Decision ID: 401ca298-83bd-49db-b86b-6f8f7e0e5891
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Ilg, Rämistrasse 5, Postfach 462,
8024 Zürich 1,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a H._, Jahrgang 1974, meldete sich im Dezember 2000 erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte Berufsberatung und
Umschulung. Er gab an, Beschwerden an Rücken, Becken und Beinen zu haben (IV-
act. 1). Bei einer Arbeitsfähigkeit von 100% in körperlich leichter bis mittelschwerer
Tätigkeit wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 26. Februar 2002
den Anspruch auf Berufsberatung und Umschulung ab (Verfahren IV 2001/75; IV-
act. 24). Letztinstanzlich verneinte das Bundesgericht (damals: Eidgenössisches
Versicherungsgericht) am 17. Januar 2003 den einzig noch strittigen Anspruch auf
Arbeitsvermittlung (Verfahren I 240/02; IV-act. 28).
A.b Der Versicherte meldete sich im Dezember 2003 erneut zum IV-Leistungsbezug an
und beantragte die Ausrichtung einer Rente (IV-act. 42). Sein Hausarzt Dr. med. A._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, hatte am 4. November 2003 von einem sich
verschlechternden Gesundheitszustand berichtet und den Versicherten ab 1. Juli 2003
bis auf Weiteres arbeitsunfähig geschrieben. Entsprechend der orthopädischen
Empfehlung sei ein Einsatz in leichter, nicht rückenbelastender Tätigkeit mit
Wechselpositionen zu mindestens 50% möglich (IV-act. 34). Die IV-Stelle gab daraufhin
bei der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz eine polydisziplinäre
Begutachtung in Auftrag, die vom 28. bis 30. Juni 2004 durchgeführt wurde. Das
Gutachten vom 11. August 2004 nennt insbesondere die Diagnosen der
Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen wie
Angst, Depression, Sorgen und Anpassung (ICD-10: F43.23), der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), des thorako-lumbospondylogenen
Syndroms mit pseudoradikulären Ausstrahlungen rechts, der Irritation des Nervus
tibialis posterior retromalleolär rechts und der erheblichen Verdeutlichungstendenz. In
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der bisherigen Tätigkeit als Hilfsarbeiter im Baugewerbe bestehe spätestens seit Juli
2003 eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 30-40%. Für eine rückenadaptierte
Tätigkeit ohne häufiges Heben und Tragen schwerer Gewichte über 20-30 kg und/oder
langdauernde stereotype Tätigkeiten mit einer unergonomischen Rückenhaltung ohne
die Möglichkeit zum häufigen Positionswechsel bestehe aus rheuma-orthopädischer
Sicht eine weitgehend volle Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch in einer adaptierten Tätigkeit von höchstens
20% gegeben (IV-act. 61). Zur Klärung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit des Versicherten gab die IV-Stelle eine Abklärung in der
beruflichen Abklärungsstelle (BEFAS) Appisberg in Auftrag, die vom 14. Februar bis
8. März 2005 durchgeführt wurde. Im Schlussbericht vom 23. März 2005 wurde eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 80% in leichten Tätigkeiten als zumutbar erachtet. Der
Versicherte habe die Abklärung einige Tage vor dem geplanten Ende jedoch verlassen
mit der Begründung, mit seinen Schmerzen nicht arbeiten zu können (IV-act. 93).
A.c Der zuständige IV-Berufsberater hielt in seinem Schlussbericht vom 12. Mai 2005
fest, das mangelnde Können und Wollen des Versicherten überwiege die Perspektive
einer erfolgreichen Eingliederung. Aufgrund der persönlichen Arbeitsunfähigkeit
schliesse er den Fall ab und beantrage die Prüfung der Rente (IV-act. 94).
A.d Mit Verfügung vom 4. Januar 2006 wies die IV-Stelle den Anspruch auf eine IV-
Rente ab. Der Einkommensvergleich habe einen nicht rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von 30% ergeben (IV-act. 104). Dagegen erhob Rechtsanwalt Dr. iur.
Roland Ilg in Vertretung des Versicherten am 9. Februar 2006 Einsprache. Er
beantragte die Aufhebung der Verfügung und entweder nebst einer halben Rente die
notwendige und geeignete Eingliederungsmassnahme oder eine ganze Rente (IV-
act. 107). Im Einspracheentscheid vom 5. September 2006 trat der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen auf die Einsprache nicht ein, soweit
die Zusprache von Arbeitsvermittlung verlangt werde. Gemäss dem Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" erfolge die Rentenprüfung erst mit Abschluss des
Eingliederungsverfahrens. Faktisch schliesse damit eine Rentenverfügung das
Eingliederungsverfahren ab und verneine auch den Anspruch auf weitere berufliche
Eingliederungsmassnahmen. Eine Ausnahme bilde die Arbeitsvermittlung, da der
Anspruch auf eine solche auch für einen Rentenbezüger gegeben sein könne. Daraus
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folge, dass die Arbeitsvermittlung nicht Gegenstand der Verfügung sei. Bei der
Invaliditätsbemessung mittels Einkommensvergleichs sei der Versicherte als
Hilfsarbeiter einzustufen. Bei einem im Jahr 2004 erzielbaren Valideneinkommen von
Fr. 62'855.- und einem gestützt auf die Tabellenlöhne gemäss Lohnstrukturerhebung
2004 ermittelten Invalideneinkommen von Fr. 57'258.- ergebe sich beim zumutbaren
Pensum von 80% ein Invaliditätsgrad von 27%. Damit bestehe kein Rentenanspruch.
Ein Anspruch auf Umschulung liege nicht vor. Die Eingliederung mittels beruflicher
Massnahmen wäre zum Scheitern verurteilt, sodass deren Zusprache gegen den
Grundsatz der Verhältnismässigkeit verstossen würde (act. G 1.2).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde des
Rechtsvertreters des Versicherten vom 4. Oktober 2006. Er beantragt die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung (richtig: des Einspracheentscheids) und die Zusprache
einer ganzen Rente. Eventualiter seien berufliche Massnahmen im Sinne von
Arbeitsvermittlung zuzusprechen, alles unter Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Die Beschwerdegegnerin habe Abklärungen
betreffend Umschulung abgebrochen. Angesichts des dringenden Wunsches des
Beschwerdeführers, eine leidensangepasste Tätigkeit auszuüben, erscheine das
Verhalten der Beschwerdegegnerin unangemessen. In Anbetracht seines polymorbiden
Krankheitsbilds leide der Beschwerdeführer an einer Vielzahl der Behinderungen,
sodass er gerade auch aus psychischen Gründen keiner Erwerbstätigkeit mehr
nachgehen könne. Die Beschwerdegegnerin gehe auf das Problem der Polymorbidität
in keiner Weise ein, was eine Verletzung der Abklärungspflicht darstelle. Es sei im
Übrigen nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin auf die beantragte
Arbeitsvermittlung kaum eingegangen sei (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 13. Oktober 2006 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Im Einspracheentscheid sei sie auf das Begehren um
Arbeitsvermittlung nicht eingetreten. Die Kognition des Gerichts beschränke sich daher
auf die Frage, ob sie den Anspruch auf Arbeitsvermittlung materiell hätte prüfen
müssen. Der Beschwerdeführer bringe keinerlei substantiierte Rügen vor. Die
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Beschwerde, die zumindest an der Grenze zur Mutwilligkeit liege, sei aussichtslos und
ohne weiteres abzuweisen (act. G 3).
B.c Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hält in der Replik vom 6. November
2006 an seinen Anträgen fest. Angesichts der psychiatrisch bedingten Einschränkung
sei ein deutlich ungenügender Leidensabzug gewährt worden ohne zu berücksichtigen,
dass psychische Leiden in der heutigen Gesellschaft immer noch zu starker
Stigmatisierung der Betroffenen führen würden, die die Zusammenarbeit erschwere
und notorisch zu einer überdurchschnittlichen Lohneinbusse führe (act. G 5).
B.d Die Beschwerdegegnerin hält in der Duplik vom 13. November 2006 an ihrem
Antrag fest. Ein Leidensabzug vom Invalideneinkommen sei nicht gerechtfertigt. Selbst
bei einem Abzug von 15%, der in dieser Höhe mit Sicherheit nicht gerechtfertigt sei,
resultiere ein Invaliditätsgrad von 38%, was dem Beschwerdeführer noch immer keinen
Anspruch auf eine Invalidenrente zu vermitteln vermöge (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
des streitigen Einspracheentscheids vom 5. September 2006 eingetretenen
Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind auf die angefochtene
Verfügungdie bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen
anzuwenden.
2.
2.1 Streitig und im vorliegenden Verfahren zu beurteilen ist einerseits der Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine IV-Rente. Andererseits ist zu überprüfen, ob die
Beschwerdegegnerin auf das Begehren um Arbeitsvermittlung zu Recht nicht
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eingetreten ist. Im Beschwerdeverfahren nicht mehr streitig ist ein Anspruch des
Beschwerdeführers auf andere berufliche Massnahmen.
2.2 Der Beschwerdeführer hat in seiner Anmeldung vom Dezember 2003 einzig eine
Rente beantragt (IV-act. 42-6). Die Beschwerdegegnerin beschränkte ihre Verfügung
vom 4. Januar 2006 auf das Rentenbegehren. Mit dieser Beschränkung hat die
Beschwerdegegnerin den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" nicht verletzt, denn es
fehlte ein "Schaden" in der Form einer drohenden rentenbegründenden Invalidität,
dessen Eintritt in Erfüllung der allgemeinen Schadenminderungspflicht mittels
beruflicher Eingliederungsmassnahmen hätte verhindert werden müssen (vgl. etwa den
Entscheid IV 2006/154 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
17. Oktober 2007, Erw. 1). Da also ausschliesslich die Rentenfrage Gegenstand der
Verfügung vom 4. Januar 2006 bildete, ist die Beschwerdegegnerin im
Einspracheentscheid auf das Begehren um Arbeitsvermittlung zu Recht nicht
eingetreten. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet
ausschliesslich die Frage nach einer allfälligen Rentenberechtigung des
Beschwerdeführers. Auf das vom Beschwerdeführer in der Beschwerde erneut
vorgebrachte Begehren um Arbeitsvermittlung kann nicht eingetreten werden.
3.
3.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunde voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
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das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen
Fassung besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn der Versicherte
mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60%
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente
(aArt. 28 Abs. 1 IVG).
3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
3.3 Gemäss MEDAS-Gutachten vom 11. August 2004 wirken sich einzig die
psychiatrischen Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
optimal adaptierten Tätigkeit aus. Im Zentrum stehen eine Anpassungsstörung und
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Laut dem MEDAS-Teilgutachter
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, beeinträchtigen
diese Diagnosen die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nur leicht, d.h. im
Ausmass von höchstens 20%. Die Beeinträchtigung bestehe wahrscheinlich seit dem
Verlust der Arbeitsstelle (IV-act. 61-26). Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer
rückenadaptierten Tätigkeit wurde in der Gesamtbeurteilung übernommen. Die
Gutachter wiesen darauf hin, der Beschwerdeführer fühle sich nach eigener
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Einschätzung nicht in der Lage, irgendeiner Tätigkeit nachzugehen. Ihnen fiel im
Übrigen "eine deutliche Diskrepanz zwischen dem völlig unauffälligen spontanen
Bewegungsverhalten und dem problemlosen Sitzen über eine Stunde während der
Anamnese im Gegensatz zur Intensität der geschilderten Rückenbeschwerden und
insbesondere deren Auswirkungen auf den Alltag auf" (IV-act. 61-16). Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS-Gutachter konnte in der beruflichen Abklärung
im Februar/März 2005, an der mit Dr. med. C._, Facharzt FMH für Physikalische
Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, auch ein Arzt teilnahm, bestätigt
werden (IV-act. 93).
3.4 Die Arbeitsfähigkeit, die der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens und
damit der Bemessung des IV-Grades zugrunde zu legen ist, definiert sich u.a. auch
unter Berücksichtigung der allgemeinen Schadenminderungspflicht. Das bedeutet,
dass nicht auf die subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der versicherten Person,
sondern darauf abgestellt werden muss, in welchem Ausmass die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit objektiv nicht mehr möglich und zumutbar ist. In Erfüllung der
Schadenminderungspflicht muss die versicherte Person allen guten Willen aufbringen,
um die objektiv verbliebene Arbeitsfähigkeit so weit als möglich in einer
Erwerbstätigkeit zu verwerten. Dieser Pflicht zu einer möglichen und zumutbaren
Willensanstrengung ist bei der Bemessung der Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen,
d.h. die massgebende Arbeitsfähigkeit entspricht jener Leistungsfähigkeit am
Arbeitsplatz, die eine versicherte Person aufweisen würde, wenn sie sich unter
Aufbietung allen guten Willens bemühen und einsetzen würde. Die Fähigkeit, die
Schmerzen und die Begleiterscheinungen einer Depression oder einer somatoformen
Schmerzstörung zu überwinden und die Arbeit soweit als möglich wieder
aufzunehmen, hängt von den Ressourcen ab, über die eine Person verfügt, um ihren
Willen zu beeinflussen. Da sich diese Ressourcen nicht im Einzelfall messen lassen,
muss ein allgemeiner Massstab angelegt werden (Renato Marelli, Nicht können oder
nicht wollen? Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei somatoformen Störungen, typische
Schwierigkeiten und ihre Überwindung, SZS 2007, S. 331). Bei leichten bis
mittelschweren depressiven Episoden, bei somatoformen Schmerzstörungen usw. ist
von der grundsätzlichen Fähigkeit zu einer Willensanstrengung auszugehen, die eine
Überwindung der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung erlaubt. Eine Ausnahme
von dieser Vermutung ist dann gegeben, wenn "eine mitwirkende, psychisch
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ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und
Dauer vorliegt oder andere qualifizierte, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte
Kriterien vorliegen ..." (Marelli, a.a.O., S. 333). Vorliegend gingen die MEDAS-Gutachter
davon aus, dass der Beschwerdeführer seine Schmerzen nicht gänzlich überwinden
könne, sodass sie eine Arbeitsunfähigkeit von 20% attestierten. Dr. med. Markus
Kessler und Dr. med. D._ von der Klinik für Orthopädische Chirurgie am
Kantonsspital St. Gallen erklärten in ihrem Bericht vom 23. September 2004, mit der
Beurteilung der MEDAS-Gutachter überein zu kommen (IV-act. 110-2). Das Gutachten
erscheint tatsächlich als schlüssig und nachvollziehbar. Es ist umfassend, würdigt die
Vorakten und die geklagten Beschwerden und erklärt die Differenz der attestierten
Arbeitsfähigkeit zur Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers. Für die vorliegend
interessierenden Fragen kann auf das Gutachten abgestellt werden. Der
Beschwerdeführer ist also in einer rückenadaptierten Tätigkeit mindestens 80%
arbeitsfähig.
3.5 Der von der Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid erläuterte
Einkommensvergleich ist nicht zu beanstanden. Insbesondere hat sie zur Bemessung
des Invalideneinkommens zu Recht auf die Tabellenlöhne der vom Bundesamt für
Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung abgestellt. Einen
Abzug vom Invalideneinkommen anerkennt sie nicht. Der oftmals als "Leidensabzug"
bezeichnete Abzug hat nichts mit dem Leiden zu tun. Vielmehr sollen damit jene
Nachteile ausgeglichen werden, die der versicherten Person – neben der
Arbeitsunfähigkeit – auf dem Arbeitsmarkt eine zusätzliche Lohneinbusse verursachen.
In BGE 126 V 75 neues Fenster ff. hat das Bundesgericht festgestellt, dass die Frage,
ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen
persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte
Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad) abhängig ist. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das
Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, d.h.
dass nicht für jedes Merkmal der entsprechende Abzug zu quantifizieren ist und die
einzelnen Abzüge zusammenzuzählen sind. Schliesslich ist der Abzug auf höchstens
25% zu begrenzen. Bei der Überprüfung des gesamthaft vorzunehmenden Abzugs darf
das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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können, die seine abweichende Ermessensausübung als nahe liegender erscheinen
lassen. Ob dies hier angezeigt ist, kann letztlich offen bleiben. Denn vorliegend könnte
einzig ins Gewicht fallen, dass der Beschwerdeführer gegenüber einem gesunden
Konkurrenten für einen bestimmten Arbeitsplatz ein höheres Krankheitsrisiko hat. Aus
der Sicht eines ökonomisch denkenden Arbeitgebers senkt dieses Risiko, dessen
Verwirklichung die Gesamtlohnkosten des Betriebes erhöhen würde, den "Wert" des
Beschwerdeführers als Arbeitnehmer. Um dies zu kompensieren und konkurrenzfähig
zu bleiben, müsste der Beschwerdeführer mit einem entsprechend tieferen Lohn
rechnen. Ein Ausländerabzug ist bei Hilfsarbeitern nicht möglich, weil die grosse
Mehrheit derjenigen Hilfsarbeiter, auf deren Einkommen die Lohnstrukturerhebung
aufbaut, Ausländer sind. Selbst wenn man vorliegend entgegen der
Beschwerdegegnerin einen Abzug anerkennen würde, wären mehr als 10% nach dem
Gesagten sicher nicht gerechtfertigt. Auch bei Anerkennung eines Abzugs in dieser
Höhe läge der Invaliditätsgrad mit 34% noch immer deutlich unter der
rentenbegründenden Schwelle von 40%. Die Beschwerdegegnerin hat einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers also zu Recht verneint.
4.
4.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen wird deutlich, dass der Beschwerdeführer
keine rentenbegründende Invalidität aufweist, weshalb die Beschwerdegegnerin das
Rentenbegehren zu Recht abgewiesen hat. Auf das Gesuch um Arbeitsvermittlung wird
mangels Anfechtungsgegenstands nicht
eingetreten.
4.2 Gemäss den Schlussbestimmungen des IVG zur Änderung vom 16. Dezember
2005, in Kraft seit 1. Juli 2006, gilt für die am 1. Juli 2006 bei der IV hängigen
Einsprachen das bisherige Recht (lit. b der Schlussbestimmungen). Somit gelangt
Art. 69 Abs. 1 IVG zur Kostenpflicht von Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen im kantonalen Gerichtsverfahren nicht zur
Anwendung. Gerichtskosten sind demnach keine zu erheben.
4.3
bis
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4.3.1 Der Beschwerdeführer liess ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
stellen. Seine Bedürftigkeit ist ausgewiesen (vgl. IV-act. 113). Die Angelegenheit erweist
sich nicht als zum Vornherein aussichtslos. Da es sich zudem nicht um eine einfache
Angelegenheit handelt, ist die Verbeiständung des Beschwerdeführers durch einen
Rechtsanwalt im konkreten Fall vertretbar. Dem Beschwerdeführer kann die
unentgeltliche Verbeiständung somit bewilligt werden.
4.3.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat die Sachlage nur rudimentär
gewürdigt. Eine vertiefte Analyse der vorhandenen Akten hat nicht in erkennbarer
Weise stattgefunden. Dem deutlich unterdurchschnittlichen Aufwand des Falles
angemessen erscheint ein Honorar von pauschal Fr. 1'600.- inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer. Im Rahmen der unentgeltlichen Prozessführung wird dieses Honorar
um 20% reduziert (Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes [sGS 963.70]). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist somit mit Fr. 1'280.- zu entschädigen. Am
Rande sei auf Art. 11 der st. gallischen Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) verwiesen, wonach der unentgeltliche Vertreter
von seinem Mandanten kein zusätzliches Honorar fordern darf.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht