Decision ID: 81c689c5-b522-5f62-9a7a-8c206c67ffb8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1989 geborene
X._
war ab dem 1. Januar 2017 bei der
Y._
GmbH als Geschäftsführer tätig (Urk. 7/117), ehe ihm die Arbeitgeberin am 27. Oktober 2019 per 30. November 2019 kündigte (Urk. 7/114). Der Versicherte war bis zur Löschung am 6. November 2019 (SHAB-Meldung) als einzel
zeich
nungsberechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer der
Y._
GmbH im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen (abrufbar unter: www.zefix.ch, Urk. 7/120 f.). Am 27. November 2019 meldete sich der Versicherte beim Regio
nalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsver
mitt
lung an (Urk. 7/124) und beantragte die Ausrichtung von Arbeitslosen
ent
schädigung ab dem 1. Dezember 2019 (Urk. 7/110). Die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (ALK) richtete dem Versicherten ab dem 1. Dezember 2019 Tag
gelder gestützt auf einen versicherten Verdienst von Fr. 2'982.-- aus (Urk. 7/74 f.).
Am 7. Februar 2020 ersuchte der Versicherte um Anpassung des versicherten Verdienstes auf Fr. 8'333.-- mit der Begründung, dieser sei nicht korrekt ermittelt worden (Urk. 7/67 ff.). Mit Verfügung vom 12. Februar 2020 hielt die ALK an der Höhe des versicherten Verdienstes fest (Urk. 7/64 f.). Die dagegen vom Ver
si
cher
ten am 1
8.
Februar 2020 erhobene Einsprache (Urk. 7/42 ff.) wies sie mit Ent
scheid vom 22. Juni 2020 ab (Urk. 2 [= Urk. 7/2 ff.]).
Der Versicherte wurde am 24. Februar 2020 per 29. Februar 2020 von der Arbeits
vermittlung abgemeldet (Urk. 7/41).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 20. Juli 2020 Beschwerde und beantragte, der versicherte Verdienst sei ab dem 1. Dezember 2019 auf Fr. 8'333.-- festzusetzen; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen
(Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
1.
September 2020 schloss die Be
schwer
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), worüber der Beschwerde
führer mit Verfügung vom 3. September 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Versicherte hat gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obliga
to
rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) Anspruch
auf Arbeitslosenentschädigung, wenn er, ganz oder teilweise arbeitslos ist (lit. a), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (lit. b), in der Schweiz wohnt (lit.
c), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreicht noch eine Altersrente der AHV bezieht (lit. d), die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (lit. e), vermittlungsfähig ist (lit. f) und die Kontrollvorschriften erfüllt (lit. g).
1.2
Die Höhe der Arbeitslosenentschädigung richtet sich grundsätzlich nach dem ver
sicherten Verdienst.
Nach Art. 23 Abs. 1 AVIG gilt als versicherter Verdienst der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemes
sungszeitraums aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde. Art. 37 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi
cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) regelt den Bemessungszeitraum. Nach Abs. 1 bemisst sich der versicherte Verdienst nach dem Durchschnittslohn der letzten sechs Beitragsmonate (nach Art. 11 AVIV
ermittelt
) vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug. Nach Abs. 2 bemisst er sich dann nach dem Durch
schnittslohn der letzten zwölf Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug, wenn dieser Durchschnittslohn höher ist als derjenige nach Absatz 1.
Der Bemessungszeitraum beginnt nach Abs. 3, unabhängig vom Zeitpunkt der Anmeldung zum Taggeldbezug, am Tag vor dem Eintritt eines anrechenbaren Verdienstausfalls. Voraussetzung ist, dass vor diesem Tag mindestens zwölf Bei
tragsmonate innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit liegen.
1.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist bei der Ermittlung des versicherten Ver
dienstes grundsätzlich von den tatsächlichen Lohnbezügen auszugehen. Von die
ser Regelung im Einzelfall abzuweichen, rechtfertigt sich nur dort, wo ein Miss
brauch im Sinne der Vereinbarung fiktiver Löhne, welche in Wirklichkeit nicht zur Auszahlung gelangt sind, praktisch ausgeschlossen werden kann (BGE 128 V 189 E.
3a
/
aa
, siehe auch BGE 131 V 444 E. 3.2.3; ARV 2014 Nr. 6 S. 144 E. 3.4.1.2, 2012 Nr. 11 S. 290 E. 3.1).
AL150570
1.4
1.4.1
Der AVIG-Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirtschaft (
Seco
) ist zu entneh
men, dass bezüglich Bestimmung des versicherten Verdienstes in der Regel der arbeitsvertraglich festgelegte Lohn
massgebend
ist, soweit dieser auch tatsächlich realisiert worden ist. Dem Nachweis des tatsächlich realisierten Lohnes kommt nicht nur für die Bestimmung der Beitragszeit, sondern auch für die Festsetzung der Höhe des versicherten Verdienstes eine entscheidende Bedeutung zu. Ohne genaue Angaben über den Lohnfluss ist es aber nicht möglich, die Höhe des ver
sicherten Verdienstes zu bestimmen. Der Nachweis hat nach Rz
B144
ff. der AVIG-Praxis ALE zu erfolgen (
AVIG
-Praxis ALE, Rz
C2
, vgl. unten E. 1.5).
1.4.2
Zum massgebenden Lohn gehören unter anderem insbesondere der Grundlohn (Monats-, Stunden- oder Akkordlohn), der 13. Monatslohn und die Gratifikation, sofern sie ausgerichtet worden sind oder die versicherte Person ihre glaubhaft gemachte Forderung gerichtlich durchzusetzen versucht, sowie Provisionen und
Bonuszahlungen. Der erzielte Verdienst wird in jenen Beitragsmonaten angerech
n
et, in welchen die Arbeitsleistung erbracht worden ist (Entstehungsprinzip). Unerheblich ist somit, zu welchem Zeitpunkt die Zahlungen ausgerichtet werden (beispielsweise 13. Monatslohn, Provisionen, Bonuszahlungen, Dienstaltersge
schenke, Treueprämien;
AVIG
-Praxis ALE, Rz
C2
).
1.5
Für Personen, die vor der Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung keine arbeitgeberähnliche Stellung innehatten, gelingt der Nachweis des Lohnbe
zuges und damit der beitragspflichten Beschäftigung in der Regel mittels Arbeit
geberbescheinigung und Lohnabrechnungen.
Hat die Arbeitslosenkasse begründete Zweifel, ob der Arbeitgeber das Arbeitsver
hältnis mit der versicherten Person korrekt bescheinigt oder ob ein solches über
haupt bestanden hat, muss sie weitergehende Abklärungen treffen. Begründete Zweifel können sich beispielsweise bei Anstellungsverhältnissen unter Verwand
ten ergeben (
AVIG
-Praxis ALE, Rz
B145
). Bei einer versicherten Person, die vor der Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung eine arbeitgeber
ähn
liche Stellung innehatte, für ihre Ehegatten oder Partner in eingetragener Partner
schaft, muss die Arbeitslosenkasse hinsichtlich des Lohnflusses weitergehende Abklärungen treffen (
AVIG
-Praxis ALE, Rz
B146
).
Lassen sich in Fällen, die weitergehende Abklärungen bedingen, Bank- oder Post
belege beibringen, ist damit der Lohnfluss und die Ausübungen einer beitrags
pflichtigen Beschäftigung in der Regel nachgewiesen (
AVIG
-Praxis ALE, Rz
B147
).
1.6
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entschei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstel
len. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
VV170190
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Einsp
r
acheentscheid (Urk. 2) damit, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. Januar 2017 als Geschäftsführer für die
Y._
GmbH tätig gewesen sei. Seine Tätigkeit für die Gesellschaft habe er per 20. November 2019 beendet. Der Bemessungszeitraum für die Berechnung des versicherten Verdienstes erstrecke sich vom 1. Juni 2019 bis 30. November 2019
beziehungsweise vom 1. Dezember 2018 bis 30. November 201
9.
Eine Miss
brauchs
gefahr könne
bei der Doppelrolle als Gesellschafter und Arbeitgeber einer
seits und Arbeitnehmer andererseits
nicht ausgeschlossen werden. Die Lohnaus
zahlungen seien offensichtlich bewusst vom unternehmerischen Erfolg der Arbeitgeberin abhängig gemacht worden. Die Arbeitslosenentschädigung dürfe nicht zur Absicherung des unternehmerischen Risikos verwendet werden, weshalb zur Ermittlung des versicherten Verdienstes auf die tatsächlichen Lohnbezüge abzustellen sei. Auf das Privatkonto des Beschwerdeführers seien im massge
benden Zeitraum Fr. 30'896.70 geflossen, mithin sei von einem Bruttolohn von Fr. 35'785.80 auszugehen. Der versicherte Verdienst betrage
damit
pro Monat Fr. 2'982.-- (Urk. 2 S. 3-5).
Mit Beschwerdeantwort vom 1. September 2020 ergänzte die Beschwerde
geg
nerin, es sei nicht ersichtlich, was der Beschwerdeführer mit Berufung auf das Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich (AL.2018.00129) zu seinen Gunsten ableiten
woll
e. Der Beschwerdeführer habe lediglich eine Zah
lungs
übersicht für den Zeitraum Dezember
2018
bis Februar 2019 zu den Akten gereicht. Von einer «gewissenhaften Buchung auf das Kontokorrent» könne nicht gesprochen werden. Ein buchhalterisch korrekt geführtes Kontokorrent würde deutlich aufzeigen, dass dem Beschwerdeführer hohe Verbindlichkeiten für die Zeit vor Dezember 2018 zustehen würden. Sodann sei nicht auszuschliessen, dass mittels ausgewiesener Zahlungen andere Verbindlichkeiten als Lohn vergütet
worden seien. Ein buchhalterisch korrekt geführtes Kontokorrent in der Buch
haltung der Arbeitgeberin habe der Beschwerdeführer versäumt nachzuweisen. Die erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses erfolgte Zahlung über Fr. 57'248.10 vom 1
7.
Februar
2020, welche erst auf die Verfügung vom 1
2.
Febru
ar 2020
hin
erfolgt sei, vermöge daran nichts zu ändern. Dem Vor
brin
gen des Beschwerdeführers, es liege keine Missbrauchskonstellation vor, könne bei dieser Aktenlage nicht gefolgt werden (Urk. 6).
2.2
Der Besch
werdeführer stellt
sich demgegenüber im Wesentlichen auf den Stand
punkt, gemäss Arbeitsvertrag vom 17. Dezember 2016 sei ein jährlicher Brutto
lohn von Fr. 100'000.-- vereinbart worden, folglich habe er einen Brutto
monats
lohn von gerundet Fr. 8'333.-- erzielt. Während des für die Festlegung des ver
sicherten Verdienstes massgebenden Zeitraums seien sämtliche Sozialversiche
rungsbeiträge auf dem monatlichen Bruttolohn von Fr. 8'333.-- abgerechnet worden. Die Beschwerdegegnerin habe dennoch fälschlicherweise seinen ver
sicherten Verdienst auf Fr. 2'982.-- pro Monat festgesetzt. Zwar sei es korrekt, dass sein Monatslohn nicht regelmässig in gleichen Teilen ausbezahlt worden sei, mit Valuta vom 1
7.
Februar 2020 seien jedoch die ausstehenden Lohnforde
run
gen im Betrag von Fr. 57'248.10 auf sein Konto überwiesen worden (Urk. 1 S. 3 und S. 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Höhe des versicherten Verdienstes des Beschwer
deführers.
3.
3.1
Es ist unbestritten und aufgrund der Akten belegt, dass der Beschwerdeführer
einzelzeichnungsberechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer der
Y._
Gm
bH war (Urk. 6/222-224 und Urk. 6/145). Mit der Löschung aus dem Handels
register am 6. November 2019 endete seine arbeitgeberähnliche Stellung (vgl.
Urk.
7/120 f.).
Wie die Beschwerdegegnerin zu R
echt erwog, war der Beschwerdeführer in Bezug auf die hier geltend gemachte Arbeitnehmertätigkeit als Geschäftsführer und Gesellschafter der
Y._
GmbH mit Einzelzeichnungsberechtigung faktisch sein eigener Arbeitgeber. Als Geschäftsführer war er an der Geschäftsentwicklung massgeblich beteiligt und führte die Geschicke der Gesellschaft (Urk. 2 S. 3). In Anbetracht der dieser Konstellation innewohnenden Gefahr, mittels fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer rechtsmissbräuch
lich Arbeitslosenentschädigung zu erwirken, ist der Frage des tatsächlichen Lohn
flusses entscheidende Bedeutung beizumessen und diese besonders sorgfältig zu prüfen (E. 1.5).
3.2
Die in diesem Zusammenhang von der Beschwerdegegnerin tabellarisch aufge
führten Lohnauszahlungen im Betrag vo
n Fr. 30'896.70 (Urk. 2 S. 5) we
rden vom Beschwerdeführer nicht bestritten (vgl.
Urk.
1 S. 10 f.) und sind durch die Akten belegt (Urk. 7/87 f.). Der Beschwerdeführer macht
aber
geltend, dass
höher
e Lohnzahlungen – vorliegend relevant sind die Löhne von Dezember 2018 bis November 2019 (Art. 23 AVIG, E. 1.2) – tat
sächlich zur Auszahlung gelangt
und
dass darauf Sozialve
rsicherungsbeiträge
verabgabt
wo
rden
seien
(Urk. 1 S. 10;
vgl. auch Auszug aus dem individuellen Konto [Urk. 7/81] sowie die Abrech
nungs
unterlagen
der SVA Zürich [Urk. 7/50 ff.
; vgl. auch Pensionskassenausweis, Urk. 7/59 f. und 7/91 f.).
Praxisgemäss und unbestrittenermassen (vgl. Urk. 1 S. 5) ist bei der Ermittlung des versicherten Verdienstes der im Bemessungszeitraum tatsächlich erzielte Lohn massgebend, eine davon abweichende Lohnabrede zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat grundsätzlich unbeachtlich zu bleiben. Der versicherte Ver
dienst nach Art. 23 AVIG bildet damit ein Korrektiv bei allfälligen miss
bräuch
lichen Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Von dieser Regelung im Einzelfall abzuweichen rechtfertigt sich nur dort, wo ein Missbrauch im Sinne der Verein
barung fiktiver Löhne, welche in Wirklichkeit nicht zur Aus
zahlung gelangt sind, praktisch ausgeschlossen werden kann (Urteil des Bundes
gerichts 8C_743/2008 vom 9. Februar 2009 E. 3 mit Hinweisen). Der Nachweis eines konkret erfolgten Missbrauches bedarf es dabei nicht, um nicht ausbezahlte Löhne beim versicher
ten Verdienst unberücksichtigt zu lassen. Massgebend ist, ob eine Missbrauchs
gefahr praktisch ausgeschlossen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_743/2008 vom 9. Februar 2009 E. 5.2).
3.3
Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei die mit Valuta vom 1
7.
Februar 2020 überwiesene ausstehende Lohnforderung an den versicherten Verdienst anzu
rech
nen (Urk. 1 S. 3).
Teile sein
es Lohnes
seien
in gegenseitigem Einverständnis
vorübergehend auf ein Kontokorrent verbucht und nachträglich ausbezahlt worden
(Urk. 1 S. 9).
Zu den Akten wurde
n
jedoch weder
aussagekräftige Belege aus der
Buchhaltung der früheren Arbeitgeberin noch
ein
vollständige
r A
uszu
g aus dem
Kontokorrent des Bes
chwerdeführers
gereicht. Soweit der Beschwerdeführer mit der Tabelle «Aufstellung Bezahlung Lohn» (Urk. 7/62) etwas zu seinen Gunsten ableiten
möchte, kann dem nicht gefolgt werden. So ist weder bekannt, wer die Zusam
menstellung angefertigt hat, noch wann sie genau erstellt wurde. Des Weiteren umfasst die Zusammenstellung einzig den Zeitraum Dezember 2018 bis Novem
ber 2019, obwohl der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2017 für die frühere Arbeit
geberin tätig war.
Angesichts dessen, dass die effektiven Lohnzahlungen von Januar bis Oktober 2018 den als vereinbart und ausbezahlt behaupteten Monatslohn von monatlich netto Fr. 7'345.40 (vgl. Urk. 7/98-109) bei Weitem unterschritten (Urk. 7/79-80) und der Beschwerdeführer in der Steuererklärung 2018 per 31. Dezember 2018 ein Darlehen an die
Y._
GmbH in Höhe von Fr. 111'703.-- auswies (Urk.
7/33; vgl. auch Urk. 7/88, wonach der Beschwerdeführer der
Y._
GmbH am 14. November 2018 eine Zahlung in Höhe von Fr. 10'000.-- unter dem Titel «Darlehen
X._
» zukommen liess), ist die von ihm eingereichte Liste offenkundig unvollständig und mithin wenig verlässlich. Ein Lohnfluss in der behaupteten Höhe lässt sich damit jedenfalls nicht belegen. Soweit sich der Beschwerdeführer zur Untermauerung seines Standpunktes auf
das Urteil des hiesigen Gerichts im Verfahren AL.2018.00129 (Urk. 1 S. 8 f.)
beruft,
vermag er
ebenfalls
nicht durchzudringen. So wurde im genannten Urteil berücksichtigt, dass vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses das gesamte Guthaben
, welches hauptsächlich aus noch nicht ausgerichteten Gratifikationen bestand,
auf dem Kontokorrentkonto des Arbeitnehmers auf sein Privatkonto ausbezahlt wurde, mithin vor
Anspruchstellung
bei der Arbeitslosenversicherung. Damit wurde ein allfällig missbräuchliches Verhalten seitens des Arbeitsnehmers und dessen Arbeitgeberin im Beschwerdeverfahren verneint (vgl. E. 3.2.3 im obgenannten Verfahren). Im vorliegenden Fall erfolgte die Auszahlung des gemäss Tabelle des Beschwerdeführers im Zeitraum von Dezember 2018 bis November 2019
als aus
stehend behaupteten
Lohnes von Fr. 57'248.10 (Urk. 7/62) am 17. Februar 2020 (Urk. 3/15), mithin nach
Beendigung des fraglichen Arbeitsverhältnisses sowie nach
Erlass der Verfügung vom 12. Februar 2020 und demnach nach Kenntnis
nahme des Beschwerdeführers, dass der versicherte Verdienst ab Dezember 2019 auf Fr. 2'982.-- festgelegt werde (vgl. Urk. 7/44 f.).
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass mit Arbeitsvertrag vom 17. Dezember 2016 die Auszahlung des vereinbarten Jahreslohnes von Fr. 100'000.-- in 13 Raten in Aussicht gestellt worden war (Urk.
7/118), was einem monatlichen Bruttolohn von Fr. 7'692.-- - und nicht wie nun vom Beschwerdeführer vorgebracht Fr. 8'333.-- - entspräche. In Anbetracht all dieser Gegebenheiten
kann ein missbräuchliches Verhalten des Beschwerde
führers oder der ehemaligen Arbeitgeberin nicht ausgeschlossen werden. Über
einstimmend mit der Beschwerdegegnerin ist darauf hinzuweisen, dass rechtspre
chungsgemäss regelmässig auf die spontane «Aussage der ersten Stunde» abge
stellt wird, da
diese in der Regel unbefangener und zuverlässiger ist als spätere Darstellungen, welche bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a). Bis zum Erlass der Verfügung vom 1
2.
Februar 2020 wurde
auf das Privat
konto des Beschwerdeführers lediglich der Betrag von Fr. 30’896.70 einbezahlt. Die Bestätigung der früheren Arbeitgeberin (Urk. 3/16)
ändert an dieser Tatsache ebenso wenig, wie die vom Beschwerdeführer gegenüber der AHV oder der Steuerverwaltung gemachten Angaben
.
Das
vom Beschwerdeführer gewählte
Vorgehen
im Sinne einer Liquiditätshilfe gegenüber der
Y._
GmbH (Urk. 7/68)
wurde
mithin
zur Erhaltung der Ge
sellschaft gewählt, was aus unternehmerischer und buchhalterischer Sicht nach
vollziehbar ist. Aus arbeitslosenversicherungsrechtlichem Blickwinkel führt dies
jedoch zu einem Überwälzen des vom betriebsleitenden Organ zu tragenden Unter
nehmensrisikos auf die Arbeitslosenversicherung. Die Arbeitslosenversiche
rung müsste für eine tatsächlich nie bezogene Lohnsumme im Rahmen des ver
sicherten Verdienstes einstehen. Rechtsprechungsgemäss ist dies unzulässig, wes
halb in solchen Fällen von einem Lohnverzicht auszugehen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_13/2014 vom 20. März 2014 E. 3.4.1.1). Aufgrund des
Dargelegten
ist
weder
auf den ver
traglich vereinbarten Lohn abzustellen
, noch die erst nachträg
lich ge
tätigte Zah
lung anzurech
nen
. Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte die Aus
zahlung vom 17. Februar 2020 in Höhe von Fr. 57’248.10 beim versicherten Verd
ienst des Be
schwerdeführers zu R
echt nicht.
3.4
Somit
ist
für die Ermittlung des versicherten Verdienstes
auf die
massgebenden Bezüge von Dezember 2018 bis November 2019
abzustelle
n. Die Beschwerde
gegnerin berücksichtig
t
e bei der Festsetzung des Bruttolohnes
sämtliche Zahlungen der Arbeit
geberin. Wie s
ie in der Beschwerdeantwort zu R
echt vorbrachte, kann nicht ausgesc
hlossen werden, dass mittels der
ausgewiesenen Zahlungen andere Verbindlichkeiten als Lohn vergütet worden sind (Urk. 6 S.
2
f.; vgl. auch Urk. 7/87 f.
,
wonach am 1
2.
Juli 2019 Fr. 5'979.25 als Teilrückzahlung eines Darlehens, am
8.
Januar 2019 ein Ausgleich Denkplatz über Fr. 89.45 sowie am
11. Dezember 2018 eine Vorauszahlung für
Jimdo
Service im Betrag von Fr. 228.--
erfolgte
n
). Grundsätzlich sind nur tatsächliche Lohnzahlungen bei der Berechnung des versicherten Verdienstes zu berücksichtigen, zu Gunsten des Beschwerdeführers ist bei den Zahlungseingängen
dennoch
von insgesamt Fr. 30'896.70
an Lohnzahlungen auszugehen.
M
ithin ist der
von der Beschwerde
gegnerin festgesetzte
versicherte Verdienst
von Fr. 2'982.-- nicht zu beanstand
en.
Die Beschwerde ist abzuweisen.