Decision ID: 358f15a4-50e2-4351-9b97-1d31189ebc0c
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 4. Oktober 1962. Sie ist im
Administrativmassnahme-Register nicht verzeichnet. Am Dienstag, 22. September
2015, um ca. 21.35 Uhr hielt sie mit ihrem Personenwagen auf der Oberdorfstrasse,
Höhe Kirchweg, in Hinwil an, um ihre Mitfahrerin aussteigen zu lassen. Danach setzte
sie ihre Fahrt fort und übersah unmittelbar nach Ingangsetzung des Personenwagens
einen Sandsteinpoller, welcher das Trottoir von der Strasse abtrennt, und kollidierte mit
diesem.
B.- Wegen des Vorfalls vom 22. September 2015 wurde X mit Strafbefehl des
Statthalteramts Bezirk Hinwil vom 5. November 2015 der Verletzung der
Verkehrsregeln durch Nichtbeherrschen des Fahrzeugs und mangelnde
Aufmerksamkeit schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Der
Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Das Strassenverkehrsamt bot X aufgrund des Vorfalls vom 22. September 2015
und ihres fortgeschrittenen Alters zu einer vertrauensärztlichen Untersuchung auf. Mit
Gutachten vom 16. Dezember 2015 wurde die Fahreignung aus medizinischer Sicht
bestätigt. Das Strassenverkehrsamt eröffnete in der Folge ein Verfahren wegen der
Verkehrsverletzung und entzog X den Führerausweis mit Verfügung vom 18. Februar
2016 für die Dauer eines Monats zufolge mittelschwerer Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften.
D.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 18. Februar 2016 erhob X
durch ihren Rechtsvertreter am 1. März 2016 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die Verfügung sei aufzuheben und eine
Verwarnung auszusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz
verzichtete am 18. März 2016 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen im Rekurs zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich,

in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 1. März 2016 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45 Abs. 1, 47 Abs. 1 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen
das Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen
ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen.
Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b
SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. BBl 1999 S. 4487).
b) Es ist unbestritten, dass die Rekurrentin am 22. September 2015, nachdem sie ihren
Personenwagen auf der Oberdorfstrasse in Hinwil, Gemeinde Hinwil ZH, in Gang
gesetzt hatte, einen Sandsteinpoller übersah und mit diesem kollidierte. Nach Art. 31
Abs. 1 SVG muss der Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen
Vorsichtspflichten nachkommen kann. Beherrschen bedeutet, jederzeit in der Lage zu
sein, auf die jeweils erforderliche Weise auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede
Gefahr ohne Zeitverlust genügend schnell und zweckmässig zu reagieren. Dies
verlangt, dass Fahrzeugführer jederzeit die volle Kontrolle über ihr Fahrzeug ausüben
und die Verkehrsregeln beachten können. Entsprechend muss der Führer jederzeit in
der Lage sein, auf selbst überraschende Verkehrsverhältnisse mit einer
durchschnittlichen Reaktionszeit angemessen zu reagieren. Tatbestandsmässig ist
auch, wenn ein Fahrzeuglenker, wie bei einem Selbstunfall, nur sich selber gefährdet
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(Philippe Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 31 N 1 und 5).
Art. 31 Abs. 1 SVG wird durch Art. 3 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11,
abgekürzt: VRV) konkretisiert. Danach muss der Fahrzeugführer seine Aufmerksamkeit
der Strasse und dem Verkehr zuwenden. Er darf beim Fahren keine Verrichtung
vornehmen, welche die Bedienung des Fahrzeugs erschwert. Ferner hat er dafür zu
sorgen, dass seine Aufmerksamkeit durch Tonwiedergabegeräte sowie
Kommunikations- und Informationssysteme nicht beeinträchtigt wird.
c) Indem die Rekurrentin einen Sandsteinpoller übersah und mit ihm kollidierte,
verletzte sie die Verkehrsvorschrift gemäss Art. 31. Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV.
Umstritten ist, ob die Verkehrsregelverletzung als mittelschwere (Art. 16b SVG) oder als
leichte Widerhandlung (Art. 16a SVG) einzustufen ist. Diesbezüglich sind die
Gefährdung von Drittpersonen sowie das Verschulden genau zu prüfen. Nach einer
mittelschweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens einen Monat
entzogen (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG). Eine leichte Widerhandlung zieht eine Verwarnung
oder den Entzug des Führerausweises nach sich (vgl. Art. 16a Abs. 2 und 3 SVG). In
besonders leichten Fällen wird gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG auf jegliche Massnahme
verzichtet.
3.- a) Die Vorinstanz stufte das Verhalten der Rekurrentin als mittelschwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG ein. Zur Begründung wird in der
angefochtenen Verfügung ausgeführt, dass die Rekurrentin aufgrund ihres
Fehlverhaltens schuldhaft einen Selbstunfall und dabei eine erhöht abstrakte
Gefährdung verursacht habe; damit liege eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Verkehrsvorschriften vor.
b) Gegen die Qualifikation des Verhaltens der Rekurrentin als mittelschwere
Widerhandlung wird im Rekurs im Wesentlichen vorgebracht, dass der Rekurrentin
lediglich ein leichtes Verschulden und eine leichte Gefährdung der Verkehrssicherheit
angelastet werden könne. Sie sei nach dem Anfahren mit einem ca. 9 m weiter
entfernten und in der Nacht kaum sichtbaren Sandsteinpoller kollidiert. Er sei deutlich
tiefer als die Fahrzeughaube und von einer gewissen Sitzposition überhaupt nicht
ersichtlich. Der Sandsteinpoller trenne die Strasse vom Trottoir, weshalb nur ein
Fussgänger theoretisch hätte gefährdet werden können. Ein anderes Fahrzeug hätte
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die Stelle nicht passieren können, da die Strasse nur in eine Richtung befahrbar sei.
Der Kollisionsort sei zum damaligen Zeitpunkt menschenleer und bis auf den
Sandsteinpoller übersichtlich gewesen. Es könne nicht angenommen werden, dass ein
anderes Fahrzeug oder ein Fussgänger bei einem Manöver von wenigen Metern hätte
erhöht abstrakt gefährdet werden können. Zudem sei ein Fussgänger deutlich grösser
als der 50 cm hohe Sandsteinpoller. Darüber hinaus sei es unwahrscheinlich, dass ein
Fussgänger absolut dunkel gekleidet gewesen wäre und statisch unbeweglich am
Trottoirrand verharrt hätte. Letztlich hätte sich der Fussgänger zwischen das
anfahrende Fahrzeug und den Sandsteinpoller hineinzwängen müssen. Zu betonen sei,
dass der Sandsteinpoller in der Dunkelheit kaum sichtbar war und nach dem Unfall mit
Reflektoren ausgestattet wurde, da sich dort schon mehrere Kollisionen ereignet haben
sollen. Die Gefährdung sei deshalb als gering einzustufen. Die Rekurrentin habe die
Gewissheit haben können, bei einem Anfahrmanöver von wenigen Metern und einer
Minimalgeschwindigkeit von 10 km/h niemanden zu gefährden. Der hohe Sachschaden
beim Fahrzeug erkläre sich einzig mit dem Auslösen des Airbags und der hohen
Widerstandsfähigkeit des Sandsteinpollers. Bei einer Busse von Fr. 300.– sei der
Strafrichter von einem geringen Verschulden ausgegangen. Es sei aufgrund der
Umstände und des tadellosen Leumunds der Rekurrentin von einem leichten Fall
auszugehen.
4.- a) Eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt voraus,
dass der Lenker durch die Verkehrsregelverletzung eine geringe Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorrief und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden traf. Nach der
Rechtsprechung müssen beide Voraussetzungen kumulativ gegeben sein (BGE 135 II
138 E. 2.2.3). Ein besonders leichter Fall liegt dann vor, wenn die Verletzung von
Verkehrsregeln eine besonders geringe Gefahr für die Sicherheit anderer geschaffen
hat und den fehlbaren Fahrzeuglenker nur ein besonders leichtes Verschulden trifft (vgl.
Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.52/2005 vom 2. Dezember 2005 E. 2.2.3; Philippe
Weissenberger, a.a.O., Art. 16a N 22). Die Auslegung des besonders leichten Falls
orientiert sich an den Verkehrsregelverletzungen, die nach dem Ordnungsbussengesetz
erledigt werden und keine Administrativmassnahmen nach sich ziehen (vgl. BGer
1C_406/2010 vom 29. November 2010 E. 4.2).
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b) Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12).
Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2011/113 vom 24. November 2011 E. 3b, im
Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Der Gefährdung der Sicherheit kommt
durch die seit 1. Januar 2005 geltenden Art. 16a bis 16c SVG eine wesentliche und
eigenständige Bedeutung zu. Der Gesetzgeber hat bewusst dem Gesichtspunkt der
Verkehrsgefährdung ein höheres Gewicht beigemessen.
Am Unfall vom Dienstag, 22. September 2015, war nur die Rekurrentin beteiligt. Sie
verursachte gemäss Polizeirapport der Kantonspolizei Zürich vom 20. Oktober 2015
einen Sachschaden und verletzte sich dabei leicht. Eine konkrete Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer ergab sich nicht. Durch die Kollision mit einem Sandsteinpoller
schuf die Rekurrentin aber jedenfalls eine abstrakte Gefahr. Zu beurteilen ist unter
Berücksichtigung der im Unfallzeitpunkt gegebenen Umstände die Wahrscheinlichkeit
der Konkretisierung und Verwirklichung dieser abstrakten Gefahr für andere
Verkehrsteilnehmer. Der Selbstunfall ereignete sich auf einer Nebenstrasse im
Innerortsbereich an einem Dienstag um 21.35 Uhr. Im Polizeirapport der Kantonspolizei
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Zürich vom 20. Oktober 2015 wurde festgehalten, die Verkehrsbedingungen seien
„schwach“ gewesen. Die Rekurrentin macht im Rekurs vom 1. März 2016 geltend, die
Strasse sei zum Unfallzeitpunkt menschenleer gewesen. Da die Strasse nur in eine
Richtung befahrbar sei, hätte kein anderes Fahrzeug die Unfallstelle passieren können.
Die Vorinstanz bringt vor, die Rekurrentin hätte das Trottoir befahren und dadurch eine
erhöht abstrakte Gefahr für die Benutzer des Trottoirs geschaffen, wenn im
vorliegenden Fall kein Poller den Bereich des Trottoirs von der Strasse abgetrennt
hätte. Diese Begründung überzeugt nicht. Ein Sandsteinpoller war am Unfallort
vorhanden, weshalb sich die Frage nicht stellt, ob die Rekurrentin eine erhöhte
abstrakte Gefahr geschaffen hätte, wenn er dort nicht platziert gewesen wäre. Im
Übrigen wollte sie auf der Strasse wegfahren. Die Möglichkeit, dass andere
Fahrzeuglenker oder Fussgänger durch das Aufprallen mit dem Sandsteinpoller auf
sehr gefährliche Weise hätten überrascht und irritiert werden können, liegt nicht allzu
nahe (vgl. BGer 1C_83/2010 vom 12. Juli 2010 E. 5.1). Es ist deshalb lediglich von einer
leicht erhöhten abstrakten Gefährdung auszugehen.
c) Auch wenn das Verschulden der Rekurrentin im Strafbefehl vom 5. November 2015
nicht ausdrücklich gewürdigt wurde und von der Bussenhöhe in der Regel nicht ohne
Weiteres auf das Mass des Verschuldens geschlossen werden kann, weil bei der
Bussenbemessung noch andere Faktoren hineinspielen, ist aufgrund der Verurteilung
nach Art. 90 Abs. 1 SVG und der geringen Bussenhöhe (Fr. 300.–) davon auszugehen,
dass es vom Strafrichter als leicht beurteilt wurde (vgl. dazu VRKE IV-2010/109 vom
24. Februar 2011 E. 3 b). Aus der Anwendung von Art. 90 Abs. 1 SVG darf jedoch nicht
automatisch auf ein geringes Verschulden geschlossen werden. Auch einer
strafrechtlich einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Abs. 1 SVG kann
massnahmerechtlich ein schweres Verschulden zugrunde liegen (VRKE IV-2011/105
vom 29. März 2012 E. 4 c/cc und IV-2012/11 vom 28. Juni 2012 E. 5 c/cc). Im Weiteren
ist die Verwaltungsbehörde in der rechtlichen Würdigung des Verschuldens frei, ausser
die rechtliche Qualifikation hänge stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die der
Strafrichter besser kennt, etwa weil er die Beschuldigte persönlich einvernommen hat
(BGer 1C_382/2011 vom 12. Dezember 2011 E. 2.2). Davon ist vorliegend aufgrund der
Akten nicht auszugehen.
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Der Rekurrentin ist vorzuwerfen, dass sie den Sandsteinpoller übersah und in der Folge
mit diesem kollidierte. Sie gab gegenüber der Polizei an, dass sie nach dem Losfahren
einen Riesenknall gehört habe. Sie sei mit ca. 10-20 km/h unterwegs gewesen. Als sie
realisiert habe, was geschehen war, seien die Airbags bereits offen gewesen. Der
Rekurrentin kann einzig ungenügende Aufmerksamkeit angelastet werden. Andere
Gründe, weshalb sie den Sandsteinpoller übersah, sind nicht ersichtlich. Davon, dass
sie ihre Geschwindigkeit nicht den Umständen angepasst hatte, ist nicht auszugehen.
Die Sicht war nicht beeinträchtigt und die Strecke neben dem Trottoir gerade, es war
bereits Nacht und das Verkehrsaufkommen schwach. Zu berücksichtigen ist, dass der
Sandsteinpoller lediglich 50 cm hoch und im Unfallzeitpunkt nicht mit Reflektoren
versehen war. Dass am Sandsteinpoller gemäss den unbestritten gebliebenen Angaben
der Rekurrentin nachträglich Reflektoren angebracht wurden, lässt darauf schliessen,
dass dieser vorher bei Dunkelheit schlecht wahrnehmbar war. Angesichts dieser
Umstände erscheint ihr Verschulden insgesamt als leicht.
d) Zusammenfassend ist der Rekurrentin eine leicht erhöhte abstrakte Gefährdung
sowie ein leichtes Verschulden vorzuwerfen. Dementsprechend handelt es sich nicht
um eine mittelschwere, sondern um eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1
lit. a SVG.
5.- Eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zieht eine Verwarnung
nach sich, wenn der fehlbaren Person in den vorangegangenen zwei Jahren der
Ausweis nicht entzogen war und keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde
(Art. 16a Abs. 3 SVG). Da in den letzten zwei Jahren keine Administrativmassnahme
gegen die Rekurrentin verhängt wurde, ist sie zu verwarnen.
6.- Ziff. 206.02.1 des Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1) sieht im Fall eines
Ausweisentzugs einen Gebührenrahmen von Fr. 100.– bis Fr. 800.– vor. Für eine
Verwarnung liegt dieser bei Fr. 70.– bis Fr. 250.– (Ziff. 206.01). Die Vorinstanz bezifferte
die Verfahrenskosten auf Fr. 350.– und bewegte sich damit in der für den Entzug von
Führerausweisen vorgesehenen Bandbreite. Nachdem nun aber feststeht, dass gegen
die Rekurrentin lediglich eine Verwarnung auszusprechen ist, müssen auch die
Verfahrenskosten entsprechend reduziert werden. Besteht für die Gebühr ein Mindest-
und ein Höchstsatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und der
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Bedeutung der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der erforderlichen
Sachkenntnis zu bemessen (Art. 11 der Verordnung über Kosten und Entschädigungen
im Verwaltungsverfahren, sGS 821.1). Es erscheint angemessen, die von der
Rekurrentin zu bezahlende Gebühr für das vorinstanzliche Verfahren auf Fr. 150. –
festzulegen.
7.- a) Die Rekurrentin dringt mit ihrem Antrag durch. Dies entspricht einer vollständigen
Gutheissung des Rekurses. Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten
dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘200.–
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.– ist der Rekurrentin zurückzuerstatten.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Rekurrentin gemäss Art. 98 Abs. 2 und
Art. 98 VRP Anspruch auf die vollständige Entschädigung ihrer ausseramtlichen
Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren
war der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine
Kostennote eingereicht, weshalb die ausseramtliche Entschädigung ermessensweise
festzusetzen ist. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar
als Pauschale ausgerichtet, und zwar liegt der Rahmen zwischen Fr. 1‘000.– und Fr.
12‘000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Zu prüfen war bei geringem Aktenumfang die
Frage der Qualifikation der Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften. Es
stellten sich weder schwierige tatsächliche noch rechtliche Fragen. Insgesamt
erscheint damit ein Honorar von Fr. 1‘600.– als angemessen. Hinzuzuzählen sind die
Barauslagen von Fr. 64.– und die Mehrwertsteuer von Fr. 133.10 (Art. 28 Abs. 1 und
Art. 29 HonO), so dass die ausseramtliche Entschädigung insgesamt Fr. 1‘797.10
beträgt; entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrsamt).