Decision ID: 99af6126-6cec-4905-a44b-7e81ce8ff7c2
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, meldete sich am
5.
Mai 2010 unter Hin
weis auf die Folgen eines Motorradunfalls vom 1
0.
Juli 2009 bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/1).
Nachdem
die in die Wege geleiteten gut
achterlichen Abklärungen
im
Y._
GmbH,
in Z._
,
und
in der Rehaklinik
A._
nicht durchgeführt
worden waren
(
Urk.
6/35;
Urk.
6/44;
Urk.
6/67-69; Urk
. 6/72-74; Urk. 6/113-114; Urk.
6/116-117;
Urk.
6/121)
, teilte die IV-Stelle dem Versicherte
n mit Zwischenverfügung vom
26. Juli 2016 (
Urk.
6/134)
mit, dass sie an einer B
egutachtung festhalte, und verfügte deren Durchführung in der
B._
AG.
Die angeordnete Begutachtung
wurde
am 2
2.
Dezember 2016
mit Urteil IV
.2016.
00894
(
Urk.
6/151/1-15)
des hie
sigen Gerichts bestätigt und
erwuchs mit
Bundesgerichtsu
rteil 9C_159/2017 am 2
1.
März 2017 (
Urk.
6/153)
in Rechtskraft.
Am 2
1.
Juni 2017 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten nach durchgeführtem Mahn- un
d
Bedenkzeitverfahren
(
Urk.
6/163;
Urk.
6/165
) ab
(
Urk.
6/176)
, was das hiesige Gericht
m
it Urteil IV.2017.00859 vom 1
2.
November 2019
(
Urk.
6/196)
schützte
. Diesen Entscheid
bestätigte
das
Bundesgericht
mit Urteil 9C_29/2020 vom 1
6.
März 2020 (
Urk.
6/201).
1.2
Mit Gesuch vom
2
3.
Juli 2019
beantragte der Versicherte, es sei revisionsweise auf die Verfügung vom 2
1.
Juni 2017 zurückzukommen, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
zu gewähren
(
Urk.
6/192
)
.
Am 2
1.
August 2020
stellte
die IV-Stelle dem Versicher
ten
in Aussicht
, dass
sie
ihm
eine ganze Rente ab Januar 2020 gewähren werde
und stützte sich dabei auf das Gutachten der MEDAS
C._
vom 1
3.
Mai 2019 (
Urk.
6/193), das im Auftrag der S
uva
zur Abklärung ihrer Leistungspflicht nach dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) erstellt worden war
(
Urk.
6/204
)
.
Nachdem der Versicherte am 2
1.
September 2020 Einwand erhoben hatte
(
Urk.
6/207)
, verfügte die IV-Stelle am 9. Dezember 2020 wie vorbeschieden (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
der Versicherte
am 2
9.
Januar 2021 Beschwerde und beantragte die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente ab 1
0.
Juli 2010, eventualiter
die Rückweisung
der
Angelegenheit zur weiteren Behandlung an die Beschwerde
gegnerin. Mit Beschwerdeantwort vom
8.
März 2021 schloss die Beschwerde
gegnerin unter Verweis auf die Akten sowie auf das Urteil
des Bundesgerichts
9C_29/2020 vom 1
6.
März 2020 (
Urk.
6/201) auf Abweisung der Beschwerde
.
Am
2
6.
März 2021 liess der Beschwerdeführer ergänzend
zur Beschwerde
mitteilen, dass er vollumfänglich an
dieser
festhalte
(
Urk.
8)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie auf die Akten ist, soweit für die
Entscheid
findung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des S
ozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen
zudem
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E. 7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1).
Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurtei
lungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfä
higkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 unter Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2
; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt, ist in allen Fällen durch die Verwaltung bezie
hungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also
substanziiert
darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern
vermögen. Der psychiatrische Sachverständige hat darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person (E. 4.3
).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.
2.1
In ihrem Gutachten vom 1
3.
Mai 2019 na
nnten die MEDAS-Ärzte als Folge-Diagnosen
des Motorradunfalles vom 1
0.
Juli 2009,
bei
welchem der Beschwer
deführer eine offene Unterschenkel-Fraktur
rechts
, eine Knie-Distorsion
rechts
, eine Luxation des Daumensattel-Ge
lenks links und eine HWS-Distor
sion erlitten hatte:
-
Schmerzhaftes Hinken bei chronischer O
steomyeliti
s der Tibia rechts und
Valgus
-Fehlstellung
-
Schmerzhaft eingeschränkte Schulterbeweglichkeit links und Muskeldefi
zit am linken Oberarm
-
Eingeschränkte Greif-Funktion und abgeschwächter Faustschluss der lin
ken Hand
-
Normale Knie-Funktion nach Arthroskopie und medialer
Teilmeniskekto
mie
am rechten Knie am
4.
November 2011
-
Alters- und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit bei anam
nestisch zeitlich verminderter mentaler Belastbarkeit
-
Chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp
-
Multifaktorielle Gangstörung
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), Differentialdiagno
se
n
: Dissoziative Störung gemischt (ICD-10: F
44.7) und generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
Als unfallfremde Diagnosen nannten sie vor allem degenerative Veränderungen im unteren HWS-Bereich mit
Osteochondrose
und Bandscheiben-Verschmäle
rung C6/7 sowie eine koronare Dreigefässerkrankung nach Vorderwandinfarkt am
4.
August 2012
.
Im angestammten Beruf als Polymechaniker sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig.
Im Hinblick auf eine angepasste Tätigkeit führten die Gutachter aus, dass a
us orthopädisch-
traumatologischer
Sicht eine vorwiegend sitzende Tätigkeit
zumut
bar sei
mit seltenen Gehstrecken von unter 100 Metern,
mit kurzzeitigem A
ufste
hen, mit
stehenden Tätigkeiten von ca. fünf bis zehn Minuten
und mit uneinge
schränktem Hantieren der rechten Hand auf dem Tisch. Nicht zumutbar seien Tätigkeiten, die mit dem linken Arm über Brusthöhe ausgeführt werden müssten, darüber hinaus könne die linke Hand als so genannte
Zudien
- oder Haltehand bei Arbeiten als Rechtshänder
aber
voll eingesetzt werden. Nicht möglich seien kraft
volle Haltearbeiten und Feinarbeiten mit der linken Hand. Die Hebe- und
Tragli
mite
für die linke Hand/den linken Arm betrage 10 kg. Aus orthopädischer Sicht seien die zeitlichen
Limiten
in diesem Profil enthalten und würden sich keine weiteren Einschränkungen ergeben. Im Haushalt liege die Einschränkung etwa bei 50
%
, da nur leichtere Haushaltarbeiten mö
glich seien (
Urk.
6/193/51 f.).
Aus neurologischer Sicht sei aufgrund der chronischen Kopfschmerzen eine Tätigkeit in einer sowohl visuell wie auch akustisch reizarmen Umgebung not
wendig (
Urk.
6/193/30).
Aus neuropsychologischer Sicht verfüge der Beschwerdeführer über eine alters- und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit bei anamnestisch zeitlich verminderter Belastbarkeit (
Urk.
6/193/77)
.
A
ufgrund der psychischen Störungen sei das Bedienen von Maschinen nicht zumutbar
und auch die Belastbarkeit für neue Aufgaben sei eingeschränkt, was sich aus dem eingeschränkten Selbstwertgefühl, den dissoziativen Symptome
n
und der Angst ergebe.
Der Beschwerdeführer habe begonnen
,
in der Grössenord
nung von ein bis zwei Stunden pro Tag im Betrieb seines Sohnes im administra
tiven und handwerklichen Bereich zu arbeiten. Zusätzlich betätige er sich handwerklich in der Form von kleineren Tätigkeiten im Haushalt und in der Nachbar
schaft (Veloreparaturen) etwa acht bis zehn Stunden pro Woche.
Bei die
sen Tätigkeiten könne der Beschwerdeführer seine Zeit frei einteilen, Pausen nach Bedarf einlegen und Aufgaben auf andere Tage verschieben. Die Tätigkeiten wür
den keine Langzeitkonzentration und auch keine hohe intellektuelle Leistung
erfordern, wohl aber handwerkliches Geschick.
Diese Rahmenbedingungen
wür
den
einer
geschützten Tätigkeit entsprechen. Unter diesen
Umständen
sei der Beschwerdeführer in der Lage
,
zwei bis drei Stunden zu arbeiten, was einem Pen
sum von maximal 30 % entspreche. Im Haushalt könne der Beschwerdeführer klar überschaubare Aufgaben erledigen, nicht aber die Verantwortung für den ganzen Haushalt übernehmen (
Urk.
6/193/133-135)
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin hat die
Zusprache
der ganzen Invalidenrente damit begründet, dass dem Beschwerdeführer seine bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei und er auch keine angepasste Tätigkeit in der freien Wirtschaft mehr ausüben könne, weshalb der Invaliditätsgrad 100 % betrage. Sie stützte sich dabei auf das MEDAS-Gutachten, o
hne die Beweiswertigkeit
der Expertise
im Einzelnen
und
insbesondere auch unter dem Blickwinkel der S
tandardindikatoren zu wür
digen.
Dieses Vorgehen entspricht nicht den b
undesgerichtlichen Vorgaben (E.
1.2 und 1.3)
.
Es zeigt sich aber, dass das MEDAS-Gutachten i
m Hinblick auf die rechtspre
chungsgemässen Kriterien sämtliche Voraussetzungen
erfüllt
. So ist es,
auch wenn es im Auftrag des Unfallversicherers erstellt worden ist, auch für die hier relevanten Belange umfassend. Der Beschwerdeführer wurde von allen involvier
ten Fachpersonen eingehend untersucht, die vorgetragenen Beschwerden wurden alle berücksichtigt und die
Vorakten
(Anamnese) umfassend gewürdigt. Aus somatischer Sicht haben die Gutachter nachvollziehbar aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Folgen des Motorradunfalls vom 1
0.
Juli 2009 in seiner angestammten Tätigkeit als Polymechaniker nicht mehr arbeitsfähig ist.
Zudem haben
sie
differenziert dargelegt, wie das
Anforderungsprofil
einer an sich vollzeitlich zumutbaren Tätigkeit ausgestaltet sein muss
,
um
den
o
rthopädisch-
trauma
tologischen
, neurologischen und neuropsychologischen
Einschränkungen
und Bedürfnissen Rechnung
zu tragen
.
Auch
auf das psychiatrische
Gutachten
kann vorliegend abgestellt werden, denn
die Gutachterin hat nachvollziehbar und in Diskussion der Befunde
, der Funk
tionseinbussen und Ressourcen sowie
in eingehender
Auseinandersetzung mit der Diagnostik
dargelegt, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner psychischen Er
krankung
für Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt vollumfänglich arbeitsun
fähig
ist
.
Zur diesbezüglichen Plausibilisierung lassen sich dem psychiatrischen Teilgut
achten schlüssige Angaben zu den massgeblichen Indikatoren
entnehmen, auch wenn diese nicht explizit angeführt wurden.
Mit der
chronischen Schmerzstö
rung, der
rezidivierenden depressiven Störung
(
im Zeitpunkt der Begutachtung
mittelgradig ausgeprägt
)
, der posttraumatischen Belastungsstörung
sowie
den Differentialdiagnosen einer gemischten dissoziativen und einer generalisierten Ang
ststörung liegen psychiatrische
Diagnosen
vor
, die
mit
einer erheblichen
Aus
wirkung auf die A
rbeitsfähigkeit
einhergehen
.
G
estützt auf eine ausführliche Befragung und Testung
des Beschwerdeführers
sowie unter Berücksichtigung der Angaben
seiner
Ehefrau
hat die Gutachterin denn auch
Befunde erh
oben, die eine mindestens mittlere
bis schwere Ausprägung der Diagnose
n
zeigen.
Obwohl sich der Beschwerdeführer schon bald nach dem Unfall in
psychiatrisch-psychothera
peutische Behandlung
begeben hatte, konnte
über die Jahre
keine namhafte Ver
besserung erreicht werden (
Urk.
6/193/133). Auch der Eingliederungsversuch am angestammten Arbeitsplatz m
ittels Job Coaching im Jahr 2012
scheiterte (Urk. 6/193/2
und Urk. 6/193/106 f.
).
Der Beschwerdeführer weist zudem mit den unfallbedingten Verletzungen am rechten Bein und dem linken Arm erhebliche Komorbiditäten auf, die seit dem Motorradunfall am 1
0.
Juli 2009 immer wieder auch operativ behandelt wurden.
Zusätzlich zur psychiatrischen Befundlage
wir
ken sich auch die somatischen Beschwerden ressourcenhemmend aus.
Die persönlichen Ressourcen sind gut. Der Beschwerdeführer verfügt über eine Berufsausbildung, langjährige Berufserfahrung und
ein
intaktes unterstützendes familiäres Umfeld.
Trotz dieser Ressourcen ist es ihm nach dem Unfall im Jahr 2009 nicht gelungen
,
im Erwerbsleben wieder fusszufassen.
Eindrücklich schil
derte er, wie für ihn mit dem gescheiterten Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit eine Welt zusammengebrochen sei (Urk. 6/193/107). Dass die Arbeit für ihn einen hohen Stellenwert hat, zeigt sich auch daran, dass er nun seine vorhandenen Ressourcen
nutzt, um sich in seinem nächsten Umfeld zu betätigen, indem er zum Beispiel
stundenweise
im Büro des Sohnes aushilft und in der Nachbarschaft Velos repariert und kleinere Gartenarbeiten
tätigt
, wobei er hier jederzeit die Möglichkeit hat
,
sich zurückzuziehen, wenn es ihm zu viel wird.
Aufgrund des geschilderten Tagesablaufs und den Ausführungen seiner Ehefrau zeigt sich eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen. Inkonsistenzen sind dem psychiatrischen Gutachten keine zu entnehmen.
Aus den Akten ergeben sich
auch sonst
keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer in seinem Alltag seine vorhandenen Ressourcen in diesem geschützten und flexiblen Rahmen
nicht
ausschöpft. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass er in Diskrepanz zur Einschätzung der Gutachterin eigentlich deutlich mehr leisten könnte.
In einer Gesamtwürdigung der massgeblichen Standardindikatoren
und unter Berücksichtigung der weiteren medizinischen Akten
erscheint
somit
die gut
achterlich attestierte volle Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nach
vollziehbar.
Damit ist
gestützt auf das MEDAS-Gutachten
der Anspruch des Beschwerdefüh
rers auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung
im Grundsatz
ausgewiesen
und der
medizinische Sachverhalt
genügend
abgeklärt, womit sich die beantragte Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung erübrigt.
3.
3.1
Umstritten
und zu prüfen bleibt einzig die Frage
, ab welchem Zeitpunkt der An
spruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung besteht.
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine ganze Rente ab Januar 2020 zugesprochen. Das Gesuch vom
2
3.
Juli 2019 (
Urk.
6/192)
sei
als Neuan
meldung zu qualifizieren; gemäss
Art.
29 IVG bestehe der Anspruch sechs Monate nach der Neuanmeldung.
Der Beschwerdeführer liess
demgegenüber
geltend machen, auf den
Nichteintre
tensentscheid
[gemeint: Verfügung vom 2
1.
Juni 2017;
Urk.
6/176
] sei gestützt auf
Art.
53 ATSG revisionsweise zurückzukommen. Selbst wenn man von einer rechtskräftigen Verfügung
ausginge, sei
nun bewiesen, dass er seit dem Jahr 2009 arbeitsunfähig sei. Das
MEDAS-Gutachten sei als Revisionsgrund zu betrachten und der Leistungsanspruch rückwirkend
bis zu diesem Datum zu verfügen
, wobei
in der Beschwerde unklar bleibt
, ob mit «diesem Datum» der Beginn der Arbeits
unfähigkeit oder das Erstellungsdatum des Gutachtens gemeint ist. Aus der ergänzenden Eingabe vom 26. März 2021 geht aber hervor, dass der Beschwer
deführer dafürhält, dass er einen rückwirkenden Anspruch auf ein
e
Rente bis ins Jahr 2009
hat
. Die
Nichteintretensentscheidung
laufe damit der materiellen Wahrheit zu wider. Es bestehe keinerlei sachliche Bindung der Beschwerdegeg
nerin an den
Nichteintretensentscheid
, weshalb die Begründung in der angefoch
tenen Verfügung
als überspitzter
Formalismus
zu werten sei
.
3.2
Gemäss
Art.
7b
Abs.
1 IVG können Leistungen der Invalidenversicherung nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
43
Abs.
2 ATSG nicht nachgekommen ist. Als Folge der verletzten Mitwirkungspflicht kann der Versicherungsträger gestützt auf
Art.
43
Abs.
3 ATSG Nichteintreten beschliessen oder das von der versicherten Person eingereichte Gesuch mit der Begründung abweisen, der Sachverhalt, aus dem diese ihre Rechte ableiten wolle, sei nicht erwiesen (Urteil des Bundesgerichts 8C_733/2010 vom 1
0.
Dezember 2010 E. 3.1 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer bezieht sich
in seinem Gesuch vom 2
3.
Juli 2019
auf die
letztinstanzlich
mit Bundesgerichtsurteil
9C_29/2020
vom 1
6.
März 2020 (
Urk.
6/201)
bestätigte
Verfügung
vom 2
1.
Juni 2017
(
Urk.
6/176
)
, in welchem
der
R
entenanspruch ab 1.
November 2010 beurteilt
und verneint
wurde (Unfall im Juli
2009
, Anmeldung bei der Invalidenversich
erung im Mai 2010,
Art.
29 Abs.
1 IVG).
Der Beschwerdeführer hatte sich
seiner
z
eit
auch nach dem rechts
konform durchgeführten Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
geweigert, an der von der Beschwerdegegnerin angeordneten
B._
-Begutachtung teilzunehmen.
Um die schuldhafte Pflichtverletzung
gemäss A
rt.
43
Abs.
2 ATSG
zu sanktionie
ren
, hätte die Beschwerdegegnerin zwar auch Nichteintreten beschliessen und die Leistungen ungeachtet einer vertieften Prüfung der Aktenlage verweigern kön
nen.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat sie aber kein Nichtein
treten beschlossen, sondern
mit der besagten Verfügung den Anspruch des Beschwerdeführers gestützt auf die vorhandene
(ergänzungsbedürftige)
Akten
lage
materiell
beurteilt und als nicht
aus
gewiesen erachtet.
3.3
Eine solche
Sanktion nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG
greift nur solange, bis eine ver
sicherte Person ihre verweigernde Haltung aufgibt. Es steht ihr damit frei, jeder
zeit für die Zukunft um Zusprechung von Leistungen zu ersuchen, sobald sie die verweigernde Haltung aufgegeben hat. Unterzieht sich eine versicherte Person nach anfänglicher Verweigerung einer notwendigen Untersuchung, macht dies die Widersetzlichkeit, welche zur leistungsabweisenden Verfügung geführt hat
,
nicht ungeschehen. Die nachträgliche Erklärung der versicherten Person ist indes als Neuanmeldung zu betrachten (Urteil des Bundesgerichts 9C_994/2009 vom 2
2.
März 2010 E. 5.1).
Der Beschwerdeführer hat mit seinem Gesuch vom
2
3.
Juli 2019 (
Urk.
6/192)
zwar nicht
angezeigt
, dass
er
die Verweigerung, die zur Leistungsabweisung geführt hatte, aufgebe
n
und
sich nunmehr begutachten lassen werde.
Er erklärte aber, dass
er
sich im Abklärungsverfahren des Unfallversicherers habe begutach
ten lassen, was die Beschwerdegegnerin dazu veranlasste
,
das
Gesuch
als Neuan
meldung entgegen
zu nehmen.
D
ie festgelegte Sanktion (Entscheid aufgrund der Akten)
darf sich
nur (aber immerhin) auf die Zeitspanne der Weigerung der Zusammenarbeit mit der von der Beschwerdegegnerin bezeichneten Gutachterstelle beziehen (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_733/2010 vom 1
0.
Dezember 2010 E. 5.6)
.
Diesem Aspekt der Ver
hältnismässigkeit
hat die Beschwerdegegnerin m
it
der
erneuten Prüfung des Leis
tungsanspruchs für die Zukunft
bei Weitem
R
echnung getragen
, indem sie impli
zit bereits die erfolgte Begutachtung im Unfallversicherungsverfahren als Auf
gabe der sanktionierten Verweigerung qualifiziert hat
.
Selbst wenn
man gestützt
auf
die MEDAS-
Begutachtung
davon
aus
geht
, dass bereits
seit dem Unfall im Mai 2009
eine invalidisierende gesundheitliche Beein
trächtigung vorlag,
darf
diese Tatsache
nach dem Gesagten
aufgrund der bis zur Aufgabe der Verweigerung wirkenden Sanktion vor dem 2
3.
Juli 2019
für die Beurteilung des Rentenanspruchs
- anders als vom Beschwerdeführer angenom
men -
gar
nicht berücksichtigt werden.
Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin
, den
L
eistungsanspruch
ab dem Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs vom 2
3.
Juli 2019 für die Zukunft (ex
nunc
et pro
futuro
) zu prüfen
und zu bejahen
,
erweist sich
somit
als rechtskonform und kann - entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers - nicht
als überspitzter
Formalis
mus bezeichnet werden.
D
en Beginn des
ausgewiesenen
Anspruchs auf eine ganze Invalidenrente
hat die Beschwerdegegnerin
in Nachachtung der sechsmonatigen Karenzfrist bei
erstmaliger
Rentenzusprache
gemäss
Art.
29 IVG
daher richtiger
weise
auf den
1.
Januar 2020
festgesetzt.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
4.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Bei diesem Verfahrens
ausgang
sind die Geri
chtskosten in der Höhe von
Fr.
8
00.--
dem
unterliegenden
Beschwerdeführer
aufzuerlegen.