Decision ID: dd46ae0a-145a-4797-bc5b-60409cb42923
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht, vom 24. August 2011 (GB110004)
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Anklage: (Urk. 10)
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 22. März 2011 ist
diesem Urteil beigeheftet.
Urteil des Einzelgerichts in Strafsachen des Bezirkes Uster vom 24. August 2011:
(Urk. 30)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der einfachen Verkehrsregelverletzung ge-
mäss Art. 90 Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 500.–.
3. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr Anklagebehörde
4. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer werden dem Beschuldigten
auferlegt.
5. (Mitteilung).
6. (Rechtsmittel)."
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Berufungsanträge:
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 56; schriftlich)
1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der mehrfachen groben
Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in
Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV.
2. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 45 Tagess-
ätzen zu je Fr. 110.-, entsprechend Fr. 4'950.-.
3. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer
Probezeit von zwei Jahren.
4. Der Beschuldigte sei zudem mit einer Busse von Fr. 1'000.- zu
bestrafen, bei schuldhaftem Nichtbezahlen ersatzweise mit einer
Freiheitsstrafe von 10 Tagen.
5. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 57; schriftlich)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen groben Verletzung
der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei wegen einfacher Verkehrsregelverletzung im
Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen und mit einer Busse
von CHF 500 zu bestrafen, und es seien ihm die Kosten des
erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 1'900 aufzuerlegen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
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4. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung für die aus
der Verteidigung im Berufungsverfahren entstandenen Kosten zuzu-
sprechen.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit Urteil des Einzelgerichts in Strafsachen des Bezirkes Uster vom
24. August 2011 wurde A._ (nachfolgend: Beschuldigter) der einfachen
Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 34
Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV schuldig gesprochen und mit einer Bus-
se von Fr. 500.- bestraft. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Beschul-
digten auferlegt (Urk. 30).
2. Gegen dieses Urteil erhob die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom
29. August 2011 (Urk. 26) und mithin rechtzeitig Berufung. Ebenfalls fristge-
recht reichte die Staatsanwaltschaft nach Erhalt des begründeten Entschei-
des (Urk. 28) am 14. Dezember 2011 die Berufungserklärung ein und bean-
standete das gesamte vorinstanzliche Urteil (Urk. 31 S. 1). Mit Präsidial-
verfügung vom 4. Januar 2012 wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt,
um zu erklären, ob er Anschlussberufung erhebe oder ein Nichteintreten auf
die Berufung beantrage (Urk. 34). Der Beschuldigte liess innert Frist mit-
teilen, keine Anschlussberufung zu erheben (Urk. 36).
3. Mit Eingabe vom 7. Juni 2012 ersuchte die Verteidigung infolge Verhand-
lungsunfähigkeit um Dispensation des Beschuldigten von der Berufungsver-
handlung vom 11. Juni 2012 (Urk. 52 und 54). Diese wurde gleichentags
gewährt (Urk. 53).
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4. Auf das vorliegende Verfahren sind – soweit es sich um verfahrensrechtliche
Fragen handelt – die Bestimmungen der am 1. Januar 2011 in Kraft
getretenen eidgenössischen Strafprozessordnung sowie das Gesetz über
die Gerichts- und Behördenorganisation im Zivil- und Strafprozess (GOG)
anwendbar (Art. 454 Abs. 1 StPO).
5. Nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen sind die vorin-
stanzliche Kostenfestsetzung gemäss Dispositiv Ziffer 3 sowie die vorin-
stanzliche Kostenauflage gemäss Dispositiv Ziffer 4 (Prot. II S. 5; Urk. 30
S. 23). Davon ist vorab Vormerk zu nehmen (Art. 404 Abs. 1 i.V.m. Art. 402
StPO).
6. Die Staatsanwaltschaft rügt in ihren Eingaben vom 14. Dezember 2011 bzw.
11. Juni 2012, die Vorinstanz habe nicht alle vorhandenen Beweismittel,
namentlich die Einvernahmen des Beschuldigten und des Zeugen B._
vom 10. März 2011, in die Beweiswürdigung miteinbezogen (Urk. 31,
Urk. 56 S. 2). Nach Art. 10 Abs. 2 StPO hat das Gericht die Beweise frei zu
würdigen. Dabei gibt es keine Rangordnung. Vielmehr sind die Beweise -
sofern sie ordnungsgemäss erhoben wurden und verwertbar sind - gleich-
wertig zu behandeln (vgl. zum Ganzen Schmid, Handbuch des schweizeri-
schen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009, Rz 229). Es bestehen
keine Hinweise, dass die obgenannten Beweismittel nicht rechtmässig erho-
ben wurden. Dementsprechend sind nebst dem Handprotokoll und dem Po-
lizeirapport vom 16. September 2010 sowie den staatsanwaltschaftlichen
Einvernahmen des Beschuldigten und des Zeugen B._ vom
7. Dezember 2010 auch die Einvernahmen des Beschuldigten und des Zeu-
gen B._ vom 10. März 2011 in die Beweiswürdigung miteinzubeziehen.
Ebenso sind die Aussagen seitens des Beschuldigten bzw. seiner Verteidi-
gung anlässlich der Einvernahme bzw. der Hauptverhandlung vom
24. August 2011 zu berücksichtigen.
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II. Sachverhalt
1. In der Anklageschrift vom 22. März 2011 werden dem Beschuldigten zwei
Fehlverhalten vorgeworfen. Den ersten Vorwurf, am 16. September 2010 auf
der Autobahn A... beim "C._-S" auf das vor ihm auf der Überholspur
fahrende zivile Dienstfahrzeug der Kantonspolizei Zürich aufgeschlossen
und in der Folge im Höchstgeschwindigkeitsbereich von 80 km/h mit der-
selben Geschwindigkeit und einem Abstand von ein bis zwei Wagenlängen
hinter besagtem Dienstfahrzeug gefahren zu sein, bis dieses auf die
Normalspur gewechselt habe, erachtete die Vorinstanz als nicht nachweis-
bar. Den zweiten, dem Beschuldigten vorgeworfenen Sachverhalt erachtete
die Vorinstanz hingegen insofern als rechtsgenügend erstellt, als der
Beschuldigte beschuldigt werde, zwischen Kilometer 23.500 und Kilometer
25.500 bei einer Geschwindigkeit von mindestens 120 km/h drei bis vier
Wagenlängen bzw. 15 bis 20 Meter Abstand zum vorderen Fahrzeug gehabt
zu haben. Soweit der Sachverhalt im vorliegenden Rechtsmittelverfahren
strittig ist, ist er im Folgenden - sofern notwendig - gestützt auf die Unter-
suchungsakten und die vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den all-
gemein gültigen Beweisregeln zu erstellen (Urk. 30 S. 15).
2.1. Gemäss der aus Art. 8 und Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2
EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen
Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren
Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Urteile des Bundesgerichts
1P.587/2003 vom 29. Januar 2004 E. 7.2. und 1P.437/2004 vom
1. Dezember 2004 E. 4.2. f.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f. Nr. 180;
BGE 127 I 40, 120 Ia 31 E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die
Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den
Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei
objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so ver-
wirklicht hat (Urteile des Bundesgerichtes 6B_795/2008 vom 27. November
2008 E. 2.4. und 6B_438/2007 vom 26. Februar 2008 E. 2.1.). Die Über-
zeugung des Richters muss auf einem verstandesgemäss einleuchtenden
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Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar
sein (Wohlers in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung,
Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 10 N 31;
Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage,
Basel 2005, § 54 Rz 11). Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der
Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen
(BGE 127 I 41, 124 IV 87 E. 2a). Wenn erhebliche oder nicht zu unter-
drückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so abgespielt hat, wie
er eingeklagt ist, so ist der Beschuldigte nach dem Grundsatz "in dubio pro
reo" freizusprechen (statt vieler: Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 1993
S. 419 f.). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der
Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, de-
ren "Mosaik" (Arzt, In dubio contra, in Zeitschrift für Strafrecht 115, S. 197),
zu würdigen ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4; Pra 2002
Nr. 180 S. 962 f. Ziff. 3.4.).
2.2. Ein Schuldspruch darf demnach nur dann erfolgen, wenn die Schuld des
Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise
dafür vorliegen, dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten objektiv und
subjektiv den ihm zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei
kann nicht verlangt werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch
sicher und unter allen Aspekten unwiderlegbar feststehe (vgl. zum alten
Recht: Schmid, Strafprozessrecht, 4. Auflage, Zürich 2004, Rz 288).
Es muss genügen, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschuldig-
ten ausgeschlossen werden können. Aufgabe des Richters ist es, seinem
Gewissen verpflichtet, in objektiver Würdigung des gesamten Beweis-
ergebnisses zu prüfen, ob er von einem bestimmten Sachverhalt überzeugt
ist und an sich mögliche Zweifel an dessen Richtigkeit zu überwinden ver-
mag (Art. 10 Abs. 2 und 3 StPO; ZR 72 [1973] Nr. 80; Guldener, Beweis-
würdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4.; BGE 124
IV 88, 120 Ia 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit menschli-
chen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung
erreicht werden kann; daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis
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über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichts-
entscheid vom 26. Juni 2003 Nr. 2002/387S E. 2.2.1 samt Hinweisen). Bloss
abstrakte oder theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein,
weil solche immer möglich sind (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., Rz 12
zu § 54, und Urteile des Bundesgerichtes 6B_297/2007 vom 4. September
2007 E. 3.4. und 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004 E. 7.2.). Es genügt also,
wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausgeschlossen werden können,
hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen.
Lässt sich ein Sachverhalt nicht mit letzter Gewissheit feststellen, was schon
im Wesen menschlichen Erkenntnisvermögens liegt, so hindert dies den
Richter nicht, subjektiv mit Gewissheit davon überzeugt zu sein. Es ist nicht
willkürlich und der Grundsatz in dubio pro reo ist nicht verletzt, wenn der
Entscheid des Gerichts nicht mit der Darstellung des Beschuldigten überein-
stimmt oder eine andere Lösung oder Würdigung vertretbar oder gar vorzu-
ziehen wäre (vgl. Entscheid des Bundesgerichtes 6B_172/2009 vom
29. Oktober 2009 E. 1.6. am Ende unter Hinweis auf BGE 127 IV 54 E. 2b).
Auch findet der Grundsatz "in dubio pro reo" als Beweislastregel keine
Anwendung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung auf-
stellt, ohne dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es
tritt nämlich insoweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft
gegriffene Schutzbehauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und
stichfesten Beweis widerlegt werden muss.
2.3. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind
diese frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den
Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sach-
darstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt
der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben
erfolgen. Bei der Würdigung von Aussagen darf nicht einfach auf die
Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt
werden. Massgebend ist vielmehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im
Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer kritischen Würdigung zu
unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von sogenannten Realitäts-
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kriterien grosses Gewicht zu legen ist (vgl. Bender, Die häufigsten Fehler bei
der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] S. 53 ff; Bender/
Nack/ Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und
Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Auflage, München 2007, N 310 ff. und
N 350 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere
Geschlossenheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Gescheh-
nisablaufes", eine "konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses"
sowie die "Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie
nur von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selber miterlebt hat", die
"Kenntlichmachung der psychischen Situation von Täter und Zeuge bzw.
unter Mittätern", die "Selbstbelastung oder unvorteilhafte Darstellung der
eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkungen zugunsten des Beschuldigten",
die "Konstanz der Aussage bei verschiedenen Befragungen, wobei sich aber
sowohl Formulierungen als auch die Angaben über Nebenumstände ver-
ändern können" (Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit
Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). Andererseits
sind auch allfällige Fantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien für
falsche Aussagen gelten "Unstimmigkeit oder grobe Widersprüche in den
eigenen Aussagen", "Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den
ursprünglichen Anschuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigun-
gen im Verlaufe von mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene
oder ausweichende Antworten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp
wirkende Aussagen". Als generelle Fantasiesignale nennen Bender/Nack/
Treuer die "Schwarz-Weiss-Malerei", die "Verarmung der Aussagen", das
"Flucht- und Begründungssignal" und die "behauptete Akzeptanz gegenüber
bezweifelbaren Rechtsverkürzungen", wobei weiter festgehalten wird, den
"Fantasiebegabten" falle es ganz allgemein viel leichter, von eigenen Aus-
sagen und Aktivitäten zu berichten, als die Antworten und Reaktionen der
Gegenseite zu erfinden. Wenn das eine oder andere Fantasiesignal auftritt,
braucht die Aussage nicht verworfen zu werden. Es ist dann aber eine aus-
reichende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern (Bender/Nack/
Treuer, a.a.O., S. 102 N 429 ff.).
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2.4. Angesichts der Unschuldvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, das heisst
der verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven
Tatbestandselemente nachzuweisen (vgl. dazu Wohlers, a.a.O., Art. 10
N 6); es obliegt damit nicht dem Beschuldigten, seine Unschuld zu beweisen
(BGE 127 I 40 und Urteile des Bundesgerichts 1P.587/2003 vom 29. Januar
2004 E. 7.2., 1P.437/2004 vom 1. Dezember 2004 E. 4.3. und 6S.154/2004
vom 30. November 2005 E. 4).
3.1. In Bezug auf die allgemeine Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist zu
berücksichtigen, dass er keiner prozessualen Wahrheitspflicht untersteht
und als vom Verfahren unmittelbar Betroffener ein durchaus legitimes
Interesse daran hat, den Sachverhalt in einem für ihn möglichst günstigen
Licht zu schildern. Seinen Vorbringen ist deshalb mit einer gewissen
Vorsicht zu begegnen.
3.2. Der Polizeibeamte B._ sagte unter der Strafandrohung von Art. 307
StGB aus (Urk. 4/1 S. 1). Persönliche Beziehungen zum Beschuldigten, wel-
che geeignet wären, seine Aussagen in die eine oder andere Richtung zu
lenken, bestehen keine (Urk. 4/1 S. 2). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern er
ein Interesse daran haben dürfte, den Beschuldigten zu Unrecht zu
belasten. Diesbezüglich ist auch zu berücksichtigen, dass eine bewusste
falsche Anschuldigung für ihn berufliche Folgen haben würde.
3.3. Wie dargelegt kommt jedoch der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussa-
genden nach neueren Erkenntnissen kaum mehr entscheidende Bedeutung
zu und sollte für die Beweiswürdigung nicht allein auf deren prozessuale
Stellung abgestellt werden. Vielmehr sind die konkreten, im Prozess
relevanten Aussagen auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu überprüfen.
III. Vorwurf betreffend den Vorfall beim "C._-S"
1. Zum Vorwurf des zu geringen Abstandes im "C._-S" beanstandet die
Staatsanwaltschaft die Beweiswürdigung der Vorinstanz. Im Konkreten
bringt sie vor, es sei unverständlich, weshalb man den Sachverhalt nicht als
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durch die Aussagen des Zeugen B._ erstellt erachte, dessen Ausfüh-
rungen nicht folge und dies mit dessen "eingeschränkter Wahrnehmung"
begründe. Von einem beobachtungsgewohnten Polizisten mit langjähriger
Berufserfahrung könne erwartet werden, dass er auch im Rückspiegel
seines eigenen, ihm gewohnten Fahrzeuges zwischen ein bis zwei und
drei bis vier Wagenlängen unterscheiden könne. Weiter rügt die Staats-
anwaltschaft die Beweiswürdigung hinsichtlich der Aussagen des Beschul-
digten; bei diesen handle es sich um eine reine Schutzbehauptung (Urk. 56
S. 2, Urk. 31 S. 3).
2. Der Beschuldigte bestreitet, dem Polizeifahrzeug beim "C._-S" zu
nahe aufgefahren zu sein. Die Aussagen des Polizeibeamten basierten auf
einer reinen Schätzung, welche durch den Rückspiegel erfolgt sei. Mensch-
liche Wahrnehmungen wie Schätzungen seien in hohem Masse unzuver-
lässig, weshalb sie zur Beweisführung nicht ausreichten (Urk. 57 S. 8 f. und
S. 14 f.).
3. Die Vorinstanz begründet den Freispruch hinsichtlich des ersten Vorfalles
zusammengefasst damit, die Aussagen des Zeugen B._ beruhten auf
Schätzungen. Solche Schätzungen bzw. menschliche Wahrnehmungen,
auch in Form von Zeugenaussagen, würden in der Lehre in aller Regel in
hohem Masse als unzuverlässig bewertet. Erschwerend komme vorliegend
hinzu, dass der Zeuge B._ das Geschehen einzig durch den Rückspie-
gel habe beobachten können, welcher aufgrund seiner Konvexität die
Gegenstände als kleiner und näher aussehen lasse, als sie eigentlich seien,
und dass er selbst in den Vorfall involviert gewesen sei. Das Handprotokoll
könne sodann zur Sachverhaltserstellung nicht herangezogen werden, weil
der Beschuldigte nachvollziehbar und überzeugend habe darlegen können,
dass sich seine Ausführungen auf einen anderen Vorfall bezogen hätten und
die darin enthaltene Anerkennung des Sachverhalts irrtümlich erfolgt sei
(Urk. 30 S. 11 f.).
4.1. Es stellt sich die Frage, ob Beobachtungen bzw. Aussagen von Polizei-
beamten eine erhöhte Glaubhaftigkeit geniessen und ob Schätzungen taug-
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liche Beweismittel darstellen. In der Lehre wird davon ausgegangen, dass
Polizeibeamte aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Interesses von Berufs
wegen in aller Regel strafrechtlich relevante Umstände genauer zu beobach-
ten vermögen als Laien. Aufgrund ihrer Erfahrung richteten sie ihre
Aufmerksamkeit auf Dinge, die dem Laien in vergleichbaren Situationen
nicht auffielen (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 1281 ff.). Gleichzeitig wird
jedoch darauf hingewiesen, dass Berufserfahrung aufgrund der konkreten
Abläufe im Gedächtnis zu Verzerrungen hinsichtlich der Speicherung sowie
der Erinnerung führen könne (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 1287).
Beobachtungen von Polizeibeamten seien gestützt auf die konkreten
Umstände, insbesondere die Art der angezeigten Zuwiderhandlung, die Art
und Weise der Wahrnehmung sowie die Einschätzung der Persönlichkeit
des Polizeibeamten, namentlich seiner Zuverlässigkeit und seiner Gewis-
senhaftigkeit, zu würdigen (vgl. zum Ganzen auch Bender/Nack/Treuer,
a.a.O., Rz 1291 mit Verweis auf den deutschen Bundesgerichtshof). Im
Zusammenhang mit Strassenverkehrsdelikten hat das Bundesgericht in
seiner bisherigen Rechtsprechung anerkannt, dass allfällige Aussagen von
Polizeibeamten zur Erstellung des Sachverhalts herangezogen werden
könnten, selbst wenn diese auf Schätzwerten beruhten. In BGE 131 IV 133
setzte es sich ausführlich mit der Frage auseinander, wann Schätzungen
von Polizeibeamten zuverlässige und verwertbare Beobachtungen darstell-
ten. Diesem Entscheid lag der Sachverhalt zugrunde, dass zwei Polizeibe-
amte in einem neutralen Dienstfahrzeug auf einer richtungsgetrennten Auto-
bahn (A13) hinter dem Beschuldigten fuhren, welcher nahe an den Vorder-
mann aufgeschlossen war. Als Beweismittel war nebst den Aussagen der
beiden Polizeibeamten eine Videoaufnahme vorhanden. Das Bundesgericht
verneinte die generelle Unzulänglichkeit einer Schätzung als Beweismittel
und hielt fest, im konkreten Fall habe die Vorinstanz - ohne in Willkür zu
verfallen - davon ausgehen dürfen, die Polizeibeamten könnten aufgrund
ihrer beruflichen Tätigkeit und Erfahrung die Distanz zwischen zwei hinterei-
nander fahrenden Personenwagen aus einem nachfolgenden Fahrzeug
relativ zuverlässig einschätzen. Aus der Videoaufnahme ergebe sich nicht,
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wie viele Meter der Abstand zwischen dem Personenwagen des Beschuldig-
ten und dem Vordermann genau betragen habe. Die Aufnahme zeige aber
klar, dass die Videoaufnahme die auf der eigenen Wahrnehmung der
Polizeibeamten beruhende Darstellung im Polizeirapport bestätige (BGE 131
IV 133 = Entscheid des Bundesgerichts 6S.377/2004 bzw. 6P.138/2004 vom
11. Februar 2005, E. 2.2.1). Im Entscheid 1C_7/2008 vom 24. Juli 2008
E. 4.1 bezeichnete das Bundesgericht sodann die Wahrnehmungen erfahre-
ner Autobahnpolizisten erneut als taugliche Beweismittel, wobei aber die
Aussagen von zwei Beamten im Raum standen.
4.2. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung hat Kritik erfahren. So kritisiert
namentlich Giger unter Bezugnahme auf BGE 131 IV 133, dass es sich bei
solchen Distanzangaben von Polizeibeamten um willkürliche Einschätzun-
gen handle. Die Distanz zwischen den beiden massgebenden Fahrzeugen
vermittle sich dem Beobachter nicht objektiv, sondern stets als individuell
wahrnehmbare, variable Grösse. Ihr Einbezug sei umso ungenauer, als die
Beobachtungsphase von Manövern und anderweitig sich dazwischen
schiebenden Fahrzeugen und häufigen Positionswechseln immer wieder
verändere. Dies sei auch dann der Fall, wenn es sich bei den Beobachtern
um zwei erfahrene Polizeibeamte handle, da erwiesen sei, dass menschli-
che Wahrnehmungen - auch in Form von Zeugenaussagen - in hohem
Masse unzuverlässig seien (vgl. zum Ganzen Giger, Kommentar Strassen-
verkehrsgesetz, 7. Auflage, Zürich 2008, SVG, Art. 34 N 29). Gemäss Giger
vermögen Schätzungen das Erfordernis der fehlenden unüberwindbaren
Zweifel an der Tatbegehung im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO nicht zu
erfüllen.
4.3. Trotz der angebrachten Kritik überzeugt die bundesgerichtliche Recht-
sprechung. Berufserfahrung und eine besondere Ausbildung von Polizei-
beamten können durchaus einen positiven Einfluss auf das Ausmass der
Glaubhaftigkeit einer Aussage generell und einer Schätzung im Konkreten
haben, erscheint doch plausibel, dass die wiederholte Beobachtung von Vor-
fällen die grundsätzliche Wahrnehmungsfähigkeit beeinflussen kann. Es
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wäre aber verfehlt davon auszugehen, eine besondere Ausbildung und
Berufserfahrung würden Schätzangaben von Polizisten unter allen Umstän-
den zu für eine Verurteilung ausreichenden Beweismitteln machen. Ebenso
wäre es auch verfehlt, anzunehmen, solche Schätzungen müssten generell
als taugliche Beweismittel ausgeschlossen werden. Vielmehr ist auf den
konkreten Einzelfall abzustellen und sind für die Frage, ob eine bestimmte
Schätzung ein zuverlässiges Beweismittel darstellt, alle relevanten, die
Schätzung allenfalls beeinflussenden Umstände wie die Art der angezeigten
Zuwiderhandlung, die Art und Weise der Wahrnehmung sowie die Einschät-
zung der Persönlichkeit des Polizeibeamten in die Beurteilung des Falles
miteinzubeziehen.
4.4. Die Vorinstanz hat die Darstellung des Vorfalles betreffend den Strecken-
abschnitt "C._-S" durch den Zeugen B._ ausführlich zusammen-
gefasst (Urk. 30 S. 8), worauf in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO ver-
wiesen werden kann. Den Ausführungen des Zeugen B._ ist zu ent-
nehmen, dass er am besagten Tag in einem neutralen Dienstfahrzeug der
Polizei auf der A... vom D._-Kreuz herkommend in Richtung E._
unterwegs war, als er auf die Fahrweise des Beschuldigten aufmerksam
wurde. Der Zeuge B._ war alleine als Fahrer im Fahrzeug und fuhr im
massgebenden Zeitpunkt mit einer Geschwindigkeit von 80km/h auf dem
Überholstreifen der rege befahrenen Autobahn (Urk. 4/1). Seine
Beobachtung, dass der Beschuldigte auf sein Fahrzeug bis auf ein oder zwei
Wagenlängen aufgeschlossen sei, erfolgte über den Rückspiegel (Urk. 4/1
S. 3), und stellt einen blossen Schätzwert dar. Den Ausführungen der
Parteien (vgl. Urk. 31 S. 3, Urk. 57 S. 9) folgend handelt es sich beim Zeu-
gen B._ um einen beobachtungsgewohnten Polizeibeamten mit lang-
jähriger Berufserfahrung, gab dieser doch zu Protokoll, er sei seit siebenein-
halb Jahren an der Front und habe eine nicht genau bestimmbare Anzahl
Vorfälle zur Anzeige gebracht (Urk. 4/1 S. 9). Damit kann ihm eine gewisse
Erfahrung nicht abgesprochen werden. Im Übrigen erfolgte die Beobachtung
des Zeugen B._ jedoch unter erschwerten Bedingungen. So war der
Zeuge B._ im massgebenden Zeitpunkt mit einer relativ hohen Ge-
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schwindigkeit von 80 km/h bei regem Verkehrsaufkommen als unmittelbarer
Verkehrsteilnehmer unterwegs. Dementsprechend erforderte die Verkehrssi-
tuation immer wieder seine Aufmerksamkeit und schloss eine längere, unun-
terbrochene Konzentration auf die Fahrweise des Beschuldigten aus. Er-
schwerend kam sodann die Fahrzeugposition des Zeugen B._ unmit-
telbar vor dem Fahrzeug des Beschuldigten auf der Überholspur hinzu. Die
vorliegend massgebenden konkreten Umstände wichen in erheblicher Weise
von jenen im Entscheid des Bundesgerichts vom 12. Februar 2005 (BGE
131 IV 133) ab, in welchem sich zwei Polizeibeamte im Fahrzeug befanden,
sich der Eine somit vollumfänglich auf den Verkehr konzentrieren konnte,
während der Andere ausschliesslich und über eine längere Zeit hinweg das
Verhalten des fehlbaren Automobilisten beobachten konnte. Zudem befan-
den sich die Polizeibeamten nicht unmittelbar vor dem fehlbaren Lenker,
sondern hinter diesem und nahmen das Geschehen durch die vordere
Windschutzscheibe wahr. Schliesslich wurde das Geschehnis auf Video
aufgezeichnet und stand somit – anders als im vorliegenden Verfahren - ein
weiteres Beweismittel zur Verfügung (Entscheid des Bundesgerichts
6S.377/2004 bzw. 6P.138/2004 vom 11. Februar 2005, E. 2). Unter Berück-
sichtigung all dieser Umstände weist die auf einer Schätzung beruhende
Aussage des Zeugen B._ betreffend den Abstand zwischen den beiden
massgebenden Fahrzeugen von einem bis zwei Wagenlängen nicht die
notwendige Schlüssigkeit auf, um das Erfordernis des Fehlens von unüber-
windbaren Zweifeln als erfüllt erachten zu können. Insoweit vermag die
Staatsanwaltschaft auch mit ihrer Argumentation nicht zu überzeugen, Aus-
sagen von Zeugen würden immer eine gewisse Ungenauigkeit beinhalten
und trotzdem werde darauf abgestellt. Bei jeder Würdigung von Aussagen
muss in Betracht gezogen werden, wie und gestützt auf welche Umstände
der Aussagende zu seinen Aussagen gelangte. Kommt man dabei zum Er-
gebnis, dass die Umstände der Wahrnehmung eine Aussage als zu vage er-
scheinen lassen, so muss dies im Rahmen der Beweiswürdigung berück-
sichtigt werden und kann auf diese nicht abgestellt werden.
- 16 -
5.1. Es stellt sich damit die Frage, ob sich der Vorwurf des zu geringen Abstan-
des von ein bis zwei Wagenlängen zum vorderen Fahrzeug gegenüber dem
Beschuldigten gestützt auf andere Beweismittel rechtsgenügend erstellen
lässt, namentlich gestützt auf das vom Beschuldigten unterzeichnete Hand-
protokoll. Die Vorinstanz erwog hierzu, der Beschuldigte habe ausgeführt, er
habe das Handprotokoll fälschlicherweise mit unrichtigen Angaben unter-
zeichnet. Bei der vor der Unterzeichnung erfolgten Durchsicht des Protokolls
habe er infolge Nervosität den Fehler hinsichtlich der Ortsangabe des Vorfal-
les übersehen. Bei seinen Schilderungen habe sich der Beschuldigte auf
einen Vorfall beim D._-Kreuz bezogen. Dort sei er zwischenzeitlich ei-
nem Lieferwagen auf drei bis vier Wagenlängen aufgefahren, weil sich
dieser nach einem gescheiterten Überholmanöver auf der Überholspur habe
zurückfallen lassen, bevor er auf die Normalspur gewechselt sei. Die
Vorinstanz erachtete die Ausführungen des Beschuldigten als glaubhaft und
verneinte die Zulässigkeit der Heranziehung des Handprotokolls mit der
darin enthaltenen Anerkennung des Sachverhalts durch den Beschuldigten,
beim "C._-S" dem vorderen Fahrzeug aufgeschlossen zu sein (Urk. 30
S. 8 f.). Die Staatsanwaltschaft wertet die Aussagen des Beschuldigten zum
Protokoll als reine Schutzbehauptung (Urk. 31 S. 3, Urk. 56 S. 2), ohne dies
jedoch näher zu begründen.
5.2. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend feststellte, anerkannte der Beschuldig-
te im Handprotokoll vom 16. September 2010 mittels Unterzeichnung des-
selben, dem Polizeibeamten beim "C._-S" nahe aufgefahren zu sein.
Anlässlich der folgenden Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft und
die Vorinstanz bestritt er diese Sachdarstellung hingegen und machte
geltend, seine Aussagen hätten sich auf einen kurz zuvor erfolgten Vorfall
beim D._-Kreuz und nicht auf einen solchen beim "C._-S"
bezogen (Urk. 3/1, Urk. 23, vgl. auch Urk. 57 S. 11). Es stellt sich die Frage,
ob diese Korrektur der Sachdarstellung durch den Beschuldigten glaubhaft
erscheint. Die Vorinstanz hat dies bejaht. Zutreffend hat sie festgestellt, der
Beschuldigte habe die Sachdarstellung im Handprotokoll nicht einfach be-
stritten, sondern mit einer Fülle von lebendigen Details und damit nachvoll-
- 17 -
ziehbar geschildert, dass er von einem anderen Ereignis ausgegangen sei
(Urk. 30 S. 12). Der Beschuldigte streitet den Vorwurf, einem Fahrzeug zu
nahe aufgeschlossen zu sein, nicht generell und ohne weitere Erklärung ab,
sondern schildert seine Version der Geschehnisse sehr detailliert und mit
vielen Einzelheiten. So macht er geltend, nach einem gescheiterten Über-
holmanöver eines Lieferwagens habe sich dieser zurückfallen lassen und sei
danach auf die Normalspur zurückgeschwenkt. In diesem Moment sei er
dem Lieferwagen nahe aufgefahren (Urk. 3/1 S. 3). Dabei konnte sich der
Beschuldigte an (nebensächliche) Einzelheiten wie die Marke und Farbe des
Personenwagens, die Aufschrift des Lieferwagens (Gärtnerei in ...) oder die
Tatsache, dass der Lieferwagen eine Brücke aufwies, erinnern (Urk. 3/1
S. 2). Ebenso vermochte er den versuchten Überholvorgang des Lieferwa-
gens genau zu umschreiben, namentlich darzulegen, dass sich der Vorfall
kurz vor der Autobahnausfahrt F._ ereignete. Die Darstellung des Be-
schuldigten erscheint anschaulich, sachlich und nachvollziehbar. Die Sach-
darstellung des Beschuldigten in den Einvernahmen deckt sich sodann mit
Ausnahme der Örtlichkeit auch mit der bereits im Handprotokoll erfolgten
Darstellung (Urk. 2 S. 2). Auffallend ist weiter, dass der Beschuldigte im
Rahmen seiner Schilderungen nicht nur Entlastendes, sondern auch Belas-
tendes ausführt. So beschränken sich seine Aussagen nicht nur auf die
Schilderung der Situation an sich, sondern beziehen sich auch auf ein all-
fälliges eigenes Fehlverhalten, nämlich ein kurzzeitiges zu nahes Auf-
schliessen auf den Lieferwagen (Urk. 3/1 S. 3, Urk. 23 S. 5, vgl. auch
Urk. 57 S. 12). Weiter schildert der Beschuldigte sog. eigene psychische
bzw. gefühlsbezogene physiologische Abläufe wie die Begründung, weshalb
er den Fehler bei der Durchsicht des Handprotokolls nicht erkannt habe; der
Beschuldigte macht geltend, aufgrund der Tatsache, in eine polizeiliche Kon-
trolle geraten zu sein, aufgeregt und nervös gewesen zu sein (Urk. 3/1 S. 3).
Dies erscheint selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass er sich auf-
grund seines Berufs als Verkaufsleiter von G._ die Durchsicht von Pro-
tokollen grundsätzlich gewöhnt ist (Urk. 3/1 S. 3), plausibel, zumal er eige-
nen Angaben zufolge bis zum Vorfall vom 16. September 2010 nie in eine
- 18 -
polizeiliche Kontrolle geraten war (Urk. 3/1 S. 3, Urk. 57 S. 12). Für die
Glaubwürdigkeit des Beschuldigten spricht schliesslich auch der Umstand,
dass er die Korrektur anlässlich der ersten Äusserungsmöglichkeit zum Vor-
fall nach dem Tag des Ereignisses vorbrachte und an diesen Ausführungen
in den weiteren Einvernahmen konstant festhielt. Insgesamt finden sich in
den Aussagen des Beschuldigten damit zahlreiche Realitätsmerkmale, die
seine Aussagen betreffend die irrtümliche Anerkennung des im Handproto-
koll dargelegten Sachverhalts trotz dessen Durchsicht und
Unterzeichnung als glaubhaft erscheinen lassen. Damit bleiben die Beweis-
mittel des Handprotokolls ohne Sachverhaltsanerkennung durch den
Beschuldigten sowie die Aussagen des Zeugen B._ übrig. Wie darge-
legt, reichen Letztere nicht aus, um dem Beschuldigten ein zu nahes Auffah-
ren auf ein bis zwei Wagenlängen beim "C._-S" hinreichend nachzu-
weisen. Das Handprotokoll basiert sodann auf eben diesen Wahrnehmun-
gen des Zeugen B._, weshalb ihm - mangels Anerkennung durch den
Beschuldigten - kein darüber hinausgehender Beweiswert zukommt.
Entsprechend den Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 30 S. 15) lässt sich
damit der Sachverhalt, der Beschuldigte sei dem Zeugen B._ auf ein
bis zwei Wagenlängen aufgeschlossen, nicht rechtsgenügend erstellen.
6. Die Staatsanwaltschaft bringt weiter vor, es lasse sich zumindest erstellen,
dass der Abstand zum Polizeifahrzeug so gering gewesen sei, dass eine
einfache Verletzung der Verkehrsregeln nach Art. 90 Ziff. 1 SVG vorliege
(Urk. 56 S. 3). Dies ist zutreffend. Den Aussagen des Zeugen B._ ist
klar zu entnehmen, dass er den Abstand des ihm folgenden Fahrzeuges als
sehr gering erachtete. Anders kann seine Einschätzung, der Beschuldigte
habe einen Abstand von ein bis zwei Wagenlängen gehabt, nicht interpre-
tiert werden. Dass der Polizeibeamte B._ ein bis zwei Wagenlängen
von den vorliegend für eine einfache Verkehrsregelverletzung massgeben-
den 40 Metern (vgl. nachfolgend Ziff. 7) nicht unterscheiden konnte bzw.
sich in einem solchen Ausmass verschätzt hätte, kann aufgrund seiner lang-
jährigen Berufserfahrung ausgeschlossen werden. Damit ist erstellt, dass
- 19 -
der Abstand des Beschuldigten zum Fahrzeug des Zeugen B._ weniger
als 40 Meter betrug.
7.1. In rechtlicher Hinsicht sieht Art. 34 Abs. 4 SVG vor, dass gegenüber allen
Strassenbenützern ein ausreichender Abstand zu wahren ist, namentlich
beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und Hintereinanderfahren.
Nach Art. 12 Abs. 1 VRV hat der Fahrzeugführer beim Hintereinanderfahren
einen ausreichenden Abstand zu wahren, so dass er auch bei überraschen-
dem Bremsen rechtzeitig halten kann. Eine einfache Verkehrsregelver-
letzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG wird als Übertretung mit Busse
bestraft. Grundsätzlich wird eine einfache Verkehrsregelverletzung bei der
Missachtung der Regel "halber Tacho" angenommen (Boll, Grobe Verkehrs-
regelverletzung, Davos 1999, S. 55; Giger, a.a.O., Art. 34 N 33). Vorliegend
würde ein ausreichender Abstand bei rund 80 km/h (Urk. 4/1 S. 3)
ca. 40 Meter betragen. Der Beschuldigte hätte damit einen genügenden
Abstand nur eingehalten, wäre er dem Polizeifahrzeug mit einem Abstand
von 40 Metern gefolgt. Dass dies der Fall war, kann - wie unter Ziffer 6
erwogen - ausgeschlossen werden. Damit hat der Beschuldigte keinen aus-
reichenden Abstand im Sinne von Art. 34 Abs. 4 SVG eingehalten und sich
damit in objektiver Hinsicht der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und
Art. 12 Abs. 1 VRV schuldig gemacht.
7.2. In subjektiver Hinsicht hat der Täter vorsätzlich oder fahrlässig (Art. 100
Ziff. 1 Abs. 1 SVG) zu handeln. Der Beschuldigte hat den zu geringen
Abstand zum Fahrzeug des Zeugen B._ bewusst gewählt. Die Fahrwei-
se des Beschuldigten erfüllt daher auch subjektiv den Tatbestand der einfa-
chen Verkehrsregelverletzung. Zugunsten des Beschuldigten ist eine grob-
fahrlässige Tatbegehung anzunehmen.
7.3. Demnach ist der Beschuldigte in Aufhebung des vorinstanzlichen Ent-
scheides der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV
schuldig zu sprechen.
- 20 -
IV. Streckenabschnitt Autobahn A... Kilometer 23.500 bis Kilometer 25.500
1. Hinsichtlich des zweiten Vorwurfs erachtete es die Vorinstanz in Würdigung
der Aussagen des Zeugen B._, des Beschuldigten und des Handproto-
kolls als erstellt, dass der Beschuldigte am 16. September 2010 auf der Au-
tobahn A... bei Kilometer 23.500 einem weiteren Personenwagen aufge-
schlossen und diesem bei einer Geschwindigkeit von mindestens 120km/h
mit einem zu nahen Abstand über zwei Kilometer gefolgt sei. Sie erwog, die
Aussagen des Zeugen B._ seien aufgrund seines seitlichen Blickwin-
kels und seiner nicht direkten Beteiligung am Vorfall glaubhaft. Der Beschul-
digte habe den Sachverhalt sodann mit Ausnahme der konkreten Distanz
zum vorderen Fahrzeug anerkannt. Der Beschuldigte ginge von einer Dis-
tanz von drei bis vier Wagenlängen aus. Dies ergebe einen Abstand von 15
bis 20 Metern anstelle der erforderlichen 60 Meter (1/2-Tacho-Regel bzw. 2-
Sekunden-Regel). Es sei damit erstellt, dass der Beschuldigte auf der Auto-
bahnhöhe km 23.500 bis km 25.500 bei einer Geschwindigkeit von mindes-
tens 120 km/h einen Abstand von maximal 15 bis 20 Metern zu dem vor ihm
fahrenden, unbekannten Personenwagen gehalten habe (Urk. 30 S. 13 und
15).
2. Entgegen der Vorinstanz anerkennt der Beschuldigte nicht, im massgeben-
den Zeitpunkt drei bis vier Wagenlängen Abstand zum vorderen Fahrzeug
aufgewiesen zu haben. Vielmehr bezog sich diese Aussage auf einen
geltend gemachten Vorfall beim D._ Kreuz. Den vorgeworfenen Sach-
verhalt ab Kilometer 23.500 bestreitet er vollumfänglich (Urk. 57 S. 13). Der
Sachverhalt ist damit zu erstellen. Wie dargelegt macht der Beschuldigte
geltend, zwischen Kilometer 23.500 und Kilometer 25.500 keinem Fahrzeug
zu nahe aufgeschlossen zu sein (Urk. 23 S. 6). Der Zeuge B._ gab hin-
gegen zu Protokoll, ab Kilometer 23.500 sei der Beschuldigte dicht
auf ein vor ihm fahrendes Fahrzeug aufgeschlossen und diesem für rund
zwei Kilometer gefolgt. Dabei habe der Abstand des Beschuldigten zum vor-
deren Fahrzeug rund ein bis zwei Wagenlängen betragen (Urk. 1 S. 2,
Urk. 4/1 S. 5). Anders als beim ersten Vorfall im "C._-S" fuhr der
- 21 -
Polizeibeamte im massgebenden Zeitpunkt nicht vor dem Beschuldigten,
sondern neben diesem etwas rückversetzt, aber immer in Sichtdistanz
grundsätzlich auf der Normalspur (Urk. 4/1 S. 5). Er konnte damit das Fahr-
verhalten des Beschuldigten durch die Frontscheibe unverzerrt wahr-
nehmen. Auch war es ihm aufgrund seines seitlichen Blickwinkels möglich,
den Abstand zwischen dem Beschuldigten und dem vor diesem fahrenden
Fahrzeug durch die Frontscheibe problemlos einzuschätzen sowie das
Fahrverhalten des Beschuldigten über eine längere Zeit hinweg zu beobach-
ten. Die guten Witterungsbedingungen schränkten sodann die Wahrneh-
mungsfähigkeit des Zeugen B._ nicht ein. Mit Blick auf die bundesge-
richtliche Rechtsprechung, dass Schätzungen nicht generell unzulängliche
Beweismittel darstellen (BGE 131 IV 133), sind die Ausführungen des
Zeugen B._ im Polizeirapport vom 16. September 2010 bzw. anlässlich
seiner Einvernahme vom 7. Dezember 2010 gestützt auf die konkreten Um-
stände als schlüssig und damit glaubhaft zu betrachten. Inwiefern die Tat-
sachen, dass der Beschuldigte einen Off-Roader gefahren ist und eine
Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h aufgewiesen habe (Urk. 57 S. 16),
einen Einfluss auf die Wahrnehmungsfähigkeit des Zeugen B._ und
damit auf dessen Glaubwürdigkeit haben sollen, ist nicht ersichtlich, fuhr er
weder direkt hinter dem Off-Roader noch versperrte dieser ihm die Sicht.
Ebenso wenig vermag die Tatsache, dass er allenfalls gelegentlich auf der
Überholspur gefahren ist (Urk. 57 S. 16), die Genauigkeit der Schätzung zu
relativieren, kontrollierte er das Fahrverhalten des Beschuldigten doch über
eine Strecke von zwei Kilometern. Dass das vorausfahrende Fahrzeug den
Vorfall nicht zur Anzeige gebracht hat (Urk. 57 S. 17), vermag sodann kein
Indiz gegen die Glaubwürdigkeit des Zeugen B._ darzustellen; es stellt
keinen Einzelfall dar, dass Verstösse gegen Verkehrsregeln unangezeigt
bleiben. Schliesslich ist auch nicht relevant, dass der Zeuge B._ sich
weder an die Marke noch die Farbe des vorausfahrenden Fahrzeuges zu
erinnern vermochte (Urk. 57 S. 17), musste er sich doch auf das Fahrver-
halten des Beschuldigten konzentrieren. Damit ist erstellt, dass der Beschul-
digte ab Kilometer 23.500 für rund zwei Kilometer mit einen Abstand von ein
- 22 -
bis zwei Wagenlängen hinter dem vorderen Fahrzeug fuhr. Ein bis zwei
Wagenlängen entsprechen ungefähr 5 bis 10 Metern, weshalb ausge-
schlossen werden kann, dass der Zeuge B._ mit ein bis zwei Wagen-
längen eine Distanz von über 20 Metern meinte (vgl. dazu nachfolgend
Ziffer 4.4.).
Offen gelassen werden kann sodann die Frage, ob die Höchstgeschwindig-
keit des Beschuldigten 160 km/h betrug. Einer abschliessenden Klärung
dieser Frage bedarf es nicht, da bei einem Abstand von ein bis zwei Wagen-
längen in rechtlicher Hinsicht ohnehin, d.h. sowohl bei einer Geschwindigkeit
von 120km/h als auch von 160km/h, von einer groben Verletzung der
Verkehrsregeln auszugehen ist (vgl. nachfolgend Ziffer 3 f.).
3.1. In rechtlicher Hinsicht stellt sich die Staatsanwaltschaft auf den Standpunkt,
die Vorinstanz sei unrichtigerweise davon ausgegangen, dass es sich beim
Fehlverhalten des Beschuldigten um eine einfache Verkehrsregelverletzung
im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12
Abs. 1 VRV handle. Die Vorinstanz habe davon abgesehen, auf die von der
Lehre und Rechtsprechung für eine grobe Verkehrsregelverletzung
anerkannte Regel "1/6 Tacho" abzustellen. Vielmehr habe sie zu Unrecht
noch weitere Umstände gewürdigt (Urk. 31 S. 4 f., Urk. 56 S. 4 f.).
3.2. Der Beschuldigte macht geltend, aufgrund der fehlenden Verlässlichkeit der
Schätzung des Zeugen B._ sei eine grobe Verkehrsregelverletzung zu
verneinen. Es werde die Verurteilung wegen der Begehung einer einfachen
Verkehrsregelverletzung beantragt (Urk. 57 S. 20 ff.).
3.3. Die Vorinstanz begründet ihre Ansicht der einfachen Verkehrsregel-
verletzung zusammengefasst damit, der qualifizierte Tatbestand der groben
Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG setze eine
grobe Verletzung und die Hervorrufung einer ernstlichen Gefahr für die
Sicherheit Anderer voraus. Es müsse eine erhöhte abstrakte Gefährdung
gegeben sein. Diese hange vom Kriterium der Nähe der Verwirklichung ab.
Für die Beurteilung einer groben Verkehrsregelverletzung werde die Regel
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx741x01&AnchorTarget=
- 23 -
"1/6 Tacho" herangezogen. Hierbei handle es sich jedoch nur um eine
Richtschnur und es müssten zudem die konkreten Umstände des massge-
benden Einzelfalles miteinbezogen werden (Urk. 30 S. 16 ff.).
4.1. Wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, wird gemäss Art. 90
Ziff. 2 SVG mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
Der Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung ist objektiv erfüllt, wenn
der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise miss-
achtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet. Eine ernstliche Gefahr
für die Sicherheit anderer ist nicht erst bei einer konkreten, sondern bereits
bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Ob eine konkrete, eine
erhöhte abstrakte oder nur eine abstrakte Gefahr geschaffen wird, hängt von
der Situation ab, in welcher die Verkehrsregelverletzung begangen wird.
Wesentliches Kriterium für die Annahme einer erhöhten abstrakten Gefahr
ist die Nähe der Verwirklichung. Die allgemeine Möglichkeit der Verwirkli-
chung einer Gefahr genügt demnach nur zur Erfüllung des Tatbestands von
Art. 90 Ziff. 2 SVG, wenn in Anbetracht der Umstände der Eintritt einer kon-
kreten Gefährdung oder gar einer Verletzung nahe liegt (BGE 131 IV 133 E.
3.2 mit Hinweisen). Subjektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2
SVG ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Ver-
halten, d.h. ein schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindes-
tens grobe Fahrlässigkeit. Diese ist immer zu bejahen, wenn der Täter sich
der allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst
ist (BGE 131 IV 133 E. 3.2; 123 IV 88 E. 4a; Urteil des Kassationshofs
6S.139/2005 vom 24. Juni 2005 E. 1; Urteil des Bundesgerichts
6B_343/2008 vom 15. Juli 2008 E. 3; BGE 118 IV 285 E. 3 und 4 mit
Hinweisen). Grobe Fahrlässigkeit kann aber auch vorliegen, wenn der Täter
die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in
Betracht gezogen, also unbewusst fahrlässig gehandelt hat. In solchen
Fällen ist grobe Fahrlässigkeit zu bejahen, wenn das Nichtbedenken der
Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Rechts%FCberholen+auf+Autobahn&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-IV-133%3Ade&number_of_ranks=0#page133 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Rechts%FCberholen+auf+Autobahn&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-IV-133%3Ade&number_of_ranks=0#page133 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Rechts%FCberholen+auf+Autobahn&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-IV-88%3Ade&number_of_ranks=0#page88 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2012&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=grobe+Verkehrsregelverletzung&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-IV-285%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page285
- 24 -
Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber
fremden Rechtsgütern (BGE 131 IV 133, 136).
4.2. Zur Abgrenzung der einfachen von der groben Verkehrsregelverletzung
haben sich sowohl die Lehre als auch die Rechtsprechung mehrfach
geäussert. Das Bundesgericht hat bereits in BGE 123 IV 88 E. 3a mit Ver-
weis auf BGE 118 IV 285 E. 3a und BGE 114 IV 63 erwogen, ob eine kon-
krete, eine erhöhte abstrakte oder nur eine abstrakte Gefahr geschaffen
werde, hange nicht von der übertretenen Verkehrsregel, sondern von der
Situation ab, in welcher die Übertretung geschehe. Die allgemeine Möglich-
keit der Verwirklichung einer Gefahr genüge nur dann zur Erfüllung des Tat-
bestandes von Art. 90 Ziff. 2 SVG, wenn aufgrund der Strassen-, Verkehrs-
und Sichtverhältnisse, der Beschaffenheit der beteiligten Fahrzeuge sowie
der Tageszeit der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verlet-
zung naheliege. Diese Grundsätze bestätigte das Bundesgericht in BGE 131
IV 133. Im Konkreten hielt es zum Hintereinanderfahren mit ungenügendem
Abstand Folgendes fest (bestätigt in den Entscheiden 6B_534/2008 vom
13.1.2009 E. 3.5, 6B_660/2009 vom 3. November 2009 E. 3.4,
6B_1014/2010 E. 3.5 vom 12. Mai 2011, 6B_1030/2010 E. 3.3.2 vom
22. März 2011, 6B_616/2010 E. 3.2.1 vom 19. Oktober 2010, 6B_700/2010
E. 1.6.3 vom 16. November 2010):
"3.1 Was unter einem "ausreichenden Abstand" im Sinne von Art. 34 Abs. 4 SVG zu verstehen ist, hängt von den gesamten Umständen ab. Dazu gehören unter anderem die Strassen-, Verkehrs- und  sowie die Beschaffenheit der beteiligten Fahrzeuge. Der Sinn der Verkehrsregel betreffend ausreichenden Abstand beim Hintereinanderfahren besteht in erster Linie darin, dass der  auch bei überraschendem Bremsen des voran fahrenden Fahrzeugs rechtzeitig hinter diesem halten kann. Das überraschende Bremsen schliesst auch ein brüskes Bremsen mit ein. Letzteres ist, auch wenn ein Fahrzeug folgt, im Notfall gestattet (siehe Art. 12 Abs. 2 VRV).
Die Rechtsprechung hat keine allgemeinen Grundsätze zur Frage entwickelt, bei welchem Abstand in jedem Fall, d.h. auch bei  Verhältnissen, eine einfache Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG anzunehmen ist. Im Sinne von Faustregeln sind die Regel "halber Tacho" (entsprechend 1,8 Sekunden) und die Zwei Sekunden-Regel weit herum bekannt (René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Bd. I, 2.
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2012&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=grobe+Verkehrsregelverletzung&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-IV-285%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page285 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2012&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=grobe+Verkehrsregelverletzung&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-IV-63%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page63
- 25 -
Aufl., 2002, N 694; Baptiste Rusconi, Code Suisse de la circulation routière, Commentaire, 3. Aufl., 1996, Art. 34 SVG N 5.2; vgl. auch BGE 104 IV 192 E. 2b). Der französische Code de la route sieht neuerdings, seit 2002, in Art. R. 412-12 Ziff. 1 letzter Satz  die Zwei Sekunden-Regel (als Minimum) vor.
Die Rechtsprechung hat auch keine allgemeinen Grundsätze zur Frage entwickelt, bei welchem Abstand in jedem Fall, d.h. auch bei günstigen Verhältnissen, eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG anzunehmen ist. Die Gerichtspraxis zur Verletzung der Verkehrsregeln betreffend den Abstand beim Hintereinanderfahren ist relativ spärlich, auch weil die  zurückhaltend ist (siehe Manfred Dähler/Erich Peter/René Schaffhauser, Ausreichender Abstand beim Hintereinanderfahren, AJP 1999 S. 947 ff., 949).
3.2 [...]
3.2.1 Die Regel betreffend die Wahrung eines ausreichenden Abstands beim Hintereinanderfahren ist von grundlegender Bedeutung. Viele Unfälle sind auf ungenügenden Abstand  (siehe BGE 115 IV 248 E. 3a; René Schaffhauser, a.a.O., N 691).
3.2.2 Die Praxis in Deutschland qualifiziert einen Abstand von weniger als 0,8 Sekunden als gefährdenden Abstand. Wer, ausser im dichten Stadtverkehr, nicht nur ganz vorübergehend, sondern (bei höheren Geschwindigkeiten) über eine Strecke von mindestens ca. 300 Metern einen geringeren Abstand als 0,8 Sekunden zum Vordermann einhält, gefährdet diesen in der Regel (siehe Peter Hentschel, Strassenverkehrsrecht, 37. Aufl., 2003, § 4 StVO N 6, mit Hinweisen). In der schweizerischen Lehre wird etwa vorgeschlagen, einen Abstand von 0,6 Sekunden oder weniger als grobe  zu qualifizieren (Jürg Boll, Grobe , Davos 1999, S. 57 f.). Soweit dazu überhaupt eine kantonale Praxis besteht, ist sie nicht einheitlich (siehe Dähler/Peter/ Schaffhauser, a.a.O., S. 949 f.; vgl. auch Philippe Weissenberger, Tatort Strasse, Neuere strafrechtliche Rechtsprechung zum Strassenverkehrsrecht, in: René Schaffhauser (Hrsg.), Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, S. 259 ff., 317 ff.). Entgegen einer Meinungsäusserung in der Lehre (Andreas Roth, Entwicklungen im Strassenverkehrsrecht, SJZ 97/2001 S. 194 ff., 198) hat das  in BGE 126 II 358 nicht entschieden, dass erst bei einem Abstand von 0,3 Sekunden oder weniger eine grobe  im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG anzunehmen sei."
4.3. Vorliegend geht es um die Konstellation, dass der Beschuldigte auf
der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von mindestens 120 km/h über eine
längere Strecke (ca. 2'000 Meter) mit einem Abstand von ein bis zwei Fahr-
zeuglängen hinter einem anderen Fahrzeug fuhr. Die Grundregel lautet,
- 26 -
dass der Lenker des nachfolgenden Fahrzeuges jederzeit mit einer Voll-
bremsung des vorausfahrenden Lenkers rechnen muss. Deshalb muss
immer ein genügender Abstand eingehalten werden (Boll, a.a.O., S. 54 f.).
Ginge man von der Regel "halber Tacho" aus, würde ein ausreichender
Abstand bei ca. 120 km/h ca. 60 Meter betragen. Folgt man der Regel "2
Sekunden Abstand" (diese Regel besagt, dass der Abstand zum Voraus-
fahrenden mindestens so gross sein soll, wie die Strecke, welche während
zwei Sekunden zurückgelegt wird), ergibt sich Folgendes: Bei 120 km/h legt
ein Fahrzeug pro Sekunde 33,33 Meter zurück (Giger, a.a.O., S. 180 f.). In
zwei Sekunden legt man bei dieser Geschwindigkeit mithin 66,66 Meter
zurück. Geht man vom rechtsgenügend erstellten Sachverhalt aus (Abstand
ein bis zwei Wagenlängen, d.h. maximal 10 Meter), hat der Beschuldigte
diesen Sicherheitsabstand bei weitem unterschritten.
4.4. Eine andere Berechnungsweise ergibt sich aus dem Anhalteweg. Dieser
setzt sich aus der α Reaktionszeit, der β Schwellzeit und der χ Vollbremszeit
zusammen.
α Reaktionszeit: Diese setzt sich zusammen aus
o Reaktionszeit im engeren Sinne: bei plötzlichem Auftauchen eines Hindernis (Schreckreaktion) mindestens 0,35 Sekunden
o Umsetzzeit (Umsetzen des Fusses vom Gas- auf das Bremspedal): mindestens 0,2 Sekunden
o Ansprechzeit (Berühren des Bremspedals bis zum Beginn des  in der Bremsleitung): mindestens 0,05 Sekunden
• Total: Mindestens 0,6 Sekunden
β Schwellzeit: Sie ist die Zeit vom Beginn des Druckanstiegs in der Bremslei-
tung bis zum Erreichen des Vollbremsdruckes. Unter der idealisierten An-
nahme, dass die Abbremsung während der Schwellphase linear
ansteigt, beträgt die Schwellverzögerung die Hälfte der Verzögerung wäh-
rend der Vollbremsphase. In der Regel wird bei Personenwagen eine
Schwellzeit von 0,2 Sekunden angenommen. χ Vollbremszeit: Die Voll-
- 27 -
bremszeit ist die Zeit vom Blockieren der Räder bzw. dem Einsetzen des
ABS bis zum Stillstand bzw. zur Kollision.
In nachstehender Tabelle (Berechnungsschema nach Boll) ist beim Fahr-
zeug A eine Geschwindigkeit von 120 km/h eingesetzt und beim Fahrzeug B
eine solche von 130 km/h.
Symbol Einheit Wert A Wert B Reaktionszeit tr s 1.00 1.00 Geschwindigkeit bei 
vr km/h 120.00 130.00
Bremsverzögerung av m/s 2 7.50 7.50
Bremsschwellzeit ts s 0.20 0.20
Resultate
Reaktionsweg sr m 33.33 36.11 Schwellweg ss m 6.59 7.15 Vollbremsverzögerungsweg sv m 70.78 83.36 Anhalteweg (sr + ss + sv) sa m 110.70 126.62
Reaktionszeit tr s 1.00 1.00 Schwellzeit ts s 0.20 0.20 Vollbremsverzögerungszeit tv s 4.34 4.71 Anhaltezeit (tr + ts + tv) ta s 5.54 5.91
Die Berechnung von Boll zeigt somit, dass der Anhalteweg bei einer
Geschwindigkeit von 120 km/h ca. 110 Meter und bei einer Geschwindigkeit
von 130 km/h rund 126,6 Meter beträgt. Auch diese Berechnung zeigt, dass
der Beschuldigte bei einem Abstand von maximal 10 Metern nie hätte
bremsen können, wenn das vor ihm fahrende Fahrzeug - aus welchen
Gründen auch immer - ein heftiges Bremsmanöver hätte einleiten müssen.
Versuche haben ergeben, dass selbst reaktionsschnelle Personen mit einer
Brems - Reaktionsdauer von bis zu 0,6 Sekunden zu rechnen haben. Boll
(a.a.O., S. 57 f.) geht deshalb zu Recht davon aus, es sei gerechtfertigt, eine
erhöhte abstrakte Gefährdung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG anzu-
nehmen, wenn der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug 0,6 Sekunden
oder weniger betrage. 0,6 Sekunden entsprechen "1/6 Tacho" oder "16,67%
Tacho". Bei einem Abstand von "1/6 Tacho" oder "16,67% Tacho" sei die
Gefahr einer Auffahrkollision im Verhältnis zum vorgeschriebenen Abstand
- 28 -
(erlaubtes Risiko) hochgradig erhöht (Boll, a.a.O., S. 58). Bei 120 km/h be-
trägt "1/6 Tacho" 20 Meter. Ausgehend vom rechtsgenügend nachgewiese-
nen Sachverhalt (Distanz zwischen den Fahrzeugen ein bis zwei Wagenlän-
gen) ist erstellt, dass der Beschuldigte einen Abstand von weniger als "1/6
Tacho" einhielt.
4.5. Die Vorinstanz verneinte eine grobe Verkehrsregelverletzung aufgrund der
weiteren konkreten Umstände. Dem kann nicht gefolgt werden. Die Regel,
wonach bei einem Abstand von "1/6 Tacho" oder weniger ohne Weiteres von
einer groben Verkehrsregelverletzung auszugehen ist (vgl. Boll, a.a.O.,
S. 57 f.), gilt für normale und nicht für erschwerte Verhältnisse. Normale
Verhältnisse bestanden vorliegend. Die Strassenverhältnisse waren intakt,
d.h. es handelte sich um eine asphaltierte, trockene Strasse. Gemäss dem
Handprotokoll vom 16. September 2010 war es im massgebenden Zeitpunkt
bewölkt und es herrschte mittleres Verkehrsaufkommen (Urk. 2). Dem
gleichentags erstellten Polizeirapport zufolge herrschte zum Zeitpunkt der
Vorfälle reges Verkehrsaufkommen (Urk. 1 S. 3). Dies ergeht auch aus der
Einvernahme des Zeugen B._ vom 7. Dezember 2010, wonach er - im
Zeitpunkt des kurz zuvor erfolgten ersten Vorfalls - auf der Überholspur
durch das "C._-S" fuhr und er aufgrund des Verkehrsaufkommens nicht
auf die Normalspur wechseln konnte (Urk. 4/1 S. 3; vgl. auch Urk. 4/1 S. 2).
Der vorliegend zu beurteilende Vorfall ereignete sich damit auf einer zur
Tatzeit rege befahrenen Autobahn. Damit erlauben die konkreten
Umstände keine von der "1/6-Tachoregel" abweichende Beurteilung. Es
kann somit festgehalten werden, dass der vom Beschuldigten eingehaltene
Abstand von rund ein bis zwei Wagenlängen bei einer Geschwindigkeit von
120 km/h unabhängig davon, von welcher Berechnungsmethode ausge-
gangen wird, ungenügend war. Der objektive Tatbestand der groben Ver-
letzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG ist daher erfüllt.
4.6. In subjektiver Hinsicht ist sodann, wie dargelegt, ein rücksichtsloses oder
sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten erforderlich, wobei dieses
vorsätzlich oder grobfahrlässig begangen worden sein kann (vgl. IV.4.1).
- 29 -
Der Beschuldigte bestreitet, den Tatbestand in subjektiver Hinsicht zu
erfüllen (Urk. 57 S. 16). Dies überzeugt nicht. Der Beschuldigte folgte dem
vorausfahrenden Wagen in dem von ihm frei gewählten Abstand. Grundsätz-
lich ist er sich - eigenen Angaben zufolge - der obgenannten Abstandsregeln
durchaus bewusst, was er anlässlich der Einvernahme vom 7. Dezember
2010 auf entsprechende Frage hin deponierte (vgl. Urk. 3/1 S. 5). Indem er
gemäss rechtsgenügend erstelltem Sachverhalt trotzdem über eine Strecke
von rund zwei Kilometern bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h einen
Abstand von ein bis zwei Fahrzeuglängen einhielt, hat er sich gleichgültig
gegenüber fremden Interessen gezeigt. Die Fahrweise des Beschuldigten
muss somit als rücksichtslos gewertet werden und erfüllt daher auch subjek-
tiv den Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung. Zugunsten des
Beschuldigten ist eine grobfahrlässige Tatbegehung anzunehmen.
4.7. Demnach ist der Beschuldigte in Aufhebung des vorinstanzlichen Ent-
scheides der groben Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV
schuldig zu sprechen.
V. Strafart, Strafzumessung und Verbindungsbusse
1. Strafart
Die Vorinstanz hat hinsichtlich der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln
eine Busse ausgesprochen (Urk. 30 S. 23). Dies ist zutreffend. Infolge der
zusätzlichen Verurteilung des Beschuldigten wegen grober Verletzung der
Verkehrsregeln kommt als Strafart zudem die Anordnung einer Geld- oder
Freiheitsstrafe in Betracht (Art. 90 Ziff. 2 SVG). Der ständigen bundesge-
richtlichen Rechtsprechung folgend, wonach die Freiheitsstrafe von sub-
sidiärer Natur ist und nur als ultima ratio zur Anwendung kommen soll, d.h.
wenn keine andere Strafart in Betracht gezogen werden kann, ist vorliegend
unter Berücksichtigung des Gewichts der Tat, des Verschuldens des Täters
(vgl. nachfolgend Ziffer V 2.) sowie der Zweckmässigkeit der Sanktion eine
- 30 -
Geldstrafe anzuordnen (BSK Strafrecht I-Brägger, Art. 40 N 1; BSK Straf-
recht I-Dolge, Art. 34 N 24 f.; Entscheid des Bundesgerichts 6B_1090/2010
vom 14. Juli 2011, E. 2.5.).
2. Strafrahmen und Strafzumessung
2.1. Auszugehen ist vom schwersten Delikt, der groben Verletzung der Verkehrs-
regeln nach Art. 90 Ziff. 2 SVG. Der ordentliche Strafrahmen reicht von einer
Geldstrafe von einem bis zu 360 Tagessätzen bis zu einer Freiheitsstrafe
von bis zu drei Jahren (Art. 90 Ziff. 2 SVG).
2.2. Innerhalb des Strafrahmens misst das Gericht gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB
die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vor-
leben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf
das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere der Ver-
letzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflich-
keit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach
bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in
der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2
StGB). Nach Art. 50 StGB hat das Gericht die für die Zumessung der Strafe
erheblichen Umstände und deren Gewichtung festzuhalten.
2.3. Das Bundesgericht hat in neueren Entscheiden die Regeln zur Strafzumes-
sung modifiziert (BGE 136 IV 55 E.5.4.). Die Ausführungen des Bundes-
gerichts werden ergänzt durch weitere Strafzumessungskriterien, die sich
aus der Literatur und der weiteren Rechtsprechung des Bundesgerichts er-
geben. Es liegt im Ermessen des Sachrichters, in welchem Umfang er die
verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Das Gericht ist
nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen
Strafzumessungskriterien bewertet. Das Gesamtverschulden ist zu qualifi-
zieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich zu benennen,
wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszuge-
hen ist. Hierauf ist in einem zweiten Schritt innerhalb des zur Verfügung
- 31 -
stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, die die-
sem Verschulden entspricht.
2.4. Zum Tatverschulden des Beschuldigten führte die Vorinstanz aus, der
Abstand zum vorderen Fahrzeug habe nur 15 bis 20 Meter betragen. Dies
entspreche in der Hochgeschwindigkeitszone von 120km/h 1/8 bzw.
1/6 Tacho. Zum Tatzeitpunkt habe nur mittleres Verkehrsaufkommen
bestanden und die Wetter- und Sichtverhältnisse seien gut gewesen. Durch
sein Verhalten habe der Beschuldigte eine abstrakte Gefahr für den voraus-
fahrenden Lenker geschaffen. Seine Fahrweise scheine eine Verhaltens-
weise im Alltagsverkehr darzustellen. Es sei von einen mittelschweren Ver-
schulden auszugehen (Urk. 30 S. 21 f.).
Zur objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte den not-
wendigen Abstand zum vorderen Fahrzeug während einer Strecke von rund
zwei Kilometern bei hoher Geschwindigkeit (120 km/h) nicht eingehalten hat.
Dadurch hat er für das vordere Fahrzeug und die weiteren Verkehrsteil-
nehmer eine Gefahrenlage bzw. eine hohe Unfallgefahr geschaffen. Zur Zeit
des Vorfalles war die Fahrbahn trocken und es herrschten gute Witterungs-
und Sichtbedingungen, jedoch war das Verkehrsaufkommen rege. Unter
Würdigung aller Umstände ist von einem gerade noch als leicht zu qualifizie-
renden Verschulden des Beschuldigten auszugehen.
Zur subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte grobfahr-
lässig gehandelt hat. Das objektive Verschulden wird diesbezüglich nicht
merklich gemindert, zumal er mit seiner Handlungsweise andere Verkehrs-
teilnehmer in hohem Masse gefährdete; der Beschuldigte hat ein rücksichts-
loses Fahrverhalten an den Tag gelegt und sich gegenüber fremden Interes-
sen gleichgültig gezeigt. Anhaltspunkte für Strafmilderungsgründe wie eine
verminderte Schuldfähigkeit oder achtenswerte Beweggründe bestehen so-
dann keine. Insgesamt vermag die subjektive Komponente die objektive
Tatschwere nicht massgebend zu relativieren. Eine (noch hypothetische)
Einsatzstrafe von 20 Tagessätzen erscheint angemessen.
- 32 -
2.5. Bezüglich der Täterkomponente stellte die Vorinstanz zutreffend fest, die
Vorstrafenlosigkeit in der Schweiz (Urk. 9/2) sowie der einwandfreie auto-
mobilistische Leumund (Urk. 9/3) wirkten sich neutral aus (Urk. 30 S. 22).
Aus der Lebensgeschichte des Beschuldigten ergeben sich sodann keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren. Insgesamt ergibt sich aus der Täter-
komponente nichts, das geeignet wäre, die hypothetische Einsatzstrafe zu
reduzieren. Damit ist gerade noch von einem leichten Verschulden des
Beschuldigten auszugehen. Es resultiert eine Strafe von 20 Tagessätzen.
2.6. Die Höhe des Tagessatzes ist gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB nach den
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des
Urteils zu bestimmen, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebens-
aufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem
Existenzminimum. Dem Existenzminimum soll blosse Korrekturfunktion
zukommen (vgl. BGE 134 IV 60 E. 6). Ein Tagessatz beträgt höchstens
Fr. 3'000.–; eine minimale Höhe nennt das Gesetz nicht. Für die Berechnung
ist nach der Praxis des Bundesgerichtes das Nettoprinzip anzuwenden. Es
ist somit von den durchschnittlichen Nettoeinkünften des Täters auszuge-
hen. Der Ermittlung des Nettoeinkommens können in der Regel die Daten
der Steuerveranlagung zu Grunde gelegt werden (vgl. Art. 34 Abs. 3 StGB).
Gemäss den neusten Angaben des Beschuldigten beträgt sein monatliches
Nettoeinkommen Fr. 9'143.- zuzüglich abgesicherter Bonus von Fr. 28'140.-
pro Jahr, was monatlich einen Bonus von Fr. 2'345.- ergibt (vgl. Urk. 38/1
und Urk. 38/3). Zu berücksichtigen sind ferner die (belegten) Vermögens-
werte des Beschuldigten, bestehend aus einer Liegenschaft in H._, von
Fr. 650'000.- (Steuerwert) sowie Hypothekarschulden von Fr. 720'000.-
(Urk. 38/4). Weiter ist zu beachten, dass der Beschuldigte gegenüber drei
Kindern unterhaltspflichtig ist. Unter Berücksichtigung der Einkünfte in den
letzten Jahren, der Vermögenswerte sowie der abzugsberechtigten
Lebenshaltungskosten erweist sich ein Tagessatz in der Höhe von Fr. 150.-
als angemessen. Der Beschuldigte ist somit mit einer Geldstrafe von
20 Tagessätzen zu Fr. 150.- zu bestrafen.
- 33 -
2.7. Die Staatsanwaltschaft beantragt zusätzlich die Aussprechung einer Busse
von Fr. 1'000.- (Urk. 56 S. 1), der Beschuldigte verzichtete hierzu auf
Ausführungen (Urk. 57 S. 22). Die einfache Verkehrsregelverletzung wird mit
Busse von Fr. 1.- bis Fr. 10'000.- bestraft (Art. 90 Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 106
Abs. 2 StGB). Mit Blick auf die geschaffene erhebliche Gefahrenlage bzw.
hohe Unfallgefahr, das zur Tatzeit herrschende mittlere Verkehrsauf-
kommen, die guten Strassen- und Wetterbedingungen sowie das grob-
fahrlässige Verhalten des Beschuldigten rechtfertigt sich die Aussprechung
einer Busse in der Höhe von Fr. 600.-.
2.8. Weiter kommt vorliegend eine Verbindungsbusse nach Art. 42 Abs. 4 StGB
in Betracht. Diese dient einerseits dazu, die Schnittstellenproblematik
zwischen der Busse (für Übertretungen) und der bedingten Geldstrafe (für
Vergehen) zu entschärfen (Botschaft 2005, S. 4695, 4699 ff. und 4705 ff.).
Auf Massendelikte, die im untersten Bereich bloss mit Bussen geahndet
werden, soll – auch – mit einer unbedingten Sanktion reagiert werden
können, wenn sie die Schwelle zum Vergehen überschreiten. Art. 42 Abs. 4
StGB verhilft somit im Bereich der leichteren Kriminalität zu einer rechts-
gleichen Sanktionierung (BGE 134 IV 82 E. 8) und übernimmt auch Auf-
gaben der Generalprävention (BGE 134 IV 1 E. 4.5.1). Die unbedingte Ver-
bindungsgeldstrafe bzw. Busse trägt ferner dazu bei, das unter spezial- und
generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe Drohpotential der beding-
ten Geldstrafe zu erhöhen. Sie kommt in Betracht, wenn man dem Täter den
bedingten Vollzug gewähren möchte, ihm aber dennoch in gewissen Fällen
mit der Auferlegung einer zu bezahlenden Geldstrafe oder Busse einen
spürbaren Denkzettel verabreichen möchte, um ihm den Ernst der Lage vor
Augen zu führen und zugleich zu demonstrieren, was bei Nichtbewährung
droht.
2.9. Eine Verbindungsbusse (Art. 42 Abs. 4 StGB) darf nicht zusätzlich zur
schuldangemessenen Geldstrafe ausgefällt werden, sondern muss zusam-
men mit der bedingt vollziehbaren Hauptsanktion dem Verschulden des
Täters entsprechen (BGE 134 IV 53 E. 5.2; Entscheid des Bundesgerichts
- 34 -
6B_760/2007 vom 18. März 2008 E. 3 und 4). Wegen des akzessorischen
Charakters der Verbindungsstrafe darf die Verbindungsbusse in der Regel
nicht mehr als einen Fünftel der Gesamtsanktion ausmachen. Abweichun-
gen sind im Bereich tiefer Strafen denkbar, um sicherzustellen, dass der
Verbindungsstrafe nicht eine lediglich symbolische Bedeutung zukommt
(Entscheid des Bundesgerichts vom 21. August 2009 6B_912/2008).
2.10. Bei groben Verletzungen der Verkehrsregeln (Art. 90 Ziff. 2 SVG) ist eine
Verbindungsbusse wegen der Schnittstellenproblematik gegenüber dem
Übertretungstatbestand der einfachen Verkehrsregelverletzung (Art. 90
Ziff. 1 SVG) regelmässig am Platze, wenn die Geldstrafe bedingt vollziehbar
ausgesprochen wird. Die Verbindungsbusse ist auf Fr. 600.- festzusetzen.
2.11. Abschliessend rechtfertigt es sich damit, den Beschuldigten mit einer
bedingten (vgl. nachfolgend Ziffer VI) Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu
Fr. 150.- sowie einer asperierten Busse von Fr. 1'000.– zu bestrafen. Bei
schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von sieben Tagen (Art. 106 Abs. 2 StGB; BGE 134 IV 77).
VI. Vollzug der Geldstrafe
1. Die Staatsanwaltschaft beantragt den Aufschub des Vollzugs der Geldstrafe
und die Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren (Urk. 31 S. 2, Urk. 56
S.1). Gemäss Art. 42 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe
in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um
den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzu-
halten. Der Strafaufschub soll dabei die Regel sein, und es soll nur bei einer
tatsächlich ungünstigen Prognose davon abgewichen werden (BGE 134 IV 1
E. 4.2.2).
2. Vorliegend stehen der Gewährung des bedingten Vollzugs der Geldstrafe
keine objektiven Gründe entgegen, da eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen
zu Fr. 150.- verhängt wird und der Beschuldigte in den letzten fünf Jahren
- 35 -
vor der Tat weder zu einer Freiheits- noch zu einer Geldstrafe verurteilt
worden ist (Urk. 9/2). In subjektiver Hinsicht ist zu bemerken, dass sich der
Beschuldigte seit dem zu beurteilenden Vergehen, welches rund 1 1⁄2 Jahre
zurückliegt, wohl verhalten hat. Auch lebt er in gefestigten sozialen Verhält-
nissen. Insgesamt liegen keine Anzeichen vor, die befürchten liessen, der
Beschuldigte könnte erneut delinquieren. Somit steht der Gewährung des
bedingten Vollzugs der Geldstrafe auch in subjektiver Hinsicht nichts im
Wege.
3. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe auf, so setzt es dem Verurteil-
ten gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren an.
Die Dauer der Probezeit ist nach den Umständen des Einzelfalls, insbeson-
dere nach Persönlichkeit und Charakter des Verurteilten sowie der Gefahr
seiner Rückfälligkeit zu bemessen (BGE 95 IV 121, 122). Unter Berücksich-
tigung der konkreten Umstände ist die Probezeit auf zwei Jahre festzu-
setzen.
VII. Kosten
1. In Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 der
Gebührenverordnung des Obergerichts (LS 211.11) ist die zweitinstanzliche
Gerichtsgebühr auf Fr. 3'000.- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind die
Kosten des Verfahrens zu drei Vierteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und
zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen (vgl. auch BSK StPO-
Domeisen, Art. 428 N 8).
2. Dem Beschuldigten ist eine reduzierte Prozessentschädigung in der Höhe
von Fr. 500.- (einschliesslich Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der
Gerichtskasse zu entrichten (Art. 429 StPO i.V.m. § 2, § 17 Abs. 1 und § 18
der Verordnung über die Anwaltsgebühren [LS 215.3]). Das Verrechnungs-
recht nach Art. 442 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
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