Decision ID: b2327670-81b2-4b2e-9201-a888ee598c2c
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ stellte am 23. September 2005 bei der Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen Antrag für die Erfassung als Einzelfirma («B._»; act. G 5.1/9). In der
Verfügung vom 13. Oktober 2005 wurde die Versicherte zur Zahlung von AHV/IV/EO-
Beiträgen als Selbstständigerwerbende für die Zeit vom 1. September bis
31. Dezember 2005 verpflichtet (act. G 5.1/10; vgl. auch die Verfügung vom
21. November 2006, act. G 5.1/20). Für das Jahr 2006 wurden von der Versicherten
ebenfalls Beiträge für Selbstständigerwerbende erhoben (Beitragsverfügung vom
30. Januar 2006, act. G 5.1/17). Die Versicherte ersuchte am 15. März 2006 um
Stornierung der Akontobeitragszahlung, da sie seit Januar 2006 als Arbeitnehmerin
erwerbstätig sei (act. G 5.1/18). Am 10. April 2007 stellte die Versicherte erneut Antrag
für die Erfassung als Selbstständigerwerbende in einem Einzelunternehmen, da sie seit
_. April 2007 selbstständig im Nebenerwerb erwerbstätig sei. Daneben arbeite sie
weiterhin als angestellte Reinigungskraft für das Hotel C._ (act. G 5.1/21). Die
Ausgleichskasse bestätigte der Versicherten am 12. Juni 2007 die Erfassung als
Selbstständigerwerbende (act. G 5.1/24; zur Beitragsverfügung Akonto vom 19. Juni
A.a.
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2007 siehe act. G 5.1/25). In den Folgejahren blieb die Versicherte als
Selbstständigerwerbende erfasst, wobei sie in einzelnen Jahren kein Einkommen aus
der selbstständigen Erwerbstätigkeit erzielte (act. G 5.1/26 ff.).
Die AHV-Zweigstelle D._ meldete die Versicherte am 19. August 2014 im
Rahmen einer Zwangserfassung bei der Ausgleichskasse als Nichterwerbstätige an.
Zur Begründung führte sie aus, die Versicherte habe ihren Betrieb per _. Mai 2014
aufgegeben und beziehe Sozialhilfe (act. G 5.1/52). Mit Verfügung vom 26. September
2014 setzte die Ausgleichskasse für die Jahre 2013 und 2014 die AHV/IV/EO-Beiträge
für Nichterwerbstätige fest und erliess der Versicherten die Beitragsforderungen (act.
G 5.1/54; zu den definitiven Verfügungen für das Jahr 2013 vom 12. Juni 2018 und für
das Jahr 2014 vom 17. Dezember 2019, worin die Versicherte als
Selbstständigerwerbende erfasst wurde, siehe act. G 5.1/101 und act. G 5.1/114).
A.b.
Die E._ AG teilte der Versicherten am 22. Juni 2014 mit, dass sie im Umfang von
15 % Begünstigte an der von F._ sel. (am _ 201_ [act. G 5.1/186-8] verstorbener
Vater ihres am _ 200_ geborenen Kindes) gegründeten Stiftung G._ sei. Per
Todestag habe das Stiftungsvermögen ca. Fr. 1'700'000.-- betragen (act. G 5.1/58).
A.c.
In der Verfügung vom 19. Januar 2015 ermittelte die Ausgleichskasse für das Jahr
2015 die AHV/IV/EO-Beiträge für Nichterwerbstätige und erliess der Versicherten
erneut die Beitragsforderung (act. G 5.1/60). Gleich verfuhr sie in der Verfügung vom
25. Januar 2016 mit den AHV/IV/EO-Beiträgen für das Jahr 2016 (act. G 5.1/63).
A.d.
Die Versicherte wurde im April 2016 von der Ausgleichskasse als
Kollektivgesellschafterin der «H._» erfasst (act. G 5.1/65). Für die Zeit vom 1. Februar
2016 bis 31. Dezember 2016 qualifizierte die Ausgleichskasse die Versicherte als
Selbstständigerwerbende, erhob indessen infolge Befreiung keine AHV/IV/EO-Beiträge
(Verfügung vom 15. April 2016, act. G 5.1/67, und vom 9. Mai 2016, act. G 5.1/68).
A.e.
Am _. Dezember 2016 teilte die Versicherte der Ausgleichskasse mit, die
Kollektivgesellschaft sei aufgelöst worden. Die Löschung im Handelsregister sei
pendent. Sie sei ab _. Dezember 2016 «weiterhin selbständig[,] aber im Haupterwerb».
Die Geschäftsstelle sei in I._ (act. G 5.1/70; siehe auch die Angaben in der
Anmeldung für Selbstständigerwerbende vom _. Dezember 2016, act. G 5.1/72-1 ff.).
A.f.
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Die Ausgleichskasse erfasste die Versicherte rückwirkend ab 1. Februar 2016 als
Selbstständigerwerbende, die ihre Tätigkeit in der Einzelfirma «J._ (K._)» ausübe
(Bestätigung vom _. Dezember 2016, act. G 5.1/71; zum Auszug aus dem
Handelsregister siehe act. G 5.72-22).
Am 15. Dezember 2016 erliess die Ausgleichskasse für das Jahr 2017 eine Ver
fügung, worin sie die Versicherte zur Zahlung von Akonto-AHV/IV/EO-Beiträgen als
Nichterwerbstätige verpflichtete (act. G 5.1/74). Diese Verfügung sowie diejenige vom
25. Januar 2016 (betreffend die AHV/IV/EO-Beiträge für das Jahr 2016) hob die
Ausgleichskasse am 16. Dezember 2016 auf, da die Versicherte nicht mehr als
Nichterwerbstätige gelte (act. G 5.76). Die Ausgleichskasse erliess am 19. Dezember
2016 zwei Verfügungen, worin sie die Versicherte für die Zeit vom 1. Februar 2016 bis
31. Dezember 2016 und vom 1. Januar bis 31. Dezember 2017 zur Bezahlung von
Akontobeiträgen für Selbstständigerwerbende verpflichtete (act. G 5.1/77 und 78). Am
5. Januar 2017 teilte die Versicherte der Ausgleichskasse mit, die neue
Geschäftsadresse sei in L._ (act. G 5.1/83). Mit der Verfügung vom 23. März 2017
ersetzte die Ausgleichskasse die Verfügung vom 19. Dezember 2016 betreffend die
Akontobeiträge für Selbstständigerwerbende für das Jahr 2016 und setzte das
beitragspflichtige Einkommen aufgrund der Selbstangaben auf Fr. 0.-- fest (act.
G 5.1/85).
A.g.
Am 22. Januar 2018 verfügte die Ausgleichskasse die Akontobeiträge für
Selbstständigerwerbende für das Jahr 2018 (act. G 5.1/87). Über die Versicherte wurde
am _ 2018 der Konkurs eröffnet (act. G 5.1/99). Aufgrund der Steuermeldung vom
14. Januar 2017 (act. G 5.1/106) ersetzte die Ausgleichskasse die Verfügung vom
20. März 2017 am 16. Oktober 2018 mit einer definitiven Verfügung für das Jahr 2016
und ordnete darin an, dass für die Dauer vom 1. Februar bis 31. Dezember 2016 keine
AHV/IV/EO-Beiträge für Selbstständigerwerbende zu entrichten seien (act. G 5.1/109).
A.h.
Das Steueramt D._ meldete der Ausgleichskasse am 9. Dezember 2019, bei der
Versicherten sei ein beitragspflichtiges Vermögen von Fr. 6'280'608.-- und ein
Renteneinkommen von Fr. 11'232.-- ermittelt worden (act. G 5.1/113).
A.i.
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In der Verfügung vom 20. April 2020 setzte die Ausgleichskasse die AHV/IV/EO-
Beiträge für Selbstständigerwerbende für das Jahr 2017 gestützt auf die
Steuermeldung bei einem Einkommen von Fr. 0.-- (act. G 5.1/115) definitiv fest (act.
G 5.1/120). Am 11. Juni 2020 erliess sie die definitive Verfügung über die AHV/IV/EO-
Beiträge für Selbstständigerwerbende für 1. Januar bis 30. April 2018 (act. G 5.1/129;
in der Steuermeldung für das Jahr 2018 wurde ebenfalls ein Einkommen von Fr. 0.--
erfasst, act. G 5.1/126).
A.j.
Im August 2020 erfolgte eine Zwangserfassung der Versicherten als
Nichterwerbstätige mit der Anmerkung «SE inaktiv» (act. G 5.1/132). Am 3. September
2020 erliess die Ausgleichskasse zwei Verfügungen, worin sie die Versicherte von der
Beitragspflicht als nichterwerbstätige Person für die Jahre 2017 und 2018 befreite (act.
G 5.1/134 f.). Gleichentags liess sie der Versicherten Differenzrechnungen zukommen,
worin sie AHV/IV/EO-Beiträge als Nichterwerbstätige für die Dauer vom 1. Januar bis
30. Juni 2020 von Fr. 10'241.70 (einschliesslich Verwaltungskostenbeiträge), für das
Jahr 2019 von Fr. 20'296.15 und für das Jahr 2016 von Fr. 28'098.05 (einschliesslich
Verzugszinsen und Verwaltungskostenbeiträge) geltend machte (act. G 5.1/136 f. und
act. G 5.1/139; zu den Berechnungsgrundlagen siehe act. G 5.1/138, act. G 5.1/140
und act. G 5.1/143). Nachdem diese Forderungen unbezahlt geblieben waren, leitete
die Ausgleichskasse die Betreibung gegen die Versicherte ein. Gegen die
entsprechenden Zahlungsbefehle vom 9. Dezember 2020 erhob diese Rechtsvorschlag
(act. G 5.1/155 ff.). Daraufhin erliess die Ausgleichskasse am 16. Dezember 2020 drei
separate Verfügungen, worin sie die AHV/IV/EO-Beiträge für die Jahre 2016
(Fr. 28'614.95 inklusive Verwaltungskosten, Veranlagungskosten und Verzugszinsen)
und 2019 (Fr. 20'758.75 inklusive Verwaltungskosten, Veranlagungskosten und
Verzugszinsen) sowie für die Dauer vom 1. Januar bis 30. Juni 2020 (Fr. 10'576.85
inklusive Verwaltungskosten, Veranlagungskosten und Verzugszinsen) verfügte und die
jeweiligen Rechtsvorschläge aufhob. Des Weiteren ordnete sie den Entzug der
aufschiebenden Wirkung allfälliger Einsprachen an (act. G 5.1/158 f. und act.
G 5.1/161).
A.k.
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B.
Die Versicherte erhob am 21. Dezember 2020 Einsprache gegen die Verfügungen
vom 16. Dezember 2020 und beantragte, diese seien aufzuheben. Eventualiter sei der
Sachverhalt zwecks weiterer Abklärungen zurückzuweisen und es sei die
aufschiebende Wirkung zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie
machte geltend, die Ausgleichskasse dürfe das in den Steuerveranlagungen ermittelte
Reinvermögen und Renteneinkommen bei der Bemessung der
Nichterwerbstätigenbeiträge nicht berücksichtigen, weil sie aus dem
Nachlassvermögen des am _. 201_ (siehe hierzu die Erbgangsmeldung in act.
G 5.1/186-8) verstorbenen Vaters ihres Kindes stammen würden, das dem Sohn als
Alleinerbe zustehe. Sie sei weder zu Lebzeiten noch mit letztwilliger Verfügung vom
verstorbenen Vater des gemeinsamen Sohns begünstigt worden. Sie lebe in
bescheidenen Verhältnissen und arbeite im Tieflohnbereich im Teilzeitpensum als
Reinigungskraft. Da sich ihr Sohn nach dem Tod seines Vaters in psychiatrische
Behandlung begeben habe und auf ihre Unterstützung angewiesen sei, sei es ihr auch
nicht möglich, ihre Erwerbstätigkeit auszudehnen (act. G 5.1/170). In der ergänzenden
Eingabe vom 24. Dezember 2020 fügte die Versicherte an, die Veranlagungen bis und
mit dem Jahr 2019 seien bereits rechtskräftig und könnten ohnehin nicht mehr
geändert werden. Ihr Kind habe im September «2020 den Nachlass seines Vaters
geerbt» und sei seither psychisch sehr angeschlagen, weshalb sie sich seither der
Kinderbetreuung gewidmet habe. Sobald ihr Sohn den Tod des Vaters verarbeitet
habe, werde sie wieder einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Für das Jahr 2020 könne sie
damit nicht als Nichterwerbstätige gelten. Sie erhalte monatlich einen Betrag von rund
Fr. 4'000.-- als Unterhaltsbeitrag vom geerbten Vermögen, um die Kindeskosten zu
decken. Weitergehende Befugnisse bestünden nicht und weitergehende Beträge
würden ihr nicht zufliessen (act. G 5.1/172).
B.a.
Die Ausgleichskasse forderte die Versicherte am 6. Januar 2021 auf, Unterlagen
einzureichen, aus denen hervorgehe, dass sie kein Nutzungsrecht am Kindesvermögen
habe. Des Weiteren wurde sie um Einreichung der Steuerveranlagung für das Jahr
2019 ersucht (act. G 5.1/178). Die Versicherte berichtete am 12. März 2021, es bestehe
weder ein Testament noch ein Erbvertrag. Einziger Erbe des Nachlasses sei der
gemeinsame Sohn. Sie sei mit dem Verstorbenen nicht verheiratet gewesen und
B.b.
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C.
beziehe auch keine Witwenrente. Die Verwaltung des Vermögens des Sohns obliege
einem Beistand. Sie selbst habe keinerlei Befugnisse am Nachlass (siehe hierzu sowie
zur vom Beistand angefertigten Bestätigung der finanziellen Situation der Versicherten
und von ihrem Sohn vom 25. Februar 2021 act. G 5.1/184). Am 26. März 2021 reichte
sie weitere Unterlagen ein (act. G 5.1/184).
Mit Einspracheentscheid vom 9. Juni 2021 wies die Ausgleichskasse die
Einsprachen der Versicherten gegen die drei Veranlagungsverfügungen für die Jahre
2016, 2019 und 2020 ab. Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende
Wirkung. Sie stellte sich auf den Standpunkt, die Versicherte sei in den Jahren 2016,
2019 und 2020 zu Recht als Nichterwerbstätige qualifiziert worden. Die finanziellen
Verhältnisse ihres Sohnes würden auch die finanziellen Verhältnisse der Versicherten
beeinflussen. Sie seien wirtschaftlich als Einheit zu betrachten. Die Vermögenswerte
des Sohnes seien deshalb zu Recht bei der Beitragsermittlung berücksichtigt worden.
Selbst wenn die Beitragsverfügungen in den Jahren 2016, 2019 und 2020 in
Rechtskraft erwachsen seien, so könnten diese in Wiedererwägung gezogen werden
(act. G 5.1/188).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 9. Juni 2021 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 7. Juli 2021. Die Beschwerdeführerin beantragt darin dessen
Aufhebung und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Betreibungen
Nr. 2_2 im Betrag von Fr. 24'018.30 nebst Zins zu 5 % seit 9. Dezember 2020,
Nr. 2_3 im Betrag von Fr. 19'900.90 nebst Zins zu 5 % seit 9. Dezember 2020
und die Betreibung Nr. 2_4 im Betrag von Fr. 10'241.70 nebst Zins zu 5 % seit
9. Dezember 2020 beim Betreibungsamt D._ zurückzuziehen und die Löschung der
entsprechenden Einträge im Betreibungsregister zu veranlassen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Des Weiteren ersucht sie, die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde wiederherzustellen. Zur Begründung führt die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen aus, das von der Beschwerdegegnerin zur Beitragsbemessung
hinzugezogene Vermögen stehe im ausschliesslichen Eigentum ihres Sohnes. Sie
selbst verfüge über keine Vermögenswerte und sie habe auch kein Nutzniessungsrecht
am Vermögen des Sohnes. Bezüglich der AHV/IV/EO-Beiträge für das Jahr 2019 habe
C.a.
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sie ein Einkommen von Fr. 4'351.-- erzielt und die entsprechenden AHV/IV/EO-Beiträge
entrichtet, weshalb sie für dieses Jahr nicht als Nichterwerbstätige zu qualifizieren sei.
Sie bestreite ihren Lebensunterhalt ausschliesslich mit der Waisenrente und den
«monatlichen Unterhaltszahlungen» ihres Sohnes. Sie werde also von einer Drittperson
unterstützt, womit sie lediglich den Mindestbeitrag zu bezahlen habe. Andernfalls
müsste sie Sozialhilfe beziehen und auch aus diesem Grund nur den Mindestbeitrag
bezahlen. Sie habe den Mindestbeitrag nur deshalb nicht fristgerecht bezahlt, weil die
Beschwerdegegnerin völlig überhöhte Beitragsrechnungen geschickt habe, welche sie
nicht habe bezahlen können (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 11. August
2021 die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt im Wesentlichen die Auffassung, die
finanzielle Situation des Sohnes beeinflusse direkt auch die finanziellen Verhältnisse
der Beschwerdeführerin. So dürfe sie die Erträge des Kindesvermögens für Unterhalt,
Erziehung und Ausbildung des Kindes und, soweit es der Billigkeit entspreche, auch für
die Bedürfnisse des Haushalts verwenden. Die Beschwerdeführerin bilde mit ihrem
Sohn wirtschaftlich gesehen eine Einheit, weshalb dessen Vermögenswerte bei der
Beitragsfestsetzung zu Recht einbezogen worden seien. Da die Beschwerdeführerin im
Jahr 2019 lediglich ein Einkommen von Fr. 4'351.-- erzielt habe, sei sie auch im Jahr
2019 zu Recht als Nichterwerbstätige erfasst worden, weil das Einkommen weniger als
Fr. 9'400.-- betragen habe. Nebenbei sei zu bemerken, dass auch bei der Erhebung
der Mindestbeiträge Verzugszinsen geschuldet seien. Der Entscheid über den Antrag
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde werde dem
Versicherungsgericht überlassen (act. G 5).
C.b.
Mit Zwischenentscheid vom 30. August 2021, AHV 2021/10 Z, stellt das
Versicherungsgericht die aufschiebende Wirkung der Beschwerde vom 7. Juli 2021
wieder her (act. G 6).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin reicht am 29. September 2021 die zwischenzeitlich bei
ihr eingegangene Steuermeldung des Steueramts D._ vom 9. September 2021
betreffend Nichterwerbstätigenbeiträge 2016 ein. Die entsprechende
Steuerveranlagung sei in Rechtskraft erwachsen (act. G 11 und act. G 11.1).
C.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu beurteilen ist die
Rechtmässigkeit der AHV/IV/EO-Beitragsforderungen samt Verzugszinsen für die Jahre
2016, 2019 und das erste Halbjahr 2020.
In der Replik vom 28. Oktober 2021 hält die Beschwerdeführerin unverändert an
der Beschwerde fest. Sie bringt ergänzend vor, dass sie im Jahr 2016 und auch
danach weiterhin Kollektivgesellschafterin gewesen und deshalb als
Selbstständigerwerbende zu qualifizieren sei. Dass sie aus dem Betrieb der
Kollektivgesellschaft in den Jahren 2016 und 2019 kein Einkommen erzielt habe,
ändere nichts daran. Dass sie von der Beschwerdegegnerin nachträglich als
Nichterwerbstätige veranlagt werde, entbehre jeglicher Grundlage. Gegen die
Qualifikation als Selbstständigerwerbende spreche entgegen der Beschwerdegegnerin
nicht, dass sie kein Einkommen von Fr. 9'400.-- zu erzielen vermocht habe, weil
nämlich die tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten und nicht die
Einkommenshöhe massgebend seien (act. G 13).
C.e.
Die Beschwerdegegnerin teilt am 10. November 2021 den Verzicht auf eine Duplik
mit (act. G 16).
C.f.
Die Beiträge der erwerbstätigen Versicherten werden in Prozenten des
Einkommens aus unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit festgesetzt
(Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
[AHVG; SR 831.10]). Beträgt das Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit
Fr. 9'400.-- bzw. Fr. 9'300.-- (aArt. 8 Abs. 2 AHVG in der vom 1. Januar 2019 bis
31. Dezember 2020 gültigen Fassung bzw. aArt. 8 Abs. 2 AHVG in der vom 1. Januar
2015 bis 31. Dezember 2018 gültigen Fassung) oder weniger im Jahr, so hat die
versicherte Person den Mindestbeitrag von Fr. 409.-- (aArt. 8 Abs. 2 AHVG in der vom
1. Januar 2020 bis 31. Dezember 2020 gültigen Fassung) bzw. Fr. 395.-- (aArt. 8 Abs. 2
AHVG in der vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2019 gültigen Fassung) bzw. von
Fr. 392.-- (aArt. 8 Abs. 2 AHVG in der vom 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2018
gültigen Fassung) im Jahr zu entrichten, es sei denn, dieser Betrag sei bereits auf ihrem
massgebenden Lohn entrichtet worden. In diesem Fall kann sie verlangen, dass der
Beitrag für die selbstständige Erwerbstätigkeit zum untersten Satz der sinkenden Skala
1.1.
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erhoben wird. In der Invalidenversicherung und im Anwendungsbereich des
Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz (EOG; SR 834.1) gilt sinngemäss das AHVG
zur Beitragsbemessung (Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] und Art. 27 Abs. 2 EOG). Der Mindestbeitrag
beträgt in der Invalidenversicherung Fr. 66.-- (Art. 3 Abs. 1 IVG) und gemäss aArt. 27
Abs. 2 EOG (in der vom 1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2020 gültigen Fassung)
Fr. 21.--.
bis
Nichterwerbstätige bezahlen einen Beitrag nach ihren sozialen Verhältnissen. Der
Mindestbeitrag entspricht dem jeweiligen Mindestbeitrag von Art. 8 Abs. 2 AHVG und
der Höchstbeitrag dem 50-fachen Mindestbeitrag (vgl. Art. 10 Abs. 1 AHVG in der
jeweils anwendbaren Fassung). Die Beiträge der Nichterwerbstätigen, für die nicht der
jährliche Mindestbeitrag (Art. 10 Abs. 2 AHVG) vorgesehen ist, bemessen sich aufgrund
ihres Vermögens und ihres Renteneinkommens (Art. 28 Abs. 1 Satz 1 der Verordnung
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]).
1.2.
Personen, die nicht dauernd voll erwerbstätig sind, leisten die Beiträge wie Nicht
erwerbstätige, wenn ihre Beiträge vom Erwerbseinkommen zusammen mit denen ihres
Arbeitgebers in einem Kalenderjahr nicht mindestens der Hälfte des Beitrages nach
Art. 28 AHVV entsprechen. Ihre Beiträge vom Erwerbseinkommen müssen auf jeden
Fall den Mindestbeitrag nach Art. 28 AHVV erreichen (Art. 28 Abs. 1 AHVV). «Volle
Erwerbstätigkeit» im Sinn von Art. 28 Abs. 1 AHVV liegt in der Regel vor, wenn für die
(selbstständige oder unselbstständige) Tätigkeit ein erheblicher Teil der im betreffenden
Erwerbszweig üblichen Arbeitszeit aufgewendet wird. Diese Voraussetzung ist nach der
Rechtsprechung erfüllt, wenn die beitragspflichtige Person während mindestens der
halben üblichen Arbeitszeit tätig ist (BGE 140 V 340 E. 1.2). Eine Erwerbstätigkeit gilt
als nicht dauernd, wenn sie während weniger als neun Monaten im Kalenderjahr
ausgeübt wird (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2008, 9C_910/2007, E. 2 mit
Hinweis auf die Verwaltungspraxis).
1.3.
bis
bis
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2.
Zunächst zu prüfen ist die Beitragsforderung für das Jahr 2016. In der Veranlagungs
verfügung vom 16. Dezember 2020 und auch im angefochtenen Einspracheentscheid
qualifizierte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin als Nichterwerbstätige
und erhob entsprechende AHV/IV/EO-Beiträge (act. G 5.1/161, act. G 5.1/163 und act.
G 5.1/188).
Es gilt zu beachten, dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit in
Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 16. Oktober 2018 für die Zeit vom 1. Februar
bis 31. Dezember 2016 als Selbstständigerwerbende qualifiziert und eine
entsprechende Beitragsfestsetzung von Fr. 0.-- vorgenommen hatte (act. G 5.1/109).
Um auf diese Verfügung zurückkommen zu können, bedarf die Beschwerdegegnerin
eines Rückkommenstitels (Urteil des Bundesgerichts vom 8. September 2021,
9C_278/2021, E. 2.4). Die Beschwerdegegnerin hat jedoch weder im Rahmen des
Erlasses der Verfügung vom 16. Dezember 2020 noch des angefochtenen
Einspracheentscheids in erkennbarer Weise dargelegt, dass die Voraussetzungen für
eine Wiedererwägung der Verfügung vom 16. Oktober 2018 erfüllt wären. Sie hat sich
im Einspracheentscheid lediglich auf einen rudimentären Hinweis auf Art. 53 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) beschränkt (E. 4 am Schluss, act. G 5.1/188-6), was eine Verletzung der
Begründungspflicht (Art. 52 Abs. 2 Satz 2 ATSG) darstellt. Ausführungen zu deren
Folgen erübrigen sich, da der angefochtene Einspracheentscheid betreffend die
Beiträge für das Jahr 2016 mangels Zulässigkeit einer Wiedererwägung ohnehin
aufzuheben ist (siehe nachstehende E. 2.4 am Schluss).
2.1.
Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese
zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
2.2.
Vorliegend ist nicht erkennbar, dass die ursprüngliche Beitragsverfügung vom
16. Oktober 2018 auf einer falschen Rechtsanwendung beruhte. Vielmehr ist die Qua
lifikation als Selbstständigerwerbende bzw. Nichterwerbstätige, deren Beurteilung Er
messenszüge aufweist, zu prüfen. Erscheint vorliegend die Beurteilung als Selbst
ständigerwerbende aufgrund der konkreten Umstände als vertretbar, scheidet die
Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni
2008, 9C_910/2007, E. 4). Die Beschwerdeführerin nahm (spätestens) im Februar 2016
eine Tätigkeit als Gesellschafterin der Kollektivgesellschaft M._ auf (zum am
13. Januar 2016 geschlossenen Mietvertrag über die Betriebsräumlichkeiten und den
2.3.
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monatlichen Mietzins von Fr. 1'200.-- siehe act. G 5.1/72-5 f.). Bereits im April 2016
schied die Beschwerdeführerin aus dieser Kollektivgesellschaft jedoch wieder aus
(Tagebucheintrag vom _ 2016). Die noch verbliebene Gesellschafterin führte das
Geschäft als Einzelunternehmen bis zur Löschung am _ 2016 fort. Im Mai 2016
schloss sich die Beschwerdeführerin mit ihrer früheren Mitgesellschafterin erneut zu
einer Kollektivgesellschaft (N._) zusammen und nutzte dabei wiederum dieselben
Betriebsräumlichkeiten (siehe zu den Mietzinszahlungen act. G 5.1/72-7 ff.). Die
Beschwerdeführerin führte am _. Dezember 2016 aus, die Kollektivgesellschaft sei
zwar «gelöscht» worden und die Löschung im Handelsregister sei pendent. Sie fügte
an, unter einer neuen Adresse im Einzelunternehmen K._ in eigenen
Betriebsräumlichkeiten «weiterhin selbstständig aber im Haupterwerb» einer Tätigkeit
nachzugehen (act. G 5.1/70). Die Beschwerdeführerin reichte zudem mehrere
Rechnungen ein, die auf eine Geschäftstätigkeit hinweisen (siehe u.a. die Rechnung
über Kleidereinkäufe [410 Stücke] vom 29. März 2016 bzw. 21. April 2016 [$ 6'387.80 +
Fr. 1'871.47 für Transportkosten und Zölle, act. G 5.1/72-40 und -46] und vom
12. August 2016 [Datum Export] von $ 2'479.20 [act. G 5.1/72-43], die Rechnung vom
17. August 2016 über den Kauf von u.a. Kosmetikartikeln von Fr. 584.50, act.
G 5.1/72-15; zum weiteren Einkauf von Kosmetikartikeln siehe act. G 5.1/72-35 f.
und -38; siehe auch die Rechnungen über die Einkäufe bei der O._ im Betrag von
€ 686.87], die Rechnung der P._ vom 28. April 2016 im Betrag von Fr. 3'700.-- [act.
G 5.1/72-31], der Rechnung über den Ankauf eines Kassensystems vom 18. Juli 2016
im Betrag von Fr. 646.-- [act. G 5.1/72-33] und die Marketingausgaben von Fr. 250.--
[Rechnung vom 18. Juli 2016, act. G 5.1/72-45]). Aus diesen Umständen konnte zwar
in vertretbarer Weise geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin ab Februar
2016 in einer nach Aussen wahrnehmbaren Weise während mehr als 9 Monaten und
damit dauernd im Sinn von Art. 28 Abs. 1 AHVV als Selbstständigerwerbende in
Erscheinung getreten war.
bis
Allerdings bestehen erhebliche Zweifel an der Qualifikation der Beschwerdeführerin
im Jahr 2016 als im Sinn von Art. 28 Abs. 1 AHVV voll (selbstständig) Erwerbstätige.
Dabei fällt ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin am 8. März 2016 gegenüber den
Steuerbehörden ausführte, sie habe wegen Kinderbetreuung und Krankheitsfällen «nur
wenig in der selbständigen Erwerbstätigkeit arbeiten» können und somit keinen Gewinn
zu erwirtschaften vermocht (act. G 13.2). In der Einsprache vom 21. Dezember 2020
stellte sich die Beschwerdeführerin ebenfalls auf den Standpunkt, da sich ihr Sohn
nach dem Tod seines Vaters in psychiatrischer Behandlung befinde und auf ihre
Unterstützung angewiesen sei, sei es ihr nicht möglich gewesen, ihre Erwerbstätigkeit
auszudehnen (act. G 5.1/170-4). Dies spricht klar für ein sehr geringes, jedenfalls unter
2.4. bis
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3.
Bezüglich der umstrittenen AHV/IV/EO-Beiträge für das Jahr 2019 und das erste
Halbjahr 2020 hat die Beschwerdegegnerin bislang noch nicht rechtskräftig verfügt,
der halben üblichen Arbeitszeit liegendes tatsächlich erbrachtes Arbeitspensum und
somit für eine selbstständige Nebenerwerbstätigkeit. In damit zu vereinbarender Weise
gab die Beschwerdeführerin auch am _. Dezember 2016 an, erst ab diesem Datum
einem Haupterwerb nachgehen zu wollen (act. G 5.1/70). Allein aus den geschäftlichen
Ausgaben (siehe hierzu E. 2.3) kann für sich allein vorliegend nicht auf das
Arbeitspensum der Beschwerdeführerin für das Jahr 2016 geschlossen werden, zumal
das Geschäft der Kollektivgesellschaft auch von ihrer Mitgesellschafterin (mit)betrieben
wurde. Aufgrund der diesbezüglich klaren Angaben der Beschwerdeführerin ist
vielmehr davon auszugehen, dass sie im Jahr 2016 wohl nicht dauernd voll
erwerbstätig im Sinn von Art. 28 Abs. 1 AHVV gewesen war und folglich als
Nichterwerbstätige mit (selbstständiger) Nebenerwerbstätigkeit gelten würde (vgl. BGE
125 V 377). Ob sich die Qualifikation als im Hauptberuf (selbstständig) Erwerbstätige
als zweifellos unrichtig im Sinn von Art. 53 Abs. 2 ATSG erweist, kann letztlich
offenbleiben. Denn die für eine Wiedererwägung zusätzlich zu beachtende
Voraussetzung der erheblichen Bedeutung der Berichtigung ist vorliegend nicht erfüllt.
Selbst wenn die Beschwerdeführerin im Jahr 2016 als Nichterwerbstätige zu
qualifizieren wäre, ist nicht erkennbar, dass sie über für die Beitragsbemessung ins
Gewicht fallendes Vermögen und Renteneinkommen verfügt hätte (siehe zur
Unzulässigkeit des Einbezugs des Kindesvermögens und der an den Sohn
ausgerichteten Waisenrenten nachstehende E. 3.2.3 ff.), die zu einem – zumindest nicht
in erheblicher Weise – über dem AHV/IV/EO-Mindestbeitrag für das Jahr 2019 von
Fr. 479.-- (Fr. 392.-- + Fr. 66.-- + Fr. 21.--) liegenden Beitrag führen würden. Die
Beschwerdeführerin war zwar mit 15 % am Vermögen der Stiftung G._ (das
insgesamt höchstens Fr. 1'700'000.-- betrug) begünstigt (act. G 5.1/58). Die Frage, ob
ihr Anteil im Jahr 2016 noch vorhanden war, kann offenbleiben, weil er ohnehin den
Schwellenwert für den Mindestbeitrag von Fr. 300'000.-- (Art. 28 Abs. 1 AHVV) nicht
übersteigt. Damit ist die erhebliche Bedeutung der Berichtigung, auch unter
zusätzlicher Berücksichtigung der Verwaltungskosten, zu verneinen (siehe Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 4. Auflage 2020, N 66 zu Art. 53 mit Hinweisen auf die
Rechtsprechung, und Thomas Flückiger, N 76 zu Art. 53, in: Ghislaine Frésard-Fellay/
Barbara Klett/Susanne Leuzinger [Hrsg.], Allgemeiner Teil des
Sozialversicherungsrechts, Basler Kommentar, 2019) und es verbleibt bei der in
Rechtskraft erwachsenen AHV/IV/EO-Beiträge für das Jahr 2016 von Fr. 0.--, womit die
Beschwerdeführerin auch keine Verzugszinspflicht trifft.
bis
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womit sie bei Erlass der Veranlagungsverfügungen vom 16. Dezember 2020 (act.
G 5.1/158 f.) bzw. des Einspracheentscheids vom 9. Juni 2021 (act. G 5.1/188) im
Rahmen einer erstmaligen Beurteilung über die Qualifikation der Beschwerdeführerin
zu befinden hatte.
Die Beschwerdeführerin äusserte im Einspracheverfahren, sie übe im Rahmen
eines (nicht näher umschriebenen) Teilzeitpensums als Reinigungskraft eine
Erwerbstätigkeit aus. Ihr Sohn sei auf ihre Unterstützung angewiesen und es sei ihr
deshalb nicht möglich, ihre Erwerbstätigkeit auszudehnen (act. G 5.1/170-4). Am
24. Dezember 2020 ergänzte sie, sie habe ihre selbstständige Erwerbstätigkeit
aufgrund der Kinderbetreuung aufgegeben (act. G 5.1/172-3 oben). In Anbetracht
dieser Angaben und der bereits früher gemachten Darstellung zum Umfang der
Erwerbstätigkeit (siehe vorstehende E. 2.4) ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin höchstens im Rahmen eines (selbstständigen und/oder
unselbstständigen) Nebenerwerbs einer Erwerbstätigkeit nachging und ihre AHV/IV/
EO-Beiträge vom Erwerbseinkommen nicht den Mindestbeitrag nach Art. 28 erreichten
(Art. 28 Abs. 1 Satz 2 AHVV). Im Jahr 2019 erzielte die Beschwerdeführerin ein
Einkommen von Fr. 4'351.-- und leistete insgesamt AHV/IV/EO-Beiträge von
Fr. 445.95, was unter dem AHV/IV/EO-Mindestbeitrag für das Jahr 2019 von Fr. 482.--
liegt (Fr. 395.-- + Fr. 66.-- + Fr. 21.--). Somit gilt sie gemäss Art. 10 Abs. 1 Satz 2 AHVG
als Nichterwerbstätige. Für eine Qualifikation als Nichterwerbstätige spricht zudem,
dass die Beschwerdeführerin gegenüber den Steuerbehörden am 16. April 2021
bestätigte, in der Steuerperiode 2019 keine Einkünfte aus Selbstständigkeit generiert
zu haben (act. G 13.3). Das Fehlen von relevanten Einkünften aus der selbstständigen
Erwerbstätigkeit über mehrere Jahre ist ein weiterer Hinweis dafür, dass
Nichterwerbstätigkeit, bloss vorgegebene Erwerbstätigkeit oder allenfalls
Erwerbstätigkeit unbedeutenden Umfangs vorliegt. Wird eine üblicherweise erwerbliche
Tätigkeit auf Dauer ohne Gewinn ausgeübt, so lässt das Ausbleiben des finanziellen
Erfolgs regelmässig auf das Fehlen erwerblicher Zielsetzung schliessen; denn wer
wirklich eine Erwerbstätigkeit ausübt, wird sich in der Regel nach längeren beruflichen
Misserfolgen von der Zwecklosigkeit seines Unterfangens überzeugen und die
betreffende Tätigkeit aufgeben (so BGE 143 V 184 E. 3.3.2). Im Übrigen sind – anders
als für das Jahr 2016 (siehe vorstehende E. 2.3) – von der Beschwerdeführerin keine
Ausgaben im Zusammenhang mit einer selbstständigen Erwerbstätigkeit geltend
gemacht worden. Eine über den Umfang einer blossen Nebenerwerbstätigkeit
hinausgehende Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin kann mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit sowohl für das Jahr 2019 als auch das erste Halbjahr 2020 verneint
werden. Folglich ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass die
3.1.
bis
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Beschwerdeführerin in diesem Zeitraum gemäss Art. 28 Abs. 1 AHVV und Art. 10
Abs. 1 Satz 2 AHVG als Nichterwerbstätige zu qualifizieren ist.
bis
Nachfolgend ist die Höhe der AHV/IV/EO-Beiträge für das Jahr 2019 und das erste
Halbjahr 2020 zu bestimmen.
3.2.
Nichterwerbstätige bezahlen einen Beitrag nach ihren sozialen Verhältnissen. Der
Höchstbetrag entspricht dem 50-fachen Mindestbeitrag (siehe hierzu vorstehende
E. 1.1; Art. 10 Abs. 1 Satz 1 und 2 AHVG). Die Beiträge der Nichterwerbstätigen, für die
nicht der jährliche Mindestbeitrag vorgesehen ist, bemessen sich aufgrund ihres
Vermögens und ihres Renteneinkommens (Art. 28 Abs. 1 AHVV). Verfügt ein
Nichterwerbstätiger gleichzeitig über Vermögen und Renteneinkommen, so wird der
mit 20 multiplizierte jährliche Rentenbetrag zum Vermögen hinzugerechnet (Art. 28
Abs. 2 AHVV).
3.2.1.
Die Beschwerdegegnerin vertritt die Auffassung, dass die Beschwerdeführerin
gestützt auf Art. 319 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) die
Erträge des Kindesvermögens für Unterhalt, Erziehung und Ausbildung des Kindes
und, soweit es der Billigkeit entspricht, auch für die Bedürfnisse des Haushalts
verwenden könne. Auch wenn die Beschwerdeführerin selbst nicht am Nachlass des
Kindsvaters beteiligt sei, profitiere sie als Inhaberin der elterlichen Sorge vom
Vermögen des Sohnes. Sie bilde zusammen mit ihrem Sohn wirtschaftlich gesehen
eine Einheit, weshalb die gesamten Vermögenswerte des Sohnes bei der Prüfung der
sozialen Verhältnisse gemäss Art. 10 Abs. 1 Satz 1 AHVG richtigerweise miteinbezogen
worden seien (act. G 5, III. Rz 1b). Ihre Auffassung sieht die Beschwerdegegnerin in
BGE 101 V 177 (zur deutschen Übersetzung siehe ZAK 1976 S. 145 ff.) bestätigt.
3.2.2.
Auf die von der Beschwerdegegnerin ins Feld geführte Rechtsprechung, bei der
das Nutzniessungsrecht am Vermögen des Ehepartners und Kindes
Begründungsgrundlage bildete, kann für den vorliegend zu beurteilenden Fall nichts
abgeleitet werden, erging sie doch noch vor der am 1. Januar 1978 in Kraft getretenen
Revision des ZGB. Mit dieser wurde das bisherige Nutzniessungsrecht der Eltern am
Kindesvermögen gerade abgeschafft (BBl 1974 II 92; vgl. auch Peter Breitschmid, in:
Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch I, 5. Auflage,
2014, N 1 zu Art. 327). Vorliegend hat die Beschwerdeführerin überzeugend dargelegt
(act. G 1, III. Rz 10 f., und act. G 13, III. Rz 8; siehe auch die Bestätigung des Beistands
vom 25. Februar 2021, act. G 1.7), dass ihr kein Nutzniessungsrecht am Vermögen des
Kindes zusteht. Die Beschwerdegegnerin anerkennt zumindest, dass das Vermögen
nicht im Eigentum der Beschwerdeführerin stehe (act. G 5, III. Rz 1b). Mit der
3.2.3.
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genannten Revision des ZGB wurde eine strikte organisatorische Trennung des
Kindesvermögens vom Vermögen der Eltern eingeführt (BSK ZGB I-Breitschmid, N 1 zu
Art. 318). Entgegen der Sichtweise der Beschwerdegegnerin trifft nicht zu, dass ein
Elternteil und das Kind wirtschaftlich gesehen eine Einheit bilden würden (act. G 5,
III. Rz 1b). Insbesondere beitragsrechtlich bilden die Kinder mit ihren Eltern keine
wirtschaftliche Einheit (zur AHV als Individualversicherung siehe auch SVR 12/2012
AHV Nr. 18), was Art. 3 AHVG deutlich macht, wonach die Kinder bis zur Vollendung
des 20. Altersjahres bzw. erwerbstätige Kinder bis zum 31. Dezember des Jahres, in
dem sie das 17. Altersjahr zurückgelegt haben, ausdrücklich von der Beitragspflicht
befreit sind. Die Sichtweise der Beschwerdegegnerin würde zu einer unzulässigen
Umgehung der gesetzlich vorgeschriebenen Beitragsbefreiung führen, wenn das
Kindsvermögen allein aufgrund des Kindesverhältnisses den nichterwerbstätigen
Eltern(teilen) angerechnet würde (vgl. auch SVR 2012 AHV Nr. 18 E. 3).
Zwar dürfen die Eltern die Erträge des Kindesvermögens für Unterhalt, Erziehung
und Ausbildung des Kindes und, soweit es der Billigkeit entspricht, auch für die
Bedürfnisse des Haushaltes verwenden (Art. 319 Abs. 1 ZGB). Ein Überschuss fällt in
das Kindesvermögen (Art. 319 Abs. 2 ZGB). Die ausserordentliche finanzielle
Mitwirkung des Kindes im Sinn von Art. 319 Abs. 1 ZGB ist zulässig bei einem
erheblichen Ungleichgewicht der Leistungsfähigkeit von Eltern und Kind, wo der auf
das Kind entfallende Anteil der Haushaltskosten oder sogar eine höhere Quote davon
aus dem Einkommen der Eltern nicht gedeckt werden kann. Alsdann rechtfertigt sich,
auch den Aufwand für die persönliche Betreuung zu berücksichtigen – allerdings nicht
im Sinn einer «Entlöhnung der Eltern» durch das Kind für die von ihnen persönlich
erbrachte Pflege und Erziehung (Art. 276 Abs. 2 ZGB), sondern nur als solidarische
Abgeltung für in diesem Bereich entstehende Auslagen (Fremdbetreuung) oder
entgehende Einnahmen (Unmöglichkeit oder beschränkter Umfang einer für den
Unterhalt der Familie unabdingbaren ausserhäuslichen beruflichen Tätigkeit) oder als
Anteil an die Wohnkosten, bzw. als angemessene Teilhabe am Wohlergehen eines
Familienmitglieds (BSK ZGB I-Breitschmid, a.a.O., N 4 zu Art. 319). Es erscheint
fraglich, ob es mit Art. 319 ZGB vereinbar wäre, wenn das Kindsvermögen für die
Beitragsberechnung vollumfänglich einem nichterwerbstätigen Elternteil als
Beitragssubstrat zugeschlagen würde oder ob die Deckung von – über den
Mindestbeitrag hinausgehenden – sozialversicherungsrechtlichen Beiträgen zu den
«Bedürfnissen des Haushalts» gezählt werden dürfen. Diese Fragen können vorliegend
indessen offenbleiben. Entscheidend ist nämlich, dass das Recht der Eltern zur
Nutzung der Erträge des Kindesvermögens u.a. mit der Entziehung der
3.2.4.
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Verwaltungsbefugnis endet (BSK ZGB I-Breitschmid, a.a.O., N 1 zu Art. 326). Der
Beschwerdeführerin ist seit _ 2013 die Verwaltungsbefugnis über das Vermögen
ihres Sohns nach Art. 308 Abs. 2 und Art. 325 Abs. 1 ZGB und folglich die freie
Nutzungsmöglichkeit des Kindesvermögens nach Art. 319 ZGB entzogen worden, was
die Beschwerdegegnerin ausser Acht lässt, wenn sie ausführt, die Beschwerdeführerin
«profitiert als Inhaberin der elterlichen Sorge vom Vermögen des Sohnes» (act. G 5, III.
Rz 1b). Diese Betrachtungsweise, dass das Vermögen des Sohns nicht zum
massgebenden Vermögen der Beschwerdeführerin gehört, deckt sich mit der
Wegleitung des Bundesamts für Sozialversicherungen über die Beiträge der
Selbstständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO (WSN). In
der darin enthaltenen Rz 2081 wird festgelegt, dass die Anrechnung des
Kindesvermögens ein Nutzungsrecht voraussetzt, was bis zum Beweis des Gegenteils
vermutet wird (siehe hierzu bereits Fred L. Gerber, Alters- und
Hinterlassenenversicherung, Praktisches Handbuch, 1954, S. 169, Rz 12a). Vorliegend
ist hinreichend dargetan, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Verbeiständung
ein eigenständiges Nutzungsrecht am Kindsvermögen verloren hat. Die
Beschwerdegegnerin legt weder substanziiert dar noch ist erkennbar, dass die primär
für den Unterhalt des Sohnes, allerdings den Grundbedarf der Mutter
berücksichtigenden, vom Beistand festgelegten monatlichen Zahlungen (siehe hierzu
act. G 1.7) am faktisch und rechtlich fehlenden eigenständigen Nutzungsrecht der
Beschwerdeführerin am Kindsvermögen etwas zu ändern vermögen. Schliesslich sind
auch keine Umstände für eine missbräuchliche beitragsvermeidende Gestaltung der
Vermögensverhältnisse ersichtlich.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (act. G 5.1/138, act.
G 5.1/140 G 5.1/143 und act. G 5.1/145) gehören die an den Sohn der
Beschwerdeführerin ausbezahlten Waisenrenten – aus den gleichen Gründen wie
dessen Vermögen (siehe vorstehende E. 3.2.3 f.) – nicht zum massgebenden
Renteneinkommen der Beschwerdeführerin (siehe auch Rz 2090 der WSN), wie diese
zu Recht geltend macht (act. G 1, III, Rz 8 und Rz 10). Deshalb müssen sie ebenfalls
bei der Bemessung der Beiträge nach Art. 28 AHVV ausser Acht bleiben.
3.2.5.
Vorerst kann offenbleiben, ob und für welchen Zeitraum die Beschwerdeführerin
aufgrund der konkreten Umstände für die Beiträge für das Jahr 2019 und das erste
Halbjahr 2020 verzugszinspflichtig ist, da die Sache ohnehin zur Neuberechnung der
AHV/IV/EO-Nichterwerbstätigenbeiträge und folglich auch allfälliger Verzugszinsen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Dabei wird die Beschwerdegegnerin
3.3.
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4.
betreffend allenfalls erzielter Erwerbseinkünfte der Beschwerdeführerin die
Steuermeldungen einzuholen und zu berücksichtigen haben.
Gemäss vorstehenden Erwägungen sind der Einspracheentscheid vom 9. Juni
2021 betreffend die Beiträge für das Jahr 2016 (einschliesslich Verwaltungskosten und
Verzugszinsen) und die Beseitigung des Rechtsvorschlags in der Betreibung
Nr. 2_2 beim Betreibungsamt D._ (act. G 5.1/157) vollumfänglich aufzuheben.
Das Begehren der Beschwerdeführerin, die Betreibung Nr. 2_2 beim
Betreibungsamt D._ als solche sei aufzuheben (act. G 1, Antrag Ziffer 2), erübrigt sich
angesichts von Art. 8a Abs. 3 lit. a des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und
Konkurs (SchKG; SR 281.1), gemäss welchem die Ämter Dritten von einer Betreibung
keine Kenntnis geben, wenn die Betreibung gerichtlich aufgehoben worden ist. Eine
förmliche Aufhebung der Betreibung der von der Beschwerdegegnerin in Betreibung
gesetzten Beitragsforderung für das Jahr 2016 im Urteilsdispositiv ist aufgrund der
vorliegend festgestellten Unrechtmässigkeit (siehe vorstehende E. 2.4) für die
Verweigerung des Einsichtsrechts folglich nicht notwendig (BGE 125 III 336 E. 3;
James T. Peter, N 19 zu Art. 8a, in: Adrian Staehelin/Thomas Bauer/Daniel Staehelin
[Hrsg.], Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Basler Kommentar,
2. Auflage 2010). Die Beschwerdegegnerin wird das Betreibungsamt nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Urteils entsprechend zu informieren haben.
4.1.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid betreffend die
Beiträge für das Jahr 2019 und das erste Halbjahr 2020 (einschliesslich der darin
angeordneten Beseitigung der Rechtsvorschläge) aufzuheben und die Sache zur
Neuberechnung und Neuverfügung der Nichterwerbstätigenbeiträge (einschliesslich
Verwaltungskosten) für das Jahr 2019 und das erste Halbjahr 2020 einschliesslich
allfälliger Verzugszinsen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Hernach wird sie
erneut über den Umfang einer allfälligen Beseitigung des Rechtsvorschlags zu befinden
haben. Da die Bestimmung der Beiträge für das Jahr 2019 und das erste Halbjahr 2020
noch offen ist, fehlt es an der Spruchreife, um beurteilen zu können, in welchem
Umfang die Betreibungen Nr. 2_3 im Betrag von Fr. 19'900.90 nebst Zins zu 5 %
seit 9. Dezember 2020 und die Betreibung Nr. 2_4 im Betrag von Fr. 10'241.70
nebst Zins zu 5 % seit 9. Dezember 2020 beim Betreibungsamt D._ (act.
G 5.1/155 f.) rechtmässig sind.
4.2.
Mit dem am 1. Januar 2021 in Kraft getretenen Art. 61 lit. f ATSG gilt neu eine
differenzierte Kostenpflicht bei Leistungsstreitigkeiten. Die im bisherigen Art. 61 lit. a
4.3. bis
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