Decision ID: 63b12a2e-a5fc-4a3c-9f09-d5e40ede9ec3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ wurde 1999 geboren. Seine Eltern liessen sich scheiden und mit Entscheid des
Kreisgerichts Z._ vom 14. September 2010 wurde er unter die elterliche Sorge seiner
Mutter, B._, gestellt (act. Vorinstanz 1/11). Die Mutter wohnte damals in der
Politischen Gemeinde Y._. Per 7. August 2016 trat der Jugendliche in das K._,
Wohnheim für Kinder und Jugendliche, in X._ ein. Der Sozialdienst Y._
unterzeichnete die Kostenübernahmegarantie im Rahmen der Leistungsabgeltung der
interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE) am 24. August 2016 ab
Eintrittsbeginn und erklärte sich als Rechnungsadresse für den verrechenbaren
Aufwand und die Nebenkosten (act. Vorinstanz 1/2).
A.a.
Per 26. September 2016 trat B._ in die Einrichtung L._, Verein für betreutes Wohnen
mit integrierter Tagesstruktur, in X._ ein. Ihre Wohnung in Y._ wurde per Ende
September 2016 aufgelöst und ein Teil der Möbel bei einem Unternehmen in Z._
eingelagert. In der Folge widerriefen die Sozialen Dienste der Politischen Gemeinde
Y._ mit Schreiben vom 21. Dezember 2017 an das kantonale Amt für Soziales die
abgegebene Kostenübernahmegarantie für den Jugendlichen rückwirkend per
30. September 2016. Ihre Abklärungen hätten ergeben, dass sich der zivilrechtliche
Wohnsitz von B._ gar nicht mehr in Y._ befinde, weshalb sich auch der von der
A.b.
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B.
Gegen den Entscheid des Departements des Innern (Vorinstanz) erhob die Politische
Gemeinde X._ (Beschwerdeführerin), vertreten durch das Sozialamt, mit Eingabe vom
20. August 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie stellte die Rechtsbegehren,
der Entscheid der Vorinstanz sei teilweise aufzuheben, namentlich die Ziff. 1 lit. a 1. Teil
Satz und lit. b 2. Satz, die Ziff. 1 lit. b 2. Satz seien dahingehend zu ändern, dass die
Mutter abgeleitete Wohnsitz des Jugendlichen nicht mehr in Y._ befände und sie
daher nicht mehr für die Platzierungskosten desselben aufzukommen hätten (act.
Vorinstanz 1/5).
Das Sozialamt X._ liess sich mit Schreiben vom 11. April 2018 abschlägig zur
Kostenübernahme für den Jugendlichen vernehmen. Sie teilten mit, dass B._ keinen
zivilrechtlichen Wohnsitz in X._ begründet habe. Sie habe weder eine erkennbare
Absicht zum dauernden Verbleib geäussert noch ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft
nach X._ verlegt (act. Vorinstanz 1/6b). Dagegen verharrten die Sozialen Dienste der
Gemeinde Y._ im Schreiben vom 30. Mai 2018 auf dem Standpunkt, dass B._ mit
dem Wegzug ins L._ X._ und der Auflösung ihrer Wohnung in Y._ ihren dortigen
Wohnsitz aufgegeben habe (act. Vorinstanz 1/9).
A.c.
Mit Verfügung vom 28. Juni 2018 stellte das Amt für Soziales des Kantons St. Gallen
fest, die Politische Gemeinde Y._ sei seit 7. August 2016 zuständig für die
Kostentragung des Aufenthalts des Jugendlichen A._ im Wohnheim K._; diese
Kostenübernahmegarantie der Sozialen Dienste Y._ behalte weiterhin ihre Gültigkeit.
Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, B._ habe sich zwar freiwillig dazu
entschieden, in ein betreutes Wohnen mit begleiteter Tagesstruktur einzutreten. Damit
habe sie aber ihren Lebensmittelpunkt nicht dauerhaft verlegt. Ihr Ziel sei es vielmehr,
baldmöglichst ihren Lebensalltag wieder ohne Unterstützung bewältigen zu können
(act. Vorinstanz 1/10). Der von der Politischen Gemeinde Y._ gegen diese Verfügung
erhobene Rekurs wurde vom Departement des Innern mit Entscheid vom 3. Juli 2020
bzw. mit Berichtigung vom 8. Juli 2020 gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wurde
(Ziff. 1a). Es wurde festgestellt, dass die Politische Gemeinde Y._ vom 7. August bis
30. September 2016 für die Kostentragung des Aufenthalts von A._ im Wohnheim K._
zuständig gewesen sei. Ab 1. Oktober 2016 sei demgegenüber die Politische
Gemeinde X._ für die Kostentragung des Aufenthalts des Jugendlichen im K._
zuständig (Ziff. 1b). Die von den Sozialen Diensten Y._ erteilte
Kostenübernahmegarantie habe bis 30. September 2016 Gültigkeit gehabt (Ziff. 1c).
A.d.
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Politische Gemeinde Y._ (Beschwerdegegnerin) über den 30. September 2016 hinaus
für den Aufenthalt des Jugendlichen im Wohnheim K._ in X._ aufzukommen habe.
Die von der Beschwerdegegnerin erteilte Kostenübernahmegarantie müsse auch nach
dem 30. September 2016 Gültigkeit haben; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
Mit Schreiben vom 2. Oktober 2020 verzichtete die Beschwerdegegnerin unter Verweis

auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid auf eine Vernehmlassung. Die
Vorinstanz verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids, die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge in ihren Eingaben sowie auf die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Nach Art. 64 VRP in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur Erhebung der Beschwerde berechtigt, wer an
der Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des Entscheides ein eigenes
schutzwürdiges Interesse dartut. Zur Wahrung öffentlicher Interessen steht das
Beschwerderecht auch der zuständigen Behörde einer öffentlich-rechtlichen
Körperschaft oder einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt zu (Art. 64 VRP in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP). Praxisgemäss setzt die Legitimation eines
Gemeinwesens voraus, dass dieses den streitigen Entscheid durch Setzen eines
Rechtsaktes im eigenen Aufgabenbereich erlassen und damit bestimmte öffentliche
Interessen vertreten hat. Das ist nur der Fall, wenn es im Bereich einer ihm obliegenden
Aufgabe tätig wurde und dabei lokale Interessen wahrgenommen hat. Unerheblich ist,
ob es sich dabei um autonome Belange oder übertragene Befugnisse handelt. Der
Aufgabenkreis der öffentlich-rechtlichen Körperschaften oder Anstalten ergibt sich aus
der Zuständigkeitsordnung des kantonalen Rechts. Massgebend ist letztlich, ob der
betreffenden Körperschaft oder Anstalt eigene Verfügungskompetenz zukommt (vgl.
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 453 f., Looser/Looser-Herzog,
in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege,
Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 36 ff. zu Art. 45 VRP). Im vorliegenden Fall
hat die Beschwerdeführerin offensichtlich ein schützenswertes Interesse an der
bis
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Beurteilung der Frage, welche politische Gemeinde für die Kostentragung des
Heimaufenthalts des Jugendlichen im Wohnheim K._, X._, ab dem 1. Oktober 2016
zuständig ist. Die Beschwerde gegen den Entscheid der Vorinstanz vom 3. Juli 2020
bzw. Berichtigung vom 8. Juli 2020 wurde mit Eingabe vom 20. August 2020 unter
Berücksichtigung des Fristenstillstands vom 15. Juli bis 15. August rechtzeitig erhoben
und sie erfüllt sowohl formal als auch inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP und Art. 145 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [SR 272, ZPO] sowie Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde
kann mithin eingetreten werden.
2.
Mit dem am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen IV. Nachtrag zum Sozialhilfegesetz vom
25. April 2017 (sGS 381.1, SHG; IV. Nachtrag in: nGS 2017-064; Botschaft vom
6. September 2016 in: ABl 2016 2707 ff. oder unter www.ratsinfo.sg.ch:
Geschäftsnummer 22.16.02) und dem am 1. Januar 2019, 1. April 2019 und am
1. Januar 2020 in Vollzug getretenen V. Nachtrag vom 29. Januar 2019 (nGS 2019-024,
Botschaft vom 1. Mai 2018 und Festlegung des Vollzugsbeginns: Protokoll der
Regierung des Kantons St. Gallen vom 5. Februar 2019, Nr. 047, www.ratsinfo.sg.ch:
Geschäftsnummer 22.18.11) wurden die gesetzlichen Grundlagen betreffend die
Gewährung finanzieller Sozialhilfe in stationären Einrichtungen revidiert. Nach den
allgemein gültigen intertemporalrechtlichen Grundsätzen ist die Rechtmässigkeit von
Verwaltungsakten mangels einer anderslautenden übergangsrechtlichen Regelung
nach der Rechtslage im Zeitpunkt ihres Ergehens zu beurteilen (vgl. z.B. BGE 139 II
263 E. 6; 135 II 384 E. 2.3; 125 II 591 E. 5e/aa; je mit Hinweisen). In anderen Urteilen
des Bundesgerichts (vor allem zum Sozialversicherungsrecht) findet sich die
Formulierung, es seien jene Rechtssätze massgebend, die im Zeitpunkt der
Verwirklichung des Sachverhalts bzw. der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes Geltung haben (BGE 129 V 1 E. 1.2 S. 4 mit Hinweisen). Eine dem SHG
eigene übergangsrechtliche Regelung besteht zum Bereich der Staatsbeiträge nur in
Art. 57b SHG, wonach die bei Vollzugsbeginn des V. Nachtrags dem Bereich A der
Interkantonalen Vereinbarung über soziale Einrichtungen (sGS 381.31; IVSE)
unterstellten Einrichtungen nach Art. 40d SHG gelten. Weitere übergangsrechtliche
Bestimmungen zu den Beiträgen bei Unterbringungen in einem Kinder- oder
Jugendheim sind nicht vorhanden. Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt liegt im
Jahr 2016; mithin vor dem schrittweisen Vollzugsbeginn des V. Nachtrags.
Dementsprechend ist die Streitsache unter Anwendung der oben dargelegten
2.1.
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Grundsätze nach der bis dahin geltenden Fassung des SHG zu beurteilen. Gleiches gilt
in Bezug auf die darin enthaltenen Verweise auf die Bestimmungen der IVSE in der zum
damaligen Zeitpunkt geltenden Fassung (vgl. VerwGE B 2016/212 vom 14. Juli 2018
E. 2).
Nach aArt. 41 Abs. 1 lit. a SHG erhalten Heime und Einrichtungen ausserhalb des
Kantons für st. gallische Betreuungsbedürftige Beiträge nach der IVSE. Heime und
Einrichtungen im Kanton wiederum erhalten Beiträge nach der ISVE für
ausserkantonale Betreuungsbedürftige im Umfang der Vergütungen anderer Kantone
(aArt. 41 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 SHG), sowie für st. gallische Betreuungsbedürftige in
sachgemässer Anwendung der Bestimmungen der IVSE (aArt. 41 Abs. 1 lit. b Ziff. 2
SHG). Die zuständige Stelle des Staates leistet Kostenübernahmegarantie bei
zivilrechtlicher Unterbringung und bei einer Unterbringung durch die Eltern in einem
Kinder- oder Jugendheim bis zum vollendeten 20. Altersjahr (aArt. 42 Abs. 1 SHG). Die
zuständige politische Gemeinde trägt bei Unterbringung in ein Kinder- oder
Jugendheim zwei Drittel der Leistungsabgeltung nach Abzug der Beiträge der
Unterhaltspflichtigen sowie der weiteren gesetzlichen Kostenträger und die Beiträge
der Unterhaltspflichtigen nach Art. 22 IVSE, wenn diese nicht leistungsfähig sind (aArt.
43 Abs. 1 SHG). Der Kanton St. Gallen trat der IVSE im Bereich stationäre Kinder- und
Jugendeinrichtungen mit Wirkung ab 1. Januar 2006 bei (aArt. 2 Abs. 1 lit. A IVSE).
2.2.
Der Jugendliche lebt im vorliegenden Fall im K._, Wohnheim für Kinder und
Jugendliche, in X._. Dieses Heim wurde bereits im Januar 2006 in der IVSE
aufgenommen (www.sodk.ch/ unter: IVSE/IVSE-Datenbank). Damit kommt für die
innerkantonale Leistungsabgeltung und Kostenübernahme für den Aufenthalt des
Jugendlichen in dieser Einrichtung folglich die IVSE sachgemäss zur Anwendung.
Diese Vereinbarung bezweckt, die Aufnahme von Personen mit besonderen
Betreuungs- und Förderungsbedürfnissen in geeigneten Einrichtungen ausserhalb ihres
Wohnkantons ohne Erschwernisse zu ermöglichen (Art. 1 Abs. 1 IVSE). Die IVSE regelt
im Wesentlichen die Modalitäten der Leistungsabgeltung (Art. 19 ff. IVSE) und der
Kostenübernahmegarantie (Art. 26 ff IVSE). Der Wohnkanton sichert der Einrichtung
des Standortkantons mittels Kostenübernahmegarantie die Leistungsabgeltung zu
Gunsten der Person für die zu garantierende Periode zu (Art. 19 Abs. 1 IVSE). Als
Wohnkanton wird nach Art. 4 Abs. 2 lit. d IVSE derjenige Kanton definiert, in dem die
Person, welche die Leistungen beansprucht, ihren zivilrechtlichen Wohnsitz hat.
Standortkanton ist der Kanton, in dem die Einrichtung ihren Standort hat (Art. 4 Abs. 2
2.3.
http://www.sodk.ch/
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3.
lit. e IVSE). Die genannten Bestimmungen sind entsprechend sachgemäss auf den
innerkantonalen Sachverhalt, welche politische Gemeinde für die Kosten der
Unterbringung des Jugendlichen ab dem 1. Oktober 2016 aufzukommen hat,
anzuwenden.
Der zivilrechtliche Wohnsitz bestimmt sich nach den Regeln von Art. 23 bis 26 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB). Der zivilrechtliche Wohnsitz eines
Kindes befindet sich am Wohnsitz der Eltern, sofern diesen die elterliche Sorge
zukommt (Art. 25 Abs. 1 Satzteil 1 ZGB). Im vorliegenden Fall stand der Jugendliche
zum Zeitpunkt des Heimeintritts ins K._ unter der elterlichen Sorge der Mutter, B._
(Entscheid des Kreisgerichts Z._ vom 14. September 2010, act. Vorinstanz 1/11).
Damit leitet sich sein Wohnsitz von demjenigen seiner Mutter ab.
Strittig ist demnach, wo sich der zivilrechtliche Wohnsitz der Mutter des Jugendlichen
ab deren Eintritt ins L._ X._ befindet und dementsprechend, welche politische
Gemeinde in sachgemässer Auslegung von Art. 4 Abs. 1 lit. d IVSE für die Kosten des
Aufenthaltes des Jugendlichen im K._ ab 1. Oktober 2016 aufzukommen hat.
3.1.
Der Wohnsitz einer Person befindet sich an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht
dauernden Verbleibens aufhält; der Aufenthalt zum Zweck der Ausbildung oder die
Unterbringung einer Person in einer Erziehungs- oder Pflegeeinrichtung, einem Spital
oder einer Strafanstalt begründet für sich allein keinen Wohnsitz (Art. 23 Abs. 1 ZGB).
Der einmal begründete Wohnsitz einer Person bleibt bestehen bis zum Erwerb eines
neuen Wohnsitzes (Art. 24 Abs. 1 ZGB). Nicht massgebend für den zivilrechtlichen
Wohnsitz ist, wo eine Person angemeldet ist und ihre Schriften hinterlegt hat (vgl. BGE
133 V 313 E. 3.3). Dies sind lediglich Indizien für die Absicht dauernden Verbleibens.
Bei der Bestimmung des selbstständigen Wohnsitzes geht es darum, festzustellen, wo
eine Person ihre intensivsten familiären, gesellschaftlichen und beruflichen
Beziehungen unterhält, d.h., wo sich ihr Lebensmittelpunkt befindet. Dabei spielen die
gesamten Lebensumstände eine Rolle (vgl. D. Staehelin, in: Geiser/Fountoulakis
[Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl. 2018, N 5 ff. zu Art. 23 ZGB; BGE
134 V 236).
3.2.
In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass die Mutter in Y._ wohnte, bevor sie per
3.3.
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26. September 2016 ins L._ X._ eintrat; entsprechend erteilte die damalige
Wohnsitzgemeinde Y._ denn auch die Kostenübernahmegarantie für den
Jugendlichen ab dessen Eintritt ins K._ vom 7. August 2016. Zu prüfen ist nun, ob die
Mutter mit ihrem Eintritt in die Einrichtung L._ in X._ den Wohnsitz verlegt hat, was –
bejahendenfalls – zur Folge hätte, dass ab 1. Oktober 2016 die neue
Wohnsitzgemeinde für die Kosten der Unterbringung des Jugendlichen aufkommen
müsste. Der Verein L._ (betreutes Wohnen mit integrierter Tagesstruktur) setzt sich
zum Ziel, erwachsenen Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung sozial und
gesellschaftlich zu integrieren. Es bietet eine bedarfsgerechte professionelle
Unterstützung in der Alltagsgestaltung an. Diese Menschen sollen dadurch eine hohe
Lebensqualität entwickeln können und ihr Leben zunehmend eigenverantwortlich
gestalten. Das L._ verfügt am Standort X._ über 15 Plätze, sechs 3,5-Zimmer
Wohnungen für je zwei Personen, eine Dachwohnung für eine Person und eine externe
Wohnung für zwei Personen. Es ist eine 24-Stunden-Betreuung und Tagesstruktur im
Haus sowie in der internen Werkstatt sichergestellt. Alle Angebote sollen die
Bewohner/innen zu grösstmöglicher Selbständigkeit entsprechend ihren Zielsetzungen
führen.
Keinen Wohnsitz begründet gemäss Art. 23 Abs. 1 Halbsatz 2 ZGB die Unterbringung
einer Person in einer Erziehungs-, Versorgungs-, Heil- oder Strafanstalt. Als Anstalten
im Gesetzessinne gelten öffentliche oder private Einrichtungen, die einem
vorübergehenden Sonderzweck (z.B. Pflege, Heilung, Erziehung, Strafverbüssung, Kur,
Ferien) und nicht dem allgemeinen Lebenszweck dienen (BGE 137 III 593 E. 3.4). Die
Parteien sind sich darin einig, dass es sich beim Verein L._ um eine Anstalt im Sinne
von Art. 23 Abs. 1 Halbsatz 2 ZGB handelt.
3.4.
Der Aufenthalt zu Sonderzwecken in einer spezifischen Einrichtung begründet nun aber
– wie erwähnt – für sich allein keinen Wohnsitz. Er setzt vielmehr die widerlegbare
Vermutung, dass der Aufenthalt in einer Anstalt noch keine Übertragung des
Lebensmittelpunkts an diesen Ort nach sich zieht. Die Vermutung kann umgestossen
werden, wenn sich eine urteilsfähige mündige Person freiwillig und selbstbestimmt zu
einem Anstaltsaufenthalt unbeschränkter Dauer entschlossen und überdies die Anstalt
und den Aufenthaltsort frei gewählt hat. Als freiwillig und selbstbestimmt hat der
Anstaltseintritt auch dann zu gelten, wenn er vom «Zwang der Umstände» (etwa das
Angewiesen Sein auf Betreuung, finanzielle Gründe) diktiert wird (BGE 137 III 593 E.
4.1, 133 V 309 E. 3.1). Wer in diesem Sinn freiwillig und in für Dritte erkennbarer Weise
3.5.
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die Absicht bekundet hat, am entsprechenden Ort auf Dauer zu verweilen und seinen
Lebensmittelpunkt demnach an diesen Ort verlegt, begründet dort Wohnsitz und behält
nicht gemäss Art. 24 Abs. 1 ZGB seinen bisherigen Wohnsitz als fiktiven bei (vgl. zum
Ganzen: Staehelin, a.a.O., N. 19d zu Art. 23 ZGB, BGE 138 V 23 E. 3.1.2). Dies trifft
bspw. bei urteilsfähigen volljährigen Personen zu, die freiwillig in ein Alters- und
Pflegeheim eintreten, um dort ihren Lebensabend zu verbringen; also die Absicht
haben, sich dort dauernd aufzuhalten (Botschaft zur Änderung des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches vom 28. Juni 2006, BBl 2006 7001, S. 7096, BGE 135 III 49 E. 6.2).
Die Mutter ist urteilsfähig. Bei der Auswahl der Anstalt wurde sie von ihrer Beiständin
unterstützt. Blosse Unterstützung oder Hilfeleistung beeinträchtigt die Freiheit des
Willensentschlusses nicht (vgl. BGE 137 V 593 E. 4.3). Zum Heimeintritt wurde sie aber
insofern gezwungen, als es ihr aus krankheitsbedingten Gründen nicht mehr möglich
war, selbständig zu wohnen, und dass an keinem anderen Ort eine geeignete Lösung
für sie gefunden werden konnte. Der geschilderte «Zwang der Umstände» lässt den
Eintritt in die Einrichtung noch nicht als offensichtlich unfreiwillig oder gar
fremdbestimmt erscheinen. Vielmehr erscheint es so, dass die Mutter letztlich mit
freiem Willen und selbstbestimmt in das L._ X._ eingetreten ist. Zu prüfen bleibt
damit, ob sie mit der Absicht des dauernden Verbleibs in die Einrichtung eingetreten ist
und ob sie zu diesem Aufenthaltsort eine so enge Beziehungen geknüpft hat, dass eine
Verlegung des Lebensmittelpunkt von Y._ nach X._ angenommen werden muss.
Sofern diese Streitfragen bejaht werden könnten, läge ihr zivilrechtlicher Wohnsitz am
Ort der Einrichtung, in X._.
3.6.
Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass die Mutter ihren Wohnsitz mit dem
Heimeintritt nach X._ verlegt habe. Sie habe zwar nach wie vor Kontakte nach Y._ zur
Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) und ebenso nach Z._, wo ihre Kinder bei den
Pflegeeltern seien. Daraus könne jedoch nicht allein auf die Beibehaltung des
Lebensmittelpunkts in Y._ geschlossen werden. Es entspreche der allgemeinen
Lebenserfahrung, dass bei einem Umzug in eine nahe gelegene Gemeinde
Vereinsmitgliedschaften und sonstige Freizeitaktivitäten in der bisherigen
Wohngemeinde beibehalten würden. Ein eindeutiger Bezug zu Y._ sei jedenfalls für
aussenstehende Dritte nicht erkennbar. So habe auch die Mutter angegeben, dass sich
ihr Lebensmittelpunkt in X._ befinde. Die Absicht, X._ als Fernziel wieder zu
verlassen, schliesse nicht aus, dass sich der Lebensmittelpunkt während der Dauer
ihres Aufenthalts in X._ befinde. Auch der Umstand, dass sie nach Eintritt in die
3.7.
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Anstalt die Wohnung in Y._ aufgelöst und ihre Möbel eingelagert habe, seien weitere
Indizien dafür, dass sie von einem lang dauernden Aufenthalt mit nicht absehbarem
Zeitpunkt im L._ ausgegangen sei. Mit der Verwendung des Wortes «Fernziel» habe
sie zu verstehen gegeben, dass es sich dabei um ein in weiter Zukunft liegendes Ziel
unbekannten Datums handle. Die Beschwerdegegnerin stellt sich ebenfalls auf diesen
Standpunkt und erachtet die Verlagerung des Lebensmittelpunkts nach X._ als
gegeben, nachdem die Mutter ihre Wohnung in Y._ aufgegeben habe und ihre Kinder
sich auch nicht mehr in Y._ aufhalten würden.
Dem hält die Beschwerdeführerin entgegen, die Mutter sei ins L._ eingetreten sei, um
die Fähigkeiten der selbständigen Wohnfähigkeit wieder zu erlernen, damit sie
anschliessend wieder in eine eigene Wohnung ziehen und dort eigenständig leben
könne. Von aussen wahrnehmbar sei entsprechend die Absicht eines befristeten
Aufenthalts zum Erlernen von «selbständiger Wohnfähigkeit». Folgerichtig habe sie
daher ihre Möbel und Habseligkeiten in Z._ eingestellt, mit dem Ziel, später –
wiederum in Y._ – eine eigene Mietwohnung zu suchen. Aus diesem Grund habe sie
sich beim Einwohneramt in Y._ denn auch nicht abgemeldet. Es entspreche der
allgemeinen Lebenserfahrung, dass wenn man den Wohnsitz verlege, sich in der alten
Gemeinde ab- bzw. in der neuen anmelde. Jemand, der bei Eintritt ins L._ seinen
Wohnsitz und Lebensmittelpunkt dauerhaft nach X._ verlegen wolle, stelle nicht seine
Möbel ein, zumal er sie ins L._ hätte mitnehmen können. Es sei auch unüblich,
Gebühren für das Einstellen von Möbeln zu bezahlen, wenn diese gar nicht mehr
benötigt würden. Solches werde aber erklärbar, wenn jemand die Absicht habe, nur
vorübergehend in eine Einrichtung wie das L._ einzutreten, um dort die selbständige
Wohnfähigkeit wiederzuerlernen. Zwar könne kein Enddatum des Aufenthalts im L._
angegeben werden, jedoch sehr wohl das Endziel, das im Erreichen der selbständigen
Wohnfähigkeit liege. Dieses Endziel habe die Mutter auch nach zweijährigem Aufenthalt
nicht aus den Augen verloren. Es sei auch nicht sachgerecht, die Frage nach dem
Lebensmittelpunkt einer juristischen Laiin zu stellen. Ebenso wenig, aus deren Antwort
einen für sie juristisch folgenschweren Beweis ableiten zu wollen. Für Dritte bestehe
jedenfalls kein wahrnehmbarer Bezug zu X._. Aufgrund der dünnen Bezugspunkte zu
beiden Ortschaften würden die Indizien wie die einwohneramtliche Anmeldung, das
Belassen der Hinterlegung der Schriften, die Entrichtung der Steuern, die Einlagerung
der Möbel, die Aussagen bei Eintritt ins L._ und diejenige nach zwei Jahren umso
mehr an Gewicht und Bedeutung gewinnen. Diese würden – selbst nach zwei Jahren
Aufenthalt im L._ – den anhaltenden Bezug zur Gemeinde Y._ bezeugen.
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Gemäss Schreiben der Beschwerdeführerin vom 11. April 2018 ergab die telefonische
Abklärung mit der Beiständin der Mutter am 10. Oktober 2017, dass beidseits nur ein
vorübergehender Aufenthalt im L._ geplant sei (act. Vorinstanz 3/9). Dieselbe Auskunft
erhielt das Amt für Soziales des Kantons St. Gallen, als es die Beiständin am 24. April
2018 erneut kontaktierte. Die Beiständin hielt fest, dass die Mutter wieder eine eigene
Wohnung mieten werde, sobald es für sie wieder möglich sei (act. Vorinstanz 3/8). Laut
E-Mail vom 8. Mai 2018 der Beiständin an die Sozialen Dienste der Gemeinde Y._
habe die Mutter am 7. Mai 2018 angegeben, dass der Aufenthalt zeitlich zwar nicht
befristet sei und es zurzeit keine Prognose gebe, wann es ihr wieder möglich sein
werde, selbständig zu wohnen. Sie habe noch einige zu erreichende Teilziele vor sich.
Ihr Fernziel sei es jedoch, wieder nach Y._ zu ziehen. Aus diesem Grund habe sie
auch ihre Möbel eingelagert und nicht weggeben (act. Vorinstanz 3/7).
Für die Annahme eines dauernden Aufenthaltes ist nicht notwendig, dass sich eine
Person «permanent» bzw. «für immer» an diesem Ort aufhält. Es genügt, wenn die
Person beabsichtigt, «bis auf Weiteres», «nicht bloss vorübergehend», an dem
bestimmten Ort zu verweilen, nachdem die «Brücken» zum bisherigen
Lebensmittelpunkt abgebrochen worden sind (Hausherr/Aebi-Müller, Das
Personenrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 4. Aufl. 2016, Rz. 09.37).
Gestützt auf die übereinstimmenden aktenkundigen Rückmeldungen sowohl der Mutter
als auch der Beiständin bestand nie die Absicht eines dauernden Verbleibs der Mutter
im L._ X._. Das von der Mutter mit dem Eintritt in die Einrichtung verfolgte Ziel,
sobald als möglich wieder selbständig eine eigene Wohnung bewohnen zu können,
änderte sich auch nicht, nachdem sie sich bereits einige Zeit im L._ aufgehalten und
erst Teilziele erreicht hatte (Aussagen am 17. Oktober 2017 und am 7. Mai 2018, act.
Vorinstanz 3/7 und 3/9). Ihr Anliegen entspricht dem Leistungskonzept der L._,
gemäss welchem dem Verein die Erhaltung vorhandener Fähigkeiten, die Förderung
neuer Lebensperspektiven und die Vorbereitung auf ein möglichst selbständiges
Wohnen sehr wichtig ist. Zwar ging auch die Mutter von einer gewissen
Aufenthaltsdauer im L._ aus. Daher erfolgte auch die Kündigung der damaligen
Wohnung in Y._. Jedoch lagerte sie die Möbel aufgrund eines bewussten
Entschlusses ein, damit ihr diese nach Erreichen des mit dem Eintritt ins L._
angestrebten Fernziels wieder zur Verfügung stehen werden. Entsprechend fehlt ihr
unter diesem Aspekt die Absicht des dauernden Verbleibs am Sitz der Einrichtung.
3.8.
Allerdings kann auch ein von vornherein bloss vorübergehender Aufenthalt einen
3.9.
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Wohnsitz begründen, wenn er auf eine bestimmte Dauer angelegt ist und der
Lebensmittelpunkt dorthin verlegt wird (D. Staehelin, a.a.O., N 7 zu Art. 23 ZGB, BGE
143 II 233 E. 2.5.2). Der Lebensmittelpunkt wiederum liegt da, wo die Person
übernachtet, von wo aus sie ihre familiären Beziehungen pflegt und die Freizeit
verbringt und wo sich ihre persönlichen Effekten (Gegenstände mit Affektionswert)
befinden (P. Breitschmied, in: Breitschmied/Jungo, Handkommentar zum Schweizer
Privatrecht, Personen- und Familienrecht, 3. Aufl. 2016, N 3 zu Art. 23 ZGB). Eine
Person hat ihren Lebensmittelpunkt dort, wo sich ihre Lebensinteressen nach den
konkreten Umständen objektiv betrachtet konzentrieren (BGE 137 III 593 E. 5.1).
Auch wenn für die Bestimmung des zivilrechtlichen Wohnsitzes der Umstand, dass die
Mutter ihre Schriften nach wie vor in Y._ hinterlegt und dort auch ihren
steuerrechtlichen Wohnsitz hat (act. Vorinstanz 3/2), nicht allein massgebend ist (BGE
133 V 309 E. 3.3), so liegt doch in Bezug auf den Lebensmittelpunkt eine
aussagekräftige telefonische Auskunft der Beiständin vom 10. Oktober 2017 vor,
gemäss welcher die Mutter keinen Bezug zu X._ habe (Schreiben des Sozialamtes
X._ vom 11. April 2018, act. Vorinstanz 3/9). Daran vermag die anlässlich einer
Besprechung mit der Beiständin am 7. Mai 2018 gemachte Auskunft der Mutter, dass
sich ihr Lebensmittelpunkt nun in X._ befinde, weil sie die Freizeit teilweise in X._,
teilweise in Y._ in der FEG und teilweise in Z._ bei den Pflegeeltern ihrer Kinder
verbringe (E-Mail der Beiständin an die Sozialen Dienste der Gemeinde Y._ vom
8. Mai 2018, act. Vorinstanz 3/7), nichts zu ändern. Inwiefern überhaupt auf die
modifizierte Darstellung der Mutter, dass sich ihr Lebensmittelpunkt nun in X._
befinde, angesichts ihres fehlenden juristischen Fachwissens über die Bedeutung des
Begriffs «Lebensmittelpunkt» abgestellt werden kann und darf, kann offenbleiben. Fest
steht, dass sie weder über familiäre Beziehungen in Y._ noch in X._ verfügt. Ebenso,
dass sie ihre bisherigen Freizeitaktivitäten in Y._ bzw. bei der FEG auch nach dem
Eintritt in die L._ nicht aufgegeben hat. Grundsätzlich ist dies – wie die Vorinstanz zu
Recht erwog – auch nach einem Umzug nicht ungewöhnlich. Ihnen kommt aber
insofern eine grössere Bedeutung zu, als über die Freizeitgestaltung am Ort der
Einrichtung in X._ nichts bekannt ist. Eine solche sollte ihr aber – entgegen den
Ausführungen der Vorinstanz – trotz oder gerade wegen des Lebens im L._ möglich
sein. Dies umso mehr, als dort keine feste Tagesstruktur vorgegeben ist bzw. diese
individuell auf die Bedürfnisse der Bewohner festgelegt wird (vgl. Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 30. Mai 2018: telefonische Abklärung mit der L._, act.
Vorinstanz 3/7) und die Bewohner dort in ihrer Freizeitgestaltung unterstützt werden.
Entsprechend ist aufgrund der Aktenlage davon auszugehen, dass die Mutter in X._
3.10.
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keine vertieften sozialen Kontakte geknüpft zu haben scheint; insbesondere nicht
ausserhalb der Wohngruppe in der Einrichtung. Der Umstand, dass die Mutter mit
anderen Bewohnern in separaten Wohnungen unter demselben Dach wohnt und dass
dort bspw. gemeinsame Kochabende stattfinden, vermag noch keinen
Lebensmittelpunkt zu begründen. Dies umso weniger, als – wie dargelegt – enge
Bezugspunkte zum Ort der Einrichtung in X._ fehlen. Gegen einen Lebensmittelpunkt
in X._ spricht auch der Umstand, dass die Mutter ihre persönlichen Möbel eingestellt
hat und diese nicht nach X._ mitgenommen hat, obwohl im L._ grundsätzlich die
Möglichkeit bestünde, die Wohnräume individuell zu gestalten. Ihre anhaltende
Verbundenheit zu Y._ hat die Mutter regelmässig zum Ausdruck gebracht, indem sie
angab, als Fernziel wieder dort selbstständig wohnen und leben zu wollen
(act. Vorinstanz 3/7). Damit erhellt auch, warum kein Wechsel in der Zuständigkeit der
KESB von Y._ nach X._ an die Hand genommen wurde, obwohl in der Regel die
Behörde am neuen Wohnsitz (erwachsenenschutzrechtliche) Massnahmen übernimmt
(Art. 442 Abs. 1 und 5 ZGB, Breitschmied, a.a.O., N 8b zu Art. 23 ZGB).
Im Unterschied zu den von der Rechtsprechung bejahten Fällen einer Verlegung des
Lebensmittelpunkts in ein Alters- oder Pflegeheim fehlt es vorliegend sowohl an der
Absicht des dauernden Verbleibs als auch an der Verlegung des Lebensmittelpunkts an
den Ort der Einrichtung in X._. In BGE 133 V 309 ging es bspw. um eine Person,
welche an den Folgen einer Multiplen Sklerose, einer Hirnverletzung oder einer anderen
chronischen neurologischen Krankheit leidet und dauernd auf Assistenz, Pflege,
Betreuung oder Begleitung angewiesen ist. Diese Person entschied sich freiwillig für
einen unbefristeten Aufenthalt im Heim, wo sie sich wohl und gut aufgehoben fühlte.
Von einer Verlegung des Lebensmittelpunkts ging das Bundesgericht bei einer Person
aus, die in die Nähe ihrer Tochter in ein Altersheim zog, um dort ihren Lebensabend zu
verbringen (BGE 127 V 237). Analoges entschied das Bundesgericht im Falle einer
älteren Dame, welche zwar drei Jahre in der Stadt Genf lebte, anschliessend aber
freiwillig zurück in die Deutschschweiz in der Nähe ihrer Tochter in ein Pflegeheim
eintrat und somit ihren Lebensmittelpunkt dorthin verlegte (BGE 108 V 22). Vorliegend
dient der Aufenthalt der Mutter im L._ lediglich einem vorübergehenden Sonderzweck,
nämlich unter An- und Begleitung wieder selbständig wohnen zu können, weshalb kein
neuer Wohnsitz am Ort der Einrichtung begründet worden ist.
Zusammenfassend begründete die Mutter mit ihrem Eintritt ins L._ keinen neuen
zivilrechtlichen Wohnsitz in der Politischen Gemeinde X._. Dieser ist vielmehr in der
Gemeinde Y._ bestehen geblieben. Der nach Art. 25 Abs. 1 ZGB von der Mutter
3.11.
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4.
abgeleitete massgebende Wohnsitz des Jugendlichen befindet sich dementsprechend
in der Politischen Gemeinde Y._, welche entsprechend für die Kosten der
Unterbringung des Jugendlichen im K._ ab 1. Oktober 2016 aufzukommen hat. – Die
Beschwerde ist aufgrund des Dargelegten gutzuheissen, der angefochtene Entscheid
der Vorinstanz vom 3. Juli 2020 aufzuheben und die durch das Amt für Soziales des
Kantons St. Gallen erlassene Verfügung vom 28. Juni 2018 mit den Feststellungen (Ziff.
1 bis 4) zu bestätigen.
Aufgrund des Obsiegens der Beschwerdeführerin sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens von der Beschwerdegegnerin zu tragen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 222
der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf deren Erhebung ist zufolge
Verfolgung überwiegend finanzieller Interessen nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
4.1.
Bei Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen über die amtlichen
Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu entscheiden. In der Regel erfolgt die
entsprechende Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und deren Anteile analog
dem Rechtsmittelentscheid (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 103). Im vorinstanzlichen
Verfahren wurden die amtlichen Kosten in der Höhe von CHF 1'000 dem Amt für
Soziales des Kantons St. Gallen auferlegt und auf die Erhebung verzichtet. Die Kosten
des Rekursverfahrens sind bei diesem Verfahrensausgang neu der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, wobei entsprechend der vorinstanzlichen Praxis auf
deren Erhebung zu verzichten ist (vgl. auch VerwGE B 2020/31 vom 5. Oktober 2020 E.
5.2).
4.2.
Ausseramtlichen Kosten sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).
Der Beschwerdeführerin steht kein Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2019/117 vom
19. Dezember 2019 E. 5.3, VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018 E. 7, R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen
2004, S. 176 ff., A. Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 20 zu Art. 98
VRP) und die Beschwerdegegnerin ist unterlegen, und hat auch keinen entsprechenden
Antrag gestellt.
4.3. bis
bis
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