Decision ID: ddff4852-f0c4-5e21-925a-6f7b2c69b962
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (im Folgenden: Versicherter) meldete sich am 23. Mai 2014 bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Er hatte am 13. Juni 2013
einen Herzinfarkt (Nicht-ST-Hebungsinfarkt [NSTEMI]) erlitten. In der Folge war die
hochgradige Stenose des Ramus interventricularis anterior (RIVA) dilatiert und mit
einem Stent versorgt worden (Austrittsbericht Medizinische Intensivstation
Kantonsspital St. Gallen [KSSG] vom 14. Juni 2013, IV-act. 15-35 f.; Austrittsbericht
Spital B._, Klinik für Innere Medizin, vom 6. Juli 2013, IV-act. 15-22 f.; Bericht
Koronarangiographie Kardiologie KSSG, IV-act. 15-3 f.). Am 5. Mai 2014 waren ein
Verschluss der rechten Koronararterie dilatiert und drei Stents angebracht worden
(Berichte Klinik für Kardiologie KSSG vom 8. Mai 2014, IV-act. 15-10 ff. und
Koronarangiographie und ad hoc PCI vom 5. Mai 2014, IV-act. 44-23 f.).
A.a.
Eine angiologische Untersuchung ergab eine periphere arterielle
Verschlusskrankheit (PAVK) der unteren Extremitäten Stadium IIa beidseits (Bericht
Klinik für Angiologie KSSG vom 11. Juni 2014, IV-act. 19). Dr. med. C._,
Lungenkrankheiten und Innere Medizin FMH, hielt im Arztbericht vom 27. Juni 2014
fest, der Versicherte leide an einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung
(COPD), an einer koronaren/hypertensiven Herzkrankheit, an Diabetes mellitus sowie
an Coxarthrosen. Die Implantation einer Hüfttotalprothese sei für Sommer 2014
vorgesehen. Sitzende Tätigkeiten könnten während etwa vier Stunden täglich ausgeübt
werden (IV-act. 18).
A.b.
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RAD-Arzt Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin, nahm am 23. September
2014 Stellung, aus Sicht des RAD könne der Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit
ein volles Arbeitspensum bewältigen. Die den Versicherten beim Gehen massiv
behindernde Coxarthrose könne erst nach Abschluss der dualen
Thrombozytenaggregationshemmung im Mai 2015 operiert werden. Bis ca. Anfang
September 2015 sei der Gesundheitszustand instabil und könne das
Eingliederungspotential nicht voll ausgeschöpft werden (IV-act. 49; vgl. auch Protokoll
Assessment vom 11. August 2014, IV-act. 28). Die IV-Stelle eröffnete dem Versicherten
mit Mitteilung vom 2. Oktober 2014, berufliche Massnahmen seien zurzeit nicht
möglich (IV-act. 33). Dr. med. E._, Facharzt Allgemeine Innere Medizin FMH und
Kardiologie , führte am 19. März 2015 aus, seit einigen Wochen bis Monaten beklage
der Versicherte ihn stark verunsichernde Thoraxschmerzen mit Ausstrahlung in beide
Arme. Diese seien klar nicht koronarischämischer Ätiologie. Unverändert beschreibe er
allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Er erhob den Verdacht auf eine
Polyneuropathie (IV-act. 38). Eine erneute Koronarangiographie und ad hoc PCI am
2. November 2015 offenbarte eine deutliche Progression der koronaren Herzkrankheit.
Die für die Beschwerden verantwortliche schwere Stenose im Marginalast konnte
erfolgreich behandelt werden (Bericht, IV-act. 44-14 f.; Austrittsbericht Klinik für
Kardiologie KSSG vom 3. November 2015, IV-act. 70-4 ff.). Am 6. Januar 2016 musste
eine schwere (Re-)Stenose der rechten Koronararterie behoben werden. Anlässlich der
Hospitalisation wurde ein Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert (Austrittsbericht Klinik
für Kardiologie KSSG vom 7. Januar 2016, IV-act. 49). RAD-Arzt Dr. D._ attestierte
am 2. März 2016 in einer wechselnd belastenden, vorwiegend im Sitzen auszuübenden
Tätigkeit weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-act. 53).
A.c.
Durch Mitteilung vom 27. März 2017 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
hinsichtlich beruflicher Massnahmen ab, da der Versicherte in einer adaptierten
Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei und für die Stellensuche durch das RAV unterstützt
werde (IV-act. 78). Das Rentengesuch wies sie nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 12. Juni 2017 ab (IV-act. 86), wogegen der
Versicherte am 11./20. Juli 2017 Beschwerde erhob (IV-act. 87). Der Rechtsdienst der
IV-Stelle holte eine Stellungnahme des RAD vom 26. September 2017 ein, wonach eine
polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei (IV-act. 104), worauf die IV-Stelle am
A.d.
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- eine chronische koronare Herzkrankheit, Status nach NSTEMI im Juni 2013, Status
nach PCTA/Stent Mitte Juni 2013, Mai 2015, Mitte November 2015, Januar 2016,
Status nach akutem NSTEMI am 3. April 2018 mit gutem Resultat nach Stent RCX und
RIVA (Koronarangiographie vom 5. April 2016) mit kardiovaskulären Risikofaktoren
(fortgesetzter Nikotinkonsum, Diabetes mellitus Typ 2, Dyslipidämie)
- eine generalisierte obliterierende Arteriopathie (periphere arterielle
Verschlusskrankheit, Stadium IIA),
- eine Coxarthrose beidseits, anamnestisch Beschwerdefreiheit bei aktuell wenig
auffälligem klinischem Befund bis auf eine weitgehend aufgehobene Innenrotation,
- klinisch Hinweis auf degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule, aktuell
weitgehend unauffälliger Befund, sowie
4. Oktober 2017 die angefochtene Verfügung vom 12. Juni 2017 widerrief (IV-act. 106).
Das Versicherungsgericht schrieb am 13. November 2017 das hängige
Beschwerdeverfahren ab (IV 2017/263; IV-act. 112).
Im Hinblick auf die Begutachtung durch die Aerztliches Begutachtungsinstitut
GmbH (ABI) formulierte der RAD eine Ergänzungsfrage bezüglich des Verdachts auf
eine Polyneuropathie (IV-act. 116) und der Beschwerdeführer liess am 23. Dezember
2017 vorbringen, zwei der vorgesehenen Gutachter seien voreingenommen und es sei
durch Auswertung von zehn Gutachten des ABI zu prüfen, ob diese Institution
ergebnisoffen begutachte (IV-act. 124). Mit Zwischenverfügung vom 3. Januar 2018
hielt die IV-Stelle an der Abklärungsstelle fest (IV-act. 125).
A.e.
Am 3. April 2018 erlitt der Versichere einen erneuten NSTEMI (Kurzaustrittsbericht
Kardiologie KSSG vom 6. April 2018, IV-act. 131-50 ff.).
A.f.
Gemäss Gutachten vom 2. Juli 2018 (IV-act. 131-1 bis 52) diagnostizierten bzw.
erhoben die Sachverständigen (Dr. med. F._, Allgemeine Innere Medizin; Dr. med.
G._, Kardiologie; Dr. med. H._, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates; Dr. med. I._, Psychiatrie und Psychotherapie;
Untersuchungen 23. und 24. April 2018) (teilweise verkürzte Wiedergabe) als
Gesundheitsschäden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
A.g.
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- klinisch den Verdacht auf beginnende degenerative Veränderungen der Knie
beidseits, anamnestisch weitestgehende Beschwerdefreiheit (IV-act. 131-6 f.).
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe die ebenfalls zu diagnostizierende
Cannabis-Abhängigkeit (ICD-10: F12.25). Die Experten gelangten zum Schluss, in einer
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne wiederholte Zwangshaltungen,
Überkopfbewegungen und längere Gehstrecken sei eine maximale Präsenz von 8 bis
8,5 Stunden pro Tag möglich ohne Einschränkung der Leistung (IV-act. 131-8). Die
Gesamt-Arbeitsunfähigkeit ergebe sich aus der verminderten körperlichen
Belastbarkeit vom Bewegungsapparat her sowie aus kardiologischer Sicht.
Hauptursächlich seien die kardiologischen Einschränkungen. Wegen der verminderten
Belastbarkeit komme der Versicherte gar nicht an die vom Bewegungsapparat noch
möglichen Leistungen heran. Mit einer kardialen Rehabilitation wäre eine Steigerung
der Belastbarkeit und der Ausdauer für das ganztägig mögliche Pensum zu erreichen
(IV-act. 131-9).
A.h. RAD-Arzt Dr. D._ nahm am 26. Juli 2018 Stellung, auf das Gutachten sei
abzustellen (IV-act. 132).
A.i. Mit Vorbescheid vom 26. Juli 2018 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Gesuchs betreffend Rente (IV-act.
133). Mit Einwand vom 21. September 2018 machte der Versicherte im Wesentlichen
geltend, das ABI-Gutachten sei nicht nachvollziehbar (IV-act. 136). Nach Einholen einer
weiteren Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. D._ (vom 14. November 2018, IV-act. 139)
wies die IV-Stelle das Gesuch mit Verfügung vom 14. November 2018 ab (IV-act. 140).
B.
B.a. Mit Beschwerde vom 17. Dezember 2018 beantragt A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. R. Pedergnana, die
Verfügung vom 5. November 2018 (richtig wohl: vom 14. November 2018; vgl. dazu
auch act. G 2) sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben. Es sei ihm die
unentgeltliche Prozessführung und die Rechtsverbeiständung zu gewähren. Das
Verfahren sei zu sistieren bis zum Entscheid über die unentgeltliche
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Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren (Gesuch vom 8. August 2018, IV-
act. 135). Gegebenenfalls sei die ganze Angelegenheit ins Verwaltungsverfahren
zurückzuweisen. Eventualiter sei ihm Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen
(act. G 1). Am 14. Januar 2019 beantragt der Beschwerdeführer der
Beschwerdegegnerin, die angefochtene Verfügung zu widerrufen und reicht vorsorglich
eine Honorarnote für das Beschwerdeverfahren ein (act. G 4). Mit Ergänzung der
Beschwerde vom 15. Februar 2019 beantragt er sinngemäss die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 14. November 2018 und eventualiter die Zusprache
einer befristeten ganzen Rente. Zur Begründung führt er im Wesentlichen an, das ABI-
Gutachten sei nicht nachvollziehbar. Es sei zumindest von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit seit dem ersten Herzinfarkt bis Ende April 2016 auszugehen
(act. G 5).
B.b. Mit Beschwerdeantwort vom 2. April 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Auf das Gutachten sei abzustellen, es sei konsistent und
plausibel. Die Operationen hätten lediglich zu einer vorübergehenden
Arbeitsunfähigkeit, nicht zu rentenbegründenden Erwerbsunfähigkeiten geführt
(act. G 7).
B.c. Der Beschwerdeführer verzichtet auf eine Replik (act. G 9).

Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 8. August 2018 um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren (IV-act. 135). Dies wies die
Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 5. November 2018 ab (IV-act. 138). Dagegen
erhob der Beschwerdeführer am 8. November 2018 Beschwerde (IV-act. 143-2 ff.),
worauf die Beschwerdegegnerin die Verfügung am 13. Dezember 2018 widerrief (IV-
act. 147) und das hiesige Versicherungsgericht das Beschwerdeverfahren betreffend
unentgeltliche Rechtsvertretung im Vorbescheidverfahren (IV 2018/378) am 19. Februar
2019 abschrieb (IV-act. 158). Eine neue Verfügung in dieser Sache bzw. eine
Beschwerde gegen eine solche liegt dem Versicherungsgericht nicht vor. Somit bildet
im vorliegenden Beschwerdeverfahren Anfechtungsobjekt ausschliesslich die
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Verfügung vom 14. November 2018 und Anfechtungsgegenstand alleine der
Rentenanspruch.
2.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
2.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
2.3.
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3.
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das ABI-Gutachten vom 2. Juli 2018 zu
Recht als beweistauglich erachtet hat.
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.4.
Anlässlich der kardiologischen Begutachtung schilderte der Beschwerdeführer,
abends habe er noch ab und zu Schmerzen. Er sei rasch müde, Gehen sei nur langsam
möglich und beim Treppensteigen benötige er Pausen. Er verspüre Thoraxschmerzen
wie schon 2013 (IV-act. 131-40). Der Gutachter erhob eine leichtgradig eingeschränkte
Pumpfunktion des linken Ventrikels von 45 % bei deutlich vergrössertem Vorhof sowie
bei der Fahrradergometrie eine Leistung von 51 % des Solls bei Abbruch wegen
Knieschmerzen (IV-act. 131-42 f.). Dr. E._ berichtete am 5. September 2018 über die
Austrittsuntersuchung nach einem 12-wöchigen ambulanten Cardiofit-Programm
(Beginn demnach ca. 20. Juni 2018), der Beschwerdeführer habe sehr davon profitiert.
Die Leistung sei zwar weiterhin eingeschränkt, habe aber um etwa 10 % gesteigert
werden können auf ein Niveau, auf dem sie seit knapp drei Jahren nicht mehr gelegen
habe (IV-act. 136-3 f.). RAD-Arzt Dr. D._ nahm am 14. November 2018 Stellung: Der
Beschwerdeführer verfüge trotz zweifellos bestehenden körperlichen Einschränkungen
3.1.
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über genügende Ressourcen, um in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit wahrzunehmen. Mit der Zumutbarkeit einer nur noch adaptierten
Tätigkeit werde einer medizinisch bedingten Einschränkung vollumfänglich Rechnung
getragen. Die von Dr. E._ ermittelten Werte von 53 % (13. November 2015) und von
73 % (5. September 2018; richtig: 63 %, IV-act. 136-3) des Solls seien mit einer
Arbeitsfähigkeit von 100 % durchaus vereinbar (IV-act. 139). Auch im rückblickenden
Verlauf war der Beschwerdeführer bis auf zeitweilige Thoraxschmerzen kardial
beschwerdefrei bei reduzierter Leistungsfähigkeit (Austrittsbericht Cardiofit vom
31. Januar 2014, IV-act. 15-16 ff.; Berichte Dr. E._ vom 17. Juli 2014, IV-
act. 44-31 ff., vom 21. November 2014, IV-act. 44-28 ff., vom 19. März 2015, IV-
act. 38, vom 8. Oktober 2015, IV-act. 44-18 ff., vom 13. November 2015, IV-act.
44-1 ff., vom 16. Januar 2017, IV-act. 90, und vom 6. Februar 2017, IV-act. 90-4). RAD-
Arzt Dr. D._ hatte bereits in den Stellungnahmen vom 23. September 2014 (IV-
act. 49) und vom 2. März 2016 (IV-act. 53) festgehalten, es sei von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen. Eine abweichende
fachkardiologische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit liegt nicht vor. Damit erscheint
plausibel, dass entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde, act. G
1) trotz eingeschränkter kardialer Leistungsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit eine
volle Arbeitsfähigkeit besteht und bestanden hat.
Aktenkundig sind sodann Beschwerden im Bereich der (vor allem rechten) Hüfte
und Knie: Bildlich festgestellt wurde ein Impingement der rechten Hüfte mit
Labrumläsion und ein grösserer Knorpeldefekt (Arthro-MRI Hüfte rechts vom
3. Dezember 2012; Berichte Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeinmedizin und
Sportmedizin vom 12. Dezember 2012, IV-act. 19-8, und Dr. med. K._, Orthopädie
L._, vom 14. Januar 2013, IV-act. 19-5 f.). Anlässlich einer angiologischen
Untersuchung wurde eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, Stadium IIa
beidseits, diagnostiziert (Bericht Klinik für Angiologie KSSG vom 11. Juni 2014, IV-
act. 19-1 f.). Anlässlich der orthopädischen Begutachtung führte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen aus, hinsichtlich der Hüfte sei er beschwerdefrei. Betreffend die
Beschwerden in den unteren Beinen habe sich nach Jahren herausgestellt, dass nicht
die Hüfte, sondern die Gefässproblematik ursächlich sei. Im Bewegungsapparat
verspüre er keine Schmerzen (IV-act. 131-25, 28 f.). Befundlich erhob der
orthopädische Gutachter gewisse degenerative Veränderungen, die besonders an
beiden Hüftgelenken (fast aufgehobene Innenrotation) und etwas weniger ausgeprägt
an den Kniegelenken und der Halswirbelsäule vorhanden seien. Er hielt fest, der
Beschwerdeführer berichte konsistent und in Übereinstimmung mit den
objektivierbaren Befunden über eine weitestgehende Beschwerdefreiheit am
3.2.
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Bewegungsapparat, so dass sich aus orthopädischer Sicht Einschränkungen lediglich
für Aktivitäten mit hohen körperlichen Ansprüchen begründen liessen (IV-
act. 131-30 f.). Auch in der Vergangenheit sei die Arbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten aufgrund pathologischer Befunde am Bewegungsapparat nicht während
längerer Zeit relevant eingeschränkt gewesen (IV-act. 131-32). Dem widerspricht der
Beschwerdeführer nicht, auch wenn er am 11. August 2014 schilderte, er leide seit
etwa zwei Jahren an Schmerzen in der rechten Hüfte und eine geplante Operation habe
wegen des erlittenen Herzinfarkts nicht durchgeführt werden können, und auch wenn
der Eingliederungsverantwortlichen ein starkes Hinken auffiel (IV-act. 28). Hinsichtlich
der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit berichtete die Klink für Angiologie des
KSSG am 11. Juni 2014, der Beschwerdeführer verfüge über eine relativ gute
schmerzfreie Gehstrecke (IV-act. 19-3 f.). Anlässlich der Begutachtung berichtete der
Beschwerdeführer, dass er täglich ca. 10 km bzw. während drei bis vier Stunden
spaziere und in den nächsten Tagen ein Kathetereingriff am rechten Bein geplant sei
(vgl. IV-act. 131-20 f., 42). Insgesamt erscheint damit nachvollziehbar, dass aus
internistischer Sicht lediglich körperlich schwere Tätigkeiten und solche mit langen
Gehstrecken unzumutbar sind (IV-act. 131-23) bzw. aus orthopädischer Sicht in
körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten mit gelegentlichen Positionswechseln
ohne länger dauernde Zwangshaltungen der unteren Extremitäten oder repetitive
Überkopfbewegungen der Arme und mit einer Gewichtslimite von 15 kg aktuell und
auch retrospektiv eine volle Arbeitsfähigkeit anzunehmen ist (IV-act. 131-31 f.).
Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter führte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen aus, er habe wenig Hoffnung, dass sich sein Leben noch ändern werde,
und dass das Rauchen möglicherweise zur Gefässerkrankung beigetragen habe, sei
ihm egal. Er leide darunter, dass er seit Jahrzehnten seine Heimat nicht habe besuchen
können. Vor dem Sterben fürchte er sich nicht. Er rauche am Abend Haschisch, davon
könne er gut schlafen (IV-act. 131-34 ff.). Lebensgeschichtlich berichtete der
Beschwerdeführer dem fallführenden internistischen Gutachter, er sei politisch aktiv
gewesen und deshalb von 1981 bis 1989 inhaftiert und auch geschlagen und gefoltert
worden (IV-act. 131-35). Es ist anzunehmen, dass dies dem psychiatrischen Gutachter
bekannt war. Eine psychiatrische Behandlung ist nicht aktenkundig. Somit ist
nachvollziehbar, dass er ausser einer primären Cannabis-Abhängigkeit (ICD-10:
F12.25) keine weitere psychiatrische Diagnose stellen konnte (IV-act. 131-37 f.). Es
werden diesbezüglich auch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Aspekte
erwähnt, die im Rahmen der geänderten Rechtsprechung zu den Suchterkrankungen
(BGE 145 V 215) relevant wären.
3.3.
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4.
Der Beschwerdeführer meldete sich am 23. Mai 2014 bei der IV zum Leistungsbezug
an (IV-act. 1), so dass ein allfälliger Rentenanspruch frühestens ab 1. November 2014
besteht (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Er war zuletzt von Juni bis August 2009 als
Allrounder tätig und übte offenbar auch zuvor keine längerfristige Erwerbstätigkeit aus
(vgl. Auszug aus dem individuellen Konto [IK], IV-act. 9). Somit ist sowohl das Validen-
als auch das Invalideneinkommen nach dem Tabellenlohn gemäss
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) zu bemessen und
insofern ein Prozentvergleich vorzunehmen. Damit resultiert ohne Tabellenlohnabzug
ein Invaliditätsgrad von 0 %. Selbst unter Gewährung des maximalen
Tabellenlohnabzuges von 25 % (BGE 126 V 80 E. 5b/bb-cc) besteht damit kein
Rentenanspruch.
5.
Der Beschwerdeführer macht im Eventualstandpunkt geltend, er sei bis April 2016 in
ständiger Herzbehandlung gewesen und habe vier Operationen über sich ergehen
lassen müssen. Nach dem Eingriff vom Januar 2016 sei er mindestens bis Ende dieses
Monats und maximal bis April 2016 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen (act. G 5-3 f.).
Dr. E._ führte im Bericht vom 19. März 2015 an Dr. C._ (IV-act. 38) aus, seit der
Kontrolle im November 2014 sei der kardiale Verlauf stabil. Am 8. Oktober 2015
berichtete er über eine vor allem in den letzten zwei Monaten verstärkte
belastungsabhängige pectangiöse Beschwerdesymptomatik (IV-act. 44-20). Eine für
die Beschwerden verantwortliche schwere Stenose konnte im Rahmen einer
Koronarangiographie am 2. November 2015 behandelt werden, wonach der
kardiopulmonal kompensierte Beschwerdeführer bei weiterhin unverändert
Insgesamt berücksichtigt das ABI-Gutachten vom 2. Juli 2018 die geklagten
Beschwerden, die medizinischen Vorakten sowie Ressourcen und Belastungsfaktoren
(vgl. IV-act. 131-8). Es kann in Übereinstimmung mit RAD-Arzt Dr. D._, der zusätzlich
festhielt, die Frage nach einer "möglichen Polyneuropathie" sei insofern beantwortet,
als sowohl der internistische als auch der orthopädische Gutachter (vgl. IV-act. 131-22,
28) einen unauffälligen Neurostatus hätten erheben können (Stellungnahme vom
26. Juli 2018, IV-act. 132), darauf abgestellt werden. Dr. C._ begründete im nach der
Konsultation vom 11. September 2015 verfassten Arztbericht nicht, aufgrund welcher
funktionellen Einschränkungen er seit 13. Juni 2013 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestierte (IV-act. 39). Demnach ist auch rückwirkend von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen.
3.4.
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eingeschränkter Leistungsfähigkeit subjektiv beschwerdefrei war (Bericht Angiographie,
IV-act. 44-14 f.; Austrittsbericht Klinik für Kardiologie KSSG vom 3. November 2015,
IV-act. 70-4 ff.; Bericht Dr. E._ vom 13. November 2015, IV-act. 44-1 ff.). Eine weitere
Koronarangiographie mit Stenteinlage wurde am 6. Januar 2016 durchgeführt
(Austrittsbericht Klinik für Kardiologie KSSG vom 7. Januar 2016, IV-act. 49), und der
RAD hielt am 2. März 2016 fest, gemäss telefonischer Auskunft von Dr. E._ sei der
Beschwerdeführer aus kardiologischer Sicht nach wie vor 100 % arbeitsfähig (IV-act.
53). Der Verlauf zeigt, dass in einer adaptierten Tätigkeit höchstens von Oktober bis
November 2015 von einer massgeblichen Arbeitsfähigkeit in herzadaptierten
Tätigkeiten ausgegangen werden kann. In Anwendung von Art. 88a Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) besteht somit kein
befristeter Rentenanspruch.
6.
Für die Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist neben deren Höhe die der
versicherten Person verbleibende Aktivitätsdauer von gewichtiger Bedeutung,
wenngleich weder eine bestimmte Restarbeitsfähigkeit noch eine verbleibende
Erwerbsdauer von weniger als fünf Jahren die Verwertbarkeit für sich allein
ausschliessen. Das Bundesgericht selbst bezeichnet die Hürden für die Annahme der
Unverwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit als hoch (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 25. August 2017, 8C_403/2017, E. 5.3 f., vom 31. August 2018,
8C_117/2018, E. 3.3.1, vom 6. Juli 2016, 8C_113/2016, E. 4.3 und vom 28. Mai 2009,
9C_918/2008, E. 4.3). Mit Blick auf die einschlägige Rechtsprechung macht der
Beschwerdeführer zu Recht nicht geltend, seine Arbeitsfähigkeit sei nicht verwertbar.
Im Zeitpunkt der Erstattung des Gutachtens (2. Juli 2018) war er rund 58 1/2 Jahre alt.
Die jeweils notwendigen Eingriffe haben bis anhin lediglich kurzfristigere
Arbeitsunfähigkeiten begründet. Eine Unverwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit kann daher
nicht angenommen werden. Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführer grundsätzlich Anspruch auf Arbeitsvermittlung haben dürfte
(vgl. Strategieprotokoll vom 23. September 2014, IV-act. 27). Er sieht sich in der Lage,
einer körperlich leichten Arbeit nachzugehen (IV-act. 131-35) und hat offenbar mit
Erfolg durch das Sozialamt vermittelte monatelange Einsätze bewältigt (IV-act. 131-26).
Diesbezüglich ist es ihm unbenommen, sich bei der Beschwerdegegnerin zu melden.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.7.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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