Decision ID: 63c3d9b6-81a5-4c28-8b0b-383a7d7cce2e
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 30. Januar 2015 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (Eingang Anmeldeformular IV-Stelle am 4. Februar 2015,
IV-act. 1). Sie wies in der Anmeldung auf eine im April 2013 erfolgte Entfernung der
Schilddrüse hin. Seither habe sie verschiedene Gesundheitsleiden, die offensichtlich im
Zusammenhang mit dieser Operation stünden. Dies seien Schmerzen in Armen und
Brust, Kopfschmerzen, Kribbeln in den Fingern und sehr schnelle Erschöpfung bei
Tätigkeiten im Haushalt. Für ihre zuvor seit September 2000 vollzeitlich ausgeübten
Arbeit in der Hauswirtschaft im Spital B._ war die Versicherte seit dem
29. September 2014 krankgeschrieben (vgl. IV-act. 11-3).
A.a.
Vom 2. bis 21. März 2015 hielt sich die Versicherte stationär in der Klinik C._
auf. Im Austrittsbericht vom 31. März 2015 werden die Diagnosen Angststörung,
mittelgradige depressive Episode, Zustand nach Thyreoidektomie 2013 und
Hysterektomie ca. 3 Jahre zuvor genannt. Während des Aufenthalts sei es zu einer
Teilremission des depressiven Zustandsbilds gekommen (IV-act. 17-1, 17-3). Am
1. April 2015 startete die Versicherte einen Arbeitsversuch im Pensum von 50% (vgl.
IV-act. 19-1). Sie unterbrach diesen Einsatz Ende Mai und reduzierte das Pensum ab
8. Juni 2015 auf 30% (IV-act. 23-3 f.). Nachdem der Arbeitgeber mitgeteilt hatte, dass
die Leistung nicht der Präsenzzeit entspreche, und keine Steigerung von Präsenz und
Leistung erfolgte, wurde das Arbeitsverhältnis auf den Zeitpunkt des Auslaufens der
Krankentaggelder im Mai 2016 hin aufgelöst (vgl. IV-act. 37-2 ff.).
A.b.
Am 11. September 2015 hatte Dr. med. D._ vom Institut E._ die Diagnosen
Chronic Fatigue Syndrom/Fibromyalgie genannt. Die Versicherte war im Institut zur
besseren Einstellung der Schilddrüsenmedikation in Behandlung gewesen. Dr. D._
A.c.
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hatte darauf hingewiesen, dass eine Arbeitstätigkeit bei bestehendem Chronic Fatigue
Syndrom nicht mehr möglich sei (IV-act. 25). Der zuständige Arzt des regionalen
ärztlichen Dienstes der Invalidenversicherung (RAD) Dr. med. F._ erwähnte am
26. Januar 2016 ein Telefongespräch mit Dr. D._, in dem diese festgehalten habe,
dass die Versicherte aus rein endokrinologischer Sicht über eine volle Arbeitsfähigkeit
verfüge und ausschliesslich die Hausärztin, Dr. med. G._, für die integrale,
insbesondere durch eine anhaltende Fatigue-Symptomatik bestimmte Einschätzung
des Gesundheitsschadens zuständig sei (IV-act. 36).
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 17. Februar 2016 mit, dass keine
beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 39).
A.d.
Vom 23. Februar bis 12. April 2016 hielt sich die Versicherte in der Klinik H._ auf.
Seitens der Klinik wurden am 28. April 2016 eine Konversionsstörung, eine
Schmerzstörung und eine Depression diagnostiziert. Die bisherige Tätigkeit als
Reinigungskraft sei der Versicherten nicht mehr zumutbar. Lediglich im zweiten
Arbeitsmarkt mit geringer körperlicher Belastung, mit der Möglichkeit vieler Pausen,
langsamem Arbeitstempo und ohne Zeitdruck sei eine Arbeit noch vorstellbar (IV-
act. 45-4 f.; siehe auch den Austrittsbericht vom 12. April 2016, IV-act. 55-51 ff.).
A.e.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. I._ am 26. September 2016 ein
psychiatrisches Gutachten. Er erhob die Diagnose rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig remittiert. Dieser mass er keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu (IV-
act. 55-44).
A.f.
Mit Mitteilung vom 25. Oktober 2016 verneinte die IV-Stelle erneut einen Anspruch
der Versicherten auf berufliche Massnahmen (IV-act. 59). Mit Vorbescheid vom
3. November 2016 kündigte sie bei einem Invaliditätsgrad von 0% die Verneinung eines
Rentenspruchs an (IV-act. 62), wogegen die Versicherte am 9. Dezember 2016
Einwand erheben liess (IV-act. 67). Dennoch verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
3. Januar 2017 einen Rentenanspruch (IV-act. 70). Auf Beschwerde hin (IV-act. 74)
widerrief die IV-Stelle die Rentenverfügung und kündigte weitere Abklärungen an (IV-
act. 80), worauf das Gerichtsverfahren abgeschrieben wurde (Verfügung vom 20. April
2017, IV-act. 92).
A.g.
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B.
C.
Die Psychiaterin Dr. med. J._, bei der sich die Versicherte seit Februar 2014 in
Behandlung befand, erwähnte im Bericht vom 9. Mai 2017 in psychiatrischer Hinsicht
die Diagnosen mittelgradige depressive Episode, Verdacht auf Konversionsstörung und
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Die
Versicherte sei einmal monatlich zu stützenden Gesprächen und der Entgegennahme
von Psychopharmaka bei ihr. Aufgrund der starken Müdigkeit und der Schmerzen mit
Dyspnoe sei sie nicht imstande, irgendeiner Tätigkeit nachzugehen (IV-act. 97-2 ff.). Die
Hausärztin Dr. G._ berichtete am 7. Juni 2017, die Versicherte sei seit dem 6. Februar
2017 zu 80% arbeitsunfähig (IV-act. 99-4).
B.a.
Im Auftrag der IV begutachtete die Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel
(ABI), die Versicherte am 8. November 2017. Im Gutachten vom 11. Dezember 2017
finden sich insbesondere folgende Diagnosen: chronisches zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom, chronisches thorakolumbospondylogenes Schmerzsyndrom,
Hypermobilität und partielle Recurrensparese links. Keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit massen die Gutachter unter anderem einer leichten depressiven
Episode und einer Somatisierungsstörung zu. Für leichte bis gelegentlich
mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten wie die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Hauswirtschafterin bestehe von Seiten des Bewegungsapparates eine volle
Arbeitsfähigkeit. Aus neurologischer Sicht bedinge die Dysphonie bei partieller
Recurrensparese links Einschränkungen für alle Arbeiten mit Publikumsverkehr (IV-
act. 112-23 f.). Der RAD empfahl, auf das Gutachten abzustellen (IV-act. 113).
B.b.
Die IV-Stelle kündigte der Versicherten daraufhin mit Vorbescheid vom 17. Januar
2018 die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 116). Trotz Einwands vom
12. März 2018 (IV-act. 123) verfügte die IV-Stelle nach Rückfrage beim RAD (vgl. IV-
act. 124) am 4. Mai 2018 gemäss Vorbescheid (act. G 1.1).
B.c.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt D. Ehrenzeller für die
Versicherte erhobene Beschwerde vom 1. Juni 2018. Beantragt werden unter Kosten-
und Entschädigungsfolge die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache mindestens
C.a.
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einer halben Invalidenrente. Eventualiter seien eine endokrinologische Begutachtung
und eine Abklärung der Leistungsfähigkeit vorzunehmen. Der Rechtsvertreter
wiederholt das Vorbringen des Einwands, wonach die Mutter der Beschwerdeführerin
unter einem systemischen Lupus erythematodes leide und auch das Beschwerdebild
der Beschwerdeführerin klar in diese Richtung weise. Die Frage einer möglichen
Vererbung sei vom ABI nicht angesprochen worden, obwohl ein erhöhtes Risiko für
Nachkommen bestehe. Weiter wird kritisiert, dass zwar eine Optimierung der
Schilddrüsen-Substitution empfohlen worden sei, aber Angaben dazu fehlten, wie dies
konkret vorzunehmen sei. Sinngemäss wird ferner ein innerer Widerspruch im
Gutachten betreffend den Einfluss der Schilddrüsen-Entfernung vom April 2013 und
dem späteren Beschwerdebild geltend gemacht. Im Weiteren wird in Bezug auf das
psychiatrische Teilgutachten unter anderem gerügt, dass die erhobenen Ressourcen
auf das frühere, normale Leben vor der Operation bezogen worden seien. Das bei der
Beschwerdeführerin bestehende chronische Müdigkeitssyndrom sei nur schwierig zu
objektivieren. Diesbezüglich sei die Beschwerdeführerin ungenügend abgeklärt worden
(act. G 1). Mit der Beschwerde liess die Beschwerdeführerin einen Bericht des
Internisten Dr. med. K._ vom 26. April 2018 samt einem Begleitbrief dieses Arztes
vom 19. Mai 2018 einreichen (act. G 1.2 f.).
Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 31. Juli 2018 die
Abweisung der Beschwerde. Sie sei mit der Einholung eines psychiatrischen und eines
polydisziplinären Gutachtens ihrer Abklärungspflicht in genügender Weise
nachgekommen. Zur Erkrankung der Mutter der Beschwerdeführerin wird festgehalten,
dass der rheumatologische ABI-Gutachter seine Diagnosen im Wissen darum gestellt
habe. In der endokrinologischen Abklärung sei die empfohlene Therapieoptimierung in
TSH-Werten angegeben worden. Es sei grundsätzlich Sache der Behandler, diesen
Ziel-Wert zu erreichen, was im Übrigen auch Dr. K._ so sehe. Zur Kritik am
psychiatrischen Teilgutachten hält die Beschwerdegegnerin fest, die Angaben der
Beschwerdeführerin insbesondere zu ihrem Tagesablauf und ihren Kontakten machten
es nachvollziehbar, dass der psychiatrische Gutachter Ressourcen erkannt habe. Die
mit der Beschwerde eingereichten Schreiben von Dr. K._ vermöchten sodann keine
Zweifel am Ergebnis des ABI-Gutachtens auszulösen. Die angefochtene Verfügung sei
bei einem Invaliditätsgrad von 0% nicht zu beanstanden (act. G 4).
C.b.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin lässt mit Replik vom 12. Oktober 2018 an ihren Anträgen
festhalten. Im Wesentlichen wiederholt und verstärkt ihr Rechtsvertreter die bereits
geäusserten Standpunkte. Gerügt wird zudem, dass die vom Rheumatologen des ABI
eigentlich anerkannten Dysbalancen und die myostatische Insuffizienz nicht
einbezogen worden seien. Dabei komme es aber etwa mit Blockierungen im
Wirbelsäulenbereich jeweils zu tageweisen Ausfällen jeglicher Aktivität (act. G 8).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin hält an ihrem Abweisungsantrag fest und verzichtet auf
weitere Ausführungen (Schreiben vom 23. Oktober 2018, act. G 10).
C.d.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Die entsprechende Prüfung der
Beschwerdegegnerin erfolgte gestützt auf die Anmeldung der Beschwerdeführerin zum
Leistungsbezug vom 30. Januar 2015.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2.
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2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.5.
Zwischen den Parteien umstritten ist, ob der Sachverhalt und damit die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in medizinischer Hinsicht ausreichend
abgeklärt wurden.
2.1.
Die Beschwerdeführerin ist sinngemäss der Ansicht, die Beschwerdegegnerin
hätte eingehender nach Ursachen für ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen suchen
müssen. Neben Erkrankungen von Vater und Bruder erwähnt sie diesbezüglich
insbesondere einen systemischen Lupus erythematodes, an dem die Mutter leide. Die
Frage einer möglichen Vererbung sei von den ABI-Gutachtern nicht angesprochen
worden (vgl. IV-act. 123-2 f., act. G 1 S. 2). Der rheumatologische Teilgutachter hatte
diese Erkrankung der Mutter erfragt und festgehalten (IV-act. 112-15).
Notorischerweise sind viele Erkrankungen vererbbar. Darüber im Rahmen einer
2.2.
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Begutachtung zur Ermittlung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit einer versicherten
Person zu diskutieren, ist im vorliegenden Fall jedoch weder erforderlich noch dürfte es
zielführend sein. Denn die Akten liefern keine Anhaltspunkte für das Vorliegen dieser
Erkrankung bei der Beschwerdeführerin. Der RAD hielt dazu nachvollziehbar fest, dass
der Lupus zu einer Kollagenose zähle und das Vorliegen einer solchen bei der
Beschwerdeführerin mit den durchgeführten Laboruntersuchungen ausgeschlossen
worden sei (IV-act. 124; zu den Laborwerten IV-act. 112-8). Der rheumatologische
Teilgutachter hatte darauf hingewiesen, dass eine Kollagenose als Ursache der diffusen
Schmerzsymptomatik zudem bereits im April 2017 ausgeschlossen worden sei (IV-
act. 112-17). Die Erkrankung der Mutter war schon den Ärzten der Klinik H._ im
Frühling 2016 bekannt gewesen (IV-act. 55-52; dies galt übrigens bereits für die Ärzte
der Rheumatologie im Silberturm im April 2015, vgl. IV-act. 21-47). Auch in der Klinik
H._ war im Rahmen des stationären Aufenthalts der Beschwerdeführerin im Februar
2016 eine Labordiagnostik durchgeführt worden (IV-act. 55-53 unten, 55-57). Auffällige
Werte wären zweifelsohne seitens der Klinikärzte diskutiert und angezeigte konkrete
weitere Abklärungen wären in die Wege geleitet worden. Mit der Beschwerdegegnerin
ist damit festzuhalten, dass dem ABI in Bezug auf allfällige unerkannte Erbkrankheiten
keine Unsorgfalt in der Abklärung vorgeworfen werden kann.
Auch konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die endokrinologische Abklärung
mangelhaft gewesen wäre, liegen nicht vor. Die Dauer der Untersuchung, die seitens
der Beschwerdeführerin mit 10 Minuten angegeben und als zu kurz gerügt wird, wurde
seitens des ABI nicht quantifiziert, hat aber bei dieser fachärztlichen Teildisziplin
ohnehin keine eigenständige Bedeutung. Dem endokrinologischen Teilgutachter lagen
die Vorakten vor und er war über die Leidensgeschichte der Beschwerdeführerin
offenkundig im Bild (vgl. IV-act. 112-22). Die Akten liefern keine Hinweise für konkrete
Zweifel an seiner Einschätzung, wonach ein Zusammenhang der multiplen
Beschwerden der Beschwerdeführerin mit der Schilddrüsenoperation unwahrscheinlich
sei. Diese Einschätzung teilte im Übrigen auch Dr. K._ in seinem Schreiben vom
19. Mai 2018 (act. G 1.3). Der endokrinologische ABI-Teilgutachter schliesst ferner
nicht aus, dass Müdigkeit, Orthostaseneigung und Schwindelgefühl durch die
persistente leichte hypothyreote Stoffwechsellage bedingt oder begünstigt sein
könnten. Einerseits sind jedoch diese Symptome und insbesondere ihr Ausmass
weitestgehend nur durch die subjektiven Schilderungen der Beschwerdeführerin zu
erheben, sodass ihr Ausmass im konkreten Fall unklar bleibt. Andererseits sah der
Gutachter eine Verbesserungsmöglichkeit in einer Optimierung der
Schilddrüsenhormonsubstitution. Die Beschwerdegegnerin weist zu Recht darauf hin,
dass der Gutachter einen Zielwert für das zu substituierende Thyreoidea-stimulierende
2.3.
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Hormon (auch Thyreotroponin genannt, TSH) angab (IV-act. 112-22) und die
Umsetzung der Therapieanpassung durch die behandelnden Ärzte zu erfolgen hat.
Diesbezüglich kann ein Gutachter freilich nicht mehr als eine Empfehlung abgeben.
Den weitgehend gleichen Zielwert strebte Dr. K._ in der Behandlung später denn
auch an (vgl. dessen Bericht vom 26. April 2018, S. 2 unten, act. G 1.2).
Dr. K._ erwähnte einen Verdacht auf ein chronisches Müdigkeitssyndrom
(act. G 1.2 S. 2). Ein solches hatte auch Dr. D._ erwähnt (undatierter Bericht, bei der
IV eingegangen am 18. Januar 2016, IV-act. 34-2, siehe auch IV-act. 29). Chronische
Müdigkeit wurde bereits 2014 in den Akten erwähnt. Nach einer Ursache wurde im
Spital L._, im Muskelzentrum ALS Clinic des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 21-32)
und seitens der Rheumatologie M._ gesucht, dies ohne Erfolg (vgl. IV-act. 21-48). Im
Rahmen des stationären Aufenthalts in der Klinik C._ vom 2. bis 21. März 2015
wurde allerdings nicht auf vermehrte Müdigkeit hingewiesen. Hingegen wurde erwähnt,
die Beschwerdeführerin habe keine Ein- und Durchschlafprobleme (IV-act. 21-40). Über
Erschöpfung hatte die Beschwerdeführerin zwar geklagt, aber auch über viele weitere
Symptome, die seitens der Klinik nicht zuverlässig einer konkreten Diagnose
zugeordnet werden konnten. Auch beim siebenwöchigen stationären Aufenthalt in der
Klinik H._ trat die Müdigkeit offenbar nicht als zentrales Problem in Erscheinung,
sondern wirkt eher wie ein untergeordneter Teil des überaus vielfältigen
Beschwerdebilds (vgl. IV-act. 55-51 ff.). Derselbe Eindruck ergibt sich bei der von Dr.
I._ vorgenommenen detaillierten Dokumentation der Leidensangaben; diesem
Gutachter gegenüber klagte die Beschwerdeführerin primär über Schmerzen (IV-
act. 55-23 f.). Im Rahmen der ABI-Begutachtung berichtete sie über Müdigkeit, aber
auch bei der dortigen Protokollierung des aktuellen Leidens durch den psychiatrischen
Gutachter wirkt diese Schilderung eher untergeordnet (IV-act. 112-9). Gegenüber dem
Rheumatologen erwähnte sie offenbar nur, dass sie nach den zweimaligen
Spaziergängen mit dem Hund müde und erschöpft sei (IV-act. 112-15). Gegenüber
dem Neurologen klagte sie primär über Schwäche. Dass dieser bei den (sich nicht auf
die Arbeitsfähigkeit auswirkenden) Diagnosen seines Fachgebiets schliesslich lediglich
ein subjektives Müdigkeitsgefühl festhielt und den Verdacht auf eine somatoforme
Schmerzstörung äusserte (IV-act. 112-20), ist insgesamt nachvollziehbar. Weitere
Abklärungen zur Müdigkeitssymptomatik drängen sich bei Gesamtschau der Akten
nicht auf.
2.4.
Die psychiatrische Beurteilung des ABI-Gutachtens will die Beschwerdeführerin
insbesondere deshalb nicht gelten lassen, weil sie dem Gutachter unterstellt, er habe
die erkannten Ressourcen einfach aus dem früheren normalen Leben gezogen. Es ist
2.5.
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zutreffend, dass der psychiatrische Gutachter der Aufforderung im Fragenkatalog,
"detaillierte Aussagen betreffend Beeinträchtigungen und vorhandener persönlicher
Ressourcen" zu machen (IV-act. 112-13), an dieser Stelle nur unzureichend
nachgekommen ist. Er begnügte sich mit der Aussage, es bestünden durchaus
Ressourcen, vor allem für angelernte Arbeiten, die Beschwerdeführerin habe
zusammen mit ihrem Mann auch zwei Töchter grossgezogen. Betrachtet man das
Teilgutachten aber in der Gesamtheit, treten andernorts gewisse Ressourcen der
Beschwerdeführerin zu Tage, wie die Beschwerdegegnerin sinngemäss zu Recht
geltend macht. Der Gutachter erwähnte, dass die Beschwerdeführerin durchaus
Hausarbeiten verrichte, so auch die Wäsche. Kurze Strecken fahre sie selber Auto oder
benütze den ÖV. Auch vornehmlich telefonische Kontakte zu Kolleginnen erwähnte der
Gutachter. Innerhalb der Familie sei der Kontakt sehr gut. Die Beschwerdeführerin
kümmere sich auch gerne um ihren kleinen Hund, mit dem sie selbst spazieren gehe.
Für Ehemann und Tochter koche sie (IV-act. 112-14). Gegenüber Dr. I._ hatte die
Beschwerdeführerin erwähnt, sie würde auch lesen, beispielsweise die Zeitung, aber
nicht täglich. Aktuell stricke sie an einem Pullover für sich. Fern sehe sie maximal 2
Stunden am Tag. Sie erwähnte zudem eine Kollegin, mit der sie etwas unternehme,
wenn diese frei habe (IV-act. 55-29, vgl. auch 55-42). Insgesamt scheint die
Beschwerdeführerin insbesondere mit ihrer (nicht nur der Kern-, sondern der
erweiterten) Familie, von der sie Unterstützung erfährt, eine nennenswerte Ressource
zu besitzen und sich ein gewisses Aktivitätsniveau erhalten zu haben. Dass ihr eine
geeignete Arbeitstätigkeit als zumutbar erachtet wurde, ist auch vor diesem
Hintergrund ausreichend nachvollziehbar und steht überdies im Einklang mit den wenig
auffälligen psychopathologischen Befunden bei der Begutachtung (guter affektiver
Kontakt; erhalten wirkender Selbstwert; vorhandener Antrieb; keine Hinweise auf
manifeste Ängste; Aufmerksamkeit, Auffassung und Gedächtnis ungestört; formal
geordnetes Denken [IV-act. 112-10], sehr gute Konzentration im
Untersuchungsgespräch [IV-act. 112-13]). Der Psychostatus war sodann auch bei der
Begutachtung durch Dr. I._ unauffällig gewesen (IV-act. 55-33 f.).
Abschliessend ist festzuhalten, dass sich auch aus den von der
Beschwerdeführerin erwähnten "eigentlich anerkannten Dysbalancen" und der
"myostatische[n] Insuffizienz mit entsprechenden muskuloligamentären
Überlastungsreaktionen" keine hinreichenden Zweifel am Beweiswert des ABI-
Gutachtens ableiten lassen. Bereits im April 2015 wurde ein chronisches
Panvertebralsyndrom erwähnt (IV-act. 21-47). Einer eingehenden Behandlung der
Rückenschmerzen bedurfte die Beschwerdeführerin aber offenbar nicht (abgesehen
von kurzzeitiger Physio- und medizinischer Trainingstherapie, vgl. IV-act. 112-15). Auch
2.6.
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3.
diagnostisch wurden keine weiteren grösseren Anstrengungen unternommen (zur
Kernspintomographie der HWS von 2017 und der CT der LWS von 2014 vgl. IV-
act. 112-14 unten). Rückschlüsse auf einen diesbezüglichen Leidensdruck können
aufgrund der vorliegenden Akten nicht hinreichend gezogen werden. Anhaltspunkte für
diesbezügliche ungenügende Abklärungen bestehen nicht.
Zum Adaptationsprofil und der Zumutbarkeit einer Arbeitstätigkeit hielten die ABI-
Gutachter in der Gesamtbeurteilung fest, das chronische zervikospondylogene und
thorakolumbospondylogene Schmerzsyndrom sowie die Hypermobilität beeinflussten
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Aufgrund der Hypermobilität und der
beginnenden degenerativen Veränderungen im Zervikal- und Lumbalbereich seien ihr
schwere und überwiegend mittelschwere Tätigkeiten nicht zumutbar. Für leichte bis
gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, wie die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit als Hauswirtschafterin, bestehe von Seiten des Bewegungsapparats eine volle
Arbeitsfähigkeit. Aus neurologischer Sicht wurden nur für Tätigkeiten mit
Publikumsverkehr Einschränkungen attestiert. Aus endokrinologischer,
allgemeininternistischer und psychiatrischer Sicht wurde die Arbeitsfähigkeit nicht als
eingeschränkt betrachtet (IV-act. 112-24). Diese Beurteilung erscheint im
Gesamtkontext als nachvollziehbar und schlüssig. Dem ABI-Gutachten ist voller
Beweiswert beizumessen.
2.7.
Basierend auf einer vollen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten erübrigt sich
die genaue Bemessung des Invaliditätsgrads. Die Beschwerdegegnerin hat die
Methode des Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG angewendet, was nicht zu
beanstanden ist. Da die Beschwerdeführerin auch ihre letzte Tätigkeit als
Hauswirtschaftsmitarbeiterin in einem Spital noch vornehmen könnte, ist das
Einkommensniveau vor und nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigungen
grundsätzlich dasselbe. Ohne quantitative Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit würde
damit nur ein Tabellenlohnabzug zu einem 0% übersteigenden Invaliditätsgrad führen.
Die rentenanspruchsbegründende Schwelle von 40% wird damit jedoch offenkundig
nicht erreicht, sodass auch die Bemessung des Tabellenlohnabzugs, der ohnehin auf
maximal 25% beschränkt ist (BGE 126 V 75), offenbleiben kann. Die
Beschwerdegegnerin hat den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht
verneint, sodass die Beschwerde abzuweisen ist.
3.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
3.2.
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