Decision ID: db7ced64-f7fe-4f3c-9949-a1d15e15ff22
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Schändung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, III. Abteilung, vom 4. November 2019 (DG190016)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 8. Juli 2019
(Urk. 18) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 40 S. 34 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 12 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 4 Tage durch
Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Es werden Tätigkeitsverbote im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. a und Abs. 4 StGB
angeordnet. Dem Beschuldigten wird jede berufliche und jede organisierte ausser-
berufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen respektive
volljährigen, besonders Schutzbedürftigen umfasst, für die Dauer von 10 Jahren
verboten.
5. Es wird für die Dauer der Tätigkeitsverbote eine Bewährungshilfe im Sinne von
Art. 67 Abs. 7 StGB angeordnet.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Genugtuung in der Höhe
von Fr. 5'000.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 19. Dezember 2018 zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
7. Die amtliche Verteidigerin wird für ihre Bemühungen und Auslagen mit
Fr. 16'480.50 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
8. Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers wird für seine Bemühungen
und Auslagen mit Fr. 11'827.25 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ent-
schädigt.
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9. Es wird davon Vormerk genommen, dass die amtliche Verteidigerin lic. iur.
X2._ bereits mit Verfügung vom 22. März 2019 mit Fr. 2'463.75 entschädigt
wurde.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'200.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 35.95 Auslagen (Gutachten)
Fr. 1'950.00 Auslagen Polizei
Fr. 2'463.75 Entschädigung für die amtliche Verteidigerin lic. iur. X2._
Fr. 16'480.50 Entschädigung für die amtliche Verteidigerin Dr. iur. X1._
Fr. 11'827.25 Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers lic. iur. Y._
Verlangt keine der Parteien ein Begründung, ermässigt sich die Entscheidgebühr
um einen Drittel. Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausser diejenigen
der amtlichen Verteidigerinnen und des unentgeltlichen Rechtsvertreters des
Privatklägers, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen
Verteidigungen und des unentgeltlichen Rechtsvertreters werden auf die Gerichts-
kasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO bzw. Art. 138 Abs. 1 StPO.
12. (Mitteilung)
13. (Rechtsmittel) "
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 13 f.)
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 103 S. 1)
I. Das Urteil des Bezirksgerichts Horgen DG 1900016-F/UB/Bra vom
4. November 2019 sei aufzuheben und A._ sei von Schuld und
Strafe freizusprechen.
II. Das gegenüber A._ ausgesprochene Tätigkeitsverbot sei aufzu-
heben.
III. Die Zivilforderung von CHF 5'000 sei abzuweisen resp. auf den Zivil-
weg zu verweisen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Las-
ten des Staates.
V. Die von den Eltern des Privatklägers geforderte Entschädigung für
Anwaltskosten in der Höhe von CHF 537.75 sei abzuweisen resp. auf
die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 105 S. 1)
1. Schuldigsprechung wegen Schändung gemäss Art. 191 StGB gemäss
vorinstanzlichem Urteil
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten und Anrechnung
der erstandenen Haft
3. Gewährung des bedingten Vollzuges der Freiheitsstrafe unter An-
setzung einer Probezeit von 2 Jahren
4. Anordnung von Tätigkeitsverboten gemäss Art. 67 Abs. 3 lit. a und
Abs. 4 StGB
5. Anordnung einer Bewährungshilfe gemäss Art. 67 Abs. 7 StGB
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c) Des Vertreters der Privatkläger B._ und C._:
(Urk. 94, sinngemäss)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
2. Die Kosten des Straf- und Gerichtsverfahrens sind ausgangsgemäss
dem Beschuldigten aufzuerlegen
3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, den Privatklägern B._ und
C._ eine Prozessentschädigung in Höhe von Fr. 537.75 zu bezah-
len.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1.1 Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
4. November 2019 wurde der Beschuldigte A._ anklagegemäss der Schän-
dung schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten bestraft,
wobei ihm der bedingte Strafvollzug gewährt wurde. Sodann wurden
Tätigkeitsverbote ausgesprochen (Urk. 40 S. 34). Gegen diesen Entscheid liess
der Beschuldigte durch seine amtliche Verteidigung mit Eingabe vom 14. Novem-
ber 2019 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO;
Urk. 36). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert gesetz-
licher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 42). Die An-
klagebehörde hat mit Eingabe vom 23. April 2020 innert Frist Anschlussberufung
erhoben (Urk. 46; Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO). Mit Vorladungen vom
11. Februar 2021 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den 3. Mai
2021 vorgeladen (Urk. 52 und Urk. 53); die entsprechende Berufungsverhandlung
wurde jedoch auf ein Verschiebungsgesuch der amtlichen Verteidigerin hin
verschoben (Urk. 59 und Urk. 60). Mit Vorladungen vom 17. Mai 2021 wurden die
Parteien deshalb neu zur Berufungsverhandlung auf den 29. September 2021
vorgeladen (Urk. 61 und Urk. 62). Mit Schreiben vom 22. Juni 2021 teilte der un-
entgeltliche Vertreter des Privatklägers mit, dass dieser am tt.mm.2021 verstor-
ben sei und reichte entsprechende Belege ins Recht (Urk. 76 und Urk. 78/1-2).
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Mit Präsidialverfügung vom 9. August 2021 wurde Rechtsanwalt lic. iur. Y._
daher als unentgeltlicher Vertreter des Privatklägers †D._ entlassen (Urk. 85)
und seine Entschädigung mit Beschluss vom 17. August 2021 festgesetzt
(Urk. 90). Mit Eingabe vom 23. September 2021 reichte Rechtsanwalt lic. iur.
Y._, neu in der Stellung als Vertreter der in das Verfahren eingetretenen El-
tern des Privatklägers †D._, Frau B._ und Herr C._, eine Stellung-
nahme im Vorfeld der Berufungsverhandlung ein und erklärte, an dieser nicht teil-
zunehmen (Urk. 94).
1.2. Ein mit Eingabe vom 9. Juni 2021 zwischenzeitlich von der Anklagebehörde
gestellter Antrag auf Anordnung von Ersatzmassnahmen wurde, nach Anhörung
des Beschuldigten, mit Präsidialverfügung vom 30. Juni 2021 abgewiesen
(Urk. 63; Urk. 80; Prot. II S. 5 ff.; Urk. 83).
1.3. Beweisergänzungsanträge wurden im Berufungsverfahren nicht gestellt
(Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 42 und Urk. 46). Zur Berufungsverhandlung erschie-
nen der Beschuldigte in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin
Dr. iur. X1._, Staatsanwältin lic. iur. F. Stadelmann als Vertreterin der Ankla-
gebehörde sowie die Eltern des Privatklägers †D._, Frau B._ und Herr
C._, persönlich (Prot. II S. 13).
2. Die Verteidigung hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung nicht
beschränkt (Urk. 42; Art. 399 Abs. 4 StPO). Die Anklagebehörde richtet sich in ih-
rer Anschlussberufung lediglich gegen das vorinstanzliche Strafmass (Urk. 46).
Demnach sind im Berufungsverfahren einzig die vorinstanzliche Kostenfestset-
zung (Urteilsdispositiv-Ziffer 10) sowie die Bemessung der Entschädigungen der
Parteivertreter (Urteilsdispositiv-Ziffern 7, 8 und 9) nicht angefochten und in
Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 404
StPO).
II. Schuldpunkt
1.1. Dem Beschuldigten A._ wird in der Anklageschrift der Staatsanwalt-
schaft I des Kantons Zürich vom 8. Juli 2019 zusammengefasst vorgeworfen, er
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habe am Morgen des 19. Dezembers 2018 als Betreuer im Behindertenheim
E._ in F._ im Rahmen der Morgentoilette die Hand des Privatklägers an
dessen Penis geführt, sodass es sowohl beim Privatkläger und beim Beschuldig-
ten, welcher seine Badehose heruntergezogen habe, zu einer Erektion gekom-
men sei. Der Privatkläger, welcher an einer schweren Mehrfachbehinderung gelit-
ten habe, sei nicht in der Lage gewesen, das Vorgehen des Beschuldigten als se-
xuelle Handlung wahrzunehmen, sich eine Meinung darüber zu bilden, diese
kundzutun und sich gegen die Handlung des Beschuldigten zur Wehr zu setzen.
Der Beschuldigte habe im Wissen um die Schwerst-Behinderung des Privatklä-
gers und zur Befriedigung seiner eigenen sexuellen Bedürfnisse gehandelt
(Urk. 18 S. 2 f.).
1.2. Der Beschuldigte ist geständig, zur fraglichen Zeit am fraglichen Ort den
Arm des Privatklägers an dessen Ellbogen geführt zu haben, so dass dieser mit
seiner Hand sein Glied berühren konnte. Dies, da der Privatkläger eine Erektion
gehabt habe und sich – gemäss Ansicht des Beschuldigten – an seinem Glied
habe anfassen wollen (Urk. 40 S. 6; Prot. I S. 12; Urk. 102 S. 6 f.). Der Beschul-
digte bestreitet jedoch den Anklagesachverhalt dahingehend, er habe die von ihm
getragene Badehose nicht heruntergezogen und auch selber keine Erektion ge-
habt (Prot. I S. 11 und S. 28; Urk. 102 S. 13) . Er habe die Hand des Privatklägers
an dessen Penis geführt, weil der Privatkläger ihm nonverbal, durch Blicke, zu
verstehen gegeben habe, dass er – der Privatkläger – dies wünsche (Prot. I S. 12;
Urk. 102 S. 9 f.). Er selber – der Beschuldigte – habe keine eigene sexuelle Moti-
vation zu dieser Handlung gehabt (Prot. I S. 29 f.).
1.3. Der Privatkläger war aufgrund seiner multiplen, schwersten Behinderung
urteilsunfähig und nicht in der Lage, Aussagen zum massgeblichen Sachverhalt
zu machen. Der Anklagevorwurf beruht daher massgeblich auf den Aussagen des
Zeugen G._. Der Zeuge war zum Tatzeitpunkt knapp 27 Jahre alt und am
Tatort als gelernter Fachmann-Betreuung tätig sowie zusätzlich in einer Ausbil-
dung zum Sozialpädagogen (Urk. 4/2 S. 3). Gemäss seinen Aussagen betrat er
das Zimmer des Privatklägers, als – einzig – der Beschuldigte und der Privatklä-
ger sich dort aufhielten. Der Zeuge hat in zwei staatsanwaltschaftlichen Einver-
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nahmen geschildert, welche Situation er – seiner Darstellung gemäss – angetrof-
fen hat (Urk. 4/2 und Urk. 4/3). Die Verteidigung moniert in der
Berufungserklärung, der Zeuge sei nur zweimal einvernommen worden. Eine er-
neute, beweisergänzende Befragung des Zeugen an der Berufungsverhandlung
beantragt sie jedoch ausdrücklich nicht (Urk. 42 S. 3).
1.4. Gemäss Art. 343 Abs. 3 StPO erhebt das (erstinstanzliche) Gericht im Vor-
verfahren ordnungsgemäss erhobene Beweise nochmals, sofern die unmittelbare
Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung notwendig erscheint. Art. 343
Abs. 3 StPO verankert in den darin genannten Fällen eine (einmalige) Unmittel-
barkeit im erstinstanzlichen Verfahren (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1). Die unmittelba-
re Kenntnis des Beweismittels erscheint für die Urteilsfällung dann notwendig im
Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO, wenn sie den Ausgang des Verfahrens beein-
flussen kann. Dies ist namentlich der Fall, wenn die Beweiskraft des Beweismit-
tels in entscheidender Weise vom Eindruck abhängt, der bei seiner Präsentation
entsteht, beispielsweise wenn es in besonderem Masse auf den unmittelbaren
Eindruck einer Zeugenaussage ankommt, so etwa wenn Aussage gegen Aussage
steht (BGE 140 IV 196 E. 4.4.2; WOLFGANG WOHLERS, Die formelle Unmittelbarkeit
der Hauptverhandlung, ZStrR 131/2013 S. 318 ff., 333, 335). Allein der Inhalt der
Aussage einer Person (was sie sagt) lässt eine erneute Beweisabnahme nicht als
notwendig erscheinen. Massgebend ist, ob das Urteil in entscheidender Weise
vom Aussageverhalten der Person (wie sie es sagt) abhängt (BGE 140 IV 196 E.
4.4.2). Eine Beweisabnahme durch das Gericht gemäss Art. 343 Abs. 3 StPO ist
aber nicht schon deshalb notwendig, weil nonverbales Verhalten wie Mimik, Ges-
tik, Redefluss, Emotionen etc. der einvernommenen Person stets Teil ihrer Aus-
sageleistung ist. Andernfalls hätte der Gesetzgeber bei den Personalbeweisen
konsequenterweise das Unmittelbarkeitsprinzip statuieren müssen, was er jedoch
unterliess (BSK StPO-HAURI/VENETZ, 2. Aufl. 2014, Art. 343 N 22). Das Gericht
verfügt beim Entscheid über die Frage, ob die unmittelbare Kenntnis des Be-
weismittels im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO für die Urteilsfällung notwendig er-
scheint, über einen Ermessensspielraum (BGE 140 IV 196 E. 4.4.2; NIKLAUS
SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2013, N.
1330).
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Wohl hängt vorliegend der Ausgang des Verfahrens wesentlich von den Aussa-
gen des Zeugen G._ ab. Der Inhalt seiner Aussagen weicht auch in wesentli-
chen Punkten vom Inhalt der Aussagen des Beschuldigten ab. Dies allein erfor-
dert jedoch gemäss der zitierten Praxis keine erneute Befragung des Zeugen vor
Schranken. Der Zeuge ist durch die inkriminierte Tat nicht selber betroffen. Sei-
tens des Beschuldigten wird ihm auch nicht ausdrücklich unterstellt, den Beschul-
digten absichtlich falsch zu belasten. Es wurde sowohl im Hauptverfahren als
auch im Berufungsverfahren als Hypothese in den Raum gestellt ("wäre es nicht
möglich?"), der Zeuge sei mit den Behandlungsmethoden des Beschuldigten nicht
einverstanden gewesen und deshalb schon mit einer vorgefassten Meinung in
das Zimmer des Privatklägers getreten (Urk. 32 S. 7; Urk. 103 S. 14 i.V.m. Prot. II
S. 18 f.). Vielmehr unterstellte die Verteidigung dem Zeugen eine falsche (bisher)
respektive eine unvollständige (neu) Wahrnehmung.
Die Art und Weise der Widergabe seiner Darstellung (inklusive allfälliges nonver-
bales Verhalten) durch den Zeugen sind mithin vorliegend nicht entscheidend und
es kann – erschöpfend – und ohne erneute Befragung auf seine bisherigen Ein-
vernahmen abgestellt werden, zumal – wie erwogen – auch die Verteidigung kei-
ne gerichtliche Befragung des Zeugen verlangt.
1.5. Der Zeuge G._ hat in seiner ersten staatsanwaltlichen Einvernahme
ausgesagt, er habe schwungvoll die unüblicherweise bis auf einen Spalt ge-
schlossene Türe des Zimmers des Privatklägers geöffnet und das Zimmer betre-
ten, worauf der Beschuldigte mit einer abrupten Bewegung seine Badehose nach
oben gezogen habe. In der Badehose sei dessen erigierter Penis erkennbar ge-
wesen. Der Beschuldigte sei einen Schritt vom Bett zurückgetreten, habe die
Oberschenkel zusammengepresst und die Hände vor die Badehose gelegt. Der
Zeuge habe den Beschuldigten auf dessen sowie den erigierten Penis des Privat-
klägers angesprochen, worauf der Beschuldigte auf den Fussboden geschaut und
dies bejaht habe. Der Beschuldigte habe wenig später zu ihm gesagt, er solle ihn
am Leben lassen (Urk. 4/2 S. 3 ff.). In seiner zweiten staatsanwaltlichen Einver-
nahme, dreieinhalb Monate später, hat der Zeuge auf entsprechende Frage pau-
schal seine früheren Depositionen bestätigt. Es wurde ihm dann mitgeteilt, dass
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der Beschuldigte behaupte, der Zeuge könne aufgrund der räumlichen Konstruk-
tion des Zimmers gar nicht – namentlich – die erigierten Penisse des Beschuldig-
ten und des Privatklägers gesehen haben. Der Zeuge antwortete darauf – offen-
bar ungläubig – lachend mit: "Was soll ich dazu sagen? Es ist lächerlich. Ich habe
diese Situation sehr detailliert beschrieben. Ich habe diese Situation auch sehr
detailliert in Erinnerung. Ich habe meine Aussagen nach bestem Wissen und Ge-
wissen gemacht. Ich habe nichts dazu gedichtet, ich habe nichts erfunden". Er
habe den Beschuldigten auf seinen erigierten Penis angesprochen; dieser habe
nach unten geschaut und es bejaht. Er habe ihm gesagt, er solle ihn am Leben
lassen. Er bleibe bei seinen Aussagen gemäss erster Einvernahme (Urk. 4/3 S. 3
ff.).
1.6. Der Zeuge hat mithin mehrfach bekräftigt, wie sicher er sich seiner Wahr-
nehmung war (vgl. Urk. 4/2 S. 10). Er wiederholte auch, dass der Beschuldigte
ihm seine Wahrnehmung sogar – beschämt – bestätigt und ihn sinngemäss um
Gnade gebeten habe. Den originellen und daher bemerkenswerten, mehrfach ge-
äusserten Ausspruch des Beschuldigten, der Zeuge solle ihn doch am Leben las-
sen, erzählte der Zeuge dem gemeinsamen Vorgesetzten H._, was dieser
als Zeuge bestätigt hat (Urk. 4/4 S. 7). Schliesslich beschrieb der Zeuge G._
auch ausführlich, dass der Beschuldigte dermassen betroffen reagiert habe, dass
er sich um den Beschuldigten gesorgt habe (Urk. 4/2 S. 10).
Mit der zutreffenden Beweiswürdigung der Vorinstanz, auf welche verwiesen wird,
ist die Schilderung des Zeugen G._ stimmig, nachvollziehbar, lebensnah, de-
tailliert, auch in Nebensächlichkeiten originell, plausibel und damit insgesamt
überzeugend und glaubhaft (Urk. 40 S. 16 ff.). Eine falsche Wahrnehmung ist
aufgrund der konstanten und stimmigen Schilderung des Zeugen auszuschlies-
sen. Und für eine bewusste Falschbelastung des Beschuldigten fehlt dem Zeugen
G._ jegliches Motiv. Der Beschuldigte selber brachte hierzu im Berufungsver-
fahren zwar vor, der Zeuge G._ sei – rückblickend betrachtet – vielleicht ei-
fersüchtig auf ihn gewesen, da er – der Beschuldigte – es mit schwerbehinderten
Person so gut gehabt und mit diesen gut habe arbeiten können (Urk. 102 S. 13).
Auf den Grund der angeblichen Eifersucht angesprochen, gab der Beschuldigte
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jedoch zu verstehen, dass es überheblich wäre, zu sagen, er sei deutlich besser
gewesen als seine vergleichbaren Kollegen (Urk. 102 S. 16). Unter diesen Um-
ständen bestand für den Zeugen G._ gar kein Grund, auf den Beschuldigten
eifersüchtig zu sein.
Die Verteidigung hat an der Hauptverhandlung argumentiert, der Beschuldigte
habe im ganzen Verfahren "gleich und konsistent ausgesagt, mit seiner Badehose
habe er gar nichts zu tun gehabt" (Urk. 40 S. 32 S. 6 ff.). (Auch) ein konstantes,
pauschales Bestreiten vermag die detaillierte, erlebt wirkende und daher über-
zeugende Schilderung des Zeugen nicht per se in Zweifel zu ziehen. Weiter hat
die Verteidigung argumentiert, es sei nicht nachvollziehbar, wie der Zeuge bei der
gegebenen Personen-Möbel-Konstellation im Zimmer des Privatklägers Aussagen
über dessen Lendenbereich habe machen können (Urk. 32 S. 7 und Prot. I S. 34;
Urk. 42 S. 3; Urk. 103 S. 14). Die diesbezüglichen Schilderungen des Zeugen
decken sich jedoch mit der Darstellung des Beschuldigten, wonach der Privatklä-
ger eine Erektion gehabt habe. Folglich war der Zeuge – entgegen der sinnge-
mässen Behauptung der Verteidigung – sehr wohl in der Lage, von seinem
Standort nach Betreten des Zimmers das von ihm Geschilderte genau wahrzu-
nehmen (Urk. 32 S 7 f.). Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten ist es zudem
beim Betreten des Raumes ohne weiteres möglich, bei einer hinter dem Bett ste-
henden Person ein abruptes Hochziehen einer Badehose und eine Erektion
wahrzunehmen, wie das der Zeuge G._ schilderte. Dass der Zeuge G._
beim Beschuldigten auch tatsächlich eine Erektion erkannte, ist – wie bereits er-
wogen – aufgrund seiner äusserst glaubhaften Aussagen, insbesondere auch
zum Verhalten des Beschuldigten, als er den Beschuldigten damit konfrontiert
hatte, erstellt. Dass es sich bei diesen Schilderungen allenfalls um eine Einbil-
dung des Zeugen aufgrund einer Vorbefasstheit gegenüber dem Beschuldigten
handeln könnte, kann somit ohne Weiteres ausgeschlossen werden.
1.7. Der äussere Anklagesachverhalt ist mithin aufgrund der eigenen Zugabe
des Beschuldigten dahingehend erstellt, dass er die Hand des Privatklägers an
dessen Penis führte und der Privatkläger eine Erektion hatte. Ob der Penis des
Privatklägers bereits erigiert war, als der Beschuldigte ihm die Hand zu diesem
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führte, wie der Beschuldigte behauptet (Prot. I S. 17), oder ob der Penis des Pri-
vatklägers erst durch die Berührung mit seiner eigenen Hand erigierte, wie die
Anklage es umschreibt, kann offen bleiben. Weiter ist gestützt auf die in allen Tei-
len überzeugende Schilderung des Zeugen G._ erstellt, dass der Beschuldig-
te zum Zeitpunkt des Eintretens des Zeugen seine Badehose heruntergeschoben
hatte, er einen erigierten Penis hatte und er die Badehose abrupt nach oben zog.
Wenn die Verteidigung im Berufungsverfahren bemängelt, der Zeuge habe nicht
ausgesagt, ob der Beschuldigte sich selber befriedigt habe (Urk. 42 S. 3), ist dies
belanglos, da Solches dem Beschuldigten gar nicht vorgeworfen wird.
Zum inneren Sachverhalt ist aufgrund der Tatsache, dass seine Handlung am
Privatkläger bei ihm selber zu einer Erektion führte, erstellt, dass der Beschuldigte
zumindest zu einem erheblichen Teil zum Zweck seiner eigenen sexuellen
Erregung gehandelt hat. Seine Erektion zum Tatzeitpunkt ist dafür Beleg genug;
eine entsprechende Schilderung des Zeugen ist dafür entgegen der Verteidigung
nicht nötig (Urk. 42 S. 3). Wenn der Beschuldigte konstant behauptet, er habe
"Hilfe zur sexuellen Selbsthilfe" oder "Sexualassistenz" betreiben wollen (Urk. 4/4
S. 4; Urk. 32 S. 9; Urk. 102 S. 9 ff.), kann ihm dies nicht rundweg widerlegt wer-
den. Allerdings handelte er zweifellos auch mit einer eigenen sexuellen Motivati-
on. Dies deckt sich schliesslich auch mit der Aussage des Zeugen G._: Ent-
gegen der Verteidigung hat der Zeuge dem Beschuldigten eine Missbrauchsmoti-
vation nicht abgesprochen. Vielmehr sagte der Zeuge an der durch die Verteidi-
gung selektiv und unvollständig zitierten Stelle auch, beim Beschuldigten sei ein
sexuelles Bedürfnis "dazu gekommen" (Urk. 32 S. 13; Urk. 4/2 S. 15). Zugunsten
des Beschuldigten ist im Übrigen davon auszugehen, dass die fragliche Protokoll-
stelle fehlerhaft ist: Aus dem Gesamtzusammenhang ist zu vermuten, dass der
Zeuge wohl eher gesagt hat: "Ich glaube nicht, dass er es aus einem sexuellen
Bedürfnis heraus gemacht hat, aber das kam dann noch dazu".
2.1. Wer eine urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in
Kenntnis ihres Zustandes zum Beischlaf, zu einer beischlafähnlichen oder einer
anderen sexuellen Handlung missbraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn
Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 191 StGB). Urteilsunfähigkeit liegt vor, wenn
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das Opfer in sexuellen Belangen nicht in der Lage ist, eigenverantwortlich, d.h. in
wirklicher Kenntnis der Bedeutung und Tragweite seines Verhaltens zu handeln,
insbesondere vernunftgemäss darüber zu entscheiden, mit dem Täter sexuelle
Kontakte zu haben oder nicht. Sie wird sich darauf beziehen müssen, dass das
Opfer ausserstande ist, einen vernünftigen Entscheid über die Einwilligung zu se-
xuellen Beziehungen zu treffen (OFK StGB-WEDER, Art. 191 N 4 mit Verweis auf
die Praxis in BGE 120 IV 198 und im Urteil des Bundesgerichts 6B_597/2007 vom
22. April 2008).
Widerstandsunfähig ist, wer nicht im Stande ist, sich gegen ungewollte sexuelle
Kontakte zu wehren. Die Bestimmung schützt somit Personen, die einen zur
Abwehr ausreichenden Willen zum Widerstand gegen sexuelle Übergriffe nicht
oder nicht sinnvoll bilden, äussern oder betätigen können. Missbrauch liegt vor,
wenn der Täter die Schutzlosigkeit des Opfers ausnützt (Urteil des Bundesge-
richts 6B_597/2007 vom 22. April 2008 E. 4.1. mit Verweis auf BGE 133 IV 49 E.
7.2, mit Hinweisen).
2.2. Gemäss Darstellung in der Anklageschrift war der Privatkläger zum Tatzeit-
punkt "nicht in der Lage, sich einen Willen in Bezug auf diese sexuelle Handlung
zu bilden und diesen Willen auch kundzutun". Er sei – generell – "nicht fähig, ei-
gene Bedürfnisse willentlich, konkret und zielgerichtet zu äussern" (Urk. 18 S. 2).
2.3. Der Beschuldigte behauptet im gesamten bisherigen Verfahren, er sei durch
den Privatkläger durch nonverbales Verhalten (abwechselnde Blicke auf sein
Geschlechtsteil und den Beschuldigten) dazu aufgefordert worden, dass er die
Hand des Privatklägers an dessen Penis lege (Prot. I S. 12; Urk. 102 S. 9 ff.).
Auch die Argumentation der Verteidigung geht – einzig – von diesem Sachverhalt
aus (Urk. 32 S. 11 ff.). In der Folge wurde erheblicher Untersuchungsaufwand be-
trieben zur strittigen Frage, ob der Privatkläger dahingehend zur Willensbildung in
der Lage ist, ob er intim berührt werden möchte (vgl. die Zusammenfassung der
entsprechenden Zeugenaussagen in Prot. I S. 19-24 und Urk. 5/1-7).
Solches geht jedoch eigentlich am Kern der Sache vorbei: Gemäss dem vorste-
henden Beweisergebnis beging der Beschuldigte mit dem Anklagevorwurf eine
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Handlung, welche fraglos über die behauptete, uneigennützige Sexualassistenz
hinausging: Der Beschuldigte hatte seinen eigenen Intimbereich entblösst und
wurde durch seine am Privatkläger vorgenommene Handlung selber sexuell er-
regt. Dass der Privatkläger in der Lage gewesen wäre, sich zu einer solchen se-
xuellen Interaktion mit einer anderen Person, hier dem Beschuldigten, einen Wil-
len zu bilden und diesen konkret zu äussern, behauptet – zurecht – nicht einmal
der Beschuldigte.
Mit der Anklage und im Resultat mit der Vorinstanz war der Privatkläger für die
konkret inkriminierte sexuelle Handlung des Beschuldigten nicht urteilsfähig. Da
der Privatkläger in diese Handlung des Beschuldigten mangels Urteilsfähigkeit gar
nicht einwilligen konnte, liegt ein Missbrauch vor (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_128/2012 vom 21. Juni 2012 E.1.2.). Dass der Privatkläger aufgrund seiner
schwersten multiplen Behinderung auch nicht in der Lage war, sich gegen die
Handlung des Beschuldigten zur Wehr zu setzen, steht ausser Frage. Wenn die
Verteidigung dazu behauptet, der Privatkläger wäre in der Lage gewesen, dem
Beschuldigten verständlich zu machen, wenn er nicht hätte berührt werden wol-
len, und der Beschuldigte hätte sich dann daran gehalten, kann sich dies wieder
höchstens auf die seitens des Beschuldigten behauptete Sexualassistenz bezie-
hen (Urk. 32 S. 12 f.; Urk. 103 S. 18). Wie gesehen ist vorliegend jedoch objektiv
kein Fall von – reiner – Sexualassistenz ohne sexuelle Involvierung des Ausfüh-
renden zu beurteilen. Damit hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand von
Art. 191 StGB erfüllt.
2.4. Zum subjektiven Tatbestand hat die Vorinstanz erwogen, "der Beschuldigte
hätte aufgrund seiner langjährigen Berufserfahrung wissen müssen, dass der
Privatkläger nicht in der Lage ist, seinen Willen bezüglich der sexuellen Hand-
lungen zu bilden und diesen auch zu äussern. Er hätte auch erkennen müssen,
dass der Privatkläger nicht in der Lage ist, sich gegen die Vornahme dieser Hand-
lungen zu wehren, weshalb der Beschuldigte eventualvorsätzlich gehandelt" habe
(Urk. 40 S. 22).
Diese Beurteilung geht – wiederum – eigentlich von einer anderen Tathandlung
aus als der tatsächlich inkriminierten: Die vorliegende Tat des Beschuldigten war
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– wie vorstehend erwogen – erstelltermassen mehr als eine reine Sexualassis-
tenz, bei welcher strittig ist, ob der Assistierte diese gewollt hat.
Der Beschuldigte manipulierte am Privatkläger – entgegen der Verteidigung
(Urk. 42 S. 3) – zumindest auch in der Absicht, sich selber sexuell zu erregen.
Dies ergibt sich zwingend nicht nur aus der Tatsache, dass er mit der inkriminier-
ten Handlung bei sich selber eine Erektion herbeiführte, sondern auch daraus,
dass er sich zu diesem Zweck die Badehose heruntergezogen hatte.
Betreffend eine solche interaktive sexuelle Handlung war der Privatkläger nicht
urteilsfähig und das wusste der Beschuldigte. Aufgrund der offensichtlichen
schwersten und dem Beschuldigten bestens bekannten Behinderungen des Pri-
vatklägers wusste er auch um dessen Widerstandsunfähigkeit (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_1142/2017 vom 23. März 2018 E.2.1.). Somit hat der Be-
schuldigte mit Vorsatz und nicht nur eventualvorsätzlich gehandelt.
2.5. Mithin ist der angefochtene Schuldspruch der Schändung im Sinne von
Art. 191 StGB zu bestätigen.
III. Sanktion
1.1. Die Vorinstanz hat zutreffende grundsätzliche Erwägungen zur Strafzu-
messung gemacht und den anwendbaren Strafrahmen korrekt abgesteckt
(Urk. 40 S. 22-24). Darauf kann verwiesen werden.
1.2. In der Folge hat die Vorinstanz den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe
von 12 Monaten bestraft (Urk. 34). Die Verteidigung hat sich im Hauptverfahren
nicht eventualiter zu einem allfälligen Strafmass geäussert (Urk. 32). Im Beru-
fungsverfahren geht sie objektiv und subjektiv von einem tiefen Verschulden aus
und beantragt – für den Fall eines Schuldspruchs – eine Bestrafung des Beschul-
digten mit maximal sechs Monaten (Urk. 42; Urk. 103 S. 18 ff.). Die
anschlussappellierende Anklagebehörde beantragt im Berufungs- wie bereits im
Hauptverfahren eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten (Urk. 46; Urk. 30; Urk. 105
S. 1).
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2.1. Zur Tatkomponente und dort zur objektiven Tatschwere hat die Vorinstanz
erwogen, es habe sich bei der Tat des Beschuldigten um ein einmaliges Handeln
von kurzer Dauer gehandelt. Die Tat sei ohne Gewaltanwendung vollzogen wor-
den und von geringer Intensität gewesen. Unter Berücksichtigung möglicher Tat-
varianten bei der Schändung nach Art. 191 StGB liege die vorliegende Handlung
im untersten Bereich des Denkbaren (Urk. 40 S. 24). Dies kann nicht ohne Weite-
res übernommen werden: Wenn die Vorinstanz im Vorgehen des Beschuldigten
keine "eigentliche" kriminelle Energie erkennt, ist dies – auch wenn die Tat entge-
gen der Anklagebehörde (Urk. 105 S. 3) situationsbedingt begangen wurde –
doch allzu milde. So hat die Vorinstanz – allerdings an falscher Stelle – zur objek-
tiven Tatschwere korrekt erwogen, der Beschuldigte habe seine vertrauensvolle
Position ausgenutzt und das ihm von Patienten, Eltern und Angehörigen sowie
seiner Arbeitgeberin entgegengebrachte Vertrauen schamlos missbraucht. Insbe-
sondere dieser Vertrauensbruch fällt bei der vorliegend zu beurteilenden Tat
massgeblich ins Gewicht und führt – mit der Anklagebehörde (Urk. 105 S. 3) –
dazu, dass das objektive Tatverschulden gerade nicht mehr im untersten Bereich
des Denkbaren anzusiedeln ist.
Die nach der Beurteilung der objektiven Tatschwere bemessene Einsatzstrafe von
5 Monaten fällt daher zu tief aus. Angemessen sind vielmehr 10 Monate Frei-
heitsstrafe.
2.2. Subjektiv hat der Beschuldigte entgegen der Vorinstanz mit Vorsatz ge-
handelt. Korrekt hat die Vorinstanz jedoch erkannt, dass er – entgegen der Ver-
teidigung (Urk. 103 S. 17 f.) – sehr wohl mit sexuellem Motiv zur Befriedigung
seiner eigenen sexuellen Bedürfnisse und damit egoistisch gehandelt hat (Urk. 40
S. 25). Unter Einbezug des Vertrauensbruchs qualifizierte die Vorinstanz die
subjektive Tatschwere als erheblich und damit als schwerer als die objektive
Tatschwere, was zu einer Erhöhung der Einsatzstrafe führe (Urk. 40 S. 24 f.).
Auch wenn der Vertrauensbruch vorliegend bereits bei der objektiven Tatschwere
berücksichtigt wurde, so hat die Bewertung des subjektiven Tatverschuldens
aufgrund der vorsätzlichen Begehung der Tat ebenfalls zu einer merklichen
Erhöhung der Einsatzstrafe zu führen. Eine markante Erhöhung der hypotheti-
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schen Einsatzstrafe um mehr als das Doppelte, wie die Vorinstanz dies tat,
kommt jedoch nicht in Frage.
Die hypothetische Einsatzstrafe nach der Beurteilung der Tatkomponente ist so-
mit auf 14 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
2.3. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die persön-
lichen Verhältnisse des Beschuldigten angeführt (Urk. 40 S. 26). An der Beru-
fungsverhandlung wurde ergänzt, dass der Beschuldigte grundsätzlich gesund
sei, er jedoch aufgrund einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus im ver-
gangenen November vermehrt müde sei und viele Ruhezeiten brauche, was sich
auch auf seine Arbeitstätigkeit auswirke. Sein Einkommen sei weiter massiv ge-
schrumpft: So arbeite er lediglich noch bei der ... in I._ als Schulbusbegleiter
und Rollstuhlfahrtrainer in einem Pensum von etwa 11% sowie auch als Assistent
bei einer Privatperson und erziele damit ein monatliches Nettoeinkommen von
rund Fr. 1'500.–. Er habe ursprünglich eine Ausbildung als Konstruktionsschlosser
abgeschlossen und 15 Jahre auf diesem Beruf gearbeitet. Nachdem er sich je-
doch Teilzeit der Behindertenbetreuung widmen wollte, aber keine Teilzeitanstel-
lung als Schlosser habe finden können, habe er sich danach ausschliesslich der
Behindertenbetreuung gewidmet. Er wohne weiterhin mit seiner Ehefrau, seiner
volljährigen Tochter und einem volljährigen Pflegesohn zusammen und habe in
der Vergangenheit ein zweites Pflegekind über einen Zeitraum von 2 Jahren bei
sich aufgenommen und habe noch sporadischen Kontakt mit diesem. In seiner
Freizeit sei er in der Guggenmusik, fahre Ski und Snowboard und gehe gerne
Schwimmen (Urk. 102 S. 2 ff.). All dies wiegt strafzumessungsneutral, ebenso die
Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten (Urk. 41). Eine besondere
Strafempfindlichkeit weist er nicht auf: Der Beschuldigte mag betreffend seine
weitere berufliche Tätigkeit sensibel hinsichtlich einer Verurteilung sein, nicht
jedoch speziell zur Sanktionshöhe. Mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte ledig-
lich hinsichtlich jenes Teils des Anklagesachverhalts geständig, welchen er glaubt
rechtfertigen zu können. Ein strafrechtlich-relevantes Fehlverhalten gesteht er
nicht ein, weshalb er keine Einsicht oder gar Reue als positives Nachtatverhalten
strafreduzierend für sich reklamieren kann.
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Die Beurteilung der Täterkomponente wirkt sich somit mit der Vorinstanz auf die
nach der Beurteilung der Tatkomponente bemessene hypothetische Einsatzstrafe
weder erhöhend noch senkend aus. Somit ist der Beschuldigte mit einer Frei-
heitsstrafe von 14 Monaten zu bestrafen.
2.4. Der Anrechnung der erstandenen Haft steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
3. Dem Beschuldigten ist auch mit dem entsprechenden Antrag der Anklage-
behörde in Bestätigung der Vorinstanz der bedingte Strafvollzug zu gewähren un-
ter Ansetzung der gesetzlich minimalen Probezeit von 2 Jahren (Urk. 46; Urk. 40
S. 34; Urk. 105 Abs. 1; Art. 42 Abs. 1 und Art. 44 Abs. 1 StGB).
4. Die Vorinstanz hat für den Beschuldigten mit einlässlicher Begründung –
insbesondere auch zur Anwendbarkeit des alten Rechts – ein Tätigkeitsverbot im
Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. a und Abs. 4 aStGB für die Dauer von 10 Jahren und
für die Dauer des Tätigkeitsverbots die zwingend vorgesehene Bewährungshilfe
im Sinne von Art. 67 Abs. 7 aStGB angeordnet (Urk. 40 S. 29 f. und S. 34). Die
Verteidigung hat sich mit dem entsprechenden Antrag der Anklagebehörde be-
reits im Hauptverfahren nicht auseinandergesetzt (Urk. 32) und die erfolgte An-
ordnung auch im Berufungsverfahren nicht substantiiert kritisiert (Urk. 42;
Urk. 103 S. 20). Das Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. a und Abs. 4
aStGB sowie die für die Dauer des Tätigkeitsverbots angeordnete Bewährungshil-
fe im Sinne von Art. 67 Abs. 7 aStGB sind ausgangsgemäss und aufgrund des
zwingenden Charakters dieser Bestimmungen ohne Weiteres zu bestätigen.
IV. Zivilanspruch des Privatklägers
1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, dem Privatkläger
†D._ eine Genugtuung von Fr. 5'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit dem
19. Dezember 2018 zu bezahlen (Urk. 40 S. 34). Die Privatklägervertretung hatte
im Hauptverfahren eine solche von Fr. 8'000.– beantragt (Urk. 31 S. 2) und die
vorinstanzliche Anordnung im Berufungsverfahren nicht angefochten (Urk. 48).
Die Verteidigung hat sich weder im Hauptverfahren noch im Berufungsverfahren
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substantiiert zu einer allfälligen Genugtuungshöhe geäussert (Urk. 32, Urk. 42
und Urk. 103 S. 20).
1.2. Der Geschädigte †D._ ist am tt.mm.2021 – und somit während laufen-
dem Berufungsverfahren – verstorben (Urk. 78/2). Gemäss Art. 121 StPO gehen
die Verfahrensrechte der geschädigten Person auf die Angehörigen im Sinne von
Art. 110 Abs. 1 StGB über, sofern die geschädigte Person nicht bereits auf ihre
Verfahrensrechte als Privatklägerschaft verzichtet hat. Der Genugtuungsanspruch
des verstorbenen Privatklägers wurde im vorliegenden Strafverfahren noch vor
seinem Tod adhäsionsweise geltend gemacht und ein Verzicht auf seine Verfah-
rensrechte als Privatkläger ist nicht erfolgt. Entsprechend sind seine Eltern – als
Verwandte in gerader Linie – dazu berechtigt, die Ausrichtung der Genugtuung
weiterhin zu verlangen bzw. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils zu
beantragen.
1.3. Die Verteidigung beantragt lediglich – und kürzest – aufgrund des beantrag-
ten Freispruchs, dass die Zivilforderung abzuweisen oder auf den Zivilweg zu
verweisen sei (Urk. 103 S. 20). Der Beschuldige ist vorliegend jedoch der Schän-
dung schuldig zu sprechen und es sind keine weiteren substantiierten Bestreitun-
gen der Verteidigung, insbesondere auch zur Höhe der Genugtuung, ersichtlich,
die dem entgegen stehen würden. Entsprechend ist die vorinstanzliche Anord-
nung aufgrund der auch im Adhäsionsverfahren geltenden Verhandlungs- und
Dispositionsmaximen (Art. 55 und Art. 58 ZPO) ohne weiteres zu bestätigen,
wenn auch neu festzuhalten ist, dass die Genugtuung den Angehörigen auszu-
richten ist.
1.4. Der Beschuldigte ist somit zu verpflichten, den Privatklägern B._ und
C._ eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.– zuzüglich 5 % Zins seit
dem 19. Dezember 2018 zu bezahlen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage zu bestätigen
(Art. 426, Art. 135 Abs. 4 und Art. 138 Abs. 1 StPO).
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2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt der appellierende Beschuldigte mit seinen
Anträgen vollumfänglich. Die anschlussappellierende Anklagebehörde obsiegt im
Wesentlichen. Ihr Unterliegen ist verglichen mit dem Unterliegen des Beschuldig-
ten marginal und kann für die Kostenauflage vernachlässigt werden.
Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens,
mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Privatklägervertretung, aufzuerlegen (Art. 428 StPO).
Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Privatklägerver-
tretung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine Rückforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 und Art. 138 Abs. 1 StPO ist vorzubehalten.
4.1. Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten, Rechtsanwältin Dr. iur.
X1._, macht im Berufungsverfahren Aufwendungen von rund 42 Stunden
und im Betrag von Fr. 9'258.10 (exkl. MwSt.) sowie Auslagen in Höhe von
Fr. 514.80 (exkl. MwSt.) und somit gesamthaft ein Honorar von Fr. 10'524.85 (inkl.
MwSt.) geltend (Urk. 92). Insbesondere der geltend gemachte Aufwand für die
Ausarbeitung des Plädoyers, für die Teilnahme an der Berufungsverhandlung und
auch für die Nachbesprechung mit dem Beschuldigten fallen dabei zu hoch aus.
Insgesamt erscheint dem Aufwand und der Schwierigkeit des Falles vorliegend
eine pauschale Entschädigung mit Fr. 9'000.– (inkl. MwSt. und Auslagen) ange-
messen.
4.2. Nachdem der Geschädigte †D._ am tt.mm.2021 verstarb (Urk. 78/2),
wurde sein früherer unentgeltlicher Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur.
Y._, mit Präsidialverfügung vom 9. August 2021 per selbiges Datum entlas-
sen und für seine Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren bis zum
9. August 2021 mit Beschluss vom 17. August 2021 mit Fr. 4'108.35 (inkl. MwSt.)
entschädigt (Urk. 85 und Urk. 90).
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4.3. Die Privatkläger B._ und C._ lassen im Berufungsverfahren sinn-
gemäss die Zusprechung einer Prozessentschädigung in Höhe von Fr. 537.75
(inkl. MwSt. und Auslagen) für ihre anwaltliche Vertretung beantragen (Urk. 94
S. 8). Sie obsiegen mit ihren – ebenfalls sinngemäss – gestellten Anträgen auf
Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids und Kostenauflage an den Beschul-
digten vollumfänglich. Ausgangsgemäss ist der Beschuldigte daher zu verpflich-
ten, den Privatklägern B._ und C._ für ihre anwaltliche Vertretung im
Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung in Höhe des von deren Rechts-
vertreter geltend gemachten Betrags von Fr. 537.75 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1
lit. a StPO).