Decision ID: 6c861835-d1c2-4029-8dd1-ba64c8f12f55
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. A und B (nachfolgend der/die Pflichtige, zusammen die Pflichtigen)
deklarierten in der Steuererklärung 2010 ein steuerbares Gesamteinkommen von
Fr. 145'000.-. U.a. machten sie für die früher als Kinderarzthelferin tätige Ehefrau be-
rufliche Wiedereinstiegskosten von Fr. 6'540.- für die Umschulung zur musikalischen
Früherzieherin geltend. Mit Einschätzungsentscheid vom 8. Juni 2012 schätzte das
kantonale Steueramt die Pflichtigen für die Steuerperiode 2010 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 14'500.- (zum Satz von Fr. 151'500) und einem steuerbaren Ver-
mögen von Fr. 0 ein. Dabei würdigte es die geltend gemachten Umschulungskosten
nach einer steueramtlichen Untersuchung als Zweitausbildungskosten und liess statt-
dessen nur den Weiterbildungspauschalabzug von Fr. 500.- zum Abzug zu.
B. Eine dagegen erhobene Einsprache, womit die Pflichtigen den vollumfäng-
lichen Abzug der Umschulungskosten geltend machten, wies das kantonale Steueramt
am 17. August 2012 ab.
C. Mit Rekurs vom 30. August 2012 erneuerten die Pflichtigen ihren im Ein-
spracheverfahren gestellten Antrag. Ferner beanstandeten sie den Einspracheent-
scheid in redaktioneller Hinsicht. Er enthalte lange und komplizierte Satzkonstruktionen
und sei schwer verständlich.
Das kantonale Steueramt schloss mit Rekursantwort vom 27. September 2012
auf kostenfällige Abweisung des Rekurses.
Auf die Parteivorbringen wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
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Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. a) Zur Ermittlung des Reineinkommens werden laut § 25 des Steuergeset-
zes vom 8. Juni 1997 (StG) von den gesamten steuerbaren Einkünften die zu ihrer
Erzielung notwendigen Aufwendungen abgezogen. Abzugsfähig im Bereich der un-
selbstständigen Erwerbstätigkeit sind u.a. die mit dem Beruf zusammenhängenden
Kosten für Weiterbildung und Umschulung mit Einschluss der Wiedereinstiegskosten
(§ 26 Abs. 1 lit. d StG). Nicht abzugsfähig sind Ausbildungskosten (§ 33 lit. b StG).
b) Weiterbildung im Sinn des Gesetzes besteht in denjenigen Bildungsmass-
nahmen, die ein Steuerpflichtiger auf sich nimmt, um in einem Beruf, in dem er tätig ist,
auf dem Laufenden und den steigenden Anforderungen seiner beruflichen Stellung
gewachsen zu bleiben (Philip Funk, Der Begriff der Gewinnungskosten nach schweize-
rischem Einkommenssteuerrecht, 1989, S. 96 f.; Felix Richner, Bildungskosten,
ZStP 2002, 189 und 264). Die Ausgaben der Weiterbildung dienen der Erhaltung und
Verbesserung der für die gegenwärtige Berufsausübung erforderlichen Sachkenntnisse
oder der Erhaltung/Sicherung der gegenwärtigen Berufsstellung (vgl. Michael Beusch,
Bildungskosten – Eine Analyse der Abgrenzung von Aus- und Weiterbildung anhand
neuerer Entwicklungen in der Rechtsprechung, "zsis", Zeitschrift für Schweizerisches
und Internationales Steuerrecht, Aufsätze, www.zsis.ch, Ziff. 10; Richner/Frei/Kauf-
mann/Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 26 N 64 und
71 ff. StG), aber auch dem Erwerb besonderer Fachkenntnisse mit Blick auf
eine Spezialisierung (RB 2004 Nr. 92). Abzugsfähige Weiterbildungskosten stellen
auch die sogenannten Berufsaufstiegskosten dar, sofern die getätigten Aufwendungen
im Hinblick auf den Aufstieg im angestammten Beruf erfolgen (Richner/
Frei/Kaufmann/Meuter, § 26 N 95 ff. StG). Zielen die Aufwendungen aber auf einen
Anstieg in eine von der bisherigen Berufstätigkeit zu unterscheidende höhere Stellung
oder gar in einen anderen Beruf, so sind die betreffenden Aufwendungen als solche für
die Ausbildung zu einem neuen Beruf zu würdigen und demzufolge zu den grundsätz-
lich nicht abzugsfähigen privaten Lebenshaltungskosten zu rechnen (RB 2004 Nr. 92;
RB 1996 Nr. 34 = StE 1997 B 27.6 Nr. 12 und VGr, 23. Februar 2000 = StE 2000
B 22.3 Nr. 71 E. 3d; BGr, 6. Juli 2005 = StE 2006 B 22.3 Nr. 86 mit weiteren Hinwei-
sen; BGE 113 Ib 114 E.3 S. 120 f.). Als Weiterbildungsmassnahmen gelten beispiels-
weise Sprachkurse, PC-Kurse, branchenspezifische Auffrischungs- und Fortbildungs-
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kurse, Seminare, Kongresse etc., soweit ein Zusammenhang mit der gegenwärtigen
beruflichen Tätigkeit besteht bzw. die Fortbildungsmassnahmen für diese berufliche
Tätigkeit nützlich sind und im Rahmen des Üblichen liegen (siehe Beispielkatalog in
Ziffer 8 des Merkblattes des kantonalen Steueramts über die Abzugsfähigkeit von Auf-
wendungen für Bildungsmassnahmen vom 11. November 2009, ZStB I Nr. 17/400,
www.steueramt.zh.ch; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 26 N 74 ff.).
c) Unter nicht abziehbarer Ausbildung im Sinn von § 33 lit. b StG sind
diejenigen Bildungsvorgänge zu verstehen, die nicht mit einer bereits ausgeübten Er-
werbstätigkeit zusammenhängen, insbesondere die Ausbildung, die der erstmaligen
Erlangung eines Berufs oder der ersten Erwerbstätigkeit dient (RB 2004 Nr. 92; Funk,
S. 95; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 26 N 8 StG). Sie bilden mangels eines qualifi-
ziert engen und wesentlichen Zusammenhangs mit einer vorbestehenden, sogenann-
ten angestammten beruflichen Tätigkeit keine Berufskosten im Sinn des Gesetzes,
sondern nicht abzugsfähige private Lebenshaltungskosten. Als Kosten der Ausbildung
gelten aber auch diejenigen einer Zweitausbildung, die im Hinblick auf einen späteren
Berufswechsel absolviert wird und deren Kosten nur unter bestimmten Voraussetzun-
gen abzugsfähig sind (§ 26 Abs. 1 lit. d StG; Umschulung). Als Ausbildung gelten bei-
spielsweise – unter Vorbehalt des nachfolgenden Absatzes – Lehrgänge zur Erlangung
der Matura, Berufslehren, mehrjährige Lehrgänge an (Fach) Hochschulen etc. (siehe
Beispielkatalog in Ziffer 8 des Merkblattes des kantonalen Steueramts über die Ab-
zugsfähigkeit von Aufwendungen für Bildungsmassnahmen vom 11. November 2009,
ZStB I Nr. 17/400).
Das Verwaltungsgericht verweist in seiner Rechtsprechung zur Abgrenzung von
Aus- und Weiterbildungskosten auf Art. 30 lit. a und b des Bundesgesetzes über die
Berufsbildung vom 13. Dezember 2002 (BBG; SR 412.10) und hält fest, die Bestim-
mung enthalte insofern ein taugliches Kriterium für den Weiterbildungsbegriff, als die
berufsorientierte Weiterbildung primär dazu dient, "durch organisiertes Lernen beste-
hende berufliche Qualitäten zu erneuern, zu vertiefen und zu erweitern" (RB 2004
Nr. 92). Indessen schliesst die in Art. 30 lit. a und b BBG erwähnte Zwecksetzung auch
Elemente der Umschulung bzw. Ausbildung mit ein ("neue berufliche Qualifikationen"
bzw. "berufliche Flexibilität"), welche über die steuerlich abzugsfähige Weiterbildung
hinausgehen. Ob die Kosten eines Lehrgangs als abzugsfähige Weiterbildungskosten
zu würdigen sind, kann daher nicht allgemein gesagt werden, sondern beurteilt sich
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aufgrund der konkreten Umstände, indem es namentlich auf den im Lehrgang vermit-
telten Stoff einerseits und die berufliche Tätigkeit oder die Grundausbildung des Absol-
venten andrerseits ankommt. Somit kann je nach beruflicher Grundausbildung und
beruflicher Tätigkeit und der besonderen konkreten Umstände derselbe Bildungsgang
für einen Steuerpflichtigen Ausbildung und für einen anderen Steuerpflichtigen Weiter-
bildung darstellen.
d) Umschulung ist – im Gegensatz zur Weiterbildung – auf die Erlangung der
für die Ausübung eines anderen Berufs erforderlichen Kenntnisse gerichtet (Felix Rich-
ner, Bildungskosten [Teil 2], ZStP 2002, 287 f.). Kosten der Umschulung sind demnach
keine Gewinnungskosten im steuerrechtlichen Sinn, sondern grundsätzlich nicht ab-
zugsfähige Kosten einer (Zweit-) Ausbildung (vgl. § 33 Abs. 1 lit. b StG). Aus Rück-
sichtnahme auf Beschäftigungsschwierigkeiten in einzelnen Wirtschaftszweigen hat
sie der Gesetzgeber dennoch für abzugsfähig erklärt (BGr, 12. Februar 2013,
2C.618/2012, www.bger.ch). Die Abzugsmöglichkeit besteht jedoch nicht schlechthin,
sondern nur unter der Voraussetzung, dass der – für alle Berufs- und Bildungskosten
erforderliche (BGE 113 Ib 114) – Zusammenhang mit einer angestammten Berufstätig-
keit besteht. Nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung (insbesondere
RB 1996 Nr. 34 = StE 1997 B 27.6 Nr. 12, auch zum Folgenden) ist mit dem "Zusam-
menhang mit dem Beruf" nicht ein fachlicher, inhaltlicher gemeint. Vielmehr ist diese
Rechtsprechung dahingehend zusammenzufassen, dass der Grund für die Umschu-
lung in der bisherigen Tätigkeit liegen muss. Dieser – in der bisherigen Tätigkeit lie-
gende – Grund muss zudem objektiv gewichtig sein, d.h. auch einen Dritten in dersel-
ben Situation zu einer Umschulung bewegen. Der erforderliche Zusammenhang zur
bisherigen Berufstätigkeit ist danach etwa dann gegeben, wenn dem Steuerpflichtigen
die körperliche oder geistige Verrichtung der bisherigen Tätigkeit nicht mehr möglich ist
und deshalb ein Berufswechsel in Angriff genommen wird. Dass eine eigentliche
Zwangslage oder äussere Umstände (z.B. Betriebsschliessung) eine Umschulung ver-
anlassen, ist indes nicht notwendig. Die Gründe müssen aber objektiv erheblich, d.h.
auch für einen Dritten als sachbezogen erscheinen. Liegen keine derartigen Gründe
vor, gelten die entsprechenden Kosten als solche der Lebenshaltung bzw. als nicht
abzugsfähige Ausbildungskosten, da diesfalls die Umschulung nicht durch den bisheri-
gen Beruf indiziert wird, sondern durch das Bestreben des Steuerpflichtigen, sein wirt-
schaftliches Fortkommen in einem neuen Beruf zu sichern bzw. zu verbessern. Zudem
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sind nur solche Kosten einer Umschulung abzugsfähig, die im Hinblick auf eine spätere
hauptberufliche Erwerbstätigkeit aufgewendet werden.
e) Zu den abzugsfähigen Weiterbildungs- resp. Umschulungskosten im darge-
legten Sinn (E. 1b und 1 d) gehören auch die Wiedereinstiegskosten. Darunter sind
solche Kosten zu verstehen, die eine steuerpflichtige Person aufwendet, um nach län-
gerer Zeit beruflicher Abstinenz wieder in den angestammten bzw. erlernten Beruf zu-
rückzukehren. Wiedereinstiegskosten sind somit nicht schlechthin abzugsfähig,
sondern nur dann, wenn der für alle abzugsfähige Weiterbildungs- bzw. Umschulungs-
kosten erforderliche Zusammenhang mit einer angestammten beruflichen Tätigkeit im
dargelegten Sinn besteht (vgl. hierzu E. 1b und 1d). Kehrt die steuerpflichtige Person in
den gleichen Beruf zurück, den sie bereits früher ausgeübt hatte, sind – soweit eigene
Erwerbseinkünfte in der betreffenden Steuerperiode vorhanden sind – alle im Rahmen
des Üblichen liegenden Aufwendungen zur Erneuerung und Erweiterung der für diesen
Beruf aktuell erforderlichen oder nützlichen Kenntnisse als Wiedereinstiegskosten an-
rechenbar. Anders verhält es sich, wenn die steuerpflichtige Person beim Wiederein-
stieg ins Erwerbsleben einen anderen Beruf auswählt. In diesem Fall sind die zur Aus-
übung des neuen Berufs ergriffenen Bildungsmassnahmen nur dann abzugsfähige
Wiedereinstiegskosten, wenn die besonderen Voraussetzungen für den Abzug von
Umschulungskosten erfüllt sind, d.h. aufgrund gewichtiger objektiver Umstände
(Betriebsschliessung, Aussterben eines Berufs, Krankheit oder Unfall) eine Rückkehr
in den früher ausgeübten Beruf unmöglich oder unzumutbar ist (siehe E. 1.d).
2. a) Die Pflichtige ist ausgebildete Kinderarzthelferin und übte diesen Beruf bis
in den Anfang der Kinderphase (Geburt des ersten Kindes am ... ... 1996) aus. Da-
nach leistete sie hauptsächlich Familienarbeit. Nebenher arbeitete sie in der Arztpraxis
des Ehemanns mit. Ihre dortige Tätigkeit beschränkte sich allerdings auf Raumpflege,
Dekoration und organisatorisch-praktische Aufgaben. Im Jahr 2010 begann sie an der
C in D eine dreijährige berufsbegleitende Ausbildung zur Lehrperson für musikalische
Früherziehung und Grundschule. Streitig ist im vorliegenden Verfahren ausschliesslich
die Abzugsfähigkeit der dafür im Jahr 2010 aufgewendeten Ausbildungskosten von
Fr. 6'540.-. Ausserdem machen die Pflichtigen verfahrensrechtliche Mängel geltend,
weil der Einspracheentscheid aufgrund langer und komplizierter Satzkonstruktionen
nur schwer verständlich und unklar sei. Es fehlten positive Beispiele, aus denen er-
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sichtlich sei, in welchen Fällen ein Anspruch auf Berücksichtigung von Umschulungs-
kosten bestehe.
b) Was die verfahrensrechtlichen Rügen betrifft, ist anzumerken, dass sich das
kantonale Steueramt bei der Redaktion seines Einspracheentscheids weitgehend an
die publizierte verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung anlehnte (RB 1996 Nr. 34 =
StE 1997 B 27.6 Nr. 12 = ZStP 1996, 208) und dabei die Textblöcke des Verwaltungs-
gerichts übernahm. Diese Form der Redaktion lässt sich nicht beanstanden. Positive
oder negative Beispiele, in welchen Fällen abziehbare oder nicht abziehbare Umschu-
lungskosten vorliegen, müssen nicht unbedingt im Entscheid aufgeführt werden. Den-
noch wurden im angefochtenen Entscheid in knapper Form Beispiele erwähnt. So wur-
de in E. 2 (Seite 6) erwähnt, dass abzugsfähige Umschulungskosten nur dann
vorliegen, wenn die steuerpflichtige Person den angestammten Beruf (hier Kinderarzt-
helferin) aufgrund objektiv gewichtiger Beweggründe bzw. aufgrund eines äusseren
Zwangs (Arbeitslosigkeit, keine berufliche Zukunft mehr, Krankheit oder Unfall) nicht
mehr ausüben kann. Wenn die Pflichtigen dies nicht verstehen, liegt dies möglicher-
weise an der Schwerverständlichkeit der Materie, weil bei der Umschulung stets eine
Abgrenzung zur nicht abzugsfähigen Zweitausbildung vorzunehmen ist. Jedenfalls ist
festzuhalten, dass im vorliegenden Fall kein Begründungsmangel besteht.
c) Aufgrund der Abgrenzungsproblematik zwischen abzugsfähigen Umschu-
lungs- und nicht abzugsfähigen Zweitausbildungskosten ist gemäss bundesgerichtli-
cher Rechtsprechung der Begriff der Umschulung eng auszulegen (BGr. 3. Novem-
ber 2005, 2A.183/2005, www.bger.ch). Die Auslegung des Begriffs der Umschulung
darf nicht zu einer Umgehung der eingeschränkten Abzugsfähigkeit der Ausbildungs-
kosten führen (RB 1996 Nr. 34). Ein Abzug von Bildungskosten ist gemäss der ver-
ständlicheren bundesgerichtlichen Begriffsbestimmung – auch im Falle von Wiederein-
stiegskosten – nur dann zuzulassen, wenn sich der Steuerpflichtige aufgrund äusserer
Umstände, etwa wegen einer Betriebsschliessung, dem Aussterben eines Berufs,
Krankheit oder Unfall, umschulen lassen muss. Dabei müssen die Beeinträchtigungen
infolge Krankheit, Unfall oder aus einem anderen Grund derart sein, dass eine Weiter-
beschäftigung im angestammten Beruf nicht mehr möglich ist. Verlagerungen der per-
sönlichen Fähigkeiten und Interessen, die im Leben einer Person und bei der Berufs-
wahl ebenfalls eine bedeutende Rolle spielen, reichen allein nicht aus, um mit einer
beruflichen Neuorientierung verbundene Bildungskosten steuerlich in Abzug bringen zu
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können. In diesem Sinn anerkannte das Bundesgericht im Fall eines ausgebildeten
Ökonomen, der bis 2004 als Controller tätig war und danach krank wurde und Renten-
leistungen bezog, die Erkrankung nicht als einen ausreichenden Grund für eine Be-
rufsumstellung zum Juristen. Dementsprechend würdigte es das Rechtsstudium als
Zweitausbildung (BGr, 12. Februar 2013, 2C.618/2012, www.bger.ch). In einem weite-
ren Fall würdigte es eine Betriebsschliessung, aufgrund der ein Bauleiter seine Stelle
verlor, nicht als einen genügenden Grund für den Abzug der Kosten eines Nachdip-
lomstudiums zum Wirtschaftstechniker, da der betreffende Steuerpflichtige nach
10-monatiger Arbeitslosigkeit bereits während des Studiums wieder als Bauleiter arbei-
ten konnte. Schliesslich liess das Bundesgericht im Falle einer ausgebildeten Töpferin,
die nach Abschluss der Lehre vier Jahre als Töpferin arbeitete, und danach während
fünf Jahre diverse Jobs (Telefonistin, Aussendienstmitarbeiterin, Restaurateurin) aus-
übte, weitere 12 Jahre als Hausfrau tätig war, danach die Handelsschule absolvierte
und in der Folge als Betriebsleiterin arbeitete und zuletzt mehrere Kurse zum Thema
psychologische Astrologie und Feng Shui besuchte, die Kosten für die zuletzt besuch-
ten Kurse nicht als abzugsfähige Umschulungskosten zu, da die besonderen Gründe
für die Berufsumstellung zur psychologisch-astronomischen Beraterin nicht gegeben
waren (BGr, 8. August 2002, 2A.130/2002, www.bger.ch). Aus dem gleichen Grund
würdigte das zürcherische Verwaltungsgericht im Falle einer ausgebildeten Laborantin,
die mehrere Jahre in der Anwaltspraxis ihres Ehemanns und nach der Scheidung zwei
Jahre am Universitätsspital Zürich arbeitete, einen Lehrgang zur Erlangung der Eidge-
nössischen Maturität, dem später ein Medizinstudium folgte, nicht als steuerlich zu be-
rücksichtigende Umschulung (RB 1996 Nr. 34 = StE 1997 B 27.6 Nr. 12 = ZStP 1996,
208). Weiter würdigte es Stress und Mobbing am Arbeitsplatz, die einen Bundesbeam-
ten mit einem lic. phil. 1 Titel (Englisch und Französisch) veranlassten, ein Psycholo-
giestudium an einer Hochschule aufzunehmen, nicht als zureichenden Grund für den
Abzug der mit der beruflichen Neuorientierung zusammenhängenden Bildungskosten
(VGr, 28. April 2004, SB.2003.00071).
Positive Beispiele für abzugsfähige Umschulungskosten sind in der Steuerpra-
xis eher selten anzutreffen, da echte Zwangslagen für eine Berufsumstellung wie etwa
die amputierte Hand des Pianisten kaum Anlass zu Streitfällen bieten. Im Falle einer
Wiedereinsteigerin, die vor der 15-jährigen Familienphase als ausgebildete kaufmänni-
sche Angestellte arbeitete, liess das Verwaltungsgericht des Kantons Freiburg mit Ent-
scheid vom 23. Juni 2006 (Regeste publiziert in StR 2006, 720) die Kosten der Um-
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schulung zur Ernährungsberaterin und Walking-Leiterin zu, da die Bemühungen, im
angestammten Beruf wieder Fuss zu fassen, nachgewiesenermassen scheiterten
(23. Juni 2006). Ferner würdigte das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern mit Ent-
scheid vom 24. August 2004 (www.gerichte.lu.ch = LGVE 2004 II Nr. 21) die Aufwen-
dungen einer Handarbeitslehrerin für eine Zusatzausbildung zur Erweiterung der Unter-
richtsbefähigung als Primarlehrerin für das 3. und 4. Schuljahr als abzugsfähige
Umschulungskosten, da aufgrund der neuen Lehrer- und Lehrerinnenausbildung der
Beruf der Fachlehrerin für Handarbeit in Zukunft in der bisherigen Form nicht mehr
weitergeführt wird.
d) Die Pflichtige sieht die Notwendigkeit der Umschulung und damit den objektiv
gewichtigen Zusammenhang zwischen der Umschulung und der früher ausgeübten
Tätigkeit als Kinderarzthelferin (heute medizinische Praxisassistentin) darin, dass sie
aufgrund der langen Familienphase hinsichtlich Laborpraktiken, EDV, neuer Abrech-
nungssysteme (Tarmed-Tarif) nicht mehr auf dem Laufenden sei und somit ihren frühe-
ren Beruf nicht mehr ausüben könne. Die lange Familienphase habe den Besuch re-
gelmässiger Weiterbildungsveranstaltungen u.a. aus zeitlichen Gründen verunmöglicht.
Dies habe schliesslich zu einer unüberwindbaren Distanz zum ursprünglichen Beruf
geführt. Der Wissensrückstand könne nicht durch wenige Kurse aufgeholt werden. Die
Entscheidung zum Erlernen eines neuen Berufs sei aus dieser Not getroffen worden,
also im engen Bezug zum bisherigen Beruf, und sei deshalb keine "freie" Wahl gewe-
sen. Ob die Distanz zum früheren Beruf durch Unfall, Krankheit oder durch die jahre-
lange Kinderbetreuung verursacht worden sei, mache in den Auswirkungen keinen
Unterschied. Entscheidend sei, dass jemand unverschuldet in eine derartige Distanz
geraden sei, die eine Rückkehr in denselben lebenspraktisch nicht mehr zulasse.
e) Die Distanz zum früher ausgeübten Beruf aufgrund der langen Familienpha-
se stellt allein noch keinen objektiv gewichtigen Grund für eine Berufsumstellung dar,
da der Beruf als Arzthelferin unter neuer Bezeichnung nach wie vor besteht und sich in
den letzten 15 Jahren nicht grundlegend verändert hat. Der früher erlangte Fähigkeits-
ausweis zur Berufsausübung ist immer noch gültig. Ferner besteht nach wie vor ein
Betätigungsfeld, um den erlernten Beruf ausüben zu können. Der Wandel des Arzthel-
ferberufs und der beruflichen Anforderungen wie auch Wissenslücken im medizini-
schen und administrativen Bereich gebieten nicht zwingend eine Umschulung, da eine
bedürfnisorientierte Grundausbildung von diversen Lehrinstituten angeboten wird und
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nicht länger als die Ausbildung zur musikalischen Früherzieherin dauert. Die Pflichtige
hat nicht dargelegt, dass solche Lehrgänge heute nicht mehr angeboten werden. Kon-
krete Bemühungen, um im bisherigen Betätigungsfeld wieder eine Anstellung zu fin-
den, wären nützlich gewesen, um den Nachweis erbringen zu können, dass eine
Rückkehr in den früheren Beruf unmöglich war. Derartige Bemühungen wurden aber
nicht erwähnt und fanden offenbar auch nicht statt. Damit ist nicht nachvollziehbar dar-
getan und bewiesen, dass die berufliche Neuorientierung aus einem äusseren Anlass
im dargelegten Sinn erfolgte, der auch eine Drittperson in der gleichen Situation zu
einer Umschulung veranlasst hätte. Das Fehlen konkreter Bemühungen für eine Rück-
kehr in den angestammten Beruf ist zudem als Indiz zu werten, dass bei der berufli-
chen Neuorientierung nicht äussere Umstände, sondern in erster Linie veränderte per-
sönliche Gründe den Ausschlag gaben. Ein Abzug der geltend gemachten Kosten ist
bei dieser Sachlage nicht möglich.
Somit ist der Rekurs abzuweisen.