Decision ID: f1b5c723-d578-4759-96e3-ae5ad8a844fc
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. A (nachfolgend die Pflichtige) handelt seit vielen Jahren mit Produkten der
B Ltd. aus den Bereichen Ernährung und Kosmetik. Sie ist hierbei selbstständig er-
werbstätig und wickelt ihre Geschäftstätigkeit über die Einzelfirma C ab. In der Steuer-
erklärung 2006 wies sie einen damit erzielten Reingewinn von Fr. 54'905.- aus. Das
steuerbare Vermögen bezifferte sie auf Fr. 427'348.-, was gegenüber der Vorperiode
einer Vermögenszunahme von Fr. 435'836.- entsprach. Auf entsprechende Auflage
des Steuerkommissärs hin erklärte sie, diese Zunahme sei auf die Veräusserung von
Aktien der B Ltd. zurückzuführen, welche sie im Jahr 2003 erworben, ab 2004 aber
nicht mehr deklariert habe. Nach einer weiteren Untersuchung über die Umstände des
Aktienkaufs schätzte sie der Steuerkommissär am 25. Januar 2011 für die Steuerperi-
ode 2006 hinsichtlich der Staats- und Gemeindesteuern mit einem steuerbaren Ein-
kommen von Fr. 426'900.- ein. Dabei erfasste er den Kapitalgewinn aus der Veräusse-
rung der Aktien der B Ltd. von netto Fr. 401'362.- als Einkunft aus selbstständiger
Erwerbstätigkeit der Pflichtigen. Das steuerbare Vermögen setzte er auf Fr. 435'000.-
fest. Mit Hinweis vom gleichen Tag stellte er für die direkte Bundessteuer 2006 die
analoge Veranlagung mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 424'500.- in Aussicht.
Die diesbezügliche Veranlagung wurde mit Steuerrechnung vom 11. Februar 2011
formell eröffnet. In beiden Entscheiden wurde als Tarif derjenige für Verheiratete ange-
geben.
B. Hiergegen liess die Pflichtige am 21. Februar 2011 Einsprache erheben
und beantragen, von der Besteuerung des Kapitalgewinns aus der Aktienveräusserung
abzusehen, da es sich bei den Aktien der B Ltd. um Privatvermögen handle. Das kan-
tonale Steueramt wies die Einsprachen am 30. September 2011 ab und brachte
gleichzeitig den Tarif für Alleinstehende bzw. den Grundtarif zur Anwendung.
C. Mit Beschwerde bzw. Rekurs vom 1. November 2011 liess die Pflichtige die
Einspracheanträge wiederholen. Das kantonale Steueramt schloss am 22. Febru-
ar 2012 auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess
sich nicht vernehmen.
- 3 -
1 DB.2011.238 1 ST.2011.318

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Nicht streitig ist, dass der Pflichtigen im Zusammenhang mit der Veräusse-
rung einer Vielzahl von Aktien der B Ltd. an der Börse am 19. Mai und 17. Novem-
ber 2006 ein Erlös von insgesamt USD 341'426.- zugeflossen ist (T-act. 35).
Der Steuerkommissär hat diesen Erlös von umgerechnet Fr. 426'182.- um den
Ankaufspreis der Aktien von umgerechnet Fr. 24'820.- gekürzt und das Ergebnis von
Fr. 401'362.- als Einkunft aus selbstständiger Erwerbstätigkeit besteuert (T-act. 61). Er
erwog, es bestehe ein enger Zusammenhang zwischen der Erwerbstätigkeit der Pflich-
tigen als Vertriebspartnerin von Produkten der B Ltd. und der Zuteilung bzw. dem Ver-
kauf der Aktien der B Ltd., auch wenn die Aktien nie in der Bilanz der Einzelfirma bilan-
ziert worden seien. Demgegenüber bestreitet die Pflichtige das Vorliegen von
steuerbarem Einkommen, indem sie eine selbstständige Erwerbstätigkeit im Rahmen
ihrer Einzelfirma und die Zugehörigkeit der veräusserten Aktien zu deren Geschäfts-
vermögen in Abrede stellt. Letzteres deshalb, weil diese Aktien der Einzelfirma man-
gels irgendeiner Einflussnahmemöglichkeit bei der B Ltd. weder mittelbar noch unmit-
telbar dienlich gewesen seien.
2. a) Nach der Generalklausel von Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) und § 16 Abs. 1 des Steuer-
gesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) unterliegen der Einkommenssteuer alle wiederkeh-
renden und einmaligen Einkünfte. Gemäss Art. 18 DBG und § 18 StG sind insbesonde-
re alle Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-, Land- und Forst-
wirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen selbstständigen
Erwerbstätigkeit steuerbar (Abs. 1); zu den Einkünften aus selbstständiger Erwerbstä-
tigkeit zählen sodann auch alle Kapitalgewinne aus Veräusserung, Verwertung oder
buchmässiger Aufwertung von Geschäftsvermögen (Abs. 2). Steuerfrei sind nach
Art. 16 Abs. 3 DBG und § 16 Abs. 3 StG – bei der Staats- und Gemeindesteuer vorbe-
hältlich der Grundstückgewinnsteuer – demgegenüber Kapitalgewinne aus der Veräus-
serung von Privatvermögen.
- 4 -
1 DB.2011.238 1 ST.2011.318
Es stellt sich mithin die Frage, was als selbstständige Erwerbstätigkeit zu gel-
ten hat bzw. welche Gewinnrealisationen als steuerfreie Kapitalgewinne einzustufen
sind. Steuerbar sind Gewinne aus der Veräusserung von Geschäftsvermögen.
b) Bei Wertschriften bzw. Aktien handelt es sich um Alternativgüter, die so-
wohl dem Geschäft wie auch privaten Zwecken dienen können. Nach ständiger Recht-
sprechung ist die Zuteilung eines alternativen Wirtschaftguts nach objektiven Gesichts-
punkten unter Würdigung der Gesamtheit der Umstände und der tatsächlichen
Verhältnisse des Einzellfalls vorzunehmen. Dabei kommt der Mittelherkunft für die An-
schaffung und der buchmässigen Behandlung des betreffenden Aktivums geringeres
Gewicht zu als seiner Zweckbestimmung im Betrieb, d.h. der technisch-wirtschaftlichen
Funktion (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009,
Art. 18 N 95 DBG und Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A.,
2006, § 18 N 80 StG). Gemäss Bundesgericht gehören Aktien dann zum Geschäfts-
vermögen des Steuerpflichtigen, wenn eine enge wirtschaftliche Beziehung zwischen
der Beteiligung an der Aktiengesellschaft und dem Geschäft des Steuerpflichtigen be-
steht. Letzteres ist dann anzunehmen, wenn der Geschäftsinhaber eine massgebliche
Beteiligung an der Aktiengesellschaft besitzt, die dem gleichen Erwerbszweig angehört
wie sein eigenes Unternehmen und auch die Gesellschaft unter seiner persönlichen
Führung betrieben wird. Insbesondere massgebend ist auch, ob die Personenunter-
nehmung als Hauptbetrieb zu qualifizieren ist und die Kapitalgesellschaft somit von
dieser wirtschaftlich abhängt. Führt hingegen die Kapitalgesellschaft den Hauptbetrieb,
während der Personenunternehmung lediglich eine untergeordnete Bedeutung zu-
kommt, gelten die Anteile der Kapitalgesellschaft als Privatvermögen (vgl. Fabi-
an Amschwand, Geschäftsvermögen oder Privatvermögen? Eine Übersicht, StR 2000,
S. 487, mit Verweisen auf BGr, 3. September 1999 = NStP 1999, 145 und BGr,
24. November 1978 = ASA 49, 72). In diesem Sinn hat auch das Verwaltungsgericht in
einem Fall auf Geschäftsvermögen geschlossen, in welchem ein hauptberuflich im
Biervertrieb tätiger Einzelkaufmann die Mehrheitsbeteiligung an der von ihm gegründe-
ten und seiner Einzelfirma dienlichen Biervertriebs AG mit Gewinn verkauft hatte
(VGr, 19. Dezember 1996 = ZStP 1997, 193 ff.); umgekehrt hat das gleiche Gericht
konsequenterweise die Mehrheitsbeteiligung an einem Bau- und Immobilienunterneh-
men nicht als Geschäftsvermögen eines selbstständig erwerbenden Architekten be-
trachtet, weil die wirtschaftlich-technische Verknüpfung der beiden Geschäftsbereiche
nicht hinreichend erstellt war (VGr, 14. Juli 1999 = StE 1999 B 23.45.2 Nr. 1). Mit Urteil
vom 22. April 2005 ist das Bundesgericht sodann aber noch einen Schritt weiter ge-
- 5 -
1 DB.2011.238 1 ST.2011.318
gangen und hat das Vorliegen einer Mehrheitsbeteiligung für die Zurechnung zum Ge-
schäftsvermögen nicht mehr als erforderlich, sondern auch eine Minderheitsbeteiligung
als massgebend erachtet (BGr, 22. April 2005, 2A.547/2004 = StE 2006 B 23.2 Nr. 31;
vgl. auch VGr, 19. November 2008, SB.2007.00089, www.vgrzh.ch). Darüber hinaus
hat das oberste Gericht in diesem Entscheid die für die Annahme von Geschäftsver-
mögen erforderliche enge wirtschaftliche Beziehung zwischen der Beteiligung an der
Kapitalgesellschaft und dem Steuerpflichtigen in der Weise verallgemeinernd definiert,
dass eine solche Beziehung letztlich schon als gegeben erscheint, wenn der Steuer-
pflichtige die Beteiligung konkret dazu einsetzt, um das Geschäftsergebnis seines ei-
genen Unternehmens bzw. dessen Gewinnchancen zu verbessern.
c) Nach Art. 123 Abs. 1 DBG bzw. § 132 Abs. 1 StG haben die Steuerbehör-
den zusammen mit dem Steuerpflichtigen die für die vollständige und gerechte Be-
steuerung massgeblichen tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse festzustellen.
Dabei gilt als allgemeine Regel der (objektiven) Beweislastverteilung, dass die Steuer-
behörde die steuerbegründenden Tatsachen nachzuweisen hat, der Steuerpflichtige
dagegen diejenigen Umstände, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben
(RB 1990 Nr. 36 = StE 1990 B 92.51 Nr. 3).
Geht es um die Frage, ob der bei einer Veräusserung eines Gegenstands
bzw. Rechts erzielte Kapitalgewinn steuerfrei sei, ist hierfür grundsätzlich der Steuer-
pflichtige beweisbelastet. Denn nach der Generalklausel von Art. 16 Abs. 1 DBG bzw.
§ 16 Abs. 1 StG sind alle Einkünfte steuerbar und stellt die Steuerfreiheit von Kapital-
gewinnen auf beweglichem Privatvermögen gemäss Art. 16 Abs. 3 DBG bzw. § 16
Abs. 3 StG eine Ausnahme davon dar, welche die Steuerschuld mindert. Behauptet
jedoch die Steuerbehörde in diesem Zusammenhang, ein Kapitalgewinn sei nicht steu-
erfrei, weil der Steuerpflichtige eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausübe und der
Kapitalgewinn auf einem zu dessen Geschäftsvermögen gehörenden Aktivum erzielt
worden sei, so ist für das Vorliegen der selbstständigen Erwerbstätigkeit und die Zuge-
hörigkeit des fraglichen Aktivums zum Geschäftsvermögen die Steuerbehörde beweis-
belastet. Denn dem Steuerpflichtigen kann für die negative Tatsache, dass keine sol-
che Tätigkeit vorliegt und das Aktivum, mit dem der Kapitalgewinn erzielt worden ist,
nicht dem Geschäftsvermögen angehört, nicht der (Haupt-)Beweis auferlegt werden.
Indessen obliegt dem Steuerpflichtigen der Gegenbeweis dafür, dass er (ausschliess-
lich) unselbstständig bzw. überhaupt nicht erwerbstätig und das Aktivum somit dem
Privatvermögen zuzuordnen ist.
- 6 -
1 DB.2011.238 1 ST.2011.318
Von der (objektiven) Beweislastverteilung zu unterscheiden ist der Untersu-
chungs- und Mitwirkungsgrundsatz. Danach ist es die Pflicht (und das Recht) der
Steuerbehörde, den für den Einschätzungsentscheid rechtserheblichen Sachverhalt
von Amts wegen abzuklären und ihm nur solche Tatsachen zugrunde zu legen, von
deren Vorhandensein sie sich selber überzeugt hat (RB 1987 Nr. 35, BGE 92 I 253 und
Martin Zweifel, Die Sachverhaltsermittlung im Steuerveranlagungsverfahren, 1989,
S. 11). Damit die Steuerbehörde ihrer Untersuchungspflicht nachkommen kann, ist der
Steuerpflichtige kraft der ihm obliegenden Verfahrenspflichten allerdings gehalten (und
berechtigt), an der Untersuchung mitzuwirken (BGr, 20. Dezember 1991 = StE 1993
B 93.3 Nr. 4).
3. a) Die Pflichtige hat die veräusserte Vielzahl von (Vorzugs- bzw. "Prefer-
red"-) Aktien der B Ltd. am 12. Mai 2003 als Teil einer ursprünglich insgesamt rund 2.5
Mal grösseren Anzahl dieser Titel erworben (T-act. 44 - 46). Selbst letztere Gesamt-
zahl stellt unstreitig eine Minderheitsbeteiligung an der B Ltd. dar (vgl. Prospekt über
die Durchführung einer öffentlichen Kapitalerhöhung der B Ltd. im Jahr 2004 mit rund
50 Mio. Aktien vor und rund 66 Mio. Titeln nach der Erhöhung, T-act. 55 S. 5). Gemäss
der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts hindert dieser Umstand jedoch nicht
daran, Geschäftsvermögen anzunehmen. Zusätzliche Voraussetzung bildet indessen,
dass die Pflichtige diese Beteiligung u.a. für ihre Tätigkeit als selbstständig Erwerben-
de erworben und sie ihr in der Folge in diesem Zusammenhang auch tatsächlich ge-
dient hat.
b) Zwischen den Parteien ist nicht streitig, dass der Aktienbesitz der Pflichti-
gen für ihre selbstständige Erwerbstätigkeit als Vertreiberin der einschlägigen Produkte
insofern keine Vorteile gebracht hat, als sie ihre Geschäftstätigkeit dank dieser Beteili-
gung nicht hatte ausweiten und z.B. nicht mehr Produkte hatte absetzen können. In
Beschwerde und Rekurs bringt sie damit übereinstimmend und unwidersprochen vor,
sowohl ihre Stellung als Vertriebspartnerin dieser Produkten als auch ihre Konditionen
für den Ankauf der Produkte habe der Stellung aller übrigen Vertriebspartner entspro-
chen, welche keine Aktien erworben hätten (R-act. 2 und 5 je S. 3). Mithin scheint es
am erforderlichen, engen wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen der Beteiligung
und der selbstständigen Erwerbstätigkeit der Pflichtigen zu fehlen. Im Einspracheent-
scheid wird vom kantonalen Steueramt zudem eingeräumt, dass sämtliche übrigen
Kriterien – äussere Beschaffenheit, Herkunft der Mittel für den Aktienerwerb, Erwerbs-
- 7 -
1 DB.2011.238 1 ST.2011.318
motiv, buchhalterische und steuerliche Behandlung der Aktien, Verwendung des Ver-
kaufserlöses und der Wille sowie die Sachdarstellung der Pflichtigen – mit Ausnahme
des Erwerbsmotivs für das Vorliegen von Privatvermögen sprächen (T-act. 75 und 76
je S. 6). Demnach fehlen bei erster Betrachtung Anhaltspunkte für das Vorliegen von
Geschäftsvermögen.
c) Indessen ist gleichwohl von einem erheblichen wirtschaftlichen Zusammen-
hang zwischen dem Aktienkauf und der selbstständigen Erwerbstätigkeit auszugehen:
aa) Die Pflichtige erwarb am 12./16. Mai 2003 ursprünglich rund 2.5 Mal die
Anzahl der vorliegend veräusserten Aktientitel für USD 50'000.- (T-act. 44 - 46). Am
24./25. März 2004 wurde letzterer Betrag, d.h. USD 48'189.12 (= USD 50'000.- ./. Spe-
sen) zurückbezahlt (T-act. 33 und 36). Im Einschätzungsverfahren liess die Pflichtige
am 29. August 2008 als Grund für diese Rückzahlung ausführen, es seien nach ihrem
Investment angeblich noch andere Investoren gefunden worden. Als "Geste" für die
Bereitschaft zur Mithilfe der Finanzierung habe sie die Hälfte der Aktien trotz Rückzah-
lung des Investments behalten können (Antwort der Auflage zur Begründung der Ver-
mögensvermehrung T-act. 36). Dementsprechend lautet das spätere Aktienzertifikat
der B Ltd. vom 7. Juni 2005 nur noch auf die Hälfte der ursprünglich erworbenen Pa-
piere (T-act. 34).
bb) Sofern diese Sachverhaltsdarstellung zutrifft (vgl. hierzu aber E. 3.d), ver-
hält es sich wie folgt: Indem die Pflichtige ihre Investition (bis auf die Spesen) vollstän-
dig zurückerhalten hat und trotzdem die Hälfte der zugeteilten Aktien behalten konnte,
hat sie im Ergebnis diese Hälfte des Aktienbestands von der B Ltd. ohne Gegenleis-
tung erhalten. Bei der letzteren Firma handelt es sich um ihre Handelspartnerin bzw.
die Lieferantin, von der sie die zum Endverkauf bestimmten einschlägigen Produkte
exklusiv bezieht. Fragt man nach dem Grund dieser Zuwendung, drängt sich zwangs-
läufig die Vermutung auf, er sei im Verhältnis der Pflichtigen als selbstständiger Ver-
triebspartnerin der B Ltd. zu suchen. Dies umso mehr, als sie diese Tätigkeit nach ih-
ren eigenen Angaben seit vielen Jahren ausübt (T-act. 38 und 42) und die fragliche
"Geste" der Aktienüberlassung durch die Lieferantenfirma von daher als geschäftlich
durchaus nachvollziehbar erscheint. Die Pflichtige macht nicht geltend, andern Investo-
ren, insbesondere solchen ausserhalb der Vertriebsstruktur der B Ltd., d.h. unabhängi-
gen Dritten, sei eine gleiche oder ähnliche Vorzugsbehandlung zuteil geworden. Ins
Bild der Bevorzugung passt zudem, dass die Pflichtige ihre Aktien im Rahmen einer
- 8 -
1 DB.2011.238 1 ST.2011.318
nicht öffentlichen Kapitalerhöhung bzw. vor dem Ende 2004 erfolgten Börsengang der
B Ltd. erwarb und Letztere dabei insbesondere auch die eigene Vertriebsstruktur um
Aktienzeichnung anging (T-act. 42 S. 2 f.).
cc) Die Pflichtige hat auf weitere Auflage des Steuerkommissärs im Einschät-
zungsverfahren am 27. September 2009 zwar entgegen dieser Sachverhaltsschilde-
rung vorbringen lassen, sie habe relativ schnell nach dem Börsengang der B Ltd. die
Hälfte ihrer Aktien zum Preis von USD 48'189.12 wieder verkauft, womit sie ihr Invest-
ment praktisch vollumfänglich wieder abgesichert gehabt und daraufhin wiederholt er-
klärt habe, dass sie die restlichen Aktien als "Geschenk" empfinde (T-act. 42). Diese
Sachverhaltsdarstellung wiederholte sie jedoch weder in der Einsprache noch in der
Beschwerde bzw. im Rekurs. Zudem liegen keinerlei Umstände vor, welche hinsichtlich
des Weiterverkaufs für deren Richtigkeit sprechen, fehlt es doch schon an den die be-
hauptete Teilveräusserung nachweisenden Unterlagen.
In der Auflageantwort vom 27. September 2009 nahm die Pflichtige zu ihrer
ursprünglichen Sachverhaltsschilderung vom 29. August 2008 Stellung und führte aus,
diese Schilderung sei verwirrend, da die "Geschichte" in einem professionellen Umfeld
völlig utopisch klinge. Zudem sei sie darauf zurückzuführen, dass sie, die Pflichtige, im
Zeitpunkt der ersten Auflage zur Vermögensvermehrung unter grossem seelischem
Stress gestanden sei, weil ihr damaliger Lebenspartner kurz zuvor einen Suizidversuch
unternommen habe und sie dadurch für längere Zeit völlig aus der Fassung gewesen
sei. Als sie dann ihre frühere Vertreterin wegen der Vermögensvermehrung angefragt
habe, sei ihr nächster Gedanke darin gelegen, dass es sich bei den verbleibenden Ak-
tien um ein Geschenk handle (T-act. 42 S. 4).
Von einer utopischen Sachverhaltsschilderung kann keine Rede sein, ent-
spricht es doch durchaus der Lebenserfahrung, dass ein Lieferant einem langjährigen
Abnehmer seiner Produkte bei der Suche nach neuem Eigenkapital Sonderkonditionen
gewährt, auch wenn diese Konditionen in casu möglicherweise als grosszügig erschei-
nen mögen. Im weitern liegen für die geltend gemachten negativen Lebensumstände
der Pflichtigen keinerlei Anhaltspunkte vor, da sich die frühere Vertreterin in der Einga-
be vom 29. August 2008 in keiner Form diesbezüglich äusserte. Sodann erfolgte die
Rückzahlung der Summe von USD 48'189.12 mit Check vom 24. März 2004, d.h. der
behauptete hälftige Verkauf hat an diesem Datum stattgefunden. Dies kollidiert jedoch
mit der weiteren Angabe in der abgeänderten Sachdarstellung zeitlich insofern, als die
- 9 -
1 DB.2011.238 1 ST.2011.318
Pflichtige den Weiterverkauf erst – wenn auch "relativ schnell" – nach dem Ende 2004
erfolgten Börsengang der B Ltd. und damit offenkundig erst im Jahr 2005 getätigt ha-
ben will. Schliesslich weist die eingereichte "Book-Entry History" – ausgehend vom
Aktienbestand per 14. März 2006 mit ... Stück – nur nach diesem Datum abgewickelte
Verkäufe der Pflichtigen und damit nicht die behauptete hälftige Veräusserung des
Aktienbestands im Jahr 2005 aus (T-act. 35 bzw. 52).
dd) Bliebe es demnach dabei, dass die der Pflichtigen nach Rückzahlung der
Investmentsumme belassene Hälfte der Aktientitel von der B Ltd. ohne Gegenleistung
zugewendet wurde und dies seinen Grund im Umstand hat, dass die Pflichtige seit
vielen Jahren als selbstständige Vertriebspartnerin der B Ltd. agiert, stellte die Zuwen-
dung Einkommen aus ihrer selbstständigen Erwerbstätigkeit dar. Damit hätte ihr aber
die Beteiligung in der Einzelfirma gedient und wäre der erforderliche wirtschaftlich enge
Zusammenhang zwischen der Beteiligung sowie der selbstständigen Erwerbstätigkeit
gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts ohne weiteres gegeben, auch wenn die
Pflichtige nach dem Aktienerwerb sonst nicht mehr von ihr profitiert haben sollte. Bei
den veräusserten Vielzahl an Aktientiteln handelte es sich daher um Geschäftsvermö-
gen.
d) Die vorhandenen, von der Pflichtigen im Einschätzungsverfahren einge-
reichten Unterlagen sprechen jedoch eher für die Verwirklichung eines andern, von den
Parteien nicht in Erwägung gezogenen Sachverhalts: Die Pflichtige erwarb am 12./16.
Mai 2003 ein rund 2.5 mal die Anzahl der veräusserten Titel umfassendes Aktienpaket
bestehend aus "Cumulative Convertible Preferred Shares" der D Ltd. (= "the indirect
parent of B Ltd.") zum Preis von USD 50'000.- (Aktienzertifikat der D Ltd vom 23. Mai
2003, T-act. 34, Beilage; T-act. 44, 45 und 54). Diese Titel wurden dann am 24. März
2004 gemäss dem Vermerk "Conversion of PFD Shares" auf dem Rückzahlungscheck
über USD 48'189.12 (T-act. 47) und gemäss dem am gleichen Datum ausgestellten
Aktienzertifikat der D Ltd. (T-act. 46) in gewöhnliche Aktien, so genannte "Common
Shares" umgewandelt. Am 1. Dezember 2004 fand eine Versammlung der Aktionäre
der D Ltd. statt, anlässlich derer ein "reverse stock split", d.h. eine Aktienzusammenle-
gung, der ausstehenden "common shares" im Verhältnis 1 : 2 und gleichzeitig eine
Namensänderung der Gesellschaft von D Ltd. in B Ltd. vorgeschlagen wurden (Einla-
dung an die Aktionäre der D Ltd. zu einer ausserordentlichen Versammlung vom 24.
November 2004, T-act. 54). Diesem Vorschlag entsprechend stellte dann die B Ltd. der
Pflichtigen am 7. Juni 2005 ein Zertifikat über die Hälfte der ursprünglichen Anzahl Ak-
- 10 -
1 DB.2011.238 1 ST.2011.318
tien, lautend auf die B Ltd., aus (T-act. 48). Dies lässt darauf schliessen, dass der Vor-
schlag über die Aktienzusammenlegung auf die Hälfte der Titel samt Namensänderung
an der Aktionärsversammlung vom 1. Dezember 2004 angenommen worden war. Da-
mit verfügte die Pflichtige aufgrund dieser Aktienzusammenlegung ab 2005 nurmehr
über die hälftige Anzahl Aktien der B Ltd. Der Grund für die hälftige Aktienauszahlung
ist dabei nicht darin zu suchen, dass sie die Hälfte der Papiere verkauft oder an die B
Ltd. zurückgegeben hätte. Im Ergebnis verfügte sie somit nach wie vor über das ge-
samte im Mai 2003 erworbene Aktienpaket. Dabei kam ihr aber ein gewichtiger Vorteil
zu, wurden ihr doch anlässlich der Umwandlung der "Preferred Shares" in "Common
Shares" am 24. März 2004 von der D Ltd. USD 48'189.12 bezahlt (Check vom 24.
März 2004 mit dem Vermerk "Cash Payment upon Conversion of PFD Shares", T-act.
47).
Ein in der Aktienumwandlung selber liegender Grund für diese, den ursprüng-
lich investierten Betrag von USD 50'000.- (abzüglich Spesen) umfassende Zahlung ist
nicht ersichtlich und damit auch nicht nachvollziehbar. Daher drängt sich wiederum
zwangsweise die Vermutung auf, der Grund sei im Verhältnis der Pflichtigen als lang-
jährige selbstständige Vertriebspartnerin der B Ltd., ihrer (Exklusiv-)Lieferantin, zu su-
chen. Nur dies erscheint angesichts der erwähnten Umstände – Aktienerwerb im Rah-
men einer nicht öffentlichen Kapitalerhöhung und Kaufofferte u.a. an die eigene
Vertriebsstruktur – sowie der fehlenden Vorbringen der Pflichtigen über die Vorteils-
einräumung auch gegenüber unabhängigen Dritten als geschäftlich nachvollziehbar
(vgl. vorstehend E. 3. c) bb). Hat die Beteiligung der Pflichtigen in der Einzelfirma aber
derart gedient, stellt die fragliche Zahlung wiederum Einkommen aus ihrer selbststän-
digen Erwerbstätigkeit dar. Der erforderliche wirtschaftlich enge Zusammenhang zwi-
schen der Beteiligung und der selbstständigen Erwerbstätigkeit gemäss Rechtspre-
chung des Bundesgerichts ist gegeben, sodass es sich bei den veräusserten Aktientitel
um Geschäftsvermögen handelt.
e) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Beteiligung der Pflichti-
gen an der B Ltd. ihrem Geschäftsvermögen zuzuordnen ist und mithin im Rahmen des
diesbezüglichen gewinnbringenden Verkaufs Einkommen aus selbstständiger Erwerbs-
tätigkeit, d.h. kein steuerfreier Kapitalgewinn angefallen ist.
f) Der zu besteuernde Kapitalgewinn ist im Quantitativen nicht streitig und
setzt sich aus dem erzielten Veräusserungserlös für die Aktien von USD 341'426.42,
- 11 -
1 DB.2011.238 1 ST.2011.318
entsprechend Fr. 426'182.-, abzüglich der anteiligen Gestehungskosten von (umge-
rechnet) Fr. 24'820.- zusammen (T-act. 35, Beilagen). Anzumerken ist aber immerhin,
dass bei dem im vorliegenden Entscheid als richtig erkannten Sachverhalt an sich von
einer Rückzahlung der Investitionssumme auszugehen ist und der Pflichtigen daher bis
auf die bei der Rückzahlung abgezogenen Spesen gar keine Gestehungskosten ent-
standen sind. Die Pflichtige ist daher mit der Anerkennung von solchen Kosten noch
gut gefahren.
4. Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Rechtsmittel. Ausgangsge-
mäss sind die Kosten der Pflichtigen aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG, § 151 Abs. 1
StG). Die Zusprechung einer Parteientschädigung entfällt, bei der direkten Bundes-
steuer zufolge Unterliegens und bei den Staats- und Gemeindesteuern mangels eines
entsprechenden Begehrens (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesge-
setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968, § 152 StG i.V.m. § 17
Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997).