Decision ID: 565fe07c-755f-4a61-8ce0-2a5eba8182b8
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Nachdem die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 11. Juli 2011 (An-
meldung vom 3. März 2010) einen Anspruch des 1985 geborenen Be-
schwerdeführers auf berufliche Eingliederungsmassnahmen verneint hatte,
meldete sich dieser am 4. Februar 2016 neuerlich bei der Beschwerdegeg-
nerin zum Bezug von Leistungen (berufliche Massnahmen, Rente) der Eid-
genössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin
klärte daraufhin abermals die gesundheitliche sowie erwerbliche Situation
ab und führte berufliche Eingliederungsmassnahmen durch. Mit Vorbe-
scheid vom 16. Juli 2021 stellte sie dem Beschwerdeführer schliesslich ge-
stützt auf ein von ihr eingeholtes bidisziplinäres Gutachten vom 23. März
2021 und nach Rücksprache mit ihrem internen Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD) die Abweisung des Leistungsbegehrens betreffend Invaliden-
rente in Aussicht. Unter Berücksichtigung der dagegen erhobenen Ein-
wände und nach neuerlicher Rücksprache mit dem RAD erliess sie
schliesslich am 14. Dezember 2021 eine dem Vorbescheid entsprechende
Verfügung.
2.
2.1.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 1. Februar 2022
fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge:
"Vorfragen:
1. Es sei dem Beschwerdeführer für das vorliegende Verfahren die  Rechtspflege zu gewähren, unter Verbeiständung durch den .
Hauptbegehren:
1. In Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung vom 14.12.2021 der SVA Aargau ([...]) aufzuheben und die Sache sei zur neuen Begründung und Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Hinsichtlich der Kosten des vorliegenden Verfahrens:
2. Es seien die Verfahrenskosten der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung aufzuerlegen.
3. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die Parteikosten von CHF 2'500.00 zu ersetzen.
- 3 -
Eventualiterbegehren:
1. In Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung vom 14.12.2021 der SVA Aargau ([...]) aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei eine  ganze IV Rente zuzusprechen. Eventualiter seien die geeigneten Eingliederungs- oder Umschulungsmassnahmen zu finanzieren.
Hinsichtlich der Kosten des vorliegenden Verfahrens:
2. Es seien die Verfahrenskosten der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung aufzuerlegen.
3. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die Parteikosten von CHF 2'500.00 zu ersetzen.
Beweisanträge: Es sei ein unabhängiges, richterliches Obergutachten in Auftrag zu geben.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen über alle Instanzen."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 15. Februar 2022 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit Verfügung vom 10. März 2022 bewilligte die Instruktionsrichterin dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege und ernannte Rechts-
anwalt Julian Burkhalter, Aarau, zu dessen unentgeltlichem Vertreter.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
In ihrer Verfügung vom 14. Dezember 2021 geht die Beschwerdegegnerin
gestützt auf das von ihr eingeholte bidisziplinäre Gutachten durch die C.
beziehungsweise der Dres. med. D., Facharzt für Psychiatrie und Psycho-
therapie, Z., und E., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Y., vom
23. März 2021 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 219.1 ff.) im Wesentlichen
davon aus, der Beschwerdeführer sei in seiner angestammten Tätigkeit als
Elektromonteur seit August 2009 erheblich in seiner Arbeitsfähigkeit einge-
schränkt. In einer angepassten Tätigkeit bestehe demgegenüber eine Ar-
beitsfähigkeit von 80 %. Bei einem sich aus dem Vergleich der entspre-
chenden hypothetischen Einkommen ergebenden Invaliditätsgrad von
27 % habe der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
(VB 242).
- 4 -
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber zusammengefasst geltend,
auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutachten könne nicht
abgestellt werden. Es seien daher ergänzende medizinische Abklärungen
notwendig. Zudem habe die Beschwerdegegnerin bei der Berechnung des
Invaliditätsgrads sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen
unzutreffend bemessen.
Damit ist streitig und nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin
mit Verfügung vom 14. Dezember 2021 zu Recht einen Invalidenrentenan-
spruch des Beschwerdeführers verneint hat.
2.
In formeller Hinsicht ist vorab auf Folgendes hinzuweisen: Der Beschwer-
deführer beantragt die gerichtliche Beurteilung der "Kosten- und Entschä-
digungsfolgen über alle Instanzen". In der angefochtenen Verfügung vom
14. Dezember 2021 finden sich indes keine Ausführungen betreffend Kos-
ten. Es fehlt damit diesbezüglich an einem Anfechtungsgegenstand im Sinn
von Art. 56 Abs. 1 ATSG und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung
(BGE 131 V 164 E. 2.1 S. 164 f.; vgl. auch BGE 135 V 148 E. 5.2 S. 150
und 135 V 141 E. 1.4 S. 144 ff. sowie 132 V 393 E. 2.1 S. 396), weshalb in
dieser Hinsicht auf die Beschwerde nicht einzutreten ist. Nämliches gilt be-
treffend die eventualiter beantragte Zusprechung beruflicher Eingliede-
rungsmassnahmen.
3.
3.1.
3.1.1.
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zu-
mutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder ver-
bessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Art. 28 Abs. 1 IVG).
3.1.2.
Invalidität gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 7 f. ATSG bedeutet im All-
gemeinen den durch die Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibenden ganzen oder teilweisen Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
[IVG], 3. Aufl. 2014, N. 102 zu Art. 4 IVG mit Hinweis auf BGE 130 V 343
E. 3.2.1 S. 346).
- 5 -
3.2.
3.2.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-
ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztli-
chen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel-
che Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können
(BGE 132 V 93 E. 4 S. 99 f. mit Hinweisen).
3.2.2.
Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG)
haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisre-
geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwer-
deverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entschei-
den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des
streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; vgl. auch BGE 132 V 393 E. 2.1
S. 396). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entschei-
dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 und 125 V 351 E. 3a S. 352). Ausschlagge-
bend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge-
gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a
S. 352 und 122 V 157 E. 1c S. 160 f.). Dennoch hat es die Rechtsprechung
mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in
Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt-
linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b S. 352).
3.2.3.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten externer Spezialärzte, welche auf Grund eingehender Be-
obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, so-
- 6 -
lange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre-
chen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470 und 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Den
Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozial-
versicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar zum
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 5.2.8
S. 105).
4.
4.1.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in ihrer Verfügung vom 14. Dezember
2021 in medizinischer Hinsicht auf das von ihr eingeholte internistisch-psy-
chiatrische Gutachten der Dres. med. D. und E. vom 23. März 2021. Die-
sem sind folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu
entnehmen (vgl. VB 219.1, S. 1 ff.):
- Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.00)
- Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
- Zustand nach Mitralklappenrekonstruktion [...] im August 2011
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber folgende Diag-
nosen (vgl. wiederum VB 219.1, S. 2 f.):
- Störung durch multiplen Substanzkonsum, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich verordneten Ersatzdrogenprogramm mit Sevre-Long (ICD-10 F19.22)
- Leichte, normochrome, normozytäre Anämie, ED März 2020 [...]
- Reizdarmsyndrom [...]
- Hypermobilitätssyndrom, ED März 2020 [...]
- Zustand nach Fazialisparese links im Rahmen einer Neuroborreliose
im September 2013 [...]
- Reizdarmsyndrom vom alternierenden Typ [...]
- Zweimalige Contusio capitis beim Skateboarden vor drei Jahren [...]
- Z. n. sensomotorischen Defiziten an den Extremitäten [...]
- Starkstromunfall im August 2009
- 7 -
Z. n. Verbrennungen Grad 1 im Gesicht, Grad 2a-b Handrücken rechts inklusive Digiti II/III und Grad IIa palmar und Grad IIa am Daumen und Zeigefinger rechts; folgenlos abgeheilt
- Z. n. Commotio cerebri und Contusio bulbi links, 2005 [...]
- Seborrhoisches Ekzem
- Pes planovalgus beidseits, links Hallux valgus
Zusammengefasst sei der Beschwerdeführer aus gesamtmedizinischer
Sicht sowohl in seiner angestammten Tätigkeit als Elektromonteur ohne
Kontakt mit Starkstrom als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 80 %
arbeitsfähig. Diese Beurteilung gelte "gemittelt im Verlauf [seit der] IV-An-
meldung im Februar 2016" (VB 219.1, S. 3 f.).
4.2.
In den Akten findet sich ferner ein ebenfalls von der Beschwerdegegnerin
eingeholtes Gutachten der F. beziehungsweise des Facharztes für Psychi-
atrie und Psychotherapie G., X., vom 24. Oktober 2016. Diesem sind fol-
gende Dia-gnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen
(vgl. VB 67, S. 21):
"1. Andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0)
2. Polytoxikomanie (Heroin, Kokain, Benzodiazepine, Alkohol), derzeit  in beschützender Umgebung und Teilnahme an einem ärztlich  Ersatzdrogenprogramm (ICD-10: F19.21/22)"
In der bisherigen Tätigkeit als Elektromonteur bestehe seit dem Unfall im
Jahr 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es sei "aber davon auszuge-
hen, dass nach Abschluss der Klinikbehandlung mindestens eine 50%ige
Teilarbeitsfähigkeit für allfällige Verweistätigkeiten [...] besteht (je nach Ge-
sundheitszustand und Behandlungssituation), wobei angenommen werden
kann, dass der Expl. im Laufe der Behandlung wieder eine volle Arbeitsfä-
higkeit für eine entsprechende Verweistätigkeit erlangen können wird"
(VB 67, S. 22 f.).
5.
5.1.
Der Beschwerdeführer hat sich am 4. Februar 2016 (erneut) zum Leis-
tungsbezug angemeldet (VB 33), womit ein allfälliger Rentenanspruch frü-
hestens im August 2016 entstehen konnte (Art. 29 Abs. 1 IVG). Damit ist –
unter Berücksichtigung des Wartejahres (vgl. dazu vorne E. 3.1.1.) – der
- 8 -
Gesundheitszustand ab August 2015 bis zum Verfügungszeitpunkt mass-
gebend.
5.2.
5.2.1.
Dem von der Beschwerdegegnerin ihrer Verfügung vom 14. Dezember
2021 zu Grunde gelegten Gutachten der Dres. med. D. und E. vom
23. März 2021 ist hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sowohl in
der angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit zu entnehmen,
diese gelte ab Februar 2016 (vgl. vorne E. 4.1.; VB 219, S. 3 f.). Dem Gut-
achten fehlt es damit an einer hinreichenden retrospektiven Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit.
5.2.2.
Hinzu kommt Folgendes: RAD-Arzt med. pract. H., Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, erachtete das Gutachten des Psychiaters G. vom
24. Oktober 2016 in seiner Stellungnahme vom 27. Oktober 2016 als "von
guter Qualität", weshalb darauf abzustellen sei (VB 71, S. 2). Dr. med. G.
bescheinigte dem Beschwerdeführer im psychiatrischen Gutachten vom
24. Oktober 2016 – gestützt auf die im Rahmen der Explorationen vom
29. September 2016 und 11. Oktober 2016 (vgl. VB 67, S. 3) erhobenen
Befunde – eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit
als Elektromonteur (vgl. vorne E. 4.2.; VB 67, S. 22). Demgegenüber wird
im Gutachten der Dres. med. D. und E. vom 23. März 2021 – insbesondere
gestützt auf eine psychiatrische Exploration vom 11. Januar 2021
(vgl. VB 219.2, S. 1) – für den Zeitraum ab Februar 2016 eine Arbeitsfähig-
keit von 80 % für die angestammte Tätigkeit als Elektromonteur ohne Ar-
beiten mit Starkstrom attestiert (vgl. vorne E. 4.1.; VB 219.1, S. 3 f.). Auch
dieses Gutachten scheint RAD-Arzt med. pract. H. als nachvollziehbar er-
achtet zu haben (vgl. dessen Stellungnahme vom 25. November 2021 in
VB 241, S. 2). Indes lassen sich diese beiden Beurteilungen nicht ohne
Weiteres vereinbaren. Dem Gutachten der Dres. med. D. und E. fehlt es
zudem an einer hinreichenden Auseinandersetzung mit der abweichenden
Beurteilung im Gutachten des Psychiaters G. vom 24. Oktober 2016. Es ist
damit aktuell unklar, von welcher Arbeitsfähigkeit in der angestammten
(und auch in einer angepassten) Tätigkeit auszugehen ist.
5.2.3.
Ferner ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer zahlreiche stationäre
Behandlungen in Anspruch genommen hat. So fanden vom 6. September
2016 bis 30. November 2016 (vgl. den Austrittsbericht der Klinik I. vom
8. Dezember 2016 in VB 78), vom 30. November 2016 bis 14. Februar
2017 (vgl. den Austrittsbericht der Klinik J., vom 14. Februar 2017 in VB 81)
und vom 28. Februar bis 21. April 2017 (vgl. den Austrittsbericht von
Dr. med. K., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und des
Psychologen Dr. phil. L., Klinik M., vom 12. Mai 2017 mit Attestierung einer
- 9 -
100%igen Arbeitsunfähigkeit "für die Dauer des Klinikaufenthalts und an-
schliessend bis zum 05.05.2017" in VB 91, S. 2 ff.) stationäre Suchtthera-
pien statt. Nach einer Phase mit ambulanter psychiatrischer Behandlung
vom 30. Mai 2017 bis 2. Mai 2019 durch das Ambulatorium der Klinik I. in
W. (vgl. den entsprechenden Austrittsbericht vom 14. Mai 2019 in VB 192,
S. 2 f.) scheint es nach Lage der Akten – offenbar im Zusammenhang mit
beruflichen Eingliederungsmassnahmen, die in der Folge abgebrochen
werden mussten (vgl. den Abschlussbericht Integration vom 24. Juli 2019
in VB 184) – zu einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszu-
stands gekommen zu sein, so dass der Beschwerdeführer vom 10. Februar
2020 bis 30. April 2020 in der Klinik N. stationär behandelt wurde. Gemäss
dem diesbezüglichen Austrittsbericht der Dres. med. O., Facharzt für Psy-
chiatrie und Psychotherapie, P., Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
und Q. sowie der Psychologin R. vom 27. Mai 2020 hatte bei Eintritt eine
schwere Depression bestanden (vgl. VB 204). Diese Umstände werden im
Aktenauszug des internistischen Teils des Gutachtens der Dres. med. D.
und E. vom 23. März 2021 umfassend wiedergegeben (vgl. VB 219.3,
S. 3 ff.), finden sich aber nur zum Teil im Aktenauszug des psychiatrischen
Teils des nämlichen Gutachtens (vgl. VB 219.2, S. 4 ff.). Die erwähnten Be-
richte wurden ferner von Dr. med. D. nicht diskutiert. Es ist damit unklar, ob
dessen psychiatrische Beurteilung in zureichender Kenntnis der Vorakten
erfolgt ist (vgl. dazu vorne E. 3.2.2.). Zudem erscheint dessen Annahme
einer durchgehenden Arbeitsfähigkeit von 80 % seit Februar 2016 in der
angestammten sowie in einer angepassten Tätigkeit vor dem Hintergrund
erwähnter Behandlungen ohne weitere gutachterliche Begründung nicht
nachvollziehbar.
5.3.
Nach dem Dargelegten fehlt es bereits in zeitlicher, aber auch in qualitativer
Hinsicht an zureichenden sachverhaltlichen Abklärungen der Beschwerde-
gegnerin, weshalb eine Beurteilung des Anspruchs des Beschwerdeführers
auf eine Invalidenrente aktuell nicht möglich ist. Damit besteht kein Raum
für die Einholung eines Gerichtsgutachtens (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4
S. 264 f. mit Hinweisen). Vielmehr wird die Beschwerdegegnerin weitere
medizinische Abklärungen vorzunehmen haben.
6.
6.1.
Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die Verfügung vom 14. Dezem-
ber 2021 in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde, soweit da-
rauf einzutreten ist, aufzuheben und die Sache antragsgemäss an die Be-
schwerdegegnerin zur weiteren Abklärung und anschliessenden neuerli-
chen Entscheidung zurückzuweisen ist.
- 10 -
6.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00 und sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.3.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-
terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Diese sind dem
unentgeltlichen Rechtsvertreter zu bezahlen. Die Entschädigung im Be-
schwerdeverfahren vor dem Versicherungsgericht richtet sich nicht nach
einem Stundentarif, sondern in erster Linie nach der Bedeutung und der
Schwierigkeit des Falles (von Fr. 1'210.00 bis Fr. 14'740.00; § 8a Abs. 3
i.V.m. § 3 Abs. 1 lit. b AnwT). Praxisgemäss beträgt die Grundentschädi-
gung in einem durchschnittlichen Beschwerdeverfahren betreffend Invali-
denrente innerhalb des genannten Tarifrahmens von § 3 Abs. 1 lit. b AnwT
Fr. 3'300.00. Mit dieser Grundentschädigung sind Aktenstudium, Instrukti-
onen, rechtliche Abklärungen, Korrespondenz und Telefonate sowie eine
Rechtsschrift und die Teilnahme an einer behördlichen Verhandlung abge-
golten. Hiervon erfolgt ein Abschlag gemäss § 6 Abs. 1 AnwT von 10 %
aufgrund der nicht durchgeführten Verhandlung. Sodann hatte der Rechts-
vertreter die beschwerdeführende Partei bereits im Verwaltungsverfahren
vertreten und damit entsprechende Aktenkenntnisse, was zu einem Abzug
von weiteren 25 % führt (§ 8 AnwT). Zum Honorar hinzu kommen eine Spe-
senpauschale von 3 % sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer (MwSt.). Es
ergibt sich damit eine Entschädigung von gerundet insgesamt Fr. 2'450.00
(inkl. Auslagen und MwSt.; vgl. § 8c AnwT).