Decision ID: d6bf52ee-f6e4-5f35-b0f3-ce589f386b17
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967 und ohne Berufsausbildung
(
vgl.
Urk. 12/52)
, meldete sich
a
m
14. November 2002 (Eingangsdatum)
unter Hinweis auf kardiologische Beschwerden bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 12/3). Mit Verfügung vom 18. Juni 2003 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch
des Versicherten
auf
eine Invalidenrente (Urk.
12/16). Die dagegen vom Versicherten am 18. August 2003 erhobene
(altrechtliche)
Einsprache (Urk. 12/21) wies die
IV-Stelle mit Entscheid vom 15.
September 2003 (Urk. 12/25) ab. Die
dagegen vom Versicherten am 4.
Okto
ber 2003 erhoben
e Beschwerde (Urk. 12/26) hiess das Sozialversiche
rungsgericht mit Urteil IV.2003.00364 vom 6. Mai 2004
(Urk.
12/30)
in dem Sinne gut, dass es den angefochtenen Entscheid aufhob und die Sache zu weiteren Abklärungen und neuer Entscheidung über das Leistungsgesuch (Eingliederungsmassnahmen, Rente) an die
IV-Stelle
zurückwies.
In der Folge gab die IV-Stelle beim
Zentrum Y._
in
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, das am
25. August
2005 erstattet wurde (Urk. 12/42
).
Mit Verfügung vom 26. September 2005 verneinte
sie
einen Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 30 % (Urk. 12/45). Die dagege
n vom Versicherten am 24.
Oktober 2005
erhobene Einsprache (Urk. 12/46;
vgl. auch
Einsprache
ergänzung
vom 24. November 2005,
Urk. 12/49) wies die IV-Stelle mit Entscheid vom 25. Januar 2006 (Urk. 12/55) ab.
1.2
Am 23. Juli 2009 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 12/61).
Mit Schreiben vom 22. März 2010 erklärte die IV-Stelle, dass seine Erwerbsfähigkeit durch eine Entgiftungs- und
Entwöh
n
ungsbehandlung der Sedativa-/Hypnotika-Abhängigkeit wes
entlich ver
bes
sert werden könne
. Er werde deshalb a
ufgefordert, diese Massnahme
– im Sinne der
ihm obliegenden
Schadenminderungspflicht –
mit seinem Hausarzt
umzusetzen (Urk. 12/71).
Daraufhin
holte die IV-Stelle
den Bericht der
Psy
chia
trischen
Klinik A._
vom 17. September 2010 (Urk. 12/76)
ein
und gab beim
Zentrum Y._
ein
weiteres
Gutachten in Auftrag, das am
6. Dezember 2011 erstatte
t wurde (Urk. 12/82). Mit
Vorbescheid vom 31. Janu
ar 2012 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten
die
Zusprache
einer vom 1.
Januar
2010 bis zum 31.
Januar 2011 befri
steten ganzen Rente in Aussicht
(Urk. 12/87), wogegen dieser
am 1. März 2012
Einwand
erhob
(
Urk. 12/90
; vgl. auch
Einwandergänzung
vom 19. April 2012,
Urk. 12/94)
.
In der Folge
gab die IV-Stelle bei Dr. med.
B._
,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten in Auftrag, das am
24. August 2013 erstattet wurde (Urk. 12/114). Wie angekündigt, sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 11. Juni 2014
bei einem ermittelten
Invaliditätsgrad von 75 %
eine vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Januar 2011 befristete ganze Rente zu
. Für die Zeit ab dem 1. Februar 2011 verneinte sie einen Rentenanspruch bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 30 %
(Urk. 12/
120 und Urk. 12/
125).
1.3
Am 14. Januar 2015 stellte der Versicherte bei der IV-Stelle ein Gesuch um beruf
liche Massnahmen (Urk. 12/133). Mit Schrei
ben vom 7. März 2015 teilte er
der IV-Stelle mit, dass er
aufgrund der Folgen eines am 22. Februar 2015 erlittenen Sturzes
nicht in der Lage sei, an allfälligen beruf
lichen Massnahmen teilzu
neh
men
(Urk. 12/137).
Nach entsprechendem Vorbescheid vom 20.
März
2015 (Urk.
12/138) verneinte die IV-Stelle mit V
erfügung vom 22. Mai 2015 (Urk.
12/144) einen Anspruch des Versicherten auf berufliche Massnahmen.
Auf die
dagegen vom Versicherten am 18.
Juni 2015 erhobene Beschwerde trat das Sozialversicherungsgericht mit Beschluss IV.2015.00672 vom 31. August 2015 nicht ein (Urk. 12/148).
1.4
Am
17. März
2016 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle
zum Leistungsbezug an (Urk. 12/152
). Nach entsprechendem Vorbe
scheid vom 25. Mai 2016 (Urk. 12/159) trat die IV-Stelle auf das neue Leistungs
begehren mit Verfügung vom 4. Juli 2016 (Urk. 12/161) nicht ein.
1.5
Am 7. November 2019 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte wiederum bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 12/164).
Die
IV-Stelle holte den Bericht
von
med.
pract
.
C._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Januar 2020
ein (Urk. 12/173).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 13. März 2020, Urk. 12/176, und Einwand vom 7. April 2020, Urk. 12/177; vgl. auch
Einwandergänzungen
vom 18. Juni und 27. August 2020, Urk. 12/185 und Urk. 12/187) verneinte
sie
mit Verfügung vom 15. September 2020 (Urk. 2) einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 6. Oktober 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Angelegenheit an die IV-Stelle zurückzuweisen,
damit diese ein bi-
respektive polydisziplinäres Gutachten in die Wege leite
. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Ge
währung der unentgeltlichen
Rechtspflege
(Urk. 1 S. 2). Die Beschwerde
geg
nerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 10. November 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 11),
was dem Beschwerdeführer am 11.
November 2020 angezeigt wurde (Urk. 13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.5
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert,
so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn di
e Voraussetzungen gemäss Abs. 2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, das
s sich der Grad der Invalidität
der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwal
tung,
dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Ver
ände
rung des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzu
gehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie
fest, dass der Invaliditätsgrad
seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Ge
richt (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.6
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Berichten des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD)
nach Art. 49 Abs. 2 IVV kommt ebenfalls Beweiswert zu, sofern sie den von der Rechtsprechung um
schrie
benen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Selbst eine Aktenbeurteilung ohne eigene Untersuchung kann beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesent
lichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medi
zinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen der
RAD
(Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 3.1 und 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversiche
rungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (ver
sicherungsinterne) Beurteilung des
RAD
zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (
BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.
7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten
oder der
Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes
über das
Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
sich
der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers seit Erlass der Verfügung vom 11. Juni 2014 weder aus
somatischer noch aus psychiatrischer Sicht erheb
lich
verschlechtert habe
.
Der Beschwerdeführer sei in einer angepassten Tätigkeit
weiterhin zu 70 % arbeitsfähig
(Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegen
über geltend, das
s
sich sein Gesund
heitszustand
– wie sich
insbesondere
aus den Berichten von
C._
vom 26. Mai 2020 sowie
von Dr.
D._
und
E._
vom 22. Juni 2020
ergebe -
erheblich verschlechtert habe.
Die Sache sei
an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen, damit er insbesondere in den Disziplinen Psychiatrie, Innere Medi
zin/Kardiologie und allenfalls Neuropsychologie
(falls sich das Gericht nicht auf
den Bericht von Dr.
D._ und E._
abstütze)
begutachte
t werde (Urk.
1
S. 5 ff.
).
3.
3.1
3.1.1
Eine materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer medizinischer Sachverhaltsabklärung erfolgte zuletzt im Rahmen
des Erlasses der Rentenverfü
gung
vom
11. Juni 2014 (Urk. 12/125
). Dieser Verfügung lag
das
interdisziplinäre
Gutachten des
Zentrums Y._
vom 6. Dezember 2011 (Urk. 12/82) und das psychiatrische Gutachten von Dr.
B._
vom 24. August 2013 (Urk. 12/114) zugrunde.
3.1.2
Die Ärzte des
Zentrums Y._
stellten im Gutachten vom 6. Dezember 2011 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/82/23):
(1)
posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
-
mit konsekutiven Schlafstörungen
(2)
Agoraphobie mit Panikstörung
(3)
Abhängigkeitssyndrom von Sedativa
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte des
Zentrums Y._
(Urk. 12/82/23):
(1)
chronisches
lumbovertebrales
S
yndrom
-
mit rezidivierender
spondylogener
Ausstrahlung beidseits
-
bei degenerativen Veränderungen der
unteren
Lenbenwirbelsäule
(2)
rezidivierendes
Schulterimpingement
beidseits
(3)
rezidivierende weichteilrheumatische Beschwerden in beiden Händen
(4)
Status nach Totalkorrektur einer
fallotschen
Pentalogie
1977
Die Ärzte des
Zentrums Y._
erklärten, dass
aktuell
bei einer in Frage kommenden voll
schichtigen Tätigkeit von einer Leistungsminderung im Um
fang von ca. 30
% auszugehen
sei
.
Der Beschwerdeführer benötige
vermehrte Pausen oder könne auch einmal einen ha
lben oder ganzen Tag ausfallen.
Er
sollte
keine
gefährlichen Maschinen bedienen und
keine Arbeiten auf Leitern oder
Gerüsten oder ähnliche Tätigkeiten
ausführen müssen
. Weiter sollten
keine hohen Anforderungen an die Konzentra
tionsfähigkeit gestellt werden und es sei auf eine
möglichst stre
ssarme Umgebung geachtet werden. Nach
dem Aufenthalt in der
Klinik F._
vom 5. bis zum 11. Januar 2006
sei der Beschwerdeführer
bis Ende Oktober 2010 wahrscheinlich zwischen 50 % und 100 % arbeitsunfäh
ig gewesen
. Zeitweise sei er
auch
während längerer Zeit zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Seit November 2010 sei von der derzeit attestiert
en Arbeitsunfähigkeit auszugehen
(Ur
k.
12/82/24-26
).
3.1.3
Dr.
B._
führte im psychiatrischen Gutachten vom 24. August 2013 folgende Diagnosen an (Urk. 12/114/19):
(1)
Störung durch Sedativa und Hypnotika (ICD-10 F13.24)
(2)
Panikstörung mit episodisch paroxysmaler Angst (ICD-10 F41.0)
Dr.
B._
gab an, dass der
Beschwerdeführer
(in
G._
)
eine Zeitlang als Tankwart
in der Armee gearbeitet
habe.
In der Schweiz habe er im Rahmen von Beschäftigungsprogrammen Einsätze geleistet. Es sei von einer Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 20
% bis 30
% auszugehen (Urk.
12/114/21-22).
3.2
3.2.1
Im Rahmen
des vorliegenden
Neuanmeldungsverfahrens
sind im Wesentlichen folgende medizinischen Berichte aktenkundig:
3.2.2
Dr.
med.
H._
, FMH Allgemeine Innere Medizin,
führte im Bericht vom 11. Dezember 2019 folgende Diagnosen an (Urk. 12/171/1):
(1)
anam
nestisch
fallotsche
Tetralogie
(2)
rezidivierende atypische
Thoraxwandschmerzen
(3)
Hypertonie
(4)
Panikstörung mit Agoraphobie
(5)
PTBS
(6)
Depression
(7)
subklinische Hypothyreose (Erstdiagnose Februar 2019)
(8)
chronisches LSSS
Dr.
H._
gab an, dass der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig sei. Er könne vor allem aufgrund der Angststörung und der Panikattacken, die zu Schwindel und atypischen
Thoraxschmerzen
führen könnten, keine Tätigkeit
ausüben.
Wegen der chronischen Rückenschmerzen könne
er
keine Gewichte tragen (Urk. 12/171/1).
3.2.3
C._
stellte im Bericht vom 15. Januar 2020 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/173/9):
(1)
PTBS
(ICD-10 F43.21; Trauma 1992)
(2)
rezidivierende depressive Störung, zurzeit mittelgradige Episode (ICD-10 F32.1), seit
mindestens 2019
(3)
Panikstörung (ICD-10 F41.0), seit mindestens 2019
Diagnosen ohne Auswirkung auf d
ie Arbeitsfähigkeit nannte
C._
nicht. Er erklärte, dass der Beschwerdeführer z
u 100 % arbeitsunfähig sei. Auch eine
Tätigkeit im geschütz
ten Rahmen sei aktuell
noch nicht möglich (Urk. 12/173/9 und Urk. 12/173/12).
3.2.4
Im
Bericht
zuhanden der
Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers vom 26. Mai 2020
führte
C._
aus, dass es
bei den kognitiven Fähigkeiten
seit der Beurteilung durch Dr.
B._
vom 24. August 2013
zu einer wese
ntlichen Ver
schlechterung mit Ein
fluss au
f die Arbeitsfähigkeit gekommen sei. Es sei eine
deutl
iche Störung der Konzentration gegeben. Zusätzlich falle eine
deutliche Reduktion d
er Aufm
erksamkeit und des Kurzzeitgedächtnisses
auf.
Festzustellen sei ein
ausgeprägtes
Ruminieren
über die aktuelle Situation
, traumatische Erleb
nisse
aus der Vergangenheit und
die
Zukunft
. Dies schränke
die kognitiven Qualitä
ten ebenfalls
ein
.
Die
Nervosität
sei
sehr gross. Der Beschwerdeführer wirke ständig
etwas durcheinander und
verwirrt.
Er
wisse
jeweils nicht einmal mehr, ob er die Mahl
zeiten des Tages eingenommen
habe
.
Der verschlechterte Befund sei
auf die mittel
gradige Depression zurückzuführen.
Die zusätzliche Ein
schränkung durch die Nervosität
sei
durch die Angst (Panikstörung)
begründet.
Im Weiteren
zeige der Beschwerdeführer kaum affektive Regungen und sei deutlich herabgestimmt. Es liege eine generalisierte
Anhedonie
vor.
Er leide
unter Schlafst
örungen deutlicher Art und
einem mittelgradigen Antriebsmangel. Es seien deutliche Insuffizienzgedanken und Schuldgefühle vorhanden. Gleichzeitig seien körperliche Freuden wie die S
exualität und das Essen stark
eingeschränkt. Zudem bestünden eine dauernde Müdigkeit und Kopfschmerzen.
Der
Beschwer
de
führer
höre
immer noch die im Gutachten des
Zentrums Y._
beschriebenen Stimmen, die ihm Selbstmordgedanken befehlen
würden.
Er habe Angst vor Höhen und Brücken
und
von dort herunter
zuspringen. Die Suizidsymptomatik sei der depres
siven Störung zuzuordnen.
Die
Diagnose einer PTBS könne sodann
wieder
gestellt werden.
Der
Beschwerdeführer
habe
lebensbedrohliche Situationen
erlebt,
Gefühle der extremen Leere und des
Abgestumpftseins
und es bestehe ein
Hyperarousal
. Es sei ihm nur sehr
reduziert
möglich, Mitgefühl für Drittpersonen zu empfinden.
Dies als Folgesymptomatik der
stä
ndigen Flash-Backs und des
Ruminieren
s
über traumatische Erlebnisse.
Ausserdem
leide der Beschwerde
füh
rer
an Dissoziationen
(plötzlicher Bewusstseinsv
erlust mit Stürzen und B
ewusst
losigkeit
nach zunehmender
irre
versibler
Stresslevel-Steigerung ohne Erinne
rungsvermögen
).
Diese Dissoziationen
, die im Gutachten
von Dr.
B._
von 2013 noch nicht beschrieben worden seien,
seien traumatischen Ursprungs
.
Schliess
lich sei
darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer
aktuell
täglich oder sogar mehrmals
täglich Panikattacken
habe
(T
achykardie, Dyspnoe, Zittern, Schwitzen, Parästh
esien, Schwindel und Todesangst;
Urk. 12/184/3-4)
.
3.2.5
Dr.
D._
und
E._
hielten
im
an
C._
gerichteten
Bericht vom 22. Juni 2020
fest, dass sie den Beschwerdeführer gleichentags verhaltens
neurologisch-neuropsychologisch untersucht hätten. Aus rein
neuropsycholo
gi
sc
her Sicht sei bei einer leicht-
bis mittelgradigen neuropsychologischen Funk
tionsstörung von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zwischen 30 % und 50 % auszugehen (Urk. 12/186/3-4).
3.2.6
C._
gab im
an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers gerichteten
Sc
hreiben vom 25. August 2020 an
,
dass die Laborwerte
in Ordnung seien. Die
im MRI gefundene Pathologie (ischämisch-
mikroangiopathische
Leukoenze
pha
lo
pathie
)
stelle
ein morphologisches Korrelat zu den kognitiven Defiziten
dar.
Diese Pathologie sei nicht meh
r rückläufig bzw. heilbar (Urk.
12/186/5).
4.
4.
1
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom
17. November 2019 (Eingangsdatum; Urk. 12/164
) eingetreten und hat eine erhebliche Verschlechterung seines Gesundheitszustands seit Erlass der
Renten
v
erfügung
vo
m
11. Juni 2014 (Urk. 12/125
) damit als glaubhaft erachtet
.
Im Rahmen der materiellen Abklärung der Sache ist sie jedoch zum Schluss gelangt, dass keine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten sei. Die Beschwerdegegnerin stützte sich dabei im Wesent
lichen
auf die Stellung
nahme von
RAD-Arzt
dipl.
med.
I._
,
Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, vom 7. September 2020
(Urk.
12/188/3-4).
4.
2
RAD-Arzt
I._
führte in dieser
Stellungnahme aus, dass
aufgrund der vor
handenen Berichte sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht kein
e Veränderung festzustellen sei.
Das
MRT des Gehirns
habe
bezüglich der
Leistungseinschränkung des Beschwerdeführers keine neuen Sachverhalte ergebe
n
. Die Befunde seien vereinbar mit der vorbestehenden Herzerkrankung, welche seit
der Operation vor
Jahren stabil sei. Zudem sei ein ausgeprägter Nikotinkonsum gegeben. Frische durchblutungsbedingte Hirnveränderungen fänden sich nicht. Die im Rahmen der neuropsychologischen Testung festgestellten Einschrän
kun
gen seien mit der psychiatrischen Störung, aber auch mit dem Konsum von
Beruhigungsmitteln gut vereinbar. Für einfach strukturierte Hilfstätigkeiten könne
eine Einschränkung von 30 % angenommen werden. Somit würden sich bei dem seit Jahren bestehenden und weitgehend unverändert gebliebenen psychischen Gesundheitsschaden keine neuen Funktionseinschränkungen ergeben (Urk.
12/188/3-4).
4.
3
Diese Beurteilung von RAD-Arzt
I._
, der keine eigenen Untersuchungen
durchführte, vermag
n
ur teilweise zu überzeugen.
Dass RAD-Arzt
I._
das
Vorliegen einer erheblichen Verschlechterung des Gesundheitszustands in kar
dio
logischer Hinsicht verneinte, ist nachvollziehbar.
Denn dem
an Dr.
H._
gerichteten Bericht der Ärzte des Herzzentrums
J._
vom 12. Februar 20
19 ist
im Wesentlichen
zu
entnehmen, dass sich der Be
schwerdeführer bei den gleichentags durchgeführten Untersuchungen klinisch kardiopulmonal kompensiert mit
normotonen
Blutdruckwerten und elektrokar
diographisch
normokardem
Sinusrhythmus bei bekanntem Rechtsschenkelblock präsentiert habe. Echokardiographisch würden sich weiterhin stabile Befunde bei
unverändert gutem postoperativem
Ergebnis finden. Eine routine
mässige Ver
laufs
kontrolle sei in ca. 18 Monaten durchzuführen (Urk. 12/167/5).
Ebenfalls plausibel
ist
RAD-Arzt
Dr.
I._
Einschätzung, wonach
die
im Rahmen der neuropsychologischen Testung festgestellten Eins
chränkungen
mit der psychia
trischen Störung und mit dem Konsum von Beruhigungsmitteln gut vereinbar seien. Dies vor dem Hintergrund, dass
Dr.
D._
und
E._
im Bericht vom 22. Juni 2020 darauf hinwiesen, dass aufgrund
der ungünstigen Wirkung von
Zol
pidem
auf die kognitive Leistungsfähigkeit bei langandauernde
r Behand
lung eine Reduktion/
Si
stierung zu empfehlen sei.
Zudem
erklärten Dr.
D._
und
E._
auch
, dass die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vordergründig aus psychiatrischer Sicht erfolgen müs
se (
Urk. 12/186/
4).
N
icht nachvollziehbar ist jedoch, dass
RAD-A
rzt I._
ohne nähere Begründung
das Vorliegen einer erheblichen Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands verneinte. Wie der Beschwerdeführer zutreffend bemerkte (Urk. 1 S.
7),
setzte sich RAD-Arzt
I._
mit dem Bericht von
C._
vom 26. Mai 2020
nicht
aus
einander. Dies
wäre erforderlich gewesen.
C._
legte
in diesem Bericht
unter Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer
– anders als noch im Zeitpunkt der Be
gutachtung durch Dr.
B._
- wieder
unter einer depressiven Symptomatik
und neu auch unter einer dissoziativen Störung
leide
sowie
täglich oder mehr
mals täglich Panikattacken
habe
(vgl. E. 3.2.4)
,
nämlich
begründet dar
, weshalb
es seit Erlass der Rentenverfügung vom 11. Juni 2014
zu einer Verschlechterung des psychischen Gesu
ndheitszustands mit Auswirkung
auf di
e Arbeitsfähigkeit gekommen sein soll.
Es sind damit Anhaltspunkte für eine erhebliche Ver
schlechterung des psychischen Gesundheitszustands gegeben.
4.4
Es ist somit festzuhalten, dass auf die Stellungnahme von
RAD-Arzt
I._
vom 7. September 2020 (Urk. 12/188/3-4)
nicht abgestellt werden kann.
Im Weiteren
lässt
sich der
psychische
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aber
unbestrittenermassen
auch nicht allein gestützt auf die Ber
ichte des
behandelnden
C._
zuverlässig beurteilen. Der medizinische Sachverhalt erweist sich als
ungenügend abgeklärt.
5.
Die Sache ist deshalb in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt selber
in psychiatrischer Hinsicht
abklärt oder gutachterlich abklären lässt
und
danach
über einen möglichen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu ver
fügt.
Die Besch
werde ist deshalb gutzuheissen.
6.
6.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
6.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.3
Der obsiegende
vertretene Beschwerdeführer
hat
Anspruch a
uf eine Prozessent
schädigung
.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkei
t des Prozesses auf Fr. 1'8
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.
6.4
Das Gesuch des Beschwerdeführers
um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung und Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2) ist damit gegenstandslos.
Das Gericht
erkennt
:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird
die angefochtene Verfügung vom
15. September
2020 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, zurückgewiesen
, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägun
gen über den
Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
ge
stellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von Fr.
1’8
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Sibylle Käser Fromm
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.