Decision ID: 3ef5257b-a369-4212-b29c-d6eea6aad36e
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 1. Januar 2017 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (nachfolgend: RAV) zur Arbeitsvermittlung an (act. G3.1/3)
und beantragte bei der Unia Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Kasse)
Arbeitslosenentschädigung (act. G3.1/2). In der Folge richtete die Kasse für den
Zeitraum von Januar 2017 bis Januar 2018 Arbeitslosentaggelder aus (act. G3.1/54).
Nach Ausschöpfung des Taggeldanspruchs am 8. Januar 2018 (Aussteuerung) meldete
die Versicherte sich per 9. Februar 2018 von der Arbeitsvermittlung ab (act. G3.1/29 f.).
A.a.
Mit Schreiben vom 3. Juli 2019 informierte die Staatsanwaltschaft,
Untersuchungsamt B._ (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), die Kasse, die Versicherte
habe von Juli 2017 bis Januar 2018 Einnahmen in Höhe von Fr. 10'240.90 bei Airbnb
erzielt, in diesem Zeitraum gegenüber der Kasse jedoch angegeben, keine
Erwerbstätigkeit auszuüben. Die Staatsanwaltschaft bat um Mitteilung, ob der
Versicherten zu viel Taggeldleistungen ausbezahlt worden seien und gegebenenfalls
wieviel (act. G3.1/34).
A.b.
Mit Schreiben vom 22. Juli 2019 forderte die Kasse die Versicherte auf, Angaben
betreffend selbständigen Erwerb bei Airbnb zu machen und entsprechende Unterlagen
einzureichen (act. G3.1/36).
A.c.
Mit Schreiben vom 5. August 2019 und vom 2. September 2019 sowie mit E-Mail
vom 9. September 2019 führte die Versicherte im Wesentlichen aus, sie sei nicht
selbständig erwerbstätig gewesen. Ihre minderjährige Tochter habe die App von Airbnb
A.d.
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geführt, habe die App jetzt aber nicht mehr. Ziel ihrer Tochter sei gewesen, mit den
Einnahmen von Airbnb in ca. zehn Jahren die Wohnung zu kaufen, da sie am meisten
Freude an dieser gehabt habe. Da die Airbnb-Zentrale an Minderjährige kein Geld
ausbezahle, habe die Versicherte ihrer Tochter ihr Konto zur Verfügung gestellt. Die
Versicherte habe von Neidern und eifersüchtigen Menschen genug, die Wohnung von
Januar bis Juni 2019 umgebaut und schweren Herzens verkauft (act. G3.1/37 und
act. G3.1/42 f.).
Mit Verfügung vom 14. Januar 2020 forderte die Kasse Fr. 2'625.25 von der
Versicherten zurück. Die Kasse habe die Einnahmen in den Monaten Juli 2017 bis
Januar 2018 aufgrund der Auflistung der Einkommen, die der Versicherten auf das
Konto bei der D._ überwiesen worden seien, abzüglich 20% für berufsbedingte
Auslagen, als Zwischenverdienst angerechnet. Diese Korrekturen würden zu einer
Rückforderung von Fr. 5'712.70 führen. Am 8. Januar 2018 sei die Versicherte wegen
Ausschöpfung des Höchstanspruchs von 260 Taggeldern ausgesteuert worden. Durch
die Korrekturen der Kontrollperioden Juli bis Dezember 2017 seien neue Taggelder
generiert worden, welche in der Kontrollperiode Januar 2018 nachträglich hätten
ausbezahlt werden können. Die Nachzahlung von Fr. 3'087.45 sei direkt mit der
Rückforderungssumme von Fr. 5'712.70 verrechnet worden. Die restlichen Fr. 2'625.25
seien zurückzufordern (act. G3.1/44).
A.e.
Mit Einsprache vom 12. Februar 2020 (Postaufgabe) machte die Versicherte im
Wesentlichen geltend, sie habe nicht für Airbnb gearbeitet. Sie sei lediglich die
Kontogeberin für ihre minderjährige Tochter E._ gewesen, welche die Wohnung mit
diesem Verdienst in acht bis zehn Jahren habe kaufen wollen. Ihre Tochter habe noch
ein paar Unterlagen gefunden, welche dies bestätigen würden, zumal ihr Name dort
stehe, nicht der Name der Versicherten. Die Versicherte sei nicht gewillt,
Arbeitslosenentschädigung zurückzuzahlen, welche ihr zugestanden habe. Zusammen
mit der Einsprache reichte sie einige Auszüge bezüglich Wohnungsvermietung ein
(act. G3.1/49).
A.f.
Mit Entscheid vom 14. Mai 2020 wies die Kasse die Einsprache ab. Zur
Begründung führte sie aus, in der Zeit von Juli 2017 bis Juli 2018 seien Gutschriften
von Airbnb auf das Konto der Versicherten eingegangen. Bis Januar 2018 habe sie
A.g.
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B.
auch Leistungen der Arbeitslosenkasse bezogen. Dass die gerade einmal acht Jahre
alte Tochter der Versicherten die App von Airbnb betrieben habe, sei wenig
glaubwürdig. Schliesslich handle es sich um die Wohnung der Versicherten, nicht der
minderjährigen Tochter. Dabei spiele es keine Rolle, wer nun effektiv die App von
Airbnb betrieben habe. Das während des Bezugs von Arbeitslosenentschädigung
erzielte Einkommen sei richtigerweise als Zwischenverdienst angerechnet worden
(act. G3.1/53).
Gegen diesen Entscheid erhebt A._ am 13. Juni 2020 (Postaufgabe)
Beschwerde. Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheides
vom 14. Mai 2020 und den Verzicht auf eine Rückforderung von
Arbeitslosenentschädigung, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, sie werde seitens
Staatsanwaltschaft und Beschwerdegegnerin falsch beschuldigt und fühle sich
genötigt. Es treffe in keiner Weise zu, dass sie gearbeitet habe. Für das eigene Kind ein
Konto zur Verfügung zu stellen, sei keine Arbeit. Ihre Tochter E._ habe die App von
Airbnb bedient. Sie habe die Tür offen gelassen und den Schlüssel von innen
deponiert, sodass niemand die Gäste habe empfangen müssen. Diese hätten auch
selber putzen und aufräumen müssen. Dafür habe E._ schlechte Bewertungen
erhalten und Airbnb habe die Unterkunft aus ihrem System gelöscht. Seit 1996 wohne
die dreiundzwanzigjährige Tochter der Beschwerdeführerin in dieser Wohnung. Die
Beschwerdeführerin habe sie ab und zu besucht und pro Woche bzw. Monat den Abfall
entsorgt, da ihre ältere Tochter wegen des Studiums in F._ hin- und hergereist sei.
Aus der Vermietung der Wohnung resultiere auch kein Ertrag, da die
Beschwerdeführerin jährlich Fr. 9'800.-- Hypothekarzins sowie Nebenkosten von
Fr. 3'000.-- bzw. seit 2019 sogar Fr. 5'700.-- bezahlen müsse. Sie sei also definitiv
keiner Arbeit nachgegangen und die Rückforderung sei ungerechtfertigt. Für die
Nötigung und falsche Beschuldigung verlange sie Schadenersatz und Genugtuung. Sie
akzeptiere die dauernde sinnlose Einschränkung ihrer Grundrechte nicht mehr
(act. G1).
B.a.
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Erwägungen
1.
Mit Beschwerdeantwort vom 12. August 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin
unter Verweis auf den Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdeführerin (act. G3).
B.b.
Mit E-Mails vom 4. und 7. September 2020 hält die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen an ihren Ausführungen fest und reicht weitere Unterlagen ein (act. G5
und G6).
B.c.
Mit Schreiben vom 9. September 2020 teilt das Versicherungsgericht den Parteien
den Abschluss des Schriftenwechsels mit (act. G7).
B.d.
Als Zwischenverdienst gilt jedes Einkommen aus unselbständiger oder
selbständiger Erwerbstätigkeit, das die arbeitslose Person innerhalb einer
Kontrollperiode erzielt (Art. 24 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR
837.0]) und das geringer als die ihr zustehende Arbeitslosenentschädigung ist (Art. 41a
Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]).
1.1.
Die Einnahmen in Höhe von insgesamt Fr. 17'436.85, welche aus der Vermietung
der früher von der Beschwerdeführerin selbst bewohnten Wohnung an der G._ in
H._ (act. G3.1/7 und G3.1/43) via Airbnb für den Zeitraum von Juli 2017 bis Juli 2018
auf das Konto der Beschwerdeführerin bei der D._ flossen, wurden vom
Untersuchungsamt B._ detailliert aufgelistet (siehe hierzu act. G3.1/34). Die
Beschwerdeführerin macht geltend, dieses Geld nicht für sich, sondern für ihre Tochter
E._ vereinnahmt und in zwei Tranchen à Fr. 10'000.-- und Fr. 8'000.-- an sie
ausbezahlt zu haben (act. G5.2 und G5.3). Die Beschwerdegegnerin rechnete der
Beschwerdeführerin den auf die Zeit von Juli 2017 bis Januar 2018 entfallenden Betrag
von Fr. 10'240.90 als Zwischenverdienst an. Zu prüfen ist, ob es sich hierbei um
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin und damit für
die Zeit der Arbeitslosigkeit um einen ihr anrechenbaren Zwischenverdienst handelt.
1.2.
Als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit gelten alle in selbständiger
Stellung erzielten Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-, Land- und
Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf, sowie aus jeder anderen selbständigen
1.3.
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Erwerbstätigkeit (vgl. Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10] i.V.m. Art. 17 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Nicht unter den Begriff
der selbständigen Erwerbstätigkeit fällt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
die blosse ("private") Verwaltung des eigenen Vermögens und der daraus resultierende
reine Kapitalertrag. Gleiches gilt für Gewinne aus privatem Vermögen, welche in
Ausnützung einer zufällig sich bietenden Gelegenheit erzielt worden sind (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Januar 2019, 9C_65/2018, E. 4.1.1, mit Verweis auf Urteil des
Bundesgerichts vom 23. August 2012, 9C_803/2011, E.3.3.1).
Die Vermietertätigkeit bei Liegenschaften hat dann betrieblichen Charakter, wenn
sie die blosse Gebäudeverwaltung übersteigt. Dabei unterscheidet sich die Vermietung
möblierter Wohnungen wesentlich von der blossen Vermögensverwaltung, da sie in der
Regel eine auf Erwerb gerichtete Tätigkeit in sich schliesst und dadurch den Charakter
einer wirtschaftlichen Unternehmung erhält (vgl. Ueli Kieser, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zur Alters- und Hinterlassenenversicherung, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2012, S. 128 f.). Dies gilt insbesondere für die Vermietung möblierter Wohnungen,
wenn den Mieterinnen und Mietern zusätzliche Dienstleistungen erbracht werden (vgl.
Wegleitung über die Beiträge der Selbständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in
der AHV, IV und EO [WSN] Rz 1085).
1.4.
Die Vermietung über Airbnb ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. So hat
die Airbnb-Gastgeberin beispielsweise Buchungsanfragen zu beantworten, Buchungen
zu bestätigen, eine Wegbeschreibung zu erteilen und Check-in- sowie Check-out-
Modalitäten bekanntzugeben. Sie muss für die Gäste erreichbar sein und auf deren
Fragen oder Anliegen zeitnah reagieren. Zudem muss sie die Zahlungseingänge
kontrollieren und sicherstellen, dass die Wohnung in gutem Zustand verlassen wurde
bzw. den nächsten Gästen im vertragsgemäss versprochenen Zustand und mit der
zugesicherten Ausstattung zur Verfügung steht. In der Regel muss zumindest die
Grundausstattung (Toilettenpapier, Seife, je ein Handtuch, Kissen und Bettwäsche pro
Gast) vorhanden sein. Im Gegenzug kann aus der Vermietung via Airbnb ein
beachtlicher Verdienst resultieren. Wenn die Airbnb-Vermietung mit einer Reinigung der
Wohnung, einem Wechsel der Bettwäsche und der Betreuung der Gäste durch
Telekommunikationsmittel verbunden ist, handelt es sich nicht um ein gewöhnliches
Mietverhältnis, sondern vielmehr um eine parahotelleristische Beherbergung (vgl. BGE
145 III 400 E. 4.2).
1.5.
Vorliegend wurde die Wohnung der Beschwerdeführerin zwischen dem 3. Juli 2017
und dem 9. Juli 2018 diverse Male für kurze Zeiträume in möbliertem Zustand
1.6.
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2.
vermietet. Allein in den Monaten Juli und August 2017 erfolgten 31 Buchungseingänge.
Daraus resultierten jeweils relativ geringe, in ihrer Gesamtheit jedoch beachtliche Miet-
Erträge (siehe dreiseitige Auflistung der Airbnb-Einnahmen, act. G3.1/34). Im
Zusammenhang mit diesen kurzzeitigen Vermietungen fiel ein erheblicher Aufwand an.
Zwar macht die Beschwerdeführerin geltend, die Gäste hätten die Wohnung selbst
reinigen und die Bettlaken selbst wechseln müssen. Sie seien auch nicht empfangen
worden, sondern hätten die Wohnung unverschlossen vorgefunden und ebenso wieder
verlassen. Die Beschwerdeführerin habe lediglich den Abfall einmal pro Woche / pro
Monat entsorgt (vgl. act. G1). Dennoch mussten die Buchungsanfragen beantwortet,
die Buchungen bestätigt und die Zahlungseingänge kontrolliert werden. Zudem wurden
die Gäste via Telekommunikationsmittel betreut. Aus den wenigen von der
Beschwerdeführerin eingereichten Unterlagen ergibt sich unter anderem, dass die
Gäste eine Wegbeschreibung sowie Informationen, beispielsweise über öffentlich
zugängliches WLAN oder auswärtige Verpflegungsmöglichkeiten erhielten (vgl.
act. G3.1/49). Dass die Gäste die schmutzige Bettwäsche selbst gereinigt haben, ist
unwahrscheinlich. Ob die Schlüssel wie vereinbart hinterlassen worden waren und die
Wohnung sich in vertragsgemässem Zustand befand, musste regelmässig überprüft
werden. Die Beschwerdeführerin berichtete beispielsweise, ein Gast habe mit dem
Bügeleisen ihr Sofa verbrannt. In der Folge musste die Wiedergutmachung dieses
Schadens verhandelt werden (vgl. act. G3.1/43). Angesichts der hohen Kadenz an
Buchungen geht eine solche Tätigkeit über die blosse Vermögensverwaltung hinaus.
Die Airbnb-Einnahmen stellen damit Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
dar.
Zu prüfen ist weiter, ob das erzielte Einkommen der Beschwerdeführerin
zuzurechnen ist. Sie selbst macht geltend, ihre Tochter E._ habe die App verwaltet.
Die Einnahmen seien zwar auf ihr Konto geflossen, würden aber ihrer Tochter
zustehen.
2.1.
E._ war während des hier interessierenden Zeitraums gerade einmal acht Jahre
alt (act. G3.1/11). Gemäss den Nutzungsbedingungen für europäische Nutzer von
Airbnb ist die Nutzung der Airbnb-Plattform und das Anmelden eines Airbnb-
Nutzerkontos nur Volljährigen gestattet (deutsche Formulierung: "Die Nutzung der
Airbnb-Plattform und das Anmelden eines Airbnb-Nutzerkontos ist nur unbeschränkt
geschäftsfähigen natürlichen Personen und juristischen Personen und
Personengesellschaften gestattet." Englische Formulierung: "In order to access and
use the Airbnb Platform or register an Airbnb Account you must be an individual at
2.2.
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least 18 years old (...) and able to enter into legally binding contracts.";
Nutzungsbedingungen für europäische Nutzer, abrufbar unter www. Airbnb.ch,
abgerufen am 11. September 2020). E._ durfte daher weder einen eigenen Account
auf Airbnb führen noch einen bestehenden Account – beispielsweise der
Beschwerdeführerin – verwalten. Nachdem die Beschwerdeführerin selbst angegeben
hat, sie habe ihrer Tochter ihr Konto für die Zahlungen zur Verfügung gestellt, weil
Airbnb die Auszahlung auf das Konto einer Minderjährigen nicht akzeptiere, war ihr die
Tatsache, dass eine Minderjährige keinen Airbnb-Account führen bzw. verwalten
durfte, bekannt. Hätte tatsächlich E._ die Airbnb-App verwaltet, so hätte die
Beschwerdeführerin ihr demnach aktiv geholfen, die Nutzungsbedingungen zu
umgehen, entweder, indem sie das Airbnb-Konto auf ihren (oder einen anderen) Namen
eröffnete oder indem sie ihrer Tochter ermöglichte, gegenüber Airbnb falsche Angaben
zu machen.
E._ konnte als Minderjährige nur in dem Umfang Rechtsgeschäfte eingehen, in
dem sie urteilsfähig war und die Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters hatte (siehe
Art. 13 ff., insbesondere Art. 19 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB;
SR 210]). Ob ein achtjähriges Kind bereits die nötige Urteilsfähigkeit für den Abschluss
von kurzfristigen Mietverhältnissen über eine Wohnung besitzt, mag dahingestellt
bleiben. Jedenfalls benötigte sie für jedes dieser Rechtsgeschäfte die Zustimmung
ihrer Eltern. Die Beschwerdeführerin musste demnach über alle Buchungen informiert
sein, ansonsten sie ihre Zustimmung nicht hätte erteilen können. Anhand der auf ihrem
Konto eingehenden Zahlungen konnte sie überprüfen, dass sie über jede Nutzung der
Wohnung informiert war.
2.3.
Ein Kind von acht Jahren ist kaum fähig, einen realistischen Preis für die
Vermietung einer Wohnung festzusetzen. Es ist in der Regel auch nicht in der Lage, die
Unterkunft ohne Hilfe zu unterhalten (z.B. Grundausstattung inkl. Bettwäsche sowie
Putzutensilien für die Reinigung der Wohnung durch Gäste zur Verfügung stellen,
nötigenfalls Nachreinigungen vornehmen, Abfall bei der Sammelstelle entsorgen etc.),
auf Mängel zu kontrollieren, im Falle einer Vertragsverletzung durch einen Gast aktiv zu
werden (z.B. durch Bügeleisen verursachten Schaden am Sofa, vgl. act. G3.1/43) und
zahlreiche Buchungen zu koordinieren. Die wenigen von der Beschwerdeführerin
eingereichten Auszüge aus Kommunikationen mit Gästen wirken sodann nicht so, als
ob sie von einem achtjährigen Mädchen formuliert worden wären. Namentlich finden
sich auf Englisch verfasste Nachrichten sowie Angaben zu verschiedenen öffentlich
zugänglichen WLAN in der näheren Umgebung (act. G3.1/49).
2.4.
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Weder das Eingehen der vertraglichen Pflichten noch das damit erzielte
Einkommen erscheinen altersgerecht. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, E._
habe die Wohnung mit diesem Geld später einmal kaufen wollen (act. G3.1/37 und
G3.1/42 f.), überzeugt ebenso wenig wie die Behauptung, E._ habe mit Airbnb ihr
Taschengeld verdient (act. G5.1), zumal die Vermietung der Wohnung via Airbnb vom
3. Juli 2017 bis 9. Juli 2018 durchschnittlich Fr. 1'453.-- pro Monat generierte
(act. G3.1/49).
2.5.
Die Beschwerdeführerin überwies die auf ihr Konto eingehenden Beträge auch
nicht laufend an ihre Tochter. Gemäss den von ihr ins Recht gelegten, nur von ihr und
der minderjährigen E._ unterzeichneten undatierten Quittungen hat die
Beschwerdeführerin ihrer Tochter jeweils Ende 2017 und Ende 2018 die gesamten
während des jeweiligen Jahres erzielten und auf den nächsten Tausender
aufgerundeten Mieteinnahmen ausbezahlt (act. G5.2 und G5.3). Bankauszüge, welche
diese Kontobewegungen beweisen könnten, hat die Beschwerdeführerin keine
eingereicht.
2.6.
Zusammenfassend ist Folgendes festzuhalten. Die Beschwerdeführerin ist
unstreitig Eigentümerin der via Airbnb vermieteten Wohnung. Sie war an der Account-
Erstellung bei Airbnb wenigstens beteiligt. Entweder lautete der Account auf ihren
Namen oder er war zumindest teilweise mit ihren Angaben versehen. Die
Beschwerdeführerin war sodann über jede Buchung informiert, zumal E._ ihrer
elterlichen Sorge unterstand und sie deshalb jedes einzelne Rechtsgeschäft
genehmigen musste. Ausserdem konnte sie die einzelnen Rechtsgeschäfte auch
anhand der Zahlungseingänge auf ihrem Konto überprüfen. Die Beschwerdeführerin
oder eine andere Person führte die Kommunikation mit den Gästen oder unterstützte
E._ zumindest so weitgehend, dass der Nachrichtenaustausch keinen Hinweis auf
eine Kommunikation mit einem Kind mehr aufweist. Die Beschwerdeführerin übernahm
nach eigenen Angaben regelmässig die Entsorgung des Abfalls. Sie reagierte auch, als
ihr Sofa durch einen Gast beschädigt wurde.
2.7.
Insgesamt erscheint nach dem Gesagten überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin selbst die Vermietung über Airbnb ausübte. Selbst wenn sie nur
ihrer damals achtjährigen Tochter E._ bei deren Vermietertätigkeit hätte helfen
wollen, stellte die Beschwerdeführerin doch sowohl die Wohnung als auch das Konto
für die Zahlungen, und damit die Grundlagen für die Erwerbstätigkeit zur Verfügung.
Ausserdem war ihre Unterstützung dermassen umfassend, dass die selbständige
Erwerbstätigkeit vollumfänglich der Beschwerdeführerin zuzurechnen ist.
2.8.
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3.
4.
Gestützt auf Art. 24 AVIG hat die Beschwerdeführerin somit für den Zeitraum von
Juli 2017 bis Januar 2018 einen Zwischenverdienst bei Airbnb erzielt.
3.1.
Der Zwischenverdienst belief sich unstreitig auf Fr. 10'240.90. Soweit die
Beschwerdeführerin vorbringt, aus der Vermietung der Wohnung habe bei jährlichen
Hypothekarzinsen und Nebenkosten von Fr. 12'800.-- kein Ertrag resultiert (act. G1),
kann sie daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Gemäss Art. 41a Abs. 5 AVIV wird
das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit in derjenigen Kontrollperiode
angerechnet, in der die Arbeitsleistung erbracht worden ist. Das anrechenbare
Einkommen wird ermittelt, indem vom Bruttoeinkommen die nachgewiesenen Material-
und Warenkosten abgezogen werden und der verbleibende Betrag um 20% als
Pauschale für die übrigen berufsbedingten Auslagen gekürzt wird. Als Material- und
Warenkosten gelten diejenigen Auslagen, die sich proportional zum Bruttoeinkommen
verändern wie z. B. Aufwendungen für Farbe des Malereibetriebes oder für den
Kleidereinkauf der Modeboutique. Es dürfen nur jene Material- und Warenkosten
abgezogen werden, die für die Erzielung des Bruttoeinkommens in der einzelnen
Kontrollperiode angefallen sind. Der Pauschalabzug von 20% wird unabhängig von den
tatsächlichen berufsbedingten Auslagen und ohne Nachweis gewährt.
Investitionskosten wie z. B. die Ausgaben für die Anschaffung von Geräten,
Fahrzeugen, Mobilien und Immobilien können nicht abgezogen werden (vgl.
Kreisschreiben über die Arbeitslosenentschädigung [KS ALE], Juli 2018, C 145 und
147). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es bundesrechtswidrig, bei
der Ermittlung eines Zwischenverdienstes von den realisierten Bruttoeinkünften aus
selbständiger Erwerbstätigkeit über die in Art. 41a Abs. 5 Satz 2 AVIV (nebst dem
20%igen Pauschalabzug) abschliessend vorgesehenen Material- und Warenkosten
hinausgehende Auslagen in Abzug zu bringen (BGE 142 V 162).
3.2.
Nachdem vorliegend keine Material- und Warenkosten ausgewiesen sind und die
Beschwerdegegnerin den Pauschalabzug von 20% gewährt hat, können die von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten Hypothekar- und Nebenkosten nicht
berücksichtigt werden.
3.3.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht Arbeitslosenentschädigung
für den Zeitraum von Juli 2017 bis Januar 2018 zurückgefordert hat.
4.1.
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Nach Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind
unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Eine Leistung in der
Sozialversicherung ist nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur
zurückzuerstatten, wenn in verfahrensrechtlicher Hinsicht entweder die für die
(prozessuale) Revision oder die für die Wiedererwägung erforderlichen
Voraussetzungen erfüllt sind. Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell
rechtskräftige Verfügungen und Einspracheentscheide in Revision gezogen werden,
wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass
erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung
zuvor nicht möglich war. Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger
wiedererwägungsweise auf formell rechtskräftige Verfügungen zurückkommen, wenn
diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung
ist.
4.2.
Den formell rechtskräftigen Verfügungen gleichgestellt sind auch die im formlosen
Verfahren ergangenen Entscheide, soweit sie eine mit dem Ablauf der Beschwerdefrist
bei formellen Verfügungen vergleichbare Rechtsbeständigkeit erreicht haben.
Taggeldabrechnungen der Arbeitslosenversicherung, die nicht in die Form einer
formellen Verfügung gekleidet werden, weisen materiell Verfügungscharakter auf (Urteil
des Bundesgerichts vom 14. Juli 2003, C 7/02, E. 3.1; BGE 125 V 475 E. 1 mit
Hinweis). Sind formell oder formlos zugesprochene Leistungen noch nicht rechtskräftig
geworden, kann die Verwaltung innert der Rechtsmittelfrist (30 Tage) darauf
zurückkommen, ohne dass – wie dies im Falle des Zurückkommens auf rechtskräftige
Verfügungen der Fall ist – die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung oder Revision
erfüllt sein müssen. Zu einem späteren Zeitpunkt bedarf demnach das Zurückkommen
auf eine faktische Verfügung, z.B. auf eine Taggeldabrechnung, eines
Rückkommenstitels in Form einer Wiedererwägung oder einer prozessualen Revision
(Urteil C 7/02 E. 3.1; BGE 129 V 110 E. 1.2.1). Die Frist von 30 Tagen läuft ab Erlass der
zu berichtigenden Verfügung oder ab Leistungsausrichtung (vgl. Kreisschreiben des
Seco über Rückforderung, Verrechnung, Erlass und Inkasso [AVIG-Praxis RVEI], Januar
2020, Rz A3).
4.3.
Nachdem die Rückerstattung am 14. Januar 2020 verfügt wurde (act. G3.1/44), ist
die Beschwerdegegnerin offenkundig nicht innerhalb von 30 Tagen nach deren
jeweiliger Auszahlung auf die Leistungsabrechnungen zurückgekommen. Demnach
muss ein Rückkommenstitel gemäss Art. 53 ATSG gegeben sein. Mangels Vorliegens
neuer Tatsachen oder Beweismittel kommt dafür einzig die Wiedererwägung in Frage.
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
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5.
Ob die Unrichtigkeit im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG zweifellos ist und zu einer
Wiedererwägung rechtfertigt, beurteilt sich nicht nach der Grobheit des Fehlers.
Massgebend muss vielmehr das Ausmass der Überzeugung sein, dass die bisherige
Entscheidung unrichtig war. Es darf kein vernünftiger Zweifel daran möglich sein, dass
eine Unrichtigkeit vorliegt (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/
Zürich 2020, Art. 53 N 59). Eine Wiedererwägung kann des Weiteren nur dann
vorgenommen werden, wenn die infrage stehende Korrektur erheblich ist. Eine
erhebliche Bedeutung ist nach der Rechtsprechung dann anzunehmen, wenn ein
Betrag von mehr als einigen Hundert Franken auf dem Spiel steht (Kieser, a.a.O.,
Art. 53 N 65 f.).
4.5.
Vorliegend wurde bei der Ausrichtung der Taggeldleistungen für die Monate Juli
2017 bis Januar 2018 nicht berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin in diesem
Zeitraum Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit erzielt hatte. Dies nachdem
die Beschwerdeführerin im jeweiligen Formular "Angaben der versicherten Person" für
die entsprechenden Monate angegeben hatte, nicht gearbeitet zu haben, wobei sie
auch die Frage nach einer selbständigen Erwerbstätigkeit verneint hatte (act. G3.1/55).
Erst durch die Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom 3. Juli 2019 erfuhr die
Beschwerdegegnerin von den Airbnb-Mieteinnahmen (act. G3.1/34). Die
Beschwerdeführerin hat dadurch zweifellos zu hohe Taggeldleistungen erhalten.
Nachdem die infrage stehende Korrektur Fr. 2'625.25 beträgt, ist sie ohne Weiteres
erheblich. Damit sind die Voraussetzungen einer Wiedererwägung erfüllt.
4.6.
Nach dem Gesagten sind die zu viel ausbezahlten Leistungen zurückzuerstatten.
Somit ist die Beschwerde abzuweisen. Auf die von der Beschwerdeführerin geltend
gemachten Genugtuungs- und Schadenersatzforderungen ist sodann nicht einzutreten,
da diese nicht Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheids waren.
5.1.
Die Beschwerdeführerin leitete bei der Anmeldung 2017 ihren Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung aus Beitragszeiten ab, die sie während des
Arbeitsverhältnisses bei der mittlerweile in Konkurs gefallenen K._ GmbH
zurückgelegt hatte. Einzige Gesellschafterin und Geschäftsführerin war in jener Zeit
L._, wohl eine Tochter der Beschwerdeführerin (vgl. act. G3.1/11). Bei dieser
Konstellation ist wohl fraglich, ob die Beschwerdeführerin überhaupt Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung gehabt hätte. Da vorliegend einzig eine Rückforderung
wegen nicht gemeldeter Zwischenverdienste Streitgegenstand bildet und die Aktenlage
die Annahme einer arbeitgeberähnlichen Stellung der Beschwerdeführerin im
5.2.
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