Decision ID: 5738c4be-db74-4fb1-b115-f32f2709d5ac
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf (Deutschland) führt gegen 28 Personen
– darunter B., C., D., E., F. und G. – ein Strafverfahren wegen Verdachts der
Marktmanipulation. In diesem Zusammenhang gelangten die deutschen
Behörden mit Rechtshilfeersuchen vom 15. April 2014 an das Bundesamt für
Justiz (nachfolgend „BJ“) und erbaten u.a. um Edition von Unterlagen der
Kontobeziehung der A. AG bei der Bank H. (act. 16.1).
B. Das BJ übertrug den Vollzug des Rechtshilfeersuchens an die Bundes-
anwaltschaft (nachfolgend „BA“), welche mit Eintretensverfügung vom
11. Juli 2014 auf das Rechtshilfeersuchen eintrat und gleichen Tages die
Edition der beantragten Bankunterlagen anordnete (act. 16.2 und 16.3).
C. Mit Schlussverfügung vom 17. Juli 2015 ordnete die BA die Herausgabe der
Unterlagen in Bezug auf die Kontobeziehung Nr. 1 bei der Bank H., lautend
auf die A. AG, an die ersuchende Behörde an (act. 16.4).
D. Dagegen lässt die A. AG am 24. August 2015 Beschwerde bei der
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts einreichen mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, eventualiter sei die
Angelegenheit an die BA zur neuerlichen Entscheidung zurückzuweisen,
subeventualiter seien nur die mit dem Rechtshilfeersuchen im
Zusammenhang stehenden Transaktionen an die rechtshilfeersuchende
Behörde zu übermitteln, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten
der Beschwerdegegnerin (act. 1).
E. Das BJ am 1. Oktober 2015 und die BA am 9. Oktober 2015 beantragen die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde (act. 9 und 11).
F. Die Beschwerdeführerin hielt in der Replik vom 23. Oktober 2015 an ihren
Anträgen fest (act. 13). Diese Replik wurde den Verfahrensbeteiligten zur
Kenntnis gebracht (act. 14).
- 3 -
G. Am 2. Februar 2016 forderte die Beschwerdekammer die BA zur Einreichung
der Akten auf. Die BA übermittelte die Akten mit Schreiben vom 4. Feb-
ruar 2016; welches Schreiben der Beschwerdeführerin am 8. Februar 2016
zur Kenntnis gebracht wurde (act. 15-17).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen Deutschland und der Schweiz sind in erster
Linie das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen
vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1), dem beide Staaten beigetreten sind,
der zwischen ihnen abgeschlossene Zusatzvertrag vom 13. November 1969
(ZV-D/EUeR; SR 0.351.913.61), sowie die Bestimmungen der Art. 48 ff. des
Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkom-
mens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungs-
übereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19-62)
massgebend.
Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen weder ausdrücklich noch
stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landesrecht geringere
Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (sog. Günstigkeitsprinzip;
BGE 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 135 IV 212 E. 2.3;
DANGUBIC/KESHELAVA, Basler Kommentar, Internationales Strafrecht, Basel
2015, Art. 12 IRSG N 1), ist das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über
internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die
dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351.11)
anwendbar (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 136 IV 82 E. 3.1; 130 II 337 E. 1).
Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212
E. 2.3; 123 II 595 E. 7c).
1.2 Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten
sind darüber hinaus die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfah-
rensgesetz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 37 Abs. 2 lit. a i.V.m.
Art. 39 Abs. 2 lit. b des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die
- 4 -
Organisation der Strafbehörden des Bundes [Strafbehördenorganisations-
gesetz, StBOG; SR 173.71]; BGE 139 II 404 E. 6/8.2; Urteil des
Bundesgerichts 1C_763/2013 vom 27. September 2013, E. 2.2).
1.3 Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts entscheidet über
Beschwerden in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten (Art. 37 Abs. 2
lit. a, StBOG; SR 173.71 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 des Organisationsreglements
vom 31. August 2010 für das Bundesstrafgericht [Organisationsreglement
BStGer, BStGerOR; SR 173.713.161]). In den Anwendungsbereich des
Rechtshilfegesetzes fallen – soweit andere Gesetze oder internationale
Vereinbarungen nichts anderes bestimmen – alle Verfahren der zwischen-
staatlichen Zusammenarbeit in Strafsachen (Art. 1 Abs. 1 IRSG).
1.4 Gestützt auf das IRSG ergangene erstinstanzliche Verfügungen der
kantonalen Behörden oder der Bundesbehörden unterliegen unmittelbar der