Decision ID: d5f78df6-66c3-5b2e-aa54-943e838e1660
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rückforderung von Familienzulagen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ bezog ab 1. April 2009 Ausbildungszulagen für seine Tochter B._
(Jahrgang 19_ [act. G 3.1/2). Diese absolvierte ab 1. August 2010 eine Lehre als
Detailhandelsfachfrau (act. G 3.1/2). Mit Mutationsformular vom 30. Juli 2013 meldete
A._ der Sozialversicherungsanstalt unter Einreichung eines neuen Lehrvertrags, dass
B._ nunmehr seit 6. August 2012 und noch bis 5. August 2015 eine Lehre als Malerin
absolviere (act. G 3.1/3). Am 6. August 2013 meldete A._ der
Sozialversicherungsanstalt telefonisch auf entsprechende Aufforderung, dass B._ die
erste Lehre im Juli 2011 abgebrochen und danach von Oktober 2011 bis April 2012 ein
Brückenangebot (C._) besucht habe (act. G 3.1/4 und 5).
A.b Mit Verfügung vom 12. August 2013 forderte die Sozialversicherungsanstalt von
A._ Ausbildungszulagen für die Zeit von August bis September 2011 sowie von Mai
bis Juli 2012 von insgesamt Fr. 1'250.-- zurück, da B._ in diesen Zeiträumen weder
eine Ausbildung absolviert noch ein Brückenangebot besucht habe (act. G 3.1/6). Mit
Einsprache vom 9. September 2013 machte A._ geltend, B._ habe die Ausbildung
nicht im Sinn von Art. 49 Abs. 2 AHVV abgebrochen, sondern auf den
nächstmöglichen Termin weitergeführt. Auf Grund von Mobbing und falschen
Vorwürfen habe sie die erste Lehre abbrechen müssen. Da die Berufslehre nur einmal
im Jahr jeweils im August starte, könnten die fraglichen Zwischenzeiten (August bis
September 2011 sowie Mai bis Juli 2012) als unterrichtsfreie Zeit oder als Ferien im
Sinn von Art. 49 Abs. 3 lit. a AHVV und somit als Ausbildungszeit angesehen werden
(act. G 3.1/7). Mit Entscheid vom 8. November 2013 wies die
Sozialversicherungsanstalt die Einsprache ab (act. G 3.1/9).
B.
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B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
1. Dezember 2013 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen
Rückforderungsverfügung. B._ habe Anspruch auf Ausbildungszulagen. Einem
Jugendlichen mit nicht geradlinigem Ausbildungsweg die Zulagen zwischen zwei
Lehrverhältnissen zu streichen, verletze das Gleichbehandlungsgebot gegenüber einem
Jugendlichen, dem der berufliche Einstieg leichter falle (act. G 1).
B.b Mit Eingabe vom 13. Dezember 2013 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf eine
begründete Beschwerdeantwort und beantragt unter Verweis auf den angefochtenen
Einspracheentscheid Abweisung der Beschwerde (act. G 3).

Erwägungen:
1.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem
Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte
vorliegt (Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [SR 830.1; abgekürzt: ATSG]). Gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. b
des Bundesgesetzes über die Familienzulagen (SR 836.2; abgekürzt: FamZG) in
Verbindung mit Art. 1 der Verordnung über die Familienzulagen (SR 836.21; abgekürzt:
FamZV) besteht für Kinder nach Vollendung des 16. Altersjahrs bis zum Abschluss
einer Ausbildung im Sinn von Art. 25 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (SR 831.10; abgekürzt: AHVG), längstens bis zum
vollendeten 25. Altersjahr, Anspruch auf Ausbildungszulagen. In Ausbildung ist ein
Kind, wenn es sich auf der Grundlage eines ordnungsgemässen, rechtlich oder
zumindest faktisch anerkannten Bildungsganges systematisch und zeitlich
überwiegend entweder auf einen Berufsabschluss vorbereitet oder sich eine
Allgemeinausbildung erwirbt, die Grundlage bildet für den Erwerb verschiedener Berufe
(Art. 49 Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [SR
831.101; abgekürzt: AHVV]). Als in Ausbildung gilt ein Kind auch, wenn es
Brückenangebote wahrnimmt wie Motivationssemester und Vorlehren sowie Au-pair-
und Sprachaufenthalte, sofern sie einen Anteil Schulunterricht enthalten (Art. 49 Abs.
2 AHVV). Die Ausbildung gilt unter anderem als beendet, wenn sie abgebrochen oder
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unterbrochen wird (Art. 49 Abs. 2 AHVV). Nicht als Unterbrechung im Sinn von Abs. 2
gelten unter anderem die üblichen unterrichtsfreien Zeiten und Ferien von längstens 4
Monaten oder Militär- und Zivildienst von längstens 5 Monaten, sofern unmittelbar
nach diesen Zeiten die Ausbildung fortgesetzt wird (Art. 49 Abs. 3 lit. a und b AHVV).
2.
2.1 Vorliegend macht der Beschwerdeführer geltend, seine Tochter B._ habe die
Berufsausbildung nicht im Sinn von Art. 49 Abs. 2 AHVV abgebrochen bzw.
unterbrochen, sondern nach dem Motivationssemester im Programm "C._"
schnellstmöglich per August 2012 wieder aufgenommen. Demgegenüber geht die
Beschwerdegegnerin davon aus, dass Art. 49 Abs. 2 AHVV nicht unterscheide, ob
die Ausbildung aus allenfalls entschuldbaren Motiven abgebrochen wurde. Es handle
sich bei den fraglichen Perioden nicht um die unterrichtsfreien Zeiten oder Ferien
während einer Ausbildung. Vielmehr lägen die Zeiträume zwischen jeweils neuen
Ausbildungen. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung die Zeitspanne zwischen der vorzeitigen Auflösung des alten und der
Begründung eines neuen Lehrverhältnisses nicht als rechtserhebliche Unterbrechung
der Ausbildung gilt, sofern die Suche nach einer neuen Lehrstelle unverzüglich an die
Hand genommen wird (Urteil 8C_916/2013 vom 20. März 2014 E. 3.4 mit Hinweisen auf
BGE 102 V 208 E. 3, ZAK 1975 S. 375 und H 135/74 E. 2). Im gleichen Entscheid stellte
das Bundesgericht (zumindest implizit) auch fest, dass der per 1. Januar 2011 neu
eingeführte Art. 49 Abs. 2 AHVV keinen genügenden Anlass für ein Zurückkommen
auf die bisherige Praxis bilde (E. 4). Die bisherige Fassung in Ziff. 3375 RWL lautete
dahingehend, dass eine Ausbildung nicht als unterbrochen gelte, wenn das
bestehende Lehrverhältnis vorzeitig aufgelöst werden müsse und unverzüglich eine
neue Lehrstelle gesucht und die Ausbildung fortgesetzt werde (Version 1.2010). Davon
zu unterscheiden ist der Fall, wo ein Kind aus eigenem Antrieb die bisherige
Ausbildungstätigkeit aufgibt, um später eine neue, völlig andersgerichtete Ausbildung
zu beginnen, was als Abbruch der Ausbildung zu werten ist (Kieser/Reichmuth,
Praxiskommentar FamZG, 2010, Art. 3 N 62, mit Hinweisen). Hinzu kommt, dass per
1. Januar 2011 auch Art. 49 Abs. 2 AHVV in Kraft gesetzt wurde, wonach
Brückenangebote und Motivationssemester ebenfalls als Ausbildung gelten. Der
Verordnungsgeber gesteht damit jungen Menschen in Ausbildung die Möglichkeit zu,
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sich Orientierung über die künftige Ausbildung zu verschaffen, ohne dass der Anspruch
auf Ausbildungszulagen verloren gehen soll. Es ist deshalb zu postulieren, dass
mindestens auch dann kein Unterbruch der Ausbildung im Sinn von Art. 49 Abs. 2
AHVV vorliegt, wenn nach dem Abbruch der Erstausbildung schnellstmöglich ein
Brückenangebot oder Motivationssemester im Sinn von Art. 49 Abs. 2 AHVV in
Angriff genommen und nach dessen Beendigung wiederum schnellstmöglich eine neue
Ausbildung begonnen wird.
2.2 Vorliegend ist unbestritten, dass die Tochter des Beschwerdeführers die Lehre als
Detailhandelsfachfrau bei der D._ AG per Ende Juli 2011 (unfreiwillig) abgebrochen
hat und per 6. August 2012 eine neue Lehre als Malerin bei der E._ GmbH begonnen
hat. In der Zwischenzeit absolvierte sie vom 24. Oktober 2011 bis zum 30. April 2012
ein Motivationssemester im Programm "C._" (act. G 3.1/3 - 5). Aus diesem zeitlichen
Ablauf geht hervor, dass die Tochter des Beschwerdeführers stets ihr Ausbildungsziel
eines Berufsabschlusses verfolgt oder zumindest in einem ebenfalls
anspruchsberechtigten Motivationssemester dieses neu definiert hat. Es ist nicht
ersichtlich, dass die Unterbrüche länger als unbedingt notwendig dauerten. Dies gilt
namentlich für die Zeit nach Beendigung des Motivationssemesters, sind doch die
Lehrstellenangebote und das Schuljahr für die lehrbegleitende Berufsfachschule auf
einen Beginn im August ausgerichtet. Schliesslich übersteigt die Dauer der beiden
Unterbrüche nicht die in Art. 49 Abs. 3 AHVV genannten Zeiträume für
unterrichtsfreie Zeiten (4 Monate [lit. a]) oder Militär- oder Zivildienst (5 Monate [lit. b]).
Der Beschwerdeführer hatte somit auch in diesen Zeiten Anspruch auf
Ausbildungszulagen für B._, sodass kein Rückforderungsanspruch der
Beschwerdegegnerin besteht.
3.
Nach dem Gesagten sind die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene
Einspracheentscheid vom 8. November 2013 aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
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