Decision ID: b313d376-3472-5acb-8e4e-84c6d6ed644c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss vom 12. Juli 2017 bewilligte der Gemeinderat Hinwil der Salt
Mobile SA die Erstellung einer Mobilfunk-Basisstation auf dem Gebäude
Walderstrasse 132 in Hadlikon (Grundstück Kat.-Nr. 4330).
B.
Dagegen rekurrierten 1. - 18. [..] mit gemeinsamer Eingabe vom 15. August
2017 an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragten:
"1. Hauptanträge
1. Es sei der Rekurs gutzuheissen, der Entscheid des Gemeinderates Hinwil aufzuheben und dem Baugesuch der Abschlag zu erteilen.
2. Es sei festzustellen, dass der Gemeinderat Hinwil mit seinem  gegen übergeordnetes Recht verstossen hat, insbesondere:
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ZGB Art. 679 und 684
Fernmeldegesetz: Art. 1 (Abs. b)
Umweltschutzgesetz Art. 1, Abs. 1 und 2, Art. 4 / 6 / 7 / 8 / 9 / 10 / 11 / 12, Abs. 1 / Art. 13, Abs. 2 / Art. 14
Bundesverfassung Art. 5 / 7 / 8 (Abs. 1, 2 und 4) / 9 / 10 (Abs. 1 und 2) / 29 (Abs. 2) / 35 / 36 / 74 und 118
EMRK Art. 1, 2, 6, 8 und 14
3. Es sei gestützt auf den Bericht des Bundesrates über rauchfreie  angesichts der Dringlichkeit im konkreten Fall das  Hadlikon im Rahmen einer einstweiligen Verfügung als  Schutzzone zu bestimmen, bis verbindliche Richtlinien durch den Bundesrat bzw. das Parlament zum Schutz der  Minderheit in unserem Land erlassen worden sind.
4. Es seien die von den Rekurrenten vorgeschlagenen  zum von Salt beantragten Standort Walderstrasse 132  eingehend zu prüfen:
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Nutzung des Hochspannungsmasten beim Betzholzkreisel, wofür die Rekurrenten eine Ausnahmebewilligung für den Standort in der Landwirtschaftszone beantragen,
6-Watt-Kleinzellenlösung im Dorf zur Schliessung punktueller Versorgungslücken, wo ein entsprechender Bedarf gemeldet wird,
Mitbenutzung der bestehenden Mobilfunkanlage im Nauen ().
5. Es sei offen zu legen, für welche Kommunikationsanwendungen die im Baubewilligungsentscheid angegebenen Frequenzen vorgesehen sind.
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6. Es sei die Rechtsgültigkeit der aktuellen Hinwiler BZO zu , da nach deren Publikation am 9.10.2015 vor Inkraftsetzung am 16.10.2015 die 30-tägige Rekursfrist nicht eingehalten wurde.
7. Es sei die Rechtmässigkeit des Nichtgenehmigungsentscheids der Hinwiler BZO der Baudirektion vom 4.5.2015 des sowohl vom  wie auch von der Baudirektion Zürich als ein insgesamt sachgerechtes, im öffentlichen Interesse liegendes und  nutzungsplanerisches Planungsinstrument, auch unter dem Aspekt der Willkür, zu überprüfen.
8. Es sei zu prüfen, ob der Gemeinderat befugt war, in eigener  ohne Gemeindeversammlungs-beschluss dem "" beizutreten.
9. Es sei eine Augenscheinverhandlung oder eine öffentliche  durchzuführen mit der Anhörung von Betroffenen und neutralen Fachpersonen.
10. Es sei von der Baugesuchsstellerin der Nachweis einer  für Haftungsschäden durch den Betrieb der geplanten Mobil- und Richtfunkanlage beizubringen. Im Falle einer Bewilligung ohne genügende Versicherungsdeckung durch die  müsste sichergestellt werden, dass die Gemeinde Hinwil bzw. der Kanton Zürich über eine solche verfügt,
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-
für Gesundheitsschäden bis zu schwerstem Ausgang durch - und Langzeitbelastung durch den Antennenbetrieb
für allfällige Gebäude- und Grundstückminderwerte.
11. Es seien die Vorakten beizuziehen, namentlich die Eingaben an den Gemeinderat vom 24.4.2017 sowie vom 3.72017 mit Beweisakten.
12. Es sei dem Baugesuch die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
13. Es seien die Kosten für das Rekursverfahren der  zu übertragen und den Rekurrenten eine Parteientschädigung zuzusprechen.
14. Vorgängig der Behandlung des vorliegenden  sei gestützt auf die geltend gemachten schutzwürdigen  der Rekurrenten im Einzelfall die konkrete Normenkontrolle der NISV und der angewendeten Messtechnik durchzuführen. Das  Bewilligungsverfahren sei zu sistieren, bis die  abgeschlossen ist.
2. Hilfsanträge
1. Es sei das Verfahren zur nochmaligen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen zur nochmaligen Prüfung des Baugesuchs, unter Beizug und sachgerechten Würdigung der von den Rekurrenten eingebrachten Beweismittel vom 24.4.2017 sowie vom 3.7.2017.
2. Sollte dem Ablehnungsantrag der Rekurrenten nicht entsprochen werden können, sei die geplante Mobilfunkanlage korrekt zu visieren und das Baubewilligungsverfahren ordnungsgemäss zu .
3. Es sei für die heute angewendeten sowie für die geplanten neuen Funkanwendungen eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemäss
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USG Art. 9 als Voraussetzung für die Baubewilligung anzuordnen.
4. Es sei im Falle der Realisierung des Antennen-Baugesuchs die  für die zu entstehenden Wertverminderungen ihrer  bzw. Eigentumswohnungen eine angemessene  zuzusprechen.
5. In Anbetracht der zunehmenden Schadenmeldungen und Klagen liegt es auch an den Gerichten auf allen Stufen, das Vorantreiben von gesundheitsverträglichen Funktechnologien sowie eine Revision des heutigen Grenzwertmodells zum Schutz der Volksgesundheit und letztlich auch der Volkswirtschaft zu fordern."
C.
Mit Verfügung vom 17. August 2017 wurde der Eingang des Rekurses vor-
gemerkt, diesem die aufschiebende Wirkung zuerkannt und das Vernehm-
lassungsverfahren eröffnet. Zudem wurde die rekurrentische Vertreterin
aufgefordert, innert angesetzter Frist Vertretungsvollmachten von G. und V.
T. sowie von A. H. einzureichen, ansonsten auf deren Rekurse nicht einge-
treten würde.
D.
Die Vertretungsvollmachten von G. und V. T. sowie von A. H. wurden am
23. August 2017 fristgerecht eingereicht.
E.
In ihren Rekursantworten vom 15. bzw. 18. September 2017 beantragten
sowohl die private Rekursgegnerin als auch die Vorinstanz im Wesentli-
chen die Abweisung des Rekurses sowie die Zusprechung von Umtriebs-
entschädigungen. Die rekurrentische Replik datiert vom 10. Oktober 2017;
die Duplik der Vorinstanz vom 7. November 2017. Die private Rekursgeg-
nerin verzichtete explizit auf eine solche.
F.
Mit Eingabe vom 3. Januar 2018 teilte die rekurrentische Vertreterin mit,
der Rekurrent L. L. sei am 17. Dezember 2017 verstorben. Anstelle des
Verstorbenen ist kein Rechtsnachfolger in das Rekursverfahren eingetre-
ten. L. L. ist deshalb ohne Kostenfolge aus der Liste der Rekurrierenden zu
streichen.
R3.2017.00119 Seite 5
G.
Eine weitere rekurrentische Eingabe samt einem Bericht über die 5G-
Mobilfunktechnologie datiert vom 18. Januar 2018.
H.
Mit Eingabe vom 15. Februar 2018 an das Baurekursgericht beantragten
die Rekurrierenden die Sistierung des Rekursverfahrens im Wesentlichen
mit der Begründung, sie hätten am 9. Februar 2018 beim Bund eine Petiti-
on zur "Schaffung gesetzlicher Grundlagen zum Schutz der Bevölkerung
vor flächendeckender Mobilfunk-Dauerbestrahlung" und bezüglich "Sofort-
massnahmen zum Schutz von Personen mit erhöhter Empfindlichkeit in
Anwendung von Notrecht" eingereicht. Die Voraussetzungen für eine Sistie-
rung des vorliegenden Rekursverfahrens, welches ein konkretes Bauvor-
haben betrifft, sind offensichtlich nicht erfüllt. Damit ist dem rekurrentischen
Antrag nicht stattzugeben.
I.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachstehenden Erwägungen Bezug genommen.

Es kommt in Betracht:
1.
Die Rekurrierenden bewohnen als Eigentümer oder Mieter Liegenschaften,
welche sich im gemäss bundesgerichtlicher Definition rechtsmittelberechtig-
ten Umkreis der strittigen Kommunikationsanlage (Einsprecherradius) – der
hier 602 m beträgt (act. 20.8, S. 5) – befinden. Sie sind damit mehr als ir-
gendwelche Dritte oder die Allgemeinheit in ihren eigenen Interessen be-
troffen sowie aufgrund ihrer Rügen im Sinne von § 338a des Planungs- und
Baugesetzes (PBG) grundsätzlich rechtsmittellegitimiert.
Gemäss § 315 PBG Abs. 1 PBG hat derjenige, welcher Ansprüche aus
dem Planungs- und Baurecht wahrnehmen will, innert 20 Tagen seit der öf-
fentlichen Bekanntmachung (Auflagefrist) bei der örtlichen Baubehörde
schriftlich die Zustellung des baurechtlichen Entscheids zu verlangen. Wer
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diesen nicht rechtzeitig verlangt, hat das Rekursrecht verwirkt (§ 316 Abs. 1
PBG).
G. und V. T. haben die Zustellung der hier angefochtenen Baubewilligung
während der Auflagefrist, welche vom 31. März bis zum 20. April 2017 dau-
erte, unbestrittenermassen nicht verlangt (act. 20.14). F. und S. U. haben
ihr Zustellungsbegehren erst am 22. Juni 2017, also verspätet, gestellt
(act. 20.23). Unzutreffend ist in diesem Zusammenhang der rekurrentische
Einwand, bei Sammelrekursen sei dies nicht entscheidend. Vielmehr genü-
ge es, wenn die Genannten aufgrund der nahen räumlichen Beziehung von
der strittigen Anlage betroffen seien und die Vertreterin des Sammelrekur-
ses den Baurechtsentscheid im eigenen Namen fristgerecht angefordert
habe. Das schweizerische Rechtssystem kennt keine Sammelrekurse oder
Sammelklagen wie etwa in den USA. Dies hat u.a. zur Folge, dass im Re-
kursverfahren jeder Rechtsuchende für sich alle Legitimationsvorausset-
zungen erfüllen muss (zu dieser Thematik vgl. BRKE I Nr. 0294/1994 in
BEZ 1994 Nr. 31; www.baurekursgericht-zh.ch).
Damit ist auf den Rekurs von G. und V. T. sowie von F. und S. U. nicht ein-
zutreten. Die übrigen Rekurrierenden erfüllen hingegen die Legitimations-
voraussetzungen, womit auf ihren Rekurs grundsätzlich einzutreten ist.
Soweit das in Bezug auf einzelne Rügen nicht zutrifft, wird dies in den
nachfolgenden Erwägungen im Einzelnen erwähnt.
2.1.
Es wird die Durchführung eines Augenscheins beantragt (vgl. § 7 des Ver-
waltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). Das Baurekursgericht hat unbese-
hen von Parteianträgen nur dann einen Augenschein durchzuführen, wenn
die Verhältnisse vor Ort zwar entscheidrelevant, auf Grund der Akten aber
noch unklar sind. Im vorliegenden Fall ist diese Voraussetzung nicht erfüllt,
weshalb kein Augenschein durchzuführen zwar. Dazu ist auch festzuhalten,
dass Aspekte der Einordnung und der Gestaltung hier nicht Streitgegen-
stand sind.
2.2.
Schliesslich ist auch keine öffentliche Verhandlung im Sinne von Art 6
Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und der Grund-
freiheiten (EMRK) durchzuführen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
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chung ist eine solche auf Antrag eines Rechtsmittelklägers bei strittigen
Mobilfunk-Basisstationen nur dann geboten, wenn dieser explizit und sub-
stantiiert geltend macht, die gesetzlichen Grenzwerte der Verordnung über
den Schutz vor nichtionisierender Strahlung vom 23. Dezember 1999
(NISV) seien gemäss den Standortdatenblattberechnungen auf seinem
Grundstück überschritten (BGr 1C_228/2007 vom 28. November 2008,
E. 3, und BGr 1C_192/2010 vom 8. November 2010, E. 2). Die Rekurrie-
renden halten die schweizerischen Grenzwerte wohl für ungenügend; die
Standortdatenblattberechnungen als solche werden von ihnen jedoch rech-
nerisch nicht in Frage gestellt.
3.
Die Rekurrierenden beanstanden die Art und Weise der Visierung (Ausste-
ckung) des strittigen Bauvorhabens. Lediglich mit einer unscheinbaren
Stange könne nicht auf den Umfang der Antennenanlage geschlossen wer-
den. Zudem sei diese Stange in der Zwischenzeit entfernt worden.
Zur Funktion der Aussteckung im Sinne von § 311 PBG ist Folgendes fest-
zuhalten: Sie soll vor allem Nachbarn auf ein geplantes Bauvorhaben und
dessen mögliche Auswirkungen auf deren Grundstücke aufmerksam ma-
chen und so auf die öffentliche Bekanntmachung des Vorhabens (§ 314
Abs. 1 PBG) sowie die öffentliche Auflage der Baugesuchsunterlagen
(§ 314 Abs. 4 PBG) hinweisen. Dieser Zweck wurde im vorliegenden Fall
ohne weiteres erfüllt. Die Aussteckung kann sich auf die wesentlichen Ge-
bäude- und Anlageteile beschränken. Bezüglich der genauen Dimensionie-
rung und Detailgestaltung sind die von der Bauherrschaft einzureichenden
Gesuchsunterlagen (§ 310 Abs. 1 PBG und §§ 3 ff. der Bauverfahrensord-
nung [BVV]) alleine massgebend. Bei Mobilfunkantennen genügt es ge-
mäss Rechtsprechung deshalb, wenn – wie im vorliegenden Fall – mit der
Aussteckung lediglich die vorgesehene Masthöhe und nicht auch noch der
Durchmesser des Mastes sowie die horizontale Ausdehnung der Anten-
nenelemente visualisiert wird (BRGE II Nr. 0186/2015 vom 1. Dezember
2015, E. 5). Bezüglich der zwischenzeitlichen Entfernung der Aussteckung
bleibt zu ergänzen, dass eine solche Visualisierung im vorliegenden Re-
kursverfahren nicht benötigt wird, weil das Baurekursgericht keinen Augen-
schein durchführen musste.
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4.
Die private Rekursgegnerin beabsichtigt die Erstellung einer Mobilfunk-
Basisstation auf dem Flachdach des Mehrfamilienhauses Walderstras-
se 132 in Hadlikon/Hinwil. Die drei vorgesehenen Antennen des Typs Hua-
wei AQU4518R24v06 sollen auf vier verschiedenen Frequenzbereichen
senden und weisen hinsichtlich der einzelnen Antennenmodule folgende
Hauptparameter auf:
Name 1STK 2STK 3STK 1STE 2STE 3STE
Frequenz 800 MHz 800 MHz 800 MHz 900 MHz 900 MHz 900 MHz
Leistung 400 WERP 450 WERP 400 WERP 430 WERP 600 WERP 400 WERP
Azimut 15° 140° 260° 15° 140° 260°
Name 1STS 2STS 3STS 1STU 2STU 3STU
Frequenz 1800 MHz 1800 MHz 1800 MHz 2100 MHz 2100 MHz 2100 MHz
Leistung 400 WERP 400 WERP 400 WERP 400 WERP 400 WERP 200 WERP
Azimut 15° 140° 260° 15° 140° 260°
Mit einem Output von insgesamt 4'880 WERP handelt es sich leistungsmäs-
sig um eine vergleichsweise durchschnittliche Mobilfunkanlage. Zudem sind
zwei Richtantennen zur Datenübertragung vorgesehen. Das Baugrundstück
Kat.-Nr. 4330 liegt in der Wohnzone mit Gewerbeerleichterung WG/2.6.
5.1.
Die Rekurrierenden führen zur Begründung kurz zusammengefasst im We-
sentlichen an, die gesundheitsgefährdende und zonenwidrige Basisstation,
welche unzumutbare ideelle Immissionen verursache, sei zu Unrecht bewil-
ligt worden. Die nicht mehr nur mässig störende Anlage gehe in rechtswid-
riger Weise weit über die Quartierversorgung hinaus. Auch ohne die stritti-
ge Basisstation sei es möglich, in Hadlikon im Salt-Netz zu telefonieren,
womit die Grundversorgung gesichert sei. Vermutlich werde hier also eine
Anlage auf Vorrat geplant. Es gebe ohnehin weit bessere alternative Stand-
orte, etwa beim Hochspannungsmast Betzholz oder die bestehende Basis-
station im Nauen. Zudem sei eine Versorgung mittels sogenannter Kleinzel-
len möglich.
Den berechtigten Interessen der Bevölkerung an einem wirksamen Strah-
lenschutz sein in keiner Weise Rechnung getragen worden. Das treffe vor
allem auf die zahlreichen elektrosensiblen Menschen zu, die sich ange-
sichts des Ausbauwahns bei den Mobilfunknetzen zunehmend wie als
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Flüchtlinge im eigenen Land fühlten und sozial isoliert seien. Es gehe
längst nicht mehr nur um das mobile Telefonieren, sondern um viele kom-
merzielle Anwendungen, welche vor allem den Bedürfnissen der jüngeren
Bevölkerung dienten. Mehrere Rekurrierende seien vor allem deshalb nach
Hadlikon gezogen, weil dieser Gemeindeteil von Hinwil bis anhin antennen-
frei gewesen sei und sie deshalb keiner Zwangsbestrahlung ausgesetzt wa-
ren. Der klare Volkswillen, in den Wohnzonen nicht uneingeschränkt Mobil-
funk-Basisstationen zuzulassen, werde mit der angefochtenen Baubewilli-
gung missachtet.
Der Fachbericht des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft
(AWEL) halte zwar fest, dass die gesetzlichen Grenzwerte rechnerisch
bzw. technisch eingehalten seien und nach der Inbetriebnahme der Anlage
an diversen Orten Abnahmemessungen durchzuführen seien. Die schwei-
zerischen Grenzwerte seien jedoch völlig ungenügend, denn eine gesund-
heitliche Gefährdung im nichtthermischen Bereich weit unterhalb der Anla-
gegrenzwerte sei wissenschaftlich nachgewiesen, was regelmässig aus
Medienberichten hervorgehe. Die Gefahren der Mobilfunkstrahlung würden
unterschätzt. Die Folge seien gravierende Erkrankungen oder zumindest
erhebliche Einschränkungen des Wohlbefindens. Es fehle eine gesetzliche
Regelung betreffend den Richtfunk in der NISV. Es sei äusserst bedenklich,
dass bei der Bestimmung der gesetzlichen Grenzwerte ein sogenannter
Durchschnittsmensch als Massstab genommen werde, die mittlerweile
grosse Minderheit von elektrosensiblen Menschen jedoch vollständig ne-
giert werde. Das Baurekursgericht habe deshalb in Hadlikon gestützt auf
Art. 118 der Bundesverfassung (BV) im Rahmen einer einstweiligen Verfü-
gung ähnlich wie raucherfreie Zonen eine antennenfreie Zone zu schaffen.
Das strittige Bauvorhaben verletze viele Gesetzesvorschriften. Möglicher-
weise basiere die Baubewilligung auf einer nicht rechtsgültigen kommuna-
len Bau- und Zonenordnung. Diese sei in Bezug auf die Antennenregelung
bzw. hinsichtlich des Kaskadenmodells "entzahnt" worden und überdies zu
früh in Kraft getreten. Fragwürdig sei zudem das Dialogmodell, dem Hinwil
ohne den dafür notwendigen Gemeindeversammlungsbeschluss kompe-
tenzwidrig beigetreten sei. Im Weiteren sei die Haftungsfrage für mittel- und
langfristige Strahlenschäden nicht geklärt. Ebenso, wer für die nachweisli-
che Wertverminderung des Wohneigentums aufkomme. Unbefriedigend sei
die fehlende Transparenz bei künftigen Ausbauplänen der streitbetroffenen
Anlage und bei der konkreten Nutzung der einzelnen Funkfrequenzen. Das
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Qualitätssicherungssystem sei mangelhaft und die Messtechnik ergebe bei
den Abnahmemessungen viel zu ungenaue Ergebnisse. Schliesslich hätte
eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden müssen.
5.2.
Im Gegensatz dazu halten die Vorinstanz und die private Rekursgegnerin
zur Hauptsache fest, das Baubewilligungsverfahren sei korrekt abgelaufen.
Die geplante Basisstation erfülle sämtliche relevanten bau- und umwelt-
schutzrechtlichen Vorschriften und sei deshalb zu Recht bewilligt worden.
Insbesondere würden die geltenden und auf dem aktuellen wissenschaftli-
chen Stand basierenden schweizerischen Grenzwerte unbestrittenermas-
sen eingehalten. Die Statuierung zusätzlicher Massnahmen zum Schutze
besonders elektrosensibler Menschen komme vor allem aufgrund der ge-
setzlichen Vorgaben nicht in Frage. Zudem habe das AWEL Abnahmemes-
sungen nach der Inbetriebnahme der Anlage, die im Übrigen ohne weiteres
zonenkonform sei, statuiert. Ferner sorge das vom Bund vorgeschriebene
Qualitätssicherungsystem dafür, dass die Basisstation bewilligungs- und
gesetzeskonform betrieben werde Die Prüfung von Haftungs- und Entschä-
digungsfragen falle nicht in die Zuständigkeit des Baurekursgerichts.
6.1.
Die Rekurrierenden stellen Anträge, welche nicht in direktem Zusammen-
hang mit dem strittigen Baugesuch stehen. Unter anderem verlangen sie
‒ gestützt auf einen Bericht des Bundesrates über rauchfreie Zonen – die
Festlegung einer antennenfreien Zone für den Ortsteil Hadlikon. Diese
müsse Bestand haben, bis der Bund verbindliche Richtlinien zum Schutz
der elektrosensiblen Minderheit erlassen habe. Die Rekurrierenden wollen
auch die Rechtsgültigkeit der kommunalen Bau- und Zonenordnung (BZO)
überprüft haben, weil ihrer Ansicht nach vor deren Inkraftsetzung seinerzeit
die Rechtsmittelfrist nicht abgewartet worden sei. Weiter sei die Rechtmäs-
sigkeit des Nichtgenehmigungsentscheids der kantonalen Baudirektion zur
BZO aus dem Jahre 2015 zu überprüfen. Das Baurekursgericht habe sich
dafür einzusetzen, dass gesundheitsverträgliche Funktechnologien entwi-
ckelt würden. Nochmals eingehend zu prüfen seien die rekurrentischerseits
vorgeschlagenen Alternativlösungen an anderen Standorten bzw. mit meh-
reren, dafür leistungsschwächeren Antennen.
R3.2017.00119 Seite 11
6.2.1.
Gegenstand eines Rekursverfahrens kann nur sein, was auch Inhalt der
erstinstanzlichen Verfügung war bzw. nach richtiger Rechtsanwendung hät-
te sein sollen. Sachverhalte, über welche die Vorinstanz zu Recht nicht
entschieden hat, fallen nicht in den Kompetenzbereich der Rekursinstanz,
ansonsten in die funktionelle Zuständigkeit der erstinstanzlich verfügenden
Behörde eingegriffen würde (Martin Bertschi, in: Kommentar VRG, 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2014, Vorbemerkungen zu §§ 19 - 28a Rz. 45). Die Re-
kurrierenden verkennen zudem die Aufgabe bzw. den zulässigen Tätig-
keitsbereich schweizerischer Gerichte. Diese sprechen Recht und sind
nicht legislatorisch tätig. Dafür spricht schon die verfassungsmässig garan-
tierte Gewaltentrennung.
6.2.2.
Die vom Gemeinderat Hinwil am 30. September 2015 (in der Publikation
heisst es versehentlich 2014) beschlossene Festsetzung der teilrevidierten
kommunalen BZO mit Verzicht auf den sogenannten Antennenartikel (Kas-
kaden-/Prioritätenordnung) sowie den vorgängigen Teilgenehmigungs-
bzw. Nichtgenehmigungsentscheid der kantonalen Baudirektion, welche al-
le im Amtsblatt des Kantons Zürich vom 9. Oktober 2015 mit der entspre-
chenden Rechtsmittelbelehrung ordnungsgemäss publiziert wurden, hätten
die Rekurrierenden rechtsmittelweise anfechten können. Das haben sie je-
doch unterlassen. Eine Überprüfung dieser Festsetzung im vorliegenden
Rechtsmittelverfahren steht deshalb ausser Frage.
6.2.3.
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen dieses Rechtsmittel-
verfahrens das Baurekursgericht nicht zur Prüfung von Alternativstandorten
oder anderen technischen Lösungen verpflichtet ist. Es geht einzig darum
zu beurteilen, ob die auf dem Gebäude Walderstrasse 132 projektierte Mo-
bilfunk-Basisstation in bau- und umweltschutzrechtlicher Hinsicht bewilli-
gungsfähig ist. Falls ja, hat die private Rekursgegnerin gestützt auf § 320
PBG Anspruch auf die nachgesuchte Baubewilligung. Falls nein, ist diese
zu verweigern. Nur dies wird nachfolgend zu prüfen sein.
6.2.4.
Bei der Beurteilung der Bewilligungsfähigkeit ist entgegen rekurrentischer
Auffassung keine Interessenabwägung zwischen einerseits den raumplane-
rischen und umweltschutzrechtlichen Aspekten und andererseits den priva-
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ten Interessen der privaten Rekursgegnerin an einem Ausbau ihres Mobil-
funknetzes vorzunehmen. Ein solche Interessenabwägung wäre nur gebo-
ten, wenn das strittige Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone geplant wäre
(BGr 1C_642/2013 vom 7. April 2014, E. 4.1).
7.
Die Rekurrierenden kritisieren das sogenannte Dialogmodell, welches die
Gemeinde Hinwil kompetenzwidrig bei der Prüfung von Mobilfunk-
Baugesuchen anwende. Dieses diene nur dem Zweck eines möglichst un-
gehinderten Bewilligungsvollzugs zum Vorteil der Betreiberfirmen.
Der Kantonsrat hatte sich 2014 gegen eine gesetzliche Regelung der
Standortauswahl für Mobilfunk-Basisstationen ausgesprochen. Er unter-
stützt stattdessen die Einführung eines sogenannten freiwilligen Dialogmo-
dells. Dieses ermöglicht den Gemeinden im Rahmen eines festgelegten
Prozederes eine aktive Einflussnahme auf zukünftige Standorte solcher An-
lagen. Zur Umsetzung dieses Modells hat die Baudirektion mit Swisscom,
Salt (früher Orange) und Sunrise eine Vereinbarung über die Standorteva-
luation und -koordination ausgearbeitet. Die zürcherischen Gemeinden
können sich dieser Vereinbarung anschliessen, was die Gemeinde Hinwil
getan hat. Ein Gemeindeversammlungsbeschluss ist dazu nicht notwendig.
Die Vereinbarung verpflichtet die genannten Mobilfunkgesellschaften, an-
geschlossene Gemeinden jährlich über den aktuellen Stand der langfristi-
gen Netzplanung sowie möglichst frühzeitig über kurzfristige Planungsän-
derungen zu unterrichten. Standorte für neue Mobilfunksendeanlagen sol-
len im Dialog mit der jeweiligen Standortgemeinde erarbeitet werden
(www.awel.zh.ch/internet/baudirektion/awel/de/luft_klima_elektrosmog/elek-
trosmog/dialog.html; mit Link auf den vollständigen Text dieser Vereinba-
rung). Andere Kantone haben mit den Mobilfunkgesellschaften Vereinba-
rungen ähnlicher Art geschlossen.
Ein solches Dialogmodell mag zwar ein kreativer Lösungsansatz zur Bewäl-
tigung verschiedener Probleme bei der Planung von Mobilfunk-Basis-
stationen sein, es kann und darf gesetzliche Regelungen aller Stufen aber
weder ersetzen noch verhindern. Insbesondere darf es auch zu keiner Ver-
schärfung des geltenden Bundesumweltschutzrechts führen. Den Gemein-
den steht es beispielsweise ungeachtet ihres Beitritts zum Dialogmodell
frei, mit ihren Bau- und Zonenordnungen ein Kaskadenmodell über die zo-
R3.2017.00119 Seite 13
nenspezifische Priorisierung von Mobilfunkanlagen oder andere Bestim-
mungen, welche die Zulässigkeit von sendetechnischen Anlagen innerhalb
ihres Baugebiets regeln, festzusetzen. Die beigetretenen Gemeinden kön-
nen die genannte Vereinbarung im Übrigen jederzeit durch schriftliche Mit-
teilung an die Baudirektion kündigen. Daraus ergibt sich, dass ein einge-
reichtes Baugesuch – sei es nun "dialogmodellkonform" oder nicht ausge-
arbeitet worden – ausschliesslich im Lichte der massgebenden Gesetzes-
vorschriften zu beurteilen ist (BRGE II Nr. 0110/2017 vom 15. August 2017,
E. 5; www.baurekursgericht-zh.ch). Folglich sind das Dialogmodell und die
damit verbundene Suche nach alternativen Standorten, welche hier im
Rahmen der Baugesuchsplanung ergebnislos verlaufen ist, für die streitbe-
troffene Anlage in keiner Weise relevant.
8.1.
Der Schutz der Umwelt vor nichtionisierender elektromagnetischer Strah-
lung wird im Bundesgesetz über den Umweltschutz (USG) sowie in der be-
reits erwähnten NISV geregelt. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU; früher
BUWAL) konkretisierte die NISV mit Vollzugsempfehlungen (Mobilfunk- und
WLL-Basisstationen, Vollzugsempfehlung zur NISV, BUWAL/BAFU, Bern
2003 [Vollzugsempfehlung NISV]). Nichtionisierende Strahlung ist im Ge-
gensatz zur ionisierenden Strahlung (etwa Röntgenstrahlen, Radioaktivität)
nicht in der Lage, Elektronen aus Atomen oder Molekülen freizusetzen. Die
Wirkungsweise dieser beiden Strahlenarten lässt sich also in keiner Weise
vergleichen.
Die NISV regelt die Begrenzung von nieder- und hochfrequenten Strah-
lenemissionen, welche durch den Betrieb ortsfester Anlagen wie Mobilfunk-
Basisstationen erzeugt werden (Art. 2 Abs. 1 lit. a NISV). Es wurden, wie im
genannten Bundesgesetz vorgeschrieben, Immissionsgrenzwerte und in
Umsetzung des gesetzlichen Vorsorgeprinzips zudem Anlagegrenzwerte
festgelegt. Die entsprechenden Grenzwerte sind von allen Mobilfunkanla-
gen mit einer Gesamtstrahlungsleistung von über 6 WERP zwingend einzu-
halten (Ziffer 61 Anhang 1 NISV).
Richtfunkantennen, welche die Basisstationen durch einen eng gebündel-
ten Richtstrahl mit der Netzzentrale bzw. benachbarten Basisstationen ver-
binden und damit entgegen rekurrentischer Auffassung keine relevante
Streuwirkung verursachen, müssen keine Grenzwerte einhalten. Dies ist
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einerseits in Ziffer 61 Anhang 1 NISV explizit erwähnt und andererseits
funktionsbedingt (vgl. Vollzugsempfehlung NISV, S. 23, und BRKE IV
Nr. 100/2000 vom 31. August 2000 in BEZ 2000 Nr. 47).
Schliesslich ist es vor allem aufgrund der unterschiedlichen Wirkungsweise
von hoch- und niederfrequenter Strahlung auch nicht angezeigt, bei den
Grenzwertberechnungen für Mobilfunk-Basisstationen – gestützt auf Art. 8
USG, wonach Einwirkungen sowohl einzeln als auch gesamthaft und nach
ihrem Zusammenwirken zu beurteilen sind – eine gesamthafte Beurteilung
der elektromagnetischen Immissionen vorzunehmen (BGr 1C_685/2013
vom 6. März 2015, E. 6; BRGE IV Nrn. 0197 - 0200/2012 vom 20. Dezem-
ber 2012, E. 8.4.2).
8.2.
Die Immissionsgrenzwerte (IGW) gelten an allen Orten, wo sich Menschen
normalerweise aufhalten können (OKA; Art. 13 Abs. 1 NISV). Sie basieren
auf den Empfehlungen bzw. Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation
WHO sowie weiterer Fachgremien (www.who.int/peh-emf/standards/en).
Die vorliegende Basisstation, welche auf vier unterschiedlichen Frequenzen
betrieben werden soll, hat aufgrund der entsprechenden Summierungsvor-
schriften im Anhang 2 der NISV (vgl. auch Vollzugsempfehlung NISV,
S. 22 f.) über alle Frequenzen gerechnet einen Immissionsgrenzwert von
44,2 V/m (Volt pro m) einzuhalten.
8.3.
Die Anlagegrenzwerte (AGW) gehen deutlich über den Schutzumfang der
Immissionsgrenzwerte hinaus. Sie verlangen in Konkretisierung der Be-
stimmung von Art. 4 Abs. 1 NISV über die vorsorgliche Emissionsbegren-
zung an Orten mit empfindlicher Nutzung (OMEN), welche in Art. 3 Abs. 3
NISV definiert werden, durchschnittlich um den Faktor 10 tiefere elektrische
Feldstärken. Die Anlagegrenzwerte bewegen sich frequenzabhängig im Be-
reich zwischen 4 - 6 V/m. Für die hier in Frage stehende Basisstation, die in
Frequenzbereichen zwischen 800 MHz - 2100 MHz betrieben werden soll,
gilt gemäss Ziffer 64 lit. c Anhang 1 NISV ein maximal zulässiger Anlage-
grenzwert von 5 V/m.
R3.2017.00119 Seite 15
8.4.1.
Nach Auffassung der Rekurrierenden belegt die neuere medizinische und
technische Forschung mit zahlreichen Studien und Untersuchungen zwei-
felsohne das Ungenügen der geltenden schweizerischen Grenzwertrege-
lung. Sie verlangen deshalb deren akzessorische Überprüfung im Rahmen
dieses Rechtsmittelverfahrens. Eine solche ist hier grundsätzlich möglich
(Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014,
§ 20 Rz. 24 und 32).
Der Bundesrat hat als im Sinne von Art. 13 Abs. 1 USG zuständiger Ge-
setzgeber aufgrund neuer allgemeingültiger wissenschaftlicher Erkenntnis-
se die allenfalls notwendigen Grenzwertanpassungen vorzunehmen. Im
Rahmen der am 1. September 2009 in Kraft getretenen Teilrevision der
NISV hat der Bundesrat jedoch gestützt auf die damalige wissenschaftliche
Ausgangslage auf eine Grenzwertverschärfung verzichtet. In der Zwischen-
zeit bestand für den Gesetzgeber aufgrund des objektiven aktuellen Wis-
sensstands keine Veranlassung, die Grenzwerte zu lockern oder zu ver-
schärfen (BGr 1C_340/2013 vom 4. April 2014, E. 3.41 und 3.4.2), was
im Übrigen auch in Bezug auf Tiere gilt (dazu im Detail BRGE IV
Nr. 0118/2014 vom 16. Oktober 2014, E. 7.1 ff.; www.baurekursgericht-
zh.ch). Die rekurrentischerseits zahlreich aufgeführten älteren und neueren
Publikationen vermögen an diesem Umstand nichts zu ändern. Mit diesen
hat sich das Bundesgericht in seinen Urteilen ohnehin grösstenteils bereits
ausführlich auseinandergesetzt und hat sie allesamt als nicht erheblich für
eine Grenzwertanpassung erklärt (zuletzt BGr 1C_576/2016 vom 27. Okto-
ber 2017, E. 3.5.2). Die rekurrentischerseits erwähnten Studien und Berich-
te datieren allesamt vor diesem Urteil. Im Übrigen ist nicht jede im Internet
auffindbare Publikation oder jeder Zeitungsartikel zum Thema Mobilfunk,
Elektrosmog etc. wissenschaftlich fundiert, zumal diese unkontrolliert von
jedermann ins Netz gestellt oder in Printmedien veröffentlicht werden kön-
nen. Im letztgenannten höchstrichterlichen Urteil ist im Weiteren festgehal-
ten, dass der Bund die wissenschaftliche Entwicklung in diesem Bereich
zusammen mit einer beratenden Expertengruppe ständig verfolgt. Schliess-
lich wurde die Nichtberücksichtigung von allfälligen nicht-thermischen Phä-
nomenen vom Bundesgericht ebenfalls als rechtens erklärt (u.a.
BGr 1C_642/2013 vom 7. April 2014, E. 7.1). Weitere Ausführungen zu
dieser von den Rekurrierenden ausführlichst beleuchteten Thematik erübri-
gen sich deshalb.
R3.2017.00119 Seite 16
Das Bundesgericht hat bei der Überprüfung der Verfassungs- und Gesetz-
mässigkeit der Grenzwertregelung der NISV vielmehr wiederholt und expli-
zit festgehalten, die Verordnung halte sich an den vom USG vorgezeichne-
ten Rahmen des Immissionsschutzes, sei auch im Übrigen gesetzeskon-
form und widerspreche weder der BV noch der EMRK. Damit ist die vor-
sorgliche Emissionsbegrenzung mit der Festlegung der Anlagegrenzwerte
in der NISV abschliessend geregelt, womit im Einzelfall, gestützt auf das
Vorsorgeprinzip des USG oder aus anderen Gründen, entgegen rekurrenti-
scher Auffassung keine weitergehende Begrenzung der elektromagneti-
schen Mobilfunkstrahlung verlangt werden kann (u.a. BGr 1C_642/2013
vom 7. April 2014, E. 3.1). Nicht anwendbar im vorliegenden öffentlich-
rechtlichen Bauverfahren sind zudem die privatrechtlichen Immissionsvor-
schriften gemäss Art. 679 und Art. 684 des Schweizerischen Zivilgesetzbu-
ches (ZGB).
Eine spezielle Elektrosensibilität bzw. Hypersensibilität, welche im Übrigen
von der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht als Krankheit eingestuft
wird, kann deshalb bei der Beurteilung eines Baugesuchs im Einzelfall kei-
ne Grenzwertverschärfung bewirken, womit insoweit eine Bewilligungsver-
weigerung im vorliegenden Fall ausgeschlossen ist.
8.4.2.
Diese gesetzliche Ausgangslage sowie die dazu entwickelte Rechtspre-
chung haben ausserdem zur Folge, dass
 gestützt auf die umweltschutzrechtlichen Vorschriften von den Betrei-
bergesellschaften kein Unbedenklichkeitsnachweis ihrer Mobilfunkan-
lagen verlangt werden kann (u.a. BRGE I Nr. 0052/2012 vom 23. März
2012, E. 4.3);
 die Mobilfunkgesellschaften innerhalb der Bauzonen keinen betriebli-
chen oder sendetechnischen Bedarfsnachweis für eine neue Basissta-
tion, sei diese nun aus Gründen der fehlenden Abdeckung oder zur
Kapazitätssteigerung geplant, beibringen müssen (BGr 1C_329/2013
vom 23. Oktober 2013, E. 3.1, und BGr 1C_642/2013 vom 7. April
2014, E. 4.1). Schon deswegen kann die private Rekursgegnerin nicht
zur Information verpflichtet werden, welche Kommunikationsanwen-
dungen bei den jeweiligen Frequenzen vorgesehen sind.
R3.2017.00119 Seite 17
9.1.
Die Ermittlung der Immissions- und Anlagegrenzwerte erfolgt mit Hilfe des
vom BAFU entwickelten Berechnungsmodells für hochfrequente nichtioni-
sierende Strahlen, den sogenannten Standortdatenblättern (Art. 11 Abs. 1
NISV). Damit lassen sich die künftigen elektromagnetischen Auswirkungen
von Mobilfunk-Basisstationen ausreichend genau berechnen, so dass im
Normalfall keine weiteren immissionsmässigen Abklärungen notwendig
sind (BRGE IV Nr. 0118/2014 vom 16. Oktober 2014, E. 6.1; www.bau-
rekursgericht-zh.ch). Art. 11 Abs. 2 lit. c Ziff. 1 und 2 NISV verlangen Be-
rechnungen einerseits beim strahlenmässig exponiertesten OKA und ande-
rerseits für jene drei OMEN, an denen die elektromagnetische Strahlung
am grössten sein wird. Darüber hinaus sind die Mobilfunkgesellschaften in
der Regel zu keinen zusätzlichen Grenzwertberechnungen verpflichtet
(BRGE II Nr. 0146/2011 vom 21. Juni 2011, E. 6.5).
9.2.
Das Standortdatenblatt vom 28. Februar 2017, welches Bestandteil des
Baugesuchs war und auf welchem die angefochtene Baubewilligung ba-
siert, zeigt, dass die strittige Basisstation die gesetzlichen Grenzwerte an
den massgebenden Orten einhält, wenn auch teilweise knapp am Limit
(act. 20.8, S. 10 - 34). Das wird rekurrentischerseits nicht bestritten. Dabei
ist erwähnenswert, dass die private Rekursgegnerin für weit mehr als die
vorgeschriebene OMEN-Anzahl Feldstärkenprognosen erstellt hat, nämlich
für 12 Orte.
9.3.1.
Ergeben die Standortdatenblattberechnungen eine deutliche Einhaltung der
Immissions- und Anlagegrenzwerte, ist eine Messung der elektromagneti-
schen Strahlung nach Inbetriebnahme einer Mobilfunk-Basisstation im Re-
gelfall nicht notwendig.
Abnahmemessungen im Sinne einer Kontrollmassnahme rechtfertigen sich
nur dann, wenn die berechneten elektrischen Feldstärken eher nahe beim
Grenzwert liegen. Diese Auffassung basiert auf dem Umstand, dass die
rechnerische Prognose wohl auf einem Modell basiert, welches der Realität
sehr nahekommt, jedoch aus physikalischen Gründen nicht allen Feinheiten
der Ausbreitung der elektromagnetischen Strahlung Rechnung tragen kann
R3.2017.00119 Seite 18
(Vollzugsempfehlung NISV, S. 20, Ziffer 2.1.8; vgl. auch Leitfaden Mobil-
funk für Gemeinde und Städte, Bern 2010, S. 16, Ziffer 2.4.2).
Gestützt auf diese Empfehlung des Bundes sind gemäss langjähriger ge-
samtschweizerischer Rechtspraxis Abnahmemessungen durchzuführen,
wenn die rechnerische Prognose eine Ausschöpfung des Grenzwerts von
80 % oder mehr ergibt (BGr 1C_244/2007 vom 10. April 2008, E. 4.6;
BRGE IV Nr. 0118/2014 vom 16. Oktober 2014, E. 9.1; Christoph Fritzsche/
Peter Bösch/Thomas Wipf, Zürcher Planungs- und Baurecht, 5. Auflage,
Zürich 2011, Bd. 2, S. 1118). Zu weiteren Abnahme- oder gar periodischen
Kontrollmessungen können die Mobilfunkgesellschaften in der Regel nicht
verpflichtet werden (BRKE III Nr. 0083/2016 vom 6. Juli 2016, E. 4.1.2;
www.baurekursgericht-zh.ch).
In begründeten Einzelfällen kann sich aufgrund der konkreten Sachum-
stände ausnahmsweise eine tiefere Kontrollschwelle als 80 % rechtfertigen.
Für dieses Abweichen müssen unter den Gesichtspunkten der Gleichbe-
handlung und der Verhältnismässigkeit allerdings triftige Gründe vorliegen.
Letztere müssen umso schwerer wiegen, je weiter die errechnete Strahlen-
belastung unter der 80 %-Schwelle liegt (VB.2006.00377 vom 28. März
2007, E. 3.5; BRGE III Nr. 0134/2017 vom 14. September 2017; www.bau-
rekursgericht-zh.ch).
9.3.2.
Das Standortdatenblatt der privaten Rekursgegnerin zeigt, dass die vo-
raussichtlich maximal emittierte Feldstärke bei mehreren OMEN über der
80 %-Schwelle liegen wird. Das geht ohne weiteres aus der nachfolgenden
tabellarischen Übersicht der errechneten elektrischen Feldstärken (EFS)
sowie deren Intensität in % des hier geltenden Anlagegrenzwerts von 5 V/m
hervor.
Nr. 1b 3 5 7 8 9 10 11 12
EFS 4,52 V/m ≙
90,4 %
4,57 V/m ≙
91,4 %
4,87 V/m ≙
97,4 %
4,47 V/m ≙
89,4 %
4,24 V/m ≙
84,8 %
4,94 V/m ≙
98,8 %
4,94 V/m ≙
98,8 %
4,23 V/m ≙
84,6 %
4,50 V/m ≙
90,0 %
Aufgrund der dargelegten Rechtspraxis sind im Bereich dieser OMEN
zwingend Abnahmemessungen nach Inbetriebnahme der Basisstation not-
wendig.
R3.2017.00119 Seite 19
9.3.3.
Es ist Sache der kommunalen Baubehörden, die jeweiligen Standortdaten-
blätter zusammen mit den übrigen Baugesuchsunterlagen auf ihre Voll-
ständigkeit und Richtigkeit zu überprüfen und aufgrund ihrer technischen
Komplexität zudem von einer Fachstelle kontrollieren zu lassen. Im Kanton
Zürich verfügen einzig die Städte Winterthur und Zürich über eine vom
BAFU anerkannte kommunale NIS-Fachstelle. Die übrigen kantonalzürche-
rischen Gemeinden lassen die Standortdatenblattberechnungen vom eben-
falls eidgenössisch anerkannten AWEL, Abteilung Lufthygiene, auf ihre in-
haltliche und rechnerische Korrektheit extern überprüfen (BRGE III
Nr. 0027/2013 vom 27. März 2013, E. 6.1). Dies war auch vorliegend der
Fall; der entsprechende Prüfbericht des AWEL datiert vom 10. Mai 2017.
Darin wird u.a. festgehalten, dass im Bereich der OMEN 3, 5, 9 und 10 bis
spätestens zwei Monate nach der Anlageinbetriebnahme Abnahmemes-
sungen durchzuführen sind (act. 20.32).
9.3.4.
Die Vorinstanz hat den kantonalen Prüfbericht als anfechtbare Verfügung
taxiert und darüber unter dem Titel "Koordination" in Dispositiv-Ziffer 1 wie
folgt beschlossen: "Die Gesamtverfügung der Baudirektion Kanton Zürich
BVV Nr. 17-0645 vom 10. Mai 2017 bildet Bestandteil der vorliegenden
Baubewilligung". Dieses Vorgehen ist aus den nachfolgenden Gründen
rechtswidrig:
Für die Erstellung von Mobilfunk-Basisstationen innerhalb der Bauzonen ist
weder eine kantonale Prüfung in Verfügungsform explizit vorgeschrieben
noch ist sonst eine kantonale Genehmigung erforderlich (BRKE II
Nrn. 0185 - 0186/2002 vom 20. August 2002, E. 6). Die Beurteilung der
Standortdatenblätter erfolgt deshalb im Rahmen eines Fachberichts des
AWEL, was u.a. ohne weiteres aus dem Inhalt und Layout derartiger Be-
richte ersichtlich ist, wie auch vorliegend (vgl. act. 20.32). So fehlt etwa ein
Verfügungsdispositiv, was der Vorinstanz hätte auffallen müssen. Im An-
schluss an die kantonale fachtechnische Berichterstattung ist es vielmehr
Aufgabe der kommunalen Baubehörde, die jeweiligen Resultate und Emp-
fehlungen des AWEL in den baurechtlichen Entscheid zu implementieren,
wobei die kommunalen Baubehörden diesbezüglich noch über einen ge-
wissen Ermessensspielraum verfügen. Diese kantonale Dienstleistung ist
für die Gemeinden im Übrigen kostenpflichtig; die entsprechenden Kosten
R3.2017.00119 Seite 20
(im vorliegenden Fall Fr. 2'400.--) werden in der Regel der Bauherrschaft
weiterverrechnet.
Solche Fachberichte des AWEL sind folglich nicht anfechtbar und auch
nicht im vorinstanzlichen Sinne gestützt auf § 8 BVV zu koordinieren
(BRGE II Nr. 0044/2014 vom 25. März 2014, E. 1, www.baurekursgericht-
zh.ch). Dispositiv-Ziffer I.1 des angefochtenen Beschlusses ist deshalb auf-
zuheben. Die Vorinstanz ist einzuladen, die angefochtene Baubewilligung
im genannten Sinne zu ergänzen. Sie wird dabei zu berücksichtigen haben,
dass die 80 %-Schwelle nicht nur bei den OMEN 3, 5, 9 und 10, sondern
auch noch bei den OMEN 1b, 7, 8, 11 und 12 überschritten wird.
Insoweit erweist sich der Rekurs als begründet und ist dementsprechend
teilweise gutzuheissen.
9.4.
Die Rekurrierenden monieren die grosse Messunsicherheit bei den Ab-
nahmemessungen, weshalb nicht einmal die Einhaltung der ohnehin viel zu
tiefen Anlagegrenzwerte gewährleistet sei. Bezüglich der biologischen
Strahlenauswirkungen sei die angewendete Messtechnik sowieso weitge-
hend nutzlos.
Abnahmemessungen werden nach den Messempfehlungen der Fachstellen
des BAFU und des Eidgenössischen Institutes für Metrologie (METAS)
durchgeführt. Diese erstmals in den Jahren 2002 bzw. 2003 veröffentlichten
und seither ergänzten Empfehlungen sollen einheitliche und möglichst ge-
naue Messungen an den OMEN garantieren. Ziel solcher Messungen ist
‒ wie bereits eingehend dargelegt – die Prüfung von knapp eingehaltenen
Anlagegrenzwerten nach der Inbetriebnahme der Basisstation unter Be-
rücksichtigung der maximal zulässigen Betriebsleistung und nicht die Prü-
fung von strahlenbedingten elektrobiologischen Langzeitauswirkungen.
Die Messung von elektromagnetischer Strahlung ist technisch komplex und
– wie die Rekurrierenden zutreffend einwenden – bis zu einem gewissen
Mass tatsächlich mit Unsicherheiten behaftet (BGr 1C_338/2012 vom
23. Mai 2013, E. 7.2). Mit den genannten Empfehlungen wird gewährleistet,
dass die Messunsicherheit, welche sich aus mehreren Faktoren zu-
sammensetzt (vgl. nachstehend), nicht mehr als 45 % beträgt
(BGr 1C_132/2007 vom 30. Januar 2008, E. 4.6).
R3.2017.00119 Seite 21
Das Bundesgericht hat sich bereits in zahlreichen Fällen mit der Frage der
Messunsicherheit bei NIS-Abnahmemessungen auseinandergesetzt und
sich dabei jeweils auf die genannten Messempfehlungen gestützt, welche
das Gericht als dem aktuellen Stand der Technik entsprechend und folglich
für anwendbar erklärt hat (u.a. BGr 1C_122/2014 vom 23. Oktober 2014,
E. 6.4).
Das METAS hat am 11. Juni 2014 einen Amtsbericht zu dieser Thematik
publiziert (www.metas.ch/metas/de/home/dok/rechtliches/messempfehlung-
nisv.html). Es kommt darin zum Schluss, derzeit gebe es mit den aktuell zur
Verfügung stehenden modernsten Messeinrichtungen und Techniken keine
Möglichkeiten, die gesamte Messunsicherheit von ± 45 % bei der Bestim-
mung des örtlichen Höchstwerts der elektrischen Feldstärke in Innenräu-
men zu verkleinern.
Erschwerend sei dabei, dass sich die Messunsicherheit aus diversen unter-
schiedlichen Faktoren zusammensetze. Bereits die sogenannte Standard-
unsicherheit der Messeinrichtung liege erfahrungsgemäss um ± 10 % bis
± 16 %. Diese umfasse Unsicherheitsquellen wie die Messantenne bzw. die
Feldsonde, die Verbindungskabel und – trotz guter Kalibrierung – das
Messgerät selbst. Weitere Unsicherheiten ergäben sich bei der Probenah-
me (± 15 %), d.h. bei den Auswirkungen des Messvorgangs aufgrund der
konkreten Verhältnisse vor Ort (Streuung bei der messtechnischen Abtas-
tung des Raums, unterschiedliches Verhalten der elektromagnetischen
Felder etc.).
Insgesamt ergibt sich nach den Ausführungen des METAS aufgrund der
anzuwendenden quadratischen Summierungsregeln bei der Addition der
genannten Faktoren eine Gesamtunsicherheit von typischerweise ± 18 %
bis ± 22 %. Weil die Gesamtunsicherheit ein Intervall mit einem Vertrau-
ensgrad von lediglich 68,3 % definiere, werde oft auf die sogenannte erwei-
terte Messunsicherheit abgestellt. Diese bezeichne die Gesamtunsicherheit
mit einem Erweiterungsfaktor um 2, was zur genannten erweiterten Mess-
unsicherheit von ± 45 % führe. Dies bedeute aber nicht, dass ein Mess-
ergebnis in jedem Fall um diesen Betrag vom wahren Wert abweiche. Wie
gross die Abweichung im konkreten Einzelfall sei, lasse sich allerdings nicht
eruieren. Kleine Abweichungen seien häufiger, grosse seltener. Diese Un-
sicherheitsfaktoren liessen sich mit den aktuell zur Verfügung stehenden
Mitteln weder eliminieren noch ergebnisrelevant minimieren. Die bisherigen
R3.2017.00119 Seite 22
Messempfehlungen würden also noch immer dem gegenwärtigen Stand
der Technik entsprechen.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können diese Unsicherheiten
im Zusammenspiel mit den anderen bestehenden Kontrollfaktoren jedoch
toleriert werden. So sind etwa das Qualitätssicherungsystem (QS-System)
und die Abnahmemessungen laut Gericht ein komplementäres Gesamtpa-
ket (BGr 1C_642/2013 vom 7. April 2014, E. 6.4). Weil, so das Bundesge-
richt weiter, die in der Praxis gemäss den bestehenden Messempfehlungen
durchgeführten Abnahmemessungen dem aktuellen Stand der Technik ent-
sprächen, liege kein technischer Wandel vor, der ein Abweichen von der
bisherigen Rechtsprechung zur Messung der Strahlung von Mobilfunkanla-
gen begründen könnte (BGr 1C_685/2013 vom 6. März 2015, E. 8.4 und
8.5, sowie BGr 1C_343/2015 vom 30. März 2016, E. 6.6; dazu auch
BRGE I Nr. 0195/2017 vom 15. Dezember 2017, E. 4.4.5; www.baurekurs-
gericht-zh.ch).
10.
Nach rekurrentischer Auffassung hat sich das vor Jahren eingeführte QS-
System beim Betrieb der Mobilfunkanlagen in der Praxis als untauglich er-
wiesen.
Die schweizerischen Mobilfunkgesellschaften wurden aufgrund eines Bun-
desgerichtsurteils gestützt auf Art. 12 NISV verpflichtet, bis zum 31. De-
zember 2006 ein QS-System für ihre Basisstationen einzurichten, bei wel-
chem die bewilligten Antenneneinstellungen (Hard- und Softwarekompo-
nenten) zu Kontrollzwecken in einheitlich aufgebaute Datenbanken imple-
mentiert, dort laufend aktualisiert, regelmässig überprüft und – sofern Un-
regelmässigkeiten festgestellt würden – innert Kürze auf das bewilligte
Mass korrigiert werden. Die QS-Systeme von Salt (früher Orange), Sunrise
und Swisscom wurden von den Fach- und Rechtsmittelbehörden als hinrei-
chender Qualitätsmanagementsnachweis u.a. im Sinne des die Mobilfunk-
gesellschaften verpflichtenden Rundschreibens des BAFU vom 16. Januar
2006, welches die bundesgerichtlichen Kontrollvorgaben beim Betrieb von
Mobilfunkanlagen konkretisiert, anerkannt (u.a. BRGE II Nr. 0179/2012 vom
6. November 2012, E. 10, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Mit dem QS-System der schweizerischen Mobilfunkgesellschaften werden
alle relevanten Parameter einer bewilligten Basisstation, also auch diejeni-
R3.2017.00119 Seite 23
gen, welche von der Netzzentrale aus gesteuert werden können (etwa die
Abstrahlungswinkel), erfasst. Mittels einer automatisierten Überprüfungs-
routine werden einmal pro Arbeitstag die effektiv eingestellten Sendeleis-
tungen und Senderichtungen sämtlicher Antennen mit den bewilligten Wer-
ten verglichen (VB.2010.00274 vom 8. September 2010, E. 6.2). Abwei-
chungen von den bewilligten Antennenparametern wären folglich in Kürze
erkennbar und könnten umgehend behoben werden. Zudem hat Salt (wie
die übrigen Mobilfunkgesellschaften) gemäss erwähntem Rundschreiben
des BAFU u.a. den kantonalen Fachstellen periodisch allfällige QS-Feh-
lerprotokolle zuzustellen. Den kantonalen Fachstellen steht zudem eine On-
line-Datenbank zur jederzeitigen unangemeldeten Kontrolle der bewilligten
Antennenparameter zur Verfügung.
Das Bundesgericht hat in zahlreichen Urteilen festgehalten, dass dieses
Prozedere, welches keine Offenlegung der Protokolle der Qualitätssiche-
rung oder der Messprotokolle der Abnahmemessungen oder gar ein "Be-
suchsrecht" der Betriebszentralen durch Dritte beinhaltet, die Einhaltung
der Grenzwerte bei den schweizerischen Mobilfunk-Basisstationen vollum-
fänglich gewährleiste (zuletzt BGr 1C_685/2013 vom 6. März 2015, E. 7.4).
Aus den genannten Gründen darf bei den Grenzwertberechnungen – wie
im vorliegenden Fall – auf die im Baugesuch bzw. in den Standortdatenblät-
tern deklarierten Antennenleistungen und Neigungswinkel (Tilts) abgestellt
werden, auch wenn die verwendeten Komponenten aufgrund ihres techni-
schen Potentials grundsätzlich eine höhere Leistung zuliessen (u.a.
BRGE IV Nr. 0015/2016 vom 4. Februar 2016, E. 7).
11.
Die Rekurrierenden verlangen die Durchführung einer Umweltverträglich-
keitsprüfung (UVP).
Die Verordnung des Bundesrates über die Umweltverträglichkeitsprüfung
vom 19. Oktober 1988 (UVPV) hält als Ausführungserlass von Art. 10
Abs. 3 USG im Detail fest, welche Bauten und Anlagen einer UVP bedür-
fen. Danach unterliegen u.a. ortsfeste Funkanlagen ab einer abgestrahlten
Leistung von 500 kW (entspricht 500'000 W) einer formellen UVP (Zif-
fer 80.7 Anhang UVPV). Die hier strittige Anlage soll mit einer Leistung von
insgesamt maximal 4'880 W, also in einem Leistungsspektrum weit unter-
R3.2017.00119 Seite 24
halb des 500 kW-Bereichs, senden, weshalb sie nach dem unmissver-
ständlichen Verordnungswortlaut nicht UVP-pflichtig ist.
12.1.
Die Rekurrierenden halten die bewilligte Basisstation, welche unzulässige
ideelle Immissionen verursache und in erster Linie nicht für die Quartierver-
sorgung bestimmt sei, für zonenwidrig. In Hadlikon sei der mobile Telefon-
verkehr über das Salt-Netz ohne weiteres möglich. Ein weitergehender
Kommunikationsanspruch bestehe nicht. Er gehe hier vermutlich um eine
Anlage auf Vorrat für das künftige 5G-Netz. In der Wohnzone mit Gewer-
beerleichterung WG/2.6 von Hadlikon seien gemäss Ziffer 6.6.2 BZO nur
mässig störende Gewerbebetriebe bzw. bezüglich Erscheinung und Ver-
kehrsaufkommen vergleichbare Nutzweisen während der üblichen Arbeits-
zeiten gestattet. Dazu gehöre die strittige Basisstation nicht.
12.2.
Leistungsmässig und baulich durchschnittlich dimensionierte Mobilfunk-
Basisstationen innerhalb des Bauzonengebiets werden regelmässig als zo-
nenkonforme Infrastrukturanlagen qualifiziert, sofern ein funk- bzw. abde-
ckungstechnischer Bezug zur Zone besteht, in welcher sie errichtet werden
sollen (BGr 1C_642/2013 vom 7. April 2014, E. 4.1, mit zahlreichen Hin-
weisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Erst wenn die leis-
tungsmässigen und baulichen Ausmasse einer Basisstation den Rahmen
des Üblichen sprengen oder sie im Wesentlichen nicht den Mobilfunkbe-
dürfnissen des Quartiers bzw. der jeweiligen Zone dient, sondern eine weit
darüber hinausgehende Versorgungsfunktion wahrnimmt, kann eine derar-
tige Anlage nicht mehr von vorherein als zonenkonform qualifiziert werden
(u.a. BRGE II Nr. 0186/2015 vom 1. Dezember 2015, E. 9). Eine Basissta-
tion ist also kein Gewerbebetrieb, sondern gehört heute zur üblichen infra-
strukturellen Ausstattung von Wohnzonen (BGr 1C_245/2013 vom 10. De-
zember 2013, E. 2.4), weshalb die Abgrenzung zwischen noch mässig stö-
renden und nicht mehr nur mässig störenden Betrieben irrelevant und damit
Ziffer 6.6.2 BZO hier entgegen rekurrentischer Auffassung nicht anwendbar
und damit ohne Bedeutung ist.
Im Lichte der Zonenkonformität ist es also nicht erforderlich, dass die mit
einer Basisstation aufgebaute Funkzelle ausschliesslich die Mobilfunkver-
sorgung im betreffenden Quartier bzw. in der betreffenden Zone sicherstellt
R3.2017.00119 Seite 25
(BRGE I Nr. 0083/2011 vom 29. April 2011, E. 15). Eine andere Rechtspra-
xis wäre denn auch nicht praktikabel, denn aufgrund ihrer physikalischen
Eigenschaften macht die elektromagnetische Mobilfunkstrahlung nicht an
der Quartier- oder Zonengrenze punktgenau halt, sondern versorgt in den
meisten Fällen deshalb auch noch benachbarte Gebiete mit (BRKE III
Nrn. 0163 und 0164/2010 vom 27. Oktober 2010, E. 6.2; BGr 1C_403/2010
vom 31. Januar 2011, E. 4.3).
Mit einer Gesamtleistung von 4'880 WERP sowie einem rund 4 m hohen
Mast mit den bereits beschriebenen Antennenelementen handelt es sich
bei der strittigen Salt-Basisstation um eine in jeder Hinsicht durchschnittlich
dimensionierte Anlage mit einem hinreichenden funk- und abdeckungs-
technischen Bezug zum betreffenden Wohngebiet bzw. zum Ortsteil Hadli-
kon. Die Rechtspraxis bezeichnet vergleichbare bzw. sogar noch grösser
dimensionierte Basisstationen regelmässig als in Wohngebieten zonenkon-
forme Infrastrukturanlagen (statt vieler: BRKE III Nr. 0120/2009 vom
12. August, E. 15; bestätigt mit VB.2009.00511 vom 2. Dezember 2009,
E. 3.1, dieser bestätigt mit BGr 1C_106/2010 vom 19. Oktober 2010, E. 4;
jene Anlage hatte eine Leistung von 5'880 WERP mit mehreren Antennene-
lementen und Richtfunkantennen an einem 6,3 m hohen Mast). Der Um-
stand, dass die strittige Anlage funktechnisch bedingt auch noch Gebiete
ausserhalb des genannten Wohngebiets, etwa landwirtschaftlich genutzte
Flächen mitversorgt, ändert nach dem Gesagten nichts an ihrer Zonenkon-
formität (BGr 1C_685/2013 vom 6. März 2015, E. 5.3).
Ebenso nicht relevant ist der Einwand der Rekurrierenden, mobil telefonie-
ren auf dem Salt-Netz sei in Hadlikon und Umgebung bereits jetzt gewähr-
leistet. Die vorgesehene Anlage sei wohl das Ergebnis des "geradezu
blindwütig anmutenden Ausbauwahns" der Mobilfunkbetreiber, dies auch
im Hinblick auf die künftige 5G-Technologie. Ist eine Basisstation zonen-
konform, bedarf es keines Bedürfnisnachweises, etwa wegen fehlender
Abdeckung oder mangelhafter Kapazität. Somit ist es unmassgeblich, ob
der von den Mobilfunkkonzessionen geforderte Abdeckungsgrad jeweils
bereits erreicht ist oder mit der neuen zonenkonformen Funkzelle mobile
Kommunikationsarten wie etwa SMS, MMS, Internet, E-Mail, TV-Empfang,
Streaming-Dienste oder andere internetbasierte Applikationen optimiert
werden können oder zusätzlich möglich sind (BGr 1C_329/2013 vom
23. Oktober 2013, E. 3.1). Auf den rekurrentischen Einwand, es handle sich
hier um eine Anlage "auf Vorrat", muss also nicht weiter eingegangen wer-
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den. Ob das Streitobjekt dereinst in das 5G-Netz integriert wird, ist gleich-
falls irrelevant. Ohnehin wird sich dannzumal die Frage stellen, ob es zu-
lässig ist, diese neue Funktechnologie ohne neue Baubewilligung auf die
bestehenden Basisstationen aufzuschalten.
12.3.
Ideelle Immissionen können im öffentlichen Baurecht generell nur dann ein
relevantes Beurteilungskriterium sein, wenn es um die Prüfung der Zonen-
konformität von gewerblichen Betrieben in vorab dem Wohnen dienenden
Zonen geht (u.a. VB.2013.00078 vom 24. Oktober 2013, E. 3.5.1). Im Übri-
gen sind sie irrelevant (BRGE IV Nr. 0015/2016 vom 4. Februar 2016,
E. 9.4.1). Somit können die rekurrentischerseits monierten ideellen Immis-
sionen kein Kriterium für die Beurteilung der Bewilligungsfähigkeit der
streitbetroffenen Basisstation sein.
13.
Schliesslich verlangen die Rekurrierenden von der privaten Rekursgegnerin
bzw. von der Gemeinde oder vom Kanton den Nachweis einer Versiche-
rungsdeckung für den durch den Betrieb der strittigen Anlage entstandenen
Schaden sowie eine Entschädigung für die Wertverminderung ihrer Liegen-
schaften.
Die Wahrung privatrechtlicher Ansprüche – wie zum Beispiel Schadener-
satzbegehren im Zusammenhang mit geplanten oder bereits realisierten
Bauvorhaben, Versicherungsfragen oder die Prüfung der Haftpflicht von
Anlagebetreibern im Sinne der Art. 59a und 59b USG – ist vor den Zivilge-
richten geltend zu machen (§ 317 PBG) und kann deshalb nicht zum Inhalt
von Baurekursen gemacht werden (BRKE I Nrn. 0026 und 0027/2006 vom
3. Februar 2006, E. 18).
14.
Die übrigen gerügten Verletzungen von Gesetzen (etwa des Fernmeldege-
setzes), der BV und der EMRK werden von den Rekurrierenden in keiner
Weise rechtsgenügend substantiiert, weshalb darauf nicht näher einzuge-
hen ist.
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15.
Insgesamt ist auf den Rekurs von G. und V. T. sowie von F. und S. U. nicht
einzutreten.
Der Rekurs von W. und C. M., M. und B. G., R. U., N. H., E. N. und D. R.,
Y. Z., D. und I. T., U. und A. E., S. und H. N., R. O., I. K., B. E., S. und O.
A., U. und Y. K., A. und A. und H. sowie von N. und O. E. ist insoweit teil-
weise gutzuheissen, als Dispositiv-Ziffer I.1 der angefochtenen Baubewilli-
gung aufzuheben ist. Die Vorinstanz ist einzuladen, die Abnahmemessun-
gen im unter Ziffer 9.3.4 dargelegten Umfang zu ergänzen.
Im Übrigen ist der Rekurs abzuweisen.
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