Decision ID: 7aaa1b95-ae31-5300-aced-5a43b9c464f6
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Mit Verfügung vom 25. November 2005 anerkannte das damalige Bun-
desamt für Migration (BFM; heute: Staatssekretariat für Migration [SEM])
die Flüchtlingseigenschaft von E._ und gewährte ihm Asyl.
A.b Am 27. September 2009 reiste A._ (nachfolgend: die Be-
schwerdeführerin) mit einem gültigen Einreisevisum zwecks Ehevorberei-
tung in die Schweiz ein. Am (...) 2009 heiratete sie E._ und er-
suchte tags darauf um Einbezug in das Asyl ihres Ehemannes. Mit Verfü-
gung vom 11. Dezember 2009 stellte das SEM fest, dass die Beschwerde-
führerin die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 des Asylge-
setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) nicht erfüllt. Gestützt auf
Art. 51 Abs. 1 AsylG wurde sie jedoch in die Flüchtlingseigenschaft ihres
Ehemannes einbezogen und erhielt in der Schweiz Asyl.
A.c Die drei gemeinsamen in der Schweiz geborenen Kinder, B._,
C._, D._, wurden mit Verfügungen des SEM vom 20. Au-
gust 2013, 4. November 2014 und 7. Dezember 2016 gestützt auf Art. 51
Abs. 3 AsylG ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt und ihnen wurde auch
Asyl gewährt.
B.
Mit zwei separaten Schreiben vom 26. Juni 2017 (Posteingang SEM:
28. Juni 2017; kein Zustellcouvert bei den Akten) teilte die Beschwerdefüh-
rerin dem SEM einerseits mit, dass sie auf ihre Flüchtlingseigenschaft und
das ihr in der Schweiz gewährte Asyl verzichte und erklärte andererseits
(zusammen mit ihrem Ehemann) für ihre drei Kinder den Verzicht auf die
Flüchtlingseigenschaft und das Asyl. Dabei nehme sie zur Kenntnis, dass
sie durch die freiwillige Verzichtserklärung nicht mehr dem Asylgesetz, son-
dern den für ausländische Personen in der Schweiz geltenden Bestimmun-
gen unterstehe.
C.
Das SEM informierte die Beschwerdeführerin am 3. Juli 2017 darüber,
dass es von der Verzichtserklärung Kenntnis genommen habe und stellte
fest, dass das ihr und ihren Kindern in der Schweiz gewährte Asyl und die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 64 Abs. 1 Bst. c AsylG erloschen seien
und sie nicht mehr als Flüchtlinge im Sinne des internationalen Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK;
SR 0.142.30) gelten würden.
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D.
Mit Schreiben vom 12. Juli 2017, welches sowohl von der Beschwerdefüh-
rerin als auch von ihrem Ehemann unterschrieben wurde, machte die Be-
schwerdeführerin geltend, ihr sei es im Zeitpunkt der Verzichtserklärung
gesundheitlich nicht gut gegangen und sie wolle ihren Verzicht nun, da es
ihr wieder gut gehe, widerrufen. Ausserdem wurde um Rückerhalt der
Flüchtlingsausweise ersucht.
E.
E.a Am 17. Juli 2017 übermittelte die Vorinstanz das Schreiben der Be-
schwerdeführerin vom 12. Juli 2017 zur Prüfung als Beschwerde gegen die
Feststellungsverfügung vom 3. Juli 2017 ans Bundesverwaltungsgericht.
E.b Mit Schreiben vom 24. Juli 2017 retournierte die zuständige Instrukti-
onsrichterin den Fall an die Vorinstanz, mit der Anweisung, zunächst über
das Gesuch der Beschwerdeführerin um Wiedereinsetzung in den früheren
Rechtszustand in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden.
F.
Am 28. Juli 2017 rief eine anonyme Person beim SEM an und teilte mit, die
Beschwerdeführerin habe ihre Flüchtlingseigenschaft und ihr Asyl widerru-
fen, weil sie in ihrem Heimatland nicht gefährdet sei und in die Türkei reisen
wolle. Nachdem sie darauf hingewiesen worden sei, dass sie nun im Sozi-
alversicherungsbereich schlechter gestellt sei als eine als Flüchtling aner-
kannte Person, habe sie ihren Widerruf zurückgezogen und dabei frei er-
fundene psychische Probleme ins Feld geführt.
G.
G.a Mit Schreiben vom 4. August 2017 wurde die Beschwerdeführerin auf-
gefordert zu schildern und gegebenenfalls mittels eines Arztberichts zu be-
legen, inwiefern sie sich zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Verzichts-
erklärung unter einem Willensmangel befunden haben soll.
G.b Mit Eingabe vom 10. August 2017 reichte die Beschwerdeführerin in-
nert Frist ein Arztzeugnis von Dr. med. F._ vom 9. August 2017 zu
den Akten.
H.
Mit Eingabe vom 14. März 2018 hielt die Beschwerdeführerin fest, sie sei
im Zeitpunkt, als sie mit Schreiben vom 28. Juni 2017 (recte: 26. Juni 2017)
auf das ihr in der Schweiz gewährte Asyl und ihre Flüchtlingseigenschaft
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verzichtet habe, weder psychisch noch physisch in der Lage gewesen, ge-
sunde Entscheidungen zu treffen. Dies habe sie mit dem eingereichten
Arztzeugnis auch belegt. Sie wolle deshalb ihre Verzichtserklärung weiter-
hin widerrufen und den Reiseausweis für Flüchtlinge zurückerhalten. Da
sie seit Monaten keine Rückmeldung erhalten habe, ersuche sie um um-
gehende Antwort.
I.
I.a Mit Schreiben vom 27. März 2018 bzw. vom 6. April 2018 forderte das
SEM die Beschwerdeführerin auf, innert Frist einen ergänzenden, ausführ-
lichen ärztlichen Bericht einzureichen.
I.b Am 26. April 2018 ging beim SEM ein Arztbericht von Dr. med.
F._ vom 25. April 2018 sowie das von ihm ausgefüllte Formular
"ärztlicher Bericht" ein.
J.
J.a Mit Schreiben vom 2. Mai 2018 wurde der Beschwerdeführerin das
rechtliche Gehör zu dem am 28. Juli 2017 beim SEM eingegangenen ano-
nymen Telefonanruf gewährt.
J.b Mit Eingabe vom 6. Mai 2018 nahm die Beschwerdeführerin Stellung
und reichte gleichzeitig einen histopathologischen Befund der (...) vom
27. Juni 2017 zu den Akten.
K.
K.a Mit Schreiben vom 23. September 2019 brachte der rubrizierte
Rechtsvertreter seine am 19. September 2019 erfolgte Mandatierung
durch die Beschwerdeführerin der Vorinstanz zur Kenntnis und ersuchte
um Auskunft über den aktuellen Verfahrensstand. Des Weiteren stellte er
ein Gesuch um Einsicht in die Verfahrensakten.
K.b Mit Schreiben vom 27. September 2019 gewährte die Vorinstanz dem
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin Einsicht in die Akten.
L.
Am 22. Oktober 2020 ersuchte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführe-
rin um die baldige Entscheidfällung.
M.
Mit Verfügung vom 11. Februar 2021 – eröffnet am 15. Februar 2021 –
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lehnte das SEM das Gesuch um Wiedereinsetzung in das Asyl und die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder ab.
N.
Mit Eingabe vom 17. März 2021 (Posteingang BVGer: 19. März 2021) er-
hob die Beschwerdeführerin – handelnd durch den rubrizierten Rechtsver-
treter für sich und ihre Kinder – gegen die Verfügung des SEM beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung sowie die Wiedereinsetzung in das Asyl und die
Flüchtlingseigenschaft. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Beiordnung ihres man-
datierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung des SEM,
eine Bestätigung der Sozialberatung (...) vom 8. März 2021, ein Sozialhil-
febudget vom März 2021 sowie Lohnabrechnungen von Dezember 2020,
Januar 2021 und Februar 2021 bei.
O.
Mit Schreiben vom 19. März 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
P.
Mit Zwischenverfügung vom 15. April 2021 hiess die damals zuständige
Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und setzte den Rechtsvertreter, Fürsprechen lic. iur. Ismet Bardakci, an-
tragsgemäss als amtlichen Rechtsbeistand ein. Gleichzeitig wurde die
Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.
Q.
In ihrer Vernehmlassung vom 29. April 2021 – den Beschwerdeführenden
am 4. Mai 2021 zur Kenntnis gebracht – hielt die Vorinstanz vollumfänglich
an ihren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung fest.
R.
Mit Eingabe vom 8. Mai 2021 liess die Beschwerdeführerin eine Kosten-
note ins Recht legen.
S.
Das vorliegende Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die
gemäss Rubrum vorsitzende Richterin umgeteilt.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-
richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG;
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG
und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom
17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungs-
gericht endgültig entscheidet.
1.2 Beim angefochtenen Entscheid der Vorinstanz vom 11. Februar 2021,
worin das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 12. Juli 2017 um Wieder-
einsetzung in den vorigen Rechtszustand abgelehnt wurde, handelt es sich
um eine Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. c VwVG, welche beim
Bundesverwaltungsgericht als Beschwerdeinstanz angefochten werden
kann (zum tauglichen Anfechtungsobjekt betreffend Gesuche um Wider-
einsetzung in den früheren Rechtszustand nach zuvor erfolgtem Verzicht
auf das Asyl vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 25 E. 2c–d; ferner bei-
spielsweise das Urteil des BVGer D-6909/2006 vom 19. August 2008
E. 3.1.1–1.3.3).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 in
Kraft getreten (AS 2016 3101). In Anwendung der Übergangsbestimmun-
gen gilt für das vorliegende Verfahren das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. Septem-
ber 2015).
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
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ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.6 Nach dem Gesagten ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten.
2.
Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-
schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-
richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 64 Abs. 1 Bst. c AsylG erlischt das Asyl in der Schweiz,
wenn die Flüchtlinge darauf verzichten. Der Verzicht kann sich auch auf die
Flüchtlingseigenschaft beziehen. Die Ausübung einer freiwilligen Verzichts-
erklärung setzt wie jede Handlung, die rechtliche Wirkungen herbeiführen
soll, die Urteilsfähigkeit des Erklärenden voraus (vgl. hierzu BVGer
E-7456/2015 vom 2. Februar 2016 E. 3.1). Die Verzichtserklärung selbst
ist grundsätzlich unwiderruflich und bedingungsfeindlich. Der Beweggrund
des Verzichts ist dabei irrelevant (vgl. BVGer E-7456/2015 vom 2. Feb-
ruar 2016 E. 3.3 m.w.H.).
3.2 Die Beschwerdeführerin hat mit schriftlichen Erklärungen vom
26. Juni 2017 auf das ihr und ihren Kindern in der Schweiz gewährte Asyl
und die Flüchtlingseigenschaft verzichtet (vgl. SEM-Akte D1).
Soweit in der Beschwerde vorgebracht wurde, aufgrund des fehlenden Ein-
gangsstempels der Vorinstanz auf dem Schreiben, in welchem auf die Kin-
der Bezug genommen wurde, sei dessen Eingangsdatum unbekannt, ist
zwar festzustellen, dass sich auf dem Dokument in der Tat kein Eingangs-
stempel des SEM befindet und sich auch das Zustellcouvert nicht in den
Akten befindet. Weshalb sich kein Eingangsstempel auf dem entsprechen-
den Aktenstück befindet und wie dieses Eingang in das vorinstanzliche
Dossier gefunden hat, ist jedoch nicht durch das Bundesverwaltungsge-
richt zu ergründen. Angesichts fehlender gegenteiliger Anhaltspunkte ist je-
denfalls davon auszugehen, dass die beiden Schreiben vom 26. Juni 2017
gleichzeitig und im selben Couvert am 28. Juni 2017 beim SEM eingingen.
Dadurch, dass die Verzichtserklärung die Kinder betreffend separat ver-
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fasst und sowohl von der Beschwerdeführerin als auch von ihrem Ehe-
mann als gesetzliche Vertreter der noch minderjährigen Kinder unterschrie-
ben wurde, durfte die Vorinstanz zu Recht davon ausgehen, dass die Ver-
zichtserklärung auch für die Kinder gilt.
3.3 Nachfolgend ist deshalb zu prüfen, ob das SEM das Gesuch der Be-
schwerdeführerin um Wiedereinsetzung in den früheren Rechtszustand für
sich und für ihre Kinder vom 12. Juli 2017 zu Recht abgelehnt hat.
4.
4.1 Zur Begründung ihres Widerrufs machte die Beschwerdeführerin zu-
nächst geltend, sie sei im Moment des Verfassens der Verzichtserklärung
aufgrund psychischer wie auch physischer Probleme nicht in der Lage ge-
wesen gesunde Entscheidungen zu treffen; sie sei zu diesem Zeitpunkt
mithin urteilsunfähig gewesen.
4.2 Urteilsfähig ist jede Person, der nicht wegen ihres Kindesalters, infolge
geistiger Behinderung, psychischer Störung, Rausch oder ähnlicher Zu-
stände die Fähigkeit mangelt, vernunftgemäss zu handeln (Art. 16 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 [ZGB;
SR 210]). Wer nicht urteilsfähig ist, vermag unter Vorbehalt der gesetzli-
chen Ausnahmen durch seine Handlungen keine rechtliche Wirkung her-
beizuführen (Art. 18 ZGB). Der Begriff der Urteilsfähigkeit enthält einerseits
ein intellektuelles Element, nämlich die Fähigkeit, Sinn, Zweckmässigkeit
und Wirkungen einer bestimmten Handlung zu erkennen, und andererseits
ein Willens- bzw. Charakterelement, nämlich die Fähigkeit, gemäss dieser
vernünftigen Erkenntnis nach seinem freien Willen zu handeln. Urteilsfä-
higkeit ist relativ: Sie ist nicht abstrakt zu beurteilen, sondern konkret be-
zogen auf eine bestimmte Handlung im Zeitpunkt ihrer Vornahme unter Be-
rücksichtigung ihrer Rechtsnatur und Wichtigkeit (vgl. BGE 144 III 264
E. 6.1.1; 134 II 235 E. 4.3.2). Die Fähigkeit Volljähriger, vernunftgemäss zu
handeln, ist der Normalfall, von dem der Gesetzgeber zum Schutz von Ver-
trauen und Verkehrssicherheit ohne jeden weiteren Beweis ausgeht. Wer
sich für die Unwirksamkeit einer Handlung auf die Urteilsunfähigkeit beruft,
hat demnach einen der in Art. 16 ZGB umschriebenen Schwächezustände
und die daraus folgende Beeinträchtigung der Fähigkeit vernunftgemässen
Handelns zu beweisen (vgl. BGE 144 III 264 E. 6.1.2; Urteile des
BGer 5A_272/2017 vom 7. November 2017 E. 5.3 und 5A_951/2016 vom
14. September 2017 E. 3.1.2). Befand sich aber eine Person ihrer allge-
meinen Verfassung nach zum Zeitpunkt der streitigen Handlung nachweis-
lich in einem dauernden Schwächezustand gemäss Art. 16 ZGB, der nach
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allgemeiner Lebenserfahrung im Normalfall vernunftgemässes Handeln
ausschliesst, dann wird vermutet, dass sie mit Bezug auf die streitige
Handlung unfähig war, vernunftgemäss zu handeln. Diese tatsächliche
Vermutung betrifft namentlich Personen, die sich zur Zeit der Handlung in
einem dauernden Zustand alters- und krankheitsbedingten geistigen Ab-
baus befinden. Die Partei, die aus der Urteilsfähigkeit der handelnden Per-
son Ansprüche ableitet, kann die aus dem allgemeinen Zustand geistigen
Abbaus folgende tatsächliche Vermutung der Unfähigkeit, auch im konkre-
ten Fall vernunftgemäss zu handeln, entkräften, indem sie ein "lucidum in-
tervallum" für die streitige Handlung darlegt. Sodann kann sie aufzeigen,
dass die Person trotz ihres Allgemeinzustandes mit Bezug auf die streitige
Handlung in der Lage war, vernunftgemäss zu handeln
(vgl. BGE 144 III 264 E. 6.1.3 sowie Urteile des BGer 5A_272/2017 vom
7. November 2017 E. 5.3 und 5A_951/2016 vom 14. September 2017
E. 3.1.3.1 f.).
4.3 Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte die Beschwerdefüh-
rerin als Beweis für ihre Urteilsunfähigkeit im Zeitpunkt des Verfassens und
Einreichens der Verzichtserklärungen vom 26. Juni 2017 ein Arztzeugnis
vom 9. August 2017 sowie einen ärztlichen Bericht vom 25. April 2018 ih-
res Hausarztes, Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeine Innere Medi-
zin und Rheumatologie, zu den Akten.
4.3.1 Vorab ist festzustellen, dass sowohl das Arztzeugnis vom 9. Au-
gust 2017 als auch der ärztliche Bericht vom 25. April 2018 mehrere Wo-
chen bzw. Monate nach der attestierten Urteilsunfähigkeit ausgestellt wur-
den. Retroaktive Arztzeugnisse sind zwar nicht per se unzulässig, ihnen
kommt aber vor allem dann, wenn sie sich nicht auf objektive Befunde
stützten können, sondern nur auf Patientenschilderungen beruhen, ein
sehr geringer Beweiswert zu (vgl. hierzu Urteile des BVGer A-536/2019
vom 9. Dezember 2019 E. 3.5 mit Verweis auf A-4973/2012 vom
5. Juni 2013 E. 4.2 und A-6509/2010 vom 22. März 2011 E. 10.2; vgl. zu-
dem DENIS G. HUMBERT/ANDRÉ LERCH, Kündigungsschutz, in: PORT-
MANN/VON KAENEL [Hrsg.], Fachhandbuch Arbeitsrecht, 2018, N 11.184 f.;
MARIA WENGER, Krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit und Lohnfortzah-
lung, 2018, N 44; ULLIN STREIFF/ADRIAN VON KAENEL/ROGER RUDOLPH, Ar-
beitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319–362 OR, 7. Auflage, 2012,
Art. 336c N 8 i.V.m. Art. 324a/b N 12; ROLAND MÜLLER, Arztzeugnisse in
arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, in: Aktuelle Juristische Praxis
[AJP] 2/2010 S. 172).
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4.3.2 Im Arztzeugnis vom 9. August 2017 wurde festgehalten, die Be-
schwerdeführerin sei Ende Juni wegen einer schweren psychischen Er-
krankung entscheidungs- und urteilsunfähig gewesen. Das Zeugnis enthält
jedoch weder eine Begründung, noch bezieht es sich auf die fragliche
Handlung (vgl. SEM-Akte D10), sodass daraus nicht ersichtlich ist, wes-
halb die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen sein soll, die Trag-
weite ihrer Verzichtserklärungen zu erkennen.
4.3.3 Gemäss dem auf Aufforderung des SEM nachgereichten ärztlichen
Berichts vom 25. April 2018 litt die Beschwerdeführerin im Zeitraum
Juni/Juli 2017 an einer schweren depressiven Störung mit schweren
Schuldgefühlen, Müdigkeit, Wertlosigkeit und Antriebslosigkeit (F32.3). Ne-
ben einer vorbestehenden Überforderung als Hausfrau und Mutter sei die
Nachricht einer schweren Erkrankung der Mutter hinzugekommen. Im Rah-
men dieser ausgeprägten emotionalen Krise habe die Beschwerdeführerin,
welche nur schlecht Deutsch spreche, möglicherweise das Ausmass ihrer
Entscheidung nicht einschätzen können. Da es sich um eine akute Krise
gehandelt habe, sei auch eine psychiatrische Behandlung nicht nötig ge-
wesen. Die depressive Störung hätte mit einer entsprechenden Ge-
sprächstherapie behoben werden können. Aktuell sei die Beschwerdefüh-
rerin voll entscheid- und urteilsfähig (vgl. SEM-Akte D15). Soweit die
Vorinstanz ausführte, dass der attestierende Arzt im Bericht vom 25. Ap-
ril 2018 in allgemeiner Weise und ohne ausführliche Begründung von einer
umfassenden Entscheid- und Urteilsunfähigkeit im Zeitraum von Juni bis
Juli 2017 ausgeht, ist ihr zuzustimmen. Bei psychischen Störungen gilt,
dass ein solcher Zustand allein noch nicht die Urteilsfähigkeit ausschliesst
(vgl. ROLAND FANKHAUSER, in: GEISER/FOUNTOULAKIS [Hrsg.], Basler Kom-
mentar zum Zivilgesetzbuch I, Art.1–456 ZGB, 6. Auflage, 2018, N 29 zu
Art. 16 ZGB). Die Relativität der Urteilsfähigkeit kann es selbst Personen,
die in ihrer verstandesgemässen Einsicht stark eingeschränkt sind, erlau-
ben, gewisse rechtserhebliche Handlungen zu verstehen und somit rechts-
gültig zu handeln (vgl. ROLAND FANKHAUSER, a.a.O., N 5 zu Art. 16 ZGB;
vgl. auch BGE 124 III 5 E. 1a). Folglich kann – selbst beim Vorliegen einer
vorübergehenden psychischen Störung – nicht direkt auf die Urteilsunfä-
higkeit der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Verzichtserklärung ge-
schlossen werden. Darüber hinaus wurde im Attest zwar festgehalten, dass
eine Gesprächstherapie stattgefunden habe, jedoch wurden hierzu keine
näheren Angaben gemacht. So bleibt insbesondere unklar, welcher Thera-
peut respektive welche Therapeutin die Sitzungen leitete und in welchem
Zeitraum die Therapiegespräche stattgefunden haben. Des Weiteren ist
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eine Überforderung als Hausfrau und Mutter zweier Kleinkinder sowie auf-
grund einer schweren Erkrankung der Mutter der Beschwerdeführerin
durchaus nachvollziehbar, indes lässt diese allein noch nicht eine daraus
resultierende Urteilsunfähigkeit in Bezug auf die fragliche Handlung recht-
fertigen.
4.3.4 Insgesamt sind die eingereichten ärztlichen Unterlagen deshalb nicht
geeignet, die Urteilsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in Bezug auf die
Verzichtserklärungen zu beweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
Sodann liegen keine anderen Beweise vor, welche die Urteilsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin bezüglich der Verzichtserklärungen belegen wür-
den. So erweckt die klare Formulierung der Verzichtserklärungen vom
26. Juni 2017 nicht den Eindruck, als ob sie sich ihres Handelns nicht be-
wusst gewesen war. In den Erklärungen wurde überdies festgehalten, dass
zur Kenntnis genommen werde, dass die Beschwerdeführenden durch die
freiwillige Verzichtserklärung nicht mehr dem Asylgesetz, sondern den all-
gemein für ausländische Personen in der Schweiz geltenden Bestimmun-
gen unterstehen würden (vgl. SEM-Akte D1), weshalb – in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz – davon auszugehen ist, dass sich die Beschwer-
deführerin vorgängig informiert und Gedanken über ihren Status in der
Schweiz nach dem Verzicht gemacht und somit auch die Tragweite ihres
Verzichts verstanden hatte. Des Weiteren wurde die Erklärung die Kinder
betreffend von beiden Elternteilen unterschrieben. Wäre die Beschwerde-
führerin im fraglichen Zeitraum aufgrund ihrer psychischen Verfassung in
ihrer Urteilsfähigkeit beeinträchtigt gewesen und hätte sie deshalb bezüg-
lich der Verzichtserklärung nicht vernunftgemäss handeln können, hätte
der Kindsvater wohl kaum seine ausdrückliche Zustimmung für den Ver-
zicht auf das Asyl und die Flüchtlingseigenschaft seiner Kinder erteilt.
4.4 Vor diesem Hintergrund lässt sich eine fehlende Urteilsfähigkeit der Be-
schwerdeführerin in Bezug auf die Verzichtserklärungen nicht annehmen.
Unter den gegebenen Umständen erübrigt es sich sodann von Amtes we-
gen weitere ärztliche Beurteilungen einzuholen. Die Vorinstanz nahm fol-
gerichtig an, dass die Beschwerdeführerin sich ihre unbedingte Verzichts-
erklärung entgegenhalten lassen muss.
5.
5.1 Mit der Beschwerde machte die Beschwerdeführerin des Weiteren gel-
tend, sie habe sich bei der Abgabe der Verzichtserklärungen in einem we-
sentlichen Irrtum befunden. Sie sei wegen der Nachricht über die schwere
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Erkrankung ihrer Mutter in Angst und Panik versetzt worden und habe ge-
dacht, dass sie mit ihrem Schreiben die Vorinstanz um Erlaubnis für eine
Einreise in die Türkei ersuche.
5.2 Zunächst ist festzuhalten, dass vorliegend keine Willensmängel im
Sinne von Art. 28 OR (absichtliche Täuschung) und Art. 29 f. OR (Furcht-
erregung) ersichtlich sind, wobei solche von der Beschwerdeführerin auch
nicht geltend gemacht wurden. Damit stellt sich in materieller Hinsicht die
Frage, ob sich die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Verfassens und
Einreichens der Verzichtserklärungen vom 26. Juni 2017 in einem wesent-
lichen Irrtum gemäss Art. 24 Abs. 1 OR befunden hat.
5.3 Gemäss der immer noch Gültigkeit beanspruchenden Praxis der
Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) sowie des Bundesverwal-
tungsgerichts sind bei der Prüfung der materiellen Begründetheit des Ge-
suchs um Wiedereinsetzung in den früheren Rechtszustand wegen Wil-
lensmängel die einschlägigen vertragsrechtlichen Grundsätze des Bun-
desgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetz-
buches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 30. März 1911 (OR; SR 220)
sinngemäss anzuwenden (vgl. EMARK 1993 Nr. 5 E. 4a und 1996 Nr. 33
E. 5 sowie Urteils des BVGer D-2923/2014 vom 26. September 2014
m.w.H.). Die in Art. 23 ff. OR aufgezählten Willensmängeltatbestände – Irr-
tum (Art. 23 ff. OR), absichtliche Täuschung (Art. 28 OR) und Furchterre-
gung (Art. 29 f. OR) –, welche vor allem Verträge betreffen, sind auch auf
einseitige Rechtsgeschäfte anwendbar. Auch wenn die Ausübung eines
Gestaltungsrechts – im zu beurteilenden Fall eine Verzichtserklärung –
nicht beliebig widerrufen werden kann, so darf doch die Ungültigkeitserklä-
rung eines solchen Rechtsakts aufgrund eines Willensmangels nicht zum
Vornherein ausgeschlossen werden. Vorausgesetzt wird, dass einerseits
für die sich auf Willensmängel berufende Partei schwerwiegende Nachteile
auf dem Spiel stehen und andererseits die Rechtssicherheit nicht in unan-
nehmbarer Weise beeinträchtigt wird (vgl. BVGer D-6909/2006 vom
19. August 2008 E. 2.1 m.w.H.).
5.4 Ein wesentlicher Irrtum liegt u.a. dann vor, wenn er einen bestimmten
Sachverhalt betrifft, der vom Irrenden nach Treu und Glauben im Ge-
schäftsverkehr als eine notwendige Grundlage des Vertrags betrachtet
wurde (Art. 24 Abs. 1 Ziff. 4 OR, sog. Grundlagenirrtum respektive qualifi-
zierter Motivirrtum). Vorausgesetzt wird damit nebst einem Irrtum als sol-
chem, dass dieser einen Sachverhalt beschlägt, der für den Irrenden sub-
jektiv eine unerlässliche Voraussetzung dafür war, den Vertrag überhaupt
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oder jedenfalls mit dem betreffenden Inhalt abzuschliessen. Der fragliche
Sachverhalt muss ausserdem auch objektiv, vom Standpunkt oder nach
den Anforderungen des loyalen Geschäftsverkehrs als notwendige Grund-
lage des Vertrags erscheinen (vgl. beispielsweise BGE 136 III 528 E. 3.4.1
m.w.H.). Zudem wird für die Annahme eines wesentlichen Grundlagenirr-
tums in der privatrechtlichen Lehre und Praxis verlangt, dass dieser für die
Gegenpartei mindestens erkennbar war. Da dieses Kriterium jedoch auf die
Anwendbarkeit bei zweiseitigen Verträgen zugeschnitten ist, erscheint des-
sen Anwendung im Verwaltungsverfahren nicht sinnvoll (vgl. hierzu
BGE 113 II 25 E. 1 sowie das Urteil des BVGer E-5429/2009 vom 2. Ap-
ril 2012 E. 3.5 m.w.H.; vgl. ferner zum Grundlagenirrtum INGEBORG
SCHWENZER/CHRISTIANA FOUNTOULAKIS, in: WIDMER LÜCHINGER/OSER
[Hrsg.], Basler Kommentar zum Obligationenrecht I, Art.1–259 OR, 7. Auf-
lage, 2020, N 20 ff. zu Art. 24 OR; BRUNO SCHMIDLIN, in: HAUSHEER/WAL-
TER [Hrsg.], Berner Kommentar, Kommentar zum schweizerischen Privat-
recht, Obligationenrecht, Allgemeine Bestimmungen, Mängel des Vertrags-
abschlusses, Art. 23–31 OR, 2. Auflage, 2013, N 90 ff. zu Art. 23/24 OR).
5.4.1 Die Beschwerdeführerin gelangte von sich aus an das SEM und er-
klärte schriftlich den Verzicht auf ihren Asyl- und Flüchtlingsstatus sowie
der ihrer Kinder. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Be-
schwerdeführerin einen Sachverhalt vorgestellt hätte, welcher nicht der
Realität entsprach, und sie sich damit bei der Willensbildung – dem Ent-
schluss zum Verzicht auf das Asyl und die Flüchtlingseigenschaft – von ei-
ner falschen Vorstellung leiten liess (vgl. BGE 113 II 25 ff.). Ihr auf Be-
schwerdeebene vorgebrachter Einwand, wonach sie angenommen habe,
dass sie mit ihrem Schreiben an die Vorinstanz um Erlaubnis für eine Ein-
reise in die Türkei ersuche, findet in den Akten keine Stütze. Die Beschwer-
deführerin machte in den Verzichtserklärungen vom 26. Juni 2017 auch
keine Angaben zu ihren Beweggründen. Der Grund des Verzichts auf das
Asyl und die Flüchtlingseigenschaft ist dabei aber ohnehin irrelevant und
ein eventueller Irrtum darüber nicht als Grundlagenirrtum zu erachten
(vgl. hierzu E-7456/2015 vom 2. Februar 2016 E. 3.3 m.w.H.). Sodann be-
gründete sie ihren Widerruf vom 12. Juli 2017 damit, dass es ihr im Zeit-
punkt als sie den Entscheid getroffen habe, auf das ihr in der Schweiz ge-
währte Asyl und die Flüchtlingseigenschaft zu verzichten, gesundheitlich
nicht gutgegangen sei und sie aufgrund dessen nicht in der Lage gewesen
sei, gesunde Entscheidungen zu treffen. Diese Erklärung wiederholte sie
in ihren Schreiben vom 10. August 2018 (vgl. SEM-Akte D10),
19. März 2018 (vgl. SEM-Akte D11) sowie 6. Mai 2018 (vgl. SEM-
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Akte D17). Damit bestätigte sie, dass ihr Handeln ihrem damaligen Willen
entsprochen hat.
5.4.2 Der Vollständigkeit halber bleibt anzufügen, dass im vorliegend zu
beurteilenden Sachverhalt auch kein Erklärungsirrtum gemäss Art. 24
Abs. 1 Ziff. 1–3 OR auszumachen ist. Ein solcher umfasst den Fall, in wel-
chem der innere Wille des Erklärenden nicht mit seiner Willensäusserung
übereinstimmt, sich der Erklärende also in der Ausdrucksbedeutung seiner
eigenen Erklärungshandlung täuscht. Gemäss Art. 8 ZGB trägt die Be-
schwerdeführerin die Beweislast bezüglich der Frage, ob ihr Wille tatsäch-
lich mit der von ihr unterzeichneten Erklärung übereinstimmte. Da es sich
bei einem Willensmangel in der Regel um ein Phänomen in der Vorstellung
der betroffenen Person handelt, dürfen dabei zwar keine zu strengen An-
forderungen an den Nachweis gestellt werden (vgl. dazu Urteil des BVGer
E-5429/2009 vom 2. April 2012 E. 3.4; vgl. ferner zum Erklärungsirrtum
SCHWENZER/FOUNTOULAKIS, a.a.O., N 2 ff. zu Art. 24 OR; SCHMIDLIN,
a.a.O., N 26 ff. zu Art. 23/24 OR). In casu spricht jedoch bereits der klare
und unmissverständliche Wortlaut der Erklärungen vom 26. Juni 2017 ge-
gen das Vorliegen eines Erklärungsirrtums. Damit kann die Beschwerde-
führerin nicht den Nachweis erbringen, sie hätte sich bezüglich der Trag-
weite ihrer Erklärung in einem Erklärungsirrtum befunden. Insbesondere
kann nach dem Gesagten auch ein mit dem Vorbringen, sie habe die Ver-
zichtserklärung mangels Deutschkenntnisse unterschrieben, ohne den
Wortlaut verstanden zu haben, sinngemäss geltend gemachter Erklärungs-
irrtum nicht geglaubt werden, zumal sich die Beschwerdeführerin bereits
seit (...) 2009 in der Schweiz aufhält und auch davor offenbar in der Lage
war, schriftlich mit der Vorinstanz zu kommunizieren, ohne dass es dabei
zu Verständigungsschwierigkeiten kam (vgl. SEM-Akte C). Soweit
schliesslich erstmals auf Beschwerdeebene vorgebracht wurde, dass die
Beschwerdeführerin mit Hilfe einer Kollegin die Verzichtserklärung einer
anderen Familie abgeschrieben habe, ohne den darin enthaltenen Inhalt
genau erfasst zu haben, ist von einer reinen Schutzbehauptung auszuge-
hen.
5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin sich
bei der Abgabe der Verzichtserklärungen vom 26. Juni 2017 weder auf ei-
nen wesentlichen Grundlagen- noch auf einen Erklärungsirrtum berufen
kann und diese somit nicht mit einem Willensmangel behaftet sind.
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6.
Im Übrigen gilt es festzustellen, dass der beim SEM eingegangene Denun-
ziationsanruf vom 28. Juli 2017 betreffend die Beschwerdeführerin
(vgl. SEM-Akte D8) nicht als für den Entscheid wesentlich zu erachten ist,
zumal dieser von einer unbekannten Drittperson getätigt wurde und die In-
formationen somit in keiner Weise gesichert sind. Folglich kann darauf ver-
zichtet werden, näher auf dessen Einzelheiten einzugehen.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist
deshalb abzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungsfolgen vor dem
Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Nachdem mit Zwi-
schenverfügung vom 15. April 2021 das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutge-
heissen worden ist und weiterhin von ihrer Bedürftigkeit auszugehen ist,
sind ihnen keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
8.2 Nachdem dem rubrizierten Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden
mit derselben Verfügung als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet worden
ist, ist er für seinen Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu
entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m.
Art. 8 Abs. 2 VGKE). Der Rechtsvertreter reichte mit Eingabe vom
12. Mai 2021 eine aktualisierte Kostennote zu den Akten, die einen Vertre-
tungsaufwand von 8.90 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 200.–
beziehungsweise Fr. 250.– und Auslagen in der Höhe von Fr. 13.30 (zu-
züglich Mehrwertsteuerzuschlag) aufweist. Der Stundenansatz von
Fr. 200.– ist reglementskonform (Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der
zeitliche Aufwand ist um die pro futuro verrechnete 0.50 Stunde zu kürzen,
im Übrigen aber nicht zu beanstanden. Auch die Auslagen sind entspre-
chend um Fr. 1.– zu kürzen. Nach dem Gesagten ist das vom Gericht aus-
zurichtende Honorar gestützt auf Art. 14 Abs. 2 VGKE und in Anwendung
der massgebenden Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 12 i.V.m.
Art. 8 ff. VGKE) auf insgesamt (gerundet) Fr. 1'823.– (inklusive Auslagen
und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen.
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