Decision ID: ae0e707b-53d1-5f0e-886a-442ae7c3a43e
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach
4358, 6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1956 geborene A._ (nachfolgend: Versicherter) war durch seine Tätigkeit als
Chauffeur bei der B._, bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am
7. November 2011 durch seine Arbeitgeberin melden liess, am 12. Oktober 2011 beim
Beladen des LKWs bzw. dessen Aufliegers eine Stauchung der Lendenwirbelsäule
(LWS) erlitten zu haben. Betreffend "Sachverhalt" bzw. "Unfallhergang" wurde auf ein
ärztliches Attest - offensichtlich auf dasjenige von Dr. med. C._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, vom 2. November 2011 - verwiesen (Suva-act. 1, 4). Am 15.
November 2011 erstattete der Versicherte gegenüber der Suva telefonisch (Suva-act.
7) und am 16. November 2011 in deren Fragebogen schriftlich Bericht über den
Hergang des Ereignisses vom 12. Oktober 2011 (Suva-act. 10). Am 22. November 2011
ging bei der Suva das Arztzeugnis UVG von Dr. C._, insbesondere mit Angaben zum
Patienten, mit Befund und Diagnose sowie deren Kausalität, ein (Suva-act. 11).
A.b Mit Verfügung vom 24. November 2011 lehnte die Suva ihre Leistungspflicht für
das Ereignis vom 12. Oktober 2011 mit der Begründung ab, dass weder ein Unfall noch
eine unfallähnliche Körperschädigung vorliege (Suva-act. 17).
B.
B.a Am 2. Dezember 2011 wandte sich Dr. C._ schriftlich an die Suva, benannte
seine Diagnosen, legte nochmals den Verlauf des Ereignisses vom 12. Oktober 2011
dar und ersuchte die Suva, nach erneuter Aufarbeitung des Sachverhalts das
geschilderte ursächliche Trauma bei der Entscheidung betreffend Kostenübernahme zu
berücksichtigen (Suva-act. 23).
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B.b Am 13. Dezember 2011 erhob der Versicherte gegen die Verfügung vom
24. November 2011 Einsprache (Suva-act. 25), welche die Suva mit
Einspracheentscheid vom 16. März 2012 abwies (Suva-act. 34). Der
Krankenversicherer zog seine vorsorglich erhobene Einsprache vom 29. November
2011 (Suva-act. 21) nach Einsicht der Akten am 3. Januar 2012 zurück (Suva-act. 28).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte durch Rechtsanwalt lic.
iur. HSG Roland Hochreutener, St. Gallen, Beschwerde erheben und beantragen, der
angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer seien
die gesetzlichen Leistungen gemäss UVG zu erbringen. Eventualiter sei die Streitsache
zur Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1). Am 29. Juni 2012 reichte der
Rechtsvertreter die einlässliche Beschwerdebegründung nach (act. G 5).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 29. August 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des Einspracheentscheids vom 16. März
2012 (act. G 7).
C.c Mit Replik vom 24. September 2012 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an den gestellten Anträgen fest (act. G 9).
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 11).
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Vorfall vom 12. Oktober
2011 zu Recht weder als Unfall noch als unfallähnliche Körperschädigung qualifizierte
und ihre Leistungspflicht aus der obligatorischen Unfallversicherung verneinte.
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1.2 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt,
bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Die
Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid den Unfallbegriff
gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sowie die Lehre und Rechtsprechung zum
Unfallbegriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors (vgl. E. 1a; vgl. zur
Rechtsprechung auch: BGE 134 V 72; RKUV 1999 Nr. U 333 S. 198 E. 3a) zutreffend
dargelegt. Darauf ist zu verweisen. Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer
unkoordinierten Bewegung bestehen (RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U
345 S. 422 E. 2b; Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl.
Bern 1989, S. 176 f.). Bei einer solchen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt,
wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer
Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat, was beispielsweise
dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen
Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige
Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E.
4.1, 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b, 1996 Nr. U 253 S. 204
E. 4d; Alexandra Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich
2003, S. 27 mit Hinweisen; Maurer, a.a.O., S. 176 f.). Dass es tatsächlich zu einem
Sturz kommt, wird mithin nicht vorausgesetzt. Immerhin unterliegt der Nachweis eines
Unfalls bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere beschränken, insofern
strengen Anforderungen, als die unmittelbare Ursache der Schädigung unter
besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss; denn ein Unfallereignis
manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während
bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen
besteht (RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4d). Die Rechtsprechung bejaht das Vorliegen
eines ungewöhnlichen äusseren Faktors ausserdem dann, wenn beim Heben oder
Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und zu einer,
gelegentlich als Verhebetrauma bezeichneten, Schädigung führt. Es muss jedoch von
Fall zu Fall geprüft werden, ob die Anstrengung im Hinblick auf Konstitution und
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berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person ausserordentlich
war (vgl. BGE 116 V 136 E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2).
1.3 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln bzw. die notwendigen Beweise zu
erheben. Indessen ist die leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei
mitzuwirken. Sie muss die Umstände des Unfalls glaubhaft machen. Kommt sie dieser
Aufforderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche
Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig
erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Die
Beschwerdegegnerin hat die Beweismaxime der "Aussage der ersten Stunde", die bei
sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang eine
im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) zu berücksichtigende
Entscheidungshilfe darstellt (BGE 121 V 47 E. 2a; RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546), richtig
wiedergegeben (vgl. E. 1c). Darauf ist ebenfalls zu verweisen. Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel kommt zur
Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kein wahrscheinlicher
Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 5b). Wird also auf dem Weg der
Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit
Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht (Thomas Locher,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.) -, so hat dieses
als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person
auswirkt (BGE 116 V 140 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
2.
2.1 Betreffend Sachverhalt wurde in der Unfallmeldung vom 7. November 2011 (Suva-
act. 1) auf ein ärztliches Attest - offensichtlich auf dasjenige von Dr. C._ vom
2. November 2011 (Suva-act. 4) - verwiesen, laut welchem sich der Beschwerdeführer
beim Beladen des Fahrzeugs am 12. Oktober 2011 verhoben habe. Seitdem bestünden
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Beschwerden im Bereich des rechten Arms und der rechten Wirbelsäule. Die anlässlich
eines Telefongesprächs vom 15. November 2011 zum Ereignis gemachten
Ausführungen des Beschwerdeführers hielt die Sachbearbeiterin der
Beschwerdegegnerin wie folgt fest: Der Versicherte habe Paletten verladen und diese
aufeinandergeschichtet. Dabei habe sich ein Palett auf der Höhe von ca. 1.20 Meter
verkantet, wodurch es einen Ruck gegeben habe und er sei nach hinten gelaufen und
habe am Aufbau des LKWs den Rücken angeschlagen. Dabei habe es ihm auch einen
Zwick im Rücken gegeben (Suva-act. 7). In einem von der Beschwerdegegnerin
zugestellten Fragebogen beschrieb der Beschwerdeführer am 16. November 2011, er
habe beim Europaletten aufeinander stapeln einen stechenden Schmerz in der Nähe
der Wirbelsäule verspürt und beim Rückwärtsgehen noch einen Stoss beim
Schulterblatt bekommen. Als Ort des Vorfalls nannte er den Auflieger bzw. die
Anhängerladefläche des LKWs. Die Frage, ob sich etwas Besonderes (Ausgleiten,
Sturz, usw.) ereignet habe, verneinte er (Suva-act. 10, 14). Im Arztzeugnis UVG vom 22.
November 2011 gab der erstbehandelnde Arzt Dr. C._ unter der Rubrik "Angaben
des Patienten" an: Beim Abladen von Paletten vom LKW kam es zu stechenden
Schmerzen rechts thorakal und im rechten Unterarm. Dr. C._ erhob als Befunde eine
Myogelose, einen Druckschmerz zwischen Wirbelsäule und rechter Scapula und eine
eingeschränkte Rotation der HWS nach rechts. Die Röntgenuntersuchung ergab eine
Verdickung der Facettengelenke C5 - T1 rechts und eine knöcherne Einengung C6 - 7
rechts. Als Diagnose vermerkte er ein aktiviertes HWS-BWS-Syndrom bei
Osteochondrose C5 - T1. Schliesslich verneinte Dr. C._ die Frage, ob ausschliesslich
Unfallfolgen vorliegen würden mit der Begründung, dass es bei bisher unbekanntem
degenerativem Schaden durch Überlastung bzw. Verhebetrauma zu den Beschwerden
gekommen sei (Suva-act. 11). Gestützt auf diese Akten folgte sodann am 24.
November 2011 verfügungsweise die Leistungsablehnung durch die
Beschwerdegegnerin (Suva-act. 17). Nachfolgend bat Dr. C._ die
Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 2. Dezember 2011, die Verfügung bzw.
Leistungsablehnung nochmals zu überprüfen. Im Weiteren liess er - unter Anführung
der Diagnosen Thoraxprellung vom 12. Oktober 2011, Osteochondrose rechts (HWS
C5 - 7), Karpaltunnelsyndrom rechts (OP vom 17. November 2011) sowie HWS-BWS-
Syndrom mit Blockierungen - vernehmen, dass für die derzeitigen Beschwerden des
Beschwerdeführers sicher mehrere Gesundheitsstörungen verantwortlich seien. Primär
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sei es allerdings beim Arbeitsunfall vom 12. Oktober 2011 während des Verladens der
Paletten zu einer durch das Gewicht der Paletten bedingten Gleichgewichtsstörung
gekommen. Dadurch sei der Beschwerdeführer mit dem rechten dorsalen Thorax
gegen den scharfkantigen Aufbau (Runge) des LKWs geprallt. Dieser Schmerz sei
verblieben bzw. habe sich verschlechtert. Nach erneuter Aufarbeitung des
Sachverhalts sei dieses ursächliche Trauma bei der Entscheidung über die
Kostenübernahme bitte zu berücksichtigen (Suva-act. 23).
2.2 Damit beurteilt werden kann, ob das Ereignis am 12. Oktober 2011 einen Unfall im
Rechtssinn darstellt, ist der Sachverhalt festzulegen, wie sich das Geschehen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ereignet hat. In Anbetracht der in Erwägung 2.1
angeführten Ereignisschilderungen steht zunächst unbestrittenermassen fest, dass
beim Beschwerdeführer während des Hantierens mit Europaletten auf der
Anhängerladefläche des LKW körperliche Beschwerden aufgetreten sind. Unstreitig ist
sodann, dass die Ereignisschilderungen grundsätzlich Vorgänge eines Verhebetraumas
(Heben eines Europaletts) und/oder einer unkoordinierten Bewegung (Das Verkanten
eines Paletts führte zu einem Ruck mit anschliessender Rückwärtsbewegung und
Anschlagen eines Körperteils) beschreiben (vgl. dazu Erwägung 1.2). Nach Auffassung
der Beschwerdegegnerin liegen widersprüchliche Angaben des Beschwerdeführers
vor, in Anbetracht derer nicht von einem Anprall ausgegangen werden könne. Damit
verbleibe einzig ein gewöhnliches Heben von Waren. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers sieht demgegenüber das Anstossen an einem Gegenstand als
erwiesen an.
2.3 Wie in Erwägung 1.3 erwähnt hat die leistungsansprechende bzw. versicherte
Person bei der Sachverhaltserhebung mitzuwirken bzw. die Umstände des Unfalls
glaubhaft zu machen. Weil sie vom Unfall direkt betroffen ist und damit im Regelfall die
konkreten Umstände am besten kennt, kommt ihren eigenen Angaben bzw. ihrer
Ereignisschilderung bei der Beweiserhebung die zentrale Bedeutung zu. Dabei ist für
die Glaubhaftigkeit des geltend gemachten Sachverhalts entscheidend, dass die
wesentlichen Sachverhaltselemente - insbesondere auf konkrete Nachfrage hin -
erwähnt werden, und die bei verschiedenen Gelegenheiten abgegebenen
Sachverhaltsschilderungen in den massgeblichen Punkten übereinstimmen. Der
Beschwerdeführer selber hat der Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin den Vorfall
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vom 12. Oktober 2011 ein erstes Mal am 15. November 2011 telefonisch geschildert
und dabei das Heben eines Paletts begleitet von einem Ruck infolge Verkantens sowie
einer Rückwärtsbewegung mit Anschlagen des Rückens beschrieben. Tags darauf gab
er eine schriftliche Ereignisschilderung in einem von der Beschwerdegegnerin
zugestellten Fragebogen ab. Dieser dient der Unfallversicherung der detaillierten
Erhebung der tatsächlichen Verhältnisse bei der leistungsansprechenden Person. Im
Vordergrund stehen entsprechend die Fragen betreffend die für die Leistungspflicht
des Unfallversicherers massgebenden Voraussetzungen des Unfallgeschehens. Die
vom Beschwerdeführer im Fragebogen verlangte "ausführliche Schilderung des
Vorfalls" stimmt mit der telefonischen Darstellung des Ereignisses in den wesentlichen
Punkten - Heben bzw. Aufeinanderstapeln der Europalette, beim Rückwärtsgehen
erlittener Stoss beim Schulterblatt - überein. Die Nichterwähnung der Planwidrigkeit
des verkanteten Paletts ist offensichtlich damit zu erklären, dass auf dem Fragebogen
kein Platz mehr für weitere schriftliche Ausführungen zur Verfügung stand und der
Beschwerdeführer nach dem Telefongespräch vom Vortag davon ausgehen konnte, die
Beschwerdegegnerin bereits ausreichend informiert zu haben. Angesichts der
zweimalig vorgebrachten, in wesentlichen Teilen übereinstimmenden, d.h. sowohl das
Heben von Europaletten als auch das Anschlagen eines Körperteils enthaltenden
Sachverhaltsversion, und dem bereits beim ersten Mal erwähnten Ruck infolge
Verkantens des gehobenen Europaletts, besteht keine Veranlassung, an dieser zu
zweifeln. Dies zumal sie - entgegen der Feststellung der Beschwerdegegnerin - nicht
erstmals im Zusammenhang mit der Einsprache und damit in Kenntnis der
Leistungsablehnung erwähnt wurde. Vielmehr handelt es sich um sogenannte
"Aussagen der ersten Stunde". Auch die Verneinung im Fragebogen, ob sich etwas
Besonderes ereignet habe, lässt die Sachverhaltsversion nicht unglaubwürdig
erscheinen. Es ist davon auszugehen, dass sich die schriftliche Angabe nicht auf diese,
sondern allgemein auf das Heben bzw. Hantieren mit Europaletten im Rahmen der
beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers oder die im Fragebogen angeführten
Beispiele (Ausgleiten, Sturz usw.) bezieht. Auch die von Dr. C._ im Arztzeugnis UVG
vom 22. November 2011 notierten "Angaben des Patienten" lassen sich schliesslich in
die fragliche Sachverhaltsversion einfügen. Zumindest stehen sie dieser nicht
entgegen, womit jedenfalls kein Grund besteht, die Aussagen des Beschwerdeführers
hinsichtlich Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen. Bei der Beurteilung, ob ein Unfall im
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Rechtssinn vorliegt, ist somit vom Bewegungs- bzw. Geschehensablauf auszugehen,
wonach beim Vorfall vom 12. Oktober 2011 beim Heben eines Europaletts ein
Verkanten stattfand, dadurch ein Ruck mit Rückwärtsgehen und schliesslich ein
Anstossen des Rückens im Bereich Thorax/Schulterblatt am Anhängeraufbau erfolgte.
3.
3.1 Dass der Beschwerdeführer einen Unfall im Sinne eines Verhebetraumas erlitten
hätte bzw. beim Heben des Europaletts ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand
erfolgt wäre, wird beschwerdeweise zu Recht nicht geltend gemacht. Die
Beschwerdegegnerin stellt im angefochtenen Einspracheentscheid zutreffend fest,
dass das gewöhnliche Heben von Waren bzw. Gegenständen eine Tätigkeit darstellt,
wobei der Rahmen des Alltäglichen oder Üblichen nicht überschritten wird. Ein
Unfallereignis bzw. ein ungewöhnlicher äusserer Faktor ist in dieser Hinsicht zu
verneinen (vgl. Rumo-Jungo, a.a.O., S. 23 mit Hinweisen). Dass das Heben eines
Paletts eine gewisse körperliche Anstrengung erfordert und es dadurch zu einer
Krafteinwirkung auf die Arme und die Wirbelsäule kommt, steht ausser Frage.
Allerdings weist der fragliche Gegenstand kein Gewicht (vgl. dazu http://
de.wikipedia.org/wiki/Europoolpalette, abgerufen am: 18. Februar 2013) auf, bei
welchem ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und damit auf ein
Unfallereignis im Sinne eines Verhebetraumas zu erkennen wäre. Die fragliche
Körperbewegung muss folglich als mit einer normalen Belastung verbunden betrachtet
werden (vgl. dazu Maurer, a.a.O., S. 178 Anm. 359). Im vorliegenden Fall ist sodann zu
berücksichtigen, dass eine berufsübliche Anstrengung, wie sie in einem Betrieb immer
wieder vorkommt, nicht als Unfall gilt (Maurer, a.a.O., S. 178; BGE 116 V 139 E. 3b, mit
Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38). Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen,
wonach das Heben von Paletten für den Beschwerdeführer nicht eine gewohnte,
berufliche Tätigkeit im Rahmen seiner Anstellung als Chauffeur dargestellt und sich
seine Konstitution negativ auf das vorliegend zu beurteilende Ereignis ausgewirkt hätte.
Solches wird denn auch vom Beschwerdeführer nicht behauptet. Der aufgetretene
Schmerz als solches ist ebenfalls kein ungewöhnlicher äusserer (schädigender) Faktor.
Dabei geht es um die Wirkung des Vorgangs, auf die es bei der Beurteilung der
Aussergewöhnlichkeit des äusseren Faktors gerade nicht ankommt (vgl. Rumo-Jungo,
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a.a.O., S. 23; BGE 129 V 469 E. 4.2.1, 122 V 232 f. E. 1 = Pra 86 415 E. 1, 121 V 38 E.
1a).
3.2 Wie in Erwägung 2.3 dargelegt, ist jedoch davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer beim Heben eines Europaletts mit einem solchen verkantete, was zu
einem Ruck führte. Dieser wiederum löste eine Rückwärtsbewegung des
Beschwerdeführers aus, worauf er sich letztlich auch noch am Aufbau des LKWs den
Rücken anschlug. Dieses Geschehen ist insofern als Unfall zu qualifizieren, als das
Verkanten des Paletts mit anschliessendem Ruck einen nicht planmässig verlaufenen
Bewegungsablauf darstellt und damit das Tatbestandselement der Ungewöhnlichkeit in
einer unkoordinierten Bewegung unter besonders sinnfälligen Umständen erfüllt (vgl.
Rumo-Jungo, a.a.O., S. 27 f.). Ein Europalett hat - selbst wenn das blosse Heben eines
solchen nicht die Annahme eines Unfalls bzw. Verhebetraumas rechtfertigt (vgl. dazu
Erwägung 3.1) - ein recht erhebliches Gewicht. Hinzu kommt seine eher unhandliche
und damit dessen Tragen erschwerende Form (vgl. dazu http://de.wikipedia.org/wiki/
Europoolpalette, abgerufen am: 18. Februar 2013). Das Aufeinanderschichten von
Europaletten geschieht, insbesondere ab einer gewissen Höhe, mit einem erhöhten
Kraftaufwand oder mit Schwung. Verkantet dabei ein Palett, ist es ohne weiteres
vorstellbar, dass man die Kontrolle über den Bewegungsablauf verliert, und sich
irgendwo anschlägt. Dass es infolge dieser gesamten Umstände zu einer erhöhten
Krafteinwirkung auf den Rücken kommen kann, welche - wie die Diagnose von Dr.
C._ im Arztzeugnis UVG vom 22. November 2011 (Suva-act. 11) eines aktivierten
HWS-BWS-Syndroms bei Osteochondrose C5 - T1 aufzeigt - einen bisher nicht
bekannten bzw. stummen degenerativen Vorzustand schmerzhaft auszulösen vermag,
leuchtet ohne weiteres ein. Entsprechend erhob Dr. C._ auch die für ein solches
Geschehen inklusive Prellung typischen Befunde einer Myogelose, eines
Druckschmerzes und einer Bewegungseinschränkung. Seine Verneinung der Frage, ob
ausschliesslich Unfallfolgen vorliegen würden, ist in diesem Zusammenhang
auszulegen und spricht in keiner Weise gegen die Bejahung eines Unfallereignisses. So
genügt es für die Bejahung einer natürlich kausalen Unfallfolge (vgl. dazu Art. 6 UVG;
BGE 129 V 181 E. 3.1), wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung
eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 377 E. 3a). Der durch einen Unfall manifest
gewordene degenerative Vorzustand stellt den typischen Sachverhalt einer solchen
Teilunfallkausalität dar.
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4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf den hier zu beurteilenden
Sachverhalt (vgl. Erwägung 2.3) in Berücksichtigung aller Umstände mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass ein
unfallmässiges Geschehen im Sinn von Art. 4 ATSG vorliegt und die
Beschwerdegenerin damit leistungspflichtig ist.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 16. März 2012 (Suva-act. 34) gutzuheissen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die
obsiegende Beschwerde führende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die
Parteientschädigung ist - wie in vergleichbaren Verfahren üblich - pauschal auf Fr.
3'500.--, einschliesslich Barlauslagen und Mehrwertsteuer, festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 16. März 2012
aufgehoben.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer mit Fr. 3'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 19.02.2013 Art. 4 ATSG: Bejahung eines Unfalls bzw. eines ungewöhnlichen äusseren Faktors im Sinne einer unkoordinierten Bewegung sowie in Berücksichtigung der gesamten Umstände (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Februar 2013, UV 2012/33).
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2021-09-19T13:10:25+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen