Decision ID: 7a40410b-c491-44cb-98bd-ef67bb3a8a0d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._ AG als Z._ angestellt und
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) unfallversichert
(Suva-act. 1). Am 18. Mai 2020 stellte er sich wegen Kniebeschwerden links bei Dr.
med. C._, Facharzt FMH Allg. Med., vor und berichtete davon, sich beim Abtreten
von einer Leiter das linke Knie verdreht zu haben. Dr. C._ stellte klinisch deutlich
positive Meniskuszeichen fest. Nachdem eine MRT-Untersuchung vom 20. Mai 2020
(vgl. dazu Suva-act. 31-3) eine komplexe Rissbildung mit einer partiellen Subluxation
des medialen Meniskus gezeigt hatte, überwies er den Versicherten an Dr. med. D._,
Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, spez. Sportmedizin SGSM (Suva-act. 27). Dieser hielt in der
Anamnese des Untersuchungsberichts zur Sprechstunde vom 25. Mai 2020 fest, dass
der Versicherte bei seiner Arbeit repetitiv in die Hocke gehen müsse. Im Rahmen einer
solchen Bewegung habe sich dieser beim Aufstehen das linke Kniegelenk verdreht.
Das Ereignis habe vor ca. sechs Wochen stattgefunden. Seither würden stechende
Schmerzen am linken Knie auf der Innenseite persistieren. Der Versicherte sei nach
dem Ereignis nur noch teilweise für wenige Stunden arbeitsfähig gewesen. Seit einigen
Tagen bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Unter Berücksichtigung der MRT-
Untersuchung vom 20. Mai 2020 diagnostizierte Dr. D._ eine symptomatische
komplexe mediale Meniskus Korpus- und Hinterhornläsion Knie links bei
Distorsionstrauma Knie links vom April 2020 und stellte die Indikation für eine
Teilmeniskektomie (Suva-ct. 11). Mit Schadenmeldung UVG vom _ Mai 2020 meldete
A.a.
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die Arbeitgeberin einen Unfall vom 18. Mai 2020, wonach der Versicherte beim [...] im
Innenbereich einer Baustelle einen starken Schmerz im linken Knie verspürt habe. Er
habe sich dabei den linken Meniskus geschädigt und die Arbeit anschliessend
ausgesetzt (Suva-act. 1).
Mit Schreiben vom 2. Juni 2020 informierte die Suva den Versicherten darüber,
dass sie zu den Versicherungsleistungen Stellung nehmen werde, sobald die
Abklärungen abgeschlossen seien (Suva-act. 6; vgl. dazu auch die Information vom 10.
Juni 2020; Suva-act. 15). Gleichentags stellte sie dem Versicherten einen Fragebogen
zu (Suva-act. 7).
A.b.
Am 3. Juni 2020 führte Dr. D._ die arthroskopische Teilmeniskektomie medialer
Korpus und Hinterhorn mit Needling Meniskusbasis und Plicaresektion Knie links durch
(Suva-act. 10).
A.c.
In einem Telefonat vom _ Juni 2020 bat der Vorgesetzte die Suva um Zustellung
des Fragebogens, da der Versicherte schlecht Deutsch spreche (Suva-act. 19). Am 17.
Juni 2020 ging bei der Suva ein vom Versicherten mit Hilfe der Generali Versicherungen
(nachfolgend: Generali) ausgefüllter Fragebogen ein. Zum Unfallhergang wurde darin
festgehalten, dass der Versicherte beim [...] im Innenbereich der Baustelle beim Knien
einen starken Schmerz gespürt habe. Die Schmerzen hätten sich am 11. Mai 2020
erstmals bemerkbar gemacht und der erste Arztbesuch sei am 18. Mai 2020 bei Dr.
C._ erfolgt (Suva-act. 22).
A.d.
Am 29. Juni 2020 hielt Kreisärztin Dr. med. E._, Fachärztin Allgemeinchirurgie
und Traumatologie, fest, dass der beim Versicherten erhobene Befund einer
Listendiagnose entspreche, diese jedoch überwiegend wahrscheinlich auf Abnützung
oder Erkrankung zurückzuführen sei. Es handle sich um eine degenerative
Meniskusläsion im Rahmen einer medialen Überlastung (Suva-act. 33).
A.e.
Anlässlich eines Telefongesprächs mit der Suva vom 30. Juni 2020 machte
Rechtsanwalt M. Kobsa, Zürich, stellvertretend für den Versicherten, geltend, dass es
sich beim gemeldeten Ereignis um ein Unfallereignis handle. Der Versicherte sei von
einer Leiter gestiegen, die sich auf einer wackligen Platte befunden habe. Beim
A.f.
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Absteigen habe die Platte gewackelt, weshalb der Versicherte mit dem Fuss
umgeknickt sei und sich dabei das Knie verdreht habe (Suva-act. 35).
Am 1. Juli 2020 berichtete Dr. D._ über einen raschen und regelrechten
Heilungsverlauf. Ab dem 13. Juli 2020 attestierte er dem Versicherten wieder eine
100%ige Arbeitsfähigkeit als Z._ (Suva-act. 36; zu gewissen Restbeschwerden vgl.
Suva-act. 47).
A.g.
In einem Telefongespräch vom 27. Juli 2020 erläuterte die Suva dem
Rechtsvertreter des Versicherten, dass sich aus ihrer Sicht kein Unfallereignis im
Rechtssinne zugetragen habe und sie daher ihre Leistungspflicht aufgrund einer
Listendiagnose geprüft habe. Gemäss der eingeholten medizinischen Beurteilung sei
die Meniskusläsion überwiegend wahrscheinlich auf Abnützung zurückzuführen,
weshalb eine Leistungspflicht abgelehnt werde. Rechtsanwalt Kobsa erwiderte, dass
die Angaben im Fragebogen mithilfe der Generali gemacht worden seien, der
Mitarbeiter der Generali das Gespräch aber nicht in der Muttersprache des
Versicherten habe führen können. Er, der Rechtsvertreter, spreche hingegen Y._. Der
Versicherte sei am 11. Mai 2020 von der Leiter auf den Boden gestiegen, welche sich
auf einer lockeren Platte befunden habe, weshalb er sich das Bein verdreht habe bzw.
weggeknickt sei. Die Schmerzen seien nicht sofort stark gewesen, weshalb er nicht
sogleich einen Arzt aufgesucht habe. Als ein Arztbesuch notwendig geworden sei,
habe der Versicherte den Unfallhergang derart geschildert (Suva-act. 41).
A.h.
In einer kreisärztlichen Aktenbeurteilung vom 12. August 2020 kam Dr. E._ zum
Schluss, dass das Ereignis vom 18. Mai 2020 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
keinen zusätzlichen strukturellen, objektivierbaren Läsionen geführt habe. Der am 3.
Juni 2020 operierte Schaden habe der Sanierung einer vorbestehenden komplexen
degenerativen Meniskusläsion im Hinterhornbereich gedient. Durch das Ereignis sei es
höchstens zu einer drei bis vier Wochen dauernden vorübergehenden
Verschlimmerung - im Sinne einer Schmerzauslösung - eines degenerativen und bis
dahin womöglich stummen Vorzustandes gekommen (Suva-act. 46).
A.i.
In einem Telefonat vom 14. August 2020 erklärte die Suva dem Rechtsvertreter des
Versicherten, dass sie das Ereignis nun doch als Unfall anerkennen werde, die
A.j.
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B.
C.
Versicherungsleistungen jedoch nach vier Wochen einstellen werde, da beim
Versicherten degenerative Vorzustände vorhanden seien (Suva-act. 49).
Mit Schreiben vom 18. August 2020 informierte die Suva den Versicherten
darüber, dass sie für die Folgen des Berufsunfalls vom 18. Mai 2020 vorübergehend
Versicherungsleistungen erbringen werde (Suva-act. 58). Mit gleichentags erlassener
Verfügung stellte sie ihre vorübergehenden Versicherungsleistungen (Heilbehandlung
und Taggeld) per 21. Juni 2020 ein und lehnte den Anspruch auf weitere
Versicherungsleistungen ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass mit
der Operation vom 3. Juni 2020 gemäss der kreisärztlichen Beurteilung keine
Unfallfolgen behandelt worden seien, obgleich die Kosten für die Operation
übernommen worden seien. Spätestens vier Wochen nach dem gemeldeten Ereignis
seien die Beschwerden jedoch nicht mehr als unfallbedingt, sondern als degenerativ
einzustufen (Suva-act. 56).
A.k.
Gegen diese Verfügung erhob der weiterhin durch Rechtsanwalt Kobsa vertretene
Versicherte am 18. September 2020 Einsprache (Suva-act. 66 und 69). Er legte seiner
Einsprache einen Bericht von Dr. D._ vom 27. Oktober 2020 bei (Suva-act. 69-8).
B.a.
In einer erneuten Aktenbeurteilung vom 17. November 2020 kam Dr. E._ zum
Schluss, dass mit der Einsprache keine neuen medizinischen Tatsachen vorgebracht
worden seien. Unabhängig davon, von welchem Ereignis ausgegangen werde, bleibe
der Befund am Meniskus degenerativer Genese (Suva-act. 70-1).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 30. Dezember 2020 wies die Suva die Einsprache
ab (Suva-act. 76).
B.c.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der weiterhin anwaltlich vertretene
Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 3. Februar 2021 Beschwerde (act. G
1). Er stellte folgende Anträge: "1. Der angefochtene vorinstanzliche SUVA Einsprache
Entscheid vom 30.12.2020 sowie die SUVA Verfügung vom 18.8.2020 seien
aufzuheben. 2. Die Einstellung der Leistungen per 21.06.2020 sei aufzuheben. 3. Die
C.a.
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Angelegenheit sei ohne Einschränkung als Unfall anzuerkennen und weiterzuführen. 4.
Eventualiter sei ein neutrales Fachgutachten zur Frage, ob es sich beim
Verletzungsgeschehen aus medizinischer Sicht um einen Unfall gehandelt hat und ob
die MRI Bilder oder andere medizinische Hinweise einen Unfallhergang a. als
wahrscheinlich erscheinen lassen, b. ausschliessen, durchzuführen und hernach dem
Versicherten Gelegenheit zu geben, Stellung zu nehmen und allenfalls die Anträge zu
ändern. 5. Es sei dem Vertreter des Beschwerdeführers eine Frist zur Ergänzung der
Beschwerde (Anträge und Begründung) zu gewähren, auf einen angemessenen
Zeitpunkt nach der [...]. 6. Subeventualiter sei das Verfahren zu sistieren bis zur [...]
und hernach die Ergänzung der Beschwerdeeingabe zu ermöglichen. Alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der SUVA F._" (act. G 1 S. 2). Weiter
wurde ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung und unentgeltliche
Prozessführung für das Verfahren vor Versicherungsgericht gestellt (vgl. act. G 1 S. 3).
In der Ergänzung der Beschwerde vom 30. April 2021 stellte der Beschwerdeführer
zusätzlich folgenden Antrag: "Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten den
anwaltlichen Aufwand von RA Michal Kobsa (einschliesslich MwST von 7.7%) seit
Beginn des SUVA Verfahrens des Beschwerdeführers zu bezahlen - in der Höhe nach
gerichtlichem Ermessen" (act. G 5 S. 8).
Am 25. Mai 2021 zog der Beschwerdeführer sein Begehren um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zurück, da eine Rechtsschutzversicherung für die Kosten der
Rechtsverbeiständung aufkomme (act. G 8).
C.b.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 2. Juni 2021 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 30. Dezember 2020 (act. G 9).
C.c.
In seiner Replik vom 6. September 2021 hielt der Beschwerdeführer an den bereits
gestellten Anträgen fest (act. G 14).
C.d.
Mit Eingabe vom 14. Oktober 2021 erneuerte die Beschwerdegegnerin den Antrag
auf Abweisung der Beschwerde und verzichtete auf die Erstattung einer umfassenden
Duplik (act. G 16).
C.e.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre
Versicherungsleistungen zu Recht per 21. Juni 2020 eingestellt hat.
2.
Der Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung setzt zunächst einen Unfall im
Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) voraus. Als solcher gilt eine plötzliche,
nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Gestützt auf Art. 6 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) hat der
Unfallversicherer bei Vorliegen eines Unfalls im Sinne des Gesetzes für einen
Gesundheitsschaden jedoch nur insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser in einem
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht
(Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Ursachen im
Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren
Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht oder nicht in gleicher Weise
oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die Schädigung verantwortlich, d.h.
zumindest teilkausal ist, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann,
ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E.
3.1 und 117 V 376 E. 3a; SVR 2007 UV Nr. 28 S. 94, U 413/05, E. 4.1 mit Hinweisen;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 53). Für die Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181
E. 3.1 und 112 V 32 f. E. 1; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 und 58 f.). Bei
physischen Unfallfolgen spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der
2.1.
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sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung praktisch keine
selbständige Rolle (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 f. E. 3a und
117 V 365 E. 5d/bb mit Hinweisen).
Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht für einen Gesundheitsschaden
einmal anerkannt, so entfällt seine Leistungspflicht erst dann, wenn der Unfall nicht
(mehr) die natürliche oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn
also letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies
trifft zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor
dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich
nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall
früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Trifft ein Unfall auf
einen vorgeschädigten Körper und steht medizinischerseits fest, dass weder der Status
quo sine noch der Status quo ante je wieder erreicht werden können, liegt eine
richtungsgebende Verschlimmerung vor. Treten im Anschluss an einen Unfall
Beschwerden auf, die zuvor nicht bestanden haben, und ist davon auszugehen, dass
durch den Unfall lediglich ein zuvor stummer degenerativer Vorzustand aktiviert, nicht
aber verursacht worden ist, so hat der Unfallversicherer bis zum Erreichen des Status
quo sine oder ante Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall
stehende Schmerzsyndrom zu erbringen und zwar selbst dann, wenn sich die
Gesundheitsschädigung bei einer Gewichtung der konkurrierenden Ursachen zum
stark überwiegenden Teil als Krankheitsfolge darstellt. Dies bedeutet unter Umständen,
dass die versicherte Person Anspruch auf eine operative Eingriffe miteinschliessende
zweckmässige Behandlung hat, wenn diese im Gesamtkontext gesehen letztlich mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit der (vorzeitigen) Beseitigung der vom Unfall
zumindest mitverursachten Schmerzen dient und nicht gesagt werden kann, die
Operation sei auch ohne den durch den Unfall bewirkten Beschwerdeschub
überwiegend wahrscheinlich im selben Zeitpunkt notwendig geworden (Urteil des
Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5.3 mit Hinweisen). Ebenso
wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen
jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens
mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender
Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 6.
August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2 mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b
mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54).
2.2.
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Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden. Soll ein Versicherungsfall
jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E.
4.4 und 4.6; bestätigt etwa im Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012,
8C_592/2012, E. 5.3). Die Rechtsprechung erachtet sodann Aktengutachten als
zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. Voraussetzung ist
ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte bzw. die Expertin imstande
ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 24. März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1).
2.3.
Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Während bei der
Frage, ob ein Kausalzusammenhang überhaupt jemals gegeben ist, demzufolge die
versicherte Person beweisbelastet ist, trägt die Beweislast für einen behaupteten
Wegfall der Kausalität der Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326; Urteil des
Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; BGE 117 V 264 E. 3b;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.).
2.4.
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3.
Die Beschwerdegegnerin hat das ihr am _ Mai 2020 gemeldete Ereignis vom 18.
Mai 2020 (vgl. Suva-act. 1) sowohl in der Verfügung vom 18. August 2020 (Suva-act.
56) als auch im angefochtenen Einspracheentscheid vom 30. Dezember 2020 (Suva-
act. 76) als Unfall anerkannt. Auch im Beschwerdeverfahren geht sie vom Vorliegen
eines Unfallereignisses aus (vgl. act. G 9 und 16), was nicht zu beanstanden ist. Nach
Aktenlage ist es plausibel, dass sich am 18. Mai 2020 oder allenfalls auch einige Tage
zuvor (vgl. dazu namentlich die Ausführungen des Beschwerdeführers in act. G 5) ein
Ereignis zugetragen hat, das den rechtlichen Unfallbegriff nach Art. 4 ATSG erfüllt.
3.1.
Die Beschwerdegegnerin stellt sich allerdings mit Verweis auf die kreisärztlichen
Aktenbeurteilungen von Dr. E._ auf den Standpunkt, dass das Unfallereignis nur zu
einer vorübergehenden, maximal drei bis vier Wochen dauernden Verschlimmerung
eines degenerativen Vorzustandes im Sinne einer Schmerzzunahme und damit zu einer
bloss vorübergehenden Leistungspflicht bis zum 21. Juni 2020 geführt habe. Mit der
Operation vom 3. Juni 2020 sei keine unfallkausale, sondern eine vorbestehende
Meniskusläsion behandelt worden, obgleich sie, die Beschwerdegegnerin, die
Behandlungskosten dafür übernommen habe (vgl. act. G 9 und 16).
3.2.
Demgegenüber ist der Beschwerdeführer der Ansicht, dass der Zeitpunkt der
Leistungseinstellung willkürlich gewählt worden sei und auf nicht beweiskräftigen
kreisärztlichen Aktenbeurteilungen beruhe (vgl. act. G 1, 5 und 14). Er beruft sich in
medizinischer Hinsicht namentlich auf einen Bericht von Dr. D._ vom 27. Oktober
2020, wonach eine Meniskusläsion im Rahmen eines Unfalls bzw. einer unfallähnlichen
Körperschädigung mindestens ebenso wahrscheinlich wie die Behauptung einer
degenerativen Läsion sei (vgl. act. G 1.6).
3.3.
Dem Beschwerdeführer ist darin zuzustimmen, dass der von der
Beschwerdegegnerin gewählte Leistungseinstellungszeitpunkt nicht nachvollziehbar ist
(vgl. dazu namentlich act. G 5). Indem die Beschwerdegegnerin die Kosten für die
Operation vom 3. Juni 2020 übernommen hat (vgl. dazu Suva-act. 56), hat sie implizit
auch deren Unfallkausalität anerkannt. Dies ergibt sich auch daraus, dass sie ihre
Leistungen erst per 21. Juni 2020 eingestellt und dadurch zumindest einen bis zu
diesem Zeitpunkt andauernden unfallkausalen Schmerzzustand angenommen hat (vgl.
Suva-act. 56 und 76). Selbst wenn also der Unfall, wie von ihr behauptet, zu keinen
strukturellen Schädigungen, sondern einzig zu einer Aktivierung einer vorbestehenden
Meniskusläsion im Sinne einer vorübergehenden Schmerzzunahme bis zum 21. Juni
2020 geführt hätte, wäre die infolge der Schmerzexazerbation am 3. Juni 2020
3.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/13
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notwendig gewordene Operation der Meniskusläsion noch immer als unfallkausal
einzustufen (vgl. E. 2.2). Folglich hat die Beschwerdegegnerin ihre
Versicherungsleistungen mindestens bis zum Abheilen der Folgen der durch den Unfall
notwendig gewordenen Operation zu erbringen. Gemäss dem Bericht von Dr. D._
vom 1. Juli 2020 hat sich beim Beschwerdeführer ein rascher und regelrechter
postoperativer Heilungsverlauf eingestellt. Eine vollständige Arbeitsfähigkeit als Z._
hat er ihm ab dem 13. Juli 2020 attestiert (vgl. Suva-act. 36). Demnach ist
anzunehmen, dass die Heilungsphase zumindest über den 21. Juni 2020 hinaus
angedauert hat (vgl. dazu auch Suva-act. 47), weshalb die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungen zu Unrecht bereits per 21. Juni 2020 eingestellt hat. Die kreisärztlichen
Beurteilungen von Dr. E._, die sich nicht zum Zeitpunkt der Heilung der
Operationsfolgen äussern, vermögen nichts Gegenteiliges aufzuzeigen (vgl. Suva-act.
33, 46 und 70-1).
Im Übrigen sind die im Bericht vom 27. Oktober 2020 festgehaltenen
Ausführungen von Dr. D._, der den Beschwerdeführer im Gegensatz zu Dr. E._
persönlich untersucht und operiert hat (vgl. dazu Suva-act. 10 f.), auch geeignet,
Zweifel an deren Einschätzung, wonach der Meniskusriss degenerativer Natur sei, zu
begründen. Dr. D._ hat die Ausführungen von Dr. E._ als spekulativ bezeichnet.
Ihm sei nicht klar, weshalb sie von einer vorbestehenden Meniskusläsion ausgehe. Eine
MRT-Untersuchung, welche eine Vorschädigung am linken Kniegelenk beweisen
würde, sei nicht durchgeführt worden. Im Untersuchungsbericht zur MRT-
Untersuchung vom 20. Mai 2020 sei die mediale Meniskusschädigung mit Rissbildung
und Subluxation beschrieben worden, während zusätzliche Knorpelschäden nicht
genannt worden seien. Eine vorbestehende, fortgeschrittene degenerative
krankheitsbedingte Veränderung an der Innenseite des linken Knies liege nicht vor. Eine
eindeutige Achsfehlstellung im Sinne einer O-Bein-Achse mit Überlastung des
Innenkompartimentes des linken Knies als weitere mögliche Ursache sei beim
Beschwerdeführer entgegen der Behauptung der Kreisärztin ebenfalls nicht gegeben.
Im Operationsbericht habe er zwar beginnende Knorpelschäden auf der Innenseite
Grad I bis II genannt. Solche Schädigungen seien der Vollständigkeit wegen im
Rahmen eines Operationsberichts immer zu erwähnen, könnten jedoch nicht als
fortgeschrittene krankheitsbedingte degenerative Schädigung, die als Hauptursache für
die beklagten Leiden zu sehen sei, interpretiert werden. Sodann ist Dr. D._ durchaus
einleuchtend zum Schluss gelangt, dass es sich um eine isolierte, mediale
Meniskusschädigung handle, die im Rahmen einer unfallähnlichen Körperschädigung
im Sinne einer unkontrollierten Körperbewegung vorkommen könne. Die Annahme
einer unfallkausalen Meniskusschädigung sei mindestens ebenso wahrscheinlich wie
3.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/13
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4.
die kreisärztliche Behauptung, wonach schon vor dem Ereignis vom Mai 2020
wesentliche Vorschäden vorhanden gewesen seien, zumal der Beschwerdeführer vor
dem Ereignis nie derartige Beschwerden verspürt habe (vgl. Suva-act. 69-8 f.).
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin ihre
Versicherungsleistungen zu Unrecht per 21. Juni 2020 eingestellt hat.
3.6.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer auch über den 21.
Juni 2020 hinaus die gesetzlichen Leistungen für die Folgen des ihr im Mai 2020
gemeldeten Ereignisses zu erbringen. Die zusätzlich zur Unfallkausalität verlangten
Leistungsvoraussetzungen für die einzelnen Leistungsarten (z.B. Arbeitsunfähigkeit)
wird die Beschwerdegegnerin noch zu prüfen haben.
4.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).4.2. bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise
festzusetzen, wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand
Rechnung zu tragen ist (Art. 61 lit. g ATSG). Die vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers eingereichte Honorarnote über Fr. 6'510.30 (vgl. act. G 5.1) bezieht
sich zu einem grossen Teil auf Aufwendungen, die im Verfahren mit der
Unfallversicherung erfolgt sind. Umgekehrt erfasst sie nicht sämtliche Aufwendungen
des Beschwerdeverfahrens. Demnach eignet sie sich nicht als Referenzgrösse zur
Festlegung der Parteientschädigung im vorliegenden Beschwerdeverfahren.
Vorprozessuale Aufwendungen werden vom Parteientschädigungsanspruch gemäss
Art. 61 lit. g ATSG nicht erfasst (vgl. dazu Art. 52 Abs. 3 ATSG; Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 85 zu Art. 52 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts
vom 28. Mai 2018, 9C_877/2017, E. 8.2). Hinsichtlich des Antrags des
Beschwerdeführers betreffend Zusprache einer Parteientschädigung für das
Verwaltungsverfahren (vgl. act. G 5 S. 8) fehlt es an einem Anfechtungsobjekt, sodass
darauf nicht einzutreten ist (vgl. BGE 131 V 164 f. E. 2.1). Eine Parteientschädigung ist
demnach lediglich für das Beschwerdeverfahren vor Versicherungsgericht
zuzusprechen. Das Nichteintreten auf den Antrag auf Parteientschädigung für den
vorprozessualen Aufwand (vgl. act. G 5. S. 8) ist gemessen an den gestellten Anträgen
(vgl. act. G 1 S. 2) von derart untergeordneter Natur, dass für die Festsetzung der
Parteientschädigung von einem Obsiegen ausgegangen werden kann. Angesichts des
bescheidenen Aktenumfangs erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle eine
4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/13
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