Decision ID: e6794bc4-2e8f-43e1-8039-ec40e9fdd442
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raub etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 19. September 2019 (DG190188)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 8. Mai 2019
(Urk. D1/20) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 55 S. 39 ff.)
1. Das Verfahren wird betreffend Sachbeschädigung eingestellt.
2. Der Beschuldigte ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB,
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,
− der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 Abs. 1 StGB
sowie
− des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 172ter StGB.
3. Vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB wird der
Beschuldigte freigesprochen.
4. Die mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom
4. April 2017 bedingt ausgefällte Geldstrafe von 190 Tagessätzen zu
Fr. 10.– wird widerrufen.
5. Der Beschuldigte wird bestraft mit
- einer Freiheitsstrafe von 5 Monaten als Zusatzstrafe zu der mit Urteil
des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 28. April 2017 ausgefäll-
ten Freiheitsstrafe, sowie
- unter Einbezug der widerrufenen Strafe gemäss Ziff. 4 mit einer Geld-
strafe von 220 Tagessätzen zu je Fr. 10.–, teilweise als Gesamtstrafe
und teilweise als Zusatzstrafe zu der mit Urteil des Obergerichts des
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Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 4. April 2017 ausgefällten Geld-
strafe, sowie
- mit einer Busse von Fr. 300.–.
6. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen.
7. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
8. Die Privatklägerin B._ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ Fr. 1'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 27. April 2017 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehr-
betrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
10. Der Privatkläger C._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Rechtsanwalt lic. iur. X1._, wird für seine Bemühungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten mit pauschal Fr. 5'000.– (inkl. Barauslagen
und MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
12. Über die allfällige Entschädigung des vormaligen amtlichen Verteidigers,
Rechtsanwalt lic. iur. X2._, wird separat entschieden.
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13. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'100.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 500.– Auslagen Gutachten Fr. 25.– Zeugengeld Fr. 5'000.– amtliche Verteidigung
14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
15. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 66 S. 1 f.)
" 1. Dispo.-Ziff. 2, Spiegelstrich 1 und 2 seien aufzuheben und der  sei von den Vorwürfen der einfachen  (i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB) sowie des Hausfriedensbruchs (i.S.v. Art. 186 StGB) freizusprechen; entsprechend seien auch Dispo.-Ziff. 4, 5 (Spiegelstriche 1 und 2), 6 und 9 aufzuheben und der Berufungskläger sei zu einer unbedingten Geldstrafe von maximal 15 Tagessätzen zu je CHF 10.00 zu bestrafen.
2. Dispo.-Ziff. 14 sei aufzuheben und die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten maximal im Umfang von 1/15 aufzuerlegen.
3. Eventualiter seien Dispo.-Ziff. 4, 5 (Spiegelstricht 1), 6, 9 und 14 aufzuheben und der Berufungskläger sei entsprechend maximal mit einer Geldstrafe zu bestrafen, dem Privatkläger 2 sei eine Genugtuung von maximal CHF 200.00 zuzusprechen und die Verfahrenskosten seien dem Berufungskläger maximal im  von 1/2 aufzuerlegen.
4. Dem Berufungskläger sei für das vorliegenden  in der Person des Unterzeichnenden eine amtliche  zu bestellen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten des Staates."
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 61, schriftlich und sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Mit eingangs wiedergegebenem Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abtei-
lung, vom 19. September 2019 wurde der Beschuldigte A._ wegen einfacher
Körperverletzung, Hausfriedensbruchs, Hinderung einer Amtshandlung und ge-
ringfügigen Diebstahls schuldig gesprochen und zu einer unbedingten Freiheits-
strafe von 5 Monaten und einer unbedingten Geldstrafe von 220 Tages–sätzen zu
Fr. 10.– sowie zu Fr. 300.– Busse verurteilt. Vom Vorwurf des Raubes sprach ihn
die Vorinstanz frei. Das Verfahren betreffend Sachbeschädigung stellte sie ein.
Schliesslich wurde über Zivilansprüche und die Kosten- und Entschädigungsfol-
gen entschieden (Urk. 55 S. 39 ff.).
2. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte mit Eingabe vom 23. Sep-
tember 2019 rechtzeitig Berufung an (Urk. 48; Prot. I S. 21). Am 10. März 2020
ging dem hiesigen Gericht die Berufungserklärung fristgerecht ein (Urk. 57; vgl.
Urk. 54/2). Nach Erhalt dieser Berufungserklärung verzichtete die Staatsanwalt-
schaft auf eine Anschlussberufung (Urk. 61; vgl. Urk. 59 f.). Der Privatkläger liess
sich innert Frist nicht vernehmen. Nach Durchführung der heutigen Berufungsver-
handlung erweist sich das vorliegende Verfahren damit als spruchreif.
3. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID/JOSITSCH, StPO-Praxiskommentar, 3. Aufl., Zü-
rich/St. Gallen 2018, N 1 zu Art. 402; vgl. auch Art. 437 StPO). Das Berufungsge-
richt überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten
(Art. 404 Abs. 1 StPO).
3.1 Der Beschuldigte ficht mit seiner Berufung die Schuldsprüche wegen einfa-
cher Körperverletzung und Hausfriedensbruchs (Dispositivziffer 2 Spiegelstrich 1
und 2), den Widerruf (Dispositivziffer 4), die ausgesprochene Freiheits- und Geld-
strafe (Dispositivziffer 5 Spiegelstrich 1 und 2), den Vollzugspunkt (Dispositivziffer
6), die Verpflichtung zur Zahlung einer Genugtuung an den Privatkläger (Disposi-
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tivziffer 9) und die Kostenauflage (Dispositivziffer 14 und 15 [bzgl. Nachforde-
rungsvorbehalt]) an. Im Eventualstandpunkt akzeptiert die Verteidigung die ge-
nannten Schuldsprüche, ficht aber die übrigen Punkte an (Urk. 66 S. 1 f.). Nach-
folgend ist das erstinstanzliche Urteil demnach mit Bezug auf diese angefochte-
nen Punkte zu überprüfen, wobei – mangels Berufung seitens der Staatsanwalt-
schaft – das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zu beachten
ist.
3.2 Im Ergebnis ist das vorinstanzliche Urteil somit bezüglich der Dispositivzif-
fern 1 (Einstellung des Verfahrens wegen Sachbeschädigung), 2 Spiegelstrich 3
und 4 (Schuldsprüche wegen Hinderung einer Amtshandlung und geringfügigen
Diebstahls), 3 (Freispruch vom Vorwurf des Raubes), 5 und 7 (Bestrafung mit
Busse und deren Vollzug), 8 und 10 (Verweisung der Privatkläger auf den Zivil-
weg betreffend Schadenersatzbegehren) und 11 bis 13 (Entschädigungen; Kos-
tenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustel-
len ist.
4. Die Verteidigung macht – wie schon vor Vorinstanz – geltend, dass es mit
Bezug auf den Vorwurf des Hausfriedensbruchs (Dossier Nr. 1, vgl. nachfolgend
E. II.1) an einem gültigen Strafantrag fehle (Urk. 44 S. 3; Urk. 66 S. 7 f.). So sei
aufgrund der Aktenlage unklar, ob es sich bei den antragsstellenden D._ AG
sowie E._ AG tatsächlich um die Verfügungsberechtigten über die Liegen-
schaft an der ...-strasse ... in Zürich handle.
Die Vorinstanz ist auf diesen Einwand eingegangen und hat sie verworfen
(Urk. 55 E. I.C.1). Im Ergebnis ist ihr zuzustimmen, dies mit folgender Ergänzung:
Die Ermittlungen der Polizei haben nämlich nicht nur ergeben, dass die D._
AG die Eigentümerschaft vertrat, sondern vielmehr, dass sie die Eigentümerin
war. Dies wurde so im Polizeirapport vom 17. Februar 2017 rapportiert und die
D._ AG als Hauseigentümerin der obgenannten Liegenschaft bezeichnet
(Urk. D1/1 S. 1). Als Urkunde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1237/2018 vom
Urteil vom 15. Mai 2019 E. 1.4.1) liefert zunächst dieser Polizeirapport einen Be-
weis für die Eigentümerstellung der antragsstellenden D._ AG. Des Weiteren
ergibt sich dies mit der Vorinstanz aus deren Informationsschreiben (Urk. D1/3
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S. 2). Schliesslich ist es völlig abwegig, dass die Polizei eine unberechtigte Per-
son mit einem Grossaufgebot bei der Räumung eines dieser nicht gehörenden
Hauses unterstützen würde, ohne zunächst sicherzugehen, dass es sich beim
Unterstützten tatsächlich um den Eigentümer bzw. zumindest Verfügungsberech-
tigten handelt. Der Strafantrag betreffend Hausfriedensbruch ist somit rechtmäs-
sig erfolgt.
II. Schuldpunkt
1. Hausfriedensbruch (Dossier Nr. 1)
1.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe zwischen dem 10. Juni
2016 und dem 1. Februar 2017 die Liegenschaft an der F._-strasse ... in Zü-
rich mindestens eventualvorsätzlich gegen den Willen der berechtigten Person
betreten und darin eine Nacht verbracht.
1.2. Dieser Anklagesachverhalt ist mit der Vorinstanz – mit Ausnahme der feh-
lenden Bewilligung zum Betreten und Verweilen im Haus – gestützt auf das Ge-
ständnis des Beschuldigten (Urk. D1/4 S. 4; Prot. I S. 14; Urk. 66 S. 6), welches
sich auch mit dem übrigen Beweisergebnis deckt (Urk. D1/7, D1/8 und D1/11/1),
erstellt.
1.3. Bestritten ist durch die Verteidigung demgegenüber, dass der Beschuldigte
sich gegen den Willen des Berechtigten in der Liegenschaft aufgehalten habe. Die
Eigentümerschaft habe die Besetzer in der Liegenschaft geduldet und dieses
Hausrecht hätten die Besetzer auf den Beschuldigten ausweiten dürfen (Urk. 44
S. 4, Urk. 66 S. 8 f.).
1.3.1. Festzustellen ist diesbezüglich vorab, dass die D._ AG dem Beschul-
digten den Zutritt zur Liegenschaft und das Verweilen darin weder explizit verbot
noch ausdrücklich erlaubte. Das Gleiche gilt sodann mit Bezug auf die Hausbe-
setzer. Die Verteidigung stellt des Weiteren nicht in Abrede, dass sich Letztere
den Zutritt zur Liegenschaft unrechtmässig verschafft haben. Das Haus hatte eine
Tür und war umzäunt (vgl. Fotodokumentation), womit der Wille der Eigentümer-
schaft, fremden Personen den Zutritt trotz Leerstand zu verweigern, implizit –
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aber deutlich genug – zum Ausdruck gebracht wurde. Einer zusätzlichen aus-
drücklichen Kundgebung bedurfte es nicht. Unstrittig ist schliesslich ebenfalls,
dass das anfängliche Verweilen darin auf kein irgendwie geartetes Vertragsver-
hältnis zwischen den Hausbesetzern und der Eigentümerschaft fusste. Es besteht
diesbezüglich keine gültige Rechtsbeziehung zwischen der Eigentümerin und den
Hausbesetzern. Selbst von der Verteidigung wird denn auch nicht geltend ge-
macht, dass das Verweilen bereits von Beginn weg rechtmässig gewesen sein
soll (Urk. 66 S. 8).
1.3.2. Allerdings ist der Verteidigung – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – da-
rin Recht zu geben, dass tatsächlich gewisse Anhaltspunkte dafür bestehen, dass
die Anwesenheit der Hausbesetzer später ab einem bestimmten Zeitpunkt von
der Eigentümerschaft geduldet wurde (vgl. Urk. 66 S. 8 f.). Ein wichtiges Indiz für
diese Annahme stellt zunächst mit der Verteidigung das Informationsschreiben
der D._ AG dar (D1/3 S. 2). Diesem ist zu entnehmen, dass offensichtlich ein
Räumungstermin auf den 1. Februar 2017 festgesetzt worden war. An diesem
Termin hatten die Besetzer die Liegenschaft gemäss dem Polizeirapport vom 17.
Februar 2017 denn auch geräumt (Urk. D1/1 S. 1 und 3). Ebenfalls wird darin
sinngemäss festgehalten, dass man mit den Besetzern besprochen habe, dass
diese wenigstens die Strom- und Abfallkosten übernehmen würden. Die Eigentü-
merschaft stellte den Strom folglich auch nach bzw. trotz Stellung des Strafantra-
ges am 7. November 2017 bis zum Räumungstermin nicht ab, sondern vereinbar-
te stattdessen mit den Besetzern eine Kostenübernahme durch diese. Diese Um-
stände deuten darauf hin, dass die Eigentümerschaft irgendwann zwischen dem
7. November 2017 und dem 1. Februar 2017 mit den Hausbesetzern – wie von
der Verteidigung geltend gemacht wird – tatsächlich eine Vereinbarung über de-
ren Verweilen im Haus traf. Diese Annahme drängt sich umso mehr auf, wenn
man berücksichtigt, dass im Informationsschreiben weiter ausgeführt wird, dass
die Besetzer am 18. Januar 2017 "noch nicht alle wie vereinbart" ausgezogen
seien. Vor diesem Hintergrund kann nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden,
dass die Eigentümerschaft den Besetzern die vorübergehende Nutzung konklu-
dent erlaubte bzw. dass sie das nach aussen erkennbar freiwillig duldete. Ein un-
rechtmässiges Verweilen in der Liegenschaft an der F._-strasse durch die
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Hausbesetzer kann demnach nicht ohne Verbleib von Restzweifeln nachgewiesen
werden, was ergo auch für den Beschuldigten gilt, der mit Einverständnis der
Hausbesetzer an einem nicht näher bekannten Tag dort übernachtete. In Nach-
achtung des Grundsatzes in dubio pro reo ist der Beschuldigte somit vom Vorwurf
des Hausfriedensbruches im Sinne von Art. 186 StGB freizusprechen.
2. Einfache Körperverletzung (Dossier Nr. 2)
2.1. Hinsichtlich dieses Vorwurfs ist zusammenfassend von folgendem, von der
Vorinstanz anhand des Beweisergebnisses (insb. Urk. D2/3 und 3.1, 6 f. und 10)
schlüssig erstellten (Urk. 55 E. II.B.4.4), vom Beschuldigten eingestandenen (Urk.
D1/4 Nr. 6, 18 ff.; vgl. Prot. II S. 11 f. [Verweis auf bisherige Aussagen]) und im
Berufungsverfahren unstrittig gebliebenen Sachverhalt (Urk. 44 S. 5 ff.; Urk. 66 S.
2; vgl. auch Urk. 61) auszugehen: Der Beschuldigte entwendete aus der B._-
filiale an der G._-strasse ... in Zürich am 27. April 2017 zwei Dosen Tabak
im Gesamtwert von Fr. 56.80, versteckte diese in einer mitgebrachten Tasche und
verliess das Geschäft ohne zu bezahlen, um unrechtmässig über die Dosen zu
verfügen. Der Privatkläger C._ hatte diesen Vorgang beobachtet, stellte den
Beschuldigten ausserhalb des Geschäfts zur Rede und forderte ihn auf, eine Ta-
schenkontrolle zuzulassen. Der Beschuldigte rannte in der Folge weg. Der Privat-
kläger verfolgte ihn, holte ihn ein und hielt ihn fest. Der Beschuldigte wehrte sich
mit den Händen, liess die Tasche los, es kam zu einem Gerangel und beide gin-
gen zu Boden. Der Privatkläger konnte den Beschuldigten in der Folge zusam-
men mit einer weiteren Person festgehalten. Plötzlich biss der Beschuldigte den
Privatkläger heftig in den rechten Unterarm und hörte erst damit auf, nachdem der
Privatkläger ihn losgelassen hatte. Anschliessend flüchtete der Beschuldigte, was
auch das Ziel der Bissattacke gewesen war. Der Privatkläger erlitt dadurch eine
halbmondförmige, im Schnitt ca. 5 cm grosse Bisswunde am Arm mit deutlich
sichtbaren Quetschungen und Schürfungen (Urk. D2/7 S. 1 f.; Urk. D2/17/1).
Nicht mehr strittig und insofern ebenfalls erstellt ist sodann, dass der Be-
schuldigte mit der Bissattacke seine Flucht ermöglichen wollte. Wie die Vorinstanz
mit sorgfältiger und überzeugender Begründung darlegte, ist eine mit dem Biss
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verfolgte Absicht zur Sicherung der Beute nicht nachweisbar (Urk. 55 E. II.B. 2 -
4; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2. In rechtlicher Hinsicht erfüllte der Beschuldigte mit dem Biss unbestritte-
nermassen (Urk. 44 S. 9; Urk. 66 S. 3) den objektiven und subjektiven Tatbestand
der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (vgl.
Urk. 55 E. III.B.4.4.2). Ein Biss solchen Ausmasses überschreitet das allgemein
gesellschaftlich geduldete Mass an physischer Einwirkung auf den Körper eines
Anderen bei Weitem und hat einen Krankheitswert, zumal sie ärztlich behandelt
werden musste und zu einer einwöchigen Arbeitsunfähigkeit führte (Urk. D2/11/2).
Der Privatkläger berichtete sodann von starken Schmerzen und sogar von einer
vorübergehenden Gefühllosigkeit bzw. Taubheit des rechten Unterarmes und sei-
ner rechten Hand (Urk. D2/3 Nr. 23 - 25; D2/3.1 Nr. 15).
2.3. Die Verteidigung stellt allerdings die Rechtswidrigkeit des Verhaltens des
Beschuldigten in Abrede.
2.3.1. Sie macht zusammenfassend geltend, dass der Beschuldigte den Privat-
kläger aus Notwehr gebissen habe. Die Festnahme durch den Privatkläger stelle
nämlich eine Nötigung bzw. eine Freiheitsberaubung dar. Nachdem der Beschul-
digte das Diebesgut losgelassen habe, es mithin bereits gesichert gewesen sei,
sei kein unmittelbarer Angriff seitens des Beschuldigten auf ein Rechtsgut der
B._ AG mehr im Gange gewesen. Folglich sei die Nötigungshandlung des
Privatklägers ("Gewaltsames Zu-Boden-Drücken" und Festhalten) nicht gerecht-
fertigt und deshalb rechtswidrig gewesen. Unter diesen Umständen habe sich der
Beschuldigte mit dem Biss lediglich gegen einen "ungerechtfertigten Festhalte-
griff" gewehrt, was unter Art. 15 StGB falle. Der Biss sei eine verhältnismässige
Notwehrhandlung auf einen unrechtmässigen Angriff gewesen (Urk. 44 S. 5, 7 f.,
9-10; Urk. 66 S. 3 ff.).
2.3.2. Diesen Ausführungen der Verteidigung kann nichts abgewonnen werden.
Zwar kann ihr insofern noch Recht gegeben werden, als das Festhalten des Be-
schuldigten durch den Privatkläger als Eingriff in die Freiheitsrechte des Beschul-
digten zu werten ist. Allerdings war dieser Eingriff – entgegen der Ansicht der Ver-
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teidigung – nicht unrechtmässig im Sinne von Art. 15 StGB, sondern durchaus ge-
rechtfertigt, wie die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk. 55 E. III.B.3.2) und nachfol-
gend nochmals zu verdeutlichen ist:
a) Gemäss Art. 14 StGB verhält sich derjenige nicht unrechtmässig, der han-
delt, wie es das Gesetz gebietet oder erlaubt, auch wenn die Tat nach diesem
oder einem anderen Gesetz mit Strafe bedroht ist. Als Quelle solcher Erlaubnisse
oder Gebote kommt die gesamte Rechtsordnung in Betracht. Rechtfertigungs-
gründe, die für die vorliegend im Raume stehende Anwendung unmittelbaren
Zwangs gegenüber einer Person und für eine Ausnahme vom Verbot der Gewalt-
anwendung durch Private zur Abwehr von Eigentumsverletzungen in Betracht
kommen, sind insbesondere die Festnahme durch Privatpersonen nach Art. 218
StPO, die Besitzkehr nach Art. 926 Abs. 2 ZGB und das Selbsthilferecht nach Art.
52 Abs. 3 OR. Auf diese Bestimmungen verwies bereits die Vorinstanz zu Recht
(Urk. 55 E. III.B.3.2; vgl. zu dieser Thematik insbesondere MARIO GIANNINI, "La-
dendiebstahl - Rechtsgrundlagen für eine Ergreifung des Täters durch Private bei
geringfügigen Vermögensdelikten i.S.v. Art. 172ter StGB de lege lata et de lege
ferenda", ZStrR 122/2004 S. 41 - 67).
b) Als Rechtfertigungsgrund ist vorliegend in erster Linie Art. 52 Abs. 3 OR ein-
schlägig. Diese Bestimmung bezweckt nämlich nicht nur die Aufrechterhaltung
bzw. Wiederherstellung einer durch rechtswidriges Vorgehen eines anderen ge-
fährdenden oder geänderten Situation durch die Anwendung von mehr oder we-
niger Gewalt, sondern es soll dadurch vielmehr verhindert werden, dass die zu-
künftige Durchsetzung eines berechtigten Anspruchs vereitelt oder in Frage ge-
stellt wird. Gestützt auf Art. 52 Abs. 3 OR ist es dem Ladenbesitzer bzw. Ver-
kaufs- oder Sicherheitspersonal folglich erlaubt, neben der Rückgabe des Die-
besgutes auch einen allfälligen Schadenersatzanspruch bzw. eine Umtriebsent-
schädigung geltend zu machen. Um einen solchen Anspruch auch tatsächlich
durchsetzen zu können, muss es dem Opfer gestattet sein, die Identität des
Schuldners (Ladendieb) abzuklären (GIANNINI, ZStrR 122/2004, S. 58 f.; BSK
StPO-ALBERTINI/ARMBRUSTER, Art. 218 N 2). So ist u.a. das Abnehmen der ge-
stohlenen Sache sowie das Verbringen des Täters in das Büro des Kaufhausde-
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tektivs auch bei einem geringfügigen Diebstahl zulässig (BSK StPO-
ALBERTINI/ARMBRUSTER, Art. 218 N 2). Der Rechtfertigungsgrund von Art. 52 Abs.
3 OR gilt somit über das Haftpflichtrecht hinaus auch im Strafrecht (vgl. BGE 104
IV 90 E. 2 m.H.).
Der Beschuldigte kam der anfänglichen Bitte des Privatklägers, die Tasche
kontrollieren zu lassen, nicht nach. Ebenso wenig sachgerecht reagierte er des
Weiteren auf das Vorhalten des beobachteten Diebstahls. Stattdessen ergriff er
sogleich die Flucht. Erst nachdem der Privatkläger den Beschuldigten daraufhin
einzuholen vermochte und es zu einem Gerangel kam, liess der Beschuldigte das
Diebesgut los. Dem Privatkläger war die Identität des Beschuldigten unbekannt.
Es blieb ihm damit keine andere Wahl als zu versuchen, den Beschuldigten
zwecks Identitätsfeststellung bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten, wozu er
nach dem Gesagten auch berechtigt war.
Soweit der Verteidiger dieser Feststellung mit dem Hinweis auf die vorhan-
denen Videoaufzeichnungen widerspricht (Urk. 44 S. 10), ist ihm entgegenzuhal-
ten, dass eine solche allein zum einen selten Aufschlüsse zur Identität eines Tä-
ters zu liefern vermag. Zum anderen hatte der Beschuldigte keinen festen Wohn-
sitz in der Schweiz, weshalb er offenbar eben trotz dieser Aufnahme und einer
zusätzlichen DNA-Identifizierung (Urk. D2/10) über ein Jahr lang nicht hat aufge-
griffen werden können. Im Februar 2018 schrieb man ihn zur Fahndung im RIPOL
aus. Am 4. April 2018 wurde das Verfahren deswegen sogar vorübergehend sis-
tiert (D1/14). Vor diesem Hintergrund erweist sich folglich der Einwand der Vertei-
digung als unbegründet. Das Gleiche gilt mit Bezug auf deren Argument, dass
nach Freigabe des Deliktsguts durch den Beschuldigten keine Schadenersatzan-
sprüche mehr hätten vorliegen können, da man die gestohlenen Tabakdosen ja
sofort wieder hätte in Besitz nehmen können (Urk. 66 S. 5). Denn die Verteidi-
gung verkennt dabei, dass in der vorliegenden Konstellation auch Umtriebe ent-
standen sein dürften, zu deren Entschädigung der Beschuldigte ebenfalls ver-
pflichtet wäre. Abgesehen davon war zum Zeitpunkt, als der Privatkläger den Be-
schuldigten festhielt, ohnehin völlig unklar, ob die Tabakdosen überhaupt unbe-
schädigt waren oder nicht, befanden sich diese doch in der Tasche des Beschul-
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digten und konnten zum Zeitpunkt des Festhaltens nicht auf einen einwandfreien
Zustand hin geprüft werden.
c) Eingriffe unter Berufung auf Art. 14 StGB unterstehen dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit. Der Eingriff muss also geeignet und erforderlich sein, um
den verfolgten Zweck herbeizuführen. Sodann muss auch die Verhältnismässig-
keit zwischen Eingriffszweck und Eingriffswirkung gegeben sein (vgl. zum Gan-
zen: NIGGLI/GRÖHLICH in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], Basler Kommentar, Straf-
recht I [BSK StGB I], 4. Aufl., Basel 2019, Art. 14 N 4). Dieses allgemeine Ver-
hältnismässigkeitsgebot gilt auch für Art. 52 Abs. 3 OR. Der zur Selbsthilfe Be-
rechtigte kann u.U. auch auf die Anwendung von Gewalt angewiesen sein (vgl.
BREM in: HAUSHEER/WALTER [Hrsg.], Berner Kommentar zum Obligationenrecht,
4. Aufl., Bern 2013, Art. 52 N 58 ff.; vgl. auch ZStrR 2004 S. 58 ff.). Als angemes-
sen wird mitunter das Festhalten des renitenten Ladendiebes zwecks Identitäts-
feststellung bis zum Eintreffen der Polizei bezeichnet (GIANNINI, ZStrR 122/2004,
S. 59; BSK StGB-NIGGLI/GÖHLICH, N 27 zu Art. 14).
Die Selbsthilfehandlungen des Privatklägers sind verhältnismässig. So wur-
de die Polizei sofort nach Entdeckung des Diebstahls durch dessen Arbeitskolle-
gin avisiert (Urk. D2/1 S. 4: 19:55 Uhr), woraus erhellt, dass der Privatkläger den
Beschuldigten nur bis zum Eintreffen der Polizei festhalten wollte, welche dann
dessen Identität hätte feststellen können. Dies entspricht auch den diesbezügli-
chen Aussagen des Privatklägers (Urk. D2/3.1 Nr. 17). Der Privatkläger wendete
keine übermässige Gewalt an. Seine Selbsthilfehandlungen beschränkten sich
zunächst auf eine Aufforderung zur Zulassung einer Taschenkontrolle und danach
auf Festhalteversuche (vgl. oben). Der Beschuldigte erlitt keine Verletzungen,
Entsprechendes wird jedenfalls nicht geltend gemacht. Dass der Beschuldigte ir-
gendwann zu Boden ging, ist – entgegen der gegenteiligen Darstellung der Ver-
teidigung (Urk. 44 S. 10; Urk. 66 S. 6) – nicht darauf zurückzuführen, dass er vom
Privatkläger gewaltsam zu Boden gedrückt wurde, sondern ist Folge eines unkon-
trollierten und unbeabsichtigten Sturzes zufolge des Gerangels. Der Privatkläger,
der notabene dem gleichen Schicksal erlag, machte sich diesen Umstand ledig-
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lich zu Nutze, indem er den Beschuldigten nunmehr am Boden festzuhalten ver-
suchte.
Folglich war das Festhalten des Beschuldigten durch den Privatkläger gestützt auf
Art. 52 Abs. 3 OR gerechtfertigt und verhältnismässig.
d) Fraglich ist indes, ob Art. 218 Abs. 1 StPO (bzw. Art. 218 Abs. 2 i.V.m.
Art. 200 StPO) das Festhalten des Beschuldigten durch den Privatkläger für den
Zeitraum vor dem Biss zu rechtfertigen vermag. Diese Bestimmung gewährt einer
Privatperson nämlich gemäss ihrem klaren Wortlaut nur bei Verbrechen und Ver-
gehen ein Festhalterecht (vgl. ALBERTINI/ARMBRUSTER, in: NIGGLI/ HEER/WIPRÄCH-
TIGER [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerisches Strafprozessrecht, 2. Auflage,
Basel 2014 N 2 zu Art. 218). Der Beschuldigte beging aber einen geringfügigen
Diebstahl, also eine Übertretung. Unklar ist, ob dies der Privatkläger zum Zeit-
punkt der Verfolgungsaufnahme und der Festhaltung des Beschuldigten auch
wusste, gab er doch einmal an, von zwei Dosen Tabak als Diebesgut ausgegan-
gen zu sein (D2/3 Nr. 5 und D2/3.1 Nr. 23 f.) und einmal, dass er zwar gewusst
habe, was der Beschuldigte gestohlen habe, jedoch nicht wieviel (Urk. D2/3.1
S. 5). Diese Frage kann indes nach dem oben Gesagten offenbleiben. Zudem ist
im Hinblick auf das Argument der Verteidigung, wonach der Beschuldigte "erst
stärker" zugebissen habe, "als der Privatkläger trotz Biss nicht von ihm" abgelas-
sen habe (Urk. 44 S. 10; Urk. 66 S. 6), klarzustellen, dass die Voraussetzungen
von Art. 218 Abs. 1 StPO spätestens ab dem Zeitpunkt des Bisses erfüllt waren.
Ab da war der Privatkläger demnach für den Zeitraum, während welchem er den
Beschuldigten noch festhalten konnte, hierzu auch berechtigt. Die einfache Kör-
perverletzung stellt ein Vergehen dar. Bis zum Loslassen der Tasche mit den Ta-
bakwaren war das Festhalten des Beschuldigten durch den Privatkläger zudem
von Art. 926 Abs. 2 ZGB erfasst. Diese Bestimmung erlaubt dem berechtigten
Besitzer die Ausübung angemessener Gewalt zur Wiedererlangung des Besitzes
an einem ihm entzogenen Gegenstand. Ab wann dem Privatkläger abschliessend
klar sein musste, dass die Tabakwaren wiedererlangt waren, lässt sich angesichts
der raschen zeitlichen Abfolge während des Gerangels nicht abschliessend be-
antworten und kann ebenfalls offenbleiben.
- 16 -
2.3.3. Im Ergebnis lag kein rechtswidriger Angriff durch den Privatkläger vor, wel-
cher den Beschuldigten zur Notwehr berechtigt hätte. Selbst wenn man aber von
einem rechtswidrigen Angriff ausgehen würde, hätte der Beschuldigte diesen oh-
nehin durch den unmittelbar vorangegangenen Diebstahl selber provoziert. Seiner
Verteidigungshandlung haftete also das eigene Unrecht noch unmittelbar an.
Folglich könnte dem Beschuldigten ohnehin nur ein eingeschränktes Notwehr-
recht zu Gute gehalten werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_352/116 vom
29. Juli 2016, E. 1.2). Der Biss würde unter diesen Umständen eine weit über das
dadurch Gerechtfertigte hinausgehende Notwehrhandlung darstellen und wäre
absolut unverhältnismässig. Es kämen die Regeln des Notwehrexzesses zur An-
wendung (Art. 16 Abs. 1 StGB), was auf den Schuldpunkt keinen Einfluss hätte,
aber bei der Strafzumessung zu berücksichtigen wäre. Nachdem die vom Privat-
kläger ausgehende Gewalt angesichts der Umstände aber angemessen war, die
Notwehrhandlung des Beschuldigten demgegenüber aber weit über das Erlaubte
hinausschoss, würde sich auch hier lediglich eine marginale Strafmilderung recht-
fertigen.
2.4. Der Beschuldigte machte sich somit der einfachen Körperverletzung im Sin-
ne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB strafbar.
III. Strafpunkt
1. Ausgangslage
1.1. Gestützt auf den rechtskräftigen Schuldspruch der Vorinstanz und der vor-
stehend dargelegten zusätzlichen Schuldsprüche ist nunmehr eine Strafe auszu-
fällen wegen
− einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 2) 
− Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 Abs. 1 StGB (Dossier 3).
1.2. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte mit Urteil des Oberge-
richts des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 4. April 2017 wegen Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte, einfacher Körperverletzung und wegen
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu Fr. 100.– Busse und zu einer
- 17 -
Geldstrafe von 190 Tagessätzen zu Fr. 10.–, bedingt vollziehbar mit einer Probe-
zeit von 3 Jahren, verurteilt wurde (Beizugsakten aus dem Verfahren SB160380,
Urk. 46 und 67). Die vorliegend zu beurteilende einfache Körperverletzung
(27. April 2017) sowie die Hinderung der Amtshandlung (30. November 2017)
beging der Beschuldigte während dieser dreijährigen Probezeit. Es wird folglich
der Widerruf des bedingen Vollzugs der ausgesprochenen Geldstrafe zu prüfen
sein (Art. 46 Abs. 1 StGB).
1.3. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung - Einzelgericht, vom
28. April 2017 wurde der Beschuldigte schliesslich wegen Hausfriedensbruchs mit
60 Tagen Freiheitsstrafe bestraft (GB170008). Damit stellt sich bezüglich der ein-
fachen Körperverletzung (Dossier 2) zusätzlich die Frage der retrospektiven Kon-
kurrenz, da der Beschuldigte dieses Delikt am 27. April 2017 begangen hatte.
Hätte das Bezirksgericht Zürich am 28. April 2017 Kenntnis davon gehabt, wären
diese gleichzeitig zu beurteilen gewesen wären (Art. 49 Abs. 2 StGB).
2. Anwendbares Recht
2.1. Der Beschuldigte hat die heute zu beurteilenden Taten vor dem Inkrafttreten
der seit dem 1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen
Teils des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS 2016 1249)
begangen. Das neue Recht ist daher auf diese nur anzuwenden, sofern es für den
Beschuldigten im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2
Abs. 2 StGB). Diese Prüfung hat nicht aufgrund eines abstrakten Vergleichs, son-
dern anhand einer konkreten Betrachtungsweise zu erfolgen.
2.2. Das alte Recht ist hinsichtlich einer möglichen Geldstrafe milder, da gemäss
aArt. 34 Abs. 1 StGB eine Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen ausgefällt wer-
den konnte, wohingegen die maximal mögliche Tagessätzhöhe nach geltendem
Recht nur noch 180 Tagessätze beträgt. Das Gleiche gilt mit der Vorinstanz be-
züglich der nach altem Recht eingeschränkten Möglichkeit zur Ausfällung einer
kurzen unbedingten Freiheitsstrafe (Art. 41 Abs. 1 StGB; vgl. Urk. 55 E. IV.A.2.2).
- 18 -
2.3. Für die Frage des anwendbaren Rechts spielt im konkreten Fall sodann die
mit der genannten Revision erfolgte Änderung der Regelung der Nichtbewährung
gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB eine Rolle.
2.3.1. So beschränkte Art. 46 Abs. 1 Satz 2 aStGB die Gesamtstrafenbildung im
Widerrufsfall auf Fälle, in welchen die bedingte Vorstrafe und die neue Strafe
nicht gleichartig waren und das Gericht die Art der Vorstrafe änderte. Dabei durfte
allerdings die Vorstrafe nicht in eine schwerere Sanktion umgewandelt werden.
Die Bildung einer Gesamtstrafe war damit nur noch möglich, wenn eine früher be-
dingt ausgesprochene Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe umgewandelt und an-
schliessend eine Gesamtgeldstrafe gebildet wurde (BGE 145 IV 146 E. 2.1 mit di-
versen Hinweisen). Vorliegend handelt es sich bei der allenfalls zu widerrufenen
Sanktion um eine Geldstrafe (vgl. vorstehend E.1.2). Eine Gesamtstrafenbildung
ist nach altem Recht demzufolge ausgeschlossen.
2.3.2. Das geltende Recht setzt für die Bildung einer Gesamtstrafe hingegen die
Gleichartigkeit der einzeln ausgesprochenen Strafen voraus (a.a.O. E. 2.3.5). Da
die allenfalls zu widerrufene Sanktion eine Geldstrafe ist, wäre die Bildung einer
Gesamtstrafe grundsätzlich zwar möglich, sofern für die neu zu beurteilenden De-
likte – bzw. bei Deliktsmehrheit für jede einzelne Tat (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2) –
ebenfalls eine Geldstrafe als Strafart festgelegt werden könnte. Allerdings wäre
diesfalls das Höchstmass dieser Sanktionsart (180 Tagessätze; vgl. Art. 34 Abs. 1
StGB) überschritten, beträgt doch bereits die zu widerrufene Geldstrafe 190 Ta-
gessätze. Als Gesamtstrafe käme nach neuem Recht somit ausschliesslich eine
Freiheitsstrafe in Frage. Auch nach neuem Recht hat demnach eine Gesamt-
strafenbildung ein unzulässiges Resultat zu Folge.
2.3.3. Das neue Recht führt damit mit Bezug auf die Widerrufsfrage zu keiner
Besserstellung des Beschuldigten.
2.1. Als milder erweist sich das neue Sanktionenrecht bei allgemeiner Betrach-
tungsweise einzig bezüglich der Vollzugsfrage, auf welche, um eine einheitliche
Rechtsanwendung in vorliegendem Urteil gewährleisten zu können, bereits an
dieser Stelle näher einzugehen ist. Wie die Vorinstanz zu Recht erwog, wäre zwar
- 19 -
nach geltendem Recht – im Gegensatz zum alten – grundsätzlich nicht von einer
Schlechtprognose auszugehen, obwohl der Beschuldigte innerhalb der letzten
fünf Jahre zu einer Geldstrafe von über 180 Tagessätzen verurteilt wurde. Aller-
dings kann dem Beschuldigten im konkreten Fall unabhängig davon bzw. trotz-
dem auch nach altem Recht zumindest teilweise eine günstige Prognose gestellt
werden, was an anderer Stelle noch näher zu begründen sein wird (vgl. unten E.
IV). Somit führt das diesbezüglich mildere geltende Recht in der konkreten Situa-
tion zu keiner Besserstellung des Beschuldigten.
2.2. Nachdem sich das Sanktionenrecht mit Bezug auf die übrigen vorliegend re-
levanten Bestimmungen, so z.B. bezüglich Art. 49 Abs. 2 StGB, nicht geändert
hat, erweist sich vorliegend das neue Recht (wegen der Möglichkeit zur Ausfäl-
lung einer Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen) als nicht milder als das alte
Recht bzw. als diesem gleichwertig. Folglich ist auf die nachfolgende Strafzumes-
sung das alte Sanktionenrecht anzuwenden.
3. Widerruf
3.1. Bezüglich der rechtlichen Voraussetzungen für den Widerruf der vom Ober-
gericht Zürich am 4. April 2017 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 190 Ta-
gessätze zu Fr. 10.– zufolge erneuter Delinquenz des Beschuldigten während der
im gleichen Urteil angesetzten dreijährigen Probezeit kann – um unnötige Wie-
derholungen zu vermeiden – vollumfänglich auf die korrekten Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 55 E. IV. D.3.7.1). Den ebenfalls zutreffenden
Erwägungen bezogen auf den vorliegenden konkreten Fall kann einzig hinzuge-
fügt werden, dass sich der Beschuldigte nicht nur durch die 2014 sowie 2017
ausgesprochenen Geldstrafen nicht beeindrucken liess, sondern ebensowenig
durch die im damaligen Verfahren vor Obergericht Zürich (SB160380) erstandene
19-tägige Haft, den Widerruf der Vorstrafe vom August 2014 und durch die im Ap-
ril 2017 unbedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 60 Tagen (GB170008).
Durch die Wiederaufnahme einschlägiger Delinquenz (Dossier 2) noch im glei-
chen Monat, in welchem er vom Obergericht Zürich am 4. April 2017 zu einer be-
dingten Geldstrafe verurteilt worden war, und deren beharrliche Fortsetzung
(Dossier 3) trotz der zuletzt ausgefällten unbedingten Freiheitsstrafe am 28. April
- 20 -
2017 offenbart sich nicht nur die Unbelehrbarkeit des Beschuldigten, sondern
ebenso dessen Ignoranz gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung. Auch
seine persönlichen Verhältnisse zeugen – entgegen den anderslautenden Ausfüh-
rungen der Verteidigung (Urk. 42 S. 2) – nicht von verlässlichen, tragfähigen sozi-
alen Beziehungen: So arbeitete der Beschuldigte bereits zum Zeitpunkt des ge-
richtlichen Verfahrens GB170008 seit einem Jahr als Gärtner auf Sardinien und
wollte mit seiner Lebenspartnerin eine Familie gründen (Beizugsakten GB170008,
Prot. S. 8 f.). Offenbar hielten ihn weder die Arbeit noch seine Familienpläne von
weiterer Delinquenz ab. Anhaltspunkte, welche für eine Verbesserung und Stabili-
sierung der von ihm ausgehenden Rückfallgefahr sprechen könnten, fehlen damit
vollends. Der bedingte Vollzug der mit Urteil des Obergerichts Zürich vom 4. April
2017 ausgefällten Geldstrafe ist somit zu widerrufen.
3.2. Wie bereits im Rahmen des anwendbaren Rechts dargelegt wurde, ist eine
Gesamtstrafenbildung in der vorliegenden Konstellation nicht möglich (vorstehend
2.3.1 und 2.5), müsste doch die zu widerrufene Geldstrafe in eine Freiheitsstrafe
umgewandelt werden, was unzulässig ist. Folglich sind die Strafen für die Probe-
zeitdelikte (einfache Körperverletzung [vgl. unten E. 4.2.3], Hinderung einer
Amtshandlung [vgl. unten E. 5]) und diejenige der zu widerrufenen Vorstrafe zu
kumulieren.
4. Retrospektive Konkurrenz
4.1. Wie bereits vorstehend unter E. 1.3 aufgezeigt wurde, stellt sich mit Bezug
auf Dossier 2 (einfache Körperverletzung) die Frage der retrospektiven Konkur-
renz zum Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung - Einzelgericht, vom 28.
April 2017 (GB170008).
4.1.1. Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor
er wegen einer andern Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe
in der Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren
Handlungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Die Be-
stimmung will im Wesentlichen das in Art. 49 Abs. 1 StGB verankerte Aspera-
tionsprinzip auch bei retrospektiver Konkurrenz gewährleisten (BGE 142 IV 265
- 21 -
E. 2.3.1 m.w.H.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung greift aber das
Asperationsprinzip nur, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen wer-
den. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen. Das Gericht kann eine
Gesamtfreiheitsstrafe nur ausfällen, wenn es im konkreten Fall für jede einzelne
Tat die gleiche Strafart wählt. Diese Voraussetzungen gelten auch für die Bildung
der Zusatzstrafe bei der retrospektiven Konkurrenz. Eine Zusatzstrafe kann somit
ebenfalls nur ausgesprochen werden, soweit die Strafen der neu zu beurteilenden
Delikte und die Grundstrafe gleichartig sind. Dabei ist der Zweitrichter im Rahmen
der gedanklich zu bildenden hypothetischen Gesamtstrafe bzw. der Zusatz-
strafenbildung nicht befugt, die Art, Dauer und Vollzugsform der Grundstrafe des
rechtskräftigen ersten Entscheides zu ändern (a.a.O. E. 2.3.2 und 2.4.2 m.w.H.).
Dass das Zweitgericht die Zusatzstrafe nach den zu Art. 49 Abs. 1 StGB entwi-
ckelten Grundsätzen zu bilden hat, erlaubt es ihm nicht, im Rahmen der retro-
spektiven Konkurrenz auf die rechtskräftige Grundstrafe zurückzukommen. Zwar
hat es sich in die Lage zu versetzen, in der es sich befände, wenn es alle der
Grund- und Zusatzstrafe zugrunde liegenden Delikte in einem einzigen Entscheid
zu beurteilen hätte. Die gedanklich zu bildende hypothetische Gesamtstrafe hat
es jedoch aus der rechtskräftigen Grundstrafe (für die abgeurteilten Taten) und
der nach seinem freien Ermessen festzusetzenden Einzelstrafen für die neuen
Taten zu bilden. Sein Ermessen beschränkt sich auf die von ihm gemäss Art. 49
Abs. 2 StGB vorzunehmende Asperation zwischen rechtskräftiger Grundstrafe
und der für die noch nicht beurteilten Taten auszusprechenden Strafe (a.a.O. E.
2.4.2 m.w.H.).
4.1.2. Nach dem Gesagten ist im Folgenden zur Beurteilung, ob die Vorausset-
zungen für eine Zusatzstrafe gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB (insb. Gleichartigkeit)
gegeben sind, zunächst die Einzelstrafe für die neu zu beurteilende Tat unter Dar-
legung der jeweils massgebenden Strafzumessungsgründe festzusetzen und zu
benennen (a.a.O. E. 2.4.3 m.H.). Liegen die Voraussetzungen für eine Zusatzstra-
fe vor, hat sich das Gericht anschliessend zu fragen, welche Strafe es ausgespro-
chen hätte, wenn es sämtliche Delikte gleichzeitig beurteilt hätte. Es setzt dem-
nach eine hypothetische Gesamtstrafe (bestehend aus Grundstrafe und der Ge-
samtstrafe für die neuen Delikte) fest. Dabei hat es nach den Grundsätzen von
- 22 -
Art. 49 Abs. 1 StGB zu verfahren (a.a.O. E. 2.3.3). Die Einsatzstrafe bildet dabei
die Strafe der (abstrakt) schwersten Straftat sämtlicher Delikte. Es ist zu unter-
scheiden, ob die Grundstrafe oder die neu zu beurteilenden Delikte die schwerste
Straftat enthalten. Im ersten Fall ist die Grundstrafe aufgrund der Einzelstrafen
der neu zu beurteilenden Delikte angemessen zu erhöhen. Anschliessend ist von
der (gedanklich) gebildeten Gesamtstrafe die Grundstrafe abzuziehen, was die
Zusatzstrafe ergibt. Liegt umgekehrt der Einzel- oder Gesamtstrafe der neu zu
beurteilenden Taten die schwerste Straftat zugrunde, ist diese um die Grundstrafe
angemessen zu erhöhen. Die infolge Asperation eintretende Reduzierung der
rechtskräftigen Grundstrafe ist von der Strafe für die neu zu beurteilenden Delikte
abzuziehen und ergibt die Zusatzstrafe. Bilden die Grundstrafe und die Strafe für
die neu zu beurteilenden Delikte ihrerseits Gesamtstrafen, kann das Zweitgericht
der bereits im Rahmen der jeweiligen Gesamtstrafenbildung erfolgten Asperation
durch eine gemässigte Berücksichtigung bei der Zusatzstrafenbildung Rechnung
tragen (a.a.O. E. 2.4.4). Die Zusatzstrafe ist folglich nichts Anderes als die infolge
Asperation mit der Grundstrafe reduzierte Strafe für die neu zu beurteilenden Ta-
ten (a.a.O. E. 2.3.3).
4.2. Strafzumessung für das neu zu beurteilende Delikt
4.2.1. Allgemeine Strafzumessungsregeln
Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu und berück-
sichtigt dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung
der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Bundesgericht hat
die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. StGB und der Gesamt-
strafenbildung nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des Asperationsprinzips
wiederholt dargelegt (BGE 144 IV 313 E. 1.1; 144 IV 217 E. 3; 142 IV 137 E. 9.1;
141 IV 61 E. 6.1.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_523/2018 vom 23. August 2018
E. 1.2.2; je mit Hinweisen). Darauf und auf die diesbezüglichen Erwägungen der
Vorinstanz kann vorab verwiesen werden (Urk. 55 E. IV.C.1.1 f. und D.1).
- 23 -
4.2.2. Einfache Körperverletzung
a) Bezüglich der Tatkomponenten ist in objektiver Hinsicht zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte dem Privatkläger C._ eine ca. 5 cm grosse Bisswunde
zufügte, welcher nicht nur mit nicht zu unterschätzenden Schmerzen einherging,
sondern auch eine ambulante Behandlung und die Einnahme von Antibiotika er-
forderlich machte und zu einer mehrtätigen Arbeitsunfähigkeit führte (Urk. D2/11/2
f.). Der Beschuldigte biss sodann gemäss den Aussagen des Privatklägers (Urk.
D2/3 Nr. 5; D2/3.1 Nr. 20) mit derart erhebliche Kraft zu, dass er währenddessen
"richtig zitterte". Er neigte dabei sogar noch seinen Kopf nach hinten, um den Zug
auf den Arm des Privatklägers, mithin also die Schmerzen, zusätzlich zu verstär-
ken. Hinzu kommt mit der Vorinstanz, dass er den Privatkläger mit einem derart
starken Biss einem hohen Infektionsrisiko aussetzte. Mit seinem Verhalten be-
wirkte der Beschuldigte eine empfindliche Beeinträchtigung der körperlichen In-
tegrität des Privatklägers. Zwar erfolgte der Biss in einer Situation, in welcher sich
der Beschuldigte unterlegen fühlte, weil der Privatkläger ihn festhielt (vgl.
Urk. D1/4 Nr. 10, wonach er sich in die Enge getrieben gefühlt habe). Dieses
Festhalten wurde indes nur erforderlich, weil der Beschuldigte zuvor einen Dieb-
stahl begangen hatte und – als er gestellt wurde – zunächst mit der Beute ver-
suchte zu flüchten. Hätte er sich nach Konfrontation mit dem beobachteten Dieb-
stahl durch den Privatkläger und dessen Bitte zur Taschenkontrolle kooperativ
verhalten, wäre es nicht zur Festhaltung gekommen. Der Beschuldigte hätte ledig-
lich seine Identität angeben können. Auch später hätte es nicht zu einem Geran-
gel kommen müssen, wenn der Beschuldigte einfach die Verantwortung für den
von ihm begangenen Diebstahl übernommen hätte und auf den Privatkläger ein-
gegangen wäre. Dass der Beschuldigte die Tat spontan beging, wirkt sich ledig-
lich leicht verschuldensmindernd aus. Mit der Vorinstanz kann sodann marginal
zu Gunsten des Beschuldigten berücksichtigt werden, dass er vom Privatkläger
abliess, als er sein Ziel, losgelassen zu werden, erreichte. Das Verschulden des
Beschuldigten ist gesamthaft als eher leicht zu taxieren. Die Berücksichtigung der
subjektiven Tatkomponenten führt zu keiner anderen Verschuldensbewertung,
nachdem der Beschuldigte vorsätzlich und aus egoistischen Motiven handelte.
- 24 -
Hierfür erweist sich eine hypothetische Einsatzstrafe von 4 Monaten bzw. 120 Ta-
gessätzen Geldstrafe als angemessen.
b) Diese Einsatzstrafe erfährt unter Berücksichtigung sämtlicher Täterkompo-
nenten gesamthaft eine Erhöhung um einen Monat. So war der Beschuldigte zwar
in tatsächlicher Hinsicht geständig. Jedoch erfolgte dieses Geständnis lediglich
unter erdrückender Beweislast, weshalb unter diesem Titel nur eine marginale
Strafminderung gerechtfertigt ist. Erheblich straferhöhend sind auf der anderen
Seite die beiden teilweise einschlägigen Vorstrafen des Beschuldigten, die Delin-
quenz während laufender Probezeit sowie der Umstand zu gewichten, dass er
das vorliegende Delikt während laufendem Verfahren in anderer Sache
(GB170008) beging.
c) Insgesamt wäre der Beschuldigte somit für die verübte einfache Körperver-
letzung bei isolierter Betrachtung mit einer Freiheitsstrafe von 5 Monaten oder
einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu bestrafen.
d) Was die Wahl der Sanktionsart anbelangt, so ist zu berücksichtigen, dass
sich der Beschuldigte zum Zeitpunkt der begangenen Körperverletzung weder
durch zwei bedingt ausgesprochene Geldstrafen noch durch den Widerruf einer
solchen von weiterer Delinquenz abhalten liess, so dass sich die erneute Ausfäl-
lung der gleichen Sanktion als unzweckmässig erweist und keine präventive Effi-
zienz erwarten lässt (BGE 134 IV 97 E. 4.3). Dies gilt umso mehr wenn man be-
rücksichtigt, dass der Beschuldigte die Hinderung der Amtshandlung sogar trotz
vorgängiger Verurteilung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe beging. Im Ergebnis
ist daher für die einfache Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von 5 Monaten
auszusprechen. Dieser Entscheid steht sodann auch in Einklang mit Art. 41 Abs.
1 StGB. Denn die Einbringlichkeit einer weiteren Geldstrafe erscheint angesichts
der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten (vgl. oben E. 4.3.1.c) als äus-
serst fragwürdig, zumal der Beschuldigte bereits durch den Widerruf der vormali-
gen Geldstrafe in Höhe von 190 Tagessätzen zu Fr. 10.– sowie die erneut auszu-
fällende Geldstrafe für die Hinderung der Amtshandlung (vgl. nachstehend E.
III.5) in finanzieller Hinsicht erheblich belastet sein wird.
- 25 -
4.3. Zusatzstrafe
Wie bereits dargelegt wurde, beträgt die Grundstrafe (Urteil des Bezirksgerichts
Zürich, 7. Abteilung - Einzelgericht, vom 28. April 2017) 60 Tage Freiheitsstrafe
(vgl. vorstehend E. 1.3). Da für die heute zu beurteilende neue Tat die gleiche
Strafart festgelegt wurde kommt eine Zusatzstrafenbildung gemäss Art 49 Abs. 2
StGB in Frage. Die einfache Körperverletzung erweist sich im Vergleich zum
Grunddelikt (Hausfriedensbruch) als die schwerere Straftat, weshalb die hierfür
festgesetzten 5 Monate um die Grundstrafe unter Berücksichtigung des Asperati-
onsprinzips auf 6 Monate zu erhöhen sind. Von dieser Gesamtstrafe ist in einem
letzten Schritt die rechtskräftige Grundstrafe von 60 Tagen bzw. 2 Monaten Frei-
heitsstrafe abzuziehen. Folglich ist der Beschuldigte mit 4 Monaten Freiheitstrafe
als Zusatzstrafe zum Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 28. April
2017 zu bestrafen.
5. Hinderung der Amtshandlung
5.1 Zuletzt ist für dieses Delikt eine Strafe zu bemessen. Gemäss Art. 286 StGB
kann der Täter einzig mit einer Geldstrafe bis zu 30 Tagessätzen geahndet wer-
den.
5.2 Innerhalb dieses Strafrahmens ist zur Beurteilung des Tatverschuldens ver-
schuldenserhöhend zu bewerten, dass der Beschuldigte mehreren klaren Auffor-
derungen des Polizeibeamten, anzuhalten, nicht nachkam. Die beabsichtigte
Amtshandlung wurde dadurch vollends verunmöglicht. Von besonderer Respekt-
losigkeit gegenüber staatlicher Autorität zeugt, dass er dies ohne ersichtlichen
Grund tat. Er handelte direktvorsätzlich. Weitere verschuldensmindernde Fakto-
ren sind keine ersichtlich. Insgesamt ist das diesbezügliche Verschulden des Be-
schuldigten in objektiver und subjektiver Hinsicht als mittelschwer zu bewerten.
Was die Täterkomponenten anbelangt, so wies der Beschuldigte zum Zeitpunkt
der Tatbegehung bereits drei teilweise einschlägige Vorstrafen auf und delinquier-
te wiederum während laufender Probezeit. Mit der Vorinstanz wirkt sich das erst
anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung erfolgte Geständnis lediglich
- 26 -
marginal strafmindernd aus. Für dieses Delikt ist der Beschuldigte somit mit einer
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu bestrafen.
5.3 Die rechtlichen Grundlagen zur Festsetzung der Tagessatzhöhe hat die Vor-
instanz zutreffend aufgeführt (Urk. 55 E. IV.D.3.4). Dies braucht nicht wiederholt
zu werden. Der Beschuldigte arbeitete zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils
in der H._ in Zürich-I._ und erzielte mit einem Teilzeitpensum ein Ein-
kommen von durchschnittlich ca. Fr. 1'120.– netto im Monat (Urk. 45/2-5). Im Be-
rufungsverfahren reichte er eine Lohnabrechnung der J._ GmbH in Zürich
vom 2. März 2020 ein, nach welcher er Fr. 1'663.60 erhalten habe (Urk. 62/3).
Zurzeit arbeitet er allerdings nicht mehr, da er sich für ein dreijähriges Studium als
Informatikingenieur in K._ [Ort] angemeldet hat (Prot. II S. 8 f.). Er verfügt
über Ersparnisse in der Höhe von Fr. 2'500.–, weiteres Vermögen hat er nicht
(Urk. 62/2; Prot. II S. 10). Seine Krankenkassenprämie beträgt monatlich
Fr. 350.–. Miete bezahlt der Beschuldigte hingegen keine, weil er derzeit bei sei-
ner Mutter in Winterthur lebt. Er beteiligt sich lediglich an den Haushaltskosten,
indem er gelegentlich den Lebensmitteleinkauf bezahlt (Prot. I S. 7 ff.). Ausge-
hend von diesen finanziellen Verhältnisse ist die Höhe des Tagessatzes mit der
Vorinstanz auf Fr. 10.– festzusetzen.
6. Gesamtergebnis
6.1. Im Ergebnis ist der Beschuldigte für die neu zu beurteilenden Delikte (ferner)
zu bestrafen mit
− 4 Monaten Freiheitstrafe für die einfache Körperverletzung als Zusatzstrafe
zum Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 28. April 2017, und
− 20 Tagessätzen zu Fr. 10.– Geldstrafe für die Hinderung einer Amtshand-
lung.
6.2. Der bedingte Vollzug der mit Urteil des Obergerichts Zürich vom 4. April
2017 ausgefällten Geldstrafe von 190 Tagessätzen zu Fr. 10.– ist – wie oben dar-
gelegt ( E. III.3.1) – zu widerrufen.
- 27 -
IV. Vollzug
1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen für die Gewährung des be-
dingten Vollzugs korrekt dargelegt. Zwecks Vermeidung von Wiederholung ist
vollumfänglich auf diese Erwägungen zu verweisen (Urk. 55 E. V.1).
2. Mit Bezug auf Anhaltspunkte für eine Schlechtprognose ist – zwecks Ver-
meidung von Wiederholungen – auf die bereits vorstehend zum Widerruf gemach-
ten Erwägungen (E. III.3.1) zu verweisen. Im Rahmen der Vollzugsfrage ist dar-
über hinaus aber zusätzlich zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte den Voll-
zug der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 28. April 2017 ausgefällten 60-
tätigen Freiheitsstrafe am 21. August 2018 angetreten hat, was eine positive Wir-
kung erhoffen lässt und vom Beschuldigten auch glaubhaft dargetan wurde (Urk.
66 S. 14). Ebenfalls hat er seither seine noch offenen Geldstrafen und Bussen
bezahlt (Urk. 67/1-2). Ferner hat er inzwischen wieder eine gute soziale Bindung
zu seiner Mutter und seiner Schwester aufbauen können, was ihm ein stützendes,
vor weiterer Delinquenz bewahrendes soziales Netz bieten dürfte. Auch der Um-
stand, dass er sich für ein Studium in K._ bereits eingeschrieben hat, kann
als ein deutlicher Schritt in eine deliktsfreie, zielgerichtete Zukunft interpretiert
werden (Urk. 67/3-5; Prot. II S. 8 f., 10 f., 13). Sodann ist die gesamte Wirkung
des Urteils in die Prognosebeurteilung mit einzubeziehen, insbesondere der Wi-
derruf der mit Urteil des Obergerichtes Zürich vom 4. April 2017 ausgesprochenen
Geldstrafe von 190 Tagessätze (vgl. unten E. 3 sowie BGE 134 IV 140 E. 4.5.
m.w.H. und TRECHSEL/PIETH, in: TRECHSEL/PIETH [Hrsg.], a.a.O., Art. 42 N 14). Be-
rücksichtigt man schliesslich, dass mit Bezug auf die Freiheitsstrafe ein Fall von
retrospektiver Konkurrenz vorliegt, d.h. er nicht schlechter gestellt werden darf,
als wenn er für die begangene Körperverletzung bereits am 28. April 2017 verur-
teilt worden wäre, ist hypothetisch davon auszugehen, dass er zum ersten Mal zu
einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Insofern kann dem Beschuldigten diesbe-
züglich gerade noch und im Sinne einer allerletzten Chance der bedingte Vollzug
der Freiheitsstrafe gewährt werden. Um den doch verbleibenden Restbedenken
zu begegnen, ist die Probezeit jedoch auf fünf Jahre festzusetzen. Allerdings ist
die Geldstrafe zu vollziehen, liess er sich doch von den bisher sowohl bedingt als
- 28 -
auch unbedingt ausgefällten gleichartigen Sanktionen überhaupt nicht beeindru-
cken.
V. Genugtuung
1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger Fr. 1'000.–
als Genugtuung zu bezahlen und verwies den Privatkläger im Mehrbetrag auf den
Zivilweg (Urk. 55 E. VII.4.2). Die Verteidigung machte vor Vorinstanz für den Fall
eines Schuldspruches lediglich geltend, dass die vom Privatkläger als Genugtu-
ung verlangten Fr. 1'500.– zu hoch seien (Urk. 44 S. 14). Im Berufungsverfahren
bezifferte sie unter der gleichen Prämisse den ihrer Ansicht nach angemessenen
Genugtuungsbetrag auf maximal Fr. 200.– (Urk. 66 S. 17 f.).
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der Privatkläger keine Berufung bzw.
Anschlussberufung erklärt hat. Einer Abänderung des Entscheides zulasten des
Beschuldigten stünde die reformatio in peius entgegen.
2. Was die rechtlichen Voraussetzungen der Genugtuung anbelangt, kann
zwecks Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf die diesbezüglich zu-
treffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 55 E. VII.1.1 f.,
4.1). Ebenfalls ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass der Privatkläger die
genugtuungsbegründenden Tatsachen anlässlich seiner Einvernahme vom 28.
April 2017 hinreichend substantiierte (a.a.O. E. VII.3.2) und ihm grundsätzlich
eine Genugtuung zuzusprechen ist (a.a.O. E.VII.4.2). Der Beschuldigte biss den
Privatkläger mit grosser Kraft und fügte diesem dadurch eine ca. 5 cm grosse,
sehr schmerzhafte Wunde zu. Kurz nach dem Biss klagte der Privatkläger sogar
über Taubheit im Arm und in den Fingern. Er musste ärztlich und antibiotisch be-
handelt werden und war fünf Tage nicht arbeitsfähig. Mit der Vorinstanz ist so-
dann unter Hinweis auf die Erwägungen zum Schuldpunkt betreffend einfacher
Körperverletzung (vgl. oben E. II.2.3) zu konstatieren, dass den Privatkläger ent-
gegen der Darstellung der Verteidigung kein Selbstverschulden trifft. Schliesslich
erweist sich auch der von der Vorinstanz festgesetzte Genugtuungsbetrag als an-
gemessen, weshalb der Beschuldigte zu verpflichten ist, dem Privatkläger
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C._ Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 27. April 2017 als Genugtuung zu be-
zahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Verfahrensausgang – der Beschuldigte wurde vom Vorwurf des
Hausfriedensbruchs freigesprochen – und unter Hinweis auf Art. 426 Abs. 1 StPO
sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens,
mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, zu vier Fünfteln dem Be-
schuldigten aufzuerlegen und zu einem Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse genommen.
Die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von vier Fünf-
teln ist vorzubehalten.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
liegt im Berufungsverfahren mit Bezug auf den Schuldspruch wegen einfacher
Körperverletzung, den Widerruf, den Strafpunkt und die Genugtuungsforderung.
Allerdings obsiegt er hinsichtlich dem beantragten Freispruch wegen Hausfrie-
densbruchs und dem Vollzugspunkt teilweise. Dementsprechend sind ihm die
Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Vertei-
digung, zu drei Vierteln aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse
genommen. Die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist im Umfang
von drei Vierteln vorzubehalten.