Decision ID: 6ca4c9b3-a1fa-44fa-b087-c9b21b2344e2
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1981 geborene
X._
, seit
2005 bei der
Y._
i
m Verkauf tätig (Urk. 10/14), zog sich am
1
1.
Juli 2010 als Mitfahrer
bei einem Autounfall in Kroatien
eine Brustwirbelkörper
(BWK)-12-Fraktur und ein Schädel-Hirn-Trau
ma mit
commotio
cerebri zu (Unfallmeldung vom 1
2.
Juli 2010,
Urk.
10/6/6). Nachdem die Fraktur in der
Z._
gleichentags
operativ ver
sorgt worden war (
Urk.
10/6/15
),
wurde
X._
zur weiteren medizi
ni
schen Versorgung ins
A._
überführt, wo er vom
17.
bis zum 2
9.
Juli 2010
behandelt wurde
(
Urk.
10/6/13
). Diesem Aufenthalt folgten statio
näre Rehabilitationsaufenthalte in d
er
B._
(vom 29.
Juli bi
s zum
2
6.
Oktober
2010,
Urk.
10/9
,
und vom 14. Februar bis zum 12.
Mai
2011
,
Urk.
10/
19
) sowie
verschiedene
weitere
Hospitalisationen
. Am 14.
September 2010 meldete sich
X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf das Unfallereignis zum Bezug von Ver
siche
rungsleistungen an (
Urk.
10/1).
Die IV-Stelle zog in der Folge die Unfallakten
von der Basler Versicherung AG
bei, holte
einen Arbeitgeberbericht (Urk.
10/14) ein und liess einen IK-Auszug erstellen (
Urk.
10/7). Mit Mitteilung vom
5.
August 2013 erteilte sie Kostengutsprache für ein vom 1
9.
August bis zum 1
5.
November 2013 dauerndes Belastbarkeitstraining (
Urk.
10/44). Dieses wurde vorzeitig per 2
5.
Oktober 2013 abgebrochen (Mitteilung vom 1
1.
November 2013,
Urk.
10/58) und die Rentenprüfung eingeleitet. Nach Eingang diverser weiterer medizinischer Unterlag
en
gewährte die IV-Stelle
gestützt auf eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
in angepasster Tätigkeit (
Urk.
10/98
, 10/142/5
)
am 11.
Februar 2015
erneut
Integra
tions
massnahmen
(Belastbarkeitstraining vom 2.
März bis zum 3
0.
Mai 2015
,
Urk.
10/96
)
.
Da deren Ziele nicht hatten erreicht werden können
(
Urk.
10/113)
, wurde
n
die
Massnahmen mit Mitteilung vom 5.
Juni 2015 abgeschlossen (
Urk.
10/114). Hierauf aktualisierte die IV-Stelle die medizinische Aktenlage
, wo
bei ihr insbesondere das vom Unfallversicherer bei der
C._
in Auftrag gegebene und
im November 2017
erstellte Gutachten
zuging (Expertise vom 1
0.
April 2018,
Urk.
10/139).
Abge
stützt hierauf sprach sie
X._
nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(Vorbescheid
vom 1
3.
Juni 2018,
Urk.
10/144;
Einwand vom 2
8.
Septem
ber 2018,
Urk.
10/153) mit Verfügung vom 2
0.
Februar 2019 eine von
1.
Juli 2011
bis 3
0.
November 2012 befris
tete ganze Rente zu
; einen
darüberhinausgehenden
Rentenanspruch verneinte sie
(
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am 2
8.
März 2019 Beschwerde erheben und bean
tragen,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und er sei durch das Gericht neurochirurgisch sowie psychiatrisch abzuklären. Eventualiter sei die Sache an
die Beschwerdegegnerin zur Vervollständigung der Abklärungen zurückzu
wei
sen
. Es sei ihm eine Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Mai 2019 (
Urk.
9) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwer
de
, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
7.
Mai 2019 angezeigt wurde (
Urk.
11). Mit Eingabe vom 1
9.
Juni 2019 (
Urk.
12) legte der Beschwerdeführer das von
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie, verfasste Gutachten vom 2
6.
April 2019 (
Urk.
13) auf, was der Be
schwerdegegnerin mit Verfügung vom 2
5.
Juni 2019 (
Urk.
14) zur Kenntnis gebracht wurde. Mit Eingabe vom 3
1.
Juli 2019 (
Urk.
15) nahm die Beschwer
de
gegnerin dazu Stellung, welche dem Beschwerdeführer mit Brief vom
6.
August 2019 (
Urk.
16) zugestellt wurde. Am 2
2.
August 2019 (
Urk.
17) äusserte sich der Beschwerdeführer zur Stellungnahme der Besch
werdegegnerin vom 3
1.
Juli 2019, was Letzterer am 2
3.
Augst 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
18). Schliesslich legte der Beschwerdeführer (Posteingang am
4.
Februar 2020
,
Urk.
19
) den Nachweis vom 2
9.
März 2019 über die von ihm erbrachte Freiwi
lligenarbeit (Urk.
20) auf und
erkundigte sich am 2
2.
Oktober
(
Urk.
21)
sowie am
2
0.
November 2020 (
Urk.
22)
na
ch dem Verfahrensstand
.
3.
Mit Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich im Verfahren UV.2020.00021 wurde heute die Beschwerde des Beschwerdeführers gegen den
Einspracheentscheid
der Basler Versicherung AG vom 1
7.
Dezember 2019, womit sie die mit Verfügung vom 2
4.
Oktober 2018
ab
1.
Mai 2018
zugesprochene Rente bei einem Invaliditätsgrad
von 29
%
bestätigte, abgewiesen
und
der angefochtene Entscheid
im Sinne einer
reformatio
in
peius
insoweit abgeändert, als
festgestellt
wurde
, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Mai 2018 Anspruch auf eine Rente der Unfallversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 21
%
hat.
4.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge
gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den
obgenannten Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer
Spezialärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzu
er
kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom 11. Juni 2019 E. 2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid
dafür
, gemäss
der
im Jahr 2012 in der
E._
durchgeführten
Begutachtung
sei
dem Be
schwerdeführer
eine optimal angepasste Tätigkeit zumutbar gewesen, weshalb berufliche Massnahmen eingeleitet worden seien. Nach Abbruch derselben und Aktualisierung der Akten sei davon auszugehen gewesen, dass
ihm
eine ange
passte Tätigkeit mit einem Pensum von 70
%
zumutbar
gewesen
sei. Gestützt hierauf seien die beruflichen Massnahmen wieder aufgenommen worden, hätten
indes mit Mitteilung vom
5.
Juni 2015 erneut beendet werden müssen. Nachdem dem Versicherten die bisherige Tätigkeit nicht mehr möglich, seit November 2012 eine angepasste Arbeit indes zu 70
%
zumutbar sei, bestehe ab Juli 2011 bis November 2012 Anspruch auf eine ganze Rente. Weil ab Dezember 2012 der Invaliditätsgrad 34
%
betrage, entfalle der Anspruch auf Rentenleistungen ab diesem Zeitpunkt
.
Schliesslich habe sich der gesundheitliche Zustand des Be
schwerdeführers erneut verbessert, so das
s
ab Begutachtung durch die
C._
von einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
in angepasster Tätigkeit auszugehen sei
(Urk.
2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, das Gutachten der
E._
vom November 2012 sei nicht so zu verstehen, als dass ab Dezember 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
für vorwiegend sitzende Tätigkeiten vorgelegen habe. Die Einschätzung sei bloss
gestützt auf die o
bjektivierbaren Beschwerden
ab
ge
geben worden und berücksichtige
die für das Selbst
katheterisieren
nötige Zeit
vermutlich nicht. Abgesehen davon sei seine Leistungsfähigkeit vorwiegend durch
die Belastungsschmerzen im Sitzen reduziert und nicht durch die eingeschränkte Mobilität.
Das
Gutachten
lasse sich
auch so verstehen, dass unter Berücksich
tigung der nicht objektivierbaren Beschwerden im Zeitpunkt der Begutachtung eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vorgelegen habe, weshalb dieses Gutachten im Widerspruch zu den Annahmen in der angefochtenen Verfügung stehe.
Aus den ärztlichen Berichten lasse sich
sodann
die Arbeitsfähigkeit seit dem Gut
achten der
E._
im Jahr 2012 bis zur Begutachtung der
C._
im Sommer 2018 nur sinngemäss entnehmen. Dass die erkannte stark reduzierte Belastungsmöglichkeit im Sitzen keine Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt zulasse, sei offensichtlich, da nicht einmal die Integrationsmassnahmen erfolg
reich hätten durchgeführt werden können.
Was das Gutachten der
C._
anbe
lange, so erschöpfe sich die psychiatrische Beurteilung in der Feststellung von Diskrepanzen, was nicht den Anschein einer ernsthaften Auseinandersetzung
erwecke
, sondern wohl eher der zielgerichteten Begründung eines sekundären Krankheitsgewinns gedient habe.
Sodann über
zeuge weder die Einschätzung der
C._
betreffend Verbesserung seit dem
Gutachten der
E._
aus dem Jahr 2012
noch
hinsichtlich der
für die Leistungsreduktion berücksichtig
t
en Einschränkungen auf vorwiegend sitzende Tätigkeiten, einen vermehrten Pausen
bedarf und die Zeit für die
Selbs
t
katheterisierung
. Objekti
viert seien - auch aus Sicht der
C._
- neuropathische Beschwerden, welche die Leistungsfähigkeit zusätzlich verminderten. Mithin sei auch mit dem Gutachten der
C._
die von der Beschwerdegegnerin behauptete Arbeitsfähigkeit von 70
%
ab Dezember 2012 nicht zu rechtfertigen. Eine ernsthafte psychiatrische Begutachtung sei bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht erfolgt, was durch das Gericht nachzuholen sei
.
Schliesslich sei dem Invaliditätsgrad ein
Valideneinkommen
von
Fr.
88'957.-- für das Jahr 2019 zugrunde zu legen und das Invalideneinkommen um 25
%
zu kürzen
(
Urk.
1).
Ergänzend brachte der Beschwerdeführer vor,
Dr.
D._
gehe von einer Leistungsfähigkeit von vier bis fünf Stunden täglich aus. Die Diskrepanz zur psychiatrischen Einschätzung der
Gutachter der
C._
liege darin begründet, dass diese zwar frustrierte und resignierte Anteile beschrieben
, dieselben
jedoch bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit ebenso wenig wie die diagnostizierte dissoziative Störung berücksichtigt hätten (
Urk.
12).
3.
3.1
Im Sommer 2012 wurde der Beschwerdeführer
im Auftrag des Unfallversicherers
in der
E._
polydisziplinär (neuropsychiatrisch, neurologisch,
wirbel
säulen
-orthopädisch) abgeklärt (Gutachten vom 2
9.
November 2012,
Urk.
10/38).
Die Gutachter führten aus, zum aktuellen Zeitpunkt müsse ein neuropathisches Schmerzsyndrom im Bereich der linken unteren Extremität als Folge der Myelo
pathie auf Höhe des Wirbelkörpers TH12 anerkannt werden. Während die senso
rischen Defizite und die neuropathischen Schmerzen
auf die
durch die Wirbel
körperfraktur BWK12 verursachte Myelopathie zurückzuführen sei
en
, könne die
vom Beschwerdeführer präsentierte Gangstörung auf Grund der aktuellen Be
funde
nicht vollständig nachvollzogen werden.
Da offensichtlich eine Diskrepanz zwi
schen den objektivierbaren Befunden und
den subjektiven Folgen bestehe
, müsse (bei diagnostizierter dissoziativer Bewegungsstörung) im Verhalten des Pati
enten
insgesamt eine Krankheitsverarbeitungsstörung erkannt werden (
Urk.
10/
38/43f.).
Als Diagnosen nannten die Gutachter:
-
traumatische BWK-12 Frakt
ur mit
Myelonläsion
am 11.07.201
0, initial Paraplegie, im Verlauf
Regredienz
der motorischen Defizite von ASIA B zu ASIA C
-
Schädel-Hirn-Trauma mit Commotio cerebri und leicht dislozierter Frak
tur des Sinus
maxillaris
rechts und minimal dislozierter Fraktur der Orbita rechts
-
dissoziative Bewegungsstörung, differentialdiagnostisch Krankheitsverar
beitungsstörung
-
leichte bis mittelschwere depressive Episode
-
multiple
psychosoziale Belastungen (inne
rfamiliär/ehelich)
Hinsichtlich
d
er Auswirkungen insbesondere im Bereich der Motorik, welche nicht vollständig mit objektiven Befunden vereinbar sei, erklärten die Gutachter, es wirkten nicht Krankheiten oder krankhafte Vorzustände, sondern es müsse der negative Einfluss der belastenden psychosozialen Faktoren, welchen der Stellen
wert von unfallfremden Faktoren beizumessen sei, anerkannt werden
.
Zur Arbeits
fähigkeit hielten sie fest, der Beschwerdeführer sei in allen Tätigkeiten, welche vorwiegend bis ausschliesslich sitzend ausgeführt würden, mindestens zu 70
%
arbeitsfähig. Diese Beurteilung erfolge arbiträr und berücksichtige die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, welche grundsätzlich bei Fällen mit Paraplegie (Rollstuhl-Abhängigkeit) attestiert werde, wobei zu berücksichtigen sei, dass beim Be
schwerdeführer keine Paraplegie vorliege (
Urk.
10/38/50).
Eine Anpassung be
ziehungsweise Angewöhnung bei durchaus vorhandenen Voraussetzungen habe bislang nicht stattgefunden. Grundsätzlich sollte eine Anpassung/Angewöhnung dank therapeutischer Interventionen möglich sein und auch dazu beitragen, dass die Prognose vorsichtig optimistisch gestellt werden könne (
Urk.
10/38/51).
Die Frage, wie die Anteile «unfallbedingt» und «unfallfremd» zu quantifizieren seien, erklärten die Gutachter, mit Blick darauf, dass auf Grund der objektivierbaren Folgen des Unfallereignisses eine mindestens 70%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar sei, gleichzeitig aber eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestehe, würde man den unfallfremden Anteilen einen höheren negativen Einfluss auf den gegenwärtigen Gesundheitszustand attestieren. Werde aber berücksichtigt, dass die dissoziative Störung und die Aspekte, welche als Krankheitsverarbeitungsstörung zu bezeich
nen seien, ohne Unfall wohl kaum entstanden wären, so verschiebe sich der Anteil von überwiegend unfallfremden Faktoren hin zu unfallbedingten Faktoren, wobei eine Aufteilung immer arbiträr erscheine (
Urk.
10/38/54).
3.2
Der mit der Erstellung eines Aktengutachtens von der Basler Versicherung AG beauftragte
Dr.
med. F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte in seinem Gutachten vo
m 2
3.
November 20
15 (
Urk.
10/120), die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers sei möglicherweise eingeschränkt. Indessen be
stehe anhand der vorliegenden Akten kein schlüssiges Bild.
Was das Gutachten der
E._
anbelange, so habe sich dessen psychiatrischer Gutachter offenbar nicht hinreichend mit der bestehend
en Aktenlage auseinander
gesetzt; eine Diskussion bezüglich der in den Akten verschiedentlich erwähnten Diagnose einer chronischen Schmerzstörung werde nicht geführt. Sodann wäre
n
auch bei der Diagnose einer dissoziativen Störung die Foerster-Kriterien zu prüfen gewe
sen, was indes nicht erfolgt sei. Zusammenfassend weise dieses Gutachten Mängel auf, so dass nicht darauf abzustellen sei (
Urk.
10/120/43, 70). Die Suchtstörung von Opioiden begründe keine Arbeitsunfähigkeit, eine aktuelle Einschätzung der
Ausprägung einer allfällig vorhandenen depressiven Episode liege nicht vor. Zusammenfassend sei eine erneute Einschätzung im Rahmen einer Exploration zu empfehlen, wobei vorab eine suchtmedizinische Behandlung zu erfolgen habe
(
Urk.
10/120/71).
3.3
3
.3
.1
Am 17., 2
2.
und 2
8.
November 2017 wurde der Beschwerdeführer
im Auftrag des Unfallversicherers unter Mitbeteiligung der IV-Stelle (Zusatzfragen,
Urk.
10/111-112)
an der
C._
polydisziplinär (Neurourologie, Psychiatrie, Neurologie,
Orthopädie-Traumatologie) begutachtet (Gutachten
vom 1
0.
April
2018, Urk.
10/139
). Im Rahmen dieser Exploration stellten die Gutachter die folgenden - überwiegend mit (teil-)kausalem Bezug zum Unfallereignis vom 1
1.
Juli 2010 - Diagnosen
(S. 37
):
-
Residuelle
partielle vorwiegend linksbetonte Paraparese mit sensiblen Defiziten
sub
Th12 Grad ASIA D
-
posttraumatische Myelopathie mit inkomplettem Querschnittsyndrom
sub
Th12
-
neurogene Blasenspeicher- und -
entleerungsstörung
mit Unmöglich
keit der Spontanmiktion
-
mittelschwere erektile Dysfunktion, am ehesten multifaktoriell
-
Status nach
Laminektomie
, offener Reposition,
Spondyloplastik
und
Spondylodese
BWK10-LWK2 von dorsal am 12.07.2010
-
Status nach Berstungsfraktur BWK
12
-
Status nach leicht dislozierter Fraktur der
anterioren
und
posterolateralen
Wand des Sinus
maxillaris
rechts mit
Hämatosinus
, minimal dislozierter Fraktur des Os
zygomaticum
rechts sowie Frakturen der Orbita an Boden und lateraler Wand (Tripod-Fraktur)
-
Status nach leichter traumatischer Hirnverletzung ohne dauerhaft nachweisbare organisch-strukturelle Verletzungen oder nachweisbare klinisch-neurologische Ausfälle
-
Status nach beidseitiger leichter Lungenkontusion
Als überwiegend wahrscheinlich ohne kausalen Bezug zum genannten Ereignis diagnostizierten die Gutachter:
-
Schmerzverarbeitungsstörung mit Symptomausweitung und Selbstlimi
tation
-
Kongenitale autosomal rezessive polyzystische Nierenerkrankung
3
.
3
.2
Der orthopädische Gutachter hielt fest, es hätten pathologische Befunde an der thorakalen Wirbelsäule im Sinne eines postoperativen Zustandes aufgrund der
beim Autounfall erlittenen Berstungsfraktur von BWK12 erhoben werden können
. Der rein orthopädische Befund habe sich dabei mit einer bildgebend und klinisch
stabil wirkenden
osteoartikulären
Situation als korrekt gezeigt; die Hauptprob
le
matik liege auf neurologischem Fachgebiet. Im Rahmen der orthopädischen Unt
er
suchung hätten sich indes wiederholt Inkonsistenzen vor allem in Bezug auf die Funktionalität des linken Beins präsentiert, die vom Explorand
en
als hoch
gradig eingeschränkt bezeichnet werde. Spontan seien aber immer wieder Be
wegungen und Belastungen, deutlich über das aufgrund der anamnestischen An
gaben zu erwartende Ausmass hinausgehend, gelungen, weshalb von einer Symp
tomver
deutlichung auszugehen sei.
Unabhängig davon sei der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der erlit
te
nen Verletzungen aber in jedem Fall in seiner Gehfähigkeit als deutlich einge
schränkt zu betrachten, sodass er vor allem für mehrheitlich im Sitzen durch
zu
führende Aktivitäten einsatzfähig sei. Dafür ergäben sich aus rein orthopädischer Sicht keine Einschränkungen (S. 32
f.).
3.3
.3
Anlässlich der neurologischen Untersuchung habe der Versicherte Schmerzen in den Vordergrund seiner Beschwerden gerückt. Ferner bestünden seit dem Unfall Gang- und Bewegungsstörungen mit Betonung im linken Bein. Er habe ge
schil
dert, keine Erinnerungen an den erlittenen Verkehrsunfall zu haben. Die Erinne
rung habe erst wieder am zweiten Tag nach dem Unfallereignis in der
Z._
eingesetzt. Im Zeitpunkt des Unfalls hätten er und seine Ehefrau hinten im Auto gesessen, sein Vater habe das Auto gelenkt und seine Mutter habe als Beifahrerin vorne rechts gesessen. Alle vier Insassen hätten schwere Verletzungen davongetragen, seine damals schwangere Ehefrau habe ihr ungeborenes Kind ver
loren. Der Gutachter notierte, der Explorand habe ausgeführt, es bestünden Funk
tionsbeeinträchtigungen an den Beinen, vor allem am linken Bein. Das linke Bein gehorche ihm nicht. Es sei schwächer als das rechte, es komme zu Bewegungs
störungen, zum Stolpern und er trage eine Spezialbandage am linken Fuss, damit er mit der linken Fussspitze nicht über kleine Wegunebenheiten stürze. Seine Muskulatur im linken Unterschenkel könne er nicht aktiv bewegen (S. 33). Neben der Gangstörung sei jedoch hauptsächlich die anhaltende Schmerzproblematik für seine fortbestehende Arbeitsunfähigkeit verantwortlich. Zusätzlich bestehe eine Blasenentleerungsstörung, so dass er si
ch selber katheterisieren müsse
. Stö
rungen der Defäkation bestünden nicht, die Vita sexualis sei leicht beeinträchtigt.
Der Gutachter führte aus, die eingehende Untersuchung des Versicherten habe korrespondierend zur kernspintomografisch nachgewiesenen Myelopathie eine inkomplette Schädigung im unteren
Thorakalmarkbereich
, links betont, gezeigt, wobei die im klinisch-neurologischen Befund gezeigten Defizite und Ausfälle nur unzureichend durch neurologische Befunde erklärbar seien. Das gezeigte Defi
zit
bild gehe deutlich über das Ausmass
der objektivierbaren
Schädigung hinaus. Das
vom
Beschwerdeführer
dargebotene Gangbild lasse sich durch neurologische Schäden am Rückenmark weiterhin nicht erklären, das Gangbild sei in grotesker Weise verändert und lasse sich nicht durch das inkomplette Querschnittsyndrom in dieser Form erklären. Es liege weder eine peripher-neurologisch noch eine zen
tral-neurologisch erklärbare Gangstörung vor. Ferner hätten sich nicht erklärbare Inkonsistenzen zwischen in der Untersuchungssituation gezeigter Gangstörung,
demonstriertem Lähmungsausmass und dem ausserhalb des Untersuchungs
zim
mer
s dargebotenen Gangbild ergeben. Auch die vom Versicherten in der klinisch-neurologischen Untersuchung demonstrierte Fussheber- und
Fusssenkerplegie
links sei aufgrund der bekannten neurologischen Befunde nicht plausibel, zumal bereits anlässlich einer Vorbegutachtung elek
t
rophysiologisch die vom M.
tibialis
anterior
(Fussheber-Gruppe) abgeleiteten MEP eine normale Latenz gezeigt hätten
, zum M.
soleus
(Waden-/
Fusssenkermuskulatur
) hingegen eine eindeutige Ver
län
gerung linksseitig bei nur knapper Verlängerung rechtsseitig zu erheben gewesen sei. Ein solcher Befund spreche, besonders auch weil elektromyographisch unter Willküraktivität
die
schmerz- und kooperationsbedingte Ableitung von Einzel
potenzialen gelungen sei, gegen die vom Versicherten dargestellte
Plegie
der Fussheber- und
Fusssenkermuskulatur
links. Auch Zeichen der
Antagonisten
an
spannung
widerlegten den demonstrierten
Paresegrad
.
Gleichwohl sei festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer geklagten Sensibili
tätsstörungen überwiegend durch die Schädigung des Rückenmarks verursacht
würden, die gezeigten und anamnestisch geklagten Bewegungsstörungen im lin
ken Bein aber nur teilweise neurologisch erklärbar seien. Gestützt auf den aktuellen Untersuchungsbefund sei die bereits früher beschriebene Entwicklung des Läh
mungsgrades, welcher nach dem Unfall offenbar einer vollständigen Paraplegie entsprochen habe (ASIA A), zu einer mittlerweile inkompletten Paraparese Grad ASIA D, wie sie auch im neurologischen Vorgutachten aus dem Jahre 2012 fest
gehalten werde, zu bestätigen (S.
34).
Im Hinblick auf die geklagten Schmerzen schildere der Beschwerdeführer durchaus plastisch und plausibel neuropathische Schmerzen im Innervationsgebiet kaudal des Schädigungsniveaus sowie eher statische, dumpf drückende Schmerzen in Höhe der Schädigung. Die von ihm geklagten Schmerzen seien daher nachvollziehbar, auch wenn die geringe Beein
flussbarkeit unter der angegebenen Einnahme von
Gabapentin
,
Novalgin
und
Dafalgan
etwas erstaune und auch hier wie bei den klinischen Befunden eine Beschwerdeverdeutlichung in Betracht zu ziehen sei.
Unter Berücksichtigung der vom
Exploranden
geklagten Schmerzsymptomatik sowie der vorliegenden sensomotorischen Defizite, links betont kaudal Th12, so
wie auch der beschriebenen neurourologischen Funktionsdefizite sei aus neuro
logischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit für optimal adaptierte Tätigkeiten in der Grössenordnung von 20
%
zu begründen. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als ge
werblicher Mitarbeiter in einem Grosshandel für Gemüse, Obst und Früchte sei demgegenüber aus neurologischer Sicht nicht mehr möglich; hier bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In Anlehnung an die Suva-Tabelle 21 sei die Integritätsschädigung auf 70
%
zu schätzen.
Zusammenfassend sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer beim Ereignis vom 1
1.
Juli 2010 ein Polytrauma erlitten habe. Dabei habe er sich eine Schädel
ver
letzung mit Commotio cerebri, welche ohne dauerhafte Folgen verblieben sei, sowie eine Wirbelsäulenverletzung mit Wirbelköperfraktur und bleibenden Schä
den am Rückenmark zugezogen. Trotz der stabilisierenden
Spondylodese
thora
ko
lumbal
seien anhaltende Schmerzen mit zum Teil auch neuropathischem Cha
rakter verblieben. Die vom Beschwerdeführer gezeigten Funktionsdefizite seien aus klinisch-neurologischer Sicht jedoch nicht vollumfänglich durch neurolo
gische Befunde und das bei dem Verkehrsunfall erlittene Schädigungsmuster erklärbar (S. 35).
3.3
.4
Die psychiatrische Gutachterin führte aus, eine eigenständige psychische Erkran
kung, wie sie in der Vergangenheit im Sinne einer depressiven Störung festge
stellt worden sei, lasse sich aktuell nicht mehr diagnostizieren. Die diagnostischen Kriterien einer depressiven Störung seien aufgrund der subjektiven Angaben des Versicherten und des erhobenen psychopathologischen Befunds eindeutig nicht erfüllt. Sodann seien auch die diagnostischen Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht gegeben. Aufgrund der subjektiven Angaben des Explo
randen, seiner Soziobiographie und den Angaben in den medizinischen Akten fänden sich zudem auch keine Hinweise auf eine vorbestehende Persönlich
keits
störung (S. 35). Soweit in der Vergangenheit aus psychiatrischer Sicht ein
e disso
ziative Störung als Mitu
rsache der neurologisch unklaren subjektiven Funk
tions
defizite postuliert worden sei, könne diese Meinung nicht geteilt werden. Eine dissoziative Störung beinhalte gemäss ICD-10 als wesentliche Eigenschaft, dass sich die Symptome der bewussten Kontrolle weitgehend entziehen würden
also
,
dass die Symptome nicht willkürlich, absichtlich und gezielt herbeigeführt würden
, sondern lediglich Ausdruck einer zugrundeliegenden Konfliktsituation oder einer anderen psychischen Störung sei
en
. Vorliegend ergäben sich aber im Gesamt
spektrum der durchgeführten körperlichen Untersuchungen und der von den Gut
achtern angestellten Beobachtungen in den Untersuchungen eindrückliche Belege
dafür, dass der Versicherte sehr wohl in der Lage sei, sein Verhalten in der Untersuchung und die in der Untersuchung gezeigten Funktionsausfälle willkür
lich und damit zielgerichtet zu steuern. Dieses Verhalten schliesse das Vorliegen einer dissoziativen Störung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus. Trotz anderslautender subjektiver Angaben habe der
Beschwerdeführer
in den Unter
suchungen durch spontane Bewegungen und/oder Inkonsistenzen in den Befund
en wiederholt
bewiesen
, dass die von ihm geltend gemachten Funktionsausfälle im Bereich der Beine geringer seien, als von ihm geltend gemacht. Letztlich handle es sich diagnostisch um eine Schmerzfehlverarbeitung mit Symptomausweitung
und Selbstlimitation, wobei einer solchen Diagnose kein Krankheitswert erwachse
, da es sich nicht um eine psychische Störung im engeren Sinn handle, sondern vielmehr um eine bewusstseinsnahe Form der Wahrnehmung und Bewertung von
Beschwerden, die letztlich normalpsychologisch erklärbar sei. Damit bestehe we
der ein unfallbedingtes noch ein unfallfremdes psychiatrisches Störungsbild, weshalb aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit nicht zu begründen sei (S. 36).
3.3
.5
Im neurourologischen Gutachten wurde eine Blasenspeicher- und
–
entlee
rungs
störung
mit einer hyperkapazitiven,
asensitiven
und
akontraktilen
Harnblase diagnostiziert, wobei aufgrund der Anamnese mit Erstsymptombeginn seit dem
Trauma überwiegend wahrscheinlich von einer Unfallfolge auszugehen sei, welche
aktuell als irreversibel zu betrachten sei. Der Beschwerdeführer sei daher auf eine Harnblasenentleerung mittels intermittierendem sterilen Einmalkathet
e
rismus angewiesen, dessen Handhabung vom Beschwerdeführer problemlos selber drei- bis viermal täglich durchgeführt werde. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Blasenfunktionsstörung sei aus urologischer Sicht nicht gegeben. Grundvoraussetzung sei eine viermal tägliche Gewährleistung, wofür eine aus
reichend grosse, abschliessbare und hygienische Toilette zur Durchführung des
Einmalkatheterimus
zur Verfügung stehen müsse. Auch aus der Sexualfunktions
störung ergebe sich keine Einschränkung der Arb
eitsfähigkeit (
Urk.
10/137-138
).
3.3
.6
Zusammenfassend hielten die Gutachter fest, seit der Begutachtung des Be
schwerdeführers in der
E._
Ende 2012 sei es zu einer objekti
vier
baren Verbesserung der somatischen Situation gekommen, indem der
Beschwer
de
führer
mittlerweile nur noch auf der linken Seite einen Gehstock einsetze und auch wieder selber ein Auto lenke. Mithin sei es insgesamt zu einer deutlichen Verbesserung der Mobilität gekommen. Dass der Beschwerdeführer von sich aus das Opio
i
d
Targin
habe absetzen können, dürfe als Angewöhnung/Anpassung an die Schmerzen interpretiert werden. Ebenso sei es auf der psychiatrischen Ebene zu einer Verbesserung gekommen, als sich keine Zeichen einer wesentlichen depressiven Störung, wie sie 2012 noch feststellbar gewesen seien, mehr zeigen
würden. Auch innerfamiliäre Konflikte würden aus Sicht des Versicherten keine Rolle mehr spielen, nachdem er sich von der Ehefrau habe scheiden lassen und gemäss eigenen Angaben wiederholte Beziehungen zu anderen Frauen habe aufbauen können (S. 37
f.).
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit erklärten die Gutachter, die ursprüngliche Tätigkeit des Beschwerdeführers in Verkauf und Logistik sei als ungeeignet zu betrachten, weshalb dafür wahrscheinlich dauerhaft eine vollständige Arbeitsunfähigkeit be
stehe. Körperlich leichte Aktivitäten, die mehrheitlich im Sitzen, aber mit der Möglichkeit für gelegentliche Positionswechsel durchgeführt würden, seien dem Versicherten ganztags möglich. Dabei bestehe im Vergleich zu körperlich ge
sunden Durchschnittspersonen ein vermehrter Pausenbedarf, unter anderem auch zur Durchführung der
Selbstkatheterisierung
, allenfalls auch für kürzere Liege
pausen, was insgesamt zu einer Leistungsreduktion um 20
%
führe (S. 39).
3.4
Am 2
6.
April 2019 erstattete
Dr.
D._
zu Händen der Rechtschutz
versicherung des Beschwerdeführers ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
13/1). Gestützt auf die am
9.
April 2019 durchgeführte Exploration des Beschwerde
führers diagnostizierte sie eine dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10
:
F44.4), eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.21) sowie eine akzentuierte Persönlichkeit mit vorwiegend
dependenten
und misstrauischen Zügen (ICD-10: Z73.1, S. 49). Sie erklärte, die Antworttendenz in den von ihr angewendeten Selbst- und Fremd
beurteilungsinstrumente spreche klar dafür, dass der Beschwerdeführer sich selbst und anderen demonstrieren wolle, ausschliesslich körperlich beeinträchtigt und nicht psychisch belastet zu sein. Diese Selbst- und Fremdtäuschung müsse auch als limitierender Faktor im Hinblick auf eine allfällige berufliche Wiederein
glie
derung und die Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden. Selbsttäuschungsanteile könnten sowohl im Rahmen einer dissoziativen Störung als auch im Rahmen einer Anpassungsstörung auftreten. Fremdtäuschungsanteile könnten demgegenüber nicht ausschliesslich als unbewusst beziehungsweise be
wusstseinsfern angenommen werden. Hier würden die über viele Jahre überein
stimmenden Beschreibungen und Interpretationen wie die aktuellen Angaben des Beschwerdeführers für eine partielle Zuordnung zur Anpassungsstörung (Krän
kung durch die körperlichen Einschränkungen) und eine partielle Zuordnung zu einer Erwartung an Entschädigung für das erlittene Leid, nicht im Sinne einer gezielten Täuschung, sondern im Sinne einer Anerkennung sprechen. Unter Ab
zug der bewusstseinsnahen Anteile sei von einer gesamthaft leicht bis mittel
schweren psychischen Symptomatik auszugehen, welche nach einer Einarbei
tungszeit eine Leistungsfähigkeit von etwa vier bis fünf Stunden täglich in einer körperlich angepassten Tätigkeit erlaube (S. 50 f.).
Ergänzend führte
Dr.
D._
mit Schreiben an die Rechtschutz
versi
cherung vom 1
1.
Juni 2019 (
Urk.
13/2) aus, im Hinblick auf die Leistungs
fähig
keit sei keine klare Trennung von
neuropathischen und
arthrotischen
Schmerzen
, also somatisch erklärbaren Schmerzen, und psychisch bedingten
Schmerzen
m
öglich. Die Einschätzung von vier bis fünf
Stunden schliesse deshalb die ge
schätzte Leistungsreduktion aufgrund des neuropathischen Schmerzanteils mit ein.
4.
4.1
Anlässlich des Unfallereignisses vom 1
1.
Juli 2010 erlitt der Beschwerdeführer
durch die
Berstungsfraktur eines Brustwirbelkörpers eine ernsthafte Verletzung am Rückenmark, an deren Folgen er noch immer leidet. Das ist aktenkundig und wird nicht in Frage gestellt. Nach anfänglich vollständiger Parese gelang es, den Versicherten an Unterarmgehstützen zu mobilisieren (Zusammenfassung Kran
ken
geschichte,
A._
, vom 2
9.
Juli 2010,
Urk.
10/11/13) und es trat im Verlauf eine Verbesserung der neurologischen Ausfälle von ASIA A zu ASIA D ein (E. 3.3.1; 3.3.3), sodass dem Beschwerdeführer nunmehr das Gehen an
nur
einem Stock möglich ist (vgl. etwa
Urk.
10/139/19). Die schon wenige
Monate nach dem Unfallereignis gezeigte Gangstörung (Austrittsbericht der
B._
vom 16. Mai 2011,
Urk.
10/19/1
) liess sich trotz umfangreicher Abklärungen und mehrmaliger Rehabilitation weder verbessern noch einem somatischen Korrelat zuschreiben; vielmehr wurde das Bestehen einer funktio
nellen Komponente vermutet (Berichte der
B._
vom 16.
Mai 2011,
Urk.
10/19/2
,
und der
G._
vom
2
0.
Mai
2014,
Urk.
10/76/9
). Demgegenüber führten
die behandelnden Ärzte und
involvierten Gutachter die vom Beschwerdeführer im Bereich des linken Beines geklagten neuropathischen Schmerzen und sensorischen Defizite vornehmlich auf die durch die Wirbelkörperfraktur verursachte Myelopathie zurück (
Bericht der
B._
vom 1
6.
Mai 2011,
Urk.
10/9/2,
Gutachte
n der
E._
vom 29.
November 2012,
E. 3.1
).
4
.2
4
.2.1
In Übereinstimmung mit dieser Aktenlage kamen die Gutachter des
C._
zum
Schluss, die vom Beschwerdeführer geklagten Sensibilitätsstörungen und Schmer
zen
seien nachvollziehbar auf die Schädigung des Rückenmarks zurückzuführen, wenn auch das Ausmass der gezeigten Funktionsdefizite nicht vollumfänglich mit den neurologischen Befunden erklärbar sei. Ihre Einschätzung, wonach unter Berücksichtigung der Schmerzsymptomatik sowie der sensomotorischen Defizite eine Leistungseinschränkung von 20
%
für optimal angepa
sste Tätigkeiten be
stehe (E. 3.3
.3), beruht
auf umfassenden Untersuchungen,
wurde
unter Berück
sichtigung der geklagten Beschwerden und
in Auseinandersetzung mit der medi
z
inischen Aktenlage (
Urk.
10/139
S. 34, 38f.)
sowie
unter Bezugnahme auf die anlässlich der Exploration
erhobenen Inkonsistenzen (E. 3.3
.3,
Urk.
10/139
S. 34) abgegeben. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers vermag diese Ein
schät
zung zu überzeugen.
4.2.2
Hervorzuheben ist dabei insbesondere, dass es nicht nur zu den
Aufgabe
n
eines
Gutachters gehört, den Befund anhand der Klinik zu überprüfen
, sondern auch
dessen Auswirkungen bei der Unt
ersuchung und im Alltag substant
iiert darzu
legen
sind
. Dazu gehören ebenfalls Angaben zum beobachteten Verhalten, Fest
stellungen über die Konsistenz der gemachten Angaben wie auch Hinweise, die zur Annahme von Aggravation führen könnten
(Urteil des Bundesgerichts 8C_390/2017 vom 9. November 2017 E. 4.1 mit Hinweisen). Dass die Gutachter die im Rahmen der Exploration festgestellten Inkonsistenzen benannten und ge
stützt hierauf darlegten, inwieweit die gezeigten Funktionsdefizite nicht erklärbar
seien (E. 3.3.3, 3.3.4), ist entgegen dem Dafürhalten des Beschwerdeführers (E. 2.2
) nicht als Mangel des Gutachtens zu werten, sondern gründet
gegenteils
in der sorgfältigen Auseinandersetzung mit den geklagten Beschwerden und den erho
benen Befunden. So legte der neurologische Gutachter dar, dass sich das vom Beschwerdeführer dargebotene Gangbild in dieser Form nicht mit dem inkom
plet
ten Querschnittsyndrom erklären lasse und sich darüber hinaus in der Unter
suchungssituation nicht erklärbare Inkonsistenzen ergeben hätten.
Gleichzeitig
hielt er dafür, die geklagten Sensibilitätsstörungen seien durch die Schädigung des Rückenmarks verursacht und die geschilderten Schmerzen nachvollziehbar als neuropathische Schmerzen im Innervationsgebiet kaudal des Schädi
gungs
niveaus zu qualifizieren. Seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit begründete denn der neurologische Gutachter mit der geklagten Schmerzsymptomatik und den vorliegenden sensomotorischen Defiziten (E.
3.3
.3). Damit trug er - unter Berücksichtigung der genannten Inkonsistenzen - den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden nachvol
lziehbar Rechnung.
I
m Übrigen
stehen die vor
genannten Beobachtungen
mit der Aktenlage in Einklang. Bereits im Bericht der
E._
, Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie, vom 2
4.
April 2012 (
Urk.
10/38/16
) war festgehalten worden, die
residuellen
Beschwerden stünden in Diskrepanz zur elektrophysiologischen Messung. Die Ärzte des
H._
,
G._
, notierten sodann, der Befund sei in seinem Aus
mass nicht ausreichend für das klinisch auffallende Störungsbild (Berich
t vom
8.
März 2013,
Urk.
10/75/22
) und berichteten am
2
0.
Mai
2014, die Schwere der durch Schmerz und Spastik bedingt angegebenen Einschränkungen sei zu den objektiven Untersuchungsergebnissen diskrepant (
Urk.
10/76/8
).
Was der Beschwerdeführer dagegen einwendet, rechtfertigt keine andere Betrach
tungsweise
, zumal ihm im Verwaltungsverfahren Gelegenheit gegeben worden war, zum Gutachten der
C._
Stellung zu nehmen (vgl.
Urk.
10/152/9-11, wo die Gutachter des
C._
sich zur Stellungnahme von
Dr.
I._
zum Gut
achten der
C._
äusserten). Die Beurteilung, was als Inkonsistenz zu werten ist, bedarf
sodann klarerweise medizinischen
Wissen
s
. Der medizinische
Experte
war
nicht gehalten, die
beschwerdeführerischen
Angaben vorbehaltlos als richtig zu akzeptieren. Vielmehr war es seine gutachterliche Pflicht, im Rahmen seiner Fachkenntnisse Diskrepanzen zu den eigenen Wahrnehmungen darzulegen und zu würdigen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_699/2019
vom 1
7.
Februar 2020
E. 3.2).
Ebenso ist es unzutreffend, dass die früheren Abklärungen zwar Diskre
panzen der motorischen Einschränkungen zu Tage gefördert hätten, diese aber nicht als zielgerichtete Demonstration interpretiert worden wären: Im Bericht der
G._
vom 2
0.
Mai 2014 wurde erklärt, es sei in der Verhaltens
beobachtung ein behinderungsakzentuierendes Verhalten des Beschwerdeführers feststellbar. Nach Einschätzung des Psychologen wirke der Patient deutlich
nar
zistisch
gekränkt und könne sich nur vorstellen,
entweder wieder
hergestellt oder dann für den erlittenen körperlichen Schaden entschädigt zu werden (Renten
begehren;
Urk.
10/76/10).
Den Gutachtern angesichts dieser Gegebenheiten eine zielgerichtete
Abklärung
vorzuwerfen,
geht nicht an
.
4.2.3
Soweit der Beschwerdeführer moniert, der Schluss der
Gutachter der
C._
auf eine Verbesserung
seit der Begutachtung des Beschwerdeführers im Jahr
2012 sei nicht logisch
(
Urk.
1 S. 18), kann ihm nicht gefolgt werden. Unbestrittenermassen attestierten die Gutachter der
E._
- aus somatischer Sicht - eine Arbeitsfähigkeit von (mindestens) 70
%
. Zur Prognose hielten sie fest, eine An
passung beziehungsweise Angewöhnung habe bei durchaus vorhandenen Voraus
setzung
en
bislang n
icht stattgefunden (
Urk.
10/38/51
). Im Zeitpunkt jener Begut
achtung war die Fahreignung nicht gegeben (
Urk.
10/38/53
), bewegte sich der Beschwerdeführe
r an zwei Gehstöcken fort (
Urk.
10/38/44
) und wurde er unter anderem mit dem Me
dikament
Targin
behandelt (
Urk.
10/38/43
). Zwischen
zeit
lich setzte der Beschwerdeführer das Opioid-Analgetikum selbständig ab - was auf eine Reduktion der Schmerzsymptomatik schliessen lässt - und geht bloss noch an einem Gehstock, was - aus objektiver Sicht - Rückschlüsse auf seine Leistungsfähigkeit zulässt. Schliesslich ist der Beschwerdeführer seinen Angaben zufolge nunmehr wieder in der Lage
,
ein Auto zu lenken
(
Urk.
10/139
S. 19). Dass mithin eine Angewöhnung stattgefunden hat, is
t nicht von der Hand zu weisen.
4.2.4
Schliesslich vermag der Beschwerdeführer auch
insoweit
nicht durchzudringen, als er die Frage nach dem Vorhandensein allfälliger Mikroinstabilitäten für
abklärungsbedürftig hält
und deren Abklärung ausdrücklich beantragt (
Urk.
1 S. 2 und
7f.). Die Gutachter des
C._
verfügten über alle wesentlichen Vor
akten und hatten demzufolge auch Kenntnis des vom Beschwerdeführer angeru
fenen Berichts der
E._
vom
9.
Dezember 2013 (Urk.
10/75/12-14;
Urk.
10/139/9).
Deren
Ärzte
wollten indes
- insbesondere wegen der
bereits erziel
ten
deutlichen Fortschritte - von diesbezüglichen weiteren Untersuchungen und vor allem
von neuen
operativen Eingriffen absehen
. Dass
die Gutachter - bei
unveränderten Stellungsverhältnissen nach
Spondylodese
(
Urk.
10/139/32) -
die
se Frage nicht erneut aufgriffen, ist
damit
nicht zu beanstanden, zumal
es an siche
ren Nachweismethoden hierfür
gemäss
E._
mangelt. Es kommt hinzu, dass die von
den Ärzten der
E._
als möglich beschriebenen Mikrobewegungen ihren Angaben zufolge Quelle von Beschwerden sein könnten; die vom Beschwerdeführer geklagten Schmerzen bezeichneten die Gutachter
des
C._
als plausibel sowie nachvollziehbar und trugen ihnen im Rahmen des Anforderungsprofils sowie der Bemessung der Leistungsfähigkeit Rechnung (E.
3.3.3).
Von weiteren Abklärungen, wie sie der Beschwerdeführer beantragt, kann angesichts dieser Gegebenheiten abgesehen werden, wären davon doch
keine neuen, relevanten Erkenntnisse zu erwarten (antizipierte Beweiswürdi
gung
).
4.2.5
Der Beschwerdeführer vertritt ferner die Ansicht, eine ernsthafte psychiatrische Begutachtung habe bislang nicht stattgefunden (E. 2.2). Dieser Vorhalt ist nicht zutreffend. Die psychiatrische Gutachterin explorierte den Beschwerdeführer während einer Stunde und 25 Minuten und hielt den dabei umfassend erhobenen Befund detailliert fest (
Urk.
10/139 S. 29). Gestützt auf diesen Befund legte sie dar, dass sich eine eigenständige psychiatrische Erkrankung, wie sie in der Ver
gangenheit im Sinne einer depressiven Störung festgestellt worden sei, nicht mehr diagnostizieren lasse. Ebenso seien die diagnostischen Kriterien für eine posttraumatische Störung oder für eine Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt. Eine dissoziative Störung schloss sie angesichts der - wie vorstehend schon dargelegt - bereits früher aktenkundig gemachten Inkonsistenzen nachvollziehbar aus (E. 3.3.4). Weshalb dieses Vorgehen gegen das Vorliegen eines beweiskräftigen psychiatrischen Gutachtens sprechen sollte, bleibt unklar. In pflichtgemässer Ausübung des Begutachtungsauftrags hat die Gutachterin
im Rahmen
ihrer
Fach
kenntnisse Diskrepanzen zu den
anlässlich der Exploration gemachten
Wahrneh
mungen dar
gelegt
und
gewürdigt sowie unter Berücksichtigung der früheren medizinischen Aktenlage ihre Schlüsse plausibel dargelegt. Entgegen der Auf
fassu
ng des Beschwerdeführers haftet
dem psychiatrischen Gutachten damit kein Mangel an. Vielmehr ist darauf hinzuweisen, dass auch die vom Beschwerde
führer
beauftragte
Gutachterin Inkonsistenzen
benannte
und bewusstseinsnahe
Anteile beschrieb. Unerheblich bleibt dabei, ob die von Dr.
D._
beschriebene Fremdtäuschung als gezielte Täuschung oder - wie von ihr
for
muliert (E. 3.4
) - als
im Sinne einer Anerkennung
bezeichnet wird
, können mithin die Funktionseinschränkungen so oder anders nicht als valide beurteilt werden. Damit scheidet die Diagnose einer dissoziativen Störung gemäss nachvollz
ieh
barer Begründung der Gutachter des
C._
(E. 3.3
.4
) aus
.
Schliesslich räumte
Dr.
D._
ein, eine klare Trennung der somatischen und psychischen Schmerzen sei nicht möglich, weshalb die von ihr geschätzte Leistungsreduktion den neuropathischen Schmerz
anteil miteinschliesse (E. 3.4
). Solchermassen fach
übergreifende Einschätzungen sind indes der gutachterlichen Konsensbeurteilung im Rahmen einer polydisziplinären Exploration vorbehalten. Eine psychiatrische Beurteilung allein würde hier denn
auch
das Bild nicht ausreichend zu erklären vermögen (vgl. hierzu
ferner
das Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom 2
2.
Mai 2017, UV.2016.00163, in Sachen des Beschwerdeführers betreffend die Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung,
wo der Beschwerdeführer geltend machte, die offenen Fragen könnten
nur im interdisziplinären Konsens
beantwortet werden, E. 2.1
). Soweit
Dr.
D._
sodann festhielt, die Gutachter hätten zwar frustrierte, resignierte Anteile in der Verhaltens
beo
bach
tung beschrieben, bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit aber nicht berück
sichtigt (
E.
3.4
), mag dies zutreffen, indes ein relevantes, psychiatrisches Stö
rungs
bild mit Leistungseinschränkung nicht z
u begründen: Die Gutachterin der
C._
führte aus, diagnostisch sei von einer Schmerzfehlverarbeitung mit Symptomausweitung und Selbstlimitation auszugehen, welcher aber kein Krank
heitswert zuzumessen sei, da es sich um eine bewusstseinsnahe Form der Wahr
nehmung und Bewertung von Beschwerden handle, die letztlich normalpsy
cho
logisch erklärbar sei (E. 3.3
.4). Dies vermag zu überzeugen. Aus den dargelegten Gründen kann das Gutachten von
Dr.
D._
das Gutachten der
C._
nicht erschüttern.
4.2.6
Zusammenfassend
erfüllt
damit
das Gutachten der
C._
,
das umfassend, sorgfältig und schlüssig begründet wurde
, die an eine beweiskräftige Beurteilung gestellten Anforderungen vollumfänglich (E. 1.4)
. Weder wird dessen Beweiswert durch Widersprüche geschmälert, noch fördert das Gutachten von
Dr.
D._
eine zuverlässig begründete psychiatrische Pathologie zu Tage noch ver
mochte die vom Beschwerdeführer bestellte Gutachterin relevante, im Gutach
ten übersehene Aspekte darzutun.
Damit
drän
gen sich weitere Abklärungen
- entgegen dem Dafürhalten des Be
schwerdeführers - nicht
auf.
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundegericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7; ferner BGE 143 V 409 E. 4.5.2). Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem solchen abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Daher bleibt es entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fach
ärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arb
eitsunfähigkeit in nachvollzieh
bar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 418 E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_597/2019 vom 1
2.
Dezember 2019 E. 7.2.3). Wie dargelegt, kann dem Gut
achten von
Dr.
D._
kein Beweiswert zugemessen werden, weshalb eine Befassung mit den massgeblichen Indikatoren entfallen kann.
4.2.7
Damit ist erstellt, dass der Beschwerdeführer -
spätestens
seit November 2017 - in einer angepassten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig ist.
4.3
4.3.1
Zu klären bleibt, wie die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
vom
Zeitpunkt des möglichen Rentenbeginns - im Juli 2011 (
Art.
28
Abs.
1 und
Art.
29 IVG) - bis zur Begutachtung durch die
C._
zu beurteilen
ist.
4.3.2
D
er Beschwerdeführer räum
te
ein, die Gutachter der
E._
hätten unter Berücksichtigung der objektivierbaren Beschwerden eine Arbeit
sfähigkeit von 70
% attestiert (
Urk.
1 S. 12).
Das
trifft
aktenkundig
zu
(E. 3.1).
Soweit
er indes eine
darüberhinausgehende
Einschränkung
infolge
der nötigen
Selbstkathe
terisierung
und
unter Berücksichtigung der nichtobjektivierbaren Beschwerden im Jahr 2012
gar
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgehen will (
Urk.
1 S.
12)
, vermag
er nicht durchzudringen.
So ist
zu ergänzen, dass die Gut
achter ihre Einschät
zung - wenn von ihnen auch als arbiträr
bezeichnet - unter Hinweis auf eine Rollstuhl-Abhängigkeit abgaben und betonten, beim Beschwer
deführer liege keine Paraplegie vor (E. 3.1). Sodann ist
hervorzuheben, dass der von den Gutachtern des
C._
neurologisch bestätigte Befund einer inkom
pletten Paraparese Grad ASIA D
auch schon
im Rahmen der Begutachtung an der
E._
erhoben worden
war
(E. 3.1). Die Diagnose einer dissoziativen Störung liess sich in der Folge
demgegenüber
nicht bestätigen (E. 3.3.4). Soweit die Gutachter der
E._
das Vorliegen einer depressiven Störung postuliert hatten, ist darauf
hinzuweisen, dass es gemäss Dr.
F._
an einem schlüssigen Bild
aus psychiatrischer
Sicht ebenso fehlte wie an einer aktuellen Einschätzung
der Ausprägung
einer allfälligen depressiven Störung (E. 3.2). Es kommt hinzu, dass
sich
anlässlich der Begutachtung im Jahr 2012
der Psycho
status weitgehend unauffällig gezeigt hatte (
Urk.
10/38/32), dafür aber offen
sichtlich psychosoziale Faktoren
- welche invalidenversicherungsrechtlich auszu
schliessen sind -
imponierten (E. 3.1). Letztere
sind
n
unmehr
-
zumindest teil
weise
-
weggefallen, was sich nicht nur aus d
em psychiatrischen Gutachten der
C._
ableiten
(
Urk.
10/139/
23,
29
), sondern
aufgrund der
Aufzeichnungen von
Dr.
D._
bestätigen lässt
(vgl. etwa
Urk.
13/1 S. 29, wonach es den Ausführungen des Beschwerdeführers
über seine Trennung von der Ehefrau
zu
folge
für ihn schwe
r war, mit einem Menschen zu leb
en, den er gar nicht kannte
;
S.
26, wo der Beschwerdeführer die Beziehung zu seinen Eltern als gut beschrieb
; S. 23, wonach er mit seiner neuen Lebenspartnerin zusammenwohnt und ihm sein kleiner Sohn viel bedeutet
)
.
Im unfallversicherungsrechtlichen Beschwerde
verfahren führte der Beschwerdeführer gar selber aus, sein Kind, die feste Be
ziehung und der Auszug aus dem Elternhaus
hätten
erneut subjektiv zu einer Verbesserung seiner Gesundheitssituation geführt, was mit dem langjährigen Verlauf konsistent sei
(
Urk.
1 S. 32 im Verfahren UV.2020.00021).
Damit ist auch der Vorwurf, die psychiatrische G
utachterin der
C._
habe sich nicht mit den diesbezüglichen Diskrepanzen auseinandergesetzt (
Urk.
1 S. 17), aus dem Weg geräumt.
Anders
lautende nachvollziehbare fachärztlich
e
Einschätzungen
, die gestützt auf objektivierbare Beschwerden eine höhere Arbeitsunfähigkeit attestierten,
liegen nicht vor.
Vie
lmehr hatte auch der Regionale Ä
rztliche Dienst eine Arbeits
fähig
keit von mindestens 70
%
in angepasster Tätigkeit für zumutbar erachtet (Ein
schätzung vom
6.
Februar 2013,
Urk.
10/142/5
; vgl. auch
Urk.
10/85/2
)
, weshalb denn auch berufliche Massnahmen in die Wege geleitet wurden (
Urk.
10/46).
Hieran vermag nichts zu ändern, dass die Gutachter
der
E._
aus
führten,
allenfalls käme den unfallbedingten Anteilen unter Berücksichtigung der dissoziativen Störung höheres Gewicht zu (
Urk.
10/38/54), ist damit doch nichts über die Objektivierbarkeit ausgesagt.
Auf eine Quantifizierung der Auswirkung der psychischen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit
verzichteten denn
die Gut
achter (
Urk.
10/38/58f.).
Dass von einer - wie der Beschwerdeführer vorträgt - wei
t über die von den Gutachtern der
E._
attestierten Leistungs
e
in
schr
änkung hinaus
auszugehen wäre, ist auch mit Blick auf das Gutachten der
C._
nicht erstellt: so waren hinsichtlich inkompletter Paraplegie weitgehend unveränderte Befunde zu erheben (E. 3.3.3) und trugen die Gutachter den
durch die Sensibilitätsstörung und die Schmerzsymptomatik verursachten Einschrän
kungen im Anforderungs- und Belastungsprofil hinreichend Rechnung (E. 3.3.6). In Anbetracht dessen, dass sie zu Recht von einer Angewöhnung ausgingen (E.
4.2.3) und
daher nunmehr
auf eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
schlossen, ist
die von den Gutachtern der
E._
attestierte Arbeitsfähigkeit von 70
%
plausibilisiert.
4.3.3
Anzufügen bleibt, dass nach
der Rechtsprechung die Frage nach den noch zumut
baren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststell
baren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten
ist
(Urteile des Bundesgerichts 8C_334/2018 vom 8. Januar 2019
E. 4.2.1, 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4, je mit Hinwei
sen).
Weder beim Abschlussbericht der
J._
vom 2
9.
Oktober 2013 (
Urk.
10/56) noch bei jenem der
K._
vom
1.
Juni 2015 (
Urk.
10/113) handelt es sich um einen medizinischen Bericht oder gar ein Gutachten. Die vom 1
9.
August bis zum 2
5.
Oktober 2013 beziehungsweise vom
2.
März bis zum 3
0.
Mai 2015 durchgeführte
n
Trainings hatte
n
den Leistungsaufbau zum Ziel, was sich aber nicht erreichen liess;
gegenteils
musste das erste Belastbar
keits
training
vor
zeitig abgebrochen werden,
da sich die Belastbarkeit und Leistungs
fähigkeit nicht steigern liess
en
(
Urk.
10/56/3) und
konnte der Beschwerdeführer
auch
im
darauffolgenden
Belastbarkeitstraining
den
Stundenaufbau
auf vier Stunden täglich
nicht einhalten
(
Urk.
10/113/4)
.
Medizinische Fakten, welche eine fehlende verwertbare Leistung im ersten Arbeitsmarkt begründen würden, wurden nicht aufgeführt. Vielmehr muss ge
stützt auf die
Verlaufsprotokoll
e
der Eingliederungsberatung davon ausgegangen werden, dass die Einschätzung der Integrationsfachleute weitgehend auf Aussa
gen des Beschwerdeführers beruhen
(vgl. Urk.
10/56/2, wonach der Beschwerdeführer das Training oft aufgrund von
Schmerzen, Erschöpfung, Atemnotgefühlen, Schwindel und latenter Übelkeit früh
zeitig verliess und berichtet habe, er sei nach jeweils zwei Stunden vor lauter Scherzen wie «weggetreten»;
Urk.
10/113/3, wonach der Beschwerdeführer erklärt
habe, nach den Schulungsmodulen vermehrt Schmerzen zu haben und die Woche
nenden häufig im Bett zu verbringen).
Es kommt hinzu, dass - wie schon ausgeführt - belastende psychosoziale Faktoren
aktenkundig waren
(E. 4.3.2)
und gemäss Bericht der
G._
vom 2
0.
Mai 2014 ein behinderungs
akzen
tuierendes Verhalte
n vorlag
, welches die weiteren Fortschritte in der Belastbarkeit und beruflichen Leistungsfähigkeit blockiere (
Urk.
10/76/8
).
Im Hinblick auf diese
Gegebenheiten kann der Beschwerdeführer aus dem Scheitern der Eingliederungsbemühungen nichts zu seinen Gunsten ableiten
und lässt sich sein Leistungsvermögen nicht anhand der vorgenannt zitierten Ab
schlussberichte festlegen.
4.3.4
Angesichts dessen, dass die Beschwerdesymptomatik durch psychosoziale Fak
toren mitgeprägt war (vgl.
Urk.
10/38/49), während sich die dissoziative Störung nicht bestätigen liess, ist es nicht zu beanstan
den, dass die Beschwerdegegnerin
bis zur Begutachtung an der
E._
von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit ausging und
ab
Dezember
2012 auf eine
zumutbare
Arbeits
fähigkeit
des Beschwerdeführers
in angepasster Tätigkeit von 70
%
schloss
.
5.
5.1
Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit gibt Anspruch auf eine ganze Rente.
Zu prüfen bleibt
indes
, wie sich
die
ab
Dezember
2012 auf 70
%
und ab
Dezember 2018 auf 80
%
eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers auf seine Erwerbsfähigkeit auswirkt.
5.2
5.2.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Bei der Festsetzung des
Valideneinkommens
ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch ein beruflicher Aufstieg im Gesundheitsfall zu berück
sichtigen, den eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend
höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären.
Blosse Absichtserklä
rungen genügen nicht.
Die Absicht, beruflich weiterzukommen, muss durch kon
krete Schritte wie Kursbesuche,
Aufnahme eines Studiums,
Ablegung von Prü
fungen usw. kundgetan worden sein. Die theoretisch vorhandenen beruflichen
Ent
wicklungs
- oder Aufstiegsmöglichkeiten sind nur dann zu berücksichtigen, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten wären (BGE
145 V 141 E. 5.2.1,
96 V 29;
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenver
si
cherung, 3. Auflage 2014,
Rn
63 f. zu Art. 28a
).
5.2.2
Während die Beschwerdegegnerin dem
Valideneinkommen
das vor dem Unfall
ereignis erzielte Einkommen von jährlich
Fr.
65’000.-- zugrunde legte, was unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung für das Jahr 2011 zu einem Ein
kommen von
Fr.
65'650.-- führe (
Urk.
10/141,
Urk.
2), machte der Beschwerde
führer geltend, gemäss telefonischer Auskunft seiner früheren Arbeitgeberin hätte er im Jahr 2019 einen Lohn von
Fr.
87'100.-- im Jahr erzielt.
D
abei
handle es sich
um einen marktkonformen Lohn, den die
Y._
ihren Standleitern effektiv auch bezahle (inkl. 1
3.
Monatslohn).
Da die frühere Arbeitgeberin mit ihm sehr zufrieden gewesen sei, sei auf diese Angaben, unter
Berücksichtigung von fünf Wochen Ferien
auf
Fr.
88'957.--
,
abzustellen
(
Urk.
1 S. 19 f.).
5.2.3
Vorab ist festzuhalten, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung für die Ermittlung des
Valideneinkommens
entscheidend ist, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns - vorliegend
mithin
im Juli 2011 -
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nöti
gen
falls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Ver
dienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
D
er Anmeldung zum Leistungsbezug bei
der
Invalidenversicherung
(
Urk.
10/1/5)
ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer nach 3jährige
r Primarschulzeit in Mazedonien
während zweier Jahre eine Sprachschule in Zürich und
anschliessend
drei Jahre lang die Oberstufe in Zürich besuchte. Danach schloss sich ein Werk
jahr an. Seinen eigenen Angaben zufolge erlernte der
Beschwerdeführer mangels
im Zeitpunkt des Schulabschlusses verfügbarer
Lehrstelle keinen Beruf.
Gegen
über den Gutachtern der
C._
gab er an, nach
einer ersten A
nstellung bei
L._
als Lagerist in einer Parfümerie und danach als Pizzakurier gearbeitet
zu haben. Danach habe er eine Anstellung als Verkäufer bei einem Früchte- und
Gemüsegrossisten gefunden, wo er sich nach fünf Jahren als Verkäufer
zum Ge
schäftsführer hochgearbeitet habe und a
b Anfang 2010 als Geschäftsführer in einer anderen Filiale eingesetzt worden
sei
(
Urk.
10/139
S.
21-22
).
Gegenüber
Dr.
D._
erklärte der Beschwerdeführer, er sei bei der
M._
, der Filiale des Herrn
N._
,
ab 2010
als Geschäftsführer tätig gewesen (
Urk.
13/1 S.
27,
38). Auch im Verlaufsprotokoll der Berufsberatung ist notiert, der Beschwerdeführer sei als Geschäftsführer (Verkauf und Logistik) bei der
M._
tätig gewesen, dies sei
t Dezember 2009 (
Urk.
10/46/2).
D
er
Arbeitgeberfrage
bogen vom 30.
September
2010 (
Urk.
10/14
; vgl. auch
Urk.
10/13
)
, wonach der Beschwerdeführer mit dem Verkauf und Rüsten von Bestellungen beschäftigt war (
Urk.
10/14/6),
wurde demgegenüber
von der
Y._
ausgefüllt und unterzeichnet.
Auch die Unfallmeldung vom 1
2.
Juli 2010 erfolgte durch die
Y._
(
Urk.
10/6/6).
Sodann zeigt ein Blick ins Handelsregister, dass der Beschwerdeführer nie als
Geschäftsführer der
M._
eingetragen war
(
https://zh.chregister.ch/cr-portal/auszug/aus
zug.xht
ml?
uid
=CHE-102.034.393
, besucht am
1
1.
Februar 2021
).
Eine Einkommensstei
ge
rung aufgrund eines Funktionswechsels im Jahr 2009 oder 2010 - gemäss Be
schwerdeführer war er ab Anfang 2010 als Geschäftsführer tätig (vgl. vorstehend) - ergibt sich denn auch nicht aus dem Arbeitgeberfragebogen;
gegenteils
ver
harrte das monatliche Einkommen ab Januar 2009 unverändert bei
Fr.
5'000.--. Hinweise dafür, dass die von der vormaligen Arbeitgeberin gemachte
n
Lohn
an
gabe
n
unzutreffend wäre
n
, finden sich nicht in den Akten. Vielmehr nannte die
Y._
auch in der Unfallmeldung vom 1
2.
Juli 2010 (
Urk.
1
0/6/6) einen Jahreslohn von Fr.
65'000.--.
Das von der Beschwerdegegnerin gestützt hierauf festgesetzte
Valideneinkommen
in Höhe von
Fr.
65'650.-- (
Urk.
10/144/3) führte seitens des Beschwerdeführers im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
nicht zur Beanstandung (
Urk.
10/153).
Mithin bestand für die Beschwerdegegnerin keiner
lei Anlass, weitere Abklärungen hinsichtlich des
Valideneinkommens
zu tätigen, sondern kam
sie
der ihr obliegenden Untersuchungspflicht
rechtsgenüglich
nach.
Soweit der Beschwerdeführer erstmals im Beschwerdeverfahren einen Karriere
sprung, welcher bei der Festsetzung des
Valideneinkommens
zu berücksichtigen sei, geltend macht (
Urk.
1 S. 19 f.), vermag er mangels Substantiierung nicht durchzudringen, versäumte er es doch
,
konkrete Anhaltspunkte zu benennen,
welche auf eine derart hohe
Entlöhnung
wie behauptet schliessen liesse
n
. Nach
dem die Berücksichtigung einer mutmasslichen überproportionalen Einkommens
steigerung nach konkreten Anhaltspunkten für Lebensgeschehnisse, welche schon
in der Zeit vor Eintritt des versicherten Ereignisses ihren Anfang genommen haben, verlangt (E. 5.2.1) - was auch für junge Versicherte gilt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts
8C_550/2009 vom 1
2.
November 2009 E. 4.2) - und auch gute Arbeitszeugnisse (vgl.
Urk.
1 S. 19) sowie Berufserfahrung für eine mutmassliche Lohn
erhöhung
nicht ausreichen,
ist am zuletzt erzielten, der Teuerung ange
passten Verdienst anzuknüpfen.
Ergänzend
ist darauf hinzuweisen, dass mit heutigem Urteil im Verfahren UV.2020.00021, die Beschwerde gegen den
Entscheid des
Unfallversicherer
s
hin
sichtlich Rentenanspruch des Beschwerdeführers
betreffend, das Vorliegen kon
kreter Anhaltspunkte für einen beruflichen Aufstieg im Gesundheitsfall mit ent
sprechend höherem Einkommen verneint wurde.
5.2.4
Demzufolge ist das
Valideneinkommen
ausgehend von
dem vom
Beschwerde
führer
zuletzt vor Eintritt des Gesundheitsschadens erziel
ten und der Nominal
lohnentwicklung angepassten Verdienst zu ermitteln.
Mithin beläuft sich das
Va
lideneinkommen
für das Jahr 2012
auf
Fr.
66’235
.--
(2010:
Fr.
65'000.
--
[
Urk.
10/14]
:100 x
101.9
[Nominallohnindex Männer T1.1.10, 2011-2018, G 45-47, Grosshandel und Reparatur von Motorfahrzeugen
, 2012
, Index-Basis 2010 = 100]
)
.
5.3
5.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
gebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
).
Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Inva
lideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invaliden
ver
sicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.3.2
Da der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit nicht verwertet, ihm aber seit Dezember 2012 eine angepasste Tätigkeit zumutbar ist,
sind zur Bemessung des Invalideneinkommens die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturer
he
bung (LSE) 2012 heranzuziehen, wobei das standardisierte monatliche Einkom
men für
männliche
Hilfskräfte (LSE 2012, TOTAL in der Tabelle TA1, Kompe
tenzniveau 1,
Männer) von Fr. 5'210
.-- heranzuziehen ist. Dieses monatliche Einkommen ist unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2012 von 41,7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche,
2004-2018, TOTAL) auf ein Jahreseinkom
men für eine 70
%ige Tätigkeit
hoch
zurechnen, was Fr. 45'624.--
ergibt (Fr.
5'210
.-- x
12 :
40 x 41,7
x 0.7
).
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsweise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berück
sichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realistischer Weise
noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die
Gegenstand des Abzugs vom Tabellenlohn bildende
Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohn
einbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3.1.1 mit Hinweisen).
Ist von einem ge
nügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände be
rücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts
8C_297/2018 vom 6. Juli 2018 E. 3.5
).
Den gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers
ist
mit dem Anforderungsprofil einer körperlich leichten, vorwiegend bis ausschliesslich im Sitzen auszuführende
n
Arbeit und der Beschränkung der Arbeitsfähigkeit auf ein 70
%
-Pensum bereits hinreichend Rechnung getragen, weshalb
sie im Rahmen eines
Abzug
es nicht erneut zu berücksichtigen sind. A
ngesichts des Zumut
bar
keitsprofils
ist
von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verwei
sungstätigkeiten auszugehen
, umfasst doch der Tabellenlohn im hier zugrunde gelegten Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von
leichten und mittelschwe
ren Tätigkeiten (Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2)
. Folglich können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeits
markt als ausserordentlich zu bezeichnen sind.
Weder das Alter noch die Natio
nalität
- der Beschwerdeführer
ist Schweizer (
Urk.
10/138/22; ZAS-Eintrag) -
recht
fertig
en
einen Abzug vom Tabellenlohn. Ebenso wenig sind m
angelnde
Sprachkenntnisse oder ungenügende Ausbildung abzugsrelevant, da diesen Aspek
ten bei der Wahl des Kompetenzniveaus Rechnung zu tragen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_549/201
9 vom 26. November 2019 E. 7.7), w
elche
V
orgabe mit dem Kompetenzniveau 1
erfüllt
ist.
Soweit
der Beschwerdeführer vortragen lässt, es brauche ein besonderes Entgegenkommen
der
Arbeitgeberin, damit
er
vermehrt
Pausen machen und sich auch hinlegen könne (
Urk.
1 S. 20), vermag dies keinen Abzug zu begründen,
beinhalte
t
der ausgeglichene Arbeitsmarkt doch auch
Nischenarbeitsplätze und Arbeitsplätze, bei welchen mit dem sozialen Ent
gegenkommen des Arbeitgebers
gerechnet werden kann (Urteil des Bundesge
richts 9C_277/2016 vom 1
5.
März 2017 E. 4.1).
Der Umstand
schliesslich
, dass dem
Beschwerd
e
führer
eine
ganztägig
e Beschäftigung
(mit Abzug von
30 %, ab 2017 von
20
%
)
zumutbar ist (E. 3.3.6)
,
rechtfertigt ebenfalls keinen Abzug
(
Urteil des Bundes
gerichts 9C_421/2017 vom 19. September 2017 E. 2.1.1 unter Hinweis auf Urteil 9C_581/2016 vom 24. Januar 2017 E. 3).
Angesichts dessen
, dass aus neuro
uro
logischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht gegeben, sondern
einzig die Gewährleistung der
Selbstkatheterisierung
vorausgesetzt ist (
Urk.
10
/
137/3
), die Gutachter in Kenntnis dieses Umstandes - nebst der Be
schränkung auf eine körperlich leichte Tätigkeit - wegen der Notwendigkeit des Selbstkatheterisierens aber dennoch eine Leistungsei
nschränkung attestierten
(E.
3.3
.6), verbietet sich diesbezüglich die Berücksichtigung eines leidensbe
ding
ten
Abzuges, würde der Notwendigkeit des Selbstkatheterisierens andernfalls doppelt Rechnung getragen, was nicht statthaft ist.
Mithin h
at es bei
einem Invalideneinkommen von
Fr.
45'624.-- sein Bewenden.
5.4
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
66'235.--
und eine
m
Invalideneinkommen von Fr.
45'624.--
ergibt sich eine Einkommenseinbusse von Fr.
20’611
.--
und damit ein Invaliditätsgrad von
31
%
(Fr.
2
0’611
.
--
:
Fr.
66'235.--
x 100), wa
s einem Rentenanspruch ab Dezember 2012
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_687/2018 vom 1
6.
Mai
2018 E. 2)
- und
umso mehr ab November 2017 (E.
4.2.7)
-
entgegensteht
.
Die angefochtene Verfügung ist daher nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 1‘000.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.