Decision ID: 283ab13d-024c-5b05-9357-4112383090a7
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin, ethnische Hazara, schiitischen Glaubens,
suchte am 25. September 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Sie begrün-
dete ihr Asylgesuch im Wesentlichen damit, dass sie seit der Geburt einem
Cousin väterlicherseits versprochen gewesen sei. Er habe mit ihr eine se-
xuelle Beziehung gewollt und versucht, sie zu vergewaltigen. Sie habe sich
jedoch zur Wehr setzen können. Ferner sei sie bei ihrer Arbeitsstelle in
einer (...) von Kunden bedroht worden.
A.b Mit Verfügung vom 14. Juni 2018 verneinte die Vorinstanz ihre Flücht-
lingseigenschaft, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung
aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
A.c Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde, welche mit Urteil E-3954/2018 vom
24. Juli 2018 abgewiesen wurde. Das Bundesverwaltungsgericht befand,
es sei keine asylrechtlich relevante Verfolgung in Form einer Zwangsheirat
durch den Cousin väterlicherseits, einer Kollektivverfolgung der Hazara in
Quetta, einer Verfolgung durch die Taliban oder durch andere Private
([...]kunden) glaubhaft gemacht worden. Auch die Anordnung der Wegwei-
sung sei zu bestätigen. Die bevorstehende Eheschliessung in der Schweiz
mit einem (...) Staatsangehörigen vermöge nichts am fehlenden Anspruch
der Beschwerdeführerin auf eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilli-
gung zu ändern. Ihre Anwesenheit in der Schweiz sei zwecks Eheschlies-
sung nicht unbedingt vorausgesetzt. Der Wegweisungsvollzug sei zuläs-
sig, zumutbar und möglich. Es sei nicht von einer unheilbaren oder schwer-
wiegenden Erkrankung der Beschwerdeführerin auszugehen. Bezüglich
der im Arztbericht angetönten Suizidgedanken obliege es dem SEM im
Rahmen des Vollzugs, Massnahmen zu ergreifen, um die Umsetzung einer
entsprechenden Suiziddrohung zu verhindern. Aufgrund der Unglaubhaf-
tigkeit der Angaben zur Familiensituation könne das Beziehungsnetz in ih-
rer Heimat nicht weiter überprüft werden. Der behauptete Kontaktverlust
zur Mutter und zu den Schwestern sei nicht glaubhaft. Die geltend gemach-
ten psychischen Beschwerden (Posttraumatische Belastungsstörung
[PTBS] mit suizidaler Krise) seien auch in Pakistan behandelbar.
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B.
B.a Am 12. November 2018 reichte die Beschwerdeführerin bei der Vor-
instanz ein mit „Zweites Asylgesuch, ev. Wiedererwägungsgesuch“ betitel-
tes Schreiben ein und legte als Beweismittel medizinische Unterlagen so-
wie ein Protokoll eines Interviews mit Sozialdienstmitarbeitenden zu den
Akten. Sie führte aus, sie habe im ersten Asylverfahren an der Anhörung
ihre Asylgründe aufgrund des Verhaltens des Befragers nicht frei ausführen
können, weshalb sie nun mit einem Sozialarbeiter ihre Fluchtgründe proto-
kolliert habe. Bei einer Rückkehr nach Pakistan befürchte sie, vom Cousin
väterlicherseits zur Weiterverheiratung verkauft oder von ihm zur Prostitu-
tion gezwungen zu werden. Auf eine staatliche oder private Schutzinfra-
struktur könne sie in Pakistan nicht zurückgreifen. Zudem befürchte sie bei
einer Rückkehr direkt vom Cousin väterlicherseits umgebracht zu werden,
weil sie ihn durch ihre Verlobung und Schwangerschaft entehrt habe und
er sie deshalb nicht mehr heiraten oder weiterverheiraten könne. Zudem
leide sie an einer komplexen PTBS. Sie habe seit einem Jahr keinen Kon-
takt mehr zu ihrer Familie und es sei davon auszugehen, dass der Cousin
mütterlicherseits, welcher als einziger männlicher Verwandter eine gewisse
Schutzfunktion übernommen habe, von seinen Kindern nach C._
geholt worden sei. Als alleinstehende psychisch kranke Frau ohne familiä-
res oder soziales Netz sowie zufolge ihrer Zugehörigkeit zur Minderheit der
Hazara sei ein Wegweisungsvollzug unzumutbar.
B.b Die Vorinstanz stufte die Eingabe der Beschwerdeführerin als Revisi-
onsgesuch ein und überwies dieses zuständigkeitshalber dem Bundesver-
waltungsgericht. Das Gericht hielt mit Schreiben vom 6. Februar 2019 fest,
dass die Eingabe der Beschwerdeführerin keine Revision darstelle und
sandte sie an die Vorinstanz zur gutscheinenden Behandlung zurück.
B.c In der Folge nahm die Vorinstanz mit Verfügung vom 28. März 2019
die Eingabe als Wiedererwägungsgesuch entgegen und wies dieses ab,
soweit sie darauf eintrat. Die Vorinstanz führte im Wesentlichen aus, dass
die neuen beziehungsweise erneut vorgetragenen Vorbringen einschliess-
lich des Protokolls der Sozialdienstmitarbeitenden vom 10. Oktober 2018
auf Angaben beruhen würden, welche bereits im ersten Asylverfahren als
unglaubhaft eingestuft worden seien. Die angeblich beabsichtigte Zwangs-
prostitution und der behauptete beabsichtigte Verkauf der Beschwerdefüh-
rerin durch ihren Cousin seien als Nachschub zu werten. Es würden keine
Gründe vorliegen, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 14. Juni 2018
im Asylpunkt beseitigen könnten. Die mittels den eingereichten Arztberich-
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ten geltend gemachten gesundheitlichen Probleme seien nicht asylrele-
vant. Ihre Ehe mit D._ (N [...]) sei noch nicht geschlossen worden.
Hinsichtlich der Wegweisung liege keine veränderte Sachlage vor, weshalb
der Wegweisungsvollzug nach wie vor zulässig, zumutbar und möglich sei.
B.d Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin beim Bundes-
verwaltungsgericht am 29. April 2019 Beschwerde und führte insbesondere
aus, sie sei mittlerweile schwanger. Die Ehevorbereitungen mit dem Kinds-
vater, D._, seien sistiert worden, da beide psychisch schwer belas-
tet seien. Zudem habe sich zufolge ihrer Schwangerschaft und der unsi-
cheren Beziehung zum psychisch labilen Kindsvater die Ausgangslage
grundsätzlich verändert. Im Falle eines Wegweisungsvollzugs müsste sie
als alleinerziehende Mutter nach Pakistan zurückkehren.
B.e Mit Urteil E-2033/2019 vom 17. Mai 2019 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde ab. Es führte aus, dass die Beschwerdefüh-
rerin im Wiedererwägungsgesuch nun erstmals vorgebracht habe, ihr
Cousin väterlicherseits plane, sie zu verkaufen beziehungsweise zur Pros-
titution zu zwingen. Mit Urteil E-3954/2018 habe das Bundesverwaltungs-
gericht die Asylvorbringen hinsichtlich der Gefährdung durch ihren Cousin
väterlicherseits bereits ausführlich geprüft und habe diese als unglaubhaft
befunden. Die neu geltend gemachten geschlechtsspezifischen Verfol-
gungsgründe vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Ihre
PTBS sei zum Zeitpunkt des Urteils E-3954/2018 bereits bekannt gewesen
und auch beim Wegweisungsvollzug berücksichtigt worden. Es liege keine
gravierende Verschlechterung ihres Zustands vor, welcher zu einer ande-
ren Einschätzung des Wegweisungsvollzugs führen würde. Ebenfalls sei
im ordentlichen Verfahren ihre Ethnie der Hazara und ihre schiitische Reli-
gionszugehörigkeit bereits bekannt gewesen. Der erneut geltend ge-
machte Kontaktabbruch zu ihren Schwestern und zur Mutter sei vom Bun-
desverwaltungsgericht bereits im Urteil E-3954/2018 als unglaubhaft ein-
gestuft worden. Sie habe im Wiedererwägungsverfahren nichts vorge-
bracht, was an dieser Einschätzung etwas zu ändern vermöchte. Die an-
gebliche Ausreise des Cousins mütterlicherseits nach C._ stelle
eine blosse Vermutung dar und vermöchte selbst bei Wahrunterstellung an
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nichts zu ändern. Neu sei die
Schwangerschaft der Beschwerdeführerin. Eine Schwangerschaft stelle je-
doch keinen Grund für die Unzumutbarkeit dar, zumal die Beschwerdefüh-
rerin keine Schwangerschaftskomplikationen geltend gemacht habe und
auch nicht kurz vor der Entbindung stehe.
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C.
Am (...) kam die Tochter der Beschwerdeführerin zur Welt.
D.
Am 21. Oktober 2019 reichte die Beschwerdeführerin ein zweites Asylge-
such (Mehrfachgesuch) beim SEM sein. Sie begründete das Gesuch im
Wesentlichen damit, dass sie sich in der Zwischenzeit vom Vater ihres Kin-
des getrennt und sich als lesbisch geoutet habe. Sie beabsichtige, die Be-
ziehung zu ihrer Schweizer Partnerin eintragen zu lassen. Sie habe bereits
bei der zuständigen kantonalen Behörde ein Gesuch um Erteilung einer
Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Registrierung der eingetragenen Part-
nerschaft gestellt. Auf dieses sei jedoch mit Verfügung vom 16. August
2019 nicht eingetreten worden, eine dagegen erhobene Beschwerde sei
noch hängig. Im Asylverfahren habe sie aus kulturellen und sprachlichen
Gründen bis anhin nicht über ihre sexuelle Orientierung sprechen können.
E.
Mit Verfügung vom 13. Dezember 2019 (eröffnet am 17. Dezember 2019)
verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin und
ihrer Tochter, lehnte deren Mehrfachgesuch vom 21. Oktober 2019 und
ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an.
Das SEM führte in der ablehnenden Verfügung im Wesentlichen aus, dass
für die Bestimmung der Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin
nicht entscheidend sei, ob ihr Outing aus asyltaktischen Gründen erfolgt
sei oder tatsächlich ihrer sexuellen Orientierung entspreche. Vorliegend sei
entscheidend, ob sich ihre persönlichen Lebensumstände bei einer Rück-
kehr nach Pakistan aufgrund der sexuellen Orientierung verändern wür-
den, und ob diese Veränderung derart einschneidend wäre, dass sie eine
begründete Furcht vor Verfolgung im Sinn von Art. 3 AsylG oder einen un-
erträglichen psychischen Druck bewirken könnten. Weder ihre Eingabe ans
SEM noch ihre Eingabe an die Einwohner- (...)dienste (ESD) der Stadt
E._ würden persönliche Reflexionen über ihre Befürchtungen im
Falle einer Rückkehr nach Pakistan enthalten. Aus den Unterlagen gehe
auch nicht hervor, wie sie ihre sexuelle Orientierung in der Schweiz lebe
und wie sie diese in Pakistan ausleben wolle. In Ermangelung von konkre-
ten Hinweisen, wonach ihr in Pakistan aufgrund der sexuellen Orientierung
Repressalien seitens des Staates oder Dritter drohen könnten, sei vorlie-
gend die praxisgemäss hohe Schwelle zur Annahme eines unerträglichen
psychischen Drucks nicht erreicht. Es sei davon auszugehen, dass es der
Beschwerdeführerin derzeit möglich wäre, die Lebensweise, welche sie vor
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der Ausreise gepflegt habe, bei einer Rückkehr nach Pakistan wiederauf-
zunehmen, ohne dass für sie dadurch Nachteile im Sinne des Asylgesetzes
entstehen würden. Die geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe
vermöchten somit die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen.
In Bezug auf den Wegweisungsvollzug führte das SEM ferner aus, dass
die Beschwerdeführerin aus dem Grundsatz der Einheit der Familie ge-
mäss Art. 44 AsylG in Verbindung mit Art. 8 EMRK nichts zu ihren Gunsten
ableiten könne. Weder der Kindsvater noch ihr Kind würden über ein ge-
festigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz verfügen. Die Ausübung des Sor-
gerechts durch den Kindsvater könne auch im Ausland erfolgen und könne
somit kein Aufenthaltsrecht in der Schweiz begründen. Gemäss Aktenlage
habe sie auch aus der Beziehung mit einer Schweizer Bürgerin derzeit kei-
nen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Der Vollzug der
Wegweisung sei somit zulässig. Bezüglich des Kindswohls sei festzustel-
len, dass die Tochter erst im (...) geboren worden sei, weshalb nicht an-
satzweise von einer Verwurzelung im schweizerischen Umfeld gesprochen
werden könne. Der Vollzug der Wegweisung sei somit im Lichte der Kin-
derrechtskonvention zumutbar. In Bezug auf die Beschwerdeführerin sei
der Vollzug der Wegweisung bereits im vorangegangenen Asylverfahren
sowohl vom SEM als auch vom Bundesverwaltungsgericht als zumutbar
erachtet worden. Sie sei inzwischen Mutter einer Tochter geworden, was
jedoch an der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nichts zu ändern
vermöge. Der Kontaktabbruch zur Mutter und Schwester sei sowohl vom
SEM als auch vom Bundesverwaltungsgericht als unglaubhaft eingestuft
worden. Es sei davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Pa-
kistan ein familiäres und soziales Netz vorfinden werde, welches sie bei
einer Reintegration unterstützen könne. Dieses Netz könne sie auch in Be-
zug auf die Betreuung der Tochter unterstützen, weshalb eine Wiederein-
gliederung in die Arbeitswelt möglich sein dürfte. Bei finanziellen Engpäs-
sen könne es ihr zugemutet werden, ihren Bekanntenkreis in der Schweiz
und namentlich ihre Schweizer Partnerin um Unterstützung zu bitten. Es
seien insgesamt keine neuen individuellen Umstände ersichtlich, welche
gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung sprechen würden.
F.
Mit Eingabe vom 16. Januar 2020 (Poststempel) liess die Beschwerdefüh-
rerin gegen die Verfügung des SEM vom 13. Dezember 2019 beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragte, die Verfü-
gung des SEM sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzu-
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weisen, eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und ihr und ihrer Toch-
ter Asyl zu gewähren, subeventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft fest-
zustellen und eine vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und
die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass die Beschwer-
deführerin sich ihrer sexuellen Orientierung erst in der Schweiz bewusst
geworden sei. Es handle sich dabei aber dennoch um eine vorbestandene
Tatsache, welche nicht erst in der Schweiz bekannt geworden sei. Das
SEM habe das Vorbringen somit fälschlicherweise als subjektiven Nach-
fluchtgrund geprüft. Es sei zudem bekannt, dass Homosexuelle in Pakistan
gefährdet und schweren Eingriffen in ihre Menschenrechte ausgesetzt
seien, ohne dass der Staat sie schützen könne. Sie habe somit sowohl
objektiv wie subjektiv begründeten Anlass zur Annahme, dass sie in Pakis-
tan einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt wäre beziehungsweise
sich in einer Situation eines unerträglichen psychischen Drucks wiederfin-
den würde. Man könne der Beschwerdeführerin nicht zum Vorwurf ma-
chen, dass sie ihre Befürchtungen in Bezug auf die Rückkehr nach Pakis-
tan als lesbische Frau nicht schriftlich vorgebracht habe, da ihr die persön-
liche Erfahrung eines Lebens als lesbische Frau in Pakistan fehle. Es
könne von ihr auch nicht erwartet werden, dass sie sich bei einer Rückkehr
nach Pakistan wieder als heterosexuelle Person verhalte. Das SEM habe
sich überdies nicht mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich die Situa-
tion einer alleinstehenden Frau mit einem unehelichen Kind in Pakistan ge-
stalten würde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 21. Januar 2020 hielt die Instruktionsrichterin
fest, die Beschwerdeführerin und ihre Tochter könnten den Abschluss des
Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung hiess sie gut, verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und ordnete den Rechtsvertreter als amtlichen
Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig wurde das SEM eingeladen, sich zur Be-
schwerde vernehmen zu lassen und sich insbesondere zur Zulässigkeit
und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs einer alleinstehenden Frau
mit einem unehelichen Kind nach Pakistan zu äussern.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 31. Januar 2020 führte die Vorinstanz aus,
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dass praxisgemäss ein Outing im Lichte des Art. 54 AsylG geprüft werde,
wenn die Aktenlage keine Anzeichen einer Verfolgung aufgrund von Moti-
ven bezüglich der sexuellen Orientierung / Geschlechtsidentität zum Zeit-
punkt der Ausreise aus dem Heimatstaat aufweise und das Outing erst
nach der Ausreise erfolgt sei. Dieses Vorgehen sei unabhängig von der
Frage, ob die sexuelle Orientierung im Ausreisezeitpunkt vorbestanden
habe oder nicht. Auch wenn durch die sexuelle Orientierung ein mögliches
Verfolgungsmotiv gegeben sei, reiche es zur Darlegung einer Verfolgung
im Sinne von Art. 3 AsylG nicht aus, einer bestimmten sozialen Gruppe
anzugehören. Vielmehr müsse diese Person ernsthaften Nachteilen aus-
gesetzt sein oder begründetet Furcht haben, solchen in Zukunft ausgesetzt
zu sein. Es genüge somit nicht, aus einem Herkunftsstaat zu stammen, in
welchem die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität inkrimi-
niert werde. Die Person müsse die Existenz einer begründeten Furcht plau-
sibilisieren können. Bei der Prüfung einer begründeten Furcht vor zukünf-
tiger Verfolgung bei einer Rückkehr in den Heimatstaat gehe es um eine
Beurteilung der geäusserten Ängste vor möglichen Konsequenzen für die
betroffene Person, wenn sie ihre charaktereigene Lebensweise im Heimat-
land fortführe. Dieser Aspekt sei nicht mit einer Forderung nach Diskretion
oder Fortsetzung eines früheren Lebensstils zu verwechseln. Auch wenn
es der Beschwerdeführerin an persönlichen Erfahrungen als lesbische
Frau in Pakistan mangle, könne von ihr verlangt werden, ihre persönlichen
Bedürfnisse und Ängste im Falle einer Rückkehr zumindest ansatzweise
zu äussern. Es sei notorisch, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten
sozialen Gruppe nicht per se ein Verfolgungsmotiv zu begründen vermöge.
Zudem sei darauf hinzuweisen, dass auch dem Dossier der ESD der Stadt
E._ keine persönlichen Reflexionen in Bezug auf die veränderte Le-
bensweise der Beschwerdeführerin zu entnehmen seien. Der Vorwurf, das
SEM habe dieses Beweismittel nicht beigezogen, könne nicht gehört wer-
den. In Bezug auf den Wegweisungsvollzug ergänzte das SEM, dass nicht
davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin als Frau und ethni-
sche Hazara in ihrem Heimatstaat in einem besonderen Masse gefährdet
sei. Sie verfüge über ein soziales Netz in Pakistan, namentlich würden ihre
Mutter und Schwester in Quetta leben und diese könnten sie bei einer Wie-
dereingliederung und auch in Bezug auf die Betreuung ihrer Tochter unter-
stützen. Sie habe zudem eine gute Schulbildung und einen Collegeab-
schluss. Sie habe über zehn Jahre lang in einer verantwortungsvollen Po-
sition in der (...)branche gearbeitet. Es könne somit davon ausgegangen
werden, dass es ihr trotz der prekären Sicherheitslage für Hazara gelingen
werde, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen und den Lebensunterhalt für
sich und ihre Tochter zu bestreiten.
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I.
Am 18. Februar 2020 replizierte die Beschwerdeführerin dahingehend,
dass sie ihre Furcht, bei einer Rückkehr nach Pakistan erhebliche Nach-
teile zu erleiden, klar geäussert habe. Es sei zudem darauf hinzuweisen,
dass aus den Akten der Fremdenpolizei der Stadt E._ keine Refle-
xionen in Bezug auf die veränderte Lebensweise entnommen werden
könnten, da diese ihr Gesuch gar nie materiell geprüft und die beantragte
Befragung verweigert habe. Im Gesuchsverfahren sei sie in keiner Weise
gehalten, Reflexionen bezüglich einer veränderten Lebensweise zu äus-
sern. Das SEM habe die Beschwerdeführerin auch nicht erneut angehört,
weshalb es ihre aktuelle Lebensweise wohl gar nicht genau habe wissen
wollen. Ferner führte die Beschwerdeführerin aus, dass sie nicht nachvoll-
ziehen könne, inwiefern das SEM keinen Rechtsanspruch und keine Ver-
letzung der Familieneinheit sehe, da der Wille, die Partnerschaft einzutra-
gen, klar dokumentiert sei. Zudem habe das SEM in Bezug auf die Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs entgegen der Aufforderung des Gerichts
die zusätzlichen Gefährdungsindizien (Hazara, alleinstehende Frau ohne
Ehemann mit Kind, lesbisch) nicht berücksichtigt. Schliesslich sei darauf
hinzuweisen, dass man im vorangegangenen Asylverfahren einige wesent-
liche Umstände nicht geglaubt habe, nun aber behaupte, ihre Mutter und
ihre Schwester würden sich noch in Quetta befinden, obwohl sie dazu
keine aktuellen Angaben machen könne. Sie habe inzwischen beim Such-
dienst des Roten Kreuzes einen Suchauftrag eingereicht. Sobald hierzu
schriftliche Unterlagen vorliegen würden, reiche sie diese nach.
Der Replik wurde eine Kostennote beigelegt.
J.
Am 6. März 2020 wurde die Eintragung der Partnerschaft der Beschwer-
deführerin mit einer Schweizer Bürgerin vorgenommen.
K.
K.a Mit Eingabe vom 9. März 2020 ersuchten die Beschwerdeführerin und
ihre Schweizer Partnerin bei der zuständigen kantonalen Behörde um Er-
teilung einer Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzuges.
K.b Mit Schreiben vom 18. Dezember 2020 liess die Fremdenpolizeibe-
hörde der Stadt E._ (ESD) dem Bundesverwaltungsgericht die ab-
lehnende Verfügung vom 11. Dezember 2020 betreffend das Gesuch um
eine Aufenthaltsbewilligung im Familiennachzug zukommen. Die Behörde
kam zum Schluss, dass ein rechtsmissbräuchliches Verhalten vorliege, da
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die eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaft auf keinem echten
Ehewillen beruhe, sondern dazu diene, die bestehende Freundschaft zu
schützen und die Beschwerdeführerin sowie ihre Tochter vor einer Weg-
weisung nach Pakistan zu bewahren.
K.c Gemäss Beschwerdeentscheid vom 3. Mai 2021 der Sicherheitsdirek-
tion des Kantons F._ wurde das Familiennachzugsgesuch abgewie-
sen beziehungsweise nicht darauf eingetreten. Die Sicherheitsdirektion
vertrat ebenfalls die Auffassung, dass starke Indizien für eine missbräuch-
liche Geltendmachung des Anspruchs bestünden.
K.d Am 10. Juni 2021 informierte die Beschwerdeführerin das Bundesver-
waltungsgericht, dass sie beim Verwaltungsgericht des Kantons F._
Beschwerde gegen den Entscheid der Sicherheitsdirektion des Kantons
F._ vom 3. Mai 2021 betreffend die Abweisung beziehungsweise
das Nichteintreten auf das Gesuch um Aufenthaltsbewilligung bei eingetra-
gener Partnerschaft und Familiennachzug erhoben habe. Sie legte eine
Kopie der Beschwerde bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
Art.108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Vorab sind die formellen Rügen zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet
wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Im Verwaltungsverfahren gelten der Untersuchungsgrundsatz und die
Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts (Art. 12 VwVG; vgl. auch Art. 49 Bst. b VwVG; für das Asyl-
verfahren ausserdem Art. 6 AsylG). Mithin ist die zuständige Behörde ver-
pflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten Sachverhalt
von Amtes wegen festzustellen (vgl. zur Bedeutung des Untersuchungs-
grundsatzes allgemein etwa HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Ver-
waltungsrecht, 5. Aufl., Zürich/ St. Gallen 2010, S. 375 f.; PATRICK KRAUS-
KOPF/KATRIN EMMENEGGER, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenber-
ger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich/ Basel/Genf 2009, Art. 12,
N 15 ff.). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bil-
det einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043). Der Untersuchungsgrundsatz wird allerdings
durch die allgemeine Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG) sowie
im Asylverfahren durch die besondere Mitwirkungspflicht einer asylsuchen-
den Person (Art. 8 AsylG) begleitet. Für die asylsuchende Person bringt
dies insbesondere mit sich, dass sie der Behörde alle Gründe mitzuteilen
hat, die für die Asylgewährung oder für den Verzicht auf den Vollzug der
Wegweisung relevant sein könnten. Ferner ergibt sich aus Art. 8 Abs. 1
Bst. d AsylG, dass die asylsuchende Person verpflichtet ist, allfällige Be-
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weismittel vollständig zu bezeichnen und sie unverzüglich einzureichen o-
der, soweit dies zumutbar erscheint, sich darum zu bemühen, sie innerhalb
einer angemessenen Frist zu beschaffen. Was die Einreichung von Mehr-
fachgesuchen betrifft, statuiert das AsylG schliesslich die Anforderung, sol-
che Gesuche schriftlich und begründet einzureichen (Art. 111c AsylG; vgl.
unten E. 3.3).
3.3 In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe den Sachverhalt nicht
vollständig abgeklärt, da es die offerierten Akten des Gesuchsverfahrens
bei den ESD der Stadt E._ nicht beigezogen habe. Mit dem Mehr-
fachgesuch sei eine Kopie der Beschwerde gegen die Verfügung der ESD
der Stadt E._ eingereicht werden, und nicht wie vom SEM in der
Verfügung fälschlicherweise aufgeführt, die Akten des Gesuchs an die
ESD. Diese seien lediglich offeriert worden. Der Verfahrensfehler sei auf
Beschwerdeeben kaum zu korrigieren, weshalb sich eine Kassation der
angefochtenen Verfügung aufdränge (Beschwerde III A. Ziff. 2 und III C.
Ziff. 6).
Das SEM hat zwar tatsächlich fälschlicherweise in der angefochtenen Ver-
fügung aufgeführt, dass eine Kopie des Dossiers des Gesuchsverfahrens
bei der Stadt E._ eingereicht worden sei. In den Erwägungen bezog
sich das SEM dann aber nur auf die Verwaltungsbeschwerde gegen die
Verfügung der ESD E._ und nicht auf das Gesuch. Dass das SEM
die offerierten Akten betreffend das Gesuch um Erteilung einer ausländer-
rechtlichen Bewilligung zwecks Eintragung der Partnerschaft von der Be-
schwerdeführerin nicht abgenommen hat, stellt keine Rechtsverletzung
dar. Einerseits durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass die wesentli-
chen neuen Elemente im Mehrfachgesuch vorgetragen worden sind, zumal
die Eingabe durch einen Rechtsvertreter verfasst wurde. Andererseits han-
delte es sich dabei um ein kantonales Verfahren, welches in keinem direk-
ten Zusammenhang mit der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführerin steht. Zudem lagen dem SEM das Beschwerdedossier
inklusive den Beilagen und der Verfügung der ESD vor, welches hinrei-
chend Aufschluss über das kantonale Verfahren gab. Eine Kassation der
angefochtenen Verfügung rechtfertigt sich jedenfalls nicht, zumal auch in
der Beschwerde nicht vorgetragen wird, inwiefern die Gesuchsunterlagen
vorliegend zur Erhellung des Sachverhalts von erheblicher Relevanz seien.
3.4 In der Beschwerde wird ferner moniert, die Vorinstanz habe den Sach-
verhalt nicht vollständig abgeklärt, da sie die Beschwerdeführerin nicht er-
neut angehört habe. In Dispositivziffer 7 der angefochtenen Verfügung des
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SEM habe es den Antrag auf Durchführung einer Anhörung abgelehnt. Der
Sachverhalt seit vom SEM nicht seriös abgeklärt worden und es habe seine
Amtspflicht verletzt (Beschwerde III A. Ziff. 3 und III C. Ziff. 7).
Auch diese Rüge erweist sich als unbegründet. Nach dem seit dem 1. Feb-
ruar 2014 zur Anwendung kommenden Verfahren für Folgegesuche soll bei
Wiedererwägungs- und Asylfolgegesuchen (sog. Mehrfachgesuchen)
Art. 29 AsylG (Anhörung zu den Asylgründen) grundsätzlich nicht mehr zur
Anwendung kommen. Dementsprechend wird über Folgegesuche, so auch
das hier in Frage stehende Mehrfachgesuch, grundsätzlich in einem Akten-
verfahren ohne weitere Anhörung der gesuchstellenden Person entschie-
den (vgl. Art. 111c AsylG). Mit den neuen Gesetzesbestimmungen von
Art. 111b ff. AsylG wurden auch die formellen Anforderungen an die Ein-
gabe von Folgegesuchen geändert. Folgegesuche sollen nur noch schrift-
lich und begründet eingereicht werden können. Dabei müssen sie mindes-
tens so weit begründet sein, dass sie die Behörde in die Lage versetzen,
über das Gesuch zu entscheiden, auch ohne dass sie die gesuchstellende
Person anhört.
Die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 21. Oktober 2019 kann als hin-
reichend begründet im Sinne dieser Anforderungen betrachtet werden. Da
die Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt auch bereits rechtlich vertre-
ten gewesen ist, ist das SEM zu Recht davon ausgegangen, dass der we-
sentliche Sachverhalt hinreichend unterbreitet wurde. Das Gericht gelangt
ebenfalls zum Schluss, dass der Sachverhalt angemessen festgestellt
wurde und das SEM vorliegend zu Recht auf eine Anhörung der Beschwer-
deführerin verzichtete. Das SEM hat den Verzicht auf eine Anhörung mit
Verweis auf die Gesetzeslage und die Rechtsprechung (BVGE 2014/39)
auch korrekt begründet. Die Rüge, die Vorinstanz habe die Pflicht zur voll-
ständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts ver-
letzt, ist nicht begründet.
3.5 Die formellen Rügen sind unbegründet und es besteht weder Bedarf
an weiteren Sachverhaltsabklärungen noch sonst ein Anlass zur Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
E-306/2020
Seite 14
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr zweites Asylgesuch im We-
sentlichen damit, dass sie sich inzwischen als homosexuell geoutet habe
und mit einer Frau zusammenlebe. Am 6. März 2020 haben die Beschwer-
deführerin und ihre Schweizer Partnerin die Partnerschaft eintragen las-
sen. Aus den kantonalen Akten bezüglich des Verfahrens um Familien-
nachzug geht hervor, dass die kantonale Behörde von einer Scheinehe
ausgeht. Ob die Beschwerdeführerin tatsächlich in einer Liebensbeziehung
mit ihrer Schweizer Partnerin steht, oder ob es sich dabei, wie vom Kanton
vermutet, um eine Umgehungspartnerschaft handelt, kann vorliegend of-
fenbleiben. Aufgrund nachstehender Überlegungen ist auch bei unterstell-
ter Glaubhaftigkeit ihres Outings nicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführerin aufgrund ihrer sexuellen Orientierung bei einer Rückkehr
in ihren Heimatstaat eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung drohen
würde.
5.2 Zunächst ist festzuhalten, dass das SEM zu Recht festgestellt hat, dass
die Beschwerdeführerin sich erst in der Schweiz als homosexuell geoutet
hat und vor ihrer Ausreise aus Pakistan somit keiner Verfolgung aufgrund
ihrer sexuellen Orientierung ausgesetzt gewesen ist. Vorfluchtgründe im
Sinne des Art. 3 AsylG bestehen nicht. Entgegen der Ansicht der Be-
schwerdeführerin (Beschwerde III C. Ziff. 8) hat die Vorinstanz zutreffend
im Sinne von subjektiven Nachfluchtgründen gemäss Art. 54 AsylG geprüft,
ob die Beschwerdeführerin wegen ihres mittlerweile erfolgten Outings bei
einer Rückkehr in ihren Heimatstaat aufgrund ihrer sexuellen Orientierung
begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen hat beziehungsweise ob sie
E-306/2020
Seite 15
sich in einer Situation eines unerträglichen psychischen Drucks wiederfin-
den würde, welcher die Flüchtlingseigenschaft begründen könnte. Da sich
die Beschwerdeführerin erst nach ihrer Ausreise zu ihrer Homosexualität
bekannt hat und auch nicht vorgebracht hat, bereits in Pakistan (im Gehei-
men) ihre sexuelle Orientierung ausgelebt zu haben, hat die Vorinstanz die
neue Asylbegründung zutreffend unter Art. 54 AsylG gewürdigt (vgl. hierzu
bspw. Urteil des BVGer E-6857/2014 vom 13. Januar 2017 E.3.3).
5.3 Es stellt sich somit vorliegend die Frage, ob die Beschwerdeführerin
bei einer Rückkehr nach Pakistan mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und
in absehbarer Zukunft Opfer zukünftiger Verfolgung werden würde. Den
Akten lässt sich nicht entnehmen, dass ihrer Familie in Pakistan oder an-
deren Personen bekannt wäre, dass sie in der Schweiz in einer eingetra-
genen Partnerschaft beziehungsweise in einer gleichgeschlechtlichen Be-
ziehung lebt. Sie bringt auch nicht vor, dass sie sich vor konkreten Benach-
teiligungen oder allfälligen Drohungen durch die Familie fürchte. Auch auf
Beschwerdeebene beschränkt sich die Beschwerdeführerin auf eine äus-
serst knappe Ausführung, dass homosexuelle Personen im Allgemeinen
Repressalien ausgesetzt seien (Beschwerde III B. Ziff. 4b; III C. Ziff. 9). In
Pakistan wird Homosexualität nicht explizit im Strafgesetz unter Strafe ge-
stellt. Homosexuelle können zwar durch die Anwendung des Artikels 377
des Strafgesetzes über «unnatürlichen» Geschlechtsverkehr strafrechtlich
verfolgt werden. Der Artikel wird jedoch gemäss verschiedenen Quellen
nur selten gegen Homosexuelle angewandt und es kommen nur selten
Fälle vor Gericht (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), Pakistan:
Situation von Homosexuellen, Bern, 11. Juni 2015, https://www.fluecht-
lingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftslaenderbe-
richte/ Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Pakistan/150422-pak-homosexu-
elle-de. pdf, abgerufen am 21.09.2021; Refugee Legal Aid Information for
Lawyers Representing Refugees Globally, Rights in Exile Programme, Pa-
kistan LGBTI Resources, undatiert, https://www.refugeelegalaidinforma-
tion.org/pakistan-lgbti-resources, abgerufen am 21.09.2021; UK Home
Office, Country Policy and Information Note, Pakistan: Sexual orientation
and gender identity or expression, Juli 2019, https://assets.publishing.ser-
vice.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/
814050/Pakistan-SOGIE-CPIN-v3.0_July_2019_.pdf, abgerufen am
23.09.21). Homosexuelle Personen können gemäss verschiedenen Quel-
len hingegen Diskriminierungen und Gewalt ausgesetzt sein, was auch
dazu führt, dass sich Homosexuelle nur selten outen (vgl. US Department
of State, 2020 Country Reports on Human Rights Practices: Pakistan,
E-306/2020
Seite 16
20. März 2021, https://www.state.gov/reports/2020-country-reports-on-hu-
man-rights-practices/pakistan/, abgerufen am 21.09.2021; SFH, Pakistan:
Situation von Homosexuellen, a.a.O.; siehe auch Urteil des BVGer
E-4373/2013 vom 25. Oktober 2013 E. 4.4.3). Dabei gehe die Diskriminie-
rung insbesondere von der Verwandtschaft aus und hänge vom sozioöko-
nomischen Umfeld ab. LGBTI Personen aus einem urbanen und wohlha-
benderen Umfeld seien mit weniger Einschränkungen konfrontiert als är-
mere Personen aus einem ländlichen Gebiet (vgl. Immigration and
Refugee Board of Canada, Pakistan: Treatment of sexual and gender mi-
norities and authorities; state protection and support services available,
17. Januar 2019, https://irb.gc.ca/en/country-information/rir/Pages/in-
dex.aspx?doc =457702, abgerufen am 21.09.2021; UK Home Office,
Country Policy and Information Note, Pakistan: Sexual orientation and gen-
der identity or expression, a.a.O.). Auch wenn nicht in Abrede gestellt wird,
dass homosexuelle Personen in Pakistan Benachteiligungen ausgesetzt
sein können, ist anhand der konsultierten Quellen nicht davon auszuge-
hen, dass sich allein aufgrund der Zugehörigkeit der Beschwerdeführerin
zum Kollektiv eine zukünftige Verfolgung objektiv mit einer erheblichen
Wahrscheinlichkeit verwirklichen würde.
5.4 Ferner ist auch nicht im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwal-
tungsgerichts D-6539/2018 davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh-
rerin bei einer Rückkehr einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne
von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt wäre. In seinem Referenzurteil (dieses
betrifft den Irak) führte das Bundesverwaltungsgericht aus, dass die Ver-
heimlichung der Homosexualität aufgrund der ständigen Gefahr der unfrei-
willigen Entdeckung, der gesellschaftlichen Repression und Marginalisie-
rung, der fehlenden Unterstützung des Familienverbandes sowie der Angst
vor Diskriminierung in Polizeigewahrsam oder im Strafvollzug unter Um-
ständen einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs.
2 AsylG verursachen könne. Indessen sei dieser Druck in subjektiver Hin-
sicht jeweils im Einzelfall zu prüfen (D-6539/2018 vom 2. April 2019 E. 8.3).
Die Beschwerdeführerin hat weder in ihrem Mehrfachgesuch (SEM Akte
[...]-1/41) konkret vorgebracht, inwiefern sie sich bei einer Rückkehr nun-
mehr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in ihrem Alltag erheblich ein-
schränken müsste, noch wurde Entsprechendes auf Beschwerdeebene
dargelegt. Auch macht die Beschwerdeführerin wie bereits oben erwähnt
nicht geltend, dass ihre Familie oder Bekannte über ihr in der Schweiz er-
folgtes Outing informiert seien. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass
ihre Homosexualität in Pakistan ihrem Bekanntenkreis oder den Behörden
E-306/2020
Seite 17
bekannt ist. Es gab in ihrer Vergangenheit auch kein Ereignis, welches zu
einer konkreten Gefahr der Entdeckung oder zu einem unfreiwilligen Ou-
ting führen könnte. Eine lediglich abstrakte Gefahr der Entdeckung und
Verfolgung genügt zur Annahme eines unerträglichen psychischen Dru-
ckes indes nicht. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin entspricht
dies auch der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts,
wonach gewisse Einschränkungen im öffentlichen Auftreten und im Privat-
leben für sich noch keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
darstellen und nicht per se zu einem unerträglichen psychischen Druck füh-
ren (vgl. Urteile des BVGer E-2109/2019 vom 28. August 2020 E. 10.2
m.w.H.; D-5961/2017 vom 27. Februar 2018 E. 6.3). Insgesamt sind keine
Anhaltspunkte ersichtlich, die zur konkreten Gefahr eines unfreiwilligen
Outings führen könnten. Eine begründete Furcht vor einem unerträglichen
psychischen Druck oder anderen ernsthaften Nachteilen nach Art. 3 Abs. 2
AsylG ist vorliegend nicht gegeben.
5.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz das Mehrfachgesuch der Be-
schwerdeführerin zu Recht abgelehnt und ihre Flüchtlingseigenschaft so-
wie diejenige ihres Kindes zu Recht verneint.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Betreffend die Anordnung der Wegweisung und des Vollzugs ist festzu-
halten, dass die Wegweisung gemäss Art. 32 Abs. 1 Bst. a Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) unter
anderem dann nicht angeordnet werden darf, wenn die asylsuchende Per-
son im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist,
wobei diese Bestimmung praxisgemäss so zu verstehen ist, dass nicht der
Besitz der Aufenthaltsbewilligung, sondern der Anspruch auf Erteilung einer
solchen ausschlaggebend ist (vgl. etwa das Urteil BVGer E-4701/2014 vom
26. Juni 2015 E. 6.1 unter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21 E. 9). Ein
solcher kann sich unter anderem aus Art. 8 EMRK ergeben (vgl. EMARK
2001 Nr. 21 E. 8a und b sowie E. 9 m.w.H.).
6.3 Die konkrete Beurteilung des geltend gemachten Anspruchs und damit
auch der Entscheid über die Wegweisung fällt dagegen in die Zuständigkeit
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-4701/2014 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21
E-306/2020
Seite 18
der kantonalen Migrationsbehörden. Unter Beachtung des sogenannten
Grundsatzes des Vorrangs des Asylverfahrens (vgl. Art. 14 Abs. 1 AsylG)
prüft das SEM lediglich, ob (1) ein potenzieller Anspruch gestützt auf Art. 8
EMRK vorfrageweise bejaht wird, (2) die betroffene Person an die zustän-
dige kantonale Migrationsbehörde ein Gesuch um Erteilung einer Aufent-
haltsbewilligung gerichtet hat sowie (3) dieses Gesuch noch hängig ist (vgl.
(BVGE 2013/37 E. 4.4, insbesondere E. 4.4.2.2; EMARK 2001 Nr. 21
E. 8d).
6.4 Grundsätzlich können ausländische gleichgeschlechtliche Partner von
Schweizer Bürgern Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
aus Art. 8 EMRK haben (vgl. BGE 126 II 425). Vorliegend hat die Be-
schwerdeführerin beziehungsweise ihre Schweizer Partnerin ein Gesuch
um Familiennachzug bei der zuständigen Fremdenpolizei gestellt. Die kan-
tonalen Behörden haben sich mit dem Gesuch befasst, haben dieses je-
doch abgewiesen beziehungsweise sind nicht darauf eingetreten, mit der
Begründung, es bestehe kein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbe-
willigung, da von einer Scheinehe auszugehen sei. Die Zuständigkeit hin-
sichtlich der Frage der Anordnung der Wegweisung ist nach dem oben Ge-
sagten zu den fremdenpolizeilichen Behörden gewechselt. Doch besteht in
diesem Fall kein Grund, die asylrechtlich angeordnete Wegweisung aufzu-
heben, da sich die ursprüngliche asylrechtliche Anordnung der Wegwei-
sung durch das SEM mit derjenigen der fremdenpolizeilichen Behörden
vom Ergebnis her deckt (EMARK 2001 Nr. 21 E.11.b).
6.5 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Anordnung der (asyl-
rechtlichen) Wegweisung zu bestätigen ist. Der fremdenpolizeiliche
Rechtsmittelweg bleibt ungeachtet dessen bestehen.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
E-306/2020
Seite 19
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der
Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in
den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-
sig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
E-306/2020
Seite 20
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.4
7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.2 In Pakistan herrscht weder Bürgerkrieg noch eine Lage allgemeiner
Gewalt (vgl. Urteil des BVGer E-3954/2018 vom 24. Juli 2018 E. 9.4.1
m.H.). Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine ethnische Ha-
zara schiitischen Glaubens mit letztem Wohnsitz in Quetta. Das Bundes-
verwaltungsgericht schätzte in BVGE 2014/32 die Lage in Quetta für Schi-
iten und insbesondere für Hazara als gefährlich ein und bezeichnete die
Sicherheitslage als bedrohlich und instabil. Es bestehe für Schiiten die
ernstzunehmende Gefahr von religiös motivierten Anschlägen, wobei diese
Gefahr für Hazara zusätzlich gesteigert sei. Es sei zwar nicht von einer
Situation allgemeiner Gewalt auszugehen; die Zugehörigkeit zur ethnisch-
religiösen Minderheit der schiitischen Hazara sei aber als starkes Indiz für
die Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu qualifizie-
ren. Ergebe sich aus der persönlichen Situation einer beschwerdeführen-
den Person ein zusätzliches Gefährdungsindiz, das über die schwierige
generelle Lage der Hazara in Quetta hinausgehe, sei der Wegweisungs-
vollzug als unzumutbar zu bezeichnen (vgl. BVGE 2014/32 E. 9.4). Die im
Grundsatzurteil vorgenommene Lagebeurteilung ist nach wie vor aktuell;
von einer Verbesserung der Lage für Hazaras in Quetta ist nicht auszuge-
hen.
7.4.3 Das SEM ist in seiner Verfügung zum Schluss gekommen, dass be-
reits in den vorangegangen Asylverfahren rechtskräftig entschieden wor-
den sei, dass der Wegweisungsvollzug auch aus individueller Hinsicht zu-
mutbar sei. Seit Abschluss des letzten Beschwerdeverfahrens liege inso-
fern eine veränderte Sachlage vor, da sie inzwischen Mutter einer Tochter
geworden sei. Dieser Umstand vermöge jedoch an der bisherigen Ein-
schätzung nichts zu ändern. Es sei davon auszugehen, dass sie sich bei
einer Rückkehr nach Pakistan auf ein familiäres und soziales Netz stützen
könne, welches ihr auch in Bezug auf die Betreuung der Tochter behilflich
sein könne, weshalb eine Wiedereingliederung in die Arbeitswelt möglich
E-306/2020
Seite 21
sein dürfte. In der Beschwerde wurde sodann darauf hingewiesen, dass
sich die Vorinstanz nicht mit der Frage auseinandergesetzt habe, wie sich
die Situation für eine Person mit einem unehelichen Kind in Pakistan ge-
stalten würde (Beschwerde III C. Ziff. 10). Daraufhin lud die Instruktions-
richterin das SEM ein, sich zu dieser Frage vernehmen zu lassen. In der
Vernehmlassung beschränkte sich das SEM darauf, im Wesentlichen zu
wiederholen, dass es der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Ausbildung
und Berufserfahrung sowie ihres Beziehungsnetzes trotz ihrer spezifischen
Lebensumstände gelingen dürfte, den Lebensunterhalt für sich und ihre
Tochter selbständig zu bestreiten. Es würden begünstigende Faktoren vor-
liegen. In der Replik führte die Beschwerdeführerin zu Recht aus, dass das
SEM erneut die wesentlichen neuen Elemente nicht geprüft habe.
7.4.4 Der Beschwerdeführerin ist beizustimmen, dass sich vorliegend aus
ihrer persönlichen Situation zusätzliche Gefährdungsindizien ergeben
könnten. Es stellt sich die Frage, inwiefern es für die Beschwerdeführerin
möglich wäre, sich – neben ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit
– als alleinerziehende Frau mit einem unehelichen Kind in Pakistan wie-
dereinzugliedern und insbesondere auch, wie sich die Situation für ein un-
eheliches Kind in Pakistan darstellt. Die Beschwerdeführerin hat zuletzt mit
ihrer Mutter und Schwester in G._ in Quetta gelebt (SEM Akte A5,
Ziff. 2.01 und 3.03). In ihrem ersten Beschwerdeverfahren machte sie gel-
tend, dass der Kontakt zu ihnen abgebrochen sei und sie sich auf kein Be-
ziehungsnetz mehr stützen könne. Mangels konkreter Ausführungen wurde
der Kontaktabbruch als unglaubhaft eingestuft (vgl. Urteil des BVGer
E-3854/2018 vom 24. Juli 2018 E.9.4.2). Inzwischen sind seit der Ausreise
der Beschwerdeführerin über sechs Jahre vergangen. Unklar ist, ob sie
sich nach der langen Landesabwesenheit noch auf ein Beziehungsnetz
stützen könnte, insbesondere unter Beachtung des sozialen Stigmas, wel-
chem sie als alleinerziehende Mutter mit einem unehelichen Kind ausge-
setzt wäre. Gemäss Erkenntnissen des Gerichts ist eine Wiedereingliede-
rung von unverheirateten, alleinstehenden Frauen in Pakistan von ver-
schiedenen Umständen abhängig. Die «soziale Klasse», die ökonomische
Situation, die Ausbildung sowie der Wohnort spielen eine wesentliche Rolle
dabei, inwiefern eine alleinstehende Frau in Pakistan auskommt. Für wohl-
habende Frauen, welche sich in einem urbanen und gebildeten Umfeld
bewegen, dürfte es einfacher sein, als für Frauen, die nicht aus wohlha-
benden Familien stammen und in der Regel einem hohen Level von Dis-
kriminierungen ausgesetzt sind (vgl. Immigration and Refugee Board of
Canada, Circumstances under which a woman has the legal right to
get a divorce through the courts (judicial divorce) through her own
E-306/2020
Seite 22
initiative; circumstances under which single women can live alone,
17.11.2010, https://www.refworld.org/docid/4dd1015f17.html, abgerufen
am 13.09.2021; Department of Foreign Affairs and Trade (DFAT), DFAT
Country Information Report Pakistan, 20.02.2019, https://www.dfat.gov.au/
sites/default/files/country-information-report-pakistan.pdf, abgerufen am
13.09.2021). Hinzukommend ist für homosexuelle Frauen der Zugang zu
Arbeit und einer Wohnung noch schwieriger (vgl. SFH, Pakistan: Situation
von Homosexuellen, a.a.O.).
In der angefochtenen Verfügung hat sich das SEM nicht konkret mit der
Frage auseinandergesetzt, ob es der Beschwerdeführerin bei einer Rück-
kehr nach Pakistan als alleinstehende ethnische Hazara schiitischen Glau-
bens möglich wäre, sich in Quetta wiedereinzugliedern, eine Wohnung zu
mieten und eine Arbeitsstelle zu finden, welche ihre Existenzgrundlage si-
chern könnte, zumal sie auch auf eine Kinderbetreuung angewiesen wäre.
Es kommt hinzu, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz in einer ein-
getragenen Partnerschaft lebt und sich geoutet hat. Der Hinweis des SEM
auf die gute Ausbildung und die Berufserfahrung der Beschwerdeführerin
alleine genügt angesichts der vorstehenden Erwägungen nicht, um von der
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgehen zu können. Aufgrund
der Aktenlage kann zumindest nicht davon ausgegangen werden, dass es
für die Beschwerdeführerin ohne Weiteres möglich sein dürfte, sich in Pa-
kistan zu reintegrieren.
7.4.5 Des Weiteren ist festzustellen, dass das SEM in der angefochtenen
Verfügung zwar im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindswohl be-
rücksichtigte. Dabei beschränkte sich das SEM aber nur auf die Feststel-
lung, dass das Kind erst im (...) geboren worden sei, weshalb nicht ansatz-
weise von einer Verwurzelung im schweizerischen Umfeld gesprochen
werden könne. Dem SEM ist insofern beizustimmen, dass die Tochter der
Beschwerdeführerin erst (...) Jahre alt ist. Von einer selbständigen
Integration in der Schweiz kann tatsächlich noch nicht gesprochen werden.
Von Bedeutung ist vorliegend aber auch, inwiefern für die Tochter –
als unehelich geborenes Kind – eine Integration in Pakistan möglich ist.
Erkenntnissen des Gerichts zufolge sind uneheliche Kinder mit
einem erheblichen sozialen Stigma behaftet, da ausserehelicher Ge-
schlechtsverkehr in Pakistan verboten ist (vgl. UK Home Office,
Country Policy and Information Note – Pakistan: Women fearing gender-
based violence, 02.2020, https://assets.publishing.service.gov.uk/govern-
ment/uploads/system/uploads/attachment_data/file/866082 /Pakistan-Wo-
men-CPIN-v4.0_Feb_2020_.pdf, abgerufen am 08.09.2021). Neben den
E-306/2020
Seite 23
sozialen Folgen ist es für uneheliche Kinder zusätzlich schwierig, sich bei
den Behörden registrieren zu lassen, da für die Registrierung grundsätzlich
eine Heirats-, Scheidungs-, oder Todesurkunde des leiblichen Vaters ver-
langt wird. Die Registrierung eines unehelichen Kindes bei der nationalen
Registrierungsbehörde National Database and Registration Authority
(NADRA) wird grundsätzlich nicht akzeptiert (vgl. UK Home Office, Country
Policy and Information Note – Pakistan: Women fearing gender-based vio-
lence, a.a.O.; Soch Writing, She had a child through a sperm donor. Nadra
refuses to recognise it., 30.01.2020, https://www.sochwriting.com/she-had-
a-child-through-a-sperm-donor-nadra-refuses-to-recognise-it/, abgerufen
am 08.09.2021). Vorliegend hat sich das SEM nicht weiter mit der Frage
auseinandergesetzt, inwiefern es für die Tochter der Beschwerdeführerin,
als im Ausland geborenes uneheliches Kind, möglich wäre, sich Identitäts-
papiere ausstellen zu lassen und sich gesetzeskonform registrieren zu las-
sen. Eine Vaterschaftsanerkennung wurde in der Schweiz zwar durchge-
führt. Inwiefern die Kindsanerkennung durch den Vater, welcher (...)
Staatsangehöriger ist und soweit ersichtlich nie mit der Beschwerdeführe-
rin und dem gemeinsamen Kind in einem Haushalt lebte (vgl. ZEMIS), von
den pakistanischen Behörden akzeptiert würde, ist aber nicht klar. Das
SEM ist somit seiner Abklärungs- und Würdigungspflicht nicht in genügen-
der Weise nachgekommen. Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass
sich das SEM im Rahmen der Prüfung des Kindswohls nicht mit den Chan-
cen und Hindernisse einer Integration im Heimatland, welche einen ge-
wichtigen Faktor des Kindswohls darstellen (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.6;
BVGE 2009/28 E. 9.3.2 je mit weiteren Hinweisen), auseinandergesetzt
hat.
8.
8.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264).
Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar
auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies
im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie
muss dies aber nicht, zumal der Beschwerdeführerin dadurch eine Instanz
verloren ginge (vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1).
E-306/2020
Seite 24
8.2 Vorliegend ist aufgrund des Gesagten nicht von einer leicht herstellba-
ren Entscheidungsreife auszugehen. Ausserdem soll das Gericht grund-
sätzlich nicht anstelle der verfügenden Verwaltungsbehörde die Grundla-
gen des rechtserheblichen Sachverhalts erstellen, weil die beschwerdefüh-
rende Partei bei diesem Vorgehen eine Instanz verlieren würde. Vor die-
sem Hintergrund ist eine Rückweisung angezeigt. Das SEM ist anzuwei-
sen, den Sachverhalt in Bezug auf das Vorliegen von Wegweisungsvoll-
zugshindernissen vollständig festzustellen und in der Sache neu zu ent-
scheiden.
9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung vom
13. Dezember 2019 betreffend deren Dispositivziffer 1 (Flüchtlingseigen-
schaft, Asyl) Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sach-
verhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Mit der
Abweisung des Mehrfachgesuchs hat das SEM auch die Wegweisung als
solche zu Recht angeordnet und Dispositivziffer 2 der angefochtenen Ver-
fügung ist ebenfalls zu bestätigen. Die Beschwerde ist daher abzuweisen,
soweit in dieser beantragt wird, es sei die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführerin festzustellen, ihr Asyl zu gewähren und die Wegwei-
sungsanordnung aufzuheben. Hinsichtlich des von der Vorinstanz ange-
ordneten Wegweisungsvollzugs ist die Beschwerde hingegen gutzuheis-
sen und die Dispositivziffern 3 und 4 der angefochtenen Verfügung sind
aufzuheben. Diesbezüglich ist die Sache zur Abklärung des Sachverhalts
und zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
10.
10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63
Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin ist bezüglich ih-
res Hauptantrags auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Asylge-
währung unterlegen. Bezüglich der Anordnung des Wegweisungsvollzugs
hat sie obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein hälftiges Obsiegen.
10.2 Nach dem Gesagten hätte die Beschwerdeführerin die Hälfte der Ver-
fahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Instruktionsver-
fügung vom 21. Januar 2020 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss
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Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und die Bedürftigkeit gemäss Akten-
lage weiterhin besteht, sind ihr indessen keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen.
10.3 Der Beschwerdeführerin ist im Umfang ihres Obsiegens – also hälftig
– für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten eine Parteientschädigung
zu Lasten der Vorinstanz zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Fürsprecher Daniel Weber, der mit Verfügung vom 21. Januar 2020 als
amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt wurde, reichte mit Eingabe vom 18.
Februar 2020 eine Kostennote zu den Akten. Dabei machte er einen Auf-
wand von 8 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 270.– sowie Ausla-
gen für Fotokopien, Porti und E-Mail in der Höhe von insgesamt Fr. 41.90
geltend. Die Kostennote ist als angemessen zu betrachten. Die von der
Vorinstanz auszurichtende, hälftige Parteientschädigung wird auf gerundet
Fr. 1186.– (4 Stunden à Fr. 270.– zuzüglich Auslagen von Fr. 20.95 und
Mehrwertsteuerzuschlag von Fr. 84.80) festgelegt.
10.4 Nachdem die Beschwerdeführerin hälftig unterlegen ist, ist dem amt-
lichen Rechtsbeistand, Fürsprecher Daniel Weber, in diesem Umfang zu
Lasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar auszurichten.
Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–12
VGKE) ist dem Rechtsbeistand durch das Bundesverwaltungsgericht ein
amtliches Honorar in der Höhe von gerundet Fr. 970.– (4 Stunden à Fr.
220.– zuzüglich Auslagen von Fr. 20.95 und Mehrwertsteuerzuschlag von
Fr. 69.40; zum Stundenansatz vgl. Instruktionsverfügung vom 21. Januar
2020) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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