Decision ID: aa281606-d85d-4140-aa8d-b6a17986754d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, war vom
1.
Dezember
2014 bis zum 30.
April 2016 als Leiterin des
Tageszentrum
s
der Stiftung
Y._
angestellt und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 2
3.
Januar 2017 meldete die Arbeitgeberin der Suva, dass die Versicherte ca. am
9.
Januar 2016 bei Gartenarbeiten
am rechten Oberarm
von einer Zecke gebissen worden sei. Die Zecke sei mehrere Tage am Körper getragen worden, weshalb der Unfalltag nicht genau bekannt
sei (Schadenmeldung UVG vom 23.
Januar 2017,
Urk.
6/1).
Dr.
Z._
, FMH All
gemeine Innere Medi
zin, diagnostizierte im Arztzeugnis UVG vom
1.
Februar 2017 eine mögliche
Bor
relieninfektion
nach Zeckenstich im Janua
r 2016
(
Urk.
6/10).
Am
3.
März 2017 gab
Dr.
A._
, Facharzt für Allgemeinmedizin und Arbeitsmedizin, von der Abteilung für Arbeitsmedizin der Suva eine ärztliche Beurteilung ab (
Urk.
6/17). Daraufhin holte die Suva die Bericht
e
der
Laboratorien B._
aus dem Zeitraum
vom
2
2.
September bis
zum
1
6.
Dezember 2016 und den an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gerichteten Bericht
von
Dr.
C._
, FMH Allgemeine Innere Medizin,
der
Klinik D._
vom 2
8.
Februar 2017
ein (
Urk.
6/24). Am 2
8.
April 2017 nahm
Dr.
A._
eine weitere ärztliche Beurtei
lung vor (
Urk.
6/29). Mit Verfügung vom 1
0.
Mai 2017 verneinte die Suva eine Leistungspflicht, da zwischen dem geltend gemachten Zeckenbiss und
den gemeldeten Beschwerden kein
sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammen
hang bestehe (
Urk.
6/33). Dage
gen erhob die Versicherte am 7.
Juni 2
017 Ein
sprache (
Urk.
6/34). Am 1
7.
Oktober 2018 gab
Dr.
A._
erneut
eine
ärztliche Beurteilung ab (
Urk.
6/51). Mit Entscheid vom 2
6.
November 2018 wies die Suva die Einsprache der Versicherte
n vom
7.
Juni 2017 ab (Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
3.
Dezember 2018 Beschwerde und bean
tragte sinngemäss, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und eine Leis
tungspflicht der Beschwerdegegnerin für
die Folgen des Zeckenbisses
mit Borre
liose-Infektion
von Januar 2016
zu bejahen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführer
in
um die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Besch
werdeantwort vom 2
8.
Januar 2019
die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
5). Mit Verfügung vom 2
9.
Januar 2019 stellte das Gericht der Beschwerdeführer
in
die Beschwerdea
nt
wort zu
und hielt
fest
, dass es die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels nicht als erforderlich erachte. Den Parteien bleibe es jedoch unbenommen, sich nochmals zur Sache zu äussern und weitere sachbezogene Unterlagen einzu
reichen (
Urk.
7). Am 1
4.
Juli 2019 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellung
nahme
ein
(
Urk.
8; vgl. auch
Urk.
9/1-
7).
Hierzu liess sich die Beschwerdegegne
rin am
2.
Sep
t
ember 2019 vernehmen (
Urk.
12) und legte die
Stellungnahme von
Dr.
E._
, FMH Neurologie, von der Abteilung f
ür Versicherungsme
dizin der Beschwerdegegnerin
vom 29.
August 2019 (
Urk.
13) ins Recht
.
Dies wur
de der Beschwerdeführerin am 4.
September 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
14).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten
Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Ab
satz
1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Die Beschwerdeführerin wurde gemäss eigenen Angaben
ca. am
9.
Januar 2016 von einer Zecke gebissen
(
Urk.
6/1)
. Auf den vorliegenden Fall finden deshalb die
bis
zum
31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen
Anwendung
und
wer
den
in dieser Fassung zitiert
.
1.2
Gemäss
Art. 6 Abs. 1 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittel
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Wor
ten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheit
liche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.6
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit,
dass
die von der Beschwerdeführerin g
eklagten Beschwerden
nach den überzeugenden Darlegungen von
Dr.
A._
nicht mit überwiegender Wahrsch
einlichkeit in natürlichem Kausalzusammenhang zu
einem Zeckenstich stehen würden. Man
gels Nachweises eines natürlichen Kausalzusammenhangs entfalle die Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs. Die Beschwerdegegnerin habe ihre Leis
tungspflicht zu Recht verneint (
Urk.
2 S. 12).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass
sie im Januar 2016 von einer Zecke gebissen worden sei. Die Borreliose-Symptome seien zeitnah aufgetreten.
Deren Ursache
sei aber leider nicht erkannt worden. Ab September 2016 sei sie mit Antibiotika behandelt worden. Aufgrund einer unzureichenden oder falschen Behandlung
durch
Dr.
F._
, FMH Innere Medizin,
habe sich ih
r Gesundheitszustand jedoch weiter
verschlechtert
. Eine
Besserung
sei e
rst eingetreten, als sie sich bei
Dr.
C._
in
Behandlung bege
ben habe.
Die Beschwerden würden
nach wie vor persistieren. Die chronische Borreliose-Diagnose sei belegt und auch
durch Laboruntersuchungen
bestätigt worden (
Urk.
1).
2.3
In der Stellungnahme vom 1
4.
Juli 2019 ergänzte die Beschwerdeführerin, dass
ihre Beschwerden gemäss den neuesten Erkenntnissen
aus der
Medizin und For
schung auf die Borreliose-Infektion von Januar 2016 zurückzuführen sei
en
. In Studien habe sich gezeigt, dass Doxycyclin
gegen Borreliose-Bakterien
erst ab einer Dosierung von 200 mg eine Wirkung erziele.
Im Weiteren
sei auch zu berücksichtigen, in welchem Stadium (Frühstadium, Stadium II oder II
I) sich die Borreliose befinde. Zudem gäbe
es Antibiotikaresistenzen.
Dass jede Antibiotika-Kur für sich allein ausreichend sein solle, sei daher
überholt bzw.
unzutreffen
d (
Urk.
8).
3.
3.1
Dr.
F._
diagnostizierte
im Bericht vom 2
4.
Februar 2017
(1) funktionelle Beschwerden und (2) Arthralgien und
Periarthralgien
zahlreicher Gelenke unkla
rer Genese. Er hielt
fest, dass bei
der
Beschwerdeführerin
ein Status nach zahl
reichen bemerkten Zeckenstichen oh
ne
eruierbares
Erythema
migrans
bestehe.
2014
hätten
Zahnprobleme und doppelbilderartige Sehstörungen
bestanden
. Ab
Sommer 2016
seien
verschiedene
Beschwerden wie ein generalisierter, schmerz
haf
ter und juckender Ausschlag,
Arthralgien und
Periarthralgien
verschiedener Gelenke
aufgetreten
, die zum Teil bis heute persistieren würden
.
Bei der aktuellen
Untersuchung habe
physikalisch kein wesentlic
her patholo
gischer Befund erho
ben werden
können
. Die speziellen Untersuchungen bezüglich
Borrelia
burg
dorferi
hätten
bei normalen Antikörpertitern im Western
Blot
keinen Hinweis auf einen Erregerkontakt
ergeben
. In der Kontrollu
ntersuchung nach drei
Monaten habe
sich bei unverändertem Beschwerdebild
erneut
eine negativ
e
Borreliensero
logie
gezeigt
.
Aufg
rund
der vorliegenden Resultate könne
klinisch und serolo
gisch eine durchgemachte oder noch floride
Lyme
-Borreliose im
Stadium II oder III
als Ursache der bestehenden Beschwerden
mit Eindeutigkeit
ausgeschlossen werden. Die Ge
nese der Beschwerden
sei
unklar (
Urk.
6/14/
2-
3).
3.2
Dr.
C._
stellte im
an die IV-Stelle gerichteten
Bericht vom 28.
Februar 2017 folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
6/24/6)
:
chronisches
, seit 2011 bestehendes
allgemeines Schmerz- und Erschöpfungssyndrom bei
-
unklaren Entzündungen im Zahn-/Kieferbereich
-
unklaren Infektionen; Differentialdiagnose: ch
ronische Borreliose, Co-Infekte
-
Differentialdiagnose: Fibromyalgie
Als Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
C._
einen chronischen Tinnitus seit 201
2.
Er gab an, dass die Beschwerdefüh
rerin als Betriebsleiterin seit dem
1.
Februar 2016 bis auf Weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei
ihr
nicht zumutbar (
Urk.
6/24/6
-8).
3.3
Dr.
A._
erklärte in
der ärztlichen Beurteilung vom
3.
März 2017, dass
es sich beim
geschilderten
Hautausschlag,
den
Arthralgie
n
,
Periarthralgien
, Kopfschmer
zen,
Augenbeschwerden und
der
Müdigkeit,
die nach dem Stich im Januar 2016
auf
getreten seien, um
Beschwerden
unspezifischer Art
handle. Im Rahmen einer Borreliose könnten von den genannten Beschwerden am ehesten Arthralgien und
Periarthralgien
auftreten. Neben einer Borreliose kämen für solche Beschwerden aber noch zahlreiche andere Ursachen in
Frage. Entsprechend werde in der Gui
deline
der Schweizerischen Gesellschaft für Infektiologie
(nachfolgend: Guide
line)
auch festgehalten, dass Arthralgien zur Diagnose einer Borreliose nicht aus
reichen würden. Die Manifestation eines Erythema
migrans
, also eines für die Borreliose typischen Symptoms, werde explizit verneint. Die von
Dr.
F._
acht
bzw.
elf Mona
te nach dem Stich und somit
lange nach dem Auftreten der Beschwerden
veranlassten
Laboruntersuchungen würden dagegen sprechen, dass es überhaupt zu einem Erregerkontakt gekommen sei. Vor einer definitiven Stel
lungnahme seien noch die Akten zu vervollständigen. Aus verschiedenen Doku
menten gehe hervor, dass
die Beschwerdeführerin auch
in
G._
in ärztlicher Behandlung gewesen sei, wo sie offenbar Antibiotika erhalten habe.
Dr.
Z._
schreibe von einer Klinik
D._
, wo laborchemisch Spuren einer Borreliose nachgewiesen worden seien (
Urk.
6/17
-18
).
3.4
In d
er ärztlichen Beurteilung vom 2
8.
April 2017 legte
Dr.
A._
dar
, dem
E-Mail
der Beschwerdeführerin vom 1
8.
April 2017 sei zu
entnehmen, dass z
wei
mal
eine Doxycyclin-
und einmal
eine
Rocephin
-Therapie durchgeführt worden seien. Diese drei Therapien seien bei einer Borreliose
üblicherweise je für sich allein
wirksam
. Laut der Beschwerdeführerin habe
aber
erst eine vierte Th
erapie in der
Klinik
D._
eine
Besserung gebracht. Auch diese Behandlung habe nicht
zu einer
vollständigen Heilung geführt. Die nun vorliegenden Kopien der
originalen
Laborbefunde vom September und Dezember 2016 würden
jeweils
negative Resultate für Immu
nglobulin G
(
IgG
)
zeigen. Damit sei
aufgrund der Beschwer
den, des Verlaufs nach
der
Antibiotika-Therapie und der Laborresultate nicht wahrscheinlich, dass die Beschwerden durch eine Borreliose verursacht seien (
Urk.
6/29).
3.5
Dr.
C._
führte im Bericht vom 1
7.
Juli 2017 aus, dass die Beschwerdeführer
in
vermutlich unter einer chronischen Borreliose und/oder eine
r
Co-Infektion durch einen Zeckenbiss im Januar 2016 leide. Die Laborer
gebnisse seien nicht schlüssig. Hingegen greife die entsprechende Antibiose. Die tiefe Sensitivität der
Borreliosediagnostik
sei hinreichend bekannt. Die Infektion dü
rfte
die Haupt-Ursache für den jetzigen gesundheitlichen Zustand sein. Zurzeit werde der Beschwerdeführerin Doxyc
yc
lin verabreicht, was
ihr
offensichtlich helfe und die Symptome zusehends verbessere (
Urk.
6/41).
3.6
Dr.
A._
erklärte
in der ärztlichen Beurteilung vom 1
7.
Oktober 2018
zum
Labortest vom 1
3.
Juni 2018, der beim
Immunfloreszenz-Test
ein
positives Resultat
für
Borrelia
afzelii
-
Ig
G
und
Borrelia
garinii-
Ig
G
sowie Immunglobulin M (
IgM
)
und negative Resultate in den
Immunoblot
-Untersuchungen
gezeigt habe, sei zu bemerken, dass
hier
das Resultat der
Blot
-Untersuchung massg
ebend sei.
Die
Sensitivit
ät der Borreliose-Diagnostik sei entgegen den Darlegungen von
Dr.
C._
nicht tief. Sie betrage
je nach Stadium zwischen 80
%
und 99
%
(abgesehen von der ganz frühen Manifesta
tion mit einem Erythema
mig
rans
;
mit Hinweis auf
Rev
Med
Suisse 2015, R. Lienhard vom Labor ADMED, dem Referenzlabor des Nationalen
Zentrums
für zeckenübertragene Krankh
eiten).
Schliesslich könne auch
bezüglich
der
Borna-Virus-Infektion
k
ein wahrscheinli
cher Zusammenhang zwischen einem Zeckenstich und den Beschwerden
herge
stellt werden (
Urk.
6/51).
3.7
Dr.
C._
stellte im Zeugnis vom 2
8.
Juni 2019 folgende
Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
9/2):
(1)
chronische und persistierende Borreliose (2017/2018/2019) mit Schmerz- und
Erschöpfungssyndrom
(2)
Co-
I
nfektion durch zecken
übertragene Krankheit (2016),
Borna-Virus (2018
bestätigt)
(3)
Borreliose mit Schmerz-
und Erschöpfungssyndrom (2016)
Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte er (
Urk.
9/2):
(1)
genetisch bedingte eingeschränkte Entgiftungsfähigkeit
(2)
genetisch bedingte eingeschränkte Fähigkeit Antikörper bezüglich Borrelien-
Bakterien zu bilden; u
ngünstig verschobene Werte im Immunsystem
(3)
a
nlagebedingte tendenzielle Schilddrüsen-Unterfunktion
(4)
l
eichte Anä
mie
Dr.
C._
erklärte, dass
d
ie Sym
ptome und Laborergebnisse
auf eine
im
Ja
nuar 2016 entstandene Zecken
in
fektion inkl. Co-
I
nfektionen hindeuten würden. Die Symptome hätten
bis Dezember 2016 zu
genommen
. Dar
aufhin sei durch eine adäquate Antibiose eine
Verbesserung
eingetreten
. Der Zustand der chronischen
Borreliose bedürfe
jedoch einer langfristigen Therapie, welche bis he
ute fortgesetzt werde (
Urk.
9/2).
3.8
Dr.
E._
legte in der Stellungnahme vom 2
9.
August 2019 dar
,
da
ss
sich
die
Parästhesien (Missempfindungen)
der Beschwerdeführerin
keinem neurologi
schen
Schädigungsort oder
-
muster zuordnen
liessen
, was Zweifel an ihrer
Org
a
nizität
begründe
.
Hinsichtlich der Laborergebnisse sei zu ergänzen, dass
die Serodiagnostik der Borreliose, ähnlich wie das Vorgehen bei der HIV-Diagnostik, zweistuf
ig sei. In einem Suchtest (z.B.
Immu
nfluoreszenztest,
Enzyme
Linked
Immuno
Sorbent
Assay oder Enzyme
Immunoassay
) nachgewiesene Antikörper müssten
mittels eines
Blotverfahrens
bestätigt werden. Die beiden Testverfahren
würden
sich bez
üg
lich Sensitivität und Spezifität
unterscheiden. Ein negativer Suchtest müsse
nicht
weiter abgeklärt werden. Ein negativer Bestätigungstest ergebe
ein negatives Gesamtresultat, worau
f
Dr.
A._
bereits hingewiesen habe
. Bei
der Beschwerdeführerin
sei
bei der Untersuchung vo
m 1
3.
Juni
2018 der Bestätigungstest (
Immunoblot
) bezüglich
IgG
- und
IgM
-Antikörpe
r für die drei
Borrelienarten
Borrelia
burgdorferi
,
Borrelia
afzelii
und
Borrelia
garinii
negativ gewesen.
Der Nachweis von
IgM
-Antikörpe
rn gegen das rekombinante
b
orre
lien
artige
Outer Surface Protein C
sei
hier nicht
massgeblich.
Zusammen
fassend sei
festzuhalten,
dass bei
der Beschwerdeführerin
seit mindestens 2016 ein vielgestaltiges und unspezifis
ches Beschwerdebild persistiere.
Ein Immunkon
takt mit Borrelien
habe
weder 2016 noch 2018 serologisch bestätigt werden
kön
nen
. Ein Kausalzusamm
enhang
zwischen
der aktuell geklagten Be
schwerdesymp
tomatik
und
dem gemeldeten U
nfallereignis (Zeckenstich) könne daher mit über
wie
gender Wahrschein
lichkeit ausgeschlossen werden (
Urk.
13).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Entscheid im Wesentli
chen auf die ärztliche Beurteilung von
Dr.
A._
vom 1
7.
Oktober 2018 (
Urk.
6
/51).
4.2
Dr.
A._
erklärte
in dieser Beurteilung
, dass
einige von
der Beschwerdefüh
rerin geklagte
Beschwerden mit einer Borreliose vereinbar seien.
Die von ihr
im E-Mail vom
7.
Juni 2017
zuletzt
genannten
Symptome Kopfschmerzen, Fieber, Schwitzen und Gelenkschmerzen
könnten
im Rahmen einer Borreliose
als grip
pale Symptome auftreten
.
Dies sei aber
gemäss Guideline
nur während einer kur
zen Zeitspanne nach
der Infektion
und
nur dann
möglich
, wenn gleichzeitig ein Erythema
migrans
vorliege. Andere Symptome wie etwa dunkle Knöchel und Aphten würden hingegen nicht zu den Beschwerden gehören, die bekanntermas
sen im Rahmen einer Borreliose auftreten würden. Das klinische Bild spreche also nicht für eine Borreliose.
Im Weiteren stelle bereits
die erste von der Beschwer
deführerin
genannte
Antibiotika-Therapie mit Doxycyclin 2 x 100 mg während
zehn Tagen
eine
wirksame Behandlung dar.
Gleiches gelte für die zweite Therapie mit Doxycyclin während 32 Tagen
mit
300 mg/Tag
.
Wie
die Beschwerdeführerin zu Recht geltend mache,
könne die Resorption
dieses Medikaments
durch die zeitnahe Einnahme von Milchprodukten
zwar
beeint
rächtigt werden. Dies gelte allerdings
nicht für die
intravenöse Therapie mit
Rocephin
, die
Dr.
F._
während 2
8 Tagen durchgeführt habe.
Die Besserung, die
dann
nach einer vierten Therapie erreicht worden sei,
stelle damit
kein überzeugendes Argument
für eine Borreli
ose als Ursache der Beschwerden
dar
.
Festzuhalten sei sodann
, dass die Serologie
gemäss Guideline
nur zur Unterstützung der klinischen Diagnose diene. Die Resultate der Laboruntersuchungen vom 2
2.
September und
vom
1
6.
Dezember 2016
würden dafür sprechen, dass es
im Januar 2016
gar nicht zu einem Erre
gerkontakt gekommen sei.
Z
um Labortest vom 1
3.
Juni 2018
sei zu bemerken, dass
hier
entgegen der Befundung auf dem Laborblatt das
negative
Resultat der
Blot
-Untersuchung massg
ebend sei
. Bei der
Blot
-Untersuchung handle es sich
gemäss Guideline
um den
Bestätigungstest. Auch die
Laborresultate würden also
gegen eine Borreli
ose als Ursache der Beschwerden sprechen.
Hinsichtlich der
zusätzlich oder alt
ernativ vermuteten Co-Infektion
mit dem Borna-Virus
sei
ers
tens
darauf hinzuweisen,
dass diese Infektion gemäss Laborbefund
erst
in den letzten Woch
en vor der Blutentnahme am 1
3.
Juni 20
1
8 aktiviert worden sei
und
die
Beschwerden in
den
früheren Jahren
damit
nicht
ohne Weiteres
erklären
könne
.
Zweitens
sei
diese Krankheit
sehr selten beschrieben worden. I
n einer Publikation des Robert Koch-Instituts (Epidemiologisches Bulletin vom
8.
März 20
18) werde
über eine Ansteckung via transplantierte Organe berichtet, in einer anderen Pub
likation dieses Instituts würden
Anst
eckungen von Haltern von Bunthörn
chen beschrieben.
A
uch bezüglich
der
Borna-Virus-Infektion
könne
k
ein wahrscheinlicher Zusammenhang zwischen einem Zeckenstich und den Beschwerden der
Beschwerdeführerin hergestellt werden (
Urk.
6/51).
4.3
Diese Beurteilung von
Dr.
A._
, die er in Kenntnis der und Auseinanderset
zung mit den
Vorakten
abgab, ist
einleuchtend und
plausibel.
Dr.
A._
erklärte
dabei insbesonder
e
,
weshalb die von
der Beschwerdeführerin teilweise bereits vor 2016 geklagten Beschwerden
und das klinische Bild
nicht für das Vorliegen einer Borreliose sprechen.
Zudem
legte
Dr.
A._
unter Hinweis auf die
Ergebnisse der Laboruntersuchungen
von September 20
16, Dezember 2016 und Juni 2018
begründet dar,
warum die
Testergebnisse
ebenfalls
gegen eine
Borreliose-Infektion
im Januar 2016
sprechen.
4.4
Zum im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens eingereichten Zeugnis von
Dr.
C._
vom 2
8.
Juni 2019 (
Urk.
9/2)
na
hm
Dr.
E._
am 2
9.
August 2019
ausführlich Stellung
(
Urk.
13). Er
erläuterte
in nachvollziehbarer Weise
das zweistufige Verfahren der Serodiagnostik.
Ü
berzeugend ist sodann seine Bemerkung, dass
die
Untersuchungen
zu
den
Immunmodulatoren aus dem La
bor
H._
(Deutschland) und d
as
Lympho
zytenprofil
des komple
mentärmedizinischen Labors
I._
(Deutschland), beide vom
3.
Oktober 2018,
in Bezug auf die gestellte Kau
s
alitätsfrage nicht weiterführend seien
.
Schliesslich wie
s
Dr.
E._
zu Recht
darauf
hin, dass
Dr.
F._
im Be
richt vom 24.
Februar 2017
das Vorliegen
eine
r
durchgemachten oder floriden
Borreliose
verneint
und
Dr.
Z._
im Arztzeugnis UVG vom
1.
Februar
2017 nur eine mögl
iche
Borrelieninfektion
nach Ze
cken
stich im Januar 2016 diagno
stiziert habe.
4.5
Die Einwände der Beschwerdeführerin sind nicht stichhaltig.
Weshalb ihre
Beschwerden gemäss den neuesten Erkenntnissen aus der Medizin und Forschung auf die Borreliose-Infektion von Januar 2016 zurü
ckzuführen sein sollen, hat sie
nicht substantiiert dargetan und ist
auch nicht ersichtlich. Dem Bericht
von Dr.
C._
vom
1
7.
Juli 2017
ist
ferner
zu entnehmen, dass
ihr damals – wie zuvor
bereits von
Dr.
F._
-
Doxyc
yc
lin verabreicht
worden sei
, was
die Symptome verbessert habe (
Urk.
6/41)
.
Eine
Resistenz gegen dieses Antibiot
ikum
ist damit nicht dargetan.
Von weiteren m
edizinischen Abklärungen sind
im Übrigen
keine
entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten, wes
halb davon abgesehen werden kann
(BGE 124 V 90 E. 4b).
4.6
Nach dem Gesagten is
t das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem von der Beschwerdeführer
in geltend gemachten Zeckenbiss
vom Januar 2016 und den im Januar 2017 bei der Beschwerdegegnerin gemeldeten Beschwerden höchstens als möglich, nicht aber als überwiegend wahrscheinlich zu beurteilen.
Unter diesen Umständen entfällt eine Prüfung des adäquaten Kau
salzusammenhangs.
Die Beschwerdegegnerin hat eine Leistungspflicht demnach zu Recht verneint.
5.
Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.