Decision ID: 66712277-c810-4108-9d92-56d2b60246a1
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962, war ab
1.
Januar 1991 als Zolldeklarant bei der
Y._
AG angestellt und damit bei der Suva gegen Unfälle versi
chert. Am 1
4.
Februar 1993 stürzte er bei einem
Motocrossrennen
und zog sich eine Hüftlu
xation
rechts
sowie eine Ruptur des
rechten
Kreuzbandes zu (Urk.
8/2,
Urk.
8/4 und
Urk.
8/7).
Die Suva trat auf den Schaden ein und gewährte die gesetzlichen Leistungen.
Nach mehrfachen Operationen
bestätigte
der behan
delnde
Dr.
med.
Z._
, Spezialarzt für Chirurgie FMH, am
3.
März 1995 (Urk.
8/28) den Behandlungsabschluss per 3
0.
Januar 1995 bei vollumfänglicher Wiederaufnahme der Arbeit.
1.2
Am 1
1.
Februar 2003 (
Urk.
16
) liess der Versicherte seine Gesellschaft
A._
GmbH ins Handelsregister eintragen und ist seither von dieser
angestellt
(
Urk.
8/74
/2
). Er besitzt sämtliche Stammanteile und amtet als Gesell
schafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift.
Am
7.
Oktober 2005 (
Urk.
8/30)
meldete
er
einen Rückfall
in Bezug auf die Knieproblematik (Bein). Es folg
ten weitere Operationen, zuletzt am 1
8.
Dezember 2006 eine Kniearthroskopie mit partieller Synovektomie
,
Notchplastik
und Osteosynthesematerialentfernung (
Urk.
8/58). Nachdem Kreisarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie FMH, am 2
4.
Mai 2007 (
Urk.
8/65) die Arbeitsfähigkeit samt Zumutbarkeitsprofil festgelegt hatte (50
%
in der aktuellen Tätigkeit als Geschäftsführer und Mitarbeiter in einer Badewannensanierungsfirma; 100
%
in einer wechselbelastenden, knieschonen
den Tätigkeit; S. 4 f.)
sprach die Suva dem Versicherten - basierend auf einem entsprechenden Vergleich vom
2.
September 2008 (
Urk.
8/98/2) - mit Verfügung vom
4.
Oktober 2008 (
Urk.
8/99) eine Invalidenrente basierend auf einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 26
%
sowie eine Entschädigung für eine Integri
täts
einbusse von 20
%
zu.
Am 2
8.
Juli 2011 (
Urk.
8/113) und 2
7.
August 2014 (
Urk.
8/121) bestätigte die Suva die unveränderte Weiterausrichtung der Rente.
1.3
Am 2
3.
Januar 2018 (Eingangsdatum,
Urk.
8/132) meldete der Versicherte bei der Suva wiederum Beschwerden im Knie und in der Hüfte. Neuerliche Abklärungen zeigten eine
schwere mediale Gonarthrose, ein
polylobuliertes
Ganglion wahr
scheinlich des medialen Meniskus, eine mediale Meniskusläsion mit Extrusion des mazerierten
Restmeniskuses
, einen Verdacht auf eine beginnende mediale Osteo
nekrose,
retropatelläre
Gonarthrose sowie
Reruptur
der Vorderen-Kreuzband-Plastik (
Urk.
8/134).
Nach Ablehnung eines Kniegelenksersatzes durch den Ver
sicherten (
Urk.
8/152/2 und
Urk.
8/157/2) und durchgeführter Physiotherapie erstellt
e
Kreisarzt med.
pract
.
C._
, Chirurgie FMH, nach stattgehabter Untersu
chung am 1
9.
Oktober 2018 (
Urk.
8/190) ein neues Zumutbarkeitsprofil (vollum
fängliche Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit; Hantieren mit geringeren Gewichten, S. 8 f.).
Nachdem die Suva am
8.
Januar 2019 (
Urk.
8/208) ergänzend geklagte Rücken
beschwerden als nicht unfallkausal qualifiziert hatte, sprach sie dem Versicherten m
it Verfügung vom
9.
Januar 2019 (
Urk.
8/213) mit Wirkung ab 1.
Dezember 2018 eine Invalidenrente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von neu 31
%
und eine ergänzende Entschädigung für eine
Integritätseinbusse
von 5
%
zu.
Die
dagegen
erhoben
e
Einsprache (
Urk.
8/218/1,
Urk.
8/224/1) wies sie mit Entscheid vom
2.
Juli 2019 (
Urk.
2) ab.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 3
1.
Juli 2019 (
Urk.
1) Beschwerde mit dem folgenden Rechtsbegehren:
1.
Der angefochtene Einsprache-Entscheid vom
2.
Juli 2019 sei aufzuheben und die Streitsache sei an die Vorinstanz zurück
zuweisen, damit sie nach neuen medizinischen und erwerbli
chen Abklärungen neu verfügt.
2.
Eventualiter sei der angefochtene Einsprache-Entscheid aufzu
heben und dem Versicherten sei eine halbe UVG-Rente zu gewähren.
3.
Ebenso sei dem Versicherten die IE für die Rückenleiden, weil unfallbedingt entstanden, zu gewähren.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
Dies Suva beantragte am
9.
September 2019 (
Urk.
7), der Einsprache-Entscheid vom
2.
Juli 2019 sei bezüglich des darin für die Rentenberechnung ermittelten
Valideneinkommens
2018 sowie des hievon ausgehend festgesetzten Renten
satzes in
reformatio
in peius zu ziehen und der Rentensatz auf 29
%
festzusetzen. Im Übrigen ersuchte sie um Abweisung der Beschwerde (S. 2).
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest (
Urk.
11 und
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [
UVG
] in der vorliegend anwendbaren, bis 3
1.
Dezember 2016 gewesenen Fassung
). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts,
ATSG). Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invaliden
einkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbe
zügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
In Abweichung von Art. 17 Abs. 1 ATSG kann die Rente der Unfallversicherung ab dem Monat, in dem die berechtigte Person eine Altersrente der AHV bezieht, spätestens jedoch ab Erreichen des Rentenalters nach Art. 21 AHVG nicht mehr revidiert werden (Art. 22 UVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung des angefochtenen
Einsprache
entscheids
aus
(
Urk.
2)
,
beim Beschwerdeführer sei zuletzt lediglich ein diskretes Schonhinken
festgestellt
worden. Es sei unwahrscheinlich, dass eine Kniearthrose durch Gangstörungen
Rückenschmerzen
auslösen könne, und solche lägen nach den letzten Untersuchungsergebnissen gar nicht vor. Die Rückenbeschwerden, welche nicht einmal radiologisch abgeklärt worden seien, seien folglich nicht unfallkausal (S. 6).
Den
Einkommensvergleich
tätigte die
Beschwerde
gegnerin
b
ei neu definierte
m,
näher bezeichnete
m
Anforderungs
profil
-
basierend auf dem den
letzten Verfügungen zugrunde liegende
n
, der Ein
kommens
entwicklung angepasste
n
Valideneinkommen
. Das Invalidenein
kommen berechnete sie basierend auf den Tabellenlöhnen des Bundesamtes für Statistik (LSE 2016), privater Sektor, Kompetenzniveau 3 bei gewährtem Abzug von 10
%
. Angesichts eines im
Jahr 2017 effektiv erzielten Einkommens von
Fr.
95'400.-- sei das errechnete Einkommen von
Fr.
81'602.85 ohne Weiteres realisierbar (S. 10 ff.).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
7) wies die Suva auf eine falsche Hochrechnung des
Valideneinkommens
hin (2004 bis 2018 s
t
att 2007 bis 2018, S. 9), errechnete ein solches von
Fr.
114'711.-- und ersuchte bei neuem Invalid
i
tätsgrad von 29
%
um Androhung einer
reformatio
in peius (S. 13).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dagegen
(
Urk.
1)
,
de
n
von der Beschwerdegegnerin genannte
n
Betrag von
Fr.
95'400.-- habe er nicht erwirtschaftet, darin seien Tag
gelder der Helsana in der Höhe
von
Fr.
41'151.75
en
thalten, so dass sich der Lohn auf
Fr.
54'248.25 belaufe
. Im Jahr 2019 habe er die ersten sechs Monate einen Lohn von
Fr.
25'535.75 erzielt. Ein Abstellen auf das Kompetenzniveau 3 für die Berechnung des Invalideneinkommens sei nicht statthaft, sei er doch ohne zusätzliche Ausbildung und Befähigung nicht in der Lage, einen Lohn im Bereich gegen
Fr.
100'000.-- zu erwirtschaften (S. 2 f.).
Wegen der Fehlbela
s
tung und des Hinkens habe er die Wirbelsäule seit Jahrzehnten übermässig beansprucht, wes
halb die Beinbeschwerden und deren Folgen den Rücken in Mitleidenschaft gezogen hätten. Die Beschwerdegegnerin hätte ein MRI erstellen lassen müssen (S. 4).
Replicando
bemängelte
der Beschwerdeführer
erneut das Invalideneinkommen von
Fr.
81'603.-- (
Urk.
12 S. 6).
3.
3.1
Die
Rentenzusprache
basierte auf dem Bericht von Kreisarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie FMH, vom 2
4.
Mai 2007 (
Urk.
8/65), welcher
auf eine bild
gebend und arthroskopisch nachgewiesene medial betonte Gonarthrose, ein fehlendes vorderes Kreuzband sowie eine korrigierte Beinachse nach konso
li
dierter
Valgisationsosteotomie
verwies und eine erhebliche Belas
t
ungs
intoleranz, eine leichte Bewegungseinsch
r
änkung, bewegungs- und belastungs
abhängige Schmerzen medial betont sowie eine Muskelatrophie schilderte. Als Zumut
bar
keitsprofil nannte er wechselbelastende Tätigkeiten mit Zusatz
belastungen statisch vereinzelt 15-25 kg, kurzstreckig gehend 10-15 kg, Stehen ohne aus
schliessliche Belastung des rechten Beines, Gehen
mehrere
Male pro Arbeits
zeit 300-500 m. (S. 4 f.).
3.2
Im
Bericht
vom 1
9.
Oktober 2018 (
Urk.
8/190) verwies
Kreisarzt med.
pract
.
C._
, Facharzt für Chirurgie FMH, auf eine radiologisch erkennbare signifikante Zunahme der medial destruierenden
Gonarthrose
gegenüber der Vor
unter
suchung aus dem
Jahre 200
6.
Daneben bestehe auch ei
n
e
Femoropatellararthrose
. Die Arthrose im lateralen Gelenkspalt sei ebenfalls fortgeschritten (S. 7).
Der Kreisarzt f
ührte aus, eine Implantation ei
n
e
r
Knieendoprothese
sei eigentlich die Therapie der Wahl, dafür sei der Beschwerdeführer aber noch etwas zu jung
. Da keine Prothese implantiert werde, könne von weiteren ärztlichen Behand
lungen keine Verbesserung erwartet werden.
Als neues Zumutbarkeits
profil nannte er wechselbelastende Tätigkeiten mit Zusatzbelastungen statisch nur noch ca. 10 kg, kurzstreckig bei gehenden Belastungen nurmehr 5-10 kg, ohne einbei
nige Belastungen rechts. Das Sitzen müsse die Möglichkeit beinhalten, aufzu
stehen und herumzugehen. Zwangshaltungen für das rechte Bein müssten ver
mieden werden
. Nicht zumutbar seien das
repetitive
Treppensteigen, Gerüstarbeit,
Leiternarbeit
, bodennahe kniende und kauernde Arbeiten, das Gehen dürfe auf unebenem Grunde nur manchmal erfolgen, schwere Arbeiten wie Pickeln, Schaufeln, Bohren, Vibrationen und/oder Schläge dürften nicht durchgeführt werden, Zwangshaltungen im rechten Knie seien nicht statthaft, ebenfalls dürften dort keine Vibrationen und Schläge einwirken
(S. 8).
3.3
Bei dieser Aktenlage ist erstellt und zwischen den Parteien auch nicht umstritten, dass ein Revisionsgrund vorliegt.
4.
4.1
Uneinig sind sich die Parteien vorweg
betreffend
die Relevanz der vom Beschwer
deführer neu geklagten Rückenbeschwerden.
Dies hauptsächlich in Bezug auf die Integritätsschädigung. Soweit Rentenleistungen in Frage stehen, kritisierte der Beschwerdeführer das vom Kreisarzt festgelegte Zumutbarkeits
profil
nicht konkret, sondern liess es beim Vorbringen bewenden, die Beurteilung des Kreis
arztes falle ins Wasser, weil er die Rückenbeschwerden als unfallfremd beurteilt habe (
Urk.
11 S. 7).
4.2
In der Schadenmeldung vom Januar 2018 (
Urk.
8/132) gab der Beschwerdeführer als betroffene Körperteile Knie/Hüfte an.
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin FMH verwies
in seinem Bericht vom 3
0.
Januar 2018 (
Urk.
8/134)
einzig auf die Ergebnisse der radiologischen Untersuchungen (hauptsäch
lich: schwere mediale Gonarthrose)
. Die Ärzte des Spitals
E._
diagnostizierten in ihrem Sprechstundenbericht Orthopädie vom
6.
Februar 2018 (
Urk.
8/140/2-3) nebst der bekannten Kniepathologie einzig eine
Coxarthrose
beidseits. Auch anlässlich der Untersuchung beim Kreisarzt vom 1
8.
Oktober 2018 (
Urk.
8/190) beklagte er keine Rückenschmerzen.
Solche schilderte der Beschwerdeführer erstmals telefonisch gegenüber der Beschwerdegegnerin am 2
0.
November 2018 (
Urk.
8/197).
Dr.
D._
bestätigte mit Bericht vom 1
7.
Dezember 2018 (
Urk.
8/203) das Klagen von starken rechts
seitigen Rückenschmerzen anlässlich der Untersuchung vom 2
1.
November 2018, welche wahrscheinlich als Folge des Hinkens/Fehlbelastung bei posttraumatischer Gonarthrose rechts zu werten seien.
Suva-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt Physikalische Medizin und Reha
bilitation, führte in seinem Aktenbericht vom
7.
Januar 2019 (
Urk.
8/205) hierzu aus, Dr.
C._
habe bei seiner Untersuchung vom 1
9.
Oktober 2018 beim Gehen vom Empfang bis zum Untersuchungszimmer kein Schonhinken beschrieben, ebenfalls nicht beim Treppengang und auch nicht beim Gang vor dem Unter
suchungs
zimmer. Der Beschwerdeführer gehe gut, das Gehen werde in tief ausge
schnitte
nen Turnschuhen durchgeführt.
Der Barfussgang zeige allenfalls ein diskretes Schonhinken auf der rechten Seite, der Zehenstand gehe ordentlich, der Zehen
spitzengang könne ebenfalls durchgeführt werden, der Beschwerdeführer habe aber dann Schmerzen im rechten Knie, es ziehe vorne. Der Fersengang sei
etwas tapsig, aber ebenfalls möglich. Unabhängig, dass es eher unwahrscheinli
c
h sei, dass eine Kniearthrose durch Gangstörungen Rückenschmerzen auslöse, läge
n
solche gar nicht vor. Die Rückenbeschwerden, welche nicht einmal radiologisch abg
e
klärt worden seien, seien nicht unfallkausal.
4.3
Fest steht, dass der Beschwerdeführer erstmals am 2
0.
November 2
018 Rücken
schmerzen erwähnt und diese tags darauf von seinem Hausarzt hat bestätigen lassen. Diese Schilderungen sind indes derart unspezifisch, dass die Beschwerde
gegnerin zu keinen weiteren Abklärungen verpflichtet war. Es ist Sache der
ver
sicherten
Person, einen Gesundheitsschaden geltend zu machen und diesen zu substantiieren. Der blosse Verweis auf Schmerzen verpflichtet die Sozialversiche
rungen jedenfalls nicht, umfassende Abklärungen in die Wege zu leiten. Dies jedenfalls so lange, als sich der Versicherte selber gar nicht in entsprechende Behandlung begibt.
Dr.
D._
leitete offenbar keine Therapie ein und liess die Rückenschmerzen auch nicht radiologisch abklären. Jedenfalls finden sich hierzu keine Hinweise in den Akten. Auch stell
t
e er keine Diagnose, sondern liess es bei der unspezifischen Befundschilderung bewenden.
Damit ist keine den Rücken betreffende Diagnose erkennba
r, weshalb für die Zusprache einer Integritätsentschädigung von vornherein keine Grundlage besteht. Wenn sich eine solche jemals ergeben sollte, wird die Frage der Integritäts
schädigung und namentlich de
r
Kausalität neu aufzurollen sein. Dass eine allfällige Rückenpathologie «wahrscheinlich» als Folge des Hin
kens/Fehl
belastung bei
posttraumatischer Gonarthrose rechts zu werten sei, genügt für eine Leistun
g
spflicht der Beschwerdegegnerin nicht, notwendig ist der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit.
Eine
(weitere)
Integritätsentschädigung ist bei dieser Ausgangslage (zum Zeitpunkt des Er
lasses des angefochtenen
Ein
spracheentscheids
) jedenfalls nicht geschuldet.
4.4
Bei dieser Ausgangslage ist nicht erkennbar und es wurde auch nicht vorgebracht, inwiefern das bereits mannigfaltig eingeschränkte Leistungsprofil anzupassen wäre.
5.
5.1
Im Hauptpunkt dreht sich der Streit um die Vergleichseinkommen, namentlich das Invalideneinkommen.
Die Beschwerdegegnerin bemass dieses
(
Urk.
8/211)
ausgehend von der LSE 2016,
Total Männer, Kompetenzniveau 3 (k
omplexe prak
tische Tätigkeiten
,
welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraus
setzen
).
Der Beschwerdeführer bestritt die
Erzielbarkeit
eines solchen Ein
kommens ohne zusätzliche Ausbildung (E. 2.2).
5.2
Vorwegzuschicken ist, dass die vom Beschwerdeführer ausgeübte Tätigkeit mit massge
b
lichen Anteilen kniender Arbeiten einher
geht, welche ihm grundsä
t
zlich nicht mehr zumutbar sind.
Inhalt seiner Arbeit sind etwa Fugenarbeiten (teilweise stehend, teilweise kniend), Reparaturarbeiten an Badewannen (kniend), und Ver
siegelungsarbeiten (Vorbereitung: reinigen, spachteln, abdecken, schleifen, polieren alles kniend; Kunstharz auftragen: ca. 5 min. stehend;
kniende
Ver
siegelungsarbeiten mit erneut schleifen, polieren, Silikonfugen anbringen, zwischendurch Aufstehen, um Werkzeuge zu holen). Der Anteil an administrati
ven Arbeiten beträgt eine halbe bis eine Stunde pro Tag. Mitarbeiter beschäftigt er keine (
Urk.
8/152).
Bei dieser Ausgangslage ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegne
rin keinen erwerblich gewichteten Betätigungsvergleich vornahm. Der Anteil an ungeeigneten Tätigkeiten im Betrieb ist derart hoch, dass der Beschwerdeführer praktisch für die ganze verrechenbare Arbeitsleistung der Dritthilfe bedürfte
. Bei Fehlen von Angestellten und massgeblichen Investitionen (Anlagevermögen von gut
Fr.
4'000.-- sowie Warenvorräte von
Fr.
5'000.--, Urk.
8/194/4) wäre von ihm - trotz fortgeschrittenen Alters - die Aufgabe der (faktisch) selbständigen Erwerbs
tätigkeit zu verlangen und ist deshalb die Bemessungsmethode des Ein
kommensvergleichs nicht zu beanstanden.
5.3
5.3.1
Der Beschwerdeführer
war während
über 1
0 Jahre als
Spediteur
beschäftig
t
(
Urk.
8/102/1 und
Urk.
8/2), bevor er sich im Bereich Bade
wannensanierung selbständig machte. Die Fachkenntnisse, die er erworben hat, erschöpfen sich - neben den handwerklichen Fertigkeiten samt Material
kenntnis
in der Führung eines kleinen Unternehmens, welches vor längerer Zeit auch einen Mitarbeiter beschäftigt hatte (
Urk.
8/152/2
).
V
on einer ausgeprägten Führungserfahrung
kann demnach nicht
ausgegangen werden. Die Buchhaltung gab der Beschwerdeführer extern (
Urk.
8/152/1
) und verwendete lediglich eine halbe bis eine Stunde pro Tag für administrative Tätigkeiten. Dass er besondere Fähigkeiten etwa im Verkauf oder der Akquisition
hätte, ist nicht erstellt und die deklarierten Einkommen lassen nicht auf solches schliessen (
Urk.
8/192/9,
Urk.
8/192/13-14).
5.3.2
Die Rechtsprechung lässt in solchen Konstellationen ein Abstellen auf das Kompetenzniveau 3 nicht zu. Das von der Beschwerdegegnerin erwähnte Bun
desgerichtsurteil
9C_413/2017 vom 1
9.
September 2017 E. 4.3.2 (
Urk.
14 S.
2) bezieht sich in diesem Punkt auf die Festlegung des Validen- und nicht des Invalideneinkommens
, weshalb es grundsätzlich nicht einschlägig ist. In jenem Urteil war sodann lediglich zu prüfen, ob nicht ein noch höheres Kompetenzni
veau
angezeigt
wäre. Der Ver
s
icherte hatte
langjährige Erfahrung als
Unterlags
bodenleger
sowie
Geschick, Verhandlungen zu führen und Aufträge zu akqui
rieren
. Dabei
wurden die Löhne im
Baugewerbe
beigezogen
, in welchem der Ver
sicherte tätig gewesen war. Ein Abstellen auf anspruchsvolle Tätigkeiten des Kompetenzniveaus 3 über alle Berufssparten entbehrt dabei einer nachvoll
ziehbaren Logik, denn der Beschwerdeführer
kann
klare
r
weise
nicht in allen Bereichen k
omplexe praktische Tätigkeiten
ausführen,
welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen
.
Er ist - bei fehlendem Lehrabschluss (
Urk.
8/190/5) - auf sein bearbeitetes Fachgebiet der Badewannensanierung beschränkt. Dieser
wie auch der gesamte
Baubereich ist aber nicht mehr geeignet.
Die Rechtsprechung stellt diesbezüglich konkret auf die Fähigkeiten der Versi
cherten ab.
So stellte das Bundesgericht im Urteil
9C_780/2016 vom 3.
Oktober 2017 E. 4.3
auf das unterste Leistungsniveau ab, weil es sich beim Versicherten um einen «
klassischen Handwerker
» handelte,
der als Kleinunternehmer immer wieder schwere körperliche Arbeiten verrichten m
usste
.
Schulische Ausbildungen waren aufgrund der intellektuellen Fähigkeiten nicht angezeigt. Im Urteil
8C_829/2019 vom
6.
März 2020 E. 4.2
brachte das Bundesgericht das Kompe
tenzniveau 2 über alle Wirtschaftszweige zur Anwendung unter Hinweis, dass dieses
eine Vielzahl von praktischen Tätigkeiten (wie Ver
kauf/Pflege/Daten
v
erarbeitung und Administration/
Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten/Sicherheitsdienst/Fahrdienst)
umfasst
, die anspruchsvoller sind als die in
Kompetenzniveau 1 erfassten einfachen Tätig
keiten körperlicher od
er hand
werklicher
Art.
Hier wie dort legt jedenfalls
die nach Eintreten des Gesu
ndheits
schadens aufgenommene Berufstätigkeit
als selbstän
diger Fachmann im Bereich B
a
dewannensanierung
nicht
den Schluss nahe, dass er bloss noch Hilfsarbeiten gemäss K
ompetenzniveau 1 ausüben könnte.
5.3.3
Im Lichte der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung
drängt sich vorliegend ein Abstellen auf die Tabellenlöhne im Kompetenzniveau 2 auf.
Angesichts der jahrelangen erfolgreichen Tätigkeit als Selbständigerwerbender mit zeitweise einem Angestellten und seiner gewandten Art (
Urk.
8/65/3) ist er trotz seines fort
geschrittenen Alters breiter einsetzbar als für ei
nfache Tätigkeiten körper
licher oder handwerklicher Art
, was er denn auch
gar
nicht geltend machte.
Gemäss
der Tabelle
T1_tirage_skill_level
der LSE 2016 (korrigierte Tabelle vom
8.
November 2018)
beträgt der monatliche Durchschnittslohn (Zeile TOTAL) im Kompetenzniveau 2 für Männer
Fr.
5
’730.-
-. Aufgerechnet auf ein Jahr, angepasst an die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden
(Betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen, Bundesamt für
Statistik
, Tabelle T03.02.03.01.04.01)
und an die durchschnittliche Nominallohnent
wicklung bei Männern (
Index 2016: 104.1, Index 2018: 105.1; Nominallohnindex Männer, 2011-2018, Bundesamt für Statistik, Tabelle T 1.1.10)
ergibt dies ein
Einkommen von
Fr.
72'371.--.
5.3.4
Ein Abzug vom Tabellenlohn ist bei diesem Wert nicht angezeigt. Denn der Beschwerdeführer ist auf eine wechselbelastende, knieschonende Tätig
keit ohne hantieren mit schwere
n Gewichten angewiesen. Das Kompetenzniveau 2 bein
hal
tet - im Gegensatz zum Kompetenzniveau 1 - eine Vielzahl genau solcher Tätig
keiten, weshalb der Beschwerdeführer mit einem ungekürzten Lohn rechnen kann.
5.3.5
Die
Beschwerdegegnerin
machte bereits im
Einspracheentscheid
wie auch im
vor
liegenden
Prozess geltend, dass
der Beschwerdeführer ein massiv höh
eres Ein
kommen erzielen könnte, habe er doch im Jahr 2017 ein Lohneinkommen von
Fr.
95'400.-- (
Urk.
2 S. 12) respektive 2016 ein solches von
Fr.
99'108.89 und 2017 von
Fr.
70'440.34 (
Urk.
7 S. 12) erzielt.
Der Beschwerdeführer hielt dagegen, im genannten Betrag von
Fr.
95'400.-- seien
Fr.
41'151.75 eingerechnet, die die Helsana als Taggelder entrichtet habe. In Tat und Wahrheit erhalte er einen Lohn von
Fr.
54'248.2
5.
Im Jahr 2019 habe er für die ersten sechs Monat
e
Fr.
25'535.75 als Lohn effektiv verdient (
Urk.
1 S. 2).
Bei diesem Disput
handelt es sich offen
sichtlich um ein Missverständnis. Die Beschwerdegegnerin verwies auf den Wert von
Fr.
95'400.-- lediglich in Bezug auf das Jahr 2017, in welchem keine Tag
gelder ausgerichtet wurden, jedenfalls behauptete der Beschwerdeführer dies nicht
substantiiert.
Daraus schloss sie, dass dem Beschwerdeführer auch im Jahr 2018 ein ähnliches Einkommen zumutbar sei.
Der Beschwerdeführer nimmt indes Bezug auf den Verdienst im Jahre 2018, welchen er
ebenfalls
mit
Fr.
95'400.-- bezifferte (
Urk.
8/236/16)
. Hier sind Taggeldzahlungen der Krankentaggeld
ver
sicherung ausgewiesen (
Urk.
8/236/19)
Da der Beschwerdeführer die
neuerliche Schaden
meldung am 2
3.
Januar 2018 (
Urk.
8/132) einreichte, sind die Verhältnisse der Vorjahre nur bedingt von Rele
va
nz, ist er ja nunmehr stärker beeinträchtigt.
Gegenüber der AHV rechnete er für das Jahr 2016
Fr.
70'400.-- und für das Jahr 2017
Fr.
95'400.-- ab. Zuvor erzielte er Einkommen zwischen
Fr.
54'000.-- und
Fr.
70'400.-- (2009-2015
, Urk.
8/192/13-14
).
Diese Zahlen sind nicht schlüssig, rechnete er doch das hohe Einkommen von
Fr.
95'400.-- mit der AHV im Jahr 2017 ab, will es aber - gemäss Jahresrechnung - im Jahr 2016 erzielt haben (
Urk.
8/194/6). Im Jahr 2016 wurde mit
Fr.
233'027.25 auch ein massiv höherer Betriebsertrag als in den Vorjahren und im folgenden Jahr verbucht (
Urk.
8/194/5,
Urk.
8/195/5).
Wie es sich damit genau verhält,
kann indes offen bleiben. Relevant sind die Verhältnisse ab dem Jahr 201
8.
Hier wies der Beschwerdeführer in der provisori
schen Erfolgsrechnung 2018/2019 Löhne von
Fr.
95'400.-- für das Jahr 2018 und
Fr.
47'700.-- für das erste Halbjahr 2019 aus (
Urk.
8/231/2). Davon entfielen indes
Fr.
41'151.75 (2018) respektive
Fr.
22'164.25 (
erstes Halbjahr
2019) auf Taggelder.
Faktisch resultierten damit Löhne von
Fr.
54'248.25 (Urk.
2018) und
Fr.
25'535.75 (erstes Halbjahr 2019).
Dass der Beschwerdeführer in den Jahren zuvor teils massiv mehr verdienen konnte, führt nicht zur Annahme eines hohen Invaliden
einkommens.
Denn eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes ist ausge
wiesen und damit eine Verminderung der Leistungsfähigkeit, weshalb ein Rückgang des noch erzielbaren Einkommens auf der Hand liegt. Dies zeigt sich schon dadurch, dass dem Beschwerdeführer Taggelder der Krankentag
geld
versicherung ausgerichtet wurden für ein
e
Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Dies führt bei seiner Firmenstruktur - faktischer Einmannbetrieb - selbstredend zu einer Einkommenseinbusse.
Dass die subjektiv geklagten Rückenbeschwerden, welche zu Taggeldleistungen führten, einstweilen nicht als unfallkausal zu fassen sind, ändert hieran nichts. Denn aus welchen Gründen es dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich ist, ein hohes Einkommen zu erzielen, spielt keine Rolle
.
Damit bleibt es beim Invalideneinkommen von
Fr.
72'371.--.
5.4
Die (korrigierte) Berechnung des
Valideneinkommens
durch die Beschwerde
gegnerin ist nicht zu beanstanden, namentlich die Aufrechnung des der ursprüng
lichen
Rentenzusprache
zugrunde gelegten
Valideneinkommens
, welches auf dem
bisherigen Verdienst von
Fr.
140'000.
-- in den Jahren 2005 bis 2007
basierte (
Urk.
7 S. 9
,
Urk.
8/75
und
Urk.
8/86/4). Die Lohnentwicklung hat selbstredend vom Jahr 2007 (und nicht wie im
Einspracheentscheid
irrtümlicherweise erfolgt 2004) bis ins Jahr 2018 berücksichtigt zu werden. Es
ergibt sich
ein
Validenein
kommen
von
Fr.
114'711.--.
5.5
Beim Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
114'711.-- mit dem Invaliden
einkommen von
Fr.
72'371.-- resultiert eine Einkommenseinbusse von
Fr.
42'340.-- und ein Invaliditätsgrad von 37
%
.
Dem Beschwerdeführer steht eine Invalidenrente in diesem Umfang zu.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde
.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
- teilweises Obsiegen -
steht dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine
gekürzte
Prozessentschädigung zu.
Die
Entschädigung
wird
vom Gericht nach Ermessen und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Baraus
lagen festgesetzt (§ 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
). Entsprechend ist ihm eine
gekürzte
Prozessentschädigung von Fr.
1
’
1
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszu
richten.