Decision ID: f990af69-f301-5e17-beed-f876482d5cb3
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Vorbemerkung: Zur Paginierung der Vorakten und der eingereichten Akten
der Parteien wird auf E. 4.4 hiernach verwiesen.
B.
B.a Frau E._ (im Folgenden: Versicherte) kollidierte am 7. Septem-
ber 2000 als Lenkerin eines Personenwagens frontalseitlich mit einem von
rechts in die Hauptstrasse einmündenden, vortrittsbelasteten Fahrzeug.
Dabei zog sie sich eine Distorsion der Halswirbelsäule und eine Lumbo-
ischialgie L3/4 zu (M1, M2, M3, M4, M5, M8, M9, M11, M14, M16, M17,
M18, M19, M20, M21, Vorakten doc. 67, 70, 71, 72, 75, 76, 77, 78, 80, 81,
82, 83, 86, 87, 88, 89a, 89b, 102, 103, 104, 107, 108, 109, 110, 113, 112,
114, 115, 118, 119, 120, 121, 122, 123, 358; BVGer act. 1/64, 1/65, 1/66,
1/69, 1/70, 1/71, 1/72, 1/74, 1/75, 1/76, 1/77, 1/80, 1/81, 1/82, 1/83, 1/84,
24/3). Die Versicherte war zunächst vollständig arbeitsunfähig (M2, M4,
M5, M9; Vorakten doc. 82, 86, 87, 89, 114, 118, 119, 122; BVGer act. 1/76,
1/80, 1/81, 1/83), jedoch konnte sie später ihre angestammte Tätigkeit als
Köchin wieder mindestens teilweise aufnehmen (M11, M12, M14, M15,
M16, M20, M21, M25; Vorakten doc. 67, 70, 71, 78, 79, 80, 81, 99, 102,
103, 110, 111, 112, 113; BVGer act. 1/61, 1/64, 1/65, 1/72, 1/73, 1/74, 1/75,
24/1, 24/2, 24/3). Aufgrund der anhaltenden Beschwerden suchte sie mo-
natlich die Praxis von Dr. F._ auf (M16, A6, Vorakten doc. 50, 78,
110, 142; BVGer act. 1/45, 1/72, 24/6) und nahm wöchentlich an Physio-
therapiesitzungen teil (M11, M14, M17, M19, M20, A6; Vorakten doc. 50,
71, 72, 77, 80, 81, 103, 104, 109, 112, 113, 142; BVGer act. 1/45, 1/65,
1/66, 1/71, 1/74, 1/75, 24/6). Im Zeitpunkt des Unfalls war sie als Köchin
beim Alters- und Pflegeheim G._ angestellt (A1; Vorakten doc. 35,
56, 127, 148; BVGer act. 1/30, 1/51) und bei der A._ Versicherun-
gen AG (im Folgenden: Beschwerdeführerin oder A._) obligatorisch
versichert (A1; Vorakten doc. 35, 56, 127, 148; BVGer act. 1/30, 1/51), wel-
che für die Unfallkosten aufkam.
B.b Am 19. September 2003 wurde die Versicherte in einen zweiten Ver-
kehrsunfall mit seitlicher Kollision auf der Autobahn verwickelt, bei wel-
chem sie sich erneut ein Schleudertrauma sowie eine BWS-Kontusion zu-
zog und wieder zu 100 % arbeitsunfähig wurde (M23, M26; Vorakten doc.
66, 68, 98, 100, 356/641, 377, 395, 402, 404, 405, 406, 642, 674, 709;
BVGer act. 1/60, 1/62).
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Im Zeitpunkt des erneuten Unfalls war sie bei der C._ Versicherun-
gen AG (im Folgenden: Beschwerdegegnerin 2 oder C._) obligato-
risch versichert (Vorakten doc. 34, 126, 407; BVGer act. 1/29), welche die
Kosten für diesen zweiten Unfall zunächst übernahm. Da die Arbeitsunfä-
higkeit andauerte (Vorakten doc. 356/641, 377, 642, 674, 709), wurde bei
der Invalidenversicherung eine Umschulung zur medizinischen Praxisas-
sistentin beantragt, welche bewilligt wurde und im August 2004 begann
(Vorakten doc. 353, 366, 797).
Ein von der Beschwerdegegnerin 2 bei Dr. H._ in Auftrag gegebe-
nes neurologisches Gutachten vom 24. Mai 2005 ergab (M27, Vorakten
doc. 65, 97, 253, 256, 273, 326; BVGer act. 1/59), dass die Versicherte als
Köchin zu 100 % arbeitsunfähig sei und während dem Praktikum als medi-
zinische Praxisassistentin allenfalls eine reduzierte Arbeitsfähigkeit be-
stehe. Die Neurologin wies die Beschwerden der Versicherten zu 50 %
dem ersten und zu 50 % dem zweiten Unfall zu. Daraufhin liess die Be-
schwerdegegnerin 2 eine biomechanische Kurzbeurteilung durch die Ar-
beitsgruppe für Unfallmechanik erstellen, welche am 14. Juli 2005 ergab
(Vorakten doc. 301, 816), dass die kollissionsbedingte Geschwindigkeits-
änderung (Delta-v) 10-15 km/h gewesen sei, was aufgrund der Vorschädi-
gung der HWS der Versicherten oberhalb der Harmlosigkeitsgrenze liege,
die Beschwerden bei der BWS und LWS jedoch nicht zu erklären vermöch-
ten. Im Anschluss an die biomechanische Beurteilung stellte die Beschwer-
degegnerin 2 ihre Leistungen mit Verfügung vom 18. August 2005 per
31. August 2005 mit der Begründung der fehlenden Adäquanz ein (Vorak-
ten doc. 252, 257, 272, 294, 808) und bestätigte ihre Verfügung mit Ein-
spracheentscheid vom 5. April 2006 (Vorakten doc. 240, 241, 260, 262,
282, 284). Eine dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Versiche-
rungsgericht des Kantons Aargau am 21. November 2007 gutgeheissen
(Vorakten doc. 232, 553, 585, 690, 726), da mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit mit einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes
zu rechnen und der Endzustand zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung
am 31. August 2005 noch nicht erreicht gewesen sei.
Ab dem 6. Februar 2006 absolvierte die Versicherte ein Praktikum als me-
dizinische Praxisassistentin (Vorakten doc. 803). Die Schmerzen mit vege-
tativen Begleitsymptomen nahmen mit Beginn des Praktikums zu und führ-
ten zu Absenzen. In der Folge wurde das Arbeitspensum auf 80 % reduziert
(Vorakten doc. 795).
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B.c Am 23. Mai 2006 ereignete sich ein dritter Autounfall (Vorakten doc.
652, 671, 706). Die Beschwerdeführerin zog sich erneut eine HWS-Distor-
sion zu und war zunächst zu 100 % arbeitsunfähig (Vorakten doc. 626, 644,
672, 678, 707, 713). Sie konnte die Arbeitsfähigkeit in der Folge bis Sep-
tember 2006 auf 60 % steigern (Vorakten doc. 650, 605, 684, 720). Die
Kosten dieses Unfalls wurden von der B._ Kranken- und Unfallver-
sicherung (im Folgenden: Beschwerdegegnerin 1 oder B._) erstat-
tet (Vorakten doc. 36, 128, 640, 675, 710; BVGer act. 1/31). Am 1. März
2008 trat die Versicherte eine Stelle als medizinische Praxisassistentin mit
einem Pensum von 50 % an (Vorakten doc. 37, 129, 582, 692, 728; BVGer
act. 1/32). Im November 2008 wechselte sie die Stelle und arbeitete fortan
zu 50 % bei der I._ (Vorakten doc. 39, 131, 658, 664; BVGer act.
1/34).
Da ein Unfallverarbeitungscoaching und medizinische Behandlungen nicht
den gewünschten Erfolg brachten, wurde ein Gutachten bei der MEDAS
J._ veranlasst. Im MEDAS-Gutachten vom 20. April 2010 (M28;
Vorakten doc. 60, 92, 181, 441; BVGer act. 1/54) wurde der natürliche Kau-
salzusammenhang der erlittenen drei Autounfälle mit den geltend gemach-
ten Beschwerden und der daraus resultierenden Einschränkung der Ar-
beitsfähigkeit bejaht. Zudem wurde zu den Verursachungsanteilen der ein-
zelnen Unfälle Stellung genommen und festgehalten, der Unfall vom
7. September 2000 sei zu 60 %, der Unfall vom 19. September 2003 zu
20 % und der Unfall vom 23. Mai 2006 zu 20 % ursächlich.
Die B._ erbrachte vorerst weiterhin Leistungen und stellte schliess-
lich mit Verfügung vom 22. Juni 2011 (Vorakten doc. 204, 423) wegen feh-
lender Adäquanz per 30. Juni 2011 ihre Leistungen ein. Die C._ er-
liess in Absprache mit der A._ (Vorakten doc. 194) am 1. Februar
2012 ebenfalls eine Verfügung (Vorakten doc. 193, 410), mit welcher der
Anspruch auf Versicherungsleistungen für die Unfälle vom 7. September
2000 und 19. September 2003 per 30. Juni 2011 endete. Diese Verfügun-
gen erwuchsen unangefochten in Rechtskraft.
B.d Am 25. Mai 2009 (M28; Vorakten doc. 60, 92, 181, 441, 466, 492;
BVGer act. 1/54) erlitt die Versicherte in der S-Bahn einen Schlag auf den
Kopf, der dazu führte, dass sie zwei Wochen lang Kopfschmerzen hatte
und drei Tage mit der Arbeit aussetzen musste. Ansonsten führte dieser
vierte Unfall zu keinen weiteren Folgen.
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Seite 5
C.
C.a Nach Abschluss des Falles bemühte sich die B._ ihren gesam-
ten Aufwand gemäss Leistungsabrechnung in der Höhe von Fr. 169‘077.90
(BVGer act. 1/15) gegenüber den Haftpflichtversicherern der unfallverursa-
chenden Fahrzeuge auf dem Regressweg geltend zu machen. Da keine
Einigung zu Stande kam und einer der beteiligten Haftpflichtversicherer
verlangte, dass zuerst der Ausgleich gemäss Art. 100 Abs. 2 UVV durch-
geführt werden müsse, versuchte die B._ mit den früheren Unfall-
versicherern gestützt auf das MEDAS-Gutachten eine gütliche Einigung für
die Aufteilung der Kosten zu finden (A28; Vorakten doc. 21, 159; BVGer
act. 1/14). Nachdem sich die beteiligten Unfallversicherer nicht einigen
konnten (A29; Vorakten doc. 20, 151, 176; BVGer act. 1/13), gelangte die
B._ mit Schreiben vom 15. April 2014 (Vorakten doc. 1) an das Bun-
desamt für Gesundheit (im Folgenden: BAG oder Vorinstanz), damit das
Amt gestützt auf Art. 78a UVG eine Verfügung betreffend Zuweisung des
Aufwandes von Fr. 169‘077.90 auf die beteiligten Unfallversicherer erlasse.
C.b Mit Verfügung vom 22. Dezember 2014 (A39; Vorakten doc. 7; BVGer
act. 1/1) stellte das BAG fest, dass die Versicherte sowohl beim zweiten
wie auch beim dritten Unfall jeweils noch wegen der Folgen der vorherge-
henden Unfälle in ärztlicher Behandlung und teilweise arbeitsunfähig ge-
wesen sei, womit Art. 100 Abs. 2 UVV zur Anwendung komme (vgl. Verfü-
gung E. 3.2).
Das BAG führte aus, vor Erreichen des Endzustandes komme der Adä-
quanz keine spezielle, haftungsbeschränkende Funktion zu. Die natürliche
und adäquate Kausalität sei in diesem Fall deckungsgleich. Für die re-
gressweise Haftung der A._ genüge eine blosse Teilursache des
Unfalls vom 7. September 2000. Die A._ könne also erst und nur
dann aus der Haftung entlassen werden, wenn sie mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit beweisen könne, dass der Unfall vom
7. September 2000 zu einem bestimmten Zeitpunkt vor der Leistungsein-
stellung per 30. Juni 2011 jegliche ursächliche Bedeutung verloren habe.
Ein entsprechender Beweis werde weder geführt noch sei ein solcher er-
stellt (vgl. Verfügung E. 5.1). Es gehe um die Aufteilung der natürlichen
Kausalität der drei Schadensursachen. Diese Kausalitätszuteilung sei ein
medizinisches Problem, welches anhand der vorliegenden medizinischen
Akten und des MEDAS-Gutachtens zu beurteilen sei (vgl. Verfügung E. 6).
Aus den Unterlagen gehe klar hervor, dass der erste Unfall vom 9. Sep-
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tember 2000 (recte 7. September 2000) derjenige mit der höchsten Inten-
sität und dem grössten Schädigungspotential gewesen sei (vgl. Verfügung
E. 8.1).
Das BAG folgte bei der Kostenaufteilung der im MEDAS-Gutachten ermit-
telten Aufteilung der Kausalitätsanteile, entsprechend wurde die
A._ verpflichtet Fr. 101‘446.70 (60 % von Fr. 169‘077.90), und die
C._ Fr. 33‘815.60 (20% von Fr. 169‘077.90) der B._ zu ver-
güten (vgl. Verfügung E. 9).
D.
Gegen die Verfügung vom 22. Dezember 2014 erhob die A._ am
2. Februar 2015 (BVGer act. 1) Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt und beantragte, 1) es sei die Verfügung des BAG vom 22. Dezember
2014 aufzuheben und das Gesuch der Beschwerdegegnerin 1 vom 15. Ap-
ril 2014 um Aufteilung der Kosten/Aufwendungen der B._ für die
Periode Mai 2005 (recte Mai 2006) bis Juni 2011 im Gesamtbetrag von Fr.
169‘077.90 unter den beteiligten Unfallversicherern im Sinne von Art. 100
Abs. 2 UVV abzuweisen; 2) eventualiter sei die Verfügung des BAG vom
22. Dezember 2014 aufzuheben und das Gesuch der Beschwerdegegnerin
vom 15. April 2014 um Aufteilung der Kosten/Aufwendungen der
B._ für die Periode Mai 2005 (recte Mai 2006) bis Juni 2011 im Ge-
samtbetrag von Fr. 169‘077.90 unter den beteiligten Unfallversicherer ge-
mäss Art. 100 Abs. 2 UVV im Sinne einer maximalen Beteiligung der Be-
schwerdeführerin von Fr. 5‘367.- teilweise gutzuheissen; 3) subeventualiter
sei die Verfügung des BAG vom 22. Dezember 2014 aufzuheben und das
BAG anzuweisen, über die Frage der internen Aufteilung und der Höhe der
Beteiligung neu zu entscheiden; 4) unter Kosten- und Entschädigungs-
folge.
Zur Begründung brachte die Beschwerdeführerin zusammenfassend vor,
die Anwendung von Art. 100 Abs. 2 UVV könne nicht zum Resultat führen,
dass der Vorversicherer im Innenverhältnis mehr leisten müsse, als er es
im Aussenverhältnis hätte tun müssen. Die Voraussetzungen für eine Adä-
quanzprüfung (im Innenverhältnis) seien vorliegend erfüllt. Die Beschwer-
den der Versicherten seien ab Mai 2001 nicht mehr in einem adäquaten
Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 7. September 2000 zu se-
hen. Es bestehe somit kein Raum für eine Rückforderung der von der Be-
schwerdegegnerin ab 2006 erbrachten Leistungen. Selbst wenn die Adä-
quanz bejaht würde, müsste sich der Anteil der Beschwerdeführerin an den
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Leistungen der Beschwerdegegnerin 1 auf einen viel geringeren Betrag
beschränken. Das Maximum müsse hier Fr. 5‘367.- betragen.
E.
Der mit Zwischenverfügung vom 5. Februar 2015 (BVGer act. 2) eingefor-
derte Gerichtskostenvorschuss in der Höhe von Fr. 4‘000.- ging am
16. Februar 2015 bei der Gerichtskasse ein (BVGer act. 4).
F.
Mit Schreiben vom 10. März 2015 (BVGer act. 6) gab die Beschwerdegeg-
nerin 2 (C._) gegenüber dem Bundesverwaltungsgericht im Sinne
einer Beschwerdeantwort bekannt, dass sie ihre Leistungspflicht im Um-
fang von 20 % im Rahmen der Kostenaufteilung für den Zeitraum von Mai
2006 bis Juni 2011 weiterhin akzeptiere.
G.
Am 10. April 2015 (BVGer act. 9) reichte die Beschwerdegegnerin 1
(B._) beim Bundesverwaltungsgericht ihre Beschwerdeantwort ein
und beantragte die Abweisung der Beschwerde unter gesetzlicher Kosten-
und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdeführerin mit der Be-
gründung, der Endzustand sei per 30. Juni 2011 erreicht gewesen, wes-
halb eine frühere Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs nicht
habe erfolgen dürfen. Der adäquate Kausalzusammenhang sei in einer
Gesamtbetrachtung aller sich ereigneten Unfälle zu prüfen und nicht iso-
liert auf ein einzelnes Unfallereignis, wie wenn sich kein weiterer Unfall er-
eignet hätte. Die medizinische und unfallanalytische Faktenlage würde da-
für sprechen, dass das erste Unfallereignis am weitaus heftigsten gewe-
sen, und die Einschätzung der Ärzte der MEDAS J._, wonach dem
ersten Unfall 60 % zuzusprechen, dem zweiten 20 % und dem dritten 20 %,
nicht zu beanstanden sei. Die Vorinstanz habe sowohl den Sachverhalt
korrekt wiedergegeben, als auch die rechtliche Subsumtion richtig vorge-
nommen.
H.
Mit Vernehmlassung vom 27. April 2015 (BVGer act. 10) beantragte die
Vorinstanz, die Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung verwies sie
auf ihre Verfügung vom 22. Dezember 2014 und brachte ergänzend vor,
die einmal anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers entfalle erst,
wenn der Unfall nicht länger die natürliche und adäquate Ursache des Ge-
sundheitsschadens darstelle. Solange der frühere Versicherer nicht nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen könne,
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Seite 8
dass der von ihm zu verantwortende Unfall keine auch nur teilkausale Be-
deutung mehr habe, bleibe er im Rahmen der Verursachung mitverantwort-
lich. Zum Zeitpunkt des zweiten Unfalls sei der Endzustand noch nicht er-
reicht gewesen, vielmehr habe der Schadeninspektor festgehalten, es be-
stehe eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %. Der erste Unfall habe zu einer
massgeblichen Angeschlagenheit und Vulnerabilität geführt, so dass sich
die Folgen der neuen Unfälle wesentlich schwerer ausgewirkt hätten. Diese
Entwicklung habe die Beschwerdeführerin gemäss Art. 100 Abs. 2 UVV im
Rahmen der Verursachung mitzutragen. Die Aufteilung der Kausalitätsan-
teile sei nach medizinischen Kriterien zu beurteilen. Der im beweiswertigen
MEDAS-Gutachten ermittelte Kausalitätsanteil von 60 % für den ersten Un-
fall, sei ohne weiteres nachvollziehbar, da er der schwerwiegendste gewe-
sen sei, und der zweite Unfall ohne den ersten zu keiner Chronifizierung
geführt hätte. Entsprechend sei an der Aufteilung nach der Verursachung
von 60 % - 20 % - 20 % festzuhalten.
I.
Mit Replik vom 28. August 2015 (BVGer act. 16) nahm die Beschwerdefüh-
rerin eingehend zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung und stellte
insbesondere fest, im Innenverhältnis seien sämtliche Elemente, welche
die Kausalität und Haftung einschränken würden, namentlich der Endzu-
stand und die Adäquanz, ebenfalls anwendbar, wobei sie jeweils allein be-
zogen auf die einzelnen Ereignisse zu beurteilen seien, für die der einzelne
Unfallversicherer im Innenverhältnis einzustehen habe. Mit der Ausgleichs-
pflicht unter Versicherern solle einzig vermieden werden, dass der neue
Versicherer materiell für Schadenfälle einstehen müsse, für die er keine
Prämien erhalten habe. Gemäss ihrem beratenden Psychiater überzeuge
die Diagnose einer Neurasthenie nicht, da diese in der Regel Folge einer
entsprechenden Anlage sei. Auf das MEDAS-Gutachten und die darin ent-
haltene Kostenaufteilung könne nicht abgestellt werden, da es sich um eine
rein medizinisch-theoretische Grobschätzung handle, welche sich zudem
auf die spezifische Situation im März 2010 beziehe. Die Beurteilung des
Versicherungsgerichts Aargau vom 21. November 2007 könne im Innen-
verhältnis nicht massgebend sein, da die C._ im Aussenverhältnis
nach der klaren Regelung von Art. 100 Abs. 2 UVV als federführender Ver-
sicherer für beide Unfälle hafte. Aus den dargelegten Gründen sei ein in-
terner Ausgleich abzulehnen.
J.
Duplikweise teilte die C._ am 28. September 2015 (BVGer act. 18)
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Seite 9
dem Bundesverwaltungsgericht mit, sie sei nach wie vor mit dem Verteil-
schlüssel einverstanden. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin, wo-
nach die Adäquanzprüfung auch im Innenverhältnis anwendbar sei, seien
zu wenig belegt, um daraus einen Anspruch auf eine Neubeurteilung unter
Berücksichtigung des adäquaten Kausalzusammenhangs geltend zu ma-
chen. Im Übrigen sei der erste Unfall nicht nur gemäss den subjektiven
Angaben der Versicherten der schwerwiegendste, auch die biomechani-
schen Analysen der drei Unfälle würden dies bestätigen. Den Ausführun-
gen der Beschwerdeführerin in der Replik vom 28. August 2015 sei nicht
zu folgen.
K.
In ihrer Duplik vom 5. Oktober 2015 (BVGer act. 19) hielt die B._
an ihren bisherigen Begehren und deren Begründung fest, nahm zur Replik
der Beschwerdeführerin eingehend Stellung und führte insbesondere aus,
soweit die Beschwerdeführerin behaupte, der Endzustand sei im Mai 2001
erreicht gewesen, so hätte sie eine Rente und Integritätsentschädigung
prüfen müssen, was sie richtigerweise nicht getan habe. Der von der Be-
schwerdeführerin beigezogene Arzt Dr. K._ stufe die prozentuale
Verursachung des Erstereignisses mit 50 % ein und liege damit leicht unter
der im MEDAS-Gutachten geschätzten 60 %. Dr. K._ ziehe damit
dieselben Schlüsse, wie die MEDAS-Gutachter und gewichte die einzelnen
Unfallfolgen nur leicht abweichend. Die Beschwerdegegnerin 1 resümierte,
das BAG habe in seiner Verfügung vom 22. Dezember 2014 die Rechts-
grundlagen korrekt angewandt und sich zurecht auf das schlüssige
MEDAS-Gutachten gestützt. Auch aus biomechanischer Sicht sei die Ge-
wichtung richtig. Der erste Unfall sei mit Abstand der gravierendste gewe-
sen.
L.
Nachdem die Vorinstanz keine Duplik eingereicht hatte, wurde der Schrif-
tenwechsel mit Instruktionsverfügung vom 20. Oktober 2015 (BVGer act.
20) geschlossen.
M.
Auf Nachfrage seitens des Bundesverwaltungsgerichts (BVGer act. 21)
sandte die Beschwerdeführerin am 23. November 2017 (BVGer act. 24)
sich bereits bei den Akten befindende Unterlagen ein (BVGer act. 24/3-
24/8) sowie nicht aktenkundige Arztzeugnisse vom 26. Februar 2001 (M12,
BVGer act. 24/1), 2. September 2002 (BVGer act. 24/2), 18. September
2002 (BVGer act. 24/2) und 30. Oktober 2002 (BVGer act. 24/2) betreffend
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Seite 10
teilweise Arbeitsunfähigkeit und eine Leistungsübersicht vom 26. August
2015 (BVGer act. 24/9).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG (SR 172.021).
Bei der angefochtenen Verfügung des BAG vom 22. Dezember 2014 han-
delt es sich um eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG. Zulässig sind
Beschwerden gegen Verfügungen von Vorinstanzen gemäss Art. 33 VGG.
Nach Art. 78a UVG des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Un-
fallversicherung in der vorliegend anwendbaren Fassung vom 1. April 2006
(UVG, SR 832.20, in Kraft bis Dezember 2016) erlässt das BAG bei geld-
werten Streitigkeiten zwischen Versicherern eine Verfügung. Das BAG,
welches vorliegend verfügt hat, ist im Sinne von Art. 33 lit. d VGG eine Vor-
instanz des Bundesverwaltungsgerichts; eine sachliche Ausnahme ge-
mäss Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit
für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat
an deren Aufhebung oder Änderung ein schutzwürdiges Interesse, womit
sie im Sinne von Art. 48 Abs. 1 lit. a bis c VwVG zur Beschwerde legitimiert
ist.
1.3 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (vgl. Art. 50 ff.
VwVG) eingereicht und der einverlangte Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 4'000.- fristgerecht geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.4 Mit der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann gerügt
werden, die angefochtene Verfügung verletze Bundesrecht (einschliesslich
Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens), beruhe auf einer unrich-
tigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts oder sei unangemessen (Art. 49 VwVG).
1.5 Die Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 nahmen am Verfahren vor dem
BAG ebenfalls teil. Die Beschwerdegegnerin 1 verlangte die teilweise
Rückvergütung der Kosten nach dem dritten Unfall und die Beschwerde-
gegnerin 2 wurde vom BAG im Umfang von 20 % zur Beteiligung an diesen
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Seite 11
Kosten verpflichtet. Die Verfügung des BAG in Anwendung von Art. 78a
UVG greift demnach in den Bestand der Rechte und Pflichten der Be-
schwerdegegnerinnen ein. Beide Beschwerdegegnerinnen sind mit der
Kostenaufteilung, welche das BAG in seiner Verfügung vom 22. Dezember
2014 vorgenommen hat, einverstanden, womit ihr Interesse darin besteht,
dass die angefochtene Verfügung in Rechtskraft erwächst. Nach der Lehre
gelten Verfahrensbeteiligte in diesem Sinn als Gegenparteien, die zur Be-
zahlung von Verfahrens- und Parteikosten verpflichtet werden können,
wenn sie sich den Anträgen der beschwerdeführenden Partei mit eigenen
Anträgen widersetzen (vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Auflage, Zürich 2013, Rz. 926 und 1184). Die Beschwerdegegnerinnen
haben vorliegend Anträge gestellt, bzw. sich mit der Verfügung einverstan-
den erklärt, und sind damit als Partei im Sinne von Art. 6 VwVG zu betrach-
ten.
2.
Im Folgenden ist zu untersuchen, welche Rechtsnormen im vorliegenden
Verfahren zur Anwendung gelangen.
2.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Ge-
mäss Art. 1 Abs. 2 lit. c UVG in der Fassung vom 1. April 2006 kommt im
Verfahren um geldwerte Streitigkeiten zwischen Versicherern das ATSG
(SR 830.1) nicht zur Anwendung.
2.2 Nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln sind in formell-
rechtlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze anwendbar, wel-
che im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (vgl. BGE
130 V 1 E. 3.2).
2.3 In materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechts-
sätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Sachverhalts Geltung haben (vgl. BGE 130 V 329 E. 2.3). Dementspre-
chend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung des UVG vom
25. September 2015 vor (AS 2016 4375, 4387), dass Versicherungsleis-
tungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und
für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt werden.
C-682/2015
Seite 12
2.4 Da vorliegend die Leistungskoordination zwischen der Beschwerdefüh-
rerin und den beiden Beschwerdegegnerinnen in Bezug auf die von der
Beschwerdegegnerin 1 gegenüber der Versicherten im Zusammenhang
mit dem Ereignis vom 23. Mai 2006 erbrachten Leistungen strittig ist, sind
das UVG in der Fassung vom 1. April 2006 und das UVV in der Fassung
vom 1. Januar 2006 anwendbar.
3.
3.1 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 22. Dezember 2014, mit welcher die Vorinstanz entschied,
für die Folgen des Unfalls vom 23. Mai 2006 habe die A._ Fr.
101‘446.70 und die C._ Fr. 33‘815.60 an die B._ zu bezah-
len.
3.1.1 Die C._, welche für die Unfallfolgen des zweiten Unfalls auf-
kam, erklärte sich mit Beschwerdeantwort vom 10. März 2015 (BVGer act.
6) mit der Leistungspflicht im Umfang von Fr. 33‘815.60, das heisst 20 %,
für die Kosten aus dem dritten Unfall im Zeitraum von Mai 2006 bis Juni
2011 einverstanden. Umstritten und nachfolgend zu prüfen bleibt somit, ob
die A._ zurecht im Umfang von Fr. 101‘446.70, das heisst 60 %, zur
Kostenrückerstattung aus dem dritten Unfall verpflichtet wurde.
3.1.2 Der vierte Unfall vom 25. Mai 2009 führte nur vorübergehend wäh-
rend zweier Wochen zu einer Beeinträchtigung, danach war der Vorzu-
stand wiederhergestellt (M28; Vorakten doc. 60, 92, 181, 441, 466, 492,
BVGer act. 1/54). Zudem verursachte der vierte Unfall keine zusätzlichen
medizinischen Behandlungen und wurde auch nicht gemeldet. Dieser
vierte Unfall ist daher für die vorliegende Frage der Kostenaufteilung aus
dem dritten Unfall irrelevant.
3.2 Die vorliegend angefochtene Verfügung des BAG vom 22. Dezember
2014 erging gestützt auf Art. 78a UVG.
3.2.1 Nach der Rechtsprechung kommt die Verfügungszuständigkeit des
BAG nach Art. 78a UVG in all jenen geldwerten Streitigkeiten zum Tragen,
in denen ein Unfallversicherer, der gegenüber dem anderen Unfallversi-
cherer keine Weisungsbefugnis besitzt, das BAG anruft, damit dieses über
die streitige Leistungszuständigkeit entscheide (vgl. BGE 127 V 176 E. 4d;
BGE 125 V 324 E. 1b). Dieser Rechtsweg steht namentlich dann offen,
wenn ein negativer Kompetenzkonflikt zwischen zwei Versicherern über
C-682/2015
Seite 13
die Leistungspflicht bezüglich eines Schadensereignisses vorliegt oder
wenn ein Versicherer von einem anderen Versicherer Rückerstattung von
gegenüber dem Versicherten erbrachten Leistungen verlangt (vgl. BGE
127 V 176 E. 4d).
3.2.2 Die Beschwerdegegnerin 1 forderte bekanntlich von der Beschwer-
deführerin und der Beschwerdegegnerin 2 die teilweise Rückvergütung
von gegenüber der Versicherten nach dem dritten Unfall erbrachten Leis-
tungen, womit die Beschwerdeführerin nicht einverstanden war, weshalb
das sachlich und funktionell zuständige BAG zurecht auf Gesuch der Be-
schwerdegegnerin 1 eine entsprechende Verfügung erliess.
4.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz ihrer Aktenführungspflicht in
hinreichendem Masse nachgekommen ist.
4.1 Die Aktenführungspflicht von Verwaltung und Behörden bildet das Ge-
genstück zum (aus Art. 29 Abs. 2 BV fliessenden) Akteneinsichts- und Be-
weisführungsrecht, indem die Wahrnehmung des Akteneinsichtsrechts
durch die vom Entscheid betroffene Person eine Aktenführungspflicht der
Behörde voraussetzt (vgl. BGE 138 V 218 E. 8.1.2; BGE 130 II 473 E. 4.1;
BGE 124 V 372 E. 3b; BGE 124 V 389 E. 3a). Zudem ergibt sich die Pflicht
zur sorgfältigen Aktenführung auch aus dem Untersuchungsgrundsatz (vgl.
KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.],
Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 12 Rz. 42; SVR 2011 IV Nr. 44
[BGer 8C_319/2010] E. 2.2.2; Urteil BVGer C-6549/2014 vom 22. Juni
2016 E. 5.2.2 und C-4358/2017 vom 5. März 2018 E. 2.1.2. je m.w.H.). Die
Behörde ist verpflichtet, ein vollständiges Aktendossier über das Verfahren
zu führen, um gegebenenfalls ordnungsgemäss Akteneinsicht gewähren
und bei einem Weiterzug diese Unterlagen an die Rechtsmittelinstanz wei-
terleiten zu können. In den Akten hat sie alles festzuhalten, was zur Sache
gehört (vgl. BGE 124 V 372 E. 3b; BGE 115 Ia 97 E. 4c). Der verfassungs-
mässige Anspruch auf eine geordnete und übersichtliche Aktenführung
verpflichtet die Behörden und Gerichte, durch eine übersichtlich geordnete
Ablage, Paginierung und Registrierung der vollständigen Akten die Voll-
ständigkeit der im Verfahren eingebrachten und erstellten Akten sicherzu-
stellen. Die Aktenführungspflicht ist aber auch für die Gerichte von mass-
geblicher Bedeutung, weil im Falle einer Unkenntnis über die von der Vo-
rinstanz tatsächlich herangezogenen Akten, die Gefahr eines unrichtigen –
wenngleich grundsätzlich revisionsfähigen – Urteils besteht, wodurch er-
neut der Anspruch des Betroffenen auf rechtliches Gehör verletzt wäre (vgl.
C-682/2015
Seite 14
Urteil des BVGer C-7165/2015 vom 25. August 2017 E. 5.1). Zur Aktenfüh-
rung gehören im Einzelnen die folgenden Aufgaben:
– Es ist in der Regel ein Aktenverzeichnis zu erstellen. Dieses muss eine
chronologische Auflistung sämtlicher Eingaben enthalten, die im Rah-
men eines Verfahrens gemacht werden. Anzugeben sind dabei Inhalt,
Datum und Absender/Ersteller der Akte (vgl. KRAUSKOPF/EMMENEG-
GER/BABEY a.a.O. Art. 12 Rz. 43).
– Die Akten müssen ausserdem von Anfang an in chronologischer Rei-
henfolge abgelegt werden. Bei Vorliegen eines Gesuchs um Aktenein-
sicht und spätestens im Zeitpunkt des Entscheids ist das Dossier zu-
dem zu paginieren (vgl. KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY a.a.O. Art. 12
Rz. 44 mit Hinweis auf BGE 138 V 218 E. 8.1).
– Der Partei ist alsdann Zugang zu allen entscheiderheblichen Abklärun-
gen, Zeugenbefragungen usw. zu gewähren. Demgegenüber brauchen
interne Schriftstücke, die einzig für den internen Gebrauch bestimmt
und keinen Einfluss auf die Entscheidfindung und Sachverhaltsfeststel-
lung haben, nicht aufgeführt zu werden (vgl. KRAUSKOPF/EMMENEG-
GER/BABEY a.a.O. Art. 12 Rz. 45).
– Schliesslich muss die Behörde über entscheidwesentliche Abklärungen
Protokoll führen. Der Umfang der Protokollierungspflicht hängt von den
konkreten Gegebenheiten des Einzelfalls ab (vgl. KRAUSKOPF/EMME-
NEGGER/BABEY a.a.O. Art. 12 Rz. 46).
4.2
4.2.1 Zwar sind die vom BAG vernehmlassungsweise eingereichten Akten-
nummern 1 bis 11 chronologisch, paginiert und mit einem Aktenverzeichnis
versehen (BVGer act. 10 Beilagen 1 bis 11), jedoch wurden die Vorakten
nicht durchnummeriert, sondern sämtliche Unterlagen unter Pagina 1 auf-
geführt mit dem Titel „Antrag der L._ GmbH als Vertreter der
B._ Kranken- und Unfallversicherung AG um Erlass einer Verfü-
gung gemäss Art. 78a UVG vom 15. April 2015 (inkl. Beilagen)“. Aus dem
Antrag der L._ GmbH vom 15. April 2014 (Vorakten doc. 1) geht
hervor, dass es sich um die folgenden Unterlagen handelt:
– Verzeichnis Akten A._
– E._ M1-M30
– E._ A1-A16
– Akten betreffend Ausgleich nicht nummeriert
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Seite 15
– Akten C._/Suva 1-175
– Akten B._ 1-150
– Akten IV
– Unfallanalysen
In den beim Bundesverwaltungsgericht eingereichten Vorakten sind die Ak-
ten M10, M12, M13 und M24 nicht enthalten, obwohl die obengenannte
Auflistung eine Vollständigkeit der Akten suggeriert („M1-M30“).
Auch die Beschwerdeführerin gab beschwerdeweise an (BVGer act. 1), die
Akten M1-M30 beigelegt zu haben, jedoch fehlen die Akten M10, M12, M13
und M24 auch bei dieser Eingabe. Die Akte M12 (Arztzeugnis vom 26. Feb-
ruar 2001) wurde erst mit Brief vom 23. November 2017 (BVGer act. 24/1)
beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Die Akten M10, M13 und M24
fehlen weiterhin.
4.2.2 Im Antrag der L._ GmbH vom 15. April 2014 (Vorakten doc. 1)
wird zu den Vorakten festgehalten, teilweise seien gleiche Aktenstücke in
den Dossiers aller Versicherungen enthalten. Zu den Akten der A._
sei zu bemerken, dass bis zum 4. Februar 2008 Aktennotizen der Scha-
deninspektorin, M._, mit Angabe der Referenznummer zum Haft-
pflicht- und zum UVG-Fall enthalten seien. Für die Folgezeit würden Noti-
zen über Gespräche, an welchen die gleiche Schadeninspektorin ebenfalls
teilgenommen habe, fehlen.
4.2.3 Zudem hielt die Suva am 10. Dezember 2004 fest (Vorakten doc. 346
entspricht Suva-Akten Nr. 58), bei der Übernahme des Dossiers seien die
Akten stark durchmischt gewesen, und es seien teilweise mehrfach diesel-
ben Akten abgelegt worden. Das Dossier sei nach „bestem Wissen und
Gewissen“ nach Suva-Richtlinien geordnet worden.
4.2.4 Mit Aktennotiz vom 18. Oktober 2010 (Vorakten doc. 213, Anmerkung
des Bundesverwaltungsgerichts: das Aktenstück wurde von der Suva nicht
nummeriert), wurde von einem Suva-Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass
nach Rücksendung der Akten durch die C._, welche wiederum die
Akten der N._ zugestellt hatte, die Suva-Akten 149-159 nicht re-
tourniert worden seien. Die Akten seien soweit möglich anhand der Doku-
mente im elektronischen Dossier und aufgrund der Journaleinträge rekon-
struiert worden.
C-682/2015
Seite 16
4.2.5 Aus dem Gesagten erhellt, dass die Akten der Versicherungen teil-
weise nicht chronologisch geordnet, teilweise mehrfach enthalten, teil-
weise unvollständig und nicht durchnummeriert sind, so dass eine Unord-
nung herrscht, wobei die beteiligten UVG-Versicherer, insbesondere auch
die Beschwerdeführerin, hierzu beigetragen haben. Zudem nahm die Vo-
rinstanz keine Paginierung der Vorakten vor und erstellte auch kein hinrei-
chendes Aktenverzeichnis; dadurch verletzte sie ihre Aktenführungspflicht.
Die fehlerhafte Aktenführung der Vorinstanz hat die Beweisführung durch
das Bundesverwaltungsgericht vorliegend zwar erschwert, aber nicht ver-
unmöglicht. Auch ergeben sich aus den vorliegenden Akten für das Bun-
desverwaltungsgericht alle notwendigen Informationen für die Beurteilung
der geldwerten Streitigkeit zwischen den hier beteiligten Unfallversicherern
und dem Entscheid des BAG (vgl. hierzu Urteil des BGer 8C_1026/2010
vom 7. Oktober 2011 E. 2.1).
4.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz die Aktenführungs-
pflicht verletzt hat. Eine Rückweisung der Sache allein zur Ordnung der
Akten und neuem Entscheid wäre indes ein formalistischer Leerlauf, zumal
die Beurteilung der vorliegenden Streitsache liquid ist und hierfür alle not-
wendigen Informationen und Beweismittel vorliegen (vgl. Urteil des BGer
8C_1026/2010 E. 2.1). Das Bundesverwaltungsgericht verfügt im vorlie-
genden Beschwerdeverfahren über eine umfassende Kognition in Sach-
und Rechtsfragen, und der Beschwerdeführerin stehen dieselben Mitwir-
kungsrechte wie im Verfahren vor der Vorinstanz zu (Art. 49 VwVG i.V.m.
Art. 37 VGG). Das Gericht führte überdies einen zweifachen Schriften-
wechsel durch, wodurch die Beschwerdeführerin Gelegenheit erhielt, sich
einlässlich zu äussern. Infolgedessen konnte sie ihren Anspruch auf recht-
liches Gehör vollumfänglich wahrnehmen. Aus den genannten Gründen ist
auch nicht ersichtlich, inwiefern sie durch eine Heilung der Gehörsverlet-
zung einen Nachteil erleiden würde. Schliesslich hat sie die Aktenführung
der Vorinstanz auch nicht gerügt. Aufgrund dieser Überlegungen und der
Prozessökonomie erweist es sich als gerechtfertigt, die festgestellte Ge-
hörsverletzung im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens als
geheilt zu betrachten.
4.4 Zur Nachvollziehbarkeit des vorliegenden Urteils wurden die Vorakten
durchs Bundesverwaltungsgericht nummeriert, beginnend mit den Akten
des BAG, gefolgt von den Akten der A._, der C._, der
B._, der IV und zum Schluss der vollständigen Unfallanalysen. Im
Urteil werden nachfolgend diese Aktennummern aufgeführt als „Vorakten
C-682/2015
Seite 17
doc.“ und mit der von der A._ verwendeten Akten-Kennzeichnung
„A“ für allgemeine Akten und „M“ für medizinische Akten ergänzt.
Für die im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Akten wird die
Bezeichnung „BVGer act.“ verwendet und die jeweiligen Beilagen separat
paginiert.
Das vom Bundesverwaltungsgericht erstellte Aktenverzeichnis wird diesem
Urteil beigelegt.
5.
In materieller Hinsicht ist zunächst der medizinische Sachverhalt festzu-
stellen.
5.1 Den Vorakten sind die nachstehenden medizinischen Informationen zu
entnehmen:
5.1.1 Nach telefonischer Konsultation durch die Versicherte bescheinigte
Dr. O._, Allgemeinmediziner, am 7. September 2000 (M4; Vorakten
doc. 87, 119; BVGer act. 1/81) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und über-
wies die Versicherte zur Behandlung ans Spital P._. Dem Bericht
der Notfallstation vom 7. September 2000 (M1; Vorakten doc. 123; BVGer
act. 1/84) ist zu entnehmen, dass die Versicherte frontalseitlich mit einem
anderen Fahrzeug kollidierte und eine halbe Stunde nach dem Unfall
Schmerzen im Nacken und Hinterkopf verspürte. Die Notfallärzte erkann-
ten eine Druckdolenz im oberen HWS-Bereich und diagnostizierten, nach-
dem sie keine ossären Läsionen und keine Hinweise für eine Luxation fan-
den, eine HWS-Distorsion und verschrieben 500mg Ponstan.
5.1.2 Am 15. September 2000 erfolgte die Unfallmeldung der Arbeitgeberin
der Versicherten, Pflege- und Altersheim G._, an die A._
(A1; Vorakten doc. 35, 56, 127, 148; BVGer act. 1/30, 1/51), wonach die
Versicherte die Arbeit als Köchin unfallbedingt seit dem 8. September 2000
ausgesetzt habe.
5.1.3 Dr. Q._ vom Spital P._ erachtete die Versicherte am
3. Oktober 2000 als vollständig arbeitsfähig und empfahl eine Nachkon-
trolle beim Hausarzt (M2; Vorakten doc. 89a, 122; BVGer act. 1/83). Im
Fragebogen desselben Datums wurde berichtet (M3; Vorakten doc. 88,
120, 121; BVGer act. 1/82), beim Unfall sei es zu einem Kopfanprall (Ab-
knickmechanismus) gekommen. Die Versicherte habe den Kopf gerade ge-
C-682/2015
Seite 18
halten und sei von der Kollision überrascht worden. Hinsichtlich der Be-
schwerden wurde festgehalten, die Versicherte habe vor dem Unfall gele-
gentlich unter Schwindel gelitten, ansonsten sei sie beschwerdefrei gewe-
sen, insbesondere auch hinsichtlich der HWS. Nach dem Unfall sei es in-
nerhalb einer halben Stunde zu Spontanschmerzen beim Nacken okzipital
gekommen. Der psychische Zustand wurde als normal beschrieben. Als
Befund wurde eine uneingeschränkte HWS-Beweglichkeit mit Druckdolenz
am Dornfortsatz C1-C5 und in der paravertebralen Muskulatur C1-C5 er-
hoben.
5.1.4 Am 17. Oktober 2000 (M5; Vorakten doc. 86, 118; BVGer act. 1/80)
attestierte der Hausarzt der Versicherten, Dr. R._, Allgemeinmedi-
ziner, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 7. September 2000 bis Ende
Oktober 2000 wegen der erlittenen HWS-Distorsion. Er bemerkte keine Be-
sonderheiten hinsichtlich des Allgemeinzustands. Es bestünden aus-
schliesslich Unfallfolgen. Er habe Ponstan 500mg und einen Halskragen
verordnet.
5.1.5 Dr. F._, Spezialarzt für Neurologie FMH, überwies die Versi-
cherte am 23. Oktober 2000 (M6; Vorakten doc. 85, 117; BVGer act. 1/79)
an Dr. S._, Radiologe, zur Vornahme einer neuroradiologischen
Funktionsuntersuchung bei persistierenden okzipitalen Kopf-, Schulter-
und Nackenschmerzen mit zeitweise Flimmern vor den Augen und vor-
rübergehender Übelkeit sowie Druckschmerz über C5/C8 und Th5 ohne
Ausstrahlung.
5.1.6 Gestützt auf MRI des Kopfes, MRI und digitalen Röntgen der HWS
inklusive Funktion sowie MR und CT des kraniozervikalen Übergangs in-
klusive Funktion vom 3. November 2000 befand Dr. S._ am 8. No-
vember 2000 (M7; Vorakten doc. 74, 84, 106, 116, 357; BVGer act. 1/68,
1/78), die Schiefhaltung der HWS nach rechts, die kompensatorische Kopf-
haltung links, die Retrohaltung des kraniozervikalen Übergangs in Ruhe
und die kyphotische Fehlhaltung der HWS in Ruhe würden für ein Zervikal-
syndrom sprechen.
5.1.7 Am 1. Dezember 2000 (M8; Vorakten doc. 75, 83, 107, 115, 358;
BVGer act. 1/69, 1/77) erkannte Dr. T._, Radiologe, normale Rönt-
genbilder LWS ap/lat. Sacrum lat., leichte Retrolisthesis L2 und L3 als In-
dizien einer bisegmentalen Gefügelockerung, keine AP für eine ossäre Lä-
sion, insbesondere keine Deckplattenimpression von S1.
C-682/2015
Seite 19
5.1.8 Der Hausarzt der Versicherten, Dr. R._, berichtete am 1. De-
zember 2000 (M9; Vorakten doc. 82, 114; BVGer act. 1/76), es sei zu einer
langsamen Besserung der Nackenschmerzen gekommen, jedoch bestün-
den persistierende thorakolumbale Rückenschmerzen, die trotz intensiver
Physiotherapie nicht wesentlich gebessert hätten und vor allem bei Belas-
tung auftreten würden. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit
dem 7. September 2000 bis auf weiteres. Seit dem 7. November 2000 sei
die Versicherte nicht mehr bei ihm in Behandlung, sondern bei Dr.
F._.
5.1.9 Den Fragebögen zum Unfallmechanismus und zur Beschwerdean-
amnese vom 11. Januar 2001 ist zu entnehmen (Vorakten doc. 55, 47;
BVGer act. 1/50), dass die Versicherte von der Kollision völlig überrascht
wurde und daher nicht bremste, wobei sie den Kopf gerade, leicht abge-
neigt hatte, und dabei wahrscheinlich den Kopf stiess. Bei der Kollision lös-
ten die Airbags aus, und das Fahrzeug der Versicherten erlitt einen Total-
schaden. Vor dem Unfall war die Versicherte gesund und wies keine Ar-
beitsunfähigkeiten wegen Krankheiten oder Unfällen auf. Letztmals vor
dem Unfall war sie bei ihrem Hausarzt zwecks Untersuchung für ein Tauch-
brevet (Sommer 1999). Es hätten keine Vorunfallbeschwerden bestanden,
und es gebe keine Auffälligkeiten in der Familie. Nach dem Unfall habe die
Versicherte sofort unter Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit gelitten,
welche in den zwei Wochen nach dem Unfall massiv zugenommen hätten
und danach stagniert seien. Sitzen sei über längere Zeit nicht möglich.
Beim Gehen ohne Lasten seien die Beschwerden erträglich. Als Therapie
verschrieb ihr Dr. F._ Medikamente und Physiotherapie.
5.1.10 Die A._ besuchte die Versicherte am 11. Januar 2001 zu
Hause und konstatierte in ihrem Bericht vom 12. Januar 2001 (A2, Vorak-
ten doc. 54, 146; BVGer act. 1/49, 24/5), der Zustand sei noch nicht befrie-
digend, da die Versicherte noch immer unter den typischen HWS-Sympto-
men leide, wie Kopfschmerzen, teilweise Schwindelgefühle, mangelndes
Konzentrationsvermögen, Lärmempfindlichkeit und Nackenverspannun-
gen. Aufgrund des aktuellen Gesundheitszustandes sei es der Versicher-
ten nicht möglich, ihre Arbeit wieder aufzunehmen; ein Arbeitsversuch im
Oktober 2000 sei gescheitert. Bei längerem Sitzen würden die Schmerzen
zunehmen und beim Stehen und Umhergehen ereilten sie Schwindelge-
fühle.
C-682/2015
Seite 20
5.1.11 Dr. F._ erstattete am 20. Februar 2001 einen Zwischenbe-
richt (M11; Vorakten doc. 81, 113; BVGer act. 1/75), wonach die unfallfrem-
den Darmkoliken zurzeit im Vordergrund stünden; sonst sei die Versicherte
auf dem Weg der Besserung. Er diagnostizierte Status nach Auffahrunfall
mit HWS-Distorsionstrauma und Lumboischialgie L3/4 sowie Hirnleis-
tungsschwäche in Form von Konzentrations-, Wortfindungs-, Aufmerksam-
keits- und Konzeptionierungsstörung. Seit dem 5. Februar 2001 betrage
die Arbeitsunfähigkeit 45 %.
5.1.12 Die Beschwerdeführerin legte mit Schreiben vom 23. November
2017 ein Arztzeugnis von Dr. F._ vom 26. Februar 2001 ins Recht
(M12; BVGer act. 24/1), wonach die Versicherte vom 1. Februar 2001 bis
zum 28. Februar 2001 zu 25 % und vom 1. März 2001 bis zum 15. März
2001 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen sei.
5.1.13 Im ärztlichen Bericht von Dr. U._ vom 19. Mai 2001 (M14;
Vorakten doc. 80, 112; BVGer act. 1/74) wird als Diagnose ein zervikoze-
phales Syndrom mit Schmerzen und ungerichtetem Schwindel nach HWS-
Distorsion aufgeführt. Zum Krankheitsverlauf wurde festgehalten, nach
vorher mühsamem Verlauf sofortiges Ansprechen auf die gezielte manuelle
und myofasziale Behandlung (inkl. Muskel- und Periostakupunktur). Das
Mitspielen von unfallfremden Faktoren wurde verneint. Er attestierte am
30. Juli 2001 (M15; Vorakten doc. 79, 111; BVGer act. 1/73) eine Arbeits-
unfähigkeit von 75 % ab 1. Februar 2001, 50 % ab 1. März 2001, 25 % ab
17. April 2001, 0 % ab 1. Mai 2001, 25 % ab 9. Mai 2001 und 0 % ab 21. Mai
2001.
5.1.14 Dr. F._ überwies die Versicherte am 24. August 2001 (M17;
Vorakten doc. 77, 109; BVGer act. 1/71) an die ambulante Rückensprech-
stunde der Klinik D._, da in der Physiotherapie keine weiteren Fort-
schritte mehr erzielt wurden. Er schilderte, es sei immer wieder zu einer
vorrübergehenden Besserung gekommen, die soweit gelungen sei, dass
die Versicherte die Tätigkeit als Köchin wieder voll habe aufnehmen kön-
nen. Nach wie vor würde jedoch das Heben von Pfannen und Töpfen, vor
allem wenn sie sich nach vorne beugen müsse, deutliche Rückenschmer-
zen im Bereich der unteren HWS tief thorakal provozieren.
5.1.15 Dr. U._ stellte am 2. September 2001 (M16; Vorakten doc.
78, 110; BVGer act. 1/72) die Diagnose zervikovertebrales und lumbover-
tebrales Syndrom bei HWS-Distorsion und erkannte, insgesamt sehr schö-
ner Verlauf, dennoch unter beruflicher Mehrbelastung vermehrt lumbale
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Seite 21
Schmerzen, welche aber gut manuell behandelbar seien; Nackenschmer-
zen seien nur noch vereinzelt da. Die lumbalen Schmerzen hätten von An-
fang an bestanden, seien aber gegenüber den zervikalen Problemen im
Hintergrund gewesen. Alle 2-4 Wochen werde eine manuelle und myofas-
ziale Behandlung durchgeführt. Seit 21. Mai 2001 betrage die Arbeitsfähig-
keit 100 %.
5.1.16 Dr. V._, Orthopäde der Universitätsklinik (...), untersuchte
die Versicherte am 14. September 2001 und erwähnte in seinem Brief an
Dr. F._ vom 17. September 2001 (Vorakten doc. 73, 105; BVGer
act. 1/67) und an den Vertrauensarzt der A._ vom 23. Oktober 2001
(M18; Vorakten doc. 76, 108; BVGer act. 1/70) die Diagnose Status nach
Rückenkontusion/HWS-Distorsion. Er fand keinen pathologischen Befund.
Als Therapie erachtete er eine symptomatische und physiotherapeutische
Behandlung als notwendig. Da die Versicherte wegen der früheren Diag-
nose einer Gefügelockerung beunruhigt war, veranlasste er eine Funkti-
onsaufnahme und ein MRI der Lendenwirbelsäule. Die Untersuchungen
fanden am 30. Oktober 2001 statt und Dr. V._ erkannte am 2. No-
vember 2001 (M19; Vorakten doc. 72, 104; BVGer act. 1/66) keine Hin-
weise auf Instabilität oder Hypermobilität der Lendenwirbelsäule und auch
kein morphologisches Korrelat zu den von der Patientin angegebenen Be-
schwerden. Wahrscheinlich handle es sich um Muskelverspannungen.
5.1.17 Dr. F._ hielt am 28. Januar 2002 fest (M20, Vorakten doc.
71, 103; BVGer act.1/65), die Versicherte arbeite zu 100 %. Sie habe im-
mer noch Schmerzen bei Überlastung, sonst sei der Verlauf zufriedenstel-
lend.
5.1.18 Am 24. Februar 2002 beantwortete die Versicherte die Fragen der
A._ betreffend den Unfall vom 7. September 2000 dahingehend
(A3, Vorakten doc. 53, 145; BVGer act. 1/ 48), dass sie immer noch an
Beschwerden leide, so habe sie mittlere bis zum Teil starke Schmerzen im
unteren Rückenbereich, Nackenschmerzen und Kopfschmerzen. Sie habe
Physiotherapie, Manualtherapie, medizinische Trainingstherapie, gehe ins
Solebad sowie ins Krafttraining und nehme Medikamente ein.
5.1.19 Am 14. März 2002 informierte Dr. U._ (M21, Vorakten doc.
70, 102; BVGer act. 1/64, 24/3), trotz des früher schwierigen Verlaufs mit
langer Arbeitsunfähigkeit sehr gutes und jetzt zunehmend langanhaltendes
Ansprechen auf die gezielte manuelle und myofasziale Behandlung, inklu-
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sive Muskel- und Periostakupunktur. Es würden keine unfallfremden Fak-
toren mitspielen. Wann die Behandlung abgeschlossen werden könne, sei
unklar, da häufig Rezidive auftreten würden. Die Versicherte habe ab
21. Mai 2001 ihre Arbeit zu 100 % wieder aufgenommen.
5.1.20 Die A._ führte am 3. Mai 2002 eine Besprechung mit der
Versicherten durch (A4, Vorakten doc. 52, 144; BVGer 1/47, 24/7), anläss-
lich welcher diese erzählte, bei Wetterwechsel und bedingt durch die
schwere Arbeit im Betrieb leide sie unter Schmerzen im unteren Rücken-
bereich, sporadisch würden auch Kopfschmerzen und linksseitige Na-
ckenverspannungen auftreten. Ausserdem bestehe seit dem Unfall eine
Kälteempfindlichkeit, gegen welche sie einen Nierengurt trage. Den Tauch-
sport könne sie wegen der niedrigen Wassertemperatur und der zu tragen-
den Gewichte nicht mehr ausüben.
5.1.21 Auf Anfrage der A._ berichtete die Versicherte am 5. April
2003 (A5, Vorakten doc. 51, 143; BVGer act. 1/46), dass sie unter starken
Nackenschmerzen, Schwindel, migräneartigen Kopfschmerzen, Brustwir-
belsäulenschmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein, Augenflimmern und
Sehstörungen leide. Sie sei nach wie vor bei Dr. F._ in Behandlung,
welcher ihr Medikamente und Physiotherapie verschrieben habe.
5.1.22 In Bezug auf den ersten Unfall prognostizierte Dr. F._ am
8. August 2003 (M22, Vorakten doc. 69, 101; BVGer act. 1/63, 24/4), dass
die voraussichtliche Dauer der Behandlung ungewiss sei. Als Diagnose
führte er HWS-Distorsionstrauma mit Konzentrationsstörung sowie trau-
matisch bedingter Lumbago auf. Es sei mit keinem bleibenden Nachteil zu
rechnen.
5.1.23 Die A._ hielt am 19. September 2003 eine persönliche Be-
sprechung mit der Versicherten ab und protokollierte am 22. September
2003 (A6, Vorakten doc. 50, 142; BVGer act. 1/45, 24/6), die Versicherte
habe erzählt, sie habe immer noch Nacken- und Rückenschmerzen, wel-
che ins linke Bein ausstrahlen würden, so dass sie manchmal Probleme
beim Gehen habe. Die Beschwerden würden sich nach der Tätigkeit in der
Küche verstärken. Beim Heben von schweren Töpfen und Geschirr habe
sie am meisten Mühe. Der Betrieb in der Küche sei in Spitzenzeiten sehr
hektisch, so dass sie schnelle Bewegungen ausführen müsse, die einen
„Zwick“ im Nacken verursachen würden. Stehen und Sitzen könne sie we-
gen Nacken- und Rückenschmerzen nur für sehr kurze Zeit. Am wenigsten
Schmerzen habe sie, wenn sie gehen oder liegen könne. Zudem habe sie
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ca. alle zwei Wochen Migräne, welche einen Tag dauere. Insgesamt sei
der Beschwerdeverlauf ein stetiges Auf und Ab. Es gebe Zeiten, wo es ihr
etwas besser gehe, was jedoch die Ausnahme sei. Die letzten zwei Wo-
chen sei sie beim Arbeiten im Pflegeheim zweimal in Ohnmacht gefallen;
sie wisse nicht, woher die Ohnmachtsanfälle herrühren würden. Im Haus-
halt sei sie ebenfalls etwas eingeschränkt, so benötige sie beim Tragen
des Wäschekorbs und beim Putzen des Bodens die Hilfe ihres Freundes.
Die anderen Haushaltstätigkeiten könne sie aber ohne Einschränkungen
ausführen. Die Versicherte habe seit dem 1. September 2002 ihre Arbeit
teilweise nicht mehr aufnehmen können, wobei sie nicht durchgehend
20 % arbeitsunfähig gewesen sei. Es habe auch Tage gegeben, wo sie voll
gearbeitet habe. Seit längerer Zeit sei sie jetzt aber wieder zu 20 % arbeits-
unfähig. Sie sei einmal pro Monat bei Dr. F._ und einmal pro Woche
in der Physiotherapie. Sie selber, ihr Vorgesetzter und Dr. F._ seien
der Ansicht, dass aufgrund der gesundheitlichen Situation die Tätigkeit als
Köchin nicht mehr möglich sei, weshalb in den nächsten Tagen bei der In-
validenversicherung eine Umschulung beantragt werde.
Weiter stellte die A._ gegenüber der Versicherten die Ausrichtung
von Taggeldern in Aussicht. Aus dem im vorliegenden Beschwerdeverfah-
ren eingereichten Auszug der Taggeldzahlungen (BVGer act. 24/9) geht
hervor, dass die A._ von September 2002 bis Dezember 2002 we-
gen einer Arbeitsunfähigkeit von 20 % Taggelder bezahlte.
5.1.24 Behandlungsbericht vom 19. September 2003 (Vorakten doc. 406)
betreffend ambulante Behandlung im Spital P._ mit den Diagnosen
Schleudertrauma und BWS-Kontusion.
5.1.25 Nach dem zweiten Unfall vom 19. September 2003 berichtete Dr.
F._ am 24. September 2003 (M23, Vorakten doc. 68, 100; BVGer
act. 1/62), die Versicherte sei wieder zu 100 % arbeitsunfähig und es sei
ein bleibender Nachteil zu erwarten. Als Diagnose führte er auf, Statuts
nach Auffahrunfällen am 7. September 2000 und 19. September 2003 mit
Konzentrationsstörung, Kopfschmerzen, Schulter- Nackenverspannung
und LWS-Instabilität. Wegen des erneuten Auffahrunfalls sei es zu starken
Exazerbationen der bereits im Abklingen begriffenen Beschwerden gekom-
men. Daher sei die Physiotherapie intensiviert worden. Er verschrieb Me-
dikamente, einen Leibgurt sowie Physio- und Kraniosakraltherapie. Es sei
eine berufliche Umschulung notwendig, da der Beruf Köchin nach diesen
Unfällen nicht mehr zumutbar sei.
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Seite 24
5.1.26 Arztzeugnis vom 17./18. Oktober 2003 (Vorakten doc. 405) des Spi-
tals P._, wonach die Versicherte vollständig arbeitsunfähig sei, was
mit Arztzeugnis vom 6. November 2003 bestätigt wurde (Vorakten doc.
404).
5.1.27 Das Pflege- und Altersheim G._ informierte am 8. Oktober
2003 die C._, dass die Versicherte nach dem zweiten Unfall vom
20. September 2003 ihre Arbeit vollständig ausgesetzt habe (Vorakten doc.
34, 126, 407; BVGer act. 1/29) und erklärte am 24. Oktober 2003 (M25,
Vorakten doc. 67, 99; BVGer act. 1/61) gegenüber der A._, dass
die Versicherte vom 1. September 2002 bis zum 31. Dezember 2002 zu
20 % arbeitsunfähig gewesen sei.
5.1.28 Gemäss dem Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kra-
niozervikalem Beschleunigungstrauma vom 3. Dezember 2003 (Vorakten
doc. 402) des Spitals P._, verspürte die Versicherte sofort nach dem
Unfall Übelkeit, Nackenschmerzen mit Ausstrahlung und Kopfschmerzen.
Es wurde kein Anhalt für traumatische Läsionen, jedoch eine Streckhaltung
der LWS erkannt, ein Schleudertrauma sowie eine BWS-Kontusion diag-
nostiziert und ein Halskragen, Analgesie und Schonung verschrieben.
5.1.29 Schreiben von Dr. W._ an Dr. F._ vom 4. Dezember
2003 ohne Unterschrift (Vorakten doc. 401). Es gebe kein AP für Dis-
kusprotrusionen oder Herniationen. Insbesondere kein AP für morpholo-
gisch fassbare neurale Kompromittierungen.
5.1.30 Im Zwischenbericht vom 15. Januar 2004 (Vorakten doc. 395) be-
fand Dr. F._, die Wiederaufnahme der Arbeit zu 50 % sei per Früh-
jahr 2004 geplant. Es sei mit einem bleibenden Nachteil in Form von man-
gelnder Belastbarkeit zu rechnen.
5.1.31 Am 30. Januar 2004 (Vorakten doc. 390) wurde eine Röntgenauf-
nahme der Schädelbasis durchgeführt, welche den Verdacht einer rechts-
seitigen Fraktur des Prozessus styloideus im proximalen Drittel ergab; was
in der Folge jedoch nicht bestätigt wurde (vgl. rheumatologisches Teilgut-
achten der MEDAS, S. 9; Vorakten doc. 64, 96, 182, 445; BVGer act. 1/58).
5.1.32 Dr. F._ erstellte am 25. Februar 2004 (Vorakten doc. 356,
641) einen ausführlichen Verlaufsbericht für die C._, worin er an-
gab, nach dem ersten Unfall vom 7. September 2000 sei ein HWS-Distor-
sionstrauma und nach dem Unfall vom 19. September 2003 ein erneutes
HWS-Distorsionstrauma aufgetreten, was zu folgender Arbeitsunfähigkeit
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geführt habe: 75 % bis Februar 2001, 50 % vom 1. März 2001 bis zum 14.
Mai 2001, 0 % ab 15. Mai 2001, 100 % vom 1. Oktober 2002 bis zum 31.
Oktober 2002, 20 % vom 1. Dezember 2002 bis zum 16. Januar 2003, 0 %
ab 17. Januar 2003, 100 % vom 19. September 2003 bis zum 31. Januar
2004 und 100 % vom 1. Februar 2004 bis zum 29. Februar 2004.
Die Versicherte habe beim ersten Unfall den Kopf am Airbag und an der
Kopfstütze angeschlagen und innert eineinhalb Stunden okzipitale Kopf-
schmerzen und Schulter-Nackenschmerzen, sowie innerhalb einer halben
Stunde Schwindel und Übelkeit mit Flimmern vor den Augen verspürt. In
den Tagen nach dem Unfall hätten die Nackenschmerzen zugenommen.
Durch intensive Physiotherapie und Medikamenteneinnahme sei es zu ei-
ner deutlichen Besserung gekommen, wenn auch immer wieder zeitweilig,
vor allen Dingen unter Stress, Rezidivbeschwerden aufgetreten seien. Es
seien auch posttraumatische lumbale Schmerzen mit Druckschmerz
hauptsächlich in Höhe L3/4 vorgelegen.
Nach dem Auffahrunfall vom 19. September 2003 sei es zu einem deutli-
chen Rückfall gekommen mit Schulter-Nackenschmerzen, Kopfschmer-
zen, Rückenschmerzen auch im Bereich der BWS und der LWS, Krampf in
paravertebraler Muskulatur mit Diskushernie C5/6 sowie Schmerzaus-
strahlung in den linken Arm ulnar und ins linke Bein. Unter Physiotherapie
habe die Versicherte ihre Arbeit per 1. Dezember 2003 wieder aufnehmen
können. Am 9. Dezember 2003 seien thorakale Rückenschmerzen aufge-
treten, die mit Intraschall therapiert worden seien. Am 9. Februar 2004
habe die Patientin bei der Invalidenversicherung einen Antrag auf Umschu-
lung gestellt, da sie die schweren Pfannen nicht mehr habe heben können,
ohne ausgeprägte Schulter-, Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen zu
provozieren.
Die Prognose sei, unter der Voraussetzung, dass keine weiteren Unfälle
das Krankheitsbild verschlechtern würden, günstig. Als Köchin könne die
Versicherte nicht mehr tätig sein, hingegen sei eine angepasste Tätigkeit
ohne Heben von Lasten von mehr als 3kg, Überkopfarbeiten, Arbeiten un-
ter Belastung der Wirbelsäule mit häufigen Körperdrehungen, im Stehen,
in anhaltender Kopfneigestellung oder mit rekliniertem Kopf, bei wechsel-
seitigen Arbeiten mit Sitzen und Laufen zumutbar.
5.1.33 Die Arbeitgeberin der Versicherten, Seniorenzentrum X._,
gab am 19. März 2004 (Vorakten doc. 386) gegenüber der C._ an,
die Versicherte sei vom 1. Januar 2003 bis zum 19. September 2003 voll
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arbeitsfähig gewesen, abgesehen von einigen krankheitsbedingten Abwe-
senheiten.
5.1.34 Die Versicherte erklärte am 14. April 2004 auf Anfrage der
A._ (A7, Vorakten doc. 49, 141; BVGer act. 1/44), sie leide an Na-
ckenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Arme, starke Kopfschmerzen,
Schwindel sowie Lenden- und Brustwirbelsäulenschmerzen mit Ausstrah-
lung ins linke Bein. Sie sei bei Dr. F._ in Behandlung, welcher ihr
Physiotherapie und Krafttraining verschrieben habe.
5.1.35 Dem Zwischenbericht von Dr. F._ vom 8. Juni 2004 (M26,
Vorakten doc. 66, 98; BVGer act. 1/60) ist zu entnehmen, dass nach dem
ersten Unfall Physiotherapie und Intraschall kurzzeitige Besserung brach-
ten, wobei es nach Rückkehr zur beruflichen Tätigkeit als Köchin immer
wieder zu Rückfällen wegen Heben und Tragen von schweren Töpfen und
Pfannen gekommen sei. Nach dem zweiten Unfall vom 19. September
2003 sei die Versicherte wieder vollständig arbeitsunfähig gewesen. Es sei
ein bleibender Nachteil zu erwarten, bei mangelnder Belastbarkeit und Un-
fähigkeit mittelschweren bis schweren physischen Arbeiten und Überkopf-
arbeiten auszuführen.
5.1.36 Am 11. Juni 2004 (Vorakten doc. 377, 642, 674, 709) erstatte
Dr. F._ der C._ einen Verlaufsbericht, worin er als Be-
schwerden aufführte, Schulter-, Nacken- und Kopfschmerzen bei Belas-
tung, Verspannung bei Stress, bei Überkopfarbeiten und beim Heben
schwerer Lasten sowie mangelnde Belastbarkeit. Der Verlauf des ersten
Unfalls lasse sich vom Verlauf des zweiten Unfalls nicht unterscheiden; si-
cherlich sei es durch den zweiten Unfall zum Rückfall gekommen. Die Ar-
beitsunfähigkeit sei vor dem Unfall vom 19. September 2003 noch nicht
abgeschlossen gewesen, und die Versicherte sei noch wegen Beschwer-
den aus dem ersten Unfall behandelt worden. Die Arbeitsfähigkeit ab dem
zweiten Unfall betrage 0 %.
5.1.37 Der Kreisarzt der Suva, Dr. Y._, FMH für orthopädische Chi-
rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, war nach eigenen
Untersuchungen am 17. Juni 2004 der Ansicht (Vorakten doc. 376), die
Befunde seien normal bei normaler Beweglichkeit der HWS, BWS und
LWS. Es würden keine neurologischen Ausfälle und keine Verspannungen
der paravertebralen Muskulatur vorliegen, wobei die Versicherte bei Berüh-
rung der Paralumbalregion mit einem Papierbausch zusammengezuckt
sei. Aufgrund der Schilderung der Versicherten ging der Vertrauensarzt der
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Seite 27
Suva davon aus, dass die fast täglichen Migräneanfälle seit dem zweiten
Unfall bestehen und ansonsten keine Verschlimmerung aus subjektiver
Sicht durch den zweiten Unfall resultieren würde. Die von Dr. F._
erwähnte Konzentrationsstörung konnte Dr. Y._ nicht mehr feststel-
len. Er empfahl eine externe Begutachtung.
5.1.38 Im Schreiben vom 6. August 2004 (Vorakten doc. 355) an die
Rechtsanwältin der Versicherten resümierte Dr. F._ den medizini-
schen Verlauf und nahm zum Gutachten von Dr. Y._ Stellung. Da
sich das Krankheitsbild inzwischen im Sinne einer mit Rückschlägen be-
hafteten Verbesserung weiterentwickelt habe, liege es auf der Hand, dass
Dr. Y._ als Orthopäde und Chirurg, jedoch nicht Neurologe, am 17.
Juni 2004 nicht zu den gleichen Befunden gekommen sei, wie er am 16.
Oktober 2000 und am 19. September 2003. Die Tatsache, dass sich die
Konzentrationsstörung soweit gebessert habe, dass der begutachtende
Orthopäde diese nicht mehr habe feststellen können, spreche für einen
insgesamt positiven Verlauf und nicht gegen deren Bestehen nach dem
Unfall.
Die Heftigkeit des ersten Unfalls zeige sich daran, dass der Airbag ausge-
löst worden sei, wohingegen beim zweiten Unfall sich der Airbag nicht aus-
gelöst habe.
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit erklärte er, das Befinden sei sehr wechsel-
haft gewesen, mit einem stetigen Auf und Ab. Die Versicherte habe immer
wieder versucht zwischendurch zu arbeiten, oft sogar zu 100 %. Einmal
habe sie sogar der Küchenchef nach Hause geschickt, da sie, obwohl sie
sich gequält habe, die Leistung nicht habe erbringen können. Die Versi-
cherte sei bis zum zweiten Unfall unterschiedlich krankgeschrieben gewe-
sen, mal zu 100 %, mal zu 75 %, mal zu 50 %, zwischendurch habe jedoch
immer wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit vorgelegen. Das spiegle
den Verlauf und habe nichts mit der Schwere der Schädigung zu tun. Der
Umstand, dass die Versicherte mehrere Arbeitsversuche am alten Arbeits-
platz unternommen habe, spreche für die gute Motivation der Versicherten.
Seine Patientin habe im Februar 2001, August 2001, März 2002 und Sep-
tember 2002 über zunehmend starke Rückenschmerzen geklagt. Ab Ja-
nuar 2003 habe sie wieder 100 % gearbeitet, jedoch nur eine Leistung von
80 % erbringen können. Im Juli 2003 habe sie ihm mitgeteilt, dass sie sich
wegen der Schmerzen umschulen lassen möchte, was er unterstützt habe.
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Seite 28
Nach dem zweiten Unfall habe er sie vollständig arbeitsunfähig geschrie-
ben. Die Wiederaufnahme der Arbeit sei für Frühjahr 2004 geplant.
Die Beschwerden aus dem ersten Unfall seien bei Eintritt des zweiten Un-
falls noch nicht abgeklungen gewesen, so dass es zu einer Verstärkung
der vorhandenen Beschwerden gekommen sei.
5.1.39 Im Auftrag der Suva erstellte Dr. H._, Neurologin, nach eige-
nen Untersuchungen vom 22. März 2005, am 24. Mai 2005 (M27, Vorakten
doc. 65, 97, 253, 256, 273, 326, BVGer act. 1/59) ein Gutachten, mit Zu-
sammenfassung der medizinischen Vorakten, Anamneseerhebung und
den folgenden Diagnosen:
Status nach zweimaligem HWS-Distorsionstrauma am 7. September 2000
und 19. September 2003:
– Chronisches zervikovertebrales Syndrom
– Posttraumatische Migräne ohne Aura
– Posttraumatische chronische Spannungskopfschmerzen
– Anamnestisch lumbovertebrales und lumbospondylogenes Syndrom
beidseits, links betont
Gestützt auf die erhobenen Befunde erkannte sie, es würden typische Be-
schwerden nach HWS-Distorsionstraumen vorliegen mit diffusen Kopf-
schmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übel-
keit, Nackenschmerzen, rascher Ermüdbarkeit, Reizbarkeit und leicht de-
pressiver Verstimmung. Die Versicherte sei wegen der Schmerzen leicht
depressiv geworden, was jedoch nicht behandelt worden sei.
Gemäss Erzählung der Versicherten habe diese in den drei Jahren zwi-
schen den Unfällen immer wieder versucht zu arbeiten. Zum Zeitpunkt des
zweiten Unfalls sei sie zu 100 % arbeitsfähig geschrieben gewesen, habe
aber höchstens eine Leistung von 50 % erbringen können. Nach dem zwei-
ten Unfall sei erneut die Diagnose Schleudertrauma gestellt worden. Die
Wiederaufnahme der Arbeit sei nicht mehr möglich gewesen. Die Invali-
denversicherung habe eine Umschulung zur Praxisassistentin bewilligt. Sie
habe 24 Stunden pro Woche Schule, müsse jedoch an etwa zwei Tagen
pro Woche wegen der Schmerzen fernbleiben. Vor dem Unfall sei sie ge-
sund gewesen.
Dr. H._ stellte fest, im Zeugnis vom 28. Januar 2002 habe
Dr. F._ betreffend Arbeitsfähigkeit lediglich festgestellt, die Arbeit
sei längstens wieder zu 100 % aufgenommen worden. Die Angaben der
C-682/2015
Seite 29
Versicherten würden durch die medizinischen Akten bestätigt; nämlich,
dass die Versicherte immer wieder versucht habe, ihre Arbeitsfähigkeit zu
steigern und dies bis zum zweiten Unfall schliesslich auch gelungen sei; es
sei jedoch eine gewisse mangelnde Belastbarkeit bei schweren körperli-
chen Arbeiten geblieben, welche zu gelegentlichen Arbeitsausfällen ge-
führt habe. Am 24. September 2003 sei es zu einer zweiten Auffahrkollision
gekommen, welche die im Wesentlichen abgeheilten Beschwerden in aller
Heftigkeit wieder hervorgerufen habe.
Die Gutachterin beschrieb die Versicherte als stark motivierte Patientin,
die, trotz den erheblichen Belastungen durch ihre Beschwerden, keine psy-
chischen Probleme mit Krankheitswert entwickelt und ihre Situation bisher
adäquat und kompetent gemeistert habe. Als die Versicherte den zweiten
Unfall erlitten habe, sei der erste noch nicht voll abgeheilt gewesen. Nach
dem zweiten Unfall hätten sich die Beschwerden derart exazerbiert, dass
es der Versicherten nicht mehr zumutbar gewesen sei, in ihrem ange-
stammten Beruf als Köchin zu arbeiten, sodass eine Umschulung bei der
Invalidenversicherung beantragt und bewilligt worden sei. Dieser Verlauf
sei in den Akten durch alle behandelnden Ärzte (Dr. F._, Dr.
R._, Dr. U._) gut dokumentiert und würde die glaubwürdi-
gen Aussagen der Versicherten stützen. Einstimmig sei beschrieben wor-
den, wie es nach einem leichten HWS-Distorsionstrauma im September
2000 zu einem akuten zervikovertebralen Schmerzsyndrom gekommen
sei, welches im Verlauf chronisch geworden sei. Parallel dazu sei es zu,
nach einem solchen Trauma typischen, kognitiven Defiziten mit schneller
Erschöpfbarkeit und mangelnder Belastbarkeit gekommen, welche die vor-
handenen Coping-Strategien entscheidend beeinträchtigt hätten. Die Er-
holung sei protrahiert aber stetig verlaufen, bis es zum zweiten Unfall ge-
kommen sei, welcher zu einer akuten Verschlechterung der gleichen Lei-
den geführt habe. Hingegen seien die Überlegungen von Dr. Y._
nach kreisärztlicher Untersuchung im Juni 2004 nicht nachvollziehbar, da
die Beschwerden nach HWS-Distorsionstraumen mittlerweile gut bekannt
seien, ebenso, dass sie durch chirurgische und orthopädische Untersu-
chungsmethoden alleine nicht zu objektivieren seien.
Dr. H._ resümierte, der Unfall vom 19. September 2003 habe zu
einer Exazerbation der erhobenen Befunde geführt, welche vom Unfall da-
tierend 7. September 2000 herrühren würden und zum Zeitpunkt des zwei-
ten Unfalls etwa zu 75 % abgeheilt gewesen seien. Der zweite Unfall habe
zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung des Vorzustandes geführt,
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Seite 30
so dass das Beschwerdebild nach dem zweiten Unfall je zu 50 % auf beide
Unfälle zurückzuführen sei. Unfallfremde Ursachen würden nicht vorliegen.
Die Gutachterin kam zum Schluss, für die Tätigkeit als Köchin bestehe eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit. Nach Abschluss der Ausbildung sei die
Versicherte als medizinische Praxisassistentin zu 70 % arbeitsfähig. Es
liege eine dauerhafte Beeinträchtigung der körperlichen Integrität im Um-
fang von 10 % vor.
5.1.40 Anlässlich des Mitarbeitergesprächs vom 24. Februar 2006 (Vorak-
ten doc. 795) protokollierte der Vorgesetzte der Versicherten, Dr.
Z._, dass sich die Versicherte wegen Rückenschmerzen während
eines Arbeitstages mehrmals hinlegen müsse. Die Schmerzen seien von
Schwindel, Ohnmachtsanfällen und Hitzegefühl begleitet. Das Arbeitspen-
sum sei auf 80 % reduziert worden. Am 24. März 2006 (Vorakten doc. 796)
wurde im Rahmen des Mitarbeitergesprächs festgestellt, dass die Absen-
zen seit Stellenantritt auf 6 1⁄2 Arbeitstage angewachsen seien.
5.1.41 Unfallmeldung von Dr. Z._ an B._ vom 28. Juni 2006
(Vorakten doc. 652, 671, 706), wonach die Versicherte die Arbeit ab 23. Mai
2006 ausgesetzt habe.
5.1.42 Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kraniozervikalem
Beschleunigungstrauma vom 26. Juli 2006 von Dr. Aa._ und Dr.
Bb._ (Vorakten doc. 644, 672, 707) mit Quebec-Task Force Grad II,
wegen Nackenbeschwerden, muskuloskelettalen Befunde und diffusen
Parästhesien der linken Hand.
5.1.43 Dr. Cc._, Neurologe, beantwortete am 26. September 2006
(Vorakten doc. 628, 677, 712) die Fragen der B._ vom 20. Septem-
ber 2005 dahingehend, dass die Versicherte drei HWS-Distorsionen erlit-
ten habe und der Verlauf noch nicht abschätzbar sei.
5.1.44 Am 6. Oktober 2006 (Vorakten doc. 626, 678, 713) berichtete Dr.
Cc._, Neurologe, dass der Gesundheitszustand vor dem zweiten
Unfall im September 2003 leicht bis mässig besser, die Arbeitsunfähigkeit
je nach Beschwerden und Belastungen unterschiedlich gewesen sei, je-
doch im Durchschnitt mindestens 50 % betragen habe. Nach eigenen Un-
tersuchungen und CT-Aufnahmen befand er, aktuell bestehe eine linkssei-
tige zervikale/zervikozephale und zervikobrachiale Symptomatik ohne neu-
rologische Ausfälle, wahrscheinlich mehrheitlich myofaszial bedingt sowie
C-682/2015
Seite 31
verstärkte Migräne. Ferner bestünden Triggerpunkte. Seit dem 25. Sep-
tember 2006 betrage die Arbeitsfähigkeit 60 %.
5.1.45 Zuweisung der Versicherten durch Dr. Cc._ an Dr.
Dd._, Ophthalmologe, vom 17. Januar 2007 (Vorakten doc. 465).
5.1.46 Ärztlicher Zwischenbericht von Dr. Bb._ vom 2. März 2007
(Vorakten doc. 605, 684, 720) an die B._, wonach die Versicherte
seit 25. September 2006 zu 40 % arbeitsunfähig sei.
5.1.47 Am 23. Mai 2008 (Vorakten doc. 562) teilte lic. phil. Ee._,
Psychologin, der B._ mit, dass die Behandlung am 21. September
2007 begonnen und alle zwei bis drei Wochen stattgefunden habe. Zu Be-
ginn der Behandlung sei es darum gegangen, der Versicherten zu helfen,
einen noch besseren Umgang mit ihren unfallbedingten leicht ausgepräg-
ten Hirnfunktionsstörungen zu finden und durch gezielte Erarbeitung von
entsprechenden Kompensations- und Kontrollstrategien ihr Energie- und
Schmerzmanagement zu optimieren. In einer weiteren Phase sei die leis-
tungsbezogene, realistische Evaluation einer geeigneten Arbeitsstelle für
den beruflichen Wiedereinstieg im Zentrum der gemeinsamen Arbeit ge-
standen. Dank der guten Compliance sei es der Versicherten gelungen,
per 1. März 2008 in Zürich eine 50 % Anstellung zu finden und erfolgreich
anzutreten.
5.1.48 Dr. Cc._ setzte die B._ mit Schreiben vom 6. Juni
2008 (Vorakten doc. 560) darüber in Kenntnis, dass die Beschwerden im
Bereich von Nacken und Schultern durch die intensive Vorbereitung für die
Prüfung zur medizinischen Praxisassistentin zugenommen hätten. Nach
Untersuchung der HWS und der Schultern hielt er fest, die Versicherte be-
klage Schmerzen im Bereich des Nackens links. Dort palpiere er einen er-
heblichen Triggerpunkt auf Höhe C2/3, die Dehnung der Muskulatur in
diese Richtung (Kopf nach rechts vorne unten) verursache ziehende
Schmerzen, umgekehrt nach links vorne unten sei der Schmerzpunkt we-
niger aktiviert. Die Rotationsbewegung bei Inklination und Reklination er-
zeuge die gleichen Schmerzen. Es bestünden keine sensomotorischen
Ausfälle. Ausserdem habe die Versicherte keine Migräne mehr gehabt. Die
Versicherte klage jedoch über Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Übel-
keit und Sehstörungen, welche wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem
zervikozephalen Symptomenkomplex bzw. der vaskulären Dysregulation
stünden.
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5.1.49 Lic. phil. Ee._, Psychologin, informierte mit Schreiben vom
31. Juli 2008 (Vorakten doc. 540, 541) die A._ darüber, dass das
Ziel des Coachings die vollständige Verarbeitung sämtlicher Unfallereig-
nisse sei. Mit Brief vom 31. Oktober 2008 (Vorakten doc. 528, 654) und
vom 3. Juli 2009 (Vorakten doc. 484) teilte sie zudem mit, die Versicherte
spreche gut auf die Therapie an. Das Coaching betreffend den letzten Un-
fall habe abgeschlossen werden können.
5.1.50 Nach eigenen Untersuchungen befand Dr. Cc._ am 26. Juni
2009 (Vorakten doc. 466), die Versicherte sei am 25. Mai 2009 von einer
Passagierin in der Bahn mit einem Schuh am Nacken getroffen worden.
Nach zwei Wochen seien die Beschwerden zurückgegangen. Dem Bericht
der B._ vom 29. Juni 2009 (Vorakten doc. 492) ist zu entnehmen,
dass die Versicherte wegen dieses Vorfalls an drei Tagen mit der Arbeit
aussetzen musste.
5.1.51 Am 20. April 2010 (M28, Vorakten doc. 60, 92, 181, 441; BVGer act.
1/54) wurde hinsichtlich der drei Unfälle vom 7. September 2000, 19. Sep-
tember 2003 und 23. Mai 2006 ein polydisziplinäres Gutachten durch die
MEDAS J._ erstattet, in welchem die umfangreiche medizinische,
berufliche und unfalltechnische Aktenlage resümiert, die Anamnese darge-
stellt, die Befunde erhoben und eine zusammenfassende Beurteilung ab-
gegeben wurde. Das Gutachten stützte sich auf Konsilien in den Fachbe-
reichen Neurologie (Dr. Ff._) vom 19. Februar 2010 (Vorakten doc.
62, 94, 443; BVGer act. 1/56), Rheumatologie (Dr. Gg._) vom 20.
Februar 2010 (Vorakten doc. 64, 96, 182, 445; BVGer act. 1/58), Neuropsy-
chologie (lic. phil. Hh._ und lic. phil. Ii._) vom 1. März 2010
(Vorakten doc. 63, 95, 444; BVGer act. 1/57) und Psychiatrie (Dr.
Jj._) vom 3. März 2010 (Vorakten doc. 61, 93, 442; BVGer act.
1/55). Die Gesamtbeurteilung basierte auf einem vorgängig im Zirkulati-
onsverfahren erarbeiteten Konsens aller beteiligten Konsiliarärzte vom
13. April 2010.
Dr. Ff._, Neurologin, berichtete, die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund
der chronischen Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich um 10 % einge-
schränkt.
Lic. phil. Hh._ und lic. phil Ii._, Neuropsychologinnen, be-
fanden, mit Ausnahme einer leicht instabilen Aufmerksamkeitskapazität be-
stünden alters- und ausbildungsadäquate mentale Leistungen. Die Be-
schwerden im mentalen Bereich seien auf die Schmerzen zurückzuführen.
C-682/2015
Seite 33
Es würden sich keine Hinweise für eine hirnorganische neuropsychologi-
sche Funktionsstörung finden.
Dr. Kk._, Rheumatologe, erkannte im Wesentlichen muskuläre Ver-
spannungszustände der Nacken- und Schultermuskulatur links, ohne ob-
jektivierbare strukturelle Läsionen. In Ermangelung objektivierbarer struk-
tureller Befunde könne aus rheumatologischer Sicht keine langdauernde
Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Das Hauptleiden ergebe sich aus dem
Fachbereich Psychiatrie.
Dr. Jj._, Psychiater, konstatierte, dass es sich bei der Versicherten
um eine willige, intelligente Frau handle, welche vor dem ersten Unfall psy-
chisch gesund gewesen sei. Im Anschluss an den ersten Unfall vom
7. September 2000 habe sich ein Beschwerdebild entwickelt, das definiti-
onsgemäss einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0) entspreche, zudem würden
psychologische Faktoren bei andernorts klassifizierten Erkrankungen mit-
spielen. Der Unfall vom 7. September 2000 sei aus psychiatrischer Sicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Hauptursache der aktuellen Be-
schwerden. Es würden sich keine unfallfremden Faktoren eruieren lassen,
welche das Beschwerdebild erklären könnten. Ein möglicher Risikofaktor
zum posttraumatischen Verlauf könne die sehr leistungsorientierte Persön-
lichkeitsstruktur der Versicherten mit hohen Ansprüchen an sich selber
sein, ein sozial und gesellschaftlich erwünschtes, positiv gewichtetes Merk-
mal. Zum Zeitpunkt des zweiten Unfalles vom 19. September 2003 sei die
Versicherte zwar wieder arbeitsfähig gewesen, aber nicht beschwerdefrei;
sie habe sich in einer vermehrt vulnerablen Phase befunden. Der zweite
Unfall habe zu einer Verschlechterung, mit teils neuen passageren Symp-
tomen (Migräneanfälle) geführt; der Status quo ante sei nicht mehr erreicht
worden. In diesem Sinn habe der zweite Unfall zu einer andauernden Ver-
schlimmerung geführt. Es sei davon auszugehen, dass der zweite Unfall
allein ohne den ersten kaum zu einer Chronifizierung geführt hätte. Analog
hätte sich vermutlich auch der dritte Unfall vom 23. Mai 2006, für sich allein
betrachtet, nicht derart schwerwiegend ausgewirkt. Es sei die Kombination
mehrerer Unfälle, welche für den derzeitigen Zustand verantwortlich sei.
Der vierte Unfall habe nur zu einer relativ kurzdauernden passageren Ver-
schlimmerung geführt. Der Psychiater gewichtete den 1. Unfall mit 60 %
und die beiden Unfälle vom 17. September 2003 und vom 23. Mai 2006 mit
je 20 %.
C-682/2015
Seite 34
Es wurden die folgenden Diagnosen gestellt:
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
– Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
– Kopfschmerzen vom Spannungstyp
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
– rezidivierende muskuläre Verspannungszustände der Nacken-/Schul-
termuskulatur links bei
– Status nach HWS-Distorsionstrauma mit Kopfanprall am
7. September 2000
– Status nach HWS-Distorsionstrauma infolge Heckauffahrunfall
am 19. September 2003
– Status nach HWS-Distorsionstrauma infolge Seitkollision am
23. Mai 2006
– Status nach Hinterkopfkontusion am 25. Mai 2009
– zervikaler Streckhaltung mit diskreter Kyphosierung C2 bis C6
– psychologische Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei andernorts klas-
sifizierten Erkrankungen (ICD-10 F54)
Nebenbefunde
– Status nach Beinvenenthrombose rechts im August 2008 (Risikofaktor
orale Antikontrazeptiva)
Die Experten erkannten, es würde keine Aggravation und kein objektivier-
bares organisches Korrelat vorliegen; im Vordergrund stehe ein psychiatri-
sches Leiden, eine Neurasthenie.
Der Endzustand sei noch nicht erreicht, weitere Verbesserungen seien
möglich, nicht nur durch medizinische Massnahmen, sondern auch infolge
des Spontanverlaufs.
Betreffend die Arbeitsunfähigkeit hielten die Ärzte fest, aus rheumatologi-
scher Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit und aus neurologischer
Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 10 %. Die psychiatrischen Beschwerden
(Neurasthenie) würden im Vordergrund stehen und würden zu einer Ar-
beitsunfähigkeit für die Tätigkeit als Sekretärin/Stellvertreterin der Leiterin
der I._ zu etwa 55 % führen. Bei geistig weniger anspruchsvollen
Tätigkeiten wäre die Arbeitsfähigkeit leicht höher, schätzungsweise bei
60 %.
C-682/2015
Seite 35
Auf Anfrage der B._ ergänzten die Gutachter am 8. April 2011
(Vorakten doc. 200, 427), die Arbeitsfähigkeit von 55 % beziehe sich auf
ein Pensum von 100 %.
5.1.52 Der Vertrauensarzt der B._, Dr. Ll._, äusserte sich
am 11. August 2010 (Vorakten doc. 180, 440) zum Gutachten der MEDAS
J._ dahingehend, es sei mit seinen 40 Seiten umfassend und be-
antworte die vorgelegten Fragen korrekt. Die Aktenlage sei ausführlich dar-
gelegt, die Ereignisse chronologisch erfasst und danach die Beurteilung
der einzelnen Konsiliarärzte bezüglich der Hauptfragen zusammengefasst
worden. Insgesamt handle es sich um ein ausführliches, korrektes, nach-
vollziehbares, multidisziplinäres und interdisziplinäres Gutachten. Es seien
keine umfallfremden Ursachen aufgeführt worden. Die psychische Ge-
sundheitsschädigung werde noch nicht als abgeheilt beurteilt. Die Unfall-
kausalität sei bei dieser komplexen Ausgangslage mit an und für sich ins-
gesamt vier Unfällen schwierig. Dementsprechend hätten sich auch die Be-
gutachter unterschiedlich, qualitativ und quantitativ, festgelegt.
5.1.53 Dr. K._, Facharzt für Neurologie, fasste im Auftrag der
A._ am 24. August 2010 (M29, Vorakten doc. 59, 91; BVGer act.
1/53) die ärztlichen Akten zusammen und befand, er hätte Neurasthenie
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Unfälle zurückgeführt,
da aus seiner Sicht die Neigung dazu vorbestehend sei. Die Haushalttätig-
keit könne auch mit dem Vorliegen einer Neurasthenie vollumfänglich
durchgeführt werden. Die Arbeitsunfähigkeit von 40 % lasse sich nicht be-
gründen, er sehe eine deutlich höhere Arbeitsfähigkeit auch im Beruf als
Sekretärin. Bei seinen Fällen in der Praxis hätten chronische Schmerzen
im Kopf- und Nackenbereich praktisch nie zu einer Arbeitsunfähigkeit ge-
führt. Die Beschwerden seien zu 50 % auf den ersten, zu 5 % auf den
zweiten und zu 45 % auf den dritten Unfall zurückzuführen.
5.1.54 Dr. Mm._, Psychiater, erstattete am 31. März 2011 zuhanden
der A._ ein Gutachten (M30, Vorakten doc. 58, 90; BVGer act.
1/52), wonach der zweite und dritte Unfall leicht gewesen seien. Daher
könne die Beschwerdezunahme nur auf ängstliche Verspannungen und
nicht auf somatische Schädigungen zurückgeführt werden. Die Diagnose
Neurasthenie sei nicht nachvollziehbar. Eine Neurasthenie sei in der Regel
Folge einer entsprechenden Anlage, könne nach einem langwierigen
schweren Infekt oder aufgrund psychischen Stresses entstehen. Die HWS-
Symptomatik aufgrund des Unfalls vom 7. September 2000 sei im Mai 2002
C-682/2015
Seite 36
im Wesentlichen abgeheilt gewesen. Die verbleibenden Beschwerden hät-
ten keineswegs zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt. Bis zum zweiten Unfall
gebe es keine Berichte mehr.
Das Delta-v sei im unfallanalytischen Gutachten mit 22-28 km/h angege-
ben worden, was für eine Vorwärtskollision ein Delta-v im Bereich der
Harmlosigkeit ergebe. Es sei nicht einzusehen warum der zweite Unfall,
welcher als leicht einzustufen sei, zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt haben
sollte. Die Unfälle könnten eigentlich nur eine Teilursache für die Beschwer-
den der Versicherten gewesen sein. Die Dekompensation nach dem zwei-
ten Unfall vom 19. September 2003 könne oder müsse eine Folge des am
Arbeitsplatz erlebten Stresses sein. Für ihn sei nicht nachvollziehbar, wes-
halb dieser, von der Versicherten selbst als leicht eingeschätzter Unfall,
eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt haben sollte. Das müsse andere,
bisher nicht bekannte, Gründe gehabt haben. Die Unfälle könnten eigent-
lich als Auslöser nur eine Teilursache für die Beschwerden der Versicherten
sein. Wenn sich nach dem ersten Unfall tatsächlich so etwas wie eine Neu-
rasthenie entwickelt haben sollte, sei dies eine Folge eines massiven Man-
gels an Resilienz (Fähigkeit Schwierigkeiten und Probleme zu bewältigen).
Da schon die Arbeitsunfähigkeit nach dem zweiten Unfall keine Folge des
ersten mehr sein könne, sei auch die heutige Arbeitsunfähigkeit nach ei-
nem dritten und vierten Unfall keine Folge des ersten.
Aufgrund der Schilderung der Versicherten würde sich eigentlich die Diag-
nose einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) stellen, dafür
würde aber der Nachweis von emotionalen Konflikten und psychosozialen
Problemen fehlen. Trotzdem stellte Dr. Mm._ die Diagnose einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.41).
5.2
5.2.1 Die Vorinstanz legte in der angefochtenen Verfügung vom 22. De-
zember 2014 (vgl. A39; Vorakten doc. 7; BVGer act. 1/1) die medizinische
Entwicklung dar. Im Wesentlichen hielt sie fest, die Versicherte habe bei
den Verkehrsunfällen vom 7. September 2000, 19. September 2003 und
23. Mai 2006 je eine HWS-Distorsion erlitten (vgl. Verfügung E. 3.1.1-3.1.3)
und sei sowohl beim zweiten als auch beim dritten Unfall jeweils noch we-
gen der vorhergehenden Unfälle in ärztlicher Behandlung und teilweise ar-
beitsunfähig gewesen (vgl. Verfügung E. 3.2). Sie sei ab 21. Mai 2001 zu
100 % arbeitsfähig gewesen, wobei ab September 2002 während einiger
C-682/2015
Seite 37
Zeit wieder eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % vorgelegen habe (Verfügung
E. 3.1.1). Nach dem zweiten Unfall sei sie vollständig arbeitsunfähig gewe-
sen (vgl. Verfügung E. 3.1.3). Ab Februar 2006 habe sie ein Praktikum als
medizinische Praxisassistentin begonnen, wobei das Pensum wegen vieler
gesundheitlicher Absenzen auf 80 % habe reduziert werden müssen (vgl.
Verfügung E. 3.1.2). Nach dem dritten Unfall habe sie das Praktikum mit
einer reduzierten Arbeitszeit im Herbst 2007 abschliessen können. Ab März
2008 sei sie zu 50 % als Arztsekretärin tätig gewesen und habe per No-
vember 2008 zur I._ gewechselt bei gleichbleibendem Arbeitspen-
sum (vgl. Verfügung E. 3.1.3). Das BAG kam gestützt auf die medizini-
schen Unterlagen zum Schluss, dass der erste Unfall vom 9. September
2000 derjenige mit der höchsten Intensität sowie dem grössten Schädi-
gungspotential gewesen sei und die Beschwerden der Versicherten gröss-
tenteils auf diesen Unfall zurückzuführen seien (vgl. Verfügung E. 8.1). Das
MEDAS-Gutachten erfülle die Beweisanforderungen, dementsprechend
sei auf die dort erfolgte Kausalitätsaufteilung abzustellen (vgl. Verfügung
E. 8.1).
5.2.2 Die Beschwerdegegnerin 1 schloss sich der medizinischen Sachver-
haltsfeststellung der Vorinstanz an (BVGer act. 9) und ergänzte, die Versi-
cherte habe an ständigen Schmerzen gelitten, die einzig auf das Unfaller-
eignis vom 7. September 2000 zurückzuführen seien. Sämtliche involvier-
ten Ärzte, Case Manager, Arbeitgeber und Sachbearbeiter hätten der Ver-
sicherten vorbildlichen Einsatz beim Kampf gegen die unfallbedingten Be-
schwerden attestiert. Sie sei aufgrund ihrer pflichtbewussten und perfekti-
onistischen Haltung gewillt, wieder Tritt zu fassen. Leider sei ihr dies wegen
der bei den Unfällen erlittenen Verletzungen nicht mehr gelungen.
5.2.3 Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass sich die Versicherte
drei HWS-Distorsionen zuzog, sie ist jedoch der Ansicht (BVGer act. 1),
dass die Arbeitsfähigkeit bereits ab 1. Mai 2001 voll hergestellt, und der
Gesundheitszustand stationär gewesen sei, so dass nur noch eine Erhal-
tungstherapie stattgefunden habe. Replikweise (BVGer act. 16) verwies
die Beschwerdeführerin auf die medizinischen Vorakten. Dr. U._
habe von einem sehr schönen Verlauf berichtet und darüber, dass die Ar-
beit ab 1. Mai 2001 zu 100 % wieder aufgenommen worden sei (Bericht
vom 2. September 2001; M16; Vorakten doc. 78, 110; BVGer act. 1/72). Dr.
F._ habe bestätigt (Bericht vom 28. Januar 2001; M20, Vorakten
doc. 71, 103; BVGer act.1/65), dass ab 1. Mai 2001 eine 100%ige Arbeits-
fähigkeit bestanden habe. Ein Jahr nach der Wiederaufnahme der Arbeit
zu 100 %, das heisse ab Mai 2002, seien die Folgen des ersten Unfalles
C-682/2015
Seite 38
im Wesentlichen abgeheilt gewesen. Eine sporadische Arbeitsunfähigkeit
von 20 % ab September 2002 ändere daran nichts. Im Rahmen des ersten
Unfalles seien keine psychischen Probleme dokumentiert und auch nicht
behandelt worden. Der zweite Unfall habe zu einer andauernden Ver-
schlimmerung geführt. Der Status quo ante sei nicht mehr erreicht worden.
Es sei jedoch davon auszugehen, dass der zweite Unfall ohne den ersten
kaum zu einer Chronifizierung geführt hätte. Analoges gelte auch für den
dritten Unfall. Es sei die Kombination der Unfälle, welche zum derzeitigen
Zustand geführt habe.
5.3 Der medizinische Sachverhalt ist nachfolgend unter Würdigung der
medizinischen Vorakten zu bestimmen. Das Bundesrecht schreibt nicht
vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte
Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 40 des Bundesgesetzes vom
4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273] in Verbin-
dung mit Art. 19 VwVG). Danach haben Versicherungsträger und Sozial-
versicherungsrichter die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmli-
che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für
das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Sozialversicherungs-
richter alle Beweismittel, unabhängig davon von wem sie stammen, objek-
tiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterla-
gen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat-
ten. Insbesondere darf er bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht
auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes
eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam-
nese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusam-
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet,
und ob die Schlussfolgerungen des Experten nachvollziehbar begründet
sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten
oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten.
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweis-
würdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizi-
nischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf-
zustellen.
C-682/2015
Seite 39
5.3.1 Der Richter weicht bei Gerichtsgutachten praxisgemäss nicht ohne
zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab,
dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Ver-
fügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfas-
sen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexper-
tise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergut-
achten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt.
Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn ge-
gensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter
als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in
Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten
für angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberexpertise vom Ergebnis des
Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (vgl. BGE 118
V 286 E. 1b; BGE 112 V 30 E. 1a m.H.).
5.3.2 Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Schweizeri-
sche Unfallversicherungsanstalt (Suva) und durch UVG-Privatversicherer
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund ein-
gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die
Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu-
zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (vgl. BGE 104 V 209 E. c; RKUV 1993 Nr. U 167 E. 5a
m.H.). Zu beachten ist, dass die Suva bei der Einholung von solchen Gut-
achten sinngemäss nach den Bestimmungen des Bundeszivilprozesses zu
verfahren und insbesondere die in Art. 57 ff. BZP genannten Mitwirkungs-
rechte der Verfahrensbeteiligten zu beachten hat, was sinngemäss auch
für die nach Art. 68 Abs. 1 UVG zugelassenen Privatversicherer gilt. Diese
Versicherer haben als Durchführungsorgane des Bundes die rechtsstaatli-
chen Garantien des Verfügungsverfahrens zu beachten. Zumindest das
Recht, nachträglich zur Person und zum Gutachten eines Sachverständi-
gen Stellung zu nehmen, bildet zudem Bestandteil der verfassungsrechtli-
chen Minimalgarantien zur Gewährleistung des rechtlichen Gehörs (vgl.
BGE 120 V 357 E. 1c m.H.).
5.3.3 Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte
kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind, und keine Indizien gegen
ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt
in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht
C-682/2015
Seite 40
schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es be-
darf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar-
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hin-
blick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialver-
sicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters aller-
dings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. BGE 122 V 157 E. 1c).
5.3.4 Ein Parteigutachten enthält Äusserungen eines Sachverständigen,
welche zur Feststellung eines medizinischen Sachverhalts beweismässig
beitragen können. Daraus folgt indessen nicht, dass ein solches Gutachten
den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder von einem Unfallversicherer
nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten besitzt.
Es verpflichtet indessen den Richter – wie jede substanziiert vorgetragene
Einwendung gegen ein solches Gutachten –, den von der Rechtsprechung
aufgestellten Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend, zu prüfen, ob es
in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen
des vom Gericht oder vom Unfallversicherer förmlich bestellten Gutachters
derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (zum Ganzen:
vgl. BGE 125 V 351 E. 3a und 3b mit weiteren Hinweisen).
5.3.5 Bei der Beurteilung von Leistungsansprüchen kann auch auf die for-
malisierte Berichterstattung durch behandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie
Spitäler abgestellt werden, da auch diese der freien Beweiswürdigung un-
terliegen. Sind daher keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, welche die
Glaubwürdigkeit der Atteste eines Hausarztes oder einer Hausärztin zu er-
schüttern vermögen, ist es unzulässig, deren Angaben bei der Beweiswür-
digung unter Hinweis auf ihre Stellung ausser Acht zu lassen (vgl. Urteil
des BVGer C-4325/2015 vom 27. September 2016 E. 3.7.3). Der Umstand
allein, dass eine Einschätzung von der behandelnden Arztperson stammt,
darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die
einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch
behandelnde Ärztinnen und Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor
(vgl. Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2).
5.4
5.4.1 Die Vorinstanz stützte sich bei der Feststellung des Sachverhalts hin-
sichtlich der ersten beiden Unfälle massgeblich auf die Berichte von
Dr. F._, Neurologe, und von Dr. H._, Neurologin, (vgl. Ver-
fügung BAG E. 3.1.1 und E. 3.1.2).
C-682/2015
Seite 41
5.4.1.1 Bei den Berichten von Dr. F._ handelt es sich um Behand-
lungsberichte (vgl. E. 5.3.5 hiervor), auf welche Bezug genommen werden
kann, sofern sie den rechtsprechungsgemässen Anforderungen genügen
(vgl. E. 5.3 hiervor). Der Kreisarzt Dr. Y._, orthopädischer Chirurg,
zweifelte an den Berichten von Dr. F._ hinsichtlich der Arbeitsunfä-
higkeit und Vorliegen einer Konzentrationsschwäche. Mit Schreiben vom 6.
August 2004 (Vorakten doc. 355) erklärte Dr. F._ einleuchtend,
dass aufgrund des positiven Verlaufs Dr. Y._ als Orthopäde und
Chirurg am 17. Juni 2004 nicht dieselben Befunde erheben konnte, wie er
am 16. Oktober 2000 und 19. September 2003. Die Differenzen der Ar-
beitsunfähigkeit klärte Dr. F._ auf, indem er feststellte, nach dem
ersten Unfall sei die Arbeitsunfähigkeit sehr wechselhaft gewesen, und die
Versicherte habe immer wieder versucht zwischendurch zu arbeiten, wobei
es zu Rückschlägen gekommen sei. Es leuchtet ein, dass die hochmoti-
vierte Versicherte arbeiten wollte, sich dann überforderte und dadurch die
Arbeitsunfähigkeit wiederum zunahm. Ebenso leuchtet ein, dass die Versi-
cherte aufgrund ihrer Schmerzen die schwere Tätigkeit in der Küche nur
schwerlich meistern konnte und selbst wenn sie 100 % arbeitsfähig ge-
schrieben war, die effektiv erbrachte Leistung nur 80 % betrug. Aufgrund
der Beschwerden wollte sich die Versicherte bereits vor dem zweiten Unfall
umschulen lassen, was auch aus dem Inspektorenbericht der A._
vom 22. September 2003 hervorgeht (A6, Vorakten doc. 50, 142, BVGer
act. 1/45, 24/6). Die Berichte von Dr. F._ sind schlüssig und nach-
vollziehbar, womit ihnen Beweiswert zukommt.
5.4.1.2 Bei der Expertise von Dr. H._ handelt es sich um ein von
der Suva in Auftrag gegebenes externes Gutachten (vgl. E. 5.3.2 hiervor),
welches unter Beachtung des rechtlichen Gehörs eingeholt wurde, zumal
sich die Versicherte und die Beschwerdeführerin zum Fragenkatalog an die
Sachverständige äussern und Ergänzungsfragen stellen konnten (Vorak-
ten doc. 329ff., 334ff., 340f., 354, 360). Diesem Gutachten kommt daher
ein erhöhter Beweiswert zu, sofern es den von der Rechtsprechung aufge-
stellten Anforderungen genügt (vgl. E. 5.3 hiervor). Die Expertise beruht
auf den Vorakten und eigenen Untersuchungen durch die Gutachterin, be-
inhaltet eine Zusammenfassung der medizinischen Vorakten sowie der
Anamneseerhebung und enthält eine Auseinandersetzung mit den geklag-
ten Leiden. Zudem kam die Sachverständige zu nachvollziehbaren
Schlussfolgerungen. Es liegen keine Berichte vor, welche das Gutachten
in Zweifel ziehen, so dass es beweiswertig ist.
C-682/2015
Seite 42
Dr. H._ schützte die Einschätzungen von Dr. F._, wonach
die Versicherte vor dem zweiten Unfall zwar arbeitsfähig geschrieben ge-
wesen sei, aber die entsprechende Leistung nicht habe erbringen können.
Ebenso geht Dr. H._ mit Dr. F._ einig, dass die Beschwer-
den aus dem ersten Unfall beim Eintritt des zweiten Unfalls noch nicht ab-
geklungen waren, so dass der zweite Unfall zu einer richtungsgebenden
Verschlimmerung des Vorzustandes führte.
5.4.1.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Arbeitsfähigkeit zwischen
dem ersten und dem zweiten Unfall nur teilweise und vorrübergehend voll-
ständig hergestellt werden konnte, wie ab Mai 2001 und Januar 2003, je-
doch selbst in Zeiten von vollständiger Arbeitsfähigkeit die Leistungsfähig-
keit wegen Schmerzen massgeblich eingeschränkt war (vgl. E. 5.4.1.1 und
E. 5.4.1.2 hiervor). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin war der
Gesundheitszustand der Versicherten im Zeitpunkt des zweiten Unfalls
nicht stabil. Die medizinischen Behandlungen dienten folglich nicht nur
dazu den Zustand zu erhalten, wie dies von der Beschwerdeführerin vor-
gebracht wurde, sondern eine nachhaltige 100%ige Arbeitsfähigkeit zu er-
reichen. Es zeichnete sich jedoch bereits vor dem zweiten Unfall ab, dass
im Rahmen der beruflichen Tätigkeit als Köchin eine nachhaltige vollstän-
dige Arbeitsfähigkeit nicht möglich sein würde, daher wurde eine Umschu-
lung angedacht (vgl. E. 5.4.1.1 hiervor). Der zweite Unfall führte zu einer
richtungsgebenden Verschlimmerung des Vorzustandes aus dem ersten
Unfall (vgl. E. 5.4.1.1 und E. 5.4.1.2 hiervor), was denn auch unter der Par-
teien unbestritten ist.
5.4.2 Bei der Darstellung des Sachverhalts betreffend den dritten Unfall,
zog die Vorinstanz insbesondere das MEDAS-Gutachten bei (vgl. Verfü-
gung BAG E. 3.1.3).
5.4.2.1 Die Beschwerdeführerin stützte sich replikweise ebenfalls auf das
MEDAS-Gutachten ab (vgl. Replik S. 3; BVGer act. 16), übte jedoch gleich-
zeitig unter Hinweis auf die Stellungnahmen von Dr. Mm._ und Dr.
K._ Kritik (Replik S. 5; BVGer act. 16). Die Annahme der MEDAS-
Gutachter, wonach sich die Versicherte beim Zweitunfall in einer „vermehrt
vulnerablen Phase“ befunden habe und auch bei Neurasthenie ein „second
stroke“-Mechanismus anzunehmen sei, werde nicht belegt. Es sei auch
unklar, und gehe aus dem Gutachten nicht hervor, inwiefern die Gutachter
die angeblich unfallbedingte „erhöhte Vulnerabilität“ der versicherten Per-
son von weiteren möglichen Risikofaktoren, wie leistungsorientierte Per-
sönlichkeit, Belastung am Arbeitsplatz, zuverlässig hätten abgrenzen und
C-682/2015
Seite 43
quantifizieren können. Selbst nach der Annahme des MEDAS-Psychiaters
beschränke sich die ursächliche kausale Komponente, für die die
A._ einstehen müsse, darin, die erhöhte Vulnerabilität der Versi-
cherten verursacht zu haben, und somit zu einem angeblich längeren und
intensiveren Verlauf im Anschluss an die späteren Unfälle geführt zu ha-
ben. Angesichts der alternativen Erklärungen für diese Entwicklung sei
nicht dargelegt, dass der erste Unfall eine massgebende Ursache gewesen
sei. So habe der beratende Psychiater der A._, Dr. Mm._,
im Bericht vom 31. März 2011 ausgeführt (M30; Vorakten doc. 58, 90;
BVGer act. 1/52), die Diagnose einer Neurasthenie überzeuge nicht, da
diese in der Regel Folge einer entsprechenden Anlage sei.
5.4.2.2 Beim Gutachten der MEDAS J._ (vgl. E. 5.1.51 hiervor)
handelt es sich um, ein nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht (vgl.
E. 5.3.2 hiervor) eingeholtes, externes Gutachten. Die MEDAS J._
wurde von der Beschwerdeführerin vorgeschlagen (vgl. A13, Vorakten doc.
42, 134, 549; BVGer act. 1/37), und die betroffenen Unfallversicherer sowie
die Versicherte konnten Zusatzfragen stellen (vgl. Vorakten doc. M28;
Vorakten doc. 60, 92, 181, 441, 463, 464, 478; BVGer act. 1/54).
5.4.2.3 Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 20. April 2010 (M28;
Vorakten doc. 60, 92, 181, 441; BVGer act. 1/54) basiert auf den Vorakten,
einer detaillierten Anamneseerhebung und auf für die strittigen Belange
umfassenden fachärztlichen Untersuchungen. Sodann erfolgten eine inter-
disziplinäre Beurteilung und die Beantwortung der gestellten Fragen. Die
Gutachter setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten
der Versicherten auseinander. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung
der medizinischen Zusammenhänge ein, und die vorgenommenen
Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden
für die rechtsanwendende Person nachvollziehbar begründet. So hielt
denn auch der Vertrauensarzt der B._ fest, es handle sich um ein
ausführliches, korrektes, nachvollziehbares, multidisziplinäres und interdis-
ziplinäres Gutachten (vgl. E. 5.1.52 hiervor). Das MEDAS-Gutachten erfüllt
in medizinischer Hinsicht, und bezüglich der Einschätzung der Arbeitsfä-
higkeit, die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweis-
wert eines medizinischen Gutachtens gestellten Anforderungen (vgl. E. 5.3
hiervor). Hingegen überzeugen die von der Beschwerdeführerin eingehol-
ten Parteigutachten von Dr. K._ (vgl. E. 5.1.53) und von
Dr. Mm._ (vgl. E. 5.1.54), welche ohne Beachtung der Mitwirkungs-
C-682/2015
Seite 44
rechte der Versicherten und ohne Zutun der anderen beteiligten Unfallver-
sicherungen entstanden sind, nicht und vermögen, wie nachfolgend zu zei-
gen ist, keine Zweifel am MEDAS-Gutachten zu wecken.
Bei der Stellungnahme von Dr. K._ handelt es sich um einen Akten-
bericht, da der Arzt keine eigenen Untersuchungen durchführte. Er begrün-
dete seine Annahme, wonach keine Neurasthenie und keine Arbeitsunfä-
higkeit vorliegen würden, einzig mit der Erfahrung aus seiner Praxis ohne
Bezug zur Versicherten, jedoch sind Diagnose und Arbeitsunfähigkeit im
konkreten Einzelfall zu beurteilen. Auf die Stellungahme von Dr. K._
kann daher, mangels hinreichender Begründung, nicht abgestellt werden,
so dass ihr kein Beweiswert zukommt.
Ebenfalls stellt die Stellungnahme von Dr. Mm._ einen Aktenbericht
dar, da er keine eigenen Untersuchungen durchführte. Er äusserte sich als
Psychiater zu den somatischen Leiden, indem er den Schluss zog, die Be-
schwerden seien nicht auf somatische Schädigungen zurückzuführen und
die HWS-Symptomatik aufgrund des Unfalles vom 7. September 2000 sei
im Mai 2002 im Wesentlichen abgeheilt gewesen. Als Psychiater verfügt
Dr. Mm._ nicht über das notwendige Facharztwissen auf dem Ge-
biet der Neurologie und Rheumatologie, womit in somatischer Hinsicht
nicht auf seine Beurteilung abgestellt werden kann. In Bezug auf das psy-
chiatrische Leiden brachte Dr. Mm._ vor, die Diagnose einer Neu-
rasthenie sei nicht nachvollziehbar. Seine Ansicht relativierte er gleich sel-
ber, indem er festhielt, falls sich nach dem ersten Unfall tatsächlich eine
Neurasthenie entwickelt haben sollte, sei dies eine Folge eines massiven
Mangels an Resilienz. Somit schliesst auch Dr. Mm._ das Vorliegen
einer Neurasthenie nicht per se aus. Dr. Jj._ der MEDAS J._
erläuterte nachvollziehbar, warum er die Diagnose einer Neurasthenie
stellte. So erklärte er, nachdem er differentialdiagnostisch eine Depression
mangels depressiver Stimmung ausschloss, gestützt auf die von Dr.
F._ und Dr. Cc._ erhobenen Befunde (Hirnleistungsschwä-
che in Form von Konzentrations-, Wortfindungs-, Aufmerksamkeits- und
Konzeptionalisierungsstörung, Mühe mit der geteilten Aufmerksamkeit) so-
wie der von der Psychologin lic. phil. Ee._ im Jahr 2008 erwähnten
unfallbedingten leicht ausgeprägten Hirnfunktionsstörung und den von der
Leiterin der I._ beschriebenen Symptome (Einschränkung der Kon-
zentrationsfähigkeit nach vier Stunden), dass Müdigkeit, Energielosigkeit,
Konzentrationsstörungen und Schmerzen im Vordergrund stünden, was
zur Neurasthenie passe. Diese Schlussfolgerung ist stimmig.
C-682/2015
Seite 45
Hingegen ist die Stellungnahme von Dr. Mm._ nicht schlüssig. So
stellte er einerseits die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung und
hielt andererseits gleich selber fest, dass eine solche Diagnose nicht ge-
stellt werden könne, da der Nachweis emotionaler Konflikte und psychoso-
zialer Probleme fehle. Auch Dr. Jj._ setzte sich eingehend mit der
Differenzialdiagnose einer somatoformen Schmerzstörung auseinander
und kam zum Schluss, zum Zeitpunkt des Beginns der Schmerzen seien
ausser dem Unfall keine emotionalen Konflikte oder psychosozialen Belas-
tungen vorgelegen, vielmehr sei die Versicherte zufrieden mit ihrer Arbeit
und erfolgreich gewesen sowie geschätzt worden. Sie habe gerade eine
neue Stelle gefunden und Pläne für eine berufliche Weiterbildung gehabt.
Ausserdem habe sie Freude an ihrem Hobby, dem Tauchen, empfunden.
Dr. Jj._ hielt fest, die Versicherte habe eine gute Introspektionsfä-
higkeit und einen guten Zugang zu ihren Gefühlen, so dass auch nicht von
Alexithymie gesprochen werden könne, die typisch für eine Somatisie-
rungsstörung wäre. Die Schilderung der Schmerzen durch die Versicherte
sei relativ präzise und sehr zurückhaltend, was auch nicht zu einer soma-
toformen Schmerzstörung passe. Die Kriterien einer anhaltenden somato-
formen Schmerzstörung seien daher nicht erfüllt. Diese Schlussfolgerung
von Dr. Jj._ leuchtet ein. Hingegen ist nicht einzusehen, warum Dr.
Mm._ die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung stellte,
wenn er selber der Ansicht war, dass die Kriterien hierfür nicht erfüllt waren.
Die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung ist daher nicht nach-
vollziehbar, womit der Stellungnahme von Dr. Mm._ auch in psychi-
atrischer Hinsicht kein Beweiswert zukommt. Daher kann auch nicht auf
seine Beurteilung, wonach keine Arbeitsunfähigkeit vorliegen soll, abge-
stellt werden. Weitere Berichte, welche dem MEDAS-Gutachten widerspre-
chen würden, liegen nicht vor, womit darauf abzustellen ist. Damit ist er-
stellt, dass die Versicherte an einer Neurasthenie leidet, wie dies Dr.
Jj._ diagnostiziert und schlüssig begründet wurde.
5.4.2.4 Die Beschwerdeführerin brachte weiter vor (Beschwerde S. 19,
BVGer act. 1), im MEDAS-Gutachten werde davon ausgegangen, dass die
psychische Komponente im Vordergrund stehe und sich die Aufteilung der
psychischen Folgen auf die drei Unfälle zu 60 %-20 %-20 % rechtfertige.
Im Rahmen des ersten Unfalles seien jedoch keine psychischen Probleme
dokumentiert worden. Dem ist gegenzuhalten, dass Dr. H._ am
24. Mai 2005 festhielt (M27; Vorakten doc. 65, 97, 253, 256, 273, 326;
BVGer act. 1/59), die Versicherte sei anamnestisch nach dem ersten Un-
fallgeschehen in geschocktem Zustand, leicht verwirrt und zittrig gewesen.
Die Begutachterin berichtete weiter, durch die vielen Schmerzen sei die
C-682/2015
Seite 46
Versicherte anamnestisch leicht depressiv geworden, was jedoch nicht be-
handelt worden sei. Zwar ist Dr. H._ Neurologin und nicht Psychia-
terin, jedoch ist davon auszugehen, dass sie anhand der Erzählung der
Versicherten einzuschätzen vermag, dass nach dem ersten Unfall ein leicht
depressiver Zustand vorlag. Der erste Unfall führte damit zu einer psychi-
schen Vulnerabilität (vgl. Gutachten von Dr. H._, M27; Vorakten
doc. 65, 97, 253, 256, 273, 326; BVGer act. 1/59; so auch MEDAS-Gut-
achten psychiatrische Abklärung Vorakten doc. 61, 93, 442; BVGer act.
1/55). Hinzukommt, dass beim Unfallverarbeitungscoaching nicht nur der
dritte Unfall, sondern auch die beiden ersten thematisiert wurden (vgl. Be-
richt von lic. phil. Ee._, Psychologin, vom 31. Juli 2008; Vorakten
doc. 540, 541). Schliesslich wurde im MEDAS-Gutachten nachvollziehbar
erläutert, dass der erste Unfall kausal für die Entstehung der Neurasthenie
war, da die Versicherte vor dem ersten Unfall gesund gewesen sei, und
keine unfallfremden Faktoren vorgelegen seien, welche die Symptomatik
erklären könnten. So seien die Kindheit, Jugend und die berufliche sowie
persönliche Entwicklung unauffällig, insbesondere würden sich keine Hin-
weise auf mögliche Risikofaktoren für eine Somatisierung finden. Ein mög-
licher Risikofaktor sah Dr. Jj._ in der leistungsorientierten Persön-
lichkeit mit hohen Ansprüchen an sich selber, was aber für sich keinen
Krankheitswert habe, sondern sozial und gesellschaftlich erwünscht sei.
Diese Persönlichkeitseigenschaft sei auch in der Rehabilitation nützlich,
durch Motivation etwas zu erreichen und vor den unvermeidlichen Rück-
schlägen in jeder Rehabilitation nicht zu resignieren. Dr. Jj._ setzte
sich auch mit dem Stress an der Arbeitsstelle der Versicherten auseinan-
der, wonach dieser darauf zurückzuführen sei, dass die Versicherte die
Warnsignale oft willentlich übersteuere und sich überfordere. Dr.
Jj._ kam zum Schluss, dass sich die Persönlichkeitseigenschaft so-
wohl positiv als auch negativ auswirken könne, vorliegend jedoch keine
unfallfremden Faktoren eruiert worden seien, so dass dieser Anteil ver-
nachlässigt werden könne. Diese Folgerung ist schlüssig. Dr. Jj._
erörterte weiter, die Beschwerden hätten mit dem ersten Unfall begonnen
und zu einer Morbidität geführt. Die Beschwerden hätten sich deutlich zu-
rückgebildet, bevor der zweite Unfall geschehen sei. Nach dem zweiten
Unfall sei eine zum Teil nur vorübergehende Verschlechterung vorgelegen.
Der überwiegende Teil der Beschwerden habe sich zurückgebildet, aber
nicht alles. Es sei anzunehmen, dass der zweite Unfall nicht zu dauernden
Beschwerden geführt hätte, wenn der Gesundheitszustand der Versicher-
ten nicht schon vorher wegen des ersten Unfalls beeinträchtigt gewesen
wäre. Diese Schlussfolgerung von Dr. Jj._ ist nachvollziehbar. Ge-
C-682/2015
Seite 47
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung entspricht es allgemeiner Er-
fahrung, dass pathologische Zustände nach HWS-Verletzungen bei er-
neuter Traumatisierung ausserordentlich stark exazerbieren können
(vgl. Urteil des BGer 8C_415/2007 vom 1. Juli 2008, E. 7.2), wie dies auch
von Dr. Jj._ festgehalten wurde. Weiter erklärte Dr. Jj._, die
psychischen Faktoren mit der Neurasthenie stünden im Vordergrund der
Beschwerden, jedoch handle es sich hierbei nicht um ein vom HWS-Dis-
torsionstrauma klar zu trennendes, eigenständiges psychisches Leiden.
Dies leuchtet ein, zumal die Versicherte, wie bereits erwähnt, vor dem ers-
ten Unfall physisch und psychisch gesund war. Damit ist erstellt, dass der
erste Unfall zumindest eine Teilursache für die Entstehung der Neurasthe-
nie war.
5.4.2.5 Weiter monierte die Beschwerdeführerin, der erste Unfall möge
zwar von der mechanischen Einwirkung her der gravierendste gewesen
sein; dem stehe jedoch die unbestrittene Tatsache gegenüber, dass dieser
Unfall nur relativ milde Folgen gezeitigt habe und erst die weiteren Unfälle
zu einer langen Arbeitsunfähigkeit geführt hätten (Beschwerde S. 18,
BVGer act. 1). Dies trifft nicht zu. Die Versicherte war nach dem ersten
Unfall zunächst vollständig arbeitsunfähig. Zwar war sie im Mai 2001 zu
100 % arbeitsfähig geschrieben (M21; Vorakten doc. 70, 102, BVGer act.
1/64, 24/3), jedoch hatte sie bei der Arbeit so starke Schmerzen, dass eine
Umschulung angedacht wurde (A6, Vorakten doc. 50, 142; BVGer act.
1/45, 24/6). Zudem war sie von September 2002 bis Dezember 2002, das
heisst zwei Jahre nach dem ersten Unfall, erneut zu 20 % arbeitsunfähig
(M25, Vorakten doc. 67, 99; BVGer act. 1/61, 24/2). Entgegen der Ansicht
der Beschwerdeführerin hatte der erste Unfall damit nicht nur milde Folgen.
So waren denn auch die begutachtenden Ärzte der Ansicht, dass der erste
Unfall der schwerwiegendste war (Dr. H._, M27; Vorakten doc. 65,
97, 253, 256, 273, 326, BVGer act. 1/59; Dr. Jj._, Vorakten doc. 61,
93, 442, BVGer act. 1/55; ebenso Vertrauensarzt der A._ Dr.
K._, M29, Vorakten doc. 59, 91, BVGer act 1/53; implizit auch Ver-
trauensarzt der A._ Dr. Mm._, M30, Vorakten doc. 58, 90,
BVGer act. 1/52). Damit ist erstellt, dass der erste Unfall der schwerwie-
gendste war und die Versicherte jeweils noch an den Folgen der vorange-
henden Unfälle litt, als jeweils der neue Unfall eintrat.
5.4.2.6 Schliesslich brachte die Beschwerdeführerin vor, dem ersten Unfall
einen 60%igen Verursachungsanteil zuzuweisen, sei arbiträr (Beschwerde
S. 18, BVGer act. 1; Replik S. 6, BVGer act. 16). Anders als im Privatver-
sicherungsrecht, wo der Beweisgrad der annähernden Sicherheit gilt (vgl.
C-682/2015
Seite 48
UELI KIESER/HARDY LANDOLT, Unfall-Haftung-Versicherung, Zürich/St. Gal-
len 2012, Rn. 639 mit Hinweis auf BGE 130 III 321 E. 3.2), ist im Sozialver-
sicherungsrecht vom Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
auszugehen (vgl. UELI KIESER/HARDY LANDOLT, Unfall-Haftung-Versiche-
rung, Zürich/St. Gallen 2012, Rn. 559). Die Aufgabe der Experten ist es,
die Kausalitätsanteile zu schätzen. Der Vertrauensarzt der B._, Dr.
Ll._, wies in seiner Stellungnahme vom 11. August 2010 daraufhin
(Vorakten doc. 180, 440), dass die Kausalität bei der vorliegenden komple-
xen Ausgangslage mit an und für sich vier Unfällen schwierig sei. Das ME-
DAS-Gutachten ist in diesem Sinne „arbiträr“, als es notwendigerweise
eine Schätzung der Verursachungsanteile enthält, welche nicht einfach
vorzunehmen war. Dr. Jj._ begründete jedoch nachvollziehbar, wie
er zu dieser Einschätzung kam, nämlich, dass er den ersten Unfall als den
schwerwiegendsten erachtete. Hinzukommt, dass Dr. Jj._ fest-
stellte, dass etliche Beschwerden aus dem zweiten Unfall nur vorrüberge-
hend gewesen seien, was die Diskrepanz zum Gutachten von Dr.
H._, welche dem ersten Unfall einen Verursachungsanteil von 50
% zuwies, erklärt. Dr. H._ hatte die Verursachungsanteile nach dem
zweiten und Dr. Jj._ nach dem dritten Unfall zu bestimmen. Da das
MEDAS-Gutachten später erstellt wurde, konnten die Beschwerden aus
dem zweiten Unfall sich zurückbilden, so dass dem ersten Unfall im Zeit-
punkt des MEDAS-Gutachtens mehr Gewicht zukam.
Dr. K._ erachtete am 24. August 2010 (M29, Vorakten doc. 59, 91,
BVGer act. 1/53), der Schlüssel der Aufteilung wie er von der Versicherten
vorgeschlagen worden sei 50 % - 45 % - 5 %, sei zutreffender. Dem ist
gegenzuhalten, dass die Verursachungsanteile nach medizinischen Mass-
stäben festzustellen sind und nicht nach der Annahme der Versicherten.
Hinzukommt, dass wie weiter oben dargelegt wurde (vgl. E. 5.4.2.3 hier-
vor), der Stellungnahme von Dr. K._ kein Beweiswert zukommt.
Der von der Beschwerdeführerin beigezogene Dr. Mm._ erachtete
am 31. März 2011 (M30; Vorakten doc. 58, 90; BVGer act. 1/52), da schon
die Arbeitsunfähigkeit nach dem zweiten Unfall keine Folge des ersten
mehr sein könne, sei auch die Arbeitsunfähigkeit nach dem zweiten und
dritten Unfall keine Folge des ersten. Wie bereits weiter oben erörtert (vgl.
E. 5.4.2.3 hiervor) kommt der Stellungnahme von Dr. Mm._ kein
Beweiswert zu. Die Beschwerden nach dem ersten Unfall waren beim Ein-
tritt des zweiten und dritten Unfalls nicht verheilt, vielmehr führte der erste
Unfall zu einer Morbidität.
C-682/2015
Seite 49
Aus dem Gesagten erhellt, dass die von der MEDAS J._ aus medi-
zinischer Sicht vorgenommene Aufteilung der Verursachungsanteile
schlüssig und die Zuschreibung von 60 % für den ersten Unfall angemes-
sen erscheint. Die Aufteilung zwischen dem zweiten und dem dritten Unfall
ist vorliegend nicht umstritten.
5.4.2.7 Aus dem Teilkonsilium von Dr. Jj._ geht hervor (Teilgutach-
ten S. 8, Vorakten doc. 61, 93, 442; BVGer act. 1/55), dass das
MEDAS-Gutachten unter Beachtung der Rechtsprechung zu den pathoge-
netisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nach-
weisbare organische Grundlage erstellte wurde (vgl. BGE 132 V 65; BGE
130 V 396; BGE 130 V 352). Diese Rechtsprechung wurde in BGE 141 V
281 geändert und später auf psychische Leiden ausgedehnt (vgl. BGE 143
V 409; Urteil des BGer 8C_130/2017 vom 30. November 2017), so dass
auch bei diesen Beschwerden ein strukturiertes Beweisverfahren durchzu-
führen ist. Gemäss altem Verfahrensstand eingeholte Gutachten verlieren
nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften
Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den
erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die
vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesgericht standhält (vgl. BGE
141 V 281 E. 8). Im strukturierten Beweisverfahren sind die folgenden In-
dikatoren anzuwenden: Kategorie "funktioneller Schweregrad" mit den
Komplexen "Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der diagnoserelevan-
ten Befunde; Behandlungserfolg oder -resistenz; Eingliederungserfolg oder
-resistenz; Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik,
persönliche Ressourcen) und "sozialer Kontext" sowie der Kategorie "Kon-
sistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens) mit den Komplexen gleichmäs-
sige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebens-
bereichen sowie behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausge-
wiesener Leidensdruck. Das umfassende MEDAS-Gutachten enthält nach-
vollziehbare Angaben zu sämtlichen Indikatoren, womit ihm auch nach
neuer Rechtsprechung voller Beweiswert zukommt.
5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass dem MEDAS-Gutachten, dem
Gutachten von Dr. H._ und den Berichten von Dr. F._ Be-
weiswert zukommt, so dass nachfolgend darauf abzustellen ist. Weiter ist
der von der Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 22. Dezember 2014 festge-
stellte medizinische Sachverhalt zu schützen. Der erste Unfall war der
schwerwiegendste, da er selbst zwei Jahre später erneut zu einer Arbeits-
unfähigkeit von 20 % führte und eine Morbidität zurückblieb. Es ist davon
auszugehen, dass es ohne den ersten Unfall nicht zu einer Chronifizierung
C-682/2015
Seite 50
der Beschwerden gekommen wäre. Weiter ist der erste Unfall eine Teilur-
sache für die Entstehung der Neurasthenie. Schliesslich ist die Aufteilung
der Verursachungsanteile aus medizinischer Sicht zu 60 % - 20 % - 20 %
nicht zu beanstanden.
6.
6.1 Es folgen Ausführungen zur Leistungspflicht bei Unfällen.
6.1.1 Gemäss Art. 77 Abs. 1 UVG erbringt derjenige Versicherer die Leis-
tungen, bei dem die Versicherung zur Zeit des Unfalles bestanden hat. Bei
Nichtberufsunfällen erbringt derjenige Versicherer die Leistungen, bei dem
der Verunfallte zuletzt auch gegen Berufsunfälle versichert war (Art. 77
Abs. 2 UVG). Der Bundesrat ordnet die Leistungspflicht und das Zusam-
menwirken der Versicherer bei einem erneuten Unfall, namentlich wenn er
zum Verlust paariger Organe oder zu anderen Änderungen des Invalidi-
tätsgrades führt (Art. 77 Abs. 3 lit. b UVG).
6.1.2 Gestützt auf Art. 77 Abs. 3 UVG erliess der Bundesrat Art. 100 UVV,
welcher die Leistungspflicht bei erneutem Unfall wie folgt regelt: Wenn der
Versicherte erneut verunfallt, während er wegen eines versicherten Unfal-
les noch behandlungsbedürftig, arbeitsunfähig und versichert ist, so muss
der bisher leistungspflichtige Versicherer auch die Leistungen für den
neuen Unfall erbringen (Art. 100 Abs. 1 UVV). Verunfallt der Versicherte
während der Heilungsdauer eines oder mehrerer Unfälle, aber nach der
Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit, erneut, und löst der neue
Unfall Anspruch auf Taggeld aus, so erbringt der für den neuen Unfall leis-
tungspflichtige Versicherer auch die Leistungen für die früheren Unfälle.
Die anderen beteiligten Versicherer vergüten ihm diese Leistungen, ohne
Teuerungszulagen, nach Massgabe der Verursachung; damit ist ihre Leis-
tungspflicht abgegolten. Die beteiligten Versicherer können untereinander
von dieser Regelung abweichende Vereinbarungen treffen, namentlich
wenn der neue Unfall wesentlich geringere Folgen hat als der frühere
(Art. 100 Abs. 2 UVV). Erleidet ein aus einem früheren Unfall Rentenbe-
rechtigter einen neuen Unfall und führt dieser zu einer Änderung des Inva-
liditätsgrades, so muss der für den zweiten Unfall leistungspflichtige Versi-
cherer sämtliche Leistungen ausrichten. Der für den ersten Unfall leis-
tungspflichtige Versicherer vergütet dem anderen Versicherer den Betrag,
der dem Barwert des Rentenanteils, ohne Teuerungszulagen, aus dem ers-
ten Unfall entspricht. Damit ist seine Leistungspflicht abgegolten (Art. 100
Abs. 3 UVV).
C-682/2015
Seite 51
6.2 Nachfolgend ist zu prüfen, welcher Absatz von Art. 100 UVV vorliegend
anwendbar ist.
6.2.1 Art. 100 Abs. 1 UVV zielt primär auf die Regelung der Situation, in
der ein Versicherter, nachdem er einen ersten Unfall mit Arbeitsunfähig-
keitsfolge erlitten hat, zu einem bei einem anderen Versicherer versicher-
ten Arbeitgeber wechselt, und sodann – während er aufgrund des ersten
Unfalles noch arbeitsunfähig ist, so dass er die neue Stelle noch nicht hat
antreten können – erneut verunfallt. Dieser Artikel normiert demzufolge die
Nachwirkungen des bisherigen Arbeitsverhältnisses vor der Aufnahme ei-
ner neuen versicherten Tätigkeit (vgl. Urteil des BVGer C-6216/2009 vom
18. Oktober 2012 E. 5.2 mit Hinweis auf BGE 135 V 333 E. 4.4).
6.2.1.1 Vorliegend wechselte die Versicherte ihre Stelle zwischen den ers-
ten beiden Unfällen vom 7. September 2000 und vom 19. September 2003
nicht sondern nahm ihre angestammte Tätigkeit als Köchin schrittweise
wieder auf. Der Umstand, dass die Versicherte zunächst zwar 100 % ar-
beitete (M21; Vorakten doc. 70, 102, BVGer act. 1/64, 24/3), jedoch von
September 2002 bis Dezember 2002 zu 20 % arbeitsunfähig war (M25,
Vorakten doc. 67, 99; BVGer act. 1/61, 24/2), ist hinsichtlich Art. 100 Abs.
1 UVV irrelevant.
6.2.1.2 Nach dem zweiten Unfall liess sich die Versicherte zur medizini-
schen Praxisassistentin umschulen (Vorakten doc. 803). Die entsprechen-
den Kosten wurden von der kantonalen IV-Stelle (...) übernommen (Vorak-
ten doc. 353, 366, 797). Das Praktikum begann am 6. Februar 2006 und
dauerte gemäss Praktikumsvertrag vom 16. Januar 2006 bis zum 5. Feb-
ruar 2007 (Vorakten doc. 803), so dass sich der dritte Unfall vom 23. Mai
2006 während diesem Praktikum ereignete und die Versicherte das Prak-
tikum nach dem Unfall wieder aufnahm (Vorakten doc. 652, 671, 706). Un-
beachtlich ist, dass gemäss Praktikumsvertrag eine Vollzeitbeschäftigung
vorgesehen war (Vorakten doc. 803), die Beschwerdeführerin das Pensum
wegen ihrer gesundheitlichen Beschwerden jedoch vor dem dritten Unfall
auf 80 % reduzieren musste (Vorakten doc. 795).
6.2.1.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass vorliegend Art. 100 Abs. 1 UVV
nicht anwendbar ist, da die Versicherte nach den Unfällen, jeweils eine ver-
sicherte Tätigkeit wieder aufnehmen konnte, bevor ein neuer Unfall ge-
schah und sie folglich wegen der Unfälle nicht daran gehindert wurde, eine
neue Stelle anzutreten.
C-682/2015
Seite 52
6.2.2 Art. 100 Abs. 3 UVV setzt voraus, dass der Versicherte aus einem
früheren Unfall bereits rentenberechtigt ist.
6.2.2.1 Die Versicherte bezog aufgrund der beiden Unfälle vom 7. Septem-
ber 2000 und vom 19. September 2003 keine Rente, sondern einzig Tag-
gelder (Vorakten doc. 348, 631, 632, 633, 634, 635, 636, 637, 638, 744,
745, 746, 748, 749, 750, 751, 766, 767, 768, 769, 770, 771, 774, 775, 776,
777, 802). Zudem wurde ihr nach dem zweiten Unfall durch die Invaliden-
versicherung eine Umschulung gewährt (Vorakten doc. 353, 366, 797).
6.2.2.2 Das Tatbestandselement des Rentenbezugs ist damit nicht erfüllt,
womit Art. 100 Abs. 3 UVV nicht anwendbar ist.
6.2.3 Art. 100 Abs. 2 UVV zielt auf den Standardfall (vgl. Urteile des BVGer
C-242/2011 vom 1. März 2013 E. 4.4; C-6216/2009 vom 18. Oktober 2012
E. 5.4), in dem der Versicherungsschutz des neuen Arbeitgebers aufgrund
des Antritts der neuen Tätigkeit im Sinne von Art. 3 Abs. 1 UVG, und mithin
der "Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit" gemäss der fraglichen
Bestimmung, bereits begonnen hat, die Heilungsdauer für einen früheren
Unfall aber noch läuft. Diesen Fall hat der Verordnungsgeber insofern für
den Versicherten verfahrensökonomisch und praktikabel ausgestaltet, als
ihm gegenüber (grundsätzlich) allein der aktuelle, aufgrund des erneuten
Unfalles involvierte Versicherer leistungspflichtig ist, so dass er nicht mit
mehreren Versicherern verhandeln und allenfalls prozessieren muss. In-
tern, im Verhältnis zwischen den Versicherern, ist jedoch ein Rückgriffs-
recht vorgesehen (vgl. vgl. Urteile des BVGer C-242/2011 vom 1. März
2013 E. 4.4; C-6216/2009 vom 18. Oktober 2012 E. 5.4). Dieses Rück-
griffsrecht greift gemäss Wortlaut von Art. 100 Abs. 2 UVV nicht nur bei
zwei, sondern auch bei drei und mehr Unfällen.
6.2.3.1 Art. 100 Abs. 2 UVV setzt demnach dreierlei voraus, erstens die
Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit nach einem Unfall vor einem
erneuten Unfall, zweitens, dass der neue Unfall Anspruch auf Taggelder
auslöst und drittens, dass der neue Unfall während der Heilungsdauer des
früheren Unfalls erfolgte.
6.2.3.2 Die Versicherte erlitt vorliegend drei Autounfälle, welche je unter
anderem zu einer HWS-Distorsion führten, und für deren Behandlungskos-
ten je drei verschiedene Unfallversicherer aufkamen. Nach den Unfällen
nahm die Versicherte jeweils eine versicherte Tätigkeit wieder auf, bevor
C-682/2015
Seite 53
der neue Unfall geschah, so dass die Voraussetzung „Wiederaufnahme ei-
ner versicherten Tätigkeit“ vorliegend erfüllt ist. Jeder der drei Unfälle, ins-
besondere auch der dritte Unfall, lösten Taggelder aus, womit auch dieses
Tatbestandselement erfüllt ist. Umstritten ist vorliegend jedoch, ob der dritte
Unfall während der Heilungsdauer der Beschwerden aus dem ersten Unfall
eintrat (vgl. E. 7 hiernach).
7.
Nachfolgend ist zu klären, ob der dritte Unfall während der Heilungsdauer
der Beschwerden aus dem ersten Unfall geschah und damit Art. 100 Abs.
2 UVV anwendbar ist. Diese Prüfung ist in mehreren Schritten vorzuneh-
men. Zunächst folgen Ausführungen zur Heilbehandlung (vgl. E. 7.1 hier-
nach). Danach ist zu klären, ob der zweite Unfall während der Heilungs-
dauer der Folgen aus dem ersten Unfall geschah (vgl. E. 7.2 hiernach).
Hiernach ist festzustellen, dass der erste und der zweite Unfall fortan zu-
sammen zu betrachten sind (vgl. E. 7.3 hiernach). Schliesslich ist zu prü-
fen, ob der dritte Unfall während der Heilungsdauer der Beschwerden aus
dem ersten und zweiten Unfall geschah (vgl. E. 7.4 hiernach).
7.1 Es folgen Ausführungen zur Heilbehandlung.
7.1.1 Art. 10 UVG trägt den Randtitel „Heilbehandlung“ und nennt in Abs. 1
diejenigen Massnahmen, auf welche die versicherte Person Anspruch hat.
Dabei gelten die Prinzipien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirt-
schaftlichkeit der Behandlung. Es ist mithin durch den Leistungserbringer
vorab zu klären, ob die allgemeinen Voraussetzungen der Leistungsvergü-
tung erfüllt sind, bevor in der Folge der Unfallversicherer den massgeben-
den Entscheid trifft (vgl. UELI KIESER/HARDY LANDOLT, Unfall – Haftung –
Versicherung, Zürich/St. Gallen 2012, Rn. 936). Die zu beurteilende Be-
handlung muss in einem genügenden Zusammenhang mit dem Unfaller-
eignis stehen. Dabei geht es um eine sachliche und um eine zeitliche Kon-
nexität. Der sachliche Zusammenhang ist gegeben, wenn die Behandlung
jedenfalls teilweise auf die Unfallfolgen ausgerichtet ist; in zeitlicher Hin-
sicht besteht Konnexität dann nicht mehr, wenn der medizinische Zustand
bei einer mindestens teilweise eingetretenen Arbeitsfähigkeit während 360
Tagen stabil war. Bei Überschreitung dieser Grenze ist das Vorliegen einer
Spätfolge bzw. eines Rückfalls zu prüfen (vgl. KIESER/LANDOLT a.a.O. Rn.
938). Bei Art. 10 Abs. 1 UVG geht es nicht nur um Behandlungen, welche
die Erwerbstätigkeit wiederherstellen oder erhöhen, sondern um alle Mass-
nahmen, welche den Gesundheitszustand verbessern oder jedenfalls vor
C-682/2015
Seite 54
wesentlicher Beeinträchtigung bewahren (vgl. KIESER/LANDOLT, a.a.O. Rz.
939).
7.1.2 Die Heilbehandlung ist solange fortzusetzen, wie von der ärztlichen
Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes
der versicherten Person erwartet werden kann. Wenn dies nicht mehr der
Fall ist, ist ein Rentenanspruch zu prüfen; mit dem Rentenbeginn fällt zu-
gleich der Anspruch auf Heilbehandlung dahin. Das Bestehen von Dauer-
schmerzen allein bringt noch nicht mit sich, dass die ärztliche Behandlung
weiterzuführen ist (vgl. KIESER/LANDOLT, a.a.O. Rz. 941). Die Frage, ob von
der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung
erwartet werden kann, ist aus ärztlicher Sicht zu beantworten. Dabei ist
insbesondere zu klären, ob eine Steigerung oder Wiederherstellung der
unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit erwartet werden kann, wobei unbedeu-
tende Verbesserungen nicht genügen (vgl. KIESER/LANDOLT, a.a.O. Rz.
1131; BGE 134 V 115 E. 4.3).
7.1.3 Gemäss Art. 124 lit. b UVV ist über die Kürzung und Verweigerung
von Versicherungsleistungen eine Verfügung zu erlassen. Der Abschluss
einer Heilbehandlung respektive das Ende der Übernahme der entspre-
chenden Kosten (Fallabschluss) durch den Versicherer ist eine Verweige-
rung von Versicherungsleistungen im obgenannten Sinn, welche somit
grundsätzlich in Verfügungsform zu erfolgen hat. Das Bundesgericht hat in
BGE 132 V 412 E. 4 festgestellt, dass ein Fallabschluss – sei es mit oder
ohne Zusprache von Dauerleistungen – auf jeden Fall in Verfügungsform
zu erfolgen hat. Nicht zwingend ist dabei allerdings, dass der Fallabschluss
sogleich formell verfügt werden muss. Je nach Verlauf des Heilungspro-
zesses ist es zulässig oder gar sachgerecht, wenn der Versicherer zuwar-
tet, und die Entwicklung beobachtet, bevor er verfügt (vgl. Urteile des
BVGer C-6216/2009 vom 18. Oktober 2012 E. 6.4; C-242/2011 vom
1. März 2013 E. 5.4). Der (formelle) Fallabschluss ist als Indiz für eine ab-
geschlossene Heilungsdauer zu betrachten (vgl. Urteile des BVGer
C-6216/2009 vom 18. Oktober 2012 E. 6.4.1; C-242/2011 vom 1. März
2013 E. 5.4.1).
7.2 Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich der zweite Unfall während der Hei-
lungsdauer der Beschwerden aus dem ersten Unfall ereignete.
7.2.1 Vorliegend ist kein formeller (in Verfügungsform ergangener) Fallab-
schluss durch die Beschwerdeführerin aktenkundig. Ebenso wenig liegt ein
C-682/2015
Seite 55
Schreiben in den Akten, mit welchem die Beschwerdeführerin der Versi-
cherten mitgeteilt hätte, dass sie in Zukunft keine Heilbehandlungen mehr
bezahlen werde.
7.2.2 Im von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Zeitpunkt des
vermeintlichen Endzustandes am 21. Mai 2001 (Beschwerde S. 3, BVGer
act. 1), waren erst 8 Monate seit dem Unfall vom 7. September 2000 ver-
gangen. Zwar trifft es zu, wie dies die Beschwerdeführerin vorbrachte, dass
die Versicherte per 21. Mai 2001 zu 100 % die Arbeit wieder aufgenommen
hatte (M21; Vorakten doc. 70, 102, BVGer act. 1/64, 24/3), jedoch hatte sie
bei der Arbeit so starke Schmerzen, dass eine Umschulung angedacht
wurde (A6, Vorakten doc. 50, 142; BVGer act. 1/45, 24/6). Ausserdem war
die Leistungsfähigkeit aufgrund der Schmerzen um ca. 20 % eingeschränkt
(M27; Vorakten doc. 65, 97, 253, 256, 273, 326, BVGer act. 1/59; Vorakten
doc. 355). Im August 2001 konnte Dr. F._ keine weiteren Fort-
schritte der Versicherten feststellen und überwies sie daher an die ambu-
lante Rückensprechstunde der Klinik D._ (M17; Vorakten doc. 77,
109; BGer act. 1/71). Dr. U._ hielt am 14. März 2002 fest (M21;
Vorakten doc. 70, 102; BVGer act. 1/64, 24/3), die voraussichtliche Dauer
der Behandlung sei ungewiss, da Rezidive auftreten würden. Die behan-
delnden Ärzte gingen davon aus, dass mit keinen bleibenden Nachteilen
zu rechnen sei (M14, M16, M22; Vorakten doc. 69, 78, 80,101, 110, 112;
BVGer act. 1/63, 1/72, 1/74, 24/4), womit sie eine weitere Abnahme der
Schmerzen und damit eine Steigerung der Leistungsfähigkeit erwarteten.
Davon ging offensichtlich auch die Beschwerdeführerin aus; andernfalls
hätte sie der Versicherten keine weiteren Behandlungen mehr bezahlt und
ihr auch nicht aufgrund einer unfallbedingten 20%igen Arbeitsunfähigkeit
von September 2002 bis Dezember 2002 (M25, Vorakten doc. 67, 99;
BVGer act. 1/61; BVGer act. 24/2) erneut Taggelder ausgerichtet (BVGer
act. 24/9). Die Beschwerdeführerin hatte den Fall zurecht noch nicht abge-
schlossen, als der zweite Unfall geschah, da der gesundheitliche Zustand
nicht stabil und kein Endzustand erreicht war (vgl. E. 5.4.1 hiervor).
7.2.3 Selbst wenn, die Beschwerdeführerin den Fall am 21. Mai 2001 ab-
geschlossen hätte, wäre der zweite Unfall dennoch während der Heilungs-
dauer der Beschwerden aus dem ersten Unfall erfolgt, da in diesem Fall
die unfallbedingten Beschwerden der Versicherten, welche zu einer Ar-
beitsunfähigkeit von 20 % mit Taggeldleistung vom 1. September 2002 bis
zum 31. Dezember 2002 führten, als Rückfall zu werten wären, wie hier-
nach zu zeigen ist.
C-682/2015
Seite 56
7.2.3.1 Die medizinische Erfahrung zeigt (vgl. KIESER/LANDOLT, a.a.O. Rz.
942), dass auch nach einem initialen Abschluss einer Heilbehandlung, in
einem späteren Zeitpunkt erneut Bedarf an ärztlicher Behandlung der Un-
fallfolgen entstehen kann, wie zum Beispiel bei einem Rückfall, das heisst
bei Wiederauftreten von bestimmten Unfallfolgen oder bei Spätfolgen,
wenn ein Unfall bei einer scheinbar behobenen Unfallfolge im Verlauf der
Zeit zu organischen oder psychischen Beeinträchtigungen führt, die bisher
nicht bestanden (vgl. KIESER/LANDOLT, a.a.O. Rz. 943, 944). Rückfälle und
Spätfolgen schliessen sich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entspre-
chend können sie eine Leistungspflicht des damaligen Unfallversicherers
nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden
und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädi-
gung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (vgl.
BGE 118 V 293 E. 2c). Kein Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn die
Beschwerden ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Der
Beweis des Wegfalls des natürlichen Kausalzusammenhangs muss nicht
durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso we-
nig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlan-
gen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die versicherte
Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbe-
dingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verlo-
ren haben, also dahingefallen sind (vgl. Urteil des BGer 8C_160/2012 vom
13. Juni 2012 E. 2).
7.2.3.2 Unbestritten ist, dass die Beschwerden der Versicherten, welche
ab September 2002 zu Taggeldleistungen führten, auf den ersten Unfall
zurückzuführen sind und keine unfallfremden Ursachen bestanden. Weiter
diente die damalige Heilbehandlung zweifelsohne der Wiedererlangung
der vollständigen Arbeitsfähigkeit und damit einer namhaften Besserung
des Gesundheitszustandes. Die Voraussetzungen für einen Rückfall waren
damit gegeben.
7.2.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass im Zeitpunkt des
zweiten Unfalles die Heilungsdauer der Beschwerden aus dem ersten Un-
fall noch nicht abgeschlossen war.
7.3 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist ihre Leistungspflicht
nicht unabhängig vom nachfolgenden Unfall zu beurteilen, denn auch der
zweite Unfall führte zu einer HWS-Distorsion, bevor die Beschwerden an
der HWS aus dem ersten Unfall verheilt waren, womit sich das Beschwer-
debild der beiden Unfälle überlagern. So hielt Dr. F._ fest (vgl. E.
C-682/2015
Seite 57
5.1.36 hiervor), der Verlauf des ersten Unfalls lasse sich vom Verlauf des
zweiten Unfalls nicht unterscheiden. Für die Beantwortung der Frage, ob
die Heilbehandlung der Beschwerden aus dem ersten Unfall vor dem drit-
ten Unfall abgeschlossen war, sind somit die ersten beiden Unfälle zusam-
men zu betrachten.
7.4 Im Folgenden ist zu prüfen, ob der dritte Unfall während der Heilungs-
dauer der Beschwerden aus dem ersten und zweiten Unfall geschah.
7.4.1 Wie die Beschwerdeführerin zurecht vorbrachte, ging nach dem
zweiten Unfall die „Verfügungsgewalt“ auf die Beschwerdegegnerin 2 und
nach dem dritten Unfall auf die Beschwerdegegnerin 1 über, so dass die
Beschwerdeführerin keinen formellen Fallabschluss mehr verfügen konnte.
Dementsprechend kann das Kriterium des Fallabschlusses nicht als Indiz
dafür dienen, dass die Heilbehandlung bei Eintritt des dritten Unfalls noch
nicht abgeschlossen war.
7.4.2
7.4.2.1 Die Versicherte war nach dem zweiten Unfall vom 19. September
2003 vollständig arbeitsunfähig (M23, Vorakten doc. 68, 100, BVGer act.
1/62). Dr. F._ stellte am 24. September 2003 und am 8. Juni 2004
fest (M26, Vorakten doc. 66, 98, BVGer act. 1/60), dass mit einem bleiben-
den Nachteil zu rechnen sei, in der Form mangelnder Belastbarkeit, so
dass die Tätigkeit als Köchin wegen der Unfallereignisse nicht mehr mög-
lich und eine Umschulung notwendig sei. Dr. F._ verschrieb Physi-
otherapie und Medikamente (Vorakten doc. 377, 642, 674, 709). Die kan-
tonale IV-Stelle (...) verfügte am 3. August 2004 (Vorakten doc. 353, 366,
797) die Kostengutsprache für die Umschulung zur medizinischen Praxi-
sassistentin. Die Versicherte begann im August 2004 mit der Ausbildung
und absolvierte ab 6. Februar 2006 ein Praktikum (Vorakten doc. 803). Die
Schmerzen nahmen mit Beginn des Praktikums zu, so dass das Pensum
auf 80 % reduziert werden musste (Vorakten doc. 795).
7.4.2.2 Das Versicherungsgericht des Kantons Aargau stellte mit Urteil
vom 21. November 2007 (Vorakten doc. 232, 553, 585, 690, 726) hinsicht-
lich des zweiten Unfalls fest, dass eine Leistungseinstellung per 31. August
2005 zu früh erfolgt sei, da der normale, unfallbedingte Heilungsprozess
noch nicht abgeschlossen, von weiteren Therapien eine namhafte Verbes-
serung zu erwarten, und damit der Endzustand noch nicht erreicht sei.
Dr. H._ habe ausgeführt, dass weitere medizinische Behandlungen
C-682/2015
Seite 58
notwendig seien und zu einer namhaften Besserung des Gesundheitszu-
standes führen würden. Zwar äusserte sich das Gericht nicht zum ersten
Unfall, da die HWS-Beschwerden aus dem ersten Unfall im zweiten Unfall
jedoch aufgehen, ist vorliegend davon auszugehen, dass kein Fallab-
schluss hinsichtlich der Beschwerden aus dem ersten Unfall bis zum
31. August 2005 vorgenommen werden konnte, da von der Heilbehand-
lung noch immer eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes zu
erwarten war.
7.4.2.3 Für die Zeit des Gerichtsverfahrens vor dem Versicherungsgericht
des Kantons Aargau liegen keine Arztberichte vor. Aus dem Gesprächspro-
tokoll der Praxisgemeinschaft Altstetten vom 24. Februar 2006 geht jedoch
hervor, dass sich die Versicherte bei Dr. F._ in Behandlung befand
(Vorakten doc. 795) und sie zu 80 % arbeitsfähig war (vgl. E. 7.4.2.1 hier-
vor). Weiter ist den Suva-Akten zu entnehmen, dass diese für die Heilungs-
kosten aufkam (Vorakten doc. 279, 299, 352, 385) und Taggelder ausrich-
tete, bis zur Übernahme durch die Invalidenversicherung (Vorakten doc.
277, 278, 344, 345, 348, 349, 350, 353, 359, 361, 366, 378, 797). Weiter
wurde im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS J._ vom
3. März 2010 festgehalten (Vorakten doc. 61, 93, 442; BVGer 1/55), nach
dem zweiten Unfall sei der Status quo sine nicht mehr erreicht worden und
es sei davon auszugehen, dass er in absehbarer Zeit auch nicht erlangt
werden könne.
7.4.3 Aus dem Gesagten erhellt, dass sich der dritte Unfall während der
Heilungsdauer der Beschwerden aus dem ersten und zweiten Unfall ereig-
nete.
7.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Würdigung der Vorinstanz in
E. 3.1.3 und E. 3.2 der angefochtenen Verfügung nicht zu beanstanden ist.
Die Vorinstanz ging zurecht davon aus, dass der dritte Unfall vom 23. Mai
2006 alleine geringere Folgen gehabt hätte, als aufgrund der Vorbelastung
durch den ersten und zweiten Unfall, so dass sich die bestehenden Be-
schwerden nach dem dritten Unfall verstärkten. Weiter ist der Vorinstanz
zu folgen, dass die Versicherte sowohl beim zweiten als auch beim dritten
Unfall jeweils noch wegen der Folgen der vorangehenden Unfälle in ärztli-
cher Behandlung war und eine namhafte gesundheitliche Verbesserung er-
wartet wurde, so dass sich der dritte Unfall während der Heilungsdauer der
Beschwerden aus dem ersten Unfall ereignete. Folglich ist Art. 100 Abs. 2
UVV anwendbar und die Beschwerdeführerin gegenüber der B._
leistungspflichtig.
C-682/2015
Seite 59
8.
Unter den Parteien umstritten ist vorliegend die Aufteilung der Kosten aus
dem dritten Unfall. Gemäss Art. 100 Abs. 2 UVV erfolgt die Aufteilung unter
den beteiligten Unfallversicherern nach Massgabe der Verursachung.
8.1
8.1.1 Die Vorinstanz ging davon aus, dass die Aufteilung nach Art. 100 Abs.
2 UVV aufgrund der natürlichen Kausalität zu erfolgen habe (vgl. Verfügung
E. 5.1; A39, Vorakten doc. 7, BVGer act. 1/1), weil der Adäquanz vor Errei-
chen des Endzustandes keine spezielle, haftungsbeschränkende Funktion
zukomme, so dass in diesem Fall die natürliche und adäquate Kausalität
deckungsgleich sei. Die Beschwerdeführerin habe bis zum zweiten Unfall
Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen erbracht, ohne die Adäquanz der
gesundheitlichen Beschwerden je anzuzweifeln bzw. zu überprüfen. Wenn
sie nun ihre Leistungspflicht für die Folgen des ersten Unfalls über den
21. Mai 2001 hinaus mangels Adäquanz bestreite, sei ihr ein „venire contra
facta propria“ vorzuhalten (vgl. Verfügung E. 5.2; Vorakten doc. 7; BVGer
act. 1/1). Vernehmlassungsweise brachte die Vorinstanz vor (vgl. Ver-
nehmlassung S. 4 und 5; BVGer act. 10), wohl treffe es zu, dass ein neuer
Unfall einen Risikofaktor darstelle, für den der Vorversicherer dem Grund-
satz nach nicht einzustehen habe. Verhalte es sich – wie im vorliegenden
Fall – jedoch so, dass der vom Vorversicherer zu verantwortende Unfall zu
einer massgebenden Angeschlagenheit und Vulnerabilität der Versicherten
geführt habe, die dazu führe, dass sich die Folgen der neuen Unfälle we-
sentlich schwerer auswirken würden, als wenn sich kein Vorunfall ereignet
hätte, bleibe der frühere Versicherer im Rahmen der von ihm zu vertreten-
den Verursachung auch für Folgen und Leistungen aus den neuen Unfällen
mitverantwortlich. Der frühere Versicherer habe dabei für den von ihm zu
verantwortenden Vorzustand der versicherten Person einzustehen, und
zwar solange, bis der Endzustand erreicht sei.
8.1.2 In ihrer Beschwerdeantwort vom 10. April 2015 (vgl. BVGer act. 9)
schloss sich die B._ der Ansicht der Vorinstanz an.
8.1.3 Die Beschwerdeführerin hielt dagegen (vgl. Beschwerde S. 5, BVGer
act. 1), bei der gesetzlichen Unfallversicherung handle es sich der Konzep-
tionierung nach um eine kausale Versicherung. Der Unfallversicherer hafte
für einen Gesundheitsschaden nur insoweit, als dieser nicht nur in einem
natürlichen, sondern auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum
versicherten Ereignis stehe. Die Beschwerdeführerin verstehe den Aus-
C-682/2015
Seite 60
druck „nach Massgabe der Verursachung“ von Art. 100 Abs. 2 UVV dahin-
gehend, dass der Vorversicherer dem neuen Versicherer diejenigen Leis-
tungen vergüten müsse, die er ohne erneuten Unfall hätte erbringen müs-
sen. Diese Leistungspflicht könne sich gemäss Kausalitätsprinzip a priori
nur so weit erstrecken, wie die Beschwerden auch ohne erneuten Unfall in
einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum ersten Un-
fall gestanden hätten. Die Tatsache, dass sich ein neuer Unfall ereignet
habe, sei ein Risikofaktor, für den nicht der Vorversicherer einzustehen
habe; entsprechend habe auch nicht er dieses Risiko zu tragen, sondern
der im Zeitpunkt des Unfalleintritts zuständige Versicherer, der für die De-
ckung dieses Risikos auch Prämien erhebe. Die interne Ausgleichspflicht
könne nicht weitergehen, als die Leistungspflicht im Aussenverhältnis ge-
genüber der Versicherten (vgl. Beschwerde S. 6 und 7, BVGer act. 1).
8.2 Es folgen Ausführungen zur Kausalität.
8.2.1
8.2.1.1 Für die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG ist
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vorausgesetzt, dass zwi-
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, In-
validität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im
Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten, oder
nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten,
gedacht werden kann. Für die Bejahung des natürlichen Kausalzusam-
menhangs nicht erforderlich ist, dass ein Unfall die alleinige oder unmittel-
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi-
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder
geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit
anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die ein-
getretene gesundheitliche Störung entfiele (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1,
BGE 126 V 353 E. 5c, BGE 119 V 335 E.1, BGE 118 V 286 E. 1b m.H.;
RKUV 2000 U 377 S. 185 E. 4a).
8.2.1.2 Ist ein Distorsionstrauma (Schleudertrauma) der Halswirbelsäule
diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild
mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwin-
del, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüd-
barkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesens-
veränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwi-
schen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeitsunfähigkeit in der
C-682/2015
Seite 61
Regel anzunehmen. Für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen-
hangs genügt es, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Stö-
rung eine Teilursache darstellt (vgl. BGE 117 V 359 E. 4b). Das Bundesge-
richt hat indessen die frühere Praxis von BGE 117 V 359 in BGE 119 V 335
insofern konkretisiert, dass zwar in Fällen von Distorsionen der HWS eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers auch ohne nachweisbare organi-
sche Befunde grundsätzlich möglich ist, doch muss das Vorliegen eines
Schleudertraumas wie seiner Folgen durch zuverlässige ärztliche Angaben
gesichert sein. Trifft dies zu und ist die natürliche Kausalität aufgrund fach-
ärztlicher Feststellungen unbestritten, so kann der natürliche Kausalzu-
sammenhang ebenso aus rechtlicher Sicht als erstellt gelten, ohne dass
ausführliche Darlegungen zur Beweiswürdigung nötig sind. Das Bundes-
gericht führte zudem aus, auch in Fällen von Schleuderverletzungen der
HWS bedarf es für einen Leistungsanspruch gegenüber dem Unfallversi-
cherer, dass die geklagten Beschwerden medizinisch einer fassbaren ge-
sundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können und diese
Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem
ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfallereignis steht
(vgl. BGE 119 V 335 E. 2b/bb).
8.2.2
8.2.2.1 Die adäquate Kausalität dient der rechtlichen Eingrenzung der sich
aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Un-
fallversicherers (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.3; BGE 127 V 102 E. 5b/aa; BGE
117 V 369 E. 4a, je m.H.). Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann
als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge-
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an
sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizufüh-
ren, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis allgemein begünstigt
erscheint (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.2; BGE 126 V 353 E. 5c; BGE 122 V
415 E. 2a; BGE 121 V 45 E. 3a; BGE 117 V 359 E. 5a; BGE 115 V 133 E.
4a; RKUV 1997 U 272 S. 172 E. 3a; SVR 1999 UV Nr. 14 S. 45 E. 4a).
Immerhin spielt die Adäquanz im Bereich klar ausgewiesener organischer
(physischer) Unfallfolgen praktisch kaum mehr eine Rolle (BGE 127 V 102
E. 5b/bb m.H.; SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45 E. 2b), wohl aber im Bereich der
psychischen, insbesondere der psychogenen Unfallfolgen.
8.2.2.2 Bei der Neurasthenie handelt es sich, wie beim HWS-Distorsions-
trauma, um einen organisch nicht nachweisbaren Befund. Vom medizini-
schen Standpunkt aus ist die Neurasthenie den somatoformen Störungen
zuzuordnen. Aus juristischer Sicht wird die Neurasthenie wie die anderen
C-682/2015
Seite 62
pathogenetisch ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebilder ohne
nachweisbare organische Grundlage behandelt (vgl. Urteil des BGer
9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3).
Bei der Neurasthenie ist demnach die natürliche und adäquate Kausalität
nicht deckungsgleich, da nicht ein organischer Befund, sondern ein Be-
schwerdebild ohne hinreichende organische Grundlage vorliegt.
8.2.2.3 Nach der Rechtsprechung (vgl. BGE 127 V 102 E. 5b/bb) ist bei der
Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisba-
ren Unfallfolgeschäden wie folgt zu differenzieren: Es ist zunächst abzu-
klären, ob der Versicherte beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbel-
säule erlitten hat, oder ob es sich um einen Unfall mit anderen somatischen
Verletzungen und gesundheitlichen Folgen handelt. Im letzteren Fall erfolgt
die Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen nach den in BGE 115 V
133 entwickelten Kriterien. Bei Unfällen mit Schleudertrauma ist hingegen
die Adäquanz gemäss BGE 117 V 359 zu beurteilen. Der Unterschied be-
steht darin, dass bei diesen Unfällen auf eine Differenzierung zwischen
physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird (vgl. BGE 117 V
359 E. 6a; BGE 117 V 369 E. 4b; ebenso: BGE 129 V 177 E. 4.2; BGE 127
V 102 E. 5b), währendem bei den übrigen Unfällen für die Beurteilung der
Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis als
solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie
deren objektive Folgen massgebend sind (vgl. BGE 115 V 133 E. 6c/aa).
Von diesem Grundsatz ist abzuweichen, wenn die zum typischen Be-
schwerdebild gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben
sind, im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber unmit-
telbar nach dem Unfall ganz in den Hintergrund treten oder die physischen
Beschwerden im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Be-
urteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt
haben; diesfalls ist die adäquate Kausalität praxisgemäss unter dem Ge-
sichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung zu beurteilen (vgl. BGE 127
V 102 E. 5b, BGE 123 V 98 E. 2a; RKUV 2002 U 465 S. 437). Ebenfalls
eine Adäquanzbeurteilung nach den in BGE 115 V 133 entwickelten Krite-
rien ist bei einem selbständigen (sekundären) psychischen Gesundheits-
schaden (vgl. RKUV 2001 U 412 S. 80) oder bei einem durch den Unfall
verschlimmerten Vorzustand (vgl. RKUV 2000 U 397 S. 328 E. 3c) vorzu-
nehmen.
C-682/2015
Seite 63
Gemäss Dr. Jj._ (Vorakten doc. 61, 93, 442; BVGer act. 1/55) ist
bei der Versicherten das psychische Beschwerdebild nicht klar vom HWS-
Distorsionstrauma zu trennen, so dass auch in rechtlicher Hinsicht nicht
zwischen den psychischen und physischen Unfallfolgen zu differenzieren
ist.
8.2.2.4 Die Beurteilung der Adäquanz ist eine reine Rechtsfrage (vgl. BGE
115 V 133 E. 11b in fine; BGE 112 V 30 E. 1). Hinsichtlich des Zeitpunktes
der Adäquanzprüfung gilt bei Schleudertraumata der HWS, dass sich die
dafür massgebenden Kriterien grundsätzlich nach Abschluss des norma-
len, unfallbedingt erforderlichen Heilungsprozesses beurteilen lassen (vgl.
BGE 130 V 380 E. 2.3.1; Urteile des EVG vom 12. Oktober 2006 [U 11 /06]
E. 4, vom 8. August 2005 [U 158/05] E. 3.1 und vom 10. Januar 2005
[U 269/04] E. 1.3), was solange nicht möglich ist, wie von einer Fortsetzung
der ärztlichen Behandlung noch immer eine Besserung erwartet werden
kann (vgl. Urteil des EVG vom 11. Februar 2004 [U 246/03] m.H., zit. in:
HAVE 2004 S. 119). Das Bundesgericht präzisierte seine Rechtsprechung
in BGE 134 V 109 dahingehend, als es erwog, es erscheine als geboten,
vorweg die Frage zu prüfen, in welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer
einen Fall abschliessen dürfe. Wenn davon gesprochen werde, die Adä-
quanzprüfung sei zu früh erfolgt, so erschwere dies das Verständnis inso-
fern, als der Eindruck erweckt werde, die Adäquanzprüfung sei die Prüfung
einer Rechtsfrage besonderer Art. Dabei handle es sich um eine Rechts-
frage nebst anderen Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Prüfung der
Leistungsansprüche. Zu fragen sei nicht danach, in welchem Zeitpunkt die
Adäquanzprüfung vorgenommen werden dürfe, sondern wann der Unfall-
versicherer einen Fall abzuschliessen habe. Beim Abschluss habe er den
Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung zu
prüfen.
Ist die Unfallkausalität mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge-
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversi-
cherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursa-
che des (verbleibenden) Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzte-
rer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies
trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er
unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber der-
jenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines
krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt
hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende
natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen
C-682/2015
Seite 64
Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der über-
wiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit
nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt
nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt,
liegt die entsprechende Beweislast beim Unfallversicherer. Diese Beweis-
grundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spät-
folgen (vgl. RKUV 1994 U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 U 142 S. 75 f. E. 4b;
Urteil des EVG vom 14. Juni 2004 [U 76/04] E. 3.1 m.H.).
Die Beschwerdeführerin vermochte keine hinreichenden Beweise vorzule-
gen, wonach der Endzustand bereits im Mai 2001 (Beschwerde S. 14, 16;
BVGer act. 1) bzw. ein Jahr später (Replik S. 4, BVGer act. 16) eingetreten
sein soll.
8.3
8.3.1 Es ist unter den Parteien unbestritten und ergibt sich aus den medi-
zinischen Akten (vgl. E. 5 hiervor), dass sich die Versicherte bei den drei
Verkehrsunfällen je eine HWS-Distorsion zuzog und die Ärzte Befunde er-
hoben, welche gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zum typi-
schen Beschwerdebild gehören (vgl. E. 8.2.1.2 hiervor), womit ein natürli-
che Kausalzusammenhang zwischen den Unfällen und den HWS-Be-
schwerden gegeben ist. Da die Beschwerden nach dem ersten Unfall sich
nicht hinreichend zurückbildeten, sondern immer noch bestanden, und
durch den zweiten und den dritten Unfall verstärkt wurden, sind die HWS-
Beschwerden nach dem dritten Unfall auch natürlich kausal auf den ersten
Unfall zurückzuführen. Aufgrund der Erklärung von Dr. Jj._, wonach
es sich bei der Neurasthenie nicht um ein vom HWS-Distorsionstrauma klar
zu trennendes, eigenständiges psychischen Leiden handle, ist der Kausal-
zusammenhang zwischen der Neurasthenie und dem ersten Unfall eben-
falls gegeben.
8.3.2 Ist, wie hier, eine HWS-Distorsion diagnostiziert worden, so ist direkt
nach dem Unfall die Adäquanz in der Regel anzunehmen (vgl. ANDRÉ NA-
BOLD in: Hürzeler/Kieser [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Sozial-
versicherungsrecht, UVG Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Lu-
zern/St. Gallen 2018; in diesem Sinne auch BGE 134 V 109 E. 9.2). Dies
ist auch vorliegend der Fall, so dass von den drei Unfallversicherern
A._, C._/Suva und B._ zurecht Kurzfristleistungen in
Form von Taggeldern und Heilungskosten bezahlt wurden. Da der Kausal-
zusammenhang bis zum dritten Unfall nicht unterbrochen wurde, sind die
C-682/2015
Seite 65
HWS-Beschwerden nach dem dritten Unfall auch adäquat kausale Folge
des ersten Unfalls. Daran ändert nichts, dass sich erst nach dem dritten
Unfall die Neurasthenie manifestierte, denn psychische Folgebeschwerden
nach HWS-Distorsionen sind nicht ungewöhnlich, vielmehr gehören sie zur
typischen Symptomatik nach einem Schleudertrauma (vgl. BGE 134 V 109
E. 8.4). Hieraus folgt, dass der erste Unfall adäquat kausale Ursache für
die Beschwerden nach dem dritten Unfall ist. Hiervon ging offensichtlich
auch die Beschwerdeführerin aus, nahm sie doch an Besprechungen mit
der B._ teil (Vorakten doc. 473, 527, 598, 599, 600, 621, 655, 679,
685, 714, 721), bestätigte ihre Leistungspflicht nach Art. 100 Abs. 2 UVV
(Vorakten doc. 44, 136) und stellte die teilweise Kostenübernahme für das
Unfallverarbeitungscoaching in Aussicht (Vorakten doc. 473, 546). Daran
ändert nichts, dass an den Sitzungen eine A._-Sachbearbeiterin
Haftpflicht und nicht Unfallversicherung teilnahm.
8.3.3 Wie unter E. 8.3.1 und E. 8.3.2 hiervor erörtert, ist der natürliche und
adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Gesundheitsschaden
nach dem dritten Unfall und dem ersten Unfall gegeben. Eine Leistungs-
pflicht der Beschwerdeführerin fällt damit erst weg, wenn der Status quo
sine vel ante erreicht ist (vgl. E. 8.2.1.4 hiervor). Dr. Jj._ berichtete
in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 3. März 2010 (Vorakten doc.
61, 93, 442; BVGer act. 1/55), dass der Endzustand im Zeitpunkt der Be-
gutachtung noch nicht erreicht war. Dementsprechend ist nicht zu bean-
standen, dass die B._ noch einige Monate zuwartete, bevor sie mit
Verfügung vom 22. Juni 2011 (Vorakten doc. 204, 423) per 30. Juni 2011
den Fall abschloss.
Die B._ verfügte nur den Abschluss hinsichtlich des dritten Unfalls,
womit die Fallführung für den zweiten und den ersten Unfall an die Suva
zurückging (vgl. analog Empfehlung der Ad-hoc-Kommission Schaden
1987, Vorakten doc. 571). Die Empfehlung der Ad-hoc-Kommission Scha-
den UVG stellt keinen Rechtserlass, sondern eine standardisierte Praxis
dar, welche von Vertretern der zugelassenen Unfallversicherer vereinbart
wurde. Weder die Versicherer selbst noch die übrigen Behörden sind daran
gebunden. Die Empfehlungen der Ad-hoc-Kommission Schaden der UVG-
Versicherer sind für das Gericht zwar unverbindlich, jedoch unter dem Ge-
sichtspunkt der Rechtsgleichheit von gewisser Bedeutung (vgl. BGE 126 V
353 E. 3; BGE 120 V 224 E. 4c; BGE 114 V 315 E. 5c). In der Empfehlung
der Ad-hoc-Kommission ist vorgesehen, dass beim Wegfall der kausalen
Rolle des neuen Unfalls, die Behandlungshoheit wieder an den für den
C-682/2015
Seite 66
früheren Unfall Zuständigen zurückgehe. Vorliegend konnte zwar nicht da-
von ausgegangen werden, dass der zweite und erste Unfall den dritten
überdauern würde, vielmehr musste angenommen werden, dass auch der
Kausalzusammenhang zum ersten und zweiten Unfall nicht mehr gegeben
war, jedoch rechtfertigt es sich analog vorzugehen. Daher ist nicht zu be-
anstanden, dass die Suva/C._ sich der Sache wieder annahm und
die Beschwerdeführerin kontaktierte (Vorakten doc. 195), welche sich mit
Telefonat vom 25. Januar 2012 (Vorakten doc. 194) damit einverstanden
erklärte, dass die Suva/C._ eine Verfügung für beide Unfälle (erster
und zweiter Unfall) erlässt.
Am 1. Februar 2012 (Vorakten doc. 193, 410) verfügte die
Suva/C._, dass der Anspruch auf Versicherungsleistungen nach
UVG für die Unfälle vom 7. September 2000 und 19. September 2003 ana-
log zum Unfall vom 23. Mai 2006 per 30. Juni 2011 ende, da von weiteren
medizinischen Behandlungen keine wesentliche Besserung mehr erwartet
werden könne und es an einem natürlichen und adäquaten Kausalzusam-
menhange fehle. Obwohl die Verfügung der Suva in Kopie auch der
A._ zugestellt wurde, machte diese gegenüber der
Suva/C._ nicht geltend, dass ihrer Ansicht nach ein früherer Fallab-
schluss hätte verfügt werden müssen.
Die Beschwerdeführerin hat sich daher durchaus ein widersprüchliches
Verhalten vorwerfen zu lassen, wenn sie erst im Rahmen der Aufteilung
der Kosten gemäss Art. 100 Abs. 2 UVV moniert, der Fallabschluss sei zu
spät erfolgt, ohne zuvor gegenüber der Suva/C._ bzw. der
B._ die frühere Falleinstellung geltend zu machen.
8.3.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Endzustand erst per Juni
2011 vorlag und damit ein früherer Fallabschluss nicht möglich war, so
dass für eine Adäquanzprüfung kein Anlass bestand.
8.4
8.4.1 Die Höhe der von der B._ ausgewiesenen Kosten von
Fr. 169‘077.90 bestritt die Beschwerdeführerin nicht, sie monierte jedoch,
es sei der von ihr bereits geleistete Anteil abzuziehen. Da die Beschwer-
deführerin ihr Argument nicht substanziiert vorbrachte und insbesondere
keine hinreichenden Belege einreichte, ist darauf nicht weiter einzugehen.
C-682/2015
Seite 67
8.4.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist bei der
Kostenaufteilung nach Art. 100 Abs. 2 UVV von der medizinischen Ein-
schätzung auszugehen (vgl. Urteil des BVGer C-6216/2009 E. 7.4.2 und
E. 7.5), daher ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz vom Auftei-
lungsschlüssel der MEDAS-Gutachter ausging und dem ersten Unfall ei-
nen Verursachungsanteil von 60 % zuschrieb, was bei Kosten in der Höhe
von Fr. 169‘077.90 einen Anteil von Fr. 101‘446.70 ausmacht.
9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zurecht auf das be-
weiswertige MEDAS-Gutachten abstellte, dem ersten Unfall einen Verur-
sachungsanteil von 60 % zuschrieb und der A._ Kosten in der Höhe
von Fr. 101‘446.70 auferlegte. Die Beschwerde erweist sich damit als un-
begründet und ist abzuweisen.
10.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
10.1 Das Verfahren ist grundsätzlich kostenpflichtig, wobei die Verfahrens-
kosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt werden (Art. 63
Abs. 1 VwVG sowie Art. 1ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Da es sich vorliegend um eine Streitigkeit mit ver-
mögensrechtlichen Interessen einer juristischen Person handelt, die öffent-
lich-rechtliche Aufgaben wahrnimmt, sind der unterliegenden Beschwerde-
führerin die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 zweiter Halb-
satz VwVG; Urteil des BVGer C-5/2006 vom 12. März 2008 E. 9.1). Diese
werden auf Fr. 4‘000.- festgesetzt und dem geleisteten Kostenvorschuss
in gleicher Höhe entnommen.
10.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 und 2 VGKE haben
obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen
erwachsenen notwendigen Kosten. Keinen Anspruch auf Parteientschädi-
gung haben Bundesbehörden und in der Regel andere Behörden, die als
Parteien auftreten (Art. 7 Abs. 3 VGKE). Die obsiegende Vorinstanz ist eine
Bundesbehörde im Sinne von Art. 1 Abs. 2 Bst. a VwVG und hat gemäss
Art. 7 Abs. 3 VGKE keinen Anspruch auf Parteientschädigung.
C-682/2015
Seite 68
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die obsiegenden Beschwerdegegnerinnen
Anspruch auf eine Parteientschädigung haben. Den Bundesverwaltungs-
behörden gleichgestellt sind gemäss Art. 1 Abs. 2 Bst. e VwVG andere
Instanzen und Organisationen ausserhalb der Bundesverwaltung, soweit
sie in Erfüllung ihnen übertragener öffentlich-rechtlicher Aufgaben des
Bundes verfügen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind so-
wohl die Versicherungsgesellschaften als auch die Krankenkassen, welche
gemäss Art. 68 UVG als Versicherer zugelassen sind, Träger hoheitlicher
Gewalt, da das Gesetz ihnen die Befugnis einräumt, Verfügungen im Sinne
des Verwaltungsrechts zu erlassen (vgl. Urteil des BGer 8C_324/2007 vom
12. Februar 2008 E. 2.1). Im vorliegenden Fall stehen Leistungen in Frage,
welche die Beschwerdegegnerinnen als zugelassene Unfallversicherer im
Sinne von Art. 68 UVG in Durchführung der obligatorischen Unfallversiche-
rung zu erbringen bzw. von einem mitbeteiligten Versicherer zurückfordern
können. Sie gelten somit je als Trägerin hoheitlicher Gewalt und damit als
Behörde im Sinne von Art. 1 Abs. 2 Bst. e VwVG, welche gemäss Art. 7
Abs. 3 VGKE in der Regel keinen Anspruch auf Parteientschädigung hat.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind privaten UVG-Versi-
cherern sowie – von Sonderfällen abgesehen – den Krankenkassen keine
Parteientschädigungen zuzusprechen, weil sie hinsichtlich der Durchfüh-
rung der obligatorischen Unfallversicherung als Organisationen mit öffent-
lich-rechtlichen Aufgaben zu qualifizieren sind (vgl. BGE 127 V 176 E. 5b
[nicht veröffentlicht, aber in U 329/99 vom 25. Juni 2001]; Urteil des Bun-
desgerichts U 416/99 vom 18. Oktober 2000 i.S. SWICA gegen O. und
Ersatzkasse UVG E. 6; Urteile des BVGer C-5/2006 vom 12. März 2008
E. 9.2 und C-8/2006 vom 23. September 2008 E. 8.2.1 je mit Hinweisen).
Ausnahmen sind gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gerechtfer-
tigt, wenn das Verhalten der Gegenpartei leichtsinnig oder mitwillig ist
oder wenn die besondere Art des Prozesses die Zusprechung von Partei-
kosten rechtfertigt (vgl. BGE 128 V 124 E. 5b). Eine derartige Ausnahme-
situation ist vorliegend nicht gegeben. Die Beschwerdegegnerinnen haben
folglich keinen Anspruch auf Parteientschädigung. Daran ändert nichts,
dass die Beschwerdegegnerin 1 einen externen Anwalt zuzog.