Decision ID: abb23db6-bd09-47df-a653-ff2f9338bb67
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) T._ ist Eigentümer von Grundstück Nr. 001, Grundbuch
Z._, an der U._strasse in Z._. Das Grundstück liegt gemäss
geltendem Zonenplan der Gemeinde Z._ vom 11. Juli 2005 im übri-
gen Gemeindegebiet und in der Landwirtschaftszone mit Hinweisen
Wald und Gewässer. Der geplante Standort der Mobilfunkanlage liegt
im übrigen Gemeindegebiet in der Nähe des Bahnhofs Z._ neben
den Bahngleisen.
b) Die geplante Mobilfunkanlage befindet sich im Bereich der im
Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) erfassten
"Schlosslandschaft X._/Z._". Der konkrete Standort der Mobil-
funkanlage befindet sich in der im ISOS mit dem Erhaltungsziel "a Er-
halten der Beschaffenheit als Kulturland oder Freifläche" belegten Um-
gebungsrichtung W._, welche im ISOS als "obstbaumbestandenes
Wies- und Kulturland beidseits des bewaldeten Tobels der Y._, mit
in die Landschaft eingebetteten Kleinstweilern, Gruppen- und Einzel-
höfen, wenige Wohnhäuser" umschrieben wird. In unmittelbarer Nähe
des Standorts der geplanten Mobilfunkanlage befindet sich die Bau-
gruppe 006 "V._berg, stattliche Wohnbauten mit Satteldach und
Quergiebel sowie Ökonomiegebäude auf Hügelkuppe in Parkanlagen
mit reichem Baumbestand, 19./20. Jh.", welche im ISOS mit dem
höchsten Erhaltungsziel "A Erhalten der Substanz" aufgeführt wird.
c) Im kantonalen Richtplan ist die "X._/Z._ Schlosslandschaft"
im Koordinationsblatt S31 als schützenswertes Ortsbild von nationaler
Bedeutung aufgenommen.
d) Gemäss Schutzverordnung der Politischen Gemeinde Z._
vom 15. Juli 2005 (abgekürzt SchV) liegen in unmittelbarer Nähe des
geplanten Mobilfunkstandorts drei "Kulturobjekte Gebäude" (Nrn. 002,
003 und 004) sowie Landschafts- und Auenschutzgebiete.
B.
a) Mit Baugesuch vom 9. November 2018 beantragte die A._
SA, Renens, beim Gemeinderat Z._ die Baubewilligung für die Er-
stellung einer Mobilfunkanlage. Geplant ist ein 30 m hoher Mobilfunk-
mast mit mehreren Antennen.
b) Innert der Auflagefrist vom 22. Februar bis 7. März 2019
erhoben zahlreiche Personen Einsprache gegen das Bauvorhaben.
c) Mit Schreiben vom 9. August 2019 hat die Polititsche Gemeinde
Z._ die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission
(ENHK) beauftragt, das Bauprojekt zu begutachten. Im Gutachten vom
27. Februar 2020 kommt die ENHK zum Schluss, dass die geplante
Antennenanlage eine schwerwiegende Beeinträchtigung des Ortsbilds
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 44/2021), Seite 3/11
von nationaler Bedeutung des V._bergs darstelle. Die Kommission
empfahl deshalb, die Baubewilligung für das Vorhaben zu verweigern.
d) Mit Beschluss vom 19. Mai 2020 hiess der Gemeinderat Z._
die Einsprachen gegen das Bauvorhaben gut und verweigerte die
Baubewilligung für die Mobilfunkanlage. Begründet wurde der Ent-
scheid unter Berufung auf das Gutachten der ENHK vom 27. Feb-
ruar 2020 damit, dass die geplante Mobilfunkanlage zu einer schwer-
wiegenden Beeinträchtigung des V._bergs als Ortsbild von nationa-
ler Bedeutung führen würde.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob die A._ SA, vertreten durch lic.iur.
Lorenzo Marazzotta, Rechtsanwalt, Zürich, mit Schreiben vom
11. Juni 2020 Rekurs beim Baudepartement. Es werden folgende An-
träge gestellt:
1. Der Beschluss des Gemeinderats vom 19. Mai 2020
betreffend Neubau Mobilfunkanlage auf dem  001 (Baugesuch-Nr. 007) sei aufzuheben;
2. Die Rekursgegnerin sei anzuweisen, das Baugesuch betreffend Neubau Mobilfunkanlage auf dem  001 (Baugesuch-Nr. 007) vollständig zu  bzw. zu bewilligen;
3. Es sei ein Augenschein durchzuführen;
4. Die Vernehmlassung sei der Rekurrentin zur  bzw. Kenntnis zuzustellen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Rekursgegnerin.
Zur Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, die "Schloss-
landschaft X._/Z._" sei bereits durch die bestehenden Bahngleise
beeinträchtigt. Die beantragte Mobilfunkanlage soll direkt bei den
Bahngleisen und nördlich des Bahnhofs aufgestellt werden. Der be-
strittene Umstand, dass die Mobilfunkanlage von einzelnen Aussichts-
punkte aus den V._berg überrage, reiche für eine Bauverweigerung
nicht aus. Denn die 30 m hohe Mobilfunkanlage würde das Ortsbild
nur leicht beeinträchtigen, weshalb das Bauvorhaben im Rahmen der
Interessenabwägung zu bewilligen sei. Die Schutzobjekte auf den
Grundstücken Nrn. 008, 009 und 001 würden nicht beeinträchtigt wer-
den.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 1. Juli 2020 beantragt die Vorinstanz,
den Rekurs abzuweisen. Zur Begründung wird auf den Entscheid vom
19. Mai 2020 verwiesen.
b) Mit Vernehmlassung vom 12. August 2020 beantragen die
Rekursgegnerinnen 2, den Rekurs abzuweisen. Die Ausführungen der
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 44/2021), Seite 4/11
Rekurrentin werden bestritten. Die Mobilfunkanlage wirke massiv und
überrage den V._berg. Es sei dem Gutachten der ENHK vom
27. Februar 2020 Folge zu leisten und eine unzulässige Beeinträchti-
gung des ISOS-Schutzobjekts zu bejahen.
c) Mit Schreiben vom 17. August 2020 verzichtet der Rekursgeg-
ner 11, vertreten durch lic.iur. Othmar Somm, Rechtsanwalt, St.Gallen,
auf eine Vernehmlassung.
d) Mit Vernehmlassung vom 17. August 2020 beantragt der Re-
kursgegner 10, vertreten durch M.A. HSG Marion Enderli, Rechtsan-
wältin, St.Gallen, den Rekurs unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zulasten der Rekurrentin abzuweisen, sofern darauf einzutreten ist.
Die Vorinstanz halte die geplante Mobilfunkanlage zurecht für nicht
vereinbar mit dem Ortsbildschutz sowie mit der Schutzverordnung der
Gemeinde Z._. Eine Vorbelastung eines Gebiets im Schutzgebiet
eines ISOS-Objekts berechtige nicht zu einer "Mitbelastung". Vielmehr
hindere die bestehende Belastung eine weitere Belastung. Sodann sei
das ENHK-Gutachten vom 27. Februar 2020 schlüssig und eingehend
begründet. Diesem komme grosses Gewicht zu.
e) Mit Vernehmlassung vom 17. August 2020 beantragt der Re-
kursgegner 9, vertreten durch Dr. Christoph Bürgi, Rechtsanwalt,
St.Gallen, den Rekurs unter Kostenfolgen (zzgl. Mehrwertsteuer) ab-
zuweisen. Er bestreitet die Ausführungen der Rekurrentin ausführlich
im Einzelnen und sieht keine dieser als begründet an.
f) Mit Amtsbericht vom 22. September 2020 führt das kantonale
Amt für Kultur, Denkmalpflege (DMP), aus, von der geplanten Mobil-
funkanlage seien Objekte von nationaler Bedeutung betroffen. Ihres
Erachtens wäre folglich die Zustimmung der kantonalen Stelle nach
Art. 122 Abs. 3 des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1; abge-
kürzt PBG) zum eingereichten Baugesuch der Rekurrentin notwendig
gewesen. Aufgrund von internen Abklärungen sei eine solche Zustim-
mung zu dem im Streit liegenden Bauprojekt nicht erfolgt. Das gleiche
Ergebnis ergebe sich aus dem Entscheid der Vorinstanz selbst. Folg-
lich fehle es vorliegend an einem Gesamtentscheid und es könne auf
den Rekurs gegen die kommunale Baubewilligung nicht eingetreten
werden.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 44/2021), Seite 5/11
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Am 1. Oktober 2017 ist das PBG in Kraft getreten und das Bau-
gesetz vom 6. Juni 1972 (nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben
worden (Art. 172 Bst. a PBG). Der erstinstanzliche Einsprache- und
Baubewilligungsentscheid erging am 19. Mai 2020. Mithin sind vorlie-
gend grundsätzlich die Bestimmungen des PBG anwendbar, sofern
sie gemäss Anhang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche Best-
immungen im PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Juristi-
sche Mitteilungen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärt werden.
Im Übrigen gelangen weiterhin das Baugesetz und das entsprechende
Baureglement zur Anwendung.
1.3 Die Rekurrentin beantragt einen Augenschein.
1.3.1 Nach Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr
beauftragte Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Be-
weise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten, Auskunfts-
personen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten
und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeig-
nete Weise. Sind zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine be-
sonderen Erhebungen nötig, so sind nur die von den Beteiligten ange-
botenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsa-
chen aufzunehmen (Art. 12 Abs. 2 VRP). Der Augenschein ist die un-
mittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die entschei-
dende Instanz. Er dient der unmittelbaren Wahrnehmung von (in der
Regel streitigen) Tatsachen und/oder dem besseren Verständnis des
Sachverhalts. Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflicht-
gemässen Ermessen der urteilenden Instanz. Nur wo sich eine Tatsa-
che nicht anders abklären lässt, wird eine Verpflichtung zur Durchfüh-
rung eines Augenscheins bejaht. Ergibt sich eine Tatsache dagegen
zweifelsfrei aus den Akten, so braucht sie nicht durch einen Augen-
schein überprüft zu werden. Dies gilt auch für unbestrittene Behaup-
tungen, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interessen ge-
boten erscheint. Tatsachen aber, vor allem umstrittene, deren umfas-
sende Feststellung und Würdigung eine eigene Wahrnehmung erhei-
schen, sind in Augenschein zu nehmen (CAVELTI/VÖGELI, Verwal-
tungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gallen – dargestellt an den Verfah-
ren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., St.Gallen 2003, Rz. 966;
B. MÄRKLI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Praxiskommentar zum
Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Zürich/St.Gallen 2020,
Art. 12 N 50 ff.).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 44/2021), Seite 6/11
1.3.2 Die relevanten tatsächlichen Verhältnisse für die vorliegend zu
beurteilende formelle Fragestellung ergeben sich aus den Verfahren-
sakten und den allgemein öffentlich zugänglichen Plänen und Daten
wie dem Geoportal. Auf einen Augenschein kann somit verzichtet wer-
den.
1.4 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Fraglich ist hingegen, ob eine Zustimmung der zuständigen kantona-
len Stelle nach Art. 122 Abs. 3 PBG erforderlich gewesen wäre und
welche Rechtsfolgen eine fehlende Zustimmung hätte – so geht ins-
besondere die DMP im Amtsbericht vom 22. September 2020 von der
Notwendigkeit einer Zustimmung aus.
1.5
1.5.1 Art. 122 Abs. 3 PBG lautet wie folgt: "Unter Schutz gestellte Ob-
jekte dürfen nur beseitigt oder beeinträchtigt werden, wenn ein gewich-
tiges das Interesse an der Erhaltung überwiegendes Bedürfnis nach-
gewiesen wird. Bei Schutzobjekten von nationaler oder kantonaler Be-
deutung ist die Zustimmung der zuständigen kantonalen Stelle erfor-
derlich". Zuständige kantonale Stelle ist das Amt für Kultur
(Art. 10 Bst. d der Verordnung zum PBG, sGS 731.11; abgekürzt
PBV).
1.5.2 Aufgrund der Protokolle der Vorberatenden Kommission des
Kantonsrates zum Planungs- und Baugesetz (VoKo) ergibt sich, dass
bei der Unterschutzstellung nach Art. 121 PBG das gemäss E-PBG
vorgesehene Zustimmungserfordernis des Amtes für Kultur gestrichen
wurde (früherer Abs. 3), da man den kommunalen Bewilligungsbehör-
den den Entscheid auch bei Objekten von nationaler und kantonaler
Bedeutung belassen wollte. Das Amt für Kultur ist nach
Art. 121 Abs. 2 PBG lediglich in das Unterschutzstellungsverfahren
einzubeziehen. Nicht diskutiert wurde in der VoKo dagegen die genau
gleichlautende Bestimmung von Art. 122 Abs. 3 PBG, die ein Zustim-
mungserfordernis des Amtes für Kultur bei der Beeinträchtigung und
Beseitigung von bereits unter Schutz gestellten Objekten statuiert
(vgl. Botschaft und Entwurf der Regierung vom 11. August 2015 zum
PBG, in: ABl 2015, S. 2491; Protokoll der Vorberatenden Kommission
des Kantonsrates zum Planungs- und Baugesetz vom 23. Novem-
ber 2015, S. 35 ff.). Nach Art. 122 Abs. 3 PBG ist aufgrund des ein-
deutigen Wortlauts folglich immer eine Zustimmung des Amtes für Kul-
tur notwendig, wenn ein Bauvorhaben zu einer Beeinträchtigung oder
Beseitigung eines Schutzgegenstands von nationaler und kantonaler
Bedeutung führt.
1.5.3 Das Amt für Kultur prüft nach Art. 122 Abs. 3 PBG, ob das Bau-
vorhaben zu einer Beseitigung oder Beeinträchtigung eines Schutzge-
genstands führt. Sollte das zutreffen, nimmt sie in der Folge die in
Art. 122 Abs. 3 erster Satz PBG verlangte Interessenabwägung vor.
Es ist Aufgabe der kommunalen Baubewilligungsbehörde, dem Amt
für Kultur die konkrete Interessenlage darzustellen. Weil nach
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 44/2021), Seite 7/11
Art. 122 Abs. 3 PBG immer eine Zustimmung des Amtes für Kultur not-
wendig ist, wenn ein Bauvorhaben zu einer Beeinträchtigung oder Be-
seitigung eines Schutzgegenstands von nationaler und kantonaler Be-
deutung führt, müssen sämtliche Bauvorhaben, welche unter Schutz
gestellte Objekte (Einzelschutzobjekte und/oder Ortsbildschutzge-
biete) berühren, dem Amt für Kultur zur Prüfung eingereicht werden.
1.5.4 Die kommunale Baubewilligungsbehörde hat die Zustimmung –
oder eine die Zustimmung verweigernde Verfügung – des Amtes für
Kultur immer zusammen mit dem Entscheid über das Baugesuch als
Gesamtentscheid nach Art. 133 Bst. f PBG zu eröffnen. Da es sich
dabei um einen Gesamtentscheid handelt, ist dieser nach den Grund-
sätzen von Art. 25a des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes
(SR 700) zu koordinieren. Fehlt ein Gesamtentscheid, weil die Zustim-
mung des Amtes für Kultur nicht eingeholt wurde, wird auf den Rekurs
gegen die kommunale Baubewilligung nicht eingetreten. Die fehlende
Zustimmung des Amtes für Kultur kann im Rechtsmittelverfahren nicht
nachgereicht werden. Ein Teilentscheid allein ist weder anfechtbar
noch entfaltet er Rechtswirkungen. Dazu kann auf die allgemeine
Rechtsprechung zu dieser Problematik verwiesen werden
(vgl. VerwGE B 2015/131 vom 30. Mai 2017 Erw. 4.2.1 mit Hinweisen),
wonach kommunale Baubewilligungen, die ohne die erforderliche Zu-
stimmung oder Genehmigung durch die kantonale Behörde erteilt wur-
den, keine Rechtswirkungen entfalten. Dies gilt unabhängig davon, ob
der Genehmigungsvorbehalt im Bundesrecht oder im kantonalen
Recht begründet ist (vgl. GVP 2001 Nr. 94 mit Hinweisen).
1.5.5 Die kommunale Baubewilligungsbehörde selbst – ohne Teilver-
fügung des Amtes für Kultur – kann folgerichtig eine Baubewilligung
welche ein Schutzobjekt von nationaler oder kantonaler Bedeutung
beeinträchtigen oder beseitigen könnte, allein aus denkmalpflegeri-
schen Gründen nicht verweigern. Dies auch dann nicht, wenn die Ver-
weigerung materiell richtig begründet wäre. Es ist auch in solchen Fäl-
len stets ein Gesamtentscheid nötig und für die Beurteilung der Beein-
trächtigung oder der Beseitigung des Schutzgegenstands von kanto-
naler oder nationaler Bedeutung ist ausschliesslich das Amt für Kultur
und nicht die kommunale Baubewilligungsbehörde zuständig (vgl. zum
Ganzen Handbuch der Rechtsabteilung des Baudepartementes zum
neuen Planungs- und Baugesetz, S. 136 ff., Stand 8. Februar 2021,
https://www.sg.ch/recht/planungs-bau-umweltrecht/Planungs_und_
Baugesetz/Handbuch_PBG_Rechtsabteilung.html).
1.6
1.6.1 Die geplante Mobilfunkanlage befindet sich im Bereich der im
ISOS erfassten "Schlosslandschaft X._/Z._". Der kantonale
Richtplan bezeichnet dieses Gebiet als schützenswertes Ortsbild von
nationaler Bedeutung. Zudem schützt die kommunale SchV einige
Einzelschutzobjekte in unmittelbarer Nähe. Es ist soweit unbestritten,
dass von der geplanten Mobilfunkanlage Schutzobjekte von nationaler
Bedeutung betroffen sind und durch sie beeinträchtigt werden würden
(vgl. auch Amtsbericht der DMP vom 22. September 2020).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 44/2021), Seite 8/11
1.6.2 Vorliegend hat die Vorinstanz bei der Verweigerung der Baube-
willigung unbestritten die kantonale Fachbehörde, das Amt für Kultur
(DMP), nicht in das Verfahren einbezogen, obwohl Schutzgegen-
stände von nationaler Bedeutung durch die Mobilfunkanlage beein-
trächtigt werden würden. Damit fehlt – wie die DMP in ihrem Amtsbe-
richt vom 22. September 2020 zutreffend festhält – die Zustimmung
oder eine die Zustimmung verweigernde Verfügung der kantonalen
Stelle nach Art. 122 Abs. 3 PBG. Daran ändert auch nichts, dass die
für die Zustimmung nach Art. 122 Abs. 3 PBG i.V.m.
Art. 10 Bst. d PBV unzuständige eidgenössische Fachstelle (ENHK)
ein Gutachten in diesem Zusammenhang erstellt hat. Vielmehr wäre
es Aufgabe des Amtes für Kultur (und nicht der kommunalen Baube-
hörde) gewesen, das Resultat des Gutachtens der ENHK in ihre Inte-
ressenabwägung einzubeziehen und dieses in diesem Sinn als Grund-
lage für ihren Zustimmungsentscheid zu verwenden. Der Vorinstanz
war eine solche Beurteilung aufgrund der klaren Zuständigkeitsrege-
lung in Art. 122 Abs. 3 PBG nicht möglich.
1.6.3 Aufgrund der fehlenden Zustimmung oder der fehlenden die Zu-
stimmung verweigernden Verfügung des Amtes für Kultur mangelt es
nach den obigen Ausführungen vorliegend an einem Gesamtentscheid
im Sinn von Art. 133 Bst. f PBG. Die Verweigerung der Baubewilligung
alleine durch die Vorinstanz entfaltet keine Rechtswirkung und ist auch
nicht anfechtbar. Auf den Rekurs ist folglich nicht einzutreten.
2.
Zusammenfassend ergibt sich, dass mangels Einholung der nach
Art. 122 Abs. 3 PBG erforderlichen Zustimmung des Amtes für Kultur
und entsprechend zufolge Fehlens eines gültigen Gesamtentscheids
im Sinn von Art. 133 Bst. f PBG keine anfechtbare kommunale Verfü-
gung vorliegt und auf den Rekurs somit nicht einzutreten ist. Die an-
gefochtene Verfügung der Vorinstanz vom 19. Mai 2020 ist rechtsun-
wirksam. Die Vorinstanz wird beim Amt für Kultur die Teilverfügung
nach Art 122 Abs. 3 PBG einzuholen und alsdann erneut – im Rahmen
eines Gesamtentscheids – über das Baugesuch zu befinden haben.
3.
3.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. In Verfahren, bei denen sich ähnlich wie im Zivilprozess direkt
und indirekt Betroffene mit entgegengesetzten Interessen am Verfah-
rensausgang gegenüberstehen, werden in aller Regel diese beiden für
die Auferlegung von amtlichen Kosten herangezogen, während dem
erstverfügenden Gemeinwesen, selbst wenn es mit seinen Anträgen
unterliegt, keine amtliche Kosten auferlegt werden (R. HIRT, Die Rege-
lung der Kosten nach st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Lachen/St.Gallen 2004, S. 76). Indessen ist zu beachten, dass das Er-
folgsprinzip in gewissen, vom Gesetz ausdrücklich geregelten Fällen
durch das Verursacherprinzip durchbrochen wird (R. HIRT, a.a.O.,
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 44/2021), Seite 9/11
S. 93 und S. 110). So gehen unter anderem Kosten, die ein Verfah-
rensbeteiligter durch Verletzung wesentlicher Verfahrensvorschriften
verursacht hat, unabhängig vom Prozessausgang zu dessen Lasten
(Art. 95 Abs. 2 VRP).
3.2 Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des Ge-
bührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung, sGS 821.5).
Weil die angefochtene Verfügung aufgrund einer Verletzung einer we-
sentlichen Verfahrensvorschrift (fehlende Zuständigkeit der
Vorinstanz) aufgehoben werden muss, sind die amtlichen Kosten nach
Art. 95 Abs. 2 VRP der Vorinstanz aufzuerlegen. Zumal die Vorinstanz
nicht finanzielle Ziele verfolgte, ist auf deren Erhebung zu verzichten
(Art. 95 Abs. 3 VRP).
3.3 Der von der U._ AG am 16. Juni 2020 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– ist zurückzuerstatten.
4.
Rekurrentin, Rekursgegner 9 und Rekursgegner 10 stellen je ein Be-
gehren um Ersatz der ausseramtlichen Kosten.
4.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272; abgekürzt ZPO) finden sachgemäss An-
wendung (Art. 98ter VRP). Von den Verteilungsgrundsätzen kann ab-
gewichen und die Prozesskosten können nach Ermessen verteilt wer-
den, wenn andere besondere Umstände vorliegen, die eine Verteilung
nach dem Ausgang des Verfahrens als unbillig erscheinen lassen
(Art. 98ter VRP in Verbindung mit Art. 107 Abs. 1 Bst. f ZPO).
4.2
4.2.1 Der für das Nichteintreten und damit für das Unterliegen ursäch-
liche Verfahrensmangel ist als erheblich zu qualifizieren und liegt in
der Verantwortung der Vorinstanz, weshalb sie die Rekurrentin – der
Verlegung der amtlichen Kosten entsprechend – ausseramtlich zu ent-
schädigen hat. Da das Verfahren zudem in tatsächlicher und rechtli-
cher Hinsicht Schwierigkeiten bot, die den Beizug eines
Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grundsätzlich Anspruch auf
eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis VRP). Weil keine Kos-
tennote vorliegt, ist die ausseramtliche Entschädigung in Anwendung
von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der Honorarordnung (sGS 963.75)
ermessensweise auf Fr. 2'750.– festzulegen; sie ist von Politischen
Gemeinde Z._ zu bezahlen.
Weil die zu entschädigende Rekurrentin selber mehrwertsteuerpflich-
tig ist, kann sie die der Honorarrechnung ihres Anwalts belastete Mehr-
wertsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld abziehen, ohne dass ihr
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 44/2021), Seite 10/11
dadurch eine Mehrbelastung entsteht. Daher muss die Mehrwert-
steuer bei der Bemessung ihrer ausseramtlichen Entschädigung nicht
zusätzlich berücksichtigt werden (R. HIRT, a.a.O., S. 194).
4.3 Aufgrund des von der Vorinstanz zu verantwortenden Verfah-
rensmangels hat die Politische Gemeinde Z._ auch den Rekursgeg-
ner 9 ausseramtlich mit Fr. 2'750.– zuzüglich Mehrwertsteuer zu ent-
schädigen.
4.4 Gleiches gilt grundsätzlich für den Rekursgegner 10. Dieser hat
jedoch keinen begründeten Antrag um Zusprechung der Mehrwert-
steuer gestellt, weshalb diese aufgrund des per 1. Januar 2019 geän-
derten Art. 29 HonO nicht zum Honorar der Rechtsvertreterin des Re-
kursgegners 10 hinzuzurechnen ist. Folglich hat die Politische Ge-
meinde Z._ den Rekursgegner 10 ausseramtlich mit Fr. 2'750.– zu
entschädigen.