Decision ID: f15470bf-a0ba-5ac3-9e25-9387f0e16c90
Year: 2020
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ gelangte am 19. Juni 2019 mit Rekurs an die  des Kantons Bern (StRK), nachdem die Steuerverwaltung des Kantons Bern ihr den Erlass der rechtskräftig veranlagten noch  Kantons- und Gemeindesteuern des Jahres 2015 von Fr. 4ʹ641.80 (inkl. Zinsen) verweigert hatte. Als die StRK sie aufforderte, einen Kostenvorschuss zu bezahlen, reichte sie sinngemäss ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ein. Mit Verfügung vom 19. November 2019 wies die StRK das Gesuch ab und setzte A._ eine Frist zur Bezahlung des Kostenvorschusses von Fr. 800.--.
B.
Hiergegen hat A._ am 19. Dezember 2019  erhoben mit dem sinngemässen Antrag, die Verfügung der StRK sei aufzuheben und ihr sei im Verfahren vor der StRK die  Rechtspflege zu gewähren.
Mit Eingabe vom 16. Januar 2020 beantragt die StRK die Abweisung der Beschwerde. Die Steuerverwaltung teilt am 23. Januar 2020 mit, dass sie auf eine Beschwerdeantwort verzichte.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. November 2019 betreffend die unentgeltliche Rechtspflege als letzte kantonale Instanz zuständig (Art. 112 Abs. 3 i.V.m. Art. 74 ff. des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechts-
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 26.02.2020, Nr. 100.2019.421U, Seite 3
pflege [VRPG; BSG 155.21]; vgl. auch Art. 201 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die  über Form und Frist sind eingehalten (Art. 151 StG i.V.m. Art. 81 Abs. 1 und Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.2 Der Entscheid in der Sache ist ebenso wie das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht auf den Streitgegenstand begrenzt. Dieser wird  durch die angefochtene Verfügung, das sog. Anfechtungsobjekt, und andererseits durch die Vorbringen der beschwerdeführenden Partei  (vgl. zum Begriff des Streitgegenstands statt vieler BVR 2017 S. 514 E. 1.2, 2011 S. 391 E. 2.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6). Anfechtungsobjekt bildet die Zwischenverfügung der StRK vom 19. November 2019 betreffend das sinngemäss gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Soweit die Beschwerdeführerin nicht nur dieses Erkenntnis anficht, sondern auch beantragt, ihr seien die Kantons- und Gemeindesteuern 2015 zu erlassen, worüber die Vorinstanz noch nicht entscheiden hat, liegt dieser Antrag  des Streitgegenstands und ist insoweit auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1.3 Entscheide über Beschwerden gegen Zwischenverfügungen,  solcher betreffend die unentgeltliche Rechtspflege, fallen in die einzelrichterliche Zuständigkeit (vgl. Art. 57 Abs. 2 Bst. b des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
1.4 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 26.02.2020, Nr. 100.2019.421U, Seite 4
2.
2.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von den Verfahrenskosten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 111 Abs. 1 VRPG; vgl. auch Art. 117 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272]). Ein Prozess ist nicht aussichtslos, wenn berechtigte Hoffnung besteht, ihn zu gewinnen, das heisst wenn Gewinnaussichten und Verlustgefahren sich ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Praxis demgegenüber Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Massgebend ist dabei, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen oder aber davon absehen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb  können, weil er sie nichts kostet (BVR 2016 S. 369 E. 3.1, 2015 S. 487 E. 7.1; BGE 142 III 138 E. 5.1).
2.2 Die StRK hat das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen, weil der Rekurs betreffend Erlass der Steuern 2015 als aussichtslos erscheine. Ein Steuererlass setze eine finanzielle Notlage voraus, die insbesondere dann nicht gegeben sei, wenn der  Person zugemutet werden könne, die geschuldeten Steuern durch die Verwertung ihres Vermögens zu bezahlen (Art. 240b Abs. 1 Bst. e StG). Die Beschwerdeführerin sei Eigentümerin von zwei , deren vorsichtig geschätzter Verkehrswert deutlich über den  liege. Sie bringe nichts vor, was die offenbar ohnehin bereits eingeleitete Veräusserung der Liegenschaften als unzumutbar  lasse. Selbst unter Berücksichtigung einer weiteren  verbleibe ihr nach einem Verkauf ein ausreichendes Vermögen, um die geschuldeten Steuern zu bezahlen. Der Rekurs erweise sich aber auch aus einem anderen Grund als aussichtslos: So sei ein Steuererlass , wenn die steuerpflichtige Person zum Zeitpunkt der Fälligkeit trotz vorhandener verfügbarer Mittel weder Zahlungen leiste noch Rück-
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 26.02.2020, Nr. 100.2019.421U, Seite 5
stellungen vornehme (Art. 240c Abs. 1 Bst. e StG). Die Beschwerdeführerin habe im Jahr 2017, als die Steuerforderung 2015 fällig wurde, noch über ein Wertschriftenvermögen von Fr. 59ʹ164.-- verfügt und wäre mithin in der Lage gewesen, die Steuern zu bezahlen oder Rückstellungen . Unabhängig von ihrer aktuellen Einkommens- und  und der Frage nach der Zumutbarkeit der Vermögensverwendung könne somit voraussichtlich kein Steuererlass gewährt werden und erweise sich der Rekurs als aussichtslos.