Decision ID: dfafe2e1-466d-5f14-9644-d8a8037fbe88
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 25. September 2014 zum Bezug von Ergänzungsleistungen
zu einer Rente der Invalidenversicherung an (EL-act. 49), die ihr im Juli 2014
rückwirkend ab dem 1. November 2008 zugesprochen worden war (vgl. IV-act. 4 und
6). Bis und mit Juli 2010 hatte sie ein Taggeld der obligatorischen Unfallversicherung
bezogen (vgl. EL-act. 43). Die berufliche Vorsorgeeinrichtung hatte ihr rückwirkend ab
dem 1. November 2008 eine Invalidenrente ausbezahlt (EL-act. 51). Im Juni 2011 hatte
die Versicherte eine Liegenschaft verkauft (vgl. EL-act. 43). Danach hatte sie sich bis
und mit Oktober 2013 eine Wohnung mit einem Bekannten geteilt, der der Eigentümer
jener Wohnung war. Laut einem Mietvertrag zwischen der EL-Ansprecherin (als
Mieterin) und ihrem Bekannten (als Eigentümer und Vermieter) hatte die Monatsmiete
1’100 Franken betragen; der Eigenmietwert der Wohnung hatte 18’368 Franken
betragen, jener des dazu gemieteten Parkplatzes 1’200 Franken (vgl. EL-act. 41). Ab
November 2013 hatte die EL-Ansprecherin bei ihrer Schwester gewohnt, wobei sie sich
nicht an den Mietkosten hatte beteiligen müssen (vgl. EL-act. 49–9). Ab November
2014 wohnte sie wieder bei ihrem Bekannten (vgl. EL-act. 45).
A.b Mit einer Verfügung vom 3. April 2015 sprach die EL-Durchführungsstelle der EL-
Ansprecherin eine Ergänzungsleistung mit Wirkung ab dem 1. November 2014 sowie
für den Zeitraum vom 1. Juli 2011 bis zum 31. Oktober 2013 zu (EL-act. 12). Zur
Begründung führte sie aus, dass die angerechneten Einnahmen im Zeitraum vom 1.
November 2008 bis zum 30. Juni 2011 die anerkannten Ausgaben überstiegen hätten.
Auch im Zeitraum, in dem die EL-Ansprecherin bei ihrer Schwester gewohnt habe (1.
November 2013 bis 31. Oktober 2014), hätten die Einnahmen die Ausgaben
überstiegen. Für die Zeit bis und mit Juli 2010 sei das Taggeld der Unfallversicherung
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berücksichtigt worden; ab August 2010 sei ein hypothetisches Erwerbseinkommen
gemäss dem Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV angerechnet worden.
A.c Gegen diese Verfügung liess die nun anwaltlich vertretene EL-Bezügerin am 8. Mai
2015 eine Einsprache erheben (EL-act. 7). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Neuberechnung der Ergänzungsleistung ohne die Berücksichtigung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens. Zur Begründung führte er aus, die EL-Bezügerin
sei mittlerweile 58 Jahre alt und habe seit dem Beginn ihres Leidens im Jahr 2008 nicht
mehr gearbeitet. Ihr Gesundheitszustand habe sich seit November 2008 weiter
verschlechtert. Diverse Arztzeugnisse belegten, dass sie nach dem 1. November 2008
fast durchgehend vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Ein Arbeitsversuch im
September 2013 sei bereits nach kurzer Zeit gescheitert. Das zuständige regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) habe sie als nicht vermittlungsfähig qualifiziert. Mit
einem Entscheid vom 14. August 2015 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
ab (EL-act. 4). Zur Begründung führte sie an, die EL-Ansprecherin habe zwar am 22.
September 2014 bei der IV-Stelle um eine Rentenerhöhung ersucht, doch sei dies für
das aktuelle EL-Verfahren irrelevant. Sollte die Rente dereinst tatsächlich erhöht
werden, werde die Ergänzungsleistung nämlich mittels einer prozessualen Revision
korrigiert werden können. Vorerst sei weiterhin von einem Invaliditätsgrad von 59
Prozent auszugehen. Der Arbeitsmarkt halte geeignete Arbeitsstellen bereit, in denen
die EL-Bezügerin ein Einkommen in der Höhe des angerechneten hypothetischen
Einkommens erzielen könnte.
B.
B.a Am 14. September 2015 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 14.
August 2015 erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Neuberechnung der
Ergänzungsleistung ohne die Berücksichtigung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens. Zur Begründung führte er aus, das RAV habe bestätigt, dass die
Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig sei. Am 16. September 2015 werde die
Beschwerdeführerin einen weiteren Termin beim RAV wahrnehmen, der jedoch „kaum
zu etwas führen“ werde. Schon am 22. September 2015 werde sie sich einer
„grösseren Operation“ unterziehen müssen. Sie werde nicht in der Lage sein, im
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„grösseren Umfang“ Bewerbungen zu schreiben, die „ohnehin mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit zu nichts führen“ würden. Die von der EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) geforderten Bewerbungen
seien „eine Farce“.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. September 2015 unter Hinweis auf
die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3).
B.c Am 22. Oktober 2015 liess die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag festhalten (act.
G 6). Ihr Rechtsvertreter wies darauf hin, dass sie sich zurzeit in einer stationären
Rehabilitation befinde, nachdem sie am 22. September 2015 am Rücken operiert
worden sei. Die Beschwerdegegnerin liess sich dazu nicht vernehmen (vgl. act. G 9).

Erwägungen
1.
1.1 Hinsichtlich der beiden Zeiträume, in denen die Beschwerdeführerin bei ihrem
Bekannten gewohnt hat (1. Juli 2011 bis 31. Oktober 2013 und ab 1. November 2014),
hat die Beschwerdegegnerin nicht auf die von der Beschwerdeführerin eingereichten
Mietverträge abgestellt, laut denen diese ihrem Bekannten einen monatlichen Mietzins
von 1’100 Franken bezahlen musste. Vielmehr hat die Beschwerdegegnerin die Hälfte
des Eigenmietwertes und die Nebenkostenpauschale des Art. 16a Abs. 3 ELV (aus
unerfindlichen Gründen nicht nur die Hälfte der Nebenkostenpauschale) als
Wohnkosten berücksichtigt. Hinter diesem Vorgehen dürfte die Überlegung gestanden
haben, dass die Beschwerdeführerin sich mit ihrem Bekannten auf einen übersetzten
Mietzins geeinigt habe. Der Eigenmietwert der Wohnung hat nämlich nur 18’368
Franken betragen. Ein Mietzins von 1’100 Franken pro Monat hat genau dem
ergänzungsleistungsrechtlichen Maximalmietzins von 13’200 Franken pro Jahr
entsprochen und rund 72 Prozent des Eigenmietwertes der Wohnung ausgemacht. Das
ELG sieht zwar keine Möglichkeit vor, hinsichtlich der anerkannten Ausgaben von den
tatsächlichen Beträgen abzuweichen. Der Art. 10 ELG enthält mit anderen Worten
keine dem – für die Einnahmenseite massgebenden – Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
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entsprechende Regelung. Das ergänzungsleistungsrechtlich massgebende Verhältnis
zwischen den anerkannten Ausgaben und den anrechenbaren Einnahmen kann aber
nicht nur durch einen Verzicht auf Einnahmen (Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG), sondern auch
durch übersetzte Ausgaben verfälscht werden. Deshalb muss nicht nur eine Korrektur
zu tiefer Einnahmen, sondern auch eine Korrektur zu hoher Ausgaben möglich sein. Der
Gesetzgeber hat dies nicht vorgesehen, weil er die Möglichkeit einer Verfälschung der
Anspruchsberechnung durch übersetzte Ausgaben übersehen hat. Hätte er an diese
Möglichkeit gedacht, hätte er im Art. 10 ELG eine dem Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
entsprechende Regelung vorgesehen. Der Art. 10 ELG erweist sich folglich als
lückenhaft. Diese Lücke ist modo legislatoris zu füllen. Dabei spricht nichts gegen die
Annahme, der Gesetzgeber hätte wie im Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG vorgesehen, vom
realen Sachverhalt abzuweichen und diesen durch einen fiktiven Sachverhalt zu
ersetzen, das heisst bezüglich der übersetzten Ausgabenposition jenen Betrag
anzurechnen, auf den sich die Ausgabe belaufen würde, wenn sie nicht übersetzt wäre.
Mit dieser lückenfüllenden Interpretation des Art. 10 ELG erweist sich das Vorgehen
der Beschwerdegegnerin, statt des vereinbarten Mietzinses einen tieferen, fiktiven
Mietzins anzurechnen, grundsätzlich als zulässig. Allerdings hat sie diesbezüglich ihre
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) verletzt, denn die Beantwortung der Frage,
ob der vereinbarte Mietzins übersetzt sei, setzt die Ermittlung des marktüblichen
Mietzinses voraus. Dieser entspricht nicht zwingend dem von den Steuerbehörden
geschätzten Eigenmietwert; er ist in der Regel höher. Die Beschwerdegegnerin hätte
daher eine Schätzung des marktüblichen Mietzinses der Wohnung des Bekannten der
Beschwerdeführerin in Auftrag geben und in Erfahrung bringen müssen, welchen Anteil
an der Wohnung die Beschwerdeführerin effektiv hat nutzen dürfen. Erst dann hätte mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit festgestanden,
ob der vereinbarte Mietzins übersetzt gewesen ist. Diesbezüglich beruht der
angefochtene Einspracheentscheid folglich auf einem unzureichend abgeklärten
Sachverhalt, weshalb er als rechtswidrig aufzuheben ist. Die Sache ist zur
Durchführung der versäumten Abklärung, das heisst zur Einholung einer Schätzung des
marktüblichen Mietzinses der Wohnung des Bekannten im Zeitraum vom 1. Juli 2011
bis zum 31. Oktober 2013 und für die Zeit ab dem 1. November 2014 sowie zur
Ermittlung des Nutzungsanteils der Beschwerdeführerin an der Wohnung, an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Gestützt auf das Ergebnis dieser Abklärung wird
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die Beschwerdegegnerin zu entscheiden haben, ob bei der Anspruchsberechnung der
vereinbarte Mietzins (bezüglich dessen noch nachgewiesen werden müsste, dass er
tatsächlich bezahlt worden ist) oder die Hälfte des marktüblichen Mietzinses
anzurechnen sei.
1.2 Für die Zeit, in der die Beschwerdeführerin unentgeltlich bei ihrer Schwester
gewohnt hat (1. November 2013 – 31. Oktober 2014), hat die Beschwerdegegnerin bei
der Anspruchsberechnung keine Mietausgaben berücksichtigt. Dies entspricht zwar
der tatsächlichen Ausgabensituation der Beschwerdeführerin in jenem Zeitraum. An
sich hätte die Schwester aber von der Beschwerdeführerin einen für den von dieser
genutzten Teil der Wohnung angemessenen, das heisst marktüblichen Mietzins fordern
können. Dass sie dies nicht getan hat, ist überwiegend wahrscheinlich darauf
zurückzuführen, dass die Schwester der sich in einer Notsituation befindenden
Beschwerdeführerin hat aushelfen wollen. Die finanziell bedürftige Beschwerdeführerin
hatte nämlich die Wohnung ihres Bekannten offenbar verlassen müssen; sie hätte
angesichts ihrer schwierigen finanziellen Situation wohl nicht ohne weiteres eine eigene
Wohnung gefunden. Das Angebot der Schwester, die Beschwerdeführerin unentgeltlich
in ihrer Wohnung wohnen zu lassen, hat also die Deckung einer Bedürftigkeit
bezweckt, womit es sich dabei um eine private Leistung mit einem ausgesprochenen
Fürsorgecharakter im Sinne des Art. 11 Abs. 3 lit. c ELG gehandelt hat (vgl. RALPH
JÖHL/PATRICIA USINGER, Die Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz. 227). Nun
sieht der Art. 11 Abs. 3 lit. c ELG aber lediglich vor, dass in Geld ausbezahlte
Fürsorgeleistungen nicht angerechnet werden. Der Fall, dass eine Fürsorgeleistung in
der Form einer Reduktion der anerkannten Ausgaben gemäss dem Art. 10 ELG
„ausgerichtet“ wird, ist vom Art. 11 Abs. 3 lit. c ELG nicht erfasst. Diesbezüglich
erweist sich die gesetzliche Regelung als lückenhaft, weshalb der Art. 10 ELG im
Rahmen einer lückenfüllenden Interpretation um eine Regelung zu ergänzen ist, laut der
auch fiktive anerkannte Ausgaben anzurechnen sind, die dem EL-Ansprecher nur
deshalb nicht anfallen, weil er entsprechende Fürsorgeleistungen erhält (vgl. RALPH
JÖHL/PATRICIA USINGER, a.a.O., Rz. 225, und BGE 139 V 574). Das bedeutet, dass
die Beschwerdegegnerin für die Zeit vom 1. November 2013 bis zum 31. Oktober 2014
vom realen Sachverhalt hätte abweichen müssen. Sie hätte jenen – fiktiven – Mietzins
anrechnen müssen, den die Beschwerdeführerin ihrer Schwester hätte bezahlen
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müssen, wenn diese sie nicht unentgeltlich, sondern zu einem marktüblichen Mietzins
bei ihr hätte wohnen lassen. Die Sache ist zur Ermittlung des massgebenden (fiktiven)
Mietzinses an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
1.3 Für die Zeit, in der die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrem Sohn und dessen
Familie in der eigenen Liegenschaft gewohnt hat, gilt sinngemäss dasselbe. Die
Beschwerdeführerin ist zwar formal Miteigentümerin der Liegenschaft gewesen, hat
sich aber an den realen Ausgaben im Zusammenhang mit der Liegenschaft nicht
beteiligen müssen. Ihr Sohn hat sowohl die gesamten Hypothekarzinsen als auch den
gesamten Unterhalt für das Gebäude bezahlt und von der Beschwerdeführerin keine
Miete respektive „Wohnentschädigung“ verlangt. Somit hat die Beschwerdeführerin
unentgeltlich bei ihm wohnen können. Der Verzicht auf die Forderung eines Mietzinses
könnte zwar eine Gegenleistung für die Einwilligung der Beschwerdeführerin gewesen
sein, sich formal als Miteigentümerin am Liegenschaftskauf zu beteiligen, der ohne
diese formale Mitwirkung wohl nicht zustande gekommen wäre. Damit hätte die
Beschwerdeführerin aber für eine geringfügige Leistung eine unverhältnismässig hohe
Gegenleistung erhalten, weshalb nicht davon ausgegangen werden kann, das
unentgeltliche Wohnen sei die Entschädigung für die formale Miteigentümerstellung der
Beschwerdeführerin und damit für die Ermöglichung des Liegenschaftskaufs gewesen.
Überwiegend wahrscheinlich haben die Parteien der „Leistung“ der
Beschwerdeführerin nach dem Liegenschaftskauf keine Bedeutung mehr zugemessen.
Dies zeigt sich darin, dass sich die Beschwerdeführerin nie an den Hypothekarzinsen
oder an den übrigen Kosten der Liegenschaft beteiligt hat. Der Verzicht auf die
Erhebung eines Mietzinses ist überwiegend wahrscheinlich vielmehr fürsorglich
motiviert gewesen. Der Sohn der Beschwerdeführerin hat seiner sich in einer
Notsituation befindlichen Mutter mit anderen Worten unter die Arme greifen wollen und
sie aus diesem Grund in der Liegenschaft wohnen lassen, ohne einen Mietzins von ihr
zu fordern. Im Sinne des in der E. 1.2 Ausgeführten hätte die Beschwerdegegnerin
folglich einen fiktiven Mietzins anrechnen müssen. Sie wird diesen Fehler im Zuge der
ohnehin zu tätigenden weiteren Abklärungen beheben, wofür sie in Erfahrung bringen
wird, wie hoch der Nutzungsanteil der Beschwerdeführerin an der Liegenschaft
gewesen ist und wie hoch der marktübliche Mietzins gewesen wäre, den der Sohn der
Beschwerdeführerin dafür hätte fordern können. Da der Eigenmietwert der Wohnung
tiefer als der Maximalmietzins gewesen ist, spielt es für das Ergebnis keine Rolle, ob
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der Eigenmietwert im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf der
Ausgaben- und auf der Einnahmenseite berücksichtigt wird oder ob der Interpretation
des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen folgend von einer Berücksichtigung
des Eigenmietwertes abgesehen wird (vgl. die Entscheide EL 2013/23 vom 1. Juli 2014
und EL 2013/14 vom 28. April 2015 des St. Galler Versicherungsgerichtes; beide ohne
eine überzeugende Begründung aufgehoben durch das Bundesgericht: Urteile
9C_551/2014 vom 13. März 2015 und 9C_330/2015 vom 21. Juli 2015).
2.
2.1 Gemäss dem Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG werden Einkünfte, auf die verzichtet worden
ist, als Einnahmen angerechnet, das heisst bei der EL-Anspruchsberechnung so
berücksichtigt, wie wenn sie tatsächlich erzielt würden. Wenn ein EL-Bezüger
beispielsweise keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, obwohl ihm dies möglich und
zumutbar wäre, wird fingiert, er nutze seine Erwerbsfähigkeit aus und erziele ein
entsprechendes Einkommen, das dann bei der Anspruchsberechnung in Anwendung
des Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG i.V.m. dem Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG – als sogenanntes
hypothetisches Erwerbseinkommen – angerechnet wird. Für weniger als 60 Jahre alte
Bezüger einer Teilrente der Invalidenversicherung sieht der Art. 14a Abs. 2 ELV vor,
dass in Abhängigkeit vom Invaliditätsgrad ein pauschales hypothetisches (Mindest-)
Einkommen anzurechnen sei. Liegt der Invaliditätsgrad bei 50–59 Prozent, wird die
Pauschale für den allgemeinen Lebensbedarf (vgl. Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG) als
hypothetisches (Mindest-) Erwerbseinkommen angerechnet. Diese pauschale Lösung
ist vom Bundesgericht kurz nach dem Inkrafttreten des Art. 14a ELV als eine
widerlegbare Vermutung qualifiziert worden (vgl. BGE 117 V 202 E. 2a S. 204). Ein EL-
Bezüger kann deshalb den Beweis des Gegenteils führen und damit diese Vermutung
umstossen.
2.2 Da die Frage, ob einem Teilrentner der Invalidenversicherung ein hypothetisches
Erwerbseinkommen anzurechnen ist (und wie hoch dessen Betrag gegebenenfalls ist),
unmittelbar vom Invaliditätsgrad abhängt, ist es unmöglich, eine komplette
Anspruchsberechnung durchzuführen, solange ein Rentenverfahren der
Invalidenversicherung hängig ist. Erst wenn ein hängiges IV-Verfahren rechtskräftig
abgeschlossen ist, steht der Invaliditätsgrad verbindlich fest, weshalb es erst dann
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möglich ist, die EL-Anspruchsberechnung hinsichtlich des hypothetischen
Erwerbseinkommens zu vervollständigen. Da die Beschwerdeführerin im September
2014 um eine Rentenerhöhung ersucht hat und da das entsprechende
Revisionsverfahren im Zeitpunkt der Eröffnung des angefochtenen
Einspracheentscheides noch nicht abgeschlossen gewesen ist, hat der Invaliditätsgrad
für die Zeit ab September 2014 (die allfällige Erhöhung der Rente könnte frühestens per
1. September 2014 erfolgen; Art. 88bis Abs. 1 lit. a IVV) nicht festgestanden. In dieser
Situation hätte die Beschwerdegegnerin (wie sie dies üblicherweise tut) ihr Verfahren
sistieren und den rechtskräftigen Abschluss des IV-Revisionsverfahrens abwarten
müssen. Dass sie entgegen ihrer eigenen Praxis ihr Verfahren trotz der Ungewissheit
des Invaliditätsgrades abgeschlossen hat, ist nicht nachvollziehbar. Ihre
Argumentation, sie werde einer allfälligen Rentenerhöhung später mittels einer
sogenannt prozessualen Revision (vgl. Art. 53 Abs. 1 ATSG) Rechnung tragen können,
ist nicht stichhaltig, weil dazu eine ab dem 1. September 2014 wirkende
Revisionsverfügung bezogen auf das hypothetische Erwerbseinkommen existieren
müsste, die gestützt auf den Art. 53 Abs. 1 ATSG korrigiert werden könnte. Es gibt
keine Anwendung eines Korrekturinstrumentes ohne eine zu korrigierende Verfügung.
Ausserdem ist eine so genannt prozessuale Revision ausgeschlossen, wenn es bereits
im ordentlichen Verfahren möglich gewesen wäre, der im Sinne des Art. 53 Abs. 1
ATSG qualifiziert neuen Tatsache Rechnung zu tragen respektive das entsprechende
Beweismittel beizubringen (vgl. Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 VwVG).
Schliesslich sind keine Gründe ersichtlich, weshalb bei einer ungewissen Sachlage
entschieden und später gegebenenfalls auf den verbindlichen Entscheid
zurückgekommen werden sollte, wenn es möglich ist, mit dem Entscheid solange
zuzuwarten, bis das IV-Verfahren rechtskräftig abgeschlossen worden ist. Für die Zeit
ab September 2014 beruht der angefochtene Einspracheentscheid jedenfalls
hinsichtlich des hypothetischen Erwerbseinkommens auf einem ungenügend
ermittelten Sachverhalt. Er ist also auch diesbezüglich in Verletzung der
Untersuchungspflicht ergangen und deshalb als rechtswidrig aufzuheben.
2.3 Weil ein allfälliger Anspruch auf eine Ergänzungsleistung – wie eine Invalidenrente
– zeitlich nicht in voneinander unabhängige Ansprüche aufgeteilt werden kann, wäre es
unzulässig, wenn bereits jetzt über den EL-Anspruch für die Zeit bis und mit August
2014 entschieden und die Sache nur hinsichtlich des Anspruchs für die Zeit ab
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September 2014 an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen würde (vgl. BGE 131 V
164). Dies gälte selbstverständlich auch dann, wenn die Sache nicht auch noch
hinsichtlich der Wohnkosten (vgl. E. 1) zurückgewiesen werden müsste. Würde sich
nämlich im IV-Verfahren ergeben, dass es über den 31. August 2014 hinaus bei der
halben Rente bliebe, muss auch das hypothetische Erwerbseinkommen über den 31.
August 2014 hinaus unverändert bleiben, weshalb es ergänzungsleistungsrechtlich an
einem Revisionsgrund fehlen würde, der es erlauben würde, getrennt über den EL-
Anspruch bis und mit August 2014 und jenen ab September 2014 zu entscheiden.
Folglich wird hier von Erwägungen zum hypothetischen Erwerbseinkommen
abgesehen. Nur auf eines sei hingewiesen: Bis und mit Juli 2010 hat die
Beschwerdeführerin fast durchgehend nur ein halbes Taggeld der Unfallversicherung
bezogen, weil sie nur zu 50 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist. Weshalb die
Beschwerdegegnerin dennoch erst ab August 2010 ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet hat, ist vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar.
3.
Ebenso wenig nachvollziehbar ist, weshalb die Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung in den Berechnungsblättern für das Jahr
2014 (EL-act. 17, 21 und 27) nicht aufscheint. Zwar ist per 1. Januar 2014 der Art. 21a
ELG in Kraft getreten, der die Direktauszahlung der Durchschnittsprämie an die
Krankenpflegeversicherung anordnet. Doch hat die Beschwerdegegnerin für die Zeit ab
dem 1. Januar 2015 wieder die Durchschnittsprämie berücksichtigt (EL-act. 28),
obwohl der Art. 21a ELG auch am 1. Januar 2015 noch in Kraft gestanden hat. Die im
Berechnungsblatt für die Zeit ab dem 1. Januar 2015 gewählte Darstellung erscheint
aus der Sicht des Gerichtes nachvollziehbarer als die Darstellung für die
massgebenden Zeiträume im Jahr 2014. Die Beschwerdegegnerin wird im Zuge der
weiteren Abklärungen zu prüfen haben, ob hinsichtlich der Durchschnittsprämie für das
Jahr 2014 nicht ein Versehen vorliege.
4.
Die Rückweisung einer Sache zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen
Verfügung gilt rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der Kosten- und
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Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei.
Das bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine
angemessene Parteientschädigung auszurichten hat. Da nach dem Abschluss des
Einspracheverfahrens kaum neue Akten zu studieren gewesen sind und da sich auch
der Begründungsaufwand in Grenzen gehalten hat, ist von einem deutlich
unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwand auszugehen, weshalb die
Parteientschädigung auf 2’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.