Decision ID: d581bdc5-3c43-5181-9a0b-7a6e1e932da7
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Architekturbüro A. AG, J., ist Eigentümerin der unüberbauten Parzelle Nr. 3063
an der Hummelwaldstrasse in J.. Gemäss Zonenplan der Pol. Gde J. vom 24. März/5.
Dezember 1997 bzw. 19. Juni 1998 befindet sich das Grundstück in der Wohnzone 2
Vollgeschosse (W2b). Nördlich davon liegt die Parzelle Nr. 1725, die im Miteigentum
von R. und C. R. steht.
Mit Bauanzeige vom 7. August 2003 wurden die Nachbarn darüber informiert, dass
geplant sei, auf der Parzelle Nr. 3063 ein Dreifamilienhaus mit zwei Vollgeschossen und
einem Attikageschoss zu erstellen. R. und C. R. erhoben gegen das Bauvorhaben
Einsprache. Sie rügten, das Gebäude weise drei Vollgeschosse auf. Am 27. Oktober
2003 wies der Gemeinderat J. die Einsprache im Sinn der Erwägungen ab und erteilte
in der Folge die Baubewilligung.
B./ Am 13. November 2003 erhoben R. und C. R. Rekurs beim Baudepartement. Sie
stellten das Rechtsbegehren, der Einspracheentscheid des Gemeinderats J. vom 27.
Oktober 2003 und die Baubewilligung vom 7. November 2003 seien aufzuheben.
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Weiter sei die Einsprache gutzuheissen und die Baubewilligung sei nicht zu erteilen.
Am 5. Juli 2004 hat das Baudepartement den Rekurs gutgeheissen. Sowohl der
Einspracheentscheid vom 27. Oktober 2003 als auch die Baubewilligung vom 7.
November 2003 wurden aufgehoben. Die Rekursinstanz gelangte zum Ergebnis, das
zur Diskussion stehende Projekt weise eine reglementswidrige Dachraumgestaltung
und Dachform auf, nachdem sie einen Augenschein durchgeführt und eine
Stellungnahme des Amtes für Raumentwicklung (abgekürzt ARE) eingeholt hatte.
C./ Am 20. Juli 2004 reichte die Politische Gemeinde J. gegen den Entscheid des
Baudepartements vom 5. Juli 2004 Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Innert
erstreckter Frist stellte sie am 30. August 2004 die Rechtsbegehren, der angefochtene
Entscheid sei aufzuheben (Ziff. 1) und der Einspracheentscheid vom 27. Oktober 2003
sowie die Baubewilligung vom 7. November 2003 seien zu bestätigen (Ziff. 2), unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung machte sie geltend, der
angefochtene Entscheid beruhe auf einer unrichtigen Rechtsanwendung.
Am 16. September 2004 beantragte die Vorinstanz, die Beschwerde sei abzuweisen
und am 3. Dezember 2004 hielten R. und C. R. dafür, der Beschwerde sei keine Folge
zu geben. Die Architekturbüro A. AG hat auf eine Stellungnahme verzichtet.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
a) Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid sachlich zuständig (Art. 59bis Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Ferner
entsprechen die Beschwerdeeingabe vom 20. Juli 2004 und ihre Ergänzung vom 30.
August 2004 zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
b) Nach Art. 64 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP steht der zuständigen
Behörde einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft oder einer selbständigen öffentlich-
rechtlichen Anstalt das Beschwerderecht zur Wahrung öffentlicher Interessen zu.
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Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist die Politische Gemeinde in
Anwendung von Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP zur Beschwerde
legitimiert, wenn sie durch Setzung eigener Verwaltungsakte lokale öffentliche
Interessen zu wahren hat (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 450 ff.; F. Rüdisüli, Die Legitimation der öffentlich-
rechtlichen Körperschaften im Beschwerdeverfahren, in: 20 Jahre Verwaltungsgericht
des Kantons St. Gallen, Nr. 12 der Schriftenreihe "Der Kanton St. Gallen heute und
morgen", St. Gallen 1986, S. 42 mit Hinweis auf VerwGE vom 3. März 1983 i.S. Pol.
Gde. St. Gallen). Die Pol. Gde J. macht geltend, der angefochtene Entscheid beruhe
auf einer unrichtigen Anwendung von kommunalen Bauvorschriften, weshalb diese
Voraussetzung vorliegend erfüllt ist (vgl. VerwGE vom 2. Dezember 2004 i.S. Pol. Gde.
St. Gallen).
c) Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Die Südseite des projektierten Mehrfamilienhauses soll terrassenartig ausgestaltet
werden. Auf der Nordseite ist im dritten Geschoss ein steiles Schrägdach geplant, das
gekappt in ein Flachdach übergeht. In der Mitte wird das Schrägdach durch eine
Dachaufbaute durchbrochen, deren Dach waagrecht in das Flachdach des Gebäudes
mündet. Im Rahmen des Rekursverfahrens reichte die Beschwerdebeteiligte sodann
ein überarbeitetes Projekt ein. Danach ist nicht nur im Norden, sondern auch im Süden
- anstelle des Attikarücksprungs - ein steiles Schrägdach geplant, das in das
Flachdach übergeht. Strittig ist, ob die Gestaltung des dritten Geschosses
bewilligungsfähig ist.
a) In der Zone W2b, in der sich die Parzelle Nr. 3063 befindet, sind zwei Vollgeschosse
zulässig. Die Umschreibung der Geschosse ist den entsprechenden Baureglementen
zu entnehmen. Das Baugesetz (sGS 731.1, abgekürzt BauG) enthält keine Definition
(vgl. dazu B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 690). Nach
Art. 12 Abs. 1 des Baureglements der Gemeinde J. vom 24. März 1997/11. Juni 1999,
(abgekürzt BauR), zählt als Vollgeschoss jedes Stockwerk, das weder als
Untergeschoss noch als Dachgeschoss gilt. Als Dachgeschosse gelten nach Art. 12
Abs. 3 BauR Geschosse, die im Dachraum liegen und einen Kniestock (Oberkant
Fussboden bis Schnittpunkt Innenwand mit Dachuntersicht) von höchstens 1.00 m
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aufweisen oder als Attikageschoss auf der Längsseite unter einem Winkel von 45° alter
Teilung vom Schnittpunkt der Fassade mit der Dachhaut über dem obersten
Vollgeschoss zurückliegen.
b) Unbestritten ist, dass das dritte Geschoss des Projekts auf der Annahme beruht,
nach Art. 12 Abs. 3 BauR gelte ein Geschoss auch dann als Dachgeschoss, wenn es
sowohl aufgrund der Attika- als auch der Kniestockvariante geplant werde. Die
Beschwerdeführerin rügt, der angefochtene Entscheid verletze Recht, weil der Rekurs
der Beschwerdegegner vorab mit der Begründung gutgeheissen worden sei, nach Art.
12 Abs. 3 BauR gelte ein Dachraum nur dann als Dachgeschoss, wenn er als Ganzes
entweder als Attikageschoss ausgeführt werde, oder aber unter einem Giebeldach
liege und einen Kniestock von höchstens 1.00 m aufweise. Sie hält dafür, diese
Vorschrift stehe der Kombination beider Möglichkeiten nicht entgegen und erlaube es,
auf die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten abgestimmte Dachgestaltungen zu
verwirklichen.
aa) Die Subsumtion eines Sachverhalts unter eine Norm setzt deren Verständnis
voraus. Dieses ergibt sich durch die Auslegung. Mit der herrschenden Lehre und
Rechtsprechung berücksichtigt das Verwaltungsgericht für die Erforschung des Inhalts
und der Tragweite einer Rechtsnorm verschiedene Elemente. Dabei wird dem
grammatikalischen Element als Ausgangspunkt der Auslegung ein besonderes Gewicht
beigemessen. Dem Wortlaut als Auslegungsregel gebührt der Vorrang, wenn er zu
einem vernünftigen, mit Sinn und Zweck der Rechtsordnung zu vereinbarenden
Ergebnis führt (vgl. GVP 1996 Nr. 2). Davon wird nur abgewichen, wenn triftige Gründe
dafür sprechen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt.
Solche Gründe können sich aus dem Sinn und Zweck der Vorschrift, dem
Zusammenhang mit anderen Bestimmungen oder aus der Entstehungsgeschichte
ergeben (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 716 mit Hinweisen).
bb) Art. 12 Abs. 3 BauR definiert das Dachgeschoss unter dem Randtitel "Geschosse"
als ein Geschoss im Dachraum, das einen Kniestock von höchstens 1.00 m aufweist
oder auf bestimmte Weise als Attikageschoss ausgestaltet ist. Nach dem klaren
Wortlaut der Vorschrift bestehen somit zwei Möglichkeiten, ein Geschoss als
Dachgeschoss auszubauen. Das Dachgeschoss ist entweder ein solches mit einem
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Kniestock oder ein solches mit einer längsseitigen Attikagestaltung. Entgegen der
Annahme der Beschwerdeführerin ist es demnach nicht zulässig, im Einzelfall von
beiden Möglichkeiten gleichzeitig Gebrauch zu machen. Entsprechend der Annahme
der Vorinstanz müsste aus dem Wortlaut von Art. 12 Abs. 3 BauR ausdrücklich
hervorgehen, dass eine solche Kombination zulässig ist.
Des weiteren besteht kein Grund zur Annahme, der Wortlaut von Art. 12 Abs. 3 BauR
könnte den wahren Sinn der Vorschrift nicht wiedergeben. So führt die systematische
Auslegung ebenfalls zum Ergebnis, dass der Dachraum als Ganzes entweder als
Dachgeschoss mit Kniestock oder als Attikageschoss ausgestaltet werden muss.
Während Art. 12 Abs. 3 BauR im Kapitel "Ueberbauungsvorschriften" die
Ausgestaltung des Dachraums regelt, befasst sich Art. 20 Abs. 1 BauR im Kapitel
"Bau- und Gestaltungsvorschriften" mit der Dachgestaltung. Danach sind
Dachaufbauten, Dacheinschnitte und Dachflächenfenster architektonisch gut zu
gestalten. Sodann dürfen sie höchstens die Hälfte der Länge der jeweiligen
Gebäudeseite beanspruchen und bis in die Fassadenflucht reichen. Die Kombination
der in Art. 12 Abs. 3 BauR vorgesehenen Möglichkeiten führt im vorliegenden Fall dazu,
dass bei der Kniestockvariante ein unzulässiger Dacheinschnitt vorliegt, indem das
Giebeldach auf der ganzen Längsseite abgeschnitten bzw. weggelassen wird. Bei der
Attikavariante wird demgegenüber die Bestimmung verletzt, wonach auf der
(jeweiligen) Längsseite der Raum unter einem Winkel von 45° freigehalten werden
muss. Auch das im Rahmen des Rekursverfahrens eingereichte überarbeitete Projekt
hat zur Folge, dass die zulässige maximale Geschosszahl überschritten wird. Nach den
Vorgaben für ein Attikageschoss verletzt das angedeutete Schrägdach den
freizuhaltenden Neigungswinkel von 45° auf den Längsseiten. Geht man
demgegenüber von einem zu einem Flachdach abgeschnittenen Giebeldach aus, so
stellt der weggelassene Giebel auch hier einen unzulässigen Dacheinschnitt über die
ganze Längsseite dar. Des weiteren spricht auch die teleologische Auslegung nicht
dafür, dass ein Dachgeschoss auch dann vorliegt, wenn die beiden nach Art. 12 Abs. 3
BauR vorgesehenen Varianten kombiniert werden. Vorschriften über Geschosszahl,
Gebäudehöhe und Gebäudelänge gehören zum klassischen Baupolizeirecht und
schützen öffentliche und private nachbarliche Interessen. Die öffentlichen Interessen
liegen vorab im Bereich der Sicherheits-, Gesundheits- und Feuerpolizei, aber auch
darin, die Veränderung des baulichen Charakters der Ortschaften durch zu hohe
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Gebäude zu verhindern bzw. das Erscheinungsbild einer Baute zu beeinflussen (vgl. E.
Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aargau, Aarau 1985, S. 432 mit Hinweisen; vgl.
auch P. Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 4. Aufl., Bern
2002, S. 291). Den Bestimmungen über die Geschosszahl kommt darüber hinaus
ordnungspolizeilicher Charakter insofern zu, als sie eine Regelzahl für den Fall
aufstellen, dass die Zonenvorschriften keine maximale Geschosszahl bestimmen (vgl.
Hänni, a.a.O., S. 291). Im vorliegenden Fall vermittelt das äussere Erscheinungsbild der
Baute zum einen den Eindruck von drei Vollgeschossen, obschon nach der
Zonenordnung nur zwei Vollgeschosse zulässig sind. Zum andern wird Sinn und Zweck
von Art. 12 Abs. 3 BauR auch dadurch keine Rechnung getragen, dass die
Nutzungsbeschränkung im Dachraum, die damit angestrebt wird, im Interesse der
Beschwerdebeteiligten weitgehend vereitelt wird. Unbestritten ist, dass die
Kombination der beiden Möglichkeiten - Kniestock- und Attikavariante - eine weit
grössere Nutzung des Dachgeschosses gestattet, als wenn nur von einer Möglichkeit
Gebrauch gemacht wird. Die Beschwerdegegner weisen zu Recht darauf hin, dass die
attikamässige Rückversetzung des Dachraums auch auf der Nordseite eine
wesentliche Verringerung der nutzbaren Fläche im obersten Geschoss des Gebäudes
zur Folge hätte. Für den Fall, dass ausschliesslich die Kniestockvariante gewählt
würde, müsste sodann ein erheblich geringerer Dachneigungswinkel als die
eingezeichneten 45° gewählt werden, ansonsten die maximale Firsthöhe (vgl. Art. 5
BauR) überschritten würde. Was die Entstehungsgeschichte von Art. 12 Abs. 3 BauR
anbetrifft, hält das ARE in seiner Stellungnahme vom 31. März 2004 schliesslich fest,
anlässlich der Vorgespräche zur Genehmigung des BauR sei in diesem
Zusammenhang einzig die Frage diskutiert worden, ob ein Geschoss auch dann als
Attikageschoss gelten könne, wenn es auf den Schmalseiten bis zur Fassade reiche,
nicht aber, ob die beiden Möglichkeiten im Einzelfall kombiniert werden dürfen. Das
ARE äussert sich dahingehend, eine solche Regelung hätte mit dem Wortlaut von Art.
12 Abs. 3 BauR zum Ausdruck gebracht werden müssen, unabhängig davon, ob sie
hätte genehmigt werden können.
c) Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor, mit ihrer restriktiven Auslegung
werde Art. 12 Abs. 3 BauR zur positiven Gestaltungsvorschrift. Derart einschränkende
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Vorgaben für das ganze Gemeindegebiet seien mit Art. 93 Abs. 4 BauG indessen nicht
vereinbar.
aa) Nach Art. 93 Abs. 1 BauG sind Bauten und Anlagen, Ablagerungen und andere
Eingriffe in das Gelände, die das Orts- und Landschaftsbild verunstalten, untersagt.
Nach Abs. 2 dieser Vorschrift ist dem Charakter der Gegend und der Art der Zone bei
der Beurteilung Rechnung zu tragen. Die Gemeinde kann gestützt auf Art. 93 Abs. 4
BauG sodann für bestimmte Teile ihres Gebiets strengere Vorschriften erlassen. Der
Anwendungsbereich dieser Vorschriften ist räumlich auf Gebiete zu beschränken, die
besonders wertvoll sind (vgl. Heer, a.a.O., Rz. 1038). Nach der Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichts ist es den Gemeinden auf Grund von Art. 93 Abs. 4 BauG
untersagt, allgemeine Aesthetik-Vorschriften zu erlassen, die über den
kantonalrechtlichen Rahmen hinausgehen (vgl. Heer, a.a.O., Rz. 1038 mit Hinweis auf
VerwGE vom 14. November 2002 i.S. J.L. und M.W. mit Hinweisen).
Die ästhetischen Generalklauseln sind im Verhältnis zu den Vorschriften des Bau- und
Planungsrechts gleichrangig oder gehen ihnen in gewissem Sinn vor, denn sie können
auch angerufen werden, wenn die übrigen relevanten Bauvorschriften (wie z.B.
Geschosszahl, Abstände) eingehalten worden sind. Wenn das Bauvorhaben den
speziellen Vorschriften zur Gestaltung der Bauten und der Zonenordung entspricht,
kann es nur verhindert werden, wenn es ästhetische Interessen verletzt, die von
ästhetischen Generalklauseln geschützt werden. Wenn zum Beispiel die Dachneigung
und das Volumen einer Baute den einschlägigen Vorschriften entsprechen, greifen die
Generalklauseln nur, wenn im Einzelfall das Ergebnis nicht tragbar ist, d.h. wenn nach
der Interessenabwägung die ästhetischen Interessen überwiegen (vgl. B. Zumstein, Die
Anwendung der ästhetischen Generalklauseln des kantonalen Baurechts, Diss. St.
Gallen 2001, S. 82). Die Anwendung von Aesthetik-Vorschriften darf jedoch nicht dazu
führen, dass generell - etwa für ein ganzes Quartier oder ein Baugeviert - die
Zonenordnung aus den Angeln gehoben wird. Wenn die Zonenvorschriften ein
gewisses Bauvolumen zulassen, kann eine Bauverweigerung gestützt auf die
Aesthetik-Generalklausel nur erfolgen, wenn über-wiegende öffentliche Interessen es
verlangen (vgl. Hänni, a.a.O., S. 303 mit Hinweisen).
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bb) Zutreffend ist, dass die Wahrung ästhetischer Gesichtspunkte beim Bauen ein
elementares ordnungspolizeiliches Erfordernis darstellt. Es wird nicht positiv das
schöne Bauwerk schlechthin verlangt, sondern lediglich, dass negativ das vorhandene
Schöne - und sei es auch nur ein herkömmlicher Strassenzug - nicht durch neue
Bauten und Anlagen gestört werde (vgl. Hänni, a.a.O., S.305 mit Hinweisen). Art. 12
Abs. 3 BauR ist Teil der kommunalen Ueberbauungsvorschriften und Art. 20 Abs. 1
BauR gehört zu den Bau- und Gestaltungsvorschriften. Die damit festgelegten
Vorgaben - auch diejenige, wonach der Dachstock als Ganzes entweder als
Attikageschoss oder mit Kniestock auszubauen ist - dienen insbesondere dazu, die
Zonenordnung durchzusetzen bzw. im konkreten Fall zu verhindern, dass die Baute
drei Vollgeschosse aufweist. Dementsprechend bleiben diese Vorschriften nicht ohne
Einfluss auf das äussere Erscheinungsbild von Bauten. Dies bedeutet indessen nicht,
dass Art. 12 Abs. 3 BauR darauf ausgerichtet ist, Verunstaltungen zu verhindern und
das erst noch in einem Ausmass, das über den kantonalrechtlichen Rahmen
hinausgeht.
d) Die Beschwerdeführerin beruft sich schliesslich darauf, es sei sinnvoll und
entspreche bewährter Praxis, unterschiedliche Dachgestaltungen einerseits zum Hang
und anderseits zur Aussichtsseite hin zu bewilligen.
Aufgrund der vorstehenden Ausführungen steht fest, dass dem geplanten Bauvorhaben
kommunale Bauvorschriften entgegenstehen und dass die Vorinstanz deshalb zu Recht
zum Ergebnis gelangt ist, es sei nicht bewilligungsfähig. An dieser Beurteilung vermag
nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführerin ihre eigenen Regelbauvorschriften
offenbar verschiedentlich in rechtswidriger Weise angewendet und Baubewilligungen
unter Missachtung von Art. 12 Abs. 3 BauR erteilt hat, um aus ihrer Sicht im Einzelfall
optimale Lösungen zu ermöglichen. Sollte die Beschwerdeführerin indessen auch in
Zukunft nicht davon absehen, unter Missachtung ihres eigenen Rechts
Baubewilligungen zu erteilen, ist es Aufgabe der Aufsichtsbehörde, dies zu
unterbinden.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass sich der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die
Vorinstanz habe Recht verletzt, als unbegründet erweist. Art. 12 Abs. 3 BauR lässt es
nicht zu, je nach den örtlichen Gegebenheiten aus Sicht der Beschwerdeführerin
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zweckmässige Dachgestaltungen zu verwirklichen, indem die Kniestock- und die
Attikavariante im Einzelfall kombiniert werden.
3./ a) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- erscheint
angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Auf die Erhebung der
Kosten ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Die unterliegende Beschwerdeführerin
kann keine Umtriebsentschädigung beanspruchen (Art. 98bis VRP; vgl. auch R. Hirt,
Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St.
Gallen 2004, S. 176).
b) Die Beschwerdegegner haben für das Beschwerdeverfahren Anspruch auf eine
ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis VRP). Ihr Rechtsvertreter
hat keine Kostennote eingereicht. Folglich ist die Entschädigung ermessensweise
festzusetzen. Das Gericht erachtet eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- (inkl.
Barauslagen, zuzüglich MWSt) für das Beschwerdeverfahren für angemessen (Art. 22
Abs. 1 lit. c der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75).
c) Die Beschwerdebeteiligte hat am Verfahren nicht teilgenommen und hat deshalb
zum vornherein keinen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung.