Decision ID: 7dade471-e658-4694-87e8-ea63df5f1f34
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich im April 2017 für berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: IV-Stelle) an (IV-act. 10; zur Früherfassung vgl. IV-act. 4). Er war zu
diesem Zeitpunkt in einem Pensum von 100 % als Chauffeur bei der B._ AG
angestellt (vgl. IV-act. 10-6 und 16-2 f.). Am 20. September 2016 hatte sich der
Versicherte aufgrund einer Radikulopathie C7 links bei lateraler Diskushernie HWK6/7
links einem operativen Eingriff unterzogen (IV-act. 21 f.). Im Januar 2017 waren starke
Zervikobrachialgien im linken Arm aufgetreten und in einer MRT-Untersuchung hatte
sich erneut eine Diskushernie im Segment C6/7 links mit Kompression der Wurzel C7
gezeigt (vgl. IV-act. 25). Ab dem _ 2017 hatte der Versicherte seine Arbeit bei der
B._ AG niedergelegt (vgl. IV-act. 16-3), da ihm von Dr. med. C._, Arzt für
Allgemeinmedizin, seither eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war (IV-
act. 29-5). Am 28. August 2017 wurde der Versicherte aufgrund des schweren
chronischen Schmerzsyndroms im Bereich des Nackens und des linken Arms mit
hochgradiger Kompression des Neuroforamens C6/C7 links durch
Bandscheibenmaterial aus der Bandscheibe C6/C7 erneut operativ mit einer
Nervenwurzeldekompression behandelt (vgl. IV-act. 38-4 f.). Per _ 2017 verlor der
Versicherte seine Anstellung (IV-act. 35 und 159-1).
A.a.
In einem Bericht vom 16. Januar 2018 hielt PD Dr. med. Dr. phil. D._, Praxis
Z._, fest, dass der Versicherte rund viereinhalb Monate nach der Operation
zunehmend schmerzfrei sei. Es sollte möglichst bald eine Reintegration in den
Arbeitsprozess erfolgen und zwar in eine Arbeit, bei der er keine schweren körperlichen
Tätigkeiten ausführen müsse und er nicht ständig den Oberkörper respektive den
A.b.
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Nacken extendieren, flektieren oder rotieren müsse. Die Gewichtshebung sei auf 5-10
kg limitiert. Bis Ende Februar 2018 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act.
45). Der regionale ärztliche Dienst (RAD) hielt in einer Aktenbeurteilung vom 25. Januar
2018 fest, dass der Versicherte in der angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig
sei, in einer adaptierten Tätigkeit jedoch ab sofort über eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
verfüge, die er bei idealem Arbeitsprofil auf ein Vollpensum anheben könne (IV-act. 46).
In einem Bericht vom 22. Februar 2018 erklärte Dr. D._, dass er den Versicherten
nicht ab dem 1. März 2018 zu 100 % arbeitsfähig geschrieben habe, sondern lediglich
darauf hingewiesen habe, dass die IV-Stelle eine Integrationsmassnahme aufgleisen
solle. Eine Reintegration könne aufgrund der noch bestehenden Beschwerden jedoch
erst im Mai/Juni 2018 durchgeführt werden. Auch diese Angabe sei ohne Gewähr (IV-
act. 50). Am 15. März 2018 berichtete Dr. D._, dass der Versicherte noch immer zu
100 % arbeitsunfähig sei. Es sei wahrscheinlich, dass die Nervenwurzel C7 von ventral
nicht vollständig habe dekomprimiert werden können (IV-act. 52). In einem Bericht vom
4. September 2018 erklärte Dr. D._, dass der Versicherte mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit noch immer an einer Nervenwurzelreizsymptomatik C7 links leide,
was im Frühling 2018 mit einer elektrophysiologischen Ableitung auch bewiesen
worden sei (vgl. IV-act. 55). Von vorne sei die Nervenwurzel, soweit möglich,
dekomprimiert worden. Der nächste Schritt wäre die dorsale Dekompression C6/C7 in
der Annahme, dass bei der ersten Operation dieses Neuroforamen nicht suffizient
geöffnet worden sei. Sollte sich der Versicherte für ein operatives Vorgehen
entscheiden, werde er sich wieder melden. Er sei weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig
(IV-act. 70). Ab dem 1. November 2018 attestierte Dr. D._ dem Versicherten noch
eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit und stellte sich auf den Standpunkt, dass eine
Reintegration in einen Beruf mit leichter Tätigkeit ohne Heben von schweren Lasten
und ohne repetitives Beugen des Oberkörpers erfolgen sollte (vgl. IV-act. 80-2 und 83).
Mit Mitteilung vom 26. November 2018 erklärte die IV-Stelle, dass sie die Kosten
für eine berufliche Abklärung für die Zeit vom 1. Dezember 2018 bis 28. Februar 2019
übernehmen werde (IV-act. 89; zum Eingliederungsplan vgl. IV-act. 85). Am 30. Januar
2019 berichtete Dr. D._, dass der Versicherte das Einsatzprogramm im Pensum von
20 % begonnen habe. Als er dieses auf 50 % gesteigert habe, sei es ihm wieder
schlechter gegangen und die Medikation habe erhöht werden müssen. Die
A.c.
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Arbeitsfähigkeit betrage daher erneut lediglich 20 %. In diesem Pensum werde der
Versicherte das Einsatzprogramm zu Ende führen. Empfohlen sei, die Nervenwurzel C6
von dorsal zu dekomprimieren, zumal sich gezeigt habe, dass eine Reintegration mit
diesen Schmerzen nicht möglich sei (IV-act. 100).
Im Schlussbericht zum Einsatzprogramm vom 31. Januar 2019 wurde
zusammenfassend festgehalten, dass geplant gewesen sei, das Pensum von 50 % auf
80 % zu steigern, da sich der Gesundheitszustand des Versicherten jedoch immer
weiter verschlechtert habe, habe das Pensum stattdessen auf 20 % gesenkt werden
müssen. Diese Situation habe zu einem Abbruch des Einsatzprogramms per 31. Januar
2019 geführt (IV-act. 104; vgl. auch die dazu ergangene Mitteilung vom 5. Februar
2019, IV-act. 108-1). Im Schlussbericht vom 4. Februar 2019 hielt die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle fest, dass der Versicherte auf sie nicht
motiviert und betreffend Stellensuche eher passiv wirke. Er nehme eine wartende
Haltung ein und konzentriere sich auf seine Schmerzen. Bei der
Integrationsmassnahme seien alle Adaptationskriterien eingehalten worden. Es sei eine
Rentenbegehrlichkeit spürbar (IV-act. 106; vgl. ferner IV-act. 107; zur Stellungnahme
des Versicherten vgl. IV-act. 118).
A.d.
Am 27. März 2019 berichtete Dr. D._ von einem residuellen Schmerz- und
Krampf-Syndrom im Nacken und Arm links, das wahrscheinlich durch eine
persistierende Kompression der Nervenwurzel C7 links, neuroforaminal C6/C7 links,
bedingt sei. Die vor der zweiten Operation bestehenden Beschwerden hätten sich
gebessert, seien aber nicht vollständig abgeklungen. Die Ursache sei wahrscheinlich,
dass von ventral nicht das ganze Neuroforamen habe eröffnet werden können (IV-act.
115). Med. pract. E._, Fachärztin für Neurologie, hielt in einem Bericht vom 4. April
2019 fest, dass sie am 13. Mai 2018 bei persistierender Foramenstenose und
elektromyographisch nachweisbarer Radikulopathie C7 links geraten habe,
chirurgische Massnahmen zu überdenken. Auch aktuell sei sie dieser Meinung. Ein
operatives Vorgehen erachte sie als notwendig, um die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten wiederherzustellen. Sie empfahl die Durchführung einer MRT- und CT-
Untersuchung der HWS (IV-act. 116). Am 7. Mai 2019 berichtete Dr. D._, dass sich
anlässlich der zwei durchgeführten neurologischen Abklärungen zweimal eine
Kompression der Nervenwurzel C7 links gezeigt habe. Auf Juni 2019 sei eine weitere
A.e.
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Operation geplant gewesen, jedoch habe der Versicherte diese zwischenzeitlich
abgesagt, da er momentan nicht operiert werden wolle (IV-act. 120). In einer
Stellungnahme vom 13. Juni 2019 hielt der RAD fest, dass sich der
Gesundheitszustand auf einem von Schmerzen geprägten Niveau etabliert und
stabilisiert habe, nachdem sich der Versicherte gegen eine weitere Operation
entschieden habe. Der Versicherte fühle sich zwar nicht arbeitsfähig, aus Sicht des
RAD sei in einer adaptierten Tätigkeit aber eine Arbeitsfähigkeit gegeben, die
gutachterlich abzuklären sei (IV-act. 128-2 f.).
In einem Sprechstundenbericht der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St.
Gallen (KSSG) vom _ Juni 2019 hielten die behandelnden Ärzte fest, dass der
Versicherte trotz zwei vorausgegangener HWS-Eingriffe von dorsal und ventral
weiterhin unter einer chronifizierten Cervicobrachialgie C7 links mit leichtem
motorischem Ausfallsyndrom leide. Am 6. Mai 2019 sei noch eine CT- und MRT-
Untersuchung der HWS durchgeführt worden. Im CT zeige sich ein weit lateraler
Zugang C6/7 links mit Teilentfernung des Gelenks sowie auch ein wahrscheinlich
mittlerweile verkalkter alter Bandscheibenvorfall C6/7 links mit möglicher
Beeinträchtigung der Nervenwurzel C7 links. Auch in der MRT-Untersuchung fände
sich foraminal eine Kontaktierung der Nervenwurzel C7 links, nicht aber eine sichere
Kompression. Inwieweit sich die mittlerweile über zwei Jahre bestehende
Cervicobrachialgie durch einen erneuten Eingriff zurückbilden würde, sei offen, da
zwischenzeitlich sicherlich eine Chronifizierung eingetreten sei. Auch bestehe keine
sichere Nervenwurzelkompression (IV-act. 132).
A.f.
Am 14. November 2019 erstattete die Zentrum für Interdisziplinäre Medizinische
Begutachtungen AG (ZIMB AG) im Auftrag der IV-Stelle ihr polydisziplinäres
(Disziplinen: Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie)
Gutachten (IV-act. 141). In ihrer interdisziplinären Konsenbeurteilung nannten die
Sachverständigen als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
endgradige Bewegungseinschränkung der HWS bei chronisch zervikobrachialem
Schmerzsyndrom mit Radikulopathie C6/C7 (IV-act. 141-7). Sodann wurde im
interdisziplinären Konsens festgehalten, dass der Versicherte in der angestammten
Tätigkeit als Chauffeur spätestens seit der Operation vom 23. September 2016 (richtig:
20. September 2016) nicht mehr arbeitsfähig sei (IV-act. 141-11 f.). In einer optimal
A.g.
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angepassten Tätigkeit (zum Zumutbarkeitsprofil vgl. IV-act. 141-10 und 141-12)
bestehe eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit (IV-act. 141-12). Nach
der Einholung einer Stellungnahme des RAD (vgl. IV-act. 142-2) gelangte die IV-Stelle
am 5. Dezember 2019 mit einer Rückfrage an die Gutachterstelle. Sie wies daraufhin,
dass dem Versicherten in der Konsensbeurteilung eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
zugemutet werde, während der neurologische Sachverständige im Teilgutachten dem
Versicherten eine Leistungsreduktion von 20 % zugestanden habe, damit dieser die
Möglichkeit zum Dehnen und Lockern habe (IV-act. 143). In einer Stellungnahme vom
9. Dezember 2019 räumte die ZIMB AG ein, dass in der Konsensbeurteilung die vom
neurologischen Teilgutachter erwähnte Leistungsreduktion von 20 %, um dem
Versicherten die Dehnung und Lockerung zu ermöglichen, leider übersehen worden sei.
Nach Rücksprache mit den anderen involvierten Teilgutachtern sei man zum Schluss
gekommen, dass die 20%ige Einschränkung plausibel und die Konsensbeurteilung
dahingehend zu revidieren sei, dass dem Versicherten interdisziplinär eine
Restarbeitsfähigkeit von 80 % zu attestieren sei (IV-act. 145). Der RAD stufte das
Versehen der Gutachter als verzeihlich und unerheblich ein. Die 80%ige
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten könne plausibel nachvollzogen werden (IV-
act. 146).
Am 17. Dezember 2019 berichtete Dr. D._, dass der Versicherte an den
bekannten linksseitigen Schmerzen und neu auch an einem Schmerz im Bereich des
zervikothorakalen Übergangs rechts mit Ausstrahlung entlang dem Dermatom C6 leide.
Die Ursache dieser Beschwerden sei eine breitbasige Diskushernie, welche das
Neuroforamen C5/C6 rechtsseitig einenge. Der Versicherte sei noch immer zu 100 %
arbeitsunfähig. Die IV-Stelle werde dringend gebeten, den Fall möglichst rasch zu
evaluieren und den Versicherten zu unterstützen (IV-act. 149). In einer Aktenbeurteilung
vom 10. Januar 2020 erklärte der RAD, dass die von Dr. D._ als neu bezeichnete C6
Nervenwurzelreizung nicht so neu sei. Sie sei auch von den Gutachtern im
konsensualen Teil gleich zu Beginn der Diagnoseliste ausdrücklich genannt worden.
Solange der Versicherte, vehement unterstützt von seinem orthopädischen Chirurgen,
jedwede Eingliederung verweigere, bestehe eigentlich kein Eingliederungspotential.
Dennoch empfehle es sich, auf die vage geäusserte Bereitschaft des Versicherten
einzugehen. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei weiterhin auf das Gutachten
A.h.
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abzustellen, wobei dem Versicherten, der lange nicht mehr arbeitstätig gewesen sei,
ein Beginn in einem Pensum von 50 % zuzugestehen sei (IV-act. 150-3). Am 13. März
2020 berichtete Dr. D._, dass der Versicherte noch immer zu 100 % arbeitsunfähig
sei, jedoch damit beginnen könne, im zweiten Arbeitsmarkt stundenweise zu arbeiten,
organisiert durch die IV-Stelle (IV-act. 164).
Mit Mitteilung vom 24. März 2020 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
Arbeitsvermittlung im Sinne von Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-
act. 173; zum Eingliederungsplan mit dem Ziel der Eingliederung in den ersten
Arbeitsmarkt vgl. IV-act. 170).
A.i.
Am 29. Mai 2020 stellte sich der Versicherte in der Klinik F._ zur Einholung einer
Zweitmeinung vor (IV-act. 187). In einem Bericht zu Händen der IV-Stelle vom 14.
August 2020 hielt der zuständige Arzt fest, dass dem Versicherten die bisherige
Tätigkeit als Logistiker während acht Stunden pro Tag zumutbar sei. Die
Eingliederungsprognose sei nicht alleine vom Leiden des Versicherten abhängig.
Vielmehr bewerbe sich dieser regelmässig, finde aber keine Stelle. Wenn er keine
handwerklichen strengen Arbeiten machen müsse, sei er im Haushalt nicht
eingeschränkt (zum Bericht ohne Namensangabe vgl. IV-act. 215; zur Zuordnung des
Berichts zur Klinik F._ vgl. IV-act. 187, 192 f. und 212). In einem ärztlichen Bericht
vom 12. August 2020 erklärte Dr. C._, dass es beim Versicherten als Folge der
chronischen Schmerzsituation zu einer reaktiven depressiven Störung gekommen sei,
welche aktuell mit Brintellix Tropfen behandelt werde. Seines Wissens sei der
Versicherte von Dr. D._ aufgrund der chronischen Schmerzsituation zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 203; zur psychischen Verfassung des Versicherten
vgl. ferner IV-act. 178).
A.j.
Anlässlich einer internen Besprechung mit den IV-Eingliederungsverantwortlichen
vom 29. September 2020 kam der RAD zum Schluss, dass keine neuen Unterlagen
eingegangen seien, welche eine Veränderung begründen würden. An der
Arbeitsfähigkeit von 80 % in leidensangepassten Tätigkeiten sei festzuhalten (IV-act.
218). Im Schlussbericht vom 1. Oktober 2020 hielten die
Eingliederungsverantwortlichen fest, dass die Arbeitsvermittlung erfolglos gewesen sei
und weitere berufliche Massnahmen nicht zielführend seien. Die zwingend erforderliche
A.k.
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B.
Veränderung der Grundhaltung des Versicherten sei dadurch nicht erreichbar. Eine
fokussierte Rentenbegehrlichkeit scheine vorzuherrschen (IV-act. 219-11). Mit
Mitteilung vom 5. Oktober 2020 verneinte die IV-Stelle einen weiteren Anspruch auf
berufliche Massnahmen (IV-act. 222).
Aufgrund neu eingegangener Berichte von Dr. D._ und der Klinik F._ (vgl. IV-
act. 223 ff.) erfolgte eine erneute Fallvorlage an den RAD (vgl. IV-act. 227-2, unten).
Dieser kam in seiner Beurteilung vom 15. März 2021 zum Schluss, dass sich der
Gesundheitszustand des Versicherten seit der Begutachtung nicht weiter verändert
habe. In der angestammten Tätigkeit sei der Versicherte seit dem 23. September 2016
eingeschränkt. In einer adaptierten Tätigkeit könne in der Zeit vom 1. Dezember 2018
bis 20. April 2019 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Ab dem 1.
Mai 2019 sei auf die gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit von 80 % abzustellen (IV-
act. 227-3 f.).
A.l.
Mit Vorbescheid vom 29. März 2021 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 230).
A.m.
Gegen diesen Vorbescheid liess der anwaltlich vertretene Versicherte am 18. Juni
2021 einen Einwand erheben (IV-act. 234).
A.n.
Nach der Einholung einer erneuten RAD-Beurteilung (IV-act. 235) wies die IV-Stelle
das Rentengesuch des Versicherten mit Verfügung vom 6. August 2021 bei einem
Invaliditätsgrad von 16 % ab (IV-act. 236).
A.o.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer),
vertreten durch Rechtsanwalt A. Petrik, St. Gallen, am 14. September 2021
Beschwerde (act. G 1). Er beantragte, die Verfügung vom 6. August 2021 sei
aufzuheben und es sei eine ganze IV-Rente auszurichten. Eventualiter sei die
Angelegenheit an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zur Durchführung
weiterer Abklärungen zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MwSt.; act. G 1 S. 2). Zudem stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsvertretung (act. G 1 S. 2).
B.a.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente.
2.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 12. November 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin, es sei dem Beschwerdeführer ab dem 1. Oktober 2017 bis am
28. Februar 2019 eine ganze und ab dem 1. März 2019 bis am 30. Juli 2019 eine
Dreiviertelsrente der IV zuzusprechen; im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen (act.
G 3).
B.b.
Am 15. November 2021 entsprach das Versicherungsgericht dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor
Versicherungsgericht (act. G 4).
B.c.
In seiner Replik vom 31. März 2022 hielt der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde vom 14. September 2021 gestellten Anträgen fest (act. G 12) und reichte
eine E-Mail von PD Dr. med. G._, [...], Klinik H._, ein (act. G 12.1).
B.d.
Mit Schreiben vom 23. Mai 2022 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Erstattung einer ausführlichen Duplik und hielt an dem in der Beschwerdeantwort vom
12. November 2021 gestellten Antrag vollumfänglich fest (act. G 14).
B.e.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/20
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3.
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs-
und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art.
61 lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
2.2.
Zunächst zu prüfen ist demnach, ob der Grad der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers für leidensangepasste Tätigkeiten gestützt auf die vorliegende
medizinische Aktenlage mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht (zum
Beweismass siehe BGE 138 V 221 E. 6 und Urteil des Bundesgerichts vom 2. August
2017, 8C_128/2017, E. 2). Die Beschwerdegegnerin stützt sich in medizinischer
Hinsicht in erster Linie auf das von ihr eingeholte Gutachten der ZIMB AG (vgl. act. G
3). Demgegenüber erachtet der Beschwerdeführer das Gutachten aus mehreren
3.1.
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Gründen als nicht beweiskräftig (vgl. act. G 1 und 12). Auf die entsprechenden
Einwände ist nachfolgend einzugehen.
3.2.
Zunächst kritisiert der Beschwerdeführer, dass das neurologische Teilgutachten
mangelhaft sei, da die Aufzählung der Diagnosen nicht vollständig sei. Im
orthopädischen Gutachten sei als Diagnose nämlich auch die mögliche
Kompromittierung der Nervenwurzel C6 aufgeführt, während sich diese Diagnose im
neurologischen Teilgutachten nicht finde. Ausserdem habe es der neurologische
Gutachter unterlassen, sich mit den Berichten der behandelnden Fachärzte
auseinanderzusetzen (vgl. act. G 1 S. 6).
3.2.1.
Dass der neurologische und orthopädische Sachverständige wortgemäss nicht
dieselben Diagnosen aufgeführt haben, dürfte in erster Linie ihren unterschiedlichen
Fachgebieten geschuldet sein. Entscheidend für die Beweiskraft eines Gutachtens ist
jedoch ohnehin nicht, ob in jedem Teilgutachten sämtliche Diagnosen abgehandelt
werden, sondern ob die bestehenden Gesundheitsschäden im Rahmen der gesamten
Begutachtung Berücksichtigung gefunden haben. Dass dies bei der möglichen
Beteiligung der Nervenwurzel C6 rechts der Fall ist, ergibt sich nicht nur aus dem
orthopädischen Teilgutachten, sondern auch aus der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung (vgl. IV-act. 141-7). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
hat es der neurologische Sachverständige auch nicht unterlassen, sich mit den
Einschätzungen der behandelnden Neurologin med. pract. E._ auseinanderzusetzen.
Vielmehr hat er beispielsweise ausgeführt, dass die elektrophysiologischen
Untersuchungen und klinischen Befunde von med. pract. E._ die bestehende
Radikulopathie C7 links bestätigen würden, gerade im EMG des C7-Kennmuskels sei
eine persistierende Denervierung beschrieben worden. Der neurologische
Sachverständige hat der Radikulopathie C7 links mit einer Schwäche im linken Arm
denn auch mit einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20 % und bei der
Festlegung des Zumutbarkeitsprofils Rechnung getragen (vgl. IV-act. 141-87).
3.2.2.
3.3.
Weiter bemängelt der Beschwerdeführer, dass auf S. 11 im Gutachten behauptet
worden sei, er würde ein ganz normales Leben führen und es würde eine gute
Ressourcenlage bestehen. Dies widerspreche seiner Schilderung des Tagesablaufs auf
S. 35 im Gutachten, wonach er seine Tage mit Spazieren, dem Einnehmen von
Medikamenten, einem Nachmittagsschlaf und Fernsehen verbringe. Auch sei im
3.3.1.
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Gutachten an anderer Stelle festgehalten worden, dass gemäss seinen Aussagen sein
Leben seit der Operation komplett anders, der Tagesablauf wechselhaft und vom
Ausmass der Schmerzen während der Nacht abhängig sei. Die Behauptung einer
normalen Lebensführung sei somit nicht zutreffend und das Gutachten demnach nicht
beweiskräftig (vgl. act G 1 S. 8, oben).
Der Beschwerdeführer übersieht bei seiner Kritik, dass in der Konsensbeurteilung
auf S. 11 des Gutachtens nicht lapidar festgehalten worden ist, dass er ein ganz
normales Leben führe, sondern dabei auch seine Schmerzbelastung erwähnt worden
ist. Die Gutachter haben sodann erklärend ausgeführt, dass er in der Lage sei, täglich
soziale Kontakte zu pflegen und das Haus zu verlassen, um spazieren zu gehen. Auch
versorge er sich selber und beteilige sich am Haushalt (vgl. IV-act. 141-11, oben).
Inwieweit diese Ausführungen nicht zutreffen oder keinem relativ normalen Leben
entsprechen sollten, legt der Beschwerdeführer nicht dar. Auch ist nicht ersichtlich,
was an der gutachterlichen Einschätzung, wonach positive Ressourcen in Form von
Familie und Freunden bestünden (vgl. IV-act. 141-11, oben), nicht stimmig sein sollte.
3.3.2.
3.4.
Weiter moniert der Beschwerdeführer, dass die Ergebnisse der beruflichen
Abklärung im Gutachten nicht berücksichtigt worden seien, was sich als
schwerwiegender Mangel erweise. Im Rahmen der beruflichen Abklärung sei nämlich
festgehalten worden, dass die Medikamente eine Müdigkeit auslösten, er aufgrund der
Schmerzen schlecht schlafen könne und eine Erhöhung des Pensums auf 50 % nicht
erfolgreich umzusetzen gewesen sei (vgl. act. G 1 S. 8). Insgesamt hätten die von ihm
subjektiv geklagten Beschwerden im Gutachten keine Berücksichtigung gefunden (vgl.
act. G 12 S. 3).
3.4.1.
Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers haben seine subjektiv
geklagten Beschwerden durchaus Eingang ins Gutachten gefunden. Die
Sachverständigen haben den Beschwerdeführer in den einzelnen Teilgutachten
eingehend zu den aktuellen Leiden befragt (vgl. IV-act. 141-33 f., 141-49 ff., 141-83 f.
und 141-94 ff.). Zu seiner Medikation ist der Beschwerdeführer im Rahmen der
Begutachtung ebenfalls befragt worden (vgl. z.B. IV-act. 141-85) und auch die
Medikamentenspiegel sind bestimmt worden. Das Duloxetin, von dem der
Beschwerdeführer überhaupt angegeben hat, dass er es nur unregelmässig bzw.
sporadisch einnehme, ist entsprechend deutlich erniedrigt bzw. nicht nachweisbar
gewesen. Das Schmerzmittel Tramadol ist im Serum nachweisbar gewesen, jedoch
unterhalb des therapeutischen Bereichs (vgl. IV-act. 141-102). Angesichts der niedrigen
3.4.2.
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Spiegel stellt sich die Frage, ob die Medikation tatsächlich die vom Beschwerdeführer
behauptete Müdigkeit bewirkt, was das aus medizinischen Laien bestehende Gericht
jedoch nicht zuverlässig beurteilen kann. Nach dem Gesagten ist aber anzunehmen,
dass die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Wissen um die potentielle
Medikation erfolgt ist. Im Übrigen ist für die Beurteilung des Rentenanspruchs nicht in
erster Linie auf berufspraktische Abklärungen, sondern auf die medizinisch-
theoretische Arbeitsfähigkeit abzustellen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 21.
Februar 2018, 8C_802/2017, E. 5.1.1, und vom 28. Mai 2009, 9C_332/2009, E. 3).
3.5.
Weiter kritisiert der Beschwerdeführer, dass kein rheumatologisches
Teilgutachten eingeholt worden sei (vgl. act. G 1 S. 7).
3.5.1.
Zunächst ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Vorfeld der
Begutachtung über die angedachten Fachdisziplinen informiert worden ist (vgl. IV-act.
136), wogegen er keine Einwände erhoben hat. Namentlich hat er keine
rheumatologische Begutachtung beantragt. Zum anderen ist davon auszugehen, dass
die ZIMB-Gutachter den Einbezug weiterer Fachdisziplinen nicht als notwendig
erachtet haben, ansonsten sie dies der Beschwerdegegnerin angezeigt hätten. Im
Übrigen sind die Fachdisziplinen vom RAD, also einem ärztlichen Dienst,
zusammengestellt worden (vgl. IV-act. 128-3). Schliesslich enthalten die Akten, soweit
ersichtlich, keine rheumatologischen Berichte, die Hinweise auf eine rheumatologische
Problematik geben könnten. Dass die fehlende rheumatologische Begutachtung einen
Mangel darstellen sollte, ist folglich nicht ersichtlich.
3.5.2.
3.6.
Sodann macht der Beschwerdeführer geltend, dass im Gutachten im Rahmen
der Konsistenzprüfung festgehalten worden sei, dass er auffallend auf einem
Behandlungsfehler beharrt habe. Im Zusammenhang mit der Prüfung von Ansprüchen
gegen den Kanton in Bezug auf die erste Operation habe ein Facharzt in einer
Stellungnahme vom 15. Februar 2022 ausgeführt, dass der erste Eingriff als Operation
nach Frykholm bezeichnet worden sei, eine solche tatsächlich aber gar nicht
durchgeführt worden sei. Bei einem korrekten operativen Eingriff hätte problemlos eine
mediforaminäre Dekompression erreicht werden können. Das Beharren auf einem
Behandlungsfehler könne demnach kaum mehr negative Auswirkungen im Rahmen der
Konsistenzprüfung zeitigen (vgl. act. G 12 S. 4 f.).
3.6.1.
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Es liegt nicht in der Kompetenz des hiesigen Gerichts, darüber zu befinden, ob
die Operation vom 23. September 2016 korrekt abgelaufen ist oder ob sich dabei
allenfalls ein Behandlungsfehler ereignet hat. Für die Invalidenversicherung als finale
Versicherung ist denn auch nicht in erster Linie massgebend, welche Ursachen ein
gesundheitliches Leiden hat, sondern vielmehr, welche funktionellen Auswirkungen die
gesundheitlichen Einschränkungen zeitigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5.
August 2020, 8C_207/2020, E. 5.2.2 mit Hinweisen). Anhaltspunkte dafür, dass die im
Rahmen der Begutachtung vom Beschwerdeführer geäusserte Ansicht, wonach sich
ein Behandlungsfehler ereignet haben könnte, zu seinen Ungunsten ausgewirkt hat,
sind jedenfalls nicht ersichtlich.
3.6.2.
3.7.
Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, dass sich sein
Gesundheitszustand seit der Begutachtung verschlechtert habe. Dr. D._ habe in
seinem Bericht vom 18. Oktober 2020 den Verdacht auf eine weitere
Nervenwurzelreizsymptomatik C8 im Sinne einer Anschlusspathologie gestellt (vgl. act.
G 1 S. 8 f.) und festgehalten, dass sich der Beschwerdeführer notfallmässig wegen
zunehmender Schmerzen, Krämpfen, Gefühlsstörungen und weniger Kraft im linken
Arm in der Sprechstunde gemeldet habe. Die Schmerzen würden über den Arm hinaus
in die Finger ausstrahlen, wobei sich Teile des Arms wie ein Stück Holz anfühlen
würden. Im Bericht seien auch Befunde wie Taubheit des Kleinfingers und eine
signifikant verminderte Kraft im Faustschluss links gegenüber rechts angegeben
worden. Demnach sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen
(act. G 12 S. 4).
3.7.1.
Der vom Beschwerdeführer angesprochene Bericht von Dr. D._ vom 18.
Oktober 2020 (vgl. IV-act. 223-6 f.) ist dem RAD zur Beurteilung vorgelegt worden.
Dieser hat in seiner Aktenbeurteilung vom 15. März 2021 nachvollziehbar dargelegt,
weshalb sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung
nicht wesentlich verändert habe (vgl. IV-act. 227-2 ff.). Dabei hat er sich namentlich auf
den zeitlich neueren Bericht der Klinik F._ vom 23. November 2020 berufen, in dem
keine C8-Problematik beschrieben worden ist. Vielmehr hat der untersuchende Arzt der
Klinik F._ darauf hingewiesen, dass die MRT-Bilder vom 16. Oktober 2020 keine
eindrückliche Einengung zeigen würden (vgl. IV-act. 226). Im Übrigen hat Dr. D._ in
seinem Bericht vom 18. Oktober 2020 lediglich den Verdacht auf eine C8-
Nervenwurzelreiz-/Ausfallsymptomatik geäussert, der seiner Ansicht nach neurologisch
abzuklären gewesen ist (vgl. IV-act. 223-6 f.). In seinem Bericht vom 3. November 2020
3.7.2.
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ist vom Verdacht, wonach auch eine C8-Problematik vorliegen könnte, nichts mehr zu
lesen. Vielmehr hat er darin im Wesentlichen ausgeführt, dass med. pract. E._ in ihrer
Untersuchung weiterhin eine radikuläre Reiz-/Ausfallsymptomatik C7 links gefunden
habe (vgl. IV-act. 223-4). Aus den vom Beschwerdeführer subjektiv vorgetragenen
Empfindungen allein lässt sich ebenfalls keine objektivierbare Verschlechterung des
Gesundheitszustandes ableiten. Hinweise dafür, dass das ZIMB-Gutachten aufgrund
eines veränderten Gesundheitszustandes seinen Beweiswert verloren hätte, liegen
demnach nicht vor.
Nach dem Gesagten erweisen sich die vom Beschwerdeführer gegen das ZIMB-
Gutachten vorgebrachten Einwände als nicht stichhaltig. Die Gutachter haben für ihre
Beurteilung sowohl die vom Beschwerdeführer beklagten Leiden als auch die
medizinische Aktenlage berücksichtigt. Weiter haben sie im Gutachten auf die vom
Bundesgericht etablierten Standardindikatoren Bezug genommen. Auch gibt es keine
Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Punkte im Rahmen der Begutachtung
unberücksichtigt geblieben wären. Das Gutachten vom 14. November 2019 (IV-act.
141) erweist sich in Zusammenschau mit der am 9. Dezember 2019 erfolgten
Ergänzung (IV-act. 145) als schlüssig. Demnach kann grundsätzlich auf die
interdisziplinäre Arbeitsfähigkeitsschätzung der ZIMB-Gutachter, wonach der
Beschwerdeführer spätestens seit der Operation vom 23. (recte: 20.) September 2016
(der neurologische Sachverständige hat den Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf August
2016 gelegt, vgl. IV-act. 141-89) in der angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig
sei, in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit jedoch im Gutachtenszeitpunkt eine
80%ige Arbeitsfähigkeit bestanden habe (vgl. IV-act. 141-11 f. und 145-1 f.), abgestellt
werden. Eine retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten beinhaltet die Konsensbeurteilung des ZIMB-Gutachtens nicht. Eine solche
enthalten jedoch die Teilgutachten. Auf internistischem und psychiatrischem
Fachgebiet sind keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit festgestellt worden (vgl.
IV-act. 141-44 f. und 141-108 ff.). Der neurologische Sachverständige hat seit August
2016 eine 20%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit für optimal angepasste
vollschichtige Tätigkeiten attestiert, um dem Beschwerdeführer Pausen mit der
Möglichkeit zum Dehnen und Lockern einzuräumen (vgl. IV-act. 141-90). Der
orthopädische Sachverständige hat ausgeführt, dass aus orthopädischer Sicht
spätestens seit dem 1. Dezember 2018 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
sei und nach einer Adaptationsphase von drei bis vier Monaten spätestens ab dem 1.
Mai 2019 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden habe (vgl. IV-act. 141-78). Aufgrund
der fehlenden retrospektiven Einschätzung im interdisziplinären Teil des Gutachtens
stellt sich nun die Frage, ob die für den Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis 30. April
3.8.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/20
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4.
2019 attestierte 50%ige Leistungseinschränkung aus orthopädischer Sicht mit der
20%igen Einschränkung aus neurologischer Sicht zu kumulieren ist oder ob die aus
neurologischer Sicht notwendigen Pausen bei einer ohnehin lediglich 50%igen
Arbeitsfähigkeit aus orthopädischen Gründen nicht zusätzlich erforderlich sind. Aus der
Aktenbeurteilung des RAD vom 15. März 2021 (vgl. IV-act. 227-3) wäre eher auf
letzteres zu schliessen, da der RAD von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
ist. Allerdings hat der RAD dabei lediglich auf das orthopädische Gutachten verwiesen,
ohne Bezug zur neurologischen Einschätzung zu nehmen. Demnach ist eher
anzunehmen, dass er die von neurologischer Seite zugestandenen Pausen bei seiner
Einschätzung nicht berücksichtigt hat. Aufgrund der Ausführungen des neurologischen
Gutachters, wonach die Pausen der Lockerung und Dehnung der Muskulatur dienen,
ist zu Gunsten des Beschwerdeführers davon auszugehen, er habe diese Pausen auch
dann gebraucht, wenn er aus orthopädischen Gründen in einem geringeren Pensum
gearbeitet hat. Folglich ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen (vgl. act. G
3 S. 10), dass im Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis 30. April 2019 eine 40%ige
Arbeitsfähigkeit (50 % - [50 % x 20 %]) bestanden hat.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass spätestens ab dem 20. September 2016
bis zum 30. November 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch für
leidensangepasste Tätigkeiten bestanden hat. Zwischen dem 1. Dezember 2018 und
30. April 2019 ist von einer 40%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Ab dem 1. Mai 2019
ist schliesslich eine 80%ige Leistungsfähigkeit anzunehmen. An dieser ab Mai 2019
ausgewiesenen 80%igen Arbeitsfähigkeit vermag der Umstand, dass der RAD in seiner
Beurteilung vom 10. Januar 2020 dem Beschwerdeführer noch einen Arbeitsbeginn in
einem Pensum von 50 % zugestanden hat, nichts zu ändern. Dieses verminderte
Pensum hat der RAD nämlich lediglich aus berufspraktischen Überlegungen
zugestanden. Für die medizinisch-theoretische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit hat er
schon damals auf die gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit verwiesen (vgl. IV-act.
150).
3.9.
Ausgehend von der ermittelten Arbeitsfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der Invaliditätsgrad
anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 2.1). Für den
Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns
des Rentenanspruchs entscheidend (vgl. BGE 129 V 222). Die Anmeldung des
Beschwerdeführers ist bei der Beschwerdegegnerin im April 2017 eingegangen (vgl. IV-
act. 10-1). Der früheste Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs im Sinne von Art. 29
4.1.
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Abs. 1 IVG wäre somit der 1. Oktober 2017. Der gleiche Zeitpunkt ergibt sich auch
unter Berücksichtigung des Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 IVG, da die
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers spätestens am 20. September 2016 ihren
Anfang genommen hat (vgl. dazu E. 3.8 f.). Für den Einkommensvergleich massgebend
ist somit das Jahr 2017. Da vorliegend ein vor dem 1. Januar 2022 beginnender
Rentenanspruch im Streit liegt, finden die am gleichen Tag in Kraft getretenen
Anpassungen im IVG sowie in der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) keine Anwendung (siehe das Kreisschreiben des Bundesamtes für
Sozialversicherungen über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab
1. Januar 2022, Rz. 9100 ff.).
Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG;
BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen). Gestützt auf die Angaben
der ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers (vgl. IV-act. 16-5) ist bei einem
Pensum von 100 % für das Jahr 2017 ein Valideneinkommen von Fr. 63'955.85
anzunehmen. Wie die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort unter Hinweis
auf die Angaben im Arbeitgeberfragebogen auf ein solches von lediglich Fr. 61'750.--
kommt (vgl. act. G 3 S. 11 und G 3.1), erschliesst sich dem Gericht nicht. Zur
Ermittlung des Invalideneinkommens kann auf die Tabelle TA1 der LSE 2016 abgestellt
werden, wobei das Einkommen bis zum Jahr 2017 zu indexieren ist. Für die im
Kompetenzniveau 1 beschäftigten Männer ergibt sich unter Berücksichtigung einer
durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden in einem
Arbeitspensum von 100 % ein Jahreslohn von Fr. 67'102.-- (vgl. Anhang 2 der IV-
Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2022). Bei den LSE-Daten
handelt es sich allerdings lediglich um statistische Durchschnittswerte, was sich daran
zeigt, dass der Beschwerdeführer im vorliegenden Fall als Gesunder in einem Pensum
von 100 % ein unter dem LSE-Wert liegendes Einkommen erzielt hat. Da die Akten
keinerlei Anhaltspunkte dafür liefern, dass der Beschwerdeführer freiwillig auf ein
höheres Einkommen verzichtet hat, ist anzunehmen, dass die Unterdurchschnittlichkeit
seines Validenlohns auf die für die Invaliditätsbemessung nicht zu berücksichtigenden
Zwänge des realen Arbeitsmarktes zurückzuführen ist. Aus diesem Grund ist das
Valideneinkommen auf den LSE-Lohn anzuheben. Da demnach im vorliegenden Fall
sowohl hinsichtlich des hypothetischen Valideneinkommens als auch bezüglich des
Invalideneinkommens derselbe Lohn für ein Pensum von 100 % zugrunde zu legen ist,
kann der Einkommensvergleich anhand eines sogenannten Prozentvergleichs
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/20
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5.
vorgenommen werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn
(vgl. BGE 126 V 75). Der von der Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort
angenommene Tabellenlohnabzug von 10 % erscheint den Einschränkungen des
Beschwerdeführers angemessen (vgl. act. G 3 S. 11 f.). Soweit ersichtlich, wird dieser
Abzug vom Beschwerdeführer in der Replik denn auch nicht kritisiert (vgl. act. G 12).
Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 100 %, wie er ab Beginn des
Rentenanspruchs vom 1. Oktober 2017 (zum Beginn des Rentenanspruchs vgl. E. 4.1)
bis 30. November 2018 anzunehmen ist (zu den Arbeitsunfähigkeiten vgl. E. 3.9),
resultiert nach dem Gesagten ein Invaliditätsgrad von 100 % und somit ein Anspruch
auf eine ganze Rente. Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 40 %, wie er im Zeitraum
vom 1. Dezember 2018 bis 30. April 2019 vorgelegen hat (vgl. E. 3.9), ergibt sich unter
Berücksichtigung des Tabellenlohnabzugs von 10 % ein Invaliditätsgrad von 64 % (100
% - [90 % x 40 %]) und somit ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente (vgl. Art. 28 Abs.
2 IVG in der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Fassung), wobei dem
Beschwerdeführer aufgrund der Übergangsfrist von Art. 88a IVV die ganze Rente noch
bis zum 28. Februar 2019 auszuzahlen ist. Bei der ab dem 1. Mai 2019 geltenden
Arbeitsfähigkeit von 80 % (vgl. dazu E. 3.9) ergibt sich unter Berücksichtigung des
Tabellenlohnabzugs von 10 % ein Invaliditätsgrad von 28 % (100 % - [90 % x 80 %]),
womit ein Rentenanspruch entfällt (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis zum 31. Dezember
2021 geltenden Fassung). Aufgrund der Übergangsfrist von Art. 88a IVV ist die
Dreiviertelsrente jedoch noch bis zum 31. Juli 2019 geschuldet.
4.3.
Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. Oktober 2017 bis
28. Februar 2019 Anspruch auf eine ganze Rente und für die Zeit vom 1. März bis 31.
Juli 2019 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Ab dem 1. August 2019 besteht kein
Rentenanspruch mehr.
4.4.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und dem Beschwerdeführer rückwirkend für die Zeit vom 1.
Oktober 2017 bis 28. Februar 2019 eine ganze Rente und für die Zeit vom 1. März bis
31. Juli 2019 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung des Rentenbetrags
ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
5.2.
bis
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