Decision ID: 82192100-5423-4bab-bc43-1b02300a8666
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ ist seit 16. Februar 2015 bei der B._ AG als Elektromonteur angestellt und
dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 23.
November 2015 hörte er beim Montieren einer Kabeltrasse ein Knacken im linken Arm.
Die Erstbehandlung erfolgte ambulant in der Chirurgischen Klinik des Kantonsspitals
Frauenfeld (vgl. Schadenmeldung UVG vom 26. November 2015, UV-act. 1; ärztliches
Zeugnis vom 23. November 2015, UV-act. 2). Diagnostiziert wurde eine Ruptur der
langen Bizepssehne links ohne ossäre Läsionen, die analgetisch behandelt wurde. Es
wurde eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit vom 24. November bis 3. Dezember 2015
attestiert (Notfallbericht vom 23. November 2015, UV-act. 3; Verlängerung der
Arbeitsunfähigkeit bis 13. Dezember 2015 gemäss Unfallschein UVG, UV-act. 7).
Anlässlich einer Verlaufskontrolle in der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des
Kantonsspitals Frauenfeld am 27. November 2015 wurde ferner der Verdacht auf eine
Rotatorenmanschetten-Läsion (Supraspinatus) geäussert; es wurde empfohlen, ein
Arthro-MRI der linken Schulter durchzuführen. Der in der Schweiz tätige und in C._
wohnhafte Patient wolle sich bei einem heimatnahen Orthopäden zur weiteren
Diagnostik und Therapie vorstellen. Ausserdem plane er in ca. 10 Tagen nach D._ zu
reisen. Die Behandlung werde daher abgeschlossen (Sprechstundenbericht des
Kantonsspitals Frauenfeld vom 27. November 2015, ausgefertigt am 1. Dezember
2015, UV-act. 6).
A.b Am 25. Januar 2016 beantwortete der Versicherte per E-Mail einen Fragebogen
der Suva. Er gab an, er sei auf dem Gerüst gestanden und habe eine Kabeltrasse nach
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oben gehoben. Dabei habe er ein Knacken und einen starken Schmerz im linken Arm
verspürt. Die Frage, ob sich etwas Besonderes (Ausgleiten, Sturz, Anschlagen, usw.)
ereignet habe, verneinte er (UV-act. 12). Die Suva gab dem Versicherten gleichentags
bekannt, auf Grund des von ihm geschilderten Geschehens habe sich kein
Unfallereignis im Sinne des Gesetzes ereignet. Auch seien die Voraussetzungen zur
Übernahme des Schadenfalls als unfallähnliche Körperschädigung nicht erfüllt (UV-act.
13 f.).
A.c Mit E-Mail vom 3. Februar 2016 teilte der Versicherte der Suva mit, er sei mit dem
ablehnenden Entscheid nicht einverstanden. Er habe während der Arbeitszeit auf der
Baustelle einen Bizeps abgerissen; ob er dabei gerutscht sei, wisse er nicht, er habe
aber die Kabeltrasse festgehalten, damit der untenstehende Monteur nicht verletzt
werde (UV-act. 15). Daraufhin verfügte die Suva die Leistungsabweisung (Verfügung
vom 18. Februar 2016, UV-act. 18).
A.d Am 14. März 2016 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügung der
Suva vom 18. Februar 2016 (UV-act. 21). Er wisse nicht, ob er ausgerutscht sei; er sei
bedacht gewesen, die Trasse nicht fallen zu lassen und sei mit dem Arm auf dem
Geländer des Gerüstes gehangen. Die Suva habe bisher keine Zeugenbefragung
vorgenommen. Auf Grund der Verfügung habe er mit dem Zeugen E._, bauleitender
Monteur, Rücksprache genommen. Der Einsprache legte er dessen Erklärung vom 14.
März 2016 bei, in welcher ein Ausrutschen festgehalten wird, sowie den
Sprechstundenbericht des Kantonsspitals Frauenfeld vom 1. Dezember 2015.
A.e Mit Einspracheentscheid vom 11. Mai 2016 (UV-act. 24) wies die Suva die
Einsprache ab. Sie verneinte, indem sie auf die Aussage der ersten Stunde abstellte,
sowohl das Vorliegen eines Unfalls als auch einer unfallähnlichen Körperschädigung.
Der Versicherte habe gemäss Schadenmeldung vom 26. November 2015 angegeben,
am 23. November 2015 beim Montieren einer Kabeltrasse ein Knacken in seinem Arm
gehört zu haben. Im Sprechstundenbericht der Klinik für Orthopädie und Traumatologie
des Kantonsspitals Frauenfeld vom 27. November 2015 sei vermerkt worden, beim
Heben von schweren Lasten (Kabelziehen) am 23. November 2015 sei es zu einem
stechenden Schmerz im Bereich des linken ventralen Schultergelenks gekommen. Am
25. Januar 2016 habe der Versicherte im Fragebogen der Suva ergänzt, er sei auf dem
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Gerüst gestanden und habe eine Kabeltrasse nach oben gehoben, dabei habe er ein
Knacken und einen starken Schmerz im linken Arm verspürt. Nachdem er die
Leistungsablehnung der Suva erhalten habe, habe der Versicherte im E-Mail vom 3.
Februar 2016 ausgeführt, er wisse nicht, ob er ausgerutscht sei. Dies habe er auch in
seiner Einsprache vom 14. März 2016 angegeben. Er habe sodann auf ein vom
bauleitenden Monteur E._ unterzeichnetes Schreiben vom gleichen Tag verwiesen;
dieser habe darin angegeben, dass er unten am Gerüst gestanden sei und dem
Versicherten eine Eckkabeltrasse nach oben gereicht habe. Als dieser die Trasse nach
oben habe ziehen wollen, sei er ausgerutscht und mit den Armen auf das Geländer des
Gerüstes gefallen, wobei die Trasse ca. 50 cm nach unten gerutscht sei; der
Versicherte habe sich aber festhalten können. Er, E._, sei sofort auf das Gerüst
gegangen, um zu helfen. Der Versicherte habe dann über Schmerzen am linken Arm
geklagt und angegeben, ein Knacken im linken Arm gehört zu haben. Auf Grund der
eigenen Angaben des Versicherten bestünden keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass beim
Ereignis vom 23. November 2015 etwas Programmwidriges wie ein Anschlagen, ein
Ausgleiten, ein Sturz etc. vorgefallen sei. Es müsse gestützt auf diese Aussagen
vielmehr davon ausgegangen werden, dass der Versicherte während ihm gewohnter
Arbeiten als Elektromonteur bzw. beim Hochziehen und Halten einer Kabeltrasse einen
einschiessenden Schmerz bzw. ein Knacken im Bereich des linken Schultergelenkes/
Oberarms verspürt habe. Soweit der Versicherte in seinem Schreiben an die Suva
Zentralschweiz vom 3. Februar 2016 und in seiner Einsprache geltend mache, er wisse
nicht, ob er ausgerutscht sei, sei ein ungewöhnlicher äusserer Faktor nicht mit dem im
Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Allein auf Grund des eingetretenen
Gesundheitsschadens lasse sich nicht auf eine Programmwidrigkeit schliessen. Für die
Prüfung der Ungewöhnlichkeit sei nämlich ohne Belang, ob der äussere Faktor
allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich ziehe. Der äussere Faktor sei
vielmehr nur dann ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreite, was grundsätzlich nach
objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen sei. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Des
Weiteren frage sich insbesondere auf Grund der Angaben in der Schadenmeldung,
wonach der Versicherte vermute, dass er den Arm von der Arbeit von der
vorangegangenen Woche (Kabelziehen) überanstrengt habe, wie auch dessen Angaben
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im E-Mail-Schreiben an die Suva vom 3. Februar 2016, wonach er bereits am Freitag
zuvor auf Grund schwerer Kabelzüge etwas Muskelkater gehabt habe, ob die
Voraussetzung der Plötzlichkeit bejaht werden könne. Dies könne letztlich jedoch offen
gelassen werden. Schliesslich bestehe kein Anlass, um nicht auf die Angaben der
ersten Stunde des Versicherten abzustellen. Insbesondere bestehe kein Grund, um auf
die vom bauleitenden Monteur unterzeichneten Angaben vom gleichen Tag oder die
Einsprache, welche den eigenen Angaben des Versicherten widersprächen,
abzustellen. Dabei könne offen bleiben, wer genau diese Angaben verfasst habe, und
es könne im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung auch auf weitere Abklärungen
wie Zeugenbefragungen verzichtet werden, würden solche Beweismassnahmen am
feststehenden Ergebnis doch nichts mehr zu ändern vermögen. Zusammenfassend
müsse vorliegend der ungewöhnliche äussere Faktor und damit ein Unfall im Sinne des
Gesetzes verneint werden. Auf Grund der massgebenden Angaben der ersten Stunde
vermöge das Ereignis vom 23. November 2015 bzw. das blosse Hochziehen und
Halten einer Kabeltrasse auch keinen äusseren objektiv feststellbaren, sinnfälligen,
unfallähnlichen Vorfall darzustellen. Auf die später ergangenen Angaben in der vom
bauleitenden Monteur unterzeichneten "Zeugenaussage" könne nicht abgestellt
werden. Darüber hinaus stelle sich für die Bejahung einer unfallähnlichen
Körperschädigung die Frage, ob beim vorliegenden, wiederholt ausgeführten
beruflichen Vorgang (Hochziehen und Halten von Kabeltrassen) die notwendige
Voraussetzung der Plötzlichkeit erfüllt wäre, was jedoch mangels sinnfälligen,
unfallähnlichen Vorfalls offen gelassen werden könne.
B.
B.a Die vorliegende Beschwerde vom 8. Juni 2016 (act. G 1) richtet sich gegen den
Einspracheentscheid vom 11. Mai 2016. Der Beschwerdeführer macht geltend, der
Fragebogen der Beschwerdegegnerin sei ihm per E-Mail nach D._ gesandt worden;
diesen habe er dann nur "aufs wesentliche (...) ohne Umschweife" ausgefüllt. Den
bauleitenden Monteur habe er aufgesucht, weil die Suva den Unfall abgelehnt habe.
Seit April 2016 sei er nach einer Ruhepause in seinem Beruf wieder voll einsatzfähig,
mit Einschränkungen, da er im linken Arm etwas weniger Kraft habe.
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Juli 2016 (act. G 3) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zum Sachverhalt und zur
Begründung verweist sie im Wesentlichen auf den angefochtenen
Einspracheentscheid. Eine Leistungspflicht bestehe in Ermangelung eines Unfalles und
einer unfallähnlichen Körperschädigung nicht.
B.c Mit Replik vom 12. September 2016 (act. G 5) macht der Beschwerdeführer
geltend, durch das Ausrutschen auf dem Gerüst sei er mit beiden Armen auf die
Brüstung gefallen, habe sich aber auf das "Halten" der Kabeltrasse konzentriert, um
niemanden zu verletzten. Er nehme keine Dopingmittel, habe keine Vorerkrankungen,
kein Rheuma und auch sonst keine Rücken- oder Schulterschmerzen. Beim Ausfüllen
des Fragebogens habe er nur das Wesentliche ausgefüllt, da er gedacht habe, es gebe
sowieso eine Unfalluntersuchung. Leider habe diese nicht stattgefunden, nicht einmal
eine Zeugenanhörung, obwohl es mehrere Zeugen gebe. Eine von ihm (dem
Beschwerdeführer) erbetene Zeugenaussage habe das Gericht ja erhalten.
B.d Mit Duplik vom 13. Oktober 2016 (act. G 7) hält die Beschwerdegegnerin an ihrem
Abweisungsantrag fest. Für die Beurteilung der Frage, ob die Bizepssehnenruptur des
Beschwerdeführers auf einen Unfall oder eine unfallähnliche Körperschädigung
zurückzuführen sei, seien ausschliesslich die Aussagen der ersten Stunde
massgebend. Allen späteren Behauptungen zum Ereignishergang, welche der
Beschwerdeführer nach dem ablehnenden Schreiben der Beschwerdegegnerin vom
25. Januar 2016 (UV-act. 13) aufgestellt habe, komme kein beweismässig relevantes
Gewicht zu, weil diese bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein könnten. Dies gelte
insbesondere für die Behauptung in der Replik, er sei auf dem Gerüst ausgerutscht und
mit beiden Armen auf die Brüstung gefallen. In dieser Hinsicht sei bemerkenswert, dass
der Beschwerdeführer in der Einsprache vom 14. März 2016 (UV-act. 21) erklärt habe,
er wisse nicht, ob er ausgerutscht sei. Die Beschwerdegegnerin habe ihre Verpflichtung
zur richtigen und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts erfüllt.
In diesem Fall sei der Unfallversicherer nicht gehalten, die versicherte Person zur
weiteren Substantiierung des gemeldeten Geschehnisses aufzufordern.

Erwägungen
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1.
1.1 Streitig und in der Folge zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu
Recht einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Versicherungsleistungen der
obligatorischen Unfallversicherung verneint hat.
1.2 Am 1. Januar 2017 ist die Änderung vom 25. September 2015 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) in Kraft getreten. Durch
diese Gesetzesänderung ist die abschliessende Aufzählung der Körperschädigungen
aus Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in der
bis 31. Dezember 2016 geltenden Fassung gestrichen und in Art. 6 Abs. 2 UVG
integriert worden. Die Änderung ist aber vorliegend ohnehin nicht relevant, denn
gemäss den in Art. 118 Abs. 1 UVG verankerten Übergangsbestimmungen werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten der
Gesetzesänderung ereignet haben, nach bisherigem Recht gewährt. Somit sind für die
Beurteilung des vorliegenden Falles, wo sich das fragliche Ereignis am 23. November
2015 zugetragen hat, das UVG und die UVV in der bis 31. Dezember 2016 geltenden
Fassung massgebend.
1.3 Die Beschwerdegegnerin hat im Einspracheentscheid vom 11. Mai 2016 (UV-act.
24) den Unfallbegriff (Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) sowie die Rechtsprechung zum
Unfallbegriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors (BGE 134 V 72, 130
V 117) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt betreffend den Begriff der unfallähnlichen
Körperschädigungen, die auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen
gleichgestellt sind (Art. 9 Abs. 2 UVV), wobei am Erfordernis des äusseren Faktors
festzuhalten ist (BGE 129 V 466; Urteil 8C_532/2007 vom 9. Juni 2008 E. 5, aufgeführt
in SZS 2009 S. 153 f.). Darauf wird verwiesen.
1.4 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Indessen ist die
leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die
Umstände des Unfalls glaubhaft machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach,
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indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das
Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen,
besteht keine Leistungspflicht der Unfallversicherung. Im Streitfall obliegt es dem
Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind.
Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen
Beweise zu erheben und kann zu diesem Zweck auch die Parteien heranziehen. Wird
auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens
mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht -, so hat dieses als
unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person
auswirkt (BGE 116 V 140 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei sich widersprechenden
Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die
Beweismaxime abgestellt werden, wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der
ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere
Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die
versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die
sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grösseres Gewicht zu als jenen
nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 E. 1a mit
Hinweisen). Das Gericht stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt. Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will. Diese Beweisregel kommt
zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kein
wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 2b).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, am 23. November 2015 einen Unfall oder
eine unfallähnliche Körperschädigung erlitten zu haben (vgl. act. G 1). Es sei an diesem
Tag zum plötzlichen Abriss des Bizeps am linken Arm gekommen, weshalb er die
Notaufnahme des Kantonsspitals Frauenfeld aufgesucht habe, wo er arbeitsunfähig
geschrieben worden sei. Er sei nicht dorthin gegangen, weil er krank gewesen sei,
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sondern er sei auf Grund des Arbeitsunfalls in die Notaufnahme geschickt worden (act.
G 5). Die Beschwerdegegnerin bestreitet sowohl das Vorliegen eines Unfalls als auch
einer unfallähnlichen Körperschädigung (vgl. UV-act. 24 sowie act. G 3 und 7). Zu
prüfen ist zunächst, ob das Ereignis vom 23. November 2015 als Unfall zu qualifizieren
ist. Strittig ist insbesondere die Voraussetzung des Vorliegens eines ungewöhnlichen
äusseren Faktors im Sinne von Art. 4 ATSG.
2.2 Der äussere Faktor ist gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts
ungewöhnlich, wenn er - nach einem objektiven Massstab - nicht mehr im Rahmen
dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist. Nach Lehre
und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer
unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz,
dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der
Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat. Bei Schädigungen, die sich auf das
Körperinnere beschränken, unterliegt der Nachweis eines Unfalls indessen insofern
strengen Anforderungen, als die unmittelbare Ursache der Schädigung unter
besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss. Denn ein Unfallereignis
manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während
bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen
besteht. Der äussere Faktor ist zentrales Begriffscharakteristikum eines jeden
Unfallereignisses; er ist Gegenstück zur - den Krankheitsbegriff konstituierenden -
inneren Ursache. Die Bezeichnung der massgebenden Genese wird aber erst durch die
weiter erforderliche Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors ermöglicht. Das Merkmal
des Ungewöhnlichen macht den alltäglichen Vorgang zum einmaligen Vorfall.
Einwirkungen, die aus alltäglichen Vorgängen resultieren, taugen in aller Regel nicht als
Ursache einer Gesundheitsschädigung. Liegt der Grund allein im Innern des Körpers,
ist Krankheit gegeben. Daran ändert die blosse Auslösung des Gesundheitsschadens
durch einen äusseren Faktor nichts. Unfall setzt vielmehr begrifflich voraus, dass das
exogene Element so ungewöhnlich ist, dass eine endogene Verursachung ausser
Betracht fällt. Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit bezieht sich nicht auf die
Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die
Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist insoweit, dass der äussere Faktor allenfalls
schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Ausschlaggebend ist also, dass
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sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den
menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine
Ungewöhnlichkeit (Urteile des Bundesgerichts 8C_835/2013 vom 28. Januar 2014 E
5.1; 8C_718/2009 vom 30. November 2009 E. 6.1, beide mit weiteren Hinweisen). Die
Tatsache, dass die betroffene Person sich einem oder mehreren operativen Eingriffen
unterziehen musste, spricht nach der erwähnten Rechtsprechung entgegen der vom
Beschwerdeführer implizit geäusserten Ansicht für sich allein noch nicht für das
Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors bzw. eines Unfalles.
2.3 In den Akten finden sich mehrere und teils widersprüchliche Beschreibungen des
fraglichen Ereignisses (vgl. vorstehende Erwägung A.e). In der Unfallmeldung der
Arbeitgeberin vom 26. November 2015 (UV-act. 1) wird angegeben, beim Montieren
einer Kabeltrasse habe der Beschwerdeführer "es in seinem Arm knacken" gehört. Er
vermute, dass er den Arm bei der Arbeit in der Woche zuvor (Kabelziehen)
überanstrengt habe. Im Notfallbericht vom 23. November 2015 des Kantonsspitals
Frauenfeld (UV-act. 3) wird berichtet, beim Heben von schweren Lasten habe der
Patient einen Knick gehört und habe seither Schmerzen. Anlässlich einer am 27.
November 2015 durchgeführten Verlaufskontrolle im Kantonsspitals Frauenfeld
(Sprechstundenbericht vom 1. Dezember 2015, UV-act. 6) wurde festgehalten, es sei
beim Heben einer schweren Last (Kabelziehen) am 23. November 2015 zu einem
stechenden Schmerz im Bereich des linken ventralen Schultergelenkes gekommen.
Sodann gab der Beschwerdeführer im Fragebogen vom 25. Januar 2015 zuhanden der
Beschwerdegegnerin an, er sei auf dem Gerüst gestanden und habe eine Kabeltrasse
nach oben gehoben. Dabei habe er ein Knacken und einen starken Schmerz im linken
Arm verspürt. Die Frage, ob sich etwas Besonderes (Ausgleiten, Sturz, Anschlagen
usw.) ereignet habe, verneinte der Beschwerdeführer (UV-act. 12).
2.4 Erst nachdem die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
25. Januar 2016 (UV-act. 13) bekannt gegeben hatte, dass die Voraussetzungen für die
Übernahme des Schadenfalles als Unfall oder unfallähnliche Körperschädigung nicht
erfüllt seien, kam der Beschwerdeführer auf den Ereignisverlauf zurück. So teilte er der
Beschwerdegegnerin mit E-Mail vom 3. Februar 2016 (UV-act. 15) mit, er habe sich
während der Arbeitszeit auf der Baustelle einen Bizeps abgerissen; ob er dabei
ausgerutscht sei, wisse er nicht. Er habe aber die Kabeltrasse festgehalten, damit der
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untenstehende Monteur nicht verletzt werde. Am Freitag zuvor hätten schwere
Kabelzüge gemacht werden müssen, wodurch er etwas Muskelkater gehabt habe.
Solange er in der Schweiz sei, sei er noch nie krank und noch bei keinem Arzt gewesen
und habe er noch nie einen Unfall gehabt. Auch in seiner Einsprache vom 14. März
2016 (UV-act. 21) wiederholte er, er wisse nicht, ob er ausgerutscht sei; er sei bedacht
gewesen, die Trasse nicht fallen zu lassen, und sei mit dem Arm auf dem Geländer des
Gerüsts gehangen. Der Beschwerdeführer legte seiner Einsprache eine Stellungnahme
des bauleitenden Monteurs E._ vom 14. März 2016 bei; dieser gab an, der
Beschwerdeführer sei ausgerutscht und sei mit den Armen auf das Geländer des
Gerüstes gefallen (was sich nicht mit der eigenen Aussage des Beschwerdeführers
deckt). Der Beschwerdeführer habe über Schmerzen am linken Arm geklagt und
angegeben, ein Knacken im linken Arm gehört zu haben.
2.5 Die Beschwerdegegnerin wendet zu Recht ein, die späteren Schilderungen
stünden mit den früheren im Widerspruch, sodass bezüglich des Geschehens
praxisgemäss von der Aussage der ersten Stunde und somit von den in vorstehender
Erwägung 2.3 erwähnten Sachverhaltsschilderungen auszugehen sei. Die Angaben des
Beschwerdeführers, er habe den Fragebogen, der ihm während des Aufenthalts nach
D._ zugestellt worden sei, "nur aufs wesentlichste" und "ohne Umschweife"
ausgefüllt (act. G 1), ändern nichts daran, dass er im Fragebogen ausdrücklich
angegeben hat, es habe sich nichts Besonderes ereignet (UV-act. 12). Die späteren
Aussagen des Beschwerdeführers, er wisse nicht, ob er ausgerutscht sei, bzw. jene
des bauleitenden Monteurs, er (der Beschwerdeführer) sei ausgerutscht (UV-act. 21),
stellen nicht bloss eine Ergänzung der anfänglichen Aussage dar, sondern bringen ein
neues, wesentliches Element ins Spiel. Ein Ausrutschen ist geeignet, als eindrückliches
Ereignis in Erinnerung zu bleiben, das ohne weiteres in der Unfallmeldung erwähnt
würde. Nachdem die nachträglichen Präzisierungen betreffend Ereignisablauf (UV-act.
15, 21, G 1 und 5) erst im Nachgang an die Leistungsablehnung durch die
Beschwerdegegnerin erfolgten, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die neue
Darstellung von versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst ist, was diese
wenig glaubwürdig macht. Selbst wenn die nachträgliche Aussage des
Beschwerdeführers, er wisse nicht, ob er ausgerutscht sei, zutreffen sollte, so wäre
damit ein ungewöhnlicher äusserer Faktor bloss möglich, nicht aber mit dem im
Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
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Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, wie die Beschwerdegegnerin zutreffend festhält (UV-
act. 24 S. 9). Wie sie zu Recht weiter betont (UV-act. 24 S. 9), lässt sich allein auf
Grund des eingetretenen Gesundheitsschadens nicht auf eine Programmwidrigkeit
schliessen. Denn für das Vorliegen einer Ungewöhnlichkeit ist - wie erläutert - ohne
Belang, ob der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen mit sich
bringt (vgl. A. RUMO-JUNGO/A. P. HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl.,
Zürich 2012, S. 31 mit Hinweisen).
2.6 Zusammenfassend ist es vorliegend beim Ereignis vom 23. November 2015 nicht
zur schädigenden Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den Körper
des Beschwerdeführers gekommen, und es mangelt damit an einer für die Erfüllung
des Unfallbegriffes unabdingbaren Voraussetzung. Da bereits diese Voraussetzung
fehlt, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers aus Art. 4 ATSG und die
übrigen weiteren Voraussetzungen sind nicht weiter zu prüfen.
2.7 Im Weiteren stellt sich die Frage, ob das Ereignis vom 23. November 2015 als
unfallähnliche Körperschädigung zu qualifizieren ist. Als unbestritten hat zu gelten,
dass die vom Beschwerdeführer am 23. November 2015 erlittene Bizepssehnenruptur
an der linken Schulter (vgl. UV-act. 3 und 6) eine unfallähnliche Körperschädigung im
Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. f UVV (Sehnenrisse) ist. Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers ist jedoch - auch bei Vorliegen einer Listenverletzung - nur gegeben,
wenn die Verletzung, wie in Art. 4 ATSG vorgesehen, auf eine plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines äusseren Faktors zurückzuführen ist. Bei
den unfallähnlichen Körperschädigungen im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV entfällt im
Vergleich zu den eigentlichen Unfällen nach Art. 4 ATSG einzig das
Tatbestandselement der Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren
Faktors. Alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalles müssen hingegen auch bei
unfallähnlichen Körperschädigungen erfüllt sein. Dies gilt namentlich für das Erfordernis
des auf den menschlichen Körper einwirkenden äusseren Faktors, worunter ein
ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnfälliger - eben
unfallähnlicher - Einfluss auf den Körper zu verstehen ist. Die schädigende Einwirkung
kann auch in einer körpereigenen Bewegung bestehen, doch gilt das Auftreten von
Schmerzen allein noch nicht als äusserer Faktor im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 9
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Abs. 2 UVV. Ein solcher ist also nicht gegeben, wenn die versicherte Person einzig das
(erstmalige) Auftreten von Schmerzen angibt, aber keine gleichzeitig mitwirkende
äussere Komponente zu benennen vermag (vgl. BGE 129 V 467 E. 2.2; Urteil des
Bundesgerichts 8C_850/2015 vom 19. April 2016 E. 3.2 f. mit Hinweisen).
2.8 Für die Annahme der schädigenden Einwirkung eines äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper ist ein Geschehen erforderlich, das sich in einer allgemein
gesteigerten Gefahrenlage abspielt und welchem überdies ein erhöhtes
Gefährdungspotenzial innewohnt (vgl. vorstehender Erwägung 2.2). Vorliegend hat der
Beschwerdeführer beim Montieren einer Kabeltrasse (UV-act. 1) bzw. beim Heben von
schweren Lasten (UV-act. 3) ein Knacken in seinem Arm gehört und danach
Schmerzen verspürt. Er verneinte ausdrücklich, dass sich etwas Besonderes abgespielt
habe (UV-act. 12), bzw. war sich nachträglich nicht sicher, ob er ausgerutscht sei (UV-
act. 15; vgl. dazu vorstehende Erwägung 2.5). Das beschriebene Geschehen allein
schafft noch keine allgemein gesteigerte Gefahrenlage, wie die Beschwerdegegnerin
zutreffend festhält, umso weniger beim Beschwerdeführer, der von Berufs wegen
solche mit den erwähnten Tätigkeiten verbundenen Bewegungsabläufe täglich bei der
Arbeit durchzuführen hat. Diese können nicht als mit einem besonderen Risiko behaftet
betrachtet werden, sondern sind als durchaus übliche Alltagsverrichtung im Rahmen
seiner gewohnten Arbeit einzustufen. Ferner deutet auch das blosse Hören oder
Spüren eines Knackens im Arm nicht daraufhin, dass sich ein erhöhtes
Gefährdungspotenzial verwirklicht hat. Ein Geschehen, dem ein gewisses gesteigertes
Gefährdungspotential innewohnt bzw. das mit einer plötzlichen, erhöhten
Krafteinwirkung auf den menschlichen Körper verbunden ist, ist damit nicht
rechtsgenüglich nachgewiesen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_850/2015 vom 19.
April 2016 E. 3.3). Damit besteht auch keine Leistungspflicht für eine unfallähnliche
Körperschädigung.
2.9 Zusammenfassend lässt sich das Vorliegen eines leistungsbegründenden Unfalls
oder einer ebensolchen unfallänlichen Körperschädigung nicht bejahen, weshalb nicht
zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht verneint hat.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen erweist sich die Beschwerde als unbegründet
und ist deshalb abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).