Decision ID: 92e36187-1193-41f3-9154-76dfce6c674c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962, war als Polier bei der
Y._
AG in
Z._
angestellt und über diese bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen
die Folgen von
Berufs- und
Nichtbe
rufsunfälle
n
versichert, als er am
4.
Februar 1990 verunfallte (
Urk.
6/13/11
Ziff.
1 und 3-6).
Der Versicherte
machte sich
nach dem Unfall
selbständig und
betreibt seit 1991 ein eigenes Baugeschäft (
Urk.
6/11 S. 1). Mit Verfügung vom 1
6.
April 1992 (
Urk.
6/10/8-10) sprach
ihm
die SUVA eine Invalidenrente bei einer Erwerbs
unfähigkeit von 50
%
und eine Integritätsentschädigung zu. Mit Verfügung vom 3
0.
Juli 1993 (
Urk.
6/18,
Urk.
6/17) sprach die Ausgleichskasse des Kan
tons
A._
dem Versicherten
rückwirkend ab dem
1.
April 1991
eine halbe Rente
der Invalidenversicherung
zu.
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, bestätigte
zuletzt mit Mitteilung vom 2
4.
Juni 2010
(
Urk.
6/81), dass weiterhin
Anspr
uch auf eine halbe Rente bestehe
.
Im August 2011 wurde
letz
t
malig
eine Revision eingeleitet (
Urk.
6/89). Mit Verfügung vom 2
7.
November 2012
(
Urk.
6/118)
stellte
die
IV
Stelle
die
I
nvalidenrente per
1.
April 2011
ein
. Dagegen erhob
d
er Versi
cherte am 1
5.
Januar 2013 Beschwerde
(
Urk.
6/129/3-11).
Mit Verfügung vom 1
4.
Dezember 2012
(
Urk.
6/123)
forderte die IV-Stelle
vom Versicherten für
ab dem
1.
April 2011
zu Unrecht ausgerichtete
n
Renten
leistun
gen
Fr.
22‘880.-- zurück
. Am 2
4.
Januar 2013 erhob der Versicherte auch
dage
gen
Beschwerde (
Urk.
6/130/3-5).
Mit Urteil vom 1
9.
April 2013 (Verfahren Nr. IV.2013.00048) hiess das hiesige Gericht die Beschwerde
vom 1
5.
Januar 2013
in dem Sinne gut, als es
die Ver
fügung vom 2
7.
November 2012 wegen einer Verletzung des rechtlichen Gehörs des Versicherten aufhob und die Sache
auch zu weiteren medizinischen Abklä
rungen
an die IV-Stelle zurück
wies
(
Urk.
6/139 S. 10 f.
E. 6.1,
Dispositiv
Ziff.
1).
Mit Gerichtsverfügung vom
6.
Mai 2013 wurde das Verfahren betreffend Rück
forderung zu viel ausgerichteter
Renten sistiert
(Verfahren Nr. IV.2013.00080,
Urk.
6/142 S. 4 Dispositiv
Ziff.
1).
1.3
Die IV-Stelle veranlasste
daraufhin
ein polydisziplinäres Gutachten, das am
1
4.
Januar
2014 versandt
wurde (
Urk.
6/164)
,
und eine Abklärung für Selbstän
digerwerbende (Abklärungsbericht vom
4.
April 2014,
Urk.
6/180). Am 2
1.
Mai 2014 (
Urk.
6/183) stellte sie dem Versicherten d
en Vorbescheid (
Urk.
6/182) zu, wogegen dieser
am
1.
September 2014
Einwände vorbrachte (
Urk.
6/191). Mit Verfügung vom
1.
Dezember 2014 stellte die IV-Stelle fest, dass
der Versicherte
weiterhin A
nspr
uch auf eine halbe Rente ha
be
. Eine Erhöhung der Rente lehnte sie ab.
Des Weiteren
verzichtete sie
in der Verfügung
auf die Rückforderung der bereits ausbezahlten
Renten
von
Fr.
22‘880
.--
(
Urk.
6/198,
Urk.
6/197
=
Urk.
2
).
Mit Urteil vom 1
6.
Dezember 2014 nahm das hiesige Gericht das sistierte Ver
fahren IV.2013.00080 wieder auf und
hob in Gutheissung der Beschwerde
vom 2
4.
Januar 2013
die angefochtene Verfügung vom 1
4.
Dezember 2012 auf
(
Urk.
6/199 S. 4 Dispositiv
Ziff.
1).
2.
Der Versicherte erhob am 1
9.
Januar 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom
1.
Dezember 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben, soweit ihm nur eine halbe Rente zugesprochen werde
,
und es sei ihm mindestens eine
Dreiviertelsrente
auszurichten (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Februar 2015 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
7.
April 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (
IVG
)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüberge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Der Einkommensvergleich hat auch bei
Selbständigerwerbenden
in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen zif
fernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu verglei
chen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuver
lässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen und der
Invalidi
tätsgrad
nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Der grundsätzliche Unterschied des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zur spezifischen Methode (
Art.
28a
Abs.
2 IVG) besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchen bemes
sen wird. Vielmehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die
leidens
bedingte
Behinderung festzustellen; sodann ist aber diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschrän
kung im funktionellen Leistungsvermögen einer erwerbstätigen Person kann zwar, muss aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Um
fangs zur Folge haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betätigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Invalidität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (ausserordentliches
Bemes
sungsverfahren
; BGE 128 V 29 E. 1; AHI 1998 S. 120 E. 1a und S. 252 E. 2b je mit Hinweisen). Die ausserordentliche Bemessungsmethode des erwerblich gewich
teten Betätigungsvergleichs unterscheidet sich von der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs
Unselbständigerwerbender
gerade dadurch, dass bei der Einkommensermittlung nicht auf die LSE abgestellt wird, sondern deren Festsetzung unter Berücksichtigung der einzelfallbezogenen Kriterien
(Betriebsgrösse, Branche, Erfahrung des Betriebsinhabers usw.) zu erfolgen hat (Urteil des Bundesgerichts I 707/06 vom 9. Juli 2007 E. 3.3.1 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kann die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbs
tätigkeit als zumutbar erscheinen, wenn davon eine bessere erwerbliche Ver
wertung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbil
dung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01
vom 12. September 2001 E. 2b).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bil
den die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spra
che
entscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
ten
an
spruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin bestätigte mit der
angefochtenen Verfügung vom
1.
Dezember 2014
(
Urk.
2)
einen Anspruch
des Beschwerdeführers
auf eine halbe Rente
.
Eine Erhöhung der Rente lehnte sie ab.
Die Beschwerdegegnerin
wies
in der Verfügung
ein
Valideneinkommen
von
Fr.
88‘114.--
und ein
Invali
dene
inkommen
von
Fr.
42‘840.--
und damit einen Invaliditätsgrad von
51
%
aus
(
Urk.
2,
Verfügungsteil
S. 1
).
2.
2
Der Beschwerdeführer
beanstandete
in seiner Beschwerde (Urk. 1)
den
vorge
nommenen
Einkommensvergleich. Er
macht
e
geltend,
es bestünden noch immer erhebliche Schwierigkeiten, das
Valideneinkommen
zu bestimmen
. Genauso bestünden Schwierigkeiten, das Invalideneinkommen zu bestimmen
(
S.
4
Ziff.
5). D
er Invaliditätsgrad
hätte
daher
mittels eines Betätigungsvergleichs ermittelt werden müssen. Gemäss ständiger Praxis sei die allgemeine M
ethode des Einkommensvergleichs
nur dann anwendbar, wenn sich die beiden hypo
thetischen Vergleichseinkommen zuverlässig ermitteln oder schätzen liessen
. Es liege ein aktueller Betätigungsvergleich vor. Die Beschwerdegegnerin
habe den Invaliditätsgrad aber gleichwohl mittels Einkommensvergleich ermittelt
(S. 7
Ziff.
1
1).
Selbst mit den von der Beschwerdegegnerin angenommenen Zahlen würde b
ei einem Betätigungsvergleich ein Invaliditätsgrad von 61.25
%
resul
tieren (S. 9
Ziff.
15).
Es bleibe offen, wie die Beschwerdegegnerin auf ein
Valideneinkommen
von
Fr.
88‘113.-- gekommen sei (S. 12
Ziff.
23).
2.3
S
trittig und zu prüfen
ist
,
ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine höhere als
eine
halbe Invalidenrente hat.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer
hatte sich beim Unfall vom
4.
Februar 1990
(
Urk.
6/13/11
Ziff.
3-6)
unter anderem
eine Fraktur des zwölften Brustwirbelkörpers zugezo
gen (
Urk.
6/23
Ziff.
3).
Die SUVA
stellte in der Verfügung vom 1
6.
April 1992 darauf ab
, dass der Beschwerdeführer
in seiner Erwerbsfähigkeit
zu
50
%
eingeschränkt
sei
(
Urk.
6/10/9 oben).
3.2
Der langjährige Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
B._
,
Fach
arzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Rheumatologie,
ging in einem Bericht v
om 2
5.
November 2011
davon aus, dass sich die jetzige Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers von 50
%
wohl nicht
werde
halten lasse
n
. In der Summe aller Faktoren beurteile er den Patienten mit heutigem Datum nicht mehr als zu 50
%
, sondern nur noch als zu 25
%
erwerbsfähig (
Urk.
6/97
Ziff.
1.11).
3.3
Die Beschwerdegegnerin holte i
m Nachgang zum Urteil des hiesigen Gerichts
vom 1
9.
April 2013
(
Urk.
6/139)
bei der Medizinischen Abklärungsstelle (
Medas
C._
) ein p
olydisziplinäres Gutachten ein, das
gestützt auf Untersuchun
gen vom
5.
und
6.
November 2013 und einer polydisziplinären Besprechung vom
7.
November 2013
am 1
4.
Januar 2014 versandt
wurde (
Urk.
6/164).
Die Gutachter stellten folgende Hauptdiagnosen mit Einschränkung der zumut
baren Arbeitsfähigkeit (S. 60
Ziff.
7.1.1):
chronische
thorakolumbale
Schmerzen
Status nach BWK 12-Kompressionsfraktur mit
Gibbus
15
Deck
plattenimpressionen BWK 10, 11 und LWK 1
Wirbelsäulen-Fehlstatik, S-Skoliose der Brustwirbelsäule
Anschluss-Segment
instabilität LWK
1/2
Facettengelenksarthrosen L2-S1
Discushernien
mediorec
essal
L4/5 und L5/S1
Die Gutachter
der
Medas
C._
gaben zum Verlauf an
,
der Besch
werde
führer
habe
sein eigenes Baugeschäft aufbauen und dort
zu 50
%
als Maurer
polier arbeiten können. Mit dem reduzierten Arbeitspensum sei es ihm möglich gewesen, längere Arbeitspausen einzulegen.
2010
sei er
aufgrund der starken Schmerzen gezwungen gewesen, seine Tätigkeit als selbständiger Maurer bezie
hungsweise Bauführer zu reduzieren und im Jahr 2011 niederzulegen
. Aus finanziellen Gründen habe er ab Anfang 2013 wieder als selbständiger Maurer beziehungsweise als Bauleiter zu arbeiten begonnen, mit einem reduzierten Pensum zwischen 30 und 40
%
. In der Zeit zwischen dem Unfall und 2010 habe er immer wieder über
Schmerzexacerbationen
und eine Verschlechterung seines Zustandes geklagt
(S. 61
f.
Ziff.
7.2.2).
Der Beschwerdeführer gebe an, dass er als Selbständiger seine Arbeitszeit indi
viduell nach Schmerzen gestalten könne. Er sei daher in der Lage, seine Tätig
keit in einem begrenzten Pensum von 30 bis maximal 50
%
zu leisten.
E
r müsse die Existenz seiner Familie sichern. Im Gespräch neige er eher zu einer Über
schätzung seines Leistungsvermögens (S. 64
Ziff.
7.2.4).
Ab
Frühjahr 1991 bis 2011
sei er
als selbständiger Bauführer beziehungsweise Maurerpolier mit einem Pensum von 30-50
%
tätig gewesen
. Nach einer Unter
brechung wegen einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes habe er die selbständige Arbeit als Maurerpolier
im April 2013
mit einem Pensum von 30-40
%
wieder aufgenommen (S. 64
Ziff.
8.1).
Polydisziplinär sei die orthopädische Beurteilung führend. Die polydisziplinär ermittelte Arbeitsfähigkeit liege für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bei 30
%
bezogen auf ein Pensum von 100
%
(S. 65
Ziff.
8.1.1).
Der Gesundheitszustand habe sich seit der letzten Rentenbestätigung vom Juni 2010 verschlechtert (S.
65
Ziff.
8.1.2).
Auch in einer voll adaptierten Tätigkeit bestehe eine dauer
hafte Einschränkung des Leistungsvermögens. Die maximale tägliche Arbeitszeit liege
insofern
bei insgesamt fünf Stunden, in der
der Beschwerdeführer
unter Berücksichtigung von Pausen vier Stunden arbeiten könne. Für eine adaptierte Tätigkeit werde somit von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
bezogen auf ein Pensum von 100
%
ausgegangen (S. 65
Ziff.
8.2.1).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
,
hielt am 1
6.
Januar 2014
(
Urk.
6/181 S. 2 f.)
zum Gutach
ten der
Medas
C._
fest,
aus orthopädischer Sicht bestehe
in der ange
stammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 70
%
. In einer angepassten Tätigkeit bestehe aus orthopädischer Sicht sei Juni 2010 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Das in der angestammten Tätigkeit jetzt noch geleistete Pensum von 60-70
%
sei nicht leidensadaptiert und auf Dauer nicht zu leisten. Das Gutach
ten beruhe auf eigenen Untersuchungen, erscheine schlüssig und umfassend und berücksichtige die gesamte Aktenlage sowie sämtliche Beschwerden und Symptome des Beschwerdeführers.
Es werde empfohlen, auf das Gutachten ab
zu
stellen.
Ab
November 2013, Zeitpunkt der Begutachtung, gelte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
und ab Juni 2010 in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Davor gelte die bisher angenommene Arbeitsfähigkeit.
3.5
Am
3.
April 2014 wurde eine Abklärung für
Sel
bständigerwerbende
durchge
führt.
Die Abklärungsperson
hielt
im B
ericht vom
4.
April 2014
(
Urk.
6/180)
fest
, der Beschwerdeführer
habe seine Erwerbstätigkeit 2010 aufgegeben, da es körperlich einfach nicht mehr gegangen sei (S. 1
Ziff.
1). Sein Magazin habe er weitervermietet. Es handle sich um eine Scheune, die auf de
m Bauernhof seines Vaters stehe
. In der Scheune habe er auch noch eine Schreinerei eingerichtet.
Für ein Mietverhältnis
mit einer Dauer von
fünf Jahre
n
sei eine Gesamtsumme von
Fr.
24‘000.-- vereinbart worden. Die Mieteinnahmen von
Fr.
24‘000.-- im Jahr 2010 hätten also für eine Mietda
uer von fünf Jahren ab dem Jahr
2007 gegolten
(S. 2 f.
Ziff.
3.3).
Eine weiter
e
Firma, die sich in seinem Magazin ein
gemietet habe, habe auch gleich seinen Wagenpark genutzt und dafür eine Miete von
Fr.
12‘000.-- pro Jahr bezahlt. Die ganzen Mieteinnahmen
habe er
stets in den
Geschäftsabschlüssen aufgeführt
. Er habe nur dank der Mietein
n
ahmen noch etwas Geld erhalten (S. 3).
Der Beschwerdeführer
sei jetzt nur noch in einem kleinen Ra
hmen und Umfang erwerbstätig
. Er arbeite am Vormittag zwischen zwei und vier Stunden pro Tag. Er erledige so viel, wie es seine jeweilige gesundheitliche Situation zulasse
(S. 3
unten
).
Bei der Arbeit habe
immer auch eine
Überlastung bestanden. Wie sehr sich dies auf die Einkünfte ausgewirkt habe, könne er auch nicht sagen. Eine genaue Begründung, wie die bisher erzielten Einkünfte zu Stande gekommen seien, könne
er
nicht abgeben (S. 4).
Die Abklärungsperson führte sodann einen Betätigungsvergleich durch.
Sie
ging von einer
wöchentliche
n
Arbeitszeit des Beschwerdeführers
von
zirka 10 bis 20 Stunden
aus
.
Als Aufgabenbereich
e
wurden
„
Bauarbeiten
“
und
„
administrative Arbeiten
“
unterschieden.
Die Bauarbeiten
würden
körperliche Arbeiten, stehend, gehend, bückend, streckend, tragend, hantierend
beinhalten
. Die administrati
ven Arbeiten
wurden
mit sitzend, schreibend, telefonierend, abrechnend, kalku
lierend umschrieben. Die Bauarbeiten
hätten
einen
Anteil von 90
%
, die admi
nistrativen Arbeiten
einen solchen
von 10
%
der anfallenden Arbeiten
. Die Abklärungsperson veranschlagte für die Bauarbeiten einen Ausfall von zi
rka 50 bis 75
%
und gewichtet
von
zirka 45 bis 67.5 %
. Für d
ie administrativen Arbeiten wurde
ein
A
usfall von zirka 50
%
und gewichtet von zirka 5
%
ver
anschlagt,
was eine
Erwerbsunfähigkeit von total
50
-
72.5
%
ergab
(45
- 67.5
%
+ 5
%, S. 4).
Die Abklärungsperson führte sodann einen Einkommensvergleich durch.
Unter dem Titel
„
Betriebswirtschaftliche Interpretation der Geschäftsabschlüsse
“
ver
wies sie
auf ein im Feststellungsblatt vom
2
7.
Dezember 2011
ausgewiesenes
Valideneinkommen
von
Fr.
85‘862.--
, das an die seitherige
Nominallohnent
wicklung
angepasst worden war
(S. 7 oben)
.
Die Abklärungsperson
hielt sodann fest
, der
Beschwerdeführer habe bei der Abklärung vor Ort angegeben, dass er noch zwischen zwei bis vier Stunden pro Tag (durchschnittlich drei Stunden pro Tag) als selbständiger Bauarbeiter tätig sei.
Dies ergebe eine durchschnittliche Arbeitszeit von 15 Stunden pro Woche, was einem Pensum von rund 35
%
entspreche. Damit wäre ein Einkommen von
Fr.
30‘840.-- pro Jahr möglich (3
5
% von
Fr.
88‘113.-- pro Jahr
, S. 8 oben
).
4.
4.1
Der Ausrichtung einer halben
Invalidenr
ente
(
zuletzt
bestätigt
mit Mitteilung
der Beschwerdegegnerin
vom 2
4.
Juni 2010,
Urk.
6/81)
lag zugrunde
,
dass der
Beschwerdeführerin
im eigenen Betrieb als Maurerpolier
über Jahre
ein
Pensum von 50
%
bei freier Zeiteinteilung
verrichten konnte.
Die Gutachter der
Medas
C._
und der RAD der Beschwerdegegnerin
kamen für den weiteren Verlauf zum Ergebnis
, dass sich der Gesundheitszu
stand des Beschwerdeführers seit Juni 2010 verschlechtert hat.
Der Beschwer
deführer gab gegenüber den Gutachtern der
Medas
C._
denn auch
an, dass er
seine Erwerbstätigkeit
2010 reduzieren
und
danach
zwis
chenzeitlich ganz aufgegeben musste
(E.
3.3
und 3.4
hiervor
).
Revisionsweise
ist es somit ab
Juni 2010
zu
eine
r
Verschlechterung des Gesundheitszustandes und der Arbeits- und Leistungsfähig
keit des Beschwerdeführers gekommen.
4.2
Der Abklärungsbericht
für
Selbständigerwerbende
vom
4.
April 2014
beinhaltet einen
aktuellen
Betätigungsvergleich
(E. 3.5)
.
Die
verwendeten Zahlen
beziehen sich aber auf
die
Wiederaufnahme der
s
elbständigen
Tätigkeit
im April 201
3.
Für die Zeit
davor
,
in
der
der Beschwerdeführer
seine Erwerbstätigkeit aufgegeben hat
te
,
ist der Invaliditätsgrad nach der allgemeinen Methode des Ein
kommensvergleichs
zu bestimmen
.
4.3
Zunächst ist
das
Valideneinkommen
zu bestimmen.
Die Beschwerdegegnerin wies im Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende
vom
6.
April 2004 ein
Valideneinkommen
von
Fr.
77‘761.-- aus, das sie anhand
der Tabellenlöhne
LSE 2002 (
TA7,
Ziff.
11
Tätigkeiten im Baugewerbe
)
ermit
telte
, wobei sie zudem einen Karrierezuschlag von 10
%
berücksichtigte
(
Urk.
6/62 S. 6
Ziff.
7
).
Das
E
inkommen ist an die seitherige
Nominallohnent
wicklung
anzupassen
.
Somit
ergibt sich für das Jahr 2010
ein
Valideneinkom
men
von
Fr.
86‘491.-- (
Fr.
77‘761.--: 1‘933 x 2‘150;
Nominallohnindex
2002:
Fr.
1‘933.--, 2010:
Fr.
2‘150.--, die Volkswirtschaft, 12-2008, S. 95 Tabelle B10.3, die Volkswirtschaft, 6-2012, S. 95 Tabelle B10.3).
Dass der Beschwerde
führer
im Gesundheitsfall
als
Selbständigerwerbender
ein höheres Einkommen
erzielt hätte
, wie er geltend machte
(
Urk.
1 S. 12 f.
Ziff.
24), ist nicht erstellt.
Namentlich bestehen keine
ausreichenden
Anhaltspunkte
dafür
, wie sich der Betrieb des Beschwerdeführers
ohne
den Unfall
von 1990
entwickelt hätte.
Bei der Bestimmung
des Invalideneinkommens ist zu berücksichtigen, d
ass der
Beschwerdeführer
nach
den vorliegenden Geschäftszahlen
einzig im Jahr 2010
die von der Beschwerdegegnerin
berücksichtigten
Mieteinnahmen von
Fr.
12‘000.--
erzielte
(vgl.
Urk.
6/88 S. 3).
In
der Bilanz
-
und
Erfolgsrechnung
2011 finden sich
di
e
Einnahmen
nicht mehr (
Urk.
6/192 S. 3).
Sie sind daher
ab 2011
nicht
mehr anzurechnen
.
Für das Jahr 2010 ergibt sich ein
E
inkommen
von
Fr.
25‘947.-- (30
%
von
Fr.
86‘491.--) zuzüglich
Mieteinnahmen von
Fr.
12‘000.--.
Stellt man das
resultierende
Invalideneinkommen von
Fr.
37‘947.--
(
Fr.
25‘947.-- +
Fr.
12‘000.--)
dem
Valideneinkommen
von
Fr.
86‘491.
gegen
über,
ergibt sich
eine
Erwerbseinbusse von
Fr.
48‘544.-- und
ein
Invalidi
t
äts
grad
von rund 56
%
.
Für das Jahr 2010 besteht daher unverändert Anspruch auf eine halbe Rente.
4.4
Die polydisziplinäre Abklärung durch die Gutachter der
Medas
C._
ergab,
dass
in der
selbständige
n
Tätigkeit als Maurerpolier lediglich
noch
eine
Arbeitsfähigkeit von 30
%
besteht
(E. 3.3)
.
Bis
zur Wiederaufnahme der selb
ständigen Tätigkeit
ist demnach von
eine
r
Erwerbseinbusse
von 70
%
auszuge
hen. Dies erweist sich als grosszügige Berechnung zugunsten des Beschwerde
führers.
Das von der Beschwerdegegnerin
angenommene Pensum von 35
%
liegt über der von ärztlicher Seite attestierten zumutbaren Arbeitsfähigkeit und erweist sich
für die Zeit, in der der Beschwerdeführer
keiner Erwerbstätigkeit nachging
, als zu hoch
.
4.5
Die Beschwerdegegnerin führte am
3.
April 2014 eine Abklärung an Ort und Stelle nach
Art.
69
Abs.
2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) durch. Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort ist für gewöhnlich die geeignete Vorkehr zur Bestimmung einer Behinderung im Haushalt (Urteil des Bundesgerichts 9C_201/2011 vom
5.
September 2011, E. 2). Dies hat auch für eine Abklärung für
Selbständigerwerbende
zu gelten.
Der Abklärungsbericht vom
4.
April 2014
beinhaltet
, wie erwähnt,
einen
Betäti
gungsvergleich
. Darin
werden die
Bereiche
„
Bauarbeiten
“
und
„
administrative Arbeiten
“
unterschieden
(
E. 3.5
).
Die Abklärungsperson stellte
nach den Anga
ben des Beschwerdeführers
auf ein wöchentliches Arbeitspensum von
zirka 10 bis 20 Stunden und für
den Bereich Bauarbeiten
auf einen Ausfall von 50 - 75
%
ab.
Die
entsprechend
für den Bereich Bauarbeiten
resultierende
Arbeits
fähigkeit
von 25 - 50
%
liegt üb
er
der
im Gutachten
der
Medas
C._
attestierten
Arbeitsfähigkeit von 30
%
(E. 3.3).
Mit
der Wiederaufnahme
der Erwerbstätigkeit ist jedoch vom effektiv geleisteten höheren Arbeitspensum aus
zugehen.
So
gab der Beschwerdeführer
gegenüber den Gutachtern
der
Medas
C._
an
, dass er vereinzelt ein Pensum bis 40
%
oder
gar bis 50
%
leisten könn
e (E. 3.3 hiervor).
Da er
mit dem effektiven
Arbeitspensum
tendenziell
ein höheres Einkommen
erzielen wird
,
erweist sich der
im Betätigungsvergleich
ermittelte
Ausf
all
mit einer Bandbreite
von 50
- 75
% als sachgerecht
. Gewich
tet ergibt sich für den Bereich
„
Bauarbeiten
“
ein
Ausfall
von 45 - 67.5
%. Für den Bereich
„
administrative Arbeiten
“
ergibt sich gewichtet ein
Ausfall
von 5
%
und damit total ein Wert von 50 - 72.5
%
.
Stellt man auf den Durchschnitt
von 61.25
%
(
50
%
+ 72.5
%
= 122.5
%
x 0.5) ab
,
resultiert
ab April 2013
ein
Inva
liditätsgrad
von 61.25
%
.
4
.6
Zusammenfassend
ist festzuhalten
, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Januar 2011
bei einem Invaliditätsgrad von 70
%
Anspruch auf eine g
anze und mit der Wiederaufnahme der selbständigen Tätigkeit
im
April 2013
bei einem
Invalidi
tätsgrad
von rund 61
%
Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
erübrigt sich die Durchführung einer
öffent
liche
n Verhandlung (
Urk.
1 S. 2)
.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Die
Prozessentschädigung
ist beim praxisgemässen Ansatz von
Fr.
220.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2‘500.-- (inklusive Auslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen.