Decision ID: da2b4b99-69b4-4c21-8dd0-d43d1b0486fb
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
74
, war bis zur Kündigung per
3
0.
September 2015
als
Geschäftsführer
bei der
Y._
GmbH angestellt (Urk.
8/5-7
). Am 2
0
.
Januar 2016
meldete
er sich
beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV)
zur Arbeitsvermittlung an
(Urk.
8
/1) und stellte am
20. Januar 2016
bei der
Unia
Arbeitslosenkasse
den
Antrag auf Ausrichtung von Arbeits
losenentschädigung ab dem
1
8. Januar 2016
(Urk.
8/4
).
Diese
eröffnete die Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 2
0.
Januar 2016 bis 1
9.
Januar 2018 und erbrachte Taggelder (
Urk. 8/15,
Urk.
8/28).
Mit Verfügung vom 16. August 2017 verpflichtete die
Unia
Arbeitslosenkasse
X._
aufgrund
einer
arbeitgeberähnliche
n
Stellung seiner Ehe
frau als Gesellschafterin und Geschäftsführerin der
Y._
GmbH
zur Rück
erstattung der für die Kontrollperioden August 2016 bis April 2017
(Urk. 8/19) ausgerichteten Leistungen
in der Höhe von insgesamt Fr. 61'783.55
und entzog einer Einsprache dagegen die aufschiebende Wirkung
(Urk. 8/18). Die dagegen mit Schreiben vom 20. September 2017 erhobene Einsprache des Versicherten (Urk. 8/23) wies die
Unia
mit
Einspracheentscheid
vom 13. Februar 2018 ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen
erhob
der Versicherte
mit Eingabe vom
14
.
Mai
2018 Beschwerde und beantragte, es sei der Einspracheentscheid vom
1
3.
Februar
2018 aufzuheben und es sei
die ihm mit Kassenverfügung vom 1
6.
August 2017 auferlegte Pflicht, den Betrag von Fr. 61'783.55 der
Beschwerdegegnerin
zurückzuzahlen, vollumfäng
lich aufzuheben
. In prozessualer Hinsicht stellte er den Antrag, es sei der in der Kassenverfügung unter Ziffer 4 verfügte Entzug der aufschiebenden Wirkung aufzuheben und der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen sowie
,
es sei hierüber vorfrageweise vor der Beurteilung des materiellen Antrages zu entscheiden (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 26. März 2018 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7 S. 1).
Mit
Gerichtsv
erfügung vom 1
0.
April 2018 wurde d
as Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Ein
sprache gegen die Verfügung vom 1
6.
August 2017 (
Urk.
8/18)
gutgeheissen und der angefochtene Einspracheentscheid vom 13. Februar 2018 wurde vorsorglich insofern geändert, als damit der Entzug der
aufschiebenden Wirkung der Ein
sprache
bestätigt
worden war
(
Urk.
10 S. 6). Im w
eiteren Schriftenwechsel hielt der
Beschwerdeführer
in der Replik vom 2
1.
Juni 2018 an seinen Anträgen fest
(Urk. 14
) und die
Beschwerdegegnerin
verzichtete mit Eingabe vom 1
0.
Juli 2018 auf eine weitere Stellungnahme
(
Urk.
17
)
, wovon dem Beschwerdeführer am 1
2.
Juli 2018 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
18)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
haben Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidun
gen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Hinsichtlich des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung findet sich zwar in Art. 8 ff. AVIG keine Regelung, die dieser Norm zur Kurzarbeit entsprechen würde. Nach der Rechtsprechung gilt diese Regelung jedoch grundsätzlich auch für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (BGE 123 V 234 E. 7b/
bb
; vgl. auch BGE 142 V 263 E. 4.1 und E. 5.2
).
1.2
Die Frage, ob eine
arbeitnehmende
Person einem obersten betrieblichen Entschei
dungsgremium angehört und ob sie in dieser Eigenschaft massgeblich Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen nehmen kann, ist aufgrund der internen betrieblichen Struktur zu beantworten. Keine Prüfung des Einzelfalles ist erfor
derlich, wenn sich die massgebliche Entscheidungsbefugnis bereits aus dem Gesetz selbst (zwingend) ergibt (BGE 123 V 234 E. 7a).
Di
es gilt insbesondere für die Ge
sellschafter einer GmbH (Art. 810 ff. des Bund
esgesetzes betreffend die Ergän
zung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, Oblig
ationenrecht, OR) sowie die mit
arbeitenden Verwaltungsräte einer AG, für welche das Gesetz in Art. 716-716b
des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilge
setzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR)
verschiedene, nicht übertrag- und entziehbare, die Entschei
dungen des Arbeit
gebers bestimmende oder mass
geblich beeinflussende Aufgaben vorschreibt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_821/2013 vom 31. Januar 2014 E. 2
mit Hinweisen
).
Damit eine versicherte Person in arbeitgeberähnlicher Stellung oder deren mitar
beitender Ehegatte Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat, muss sie mit dem Ausscheiden aus dem Betrieb definitiv auch die arbeitgeberähnliche Stellung verlieren. Behält sie nach der Entlassung ihre arbeitgeberähnliche Stellung im Betrieb bei und kann sie dadurch die Entscheidungen des Arbeitgebers weiterhin bestimmen oder massgeblich beeinflussen, verfügt sie nach wie vor über die unternehmerische Dispositionsfreiheit, den Betrieb jederzeit zu reaktivieren und sich bei Bedarf erneut als Arbeitnehmer einzustellen. Ein solches Vorgehen läuft auf eine rechtsmissbräuchliche Umgehung der Regelung des
Art.
31
Abs.
3 lit. c AVIG hinaus, welche ihrem Sinn nach der Missbrauchsverhütung dient und in diesem Rahmen insbesondere dem Umstand Rechnung tragen will, dass der Arbeitsausfall von arbeitgeberähnlichen Personen praktisch unkontrollierbar ist, weil sie ihn aufgrund ihrer Stellung bestimmen oder massgeblich beeinflussen können. Diese Rechtsprechung will nicht bloss dem ausgewiesenen Missbrauch an sich begegnen, sondern bereits dem Risiko eines solchen, welches der Aus
richtung von Arbeitslosenentschädigung an arbeitgeberähnliche Personen inhärent ist (Urteile des Bundesgerichts C 255/05 vom 2
5.
Januar 2006 und C
92/02 vom 14. April 2003
; vgl. auch BGE 142 V 263 E. 5.3
; Barbara Kupfer Bucher, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolven
zentschädigung, 4. Aufl
age, Zürich/Basel/Genf 2013, S. 15
ff. mit Hinweisen zur Rechtsprechung).
1.3
1.3.1
Laut Art. 95 Abs. 1 AVIG richtet sich die Rückforderung
-
ausser in den hier nicht vorliegenden Fällen
von
Art.
55 und
Art.
59c
bis
Abs.
4 AVIG
-
nach
Art.
25
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
. Gemäss Art.
25 Abs.
1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurück
zuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse
Härte vorliegt.
1.3.2
Gemäss Art.
3 Abs. 2
der
Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSV)
weist der Versicherer in der Rückforderungsverfügung auf die Möglichkeit des Erlasses hin. Nach Abs. 3 dieser Bestimmung verfügt der Versicherer (von Amtes wegen
in eine
m ersten und einzigen Schritt) den Verzicht auf die Rückforderung, wenn offensichtlich ist, dass die Voraussetzungen für den Erlass gegeben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_53/2014 vom 2
0.
August 2014 E. 2).
Sofern die Verwaltung auf die Rückerstattung nicht verzichtet (vgl.
Art.
3
Abs.
3 ATSV; SVR 2008 AHV Nr. 17 S. 51, H 168/06 E. 2), kann sie die Erlassfrage erst
prüfen, wenn die Rechtsbeständigkeit der Rückerstattungsforderung feststeht (
Art.
3
Abs.
2 und
Art.
4
Abs.
4 ATSV; SVR 2015 AHV Nr. 10 S. 35, 9C_466/2014 E. 3.1 mit Hinweis). Somit sind für die Fragen nach der Rückerstattungspflicht einerseits und dem Erlass anderseits zwei getren
nte Verfahren zu führen (Urteile des Bundesgerichts P
62/04 vom
6.
Juni 2005 E. 1.2 mit Hinweisen
und 9C_747/2018 vom 1
2.
März 2019 E. 1.2).
2.
2.1
D
ie Beschwerdegegnerin
führte zur Begründu
ng des angefochtenen Einsprache
entscheides aus,
sie habe bei der Anspruchsabklärung irrtümlich nicht beachtet, dass der
Beschwerdeführer
und seine ehemalige Arbeitgeberin die Frage, ob er oder der Ehegatte am Betrieb beteiligt oder in leitender Funktion sei, je wahr
heitsgetreu mit Ja beantwortet hätten.
Fest stehe, dass die Ehegattin des
Beschwerdeführer
s bis heute als Gesellschafterin und Geschäftsführerin bei der
Y._
GmbH im Handelsregister eingetragen sei.
Daher hätte sie, die
Beschwerdegegnerin
, den Antrag des
Beschwerdeführer
s auf Arbeitslosenent
schädigung gestützt auf
Art.
31
Abs.
3 lit. c AVIG verneinen müssen. Es handle sich in diesem Sinne klarerweise um einen Kassenfehler. Erst nachdem sie am 1
5.
Juni 2017 weitere Abklärungen vorgenommen habe und den Eheschein des
Beschwerdeführer
s verlangt habe, habe sie den Fehler bemerkt. Nachdem alle Fakten, mithin auch die genaue Berechnung des Rückforderungsbetrages
,
am 1
6.
August 2017 festgestanden hätten, habe sie unter Berücksichtigung der rela
tiven Verjährungsfrist die innerhalb des Rückforderungsrahmens vom 1
7.
August 2016 bis 1
6.
August 2017 zu Unrecht ausbezahlten Leistungen, nämlich betref
fend die Kontrollperioden August 2016 bis April 2017,
von
Fr.
61'783.55
vom
Beschwerdeführer
zurückgefordert
und die Leistungen per
1.
Mai 2017 einge
stellt
. M
it seinen Ausführungen zum Schutz des guten Glaubens und Vorliegen grosser Härte
habe der
Beschwerdeführer
ein
Erlassgesuch
geltend gemacht, das
nach Rechtskraft des Einspracheentscheides von der zuständigen
kantonalen
Amtsstelle bearbeitet werde
, da die Erlassvoraussetzungen nicht offensichtlich erfüllt seien
(Urk. 2).
2.2
Dagegen wendet der Beschwerdeführer ein
,
es seien die Ausnahmen zur Rück
erstattungspflicht zu berücksichtigen
,
welche hier gegeben seien, da zum einen
die Erlassvoraussetzungen des
guten
Glauben
s
und
der
grosse
n
Härte
offensicht
lich gegeben seien und zum anderen der Vertrauensschutz begründet worden sei. Denn
die
Beschwerdegegnerin
habe die Arbeitslosenentschädigung ausbezahlt, obschon
er und
die Arbeitgeberin
jeweils
die Frage, ob die versicherte Person oder
deren Ehegatte am Betrieb beteiligt oder in leitender Fun
ktion sei, wahrheitsge
treu mit J
a beantwortet hätten.
Die
Beschwerdegegnerin
habe deutlich erkennen können, dass er der Ehegatte von
Z._
, einem Organ der
Y._
GmbH, sei
. Sie
wäre
spätestens dann
gehalten gewesen, die entsprechenden
Abklärungen zu treffen und nicht erst viele Monate später, nachdem sie bereits
Fr.
61'783.-- Arbeitslosengelder überwiesen habe.
Darauf habe er als juristischer Laie und als mit den schweizerischen Gepflogenheiten nicht vertrauter Ausländer vertrauen dürfen. Er habe sich keiner Nachlässigkeit und schon gar keiner groben
Nachlässigkeit
schuldig gemacht
und sich rechtskonform verhalten
;
er habe
sich
lediglich
als arbeitslos gemeldet. Da es an einem nachlässigen Verhalten fehle, sei vom guten Glauben
seinerseits
a
uszugeh
en
, welcher von der
Beschwerdegeg
nerin
nicht widerlegt worden sei. Die Voraussetzung der grossen Härte sei eben
falls erfüllt, da er am Rande des betreibungsrechtlichen Existenzminimums lebe. Denn er sei lange arbeitslos gewesen und erst seit Oktober 2017 wieder angestellt. Er habe ausserdem beträchtliche Schulden, die er gemäss Schuldenvereinbarung mit der AHV-und der Steuerbehörde mit monatlichen Raten von Fr. 5'000.-- tilgen müsse
(Urk. 1 S.
5 ff.
).
2.3
Strittig
ist, ob
der
Beschwerdeführer
die an ihn in der Rahmenfrist vom 2
0.
Januar 2016 bis 1
9.
Januar 2018
für die Kontrollperioden August 2016 bis April 2017
ausbezahlte Arbeitslosenentschädigung im Gesamtbetrag von Fr. 61'783.55 an die
Beschwerdegegnerin
zurückerstatten muss.
3.
3.1
Unstrittig ist, dass der
Beschwerdeführer
bis Ende
September
201
5
als
Geschäfts
führer
bei der
Y._
GmbH angestellt
war (Urk.
8/5-7
)
und dass seine Ehe
frau
Z._
in der Zeit seiner Anstellung und während seines
Leistungsbezuges
(
bis
Anfang Mai 2017, Urk. 2 S. 1, Urk.
8/28
)
als Geschäftsfüh
rer
in und Gesellschafterin
der
Y._
GmbH
im Han
delsregister
(bis zur Löschung wegen Sitzverlegung in den Kanton A
p
penzell Ausserrhoden
Mitte Februar 2018)
mi
t der Berechtigung zur Einzelunter
schrift
eingetragen
war
(
U
rk. 1 S. 5, Urk. 2 S. 2
, Urk. 18 S.
1
; vgl. den
Züricher
Handelsregisterauszug, abrufbar unter
«gelöschte Firmen» in
https://zh.chregister.ch/cr-
p
ortal/suche/suche.xhtml
).
Bei dieser Ausgangslage hat die
Beschwerdegegnerin
zutreffend
und insofern unstrittig erkannt
, dass der Ehefrau des
Beschwerdeführer
s
in der hier massge
blichen Zeit eine arbeitgeberähnliche Stellung in dieser Gesellschaft
zugekommen ist
(Art. 810 ff. OR) und dass der Beschwerdeführer daher als mitarbeitender Ehe
gatte einer Person im Sinne von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG zu gelten hat.
Auch
hat die
Beschwerdegegnerin
diese
Bestimmung zum Ausschluss arbeitgeberähn
licher Personen und deren im Betrieb mitarbeitender Ehegatten vom Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung (
Art.
31
Abs.
3 lit.
c AVIG) sowie die
bundesge
richtliche
Rechtsprechung zur analogen Anwendung dieser Bestimmung auf arbeitgeberähnliche Personen, die Arbeitslosenentschädigung beanspruchen (BGE 123 V 234 E. 7
, 142 V
263 E. 4.1), korrekt angewandt und zutreffend
darauf geschlossen
, dass der
Beschwerdeführer
in der Rahmenfrist vom 20. Januar 2016 bis 19. Januar 2018
keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat
(Urk. 2, Urk. 8/18)
.
Dabei
ist es i
n der vorliegenden Konstellation für den (
als
absolut zu verstehenden) Ausschluss
vom Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
uner
heblich, ob tatsächlich eine rechtsmissbräuchliche Umgehung vorlag. D
enn der Ausschluss besteht
allein aufgrund der arbeitgeberähnlichen Stell
ung seiner Ehe
frau in der GmbH, welche auch nach der Kündigung des Beschwerdeführers per
Ende September 2015
(Urk. 8/7)
durch ihre Position in der
Y._
GmbH als Gesellschafterin und Geschäftsführerin
unstrittig
weiterbestand
.
3.
2
Da somit
aufgrund von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG in der eröffneten Rahmenfrist
kein
Anspruch
des
Beschwerdeführer
s
auf Arbeitslosenentschädigung
bestand, erfolgten die an
ihn
erbrachten Taggeldleistungen
(
Urk.
8/28)
unrechtmässig und sind grundsätzlich
zurückzuerstatten (Art. 25 Abs.
1
Satz 1
ATSG).
Die
Beschwerdegegnerin
forderte unter Berücksichtigung der einjährigen
relati
ven Verwirkungsfrist
nach
Art.
25
Abs.
2
ATSG
(vgl. dazu AVIG-Praxis, RVEI [Rückforderung, Verrechnung, Erlass und Inkasso], Januar 2014,
Rz
A
12 ff.) die in den letzten zwölf Monaten vor der Verfügung vom 1
6.
August 2017 (Ur
k.
8/18) ausbezahlten Taggeldleistungen und damit die Leistungen für die
Kontrollperio
den August 2016 bis April 2017 im Gesamtbetrag von Fr. 61'783.55
zurück
(
Urk.
8/19)
.
Der Umfang dieses Betrages
und die korrekte Berücksichtigung der Verwirkungsfrist
wurde
n
zu Recht
nicht beanstandet.
3.3
3.3.1
Der
Beschwerdeführer
beruft sich dagegen auf den
Vertrauensschutz
, welcher gegeben sei, weil die Arbeitslosenentschädigung trotz seiner korrekten Angaben über die Beteiligung der Ehegattin im Betrieb ausbezahlt worden seien, worauf er habe vertrauen dürfen
(
Urk.
1 S. 6 f.).
Der Vertrauensschutz ist aus dem
Grundsatz von Treu und Glauben (
Art.
9 der Bundesverfassung, BV)
abgeleitet und stützt
den Bürger in seinem berechtigten Vertrauen auf behördli
ches Verhalten, so dass
falsche (respektive ungenügende oder fehlende) Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraus
setzungen eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung des Recht
suchenden gebieten (
BGE 131 V 472 E. 5
). Es ist somit zu prüfen
, ob der Grund
satz von Treu und Glauben (Vertrauensschutz) zu einer vom objektiven Recht abwei
chenden Behandlung Anlass gibt und mithin in Abweichung von Art. 25
Abs.
1 ATSG von einer Rückerstattung abzusehen ist.
Als
verfassungsmässiger
Grundsatz gilt der Vertrauensschutz im gesamten Bereich des Bundessozialversicherungsrechts und ist auch dort zu beachten,
wo das Gesetz - wie in
Art.
25
Abs.
1
ATSG in Verbindung mit
Art.
95
Abs.
1 AVIG
- Bestimmungen über die Rückerstattung zu Unrecht erbrachter Leistungen ent
hält. Ob sich der
Beschwerdeführer
auf den Vertrauensschutz berufen kann, ist
daher
grundsätzlich unabhängig von der Rückerstattungs
- und Erlass
regelung
in
Art. 25
Abs.
1 ATSG zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts C 25/02
vom 2
9.
August 2002
E. 2
b
).
3.3.2
Gemäss
bundesgerichtlicher
Rechtsprechung und Doktrin
kann
eine unrichtige Auskunft, welche eine Behörde dem Bürger erteilt,
nach
dem in
Art.
9 BV veran
kerten Grundsatz von Treu und Glauben
unter gewissen Umständen Rechtswir
kungen entfalten. Voraussetzung dafür ist, dass: a) es sich um eine vorbehaltlose Auskunft der Behörden handelt; b) die Auskunft sich auf eine konkrete, den Bürger berührende Angelegenheit bezieht; c) die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, dafür zuständig war oder der Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; d) der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres hat erkennen können;
e) der Bürger im Vertrauen hierauf nicht ohne Nachteil rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat
; f) die Rechts
lage zur Zeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie im Zeitpunkt der Auskunftserteilung; g) das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige am Vertrauensschutz nicht überwiegt (BGE 137 II 182 E. 3.6.2 mit Hinweisen; ARV 2015 S. 334, 8C_306/2015 E. 3.2). Vertrauensschutz setzt nicht zwingend eine unrichtige Auskunft oder Verfügung voraus; er lässt sich auch aus einer
blossen
behördlichen Zusicherung und sonstigem, bestimmte Erwartungen begründendem Verhalten der Behörden herleiten (BGE 111
Ib
116 E. 4; Urteil
des Bundesgerichts
8C_914/2015 vom
9.
Mai 2016 E. 5.3;
zum Ganzen:
BGE 143 V 95
E.
3.6.2).
Der
Vertrauensschutz
gilt
umso mehr, wenn die Behörde nicht nur eine Auskunft erteilt, sondern Anordnungen getroffen hat; denn mit dem Erlass einer konkreten Verfügung wird in der Regel eine noch viel eindeutigere Vertrauensbasis geschaffen a
ls mit einer
blossen
Auskunft (Urteil des Bundesgerichts C 25/02
vom 2
9.
August 2002
E. 3a mit Hinweisen
).
3.3.3
Anhand der hiervor genannten Voraussetzungen
a)-
g) ist hier der folgende Sach
verhalt relevant und zu prüfen.
Wie von beiden Parteien ausgeführte wurde, hat der
Beschwerdeführer
im Antrag
auf Arbeitslosenentschädigung
vom 2
2.
Januar 2016
wahrheitsgemäss die Frage Nr. 28, ob er oder seine Ehegattin am Betrieb des letzten Arbeitgebers beteiligt gewesen sei oder ob er oder seine Ehegattin einem obersten betrieblichen Ent
scheidungsgremium wie zum Beispiel als Gesellschafter oder Geschäftsführer in einer GmbH angehöre, mit «ja» beantwortet
(Urk.
8/
4 S. 3)
.
Eine dement
sprechende Frage
Nr. 4
wurde auch in der Arbeitgeberbescheinigung mit «ja» beantwortet (
Urk.
8/
5 S. 1).
Die
Beschwerdegegnerin
hat vor der Ausrichtung der Leistungen dazu dennoch keine weiteren Abklärungen vorgenommen
und den massgeblichen Sachverhalt
sowie die unrechtmässige Ausrichtung der Leistungen
nach eigener Angabe erst im weiteren Verlauf
erkannt, woraufhin sie die Leistungen
ab
Mai 2017 einstellte (
Urk. 2 S.
2, Urk. 8/17,
Urk.
8/18 S. 1
f.
)
.
Wie sie
in der Verfügung vom 2
6.
März 2018
zutreffend aus
ge
führt
hat
, hätte sie den Fehler aufgrund
der Angabe des
Beschwerdeführer
s und
der (positiven) Publizi
tätswirkung des Handelsregisters (
Art.
933
Abs.
1 OR;
BGE 122 V 270;
AVIG-Praxis, RVEI
Rz
A13
)
bereits zu Beginn
erkennen können und müssen (
Urk.
8/18 S. 2).
D
a
ss der
Beschwerdeführer
den Sachverhalt
somit
wahrheitsgetreu
angegeben
hat und die Verwaltung ihm in Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse Leistungen erbracht hat
,
ist
unter dem
Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes
relevant
.
Anhaltspunkte dafür, dass er bewusst unzutreffende oder mangelhafte Angaben machte, um Leistungen zu erwirken, liegen nicht vor.
Es kann sodann nicht gesagt werden, dass
der
Beschwerdeführer
die Unrichtigkeit der Leistungszu
sprechung ohne Weiteres hätte erkennen können, hat doch selbst die fachkundige Verwaltung den Fehler zunächst nicht erkannt
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts
C 25/02 vom 2
9.
August 2002 E. 3b
)
.
Jedoch
ist
es
fraglich
,
ob
der
Beschwerdeführer
im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können.
Diese Frage ist zu verneinen. Denn es bestehen keine Hinweise auf solche Dispositionen des
Beschwerdeführer
s und
solche wurden
auch nicht behauptet.
3.
3.
4
Nach dem Gesagten gibt
der Grundsatz von Treu und Glauben (Vertrauensschutz)
keinen Anlass
zu einer vom objektiven Recht abwei
chenden Behandlung. Von einer Rückerstattung in Abweichung von Art. 25
Abs.
1 ATSG kann somit
entge
gen der Ansicht des
Beschwerdeführer
s
nicht in Berufung auf den Vertrauens
schutz abgesehen werden.
3
.4
Die weiteren
Einwände
des
Beschwerdeführer
s
zum guten Glauben und einer grossen Härte (Urk.1 S. 6 ff.) betreffen die Frage eines
allfälligen
Erlass
es
im Sinne von
Art.
25
Abs.
1 Satz 2 ATSG.
Die
Beschwerdegegnerin
hat
darauf geschlossen, dass die Voraussetzungen für den Erlass nicht offensichtlich gegeben seien und hat daher nicht in einem Schritt im Sinne von
Art.
3
Abs.
3 ATSV
auf die Rückerstattung verzichtet
(Urk. 2 S.
3
). Dies
es Vorgehen ist nicht zu beanstanden, zumal die Erlassfrage von der zustän
digen kantonalen Amtsstelle (
Art.
95
Abs.
3 AVIG) und
in der Regel
erst dann
zu klären ist, wenn feststeht, dass die verfügte Rückerstattungsforderung
rechtsbe
ständig ist (vgl. E. 1.3.2 hiervor).
Auch hatte die zuständige kantonale Amtsstelle noch keine Gelegenheit, sich zu den Erlassvoraussetzungen zu äussern.
Die
Beschwerdegegnerin
wird das Gesuch um Erlass nach Rechtsbeständigkeit der verfügten Rückerstattungspflicht von Fr. 61'783.55 dieser
-
wie im angefochte
nen Einspracheentscheid angekündigt
(Urk. 2 S. 3
)
-
zum Entscheid unterbreiten
.
4.
Der angefoc
htene Einspracheentscheid vom 13
.
Februar
2018 (Urk. 2) ist nach dem Gesagten rechtens. Die
Beschwerde ist
folglich abzuweisen.
Sämtliche weitere Vorbringen des
Beschwerdeführer
s führen zu keinem anderen Ergebnis.