Decision ID: c37bcb94-14ab-475a-86c8-ec5451a88f71
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend vorsätzliches Vergehen gegen das Waffengesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirkes Zürich (8. Abteilung) vom 10. Juli 2012 (GG120092)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 30. März 2013 ist die-
sem Urteil beigeheftet (Urk. 21)
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des vorsätzlichen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 12 WG (unrechtmässiger
Besitz von Waffenzubehör),
− der Übertretung des Waffengesetzes im Sinne von Art. 34 Abs. 1 lit. e WG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 WG, sowie
− des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand mit qualifizierter
Blutalkoholkonzentration im Sinne von Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu
Fr. 30.– (entsprechend Fr. 1'050.–) sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
5. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 23. März 2012
beschlagnahmte Schalldämpfer, passend zur Maschinenpistole "Zastava"
(...), wird eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft der Stadtpolizei Zü-
rich, ..., zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
6. Die Beweismittelbeschlagnahme über folgende, mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 23. März 2012 beschlagnahmten und
- 3 -
bei der Stadtpolizei Zürich, ..., lagernden Gegenstände wird aufgehoben
und das Statthalteramt des Bezirks Horgen wird eingeladen, über eine Be-
schlagnahme und allfällige Einziehung dieser Gegenstände nach Waffenge-
setz (Art 31 WG) oder deren Rückgabe an den Beschuldigten zu befinden:
− 1 Revolver, Marke "Taurus", Mod. "694", Kal. 44 Magnum, Nr. ND ... (...),
− 1 Revolver, Marke "Arminius", Mod. "HW3", Kal. 22 Long Rifle, Nr. ... (...),
− 1 Pistole, Marke "CZ", Mod. "85B", Kal. 9mm Luger, Nr. D ... (...), − 1 Revolver, Marke "Dan Wesson", Mod. "715V", Kal. 357 Magnum, Nr.
S ... (...), − 1 Revolver, Marke "Rossi", Mod. "M713", Kal. 357 Magnum, Nr. F ...
(...), − 1 Schrotgewehr/Flinte, Marke "Remington", Mod. "870 Express Mag.",
Kal. 12, Nr. B ... M (...), − 1 Sturmgewehr, Marke/Modell "unbekannt", Kal. unbekannt, Nr. unbe-
kannt (...). − 1 Sportpistole, Marke/Modell "unbekannt", Kal. 22 Long Rifle, Nr. un-
bekannt (...), − 1 Pistole, Marke "DWM", Mod. "Parabellum", Kal. 7,65mm, Nr. ... (...), − 1 Revolver, Marke "HS", Mod. "21S", Kal. 22 Long Rifle, Nr. ..., (...), − 1 Revolver, Marke "NAA", Mod. "unbekannt", Kal. 22 Long Rifle, Nr. L
... (...), − 1 Sportpistole, Marke "Gamo", Mod. "Falcon", Kal. 4.4mm Luft, Nr. ...,
mit montiertem ZF (...), − 1 Springmesser, Gesamtlänge 21cm, Klingenlänge 8,5cm, einh. be-
dienb. autom. Mech. (...), − 1 Dolch, Gesamtlänge 30.5cm, Klingenlänge 18cm, asymm. Dolch,
inkl. Lederetui (...), − 1 Taschenmesser, zweih. bedienb. manueller Mech. (...), − 1 Schwert, Marke "L. Horster/Solingen", inkl. Lederetui (...), − 1 Ordonnanzbajonett, Marke "WF Bern", Nr. ... (...), − 1 Ordonnanzbajonett, Marke "Elsener", Nr. ... (...), − 1 Ordonnanzbajonett, Marke "WF Neuhausen", Nr. ... (...), − 1 Ordonnanzbajonett, Marke "WF Neuhausen" (...), − 1 Militärkarabiner, Marke "WF Bern", Mod. "Kar. 31", Kal. 7,5mm, Nr. ...
(...),
- 4 -
− 1 Militärkarabiner, Marke "WF Bern", Mod. "Kar. 31", Kal. 7,5mm, Nr. ... (...),
− 1 Militärkarabiner, Marke "WF Bern", Mod. "Kar. 11", Kal. 7,5mm, Nr. ... (...),
− 1 Militärkarabiner, Marke "WF Bern", Mod. "Inf.-Gew. 89/11", Kal. 7,5mm, Nr. ... (...),
− 1 Militärkarabiner, Marke "WF Bern", Mod. "Inf.-Gew. 11", Kal. 7,5mm, Nr. ... (...),
− Diverses Schiesszubehör: Div. Etuis, 1 Ledergurt, 1 Gewehrkolben, 1 Schraubenzieher, 2 Schrottpatronengürtel (...),
− diverse Schachteln und lose Munition mit unterschiedlichen Kalibern und verschiedenen Herstellern (...),
− Munition: 2 Dosen Schiesspulver à 1 kg, 5 Dosen Schwarzpulver à 1 kg (...),
− Maschinenpistole, zu einer halbautomatischen umgebaut, Marke "Zastava", Mod. "HK MP 5", Kal. 9mm PARA, Nr. YU ..., inkl. 4  und Zieloptik (...),
− Pistole, Marke "STAR", Mod. "31P", Kal. 9 Para, Nr. ... (...), − Munition: 8 Schachteln à 50 Patr. 9mm Para und 4 Schachteln à 50
Patr. 7.65mm Para (...).
7. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 30. März 2012 als
Beweismittel beschlagnahmte und bei den Akten lagernde Ordner mit Kauf-
verträgen für Waffen und Waffenerwerbsscheine wird dem Beschuldigten
nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben.
8. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'200.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 439.15 Untersuchungskosten
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
- 5 -
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 63 S. 2 f.)
"1. Ziff. 1 des Urteils des Einzelrichters des Bezirksgerichts Zürich vom
10. Juli 2012 sei wie folgt abzuändern:
Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des vorsätzlichen Vergehens gegen
das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung
mit Art. 12 WG sowie vom Vorwurf der Übertretung des Waffengeset-
zes im Sinne von Art. 34 Abs. 1 lit. e WG in Verbindung mit Art. 26
Abs. 1 WG von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Ziff. 2 des Urteils des Einzelrichters des Bezirksgerichts Zürich vom
10. Juli 2012 sei wie folgt abzuändern:
Der Beschuldigte sei für das Fahren in einem fahrunfähigen Zustand
mit einer Geldstrafe von 8 Tagessätzen zu CHF 30.00 zu bestrafen.
Diese Strafe sei bedingt auszusprechen, unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 2 Jahren.
3. Ziff. 4 des Urteils des Einzelrichters des Bezirksgerichts Zürich vom
10. Juli 2012 sei wie folgt abzuändern:
Auf die Anordnung einer Busse sei wegen des beantragten Freispruchs
in Ziff. 1 hiervor zu verzichten.
4. Ziff. 6 des Urteils des Einzelrichters des Bezirksgerichts Zürich vom
10. Juli 2012 sei wie folgt abzuändern:
Dem Beschuldigten seien sämtliche beschlagnahmte und bei der
Stadtpolizei Zürich, ..., lagernde Gegenstände (vgl. Auflistung unter
Ziff. 6 im vorinstanzlichen Urteil) nach Rechtskraft des Urteils der zwei-
ten Instanz auf erstes Verlangen auszuhändigen.
5. Ziff. 9 des Urteils des Einzelrichters des Bezirksgerichts Zürich vom
10. Juli 2012 sei wie folgt abzuändern:
- 6 -
5.1 Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens des
erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens seien dem Beschuldigten zu
1/5 aufzuerlegen.
5.2 Die Kosten der amtlichen Verteidigung im zweitinstanzlichen Verfahren
seien auf die Gerichtskasse zu nehmen."
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 58 schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Formelles
1. Am 10. Juli 2012 verurteilte das Einzelgericht am Bezirksgericht Zürich,
8. Abteilung, den Beschuldigten wegen vorsätzlichen Vergehens gegen das Waf-
fengesetz (unrechtmässiger Besitz eines Schalldämpfers als Waffenzubehör) und
Übertretung dieses Gesetzes (nicht sorgfältige Aufbewahrung von Waffen und
Munition) sowie wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand. Als Strafe wurde eine
bedingte Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu Fr. 30.– verbunden mit einer Busse
von Fr. 300.– ausgefällt (Urk. 48).
Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte am 20. Juli 2012 Berufung an
(Urk. 44). Seine Berufungserklärung, mit der er um einen unentgeltlichen Rechts-
beistand ersuchte, wurde am 19. September 2012 zur Post gegeben (Urk. 50). Mit
Präsidialverfügung vom 8. Oktober 2012 wurde dem Beschuldigten eine amtliche
Verteidigerin bestellt und Frist angesetzt, um die ungenügend erscheinende bis-
- 7 -
herige Berufungserklärung nachzubessern (Urk. 51). Die vervollständigte Beru-
fungserklärung ging am 1. November 2012 ein (Urk. 55). Demnach sind lediglich
die Widerhandlungen gegen das Waffengesetz angefochten. Für das anerkannte
Fahren in fahrunfähigem Zustand wird eine Geldstrafe von 8 Tagessätzen zu
Fr. 30.– beantragt. Zudem seien dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung
und beider Gerichtsverfahren lediglich zu einem Drittel aufzuerlegen unter Über-
nahme der Kosten der amtlichen Verteidigung auf die Gerichtskasse. Mit Eingabe
vom 17. Dezember 2012 präzisierte die Verteidigung, dass die Ziffern 5 und 7
(Einziehung bzw. Herausgabe) des vorinstanzlichen Urteils nicht angefochten
seien (vgl. Urk. 60).
Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte die
eingangs erwähnten Anträge stellen, wobei er in Abweichung von seinen Anträ-
gen in der Berufungserklärung beantragte, ihm die Kosten der Untersuchung und
des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens zu einem Fünftel aufzuerlegen (Prot.
II S. 4f.).
Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf das Einlegen eines Rechtsmittels und
beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 58).
Demnach ist der vorinstanzliche Entscheid unangefochten geblieben hin-
sichtlich des Schuldspruchs wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Urteilsdis-
positivziffer 1, teilweise) sowie hinsichtlich dessen Ziffern 5 (Einziehung Schall-
dämpfer), 7 (Herausgabe Ordner) und 8 (Kostenaufstellung). Dass diese Punkte
in Rechtskraft erwachsen sind, ist vorab festzustellen.
2. Die Verteidigung des Beschuldigten stellte im Rahmen der nachgebes-
serten Berufungserklärung und der heutigen Berufungsverhandlung den Beweis-
antrag, es sei der im März 2011 aktuelle Mieter der Räumlichkeiten an der
B._-Strasse ... in C._ als Zeuge darüber zu befragen, ob der Beschul-
digte seinen Lagerraum verschlossen hinterlassen habe, als über ihn ein Haus-
verbot verfügt worden ist. Auf diesen Antrag wird im Rahmen der Erwägungen
zum Schuldpunkt einzugehen sein (nachstehend unter Ziff. III).
- 8 -
II. Unerlaubter Besitz eines Schalldämpfers
Unbestritten ist, dass der Beschuldigte am 10. Mai 2011 und geraume Zeit
zuvor in seinem Tresor im gemieteten Lagerraum an der B._-Strasse ... in
C._ einen Schalldämpfer für Schusswaffen aufbewahrt hat. Gemäss Anga-
ben des Beschuldigten vor Vorinstanz hatte er dieses Waffenzubehör in der zwei-
ten Hälfte der 1990er-Jahre in ... gekauft (Urk. 34 S. 5f.); anlässlich der Beru-
fungsverhandlung erklärte er, nicht mehr zu wissen, wann er den Schalldämpfer
erworben habe, es sei ca. 1985 gewesen (Urk. 62 S. 6). Dass er für den entspre-
chenden Erwerb und Besitz eine behördliche Ausnahmebewilligung besessen
hätte, ist nicht erstellt und wird vom Beschuldigten auch nicht behauptet (a.a.O.;
vgl. auch Urk. 62 S. 6). Zu seiner Verteidigung führte er jedoch an, er habe da-
mals den Schalldämpfer unter Vorlage eines Waffenerwerbsscheins gekauft und
habe nicht gewusst, dass er für den Erwerb und den Besitz des Schalldämpfers
einer speziellen Bewilligung bedurft hätte. Er lässt folglich Verbotsirrtum im Sinne
von Art. 21 StGB geltend machen und verlangt einen Freispruch (Urk. 55 S. 4f.;
Urk. 62 S. 9; Urk. 63 S. 5ff.; Prot. II S. 4).
Die Vorinstanz nahm aufgrund der langjährigen Erfahrung des Beschuldig-
ten im Umfang mit Waffen an, dass er gewusst oder zumindest geahnt haben
müsse, dass er für den Erwerb eines Schalldämpfers eine Sonderbewilligung be-
nötigt hätte (Urk. 48 S. 7f.). Es ist nach Gesetz denn auch der unerlaubte Erwerb
eines Schalldämpfers, der den anschliessenden Besitz ebenfalls unerlaubt macht
(vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 5 Abs. 1 lit. g Waffengesetz [nicht lit. a, wie in der Anklage-
schrift erwähnt]). Ein "zumindest vages Unrechtsbewusstsein" beim Erwerb kann
einem Käufer – entgegen der Auffassung der Vorinstanz, vgl. Urk. 48 S. 7 – nur
unterstellt werden, wenn er ohne jegliche Legitimation und ohne weitere Vorkeh-
ren Waffenzubehör kaufte, obwohl klar ist, dass dieser Erwerb rechtlicher Rege-
lung unterliegt. Diesbezüglich ist dem Beschuldigten jedoch nicht zu widerlegen,
dass er den Schalldämpfer unter Vorlage eines Waffenerwerbscheins gekauft hat.
Dass er dennoch und entgegen dem Grundsatz in maiore minus zumindest eine
Ahnung vom Erfordernis der Zusatzbewilligung für das Zubehör gehabt hätte,
- 9 -
kann ihm in Übereinstimmung mit der Verteidigung (Urk. 63 S. 5ff.) unter den ge-
gebenen Umständen nicht nachgewiesen werden.
Allerdings bestand im Kanton Zürich das Verbot des An- und Verkaufs sowie
des privaten Besitzes von Schalldämpfern für Schusswaffen im Zeitpunkt des in-
kriminierten Erwerbs bereits seit mindestens 10 Jahren (seit 1973) und die kanto-
nale Waffenverordnung, die dieses Verbot stipuliert, ist übersichtlich und umfasst
lediglich 18 Paragraphen, wovon sich immerhin deren zwei (§§ 3 und 13) mit dem
Verbot von Schalldämpfern befassen. Als erfahrener und im Kanton Zürich aktiver
Waffensammler, Soldat der Schweizer Armee und Schweizergardist war es somit
für den Beschuldigten ein Leichtes und naheliegend, einmal einen Blick in die
Waffenverordnung zu werfen und vom besagten Verbot Kenntnis zu erlangen
oder sich im Laufe der Zeit – insbesondere in Anbetracht der Revision der Waf-
fengesetzgebung – bei einer Behörde über die geltende Rechtslage zu erkundi-
gen.
Sein Irrtum war somit jedenfalls vermeidbar im Sinne von Satz 2 von Abs. 21
StGB. Die Berufung auf Verbotsirrtum schützt den Beschuldigten demnach nicht
vor Verurteilung, sondern sein Irrtum lässt lediglich die Strafe milder ausfallen.
Der entsprechende Schuldspruch der Vorinstanz wegen Vergehens gegen das
Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a Waffengesetz ist deshalb zu be-
stätigen.
III. Unsorgfältiges Aufbewahren von Waffen und Munition
Dass der Beschuldigte die in der Anklageschrift aufgeführten Waffen samt
Munition im relevanten Zeitraum im von ihm gemieteten Lagerraum an der
B._-Strasse ... in C._ aufbewahrt hat, ist nicht strittig. Der Beschuldigte
räumte auch ein, dass er seit dem Hausverbot vom 11. März 2010 bis zur Kontrol-
le durch die Polizei rund ein Jahr später nie vor Ort kontrolliert habe, ob mit seiner
Waffensammlung noch alles in Ordnung sei (Urk. 34 S. 7f.). Die Anklage wirft ihm
deshalb vor, die Waffen und die Munition nicht genügend vor dem Zugriff Dritter
geschützt zu haben.
- 10 -
Die Vorinstanz hielt es aufgrund der Aussagen des Beschuldigten (u.a. in
Urk. 34 S. 8f.) für erstellt, dass er wusste, dass sich das Areal an der D._-
Strasse nach und nach in eine unsichere Gegend verwandelt hatte, seit sich die
Hausbesetzerszene dorthin verlagerte und auch diverse Einbrüche stattfanden.
Das alleinige Verschliessen der Türe zum Lagerraum und eines Gitterverschlages
auf dem Weg dorthin habe unter diesen Umständen dem Mass der anzuwenden-
den Sorgfalt zum Schutz der Waffensammlung nicht mehr genügt. Der Beschul-
digte hätte zusätzlich regelmässig überprüfen müssen, ob der Zugang zum Lager-
raum tatsächlich noch verschlossen sei und die Waffen weiterhin vor Missbrauch
durch unberechtigte Dritte geschützt wären. Da der Beschuldigte den Lagerraum
nie mehr aufgesucht habe, hätte er auch einen allfälligen Verlust an Waffen, der
meldepflichtig gewesen wäre (vgl. Art. 26 Abs. 2 Waffengesetz), nicht bemerken
können. Daran habe die Verhängung eines Hausverbots gegen den Beschuldig-
ten nichts geändert, da dieses seine Sorgfaltspflicht nicht aufzuheben geeignet
gewesen sei und da weiterhin mehrere Möglichkeiten bestanden hätten, dieser
Pflicht selber oder in delegierter Weise nachzukommen (vgl. Urk. 48 S. 9ff.).
Der Auffassung der Vorinstanz ist weitestgehend beizupflichten. Mit der Ver-
teidigung (Urk. 63 S. 8) ist jedoch davon auszugehen, dass es vor März 2010
nicht mehrere Einbrüche in die Liegenschaft B._-Strasse ... gegeben hat.
Dass es hingegen in jenem Gebiet immer wieder zu Vorfällen kam und der Be-
schuldigte selber Opfer eines tätlichen Angriffs wurde, ist unbestritten. Das einma-
lige Abschliessen des Lagerraums in dem zum Abbruch geweihten Areal in einer
unsicheren Gegend reichte angesichts der nicht über jeden Verdacht erhabenen
Leute, die nun dort verkehrten, nicht aus. Vielmehr wäre eine engmaschige Kon-
trolle während der immerhin 12-monatigen Abwesenheit des Beschuldigten ange-
zeigt gewesen. Dies ist im Übrigen auch der Grund, weshalb sich die Befragung
des von der Verteidigung offerierten Zeugen zur Frage erübrigt, ob der Beschul-
digte seinen Lagerraum verschlossen zurückgelassen habe, nachdem das Haus-
verbot ergangen war. Von der anfänglichen Abschliessung der Räume kann aus-
gegangen werden. Erstelltermassen hat der Beschuldigte daraufhin jedoch wäh-
rend längerer Zeit nichts weiter zur Absicherung der immerhin 15 bzw. 17
Schusswaffen samt Zubehör und Munition vorgekehrt.
- 11 -
Die Verteidigung macht geltend, der Beschuldigte habe wegen des Haus-
verbots keine anderen Möglichkeiten gehabt, die sorgfältige Aufbewahrung seiner
Waffen zu kontrollieren (Urk. 63 S. 10). Als das Hausverbot ausgesprochen wur-
de, war für den Beschuldigten absehbar, dass für unbegrenzte Zeit keine Kontrol-
le mehr möglich war und die sorgfältige Aufbewahrung der Waffen im Sinne des
Waffengesetzes nicht mehr sichergestellt werden konnte. Unter diesen Umstän-
den hätte sich der Beschuldigte an den Hauseigentümer oder eine Behörde (bei-
spielsweise die Polizei) wenden und sich erkundigen müssen, was in dieser Situa-
tion zu tun sei.
Damit ist der Beschuldigte dem Art. 26 Abs. 1 des Waffengesetzes nicht ge-
recht geworden, was eine Verurteilung und Bestrafung nach Art. 34 Abs. 1 lit. e
dieses Gesetzes nach sich zieht.
IV. Strafe
Die Vorinstanz hat die Strafe für die beiden vom Beschuldigten begangenen
Vergehen grundsätzlich richtig zugemessen. Sie ist zu Recht sowohl beim Verge-
hen gegen das Waffengesetz als auch beim Fahren in fahrunfähigem Zustand
von noch leichtem Verschulden ausgegangen. Zum Vorleben und den persönli-
chen Verhältnissen des Beschuldigten kann auf die Erwägungen im angefochte-
nen Entscheid verwiesen werden (Urk. 48 S. 17f.). Ergänzend ergab sich aus den
Ausführungen des Beschuldigten an der Berufungsverhandlung, dass höhere
Auslagen für die Miete (neu Fr. 1'690.–) und die Krankenkassenprämien (neu ca.
Fr. 300.–) anfallen; zudem erklärte der Beschuldigte, sein Krebsleiden im Prinzip
überstanden zu haben (Urk. 62 S. 4).
In Abweichung vom vorinstanzlichen Entscheid ist neu gemäss Art. 21
Abs. 1 StGB wegen vermeidbarem Verbotsirrtum eine zusätzliche Strafmilderung
am Platze. Da allein für das SVG-Delikt bereits 20 Tagessätze Geldstrafe ge-
rechtfertigt erscheinen, erweist sich zusammen mit der gemilderten Strafe für das
Vergehen gegen das Waffengesetz und unter Berücksichtigung der Täterkompo-
nente gesamthaft gesehen eine Geldstrafe von 28 Tagessätzen als angemessen.
- 12 -
Für die Höhe des Tagessatzes kann der Vorinstanz, welche diese auf Fr. 30.–
veranschlagte, gefolgt werden. Gleiches gilt für die Gewährung der bedingten
Strafe und die Ansetzung einer minimalen Probezeit.
Hinsichtlich der nicht sorgfältigen Aufbewahrung seiner Waffensammlung
während eines ganzen Jahres hat die Vorinstanz das Verschulden des Beschul-
digten zu Recht als nicht mehr leicht erachtet (Urk. 48 S. 19). Den Beschuldigten
trifft kein schweres Verschulden, insbesondere da er davon ausgehen durfte,
dass der Lagerraum verschlossen war. Auch unter Berücksichtigung der knappen
finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten ist die ausgesprochene Busse von
Fr. 300.– angemessen und zu bestätigen. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der
schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist jedoch usanzgemäss auf einen Tag
pro hundert Franken Busse, mithin insgesamt auf drei Tage festzulegen.
V. Schicksal der Waffensammlung
Die Vorinstanz hat entschieden, die Waffensammlung aus dem staatsan-
waltschaftlichen Beschlag zu lösen und den Entscheid über deren Schicksal dem
für die administrative Einziehung zuständigen Statthalteramt des Bezirkes Horgen
anheimzustellen. Nachdem die vorinstanzlichen Schuldsprüche grundsätzlich be-
stätigt worden sind, ist dieser Entscheid als sachgerecht zu bestätigen, auch
wenn vom Beschuldigten als passioniertem Waffensammler keine erhebliche oder
unmittelbare Gefährdung ausgegangen ist.
VI. Kosten
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 9) zu
bestätigen. Da der Beschuldigte mit seiner Berufung nur zum geringeren Teil ob-
siegt, sind ihm die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens zu drei Vierteln auf-
zuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten seiner
amtlichen Verteidigung sind ebenfalls auf die Gerichtskasse zu nehmen.
- 13 -