Decision ID: 1efa4144-dda7-4715-a295-c4e41176c95f
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Affoltern vom 8. Mai 2017 (EE160021-A)
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Rechtsbegehren der Parteien:
Es wird auf die Seiten 2 ff. des Urteils der Vorinstanz vom 8. Mai 2017 verwiesen
(Urk. 132).
Urteil des Einzelgerichts am Bezirksgericht Affoltern vom 8. Mai 2017 (Urk. 132 S. 81 f.):
1. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, für den Sohn C._ die folgenden
monatlichen Kindesunterhaltsbeiträge (Barunterhalt), zuzüglich Familienzu-
lagen, zu bezahlen:
Fr. 1'276.– vom 1. Juni 2015 bis 31. Juli 2015;
Fr. 1'376.– vom 1. August 2015 bis 31. Juni 2016;
Fr. 1'473.– ab 1. Juli 2016 bis zum Abschluss einer angemessenen
Erstausbildung, auch über die Volljährigkeit hinaus,
zahlbar an die Gesuchstellerin, und zwar monatlich im Voraus auf den Ers-
ten eines jeden Monats.
Die Zahlungsmodalitäten für die Kindesunterhaltsbeiträge gelten bis zur Voll-
jährigkeit bzw. bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung auch
über die Volljährigkeit hinaus, solange C._ im Haushalt der Gesuchstel-
lerin lebt und keine eigenen Ansprüche gegenüber dem Gesuchsgegner
stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
2. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, für die Dauer des Getrenntlebens die
folgenden monatlichen Ehegattenunterhaltsbeiträge zu bezahlen:
Fr. 5'796.– vom 1. Juni 2015 bis 31. Juli 2015;
Fr. 5'496.– vom 1. August 2015 bis 31. Juni 2016;
Fr. 5'690.– ab 1. Juli 2016,
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zahlbar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
3. Die Kindes- und Ehegattenunterhaltsbeiträge werden nicht indexiert.
4. Bereits geleistete Unterhaltszahlungen können in Verrechnung gebracht
werden.
5. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 8'000.– (Pauschalgebühr inkl. Massnah-
menverfahren) festgesetzt und den Parteien je zur Hälfte auferlegt.
6. Die im Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom 14. Juni 2016
festgesetzte Entscheidgebühr in der Höhe von Fr. 4'000.– wird den Parteien
je zur Hälfte auferlegt.
7. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
8. [Mitteilungssatz]
9. [Rechtsmittelbelehrung]
Berufungsanträge:
des Gesuchsgegners und Berufungsklägers:
in der Berufungsbegründung (Urk. 131 S. 2):
"1. Dispositiv-Ziffer 2 des Entscheids des Bezirksgerichts Affoltern vom 8. Mai 2017 sei aufzuheben und die Sache gestützt auf Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO zur Neubeurteilung der Unterhaltspflicht des Beklagten an die Vorinstanz zurückzuweisen;
2. Eventualiter sei Dispositiv-Ziffer 2 des Entscheids des  Affoltern vom 8. Mai 2017 aufzuheben und der  zu verpflichten, der Berufungsbeklagten die folgenden  Ehegattenunterhaltsbeiträge zu bezahlen:
- CHF 3'083.00 vom 1. Juni 2015 bis 31. Juli 2015 - CHF 2'983.00 vom 1. August 2015 bis 31. Juni 2016 - CHF 3'370.00 ab 1. Juli 2016 bis 30. April 2017 - CHF 2'628.00 ab 1. Mai 2017; zahlbar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats;
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3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% Mwst) zu  der Berufungsbeklagten."
in der Stellungnahme vom 15. August 2017 (Urk. 150 S. 2):
"1. Die Berufung sei vollumfänglich gutzuheissen. 2. Der Antrag der Berufungsgegnerin auf einen Prozesskostenbei-
trag in der Höhe von CHF 4'000.00 sei abzuweisen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% Mwst) zu Las-
ten der Berufungsbeklagten."
der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (Urk. 143 S. 2):
"Rechtsbegehren:
̋Die Berufung des Berufungsklägers vom 29. Mai 2017 sei  abzuweisen und es sei das Urteil des Bezirksgerichts Affoltern vom 8. Mai 2017 zu bestätigen unter Kosten und Entschädigungsfolge zu Lasten des Berufungsklägers.̋
prozessualer Antrag: ˶Es sei der Berufungskläger zu verpflichten, einen  in Höhe von Fr. 4'000.00 an die Berufungsbeklagte zu leisten, zahlbar an die Rechtsvertreterin der Berufungsbeklagten, sofern ihm nicht ausgangsgemäss die Partei- und Gerichtskosten auferlegt .̋

Erwägungen:
I.
1.1. Die Parteien haben am tt. September 1987 geheiratet. Der Gesuchs-
gegner und Berufungskläger (fortan Gesuchsgegner) ist Facharzt für Allgemein-
medizin. Er betreibt eine Hausarztpraxis in D._. Aus der Ehe der Parteien
gingen fünf Kinder hervor: E._, geboren 1988, F._, geboren 1990,
G._, geboren 1991, H._, geboren 1995, sowie der (inzwischen auch
volljährige) C._, geboren am tt.mm.1999. H._ ist geistig behindert. Seit
dem 1. Juni 2015 leben die Parteien getrennt. Die Söhne C._ und H._
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leben bei der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (fortan Gesuchstellerin).
Bereits mit Eingabe vom 16. April 2015 hatte die Gesuchstellerin bei der Vo-
rinstanz ein Eheschutzbegehren angehoben (Geschäfts-Nr. EE150012-A, Urk. 1).
Am 25. August 2015 fand die Hauptverhandlung statt (Prot. Vi S. 10 ff.). Die Par-
teien schlossen eine Teilvereinbarung. Strittig blieben die Unterhaltsbeiträge an
die Gesuchstellerin und an C._ (Urk. 30). Am 26. Januar 2016 fällte die Vo-
rinstanz ein (erstes) Urteil. Darin bewilligte sie den Parteien unter anderem das
Getrenntleben auf unbestimmte Zeit (Urk. 48 S. 42, Dispositivziffer 1), teilte für die
Dauer des Getrenntlebens die Obhut für C._ der Gesuchstellerin zu (Disposi-
tivziffer 3) und regelte die vom Gesuchsgegner ab dem 1. Juni 2015 an die Ge-
suchstellerin und an C._ zu zahlenden Unterhaltsbeiträge (Dispositivziffer 5).
Der Gesuchsgegner erhob gegen das Urteil Berufung. Mit Beschluss der Kammer
vom 14. Juni 2016 wurden die Dispositivziffern 5 (Unterhaltsbeiträge) sowie 9 und
10 (Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen) des Urteils aufgehoben.
Die Sache wurde zur Vervollständigung des Sachverhalts im Sinne der Erwägun-
gen sowie zu neuer Entscheidfindung an die Vorinstanz zurückgewiesen (Urk. 68
S. 16, Dispositivziffer 2). Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wurde auf
Fr. 4'000.– festgesetzt, wobei die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfol-
gen dem Endentscheid der Vorinstanz vorbehalten wurde (Dispositivziffern 3 und
4). Betreffend den Verlauf des weiteren erstinstanzlichen Verfahrens nach der
Rückweisung (Geschäfts-Nr. EE160021-A) ist auf die Erwägungen der Vorinstanz
zu verweisen (Urk. 132 S. 8 ff.). Am 8. Mai 2017 fällte die Vorinstanz das voran-
gehend angeführte Urteil, mit welchem sie die nach wie vor umstrittenen Unter-
haltszahlungen für C._ (Urk. 132 S. 81, Dispositivziffer 1) und die Gesuch-
stellerin regelte (Dispositivziffer 2).
2. Der Gesuchsgegner hat gegen das Urteil fristgerecht Berufung erhoben
(Urk. 126; Urk. 131). Mit Verfügung vom 2. Juni 2017 wurde das Gesuch des Ge-
suchsgegners um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Berufung abgewie-
sen (Urk. 137 S. 4, Dispositivziffer 1). Der Gesuchsgegner hat einen Kostenvor-
schuss von Fr. 5'000.– geleistet (Urk. 137 S. 4, Dispositivziffer 2; Urk. 138). Die
Berufungsantwort datiert vom 3. Juli 2017 (Urk. 143). Die weiteren Eingaben der
Parteien wurden der Gegenpartei jeweils zur Kenntnis- und/oder Stellungnahme
zugestellt (Urk. 140 - 142; Urk. 146 - 148; Urk. 150 - 159; Urk. 161). Mit Verfü-
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gung vom 23. Oktober 2017 wurde den Parteien mitgeteilt, dass das Verfahren
spruchreif und in die Phase der Urteilsberatung übergegangen sei (Urk. 160, Dis-
positivziffer 2).
3.1. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine un-
richtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO).
Die Berufungsinstanz verfügt über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und
Rechtsfragen, einschliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung.
3.2. Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfah-
ren nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt wer-
den, d.h., wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer
Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). Dabei
hat, wer sich auf Noven beruft, deren Zulässigkeit darzutun (vgl. BGer
5A_456/2016 vom 28. Oktober 2016, E. 4.1.1). Noven können in der Berufung je-
doch so weit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu An-
lass gibt (BGE 139 III 466 E. 3.4; bestätigt in BGer 4A_51/2015 vom 20. April
2015, E. 4.5.1). Nach Berufungsbegründung und -antwort können nur noch echte
Noven vorgebracht werden, und zwar längstens bis zum Beginn der Urteilsbera-
tung (BGE 142 III 788 E. 2.2.6).
4. Mit der vorliegenden Berufung nicht angefochten werden die Dispositivzif-
fern 1, 3, 4 und 6. Die Rechtskraft dieser Dispositivziffern ist vorzumerken. Da es
sich um Eheschutzmassnahmen handelt, trat die Rechtskraft mit der Eröffnung
des vorinstanzlichen Entscheids ein (vgl. Urk. 126 und 127).
5. Auf die Ausführungen der Parteien wird nachfolgend nur soweit für die
Entscheidfindung notwendig eingegangen.
II.
1. Umstritten sind in der Berufung nur noch die persönlichen Unterhaltsbei-
träge an die Gesuchstellerin. Der Gesuchsgegner verlangt (mit dem Eventualan-
trag) deren Senkung auf Fr. 3'083.– vom 1. Juni 2015 bis zum 31. Juli 2015, auf
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Fr. 2'983.– vom 1. August 2015 bis zum 31. [recte: 30.] Juni 2016, auf Fr. 3'370.–
ab dem 1. Juli 2016 bis zum 30. April 2017 und auf Fr. 2'628.– ab dem 1. Mai
2017 (Urk. 131 S. 2). Die Vorinstanz hat die zweistufige Berechnungsmethode
angewandt (Urk. 132 S. 18 und 54 f.). Abstellend auf die Jahre 2012 bis 2015
ging sie beim Gesuchsgegner von einem durchschnittlichen Jahreseinkommen
von Fr. 151'191.50 bzw. einem Monatseinkommen von netto Fr. 12'599.– aus
(Urk. 132 S. 19 ff., 37 und 41). Von der Anrechnung eines Vermögensertrags
wurde abgesehen (Urk. 132 S. 38 ff.). Der Gesuchstellerin rechnete die Vorin-
stanz kein Einkommen an (Urk. 132 S. 41 ff.). Ab dem 1. August 2015 berücksich-
tigte die Vorinstanz jedoch einen Wohnkostenbeitrag von H._ von Fr. 500.–
pro Monat (Urk. 132 S. 48 ff.). Die Familienzulagen von Fr. 250.– für C._
wurden bei der Berechnung seines Barunterhalts in Abzug gebracht (Urk. 132
S. 53 f. und S. 71 f.). Bei der Gesuchstellerin ging die Vorinstanz von einem Be-
darf von Fr. 5'199.– und bei C._ von Fr. 1'228.– aus. Den Bedarf des Ge-
suchsgegners setzte die Vorinstanz vom 1. Juni 2015 bis zum 30. Juni 2016 auf
Fr. 4'930.– fest, hernach für die weitere Dauer des Getrenntlebens auf Fr. 4'445.–.
Da der Gesuchstellerin ab 1. August 2015 ein Wohnkostenbeitrag von H._
anzurechnen war und der Gesuchsgegner ab dem 1. Juli 2016 einen tieferen Be-
darf aufwies, wurden die Unterhaltsbeiträge in drei Phasen berechnet: vom 1. Juni
2015 bis und mit 31. Juli 2015 (Phase I.), vom 1. August 2015 bis und mit 30. Juni
2016 (Phase II.) und vom 1. Juli 2016 für die weitere Dauer der Trennung (Phase
III.; Urk. 132 S. 55 ff.). Unter Aufteilung der Freibeträge zu je 40 % an die Parteien
und 20 % an C._ (Urk. 132 S. 70) setzte die Vorinstanz die Unterhaltsbeiträ-
ge - wie eingangs im Urteil vom 8. Mai 2017 angeführt - fest (vgl. Urk. 132 S. 71 f.
und S. 81 f., Dispositivziffern 1 und 2). Da C._ bei Einleitung des Eheschutz-
verfahrens bereits 16 Jahre alt war, sprach die Vorinstanz nur noch einen Barun-
terhalt zu (Urk. 132 S. 17 f.).
2.1. Umstritten ist das Einkommen des Gesuchsgegners. Die Vorinstanz be-
rechnete das Einkommen des Gesuchsgegners basierend auf den Jahresab-
schlüssen 2012 bis 2015 (Urk. 132 S. 29). Sie errechnete einen Jahresgewinn für
das Jahr 2012 von Fr. 105'874.–, für das Jahr 2013 von Fr. 106'459.– und für das
Jahr 2014 von Fr. 127'719.– (Urk. 131 S. 31). Im Jahre 2015 ging sie vom Jah-
resgewinn gemäss Jahresrechnung von Fr. 105'814.– aus, rechnete in der Folge
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jedoch Fr. 40'000.– (Bilanz-Position "übrige Unkosten I._-Str. ...") auf. Es re-
sultierte ein Jahresgewinn von Fr. 145'814.– (Urk. 132 S. 32 f.). Weiter rechnete
die Vorinstanz bei sämtlichen Jahresgewinnen den an die Gesuchstellerin bezahl-
ten Lohn auf: Fr. 40'900.– für das Jahr 2012 sowie je Fr. 26'000.– für die Jahre
2013, 2014 und 2015 (Urk. 132 S. 33 ff.). Damit ergaben sich "bereinigte Jahres-
gewinne" von Fr. 146'774.– für das Jahr 2012, von Fr. 132'459.– für das Jahr
2013, von Fr. 153'719.– für das Jahr 2014 und von Fr. 171'814.– für das 2015
(Urk. 132 S. 37). Es ergab sich ein durchschnittliches Jahreseinkommen von
Fr. 151'191.50 bzw. ein Einkommen von (gerundet) Fr. 12'599.– netto pro Monat
(Urk. 132 S. 41).
2.2. Der Gesuchsgegner macht mit der Berufung geltend, die Vorinstanz sei
zum Schluss gekommen, dass sein Einkommen - trotz der reduzierten Jahresge-
winne der letzten zwei Jahre aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit und
der psychischen Probleme - anhand des Durchschnittes der letzten vier Jahres-
einkommen (2012 bis 2015) zu berechnen sei (Urk. 131 S. 5). Leider liege der
Jahresabschluss 2016 noch nicht vor. Er werde erneut ein sinkendes Erwerbsein-
kommen ausweisen (Urk. 131 S. 6). In der Folge beanstandet der Gesuchsgegner
die von der Vorinstanz vorgenommenen Aufrechnungen für den "Liegenschafts-
aufwand 2015" (Urk. 131 S. 6 f.) sowie den Lohn der Gesuchstellerin (Urk. 131
S. 7 ff.). Er geht zusammenfassend von den unbestritten gebliebenen Jahresge-
winnen von Fr. 105'874.– im Jahre 2012, Fr. 106'459.– im Jahre 2013,
Fr. 127'719.– im Jahre 2014 und Fr. 105'814.– im Jahre 2015 aus. Daraus resul-
tiere ein durchschnittlicher Jahresgewinn von Fr. 111'667.–, was einem durch-
schnittlichen Monatseinkommen von Fr. 9'289.– entspreche (Urk. 131 S. 10 f.).
Gestützt auf dieses Einkommen berechnet der Gesuchsgegner den Unterhaltsan-
spruch der Gesuchstellerin und erhebt seine (Eventual-)Anträge (Urk. 131
S. 15 ff. und S. 2, Antrag 2). Mit Eingabe vom 13. September 2017 beruft sich der
Gesuchsgegner darauf, gesundheitlich angeschlagen zu sein. Gestützt auf die
eingereichten Arztzeugnisse sei ab dem 1. August 2017 und bis auf weiteres "von
einer effektiven Verringerung des effektiven Einkommens von rund 20%" auszu-
gehen (Urk. 151 S. 2).
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2.3. Vorab ist Folgendes festzuhalten: Die Gesuchstellerin verlangt Unter-
haltsbeiträge ab dem 1. Juni 2015. Für das Jahr 2015 liegt eine Jahresrechnung
vor. Damit ist - entgegen der Berechnung der Vorinstanz - für die Unterhaltsbei-
träge für das Jahr 2015 auf das vom Gesuchsgegner effektiv erzielte Einkommen
abzustellen. Für das Jahr 2016 liegt noch kein Abschluss vor. Es ist daher ange-
zeigt, ab dem Jahre 2016 auf hypothetische Zahlen abzustellen. Nach der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung ist dabei bei einem Selbständigerwerbenden,
um ein einigermassen zuverlässiges Resultat zu erreichen und namentlich um
Einkommensschwankungen Rechnung zu tragen, auf das Durchschnittsnettoein-
kommen mehrerer - in der Regel der letzten drei - Jahre abzustellen. Auffällige,
d.h. besonders gute oder besonders schlechte Abschlüsse können unter Umstän-
den ausser Betracht bleiben. Nur bei stetig sinkenden oder steigenden Erträgen
gilt der Gewinn des letzten Jahres als massgebendes Einkommen, korrigiert ins-
besondere durch Aufrechnungen von ausserordentlichen Abschreibungen, unbe-
gründeten Rückstellungen und Privatbezügen (BGer 5A_364/2010 vom 29. Juli
2010, E. 2.1 m.Hinw.).
2.4.1 Der Gesuchsgegner hat im Jahre 2015 unbestrittenermassen
Fr. 40'000.– in die Liegenschaft I._-Str. ... in D._ investiert: Fr. 30'000.–
für die Streichung der Fassade und Fr. 10'000.– für eine Photovoltaikanlage (Prot.
Vi S. 67 und 69 f.). In der vormals ehelichen Liegenschaft befindet sich die Arzt-
praxis des Gesuchsgegners. Gemäss Bilanz der Praxis weist das Konto "2855 Ü.
Unkosten I._-Str. ..." am 31. Dezember 2015 einen Saldo von Fr. 48'756.50
aus (Urk. 83/50). Per 31. Dezember 2014 betrug der Saldo des Kontos Fr.
7'114.75 (Urk. 26/7; Urk. 29/7). Die Vorinstanz rechnete Fr. 40'000.– zum ausge-
wiesenen Gewinn 2015 von Fr. 105'814.– gemäss Erfolgsrechnung (Urk. 83/50)
hinzu und ging von einem Jahresgewinn von Fr. 145'814.– aus (Urk. 132 S. 33).
Sie hielt im Wesentlichen dafür, der Gesuchsgegner führe nicht aus, inwiefern es
sich bei den vorgenommenen Arbeiten um dringend notwendige Unterhaltsarbei-
ten an der Liegenschaft handeln würde. Seine Ausführungen liessen darauf
schliessen, dass es sich um wertvermehrende Investitionen handle, welche vom
Gesuchsgegner über einen langen Zeitraum geplant worden seien. Solche einma-
ligen, nicht notwendigen Investitionen seien bei der Festsetzung von Unterhalts-
beiträgen als Einkommen aufzurechnen. Hinzu komme, dass der Gesuchsgegner
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die Gesuchstellerin über sein Vorhaben weder informiert noch sie um Erlaubnis
gebeten habe. Dem Gesuchsgegner stehe es nicht zu, selbstbestimmend seinen
Gewinn und somit seine Leistungskraft zu Lasten der Unterhaltsbeiträge zu redu-
zieren (Urk. 132 S. 32). Gemäss Gesuchsgegner dürfen die Fr. 40'000.– nicht
aufgerechnet werden (Urk. 131 S. 6 f.).
2.4.2 Die Vorinstanz hat am 27. Oktober 2016 Parteibefragungen (unter
Hinweis auf Art. 191 und 192 ZPO) durchgeführt (vgl. Prot. Vi S. 11 und S. 33 ff.).
Der Gesuchsgegner gab an, sein Vermögen habe auf Fr. 100'000.– abgenom-
men. Auf die weitergehende Frage, wieso dies der Fall sei, erwähnte er unter an-
derem die Bezahlung von Fr. 10'000.– für die Photovoltaikanlage und Fr. 30'000.–
für den Neuanstrich (Prot. Vi. S. 69 f.). Der Gesuchsgegner hat somit bereits vor
Vorinstanz glaubhaft dargelegt, die Fr. 40'000.– aus seinem Privatvermögen und
nicht aus dem Geschäftsvermögen geleistet zu haben. Wurden die Fr. 40'000.–
aus dem Privatvermögen des Gesuchsgegners bezahlt, fanden sie keinen Ein-
gang in die Erfolgsrechnung. Die Gesuchstellerin hat denn weder vor Vorinstanz
noch in der Berufung dargelegt, unter welcher Aufwandposition die Fr. 40'000.– in
der Erfolgsrechnung 2015 verbucht sein sollen (vgl. Urk. 83/50 S. 4 ff.; Urk. 147
S. 2). Die Fr. 40'000.– haben damit die Höhe des Jahresgewinnes 2015 nicht be-
einflusst. Unterstrichen werden die glaubhaften Aussagen des Gesuchsgegners
durch ein Schreiben seines Treuhänders vom 12. Juni 2017. Der Treuhänder führt
aus, die erwähnte Position 2855 betreffe ein Passiv-Konto in der Bilanz, welches
private Zahlungen des Gesuchsgegners erfasse. Die darin enthaltenen Buchun-
gen seien nicht der Erfolgsrechnung belastet und stünden somit nicht im Zusam-
menhang mit dem verfügbaren Einkommen (Urk. 141). Ob es sich bei diesem
Schreiben um ein unzulässiges Novum handelt (Urk. 147 S. 1), kann gestützt auf
die vorangehenden Ausführungen offen bleiben. Entgegen den Erwägungen der
Vorinstanz sind die Fr. 40'000.– damit nicht auf den Jahresgewinn 2015 aufzu-
rechnen.
2.5.1 Wie bereits erwähnt, erhöhte die Vorinstanz die erzielten Jahresge-
winne um die Gehälter der Gesuchstellerin. Sie hielt dafür, gestützt auf die Aus-
sagen der Parteien sei unbestritten, dass die Gesuchstellerin in den letzten fünf
bis sechs Jahren keiner Tätigkeit in der Arztpraxis nachgekommen sei. Der Ge-
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suchsgegner habe der Gesuchstellerin zumindest in diesen letzten fünf bis sechs
Jahren einen Lohn bezahlt, ohne dafür eine Gegenleistung erhalten zu haben.
Diese Lohnzahlungen habe der Gesuchsgegner zu Unrecht in der Erfolgsrech-
nung unter Personalaufwand verbucht. Er habe damit seinen Gewinn geschmälert
(Urk. 132 S. 34). Gemäss Gesuchsgegner ist diese Schlussfolgerung "schlicht
falsch" (Urk. 131 S. 7 f.).
2.5.2.1 Die Gesuchstellerin bejahte anlässlich ihrer Parteibefragung die Fra-
ge, ob es somit richtig sei, dass sie zirka zwei Stunden pro Woche in der Praxis
gearbeitet und in den letzten sechs bis sieben Jahren überhaupt nicht mehr dort
gearbeitet habe (Prot. Vi S. 35). In der weiteren Befragung bestätigte die Gesuch-
stellerin, dass sie in den letzten fünf bis sechs Jahren vor der Trennung nicht
mehr in der Praxis mitgeholfen habe (Prot. Vi S. 36). Eine Ausnahme machte die
Gesuchstellerin, als die Putzfrau, J._, einen Herzinfarkt erlitten hatte. Da rei-
nigte sie einmal die Woche während zwei Stunden die Praxis. Für diese Arbeit
verlangte sie einen "zusätzlichen Lohn" von Fr. 300.– pro Monat (Prot. Vi S. 35).
Weiter gab die Gesuchstellerin an, die Entscheidung, ihr einen Lohn auszubezah-
len, sei vom Gesuchsgegner gekommen. Es sei diesem wichtig gewesen, ihr eine
Vorsorge für das Alter aufbauen zu können. Dadurch, dass er ihr einen Lohn be-
zahlt habe, habe er ihr auch ein Pensionskassenkonto eröffnen können (Prot. Vi
S. 36). Der Gesuchsgegner seinerseits führte anlässlich seiner Parteibefragung
auf die Frage, ob sich das Arbeitspensum [der Gesuchstellerin] über die letzten
Jahre verändert habe, an, am Anfang habe ihm die Gesuchstellerin mehr gehol-
fen. In den letzten fünf bis sechs Jahren habe es viel gebraucht, dass sie ihm ge-
holfen habe. Dennoch habe sie dort immer noch Menschen nach Hause oder in
die Praxis gebracht. Als J._ einen Herzinfarkt erlitten habe, sei sie für drei
Monate ausgefallen. Januar bis März 2015 habe die Gesuchstellerin monatlich
Fr. 450.– brutto resp. Fr. 300.– netto erhalten (Prot. Vi S. 54). Auf Vorhalt, dass
die Gesuchstellerin geltend mache, dass sie in den letzten Jahren überhaupt kei-
ne Praxistätigkeiten mehr verrichtet habe, jedoch dennoch einen Lohn erhalten
habe, führte der Gesuchsgegner an, er habe ihr immer das Sparen 3 einbezahlt
und auch die Obligation sei während dieser Zeit gelaufen (Prot. Vi S. 55). Auf die
Nachfrage, ob es zutreffe, dass die Gesuchstellerin während den letzten fünf bis
sechs Jahren gar keine Tätigkeiten mehr in der Praxis verrichtet habe, gab der
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Gesuchsgegner an: "Ja. Aus finanzieller Sicht ist es gut, dass man einer Frau
auch eine Pensionskasse einrichtet." (Prot. Vi S. 55).
2.5.2.2 Damit führten die Parteien übereinstimmend an, die Gesuchstellerin
habe in den letzten fünf bis sechs Jahren vor der Trennung in der Praxis des Ge-
suchsgegners keine Arbeiten mehr verrichtet. Eine Ausnahme bildete die Vertre-
tung von J._. Es ist damit glaubhaft, dass die Gesuchstellerin in den Jahren
2012 bis 2015 einen Lohn erhalten hat, ohne dafür in der Praxis des Gesuchs-
gegners etwas zu leisten. An diesem Ergebnis ändern die in der Berufung vom
Gesuchsgegner eingereichten Lohnausweise 2014 und 2015 (Urk. 135/7; Urk.
135/8) sowie die Versicherungsausweise per "01.01.2014" und per "01.01.2015"
(Urk. 135/9; Urk. 135/10) nichts. Aus den Aussagen der Parteien erhellt, dass es
dem Gesuchsgegner bei der Anstellung der Gesuchstellerin gerade darum ging,
dass er für sie ein Pensionskassenguthaben aufbauen und für sie in eine dritte
Säule einzahlen konnte. Es kann daher an dieser Stelle offen bleiben, ob es sich
bei diesen Urkunden um zulässige Noven handelt (vgl. Urk. 143 S. 7).
2.5.3 Der Gesuchsgegner hat der Gesuchstellerin in den letzten fünf bis
sechs Jahren vor der Trennung einen Lohn ausbezahlt, ohne dass diese hierfür
als Gegenleistung Arbeiten in der Praxis verrichtet hätte. Der Lohn der Gesuch-
stellerin wurde als Personalaufwand in der Erfolgsrechnung verbucht. Dadurch
sank der jeweilige Jahresgewinn um die Höhe dieses Lohnes, womit der Ge-
suchsgegner selbst einen geringeren Lohn erzielte. Faktisch wurde der allein vom
Gesuchsgegner erarbeitete Gewinn via Lohnzahlungen an die Gesuchstellerin
und Gewinnausschüttung an den Gesuchsgegner auf beide Parteien verteilt. Dies
spielte solange keine Rolle, als die Parteien noch zusammenlebten, wurden doch
die Auslagen der Familie aus den beiden Einkommen bestritten. Vor Vorinstanz
hat nun aber keine der Parteien behauptet, dass die Gesuchstellerin (spätestens)
ab dem 1. Juni 2015 noch Lohnzahlungen erhalten hätte (vgl. Urk. 24 S. 8; Urk.
27 S. 10). Zahlt der Gesuchsgegner der Gesuchstellerin keinen Lohn mehr aus,
und hat diese für den ihr bis anhin ausbezahlten Lohn gar keine Arbeit verrichtet,
muss der Gesuchsgegner für die Gesuchstellerin keine neue Arbeitskraft einstel-
len. Damit sinkt der Personalaufwand der Praxis um den Jahreslohn der Gesuch-
stellerin. Der Gewinn steigt um diesen Betrag an. Entsprechend erhöht sich das
- 13 -
Einkommen des Gesuchsgegners. Will man das vom Gesuchsgegner ab dem
Jahre 2016 zu erzielende Einkommen anhand der durchschnittlichen Gewinne der
letzten Jahre berechnen, müssen die Lohnzahlungen an die Gesuchstellerin auf
die gemäss Jahresrechnung ausgewiesenen Jahresgewinne aufgerechnet wer-
den.
2.5.4.1 Die Gesuchstellerin hat im Jahre 2012 ein Bruttojahreseinkommen
von Fr. 46'900.– sowie im Jahre 2013 und 2014 von je Fr. 32'000.– erzielt. Im
Lohn enthalten waren die Familienzulagen für H._ und C._ von total
Fr. 500.– pro Monat bzw. Fr. 6'000.– pro Jahr. Es blieb unangefochten, dass die-
se Beträge im Rahmen der Aufrechnung vom Lohn in Abzug zu bringen sind (vgl.
hierzu Urk. 132 S. 37). Damit sind für das Jahr 2012 Fr. 40'900.– und für die Jah-
re 2013 und 2014 je Fr. 26'000.– aufzurechnen.
2.5.4.2 Umstritten ist, was im Jahre 2015 aufzurechnen ist. Die Gesuchstel-
lerin hat, nachdem der Gesuchsgegner im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfah-
rens die Jahresrechnung 2015 eingereicht hatte, welche einen Gewinn von
Fr. 105'814.– auswies, nie behauptet, es seien auch in diesem Jahr Fr. 32'000.–
aufzurechnen (vgl. Urk. 109 S. 4). Vielmehr ging sie - weiter - davon aus, es sei
bei der Berechnung des Einkommens des Gesuchsgegners auf die Jahre 2012
bis 2014 abzustellen (Urk. 24 S. 7; Urk. 91 S. 32). Die Aufrechnung von
Fr. 32'000.– im Jahre 2015 wurde somit durch die Vorinstanz im angefochtenen
Urteil erstmals thematisiert. Damit wurde die Einreichung des Lohnausweises
2015 (Urk. 135/8) sowie des Versicherungsausweises per 1. Januar 2015
(Urk. 135/10) erst durch den vorinstanzlichen Entscheid veranlasst. Die Doku-
mente sind - zumindest in diesem Zusammenhang - keine unzulässigen Noven
(vgl. vorne I./E. 3.2.; Urk. 143 S. 7). Aus den beiden Belegen ergibt sich, dass der
Lohn der Gesuchstellerin im Jahre 2015 Fr. 12'000.– (brutto) betrug. Gemäss Ge-
suchsgegner erhielt die Gesuchstellerin Fr. 1'000.– pro Monat (Urk. 131 S. 9; vgl.
auch Urk. 135/10: "Aktueller Beschäftigungsgrad 20 %"). Es erscheint glaubhaft,
dass unter den Positionen Nr. 5200 und 5700 ff. der Erfolgsrechnung 2015 auch
dieser Betrag verbucht wurde (Urk. 83/50). Diese Tatsache bestätigt im Grund-
satz auch der Treuhänder des Gesuchsgegners im Schreiben vom 12. Juni 2017
(Urk. 141). Aus dem Lohnausweis ergibt sich, dass in den Fr. 12'000.– Fr. 3'500.–
- 14 -
"Kinderzulagen" enthalten sind. H._ trat seine Arbeitsstelle per 1. August
2015 an. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um die Zulagen für
C._ und H._ für die Monate Januar bis und mit Juli 2015 handelt (7 x Fr.
500.–). Es verbleiben somit Fr. 8'500.– (Fr. 12'000.– minus Fr. 3'500.–). Zur Fest-
setzung des Einkommens des Gesuchsgegners ab dem Jahre 2016 sind Fr.
8'500.– auf den Jahresgewinn 2015 aufzurechnen.
2.5.4.3 Wie bereits angeführt, ist für die Berechnung der Unterhaltsansprü-
che für das Jahr 2015 auf den in diesem Jahr vom Gesuchsgegner effektiv erziel-
ten Gewinn abzustellen. Dabei sind von den Fr. 8'500.– die noch an die Gesuch-
stellerin ausbezahlten Lohnzahlungen in Abzug zu bringen. Insoweit hat der Ge-
suchsgegner den gemäss Erfolgsrechnung als Personalaufwand für die Gesuch-
stellerin verbuchten Betrag nicht selbst einbehalten. Es hat vor Vorinstanz keine
der Parteien geltend gemacht, dass die Gesuchstellerin seit ihrem Auszug aus
der ehelichen Liegenschaft noch Lohnzahlungen erhalten hätte. Die Gesuchstelle-
rin hat die eheliche Liegenschaft per Ende Mai 2015 verlassen (Urk. 24 S. 5). Per
1. Juni 2015 verlangt sie Unterhaltsbeiträge. Es ist davon auszugehen, dass der
Lohn der Gesuchstellerin noch bis und mit Mai 2015 ausbezahlt wurde. Demnach
hat sie Fr. 5'000.– erhalten. Darin enthalten waren Fr. 2'500.– Familienzulagen
(fünf Monate à Fr. 500.–, vgl. vorne E. 2.5.4.2). Mithin sind Fr. 6'000.– (Fr. 8'500.–
minus Fr. 2'500.–) auf den Reingewinn von Fr. 105'814.– aufzurechnen.
2.6. Gestützt auf die vorangehenden Ausführungen ergibt sich beim Ge-
suchsgegner für das Jahr 2015 ein anrechenbares Einkommen von Fr. 111'814.–
(Fr. 105'814.– plus Fr. 6'000.–). Dies entspricht einem monatlichen Nettoeinkom-
men von (gerundet) Fr. 9'318.–.
2.7. Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen ist von folgenden Jahres-
gewinnen 2012 bis 2015 auszugehen:
2012 Fr. 146'774.– (Fr. 105'874.– plus Fr. 40'900.–) 2013 Fr. 132'459.– (Fr. 106'459.– plus Fr. 26'000.–) 2014 Fr. 153'719.– (Fr. 127'719.– plus Fr. 26'000.–) 2015 Fr. 114'314.– (Fr. 105'814.– plus Fr. 8'500.–)
Die Jahresgewinne 2012 bis 2014 bewegen sich in den üblicherweise zu erwar-
tenden Schwankungen. Augenfällig ist der Gewinnabfall vom Jahre 2014 zum
- 15 -
Jahre 2015. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass der Gesuchsgegner
im Dezember 2015 teilweise krankheitsbedingt ausfiel. Gemäss Austrittsbericht
des Sanatoriums Kilchberg vom 24. Dezember 2015 hat sich der Gesuchsgegner
aufgrund einer mittelgradig depressiven Episode vom 4. Dezember 2015 bis zum
24. Dezember 2015 in einer stationären Behandlung befunden (Urk. 83/15).
Dr. med. K._, Facharzt für Psychiatrie, hat den Gesuchsgegner mit ärztli-
chem Zeugnis vom 8. Februar 2016 rückwirkend für diese Zeit vom 3. Dezember
2015 bis zum 13. Dezember 2015 zu 100 % und vom 14. Dezember 2015 bis zum
31. Dezember 2015 zu 50 % arbeitsunfähig geschrieben (Urk. 83/16). Anderer-
seits gibt der Gesuchsgegner selbst an, im Jahre 2014 einen "ausserordentlich
hohen Gewinn" erzielt zu haben, weil er im Wissen um die bevorstehende Reno-
vation des Hauses zusätzlich am bis dahin freien Donnerstagnachmittag Sprech-
stunden abgehalten habe (Urk. 150 S. 4 f.). Der Durchschnittswert der Jahre 2014
und 2015 bewegt sich denn mit Fr. 134'016.50 im Rahmen der Vorjahre. Zusam-
menfassend erscheint es angemessen, auf alle vier Jahre abzustellen. Zwar war
der Gesuchsgegner gemäss ärztlichen Bestätigungen aufgrund der anhaltenden
gesundheitlichen Probleme noch bis Ende März 2016 arbeitsunfähig. Für die Zeit
vom 1. Januar 2016 bis zum 29. Februar 2016 wurde er zu 25 % krankgeschrie-
ben. Für die Zeit vom 1. März 2016 bis zum 31. März 2016 wurde eine 50 %-ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 83/18). Der Gesuchsgegner macht denn mit der
Berufung auch geltend, das Jahr 2016 werde ein "sinkendes" Einkommen aus-
weisen (Urk. 131 S. 6). Doch hat er diesbezüglich bis anhin weder konkrete Be-
hauptungen aufgestellt noch Belege eingereicht. So beanstandet der Gesuchs-
gegner in der Berufung das Vorgehen der Vorinstanz, zieht für die von ihm aufge-
stellte Berechnung aber ebenfalls die Jahre 2012 bis 2015 heran (Urk. 131 S. 10
f.). Es resultiert ein durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 136'816.50 bzw.
(gerundet) Fr. 11'400.– pro Monat.
2.8.1 Mit Eingabe vom 13. September 2017 machte der Gesuchsgegner gel-
tend, er sei gesundheitlich sehr angeschlagen. Er sei von seinem behandelnden
Arzt bereits mit Zeugnis vom 10. August 2017 im Rahmen von 20 % krankge-
schrieben worden. Zunächst sei er davon ausgegangen, dass sich sein Gesund-
heitszustand bald wieder verbessern würde. Dies sei nicht der Fall. Sein Zustand
habe sich in keiner Art und Weise stabilisiert, sondern eher noch verschlechtert.
- 16 -
Entsprechend habe ihn sein behandelnder Arzt auch mit Zeugnis vom
4. September 2017 für einen weiteren Monat (bis zum 9. Oktober 2017) im Rah-
men von 20 % arbeitsunfähig geschrieben. Seine Einkommenssituation werde
sich in Zukunft im Vergleich zu den Vorjahren eher verschlechtern. In seiner Pra-
xis müsse im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt (womit nicht das Ausnah-
mejahr 2014 gemeint sei) ab 1. August 2017 bis auf weiteres von Umsatzeinbus-
sen von mindestens 20 % ausgegangen werden (Urk. 151 S. 2). Seine Kranken-
taggeld-Versicherung bezahle erst ab einer Arbeitsunfähigkeit von 25 % (und
mehr) Krankentaggelder aus, weshalb die Umsatzeinbusse nicht über die Versi-
cherung abgedeckt werde (Urk. 151 S. 2). Es sei damit ab 1. August 2017 und bis
auf weiteres "von einer effektiven Verringerung des effektiven Einkommens von
rund 20%" auszugehen (Urk. 151 S. 2). Mit Eingabe vom 9. Oktober 2017 reichte
der Gesuchsgegner ein weiteres Arztzeugnis ein und berief sich darauf, dass die
Umsatzeinbussen auch weiterhin bestehen blieben (Urk. 156).
2.8.2 Wie bereits dargelegt, war der Gesuchsgegner ab 3. Dezember 2015
bis Ende März 2016 zufolge einer depressiven Episode teilweise arbeitsunfähig.
Hernach arbeitete er wieder zu 100 % (Prot. Vi S. 59). Er befand sich jedoch wei-
terhin in ambulanter Behandlung bei Dr. K._ (Prot. Vi S. 53). Der Gesuchs-
gegner behauptet eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % ab dem 1. August 2017. Er
unterlässt es jedoch, darzulegen, woran er erkrankt ist und weshalb diese Erkran-
kung zur behaupteten Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Damit fehlt es bereits an ei-
ner genügenden Substanzierung der behaupteten dauernden Arbeitsunfähigkeit.
Kommt hinzu, dass den vom Gesuchsgegner zur Belegung seiner Arbeitsunfähig-
keit eingereichten Zeugnissen zu entnehmen ist, dass er nunmehr bei Dr. med.
L._ in Behandlung ist (Urk. 152/1+2; Urk. 157). Die Zeugnisse enthalten kei-
ne Diagnose. Sie führen lediglich an, dass der Gesuchsgegner aus "medizini-
schen Gründen" in den Zeitspannen 1. August bis 5. September 2017,
6. September bis 9. Oktober 2017 und 10. Oktober bis 17. November 2017 je zu
20 % arbeitsunfähig gewesen sei. Ob es sich bei Dr. med. L._ um einen
Facharzt für Psychiatrie handelt oder einen Allgemeinmediziner, ist nicht ersicht-
lich. Allein mit den eingereichten Zeugnissen kann eine Erkrankung des Ge-
suchsgegners, welche zu einer dauernden Arbeitsunfähigkeit von 20 % führen
würde, nicht glaubhaft gemacht werden. Weitere Beweise zur Glaubhaftmachung
- 17 -
seiner Behauptungen offeriert der Gesuchsgegner nicht (Urk. 151 und 156). Fer-
ner ist zu beachten, dass der Gesuchsgegner für den Fall gesundheitsbedingter
Erwerbsausfälle über eine Kollektiv-Taggeldversicherung verfügt. Versichert ist
ein Erwerbseinkommen von Fr. 146'000.– pro Jahr, d.h. Fr. 12'167.– pro Monat
(vgl. hierzu Urk. 83/21 und 132 S. 27 f.). Wenn sich nun der Gesundheitszustand
des Gesuchsgegners seit anfangs August 2017 "in keiner Art und Weise stabili-
siert, sondern eher noch verschlechtert" hat (Urk. 151 S. 2), ist nicht ersichtlich,
wieso sich seine Arbeitsunfähigkeit nicht auf 25 % erhöht hat. Eine Arbeitsunfä-
higkeit von 25 % würde den Gesuchsgegner zum Bezug von Krankentaggeldern
berechtigen. Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang zutreffend festgehal-
ten, wenn der Gesuchsgegner auf die Frage, weshalb er seine Arbeitsunfähigkeit
von Dezember 2015 bis März 2016 nicht der Versicherung gemeldet habe, erklä-
re, dass er nicht zum Versicherungsfall werden wolle und deshalb auch bei künfti-
gen Reduktionen aus gesundheitlichen Gründen keine Versicherungsleistungen
beziehen wolle, es sei ihm lieber, wenn er sein Arbeitspensum in Eigenverantwor-
tung senken könne (vgl. Prot. Vi S. 63), sei diese Entscheidung das gute Recht
jeder arbeitstätigen Person. Die Entscheidung dürfe aber nicht zu Lasten der un-
terhaltsberechtigten Person getroffen werden. Wenn der Gesuchsgegner somit
eine verringerte Arbeitsfähigkeit geltend machen möchte, sei er gestützt auf die
eheliche Solidarität verpflichtet, die Versicherungsleistungen zu beanspruchen,
bzw. habe er die Folgen einer Nichtbeanspruchung selbst zu tragen (vgl. Urk. 132
S. 28 f.). Zusammenfassend ist weder genügend behauptet noch glaubhaft ge-
macht, dass der Gesuchsgegner ab dem 1. August 2017 dauerhaft zu 20 % ar-
beitsunfähig ist und sich sein Einkommen um 20 % verringert.
3.1. Im Weiteren ist das Einkommen der Gesuchstellerin umstritten. Gemäss
Vorinstanz kann die Gesuchstellerin für die Zeit des Getrenntlebens nicht zur Auf-
nahme einer Erwerbstätigkeit verpflichtet werden. Entsprechend rechnete ihr die
Vorinstanz kein (hypothetisches) Einkommen an (Urk. 132 S. 41 ff.). Der Ge-
suchsgegner verlangt mit der Berufung die Anrechnung von "wenigstens"
Fr. 2'000.– brutto (rund Fr. 1'700.– netto) für ein 50 % Pensum ab dem 1. Mai
2016. Ab dem 1. Mai 2017 seien für ein 100 % Pensum Fr. 4'000.– brutto (rund
Fr. 3'400.– netto) zu berücksichtigen (Urk. 131 S. 11 ff.).
- 18 -
3.2. Gemäss Vorinstanz ist glaubhaft, dass die Gesuchstellerin in den letz-
ten fünf bis sechs Jahren [vor der Trennung] keiner Erwerbstätigkeit mehr nach-
ging. Es sei daher nicht von einer Fortführung der Erwerbstätigkeit, sondern von
einer allfälligen Wiederaufnahme auszugehen (Urk. 132 S. 45). Gestützt auf die
Bundesgerichtsurteile 5A_21/2012 vom 3. März 2012, E. 3.3, und BGE 130 III
537, E. 3.2, hielt die Vorinstanz dafür, im Eheschutzverfahren sei eine Pflicht der
Gesuchstellerin zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bereits gestützt auf die Tat-
sache, dass die verfügbaren Mittel des Gesuchsgegners zur Deckung des Famili-
enbedarfs auch nach der Trennung ausreichten, zu verneinen (Urk. 132 S. 47).
Weiter hielt die Vorinstanz dafür, nachdem die inzwischen 50-jährige Gesuchstel-
lerin 29 Jahre vor der Trennung eine Ausbildung zur Spitalgehilfin absolviert habe,
welche "es heute in dieser Form nicht mehr" gebe, habe sie sich während des 28-
jährigen Zusammenlebens der Parteien überwiegend um die Erziehung und Be-
treuung der fünf Kinder und die Besorgung des Haushaltes gekümmert. Die Ge-
suchstellerin habe nur aushilfeweise unqualifizierte Arbeiten in der Praxis des Ge-
suchsgegners verrichtet, wobei sie in den letzten fünf bis sechs Jahren gar nicht
mehr in der Praxis tätig gewesen sei. Diese persönlichen Verhältnisse würden
sich "zusätzlich gegen die Zumutbarkeit der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit"
auswirken (Urk. 132 S. 47). Die Vorinstanz erwog sodann, dass die Behauptun-
gen des Gesuchsgegners, die Gesuchstellerin arbeite für Radio M._ und ver-
füge über einen voll ausgestatteten Studiobus, nicht hätten belegt werden können
(Urk. 132 S. 47). Ferner wies sie darauf hin, dass der Gesuchsgegner bestätigt
habe, dass er einer Auflösung des Vorsorgekapitals der 3. Säule für die geplante
Selbständigkeit der Gesuchstellerin nicht zustimmen werde, und damit eine selb-
ständige Erwerbstätigkeit der Gesuchstellerin nicht unterstütze (Urk. 132 S. 47).
Die Tatsache, dass die Gesuchstellerin den Plan gehabt habe, sich im Audiobe-
reich selbständig zu machen, da sie durch diese Tätigkeit gleichzeitig die Betreu-
ung von H._ hätte wahrnehmen können, ändere nichts daran, dass sie im
heutigen Zeitpunkt noch keine Erwerbstätigkeit aufzunehmen habe (Urk. 132 S.
48).
3.3.1 Bei der Festsetzung der Unterhaltsbeiträge ist vom tatsächlich erziel-
ten Einkommen des unterhaltsberechtigten Ehegatten auszugehen. Soweit dieses
Einkommen nicht ausreicht, um den ausgewiesenen Bedarf zu decken, kann ein
- 19 -
hypothetisches Einkommen angerechnet werden, sofern dieses zu erreichen zu-
mutbar und möglich ist. Damit ein Einkommen überhaupt oder ein höheres Ein-
kommen als das tatsächlich erzielte angerechnet werden kann, genügt es nicht,
dass dem betroffenen Ehegatten weitere Anstrengungen zugemutet werden kön-
nen. Es muss ihm auch tatsächlich möglich sein, aufgrund dieser Anstrengungen
ein höheres Einkommen oder überhaupt ein Einkommen zu erzielen. Mit Bezug
auf das hypothetische Einkommen ist Rechtsfrage, welche Tätigkeit aufzunehmen
oder auszudehnen als zumutbar erscheint. Ob die als zumutbar erkannte Tätigkeit
möglich und das angenommene Einkommen effektiv erzielbar ist, bildet hingegen
eine Tatfrage (vgl. BGer 5A_239/2017 vom 14. September 2017, E. 2.1 m.Hinw.).
3.3.2 Betreffend die Frage, ob und inwieweit einem Ehegatten im Rahmen
von Eheschutzmassnahmen eine (Wieder-)Aufnahme oder Ausdehnung der Er-
werbstätigkeit zumutbar ist, hat die Kammer im Urteil LE150071 vom 10. Februar
2016 in der Erwägung 4 das Folgende festgehalten:
"Besonders hervorzuheben ist, dass nach konstanter höchstrichterlicher Praxis auch
während der Dauer der Trennung im Sinne von Art. 175 ZGB die Ehebande und damit
die gegenseitigen Beistands- und Unterstützungspflichten nach wie vor bestehen und
Art. 163 ZGB (und nicht Art. 125 ZGB) die Grundlage für die Festsetzung des Tren-
nungsunterhalts bildet (statt vieler BGE 140 III 337 E. 4.2.1; 137 III 385 E. 3.1; 130 III 537
E. 3.2; BGer 5A_565/2015 vom 24.11.2015 E. 4.1). Dementsprechend ist bei der Rege-
lung des Getrenntlebens bzw. bei der Festsetzung von ehelichen Unterhaltsbeiträgen
nach Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB primär von der zwischen den Ehegatten vereinbarten
Lastenverteilung auszugehen. Das Eheschutzgericht hat sich von der bisherigen, aus-
drücklich oder stillschweigend getroffenen Vereinbarung der Ehegatten über Aufgabentei-
lung und Geldleistungen leiten zu lassen, die der ehelichen Gemeinschaft eine bestimmte
Struktur gegeben hat und im Rahmen von Eheschutzmassnahmen nicht gänzlich verän-
dert werden soll (BGE 128 III 65 E. 4.a; 137 III 385 E. 3.1; 138 III 97 E. 2.2; BGer
5A_207/2011 vom 26.9.2011 E. 3; ZR 104 [2005] Nr. 58 E. 3; BSK ZGB I-Schwander Art.
176 N 2; Six, Eheschutz, 2. A., Bern 2014, Rz 2.54). Das gilt grundsätzlich auch dann,
wenn wie vorliegend nicht mehr ernsthaft mit einer Wiederaufnahme des Zusammenle-
bens zu rechnen ist (vgl. Prot. I S. 22 und Urk. 20 S. 10) und die Eheschutzmassnahmen
in erster Linie dazu dienen, die Übergangszeit bis zur Scheidung zu regeln (BGE 138 III
97 E. 2.2; 137 III 385 E. 3.1; 130 III 537 E. 3.2; Six, a.a.O., Rz 2.53). Diesfalls gewinnt
(neben der ehelichen Solidarität) jedoch das Ziel der wirtschaftlichen Selbstständigkeit an
- 20 -
Bedeutung, weshalb beim Entscheid über den ehelichen Unterhalt während der Dauer
der Trennung auch die für den nachehelichen Unterhalt geltenden Kriterien von Art. 125
ZGB miteinzubeziehen sind (BGE 128 III 65 E. 4.a; 137 III 385 E. 3.1; 138 III 97 E. 2.2;
BGer 5A_298/2015 vom 30.9.2015 E. 3.1; Brunner, in: Hausheer/Spycher [Hrsg.], Hand-
buch des Unterhaltsrechts, 2. A., Bern 2010, Rz 04.62 ff.) – im Eheschutzverfahren aller-
dings meist noch in schwächerem Ausmass als im Massnahmeverfahren nach bereits
eingereichter Scheidungsklage (BGE 130 III 537 E. 3.2; OGer/ZH LY110017 vom
8.9.2011 E. 3.3.1; s.a. Maier, Aspekte bei der Festsetzung von Unterhaltsbeiträgen im
Familienrecht – Zur Praxis der erst- und zweitinstanzlichen Gerichte des Kantons Zürich,
AJP 2007, S. 1226). Das bedeutet [...] aber nicht, dass in einem solchen Fall aus-
schliesslich die Kriterien von Art. 125 ZGB zur Anwendung gelangen und die Festsetzung
der (ehelichen) Unterhaltsbeiträge nach Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 i.V.m. Art. 163 ZGB durch
die mutmasslich zu erwartende nacheheliche Unterhaltsregelung (gemäss Art. 125 ZGB)
resp. die diesbezüglichen Überlegungen präjudiziert würde. Es geht insbesondere nicht
darum, den Entscheid über den nachehelichen Unterhalt im Eheschutzverfahren vorweg-
zunehmen. Vielmehr ist in erster Linie zu prüfen, ob und in welchem Umfang einem Ehe-
gatten im Lichte dieser Kriterien allenfalls schon während der Dauer der Eheschutzmass-
nahmen (oder der vorsorglichen Massnahmen des Scheidungsprozesses) eine (Wie-
der-)Aufnahme oder Ausdehnung der Erwerbstätigkeit und damit die Erzielung eines ei-
genen oder höheren Erwerbseinkommens zuzumuten ist (BGE 138 III 97 E. 2.2; 137 III
385 E. 3.1; 130 III 537 E. 3.2 und 3.4; 128 III 65 E. 4.a; zum Ganzen auch BGer
5A_516/2010 vom 22.9.2010 E. 3.6; Brunner, a.a.O., Rz 04.61 ff.; Six, a.a.O., Rz 2.54
und Rz 2.158; FamKomm Scheidung-Vetterli Art. 176 N 23 f.). Dadurch soll der betroffe-
ne Ehegatte in der Trennungszeit zwar einerseits den Schutz erhalten, den ihm die Ehe
bietet; andererseits trifft ihn aber auch die Pflicht, sich im Rahmen des Zumutbaren auf
die absehbare Auflösung der Ehe vorzubereiten (Brunner, a.a.O., Rz 04.62). Angesichts
dieser Doppelnatur kommt der Frage der Eigenversorgungskapazität beim Trennungsun-
terhalt weniger Gewicht zu bzw. stellt sich diese Frage weniger akzentuiert als bei der
Festsetzung des nachehelichen Unterhalts (BGer 5A_21/2012 vom 3.5.2012 E. 3.3;
5A_474/2013 vom 10.12.2013 E. 4.3.2). [...]
Massgebend für die Beurteilung bzw. für die Anrechnung eines hypothetischen Einkom-
mens sind stets die konkreten Verhältnisse des Einzelfalls (BGer 5A_21/2012 vom
3.5.2012 E. 3.3 a.E.; Hausheer/Geiser/Aebi-Müller, Das Familienrecht des Schweizeri-
schen Zivilgesetzbuches, 5. A., Bern 2014, Rz 10.80; Six, a.a.O., Rz 2.158), unter denen
neben der Ehedauer, der bisher gelebten Aufgabenverteilung, der zeitlichen Verfügbar-
keit, dem Alter, der Ausbildung, der Berufserfahrung und der gesundheitlichen Verfas-
- 21 -
sung insbesondere auch die aktuelle finanzielle Lage (Einkommen und Vermögen) der
Parteien von entscheidender Bedeutung ist (s.a. Six, a.a.O., Rz 2.158). Es handelt sich
um einen Ermessensentscheid im Sinne von Art. 4 ZGB, bei welchem dem Gericht ein
weites Ermessen zukommt (vgl. BGE 134 III 577 E. 4; BGer 5A_766/2012 und
5A_785/2012 vom 14.2.2013 E. 4.3.3; 5A_565/2015 vom 24.11.2015 E. 2.2)."
3.4.1 Mit einer Wiedervereinigung der Parteien ist nicht mehr zu rechnen.
Die Gesuchstellerin ist heute knapp 51 Jahre alt. Im Zeitpunkt der Trennung -
1. Juni 2015 - war sie rund 48 Jahre alt und die Parteien waren seit fast 28 Jahren
verheiratet. Die Gesuchstellerin ist gesund.
3.4.2.1 Die Gesuchstellerin hat in den Jahren 1985 bis 1986 eine Ausbildung
als Spitalgehilfin absolviert (Prot. Vi S. 37). Bis im Jahre 2009/2010 hat sie aus-
hilfsweise in der Arztpraxis des Gesuchsgegners mitgeholfen. Der Umfang der
Mitarbeit ist umstritten. Der Gesuchsgegner geht von einem Arbeitspensum von
10 % bis 25 % aus (Prot. Vi S. 54). Die Gesuchstellerin spricht von einer stun-
denweisen Aushilfe ("zirka zwei Stunden pro Woche") bei einem krankheitsbe-
dingten Ausfall einer Angestellten (Prot. Vi S. 35). Betreffend die ausgeführten
Praxistätigkeiten gab die Gesuchstellerin an, Telefonate beantwortet und ab und
zu Medikamente abgegeben zu haben. Sodann habe sie kapillare Blutentnahmen
durchgeführt (Prot. Vi S. 34). Praxismaterial habe sie nie bestellt (Prot. Vi S. 36).
Der Gesuchsgegner führte an, die Gesuchstellerin habe mitgeholfen, wenn z.B.
über Mittag ein Notfall gekommen sei. Wenn eine Angestellte krankheitshalber
ausgefallen sei, habe sie die Telefonate beantwortet. Weiter habe sie ihm beim
Schularztdienst geholfen. Im Notfalldienst habe sie ihm geholfen, die Patienten zu
betreuen, habe die Personalien aufgenommen oder habe ihnen die Kleider aus-
gezogen. Zudem habe sie Chauffeurdienste für hochbetagte Menschen durchge-
führt. Sie habe zudem Patienten Medikamente gebracht (Prot. Vi S. 54). Damit
erscheint glaubhaft, dass die Gesuchstellerin bis im Jahre 2009/2010 in einem
bescheidenen Pensum in der Praxis des Gesuchsgegners ausgeholfen hat. Sie
hat Fahrdienste erledigt und den Gesuchsgegner mit Hilfstätigkeiten unterstützt,
die keiner besonderen Ausbildung bedurften. Wie vorangehend dargelegt, er-
scheint glaubhaft, dass die Gesuchstellerin die letzten fünf bis sechs Jahre vor
der Trennung keine Tätigkeiten mehr in der Praxis des Gesuchsgegners verrichtet
hat. Eine Ausnahme bildete die Vertretung der Putzfrau (vgl. vorne II./E. 2.5.2.2).
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3.4.2.2 Die Gesuchstellerin war in den Jahren vor der Trennung der Parteien
für Radio M._ tätig. Dabei handelte es sich um ein Hobby, für welches die
Gesuchstellerin kein Entgelt erhielt (Prot. S. 38 f.). Die entsprechenden Erwägun-
gen der Vorinstanz (Urk. 132 S. 47) blieben unangefochten. Die Gesuchstellerin
möchte ein Unternehmen im Audiobereich aufbauen. Sie geht davon aus, dass
sie Audio und Werbematerial für Unternehmen in ihrem Büro von zu Hause ent-
werfen könnte (Prot. Vi S. 37). Dies wäre ihres Erachtens gut vereinbar mit der
Betreuung von C._ und H._ (vgl. hierzu Prot. Vi S. 40). Entsprechend
hat die Gesuchstellerin am tt.mm.2016 das Einzelunternehmen "N._" im
Handelsregister des Kantons Zürich eintragen lassen (Prot. Vi S. 38; Urk. 135/11).
Die Gesuchstellerin bestätigt, die Fähigkeiten und Kenntnisse für die angestrebte
selbständige Erwerbstätigkeit zu besitzen (Prot. Vi S. 40). Sie sei auch schon von
Leuten angefragt worden, ob sie einen Werbetrailer für sie mache (Prot. Vi S. 38).
Ihr würden nur noch die Geräte fehlen (Prot. Vi S. 40). Die Gesuchstellerin rech-
net mit Kosten für die Selbständigkeit von rund Fr. 30'000.– (Prot. S. 38). Unbe-
stritten ist, dass der Gesuchsgegner der Gesuchstellerin kein Geld (mittels Auflö-
sung des Vorsorgekapitals 3. Säule) für die Aufnahme einer selbständigen Tätig-
keit zur Verfügung stellen will (Urk. 143 S. 9; Prot. Vi S. 70).
3.4.3. Umstritten ist, inwieweit die Gesuchstellerin heute noch durch die Be-
treuung von H._ angebunden ist. C._ ist zwischenzeitlich in der Lehre
und mündig. Betreffend ihm kann nicht mehr von einem Betreuungsaufwand aus-
gegangen werden, der die Gesuchstellerin an der Aufnahme einer Erwerbstätig-
keit hindern würde. Gemäss Entwicklungsuntersuchung vom 21. Juni 2012 wies
der damals knapp 17-jährige H._ einen kognitiven Entwicklungsrückstand im
Sinne einer geistigen Behinderung auf (Entwicklungsalter zwischen 8 und 9 Jah-
ren). Es zeige sich insgesamt ein recht dissoziiertes Profil. Er habe einen IQ von
56 (Urk. 96/3). Anlässlich ihrer Befragung gab die Gesuchstellerin an, dass sie
H._ am Morgen wecken müsse. Sie müsse ihn waschen und rasieren. Sie
helfe H._ beim Anziehen. Die Zähne putze H._ allein, wenn sie neben
ihm stehe (Prot. Vi S. 41). Dass H._ bei der Morgentoilette Betreuung benö-
tigt, wird vom Gesuchsgegner bestätigt (Prot. Vi S. 71). Die Tatsache erscheint
somit glaubhaft. Dasselbe gilt für den Abend. H._ muss um zirka 7.30 Uhr an
seinem Arbeitsort in der Garage ... der Stiftung O._ sein (Prot. Vi S. 43).
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Umstritten ist, ob er den Arbeitsweg von ... nach ... selbständig bewältigen kann
bzw. könnte. Derzeit wird er oft von der Gesuchstellerin begleitet. Die Gesuchstel-
lerin führte dazu an, H._ habe im Herbst und Winter sehr Angst. Er habe im
Zug Kontakt mit gewalttätigen Personen gehabt. Dies habe ihn stark verängstigt.
C._ und sie hätten ihn am Abend suchen müssen, da er sich aus Angst ver-
steckt habe. Das mache C._ und ihr Angst. Aus diesem Grund fahre sie sehr
oft mit ihm zur Arbeit. Sie versuche, dass H._ das Postauto benütze und es
nicht verlerne. Im Moment sei die Angst und die Dunkelheit jedoch eine zu grosse
Herausforderung für ihn. Hinzu komme, dass er Asthma habe. Dies zeige sich im
Herbst/Winter deutlicher (Prot. Vi S. 41 f.). Weiter gab die Gesuchstellerin an,
dass sich der Zustand von H._ seit Juni/Juli 2016 verschlechtert habe. Dies
zeige sich in seiner Entwicklung. Er verliere Dinge und lasse Sachen fallen. Man
müsse ihn auf der Strasse führen und er lüge (Prot. Vi S. 42). In letzter Zeit ma-
che H._ in die Hosen (Prot. Vi S. 44). Der Rückschritt zeige sich auch darin,
dass er seit Juni 2016 sehr zornig werde und ausraste (Prot. Vi S. 45). Gemäss
dem Gesuchsgegner braucht H._ "eine Art betreutes Wohnen". Er sei aber in
der Lage, alleine mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an seinen Arbeitsort zu ge-
langen, auch wenn es dunkel sei. Er sei früher selber zu seinem Lehrbetrieb nach
Zürich gefahren (Prot. Vi S. 71 f.). Der Gesuchsgegner bestätigte jedoch, dass
H._ "in den letzten zwei Jahren" sehr gelitten habe. Ihm fehle der Vater. Die
Gesuchstellerin umsorge den Jungen zu stark (Prot. Vi S. 71 f.). Damit erscheint
glaubhaft, dass sich der Zustand von H._ seit der Trennung der Parteien
verschlechtert hat, so dass die Gesuchstellerin ihn zumindest derzeit (teilweise)
zu seiner Arbeitsstelle begleiten und entsprechend auch um zirka 17.30 Uhr wie-
der abholen muss (vgl. Prot. Vi S. 43). H._ kann seine Morgentoilette nicht
selbständig bewältigen. Er kann sich keine Mahlzeiten zubereiten (vgl. hierzu
Prot. S. 42). Damit erhellt, dass er auch an den Wochenenden auf Betreuung an-
gewiesen ist. Er kann nicht über längere Zeiträume alleine gelassen werden.
H._ geht derzeit - aus welchen Gründen auch immer - nicht zum Vater (Prot.
Vi S. 71 f.).
3.4.4. Die Gesuchstellerin weist gemäss Steuererklärung 2016 ein Vermö-
gen von Fr. 89'406.– aus, wobei es sich bei Fr. 40'011.– und Fr. 49'006.– um ge-
bundene Vorsorgen Sparen 3 handelt (Urk. 145/5). Es erscheint glaubhaft, dass
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die Gesuchstellerin über diese Guthaben nicht frei verfügen kann (Urk. 143
S. 11). Ihr UBS Sparkonto wies per 30. Juni 2017 einen Saldo von Fr. 184.23 so-
wie das UBS Privatkonto einen Saldo von Fr. 1'105.76 aus (Urk. 145/4). Weitere
Konten besitzt die Gesuchstellerin soweit ersichtlich nicht (Urk. 145/5, Wertschrif-
tenverzeichnis). Sie ist vermögenslos. Der Gesuchsgegner gab am 26. Oktober
2016 an, noch über ein Vermögen von rund Fr. 100'000.– zu verfügen. Sodann ist
er, soweit ersichtlich, Eigentümer der vormals ehelichen Liegenschaft in D._
(vgl. Urk. 27 S. 11; Urk. 145/5). Wie dargelegt, ist beim Gesuchsgegner inskünftig
von einem Einkommen von Fr. 11'400.– pro Monat auszugehen. Gründe, welche
es rechtfertigen würden, der Gesuchstellerin rückwirkend ein hypothetisches Ein-
kommen anzurechnen, sind nicht ersichtlich. Zu berücksichtigen ist hingegen der
Kostenanteil von H._ von Fr. 500.–. Der Barbedarf von C._ beträgt ab
dem 1. Juli 2016 für die weitere Dauer des Verfahrens Fr. 1'228.–, jener des Ge-
suchsgegners Fr. 4'445.– und derjenige der Gesuchstellerin Fr. 5'199.– (Urk. 132
S. 65). Die Beträge sind unbestritten. Da in den Beträgen die Kosten VVG sowie
die Steuern und das Sparen 3 enthalten sind, handelt es sich nicht um die fami-
lienrechtlichen Notbedarfe. Es ergeben sich Kosten von insgesamt Fr. 10'872.–.
Die Einkünfte von gesamthaft Fr. 11'900.– reichen damit aus, um während des
Getrenntlebens den gebührenden Bedarf der Parteien und von C._ zu de-
cken.
3.5. In Würdigung der vorangehenden Ausführungen ist festzuhalten, dass
die Parteien ab ihrer Heirat vor nunmehr 30 Jahren eine klassische Rollenvertei-
lung gelebt haben. Der Gesuchsgegner ist erwerbstätig gewesen. Die Gesuch-
stellerin hat die fünf gemeinsamen Kinder grossgezogen und den Haushalt ge-
führt. Bis im Jahre 2009/2010 hat sie nebenbei in einem bescheidenen Pensum
den Gesuchsgegner in der Praxis unterstützt. In den letzten fünf bis sechs Jahren
vor der Trennung hat sie nur noch einmal die Vertretung der krankheitshalber ab-
wesenden Putzfrau übernommen. Zwar sind alle Kinder der Parteien volljährig,
doch ist der geistig behinderte H._ nach wie vor auf eine erhebliche Betreu-
ung durch die Gesuchstellerin angewiesen. Da im Rahmen des Eheschutzverfah-
rens auf die aktuellen Gegebenheiten abzustellen ist, ist davon auszugehen, dass
die Gesuchstellerin H._ öfters am Morgen zu dessen Arbeitsstelle begleiten
und ihn am Abend wieder abholen muss. Sie ist daher bis in die Mitte des Vormit-
- 25 -
tags und wieder ab dem späteren Nachmittag mit der Betreuung von H._ be-
schäftigt. Weiter betreut sie H._ an den Wochenenden und den Feiertagen.
Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das Einkommen des Gesuchsgegners
ausreicht, um die (höheren) Kosten beider Haushalte zu finanzieren, erscheint es
nicht angezeigt, die über Jahrzehnte gelebte, von den Parteien gemeinsam ge-
wählte Rollenverteilung bereits im Rahmen des Eheschutzverfahrens aufzubre-
chen. Der Gesuchstellerin ist daher die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit während
des Getrenntlebens nicht zuzumuten.
3.6. Der Gesuchstellerin ist im Rahmen des Eheschutzverfahrens kein (hy-
pothetisches) Einkommen anzurechnen. Zu berücksichtigen ist ab dem 1. August
2017 der Wohnkostenbeitrag von H._ in der Höhe von Fr. 500.– (Urk. 132
S. 53). Es sei an dieser Stelle jedoch darauf hingewiesen, dass die Gesuchstelle-
rin gesund ist und grundsätzlich einer Erwerbstätigkeit, wenn auch als Selbstän-
digerwerbende, nachgehen will. Die Gesuchstellerin ist fünfzig Jahre alt, hat aber
noch rund 15 Jahre Erwerbstätigkeit vor sich. Der von den Parteien gewählten
Rollenverteilung wird für die Bestimmung des nachehelichen Unterhalts nicht
mehr dieselbe Bedeutung wie im Eheschutzverfahren zukommen. Sodann wird im
Scheidungsverfahren zu berücksichtigen sein, dass der Gesuchsgegner rund 10
Jahre älter als die Gesuchstellerin ist. Er gelangt in fünf Jahren ins Pensionsalter,
was üblicherweise zu einer Einkommenseinbusse führt. H._ arbeitet von zir-
ka 7.30 Uhr bis 17.30 Uhr. Glaubhaft ist, dass die Gesuchstellerin ihn zumindest
derzeit (teilweise) zu seiner Arbeitsstelle begleiten und entsprechend auch um
zirka 17.30 Uhr wieder abholen muss. Es ist hingegen offen, wie sich diese Situa-
tion entwickeln wird. Während der Lehre hat H._ den Arbeitsweg selbständig
bewältigt. Zudem ist eine zukünftige Einbindung des Gesuchsgegners in die Be-
treuung von H._ nicht ausgeschlossen. Kann H._ seinen Arbeitsweg al-
leine bewältigen, hat die Gesuchstellerin während des ganzen Tages keine Be-
treuungsaufgaben zu erfüllen. Aufgrund all dieser Umstände ist die Gesuchstelle-
rin mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass sie gut daran tut, sich bereits heute
um den Aufbau ihrer Eigenversorgungskapazität, sei es im Rahmen einer selb-
ständigen Erwerbstätigkeit oder einer Anstellung, zu bemühen.
- 26 -
4.1. Gestützt auf die unbestritten geblieben Bedarfszahlen der Parteien (vgl.
Urk. 132 S. 55 ff.) und die vorangehenden Ausführungen ist für die Berechnung
des Unterhaltsanspruchs der Gesuchstellerin von den folgenden Phasen auszu-
gehen:
1. Juni 2015 bis 31. Juli 2015:
Einkommen Gesuchsgegner: Fr. 9'318.– Einkommen Gesuchstellerin: Fr. 0.– Einkommen Total: Fr. 9'318.– Abzüglich Unterhaltsbeitrag C._: Fr. 1'276.– abzüglich Bedarf Gesuchsgegner: Fr. 4'930.– abzüglich Bedarf Gesuchstellerin: Fr. 5'199.– Manko: Fr. 2'087.–
1. August 2015 bis 31. Dezember 2015:
Einkommen Gesuchsgegner: Fr. 9'318.– Einkommen Gesuchstellerin: Fr. 500.– Einkommen Total: Fr. 9'818.– Abzüglich Unterhaltsbeitrag C._: Fr. 1'376.– abzüglich Bedarf Gesuchsgegner: Fr. 4'930.– abzüglich Bedarf Gesuchstellerin: Fr. 5'199.– Manko: Fr. 1'687.–
1. Januar 2016 bis 30. Juni 2016:
Einkommen Gesuchsgegner: Fr. 11'400.– Einkommen Gesuchstellerin: Fr. 500.– Einkommen Total: Fr. 11'900.– Abzüglich Unterhaltsbeitrag C._: Fr. 1'376.– abzüglich Bedarf Gesuchsgegner: Fr. 4'930.– abzüglich Bedarf Gesuchstellerin: Fr. 5'199.– Freibetrag: Fr. 395.–
1. Juli 2016 für die weitere Dauer des Getrenntlebens:
Einkommen Gesuchsgegner: Fr. 11'400.– Einkommen Gesuchstellerin: Fr. 500.– Einkommen Total: Fr. 11'900.– Abzüglich Unterhaltsbeitrag C._: Fr. 1'473.– abzüglich Bedarf Gesuchsgegner: Fr. 4'445.– abzüglich Bedarf Gesuchstellerin: Fr. 5'199.– Freibetrag: Fr. 783.–
4.2. Betreffend das Jahr 2015, für welches ein Manko vorhanden ist, stellt
sich die Frage, wie dieses auf die Parteien zu verteilen ist. Der Gesuchsgegner
weist in seiner Berufung das ganze Manko der Gesuchstellerin zu (Urk. 131
- 27 -
S. 15). Soweit die konkrete Höhe einer Bedarfsposition in Frage steht, handelt es
sich um eine Tatfrage. Ob (festgestellte) Aufwendungen bei der Bedarfsberech-
nung hingegen zu berücksichtigen sind, stellt eine Rechtsfrage dar (BGer
5A_446/2010 vom 20. Dezember 2010, E. 3.3.). Entsprechend kann trotz der Tat-
sache, dass die von der Vorinstanz ermittelten Bedarfszahlen unbestritten blie-
ben, von der Berufungsinstanz festgelegt werden, welche Bedarfszahlen zufolge
des Mankos im gebührenden Bedarf der Parteien nicht mehr zu berücksichtigen
sind. Es rechtfertigt sich, bei beiden Parteien die Steuern (Fr. 1'000.– beim Ge-
suchsgegner und Fr. 650.– bei der Gesuchstellerin) sowie das "Sparen 3" (je
Fr. 562.–) unbeachtet zu lassen. Damit ist beim Gesuchsgegner für das Jahr 2015
von einem Bedarf von Fr. 3'368.– (Fr. 4'930.– - Fr. 1'000.– - Fr. 562.–) und bei der
Gesuchstellerin von Fr. 3'987.– (Fr. 5'199.– - Fr. 650.– - Fr. 562.–) auszugehen.
Es ergibt sich somit für die Phase 1. Juni 2015 bis 31. Juli 2015 folgende Berech-
nung:
Einkommen Gesuchsgegner: Fr. 9'318.– Einkommen Gesuchstellerin: Fr. 0.– Einkommen Total: Fr. 9'318.– Abzüglich Unterhaltsbeitrag C._: Fr. 1'276.– abzüglich Bedarf Gesuchsgegner: Fr. 3'368.– abzüglich Bedarf Gesuchstellerin: Fr. 3'987.– Freibetrag: Fr. 687.–
Das Verhältnis der Steuerbelastungen der Parteien beträgt 60 % zu 40 %
(Fr. 1'000.– zu Fr. 650.–). Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Ge-
suchstellerin bereits einen Freibetrag von Fr. 298.– durch den unangefochten ge-
bliebenen Beitrag an C._ erhält (vgl. Urk. 132 S. 70), sind ihr Fr. 100.– des
Freibetrages zuzuweisen. Damit ergibt sich ein Unterhaltsanspruch von
Fr. 4'087.–.
Für die Phase 1. August 2015 bis 31. Dezember 2015 ergibt sich folgende Be-
rechnung:
Einkommen Gesuchsgegner: Fr. 9'318.– Einkommen Gesuchstellerin: Fr. 500.– Einkommen Total: Fr. 9'818.– Abzüglich Unterhaltsbeitrag C._: Fr. 1'376.– abzüglich Bedarf Gesuchsgegner: Fr. 3'368.– abzüglich Bedarf Gesuchstellerin: Fr. 3'987.– Freibetrag: Fr. 1'087.–
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Unter Berücksichtigung der Steuerbelastungen der Parteien sowie der Tatsache,
dass die Gesuchstellerin bereits einen Freibetrag von Fr. 398.– durch den Kin-
derunterhaltsbeitrag erhält (vgl. Urk. 132 S. 71), sind ihr Fr. 200.– des Freibetra-
ges zuzuweisen. Es ergibt sich ein Unterhaltsanspruch von Fr. 3'687.–
(Fr. 3'987.– + Fr. 200.– - Fr. 500.–).
4.3. Ab dem 1. Januar 2016 ist der Freibetrag hälftig aufzuteilen. Damit re-
sultiert ein Anspruch der Gesuchstellerin vom 1. Januar 2016 bis und mit 30. Juni
2016 von Fr. 4'897.– (Fr. 5'199.– + [gerundet] Fr. 198.– - Fr. 500.–) und vom
1. Juli 2016 für die weitere Dauer des Verfahrens von Fr. 5'091.– (Fr. 5'199.– +
[gerundet] Fr. 392.– - Fr. 500.–).
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Gesuchsgegner der Ge-
suchstellerin vom 1. Juni 2015 bis zum 31. Juli 2015 einen Unterhaltsanspruch
von Fr. 4'087.–, vom 1. August 2015 bis zum 31. Dezember 2015 von Fr. 3'687.–,
vom 1. Januar 2016 bis zum 30. Juni 2016 von Fr. 4'897.– und hernach für die
weitere Dauer des Getrenntlebens von Fr. 5'091.– zu bezahlen hat. Insoweit sind
die (Eventual-)Anträge des Gesuchsgegners gutzuheissen. Im Übrigen ist die Be-
rufung abzuweisen. Gründe, welche es rechtfertigen würden, das Verfahren
zwecks "Neubeurteilung der Unterhaltspflicht" des Gesuchsgegners an die Vorin-
stanz zurückzuweisen (Urk. 131 S. 2, Hauptantrag), sind nicht ersichtlich.
III.
1.1. Trifft die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie
auch über die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3
ZPO). Die Gerichtskosten für den erstinstanzlichen Entscheid wurden auf
"Fr. 8'000.– (Pauschalgebühr inkl. Massnahmeverfahren)" festgesetzt (Urk. 132
S. 82, Dispositivziffer 5). Diese Regelung blieb unangefochten und ist zu bestäti-
gen.
1.2. Auferlegt wurden die Kosten für das erstinstanzliche Verfahren den Par-
teien je zur Hälfte (Urk. 132 S. 82, Dispositivziffer 5). Entsprechend wurden keine
- 29 -
Parteientschädigungen zugesprochen (Urk. 132 S. 82, Dispositivziffer 7). Das
nunmehr geringfügig höhere Obsiegen des Gesuchsgegners mit Bezug auf die
von ihm an die Gesuchstellerin zu leistenden Unterhaltsbeiträge rechtfertigt keine
anderweitige Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen. Es kann auf die
entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urk. 132
S. 74, E. 5.1.4). Die Regelungen sind ebenfalls zu bestätigen.
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist gestützt auf § 6
Abs. 1 i.V.m. § 5 Abs. 1 und § 6 Abs. 2 lit. b sowie § 12 Abs. 1 und 2 der GebV
OG auf Fr. 5'000.– festzusetzen. Die Vorinstanz hat unter der Annahme, dass der
vorliegende Eheschutzentscheid ab Ende November 2017 noch für weitere zwei
Jahre zur Anwendung gelangt, der Gesuchstellerin vom 1. Juni 2015 bis zum
30. November 2019 total Fr. 305'338.– zugesprochen. Der Gesuchsgegner hat
die Zusprechung von Fr. 154'147.– verlangt. Es ergibt sich ein Differenz von
Fr. 151'191.–. Mit dem vorliegenden Urteil zugesprochen erhält die Gesuchstelle-
rin Fr. 264'722.–, damit Fr. 40'616.– weniger als vor Vorinstanz. Demnach obsiegt
der Gesuchsgegner mit rund einem Viertel. Entsprechend sind ihm drei Viertel
und der Gesuchstellerin ein Viertel der Kosten aufzuerlegen. Die Kosten werden
aus dem vom Gesuchsgegner geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 5'000.– bezo-
gen. Die Gesuchstellerin hat dem Gesuchsgegner hiervon Fr. 1'250.– zu erset-
zen.
2.2. Sodann hat der Gesuchsgegner der Gesuchstellerin eine auf die Hälfte
reduzierte Parteientschädigung zu bezahlen. Die volle Entschädigung ist in An-
wendung von § 6 Abs. 1 bis 3 i.V.m. § 5 Abs. 1 und § 13 Abs. 1 AnwGebV auf
Fr. 4'000.– festzusetzen. Für die Eingaben vom 13. Juli 2017 (Urk. 147) sowie
vom 28. September 2017 (Urk. 154; Urk. 155) ist ein Zuschlag von Fr. 1'500.–
geschuldet (§ 11 Abs. 1 und 3 AnwGebV). Die Gebühr ist um die Hälfte auf
Fr. 2'750.– zu kürzen (§ 13 Abs. 2 AnwGebV). Hiervon hat der Gesuchsgegner
der Gesuchstellerin Fr. 1'375.– zuzüglich Fr. 110.– (8 % Mehrwertsteuer), damit
Fr. 1'485.– zu bezahlen.
3.1. Die Gesuchstellerin beantragt, der Gesuchsgegner habe ihr für das Be-
rufungsverfahren einen Prozesskostenvorschuss von Fr. 4'000.– zu bezahlen,
zahlbar an ihre Rechtsvertreterin, sofern ihm nicht ausgangsgemäss die Partei-
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und Gerichtskosten auferlegt würden (Urk. 143 S. 2, prozessualer Antrag). Der
Gesuchsgegner beantragt die Abweisung des Antrags (Urk. 150 S. 2).
3.2. Gemäss konstanter Praxis der Kammer besteht im Gegensatz zu einem
Scheidungsprozess im Eheschutzverfahren für die Zusprechung eines Prozess-
kostenvorschusses im Endentscheid kein Raum mehr, weil der Entscheid darüber
mit dem Endentscheid zusammenfiele. Die angesprochene Partei kann allerdings
im Rahmen eines Endentscheides praxisgemäss gestützt auf die eheliche Bei-
standspflicht gemäss Art. 159 Abs. 3 ZGB verpflichtet werden, der ansprechen-
den Partei die Gerichts- und Anwaltskosten in Form eines Prozesskostenbeitrags
zu ersetzen. Dies ist ein Gebot des Rechtsschutzes und dient der Waffengleich-
heit unter den Ehegatten. Die Zusprechung eines Prozesskostenbeitrags setzt ei-
nerseits Bedürftigkeit der ansprechenden und anderseits Leistungsfähigkeit der
angesprochenen Partei im Zeitpunkt des Entscheids voraus. Es sind die für die
Gewährung des prozessualen Armenrechts entwickelten Grundsätze – Mittello-
sigkeit und Nicht-Aussichtslosigkeit – analog anzuwenden. Die Beistandsbedürf-
tigkeit ist gegeben, wenn die ansprechende Partei ohne Beeinträchtigung des an-
gemessenen Lebensunterhalts nicht über eigene Mittel rechtlich oder tatsächlich
und binnen nützlicher Frist verfügen kann, um die bereits aufgelaufenen und künf-
tig zu erwartenden Gerichts- und Anwaltskosten innert nützlicher Frist, gegebe-
nenfalls in Raten, zu bezahlen (vgl. zum Ganzen OGer ZH LE130034 vom
19.08.2013, E. 10.1 f. m.Hinw.).
3.3. Wie bereits dargelegt, ist glaubhaft, dass die Gesuchstellerin derzeit
vermögenslos ist. Der Gesuchsgegner verfügt über finanzielle Reserven, welche
ihm die Leistung eines Prozesskostenbeitrags ermöglichen (vgl. vorne
II./E. 3.4.4). Inskünftig wird der Gesuchstellerin jedoch ein Freibetrag von rund
Fr. 400.– pro Monat zur Verfügung stehen. Damit kann sie die auf sie entfallenden
Anwalts- und Gerichtskosten von total Fr. 2'735.– (Fr. 1'250.– Anteil Gerichtskos-
ten plus Fr. 1'485.– Anwaltskosten) während eines Jahres begleichen. Der Antrag
auf Zusprechung eines Prozesskostenbeitrages für das Berufungsverfahren ist
abzuweisen.
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