Decision ID: 600d9c8e-dff0-582c-ac79-be7b5eb2d314
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973, war seit dem 1. Februar 2017 bei der
Y._
GmbH als Zimmermeister angestellt und in dieser Eigen
schaft bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Unfallversicherung) gegen Be
rufs- und Nichtberufsunfälle versichert. Am 14. Februar 2018
spürte
er
ein Knacken
im Brustbereich
,
nachdem
beim Kampfsporttraining
(
Brazilian
Jiu Jitsu
[
BJJ
]
)
infolge eines Hebelgriffs
eine Krafteinwirkung
vom Fuss seines Trainings
partners
auf
seinen
Thorax
stattgefunden hatte
(Urk. 7/K1, Urk. 8/M1
, Urk. 7/K12
).
Die
gleichentags aufgesuchten
Ärzte des Spitals
Z._
diagnostizierten eine
Thoraxkontusion
rechts ventral sowie ein
en
Verdacht auf eine Fraktur der 7. Rippe ventral (Urk. 8/M1). Die Unfallversicherung erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Urk. 7/K4).
Nachdem die Unfallversicherung eine Stel
lungnahme ihres beratenden Arztes, Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie de
s Bewegungsapparates, eingeholt
hatte (Urk. 8/M3), teilte sie dem Versicherten m
it
Schreiben
vom 17. Mai 2018
mit, dass sie nicht leistungspflichtig sei (Urk. 7/K9)
.
Mit E-Mail vom 23. Mai 2018 erklärte sich der Versicherte damit
nicht einverstanden
(Urk. 7/K12)
.
Nach er
neuter Vorlage an ih
ren beratenden Arzt (Urk. 8/M6)
verneinte die Unfallver
sicherung eine Leistungspflicht m
it Verfügung vom 2. Oktober 2018 (Urk. 7/K14). Die dagegen erhoben
e Einsprache (Urk. 7/K16) wies s
ie mit Einspracheentscheid vom 17. April 2019 ab (Urk. 2 = Urk. 7/K18).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 17. April 2019
erhob der Versicherte am 14. Mai 2019 Beschwerde und beantragte im Wesentlichen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Unfallversicherung sei zum gesetzlichen und vertraglichen Ersatz sämtlicher Unfallschäden zu verpflichten (Urk. 1).
Mit Be
schwerdeantwort vom 29. Mai 2019 schloss die Unfallversicherung auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 6), was dem
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 14.
Juni 2019 angezeigt wurde. Gleichzeitig wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 9). Mit Replik vom 19. Juli 2019 hielt der
Beschwerdeführer
an seinen Anträgen fest (Urk. 11)
. Die
Beschwerdegegnerin
reichte innert angesetzter Frist (Urk. 12) keine Duplik ein, worüber der
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 27. September 2019 informiert wurde (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
bro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Das hier zu beurteilende Ereignis
hat sich am
14. Februar 2018
ereignet, weshalb die
ab dem 1. Januar 2017 gültigen Normen
auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (lit. a), Verrenkungen von Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen
(lit. e), Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit.
h). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.3
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper
, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.4
1.4.1
Nach der Rechtsprechung bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des
im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umweltein
wirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.4.2
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein unge
wöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.4.3
Ohne besonderes Vorkommnis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hinweis).
Dies bestätigt ein Blick auf verschiedene
von der Rechtsprechun
g beurteilte Sportverletzungen:
Bei einer Lehrerin, die in einer Turnstunde eine Rolle vorw
ärts ausführte und in der Folge
behandlungs
be
dürf
tige
Beschwerden im Nackenbereich verspürte, wurde das Vorliegen eines Unfalls im Rechtssinne verneint (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG]
U
98/01 vom 28. Juni 2002 E. 1).
Ebenfalls keinen Unfall im Rechtssinne erleidet, wer ohne besondere Vorkommnisse einen Rückwärtspurzelbaum ausführ
t
und
dabei eine Traumatisierung der HWS erleidet (Urteil des
EVG
U
322/02 vom
7
. Oktober 2003 E. 4.2, 4.4 und 5.4) oder wem eine Rückwärtsrolle im J
iu-Jitsu-Training misslingt und wer
dabei nicht über die Schulter, sondern über das Genick rollt (Urteil des Bundesgerichts 8C_189/201
0 vom 9. Juli 2010 E. 4 und 5). Am Mer
kmal der Ungewöhnlichkeit fehlt
es auch, wenn eine Person beim Jiu-Jitsu Training unter seinen Trainingspartner gerät, und
sein Kopf
beim Versuch,
den Trainingspartner
nach oben zu drücken,
unter grossem Druck stark nach vorne abknickt,
wodurch
eine Stauchung und Quetschung der HWS eintritt
(
Urteil des
EVG
U 385/01 vom 10. Januar 2003 E. 2)
.
Dagegen wurde der
Unfallbegriff bejaht bei einem
nicht näher beschriebenen
Sturz beim
Kampfsport
training
mit
Verletzung der linken Schulter (Urteil des Bundesgerichts 8C_826/2008 vom
2. April 2009 E. 5.1) und einem Bandencheck im Eishockey (BGE 130 V 117 E. 3
).
Generell erg
ibt sich aus der
Rechtsprechung zu Sportverletzungen, dass der äussere Faktor ungewöhnlich ist, wenn die sportliche Übung anders verläuft als
geplant, nicht aber, wenn ein Geschehen in die gewöhnliche Bandbreite der Be
wegungsmuster der betreffenden Sportart fällt und sich das einer sportlichen Übung inhärente Risiko einer Verletzung verwirklicht. Auch wenn die Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art der Ausführung sich aber noch in der Spann
weite des Üblichen bewegt, liegt kein Unfall
ereignis vor (Urteil
des Bundes
ge
richts 8C_835/2013 vom 28. Januar 2014 E. 5.1 sowie
Urteil des EVG U
322
/02 vom 7. Oktober 2003 E. 4.4; Alexandra
Rumo-Jungo
/André P
. Holzer, Bundes
gesetz über die Unfallversicherung [UVG],
4. Auflage, Zürich 2012,
S.
43 mit Hinweisen).
Zu beachten ist auch, dass sich ein Vorfall für gewisse Personen als ungewohnt, für andere aber als durchaus normal erweisen kann, so dass es nicht gerecht wäre, für alle Versicherten die gleichen Kriterien anzuwenden. So handelt es sich beispielsweise bei einem Sturz für einen Spaziergänger um ein ausser
gewöhnliches Ereignis, nicht aber für einen Schwinger während des Zweikampfes (RKUV 1992 Nr. U 156 S. 259).
1.
5
1.5
.1
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen UVV per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermutung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer über
nom
men werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
1.5
.2
Massgebend zur Beurteilung, ob eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG vorliegt, ist die ärztliche Diagnose. Lässt sich das klinische Bild mit mehreren Diagnosen umschreiben, so kann eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur dann bestehen, wenn die Listenverletzung den Hauptbe
fund darstellt (Ad-Hoc-Kommission Schaden UVG, Empfehlungen zur Anwen
dung von UVG und UVV vom 10. Juli 1986, Revision per 24. März 2017, S. 2,
m.H.a
. Urteil des EVG vom 20. August 1997 E. 2b sowie BGE 116 V 152 E. 4d).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
erwog in ihrem Entscheid, es würden keine Anhalts
punkte für einen ungewöhnlichen äusseren Faktor vorliegen, weshalb von der
Ver
wirklichung eines dem Sport inhärenten Risikos auszugehen sei. Rechtspre
chungsgemäss liege damit kein Unfall vor. Da ausweislich der medizinischen Unterlagen überwiegend wahrscheinlich auch keine Rippenfraktur und keine andere Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG vorliege, bestehe insgesamt keine Leistungspflicht (Urk. 2).
2.2
Dem hielt der
Beschwerdeführer
entgegen, die im Zuge eines gewöhnlichen Basistrainings erlittene erhebliche V
erletzung stelle keineswegs ein
dem Sport
BJJ
inhärentes Risiko dar, womit das Kriterium der Ungewöhnlichkeit eines äusseren Faktors zu bejahen sei. Daneben sei die Fraktur eines Knorpels – sofern sie denn nicht ohnehin als Knochenbruch im engeren Sinne zu verstehen sein sollte – zumindest im Sinne
einer
teleologischen Auslegung von Art. 6 Abs. 2 UVG er
fasst. Die strenge Wortauslegung der betreffenden Bestimmung durch die
Be
schwerdegegnerin
konterkariere geradezu den Gesetzeszweck (Urk. 1).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort wies die
Beschwerdegegnerin
daraufhin, dass die Übung auch den Ausführungen des
Beschwerdeführer
s
nach regelkonform und unter fachlicher Aufsicht ausgeführt worden sei. Der
Beschwerdeführer
selbst bezeichne lediglich die Verletzungsfolge als ungewöhnlich, was rechtsprechung
s
gemäss jedoch unerheblich sei
(Urk. 6).
2.4
In seiner Replik hielt der
Beschwerdeführer
ergänzend fest, eine regelkonforme Ausführung der Übung schliesse keineswegs aus, dass sich ein ungewöhnlicher, äusserer Faktor ereignet habe. Vielmehr spreche die Regelkonformität des Hebel
griffs sogar dafür, dass ganz offensichtlich ein weiterer, äusserer und ungewöhn
licher Faktor hinzugetreten sein müsse, sodass sich ein ungewöhnliches – gerade nicht inhären
tes – Risiko verwirklicht habe
(Urk. 11).
2.5
Streitig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin
zu
R
echt einen Unfall im Rechtssinne sowie eine unfallähnliche Körperschädigung verneint und gestützt darauf eine Leistungspflicht für das Ereignis vom 14. Februar 2018 abgelehnt hat.
3.
3.1
Am 14. Februar 2018 erfolgte die medizinische Erstbehandlung des
Beschwerde
führer
s im Spital
Z._
.
Die Ärzte diagnostizierten eine
Thoraxkontusion
rechts ventral sowie einen Verdacht auf eine Fraktur der 7. Rippe ventral.
Es be
ständen
eine Fehlstellung der 7. Rippe rechts ventral sowie auf Höhe der 7. Rippe ventral im Verlauf der
Med
i
oclavicular
-Lin
i
e
provozierbare
Druckdolenzen
. Ge
stützt auf Röntgenaufnahmen des Thorax anterior,
posterior
sowie lateral
sei
en
ein Pneumothorax
sowie
ein
Hämatothorax
zu verneinen
und eine Fraktur der 7. Rippe fraglich
(Urk. 8/M1)
.
3.2
Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medi
zin, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 15. März 2018 einen Verdacht auf eine Fraktur der 7. Rippe ventral. Die Schmerzen hätten sich deutlich gebessert, schwere körperliche Arbeit sei aber noch nicht möglich (Urk. 8/M2).
3.3
In seiner Stellungnahme vom
7. Mai 2018 wies der beratende Arzt der
Be
schwerdegegnerin
, Dr.
A._
, daraufhin, dass eine Fraktur der 7. Rippe rechts nach Kenntnis des knöchernen Thorax mit Zoom nicht mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen werden könne. Somit bleibe es bei der Verdachtsdiagnose des Spitals
Z._
vom 14. Februar 201
8.
Es sei keine Fraktur erkennbar und
es
liege keine Listenverletzung vor (Urk. 8/M3).
3.4
Med. pract.
C._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, diag
nostizierte in seinem Bericht vom 13. Juni 2018 eine Rippenknorpelfraktur 8/9 rechts.
Der Heilungsverlauf habe sich komplikationsreich gestaltet, da
die Fraktur
bis zum 19. April 2018 nicht diagnostiziert worden sei. Der
Beschwerdeführer
habe subjektiv unter Instabilitäten und Schmerzen im Rippenknorpelbereich frontal rechts gelitten. Objektiv habe sich eine dislozierte, verschobene Fraktur mit deutlicher Stufenbildung ohne nachweisbare Läsionen umliegender Organ
systeme gezeigt. Die Fraktur werde wohl eher nicht heilen, da eine Knorpelfraktur ohne operative Versorgung schlecht heile. Bei Nichtversorgung der Fraktur sei davon auszugehen, dass eine mögliche Instabilität bestehen bleibe (Urk. 8/M4).
3.5
Auf Nachfrage der
Beschwerdegegnerin
(Urk. 7/K13)
antwortete med. pract.
C._
am 30. Juli 2018, eine Rippenfraktur sei von ihm nie diagnostiziert worden. Die durchgeführten Röntgenaufnahmen würden dementsprechend auch keine Rippenfraktur zeigen. Gestützt auf konventionelle Röntgenaufnahmen lasse sich eine Rippenknorpelfraktur nicht sicher diagnostizieren. Die Diagnose sei anhand des Palpationsbefundes eindeutig durch Stufenbildung gestellt worden. Nach intensiver Diskussion mit dem
Beschwerdeführer
und Rücksprache mit den Kollegen vom Kantonsspital Chur sei auf weitere Bildgebung verzichtet worden. Es existiere daher weder ein MRI noch ein CT (Urk. 8/M5).
3.6
In seiner Stellungnahme vom 28. September 2018
führte
Dr.
A._
aus,
der Ver
dacht auf eine Fraktur der 7. Rippe vermöge eine Listendiagnose nicht zu be
gründen
(Urk. 8/M6).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist zunächst, ob es
sich beim Schaden
ereignis vom
1
4.
Februar 2018
um einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG handelt. Die
Beschwerdegegnerin stellte dies insbesondere mit der Begründung in Abrede, es fehle an einem
ungewöhnlichen äusseren Faktor (
E. 2.1
).
4.2
Zum Ereigni
shergang wird in der Unfallmeldung vom 19. Februar 2018 lediglich «Unfall beim Sport» aufgeführt und auf
einen
Spitalbericht verwiesen (Urk. 7/K1). Dem
Bericht
des Spitals
Z._
vom 14. Februar 2018 lässt sich entnehmen, dass der
Beschwerdeführer
beim Kampfsporttraining infolge eines Hebelgriffes eine massive Krafteinwirkung auf den Thorax erlitten ha
be
. Er habe
ein Knacken
gespürt und seither Schmerzen bei der Inspiration (Urk. 8/M1). Auf telefonische Nachfrage der
Beschwerdegegnerin
erklärte der
Beschwerdeführer
, er habe im
«
Schneidersitz gesessen, kein Schlag, kein Sturz, nichts
»
. Auf einmal habe er Schmerzen im
Thoraxbereich
gespürt (Urk. 7/K3).
K
onkretisierend
führte
er
aus, der Gegner habe den Fuss auf seinem Brustkorb gehabt und es sei Druck darauf ausgeübt worden. Er sei aufrecht gesessen und habe
versucht
,
aus dem Hebel heraus zu kommen. Man sitze dann im Schneidersitz, weil er die gleiche Technik beim Gegner angesetzt habe. Als er losgelassen und versucht habe heraus zu kommen, habe seine Rippe auf einmal mit einem Einknicken nachgegeben, dort wo der Gegner seine Ferse gehabt habe. Sie seien beide erschrocken, weil nicht getreten oder geschlagen, sondern nur mit dem Fuss gedrückt worden sei (Urk. 7/K12).
I
m
Besch
werdeverfahren ergänzte der
Beschwerdeführer
,
er habe
bei einem BJJ-
Training im Rahmen einer Partnerübung, namentlich eines Hebel
griffes, ein plötzliches Knacken im Brustkorb gespürt. Bei der Übung handle es sich um eine regelkonform ausgeführte Standardübung, welche weltweit einheit
lich praktiziert und bereits im Kindesalter unterrichtet werde.
Die gewünschte und zu erwartende Hebelwirkung wirke sich auf den Trainingspartner aus.
Die Übung sei unter der fachlichen Aufsicht eines ausgebildeten Trainers von mehreren Kur
steil
nehmern durchgeführt worden. Es habe sich dabei weder um einen Tritt noch um einen Schlag gehandelt
(Urk. 1, Urk. 11).
4.3
Wie einleitend ausgeführt
, setzt der Unfallbegriff gemäss Art. 4 ATSG unter anderem die Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper voraus. Bei einer Sportverletzung ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalles zu verneinen
, sofern kein
besonderes Vorkommnis
eingetreten ist
(E. 1.
4.
3).
Den Schilderungen des
Beschwerdeführer
s lassen sich keine
Hinweise darauf entnehmen, dass sich während der Ausführung der Übung etwas
Programm
wid
riges ereignet hä
tte. Insbesondere liegen keine Schilderungen vor, welche
auf eine
Beeinflussung des natürlichen Bewegungsablaufs durch einen in der Aussenwelt begründeten Umstand
oder eine unkoordinierte
Bewegung
schliessen liessen
.
Viel
mehr führte der
Beschwerdeführer
aus, die Übung sei regelkonform ausge
führt worden.
Die Übung ist
demnach
so verlaufen, wie dies geplant war, die Hebelkraft wirkte sich wie gewünscht und erwartet vom Trainingspartner auf den
Beschwerdeführer
aus (E. 4.2; vgl. E. 1.4.3). Darüber hinaus wurde die Übung unter der fachlichen Aufsicht eines ausgebildeten Trainers ausgeübt.
Ein Sturz, ein Treten und auch ein Schlagen
werden
vom
Beschwerdeführer
explizit verneint (E. 4.2).
Zusammengefasst hat
damit
während des Training
s
vom 14. Februar 2018 kein ungewöhnlicher äusserer
Faktor
– wie
etwa eine wegrutschende
Kampfmatte (vgl. Urteil des
EVG U
322/02 vom 7. Oktober 2003 E. 4.4)
– auf den
Beschwerdeführer
eingewirkt. Eine ungewöhnliche Verletzungsfolge alleine genügt rechtspre
chung
s
gemäss nicht zur Annahme eines ungewöhnlichen äusseren Faktors (E. 1.
4.1
). Damit hat
die
Beschwerdegegnerin
das Ereignis vom 14. Februar 2018
zu
R
echt
nicht als Unfall im Rechtssinne
qualifiziert
.
5.
5.1
Zu klären bleibt
, ob eine Körperschädigung
im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG vorliegt. Die
Beschwerdegegnerin
verneint eine Leistungspflicht damit, dass keine Listenverletzung im Sinne dieses Artikels vorliege (
E. 2.1
).
Sowohl im Bericht des Spitals
Z._
vom 14. Februar 2018 (E. 3.1) als auch im Bericht von Dr.
B._
vom 15. März 2018 (E. 3.2) wurde
einzig
ein Verdacht auf eine Rippenfraktur
genann
t. Auch Dr.
A._
erachtete eine Rippenfraktur aufgrund der erstellten Röntgenbilder
als
nicht mit
ausreichender
Sicherheit ausgewiesen
und beliess es bei einer Verdachtsdiagnose
(E. 3.3).
A
nhand der nach
fol
gen
den
Unter
suchungen erhärtete
sich dieser Verdacht
indessen
nicht (E. 3.4-3.6), bezie
hungs
weise der behandelnde Arzt des
Beschwerdeführer
s bestätigte ebenfalls, dass die Röntgenaufnahmen keine Rippenfraktur zeigen würden (E. 3.5).
Da
eine Ver
dachtsdiagnose ein Leiden nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit zu belegen vermag (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_454/2013 vom 24. September 2013 E. 6.3 mit Hinweis), fällt eine Rippen
fraktur als Listendiagnose im Sinne von Art. 6 Abs
. 2 lit. a UVG ausser Betracht.
5.2
Med. pract.
C._
verneinte das Vorliegen einer Rippenfraktur, diagnostizierte aber eine Rippenknorpelfraktur (E. 3.6), was der
Beschwerdeführer
als unfall
ähnliche Körperschädigung qualifiziert (E. 2.2).
Die Aufzählung in Art. 6 Abs.
2 UVG
entspricht
jener der unfallähnlichen Körperschädigungen g
emäss Art. 9 Abs.
2 der bis Ende 2016 gültig gewesenen
Fassung der
UVV, die das Bundes
gericht als abschliessend qua
lifiziert hat (BGE 116 V 136 E.
4a, 147 E. 2b).
Gemäss herrschender Lehre
ist
weiterhin
davon auszugehen, dass der Gesetzgeber die den
Unfällen gleichgestellten Kö
rperschädigungen in
Art.
6 Abs.
2 UVG ebenfalls abschliessend aufgezählt hat
(
André
Nabold
,
in:
Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, UVG,
2018,
N 42 zu Art. 6
UVG mit Verweis auf
Markus
Hüsler
, Erste UVG-Revision: wichtigste Änderungen und mögliche Prob
leme bei der Umsetzung
, SZS 2017, S. 36
)
.
Verletzungen mit ähnlichen Strukturen
zu den in Art. 6 Abs. 2 UVG (bzw. Art. 9 Abs. 2 UVV in der bis Ende 2016 gültig gewesenen Fassung der UVV) aufgezählten Körperschädigungen hat das Bundes
gericht konsequenterweise nicht unter die Listenverletzungen subsumiert (
Kieser
/
Gehring/Bollinger, KVG/UVG Kommentar, 2018, N 7 zu Art. 6 UVG
mit Verweis auf die betreffenden Entscheide des Bundesgerichts
)
und eine Erweiterung der Liste durch Analogieschluss als unzulässig bezeichnet (Urteil des Bundesgerichts 8C_118/2011 vom 9. November 2011 E. 4.3.3
mit Hinweis
)
. Auch
ein
en erheb
lichen
Knorpelschaden qualifizierte das Bundesgericht
sodann
nicht
als
unfall
ähn
liche Körperschädigung (Urteil des Bundesgerichts 8C_865/2013 vom 13. März
2014 E. 4.2).
Eine
Knorpelfraktur
– soweit sich diese Begriffskombination
aufgrund
der Defi
nition einer Fraktur als Knochenbruch (Pschyr
embel, klinisches Wörterbuch, 266. Auflage, 2014, S. 712
)
überhaupt
rechtfertigt
–
bildet nicht Bestandteil der Aufzählung von Art. 6 Abs. 2 UVG
.
A
ngesichts der
aufgeführten
bundesgericht
lichen Rechtsprechung
besteht
kein Raum
, um Verletzungen ähnlicher Ausprä
gung ebenfalls unter Art. 6 Abs. 2 UVG subsumieren zu können.
Da auch im W
eiteren keine Hinweise auf das Vorliegen einer Listenverletzung auszumachen sind,
ist eine unfallähnliche Körperschädigung nicht erstellt.
6
.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das Ereignis vom
14. Februar 2018 weder als Unfall im Sinne von
Art. 4 ATSG zu qualifizieren ist
,
noch die Voraussetzungen für die Bejahung einer unfallähnlichen Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erfüllt sind. Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung
demnach
zu Recht verneint, weshalb die Beschwerde abzu
weisen ist.