Decision ID: cd718ac6-ecb2-465f-b17f-a3b0028a4abd
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, war seit 1998 bei der
Y._
AG erwerbstätig, ab September 2000 als Filialleiterin (
Urk.
1
1
/11/4,
Urk.
1
1
/21/1 f.). Nachdem im Februar 2012 bei einem diagnostizierten
Mammakarzinom rechts eine Tumo
rek
tomie durchgeführt worden war (
Urk.
1
1
/24/11 f.), meldete sie sich am 2
7.
Juni 2012
(Eingangsdatum)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
1
1
/11). Zur Klärung des Rentenanspruches tätigte die IV-Stelle d
araufhin erwerbliche und medizi
nische Abklärungen, in deren Rahmen sie die Versicherte am 1
7.
Juli 2013 von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch begutachten liess (Gutachten vom
8.
April 2014,
Urk.
1
1/46).
Nach durchgeführ
tem Vorbescheidverfahren (
Urk.
1
1
/48-58) wies die IV-Stelle das Leistungsbegeh
ren mit Verfügung vom 2
6.
September 2014 (
Urk.
11/59
) ab.
Die Beschwerde der
Versicherten gegen diesen Entscheid wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenem Urteil IV.201
4
.0
1101
vom
2
5.
November 2015
ab (
Urk.
11/71
).
1.2
Am
1.
Dezember 2016 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
11/77)
und reichte verschiedene Arztberichte (
Urk.
11/
81-82) sowie ein Schreiben der K
rebsliga Zürich (
Urk.
11/83) ein.
Die IV-Stelle klärte neuerlich die medizinischen Verhält
nisse ab (
Urk.
11/88-89, 11/92
, 11/104-105
)
und verpflichtete die Versicherte im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu einer regelmässigen psychoonkologi
schen Behandlung und einer leitliniengerechten Pharmakotherapie
, welche von dieser wahrgenommen wurde
(
Urk.
11/93
, Behandlungsplan und Bericht:
Urk.
11/100-101
; vgl. auch Stellungnahme des RAD vom 1
6.
November 2017, Urk
. 11/122/6 f.
)
.
Am
4.
April 2018
teilte
die IV-Stelle
de
r
Versicherten die Not
wendigkeit einer
bi
disziplinären
Begutachtung
mit den Fachrichtungen Psychi
atrie und Onkologie
mit (
Urk.
11/107
).
Auf Rückmeldung der beauftragten Gut
achtensstelle
Z._
nach durchgeführter Exploration in den genannten Fachgebieten
(
Urk.
11/112) wurde
ein zweites
bidisziplinäres
Gutach
ten in den
Fachgebiete
n
Orthopädie und Neurologie
ebenfalls
bei der
Z._
in Auftrag gegeben
(
Urk.
11/114).
Nach Eingang de
r beiden
von der
Z._
erstellten
bidisziplinären
Gutachten
vom
6.
September 2018 (
Urk.
11/117 und
Urk.
11/118)
nahm die RAD-Ärztin D
ipl.
-M
ed.
A._
, Fach
ärztin für Allgemeine Innere Medizin, Prävention und Gesundheitswesen
, wiederholt
Stellung (
Urk.
11/122/8-14). Mit Vorbescheid vom 3
0.
November 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass ein Anspruch auf berufliche Massnahme
n
sowie auf eine Invalidenrente
bei einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
in der angestammten und 100
%
in einer angepassten Tätigkeit voraussichtlich verneint werde (
Urk.
11/124). Den Einwand vom 2
3.
Februar 2019
(
Urk.
11/133, Ergänzung:
Urk.
11/137), wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
3.
März 2019 ab und verneinte den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte am
2
8.
März 2019
Beschwerde erheben und bean
tragen, die
Verfügung vom 1
3.
März 2019 sei aufzuheben und die
Beschwerde
gegnerin sei
zu verpflichten, der Beschwerdeführerin mindestens eine halbe Rent
e ab Gesuch vom
1.
Dezember 2016
respektive nach Ablauf des Wartejahres zu gewähren. Zudem sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege samt
Rech
t
sverbeiständung
zu gewähren (
Urk.
1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom
1
6.
Mai 2019
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10
), wovon de
r
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung vom
2
1.
Mai 2019
Kenntnis gegeben
und gleichzeitig
die unentgeltliche Prozess
führung gewährt und Rechtsanwalt
Dr.
Kreso
Glavas
, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt
wurde
(
Urk.
12).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die Akten wird, soweit für die
Entscheidfin
dung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V
198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b.cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Anspruch auf eine Invalidenrente
in der angefochtenen Verfügung vom 1
3.
März 2019
mit der Begründung, dass die Beschwerdeführerin gemäss den med
izinischen Abklärungen in ihrer
angestamm
ten Tätigkeit als Filialleiterin zu 80
%
und einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei.
Es bestehe aufgrund der vollen Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit auch keine gesundheitsbedingte Einschränkung in der Stellen
suche, weshalb kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe (
Urk.
2).
2.2
Dagegen w
endet
die Beschwerdeführerin in der Beschwerde vom 2
8.
März 2019
(
Urk.
1)
im Wesentlichen ein, dass
die medizinische Abklärung Inkonsistenzen ergeben habe, welche auf
der
Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin beruhen würden.
So seien zwei
bidisziplinäre
Begutachtungen anstatt einer polydiszipli
nären Abklärung in Auftrag gegeben worden, weshalb es
an einer
Gesamtbeur
teilung fehle. Die onkologische Situation bleibe zudem ungeklärt, da die Beschwerde
gegnerin
nicht auf das entsprechende Fachgutachten abgestellt ha
be
.
Somit müsse der rechtserhebliche Sachverhalt zunächst umfassend abgeklärt wer
den, bevor über die Rentenansprüche entschieden werden könne (
Urk.
1 S. 2 f.).
2.3
Zu Recht unbestritten ist zwischen den Parteien, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
1.
Dezember 2016 eingetre
ten ist, nachdem den nach der Neuanmeldung eingereichten medizinischen Berichten zu entnehmen war, dass sich die Beschwerdeführerin im September 2015 bei einer nunmehr bekannten BRCA-1-Mutation einer Hysterektomie und einer Ovarektomie und nach Auftreten eines Rezidivs des Mammakarzinoms rechts im April 2016 einer
Masektomie
beidseits mit Sofortrekonstruktion und einer
adjuvanten
Chemotherapie unterzogen hat (
Urk.
11/81-83).
Str
it
tig
und zu prüfen
ist
dagegen
, ob der medizinische Sachverhalt
rechtsgenüg
lich
abgeklärt wurde und ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Vorweg
stellt sich die Frage, ob in formeller Hinsicht die
freihändige
Auftrags
vergabe der beiden
bidisziplinären
Gutachten
an die
Z._
rechtens war.
3.2
Die Beschwerdegegnerin
gab am 1
7.
April 2018 der
Z._
d
en Auftrag zur Erstellung eines
bidisziplinären
Gutachtens mit den Fachrichtungen Onkolo
gie und Psychiatrie
(vgl.
Urk.
11/110/1)
. Die Beschwerdeführerin wurde im Rahmen dieses Auftrags am
4.
Juni 2018 psychiatrisch von
Dr.
med. univ.
B._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, und am
6.
Juni 2018 onko
logisch von
PD
Dr. Dr.
med.
C._
, Facharzt für Innere Medizin FMH spezialisiert auf Hämatologie
,
Medizinische Onkolo
gie/Hämato
logie/Palliativ
-
medizin, untersucht
(
Urk.
11/117)
. Daraufhin wurde die Beschwerdegegnerin von der
Z._
am
8.
Juni 2018
darauf hingewie
sen, dass auch eine neurologische und eine orthopädische Begutachtung
für
not
wendig
erachtet werde,
woraufhin
gleichentags
ein zweiter Auftrag zur Erstat
tung eines
weiteren
bidisziplinären
Gutachtens durch die Beschwerdeführerin direkt an die
Z._
erteilt wurde (
Urk.
11/112
,
Urk.
11/118/1
)
. Im Rah
men dieses zweiten Auftrages wurde die Beschwerdeführerin am 1
2.
Juli 2018 neurologisch von
Dr.
med. D._
, Facharzt Neurologie, und
gleichentags auch orthopädisch von
Dr.
med.
E._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie FMH, untersucht (
Urk.
11/118/2). Beide
bidisziplinäre
n
Gutachten wurden am
6.
September 2018 erstattet, wobei sie als zwei voneinander unabhängige
bidis
ziplinäre
Gutachten gestaltet wurden.
3.3
Unbestrittenermassen kündigte die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin
die erste
bidisziplinäre
Begutachtung
vorschriftsgemäss mit Schreiben vom
4.
April 2018 an (
Urk.
11/107) und
diese
blieb von der Beschwerdeführerin un
bea
n
standet. Der Verzicht auf eine Vergabe d
ieses ersten
Auft
r
ags nach dem Zufallsprinzip
(
Art.
72
bis
Abs.
2 IVV)
war daher
im Lichte der diesbezüglichen geltenden Rechtssprechungsgrundsätze zulässig.
Wie das Bundesgericht in BGE
139 V 349 (E. 3.3 S. 352 f.) festgestellt hat, wäre es mit der Gutachterpflicht (Verantwortung für die fachliche Koordination im Sinne der fachlichen Qualität, Vollständigkeit und Wirtschaftlichkeit der Abklärung) indes nicht vereinbar, wenn den Sachverständigen eine
Disziplinenwahl
gleichsam aufgezwungen wer
den könnte, die sie - auch nach pflichtgemässer Würdigung der für den Auftrag leitenden Über
legungen - für (versicherungs-)
medizinisch nicht vertretbar hiel
ten. Den Gutachtern muss es daher freistehen, die von der IV-Stelle
beziehungs
weise
dem RAD (oder im Beschwerdefall durch ein Gericht) bezeichneten Fach
disziplinen gegenüber der Auftraggeberin zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die Vorgaben nicht einsichtig sind. Dass die begutachtenden Ärzte der medizini
schen Abklärungsstelle
Z._
auf Grund der
psychiatrischen und onko
logischen
Untersuchung zum Schluss gelangt sind, es seien zusätzlich
orthopädi
sche und
neurologische Abklärungen indiziert, und diese nach Rücksprache
und im Auftrag
mit
der Beschwerdegegnerin
in
der Folge durchgeführt haben, lässt sich der Beschwerdegegnerin somit nicht entgegenhalten
(Urteil des Bundesge
richts 8C_680/2014 vom 1
6.
März 2015 E. 5.2.2)
.
Auch die zweite
bidisziplinäre
Begutachtung wurde der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom
8.
Juni 2018 angezeigt (
Urk.
11/114) und ausdrücklich auf die Möglichkeit zur Vorbringen von Einwendungen gegen die Gutachter und Einrei
chen von Zusatzfragen hingewiesen (
Urk.
11/114/2). Das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin wurde somit nicht verletzt.
Anhaltspunkte für eine bewusste Umgehung des zufallsbasierten Zuweisungssys
tems der medizinischen Abklärungsstelle für polydisziplinäre Gutachten sind nicht erkennbar.
3.
4
In Folge wurde jedoch nicht ein polydisziplinäres Gutachten erstellt, sondern zwei voneinander unabhängige
bidisziplinäre
Gutachten erstattet (anders im Urteil des Bundesgerichts 8C_680/2014 vom 1
6.
März 2015)
.
D
ie Beschwerdeführerin
macht
in diesem Zusammenhang
denn auch
geltend, dass es
aufgrund dieses Vorgehens
zu
materiellen
Inkonsistenzen gekommen sei und es an einer Gesamt
beurteilung fehle.
Es ist daher zu prüfen, ob die
bidisziplinären
Gutachten d
ie
Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens (vgl. E. 1.5 vorstehend) erfüllen.
3.
4
.1
Tatsächlich wurden beide
bidisziplinäre
n
Gutachten unabhängig voneinander verfasst (obschon sie am selben Tag versandt wurden) und es findet sich keine Gesamtbeurteilung unter
Einbezug
aller vier Fachdisziplinen.
Doch
bereits die
bidisziplinäre
Gesamtbeurteilung des psychiatrisch-onkologischen Gutachtens
erweist sich
als mangelhaft.
Zwar befolgt deren Aufbau grundsätzlich die Vorga
ben gemäss Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI, Anhang VIII),
es
findet
aber k
eine Auseinandersetzung mit den
auseinan
derlaufenden
Befunden und Einschätzungen zwischen den Fachdisziplinen statt.
So wird in der Konsensbeurteilung festgehalten, dass die von der Beschwerdefüh
rerin geschilderte reduzierte Durchhaltefähigkeit und Belastbarkeit, ausgeprägte Müdigkeit und
die
massive
n
Schmerzen aus psychiatrischer Sicht im Rahmen einer chronischen Anpassungsstörung sowie einer chronischen Schmerzstörung gesehen w
ü
rden, während von onkologischer Seite dieselben
Beschwerden einer tumorassoziierten Fatigue
zugeordnet
w
u
rden (
Urk.
11/117/4)
, ohne aus dieser Differenz weitere Schlüsse zu ziehen
, obschon deutlich auseinanderlaufende Arbeitsunfähigkeit
sgrade
(onkologisch: 100
%
, psychiatrisch: 20
%
) gestützt auf eben diese Diagnosen attestiert w
u
rden (
Urk.
11/117/5)
.
Auch unter dem Punkt der Konsistenzprüfung lässt sich eine
Auseinandersetzung mit den verschiedenen Einschätzungen der Fachgutachter
nicht finden. Vielmehr wurde
lediglich
im Sinne einer Zusammenfassung dargelegt, dass aus psychiatrischer Sicht Anhalts
punkte für eine teils nicht-authentische Beschwerdeschilderung gefunden
worden seien
, während sich aus onkologischer Sicht keine Hinweise auf Inkonsistenzen ergeben hätten (
Urk.
11/117/5).
Eine kritische Diskussion der onkologischen Befunde wäre aufgrund des in der psychiatrischen Exploration erhobenen Ver
dachts auf
eine
nicht-authentische Beschwerdeschilderung indes umso mehr geboten gewesen. Da auch anlässlich der zweiten
bidisziplinären
Begutachtung mehrfache Hinweise auf Inkonsistenzen, demonstratives und teilweise
aggravie
rendes
Verhalten festgehalten wurde (
Urk.
11/118/6,
Urk.
11/118/19
,
Urk.
11/118/27)
,
wäre eine Gesamtbeurteilung sämtlicher Fachdisziplinen
zwin
gend
erforderlich, um die gestellten Diagnosen unter Rücksicht einer gesamthaf
ten Konsistenzprüfung zu werten
gewesen
.
Eine Aggravation, welche einen inva
lidisierenden Gesundheitsschaden ausschliesst (vgl. anstatt Vieler Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015
E. 4.2.1.f.)
, wurde dabei jedoch weder in den Gutachten noch von der Beschwerdegegnerin angenommen.
Eben
falls ungeklärt
bleibt
durch
das Fehlen einer polydisziplinären Gesamtbeurteilung
die Frage möglicher Wechselwirkungen zwischen den Diagnosen beider
bidis
ziplinärer
Gutachten, welche einen Einfluss auf die Wertung der Gesamtarbeits
fähigkeit haben könnten.
3.
4
.2
Die Beschwerdegegnerin hat nach Empfehlung von RAD-Ärztin
Dipl.-Med.
A._
aufgrund
diese
r
im
psychiatrische
n
, orthopädische
n
und neurologischen Fachgutachten festgestellten Inkonsistenzen, welche im onkologischen Gutachten jedoch keinen Eingang fanden,
in der angefochtenen Verfügung
nicht auf das onkologische Fachgutachten ab
gestellt
. Demnach sei
gemäss Dipl.-Med.
A._
die Beschwerdeführerin aktuell tumorfrei und auf die Schilderung der Symptome de
r
Fatigue könne bei der zur Verdeutlichung neigenden Beschwerdeführerin nicht abgestellt werden
(
Urk.
11/122/10)
.
In einer weiteren
Stellungnahme von
Dipl.-Med.
A._
äusserte diese zudem, dass die Ausführungen des onkologi
schen Gutachters nicht neutral gewesen seien und die Diagnosestellung einzig auf
der
subjektive
n
Beurteilung durch die Beschwerdeführerin selbst beruhe (
Urk.
11/122/12).
Selbst wenn diese
Beanstandungen an das onkologische Fach
gutachten
begründet wären,
kann das Nichtabstellen auf das onkologische Gut
achten nicht zu einem automatischen Ausschluss möglicher onkologisch-bedingte
r
Gesundheitsschäden führen.
Zwar ist das Nichtabstellen auf ein Fachgutachten grundsätzlich möglich, doch lässt die Beschwerdegegnerin bei ihrem Hinweis in der Beschwerdeantwort auf Urteil IV.2012.01073 des Sozialver
sicherungsgericht Zürich vom 2
8.
Februar 2014
(
Urk.
10)
unbeachtet, dass in jenem Fall eine verlässliche Beurteilung des Leistungsanspruchs aufgrund der weiteren vorhanden medizinischen Unterlagen möglich war.
Vorliegend
vermö
gen die Ausführungen von RAD-Ärztin Dipl.-Med.
A._
, wonach keine onkologisch begründeten Einschränkungen
vorlägen
,
jedoch
nicht
abschliessend
zu überzeugen
oder gar eine polydisziplinäre Konsensbeurteilung zu ersetzen
, so ist sie Fachärztin für Innere Medizin
,
Prävention und Gesundheitswesen
,
und ver
fügt demnach über keine Spezialisierung in Onkologie.
Ein Abstellen auf die rest
liche Aktenlage ergibt sodann ebenfalls keine ausreichende Grundlage für den Ausschluss
tumorassoziierter
Gesundheitsschäden.
Gemäss Bericht der Klinik für Gynäkologie des Universitätsspitals
F._
vom 2
7.
Februar 2018 seien körperli
che Einschränkungen aufgrund wiederholter Therapien, Operationen und der Notwendigkeit häufiger Kontrollen und der psychischen Belastungssituation im Rahmen der rezidivierenden Krebserkrankung vorhanden. Eine Präzisierung der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit konnte jedoch nicht getätigt werden (
Urk.
11/105/2).
Die vor Erstattung der Gutach
t
en vorliegenden Arztberichte lassen
damit ebenfalls
keine abschliessende Einschätzung zum Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin zu. Zu eben
diese
r
Schlussfolgerung
gelangte auch Dipl.-
M
ed.
A._
noch am 2
1.
März 2018 und war überhaupt erst
Auslöser für die Auftragsvergabe eines onkologischen Fachgutachtens durch die Beschwerde
gegnerin (
Urk.
11/122/8)
.
Zu folgen ist hierbei
zudem
den Einwendungen der Beschwerdeführerin, wonach
es
die Beschwerdegegnerin
unterlassen habe, dem onkologischen Fachgutachter weitere Ergänzungsfragen zu stellen
(
Urk.
1 S. 2) oder aber weitere onkologische Abklärungen durchzuführen
, zu welchen sie im Rahmen
des Untersuchungsgrundsatzes vorliegend verpflichtet gewesen wäre.
Dass das Vorliegen einer beweiswertigen onkologischen Beurteilung gerade beim Vorliegen eines Verdachts auf eine krebsbedingte Fatigue unabdingbar ist, folgt zudem aus dem Umstand, dass es sich bei diesem Krankheitsbild um ein multidi
mensionales Syndrom handelt, unter dem die Mehrheit der Krebspatientinnen und –
patienten
während der Therapie leidet und welches teilweise viele Jahre nach Therapieabschluss andauert. Definitionsbedingt tritt diese Form der Fatigue zwingend in Zusammenhang mit einer Krebserkrankung auf. Ein Hinweis auf die Einordnung in die somatoformen Störungen findet sich in der medizinischen Literatur nicht. Damit grenzt sich die tumorassoziierte Fatigue gemäss höchst
richterlicher Rechtsprechung denn auch klar vom
Chronic
Fatigue Syndrome (
CFS
; ICD-10 G93.3) als eigenständiges Krankheitsbild ab, liegt ihr doch als Begleitsymptom onkologischer Erkrankungen zumindest mittelbar eine organi
sche Ursache zugrunde (vgl. BGE 139 V 346 E. 3.2 ff. mit diversen Hinweisen auf die medizinische Fachliteratur).
3.5
Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist die von der Beschwerdegegnerin angenom
mene Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit, welche wohl auf die Stellungnahme des RAD vom 1
3.
September 2018 zurückzuführen ist, in wel
cher in zusammenfassender Form die Arbeitsunfähigkeit gemäss
bidisziplinären
Gutachten festgehalten wurde (
Urk.
11/122/9).
Entgegen der dort
notierten
100%igen Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
aus psychiatrischer Sicht, hat
Dr.
B._
im psychiatrischen Fachgutachten jedoch eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit gestützt auf den vermehrten Pausenbe
darf aufgrund der chronischen Schmerzstörung und
der
Anpassungsstörung und der damit einhergehenden Reduktion der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit beziehungsweise Leistungsfähigkeit attestiert (
Urk.
11/117/24). Ausführungen zu einer bewussten Abweichung von dieser Einschätzung seitens der Beschwerde
gegnerin sind keine zu finden, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass die Beschwerdeführerin hierbei gestützt auf die fehlerhafte Zusammenfassung des RAD agierte.
3.
6
Zusammenfassend ist weder aufgrund der beiden
bidisziplinären
Z._
-Gutachten noch der restlichen Aktenlage
rechtsgenüglich
erstellt, an welchen Erkrankungen die Beschwerdeführerin leidet und wie sich diese auf die Arbeits
fähigkeit
im
entscheidrelevanten
Zeitraum
auswirken. Der
massgebliche
Sachver
halt erweist sich damit als ungenügend abgeklärt.
4
.
Da ein abschliessender materieller Entscheid gestützt auf die vorhandenen medi
zinischen Akten nicht möglich ist, ist die angefochtene Verfügung vom
1
3.
März 2019
(
Urk.
2) aufzuheben und die Sache zur Vornahme geeigneter Abklärungen
in Form eines polydisziplinären Gutachtens mit zumindest den Disziplinen Onkologie, Psychiatrie und Neurologie,
und zum erneuten Entscheid über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der Beschwerde führenden Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Entsprechend sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach
§
34
Abs.
1 GSVGer hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Prozessentschädigung ermessensweise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien hat die Beschwerd
egegnerin der Beschwerdeführerin
eine
Parteientschädigung in der Höhe von
Fr.
2’5
00
.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen
.
Die Entschädigung
ist dem unentgeltlichen Rechtsbeistand auszuzahlen (Urteil des Bundesgerichts 5A_754/2013 vom
4.
Februar 2014 E. 5).