Decision ID: 8176ab22-fb6d-57b6-b68c-cbb4ca25c9a8
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Invalidenrente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Bauarbeiter bei der B._ AG, angestellt und dadurch bei der Suva
unfallversichert, als er sich bei einem Stolpersturz am 3. November 2006 auf einer
Baustelle eine laterale Schenkelhalsfraktur des linken Beins zuzog. Die operative
Erstbehandlung mit stationärem Aufenthalt bis 10. November 2006 erfolgte im
Kantonsspital St. Gallen (UV-act. 1, 3). In der Folge zeigte sich eine progrediente
Verkürzung und Dislokation des Schenkelhalses mit ausgeprägter Beinlängendifferenz
(UV-act. 12, 17). Am 20. August 2007 verneinte Kreisarzt Dr. med. C._ das Bestehen
einer Arbeitsfähigkeit auf dem Bau (UV-act. 27). Am 3. Oktober 2007 entfernte das
Kantonsspital das Osteosynthesematerial und implantierte dem Versicherten eine Hüft-
Totalprothese. Nach dem Spitalaustritt am 11. Oktober 2007 wurde eine verringerte
Beinlängendifferenz sowie eine volle Arbeitsunfähigkeit bis 2. Dezember 2007
bescheinigt (UV-act. 38, 40). Durch einen stationären Aufenthalts in der Rehaklinik
Bellikon vom 31. Januar bis 27. Februar 2008 ergab sich keine wesentlichen
Beschwerdebesserung (UV-act. 59).
A.b Nach Durchführung von weiteren ärztlichen Behandlungen und Abklärungen
eröffnete die Suva der Rechtsvertreterin des Versicherten, Rechtsanwältin lic. iur. L.
Keller, St. Gallen, mit Schreiben vom 16. Februar 2010, bereits die ärztliche
Untersuchung vom 4. Juni 2009 (UV-act. 145) habe ergeben, dass eine unfallbedingte
ärztliche Behandlung nicht mehr notwendig sei. Die Heilkosten- und Taggeldleistungen
würden daher auf den 1. Januar 2010 eingestellt (UV-act. 175). Mit Verfügung vom 18.
März 2010 sprach die Suva dem Versicherten für die verbleibende unfallbedingte
Beeinträchtigung eine Invalidenrente ab 1. Januar 2010 auf der Basis eines
Invaliditätsgrads von 10% und eine Integritätsentschädigung auf der Basis einer
Integritätseinbusse von 25% zu. Zwischen den psychischen Beschwerden und dem
Unfall bestehe kein adäquat-kausaler Zusammenhang (UV-act. 182). Die gegen diese
Verfügung erhobene Einsprache (UV-act. 189) wies die Suva mit Einspracheentscheid
vom 15. September 2010 ab (UV-act. 196).
B.
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B.a Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwältin Keller für den Versicherten am
18. Oktober 2010 Beschwerde mit den Anträgen, dem Beschwerdeführer sei eine
Invalidenrente basierend auf einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von mindestens 50%
zuzusprechen. Das Verfahren sei bis zum Vorliegen des Medas-Gutachtens zu
sistieren. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
Zur Begründung legte die Rechtsvertreterin unter anderem dar, es könne davon
ausgegangen werden, dass das noch zu erstellende Medas-Gutachten zur
gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers sowohl aus orthopädischer als auch
aus psychiatrischer Sicht aktuelle Ergebnisse bringen werde. Der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den psychischen Beschwerden des
Beschwerdeführers sei zu bejahen. Insbesondere im Hinblick auf die
Beinlängendifferenz als Folge des erlittenen Schenkelhalsbruchs liege eine Verletzung
besonderer Art und Schwere vor, welche dazu geeignet sei, eine psychische
Fehlentwicklung hervorzurufen. Auch die Kriterien der ungewöhnlich langen Dauer der
ärztlichen Behandlung, der körperlichen Dauerschmerzen, des schwierigen
Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen sowie der Dauer der
Arbeitsunfähigkeit seien erfüllt.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 23. November 2010 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen
Entscheids; dem Sistierungsantrag sei keine Folge zu leisten. Zur Begründung verwies
sie auf die Darlegungen im angefochtenen Entscheid und führte unter anderem aus, in
Abweichung zum Einspracheentscheid handle es sich beim Unfall vom 3. November
2006 nicht um ein mittelschweres, sondern um ein banales/leichtes bzw. höchstens
mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Fällen. Die im Zusammenhang
mit mittelschweren Unfällen aufgestellten Adäquanz-Kriterien seien zu verneinen.
B.c Am 2. Dezember 2010 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das vorliegende Verfahren entsprochen (act. G 11).
B.d Mit Replik vom 5. Januar 2011 bestätigte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers ihren Standpunkt.
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B.e Am 6. Januar 2011 lehnte der Versicherungsgerichtspräsident das
Sistierungsgesuch ab, stellte es der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers jedoch
frei, das Medas-Gutachten nach dessen Erstattung noch einzureichen. Dem kam die
Rechtsvertreterin am 29. Juni 2011 nach. Zusammen mit einer Stellungnahme legte sie
das Gutachten der Medas Ostschweiz vom 20. Januar 2011 auf (act. G 15). Hierzu
äusserte sich die Beschwerdegegnerin am 6. Juli 2011 (act. G 17).

Erwägungen:
1.
Streitig ist, inwieweit die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers in einem
adäquat-kausalen Zusammenhang zum Unfall vom 3. November 2006 stehen. Streitig
ist im Weiteren die Höhe der dem Beschwerdeführer ab 1. Januar 2010 zustehenden
Invalidenrente (IV-Grad). Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Entscheid
die rechtlichen Voraussetzungen eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen
Gesundheitsschädigung und in Frage stehendem Unfall sowie der Bemessung von
Invalidenrenten zutreffend dar (Erwägungen 1c, 2c-2e, 7b, 7c); darauf ist zu verweisen.
2.
2.1 Im Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 18. März 2008 wurde unter
anderem festgehalten, beim Beschwerdeführer bestehe eine schmerzhafte
Funktionseinschränkung der linken Hüfte sowie eine schwere Anpassungsstörung im
Übergang zu einer Major Depression (leichte Episode) bei anhaltender
Schmerzproblematik und langer Behandlungsdauer. Infolge erheblicher
Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resultate von
physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit nur
teilweise verwertbar. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen
lasse sich mit den objektivierbaren Befunden der klinischen Untersuchung und
bildgebenden Abklärung sowie der Diagnose aus somatischer Sicht nur zum Teil
erklären. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich deshalb primär auf medizinisch-
theoretische Überlegungen, ergänzt durch die Beobachtungen bei den Leistungstests
und im Behandlungsprogramm. Eine weitergehende Einschränkung der Belastbarkeit
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lasse sich medizinisch-theoretisch nicht begründen. Die Tätigkeit als Hilfsarbeiter auf
dem Bau sei nicht mehr zumutbar (Arbeitsunfähigkeit von 100%). Eine leichte,
hüftschonende, eher sitzende Tätigkeit ohne häufiges Treppensteigen und ohne knien/
kauern sei ganztags zumutbar. Falls keine weiteren medizinischen Massnahmen mehr
erfolgen würden, sei von dieser Zumutbarkeitsbeurteilung auszugehen. Aufgrund der
unveränderten Schmerzproblematik sei der Beschwerdeführer vorzeitig aus der
stationären Behandlung entlassen worden. Es werde die Weiterführung der
psychiatrischen Mitbetreuung und der antidepressiven Therapie empfohlen (UV-act.
63). Laut Berichten des Kantonsspitals vom 21. April, 20. Mai und 23. Juni 2008
konnten keine organischen Ursachen für die Schmerzen des Beschwerdeführers
gefunden werden. Es bestünden keine Anhaltspunkte für die Schädigung einer
neuralen Struktur. Eine neurologische Abklärung habe keine Nervenläsion ergeben (UV-
act. 79, 84, 88). Dr. med. D._, diagnostizierte am 16. und 17. Juni 2008 unter
anderem eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom sowie eine
volle Arbeitsunfähigkeit (als Bauarbeiter) seit 6. März 2008 (UV-act. 85). In einem
Bericht des Kantonsspitals vom 26. Juni 2008 wurde eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit bescheinigt (Beilage zu UV-act. 94). Dr. med. E._,
berichtete am 25. September 2008, es bestünden nach wie vor, je nach Wetterlage,
schwankende Schmerzangaben. Es sei nicht ganz klar, wie weit die Compliance trotz
Abgabe einer schriftlichen Medikamentenliste eingehalten werde. Ein nochmaliger
Versuch einer stationären Rehabilitation sei angezeigt, um die eingespielten
Verhaltensmuster etwas zu lösen (UV-act. 98). In den Berichten vom 8. Oktober 2008
und 7. Oktober 2009 bestätigten die Ärzte des Kantonsspitals, dass die
Beschwerdesymptomatik aus orthopädischer Sicht nach wie vor nicht zu erklären sei
(UV-act. 99, 156).
2.2 Ein weiterer stationärer Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon vom 6. November bis
4. Dezember 2008 hatte gemäss Berichten vom 5. und 9. Dezember 2008 unter
anderem ergeben, dass zusätzlich eine mittelschwere Leistungsminderung infolge einer
psychischen Störung mit Krankheitswert (fluktuierende, längerdauernde depressive
Symptomatik) bestehe. Aus somatischer Sicht sei eine sehr leichte, vorwiegend
sitzende Tätigkeit ohne häufiges Treppensteigen und ohne knien/kauern ganztags
zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht bestehe aktuell dafür eine 50-70%ige
Einschränkung. Der Einsatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sei nicht realistisch, so
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dass allenfalls Reintegrationsmassnahmen im geschützten Rahmen zu diskutieren
seien. Die Restbeschwerden seien aus organischer Sicht nicht mehr hinreichend
nachvollziehbar. Das aktuelle Zustandsbild werde durch die psychopathologische
Symptomatik überlagert (UV-act. 113, 116). Im psychiatrischen Gutachten mit
interdisziplinärer Zusammenfassung (psychologisch und rheumatologisch) der Klinik
Teufen vom 6. April 2009 wurde zuhanden der IV unter anderem festgehalten, beim
Beschwerdeführer bestehe eine leichte Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion sowie eine Akzentuierung der infantil-histrionischen Persönlichkeitszüge.
Wegen der leichten depressiven Symptomatik sei die Arbeitsfähigkeit höchstens um
20-30% eingeschränkt, wobei unter regelmässiger und konsequenter Durchführung der
ambulanten psychiatrischen Behandlung mit einer vollständigen Rückbildung der
depressiven Symptome zu rechnen sei. Der Explorand sei für jegliche Tätigkeiten zu
70% arbeitsfähig. Die von der behandelnden Psychiaterin attestierte volle
Arbeitsunfähigkeit könne nicht bestätigt werden. Eine mittelschwere Depression
schränke die Arbeitsfähigkeit höchstens um 50% ein, und der Beschwerdeführer habe
die verordneten Medikamente nicht eingenommen (UV-act. 146). Dr. D._ bestätigte
im Bericht vom 3. Mai 2009 die Durchführung einer Gesprächstherapie sowie eine volle
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Im Heilungsverlauf würden keine
unfallfremden Faktoren mitspielen (UV-act. 130). Dr. E._ vermerkte im Bericht vom
26. Mai 2009 das Vorliegen einer posttraumatischen Schmerzverarbeitungsstörung
sowie ein seit April 2009 zusätzlich bestehender Diabetes mellitus Typ II (UV-act. 138).
Kreisarzt Dr. C._ kam in den Beurteilungen vom 4. Juni und 28. Oktober 2009 zum
Schluss, dass dem Beschwerdeführer aufgrund rein somatischer Befunde eine leichte,
vorwiegend sitzende, wechselbelastende Tätigkeit ohne Zwangshaltungen für die linke
Hüfte, d.h. ohne Knien oder Kauern, vollschichtig zumutbar sei. Dem Beschwerdeführer
sei mit einer Prothese ganztägiges Sitzen möglich. Die unfallbedingte
Integritätseinbusse schätzte der Kreisarzt auf 25% (UV-act. 144, 145, 161). Im Bericht
vom 11. Januar 2010 bestätigte Dr. D._ bei unveränderter Diagnose einen
chronischen Verlauf des psychiatrischen Gesundheitszustands mit zunehmender
Verschlechterung. Der Beschwerdeführer sei sowohl in der bisherigen als auch in einer
leidensadaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig (UV-act. 188). Eine Begutachtung
in der Medas Ostschweiz ergab gemäss Bericht vom 20. Januar 2011 unter anderem,
dass in der bisherigen und zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Bauarbeiter sowie in einer
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adaptierten Tätigkeit aus psychiatrischen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 50%
seit der letzten Rehabilitation in Bellikon Ende 2008 bestehe. Rein aus somatischer
Sicht sei in dieser körperlich schweren Tätigkeit seit dem Unfall vom 3. November 2006
keine Arbeitsfähigkeit mehr realisierbar. In einer adaptierten Tätigkeit (keine
ausschliesslich stehenden und gehenden Arbeiten, keine Tätigkeiten mit viel
Treppensteigen und Besteigen von Leitern, keine ausschliesslich körperlichen
Schwerarbeiten in unergonomischer Rückenstellung) bestehe seit der Rehabilitation in
Bellikon im Frühjahr 2008 rein aufgrund der objektivierbaren Daten keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Unter Mitberücksichtigung der geklagten
Beschwerden könne rein somatisch zur Verhinderung einer Zunahme der muskulären
Dysbalance ein vermindertes Rendement von 20 bis maximal 30% angegeben werden;
dies nicht additiv zur psychiatrisch begründeten Arbeitsunfähigkeit. Der
Beschwerdeführer halte sich für voll arbeitsunfähig und demonstriere dies auch
unübersehbar (act. G 15.1).
3.
3.1 Aufgrund der geschilderten medizinischen Akten (UV-act. 59, 79, 84, 88, 116,
145, 161) ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
bisherige Tätigkeit auf dem Bau vom Beschwerdeführer nicht mehr ausgeübt werden
kann, jedoch aus somatischer Sicht eine leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit mit
Wechselbelastung und ohne Zwangshaltungen für die linke Hüfte (kein Knien und
Kauern) uneingeschränkt zumutbar ist. Das psychiatrische Gutachten der Klinik Teufen
mit interdisziplinärer Zusammenfassung aus psychologischer und rheumatologischer
Sicht weicht im somatischen Bereich nicht von den Beurteilungen des Kreisarztes und
des Kantonsspitals St. Gallen sowie der Medas ab. Die dort bescheinigte
Arbeitsfähigkeitseinschränkung von 30% ergab sich aus psychischen Gründen (vgl.
UV-act. 146 Ziff. 7.2, 9.2.4 und 9.6). Die unfallbedingte somatische Situation ist somit
als ausgewiesen zu erachten, und auch die Rechtsvertreterin vermag diesbezüglich
keine konkreten Anhaltspunkte für fehlerhafte Annahmen zu nennen. Das Medas-
Gutachten äusserte sich zur gesundheitlichen Gesamtsituation (und nicht spezifisch zu
den unfallbedingten Einschränkungen). Die Einschätzung der gesundheitlichen
Situation durch die Medas-Gutachter vermag bei unbestrittenermassen bestehenden
psychischen Gesundheitsschäden beim Beschwerdeführer nichts daran zu ändern,
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dass es - wie nachstehend darzulegen sein wird - an der Adäquanz des
Kausalzusammenhangs der psychischen Beschwerden mit dem Unfall vom 3.
November 2006 fehlt. In somatischer Hinsicht brachte das MEDAS-Gutachten im
Vergleich zu den früheren Arztberichten und Gutachten keine neuen Erkenntnisse. Das
von den Gutachtern bestätigte verminderte Rendement "rein rheumaorthopädisch"
wurde ausschliesslich unter Mitberücksichtigung der geklagten Beschwerden und nicht
mit objektivierbaren somatischen Gegebenheiten begründet. Die Gutachter hielten
denn auch fest, dass für eine adaptierte Tätigkeit "aus rheumaorthopädischer Sicht -
aufgrund der objektivierbaren Daten beurteilt - letztlich keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit" (act. G 15.1 S. 36) bestehe.
3.2 Mit Bezug auf die psychischen Probleme des Beschwerdeführers und der daraus
resultierenden Arbeitsunfähigkeit kann die Frage der natürlichen Unfallkausalität, wie
nachstehend zu zeigen ist, offen bleiben (vgl. SVR 1995 UV Nr. 23, S. 68 Erw. 3c). Für
die Beurteilung der Adäquanz dieser Beschwerden ging die Beschwerdegegnerin beim
Unfall vom 3. November 2006 mit lateraler Schenkelhalsfraktur des linken Beins nach
Stolpersturz im angefochtenen Entscheid von einem mittelschweren Ereignis aus. Dies
steht mit der einschlägigen Praxis (vgl. A. Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. A., S. 54-56) in Einklang. Entgegen der nunmehr vertretenen
Auffassung der Beschwerdegegnerin (act. G 7 S. 3) lässt sich der Unfall nicht als
leichtes/banales Ereignis interpretieren. Jedoch ist er bei den mittelschweren
Ereignissen eher dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG]
vom 12. August 2005 [U 191/04], Erw. 5.1). Was die im Zusammenhang mit
mittelschweren Unfällen von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien betrifft (vgl.
angefochtener Entscheid, Erw. 8b), können dramatische Begleitumstände oder eine
besondere Eindrücklichkeit nicht bejaht werden. Die erlittenen Verletzungen waren
zwar zweifellos erheblich. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 1
S. 7) lässt sich jedoch aus dem Umstand, dass nach Entfernung des
Osteosynthesematerials und Versorgung mit einer Hüft-Prothese eine
Beinlängenverkürzung mit der Notwendigkeit des Tragens von orthopädischen
Schuhen verblieb (UV-act. 79), eine Verletzung besonderer Art oder Schwere mit
erfahrungsgemässer Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, nicht
ableiten.
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Die versicherte Person hat solange Anspruch auf die zweckmässige Behandlung (Art.
10 Abs. 1 UVG) der Unfallfolgen, als von ihrer Fortsetzung eine namhafte Besserung
des Gesundheitszustands erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG e contrario). Nach
dem Unfall vom 3. November 2006 zeigte sich beim Beschwerdeführer eine
progrediente Verkürzung des Schenkelhalses mit ausgeprägter Beinlängendifferenz
(UV-act. 12 S. 3). Im Oktober 2007 bestätigten die Ärzte des Kantonsspitals nach
Entfernung des Osteosynthesematerials und Implantierung einer Hüft-Totalprothrese
eine Verringerung der Beinlängendifferenz (UV-act. 38, 40, 79). Bereits am 27. April
2007 hatte Dr. E._ ausgeführt, der Beschwerdeführer sei psychisch sehr stark
angeschlagen (UV-act. 17). Dies bestätigte sich im weiteren Verlauf. Die Ärzte der
Rehaklinik Bellikon vermerkten im Bericht vom 18. März 2008 - bei Vorliegen einer
erheblichen, durch die psychische Problematik verstärkten Symptomausweitung -
ausser Physiotherapie keine weiteren Behandlungsmöglichkeiten in somatischer
Hinsicht (UV-act. 63). Bei ärztlichen Abklärungen vom Mai und Juni 2008 konnten keine
organischen (orthopädisch/neurologischen) Beschwerdeursachen gefunden werden.
Dementsprechend bestanden diesbezüglich auch keine Behandlungsmöglichkeiten
(UV-act. 79, 84, 88). Die weiteren ärztlichen Bemühungen umfassten in somatischer
Hinsicht denn auch im Wesentlichen Abklärungsmassnahmen, nicht jedoch eigentliche
Behandlungen (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts vom 6. März 2006 i/S H. [U
219/05], Erw. 6.4.2, und vom 16. August 2006 i/S J. [U 258/05], Erw. 4.3.3). Im Bericht
der Rehaklinik Bellikon vom 9. Dezember 2008 wurde darauf hingewiesen, dass das
Zustandsbild durch die psychopathologische Symptomatik überlagert werde (UV-act.
116 S. 3). Dies bestätigte sich anlässlich der Medas-Begutachtung im Jahr 2010 (act. G
15.1). Mit Blick auf die weniger als 11⁄2jährige Behandlung von körperlichen Unfallfolgen
(psychische Einschränkungen fallen hier ausser Betracht) kann nicht von einer
ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung gesprochen werden. Nachdem
das Zustandsbild und damit auch Schmerzempfinden bereits ab 2007 in erheblichem
Umfang durch die psychische Situation beeinflusst war, kann auch das Kriterium von
körperlichen Dauerschmerzen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als erfüllt
betrachtet werden. Zu dem in diesem Zusammenhang gemachten Hinweis des
Beschwerdeführers, wonach er sich auf einen Stock stützen müsse, um überhaupt eine
Gehstrecke zurücklegen zu können (act. G 1 S. 9), ist festzuhalten, dass er sich
anlässlich des zweiten Aufenthalts in der Rehaklinik Bellikon im Wesentlichen aus
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psychischen Gründen nicht in der Lage zeigte, an einer (aus medizinischer Sicht
gebotenen) Stockentwöhnung zu arbeiten (UV-act. 116 S. 1 und 3). Das Kriterium eines
schwierigen Heilungsverlaufs bzw. von erheblichen Komplikationen (welche nicht
unbedingt eine lang dauernde Behandlung von somatischen Unfallfolgen voraussetzen
und dementsprechend von diesem Kriterium zu unterscheiden sind) lässt sich, in eher
geringem Umfang, insofern bejahen, als sich wie erwähnt nach verzögertem
postoperativem Heilungsverlauf eine Beinlängenverkürzung einstellte, welche später
durch die Hüft-Totalprothese teilweise korrigiert und mit Schuhversorgung
ausgeglichen werden konnte (UV-act. 79).
Nach dem streitigen Unfall bescheinigten die Ärzte der Rehaklinik Bellikon im März und
Dezember 2008 eine vollumfänglich zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit (UV-act. 63, 116). Von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht
gingen am 6. April 2009 auch die Ärzte der Klinik Teufen (UV-act. 146 Ziff. 7.2, 9.2.4,
9.6) und später der Kreisarzt (UV-act. 145) sowie die Medas-Gutachter (act. G 15.1)
aus. Eine lang dauernde, somatisch begründete Arbeitsunfähigkeit liegt damit ebenfalls
nicht vor. Soweit aus den ärztlichen Berichten und Gutachten eine Arbeitsunfähigkeit
hervorgeht, ergingen die entsprechenden Einschätzungen weitgehend unter
Berücksichtigung der psychischen bzw. nichtorganischen Faktoren sowie unfallfremder
Beschwerden (UV-act. 85, 116, 146, 188), die vorliegend ausser Acht bleiben müssen.
Damit muss der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den
psychischen Beschwerden - bei Erfüllung eines Kriteriums (in eher geringem Umfang) -
verneint werden. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Rechtsprechung für die
Bejahung einer Unfallkausalität bei mittelschweren Unfällen (Schleudertrauma-Bereich)
im engeren Sinn die Erfüllung von drei Adäquanzkriterien vorausgesetzt wird, während
bei mittelschweren Ereignissen an der Grenze zu den leichten Fällen vier
Adäquanzkriterien erfüllt sein müssen (Urteil des Bundesgerichts vom 2. Oktober 2009
[8C_421/2009]). Für die Bemessung der unfallbedingten Invalidität können
dementsprechend lediglich die unfallkausalen Beeinträchtigungen in somatischer
Hinsicht mit einbezogen werden.
4.
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4.1 Zur Festlegung des Valideneinkommens 2009 von Fr. 56'290.-- ging die
Beschwerdegegnerin von den Angaben der früheren Arbeitgeberin aus, welche einen
Grundlohn pro Monat (13x) von Fr. 4'330.-- meldete (UV-act. 137).
Die Beschwerdegegnerin zog zum Vergleich das anhand der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) ermittelte Einkommen im
Baubereich heran und stellte dabei eine Unterdurchschnittlichkeit des erwähnten
Valideneinkommens fest. Der LSE 2008 ist für den Baubereich (TA 1 Männer Niveau 4)
ein monatliches Durchschnittseinkommen von Fr. 5'150.-- (gesamtschweizerischer
Wert) zu entnehmen, woraus sich ein Jahresbetrag von Fr. 61'800.-- errechnet. Die
Beschwerdegegnerin legte ihrer Berechnung demgegenüber den Statistikwert der
Region Ostschweiz zugrunde, was jedoch nicht der Rechtsprechung entspricht,
gemäss welcher auf die gesamtschweizerischen Werte abzustellen ist (SVR-UV 2007
Nr. 17, 56 [U 75/03]). Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit in der
Baubranche von 41.6 Wochenstunden (2009) sowie der Nominallohnentwicklung 2009
(+2.1%) ergibt sich ein Betrag von Fr. 65'622.--. Das Valideneinkommen von Fr.
56'290.-- liegt um 14.22% unter diesem Betrag. Der Umstand, dass der
Beschwerdeführer eine Tätigkeit mit unterdurchschnittlicher Entlöhnung ausübte, war
überwiegend wahrscheinlich nicht darauf zurückzuführen, dass er sich freiwillig mit
einem tieferen Lohn begnügen wollte, sondern dürfte invaliditätsfremde Ursachen
(eingeschränkte Arbeitsplatzauswahl auf dem für ihn in Betracht kommenden
Arbeitsmarkt; fehlende einschlägige Ausbildung) gehabt haben, weshalb eine
Parallelisierung (BGE 135 V 297) geboten erscheint.
4.2 Das Invalideneinkommen legte die Beschwerdegegnerin gestützt auf DAP-Zahlen,
d.h. die Arbeitsplätze Nr. 9199, 2103, 2861, 3389 und 989 in UV-act. 179, mit
Fr. 53'502.-- (Durchschnitt) fest. Im Hinblick auf die geforderte Repräsentativität der
DAP-Profile und der daraus abgeleiteten Lohnangaben hat die Beschwerdegegnerin
nach der Rechtsprechung, zusätzlich zur Auflage von mindestens fünf DAP-Blättern,
Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Behinderung in
Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den Tiefstlohn
sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungsprofil
entsprechenden Gruppe. Im Beschwerdeverfahren ist es Sache des angerufenen
Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen,
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gegebenenfalls die Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-
Lohnvergleichs einen Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE vorzunehmen (Urteil
des EVG vom 28. August 2003 i/S C. [U 35/00] Erw. 4.2.2). Konkret liegen die von der
Rechtsprechung geforderten Angaben vor und die von der Beschwerdegegnerin
ausgewählten DAP-Arbeitsplätze sind den behinderungsbedingten Einschränkungen
des Beschwerdeführers angepasst.
Die Bemessung anhand statistischer Löhne würde zu einem vergleichbaren, tendenziell
eher höheren Invalideneinkommen führen. Aus der LSE 2008 TA 1 Niveau 4 ist für
Männer ein durchschnittliches Monatssalär von Fr. 4'806.-- ersichtlich. Das hieraus
errechnete Jahressalär von Fr. 57'672.-- basiert auf 40 Wochenstunden und ist auf die
betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit 2009, d.h. auf 41.7 Stunden,
aufzurechnen, woraus sich ein Betrag von Fr. 60'123.-- ergibt. Im Jahr 2009 stiegen die
Nominallöhne um 2.1%, woraus für dieses Jahr ein Betrag von Fr. 61'386.-- resultiert.
Unter Berücksichtigung eines 10%igen Leidensabzuges ergäbe sich ein Betrag von Fr.
55'247.--. Es erscheint dementsprechend gerechtfertigt, auf das DAP-Einkommen von
Fr. 53'502.-- abzustellen. Aufgrund der Einkommensparallelisierung ist es um 9.22 %
(14.22 % abzüglich 5 % [BGE 135 V 297 Erw. 6.1.3]), d.h. auf einen Betrag von
Fr. 48'569.-- herabzusetzen. Die Gegenüberstellung dieses Betrags mit dem
Valideneinkommen von Fr. 56'290.-- ergibt eine Erwerbsunfähigkeit von 13.72%
(gerundet 14%; BGE 130 V 122 Erw. 3.2). Im Übrigen ist festzuhalten, dass die IV den
IV-Grad von 27% auf der Basis der aus psychischen Gründen reduzierten 70%igen
Leistungsfähigkeit gemäss Gutachten der Klinik Teufen berechnet hatte (vgl. UV-act.
167). Der IV-Entscheid basiert somit auf anderen Grundlagen, die hier nicht zum Tragen
kommen.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 15. September 2010 in dem Sinn teilweise gutzuheissen,
dass die Beschwerdegegnerin angewiesen wird, dem Beschwerdeführer ab 1. Januar
2010 eine Rente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 14% auszurichten.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Der Beschwerdeführer
obsiegt insofern lediglich teilweise, als die Adäquanz der psychischen Beschwerden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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verneint wurde. Er hat im Umfang des teilweisen Obsiegens Anspruch auf
Parteientschädigung gegenüber der Beschwerdegegnerin (Art. 61 lit. g ATSG). Es
rechtfertigt sich, diese - ausgehend von einer Pauschalentschädigung von Fr. 4'000.--
bei vollem Obsiegen - auf pauschal Fr. 2'000.-- festzulegen. Für den verbleibenden
Betrag ist der Rechtsbeistand aufgrund der bewilligten unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung mit pauschal Fr. 1'600.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer und unter Berücksichtigung des Abzugs von einem Fünftel gemäss Art.
31 Abs. 3 AnwG [sGS 963.70]) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP