Decision ID: c8d5e718-16ac-5a8c-af97-e483a6bd1ca7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 28. März 2016 ohne Einreichung von
Identitätsdokumenten in der Schweiz um Asyl nach. Auf dem gleichentags
erstellten Personalienblatt gab sie als Geburtsdatum den (...) an, was auf
der zweiten Seite des Personalienblattes mit «(...)» vermerkt wurde. An-
lässlich der Befragung zur Person (BzP) am 31. März 2016 gab die Be-
schwerdeführerin zu Protokoll, sie sei gemäss äthiopischem Kalender am
(...) geboren worden. Dieses Datum wurde von der Vorinstanz in den gre-
gorianischen Kalender umgerechnet und als (...) erfasst (die Umrechnung
durch das Gericht ergibt den [...]). Die Beschwerdeführerin sagte zudem
aus, sie sei aktuell (...) Jahre alt (vgl. SEM-Akte A4/11 Ziff. 1.06). Auf den
Vorhalt, sie habe aufgrund eines Passes in dem das Geburtsdatum (...)
vermerkt sei, ein Visum der griechischen Behörden erhalten, führte sie aus,
dieser Pass sei nicht echt, sondern für sie organisiert worden.
B.
Am 16. Oktober 2017 fand die einlässliche Anhörung der Beschwerdefüh-
rerin statt. In Bezug auf ihr Alter führte sie aus, gemäss äthiopischem Ka-
lender sei sie am «(...)» geboren (SEM-Akte A12/23 F12 f.), aktuell sei sie
(...) Jahre alt (F177). Bezüglich ihrer Asylgründe gab die Beschwerdefüh-
rerin im Wesentlichen zu Protokoll, weil ihr Vater gegen die Regierung ge-
wesen sei, sei das Land der Familie enteignet und das Haus in Brand ge-
steckt worden. Bis ins Jahr 1999 (äthiopischer Kalender [gemäss SEM:
2006/2007]) habe sie zusammen mit ihren Eltern im Dorf B._ ge-
lebt. Beim Hausbrand sei sie verletzt worden und könne deshalb auf ihrem
rechten Auge nichts mehr sehen. Ihre Tante habe sie danach zu sich geholt
(F48), und sie habe ihr beim Verkauf von Kaffee und Tee geholfen. Ihre
Tante habe ihr weder erlaubt, mit den Eltern Kontakt aufzunehmen, noch
zur Schule zu gehen. Sie habe gemacht, was ihre Tante und deren Mann
von ihr verlangt hätten, und sie bei deren Tätigkeiten für die Gruppierung
«Arbengnch Ginbar» unterstützt. Sie habe zum Beispiel Medikamente und
Kleider bei einer Bushaltestelle abgeholt und nach Hause gebracht. Der
Mann ihrer Tante habe die Sachen dann nach Eritrea geschickt. Da dies
illegal sei, habe sie sich durch ihre Hilfeleistungen ebenfalls strafbar ge-
macht. Eines Tages habe der Mann ihrer Tante zwei Leute nach Eritrea
geschickt. Als diese nicht dort angekommen seien, hätten sie gewusst,
dass sie verhaftet worden sein müssten. Er habe sofort die Tante informiert,
damit sie das Haus verlasse. Sie sei dann mit ihrer Tante nach C._
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gegangen, wo sie deren Mann wieder getroffen hätten. Nach ungefähr ei-
nem Monat seien die Tante und ihr Mann nach Eritrea gegangen. Für sie
hätten sie einen Schlepper organisiert, mit dessen Hilfe sie einen Pass so-
wie ein Visum erhalten und der sie nach Europa gebracht habe. Hier in der
Schweiz unterstütze sie Arbengnch Ginbar / Ginbot Sebat (7). Manchmal
müsse sie etwas bezahlen. Sie nehme an Sitzungen teil, informiere die
Leute, dass es eine Sitzung gebe, helfe bei der Organisation und bringe
den Leuten etwas zu trinken. Sie mache auch bei Demonstrationen mit,
habe aber keine besondere Aufgabe.
C.
Mit Verfügung vom 22. Juli 2019 stellte das SEM fest, als Geburtsdatum
der Beschwerdeführerin werde im ZEMIS der 25. April 1978 erfasst. Die
Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, das Asylge-
such werde abgelehnt, die Beschwerdeführerin aus der Schweiz wegge-
wiesen und der zuständige Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung be-
auftragt.
Betreffend das Geburtsdatum wurde im ZEMIS ein Bestreitungsvermerk
angebracht.
D.
Mit Eingabe vom 22. August 2019 liess die Beschwerdeführerin durch ihre
Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben
und beantragen, die Verfügung des SEM vom 22. Juli 2019 sei aufzuheben
und die Vorinstanz anzuweisen, das Geburtsdatum auf den (...) zu berich-
tigen. Die Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihre
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter
sei die Verfügung aufzuheben und wegen Unzumutbarkeit der Wegwei-
sung die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Verfü-
gung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei ihr die unentgeltliche Rechts-
pflege zu gewähren und die unentgeltliche Verbeiständung mit der die Be-
schwerde Unterzeichnenden zu bewilligen und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 5. September 2019 hielt die Instruktionsrich-
terin fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang des Verfahrens in
der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
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chen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses und setzte MLaw Anouk Fricker als amtliche Rechtsbeiständin
der Beschwerdeführerin ein. Gleichzeitig gab sie der Vorinstanz Gelegen-
heit, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen.
F.
In der Vernehmlassung vom 19. September 2019 hielt die Vorinstanz voll-
umfänglich an ihren Erwägungen fest. Dies wurde der Beschwerdeführerin
am 23. September 2019 zur Kenntnis gebracht.
G.
Am 6. Februar 2020 ersuchte Anouk Fricker um Entlassung aus dem Man-
dat als amtliche Beiständin.
H.
Die Instruktionsrichterin hiess das Gesuch gut und ordnete der Beschwer-
deführerin mit Verfügung vom 12. Februar 2020 MLaw Ninja Frey als neue
amtliche Rechtsbeiständin bei.
I.
Diese erkundigte sich mit Eingabe vom 24. August 2020 nach dem aktuel-
len Verfahrensstand. Die Instruktionsrichterin teilte ihr daraufhin am
25. August 2020 mit, es könne keine verbindliche Angabe über den Urteils-
zeitpunkt gemacht werden.
J.
J.a Am 7. Oktober 2020 gab die Instruktionsrichterin der Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin Gelegenheit, sich zu Unklarheiten im Zusammen-
hang bei der Umrechnung des Geburtsdatums der Beschwerdeführerin
aus dem äthiopischen in den gregorianischen Kalender zu äussern.
J.b Mit Stellungnahme vom 22. Oktober 2020 teilte die Rechtsvertreterin
mit, eine aktuell vorgenommene Umrechnung der Angaben der Beschwer-
deführerin im äthiopischen Kalender ([...]) ergebe das Datum (...) im gre-
gorianischen Kalender. Die Angabe des Datums (...) durch die ehemalige
Rechtsvertretung sei nicht erklärbar. Das Geburtsdatum der Beschwerde-
führerin im gregorianischen Kalender sei der (...).
K.
Mit Eingabe vom 2. November 2020 liess die Beschwerdeführerin dem Ge-
richt Kopien ihres neuen N-Ausweises und ihres Praktikumsvertrags zu-
kommen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Das Verfahren richtet sich
nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts ande-
res bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes
über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom
20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-
rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (ZEMIS-Verord-
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nung, SR 142.513) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-
nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Aus-
kunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informa-
tionen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten,
nach dem DSG und dem VwVG.
3.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass
unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25
Abs. 3 Bst. a DSG). Ist die Unrichtigkeit erstellt, besteht auf Berichtigung
ein uneingeschränkter Anspruch (Urteil des BGer 1C_224/2014 vom
25. September 2014 E. 3.1). Die ZEMIS-Verordnung sieht in Art. 19 Abs. 3
ausdrücklich vor, dass unrichtige Daten von Amtes wegen zu berichtigen
sind.
3.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die
Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung, die Bundesbehörde im Be-
streitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personen-
daten zu beweisen (Urteil des BGer 1C_240/2012 vom 13. August 2012
E. 3.1; BVGE 2013/30 E. 4.1). Nach den massgeblichen Beweisregeln des
VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher
Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel blei-
ben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. Die mit dem
Berichtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Untersu-
chungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abzu-
klären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist jedoch gemäss
Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung mitzuwir-
ken (vgl. Urteile des BVGer A-7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 3.3,
A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.3 und A-2291/2015 vom
17. August 2015 E. 4.3).
3.4 Kann bei einer verlangten beziehungsweise von Amtes wegen beab-
sichtigten Berichtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige
der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder
die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1
DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Per-
sonendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger-
weise bearbeitet werden. Dies gilt namentlich auch für die im ZEMIS er-
fassten Namen und Geburtsdaten. In solchen Fällen überwiegt das öffent-
liche Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzutreffender Daten
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das Interesse an deren Richtigkeit. Unter diesen Umständen sieht Art. 25
Abs. 2 DSG deshalb die Anbringung eines Vermerks vor, in dem darauf
hingewiesen wird, dass die Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten be-
stritten ist. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die
bisherigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten an-
schliessend mit einem derartigen Vermerk zu versehen. Ob die vormals
eingetragenen Angaben weiterhin abrufbar bleiben sollen oder ganz zu lö-
schen sind, bleibt grundsätzlich der Vorinstanz überlassen. Verhält es sich
umgekehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher eingetragenen Daten
als wahrscheinlicher oder zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind
diese zu belassen und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über
dessen Anbringung ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig davon zu
entscheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl. zum
Ganzen Urteile des BVGer A-7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 3.4 und
A-7822/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.4, je m.w.H.; vgl. ferner Urteil des
BGer 1C_240/2012 vom 13. August 2012 E. 3.2.; JAN BANGERT, in: Mau-
rer-Lambrou/Blechta [Hrsg.], Datenschutzgesetz, Basler Kommentar,
3. Aufl., 2014, Art. 25/25bis N. 53 ff.).
4.
4.1 Es obliegt somit grundsätzlich der Vorinstanz zu beweisen, dass der
aktuelle ZEMIS-Eintrag des Geburtsdatums der Beschwerdeführerin kor-
rekt ist. Diese wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihr geltend ge-
machte Geburtsdatum richtig beziehungsweise zumindest wahrscheinli-
cher ist als die derzeit im ZEMIS erfasste Angabe. Gelingt keiner Partei der
sichere Nachweis des Geburtsdatums, ist dasjenige im ZEMIS zu belassen
oder einzutragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist (vgl. BVGE 2018
VI/3 E. 3 und 4.2.3).
4.2 Die Beschwerdeführerin gab bei ihrer Einreise in die Schweiz an, sie
sei am (...) geboren (vgl. Personalienblatt, SEM-Akte A1/4). Sie füllte das
Personalienblatt nicht selbständig aus. Auf der zweiten Seite des Persona-
lienblattes wurde als Geburtsdatum «(...)» erfasst. Anlässlich der BzP am
31. März 2016 wurde unter Ziffer 1.06 «Geburtsdatum» «(...)», danach
«Datum in anderem Kalender» «(...)» notiert. Darauf angesprochen, dass
in ihrem Pass als Geburtsdatum der (...) erfasst sei, gab die Beschwerde-
führerin an, dies sei kein echter Pass gewesen, sondern er sei für sie or-
ganisiert worden. Als sie in Griechenland angekommen sei, sei ihr der Pass
wieder weggenommen worden. Sie sei (...) Jahre alt. Bei der Anhörung am
16. Oktober 2017 führte die Beschwerdeführerin zu ihrem Alter aus, sie sei
gemäss äthiopischem Kalender am «(...)» geboren (SEM-Akte A12/23 F12
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f.). Sie sei aktuell (...) Jahre alt (F177). Ihre Schwestern seien ungefähr
(...), (...) und (...) Jahre alt (F38).
4.3 Das SEM legte in der angefochtenen Verfügung das Geburtsdatum der
Beschwerdeführerin auf den (...) fest und führte dazu aus, die Angabe der
Beschwerdeführerin zu ihrem Geburtsdatum «(...)» würde korrekt in den
gregorianischen Kalender umgerechnet dem (...) entsprechen. Somit sei
die Angabe der Beschwerdeführerin, sie sei im Zeitpunkt der Anhörung
(Oktober 2017) (...) Jahre alt, unzutreffend. Die Zweifel an der Richtigkeit
der Angaben würden dadurch bestärkt, dass ein Treffer in der Visumsda-
tenbank gefunden worden sei, wonach der Beschwerdeführerin von der
griechischen Botschaft in Adis Abeba am 10. Dezember 2015 ein Schen-
gen-Visum ausgestellt worden sei. Der Visumsantrag stütze sich auf einen
Reisepass, worin als Geburtsdatum der Beschwerdeführerin der (...) ver-
merkt sei. Der Umstand, dass die griechischen Behörden ein Visum aus-
gestellt hätten, lasse folgern, dass diese im Pass keine Fälschungsmerk-
male festgestellt hätten und das Dokument für echt befunden worden sei.
Dies, auch wenn die Beschwerdeführerin angebe, der Pass sei nicht echt
und extra für sie besorgt worden. Der Umstand, dass der Beschwerdefüh-
rerin im Verlauf des Visums-ausstellungsverfahrens die Fingerabdrücke
abgenommen worden seien, zeige zudem, dass sie persönlich bei den
griechischen Behörden vorgesprochen habe. Es erscheine nicht plausibel,
dass sie mit einem gefälschten Dokument rund (...) Jahre älter gemacht
worden sei, da ein derart eklatanter Altersunterschied den Visumsausstel-
lungsprozess und die Reise nach Europa gefährdet hätte. Die vorhande-
nen Fotos seien ebenfalls als Indiz dafür zu werten, dass sie älter sei, als
angegeben. Das geltend gemachte Alter habe sie nicht belegen können.
Zur Überprüfung der Vorbringen sei das Dossier ihrer Schwester
D._ (N [...]) konsultiert worden. Gemäss deren Schilderungen an
der BzP müsste A._ (die Beschwerdeführerin) Jahrgang (...) ha-
ben, was sich wiederum mit keiner Angabe der Beschwerdeführerin decke.
Die Übereinstimmung der biografischen Angaben von D._ und der
Beschwerdeführerin vermöchten die Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Al-
tersangaben nicht auszuräumen. Da begründete Zweifel am geltend ge-
machten Alter bestünden, werde der (...) als Geburtsdatum erfasst, was
der behördlichen Registrierung durch die griechische Botschaft in Addis
Abeba entspreche.
4.4 In der Beschwerde wird beantragt, das Geburtsdatum der Beschwer-
deführerin sei auf den (...) zu berichtigen. Die Beschwerdeführerin habe
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auf dem Personalienblatt und an der BzP übereinstimmend angegeben, sie
sei im Jahr (...) (recte: [...] bzw. [...] nach äthiopischem Kalender) geboren
worden. Zudem habe sie während der Anhörung im Oktober 2017 angege-
ben, sie sei (...) Jahre alt, und an der BzP im März 2016 angegeben, sie
sei (...) Jahre alt. Diese Angaben würden darauf schliessen lassen, sie sei
(...) [recte (...)] geboren worden. Der betreffende Pass sei notfallmässig
auf inoffiziellem Weg und ohne Beizug der äthiopischen Behörden, son-
dern mit Hilfe eines Bekannten beschafft worden. Die Beschwerdeführerin
habe nie bei den äthiopischen Behörden vorsprechen müssen. Der Pass
sei gefälscht. Die Beschwerdeführerin habe stets angegeben, dieser sei
nicht echt, sondern für sie organisiert worden. Ob und inwieweit die Fäl-
schungsmerkmale vom griechischen Konsulat überprüft worden seien, sei
nicht erstellt. Die Vorinstanz könne nicht, ohne den Pass jemals selbst ge-
sehen zu haben, davon ausgehen, es seien keine Fälschungsmerkmale
festgestellt worden. Zudem sei es für Europäer und vermutungsweise auch
für das Personal im griechischen Konsulat erwiesenermassen schwierig,
das Alter von Personen äthiopischer Herkunft korrekt einzuschätzen, zu-
mal die Beschwerdeführerin aufgrund des Erlebten und des Brandes im
Jahr 2005 älter aussehen dürfte, als sie tatsächlich sei. Im Pass sei sie für
die Erhöhung der Chancen einer Visumsausstellung älter gemacht worden.
Wenn das Datum im Pass stimmen würde, wäre es nicht logisch erklärbar,
dass die Beschwerdeführerin im Asylverfahren ein abweichendes Geburts-
datum angeben sollte, da ihr der Pass als Identifikationsdokument im Asyl-
verfahren von Nutzen hätte sein können. Die Schwester D._ habe
zudem keine exakte Angabe gemacht, als sie gesagt habe die Beschwer-
deführerin sei wohl ungefähr (...)Jahre alt. Ihre Aussage belege aber, dass
die Beschwerdeführerin nicht im Jahr (...) geboren sein könne. Zwischen
der Angabe von D._ und derjenigen der Beschwerdeführerin er-
gebe sich eine Abweichung von lediglich zwei Jahren [recte: einem Jahr].
Da die übrigen Aussagen (Enteignung, politische Aktivitäten) überein-
stimmten, komme der Altersangabe der Schwester ein hoher Beweiswert
zu.
4.5 Die ältere Schwester der Beschwerdeführerin (D._) verliess
Äthiopien im Jahr 2008 und suchte im Oktober 2008 in der Schweiz um
Asyl nach (vgl. SEM-Akten N [...], A4/11). Bei ihrer ersten Befragung gab
sie an, sie habe drei Schwestern; A._ sei ungefähr (...) Jahre alt
(SEM-Akten N [...], A4/11 S. 3 Ziff. 12). Gemäss dieser Angabe wäre die
Beschwerdeführerin im Jahr [...] geboren worden. D._ sprach zu-
dem nie davon, eine ältere Schwester zu haben. Nachdem D._ be-
reits acht Jahre vor der Beschwerdeführerin in die Schweiz gekommen ist,
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erscheint es kaum wahrscheinlich, dass sie zum damaligen Zeitpunkt ab-
sichtlich falsche Angaben zum Alter ihrer Geschwister machte. Ihre Formu-
lierung «ungefähr (...) Jahre alt» deutet sodann an, dass sie es nicht ganz
genau wusste. Auch die Angaben der Beschwerdeführerin selbst sind un-
präzise. An der BzP vom 31. März 2016 gab sie nämlich an, sie sei
(...) Jahre alt. Ausgehend von ihrem angegebenen Geburtstag, (...), um-
gerechnet (...), wäre sie aber zum Zeitpunkt der BZP noch (...) Jahre alt
gewesen. Eineinhalb Jahre später bei der Anhörung im Oktober 2017 gab
sie an, sie sei (...) Jahre alt, wäre aber bei genauer Betrachtung – basie-
rend auf ihrer Angabe – erst (...) Jahre alt gewesen. Die ungenauen Anga-
ben der Beschwerdeführerin erscheinen aber im äthiopischen Kontext und
vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin lediglich (...) Jahre lang
die Schule besuchte, nachvollziehbar. Für die Annahme des SEM, dass die
Beschwerdeführerin im Jahr (...) geboren wurde, liegen hingegen keinerlei
aktenkundige respektive nachprüfbare Hinweise vor. In den Angaben der
Beschwerdeführerin und ihrer Schwester zum Alter der Beschwerdeführe-
rin ergibt sich eine Abweichung von lediglich einem Jahr. Die sonstigen (bi-
ografischen) Darstellungen der Schwestern stimmen überein, weshalb es
keinen Sinn machen würde, dass die Beschwerdeführerin (ungefähr) (...)
Jahre älter ist, als von ihnen beiden angegeben. Vor diesem Hintergrund
und unter Berücksichtigung, dass die Beschwerdeführerin stets angab, der
Pass sei nicht echt und extra für sie besorgt worden, rechtfertigt es sich
nicht, auf das Geburtsdatum in einem Pass abzustellen, der sich nicht in
den Händen der Vorinstanz befindet. Die Vorinstanz konnte den fraglichen
Pass nicht selbst überprüfen, und dass die griechischen Behörden eine
Echtheitsprüfung vorgenommen haben, beruht auf einer Annahme.
4.6 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass weder die Vorinstanz noch die
Beschwerdeführerin den eindeutigen Beweis der Richtigkeit des von ihnen
geltend gemachten Geburtsdatums zu erbringen vermögen. Weil somit kei-
ner Partei der sichere Nachweis des Geburtsdatums gelingt, ist dasjenige
im ZEMIS einzutragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist. In einer
Gesamtwürdigung erscheint das von der Beschwerdeführerin konstant zu
Protokoll gegebene Geburtsdatum (...) beziehungsweise (...) im gregoria-
nischen Kalender als das Wahrscheinlichere. Der ZEMIS-Eintrag ist daher
auf den (...) zu berichtigen und mit einem Bestreitungsvermerk zu verse-
hen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Seite 11
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Per-
son erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder
wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten ins-
besondere unerwünschte exilpolitische Betätigungen, illegales Verlassen
des Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder die Einreichung eines Asylge-
suchs im Ausland, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung be-
gründen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1; 2009/28 E. 7.1). Personen mit subjek-
tiven Nachfluchtgründen erhalten gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden
jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen.
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; zu den praxisgemässen An-
forderungen an das Glaubhaftmachen vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.4 Die Vorinstanz kam in der Verfügung das Asyl und die Flüchtlingsei-
genschaft der Beschwerdeführerin betreffend zum Schluss, der Vorfall bei
welchem gemäss Angaben der Beschwerdeführerin das Haus der Familie
in Brand gesteckt und sie verletzt worden sei, habe zehn Jahre vor ihrer
Ausreise aus Äthiopien stattgefunden, womit kein hinreichend enger zeitli-
cher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis und ihrer Ausreise
mehr bestehe. Gemäss ihren Schilderungen habe die Beschwerdeführerin
nach dem Brand des Elternhauses aufgrund des politischen Engagements
der Eltern keine persönlichen Probleme mit den Brandstiftern oder den
äthiopischen Behörden gehabt. Ausserdem seien keine Anhaltspunkte für
gezielt gegen sie gerichtete Verfolgungsmassnahmen ersichtlich. Ihre Vor-
bringen vermöchten keine Asylrelevanz zu entfalten.
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Die Beschwerdeführerin habe weiter vorgebracht, sie habe ihre Tante und
deren Ehemann bei deren Tätigkeit für die Organisation Ginbot 7 unter-
stützt. Die Lage in Äthiopien habe sich seit Frühling 2018 grundlegend ver-
ändert. Die Vereinigungen Oromo-Befreiungsfront (OLF), Ogaden National
Liberation Front (ONLF) und Ginbot 7, welche sich für die Anliegen der
Oromo einsetzten, seien im Juli 2018 von der Liste der terroristischen
Gruppierungen gestrichen worden. Seither seien politische Dissidenten,
ehemalige Rebellen und Separatistenführer nach Äthiopien zurückgekehrt
und die Lage habe sich grundlegend positiv verändert. Infolge dieser neus-
ten Entwicklung sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
wegen ihres untergeordneten Engagements für die Ginbot 7 – sollte dies
den Behörden denn überhaupt bekannt sein – aktuell bei einer Rückkehr
noch gefährdet wäre. Es bestünden keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass die Beschwerdeführerin selbst wegen der Tätigkeiten für ihre Tante
und deren Mann ins Visier der Behörden geraten wäre. Sie habe einerseits
Tätigkeiten ausgeübt, die gegen aussen hin schwer zu erkennen gewesen
sein dürften, habe keinen Kontakt zur Kebele gehabt und sich nie auswei-
sen müssen. Da sie auch in E._ bei der Tante nie in der Schule
gewesen sei, sei nicht erwiesen, dass die Behörden überhaupt von ihrem
Aufenthalt bei ihrer Tante wüssten. Ihr Vorbringen vermöge daher keine
Asylrelevanz zu entfalten.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend mache, in der Schweiz Mitglied der
Association des Ethiopiens en Suisse (AES) zu sein, sich exilpolitisch für
Ginbot 7 zu engagieren und an verschiedenen Kundgebungen gegen das
Regime teilgenommen zu haben, sei aufgrund der veränderten Lage in
Äthiopien nicht davon auszugehen, dass sie aufgrund ihres Engagements
Massnahmen seitens der Behörden zu befürchten habe. Die blosse Mit-
gliedschaft bei der AES führe zu keiner Verfolgung durch die äthiopischen
Behörden. Sie engagiere sich zwar – wie viele Andere – erwiesenermas-
sen exilpolitisch und nehme an zahlreichen Anlässen teil. Indes dürfte auch
den äthiopischen Behörden bekannt sein, falls sie denn überhaupt über
das Engagement informiert seien, dass viele äthiopische Emigranten ver-
suchten, durch ihre regimekritischen Aktivitäten ein dauerhaftes Aufent-
haltsrecht zu erwirken. Die exilpolitische Tätigkeit der Beschwerdeführerin
vermöge keine Asylrelevanz zu entfalten.
5.5 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, die Beschwerdeführe-
rin sei in vielerlei Hinsicht aufgrund ihres politischen Engagements mit den
Behörden in Konflikt geraten. Das Land ihrer Eltern sei enteignet und das
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Haus in Brand gesteckt worden, was auf die Unterstützung der regierungs-
feindlichen Partei Kinijet zurückzuführen sei. Eine Recherche der Länder-
analysen der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zeige auf, dass alle
Personen, die zu Recht oder Unrecht oppositioneller politischer Aktivitäten
beschuldigt würden, eine Akte beim Geheimdienst hätten. Nicht nur über
tatsächliche und mutmassliche Mitglieder der bewaffneten und illegalen
Opposition würden Akten geführt, sondern auch über Personen der legalen
Opposition. Im Übrigen spiele es keine Rolle, ob die Position und Tätigkeit
einer Person innerhalb der oppositionellen Organisation exponiert sei oder
nicht. Die Beschwerdeführerin sei zudem bei ihrer Tätigkeit für ihre Tante
und deren Ehemann regelmässig nach aussen hin in Erscheinung getre-
ten, indem sie Güter und Menschen an der Bushaltestelle abgeholt habe.
Es sei davon auszugehen, dass diese Tätigkeiten wahrgenommen worden
seien, da es sich bei E._ nicht um eine Grossstadt handle. Die Be-
schwerdeführerin habe ausgesagt, die Nachbarn hätten Bescheid ge-
wusst. Insbesondere in den letzten drei Jahren vor ihrer Ausreise habe sie
aktiv mitgeholfen, womit sie zunehmend in den Fokus der Behörden gera-
ten sein dürfte. Sollte das Gericht zum Schluss kommen, es liege keine
direkte Verfolgung vor, sei von einer Reflexverfolgung auszugehen. Nach-
dem zwei Personen, die sich bei der Tante der Beschwerdeführerin aufge-
halten hätten, verhaftet worden seien, hätten sich auch die Tante und deren
Ehemann sogleich verstecken und die Flucht nach C._ antreten
müssen. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die Tante und ihr Ehemann ihr
gut funktionierendes Geschäft aufgegeben hätten und die Beschwerdefüh-
rerin überstürzt nach Europa hätten schicken sollen, wenn sie nicht von
einer Gefahrensituation ausgegangen wären. Die Beschwerdeführerin
rechne deshalb bei einer Rückkehr mit einer Gefängnisstrafe, körperlicher
Gewalt oder einer Verurteilung zum Tod. Es könne noch nicht von einer
positiven Veränderung in Äthiopien ausgegangen werden, das Land be-
finde sich noch im Umbruch.
Bezüglich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin sei
darauf hinzuweisen, dass es nicht ihr angelastet werden könne, dass ihr
ihre Tante keine Auskunft über den Verbleib ihrer Eltern gegeben habe. Die
Aussagen der Beschwerdeführerin seien kohärent, plausibel und wiesen
keine Widersprüche auf. Gewisse Unstimmigkeiten im Hinblick auf das Ge-
burtsdatum vermöchten die Glaubhaftigkeit der Vorbringen nicht zu er-
schüttern. Zudem hätten die Beschwerdeführerin und ihre Schwester über-
einstimmend zum Engagement der Familie und zum Verlust ihres Landes
ausgesagt, obwohl sich ihre Wege bereits vor Jahren getrennt und sie den
Kontakt verloren hätten. Soweit die Vorinstanz argumentiere, die Lage in
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Äthiopien habe sich zum Positiven verändert, befinde sich das Land nach
wie vor im Umbruch und es könne aktuell noch nicht beurteilt werden, in-
wiefern dies die Behandlung von Oppositionellen und exilpolitisch aktiven
Personen beeinflussen werde. Zu diesem Schluss sei auch das Bundes-
verwaltungsgericht gekommen.
6.
6.1 Die Ausführungen in der Beschwerde hinsichtlich der Flüchtlingseigen-
schaft und der Asylgründe vermögen keine Änderung der angefochtenen
Verfügung herbeizuführen. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich
im Ergebnis den vorinstanzlichen Erwägungen an und erachtet die Vorbrin-
gen der Beschwerdeführerin als nicht asylrelevant. Gleiches gilt für eine
allfällige Flüchtlingseigenschaft wegen subjektiver Nachfluchtgründe auf-
grund des exilpolitischen Engagements. Aus diesem Grund erübrigt es
sich, auf die Ausführungen in der Beschwerde zur Glaubhaftigkeit der dies-
bezüglichen Angaben einzugehen.
6.2 Wie bereits von der Vorinstanz zu Recht festgestellt, hat sich die Lage
in Äthiopien seit dem Frühling 2018 grundlegend verändert. Im April 2018
wurde Abiy Ahmed als erster Oromo in der Geschichte des Landes zum
Premierminister ernannt. Seit seinem Amtsantritt befindet sich das Land in
einer Umbruchsituation. Abiy Ahmed unternimmt Anstrengungen, in vielen
Bereichen Reformen anzustossen oder durchzuführen. Dies betrifft auch
den Umgang mit regierungskritischen Personen, gegen die das herr-
schende Regime bisher mit grosser Härte vorging. Die neue Regierung rief
die Oppositionellen im Exil zur Rückkehr und zur Teilnahme am politischen
Prozess in Äthiopien auf. Politische Dissidenten, ehemalige Rebellen, Ab-
spaltungsanführer und Journalisten sind seit der Ernennung von Abiy Ah-
med zum Premierminister nach Äthiopien zurückgekehrt. Tausende von
politischen Gefangenen wurden seit April 2018 begnadigt und freigelassen.
Die Ginbot 7 und weitere Vereinigungen, welche sich für die Anliegen der
Oromo einsetzen, wurden sodann im Juli 2018 von der Liste der terroristi-
schen Gruppierungen gestrichen. Insgesamt hat sich die Lage in Äthiopien
seit der Wahl von Abiy Ahmed zum Premierminister zum Positiven verän-
dert, da dessen Ziel die Stärkung der Demokratie unter Einbindung aller
politischen Kräfte ist (vgl. zum Ganzen Referenzurteil D-6630/2018 vom
6. Mai 2019 mit einer aufdatierten Analyse der politischen Lage in Äthio-
pien).
Das Gefängnis Makelawi, das für Folter und unmenschliche Behandlung
der Häftlinge bekannt war, wurde geschlossen. (vgl. a.a.O. E. 7). Dennoch
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kommt es nach wie vor zu ethnischen Unruhen in verschiedenen Regionen
Äthiopiens, so auch in Oromia. Es wird teilweise von massiven Menschen-
rechtsverletzungen äthiopischer Sicherheitskräfte berichtet. Dabei würden
vor allem Unterstützer der Oromo Liberation Army (OLA), dem bewaffneten
Arm der OLF, Opfer von Menschenrechtsverletzungen, wie zum Beispiel
willkürliche Inhaftierungen (vgl. u.a. Amnesty International, Beyond Law
Enforcement: Human Rights Violations by Ethiopian Security Forces in Am-
hara and Oromia, 29. Mai 2020, < https://www.amnesty.ch/de/laender/af
rika/aethiopien/dok/2020/sicherheitskraefte-vertreiben-verhaften-und-toe
ten-menschen >, abgerufen am 21. Oktober 2020).
Das Bundesverwaltungsgericht verkennt folglich nicht, dass die Situation
in Äthiopien nach dem Amtsantritt von Abiy Ahmed – in anderem Masse
und Kontext – weiterhin von ethnischen Spannungen und entsprechenden
Unruhen geprägt ist. Dies ist jedoch Ausfluss des angeschobenen Demo-
kratisierungsprozesses. Für die Bejahung der Flüchtlingseigenschaft im
Sinne von Art. 3 AsylG bedarf es einer Verfolgung oder der Furcht vor einer
solchen aufgrund einer konkret auf die Person zielenden Handlung mit
asylrelevanter Motivation. Dass die Beschwerdeführerin im Falle einer
Rückkehr zum jetzigen Zeitpunkt derartigen gezielten Verfolgungshandlun-
gen ausgesetzt werden könnte, ist nicht wahrscheinlich. Es ist insbeson-
dere nicht zu erwarten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund allfälliger
Hilfeleistungen für ihre Tante bei deren Engagement für Ginbot 7 mit Ver-
folgungshandlungen zu rechnen hätte. Im Falle einer Rückkehr wäre ihr im
aktuellen politischen Klima Äthiopiens nach Ansicht des Gerichts selbst die
(neuerliche) Aufnahme politischer Aktivitäten zur Unterstützung oder im
Namen einer oppositionell tätigen Partei möglich, ohne dass sie deshalb
Verfolgungshandlungen zu befürchten hätte.
6.3 Die Vorinstanz hat demnach die Flüchtlingseigenschaft der Beschwer-
deführerin zu Recht verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
https://www.amnesty.ch/de/laender/afrika/aethiopien/dok/20 https://www.amnesty.ch/de/laender/afrika/aethiopien/dok/20
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7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Hei-
mat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind. Er ist nicht möglich, wenn die Aus-
länderin oder der Ausländer weder in den Herkunfts- oder in den Heimat-
staat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann
(Art. 83 Abs. 2-4 AIG).
8.2 Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der
Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alter-
nativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegwei-
sung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der
Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu re-
geln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4. m.w.H.). Bei der Prüfung der drei genann-
ten Kriterien ist auf die im Zeitpunkt des Entscheides bestehenden Verhält-
nisse abzustellen.
8.3 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.4
8.4.1 Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass ge-
mäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die Wegweisung
nach Äthiopien grundsätzlich in alle Regionen zumutbar sei. Es sei zwar
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momentan in verschiedenen Teilen des Landes von einer angespannten
Situation auszugehen, es herrsche aber keine Situation allgemeiner Ge-
walt und die Sicherheitslage spreche nicht gegen die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs.
Die Schilderungen der Beschwerdeführerin zu ihrem Alter würden als un-
glaubhaft befunden, weshalb auch die geschilderte persönliche Situation,
insbesondere das Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Tante erheblich in Zwei-
fel zu ziehen sei. Ihre Angaben zum familiären Umfeld seien zudem aus-
weichend und nicht nachvollziehbar ausgefallen, was diese Einschätzung
stütze. Es erscheine wenig wahrscheinlich, dass ihre Eltern sie in die Obhut
der Tante gegeben hätten und ihr diese dann lediglich noch Auskunft über
die im Ausland lebenden Schwestern, aber nicht über die Eltern gegeben
habe. Bei dieser Aktenlage sei es nicht möglich, die tatsächlichen Lebens-
umstände vor der Ausreise der Beschwerdeführerin aus Äthiopien zu eru-
ieren. Die Untersuchungspflicht der Behörden finde ihre Grenze an der Mit-
wirkungspflicht einer gesuchstellenden Person. Es sei nicht Sache der
Asylbehörden, bei fehlenden Hinweisen seitens einer Gesuchstellerin nach
etwaigen Wegweisungshindernissen zu forschen.
8.4.2 Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, es sei ihr nicht zumut-
bar, nach Äthiopien zurückzukehren. Die Sicherheitslage könne nicht als
flächendeckend stabil bezeichnet werden. Die ethnischen Konflikte hätten
seit der Machtübernahme des neuen Präsidenten zugenommen. Sie sei
als alleinstehende Frau ohne jegliches Beziehungsnetz in Äthiopien beson-
ders vulnerabel. Zahlreiche Organisationen berichteten, dass die Mehrzahl
der alleine zurückkehrenden Frauen in der Prostitution oder als Bediens-
tete landeten, wo sie verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt seien.
Alleinstehenden Frauen würden nicht leicht sozialen Anschluss finden und
würden selbst in städtischen Gebieten nicht akzeptiert. Sie stamme aus
einem ländlichen Gebiet, in welchem die Traditionen noch stärker gelebt
würden. Sie könne auf keinerlei familiären oder sozialen Rückhalt hoffen,
weshalb es für sie besonders schwer wäre, eine Anstellung zu erhalten und
sich eine Existenz aufzubauen. Weder sie noch ihre Schwester hätten her-
ausfinden können, wo sich ihre Eltern aufhielten. Von ihrer Tante und deren
Ehemann habe sie nach deren Ausreise nach Eritrea nichts mehr gehört.
Sie habe keine weiteren Verwandten und auch zu ihrer vermutungsweise
im Sudan lebenden Schwester keinen Kontakt herstellen können. Bei einer
Rückkehr wäre sie demnach vollständig auf sich alleine gestellt. Erschwe-
rend komme ihre Augenverletzung hinzu. Es müsse davon ausgegangen
werden, dass sie bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten
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würde, weshalb die Voraussetzungen für die Gewährung der vorläufigen
Aufnahme erfüllt seien.
8.4.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht bisher in konstanter Praxis von
der grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regi-
onen Äthiopiens aus (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3). Ob an dieser Einschät-
zung angesichts der aktuellen Verhältnisse in der Region Tigray festzuhal-
ten ist, kann vorliegend offenbleiben, weil sich der Vollzug der Wegweisung
der Beschwerdeführerin aus individuellen Gründen als unzumutbar er-
weist.
Gemäss Praxis sind zur Erlangung einer sicheren Existenzgrundlage be-
günstigende Faktoren wie finanzielle Mittel, berufliche Fähigkeiten sowie
ein intaktes Beziehungsnetz erforderlich. Besondere Beachtung ist zudem
der Situation alleinstehender Frauen zu schenken (vgl. Referenzurteil
D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 12.2, in Bestätigung von BVGE 2011/25
E. 8.3 sowie 8.5 f.; bestätigt auch in E-4850/2016 vom 26. September 2018
E. 7.2.2).
8.4.4 Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sieht das Bundesverwaltungs-
gericht keinen Anlass, der Beschwerdeführerin eine mangelnde Mitwirkung
vorzuwerfen. Wie oben dargestellt, ergibt sich, dass die Ausführungen zu
ihrem Alter mit denjenigen ihrer Schwester D._ miteinander in Ein-
klang zu bringen sind. Die Schwestern haben ferner unabhängig voneinan-
der übereinstimmend zu ihrem familiären Hintergrund und den Gescheh-
nissen im Heimatland ausgesagt. Mangels Asylrelevanz bei der Beschwer-
deführerin wurden diese Angaben keiner Glaubhaftigkeitsprüfung unterzo-
gen. Indes hat auch die Schwester angegeben, sie können keinen Kontakt
mehr zu ihrer Familie herstellen. Die Beschwerdeführerin selbst weiss
nicht, ob ihre Eltern noch leben, ihre Tante und deren Mann hätten Äthio-
pien verlassen. Auch wenn die Verhältnisse in Äthiopien und die Hinter-
gründe der Ausreise der Beschwerdeführerin nicht vollständig klar erschei-
nen, liegen in den Akten keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sie bei einer
Rückkehr nach Äthiopien dort begünstigende Umstände im Sinne der
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts vorfinden würde (BVGE
2011/25 E. 8.5).
Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in Äthiopien nicht
über Verwandte oder Bekannte verfügt, die in der Lage wären, sie bei einer
Rückkehr zu unterstützen, weshalb sie gänzlich auf sich alleine gestellt
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wäre. Die Beschwerdeführerin hat lediglich (...) Jahre lang die Schule be-
sucht, verfügt über keine Ausbildung und Arbeitserfahrung. Es ist nicht da-
von auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer Stadt einer Arbeit
nachgehen könnte, welche es ihr ermöglichen würde, ohne ein Bezie-
hungsnetz ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Insbesondere sind junge
Personen in Städten und ohne Ausbildung von Arbeitslosigkeit betroffen
und befinden sich häufig für lange Zeit in Armut (vgl. European Investment
Bank (EIB), Africa impact investing: How to help employment in Ethiopia,
07.12.2017, <https://www.eib.org/en/stories/africa-impact-investment-ethi-
opia>, abgerufen am 27.10.2020). Viele Personen, die aus ländlichen Ge-
bieten in die Stadt ziehen, müssen ihren Lebensunterhalt als Tagelöh-
ner/innen, Strassenverkäufer/innen, Haushaltsangestellte, Bettler/innen
oder durch Sexarbeit bestreiten. Frauen sind zudem häufig von (sexueller)
Gewalt betroffen und alleinstehende Frauen in der äthiopischen Gesell-
schaft nicht akzeptiert (UN Women, UN Women Ethiopia – Changing the
lives of women and girls, 2018, <https://www2.unwomen.org/-/me-
dia/field%20office%20africa/attachments/publica-
tions/2018/12/un%20womens%20eco%202018%20key%20 achieve-
ments%20002compressed.pdf?la=en&vs=2916>, The Washington Post,
Will Ethiopia’s reforms include its women?, 10.12.2018,
<https://www.washingtonpost.com/world/africa/will-ethiopias-reforms-in-
clude-its-women/2018/12/09/934a1d14-edb4-11e8-8b47-
bd0975fd6199_story.html?utm_term=.81b34a159048>, The Advocates for
Human Rights, Ethiopia’s compliance with the Convention on the Elimina-
tion of All Forms of Discrimination Against Women, 01.2019,
<https://www.theadvocatesforhumanrights.org/uploads/ethiopia_tahr_ce-
daw_final_4.pdf>, alle abgerufen am 27.10.2020). Bei der Beschwerdefüh-
rerin kommt erschwerend hinzu, dass sie mit ihrem rechten Auge nichts
sehen kann, wodurch sie bei der Arbeitssuche ebenfalls benachteiligt sein
dürfte. Ohne Berufserfahrung und ohne Ausbildung ist nach dem Gesagten
nicht davon auszugehen, dass es für die Beschwerdeführerin möglich
wäre, sich eine Existenz in einer äthiopischen Stadt aufzubauen.
8.4.5 In Anbetracht aller spezifischen Umstände erweist sich nach dem Ge-
sagten im vorliegenden Fall der Wegweisungsvollzug als unzumutbar. Die
Kumulation von verschiedenen Faktoren lässt eine Wiedereingliederung
der Beschwerdeführerin im Heimatstaat als sehr schwierig erscheinen. Die
gemäss Rechtsprechung zur Existenzsicherung nötigen kumulativen
Voraussetzungen, namentlich genügende finanzielle Mittel, berufliche Fä-
higkeiten sowie ein intaktes Beziehungsnetz, können in casu nicht bejaht
werden. Unter Würdigung aller Umstände ist somit davon auszugehen,
https://www2.unwomen.org/-/media/field%20office%20africa/attachments/publications/2018/12/un%20womens%20eco%202018%20key%20%20achievements%20002compressed.pdf?la=en&vs=2916 https://www2.unwomen.org/-/media/field%20office%20africa/attachments/publications/2018/12/un%20womens%20eco%202018%20key%20%20achievements%20002compressed.pdf?la=en&vs=2916 https://www2.unwomen.org/-/media/field%20office%20africa/attachments/publications/2018/12/un%20womens%20eco%202018%20key%20%20achievements%20002compressed.pdf?la=en&vs=2916 https://www2.unwomen.org/-/media/field%20office%20africa/attachments/publications/2018/12/un%20womens%20eco%202018%20key%20%20achievements%20002compressed.pdf?la=en&vs=2916
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dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in eine existentielle Not-
lage geraten würde. Den Akten sind zudem keine Hinweise auf allfällige
Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AIG zu entnehmen. Die
Voraussetzungen für die Gewährung der vorläufigen Aufnahme sind somit
erfüllt.
9.
9.1 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde bezüglich
der Änderung des Geburtsdatums im ZEMIS sowie der Anordnung des
Wegweisungsvollzugs gutzuheissen ist und die Ziffern 1, 5 und 6 der an-
gefochtenen Verfügung aufzuheben sind. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
9.2 Das SEM ist anzuweisen, den ZEMIS-Eintrag des Geburtsdatums der
Beschwerdeführerin auf den (...) zu berichtigen und den Aufenthalt der Be-
schwerdeführerin nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläu-
fige Aufnahme zu regeln (Art. 83 Abs. 4 AIG).
10.
10.1 Bei vorliegendem Ausgang des Verfahrens ist von einem Obsiegen
der Beschwerdeführerin zu zwei Dritteln auszugehen.
10.2 Mit Verfügung vom 5. September 2019 wurde das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen. Den Akten ist
zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im August 2020 ein Praktikum
als (...) begonnen hat, es ist jedoch weiterhin von einer prozessualen Be-
dürftigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen und daher von einer an-
teilsweisen Kostenauferlegung abzusehen.
10.3 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist für den Teil ihres Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der in der mit
der Beschwerde eingereichten Kostennote geltend gemachte Aufwand er-
scheint angemessen und der angeführte Stundenansatz liegt im Rahmen
von Art. 10 Abs. 1 VGKE. Hinzu kommt der zusätzliche Aufwand aufgrund
des vom Gericht angeordneten Schriftenwechsels. Insgesamt ergibt sich
daraus ein zeitlicher Aufwand von 8.83 Stunden. Die von der Vorinstanz zu
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tragende reduzierte Parteientschädigung von zwei Dritteln beläuft sich da-
mit auf Fr. 1'498.35 (5.88 Stunden bei einem Ansatz von Fr. 250.– zzgl.
Barauslagen zu 2⁄3).
10.4 Für den Teil des Unterliegens ist der Rechtsvertreterin der Beschwer-
deführerin durch das Gericht ein amtliches Honorar in der Höhe von
Fr. 529.80 auszurichten (2.94 Stunden bei einem Ansatz von Fr. 180.– [an-
gesichts der Berufsausbildung der beiden Rechtsbeiständinnen] zzgl. Bar-
auslagen zu 1⁄3).
10.5 Die ehemalige Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin trat ihr Ho-
norar in ihrem Schreiben vom 6. Februar 2020 explizit an die BAS Rechts-
beratungsstelle für Asylsuchende ab, weshalb die Entschädigung vollstän-
dig an diese zu leisten ist.
11.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt
zu geben.
(Dispositiv nächste Seite)
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