von privaten Einsprachebe-
rechtigten stets auch öffentliche Interessen berühren.
3.3 Nach der Rechtsprechung liegt in der Tatsache, dass ein Bau-
projekt oder wesentliche Änderungen nicht öffentlich aufgelegt und pu-
bliziert werden sowie in der Verletzung der Anzeige- und Mitteilungs-
pflicht gegenüber Betroffenen bei vereinfachten Baubewilligungsver-
fahren eine Verweigerung des rechtlichen Gehörs der Einsprachebe-
rechtigten. Eine Verfügung, die nicht hinreichend publiziert bzw. nicht
allen Parteien eröffnet wurde, ist deswegen aber nicht nichtig. Die
mangelhafte Eröffnung bzw. Publizierung und Anzeige darf die Ein-
sprache- und Rekursmöglichkeit des übergangenen Adressaten aber
auch nicht beeinträchtigen. Für den Übergangenen beginnt die Be-
schwerdefrist deshalb vorläufig nicht zu laufen, so dass die Verfügung
auch nicht in formelle Rechtskraft erwächst (hinkende Rechtskraft;
M. ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Ge-
hör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000,
S. 441 f.). Dritte, die – durch die Wahl des falschen oder wie vorliegend
mangels Durchführung eines Verfahrens – vom Einreichen einer Ein-
sprache abgehalten wurden, können aus diesem Grund die Wieder-
herstellung der Einsprachefrist verlangen oder Rechtsmittel ergreifen,
sobald sie vom Baugesuch bzw. der Baubewilligung Kenntnis erhalten
haben (Urteil des Bundesgerichtes 1C_478/2008 vom 28. August
2009 Erw. 2.4).
3.4 Der Rekurrent war somit berechtigt, gegen die Fällbewilligung
und die angeordnete Ersatzpflanzung Rekurs zu erheben, obwohl vor-
gängig kein Einspracheverfahren stattgefunden hatte. Nachdem an-
dere Einspracheberechtigte, die denselben Schutzbestimmungen un-
terliegen, bislang keine Kenntnis vom nachträglichen Fällgesuch bzw.
der angeordneten Ersatzpflanzung haben, fällt eine materielle Be-
handlung des Rekurses aber von vornherein nicht in Betracht. Die
Streitsache ist vielmehr zur Durchführung eines den rechtlichen
Gehörsansprüchen genügenden Bewilligungsverfahrens und zu neuer
Entscheidung an die Gemeinde Z._ zurückzuweisen.
3.5 Bezüglich der zu wählenden Verfahrensart ist dabei zu berück-
sichtigen, dass für Fällgesuche, auch wenn die dafür durchzuführende
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 57/2019), Seite 7/9
Verfahrensart in der st.gallischen Bauordnung nicht geregelt ist, nur
das ordentliche Baubewilligungsverfahren nach Art. 138 f. PBG in
Frage kommen kann. Das Baudepartement hat bereits wiederholt ent-
schieden, dass der Verzicht auf die öffentliche Auflage (beispielsweise
im vereinfachten Verfahren nach Art. 140 f. PBG) es erfordert, dass
den vom Bauvorhaben Betroffenen eben auf andere Weise das recht-
liche Gehör gewährt werden muss. Ein Vorhaben muss stets all jenen
Personen zur Anzeige gebracht und es muss all jenen eine Ein-
sprachefrist eröffnet werden, die auch zur Einsprache berechtigt sind
(Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2015/III/2 mit Hinwei-
sen). Nachdem vorliegend besondere Baumschutzvorschriften für ein
abgegrenztes, aber sehr grosses Gebiet statuiert sind, müssen alle im
Schutzbereich derselben Normen liegenden Grundeigentümer ihre In-
teressen wahrnehmen können; dafür eignet sich einzig das ordentliche
Baubewilligungsverfahren nach Art. 138 f. PBG.
3.6 Im Weiteren fällt auf, dass der angefochtene Entscheid vom
Y._ erlassen wurde. Nach Art. 65 Bst. b BauO obliegen grundsätz-
lich der X._ – unter Vorbehalt der Zuständigkeit des Y._ – die Be-
schlussfassung über Baugesuche. Dagegen fällt nach Art. 67 Abs. 1
Bst. d BauO nur die Beschlussfassung über bewilligungspflichtige
Sachverhalte, die von geringfügiger Bedeutung sind, in die Zuständig-
keit des Y._. Art. 67 Abs. 1 BauO kommt indessen nach seinem
ausdrücklichen Wortlaut ohnehin nur in Fällen zur Anwendung, in de-
nen keine wichtigen öffentlichen Interessen berührt sind und die
Rechtslage klar ist.
Wie sich aus dem oben Gesagten ergibt, sind bei Bau- oder Fällvor-
haben in Schutzgebieten – wie dem Vorliegenden – neben Interessen
von privaten Einspracheberechtigten stets auch öffentliche Interessen
berührt. Dass es sich dabei um wichtige öffentliche Interessen handelt,
ist selbstredend, andernfalls eine Unterschutzstellung der Grünflächen
gar nie hätte erfolgen können. Nachdem vorliegend zudem ein Anzei-
ger aufgetreten ist und darüber hinaus die Rechtslage auch nicht klar
sein konnte, weil kein Verfahren durchgeführt worden ist und damit
Interessen von weiteren Einspracheberechtigten nicht bekannt sind,
liegt zusammenfassend auch kein Anwendungsfall von Art. 67 BauO
vor. Folglich hätte der Entscheid über das Fällgesuch von der X._
und nicht vom Y._ getroffen werden müssen.
3.7 Hinzu kommt, dass die angefochtene Fällbewilligung vom Leiter
Bauaufsicht, nicht aber vom Dienststellenleiter des Y._ unterzeich-
net worden ist.
Die Vorinstanz beruft sich diesbezüglich auf Art. 26 des Geschäftsreg-
lements des Gemeinderates (GeschäftsR), wonach die Direktionen
und die Verwaltungsstellen befugt sind, Verfügungen zu erlassen, so-
weit die Erfüllung der ihnen zugewiesenen Aufgaben durch den Erlass
von Verfügungen geschieht. Der Dienststellenleiter des Y._ habe
die Zuständigkeit zur Erteilung von Fällbewilligungen im Rahmen sei-
ner "Unterschriftenregelung" vom 23. November 2018 an den Leiter
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 57/2019), Seite 8/9
Bauaufsicht delegiert. Das Y._ übersieht, dass die Zuständigkeit
des Y._ zur Erteilung einzelner Bewilligungen seine Grundlage nicht
in Art. 26 GeschäftsR, sondern in einer Spezialbestimmung, nämlich
Art. 67 BauO, hat. Selbst wenn also – was nicht der Fall ist – das Y._
für die Erteilung der Fällbewilligung zuständig gewesen wäre, hätte
ausschliesslich dessen Leiter die Fällbewilligung erteilen können. Hin-
gegen liegt es nicht in seiner Kompetenz, die ihm von der Bauordnung
zugeteilten Aufgaben intern weiter zu delegieren; hierfür wäre eine Än-
derung der Bauordnung erforderlich.
4.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass vor Erteilung der angefoch-
tenen Fällbewilligung kein dem Anspruch auf rechtliches Gehör genü-
gendes Verfahren durchgeführt worden ist und das Y._ für den Ent-
scheid über das Baumfällgesuch auch nicht zuständig war. Der
Beschluss des Y._ der Gemeinde Z._ vom 27. März 2019 ist
deshalb aufzuheben und die Streitsache zur Durchführung des
ordentlichen Baubewilligungsver-fahrens und zu neuer Entscheidung
an die X._ der Gemeinde Z._ zurückzuweisen. Der Rekurs er-
weist sich damit als begründet und ist im Sinn der Erwägungen gutzu-
heissen.
5.
5.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 10.01 des Ge-
bührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung, sGS 821.5).
In Anbetracht der festgestellten, erheblichen Verfahrensfehler sind die
amtlichen Kosten nicht der Rekursgegnerin, sondern der Politischen
Gemeinde Z._ zu überbinden. Auf deren Erhebung wird jedoch
verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP).
5.2 Der vom Rekurrenten am 28. Mai 2019 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– wird zurückerstattet.
6.
Der Rekurrent stellt ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen Kos-
ten.
6.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272; abgekürzt ZPO) finden sachgemäss An-
wendung (Art. 98ter VRP).
6.2 Nicht anwaltlich vertretene Verfahrensbeteiligte haben grund-
sätzlich mangels eines besonderen Aufwands keinen Anspruch auf
eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98ter VRP in Verbindung mit
Art. 95 Abs. 3 Bst. c ZPO; vgl. dazu und zum Folgenden: VerwGE
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 57/2019), Seite 9/9
B 2013/178 vom 12. Februar 2014 Erw. 4.3 ff., zusammengefasst in:
Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2014/I/6). Dass ihnen
gleichwohl ersatzfähige Kosten für Umtriebe erwachsen, ist unge-
wöhnlich und bedarf deshalb einer besonderen Begründung. Eine Um-
triebsentschädigung erfolgt somit nur ausnahmsweise, insbesondere
wenn es sich um eine komplizierte Sache mit hohem Streitwert han-
delt, wenn der getätigte Aufwand erheblich ist und zwischen dem be-
trieblichen Aufwand und dem Ergebnis der Interessenwahrung ein ver-
nünftiges Verhältnis besteht. Nicht anwaltlich vertretenen Personen
spricht das Baudepartement lediglich eine Umtriebsentschädigung
ohne Bezugnahme auf den Anwalts- oder einen anderen Branchentarif
zu, und zwar praxisgemäss in der Höhe von Fr. 300.– bis Fr. 500.–
(vgl. auch hierzu VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 Erw. 5,
insbesondere Erw. 5.1 mit Hinweisen). Nachdem vorliegend keine Be-
gründung vorliegt, weshalb eine Umtriebsentschädigung zugespro-
chen werden soll, ist das Begehren des Rekurrenten abzuweisen.