Decision ID: ef13badf-bfd1-4382-9b6e-d92be54b8805
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239,
9443 Widnau,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Am 5. Januar 2006 (Eingang bei der IV-Stelle) meldete sich A._ (nachfolgend:
Versicherte) zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie war vom 1. Juni 2004 bis
29. April 2005 bei der B._ AG angestellt gewesen (IV-act. 12).
A.b Mit Arztbericht vom 28. März 2006 diagnostizierte Hausarzt Dr. med. C._,
Rheumatologie FMH, ein chronisches, diffuses, generalisiertes Schmerzsyndrom mit im
Vordergrund stehendem rechtsseitigen cervikobrachialem und lumbovertebralem
Schmerzsyndrom, mit/bei flacher, paramedian linksseitiger, subligamentärer
Diskushernie C6/7 und kleiner paramedian linksseitiger Diskushernie C3/4 ohne
Neurokompression sowie einer Chondrose L4/5 > L5/S1 mit breitbasiger, mittelgrosser,
nach cranial subligamentär luxierter Diskushernie medio-lateral links und
Spondylarthrose L4/5 (IV-act. 14). Aus rheumatologischer Sicht könne keine Arbeits
unfähigkeit attestiert werden für körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten unter
Vermeidung repetitiven Lastenhebens über 10-12,5kg sowie ohne Arbeiten in
ausgesprochenen Wirbelsäulenzwangshaltungen. Am 7. September 2006 berichtete
Dr. med. D._, Klinik F._ für Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtbehandlung,
über folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: rezidivierende
depressive Störung, derzeit mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, sowie
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit/bei chronisch
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panvertebralem Schmerzsyndrom mit/bei degenerativer Veränderung der Wirbelsäule
(vor allem HWS- und LWS-Bereich). Vom 26. Juli bis 16. September 2006 wurde die
Versicherte in der Klinik F._ nach einem integrierten Behandlungskonzept stationär
behandelt; es sei zu einer Stabilisierung mit leichter Besserung des depressiven
Zustandsbilds gekommen (IV-act. 24). Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe
wahrscheinlich eine Arbeitsfähigkeit im Bereich von ca. 50%, eine Tätigkeit im
geschützten Rahmen sollte bis zu 80% möglich sein (IV-act. 27-8/19f., 28-2/6ff.). Vom
9. bis 18. November 2006 fand erneut eine stationäre Behandlung in der Klinik F._
statt (vgl. Austrittsberichte IV-act. 28, 36-22/25f.).
A.c Mit polydisziplinärem Gutachten der Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH,
Basel (ABI), vom 7. November 2007 (IV-act. 36-2/25ff.) befanden die Gutachter, dass
bei der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwer belastende
Tätigkeiten ab Mai 2005 bestätigt werden könne. Körperlich leichte bis mittelschwere,
adaptierte Tätigkeiten hingegen seien ihr weiterhin mit einer 100%-igen Arbeits- und
Leistungsfähigkeit zumutbar. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) erachtete das
Gutachten für plausibel (IV-act. 37-1/2f.). Im Rahmen einer Krisenintervention wegen
anhaltender Überforderung mit der adoleszenten Tochter wurde die Versicherte vom
17. bis 29. Dezember 2007 in der Klinik F._ stationär behandelt (IV-act. 58-30/39ff.).
A.d Mit Vorbescheid vom 12. Februar 2008 stellte die IV-Stelle die Verneinung eines
Rentenanspruchs bei einem Invaliditätsgrad von 0% in Aussicht (IV-act. 41).
A.e Die Versicherte reichte daraufhin ein ärztliches Zeugnis vom 4. März 2008 von
Dr. med. E._, Arzt für Allgemeinmedizin und vom Psychiatrie-Zentrum G._ – worin
chronische rezidivierende COPD-Exazerbationen bei ausgeprägtem Nikotinkonsum, ein
invalidisierendes panvertebrales Schmerzsyndrom und eine rezidivierende depressive
Störung mit mittelgradigen bis schweren Exazerbationen diagnostiziert wurden – sowie
diverse Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ein (IV-act. 43f.). Dr. D._ hielt im Bericht
vom 8. April 2008 eine Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft für undenkbar (IV-
act. 48-4/5). Der RAD schlug daraufhin am 30. April 2008 eine Verlaufsbegutachtung im
ABI Basel vor (IV-act. 49). Die IV-Stelle kam mit Schreiben vom 19. Mai 2008 auf den
Vorbescheid vom 12. Februar 2008 zurück und führte weitere medizinische
Abklärungen durch (IV-act. 51). Vom 19. Juni bis 2. Juli 2008 hielt sich die Versicherte
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stationär in der Reha-Klinik H._ auf (IV-act. 58-33/39ff., 58-27/39ff.). Mit ABI-
Gutachten vom 29. Januar 2009 stellten die Gutachter fest, dass für adaptierte,
körperlich leicht bis mittelschwer belastende Tätigkeiten unverändert eine 100%-ige
Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestehe. Körperlich schwer belastende Tätigkeiten
seien der Versicherten nicht zumutbar. Der RAD folgte am 16. Februar 2009 dieser
Beurteilung; seit der ersten Begutachtung sei noch eine chronisch obstruktive
Lungenerkrankung hinzugekommen, weshalb Arbeiten mit hoher Staubbelastung
ungeeignet seien (IV-act. 59).
A.f Mit Vorbescheid vom 24. Februar 2009 wurde erneut in Aussicht gestellt, dass
kein Rentenanspruch bestehe (IV-act. 64). Am 6. März 2009 erhob die Versicherte
mündlichen Einwand (IV-act. 65). Mit Verfügung vom 7. April 2009 (IV-act. 68) wies die
IV-Stelle das Rentenbegehren ab. Die Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft (IV-act. 71).
B.
B.a Am 1. Dezember 2009 (Eingang bei der IV-Stelle) meldete sich die Versicherte
erneut bei der IV-Stelle zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 72, 75). Am 21. Juli 2009
war im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) eine transforaminelle lumbale interkorporelle
Fusion (TLIF) LWK 4/5 links sowie eine transpedikuläre Spondylodese LWK4/5
durchgeführt worden (IV-act. 77-10/20ff.). Vom 27. Juli bis 27. August 2009 befand sich
die Versicherte in stationärer Behandlung im Rehabilitationszentrum Klinik Valens (IV-
act. 80-4/5f.). Mit Stellungnahme vom 21. Dezember 2009 schlug der RAD vor, einen
Arztbericht beim Operateur Dr. med. I._, Klinik für Neurochirurgie des KSSG,
einzuholen und ihm gleichzeitig das rheumatologisch-orthopädische Teilgutachten des
ABI Basel vom Januar 2009 mit einigen spezifischen Fragen zuzustellen (IV-act. 81).
Dr. I._ berichtete am 19. Februar 2010 (IV-act. 98-1/18ff.), der Gesundheitszustand
der Versicherten habe sich im Vergleich zum rheumatologisch-orthopädischen
Teilgutachten des ABI Basel vom Januar 2009 nicht verschlechtert. Die LWS-
Beschwerden seien besser geworden. Es könne jedoch wahrscheinlich nicht von einer
vollen Arbeitsfähigkeit in einer rückenadaptierten Tätigkeit ausgegangen werden, da die
Versicherte jetzt über eine Zunahme der bekannten Zervikobrachialgie rechts und
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chronischen Epicondylitis lateralis rechts klage. Eine erneute MRI (17. Dezember 2009)
habe degenerative Veränderungen ohne Operationsindikation gezeigt.
B.b Mit Vorbescheid vom 9. März 2010 stellte die IV-Stelle in Aussicht, bei
unverändertem Gesundheitszustand einen Rentenanspruch zu verneinen (IV-act. 87).
Dagegen liess die Versicherte durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter, Widnau, am
26. April 2010 Einwand erheben und den Bericht vom 11. März 2010 von Dr. med.
J._, Rheumatologie FMH, einreichen, wonach bei dieser chronischen, komplexen
und weitgehend therapieresistenten Schmerzproblematik eine verwertbare
Arbeitsfähigkeit auch in einer optimal angepassten Tätigkeit kaum mehr erzielt werden
könne (IV-act. 95-1/16ff., 95-13/16ff.). Zur Klärung der diskrepanten Beurteilungen
schlug der RAD am 18. Mai 2010 die Einholung eines Verlaufsgutachtens beim ABI
Basel vor (IV-act. 96).
B.c Mit ABI-Gutachten vom 20. September 2010 (IV-act. 101-2/39ff.) befanden die
Gutachter für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in wechselnder Position,
wo eine Hebe- und Traglimite von 10kg nicht überschritten werde und keine
Zwangshaltungen von Hals- und Lendenwirbelsäule vorkämen, bestehe aus
orthopädischer Sicht zeitlich und leistungsmässig eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer und internistischer Sicht bestünden keine
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Der RAD beurteilte das ABI-Gutachten als
widerspruchsfrei und nachvollziehbar (IV-act. 102).
B.d Mit Vorbescheid vom 19. Januar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 108). Dagegen liess die Ver
sicherte durch Rechtsanwalt Fiechter am 21. Februar 2011 Einwand erheben,
woraufhin die IV-Stelle im KSSG (Neurologie wie auch interdisziplinäre Schmerzstunde)
wiederholt einen Arztbericht anforderte (IV-act. 111f., 114f., 118f.). Am 3. August 2011
antwortete die Klinik für Neurologie des KSSG der IV-Stelle und reichte verschiedene
Unterlagen ein (IV-act. 120). Der Rechtsvertreter liess der IV-Stelle am 6. September
2011 diverse Arztberichte zukommen (IV-act. 121). Mit Beurteilung vom 7. Oktober
2011 erachtete der RAD die gesundheitliche Situation als subjektiv verändert, eine IV-
relevante Änderung des Gesundheitszustands könne jedoch nicht objektiviert und
plausibel dargestellt werden (IV-act. 122).
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B.e Am 10. Oktober 2011 verfügte die IV-Stelle im Sinn des Vorbescheids (IV-
act. 123).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 10. November 2011 (act. G 1) liess die Beschwerdeführerin
durch Rechtsanwalt Fiechter beantragen, die Verfügung vom 10. Oktober 2011 sei
vollumfänglich aufzuheben und ihr sei ab 1. Dezember 2009 eine ganze Invalidenrente
auszurichten. Eventualiter seien ein neutrales psychiatrisches sowie ein neutrales
rheumatologisches Gutachten einzuholen. Ihr sei die unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsverbeiständung derart zu gewähren, dass Rechtsanwalt Fiechter als ihr
Rechtsbeistand eingesetzt werde. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zulasten der Beschwerdegegnerin resp. des Staates, infolge zu bewilligender
unentgeltlicher Prozessführung. Zur Begründung liess sie insbesondere vorbringen, ihr
Gesundheitszustand sei medizinisch von diversen Ärzten unterschiedlich beurteilt
worden, bzw. der RAD weigere sich, die von Dr. J._ und Dr. E._ gestellten
Diagnosen zu akzeptieren, obwohl diese sie persönlich und unter Beizug sämtlicher
relevanter Akten begutachtet hätten. Die an der Verfügung vom 10. Oktober 2011
angeheftete und acht Zeilen umfassende Stellungnahme des RAD genüge "diesen
Anforderungen in keinster Weise". Ihr Gesundheitszustand sei "therapieresistent". Sie
weise auch in einer optimal angepassten Tätigkeit keine verwertbare Arbeitsfähigkeit
auf, weshalb ein Invaliditätsgrad von 100% resultiere. Die dreifache Begutachtung
durch die gleiche Stelle in Basel stelle mit Verweis auf die neuste Rechtsprechung des
Bundesgerichts einen Verstoss gegen Art. 6 EMRK dar, weshalb die Einholung eines
neutralen psychiatrischen und rheumatologischen Gutachtens angezeigt sei, sofern
nicht der Antrag auf eine volle Rente geschützt werde.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. Dezember 2011 schloss die
Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte
sie im Wesentlichen an, für die Befangenheit eines Gutachters, der eine oder mehrere
(Verlaufs-)Begutachtungen durchgeführt habe, bedürfe es weiterer Anhaltspunkte, die
vorliegend nicht ersichtlich seien. Dr. E._ als Allgemeinmediziner sei nicht fachärztlich
kompetent, die Rückenbeschwerden und das psychische Leiden der
Beschwerdeführerin zu beurteilen. Dr. J._ habe bei seiner Beurteilung der
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Arbeitsfähigkeit auch die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten psychischen
Beschwerden mit einbezogen. Zudem gehe er auf das zweite ABI-Gutachten nicht ein
und begründe seine abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht. Es gäbe keine
Hinweise auf eine Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin seit
dem dritten ABI-Gutachten.
C.c Am 3. Januar 2012 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 6).
C.d Mit Replik vom 13. Februar 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem
bisherigen Standpunkt fest (act. G 11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die
Einreichung einer Duplik (act. G 13).
C.e Am 1. Mai 2013 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einen
Arztbericht des KSSG vom 27. September 2012, Arztzeugnisse vom 28. September
2012 und vom 16. Januar 2013 sowie ein Schreiben an die IV-Stelle des Kantons
St. Gallen ein (act. G 14, 14.1ff.). Am 17. Mai 2013 reichte der Rechtsvertreter einen
ärztlichen Bericht von Dr. E._ vom 15. Mai 2013 sowie einen Arztbericht von Dr. J._
vom 3. Mai 2013 nach (act. G 16, 16.1f.). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine
Stellungnahme (act. G 15, 17).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2012 ist der erste Teil der 6. Revision der Invalidenversicherung in Kraft
getreten. In zeitlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 130 V
445; 127 V 466 E. 1; 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat
die angefochtene Verfügung am 10. Oktober 2011 und somit vor Inkrafttreten der IV-
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Revision 6a erlassen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der sich seit der
Neuanmeldung im Jahr 2009 und damit nach dem Inkrafttreten der revidierten
Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 ereignet hat. Nachfolgend sind
daher die zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses anwendbaren Bestimmungen (d.h.
diejenigen in der bis zum 31. Dezember 2011 gültigen Fassung) wiedergegeben.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG) und kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 des IVG besteht Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrads verweigert, so wird
gemäss Art. 87 Abs. 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201; Fassung vor 2012) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die
Voraussetzungen gemäss Abs. 3 erfüllt sind. Nach jener Bestimmung muss in einem
Revisionsgesuch glaubhaft gemacht werden, dass sich der Grad der Invalidität in einer
für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Durch diese
Eintretensvoraussetzung soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung immer
wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen
muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. November 2011, 8C_624/2011, E. 4.3.1,
mit Hinweis). Eine erstmalige Rentenzusprache aufgrund einer Neuanmeldung nach
vorangegangener Ablehnung eines Rentengesuchs gemäss Art. 87 Abs. 4 IVV in
Verbindung mit Abs. 3 dieser Bestimmung setzt voraus, dass seit der letzten
rechtskräftigen Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des Anspruchs mit
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rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4, 130 V 71 E. 3.2.3), eine
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, welche zu einem höheren
Invaliditätsgrad führt, der nunmehr einen Rentenanspruch begründet (BGE 133 V 108
E. 5).
3.
3.1 Streitig ist, ob bei der Beschwerdeführerin seit der rechtskräftigen Ablehnung
ihres Rentenbegehrens mit Verfügung vom 7. April 2009 eine derart erhebliche
Verschlechterung eingetreten ist, dass neu von einem rentenbegründenden
Invaliditätsgrad auszugehen ist. Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung
vom 1. Dezember 2009 eingetreten und hat nach materieller Prüfung des Gesuchs
gestützt auf das ABI-Gutachten vom 20. September 2010 das Vorliegen eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrads verneint. Nachdem der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin dagegen Einwand erhoben und mitgeteilt hatte, dass die
Beschwerdeführerin sich neu in ambulanter Behandlung im KSSG (Neurochirurgie und
Schmerzsprechstunde) befinde, wurden von der IV-Stelle nochmals Berichte im KSSG
eingeholt und eine Einschätzung von Dr. E._ abgewartet. In der anschliessenden
Stellungahme vom 7. Oktober 2011 äusserte der RAD die Ansicht, dass eine subjektiv
veränderte Bewertung des Gesundheitszustands anzunehmen sei, eine IV-relevante
Änderung des Gesundheitszustands jedoch nicht objektiviert und plausibel dargestellt
werden könne. Gestützt auf diese Beurteilung wurde mit Verfügung vom 10. Oktober
2011 der Anspruch auf eine Invalidenrente verneint.
3.2 Der rechtskräftigen Verfügung vom 7. April 2009 liegt in medizinischer Hinsicht
das ABI-Gutachten vom 29. Januar 2009 zugrunde. Darin finden sich als Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches unspezifisches panvertebrales
Schmerzsyndrom mit/bei leichter Wirbelsäulenfehlhaltung (abgeflachte obere BWS-
Kyphose, betonte Kyphosierung im zervikothorakalen Übergang), muskulärer
Dekonditionierung mit mässig ausgeprägter Abschwächung der abdominellen und
rückenstabilisierenden Muskelgruppen, radiomorphologisch kleiner Diskushernie C3/4
paramedian und medialer Diskusprotrusion C6/7; medialer Diskushernie L4/5 mit
leichter Luxation nach kranial und geringer Einengung des Spinalkanals ohne
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Kompression des Myelons oder der abgehenden Nervenwurzeln, klinisch keinen
Hinweisen für sensible oder motorische zerviko- oder lumboradikuläre Ausfälle, sowie
klinisch eine Epicondylopathia humeri radialis rechts. Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit wurden eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, eine
Medikamentenmalcompliance (Amatriptylin-, Nortriptylin-, Duloxetin- und
Tramadolspiegel unter der Nachweisgrenze), eine chronisch obstruktive
Lungenkrankheit, Typ chronisch obstruktive Bronchitis mit im September 2008 leichter,
nicht reversibler obstruktiver Ventilationsstörung bei fortgesetztem Nikotinkonsum,
sowie anamnestisch eine Rhinitis allergica diagnostiziert. Eine körperlich leichte bis
mittelschwere, wechselbelastende berufliche Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin
vollumfänglich und ohne zeitliche Einschränkungen unter den folgenden
Arbeitsplatzbedingungen zuzumuten: Die Beschwerdeführerin sollte ihre
Arbeitsposition regelmässig selbständig wechseln können, das repetitive Heben,
Tragen, Stossen und Ziehen von Lasten über 10 bis 15kg sei zu vermeiden, ebenso
Arbeiten in anhaltender Oberkörpervorneigeposition oder berufliche Tätigkeiten mit
stereotypen repetitiven HWS- und LWS-Rotationsbewegungen. Aus rein
psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die depressive
Störung sei leichtgradig ausgesprägt. Eine psychiatrische Komorbidität liege nicht vor.
Aus psychiatrischer Sicht könne der Beschwerdeführerin zugemutet werden, trotz der
geklagten Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags
einer beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können. Auch die internistischen Diagnosen
der Beschwerdeführerin schränkten ihre Arbeitsfähigkeit nicht relevant ein. Die
chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sei nur leichtgradig ausgeprägt. Auch
scheine bei fortgesetztem Nikotinkonsum diesbezüglich kein hoher Leidensdruck der
Beschwerdeführerin zu bestehen. In körperlich leicht bis mittelschwer belastenden
Tätigkeiten bestehe keine Einschränkung von Seiten der COPD. Tätigkeiten mit hoher
Staubbelastung seien für die Beschwerdeführerin eher ungeeignet. Insgesamt könne
aus polydisziplinärer Sicht eine 100%-ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit für körperlich
leichte bis mittelschwer belastende Tätigkeiten unter Einhaltung der obgenannten
Einschränkungen festgestellt werden.
3.3 Am 1. Dezember 2009 ging die Neuanmeldung bei der Beschwerdegegnerin ein,
nachdem am 20. Juli 2009 aufgrund der Diagnose eines chronischen zerviko-thorako-
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lumbalen Schmerzsyndroms bzw. einer Diskopathie L4/5 mit positiver Diskografie ein
operativer Eingriff (Spondylodese) durchgeführt worden war (IV-act. 77-10/20ff.).
Dr. I._ berichtete am 19. Februar 2010, der Beschwerdeführerin seien keine
körperlichen Tätigkeiten zumutbar (IV-act. 98). Er verneinte jedoch die Frage des RAD,
ob sich der Gesundheitszustand der Versicherten im Vergleich zum rheumatologisch-
orthopädischen Teilgutachten des ABI Basel vom Januar 2009 verschlechtert habe. Die
LWS-Schmerzen seien besser geworden. Es persistiere eine deutliche Einschränkung
und die Versicherte sei nicht belastbar. Subjektiv seien die Schmerzen mit
Schmerzmitteln erträglich. Es könne wahrscheinlich nicht weiterhin von einer vollen
Arbeitsfähigkeit in einer rückenadaptierten Tätigkeit – wie es im Gutachten beschrieben
wird – ausgegangen werden. Jetzt klage die Patientin über eine Zunahme ihrer
bekannten Zervikobrachialgien rechts und der chronischen Epicondylitis lateralis
rechts. Eine erneute MRI habe degenerative Veränderungen ohne Operationsindikation
gezeigt.
3.4 Mit Arztbericht vom 11. März 2010 (IV-act. 95-13/16ff.) diagnostizierte Dr. J._
psychoneuromuskuloskelettale Probleme in Form eines chronischen panvertebralen
Syndroms lumbal betont, einer Epicondylitis humeri radialis rechts, chronisch
ausgedehnter muskuloskelettaler Schmerzen und Fibromyalgie und einer
rezidivierenden depressiven Störung mit/bei akzentuierten Persönlichkeitszügen mit
histrionischen Merkmalen sowie Verdacht auf psychische Faktoren und
Verhaltenseinflüssen bei andernorts klassifizierten Krankheiten. Als übrige Diagnosen
verblieben eine Hyperuricämie und eine chronisch obstruktive Pneumopathie mit
asthmatischer Komponente. Bei dieser chronischen, komplexen und weitgehend
therapieresistenten Schmerzproblematik könne eine verwertbare Arbeitsfähigkeit auch
in einer optimal angepassten Tätigkeit kaum mehr erzielt werden.
3.5 Am 14. April 2010 berichtete Dr. I._ über die ambulante Nachkontrolle vom
12. April 2010 (IV-act. 101-36/39f.). Es wurden ein panvertebrales Schmerzsyndrom,
ein Status nach Spondylodese L4/5 im Juli 2009, ein cervicobrachiales
Schmerzsyndrom rechtsbetont und eine Epicondylitis lateralis rechts sowie eine
rezidivierende depressive Störung diagnostiziert. Anlässlich der letzten Kontrolle am
1. Februar 2010 habe die Beschwerdeführerin ihn wegen der HWS-Beschwerden
konsultiert. Die Infiltration des Ellbogens durch Dr. J._ und die Physiotherapie
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bezüglich der HWS-Beschwerden hätten deutlich zu einer Teilbesserung der
Symptomatik geführt. Die gesamte Situation sei trotz eines rechtsseitigen Schmerzes
im ISG mit Pseudoausstrahlung in den Oberschenkel deutlich besser als präoperativ.
Im Rahmen des schweren panvertebralen Schmerzsyndroms zeige sich ein guter
postoperativer Verlauf. Weitere Verlaufskontrollen waren bei Dr. I._ nicht mehr
vorgesehen.
3.6 Mit Bericht vom 14. April 2010 (IV-act. 101-34/39f.) wurde von den Psychiatrie-
Diensten Süd unter anderem eine rezidivierende depressive Störung, derzeit leichte
depressive Episode mit somatischem Syndrom, diagnostiziert. Das psychische
Zustandsbild sei seit dem letzten Bericht vom 17. März 2009 weitgehend unverändert
und stabil.
3.7 Aufgrund dieser zum Teil diskrepanten Beurteilungen bezüglich Arbeitsfähigkeit –
insbesondere der von Dr. J._ vertretenen Auffassung, dass auch in einer optimal
angepassten Tätigkeit keine verwertbare Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne –
wurde eine Verlaufsbegutachtung beim ABI Basel in die Wege geleitet. Mit ABI-
Gutachten vom 20. September 2010 wurde als Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit einzig ein chronisches lumbal betontes panvertebrales
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik mit/bei Diskusprotrusion C3/4 und
zentraler Diskushernie C6/7, klinisch und MR-tomographisch ohne Neurokompression,
ein Status nach transforaminaler lumbaler interkorporeller Fusion L4/5, MR-
tomographisch Narbenbildung epidural/foraminal L4/5 links mit Beeinträchtigung der
Nervenwurzel L5 links, derzeit ohne fassbares klinisches Korrelat und
Symptomausweitung und teilweise inadäquat wirkendem Schmerzverhalten,
festgestellt. Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung, die aktuell leichtgradige
Epicondylopathia humeri radialis rechts, die Medikamenten-Malcompliance, die
chronisch obstruktive Lungenkrankheit und anamnestisch Rhinitis allergica hätten
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Seit dem letzten ABI-Gutachten vom
29. Januar 2009 habe sich die Situation insofern geändert, dass sich die
Beschwerdeführerin Ende Juli 2009 einer Operation lumbal am Rücken unterzogen
habe, wodurch bei objektiv unauffälligem Verlauf aufgrund allgemeiner Erfahrung eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich adaptierte Tätigkeiten während
höchstens sechs Monaten bestanden habe. Dies werde auch durch einen Bericht aus
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der Neurochirurgie des KSSG bestätigt, wo am 2. Februar 2010 von einem klinisch und
bildgebend unauffälligem Verlauf gesprochen werde, so dass die axialen Schmerzen
deutlich im Hintergrund stünden. Entsprechend dürfe davon ausgegangen werden,
dass aus somatischer Sicht ab Februar 2010 wieder eine Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit zumutbar gewesen sei. Aus psychiatrischer Sicht seien retrospektive
Beurteilungen immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, da der Verlauf
naturgemäss schwankend sein könne. Aus den vorliegenden Unterlagen sei für die
Gutachter allerdings nicht erkennbar, dass in der Vergangenheit jemals über längere
Zeit ein wesentlich anderes psychisches Zustandsbild vorgelegen hätte, als es sich
aktuell präsentierte, so dass die Angaben auch für die Vergangenheit Gültigkeit haben
dürften, mit Sicherheit jedoch seit dem Datum der Begutachtung. Aus orthopädischer
Sicht bestehe für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in wechselnder
Position, wo eine Hebe- und Traglimite von 10kg nicht überschritten werde und keine
Zwangshaltungen von Hals- und Lendenwirbelsäule vorkämen, eine zeitlich und
leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer und
internistischer Sicht bestünden keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit.
3.8 Das Datum des Verfügungserlasses (10. Oktober 2011) bildet
rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis
(vgl. BGE 121 V 362 E. 1b mit Hinweisen; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009,
N. 61 zu Art. 61). Der Bericht vom 27. September 2012 und das Arztzeugnis vom
28. September 2012 des KSSG handeln vom stationären Aufenthalt aufgrund der
Operation am 24. September 2012 und auch im Arztbericht vom 15. Mai 2013 äussert
sich Dr. E._ vorwiegend zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands nach
Verfügungserlass. Dr. J._ hält im Bericht vom 3. Mai 2013 im Wesentlichen an seiner
Beurteilung vom 11. März 2010 fest, wobei die nach der zervikalen Operation vom
24. September 2012 geklagten anhaltend diffusen Schmerzen und Gefühlsstörungen
zervikobrachial beidseits im vorliegenden Verfahren ebenfalls nicht zu berücksichtigen
sind. Insofern lassen diese vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ins Recht
gelegten Arztberichte keine Rückschlüsse auf die Zeit vor Verfügungserlass zu und
haben daher für die hier zu entscheidenden Fragen unberücksichtigt zu bleiben.
3.9 Der oben beschriebene Verlauf bzw. die dargestellte Aktenlage zeigt – wie im
ABI-Gutachten vom 20. September 2010 angeführt – lediglich dahingehend eine
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wesentliche Änderung des Gesundheitszustands, als Ende Juli 2009 eine
Rückenoperation durchgeführt wurde. Gemäss ABI-Gutachten bestand für höchstens
sechs Monate eine Einschränkung in körperlich adaptierten Tätigkeiten. Danach habe
zeitlich und leistungsmässig eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit bestanden. Zu den anderen medizinischen Einschätzungen nahmen die ABI-
Gutachter insofern Stellung, als sie zum Bericht vom 14. April 2010 des KSSG auf rein
objektiver Ebene eine sehr gute Übereinstimmung sahen. Zur Arbeitsfähigkeit äusserte
sich Dr. I._ nicht konkret, weshalb diesbezüglich eine vergleichende Beurteilung
durch die ABI-Gutachter nicht möglich war. Zum Bericht vom 11. März 2010 von
Dr. J._ stellten die ABI-Gutachter fest, dass sich für die darin festgehaltene
chronische und komplexe neuromuskuloskelettale Problematik keine signifikanten
Hinweise auf eine entzündliche oder endokrin-metabolische muskuloskelettale Störung
ergäben. Auf diagnostischer Ebene bestehe betreffend Rücken und rechten Ellbogen
eine recht gute Übereinstimmung mit der Beurteilung des ABI, doch habe die
Beschwerdeführerin zum Begutachtungszeitpunkt nicht mehr explizit über eine
Ganzkörperschmerzproblematik berichtet, wie sie Dr. J._ offenbar noch habe
feststellen können und sich anlässlich früherer Begutachtungen im ABI habe finden
lassen. Allerdings fänden sich auch keine objektivierbaren Hinweise darauf, dass sich
die von der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden am Bewegungsapparat
auf eindeutige organische Befunde zurückführen liessen. So müsse als einzige
relevante strukturelle Alteration der Zustand nach einer Spondylodese L4/5 angesehen
werden, welche die zuvor bestehenden Schmerzen der Beschwerdeführerin nicht
beeinflusse, allerdings auch nicht zu einer Verschlechterung geführt habe. Diese
Schlussfolgerung erscheint einleuchtend, zumal eine leichte Verbesserung der
lumbalen Beschwerden postoperativ durch das KSSG festgehalten wird.
Erfahrungsgemäss neigen behandelnde Ärzte zudem dazu, die oft (allzu)
pessimistische Selbsteinschätzung ihrer Patienten zu übernehmen. Dies legt auch die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von Dr. J._ nahe. Die Beschwerdeführerin bemängelt
am Gutachten zwar, dass die ABI Basel mit der neuerlichen Begutachtung beauftragt
worden sei (act. G 1 S. 12f.). Gemäss Rechtsprechung schliesst jedoch die Tatsache,
dass ein Gutachter eine versicherte Person bereits früher begutachtet hat, eine spätere
erneute Verlaufskontrolle durch den gleichen Gutachter nicht aus. Im Gegenteil ist es
sinnvoll, den oder die bereits mit der versicherten Person befassten medizinischen
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Fachpersonen zur Entwicklung des Beschwerdebildes und der Arbeitsfähigkeit zu
befragen (BGE 132 V 93 E. 7.2.2). Daher und weil keine Umstände vorliegen, die den
Anschein einer Befangenheit oder die Gefahr einer Voreingenommenheit seitens der
Verlaufsgutachter begründen, bestehen keine Einwände gegen das Verlaufsgutachten.
Ein Verstoss gegen das Fairnessgebot des Art. 6 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) ist nicht ersichtlich. Auch mit
Blick auf die übrigen Anforderungen ist das ABI-Gutachten vom 20. September 2010
damit beweiskräftig.
4.
4.1 Gemäss Bericht vom 10. Februar 2011 (IV-act. 120-3/9ff.) des KSSG,
Departement Interdisziplinäre medizinische Dienste, Palliativzentrum, wurde – bei
hauptsächlich gleicher Diagnosestellung wie im ABI-Gutachten – festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin am ambulanten Schmerzbewältigungsprogramm teilnehmen
möchte, keine Veränderungen der Medikation vorgenommen worden seien und die
Betreuung im Psychiatrischen Zentrum G._ weitergeführt werden solle. Eine
Beeinflussbarkeit der Schmerzen scheine insgesamt fraglich. Momentan seien keine
weiteren Termine vereinbart, aber bei Veränderung der Situation/der Bedürfnisse
bestehe die Bereitschaft zu weiteren Konsultationen.
4.2 Ein MRT der HWS und der LWS vom 10. Februar 2011 (IV-act. 120-2/9) zeigte
gemäss Bericht der Neurochirurgie des KSSG an Dr. E._ vom 17. März 2011 unter
anderem eine kleine, breitbasige Diskushernie HWK6/7 linksseitig mit leichter
foraminaler Kompression der Nervenwurzel C7 links. Jedoch zeige die
Beschwerdeführerin keinerlei radikuläre Symptomatik für C7 links. Eine Indikation für
eine zervikale OP ergebe sich aus klinischen und radiologischen Kriterien nicht.
4.3 Eine MRI des rechten Handgelenks nativ vom 18. März 2011 (IV-act. 121-31/33)
führte gemäss Bericht des Spitals K._ vom 18. März 2011 an Dr. E._ eine
Tendovaginitis der Sehne des Musculus flexor carpi radialis
(Sehnenscheidenentzündung) zutage. Darüber hinaus fänden sich bildgebende
Hinweise auf ein Karpaltunnelsyndrom bei Auftreibung und Signalanhebung des Nervus
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medianus. Es wurde die klinische Korrelation empfohlen. Zudem bestehe ein kleines
Ganglion tief zum Karpaltunnel ventromedial des Os trapezium und trapezoidum.
4.4 Prof. Dr. med. L._, Facharzt FMH Neurologie, Extra- und intrakranielle Doppler-
Duplexsonographie, diagnostizierte mit Bericht vom 15. April 2011 (IV-act. 121-29/33f.)
ein beginnendes Carpaltunnelsyndrom rechts, ein panvertebrales Schmerzsyndrom
und eine Epicondylitis lateralis rechts. Neurographisch zeige sich in der rechten Hand
allenfalls ein beginnendes Carpaltunnelsyndrom mit diskreter Verzögerung der distal
motorischen Latenz, aber noch normalen sensiblen Nervenleitgeschwindigkeiten.
Anderweitige Kompressionsneuropathien liessen sich nicht darstellen. Die beklagten
Beschwerden seien seines Erachtens durch dieses beginnende Carpaltunnelsyndrom
aber nicht hinreichend geklärt, sondern dürften allenfalls mehr von einer Arthralgie
herrühren.
4.5 Dr. med. M._, FMH für Handchirurgie, war bei seiner Untersuchung der
Beschwerdeführerin am 3. Mai 2011 die Ursache der Kribbelparästhesien in beiden
Händen unklar (IV-act. 121-26/33f.). Eine FCR-Tendinitis rechts sei klinisch rückläufig.
Dr. M._ berichtete, er habe persönlich das Gefühl, dass eventuell psychosoziale
Faktoren eine Rolle spielen könnten.
4.6 Dr. E._ erhob in seinem Bericht vom 31. August 2011 die Befunde eines
chronischen Schmerzsyndroms, einer chronischen depressiven Störung, von
akzentuierten Persönlichkeitszügen mit abhängigen und unreifen Anteilen sowie einer
chronischen obstruktiven Pneumopathie mit asthmatischer Komponente (IV-
act. 121-3/33f.). Die konservativen Massnahmen seien weitgehend ausgeschöpft. Für
weitere chirurgische Interventionen sei aktuell keine Indikation gesehen worden.
Aufgrund der psychischen Beeinträchtigung sei von sämtlichen chirurgischen
Massnahmen aktuell abzusehen. Es bestehe bis aktuell und weiteres eine
Arbeitsunfähigkeit von 100%. Eine konstante Leistung, die notwendig für die
Aufrechterhaltung eines Arbeitsplatzes sei, sei für die Beschwerdeführerin weder
ganztägig unter reduzierter Leistung noch Teilzeit bei voller Leistung zumutbar.
4.7 Mit Stellungnahme vom 7. Oktober 2011 (IV-act. 122) nahm der RAD eine
subjektiv veränderte Bewertung des Gesundheitszustands an, eine IV-relevante
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Änderung des Gesundheitszustands sei jedoch nicht objektiviert und plausibel
dargestellt. Die bisherige Einschätzung der adaptierten Arbeitsfähigkeit von einer
Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu 100% könne beibehalten werden.
4.8 Die Beschwerdeführerin lässt die Kürze der Stellungnahme des RAD
beanstanden. Die RAD-ärztliche Stellungnahme vom 7. Oktober 2011 ist in der Tat
äusserst knapp. Indessen fehlen konkrete Anhaltspunkte für eine erhebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der letzten Verlaufsbegutachtung im
September 2010 bis Verfügungserlass am 10. Oktober 2011, wie die oben aufgeführten
Arztberichte (E. 4.1ff.) zeigen. Abgesehen von den Kribbelparästhesien in beiden
Händen, der Tendovaginitis und dem allenfalls beginnenden Carpaltunnelsyndrom der
rechten Hand werden keine neuen Diagnosen erhoben. Es geht aus den Berichten
auch keine objektivierbare Verschlechterung hervor. Was die Kribbelparästhesien
angeht, so äussert Dr. M._ den Verdacht, dass eventuell psychosoziale Faktoren eine
Rolle spielen könnten. Eine konkrete Ursache fand Dr. M._ nicht, zumal die
Beschwerdeführerin mehr linksseitige Beschwerden angegeben hatte, während sich
das Carpaltunnelsyndrom höchstens an der rechten Hand zeigte. Auch Prof. Dr. L._
diagnostizierte letztlich ein beginnendes Carpaltunnelsyndrom der rechten Hand.
Allerdings befanden sich die sensiblen Nervenleitgeschwindigkeiten noch immer im
normalen Bereich. Auch anderweitige Kompressionsneuropathien konnten nicht zur
Darstellung gebracht werden. Hinsichtlich der Tendovaginitis ist der Beurteilung durch
Dr. M._ zu entnehmen, dass sich die "FCR-Tendinitis" rechts klinisch rückläufig
zeige. Insgesamt ist somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht von einer IV-
relevanten Änderung des Gesundheitszustands auszugehen.
4.9 Auf die Erstellung eines neuen psychiatrischen und rheumatologischen
Gutachtens kann verzichtet werden, da aus weiteren Abklärungen keine für die
Beurteilung des vorliegend relevanten Sachverhalts aufschlussreichen neuen
Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 90, E. 4b;
136 I 229, E. 5.3).
4.10 Bei voller Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit gemäss ABI-Gutachten
resultiert jedenfalls kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40%.
5.
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5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 3. Januar
2012 bewilligt (act. G 6). Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann sie
jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
5.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist die
Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher
Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In der
vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, [AnwG; sGS 963.70]). Somit entschädigt der Staat
den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 2'800.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP