Decision ID: 6781308c-905f-5c74-b9d2-41e0369b37a7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) und
seine Ehefrau B._ wohnen in Kroatien, sind in der Schweiz bei der
Versicherung C._ krankenversichert und beziehen beide eine
Rente der schweizerischen Invalidenversicherung (IV).
A.b Am 9. Februar 2021 stellten der Versicherte und seine Ehefrau auf
dem amtlichen Formular bei der Gemeinsamen Einrichtung KVG (nachfol-
gend: Vorinstanz) ein Gesuch um Prämienverbilligung für das Jahr 2021.
Dem Gesuch legten sie verschiedene Unterlagen zur Einkommens- und
Vermögenssituation bei (act. 1).
A.c Mit Verfügung vom 19. Februar 2021 sprach die Vorinstanz dem Ver-
sicherten und seiner Ehefrau für das Jahr 2021 eine Prämienverbilligung
von Fr. 1'521.60 zu. Die Prämienverbilligung entspreche dem Betrag, um
den die Durchschnittsprämie den Betrag von 6 Prozent des massgebenden
Einkommens übersteige (act. 2).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhoben der Versicherte und seine Ehefrau mit
Eingabe vom 24. März 2021 (Postaufgabe: 25. März 2021) Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten eine neue Berechnung
der Prämienverbilligung 2021. Sie beanstanden im Wesentlichen das an-
gerechnete Vermögen und Einkommen sowie die fehlende Berücksichti-
gung von Steuern und Zusatzversicherungen (BVGer-act. 1).
B.b Mit ausführlicher Vernehmlassung vom 12. Mai 2021 beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der ange-
fochtenen Verfügung (BVGer-act. 3).
B.c Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau nahmen mit Replik vom 4.
Juli 2021 zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung und hielten an ihrem
beschwerdeweise gestellten Antrag sinngemäss fest (BVGer-act. 5).
B.d Die Vorinstanz verwies mit Duplik vom 14. September 2021 auf die
detaillierten Ausführungen in der Vernehmlassung und hielt am Antrag auf
Abweisung der Beschwerde fest (BVGer-act. 7).
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B.e Der Instruktionsrichter schloss den Schriftenwechsel mit Verfügung
vom 22. September 2021 ab (BVGer-act. 8). Auf den weiteren Inhalt der
Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit für die Entscheidfindung er-
forderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 90a Abs. 1 KVG [SR 832.10] i.V.m. Art. 18
Abs. 2quinquies KVG und Art. 31 ff. VGG). Der Beschwerdeführer und seine
Ehefrau haben am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, sind als Ad-
ressaten durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
an deren Aufhebung bzw. Abänderung ein schutzwürdiges Interesse, wes-
halb sie beschwerdelegitimiert sind (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 i.V.m Art. 22a Abs. 1
lit. a und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist folglich einzutreten.
2.
2.1 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen materiell-rechtlichen
Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen füh-
renden Sachverhalts Geltung haben (BGE 134 V 315 E. 1.2). Zur Prüfung
des umstrittenen Anspruchs auf Prämienverbilligung im Jahr 2021 sind vor-
liegend das KVG in der Fassung vom 1. Januar 2021 und die Verordnung
über die Prämienverbilligung in der Krankenversicherung für Rentner und
Rentnerinnen, die in einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaft,
in Island oder Norwegen wohnen (SR 832.112.5, VPVKEG), in der Fas-
sung vom 1. Januar 2020 massgebend.
2.2 Gemäss Art. 66a Abs. 1 KVG gewährt der Bund den Versicherten in
bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen, die in einem Mitgliedstaat der
Europäischen Gemeinschaft, in Island oder in Norwegen wohnen und eine
schweizerische Rente beziehen, Prämienverbilligungen, wobei die Verbilli-
gung auch ihren in der Schweiz versicherten Familienangehörigen gewährt
wird.
2.3 Die Prämienverbilligung nach Art. 66a KVG wird von der Vorinstanz
durchgeführt (vgl. Art. 18 Abs. 2quinquies KVG) und richtet sich nach der vom
Bundesrat gestützt auf Art. 66a Abs. 3 KVG erlassenen VPVKEG.
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2.4 Nach Art. 3 Abs. 1 VPVKEG haben Anspruch auf Prämienverbilligun-
gen versicherte Rentner und Rentnerinnen sowie ihre versicherten Fami-
lienangehörigen, wenn die Durchschnittsprämien nach Artikel 7 sechs
Prozent des massgebenden Einkommens nach Artikel 6 übersteigen. Als
Prämienverbilligungen wird der Betrag ausgerichtet, um den die Durch-
schnittsprämien den Betrag von sechs Prozent des massgebenden Ein-
kommens übersteigen, höchstens aber der Betrag der tatsächlich für den
Rentner oder die Rentnerin geltenden Prämie (Art 3 Abs. 2 VPVKEG).
2.5 Kein Anspruch auf Prämienverbilligungen besteht, wenn das Reinver-
mögen des Rentners oder der Rentnerin den Wert von 100'000 Franken
beziehungsweise 150'000 Franken für Haushalte mit Kindern übersteigt.
Dabei sind vom anrechenbaren Vermögen die Kapitalabfindungen der
Pensionskassen und anderer Vorsorgeeinrichtungen in Abzug zu bringen
und gemäss Artikel 4 Absatz 2 zum Einkommen zu zählen. Bei Familien
werden sämtliche Reinvermögen derjenigen Familienangehörigen berück-
sichtigt, die unter den Geltungsbereich dieser Verordnung fallen (Art. 3
Abs. 3 VPVKEG).
2.6 Massgebend für das Reinvermögen, die familiären Verhältnisse und
das Wohnland sind die Verhältnisse am 1. Januar des Jahres, für welches
Prämienverbilligungen beansprucht werden. Wird der Antrag im Verlaufe
eines Jahres gestellt, sind das Reinvermögen, die familiären Verhältnisse
und das Wohnland bei Beginn des Anspruchs auf Prämienverbilligungen
massgebend (Art. 3 Abs. 4 VPVKEG). Massgebend für das anrechenbare
Einkommen nach Artikel 4 sind die Einkünfte, die voraussichtlich im Jahr
erzielt werden, für das Prämienverbilligungen beansprucht werden (Art. 3
Abs. 5 VPVKEG).
2.7 Als anrechenbares Einkommen gelten gemäss Art. 4 VPVKEG die fol-
genden Einkünfte: a. sämtliche Renteneinkommen; b. Unterhaltsbeiträge;
c. Vermögenserträge zugunsten des Rentners oder der Rentnerin; d. Er-
werbseinkommen (Abs. 1). Bei Familien werden für die Bestimmung des
anrechenbaren Einkommens sämtliche Einkünfte derjenigen Familien-
angehörigen berücksichtigt, die unter den Geltungsbereich dieser Verord-
nung fallen (Abs. 3).
2.8 Für die Festsetzung des massgebenden Einkommens wird das anre-
chenbare Einkommen nach Artikel 4 im Verhältnis des Kaufkraftunterschie-
des zwischen der Schweiz und dem Wohnland des Rentners oder der
Rentnerin auf die Kaufkraft im Wohnland umgerechnet (Art. 6 Abs. 1
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VPVKEG). Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) bestimmt
jährlich den Umrechnungsfaktor pro Mitgliedstaat der Europäischen Ge-
meinschaft sowie für Island und Norwegen gestützt auf die entsprechen-
den Statistiken von internationalen Organisationen (Abs. 2; vgl. auch Urteil
des BVGer C-7417/2015 vom 26. September 2016 E. 8.1).
2.9 Massgebend für die Ermittlung des Anspruchs auf Prämienverbilligun-
gen sind (im Weiteren) die vom EDI jährlich festgelegten Durchschnitts-
prämien für die obligatorische Krankenpflegeversicherung, welche für
Rentner und Rentnerinnen sowie für ihre versicherten Familienangehöri-
gen pro Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaft sowie in Bezug auf
Island und Norwegen gelten (vgl. Art. 7 VPVKEG).
2.10 In Art. 1 der Verordnung über die Preisniveauindizes und die Durch-
schnittsprämien 2021 (SR 832.112.51) setzte das EDI den zur Ermittlung
des massgebenden Einkommens anwendbaren Preisniveauindex für Kro-
atien auf 44 fest. Als Referenzgrösse gilt der Preisniveauindex der Schweiz
von 100. Somit gilt für Kroatien ein Umrechnungsfaktor von 100 / 44 (vgl.
act. 2). In Art. 2 setzte das EDI die zur Berechnung des Anspruchs auf
Prämienverbilligung massgebende Durchschnittsprämien für Erwachsene
in Kroatien auf Fr. 217.– pro Monat fest.
3.
Vorliegend ergibt sich aus den Akten und ist unbestritten, dass der Be-
schwerdeführer und seine Ehefrau die Anspruchsvoraussetzungen für eine
Prämienverbilligung für das Jahr 2021 erfüllen. Streitig und zu prüfen sind
lediglich die Höhe der mit der Verfügung vom 19. Februar 2021 zugespro-
chenen Prämienverbilligung bzw. die von der Vorinstanz zugrunde geleg-
ten Berechnungsgrundlagen.
3.1 Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau machen geltend, ihre Invali-
denrenten würden sich gemäss den beigelegten Mitteilungen und Beschei-
nigungen auf Fr. 627.- und Fr. 1'607.- belaufen (BVGer-act. 1, 5). Wie die
Vorinstanz in der Vernehmlassung zutreffend ausführt, handelte es sich
dabei um die monatlichen Zahlungen im Jahr 2020 (BVGer-act. 3). Per 1.
Januar 2021 erfolgte – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auf-
fassung – eine Rentenanpassung im beanstandeten Umfang. Gemäss den
aktenkundigen Bankbelegen betrugen die Zahlungen der Schweizerischen
Ausgleichskasse ab Januar 2021 Fr. 632.- und Fr. 1'621.- (act. 1). Der Be-
schwerdeführer und seine Ehefrau sind auf die entsprechenden Kontoaus-
züge zu verweisen.
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3.2 Das angerechnete Total der (Renten-)Einkommen erweist sich ebenso
als nachprüfbar korrekt wie die Umrechnung auf die Kaufkraft in Kroatien
anhand des Faktors von 100 / 44. Der Betrag von Fr. 3'686.75 entspricht
sechs Prozent des umgerechneten (Renten-)Einkommens im Jahr 2021
von Fr. 61'445.45. Die Vorinstanz hat den Betrag von Fr. 3'686.75 recht-
mässig von der ebenfalls nachprüfbar korrekten, massgebenden, kroati-
schen Durchschnittsprämie von total Fr. 5'208.- (für zwei Personen im Jahr
2021) abgezogen. Unter dem Strich erweist sich schliesslich auch die aus-
gerichtete Prämienverbilligung von Fr. 1'521.60 als nachprüfbar korrekt
(act. 2).
3.3 Anzumerken bleibt, dass allfällige Zusatzversicherungen nicht zu ver-
billigen waren. Die Vorinstanz hat gemäss Art. 2 der Verordnung über die
Preisniveauindizes und die Durchschnittsprämien 2021 zu Recht auf die
massgebende Durchschnittsprämie für einen Erwachsenen in Kroatien von
Fr. 217.– pro Monat abgestellt. Die Verordnungsbestimmung hat zwingen-
den Charakter. Für die Berücksichtigung zusätzlicher Prämien fehlte der
Vorinstanz die gesetzliche Grundlage (vgl. Urteil des BVGer C-647/2018
vom 30. Oktober 2018 E. 3.1). Daran ändert auch die geltend gemachte
Wichtigkeit der Zusatzversicherungen nichts.
3.4 Im Übrigen ist die angefochtene Verfügung auch mit Blick auf das an-
gerechnete Vermögen nicht zu beanstanden. Das geringfügige Vermögen
minderte die Prämienverbilligung 2021 nicht, was der Beschwerdeführer
und seine Ehefrau zu verkennen scheinen. Zudem flossen weder Vermö-
genserträge noch andere Einkünfte als die Renteneinkommen in die Be-
rechnung ein (act. 2). Nur der Vollständigkeit halber zu erwähnen ist, dass
nicht einzusehen ist, weshalb die per 1. Januar 2021 ausgewiesenen, ge-
ringfügigen Bankguthaben nicht anrechenbares Vermögen bilden sollten.
Dass die Bankguthaben im weiteren Verlauf des Jahres für die Begleichung
von Rechnungen, darunter die Steuerrechnungen, verwendet wurden, ist
unerheblich. Es kann auch in diesem Punkt auf die ausführliche Vernehm-
lassung der Vorinstanz verwiesen werden (BVGer-act. 3).
4.
Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Prämienverbilligungsanspruch
richtig berechnet, weshalb die Beschwerde abzuweisen und die angefoch-
tene Verfügung vom 19. Februar 2021 vollumfänglich zu bestätigen ist. Die
Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist daher im
einzelrichterlichen Verfahren abzuweisen (Art. 18 Abs. 8 KVG i.V.m. Art. 85
Abs. 3 AHVG).
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5.
5.1 Das Verfahren ist für die Parteien kostenlos (vgl. Art. 18 Abs. 8 KVG
i.V.m. Art. 85bis Abs. 2 AHVG), weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben
sind.
5.2 Der unterliegende Beschwerdeführer und seine Ehefrau haben keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7
Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2],
je e contrario). Die Vorinstanz hat ebenfalls keinen Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (vgl. Art. 7 Abs. 3 VGKE). Daher ist keine Parteientschä-
digung zuzusprechen.