Decision ID: a670784c-a729-50d9-b195-ed078e86745d
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 7. September 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (vgl. IV-act. 1).
Gestützt auf die Ergebnisse ihrer Abklärungen wies die IV-Stelle mit einer Verfügung
vom 2. Dezember 2011 einen Rentenanspruch des Versicherten ab. Zur Begründung
führte sie im Wesentlichen an, dass beim Versicherten ein syndromales
Schmerzgeschehen vorliege, dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung vermutungsweise willentlich überwindbar seien.
Die beim Versicherten gleichzeitig gestellte Diagnose einer depressiven Störung
begründe keine erhebliche psychische Komorbidität, da sich die Depression einerseits
reaktiv aus dem anhaltenden Schmerzgeschehen entwickelt habe und andererseits
durch psychosoziale Belastungsfaktoren verursacht sei (vgl. IV-act. 119). Die gegen
diese Verfügung erhobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen mit Entscheid vom 5. November 2013, IV 2012/22, gut und sprach dem
Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) eine ganze Rente mit Wirkung ab 1.
März 2008 zu. In den Erwägungen wurde ausgeführt, es ergebe sich insbesondere aus
den beiden psychiatrischen Fachgutachten von B._, dass beim Beschwerdeführer
die depressive Störung das Grundleiden sei und dass die Schmerzen vor allem auf
dieses depressive Leiden zurückzuführen seien. Aus diesem Grund sei die
Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den somatoformen Schmerzstörungen und
vergleichbaren syndromalen Beschwerdebildern ohne organische Grundlage nicht
anwendbar. Die depressive Störung des Beschwerdeführers sei ein eigenständiges
Leiden und begründe eine dauernde, IV-rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit. Gegen
diesen Entscheid erhob die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) Beschwerde
an das Bundesgericht. Dieses hiess die Beschwerde mit Entscheid vom 27. März 2014,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
8C_911/2013, teilweise gut, hob den kantonalen Entscheid auf und wies die Sache zur
neuen Entscheidung an das Versicherungsgericht zurück. In seinen Erwägungen hielt
das Bundesgericht u.a. fest, dass es in den vorliegenden medizinischen Unterlagen
zahlreiche Anhaltspunkte gebe, welche für das Vorliegen einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung sprächen. Angesichts der von mehreren Ärzten
vorbehaltlos gestellten entsprechenden Diagnose hätte die Vorinstanz nicht einzig
aufgrund der abweichenden Auffassung von B._ dessen – kaum einleuchtend und
nachvollziehbar begründeter – medizinischer Beurteilung folgen dürfen. Weil die in den
ärztlichen Unterlagen verschiedentlich diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung
kaum je einlässlicher begründet worden sei, das Gleiche aber auch für deren
Verneinung und das durch B._ in den Vordergrund gerückte depressive
Beschwerdebild gelte, erscheine diesbezüglich ein abschliessender gerichtlicher
Entscheid aufgrund der aktuellen Aktenlage als ausgeschlossen. Das kantonale Gericht
habe die noch notwendigen Erhebungen zur Klärung des medizinischen Sachverhalts
zu veranlassen (act. G 1). Zum Sachverhalt ist im Übrigen auf die beiden genannten
Gerichtsentscheide zu verweisen.
B.
B.a Das Versicherungsgericht veranlasste daraufhin eine psychiatrische Begutachtung
des Beschwerdeführers bei der asim (Academy of Swiss Insurance Medicine)
Begutachtung des Universitätsspitals Basel. Zu den vorgesehenen Gutachterfragen
wurde den Parteien das rechtliche Gehör gewährt (act. G 6). Unter Berücksichtigung
der Stellungnahmen beider Parteien (act. G 7, G 9) erteilte das Versicherungsgericht
der asim Begutachtung am 27. August 2014 den Begutachtungsauftrag (act. G 10).
B.b Die asim Begutachtung erstattete das Gutachten am 21. August 2015 (act. G 17).
Die Gutachterin C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte als
Diagnosen eine mittel bis schwere depressive Episode, differentialdiagnostisch: den
Verdacht auf eine organische Überlagerung einer affektiven Störung mit somatischem
Syndrom und mit Somatisierung sowie eine Opioidabhängigkeit. Zu der Frage nach
dem Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung hielt die Gutachterin
fest, dass eine affektive Störung diagnostiziert werde und die berichteten somatischen
Beeinträchtigungen darunter eingeordnet würden. Weiter führte sie aus, dass es sich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bei der affektiven Störung um eine eigenständige krankheitswertige psychiatrische
Störung handle. Diese habe primär bestanden und erst im Krankheitsverlauf seien die
Klagen über Schmerzen in den ärztlichen Fokus getreten. Die psychosozialen Faktoren
seien bei inzwischen mehrjährigem Verlauf als die depressive Störung
aufrechterhaltend, jedoch nicht als auslösend zu bewerten. Zum zeitlichen Verlauf der
Erkrankung sowie der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hielt die Gutachterin
fest, dass nach dem Unfall im März 2007 zunächst die depressiven Symptome das
Störungsbild dominiert hätten und die Kriterien einer somatoformen Schmerzstörung
nicht ausreichend erkennbar gewesen seien. Retrospektiv könne eine mindestens
mittelgradig depressive Episode diagnostiziert werden. Somatische Beschwerden seien
zu Beginn präzise und differenziert geschildert worden. Erst im Verlauf fände sich dann
ein ausgestaltetes Verhalten des Beschwerdeführers. Eine mittelgradige depressive
Episode werde mit einer 50%igen Einschränkung der Alltagsbewältigung gleichgesetzt
und beinhalte, dass das Leistungsvermögen (Arbeitsfähigkeit) auf 50% reduziert sei.
Eine entsprechende Einschätzung lasse sich dem Entlassungsbericht der
psychosomatischen Rehabilitationsklinik entnehmen (Bericht der Klinik Valens vom 21.
Juni 2007, IV-act. 18-22 ff.). Somit werde die Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers zu diesem Zeitpunkt konsistent mit 50% beurteilt. In der weiteren
Dokumentation trete zunehmend ein ausgeweitetes demonstratives Verhalten in den
Vordergrund. Das Verhalten habe Schmerzerleben, Bewegungsstörungen, aber auch
vegetative Symptome beinhaltet, die möglicherweise auf pharmakogene Effekte
zurückzuführen seien, durchgehend begleitet von einer deutlich affektiven
Beeinträchtigung. Die konsistent beschriebene deutlich depressive Symptomatik sei
weiterhin erheblich ausgeprägt, wenn auch durch Ausdruckverhalten erkennbar
überzeichnet gewesen. Das Verhalten werde als Folge der deutlich ausgeprägten
affektiven Beeinträchtigung und nicht als primäre somatoforme Schmerzstörung
bewertet. Unter Würdigung der Vorakten und Berücksichtigung der eigenen aktuellen
Befunderhebung könne retrospektiv eine konsistente Einschätzung der
Leistungsfähigkeit aufgrund der mittelschweren Depression von 50% für den Zeitraum
ab der Entlassung aus der Klinik Valens am 25. Juni 2007 bis 19. Mai 2008
gutachterlich bestätigt werden. Davor habe im Rahmen der teilweise stationären
Therapien eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem Unfallzeitpunkt am 2. März 2007
bestanden. Nachdem der Beschwerdeführer am 19. Mai 2008 einen anteroseptalen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Herzinfarkt erlitten habe, hätten die behandelnden Ärzte konsistent eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes beschrieben. Übereinstimmend mit
diesen Vorbeurteilungen werde die Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes seit Mai 2008 im Zusammenhang mit dem erlittenen Herzinfarkt
als erwiesen erachtet. Seither bestehe anhaltend eine gravierende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 100% aufgrund der nun schweren Depression. Aus psychiatrischer
Sicht bestehe keine Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und auch keine
Belastbarkeit für berufliche Massnahmen. Der Zustand sei chronifiziert. Zu den beiden
psychiatrischen Fachgutachten von B._ vom 13. März 2008 und 26. Mai 2010 hielt
Gutachterin C._ fest, dass aufgrund des Krankheitsverlaufes und der erheblichen
Ausprägung der depressiven Symptomatik in beiden Gutachten die diagnostische
Einordnung in eine affektive Störung erfolgt sei. B._ habe beide Male eine mittel- bis
schwergradig depressive Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert, was aus
gegenwärtiger gutachterlicher Sicht nachvollzogen werden könne. Die dokumentierten
Befunde hätten die Diagnosekriterien erfüllt. Die von B._ im ersten Fachgutachten
gemachte Arbeitsfähigkeitsschätzung von 40% habe auf einer prognostizierten
Symptombesserung basiert. Die weitere Krankheitsentwicklung habe sich jedoch nicht
entsprechend dieser Prognose gestaltet. Deshalb sei es nicht nachvollziehbar, dass
B._ im zweiten Fachgutachten weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit von (nur) 60%
ausgegangen sei. Schwere Depressionen gingen mit einer erheblichen
Beeinträchtigung einher, wie es beim Beschwerdeführer sowohl in eigen- wie auch
fremdanamnestischen Angaben nachvollziehbar und konsistent berichtet worden sei.
Der von B._ postulierte fluktuierende Verlauf sei womöglich durch organische
Faktoren, welche den psychischen Symptomen unterlegt seien, verursacht. Trotz
zeitweiliger Schwankungen leite sich daraus jedoch keine gravierende Veränderung der
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers ab (act. G 17).
B.c In einer Stellungnahme vom 15. September 2015 führte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers aus, das asim-Gutachten erfülle die rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens, weshalb darauf
abzustellen sei. Der invalidisierende Gesundheitsschaden mit erheblichen
Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei ausgewiesen, so dass der
Beschwerdeführer einen Rentenanspruch mit Wirkung ab 1. März 2008 (Ablauf des
Wartejahres) habe. Spätestens ab 1. August 2008 (drei Monate nach der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verschlechterung vom 19. Mai 2008) bestehe ein Anspruch auf eine ganze Rente (act.
G 21).
B.d In einer Stellungnahme vom 24. September 2015 hielt die Beschwerdegegnerin
fest, das asim-Gutachten weise verschiedene Schwächen und Unsicherheiten auf und
schaffe in den wesentlichen Punkten keine Klarheit. Der Beschwerdeführer habe bei
der Exploration stark beeinträchtigte kognitive Funktionen gezeigt, was eine
zuverlässige Beurteilung wesentlich erschwert habe. Einerseits seien die gezeigten
Einschränkungen kompatibel mit dem diagnostizierten schwergradigen Krankheitsbild,
andererseits erinnere die Konstellation aber auch an Fälle, in denen eine bewusste
Täuschung habe nachgewiesen werden können: Je weniger ein Explorand mit dem
Experten zu kommunizieren in der Lage scheine, desto gravierender scheine das
Störungsbild, desto weniger laufe aber auch ein Explorand mit Täuschungsabsicht
Gefahr, durch nicht plausible Beschwerdeschilderungen das behauptete Krankheitsbild
in Frage zu stellen. Vorliegend sei deshalb umso sorgfältiger auf Anzeichen einer
möglichen Täuschung zu achten. Der Neuropsychologe sei im Rahmen der Testung
zum Schluss gekommen, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit
Verdeutlichungstendenzen das Gesamtergebnis der Untersuchungen gestalteten, und
dass der Beschwerdeführer das beklagte Beschwerdebild überzeichne. Das
“Nichtwissen“ des Beschwerdeführers wirke stereotyp, plakativ und in Bezug auf einige
anamnestische Angaben unglaubwürdig. Mit der Frage nach dem Vorliegen von
Aggravation seitens des Beschwerdeführers, wofür es in den medizinischen Akten
einige Hinweise gebe (vgl. Berichte von Dr. D._, Dr. E._ und Dr. F._), habe sich
die Gutachterin nicht vertieft auseinandergesetzt, sondern habe die Problematik im
Rahmen der affektiven Störung interpretiert. Darin sei ein wesentlicher Mangel zu
sehen, denn praxisgemäss liege keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit
die Leistungseinschränkung auf Aggravation beruhe. Die dem Versicherungsgericht im
Vorfeld der Begutachtung eingereichten Ergänzungsfragen in Bezug auf die Validierung
seien nicht in den Gutachterfragenkatalog aufgenommen worden. Das
Versicherungsgericht habe es dem Gutdünken der Gutachterin überlassen, ob sie sich
zu den Fragen äussern wolle. Da das Beweisthema vorliegend die Feststellung eines
Gesundheitsschadens und den Nachweis einer Arbeitsunfähigkeit unter allen Aspekten
umfasse, habe das Gericht nicht nur die Parteirechte der IV-Stelle, sondern auch den
gesetzlichen Abklärungsauftrag verletzt. Diese Rechtsverletzung wirke sich konkret
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aus, weil im Gutachten wesentliche Fragen offen geblieben seien. Im Weiteren gehe die
Gutachterin von falschen Annahmen aus. Sie habe in Bezug auf die Laborwerte
festgehalten, dass die nachgewiesenen Medikamentenspiegel für eine zuverlässige
Medikamenteneinnahme sprächen. Es liege aber lediglich der Wert von Cipralex im
therapeutischen Bereich, womit die Compliance entgegen der gutachterlichen
Einschätzung in Frage zu stellen sei. Im gleichen Kontext habe die Gutachterin
festgehalten, dass pharmakologische Effekte des Opioids auf Wachheit, Antrieb und
Modulationsfähigkeit aufgrund der hohen Dosen Tramal nicht auszuschliessen seien.
Tramal habe jedoch im Labor gar nicht nachgewiesen werden können, womit ein
wesentlicher Erklärungsansatz für das Gebaren des Beschwerdeführers anlässlich der
Begutachtung (und neuropsychologischen Untersuchung) wegfalle. Die Annahme der
Gutachterin, wonach organische Faktoren als Mitursache den wellenförmigen Verlauf
der psychischen Störung erklären könnten, werde durch die Vorberichte und die
aktuellen Laborwerte nicht gestützt. Weiter sei der von der Gutachterin beschriebene
Zusammenhang zwischen den kognitiven Einbussen und dem MRI-Befund als
spekulativ zu betrachten, da der Befund von minimal progredienten supratentoriellen
Marklagergliosen mikorangiopathischen Aspekts nicht gesichert, sondern nur fraglich
sei und die Veränderungen ohnehin nur minimal seien. Aus den Versuchen der
Gutachterin, die demonstrierten Einschränkungen des Beschwerdeführers durch
Medikamentenkonsum und durch somatische Einflüsse zu erklären, ergebe sich, dass
das Beschwerdebild aussergewöhnlich und erklärungsbedürftig sei. Da nun aber diese
Erklärungen nicht zu überzeugen vermöchten, bleibe ein relevanter Erklärungsbedarf
bestehen. Umso mehr dränge sich weiterhin die Frage auf, ob eine relevante
bewusstseinsnahe Aggravation ausgeschlossen werden könne. Wenig überzeugend sei
sodann die Herleitung der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachterin, wonach eine
mittelgradige depressive Episode mit einer 50%igen Einschränkung der
Alltagsbewältigung gleichgesetzt werde und beinhalte, dass das Leistungsvermögen
auf 50% reduziert sei. Diese Darstellung sei in unhaltbarer Art schematisch und
undifferenziert. Es werde nicht begründet, aufgrund welcher Ausfälle die
Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei (act. G 22).
B.e Zur Eingabe der Beschwerdegegnerin nahm der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers am 27. Oktober 2015 Stellung und brachte vor, dass die
Beschwerdegegnerin trotz der im zeitlichen Verlauf beim Beschwerdeführer wiederholt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gestellten Diagnose einer mittelgradigen bis schweren depressiven Störung immer
wieder den Vorwurf von Aggravation und Simulation erhebe. Der Beschwerdegegnerin
gehe es nicht um die unabhängige Abklärung des Sachverhalts, sondern um die
Untermauerung ihrer schon nach dem ersten, durch sie veranlassten polydisziplinären
Gutachten vorgefassten Meinung, wonach der Beschwerdeführer seine
gesundheitlichen Beeinträchtigungen nur vorspiele. Auch nach Vorliegen von nunmehr
drei einlässlichen fachärztlichen Gutachten halte die Beschwerdegegnerin an dieser
Darstellung fest. Der Vorwurf der allfälligen bewussten Täuschung bzw.
Täuschungsabsicht seitens des Beschwerdeführers bleibe eine reine Annahme, was
zuvor auch schon das Standortgespräch vom 10. Februar 2011 gezeigt habe.
Betreffend die neuropsychologische Abklärung sei zu ergänzen, dass diese im Rahmen
der psychiatrischen Begutachtung zusätzlich vorgenommen worden sei und ihr kein
Hauptgewicht zukomme. Die Testergebnisse seien im Gutachten mitberücksichtigt
worden, womit die durch die Beschwerdegegnerin vorgenommene weitergehende
Interpretation unbegründet sei. Im Übrigen stellten Symptomvalidierungstests gemäss
dem Forschungsbericht Nr. 04/08 des Bundesamtes für Sozialversicherungen kein
allgemein anerkanntes Abklärungsverfahren dar und seien nicht generell anwendbar.
Da im vorliegenden Fall keine anhaltende somatoforme Schmerzstörung oder ein
vergleichbares syndromales Beschwerdebild vorliege, sei weder die alte (BGE 130 V
352) noch die neue (BGE 141 V 281) diesbezügliche Rechtsprechung des
Bundesgerichts anwendbar. Beim Beschwerdeführer sei – unter Berücksichtigung der
neuropsychologischen Untersuchung inklusive zwölf Testverfahren – die Diagnose
einer mittleren bis schweren depressiven Episode bestätigt worden. Bezüglich der
Medikamenteneinnahme sei anlässlich der Begutachtung im Jahr 2008 Tramal im Blut
des Beschwerdeführers festgestellt worden. Aus dem asim-Gutachten gehe nicht
hervor, ob bei der Laboruntersuchung Tramal getestet worden sei. Die Gutachterin sei
jedoch in Kenntnis der Laborwerte von einer zuverlässigen Medikamenteneinnahme
ausgegangen, so dass die Beanstandung der Beschwerdegegnerin eine andere
Beurteilung desselben Sachverhalts darstelle. Die im Gutachten erwähnten (möglichen)
organischen Einflussfaktoren, namentlich hirnorganische Einflüsse, vaskuläre Prozesse
und Hyperthyreose, seien ohne gravierende Veränderung der Leistungsfähigkeit bzw.
nur als Differentialdiagnosen berücksichtigt worden. Die diesbezüglichen Einwände der
Beschwerdegegnerin wirkten gesucht. Schliesslich sei die Arbeitsfähigkeitsschätzung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Gutachterin nicht – wie von der Beschwerdegegnerin dargestellt – isoliert erfolgt,
sondern einerseits im nachvollziehbaren Zusammenhang mit den vorgängigen
Fragenbeantwortungen zur Diagnostik, zur Überwindbarkeit und zum Verlauf, sowie
andererseits in Auseinandersetzung mit den bisherigen gutachterlichen Beurteilungen
(act. G 24).
B.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer weiteren
Stellungnahme (act. G 26).

Erwägungen
1.
1.1 Nachdem das Bundesgericht den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5.
November 2013 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung und
anschliessenden neuen Entscheidung an das kantonale Gericht zurückgewiesen hat,
ist vorliegend erneut über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu
entscheiden. In Bezug auf die massgebenden Grundlagen zu Gesetzgebung und
Rechtsprechung ist auf die einschlägigen Ausführungen in den erwähnten Entscheiden
des Versicherungsgerichts, IV 2012/22, und des Bundesgerichts, 8C_911/2013, zu
verweisen.
1.2 Für die vorliegende Beurteilung relevant ist lediglich der Sachverhalt, wie er sich
bis zum Erlass der Verfügung vom 2. Dezember 2011 zugetragen hat (vgl. BGE 131 V
242 E. 2.1; 121 V 362 E. 1b; Urteil des Bundesgerichts vom 8. November 2013,
8C_308/2013, E. 3.2.2). Die Entwicklung seither, wozu auch die Ergebnisse einer
allfällig – entsprechend der Vermutung des Rechtsvertreters – von der
Beschwerdegegnerin durchgeführten Observation des Beschwerdeführers gehören
würden, kann im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden. Einer unter
Umständen vorliegenden erheblichen Änderung des Sachverhalts könnte die
Beschwerdegegnerin im Rahmen eines von Amtes wegen einzuleitenden
Revisionsverfahrens Rechnung tragen.
2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1 Das Bundesgericht ist in seinem Entscheid davon ausgegangen, dass die
vorhandenen Akten keine abschliessende Beurteilung der IV-rechtlich relevanten
Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers zuliessen. Die in den ärztlichen Unterlagen verschiedentlich
diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung sei ungenügend begründet; deren
Vorliegen könne daher weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Gleiches gelte
aber auch für die Annahme, das depressive Beschwerdebild stehe im Vordergrund; die
medizinische Beurteilung des psychiatrischen Gutachters B._ sei nicht
nachvollziehbar.
2.2 Die asim-Gutachterin C._ ist gemäss dem Gerichtsgutachten vom 21. August
2015 zum Schluss gekommen, dass beim Beschwerdeführer eine mittel bis schwere
depressive Episode vorliege. In Übereinstimmung mit der Beurteilung von B._ hat
auch die asim-Gutachterin die affektive Störung als das Hauptleiden gesehen und die
berichteten somatischen Beeinträchtigungen, insbesondere die vom Beschwerdeführer
geklagten Schmerzen, unter dieses Grundleiden eingeordnet (vgl. act. G 17, S. 24).
Während B._ gemäss seinem Verlaufsgutachten vom 23. April 2010 die Frage nach
dem möglichen Vorliegen einer anhaltend somatoformen Schmerzstörung nicht
abschliessend beantworten konnte (vgl. IV-act. 86-19), hat die asim-Gutachterin diese
Diagnose beim Beschwerdeführer sowohl im Begutachtungszeitpunkt als auch
retrospektiv verneint. Zur Begründung hat sie ausgeführt, dass zu Beginn der
Gesundheitsbeeinträchtigung bis auf den Unfall vom 2. März 2007, der einen Verlust
der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers bedeutet habe, keine Hinweise auf
andere, die Symptomatik auslösenden Umstände, innerseelische Konflikte oder
psychosoziale Faktoren vorgelegen hätten. Der Beschwerdeführer sei zu diesem
Zeitpunkt sozial und im Arbeitsleben gut integriert gewesen und habe die
Landessprache beherrscht. Die wirtschaftliche Situation sei erst nach der Einstellung
der Taggelder seitens der Unfallversicherung per 9. November 2007 und dem Verlust
des Arbeitsplatzes schwieriger geworden. In den ersten relevanten Arztberichten nach
dem Unfall, namentlich den Berichten des Hausarztes Dr. med. G._, Innere Medizin
FMH, vom 29. März 2007 (SUVA-act. 2-113), des Kreisarztes Dr. med. H._, Facharzt
für Chirurgie, vom 2. Mai 2007 (IV-act. 18-37 ff.) und der Oberärztin des
psychosomatischen Dienstes Klinik Valens, Dr. med. D._, vom 20. Juli 2007 (IV-act.
18-20 f.), seien keine ausreichenden Kriterien für die Diagnose einer somatoformen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schmerzstörung erkennbar. Der Beschwerdeführer habe, untypisch für somatoforme
Schmerzstörungen, seine somatischen Beeinträchtigungen differenziert und präzise
geschildert (vgl. act. G 17, S. 26). Im weiteren Verlauf sei zunehmend ein ausgeweitetes
demonstratives Verhalten des Beschwerdeführers in den Vordergrund getreten,
welches sowohl Schmerzerleben, Bewegungsstörungen, aber auch vegetative
Symptome beinhaltet habe. Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie, sei gemäss
seinem Bericht vom 17. September 2007 (vgl. IV-act. 18-7 f.) aufgrund des
ausgestalteten Schmerzverhaltens von einer deutlichen somatoformen Schmerzstörung
ausgegangen, jedoch fänden sich die für diese Diagnose erforderlichen Kriterien im
Bericht nicht dokumentiert. Die konsistent diagnostizierte deutlich depressive
Symptomatik sei weiterhin erheblich ausgeprägt, jedoch durch Ausdrucksverhalten des
Beschwerdeführers erkennbar überzeichnet gewesen. Die Symptomatik erfülle nur
begrenzt die Kriterien einer anhaltenden Schmerzstörung. Die Dynamik der
somatoformen Schmerzstörung, bei der Schmerzen als entlastendes Symptom bei zu
Grunde liegenden innerseelischen Konflikten entstünden, sei nicht dargestellt worden.
Es hätten wechselnde Arztkontakte mit dem Drängen nach Ursachenklärung und die
gestörte Arzt-Patienten-Interaktion gefehlt. Die asim-Gutachterin ist aufgrund der in
den medizinischen Vorakten beschriebenen Symptomatik, welche die Kriterien zur
Stellung der Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nie erfüllt
habe, zum Schluss gekommen, dass das Verhalten des Beschwerdeführers als
Ausdrucksverhalten und damit als Folge einer deutlich ausgeprägten affektiven
Beeinträchtigung und nicht als primäre somatoforme Schmerzstörung zu bewerten sei
(vgl. act. G 17, S. 30). Sie hat sämtliche relevanten medizinischen Vorberichte in ihre
Begründung miteinbezogen und für den Zeitraum vom Krankheitsbeginn im März 2007
bis zum vorliegend massgeblichen Verfügungszeitpunkt im Dezember 2011 das
Vorliegen der Diagnosekriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
insbesondere anhand der in den Arztberichten jeweils beschriebenen Symptomatik
nachvollziehbar geprüft und verneint. Ihre Schlussfolgerung erscheint überzeugend,
weshalb beim Beschwerdeführer das Vorliegen einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung im Sinn einer eigenständigen Diagnose mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann. Daraus folgt auch, dass die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerstörungen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vergleichbaren syndromalen Beschwerdebildern (BGE 141 V 281 ff.) nicht zur
Anwendung kommt.
2.3 Die von der asim-Gutachterin festgestellte Diagnose einer mittel bis schweren
depressiven Episode basiert auf einer eingehenden psychiatrischen Befunderhebung
beim Beschwerdeführer. Sie hat festgehalten, dass sich die affektive Symptomatik im
Vergleich zu den vorliegenden Berichten (u.a. auch im Vergleich zum Vorgutachten von
B._ vom 23. April 2010) eher verschlechtert habe (vgl. act. G 17, S. 25). Auch
retrospektiv hat die asim-Gutachterin eine affektive Störung diagnostiziert und sich
dabei auf die in den medizinischen Vorakten durchgehend beschriebene deutlich
depressive Symptomatik gestützt. Bezüglich des Krankheitsverlaufs hat sie
festgehalten, dass bereits zu Beginn im März 2007 depressive Symptome das
Störungsbild dominiert hätten. Aufgrund der zu dieser Zeit in den Akten erwähnten
Befunde einer affektiven Verstimmung (reizbar, klagsam, jammernd), einer
Antriebsminderung (Erschöpfung), von formal und inhaltlich eingeengtem Denken
(ideenarm, ratlos, hilflos, Angst vor Tumor) und von kognitiven Störungen mit
Konzentrations- und Schlafstörungen könne eine mindestens mittelgradige depressive
Episode diagnostiziert werden. Nachdem der Beschwerdeführer am 19. Mai 2008 einen
anteroseptalen Herzinfarkt erlitten habe (vgl. IV-act. 53-5), sei in der Folge von den
behandelnden Ärzten konsistent eine Verschlechterung des (psychischen)
Gesundheitszustandes beschrieben worden (vgl. insbesondere die Berichte der
behandelnden Ärztinnen des Psychiatrischen Zentrums I._, Dr. med. J._, IV-act. 49
und Dr. med. K._, IV-act. 78). Die asim-Gutachterin ist zum Schluss gekommen, dass
in Übereinstimmung mit den Vorbeurteilungen die Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers seit Mai 2008 im Zusammenhang mit
dem erlittenen Herzinfarkt als erwiesen zu erachten sei. Seither bestehe anhaltend eine
gravierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 100% aufgrund der nun schweren
Depression (vgl. act. G 17, S. 31). Der in den medizinischen Akten beschriebene
schwankende Verlauf (mal leichter, mal schwerer affektiv beeinträchtigt), welcher sich
auch im Ergebnis der neuropsychologischen Testung abbilde und typisch für Verläufe
affektiver Erkrankungen sei, könne bei dokumentierten hypothyreoten TSH-Werten,
jedoch auch durch ein Zusammenspiel von weiteren organischen Einflussfaktoren
verstärkt werden (vaskuläre Prozesse, Hypothyreose). Gesamthaft werde eine primär
affektive Störung, gegenwärtig eine schwere depressive Episode, diagnostiziert und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
differentialdiagnostisch würden hirnorganische Faktoren erwogen (vgl. act. G 25). Die
Diagnosestellung der asim-Gutachterin erscheint sowohl für den
Begutachtungszeitpunkt als auch retrospektiv nachvollziehbar und überzeugend. Sie
hat sich auf die in den medizinischen Akten beschriebene deutlich depressive
Symptomatik, ihre eigene Befunderhebung sowie auf eigen- und fremdanamnestische
Angaben gestützt. Mit ihrer Beurteilung hat sie die Ansicht von B._, wonach beim
Beschwerdeführer die depressive Störung als Hauptleiden zu sehen ist, bestätigt und
ausreichend begründet. Somit ist überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen,
dass beim Beschwerdeführer seit Beginn der Erkrankung im März 2007 durchgehend
die depressive Störung im Vordergrund gestanden hat.
2.4 Die Beschwerdegegnerin hat gegen die Ausführungen und die Beurteilung der
asim-Gutachterin verschiedene Einwände vorgebracht. Insbesondere ist sie der
Ansicht, dass beim Beschwerdeführer von Aggravation ausgegangen werden müsse.
Hinweise dafür ergäben sich aus den medizinischen Akten und aus dem Verhalten des
Beschwerdeführers anlässlich der asim-Begutachtung und der in diesem Rahmen
durchgeführten neuropsychologischen Untersuchung. Gemäss ihrem (Fach-)Gutachten
vom 14. Januar 2015 ist die Neuropsychologin zum Schluss gekommen, dass beim
Beschwerdeführer globale Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit hätten
festgestellt werden können. Die Leistungsdefizite hätten sich insbesondere bei
Aufgaben mit komplexem Anforderungscharakter an Aufmerksamkeit, Konzentration
und langfristiges Gedächtnis gezeigt und eine mittelschwere bis schwere Ausprägung
aufgewiesen. Die Gesamtstruktur der kognitiven Beeinträchtigungen mit
Defizitschwerpunkten insbesondere bezüglich des Verarbeitungstempos und der
Reaktionszeit sowie bezüglich des mnestischen Bereichs deute auf eine deutliche
psychoaffektive Unterlagerung, die – unter Berücksichtigung der umfangreichen
Dauermedikation mit verschiedenen, analgetisch psychoaktiven Substanzen – eine
polypharmazeutisch mitverursachte Antriebs- und Leistungsdämpfung nahelege. Vor
dem Hintergrund der bisherigen Krankengeschichte und unter Berücksichtigung der
Ergebnisse in den aktuell angewendeten Beschwerdevalidierungsverfahren sei mit
grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass neben den psychometrisch
objektivierten und am ehesten psychoaffektiv unterlagerten sowie
polypharmakologisch mitbedingten Leistungseinschränkungen auch
Verdeutlichungstendenzen das Gesamtergebnis der Untersuchung mitgestalteten und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beim Beschwerdeführer das Gesamtergebnis der Untersuchung eher überzeichneten.
Insofern sei der aktuell erhobene kognitive Befund eher mit einem vom
Beschwerdeführer im Rahmen seiner zu Grunde liegenden psychoaffektiven Störung
mit somatoformer Ausgestaltung appellativ-überzeichneten Status vereinbar. Ein
Demenzsyndrom sei angesichts des Alters, der Verlaufsdynamik sowie der kognitiven
Befundkonstellation weniger wahrscheinlich (vgl. act. G 17, Beilage 2 zum
(Haupt-)Gutachten, S. 17 f.). Die Gutachterin C._ hat die neuropsychologische
Beurteilung berücksichtigt und zu den festgestellten Verdeutlichungstendenzen
festgehalten, dass diese im Zusammenhang mit der gesamten Entwicklung nicht als
primär wegweisend gewertet werden könnten. Sie nähmen neben der konsistent
diagnostizierten und mit der aktuellen Befunderhebung übereinstimmenden
Entwicklung einer schweren Depression eine untergeordnete Rolle ein (vgl. act. G 17,
S. 33). Das appellative, die Symptomatik überzeichnende Verhalten des
Beschwerdeführers haben sowohl die Neuropsychologin als auch C._ im Rahmen
der psychoaffektiven Störung eingeordnet. So hat die Neuropsychologin festgehalten,
dass der aktuell erhobene kognitive Befund vereinbar sei mit der appellativ
überzeichneten, somatoformen Ausgestaltung der zu Grunde liegenden
psychoaffektiven Störung des Beschwerdeführers (vgl. act. G 17, Beilage 2 zum
(Haupt-)Gutachten, S. 18). Die Gutachterin C._ hat ausgeführt, dass sich beim
Beschwerdeführer gemäss den Akten bereits im Herbst 2007 ein appellatives, die
Symptomatik überzeichnendes Verhalten abgezeichnet habe. Aus
neuropsychologischer Sicht seien damals keine Hinweise auf Verdeutlichung oder
Aggravation, jedoch eine deutliche affektive Überlagerung kognitiver Defizite
beschrieben worden (vgl. Bericht von L._ vom 19. Juni 2007, IV-act. 18-30).
Retrospektiv werde die in den Vordergrund getretene Schmerzsymptomatik als
Ausdrucksverhalten gravierender affektiver Verstimmung, einer
Befindensverschlechterung und damit einhergehender Rat- und Hilflosigkeit bewertet
(vgl. act. G 17, S. 26). Bei der Befunderhebung hat die Gutachterin festgehalten, dass
zeitweilig der Eindruck einer Verdeutlichung entstehe, welche jedoch als
Ausdrucksverhalten zu werten sei, ohne dass eine gravierende psychische
Beeinträchtigung in Frage gestellt werden könne (vgl. act. G 17, S. 24). Aus diesen
Ausführungen ergibt sich, dass sowohl die Verdeutlichungstendenzen als auch das
appellativ überzeichnende Verhalten des Beschwerdeführers als Ausdruck der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erheblichen depressiven Störung zu sehen sind. Die Gutachterin hat sich in ihrer
Beurteilung ausführlich mit dem in früheren Arztberichten beschriebenen sowie dem
von ihr anlässlich der Begutachtung selbstbeobachteten Verhalten des
Beschwerdeführers auseinandergesetzt, weshalb auf ihre nachvollziehbare und
überzeugende Schlussfolgerung abgestellt werden kann. Ein bewusst aggravierendes
Verhalten bzw. ein absichtliches Täuschungsverhalten seitens des Beschwerdeführers
– wie es die Beschwerdegegnerin angenommen hat – kann vor
diesem Hintergrund überwiegend wahrscheinlich ausgeschlossen werden. Hinzu
kommt, dass die Beschwerdegegnerin den entsprechenden, wohl schon früher
erhobenen Verdacht auf Aggravation/Simulation beim Beschwerdeführer nicht erhärten
konnte (vgl. IV-act. 104).
2.5 Die weiteren Beanstandungen der Beschwerdegegnerin bezüglich der von der
Gutachterin angenommenen zuverlässigen Medikamenteneinnahme des
Beschwerdeführers, der Berücksichtigung von organischen Faktoren als Mitursache für
den schwankenden Verlauf der depressiven Störung sowie dem von der Gutachterin in
Betracht gezogenen Zusammenhang zwischen den kognitiven Einbussen und dem
MRI-Befund vom 7. Mai 2015 sind von untergeordneter Bedeutung und vermögen den
Beweiswert des Gutachtens nicht zu schmälern. Die Aussage der Gutachterin, wonach
die nachgewiesenen Medikamentenspiegel für eine zuverlässige
Medikamenteneinnahme sprächen (vgl. act. G 17, S. 24), hat sich wohl auf die
antidepressive Medikation (Cipralex und Mirtazapin) bezogen, welche beim
Beschwerdeführer in erster Linie von Bedeutung gewesen ist (vgl. act. G 17, S. 20 und
Beilage 1: “Befund Medikamente und Toxilogie“). Bei ihrer Aussage, wonach beim
Beschwerdeführer pharmakologische Effekte des Opioids auf Wachheit, Antrieb und
Modulationsfähigkeit aufgrund der hohen Dosen von Tramal nicht auszuschliessen
seien (vgl. act. G 17, S. 24), hat sich die Gutachterin auf die (fremd-)anamnestischen
Angaben sowie die früheren medizinischen Berichte gestützt, wonach der
Beschwerdeführer hohe Tramaldosen eingenommen hat (vgl. act. G 17, S. 17, 24). Der
fehlende Labornachweis von Tramal ist nicht auf ein entsprechend negatives
Testergebnis zurückzuführen, sondern damit zu erklären, dass der Beschwerdeführer
darauf wohl aufgrund seiner im Vordergrund stehenden depressiven Störung gar nicht
getestet worden ist. Andernfalls – wovon nicht auszugehen ist – würden die Aussagen
der Gutachterin sowie die von ihr zusätzlich gestellte Diagnose einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Opioidabhängigkeit (vgl. act. G 17, S. 23) keinen Sinn machen. Nach Ansicht der
Gutachterin hat offenbar keine Indikation zur Durchführung eines Labortests für den
Nachweis von Tramal bestanden. Es sind auch keine Gründe ersichtlich, weshalb an
der Richtigkeit der (fremd-)anamnestischen Angaben zur Einnahme von Tramal zu
zweifeln wäre. Wie aus den vorliegenden medizinischen Akten hervorgeht, hat der
Beschwerdeführer Tramal schon seit Jahren eingenommen. Hinweise dafür, dass er
das Medikament abgesetzt hätte, sind nicht ersichtlich. Im Rahmen der Begutachtung
durch die MEDAS-Ostschweiz im Januar 2008 ist Tramal bei der Laboruntersuchung
nachgewiesen worden (vgl. IV-act. 32-15). Die Gutachter hatten damals empfohlen, die
hohe Tramaldosis von 200 mg täglich zu reduzieren, da das Medikament insbesondere
für die Brechreizsymptome verantwortlich gemacht werden könne (vgl. IV-act. 32-13).
Anlässlich der Verlaufsbegutachtung im März 2010 hat der Beschwerdeführer
angegeben, Tramal in der Menge von 100 mg täglich einzunehmen (vgl. IV-act. 86-3).
Gemäss dem asim-Gutachten hat der Beschwerdeführer die Tramaldosis wieder auf
200 mg täglich erhöht. Diese Angabe ist aufgrund der Vorakten plausibel, so dass auch
die darauf gestützte Annahme der Gutachterin, wonach sich die hohe Tramaldosis
negativ auf das Verhalten des Beschwerdeführers auswirken könnte, nachvollziehbar
erscheint. Bei der Aussage der Gutachterin, dass beim Beschwerdeführer organische
Faktoren (vaskulär bei mikroangiopathischen Einflüssen, latente
Schilddrüsenunterfunktion) als Mitursache für den schwankenden Verlauf der
depressiven Störung in Betracht gezogen werden könnten, handelt es sich um einen
möglichen plausiblen Erklärungsansatz. Daneben hat die Gutachterin jedoch auch
festgehalten, dass ein schwankender Verlauf grundsätzlich typisch sei bei affektiven
Erkrankungen (vgl. act. G 17, S. 25). Ob der geäusserte Verdacht einer Mitursache von
organischen Faktoren zutreffend ist oder nicht, spielt jedoch keine Rolle, denn wie die
Gutachterin ausgeführt hat, leite sich trotz der zeitweiligen Schwankungen keine
gravierende Veränderung der Leistungsfähigkeit bzw. der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers ab (vgl. act. G 17, S. 33).
2.6 Betreffend den Verlauf der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hat die asim-
Gutachterin festgehalten, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall vom 2. März
2007 bis zur Entlassung aus der Klinik Valens am 24. Juni 2007 zu 100% arbeitsunfähig
gewesen sei, insbesondere im Rahmen des stationären Aufenthalts. Für den Zeitraum
ab dem 25. Juni 2007 bis zum 19. Mai 2008 könne unter Würdigung aller Vorakten und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Spiegelung an der eigenen aktuellen Befundung retrospektiv eine konsistente
Einschätzung der Leistungsfähigkeit aufgrund der mittelschweren Depression von 50%
gutachterlich bestätigt werden (vgl. act. G 17, S. 30). Ab dem 19. Mai 2008 werde in
Übereinstimmung mit den Vorbeurteilungen von Dr. J._ und Dr. K._ eine
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes im Zusammenhang mit dem
erlittenen Herzinfarkt als erwiesen erachtet. Seither bestehe anhaltend eine gravierende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 100% aufgrund der
nun schweren Depression. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe keine
Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (act. G 17, S. 31). Die Beurteilung
der asim-Gutachterin weicht von der Arbeitsfähigkeitsschätzung von B._ im
Verlaufsgutachten vom 23. April 2010 ab. B._ hatte im Vergleich zu seinem
Vorgutachten vom 13. März 2008 keine Veränderung der Arbeitsfähigkeit festgestellt
und ist nach wie vor von einer 60%igen Einschränkung aus psychiatrischer Sicht
ausgegangen (vgl. IV-act. 32-12, 86-18). Das Ereignis des Herzinfarktes sowie dessen
psychischen Auswirkungen auf den Beschwerdeführer hat er in seiner Beurteilung nicht
erwähnt. Demgegenüber hat die Gutachterin C._ festgehalten, dass solche
Ereignisse wie das subjektive Erleben der bedrohlichen Umstände im Zusammenhang
mit einem Herzinfarkt in der Regel zu psychischen Beeinträchtigungen führten und
beim Beschwerdeführer mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Verschlechterung der
Störung beigetragen hätten (vgl. act. G 17, S. 32). Die Einschätzung von C._, wonach
seit dem Herzinfarkt vom 19. Mai 2008 eine anhaltende Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustandes mit einer daraus folgenden vollen
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers eingetreten ist, erscheint nachvollziehbar
und überzeugend. Ihre Einschätzung wird zudem auch durch die Berichte der be
handelnden Psychiaterinnen Dr. J._ vom 3. September 2008 (vgl. IV-act. 49) und
Dr. K._ vom 4. Dezember 2009 (vgl. IV-act. 78) gestützt. Betreffend die retrospektive
Einschätzung einer 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für den Zeitraum ab
dem 25. Juni 2007 bis zum 19. Mai 2008 hat die Beschwerdegegnerin beanstandet,
dass die Gutachterin ohne weitere Begründung aus der Diagnose einer mittelgradigen
depressiven Episode eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit abgeleitet habe. Dem ist zu
entgegnen, dass die Gutachterin ihre Beurteilung nicht schematisch, sondern – wie sie
ausdrücklich festgehalten hat – unter Berücksichtigung und Würdigung aller Vorakten
sowie der im Rahmen ihrer Begutachtung erhobenen Befunde vorgenommen hat.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Retrospektiv hat sie so eine konsistente Einschätzung der Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers von 50% aufgrund der mittelschweren Depression bestätigen
können. Dabei hat sie insbesondere auf den Bericht der Klinik Valens vom 21. Juni
2007 Bezug genommen, worin dem Beschwerdeführer ab dem 25. Juni 2007 eine
50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert worden ist (vgl. act. G 17, S. 29,
IV-act. 18-23). Gestützt auf die in den folgenden Berichten geschilderten Befunde ist
die Gutachterin zum Schluss gekommen, dass die Arbeitsfähigkeitseinschränkung von
50% aufgrund der retrospektiv zu diagnostizierenden mittelschweren Depression bis
zum 19. Mai 2008 angehalten hat. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung der asim-Gutachterin
vermag somit auch in retrospektiver Hinsicht zu überzeugen. Folglich ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
vom 2. März 2007 bis 24. Juni 2007 zu 100% arbeitsunfähig, vom 25. Juni 2007 bis
19. Mai 2008 zu 50% arbeitsunfähig und ab diesem Zeitpunkt anhaltend wieder zu
100% arbeitsunfähig gewesen ist.
2.7 Zusammengefasst erfüllt das asim-Gerichtsgutachten vom 21. August 2015
sämtliche rechtsprechungsgemässen Anforderungen an den Beweiswert eines
Gutachtens, womit darauf abzustellen ist. Die gemäss dem Bundesgerichtsentscheid
offen gebliebene Frage nach dem Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung kann
gestützt auf das Gutachten überwiegend wahrscheinlich verneint werden. Gleichzeitig
hat die Gutachterin die bereits von B._ diagnostizierte, im Vordergrund stehende
depressive Störung bestätigt und die Herleitung der Diagnose unter Berücksichtigung
sämtlicher Vorakten sowie der von ihr erhobenen Befunde einlässlich und
nachvollziehbar begründet. Schliesslich vermögen auch ihre gezogenen
Schlussfolgerungen und die Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu überzeugen.
3.
3.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob und ab wann die Voraussetzungen für einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers gegeben sind.
3.2 Nach dem hier anwendbaren altrechtlichen Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht ein
Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40%
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
arbeitsfähig gewesen ist. Gestützt auf das asim-Gutachten hat die Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers vom 2. März bis 24. Juni 2007 100% und ab dem 25. Juni
2007 bis 19. Mai 2008 50% betragen. Somit hat ab dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
eine durchgehende mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit während einem Jahr
vorgelegen. Da das Wartejahr im März 2008 erfüllt worden ist, ist der frühestmögliche
Beginn des Rentenanspruchs der 1. März 2008.
3.3 Für die Invaliditätsbemessung kann grundsätzlich auf die im Urteil des
Versicherungsgerichts vom 5. November 2013 ermittelten Vergleichseinkommen,
namentlich ein Valideneinkommen von Fr. 66‘880.-- und ein Invalideneinkommen von
Fr. 58‘389.--, sowie den begründeten Tabellenlohnabzug von 15% verwiesen werden
(E. 6.4 bis 6.6 des Urteils IV 2012/22). Ausgehend von der am 1. März 2008
vorliegenden 50%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und unter
Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 15% resultiert ein
Invalideneinkommen von rund Fr. 24‘815.-- (Fr. 58‘389.-- x 0.5 - 15%). Stellt man
dieses dem Valideneinkommen von Fr. 66‘880.-- gegenüber, so resultiert eine
Erwerbseinbusse von Fr. 42‘065.--, was einem Invaliditätsgrad von rund 63%
entspricht.
3.4 Damit hat im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns, am 1. März 2008,
eine rentenbegründende Erwerbsunfähigkeit vorgelegen. Der Beschwerdeführer hat ab
1. März 2008 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 63% einen Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.5 Ab dem 19. Mai 2008 ist gemäss dem asim-Gutachten eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes eingetreten, welche sich in einer anhaltenden 100%igen
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkt. Ab diesem Zeitpunkt liegt das
Invalideneinkommen daher bei Null. Unabhängig von der Höhe des
Valideneinkommens ist somit im Sinne eines verkürzten Einkommensvergleichs von
einer vollständigen Erwerbseinbusse auszugehen, was einem Invaliditätsgrad von
100% entspricht. Damit hat der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine ganze
Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.6 Bei der rückwirkenden Zusprache einer abgestuften und/oder befristeten
Invalidenrente finden gemäss Rechtsprechung die für die Rentenrevision geltenden
Normen (Art. 17 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 88a der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) analog Anwendung (Urteil des Bundesgerichts
vom 16. April 2013, 8C_93/2013, E. 2; 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis). Gemäss
Art. 88a IVV ist bei einer Verbesserung (Abs. 1) oder Verschlechterung (Abs. 2) der
Erwerbsfähigkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald
sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat. Die
Verschlechterung ist vorliegend am 19. Mai 2008 eingetreten, womit die
Dreimonatsfrist am 19. August 2008 abgelaufen ist. Der Rechtsvertreter hat die
Erhöhung auf eine ganze Rente per 1. August 2008 beantragt (vgl. act. G 21). Gemäss
ständiger Praxis des Versicherungsgerichts erfolgt die Rentenanpassung jedoch nicht
rückwirkend per Anfang des Monats, in dem die Dreimonatsfrist abgelaufen ist,
sondern erst ab Beginn des folgenden Monats, weil nur dann die gesetzlich
vorgesehene Frist von drei Monaten gesamthaft eingehalten ist. Folglich hat der
Beschwerdeführer für den Zeitraum vom 1. März 2008 bis 31. August 2008 einen
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und ab dem 1. September 2008 einen unbefristeten
Anspruch auf eine ganze Rente.
4.
4.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Verfügung vom 2. Dezember 2011
in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Der Beschwerdeführer hat vom 1. März
2008 bis 31. August 2008 einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und ab 1.
September 2008 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Die Sache
ist zur Festsetzung des Rentenbetrags an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren in Angelegenheiten der Invalidenversicherung ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Angesichts des durch die Einholung des Gerichtsgutachtens überdurchschnittlichen
Aufwands erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- als angemessen. Die
unterliegende Beschwerdegegnerin hat für diese Gebühr aufzukommen. Dem
Beschwerdeführer ist der im Verfahren IV 2012/22 geleistete Kostenvorschuss von
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fr. 600.-- zurückzuzahlen. Zudem hat die Beschwerdegegnerin die Kosten für das
Gerichtsgutachten zu übernehmen. Diese belaufen sich insgesamt auf Fr. 10‘390.10
(vgl. act. G 20).
4.3 Dem obsiegenden Beschwerdeführer ist eine Parteientschädigung zuzusprechen
(Art. 61 lit. g ATSG). Im Verfahren IV 2012/22 wurde diese auf Fr. 3'500.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt (E. 7.3 jenes Urteils). Im Zusammenhang
mit dem Gerichtsgutachten war der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers nochmals
einige Male mit dem Fall befasst, womit ihm ein überdurchschnittlicher
Vertretungsaufwand entstanden ist. Insgesamt rechtfertigt es sich daher, die
Parteientschädigung auf Fr. 4'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen.