Decision ID: 77ab7294-d1c7-442a-b121-451f02ba7780
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1962 geborene
X._
absol
vierte in seinem Heimatland eine Aus
bildung als Grafiker und reiste am 30. August 1999 in die Schweiz ein
(Urk. 8/4)
. Seither
bezog er Sozialhilfe
; in diesem Zusammenhang wurde er in verschiedenen Beschäftigungsprogrammen untergebracht
und übte Tätigkeiten
im geschützten Rahmen mit
einem
maxi
malen Arbeitspensum von 50 %
aus
(Urk. 8/
11/2
f.
,
Urk.
8/
15
und Urk. 8/34/6
f.
). Am 31.
Mai 2012
(Eingangsdatum)
meldete er sich
,
vertreten
durch
das Sozialamt seiner Wohngemeinde
(Urk. 8/7)
,
unter Hinweis
auf eine psychische Erkrankung
bei der
So
zialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistun
gen der Invalidenversicherung an
(Urk. 8/4
). In der Folge
führte die IV-Stelle am 18. Juni 2012 ein Standortgespräch mit dem
Ver
si
cherten durch (Urk. 8/11) und teilte ihm am 2. Juli 2012 mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 8/13).
Sie
klärte
sodann
die beruflich-erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und
veranlasste eine psychiatrische Begutachtung des Versicherten (Urk. 8/20).
Dr.
med.
Y._
,
Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete das Gutachten am 6. März 2013 (Urk. 8/34).
Mit Vorbescheid vom 18. März 2013 kündigte die IV
Stelle an, das Leistungsbegehren abzuweisen (Urk. 8/38). Dage
gen erhob der Beschwerdeführer
am 2. April 2013 Einwand
(Urk. 8/40), woraufhin die IV
Stelle Dr.
Y._
am
24. Juli 2013
beauftragte,
zu den vorgebrachten Ein
wän
den
Stellung zu nehmen und zusätzlich die
Frage
zu beantworten
, ob ein all
fälliger
Gesund
heitsschaden
schon bei Einreise in die Schweiz bestand
en habe
(Urk. 8/45).
Dr.
Y._
verfasste seine Ergänzung
zum Gutachten
am 14. August 2013 (Urk. 8/46). Am 29. Oktober 2013 reichte
der
Versicherte
einen Nachtrag zum Einwand ein (Urk. 8/47).
Ihm wurde a
m 5. Dezember 2013 Frist angesetzt, um sich zur Ergänzung des Gutachtens sowie zu
m internen
Fest
stellungsblatt
der IV-Stelle zu äussern (Urk. 8/48; vgl. auch Fristerstreckung vom 19. Dezember 2013 [Urk. 8/50] sowie vom 27. Januar 2014 [Urk. 8/55]).
Der
Versicherte
erstattete seine
Stellungnahme am 27. Fe
bruar 2014 (Urk. 8/59).
Mit Verfügung vom 9. April 2014 verneinte die IV
Stelle einen Anspruch auf Leis
tungen der Invalidenversicherung (Urk. 2 [=
Urk. 8/66]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 15. Mai 2014 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, und es sei ihm eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht bean
tragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer am 19. Juni 2014 angezeigt wurde (Urk. 9).
Am 17. Juli 2014 reichte der Beschwerdeführer einen Nachtrag
(Urk. 10)
mit Beilage (Gesprächsprotokoll vom 26. Juni 2014 der geschützten Arbeitsstätte
, Urk. 11
) zu
den Akten. Diese Unterlagen wurden
der Beschwerdegegnerin am 18. Juli 2014 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 12). Die
Gemeinde
Z._
wandte sich am 21. Juni 2015 an das hiesige Gericht (Urk. 14/1) und legte drei an sie gerichtete Schreiben bei (Urk. 14/2-4). Diese Unterlagen wurden
der Rechtsvertreterin des
Beschwerd
eführer
s
am 24. Juni 2015 zugestellt (Urk. 15).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die Akten ist, soweit für die
Ent
scheid
fin
dung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungs
rechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erle
digen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
ge
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit
diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid vom 9.
April 2014 hielt die Beschwerdegegnerin fest,
die fachmedizinischen gutachterlichen Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer aufgrund von Funktionseinbussen aus psychiatrischer Sicht zu 80 % in seiner bisherigen Tätigkeit als Grafiker und Landwirt oder in einer anderen Erwerbstätigkeit
arbeitsfähig sei. Dabei könnte er aktuell in einem 80%-Pensum ein Invalideneinkommen von Fr. 49‘915.10 erzielen. Das
Validen
ein
kommen
sei nach Massgabe der Tabellenlöhne
der Schweizerische
n
Lohn
struktur
erhebung
(LSE)
zu bemessen und auf Fr. 62‘393.90 im Jahr 2012 fest
zusetzen. Bei einem Invaliditätsgrad von 20 % bestehe kein Rentenanspruch (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, er sei nach seiner Einreise in die Schweiz psychisch auffällig geworden. Es sei zu verschiedenen Aufent
halten in Psychiatrischen Kliniken gekommen. Die Gemeinde
Z._
habe verschiedene Anläufe unternommen, um ihn über Beschäftigungs- und
Integra
tionsmassnahmen
im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen zu lassen, was sich als unmöglich erwiesen habe. Aufgrund seines Verhaltens habe er zu Hause aus
ziehen müssen, jedoch sei er nicht in der Lage, selbständig zu leben. Er wohne deshalb in einem betreuten Wohnheim. In Kombination mit einem
Beschäfti
gungsprogramm
in der Sozialunternehmung
A._
habe heute eine zumin
dest relativ stabile Situation herbeigeführt werden können (Urk. 1 S 3 f.).
Des Weiteren wurde in der Beschwerde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei als Person nicht leicht zu erfassen. Der Gutachter habe keine fremdanamnestischen Auskünfte eingeholt.
Ausserdem habe der Beschwerdeführer ihm gegenüber falsche Angaben gemacht.
Die
Arbeitsagogen
der Sozialunternehmung
A._
seien klar der Ansicht, dass der Beschwerdeführer nur im Rahmen eines geschützten Arbeitsplatzes arbeitsfähig sei (Urk. 1 S. 4 f.).
Ausserdem laufe aktuell ein Verfahren zur Errichtung einer Beistandschaft (Urk. 1 S. 6). Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, Medikamente selbständig und pünktlich einzunehmen. Ohne kontinuierliche Beaufsichtigung und Unterstützung laufe er Gefahr zu verwahrlosen oder rasch zu
dekompensieren
. Der Invaliditätsgrad liege über 70 % (Urk. 1 S. 7).
3.
3.1
Dr.
Y._
hielt im psychiatrischen Gutachten vom 6. März 2013 die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 8/34/13):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) gemäss Aussagen des Beschwerdeführers seit 2007/2008 bestehend
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein Alkohol
abusus (ICD-10 F
10.1) genannt
(Urk. 8/34/13).
Gemäss Gutachten
berichtete der Beschwerdeführer gegenüber
Dr.
Y._
im Wesentlichen
, es sei ihm bis zur Einreise in die Schweiz gesundheitlich stets gut gegangen. Die Beziehungen innerhalb seiner Familie seien jederzeit sehr gut und harmonisch gewesen. Nachdem der Krieg im
B._
ausgebrochen sei, sei er im August 1999 in die Schweiz gereist. Bis heute sei er als Flüchtling aner
kannt. In der Schweiz habe er wenige Monate nach seiner Einreise einen ersten epileptischen Anfall erlitten, weshalb er in der Folge lediglich im Umfang von 50 % arbeitsfähig gewesen sei. Die in der Schweiz ausgeübten Tätigkeiten seien allesamt von der Sozialhilfe vermittelt worden. Sein Einkommen erhalte er von der Sozialhilfe. Ein Alkoholproblem habe er nie gehabt (Urk. 8/34/6 f.).
Er habe eine manische Depression und nehme deshalb abends
Seroquel
400 mg bis manch
mal 450mg sowie
Remeron
30 mg ein. Er habe zudem fast jede Nacht Albträume vom Krieg im
B._
.
Seit er beim Sozialunternehmen
A._
arbeite, gehe es ihm wieder deutlich besser. Die Depressionen hätten 2006 begonnen (nach mehrmaligen Rückfragen des Gutachters und Hinweis auf eine erste
psychiatrische
Hospitalisation
im Jahr 2003 räumte der Beschwerdeführer ein, bereits zu diesem Zeitpunkt an einer Depression gelitten zu haben). Während des Krieges im
B._
sei er selbst nie mit dem Tod bedroht und auch nie gefoltert worden (nach Konfrontation
mit dem Bericht von
Dr.
C._
vom 12. Juli 2012 bestätigte der Beschwerdeführer schliesslich, einmalig bedroht worden zu sein; man habe ihm ein Gewehr an den Kopf gehalten und
gesagt, dass man ihn jetzt umbringen werde).
Seit zwei Jahren bestünden e
ine vermi
nderte Impulskontrolle sowie
ein
aggressives Verhalten
, davor sei dies nie ein Problem gewesen. Manchmal raste er aus, wenn er mit seiner Frau streite. Er wolle dann etwas zerschlagen oder zerbrechen, was aber nicht immer geschehe. Nach fünf Minuten habe er sich jeweils wieder beruhigt. Dies käme ein- bis zweimal pro Woche vor (auf Vorhalt des Berichts von
Dr.
C._
vom 12. Juli 2012 gab der Beschwerdeführer zu,
bereits
im Jahr 2011 in einem Heim der
D._
gewohnt zu haben; unterdessen gehe es aber mit seiner Aggressi
vität viel besser). Er sei einmal monatlich bei
Dr.
C._
in ambu
lanter
psychiatrischer Behandlung (Urk.
8/34/8 f.).
Der Beschwerdeführer berichtete weiter, seit Anfang Dezember 2012 jeden Mor
gen zwischen acht und zwölf
Uhr in der Sozialunternehmung
A._
zu arbeiten. Zu Hause helfe er der Gattin gelegentlich in der Küche. Manchmal tätige er Einkäufe oder besuche Verwandte in
E._
mit dem Zug. Er fahre täglich
,
wenn immer möglich
,
ein bis zwei Stunden Fahrrad. Zu Hause lese er gerne Bücher; dabei sei er nicht beeinträchtigt. Er schaue auch regelmässig fern. Seit vierzehn Jahren sei er aufgrund seines weiterhin bestehenden
Flüchtlings
status
nicht mehr im
B._
gewesen. Er habe zahlreiche Kollegen in der Nähe, die er regelmässig treffe. Die eheliche Beziehung sei wieder etwas besser gewor
den. Es gebe aber schon noch Situationen, in denen er ausraste. Früher habe er in diesen Situationen auch im Übermass dem Alkohol zugesprochen und manchmal die Ehefrau angegriffen. Dies sei wie erwähnt seit zwei Jahren bes
ser. Die Beziehung zu seinen Kindern sei intakt. Die Arbeit tue ihm gut und es gehe ihm psychisch wieder
e
iniges besser. Ob er mehr als 50 % arbeiten könne, wisse er aber nicht (Urk. 8/34/10 f.).
Dr.
Y._
wies in seiner Beurteilung auf
wiederholte
Diskrepanzen zwischen den Angaben des Beschwerdef
ührers und der Aktenlage hin. Er führte weiter aus, es
bestehe offensichtlich eine langjährige Anamnese mit häuslicher Gewalt, wobei der Beschwerdeführer der Aggressor gewesen sei, was bereits aus dem ersten Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik
F._
vom 27. Oktober 2003 hervorgehe. Auch die nachfolgenden Klinikaufenthalte
(insgesamt sechs)
würden
die häusliche Gewalt dokumentieren. Es gebe keine Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer bereits vor seiner Einreise in die Schweiz ein auffäl
liges Verhalten gezeigt habe. Allerdings könne er
sich
bei dieser Aussage einzig auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers abstützen. Mit Blick auf den erhobenen Befund sowie die Aktivitäten des Beschwerdeführers sei aktuell von einer leichten depressiven Symptomatik auszugehen (Urk. 8/34/13
ff.).
In Bezug auf eine posttraumatische Belastungsstörung hielt
Dr.
Y._
fest, dass diese gemäss Angaben des Beschwerdeführers über Albträume und Intrusionen seit circa 2007/2008 bestehe, wobei auch hier die Zeitangaben des Beschwer
deführers nicht ganz präzis gewesen seien. Weshalb der Beschwerdeführer über viele Jahre keine entsprechenden Symptome entwickelt habe beziehungsweise weshalb diese erst viel später klinisch manifest geworden seien, bleibe etwas unklar. Vielleicht stehe die Entwicklung im Zusammenhang mit dem Tod des Vaters im Jahr 200
6.
Erneut könne er sich lediglich auf die subjektiven Anga
ben des Beschwerdeführers abstützen (Urk. 8/34/15).
Weiter führte
Dr.
Y._
aus, es stelle sich die Frage, ob die seit Jahren prakti
zierte häusliche Gewalt in einer zugrundeliegenden Persönlichkeitsstörung begründet sei oder ob die Gewalttätigkeit „als legitimes Mittel zur Durchsetzung innerhalb der Familie“ gesehen werden müsse. Psychosoziale
Belastungsfakto
ren
hätten beim Beschwerdeführer über viele Jahre hinweg immer wieder erhebliche Aggressionen geschürt, welche vor allem unter Alkoholeinfluss zu häuslicher Gewalt geführt hätten.
Für die Zeit v
or der Einreise in die Schweiz bestünden keinerlei Hinweise für eine Persönlichkeitsauffälligkeit, wobei auch hier einzig auf die Angaben des Beschwerdeführers abgestellt werden könne. An Arbeitsstellen und in der Untersuchung habe der Beschwerdeführer aber keiner
lei Schwierigkeiten gezeigt. Dass er während einzelnen Klinikaufenthalten ein manch
mal wenig kooperatives Verhalten gezeigt habe, müsse keineswegs zwingend auf eine Persönlichkeitsstörung zurückzuführen sein. Für eine eigent
liche Persönlichkeitsstörung bestünden nicht genügend Anhaltspunkte. Nicht jedes aggressive Verhalten dürfe
psychiatrisiert
werden beziehungsweise im Lichte einer psychischen Fehlentwicklung verstanden werden (Urk. 8/34/15 f.).
Der Gutachter resümierte, aus psychiatrischer Sicht liege eine qualitative
Funk
tionseinbusse
in der Höhe von 20 % vor
, weshalb dem Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit und in einer Verweistätigkeit eine 80%ige Arbeitsfä
higkeit attestiert werde
(Urk. 8/34/17 f.).
3.2
In der
ergänzenden Stellungnahme
vom 14. August 2013
konstatierte
Dr.
Y._
, es ergäben sich nach nochmaliger gründlicher Durchsicht seines Gutachtens in der Tat teilweise erhebliche Divergenzen zu den ihm neu zuge
stellt
en Dokumenten. Am meisten falle
auf, dass in den Berichten der
Sozialun
ternehmung
A._
darauf hingewiesen werde,
der Explorand
habe Mühe bekundet
, Anweisungen zu verstehen, und es werde über Schwierigkeiten bei der Informationsaufnahme berichtet. Frau
G._
schildere in ihrem Bericht vom 29. Januar 2013
,
dass es sich bei „Missverständnissen etc.“ eher um ein intellektuelles Manko als ein sprachliches handle.
Dies überrasche ihn ange
sichts seiner Beobachtungen in der
Begutachtung
vom 13. Februar 201
3.
Bei
spielsweise habe
der Beschwerdeführer geschildert,
zu Hause gerne Bücher
zu lesen und dabei ni
cht beeinträchtigt zu sein. Bis auf teilweise recht unterschied
liche Angaben zu anamnestischen Daten in der Begutachtung habe der Beschwerdeführer überhaupt keine kognitiven Auffälligen gezeigt. Es gebe auch aus der Schul- und Bildungsanamnese des Beschwerdeführers keine Hin
weise für kognitive oder intellektuelle Einschränkungen. Somit sei die Angabe von Frau
G._
, es handle sich um ein intellektuelles Manko
,
wenig nach
voll
ziehbar. Auch die weiteren V
erhaltensbeobachtungen, die in der
Sozialun
ter
nehmung
A._
gemacht worden seien, könnten auf Grund der weitge
hend unauffälligen Verhaltensbeobachtungen in der Begutachtung kaum nach
vollzo
gen werden beziehungsweise nicht plausibel auf eine zugrundeliegende kogni
tive oder psychische Störung zurückgeführt werden. Läge eine solche vor, wäre sie zwingend anlässlich der Begutachtung beobachtbar gewesen.
Dr.
Y._
kam
deshalb nicht zu einer Änderung seiner B
eurteilung der Arbeits
fähigkeit und verwies hinsichtlich der
Frage, ob ein allfälliger
Gesund
heits
schaden
bereits bei Einreise in die Schweiz bestanden habe,
auf das Gut
achten
(Urk. 8/46).
4.
4.1
Das Gutachten vom 6. März 2013 (Urk. 8/34) inkl. Ergänzung vom 14. August 2013 (Urk. 8/46) vermag die an eine beweiskräftige ärztli
che Expertise gestellten Anforderungen vo
llumfänglich zu erfüllen (E. 1.5
).
So tätigte
Dr.
Y._
sorgfäl
tige, umfassende Abklärungen
(Urk. 8/34/2 ff.)
, berücksich
tig
te
die ge
kla
gten Beschwerden (Urk. 8/34/6 ff.) und begründete seine
Einschätzung in nachvoll
zieh
ba
rer Weise sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Urk. 8/34/11 ff. und Urk. 8/46)
.
Hinweise, welche ge
gen die Verwertbarkeit des Gutachtens sprächen, sind entgegen der Ansicht des
Beschwer
deführers
n
icht ersichtlich.
4.2
Aufgrund der erhobenen Befunde im Gutachten (Urk. 8/34/11 f.) ist an de
r
Diagno
se einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode,
nicht zu zweifeln
.
Sie steht
zudem nicht im Widerspruch zur
Einschätzung des behandelnden Arztes des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
des
H._
, welcher in seinem Bericht vom 12. Juli 2012 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode diagnostiziert hatte (ICD-10 F33.1; Urk. 8/14/1).
Die
vom Beschwerdeführer im
Einwandverfahren
sowie im
Beschwerdever
fahren
eingereichten Unterlagen
, worunter sich keine ärztlichen Berichte befinden,
liefern
sodann
keine Anhaltspunkte für eine
Verschlechterung der depres
siven Symptomatik bis zum
Verfügungszeitpunkt
.
Es
wurde von einem
positi
ven Einsatz und Engagement des Beschwerdeführers
(
vgl. Entwurf Kosten
vor
anschlag der Sozialunternehmung
A._
vom 6. März 2013 [
Urk. 8/39/2 f.
]
),
von Motivation und Kooperation (Rückmeldung der
Sozial
unter
nehmung
A._
vom 22. Januar 2013 [Urk. 8/39/5]) berichtet.
Ein
Bericht der Psychiatri
schen Klinik
I._
(
J._
)
, wo sich der Beschwerde
führer nach Angaben seiner Ehefrau ab dem 10. Mai 2013 stationär befunden haben soll (vgl. ELAR-Notiz vom 5. Juni 2013 [Urk. 8/42]), wurde nie einge
reicht. Erstaunlicherweise
berichtete der Beschwerdeführer am
8. Ma
i 2013 (mithin zwei Tage vor dem angeblichen
stationären Aufenthalt
in der
J._
)
gemäss Gesprächsprotokoll der Sozialunternehmung
A._
noch, es gehe ihm in Bezug auf seine psychische Gesundheit schon viel besser (Urk. 8/57).
Im Gespräch
sprotokoll vom 12. August 2013 berichtete er sodann, er fühle sich gesund. Seine Medikamente nehme er nach Anordnung des Arztes (
Urk. 8/58
= Urk. 3/3
). Die zuständige Sozialarbeiterin
der Sozialunternehmung
A._
berichtete der Asylkoordinatorin
der Gemeinde
Z._
am 3. De
zember 2013 per E-Mail, momentan erlebe sie den Beschwerdeführer als ausge
glichen und einigermassen stabil (
Urk. 8/60
= Urk. 3/5
).
Im
Gesprächs
proto
koll
der Sozialunternehmung
A._
vom 3. Juli 2014 (und somit drei Monate nach Verfügungserlass) wurde
sodann
festgehalten, der Bes
chwerde
führer melde zurück,
seine Depressionen
seien zurückgegangen
(Urk. 11).
4.3
Die
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung
ist aufgrund der gut
achterlichen Ausführungen
(Urk. 8/34/15) und insbesondere im Hinblick auf die im
B._
erlebte Bedrohung (E. 3.1)
ebenso
nachvollziehbar.
Weshalb Dr.
Y._
keine weitere psychische oder
eine
kognitive Störung diagnostizierte, beg
ründete er in schlüssiger Weise, worauf im Folgenden einzugehen ist.
4.4
4.4.1
Die insgesamt sechs dokumentierten Klinikaufenthalte des Beschwerdeführers zeugen von wiederholten Gewaltausbrüchen im häuslichen Umfeld (vgl. die Berichte der
J._
über die erste
Hospitalisation
vom 14. Sep
tember bis 21. Oktober 2003 [Urk. 8/31/10-12], die zweite
Hospitalisa
tion
vom 1
1.
bis 24. August 2010 [Urk. 8/31/4-6], die dritte
Hospitalisation
vom
8.
bis 21. Oktober 2010 [Urk. 8/31/24-26] und die vierte
Hospitalisation
vom 30. Oktober bis 15. November 2010 [Urk. 8/31/13-15] sowie die Berichte der
K._
über die erste
Hospitalisation
vom 19. November 2007 bis 13. Februar 2008 [Urk. 8/29/4-7] und die zweite
Hospitalisation
vom 4. März bis 1. April 2011 [Urk. 8/29/1-3]).
4.4.2
Dr.
C._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 12. Juli 2012 nebst der rezidi
vierenden depressiven Symptomatik (vgl. E. 4.2) eine kombinierte
Persön
lichkeitsstörung
nach ICD-10 F61.0 und äusserte den Verdacht auf eine post
trau
ma
tische Belastungsstörung sowie auf dissoziative Krampfanfälle
(Urk. 8/14/1).
Er führte aus, die kombinierte Persönlichkeitsstörung habe einen chronischen Verlauf und eher eine ungünstige Prognose. Trotz der über zehn
jährigen Behandlung sowohl im ambulanten als auch im stationären Rahmen habe sich der psychische Zustand des Beschwerdeführers nicht gross verändert. Davon
zeuge
auch die zweimalige Platzierung in einer betreuten Wohngemein
schaft aufgrund d
er häuslichen Gewalt gegenüber der
Ehefrau und den Kindern. Der von 2001 bis 2006 behandelnde Psychiater habe die Behandlung abgebro
chen, da
er
deren Fortsetzung
für
sinnlos
erachtet habe
. Eigentlich sei der Beschwerdeführer wenig einsichtig für seine Problematik gewesen, habe die Probleme bagatellisiert, sei unehrlich gewesen und habe Vorkommnisse ver
leugnet. Seit 2003
(richtig 2006)
befinde sich der Beschwerdeführer in ambu
lanter Behandlung des
H._
. Zwischenzeitlich habe die Behandlung wegen mehreren stationären psychi
atri
schen Behandlungen und Hausverbotes abgebrochen werden müssen (Urk. 8/14/2 f.).
Dr.
C._
erach
tete eine Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt aus psychiatrischer Sicht nicht vorstellbar. Mit grösster Wahrscheinlichkeit würde sich der Beschwerdeführer überfordert fühlen. Wegen vermutlich niedriger Frustrationstoleranz und Reiz
barkeit würde es zu häufigen zwischenmenschlichen Konflikten kommen. Dem Beschwerdeführer sei daher eine Arbeitstätigkeit im Umfang von 50 % in geschütztem Rahmen zumutbar (Urk. 8/14/3 f.).
4.4.3
Dr.
Y._
legte in seinem Gutachten
nachvollziehbar
dar, dass nicht
jedes aggres
sive Verhalten
psychiatrisiert
werden beziehungsweise im Lichte einer psychischen Fehlentwicklung verstanden werden
dürfe
.
In den letzten Jahren hätten zahlreiche Herausforderungen für den Beschwerdeführer bestanden, die er möglicherweise mitunter aus kulturellen Gründen nicht immer genügend adäquat habe meistern können.
Dabei
erwähnte
Dr.
Y._
das Heranwachse
n der
Tochter, die altersentsprechend hin und wieder ausgegangen sei
, oder den Umstand, dass der Beschwerdeführer als einziger der Familie auf Grund seines nach wie vor bestehenden Flüchtlingsstatus nicht berechtigt sei, in den
B._
zurückzureisen. Solche Situationen hätten beim Beschwerdeführer über viele Jahre hinweg offensichtlich immer wieder erhebliche Aggressionen geschürt, die vor allem unter Alkoholeinfluss zu häuslicher Gewalt geführt hätten
(Urk. 8/34/15 f.)
.
4.4.4
Dass
die Gewaltausbrüche des Beschwerdeführers praktisch immer im häusli
chen Umfeld erfolgten
, ergibt sich wie bereits erwähnt aus den Berichten über die psychiatrischen
Hospitalisationen
(E. 4.4.1
; vgl. aber auch Urk. 8/74/27
).
Die
vom Beschwerdeführer
im
Einwandverfahren
sowie im Beschwerdeverfahren
eingereichten Unterlagen
verdeutlichen zudem, dass die Impulskontrolle des Beschwerdeführers nicht grundsätzlich vermindert ist (vgl. die
in den Berichten der
J._
vom 1
5.
und 19. November 2010 gestellte
Diagnose gemäss ICD-10 F63.8 „sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“ [Urk. 8/31/13 und Urk. 8/31/24]). Wenn die Asylkoordinatorin
der Gemeinde
Z._
in ihrem
Schreiben an die IV-Stelle vom 29. Oktober 2013
vortragen lässt
(Urk. 8/47), der Beschwerdeführer könne nicht in einem einzigen Gespräch erfasst werden - er sei fähig, sich für eine Stunde völlig angepasst zu verhalten -
, spricht
dies
wohl eher
für eine vorhandene
Impuls
kontrolle
beziehungsweise
die
Fähigkeit, sich einer Situation
bewusst
anzupas
se
n
.
In diesem Zusammenhang drängt sich auch der Hinweis auf, dass der Beschwerdeführer beispielsweise von seinem Hausarzt Dr. med.
L._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, als sehr angepasst und freund
lich wahrgenommen wurde (vgl. das Schreiben vom 20. Februar 2006 an die Asylkoordinatorin [Urk. 8/56]). Im Gesprächsprotokoll vom 8. Mai 2013 der Sozialunternehmung
A._
wurde sogar festgehalten, die Disziplin des Beschwerdeführers sei sehr gut. Er stelle seine eigenen Bedürfnisse und Ziele zurück und setze sich überdurchschnittlich für den Betrieb ein. So schliesse er auch angefangene Arbeiten noch ab, obwohl die Arbeitszeit zu Ende sei. Der Beschwerdeführer wirke, als hätte er eine sehr gute Stressbewältigung und als sei er meistens ausgeglichen. Er sei angemessen belastbar, unter Rücksicht seiner momentanen Verfassung (Urk. 8/57/2). Auch im Gesprächsprotokoll vom 12. August 2013 wurde erwähnt, das Verhalten des Beschwerdeführers sei korrekt und angenehm. Seine Umgangsformen seien vorbildlich (Urk. 8/58/1).
4.4.5
Zusammengefasst kann
die
latente Neigung zur Straffälligkeit, welche
beim Beschwerdeführer
offenbar
besteht, nicht
ohne weitere Anhaltspunkte
auf eine
invalidisierende
psychische
Erkrankung
zurückgeführt werden.
4.5
4.5
.1
Dr.
Y._
verneinte
überdies überzeugend eine kognitive Störung. In seiner Ergänzung zum Gutachten vom 14. August 2013 wies er darauf hin, dass der Beschwerdeführer in der
gutachterlichen
Untersuchung überhaupt keine kogni
tiven Auffälligkeiten gezeigte habe (Urk. 8/46/3).
Anlässlich der
besagten
Unter
suchung
hatte
Dr.
Y._
unter anderem festgehalten, der Beschwerde
führer sei allseits orientiert und bewusstseinsklar.
Die Untersuchung sei mit Hilfe eines professionellen
M._-sprachigen
Übersetzers erfolgt. Es hätten s
ich somit keiner
lei sprachliche
Probleme ergeben. Einzelne Fragen habe der Beschwerde
führer in deutscher Sprache beantworten wollen. Da seine deutschen Sprach
kenntnisse insgesamt aber recht einfach ausgefallen seien, habe ihn Dr.
Y._
jeweils gebeten, sich in seiner Muttersprache zu äussern, so dass dann sämtliche Angaben durch den Dolmetscher ins Deutsche übersetzt worden seien. Es seien auch sämtliche Fragen von Seiten des Gutachters in die
M._
Sprache übersetzt worden. Der Beschwerdeführer habe keinerlei Auffassungs
störungen gezeigt, auch seine restlichen kognitiven Ressourcen lägen in der Bandbreite der Norm. Allerdings sei immer wieder aufgefallen, dass der Beschwerdeführer lebensgeschichtliche Ereignisse oftmals nicht genau zeitlich habe einordnen können, so dass bei der Erhebung der Anamnese fast regelmäs
sig mehrere Nachfragen notwendig geworden seien, um dann ein einigermassen verlässli
ches Abbild zum Beispiel der Berufsanamnese erhalten zu können (Urk. 8/34/11). Die Einschätzung von
Dr.
Y._
steht im Einklang mit der Beo
bachtung von
Dr.
C._
, welcher in seinem Bericht vom 12. Juli 2012 zum Befund festgehalten hatte, der Beschwerdeführer erscheine in wachem,
bewusst
seins
klarem
, allseits orientiertem und gepflegtem Zustand. Es bestünden keine Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen, Sinnestäusc
hungen oder Ich-Stö
run
gen; d
er affektive Rapport sei gut herstellbar (Urk. 8/14/3).
4.5.2
Dr.
Y._
wies
in der Ergänzung zum Gutachten ausserdem
zu Recht
auf die Schul- und Bildungsanamnese des Beschwerdeführers
hin
, welche keine Hin
weise für kognitive oder intellektuelle Einschränkung
en liefern würden
(Urk. 8/46/3).
4.5.3
Die
Einschätzungen
der Betreuungspersonen vermögen die fachärztliche
Beur
tei
lung
nicht zu wi
derlegen. Im Vordergrund scheint
die
sprachliche Barri
ere und
nicht eine
kognitive Störung zu stehen.
Dass der Beschwerdeführer über
keine guten
Deutschkenntnisse verfügt
, wurde wiederholt festgestellt, so
im Gut
achten (vgl. E. 4.5.1) sowie in
den Berichten der
J._
vom 13. September 2010 („Herr [...] nahm an unserem stationstherapeutischen Ange
bot wie Ergotherapie, Bewegungstherapie und psychotherapeutisch geschützten
Gesprächen wegen der sprachlichen Barriere unmotiviert teil“ [Urk. 8/31/5])
und
vom 19. November 2010 („Eine sorgfältige Diagnose der Persönlichkeitsstörung ist aufgrund der sprachlichen Probleme uns nicht möglich gewesen“ [Urk. 8/31/24])
. A
uch im Gesprächsprotokoll der Sozialunternehmung
A._
vom 8. Mai 2013
wurden sprachliche Schwierigkeiten erwähnt
(„Die Verständi
gung ist schwierig, Herr [...] redet viel in der Zeichensprache“ / „Herr [...] sollte lernen weniger mit Zeichen zu kommunizieren sondern versuchen sich auf Hochdeutsch mitzuteilen“ / „Ebenfalls ist Herr [...] mit seiner deutschen Sprach
kompetenz noch nicht in den ersten Arbeitsmarkt vermittelbar“ [Urk. 8/57]).
Dass
lediglich drei Monate
später die ungenügende Umsetzung von Anweisun
gen durch den Beschwerdeführer
auf eine reduzierte intellektuelle Auffassungs
gabe zurückzuführen sein
soll
(Gesprächsprotokoll der Sozialunternehmung
A._
vom 12. August 2013 [Urk. 8/58/2]), erscheint
daher
wenig
nachvoll
ziehbar.
Schliesslich wurde im Gesprächsprotokoll der Sozialunternehmung
A._
vom 3. Juli 2014 das Sprachverständnis mit -2 bewertet (Urk. 11 S. 3).
4.6
4.6.1
Ein Auseinanderklaffen der
Selbst- und Fremdeinschätzung des Beschwerde
führers
(Urk. 1 S. 5)
mag wohl
vorliegen
. Dies hat jedoch nicht zwangsläufig mit einer psychischen Störung einherzugehen. Dasselbe gilt für den Umstand, dass der Beschwerdeführer dem Gutachter gegenüber teilweise unkorrekte
Angaben gemacht hatte
(Urk. 1 S. 5 f.)
.
Mit der Wahrheit scheint es der Beschwerdeführer grundsätzlich nicht allzu genau zu nehmen, hatte dies doch auch der
von 2001 bis 2006 behandelnde Psychiater
bemängelt
(Urk. 8/14/2 f.).
4.6.2
Dem Argument, das Gutachten sei nicht verwertbar, da der Gutachter keine
fremd
anamnestischen
Auskünfte eingeholt habe (Urk. 8/4 f.), kann nicht gefolgt werden.
Im Übrigen sah der Gutachter auch nach Kenntnis der im
Einwandver
fahren
eingereichten Unterlagen keine Veranlassung,
von
seiner Einschätzung
abzuweichen
.
Dass aktuell ein Verfahren zur Errichtung einer Beistandschaft laufen soll (Urk. 1 S. 6),
spricht
ebenfalls
nicht gegen die Verwertbarkeit des Gutachtens.
4.7
Aufgrund des beweiskräftigen Gutachtens
steht mit dem im
Sozialversiche
rungs
recht
massgebenden Beweisgrad der über
wiegen
den Wahr
scheinlichkeit fest, dass dem
Beschwerde
führer
die bisherige Tätigkeit als Grafi
ker oder Land
wirt und jede andere Tätigkeit mit einem Pensum von 80 % zumutbar ist.
Neben
bei bemerkt
wurde das Arbeitsp
ensum in der
Sozialunter
nehmung
A._
gemäss Gesprächsprotokoll vom 3. Juli 2014
auf 80 % erhöht (Urk. 11).
4.8
Da die Ausbildung des Beschwerdeführers als Grafiker im
B._
hier nicht anerkannt ist und er über keine Aus
bildung als Landwirt verfügt, ist sowohl für die Bemessung des Validen- als auch des Invalideneinkommens auf die
Ergeb
nisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohn
struk
turerhebung (LSE) abzustellen, und zwar in beiden Fällen auf den Lohn für Hilfsarbeiten (Zentralwert), Total, Anforderungsniveau
4.
D
emnach
wird ein zahlenmässiger Einkommensvergleich hinfällig, und es kann ein
Prozentver
gleich
vorgenommen werden. Bei einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % entspricht der Invaliditätsgrad ebenfalls 20 %. Ein leidensbedingter Abzug rechtfertigt sich nicht. Doch selbst bei
Gewährung eines
grosszügigen Abzuges
von 15 %
würde
noch ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 3
2
% resultieren.
4.9
Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.
5.
5.1
Gestützt auf die einge
reichte Unterstützungsbestätigung der Gemeinde
Z._
(Urk. 3/6) sind die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtspflege gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu bejahen.
Antrags
gemäss ist dem Beschwerdeführer
deshalb die unentgeltlich
e Prozessführung zu bewilli
gen und Rechtsanwältin Christine
Kessi
als unentgelt
liche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren zu bestellen.
5.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Bewilligung der unentgeltli
chen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtkasse zu nehmen.
5.3
Rechtsanwältin Christine
Kessi
machte mit ihrer Honorarnote vom 11. März 2015 einen Aufwand von 5.17 Stunden und Barauslagen von Fr.
56.50 geltend (Urk. 13), was angemessen erscheint. Sie ist deshalb mit Fr. 1‘177.75 (= Honorar von Fr.
1
‘
034
.-- plus Barauslagen von Fr. 56.50 zuzüglich Mehrwertsteuer [Fr.
87.24
]) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
5.4
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
(
GSVGer
) hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichts
kosten und der Entschädigung an
Rechtsanwältin Christine
Kessi
verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.