Decision ID: 4e10e92d-abf7-5725-b31b-85139272194d
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an (IV-act. 5), sie habe an einer
Handelsschule eine kaufmännische Ausbildung absolviert, aber zuletzt habe sie als
Verkäuferin gearbeitet. Der Hausarzt Dr. med. B._ teilte im Juli 2010 telefonisch mit
(IV-act. 26–1 f.), die Versicherte leide an einer multiplen Sklerose, die vor etwa acht
Jahren diagnostiziert worden sei und vorwiegend Probleme im Bereich der Augen
verursache, an einem Lumbovertebralsyndrom bei degenerativen Veränderungen und
einer kleinen (nicht relevanten) Discushernie, an einer larvierten Depression und an
einer Adipositas. Leichte, wechselbelastende Tätigkeiten seien ihr im Umfang von 50
Prozent zumutbar. Die frühere Arbeitgeberin der Versicherten berichtete im Juli 2010
(IV-act. 21), sie habe diese als Filialmitarbeiterin in einem Pensum von 60 Prozent
beschäftigt. Der Jahreslohn habe sich auf 32’760 Franken belaufen. Das
Arbeitsverhältnis sei gekündigt worden, weil die Arbeitsleistung der Versicherten nicht
den mit dem Vorgesetzten abgestimmten Zielen und Anforderungen entsprochen habe.
Die Leistungs- und die Einsatzbereitschaft seien ungenügend gewesen und die
Versicherte habe eine mangelnde Bereitschaft gezeigt, sich in der Arbeitszeitgestaltung
flexibel zu zeigen. Die Psychiaterin Dr. med. C._ gab im November 2010 an (IV-act.
33), die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Erkrankung (aktuell
remittiert) und an einer Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional instabilen, kindlich
naiven Zügen. Sie befinde sich seit Juli 2007 in psychiatrischer Behandlung. Wiederholt
sei sie an verschiedenen Arbeitsplätzen in immer ähnliche Konflikte verwickelt und
„zum Opfer“ geworden. Besonders eindrücklich sei das im letzten Arbeitsverhältnis der
Fall gewesen: Die Versicherte sei nach einer viermonatigen krankheitsbedingten
Absenz an den Arbeitsplatz zurückgekehrt und habe dann prompt die Kündigung
erhalten. Gegen die Vorwürfe im Rahmen der Kündigungsbegründung habe sie sich
arbeitsrechtlich allerdings erfolgreich zur Wehr gesetzt. Auch in der Familie und im
Bekanntenkreis werde die Versicherte immer wieder in Konflikte verwickelt. In der
Regel befinde sie sich dabei in der unterlegenen Position. Sie werde angefeindet und
benachteiligt. Eine Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess sei aus psychiatrischer
Sicht wünschenswert. Die Versicherte sei aber auf eine weitgehende Unterstützung
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nicht nur bis zu einem Stellenantritt, sondern auch während der Eingliederungsphase
(respektive mindestens ein Jahr lang) angewiesen. Mit einer Mitteilung vom 29.
Dezember 2010 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine Arbeitsvermittlung zu (IV-act.
39). Wegen einer Magenoperation war die Versicherte bis Anfang Mai 2011 vollständig
arbeitsunfähig. Anschliessend konnte sie mithilfe des regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) ein Einsatzprogramm starten. Gleichzeitig versuchte
sie, eine finanzielle Lösung für eine Weiterbildung im Bereich Buchhaltung zu finden.
Weder das RAV noch die IV-Stelle beteiligten sich jedoch an den Kosten der
Weiterbildung. Ende Februar 2012 endete die Rahmenfrist für den Bezug der
Arbeitslosenentschädigung. Die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle beschloss
deshalb im Januar 2012, die Arbeitsvermittlung abzuschliessen (IV-act. 66). Am 7. Juni
2012 erging eine Mitteilung, mit der die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung abschloss und
einen Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen verneinte (IV-act. 69). Im Juli 2012
gab die Versicherte an, dass sie seit dem 16. Juli 2012 wieder in einem Vollzeitpensum
(45 Stunden pro Woche) tätig sei; der Monatslohn betrage 3’800 Franken (IV-act. 74).
Mit einer Verfügung vom 18. Februar 2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten ab (IV-act. 81). Zur Begründung führte sie an, der auf ein Vollpensum
hochgerechnete und an die zwischenzeitliche Nominallohnentwicklung angepasste
Lohn bei der früheren Arbeitgeberin habe sich auf 55’146 Franken belaufen. Dieser
Betrag sei als Valideneinkommen heranzuziehen. Der aktuelle Lohn betrage 49’400
Franken. Das entspreche rund 90 Prozent des Valideneinkommens, weshalb im
Einkommensvergleich nur ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von zehn
Prozent resultiere.
A.b Im September 2013 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an
(IV-act. 84). Die IV-Stelle forderte sie daraufhin auf, eine wesentliche Veränderung der
tatsächlichen Verhältnisse seit dem 18. Februar 2013 glaubhaft zu machen (IV-act. 87).
Im Oktober 2013 gab die Versicherte an (IV-act. 89), aktuell stehe die Multiple Sklerose
im Vordergrund. Seit Februar 2013 leide sie an einem unerträglichen Dauerschwindel.
Sie legte zwei Berichte des Neurologen med. pract. D._ vom März und August 2013
bei (IV-act. 90), laut denen sie Ende 2012, Anfang 2013 einen Schub der Multiplen
Sklerose erlitten hatte. Die Arbeitgeberin der Versicherten teilte im November 2013 mit
(IV-act. 95), sie habe diese von Juli 2012 bis Juli 2013 als kaufmännische
Sachbearbeiterin in einem Vollpensum beschäftigt. Der Monatslohn habe 3’800
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Franken betragen. Die Arbeitsleistung der Versicherten habe nicht den Anforderungen
entsprochen. Die Versicherte sei überfordert gewesen. Ab dem 8. Februar 2013 sei sie
der Arbeit krankheitsbedingt ferngeblieben. Am 18. November 2013 notierte Dr. med.
E._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), die Versicherte habe keine
relevante Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes seit der Abweisung des ersten
Leistungsbegehrens glaubhaft gemacht (IV-act. 98). Mit einem Vorbescheid vom 22.
November 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie nicht auf deren neues
Leistungsbegehren eintreten werde (IV-act. 101). Dagegen wandte die Versicherte am
30. Dezember 2013 ein (IV-act. 105), auf neu angefertigten MRI sei eine deutliche
Verschlechterung gegenüber dem Zustand vor drei Jahren ersichtlich. Als
„Überbleibsel vom letzten Schub“ leide sie an akuten Schwindelanfällen. Offenbar
beschloss die IV-Stelle in der Folge, weitere medizinische Berichte einzuholen (vgl. IV-
act. 107 ff.). Am 29. April 2014 berichtete Dr. med. F._ (IV-act. 114), die Versicherte
leide an einer multiplen Sklerose, an einer beidseitigen Sehfähigkeitsminderung und an
chronischen Kopfschmerzen sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
einer Migräne ohne Aura, an einer Adipositas, an einem Status nach einer
Magenverkleinerungsoperation und an einem Heuschnupfen. Genauere Angaben zur
Anamnese, zu den Befunden und zur Arbeitsfähigkeit könne nur der behandelnde
Neurologe Dr. D._ liefern. Dieser hatte bereits im März 2014 berichtet, dass die
Versicherte in etwa drei Wochen für eine berufliche Wiedereingliederung in einem
Pensum von 50 Prozent bereit sein werde (IV-act. 111). Der RAD hielt im Mai 2014 ein
Pensum von 50 Prozent mit einer langsamen Steigerung des Arbeitspensums für
zumutbar (IV-act. 115). Im Juni 2014 fand ein Assessmentgespräch betreffend
berufliche Eingliederungsmassnahmen statt, bei dem die Versicherte angab (IV-act.
127), dass die Klink Valens im Auftrag der Krankentaggeldversicherung einen
ausführlichen Abklärungsbericht erstatten werde. Sie wolle wieder arbeiten, am
liebsten im Bereich Rechnungswesen. Ihr fehle aber ein entsprechender
Fähigkeitsausweis.
A.c Am 3. Oktober 2014 erstattete die Klinik Valens im Auftrag der
Krankentaggeldversicherung einen neurologisch-psychiatrischen Bericht (Fremdakten).
Der Psychiater Dr. med. G._ hielt fest, eine adäquate Beurteilung sei ohne die
Kenntnis der Vorakten kaum möglich. Bei der persönlichen Untersuchung hätten
allerdings keine objektiven klinischen Befunde einer psychischen
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Gesundheitsbeeinträchtigung erhoben werden können. Der Neurologe Dr. med. H._
führte aus, klinisch habe sich ein ataktisches Syndrom mit gesteigerten
Muskeleigenreflexen, einem Nystagmus und einer organischen
Persönlichkeitsveränderung (Ein- und Umstellerschwernis, Distanzminderung und
Kritikeinschränkung) gezeigt. In einer neuropsychologischen Untersuchung habe die
Versicherte offenbar sehr von der strukturierten Untersuchungssituation profitiert und in
vielen Teilbereichen ordentliche Ergebnisse erzielt. Die Leistungsfähigkeit der
Versicherten sei insgesamt herabgesetzt. Aufgrund ihres teils distanzgeminderten
Verhaltens sei sie auf ein tolerantes Umfeld angewiesen. Primär körperliche Tätigkeiten
seien aufgrund der Ataxie nicht möglich. Es empfehle sich eine berufliche Reintegration
mit einer engen Begleitung zunächst in einem Pensum von etwa 50 Prozent. Mit einer
Mitteilung vom 10. Oktober 2014 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 136). Als Frühinterventionsmassnahme vergütete sie der
Versicherten zudem die Kosten für einen Weiterbildungskurs im Rechnungswesen im
Zeitraum vom 4. Februar 2015 bis zum 30. August 2016 (IV-act. 142 und 149). Mit einer
Mitteilung vom 9. Februar 2015 schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung ab und sie
verneinte einen Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen (IV-act. 150). Im April
2015 berichtete Dr. D._ (IV-act. 155), der Gesundheitszustand sei im Wesentlichen
unverändert geblieben. Bis auf weiteres werde die Versicherte als kaufmännische
Angestellte zu 50 Prozent arbeitsunfähig bleiben. Im August 2015 notierte die RAD-
Ärztin Dr. E._ (IV-act. 162), die Versicherte sei vom 8. Februar 2013 bis zum 31.
Dezember 2013 vollständig arbeitsunfähig gewesen. Für die Zeit ab dem 1. Januar
2014 sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent für die Tätigkeit als
kaufmännische Angestellte in einer verständnisvollen Umgebung auszugehen. Die IV-
Stelle verglich den früheren Lohn mit 50 Prozent eines auf 105 Prozent dieses Lohnes
„parallelisierten“ Vergleichseinkommens (IV-act. 164). Das ergab einen Invaliditätsgrad
von 47,5 Prozent (= 100% – 50% × 105%). Mit einem Vorbescheid vom 7. September
2015 teilte sie der Versicherten mit, dass sie die Zusprache einer Viertelsrente für die
Zeit ab dem 1. Februar 2014 vorsehe (IV-act. 166). Dagegen wandte die Versicherte am
12. Oktober 2015 ein, das Valideneinkommen sei zu tief angesetzt, denn sie hätte einen
höheren Lohn erhalten, wenn sie nicht krank geworden wäre (IV-act. 170). Auf eine
Anfrage der IV-Stelle hin teilte die frühere Arbeitgeberin im November 2015 mit, dass
die Versicherte nur eine Lohnerhöhung erhalten hätte, wenn sie sich „weiterentwickelt“
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hätte (IV-act. 175). Mit einer Verfügung vom 27. Januar 2016 sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Wirkung ab dem 1. März 2014 eine Viertelsrente zu (IV-act. 180).
B.
B.a Am 25. Februar 2016 erhob die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 27. Januar 2016 (act. G 1). Sie beantragte
die Zusprache mindestens einer halben Rente. Zur Begründung führte sie an (act. G 3),
im ersten Rentenverfahren sei die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
noch von einem wesentlich höheren Valideneinkommen ausgegangen. Weshalb das
Valideneinkommen nun plötzlich tiefer sein soll, sei nicht nachvollziehbar. Zudem
müsse ein „leidensbedingter Abzug“ von 15 Prozent berücksichtigt werden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. April 2016 die Feststellung, dass die
Beschwerdeführerin keinen Rentenanspruch habe (act. G 6). Zur Begründung führte sie
aus, die zuletzt erzielten Löhne könnten nicht als Valideneinkommen berücksichtigt
werden, da die Beschwerdeführerin keine der beiden Arbeitsstellen aus
gesundheitlichen Gründen verloren habe. Bei einer Würdigung des Auszugs aus dem
individuellen Beitragskonto falle auf, dass sich die Beschwerdeführerin jeweils mit
einem tiefen Lohn zufrieden gegeben habe. Doch selbst wenn zugunsten der
Beschwerdeführerin „wohlwollend“ ein Hilfsarbeiterlohn für ein Vollpensum von 51’441
Franken angerechnet würde, welchen „sie bisher nie erzielt hat“, würde kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren. Die Beschwerdeführerin könnte
nämlich als kaufmännische Angestellte gemäss den Ergebnissen der Schweizer
Lohnstrukturerhebung in einem Pensum von 50 Prozent ein Invalideneinkommen von
35’474 Franken erzielen. Der Invaliditätsgrad könne höchstens 36 Prozent betragen.
Ein Tabellenlohnabzug sei nicht gerechtfertigt.
B.c Die Beschwerdeführerin hielt am 1. Juni 2016 an ihrem Antrag fest und beantragte
die Durchführung einer mündlichen Verhandlung (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin
verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 9).
B.d Am 15. Mai 2018 fand eine mündliche Verhandlung statt, an der die
Beschwerdeführerin geltend machte, sie hätte im Verwaltungsverfahren mehr
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medizinische Abklärungen erwartet. Ihre Krankheit verlaufe schubförmig. Den ersten
Schub habe sie im Mai 2002 erlitten; die nächsten Schübe seien in den Jahren 2011
und 2013 aufgetreten. Seit dem letzten Schub leide sie an einem Schwindel. Sie habe
bessere und schlechtere Tage; tageweise falle sie völlig aus. Der behandelnde
Neurologe habe ihr gesagt, dass sie mit ihrer Krankheit leben müsse. Sie habe
Läsionen im Gehirn. Mehrere Herde verteilten sich im Gehirn und im Rückenmark. Die
von der Beschwerdegegnerin finanzierte Weiterbildung habe sie erfolgreich
abgeschlossen. Eine Anstellung im kaufmännischen Bereich habe sie nicht gefunden.
Kein Arbeitgeber wolle eine Arbeitnehmerin anstellen, die unerwartet tageweise ausfalle
und die nicht fähig sei, eine konstante, zuverlässige Arbeitsleistung zu erbringen. Sie
arbeite deshalb als Zeitungsverträgerin in einem Pensum von 35 Prozent.
B.e Ebenfalls noch am 15. Mai 2018 reichte die Beschwerdeführerin eine Kopie ihres
Diploms „Sachbearbeiterin Rechnungswesen edupool.ch“ vom 27. Oktober 2016 ein
(act. G 15 und G 15.1). Auf eine entsprechende Aufforderung des
Versicherungsgerichtes hin (act. G 14) reichte die Beschwerdegegnerin am 18. Mai
2018 die seit dem 1. April 2016 aufgelaufenen Akten ein (act. G 17.1). Sie machte
geltend (act. G 17), nach der Beschwerdeerhebung seien keine Schritte mehr getätigt
worden. Da die Kosten der Weiterbildung im Rahmen einer
Frühinterventionsmassnahme vergütet worden seien, sei der Erfolg der Massnahme
nicht überwacht worden. Die Beschwerdegegnerin habe deshalb bislang noch keine
Kenntnis vom erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung gehabt.

Erwägungen
1.
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, wird eine
neue Anmeldung gemäss dem Art. 87 Abs. 3 IVV nur geprüft, wenn glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Die Beschwerdegegnerin hat mit einer Verfügung vom 18. Februar 2013
ein erstes Rentenbegehren der Beschwerdeführerin mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades abgewiesen. Diese Verfügung ist
unangefochten formell rechtskräftig und damit verbindlich geworden. Schon im
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September 2013 hat sich die Beschwerdeführerin erneut zum Leistungsbezug
angemeldet. Zur Glaubhaftmachung einer relevanten Sachverhaltsveränderung seit
dem 18. Februar 2013 hat sie zwei Berichte des behandelnden Neurologen Dr. D._
eingereicht. Die RAD-Ärztin Dr. E._ hat zwar zunächst festgehalten, dass die
diskreten neuen bildgebenden Befunde keine relevante Sachverhaltsveränderung
glaubhaft machten. Sie hat aber offenbar übersehen, dass Dr. D._ über einen Schub
der multiplen Sklerose zu Beginn des Jahres 2013 berichtet hatte. Die
Beschwerdegegnerin hat dann (nach der Eröffnung eines entsprechenden
Vorbescheides) trotz der Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. E._ noch einen in
Aussicht gestellten Bericht der Klinik Valens abgewartet. Dieser hat weitere Hinweise
auf eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin enthalten, weshalb die RAD-Ärztin Dr. E._ gestützt darauf
festgestellt hat, die wesentliche Sachverhaltsveränderung sei nun glaubhaft gemacht.
Diese revidierte Würdigung ist unter Berücksichtigung der Angaben der Dres. D._
und H._ überzeugend, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die
Neuanmeldung vom September 2013 eingetreten ist.
2.
2.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität
wird laut dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
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2.2 Die Beschwerdeführerin hat im Jahr 2001 eine kaufmännische Ausbildung
begonnen. Im Folgejahr ist erstmals eine Multiple Sklerose diagnostiziert worden. Zwar
hat die Beschwerdeführerin ihre Ausbildung dann im Jahr 2004 planmässig
abgeschlossen, aber sie ist bei der ersten Aufnahme einer Erwerbstätigkeit (nach dem
Abschluss der Ausbildung) bereits gesundheitlich beeinträchtigt gewesen. Mit anderen
Worten hat sie zwar die Ausbildung abgeschlossen, aber den erlernten Beruf der
kaufmännischen Angestellten gar nie als Gesunde („Valide“) ausgeübt. Da die
Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin also von Beginn weg von einer
Gesundheitsbeeinträchtigung überschattet gewesen ist, kann keines der von ihr
erzielten Erwerbseinkommen als Valideneinkommen herangezogen werden. Daran
ändert der Umstand, dass in den Kündigungsschreiben der früheren Arbeitgeber –
unspezifisch – auf eine Überforderung beziehungsweise auf eine ungenügende
Leistungsfähigkeit hingewiesen worden ist, selbstverständlich nichts, denn sowohl die
mangelnde Leistungsfähigkeit als auch die Überforderung dürften massgebend durch
die Gesundheitsbeeinträchtigung mitverursacht gewesen sein. Die entsprechende
Argumentation der Beschwerdegegnerin verfängt also schon deshalb nicht, weil die
Beschwerdeführerin damals bereits längst an einer Gesundheitsbeeinträchtigung
gelitten hat, weshalb beim effektiv erzielten Lohn offensichtlich nicht von einem
„Valideneinkommen“ gesprochen werden kann. Da die Beschwerdeführerin ihre
kaufmännische Ausbildung vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
begonnen hat und da sie diese trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung erfolgreich hat
abschliessen können, steht jedenfalls fest, dass ihre Validenkarriere jene einer
kaufmännischen Angestellten ist. Mangels Hinweisen auf eine deutlich über- oder
unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin (ohne
Berücksichtigung der Gesundheitsbeeinträchtigung) ist von einer durchschnittlichen
Leistungsfähigkeit auszugehen, die es der Beschwerdeführerin im sogenannten
„hypothetischen Gesundheitsfall“ ermöglicht hätte, einen durchschnittlichen Lohn einer
kaufmännischen Angestellten zu erzielen. Das hat auch die Beschwerdegegnerin
eingeräumt, denn sie hat in ihrer Beschwerdeantwort geltend gemacht, die
Beschwerdeführerin könne trotz ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung einen dem
zumutbaren Pensum von 50 Prozent entsprechenden durchschnittlichen Lohn einer
kaufmännischen Angestellten erzielen. Diese Fähigkeit kann die Beschwerdeführerin
natürlich nicht durch die Erkrankung neu gewonnen haben; die Ausführungen der
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Beschwerdegegnerin können nur so verstanden werden, dass diese ebenfalls (zu
Recht) davon ausgeht, die Beschwerdeführerin habe die entsprechende Fähigkeit nicht
verloren. Der Vorwurf der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin habe sich
freiwillig mit einem deutlich unter einem Hilfsarbeiterinnenlohn liegenden
Erwerbseinkommen begnügt, ist absurd, denn die Beschwerdeführerin ist ja gar nie als
Gesunde erwerbstätig gewesen. Zusammenfassend ist also kein Grund ersichtlich, der
Zweifel an der Annahme wecken würde, die Beschwerdeführerin hätte ohne jede
Gesundheitsbeeinträchtigung ein durchschnittliches Erwerbseinkommen einer
kaufmännischen Angestellten erzielen können. Als Valideneinkommen ist folglich der
branchenübliche Lohn zu berücksichtigen, den eine kaufmännische Angestellte mit
dem von der Beschwerdeführerin mittlerweile erlangten Diplom und mit jener
Berufserfahrung erzielen könnte, über die die Beschwerdeführerin heute verfügen
würde, wenn sie seit dem Ausbildungsabschluss als kaufmännische Angestellte tätig
gewesen wäre.
2.3 Gestützt auf die bei den Akten liegenden medizinischen Berichte steht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch medizinische Massnahmen nicht
verbessert werden kann. Da der erlernte Beruf als kaufmännische Angestellte die
Ausübung einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit erlaubt und da der Invaliditätsgrad
der Beschwerdeführerin folglich nur durch eine Umschulung in einen sogenannt
höherwertigen Beruf beeinflusst werden könnte, kann als rentenrelevante berufliche
Eingliederung nur eine entsprechende Umschulungsmassnahme in Frage kommen. In
antizipierender Beweiswürdigung ist aber davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin eine solche – entsprechend anspruchsvolle – Umschulung
gesundheitsbedingt nicht erfolgreich abschliessen könnte. Zusammenfassend kann die
Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin also weder durch medizinische noch durch
berufliche Eingliederungsmassnahmen beeinflusst werden.
2.4 Der Neurologe Dr. H._ hat – im Auftrag der Krankentaggeldversicherung –
überzeugend dargelegt, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für sämtliche
Tätigkeiten um 50 Prozent eingeschränkt ist. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung stimmt
zudem mit jener des behandelnden Neurologen Dr. D._ überein, was ihr eine
zusätzliche Überzeugungskraft verleiht. Auch der RAD hat die
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Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._ als überzeugend qualifiziert. Die
Beschwerdegegnerin ist deshalb zu Recht von einer überwiegend wahrscheinlichen
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50 Prozent selbst für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten ausgegangen. Da der Beschwerdeführerin trotz ihrer
Gesundheitsbeeinträchtigung die Verrichtung einer kaufmännischen Tätigkeit weiterhin
zugemutet werden kann, entspricht der Ausgangswert des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens dem Valideneinkommen. Der Betrag kann deshalb für
die Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch betrachtet keine Rolle spielen;
der Invaliditätsgrad ist anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu errechnen, das
heisst er entspricht dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen Abzug
vom Tabellenlohn. Ein solcher Abzug ist vorliegend gerechtfertigt, da es sich bei der
verbliebenen Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent um einen Mittelwert handelt, der dem
Umstand keine Rechnung trägt, dass die Beschwerdeführerin ihre verbliebene
Leistungsfähigkeit nur schwankend und damit schwer planbar wird erbringen können.
Für einen potentiellen, betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkenden Arbeitgeber
stellen die Leistungsschwankungen und damit die schlechte Planbarkeit hinsichtlich
des täglichen Arbeitsergebnisses der Beschwerdeführerin erhebliche
betriebswirtschaftliche Nachteile dar, die er lohnmindernd berücksichtigen muss.
Zudem muss er das Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Absenzen
einkalkulieren. Das rechtfertigt zusammenfassend einen praxisgemässen
Tabellenlohnabzug von 15 Prozent. Unter Berücksichtigung des
Arbeitsunfähigkeitsgrades von 50 Prozent ergibt sich folglich ein Invaliditätsgrad von
57,5 Prozent (= 100% – 85% × 50%). Damit besteht gemäss dem Art. 28 Abs. 2 IVG
ein Anspruch auf eine halbe Rente.
2.5 Bezüglich des Zeitpunktes des Rentenbeginns erweist sich die angefochtene
Verfügung als rechtmässig, da das sogenannte Wartejahr im März 2013 zu laufen
begonnen und folglich am 28. Februar 2014 geendet hat und da sich die
Beschwerdeführerin im September 2013 (gerade noch rechtzeitig im Sinne des Art. 29
Abs. 1 IVG) zum Leistungsbezug angemeldet hat.
3.
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In Gutheissung der Beschwerde ist folglich die angefochtene Verfügung vom 27.
Januar 2016 aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit
Wirkung ab dem 1. März 2014 einen Anspruch auf eine halbe Rente der
Invalidenversicherung hat. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenbeträge an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dieser Verfahrensausgang entspricht
hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen einem vollständigen Obsiegen der
Beschwerdeführerin. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind deshalb der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die nicht anwaltlich vertretene
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.