Decision ID: 436ae19a-405c-4932-beb6-89cd8d791f25
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem (Rück-
weisung des Schweizerischen Bundesgerichtes)
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung - , vom 21. Juni 2012 (GG120108); Beschluss des Obergerichtes des
Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 30. Januar 2015 (SB140205); Urteil des
Schweizerischen Bundesgerichtes vom 26. Januar 2016 (6B_241/2015)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. April 2012 ist diesem
Urteil beigeheftet (Urk. 20).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig des unbefugten Eindringens in ein
Datenverarbeitungssystem im Sinne von Art. 143bis StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu
Fr. 1'000.00.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Auf das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin B._ AG wird nicht
eingetreten.
5. Das Verfahren wird hinsichtlich der Straf- und Zivilklage von Dr. C._
eingestellt.
6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'800.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
- 3 -
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ AG für das
gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von total Fr. 60'253.05 zu
bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Des Verteidigers des Beschuldigten:
(Urk. 124 S. 2 f.)
"1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 21. Juni 2012 i.S.
GG120108-L / U sei mit Ausnahme von Dispositivziffern 4 und 5 so-
wie 9 und 10 vollumfänglich aufzuheben.
2. Die Dispositivziffern 1-2 und 4-6 des Beschlusses der II. Strafkam-
mer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 30. Januar 2015
(SB140205) seien zu bestätigen.
3. Dem Berufungsführer seien keine Gerichtsgebühren für das erstin-
stanzliche Verfahren vor dem Bezirksgericht Zürich (Prozess. Nr.:
GG120108-L/U) aufzuerlegen.
4. Der Berufungsführer sei nicht zu verpflichten, der B._ AG für
das erstinstanzliche Verfahren vor dem Bezirksgericht Zürich (Pro-
zess. Nr.: GG120108-L/U) eine Prozessentschädigung zu bezahlen.
5. Es seien dem Berufungsführer
(i) eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 100'939.40 zu-
züglich Zins von 5% seit 21. Juni 2012 (Anwaltskosten); und
(ii) eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 1'218'749
zuzüglich Zins von 5 % seit 21. Juni 2012 (entgangenes
Einkommen); sowie
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(iii) eine Genugtuung von CHF 5'000 zuzüglich Zins von 5% seit
21. Juni 2012
für das erstinstanzliche Verfahren vor dem Bezirksgericht Zürich
(Prozess. Nr.: GG120108-L/U) zuzusprechen.
6. Dem Berufungsführer sei eine Parteientschädigung in der Höhe von
CHF 10'979.40 für das vorliegende obergerichtliche Verfahren
(SB160047) aus der Gerichtskasse zuzusprechen."
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 130 S. 1)
Keine Anträge.
c) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 140 S. 6, sinngemäss)
Die Forderung des Berufungsklägers sei, unter Kostenfolgen zu Lasten des
Berufungsklägers, abzuweisen.
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung - Einzelgericht, vom
21. Juni 2012 wurde der Beschuldigte des unbefugten Eindringens in ein Daten-
verarbeitungssystem im Sinne von Art. 143bis StGB schuldig gesprochen und mit
einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 1'000.– bestraft. Auf das
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Schadenersatzbegehren der Privatklägerin B._ AG (nachfolgend: B._)
wurde nicht eingetreten. Hinsichtlich der Straf- und Zivilklage von Dr. C._
wurde das Verfahren eingestellt.
2. Der Beschuldigte meldete gegen das vorinstanzliche Urteil mit Eingabe
vom 25. Juni 2012 fristgerecht Berufung an (Urk. 38) und reichte mit Schreiben
vom 22. Oktober 2012 die Berufungserklärung ein (Urk. 45). Er beantragte einen
vollumfänglichen Freispruch und die Zusprechung einer Prozessentschädigung,
alles unter Kostenfolge zulasten der Staatskasse und der B._. Die Privatklä-
gerschaft und die Staatsanwaltschaft erhoben keine Berufung und verzichteten
auf Anschlussberufung (Urk. 49; Urk. 53 S. 4). Nicht angefochten wurden Disposi-
tivziffern 4 und 5 des vorinstanzlichen Urteils (Nichteintreten auf das Schadener-
satzbegehren der Privatklägerin B._ und Einstellung des Verfahrens betref-
fend Straf- und Zivilklage von Dr. C._).
3. Mit Präsidialverfügung vom 23. Januar 2013 wurden die Beweisanträge
des Beschuldigten gemäss Eingabe vom 22. Oktober 2012 auf Einvernahme von
Zeugen, Edition von EDV-Anlagen-Nutzungsverträgen und Einholung eines Gut-
achtens über die existenzbedrohende Situation der D._ einstweilen abgewie-
sen (Urk. 54).
4. Mit Eingabe vom 25. März 2013 reichte der Beschuldigte im Hinblick
auf die Berufungsverhandlung vom 7. Mai 2013 eine kurze Begründung seiner
Berufung ein. Darin liess er unter anderem – wie bereits vor Vorinstanz – geltend
machen, die B._ sei nicht strafantragsberechtigt (Urk. 58). Mit Eingabe vom
10. April 2013 beantragte er, das Verfahren sei auf die Vorfrage des Vorliegens
eines Strafantrages zu beschränken (Urk. 59). Dieser Antrag wurde mit Beschluss
vom 24. April 2013 abgewiesen (Urk. 60).
5. Am 7. Mai 2013 fand die Verhandlung des ersten Berufungsverfahrens
statt (Urk. 66 S. 6 ff.).
Mit Beschluss der erkennenden Kammer vom 7. Mai 2013 wurde festge-
stellt, dass das vorinstanzliche Urteil bezüglich der Dispositivziffern 4 und 5 in
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Rechtskraft erwachsen ist. Das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wurde
eingestellt und das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 6
bis 8) bestätigt. Dem Beschuldigten wurde sodann für das Berufungsverfahren ei-
ne Prozessentschädigung von Fr. 8'640.– aus der Gerichtskasse zugesprochen
(Urk. 67).
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschuldigte Beschwerde in Strafsachen
an das Schweizerische Bundesgericht und beantragte insbesondere die Aufhe-
bung der Dispositivziffer 3 des Beschlusses vom 7. Mai 2013 (Urk. 71/2 S. 2). Mit
Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts vom 22. April 2014 wurde
die Beschwerde gutgeheissen, der genannte Beschluss wegen Verletzung des
rechtlichen Gehörs aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an das
Obergericht zurückgewiesen (Urk. 75 = Urk. 76).
6. Nach durchgeführtem Schriftenwechsel wurde im zweiten Berufungs-
verfahren mit Beschluss der erkennenden Kammer vom 30. Januar 2015 festge-
stellt, dass das vorinstanzliche Urteil bezüglich der Dispositivziffern 4 und 5 in
Rechtskraft erwachsen ist. Das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wurde
eingestellt und das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 6
bis 8) bestätigt. Dem Beschuldigten wurde sodann für das erste und das zweite
Berufungsverfahren je eine Prozessentschädigung von Fr. 8'640.– aus der Ge-
richtskasse zugesprochen (Urk. 108).
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschuldigte Beschwerde in Strafsachen
an das Schweizerische Bundesgericht und beantragte insbesondere die Aufhe-
bung der Dispositivziffer 3 des Beschlusses vom 30. Januar 2015 (Urk. 112/2
S. 2). Mit Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts vom 26. Januar
2016 wurde die Beschwerde gutgeheissen, der genannte Beschluss aufgehoben
und die Sache zur neuen Entscheidung an das Obergericht zurückgewiesen
(Urk. 119 = Urk. 120).
7. Mit Beschluss vom 18. Februar 2016 wurde die schriftliche Durchfüh-
rung des dritten Berufungsverfahrens angeordnet und dem Beschuldigten Frist
zur Begründung der Berufung angesetzt (Urk. 121). Die Berufungsbegründung
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des Beschuldigten erfolgte mit Eingabe vom 14. März 2016 (Urk. 124). Mit Präsi-
dialverfügung vom 21. März 2016 wurde der Staatsanwaltschaft, der Privatkläger-
schaft und der Vorinstanz Frist zur Beantwortung der Berufung bzw. zur freige-
stellten Vernehmlassung angesetzt (Urk. 126). Die Staatsanwaltschaft und die
Vorinstanz verzichteten auf Vernehmlassung bzw. eine Berufungsantwort
(Urk. 130, Urk. 131). Mit Präsidialverfügung vom 12. April 2016 wurden die Anträ-
ge des Beschuldigten, wonach die Privatklägerschaft verpflichtet werden soll, die
zugestellte Berufungsbegründung zu vernichten bzw. geheim zu halten, abgewie-
sen (Urk. 132). Die Berufungsantwort der Privatklägerschaft erfolgte mit Schrei-
ben vom 5. Juli 2016 (Urk. 140). Mit Präsidialverfügung vom 7. Juli 2016 wurde
dem Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft die Berufungsantwort zugestellt
(Urk. 141). Mit Schreiben vom 18. Juli 2016 teilte der Beschuldigte mit, sein Recht
auf Replik wahrnehmen zu wollen (Urk. 143), was er mit Eingabe vom 25. Juli
2016 tat (Urk. 144). Die Stellungnahme des Beschuldigten wurde mit Präsidialver-
fügung vom 26. Juli 2016 der Privatklägerschaft und der Staatsanwaltschaft zu-
gestellt (Urk. 146).
8. Mit der Berufungsbegründung vom 14. März 2016 stellte der Beschul-
digte den Antrag, die Akten des Verfahrens vor dem Bezirksgericht, die Akten des
ersten und des zweiten Berufungsverfahrens sowie die Akten des ersten und des
zweiten Verfahrens vor Bundesgericht beizuziehen (Urk. 124 S. 2). Die Akten der
Vorinstanz sowie des ersten und zweiten Berufungsverfahrens befinden sich be-
reits in den Akten des vorliegenden Berufungsverfahrens (Urk. 1-119). Von den
beiden Verfahren vor Bundesgericht liegen der erkennenden Kammer die Be-
schwerden des Beschuldigten ans Bundesgericht (Urk. 71/2 und Urk. 112/2) so-
wie die beiden Urteile des Bundesgerichts (Urk. 76 und Urk. 120) vor. Es er-
scheint nicht notwendig, weitere Akten des bundesgerichtlichen Beschwerdever-
fahrens beizuziehen.
II. Prozessuales
1. Hebt das Bundesgericht einen Entscheid auf und weist es die Sache zu
neuer Beurteilung an die kantonale Instanz zurück, so wird der Streit in jenes Sta-
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dium vor der kantonalen Instanz zurückversetzt, in dem er sich vor Erlass des an-
gefochtenen Entscheides befunden hat. Die kantonale Instanz hat ihrem neuen
Entscheid die rechtliche Begründung der Kassationsinstanz zu Grunde zu legen.
Auch wenn Art. 107 Abs. 2 des Bundesgerichtsgesetzes (BGG, SR 173.110) die
Regelung von Art. 277ter Abs. 2 aBStP beziehungsweise Art. 66 aOG nicht aus-
drücklich übernommen hat, gilt dieser Grundsatz ebenso unter dem seit dem
1. Januar 2007 geltenden Bundesgerichtsgesetz, da diese Bindungswirkung im
Bundesgerichtsgesetz als selbstverständlich vorausgesetzt wird (Seiler/von
Werdt/Güngerich, Bundesgerichtsgesetz, Handkommentar, Bern 2007, Art. 107
N 9; BGE 135 III 334 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_296/2014 vom 20. Ok-
tober 2014 E. 1.2.2). Die Vorinstanz – mithin die erkennende Kammer – ist somit
an die Auffassung des Bundesgerichtes gebunden. Das Bundesgerichtsgesetz
kennt das Institut der Teilrechtskraft nicht. Im aktuellen Berufungsverfahren sind
daher grundsätzlich alle bereits im ersten Berufungsverfahren umstrittenen Punk-
te nochmals zu überprüfen. Allerdings galt schon unter dem bisherigen Recht,
dass die kantonale Behörde, die nach der Rückweisung neu entscheiden muss,
nur in jenen Punkten auf ihr Urteil zurückkommen darf, die zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheides durch das Bundesgericht geführt haben, selbst wenn
aus formellen Gründen das ganze Urteil aufgehoben wurde (BGE 123 IV 1 E. 1;
BGE 121 IV 109 E. 7; BGE 110 IV 116). Entscheidend ist auf die materielle Trag-
weite des bundesgerichtlichen Urteils abzustellen und folglich danach zu fragen,
ob damit der kantonale Entscheid insgesamt oder nur teilweise aufgehoben wur-
de.
Mit seiner Beschwerde ans Bundesgericht focht der Beschuldigte nur Dispo-
sitivziffer 3 des Beschlusses der erkennenden Kammer vom 30. Januar 2015 an,
worin das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 6 bis 8) be-
stätigt wurde (Urk. 112/2). Der bundesgerichtliche Aufhebungsentscheid bezieht
sich nur auf die Frage, ob dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und
des erstinstanzlichen Verfahrens auferlegt werden durften und ob er verpflichtet
werden durfte, der Privatklägerin B._ AG eine Prozessentschädigung für das
erstinstanzliche Verfahren zu bezahlen, was vom Bundesgericht verneint wurde,
und darauf, ob dem Beschuldigten eine Prozessentschädigung für das erstin-
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stanzliche Verfahren hätte zugesprochen werden müssen, was vom Bundesge-
richt bejaht wurde. Es wies die Sache deshalb zur neuen Entscheidung an die er-
kennende Kammer zurück (Urk. 120). Da hinsichtlich der Dispositivziffern 1, 2, 4,
5 und 6 des Beschlusses der erkennenden Kammer vom 30. Januar 2015 keine
Anfechtung durch den Beschuldigten und entsprechend keine Korrektur durch das
Bundesgericht erfolgte, bleibt der angefochtene obergerichtliche Entscheid bezüg-
lich dieser Punkte grundsätzlich bestehen. Dies entspricht auch den Berufungsan-
trägen des Beschuldigten, welcher beantragte, die Dispositivziffern 1-2 und 4-6
des genannten Beschlusses zu bestätigen, und welcher davon ausgeht, dass sich
auch das dritte Berufungsverfahren auf die Fragen der Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen beschränkt (vgl. Urk. 124 S. 2 f. und S. 6). Die erkennende Kammer
hat den aufgehobenen Entscheid nur nach Massgabe des bundesgerichtlichen
Urteils zu überprüfen. Um eine extensive Wiederholung des aufgehobenen Ent-
scheides zu vermeiden, kann bezüglich der faktisch in Rechtskraft erwachsenen
Teile in sinngemässer Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO auf die Erwägungen
im aufgehobenen Entscheid verwiesen werden. Der Übersichtlichkeit halber (und
weil mit Urteil des Bundesgerichts vom 26. Januar 2016 der gesamte Beschluss
der erkennenden Kammer vom 30. Januar 2015 aufgehoben wurde) wird im heu-
tigen Entscheid allerdings das vollständige Dispositiv wiedergegeben.
Insbesondere was die Feststellung der Rechtskraft der Dispositivziffern 4
und 5 des vorinstanzlichen Entscheids, den Strafantrag und die Verletzung des
Anklageprinzips betrifft, kann auf E. II Ziff. 1 des Beschlusses der erkennenden
Kammer vom 30. Januar 2015 verwiesen werden (Urk. 108 S. 8 f.), wo auf die
Erwägungen im Beschluss der erkennenden Kammer vom 7. Mai 2013 E. I Ziff. 2
(mit der Korrektur, dass Dispositivziffer 4 und 5 statt 4 bis 6 in Rechtskraft er-
wachsen sind) sowie E. II (Urk. 67 S. 2 ff.) verwiesen wird. Im Folgenden ist hin-
gegen erneut auf das Thema Kosten- und Entschädigungsfolgen einzugehen.
2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) folgt unter
anderem die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen.
Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid ge-
gebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Begründung muss kurz die we-
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sentlichen Überlegungen nennen, von denen sich das Gericht hat leiten lassen
und auf die sich sein Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich
der Entscheid mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (BGE 133 III 439 E. 3.3). Deshalb
ist vorab festzuhalten, dass im Folgenden einzig auf die entscheidrelevanten Ar-
gumente eingegangen werden wird.
III. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Vorinstanzliche Kostenauflage
1.1. Allgemeines
Gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO können der beschuldigten Person bei Einstel-
lung des Verfahrens die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden,
wenn sie die Einleitung des Verfahrens rechtswidrig und schuldhaft bewirkt oder
dessen Durchführung erschwert hat. Nach der Rechtsprechung des Bundesge-
richts zu Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK dürfen einer beschuldigten
Person bei Freispruch oder Einstellung des Verfahrens nur dann Kosten auferlegt
werden, wenn diese durch ein unter rechtlichen Gesichtspunkten vorwerfbares
Verhalten die Einleitung des Strafverfahrens veranlasst oder dessen Durchfüh-
rung erschwert hat (sogenanntes prozessuales Verschulden). Bei dieser Kosten-
pflicht handelt es sich nicht um eine Haftung für ein strafrechtliches Verschulden,
sondern um eine zivilrechtlichen Grundsätzen angenäherte Haftung für ein fehler-
haftes Verhalten, durch das die Einleitung oder Erschwerung eines Strafverfah-
rens verursacht wurde. Es ist mit Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK ver-
einbar, einer nicht verurteilten beschuldigten Person die Kosten aufzuerlegen,
wenn diese in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise – d.h. im Sinne einer analogen
Anwendung von Art. 41 OR – gegen eine Verhaltensnorm, die sich aus der Ge-
samtheit der schweizerischen Rechtsordnung ergeben kann, klar verstossen und
dadurch das Strafverfahren veranlasst oder dessen Durchführung erschwert hat,
wobei sich die Kostenauflage in tatsächlicher Hinsicht nur auf unbestrittene oder
bereits klar nachgewiesene Umstände stützen darf. Diese Grundsätze gelten
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auch für die Verweigerung einer Parteientschädigung (Urteil des Bundesgerichts
6B_67/2014 vom 2. September 2014 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts
1B_21/2012 vom 27. März 2012 E. 2.1; BGE 119 Ia 332 E. 1b; BGE 112 Ia 371
E. 2a; Griesser, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweize-
rischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, Art. 426 N 9; BSK StPO-Domeisen,
2. Aufl. 2014, Art. 426 N 23, 29 und 37; Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl.
2013, Art. 426 N 6).
Zwischen dem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten und den entstandenen
Verfahrenskosten muss ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Das
heisst, das Benehmen der beschuldigten Person muss nach dem gewöhnlichen
Lauf der Dinge und der allgemeinen Erfahrung des Lebens geeignet sein, den
Verdacht einer strafbaren Handlung zu erwecken und damit Anlass zur Eröffnung
eines Strafverfahrens zu geben oder die Durchführung des im Gange befindlichen
Strafprozesses zu erschweren. Eine Kostentragung kommt aber nur in Frage,
wenn sich die Behörde aufgrund des normwidrigen Verhaltens der beschuldigten
Person in Ausübung pflichtgemässen Ermessens zur Einleitung eines Strafverfah-
rens veranlasst sehen konnte (BGE 116 Ia 162 E. 2c S. 170 f.).
1.2. Verhalten des Beschuldigten
Dem Beschuldigten wird im ersten und zweiten Abschnitt der Anklageschrift
vorgeworfen, er habe in der Zeit vom 13. Januar 2011 bis 8. Februar 2011 bei drei
Gelegenheiten in den Geschäftsräumlichkeiten der Firma "D._ AG"
(D._) bzw. der Firma "E._ AG" (E._) an den von F._, G._
und C._ benutzten Computerstationen heimlich und unbefugt einen Keylog-
ger eingesetzt, um durch die auf dem Keylogger abgespeicherten Tasteninforma-
tionen die Logins und Passwörter der vorerwähnten Personen zu erlangen und
sich damit Zugriff auf deren Computerarbeitsbereiche zu verschaffen und Einblick
in für ihn fremde Informationen zu bekommen. Im dritten Abschnitt wird dem Be-
schuldigten vorgeworfen, er habe die mittels Keylogger erlangten Tasteninforma-
tionen (Login, Passwort) betreffend C._ verwendet, indem er am 8. Februar
2011 unter Eingabe des Logins und Passwortes Zugriff auf die gesamten Daten
(Geschäftsunterlagen, geschäftliche und private Ordner, private und geschäftliche
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Mails) von C._ genommen und aus dessen Mailkonto Informationen erlangt
habe (Urk. 20). Vorgeworfen wird ihm deshalb, den Tatbestand des unbefugten
Eindringens in ein Datenverarbeitungssystem im Sinne von Art. 143bis StGB erfüllt
zu haben. Dabei handelt es sich um ein Antragsdelikt.
Der Beschuldigte anerkannte den Sachverhalt wie bereits im Vorverfahren
und vor Vorinstanz auch im ersten und im zweiten Berufungsverfahren (Urk. 59
S. 1, Urk. 84 S. 7). Sein Geständnis deckt sich mit dem Untersuchungsergebnis.
Für die Beurteilung der Kosten- und Entschädigungsfolgen ist somit von diesem
Sachverhalt auszugehen. Dabei geht es darum, ob sich aus dem Sachverhalt ei-
ne zivilrechtlichen Grundsätzen angenäherte Haftung für ein fehlerhaftes Verhal-
ten des Beschuldigten ergibt, welches die Einleitung des Strafverfahrens verur-
sacht hat. Ob sich aus dem Sachverhalt ein strafrechtliches Verschulden des Be-
schuldigten ergibt, steht jedoch nicht mehr im Raum, da bereits mit Beschluss
vom 7. Mai 2013, auf welchen mit Beschluss vom 30. Januar 2015 hingewiesen
wurde, festgestellt wurde, dass infolge Verletzung des Anklageprinzips das Straf-
verfahren gegen den Beschuldigten einzustellen sei.
1.3. Würdigung
1.3.1. Der Beschuldigte führte in seiner Berufungsbegründung aus, das
Obergericht müsse den bundesgerichtlichen Erwägungen folgen, wonach die an-
gebliche Persönlichkeitsverletzung des Beschuldigten zum Nachteil von F._,
G._ und C._ für die Einleitung des Strafverfahrens gegen den Beschul-
digten nicht kausal gewesen sei, weshalb ihm keine Verfahrenskosten auferlegt
werden dürften. Das Bundesgericht habe festgehalten, dass es - wegen fehlender
Strafanträge - am adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten des
Beschuldigten und den Kosten des Strafverfahrens gefehlt habe. Damit stehe
fest, dass dem Beschuldigten kein unerlaubtes Handeln vorgeworfen werden
könne (Urk. 124 S. 6 f.).
1.3.2. Das Verhalten des Beschuldigten ist geeignet, die Persönlichkeit der
betroffenen Personen (F._, G._ und C._) im Sinne von Art. 28
Abs. 1 ZGB widerrechtlich zu verletzen. Das Recht der Persönlichkeit schützt die
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Privatsphäre. Der Privatbereich umfasst diejenigen Lebensäusserungen, die der
Einzelne gemeinhin mit nahe verbundenen Personen, aber nur mit diesen, teilen
will (BSK ZGB I-Meili, 5. Aufl. 2014, Art. 28 N 26). Dazu gehören auch auf Com-
putern gespeicherte, passwortgeschützte Informationen, insbesondere private
und geschäftliche E-Mails. Indem sich der Beschuldigte die Passwörter der be-
troffenen Personen beschaffte bzw. bei C._ das Passwort auch benutzte und
auf dessen Daten zugriff, drang er in deren Privatsphäre ein und verletzte damit
deren Persönlichkeit. Er hat dies bewusst und somit schuldhaft getan. Das Bun-
desgericht verneinte in seinem Urteil 6B_241/2015 vom 26. Januar 2016 (Urk.
120) aber den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem zivilrechtlich vor-
werfbaren Verhalten, welche die erkennende Kammer dem Beschuldigten anlas-
tete, und den Kosten des Strafverfahrens. Es führte dazu Folgendes aus:
"... 1.3.3. Nach Art. 143bis StGB macht sich strafbar, wer auf dem Wege von  unbefugterweise in ein fremdes, gegen seinen Zugriff besonders
gesichertes Datenverarbeitungssystem eindringt. Der Tatbestand schützt Datenverarbei-
tungssysteme vor Eindringlingen (Hackern), die darauf aus sind, Sicherungen zu durch-
brechen und in gesicherte Datensysteme einzudringen, ohne damit weitere, insbesonde-
re wirtschaftliche Zwecke zu verfolgen. Angriffsobjekt sind das Datenverarbeitungssys-
tem bzw. die Datenverarbeitungsanlage, nicht die darin gespeicherten Daten. Die Tat ist
ein Antragsdelikt. Strafantrag stellen kann, wer berechtigt ist, über den Zugang zur Anla-
ge und damit zu den dort gespeicherten Daten zu bestimmen. Dies ist beim unbefugten
Zugriff auf ein mit einem Passwort geschütztes E-Mail-Konto in einem Datenverarbei-
tungssystem auch dessen Inhaber (Urteile 6B_615/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 4.3
und 6B_456/2007 vom 18. März 2008 E. 4; je mit Hinweisen).
Bei Straftaten, die nur auf Antrag oder nach Ermächtigung verfolgt werden, wird ein Vor-
verfahren erst eingeleitet, wenn der Strafantrag gestellt oder die Ermächtigung erteilt wird
(Art. 303 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 30 Abs. 1 StGB steht, wenn eine Tat nur auf Antrag
strafbar ist, das Antragsrecht jeder Person zu, die durch sie verletzt worden ist. Verletzt
ist, wer Träger des unmittelbar betroffenen Rechtsguts ist. Dieser ergibt sich durch Aus-
legung des betreffenden Tatbestandes (BGE 128 IV 81 E. 3a; 118 IV 209 E. 2; je mit
Hinweisen).
1.4. Der Argumentation der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden. Das vom  eingestandene Verhalten mag den Verdacht einer strafbaren Handlung erweckt
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und damit Anlass zur Eröffnung eines Strafverfahrens gegeben haben. Es ist somit
grundsätzlich kausal für die Einleitung eines Strafverfahrens und die dadurch entstande-
nen Kosten. Dies gilt allerdings nicht für die Kosten des vorliegenden Strafverfahrens. Die
Vorinstanz lastet dem Beschwerdeführer ein zivilrechtlich vorwerfbares Verhalten an, weil
er die Persönlichkeitsrechte von D._, E._ und F._ verletzt ha-
be. Indessen stellte einzig die Beschwerdegegnerin 2 einen rechtsgültigen Strafantrag.
Damit ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem gemäss Vorinstanz zivil-
rechtlich vorwerfbaren Verhalten des Beschwerdeführers und den Kosten dieses Straf-
verfahrens nicht gegeben. Die Vorinstanz verstösst gegen Art. 426 Abs. 2 StPO, wenn
sie dem Beschwerdeführer Verfahrenskosten auferlegt, gegen Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO,
wenn sie ihm keine Prozessentschädigung zuspricht und gegen Art. 433 Abs. 1 lit. b
StPO, wenn sie ihn verpflichtet, der Beschwerdegegnerin 2 eine Prozessentschädigung
zu bezahlen. Bei diesem Verfahrensausgang muss auf die weiteren Vorbringen des Be-
schwerdeführers nicht eingegangen werden. Damit ist nicht zu prüfen, ob die Vorinstanz
die Kostenauflage, insbesondere die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Recht-
fertigungsgründe, in tatsächlicher Hinsicht lediglich auf unbestrittene oder bereits klar
nachgewiesene Umstände stützt. ..."
Bereits der Einzelrichter hatte festgestellt, dass C._ keinen Strafantrag
gestellt hatte (Urk. 43 S. 28 f.), was unangefochten blieb. Einzig die B._ AG
stellte einen rechtsgültigen Strafantrag. Da nicht die Personen, insbesondere
C._, welche durch das Verhalten des Beschuldigten in ihrer Persönlichkeit
verletzt worden waren, einen Strafantrag stellten, welcher zur Einleitung des Vor-
verfahrens führte, fehlt es am adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem
Verhalten des Beschuldigten und den entstandenen Kosten des Strafverfahrens.
Es sind ihm deshalb keine Kosten im Sinne von Art. 426 Abs. 2 StPO aufzuerle-
gen. Vielmehr ist bei diesem Verfahrensausgang die erstinstanzliche Kostenfest-
setzung (Ziffer 6) zwar zu bestätigen; die Kosten der Untersuchung und des erst-
instanzlichen Gerichtsverfahrens sind jedoch auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Prozessentschädigung für die Untersuchung und das erstinstanzliche
Gerichtsverfahren
2.1. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat die beschuldigte Person, wenn
sie freigesprochen oder das Verfahren gegen sie eingestellt wird, Anspruch auf
- 15 -
Entschädigung für ihre Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Ver-
fahrensrechte.
2.2. Der Beschuldigte beantragte für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren
eine Parteientschädigung von Fr. 100'939.40 zuzüglich 5 % Zins seit dem 21. Juni
2012 für Anwaltskosten und belegte diese mit acht Rechnungen (Urk. 124 S. 2,
S. 8 und S. 10; Urk. 85/2-9). Er liess ausführen, dass der hohe Betrag vor allem
deshalb zustande gekommen sei, weil das Anklageprinzip durch die Vorinstanz
verletzt worden sei und deswegen die Verteidigung umfassend zu allen möglichen
Facetten der unpräzisen Anklageschrift habe Bezug nehmen müssen. Es sei nicht
klar gewesen, wer aus Sicht der Staatsanwaltschaft überhaupt durch das Verhal-
ten geschädigt worden sein solle und in wessen "fremde" Datenverarbeitungsan-
lage der Beschuldigte in strafrechtlich relevanter Art und Weise "eingedrungen"
sein solle. Deshalb habe für die Verteidigung auf die Strafantragsberechtigungen
aller möglichen denkbaren Geschädigten, aller möglichen Tathandlungen ein-
schliesslich derer Rechtfertigungsgründe bei verschiedenen denkbaren Datenver-
arbeitungssystemen eingegangen werden müssen. Zudem habe der Beschuldigte
auf alle Eingaben der Privatklägerschaft reagieren müssen, welche damit nur ihre
privaten Interessen in dem arbeitsgerichtlichen Verfahren in Liechtenstein habe
durchsetzen wollen. Dieser Aufwand sei somit angesichts der aufwendigen Abklä-
rungen der Strafverfolgungsbehörden und aufgrund der schwierigen und umfang-
reichen rechtlichen Beurteilung der rechtfertigenden Situationen notwendig und
verhältnismässig gewesen. Die Angemessenheit der Höhe der geforderten Par-
teikostenentschädigung ergebe sich im Quervergleich auch mit den Aufwendun-
gen, welche die B._ AG getätigt habe. Tätige eine Privatklägerin Aufwen-
dungen von über Fr. 60'000.–, dann sei der Aufwand des Beschuldigten, welcher
persönlich wesentlich mehr betroffen sei als die Privatklägerin, von gut
Fr. 100'000.– plausibel. Die Angemessenheit der Höhe des Aufwandes des Be-
schuldigten ergäben sich ohne Weiteres auch aus dem Umstand, dass das Ober-
gericht bislang keine Veranlassung gesehen habe, die Angemessenheit der Auf-
wendungen der Privatklägerschaft dem Umfang und der Höhe nach überhaupt
auch nur kritisch zu hinterfragen. Immerhin hätten diese Kosten bis zum bundes-
- 16 -
gerichtlichen Urteil vollumfänglich und ohne Abstriche dem Beschuldigten über-
bunden werden sollen (Urk. 124 S. 9 f.).
Die Privatklägerschaft machte geltend, die vom Beschuldigten verlangte
Entschädigung für die Anwaltskosten sei nicht angemessen. Der Anwalt des Be-
schuldigten habe übermässigen Aufwand zu erhöhtem Ansatz getätigt. Abgese-
hen davon sei nicht dargetan worden, dass die anwaltliche Vertretung vorliegend
notwendig gewesen sei und dazu geführt habe, dass bei einem Offizialverfahren
der Verfahrensausgang ohne anwaltliche Vertretung anders ausgefallen wäre
(Urk. 140 S. 2).
2.2.1. Aufgrund der relativen Komplexität des vorliegenden Verfahrens und
der sich stellenden rechtlichen Fragen sowie unter Berücksichtigung des Grund-
satzes der Waffengleichheit (die Privatklägerschaft ist ebenfalls anwaltlich vertre-
ten) war der Beizug eines Anwalts durch den Beschuldigten gerechtfertigt.
2.2.2. Im Vorverfahren nach Art. 299 ff. StPO bemisst sich die Gebühr nach
dem notwendigen Zeitaufwand der Vertretung. Es gelten die Ansätze gemäss § 3
AnwGebV (§ 16 AnwGebV). Demnach beträgt die Gebühr, wenn sie sich nach
dem Zeitaufwand richtet, in der Regel Fr. 150.– bis Fr. 350.– pro Stunde. Nach-
dem am 9. Februar 2011 der Strafantrag gegen den Beschuldigten eingereicht
worden war (Urk. 2), nahm die Polizei ihre Ermittlungen auf, womit das Vorverfah-
ren nach Art. 299 ff. StPO begann. Dieses endete mit der Überweisung der An-
klageschrift vom 4. April 2012 (Urk. 20) an das Bezirksgericht Zürich.
Zum Beleg ihrer Aufwendungen reicht die Verteidigung regelmässig eine
Kostennote ein, welche die geleisteten Arbeiten auflistet. Für den Adressaten
müssen diese nachvollziehbar und überprüfbar sein. Letzteres ist nach bundes-
strafgerichtlicher Rechtsprechung nur möglich, wenn bekannt ist, wie viel Zeit der
Anwalt für jede einzelne Leistung aufgewandt hat. Wird keine Honorarnote einge-
reicht oder ist diese nicht ausreichend detailliert, wird der anwaltliche Aufwand
nach pflichtgemässem Ermessen geschätzt (Wehrenberg/Frank, a.a.O., Art. 429
N 17b).
- 17 -
Aus den von der Verteidigung eingereichten Rechnungen ergibt sich, dass
sich Urk. 85/2-8 auf das Vorverfahren beziehen, da sie die Aufwendungen für den
Zeitraum vom 4. März 2011 bis 18. April 2012 betreffen. Für das Vorverfahren
wurden insgesamt Fr. 77'728.15 geltend gemacht.
Aus Urk. 85/6 ergibt sich sodann, dass in den Rechnungen an den Beschul-
digten für die Aufwendungen von Rechtsanwalt Dr. X1._ ein Stundenansatz
von Fr. 550.– und für Rechtsanwalt Dr. X._ ein solcher von durchschnittlich
Fr. 330.77 geltend gemacht wurde. Das zwischen dem Beschuldigten und dem
Wahlverteidiger vereinbarte Honorar (Stundenansatzhöhe) ist für die Festsetzung
der Parteientschädigung allerdings nicht bindend. Vielmehr richtet sich die Höhe
nach den kantonalen Anwaltstarifen (BSK StPO-Wehrenberg/Frank, 2. Aufl. 2014,
Art. 429 N 16). Es kann folglich höchstens ein Stundenansatz von Fr. 350.– be-
rücksichtigt werden (§ 16 AnwGebV i.V. m. § 3 AnwGebV).
Aus den Rechnungen Urk. 85/2-5 und Urk. 85/8 ist der Zeitaufwand für die
genannten Aufwendungen nicht ersichtlich, und er kann auch nicht aus den gel-
tend gemachten Beträgen errechnet werden, da sich diese auf verschiedene
Stundenansätze stützen, nachdem verschiedene Rechtsanwälte Leistungen er-
brachten. Die Verteidigung hatte sowohl im letzten wie auch im vorliegenden Be-
rufungsverfahren hinreichend Gelegenheit, detailliertere Rechnungen (mit ersicht-
lichem Zeitaufwand) einzureichen, was von einem Rechtsanwalt auch erwartet
werden darf, ohne dass dieser explizit darauf hinzuweisen wäre; er tat dies aber
nicht. Demnach ist der anwaltliche Aufwand zu schätzen. Geht man davon aus,
dass sich die Rechtsanwälte Dr. X1._ und Dr. X._ im Vorverfahren etwa
zu gleichen Teilen mit dem vorliegenden Fall beschäftigten, ergibt sich, ausge-
hend von einem Stundenansatz von Dr. X1._ in der Höhe von Fr. 550.– und
einem solchen von Dr. X._ in der Höhe von Fr. 330.–, ein durchschnittlicher
Stundenansatz von Fr. 440.–. Geht man von diesem Stundenansatz aus, beträgt
hinsichtlich der Rechnung Urk. 85/2 der Zeitaufwand ca. 48 Stunden
(Fr. 21'214.50 : Fr. 440.–), woraus sich bei einem Stundenansatz in der Höhe von
Fr. 350.– gemäss AnwGebV ein Honorar von Fr. 16'800.– errechnet. Zuzüglich
Auslagen von Fr. 538.35 und 8 % Mehrwertsteuer ergibt dies einen Aufwand von
- 18 -
Fr. 18'725.40 für die Zeitdauer vom 4. März 2011 bis zum 31. Mai 2011. Aus der
Rechnung Urk. 85/3 folgt bei der gleichen Rechnungsweise ein Zeitaufwand von
rund 14 Stunden (Fr. 6'010.– : Fr. 440.–), was bei einem Stundenansatz von
Fr. 350.– zu einem Honorar von Fr. 4'900.– führt. Unter Berücksichtigung der Aus-
lagen von Fr. 150.25 und 8 % Mehrwertsteuer ergibt dies einen Aufwand von
Fr. 5'454.25 für die Periode vom 1. Juni 2011 bis zum 31. Juli 2011. Für die
Rechnung Urk. 85/4 ist von einem Zeitaufwand von rund 4 Stunden auszugehen
(Fr. 1'595.– : Fr. 440.–), was bei einem Stundenansatz von Fr. 350.– ein Honorar
von Fr. 1'400.– ergibt. Zuzüglich Auslagen von Fr. 39.90 und 8 % Mehrwertsteuer
führt dies zu einem Aufwand von Fr. 1'555.10 für die Periode vom 1. August 2011
bis zum 31. August 2011. Für die Rechnung Urk. 85/5 ist von einem Zeitaufwand
von ca. 37 Stunden (Fr. 16'332.50 : Fr. 440.–) auszugehen, was bei einem Stun-
denansatz von Fr. 350.– zu einem Honorar von Fr. 12'950.– führt. Unter Berück-
sichtigung der Auslagen von Fr. 427.30 und 8 % Mehrwertsteuer ergibt dies einen
Aufwand von Fr. 14'447.50 für die Periode vom 7. September 2011 bis zum
31. Dezember 2011. Aus der Rechnung Urk. 85/6 resultiert ein Zeitaufwand von
2.8 Stunden zum Stundenansatz von Fr. 550.– und von 13 Stunden zum Stun-
denansatz von Fr. 330.77. Geht man auch hier für die 2.8 Stunden von einem
Stundenansatz von Fr. 350.– aus, was Fr. 980.– ergibt, führt dies zu einem Hono-
rar von Fr. 5'280.– (Fr. 4'300.– + Fr. 980.–). Zuzüglich Fr. 391.– für Auslagen und
Mehrwertsteuer von 8 % beträgt der Aufwand Fr. 6'124.70 für den Zeitraum vom
3. Januar 2012 bis zum 29. Februar 2012. Für die Rechnung Urk. 85/7 ist von ei-
nem Zeitaufwand von rund 40 Stunden auszugehen (Fr. 17'515.– : Fr. 440.–),
was bei einem Stundenansatz von Fr. 350.– ein Honorar von Fr. 14'000.– ergibt.
Zuzüglich Auslagen von Fr. 442.90 und 8 % Mehrwertsteuer führt dies zu einem
Aufwand von Fr. 15'598.35 für die Periode vom 1. März 2012 bis zum 31. März
2012. Schliesslich folgt aus der Rechnung Urk. 85/8 ein Zeitaufwand von 2.2
Stunden zum Stundenansatz von Fr. 400.– und ein solcher von einer Stunde zum
Stundenansatz von Fr. 550.–. Bei einem Stundenansatz von Fr. 350.– ergibt sich
für 3.2 Stunden ein Honorar von Fr. 1'120.–. Zuzüglich Auslagen von Fr. 43.75
und 8 % Mehrwertsteuer führt dies zu einem Aufwand von Fr. 1'256.85 für die Pe-
riode vom 1. April 2012 bis zum 18. April 2012.
- 19 -
Bei einem Stundenansatz von Fr. 350.– ergibt dies für das Vorverfahren ge-
stützt auf die eingereichten Rechnungen einen anwaltlichen Aufwand von insge-
samt Fr. 63'162.15 (inkl. MWST). In Anbetracht des Aktenumfangs erscheint
selbst diese korrigierte Prozessentschädigung jedoch als zu hoch. Es handelt sich
um keinen besonders umfangreichen Fall. Entgegen der Auffassung der Verteidi-
gung sind auch keine besonders aufwendigen Abklärungen der Strafverfolgungs-
behörden mit entsprechenden Folgekosten für die Verteidigung ersichtlich. Zudem
ist die Problematik zwar verhältnismässig selten und anspruchsvoll, aber nicht
überaus komplex. Zum Anklageprinzip mussten im Vorverfahren, auf welche sich
drei Viertel der geltend gemachten Verteidigerkosten beziehen, d.h. vor Erhebung
der Anklage, sodann noch keine Ausführungen gemacht werden. Aufgrund der
Untersuchungsakten ist ersichtlich, dass die Verteidigung an drei Einvernahmen
des Beschuldigten, sechs Zeugeneinvernahmen und einer Einvernahme des Pri-
vatklägers teilnahm, was - unter Berücksichtigung des Wegs von einer Stunde für
die Einvernahmen, welche an sechs verschiedenen Daten stattfanden - rund 19 1⁄2
Stunden ergibt (vgl. Urk. 5/2-4, Urk. 6/2-8). Ausgehend von einem Stundenansatz
von Fr. 350.– ergibt die Teilnahme an den Einvernahmen einen Aufwand von
Fr. 6'825.–. Dazu kommen sechs Eingaben der Verteidigung im Umfang von ins-
gesamt rund 70 Seiten (vgl. Urk. 8/1-2, Urk. 8/7-8, Urk. 8/11) sowie Vor- und
Nachbereitung der Einvernahmen, Aktenstudium, rechtliche Abklärungen und Ge-
spräche mit dem Beschuldigten. Insgesamt erscheint für das Vorverfahren eine
Prozessentschädigung von Fr. 25'000.– als angemessen, was zuzüglich  Fr. 27'000.– ergibt.
2.2.3. Für die Führung eines Strafprozesses vor Einzelgericht wird ein An-
satz von Fr. 600.– bis Fr. 8'000.– als Grundgebühr festgelegt. Diese umfasst die
Vorbereitung des Parteivortrags und Teilnahme an der Hauptverhandlung (§ 17
Abs. 1 AnwGebV). Unter Berücksichtigung der relativen Komplexität des Falles
sowie der geltend gemachten Aufwendungen der Verteidigung für die Vorberei-
tung der Hauptverhandlung und die Teilnahme daran (vgl. Urk. 124 S. 9 f., Urk.
85/9), rechtfertigt es sich, die Entschädigung auf das Maximum von Fr. 8'000.–
festzusetzen. Zuschlagsrelevante Aufwendungen sind vorliegend nicht ersichtlich
(vgl. § 17 Abs. 2 AnwGebV). Zuzüglich Mehrwertsteuer ist dem Beschuldigten für
- 20 -
das erstinstanzliche Gerichtsverfahren somit eine Prozessentschädigung von
Fr. 8'640.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
2.2.4. Für das Vorverfahren bzw. die Untersuchung und das erstinstanzliche
Gerichtsverfahren ist dem Beschuldigten damit eine Prozessentschädigung von
insgesamt Fr. 35'640.– (inkl. MWST) für anwaltliche Verteidigung aus der Ge-
richtskasse zu bezahlen. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass ein Quervergleich
mit der von der Privatklägerschaft geltend gemachten Prozessentschädigung für
die Untersuchung und das erstinstanzliche Verfahren nicht massgeblich ist, zumal
die Privatklägerschaft und der Beschuldigte unterschiedliche Rollen einnahmen.
2.2.5. Der Beschuldigte macht einen Zins von 5% seit 21. Juni 2012 (Datum
des erstinstanzlichen Urteils) für die entstandenen Anwaltskosten geltend. Die
Forderung betreffend das Anwaltshonorar entsteht erst mit der rechtskräftigen
richterlichen Zusprache. Eine Zinspflicht kann nur bei Verzug (Art. 102 ff. OR)
entstehen. Im Übrigen wird auch praxisgemäss auf die Prozessentschädigung
kein zuzüglicher Zins ab dem Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils zugespro-
chen. Auf die zuzusprechende Prozessentschädigung ist deshalb kein Zins ge-
schuldet.
2.3. Die Privatklägerschaft hat gegenüber dem Beschuldigten keinen An-
spruch auf eine Prozessentschädigung für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren,
da der Beschuldigte nicht kostenpflichtig ist (Art. 433 Abs. 1 lit. b StPO e contra-
rio).
3. Entschädigung für wirtschaftliche Einbussen und Genugtuung
3.1. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b und c StPO hat die beschuldigte Person,
wenn sie freigesprochen oder das Verfahren gegen sie eingestellt wird, Anspruch
auf Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen
Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind, und auf Genugtuung für beson-
ders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei
Freiheitsentzug.
- 21 -
3.2. Der Beschuldigte beantragt eine Parteientschädigung in der Höhe von
Fr. 1'218'749.– zuzüglich Zins von 5 % seit 21. Juni 2012 für entgangenes Ein-
kommen sowie eine Genugtuung von Fr. 5'000.– zuzüglich Zins von 5 % seit
21. Juli 2012 für das erstinstanzliche Verfahren (Urk. 124 S. 2 f.).
3.2.1. Wie bereits erwähnt, wird nach der Aufhebung eines Entscheids durch
das Bundesgericht der Streit in jenes Stadium vor der kantonalen Instanz zurück-
versetzt, in dem er sich vor Erlass des angefochtenen Entscheides befunden hat.
Die mit der neuen Entscheidung befasste kantonale Instanz hat nach ständiger
Praxis ihrem Urteil die rechtliche Beurteilung zugrunde zu legen, mit der die
Rückweisung begründet wird. Aufgrund dieser Bindungswirkung ist es den erneut
mit der Sache befassten Gerichten wie auch den Parteien - abgesehen von zu-
lässigen Noven - verwehrt, der Überprüfung einen anderen als den bisherigen
Sachverhalt zu Grunde zu legen oder die Sache unter rechtlichen Gesichtspunk-
ten zu prüfen, die im Rückweisungsentscheid ausdrücklich abgelehnt oder über-
haupt nicht in Erwägung gezogen worden sind. Die neue Entscheidung der kan-
tonalen Instanz ist somit auf diejenige Thematik beschränkt, die sich aus den
bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beurteilung ergibt.
Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als dies notwendig ist, um
den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts Rechnung zu tragen. Dabei
kann sich die neue Entscheidung in den Grenzen des Verbotes der reformatio in
peius auch auf Punkte beziehen, die vor Bundesgericht nicht angefochten waren,
sofern dies der Sachzusammenhang erfordert (BGE 135 III 334 E. 2 und E. 2.1
S. 335 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_296/2014 vom 20. Oktober 2014
E. 1.2.2).
3.2.2. Im letzten Berufungsverfahren stellte der Beschuldigte zwar gestützt
auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO bereits einen konkreten Antrag auf Zusprechung ei-
ner Prozessentschädigung für die angefallenen Anwaltskosten im erstinstanzli-
chen Verfahren, aber keinen solchen für die Entschädigung von entgangenem
Einkommen im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO und auch keinen Antrag auf
Genugtuung im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO (vgl. Urk. 84 S. 2). Letztere
Anträge bezifferte und substantiierte er erstmals im vorliegenden dritten Beru-
- 22 -
fungsverfahren. Auch vor Bundesgericht stellte der Beschuldigte diese Anträge
nicht (Urk. 71/2 S. 1 und S. 21 f.). Dementsprechend waren sie auch nicht Thema
vor Bundesgericht. Die kantonale Behörde, die nach der Rückweisung neu ent-
scheiden muss, darf nur in jenen Punkten auf ihr Urteil zurückkommen, die zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheides durch das Bundesgericht geführt ha-
ben. Dies war der Verstoss gegen Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO, weil die erkennende
Kammer dem Beschuldigten keine Prozessentschädigung zusprach (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_241/2015 vom 26. Januar 2016 E. 1.4 = Urk. 120). Die
Frage einer Entschädigung für entgangenes Einkommen und die Frage einer Ge-
nugtuung im Sinne von Art. 430 Abs. 1 lit. b und c StPO wurden denn auch vom
Bundesgericht nicht in Erwägung gezogen. Vielmehr sind die bundesgerichtlichen
Erwägungen dahingehend zu verstehen, dass bezüglich Art. 429 StPO lediglich
die Prozessentschädigung im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO Gegenstand
der neuen Beurteilung zu sein hat. Da die Bindungswirkung auch für die Parteien
gilt, ist es dem Beschuldigten verwehrt, Berufungsanträge zu stellen, die er im
letzten Berufungsverfahren nicht bezifferte bzw. gar nicht stellte und - wie die be-
treffenden Anträge - keine zulässigen Noven sind. Im Stadium, in welchem sich
der Streit befunden hatte, bevor der angefochtene Beschluss gefällt wurde, und in
welches der Streit mit der Rückweisung durch das Bundesgericht zurückversetzt
wurde, hatte der Beschuldigte diese Anträge nicht gestellt, obwohl er sie hätte
stellen können. Die Ansprüche betreffend Entschädigung für wirtschaftliche Ein-
bussen und bezüglich Genugtuung mussten auch nicht von Amtes wegen geprüft
werden, da Art. 429 Abs. 2 StPO eine Ungleichbehandlung zwischen anwaltlich
vertretenen und anwaltlich nicht vertretenen Personen vermeiden möchte (BSK
StPO-Wehrenberg/ Frank, a.a.O., Art. 429 N 31), der Beschuldigte jedoch anwalt-
lich vertreten war. Es sind zwar Konstellationen denkbar, bei welchen der Ent-
scheid des Bundesgerichts dazu führen kann, dass berechtigter Anlass besteht,
im wiederholten Berufungsverfahren neue Anträge zu stellen, insbesondere wenn
aufgrund des bundesgerichtlichen Entscheides neue Beweise erhoben werden
müssen. Im vorliegenden Verfahren ergibt sich durch den bundesgerichtlichen
Entscheid aber keine neue Konstellation, welche Raum für neue Anträge bietet.
Es geht einzig um die Kostenauflage sowie um die Prozessentschädigung im Sin-
- 23 -
ne von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO. Auf den Antrag des Beschuldigten auf Zuspre-
chung einer Parteientschädigung für entgangenes Einkommen und auf Zuspre-
chung einer Genugtuung ist deshalb nicht einzutreten.
Selbst wenn der Antrag auf Entschädigung für eine wirtschaftliche Einbusse
zugelassen worden wäre, fehlt es an einer nachvollziehbaren Begründung, wieso
es dem Beschuldigten nicht möglich gewesen wäre, sein bisheriges Tätigkeitsfeld
zu erweitern und in der Schweiz statt in Liechtenstein einer Tätigkeit als Versiche-
rungsvermittler oder einer äquivalenten Tätigkeit nachzugehen. Für die Eintra-
gung im Register der Versicherungsvermittler und -vermittlerinnen der Eidgenös-
sischen Finanzmarktaufsicht FINMA ist nicht vorausgesetzt, dass der Versiche-
rungsvermittler erklärt, dass keine gegen ihn laufenden Strafverfahren hängig
sind. Einzig eine strafrechtliche Verurteilung wegen Handlungen, die mit der Ver-
sicherungsvermittlungstätigkeit nicht zu vereinbaren sind und deren Eintrag im
Strafregister nicht gelöscht ist, darf nicht vorliegen (vgl. Art. 40 ff. VAG und
Art. 185 AVO). Der Beschuldigte wurde jedoch nicht rechtskräftig verurteilt und
dementsprechend erfolgte auch noch kein entsprechender Eintrag im Strafregis-
ter. Ausser ein paar wenigen Bewerbungen für Professuren sind auch keine Be-
mühungen des Beschuldigten ersichtlich, eine Arbeitsstelle zu suchen, obwohl
dem Beschuldigten diesbezüglich eine Schadensminderungspflicht oblag (vgl.
Urk. 124 S. 10 ff.). Fraglich ist zudem, wie er in den Jahren 2011 bis 2013, wäh-
rend welcher er zwei LL.M. Studiengänge und ein juristisches Doktorat absolvierte
(vgl. Urk. 144 S. 9), was doch sehr zeitaufwändig ist, tatsächlich Zeit gehabt hätte,
einer Arbeit nachzugehen.
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass selbst wenn der Antrag auf Genug-
tuung zugelassen worden wäre, für allfällige Verletzungen der persönlichen Ver-
hältnisse durch die Privatklägerschaft, indem sie den Beschuldigten gegenüber
anderen Behörden in einem schlechten Licht darstellen liess (vgl. Urk. 124 S. 18
ff.), nicht der Staat haftbar gemacht werden kann.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen des ersten, zweiten und dritten Be-
rufungsverfahrens
- 24 -
4.1. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldigte
im ersten Berufungsverfahren obsiegte, hat die Gerichtsgebühr für das erste Be-
rufungsverfahren ausser Ansatz zu fallen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Privatklä-
gerschaft hat gegenüber dem Beschuldigten keinen Anspruch auf eine Prozess-
entschädigung, da der Beschuldigte nicht kostenpflichtig ist (Art. 436 Abs. 1 StPO
in Verbindung mit Art. 433 Abs. 1 lit. b StPO e contrario).
Sodann ist dem Beschuldigten für das erste Berufungsverfahren eine Pro-
zessentschädigung aus der Gerichtskasse auszurichten (vgl. Art. 436 Abs. 1
StPO in Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Diese ist anhand der An-
waltsgebührenverordnung festzulegen, welche besagt, dass die Gebühr im Beru-
fungsverfahren grundsätzlich nach den für die Vorinstanz geltenden Regeln be-
messen wird (§ 18 Abs. 1 AnwGebV). Für die Führung eines Strafprozesses vor
Einzelgericht wird dabei ein Ansatz von Fr. 600.– bis Fr. 8'000.– als Grundgebühr
festgelegt. Diese umfasst die Vorbereitung des Parteivortrags und die Teilnahme
an der Hauptverhandlung (§ 17 Abs. 1 AnwGebV). Zuschlagsrelevante Aufwen-
dungen sind vorliegend nicht ersichtlich (vgl. § 17 Abs. 2 AnwGebV). Aufgrund
der relativen Komplexität des Falles sowie der geltend gemachten Aufwendungen
der Verteidigung (vgl. Urk. 84 S. 37, Urk. 85/10-11) rechtfertigt es sich, die Ent-
schädigung auf das Maximum von Fr. 8'000.– festzusetzen. Zuzüglich Mehrwert-
steuer sind dem Beschuldigten für das erste Berufungsverfahren somit Fr. 8'640.–
aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
4.2. Da der Beschuldigte im ersten Verfahren vor Bundesgericht obsiegte,
hat er das zweite Berufungsverfahren nicht zu vertreten, weshalb die Gerichtsge-
bühr des zweiten Berufungsverfahrens ebenfalls ausser Ansatz zu fallen hat. Die
Privatklägerschaft hat gegenüber dem Beschuldigten keinen Anspruch auf eine
Prozessentschädigung, da der Beschuldigte nicht kostenpflichtig ist (Art. 436
Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 433 Abs. 1 lit. b StPO e contrario).
Für das zweite Berufungsverfahren ist dem Beschuldigten eine Prozessent-
schädigung auszurichten, da der Aufwand für die Stellungnahme zu den vor-
instanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen an sich bereits im ersten Beru-
- 25 -
fungsverfahren, für welches ihm gestützt auf Art. 436 Abs. 1 StPO in Verbindung
mit Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Prozessentschädigung zusteht, entstanden
wäre, hätte die erkennende Kammer dem Beschuldigten bereits damals das
rechtliche Gehör dazu gewährt. Es ist ersichtlich, dass der Aufwand für die Beru-
fungsbegründung zum Punkt der vorinstanzlichen Kosten- und Entschädigungs-
folgen umfangreicher war, als wenn der Beschuldigte bereits im ersten Beru-
fungsverfahren hätte Stellung nehmen können. Für diesen Mehraufwand sowie
gestützt auf die geltend gemachten Aufwendungen der Verteidigung (vgl. Urk. 84
S. 37, Urk. 85/12-13) rechtfertigt es sich, die Entschädigung auch in diesem Ver-
fahren auf das Maximum von Fr. 8'000.– festzusetzen. Zuzüglich Mehrwertsteuer
sind dem Beschuldigten für das zweite Berufungsverfahren somit Fr. 8'640.– aus
der Gerichtskasse zuzusprechen.
4.3. Da der Beschuldigte im zweiten Verfahren vor Bundesgericht ebenfalls
obsiegte, hat er das vorliegende dritte Berufungsverfahren nicht zu vertreten,
weshalb die Gerichtsgebühr des vorliegenden Verfahrens ebenfalls ausser Ansatz
zu fallen hat. Die Privatklägerschaft hat gegenüber dem Beschuldigten keinen
Anspruch auf eine Prozessentschädigung, da der Beschuldigte nicht kostenpflich-
tig ist (Art. 436 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 433 Abs. 1 lit. b StPO e contra-
rio).
Für das dritte Berufungsverfahren ist dem Beschuldigten ebenfalls eine Pro-
zessentschädigung auszurichten, da er erneut seine Berufung begründen musste.
Diese ist wiederum anhand der Anwaltsgebührenverordnung festzulegen, welche
besagt, dass die Gebühr im Berufungsverfahren grundsätzlich nach den für die
Vorinstanz geltenden Regeln bemessen wird (§ 18 Abs. 1 AnwGebV), aus wel-
chen sich eine Grundgebühr zwischen Fr. 600.– und Fr. 8'000.– ergibt (§ 17
Abs. 1 AnwGebV). Der Aufwand für die Berufungsbegründung zum Punkt der vo-
rinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen war geringer als im zweiten Be-
rufungsverfahren, hatte er dazu doch bereits im zweiten Berufungsverfahren aus-
führliche Eingaben verfasst, auf die er zurückgreifen konnte. Sodann ist der Auf-
wand, welcher für die Ausführungen bezüglich des Antrags auf Zusprechung einer
Parteientschädigung für entgangenes Einkommen und auf Zusprechung einer
- 26 -
Genugtuung gemacht wurde, nicht zu berücksichtigen, da über diese Anträge
nicht zu befinden war und der Beschuldigte diesbezüglich unterliegt. Unter diesem
Gesichtspunkt und gestützt auf die geltend gemachten Aufwendungen der Vertei-
digung, welche allerdings nicht nur das Berufungsverfahren betreffen (vgl.
125/25), rechtfertigt es sich, die Entschädigung auf Fr. 5'000.– festzusetzen. Zu-
züglich Mehrwertsteuer sind dem Beschuldigten für das dritte Berufungsverfahren
somit Fr. 5'400.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.