Decision ID: a2ad8b68-7de0-489a-8646-093831464f89
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Meilen vom 12. Juni 2015 (EE150002-G)
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Rechtsbegehren:
(vgl. Wiedergabe in: Urk. 61 S. 2 f.)
Verfügung und Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren des Bezirksgerichts Meilen vom 12. Juni 2015:
1. Der prozessuale Antrag des Gesuchsgegners, Ziff. 2, wird als gegenstandslos
erledigt abgeschrieben. Der prozessuale Antrag des Gesuchsgegners, Ziff. 3, wird abgewiesen.
2. Der Antrag der Gesuchstellerin, den Gesuchsgegner zur Bezahlung eines Kostenvorschusses zu verpflichten, wird abgewiesen.
3. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Parteien zum Getrenntleben  sind und bereits seit dem 6. Januar 2015 getrennt leben.
4. Die Kinder C._, geboren am tt.mm.2003, und D._, geboren am tt.mm.2001, werden für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Gesuchstellerin gestellt.
5. Der Gesuchsgegner wird für berechtigt erklärt, die Kinder C._ und D._
5.1 jeweils Montag und Dienstag (Montag Schulende bis Mittwoch );
5.2 jeweils jede zweite Woche Freitag/Samstag/Sonntag (Freitag nach  bis Montag Schulbeginn);
5.3 jeweils in geraden Jahren am ersten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr;
5.4 jeweils in ungeraden Jahren am zweiten Tag der Doppelfeiertage  und Neujahr;
5.5 jeweils in geraden Jahren von Karfreitag bis und mit Ostersamstag;
5.6 jeweils in ungeraden Jahren von Ostersonntag bis und mit Ostermontag;
5.7 jeweils in geraden Jahren von Auffahrt bis und mit dem folgenden Sonntag;
5.8 jeweils in ungeraden Jahren von Pfingstsamstag bis und mit Pfingstmontag;
auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
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6. Ausserdem ist der Gesuchsgegner berechtigt, die beiden Kinder C._ und
D._ während den Schulferien immer die Hälfte der Ferien, in geraden Jahren die erste Hälfte und in ungeraden Jahren die zweite Hälfte der , auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen.
7. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für die Kinder C._ und D._ monatliche Kinderunterhaltsbeiträge von je CHF 1'500.– (inkl. Kinderzulagen) zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus, erstmals per Auszug aus der ehelichen Wohnung, spätestens ab 15. August 2015.
8. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für sich persönlich monatliche Unterhaltsbeiträge von CHF 2'200.–, zahlbar im Voraus je auf den Ersten eines jeden Monats, zu bezahlen, erstmals ab 1. Juni 2015.
9. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für sich persönlich für die Zeit vom 6. Januar 2015 bis 31. Mai 2015 insgesamt CHF 1'000.– zu bezahlen.
10. Die eheliche Liegenschaft am ... [Adresse], samt Hausrat und Mobiliar, wird der Gesuchstellerin für die Dauer des Getrenntlebens zur alleinigen  zugewiesen.
11. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, spätestens per 15. August 2015 die eheliche Liegenschaft am ...[Adresse], unter Mitnahme seiner persönlichen Sachen zu verlassen und der Gesuchstellerin alle vorhandenen  zu übergeben.
12. Zwischen den Parteien wird mit Wirkung ab 6. Januar 2015 die Gütertrennung angeordnet.
13. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf CHF 3'900.–.
14. Die Gerichtskosten werden zu 1/3 der Gesuchstellerin und zu 2/3 dem  auferlegt.
15. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin eine reduzierte  von CHF 1'600.– (8 % MwSt. darin enthalten) zu bezahlen.
16. [Schriftliche Mitteilung]
17. [Berufung]
(Urk. 61 S. 35 f.).
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Berufungsanträge:
des Gesuchsgegners und Berufungsklägers (Urk. 60 S. 2 i.V.m. Urk. 67 S. 2):
1. Die Ziffern 4, 7, 8, 9, 14 und 15 des beiliegenden Eheschutzurteils des Be-
zirksgerichts Meilen vom 12. Juni 2015 seien aufzuheben.
2. Der Berufung sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
3. [...]
4. Die gemeinsamen Kinder D._, geb. tt.mm.2001, und C._, geb.
tt.mm.2003, seien unter die elterliche Obhut beider Parteien zu stellen.
5. Der Berufungskläger sei zu verpflichten, der Berufungsbeklagten ab dem
1. Juli 2015 bis 1. Oktober 2015 monatlich persönliche Unterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 1'457.– zu leisten.
Für die Zeit von der Trennung bis zum 30. Juni 2015 sei festzuhalten, dass
der Berufungskläger seiner Unterhaltspflicht gegenüber der Ehefrau bereits nachgekommen ist.
Es sei festzuhalten, dass sich die Parteien ab 1. Oktober 2015 keine persön-
lichen Unterhaltsbeiträge mehr schulden.
6. Aufgrund der paritätischen Kinderbetreuung sei festzuhalten, dass keine
Kinderunterhaltsbeiträge geschuldet sind, indessen der Berufungskläger Kinderkosten im nachfolgend festgelegten Umfang zu übernehmen hat.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zahlbar an den Rechtsver-
treter, zuzüglich Mehrwertsteuer) für das erst- und zweitinstanzliche  zu Lasten der Berufungsbeklagten.
der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (Urk. 70 S. 2):
"1. Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen.
2. Das Ganze unter Kosten- und Entschädigungsfolgen nebst 8 % MwSt zu
Lasten des Gesuchsgegners und Berufungsklägers."
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Mit Eingabe vom 6. Januar 2015 machte die Gesuchstellerin und Beru-
fungsbeklagte (fortan Gesuchstellerin) vor Vorinstanz ein Eheschutzbegehren
(eingegangen am 8. Januar 2015) rechtshängig (Urk. 1). Am 9. März 2015 fand
die Hauptverhandlung statt (Prot. I S. 1 ff.). Am 7. April 2015 wurden die beiden
gemeinsamen Kinder der Parteien, D._, geboren am tt.mm.2001, und
C._, geboren am tt.mm.2003, angehört (Urk. 46 und 47). Weil eine Einigung
nicht absehbar erschien, fand keine Vergleichsverhandlung statt (vgl. Urk. 61
S. 5). Am 12. Juni 2015 fällte die Vorinstanz den eingangs wiedergegebenen Ent-
scheid (Urk. 61). Der genaue weitere Prozessverlauf lässt sich dem angefochte-
nen Entscheid entnehmen (vgl. Urk. 61 S. 3-5).
2. Gegen diesen Entscheid liess der Gesuchsgegner und Berufungsklä-
ger (fortan Gesuchsgegner) rechtzeitig (vgl. Urk. 59/1) Berufung mit den eingangs
zitierten Anträgen erheben. Ferner beantragte er die Gewährung der aufschie-
benden Wirkung der Berufung (Urk. 60 S. 2). Mit Präsidialverfügung vom 24. Juni
2015 wurde der Gesuchstellerin Frist anberaumt, um sich zu diesem prozessua-
len Antrag zu äussern. Gleichzeitig wurde dem Gesuchsgegner Frist angesetzt,
um für die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens einen Kostenvorschuss über
Fr. 5'500.– zu leisten (Urk. 63). Gemäss Zuschrift vom 25. Juni 2015 liess sich die
Gesuchstellerin rechtzeitig vernehmen (Urk. 64). Der Kostenvorschuss wurde am
2. Juli 2015 und damit innert Frist bezahlt (Urk. 66). Am 7. Juli 2015 (Datum Post-
stempel) erreichte das Gericht eine Berufungsschrift mit berichtigtem Rechtsbe-
gehren, verbunden mit neuen Vorbringen (Urk. 67, 68). Im Rahmen dieser Einga-
be zog der Gesuchsgegner seine Berufung hinsichtlich der Dispositivziffern 10
und 11 des angefochtenen Urteils (Zuweisung eheliche Liegenschaft, Auszugs-
frist) zurück (Urk. 67 S. 2). Gemäss Präsidialverfügung vom 8. Juli 2015 wurde
das Gesuch des Gesuchsgegners um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab-
gewiesen und der Gesuchstellerin Frist zur Erstattung der Berufungsantwort an-
beraumt (Urk. 69). Mit Eingabe vom 16. Juli 2015 erstattete die Gesuchstellerin
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fristwahrend ihre Berufungsantwort mit den eingangs erwähnten Anträgen
(Urk. 70) und reichte neue Beilagen ein (Urk. 72/1-2). Gemäss Präsidialverfügung
vom 22. Juli 2015 wurde dem Gesuchsgegner Frist angesetzt, um zu den von der
Gegenseite mit der Berufungsantwort neu eingereichten Urkunden und neu auf-
gestellten Behauptungen Stellung zu nehmen (Urk. 73). Innert erstreckter Frist
(Urk. 75) äusserte sich der Gesuchsteller rechtzeitig mit Zuschrift vom 6. August
2015 (Urk. 76, 77). Mit (nicht angeforderter) Eingabe vom 28. Juli 2015 hat sich
schliesslich auch die Gesuchstellerin zur Präsidialverfügung vom 22. Juli 2015
vernehmen lassen (Urk. 74). Am 10. September 2015 wurden Urk. 76 und 77 der
Gesuchstellerin (Urk. 76 und Urk. 77 je S. 1) und Urk. 74 dem Gesuchsgegner zur
Kenntnis gebracht (vgl. Urk. 74, 76 und 77 je S. 1; Prot. II S. 6). Weitere Eingaben
erfolgten nicht, womit sich das Verfahren als spruchreif erweist.
II. Prozessuales
1. Betreffend die Dispositivziffern 1, 2, 3, 12 und 13 wurde der Entscheid
des Einzelgerichts im summarischen Verfahren des Bezirksgerichts Meilen vom
12. Juni 2015 nicht angefochten (Urk. 60 S. 2; Urk. 61 S. 35 ff.). Er ist diesbezüg-
lich somit in (Teil-)Rechtskraft erwachsen, was vorzumerken ist.
2. Bezüglich der zunächst angefochtenen Dispositivziffern 10 und 11 (Zu-
teilung eheliche Liegenschaft und Auszugsfrist; vgl. Urk. 60 S. 2, Ziffern 1-3) zog
der Gesuchsgegner seine Berufung am 7. Juli 2015 (Datum Poststempel) zurück
(vgl. Urk. 67 S. 2). Davon ist Vormerk zu nehmen und das Verfahren diesbezüg-
lich abzuschreiben.
III. Materielles
A. Kinderzuteilung (Obhut/Besuchsrecht)
1. Die erste Instanz teilte der Gesuchstellerin die alleinige Obhut über die
beiden gemeinsamen Kinder, D._, geboren am tt.mm.2001, und C._,
geboren am tt.mm.2003, zu, und setzte ein ausgedehntes Besuchsrecht des Ge-
suchsgegners, entsprechend der auch von der Gesuchstellerin anerkannten und
bereits praktizierten 50:50 Prozentlösung, fest. Der Antrag des Gesuchsgegners
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auf Anordnung der gemeinsamen/alternierenden elterlichen Obhut wurde verwor-
fen, zumal kein diesbezüglicher gemeinsamer Antrag der Eltern vorliege, die Ge-
suchstellerin sich einer alternierenden Obhut dezidiert widersetze und das, was
die Parteien in und rund um das vorliegende Eheschutzverfahren vorbrächten,
deutlich mache, dass sie sehr zerstritten seien. Dadurch würden auch die Kinder
kontinuierlich dem Konflikt der Eltern ausgesetzt. Indem die Gesuchstellerin keine
alternierende Obhut möchte, sei auch keine grundsätzliche Bereitschaft da, wes-
halb der alternierenden Obhut - zumindest im jetzigen Moment - wenig Erfolgs-
chancen einzuräumen seien. Für das Kindeswohl erscheine es daher nicht geeig-
net, die alternierende Obhut festzulegen (vgl. Urk. 60 S. 8 ff.).
2.1. Im Rahmen seiner Berufung hält der Gesuchsgegner an seinem Antrag
auf Anordnung der alternierenden Obhut fest. Er hält dafür, vorliegend dränge
sich ein Wechselmodell mit Blick auf seinen hälftigen Anteil an der faktischen Be-
treuung der Kinder geradezu auf. Es stimme zwar, dass die Parteien in der Tat
nicht das beste Verhältnis hätten, indessen könnten sie sich zumindest so zu-
sammenraufen, dass sie mit der Tochter C._ gemeinsam friedlich deren Ge-
burtstag hätten feiern können. Auch sämtliche üblichen Absprachen, die nötig
seien, wenn die Kinder zwei Wohnsitze hätten, würden gut klappen. Ein hochstrit-
tiger Trennungsfall liege damit nicht vor, zumal es im Alltag kaum Reibungspunkte
gebe (Urk. 60 S. 3 f.).
2.2. Demgegenüber meint die Gesuchstellerin, die alternierende Obhut wä-
re vorliegend nicht kindsgerecht. Bereits die getroffene 50:50 Betreuungslösung
bedeute für die Kinder viel Unsicherheit, Widersprüchlichkeit und in einer gewis-
sen Weise auch Heimatlosigkeit, weil sie ständig hin und her geschoben würden.
Trotzdem und trotz erzieherischen Bedenken habe sie einer je hälftigen Betreu-
ung zugestimmt, um dem Gesuchsgegner entgegen zu kommen. Der Gesuchs-
gegner versuche, die hochexplosive Stimmung zwischen den Parteien zu vernied-
lichen, um damit zu einer alternierenden Obhut zu gelangen. Eine solche setze
aber voraus, dass ein getrennt lebendes Paar sich in irgendeiner Weise wenigs-
tens bezüglich der Kinder mehr oder weniger einig sei. Dies sei hier aber gerade
nicht der Fall. Sollte eine gemeinsame Obhut gleichwohl angeordnet werden,
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würden die Parteien wohl eines Beistandes bedürfen, da sie sich über gar nichts
einigen könnten, wie der vorliegende, aufwändige Prozess aufzeige (Urk. 70 S. 3-
5).
3.1. Seit Inkrafttreten der gemeinsamen elterlichen Sorge als Regelfall per
1. Juli 2014 kann eine geteilte/alternierende Obhut auch gegen den Willen einer
Partei angeordnet werden. Aus der gemeinsamen elterlichen Sorge folgt indes
kein bestimmtes Rollenmodell und kein Anspruch, das Kind tatsächlich hälftig zu
betreuen. Der Begriff der Obhut hat mit dem neuen Recht eine reduzierte Bedeu-
tung erhalten, indem er das Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht mehr mit ein-
schliesst. Dieses ist nun Teil der elterlichen Sorge, welche vorliegend bei beiden
Eltern verbleibt. Unter Obhut zu verstehen ist neu nur noch die faktische Betreu-
ung des Kindes in Hausgemeinschaft (früher: sog. faktische Obhut), d.h. die Be-
fugnis, mit dem minderjährigen Kind in häuslicher Gemeinschaft zu leben, die täg-
liche Betreuung des Kindes und die Ausübung der Rechte und Pflichten betref-
fend die alltägliche Pflege und Erziehung. Zur Beurteilung, wann eine geteil-
te/alternierende Obhut angezeigt ist, sind quantitative und qualitative Kriterien
massgeblich. Damit eine geteilte/alternierende Obhut angeordnet werden kann,
ist zusätzlich zur Tatsache, dass das Alleinentscheidungsrecht gemäss Art. 301
Abs. 1bis ZGB beiden Elternteilen zustehen soll, erforderlich, dass beide Elterntei-
le das Kind in zeitlich grösserem Ausmass als beim üblichen Wochenendbe-
suchsrecht betreuen, damit von einer häuslichen Gemeinschaft zwischen dem
Kind und dem Elternteil ausgegangen werden kann. Sodann kommt die Anord-
nung nur in Frage, wenn das Verhältnis der Eltern nicht derart konflikthaft ist, dass
erwartet werden kann, die Eltern würden sich auch längerfristig über Alltagsfragen
einigen können. Es braucht mithin ein Mindestmass an Kommunikations- und Ko-
operationswillig- und fähigkeit auf beiden Seiten (vgl. zum Ganzen: Gloor/
Schweighauser, Die Reform des Rechts der elterlichen Sorge - eine Würdigung
aus praktischer Sicht, FamPra.ch 2014 S. 1, 10, 13 f.; Meyer, Gemeinsame elter-
liche Sorge nach neuem Recht - Regelungsmöglichkeiten in der Praxis?, Vortrag
an einer Tagung zum Scheidungsrecht des Europainstitutes der Universität Zürich
vom 15. Mai 2014, S. 4 f., 9).
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3.2. Das Erfordernis der zeitlich grösseren, über das blosse Wochenendbe-
suchsrecht hinausgehenden Betreuung der beiden nunmehr 12- und 14-jährigen
Kinder durch den Gesuchsgegner ist vorliegend klar erfüllt, zumal er die Kinder
unbestrittenermassen hälftig betreut, nämlich jeweils am Montag und Dienstag
sowie jede zweite Woche von Freitag bis Sonntag, und während der Hälfte der
Schulferien und Feiertage (vgl. Urk. 61, Dispositivziffern 5 und 6, S. 35 f.; Urk. 60
S. 2).
3.3. Zwar funktioniert offenbar die seit der Trennung am 9. Januar 2015
praktizierte 50:50 Betreuung der beiden Kinder durch die Parteien und wird von
den Kindern denn auch weiterhin gewünscht (vgl. Urk. 46 S. 2 f. und Urk. 74 S. 2
f.). Allerdings scheint die Kommunikation zwischen den Parteien in der Tat ge-
stört. So räumte selbst der Gesuchsgegner ein, die Gesuchstellerin spreche nicht
mehr mit ihm und kommuniziere mit ihm nur noch das Allernötigste (Prot. I S. 20).
Die Gesuchstellerin liess ausführen, sie wolle - wenn überhaupt - mit dem Ge-
suchsgegner nur noch per E-Mail verkehren und möchte am liebsten gar keinen
Kontakt mehr mit ihm haben (Urk. 70 S. 4 unten). Der hälftigen Betreuung will die
Gesuchstellerin nur zufolge Druckausübung des Gesuchsgegners zugestimmt
haben (vgl. Urk. 28 S. 1; Urk. 70 S. 3 f.). Auch der Umstand, dass beide Kinder
seit der Trennung wöchentlich in psychologischer Behandlung sind (Urk. 46 S. 2
und Urk. 47 S. 2; Prot. I S. 15, 20; Urk. 72/2), deutet darauf hin, dass die Bezie-
hung zwischen den Parteien nach wie vor konfliktgeladen ist. Ebenso zeugt von
Zerstrittenheit, dass vor Vorinstanz nicht einmal die üblichen Vergleichsgespräche
stattfinden konnten (Urk. 49A, 50 und 50A). Daran vermag im Übrigen auch die
vom Gesuchsgegner im Berufungsverfahren neu geschilderte gemeinsame Feier
des Geburtstages von C._ (Urk. 60 S. 4) nichts zu ändern, handelt es sich
dabei doch um ein einzelnes Ereignis, das laut der Gesuchstellerin ohnehin nur
durch Manipulation zustande gekommen sei, wobei es bereits wieder zu Störun-
gen gekommen sei (Urk. 70 S. 4). Ob es sich dabei überhaupt um ein zulässiges
Novum handelt (vgl. Art. 317 Abs. 1 ZPO), kann somit dahingestellt bleiben. Es
kann nach dem Gesagten jedenfalls kaum erwartet werden, dass sich die Partei-
en über Alltagsfragen stets absprechen und einigen können, geschweige denn
längerfristig. Die geteilte Obhut würde hier in erster Linie zu vermeidbaren Konflik-
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ten zwischen den Parteien führen, worunter letztlich die Kinder leiden würden.
Zwar bedingt auch das ausgedehnte Besuchsrecht des Gesuchsgegners in Ge-
stalt der hälftigen Betreuung, was sich vorliegend offenbar als alltagstauglich er-
wiesen hat, eine gewisse Kooperation unter den Parteien, allerdings kann solches
über weite Strecken auch direkt über die nun schon grösseren Kinder geschehen,
so dass sich der direkte Kontakt zwischen den Parteien auf ein Minimum be-
schränken dürfte. Ständige direkte Absprachen über Alltagsfragen im Sinne von
Art. 301 Abs. 1bis ZGB würden die Parteien demgegenüber überfordern und wä-
ren mit Blick auf das Konfliktpotential dem Wohl der Kinder nicht förderlich. Dass
die Parteien nicht fähig sind, den Elternkonflikt in den Hintergrund zu rücken und
das Kindeswohl in den Vordergrund zu stellen, wird namentlich auch rund um die
Gymnasiumaufnahmeprüfung der Tochter am Montagmorgen 9. März 2015 ver-
anschaulicht. Sinnvoll wäre sicherlich gewesen, wenn die Tochter von jenem El-
ternteil an die Prüfung gebracht worden wäre, bei welchem sie zuvor auch ge-
nächtigt hat, um möglichst zusätzliche Unruhen rund um die Prüfung zu vermei-
den. Offenbar wünschte die Tochter aber, von der Mutter zur Prüfung gebracht zu
werden, aus welchen Gründen auch immer. Dennoch übernachtete sie zuvor
beim Vater, weil das dessen Betreuungswochenende (bis Montag Schulbeginn)
war. Das Kind will es sichtlich beiden Elternteilen recht machen und fühlt sich hin
und her gerissen (Prot. I S. 9, 17). Das vom Freund der Gesuchstellerin gegen-
über dem Gesuchsgegner eingeleitete Strafverfahren wegen Drohung etc. wurde
zwar mittlerweile zufolge Rückzugs der Strafanträge gemäss Verfügung vom
9. Juli 2015 eingestellt (Urk. 77, echtes und zulässiges Novum gemäss Art. 317
Abs. 1 ZPO). Allerdings zeugt bereits der Umstand, dass es am 16. März 2015 zu
einer Strafanzeige gegenüber dem Gesuchsgegner kam, von einer, das übliche
Ausmass übersteigenden Zerstrittenheit unter den Parteien. Auch wollen die Kin-
der nicht mit dem Freund der Gesuchstellerin zusammenleben bzw. diesen lieber
nicht kennen lernen (Urk. 46 S. 3 und Urk. 47 S. 3). Auch dies illustriert den mas-
siven Loyalitätskonflikt.
Nach dem Gesagten ist die Anordnung der alternierenden Obhut somit in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz jedenfalls zur Zeit und insbesondere im
Rahmen dieses Eheschutzverfahrens nach wie vor abzulehnen.
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3.4. Die Zuteilung der alleinigen Obhut über die beiden Kinder an die Ge-
suchstellerin wurde vom Gesuchsgegner für den Eventualfall nicht angefochten,
insbesondere stellte er keinen Eventualantrag auf Zuteilung der alleinigen Obhut
an ihn (Urk. 60 S. 2). Mit Blick auf die überwiegende persönliche Betreuung der
Kinder durch die Gesuchstellerin während der gelebten Ehe (klassische Rollen-
verteilung mit Zuverdienst, wobei die Gesuchstellerin überwiegend von zu Hause
aus 40 % und der Gesuchsgegner stets Vollzeit arbeitete, vgl. Prot. I S. 10, 19 f.)
und deren nicht in Zweifel gezogene Erziehungsfähigkeit (Prot. I S. 20), erscheint
solches denn auch angebracht. Mangelnde Bereitschaft, den Kindern einen guten
Kontakt zum Gesuchsgegner zu ermöglichen, kann der Gesuchstellerin im Übri-
gen nicht vorgeworfen werden, nachdem sie sich bereits vor Vorinstanz mit dem
50:50 Betreuungsmodell im Sinne eines ausgedehnten Besuchsrechts des Ge-
suchsgegners trotz Bedenken einverstanden erklärte. Der vorinstanzliche Ent-
scheid, der Gesuchstellerin die Obhut alleine zuzuteilen, ist daher zu bestätigen.
4. Wird die elterliche Obhut einem Elternteil alleine zugeteilt, ist dem an-
deren ein Besuchsrecht einzuräumen (Art. 273 Abs. 1 ZGB). Das von der Vor-
instanz angeordnete und seit der Trennung der Parteien praktizierte ausgedehnte
Besuchsrecht des Gesuchsgegners (vgl. Urk. 61 S. 35, Dispositivziffern 5 und 6)
wurde durch den Gesuchsgegner für den Eventualfall nicht angefochten (Urk. 60
S. 2) und wird auch von der Gesuchstellerin nach wie vor unterstützt (Urk. 70 S. 4
f.). Da auch von Amtes wegen keine Veranlassung besteht, daran etwas zu än-
dern, bleibt es dabei.
B. Unterhaltsbeiträge
1. Die Vorinstanz hat die Kriterien für die Festlegung von persönlichen
Unterhalts- und Kinderunterhaltsbeiträgen richtig wiedergegeben und zurecht die
zweistufige Methode angewandt (Urk. 61 S. 15-18). Es kann darauf verwiesen
werden.
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2. Einkommen der Gesuchstellerin
Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin für ihr aktuelles 40 %-
Arbeitspensum das geltend gemachte monatliche Nettoeinkommen von rund
Fr. 3'621.– an. Von der (künftigen) Anrechnung eines höheren hypothetischen
Einkommens wurde abgesehen, weil die vorhandenen Mittel zur Finanzierung
beider Haushalte ausreichten, weshalb der Entscheid über die Ausdehnung der
Erwerbstätigkeit dem Scheidungsrichter zu überlassen sei (Urk. 61 S. 18-20).
Der Gesuchsgegner hält auch im Rahmen seiner Berufung daran fest, dass
betreffend das Einkommen der Gesuchstellerin auf die steuerbaren Einkünfte der
Jahre 2012 und 2013 in der Höhe von durchschnittlich Fr. 3'908.– abzustellen sei.
Zudem habe die Gesuchstellerin ihr Arbeitspensum per Oktober 2015 auf 70 %
aufzustocken, weshalb ab diesem Zeitpunkt auch keine persönlichen Unterhalts-
beiträge mehr geschuldet seien (Urk. 60 S. 9 f.; Urk. 61 S. 18 mit Hinweis).
Im Eheschutzverfahren ist grundsätzlich auf die aktuellen Einkommensver-
hältnisse abzustellen. Unterhaltsbeiträge wurden ab der Trennung am 9. Januar
2015 gefordert. Es rechtfertigt sich daher, auf die aktenkundigen Lohnabrechnun-
gen der Monate Januar bis April 2015, als die Gesuchstellerin durchschnittlich ein
40 %-Pensum leistete (Urk. 56/A), abzustellen. Dies entspricht auch den Einkünf-
ten des Jahres 2013 (vgl. auch Urk. 3/4). Im Jahre 2014 verdiente sie demgegen-
über merklich weniger und arbeitete durchschnittlich auch weniger als 40 % (vgl.
Urk. 56/4 und Urk. 22/23). Die etwas höheren durchschnittlichen Einkünfte des
Jahres 2012 (Fr. 50'027.85 netto; vgl. Urk. 56/6) sind heute nicht mehr repräsen-
tativ und gründen zudem auf der damaligen Arbeitslosigkeit des Gesuchsgegners
in der Zeit von Oktober 2011 bis Juni 2012. Es bleibt daher bei der Anrechnung
eines tatsächlichen Einkommens von rund Fr. 3'621.–.
Nach der neusten Rechtsprechung sind jedoch in Abweichung von der lang-
jährigen Praxis der Zürcher Gerichte die Kinder- oder Ausbildungszulagen vom
Bedarf des unterhaltsberechtigten Kindes abzuziehen oder beim Einkommen des
obhutsberechtigten Elternteils hinzuzurechnen. Werden die Kosten der Kinder
vollumfänglich (ohne Reduktion für den durch die weiterzuleitenden Zulagen ab-
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gedeckten Teil) beim Bedarf berücksichtigt, sind konsequenterweise die für genau
diese Kosten bestimmten Sozialleistungen auch beim Einkommen zu berücksich-
tigen (und nicht zusätzlich zu den Unterhaltsbeiträgen zu bezahlen; Maier, Die
konkrete Berechnung von Unterhaltsansprüchen im Familienrecht, dargestellt an-
hand der Praxis der Zürcher Gerichte seit Inkraftsetzung der neuen ZPO, in: Fa-
mPra.ch 2014, S. 302, 330). Damit ist von einem tatsächlichen Einkommen der
Gesuchstellerin in der Höhe von gerundet Fr. 4'223.– auszugehen (Fr. 3'621.–
zuzüglich Kinderzulagen von insgesamt Fr. 601.85 [Urk. 52/1]).
Zur Frage nach der Anrechnung eines höheren hypothetischen Einkommens
ist Folgendes festzuhalten: Es geht hier um eine lebensprägende Ehe, welche
rund 20 Jahre gelebt wurde (vgl. Urk. 17/16) und aus welcher zwei, heute 12- und
14-jährige Kinder hervorgingen. Es wurde die klassische Rollenverteilung mit
(späterem) Zuverdienst der Gesuchstellerin praktiziert. Somit sind persönliche Un-
terhaltsbeiträge geschuldet, bis die Gesuchstellerin allenfalls für sich selber auf-
kommen kann und dies auch muss. Im Eheschutzverfahren ist eine Pflicht zur
Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit indes nur zu bejahen, wenn die vorhandenen
finanziellen Mittel trotz zumutbaren Einschränkungen für zwei getrennte Haushal-
te nicht ausreichen und wenn die Ausdehnung der Erwerbstätigkeit unter den Ge-
sichtspunkten der persönlichen Verhältnisse des betroffenen Ehegatten (Alter,
Gesundheit, Ausbildung, noch zu leistende Kinderbetreuung u.ä.) und des Ar-
beitsmarktes zumutbar ist. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein.
Vorliegend herrschen gute finanzielle Verhältnisse. Hinzu tritt, dass das gegen-
wärtige 40 %-Pensum der Gesuchstellerin zur Zeit, jedenfalls im Rahmen der be-
stehenden Anstellung, nicht erhöht werden könnte, vielmehr kann die Gesuchstel-
lerin offenbar dankbar sein, dass sie ihre dortige Stelle im Herbst 2014 nicht verlo-
ren hat (vgl. Urk. 22/24). Von der Anrechnung eines höheren hypothetischen Ein-
kommens der Gesuchstellerin ist nach dem Gesagten jedenfalls im Rahmen die-
ses Eheschutzverfahrens praxisgemäss abzusehen. Daran ändert auch nichts,
dass die Gesuchstellerin die beiden Kinder nur zur Hälfte betreut (Urk. 60 S. 6).
Die Gesuchstellerin ist jedoch, nicht zuletzt in Anbetracht des ausgedehnten Be-
suchsrechts des Gesuchsgegners und des Alters der beiden Kinder, darauf hin-
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zuweisen, dass sie ihr Erwerbspensum im Hinblick auf die Scheidung (sukzessi-
ve) wird aufstocken müssen.
3. Einkommen des Gesuchsgegners
Die Vorderrichterin ging von einem anrechenbaren Einkommen des Ge-
suchsgegners von Fr. 13'180.– aus (vgl. Fr. 12'805.– monatliches Nettoeinkom-
men einschliesslich Fr. 601.85 Kinderzulagen und Anteil 13. Monatslohn zuzüg-
lich Fr. 375.– durchschnittlicher monatlicher Bonus, Urk. 61 S. 24 f.). Der Ge-
suchsgegner wehrt sich einzig gegen die Anrechnung des Bonus und macht gel-
tend, er habe keinen Anspruch auf einen solchen und nur wenige Mitarbeiter wür-
den diesen erhalten. Ausserdem wären davon ohnehin noch die Sozialversiche-
rungsbeiträge abzuziehen (Urk. 60 S. 6).
Der monatliche Nettolohn des Gesuchsgegners beträgt Fr. 11'820.50. Davon
sind jedoch die Kinderzulagen von total Fr. 601.85 in Abzug zu bringen (Urk. 52/1;
Urk. 51 S. 1; Maier, a.a.O., S. 302, 334). Somit resultiert ein anrechenbares Ein-
kommen (einschliesslich Anteil 13. Monatslohn) von rund Fr. 12'153.–.
Aufgrund seiner guten Leistungen erhielt der Gesuchsgegner im Jahr 2013
eine Leistungsprämie von Fr. 5'000.– und im Jahr 2014 eine solche von
Fr. 4'000.–. Die Leistungsprämie sei eine Art Bonus, mit einmaligem Charakter
und ohne Garantie (Prot. I S. 21; Urk. 17/4). Der Gesuchsgegner wehrt sich, wie
schon vor Vorinstanz (vgl. Urk. 16 S. 5), gegen die Anrechnung des Bonus
(Urk. 60 S. 6). Weil nur überdurchschnittliche Leistungen und besondere Einsätze
mit Leistungsprämien abgegolten werden können und solche Vergütungen zudem
vom Personalbudget der zuständigen Abteilung der Bundesverwaltung abhängen
(vgl. Art. 42 Abs. 3, Art. 49 Abs. 1 und Art. 49b Abs. 1 BPV; SR 172.220.111.3),
erscheint ungewiss, ob der Gesuchsgegner auch in Zukunft stets solche Leis-
tungsprämien erhalten wird. Sparmassnahmen werden sich auch hier auswirken.
Ein gesicherter Anspruch auf eine solche Bonuszahlung besteht mithin nicht. Ent-
gegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 61 S. 25), rechtfertigt es sich somit nicht, beim
Einkommen des Gesuchsgegners eine durchschnittliche Leistungsprämie in An-
rechnung zu bringen. Jedoch ist anzuordnen, dass der Gesuchstellerin, nach je-
- 15 -
weiliger jährlicher Vorlage des Lohnausweises durch den Gesuchsgegner, die
Hälfte einer allfälligen (Netto-)Leistungsprämie des Gesuchsgegners zustehen
soll (vgl. Six, Eheschutz, Ein Handbuch für die Praxis, 2. Auflage, Bern 2014,
N 2.130).
Zwar arbeitet der Gesuchsgegner nach wie vor 100 % und betreut die Kin-
der im Umfang von 50 %, während die Gesuchstellerin 40 % arbeitstätig ist und
die Kinder ebenfalls im Umfang von 50 % betreut. Gleichwohl rechtfertigt es sich
nicht, dem Gesuchsgegner inskünftig bloss ein 80 %-Pensum zuzumuten, wie er
sich dies vorstellt (vgl. Urk. 16 S. 10; Urk. 51 S. 3; Urk. 60 S. 6, 11). Wie erwähnt,
sollen die ehelichen Strukturen ohne Not nicht schon im Eheschutzverfahren um-
gestossen werden. Zudem sind die Kinder bereits grösser und bedürfen keiner
engmaschigen Betreuung mehr. Der Gesuchsgegner vermochte sein Pensum
und die hälftige Kinderbetreuung seit der Trennung im Januar 2015 denn offenbar
auch gut zu bewältigen.
4. Bedarf der Gesuchstellerin
Weil die Kinder von beiden Parteien hälftig betreut werden, rechtfertigt es
sich, mit der Vorinstanz, trotz alleiniger Obhut der Gesuchstellerin, beiden Partei-
en im Bedarf den erhöhten Grundbetrag für Alleinerziehende von Fr. 1'350.– zu-
zugestehen (vgl. Urk. 61 S. 20, 26; demgegenüber: Urk. 60 S. 10, wo der Ge-
suchsgegner der Gesuchstellerin lediglich den Betrag von Fr. 1'200.– anrechnen
will).
Die von der Vorinstanz berechneten Wohnkosten für die eheliche Liegen-
schaft, einschliesslich Nebenkosten und Versicherungen, über insgesamt
Fr. 2'664.– pro Monat (Urk. 61 S. 20) werden vom Gesuchsgegner, der die eheli-
che Liegenschaft nunmehr verlassen hat, anerkannt (Urk. 67 S. 7).
Weil die Kinder unter die alleinige Obhut der Gesuchstellerin zu stellen sind,
rechnete die Vorinstanz ihr auch zurecht die belegten und anerkannten Kosten für
die Musikschule von C._ im Umfang von Fr. 110.– im Bedarf an (Urk. 61
S. 20; Urk. 3/8). Der Gesuchsteller hat sich daran indirekt durch die Bezahlung
- 16 -
von angemessenen Kinderunterhaltsbeiträgen zu beteiligen. Diese Kosten gehö-
ren mithin nicht in seinen erweiterten Bedarf (vgl. demgegenüber: Urk. 60 S. 10,
19).
Die erste Instanz veranschlagte bei der Gesuchstellerin unter dem Titel
Krankenkasse für sich und die Kinder Fr. 464.– pro Monat. Betreffend die Kinder
wurden die geltend gemachten und belegten Kosten der Grund- und Zusatzversi-
cherung über total Fr. 237.50 angerechnet. Der Gesuchstellerin wurden demge-
genüber einzig die höheren Prämien der Grundversicherung bei der Assura über
Fr. 226.70 veranschlagt, zumal sie (zunächst) nur die Prämien der Zusatzversi-
cherung bei der Concordia (Fr. 170.80) geltend gemacht hatte (Urk. 61 S. 20;
Urk. 3/16; Urk. 1 S. 7; vgl. demgegenüber: Urk. 56/5). Weil gute finanzielle Ver-
hältnisse vorliegen, welche auch die Berücksichtigung der Prämien der Zusatz-
versicherung erlauben, und zudem auch bei den Kindern und dem Gesuchsgeg-
ner die Zusatzversicherungen mitberücksichtigt wurden (vgl. Urk. 17/5, 6 und
nachstehend), rechtfertigt es sich jedoch, gestützt auf die in Kinderbelangen herr-
schende uneingeschränkte Untersuchungsmaxime (Art. 296 Abs. 1 ZPO) und weil
zunächst ein Gesamtunterhaltsbeitrag festzulegen ist, auch bei der Gesuchstelle-
rin, welche vor Vorinstanz (wohl versehentlich) einzig die Zusatzversicherung gel-
tend machte, die Grund- und Zusatzversicherung in Anschlag zu bringen. Somit
sind der Gesuchstellerin Krankenkassenbeiträge für sich und die Kinder von ins-
gesamt Fr. 635.– (Fr. 237.50 für die Kinder plus Fr. 226.70 KVG und Fr. 170.80
VVG, vgl. Urk. 3/16 und 17/5) zu veranschlagen.
Für die laufenden Steuern berücksichtigte die erste Instanz im Bedarf der
Gesuchstellerin Fr. 800.– (und beim Gesuchsgegner Fr. 600.–; Urk. 61 S. 20, 26).
Wie bereits die Vorinstanz korrekt ausführte, werden die Parteien, entgegen der
Ansicht des Gesuchsgegners (Urk. 60 S. 10, 20), bereits im Jahr der Trennung für
das ganze Jahr (2015) getrennt besteuert, weshalb auch beiden Parteien je ein
Betrag für die Steuern anzurechnen ist. Die von der ersten Instanz mithilfe des
Unterhaltsberechnungsprogramms pflichtgemäss geschätzten Steuern (Urk. 61
S. 24) wurden betragsmässig nicht kritisiert, weshalb es dabei bleibt.
- 17 -
Die übrigen Positionen (hälftige Kindergrundbeträge von je Fr. 300.–, Kom-
munikationskosten über Fr. 175.– und Kosten Berufsauslagen Auto von Fr. 500.–)
wurden nicht in Kritik gezogen (Urk. 60 S. 10), weshalb sich der Bedarf der Ge-
suchstellerin unter Berücksichtigung der Korrektur bei der Krankenkasse auf rund
Fr. 6'834.– beläuft (Urk. 61 S. 20).
5. Bedarf des Gesuchsgegners
Die diversen Kinderkosten, wie etwa die Kinderkrankenkassenprämien,
Handykosten der Kinder etc. (vgl. Urk. 16 S. 8; Urk. 51 S. 2 f.; Urk. 60 S. 8 f. bzw.
Urk. 67 S. 6 f.), welche der Gesuchsgegner direkt selbst bezahlen möchte, sind
mit der Vorinstanz nicht im erweiterten Bedarf des Gesuchsgegners zu berück-
sichtigen, weil er zur Leistung von Kinderunterhaltsbeiträgen an die (obhutsinha-
bende) Gesuchstellerin zu verpflichten ist (Urk. 61 S. 29). Die Gesuchstellerin hat
diese Kosten aus den Kinderunterhaltsbeiträgen zu bezahlen. Im Übrigen werden
die Kosten der Kinderpsychologin und des Zahnarztes grösstenteils von der
Krankenkasse übernommen (vgl. Urk. 70 S. 8; Urk. 74 S. 2; Urk. 72/2; Urk. 76
S. 2; Urk. 55 S. 2; Urk. 16 S. 8; Urk. 17/14; Urk. 67 S. 6; Urk. 54/5). Grössere
ausserordentliche, von den Parteien alleine zu tragende Auslagen fallen demge-
genüber zur Zeit nicht an. Inwiefern die Gesuchstellerin mit den Kinderunterhalts-
beiträgen Einzahlungen in deren Sparkonten tätigen kann (vgl. Urk. 16 S. 8;
Urk. 60 S. 8), bleibt ihr überlassen.
Wie schon im erstinstanzlichen Verfahren macht der Gesuchsgegner auch
im Berufungsverfahren unter dem Titel "Kommunikation (Telefon und Internet)"
Kosten in der Höhe von monatlich Fr. 150.– sowie zusätzliche Billaggebühren
über Fr. 38.55 monatlich, mithin total Fr. 188.55 geltend (Urk. 60 S. 6). Mit der
ersten Instanz erscheint es jedoch angemessen, dem Gesuchsgegner insgesamt
für sämtliche Kommunikationskosten (inklusive Billag) den gleichen (eher gross-
zügigen) Betrag wie der Gesuchstellerin über Fr. 175.– zu veranschlagen (vgl.
Urk. 61 S. 27).
Zu den bereits vor Erstinstanz geltend gemachten monatlichen Kosten für
die Lebensversicherung über Fr. 82.85 pro Monat (Urk. 60 S. 7), hat sich die erste
- 18 -
Instanz zutreffend geäussert und eine Berücksichtigung dieser Kosten zurecht
abgelehnt, nachdem nur der Gesuchsgegner eine solche Versicherung geltend
machte und zudem der Gesuchsgegner über seine Anstellung bereits in der obli-
gatorischen beruflichen Vorsorge versichert ist (Urk. 61 S. 29). Mit diesen Erwä-
gungen setzt sich der Gesuchsgegner im Berufungsverfahren im Übrigen mit kei-
nem Wort auseinander.
Unter dem Titel "Hausratversicherung" brachte die erste Instanz dem Ge-
suchsteller die "für die Privathaftpflicht-, Hausrat und Mobiliarversicherung" gel-
tend gemachten Fr. 35.– in Anrechnung (Urk. 61 S. 26 f.). Dabei wurde zwar of-
fenbar übersehen, dass der Gesuchsgegner nebst den Fr. 35.– für die Hausrat-
und Mobiliarversicherung auch noch Fr. 11.70 für die Privathaftpflichtversicherung
geltend machte (Urk. 16 S. 6; Urk. 60 S. 7). Allerdings wurden keine diesbezügli-
chen Belege eingereicht, weshalb es beim vorinstanzlichen angerechneten an-
gemessen erscheinenden Betreffnis insgesamt sein Bewenden hat (Urk. 52/3 be-
trifft im Übrigen einzig die Hausratversicherung der ehelichen Liegenschaft).
Mit Fug lehnte die Vorderrichterin sodann die Berücksichtigung der geltend
gemachten Fr. 100.– für weitere Gesundheitskosten (Arzt/Zahnarzt) ab (Urk. 61
S. 28). So wurde weder behauptet geschweige denn belegt, dass der Gesuchs-
gegner chronisch krank sei und sich in regelmässiger ärztlicher Behandlung be-
finde (vgl. Urk. 16 S. 6; Urk. 60 S. 7). Die üblichen Kontrollen sind aus dem
Grundbetrag zu finanzieren.
Seitens der ersten Instanz wurden dem Gesuchsgegner (hypothetische)
Wohnkosten über Fr. 2'200.– zugestanden für eine Wohnung im näheren Umkreis
der ehelichen Liegenschaft in E._, nachdem die eheliche Liegenschaft der
Gesuchstellerin zur alleinigen Benutzung während des Getrenntlebens zugeteilt
und dem Gesuchsgegner eine Auszugsfrist bis spätestens 15. August 2015 ange-
setzt wurde. Dies auch vor dem Hintergrund der relativ hohen anrechenbaren
Wohnkosten der Gesuchstellerin (Urk. 61 S. 26 f.). Per 1. August 2015 hat der
Gesuchsgegner nunmehr eine 4 1⁄2-Zimmerwohnung in F._ zu einem Miet-
zins von insgesamt Fr. 3'333.– (Fr. 3'183.– Bruttomiete zuzüglich Fr. 150.– Miete
Garagenplatz) angemietet (Urk. 68 [Mietvertrag vom 30. Juni 2015], zulässiges
- 19 -
Novum gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO, unverzüglich eingereicht am 7. Juli 2015
[Datum Poststempel]). Er hält dafür, die Kosten würden sich im familiären Budget
bewegen und die Bleibe sei adäquat für einen Erwachsenen, der zwei Kinder zur
Hälfte betreue. Ausserdem sei es im "Wohnungsmarktsommerloch" in den See-
gemeinden mit Sicherheit nicht möglich, eine günstigere Wohnung in ausreichen-
der Nähe zu finden, wenn man vom erstinstanzlichen Gericht einen derart kurz-
fristigen Auszugstermin gesetzt bekomme (Urk. 67 S. 5). Die Gesuchstellerin hält
diese Mietkosten für weit übersetzt. Zudem seien, wie den beiliegenden Homega-
te-Auszügen vom 10. Juli 2015 entnommen werden könne, in der Gegend von
E._ zahlreiche, schöne 4 1⁄2-Zimmerwohnungen zu einem Mietpreis von
Fr. 2'000.– bis maximal Fr. 2'200.– verfügbar. Wenn der Gesuchsgegner eine
derart teure Wohnung anmieten wolle, habe er die Differenz von rund Fr. 1'000.–
aus seinem Überschuss zu finanzieren (Urk. 70 S. 5 f.; Urk. 72/1). Der Gesuchs-
gegner meint dazu, bei diesen Ausführungen betreffend die Höhe des Mietzinses
handle es sich um unzulässige Noven, weil solches bereits im vorinstanzlichen
Verfahren hätte vorgebracht werden können. Zudem lasse sich aus Homegatein-
seraten für günstigere Wohnungen ohnehin nichts ableiten. Einerseits seien die
Wohnungsangebote teilweise befristet, andererseits bestehe keine Gewähr dafür,
dass man auf dem übersättigten Zürcher Wohnungsmarkt dann auch tatsächlich
eine entsprechende ausgeschriebene Wohnung erhalte. Schliesslich entsprächen
zahlreiche der Inserate nicht dem ehelichen Standard und seien bei der verfügten
hälftigen Betreuungsregelung auch nicht adäquat. Die nun angemietete Wohnung
entspreche im Übrigen nicht einmal dem gelebten ehelichen Standard und sei mit
Sicherheit nicht ansatzweise äquivalent zum Domizil der Gesuchstellerin (Urk. 76
S. 2).
Weil der Gesuchsgegner die Wohnung in F._ erst während des laufen-
den Berufungsverfahrens am 30. Juni 2015 anmietete (Urk. 68), hatte die Ge-
suchstellerin vor Vorinstanz keinerlei Veranlassung, sich zur Höhe des fraglichen
konkreten Mietzinses über Fr. 3'333.– zu äussern. Ihre diesbezüglichen neuen
Vorbringen sind daher zulässig (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Gleiches gilt für die Home-
gateauszüge vom 10. Juli 2015 (Urk. 72/1), wobei solche Auszüge im Übrigen ge-
richtsnotorisch sind, mithin vom Gericht ohnehin von Amtes wegen beigezogen
- 20 -
werden könnten. Die geltend gemachten und belegten Mietauslagen des Ge-
suchsgegners über insgesamt Fr. 3'333.– monatlich sind zwar hoch, jedoch war
es für den Gesuchsgegner angesichts der kurzen Auszugsfrist und mit Blick auf
die hälftige Betreuung der beiden Kinder schwierig, im näheren Umfeld der eheli-
chen Liegenschaft in E._ eine passende und auch dem bisherigen ehelichen
Standard angemessene Wohnung zu finden. Die Homegateauszüge belegen an-
gesichts des angespannten zürcherischen Wohnungsmarktes schliesslich noch
nicht, dass eine ausgeschriebene Wohnung tatsächlich auch angemietet werden
kann. Jedenfalls im vorliegenden Eheschutzverfahren sind dem Gesuchsgegner
diese relativ hohen Mietkosten somit in Anrechnung zu bringen. Im Übrigen lebten
die Parteien einen gehobenen Standard und der Gesuchstellerin werden für die
Weiterbewohnung der ehelichen Liegenschaft immerhin Kosten von insgesamt
Fr. 2'664.– in Anschlag gebracht.
Für Berufsauslagen wurden dem Gesuchsgegner Fr. 960.– für das Auto,
Fr. 105.– (reduziert) für Verpflegung und Fr. 120.– für mobiles Arbeiten in An-
rechnung gebracht (Urk. 61 S. 26). Die anderen geltend gemachten Auslagen,
nämlich Fr. 20.– für eine Parkkarte am Flughafen, Fr. 100.– für überdurchschnittli-
chen Kleiderverbrauch, Fr. 60.– für die Kleiderreinigung und Fr. 7.50 für die Mit-
gliedschaft im Berufsverband (Urk. 16 S. 7), rechnete die erste Instanz nicht an
(Urk. 61 S. 26, 28). Im Berufungsverfahren setzt sich der Gesuchsgegner mit der
vorinstanzlichen Begründung nicht auseinander, sondern listet die fraglichen Aus-
lagen (ohne aktuelle Belege) einfach aufs Neue auf (vgl. Urk. 60 S. 17 f.; vgl.
auch Urk. 67 S. 5 f.). Mangels (hinreichender) Begründung ist darauf jedoch nicht
weiter einzugehen und es bleibt beim Vorgehen der Vorinstanz.
Einzig zu den zusätzlich geforderten Fr. 164.– für ein ÖV-Monats-
abonnement (vgl. Urk. 16 S. 7) äusserte sich die Vorderrichterin nicht (Urk. 61
S. 28), was der Gesuchsgegner beanstandet (Urk. 60 S. 8). Dem Gesuchsgegner
wurden jedoch bereits Fr. 960.– für Autokosten in Anrechnung gebracht. Ein Be-
trag, welcher den Maximalbetrag gemäss Kreisschreiben (vgl. Ziffer III.3.3e) bei
weitem übersteigt. Trotz gehobenem Standard ist es nicht angängig, derart hohe
Autokosten und zusätzlich auch noch Kosten für den öffentlichen Verkehr zu be-
- 21 -
rücksichtigen. Und schliesslich wurden diese Kosten auch nicht belegt. Der Ge-
suchsgegner ist diesbezüglich auf seinen Überschussanteil zu verweisen.
Für den (zutreffenden) Fall der getrennten Besteuerung der Parteien per
Steuerjahr 2015 beanstandete der Gesuchsgegner den von der ersten Instanz für
Steuern veranschlagten Betrag von Fr. 600.– nicht (vgl. Urk. 61 S. 26, 30; Urk. 60
S. 9 f.; vgl. auch Urk. 67 S. 7), weshalb es dabei bleibt. Nicht kritisiert wurden
auch die Kosten für den Grundbetrag (Fr. 1'350.–), die hälftigen Kindergrundbe-
träge (Fr. 600.–) sowie die Krankenkasse des Gesuchsgegners (KVG und VVG)
über Fr. 384.– (Urk. 61 S. 28; Urk. 60 S. 6 bzw. Urk. 67 S. 4; Urk. 70 S. 7 ff.).
Zusammengefasst beläuft sich der Bedarf des Gesuchsgegners somit zufol-
ge Anrechnung höherer Wohnkosten auf Fr. 7'662.– (Urk. 61 S. 16).
6. Unterhaltsberechnung
Einkommen GSin Fr. 4'223 Einkommen GG Fr. 12'153 Gesamteinkommen Fr. 16'376 Bedarf GSin Fr. 6'834 Bedarf GG Fr. 7'662 Gesamtbetrag Fr. 14'496 Freibetrag Fr. 1'880 60 % Freibetrag Fr. 1'128
Die erste Instanz teilte den Freibetrag zu 60 % der obhutsinhabenden Ge-
suchstellerin zu, unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der Gesuchsgeg-
ner die Kinder während der Hälfte der Zeit betreut (Urk. 61 S. 31). Der Gesuchs-
gegner hält solches angesichts der je hälftigen Kinderbetreuung für nicht nach-
vollziehbar und fordert eine hälftige Überschussaufteilung (Urk. 60 S. 5). Wie ge-
sehen, wird die Obhut über die beiden Kinder der Gesuchstellerin zugeteilt, wel-
che auch die diversen Kinderkosten (aus den Kinderunterhaltsbeiträgen) zu be-
streiten hat. Die vorinstanzliche Freibetragsaufteilung zugunsten der Gesuchstel-
lerin erscheint somit angemessen. Der hälftigen Mitbetreuung durch den Ge-
suchsgegner wurde immerhin dadurch Rechnung getragen, dass der Freibetrag
nicht etwa zu 2/3 oder gar 3/4 der Gesuchstellerin zugewiesen wurde.
- 22 -
Es resultiert somit ein Gesamtunterhaltsbeitrag von Fr. 3'739.– (Fr. 6'834.–
Bedarf Gesuchstellerin zuzüglich Fr. 1'128.– Anteil Freibetrag minus Fr. 4'223.–
Einkommen Gesuchstellerin). Die erste Instanz setzte die Kinderunterhaltsbeiträ-
ge aufgrund des Alters der beiden Kinder auf je Fr. 1'500.– inklusive Kinderzula-
gen fest (Urk. 61 S. 32, 36). Weil jedoch die Kinderzulagen (Fr. 236.15 für
C._ und Fr. 356.70 für D._ [Urk. 52/1]) vom Gesuchsgegner zusätzlich
zu zahlen sind, rechtfertigt es sich, die Kinderunterhaltsbeiträge mit Blick auf die
Bedürfnisse der Kinder auf Fr. 1'200.– (zuzüglich Kinderzulagen) festzulegen.
Damit verbleiben persönliche Unterhaltsbeiträge zugunsten der Gesuchstellerin
über (aufgerundet) Fr. 1'340.– pro Monat.
7. Beginn Unterhaltszahlungspflicht/Bereits erfolgte Unterhaltszahlungen
Die erste Instanz verpflichtete den Gesuchsgegner, die Kinderunterhaltsbei-
träge monatlich im Voraus zu zahlen, dem Antrag der Gesuchstellerin folgend
(vgl. Urk. 1 S. 2), erstmals per Auszug aus der ehelichen Wohnung, spätestens
ab 15. August 2015 (Urk. 61 S. 32, 36). Dies wurde für den Eventualfall nicht an-
gefochten (Urk. 60 S. 2, Urk. 67 S. 2, 9). Per 1. August 2015 bezog der Gesuchs-
gegner seine neue Wohnung (Urk. 68). Entsprechend ist er zu verpflichten, die
Kinderunterhaltsbeiträge von je Fr. 1'200.– zuzüglich Kinderzulagen erstmals per
1. August 2015 an die Gesuchstellerin zu bezahlen.
Die Gesuchstellerin beantragte vor Vorinstanz die Zusprechung von persön-
lichen Unterhaltsbeiträgen ab 6. Januar 2015 (Urk. 1 S. 2). Der Gesuchsgegner
bezahlte von Januar 2015 bis und mit Mai 2015 an die Gesuchstellerin anerkann-
termassen persönliche Unterhaltsbeiträge über insgesamt Fr. 10'000.– (fünf Mal
Fr. 2'000.–, vgl. Urk. 61 S. 31 f.). Ausgehend von Fr. 2'200.– der Gesuchstellerin
ab 1. Juni 2015 persönlich geschuldeten Unterhaltsbeiträgen, verpflichtete die
Vorinstanz den Gesuchsgegner, der Gesuchstellerin für diese Zeitspanne insge-
samt Fr. 1'000.– (fünf Mal Fr. 200.–) nachzuzahlen (Urk. 61 S. 32, 36, Dispositiv-
ziffern 8 und 9). Der Gesuchsgegner will demgegenüber festgestellt haben, dass
er für die Zeit von der Trennung bis zum 30. Juni 2015 seiner Unterhaltspflicht
gegenüber der Ehefrau bereits nachgekommen sei. Persönliche Unterhaltsbeiträ-
ge will er erst ab 1. Juli 2015 bezahlen (Urk. 60 S. 2, Antrag Ziffer 5).
- 23 -
In der Zeitspanne ab der Trennung im Januar 2015 bis Ende Juli 2015 prä-
sentierten sich die Bedarfe der Parteien jedoch anders. So bezahlte die Gesuch-
stellerin, welche die eheliche Liegenschaft verlassen hatte, Fr. 1'800.– pro Monat
für ihre Untermiete (Urk. 22/21), während der Gesuchsgegner, der zunächst in der
ehelichen Liegenschaft verblieb, die Kosten über rund Fr. 2'664.– zu tragen hatte.
Zudem bezahlte offenbar der Gesuchsgegner sämtliche Kinderkosten über rund
Fr. 1'544.– (Fr. 237.– Krankenkassenbeiträge [Urk. 3/16], Fr. 105.– Kosten Musik-
schule C._ [Urk. 3/8], Fr. 50.– Natelkosten, Fr. 200.– Taschengeld, Fr. 640.–
Sparkontobeiträge [Prot. I S. 24 f.], Fr. 180.– Reitstunden C._, Fr. 26.–
Zahnversicherung [Urk. 17/14], Fr. 106.– Kosten Zahnspange C._ [Urk. 54/5,
jene von D._ fielen noch nicht an, Urk. 55 S. 2; Urk. 60 S. 9], vgl. zum Gan-
zen: Prot. I S. 24; Urk. 16 S. 6, 8; Urk. 55 S. 4 i.V.m. Urk. 56/5. Die Kosten der
Psychologin G._ werden dabei nicht einberechnet, weil sie teilweise bereits
aus dem Vermögen bezahlt wurden und im Übrigen zu 75 % von der Kranken-
kasse übernommen werden [vgl. Urk. 55 S. 2 f.; Urk. 56/1, 2; Urk. 72/2 [echtes zu-
lässiges Novum gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO]). Somit belief sich der Bedarf der
Gesuchstellerin auf Fr. 5'623.– (Fr. 6'834.– ohne Fr. 2'664.– Kosten eheliche Lie-
genschaft zuzüglich Fr. 1'800.– damalige Wohnkosten abzüglich Fr. 110.– vom
Gesuchsgegner bezahlte Kosten Musikschule C._ und Fr. 237.– Kranken-
kassenbeiträge der Kinder) und der Bedarf des Gesuchsgegners auf Fr. 8'537.–
(Fr. 7'662.– abzüglich Fr. 3'333.– Wohnkosten ab August 2015 [Urk. 68] zuzüglich
Fr. 2'664.– Kosten eheliche Liegenschaft und Fr. 1'544.– bezahlte Kinderkosten).
Beim Gesamteinkommen von Fr. 16'376.– und einem damaligen Gesamtbedarf
von Fr. 14'160.– resultiert somit ein Überschuss von Fr. 2'216.–. Bei einer hälfti-
gen Überschussverteilung (der Gesuchstellerin stand damals die alleinige Obhut
noch nicht zu und der Gesuchsgegner bezahlte auch Kinderkosten, die zwar in
seinem Bedarf einberechnet wurden, von der Gesuchstellerin aber nicht mehr be-
zahlt werden mussten) resultierten somit Unterhaltsbeiträge von rund Fr. 2'508.–
(Fr. 5'623.– Bedarf Gesuchstellerin zuzüglich Fr. 1'108.– [1⁄2 Freibetrag] abzüglich
Fr. 4'223.– Einkommen Gesuchstellerin). Somit hätte der Gesuchsgegner der Ge-
suchstellerin betreffend die Zeit vom 6. Januar 2015 bis 31. Mai 2015 Fr. 2'540.–
(fünf Mal Fr. 508.–) nachzuzahlen. Weil die Gesuchstellerin jedoch keine Beru-
- 24 -
fung erhoben hat, bleibt es mit Blick auf das Verschlechterungsverbot bei der vo-
rinstanzlichen Nachzahlungsverpflichtung des Gesuchsgegners über Fr. 1'000.–
gemäss Dispositivziffer 9 des angefochtenen Urteils. Aus dem nämlichen Grund
bleibt es auch betreffend die Monate Juni 2015 und Juli 2015 bei den vorinstanzli-
chen persönlichen Unterhaltsbeiträgen über je Fr. 2'200.– gemäss Dispositivziffer
8 des angefochtenen Urteils. Ab 1. August 2015 sind schliesslich persönliche Un-
terhaltsbeiträge zugunsten der Gesuchstellerin über (aufgerundet) Fr. 1'340.– pro
Monat geschuldet. Bereits geleistete Zahlungen kann der Gesuchsgegner in Ab-
zug bringen. Mangels diesbezüglicher konkret behaupteter und belegter (im Übri-
gen bestrittenen, vgl. Urk. 70 S. 10) Zahlungen im Berufungsverfahren (Urk. 60
S. 11; Urk. 67 S. 8; Urk. 76 S. 3) kann jedoch nicht von einer Tilgung und damit
dem Untergang der Forderung zufolge Erfüllung ausgegangen werden.
C. Vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss und mit Blick auf die Anträge der Parteien vor Vorinstanz
(Urk. 1 S. 2, 7; Urk. 16 S. 1 f.) rechtfertigt es sich, die erstinstanzlichen Kosten-
und Entschädigungsfolgen zu bestätigen. Die Höhe der auf einen Drittel reduzier-
ten Parteientschädigung (Fr. 1'600.–) wurde für den Eventualfall im Übrigen nicht
angefochten (vgl. Urk. 61 S. 37, Dispositivziffer 14 und 15; Urk. 60 S. 2, 12).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
In (nicht vermögensrechtlichen) Kinderbelangen (Obhut, Besuchsrecht) sind
die Kosten praxisgemäss den Parteien je hälftig aufzuerlegen, wenn sie gute
Gründe für ihre Rechtsstandpunkte hatten (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO; ZR 84 Nr.
41). Davon ist vorliegend auszugehen. Ausgehend von seinen formellen Anträgen
(keine Festlegung von Kinderunterhaltsbeiträgen, persönliche Unterhaltsbeiträge
ab dem 1. Juli 2015 bis 1. Oktober 2015 von monatlich Fr. 1'457.– [Urk. 60 S. 2,
Anträge Ziffern 5 und 6 bzw. Urk. 67 S. 2, Anträge Ziffern 5 und 6]) und einer
mutmasslichen Dauer der eheschutzrichterlichen Unterhaltsregelung von 24 Mo-
naten ab Juni 2015 unterliegt der Gesuchsgegner somit insgesamt zu rund zwei
Dritteln. In diesem Umfang hat er die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen.
Im Umfang von einem Drittel wird demgegenüber die Gesuchstellerin kosten-
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pflichtig. Entsprechend ist der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuchstellerin
für das Berufungsverfahren in Anwendung von § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 3, § 11
Abs. 1-3 und § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV eine auf einen Drittel reduzierte Partei-
entschädigung über Fr. 1'000.–, zuzüglich Fr. 80.– (8 % Mehrwertsteuern, vgl.
Urk. 70 S 2), mithin Fr. 1'080.– zu bezahlen.