Decision ID: ebff1d93-9dd3-5a41-b2fc-99463776c8ab
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist verheiratet und wohnt in A. In der Steuererklärung für die Staats- und
Gemeindesteuern 2007 deklarierte das Ehepaar X-Y ein steuerbares Einkommen von
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Fr. 46'123.-- und kein steuerbares Vermögen. Im Mai 2008 wurden die
Steuerpflichtigen für das Jahr 2007 mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 51'800.-- und ohne steuerbares Vermögen veranlagt. Die Veranlagung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
B.- Aufgrund einer Meldung des kantonalen Steueramts über nicht korrekt ausgestellte
Lohnausweise der D AG stellte sich heraus, dass X bei dieser Firma im Jahr 2007
Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit erzielt und in der Steuererklärung nicht
deklariert hatte. Das kantonale Steueramt, Abteilung Nachsteuern, eröffnete am 29. Mai
2009 gegenüber dem Ehepaar X-Y ein Nachsteuerverfahren für nicht versteuertes
Einkommen. Ferner wurde auf die Möglichkeit einer späteren Einleitung eines
Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung hingewiesen. Am 3. Juli 2009 wurde
gegenüber dem Ehepaar X-Y die Nachsteuer für die Staats- und Gemeindesteuern
2007 im Betrag von Fr. 3'095.-- (inkl. Zinsen) verfügt. Diese Veranlagung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
C.- Mit Schreiben vom 20. August 2009 leitete das kantonale Steueramt,
Rechtsabteilung/Strafen, aufgrund der nicht deklarierten Einkünfte in der
Steuererklärung 2007 gegen X ein Untersuchungsverfahren wegen Steuerhinterziehung
ein und schloss es gleich wieder ab. Es wurde eine Erledigung mittels Strafbescheids
und eine Busse in der Höhe der einfachen Nachsteuer in Aussicht gestellt. X liess sich
dazu am 27. August 2009 vernehmen. Mit Strafbescheid vom 14. September 2009
wurde X wegen Steuerhinterziehung der Staats- und Gemeindesteuern 2007 mit Fr.
2'950.-- gebüsst; zudem wurden ihm die Verfahrenskosten von Fr. 200.-- auferlegt. Mit
Schreiben vom 19. September 2009 erhob der Betroffene gegen den Strafbescheid
Einsprache.
D.- Am 24. September 2009 überwies das kantonale Steueramt die Strafsache der
Verwaltungsrekurskommission zur Beurteilung. Am 25. September 2009 gab der
Abteilungspräsident dem Angeklagten Gelegenheit, bis zum 16. Oktober 2009 Einsicht
in die Akten zu nehmen und Anträge zur Ergänzung der Untersuchung zu stellen.
Dieser machte davon keinen Gebrauch.
E.- Am 15. Juli 2010 wurden die Parteien zur öffentlichen Verhandlung vorgeladen.
Diese fand am 17. August 2010 statt.
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a) Vor Gericht erklärte der Angeklagte auf Befragen, er sei gelernter
Baumaschinenmechaniker. Seit zwei Jahren erhalte er eine IV-Rente von 67%, was Fr.
1'100.-- ausmache. Ab Oktober 2010 werde die Rente auf 100% erhöht. Er habe
Probleme mit der Lunge, verursacht durch Feinstaub. Früher sei er Schreiner gewesen.
Als die Steuererklärung für das Jahr 2007 gekommen sei, habe er keinen Lohnausweis
von der D AG gehabt. Er sei dort in der ersten Hälfte des Jahres 2007 während rund
vier bis fünf Monaten als Aushilfe tätig gewesen. Im Jahr 2006 habe er etwa ein halbes
Jahr für die D AG gearbeitet. Sein Sohn habe dort gearbeitet und er sei mit diesem zur
Arbeit gegangen. Es seien diverse Baumontagen für Grossverteiler wie Migros, Denner,
Aldi, Jumbo oder Lidl gewesen. Den Lohn habe er fortlaufend erhalten, einen
Lohnausweis aber nicht. Im zweiten Halbjahr 2007 sei er für die E AG tätig gewesen.
Ansonsten sei er arbeitslos gewesen. Am 5. Juli 2007 sei der Privatkonkurs über ihn
eröffnet worden. Er habe hohe Schulden gehabt. Seine Frau habe die Steuererklärung
2007 ausgefüllt. Unmittelbar nach Erhalt des Briefes wegen der Nachsteuer habe er
sich bei der D AG erkundigt. Dort habe man von der ganzen Sache nichts gewusst.
Danach habe er auf dem Steueramt der Gemeinde A und dem Konkursamt
nachgefragt. Man habe ihm gesagt, dass alles unter den Konkurs falle. Daher habe er
darauf nicht reagiert. Ein Jahr lang habe er nichts mehr gehört. Er habe gedacht, es sei
nun erledigt. Die ganze Sache tue ihm leid. Er habe es sicher nicht mit Absicht
gemacht. Sonst hätte er den Steuerbetrag abgestottert. Das Einkommen seiner Frau
betrage rund Fr. 4'200.-- netto im Monat. Sie hätten keine eigentlichen
Unterhaltsverpflichtungen. Für die älteste Tochter, die in B in einem Pflegeheim lebe,
würden sie Kleider und Pflegeprodukte kaufen und die Wäsche besorgen. Vor elf
Jahren sei die Tochter aus unerklärlichen Gründen vom Stuhl gefallen und habe
tagelang im Koma gelegen. Seither sei sie ein Pflegefall. Sie sei verheiratet und habe
einen zwölfjährigen Sohn. Ihr Ehemann habe die Hoffnung schon längst aufgegeben. Er
besuche sie kaum mehr. Aus der IV-Nachzahlung habe er etwa Fr. 2'000.-- oder Fr.
3'000.-- der Tochter gegeben. Die ganze Situation belaste ihn sehr. Die anderen drei
erwachsenen Kinder lebten auswärts.
b) Die Vertreterin der Anklagebehörde beantragte, der Angeklagte sei unter Kostenfolge
der vollendeten Steuerhinterziehung schuldig zu sprechen und zu einer Busse von Fr.
2'950.-- zu verurteilen. Zur Begründung brachte sie zur Hauptsache vor, dass das
Einkommen der D AG vom Angeklagten nicht deklariert worden sei. In subjektiver
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Hinsicht genüge Fahrlässigkeit für eine Verurteilung. Dass die Frau angeblich die
Steuererklärung ausgefüllt habe, sei keine Entschuldigung. Der Angeklagte habe
während vier bis fünf Monaten dort gearbeitet. Im Vergleich zum deklarierten
Einkommen der E AG von Fr. 8'070.-- sei jenes der D AG mit Fr. 14'140.-- viel höher
gewesen, weshalb ihm die Unvollständigkeit der Deklaration hätte auffallen müssen.
Auch wenn kein Lohnausweis vorhanden gewesen sei, liege Fahrlässigkeit vor. Da der
Angeklagte keine Ausführungen zur Busse in der Höhe der einfachen Strafsteuer
mache, akzeptiere er diese offensichtlich. Am 5. Juli 2007 sei über den Angeklagten
der Konkurs eröffnet und am 22. Mai 2008 wieder geschlossen worden. Die
Steuerhinterziehung sei mit Einreichung der unvollständigen Steuererklärung Ende April
2008 begangen worden. Auf die Nachsteuer, die erst im Jahr 2009 veranlagt worden
sei, und die mit Strafbescheid vom 14. September 2009 ausgesprochene Busse habe
der Konkurs keinen Einfluss. Sowohl Nachsteuer als auch Busse müsse der Angeklagte
bezahlen. Ob der Angeklagte die Busse letztlich bezahlen könne, sei eine Frage des
Bezugs. Sowohl Erlass als auch Stundung seien grundsätzlich möglich.
Auf entsprechende Nachfrage des Abteilungspräsidenten erklärte die Vertreterin der
Anklagebehörde, dass sie, nachdem was der Angeklagte heute gesagt habe, von
Fahrlässigkeit ausgehe.
c) Im Schlusswort führte der Angeklagte aus, er habe nicht absichtlich gehandelt.
Zudem sei es kein sehr hoher Betrag gewesen. Er wäre froh, wenn ihm die Busse
erlassen werden könnte. Ansonsten werde er sie in Raten abzahlen. Er entschuldige
sich in aller Form.
F.- Das Urteil wurde am 17. August 2010 mit Kurzbegründung mündlich und
gleichentags schriftlich ohne Begründung eröffnet. Die Anklagebehörde verlangte am
23. August 2010 innert der gesetzlichen Frist von zehn Tagen die ausführliche
Begründung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Zu beurteilen ist
der Strafbescheid des kantonalen Steueramtes vom 14. September 2009 wegen
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Steuerhinterziehung (Staats- und Gemeindesteuern 2007). Die
Verwaltungsrekurskommission ist zur gerichtlichen Beurteilung zuständig. Der
Angeklagte ist zur Erhebung der Einsprache befugt. Die am 19. September 2009
rechtzeitig eingereichte Einsprache erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen. Die Streitsache wurde dem Gericht am 24. September
2009 zusammen mit den Akten überwiesen. Der Strafbescheid gilt als Anklage (Art. 264
Abs. 1 und 2 und Art. 265 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 161
StG in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Nach Art. 262 Abs. 1 StG bezeichnet der Strafbescheid den Angeschuldigten, die
dem Angeschuldigten zur Last gelegte Handlung, die angewendeten
Gesetzesbestimmungen, die Beweismittel, die Strafe und weist auf die Möglichkeit der
Einsprache sowie die Folgen der Unterlassung hin. Er ist nach Art. 262 Abs. 2 StG
"kurz" zu begründen; die Begründung muss aber ausreichend sein (vgl. Richner/Frei/
Kaufmann/ Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, Zürich
2006, N 3 zu § 251). Als Anklageschrift kommt dem Strafbescheid im Wesentlichen die
Aufgabe zu, den der Anklage zugrunde liegenden Sachverhalt zu konkretisieren und
damit dem Angeklagten die für seine Verteidigung erforderlichen Informationen zu
vermitteln. Der als Sachverhalt umschriebene konkrete Lebensvorgang ist unter einen
der gesetzlichen Straftatbestände zu subsumieren. In die Anklageschrift aufzunehmen
ist deshalb die rechtliche Beurteilung der dem Angeklagten zur Last gelegten Handlung
mitsamt den anwendbaren Gesetzesbestimmungen. Erscheint die Rechtslage klar,
bedarf es dazu keiner besonderen Erörterung. Sodann sind Ausführungen zum
Vorleben und den persönlichen Verhältnissen zu machen; erst damit wird die
Ausfällung einer dem Verschulden und der Persönlichkeit des Angeklagten
angemessenen Sanktion ermöglicht (N. Oberholzer, Grundzüge des
Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2005, S. 592 ff.).
Der Strafbescheid vom 14. September 2009 bezeichnet den Angeklagten, die ihm zur
Last gelegte Handlung der Steuerhinterziehung und die massgeblichen