Decision ID: 79d6c73a-9c16-5869-9fed-ff76edb8690d
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
RA Nr. 110/2018/165 2
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 14. November 2014 bei der Gemeinde Sigriswil
ein Baugesuch ein für den Abbruch der Gebäude P._strasse 1, 1a und 1b sowie für
den Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern mit 14 Wohnungen und einer Autoeinstellhalle
mit 21 Plätzen auf Parzelle Sigriswil Grundbuchblatt Nr. Q._. Die Parzelle liegt in
der Kernzone K2. Zudem befindet sie sich im Ortsbilderhaltungsgebiet und in der Baugruppe
M._. Gegen das Bauvorhaben erhoben verschiedene Personen Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 17. Juli 2015 erteilte der Regierungsstatthalter von Thun die
Baubewilligung, unter anderem mit der Auflage, dass die Bauherrschaft verpflichtet werde,
anstelle der geplanten grauen Ziegel die in der Kernzone ortstypischen roten Ziegel zu
verwenden. Der Gesamtentscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
2. Anlässlich von Baukontrollen stellte die Gemeinde fest, dass die Beschwerdeführerin
wesentliche Teile des Bauvorhabens anders ausgeführt hatte als bewilligt. Sie forderte die
Beschwerdeführerin deshalb auf, dafür ein nachträgliches Projektänderungsgesuch
einzureichen. Mit E-Mail vom 25 September 2016 teilte der Bauberater der Regionalgruppe
des Berner Heimatschutzes der Gemeinde mit, die Fassadengestaltung entspreche nicht der
Bewilligung. Mit Schreiben vom 9. Dezember 2016 wandten sich mehrere Anwohnerinnen
und Anwohner des C._wegs an die Gemeinde und teilten mit, die erst kürzlich
erstellten Granitplatten beim Containerstandort würden eine genügende Übersicht bei der
Ausfahrt des C._weges in die P._strasse verunmöglichen.
Nach mehreren Fristerstreckungen reichte die Beschwerdeführerin ein nachträgliches
Projektänderungsgesuch ein. Dieses umfasste Anpassungen in der Umgebungsgestaltung
(Anzahl und Standort der Besucherparkplätze, Geometrie der Ausweichstelle und der
Einfahrt in die Autoeinstellhalle, Standort und Gestaltung Containersammelplatz), in der
Dachgestaltung (zusätzliche Dachflächenfenster, anderes Eindeckungsmaterial), in der
Fassadengestaltung sowie in der Grundrissgestaltung (Anbau Velo-/Mofa- und zusätzliche
Kellerräume, Zusammenlegen von drei zu zwei Wohnungen). Die Gemeinde holte mit
Schreiben vom 1. Mai 2017 beim Oberingenieurkreis I des Tiefbauamts (OIK I), bei der
kantonalen Denkmalpflege und beim Berner Heimatschutz Fachberichte zur
Projektänderung ein. Zudem liess sie das Vorhaben publizieren. Gestützt darauf erhob die
Beschwerdegegnerschaft Einsprache. Mit Entscheid vom 19. November 2018 erteilte die
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Gemeinde den Bauabschlag (Ziffer 1) und ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands (Ziffer 2) unter Androhung der Ersatzvornahme wie folgt an:
«a.) Anschluss C._weg/Einstellhalle: Bei der Zufahrt vom C._weg in die Einstellhalle muss die Ausrundung nach Osten so ausgestaltet werden, dass Fahrzeuge die Verbindung zwischen dem südlichen C._weg und der Zufahrt problemlos ohne Manöver auf der Strasse befahren können.
b.) Situation entlang des C._weges: Anstelle einer Ausweichstelle muss entlang des C._weges ein normgerechter Strassenanschluss, wo zwei Wagen problemlos kreuzen können, erstellt werden. Parkmöglichkeiten sind durch bauliche Massnahmen zwingend und dauerhaft einzuschränken.
c.) Knoten C._weg/P._strasse: Beim Knoten C._weg/P._strasse ist die normengerechte Sichtweite von 30 Metern in Richtung Süden unter Anpassung der Umfassungsmauer des Containerstandorts baulich herzustellen, die drei ersten Steinelemente können belassen werden, die restlichen sind auf eine Sockelhöhe von ca. 20 cm zurückzuschneiden. Die Container sind direkt entlang der Westfassade des Erschliessungsturms anzuordnen. Der nach rechts gerichtete Spiegel sollte auch im Winter funktionstüchtig sein.
d.) Parkplätze westlich des Gebäudes (MFH A): Westlich des Gebäudes (MFH A) können von den drei Parkplätzen die unteren beiden im erstellten Zustand belassen werden. Der oberste (d.h. gegen Norden) an die P._strasse anstossende Parkplatz ist zu entfernen. Der obere Bereich ist von jeglichen Bauten freizuhalten und mit einer baulichen Abgrenzung so zu gestalten, dass Parkmöglichkeiten zwingend und dauerhaft eingeschränkt sind.
e.) Dachziegel: Für die Bedachung müssen ortsübliche, naturrote Dachziegel verwendet werden.
f.) Fassadengestaltung und Fensteranteil: An den Südfassaden der beiden Häuser ist im Sinne des ursprünglichen und bewilligten Baugesuchs die gestalterisch geschickte Trennung des grossen Baukörpers in zwei Häuser, wie ursprünglich angedacht, zu gestalten. Konkret sind die nicht bewilligten grossen Doppelfenster beim MFH A im Bereich der Holzfassade (Mittelteil der beiden Vollgeschosse) dauerhaft mit einem Brüstungsfeld in Holz zu versehen. Die nicht bewilligten grossen Doppelfenster (insgesamt 4 Elemente) in den Bereichen des verputzten Sockels beim MFH A und MFH B sind dauerhaft mit einem weiss verputzten Brüstungsfeld zu versehen.»
3. Gegen diesen Entscheid reichte die Beschwerdeführerin am 20. Dezember 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
stellt folgende Rechtsbegehren:
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«1. Der Bauentscheid / die Wiederherstellungsverfügung der Baupolizei- und Planungskommission Sigriswil vom 19. November 2018 sei im Umfang von Ziffer 1 und Ziffer 2 lit. c, e und f aufzuheben und es sei dem nachträglichen Baugesuch vom 17. März 2017 im entsprechenden Umfang die Baubewilligung zu erteilen.
2. Eventualiter: Es sei in Bezug auf die Ziffer 2 lit. c, e und f auf die Wiederherstellung zu verzichten.
3. Subeventualiter: Die Sache sei zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.»
Zur Begründung macht sie insbesondere geltend, sie habe den Containerplatz sowie die
dazugehörige Umfassungsmauer entsprechend der Baubewilligung erstellt. Sie sei bereit,
die betreffende Mauer auf eine Höhe von 60 cm zu reduzieren. Für einen weitergehenden
Rückbau bestehe hingegen kein Anlass. Die Bedachung und die Fassadengestaltung seinen
bewilligungsfähig. Selbst wenn die Projektänderung nicht bewilligt werden könnte, wäre die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unverhältnismässig.
4. In ihrer Beschwerdeantwort vom 10. Januar 2019 beantragt die
Beschwerdegegnerschaft sinngemäss die Abweisung der Beschwerde, soweit der
Containerstandplatz betroffen ist. Die aktuelle Situation sei verkehrsgefährdend und die
normgerechte Sichtweite von 30 m sei baulich problemlos herzustellen.
In ihrer Vernehmlassung vom 25. Januar 2019 beantragt die Gemeinde die Abweisung der
Beschwerde. Zudem beantragt sie, der Beschwerde sei in Bezug auf Anpassung der
Umfassungsmauer des Containerstandorts die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Die
Umfassungsmauer beeinträchtige die Sichtbermen im Bereich
C._weg/P._strasse und stelle ein Risiko dar. Das bewilligte Bauvorhaben
sei grossvolumig. In Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege und dem Berner
Heimatschutz sei deshalb ein Massnahmenkonzept zur Wahrung der ortsüblichen Baukultur
erarbeitet worden. Das nun Gebaute sei nicht rechtmässig im Sinne der geltenden
Ortsbilderhaltungsbestimmungen und deshalb nicht bewilligungsfähig.
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5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, gab der
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerschaft Gelegenheit, zum Gesuch um
Entzug der aufschiebenden Wirkung Stellung zu nehmen. Von dieser Möglichkeit machte die
Beschwerdeführerin Gebrauch. Sie beantragte die Abweisung des Gesuchs und wies darauf
hin, dass sie sich gar nicht gegen ein Zurückschneiden der Umfassungsmauer auf eine Höhe
von 60 cm ausspreche. Sie werde die Mauer Anfang März entsprechend zurückschneiden
lassen. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Bauentscheid mit Wiederherstellungsverfügung. Dieser kann mit
Beschwerde bei der BVE angefochten werden (Art. 40 Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1 BauG). Die
Beschwerdeführerin ist als Baugesuchstellerin und Adressatin der
Wiederherstellungsverfügung befugt, Beschwerde zu führen (Art. 40 Abs. 2 BauG und
Art. 65 Abs. 1 VRPG2).
b) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 und
Art. 49 Abs. 1 BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG).
Die BVE tritt daher auf die Beschwerde ein.
2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht sich
nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht darüber hinausgehen.
Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand. Sowohl für das
Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und eine allfällige
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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vorzeitige Beendigung gelten somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime sowie das
Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens nicht
erweitern, sondern nur einschränken.3
b) Angefochten sind einzig der Bauabschlag und die Wiederherstellungsverfügung
betreffend Knoten C._weg/P._strasse, Dachziegel und
Fassadengestaltung. Bezüglich des Knotens C._weg/P._strasse ist
lediglich der Rückbau der Umfassungsmauer des Containerplatzes umstritten, soweit dieser
auf eine Sockelhöhe von weniger als 60 cm erfolgen soll. Im Übrigen ist der Entscheid der
Vorinstanz unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
3. Bauinventar und Ortsbilderhaltungsgebiet
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Dorf Sigriswil liege gemäss Inventar der
kantonalen Denkmalpflege in der Baugruppe M._. Die Baugruppe sei in ihrer
Ausdehnung entlang der P._strasse nicht genauer geregelt. Die Gemeinde bringe
im angefochtenen Entscheid vor, das betroffene Grundstück liege im
Ortsbilderhaltungsgebiet. Zwar enthalte das Baureglement Bestimmungen zum
sogenannten Ortsbilderhaltungsgebiet. Es werde aber auch festgehalten, dass die
entsprechenden Gebiete im Zonenplan bezeichnet würden. Im aktuellen Zonenplan sei keine
entsprechende Bezeichnung zu erkennen. Die Anwendung der gemeinderechtlichen
Vorschriften zum Ortsbilderhaltungsgebiet scheide deshalb aus.
b) Das Bauinventar enthält die schützens- und erhaltenswerten Baudenkmäler (Art. 10d
Abs. 1 Bst. a BauG). Es wird durch die kantonale Fachstelle in Zusammenarbeit mit den
Gemeinden erstellt (Art. 13 Abs. 1 BauV4). Es ist öffentlich und kann von jedermann bei der
Gemeinde, beim Regierungsstatthalteramt, beim kantonalen Fachamt oder beim Amt für
Gemeinden und Raumordnung eingesehen werden (Art. 13b Abs. 1 BauV). Die rechtsgültige
Ausgabe des kantonalen Bauinventars liegt auf den Gemeinden in gedruckter Form vor. In
den Vorakten befinden sich Auszüge aus dem Bauinventar.5 Die Daten des Bauinventars
3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8 4 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 5 Vorakten, Register 2
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stehen zudem im Internet zur Verfügung.6 Die Objekte des Bauinventars sind auch im
Geoportal, der offiziellen Publikationsplattform des Kantons für Geoinformationen,
einsehbar.7 Sowohl dem Plan in den Vorakten als auch dem Plan zum Bauinventar im
Geoportal lässt sich der Perimeter der Baugruppe M._ ohne weiteres entnehmen.
Die Bauparzelle befindet sich unverkennbar innerhalb der fraglichen Baugruppe
c) Die Ortserhaltungsgebiete sind in Art. 45 GBR 19968 bzw. Art. 511 GBR 20169
geregelt. Danach umfassen die in den Zonenplänen entsprechend bezeichneten Gebiete die
das Ortsbild prägenden Siedlungsteile bzw. Baugruppen mitsamt ihrer Umgebung (Art. 45
Abs. 1 GBR 1996 bzw. Art. 511 Abs. 1 GBR 2016). Dem Auszug aus dem Zonenplan, den
die Gemeinde im Beschwerdeverfahren eingereicht hat, lässt sich das
Ortsbilderhaltungsgebiet ohne weiteres entnehmen: Der fragliche Perimeter ist mit einer
roten Linie eingetragen. Die Bauparzelle befindet sich offensichtlich innerhalb des
Ortsbilderhaltungsgebietes. Die entsprechenden Vorschriften sind deshalb vorliegend
anwendbar. Die Rüge der Beschwerdeführerin, im aktuellen Zonenplan sei keine
entsprechende Bezeichnung zu erkennen, ist somit unbegründet. Vermutlich hat sie nicht
den massgebenden Originalplan bei der Gemeinde eingesehen, sondern einzig den auf der
Homepage der Gemeinde aufgeschalteten Zonenplan konsultiert. Wie ausdrücklich vermerkt
ist, kann diesem (lediglich) die Zonenzugehörigkeit der einzelnen Parzellen entnommen
werden. Schutzgebiete und Schutzobjekte, Hinweise und Naturgefahren können in den
Originalplänen auf der Gemeindeverwaltung eingesehen werden.
4. Knoten C._weg/P._strasse
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe den Containerplatz sowie die
dazugehörige Umfassungsmauer entsprechend der Baubewilligung erstellt. Die Elemente
seien gemäss den Plänen 1 m bis 1.2 m hoch. Die Vorinstanz vertrete die Auffassung, dass
ein Rückbau der Umfassungsmauer auf eine Höhe von 20 cm vorzunehmen sei. Die drei
ersten Steinelemente könnten belassen werden. Diese Forderung finde keine Grundlage in
6 Bauinventar online, einsehbar unter <https://www.erz.be.ch>, Rubriken «Kultur, Denkmalpflege, Bauinventar, Bauinventar online» 7 www.be.ch/geoportal, Karte "Bauinventar" 8 Baureglement der Einwohnergemeinde Sigriswil vom 22. Juni 1996 (GBR 1996) 9 Baureglement der Einwohnergemeinde Sigriswil vom 5. Dezember 2016 (GBR 2016)
https://www.erz.be.ch http://www.be.ch/geoportal
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der rechtskräftigen Baubewilligung vom 17. Juli 2015. Die Vorinstanz habe das Schnurgerüst
für den betreffenden Containerplatz abgenommen. Die Beschwerdeführerin sei bereit, die
betreffende Mauer auf eine Höhe von 60 cm zu reduzieren. Für einen weitergehenden
Rückbau bestehe hingegen kein Anlass. Unter Berücksichtigung der Augenhöhe aus einem
Fahrzeug habe die Mauer in einer Höhe von 60 cm keine nachteiligen Auswirkungen auf die
Verkehrssicherheit. Die entsprechende Wiederherstellungsmassnahme gehe deshalb zu
weit. Die Beschwerdeführerin beantragt die Durchführung eines Augenscheins.
b) Soweit die Gemeinde nichts anderes festlegt, gilt für Bauten und Anlagen an
Gemeindestrassen ein Strassenabstand von 3.60 m ab Fahrbahnrand (vgl. Art. 80 Abs. 1
Bst. b SG10). Im durch den Strassenabstand abgegrenzten Vorland gilt ein grundsätzliches
Bau- und Pflanzverbot (Bauverbotsstreifen).11 In Sigriswil gelten für die Strassenabstände
grundsätzlich die kantonalen Vorschriften (Art. 14 Abs. 1 GBR 199612 bzw. Art. 612 Abs. 1
GBR 201613). Im Ortsbilderhaltungsgebiet kann die Baupolizeibehörde den Strassenabstand
allerdings bis auf 0.5 m reduzieren, sofern die Verkehrssicherheit gewährleistet bleibt (Art.
14 Abs. 3 GBR 1996 bzw. Art. 612 Abs. 3 GBR 2016). Öffentliche Strassen dürfen weder
durch Bauten, Anlagen, Pflanzen, Bäume oder durch sonstige Vorkehren beeinträchtigt
werden (Art. 73 Abs. 1 SG). Zur Beurteilung der Frage, ob Bauten und Anlagen im
Bauverbotsstreifen die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, können die einschlägigen
Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) als
Entscheidungshilfe herangezogen werden.
c) Der Containerabstellplatz samt der dazugehörigen Umwandung steht im
Strassenabstand. Das ist nur dann zulässig, wenn die Verkehrssicherheit gewährleistet
bleibt. Es trifft zwar zu, dass der Containerabstellplatz bereits in den ursprünglich bewilligten
Plänen zwischen Strasse und Erschliessungsturm eingezeichnet war und damit
grundsätzlich an diesem Standort bewilligt worden ist. Allerdings ist er in den Plänen nicht
vermasst, weshalb insbesondere die bewilligte Höhe unklar ist. Ein Gesuch der
Beschwerdeführerin für das Bauen im Strassenabstand ist ebenso wenig aktenkundig wie
ein entsprechender Beschluss der Baupolizeibehörde, der die Reduktion des
10 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 12 N. 18 12 Baureglement der Einwohnergemeinde Sigriswil vom 22. Juni 1996 (GBR 1996) 13 Baureglement der Einwohnergemeinde Sigriswil vom 5. Dezember 2016 (GBR 2016)
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Strassenabstandes im vorliegenden Fall erlauben würde. Es ist deshalb fraglich, ob die
Verkehrssicherheit seinerzeit überhaupt geprüft und die ursprüngliche Bewilligung
mängelfrei erteilt wurde. Dies kann aber offen gelassen werden. Zum einen wurde der
Containerabstellplatz in mehrfacher Hinsicht nicht so erstellt, wie bewilligt. Insbesondere
wurden keine Granitstelen bewilligt, sondern eine Umwandung aus Holz. Zum anderen gilt
die Besitzstandsgarantie entlang von öffentlichen Strassen nur beschränkt. Wenn es die
Verkehrssicherheit erfordert, kann das zuständige Gemeinwesen verlangen, dass Bauten,
Anlagen, Pflanzen und sonstige Vorkehren, die Strassenabständen, dem Lichtraumprofil,
Sichtzonen oder dem Verbot der Beeinträchtigung widersprechen, innert angemessener
Frist beseitigt oder angepasst werden (Art. 84 Abs. 2 SG). Anders als die
Beschwerdeführerin geltend macht, ergibt sich aus dem Kontrollplan
Schnurgerüstabsteckung vom 20. November 201514 zudem, dass der Containerplatz nicht
Gegenstand der Schnurgerüstabnahme war. Sie kann deshalb weder aus der ursprünglichen
Bewilligung noch aus der Schnurgerüstabnahme etwas zu ihren Gunsten ableiten.
d) Für die Beurteilung der Sichtverhältnisse ist die Norm VSS SN 640 273a (Knoten,
Sichtverhältnisse in Knoten in einer Ebene) massgebend. Diese legt die Abmessung der
Sichtfelder fest, die in einem Knoten vorhanden sein müssen, damit ein vortrittsbelastetes
Fahrzeug den vortrittsberechtigten Verkehr kreuzen oder in diesen einbiegen kann.15 Das
Sichtfeld ist die Fläche zwischen den Achsen der vortrittsberechtigten Fahrstreifen und den
Sichtlinien, d.h. den Geraden, die den Beobachtungspunkt des vortrittsbelasteten
Fahrzeuges mit den vortrittsberechtigen Fahrzeugen verbinden. Das Sichtfeld ist von allen
Hindernissen freizuhalten, die ein Motorfahrzeug oder ein leichtes Zweirad verdecken
könnten. In der Regel genügt es, wenn das Sichtfeld in einem Höhenbereich zwischen
0.60 m und 3.00 m über der Fahrbahn hindernisfrei ist. Für die Beurteilung des Sichtfelds ist
die ungünstigste Sichtlinie zu berücksichtigen.16 Als Beobachtungsdistanz wird innerorts ein
Wert von 3.00 m empfohlen.17 Die erforderlichen Knotensichtweiten hängen von der
Zufahrtsgeschwindigkeit der vortrittsberechtigten Motorfahrzeuge ab und werden durch
Wertebereiche definiert.18 Gemäss Fachbericht des OIK I vom 24. Mai 201719 muss die
14 Vorakten Register 8 (Baukontrolle) 15 VSS SN 640 273a, Ziff. 2 16 VSS SN 640 273a Ziff. 10 17 VSS SN 640 273a Ziff. 11 18 VSS SN 640 273a Ziff. 12.1 19 Vorakten, Register 4
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Sichtweite beim Knoten C._weg/P._strasse idealerweise rund 30 m,
mindestens aber 20 m betragen. Wegen des Containerplatzes mit den Granitsteinplatten
beträgt sie lediglich 14 m. Die Situation ist deshalb gemäss Fachbericht des OIK I
verkehrsgefährdend und muss dringend verbessert werden. Die von der Beschwerdeführerin
in Aussicht gestellte Herabsetzung der Granitplatten auf eine Sockelhöhe von 60 cm dürfe
die Situation zwar etwas verbessern, genügt aber den Vorgaben der Norm nicht, da die Höhe
ab Fahrbahnrand massgeblich ist.
Die Vorinstanz hat zusammen mit ihrer Beschwerdevernehmlassung einen Plan eingereicht.
Dieser zeigt auf, dass wegen des Gefälles der P._strasse die Vorgaben der Norm
nur dann eingehalten sind, wenn die Granitstelen auf eine Sockelhöhe von 28 cm
herabgesetzt werden. Somit kann weder die im vorinstanzlichen Verfahren beantragte Höhe
von 1 m noch die im Beschwerdeverfahren beantragte Höhe von 60 cm bewilligt werden. Die
Vorinstanz hat daher zu Recht den Bauabschlag erteilt.
e) An der Herstellung der Verkehrssicherheit am Knoten
C._weg/P._strasse besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse. Die
Herabsetzung der Granitstelen auf eine Sockelhöhe von 28 cm ist geeignet und erforderlich,
um dieses Ziel zu erreichen. Die Massnahme ist auch ohne weiteres zumutbar, zumal der
Containerabstellplatz als solcher belassen werden kann. Die Wiederherstellungsverfügung ist
deshalb grundsätzlich zu bestätigen. Gestützt auf die neuen Unterlagen der Vorinstanz wird
sie aber insoweit präzisiert, als dass die restlichen Steinelemente gemäss Plan "Einmündung
C._weg in P._strasse, Sichtraum gem. VSS SN 640 273a" vom 15. Januar
2019 auf eine Sockelhöhe von 28 cm zurückzuschneiden sind.
f) Die Beschwerdeführerin beantragt die Durchführung eines Augenscheins. Der Antrag
ist abzulehnen. Aus den Akten ergibt sich der Sachverhalt bezüglich Verkehrssicherheit mit
ausreichender Klarheit. Von einem Augenschein sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu
erwarten. Auf die Durchführung eines Augenscheins kann verzichtet werden. Der
Beweisantrag wird deshalb abgewiesen.
5. Dachgestaltung
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, nach Art. 30 Abs. 2 GBR 1996 sollten
Dachform und Eindeckungsmaterial von ruhiger Wirkung sein und sich in das Orts- und
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Landschaftsbild einordnen. Gemäss den Auslegungen zum Baureglement seien etwa
Bedachungen aus Ziegel und Eternit möglich. Eine Vorschrift zur Dachfarbe bestehe
hingegen nicht. Im angefochtenen Entscheid komme die Vorinstanz um Schluss, dass die
Auflagen der kantonalen Denkmalpflege zur Verwendung von ortsüblichen Ziegeln nicht
berücksichtigt worden seien und deshalb die Gestaltungsvorschriften nach Art. 30 GBR 1996
verletzt würden. Damit würden auch die besonderen Gestaltungsvorschriften des
Ortsbilderhaltungsgebiets nicht eingehalten. Dieser Standpunkt sei unzutreffend. Die
Bedachung mit anthrazitfarbigen Dachziegeln sei baureglementskonform und deshalb
bewilligungsfähig. Ganz grundsätzlich sei nicht verständlich, was sich die Vorinstanz und die
KDP unter den naturroten Ziegeln genau vorstellten. In der Umgebung des Baugrundstücks
seien hell- und dunkelrote sowie orange Bedachungen erkennbar. Das Ortsbild werde durch
die Durchmischung von braunen bzw. braunschwarzen, grauen, orangen und rötlichen
Dachziegeln in verschiedenen Tönen geprägt. Es gebe auch graue bzw. anthrazitfarbige
Dächer in der nächsten Umgebung. Die Beschwerdeführerin beantragt die Durchführung
eines Augenscheins sowie eine Beurteilung durch die OLK.
b) Gemäss dem ursprünglichen Baugesuch plante die Beschwerdeführerin ein Dach mit
grauen/anthrazitfarbigen Tonziegeln. In ihrem Fachbericht vom 8. Januar 2015 beurteilte die
KDP das Vorhaben als vertretbar. Sie beantragte der Leitbehörde, das Vorhaben mit
folgender Auflage zu bewilligen: Anstelle der vorgesehenen grauen Ziegel seien in der
Kernzone ortstypische rote Ziegel zu verwenden. Gestützt auf diesen Fachbericht erteilte
der Regierungsstatthalter von Thun die Gesamtbewilligung mit der entsprechenden Auflage
(Ziff. 3.2.2). Die Beschwerdeführerin akzeptierte die Bewilligung samt den damit
verbundenen Nebenbestimmungen. Die Auflage, es seien die in der Kernzone ortstypische
rote Ziegel zu verwenden, erwuchs somit in Rechtskraft. In der Folge liess die
Beschwerdeführerin die Dächer mit anthrazitfarbigen Dachziegeln decken. Soweit sie sich
dies nachträglich bewilligen lassen will, ist ihr Folgendes entgegenzuhalten: Gemäss Art. 46
Abs. 2 Bst. b BauG ist ein nachträgliches Baugesuch ausgeschlossen, wenn bereits
rechtskräftig über das Bauvorhaben entschieden worden ist. Diese Voraussetzung ist im
vorliegenden Fall erfüllt. Im ursprünglichen Baubewilligungsverfahren wurde die Farbe der
Dachziegel geprüft und entschieden. Dabei wurde die Bewilligungsfähigkeit der beantragten
anthrazitfarbigen Ziegel aus Gründen des Denkmalschutzes verneint. Bewilligt wurden
ortsübliche rote Dachziegel. Zwar können Baugesuche grundsätzlich jederzeit neu gestellt
werden mit dem Ziel, eine zunächst abgelehnte Bewilligung doch noch zu erwirken oder eine
belastende Bedingung oder Auflage zu beseitigen. Voraussetzung ist aber, dass den
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Einwänden gegen das frühere Gesuch durch entsprechende Projektänderung Rechnung
getragen wird oder dass gegenüber dem erstmaligen Verfahren sonst wie massgeblich
veränderte Verhältnisse vorliegen. Ausser den Wiederaufnahmegründen nach Art. 56 VRPG
fallen auch alle tatsächlichen oder rechtlichen Veränderungen (einschliesslich
Praxisänderungen), die seit dem erstmaligen Bauentscheid eingetreten sind, in Betracht. Auf
bereits einmal rechtskräftig beurteilte Punkte kann dagegen unter gleichen Verhältnissen
nicht mehr eingetreten werden.20 Im vorliegenden Fall sind keine neuen oder geänderten
Verhältnisse dargetan oder ersichtlich. Die Vorinstanz hätte deshalb auf das nachträgliche
Projektänderungsgesuch betreffend anthrazitfarbige Dachziegel gar nicht eintreten sollen.
c) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Pflicht zur Wiederherstellung lasse sich
nicht rechtfertigen. Diese liege im konkreten Fall nicht im öffentlichen Interesse und sei
unverhältnismässig. Die Vorinstanz stütze sich einzig auf die Ausführungen der KDP. Beide
Behörden würden verkennen, dass naturrote Dachziegel nicht ortsüblich seien. Diese seien
einzig bei Neubauten oder neuen Bedachungen verwendet worden und seien ebenso
(un)auffällig wie graue Bedachungen. Eine Bedachung mit grauen oder auch braunen
Ziegeln habe beim vorliegenden Ortsbild die gleiche Berechtigung wie eine Bedachung mit
naturroten Ziegeln. Dass die verwendete Bedachung schlechter ins Ortsbild passe, treffe
offensichtlich nicht zu, zumal bereits mehrere Bauten mit gleicher Bedachung bewilligt
worden seien, Eine Änderung der Bedachung liege deshalb nicht im öffentlichen Interesse
und eine Wiederherstellung könne schon aus diesem Grund nicht verlangt werden. Diese
Ausgangslag falle umso mehr ins Gewicht, wenn man berücksichtige, dass trotz fehlenden
positiven Auswirkungen durch die Änderungen auf das Ortsbild doch massive Kosten für die
Bauherrschaft anfallen würden. So würden sich die Kosten für die Änderung der Bedachung
auf 113'710 Franken belaufen. Abweichungen vom Gesetz bestünden vorliegend nur
insofern, als die KDP zum Schluss gekommen sei, dass nur naturrote Ziegel ortsüblich seien,
was nachweislich falsch sei. Selbst wenn sich die gewählte Bedachung weniger optimal ins
Ortsbild einfügen sollte, wäre die Abweichung von den gesetzlichen Vorschriften gering.
d) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art.
20 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 8, mit weiteren Hinweisen
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46 Abs. 1 und 2 BauG21). Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse
liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das angestrebte
Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen Zustands nötig ist
und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen Verhältnis zum verfolgten
Ziel steht.22 Es steht ausser Zweifel, dass die Beschwerdeführerin nicht gutgläubig gehandelt
hat, als sie die Dächer entgegen der ausdrücklichen Auflage mit anthrazitfarbigen Ziegeln
deckte. Auf die Wiederherstellung könnte deshalb nur verzichtet werden, wenn die
Abweichung vom Erlaubten unbedeutend wäre oder die Wiederherstellung nicht im
öffentlichen Interesse liegen würde oder sonst wie unverhältnismässig wäre.23 Eine
bösgläubige Bauherrschaft muss dabei in Kauf nehmen, dass die Behörden aus
grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zum Schutz der Rechtsgleichheit und der
baurechtlichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung erhöhtes Gewicht
beimessen und ihr erwachsende Nachteile nicht oder nur in verringertem Masse
berücksichtigen. Wirtschaftliche Interessen allein haben deshalb nach der Rechtsprechung
kaum je ausschlaggebendes Gewicht. Das gilt selbst dann, wenn die nun nutzlos getätigten
Investitionskosten und die Abbruchkosten zusammen sehr hoch sind.24 Hintergrund der
Auflage, ortsübliche rote Dachziegel zu verwenden, ist der Umstand, dass sich das
Bauvorhaben in einer Baugruppe befindet. Sie hat somit einen denkmalpflegerischen
Hintergrund. Eine Begutachtung durch die OLK ist somit weder nötig noch angezeigt, ist
diese doch für Fragen des Ortsbild- und Landschaftsschutzes zuständig (vgl. Art. 10 Abs. 2
BauG). Der entsprechende Beweisantrag wird deshalb abgewiesen.
Gemäss der nachvollziehbaren Auffassung der KDP passen moderne graue Ziegel nicht in
den historischen Dorfkern von Sigriswil. Es mag sein, dass es in Sigriswil einzelne Gebäude
mit grauen oder anthrazitfarbigen Dächern gibt. Die Vorinstanz räumt im angefochtenen
Entscheid denn auch ein, dass sie in letzter Zeit ihre Bewilligungspraxis etwas liberalisiert
und vereinzelt graue Dachziegel bewilligt habe. Wie sich den von der Beschwerdeführerin
eingereichten Auszügen von Google Earth aber unschwer erkennen lässt, weist die Mehrheit
21 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 22 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1 23 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9b Bst. e 24 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9c Bst. c, mit weiteren Hinweisen
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der Häuser in der Umgebung des Bauvorhabens Dächer mit naturroten, rotbraunen oder
braunen Dachziegeln auf. Graue oder anthrazitfarbige Dächer sind in der näheren
Umgebung nicht zu sehen. Ein Augenschein verspricht keine entscheidwesentlichen
zusätzlichen Erkenntnisse, weshalb der fragliche Beweisantrag abgewiesen wird. Die von
der Beschwerdeführerin genannten Gebäude, die gemäss ihren Angaben graue oder
anthrazitfarbige Dächer aufweisen sollen (Sigriswil Grundbuchglatt Nrn. F._,
G._, H._, I._, J._ und K._), befinden sich alle
nicht innerhalb der Baugruppe M._. Aus dem Umstand, dass die Gemeinde
vereinzelt graue Dachziegel bewilligt hat, kann die Beschwerdeführerin deshalb nichts zu
ihren Gunsten ableiten. Beim Denkmalschutz handelt es sich wie beim Schutz von Natur,
Landschaft, Ortsbild und Umwelt um ein gewichtiges öffentliches Interesse, das selbst bei
gutem Glauben für eine Wiederherstellung sprechen könnte.25 Es besteht deshalb ein
gewichtiges öffentliches Interesse an der Herstellung des rechtmässigen Zustands. Das
Eindecken der Dächer mit naturroten Ziegeln, die im Handel unter diesem Namen erhältlich
sind, ist geeignet und erforderlich, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Ein milderes Mittel
ist nicht ersichtlich. Selbst wenn die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands die von
der Beschwerdeführerin angegebenen Kosten verursachen würde, wäre sie angesichts des
gewichtigen öffentlichen Interesses, der Bösgläubigkeit der Beschwerdeführerin sowie der
oben erwähnten grundsätzlichen Erwägungen zumutbar.
6. Fassadengestaltung
a) Die Beschwerdeführerin hat die Fassadengestaltung in Abweichung von der
Baubewilligung ausgeführt. Insbesondere hat sie mehrere kleine Fenster durch grosse
Fenster ersetzt. Die Vorinstanz verlangt aus Gründen des Ortsbildschutzes, dass an den
Südfassaden der beiden Häuser die fraglichen Fenster mit Brüstungsfeldern verkleinert
werden. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz behaupte zu Recht nicht,
dass die maximalen Fensteranteile überschritten würden. Der Bauabschlag könne sich
deshalb einzig auf den Ortsbildschutz stützen. Die Vorinstanz führe jedoch nicht aus, woraus
sich die Verletzung der Gestaltungsgrundsätze ergeben solle. Die KDP habe in ihrem Bericht
vom 22. Mai 2017 festgehalten, dass die übrigen Änderungen gegenüber dem bewilligten
Projekt nur untergeordnete Relevanz hätten. Aus diesem Bericht ergebe sich somit weder
25 Vgl. dazu Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9b Bst. d
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eine Verletzung der Gestaltungsgrundsätze noch ein Handlungsbedarf in Bezug auf die
Fassadengestaltung. Die Vorinstanz scheine sich somit einzig auf die Abweichung vom
bewilligten Projekt zu stützen. Dabei verkenne sie, dass das nachträgliche Baugesuch mit
den baurechtlichen Vorschriften im Einklang stehe und deshalb zu bewilligen sei. Diese
Auffassung werde insbesondere dadurch gestützt, dass dieselbe Fassaden- und
Fenstergestaltung auch an anderen Bauten, die vor dem gleichen baurechtlichen
Hintergrund errichtet worden seien, zu finden sei. Es werde diesbezüglich auf den Neubau
auf dem Grundstück Sigriswil Grundbuchblatt Nr. X._ hingewiesen. Die gleiche
Gestaltung finde sich auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Baugrundstück, namentlich
auf dem Grundstück Sigriswil Grundbuchblatt Nr. Y._. Für das Bauprojekt der
Beschwerdeführerin seien bei den Fenstern deshalb dieselben Gestaltungsgrundsätze
anwendbar. Inwiefern die verlangten Brüstungsfelder eine Verbesserung der Gestaltung mit
sich bringen sollen, lasse sich schliesslich nicht erkennen. Es würden unschöne
Verkleidungen geschaffen, die in keiner Weise ortsüblich seien und die vor allem nicht eine
Veränderung der äusserlich wahrnehmbaren Gestalt der zwei Mehrfamilienhäuser zur Folge
hätten. Auch die dem angefochtenen Entscheid beiliegenden Pläne würden die
Ausführungen der Vorinstanz nicht belegen. Auch in diesem Zusammenhang werde die
Durchführung eines Augenscheins sowie die Beurteilung durch die OLK beantragt.
b) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften, Orts-
und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt die
„ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar.
Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.26
Das Baureglement der Gemeinde enthält insbesondere folgende Bestimmungen zur
Gestaltung von Bauten und Anlagen: Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass
zusammen mit der bestehenden Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht. Die
Beurteilung dieser Gesamtwirkung richtet sich nach der bestehenden, bei Vorliegen einer
26 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen
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genügend detaillierten Nutzungsplanung nach der zukünftigen Umgebung (Art. 24 Abs. 1
GBR 1996). Bei der Beurteilung, ob eine gute Gesamtwirkung entsteht, ist unter anderem
besonders auf die Elemente Proportionen und Dimensionen eines Gebäudes sowie auf die
Gestaltung von Fassaden einzugehen (Art. 24 Abs. 2 GBR 1996). Mindestens die
Fassadenhaut der Gebäude ist in Holz auszuführen. Davon ausgenommen sind das
Kellergeschoss, die hangseitige Fassade des Erdgeschosses und die anschliessenden
halben Fassaden der Gebäudetiefe des Erdgeschosses (Art. 27 Abs. 1 GBR 1996). Die
Anordnung und Grösse der Fenster haben den Proportionen der Fassade und der jeweiligen
Eigenheit des Gebäudetyps zu entsprechen. Es sind möglichst wenig verschiedenen
Fensterformate zu verwenden (Art. 27 Abs. 4 GBR 1996). Im Ortsbilderhaltungsgebiet haben
sich Neu-, An- und Umbauten optimal ins Ortsbild einzufügen; die Grenz- und
Gebäudeabstände können im Interesse der gewachsenen Ortsbildstruktur unterschritten
werden (Art. 45 Abs. 2 GBR 1996). Das künftige Baureglement enthält vergleichbare
Bestimmungen (Art. 411, Art. 414 und 511 GBR 2016). Diese Bestimmungen gehen weiter
als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihnen kommt daher selbständige Bedeutung zu.
Die Begriffe „gute Gesamtwirkung“ und "optimale Einfügung ins Ortsbild" stellen
unbestimmte kommunale Gesetzesbegriff dar, bei deren Auslegung die kommunalen
Behörden einen gewissen Beurteilungsspielraum haben. Gemäss Rechtsprechung dürfen
an das Erfordernis der guten Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche
gestellt werden. Die gute Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen
architektonischen Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen
Gegebenheiten, dass das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine
neue Baute oder Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der
Umgebung zu orientieren hat.27 Das Bauvorhaben befindet sich innerhalb einer Baugruppe
und in der Nähe von denkmalpflegerisch wertvollen Objekten. An die architektonische
Gestaltung sind deshalb höhere Anforderungen zu stellen, als in einem durchschnittlichen,
heterogenen Ortsbild. Zudem liegt es im Ortsbilderhaltungsgebiet. Hier wird nicht nur eine
gute Gesamtwirkung, sondern eine optimale Einfügung ins Ortsbild verlangt. Das bedeutet,
dass eine bestmögliche Einpassung ins Ortsbild angestrebt werden soll. An die
architektonische Gestaltung sind somit hohe Anforderungen zu stellen.
27 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1
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c) Gemäss Fachbericht der KDP vom 22. Mai 2017 ist das neue Mehrfamilienhaus an der
Strasse grösser und höher als die bestehenden, benachbarten Bauten. Mit der Staffelung
des Gebäudes sei die Eingliederung in das Ortsbild zumindest etwas verbessert. Der Berner
Heimatschutz weist in seiner Stellungnahme vom 5. Juni 2017 darauf hin, dass er das
ursprüngliche Baugesuch als sehr vorbildlich beurteilt habe. Das bewilligte Projekt
überzeuge in seiner Massstäblichkeit und differenzierten eigenständigen
Fassadengestaltung. Es füge sich gut ein in das vorhandene kleinteilig gestaltete historische
Ortsbild in der Kernzone. Durch die geschickte Gliederung in optisch drei Gebäude setze
sich der Baukörper qualitätsmässig ab von den leider oft viel zu breiten Sigriswiler Jumbo-
Chalets. Auf der Südseite seien jetzt die beiden für das Projekt charakteristischen kleinen
quadratischen Fenster (0.70 x 0.70 m) ausgewechselt in grosse Fenster (2.10 m x 1.70 m).
Die mit den kleinen Fenstern ursprünglich gestalterisch geschickte Trennung des grossen
Baukörpers in zwei Häuser sei dadurch aufgehoben worden. Das ursprünglich gute Projekt
sei damit zu einem dieser unangenehmen Jumbo-Chalets geworden. Ursprünglich sei etwas
geplant gewesen, das sich erfreulich von der sonst im Allgemeinen wenig aussagekräftigen
Einheitsarchitektur abgesetzt hatte. Der Berner Heimatschutz beantragte deshalb, das
Projekt sei wenigstens auf der Südseite zu seiner ursprünglichen Qualität zurückzubringen.
Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass die
Gestaltungsvorschriften betreffend Fassadengestaltung verletzt sind. Auch die besonderen
Gestaltungsvorschriften, die im Ortsbilderhaltungsgebiet gelten, würden nicht eingehalten.
In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, das am 17. Juli 2015 bewilligte
Bauvorhaben sei grossvolumig. Man habe daher von Anfang an auch in Absprache mit der
Beschwerdeführerin eine Lösung gesucht, wonach der in Wahrung der ortsüblichen
Baukultur mit geeigneten baulichen Massnahmen dieser Dimensionierung enggegengewirkt
werden könne. In Zusammenarbeit mit der KDP, dem Berner Heimatschutz und der
Bauherrschaft habe ein Massnahmenkonzept erarbeitet werden können, mit dem die
Interessen sämtlicher Parteien berücksichtigt worden seien. Konkret sei mit der südseitigen
Fassadengestaltung, namentlich mit der Anordnung und Wahl der Fenster sowie der
Dachgestaltung architektonisch daraufhin gearbeitet worden, dass das grössere Wohnhaus
(gegen Norden) nicht als ein Block wahrgenommen, sondern als jeweils einzelne Einheiten
in Erscheinung trete. Es überrasche sehr, dass diese Massnahmen nicht umgesetzt worden
seien. Wenn ein Gesamtkonzept ausgearbeitet werde, das dazu führe, dass ein
Bauvorhaben nach den Ortsbilderhaltungsvorschriften bewilligungsfähig sei, so sei dieses
als solches umzusetzen, da nur so die Vorgaben gewahrt würden. Irgendwelche Versuche,
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bei einem solchen Konzept nur wahlweise Massnahmen umzusetzen, führten dazu, dass die
beabsichtigte Gesamtwirkung nicht erzielt werden könne. Aufgrund dessen liege eine
Rechtsverletzung vor. Das Gebaute sei nicht rechtmässig im Sinne der geltenden
Ortsbilderhaltungsbestimmungen und daher nicht bewilligungsfähig.
d) Im vorinstanzlichen Verfahren haben die KDP und der Berner Heimatschutz sowohl
zum ursprünglichen als auch zum geänderten Projekt Stellung genommen. Eine zusätzliche
Begutachtung durch die OLK erscheint deshalb nicht als geboten. Die Unterschiede
zwischen dem bewilligten und dem ausgeführten Vorhaben lassen sich den Plänen und den
Fotos in den Akten ohne weiteres entnehmen. Ein Augenschein ist deshalb nicht nötig. Die
entsprechenden Beweisanträge werden abgewiesen. Soweit die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht geltend machen will, ist ihr entgegenzuhalten,
dass sie aus dem Neubau auf dem Grundstück Sigriswil Grundbuchblatt Nr. X._ von
vornherein nichts zu ihren Gunsten ableiten kann, da dieses Grundstück nicht innerhalb der
Baugruppe M._ liegt und somit keine vergleichbare Situation vorliegt. Im Übrigen ist
weder dargetan noch ersichtlich, dass die Vorinstanz in ständiger Praxis von ihren
Gestaltungsvorschriften abweichen würde.
Aus dem Fachbericht der KDP, der Stellungnahme des Berner Heimatschutzes und der
Beschwerdevernehmlassung der Vorinstanz folgt, dass sich das grössere der beiden
Mehrfamilienhäuser aufgrund seiner Dimensionen an sich nicht optimal ins Ortsbild
eingliedert, da es grösser und höher als die benachbarten Gebäude ist. Aufgrund der im
ursprünglich bewilligten Projekt vorgesehenen Staffelung des Gebäudes und der
gestalterisch geschickten Trennung des grossen Baukörpers in zwei Häuser entstand aber
ein architektonisch insgesamt gutes Projekt, das bewilligt werden konnte. Massgeblich dafür,
dass das grössere Mehrfamilienhaus optisch wie zwei Baukörper wirkt, sind nicht nur die
Dachgestaltung und die separaten Balkone, sondern auch die Anordnung und
Dimensionierung der Fenster auf der südseitigen Fassade. Insbesondere die mit der
ursprünglichen Baubewilligung bewilligten kleinen quadratischen Fenster im mittleren Teil
des grossen Mehrfamilienhauses sind entscheidend für die angestrebte Wirkung, dass sich
das Bauvorhaben trotz seiner Dimensionen gut ins eher kleinteilig gestaltete historische
Ortsbild einpasst. Die vom bewilligten Projekt abweichende Fassadengestaltung erfüllt die
Vorgaben bezüglich guter Gesamtwirkung und optimaler Einpassung ins Ortsbild nicht. Die
BVE sieht keine Veranlassung, diesbezüglich von den nachvollziehbaren und
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überzeugenden Einschätzungen der Vorinstanz, des Berner Heimatschutzes und der KDP
abzuweichen. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht den Bauabschlag erteilt.
e) Die Beschwerdeführerin macht geltend, selbst wenn die nachträgliche Bewilligung
nicht erteilt werden könne, lasse sich die Pflicht zur Wiederherstellung nicht rechtfertigen.
Auch für die verlangte Anpassung bei der Fenstergestaltung sei nicht erkennbar, wie diese
eine Verbesserung der äusseren Gestaltung bewirken solle. Ein Vergleich der Pläne des
ursprünglichen Bauprojekts und des nachträglichen Baugesuchs führten keine nachteiligen
Wirkungen ans Licht. Diese Ausgangslage falle umso mehr ins Gewicht, wenn man
berücksichtige, dass trotz fehlenden positiven Auswirkungen durch die Änderungen auf das
Ortsbild doch massive Kosten für die Bauherrschaft anfallen würden. Die fehlende
Verhältnismässigkeit gelte auch in Bezug auf die Fassaden- und Fenstergestaltung. Die
Neubauten würden auch bei grösseren Fenstern als zwei Häuser in Erscheinung treten. Es
würden einzig weitere Kosten verursacht, die keine erkennbare verbessernde Wirkung
hätten und in Bezug auf die baurechtlichen Vorschriften nicht von Nutzen seien. Die
verfügten Wiederherstellungsmassnahmen seien folglich für die Bauherrschaft mit massiven
Kosten verbunden, zeigten aber keine positiven Wirkungen, die solche Kosten zu
rechtfertigen vermöchten. Entsprechend sei die Wiederherstellungsverfügung betreffend die
angefochtenen Ziffern mangels Verhältnismässigkeit aufzuheben.
Anders als die Beschwerdeführerin behauptet, ist der Unterschied zwischen der bewilligten
und der ausgeführten Fassadengestaltung augenfällig, wurden doch mehrere Fenster
massiv grösser gebaut als bewilligt. Mit den angeordneten Massnahmen, die verlangen,
dass die fraglichen Fenster mittels Brüstungsfeldern optisch verkleinert werden, kann eine
Verbesserung der Fassadengestaltung erzielt werden. Zwar bleiben die Fenster immer noch
grösser als ursprüngliche bewilligt. Die angeordneten Massnahmen zielen aber erfolgreich
darauf ab, die ursprüngliche bewilligte gestalterisch geschickte Trennung des grossen
Baukörpers in zwei Baukörper weitgehend herzustellen. Dies liegt im öffentlichen Interesse
des Ortsbildschutzes. Die angeordneten Massnahmen sind somit geeignet und erforderlich,
um das angestrebte Ziel zu erreichen. Ein milderes Mittel ist nicht ersichtlich. Die
Massnahmen sind angesichts der Bösgläubigkeit der Beschwerdeführerin auch ohne
weiteres zumutbar.
7. Aufschiebende Wirkung
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a) In ihrer Vernehmlassung vom 25. Januar 2019 hat die Vorinstanz beantragt, der
Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu entziehen, soweit sie Ziffer 2 lit. c betreffe.
Die Umfassungsmauer beeinträchtige die Sichtberme im Bereich
L._weg/P._strasse und stelle ein Risiko dar. Die aufschiebende Wirkung
sei mindestens in dem Umfang zu entziehen, dass die Mauer im besagten Abschnitt auf
60 cm zurückgeschnitten werden müsse. Dies auch, weil die Beschwerdeführerin in diesem
Umfang das Zurückschneiden selber anbiete.
b) Nach Art. 68 Abs. 4 VRPG kann während der Rechtshängigkeit eines
Beschwerdeverfahrens die instruierende Behörde von Amtes wegen oder auf Antrag die
aufschiebende Wirkung entziehen oder wiederherstellen. Als wichtige Gründe gelten
gemäss Art. 68 Abs. 5 Bst. a VRPG ein öffentliches Interesse, das den sofortigen Vollzug
einer belastenden Verfügung erfordert. Der Entzug der aufschiebenden Wirkung gehört zu
den vorsorglichen Massnahmen. Er hat provisorischen Charakter und regelt den vorläufigen
Zustand während der Rechtshängigkeit. Mit dem Entscheid in der Sache ist das
Beschwerdeverfahren abgeschlossen. Am Entscheid über den Entzug der aufschiebenden
Wirkung besteht im Beschwerdeverfahren kein Interesse mehr. Mit diesem Entscheid in der
Hauptsache wird das Gesuch der Vorinstanz, der Beschwerde sei teilweise die
aufschiebende Wirkung zu entziehen, gegenstandslos und es kann als erledigt vom
Geschäftsverzeichnis abgeschrieben werden (Art. 39 Abs. 1 VRPG). Bei einer allfälligen
Verwaltungsgerichtsbeschwerde steht es der Baupolizeibehörde frei, den Entzug der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde beim Verwaltungsgericht zu beantragen.
8. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 2'000.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV28). Die
geringfügige Präzisierung der Wiederherstellungsverfügung sowie die Behandlung des
Gesuchs um teilweisen Entzug der aufschiebenden Wirkung der Vorinstanz, das als erledigt
abgeschrieben werden kann, rechtfertigen keine Kostenausscheidung.
28 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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b) Die Beschwerdegegnerschaft wird nicht durch einen berufsmässigen Parteivertreter
vertreten (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Das Verfahren war nicht aufwändig (Art. 104 Abs. 2
VRPG). Es sind der Beschwerdegegnerschaft deshalb weder Parteikosten noch eine
Parteientschädigung noch Auslagenersatz zuzuerkennen.