Decision ID: 393a5469-2f5e-4d1a-a2dc-e632c3073017
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im August 2017 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Er
gab an, keinen Beruf erlernt zu haben. Der Hausarzt Dr. med. B._ hatte ihn wegen
einer schweren funktionellen Mitralklappeninsuffizienz und einer schweren koronaren
Dreigefässerkrankung ab dem 30. Januar 2017 zu 100 Prozent arbeitsunfähig
geschrieben (IV-act. 11; siehe auch Austrittsbericht der Klinik für Kardiologie des
Kantonsspitals St. Gallen vom 28. Februar 2017; IV-act. 9–2 ff.). Eine für den 12. Mai
2017 geplante koronare Bypass- und Mitralklappen-Operation hatte wegen einer
zahnärztlichen Behandlung verschoben werden müssen (Fremdakten; IV-act. 11–3). Die
ehemalige Arbeitgeberin des Versicherten berichtete der IV-Stelle am 29. August 2017
(IV-act. 14), dass sie den Versicherten vom 29. März 2016 bis 31. Juli 2017 als
„Mitarbeiter Kunststofftechnik“ beschäftigt habe. Das Arbeitsverhältnis sei wegen einer
Neuorganisation der Abteilung aufgelöst worden. Der letzte effektive Arbeitstag sei der
26. Januar 2017 gewesen. Bis Juni 2016 sei der Versicherte im Stundenlohn, ab Juli
2016 im Monatslohn mit einem Vollpensum und ab November 2016 im Monatslohn mit
einem Pensum von 80 Prozent angestellt gewesen. Die Tätigkeit habe überwiegend
stehend, manchmal gehend und selten sitzend verrichtet werden müssen. Der
Versicherte habe manchmal leichte Lasten und selten mittelschwere und schwere
Lasten heben und tragen müssen. Der AHV-beitragspflichtige Monatslohn hatte im
Jahr 2016 bei einem Vollpensum 4’700 Franken betragen (zzgl. 13. Monatslohn). Die
behandelnde Kardiologin Dr. med. C._ teilte der IV-Stelle im Dezember 2017 mit (IV-
act. 21), dass aufgrund der Stabilisation der Situation weiterhin eine konservative
Behandlung erfolge. Die Arbeitsunfähigkeit werde durch den Hausarzt festgelegt.
Schwere körperliche Arbeiten seien langfristig vermutlich nur eingeschränkt
durchführbar. Der Hausarzt berichtete der IV-Stelle am 12. Februar 2018 (IV-act. 28–4),
dass der Versicherte in einer wechselbelastenden Tätigkeit ohne Heben oder Tragen
von Lasten zu 50 Prozent arbeitsfähig sei. Der RAD-Arzt Dr. med. D._ notierte am 20.
A.a.
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Februar 2018 (IV-act. 29), medizinisch-theoretisch müsse für eine angepasste Tätigkeit
(überwiegend sitzend, körperlich sehr leicht, kein Heben und Tragen von Lasten über 5
kg) von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Dr. C._
erklärte auf Nachfrage hin am 28. Februar 2018 (IV-act. 32), sie könne die Einschätzung
des RAD, dass der Versicherte in einer überwiegend sitzenden, körperlich sehr leichten
Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig sei, aufgrund der klinischen Befunde bestätigen.
Allerdings habe sie den Versicherten zuletzt im November 2017 gesehen; damals sei
die Frage nach einem operativen Vorgehen besprochen worden; sie habe keine
Belastungstests durchgeführt.
Die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 21. März 2018, dass
der Versicherte zwar keine Berufsausbildung absolviert habe, jedoch über eine
vielseitige praktische Berufserfahrung in diversen Bereichen verfüge (IV-act. 37). Dr.
C._ berichtete der IV-Stelle am 5. Juni 2018 (IV-act. 38), dass dem Versicherten
körperlich leichte Arbeiten sechs bis acht Stunden pro Tag zumutbar seien. Bezüglich
schwerer körperlicher Arbeit bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit. Am 6.
September 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass ihm eine Beratung und
Unterstützung bei der Stellensuche gewährt werde (IV-act. 44). Am 1. Oktober 2018
startete der Versicherte ein von der IV-Stelle zusammen mit dem RAV aufgegleistes
Einsatzprogramm mit einer körperlich leichten, sitzenden Tätigkeit. Der Versicherte
behielt das Anfangspensum von 30 Prozent während der Dauer des Einsatzprogramms
bei. Am 13. November 2018 informierte das RAV die IV-Stelle darüber, dass das
Programm abgebrochen werde, weil der Körper des Versicherten zu geschwächt zu
sein scheine (vgl. IV-act. 50). Dr. C._ berichtete dem Hausarzt am 21. November
2018 über eine Verschlechterung der linksventrikulären Funktion im Vergleich zur
letzten Untersuchung im Mai 2018 (IV-act. 53). Sie hielt fest, wahrscheinlich hätten die
Infekte der oberen Luftwege (kurzzeitig intensiv-medizinische Betreuung 02/18,
zweimalige Infekte 10/18 und 11/18) wieder zu einer Verstärkung der Problematik
geführt. Allerdings seien auch die Blutdruckwerte und die Herzfrequenz nach einer
Gewichtszunahme wieder deutlich höher und nicht tolerabel. Dr. C._ passte die
medikamentöse Behandlung an und hielt fest, dass die Arbeitsfähigkeit weiterhin vom
Hausarzt festgelegt werde. Am 10. Mai 2019 wies die IV-Stelle das Gesuch um
berufliche Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 56).
A.b.
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Am 16. Juli 2019 berichtete Dr. C._ der IV-Stelle über einen stationären
Gesundheitszustand (IV-act. 57). Sie führte aus, die bisherige Tätigkeit sei dem
Versicherten weiterhin nicht zumutbar. Für leichte körperliche Arbeiten bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von sechs bis acht Stunden täglich. Der RAD-Arzt Dr. D._ bestätigte
am 9. September 2019 die Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Kardiologin
(IV-act. 60). Mit einem Vorbescheid vom 10. September 2019 kündigte die IV-Stelle
dem Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs bei einem Invaliditätsgrad von
null Prozent an (IV-act. 62). Am 30. Oktober 2019 verfügte sie im Sinne des
Vorbescheids (IV-act. 63). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle
Rechtskraft.
A.c.
Am 11. März 2020 liess der Versicherte ein Gesuch um prozessuale Revision der
Verfügung vom 30. Oktober 2019 stellen und die Zusprache einer vollen (recte: ganzen)
Invalidenrente mit Wirkung ab dem 2. August 2017, eventualiter die wiedererwägungs
weise Aufhebung der Verfügung vom 30. Oktober 2019 und subeventualiter die
Behandlung dieses Gesuchs als Neuanmeldung für eine Invalidenrente beantragen. Zur
Begründung machte der Rechtsvertreter des Versicherten geltend, dass dieser gemäss
seinem Hausarzt seit dem 1. Oktober 2018 andauernd zu 70 Prozent arbeitsunfähig sei.
Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. C._ sei nicht nachvollziehbar. Die IV-Stelle
hätte eine medizinische Begutachtung durchführen müssen. Die Verfügung vom 30.
Oktober 2019 müsse als nichtig bezeichnet werden. Der Versicherte hatte in dem dem
Gesuch beigelegten, von ihm am 24. Februar 2020 ausgefüllten Anmeldeformular
angegeben, dass er an Atemnot, Schwindel, Herzbeschwerden bei physischen und
psychischen Anstrengungen, Muskelschmerzen, Konzentrationsproblemen,
Schlafstörungen und Panikattacken leide (IV-act. 70). Die IV-Stelle bestätigte am 18.
März 2020 den Eingang „Ihrer Anmeldung für berufliche Massnahmen und Rente“ (IV-
act. 72). Gleichentags notierte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle, es handle sich um
eine „Wiederanmeldung mit einem reinen Rentengesuch“ (IV-act. 73). Die
Sachbearbeiterin ersuchte den RAD am 16. Juli 2020, Stellung zur Eintretensfrage zu
nehmen (IV-act. 74–1 f.). Der RAD-Arzt Dr. D._ notierte am 21. Juli 2020 (IV-act. 74–2
ff.), dass aufgrund der vom Hausarzt für den Zeitraum vom 1. Oktober 2018 bis 30.
April 2020 bescheinigten Arbeitsunfähigkeit eine Veränderung des
Gesundheitszustandes mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit glaubhaft gemacht worden
A.d.
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sei. Der Hausarzt teilte der IV-Stelle auf Nachfrage hin am 9. August 2020 mit (IV-act.
81), dass er den Versicherten seit dem Jahr 2018 zu 70 Prozent arbeitsunfähig
schreibe. Die behandelnde Kardiologin gehe für sehr leichte Arbeiten (was einer
Leistung von maximal 20–40 Prozent entspreche) von einer Arbeitsfähigkeit von sechs
bis acht Stunden pro Tag aus, was einer Gesamtarbeitsfähigkeit von rund 30 Prozent
entspreche. Der RAD-Arzt Dr. D._ hielt am 18. August 2020 fest (IV-act. 82), dass
sich ihm die hausärztliche Berechnung der Arbeitsfähigkeit nicht erschliesse. Es lägen
keine neuen kardiologischen Unterlagen vor, die eine Veränderung der kardialen
Situation dokumentieren würden. Somit sei nicht ausgewiesen, dass es seit der
Verfügung vom 30. Oktober 2019 zu einer anhaltenden und relevanten
Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gekommen wäre.
Mit einem Vorbescheid vom 9. September 2020 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie die Abweisung des Rentengesuchs bei einem
Invaliditätsgrad von null Prozent vorsehe (IV-act. 86). Zur Begründung hielt sie fest,
dass der Versicherte in einer optimal adaptierten Tätigkeit weiterhin sechs bis acht
Stunden pro Tag arbeitsfähig sei. Wiedererwägungsgründe lägen keine vor. Dagegen
wandte der Rechtsvertreter des Versicherten am 16. Oktober 2020 ein (IV-act. 87),
dass auf die Argumente betreffend Revision und Wiedererwägung nicht eingegangen
worden sei. Gemäss einem Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 1. Oktober 2020
sei aktuell keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Somit liege ein Revisionsgrund vor und dem
Versicherten sei ab dem 2. August 2017 eine volle (recte: ganze) Rente zuzusprechen.
Die Ärzte der Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals St. Gallen hatten im
Sprechstundenbericht vom 1. Oktober 2020 festgehalten (IV-act. 87–16 ff.), dass sich
der Versicherte anlässlich der Untersuchung vom 24. September 2020 kardiopulmonal
kompensiert mit normotensiven Blutdruckwerten präsentiert habe. Anamnestisch
bestehe schon bei geringerer Anstrengung eine von pektanginösen Beschwerden
begleitete Belastungsdyspnoe. Zudem komme es gelegentlich auch nachts zu
thorakalen Ruhebeschwerden. In der Echokardiographie habe sich eine gut
leichtgradig eingeschränkte systolische Funktion bei vorbestehenden Kinetikstörungen
gefunden. Zudem bestehe weiterhin eine schwere funktionelle
Mitralklappeninsuffizienz. In der Spiroergometrie habe sich eine eingeschränkte
A.e.
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Leistungsfähigkeit bei genügender Ausbelastung gezeigt. Der Versicherte sei über die
Bedeutung der Befunde und die dadurch entstehende vitale Bedrohung aufgeklärt
worden. Gegenüber weiteren therapeutischen Eingriffen sei er zurückhaltend
eingestellt. Aus kardiologischer Sicht bestehe bei bereits unter geringer Belastung
auftretenden pektanginösen Beschwerden und Belastungsdyspnoe aufgrund der
funktionellen Mitralinsuffizienz und der schweren koronaren Herzkrankheit keine
Arbeitsfähigkeit mehr. Dr. D._ notierte am 4. November 2020 (IV-act. 91), dass er den
Fall mit einem Kollegen (Facharzt für Innere Medizin) besprochen habe; eine volle
Arbeitsunfähigkeit könne aufgrund der mitgeteilten objektiven Befunde nicht
nachvollzogen werden. Es sei eine monodisziplinäre Begutachtung (Kardiologie) in
Auftrag zu geben. Am 13. November 2020 bestätigte die Medexperts AG die
Übernahme des Gutachtensauftrags (IV-act. 90). Nach Einsicht in die Akten empfahl
die Gutachterstelle zusätzlich eine psychiatrische Begutachtung. Nach Rücksprache
mit RAD-Arzt Dr. D._ erweiterte die zuständige IV-Sachbearbeiterin den Gutachtens
auftrag um die Fachdisziplin Psychiatrie (IV-act. 90 f.).
Am 10. Februar 2021 wurde der Versicherte durch die Medexperts AG in den
Fachdisziplinen Kardiologie und Psychiatrie gutachterlich untersucht (Gutachten vom
11. März 2021; IV-act. 97). Die Sachverständigen diagnostizierten eine schwere
koronare Dreigefässerkrankung und eine schwere funktionelle Mitralklappeninsuffizienz
bei Prolaps und Retraktion des posterioren Segels sowie – ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit – eine kombinierte Hyperlipidämie, einen Zustand nach Nikotinkonsum,
eine arterielle Hypertonie, einem Prädiabetes und eine chronische Niereninsuffizienz
Std II. Der Kardiologe Dr. med. E._ hielt im kardiologischen Teilgutachten fest, dass
der Versicherte regelmässig bis zu zwei Stunden mit dem E-Bike fahre. Auch
Spaziergänge von zwei bis drei Kilometer in einem gemässigten Tempo in der Ebene
seien möglich. Es bestünden keine Beinödeme, keine Hinweise für eine akute
Dekompensation und das Schlafen in flacher Lage sei ohne Atemnot möglich. Während
der Untersuchung hätten sich auch keine Hinweise auf eine Ruhe-Dyspnoe ergeben.
Die Akten seien grösstenteils konsistent. Zu erwähnen sei, dass der Versicherte bereits
im Jahr 2017 eine mögliche Bypass-Operation und ein Mitral-Repair abgelehnt habe.
Zudem seien die kardiologischen Kontrollen nur unregelmässig erfolgt. Die Befunde der
Spiroergometrie vom 24. September 2020 seien nur schwer mit der teilweise
A.f.
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berichteten Belastungsdyspnoe NYHA II und der begleitenden AP-Symptomatik CCS
III–IV in Einklang zu bringen. Aus kardiologischer Sicht seien dem Versicherten
wechselbelastende Tätigkeiten ohne stärkere körperliche Belastung (Heben und Tragen
bis maximal 10 kg) zumutbar. Nachtschichttätigkeiten seien zu vermeiden. In der
angestammten Tätigkeit als Techniker für die Einrichtung von Gussmaschinen bestehe
retrospektiv seit November 2016 (Infarktereignis) keine Arbeitsfähigkeit mehr. Das in
der angestammten Tätigkeit notwendige Tragen und Heben von Gegenständen bis 30
kg, ein hohes Mass an Reisetätigkeit, viele Überstunden, azyklische Arbeitszeiten und
eine hohe körperliche Belastung seien dem Versicherten aufgrund der kardialen
Situation nicht mehr zumutbar. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe retrospektiv seit
Mai 2017 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit. Durch eine Bypass-Operation mit
Mitralklappen-Repair wären eine Verbesserung der Belastungssituation und der
Arbeitsfähigkeit durchaus möglich. Der psychiatrische Sachverständige Dr. med. F._
führte aus, dass sich beim Versicherten ein unauffälliger psychiatrischer Status
gefunden habe. Bisher hätten keine psychiatrischen Behandlungen stattgefunden. Der
Versicherte scheine die Situation des erlebten Kontrollverlustes im Zusammenhang mit
dem Herzinfarkt gut überwunden zu haben. Er gehe mit potenziellen Herzbeschwerden
adäquat und konstruktiv um („beruhige mich selbst“). Beim Versicherten handle es sich
um eine ausgeglichene, gereifte, stabil wirkende Persönlichkeit ohne Hinweise für
psychische Pathologien. Aus psychiatrischer Sicht bestehe in der bisherigen Tätigkeit
als Mitarbeiter Kunststofftechnik eine volle Arbeitsfähigkeit. In der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung attestierten die Sachverständigen dem Versicherten für die
angestammte Tätigkeit seit November 2016 eine volle Arbeitsunfähigkeit und für eine
optimal angepasste Tätigkeit ab Mai 2017 wieder eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Der RAD-Arzt Dr. D._ notierte am 15. März 2021, dass das
Gutachten die versicherungsmedizinischen Anforderungen erfülle, weshalb auf es
abgestellt werden könne (IV-act. 99).
Der Rechtsvertreter des Versicherten monierte in seiner Stellungnahme vom 9.
April 2021 (IV-act. 102), dass die Sachverständigen relevante Untersuchungen,
insbesondere eine Spiroergometrie respektive ein Belastungs-EKG, nicht durchgeführt
hätten. Aufgrund der Ergebnisse der im September 2020 durchgeführten
Spiroergometrie und der vom Versicherten geschilderten Beschwerden seien die
A.g.
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Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen und des
Hausarztes nachvollziehbar. Der Versicherte sei vom Kardiologen des Kantonsspitals
St. Gallen angehalten worden, jegliche Tätigkeit und vitale Belastung wegen
Lebensgefahr zu vermeiden. Damit liege ein Revisionsgrund vor; der Versicherte habe
ab dem 2. August 2017 Anspruch auf eine volle (recte: ganze) Invalidenrente. Der
Hausarzt hatte in einem Bericht an den Rechtsvertreter vom 30. März 2021
festgehalten (IV-act. 102–14), der Versicherte habe angegeben, dass er unter
physischem oder psychischem Druck an folgenden Symptomen leide:
Anstrengungsatemnot, Auswirkungen auf die Psyche, Schwindelgefühle, Atemnot
verbunden mit beklemmendem Druckgefühl über der Brust, Konzentrationsstörungen.
Unter Berücksichtigung der glaubhaft geschilderten Beschwerden und dem
medizinischen Leiden sei aus ärztlicher Sicht noch eine Arbeitsfähigkeit von 30 Prozent
gegeben. Der RAD-Arzt Dr. D._ notierte am 12. Mai 2021 (IV-act. 103), dass der
Hausarzt keine objektiven Befunde oder Funktionsstörungen angegeben habe. Damit
bleibe es bei der gutachterlichen Einschätzung. Sicherheitshalber sei die
Stellungnahme des Rechtsvertreters noch den Sachverständigen vorzulegen. Am 29.
Juni 2021 erfolgte eine Rückfrage an die Sachverständigen unter Beilage der
Zusatzfragen des Rechtsvertreters (IV-act. 110). Diese antworteten am 20. Juli 2021
(IV-act. 112), dass sie sich der Argumentation des Rechtsvertreters nicht anschliessen
könnten. Die Anamnese und die klinisch kardiologische Untersuchung inklusive
Echokardiographie seien lege artis durchgeführt worden. Eine Spiroergometrie sei nicht
notwendig gewesen, da eine solche zuletzt am 24. September 2020 durchgeführt
worden sei, sich seither keine relevanten klinischen Veränderungen ergeben hätten und
weil für körperlich belastende Tätigkeiten ohnehin eine volle Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt worden sei. Auch wenn eine Spiroergometrie eine deutliche Leistungs
einschränkung gezeigt hätte, was in jener vom 24. September 2020 definitiv nicht der
Fall gewesen sei, wären Tätigkeiten ohne körperliche Belastung trotzdem gut möglich.
Das Ergebnis der Spiroergometrie vom September 2020 sei auch dadurch bestätigt
worden, dass dem Versicherten Velofahren und Spazierengehen möglich sei. Des
Weiteren bestehe in einer optimal angepassten Tätigkeit keine höhere vitale Bedrohung
wie in anderen alltäglichen Situationen. Eine mögliche myokardiale Ischämie schränke
die Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit nicht weiter ein. An der
interdisziplinären Gesamtbeurteilung ergäben sich keine Änderungen. Der RAD-Arzt Dr.
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B.
D._ notierte am 9. August 2021 (IV-act. 113), angesichts der Antworten der
Gutachterstelle müssten keine Veränderungen in der medizinischen Einschätzung
vorgenommen werden. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hielt in seiner
Stellungnahme vom 25. August 2021 fest (IV-act. 116), dass aufgrund der Limitation
der Pulsfrequenz jegliche Stressbelastung und Aufregung in der Arbeitswelt zu
vermeiden sei. Andernfalls könne eine lebensbedrohende Situation eintreten. Auch eine
wechselbelastende Tätigkeit führe zu Stresssituationen (Zeitdruck, Belastung in der
„Teamtätigkeit“, „Qualitätsdruck“ usw.). Die Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen hätten
die Arbeitsfähigkeit des Versicherten differenzierter beurteilt als die Sachverständigen.
Mit einer Verfügung vom 7. September 2021 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab
(IV-act. 117). Zur Begründung hielt sie fest, dass aufgrund der Einwände des
Versicherten ein medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben worden sei und dass die
gegen dieses Gutachten erhobenen Einwände zu einer Rückfrage an die Gutachter
geführt hätten. Im Rahmen der dritten Anhörung habe der Versicherte wiederum eine
volle Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten bestritten. Neue Berichte, welche
geeignet wären, Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens zu wecken, habe er nicht
eingereicht.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
am 11. Oktober 2021 eine Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter
beantragte die Aufhebung des Vorbescheids (recte: der Verfügung) vom 7. September
2021 und die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente ab 2. August 2017. Zur Begründung
machte er geltend, dass wegen der kardiologischen Beschwerden bereits seit August
2016 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auch für adaptierte Tätigkeiten auszugehen
sei. Am 11. November 2021 teilte der Rechtsvertreter dem Gericht mit (act. G 3), dass
der Beschwerdeführer am 22. Oktober 2021 einen gravierenden Schwächeanfall
erlitten habe. Der entsprechende Untersuchungsbericht werde nachgereicht.
B.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 15. Dezember
2021 die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung hielt sie fest, dass die
Einschränkung aufgrund des Herzinfarktes seit dem Jahr 2016 unverändert geblieben
sei. Sowohl die behandelnde Kardiologin als auch der Kardiologe des Kantonsspitals
B.b.
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St. Gallen hätten dies bestätigt. Aus dem Gutachten sei ersichtlich, dass der
Sachverhalt im Zeitpunkt der Abweisungsverfügung vom 30. Oktober 2019 weder
unzureichend abgeklärt gewesen sei noch dass die Arbeitsfähigkeit seitens des RAD
und der behandelnden Kardiologin falsch eingeschätzt worden sei; auch eine
Wiedererwägung komme deshalb nicht in Frage. Eine allfällige, sich aus dem
Schwächeanfall vom 20. Oktober 2021 ergebende gesundheitliche Veränderung würde
sich nicht auf die Zusprache einer IV-Rente auswirken, da der Beschwerdeführer seit
dem 1. Juni 2021 Anspruch auf eine AHV-Rente habe.
In seiner Replik vom 14. Februar 2022 machte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ergänzend geltend (act. G 11), der Beschwerdeführer fühle sich
nicht voll arbeitsfähig, sondern erachte eine volle Arbeitsfähigkeit nicht als realistisch.
Zudem sei er wegen seiner Krankheit und seines Alters in der Stellensuche
eingeschränkt. Im Rahmen des Versuchs, eine verwertbare Arbeitsfähigkeit
aufzubauen, habe er in einer leichten, sitzenden Tätigkeit lediglich eine maximale
Präsenz von 30 Prozent erreicht. Zudem seien zwischenzeitlich gesundheitliche
Verschlechterungen festgestellt worden, nämlich eine belastungsabhängige Ischämie
und eine Verschlechterung der linksventrikulären Funktion. Die Vergabe des
Gutachtensauftrags hätte über ein Zufallsverfahren erfolgen müssen. Zudem sei es
äusserst unkonventionell gewesen, dass die Gutachterstelle zunächst die Akten
gesichtet habe, bevor sie die Gutachter zugewiesen habe. Dies lasse die Objektivität
der Gutachterstelle als äusserst fraglich erscheinen. Das Gutachten sei auch inhaltlich
mangelhaft, weil kein Belastungstest gemacht worden sei. Auch hätten sich die
Gutachter nicht plausibel und nachvollziehbar zur Arbeitsfähigkeitsschätzung des
Kardiologen des Kantonsspitals St. Gallen geäussert. Der Beschwerdeführer sei vor
seiner Erkrankung in einer dynamischen, anstrengenden und überwiegend
handwerklichen Berufswelt tätig gewesen. Eine Ausbildung liege nicht vor und der
Beschwerdeführer sei im fortgeschrittenen Alter. Dem Beschwerdeführer sei es daher
nicht zumutbar, eine leidensangepasste, sehr leichte Tätigkeit auszuüben. Auch einen
Teilzeit- und Leidensabzug habe die Beschwerdegegnerin nicht vorgenommen.
Überdies sei der Beschwerdeführer wegen der erhöhten Arbeitsabsenzen und der
unzumutbaren Arbeitsplatzanpassungen keinem Arbeitgeber mehr zumutbar. Eine
konkrete Verweistätigkeit sei nie genannt worden. Eine solche existiere aufgrund der
B.c.
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Erwägungen
1.
unter geringer Belastung auftretenden pektanginösen Beschwerden und der
Belastungsdyspnoe auch nicht.
In ihrer Duplik vom 21. Februar 2022 hielt die Beschwerdegegnerin fest (act. G 14),
dass bidisziplinäre Gutachten im Jahr 2020 noch nicht nach dem Zufallsverfahren
hätten vergeben werden müssen.
B.d.
Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
vom 7. September 2021 bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen. Dieses ist eröffnet worden,
nachdem der Beschwerdeführer – nach der formell rechtskräftigen Abweisung eines
ersten Rentenbegehrens am 30. Oktober 2019 – am 11. März 2020 ein Gesuch um
prozessuale Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG), eventualiter um Wiedererwägung (Art. 53
Abs. 2 ATSG) und subeventualiter um die Zusprache einer Rente im Sinne einer
sogenannten „Neuanmeldung“ eingereicht hatte. Die Notiz der Sachbearbeiterin vom
18. März 2020, wonach es sich beim Begehren vom 11. März 2020 um eine
„Wiederanmeldung mit einem reinen Rentengesuch“ handle (IV-act. 73), die Anfrage
der Sachbearbeiterin an den RAD vom 16. Juli 2020, er solle Stellung zur
Eintretensfrage (im Sinne des Art. 87 Abs. 3 IVV) nehmen (IV-act. 74–1 f.), und die
Ausführungen des RAD-Arztes Dr. D._ vom 21. Juli 2020, die sich auf die Frage nach
einer relevanten Sachverhaltsveränderung nach dem 30. Oktober 2019 im Sinne des
Art. 87 Abs. 3 IVV beschränkt haben (IV-act. 74–2 ff.), respektive der Umstand, dass die
Beschwerdegegnerin erst auf diese Ausführungen hin ein neues Verwaltungsverfahren
eröffnet hat, zeigen eindeutig, dass sich das Verwaltungsverfahren ausschliesslich auf
die Prüfung einer sogenannten Neuanmeldung im Sinne des Art. 87 Abs. 3 IVV
beschränkt hat. Allerdings haben sowohl der Vorbescheid vom 9. September 2020 als
auch die Verfügung vom 7. September 2021 den Hinweis enthalten, dass keine
Wiedererwägungsgründe vorlägen. Würde man den Wortlaut der Verfügung ernst
nehmen, müsste diese als eine Wiedererwägungsverfügung im Sinne des Art. 53 Abs. 2
ATSG qualifiziert werden. Die Folge davon wäre, dass sie ohne Weiteres als
rechtswidrig aufgehoben werden müsste, weil in den Akten jeder Hinweis darauf fehlt,
dass sich die Beschwerdegegnerin mit den Voraussetzungen einer Wiedererwägung
der Verfügung vom 30. Oktober 2019 befasst hätte. Bei einer sich nicht nur am (an sich
klaren und eindeutigen) Wortlaut orientierenden Auslegung der Verfügung vom 7.
1.1.
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September 2021 ergibt sich allerdings, dass diese nur die Abweisung der
Neuanmeldung vom 11. März 2020 zum Gegenstand gehabt hat. Der Hinweis auf den
fehlenden Wiedererwägungsgrund ist nur als eine Erklärung dafür zu verstehen, dass
die Beschwerdegegnerin nicht auf das Wiedererwägungsbegehren eingetreten ist
(wobei allerdings nicht nachzuvollziehen ist, weshalb ein entsprechender Hinweis auf
das Begehren um eine prozessuale Revision der Verfügung vom 30. Oktober 2019
unterblieben ist). Massgebend ist, dass das Verwaltungsverfahren von Beginn weg
durchgehend bis zum Abschluss am 7. September 2021 ausschliesslich die Prüfung
des neuen Rentenbegehrens zum Gegenstand gehabt hat. Folglich muss sich auch
dieses Beschwerdeverfahren auf die Frage beschränken, ob der Beschwerdeführer im
massgebenden Zeitraum ab dem 1. September 2020 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat.
Gemäss dem Art. 87 Abs. 3 IVV wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin
glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Dem Gesuch vom 11. März 2020 haben einfache
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse des Hausarztes beigelegen, wonach der
Beschwerdeführer vom 1. Oktober 2018 bis 30. April 2020 zu 70 Prozent arbeitsunfähig
gewesen sei. RAD-Arzt Dr. D._ ist davon ausgegangen, dass mit diesen Zeugnissen
eine anspruchserhebliche Änderung des IV-Grades glaubhaft gemacht worden sei. Ob
die Beschwerdegegnerin zu Recht lediglich gestützt auf diese einfachen
Arbeitsunfähigkeitstatteste des Hausarztes auf die Neuanmeldung eingetreten ist, kann
offengelassen werden, denn spätestens nach dem Eingang (19. Oktober 2020) des
Berichts der Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 1. Oktober 2020,
in welchem die behandelnden Ärzte dem Beschwerdeführer aktuell eine volle
Arbeitsunfähigkeit bestätigt haben, hätte die Beschwerdegegnerin auf jeden Fall auf
das neue Gesuch eintreten müssen.
1.2.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 7. September 2021 hat die Beschwerde
gegnerin das neue Rentengesuch des Beschwerdeführers abgewiesen. Gemäss dem
Bundesgericht muss bei einer erneuten Anmeldung nach einer vorausgegangenen
rechtskräftigen Abweisung eines Rentenbegehrens geprüft werden, ob ein
Revisionsgrund im Sinne des Art. 17 ATSG vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
4. März 2015, 9C_9/2015). Diese Praxis ist jedoch gesetzeswidrig: Mit Art. 29 Abs. 1
ATSG besteht eine abschliessende gesetzliche Regelung der Wirkung von
Neuanmeldungen, sodass keine ausfüllungsbedürftige Gesetzeslücke vorliegt, die
durch eine analoge Anwendung des Art. 17 ATSG auf die Neuanmeldung auszufüllen
wäre (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6.
1.3.
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2.
Dezember 2016, IV 2014/188 E. 1.3 ff.). Die Neuanmeldung unterscheidet sich also
nicht von einer erstmaligen Anmeldung. Demnach ist im vorliegenden Fall nur zu
prüfen, ob der Beschwerdeführer in einem rentenbegründenden Ausmass invalid ist.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist
der Invaliditätsgrad grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln.
Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung zu jenem Einkommen gesetzt, das sie erzielen
könnte, wenn sie gesund geblieben wäre (Valideneinkommen).
2.1.
Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die Arbeits
unfähigkeit des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere die
Berichte des Hausarztes vom 9. August 2020 und 30. März 2021, der Bericht der
Kardiologie des KSSG vom 1. Oktober 2020 und das bidisziplinäre Gutachten der
Medexperts AG vom 11. März 2021 im Recht. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat in formeller Hinsicht geltend gemacht, die Auftragsvergabe an
die Gutachterstelle sei nicht korrekt gewesen, da kein Zufallsverfahren erfolgt sei. Die
Vergabe des Auftrags ist im November 2020 erfolgt. Die Beschwerdegegnerin hat in
ihrer Duplik zu Recht darauf hingewiesen, dass bidisziplinäre Gutachten erst seit dem
1. Januar 2022 nach dem Zufallsverfahren vergeben werden müssen (vgl. Rz. 2076 des
Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenversicherung, KSVI, Stand 1.
Januar 2018 mit Rz. 3094 ff. KSVI, Stand 1. Januar 2022). Demnach ist die Vergabe
2.2.
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des Gutachtensauftrags korrekt erfolgt. Weiter hat der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers die Objektivität der Gutachter angezweifelt, da die Gutachterstelle
zunächst die Akten gesichtet habe, bevor sie den Auftrag den einzelnen Gutachtern
zugewiesen habe. Die Gutachterstelle hat vorab Akteneinsicht verlangt, um beurteilen
zu können, ob die ausgewählte Fachdisziplin genügt, um ein beweiskräftiges
Gutachten erstellen zu können. Im vorliegenden Fall ist sie zum Schluss gekommen,
dass neben der kardiologischen Begutachtung eine psychiatrische Begutachtung
angezeigt sei. Das Vorgehen der Gutachterstelle ist sachlich begründet gewesen und
weckt keinerlei Zweifel an der Objektivität der Gutachter. Die Ausweitung des
Gutachtensauftrags auf die psychiatrische Fachdisziplin ist aufgrund der vom
Beschwerdeführer beschriebenen Symptome (unter anderem Atemnot, Schwindel,
Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Panikattacken; IV-act. 70–6) gerechtfertigt
gewesen (vgl. auch IV-act. 90–2).
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer nicht an einer psychiatrischen
Gesundheitsbeeinträchtigung leidet, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätte.
Der psychiatrische Gutachter hat einen unauffälligen psychiatrischen Status erhoben
und erklärt, dass der Beschwerdeführer mit den potenziellen Herzeschwerden adäquat
und konstruktiv umgehe. Aus psychiatrischer Sicht besteht somit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
2.3.
In kardiologischer Hinsicht sind die Diagnosen unbestritten. Der Beschwerdeführer
leidet an einer schweren koronaren Dreigefässerkrankung und einer schweren
funktionellen Mitralklappeninsuffizienz, die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
haben. Unbestritten und einleuchtend ist auch, dass in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Mitarbeiter Kunststofftechnik seit dem Infarktereignis im November 2016 wegen der
kardialen Situation keine Arbeitsfähigkeit mehr besteht, da es sich um eine
überwiegend stehende Tätigkeit gehandelt hat, die auch das Heben und Tragen
mittelschwerer und schwerer Lasten beinhaltet hat. Umstritten ist demgegenüber die
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit: Gemäss dem kardiologischen
Gutachter sind dem Beschwerdeführer körperlich leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten ohne Nachtschichtarbeiten seit Mai 2017 wieder uneingeschränkt
zumutbar. Demgegenüber hat der Hausarzt des Beschwerdeführers die
Arbeitsfähigkeit auch für sehr leichte Arbeiten lediglich noch auf 30 Prozent geschätzt.
Die Ärzte der Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals St. Gallen haben im Bericht vom
1. Oktober 2020 angegeben, dass aus kardiologischer Sicht aktuell keine
Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Behandelnde Ärzte pflegen wegen ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung erfahrungsgemäss im Zweifel eher zugunsten
2.4.
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ihrer Patienten auszusagen (vgl. etwa das Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2). Die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte überzeugen aber auch aus
anderen Gründen nicht: Der Hausarzt hat in seinem Bericht vom 9. August 2020
versucht zu begründen, weshalb er die Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten auf
lediglich noch 30 Prozent schätzt. Er hat sich dabei teilweise auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Kardiologin Dr. C._ gestützt, welche
die Arbeitsfähigkeit zuletzt im Juli 2019 für körperlich leichte Tätigkeiten auf 80–100
Prozent geschätzt hat. Allerdings hat er ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung falsch
interpretiert, indem er davon ausgegangen ist, dass eine Arbeitsfähigkeit für sehr
leichte Tätigkeiten einer maximalen Leistung von 20–40 Prozent entspreche respektive
dass die behandelnde Kardiologin auch in einer adaptierten Tätigkeit von einer
verminderten Leistungsfähigkeit ausgegangen sei. Dies ist jedoch nicht der Fall
gewesen. Die behandelnde Kardiologin hat lediglich in Bezug auf körperlich schwere
Arbeiten − bei einer Präsenz von sechs bis acht Stunden pro Tag − zusätzlich eine
verminderte Leistungsfähigkeit anerkannt. Im Bericht vom 30. März 2021 hat der
Hausarzt seine Arbeitsfähigkeitsschätzung mit den vom Beschwerdeführer
angegebenen Symptomen begründet (bei psychischem oder physischem Druck
Anstrengungsatemnot, Auswirkungen auf die Psyche, Schwindelgefühle, Atemnot
verbunden mit beklemmendem Druckgefühl über der Brust sowie
Konzentrationsstörungen). Er hat aber keine objektiven Befunde oder
Funktionsstörungen, die die Angaben des Beschwerdeführers plausibilisieren würden,
angegeben. Die Ärzte der Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals St. Gallen haben die
von ihnen attestierte Arbeitsunfähigkeit mit den bereits unter geringer Belastung
auftretenden pektanginösen Beschwerden und Belastungsdyspnoe begründet.
Allerdings handelt es sich auch hier um Selbstangaben des Beschwerdeführers:
Demgegenüber hat sich der Beschwerdeführer anlässlich der Untersuchung vom 24.
September 2020 kardiopulmonal kompensiert präsentiert und die Spiroergometrie hat
lediglich eine moderat eingeschränkte Leistungsfähigkeit bei genügender Ausbelastung
und ohne Hinweise auf eine ventilatorische Limitation (jedoch Hinweise auf eine
myokardiale Ischämie) gezeigt. Der kardiologische Gutachter hat überzeugend
festgehalten, dass die Befunde der Spiroergometrie vom 24. September 2020 nur
schwer mit der berichteten Belastungsdyspnoe und der begleitenden Angina Pectoris-
Symptomatik in Einklang zu bringen seien. Demnach überzeugt weder die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des Hausarztes noch diejenige der Kardiologie des
Kantonsspitals St. Gallen. Der Rechtsvertreter hat moniert, dass im Rahmen der
Begutachtung keine Spiroergometrie respektive kein Belastungs-EKG durchgeführt
worden sei. Der kardiologische Gutachter hat auf eine Rückfrage der
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Beschwerdegegnerin hin erklärt, dass eine Spiroergometrie (resp. ein Belastungs-EKG)
nicht notwendig gewesen sei, da eine solche bereits im September 2020 durchgeführt
worden sei, sich seither keine relevanten klinischen Veränderungen ergeben hätten und
für körperlich belastende Tätigkeiten ohnehin eine volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt
worden sei. Von einer erneuten Spiroergometrie sind viereinhalb Monate später keine
neuen Erkenntnisse mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu
erwarten gewesen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat weiter angeführt,
dass gemäss den Ärzten der Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals St. Gallen jede
Tätigkeit und vitale Belastung lebensgefährlich sei. Da auch adaptierte Tätigkeiten
Stresssituationen auslösen könnten, seien dem Beschwerdeführer jegliche Tätigkeiten
nicht mehr zumutbar. Die Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen haben im Bericht vom 1.
Oktober 2020 lediglich festgehalten, dass der Beschwerdeführer über die Bedeutung
der Befunde und die dadurch entstehende vitale Bedrohung ausführlich aufgeklärt
worden sei. Daraus kann nicht der Schluss gezogen werden, dass sie davon
ausgegangen wären, die Ausübung einer Erwerbstätigkeit wäre lebensgefährlich. Die
Erklärung des kardiologischen Gutachters, dass in einer optimal angepassten Tätigkeit
keine höhere vitale Bedrohung als in anderen alltäglichen Situationen bestehe, leuchtet
ein. Bezüglich der vom Rechtsvertreter geltend gemachten zwischenzeitlichen
gesundheitlichen Verschlechterung ist darauf hinzuweisen, dass die Verschlechterung
der linksventrikulären Funktion bereits im November 2018 von Dr. C._ und damit
lange vor der Begutachtung festgestellt worden ist. Die behandelnde Kardiologin hat
dieser Verschlechterung keinen weiteren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen;
zumindest hat sie die Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten im Juli 2019 weiterhin
auf sechs bis acht Stunden pro Tag geschätzt. Ausserdem hat der kardiologische
Gutachter festgehalten, dass eine mögliche myokardiale Ischämie die Arbeitsfähigkeit
in einer optimal angepassten Tätigkeit nicht weiter einschränke. Zwar ist dem
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers dahingehend beizupflichten, dass sich der
kardiologische Gutachter nicht ausdrücklich mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Ärzte der Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals St. Gallen auseinandergesetzt hat.
Entscheidend ist jedoch, dass er darauf hingewiesen hat, dass die Befunde der
Spiroergometrie vom 24. September 2020 nur schwer mit der berichteten − und für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen entscheidenden −
Belastungsdyspnoe und der begleitenden Angina Pectoris-Symptomatik in Einklang zu
bringen seien. Bezüglich der während des Arbeitsversuchs im Jahr 2018 erreichten
Präsenz von lediglich 30 Prozent gilt, dass die im Rahmen eines Arbeitsversuchs
gezeigte Arbeitsleistung wesentlich durch subjektive Faktoren wie die von der
versicherten Person empfundenen Schmerzen, ihre Motivation und ihre Willenskraft
mitbestimmt wird. Aus diesem Grund kann nicht von der im Rahmen eines
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Arbeitsversuchs gezeigten Arbeitsleistung auf die medizinisch-theoretisch mögliche
und zumutbare Arbeitsleistung geschlossen werden. Schliesslich bleibt anzumerken,
dass sich der vom Rechtsvertreter geltend gemachte Schwächeanfall vom Oktober
2021 erst nach Verfügungserlass (7. September 2021) ereignet hat und somit für das
vorliegende Verfahren nicht relevant ist. Der Rechtsvertreter hat bezüglich dieses
Ereignisses denn auch keine neuen medizinischen Berichte mehr eingereicht.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
kardiologischen Gutachters insbesondere unter Berücksichtigung der im Rahmen der
Begutachtung erhobenen klinischen Befunde, der Angaben des Beschwerdeführers
gegenüber dem Gutachter und der medizinischen Vorakten überzeugt.
Demnach steht fest, dass der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Mitarbeiter in der Kunststofftechnik mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
voll arbeitsunfähig ist. In einer körperlich angepassten Tätigkeit besteht seit Mai 2017
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wieder eine volle Arbeitsfähigkeit.
2.5.
Somit bleibt noch der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkommensvergleich zu überprüfen. Die Beschwerdegegnerin hat das Validen- wie
auch das Invalideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen ermittelt. Der
Beschwerdeführer hat keinen Beruf erlernt, hat jedoch vielseitige praktische
Berufserfahrung in diversen Bereichen gesammelt. Sein Einkommen hat stark variiert.
Zeitweise ist der Beschwerdeführer selbständig erwerbend und zwischendurch auch
arbeitslos gewesen. Den höchsten Lohn hat er in den Jahren 2003 bis 2005 als
Angestellter bei G._ erzielt (2004: Fr. 85’855 Franken; siehe IK-Auszug, IV-act. 83).
An dieses Einkommen hat er in den folgenden Jahren jedoch nie mehr anknüpfen
können. Ab dem Jahr 2014 bis zur Aufnahme der letzten Tätigkeit bei der H._ AG hat
er eine Arbeitslosenentschädigung bezogen. Das bei der H._ AG erzielte
Erwerbseinkommen hat mit 61’100 (= 4’700 × 13) Franken unter dem
durchschnittlichen Lohn eines Hilfsarbeiters gelegen (2016: 66’803 Franken, 2017:
67’767 Franken; siehe Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2022). Die Bestimmung der Validenkarriere fällt aufgrund der unsteten
beruflichen Laufbahn des Beschwerdeführers nicht leicht. Hingegen hat die
Beschwerdegegnerin beim Invalideneinkommen zu Recht auf das durchschnittliche
Einkommen eines Hilfsarbeiters abgestellt. Die konkrete Validenkarriere respektive die
genaue Höhe des Valideneinkommens kann vorliegend ausnahmsweise offengelassen
werden: Auch wenn davon ausgegangen würde, dass die Validenkarriere der Tätigkeit
als Angestellter bei G._ entsprechen und dass es sich bei dieser Tätigkeit nicht um
eine optimal adaptierte Tätigkeit handeln würde, so würde kein rentenauslösender IV-
2.6.
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3.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1’000
Franken festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von 600 Franken
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss
von 600 Franken gedeckt. Der Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.