Decision ID: ff715e7b-192f-5cbf-9a1b-ae293356101e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein nigeriani-
scher Staatsangehöriger der Ethnie der Igbo, aus B._ stammend,
am 30. April 2015 sein Heimatland. Am 10. Februar 2016 reiste er in die
Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch.
B.
B.a Am 17. Februar 2016 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs- und
Verfahrenszentrum EVZ in C._ zur Person, zu seinem Reiseweg
und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person
[BzP]).
B.b Mit Verfügung der Vorinstanz vom 21. April 2017 wurde das Verfahren
als gegenstandslos geworden abgeschrieben, da er gemäss einer Akten-
notiz der Vorinstanz seit dem 23. März 2017 als verschwunden und seit
dem 30. März 2017 als unkontrolliert abgereist galt.
C.
Mit Eingabe vom 5. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer ein schrift-
liches Asylgesuch ein und äusserte sich zu seinen Asylgründen sowie zum
Umstand, weshalb er unkontrolliert ausgereist sei und in Deutschland ein
Asylgesuch gestellt habe.
D.
D.a Am 21. März 2018 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, dass
das Asylverfahren wiederaufgenommen werde. Am 11. Juni 2018 fand die
Anhörung zu den Asylgründen statt.
D.b Der Beschwerdeführer legte hinsichtlich seines Lebenslaufs im We-
sentlichen dar, er sei in einem christlichen Umfeld aufgewachsen. Da sein
Vater bereits früh verstorben sei, sei die alleinerziehende Mutter mit ihm
und seiner Schwester vom Bundesstaat B._ in den Bundesstaat
D._ gezogen, wo sie aufgrund von Kontakten des verstorbenen Va-
ters von der katholischen Kirche Unterstützung erhalten hätten. Zudem
führe seine Mutter eine kleine Metzgerei. Dank Stipendien habe er von
2004 – 2014 das Internat der Missionarsschule des (...) Colleges in
E._ im Bundesstaat F._ besuchen und mit einer Matura ab-
schliessen können. Dort habe er sich mit zwei Jungen namens G._
und H._ angefreundet und eine intime sowie sexuelle Beziehung zu
beiden aufgebaut.
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Zur Begründung seiner Asylgründe führte er im Wesentlichen aus, er sei
anlässlich seines Geburtstags im Jahr 2015 im Grand Hotel (...) in einem
gemieteten Zimmer von drei Polizisten wegen homosexueller Praktiken
festgenommen worden. Während der ungefähr dreimonatigen Haft sei er
mehrmals misshandelt und verhört worden. Man habe ihm erklärt, dass er
mit einer Haft bis zu 21 Jahren zu rechnen habe. Nach einem Verhör habe
G._ schliesslich zugegeben, in dieser besagten Nacht gemeinsam
mit ihm sexuelle Praktiken ausgeübt zu haben. Kurze Zeit nach diesem
Geständnis hätten ihm ein ihm bekannter Reverend und seine Mutter ge-
holfen, aus dem Gefängnis herauszukommen, indem sie mutmasslich Be-
stechungsgelder gezahlt hätten. Nach seiner Freilassung habe er eine
Nacht beim Reverend im (...) College übernachtet und sei am darauffol-
genden Tag nach Abuja gefahren, um auf der (...) Botschaft ein Visum zu
beantragen. Ungefähr eine Woche später sei er mit dem Nachtbus nach
Lagos gefahren, um von dort nach I._ zu fliegen. Dort habe er un-
gefähr vier Monate auf der Strasse gelebt und sei anschliessend über Un-
garn, Österreich und Frankreich in die Schweiz gelangt.
Er reichte eine Kopie seines Geburtsscheines ein.
E.
Mit Verfügung vom 15. Januar 2020 – eröffnet am 24. Januar 2020 – wies
die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, stellte fest,
dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab,
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
F.
Der Beschwerdeführer focht mit Eingabe vom 24. Februar 2020 die Verfü-
gung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte, die an-
gefochtene Verfügung sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen
und ihm sei Asyl zu gewähren. Als Eventualantrag stellte er das Begehren,
es sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht
ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 11. März 2020 wurde das Gesuch um unent-
geltliche Prozessführung abgewiesen und der Beschwerdeführer aufgefor-
dert einen Kostenvorschuss zu zahlen, verbunden mit der Androhung, auf
die Beschwerde werde nicht eingetreten, wenn der Kostenvorschuss innert
Frist nicht bezahlt werde.
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H.
Der Kostenvorschuss ging innert der von Gericht gesetzten Frist am
23. März 2020 zugunsten der Gerichtskasse ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz zweifelte angesichts zahlreicher Widersprüche sowie
aufgrund der vagen und undifferenzierten Schilderungen an der Glaubhaf-
tigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers. So habe er anlässlich der
BzP dargelegt, er sei kurz vor seiner Verhaftung im Hotel in Begleitung sei-
ner beiden homosexuellen Freunde namens J._ und K._
gewesen, wohingegen er in der Anhörung erklärt habe, seine beiden ho-
mosexuellen Freunde würden G._ und H._ heissen. Ferner
habe er zuerst angegeben, nur einmal während des ersten Verhörs ge-
schlagen worden zu sein, um in der Anhörung auszuführen, er sei während
seiner zwei- bis dreimonatigen Haft mehrfach misshandelt worden. Auch
habe er anlässlich der BzP geschildert, während seiner Inhaftierung selber
zugegeben zu haben, homosexuelle Handlungen vorgenommen zu haben,
was erneut im Widerspruch zu den Aussagen in der Anhörung stehe, dass
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einer seiner beiden Freunde solche Handlungen eingestanden habe. Wei-
ter habe er sich widersprüchlich zu seiner Freilassung geäussert und zum
einen darlegt, von einem Missionar aus der Haft befreit worden zu sein,
dem gegenüber ein anderes Mal erklärt, von einem Missionar und seiner
Mutter befreit worden zu sein. Ferner habe er gegensätzliche Angaben be-
züglich einer Vorsprache bei einem Richter gemacht. Zudem sei es zu ver-
schiedenen Ungereimtheiten hinsichtlich der Zeitspanne zwischen seiner
Haftbefreiung und seiner Ausreise gekommen. Überdies seien seine Schil-
derungen im Zusammenhang mit der Geburtstagsfeier im Hotel, seiner
Festnahme, der Zeit in der Haft sowie den Misshandlungen lediglich ober-
flächlich und undetailliert ausgefallen, wobei er nicht den Eindruck habe
vermitteln können, die Ereignisse selber erlebt zu haben. Zusammenfas-
send habe er nicht glaubhaft darlegen können, aufgrund seiner sexuellen
Orientierung Probleme erfahren zu haben oder in absehbarer Zeit mit einer
Verfolgung deswegen rechnen zu müssen. Schliesslich stehe auch einem
Wegweisungsvollzug nichts im Weg, da er keine finanzielle Notsituation
geltend gemacht habe. Zudem verfüge er über ein familiäres oder soziales
Netz.
5.2 Der Beschwerdeführer hielt den Argumenten der Vorinstanz entgegen,
er werde aufgrund seiner sexuellen Neigungen und Handlungen behördlich
gesucht, weshalb sein Leben in seinem Heimatland in Gefahr sei. In Nige-
ria sei Homosexualität eine schwere Sünde und eine Straftat, für welche
man mit bis zu 21 Jahren Haft oder im schlimmsten Fall gar mit dem Tod
bestraft werden könne. Gemäss verschiedenen Berichten von Nichtregie-
rungsorganisationen sei es seit der Verschärfung des diesbezüglichen Ge-
setzes im Jahr 2014 zu häufigen Massenverhaftungen und schwerer Ge-
walt gegenüber Homosexuellen gekommen. Entgegen der Argumentation
der Vorinstanz, habe er nie gelogen, sei immer beim Kern seiner Ge-
schichte geblieben und habe versucht, Unklarheiten oder Verwechslungen
zu erklären. Da das Erlebte immer noch schmerzhaft sei und überdies be-
reits einige Zeit zurückliege, sei es zur Vermischung von Einzelheiten ge-
kommen. Ferner sei er während der BzP nicht so detailliert wie bei der
Anhörung befragt worden, bei welcher er alle Details, welche in der BzP
nicht erwähnt worden seien, habe ansprechen können. Zudem habe es
auch Verständnisprobleme mit der Dolmetscherin gegeben. Sie habe ihn
nicht richtig verstanden, weshalb er während der Anhörung begonnen
habe, weniger ausführlich zu sprechen. Hinsichtlich der Widersprüche sei
zu erklären, dass er anlässlich der BzP die Namen seiner Freunde ver-
wechselt habe, wobei sie alle gemeinsam sexuelle Abenteuer erlebt hätten.
Zudem sei er an der Anhörung sehr nervös gewesen und sei sich nicht
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bewusst gewesen, wie wichtig solche Details für sein Asylgesuch sein wür-
den. Die angeblichen Widersprüche würden auf Missverständnissen basie-
ren, welche sich aus der Tatsache ergeben würden, dass er während der
BzP nicht detailliert seine Vorbringen habe schildern können. Er sei gerne
bereit, die ihm vorgeworfene Oberflächlichkeit seiner Schilderungen durch
eine erneute Befragung zu widerlegen.
6.
6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Ent-
scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdar-
stellung der Gesuchstellerin sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf
eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung
für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen
Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie
und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheits-
gemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekenn-
zeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere
Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen ins-
besondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nach-
geschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht
es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüg-
lich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der
Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen die Ge-
suchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn
die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es
demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber
in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-
stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl.
BVGE 2012/5 E. 2.2).
6.2
6.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt angesichts der verschiede-
nen zentralen Widersprüche hinsichtlich der Fluchtgründe sowie aufgrund
der unsubstanziiert gehaltenen Aussagen zum Schluss, dass die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers als unglaubhaft zu qualifizieren sind und somit
den Anforderungen an Art. 7 AsylG nicht standhalten. Bereits der Umstand,
dass er zwei Mal völlig andere Namen der mit ihm in die angebliche Straftat
involvierten Personen angegeben hat, lässt erheblich an der Glaubhaf-
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tigkeit seiner Asylvorbringen zweifeln, zumal die Umstände dieses Ereig-
nisses prägend und zentral für seine Flucht gewesen sein müssten. Es fällt
auf, dass er sich in seiner Beschwerdeschrift zudem in einen weiteren Wi-
derspruch verstrickte und erklärte, alle die von ihm genannten fünf Freunde
hätten gemeinsam sexuelle Abenteuer erlebt. Diese Aussage steht jedoch
im deutlichen Widerspruch zur Schilderung während der Anhörung, anläss-
lich welcher er explizit darlegte, L._ und M._ seien die ihm
zwei einzigen bekannten homosexuellen (ehemaligen) Mitschüler gewe-
sen (vgl. act. A44/23, F127). Weiter sind seine Ausführungen, ob es zu ei-
ner Gerichtsverhandlung gekommen sei, widersprüchlich ausgefallen. So
erklärte er einerseits in der BzP zweimal (vgl. act. A3/13, F7.01), vor den
Richter geführt worden zu sein, um anderseits in der Beschwerdeschrift zu
erklären, er habe lediglich aus der Tatsache, dass einer der Männer keine
Uniform (wie die anderen Polizisten) getragen hätte, geschlossen, dass es
sich um einen Richter handeln müsse. Gleichzeitig verneinte er explizit
während der Anhörung, vor einen Richter geführt worden zu sein (vgl. act.
A44/23; F175-176). Sodann konnte er die weiteren Widersprüche im Zu-
sammenhang mit der angeblichen Haft und den Misshandlungen sowie zur
Zeitspanne zwischen seiner Freilassung und seiner Ausreise nicht nach-
vollziehbar entkräften. Ferner konnte er nicht schlüssig darlegen, unter wel-
chen konkreten Umständen er aus der Haft entlassen worden war. Insbe-
sondere wirkt es lebensfremd, dass nur er und nicht auch seine beiden
inhaftierten Freunde freigelassen worden waren, zumal alle drei dasselbe
College besucht haben und unter demselben Schutz der Priester gestan-
den haben müssen.
6.2.2 Weiter fallen die unsubstanziierten Schilderungen bezüglich der Haft-
zeit des Beschwerdeführers sowie seiner Flucht auf. Dahingehend ist der
Vorinstanz beizupflichten, dass der Eindruck entsteht, er habe die Ereig-
nisse nicht selber erlebt. Daran ändert auch der Einwand des Beschwer-
deführers und die Bemerkung der Hilfswerksvertretung auf dem Beiblatt
nichts, dass es anlässlich der Anhörung zu Verständnisproblemen mit der
Dolmetscherin gekommen sei. Dass er es deshalb unterlassen haben soll,
Details und Gefühle darzulegen, vermag die klaren Widersprüche sowie
die äusserst undetailliert und unpersönlich gehaltenen Schilderungen sei-
ner Fluchtgründe kaum zu erklären.
6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht die Vor-
bringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft eingestuft, die Flüchtlings-
eigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat.
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7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
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8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Ni-
geria ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Ni-
geria lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-
zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung
sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.5 Weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers
noch individuelle Gründe lassen darauf schliessen, dass er im Falle einer
Rückkehr einer Gefahr ausgesetzt wäre, weshalb der Vollzug der Wegwei-
sung vorliegend zumutbar ist. Der Beschwerdeführer verfügt über einen
Maturaabschluss und hat die Möglichkeit, eine solide Ausbildung in Angriff
zu nehmen, um sich ein finanziell unabhängiges Leben in Nigeria aufzu-
bauen. Seine Mutter sowie verschiedene andere Verwandte leben in Nige-
ria und können ihm bei einer Reintegration behilflich sein. Insbesondere
seine Mutter, welche ein Metzgereigeschäft führt und die katholischen
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Priester, welche ihm bereits seine zehnjährige Collegezeit mittels Stipen-
dien finanziert haben, könnten ihn im Falle eines finanziellen Engpasses
unterstützen, weshalb es vorliegend unwahrscheinlich erscheint, dass er
in Nigeria in eine existenzbedrohende Lage geraten wird.
8.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
8.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Nachdem das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
mit Zwischenverfügung vom 11. März 2020 abgewiesen wurde, sind auf-
grund des Ausgangs des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]; Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der in gleicher
Höhe geleistete Kostenvorschuss zur Bezahlung der Verfahrenskosten ist
hierfür zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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