Decision ID: 3cdf0790-6fcc-4bb2-a255-ec272ac7e13f
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._ AG angestellt und dadurch bei
der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Zürich) gegen die Folgen von
Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 27. Juli 2017 liess er durch seine
Arbeitgeberin melden, dass er am 21. April 2017 in einer Warteschlage vor einem Club
in C._ in D._ gewartet habe, als plötzlich jemand hinter ihm sehr nahe an seinem
linken Ohr in eine Trillerpfeife gepfiffen habe. Er sei auf diesen Pfiff nicht vorbereitet
gewesen und sei zusammengezuckt (act. G 5.1). Nach einer Erstbehandlung am 7. Juni
2017 bei seinem Hausarzt Dr. med. E._, Facharzt FMH für Innere Medizin und
Nephrologie (act. G 5.8), hatte der Versicherte am 9. Juni 2017 Dr. med. F._,
Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, konsultiert, die nach Durchführung
von audiometrischen Untersuchungen am 9. Juni und 9. August 2017 im
Untersuchungsbericht vom 10. August 2017 eine Verstärkung eines chronischen
Tinnitus aurium links > rechts Grad 3 mit beginnender Dekompensation mit
Hyperakusis nach Lärmtrauma vom April 2017 mit lärmtraumatischer
Hochtonperzeptionsstörung beidseits diagnostizierte. Es müsse davon ausgegangen
werden, dass das Lärmtrauma zur erhobenen akuten Lärmsenke geführt und auch den
Tinnitus verstärkt habe (act. G 5.7). Am 6. Dezember 2017 beantwortete der
Versicherte der Zürich den Fragebogen "Unfallhergang" zum Ereignis vom 21. April
2017 (act. G 5.16). Mit Schreiben vom 11. Januar 2018 setzte die Zürich die
Arbeitgeberin des Versicherten, die Krankenkasse G._, als Krankenversicherer des
A.a.
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B.
Versicherten (nachfolgend: Krankenversicherer), und diesen selbst darüber in Kenntnis,
dass kein Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung
bestehe, da weder ein Unfallereignis noch eine unfallähnliche Körperschädigung
vorliege (act. G 5.20, G 5.22).
Nachdem der Krankenversicherer mit Schreiben vom 18. Januar 2018 eine
Stellungnahme seiner Vertrauensärztin, Dr. med. H._, Fachärztin für Hals-, Nasen-
und Ohrenkrankheiten, vom 18. Januar 2018 eingereicht (act. G 5.23 f.) und die
Protekta Rechtsschutz-Versicherung AG, Bern (nachfolgend: Protekta), für den
Versicherten mit Schreiben vom 25. Januar 2018 zur Überprüfung der Rechtslage um
Zustellung der Akten ersucht hatte (act. G 5.27), verfügte die Zürich am 30. Januar
2017 (richtig: 2018) ihre Leistungsablehnung (act. G 5.25).
A.b.
Mit Eingaben vom 8. und 14. Februar 2018 erhoben der Krankenversicherer und
die Protekta Einsprache gegen die Verfügung vom 31. Januar 2018 (act. G 5.30, G
5.33).
B.a.
Am 15. Mai 2018 gingen bei der Zürich ein Bericht von Dr. F._ vom 7. Mai 2018
zusammen mit einem Tonaudiogramm einer am selben Tag durchgeführten
audiometrischen Untersuchung ein (act. G 5.46 f.).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 18. September 2018 wies die Zürich die
Einsprachen des Krankenversicherers und der Protekta ab und legte diesem eine
versicherungsmedizinische Beurteilung ihres beratenden Arztes, Dr. med. I._, FMH
Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten sowie Hals- und Gesichtschirurgie, und von J._,
Dipl. Pflegefachfrau HF, vom 29. März/4. April 2018 bei. Dr. I._ und J._ waren zum
Schluss gekommen, dass aus den Tonaudiogrammen keine Höreinschränkung
abzuleiten sei, die Ursache der Symptomatik unbekannt sei, eine Verstärkung des
Tinnitus viele Ursachen haben könne und die Kausalität zum Ereignis vom 3. Januar
2017 (richtig: 21. April 2017) nicht überwiegend wahrscheinlich sei (act. G 5.45, G 5.50
f.).
B.c.
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C.

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin in Bezug auf das Ereignis vom
21. April 2017 bzw. dessen Folgen zu Recht ihre Leistungspflicht verneint hat. Der
Beschwerdeführer macht geltend, er habe am 21. April 2017 einen Unfall erlitten, bei
dem er sich durch eine Lärm- bzw. Schallemission am linken Ohr eine Hörschädigung
in Form einer Hörverminderung, eines verstärkten Tinnitus und einer Hyperakusis
zugezogen habe.
2.
Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch Rechtsanwältin MLaw K. Herzog, St. Gallen, mit Eingabe
vom 19. Oktober 2018 Beschwerde erheben mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer seien die
gesetzlichen Leistungen zuzusprechen; eventualiter sei die Angelegenheit zur
Durchführung weiterer Abklärungen zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2019 beantragte die Zürich (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.b.
Mit Replik vom 22. Januar 2019 hielt die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
an ihren Beschwerdeanträgen fest (act. G 8).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 4. Februar 2019 auf die
Einreichung einer Duplik (act. G 10).
C.d.
Mit Schreiben vom 20. Februar 2019 reichte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers eine Honorarnote über insgesamt Fr. 4'872.35 ein (act. G 12, G
12.1).
C.e.
Soweit das Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) nichts
anderes bestimmt, gewährt der Unfallversicherer Versicherungsleistungen bei
2.1.
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Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten. Als Unfall gilt gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge
hat. Damit ein Ereignis als Unfall angesehen werden kann, müssen notwendigerweise
alle Merkmale der Definition dieses Unfallbegriffs vorliegen. Dazu gehört insbesondere
das Begriffsmerkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors. Entscheidend für die
Annahme eines solchen ist nicht die Wirkung des Faktors, sondern die
Ungewöhnlichkeit des Faktors an sich. Ohne Belang für die Prüfung der
Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende,
unerwartete Folgen nach sich zog (BGE 134 V 79 f. E. 4.3.1 mit Hinweis; Urteile des
Bundesgerichts vom 6. Mai 2019, 8C_842/2018, E. 3.3.1, und vom 27. August 2014,
8C_231/2014, E. 2.3). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des
im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur objektive Umstände in Betracht
fallen (BGE 142 V 221 E. 4.3.1, 134 V 76 E. 4.1).
Der Leistungsansprecher muss die Umstände des Unfalls glaubhaft machen.
Kommt er dieser Forderung nicht nach, indem er unvollständige, ungenaue oder
widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens
als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des
Unfallversicherers. Zur Glaubhaftmachung eines Unfalls genügt es nicht, einen
Gesundheitsschaden nachzuweisen, der möglicherweise auf ein Unfallereignis
zurückgehen könnte, sondern es müssen über das konkrete Geschehen wahre, genaue
und wenn möglich ins Einzelne gehende Daten namhaft gemacht werden, aufgrund
derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein Bild zu
machen und diese in objektiver Weise abzuklären. Im Streitfall obliegt es dem Gericht,
zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffes erfüllt sind. Der
Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen
Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen
(Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2012, S. 29; BGE 122 V 158 E. 1a, 121 V 210 E. 6c). Sofern der
Unfallversicherer die tatsächlichen Verhältnisse mittels Fragebogen detailliert erhoben
hat, ist er seiner Verpflichtung zur richtigen und vollständigen Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts grundsätzlich rechtsgenüglich nachgekommen. Der
Unfallversicherer ist nicht gehalten, die versicherte Person im Nachgang zu
2.2.
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3.
umfassenden Erhebungen zur weiteren Substantiierung des gemeldeten Geschehens
aufzufordern (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 26.
Februar 2004, U 64/2002, E. 2.2.3, und 27. Juni 2002, U 148/01, E. 2b). Wird aufgrund
dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit
Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht (vgl. Thomas Locher/
Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N.
58 f.) -, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten des
Leistungsansprechers auswirkt (BGE 114 V 305 f. E. 5b).
Im Fragebogen "Unfallhergang" zum Ereignis vom 21. April 2017, den der
Beschwerdeführer am 6. Dezember 2017 ausgefüllt hat (act. G 5.16) und in der
Schadenmeldung UVG vom 27. Juli 2017 (act. G 5.1) schilderten der Beschwerdeführer
bzw. dessen Arbeitgeberin, der Beschwerdeführer habe am 21. April 2017 in einer
Warteschlange vor einem Club gewartet, als plötzlich jemand hinter ihm sehr nahe an
seinem linken Ohr mit einer Trillerpfeife gepfiffen habe. Der Beschwerdeführer sei auf
den lauten Pfiff nicht vorbereitet gewesen und sei zusammengezuckt. Die
Beschwerdegegnerin weist zwar in der Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2019 (act.
G 5), wie vom Beschwerdeführer im Fragebogen erklärt (act. G 5.17, Frage 3), darauf
hin, dass keine Zeugen befragt worden seien, anerkennt aber offensichtlich die
obgenannten übereinstimmenden Ereignisschilderungen. Die beschriebene kurze
Distanz des Trillerpfeifenpfiffs beim linken Ohr erscheint insofern plausibel, als die
Menschen in einer Warteschlage in der Regel nahe beieinanderstehen. Als ungeklärt
bezeichnet die Beschwerdegegnerin jedoch zutreffend, mit welchem
Trillerpfeifenmodell gepfiffen wurde. Weder die Schadenmeldung UVG noch der
Fragebogen oder die sonstigen Akten enthalten dazu Angaben.
2.3.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob mit dem vorgenannten unbestrittenen Sachverhalt
ein Ereignis beschrieben wird, welches als Unfall gemäss Art. 4 ATSG zu qualifizieren
ist und bezüglich welchem insbesondere das Unfallbegriffsmerkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors erfüllt ist.
3.1.
Hinsichtlich der Örtlichkeit der geschilderten Lärm- bzw. Schallemission stellt sich
die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers zutreffend auf den Standpunkt, dass in
einer Warteschlage vor einem Club nicht mit einem Trillerpfeifenpfiff in unmittelbarer
Nähe des Ohrs gerechnet werden müsse und ein solches Ereignis damit unter diesem
Aspekt weder alltäglich noch üblich sei. Das Ereignis hat den Beschwerdeführer zudem
glaubhaft unerwartet getroffen bzw. er ist nicht darauf gefasst gewesen. Zumindest vor
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/18
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diesem Hintergrund könnte von einem ungewöhnlichen äusseren Faktor gesprochen
werden.
3.3.
Erörtert wird sodann von den Verfahrensparteien die zentrale Frage der
Ungewöhnlichkeit der Intensität der Lärmeinwirkung auf das Ohr.
3.3.1.
Im Zusammenhang mit der Gehörsverletzung unterscheidet die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers in der Beschwerde vom 19. Oktober 2018 zwischen einer
Schalldruckwelle im Sinne eines Knalltraumas und einem kurz dauernden, akuten
Schallereignis. Dabei würden für die Bejahung der Ungewöhnlichkeit des äusseren
Faktors unterschiedliche Grenzwerte für die einwirkenden Spitzenpegel gelten. Ein Pfiff
mit einer Trillerpfeife verursache keine Schalldruckwelle im Sinne eines Knalltraumas,
sondern im Sinne eines kurz dauernden akuten Schallereignisses. Dementsprechend
seien die für ein Knalltrauma von der Beschwerdegegnerin zur Beurteilung der
Ungewöhnlichkeit herangezogenen Grenzwerte irrelevant (act. G 1, Ziff. 20 f.).
3.3.2.
Akustische Traumata - solche sind insbesondere das Knalltrauma, das
Explosionstrauma sowie das akute Lärmtrauma - werden in der Regel nach
Schalldruckpegel und Einwirkungszeit eingeteilt. Ein Knalltrauma definiert sich durch
eine sehr kurze Schalleinwirkung (< 2 oder 3 ms) mit hohem Schalldruck auf das Ohr.
Von einem Explosionstrauma spricht man bei einer Schalleinwirkung von > 2 oder 3
ms. Bei einem akuten Lärmtrauma wirkt ebenfalls ein hoher Schalldruck bzw. eine hohe
Lautstärke auf das Hörorgan, doch dauert hier die Zeit der Schalleinwirkung
definitionsgemäss Minuten bis Stunden. Gemeinsam ist allen drei akustischen
Traumata ein einmaliges Schallereignis (im Gegensatz zum chronischen Lärmtrauma
als häufiger Berufskrankheit; vgl. dazu Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl.
Berlin/Boston 2017, S. 1829; https://www.amboss.com/ de/wissen/
Akustisches_Trauma; https://de.wikipedia.org/wiki/ Schalltrauma; beide abgerufen am
16. März 2020).
3.3.3.
Die bisherige bundesgerichtliche Rechtsprechung hat sich vorwiegend mit Knall-
und chronischen Lärmtraumas auseinandergesetzt. Für diejenigen akustischen
Traumata, welche in zeitlicher Hinsicht dazwischen liegen, gibt es weder klare
Grenzwerte noch eine gefestigte Rechtsprechung (vgl. RKUV 2006 Nr. U 578 S. 172 [=
Urteil des EVG vom 1. Dezember 2005, U 245/05]; Urteile des Bundesgerichts vom 21.
Mai 2010, 8C_280/2010, 3. August 2010, 8C_317/2010, und 14. November 2019,
8C_545/2019). Ein Trillerpfeifenpfiff befindet sich erfahrungsgemäss von seiner
zeitlichen Dauer her im Sekundenbereich, womit kein derart kurzzeitiges Schallereignis
3.4.
https://www.amboss.com/
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wie beim Knall- oder wohl auch beim Explosionstrauma gegeben ist, aber auch die
Dauer eines akuten Lärmtraumas deutlich unterschritten wird. Demzufolge kann nicht
unbesehen auf die Grenzwerte für ein Knalltrauma oder lärmbelastete Arbeitsplätze
abgestellt werden.
Laut Quellen aus dem Internet können Trillerpfeifen Pegel von 120 dB(A) bis zu 140
dB(A) erzeugen und dadurch - wie auch die ausländische Rechtsprechung anerkennt
(Urteil des Oberlandesgerichts Hamm [D], vom 13. Juli 2010, 9 U 89/09) - zu einer
Gehörschädigung führen (vgl. http://www.sengpielaudio.com/TabelleDerSchaegel.htm;
http://www.gbe-bund.de/pdf/Heft29_und_Wertetabellen.pdf; https: // hoergeraete-
info.net/ tag/trillerpfeife/; https: // www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/
benefit-das-kundenmagazin-der-suva-nr-3september-2019-benefit319d4590145901;
https: // www.hagen. de/web/media/files/fb/fb_53/gesundheitsfoerderung/Laerm.pdf;
http: // www.jagdnatur.ch/ wenns-den-ohren-zu-viel-wird/; alle abgerufen am 16. März
2020). Die Beschwerdegegnerin nannte im Einspracheentscheid vom 18. September
2018 (act. G 5.50) einen Wert von etwa 105 bis 115 dB, welchen Trillerpfeifen erreichen
könnten. Allerdings wird auf der von ihr zitierten Internetseite auch festgehalten, dass
bereits ein einzelner Pfiff von 104 bis 116 dB zu einer starken Schädigung des Gehörs
führen könne (https://www.hear-it.org/de/pfeifen-konnen-das-gehor-schadigen,
abgerufen am 16. März 2020).
3.5.
Angesichts des Gesagten ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass beim vom Beschwerdeführer
beschriebenen Ereignis vom 21. April 2017 ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf das
Gehör eingewirkt hat und deshalb das Vorliegen eines Unfalls im Sinne von Art. 4
ATSG stattgefunden hat. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer nicht weiss, mit
welchem Trillerpfeiffenmodell gepfiffen wurde, vermag keine Beweislosigkeit in Bezug
auf das Unfallbegriffselement des ungewöhnlichen äusseren Faktors zu Lasten des
Beschwerdeführers zu begründen. Schliesslich ist anzufügen, dass die physikalisch
nicht näher untermauerten Aussagen von Dr. I._ und J._ in der
versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 29. März/4. April 2018 (act. G 5.45) - ein
akutes Lärmtrauma bei einem einmaligen Pfiff einer Trillerpfeife auf das Ohr sei
unwahrscheinlich; der Ton sei zu wenig laut und die Einwirkungszeit zu kurz -
angesichts der Ausführungen in den Erwägungen 3.2.2 und 3.4 nicht zu überzeugen
vermögen.
3.6.
Dass sich der Beschwerdeführer unbestrittenermassen erstmals am 7. Juni 2017
und damit rund sieben Wochen nach dem Ereignis vom 21. April 2017 bei seinem
Hausarzt Dr. E._ in ärztliche Behandlung begeben hat (act. G 5.8) und die
3.7.
http://https:%20/%20hoergeraete-info.net/ http://https:%20/%20hoergeraete-info.net/ http://https:%20/%20www.hagen http://http:%20/%20www.jagdnatur.ch/
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4.
Unfallmeldung erst am 27. Juli 2017 erfolgt ist (act. G 5.1), vermag die
Ungewöhnlichkeit des geschilderten Trillerpfeifenereignisses ebenfalls nicht in Frage zu
stellen. Grundsätzlich kann in der langen Latenzzeit bis zur Erstbehandlung und zur
Unfallmeldung ein Hinweis dafür gesehen werden, dass einem Ereignis keine grosse
Wichtigkeit beigemessen worden ist, was sich als Indiz gegen dessen
Ungewöhnlichkeit erweisen würde. Doch würde dies zu kurz greifen. Der
Beschwerdeführer hat sowohl gegenüber Dr. E._ (act. G 5.8) als auch gegenüber der
nachbehandelnden Fachärztin Dr. F._ (act. G 5.7) und seiner Arbeitgeberin (siehe
Unfallmeldung vom 27. Juli 2017, act. G 5.1) immer einheitlich das Lärmtrauma mit
einer Trillerpfeife in einer Warteschlange vor einem Club geschildert und dessen Datum
namhaft gemacht. Die Erklärung des Beschwerdeführers im Fragebogen vom 6.
Dezember 2017 (act. G 5.17, Frage 6.1) - er habe anfangs mit den Beschwerden gelebt
und gehofft, dass es von selber besser werde - erscheint angesichts dessen, dass
beim Beschwerdeführer vorbestehend ein Hörsturz sowie ein beidseitiges
Tinnitusleiden aktenkundig sind (vgl. dazu act. G 5.8, G 5.43 f., nachfolgende
Erwägungen 5.3 f.), nicht weniger plausibel als der Einwand der Beschwerdegegnerin
in der Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2019 (act. G 5) - der Beschwerdeführer
hätte um die Wichtigkeit einer sofortigen Behandlung nach Schallexposition wissen
müssen. Immerhin litt der Beschwerdeführer vor dem Trillerpfeifenereignis bereits seit
vielen Jahren unter einem leichten Tinnitus (2003; act. G 5.41 ff.). Auch der Hörsturz lag
einige Jahre zurück und betraf nicht das linke, sondern das rechte Ohr (April 2013; act.
G 5.8, act. G 1.1.9). Man lernt mit seinem Gesundheitszustand zu leben und es
erscheint durchaus glaubwürdig, dass in einer solchen Situation einer
Verschlechterung nicht die gleiche Bedeutung beigemessen wird wie einem neu
auftretenden Gesundheitsschaden. Dies, zumal die Hoffnung auf eine Verbesserung
bestand.
Eine Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet
im Weiteren die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (BSK UVG-Irene Hofer, Basel 2019, N 63
ff. zu Art. 6; André Nabold, in: Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG], Bern 2018,
N 48 ff. zu Art. 6; Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 53 ff.). Für die Beantwortung der
Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen
4.1.
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angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (BSK UVG-Hofer, a.a.O., N 65 und 74 zu Art. 6, UVG
Kommentar-Nabold, a.a.O., N 53 und 59 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55,
58). Bei physischen Unfallfolgen spielt indessen die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher
Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V
291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit Hinweisen). Die Frage, ob zwischen dem
Unfallereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich - wie die Frage, ob sich ein
Unfallereignis im Rechtssinn ereignet hat (Erwägung 3) - nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen, Locher/Gächter, a.a.O., § 70 N. 58 f.). Gemäss
Art. 36 Abs. 1 UVG werden die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die
Taggelder und Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die
Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese Bestimmung
beinhaltet eine Durchbrechung des Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen ein
Gesundheitsschaden durch das Zusammenwirken konkurrierender, teils
unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen bewirkt worden ist (Urteil des EVG vom
18. Februar 2003, U 287/02, E. 4.4).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne förmliche Beweisregeln sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon,
von wem sie stammen objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und
nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/18
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grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten
(BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 351, E. 3a mit Hinweis 122 V 157).
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei ihrer Leistungsablehnung für die beim
Beschwerdeführerin bestehende Gehörschädigung links insbesondere auf die
versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. I._ und J._ vom 29. März/4. April
2018 ab (act. G 5.45). Allgemein ist dazu festzuhalten, dass rechtsprechungsgemäss
auch Berichten und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen bzw. beratenden Ärzten und Ärztinnen
einholen, Beweiswert beigemessen werden kann. Auf versicherungsinterne ärztliche
Feststellungen kann jedoch nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an
ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen. In diesem Fall sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4, 4.6 f.; Urteil des
Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2; SVR 2018 IV, Nr. 4,
S. 12, E. 3.2). Eine ärztliche Beurteilung aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von Dr.
I._ und J._ vorgenommen wurde (act. G 5.45), ist sodann nicht an sich
unzuverlässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. Voraussetzung ist
ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte oder die Expertin imstande
ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen
(Urteil des Bundesgerichts vom 24.März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1).
4.3.
Aus dem Grundsatz der Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Person
und auch deren Krankenversicherers, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen der versicherungsinternen
Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person oder vom
Krankenversicherer eingereichten Beweismittel - wie die vom Krankenversicherer des
Beschwerdeführers eingereichten Stellungnahmen von Dr. H._ vom 18. Januar und
15. Oktober 2018 (act. G 5.24, act. G 1.9) - stammen zwar von behandelnden Ärztinnen
und Ärzten oder von anderen medizinischen Fachpersonen, die in einem
auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person stehen oder die - wie deren
Krankenversicherer - ein anderes rechtliches Interesse verfolgen. Die behandelnden
Ärztinnen und Ärzte konzentrieren sich zudem in erster Linie auf die Behandlung. Deren
Berichte verfolgen nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die
Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des
Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an
ein Gutachten. Dennoch ist das Gericht nicht von seiner Pflicht zu einer korrekten
4.4.
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5.
Beweiswürdigung befreit, bei der auch die von der versicherten Person oder vom
Krankenversicherer aufgelegten Berichte mitzuberücksichtigen sind. Diese sind
daraufhin zu prüfen, ob sie auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der Feststellungen versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen wecken
(BGE 135 V 471 f. E. 4.5 f.).
Die Beschwerdegegnerin verneint eine natürliche (Teil-)Kausalität zwischen dem
Ereignis vom 21. April 2017 und der Gehörschädigung des Beschwerdeführers.
5.1.
Wie bereits erwähnt, ist beim Beschwerdeführer eine vorbestehende Schädigung
des Gehörs aktenkundig. In der Anamnese ist im Jahr 2003 ein Tinnitus beidseits sowie
eine Vertäubung nach Schallexposition erfasst. Der Tinnitus wurde am 9. Juli 2003
durch Dr. med. K._, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen-, Halskrankheiten, geprüft (act.
G 5.41 ff.). Laut Schreiben von Dr. E._ vom 11. August 2017 sei es beim
Beschwerdeführer wohl im April 2013 erstmalig beim rechten Ohr zu einem Hörsturz
gekommen, der ärztlich behandelt worden sei. Im März 2015 sei er sodann auch wegen
eines linksseitigen Tinnitus behandelt worden. Hörtests aus dem Jahr 2015 sind keine
aktenkundig. Dr. E._ hält jedoch fest, dass sich der Tinnitus am linken Ohr nach dem
Trillerpfeifenpfiff verstärkt habe (act. G 5.8). Auch von Dr. F._ wird im Bericht vom 10.
August 2017 festgehalten, dass der Beschwerdeführer nach dem Trillerpfeifenereignis
eine erhebliche Erhöhung seiner Tinnituslautstärke bemerkt habe. Vorbestehend habe
seit der Jugend ein sehr leises hochfrequentes Geräusch auf beiden Ohren bestanden.
Seit der Lärmeinwirkung vom April 2017 sei der Tinnitus bis heute sehr laut. Er sei mit
48 von 84 Punkten deutlich erhöht, da die Konzentration beim Beschwerdeführer
schon zeitweise eingeschränkt sei. Ausserdem bemerke der Beschwerdeführer durch
das Lärmtrauma eine Hyperakusis schon auf normale Umweltgeräusche wie
Geschirrklappern. In Anbetracht der dargelegten subjektiven Wahrnehmungen des
Beschwerdeführers infolge des Ereignisses vom 21. April 2017 wäre von einer
Verschlechterung der Gehörssituation auszugehen. Dr. F._ stellte schliesslich eine
Lärmsenkung bei 4 kHz von 35 dB, d.h. eine erhebliche Hörminderung, fest (act. G 5.7).
5.2.
Aufgrund der medizinischen Literatur ist davon auszugehen, dass die
Gesundheitsstörungen Tinnitus, Hörverlust und Hyperakusis durch chronische
übermässige Lärmbelastung verursacht sein können oder sie treten als Folge einer
Krankheit (beim Tinnitus auch psychische Ursachen) oder eines Traumas auf
(Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl., S. 796; Roche Lexikon, Medizin, 5.
Aufl., S. 872, 928). Für die Abgrenzung Vorzustand bzw. neue oder verschlimmerte
5.3.
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unfallbedingte Gesundheitsschädigung stellt insbesondere der Vergleich der
Untersuchungsergebnisse aus der Zeit vor und nach dem Unfall eine bedeutende
Beweisgrundlage dar.
5.4.
Aus der Zeit vor dem Unfall liegt den Akten ein von Dr. K._ erstelltes
Tonaudiogramm vom 30. April 2013 bei (act. G 5.41). Diesbezüglich halten Dr. I._ und
J._ in der versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 29. März/4. April 2018 (act. G
5.45) und Dr. F._ im Bericht vom 10. August 2017 (act. G 5.7) übereinstimmend fest,
dass sich eine Lärmsenke bei 4 kHz zeige. Dr. F._ gibt zusätzlich an, dass sich im
Jahr 2013 in diesem Bereich nur ein geringgradiger Hörverlust von 15 dB fände. Dr.
H._ bezeichnete das linke Ohr in ihrer Stellungahme vom 15. Oktober 2018 im Jahr
2013 als normal und hielt hinsichtlich des rechten Ohrs im Bereich von 4 kHz einen
Hörverlust von 20 dB fest (act. G 1.9).
5.4.1.
Aus der Zeit nach dem Ereignis vom 21. April 2017 liegt ein von Dr. F._ am 9.
Juni 2017 vom linken Ohr erstelltes Tonaudiogramm vor (act. G 1.5), welches laut Dr.
H._ neu bei 4 kHz eine Hörsenke von 30 dB zeigt. Hinzugekommen sei ausserdem
ein Hörverlust bei 3 kHz und 6 kHz. Der Hörverlust auf dem rechten Ohr habe um 10
dB zugenommen; das rechte Ohr habe also auch eine 30 dB-Hörsenke bei 4 kHz (act.
G 1.9). Ein weiteres Tonaudiogramm vom linken Ohr wurde von Dr. F._ am 9. August
2017 erstellt (act. G 5.7). Laut ihrer Beurteilung zeigte sich darin im Vergleich bei 4 kHz
eine Lärmsenke von 35 dB. Bei einer - wie aus dem Tonaudiogramm vom 30. April
2013 ablesbar (act. G 5.41) und von Dr. F._ genannten - vorbestehenden geringen
Hörsenke von 15 dB (act. G 5.7) sowie erheblichen Hörsenken von 30 bzw. 35 dB nach
dem Ereignis vom 21. April 2017 ist damit basierend auf der WHO-Klassifikation der
Schwerhörigkeit (https://dsb-lv-nrw.de/images/ALT/PDF/DSB_Bundesverband/Brief_
an_Gesundheitsminister/Brusis_WHO-Klassifikation-der-Schwerhoerigkeit.pdf,
abgerufen am 16. März 2020) beim linken Ohr vorbestehend von keiner (von Dr. H._
zutreffend als "normal" bezeichnet; act. G 1.9) und nach dem Trauma von einer
geringgradigen Schwerhörigkeit auszugehen.
5.4.2.
Die Differenz der Senke zwischen dem Tonaudiogramm vom 30. April 2013 (15
dB) und demjenigen vom 9. August 2017 (35 dB) von 20 dB wird von Dr. F._ als akut
bezeichnet, während Dr. I._ und J._ in Bezug auf die Tonaudiogramme vom 9. Juni
und 9. August 2017 im Vergleich zu demjenigen vom 30. April 2013 kaum eine
Veränderung sieht (act. G 5.45). Wie bereits erwähnt, geht demgegenüber Dr. H._ vor
dem Ereignis vom 21. April 2017 beim linken Ohr von einer Normalhörigkeit, nach dem
5.4.3.
https://dsb-lv-nrw.de/images/ALT/PDF/DSB_Bundesverband/Brief_
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Ereignis hingegen von einem Hörverlust von 30 dB bei 4 kHz aus. Der von ihr erwähnte
Hörverlust ist damit im Zeitraum von 2013 bis 2017 noch grösser als derjenige, den Dr.
F._ ermittelt hat, nämlich 30 dB. Basierend auf der WHO-Klassifikation der
Schwerhörigkeit (Erwägung 5.4.2, a.a.O.) liegt damit bei den vorgenannten dB-Werten
sowohl ausgehend von Dr. F._ als auch von Dr. H._ nach dem Ereignis eine um ein
Grad höhere Schwerhörigkeit (anstatt Grad 0 [normalhörig], 25 dB oder besser, nun
Grad I [geringgradige Schwerhörigkeit] 26-40 dB) mit erweiterter klinischer Empfehlung
vor (anstatt "Verlaufskontrolle; bei Schallleitungsschwerhörigkeit OP-Indikation
überprüfen" nun "Hörgerät ggf. empfehlenswert; bei Schallleitungsschwerhörigkeit
bzw. kombinierter Schwerhörigkeit ggf. operative Versorgung"). Unter den vorstehend
ausgeführten Verhältnissen kann nicht nachvollzogen werden, weshalb Dr. I._ und
J._ in der versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 29. März/4. April 2018 (act. G
5.45) aus den Tonaudiogrammen von 2013 und 2017 ableitet, es habe kaum eine
Veränderung stattgefunden. Eine nachvollziehbare und vor allem überzeugende
Begründung zu seiner Einschätzung lässt sich seiner Beurteilung zumindest nicht
entnehmen. Die Feststellung von Dr. I._ und J._, die Senke sei beim
Beschwerdeführer bereits vor dem Ereignis vom 21. April 2017 beidseits vorhanden
gewesen, vermag als Hinweis gegen eine traumatisch bedingte Zunahme der
Schwerhörigkeit nicht zu überzeugen. Wie bereits erwähnt, gehen nämlich sowohl Dr.
F._ als auch Dr. H._ im Jahr 2013 von einer Normalhörigkeit aus. Dr. I._ und
J._ erwähnen zwar eine Senke bei 4 kHz, nennt jedoch keinen dB-Wert, weshalb
nicht überprüft werden kann, ob seine Schlussfolgerung zumindest den von ihm
zugrunde gelegten Werten entspricht. Seiner Beurteilung ist ausserdem keine
Auseinandersetzung mit den abweichenden Feststellungen von Dr. F._ und Dr. H._
zu entnehmen, aus welcher hervorgehen würde, welche Schlussfolgerungen die
Messwerte der beiden Ärztinnen seiner Auffassung nach zulassen würden und weshalb
eine überwiegend wahrscheinlich traumatisch bedingte Verschlimmerung eines
Vorzustandes oder eine neue Hörschädigung trotz allem auszuschliessen sei. So hat er
insbesondere keinen Bezug auf die Stellungnahme von Dr. H._ vom 18. Januar 2018
genommen (act. G 5.24), worin diese erklärte, der eindeutige Lärmschaden bei 4 kHz
sei neu, im Vergleich zu früheren Hörtests objektiv nachweisbar und die Unfallkausalität
sei eindeutig gegeben. Immerhin stimmt Dr. H._ mit Dr. F._ überein, die in ihrem
Untersuchungsbericht vom 10. August 2017 (act. G 5.7) basierend auf dem von ihr
festgestellten Wert - wie bereits erwähnt - erklärt hatte, es sei davon auszugehen, dass
das Lärmtrauma zu einer akuten Senke geführt habe. Dr. H._ bestätigte schliesslich
in ihrer Stellungnahme vom 15. Oktober 2018 (act. G 1.9) nochmals, dass die Kausalität
zwischen dem Lärmtrauma und der Hörverschlechterung überwiegend wahrscheinlich
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sei. Um die Schlüssigkeit einer ärztlichen Einschätzung beurteilen zu können, ist es
bedeutsam, dass ein Arzt oder eine Ärztin sich zu den abweichenden Auffassungen
anderer Fachpersonen äussert bzw. die Gründe darlegt, weshalb er oder sie zu einer
abweichenden Schlussfolgerung gelangt ist. Der versicherungsmedizinischen
Beurteilung von Dr. I._ und J._ ist schliesslich auch keine Auseinandersetzung mit
der Frage zu entnehmen, ob der Gehörszustand des Beschwerdeführers nach dem
Ereignis vom 21. April 2017 als Unfallfolge mit wesentlichen Konsequenzen auf das
Hörvermögen zu werten ist, weil er insbesondere unbestrittenermassen einen
Vorschaden am Gegenohr aufgewiesen hat (vgl. dazu Harald Feldmann, Das Gutachten
des Hals-Nasen-Ohren-Arztes, 7. Aufl. Stuttgart 2012, S. 128 f.).
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass erhebliche Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Kausalitätsbeurteilung von Dr. I._ und J._
bestehen. Doch auch die Einschätzungen von Dr. F._ und Dr. H._ können nicht
abschliessend als Entscheidungsgrundlagen herangezogen werden. Zwischen dem
Tonaudiogramm vom 30. April 2013 und denjenigen vom 9. Juni und 9. August 2017
sind vier Jahre vergangen, während denen sich ein Gesundheitszustand auch
traumaunabhängig verändern kann. Dies insbesondere bei einem Patienten, der vor
dem Trauma unter einem Hörsturz (wenn auch auf dem anderen Ohr) und einem
beidseitigen (wenn auch einem leisen, den Alltag nicht beeinflussenden) Tinnitus
gelitten hat (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 1806; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1831). Von
einer altersbedingten Schwerhörigkeit muss beim 35jährigen Beschwerdeführer im Jahr
2017 kaum ausgegangen werden. Ob und inwiefern Dr. F._ und Dr. H._ diesen
Umständen Rechnung getragen haben oder ob diesen im konkreten Fall keine
Bedeutung zukommt, lässt sich ihren Berichten bzw. Stellungnahmen nicht entnehmen.
Immerhin ist als erwiesen anzunehmen, dass der Beschwerdeführer am 21. April 2017
einen Unfall mit Beteiligung des linken Ohrs erlitten hat (vgl. Erwägung 3). Vor dem
Hintergrund des Gesagten erscheinen der medizinische Sachverhalt bzw. die Frage der
Auswirkungen des Unfalls auf die Hörfähigkeit nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Es ist
nicht ausgeschlossen, dass durch einen externen Facharzt für Ohren-, Nasen-,
Halsheilkunde - mit Einbezug der in der vorstehenden Erwägung genannten unklaren
Punkte - neue, beweisrechtlich relevante Erkenntnisse in Bezug auf die Unfallkausalität
des eingetretenen Hörverlustes herbeigeführt werden können, womit (noch) nicht von
Beweislosigkeit mit den damit verbundenen materiell-rechtlichen Folgen auszugehen
ist.
5.4.4.
Der Beschwerdeführer nahm des Weiteren nach dem Trillerpfeifenereignis vom 21.
April 2017 eine Tinnitusverstärkung links wahr. Betreffend Tinnitus ist der
5.5.
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versicherungsmedizinischen Beurteilung von Dr. I._ und J._ (act. G 5.45) einzig die
allgemeine Feststellung zu entnehmen, dass eine Verstärkung des Tinnitus viele
Ursachen haben könne. Dies ist zwar nicht in Abrede zu stellen (vgl. dazu Pschyrembel,
a.a.O., S. 1807; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1831), doch ist im Rahmen der Prüfung einer
Leistungspflicht des Unfallversicherers in Bezug auf den konkreten Einzelfall zu
ermitteln, welche von verschiedenen möglichen Ursachen den konkreten
Gesundheitsschaden überwiegend wahrscheinlich verursacht hat. Entsprechende
medizinische Überlegungen sind der Beurteilung von Dr. I._ und J._ nicht zu
entnehmen. Insbesondere auch angesichts der medizinischen Unterlagen, welche Dr.
I._ und J._ vorgelegen haben, genügt seine allgemeine Feststellung nicht. Dr. F._
mass am 9. August 2017 den Tinnitus bzw. das Ohrgeräusch am linken Ohr bei 12.5
kHz und am rechten Ohr bei 10 kHz. Entsprechend würden auf der linken Seite 35 dB
und auf der rechten Seite nur 25 dB gebraucht, um den Tinnitus zu verdecken. Der
Tinnitus-Fragebogen nach Goebel-Hiller zeige mit 48 von 84 Punkten eine deutliche
Belastung durch den Tinnitus (act. G 5.7). Wie bereits erwähnt, war der
Beschwerdeführer im März 2015 wegen eines linksseitigen Tinnitus behandelt worden,
wovon jedoch keine Hörtests aktenkundig sind. Ein Vergleich des Vorzustandes mit
dem prätraumatischen Tinnitus ist somit bei der gegebenen Aktenlage nicht möglich.
Dennoch ist aufgrund der Untersuchungsergebnisse von Dr. F._ nach dem
Trillerpfeifenereignis vom 21. April 2017 von einer deutlichen Belastung des
Beschwerdeführers durch den Tinnitus auszugehen. Diesbezüglich fällt insbesondere
auch die Diagnose von Dr. F._ einer Verstärkung eines chronischen Tinnitus aurium
links > rechts Grad 3 (bei vier Schweregraden nach Biesinger [vgl. Pschyrembel, a.a.O.,
S. 1806]) mit beginnender Dekompensation mit Hyperakusis nach Lärmtrauma vom
April 2017 mit lärmtraumatischer Hochtonperzeptionsstörung beidseits auf. Ein Tinnitus
vom Schweregrad 3 führt zu einer dauernden Beeinträchtigung im privaten und
beruflichen Bereich. Es treten Störungen im emotionalen, kognitiven und körperlichen
Bereich auf (Pschyrembel, a.a.O., S. 1806). Dr. F._ geht sodann in ihrem
Untersuchungsbericht vom 10. August 2017 in Bezug auf den Tinnitus von einer
Verstärkung desselben durch das Trauma aus (act. G 5.7). Übereinstimmend spricht
auch Dr. H._ in ihrer Stellungnahme vom 15. Oktober 2018 (act. G 1.9) von einer
massiven Verstärkung des Tinnitus links und sieht die Zunahme des vorbestehenden
Tinnitus offensichtlich in einem Zusammenhang zum Ereignis vom 21. April 2017. Sie
weist weiter darauf hin, dass sich ein Tinnitus, der durch ein Lärmtrauma aufgetreten
sei, bei weiterer Exposition wieder verstärken könne. Es bestehe eine erhöhte
Vulnerabilität, d.h. auch geringere Lärmexpositionen könnten später die Haarzellen neu
schädigen. Die allgemeine Feststellung von Dr. I._ und J._ - eine Verstärkung des
Tinnitus könne viele Ursachen haben - stellt keine Auseinandersetzung mit der zuvor
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6.
dargelegten Aktenlage dar und vermag damit die grundsätzlich nachvollziehbare
Erklärung von Dr. H._ betreffend Vulnerabilität und die übereinstimmenden
Kausalitätsbeurteilungen von ihr und Dr. F._ nicht überzeugend in Frage zu stellen.
Zusammengefasst ist mithin festzustellen, dass auch hinsichtlich Tinnitus begründete
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Kausalitätsbeurteilung von Dr.
I._ und J._ bestehen, womit auch diesbezüglich ein weiterer medizinischer
Abklärungsbedarf besteht.
Schliesslich bleibt festzuhalten, dass sich die vom Beschwerdeführer beklagte
Hyperakusis schon auf normale Umweltgeräusche wie Geschirrklappern messen liess,
indem die Unbehaglichkeitsschwelle im Tonaudiogramm bei 70 dB lag (act. G 5.7). Eine
entsprechende Messung hatte zwar offenbar am 30. April 2013 nicht stattgefunden
(act. G 5.41), weshalb in Bezug auf die Hyperakusis kein Vergleich mit einem
Vorzustand möglich ist. Weil jedoch die Hyperakusis laut medizinischer Literatur (vgl.
Pschyrembel, a.a.O., S. 817; Roche Lexikon, a.a.O., S. 872) im Zusammenhang mit
einem Tinnitus beobachtet wird, erscheint es sinnvoll, auch sie nochmals in Bezug auf
ihre Ursächlichkeit abzuklären.
5.6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die
Streitsache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen im Sinne der Erwägungen
(Begutachtung durch einen externen Hals-, Nasen-, Ohrenarzt) und neuer Verfügung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Ein Gerichtsgutachten drängt sich (noch)
nicht auf, zumal seitens der Beschwerdegegnerin noch keine fachärztliche Beurteilung
in Auftrag gegeben wurde und der Sachverhalt aufgrund dessen als nicht umfassend
abgeklärt gelten kann.
6.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).6.2.
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Als volles Obsiegen gilt auch die Rückweisung
der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen (BGE 132 V 215 E. 6.2).
Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr.
15'000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers machte mit der Honorarnote
vom 20. Februar 2019 ein Honorar von Fr. 4'872.35 für einen Arbeitsaufwand von 17.40
6.3.
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