Decision ID: 6070a79e-0528-41e0-820f-7b1e7dd8a83d
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Behörden des Fürstentums Liechtenstein ein Strafverfahren gegen A.
wegen Verdachts der Veruntreuung und Untreue führen (act. 1.2);
- in diesem Zusammenhang die Behörden des Fürstentums Liechtenstein mit
Rechtshilfeersuchen vom 15. Juni 2018 die Staatsanwaltschaft des Kantons
St. Gallen, Untersuchungsamt Altstätten (nachfolgend "StA SG"), um Vollzug
des Beschlusses des Fürstlichen Landgerichts vom 15. Juni 2018 betreffend
Hausdurchsuchung/Beschlagnahmung ersuchten (act. 1.2);
- die StA SG mit Eintretens- und Zwischenverfügung vom 16. Oktober 2018
namentlich verfügte, dass dem Rechtshilfeersuchen entsprochen wird und
vollumfänglich Rechtshilfe zu leisten ist, dass eine Hausdurchsuchung und
die Sicherstellung resp. Beschlagnahme sämtlicher relevanten Geschäftsun-
terlagen der C. AG und der B. AG sowie sämtlicher elektronischen Geräte
und Speichermedien von A. bzw. der genannten Gesellschaften angeordnet
werden, und dass die Anwesenheit des polizeilichen Sachbearbeiters der
Landespolizei Liechtenstein sowie eines weiteren polizeilichen Sachbearbei-
ters der Landespolizei Liechtenstein bewilligt wird (act. 1.2);
- die StA SG am 16. Oktober 2018 einen Durchsuchungsbefehl (Art. 241 ff.
StPO) erliess; anlässlich des Vollzugs der Durchsuchung am 12. Dezember
2018 diverse Unterlagen und elektronische Datenträger sichergestellt wur-
den; A. die Siegelung der sichergestellten Unterlagen und Datenträger be-
antragte (act. 1.1);
- A. und die B. AG, beide vertreten durch Rechtsanwälte Wilfried Ludwig Weh
und/oder Stefan Harg, mit gemeinsamer Beschwerde vom 21. Dezember
2018 an die Anklagekammer des Kantons St. Gallen gelangten; sie haupt-
sächlich beantragen, die Eintretens- und Zwischenverfügung vom 16. Okto-
ber 2018 und der Durchsuchungsbefehl vom 16. Oktober 2018 seien aufzu-
heben und es sei auszusprechen, dass die bekämpfte Hausdurchsuchung
rechtswidrig sei (act. 1);
- die Anklagekammer des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 23. Januar
2019 die Beschwerde vom 21. Dezember 2018 zusammen mit den Akten
zuständigkeitshalber dem Bundesstrafgericht überwies (act. 2).
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten die
Bestimmungen des VwVG anwendbar sind (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37
Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (Art. 12
Abs. 1 IRSG);
- sich die vorliegende Beschwerde gegen die Eintretens- und Zwischenverfü-
gung der Beschwerdegegnerin vom 16. Oktober 2018 sowie gegen den
Durchsuchungsbefehl der Beschwerdegegnerin vom 16. Oktober 2018 rich-
tet;
- es sich bei den angefochtenen Verfügungen um der Schlussverfügung in
Rechtshilfeangelegenheiten vorangehende Zwischenverfügungen handelt;
- diese nur selbstständig bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
angefochten werden können, sofern sie durch die Beschlagnahme von Ver-
mögenswerten und Wertgegenständen (Art. 80e Abs. 2 lit. a IRSG) oder
durch die Anwesenheit von Personen, die am ausländischen Prozess betei-
ligt sind (Art. 80e Abs. 2 lit. b IRSG), einen unmittelbaren und nicht wieder
gutzumachenden Nachteil bewirken;
- als solcher Nachteil insbesondere drohende Verletzungen von konkreten
vertraglichen Verpflichtungen, unmittelbar bevorstehende Betreibungs-
schritte, der drohende Entzug von behördlichen Bewilligungen oder das Ent-
gehen von konkreten Geschäften in Betracht kommen, wie auch die Gefahr,
dass den ausländischen Behörden durch die Teilnahme ihrer Beamten an
den Vollzugshandlungen Tatsachen aus dem Geheimbereich zugänglich ge-
macht werden, bevor über die Gewährung oder den Umfang der Rechtshilfe
entschieden worden ist; die beschwerdeführende Person den unmittelbaren
und nicht wieder gutzumachenden Nachteil mit konkreten Angaben glaub-
haft machen muss; die blosse Behauptung eines solchen Nachteils nicht ge-
nügt (vgl. zum Ganzen BGE 130 II 329 E. 2; 128 II 353 E. 3; 128 II 211 E. 2.1;
Urteile des Bundesgerichts1B_285/2011 vom 18. November 2011 E. 2.3.2;
1A.32/2007 vom 16. August 2007 E. 2.1; 1A.81/2006 vom 21. Juli 2006 E. 2;
1A.183/2006 vom 1. Februar 2007 E. 1.2; 1A.165/2000 vom 24. August 2000
E. 2b; TPF 2008 7 E. 2.2);
- die Beschwerdeführer in ihrer Beschwerde einen solchen Nachteil nicht be-
haupten, geschweige glaubhaft machen;
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- sich die Beschwerde schon aus diesem Grund als offensichtlich unzulässig
erweist;
- namentlich offenbleiben kann, inwiefern es sich bei den angefochtenen Ver-
fügungen überhaupt um zulässige Anfechtungsobjekte handelt und inwieweit
diese zum Streitgegenstand gemacht werden;
- nach dem Gesagten auf die Beschwerde ohne Schriftenwechsel nicht einzu-
treten ist (vgl. Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario);
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten den Beschwerde-
führern unter solidarischer Haftung aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1
VwVG); die – angesichts der unzutreffenden Rechtsmittelbelehrung im an-
gefochtenen Durchsuchungsbefehl reduzierte – Gerichtsgebühr auf
Fr. 500.– festzusetzen ist (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG
sowie Art. 5 und Art. 8 Abs. 3 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom
31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-
desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]);
- gemäss Art. 80m Abs. 1 IRSG die Rechtsmittelinstanz ihre Verfügungen dem
in der Schweiz wohnhaften Berechtigten (lit. a) sowie dem im Ausland an-
sässigen Berechtigten mit Zustellungsdomizil in der Schweiz zustellt (lit. b);
falls eine Partei oder ihr Rechtsbeistand, die im Ausland wohnen, ein Zustel-
lungsdomizil in der Schweiz nicht bezeichnen, die Zustellung unterbleiben
kann (Art. 9 IRSV);
- nach der Rechtsprechung die Zustellung eines amtlichen Dokuments im
Ausland, sei es einer Verwaltungsverfügung oder eines gerichtlichen Schrift-
stücks, einen staatlichen Hoheitsakt darstellt, der geeignet ist, die Souverä-
nität bzw. die Gebietshoheit des betroffenen Staats zu verletzen und damit
gegen Völkerrecht zu verstossen; in Ermangelung einer anders lautenden
staatsvertraglichen Bestimmung oder eines anderweitigen Einverständnis-
ses des betroffenen Staats die Verfügung daher grundsätzlich auf dem dip-
lomatischen oder konsularischen Weg zu eröffnen ist; davon ausgenommen
Mitteilungen rein informativen Inhalts sind, die keine Rechtswirkungen nach
sich ziehen und deshalb direkt per Post zugestellt werden dürfen (BGE 143
III 28 E. 2.2.1; 136 V 295 E. 5.1; 135 III 623 E. 2.2; 124 V 47 E. 3a; Urteile
des Bundesgerichts 2C_408/2016 und 2C_409/2016 vom 19. Juni 2017
E. 2.2; 1C_236/2016 vom 15. November 2016 E. 3.2; 2C_827/2015 und
2C_828/2015 vom 3. Juni 2016 E. 3.2, nicht publiziert in BGE 142 II 411);
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- das Rechtshilfeverfahren ein Verwaltungsverfahren ist (BGE 120 Ib 112 E. 4;
118 Ib 436 E. 4a; 116 Ib 190 E. 5b; 111 Ib 132 E. 3b; TPF 2009 111 E. 2.2);
- die Schweiz (im Gegensatz zu Österreich) das Europäische Übereinkommen
vom 24. November 1977 über die Zustellung von Schriftstücken in Verwal-
tungssachen im Ausland bisher nicht ratifiziert, sondern lediglich unterzeich-
net hat (die Referendumsfrist zum Bundesbeschluss vom 28. September
2018 über die Genehmigung und die Umsetzung des Übereinkommens
Nr. 94 des Europarates über die Zustellung von Schriftstücken in Verwal-
tungssachen im Ausland ist am 17. Januar 2019 abgelaufen, BBl 2018
S. 6077 ff.; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_478/2017 vom 9. April
2018 E. 4.2 m.w.H.);
- die gemeinsamen Rechtsbeistände der Beschwerdeführer ein Zustellungs-
domizil in der Schweiz nicht bezeichnet haben; eine Zustellung an die im
Ausland domizilierten Rechtsbeistände der Beschwerdeführer auf dem dip-
lomatischen Weg zu erfolgen hätte; die Beschwerdeführer ihren Wohnsitz
bzw. Sitz in der Schweiz haben; unter diesen Umständen der Entscheid den
Beschwerdeführern direkt zuzustellen ist;
- die von der Anklagekammer des Kantons St. Gallen eingelegten eigenen
Verfahrensakten AK.2018.465-AK zu ihrem Entscheid vom 23. Januar 2019
mit Ausnahme von act. 1 ("Beschwerde vom 21.12.2018"; im vorliegenden
Verfahren als act. 1 einakturiert), act. 2 ("Durchsuchungsbefehl vom
16.10.2018"; im vorliegenden Verfahren als act. 1.1, 1.2 und 1.3 einakturiert)
und act. 7 ("Akten RH.2018.239") nach Eintritt der Rechtskraft der Anklage-
kammer des Kantons St. Gallen zu retournieren sind;
- die von der Anklagekammer des Kantons St. Gallen eingelegten Verfahren-
sakten RH.2018.239 der StA SG nach Eintritt der Rechtskraft der StA SG zu
retournieren sind;
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