Decision ID: 852caedf-e806-4099-b4f1-863f7d0e0d68
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 21. August 2001 erstmals wegen psychischer Probleme
zum Bezug von IV-Leistungen an und ersuchte um medizinische Massnahmen und evtl.
Berufsberatung (IV-act. 1). Mit Verfügung vom 18. Dezember 2001 sprach die IV-Stelle
St. Gallen ihr vom 1. September 2001 bis zum 30. August 2003 eine ambulante
Psychotherapie zu (IV-act. 8). Aufgrund zunehmender Verhaltensauffälligkeiten sowie
fremd- und autoaggressiver Handlungen war die Versicherte am 15. November 2001 in
die Psychiatrische Klinik B._ eingewiesen und am 28. November 2001 zur stationären
Behandlung in das Zentrum C._ überwiesen worden (IV-act. 11). Diese Behandlung
wurde per 21. Februar 2002 abgebrochen (IV-act. 17). Nachdem die Versicherte trotz
Abmahnung Termine beim Berufsberater nicht wahrnahm, wurde ihr Gesuch um
berufliche Massnahmen abgewiesen (Verfügung vom 13. Juni 2002, IV-act. 27).
A.b Am 31. Januar 2003 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an und ersuchte um berufliche Massnahmen (IV-act. 28 und 30). Das
Gesuch um berufliche Massnahmen wurde mit Verfügung vom 13. August 2003
aufgrund des gesundheitlichen Zustandes der Versicherten abgewiesen (IV-act. 51). Mit
Verfügung vom 5. Februar 2004 stellte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 100 %
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fest und sprach der Versicherten ab 1. April 2002 eine ganze ausserordentliche
Invalidenrente zu (IV-act. 59 und 57).
A.c Am 17. August 2008 stellte die Versicherte wiederum ein Gesuch um berufliche
Massnahmen (IV-act. 79). Der behandelnde Psychiater Dr. med. D._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Verlaufsbericht vom 8. Oktober
2008 eine Borderline Persönlichkeitsstörung (IV-act. 83). In der Stellungnahme des
RAD ging Dr. E._, u.a. Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, von einer
emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (F 60.30) aus und
konkludierte auf eine Eingliederungsfähigkeit beginnend mit einer Arbeitsfähigkeit von
50% in einem geschützten Rahmen (IV-act. 84). Nachdem die begonnene
Berufsberatung wegen fehlender Energien der Versicherten im Mai 2009 gestoppt
werden musste (vgl. IV-act. 90), teilte die IV-Stelle der Versicherten mit Schreiben vom
27. Mai 2009 mit, dass berufliche Massnahmen zurzeit nicht möglich seien und die
Berufsberatung deshalb abgeschlossen werde (IV-act. 92). Ab 1. Mai 2010 arbeitete die
Versicherte mit einem 50% Pensum im Fotostudio F._ des G._ (IV-act. 109 und
112-1 f.).
A.d Am 15. Dezember 2010 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV an (IV-act.
99) und stellte wiederum einen Antrag auf berufliche Massnahmen (IV-act. 100). Zuvor
hatte die IV-Stelle am 10. November 2010 ein Revisionsverfahren eingeleitet, indem sie
der Versicherten einen Fragebogen für die Revision der Invalidenrente zugestellt hatte
(IV-act. 103 und 105). Im Arztbericht vom 1. Februar 2011 attestierte ihr Dr. D._ ab 1.
Mai 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 50% aufgrund einer emotional instabilen
Persönlichkeitsstörung (F60.30), wobei künftig mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit
zu rechnen sei (IV-act. 111). Dr. E._ ging in der RAD Stellungnahme vom 17. Februar
2011 für die ins Auge gefasste adaptierte Tätigkeit im Fotobereich von einer
Arbeitsfähigkeit von 60% aus, wobei eine entsprechende Ausbildung zunächst im
geschützten Rahmen erfolgen solle (IV-act. 113). Mit Mitteilung vom 28. Februar 2011
gewährte die IV-Stelle der Versicherten Berufsberatung sowie eine Abklärung der
beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten (IV-act. 115). In der Folge wurde vom 1. Mai
2011 bis zum 31. Juli 2011 eine berufliche Abklärung im G._ durchgeführt (vgl. IV-
act. 121). Gemäss dem „Schlussbericht Abklärung“ beständen gute Chancen auf einen
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erfolgreichen Abschluss der Ausbildung zur Fotofachfrau mit eidgenössischem
Fähigkeitszeugnis (EFZ) (IV-act. 123-1/4).
A.e Mit Mitteilung vom 5. August 2011 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für die
erstmalige berufliche Ausbildung zur Fotofachfrau mit EFZ (IV-act. 131). Zudem sprach
die IV-Stelle der Versicherten vom 2. August 2011 bis zum 31. Juli 2014 ein Taggeld zu
(IV-act. 132, 140, 147 und 152). Aufgrund dieses Taggeldanspruches wurde die
Invalidenrente mit Verfügung per 31. Juli 2011 aufgehoben (IV-act. 127). Anschliessend
absolvierte die Versicherte vom 1. August 2011 bis zum 31. Juli 2014 erfolgreich eine
Lehre zur Fotofachfrau EFZ im G._ (IV-act. 155-1 und 156-2). Im „Schlussbericht
Ausbildung“ vom Juli 2014 wurde die mögliche Präsenzfähigkeit der Versicherten mit
50-60% angegeben, wobei ein durchschnittlicher Leistungsgrad von 80-100% bei
Routinearbeiten sowie von 80% bei anspruchsvollen, komplexen Arbeiten bestehe (IV-
act. 155-6).
A.f Mit Mitteilung vom 12. September 2014 erteilte die IV-Stelle der Versicherten
Kostengutsprache für die Mehrkosten der Verlängerung der beruflichen Ausbildung
(Praktikum bei der H._ GmbH) vom 1. September 2014 bis zum 28. Februar 2015 (IV-
act. 164). Auf entsprechende Nachfrage teilte die Arbeitgeberin mit, dass die
Leistungen der Versicherten bei weitem nicht den Anforderungen des Betriebes
entsprechen würden und ein Lohn daher nicht denkbar sei (IV-act. 176). Im
Verlaufsbericht vom 25. Januar 2015 attestierte Dr. D._ der Versicherten eine
Arbeitsfähigkeit von 50%. Der psychische Zustand der Versicherten habe sich seit
Beginn der Behandlung im Jahr 2005 stark verbessert. Es sei eine 50% Berentung ins
Auge zu fassen (IV-act. 181-2 ff.). Dr. E._ ging in der RAD Stellungnahme vom 4.
März 2015 von einer Arbeitsfähigkeit von 50% bei voller Leistung aus (IV-act. 186).
A.g Mit Vorbescheid vom 7. April 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten basierend
auf einem Invaliditätsgrad von 50% die Ausrichtung einer halben Rente ab 1. März
2015 in Aussicht. Nach Abschluss der erstmaligen beruflichen Ausbildung könne von
einer 50% Arbeitsfähigkeit bei voller Leistung ausgegangen werden. Bei der
Bemessung des Valideneinkommens sei auf die Lohnempfehlung des Verbandes für
Fotohandel Schweiz VFS, Landregion, abgestellt worden (IV-act. 202). Gegen diesen
Vorbescheid erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer,
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mit Schreiben vom 5. Mai 2015 Einwand und beantragte die Zusprechung einer
Dreiviertelsrente ab dem 1. März 2015. Die Versicherte sei – wie bereits in der
Verfügung vom 5. Februar 2004 – weiterhin als Frühinvalide zu qualifizieren und das
Valideneinkommen daher in Anwendung von Art. 26 Abs. 1 IVV zu ermitteln (IV-act.
205). Mit Verfügung vom 30. Juli 2015 wurde der Versicherten basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 50% eine halbe Rente zugesprochen. Zum Einwand hielt die IV-
Stelle fest, dass die Versicherte nicht mehr als frühinvalide Person zu qualifizieren sei,
da sie in der Lage gewesen sei, das EFZ zu erlangen (IV-act. 211).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführerin),
vertreten durch Rechtsanwalt Dieter Studer, am 8. September 2015 Beschwerde mit
dem Antrag, die Verfügung vom 30. Juli 2015 sei aufzuheben und ihr sei eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zudem
stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Zur Begründung führte die
Beschwerdeführerin an, dass das Valideneinkommen aufgrund der ausgewiesenen
Frühinvalidität gemäss Art. 26 Abs.1 IVV und des IV-Rundschreibens Nr. 329
festzusetzen sei und Fr. 82‘500.-- betrage. Hieran ändere auch die Ausbildung in einer
durch die IV finanzierten Institution im geschützten Rahmen nichts. Das anschliessende
Praktikum auf dem ersten Arbeitsmarkt in Winterthur habe gezeigt, dass mit dieser
Ausbildung nicht zureichende berufliche Kenntnisse im Sinne von Art. 26 IVV erworben
worden seien. Im Übrigen sei das Valideneinkommen selbst bei Nichtanwendbarkeit
von Art. 26 Abs. 1 IVV zu tief angesetzt worden, da mangels Ausübung einer konkreten
Tätigkeit vor der Rentenzusprache auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für
Sozialversicherungen abzustellen sei. Hiernach betrage das Jahreseinkommen für
Frauen auf der niedrigsten Anforderungsstufe (Skill Level 1) Fr. 51‘441.12 pro Jahr,
womit bei einem Invalideneinkommen von Fr. 19‘800.-- ein Invaliditätsgrad von 61%
und damit ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente resultiere (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 21. Oktober 2015 beantragte die IV-Stelle (nach-
olgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Bei Erlangung eines EFZ
könne sehr wohl von zureichenden beruflichen Kenntnissen und einer vollständigen
beruflichen Ausbildung ausgegangen werden. Folglich sei Art. 26 Abs. 1 IVV vorliegend
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nicht anwendbar, denn die Beschwerdeführerin habe die Ausbildung zur Fotofachfrau
EFZ erfolgreich abgeschlossen. Ausserdem sei im Rahmen des Einkommensvergleichs
zu Recht auf das Einkommen von Fr. 39‘600.-- abgestellt worden. Es sei unerheblich,
ob für die Bestimmung des Valideneinkommens die LSE Lohntabellen oder die
Angaben im Abschlussbericht des G._ herangezogen würden, da Validen- und
Invalideneinkommen ohnehin auf der gleichen Einkommensbasis zu bestimmen seien
und damit ein IV-Grad von 50% resultiere (act. G 5).
B.c Am 6. November 2015 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 6).
B.d Mit Schreiben vom 19. November 2015 verzichtete die Beschwerdeführerin auf die
Einreichung einer Replik (G 8).

Erwägungen
1.
Mit Verfügung vom 5. Februar 2004 wurde der Beschwerdeführerin eine ganze Rente
mit Wirkung ab dem 1. April 2002 zugesprochen (IV-act. 59). Infolge zugesprochener
Eingliederungsmassnahmen samt Taggeldanspruch hob die IV-Stelle die Invalidenrente
in Anwendung von Art. 43 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) mit Wirkung ab dem 1. August 2011 auf (IV-act. 127). Mit Mitteilung
vom 9. März 2015 informierte die IV-Stelle die Beschwerdeführerin über den Abschluss
der beruflichen Massnahmen (IV-act. 193), womit der Rentenanspruch praxisgemäss
wieder auflebte. Die IV-Stelle hatte daher im Rahmen einer Rentenrevision zu prüfen,
ob weiterhin eine ganze Rente auszurichten ist (vgl. ULRICH MEYER / MARCO
REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich 2014, Art. 43 N 2;
Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH],
Stand: 1. Januar 2017, Rz 9003; AHI-Praxis 1998 S. 179). Nachdem die IV-Stelle mit
Verfügung vom 30. Juli 2015 ab 1. März 2015 lediglich noch eine halbe Rente
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zusprach, ist nachfolgend zu prüfen, ob die IV-Stelle zu Recht die bisherige ganze
Rente revisionsweise herabsetzte.
2.
2.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Unter Invalidität
wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. Der Invaliditätsgrad wird gemäss
Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich ermittelt. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Konnte eine versicherte
Person wegen der Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben,
entspricht das Valideneinkommen einem nach dem Alter abgestuften Prozentsatz des
jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung (LSE) des
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Bundesamtes für Statistik (Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
2.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
3.
3.1 Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin weiterhin gestützt auf Art. 26 Abs.
1 IVV als Frühinvalide zu qualifizieren ist.
3.2 Geburts- und Frühinvalide sind Versicherte, die seit ihrer Geburt oder Kindheit
einen Gesundheitsschaden aufweisen und deshalb keine zureichenden beruflichen
Kenntnisse erwerben konnten. Darunter fallen all jene Personen, welche infolge ihrer
Invalidität überhaupt keine Berufsausbildung absolvieren können. Ebenso gehören
dazu versicherte Personen, welche zwar eine Berufsausbildung beginnen und allenfalls
auch abschliessen, zu Beginn der Ausbildung jedoch bereits invalid sind und mit dieser
Ausbildung nicht dieselben Verdienstmöglichkeiten realisieren können wie eine
nichtbehinderte Person mit derselben Ausbildung (Urteil des Bundesgerichts vom 19.
Februar 2015, 9C_611/2014 E. 3.2; KSIH, Rz 3035). Mit anderen Worten ist als Erwerb
von „zureichenden beruflichen Kenntnissen“ die abgeschlossene Berufsausbildung zu
betrachten, sofern sie der versicherten Person praktisch die gleichen
Verdienstmöglichkeiten eröffnet wie Nichtbehinderten mit der gleichen (ordentlichen)
Ausbildung (Urteil des Bundesgerichts vom 1. Mai 2013, 9C_820/2012 E. 3.2.2). Dabei
ist nicht entscheidend, ob die Berufsausbildung auf einem besonderen oder auf dem
"normalen" Bildungsweg gemacht wurde (BGer 9C_611/2014 E. 4.3; KSIH, Rz 3037).
3.3 Der IV-Rentenverfügung vom 5. Februar 2004 lag eine Qualifizierung der
Beschwerdeführerin als Frühinvalide gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV zu Grunde, wie sich
aus der RAD Stellungnahme vom 19. August 2003 und der IVS-Stellungnahme vom 30.
Oktober 2003 ergibt (IV-act. 52 und 53). Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dass
sich der zu Grunde liegende Sachverhalt durch den Erwerb des EFZ klar verändert
habe und die Beschwerdeführerin daher nicht mehr als Frühinvalide zu qualifizieren sei
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(vgl. IV-act. 211-3 f.). Dementsprechend ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin mit
der Ausbildung zur Fotofachfrau EFZ zureichende berufliche Kenntnisse erlangt hat.
3.4 Gemäss dem Arztbericht des C._ vom 20. Februar 2002 leidet die
Beschwerdeführerin an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, impulsiver
Typ (F60.30) (IV-act. 11). Mit dessen Austrittsbericht vom 21. März 2002 wurde
präzisierend eine emotional instabile Persönlichkeitsentwicklungsstörung, Borderline
Typus, einher-gehend mit selbstverletzendem Verhalten und autoaggressiven
Durchbrüchen diagnostiziert (F60.31) (IV-act. 17). Auch Dr. med. I._, Facharzt FMH
für Allgemeinmedizin, diagnostizierte im Arztbericht vom 28. März 2003 eine
Verhaltensstörung mit aggressiven und autoaggressiven Durchbrüchen seit dem Jahr
1999 (IV-act. 36-1). Gestützt auf den Arztbericht von Dr. I._ gab der RAD auf
entsprechende Nachfrage am 19. August 2003 an, dass mit ziemlicher Sicherheit eine
Frühinvalidität vorliege (IV-act. 52). In der IVS-Stellungnahme vom 30. Oktober 2003
wurde festgestellt, dass seit November 1999 eine rentenbegründende
Erwerbsunfähigkeit von 100% bestehe (IV-act. 53-2). Diese seit dem Jahr 1999
bestehende Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit ist auch nach Abschluss der
Ausbildung zur Fotofachfrau EFZ – trotz Besserung – nicht entfallen, wie sich aus
aktuellen Arztberichten ergibt. Dr. D._ diagnostizierte im Verlaufsbericht vom 25.
Januar 2015 weiterhin eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (F60.3), stellte
jedoch fest, dass sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin seit Beginn der
psychotherapeutischen Behandlung stark verbessert habe (IV-act. 181-2). Diese
Einschätzung wurde in der Folge auch von Dr. E._ in der RAD Stellungnahme vom 4.
März 2015 übernommen (IV-act. 186). Entsprechend ist festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin seit ihrem 15. Lebensjahr (Jahr 1999) an einer emotional instabilen
Persönlichkeitsstörung, Borderline Typ bzw. impulsiver Typ (F60.30 bzw. F60.31) leidet,
sich ihr Zustand seit damals jedoch stark verbessert hat.
3.5 Im Jahr 2009 und somit bereits 10 Jahre nach Eintritt der Gesundheitsschädigung
setzte sich die Beschwerdeführerin im Rahmen der beruflichen Abklärung erstmals mit
verschiedenen (Berufs-)Ausbildungen auseinander (vgl. IV-act. 90). Eine berufliche
Ausbildung konnte die Beschwerdeführerin jedoch nicht durchführen. Entsprechende
Anträge auf berufliche Massnahmen wurden mit Verfügung vom 13. Juni 2002,
Verfügung vom 13. August 2003 und Mitteilung vom 27. Mai 2009 jeweils abgewiesen
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(IV-act. 27, 51 und 92). Mit Verfügung vom 28. Februar 2011 wurde schliesslich eine
Berufsberatung zugesprochen (IV-act. 115), woraufhin eine berufliche Abklärung im
G._ durchgeführt wurde (IV-act. 119). Nach Durchführung eines Praktikums sowie
der beruflichen Abklärung im G._ absolvierte die Beschwerdeführerin schliesslich
eine Ausbildung zur Fotofachfrau EFZ im G._(IV-act. 155-1). Dabei handelte es sich
um eine durch die IV unterstützte erstmalige berufliche Ausbildung im geschützten
Rahmen.
3.6 Nach Erhalt des EFZ absolvierte die Beschwerdeführerin vom 1. September 2014
bis zum 28. Februar 2015 ein Praktikum bei der H._ GmbH, um ihre
Leistungsfähigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt zu erproben (vgl. IV-act. 192-1). Gemäss
Rückmeldung des Arbeitgebers konnte kein Lohn ausbezahlt werden, da ihre Leistung
bei weitem nicht den Anforderungen des Betriebes entspreche (IV-act. 190-5 f.).
Zudem konnte mangels verwertbarer Arbeitsleistung auch keine Anschlusslösung
gefunden werden (IV-act. 190-7). Abgesehen von zwei externen Praktika während der
Ausbildung im G._ kann die Beschwerdeführerin keine weitere Berufserfahrung auf
dem 1. Arbeitsmarkt vorweisen (vgl. IV-act. 155-1). Bei dieser Sachlage ist es
überwiegend wahrscheinlich, dass die Ausbildung zur Fotofachfrau der
Beschwerdeführerin trotz erfolgreichem Abschluss nicht die gleichen
Verdienstmöglichkeiten wie einer gesunden Berufskollegin eröffnet. Die
Beschwerdeführerin kann somit das Erwerbspotential, welches sie als Gesunde gehabt
hätte, trotz ihrer Ausbildung zur Fotofachfrau EFZ nicht voll ausschöpfen.
3.7 Eine Karriere als Fotofachfrau entspricht demnach der Invalidenkarriere und nicht
etwa der Validenkarriere. Indem die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 30. Juli
2015 für die Bestimmung des Valideneinkommens auf die Lohnempfehlung des
Verbandes für Fotohandel Schweiz VFS, Landregion, abstellte (vgl. IV-act. 211-3),
machte sie im Ergebnis die Invalidenkarriere der Beschwerdeführerin zur
Validenkarriere. Sie liess dabei auch völlig unbeachtet, dass die Beschwerdeführerin
gesundheitsbedingt die Ausbildung erst mit 30 Jahren statt mit 18 Jahren abschloss.
Auf Grund der Akten kann zudem nicht leichthin angenommen werden, die
Beschwerdeführerin hätte auch ohne psychische Behinderung eine Ausbildung zur
Fotofachfrau EFZ absolviert. Hinweise, welche Rückschlüsse auf eine potentielle
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Validenkarriere der Beschwerdeführerin erlauben würden, können den Akten nicht
entnommen werden.
3.8 Nach dem Gesagten liegt weiterhin ein Anwendungsfall von Art. 26 Abs. 1 IVV vor,
womit das Valideneinkommen 100% des Medianwertes gemäss der LSE des
Bundesamtes für Statistik entspricht, denn die Beschwerdeführerin hatte im Zeitpunkt
des Wiederauflebens der Rente (1. März 2015) ihr 30. Altersjahr bereits vollendet. Das
Valideneinkommen beträgt demnach für das Jahr 2015 Fr. 82'500.-- (Medianwert 2015;
vgl. IV-Rundschreiben Nr. 329) für ein Vollpensum.
4.
4.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Hat sie nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls
keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können
statistische Werte, insbesondere Tabellenlöhne der LSE des Bundesamtes für Statistik
herangezogen werden. Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von
statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert um
maximal 25 % zu kürzen (Leidensabzug), wenn persönliche und berufliche Merkmale
wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität resp.
Aufenthaltskategorie oder Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
und die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
verwerten kann (BGer 9C_820/2012 E. 3.2.3; BGE 135 V 297 E. 5.2 mit Hinweisen).
4.2 Wie bereits ausgeführt, entspricht die Karriere als Fotofachfrau der
Invalidenkarriere der Beschwerdeführerin. Folglich ist als Ausgangswert des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens die Lohnempfehlung des
Verbandes für Fotohandel Schweiz VFS, Landregion heranzuziehen. Insoweit ist die
Verfügung vom 30. Juli 2015 nicht zu beanstanden (vgl. IV-act. 211-3). Unbestritten
und aufgrund der Akten nicht zu beanstanden ist überdies die medizinisch festgestellte
Arbeitsfähigkeit von 50%. Selbst ohne Vornahme eines Tabellenlohnabzugs resultiert
ein Invalideneinkommen von maximal Fr. 19‘800.-- (50% von Fr. 39‘600.--).
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4.3 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 82‘500.-- und einem Invalideneinkommen
von Fr. 19‘800.-- beträgt der Invaliditätsgrad 76% {[82‘500 – 19‘800) / 82‘500] x 100}.
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die Beschwerdeführerin damit weiterhin Anspruch auf
eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Die Beschwerdeführerin konnte bis zum
28. Februar 2015 IV-Taggelder beanspruchen. Demzufolge entstand der Anspruch
gemäss Art. 29 Abs. 2 IVG am 1. März 2015. Folglich ist ihr eine ganze Rente mit
Wirkung ab dem 1. März 2015 zuzusprechen.
5.
5.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 30. Juli 2015 aufzuheben
und der Beschwerdeführerin im Sinn der Erwägungen ab 1. März 2015 eine ganze
Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistungen ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote eingereicht. In einem
Fall mit mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine
Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.-- ausgerichtet. Im vorliegenden Fall erscheint
wegen des vergleichsweise überschaubaren Sachverhalts sowie des Verzichts auf eine
Replik eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem Prozessausgang erübrigt sich die
Festsetzung einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege.
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