Decision ID: b55fb267-f823-4a1d-b803-1dcfd4013e2d
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Im Wertschriften- und Guthabenverzeichnis 2014 deklarierte A (nachfol-
gend der Pflichtige) 200 Namenaktien der D AG, E, mit einem Vermögenssteuerwert
von Fr. 500.- pro Aktie, nachdem er im Wertschriften- und Guthabenverzeichnis 2013
eine Beteiligung von 90 Aktien an der Gesellschaft deklariert hatte. Mit Beweisauflage
vom 23. September 2016 verlangte der Steuerkommissär (unter anderem) den Kauf-
vertrag hinsichtlich des Erwerbs der im Jahr 2014 erworbenen 110 Aktien der D AG.
Am 11. Oktober 2016 reichte der Pflichtige die Rechnung der Aktienverkäuferin D AG
über den Kaufpreis der Aktien im Betrag von Fr. 24'200.- (110 Aktien à Fr. 220.-), die
entsprechende Belastungsanzeige der F Bank sowie das Aktienzertifikat der D AG ein.
In der Veranlagungsverfügung vom 23. Februar 2017 betreffend direkte Bun-
dessteuer 2014 setzte der Steuerkommissär das steuerbare Einkommen 2014 auf
Fr. 140'400.- (satzbestimmend Fr. 146'900.-) fest. Am selben Tag erliess er den Ein-
schätzungsentscheid für die Staats- und Gemeindesteuern 2014 mit einem steuerba-
ren Einkommen 2014 von Fr. 139'500.- (satzbestimmend Fr. 146'000.-) und einem
steuerbaren Vermögen von Fr. 5'201'000.- (satzbestimmend Fr. 5'446'000.-). In beiden
Entscheiden ging der Steuerkommissär von einem massgeblichen Steuerwert einer
Aktie der D AG in Höhe von Fr. 390.- aus und unterwarf den Differenzbetrag von
Fr. 170.- zum Aktienerwerbspreis von Fr. 220.- der Einkommensbesteuerung. Bei 110
Aktien ergab sich ein Gesamtbetrag von Fr. 18'700.-. Den Steuerwert von Fr. 390.- pro
Aktie ermittelte der Steuerkommissär nach der Wegleitung der Schweizerischen Steu-
erkonferenz zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer
(Kreisschreiben Nr. 28 vom 28. August 2008; nachfolgend Wegleitung), auf der Grund-
lage der Verhältnisse per 31.12.2013 und unter Berücksichtigung der Dividende. Den
Vermögenssteuerwert beliess der Steuerkommissär bei den deklarierten Fr. 500.- pro
Aktie, obwohl die Dienstabteilung Wertschriften des kantonalen Steueramtes einen
leicht höheren Vermögenssteuerwert von Fr. 520.- per 31.12.2014 errechnet hatte.
B. Am 20. März 2017 erhob der Pflichtige Einsprache gegen diese Entscheide
und beantragte (unter anderem), es sei auf die Aufrechnung der Fr. 18'700.- zu ver-
zichten. Im Veranlagungs- und Einschätzungsvorschlag vom 6. April 2017 hielt das
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kantonale Steueramt an der Aufrechnung der Fr. 18'700.- fest, worauf der Pflichtige am
2. Mai 2017 Einwendungen dagegen erhob.
Mit Einspracheentscheiden vom 17. Juli 2017 hiess das kantonale Steueramt
die Einsprache betreffend direkte Bundessteuer 2014 und Staats- und Gemeindesteu-
ern 2014 teilweise gut und setzte das steuerbare Einkommen bei der direkten Bundes-
steuer auf Fr. 140'300.- (satzbestimmend Fr. 144'900.-) und bei den Staats- und Ge-
meindesteuern auf Fr. 139'400.- (satzbestimmend Fr. 144'000.-) herab. Das steuerbare
Vermögen liess es gegenüber dem angefochtenen Einschätzungsentscheid unverän-
dert bei Fr. 5'201'000.-. Hingegen reduzierte es das satzbestimmende Vermögen auf
Fr. 5'372'000.- (Staats- und Gemeindesteuern 2014). In beiden Entscheiden bestätigte
das kantonale Steueramt die Aufrechnung der Fr. 18'700.- beim Einkommen. Zudem
hielt es am Vermögenssteuerwert der 200 Aktien der Dl AG per 31.12.2014 von total
Fr. 100'000.- fest (Staats- und Gemeindesteuern 2014).
C. Am 16. August 2017 erhoben RA B und RA C, namens des Pflichtigen Be-
schwerde und Rekurs gegen diese Einspracheentscheide und beantragten, es sei auf
die Aufrechnung der Fr. 18'700.- zu verzichten. Zudem seien das steuerbare und satz-
bestimmende Vermögen je um Fr. 46'800.- herabzusetzen.
Zur Begründung machten sie geltend, der Pflichtige sei seit dem Jahr 2002
Mitglied und seit Mitte des Jahres 2014 Präsident des Verwaltungsrates der D AG. Er
sei sonst aber kein Arbeitnehmer der D AG. Diese Gesellschaft bezwecke den Einkauf
und Vertrieb von Dienstleistungen, Systemen und Geräten aller Art im Bereich der G
und der H im Sinne einer Einkaufsgesellschaft für die an ihr beteiligten Aktionäre. Als
eigenständige Handelsgesellschaft kaufe sie sowohl bei Drittlieferanten als auch bei
der I Einkaufsgenossenschaft ein und verkaufe dann ihrerseits an Fachhändler, Gross-
verteiler und an öffentliche Betriebe. Aktionäre seien daher hauptsächlich Grossvertei-
ler und Fachhändler in den Bereichen J und K.
Im Jahr 2014 seien zwei neue Aktionäre zum bereits sehr breiten Aktionärs-
kreis hinzugestossen: Am ... 2014 habe die L GmbH 30 Aktien zum Preis von Fr. 250.-
je Aktie erworben. Bei der L GmbH handle es sich um eine von den bisherigen Aktionä-
ren unabhängige Drittperson. Am ... 2014 habe M 200 Aktien zum Preis von Fr. 220.-
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erworben. M sei im Jahr 2014 Minderheitsaktionär der N AG gewesen, welche ihrer-
seits Anteilsscheine der I Einkaufsgenossenschaft gehalten habe. Indessen hätten im
Jahr 2014 noch weitere Aktienverkäufe an einige der bisherigen Aktionäre zu Preisen
zwischen Fr. 220.- und Fr. 230.- je Aktie stattgefunden (vgl. Aufstellung der Aktienver-
käufe 2014). Zu berücksichtigen sei dabei, dass sämtliche dieser Aktionäre im Zeit-
punkt des Erwerbs zu je weniger als 5% am Aktienkapital beteiligt gewesen seien. Das
Aktienkapital der D AG habe im Jahr 2014 Fr. 250'000.- betragen, eingeteilt in 2'500
Aktien zu nominal je Fr. 100.- (vgl. zu den Beteiligungsverhältnissen: Aktienbücher
2012, 2014 und 2015).
Grösste Minderheitsaktionärin sei bis ins Jahr 2014 die I Einkaufsgenossen-
schaft, E, gewesen, welche ihren Aktienbestand im Jahr 2014 reduziert habe, um die
für die eigene Geschäftstätigkeit notwendige Liquidität beschaffen zu können. Sämtli-
che Aktien, welche im Jahr 2014 von der D AG an die alten und neuen Aktionäre ver-
kauft worden seien, seien zuvor im Besitz der I Einkaufsgenossenschaft gewesen, wel-
che diese zum späteren Endverkaufspreis an die D AG veräussert habe.
Von den bisherigen Aktionären, welche im Jahr 2014 zusätzliche Aktien der
D AG erworben hätten, seien im Jahr 2014 lediglich drei davon direkt oder indirekt Ge-
nossenschafter der I Einkaufsgenossenschaft gewesen: Die N AG, bei der der Pflichti-
ge als Verwaltungsrat fungiere, die O AG sowie die P AG (vgl. das Protokoll der
... Generalversammlung der Genossenschaft vom ... 2014).
Einzig der Pflichtige habe als Verwaltungsratspräsident einen gewissen Ein-
fluss auf die D AG nehmen können. Allerdings sei zu beachten, dass er mit einem An-
teil von 3.6% einen sehr kleinen Anteil gehalten habe, welcher seinen Einfluss stark
beschränkt habe. Zwar sei er auch Mitglied der dreiköpfigen Verwaltung der I Ein-
kaufsgenossenschaft und sei die N AG, für welche er als Verwaltungsrat fungiert habe,
auch Genossenschafterin. Die N AG verfüge jedoch über einen Minderheitsanteil von
einem Anteilsschein in Höhe von nominal Fr. 2'000.-.
Aus diesen Gründen erscheine der vom Pflichtigen bezahlte Aktienkaufpreis in
der Höhe von Fr. 220.- angemessen, weshalb sich eine Aufrechnung im Einkommen
erübrige. Der Wert von Fr. 220.- sei sodann auch bei der Vermögenssteuer zur An-
wendung zu bringen.
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In der Beschwerde- und Rekursantwort vom 6. November 2017 beantragte
das kantonale Steueramt die Abweisung der Rechtsmittel und gleichzeitig eine Erhö-
hung der Steuerfaktoren. Im Jahr 2014 hätten 10 Aktienverkäufe durch die D AG statt-
gefunden. Diese 10 Verkäufe hätten 810 Aktien betroffen, welche die D AG zuvor von
der I Einkaufsgenossenschaft erworben habe. Die 810 Aktien würden einen Anteil von
32,4% des Aktienkapitals der D AG ausmachen. Beim Rückkauf der Aktien von der
Genossenschaft, beim Verkauf der 110 Aktien an den Pflichtigen sowie beim Verkauf
der Aktien an 8 (recte: 7) weitere Aktionäre liege keine Handänderung unter unabhän-
gigen Dritten vor. Der Aktienerwerber M, Arbeitnehmer, Verwaltungsrat und Aktionär
der N AG, habe (im Jahr 2014) 40 der 200 Aktien der N AG vom Pflichtigen übernom-
men. Die N AG sei ihrerseits Genossenschafterin der I Einkaufsgenossenschaft. Ins-
gesamt könne auch der Verkauf der Aktien der D AG an M nicht als massgeblich be-
trachtet werden. Somit verbleibe einzig der Verkauf der 30 Aktien an die L GmbH mit
einem Anteil von 1,2% am gesamten Aktienkapital. Aus diesen Gründen sei zur Ermitt-
lung des steuerlichen Verkehrswerts auf die Wegleitung abzustellen. Da der streitbe-
troffene Erwerb am ... 2014 stattgefunden habe, sei nicht nur der Formelwert per
31.12.2013 (Fr. 400.- pro Aktie), sondern auch der Formelwert per 31.12.2014
(Fr. 520.- pro Aktie) zu berücksichtigen. Insgesamt erscheine ein Formelwert von
Fr. 450.- pro Aktie angemessen. Wohlgemerkt habe der Formelwert per 31.12.2015
bereits Fr. 920.- pro Aktie betragen.
In der Replikschrift vom 18. Dezember 2017 machten die Vertreter des Pflich-
tigen im Wesentlichen geltend, die Aktionäre, welche im Jahr 2014 weitere Aktien an
der D AG erworben hätten, würden alle über einen Minderheitsanteil von unter 5% ver-
fügen. Zudem seien sie nicht durch einen Aktionärsbindungsvertrag zusammenge-
schlossen und hätten die Aktien zu verschiedenen Zeitpunkten, also nicht
"orchestriert" oder zusammen erworben. Bei den bezahlten Preisen von Fr. 220.- bis
Fr. 250.- handle es sich daher um echte Drittpreise.
In der Duplikschrift vom 5. Februar 2018 hielt das kantonale Steueramt an
seiner Argumentation fest.
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Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. a) Gemäss Art. 16 Abs. 1 und 3 des Bundesgesetzes über die direkte Bun-
dessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) bzw. § 16 Abs. 1 und 3 des Steuergesetzes
vom 8. Juni 1997 (StG) unterliegen der Einkommenssteuer alle wiederkehrenden und
einmaligen Einkünfte mit Ausnahme der Kapitalgewinne aus der Veräusserung von
Privatvermögen. Steuerbar sind nach Art. 17 Abs. 1 DBG bzw. § 17 Abs. 1 StG insbe-
sondere alle Einkünfte aus privatrechtlichen oder öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhält-
nissen mit Einschluss der Nebeneinkünfte wie Entschädigungen für Sonderleistungen,
Provisionen, Zulagen, Dienstalters- und Jubiläumsgeschenke, Gratifikationen, Trink-
gelder, Tantiemen und andere geldwerte Vorteile.
Die Verwaltungsratstätigkeit gilt im Steuerrecht grundsätzlich als unselbstän-
dige Erwerbstätigkeit (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG,
3. A., 2016, Art. 17 N 18 DBG, Art. 17a N 1 DBG, und Kommentar zum Zürcher Steu-
ergesetz, 3. A., 2013, § 17 N 18 StG).
Zu den geldwerten Vorteilen aus einem unselbständigen Arbeitsverhältnis
zählt auch die unterpreisliche Zuteilung von Mitarbeiterbeteiligungen an einen Arbeit-
nehmer (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 17 N 57 DBG und § 17 N 56 StG;
Art. 17a-d DBG; §§ 17a-d StG; vgl. auch Kreisschreiben Nr. 37 der eidgenössischen
Steuerverwaltung [ESTV] vom 22. Juli 2013, Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligun-
gen). Dabei unterliegt die Differenz zwischen dem Verkehrswert der Mitarbeiterbeteili-
gung und einem allfälligen Erwerbspreis der Besteuerung (Art. 17b Abs. 1 DBG, § 17b
Abs. 1 StG).
Vorliegend ist somit zu prüfen, ob der Preis von Fr. 220.-, welchen der Pflich-
tige im Jahr 2014 für eine Aktie der D AG bezahlte, dem damaligen Verkehrswert die-
ser Aktie entsprach.
b) Der Verkehrswert eines Vermögensobjekts entspricht dem Preis, der für
dieses Objekt im gewöhnlichen Geschäftsverkehr am fraglichen Bewertungsstichtag
mutmasslich zu erzielen gewesen wäre (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 39 N 7 StG).
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Der Verkehrswert nichtkotierter Wertpapiere ist gemäss Ziff. B.I.2. der Wei-
sung der Finanzdirektion über die Bewertung von Wertpapieren und Guthaben für die
Vermögenssteuer vom 1. November 2016 (ZStB Nr. 39.1, nachfolgend Weisung)
nach dem Kreisschreiben Nr. 28 der Schweizerischen Steuerkonferenz vom 28. Au-
gust 2008 bzw. nach der entsprechenden Wegleitung zu ermitteln.
Die Wegleitung enthält verschiedene Vorschriften, wie der Vermögenssteuer-
wert von Wertpapieren ohne Kurswert ermittelt wird: Bei nicht kotierten Papieren, für
die keine Kursnotierungen bekannt sind, entspricht der Verkehrswert dem inneren
Wert, welcher sich nach den Bewertungsregeln der Wegleitung richtet (Wegleitung,
Ziff. 2 Abs. 4). Hat für nichtkotierte Titel ohne Kursnotierung eine massgebliche Han-
dänderung unter unabhängigen Dritten stattgefunden, dann gilt als Verkehrswert der
entsprechende Kaufpreis. Dieser Wert wird solange berücksichtigt, als sich die wirt-
schaftliche Lage der Gesellschaft nicht wesentlich verändert hat. Gleiches gilt für Prei-
se, welche von Investoren anlässlich von Finanzierungsrunden bzw. Kapitalerhöhun-
gen bezahlt wurden (Wegleitung, Ziff. 2 Abs. 5).
Die Bestimmungen der Wegleitung gelten grundsätzlich für die Bewertung von
Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer. Für die Erhebung von anderen
Steuern ist die anzuwendende Bewertungsmethode Sache der veranlagenden Behör-
de (Kommentar 2017 zur Wegleitung, S. 2). Insbesondere ist die Wegleitung auch
dann anwendbar, wenn der Preis zu ermitteln ist, den ein unabhängiger Dritter und
damit keine nahestehende Person für die betreffenden Wertpapiere bezahlt hätte (BGr,
22. Mai 2003, 2A.590/2002, E. 2.2 mit Hinweisen).
Entgegen der Rechtsauffassung des kantonalen Steueramts kann indessen
bei der Frage des Verkehrswerts von Wertpapieren ohne Kurswert nicht ausschliess-
lich auf die Wegleitung abgestellt werden. Denn der mittels der Wegleitung ermittelte
Wert stellt einen blossen Formelwert dar.
Die Steuerbehörden dürfen aus Gründen der Praktikabilität schematische Re-
gelungen aufstellen und aufgrund von Durchschnittserfahrungen oder Wahrscheinlich-
keitsmassstäben vereinfachen, sofern die dadurch bewirkte Erleichterung in der
Rechtsanwendung nicht die durch die Rechtsgleichheit gebotenen Differenzierungen
allzu sehr strapaziert (Peter Locher, Praktikabilität im Steuerrecht [unter besonderer
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Berücksichtigung des materiellen Rechts der direkten Steuern], in: Beiträge zur Metho-
dik und zum System des schweizerischen Steuerrechts, 2014, S. 233 f.). Nicht zuletzt
bei der Vermögenssteuer, wo die Belastung ohnehin nicht sehr stark ins Gewicht fällt,
drängt sich eine schematisierte Lösung auf, welche den Bedürfnissen einer effizienten
Verwaltung gerecht wird (Locher, S. 249).
Muss der Verkehrswert von Wertpapieren wie vorliegend im Zusammenhang
mit der Frage des Erwerbseinkommens aus unselbständiger Erwerbstätigkeit bestimmt
werden, erscheint ein vereinfachender Formelwert zwar als hilfreich, aber nicht als aus-
reichend. Denn der Formelwert ist nur eines von mehreren möglichen Beweismitteln,
welche vom Gericht gewürdigt werden müssen (vgl. BGr, 27. Oktober 1995 = ASA 66,
484, E. 4). Insbesondere kann der Verkehrswert von Wertpapieren ohne Kurswert auf
der Basis von Vergleichshandänderungen bestimmt werden (Vergleichswertmethode,
statistische Methode, vgl. die analoge Schätzungsmethode bei Grundstücken: Richner/
Frei/Kaufmann/Meuter, § 220 N 137 ff. StG).
c) Vor dem Steuerrekursgericht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdi-
gung. Dieser besagt, dass allein die Überzeugung der entscheidenden Instanz mass-
gebend dafür ist, ob eine bestimmte Tatsache aufgrund des bestehenden Beweismate-
rials als eingetreten zu betrachten ist oder nicht. Unter dem Vorbehalt von Ausnahmen
(widerlegbare Vermutungen, Fiktionen etc.) ist das Gericht insbesondere nicht an be-
stimmte, starre Beweisregeln gebunden (Kaspar Plüss, in: Kommentar zum Verwal-
tungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. A., 2014, § 7 N 136 ff.). Das Gericht
muss aufgrund der aktenkundigen Erkenntnisse und seiner frei gebildeten Überzeu-
gung darüber befinden, ob ein Beweismittel eine Tatsache als verwirklicht darzutun
vermag.
Somit ist das Steuerrekursgericht bei der Beweiswürdigung insbesondere
nicht an Beweisregeln gebunden, welche die Wegleitung enthält (zum Beispiel Begriff
der massgeblichen Handänderung bei einem Transaktionsvolumen von 10% p.a.
[Kommentar 2017 zur Wegleitung, S. 4]; Begriff der Handänderungen zwischen unab-
hängigen Dritten [Kommentar 2017 zur Wegleitung, S. 5 mit Hinweisen]).
d) Der Begriff der nahestehenden Person ist weder im Steuergesetz des Kan-
tons Zürich noch im Steuerharmonisierungsgesetz umschrieben. Gemäss der bundes-
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gerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich dann um eine nahestehende Person,
wenn diese von der juristischen Person Leistungen erhält, welche nach dem gewöhnli-
chen Lauf der Dinge nur einem Gesellschafter erbracht werden und die daher ihren
Rechtsgrund im Beteiligungsverhältnis und nicht in einem Vertragsverhältnis haben.
Bei einer nahestehenden Person muss es sich nicht um den beherrschenden Anteils-
inhaber der Gesellschaft handeln. In Betracht kommen auch Familienangehörige,
Freunde, Geschäftspartner etc. des Anteilsinhabers (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Art. 58 N 89 DBG und § 64 N 178 StG; Reto Heuberger, Die verdeckte Gewinnaus-
schüttung aus Sicht des Aktienrechts und des Gewinnsteuerrechts, 2001, S. 211 ff.;
Michael Buchser, Steueraspekte geldwerter Leistungen, unter Einbezug der Fifty-Fifty-
Praxis, 2004, S. 185 ff.).
Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung können Handänderungen
unter nahestehenden Personen nicht einfach als unbeachtlich bezeichnet werden.
Vielmehr müssen auch diese Handänderungen beweismässig gewürdigt werden.
e) Vorliegend erfolgten im Jahr 2014 neben der streitbetroffenen Handände-
rung die folgenden zehn Handänderungen an Namenaktien der D AG mit einem Volu-
men von total 760 Aktien:
Nummer Erwerber Anzahl Aktien Preis/Aktie
1 P AG 30 230
2 M 200 230
3 L 30 250
4 Q 40 220
5 R GmbH 190 220
6 O AG 110 220
7 S 50 220
8 T 20 220
9 U 30 220
10 A 60 225
Total
760 (ca.) 225
Mit Ausnahme der letzten Handänderung (Verkauf von 60 Aktien von V an
den Pflichtigen zum Preis von Fr. 225.- pro Aktie) wurden alle Aktien durch die D AG
verkauft, welche diese Aktien, nach Darstellung des Pflichtigen, zuvor von der I Ein-
kaufsgenossenschaft erworben hatte. Diese 760 Aktien wurden für ein Total von
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Fr. 170'700.– verkauft, was einen Durchschnittspreis von ca. Fr. 224.60 pro veräusser-
ter Aktie ergibt. Der arithmetische Durchschnitt der zehn Handänderungen beträgt
Fr. 225.50 pro Aktie.
Entgegen der Ansicht des kantonalen Steueramtes kann den zehn Handände-
rungen mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von ca. Fr. 225.- pro Aktie die Ver-
gleichstauglichkeit nicht abgesprochen werden.
Wie der Vertreter des Pflichtigen in der Rekursschrift zu Recht geltend mach-
te, betrugen die Anteile der 8 bisherigen Aktienerwerber je unter 5% am gesamten Ak-
tienkapital. Insgesamt betrug ihr Anteil am gesamten Aktienkapital 19,6%, woraus ein
durchschnittlicher Anteil von 2,45% resultiert. Es kann daher nicht von beherrschenden
Anteilen der bisherigen Aktionäre gesprochen werden.
Zudem ist auch die Handänderung zwischen V und dem Pflichtigen (vgl. oben
Ziff. 10) vergleichstauglich, da der Vertragsabschluss noch zeitnah im Jahr 2014 erfolg-
te.
Sämtliche Aktionäre sind in derselben Branche tätig und dürften sich deshalb
wohl auch persönlich kennen. Aus allfälligen Geschäftspartnerschaften, persönlichen
Freundschaften oder auch wirtschaftlichen Konkurrenzverhältnissen kann jedoch nicht
abgeleitet werden, dass die Handänderungen nicht unter Marktbedingungen zustande
gekommen wären. Selbst wenn es sich bei den Aktionären und den Organen der D AG
um nahestehende Personen gehandelt haben sollte, so kann daraus nicht abgeleitet
werden, dass Handänderungen zwischen diesen Personen generell nicht vergleichs-
tauglich wären. Selbstverständlich müssen die besonderen Beziehungen bei naheste-
henden Personen im Rahmen der freien Beweiswürdigung beachtet werden. Insge-
samt kann aber dennoch angenommen werden, dass auch nahestehende Personen in
der Regel ihre Rechtsgeschäfte nach Marktbedingungen gestalten.
Es bestehen auch keine Anhaltspunkte, wonach die Aktienerwerber ihr Ver-
halten koordiniert hätten und gemeinsam gegenüber der Aktienverkäuferin D AG auf-
getreten wären. Daher ist davon auszugehen, dass die Aktienerwerber unabhängig
voneinander handelten.
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Die Tatsache, dass die D AG bei 9 der 10 Vergleichshandänderungen als
Verkäuferin auftrat, mindert die Vergleichstauglichkeit zwar ein Stück weit, hebt sie
indes jedoch nicht auf. Offenbar war es die Geschäftspolitik der D AG, die Aktien zu
einem eher bescheidenen Preis abzugeben. Diese Politik verfolgte die Gesellschaft
offenbar gegenüber allen Aktienerwerbern und nicht nur gegenüber nahestehenden
Personen. Im Jahr 2014 wurden ca. 30% des gesamten Aktienkapitels der D AG in den
erwähnten Vergleichshandänderungen veräussert, womit sie sich auch gemäss S. 4
des Kommentars 2017 zur Wegleitung (mind. 10% Transaktionsvolumen p.a.) als mas-
sgeblich erweisen. Dass der Pflichtige dabei als Verwaltungsratspräsident seine Ein-
flussmöglichkeiten missbraucht hätte, ist nicht ersichtlich.
Nach Art. 5 der Statuten vom ... 2014 durfte der Verwaltungsrat der D AG die
Übertragung der Namenaktien unter bestimmten Bedingungen verweigern. Diese Vin-
kulierung der Aktien dürfte der D AG eine faktisch starke Stellung bei der Preisbildung
verschaffen. Auch dies bedeutet jedoch nicht, dass den Handänderungen deswegen
die Vergleichstauglichkeit abgesprochen werden könnte.
Bei Anwendung der Vergleichswertmethode und auf der Grundlage der
10 Vergleichshandänderungen ergibt sich ein Verkehrswert einer Aktie der D AG in
Höhe von ca. Fr. 225.-.
Mit Beschluss der Generalversammlung der D AG vom ... 2016 wurde das
nominelle Aktienkapital von Fr. 250'000.- um Fr. 150'000.- (1'500 Aktien mit einem
Nennwert von Fr. 100.- je Aktie) auf Fr. 400'000.- erhöht. Der Ausgabebetrag wurde
dabei auf Fr. 250.- je Aktie festgelegt. Auch dieser Betrag bewegt sich im Rahmen
dessen, was aufgrund der Vergleichshandänderungen erwartet werden kann.
f) Der Formelwert nach Massgabe der Wegleitung erscheint vorliegend aus
den folgenden Gründen als nicht belastbar:
Der Formelwert basiert auf vereinfachenden Berechnungen von Bilanz- und
Erfolgskennzahlen und ist daher in erster Linie für die Vermögenssteuer geeignet. Für
eine exakte Berechnung des Verkehrswerts einer Aktie ist der Formelwert in der Regel
zu ungenau (vgl. aber immerhin E. 1b auf S. 8 zum Aspekt der Praktikabilität).
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Aufgrund der Vinkulierung müsste der Formelwert angepasst werden
(Leuch/Kästli/Langenegger, Praxis-Kommentar zum Berner Steuergesetz, Band 1,
2. A., 2014, Art. 49 N 16). Diese Anpassung würde jedoch wiederum auf einer groben
Schätzung basieren.
Die Aktien der D AG dienen nicht in erster Linie der Vermögensanlage. Das
primäre Interesse der Aktionäre besteht darin, von günstigen Einkaufskonditionen profi-
tieren zu können. Die Preisbildung erfolgt daher nicht in erster Linie nach Massgabe
der Erfolgskennzahlen der D AG.
g) Insgesamt ist festzuhalten, dass vorliegend allein die Vergleichshandände-
rungen belastbare Daten zur Ermittlung des Verkehrswerts der Aktien liefern kann.
Somit ist die Vergleichswertmethode dem Formelwert klarerweise vorzuziehen.
Geht man von einem angemessenen Verkehrswert von Fr. 225.- pro Aktie aus
(durchschnittlicher Verkaufspreis bzw. arithmetischer Durchschnitt der zehn Ver-
gleichshandänderungen im Jahr 2014), so beträgt die Abweichung zu den Fr. 220.-,
welche der Pflichtige pro Aktie bezahlte, 2,22%. Damit liegt kein offensichtliches Miss-
verhältnis vor, welches zu einer steuerlichen Korrektur berechtigen würde (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 58 N 102 DBG und § 64 N 191 StG).
Aus diesen Gründen ist auf die Aufrechnung der Fr. 18'700.- bei der Einkom-
menssteuer (direkte Bundessteuer und Staats- und Gemeindesteuern) zu verzichten.
2. a) Das steuerbare Vermögen bemisst sich nach dem Stand am Ende der
Steuerperiode (§ 51 Abs. 1 StG). Es wird zum Verkehrswert bewertet (§ 39 Abs. 1
StG).
Wie oben dargelegt (E. 1b), ist der Verkehrswert nichtkotierter Wertpapiere
gemäss Ziff. B.I.2. der Weisung der Finanzdirektion vom 1. November 2016 nach der
Wegleitung der Schweizerischen Steuerkonferenz zu ermitteln.
Vom Formelwert nach der Wegleitung kann abgewichen werden, falls eine
bessere Erkenntnis dies gebietet (Kommentar 2017 zur Wegleitung, S.2 mit Hinweis).
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Vorliegend steht aufgrund der Vergleichswertmethode fest, dass der Verkehrswert
2014 einer Aktie der D AG ca. Fr. 225.- betrug. Dieser Wert ist daher auch bei der
Vermögenssteuer zur Anwendung zu bringen. Die Frage, ob der Pflichtige auch dann
einen Anspruch auf einen vom Formelwert abweichenden Vermögenssteuerwert hätte,
wenn der Verkehrswert nicht bei der Einkommenssteuer hätte ermittelt werden müs-
sen, kann offenbleiben.
b) Die Parteien sind sich darin einig, dass die 60 D-Aktien, welche der Pflichti-
ge im Dezember 2015 zum Preis von Fr. 13'500.- von V erwarb, erst im Jahr 2015 der
Vermögenssteuer unterliegen, da der Verwaltungsrat der D AG dem Geschäft erst im
Jahr 2015 zustimmte. Indessen ist die Vorauszahlung von Fr. 13'500.- der Vermögens-
steuer zu unterwerfen.
3. a) Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die Beschwerde vollständig
und der Rekurs teilweise gutzuheissen sind. Die Steuerfaktoren sind wie folgt neu zu
berechnen:
Direkte Bundessteuer 2014 Schweiz W total
Einkommen aus unselbst. Haupterwerb 84'516 0 84'516
Einkommen aus unselbst. Nebenerwerb 7'138 0 7'138
Wertschriftenertrag netto 21'980 0 21'980
Ertrag aus unverteilter Erbschaft 184 0 184
Bonus I Genossenschaft 32'385 0 32'385
Aufrechnung Aktienerwerb 0 0 0
Liegenschaftenertrag netto -5'657 4720 -937
Berufsauslagen -7'664 0 -7664
Beiträge 3. Säule a -6'739 0 -6739
Einkommensanteile 126'143 4'720 130'863
Quote 96.39% 3.61% 100.00%
Versicherungsprämien, Zinsen -1'639 -61 -1'700
Gemeinnützige Zuwendungen -2'844 -106 -2'950
Einkommen 121'661 4'552 126'213
Abgerundet 121'600
126'200
Staats- und Gemeindesteuern 2014 Kanton Zürich W total
Einkommen aus unselbst. Haupterwerb 84'516 0 84'516
Einkommen aus unselbst. Nebenerwerb 7'138 0 7'138
Wertschriftenertrag netto 21'980 0 21'980
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1 DB.2017.149 1 ST.2017.187
Ertrag aus unverteilter Erbschaft 184 0 184
Bonus I Genossenschaft 32'385 0 32'385
Aufrechnung Aktienerwerb 0 0 0
Liegenschaftenertrag netto -5'657 4720 -937
Berufsauslagen -7'664 0 -7664
Beiträge 3. Säule a -6'739 0 -6739
Einkommensanteile 126'143 4'720 130'863
Quote 96.39% 3.61% 100.00%
Versicherungsprämien, Zinsen -2'506 -94 -2'600
Gemeinnützige Zuwendungen -2'844 -106 -2'950
Einkommen 120'793 4'520 125'313
Abgerundet 120'700
125'300
Steuerbares Vermögen 2014 Kanton Zürich W total
Liegenschaften 950'600 171'000 1'121'600
Umrechnungsfaktor 90% 100% Repartitionswert 855'540 171'000 1'026'540
Bewegliches Vermögen bisher 4'251'096 0 4'251'096
200 Aktien D AG à 500 -100'000 0 -100'000
200 Aktien D AG à 225 45'000 0 45'000
60 Aktien DAG, Vorauszahlung 13'500 0 13'500
Total der Aktiven 5'065'136 171'000 5'236'136
Quote der Aktiven 96.73% 3.27% 100.00%
Repartitionsdifferenz ZH 95'060 Vermögen 5'160'196 171'000 5'331'196
Abgerundet 5'160'000
5'331'000
b) Ausgangsgemäss sind die Kosten des Verfahrens dem fast vollständig un-
terliegenden kantonalen Steueramt aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151
Abs. 1 StG).
c) Das kantonale Steueramt ist zu verpflichten, dem Pflichtigen eine ange-
messene Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1
des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 bzw.
§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959,
VRG).
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1 DB.2017.149 1 ST.2017.187