Decision ID: b3534df3-caa4-5072-8ac3-0eef56a78d6e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
E._ (der zweitälteste Sohn respektive Bruder der Beschwerdefüh-
renden [N {...}]) suchte am 14. September 2014 in der Schweiz um Asyl
nach. Mit Verfügung vom 15. Juli 2017 stellte das SEM seine Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG (SR 142.31) fest und gewährte ihm
Asyl.
B.
F._ (der älteste Sohn respektive Bruder der Beschwerdeführenden
[N {...}]) suchte am 5. Oktober 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Mit Ver-
fügung vom 27. September 2017 lehnte das SEM sein Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der Wegweisung
erachtete es jedoch als unzumutbar, weshalb es die vorläufige Aufnahme
anordnete. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil E-6087/2017 vom 12. Juni 2018 vollumfänglich gut
und wies das SEM an, F._ als Flüchtling anzuerkennen und ihm
Asyl zu gewähren.
II.
C.
C._ (nachfolgend: die Drittbeschwerdeführerin) suchte am 11. April
2017 als unbegleitete Minderjährige im Empfangs- und Ver-
fahrenszentrum (EVZ) des SEM in G._ um Asyl nach. Dort wurde
sie am 20. April 2017 – im Beisein ihres Bruders E._ – zu ihrer Per-
son, zu ihrem Reiseweg und summarisch zu ihren Asylgründen befragt
(Befragung zur Person [BzP]).
D.
Die Mutter der Drittbeschwerdeführerin, B._ (nachfolgend: die Be-
schwerdeführerin), suchte am 12. Mai 2017 – zusammen mit ihrem Kind
D._ – im EVZ des SEM in G._ um Asyl nach. Am 16. Mai
2017 suchte schliesslich der Vater der Drittbeschwerdeführerin, A._
(nachfolgend: der Beschwerdeführer), in der Schweiz um Asyl nach. Am
22. Mai 2017 fand jeweils die BzP der Beschwerdeführerin und des Be-
schwerdeführers statt.
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Seite 3
E.
E.a Am 25. August 2017 hörte das SEM den Beschwerdeführer, die Be-
schwerdeführerin und die Drittbeschwerdeführerin – syrische Staatsange-
hörige kurdischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in H._ (Provinz
I._) – je eingehend zu ihren Asylgründen an (Anhörung).
E.b Zu seinen Gesuchsgründen brachte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen vor, seit 1985 Mitglied der Demokratischen Partei Kurdistan-Syrien
(kurdisch: Partiya Demokrata Kurdistan a Sûriye [PDK-S]) zu sein. Nach
Ausbruch der Unruhen im Jahr 2011 habe er – zusammen mit seinen Söh-
nen E._ und F._ – regelmässig an Demonstrationen gegen
das syrische Regime teilgenommen. Unter anderem aufgrund dieser Teil-
nahmen seien die obgenannten Söhne als Regimegegner verfolgt und er
in diesem Zusammenhang von den syrischen Behörden anfangs 2012 für
drei Stunden befragt worden. Im Rahmen dieser Befragung sei er ferner
selber ermahnt worden, zukünftig nicht mehr gegen das Regime zu de-
monstrieren. Danach habe er sich aus Furcht vor weiteren Nachstellungen
bis April oder Mai 2012 in verschiedenen Dörfern versteckt gehalten und
sei erst nach dem Abzug der syrischen Sicherheitskräfte und der Über-
nahme der Kontrolle durch die PYD (Partiya Yekitîya Demokrat) nach
Hause zurückgekehrt. Aufgrund seiner Parteimitgliedschaft habe er ferner
Probleme mit der PYD respektive ihrem bewaffneten Arm, der YPG
(Yekîneyên Parastina Gel), bekommen. Jene hätten ihm etwa den Zugang
zu Hilfsgütern des UNHCR verwehrt und die Flagge Kurdistans von seinem
Haus entfernt. Als Mitglied eines Sektionskomitees habe er sodann an
Trauerzügen für gefallene Peschmerga-Kämpfer von der Seite des kurdi-
schen Nationalrats teilgenommen respektive dieselben organisiert. Am
15. August 2016 sei ein solcher Umzug vom Asayish (Sicherheitsdienst der
PYD) angegriffen worden, wobei «Mitglieder des kurdischen Nationalra-
tes» beziehungsweise auch andere «Sektions- oder Lokalkomiteemitglie-
der» festgenommen worden seien. Er habe davonlaufen können und sei
bei seiner (...) in J._ untergetaucht. Zu seiner Sicherheit habe er
beschlossen, nicht nach Hause zurückzukehren. Am Abend desselben Ta-
ges sei er mit Hilfe der Partei aus Syrien ausgereist respektive sei sein
Haus durchsucht worden, weshalb er sofort das Land verlassen habe.
E.c Die Beschwerdeführerin und die Drittbeschwerdeführerin bestätigten
im Wesentlichen die Vorbringen ihres Ehemannes respektive Vaters. Im
Übrigen gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll, seit dem Jahr 2014
ebenfalls Mitglied der PDK-S zu sein und an Anlässen und Festen teilge-
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Seite 4
nommen zu haben, wobei sie deswegen keine persönlichen Probleme ge-
habt habe. Am 23. November 2016 sei sie – zusammen mit der Drittbe-
schwerdeführerin und D._ – ebenfalls aus Syrien ausgereist.
E.d Die Beschwerdeführenden legten diverse Identitätsdokumente (Identi-
tätskarten, Reisepässe [jeweils in Kopie] sowie das Familienbüchlein [im
Original]), je eine den Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin be-
treffende Mitgliederbestätigung der PDK-S in der Schweiz vom 15./22. Au-
gust 2017 sowie neun Fotografien (gemäss eigenen Angaben: sechs Auf-
nahmen von der Teilnahme an einer Demonstration in K._ und drei
Aufnahmen von ihrem politischen Engagement im Heimatland) ins Recht.
F.
F.a Mit Verfügung vom 26. September 2017 stellte die Vorinstanz fest, die
Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
ihre Asylgesuche infolge festgestellter Asylirrelevanz der Gesuchsvorbrin-
gen ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der
Wegweisung erachtete es jedoch als unzumutbar, weshalb es die vorläu-
fige Aufnahme anordnete.
F.b Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit Ein-
gabe vom 25. Oktober 2017 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Im Laufe des Beschwerdeverfahrens reichten sie einen Bericht von Kurd-
watch «(...)» vom 21. August 2016 sowie eine Bestätigung der PDK-S im
Irak vom 11. Mai 2018 (in arabischer Sprache, inklusive deutscher Über-
setzung), wonach der Beschwerdeführer am Trauerzug vom 15. August
2016 teilgenommen habe, ins Recht.
F.c Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6084/2017 vom 16. Ja-
nuar 2019 wurde die Beschwerde insoweit gutgeheissen, als die angefoch-
tene Verfügung aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung an das
SEM zurückgewiesen wurde. Im Wesentlichen wurde darauf erkannt, dass
die Vorinstanz gehalten gewesen wäre, die Ereignisse in Syrien im Zusam-
menhang mit den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Aktivitäten
für sein Sektionskomitee als allfälligen Fluchtgrund zu prüfen und dies in
die Entscheidbegründung einfliessen zu lassen.
III.
G.
Mit Verfügung vom 24. Mai 2019 – eröffnet am 28. Mai 2019 – verneinte
das SEM erneut die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden
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(Dispositivziffer 1), lehnte ihre Asylgesuche ab (Dispositivziffer 2) und ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3). Den Vollzug der
Wegweisung schob es hingegen wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer
vorläufigen Aufnahme auf (Dispositivziffern 4 bis 6).
H.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe
des rubrizierten Rechtsvertreters vom 24. Juni 2019 (Datum des Poststem-
pels) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten, die
Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben
und ihnen unter Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewäh-
ren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses sowie um Beiordnung ihres Rechtsvertreters als amt-
lichen Rechtsbeistand.
Der Beschwerde lagen – neben bereits bekannten Beweismitteln – Kopien
der angefochtenen Verfügung, Vollmachten der Beschwerdeführenden
vom 16./25. Oktober 2017 sowie eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung
vom 9. November 2017 bei.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Juli 2019 hiess der Instruktionsrichter die
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie der
amtlichen Rechtsverbeiständung – unter der Voraussetzung des Nach-
reichens einer aktuellen Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung sowie unter
Vorbehalt einer Veränderung der finanziellen Verhältnisse – gut und ord-
nete den Beschwerdeführenden diesfalls lic. iur. Nicolas von Wartburg als
amtlichen Rechtsbeistand bei. In diesem Zusammenhang wurde den Be-
schwerdeführenden eine Frist bis zum 29. Juli 2019 angesetzt, um eine
aktuelle Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung nachzureichen oder einen
Kostenvorschuss von Fr. 750.− zu leisten, unter der Androhung, dass an-
dernfalls auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.
J.
Am 15. Juli 2019 liessen die Beschwerdeführenden fristgerecht eine aktu-
elle Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 25. Juni 2019 ins Recht legen.
K.
Das SEM wurde mit Zwischenverfügung vom 22. Juli 2019 eingeladen,
eine Vernehmlassung einzureichen.
D-3205/2019
Seite 6
L.
Am 6. August 2019 liess sich das SEM zur Beschwerde vernehmen. Dazu
nahmen die Beschwerdeführenden – handelnd durch ihren Rechtsvertreter
– mit Eingabe vom 23. August 2019 Stellung. Dabei legten sie einen Be-
richt von Yekiti Media vom 15. August 2016 (in arabischer Sprache, ohne
deutsche Übersetzung), welcher über den gleichentags erfolgten Trauer-
zug in der Region H._ informiere, ins Recht. Gleichzeitig reichte ihr
Rechtsvertreter eine Kostennote desselben Datums zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführenden sind als Ver-
fügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fra-
gen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls sowie der Wegweisung. Der
Wegweisungsvollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Be-
schwerdeführenden in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat.
2.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden (Art. 111
Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um
eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
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Seite 7
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten weder den Anforderun-
gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG, noch denjenigen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand.
Zur Begründung führt sie zunächst aus, dass es im Rahmen der beschrie-
benen Zwischenfälle seitens der PYD vor der geltend gemachten Teil-
nahme des Beschwerdeführers am Trauerzug vom 15. August 2016 (Be-
nachteiligung beim Zugang zu Hilfsgütern des UNHCR sowie Entfernung
der Flagge Kurdistans von ihrem Haus) zu keinen konkreten Drohungen
oder gar physischen Angriffen gegen den Beschwerdeführer und seine Fa-
milie gekommen sei, weshalb jene die Intensität ernsthafter Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG nicht erreichten.
Sie erwägt weiter, der Beschwerdeführer habe rund um die Teilnahme am
Trauerzug vom 15. August 2016 im Verlaufe des Verfahrens zu wesentli-
chen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht. So habe der Beschwer-
deführer zu Protokoll gegeben, nach den Ausschreitungen am 15. August
2016 in J._ Zuflucht gefunden zu haben, von wo aus er seine Fa-
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milie in H._ kontaktiert und dieser mitgeteilt habe, aufgrund der Vor-
kommnisse nicht nach Hause kommen zu können, weil es unterwegs nach
H._ diverse Kontrollposten gebe. Gemäss den von ihm ins Recht
gelegten Beweismitteln (Bericht von Kurdwatch vom 21. August 2016 so-
wie Bestätigung der PDK-S im Irak vom 11. Mai 2018, wonach der Be-
schwerdeführer am Trauerzug vom 15. August 2016 teilgenommen habe)
hätten die Festnahmen jedoch erst in H._ stattgefunden. Dadurch
würden sich erste Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Darstellung erge-
ben. Anlässlich der BzP habe er ferner mehrmals zu Protokoll gegeben,
dass die PYD an diesem Tag die Vorgesetzen seiner Partei festgenommen
habe. Im Gegensatz hierzu habe er im Laufe der Anhörung vorgebracht,
am selben Tag seien auch einfache Mitglieder der Sektions- und Lokalko-
mitees verhaftet worden, was als Nachschub zu werten sei. Dasselbe gelte
für die geltend gemachte gezielte Suche nach seiner Person durch die PYD
respektive YPG. So habe der Beschwerdeführer die Suche anlässlich der
BzP mit keinem Wort erwähnt und die Beschwerdeführerin gar angegeben,
sie habe ihre Wohnung zuletzt im Jahr 2012 verlassen müssen; danach sei
es zu keinen weiteren Zwischenfällen gekommen. Auf diesen Widerspruch
in der Anhörung aufmerksam gemacht, hätten beide erklärt, damals nicht
danach gefragt respektive unterbrochen worden zu sein, was nicht zu über-
zeugen vermöge. Der Beschwerdeführer sei anlässlich der BzP konkret
nach seinen Problemen mit der PYD gefragt worden, worauf er lediglich
die Benachteiligung beim Zugang zu den Hilfsgütern, die Entfernung der
Flagge Kurdistans von seinem Haus und die Verhaftung der Vorgesetzen
seiner Partei erwähnt habe. Ferner sei nach weiteren Problemen mit ir-
gendwelchen Personen, Behörden und anderen Organisationen gefragt
worden, was er explizit verneint habe. Auch die Beschwerdeführerin habe
im Rahmen der BzP lediglich erklärt, aufgrund der Parteimitgliedschaft ge-
ärgert worden zu sein und habe als Beispiele ebenfalls ausschliesslich die
Probleme bei der Verteilung der Hilfsgüter und das Entfernen der Flagge
erwähnt. Es sei somit kein zwingender Grund ersichtlich, weshalb sie die
gezielte Verfolgung des Beschwerdeführers durch die PYD, welche sie an
der Anhörung als fluchtauslösendes Element angeführt hätten, nicht be-
reits anlässlich der BzP vorgebracht hätten. Darüber hinaus hätten sie für
die drei Monate nach der Ausreise des Beschwerdeführers, währenddes-
sen die Beschwerdeführerin und die jüngeren Kinder noch in Syrien ver-
blieben seien, keine weiteren Vorfälle geltend gemacht, was ebenfalls ge-
gen die Glaubhaftigkeit dieses Sachverhaltselements spreche. An obiger
Einschätzung vermöchten auch die bereits erwähnten Beweismittel nichts
zu ändern. Der eingereichte Bericht von Kurdwatch vom 21. August 2016
und weitere PYD-kritische Quellen wie Rudaw, Ekurd und ENKS (vgl. [...])
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Seite 9
berichteten zwar von mehreren Festnahmen von Oppositionellen durch die
PYD im fraglichen Zeitraum in H._, auch im Zusammenhang mit
der Beisetzungszeremonie eines Peshmergas, diese belegten aber weder
die Teilnahme des Beschwerdeführers an besagter Zeremonie noch seine
Gefährdung in diesem Zusammenhang. Die eingereichte Bestätigung der
PDK-S im Irak vom 11. Mai 2018 tauge ebenso wenig als Beweis für seine
Teilnahme am Leichentransport vom 15. August 2016 und der darin be-
haupteten Verfolgung durch die Asayish aufgrund eben dieser Teilnahme.
Solche Dokumente würden keiner materiellen Prüfung unterzogen, wenn
sie erfahrungsgemäss käuflich leicht erhältlich seien oder wenn unter-
schiedliche formale und inhaltliche Kriterien bei der Ausstellung eine
schlüssige Überprüfung des Dokumentes verunmöglichten. Angesichts der
Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen zur Teilnahme an besagtem Trauerzug
könne im vorliegenden Fall auf eine eingehende Würdigung der einge-
reichten Beweismittel verzichtet werden.
Im Zusammenhang mit der Prüfung, ob der Beschwerdeführer im Falle der
Rückkehr nach Syrien alleine aufgrund seiner politischen Stellung als Mit-
glied eines Sektionskomitees begründete Furcht vor Verfolgung durch die
YPG geltend machen könne, stellt die Vorinstanz – unter Bezugnahme auf
das Urteil des BVGer E-2595/2015 vom 8. November 2017 (E. 7.3.2) sowie
den Bericht des DIS (Danish Immigration Service) «Syria: Update on Mili-
tary Service, Mandatory Self Defence Duty and Recruitment to the YPG”
vom September 2015 – fest, dass gemäss den soeben genannten Quellen
politische Gegner der PYD mit exponiert politischem Profil ernsthafte Nach-
teile zu befürchten hätten. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass die Vor-
bringen des Beschwerdeführers zu seinem geltend gemachten, exponier-
ten politischen Profil Nachschübe enthielten und folglich unglaubhaft seien.
So habe er in der BzP lediglich davon gesprochen, Mitglied der PDK-S zu
sein und abgesehen von den erwähnten Teilnahmen an Demonstrationen
und Trauerzügen nicht politisch aktiv gewesen zu sein. An der Anhörung
habe er dagegen vorgebracht, als Mitglied des Sektionskomitees für seine
Region zuständig gewesen zu sein und Sitzungen, Versammlungen sowie
Trauerzüge organisiert zu haben. Nach dem Gesagten bestehe folglich
kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach
Syrien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft al-
leine aufgrund seiner politischen Stellung als Mitglied eines Sektionskomi-
tees asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde.
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Hinsichtlich der weiteren Erwägungen im Zusammenhang mit der geltend
gemachten Gefährdung seitens des syrischen Regimes wird auf die
vorinstanzlichen Akten verwiesen.
5.2 Die Beschwerdeführenden rügen in der Rechtsmitteleingabe eine Ver-
letzung von Art. 7 AsylG sowie Art. 3 AsylG. Entgegen der Ansicht der Vo-
rinstanz habe der Beschwerdeführer die Verfolgung glaubhaft dargelegt
und erfülle die Voraussetzungen zur Anerkennung als Flüchtling, weshalb
auch seine Familienangehörige als Flüchtlinge anzuerkennen seien.
Die Vorinstanz habe die Beweisregel von Art. 7 AsylG zu restriktiv gehand-
habt. Die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers rund um
die Teilnahme am Trauerzug vom 15. August 2016 sei bei einer Gesamt-
betrachtung seiner Aussagen klar zu bejahen. Der Umstand, dass er seine
Familie von J._ aus kontaktiert habe, wohin er nach dem Zusam-
menstoss mit der PYD geflohen sei, stelle entgegen der Ansicht der Vo-
rinstanz keinen Widerspruch zu den eingereichten Beweismitteln dar. Fer-
ner habe er anlässlich der Anhörung von Anfang an ausgeführt, dass an
diesem Tag viele Personen ins Gefängnis gekommen seien, darunter Mit-
glieder des Nationalrates sowie Sektions- und Lokalkomiteemitglieder. Es
treffe demnach nicht zu, dass er seine Ausführungen im Verlaufe der An-
hörung gesteigert habe. Auch bei der gezielten Verfolgung durch die PYD
handle es sich nicht um ein Nachschieben von Tatsachen. So habe er be-
reits in der BzP geschildert, dass er unter anderem Probleme mit der PYD
habe und er weiter ins Detail gehen könne, worauf der Befrager nicht ein-
gegangen sei. Vielmehr habe er erst in der Anhörung Gelegenheit erhalten,
seine Probleme detailliert darzulegen. Schliesslich seien die eingereichten
Beweismittel (Bericht von Kurdwatch vom 21. August 2016 sowie Bestäti-
gung der PDK-S im Irak vom 11. Mai 2018) sehr wohl geeignet, allfällige
Zweifel zu beseitigen. So bestätigten sie die Ausführungen des Beschwer-
deführers zu den Vorfällen anlässlich des Trauerzuges vom 15. August
2016. Indem die Vorinstanz auf eine eingehende Würdigung verzichtet
habe, widersetze sie sich dem Kassationsurteil, worin das Bundesverwal-
tungsgericht die Vorinstanz ausdrücklich angewiesen habe, die genannten
Vorfälle zu würdigen.
Weiter habe es die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung entgegen
der Anweisung des Bundesverwaltungsgerichts erneut unterlassen, die Er-
eignisse in Syrien im Zusammenhang mit den vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Aktivitäten für sein Sektionskomitee als allfälligen Flucht-
grund zu prüfen. Zwar zitiere die Vorinstanz unter Verweis auf das Urteil
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Seite 11
des BVGer E-2595/2015 vom 8. November 2017 dessen Rechtsprechung.
Daraus gehe hervor, dass unterschiedliche Quellen im Zusammenhang mit
dem Konflikt zwischen verschiedenen kurdischen Gruppen in Nordsyrien
von gezielten gewalttätigen Übergriffen der PYD auf politische Gegner be-
richteten. Neben Belästigungen, Drohungen, Schlägen und Zusammen-
stössen würden auch Personen entführt und ermordet. Besonders gefähr-
det schienen dabei unabhängige Journalisten und Aktivisten sowie expo-
nierte Mitglieder von Oppositionsparteien. Entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz könne aus diesen Erwägungen aber nicht geschlossen werden,
dass weniger exponierte politische Aktivisten nicht gefährdet wären. Abge-
sehen davon sei davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer
durch seine politischen Aktivitäten und durch die Teilnahme an Leichenzü-
gen für Märtyrer, insbesondere an demjenigen vom 15. August 2016, poli-
tisch exponiert habe. Zwar treffe es zu, dass der Beschwerdeführer anläss-
lich der BzP, abgesehen von seinen Teilnahmen an den Trauerzügen, keine
weiteren politischen Aktivitäten erwähnt habe. Daraus könne aber nicht ge-
schlossen werden, dass er nicht auch drüber hinaus politisch aktiv gewe-
sen wäre. Er sei jedenfalls zu seinen weiteren politischen Aktivitäten nicht
befragt worden. Ausserdem sei festzuhalten, dass die von der Vorinstanz
ebenfalls zitierte dänische Länderanalyse vom 15. September 2015 datiere
und damit vor dem Leichenzug vom 15. August 2016 erschienen sei, wes-
halb vorliegend nicht darauf abgestellt werden könne. Vielmehr sei an die-
ser Stelle noch einmal auf den Bericht von Kurdwatch vom 21. August 2016
zu verweisen, welcher im Rahmen des vormaligen Beschwerdeverfahrens
eingereicht worden sei und aus dem hervorgehe, dass anlässlich dieses
Leichenzuges mindestens neun Mitglieder der kurdischen Einheitspartei
verhaftet worden seien.
Hinsichtlich der weiteren Erwägungen wird auf die Akten verwiesen.
5.3 In der Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, die Beschwerde ent-
halte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine
Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könne. Es treffe zwar zu, dass
es im fraglichen Zeitpunkt unter anderem in H._ zu Spannungen
zwischen den kurdischen Parteien und gar zu konkreten Verfolgungsmass-
nahmen gegenüber politischen Gegnern der PYD gekommen sei. Aller-
dings bestünden, wie in der angefochtenen Verfügung eingehend darge-
legt, grundlegende Zweifel an der vorgebrachten Exponiertheit des Be-
schwerdeführers in diesem Kontext und insbesondere an der geltend ge-
machten gezielten Verfolgung durch die PYD. Sodann hätten die einge-
reichten Beweismittel die Zweifel nicht nur nicht auszuräumen vermocht,
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Seite 12
sondern weitere Widersprüche bezüglich der genannten Geschehnisse
aufgezeigt. Vor diesem Hintergrund habe sich eine ausführliche Abhand-
lung zur allgemeinen Gefährdungssituation von Sektions- und Lokalkomi-
teemitgliedern erübrigt.
5.4 Dem halten die Beschwerdeführenden in der Replik entgegen, zwi-
schen den eingereichten Beweismitteln und den Aussagen der Beschwer-
deführenden seien keine Widersprüche ersichtlich. Namentlich gehe aus
den Aussagen des Beschwerdeführers nicht hervor, wo genau die Verhaf-
tungen stattgefunden hätten. Dem beiliegenden Bericht von Yekiti Media
könne entnommen werden, dass der Leichenzug vom 15. August 2016 –
wie vom Beschwerdeführer geschildert – an der Grenze gestartet und in
Richtung H._ gezogen sei. Auf dieser Strecke habe die PYD offen-
bar mehrfach versucht, den Leichenzug zu stoppen, wobei es zu Ausei-
nandersetzungen gekommen sei. Folglich würden die Ausführungen des
Beschwerdeführers nicht dem eingereichten Bericht von Kurdwatch vom
21. August 2016 wiedersprechen. Ausserdem habe die Vorinstanz erneut
den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie darauf verzichtet
habe, eine ausführliche Abhandlung zur allgemeinen Gefährdungssituation
von Sektions- und Lokalmitgliedern vorzunehmen.
6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Die Beschwerdeführenden wer-
fen der Vorinstanz teilweise sinngemäss eine Verletzung der Pflicht zur
vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhal-
tes und der Begründungspflicht (respektive allgemein des Anspruchs auf
rechtliches Gehör) vor.
6.2 Im Asylverfahren – wie auch im übrigen Verwaltungsverfahren – gilt der
Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Dieser be-
sagt, dass die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Ver-
fahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten
Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat.
Dabei beschränken sich die behördlichen Ermittlungen nicht auf jene Um-
stände, welche die Betroffenen belasten, sondern haben auch die sie ent-
lastenden Momente zu erfassen. Die Behörde hat alle sach- und entscheid-
wesentlichen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten. Unrich-
tig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher
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Seite 13
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Recht-
serheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht
alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft wer-
den, oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die
Sachverhaltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid
rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl.
BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.; KÖLZ/ HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfah-
ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043 ff.).
6.3 Der in Art. 32 VwVG konkretisierte Teilgehalt des mit Grundrechtsqua-
lität ausgestatteten Grundsatzes des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2
BV) verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, sich
zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG),
sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-
findung zu berücksichtigen. Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Be-
hörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn, ob sich
die Behörde tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien be-
fasst und auseinandergesetzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung
erkennen. Insgesamt muss der Entscheid so abgefasst sein, dass ihn der
Betroffene gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur möglich
ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über
die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Dabei kann sich
die Behörde in ihrer Argumentation zwar auf die für den Entscheid wesent-
lichen Gesichtspunkte beschränken; sie darf aber nur diejenigen Argu-
mente stillschweigend übergehen, die für den Entscheid erkennbarerweise
unbehelflich sind. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegun-
gen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21
E. 10.2 m.w.H.; PATRICK SUTTER, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER (HRSG.),
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl.
2019, Art. 32 Abs. 1 VwVG, Rz. 2).
6.4 Mit dem Kassationsurteil D-6084/2017 vom 16. Januar 2019 wurde –
wie bereits erwähnt – darauf erkannt, die Vorinstanz wäre gehalten gewe-
sen, die Ereignisse in Syrien im Zusammenhang mit den vom Beschwer-
deführer geltend gemachten Aktivitäten für sein Sektionskomitee als allfäl-
ligen Fluchtgrund zu prüfen und dies in die Entscheidbegründung einflies-
sen zu lassen. Auf Beschwerdeebene wird zu Recht dargelegt, dass die
Vorinstanz dieser Aufforderung in der neu ergangenen und vorliegend an-
gefochtenen Verfügung vom 24. Mai 2019 nicht hinreichend nachgekom-
men ist. Diesbezüglich ist das Folgende festzuhalten: Die Vorinstanz hat
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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sich in ihrem Entscheid beziehungsweise bei der Beurteilung, ob der Be-
schwerdeführer alleine aufgrund seiner politischen Stellung als Mitglied ei-
nes Sektionskomitees begründete Furcht vor Verfolgung durch die YPG
geltend machen könne, auf den Bericht des DIS (Danish Immigration Ser-
vice) «Syria: Update on Military Service, Mandatory Self Defence Duty and
Recruitment to the YPG» vom September 2015 sowie das Urteil des BVGer
E-2595/2015 vom 8. November 2017 (E. 7.3.2) abgestützt. Dabei ist den
Beschwerdeführenden darin Recht zu geben, dass der Bericht des DIS
vom September 2015 rund ein Jahr vor dem Trauerzug vom 15. August
2016 datiert und daher nicht zur Begründung herangezogen werden kann.
Hinsichtlich des zitierten Urteils des BVGer E-2595/2015 vom 8. November
2017 (E. 7.3.2) ist in Übereinstimmung mit den Beschwerdeführenden so-
dann festzuhalten, dass sich dieses mit der Formulierung «besonders ge-
fährdet scheinen [...] exponierte Mitglieder von Oppositionsparteien» nicht
abschliessend zur Gefährdungssituation von politischen Gegnern der PYD
äussert. Der Beschwerdeführer hat gerade ein Verfolgungsrisiko für Lokal-
politiker geltend gemacht und dieses Vorbringen mit einem öffentlich zu-
gänglichen Bericht untermauert, wonach im Zusammenhang mit der Orga-
nisation eines Leichenzuges nicht nur Kadermitglieder der Oppositionspar-
teien, sondern auch Sektionsmitglieder – wie er – vom Asayish verhaftet
worden seien (vgl. Prozessgeschichte, Bst. F.b). In Bezug auf den soeben
zitierten Bericht hält die Vorinstanz lapidar fest, dieser belege weder die
Teilnahme des Beschwerdeführers an besagtem Trauerzug noch seine Ge-
fährdung in diesem Zusammenhang, weshalb angesichts der ohnehin als
unglaubhaft beurteilten Teilnahme des Beschwerdeführers an demselben
auf eine eingehende Würdigung verzichtet werden könne. Eine hinrei-
chende Auseinandersetzung mit der Gefährdungssituation von Sektions-
und Lokalkomiteemitgliedern und den in diesem Zusammenhang vorge-
brachten Argumenten des Beschwerdeführers erfolgte somit nicht. Auf-
grund der unbestrittenen Parteimitgliedschaft des Beschwerdeführers und
der unbestrittenen, regelmässigen Teilnahme an Trauerzügen wäre die Vo-
rinstanz hierzu – ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen
rund um den Trauerzug vom 15. August 2016 – indessen gehalten gewe-
sen. Damit hat die Vorinstanz nicht nur die ihr obliegende Begründungs-
pflicht verletzt, sondern es insbesondere unterlassen, den rechtserhebli-
chen Sachverhalt vollständig abzuklären.
7.
7.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
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die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-
lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden,
wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-
scheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.).
7.2 Vorliegend ist aufgrund des Gesagten keinesfalls von einer bestehen-
den oder leicht herstellbaren Entscheidungsreife auszugehen. Ausserdem
soll das Gericht grundsätzlich nicht anstelle der verfügenden Verwaltungs-
behörde die Grundlagen des rechtserheblichen Sachverhalts erstellen,
weil die beschwerdeführende Partei bei diesem Vorgehen eine Instanz ver-
lieren würde. Vor diesem Hintergrund ist eine erneute Rückweisung ange-
zeigt, zumal die Vorinstanz auch in der Vernehmlassung darauf verzichtete,
das Versäumte nachzuholen. Die Vorinstanz ist im Rahmen des wiederauf-
zunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens gehalten, ihrer Abklärungs-
und Begründungspflicht rechtsgenüglich nachzukommen und die Gefähr-
dungssituation von Sektions- und Lokalkomiteemitgliedern und die in die-
sem Zusammenhang vorgebrachten Argumente des Beschwerdeführers
zu prüfen und ausreichend zu würdigen. Angesichts der Rückweisung der
Sache erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den weiteren Vorbringen
auf Beschwerdeebene, weil das Beschwerdedossier ebenfalls Gegenstand
des wiederaufzunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens sein und die Vo-
rinstanz sich damit zu befassen haben wird.
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als die an-
gefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Behebung der fest-
gestellten Mängel sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen ist.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit wird die mit Zwischenverfügung vom
12. Juli 2019 gewährte unentgeltliche Prozessführung nachträglich gegen-
standslos.
9.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die
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ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der
Rechtsvertreter reichte am 23. August 2019 eine Kostennote zu den Akten,
die einen zeitlichen Vertretungsaufwand von insgesamt 13.75 Stunden zu
einem Stundenansatz von Fr. 300.– sowie Auslagen in der Höhe von
Fr. 21.90 ausweist. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungs-
faktoren (Art. 9–13 VGKE), ist der zur Anwendung gebrachte Stundenan-
satz bei Fr. 300.– zu belassen. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand
erscheint indes im Verhältnis zu anderen Verfahren gleichen Umfangs zu
hoch und wird um drei Stunden gekürzt. Demnach ist das SEM anzuwei-
sen, den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung von gerundet
Fr. 3’497.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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