Decision ID: 380afa7d-ce79-4384-8502-eb50c34f301e
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967,
Mutter von zwei Kindern (Jahrgang 1990 und
1998), erlitt am 5. Dezember 200
2 einen Unfall - einen Sturz aus 8 m Höhe
(vgl.
Urk.
8/26 S. 2 Mitte) - und
meldete sich am 16. April 2004 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/6
Ziff.
3.1, 7.1 und 7.3
). Die
Sozi
alversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom 10. Februar 2005 (
Urk.
8/44) und
Einspracheentscheid
vom 1
2.
Juli 2005 (
Urk.
8/57) von Dezember 2003 bis Januar 2004 eine ganze und vom 1. bis 28. Februar 2004 eine halbe Rente zu. Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 16. März 2006 im Verfahren Nr. IV.2005.00976 (
Urk.
8/75) und vom Bun
desgericht mit Urteil vom 25. Mai 2007 (
Urk.
8/120) bestätigt.
1.2
Nach erneuter Anmeldung vom 3. Juni 2008 (
Urk.
8/137)
sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügungen vom 9. Juli 2009 von Mai bis Oktober 2008 eine ganze Rente und ab November 2008 eine halbe Rente zu (
Urk.
8/190;
vgl.
Urk.
8/182).
Nach einem im November 2009 eingeleiteten Revisionsverfahren (
Urk.
8/207) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung
en
vom 20. Dezember 2011
ab Dezember 2009 eine
Dreiviertelsrente
und ab Mai 2010 eine ganze Rente zu (
Urk.
8/287; vgl.
Urk.
8/271).
1.3
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom 31. Januar 201
3
(
Urk.
8/335) holte die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 16. Juli 2017 (richtig: 2014) erstattet wurde (
Urk.
8/372). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/378-379) stellte die IV-Stelle die bisher zugesprochene Rente mit Verfü
gung vom 19. November 2014 ein (
Urk.
8/382 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
2.
Januar 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. November 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 11. Februar 2015 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführerin reichte weitere Arztberichte (
Urk.
10/1-2,
Urk.
13/1-6) ein, die der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht wurden (
Urk.
11,
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust
2003 E. 2.2.3).
1.3
Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Ar
beitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechts
konformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesge
richts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus,
ab Juli 2012 habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verbessert und es sei ihr aus medizinischer Sicht sowohl eine angepasste Tätigkeit mit wechselbelastenden leichten Tätigkeiten unter Meidung von langem Stehen und häufigen stereotypen Kniebelastungen unter Beugung wie auch ihre ursprüngli
che Tätigkeit als Kosmetikerin, Empfangsdame und
Datatypistin
zu 100
%
zu
mutbar (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), sie
leide noch immer an gesundheitlichen Beschwerden, die auf den Unfall
im Dezember 2002
zurückgingen. Sie sei von 2002
bis 2012 insgesamt elf Mal operiert worden und nichts habe sich seither verbessert. Seit der letzten Opera
tion hätten sich erneut lose Knochensplitter angesammelt, die bereits zweimal operativ entfernt worden seien, eventuell sei noch eine weitere Operation nötig (S. 1). Die Annahme, ihr Gesundheitszustand habe sich seit der Arthroskopie am 13. April 2012 verbessert, treffe überhaupt nicht zu; sie leide noch immer an Beschwerden, die behandlungsbedürftig seien (S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die von der Beschwerdegegnerin angenommene Verbesserung des Gesundheitszustandes
rechtsgenüglich
ausgewiesen ist. Der Vergleichsmassstab dafür ist der medizinische Sachverhalt, welcher der
Renten
zusprache
im
Dezember 2011 zugrunde lag.
3.
3.1
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Neurologie, nannte in seinem Bericht vom 4. Februar 2010 (
Urk.
8/215) über die gleichentags erfolgte Untersuchung als Diagnosen ein
leichtgradiges
dynamisches Karpaltunnelsyndrom rechts mit neurografischem Grenzbefund und einen Verdacht auf ein
leichtgradiges
sen
sibles
Sulcus
ulnaris
-Reizsyndrom rechts, neurografisch mittels
Oberflä
chenelektroden
nicht untermauerbar.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates
, führte in einem Schreiben vom 24. März 2010 (
Urk.
8/217/2-3) aus, die Beschwerdeführerin stehe seit längerem wegen der Folgen einer
Mehretagenfemurfraktur
links und neuerdings wegen einer media
len Gonarthrose links in seiner Behandlung.
Nachdem sich die
Kniegelenksbe
schwerden
in den letzten Monaten durch physiotherapeutische Behandlungen kaum hätten beeinflussen lassen, habe er ihr die Versorgung
mit
einer Total
prothese (TP) empfehlen müssen.
Der genannte Eingriff fand am 14. Mai 2010 statt (
Urk.
8/223).
3.3
In seinem Bericht vom 13. September 2010 (
Urk.
8/232/6-10) nannte
Dr.
Z._
folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
Status nach Knie-TP links am 14. Mai 2010
Status nach
Mehretagenfemurfraktur
links mit Osteosynthese und mehre
ren Folgeeingriffen
schmerzhafte
Muskelfaszienlücke
linker Oberschenkel
Insgesamt bestehe ein sehr langsam fortschreitender, aber doch erfreulicher Ver
lauf (
Ziff.
3.3).
3.4
In seinem Bericht vom 10. Juni 2011 (
Urk.
8/249
=
Urk.
8/251/1-2 =
Urk.
8/259/2-3
) erwähnte
Dr.
Z._
zunehmende Schmerzen und
Funktions
einschränkung
des linken Beines bei einem Status nach komplexer
Femurfrak
tur
, nach multiplen Voreingriffen, letztmals einer Knie-TP links am 14. Mai 2010 wegen sekundärer Gonarthrose (S. 1 oben). Insgesamt müsse festgestellt werden, dass sich die subjektive Situation und Einschränkung auf Erwerbstätig
keit und Alltagsleben
der Patientin
seit der Kniegelenksoperation vom Mai 2010 verschlechtert habe; er habe sie seither regelmässig zu 100
%
arbeitsunfähig er
klären müssen (S. 1 unten). Aufgrund des bisherigen Verlaufs und der neusten Situation sei mit einer Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit irgendwelcher Art und auch in niedrigprozentiger Beschäftigung nicht zu rechnen (S. 2 oben).
3.5
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nahm am 9. September 2011 Stellung (
Urk.
8/262 S. 8 f.). Er empfahl, abge
stützt auf die fachärztlichen Berichte von
Dr.
Z._
von einem ab September 2009 verschlechterten, dauerhaft arbeitsunfähigkeitsrelevanten Gesundheitszu
stand auszugehen, mithin von einer Arbeitsunfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit von 60
%
ab September 2009 und von 100
%
ab Februar 2010, dies mit einer medizinischen Neubeurteilung in zirka einem Jahr (S. 8 unten). We
sentliche
arbeitsfähigkeitsrelevante Veränderungen im Gesundheitszustand seien prognostisch kurzfristig nicht zu erwarten (S. 9 oben).
4.
4.1
In seinem Bericht vom 1
2.
Februar 2013 (
Urk.
8/335/3
=
Urk.
8/340/3 =
8/341/3
) führte
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2) aus, er behandle die Beschwerde
führerin seit Mai 2007 mit Konsultationen alle 4
-
6 Wochen (
Ziff.
5.1); er sehe keine Möglichkeit für eine Erwerbstätigkeit, die Patientin sei schon mit ihrem 1-Personen-Haushalt überfordert (
Ziff.
5.5).
4.2
Mit
am 9. April 2013 eingegangenem
Bericht (
Urk.
8/339/1-4
) führte
Dr.
med.
B._
, Praktischer Arzt, aus, er behandle die Beschwerde
führerin seit dem 8. April 2011 (
Ziff.
1.2). Er nannte folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Status nach Knie-TP links 2010
Exostosenabtragung
Tibia medial am 21. Oktober 2011
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
costovertebrale
Dysfunktion rechts
Trietze
Syndrom rechtsbetont
Status nach
manualtherapeutischer
Mobilisation am 28. Februar 2012
Er berichtete über zwei stationäre Behandlungen (
Ziff.
1.3), nämlich vom 21. bis 24. Oktober 2011 (
Exostosenabtragung
Tibiakopf
; vgl.
Urk.
8/339/5-6) und vom 13. bis 16. April 2012 (Arthroskopie und
Synovektomie
bei liegender TP Knie links; vgl.
Urk.
8/339/7-8).
Die Arbeitsunfähigkeit bezifferte er - mit dem Hinweis „siehe Bericht Spezial
arzt“ - mit 100
%
(
Ziff.
1.6).
4.3
Im späteren Gutachten (nachstehend E. 4.4) erwähnt ist eine spezialärztliche Bestätigung von
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2) vom 8. Mai 2014, wonach die Versicherte für irgendeine berufliche Tätigkeit als nicht mehr einsatzfähig be
trachtet werden müsse (
Urk.
8/372 S. 58 unten).
4.4
Am 16. Juli 2017 (richtig: 2014) erstatteten die Ärzte des
C._
ein Gutachten im Auftrag der
Beschwerde
gegnerin
(
Urk.
8/372). Sie stützen sich auf die ihnen überlassenen (S. 3 ff.) und weitere (S. 19 ff.) Akten, die Angaben der Beschwerdeführerin (S. 24 ff.) und die von ihnen im Rahmen der ambulanten Untersuchungen vom 16. bis 19. Juni 2014 (S. 1) erhobenen Befunde (S. 28 ff.).
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Ar
-
beitsfähig
keit
(S. 53
Ziff.
7):
chronisches Schmerzsyndrom linkes Knie mit
periartikulären
Tendinosen
und
Insertionstendinosen
bei
Status nach zementierter
condylärer
Knie-TP Mai 2010
Status nach medialer
Meniskektomie
2008
Status nach
Exostosenabtragung
an der Tibia medial 21. Oktober 2011
Status nach
Arthroskopie, partieller
Synovektomie
,
Gelenksmobilisa
tion
am 13. April 2012 bei
Synovialhyperplasien
und
Bewegungsein
schränkung
diskret
umschriebener Gefühlsstörung im Bereich von sensiblen
Haut
ästen
im Operationsgebiet am Knie links lateral
chronisches Schmerzsyndrom linke Hüfte mit
myatropher
Hyperalgesie
subtrochantär
links bei
Status nach Mehretagenfraktur
Femur
links Dezember 2002,
Osteo
-
syn
these
Status nach
Reosteosynthese
bei
Pseudoarthrosenbildung
pertrochan
tär
und
diasphysär
Mai 2003
Status nach
pertrochantärer
Torsionskorrektur mit
Winkelplat
-
tenosteo
synthese
und
Distalisierung
der Trochanter
major
13. Juli 2007
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4)
Im Rahmen der Beschreibung der aktuellen medizinischen Problematik führten die Gutachter aus, im Vordergrund der Symptomatik würden Schmerzen im Bereich des rechten (richtig: linken) Kniegelenks bezeichnet. Bei der Untersu
chung ergebe sich ein reizloses Kniegelenk mit regulärem Bewegungsausmass bei Gelenkstabilität in allen Beugegraden; als schmerzerzeugend werde eine Sehnenbewegung, palpabel am medialen Gelenkspalt unter Bewegung des Knie
gelenks, gezeigt (S. 54 unten).
Nach objektiven Kriterien handle es sich um einen guten Zustand nach
endopro
thetischer
Versorgung des rechten (richtig: linken) Kniegelenkes mit
geringgradigen
Reizerscheinungen im Bereich der Sehnen am medialen Ge
lenkspalt. Zudem werde am lateralen Gelenkspalt im Bereich des
Tuberculum
Gerdy
eine
Insertionstendinose
des
Tractus
iliotibialis
deutlich. Die
Funktions
beeinträchtigung
am linken Kniegelenk werde als gering eingestuft (
S
. 55 oben).
Als weiterer Symptomenkomplex würden Beschwerden an der Aussenseite der linken Hüfte geäussert. Die Funktionseinschränkung im Bereich der linken Hüfte - wie auch diejenige durch eine fragliche Muskelhernie an der
Ventral
seite
des linken Oberschenkenkels - werde als gering eingestuft (S. 55 Mitte).
Weiter erwähnten die Gutachter sporadisch auftretende Symptome parasternal, an der linken Schulter und in der Schulter-Nackenregion und eine nicht als wesentlich beurteilte Funktionseinschränkung
-
Dupuytren’sche
Kontraktur des vierten und geringer ausgeprägt auch des fünften Strahls -
der rechten Hand
(S. 55 unten).
In psychiatrischer Hinsicht wurde ausgeführt, der Unfall von 2002 habe sich im Rahmen eines Partnerschaftskonflikts ereignet. Der damalige Partner habe
die Beschwerdeführerin
anschliessend auch offensichtlich im postoperativen Ver
lauf unterstützt und leiste ihr bis heute wesentliche Hilfsdienste. Die jetzt ge
klagten Beschwerden sowie der bisherige Verlauf seien kompatibel mit einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung. Wie für dieses Krankheitsbild ty
pisch sehe die Beschwerdeführerin persönlich keinen entsprechenden
intrapsy
chischen
Konflikt, sie habe jedoch sicher einen psychosozialen
Krankheitsge
winn
durch die fortbestehende Fürsorge und Zuwendung des jetzt distanzierter zu ihr lebenden Partners (S. 56 Mitte).
Der Lebensinhalt der Versicherten sei heute die Auseinandersetzung mit ihren Schmerzsymptomen und vor allen Din
gen mit immer wieder herbeigeführten operativen Eingriffen. Aktuell lasse sich nicht schlüssig nachweisen, ob ihr von operativen Eingriffen abgeraten worden sei, wie dies bei einem entsprechenden Beschwerdebild wünschbar gewesen wäre
. Weitere soziale Bezüge würden von ihr nicht gepflegt. Es finde sich somit eine inhaltliche Einengung auf die jetzt dominante Beschwerdesymptomatik. In Anbetracht des jetzt nun schon mehr als zehn Jahre dauernden
Krankheitspro
zesses
und nicht
eruierbare
r
Integrationsversuche in den Arbeitsprozess sei bei gleichzeitig vorhandenem primäre
m
Krankheitsgewinn von einer erheblichen
Chronifizierung
auszugehen
(S. 57 oben).
Zur Arbeitsfähigkeit führten sie aus, die Tätigkeit als Kosmetikerin und als Emp
fangsdame sowie
Datatypistin
könne vollschichtig geleistet werden; diese Beurteilung gelte ab Mitte 2012 (S. 57
Ziff.
10).
Die Prognose sei aus rein somatischer Sicht günstig, aber aufgrund des bisheri
gen ausgeprägten
chronifizierenden
Verlaufs dennoch unsicher. Die Wiederein
gliederung bedürfe einer Führung und Begleitung mit psychiatrisch-psycho
logischem Sachverstand; sie erscheine ihnen jedoch bei schrittweisem und ge
duldigem Vorgehen machbar (S. 58
Ziff.
13).
Seit der letzten Rentenverfügung vom 20. November
(richtig: Dezember)
2011 sei eine
Verbesserung eingetreten. Es seien zwischenzeitlich eine
Exostosenab
tragung
(21. Oktober 2011) und eine Arthroskopie (13. April 2012) durchgeführt worden. Offensichtlich habe zum Zeitpunkt der Arthroskopie eine
Bewegungs
einschränkung
des Kniegelenks bestanden, die aktuell nicht (mehr) feststellbar sei (S. 59
Ziff.
15.1).
Zur Stellungnahme von
Dr.
Z._
(vorstehend E. 4.3) führten die Gutachter aus, sie sei nicht begründet und für sie in keiner Weise verständlich und nachvoll
ziehbar (S. 58 f.)
4.5
Am 2
9.
Dezember 2014 nahm
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2) zum
C._
-Gutach
ten (vorstehend E. 4.4) Stellung (
Urk.
6/1). Er wies darauf hin, dass (auch) auf Seite 37
des
Gutachtens das rechte statt das linke Kniegelenk genannt wird und auf Seite 40 eine zementierte Hüft-
statt
Knie
-
E
ndoprothetik
(S. 1 Mitte).
Die Beschwerdesituation
sei - entgegen der im Gutachten postulierten Verbesse
rung - nach dem Eingriff vom 1
3.
April 2012 in keiner Art und Weise besser gewesen, so dass er in Übereinstimmung mit
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.2) weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert habe (S. 1). Die zahlrei
chen Eingriffe am Kniegelenk und am Oberschenkel führten zwangsläufig zu anhaltenden Beschwerden seitens der
periartikulären
Weichteile, die dadurch ja immer verletzt worden seien, wenngleich die rein funktionellen
Beweglichkeiten
der beteiligten Gelenke objektiv gut erschienen (S. 1 unten).
Zur laut Gutachten günstigen Prognose führte er aus, die Situation sei absolut fixiert und nach dieser langdauernden Vorgeschichte mit multiplen operativen Eingriffen sei keine Verbesserung zu erwarten, genau so wenig wie eine Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit gegenüber der bisherigen langjährigen Arbeits
unfähigkeit (S. 2 oben).
Die von der Patientin angegebenen Schmerzen würden im Gutachten akzeptiert und
Aggravierungstendenzen
verneint. Damit sehe er wesentliche Einschrän
kungen im persönlichen Alltag und für eine Berufsausübung
als
bestätigt
. Die Patientin könne nicht nur nicht lange stehen und gehen, auch längeres Sitzen sei ihr nicht möglich (S. 2 Mitte).
Er sei nach wie vor der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin im allgemeinen Arbeitsmarkt, unter Beachtung der Schmerzsituation mit sicher gehäuften Aus
fällen, keine Chance für eine feste und längerdauernde Anstellung habe (S. 2 unten).
4.6
Am 1
7.
Februar 2015 meldete
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Orthopädi
sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, die Beschwerde
führerin für einen Prothesenwechsel an und führte aus, die bildgebende Unter
suchung (vgl.
Urk.
10/1) habe einen dringenden Verdacht auf eine
Tibialocke
rung
ergeben (
Urk.
10/2).
4.7
Am 1
7.
März 2015 berichtete
Dr.
med.
E._
, Oberarzt Orthopädie, Klinik
F._
, über die gleichentags erfolgte Konsultation (
Urk.
13/2) und führte aus, die Patientin beschreibe hauptsächlich Belastungsschmerzen, ohne dass sie deswegen aber regelmässig zu - in Reserve gehaltenen - Schmerzmit
teln greife; sie sei aber in ihrer Lebensqualität deutlich durch die
schmerzbe
dingte
Belastbarkeit und Gehleistung eingeschränkt
(
S. 1 unten).
Nach entsprechenden Abklärungen führte
Dr.
E._
am 3
1.
März 2015 aus, grundsätzlich dürfte sich aus der Summe kleiner Abweichungen und damit me
chanisch suboptimaler Kniegelenksführung die Hauptproblematik, was die Schmerzen anbelange, ergeben. Grundsätzlich komme als Behandlungsansatz nur ein kompletter Prothesenwechsel in Frage (
Urk.
13/4).
Am
9.
April 2015 fand die Besprechung zur Operationsaufklärung statt (
Urk.
13/5) und es wurde der
6.
Juli 2015 als Operationstermin in Aussicht ge
nommen (vgl.
Urk.
13/1).
5.
5.1
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sach
zusammenhang ste
hen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
In analoger Weise ist vorliegend angezeigt, auch auf ärztliche Berichte, die nach Erstattung des Gutachtens ergangen sind (vorstehend E. 4.5-7), soweit einzuge
hen, als sie für das Verständnis von Bedeutung sein können.
5.2
Vorab ist festzuhalten, dass an den von
Dr.
Z._
genannten Stellen im
C._
-
Gutachten tatsächlich vom rechten statt vo
m linken Knie die Rede ist;
insge
samt findet sich
die entsprechende Verwechslung auf den Seiten 32, 37, 54 und 5
5.
Dazwischen wird jedoch auch immer wieder (richtig) auf das linke Knie Be
zug genommen, womit sich aus dem Zusammenhang klar ergibt, dass die Gut
achter sich effektiv
auf das
linke und nicht
das
rechte Knie
zu beziehen mein
ten
.
Auch die Bezugnahme auf eine zementierte Hüft-
Endoprothetik
auf Seite 40 erfolgt
e
offensichtlich versehentlich; gemeint war die Knie-TP.
5.3
Aus i
nhaltlich
er
Sicht ist zum
C._
-Gutachten ebenfalls vorab
(da nicht
ergebnis
relevant
)
anzumerken, dass
die psychiatrische Diagnosestellung nicht
ohne weiteres nachvollziehbar erscheint. Wohl wurde die Codierung nach ICD-10 (F45.4) genannt, nicht aber dargelegt, inwiefern die dort vorgesehenen di
agnostischen Kriterien erfüllt seien.
Insbesondere wurde mit keinem Wort da
rauf eingegangen, ob überhaupt eine Schmerzproblematik vorliege, die keine hinreichende Erklärung aus somatischer Sicht finde und deshalb als
somatoform
zu werten wäre.
Die einzige Begründung für die gestellte Diagnose - ausser der Formulierung, sie sei mit den geklagten Beschwerden und dem bisherigen Ver
lauf kompatibel - nahm (auf Seite 56) Bezug auf
einen als psychosozial be
zeichneten Krankheitsgewinn durch fortgesetzte Zuwendung. Ein solcher ist auch als
sekundärer Krankheitsgewinn bekannt, womit
schlecht vereinbar ist
, dass kurz darauf (auf Seite 57) von einem primären Krankheitsgewinn gespro
chen wurde.
Umgekehrt wurde (auf Seite 56) zwar ausgeführt, dass der Beschwerdeführerin die Einsicht in einen entsprechenden intrapsychischen Konflikt fehle, sei für die gestellte Diagnose typisch. Nicht dargelegt wurde jedoch, worin nach Einschät
zung der Gutachter ein solcher bestehen könnte.
Schliesslich
wurde, indem von
„
immer wieder
herbeigeführten operativen Eingrif
fen“
gesprochen wurde
(auf Seite 57)
,
suggeriert,
die zahlreichen Operati
onen hätten
nachgerade auf
Drängen der Beschwerdeführerin
stattgefunden
. Dies erscheint wenig adäquat.
Für die Knie-TP insbesondere ist aktenkundig, dass sie fachärztlich empfohlen wurde (vorstehend E. 3.2), was auch im Gut
achten (kurz) erwähnt wurde (S. 15 unten). Auch mit dem - nach Erstellung des Gutachtens in Aussicht genommenen - Prothesenwechsel
(E. 4.7)
wird
keine von der Beschwerdeführerin ‚herbeigeführte‘ Operation statt
finden
, sondern wird die entsprechende fachärztliche Empfehlung (vorstehend E. 4.
6) umgesetzt
werden
.
Insgesamt ist festzuhalten, dass im Gutachten aus psychiatrischer Sicht wer
tende Akzente gesetzt wurden, die nicht zu überzeugen vermögen, so dass an
gesichts der auch betreffend Diagnosestellung
dargeleg
ten Vorbehalte
das Gut
achten in dieser Hinsicht wenig anschlussfähig erscheint.
5.4
Die
Rentenzusprache
im Dezember 2011 stützte sich auf die Beurteilung durch den damals behandelnden Orthopäden, der im Juni 2011 - nach im Mai 2010 implantierter Knie-TP und früheren Eingriffen wegen einer 2002 erlittenen
Femurfraktur
- über zunehmende Schmerzen und eine zunehmende
Funktions
einschränkung
des linken Beines
der Beschwerdeführ
erin
berichtete und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierte (vorstehend E. 3.4). Der RAD-Arzt, ebenfalls Orthopäde, schloss sich im September 2011 dieser Beurteilung an (vorstehend E. 3.5).
5.5
Die
C._
-Gutachter gelangten im Juli 2014 (vorstehend E. 4.4) zum Schluss, es bestehe für angepasste wie auch die früher ausgeübten Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit. Sie sprachen von einem guten Zustand nach
endoprothetischer
Versorgung des linken Kniegelenks und nur geringer Funktionseinschränkung desselben; analog bewerteten sie die Funktionseinschränkung im Bereich der linken Hüfte und des linken Oberschenkels.
Die Prognose erachteten sie als aus somatischer Sicht günstig, wenn auch wegen des bisherigen
chronifizierenden
Verlaufs unsicher, wobei sie diesen sinngemäss mit dem von ihnen postulierten
maladaptiven Verhalten der Beschwerdeführerin
im Sinne
eine
s
- einmal als psychosozial, einmal als primär bezeichneten - Krankheitsgewinn
s
begründeten.
Dass eine Verbesserung eingetreten sei, begründeten sie damit, dass
zwi
-
schenzeit
lich
eine
Exostosenabtragung
(Oktober 2011)
und eine Arthrosko
pie
(April 2012)
stattgefunden hätten und eine damals berichtete
Bewegungs
einschränkung
des Kniegelenks aktuell nicht mehr feststellbar sei.
Es ist nicht nachvollziehbar, einen verbesserten Gesundheitszustand nur schon deshalb anzunehmen, weil bestimmte Eingriffe vorgenommen wurden. Es ist im Gegenteil davon auszugehen, dass die Eingriffe gerade deshalb erfolgten, weil der Gesundheitszustand nach wie vor - gemäss medizinischer Beurteilung - un
befriedigend und behandlungsbedürftig war. Denkbar ist lediglich, dass sich der Gesundheitszustand
daran anschliessend
und wegen der
genannten Eingriffe verbesserte
. Dass dies der Fall gewesen sei, wurde im Gutachten jedoch höchs
tens implizit zum Ausdruck gebracht, wobei lediglich die Gelenkbeweglichkeit angesprochen wurde, nicht aber die Frage der Beschwerdepersistenz und der Schmerzsituation.
Die Eingriffe im Oktober 2011 und im April 2012 führten jedoch entgegen der impliziten Annahme im
C._
-Gutachten nicht zu einer Verbesserung. Der bis dahin behandelnde Orthopäde beurteilte die Situation als nach dem Eingriff vom April 2012 keineswegs verbessert (vorstehend E. 4.5), u
nd der Umstand, dass im Februar/
März 2015 von zwei bisher nicht involvierten Orthopäden ein Prothesenwechsel
als einzige Option erachtet wurde (vorstehend E. 4.6 und 4.7) belegt eindrücklich, dass bis zu diesem Zeitpunkt keine Verbesserung des Ge
sundheitszustandes eingetreten ist, womit dieser auch im Zeitpunkt der Begut
achtung (Juni 2014) nicht verbessert gewesen sein konnte; dies im Übrigen ge
mäss ärztlicher Beurteilung klarerweise aus somatischen Gründen.
5.6
Die Annahme der
C._
-Gutachter, im Vergleich zu 2011 habe sich der Gesund
heitszustand verbessert, vermag aus den dargelegten Gründen nicht zu überzeu
gen. Vielmehr ist der medizinische Sachverhalt dahingehend erstellt, dass im strittigen Zeitpunkt bezüglich des linken Beins weiterhin die gleiche Schmerz-
und Belastungsproblematik bestand wie beim Erlass
der Verfügung vom De
z
ember 201
1.
Damit handelt es sich bei der im
C._
-Gutachten postulierten vollen Arbeitsfähig
keit um die (sehr) unterschiedlich
e
Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustands, was kei
nen
rechtsgenüglichen
Revisionsgrund darstellt (vorstehend E. 1.3).
5.7
Somit erweist sich die Aufhebung der im Dezember 2011 zugesprochenen Rente - unabhängig von der Frage, ob die damalige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zutreffend gewesen sei - in Ermangelung eines Revisionsgrundes als unzulässig.
Die angefochtene Verfügung ist mithin, in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde, aufzuheben, womit die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gericht
erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
9.
November 2014 mit der Feststellung aufgehoben, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.