Decision ID: 77d2f312-d367-4fd2-b88b-b7f3c83874b3
Year: 2005
Language: de
Court: GR_KG
Chamber: GR_KG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: penal_law

hat sich ergeben:
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A. Am 11. Februar 2003 zirka um 11.30 Uhr kam es im Skigebiet Q. in W. auf der Piste X. zu einer Kollision zwischen den beiden Skifahrern A. und C.. Gemäss Arztbericht vom 26. Februar 2003 zog sich C. dabei eine mediale Schenkelhalsfraktur am linken Bein zu. Sie stellte am 18. Februar 2003 Strafantrag gegen den strafrechtlich Verantwortlichen wegen Körperverletzung.
B. Am 1. April 2003 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden eine Strafuntersuchung gegen A. wegen fahrlässiger Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB. Mit Mandatsantrag bei Verbrechen und Vergehen gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a und Art. 172 Abs. 1 StPO überwies die Staatsanwaltschaft die Akten am 24. August 2004 an die Kreispräsidentin Ilanz und beantragte, dass A. der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und unter Ansetzung einer einjährigen Probezeit für die Löschung mit einer Busse von Fr. 500.-- zu bestrafen sei. Am 14. Dezember 2004 teilte die Kreispräsidentin Ilanz der Staatsanwaltschaft schriftlich mit, dass die Voraussetzungen zum Erlass eines Strafmandats ihrer Auffassung nach vorliegend nicht gegeben seien beziehungsweise der Fall nicht spruchreif sei, weshalb sie die Akten im Sinne von Art. 172 Abs. 2 StPO zurückweise. In der Folge nahm das Untersuchungsrichteramt Ilanz Kontakt mit dem Kreisamt Ilanz auf und erläuterte anlässlich eines Gesprächs mit der Kreispräsidentin und dem Kreisaktuar die Sach- und Rechtslage anhand der neuesten Praxis zu Skiunfällen. Der Kreisaktuar teilte dem Untersuchungsrichter anschliessend telefonisch mit, dass die Voraussetzungen für den Erlass eines Strafmandates erfüllt sein sollten, worauf die Akten dem Kreisamt Ilanz am 10. Februar 2005 erneut mit entsprechendem Mandatsantrag überwiesen wurden.
C. Mit Verfügung vom 1. April 2005 stellte die Kreispräsidentin Ilanz das Verfahren gegen A. ein und überband die Untersuchungskosten einschliesslich Barauslagen dem Kanton Graubünden sowie die kreisamtlichen Verfahrenskosten der Kreiskasse Ilanz.
D. Gegen diese Einstellungsverfügung erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden mit Eingabe vom 19. April 2005 Berufung beim Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden mit folgendem Rechtsbegehren:
„1. Die Einstellungsverfügung sei aufzuheben und die Sache der Vorinstanz zur Beurteilung im Strafmandatsverfahren zurückzuweisen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.“
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E. C. liess am 21. April 2005 Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Kreispräsidentin Ilanz vom 1. April 2005 erheben. Ihre Rechtsbegehren lauten:
„1. Die Einstellungsverfügung der Beschwerdegegnerin 2 vom 1.04.2005 sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Eventualiter sei die vorliegende Beschwerde als Berufung entgegenzunehmen und die Sache an den Kantonsgerichtsausschuss zu überweisen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegner bzw. der Staatskasse.“
F. In seiner Berufungsantwort vom 1. Juni 2005 liess A. beantragen:
„1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft Graubünden sei abzuweisen.
2. Auf die Berufung von C. sei nicht einzutreten. Eventualiter sei die Berufung abzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge gemäss Gesetz.“
Unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid verzichtete das Kreisamt Ilanz mit Schreiben vom 12. Mai 2005 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung sowie die Begründung der Anträge in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, im Folgenden eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :
1. a) Vorliegend stellt sich zunächst die Frage, ob gegen eine Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten im Strafmandatsverfahren bei Vergehen und Verbrechen das Rechtsmittel der Berufung oder aber der Beschwerde gegeben ist. Generelles Abgrenzungskriterium zwischen diesen beiden Rechtsmitteln bildet das Stadium in dem das Anfechtungsobjekt erlassen wurde. Demgemäss ist nach ständiger Rechtsprechung (PKG 2000 Nr. 20, E. 2, S. 103; PKG 1994 Nr. 46, S. 150 mit Hinweisen) im Stadium der Untersuchung und der Anklage die Beschwerde gegeben, währenddem Entscheide und Verfügungen nach Anklageerhebung mittels Berufung anzufechten sind. Im Strafmandatsverfahren bei Vergehen und Verbrechen erfolgt zwar keine Anklageerhebung im Sinne von Art. 98 StPO. Dennoch ist auch in diesem Verfahren
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von einer klaren Trennung zwischen dem Untersuchungs- und dem Erkenntnisverfahren auszugehen. Die Funktion der Anklage und damit der Abgrenzung zwischen untersuchender und erkennender Behörde übernimmt dabei der Mandatsantrag der Staatsanwaltschaft gemäss Art. 172 StPO (vgl. Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden [StPO], 2. Aufl., Chur 1996, S. 362, 439/440, 442 sowie PKG 2000 Nr. 20, E. 2, S. 103; GRP 1973/74, S. 56 ff. und 280). Mit diesem überweist die Staatsanwaltschaft, sobald sie den Tatbestand für hinreichend abgeklärt erachtet, den Fall dem Kreispräsidenten, welcher in der Folge über die Sache zu befinden hat (Art. 172, 173 StPO). Dem Kreispräsidenten kommt somit gemäss Lehre und gefestigter Praxis des Kantonsgerichts im Strafmandatsverfahren bei Vergehen und Verbrechen gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a StPO die Funktion eines Sachrichters und nicht diejenige eines Untersuchungsrichters zu (vgl. PKG 2000 Nr. 20; PKG 1980 Nr. 40; PKG 1985 Nr. 54; Willy Padrutt, a.a.O., S. 362, 439/440 und 442/443). Die Funktion des Kreispräsidenten als Sachrichter im Mandatsverfahren bei Vergehen und Verbrechen ergibt sich auch aus den entsprechenden Bestimmungen in der StPO, enthalten doch insbesondere die Art. 172 und 173 StPO im Gegensatz zu Art. 170 StPO, der das Strafmandatsverfahren bei Übertretungen regelt, keinen Auftrag an den Kreispräsidenten, den Sachverhalt festzustellen. Mit dem Mandatsantrag bei Vergehen und Verbrechen ist der Kreispräsident also in seiner alleinigen Funktion als Sachrichter angerufen, wobei er in dieser Eigenschaft entgegen dem Einwand von C. ohne Zweifel auch die Befugnis zur Einstellung des Verfahrens besitzt (vgl. Willy Padrutt, a.a.O., S. 439, 442/443; PKG 2000 Nr. 20, E. 1, S. 102). Bei einer vom Kreispräsidenten nach Eingang eines Mandatsantrags gemäss Art. 172 Abs. 1 StPO verfügten Einstellung handelt es sich folglich um einen Akt im richterlichen Verfahren, so dass dagegen gemäss Art. 141 Abs. 1 StPO die Berufung an den Kantonsgerichtsauschuss (und nicht die Beschwerde nach Art. 176a StPO) zu erheben ist (vgl. Willy Padrutt, a.a.O., S. 443 sowie PKG 2000 Nr. 20; PKG 1980 Nr. 40; PKG 1985 Nr. 54).