Decision ID: c3ec2d87-90a9-508c-b5ac-38d9b8a60161
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am 22. April 1952 geborene A._ ist kosovarischer und/oder ser-
bischer Staatsangehöriger (s. unten Bst. B, C) und lebt in der Republik
Serbien. In den Jahren 1981 bis 1989 hat er mit Unterbrüchen während
insgesamt 37 Monaten in der Schweiz gearbeitet und Beiträge an die
schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(AHV/IV) entrichtet (vgl. Akten der Schweizerischen Ausgleichskasse
[SAK-act.] 7, 8, 12 S. 11; 15 S. 4).
B.
B.a Mit Antragsformular vom 27. Februar 2012 ersuchte A._ (nach-
folgend Versicherter, Beschwerdeführer) die SAK um Rückvergütung sei-
ner AHV-Beiträge (SAK-act. 1). Er deklarierte, die kosovarische Staatsbür-
gerschaft zu besitzen und nicht Doppelbürger zu sein. Ausserdem reichte
er Kopien einer kosovarischen Identitätskarte, eines kosovarischen Staats-
angehörigkeitszertifikats und eines Heiratszertifikats, auf welchen seine
Staatsangehörigkeit als kosovarisch angeführt wird, ein (SAK-act. 2-4;
nachfolgend kosovarische Identifikationsdokumente).
B.b Am 15. Mai 2012 teilte die SAK dem Beschwerdeführer mit, dass das
Bundesgericht aktuell prüfe, ob die Rückvergütung der AHV-Beiträge an
kosovarische Staatsbürger möglich sei (SAK-act. 6). Die SAK könne und
werde seinen Rückvergütungsantrag erst nach Vorliegen des Entscheids
des Bundesgerichts prüfen.
B.c Mit Urteil 9C_662/2012 vom 19. Juni 2013 (BGE 139 V 263) befand
das Bundesgericht, dass das Abkommen vom 8. Juni 1962 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der ehemaligen Föderativen
Volksrepublik Jugoslawien über Sozialversicherung (SR 0.831.109.818.1;
nachfolgend Abkommen Jugoslawien) sowie die Verwaltungsvereinbarung
vom 5. Juli 1963 betreffend die Durchführung des Abkommens
(SR 0.831.109.818.12; nachfolgend Verwaltungsvereinbarung Jugosla-
wien) ab 1. April 2010 nicht weiter auf kosovarische Staatsangehörige an-
wendbar seien, womit der Rentenexport für diese ausgeschlossen sei und
lediglich ein Anspruch auf Rückvergütung von AHV-Beiträgen geltend ge-
macht werden könne (vgl. auch für viele: Urteil des BVGer C-7120/2013
vom 10. März 2016).
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B.d Mit Verfügung vom 30. August 2013 sprach die SAK dem Beschwer-
deführer einen AHV-Beitrags-Rückvergütungsbetrag von CHF 6'347.20 zu
(SAK-act. 8; nachfolgend Rückvergütungsverfügung). Diesen Betrag über-
wies die SAK dem Beschwerdeführer mit Valuta 10. September 2013 (vgl.
SAK-act. 9).
C.
C.a Am 13. März 2017 beantragte der Beschwerdeführer beim Serbischen
Fond der Alters- und Invalidenversicherung in Belgrad (nachfolgend serbi-
scher Versicherungsträger) die Zusprache einer schweizerischen Alters-
rente (vgl. SAK-act. 10). Unter dem Punkt "Staatsangehörigkeit(en)" führte
der Beschwerdeführer "RS" an, welche Angabe vom serbischen Versiche-
rungsträger auf dem Formular als richtig bestätigt wurde.
C.b Am 22. April 2017 erreichte der Beschwerdeführer das 65. Altersjahr.
C.c Der vom serbischen Versicherungsträger weitergeleitete Altersrenten-
antrag ging am 4. Mai 2017 bei der SAK ein (vgl. SAK-act. 10 S. 1).
C.d Mit Schreiben vom 18. Mai 2017 teilte die SAK dem Beschwerdeführer
mit, dass ihm die von ihm entrichteten AHV-Beiträge mit Verfügung vom
30. August 2013 zurückvergütet worden seien, weshalb er keinerlei An-
sprüche mehr geltend machen könne (SAK-act. 13). Die SAK nehme daher
an, seine Anmeldung sei versehentlich erfolgt, und lege das Dossier unbe-
arbeitet zu den Akten.
C.e Am 21. Juni 2017 verlangte der Beschwerdeführer unter Bezugnahme
auf das Schreiben der SAK vom 18. Mai 2017 die Zusprache einer Alters-
rente oder den Erlass einer anfechtbaren Verfügung (SAK-act. 15). Er
führte aus, vor allem serbischer Staatsbürger zu sein, und reichte Kopien
eines Auszuges aus einem serbischen Pass und einer von der Ortskanzlei
Biljaca ausgestellten Bescheinigung seiner serbischen Staatsbürgerschaft
ein.
Der Beschwerdeführer machte weiter geltend, dass er im Jahr 2013 falsch
beraten worden sei und deshalb als kosovarischer Staatsangehöriger um
Rückvergütung der Beiträge ersucht habe. Damals habe er gemeint, dass
es sich um die an die Pensionskasse bezahlten Beiträge gehandelt habe.
Die Voraussetzungen für eine Altersrente habe er damals nicht erfüllt. Wei-
ter führte er aus, dass er damit einverstanden sei, dass bei der Rentenzu-
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sprache der ihm im Jahr 2013 ausgerichtete Rückvergütungsbetrag abge-
zogen werde. Er sei mit der Höhe des Rückvergütungsbetrags von
CHF 6'300.- nicht einverstanden, zumal er während 37 Monaten Beiträge
bezahlt habe.
C.f In ihrer Verfügung vom 13. September 2017 wies die SAK den Antrag
des Beschwerdeführers auf Altersrente ab (SAK-act. 18).
Sie führte aus, dass kosovarische Versicherte mit Wohnsitz im Ausland,
deren Versicherungsereignis nach dem 31. März 2010 eingetreten sei, kei-
nen Rentenanspruch hätten. Kosovarische Staatsangehörige, welche die
Schweiz verlassen hätten, könnten aber gemäss Art. 18 Abs. 3 AHVG unter
gewissen Umständen die Rückvergütung ihrer AHV-Beiträge verlangen.
Für serbische Staatsbürger mit Wohnsitz im Ausland komme hingegen
noch immer das Abkommen zwischen der Schweiz und Jugoslawien zur
Anwendung, welches Rentenleistungen bei Erreichen des Rentenalters
vorsehe. Zudem stelle die SAK fest, dass der Beschwerdeführer am
27. Februar 2012 Antrag auf Rückvergütung seiner AHV-Beiträge gestellt
habe. Mit Verfügung vom 30. August 2013 habe die SAK ihm daraufhin die
Rückvergütungsleistung zugesprochen. Aus rückvergüteten AHV-Beiträ-
gen und den entsprechenden Beitragszeiten könnten keine Ansprüche
mehr gegenüber der AHV oder IV geltend gemacht werden
Weiter führte die SAK aus, der Beschwerdeführer habe nun nachträglich
Nachweise erbracht, aus denen hervorgehe, dass er bereits zum Zeitpunkt
der Rückvergütung der AHV-Beiträge die serbische Staatsbürgerschaft be-
sessen habe. Nach Prüfung ihrer Akten stelle sie fest, dass der Beschwer-
deführer auf dem Antragsformular für die Beitragsvergütung angegeben
habe, dass er ausschliesslich die kosovarische Staatsbürgerschaft besitze,
und der SAK mehrere von den kosovarischen Behörden ausgestellte Do-
kumente sowie seine kosovarische Identitätskarte übermittelt habe. Somit
habe die SAK die Rückvergütungsleistung aufgrund der vom Beschwerde-
führer anlässlich des Gesuchs vorgelegten Dokumente und gemachten In-
formationen zu seiner Staatsbürgerschaft gewährt. Der Beschwerdeführer
habe mit seiner Unterschrift auf dem Antragsformular die Richtigkeit der
von ihm gemachten Angaben bestätigt. Die von ihm im Nachhinein vorge-
brachten Belege seiner serbischen Nationalität könne die SAK daher nicht
akzeptieren.
Der Antrag des Beschwerdeführers auf Altersrente werde folglich abgewie-
sen.
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C.g Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 9. Oktober
2017 Einsprache (SAK-act. 20).
Er führte aus, mit dieser Verfügung sei er nicht einverstanden, und machte
geltend, dass er im Jahr 2013 vom Kosovo aus um Rückvergütung der
Beiträge ersucht habe. Damals habe er gemeint, dass es sich um die an
die Pensionskasse bezahlten Beiträge ("Freizügigkeitsgeld") gehandelt
habe (Altersvorsorge). Denn damals habe er die Voraussetzungen für eine
normale oder eine vorgezogene Altersrente nicht erfüllt. Er sei überzeugt
gewesen, dass es sich nicht um die Rente handelte. Auch habe der von
der SAK überwiesene Betrag von CHF 6'347.20 gemäss seiner Berech-
nung genau der Summe des "Freizügigkeitsgelds" entsprochen.
Er sei serbisch-kosovarischer Doppelbürger bei primär serbischer Staats-
angehörigkeit, was er mit den eingereichten Dokumenten bewiesen habe.
Er beantrage die nochmalige Überprüfung seines Leistungsanspruches
und die Zusprache der ihm als serbischen Staatsbürger zustehenden Leis-
tungen – abzüglich der ihm im Jahr 2013 überwiesenen Summe.
C.h Mit Einspracheentscheid vom 26. Januar 2018 (SAK-act. 24) wies die
SAK die Einsprache ab und bestätigte ihre Verfügung vom 13. September
2017. Sie begründete dies im Wesentlichen damit, dass gemäss Art. 6
RV-AHV aus rückvergüteten Beiträgen und den entsprechenden Beitrags-
zeiten keine Rechte abgeleitet werden könnten. Dieselbe Vorschrift stelle
klar, dass die Rückzahlung der Beiträge ausgeschlossen sei. Mit der Rück-
vergütung der AHV-Beiträge werde somit ein Rechtszustand herbeigeführt,
der zu einem irreversiblen Rechtsverlust führe. Hierauf sei der Beschwer-
deführer auch hingewiesen worden, denn im Rückvergütungsantrag heisse
es unter Punkt 8 "Kenntnisnahme": "Der (die) Unterzeichnete nimmt davon
Kenntnis, dass nach der Rückvergütung keinerlei Rechte gegenüber der
schweizerischen Alters- und Hinterlassenenversicherung und Invaliden-
rente mehr abgeleitet werden können, und dass die Wiedereinzahlung der
rückvergüteten Beiträge ausgeschlossen ist." Mit Unterschrift vom 27. Feb-
ruar 2012 unter dem Rückvergütungsantrag habe der Beschwerdeführer
ferner bezeugt, dass er vom Inhalt des Rückvergütungsantrags Kenntnis
genommen habe. Die Rückvergütung sei dem Beschwerdeführer bereits
vor mehr als drei Jahren mit Verfügung vom 30. August 2013 zugespro-
chen worden. Der Geldbetrag sei nachweislich am 10. September 2013
(Valutadatum) ausbezahlt worden. Nachdem seine AHV-Beiträge bereits
rückvergütet worden seien, seien somit weitere Leistungen und Rechte
nach dem AHVG ausgeschlossen.
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D.
D.a Am 17. Februar 2018 (Datum Poststempel) erhob der seit 14. Februar
2018 durch den rubrizierten Rechtsanwalt Sefedin Latifi (Presevo) vertre-
tene Beschwerdeführer (vgl. SAK-act. 26 S. 3) beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde gegen diesen Einspracheentscheid (Akten des Be-
schwerdeverfahrens [B-act.] 1). Rechtsanwalt Latifi beantragt sinngemäss
dessen Aufhebung und die Zusprache einer Altersrente oder eine an deren
Stelle tretende Abfindung mit Kostenfolge zulasten der SAK. Er bittet um
Überprüfung des Antrags des Versicherten aus dem Jahr 2012, um festzu-
stellen, ob der Antrag präzise war oder nicht, und ob der Versicherte aus-
schliesslich die Rückvergütung beantragt hatte. Ausserdem ersucht er um
Gewährung eines kostenfreien Verfahrens.
Rechtsanwalt Sefedin Latifi (nachfolgend Vertreter [des Beschwerdefüh-
rers]) führte hauptsächlich aus, dass der Beschwerdeführer (gemäss eige-
nen Angaben) damals als kosovarischer Staatsangehöriger einen Antrag
auf Erstattung der Freizügigkeitsleistungen gestellt habe bzw. dass damals
vermutlich jemand anderes im Namen des Beschwerdeführers als kosova-
rischer Staatsangehöriger die Rückvergütung beantragt habe bzw. dass
ihn wahrscheinlich jemand falsch beraten habe, um etwas Geld zu besor-
gen, welches er aufgrund seiner schlechten finanziellen Situationen
brauchte. Er habe das Geld nach Instruktionen des Verfassers des Antrags
als kosovarischer Staatsangehöriger erhalten, ohne zu wissen, dass ihm
eine grössere Summe zustehe bzw. ohne zu wissen, dass er einige Jahre
später als serbischer Staatsbürger seine vollen Beiträge erhalten können
würde bzw. bei Erreichen des Rentenalters Anspruch auf eine Altersrente
haben würde. Im Jahr 2013 habe die SAK dem Beschwerdeführer als ko-
sovarischer Staatsangehöriger die Beitragsrückvergütung zugesprochen
und die Beiträge überwiesen. Im Jahr 2017 habe der Beschwerdeführer
sich entschieden, über den serbischen Versicherungsträger um Zusprache
der ordentlichen schweizerischen Altersrente oder einer einmaligen Abfin-
dung zu ersuchen, da er nun 65 Jahre alt sei. Er sei ein ungelernter Mann,
der kein Deutsch verstehe und keine Ahnung von den Schweizer Gesetzen
habe.
Er sei serbisch-kosovarischer Doppelbürger, in erster Linie aber serbischer
Staatsbürger und Einwohner. Zum Beweis habe er namentlich eine Foto-
kopie des serbischen Reisepasses eingereicht. Falls nötig, sei er bereit,
die beglaubigte Fotokopie des aktuellen Reisepasses einzureichen.
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D.b Mit Schreiben vom 5. März 2018 teilte der Beschwerdeführer dem Bun-
desverwaltungsgericht das rubrizierte schweizerische Zustelldomizil mit
(B-act. 6).
D.c Am 2. Mai 2018 liess sich die SAK vernehmen und beantragte die Ab-
weisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen Ein-
spracheentscheids (B-act. 7).
Sie führte aus, dass mit der verfügten und vollzogenen Rückvergütung der
Anspruch des Beschwerdeführers auf Ausrichtung einer Altersrente ge-
mäss Art. 6 RV-AHV irreversibel erloschen sei. Aus rückvergüteten AHV-
Beiträgen und den entsprechenden Beitragszeiten könnten keine Ansprü-
che mehr gegenüber der AHV oder IV geltend gemacht werden.
Weiter führte die SAK aus, dass der Beschwerdeführer sich auch weiterhin
als Kosovare behandeln lassen müsse, so dass ein Anspruch auf Ausrich-
tung einer Rente nach wie vor ausscheide. Denn auf dem Antragsformular
für die Beitragsvergütung habe der Beschwerdeführer angegeben, dass er
ausschliesslich die kosovarische Staatsbürgerschaft besitze. Die Frage
nach einer weiteren Staatsbürgerschaft habe er ausdrücklich verneint.
Dies, obwohl er nachweislich einen serbischen Pass besitze, der am 3. Ok-
tober 2009 ausgestellt und bis zum 3. Oktober 2019 gültig sei. Der Pass
sei somit ausgestellt (und – wie aus den Einreisestempeln ersichtlich –
auch verwendet) worden, bevor der Beschwerdeführer den Rückvergü-
tungsantrag gestellt habe. Auch sei der Pass nicht vor der Antragsstellung
betreffend Altersrente abgelaufen. Der Sacherhalt stelle sich nach Auffas-
sung der SAK so dar, dass der Beschwerdeführer gezielt seine serbische
Staatsangehörigkeit verschwiegen habe, um vor Erreichen des Rentenal-
ters an Barmittel zu gelangen.
Es wäre – gemäss SAK – Sache des Beschwerdeführers gewesen, sich
kundig zu machen, wenn er nicht der deutschen Sprache mächtig gewesen
sei. Der Beschwerdeführer mache nun erstmals geltend, dass er den Rück-
vergütungsantrag nicht selbst gestellt habe und ihm die Rechtsfolgen nicht
bewusst gewesen seien. Dies sei nicht glaubwürdig, denn wenn das Vor-
haben nicht seinem Willen entsprochen hätte, hätte er spätestens bei Geld-
empfang im Jahre 2013 reklamieren müssen. Aus einer Gesamtschau der
geführten Korrespondenz gehe hervor, dass der Beschwerdeführer sehr
wohl gewusst habe, dass er im Jahre 2012 – auch aus Laiensphäre – die
Rückvergütung seiner AHV-Beiträge beantragte und vor allem, dass es
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sich beim ausbezahlten Rückvergütungsbetrag nicht um eine Rentenzah-
lung in Form einer einmaligen Abfindung gehandelt habe. Die Beitragsrück-
vergütung habe somit auch dem Willen des Beschwerdeführers entspro-
chen.
Weiter führte die SAK aus, der Beschwerdeführer habe nun nachträglich
Nachweise erbracht, aus denen hervorgehe, dass er bereits zum Zeitpunkt
der Rückvergütung der AHV-Beiträge die serbische Staatsbürgerschaft be-
sessen habe. Die SAK habe jedoch die Rückvergütungsleistung aufgrund
der vom Beschwerdeführer anlässlich des Gesuchs vorgelegten Doku-
mente und gemachten Angaben zu seiner Staatsbürgerschaft gewährt. Der
Beschwerdeführer habe mit seiner Unterschrift auf dem Antragsformular
die Richtigkeit der von ihm gemachten Angaben bestätigt. Die von ihm im
Nachhinein vorgebrachten Belege seiner serbischen Nationalität könne die
SAK daher nicht akzeptieren.
Hierauf sei der Beschwerdeführer auch hingewiesen worden, denn im
Rückvergütungsantrag heisse es unter Punkt 8 "Kenntnisnahme": "Der
(die) Unterzeichnete nimmt davon Kenntnis, dass nach der Rückvergütung
keinerlei Rechte gegenüber der schweizerischen Alters- und Hinterlas-
senenversicherung und Invalidenrente mehr abgeleitet werden können,
und dass die Wiedereinzahlung der rückvergüteten Beiträge ausgeschlos-
sen ist." Mit Unterschrift vom 27. Februar 2012 unter dem Rückvergütungs-
antrag habe der Beschwerdeführer ferner bezeugt, dass er vom Inhalt des
Rückvergütungsantrags Kenntnis genommen habe. Die Rückvergütung sei
bereits vor mehr als drei Jahren dem Beschwerdeführer zugesprochen und
vollzogen worden.
D.d Mit Replik vom 23. Mai 2018 hielt der Beschwerdeführer im Wesentli-
chen an den in der Beschwerde gestellten Anträgen fest (B-act. 10). Zur
Begründung führte sein Vertreter hauptsächlich aus, dass der Beschwer-
deführer kein Deutsch könne, die Korrespondenz betreffend die Beitrags-
rückvergütung nur auf Deutsch geführt worden sei und auch der Rückver-
gütungsauftrag nur auf Deutsch verfasst gewesen sei. Der Antrag sei im
Kosovo vom Inhaber einer Agentur verfasst worden, der kein Anwalt sei
und den der Beschwerdeführer nicht finden könne. Der Beschwerdeführer
habe weder den Inhalt des Antrags noch den Inhalt der Briefe der SAK und
deren Verfügung gekannt. Er habe auch nichts über die Geldsumme ge-
wusst. Er habe sie mit der Hoffnung angenommen, dass er mit 65 Jahren
eine Altersrente werde beantragen können.
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D.e Am 7. Juni 2018 liess das Bundesverwaltungsgericht der SAK ein Dop-
pel der Replik zukommen und schloss den Schriftenwechsel.
D.f Mit E-Mail vom 12. Juni 2018, welches das Bundesverwaltungsgericht
der SAK zur Kenntnis brachte (B-act. 12 f.), wies der rubrizierte Vertreter
des Beschwerdeführers darauf hin, dass vor einigen Tagen eine Vereinba-
rung zwischen der Schweiz und dem Kosovo abgeschlossen worden sei,
was vorliegend bedeutsam sei.
D.g In seinem E-Mail vom 23. August 2019 (B-act. 14; Urteilsbeilage zu-
handen der Vorinstanz), führte der Vertreter unter Bezugnahme auf das
neue Abkommen zwischen der Schweiz und dem Kosovo aus, das Gericht
dürfe nicht erlauben, dass dem Beschwerdeführer das ihm zustehende
Geld wegen politischen Entwicklungen, seinen mangelnden Kenntnissen
und seinen finanziellen Problemen abgesprochen werde. Ausserdem habe
der Beschwerdeführer gemäss dem neuen Abkommen der SAK eine aus-
sergerichtliche Lösung vorgeschlagen und darauf keine Antwort bekom-
men.
D.h Mit E-Mail vom 19. November 2019 (vgl. B-act. 16; Urteilsbeilage zu-
handen der SAK) ersuchte der Vertreter das Gericht darum, insbesondere
die mangelnden Deutsch- und Rechtskenntnisse des Beschwerdeführers
und der unprofessionellen Person, die ihn aufgrund seiner finanziellen Si-
tuation in die Irre geführt habe, zu berücksichtigen. Auch die damaligen
vertraglichen Beziehungen zwischen dem Kosovo und der Schweiz sollten
seines Erachtens nicht auf Kosten des Beschwerdeführers gehen. Ausser-
dem wäre es seines Erachtens ungerecht, wenn der Beschwerdeführer,
der – wie seine Familie – von Geburt an die serbische Staatsbürgerschaft
aufweise, nach Abschluss des neuen Staatsvertrages seine Leistungen im
Alter nicht geniessen könnte.
E.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Akten ist
– soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 85bis Abs. 1 AHVG [SR 831.10] sowie Art. 31,
32 und 33 Bst. d VGG). Das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht rich-
tet sich grundsätzlich nach dem VwVG (vgl. Art. 37 VGG). Vorbehalten blei-
ben gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG die besonderen Bestimmungen des
ATSG (SR 830.1). Gemäss Art. 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des
ATSG auf die im ersten Teil geregelte Alters- und Hinterlassenenversiche-
rung anwendbar, soweit das AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung
vom ATSG vorsieht.
1.2 Als Adressat des die Einsprache abweisenden Entscheides ist der Be-
schwerdeführer davon berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 59 ATSG, Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht (vgl. Art. 38 ff. und Art. 60
ATSG, Art. 52 VwVG) eingereicht, weshalb grundsätzlich darauf einzutre-
ten ist (s. aber E. 6.4).
2.
Das Sozialversicherungsgericht beurteilt die Gesetzmässigkeit des ange-
fochtenen Einspracheentscheids in der Regel nach dem Sachverhalt, der
zur Zeit seines Erlasses (vorliegend: 26. Januar 2018) gegeben war. Tat-
sachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normal-
fall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 130 V 138
E. 2.1).
3.
3.1 In Bezug auf die auf serbische bzw. kosovarische Staatsangehörige
anwendbaren Sozialversicherungsabkommen ist das Folgende festzuhal-
ten.
3.1.1 Nach dem Zerfall der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien blieben
zunächst die Bestimmungen des Abkommen Jugoslawien und die Verwal-
tungsvereinbarung Jugoslawien für alle Staatsangehörigen des ehemali-
gen Jugoslawiens anwendbar (BGE 126 V 198 E. 2B, 122 V 381 E. 1 m.H.).
Insbesondere bewahrte dieses Sozialversicherungsabkommen im Verhält-
nis zur Republik Serbien vorerst Gültigkeit (vgl. BGE 139 V 263 E. 3).
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Seit dem 1. Januar 2019 sind das Abkommen vom 11. Oktober 2010 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Serbien
über Soziale Sicherheit (SR 0.831.109.682.1; nachfolgend Abkommen
Serbien) und die Verwaltungsvereinbarung vom 11. Oktober 2010 zur
Durchführung des Abkommens (SR 0.831.109.682.11; nachfolgend Ver-
waltungsvereinbarung Serbien) in Kraft. Mit dem Inkrafttreten des Abkom-
mens Serbien sind das Abkommen Jugoslawien und die Verwaltungsver-
einbarung Jugoslawien in den Beziehungen zwischen der Schweiz und
Serbien ausser Kraft getreten (vgl. Art. 38 des Abkommens Serbien, Art. 45
der Verwaltungsvereinbarung Jugoslawien, Art. 24 der Verwaltungsverein-
barung Serbien).
3.1.2 Gemäss bundesgerichtlicher Praxis fanden das Abkommen Jugosla-
wien und die Verwaltungsvereinbarung Jugoslawien für kosovarische
Staatsangehörige bis zum 31. März 2010 Anwendung. Ab 1. April 2010 sind
das Abkommen und die Verwaltungsvereinbarung hingegen nicht weiter
auf kosovarische Staatsangehörige anwendbar. Die Nichtweiterführung
des Sozialversicherungsabkommens mit Kosovo hatte zur Folge, dass
Staatsangehörige des Kosovos nicht mehr die Rechtsstellung als Vertrags-
ausländerinnen und -ausländer innehatten. Sie galten neu als Nichtver-
tragsausländerinnen und -ausländer (vgl. BGE 139 V 263 E. 14; 139 V 335
E. 6.1; Urteil des BGer 9C_279/2013 vom 25. September 2013 E. 3.2).
Seit dem 1. September 2019 sind das Abkommen vom 8. Juni 2018 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Kosovo
über soziale Sicherheit (SR 0.831.109.475.1; nachfolgend Abkommen Ko-
sovo) und die Verwaltungsvereinbarung vom 8. Juni 2018 zur Durchfüh-
rung des Abkommens (SR 0.831.109.475.11; nachfolgend Verwaltungsver-
einbarung Kosovo) in Kraft. Gemäss Art. 35 des Abkommens ("Übergangs-
bestimmungen") begründet es keine Leistungsansprüche für den Zeitraum
vor seinem Inkrafttreten (Abs. 1).
Soweit Ansprüche (einzig) kosovarischer Staatsangehöriger durch Abfin-
dung oder Beitragsrückvergütung abgegolten worden sind, findet das Ab-
kommen Kosovo in sachlicher Hinsicht keine Anwendung (vgl. Art. 35
Abs. 7 des Abkommens).
3.2
3.2.1 Vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen sind in
zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die
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bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führen-
den Tatbestandes Geltung haben (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1).
3.2.2 Soweit der Anspruch auf Zusprache einer Altersrente zu prüfen ist
(s. unten E. 6), ist das Erreichen des ordentlichen Rentenalters von 65 Jah-
ren (Geburtstag) massgebend (vorliegend: 22. April 2017; vgl. Urteile des
BGer 9C_53/2013 vom 6. August 2013 E. 3.3, 9C_279/2013 vom 25. Sep-
tember 2013 E. 3.2).
3.2.3 Soweit (wiedererwägungsweise) der Anspruch auf eine Beitragsrück-
vergütung zu prüfen ist (s. unten E. 7), sind in zeitlicher Hinsicht die
Rechtssätze im Zeitpunkt der Rückvergütungsantragsstellung massge-
bend (vorliegend 27. Februar 2012; vgl. BGE 136 V 24 E. 4.4; Art. 1 Abs. 2
der Verordnung vom 29. November 1995 über die Rückvergütung der von
Ausländern an die Alters- und Hinterlassenenversicherung bezahlten Bei-
träge [RV-AHV, SR 831.131.12]).
3.3 Auf serbische Staatsangehörige fand für beide Stichtage von den drei
genannten Abkommen in zeitlicher Hinsicht (nur, aber immerhin) das Ab-
kommen Jugoslawien Anwendung. Auf kosovarische Staatsangehörige
fand hingegen keines der drei Abkommen Anwendung; sie galten jeweils
als Nichtvertragsausländerinnen und -ausländer.
4.
4.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG). Es ist nach dem
Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht an die Begrün-
dung der Begehren der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
(teilweise) gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit
einer Begründung (teilweise) bestätigen, die von jener der Vorinstanz ab-
weicht (vgl. Urteil des BVGer C-6007/2016 vom 7. Februar 2018 E. 4.2
m.w.H.).
4.2 Wer eine Versicherungsleistung beansprucht, hat sich beim zuständi-
gen Versicherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung gülti-
gen Form anzumelden. Für die Anmeldung und zur Abklärung des Anspru-
ches auf Leistungen geben die Versicherungsträger unentgeltlich Formu-
lare ab, die vom Ansprecher oder seinem Arbeitgeber und allenfalls vom
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behandelnden Arzt vollständig und wahrheitsgetreu auszufüllen und dem
zuständigen Versicherungsträger zuzustellen sind (Art. 29 Abs. 1 und 2
ATSG). Die Versicherten und ihre Arbeitgeber haben beim Vollzug der So-
zialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken (Mitwirkungspflicht;
Art. 28 Abs. 1 ATSG; vgl. auch Art. 13 Abs. 1 VwVG). Wer Versicherungs-
leistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur
Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistun-
gen erforderlich sind (Art. 28 Abs. 2 ATSG).
4.3 Wie das Verwaltungsverfahren (vgl. Art. 43 Abs. ATSG) ist auch das
Beschwerdeverfahren vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, weshalb
das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat. Dieser Grundsatz gilt
indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungs-
pflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2; BGE 122 V 157 E. 1a, je
m.w.H.) und der Rügemaxime, wonach der angefochtene Akt nicht auf
sämtliche denkbaren Mängel hin zu untersuchen ist, sondern das Gericht
sich nur mit jenen Einwänden auseinandersetzen muss, die in der Be-
schwerde thematisiert wurden (vgl. Urteil des BVGer C-5196/2013 vom
5. Januar 2016 E. 6.2 m.H.). Der Sozialversicherungsträger als verfügende
Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur
dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt
sind. Im Sozialversicherungsprozess hat das Gericht seinen Entscheid, so-
fern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit ei-
nes bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das
Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von
allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt
(vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen; in BGE 140
V 220 nicht publizierte E. 5.4.1).
4.4 Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte (vgl. BGE 138 V 218 E. 6, Urteil
8C_494/2013 E. 5.4.1).
C-1128/2018
Seite 14
5.
5.1 Die Verfügung ist Ausgangspunkt und bestimmt den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Die Beschwerdeführenden kön-
nen durch das Bundesverwaltungsgericht nur Rechtsverhältnisse überprü-
fen bzw. beurteilen lassen, zu denen die zuständige Behörde vorgängig
und verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung genommen hat. Ge-
genstand des Beschwerdeverfahrens kann deshalb nur sein, was Gegen-
stand des vorinstanzlichen Verfahrens war (oder bei richtiger Rechtsan-
wendung hätte sein sollen). Fragen, über welche die verfügende Behörde
im betroffenen Verfahren nicht entschieden hat, dürfen somit grundsätzlich
im Beschwerdeverfahren nicht beurteilt werden (vgl. MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt, 2. Aufl. 2013, S. 27 Rz. 2.1; BGE 131 V 164 E. 2.1; für viele: Urteile
des BVGer C-32/2013 vom 17. August 2015 E. 3.1 und C-794/2017 vom
2. November 2017 E. 3.1, je m.w.H.).
5.2 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der Einspracheentscheid vom
26. Januar 2018. Offensichtlicher Streitgegenstand und vom Bundesver-
waltungsgericht zu prüfen ist der geltend gemachte Anspruch des Be-
schwerdeführers auf eine Altersrente und ob die SAK einen solchen zu
Recht verneint und das Rentengesuch des Beschwerdeführers abgewie-
sen hat (s. nachfolgend E. 6; für die Frage, ob auch die Wiedererwägung
der Rückvergütungsverfügung vom 30. August 2013 zum Streitgegenstand
gehört s. unten E. 7).
6.
6.1 Nachfolgend sind die rechtlich relevanten Bestimmungen für die Aus-
richtung einer Altersrente und für die Rückvergütung von AHV-Beiträgen
darzulegen.
6.1.1 Männer, welche das 65. Altersjahr und Frauen, welche das 64. Alters-
jahr vollendet haben, haben Anspruch auf eine ordentliche Altersrente, so-
fern ihnen für mindestens ein volles Jahr Einkommens-, Erziehungs- oder
Betreuungsgutschriften angerechnet werden können (vgl. Art. 21 Abs. 1
Bst. a und b AHVG in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 AHVG). Der Anspruch
auf die Altersrente entsteht am ersten Tag des Monats, welcher der Vollen-
dung des gemäss Abs. 1 massgebenden Altersjahres folgt. Er erlischt mit
dem Tod (Art. 21 Abs. 2 AHVG).
C-1128/2018
Seite 15
6.1.2 Ausländerinnen und Ausländer sowie ihre Hinterlassenen ohne
Schweizer Bürgerrecht sind nur rentenberechtigt, solange sie ihren Wohn-
sitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben
(Art. 18 Abs. 2 Satz 1 AHVG). Dieses Erfordernis ist von jeder Person, für
die eine Rente ausgerichtet wird, einzeln zu erfüllen (Art. 18 Abs. 2 Satz 2
AHVG). Vorbehalten bleiben die besonderen Vorschriften über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge und der Staatenlosen sowie abweichende zwi-
schenstaatliche Vereinbarungen (Art. 18 Abs. 2 Satz 3 AHVG). Bei Perso-
nen, die mehrere sich ablösende Staatsangehörigkeiten besessen haben,
ist für die Rentenberechtigung die Staatsangehörigkeit während des Ren-
tenbezugs massgebend (Art. 18 Abs. 2bis AHVG [in Kraft seit 1. Januar
2012]; zum Ganzen vgl. z.B. Urteil des BVGer C-7380/2015 vom 5. De-
zember 2016 E. 4.2).
6.1.3 Nach Art. 18 Abs. 3 AHVG können den Ausländern, die ihren Wohn-
sitz im Ausland haben und mit deren Heimatstaat keine zwischenstaatliche
Vereinbarung besteht, sowie ihren Hinterlassenen die gemäss den Art. 5,
6, 8, 10 oder 13 bezahlten Beiträge rückvergütet werden (Satz 1). Satz 2
beauftragt den Bundesrat zur Regelung der Einzelheiten, insbesondere
das Ausmass der Rückvergütung. Dazu hat der Bundesrat die RV-AHV er-
lassen.
6.1.4 Art. 1 Abs. 1 RV-AHV setzt für eine Rückvergütung der entrichteten
AHV-Beiträge – ergänzend bzw. konkretisierend zu Art. 18 Abs. 3 AHVG –
voraus, dass diese Beiträge während mindestens eines vollen Jahres ge-
leistet worden sind und keinen Rentenanspruch begründen. Massgebend
ist die Staatsangehörigkeit im Zeitpunkt der Rückforderung (Art. 1 Abs. 2
RV-AHV). Die Beiträge können zurückgefordert werden, sobald die Person
aller Voraussicht nach endgültig aus der Versicherung ausgeschieden ist
und sowohl sie selber als auch die Ehefrau oder der Ehemann und ihre
noch nicht 25-jährigen Kinder nicht mehr in der Schweiz wohnen (Art. 2
Abs. 1 RV-AHV). Rückvergütet werden nur die tatsächlich bezahlten Bei-
träge. Zinsen werden vorbehältlich Art. 26 Abs. 2 ATSG keine geleistet
(Art. 4 Abs. 1 RV-AHV).
6.1.5 Aus rückvergüteten Beiträgen und den entsprechenden Beitragszei-
ten können gegenüber der AHV und der IV keine Rechte abgeleitet wer-
den). Die Wiedereinzahlung der Beiträge ist ausgeschlossen (Art. 6 RV-
AHV). Nach Art. 7 RV-AHV geht der Anspruch auf Rückvergütung unter mit
dem Tod des Berechtigten. Er verjährt mit dem Ablauf von fünf Jahren seit
C-1128/2018
Seite 16
dem Versicherungsfall (vgl. für viele: Urteil des BVGer C-6103/2014 vom
30. Mai 2016 E. 2.3.2).
6.2
6.2.1 Vorliegend ist aktenkundig und unbestritten, dass die Rückvergü-
tungsverfügung vom 30. August 2013 dem Beschwerdeführer im Jahr 2013
zugestellt und der Rückvergütungsbetrag ihm am 10. September 2013
überwiesen worden ist. Demnach war die Frist zur Einspracheerhebung im
Zeitpunkt der Antragstellung für die Zusprache einer Rente (17. März 2017)
längst abgelaufen (vgl. Art. 38 f. ATSG). Etwas anderes macht auch der
Beschwerdeführer nicht geltend. Die Rückvergütungsverfügung kann so-
mit nicht mehr angefochten werden.
6.2.2 Da die Beiträge dem Beschwerdeführer aufgrund einer formell
rechtskräftigen Verfügung rückvergütet wurden, kann er aus diesen Beiträ-
gen gegenüber der AHV und der IV keine Rechte mehr ableiten. Die Wie-
dereinzahlung der Beiträge ist ausgeschlossen (s. oben E. 6.1.5). Daher
hat die SAK in ihrer Verfügung vom 13. September 2017 und ihrem Ein-
spracheentscheid vom 26. Januar 2018 einen AHV-Rentenanspruch des
Beschwerdeführers zu Recht verneint und die Einsprache vom 9. Oktober
2017 zu Recht abgewiesen, weshalb die Beschwerde diesbezüglich abzu-
weisen ist (zur Frage einer allfälligen Wiedererwägung der Rückvergü-
tungsverfügung s. unten E. 7).
6.3 Daran ändern namentlich die folgenden vom Beschwerdeführer gegen
den angefochtenen Einspracheentscheid vorgebrachten Rügen nichts.
6.3.1 Ob der Beschwerdeführer sich in einer schlimmen finanziellen Situa-
tion befindet, ist für die Beurteilung eines allfälligen Anspruchs auf eine or-
dentliche AHV-Altersrente ohne Relevanz.
6.3.2 Dass der Beschwerdeführer der SAK gestützt auf ein Staatsabkom-
men eine aussergerichtliche Lösung vorgeschlagen hat (vgl. B-act. 14), ist
aus den Akten nicht ersichtlich. Eine solche wäre für das Bundesverwal-
tungsgericht auch nicht verbindlich (vgl. Art. 54 VwVG und Art. 50 ATSG).
6.3.3 Ausserdem schliesst das Nichtvorliegen eines Rentenanspruchs na-
turgemäss eine an die Stelle der Rente tretende Abfindung aus.
C-1128/2018
Seite 17
6.4 Der Vertreter des Beschwerdeführers erwähnt im Übrigen, dass dieser
– wenn er nicht Anspruch auf eine Rente habe – einen Entschädigungsan-
spruch habe. Eine allfällige Entschädigung war nicht Gegenstand der an-
gefochtenen Verfügung und wird in der Beschwerde nicht beantragt. Eine
allfällige Entschädigung kann daher auch nicht Gegenstand des vorliegen-
den Verfahrens sein, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
6.5 Somit hat der Beschwerdeführer aufgrund der formell rechtskräftig ver-
fügten und vollzogenen Rückvergütung keinen Anspruch auf eine Alters-
rente. Daher hat die SAK zu Recht einen Altersrentenanspruch des Be-
schwerdeführers verneint und sein Rentengesuch abgelehnt. Diesbezüg-
lich ist demnach die Beschwerde abzuweisen und der angefochtene Ein-
spracheentscheid zu bestätigen.
7.
Wie sich aus dem Folgenden ergibt, richtet sich die Beschwerde nicht nur
gegen die Abweisung des Rentengesuchs, sondern auch gegen die Rück-
vergütungsverfügung, deren wiedererwägungsweise Aufhebung sinnge-
mäss beantragt wird.
7.1
7.1.1 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen,
wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von er-
heblicher Bedeutung ist. Der Entscheid über die Vornahme der Wiederer-
wägung ist in das Ermessen des Versicherungsträgers gestellt (vgl. Urteil
des BVGer C-5556/2013 vom 4. November 2015 E. 4.1.1; UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 53, Rz. 69). Die Prüfung der Unrich-
tigkeit bezieht sich auf die Rechts- und Sachverhaltsverhältnisse im Zeit-
punkt der ursprünglichen Verfügung (vgl. Urteil des BGer I 803/06 vom
21. Februar 2007 E. 4.2). Grundlage der Wiedererwägung bildet also zwar
der Sachverhalt, wie er im Zeitpunkt des Erlasses der ursprünglichen Ver-
fügung bestand. Dass erst aufgrund späterer Abklärungen eine Unrichtig-
keit festgestellt wird, schliesst eine Wiedererwägung praxisgemäss aber
nicht aus (vgl. Urteil des BGer 8C_572/2007 vom 5. August 2008 E. 2.2;
Urteil C-5556/2013 E. 4.1.2).
7.1.2 Aus den Akten und dem Verlauf des vorinstanzlichen Verwaltungs-
und des gerichtlichen Beschwerdeverfahrens (s. oben Bst. C.e ff.) wird er-
sichtlich, dass der Beschwerdeführer seit seinem Schreiben vom 21. Juni
C-1128/2018
Seite 18
2017 in seinen Eingaben geltend gemacht hat, dass die SAK zu Unrecht
am 30. August 2013 eine Beitragsrückvergütung verfügt und dann vollzo-
gen habe bzw. dass die SAK zu Unrecht an dieser Rückvergütung fest-
halte. Die SAK wiederum hat in ihrer Verfügung vom 13. September 2017
ausgeführt, dass sie die Akten des Rückvergütungsverfahrens geprüft
habe und zum Schluss gekommen sei, dass damals zu Recht eine Bei-
tragsrückvergütung verfügt und vollzogen worden sei. In der Folge hielt sie
an dieser Folgerung fest und führte Gründe für und gegen die vom Be-
schwerdeführer im weiteren Verfahrensverlauf vorgebrachten Argumente
an. Schliesslich hat die SAK mit dem angefochtenen Einspracheentscheid
das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers im Resultat implizit
abgewiesen. Da beschwerdeweise ein Zurückkommen auf die Rückvergü-
tungsverfügung beantragt wird, gehört der Wiedererwägungsentscheid der
SAK insgesamt zum Streitgegenstand (s. oben E. 5). Da der Beschwerde-
führer mit seinem Antrag auf wiedererwägungsweise Aufhebung der Rück-
vergütungsverfügung letztlich darauf abzielt, statt der Beitragsrückvergü-
tung eine seines Erachtens finanziell attraktivere Altersrente oder eine an
deren Stelle tretende Abfindung zugesprochen zu behalten, hat er ein
schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der Rückvergütungsverfü-
gung (s. oben E. 1.2). Das Bundesverwaltungsgericht hat daher auch zu
prüfen, ob die SAK das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiedererwä-
gung der Rückvergütungsverfügung zu Recht abgewiesen hat.
7.2 In Bezug auf die vom Beschwerdeführer nachträglich geltend ge-
machte serbisch-kosovarische Doppelbürgerschaft mit Primat der serbi-
schen Staatsangehörigkeit ist das Folgende auszuführen.
7.2.1 Wie das Bundesgericht in BGE 139 V 263 entschieden hat, ist das
Abkommen Jugoslawien ab 1. April 2010 nicht weiter auf kosovarische
Staatsangehörige anzuwenden. Hinsichtlich einer kosovarisch-serbischen
Doppelbürgerschaft wurde festgehalten, aus der Tatsache, wonach die Re-
publik Kosovo die multiple Staatsbürgerschaft zulasse, könne nicht abge-
leitet werden, dass kosovarische Staatsangehörige ohne weiteres kosova-
risch-serbische Doppelbürger seien. Ein Automatismus oder der Grund-
satz, dass Personen aus dem Kosovo neben der Staatsangehörigkeit des
Kosovos auch die serbische Staatsangehörigkeit besässen, sei zu vernei-
nen. Dennoch könne das Vorliegen einer kosovarisch-serbischen Doppel-
bürgerschaft nicht ausgeschlossen werden. Eine solche sei indessen nicht
nur überzeugend zu behaupten, sondern auch rechtsgenüglich zu belegen
(BGE 139 V 263 E. 12.2 mit Hinweis auf die Mitteilungen des Bundesamtes
für Sozialversicherungen [BSV] an die AHV-Ausgleichskassen und
C-1128/2018
Seite 19
EL-Durchführungsstellen Nr. 326 vom 20. Februar 2013 [nachfolgend BSV-
Mitteilungen Nr. 326]; vgl. auch BGE 139 V 335 E. 5.1 mit Hinweis auf die
BSV-Mitteilungen Nr. 326; Urteile des BGer 9C_533/2013 vom 16. Dezem-
ber 2013 E. 3, 4.1.2 und 9C_534/2013 vom 13. Dezember 2013 E. 3 sowie
4.1.2 und 9C_189/2016 vom 19. Juli 2016 E. 5.1.2; Urteil des BVGer
C-3626/2015 vom 12. Juni 2017 E. 2.3.2).
7.2.2 Nach der BSV-Mitteilung Nr. 326 ist im Hinblick auf den Nachweis der
serbischen Staatsangehörigkeit unter anderem zu beachten, dass Perso-
nen, die bei der Antragsstellung die kosovarische Nationalität angeben, als
solche behandelt werden. Nachgeschobene Nachweise für die angebliche
zusätzliche serbische Staatsangehörigkeit werden grundsätzlich nicht ak-
zeptiert. Davon ausgenommen ist der Beweis der serbischen Nationalität
mittels gültigem biometrischem Pass Serbiens ohne Einschränkungen hin-
sichtlich Visa-Freiheit für den Schengenraum. Der Pass darf keinen Ver-
merk «Koordinaciona Uprava» (Verwaltungskoordination) der serbischen
passausstellenden Behörde enthalten. Andere Nachweise für die serbi-
sche Staatsangehörigkeit, wie namentlich alte abgelaufene Pässe, jugo-
slawische Pässe und serbische Staatsangehörigkeitsbescheinigungen,
werden nicht akzeptiert (vgl. Urteil C-3626/2015 E. 2.3.2 mit Hinweis auf
weitere Urteile des Bundesverwaltungsgerichts).
7.2.3 Das Bundesgericht hat in verschiedenen Urteilen zu Konstellationen,
in welchen zunächst eine allein kosovarische Staatsangehörigkeit angege-
ben, später aber zusätzlich auch eine serbische Staatsangehörigkeit gel-
tend gemacht wurde, auf den Grundsatz "Aussage der ersten Stunde" ab-
gestellt (vgl. z.B. Urteile des BGer 9C_533/2013 E. 4.1.2; 9C_534/2013
E. 4.1.2; 9C_189/2016 vom 19. Juli 2016 E. 5.1.2, je mit Hinweis auf BGE
121 V 45 E. 2a). Gemäss diesem Grundsatz ist bei sich widersprechenden
Angaben des Versicherten die sogenannte spontane "Aussage der ersten
Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger als spätere Darstel-
lungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst werden können (vgl.
BGE 121 V 45 E. 2a). Entsprechend dem Grundsatz der "Aussage der ers-
ten Stunde" ist die behauptete serbische Staatsbürgerschaft zuweilen als
nachgeschoben zu qualifizieren und unbeachtlich (vgl. Urteile
9C_533/2013 E. 4.1.2, 9C_534/2013 E. 4.1.2, 9C_189/2016 E. 5.1.2).
Auch das Bundesverwaltungsgericht hat in zahlreichen Urteilen zu ent-
sprechenden Konstellationen die behauptete und mit Belegen substanti-
C-1128/2018
Seite 20
ierte serbische Staatsbürgerschaft zuweilen als nachgeschoben und unbe-
achtlich qualifiziert (vgl. z.B. seine Urteile C-3626/2015 vom 12. Juni 2017
E. 2.3.2; C-1572/2013 vom 15. Juli 2016 E. 3.4.3 f.; C-6533/2012 vom
31. März 2016 E. 5.5; C-4806/2014 vom 11. Mai 2016 E. 5.4.3.2;
C-5156/2014 vom 2. Februar 2016 E. 5.2.3).
Allerdings haben das Bundesgericht und das Bundesverwaltungsgericht in
den angeführten Urteilen die Unbeachtlichkeit der erst später geltend ge-
machten (und gegebenenfalls dokumentierten) serbischen Staatsangehö-
rigkeit nicht nur mit dem Grundsatz der "Aussage der ersten Stunde" be-
gründet. Vielmehr haben sie auch eine Qualifikation der zum Beweis ein-
gereichten Dokumente vorgenommen bzw. das Fehlen eines Nachweises
bzw. Belegs für die behauptete Staatsangehörigkeit festgestellt. In keinem
dieser Fälle wurde ein den Anforderungen der BSV-Mitteilungen Nr. 326
entsprechender biometrischer serbischer Pass eingereicht.
7.2.4 Gemäss dieser Rechtsprechung genügt somit ein widersprüchliches
Verhalten einer versicherten Person, die namentlich zunächst nur eine ko-
sovarische, dann aber eine kosovarisch-serbische Staatsangehörigkeit
geltend macht und zu belegen versucht, nicht, um eine (auch) serbische
Staatsangehörigkeit gestützt auf den Grundsatz der "Aussage der ersten
Stunde" als unbeachtlich, weil nachgeschoben zu qualifizieren. Vielmehr
kann jedenfalls ein biometrischer serbischer Pass, der die Voraussetzun-
gen der BSV-Mitteilungen Nr. 326 erfüllt, den zu beachtenden Nachweis
auch dann erbringen, wenn er nachgeschoben wird (vgl. auch. Ziffer 1 der
BSV-Mitteilungen Nr. 326).
7.3
7.3.1 Die SAK führte in ihrer Verfügung vom 13. September 2017 aus, dass
sie den Beschwerdeführer im Rahmen des Rückvergütungsverfahrens zu
Recht als allein kosovarischen Staatsangehörigen behandelt hat. Der Be-
schwerdeführer habe nun nachträglich Nachweise erbracht, aus denen
hervorgehe, dass er bereits zum Zeitpunkt der Rückvergütung der AHV-
Beiträge auch die serbische Staatsbürgerschaft besessen habe. Diese Be-
lege könne die SAK aber unter Berücksichtigung der Aktenlage im Rück-
vergütungsverfahren nicht akzeptieren.
7.3.2 In ihrer Vernehmlassung führt die SAK aus, dass sie angesichts der
damaligen Aktenlage und Deklarationen des Beschwerdeführers für die
C-1128/2018
Seite 21
Rückvergütungsverfügung von einer alleinigen kosovarischen Staatsange-
hörigkeit habe ausgehen dürfen. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der
aktuellen Darstellungen des Beschwerdeführers und des von ihm aktuell
eingereichten serbischen Passes stelle sich der Sachverhalt sogar so dar,
dass er seine serbische Staatsangehörigkeit im Rückvergütungsverfahren
gezielt verschwiegen habe, um vor Erreichen des Rentenalters an Barmit-
tel zu gelangen. Auf dieses zuerst gewollte Ergebnis müsse der Beschwer-
deführer sich aufgrund des Grundsatzes der "Aussage der ersten Stunde"
letztendlich behaften lassen.
7.3.3 Alleine aufgrund der vom Beschwerdeführer mit Schreiben vom
21. Juni 2017 eingereichten beglaubigten Kopie eines Auszugs aus einem
auf ihn lautenden serbischen Passes (SAK-act. 15 S. 4), ist nicht zu beur-
teilen, ob es sich dabei um einen biometrischen serbischen Pass handelt,
der die Voraussetzungen der BSV-Mitteilungen Nr. 326 erfüllt. Letzteres
kann aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen
werden. Dementsprechend kann nicht beurteilt werden, ob aufgrund des
Vorliegens eines solchen Passes in Abweichung vom Grundsatz der "Aus-
sage der ersten Stunde" die (auch) serbische Staatsangehörigkeit als
rechtsgenüglich und rechtsverbindlich nachgewiesen zu betrachten ist.
7.3.4 Diesbezüglich hat die SAK keine weiteren Abklärungen vorgenom-
men und sich weder im Verwaltungs- noch im Beschwerdeverfahren zu
dieser möglichen Konstellation geäussert – obwohl ausserdem der Be-
schwerdeführer in seiner Beschwerde angeboten hat, falls nötig eine be-
glaubigte Fotokopie seines aktuellen Reisepasses einzureichen. Die Beru-
fung der SAK auf den Grundsatz der "Aussage der ersten Stunde" greift
unter diesen Umständen zu kurz.
7.4 Daher sind weitere Abklärungen dahingehend notwendig, ob der vom
Beschwerdeführer auszugweise in Kopie eingereichte Pass die Vorausset-
zungen gemäss den BSV-Mitteilungen Nr. 326 erfüllt.
7.5 Sollte das Wiedererwägungsgesuch betreffend die Rückvergütungs-
verfügung nach Abschluss der Abklärungen gutgeheissen werden, wären
grundsätzlich die rückvergüteten Beträge zurückzufordern und wenn sie
vollständig zurückbezahlt worden sind, eine Altersrente oder einmalige Ab-
findung zu berechnen und dem Beschwerdeführer zuzusprechen.
C-1128/2018
Seite 22
7.6 Allerdings bestehen, wie die SAK zu Recht geltend macht, zahlreiche
Indizien dafür, dass der Beschwerdeführer – im Widerspruch zu seinen ak-
tuellen Angaben – im Rückvergütungsverfahren seine serbische Staatsan-
gehörigkeit gezielt verschwiegen und einseitige Beweismittel eingereicht
hat, um damals, vor Erreichen des Rentenalters an Barmittel zu gelangen,
und dass er nun unter Berufung auf die neu, rückwirkend geltend gemachte
(auch) serbische Staatsangehörigkeit zu seinem Vorteil stattdessen eine
Altersrente (oder Abfindung für dieselbe) beantragt und zu diesbezügliche
Belege vorbringt. Damit stellt sich die Frage eines allfälligen Rechtsmiss-
brauchs.
7.6.1 Gemäss BGE 137 V 394 E. 7.1 ist auch der Private im Verkehr mit
den Behörden an Treu und Glauben gebunden (Art. 5 Abs. 3 BV; SVR 2011
EL Nr. 7 S. 21, 9C_999/2009 E. 6.2 mit Hinweisen). Ein auch im öffentli-
chen Recht anerkannter Ausfluss davon ist das Verbot widersprüchlichen
Verhaltens. Da jedoch die Berufung auf das Verbot widersprüchlichen Ver-
haltens gegenüber dem Bürger stets auf eine Verkürzung von dessen ge-
setzlichen Rechtspositionen hinausläuft, ist – insbesondere wenn es aus
passivem Verhalten abgeleitet wird – Zurückhaltung angebracht (THOMAS
GÄCHTER, Rechtsmissbrauch im öffentlichen Recht, 2005, S. 194 ff., 197).
In Anlehnung an die privatrechtliche Doktrin zu Art. 2 Abs. 2 ZGB kann Wi-
dersprüchlichkeit einerseits auf der Unvereinbarkeit zweier Verhaltenswei-
sen und andererseits auf dem Verbot, begründete Erwartungen eines an-
deren zu enttäuschen, beruhen. Zentral ist die Abwägung der Interessen
und dabei eine allfällige Vertrauensbetätigung der Behörden (GÄCHTER,
a.a.O., S. 199 f., 208 und 556 f.).
Konkret begründen vor allem Zusicherungen eines Einzelnen, die im Rah-
men eines Verfahrens gemacht worden sind, und deren Zuverlässigkeit un-
ter den gegebenen Umständen nicht hinterfragt werden musste, ein schüt-
zenswertes behördliches Vertrauen in ein kohärentes Folgeverhalten des
Einzelnen. Wesentlich ist dabei der nach Treu und Glauben nicht zu hinter-
fragende Bindungswille des Einzelnen und damit die Vorbehaltlosigkeit der
Zusicherung (vgl. GÄCHTER, a.a.O., S. 201).
Mit der Feststellung, dass sich ein Einzelner in einem engen Verwaltungs-
rechtsverhältnis widersprüchlich verhalten kann, ist noch nicht zwingend
eine für ihn nachteilige Rechtsfolge verbunden. In jedem konkreten Fall
muss bestimmt werden, welches die adäquate Rechtsfolge der Wider-
sprüchlichkeit ist. Da sich das Folgeverhalten im Widerspruch zu einer
C-1128/2018
Seite 23
früheren Handlung befindet die allenfalls sogar Vertrauen erzeugt hat, be-
steht die angemessene Rechtsfolge in der Regel in der Nichtbeachtung
des Folgeverhaltens. So kann ein Rechtsbegehren, das im Widerspruch zu
früheren Zusicherungen gemacht worden ist, abgewiesen werden. Möglich
ist auch, dass einem bestimmten Vorverhalten ein ausdrücklicher oder im-
plizierter Verzicht auf eine bestimmte Rechtsfolge enthalten war, der nicht
widerrufen werden kann (vgl. GÄCHTER, a.a.O., S. 203, 207; vgl. vorliegend
auch die Mitwirkungspflichten des Beschwerdeführers im ursprünglichen
Rückvergütungsverfahren und im vorliegenden Rentenanspruchsverfah-
ren s. oben E. 4.2).
7.6.2 Nach abgeschlossener Abklärung betreffend den serbischen Pass
wird demnach auch zu prüfen sein, ob das Verhalten des Beschwerdefüh-
rers insgesamt als rechtsmissbräuchlich zu werten ist und welche Rechts-
folge das – in Bezug auf den Rückvergütungsanspruch und/oder den Ren-
tenanspruch des Beschwerdeführers – nach sich ziehen soll (vgl. auch
Art. 26 Abs. 2 ATSG, Art. 43 Abs. 3 ATSG, Art. 87 AHVG, Art. 88 AHVG).
Dabei werden auch die vom Beschwerdeführer namentlich in Bezug auf
das Rückvergütungsverfahren vorgebrachten Rechtfertigungsargumente
für das scheinbar widersprüchliche Verhalten zu prüfen und zu würdigen
sein.
8.
8.1 Bei dieser Sachlage liegt es nicht am Bundesverwaltungsgericht, die
weiteren Abklärungen und Neubeurteilungen vorzunehmen. Andernfalls
würde der Beschwerdeführer zweier Rechtsmittel (Einsprache und Be-
schwerde) verlustig gehen, da die SAK den neuen Wiederwägungsent-
scheid zunächst in Form einer Verfügung zu erlassen hat (vgl. UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 53, Rz. 83).
8.2 Daher ist der Einspracheentscheid vom 26. Januar 2018 in Bezug auf
die Wiedererwägung der Rückvergütungsverfügung aufzuheben und die
Sache diesbezüglich an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie weitere
Abklärungen vornehme und eine neue Verfügung erlasse.
9.
Zusammenfassend ist die Beschwerde – soweit darauf einzutreten ist –
insofern abzuweisen, als die Zusprache einer AHV-Rente beantragt wird.
Soweit die Wiedererwägung der Rückvergütungsverfügung vom 30. Au-
gust 2013 beantragt wird, ist der Einspracheentscheid aufzuheben und die
C-1128/2018
Seite 24
Beschwerde insofern gutzuheissen, als die Sache für weitere Abklärungen
im Sinne der Erwägungen und zum neuen Erlass einer neuen Verfügung
an die Vorinstanz zurückgewiesen wird.
10.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
10.1 Das Verfahren ist kostenlos (Art. 85bis Abs. 2 AHVG), weshalb keine
Verfahrenskosten zu erheben sind. Auf das Gesuch des Beschwerdefüh-
rers um unentgeltliche Prozessführung ist daher nicht einzutreten.
10.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Obsiegt die Partei nur teilweise, so ist die
Parteientschädigung entsprechend zu kürzen (Art. 7 Abs. 2 VGKE). Eine
Rückweisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der beschwerdeführenden
Partei (vgl. für viele: Urteil des BVGer C-6046/2014 vom 13. Dezember
2016 E. 13. 1 mit Hinweis auf BGE 137 V 57 E. 2.1). Nichteintreten gilt als
Unterliegen. Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer ist somit eine
reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen. Da keine Kostennote ein-
gereicht wurde, ist die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen
(Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berücksichtigung des Verfahrensaus-
gangs, des gebotenen und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit der vorliegend zu beurteilenden Fragen,
ist dem Beschwerdeführer zu Lasten der Vorinstanz eine als angemessen
zu erachtende reduzierte Parteientschädigung von Fr. 400.- (inkl. Ausla-
gen, ohne nicht geschuldete Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Der
Vorinstanz ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 7 Abs. 3
VGKE).
C-1128/2018
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