Decision ID: 95507e92-a5c3-42fb-8a2e-eb9cea8c36cd
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Revision des Urteils vom 18. November 2020 (EK201342)
Beschwerde gegen eine Verfügung des Konkursgerichtes des  Zürich vom 29. Juni 2021 (BR210001)
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Urteil des Konkursgerichtes vom 18. November 2020 (EK201342): (act. 54/5 S. 9 f.)
1. Die vom saudi-arabischen Handelsministerium ("Ministry of Commerce and
Investment", "MOCI") am tt. April 2020 veröffentlichte Bekanntmachung der
Auflösung und Liquidation vom tt. April 2020 betreffend die B._ Han-
delsgesellschaft mit beschränkter Haftung (Registernummer ...) wird für das
Gebiet der Schweiz anerkannt.
2. Auf die Eröffnung des Konkurses über das Vermögen der B._ Handels-
gesellschaft mit beschränkter Haftung (Registernummer ...) in der Schweiz
wird einstweilen verzichtet.
3. Das Konkursgericht publiziert die Anerkennung des in Ziff. 1 genannten
Konkursdekrets zusammen mit dem Schuldenruf im Schweizerischen Han-
delsamtsblatt und im Kantonalen Amtsblatt.
4. Das Konkursgericht entscheidet nach erfolgter Publikation gemäss Ziff. 3
über den beantragten Verzicht auf das Hilfskonkursverfahren (Art. 174a
Abs. 1 und 2 IPRG).
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf CHF 4'000.–, der Gesuchstellerin
auferlegt und vom geleisteten Vorschuss bezogen.
6. Der Rest des Vorschusses in Höhe von CHF 1'000.– wird einstweilen bei der
Bezirksgerichtskasse zurückbehalten.
7. [Schriftliche Mitteilung].
8. [Rechtsmittelbelehrung].
Urteil des Konkursgerichtes vom 6. Januar 2021 (EK201342): (act. 54/14 S. 2 f.)
1. Auf die Durchführung des Hilfskonkursverfahrens betreffend die B._
Handelsgesellschaft mit beschränkter Haftung (Registernummer ...) wird
verzichtet.
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Demzufolge wird festgestellt, dass die Gesuchstellerin die Befugnisse nach
Art. 174a Abs. 4 IPRG ausüben darf.
2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf CHF 1'000.–, der Gesuchstellerin
auferlegt und aus dem geleisteten Vorschuss bezogen.
3. [Schriftliche Mitteilung].
4. [Rechtsmittelbelehrung].
Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin: (act. 1 S. 2)
" 1. Es sei das Urteil des Konkursgerichtes des Bezirksgerichtes  vom 18. November 2020 im Verfahren EK201342-L .
2. Es sei dem (angeblichen) Konkursdekret – der vom  Handelsministerium ("Ministry of Commerce and ", "MOCI") am tt. April 2020 veröffentlichten  der Auflösung und Liquidation vom tt. April 2020 betreffend die B._ Handelsgesellschaft mit beschränkter Haftung ( ...) – die Anerkennung zu verweigern.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
Prozessualer Antrag der Beschwerdeführerin: (act. 1 S. 2)
" Die Vollstreckbarkeit des Urteils des Konkursgerichtes des Bezirksge- richtes Zürich vom 18. November 2020 im Verfahren EK201342-L sei aufzuschieben."
Rechtsbegehren der Beschwerdegegnerin: (act. 23 S. 2)
" 1. Auf das Revisionsgesuch sei nicht einzutreten. 2. Eventualiter sei das Revisionsgesuch abzuweisen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Gesuch-
stellerin."
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Prozessualer Antrag der Beschwerdegegnerin: (act. 23 S. 2)
" Der Verfahrensantrag der Gesuchstellerin sei abzuweisen und der mit Verfügung vom 26. Februar 2021 angeordnete Aufschub der Voll- streckbarkeit des Urteils vom 18. November 2020 sei aufzuheben."
Verfügung des Konkursgerichtes vom 29. Juni 2021: (act. 50 S. 11 f. [Aktenexemplar])
1. Auf das Revisionsgesuch wird nicht eingetreten.
2. Es wird festgestellt, dass der am 26. Februar 2021 verfügte Aufschub der
Vollstreckbarkeit des Urteils des Konkursgerichts Zürich vom
18. November 2020 (Geschäfts-Nr. EK201342-L) dahinfällt.
3. Es wird festgestellt, dass die Anweisungen in der Verfügung vom
26. Februar 2021 an die C._ AG, ... [Adresse] sowie an das Betrei-
bungsamt Zürich 1 dahinfallen.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf CHF 4'000.–, der Gesuchstellerin
auferlegt und vom geleisteten Vorschuss bezogen.
5. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, der Gesuchsgegnerin eine Parteient-
schädigung von CHF 6'500.– zu bezahlen.
6. [Schriftliche Mitteilung].
7. [Rechtsmittelbelehrung].
Beschwerdeanträge:
Der Beschwerdeführerin (in der Hauptsache): (act. 51 S. 2 f.)
" 1. Die Verfügung vom 29. Juni 2021 des Konkursgerichts des  Zürich im Verfahren BR210001-L sei aufzuheben.
2. Das Urteil des Konkursgerichtes des Bezirksgerichtes Zürich vom 18. November 2020 im Verfahren EK201342-L sei aufzuheben.
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3. Dem (angeblichen) Konkursdekret - nämlich der vom  Handelsministerium ("Ministry of Commerce and ", "MOCI" am tt. April 2020 veröffentlichten  der Auflösung und Liquidation vom tt. April 2020 betreffend die B._ Handelsgesellschaft mit beschränkter Haftung ( ...) - sei in Abänderung des Urteils des  des Bezirksgerichtes Zürich vom 18. November 2020 im Verfahren EK201342-L die Anerkennung zu verweigern.
4. Eventualiter sei die Verfügung vom 29. Juni 2021 des  Zürich im Verfahren BR210001-L aufzuheben und zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das  zurückzuweisen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
Der Beschwerdeführerin (Massnahmenbegehren):
(act. 51 S. 3)
" 1. Die Vollstreckbarkeit der Verfügung vom 29. Juni 2021 des  Zürich im Verfahren BR210001-L sei aufzuschieben.
2. Die C._ AG, ... [Adresse] sei – unter Androhung der  ihrer verantwortlichen Organe nach Art. 292 StGB – , Guthaben und andere Vermögenswerte lautend auf B._ Ltd. (in Liquidation), ... [Adresse], zu blockieren.
3. Das Betreibungsamt Zürich 1 sei anzuweisen, in den  Nrn. 1 und 2, Arresten Nrn. 3 und 4 bis zur rechtskräftigen  des Beschwerdeverfahrens keine Verwertungs- und  vorzunehmen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der .
5. Die beantragten vorsorglichen Massnahmen seien  und somit ohne Anhörung der Gesuchsgegnerin , bis zum Entscheid über die vorliegende Beschwerde."
Der Beschwerdegegnerin (in der Hauptsache): (act. 59 S. 2)
" 1. Die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwer-
deführerin.
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Der Beschwerdegegnerin (Massnahmenbegehren): (act. 59 S. 2)
" Die Verfahrensanträge seien abzuweisen und die mit Verfügung vom 9. Juli 2021 angeordneten Massnahmen (Dispositiv-Ziff. 1 und 2) seien aufzuheben."

Erwägungen:
I. Sachverhalt- und Prozessgeschichte
1. 1.1. Am 19. Januar 2020 (dem 24.05.1441 nach islamischer Zeitrechnung) be-
schlossen die Gesellschafter der Gesuchs- und Beschwerdegegnerin (nachfol-
gend: Beschwerdegegnerin) unter Angabe eines überhälftigen Kapitalverlustes
die Auflösung und Liquidation der Beschwerdegegnerin. Im Weiteren ernannten
die Gesellschafter in ihrem Beschluss (1.) Y1._ sowie (2.) die Anwaltskanzlei
von Y2._ als Liquidatoren der Beschwerdegegnerin (act. 3/2; act. 24/8;
act. 54/11 [mit je etwas abweichender Schreibweise; die hier und im Rubrum ver-
wendete Schreibweise entspricht derjenigen der Parteien in ihren Rechtsschrif-
ten]).
1.2. In einer von der "Riyadh Chamber" auf Wunsch der Liquidatorin Nr. 2 am
tt. April 2020 (dem tt.08.1441 nach islamischer Zeitrechnung) ausgestellten sowie
zertifizierten arabischsprachigen Urkunde, welche in der deutschen Übersetzung
mit dem Titel "Handelsministerium, Auflösungsbekanntmachung einer Gesell-
schaft" (nachfolgend: Auflösungsbekanntmachung) versehen ist, wiesen die Li-
quidatoren auf den oberwähnten Auflösungs- und Liquidationsbeschluss sowie ih-
re in diesem Beschluss erfolgte Ernennung als Liquidatoren hin. Ebenfalls weist
diese Urkunde eine Einladung der Liquidatoren an die Gläubiger und Schuldner
der Beschwerdegegnerin zur Anmeldung ihrer Forderungen und Verpflichtungen
innert eines Monats ab Bekanntmachung auf (act. 24/11–12; act. 54/13).
2. Mit Eingabe vom 11. August 2020 stellte die Beschwerdegegnerin beim  des Bezirksgerichtes Zürich (nachfolgend: Vorinstanz) ein Gesuch um
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Anerkennung eines ausländischen Konkursdekretes gemäss Art. 166 ff. IPRG
(act. 3/2; act. 24/7; act. 54/9; ergänzt durch Eingabe vom 3. November 2020
[act. 54/12]; Verfahren EK201342). Die Vorinstanz schloss aus den Eingaben der
Beschwerdegegnerin, dass die vorstehend erwähnte Auflösungsbekanntmachung
vom tt. April 2020 einen Tag später bzw. am tt. April 2021 (dem tt.08.1441 nach
islamischer Zeitrechnung) vom saudi-arabischen Handelsministerium ("Ministry of
Commerce and Investment"; nachfolgend: "MOCI") veröffentlicht worden sei
(act. 54/5 E. III. 3.1. und IV. 1.3.). Mit Urteil vom 18. November 2020 (Verfahren
EK201342) wurde die angeblich vom "MOCI" veröffentlichte Auflösungs-
Bekanntmachung von der Vorinstanz in der Folge als ausländisches Konkursdek-
ret für das Gebiet der Schweiz anerkannt (act. 54/5 S. 9 f.). Am tt. November
2020 erfolgte die Publikation der Anerkennung des genannten Konkursdekrets
zusammen mit dem Schuldenruf im Schweizerischen Handelsamtsblatt und im
Amtsblatt des Kantons Zürich (act. 50 E. I. 1). Nachdem sich innert Eingabefrist
keine Gläubiger mit Wohnsitz in der Schweiz gemeldet hatten, wurde mit Urteil
vom 6. Januar 2021 (Verfahren EK201342) antragsgemäss auf die Durchführung
eines Hilfskonkursverfahrens verzichtet (act. 50 E. I. 1; act. 54/14 S. 2 f.).
3. 3.1. Am 18. Februar 2021 verlangte die Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) beim Konkursgericht des Bezirksgerichts Zü-
rich (nachfolgend: Vorinstanz) die Revision des vorgenannten Urteils vom
18. November 2020. Eventualiter stellte sie ein Wiedererwägungsgesuch im Sin-
ne von Art. 256 Abs. 2 ZPO (act. 1 S. 2 und S. 19). Am 26. Februar 2021 ordnete
das Konkursgericht antragsgemäss superprovisorisch den Aufschub der Voll-
streckbarkeit des Urteils vom 18. November 2020 an und wies die C._ AG
an, Guthaben und andere Vermögenswerte lautend auf die Beschwerdegegnerin
bis zur rechtskräftigen Erledigung des Verfahrens zu blockieren und nicht zu
schliessen. Zudem wies es das Betreibungsamt Zürich 1 an, in den Betreibungen
Nrn. 1 und 2, Arreste Nrn. 3 und 4 bis zur rechtskräftigen Erledigung des Verfah-
rens keine Verwertungs- und Verteilungshandlungen vorzunehmen (act. 11
S. 3 f.).
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3.2. Nach Durchführung des Verfahrens trat die Vorinstanz mit Verfügung vom
29. Juni 2021 auf das Revisionsgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein und
stellte fest, dass der am 26. Februar 2021 vorsorglich verfügte Aufschub der Voll-
streckbarkeit ihres Urteils vom 18. November 2020 dahinfalle. Zudem wurde fest-
gestellt, dass die Anweisungen in der Verfügung vom 26. Februar 2021 an die
C._ AG, ... [Adresse] sowie an das Betreibungsamt Zürich 1 dahinfielen
(act. 41 S. 11 f. Dispositiv-Ziff. 1–3 = act. 50 [Aktenexemplar] = act. 52; nachfol-
gend zitiert als act. 50). Das Wiedererwägungsgesuch behandelte die Vorinstanz
(anders als das Revisionsgesuch) ausschliesslich in den Erwägungen und kam
diesbezüglich zum Schluss, dass Art. 256 Abs. 2 ZPO, welcher die Wiedererwä-
gung für Anordnungen der freiwilligen Gerichtsbarkeit vorsieht, aufgrund des Vor-
liegens eines kontradiktorischen Verfahrens (Anerkennungs- und mögliches Be-
schwerdeverfahren als kontradiktorisches Ganzes) im vorliegenden Fall nicht an-
wendbar sei (act. 50 E. III. 3.). Der sich aus dieser Begründung sinngemäss erge-
bende Nichteintretensentscheid fand also keinen Eingang ins Dispositiv.
4. Am 2. Juli 2021 ersuchte die Beschwerdeführerin das Obergericht um Erlass vorsorglicher, einschliesslich superprovisorischer Massnahmen vor Einreichung
einer Beschwerde, welche darauf abzielen sollten, dass die Guthaben und Ver-
mögenswerte der Beschwerdegegnerin bei der C._ AG in Zürich weiterhin
blockiert bleiben. Dieses Gesuch wurde mit Urteil der Kammer vom 5. Juli 2021
abgewiesen (act. 6 S. 10 in Geschäfts-Nr. PS210119).
5. Am 8. Juli 2021 erhob die Beschwerdeführerin gegen die Verfügung des  vom 29. Juni 2021 Beschwerde bei der Kammer (act. 51), mit wel-
cher sie neben den oberwähnten Anträgen in der Hauptsache die oben aufgeführ-
ten Massnahmenbegehren stellte (S. 5 f. hiervor; act. 51 S. 2 f.). Mit Verfügung
vom 9. Juli 2021 wies die Kammer die C._ AG – unter Androhung der Be-
strafung ihrer verantwortlichen Organe nach Art. 292 StGB – superprovisorisch
an, Guthaben und andere Vermögenswerte lautend auf die B._ Ltd. (in Liqui-
dation), ... [Adresse] zu blockieren. Zudem wies die Kammer das Betreibungsamt
Zürich 1 (ebenfalls superprovisorisch) an, in den Betreibungen Nrn. 1 und 2, Ar-
reste Nrn. 3 und 4, bis zur rechtskräftigen Erledigung des Beschwerdeverfahrens
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keine Verwertungs- und Verteilungshandlungen vorzunehmen (act. 55 S. 8 Dis-
positiv-Ziff. 1 und 2). Der mit selber Verfügung einverlangte Kostenvorschuss von
Fr. 4'000.– wurde von der Beschwerdeführerin fristgerecht einbezahlt (act. 56/1;
act. 58). Die Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vom 21. Juli 2021 wie
auch die darin enthaltene Stellungnahme zu den Massnahmenbegehren ging in-
nert Frist ein (act. 56/2; act. 59). Die Beschwerdeantwort wurde der Beschwerde-
führerin mit Kurzbrief vom 24. August 2021 zur Kenntnis gebracht, woraufhin die-
se mit Eingabe vom 3. September 2021 unaufgefordert Stellung nahm (innerhalb
der zehntägigen Frist für die Wahrnehmung des Replikrechts gemäss bundesge-
richtlicher Praxis; vgl. act. 62; act. 65; act. 67/3). Diese Eingabe wurde der Be-
schwerdegegnerin mit Kurzbrief vom 6. September 2021 zur Kenntnisnahme zu-
gestellt, worauf diese mit Schriftsatz vom 14. September 2021 erneut Stellung
nahm (act. 69 und 70/5-7). Die vorinstanzlichen Akten (act. 1–48) wurden beige-
zogen. Das Verfahren erweist sich als spruchreif. Der Beschwerdeführerin ist in-
des mit dem vorliegenden Entscheid noch ein Doppel der Eingabe vom
14. September 2021 samt Beilagen zuzustellen.
II. Prozessuale Vorbemerkungen
1. Nach Eingang der Beschwerde prüft die Rechtsmittelinstanz von Amtes  das Vorliegen der Rechtsmittelvoraussetzungen. Die Beschwerde richtet sich
gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 29. Juni 2021, mit welcher die Vor-
instanz auf das Revisionsgesuch der Beschwerdeführerin nicht eintrat. Im Rah-
men dieser Beschwerde rügt die Beschwerdeführerin (unter anderem) auch die
vorinstanzlichen Ausführungen hinsichtlich ihres Wiedererwägungsgesuches als
unzutreffend (act. 51 N 80 ff.). Dass sich der Nichteintretensentscheid der Vor-
instanz hinsichtlich des Wiedererwägungsgesuchs lediglich sinngemäss aus den
Erwägungen ergibt (siehe hiervor E. I. 3.2.), darf der Beschwerdeführerin nicht
zum Nachteil gereichen. Ihre Rügen betreffend Art. 256 Abs. 2 ZPO sind daher
ohne Weiteres im Rahmen der gegen das Nichteintreten auf das Revisionsgesuch
erhobenen Beschwerde zu berücksichtigen, zumal, wie dies sogleich aufzuzeigen
sein wird, auch gegen einen formellen Entscheid hinsichtlich eines Wiedererwä-
gungsgesuchs die Beschwerde zur Verfügung gestanden wäre.
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2. Der Entscheid über ein Revisionsgesuch ist mit Beschwerde anfechtbar (Art. 332 ZPO). Die Rechtsmittelfrist richtet sich nach dem der Revision zugrunde-
liegenden Erkenntnisverfahren (BGer 5A_366/2016 vom 21. November 2016). Da
über ein Gesuch um Anerkennung eines ausländischen Konkursdekrets im sum-
marischen Verfahren zu entscheiden ist (Art. 251 lit. a ZPO; Art. 339 Abs. 2 ZPO),
beträgt diese 10 Tage (Art. 321 Abs. 2 ZPO). Ein Wiedererwägungsgesuch betrifft
die Frage, ob das dem Entscheid zugrundeliegende Verfahren nochmals zu eröff-
nen und zu ergänzen ist. Es finden auf das "Wiedererwägungsverfahren" daher
dieselben prozessualen Bestimmung Anwendung wie auf das Erkenntnisverfah-
ren, das der Wiedererwägung zugrunde lag. Das Wiedererwägungsgesuch der
Beschwerdeführerin betrifft die im summarischen Verfahren ergangene Anerken-
nung eines ausländischen Konkursdekretes, mithin also einen Entscheid, der vom
Konkurs- bzw. Vollstreckungsgericht ergangen ist. Insofern wäre auch gegen ei-
nen formellen Entscheid hinsichtlich des Wiedererwägungsgesuchs die innert ei-
ner Frist von 10 Tagen zu erhebende Beschwerde zur Verfügung gestanden
(Art. 319 lit. a bzw. lit. b Ziff. 7 (analog) i.V.m. Art. 309 lit. a ZPO; Art. 321 Abs. 2
ZPO).
3. Die Beschwerdeführerin ist durch den vorinstanzlichen Entscheid, mit dem auf ihr Revisionsgesuch nicht eingetreten wurde, beschwert. In diesem Zusammen-
hang ist festzuhalten, dass für ihr gegenüber der Beschwerdegegnerin zustehen-
de Forderungen (für welche bereits definitive Rechtsöffnung erteilt wurde) Vermö-
genswerte der Letzteren im Umfang von rund Fr. 4.4 Mio. bei der C._ AG
verarrestiert wurden und dieser Arrestbeschlag infolge Anerkennung des saudi-
schen "Konkursdekretes" gemäss Art. 170 Abs. 1 IPRG i.V.m. Art. 199 Abs. 1
SchKG wieder dahingefallen ist, weshalb die entsprechenden Vermögenswerte
den saudischen "Konkursverwaltern" nunmehr (ohne die von der Kammer im vor-
liegenden Verfahren superprovisorisch erlassene Verfügungssperre) auszuhändi-
gen wären (act. 1 Rz 12; act. 19; act. 54/7–8). Damit ist die Beschwerdeführerin
zur Beschwerde legitimiert. Sie erhob diese innert der zehntägigen Frist (act. 42;
act. 51). Die Beschwerde erfüllt sodann die formalen Anforderungen gemäss
Art. 321 Abs. 12 ZPO, indem sie Anträge und eine ausreichende Begründung
enthält. Dem Eintreten steht insoweit nichts entgegen.
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III. Zur Beschwerde im Einzelnen
1. 1.1. Die Vorinstanz trat auf das Revisionsgesuch nicht ein, weil die Beschwerde-
führerin mangels Erhebung einer Beschwerde im damaligen Verfahren auf ihre
Parteistellung im Anerkennungsverfahren verzichtet habe (act. 50 E. II. 2.). Im
Sinne einer Eventualbegründung prüfte sie das Gesuch in den Erwägungen aller-
dings auch in materieller Hinsicht und kam diesbezüglich zum Schluss, dass hin-
sichtlich des Vorbringens der Beschwerdeführerin, wonach die Beschwerdegeg-
nerin gar nicht in Konkurs gefallen sei, sondern sich in Wirklichkeit in einer freiwil-
ligen Liquidation befinde, auch kein Revisionsgrund vorgelegen hätte. Im Ergeb-
nis begründete die Vorinstanz dies damit, dass sie die von der Beschwerdeführe-
rin im Sinne von Art. 328 Abs. 1 lit. a ZPO als erheblich geltend gemachten un-
echten Noven im Anerkennungsverfahren (in Tat und Wahrheit) bereits gewürdigt
habe, weshalb bloss eine allfällige (nicht revisionsfähige) falsche Rechtsanwen-
dung vorliegen würde, die mittels Beschwerde hätte geltend gemacht werden
müssen. Die Vorinstanz erachtete sodann auch die Begründung der Beschwerde-
führerin, weshalb sie ihre Vorbringen nicht früher mit innert zehn Tagen ab Publi-
kation des Anerkennungsurteils zu erhebender Beschwerde hätte einbringen kön-
nen, als zu pauschal (zum Ganzen act. 50 E. III. 1. f.). Daneben prüfte die Vor-
instanz auch das gestützt auf Art. 256 Abs. 2 ZPO von der Beschwerdeführerin
geltend gemachte Wiedererwägungsgesuch und kam diesbezüglich zum oben in
E. I. 3.2. beschriebenen Ergebnis, wonach diese Bestimmung vorliegend nicht
anwendbar sei.
1.2. Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Beschwerde einerseits die vorinstanzli-
che Verneinung ihrer Legitimation als unzutreffend (act. 51 Rz 27 ff.). Anderer-
seits hält sie den geltend gemachten Revisionsgrund von Art. 328 Abs. 1 lit. a
ZPO wie auch ein Vorgehen gestützt auf Art. 256 Abs. 2 ZPO nach wie vor für zu-
lässig und rügt demgemäss die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen als
fehlerhaft (act. 51 Rz 37 ff. und Rz 80 ff.). Schliesslich bringt sie vor, dass das
Anerkennungsurteil in der Sache falsch und demgemäss zu revidieren sei (act. 51
Rz 83 ff.). Die Beschwerdegegnerin verneint die Revisions-Legitimation der Be-
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schwerdeführerin (act. 59 Rz 49 ff.) und ist der Ansicht, dass kein Revisions- oder
Wiedererwägungsgrund vorliege (act. 59 Rz 61 ff. und Rz 125 ff.). Zudem sei das
Anerkennungsurteil auch in der Sache richtig (act. 59 Rz 134 ff.).
2. 2.1. Das Verfahren betreffend Anerkennung eines ausländischen Konkursdekrets
darf gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung (wie vorliegend geschehen)
von den kantonalen Gerichten bis zum Erlass des erstinstanzlichen Entscheids
als unstreitiges Einparteienverfahren geführt werden, in welchem der Konkursit
selbst oder andere mögliche Einsprecher (zunächst) nicht angehört werden.
Durch die gemäss Art. 169 Abs. 1 IPRG zwingende Veröffentlichung des Aner-
kennungsentscheids werden sämtliche Interessierten über dessen Inhalt infor-
miert und können (sofern ihnen Parteistellung zukommt) in Übereinstimmung mit
dem gemäss Art. 167 Abs.1 IPRG sinngemäss anwendbaren Art. 29 IPRG innert
10 Tagen ab Publikationsdatum Beschwerde dagegen erheben (Art. 319 lit. a
bzw. lit. b Ziff. 7 [analog] i.V.m. Art. 309 lit. a ZPO; Art. 321 Abs. 2 ZPO). Partei-
stellung haben diejenigen Personen, welche durch den angefochtenen Entscheid
besonders berührt sind (zum Ganzen BGE 139 III 504 E. 3.2 f. = Pra 103 [2014]
Nr. 48). Die Beschwerdeführerin ist entsprechend vorstehend unter E. II. 3. Aus-
geführtem durch den Anerkennungsentscheid der Vorinstanz vom 18. November
2020 ohne weiteres besonders berührt, weshalb ihr seit dessen Ausfällung Par-
teistellung zugekommen ist bzw. (wie dies sogleich aufzuzeigen ist) immer noch
zukommt.
2.2. Wenn die Vorinstanz wie gesehen (E. III. 1.1) ausführt, dass auf diese Partei-
stellung mangels Beschwerdeerhebung verzichtet worden sei, dann kann ihr
diesbezüglich nicht gefolgt werden. Die besondere Betroffenheit als materielle Vo-
raussetzung der Parteistellung besteht unabhängig davon, ob eine Partei ein ihr
offen stehendes Rechtsmittel tatsächlich erhebt oder nicht. In einer (aus welchen
Gründen auch immer) unterlassenen Beschwerde kann daher kein Verzicht auf
die Einreichung eines anderweitigen, der Partei grundsätzlich offen stehenden
Rechtsmittels oder Rechtsbehelfs erblickt werden. Möglich wäre hingegen ein
freiwilliger (ausdrücklicher) Verzicht auf ein Rechtsmittel in voller Kenntnis des Ur-
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teils (BGE 143 III 157 E. 1.2.1). Hiervon ausgenommen soll gemäss Meinungen in
der Lehre jedoch gerade die Revision sein (KUKO ZPO-BRUNNER/TANNER, 3. Aufl.
2021, N 1 Art. 328; ZK ZPO-BLICKENSTORFER, 3. Aufl. 2016, Vor Art. 308–334
N 88). Ein solcher Verzicht (der hinsichtlich der Revision nach den erwähnten
Meinungen aber ohnehin nicht bindend wäre) liegt vorliegend offensichtlich nicht
vor. Demnach ist die Parteistellung bzw. Legitimation der Beschwerdeführerin be-
züglich des Revisionsgesuches zu bejahen. Ob die Vorinstanz dieses, wie von
der Beschwerdeführerin gerügt, nun aber auch inhaltlich hätte beurteilen müssen,
kann vorliegend offen bleiben, zumal (wie dies nachfolgend aufzuzeigen sein
wird) die Vorinstanz jedenfalls das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdefüh-
rerin hätte behandeln müssen.
3. 3.1. Art. 256 Abs. 2 ZPO bestimmt, dass eine Anordnung der freiwilligen Ge-
richtsbarkeit, die sich im Nachhinein als unrichtig erweist, von Amtes wegen oder
auf Antrag hin aufgehoben oder abgeändert werden kann, sofern das Gesetz oder
die Rechtssicherheit dem nicht entgegenstehen. Hierbei handelt es sich um einen
Ausnahmefall, bei welchem nicht bloss prozessleitende Verfügungen, sondern
auch ein Endentscheid in Wiedererwägung gezogen werden darf (vgl. OGer
PS160245 vom 24. Januar 2017, E. 3.4.). Die ZPO selbst enthält keine Definition
der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Es handelt sich bei diesen Angelegenheiten denn
auch um eine schwer fassbare Kategorie. Verwendet werden hierfür auch die Be-
zeichnungen "Nicht streitiges Verfahren" oder "Verfahren auf einseitiges Vorbrin-
gen" (KUKO ZPO-JENT-SØRENSEN, 3. Aufl. 2021, N 22 ff. Art. 248, mit einer Auflis-
tung verschiedener, in der Lehre vorgenommenen Definitionsversuche).
3.2. Unklar erscheint, ob auch die Anerkennung eines ausländischen Konkursdek-
retes gemäss Art. 166 ff. IPRG unter den (unscharfen) Begriff der freiwilligen Ge-
richtsbarkeit fällt. Die Kammer führte in einem relativ neuen Entscheid zu
Art. 166 ff. IPRG aus, das erstinstanzliche Anerkennungsverfahren sei (ähnlich
der freiwilligen Gerichtsbarkeit) als Einparteienverfahren ausgestaltet. Weitere
Überlegungen zur Frage, weshalb es sich dabei nur um ein der freiwilligen Ge-
richtsbarkeit "ähnliches" Verfahren bzw. nicht direkt um ein solches der freiwilligen
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Gerichtsbarkeit handeln soll, wurden dabei allerdings nicht angestellt (OGer ZH
PS180130 vom 3. Oktober 2018, E. III. 2. f.). In BGE 142 III 110 E. 3.3, wo es um
die strittige Frage der Entrichtung einer Parteientschädigung für das zweitinstanz-
liche Anerkennungs-Verfahren gemäss Art. 166 ff. IPRG ging, bezeichnete das
Bundesgericht das Verfahren vor Obergericht, in welchem dem Beschwerdeführer
bloss das Kantonsgericht als Vorinstanz gegenübergestanden sei, als der freiwil-
ligen Gerichtsbarkeit "nahe stehend". Bezüglich des erstinstanzlichen Verfahrens
nahm es jedoch, anders als von der Beschwerdegegnerin sinngemäss behauptet
(act. 59 Rz 125), gerade keine Verfahrens-Qualifikation vor ("Das Verfahren auf
Anerkennung des ausländischen Konkursdekrets gemäss Art. 166 ff. IPRG ist vor
dem Kantonsgericht als nichtstreitiges Einparteienverfahren durchgeführt worden.
Diese Ausgangslage ist unbestritten. Deshalb erübrigt sich eine vertiefte Ausei-
nandersetzung mit der Rechtsnatur und konkreten Ausgestaltung des Verfahrens
auf Anerkennung eines ausländischen Konkursdekrets [...]."). Schlussendlich ist
die Frage, ob es sich bei der Anerkennung eines ausländischen Konkursdekretes
um einen direkten Anwendungsfall der freiwilligen Gerichtsbarkeit oder "bloss" um
eine dieser (ohnehin nicht klar definierten) Kategorie nahestehende bzw. ähnliche
Angelegenheit handelt, aber nicht entscheidend. Massgeblich für die (wenigstens
analoge) Anwendung von Art. 256 Abs. 2 ZPO ist, dass es sich vorliegend bis zur
Entscheidfällung durch die erste Instanz um ein nichtstreitiges Einparteienverfah-
ren gehandelt hat (vgl. ZK ZPO-KLINGLER, 3. Aufl. 2016, N 7 Art. 256: die Recht-
fertigung dieser Regelung liegt darin, dass dem Entscheid kein Zweiparteienver-
fahren vorausgegangen ist).
3.3. Der Anspruch auf Wahrung des rechtlichen Gehörs ist auch im Verfahren
nach Art. 166 IPRG zu berücksichtigen. Art. 29 Abs. 2 IPRG, der hier gemäss
Art. 167 Abs. 1 IPRG sinngemäss anwendbar ist, besagt, dass im Anerkennungs-
und Vollstreckungsverfahren diejenige Partei, welche sich dem Begehren wider-
setzt, anzuhören ist und ihre Beweismittel geltend machen kann. Im Verfahren be-
treffend Anerkennung eines ausländischen Konkursdekrets wird dieser Gehörs-
anspruch grundsätzlich dadurch gewahrt, dass die vom Anerkennungsentscheid
besonders berührten Personen dagegen innert zehn Tagen ab Publikationsdatum
Beschwerde erheben können (siehe dazu oben E. III. 2.1.). Die in diesem Sinn
- 15 -
nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rechtsmittelverfahren ist für
Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit insoweit nicht untypisch, als re-
gelmässig auch Personen von solchen Anordnungen betroffen sind, die am erst-
instanzlichen Verfahren nicht teilnahmen, aber zur Erhebung eines Rechtsmittels
legitimiert sind, beispielswiese Miterben eines Erben, der Sicherungsmassregeln
nach Art. 551 ff. ZGB verlangte. Vergleichbar damit ist ferner die Möglichkeit der
Einsprache gegen gerichtliche Verbote nach Art. 258-260 ZPO.
3.4. Das Institut der Wiedererwägung soll grundsätzlich nicht dazu dienen, die
Fristen zur Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen und entsprechende Ver-
säumnisse zu korrigieren (vgl. BGer 5A_524/2007 vom 7. April 2008, E. 4.2 mit
Hinweisen). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung zu Art. 256 Abs. 2 ZPO
sollen die erwähnten fristgebundenen Rechtsmittel bzw. Rechtsbehelfe aber
nichts an der aus der Bestimmung hervorgehenden erleichterten Möglichkeit än-
dern, entsprechende Entscheide ohne Einhaltung einer bestimmten Frist berichti-
gen zu lassen. Im Grundsatz soll dabei auch nicht entscheidend sein, ob der gel-
tend gemachte Fehler ein anfänglicher war, der bereits mit dem ordentlichen
Rechtsmittel hätte gerügt werden können (vgl. BGer 5A_570/2017 vom
27. August 2018, E. 5.3; übersetzt in successio 2020 S. 183 ff., S. 184). Das Ge-
sagte gilt nach diesem Entscheid also selbst dann, wenn der Entscheid der ent-
sprechenden Person effektiv zugestellt worden ist und sie damit nachweislich
Kenntnis davon erhielt. Es muss verstärkt gelten, wenn der Entscheid der Person
nicht zugestellt wurde, sondern die Mitteilung lediglich in Form einer Publikation
erfolgte und ihre Kenntnisnahme (und damit die Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs) fingiert wird (ohne dass der Person gegenüber etwa die Voraussetzungen
für eine Publikation eines Entscheids nach Art. 141 ZPO vorgelegen wären; vgl.
für die Wiedererwägung eines im Amtsblatt publizierten allgemeinen Verbots auf
Gesuch eines davon Betroffenen OGer ZH NP150012 vom 20. Juli 2015, E. II. 1).
3.5. Das Interesse an einer materiell richtigen Entscheidung ist im Einzelfall ge-
gen das Interesse an der Rechtssicherheit abzuwägen; das Gericht hat dabei
auch dem Grundsatz des Vertrauensschutzes Achtung zu tragen (SHK ZPO-
RUBIN, N 6 Art. 256; vgl. dazu unten E. III. 5.). Rechtssicherheit und Vertrauens-
- 16 -
schutz haben ein beträchtliches Gewicht; die Wiedererwägung hat vor diesem
Hintergrund Ausnahmecharakter (vgl. RUBIN, a.a.O.). Damit wird das erwähnte
Problem der Umgehung der Rechtsmittelfristen weitgehend entschärft.
3.6. Entgegen der Vorinstanz ist der Anerkennungsentscheid somit einer Wieder-
erwägung nach Art. 256 Abs. 2 ZPO zugänglich. Da die Sache spruchreif ist, ist
von einer Rückweisung an die Vorinstanz abzusehen (Art. 327 Abs. 3 lit. b ZPO).
4. 4.1. Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich die vorinstanzliche Anerkennung im Sinne
von Art. 256 Abs. 2 ZPO als unrichtig erwiesen hat. Die Beschwerdeführerin ist
der Ansicht, dass die Beschwerdegegnerin gar nicht in Konkurs gefallen sei, son-
dern sich in Wirklichkeit in einer freiwilligen Liquidation befinde, die nicht einem
Konkurs entspreche und mit einem solchen nichts zu tun habe (act. 1 Rz 16 ff.,
insb. Rz 27; act. 51 Rz 37 ff.). Sie reichte hierzu unter anderem ein Privatgutach-
ten zum einschlägigen saudi-arabischen Recht ein (act. 3/2). Das saudi-arabische
Handelsministerium ("Ministry of Commerce") bietet auf seiner Webseite eng-
lischsprachige Übersetzungen der vorliegend massgebenden Gesetztestexte an
(einsehbar unter: "https://mci.gov.sa/en/Regulations/Pages/default.aspx"). Auf
diese (für das Gericht ausreichend verständlichen) Quellen kann in Anwendung
von Art. 16 Abs. 1 IPRG (Rechtsanwendung des ausländischen Rechtes von Am-
tes wegen) direkt zurückgegriffen werden, sodass die beweisrechtliche Auswer-
tung der sowohl von der Beschwerdeführerin als auch der Beschwerdegegnerin
eingereichten Privatgutachten zum saudi-arabischen Recht (act. 3/2; act. 24/6;
act. 31/1) entfällt. Soweit dennoch auf act. 3/2 verwiesen wird, betreffen die dies-
bezüglichen Verweisungen nicht das Gutachten selbst, sondern bloss die hierzu
eingereichten Beilagen.
4.2. Die Beschwerdegegnerin rügt, die Beschwerdeführerin habe sowohl vor der
Vorinstanz als auch im Beschwerdeverfahren unzulässige Noven vorgebracht
(act. 59 S. 13 ff.). Richtig ist, dass im Beschwerdeverfahren Noven nach Art. 326
ZPO ausgeschlossen sind. Gemeint sind damit neue Tatsachenbehauptungen
und Beweismittel. Neue rechtliche Argumente, insb. zur Würdigung von bereits im
- 17 -
Anerkennungsverfahren vorgelegten Urkunden, sind dagegen unbeschränkt zu-
lässig.
4.3. Für die Anerkennung ist unter anderem erforderlich, dass es sich beim be-
treffenden ausländischen Entscheid um ein Konkursdekret nach schweizerischem
Rechtsverständnis (lex fori) handelt (Art. 166 Abs. 1 IPRG). Der Konkurs stellt ein
staatliches Verfahren dar, in dem das Vermögen eines überschuldeten bzw. zah-
lungsunfähigen oder -unwilligen Schuldners unter all seinen Gläubigern verteilt
wird. Es muss sich um eine von der zuständigen ausländischen Behörde ange-
ordnete Zwangsabwicklung handeln, welche minimale konkurstypische Wirkun-
gen entfaltet, d.h. die Einschränkung der Verfügungsbefugnis des Gemeinschuld-
ners über seine Vermögenswerte mit anschliessender Zwangsliquidation dersel-
ben zugunsten aller Gläubiger bewirkt (vgl. zum Ganzen BSK IPRG-
BERTI/MABILLARD, 4. Aufl., Basel 2021, Art. 166 N 14, sowie STAEHELIN DANIEL, Die
Anerkennung ausländischer Konkurse und Nachlassverträge in der Schweiz
[Art. 166 ff. IPRG], Basel und Frankfurt am Main 1989, S. 25 f.). Eine von den Ge-
sellschaftern selbst beschlossene Liquidation stellt zwar kein Konkursdekret im
hier verstandenen Sinne dar. Wird ein solcher Liquidationsbeschluss aber sodann
von der zuständigen Behörde formell bestätigt, kann darin (unter Umständen) ein
anerkennungsfähiges Konkursdekret gesehen werden. Ein solches Dekret kann
auch bei der blossen behördlichen Bestellung von Liquidatoren vorliegen, da hier-
durch der Auflösungsbeschluss der Gesellschafter ebenfalls (wenigstens implizit)
mittels hoheitlichen Akts bestätigt wird (vgl. auch STAEHELIN, a.a.O., S. 25, wo-
nach im Falle einer von Gesetzes wegen eingetretenen Konkurseröffnung die be-
hördliche Einsetzung von Liquidatoren als anerkennungsfähiges [die Konkurser-
öffnung implizit bestätigendes] Dekret genüge).
4.4.
4.4.1. Bei der Beschwerdegegnerin handelt es sich um eine saudi-arabische Ge-
sellschaft mit beschränkter Haftung ("Limited Liability Company") mit Hauptsitz in
D._, Saudi-Arabien, sowie zwei Zweigniederlassungen mit Sitzen in D._
bzw. E._, Saudi-Arabien (act. 3/2; act. 54/13). Die von der Beschwerdeführe-
rin gegenüber der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Forderungen schei-
- 18 -
nen sich zwar gegen deren Zweigniederlassung in E._ zu richten (act. 54/7–
8 Rubren). Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei aber um ein und dieselbe Ge-
sellschaft, welche sich als Gesamtes in einem saudi-arabischen Liquidationsver-
fahren befindet (vgl. act. 3/2; die Beschwerdegegnerin macht nichts Abweichen-
des geltend). Die gesellschaftsrechtlichen Bestimmungen der "Limited Liability
Company" finden sich in den Art. 151 ff. des saudi-arabischen Gesellschaftsrechts
("Companies Law"; nachfolgend: SACL). Der Auflösungs- und Liquidationsbe-
schluss vom 19. Januar 2020 wurde von den Gesellschaftern der Beschwerde-
gegnerin gestützt auf Art. 181 SACL gefällt (act. 1 Rz 20 ff.; act. 3/2; act. 23
Rz 74; act. 24/7; act. 24/10; act. 54/9; act. 54/12–13). Hierbei handelt es sich um
einen speziell für die "Limited Liability Company" vorgesehenen Auflösungsgrund.
Solche werden in der allgemeinen Auflösungsbestimmung von Art. 16 SACL vor-
behalten. Art. 181 SACL lautet in der englischsprachigen Fassung des Handels-
ministeriums folgendermassen:
" 1. If the losses of a limited liability company amount to half its capital, the com-
pany’s directors shall record such incident in the commercial register and
call the partners for a meeting within 90 days from the date of being aware of
such losses to consider the continuation or dissolution of the company.
2. The partners' decision to continue or dissolve the company shall be pub-
lished in the manner prescribed in Article 158 of the Law.
3. The company shall be deemed terminated by the force of law if the compa-
ny’s directors fail to call partners for a meeting or if the partners fail to issue
a decision relating to the company’s continuation or dissolution."
Demgemäss handelt es sich beim von den Gesellschaftern gefassten Auflösungs-
und Liquidationsbeschluss, wie bereits von der Vorinstanz zutreffend festgehalten
(act. 54/5 E. IV. 1.2.; act. 50 E. III. 1.3.1.), um einen freiwilligen. Die Gesellschaf-
ter hätten auch den Fortbestand der Beschwerdegegnerin beschliessen können.
Eine Auflösung von Gesetzes wegen tritt nur in den vorliegend nicht einschlägi-
gen Fällen von Abs. 3 ein.
- 19 -
4.4.2. Neben dem "Company Law" enthält auch das saudi-arabische "Insolvency
Law" Auflösungs- bzw. Liquidationsbestimmungen (vgl. dazu auch die Vorbringen
der Beschwerdeführerin, act. 51 S. 18 f.). Der Anwendungsbereich des "Insol-
vency Law" (nachfolgend: SAIL) wird von dessen Art. 4 in der englischsprachigen
Fassung folgendermassen umschrieben.
"The provisions of this Law shall apply to:
(a) a natural Person practicing a Commercial Activity or a Professional Activity or
any activity with an aim to generate profits in the Kingdom;
(b) commercial, professional and civil companies, Regulated Entities as well as
other entities or establishment with an aim to realize profits, registered in the
Kingdom;
(c) non-Saudi investors, whether natural or juristic Persons, holding assets or
practicing a Commercial Activity or a Professional Activity or any activity with
an aim to generate profits through a licensed entity in the Kingdom. The Law
shall only apply to the investor Assets located in the Kingdom."
Bei der Beschwerdegegnerin handelt es sich um eine unter lit. b der vorstehenden
Bestimmung fallende Gesellschaft, was sich bereits aus deren Namen "B._
Ltd." ergibt. Art. 7 SAIL besagt sodann (in Abgrenzung zur von der Beschwerde-
gegnerin eingeleiteten Liquidation gemäss Art. 181 SACL und weiteren aus-
serhalb des "Insolvency Law" abgewickelten Liquidationen) Folgendes:
"1. Subject to Article (4) hereof, no person shall be liquidated under any other
law unless the Assets of the Debtor are sufficient to cover all its Debts and
that such Person is not distressed.
2. If the Debtor undergoes a voluntary dissolution in violation of the provisions
of Paragraph (1) of this Article, the members of Debtor’s board of directors
or the members of its board of managers, and the like, shall be jointly liable
for any outstanding Debts of the Debtor.
- 20 -
3. It is prohibited to include the Debtor’s voluntary liquidation item on the agen-
da of the general assembly or the shareholders’ assembly in violation of
Paragraph (1) of this Article.
4. The Regulations shall specify the provisions necessary for the implementa-
tion of this Article."
In Art. 3 der in Abs. 4 erwähnten "Regulations" (eine Art Ausführungsbestimmun-
gen zum "Insolvency Law") wird schliesslich ergänzend Folgendes festgeschrie-
ben:
"Members of the debtor’s board of directors or board of managers, or his manag-
ers, or the like shall, prior to including voluntary liquidation on the agenda of the
shareholders or partners assembly to be voted on, submit the following to the Min-
istry or the Capital Market Authority, as the case may be:
a) A report prepared by the auditor, accompanied with an updated budget, con-
firming that the debtor's assets are sufficient to satisfy all his debts at the end
of the proposed voluntary liquidation period, provided that said report is sub-
mitted within a period not exceeding 14 days from the preparation date.
b) A written declaration therefrom stating that the debtor has not defaulted in the
payment of his debts."
Es ist nach dem massgeblichen saudi-arabischen Recht also (wie die Beschwer-
deführerin richtig geltend macht, act. 1 S. 11 f.; act. 51 S. 18) nur dann erlaubt,
gestützt auf ein anderes Gesetz als das "Insolvency Law" eine Gesellschaft zu li-
quidieren, wenn die Vermögenswerte derselben noch ausreichen, um sämtliche
Gläubigerforderungen zu tilgen, und sofern sich die zu liquidierende Gesellschaft
nicht in einer (finanziellen) Notlage befindet. Wird gegen die entsprechende Vor-
schrift verstossen, so zieht dies eine Verantwortlichkeit der Gesellschaftsorgane
für die ausstehenden Schulden der Gesellschaft nach sich. In diesem Zusam-
menhang ist auch zu erwähnen, dass im Falle des in Art. 181 SACL erwähnten
hälftigen Kapitalverlustes noch immer genügend Mittel zur Tilgung sämtlicher
Gläubigerforderungen zur Verfügung stehen. Eine Überschuldung liegt hingegen
erst dann vor, wenn die Aktiven das Fremdkapital nicht mehr zu decken vermö-
- 21 -
gen. Mit der zweiten Voraussetzung der fehlenden (finanziellen) Notlage dürfte
die Zahlungsfähigkeit angesprochen sein (vgl. dazu den oberwähnten Art. 3 lit. b
der "Regulations"), an der es im Einzelfall selbst im Falle einer noch vorhandenen
Deckung des Fremdkapitals durch die Aktiven mangeln kann, was insbesondere
dann der Fall ist, wenn die Aktiven nicht zeitnah verwertet bzw. verflüssigt werden
können, und infolgedessen ein Liquiditätsengpass entsteht.
4.4.3. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin
noch über genügend Aktiven verfügt, um sämtliche Gläubigerforderungen zu til-
gen, und sich auch nicht in einer (finanziellen) Notlage im Sinne einer (zumindest
vorübergehenden) Zahlungsunfähigkeit befindet, denn ansonsten wäre es ihr ge-
setzlich untersagt gewesen, den entsprechenden Auflösungs- und Liquidations-
beschluss gestützt auf Art. 181 SACL überhaupt zu fällen. Als Auflösungs- und
Liquidationsgrund wurde im Beschluss vom 19. Januar 2020 von den Gesell-
schaftern denn auch nicht eine Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit, sondern
(in Übereinstimmung mit der Regelung von Art. 181 SACL) ein überhälftiger Kapi-
talverlust angegeben (act. 3/2; act. 24/8; act. 54/11). Mangels Vorliegens einer
Überschuldungssituation oder eines Falles von Zahlungsunfähigkeit fehlt es damit
bereits an einer Grundvoraussetzung für die Annahme eines Konkurses nach
schweizerischem Rechtsverständnis. Jedenfalls hätte es der Beschwerdegegne-
rin oblegen, das Vorliegen dieser Voraussetzungen substantiiert darzulegen. An-
dernfalls darf, bei Einleitung eines nach saudi-arabischem Recht im Insolvenzfall
untersagten freiwilligen Liquidationsverfahrens, ohne weiteres davon ausgegan-
gen werden, dass eben gerade kein Fall eines Konkurses im Sinne der vorste-
henden E. III. 4.2 vorliegt.
4.5. Im Weiteren fehlt es, wie dies nachfolgend aufzuzeigen sein wird, auch an ei-
nem anerkennungsfähigen Dekret im Sinne von Art. 166 IPRG. Die Beschwerde-
führerin bestreitet, dass die von der Vorinstanz als "Konkursdekret" anerkannte
Auflösungsbekanntmachung vom tt. April 2020 (inklusive des darin enthaltenen
Schuldenrufs) vom "MOCI" tatsächlich veröffentlicht worden sei, wie dies von der
Vorinstanz in ihrem Entscheid allerdings angenommen wurde. Effektiv publiziert
worden sei vom "MOCI", so die Beschwerdeführerin, bloss der Auflösungs- und
- 22 -
Liquidationsbeschluss vom 19. Januar 2020 (act. 1 Rz 24; act. 51 Rz 50 ff.). Die
Beschwerdeführerin reichte hierzu zusammen mit ihrem Revisions- und Wieder-
erwägungsgesuch vom 18. Februar 2021 einen entsprechenden arabischsprachi-
gen Auszug von der Webseite des "MOCI" inklusive englischer Übersetzung ei-
nes in Genf ansässigen "traducteur-juré" ein (act. 3/2). Daraus ergibt sich, dass
zumindest der besagte Beschluss auf der Webseite des "MOCI" publiziert wurde.
Für die Frage des Vorliegens eines anerkennungsfähigen Dekretes spielt es je-
doch keine Rolle, ob zudem auch die erwähnte Bekanntmachung vom "MOCI"
publiziert wurde oder ob diesbezüglich bloss eine fehlerhafte Schlussfolgerung
der Vorinstanz vorlag. Was zunächst den publizierten Beschluss vom 19. Januar
2020 betrifft (act. 3/2; act. 24/8; act. 54/11), handelt es sich hierbei bloss um eine
Publikation des von den Gesellschaftern Beschlossenen und demnach um keinen
behördlichen Akt im Sinne eines Dekretes. Hinsichtlich der Auflösungsbekannt-
machung vom tt. April 2020 (act. 24/11–12; act. 54/13) verhält es sich nicht an-
ders. Die Liquidatoren weisen darin auf den Auflösungs- und Liquidationsbe-
schluss vom 19. Januar 2020 sowie ihre in diesem Beschluss erfolgte Ernennung
als Liquidatoren hin. Zudem weist diese Urkunde eine Einladung der Liquidatoren
an die Gläubiger und Schuldner der Beschwerdegegnerin zur Anmeldung ihrer
Forderungen und Verpflichtungen innert eines Monats ab Bekanntmachung auf.
Es handelt sich dabei also bloss um eine Bekanntmachung von Mitteilungen und
Ankündigungen der privatrechtlich bestimmten Liquidatoren. Ein behördlicher Akt
kann darin nicht erblickt werden, auch nicht im Sinne einer blossen formellen Be-
stätigung des Auflösungsbeschlusses der Gesellschafter. Es liegt daher auch kein
Dekret in Form eines solchen Bestätigungsentscheids vor (vgl. E. III. 4.2.).
Die Hinweise der Beschwerdegegnerin, wonach das Konkursgericht im Anerken-
nungsurteil zu Recht zum Schluss gekommen sei, es liege ein Konkursdekret vor,
führen zu keinem anderen Schluss; die Beschwerdegegnerin weist einzig auf die
erwähnte Publikation des Gesellschafterbeschlusses hin sowie auf dessen Wür-
digung als "Dekret" durch das Konkursgericht. Inwiefern neben dem Beschluss
der Gesellschafter auch ein wie auch immer geartetes behördliches Dekret
erging, vermag sie nicht zu verdeutlichen (vgl. act. 59 S. 43 ff.). Ohne ein solches
behördliches Dekret würde die Anerkennung als Konkurs nach Art. 166 ff. IPRG
- 23 -
dazu führen, dass eine rein privatrechtliche Liquidation auf dem Weg der Aner-
kennung zu einer hoheitlichen würde. Das geht nicht an.
4.6. Bei dieser Ausgangslage erweist sich das in Saudi-Arabien gestützt auf
Art. 181 SACL eingeleitete Liquidationsverfahren bereits mangels Vorliegens ei-
nes auf einer Insolvenzsituation beruhenden Dekretes als nicht anerkennungsfä-
hig im Sinne von Art. 166 ff. IPRG. Ob minimale "konkurstypische" Wirkungen (im
Sinne einer Einschränkung der Verfügungsbefugnis der Beschwerdegegnerin
über ihr Vermögen mit anschliessender [gleichmässiger bzw. wenigstens grup-
penmässiger] Aufteilung desselben unter den Gläubigern) zu bejahen gewesen
wären, braucht deshalb nicht beantwortet zu werden. Entsprechend spielt es auch
keine Rolle, ob der erwähnte Schuldenruf tatsächlich publiziert wurde. Zu prüfen
bleibt allerdings, ob der Grundsatz der Rechtssicherheit einer Abänderung der vo-
rinstanzlichen Anerkennung entgegensteht bzw. ob eine Abwägung der einzelnen
gegensätzlichen Interessen zugunsten der Rechtsbeständigkeit des betreffenden
Entscheides ausfällt.
5. 5.1. Die Beschwerdeführerin erfuhr unbestrittenermassen erst durch ein Schrei-
ben des Betreibungsamtes Zürich 1 vom 1. Februar 2021 von der am tt. Novem-
ber 2020 publizierten Anerkennung (act. 1 Rz 53; act. 3/5; act. 23 passim). Rund
zweieinhalb Wochen später reichte sie sodann (nach Einholung eines Parteigut-
achtens zum einschlägigen saudi-arabischen Recht vom 16. Februar 2021) mit
Eingabe vom 18. Februar 2021 ihr Revisions- und Wiedererwägungsgesuch ein
(act. 1). Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, die Beschwerdeführerin hätte
aufgrund der Tatsache, dass deren ihr gegenüber geltend gemachten Forderun-
gen bereits Gegenstand eines Rechtsöffnungs- sowie Arrestverfahrens gewesen
seien, mit der konkreten Möglichkeit eines Konkurses rechnen müssen. Es hätte
von einer anwaltlich vertretenen Partei, welche zudem selbst eine Anwaltskanzlei
sei, (in einem solchen Fall) erwartet werden können, dass sie Vorkehrungen tref-
fe, um über einen allfälligen Konkurs der Beschwerdegegnerin informiert zu sein
(act. 23 Rz 31 ff.; act. 59 Rz 92 ff.).
- 24 -
Die Beschwerdeführerin hätte sich zwar mittels Abschlusses eines kostenlosen E-
Mail-Suchabonnements auf der Webseite des Schweizerischen Handelsamts-
blatts (SHAB) täglich über die in der Schweiz allenfalls neu anerkannten ausländi-
schen Konkursdekrete automatisch informieren lassen können (Abonnieren der
Rubrik "Konkurse" sowie der Unterrubrik "Anerkennung eines ausländischen Kon-
kurses [Art. 166 ff. IPRG]"). Dies dürfte lediglich ein paar E-Mail-Meldungen pro
Monat (im überschaubaren) Rahmen nach sich gezogen haben. Alternativ hätte
die Beschwerdeführerin auch alle zwei bis drei Tage im SHAB unter Eingabe des
Firmennamens der Beschwerdegegnerin nach neuen Einträgen suchen können.
Dies oder jenes hätte von ihr vor dem Hintergrund der betreffenden Arrest- und
Rechtsöffnungsverfahren (jedenfalls als von schweizerischen Anwälten vertrete-
ner Partei) erwartet werden können, zumal selbst ein manueller (regelmässiger)
Suchvorgang im SHAB kaum Zeit in Anspruch nimmt. Diese Nachlässigkeit reicht
für sich allein betrachtet nicht aus, um eine Wiedererwägung auszuschliessen,
doch sie ist bei der nachfolgend anzustellenden Interessenabwägung zu berück-
sichtigen.
5.2. Auf den entsprechenden Schuldenruf im SHAB hin meldeten sich innert Ein-
gabefrist keine Gläubiger mit Wohnsitz in der Schweiz (siehe oben E. I. 2.). Ent-
sprechend würde die Aufhebung der vorinstanzlichen Anerkennung keine schwei-
zerischen Gläubigerinteressen tangieren, da solche Gläubiger mutmasslich gar
nicht vorhanden sind. Zudem stellt in einem Fall wie hier, in welchem gar keine
Insolvenzsituation vorliegt, die Aufhebung einer gestützt auf Art. 166 ff. IPRG er-
folgten Anerkennung auch keinen Eingriff in schutzwürdige Interessen der nicht
schweizerischen Gläubiger der Beschwerdegegnerin dar, zumal wie gesehen an-
zunehmen ist, dass noch genügend Mittel vorhanden sind, um im Rahmen des
gemäss Art. 181 SACL in Saudi-Arabien eingeleiteten (privatrechtlichen) Liquida-
tionsverfahrens sämtliche Gläubigerforderungen zu tilgen. Da der Auflösungs-
und Liquidationsbeschluss in Saudi-Arabien vom "MOCI" publiziert wurde und der
Ausgang des hiesigen Verfahrens am Fortgang des saudischen Liquidationsver-
fahrens nichts zu ändern vermag, wären trotz Aufhebung der vorinstanzlichen
Anerkennung auch die Interessen allfälliger Drittpersonen wie z.B. potentieller
bzw. künftiger Vertragspartner der Beschwerdegegnerin immer noch ausreichend
- 25 -
gewahrt. Es reicht mit anderen Worten aus, dass diese aufgrund der Publikation
des "MOCI" Kenntnis vom Hauptverfahren in Saudi-Arabien erlangen und sodann
gestützt darauf entscheiden können, ob sie mit der sich in Liquidation befinden-
den Beschwerdegegnerin dennoch Geschäfte abschliessen wollen.
5.3. Zu prüfen bleibt, wie es sich mit dem Interesse der Beschwerdegegnerin
selbst bzw. deren Liquidatoren an der Aufrechterhaltung der Anerkennung verhält.
Aufgrund des im hiesigen Konkursrecht geltenden Territorialitätsprinzips dürfen
ausländische Konkursverwalter auf schweizerischem Hoheitsgebiet nur die in
Art. 166 ff. IPRG aufgeführten Rechtshandlungen vornehmen (zu diesem Prinzip
BGer 5A_731/2019, 5A_732/2019 vom 30. März 2021, E. 3.2 [zur Publikation
vorgesehen]; BGE 141 III 222 E. 5). Dazu zählt neuerdings immerhin auch die
ihnen im Falle eines (bei gegebenen Voraussetzungen zulässigen) Verzichts auf
Durchführung des Hilfskonkursverfahrens gemäss Art. 174a Abs. 4 IPRG zu-
stehende Befugnis, Vermögenswerte des Gemeinschuldners selbst ins Ausland
zu verbringen. Liegt nun aber nach schweizerischem Rechtsverständnis (wie im
vorliegenden Fall) gar kein ausländisches Konkursdekret vor, so treten die Liqui-
datoren einer Gesellschaft nicht als Vertreter einer fremden Staatsgewalt auf. Sie
können dann in der Schweiz wie jedes andere Privatrechtssubjekt ihre Rechte
geltend machen, ohne dabei in die hiesige Hoheitsgewalt einzugreifen. Die Be-
schwerdegegnerin und deren Liquidatoren weisen deshalb kein schutzwürdiges
Interesse an einer Aufrechterhaltung der Anerkennung des "Konkursdekretes"
auf. Zum Vornherein kein schutzwürdiges Interesse läge sodann (sofern die Be-
schwerdegegnerin dies, wie von der Beschwerdeführerin behauptet, tatsächlich
beabsichtigt haben sollte) darin begründet, mittels Anerkennung eines "Schein-
konkurses" einen Arrestbeschlag auf in der Schweiz belegenen Vermögenswer-
ten zu umgehen (zu den entsprechenden Behauptungen der Beschwerdeführerin
und den diesbezüglichen Bestreitungen der Beschwerdegegnerin siehe z.B. act. 1
Rz 37 ff. und act. 23 Rz 94 ff.).
5.4. Damit sind keinerlei schutzwürdige Interessen an der Rechtsbeständigkeit
des vorinstanzlichen Anerkennungsentscheids auszumachen. Das Interesse der
Beschwerdeführerin die fehlerhafte Anerkennung aufzuheben, um die zur Siche-
- 26 -
rung ihrer Forderungen gelegten Arreste aufrecht zu erhalten, erweist sich bei
dieser Ausgangslage im Vergleich mit dem gegensätzlichen Interesse der Be-
schwerdegegnerin und mit dem Interesse an der Rechtssicherheit ausnahmswei-
se ohne weiteres als höherwertig. Daran vermag auch der Umstand nichts zu än-
dern, dass sich die Beschwerdeführerin hinsichtlich der Konsultation des SHAB
nachlässig verhalten hat, zumal dem Interesse der Beschwerdegegnerin an der
Rechtsbeständigkeit der Anerkennung keinerlei schutzwürdiger Charakter zu-
kommt, da keine Insolvenzsituation vorliegt. Ebenso verhält es sich hinsichtlich
der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin ihr Revisions- und Wiedererwä-
gungsgesuch "erst" rund zweieinhalb Wochen, nachdem sie von der vorinstanzli-
chen Anerkennung Kenntnis erlangt hatte, einreichte. Demgemäss spricht auch
der in Art. 256 Abs. 2 ZPO aufgeführte Grundsatz der Rechtssicherheit nicht ge-
gen eine Aufhebung des vorinstanzlichen Anerkennungsentscheides. Auch be-
stehen keine gesetzlichen Hindernisse im Sinne von Art. 256 Abs. 2 ZPO.
6. 6.1. Zusammenfassend sind sämtliche Voraussetzungen für eine zumindest ana-
loge Anwendung von Art. 256 Abs. 2 ZPO erfüllt. Der vorinstanzliche Anerken-
nungsentscheid, der in einem nichtstreitigen Einparteienverfahren erging, hat sich
als unrichtig erwiesen. Der Grundsatz der Rechtssicherheit steht der Aufhebung
dieses Entscheides sodann nicht entgegen. In Gutheissung der Beschwerde sind
deshalb folgende Anordnungen zu treffen: Zunächst ist die dieser Beschwerde
unmittelbar vorangegangene Nichteintretens-Verfügung der Vorinstanz vom
29. Juni 2021 (BR210001) aufzuheben. Sodann sind auch die das Anerken-
nungsverfahren betreffenden Urteile der Vorinstanz vom 18. November 2020 und
6. Januar 2021 (EK201342) aufzuheben. Schliesslich ist das Gesuch der Be-
schwerdegegnerin vom 11. August 2020 um Anerkennung eines ausländischen
Konkursdekretes abzuweisen bzw. es ist der (angeblich) vom saudi-arabischen
Handelsministerium ("Ministry of Commerce and Investment", "MOCI") am tt. April
2020 veröffentlichten Bekanntmachung der Auflösung und Liquidation vom
tt. April 2020 betreffend die B._ Handelsgesellschaft mit beschränkter Haf-
tung (Registernummer ...) die Anerkennung als Konkursdekret für das Gebiet der
Schweizerischen Eidgenossenschaft zu verweigern.
- 27 -
6.2. Das nachfolgende Urteil hat Rückwirkung, sodass die Arrestbeschläge im Ar-
rest Nr. 4 vom 14. Mai 2019 (Arrestbefehl des Bezirksgerichts Zürich, Einzelge-
richt Audienz) und im Arrest Nr. 3 vom 23. Dezember 2019 (Arrestbefehl des Be-
zirksgerichts Zürich, Einzelgericht Audienz) weiterhin bestehen.
6.3. Da der vorinstanzliche Anerkennungsentscheid gemäss Art. 169 Abs. 1 IPRG
publiziert wurde, ist auch die Aufhebung desselben von der Kammer öffentlich
bekannt zu machen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. 1.1. Die Anerkennung eines ausländischen Konkursdekrets fällt nicht unter
Art. 48 ff. GebV SchKG, weshalb die Prozesskosten nach kantonalem Recht zu
bemessen sind (OGer ZH PS180130 vom 3. Oktober 2018, E. VI. 3.). Ausgehend
von einem Streitwert von rund Fr. 4.4 Mio. (siehe oben E. II. 3.) sowie gestützt auf
§ 12 Abs. 1–3 i.V.m. § 2 Abs. 1, § 4 Abs. 1 und 2 sowie § 8 Abs. 1 GebV OG ist
die Entscheidgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren auf Fr. 7'000.-- festzu-
setzen. Ausgangsgemäss ist sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 106
Abs. 1 ZPO). In Höhe des von der Beschwerdeführerin geleisteten Vorschusses
von Fr. 4'000.– ist die Gebühr von diesem zu beziehen. Die Beschwerdegegnerin
ist jedoch in diesem Umfang gegenüber der Beschwerdeführerin als ersatzpflich-
tig zu erklären. Der Fehlbetrag von Fr. 2'000.– ist von der Beschwerdegegnerin
nachzufordern.
1.2. Die Höhe der erstinstanzlichen Entscheidgebühr von Fr. 4'000.– wurde von
den Parteien nicht infrage gestellt. Sie ist demnach zu bestätigen. Ausgangsge-
mäss ist sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Sie ist
vom Vorschuss der Beschwerdeführerin zu beziehen, ist dieser jedoch von der
Beschwerdegegnerin zu ersetzen.
1.3. Die im Verfahren EK201342 vom Konkursgericht des Bezirksgerichtes Zürich
auf total Fr. 5'000.– festgesetzte Entscheidgebühr (Fr. 4'000.– mit Urteil vom
18. November 2020 und Fr. 1'000.– mit Urteil vom 6. Januar 2021) wurde von der
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Beschwerdegegnerin nicht infrage gestellt. Sie ist demnach zu bestätigen, zufolge
Vorliegens eines nichtstreitigen Einparteienverfahrens der Beschwerdegegnerin
als gesuchstellender Partei aufzuerlegen und aus dem von ihr geleisteten Vor-
schuss zu beziehen.
2. 2.1. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Be-
schwerdeführerin für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren eine Parteient-
schädigung zu entrichten (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Insbesondere aufgrund des of-
fensichtlichen Missverhältnisses zwischen dem hohen Streitwert von rund Fr. 4.4
Mio. und dem Zeitaufwand der Vertretung ist die Grundgebühr von je rund Fr.
64'000.– für beide Verfahren um ein Mehrfaches zu kürzen. Gestützt auf § 14
Abs. 2 (analog) i.V.m. § 2 Abs. 1 und 2 und § 4 Abs. 1 und 2 ist die Parteient-
schädigung für das erstinstanzliche Verfahren (inkl. Zuschlag für die Eingabe vom
23. April 2021 gemäss § Abs. 2 AnwGebV; act. 29) auf Fr. 8'000.– festzusetzen. §
14 Abs. 2 AnwGebV gelangt hier nur analog zur Anwendung, da die Vorinstanz
das Revisionsbegehren nicht abwies, sondern darauf nicht eintrat. Für das zweit-
instanzliche Verfahren ist die Parteientschädigung gestützt auf § 13 Abs. 1 i.V.m.
§ 14 Abs. 1 i.V.m. § 2 Abs. 1 und 2, § 4 Abs. 1 und 2 sowie § 9 AnwGebV (inkl.
Zuschlag für die Eingabe vom 3. September 2021; act. 65) auf Fr. 7'000.– festzu-
setzen. Die tiefere Gebühr für das Rechtsmittelverfahren ergibt sich insbesondere
aus dem Umstand, dass die Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin den Pro-
zessstoff aus dem erstinstanzlichen Verfahren bereits kannten und demnach kei-
ne neue Einarbeitung erforderlich war. Mangels einer klaren Grundlage in § 13
AnwGebV stützt sich diese Reduktion direkt auf § 2 Abs. 1 und 2 sowie § 4 Abs. 1
und 2 AnwGebV (OGer ZH NQ120050/Z04 vom 8. November 2012 = ZR
111/2012 Nr. 108; OGer ZH LY180010/Z02 vom 10. Dezember 2018, E. 2.1.). Im
Gegensatz dazu war diese neue Einarbeitung im vorinstanzlichen Revisions- und
Wiedererwägungsverfahren erforderlich, zumal die obsiegende Beschwerdeführe-
rin im zugrundeliegenden Anerkennungsverfahren noch nicht Partei war.
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2.2. Für das Verfahren EK201342 des Konkursgerichtes des Bezirksgerichtes Zü-
rich werden zufolge Vorliegens eines nichtstreitigen Einparteienverfahrens keine
Parteientschädigungen zugesprochen.