Decision ID: 26df5092-f11f-44a0-941e-1fd30958afdc
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1991, besuchte nach der Primarschule ab 2004 das Gym
nasium. Im Juli 2007 kam es wegen ungenügender schulischer Leistungen zum Schulabbruch (
Urk.
7/9). Ab Dezember 2007 bis im Juli 2008 wurde der Versi
cherte im Zentrum
Z._
behan
delt (
Urk.
7/8
, Urk. 7/5
). Während des darauffolgenden stationären Aufenthaltes im
Z._
(1
1.
August bis
5.
Dezember 2008) meldete er sich am
7.
November 2008 bei der eidgenössischen Invalidenversicherung zum Bezug von IV-Leistungen für Versicherte vor dem 2
0.
Altersjahr an und ersuchte unter Angabe einer undiffe
renzierten Schizophrenie (ICD-10 F20.3), eines
Asperger
-Syndroms (ICD-10 F84.5)
sowie eines
Tourette
-Syndroms (ICD-10 F95.2) um Berufsberatung und um Bei
träge an die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung (
Urk.
7/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte die Berichte des
Z._
(
Urk.
7/7-8) und die Schulzeugnisse ein (
Urk.
7/9). In der Folge führte
sie mit dem Versicherten eine
berufsberaterische
Testabklärung durch und bot ihm
verschiedene Schnuppermöglichkeiten an. Am
7.
April 2010
teilte die IV-Stelle mit, dass sie die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung in Form einer Attest-Ausbildung zum Informatikpraktiker EBA bei der Stiftung
A._
, übernehmen werde (
Urk.
7/36; ersetzt durch Mitteilung vom
7.
Mai 2010,
Urk.
7/48). Da der Ver
sicherte die Lehre im Sommer 2011 wegen Nichtbestehens der «Individuellen Praktischen Arbeit» (IPA) nicht erfolgreich abschliessen konnte, übernahm die IV-Stelle die Mehrkosten für die Verlängerung der erstmaligen beruflichen Aus
bil
dung bei der
A._
um ein weiteres Jahr (
Urk.
7/66).
Am 2
9.
Mai 2012 beendete der Versicherte die Ausbildung zum Informatik
prak
tiker EBA erfolgreich, worauf von der
A._
empfohlen wurde, den nächst
hö
heren Lehrgang zum Informatiker EFZ im Rahmen geschützter Arbeitsplätze bei der
A._
zu absolvieren (
Urk.
7/76). Die IV-Stelle teilte daraufhin am 2
5.
Juli 2012 mit, dass sie die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung zum Informatiker EFZ (Einstieg ins
2.
Lehrjahr) bei der
A._
übernehmen werde (
Urk.
7/81; ergänzende Mitteilungen vom 1
1.
November 2012,
Urk.
7/87, und 2
2.
Juli 2013,
Urk.
7/94). Nachdem der Versicherte am 2
6.
Juni 2015 die Ausbil
dung zum Informatiker EFZ (Schwerpunkt Support) erfolgreich absolviert hatte, teilte die IV-Stelle am
1.
September 2015 den Abschluss der beruflichen Mass
nahmen mit (
Urk.
7/114).Am
7.
Juni 2016 informierte die p
sychiatrische
K
linik
B._
die IV-Stelle darüber, dass sich der Versicherte seit dem 1
6.
August 2011 in ambulanter sozialpsychiatrischer Behandlung befinde und ersuchte da
rum, ihn aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen mittels Job Coach/
Supported
Employment
bei der Stellensuche zu unterstützen (
Urk.
7/118). Am
3.
Februar 2017 teilte die IV-Stelle mit, dass sie die Mehrkosten für eine berufliche Abklärung und ein Arbeitstraining im Bereich Informatik mit
C._
übernehmen
werde (
Urk.
7/128), worauf der Versicherte nach der beruflichen Abklärung bei der
D._
AG ein Arbeitstraining nach dem Programm «Fit in den Arbeitsmarkt» aufnahm. Am
2.
Juni 2017 beantragte die
C._
, das aktuelle Arbeitstraining zu stoppen und empfahl, die gesundheit
liche Situation des Versicherten noch einmal abzuklären und zu prüfen, ob sein Zustand medizinisch-therapeutisch noch verbessert werden könnte (
Urk.
7/143). Am 1
6.
Juni 2017 teilte die IV-Stelle den Abbruch der beruflichen Massnahmen mit (
Urk.
7/148).
Nachdem die Berichte der
B._
vom 2
8.
Juni und 2
5.
August 2017 (
Urk.
7/150;
Urk.
7/153) und das von ihr in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
(datiert 2
0.
Mai 2018,
Urk.
7/176) eingegangen waren, stellte die IV-Stelle mit Vorbe
scheid vom 2
6.
Juni 2018 in Aussicht, dass mangels Gesundheitsschadens mit dauerhafter und erheblicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Rentenan
spruch verneint werde (
Urk.
7/179). Dagegen erhob die
B._
am 1
3.
Juli 2018 Einwand und beantragte, das Leistungsbegehren nochmals zu prüfen (
Urk.
7/180; Begründung des Einwands vom
2.
August 2018;
Urk.
7/183;
Urk.
7/185). Am 2
7.
Dezember 2018 reichte der Versicherte den Bericht der
Kinder- und Jugendpsychiatrie
F._
vom 3
1.
Juli 2008 (
Urk.
7/191/1-3) sowie den Bericht der psychiatrischen Klinik
G._
(Berichtszeitraum
1.
bis
8.
August 2008) ein (
Urk.
7/191/4-6). Nachdem der Bericht der von der IV-Stelle veranlassten augenärztlichen Untersuchung bei
Dr.
med.
H._
,
Spezialarzt für Augenchirurgie,
vom 1
5.
April 2019 (
Urk.
7/193) eingegangen war, verneinte, die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
0.
Mai 2019 wie vorbeschieden den Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2)
2.
Dagegen erhob
X._
am
2
0.
Juni 2019 Beschwerde und beantragte die rückwirkende Ausrichtung einer ganzen Rente der Invalidenversicherung
sowie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(
Urk.
1). Mit Beschwerde
ant
wort vom 1
6.
Juli 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am 1
8.
Juli 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie auf die Akten ist, soweit für die
Ent
scheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Erwerbsunfähigkeit ist gemäss
Art.
7
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
der durch Beeinträchtigung der kör
perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (
Abs.
1). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähig
keit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus
(vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist
.
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese ab
stellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invaliden
rente hat. Während er der Ansicht ist, dass er aufgrund seiner psychiatrischen Erkrankung und der damit einhergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
hat
, kommt die Beschwerdegegnerin gestützt auf das psychiatrische Gutachten vom 2
0.
Mai 2018 von
Dr.
E._
(
Urk.
7/176) zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer keiner
lei psychiatrischen Störungen vorlägen und er in seiner angestammten Tätigkeit als IT-
Supporter
voll arbeits- und erwerbsfähig sei, weshalb kein Rentenanspruch bestehe.
3.
3.1
Die medizinische und beruflich-erwerbliche Aktenlage bis zum Abschluss der erstmaligen Ausbildung präsentiert sich wie folgt:
3.2
Kurz vor Ende der Ausbildung zum Informatikpraktiker EBA, welche im Rahmen geschützter Arbeitsplätze von
A._
durchgeführt wurde, berichtete diese am
5.
Juni 2011, dass sie den Beschwerdeführer als motivierten jungen Mann ken
nen
gelernt hätten, der während seiner Ausbildung gerne gelernt und grosse Fort
schritte in seiner persönlichen Entwicklung gemacht habe. Er habe stets versucht, sein Bestes zu geben, und habe sich im sozialen Bereich immer um schwächere Arbeitskollegen bemüht. Leider verhindere sein
Asperger
-Handicap, dass er seine sehr guten schulischen Leistungen in die Arbeitswelt transferieren könne.
Ihm fehle oft
die Fähigkeit, zusammenhängend logisch und/oder folgerichtig zu denken oder zu handeln. Deshalb sei er in seiner praktischen Arbeit auf per
sön
liche Unterstützung und exakte Arbeitsanweisungen angewiesen. Einfache Arbei
ten und Routine-Aufgaben werde er immer zur Zufriedenheit erledigen können. Der Beschwerdeführer habe seine IPA knapp nicht bestanden. Die Prüfungs
aufgaben der Experten, welche parallel zu seiner praktischen Aufgabe permanent gestellt worden seien, habe er oft nicht logisch begründet beantworten können. In der Zwischenzeit sei dieses Prüfungsverfahren mit der Bildungsdirektion des Kantons Zürich und der Direktion der Berufsschule besprochen worden. Man werde in Zukunft Prüfungskandidaten mit
Asperger
-Autismus in einer anderen Form, eventuell ohne persönliche Kommunikation, die IPA reali
sieren lassen. Prüfungsfragen parallel zur praktischen Aufgabe könn
t
en schrift
lich gestellt werden. Der Beschwerdeführer müsse sein IPA im Frühling 2012 wiederholen. Es
sei geplant, während dieser Zeit verschiedene standardisierte Arbeitsabläufe im Supportbereich zu trainieren, um diese dann in der nächsten IPA erfolgreich prüfen zu lassen (
Urk.
7/58).
3.3
Am
7.
Juni 2012 berichtete die
A._
, dass der Beschwerdeführer seine IPA im Mai 2012 gut bestanden, an der Berufsschule alle Module mit über
durchschnittlich guten Noten absolviert und damit seine Ausbildung zum Infor
matikpraktiker EBA erfolgreich abgeschlossen habe. Er habe sich konzentriert, ausdauernd und mit Fleiss auf den Lehrabschluss vorbereitet. Er habe sich wäh
rend seiner bisherigen Ausbildung in Bezug auf Sozialkompetenz und Kom
mu
nikation positiv entwickelt und verfüge über gute Hard- und Software-Kennt
nisse. Darüber hinaus habe er ein gutes Verständnis für organisierte
s
Vorgehen entwickelt. Es werde empfohlen, die Kenntnisse im Rahmen des bisherigen Aus
bildungsweges zu erweitern. Eine Fortsetzung seiner Ausbildung zum Informa
tiker EFZ im ersten Arbeitsmarkt sei aufgrund seines ausgewiesenen
Asperger
-Handicaps nicht empfehlenswert. Der Beschwerdeführer sei gerade deshalb auf individuelle Betreuung, Ansprache und Führung während der Ausbildung ange
wiesen, damit er die geforderte Leistung erbringen könne. Diesbezüglich habe er während der bisherigen EBA-Lehre grosse Fortschritte gemacht. Es sei davon auszugehen, dass er durch diesen Lehrgang und der bereitg
estellten Betreuung erreichen kö
nn
e
, was für das Fähigkeitszeugnis Informatiker EFZ vorgegeben sei. Vor allem seine Lernfähigkeit und die Begeisterung an der Sache in vertrauter stabiler und geschützter
Umgebung werde ihn motivieren, seine ganze Energie in die Ausbildung zu stecken. Durch seine ausserordentliche Lernfähigkeit werde
er sein IT-bezogenes Know-h
ow ste
t
ig erweitern. Eine weitere wichtige Komponente für eine erfolgreiche Eingliederung in den ersten IT-Arbeitsmarkt bilde die an
dauernd gesammelte berufliche Erfahrung in den innerbetrieblichen und externen IT-Projekten. Während der absolvierten Ausbildung im Rahmen eines geschüt
z
ten Ausbildungsplatzes sei eine tägliche Präsenzzeit von 7 Stunden möglich gewesen. Der durchschnittliche Leistungsgrad (im Massstab des ersten Arbeits
marktes) habe während dieser Präsenzzeit bei 60
%
gelegen. Die Einschränkungen
bestünden aufgrund des
Asperger
-Syndroms. Er habe zwar eine gute Auffas
sungs
gabe und Lernfähigkeit, sei aber in der Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt. Der Beschwerdeführer brauche persönliche Unterstützung und eine differenzierte Aufgabenstellung (
Urk.
7/76
).
3.4
Nachdem der Beschwerdeführer die weiterführende Ausbildung zum Informatiker EFZ aufgenommen hatte, gelangte die
A._
am 2
5.
Oktober 2012 an die Be
schwerdegegnerin. Der Beschwerdeführer habe die
Berufsschule I._
während seiner EBA-Ausbildung vom September 2009 bis Juli 2011 an einem Tag pro
Woche besucht. Im ersten Lehrjahr seien die wenigen Lehrlinge der
A._
an der
I._
durch einen «
Asperger
-geschulten» Ausbild
ner der Stiftung und von Frau
J._
, Psychologin FSP/Autismus-Beraterin, in relativ kleinen Klassen unterrichtet worden. Anlässlich seiner Weiterausbildung zum Informa
tiker EFZ besuche der Beschwerdeführer jetzt die
I._
an zwei Tagen pro Woche in einer Klasse mit durchschnittlich 14 bis 16 Schülern. Der Unterricht in dieser Form stelle für ihn eine grosse Reizüberflutung dar. Diese sei so stark, dass er sich an den darauffolgenden Tagen sehr erschöpft fühle. Positiv sei, dass der Be
schwer
deführer mitteilen könne, wenn es ihm zu viel werde, bevor es zu totalen Erschöpfungszuständen und Absenzen komme. Frau
J._
habe daher den Wechsel von der
I._ an die Berufsschule K._
empfohlen, weshalb der Wechsel von der
I._
an die
K._
beantragt werde (
Urk.
7/85), was die Beschwerdegegnerin mit Mitteilung vom
1.
November 2012 vorerst für das zweite Lehrjahr bewilligte (
Urk.
7/87).
3.5
Am 2
8.
März 2013 berichtete die
A._
im Rahmen eines Zwischenberichtes, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich seiner Ausbildung EFZ in den internen Workshops befinde. Manchmal erscheine er zu spät zum Workshop. Er sei auch schon ganz ferngeblieben, jedes Mal mit unklarer Begründung. Oft frage er auch nach, wann die Workshops stattfinden würden, und versäume es, selber im Kalen
der nachzuschauen. Er habe auch Konzentrationsprobleme. Vielfach bekunde er Mühe und gebe völlig abwegige Antworten auf fachliche Fragen. Doch dies alles werde durch seinen eisernen Willen zu lernen kompensiert. Im entscheidenden Moment sei das Wissen da und könne von ihm bestens abgerufen werden. Sein Fachwissen müsse immer wieder aufgefrischt werden, da er Mühe habe, zu vieles auf einmal aufzunehmen. Er brauche kleine, dafür relativ viele Tranchen an Lektionen. Er sei gut motivierbar und habe zum Beispiel an der verspätet absol
vierten Prüfung von Modul 123 die Note 5.2 erzielt, was nur durch das Repetieren des Stoffes erklärbar sei. Diese Beobachtungen werden auch in späteren Zwi
schenberichten während des Ausbildungsgangs beschrieben. (
Urk.
7/90;
Urk.
7/95;
Urk.
7/98;
Urk.
7/100;
Urk.
7/106).
3.6
Am 1
8.
Juli 2012 beantragte die
A._
, dass der Beschwerdeführer den Unterricht auch für das dritte Lehrjahr an der
K._
absolvieren könne, da er zwar sehr gute Leistungen liefere, aber nur, wenn die Umgebung stimme. Im Betrieb sei er darauf angewiesen, in einem ruhigen Umfeld arbeiten zu können. Lärm und viele Menschen um ihn herum würden seine Produktivität beeinträchtigen. Die grossen Klassen mit den vielen Lehrlingen und der Rummel während der Pausen an der
I._
seien im jetzigen Zeitpunkt noch unzumutbar und würden den Erfolg der
Ausbildung gefährden, was auch von der
K._
anlässlich eines Standortge
sprächs bestätigt worden sei. In Kürze werde die
K._
die
ü
berbetrieblichen Kurse für die Lehrlinge der
A._
in deren Umfeld organisieren. Unter den aktuellen Voraussetzungen werde der Beschwerdeführer seinen EFZ-Lehrabschluss errei
chen (
Urk.
7/92). In der Folge bewilligte die Beschwerdegegnerin am 2
2.
Juli 2012 den Unterricht an der
K._
auch für das dritte Lehrjahr (
Urk.
7/94).
3.7
Im Bericht der
A._
vom 3
1.
Mai 2015 vor Abschluss der erfolgreich absol
vierten Ausbildung zu
m
Informatiker EFZ, Schwerpunkt Support
,
(
Urk.
7/111) wurde eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt für den gesamten Tätigkeits
bereich eines PC-
Supporters
als möglich erachtet. Bei voller Präsenz sei eine Leistungsfähigkeit von 100
%
zu erwarten. Die beruflichen Kompetenzen seien sehr gut. Anfangs benötige der Beschwerdeführer individuelle Unterstützung, wobei sein umfangreiches Können teilweise noch nicht zum Vorschein komme. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase arbeite er aber dann selbständig, ruhig und sehr zuverlässig. Laufe etwas schief, habe er aber grosse Mühe, selbständig eine Lösung zu finden oder überhaupt den Versuch zu unternehmen, eine Lösung zu finden. Hierbei benötige er eine enge Betreuung. Bezüglich Sozialkompetenzen zeige er ein angemessenes und höfliches Verhalten. Er arbeite still und zielge
richtet, habe aber leider in jeder Hinsicht wenig Eigeninitiative. Für den Be
schwerdeführer sei es
in manchen Bereich
en
ein Vorteil, wenn er eine genaue Anleitung in Form einer Leitfigur habe. Dies könne sich jedoch auch negativ auf ihn auswirken, da er oftmals kritiklos die Meinung einer dieser Leitpersonen übernehme. Er müsse immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, den Arbeitsplatz in einem angemessenen Zustand zu hinterlassen. Insgesamt zeige er im Arbeitsalltag ein freundliches und fleissiges Verhalten, sei hilfsbereit. Er sei eher der stille Arbeiter. Zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt sei zu sagen, dass der Beschwerdeführer zurzeit am internen Bewerbungstraining teilnehme. Hierbei erhalte er Unterstützung bei der Stellensuch
e
, der Erstellung von Be
werbungsunterlagen sowie bei der Vorbereitung auf Be
werbungsgespräche. Es falle auf
, dass er sich zurzeit noch sehr auf die Prüfungen in der Schule kon
zentriere und sich noch wenig mit dem Bewerbungsprozess auseinandersetze. Er wünsche sich zudem eine Auszeit, um für eine bestimmte Zeit in die Slowakei zu gehen, was eine Planung erschwere (
Urk.
7/109). Ergänzend wurde berichtet, dass der Beschwerdeführer zu allen Bewerbungstrainings eingeladen worden sei, je
doch nicht alle wahrgenommen habe. Auch habe er nach mehrmaliger Aufforde
rung noch kein Bewerbungsdossier erstellt (
Urk.
7/110). In der Folge teilte die
Beschwerdegegnerin am
1.
September 2015 mit, dass die beruflichen Massnah
men erfolgreich abgeschlossen seien und der Beschwerdeführer rentenaus
schlies
s
end eingegliedert sei (
Urk.
7/114).
4
.
4.1
Nach Abschluss der Lehre zum Informatiker EFZ (Schwerpunkt Support) meldete sich die
B._
am
7.
Juni 2016
bei der Beschwerdegegnerin und ersuchte diese, den Beschwerdeführer mittels Job Coach/
Supported
Employment
zu unterstützen. Es wurde angegeben, dass sich der Beschwerdeführer mit den Diagnosen (1)
Hebephrene
Schizophrenie, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F20.15) sowie (2)
Asperger
-Syndrom (ICD-10 F84.5) seit dem 1
6.
August 2011 in ambulanter sozial
psychiatrischer Behandlung befinde. Vom psychischen Zustand her sei er stabil. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung habe er sich beim Regio
nalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet und seither erfolglos monat
lich zwölf Bewerbungen verfasst. Wegen seiner gesundheitlichen Einschrän
kungen (ausgeprägte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Unsicher
heit und Insuffizienzerleben bezüglich der eigenen Fähigkeiten und in der inter
personellen Kommunikation sowie deutlich reduzierte Frustrationstoleranz) be
nö
tige er Unterstützungsmassnahmen. Aufgrund der Einschränkungen sei eine Arbeitstätigkeit am ehesten im Rahmen einer angepassten Tätigkeit am ersten Arbeitsmarkt realistisch (
Urk.
7/118).
4.2
In der Folge erteilte die Beschwerdegegnerin am
3.
Februar 2017 eine Kosten
gutsprache für die Mehrkosten für eine berufliche Abklärung und ein Arbeits
training im Bereich Informatik (
Urk.
7/128).
4.3
Dem Schlussbericht der
C._
vom
2.
Juni 2017 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer das Arbeitstraining nach dem Programm «Fit in den Arbeits
markt» mit den Zielen in Angriff genommen hatte, seine Fachkompetenzen zu vertiefen und die Belastbarkeit in der Berufspraxis zu erhöhen. Ferner wurde eine Integration in die freie Wirtschaft im Bereich der Informatik (Festanstellung) angepeilt. Bereits nach der Abklärung sei
klar geworden
, dass die Leistungen des Beschwerdeführers für den er
sten Arbeitsmarkt sehr knapp seien
. Man habe aber beobachten wollen
, ob er diese in einem Arbeitstraining steigern könnte. In den letzten drei Monaten sei dies aber nicht gelungen. Dier Beschwerdeführer sei zunehmend unter Druck gekommen und habe vermehrt über Flecken und Punkte geklagt, die er sehe und die ihn von der Arbeit ablenken würden. Es falle ihm schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, er mache viele Rauchpausen oder verschwinde wiederholt und für längere Zeit auf die Toilette. Selber sei er der
Meinung, dass er sich an die verabredeten Rauchpausen halte und nur für kurze Zeit die Toilette besuche. Aus seiner Sicht gebe er sein Bestes und wenn die Punkte nicht wären, würde er die volle Leistung erbringen können. Der Arbeit
geber habe aber deutlich gemacht, dass der Beschwerdeführer eine verschobene Wahrnehmung und ein verschobenes Zeitgefühl habe. Er schätze seine Leistungen nicht realistisch ein. Weiter benötige er immer jemanden, der neben ihm sitze und ihn anleite, da er nicht von sich aus aktiv werde, wenn er bei der Arbeit ein Problem sehe. Er benötige klare und sehr präzise Anleitungen. Er arbeite ungenau, unstrukturiert und chaotisch. Auch bei repetitiven Arbeiten werde die Arbeit nicht genauer. Ebenfalls könne er das Tempo in keiner Weise steigern. Er speichere wiederholt Daten falsch ab und blockiere damit den Arbeitsprozess des Vorge
setzten. Der Arbeitgeber würde ihn nie auf einem seiner aktiven Server arbeiten lassen. Sein Arbeitszimmer dunkle er maximal ab und sitze halb liegend vor dem Computer. Er werde dabei beobachtet, wie er minutenlang vor dem Computer sitze, bis er eine Datei auswählen und öffnen könne. Darauf angesprochen sage er, dass er wegen der Punkte nicht sehe, welche Datei er öffnen müsse.
Der Beschwerdeführer bekunde grosse Mühe damit, mit den offenen und zugäng
lichen Mitarbeitenden in Kontakt zu treten. Bei einem gemeinsamen Mittagessen
habe er sich zum Beispiel lieber alleine an einen Tisch setzen wollen und sei erst nach mehrmaliger Aufforderung zu den anderen Mitarbeitenden gesessen.
Nach dreieinhalb Monaten sei klar, dass der Beschwerdeführer weder seine Arbeitsleistung noch seine Arbeitsqualität verbessern könne. Aktuell sei er nicht in der Lage, auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bestehen. Der Arbeitgeber und der Coach von
C._
würden deshalb nach Absprache mit der Beschwerdegegnerin das Arbeitstraining vorzeitig beenden. Weder im Bereich Support noch im Bereich der allgemeinen Informatik
könne der Arbeitgeber eine Eignung für den ersten Arbeitsmarkt attestie
ren. Für den Support fehle es de
m
Beschwerdeführer
an sozialen Fertigkeiten im Umgang mit ihm unbekannten Personen. Für die Infor
matik im Allgemeinen arbeite er zu ungenau, zu unzuverlässig und zu chaotisch. Der Beschwerdeführer habe sich im Arbeitstraining bemüht. Er sei regelmässig und gepflegt zur Arbeit gekommen und habe sich anständig verhalte
n
. Er habe versucht, seine Schwierigkeiten zu vertuschen und habe sich schwer damit getan, mit dem Job Coach über seine Probleme bei der Arbeit zu sprechen. Gedanklich sei er sehr auf die Punkte im Gesichtsfeld fixiert und habe bei der leisesten Kritik die Schuld sofort auf die Punkte geschoben. Er habe sich darüber beklagt, dass er keine adäquate Behandlung für die Punkte bekomme, denn in den USA würde dies operiert werden.
ü
berhaupt scheine er kein
Bewusstsein dafür zu haben, dass
er sein Verhalten selber beeinflussen könne. Er wirke seiner Situation sehr aus
geliefert. Die
C._
empfahl die gesundheitliche Situation der Augen und der Psyche noch einmal abzuklären und zu prüfen, ob der Zustand des Beschwer
de
führers medizinisch-therapeutisch nicht noch verbessert werden könnte (
Urk.
7/143).
4.4
Am 2
8.
Juni 2017 berichteten die
ä
rzte der
B._
, dass der Beschwerdeführer während
d
er gesamten Massnahmen mit Begleitung durch den Job Coach unter einer ausgeprägten Verlangsamung des Arbeitstempos, Konzentrationslosigkeit und wiederkehrenden Denkblockaden gelitten habe. Bei der Arbeit habe er ständige Begleitung und Anleitung sowie alle 30 Minuten eine viertelstündige Pause benötigt. Im Kontakt mit Kollegen und Vorgesetzten habe er sich als nicht teamfähig gezeigt; er verfüge über eine geringe Stresstoleranz. In Stress
situa
tionen reagiere er laut und fahrig. Er habe seinem Job Coach erklärt, dass seine Einschränkungen durch die Mouche
volantes
bedingt seien, und keinerlei Einsicht in die Möglichkeit einer psychischen Genese seiner Einschränkungen gezeigt. Der Job Coach habe berichtet, als das Wetter einmal stürmisch gewesen sei, sei es zu einem Wutausbruch mit lautem Schreien und Fluchen auf der Strasse gekommen. Der Job Coach habe angegeben, dass für den Beschwerdeführer am ehesten eine Tätigkeit auf dem geschützten Arbeitsmarkt in der Produktion in Frage komme und keine Tätigkeit als Informatiker.
Im psychopathologischen Befund vom 2
2.
Mai 2017 haben die
ä
rzte den Be
schwerdeführer als wachen, bewusstseinsklaren, zu allen Qualitäten orientierten Patienten mit leicht reduzierter Auffassung und stärker reduzierter Konzentration beschrieben. Formalgedanklich erweise er sich als kohäre
nt, inhaltlich lägen weder Wahn
noch Zwang noch akute
ä
ngste vor. Fraglich seien die atypischen, rein optischen Sinnestäuschungen. Es lägen keine P
honeme, keine
Akoasmen
oder Ich
-Störungen vor. Der Beschwerdeführer sei affektlabil mit deutlich red
u
zierten
Affektregulationsfähigkeiten. Die Psychomotorik sei adäquat, der Schlaf ungestört und es gäbe keine Hinweise auf akute Selbst- oder Fremdgefährdung. Im Behandlungsverlauf sei es wiederholt zu verbalen Impulsdurchbrüchen ge
kommen. Hinsichtlich Frem
d
anamnese sei von der Mutter und vom Job Coach von Frustrationsintoleranz mit Zerstörung von eigenen Möbeln und von Wutaus
brüchen auf offener Strasse berichtet worden.
Bei den gestellten Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
hebe
phrene
Schizophrenie, ICD-10 F20.1;
Asperger
-Syndrom, ICD-10 F84.5) handle es sich um chronische Erkrankungen. Im Rahmen der sozialpsychiatrischen Be
handlung fänden mindestens monatliche (und aktuell häufigere) Bezugsper
so
nen
gespräche unter ärztlicher Supervision und ärztliche Verlaufsgespräche statt;
es würden verordnete antipsychotische Medikamente abgegeben. Die Fortführung der Behandlung sei nebst einer beruflichen Eingliederung auf dem
2.
Arbeits
markt zu empfehlen. Zu diskut
ieren wäre eine Intensivierung der Psychotherapie zur schrittweisen Verbesserung der Affektwahrnehmung, Affekttoleranz und Selbstregulationskompetenzen. Als Informatik-Praktiker oder
Informatik-Sup
por
ter
sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig. Die Einschränkungen bestünden aufgrund der ausgeprägten Konzentrations- und Aufmerksamkeits
störungen, der Unsicherheit, dem Insuffizienzerleben bezüglich der eigenen Fähig
keiten, in der interpersonellen Kommunikation sowie aufgrund der deutlich reduzierten Frustrationstoleranz mit verbal-aggressiven Impulsdurchbrüchen bei reduzierter Affektwahrnehmung. Zudem zeige sich eine gewisse Rigidität. Ab
weichungen von der Routine würden vom Beschwerdeführer nur schwer ertragen und könnten zu Verunsicherung führen. Durch diese Einschränkungen sei der Beschwerdeführer in seiner Leistungs- und Teamfähigkeit sowie in seiner Flexi
bilität reduziert. An einem ruhigen Arbeitsplatz mit wenig spontanen oder plötz
lichen Veränderungen, der Möglichkeit für Pausen, verfügbarer persönlicher An
leitung und geringen Anforderungen an die Gruppenfähigkeit sei eine Tätigkeit möglicherweise auf dem geschützten Arbeitsmarkt in der Produktion oder einer anderen praktischen Tätigkeit unter schrittweiser Einarbeitung denkbar. Zu emp
fehlen sei zunächst ein Pensum von 50
%
. Auch bei einer Intensivierung der Therapie sei nicht von einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Viel
mehr sei es das Ziel von psychotherapeutischen Interventionen, eine klein
schrittige Verbesserung der Selbst- und Affektwahrnehmung, Affektregulation (und somit einer Prävention von
Somatisierungstendenzen
) sowie kontinuierliche medikamentöse Optimierung anzustreben, um das aktuell
e Funktionsniveau bei
zubehalten.
Soweit
eruierbar
, leide der Beschwerdeführer allenfalls unter opti
schen Halluzinationen im Sinne von dunklen Schlieren, welche er selbst als Mouche
volantes
interpretiere. Tatsächlich sei medizinisch nicht gänzlich auszu
schliessen, dass es sich um ein organisches Augenleiden oder um eine seltene Nebenwirkung der aktuellen Medikation handle. Das vermehrte Auftreten der Wahrnehmung in Stresssituationen und die affektive Beteiligung würden aber differentialdiagnostisch eine psychosomatische Genese nahelegen. Passend dazu zeige sich eine reduzierte Fähigkeit des Beschwerdeführers, Affekte zu verbali
sieren oder adäquat wahrzunehmen (im Sinne einer
Alexithymie
), so dass seine Wahrnehmung der Schlieren auch als funktionelle psychosomatische Störung verstanden werden könnte (
Urk.
7/150).
4.5
Im Bericht der
B._
über die neuropsychologische Testung vom 2
4.
und 2
5.
August
2017 wird ein durchschnittliches Testintelligenzniveau ausgewiesen (IQ 92). Bei einer durchschnittlichen Konzentrationsfähigkeit lägen Lern und Gedächtnis
störungen in beiden Modalitäten vor. Planerisches Denken und Handeln seien leicht beeinträchtigt. Die Ergebnisse seien gleich wie anlässlich der Testung im Jahr 2008 (
Urk.
7/153).
4.6
Am 3
1.
Januar 2018 wurde der Beschwerdeführer durch
Dr.
E._
begut
achtet (Fertigstellung des fachpsychiatrischen Gutachtens am 2
0.
Mai 2018). Der Gutachter berichtete im Rahmen der Befragung des Beschwerdeführers (S. 5-13 der Expertise), dass dieser angegeben habe, er könne den Kopf aufgrund der Mouche
volantes
nicht so schnell bewegen. Das zuletzt ausgeübte Praktikum sei beendet worden, weil er zu langsam arbeite. Der Beschwerdeführer selber habe während der fünf Praktikumsmonate keine Veränderungen festgestellt. Er denke auch nicht, dass sich seine gesundheitliche Situation erheblich verschlechtert habe, denn sonst wäre er jetzt bei anhaltend ungünstiger Entwicklung schon «am Ende». Die Umgebung habe dies so oder so negativ registriert. Die
Mouches
volan
tes
habe er eigentlich die ganze Zeit über, habe diese jedoch ignorieren müssen. Die Missempfindungen hätten ihn fünf Monate lang gestresst. Er habe von dem her auch etwas weniger Enthusiasmus an den Tag gelegt und habe sich aktiv beruhigen müssen. Die Mitteilung, dass das Praktikum wegen der zu langsamen Arbeitsweise beendet werde, sei für ihn eine Überraschung gewesen. Er habe im Internet über
Mouches
volantes
recherchiert und Behandlungsoptionen gefunden. Ein weiteres gesundheitliches Problem sei seine psychische Instabilität. Er stelle fest, dass
ihn
die
Mouches
volantes
im Vergleich zu psychisch stabilen Menschen bedeutend mehr beeinträchtigen würden.
Im Alter von 17 bis 18 Jahren sei er stationär in psychiatrischer Behandlung gewesen, zunächst in der Tagesklinik. Dann sei es bei ihm zu einem Druck im Hals gekommen verbunden mit vermehrtem Schlucken. Mittlerweile wisse er, dass dies wohl psychisch bedingt gewesen sei. In den letzten Monaten hätten ihn die Mouche
volantes
am meisten beeinträchtigt. Ein weiteres Problem sei seine Kon
zentrationsfähigkeit. Nicht immer, aber doch regelmässig sei er derart in seine Gedanken versunken, dass er «wie weg» sei. Er habe so eine Art Zwangsgedanken, da er erst das Problem seiner Missempfindungen abarbeiten müsse und erst dann wieder Freude empfinden und ruhig sein könne.
Abends unterwegs mit Kollegen gehe es ihm gut. Wenn er aber sonst die all
ge
meine Lage mit den
Mouches
volantes
betrachte, entwickle er eher eine negative Stimmung. Spannkraft und Energie habe er eher wenig. Sein Antrieb hänge
extrem von den jeweiligen Betätigungen ab. Wenn es dunkel sei und er mit Kolle
gen draussen unterwegs sei, habe er keinerlei Beeinträchtigungen im Antrieb. Er befinde sich nicht in einer «totalen Depression».
Er habe noch nie etwas Aussergewöhnliches gesehen, gehört oder gerochen, was nicht auch andere hätten sehen, hören oder riechen können; insbesondere habe er keine Stimmen vernommen. Auch dass jemand seine Gedanken und Gefühle bestimmen könne, habe er noch nie erlebt. Ebenfalls habe er noch nie wahr
ge
nommen, dass sich seine Umgebung verändere. Einzig
,
wenn er Alkohol trinke, verändere sich seine Wahrnehmung.
Vor zwei Jahren habe er noch
ä
ngste gehabt
, infolge Schlafstörungen zu sterben. Danach habe er im Internet recherchiert und festgestellt, dass diese
Ängste
unbe
gründet seien.
Er würde sich als nett und witzig beschreiben, zwar psychisch nicht besonders ausgeglichen, jedoch halte sich die Unausgeglichenheit in Grenzen. Ohne die
Mouches
volantes
wäre er uneingeschränkt bereit, sofort eine Arbeitsstelle anzu
treten. Er lebe allein, habe etwa zehn bis fünfzehn Bekannte und etwa acht gute Freunde. Seit Oktober 2016 sei er Single.
Mit dem Gesetz sei er noch nie in Konflikt geraten. Im Oktober 2008 habe er während seines stationären Aufenthaltes im
Z._
eine Fensterscheibe zerschla
gen. In diesem Zeitpunkt hätten ihn seine Schluckproblematik und die unange
nehmen Gefühle im Halsbereich gestresst. Es seien aber
an der Sachbeschädigung
auch andere beteiligt gewesen.
Beim Aufnahmegespräch in der Tagesklinik im Jahr 2007 sei vor allem die Dia
gnose Autismus geäussert worden bzw. die leichteste Form davon, also das
Asper
ger-Syndrom
. Er sei aber aktuell der Meinung, dass er zu 0
%
ein
Asperger
-Syndrom habe. Er sei einmal beim Augenarzt gewesen. Dieser habe ihm gesagt. dass man ihn in den USA sofort operieren würde wegen der Augen, in der Schweiz aber nicht. Der Arzt habe für seine Problematik kein Verständnis gezeigt und sich ihm gegenüber «frech» benommen. Er habe daran gedacht, auf die Einrichtung einzuschlagen, habe es sich aber anders überlegt. Er habe aktuell nicht den Eindruck, dass er eine Form von Autismus habe. Er habe bei der
B._
auch nach
gefragt, weshalb in den Akten die Diagnose einer
hebephrenen
Schizophrenie aufgeführt werde. Man habe ihm erklärt, dass dies nicht heisse, dass er eine gespaltene Persönlichkeit habe. Das Symptom der Störung sei, wenn er sich über Sachen aufrege, über welche sich Menschen normalerweise nicht aufregen, wie z.B. über die Mouche
volantes
.
Ob seine Langsamkeit von der Medikation herrühre, könne er nicht sage
n
. Er
hätte am Arbeitsplatz einen Mehraufwand gehabt, weil er den Kopf nicht schnell bewegen könne wegen der visuellen Missempfindungen.
Bei ihm dauere es lange, bis er auf aggressive Gedanken komme. Die Einschät
zung der
B._
, wonach es bei ihm öfters zu verbal-aggressiven Durchbrüchen komme, könne er nicht nachvollziehen. Wenn er mal schimpfe, dann nur deshalb, weil er z.B. den Bus knapp verpasse. Seine Stimmung sei in den letzten Jahren immer besser geworden. Aktuell stehe er in psychiatrischer Behandlung bei Frau
L._
im Ambulatorium der
B._
. Diese sei keine Ärztin, sondern Psychologin oder eventuell eine Krankenschwester. Er gehe alle vier bis fünf Wochen zu ihr. Fortschritte habe er durch die Medikamentenabgabe und die Gespräche noch nicht machen können, weil sein Hauptproblem die
Mouches
volantes
seien.
Zum Befund gab der Gutachter an, dass der Beschwerdeführer nach anfänglichem Misstrauen kooperativ und motiviert gewirkt habe. Er habe sich wach, zu allen Qualitäten orientiert, formalgedanklich geordnet, kohärent, nicht verlangsamt, aber allenfalls leichtgradig eingeengt gezeigt. Subjektiv leide er unter einer Kon
zentrationsminderung, bei detaillierter Prüfung sei diese aber inta
kt gewesen. Es lägen weder Wahn noch Sinnestäuschungen
noch Ich-Störungen vor.
Es bestün
den leichtgradige hypochondrische
ä
ngste, aber keine Zwänge. Die Antriebslage werde als unbeeinträchtigt geschildert. Die
Hedonie
werde als nicht beeinträchtigt angegeben, ebenso das Selbstwertgefühl, der Schlaf und der Appetit. Es be
stün
den weder ein sozialer Rückzug noch Selbst- oder Fremdgefährdung. Es könnten keinerlei psychiatrische Diagnosen gestellt werden.
Im Rahmen der versicherungsmedizinischen Beurteilung gab der Gutachter an, dass der Beschwerdeführer nach einer unproblematischen Kindergarten- und Primarschulzeit ins Gymnasium gewechselt habe. Da sein Leistungsniveau zu hoch eingeschätzt worden war, sei es dort zu einem Leistungsabfall gekommen. Nach Abbruch des Gymnasiums sei der Beschwerdeführer ohne Lehrstelle oder Besuch einer weiterführenden Schule im elterlichen Zuhause geblieben. Es er
scheine nachvollziehbar, dass die Mutter des Versicherten aufgrund ihrer Leis
tungsorientierung die kaum beherrschbare Situation mit
Beizug
von externen Institutionen zu lösen versuchte. Den Akten könne nicht entnommen werden, auf welcher Grundlage beim Beschwerdeführer ein
Tourette
-Syndrom, ein
Asperger
-Syndrom und eine
hebephrene
Schizophrenie diagnostiziert worden seien. Die aktuellen Untersuchungen lieferten dazu auch keine Informationen. Die vom Beschwerdeführer berichtete Verbesserung des psychischen Zustandsbildes sei weniger mit der medikamentösen Behandlung oder Therapie zu verbinden als mit einem Zuwachs an sozialen Kompetenzen. Seit dem Eintritt in die psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung beim
Z._
im Jahre 2008 sei es zu einer erheblichen Verbesserung des psychischen Zustandsbildes gekommen, so dass aktuell lediglich
eine konstitutionell bedingte Beeinträchtigung der Lernfähigkeit vorliege. Der Beschwerdeführer schätze sich selber als psychisch gesund ein und
berichte lediglich von einer Beeinträchtigung durch die
ophtalmologi
sche
Störu
ng. Es könne keine psychiatrische Diagnose gestellt werden, weil weder Beschwerden noch Befunde vorlägen. Eine Verflachung oder Oberflächlichkeit des Affekts so
wie eindeutige und anhaltende Inadäquatheit oder
Unangebrachtheit
des Affekts würden nicht zum Vorschein treten. Der Beschwerdeführer imponiere zwar mit übermässiger Neigung zu angstbesetzten Vorstellungen sowie gedanklicher Ein
engung; diese Merkmale würden aber nicht im Rahmen einer psychischen Stö
run
g auftreten.
Ophtalmo
logisch
sei bisher keine
behandl
ungsbedürftige
Erkran
kung festgestellt worden. Die beklagten Mouche
volantes
würden ein völlig harm
l
oses Phänomen darstellen, an das
man sich gewöhnen müsse. Insofern würde der Be
schwerdeführer von einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Intervention profi
tieren.
Der Gutachter führte an, dass er die Diagnose einer Schizophrenie nicht nach
vollziehen könne. Ein für diese Erkrankung typischer «Leistungsknick» könne nicht ausgemacht werden. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass der Beschwer
de
führer zwar aufgrund seiner guten Leistungen in der Primarschule ins Gym
nasium gewechselt habe, dort aber mit der anspruchsvolleren Lernumgebung
überfordert gewesen und eine Adoleszentenkrise entwickelt habe. Ebenfalls kön
ne den Akten nicht mit notwendiger Sicherheit entnommen werden, dass der Be
schwerdeführer zum Diagnosezeitpunkt die Symptomatik eines
Asperger
-Syn
droms gezeigt habe. Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass bei Störungen aus dem autistischen Spektrum eine breite Variabilität vorliege. Der Beschwer
deführer imponiere auch aktuell eher ungelenk. Hinsichtlich Sprachproduktion habe er in der aktuellen Untersuchung zweimal Kontaminationen gezeigt. Streckenweise sei der Eindruck von verminderter Lebhaftigkeit von gestischen und mimischen Reaktionen entstanden, jedoch seien diese Phänomene im subkli
nischen Bereich einzuordnen. Weshalb die Besonderheiten und die Informations
verarbeitung in früheren Berichten als «
Asperger
-Handicap» bezeichnet worden seien, könne nicht nachvollzogen werden. Es sei nicht auszuschliessen, dass die durch seine Umgebung wahrgenommene Verlangsamung zu einem Teil dadurch
bedingt ist, dass der Beschwerdeführer die visuellen Missempfindungen ver
mei
den
wolle, zum anderen auch durch die unerwünschten Arzneimittel
neben
wir
kungen von
Quetiapin
. Zu empfehlen sei eine erneute augenärztliche Konsul
tation sowie
ein Ausschleichen von
Quetiapin
. Aktuell bestehe keine Einschrän
kung des
Akti
vitätenniveaus
und keine psychiatrische Störung. Die Untersuchungsergebnisse seien nachvollziehbar, zumal der Beschwerdeführer keine eigentlichen psychi
schen Symptome beklage oder Funktionseinbussen gezeigt habe. In der bishe
rigen Tätigkeit als IT-
Supporter
sei
der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig (
Urk.
7/176).
4.7
Am
2.
August 2018 führten die
ä
rzte der
B._
aus, dass
eine «
ophtalmologische
Störung» nie diagnostiziert worden sei, weshalb von einem Wahn des Beschwer
deführers auszugehen sei, mit einer mit apriorischer Evidenz beibehaltenen über
wertigen Überzeugung, an einer
ophtalmologischen
Störung zu leiden. Nebenbei bemerkt wäre eine solche Störung
ophtalmologisch
durchaus nachweis- und behandelbar. Der Gutachter scheine die Angaben des Beschwerdeführers nicht bezüglich Wahnhaftigkeit zu hinterfragen, obgleich er eine gewisse Einengung auf diese (Wahn-)Thematik feststelle. Weiter berichte er, dass sich beim Be
schwerdeführer keine Affektverflachung und keine Inadäquatheit oder
Unange
brachtheit
des Affekts zeigten. Dies widerspreche den Ausführungen des Job Coaches, der von wiederholten Wutausbrüchen über alltägliche Begebenheiten
wie Wetterveränderungen berichtet habe. Eine derartige Inadäquatheit des Affekts
mit Impulsdurchbrüchen sei auch in der klinischen Arbeit mit dem Beschwer
deführer immer wieder zu beobachten gewesen. Zusätz
lich seien zwischen den Affektd
u
r
chbrüchen eine ausgeprägte Affektverflachung und Oberflächlichkeit zu beobachten, die schon in einem kurzen Gespräch mit dem Beschwerdeführer deutlich würden, was auch der Gutachter beschrieben habe. Da der Wahn nicht als solcher exploriert worden sei, auf die wiederholten
Unangebrachtheiten
des Affekts in den Akten nicht eingegangen w
o
rde
n sei
und die Denkstörungen als Normvariante abgetan worden seien, sei der Gutachter zum Schluss gekommen, dass die Diagnosekriterien für eine
hebephrene
Schizophrenie nicht erfüllt seien. Dabei halte er selber fest, dass ein «Auswachsen» dieser Form der Schizophrenie kaum vorstellbar sei. Diesen Widerspruch löse er damit auf, dass
er die Diagnose sowohl im
Z._
als
auch in d
er
K
linik
F._
als auch während der Elektrokrampf
th
erapie in der Slowak
ei als Fehldiagnose qualifizier
e. Den bis heute vorliegenden «Leistungsknick» als Prodromalstadium der späteren Schizo
phrenie erkläre er durch eine Fehleinschätzung bzw. Überschätzung des Beschwer
deführers in der Primarschule.
Die allgemeinen Kriterien einer Schizophrenie seien mit besagten Wahn (also an der überwertigen Idee an
Mouches
volantes
zu leiden und diese operativ entfernen zu müssen), den regelmässigen Gedan
ken
abrissen und den Negativsymptomen (Apathie, Sprachverarmung, verflachter Affekt) erfüllt. Zusätzlich seien die Kriterien einer
hebephrenen
Schizophrenie mit
anhaltender Affektverflachung, den inadäquaten Affektdurchbrüchen und dem ziellosen Verhalten erfüllt. Da es sich hierbei um eine chronische und schwer
wiegende psychische Erkrankung handle, sei die Arbeitsfähigkeit dauerhaft und erheblich eingeschränkt. Zu den Feststellungen des Gutachters hinsichtlich Medi
kation sei zu sagen, dass man wegen der Angst des Beschwerdeführers und seiner Familie nicht auf ein anderes atypisches
Antipsychotikum
umgestellt habe. Dies habe man aber wiederholt empfohlen (
Urk.
7/183).
4.8
Am 1
5.
April 2019 gab
Dr.
H._
nach seiner augenärztlichen Unter
suchung an, dass die
Mouches
volantes
am ehesten als verfrühte, jedoch phy
siologische Glaskörpertrübungen einzuordnen seien. Er habe mit dem Beschwer
de
führer eine eventuelle Sistierung der
Seroquel
-Medikation besprochen, falls di
es aus psychologischer Sicht vertretbar sei. Diese Medikation würde die
Mouches
volantes
eher begünstigen. Vorerst werde eine abwartende Haltung empfohlen (
Urk.
7/193).
5.
Die Aktenlage zeigt ein widersprüchliches und unvollständiges Bild der medi
zinischen Situation.
5.1
Die Befunderhebung und die Einschätzung von
Dr.
E._
(E. 4.6) basieren einzig auf den Angaben des Beschwerdeführers, der in der Begutachtung unter anderem ausgeführt hat, an keiner psychiatrischen Beeinträchtigung zu leiden, sowie aus den Wahrnehmungen in der Begutachtungssituation. Die umfang
rei
chen
fremdanamestischen
Beobachtungen wurden nicht
oder nicht genügend
in die Beurteilung miteinbezogen. So gab der Beschwerdeführer beispielsweise an, dass es bei ihm lange dauere, bis er auf aggressive Gedanken komme. Hinsichtlich Impulskontrolle liess es der Gutachter
ohne weitere Nachfrage
bei dieser sub
jek
tiven Aussage bewenden, obwohl in den Akten dazu widersprüchliche fremd
anamnestische Angaben aus dem nächsten Umfeld des Beschwerdeführers mehr
fach dokumentiert werden.
Es
wird
von häufigen verbalen Impulsdurch
brüchen in den Behandlungssituationen in der
B._
berichtet
. Weiter schilderten sowohl die Mutter des Beschwerdeführers
als
auch der Job Coach eine Frustrations
in
toleranz mit Zerstörung von eigenen Möbeln und Wutausbrüchen auf offener Strasse.
Auch die Antriebslage wird vom Beschwerdeführer selber in der Begutach
tungs
situation als unbeeinträchtigt angegeben, was der Gutachter kommentarlos in die Befunderhebung einfliessen lässt, obwohl auch dies im klaren Widerspruch zu den fremdanamnestischen Angaben steht. Zweifelsohne bilden die subjektiven Angaben eines Exploranden in der Begutachtungssituation einen wesentlichen
Bestandteil der Einschätzung, können aber nicht mit «objektiven Befunden» gleich
gesetzt werden. Dies insbesondere dann nicht, wenn in den medizinischen und erwerblichen Akten immer wieder angeführt wird, dass der Beschwerdeführer eine verschobene Wahrnehmung habe, seine Leistungen nicht realistisch ein
schätze und versuche, seine Schwierigkeiten zu vertuschen. Können gewisse Symptome während der relativ kurzen Begutachtungszeit nicht beobachtet wer
den, ist es umso wichtiger, dies zu thematisieren, sich mit den fremdanam
nesti
schen Angaben dazu auseinanderzusetzen und differenziert zu begründen, wes
halb diese Symptome im Widerspruch zu den
Ausführungen der
langjährig involvierten Fachpersonen als gänzlich fehlend erachtet werden.
Weiter schilderte der Gutachter hinsichtlich Wahn-Thematik zwar selber eine gewisse Einengung des Beschwerdeführers auf bestimmte Aspekte - in jüngeren Jahren auf die Schluckproblematik, aktuell auf die visuellen
Missempfindun
-
gen -, hinterfragt die Aussagen des Beschwerdeführers in der Folge aber nicht und setzt diese auch nicht in einen Zusammenhang mit den ausführlichen Vor
akten.
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer bei seiner erstmaligen beruf
lichen Ausbildung engmaschig begleitet und unterstützt (Berufsberatung, Erstat
tung der gesundheitsbedingten Mehrkosten bei der erstmaligen beruflichen Aus
bildung, Job Coaching, E. 1), da er aus gesundheitlichen Gründen diese nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt absolvieren konnte und sowohl hinsichtlich
des
prak
tischen
Ausbildungsplatz
es als
auch bezüglich Berufsschulbildung auf ein beson
deres Setting angewiesen war. Nach Einschätzung der behandelnden
ä
rzte der
B._
ist der Beschwerdeführer auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig, möglicherweise sei eine Tätigkeit auf dem geschützten Arbeitsmarkt unter schrittweiser Einarbeitung denkbar. Demgegenüber attestiert ihm
Dr.
E._
- ohne auf seinen besonderen Ausbildungsweg einzugehen - eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Auch wenn es aufgrund der unterschiedlichen Natur von Behandlungsauftrag des therapeutischen Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestel
l
ten fachmedizinischen Experten anderseits nicht zulässig ist, ein Administrativ
gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
ä
rzte zu anderslautenden Einschätzungen ge
langen (BGE 137 V 210 E. 1.2.4
m.w.H
.), drängt sich eine abweichende Beur
teilung dann auf, wenn behandelnde
ä
rzte und weitere Fachpersonen wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung - wie hier - unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind.
Gemäss den Qualitätsleitlinien für versicherungs
psychiatrische Gutachten (Version vom 1
6.
Juli 2016) müssen Widersprüche (z.B.
zwischen Aktenlage und klinischem Querschnittsbefund) offengelegt und so weit wie möglich geklärt werden. Dazu gehören auch die Berücksichtigung dynami
scher Prozesse im Krankheitsverlauf psychischer Störungen und die Kontextab
hängigkeit von Befunden. Wenn - wie im vorliegenden Fall -
eine
massiv anders
lautende Beurteilung gegenüber dem aktuell behandelnden Arzt vorgenommen wird, empfiehlt es sich gemäss Richtlinien, eine fremdanamnestische Auskunft bei diesem einzuholen. In Anbetracht der medizinischen Aktenlage (einschliess
lich der detailliert dokumentierten Erwerbs- und Eingliederungsbiographie) und ohne eine Auseinandersetzung mit dieser ist die gutachterliche Einschätzung einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht nachvollziehbar, weshalb auf das Gutachten für die Beurteilung der vorliegenden Streitfrage nicht abgestellt werden kann.
5.2
Der Invalidenrentenanspruch des Beschwerdeführers kann aber auch nicht ge
stützt auf den Bericht der
B._
vom 2
8.
Juni (E. 4.4) beurteilt werden. Abgesehen von der Erfahrungstatsache, dass behandelnde Fachärzte aufgrund ihrer auftrags
rechtlichen Vertrauensstellung im Zweifelsfall mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen und daher im Streitfall eine direkte
Leistungszusprache
einzig gestützt auf deren Angaben kaum je in Frage kommt (BGE 135 V 465 E. 4.5), fehlt es im Bericht der
B._
einerseits an einer ausführlichen Auseinandersetzung mit der Diagnose des
Asperger
-Syndroms und anderseits an einer psychiatrischen Beurteilung im Kontext der augenärztlichen Befunde,
die erst mit der Unter
su
chung vo
m 1
5.
April 2019 erhoben wurden (E. 4.8).
5.3
Die Beschwerdegegnerin hat trotz genauer
Kenntnis
der
besonderen medizi
ni
schen und erwerbsbiographischen Akten bei der Abklärung des Rentenan
spruchs
lediglich
angeführt, dass das Gutachten
, das
die genannten
Widersprüche
nicht thematisiert,
alle Qualitätskriterien hinreichend erfülle. Ohne die übrige umfang
reiche Beweislage zu würdigen, hat sie festgestellt, dass keine psychiatrische Diagnose vorliege. Damit hat
sie
sich in keiner Weise mit den
Diskrepanzen
zur bisherigen Aktenlage und der im
Vorbescheidverfahren
eingereichten Arztbe
richte auseinandergesetzt, ferner den Bericht der psychiatrischen Klinik
G._
nicht übersetzen lassen und schliesslich nicht begründet, weshalb trotz der offen
sichtlichen Widersprüche zu den
Vorakten
auf das Gutachten von
Dr.
E._
abzustellen sei, was gegen die gesetzlichen und höchstrichterlichen Vorgaben zum Untersuchungsgrundsatz und zur Beweiswürdigung verstösst (E. 1.5).
6.
Der medizinische Sachverhalt für den Beurteilungszeitraum erweist sich damit als nicht hinreichend abgeklärt
.
Die Beschwerde ist somit in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 2
0.
Mai 2019 aufzuheben und die Sache gemäss
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese die notwendigen medizinischen Abklärungen vornehme und danach unter Würdigung der ge
samten Aktenlage neu über den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Inva
lidenrente entscheide.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Damit erweist sich das Gesuch des Beschwer
de
führers um unentgeltliche Prozessführung als gegenstandslos.