Decision ID: 7e4d42d1-0443-460c-8bde-5b5985719ade
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
am 2
6.
September 1959
geborene
X._
war
als
Geschäfts
führer
/
Be
triebsi
nhaber
und Konstruktionsschlosser für die
Y._
Gmb
H
tätig und bei der Suva obligatorisch unfallversichert, als er am 2
9.
September 2013 bei der Arbeit von einer Leiter rutschte und sich eine Fraktur des rechten Unterschenkels zuzog
(
Urk.
8/1
,
Urk.
8/29 S. 2
)
. Die Verletzung wurde noch am Unfalltag operiert (offene Reposition und interne Fixation mittels Platten-Schraubenosteosynthese
;
Urk.
8/11
). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht, kam für die Heilungskosten auf und richtete
aufgrund der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit
Taggelder aus
(
Urk.
8/3)
.
Nach einem Schraubenbruch trat eine deutlich verzögerte Knochen
bruchheilung auf
(
Urk.
8/31
,
Urk.
8/49 S. 2
,
Urk.
8/79,
Urk.
8/98
,
Urk.
8/113
,
Urk.
8/132
,
Urk.
8/135,
Urk.
8/142 S. 2 ff.
,
Urk.
8/156
)
.
Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie, gelangte gestützt auf seine Untersuchung vom
7.
Juni 2016 zur Beurteilung, dass
die anhaltenden Beeinträchtigungen unfall
kausal seien und der Versicherte deshalb in der angestammten Tätigkeit
nur noch
zu 30
%
,
in einer behinderungsangepassten leichten bis mittelschweren wechsel
belastenden Tätigkeit
hingegen
zu 100
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
8/162).
Da der von der Suva gestützt auf Besprechungen mit dem Versicherten vorgenommene Be
tätigungsvergleich eine hohe behinderungsbedingte Minderleistung
in der bishe
rigen Tätigkeit
von
60-70
%
ergab (
Urk.
8/170
; vgl. auch
Urk.
8/140-141)
, liess sie die Betriebsergebnisse der letzten Jahre durch den Wirtschaftsprüfer
A._
analysieren (
Urk.
8/179). Am
2.
November 2016 schloss die Suva den Fall ab und stellte die Taggeldleistungen ein (
Urk.
8/183).
Mit Verfügung vom
7.
November 2016 verneinte sie das Bestehen eines Rentenanspruchs des Versi
cherten mit der Begründung, die Betriebsanalyse habe ergeben, dass der Unfall keine negativen Auswirkungen auf die Betriebszahlen gehabt habe. Gleichzeitig sprach sie dem Versicherten eine Integritätsentschädigung bei einem Integritäts
schaden von 10
%
zu (
Urk.
8/187
).
Gegen die Verneinung eines Rentenanspruchs
erhob der Versicherte
Einsprache (
Urk.
8/196) und reichte die von ihm veranlasste
Analyse der Betriebsergebnisse durch den Treuhänder
B._
ein
(
Urk.
8/198)
.
Die Suva liess den von ihr beigezogenen Sachverständigen
A._
dazu Stellung nehmen (
Urk.
8/204,
Urk.
8/206
=
Urk.
2/2
) und wies die Einsprache mit Entscheid vom
9.
November 2017 ab (
Urk.
2
/1
).
2.
Dagegen erhob der
Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dieter
Studer
, mit
Eingabe vom
8.
Dezember 2017 Beschwerde und beantragte, es sei ihm ab
1.
Dezem
ber 2016 ein
e
Rente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zu wei
teren Abklärungen und neuerlicher Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Januar 2018 bean
tragte die Suva die Abweisung
der Beschwerde (
Urk.
7).
Mit Replik vom
8.
März (
Urk.
10) und Duplik vom 2
7.
März 2018 (
Urk.
13) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. Nove
mber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
set
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
cherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der ge
nannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
2
9.
September 2013
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in
dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art.
8
des
Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts,
ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
1.3
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades bei Erwerbstätigen wird das Erwerbs
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
mass
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wäre sie nicht invalid geworden (Art 16 ATSG). Der Ein
kommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad ermitteln lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
ver
gleichs;
BGE 128 V 29
E. 1 S. 30, 104 V 135). Insoweit die fraglichen Einkom
men ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen (sog. Prozentvergleich;
BGE 114 V 310
E.
3a S.
312). Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig
oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand
ermitteln oder schätzen, so ist in An
lehnung an die im Bereich der Invalidenver
s
icherung
gel
tende spezifische Methode für Nichterwerbstätige (vgl.
Art.
28a
Abs.
2
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung,
IVG)
ein Betätigungsvergleich durch
zuführen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswir
kungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situa
tion zu bestimmen. Dabei ist zunächst die leidens
bedingte Behinderung
festzu
-
stellen
und diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funk
tionellen Leistungsvermögen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben (sog. ausserorden
tliches Bemessungsverfahren;
BGE 104 V 136
E. 2c; vgl. zur seitherigen Recht
sprechung SVR 2010 IV Nr. 11 S. 35, 9C_236/2009 E. 3 und 4).
1.4
Bevor eine versicherte Person Leistungen der Sozialversicherung verlangt, hat sie aufgrund ihrer Schadenminderungspflicht alles ihr Zumutbare selber vorzukeh
ren, um die Folgen der Invalidität bestmöglich zu mindern. Ein Rentenanspruch ist zu verneinen, wenn sie selbst ohne Eingliederungsmassnahmen - nötigenfalls mit einem Berufswechsel -
zumutbarerweise
in der Lage ist, ein rentenausschlies
sendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Für die Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der zumutbaren Tätigkeit sind die gesamten subjektiven und objek
tiven Gegebenheiten des Einzelfalles zu berücksichtigen. Dies gilt auch, wenn es u
m die
Aufgabe einer als selbst
ändig Erwerbender ausgeübten Betä
tigung mit eigenem Betrieb geht. Im Vordergrund stehen bei den zu berücksich
tigenden subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie weitere persönliche Merkmale wie etwa das Alter, die berufliche Stellung oder eine enge Verbundenheit mit dem bisherigen Wohnort. Bei den objektiven Umständen sind insbesondere die Verhältnisse auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt und die noch
zu erwartende Aktivitätsdauer massgeblich (Urteil des Bundesgerichts 8C_13/
2017 vom 2
1.
Juni 2017, E. 3.3.1 mit weiteren Hinweisen).
Von Bedeutung können
auch die Möglichkeiten der betrieblichen Reorganisation zur besseren Verwertung der Restarbeitsfähigkeit sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2009 vom 1
9.
November 2009, E. 5.3.3).
Eine Betriebsaufgabe ist nur unter strengen Voraus
setzungen unzumutbar, und es kann ein Betrieb selbst dann nicht auf Kosten der Invaliden- oder Unfallversicherung
aufrecht erhalten
werden, wenn die versi
cherte Person darin Arbeit von einer gewissen erwerblichen Bedeutung leistet (Urteil des Bundesgerichts 8C_413/2015 vom
3.
November 2015, E.
3.3.1 mit Hinweis).
2.
2.1
Gestützt auf die
Beurteilung des Suva-Kreisarztes
Dr.
Z._
vom
7.
Juni 2016
steht unbestrittenermassen (
Urk.
1 S. 4 ff.,
Urk.
7 S. 13
) fest, dass
die anhaltenden Beschwerden im rechten Unterschenkel unfallbedingt sind und der Beschwer
deführer seine angestammte Tätigkeit deshalb nur noch mit einem Pensum von 30
%
ausüben kann.
Dagegen sind ihm seit dem
7.
Juni 2016 wechselbelastende, leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne das repetitive Gehen
und Tragen von Lasten auf unebenem Gelände, ohne das Tragen von Lasten über 5 kg auf ebenem Gelände, ohne das Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne repetitives Treppen
gehen und ohne repetitive hockende, kniende und kauernde Arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vollzeitig
zumutbar
(
Urk.
8/162 S. 5 f.)
.
Zwischen den Parteien strittig sind die Art der Bemessung des Invaliditätsgrades und dessen Höhe.
2.2
Die Suva begründet ihren Entscheid, dem Beschwerdeführer keine Invalidenrente zuzusprechen, im Wesentlichen damit,
gestützt auf die
beweiskräftige
Analyse der Betriebsergebnisse durch den Wirtschaftsprüfer
A._
vom
1
2.
Okto
ber 2016
und
dessen
ergänzenden Bericht vom
8.
November 2017 sei davon aus
zugehen, dass
der Unfall keine negativen Auswirkungen auf die massgeb
lichen Positionen
Fremdarbeiten und Bruttolöhne in de
n Jahresrechnungen gehabt habe. Folglich habe i
m Zeitpunkt der Rentenprüfung im November 2016 keine unfall
bedingte Einschränkung der Erwerbsfähigkeit mehr vorgelegen
. Soweit der Wirt
schaftsprüfer die Kritik in der Analyse des Treuhänders
B._
nicht in seiner ergänzenden Stellungnahme vom
8.
November 2017 berücksichtigt habe, habe er diese überzeugend entkräftet
. Weitere A
bklärungen erübrigten sich (
Urk.
2/1 S.
6
,
Urk.
7 S. 9 f.
).
Im Übrigen sei dem Beschwerdeführer in Würdigung
der konkreten
Umstände und unter Berücksichtigung seiner Schadenminde
rungs
pflicht ein
Berufswechsel zumutbar.
Im Verfügungszeitpunkt
am
7.
November 2016
sei
er 57 Jahre alt
, bei Erlass des
Einspracheentscheids
58-jährig gewesen
;
damals seien ihm also noch rund acht
beziehungsweise sieben
Erwerbsjahre bis zur ordentlichen Pensionierung verblieben. Nach der Sekundarschule habe er die Schlosserlehre abgeschlossen. Seit 1996 führe er sein Kleinunternehmen mit ein bis zwei Angestellten. Bei einem solchen Kleinunternehmen seien die Möglich
keiten einer betrieblichen Umorganisation sehr beschränkt.
Laut kreisärztlicher Zumutbarkeitsbeurteilung vom
7.
Juni 2016 sei ihm die Verrichtung der ange
stammten Tätigkeit unfallbedingt nur noch zu 30
%
zumutbar, während in einer
leidensangepassten Beschäftigung ganztags eine volle Leistungsfähigkeit be
stehen würde. Das mutmassliche
Valideneinkommen
im Jahre 2016 belaufe sich
auf
Fr.
63’990.6
0.
Laut der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2014
und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 2014 bis 2016
könne ein an- und ungelernter Arbeitnehmer im Jahr 2016 ein Jahreseinkommen in Höhe von
Fr.
64'318.80
erzielen. Ein leidensbedingter Abzug von diesem Einkommen sei nicht gerechtfertigt, da der schweizerische Arbeitsmarkt einen breiten Fächer von leidensadaptierten Tätigkeiten kenne, welche der Beschwerdeführer uneinge
schränkt ausüben könne. Da dieses
vom Beschwerdeführer
zumutbarerweise
erzielbare
Invalideneinkommen höher als das
Valideneinkommen
sei, seien die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer Invalidenrente nicht gegeben (
Urk.
7 S. 11 ff.,
Urk.
13).
2.3
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, bei korrekt ermitteltem Invaliditätsgrad habe er Anspruch auf eine Rente.
Die von der Suva zur Bestimmung des Invaliditätsgrades herangezogene Analyse der Firmenbuch
haltung durch
A._
sei nicht überzeugend. Darin werde unter anderem ausser Acht gelassen, dass er in seiner Kleinstfirma vor dem Unfall grösstenteils handwerklich tätig gewesen sei und damit einen wesentlichen Einfluss auf den Betriebsumsatz gehabt habe. Seit dem Unfall sei er in den praktischen Tätigkeiten dermassen stark eingeschränkt, dass dies gar nicht ohne negative Folgen auf sein Einkommen bleiben könne. Die
Anstellung eines weiteren Mitarbeiters kurz vor dem Unfall hätte ohne den Unfall nach einiger Zeit zu einer Erhöhung
der Ein
künfte
führen müssen, was aber gerade nicht geschehen sei.
In dieser Konstel
lation sei die Bemessung des Invaliditätsgrades mittels eines Vergleichs der Buchhaltungszahlen vor und nach dem Unfall untauglich. Vielmehr sei der Inva
liditätsgrad mit dem ausserordentlichen Bemessungsverfahren des Betätigungs
ver
gleichs zu ermitteln
(
Urk.
1 S.
1 f. und 6 ff.).
Dass eine Umorganisation seiner Firma illusorisch sei, treffe ferner nicht zu. Er habe bereits neue Chancen ergriffen, indem er die Wartung und Renovation von Liften für grosse Hersteller
übernom
men
habe
, was wenig mit den bisher
ausgeführten
Arbeiten – Her
stellung von Wintergärten für Einfamilienhäuser – zu tun habe.
Er sei seit über 20 Jahren
selbständigerwerbend
, seine Ehefrau erziele ihr Einkommen ebenfalls in seiner Firma, und er könne die eigene Liegenschaft als Betriebslokal nutzen.
Sein
p
ersönliches
und fa
miliäres Umfeld sei eng mit dem Betrieb
verbunden.
Er habe sich nun dafür entschieden, den Betrieb so gut wie möglich weiter zu führen, denn damit könne er dauerhaft zumindest ein gewisses Einkommen erwirt
schaf
ten. Auch für den Fall, dass er heute noch eine Anstellung fände, bestehe das Risiko, dass er diese wieder verliere und mit über 60 Jahren arbeitslos sei. Dass er dann wieder eine Stelle fände, sei doppelt unwahrscheinlich.
Damit hätte eine Aufgabe des Betriebes zu Gunsten einer
unselbständigen Tätigkeit
weitreichende negativ
e
Konsequenzen; unter Berücksichtigung aller
objektiven und subjektiven Umstä
nde
dürfe sie ihm nicht zugemutet werden (
Urk.
10 S.
3 f.).
Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Suva zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
3.
3.1
In einem ersten Schritt
ist
zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer angesichts
seiner
100%igen
Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten – verglichen mit der nur noch 30%igen Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit - bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom
7.
November 2016 beziehungsweise des
Ein
spracheentscheids
vom
9.
November 2017 ein Berufswechsel zumutbar war.
Ist dies zu bejahen,
kann
offe
n bleiben, ob zur Ermittlung der
Invaliditäts
bedingten Erwerbseinbusse
auf die von der Suva beigezogene
Buchhaltungsa
nalyse
durch den
Wir
tschaftsprüfer
A._
(
Urk.
8/179,
Urk.
8/206
=
Urk.
2/2)
abge
stellt werden kann,
oder
ob
angesichts der Tätigkeit des
Beschwerdeführers als faktisch
s
elbständigerwerbender
Betriebsinhaber der
Y._
GmbH
in erster Linie
das
ausserordentliche Bemessungsverfahren des
erwerblich
gewich
teten Betätigungsvergleichs
hätte angewendet werden müssen
(vgl. dazu das Urteil des
Bundesgerichts 8C_640/2016 vom 2
9.
November 2016, E. 4.2)
.
3.2
Der Beschwerdeführer schloss nach der Sekundarschule die Schlosserlehre ab und war ab 1996 als Metallbau-Schlosser im eigenen Betrieb tätig (
Urk.
8/195 S. 1).
Nebst
ihm
als Geschäftsführer
der
Y._
GmbH
arbeiteten vor dem Unfall
ein bis
zwei Mitarbeiter
für seine Firma. Zusätzlich beschäftigte er
einen Mann mit Handicap im Rahmen eines 30-40%-Pensums und
einen
Lehrling
.
Den grössten Teil der administrativen Arbeiten und die Buchhaltung übernahm seine Ehefrau.
Der Betrieb
stellte Geländer, Fenster,
Tore,
Winterg
ä
rten und Zäune aus Metall
und teils aus Holz
her
.
Weiter
übernahm
die Firma
für Grossfirmen
den Betri
ebsunterhalt vor allem von Lift
schächten.
Zu den Auftraggebern gehörten Private, das Gemeinwesen und grosse Firmen.
Der Beschwerdeführer arbeitete vor dem Unfall
hauptsächlich
draussen und versah Produktions- und Montage
arbei
ten als Schlosser; nur abends erledigte er noch einige Büroarbeiten.
N
ach eigenen Aussagen
war er
zu 70-80
%
mit der Montage vor Ort beschäftigt und arbeitete zu 20-30
%
in der Werkstatt
(
Urk.
8/29 S. 2
,
Urk.
8/112 S. 2 f.
,
Urk.
8/160 S. 2,
Urk.
8/195 S. 2 f.).
3
.3
Der Beschwerdeführer war als Geschäftsführer seines Kleinunternehmens mit wenigen Mitarbeitern hauptsächlich handwerklich tätig
und d
amit für einen w
esentlichen Teil des Betriebsertrags verantwortlich (
Urk.
1 S. 7)
. Nach dem Unfall konnte er diese Arbeit nur noch zu 30
%
ausüben. Ein Potential, den Anteil
administrativer Büroarbeiten sowie von Kontrollfunktionen und Akquisitions- und Beratungstätigkeit zulasten des Anteils handwerklicher Tätigkeiten erheblich zu steigern (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_660/2012, 8C_790/2012 vom 2
3.
März 2013, E. 7.2.3), ist nicht ersichtlich.
In kleinen Handwerksbetrieben wie demjenigen des Beschwerdeführers machen solche Arbeiten naturgemäss nur einen kleinen Bruchteil des gesamten Arbeitsaufwands aus, was sich auch aus dem von der Suva am
1
0.
August 2016
vorgenommenen Betätigungsvergleich ergibt (
Urk.
8/171; vgl. auch
Urk.
8/172
).
Für die Zeit nach dem Unfall ist trotz der kurz zuvor erfolgten Einstellung eines neuen Mitarbeiters
(
Urk.
1 S. 7)
laut den Betriebsanalysen von
A._
(
Urk.
8/179 S.
8)
und
B._
(
Urk.
8/198 S. 3)
keine
erhebliche
Zunahme von Auftragsvolumen und Umsatz der Firma - und damit einhergehend des Zeitaufwandes für körperlich leichte Arbeiten – ausgewiesen.
Der vom Beschwerdeführer zusätzlich eingestellte Mit
arbeiter musste gemäss Angaben in der Replik zwischenzeitlich wieder entlassen werden (
Urk.
10 S. 2).
Der
Beschwerdeführer selbst erachtet eine Steigerung seines Arbeitspensums für
die Firma auf
rund
50
%
als realistisch (
Urk.
1 S.
9,
Urk.
8/160 S.
2,
Urk.
8/195/3).
Angesichts der Höhe der vor dem Unfall im Voll
zeitpensum erzielten Erwerbseinkünfte (vgl.
Urk.
8/146 S.
2 und
4
) ist nicht davon auszugehen, dass
er
nach einer betrieblichen Reorganisation
mit einem
50%igen Beschäftigungs
grad
mehr verdienen könnte als in einer zumutbaren unselb
stän
digen Tätigkeit im Vollzeitpensum.
Die
bloss
bescheidenen
Möglichkeiten
, die geringe Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit mittels
einer
betrieb
lichen Reorganisation b
esser zu
verwerten,
lassen einen
Berufswechsel nicht
als unzumutbar erscheinen
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_748/2011 vom 1
1.
Juni 2012, E. 6.4)
.
Es liegt beim Beschwerdeführer sicherlich eine grosse Verbundenheit mit der von
ihm aufgebauten und seit
rund 20 Jahre
n geführten
Firma
vor, ebenso
mit seinen
Mitarbeitern; dies allein vermag jedoch keine Unzumutbarkeit der Betriebsauf
gabe zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 8C_413/2015 vom
3.
November 2015, E. 3.3.2). Nichts daran ändert, dass von einem Berufswechsel möglicher
weise auch die im Betrieb mitarbeitende Ehefrau betroffen ist
(Urteil des Bundes
gerichts 9C_525/2017 vom 3
0.
Oktober 2017, E. 3.3.3).
Allenfalls könnte die
Firma
durch
den
mittlerweile
im Rahmen eines 30%
-
Pensums angestellten
Sohn
(
Urk.
8/170 S. 2)
oder die Ehe
frau weitergeführt werden oder v
erkauft werden, etwa an einen der angestellten Mitarbeiter. Selbst im Fall einer Liquidation des Betriebs
ist nicht mit unzumutbaren finanziellen Verlusten zu rechnen
, da das Anlagevermögen
in Höhe von rund
Fr.
30'000.-- laut den
Bilanz
en
der letzten Jahre
aus leicht
veräusserbaren
Anlagewerten wie etwa dem Firmenauto besteht (
Urk.
8/179 S. 32;
vgl.
auch
Urk.
8/195
S. 3
)
.
B
ei Erlass der Verfügung vom
7.
November 2016 respektive des
Einspracheentscheids
vom
9.
November 2017
war der Beschwerdeführer 57 beziehungsweise 58 Jahre alt. Damit verblieb ihm bis zur ordentlichen Pensionierung mit 65 Jahren eine genügend lange Aktivi
tätsdauer, damit von intakten Anstellungschancen auf dem von Gesetzes wegen als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt (vorstehend E.
1.3) ausgegangen werden kann.
Dies gilt umso mehr
, als die ihm
offen stehenden
zumutbaren Tätig
keiten im Rahmen eines Vollzeitpensums ausgeübt werden können
und
laut dem Zumutbarkeitsprofil von
Dr.
Z._
nicht besonders starken Limitierungen unter
liegen (
vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_748/2011 vom 1
1.
Juni 2012, E. 6.4
;
vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 9C_525/2017 vom 3
0.
Oktober 2017, E.
3.3.3 und 3
.6)
.
Das vom Beschwerdeführer genannte Risiko, dass er eine An
stel
lung in einer angepassten Tätigkeit wieder
verliere
n
und mit über 60 Jahren arbeitslos werde
n könnte
, ist
unfall
fremd und trifft grundsätzlich alle unselb
ständig Erwerbstätigen.
Bei gesamthafter Würdigung der subjektiven
und objek
tiven
Gegebenheiten ergibt sich, dass
ihm
unter Berücksichtigung der Schaden
minderungspflicht die Aufgabe des eigenen Betriebs und ein Berufswechsel zuge
mutet werden kann.
4.
4.1
Mittels eines Einkommensvergleichs ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
in der Lage ist,
durch die Aufnahme einer leidensangepassten Tätigkeit im Vollzeit
pensum
ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen
oder ob auch in diesem, im Vergleich zur Weiterführung der bisherigen Tätigkeit günstigeren Fall ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 10
%
(vorstehend E. 1.2) resultiert. Damit das nach einem Berufswechsel in einer behinderungs
angepassten Verweisungstätigkeit erzielbare Invalideneinkommen angerechnet werden kann, muss kein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt worden sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_771/2017 vom 2
9.
Mai 2018, E.
3.5.1). Der Beschwerdeführer wurde von der Suva bereits anlässlich der Besprechung
vom
7.
Juni 2016 darauf hingewiesen, dass er aufgrund der Schadenminderungspflicht unter Umständen seinen Betrieb aufgeben und eine andere berufliche Tätigkeit aufnehmen müsste, und hatte damals bereits entsprechende Überlegungen ange
stellt; mithin war er auf jeden Fall früh genug über diese Möglichkeit informiert (
Urk.
8/160
; vgl. auch
Urk.
8/195
).
4.2
Zur Bestimmung des
hypothetisch ohne Gesundheitsschaden
tatsächlich
erziel
baren Verdienstes (
Valideneinkommen
) als Geschäftsführer und Betriebsinhaber der
Y
._
GmbH
ist unbestrittenermassen auf die
im individuellen Konto
der AHV
(IK) ausgewiesenen Jahreseinkommen abzustellen
, wobei
wegen der Einkommensschwankungen ein mehrjähriger Durchschnitt zu ermitteln
ist
(
Urk.
1 S. 4,
Urk.
7 S. 11
; Urteil des Bundesgerichts 8C_748/2011 vom 1
1.
Juni 2012
,
E. 4.2
und 5.3-4
mit Hinweisen
).
Entgegen der Ansicht der Suva kann das Einkommen aus dem Jahr 2013
hierfür nicht
herangezogen werden, da der Be
schwerdeführer am 2
9.
September 2013
verunfallt ist
und anzunehmen ist, dass der Unfall zu einer Schmälerung des Jahreseinkommens
ge
f
ührt hat
(vgl. auch
Urk.
8/195 S. 4)
. Der Durchschnitt aus den Einkommen der Jahre 2009, 2010, 2011 und 2012 beträgt
Fr.
67'275.--
([
Fr.
87'100.-- +
Fr.
78'000.--
+
Fr.
52'000.-- +
Fr.
52'000.--
] geteilt durch 4;
Urk.
8/146 S. 2
).
Obwohl
die Einkommen in den letzten Jahren von Jahr zu
Jahr
tendenziell
niedriger
ausfielen
, kann mit der Suva
(
Urk.
7 S. 11)
entgegenkommenderweise die Nominallohnentwicklung von 2012 bis zum allfälligen Rentenbeginn im Zeitpunkt des Fallabschlusses
im
November 2016 hinzugerechnet werden
(vgl.
Alexandra
Rumo-Jungo
/André P.
Holzer
, Bundes
gesetz über die Unfallversicherung (UV
G), 4. Aufl., Zürich 2012, S.
128 mit Hinweisen),
was zu einem
Val
ideneinkommen
von
Fr.
68'068.80
führt
(Bun
desamt für Statistik [BFS], Schweizerischer Lohnindex nach Branche [2010 = 100; im Internet abrufbar], Nominallohnindex Männer [T1.1.10], Baugewerbe; 2012: 101.7; 2016: 102.9).
4.3
Zur Festsetzung des in einer behinderungsangepassten Tätigkeit im Vollzeit
pensum
zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens kann mit der Suva auf die Tabelle TA 1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2014 abgestellt werden (
Urk.
7 S. 13).
Der standardisierte Monatslohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) für einfache
Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher
Art
(
Kompetenz
ni
veau
1
) für
Männer
betrug
im Jahr 2014 Fr. 5
'
312
.--. Dieser Betrag ist auf die im
Jahr 2016 betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden hoch
zurechnen (vgl.
BFS
,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
, in Stunden pro Woche
; im Internet abrufbar) sowie an die Nominallohnen
twicklung anzupassen
(
BFS
, Schweizerischer Lohnindex nach Branche [2010 = 100; im
Internet abrufbar], Nominallohnindex Männer [T1.1.10],
Total
;
2014: 103.2; 2016
: 104.1
)
.
Daraus resultiert für das Jahr 2016 ein
E
inkommen von
Fr.
67‘032.65
(
Fr.
5‘312.-- x
12 :
40 x 41,7 : 103.2
x 104
.
1
).
V
on diesem Einkommen
ist
kein behinderungsbedingter Abzug
vorzunehmen;
dem Beschwerdeführer steht nämlich trotz des unfallbedingt leicht einge
schrän
kten medizinischen Belastungsprofils auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. vorstehend E. 1.3) ein genügend breites Spektrum an zumutbaren Verweisungs
tätigkeiten
im Vollzeitpensum
offen
, bei welchen
er verglichen mit einem gesun
den Mitbewerber keine Lohneinbusse in Kauf nehmen muss, um reale Chancen für eine Anstellung zu haben (Urteil des Bundesgerichts
9C_826/2015 vom 1
3.
April 2016, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen
). Zu denken ist etwa an eine wechselbelastend
ausübbare
leichte bis mittelschwere handwerkliche Tätigkeit in einer Werkstatt.
Jedenfalls ist davon auszugehen, dass sich seine jahrzehntelange Erfahrung als Geschäfts
führer
eines kleinen Handwerksbetriebs und als mit Metall und Holz arbeitender Handwerker sowie seine laut eigenen Angaben relativ guten Kenntnisse im Büro (
Urk.
8/112 S. 3)
positiv auf die Vermittelbarkeit auswirken (Urteil des Bundesgerichts 8C_413/2015 vom
3.
November 2015, E. 3.3.2).
4.4
Damit ist von einem hypothetischen Invalideneinkommen von Fr. 67‘032.65 auszugehen.
Gemessen am
Valide
neinkommen
von
Fr.
68'068.80 resultiert bei einer invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse von
Fr.
1036.15 ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 2
%
, welcher die für die Entstehung eines Rentenanspruchs erhebliche Schwelle von 10
%
(vorstehend E. 1.2) klar nicht erreicht. Folglich hat die Suva mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
zu Recht einen Renten
an
spruch verneint. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.