Decision ID: d8a07588-4c7b-5590-8fd4-5160379ee208
Year: 2014
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 2. Oktober 2012 bei der Gemeinde Erlach ein
Baugesuch ein für den Neubau einer Mobilfunkanlage auf Parzelle Erlach Grundbuchblatt
E._. Die Parzelle liegt in der Gewerbezone sowie im Uferschutzplan Nr. 2 (Sektor
C) nach SFG1. Die Stadt Erlach ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der
Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) aufgeführt. Die geplante Antenne liegt in der
vom ISOS als Umgebungszone XI mit Erhaltungsziel b bezeichneten Fläche. In der Nähe
der geplanten Mobilfunkanlage befindet sich das im Bundesinventar für Landschaften und
Naturdenkmäler (BLN) aufgenommene Objekt Nr. 1301 "St. Petersinsel-Heideweg". Auch
dieses ist von nationaler Bedeutung. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache.
Das beco reichte am 30. Oktober 2012 einen Amtsbericht und am 3. Mai 2013 eine
Stellungnahme zur Einsprache der Beschwerdeführenden ein. Nachdem die
Beschwerdegegnerin am 1. Juli 2013 ein überarbeitetes Standortdatenblatt eingereicht
hatte, äusserte sich das beco mit Schreiben vom 23. Juli 2013 zu diesem angepassten
Standortdatenblatt. Die kantonale Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder
(OLK) äusserte sich im Bericht vom 15. Mai 2013 zum Vorhaben. Mit Gesamtentscheid
vom 13. August 2013 erteilte das Regierungsstatthalteramt Seeland die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 13. September 2013 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie stellen
folgende Anträge: „1. Das Baugesuch sei abzuschlagen.
2. Es sei die Stellungnahme der Eidg. Kommission für Natur- und Heimatschutz (ENHK), eventuell
ein umfassenderes Gutachten der OLK, unter Ausstandnahme der Verfasser der
Kurzstellungnahme, zum Projekt einzuholen.
3. Die Einhaltung der Grenzwerte gemäss NISV sei durch einen unabhängigen Experten zu
überprüfen. Eventuell sei die vom BECO als Auflage geforderte Nachkontrolle für die OMEN 2, 3,
4, 5, 7 und 9 aufzuerlegen.
4. Es seien Alternativstandorte für die Anlage zu evaluieren, wobei das Projekt auf die für die
örtliche Versorgung notwendige Sendeleistung zu redimensionieren sei.“
1 Gesetz vom 6. Juni 1982 über See- und Flussufer (See- und Flussufergesetz, SFG; BSG 704.1).
3
Dabei machen sie insbesondere geltend, das Vorhaben bewirke einen erheblichen Eingriff
in das geschützte Orts- und Landschaftsbild, welcher von der Vorinstanz ungenügend
überprüft worden sei. Weiter sei die Leistung der projektierten Anlage für die Bedürfnisse
von Erlach überdimensioniert und es habe nur eine ungenügende Standortevaluation
stattgefunden.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Mit Schreiben vom 26. September 2013
beantragt das Regierungsstatthalteramt die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
einzutreten sei. Das beco macht in seiner Stellungnahme vom 8. Oktober 2013
Ausführungen zu den Vorbringen der Beschwerdeführenden und stellt fest, im Bereich des
Schutzes vor nichtionisierender Strahlung würden sich aus der Beschwerde keine neuen
Erkenntnisse ergeben, die zu einer anderen Beurteilung führten als im Amtsbericht vom 30.
Oktober 2012 und dem Bestätigungsbrief vom 23. Juli 2013 zum neuen Standortdatenblatt.
Damit erübrige es sich auch, eine zusätzliche Stellungnahme eines weiteren Experten
einzuholen. Die Gemeinde stellt mit Stellungnahme vom 14. Oktober 2013 ebenfalls den
Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin reichte am 18. Oktober
2013 eine Beschwerdeantwort ein und beantragt darin die Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf eingetreten werden könne.
4. Mit Verfügung vom 31. Oktober 2013 stellte das Rechtsamt der BVE die Akten der
Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) zu und ersuchte diese um
Mitteilung, ob sie in dieser Sache eine fakultative (Art. 8 NHG3) oder eine obligatorische
(Art. 7 Abs. 2 NHG) Begutachtung durchführen wolle oder ob sie auf eine Begutachtung
verzichte. Die ENHK teilte mit Schreiben vom 13. November 2013 mit, sie habe
beschlossen, das Baugesuch näher zu prüfen und eine Beurteilung abzugeben. Ob es sich
dabei um eine fakultative Begutachtung nach Art. 8 NHG oder um ein Gutachten nach
Art. 7 NHG handle, könne erst gestützt auf die vertiefe Analyse des Vorhabens und dessen
Auswirkungen auf das Ortsbild von nationaler Bedeutung bzw. auf das BLN-Objekt
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 3 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451).
4
Nr. 1301 festgelegt werden. Als Grundlage für die Beurteilung sei ein Augenschein einer
Delegation der Kommission in Anwesenheit der Parteien erforderlich. Dieser Augenschein
fand am 16. Dezember 2013 statt.
5. Nachdem die Verfahrensbeteiligten Gelegenheit hatten, zum Protokoll des
Augenscheins Stellung zu nehmen und das Rechtsamt der BVE sämtliche, noch nicht
zugestellten Unterlagen der ENHK aushändigte, reichte diese ihr Gutachten am 1. Mai
2014 ein. Darin wies sie darauf hin, dass aufgrund der schlechten Witterung am
Augenschein die Fernwirkung der geplanten Antenne nicht beurteilt werden konnte und
eine Delegation der ENHK daher am 7. Januar 2014 den von den Beschwerdeführenden
vorgeschlagenen Rundgang zur Beurteilung der Fernwirkung der geplanten Anlage bei
optimalen Wetterbedingungen vervollständigte. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich
zum ENHK-Gutachten zu äussern.
6. Am 8. Mai 2014 hat schliesslich das Rechtsamt der BVE vor Ort weitere Fotos zur
Vervollständigung der Akten gemacht. Diese Fotodokumentation inklusive Übersicht der
Fotostandorte wurde zu den Akten genommen und den Verfahrensbeteiligten mit
Verfügung vom 16. Mai 2014 zugestellt. Die Parteien erhielten nochmals Gelegenheit zur
Stellungnahme. Davon machten sowohl die Beschwerdeführenden als auch die
Beschwerdegegnerin Gebrauch (jeweils mit Eingabe vom 10. Juni 2014).
7. Auf die Rechtsschriften, das ENHK-Gutachten, das Ergebnis des Augenscheins
sowie die Fotodokumentation wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden haben sich am Einspracheverfahren
beteiligt und sind mit ihrer Einsprache im Baubewilligungsverfahren nicht durchgedrungen.
Die Liegenschaften der Beschwerdeführenden befinden sich gemäss den
unwidersprochenen Ausführungen im vorinstanzlichen Entscheid alle innerhalb des
Perimeters für die Einsprache- und Beschwerdelegitimation (626.10 Meter6). Sie haben
damit ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des angefochtenen Entscheids und
sind zur Beschwerdeführung legitimiert.
Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 BauG).
Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG7). Auf die Beschwerde
ist somit einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden führen aus, sie hätten bereits in ihrer Einsprache auf eine
von der Firma D._ vor ca. zehn Jahren am praktisch gleichen Standort geplante
4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 6 Standortdatenblatt vom 24.6.2013, Revision: 1.9, Ziffer 6, in den Vorakten. 7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
6
Mobilfunkantenne hingewiesen, welche von der BVE und vom Verwaltungsgericht als
ortsbildwidrig eingestuft worden sei.8 Trotzdem seien diese Entscheide im angefochtenen
Entscheid mit keinem Wort erwähnt worden. Da der vorliegend zu beurteilende Standort
nur wenige Meter neben dem damaligen Standort der D._-Antenne liege, hätte die
Vorinstanz zur Wahrung des rechtlichen Gehörs im Sinne der Begründungspflicht
zumindest erläutern müssen, worin sich die Auswirkung des heutigen Projekts vom
damaligen bezüglich Ortsbildschutz unterscheide. Das rechtliche Gehör gebiete, auf
wichtige Argumente einer Einsprache in der Begründung des Entscheids einzugehen.
Eine Verfügung muss die Tatsachen, Rechtssätze und Gründe enthalten, auf die sie sich
stützt (Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die
Betroffenen den Entscheid sachgerecht anfechten können. Deshalb muss die Behörde
mindestens kurz die Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf
die sie ihren Entscheid stützt. Sie muss sich dabei nicht ausdrücklich mit jeder Behauptung
zum Sachverhalt und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen. Vielmehr kann sie
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken.9
Die Vorinstanz erläutert im angefochtenen Entscheid auf gut drei Seiten, wieso das
umstrittene Vorhaben aus ihrer Sicht zu bewilligen ist. Dabei geht sie auf die
verschiedenen Rügen der Einsprechenden ein und begründet dabei, weshalb diese
abzuweisen sind. Aus diesen Ausführungen ergeben sich die Überlegungen, von denen
sich die Vorinstanz hat leiten lassen. Damit waren die Beschwerdeführenden in der Lage,
die Baubewilligung sachgerecht anzufechten. Die Vorinstanz war nicht verpflichtet, auf den
von den Beschwerdeführenden erwähnten Fall einer nicht bewilligten D._-Antenne
in unmittelbarer Nähe einzugehen, da diese von den Dimensionen her mit der vorliegenden
Antenne nicht vergleichbar war (vgl. E. 6b). Die Vorinstanz ist deshalb ihrer
Begründungspflicht nachgekommen und es liegt keine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör vor.
b) Die Beschwerdeführenden rügen weiter, das Regierungsstatthalteramt habe im
vorinstanzlichen Entscheid nicht begründet, wieso es auf den von ihnen beantragten
Augenschein verzichtet habe. Der Augenschein sei ein wichtiger Beweisantrag, wenn es
darum gehe, ästhetische Wirkungen eines Projekts auf die Umgebung zu beurteilen. Die
8 Urteil BVE vom 15. Oktober 2002 (RA Nr. 11095-02 B1) und VGE 21569U vom 20. Januar 2004. 9 BGE 134 I 83 E. 4.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 6 ff.
7
Ablehnung dieses Beweisantrags sei nur mit einer nachvollziehbaren Begründung möglich.
Ebenso habe die Vorinstanz nur unzureichend begründet, wieso sie auf eine Konsultation
der ENHK verzichtet habe.
Die Behörden stellen den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Sie bestimmen Art und
Umfang der Ermittlungen, ohne an die Beweisanträge der Parteien gebunden zu sein
(Art. 18 VRPG). Dass die Vorinstanz vorliegend auf einen Augenschein verzichtet hat,
erscheint zwar fragwürdig, da die ästhetische Beurteilung der Antenne zentral ist. Sie war
jedoch nicht verpflichtet, die Ablehnung dieses Beweisantrags im Entscheid näher zu
begründen, blieb doch eine sachgerechte Anfechtung der Baubewilligung trotzdem
möglich. Eine Verletzung der Begründungspflicht und damit des rechtlichen Gehörs ist
auch nicht darin zu erblicken, dass die Vorinstanz – wenn auch zu Unrecht (vgl. E. 3) – im
vorinstanzlichen Entscheid zum Ergebnis kam, das Einholen eines Gutachtens der ENHK
erscheine vorliegend als unverhältnismässig und unnötig.
3. Beizug der ENHK
a) Die Beschwerdeführenden beantragen die Einholung eines Gutachtens der ENHK.
Ein solches sei aufgrund der Schwere des Eingriffs notwendig. Der Kurzbericht der OLK
vom 15. Mai 2013 genüge den Anforderungen an eine seriöse Begutachtung nicht.
Das Regierungsstatthalteramt kam im vorinstanzlichen Entscheid zum Schluss, das
Einholen eines Gutachtens der ENHK erscheine vorliegend als unverhältnismässig und
unnötig. Auch die Beschwerdegegnerin erachtet den Einbezug der ENHK am hier
interessierenden Standort (nur Erhaltungsziel b) als unnötig. In den Erläuterungen zum
ISOS werde denn auch nicht zwingend in jedem Fall die Einholung eines Gutachtens der
ENHK gefordert; es werde lediglich die Beratung durch die Denkmalpflege, die offizielle
Fachinstanzen oder andere Fachleute als zweckmässig bezeichnet. Diesen Anforderungen
genüge die von der Vorinstanz angerufene OLK ohne Weiteres.
b) Die Erteilung der Baubewilligung für die Mobilfunkanlage ist eine Bundesaufgabe im
Sinne von Art. 2 NHG.10 Das NHG und dessen Ausführungserlasse finden somit direkte
10 vgl. BGE 131 II 545.
8
Anwendung. Eine Begutachtung durch die ENHK ist obligatorisch, wenn ein Objekt, das in
einem Inventar des Bundes nach Art. 5 NHG aufgeführt ist, erheblich beeinträchtigt werden
kann oder sich in diesem Zusammenhang grundsätzliche Fragen stellen. In diesem Fall
verfasst die Kommission zuhanden der Entscheidbehörde ein Gutachten, in dem sie
angibt, ob das Objekt ungeschmälert zu erhalten oder wie es zu schonen ist (Art. 7 Abs. 2
NHG).11 Nach Art. 8 NHG kann die Kommission in wichtigen Fällen auch von sich aus in
jedem Stadium des Verfahrens ein Gutachten über die Schonung oder ungeschmälerte
Erhaltung von Objekten abgeben (fakultative Begutachtung).
c) Eine Begutachtung durch die ENHK hat obligatorisch zu erfolgen, wenn eine
erhebliche Beeinträchtigung des Inventars nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden
kann.12 Die geplante Antenne liegt in dem durch das ISOS geschützten Gebiet
(Umgebungszone XI mit Erhaltungsziel b). Sie ist zudem bloss ca. 350 m von der
Oberstadt von Erlach und dem Schloss (Gebiet 1, Erhaltungsziel A) sowie ca. 300 m von
der unteren Altstadt (Gebiet 2, Erhaltungsziel A) entfernt. Bereits aufgrund dieser Nähe ist
von einer obligatorischen Begutachtungspflicht durch die Fachbehörde des Bundes
auszugehen. Auch die ENHK ging von einer obligatorischen Begutachtung aus, gab sie ihr
Gutachten doch gestützt auf Art. 7 NHG ab.13 Das Regierungsstatthalteramt hätte daher
bereits im vorinstanzlichen Verfahren ein Gutachten durch die ENHK einholen müssen; die
Rüge wurde von den Beschwerdeführenden zu Recht vorgebracht.
d) Ein Verfahrensmangel kann im Rechtsmittelverfahren „geheilt“ werden, sofern die
obere Instanz dieselbe Überprüfungsbefugnis hat wie die verfügende Behörde, den
Beschwerdeführenden daraus kein Nachteil erwächst und es sich nicht um eine besonders
schwere Verletzung der Parteirechte handelt.14 Gemäss Art. 40 Abs. 3 BauG kommt der
BVE als Beschwerdeinstanz die volle Überprüfungsbefugnis zu. Die ENHK hat im
Beschwerdeverfahren ein Gutachten eingereicht; die Beschwerdeführenden hatten
Gelegenheit, hierzu Stellung zu nehmen. Die Beschwerdeführenden konnten damit ihre
Rechte im Beschwerdeverfahren vollumfänglich wahrnehmen; ihnen ist durch den
11 Vgl. auch BGE 127 II 273 E. 4a. 12 So auch Leimbacher, Kommentar NHG, Art. 7, N. 5. 13 Gutachten ENHK vom 1. April 2014, S. 1. 14 BGE 129 I 129 E. 2.2.3, 126 I 68 E. 2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., N. 16 zu Art. 21 VRPG.
9
Verfahrensmangel kein materieller Nachteil entstanden. Der im Baubewilligungsverfahren
begangene Verfahrensmangel ist jedoch bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.15
4. Ortsbildschutz: Ausgangslage
a) Die Beschwerdegegnerin plant den Bau einer freistehenden GSM900/UMTS2100-
Mobilfunkanlage auf der Parzelle Erlach Grundbuchblatt E._ am H._weg
in der Gewerbezone. In der Gewerbezone beträgt die maximale Gebäudehöhe 8 m (Art.
217 GBR16). Allerdings sind auf reine Mastenkonstruktionen (z.B. Antennen, Skilifte,
Materialtransportanlagen), die keine gebäudeähnlichen Bauteile aufweisen, die
Vorschriften über die Gebäudehöhe nicht anwendbar.17
Gemäss Baueingabeplan18 soll die Anlage direkt neben dem bestehenden
Gebäudekomplex der I._ auf dessen nördlichen Seite zu stehen kommen. Sie
weist eine Höhe von 18.01 m auf und überragt das angrenzende Werft-Gebäude ab
Dachtraufe um rund 13 m. Der Durchmesser des Mastes soll an der Basis 50 cm betragen
und sich gegen oben nach und nach bis auf 25 cm verkleinern. Ab einer Höhe von 16.5 m
sind zwei UMTS/GSM-Antennenpanels (1.33 x 0.26 x 0.15 m, kumulierte maximale
Sendeleistung von jeweils 2000 W) geplant. Der Gesamtdurchmesser beträgt in diesem
Bereich rund 1 m. Richtfunkantennen sind keine vorgesehen. Die Technikkabine soll im
Werft-Gebäude untergebracht werden.
b) Die Beschwerdeführenden rügen, die geplante Antenne verletze das national
geschützte Ortsbild von Erlach. Zu beachten sei auch der Schutz des benachbarten BLN-
Objekts 1301 (" St. Petersinsel-Heideweg "). Das Vorhaben bewirke einen erheblichen
Eingriff in das geschützte Orts- und Landschaftsbild. Die Antenne komme praktisch am
selben Standort zu stehen wie ein Antennenprojekt der Firma D._, welches von
der BVE und vom Verwaltungsgericht als ortsbildwidrig eingestuft worden sei. Mit einer
Höhe von 18 m werde das Gewerbegebäude stark überragt und die geschützten
Sichtverbindungen in ästhetischer Weise empfindlich gestört. Die Sicht von der
Schlossterrasse oder vom Kirchhügel zeige, dass die Antenne einen völlig neuen Akzent
15 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16 mit Hinweisen. 16 Baureglement der Gemeinde Erlach vom 16. August 2011, genehmigt durch das AGR am 11. April 2012. 17 BSIG Nr.: 7/721.0/10.1, Ziffer 2.12. 18 Baueingabeplan Erlach Ost, Plan Nr. 3-94062B vom 24.6.2013, Stempel Regierungsstatthalteramt vom 13. August 2013.
10
setzen und das Orts- und Landschaftsbild erheblich verändern würde. Die Störung des
Landschaftsbildes werde durch die angrenzenden Doppelkiefern, deren Bestand nicht
geschützt sei, nur unmerklich gemildert. Weiter fehle es an der Notwendigkeit, eine derart
grosse und leistungsfähige Antenne an diesem Standort zu erstellen. Mit der geplanten
GSM-Leistung von 1'600 Watt und der Aufrüstung auf UMTS werde das Projekt für die
lokale Versorgung völlig überdimensioniert. Vorliegend sei eine Güterabwägung nach den
strengen Kriterien von Art. 6 Abs. 2 NHG vorzunehmen. Die Interessen an einer qualitativ
guten Versorgung mit Mobifunk seien gewichtig, aber ein Vorrang des
Versorgungsauftrags gegenüber anderen aus der Bundesverfassung abgeleiteten
öffentlichen Interessen ergebe sich nicht. Das geschützte Ortsbild dürfe nur geschmälert
werden, wenn die Antenne mit dieser Höhe im ISOS-Gebiet für die Versorgung des
Gebiets unabdingbar sei. Nach einer eingeholten Fachmeinung könne vor-aussichtlich mit
einer halbierten Sendeleistung eine ausreichende Versorgung Erlachs sichergestellt
werden. Damit sei es unter Einhaltung der Grenzwerte am umstrittenen Standort möglich,
die Masthöhe auf 10 m zu reduzieren.
Das Regierungsstatthalteramt stützte sich im Entscheid auf einen Bericht der OLK vom
15. Mai 2013. Die Fachbehörde kam darin zum Ergebnis, dass die Lage der Antenne an
einer Halle der Bootswerft für das bestehende Orts- und Landschaftsbild keine
massgebende Beeinträchtigung darstelle. Auch die Gemeinde folgt in ihrer Stellungnahme
vom 14. Oktober 2013 dieser Ansicht. Sie führt aus, am gewählten Standort würden sich
bereits gewerblich-industrielle Bauten befinden, welche das optische Erscheinungsbild
prägten. Die Mobilfunkanlage führe daher trotz der Höhe von 18 m zu keiner wesentlichen,
zusätzlichen Beeinträchtigung des Ortsbilds. Die Beschwerdegegnerin schliesslich führt in
der Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2013 aus, trotz der Zugehörigkeit der betroffenen
Parzelle zur Umgebungszone XI des ISOS (mit Erhaltungsziel b) würden weder die
umliegenden Gebäude noch die unmittelbare Umgebung einen besonderen Schutz
geniessen. Durch die Anlehnung der Antennenanlage an die grosse Halle der Werftanlage
mit ihrem industriellen Charakter werde eine verträgliche Einbindung in das bestehende
Ortsbild geschaffen. Den Beschwerdeführenden sei weiter entgegenzuhalten, dass sie die
prekäre Versorgungsituation in Erlach bewusst kleinreden würden. Die Anlage sei in der
geplanten Höhe von 18 m und mit den vorgesehenen Antennen notwendig, um die
Versorgung des Städtchens sicherzustellen. Die Beschwerdegegnerin weist darauf hin,
dass ursprünglich aus technischen Gründen eine Antennenanlage mit einer Masthöhe von
23 m geplant gewesen sei. Nach Gesprächen mit der Gemeinde sei diese Höhe auf 18 m
11
reduziert worden. Eine weitere Reduktion der Höhe sei aus technischen Gründen nicht
sinnvoll und würde zu keiner Senkung der elektromagnetischen Strahlung führen.
c) Gemäss Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten und Anlagen Landschaften sowie Orts-
und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Diese Vorschrift stellt die „ästhetische
Generalklausel“ im Sinne eines Beeinträchtigungsverbots dar; eine Beeinträchtigung ist
gegeben, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden Überbauung schafft,
der erheblich stört. Für „Aussenantennen und dergleichen“ enthält Art. 17 Abs. 1 BauV19
eine Spezialnorm: Aussenanlagen für Radio- und Fernsehempfang sowie für Funkzwecke
und dergleichen sind möglichst unauffällig zu gestalten und anzubringen; sie dürfen die
Landschaft und das Ortsbild nicht beeinträchtigen. Schutzobjekt des Ortsbild- und
Landschaftsschutzes ist der Aussenraum, soweit er von einem allgemein begangenen
Standort aus als Einheit wirkt und als solche erfassbar ist. Eine Beeinträchtigung ist
gegeben, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden Überbauung schafft,
der erheblich stört.20
Darüber hinaus sind die Gemeinden befugt, eigene Ästhetikvorschriften zu erlassen, die
über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können (Art. 9 Abs. 3 BauG und Art. 17
Abs. 1 letzter Satz BauV). Solche müssen aber, um eine selbständige Bedeutung zu
haben, konkreter gefasst sein als die kantonalen. Die Gemeinde Erlach legt in Art. 411
Abs. 1 GBR fest, dass die Gestaltung von Bauten und Anlagen eine gute Gesamtwirkung
in der Umgebung zu gewährleisten hat. In Absatz 2 dieser Bestimmung wird aufgeführt,
welche Kriterien bei der Beurteilung der guten Gesamtwirkung insbesondere zu
berücksichtigen sind. Zu beachten ist weiter, dass sich der Standort der geplanten
Antennenanlage im Sektor C des Uferschutzplans Nr. 221 befindet. Im Gebiet dieses
Uferschutzplans kommt der Umgebungsgestaltung und der Erhaltung eines
geschlossenen, strauchreichen Waldrandes gemäss Art. 654 Abs. 2 GBR grosse
Bedeutung zu. Der Charakter der ufernahen Landschaft soll gestärkt werden.
Art. 542 GBR (Interessenabwägung bei Standorten von Mobilfunkanlagen) war im
Zeitpunkt der Einreichung des Baugesuchs (27. Juni 2012) noch nicht in Kraft, da der
19 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1). 20 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013,
Art. 9/10 N. 13 f. 21 Uferschutzplan Nr. 2 vom 22. Juni 2011, genehmigt durch das AGR am 11. April 2012.
12
Genehmigungsentscheid des AGR bezüglich dieser Bestimmung angefochten wurde und
erst mit Entscheid der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion vom 14. Mai 2013 in
angepasster Form in Kraft trat. Gemäss Art. 36 Abs. 1 BauG sind Bauvorhaben nach dem
zur Zeit der Einreichung des Baugesuchs geltenden Recht zu beurteilen. Wenn jedoch zu
diesem Zeitpunkt eine Änderung der geltenden Nutzungsordnung öffentlich aufliegt, muss
der Gesuchsteller die aufgelegten Vorschriften, falls sie in Kraft treten, gegen sich gelten
lassen. In diesem Fall ist das Baubewilligungsverfahren einzustellen, bis feststeht, ob und
mit welchem Inhalt das vorgesehene Recht Geltung erlangt (Art. 36 Abs. 2 BauG).22
Vorliegend lag Art. 542 GBR im Zeitpunkt der Einreichung des Baugesuchs bereits
öffentlich auf. Es ist allerdings fraglich, ob Art. 36 Abs. 2 BauG zur Anwendung gelangt, da
das Verfahren nicht bis zur Inkraftsetzung der Bestimmung in angepasster Form sistiert
wurde. Ob die Bestimmung auf den vorliegenden Fall Anwendung findet, kann letztlich
offen bleiben, da die darin statuierte Interessenabwägung und Evaluation von
Alternativstandorten bei der Erstellung von Mobilfunkanlagen auch vom NHG verlangt wird
und damit vorliegend sowieso geprüft werden musste (vgl. E. 4d und E. 6f bis 6h).
d) Da es sich bei der Baubewilligung für die Mobilfunkanlage – wie erwähnt (E. 3b) – um
eine Bundesaufgabe handelt, ist das NHG direkt anwendbar. Art. 4 NHG unterscheidet bei
den zu schützenden Landschaften und Kulturstätten Objekte von nationaler und solche von
regionaler oder lokaler Bedeutung. Das ISOS und das BLN gelten als Inventare des
Bundes von Objekten mit nationaler Bedeutung im Sinne von Art. 5 NHG (vgl. Art. 1
VISOS23 und Art. 1 Abs. 1 VBLN24). Die darin enthaltenen Objekte unterstehen dem
verstärkten Schutz von Art. 6 NHG.25
Durch die Aufnahme eines Objektes von nationaler Bedeutung in ein Inventar des Bundes
wird dargetan, dass es in besonderem Masse die ungeschmälerte Erhaltung, jedenfalls
aber unter Einbezug von Wiederherstellungs- oder angemessenen Ersatzmassnahmen die
grösstmögliche Schonung verdient (Art. 6. Abs. 1 NHG) Laut Art. 6 Abs. 2 NHG darf ein
Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung im Sinne der Inventare bei Erfüllung einer
22 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 36 N. 3a. 23 Verordnung vom 9. September 1981 über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (VISOS, SR 451.12). 24 Verordnung vom 10. August 1977 über das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (VBLN, SR 451.11. 25 vgl. Peter Keller, Natur- und Landschaftsschutzgebiete - Museen oder Selbstbedienungsläden, in: Umweltrecht in der Praxis (URP) 1996, S. 698 ff.
13
Bundesaufgabe nur in Erwägung gezogen werden, wenn ihr bestimmte gleich- oder
höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung entgegenstehen. Es müssen
somit alle bedeutsamen Interessen ermittelt, beurteilt, gewichtet und im Entscheid
möglichst umfassend berücksichtigt werden.26 Zur Beurteilung der Problematik der
ungeschmälerten Erhaltung eines schützenswerten Objekts von nationaler Bedeutung ist
dabei von der jeweiligen Umschreibung des Schutzgehalts auszugehen.27
5. Ortsbildschutz: Schutzziele ISOS/BLN und Beurteilung durch ENHK
a) Erlach wird im ISOS wie folgt charakterisiert: "Mittelalterliches Landstädtchen in
malerischer Lage am oberen Ende des Bielersees. Aussergewöhnlich ursprünglich
erhaltene Oberstadt mit Schloss, am Hangfuss ehemalige Vorstadt und heutiges
Ortszentrum. Dazwischen Rebberg am See, überbauter Strandboden, Campingplatz und
Hafen." Besonders bemerkenswert sind laut ISOS das Ortsbild und die Landschaft
prägende Schloss mit der aussergewöhnlich ursprünglich erhaltenen Oberstadt mit den
beiden Häuserreihen und dem gepflästerten Gassenbelag. Das Gebiet wird im ISOS als
Gebiet 1 bezeichnet (Erhaltungsziel A). Unterhalb von Schloss, Altstadt und Markt zieht
sich das "Städtchen" den Hangfuss entlang. Die Untere Altstadt ist das heutige
Ortszentrum und wird im ISOS als Gebiet G2 bezeichnet (Erhaltungsziel A). Im Beschrieb
werden die geschlossene Gesamtwirkung, die klar durch die Häuserreihen definierten
Gassenräume sowie die homogenen, nur punktuell durch neue Eingriffe beeinträchtigten
Gassen herausgestrichen.
An das Gebiet G2 schliesst sich am Ost- und Südrand der Unterstadt die Umgebungszone
VI (Erhaltungsziel a) und danach die Umgebungszone XI (Erhaltungsziel b) an, in welcher
die umstrittene Antenne erstellt werden soll. Der Uferstreifen schliesslich wird im ISOS als
Umgebungsrichtung VIII bezeichnet (Erhaltungsziel a). Gemäss ISOS steht die offene
Bauweise der Umgebungen in der Ebene in krassem Gegensatz zur geschlossenen
Bebauung der alten Stadtteile. Besonders in der Zufahrt von Vinelz her wirkt der
Ortsbildvordergrund durch Einfamilienhäuser, schräggestellte Wohnblöcke und
grossvolumige Gewerbebauten in zunehmender Weise gestört.
26 Leimbacher, Kommentar NHG, Art. 6 NHG N. 22 f.. 27 BGE 127 II 273 E. 4c.
14
Wegen der eindrücklichen Lage am oberen Ende des Bielersees und zu Füssen des
Jolimont kommen dem Ort besondere Lagequalitäten zu. Hervorgehoben werden u.a. die
geschlossene Silhouette des Schlosses und der hochgelegenen Altstadt gegen den See
und den Rebberg hin sowie der intensive wechselseitige Sichtbezug des Ortes mit dem
Heideweg und der St. Petersinsel. Die starke optische Verbindung zwischen der Ober- und
der Unterstadt über den Schlossrebberg hinweg führt zu besonderen räumlichen
Qualitäten. Durch die klare Ablesbarkeit der baulichen Entwicklungsphasen, durch das
siedlungstypologisch interessante Nebeneinander von Schloss, Oberstadt, Markt und
Unterstadt, durch die bemerkenswert frühen Laubengänge und durch die gesamthaft
überdurchschnittlich wertvolle Bausubstanz des Mittelalters, des Barocks und des 19.
Jahrhunderts erhält Erlach im ISOS auch die Höchstqualifikation bezüglich der
architekturhistorischen Qualitäten.
Zu dem in der Nähe befindlichen BLN-Objekt Nr. 1301 " St. Petersinsel-Heideweg ",
dessen Perimeter die ganze St. Petersinsel umfasst, wird einzig festgehalten, dass es sich
um eine durch den Aufenthalt von J. J. Rousseau berühmt gewordene Landschaft von
hervorragendem Schönheitswert mit vielfaltiger Vogelwelt handle.
b) Die geplante Antenne soll auf dem Strandboden, im ISOS der Umgebungszone XI
zugeordnet, zu stehen kommen. Dieses Gebiet wird mit dem Erhaltungsziel b qualifiziert,
und wird von der ENHK in ihrem Gutachten vom 1. April 2014 wie folgt umschrieben (S. 3):
Es handelt sich "um einen empfindlichen, häufig überbauten Teil des Ortsbildes, dessen für
die angrenzenden Ortsbildteile wesentlichen Eigenschaften zu erhalten sind. [...] Die
Umgebungszone XI ist grösstenteils mit Einfamilienhäusern locker überbaut. Mit der
Bootswerft N._ befinden sich aber auch Gewerbebauten in dieser
Umgebungszone XI".
Nach Ansicht der ENHK in ihrem Gutachten vom 1. April 2014 überzeugt die bauliche
Gestaltung des Strandbodens aus raumplanerischer und architektonischer Sicht nicht (S.
6). Er sei ungeordnet überbaut und wirke durch Einfamilienhäuser und grossvolumige
Gewerbebauten uneinheitlich und gestört. Die Bootswerft am H._weg trage
wesentlich zu dieser Uneinheitlichkeit bei. Bei den Gewerbebauten bestehe aufgrund ihres
Volumens und ihrer eintönigen, rein auf technische Funktionalität ausgerichteten
Architektur keine architektonisch-gestalterische Verbindung mit den Einfamilienhäusern auf
dem Strandboden.
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c) Die ENHK formulierte aufgrund des ISOS für den vom Vorhaben betroffenen Teil des
Ortsbildes die folgenden Schutzziele: - Ungeschmälerte Erhaltung aller Bauten, Anlageteile und Freiräume, die für die Ablesbarkeit der
historischen Entwickung des Ortsbildes bedeutsam sind;
- Ungeschmälerte Erhaltung der charakteristischen Silhouette der Oberen Altstadt mit dem
Schloss sowie der Unteren Altstadt mit ihrer geschlossenen Gesamtwirkung;
- Ungeschmälerte Erhaltung der Freiräume zwischen Schloss und Unterer Altstadt
(Schlossrebberg);
- Ungeschmälerte Erhaltung des Uferstreifens (Umgebungsrichtung VIII);
- Erhalten der bestehenden Freiräume auf dem Strandboden (Umgebungszone XI);
- Ungeschmälerte Erhaltung des intensiven wechselseitigen Sichtbezugs des Ortes mit dem
Heideweg und der St. Petersinsel.
d) Für die Abklärung der Frage, ob es sich bei der geplanten Mobilfunkanlage um eine
Beeinträchtigung des ISOS-Objektes handelt, legte die ENHK die Blickrichtungen fest,
welche für die Erlebbarkeit des Ortsbildes und dessen Entstehungsgeschichte von
Bedeutung sind. Sie ging dabei von der heutigen Situation aus und stellte fest, beim
Augenschein einer Delegation der ENHK am 7. Januar 2014 seien insbesondere die
Blickrichtungen des von den Beschwerdeführenden vorgeschlagenen Rundgangs bei der
Beurteilung der Fernwirkung der geplanten Anlage berücksichtigt worden. Zudem sei die
Beurteilung des Vorhabens ohne Berücksichtigung der abdeckenden Wirkung des
zweikronigen Nadelbaumes, der sich in unmittelbarer Nähe der geplanten Anlage befinde,
erfolgt. Folgende Standorte seien für die Beurteilung des Vorhabens von Bedeutung: - "Seeuferweg auf der Höhe der Hafenanlage der Bootswerft O._: Auf dem Fussweg,
der dem Seeufer entlangführt und gemäss Aussagen am Augenschein im Sommer stark
frequentiert ist, wäre der geplante Masten dort sichtbar, wo der nördlich des
Gebäudekomplexes der Bootswerft O._ entlangführende Weg auf den Fussweg am
Seeufer trifft, sowie von der Brücke aus, die den Kanal, der von der Bootswerft in den Bielersee
führt, überquert. Zwar würde die Antennenanlage von diesem Standort aus gut sichtbar sein
und den Jolimont und seine von diesem Standort aus oberste Baumreihe überragen. Der Blick
auf die Obere Altstadt und das Schloss würde jedoch nicht eingeschränkt, da der vom
Seeuferweg wahrnehmbare Abstand zwischen Antenne und Schloss genügend gross ist, um
die Eigenständigkeit der Schlossansicht zu gewährleisten. Dies wäre auch ohne die Präsenz
des prägnanten Nadelbaumes auf der nördlichen Seite des Werftgebäudes der Fall. Auf den
übrigen Streckenabschnitten des Seeuferweges ist die Antenne kaum sichtbar: Im Sommer
wird die Sicht durch dichtes Gehölz und durch Laubbäume versperrt. Im Winter lässt sich die
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Antenne in der Vielzahl der vertikalen Elemente der Werftanlage wie Masten, im Wasser
verankerte Pfähle und Stützpfeiler sowie der Bäume nicht ausmachen. Ein Antennenmast mit
einer Höhe von 18 m würde sich mit der Gesamtheit der bereits vorhandenen vertikalen
Elemente vermischen und würde so nicht in Erscheinung treten.
- Aussichtsplattform im See, nordöstlich der Hafenanlage der Bootswerft O._: Der
schmale Weg, der vom Fussweg entlang der Hafenanlage der Bootswerft Richtung Nordosten
abzweigt, führt zu einer erhöhten, auf den See ausgerichteten Aussichtsplattform, die eine
uneingeschränkte Rundsicht bietet. Der Blick von dieser Aussichtsplattform zurück in Richtung
des geplanten Antennenstandorts – eine Blickrichtung, die für die Besuchenden dieser
Aussichtsplattform wohl nur von untergeordneter Bedeutung ist – wird von einer Vielzahl von
Laubbäumen verdeckt, so dass der Blick auf die Antenne verunmöglicht wird. Da sich der Wald
sowohl in nördlicher als auch in südlicher Richtung fortsetzt, gibt es von der Seeseite her
keinen Standort, von dem aus die Antennenanlage einsehbar ist.
- Südlich der Kreuzung H._/F._/Heidenweg: Von der Kreuzung
H._/F._/Heidenweg dem H._weg folgend wäre die geplante
Antennenanlage sichtbar, sobald die sich auf der linken Strassenseite befindende Baugruppe,
zu der das Restaurant Du Port gehört, den Blick auf die im Chaletstil erbauten Häuser
H._weg 25 bis 33 freigibt. Allerdings tritt sie kaum als Einzelelement in Erscheinung,
sondern wird Teil des Riegels gegen den See, bestehend aus den Häusern im Chaletstil, den
dahinter liegenden modernen Gewerbebauten und der Baumreihe am See.
- Märit 4: Der Platz beim Übergang zur Unteren Altstadt, südlich der Primarschule am Märit 4,
bietet einen Blick auf einen Teil der Häuser der Unterstadt am Hangfuss. Der Antennenmast
wäre von diesem Standort aus in der Ferne sichtbar, da er vor dem dunklen Hintergrund des
Hügelzugs auf der gegenüberliegenden Seeseite als weisses Element erscheinen würde. Der
Blick wird allerdings durch die Vielzahl der Häuser aus verschiedenen Epochen sowie durch
vertikale Elemente wie Kamine und Strassenlaternen abgelenkt, so dass die Antennenanlage in
der Ferne optisch nicht ins Gewicht fällt.
- Schloss Erlach: Die Terrasse beim Schloss Erlach erlaubt einen weiten Blick über den
Bielersee. Die das Seeufer säumende Baumreihe grenzt das Städtchen Erlach gegen den See
hin ab. Sie bildet einen lückenlosen Abschluss, bestehend aus einer Vielzahl filigraner
Verästelungen, die den See wie ein Gewebe vom Städtchen trennt. Die geplante Antenne
käme vor diesem Hintergrund zu stehen und wäre von der Terrasse des Schlosses aus
sichtbar, würde diesen Hintergrund jedoch nicht überragen, sondern als Teil der miteinander
verwobenen Strukturen wahrgenommen.
- Jolimontstrasse, südlich Oberi Gruesse: Von diesem Standort aus wäre die Antenne sichtbar.
Doch auch von hier aus vermischt sie sich visuell mit der das Städtchen gegen den See hin
abschliessenden Baumreihe.
- Manuelweg, südlich von Underi Gruesse: Von diesem Standort aus ist die Antennenanlage
sichtbar. Die modernen Gewerbebauten der Bootswerft O._ und des Gebäudes am
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H._weg 35 werden von der mittelalterlich geprägten Dachlandschaft beinahe verdeckt.
Deren klare horizontale Linie wird von der Antennenanlage als Senkrechte deutlich überragt,
wodurch die Antennenanlage als Fremdelement die charakteristische Silhouette der
Dachlandschaft durchbricht."
e) Die ENHK kommt zum Schluss die Prüfung der wesentlichen Bezüge, dass durch
den Bau der Antenne mit der vorgesehenen Höhe von 18 m die oben definierten
Schutzziele, abgesehen von der Forderung nach der ungeschmälerten Erhaltung der
charakteristischen Silhouette der Unteren Altstadt, kaum beeinträchtigt werden. Die
besonderen Lagequalitäten, begründet mit der geschlossenen Silhouette des Schlosses
und der hochgelegenen Altstadt sowie dem intensiven wechselseitigen Sichtbezug
zwischen Erlach und der St. Petersinsel, würden durch das Vorhaben zudem nicht
zusätzlich geschmälert: Die Ansicht vom Seeuferweg oder von der St. Petersinsel auf die
Obere Altstadt mit dem Schloss werde nicht zusätzlich beeinträchtigt, da sie auch ohne das
Vorhaben durch Schiffsmasten und Bäume eingeschränkt werde. Umgekehrt bleibe der
Blick vom Schloss auf den Bielersee weiterhin frei. In dem Panorama, das sich den
Betrachtenden auf der Schlossterrasse biete, sei die aus der Ferne erkennbare Antenne
nur ein verschwindend kleines Element, welches sich im Gewirr der Baumäste verliere. Die
freie Sicht auf die St. Petersinsel werde somit vom geplanten Vorhaben aus keinem
Blickwinkel beeinträchtigt.
Nur beim Standort Märit 4 und beim Standort Manuelweg, südlich von Underi Gruesse,
wäre die Antenne nach den Ausführungen der ENHK derart sichtbar, dass sie sich vom
Hintergrund abhebt. Beim Märit 4 sei sie bei heller Farbgebung ohne weiteres erkennbar.
Weil die Antenne mit ihren 18 m Höhe den Hügelzug auf der gegenüberliegenden Seeseite
optisch nicht überragen könne, würde eine dunkle Farbgebung ihre Auffälligkeit stark
reduzieren. Beim Manuelweg wäre die Antenne nach Einschätzung der ENHK in störender
Weise sichtbar und würde das Schutzziel mit der Forderung nach der ungeschmälerten
Erhaltung der charakteristischen Silhouette der Unteren Altstadt beeinträchtigen, was
neben den bereits bestehenden Eingriffen in das Ortsbild von Erlach eine leichte
zusätzliche Beeinträchtigung darstellen würde. Auch hier würde aber eine dunkle
Farbgebung die farbliche Einpassung der Antennenanlage in die dichten, sich vor dem See
dunkel abhebenden Laubbäume unterstützen.
Der Strandboden erscheint der Kommission als Standort für die Mobilfunkantenne als
geeignet, solange die Anlage nicht als freistehendes Einzelelement in Erscheinung tritt.
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Eine an der Bootswerft angebrachte Antenne sei in ihrer Eigenschaft als rein technisches
Element zudem optisch in diesen bereits bestehenden Fremdkörper integriert und wirke
nicht als zusätzliches, eigenständiges und störendes Fremdelement. Mit einer dunklen
Farbgebung liesse sich die Antenne zudem in den aus Laubbäumen bestehenden, die
Kleinstadt Erlach zum See hin abschliessenden Hintergrund eingliedern.
f) Insgesamt kommt die ENHK zum Schluss, dass eine Antenne von höchstens 18 m
zu einer leichten zusätzlichen Beeinträchtigung des Ortsbildes von nationaler Bedeutung
führt. Im Sinne der grösstmöglichen Schonung erachtet es die Kommission als sinnvoll zu
prüfen, ob eine Reduktion der Anlage von 18 m auf 15 m von der Abdeckung her ebenfalls
möglich wäre, da dadurch die Beeinträchtigung weiter reduziert werden könnte. Zudem
beantragt sie, für die Anlage eine dunkle, matte Farbe zu wählen.
6. Ortsbildschutz: Leichte Beeinträchtigung und Interessenabwägung
a) Eine Mobilfunkanlage lässt sich unter ästhetischen Gesichtspunkten nicht ohne
weiteres mit Gebäuden vergleichen. Zum einen ist das Erscheinungsbild einer
Mobilfunkanlage vorwiegend durch die technischen Gegebenheiten bedingt. Die
Gestaltungsmöglichkeiten sind daher gering. Ausserdem besteht die Besonderheit, dass
Mobilfunkanlagen aufgrund ihrer Funktion in der Regel gut sichtbar sind, womit ihnen
praktisch an jedem Standort von vornherein etwas Störendes anhaftet. Dies allein vermag
jedoch nicht ohne weiteres einen Bauabschlag zu rechtfertigen, ansonsten ein
flächendeckendes Mobilfunkantennenverbot resultieren würde.28 Ein Bauabschlag aus
ästhetischen Gründen kommt bei Mobilfunkantennen praktisch nur in Frage, wenn der
beeinträchtigten Umgebung, Silhouette oder Horizontlinie erhöhte Schutzwürdigkeit
zukommt.29
b) Das sorgfältig verfasste Gutachten der ENHK ist vollständig und überzeugt auch
sachlich. Die umstrittene Antenne mit einer Höhe von 18 m überragt das angrenzende
Gebäude der Bootswerft P._ ab Dachtraufe um rund 13 m. Es sind lediglich zwei
Antennenpanels und keine Richtfunkantennen vorgesehen, damit wirkt die Antenne auch
28 VGE 100.2010.66 vom 16. August 2010, E. 2.3, VGE 233330 vom 31. März 2009, E. 3.3, VGE 22852 vom 8. November 2007, E. 7.4. 29 VGE 22095/22101/22102 vom 24. Oktober 2006 E. 4.7.3.
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im obersten Bereich nicht sehr voluminös. Die hier umstrittene Antenne ist mit diesen
Dimensionen deutlich bescheidener als die von den Beschwerdeführenden erwähnte
D._-Antenne auf der Nachbarsparzelle (Parzelle Erlach Grundbuchblatt
Q._ welche vor gut zehn Jahren sowohl von der BVE als auch vom
Verwaltungsgericht als ortsbildunverträglich eingestuft wurde.30 Letztere wies eine Höhe
von 25 m auf und sah neben je einer Reihe UMTS- und GSM-Antennen auch noch
mehrere Richtfunkantennen vor31. Aufgrund dieser unterschiedlichen Ausgangslage
können die beiden Antennenanlagen nicht verglichen werden und es lassen sich aus den
damaligen Entscheiden keine Rückschlüsse auf die vorliegend zu beurteilende Antenne
ziehen.
Die unmittelbare Umgebung der Antenne (Strandboden) ist weiter von mässiger
raumplanerischer und architektonischer Qualität, wie dies sowohl in den Erläuterungen des
ISOS festgehalten als auch von der ENHK ausgeführt wird. Die ENHK legt zudem
überzeugend dar, dass die besonderen Lagequalitäten, begründet mit der geschlossenen
Silhouette des Schlosses und der hochgelegenen Altstadt sowie dem intensiven
wechselseitigen Sichtbezug zwischen Erlach und der St. Petersinsel, durch das Vorhaben
nicht zusätzlich geschmälert werden. Die zu den Akten genommenen Fotos vom 8. Mai
2014 bestätigen den Eindruck der Kommission, wonach die Ansicht vom Seeuferweg auf
die Obere Altstadt mit dem Schloss nicht zusätzlich beeinträchtigt wird, da sie auch ohne
das Vorhaben durch Schiffsmasten und Bäume eingeschränkt ist (vgl. Fotos Standort 3, 4
und 5). Zwar ist die Antenne vom Seeuferweg teilweise gut sichtbar und überragt von
diesem Standort den Jolimont im Hintergrund (vorab bei der kleinen Brücke über dem
Kanal sowie bei der Einmündung des Wegs entlang der Bootswerft auf den Seeuferweg,
vgl. Fotos Standort 3 und 4). Es zeigt sich aber, dass von diesen Standorten aus die
Antenne den Blick auf die Obere Altstadt und das Schloss nicht einschränkt. Wie die
Kommission richtig feststellt, ist der vom Seeuferweg wahrnehmbare Abstand zwischen
Antenne und Schloss genügend gross, um die Eigenständigkeit der Schlossansicht zu
gewährleisten. Ebenso wenig wird die Blickrichtung vom Schloss auf den See und die St.
Petersinsel durch das Vorhaben beeinträchtigt. Von der Schlossterrasse aus (vgl. Foto
Standort 8) ist die Antenne zwar in der Ferne erkennbar, sie überragt aber die
30 Urteil BVE vom 15. Oktober 2002 (RA Nr. 11095-02 B1) und VGE 21569U vom 20. Januar 2004. 31 Das Verwaltungsgericht konnte damals offen lassen, ob die im verwaltungsgerichtlichen Verfahren angekündigte Projektänderung, nach welcher weniger Antennen und nur eine Richtfunkantenne vorgesehen gewesen wären, hätte berücksichtigt werden müssen, da die Antenne aufgrund der unveränderten Höhe ohnehin nicht bewilligungsfähig war.
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dahinterliegenden Bäume nicht und stellt daher ein Element dar, welches nicht als störend
wahrgenommen wird.
c) Die Sichtbarkeit der geplanten Antenne kann zusätzlich minimiert werden, wenn –
entsprechend der Empfehlung der ENHK – eine dunkle, matte Farbe gewählt wird. Im
Sinne der grösstmöglichen Schonung erscheint dies sinnvoll, so dass der Entscheid mit