Decision ID: 039101d6-f4c2-435a-9af8-39e529a57f13
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1956 geborene
X._
meldete sich am 15. Oktober 2014 (Ein
gangs
datum) unter Hinweis auf eine Operation an der linken Schulter bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Diese tätigte medizinische (Urk. 7/10, 7/12, 7/25, 7/36, 7/40) sowie erwerbliche (Urk.
7/11,
7/13) Abklärungen und zog die Akten des Krankentag
geldversicherers bei (Urk. 7/
3, 7/20, 7/30). Mit Schreiben vom
3. März 2015 teilte sie der Versicherten mit, es könnten keine beruflichen Massnahmen durchgeführt werden (Urk. 7/27).
Sie
veranlasste die Erstellung eines polydisziplinären Gutach
tens bei der Begutachtungsstelle
Y._
,
welches am 11. August 2016 erstattet wurde (Urk. 7/57). Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1.
Juni 2017 einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2 [= 7/74]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
3.
Juli 2017 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, es sei
en ihr ab dem 1. April 2014 eine ganze Invalidenrente sowie eine Entschädigung für Hilflosigkeit schweren Grades auszurichten. Eventualiter sei eine neurologische Begutachtung anzuordnen. Zudem sei eine Untersuchung in einem Schlaflabor durchzuführen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 11. September 2017 schloss die IV-Stelle auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
6.
September 2017 angezeigt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes ü
ber die Invalidenversicherung,
IVG)
E
rwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
chenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur
Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursache
und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und anschliessende
Urteile) angepasst und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen habe, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen müsse. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit habe die durch BGE 130 V 352 begründete Rechtsprechung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung bezweckt.
Dieses Regel
/Ausnahme-Modell werde durch ein strukturiertes Beweisverfahren ersetzt. An der Rechtsprechung
zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berück
sichti
gung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumut
barkeitsprüfung bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Person (Art. 7
Abs. 2 ATSG) – ändere sich dadurch nichts. An die Stelle des bisherigen Krite
rienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) träten jedoch – vom Bundesgericht näher umschrie
bene – Standardindikatoren, die sich in die Kategorien Schweregrad und Konsi
stenz der funktionellen Auswirkungen einteilen liessen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komor
bidität werde mit der Änderung der Rechtsprechung verzichtet. Der neu formu
lierte Prüfungsraster sei rechtlicher Natur. Recht und Medizin wirkten sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzelfall zusammen. Im Grunde konkretisierten die in BGE 141 V 281 E. 4 und E. 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgebe
ri
schen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Das Bundesgericht hielt ferner fest, dass die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades nur zulässig sei, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen seien. Fehle es daran, habe die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das
gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.6
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Kon
stel
lation, liegt
regelmässig
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (siehe Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der Invalidi
tätsbemessung, Schaffhauser/
Schlauri
[Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 92 f.). Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im All
tag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (siehe Kopp/Willi/Klippstein, Im Graubereich zwischen Körper, Psyche und sozialen Schwierigkeiten, in: Schweizerische Medizinische Wochenschrift 1997, S.1434, mit Hinweis auf eine grundlegende Untersuchung von Winckler und Foerster; BGE 131 V 51).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen,
die Versicherte sei polydisziplinär begutachtet worden.
Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung sei ein
aggra
vatorisches
Verhalten festgestellt worden. Aus somatischer Sicht sei sie vollstän
dig arbeitsfähig. Damit liege kein invalidisierender Gesundheitsschad
en vor (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, aus dem Gutachten gehe hervor, dass sie während der Untersuchungen krankheitsbedingt nicht habe koope
rieren können. Sie sei psychiatrisch so stark eingeschränkt, dass sie keine verlässlichen Angaben machen könne. Dass die IV-Stelle dies von ihr verlangt habe, stelle ein willkürliches Verhalten dar. Im Resultat sei sie mit den Gutachtern zwar einverstanden, jedoch habe es die psychiatrische Gutachterin zu Unrecht unterlassen, eine schriftliche Stellungnahme ihres behandelnden Psychiaters ein
zuholen. Zudem hätte sie auch neurologisch begutachtet werden müssen. Dass dies unterlassen worden sei, stelle eine Verletzung der Abklärungspflicht dar. Sie sei vollständig arbeitsunfähig, weshalb sie Anspruch auf eine ganze Invaliden
rente habe. Da sie im Alltag bei allen Tätigkeiten auf die Hilfe einer Dritt
person angewiesen
sei
, stehe ihr auch die Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung
schweren Grades zu (Urk. 1).
3.
3.1
3.1.1
Im
Y._
-Gutachten vom 11. August 2016 wurden folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 7/57 S. 34):
-
rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig schwere Episode mit psy
cho
tischen Symptomen
-
DD: demenzielle Erkrankung unklaren Typs
-
DD:
histrionische
Persönlichkeitsstörung
-
chronisches Schulterschmerzsyndrom beidseits mit ausgeprägter Bewe
gungs
einschränkung und
Tendomyosen
bei
-
Status nach Schulterarthroskopie,
Bicepstenotomie
,
subacromialer
Dekompression,
Bursektomie
,
Acromioplastik
, AC-Resektion links 05/2014
-
Status nach Schulterarthroskopie,
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
,
Bicepstenotomie
,
AC-Resektion rechts 08/2013
-
hochgradige Haltungsinsuffizienz und muskuläre
Dysbalance
-
röntgenologisch beidseits ohne Auffälligkeiten (
Rx
8.6.2016)
3.1.2
Im internistischen Teilgutachten wurde ausgeführt, beim Versuch, die Explo
ran
din zu begrüssen, meide diese den Blickkontakt zum Gutachter und drehe den Kopf zur Seite. Sie müsse von ihrer Tochter dazu ang
ehalten werden, ihm die Hand zu reichen. Beim Gang ins Untersuchungszimmer werde die Explorandin von der Tochter gestützt. Sie setze sich nur mit Hilfe der Tochter auf den Stuhl. Die Explorandin kooperiere in
keinster
Weise, zeige sich abwesend, stöhne per
manent, halte sich mit der Hand den Kopf, atme tief ein und mache «Oh-Laute»
. Die Explorandin kleide sich auch nicht selbständig aus und an. Dies werde von der Tochter erledigt. Sie lasse sich bedienen und gebe sich vollkommen hilflos
(Urk. 7/57 S. 15
-16
).
Die
enoralen
Schleimhäute könnten nicht untersucht werden, weil die Explo
randin den Mund nicht richtig öffne. Bei der Untersuchung des Thorax würden diffuse
Druckdolenzen
angegeben, zum Teil schreie die Explorandin heftig auf und stöhne bei der feinsten Palpation der
Sternocostalregion
(Urk. 7/57 S. 16).
Es sei nicht möglich, mit der Explorandin zu kommunizieren, sie demonstriere völlige Hilflosigkeit, sei völlig passiv und kooperiere nicht (Urk. 7/57 S. 17).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, aus internistischer Sicht lasse sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (Urk. 7/57 S. 18).
3.1.3
Im orthopädischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Explorandin
beantworte
die Fragen des Gutachters
nicht
, weshalb nur eine Fremdanamnese erhoben werden könne.
Die Explorandin werde von der Tochter ins Untersuchungszimmer geführt. Sie wirke orientierungslos und nehme keinen Blickkontakt auf. Bei der klinischen Untersuchung werde eine ubiquitäre Schmerzhaftigkeit unterschied
lichen Grades geäussert. Die Explorandin reagiere mit wechselnd intensiven Abwehrbewegungen, körperlichen und mimischen Reaktionen. Aufgrund dessen könne die orthopädische Untersuchung nur mit grossen Einschränkungen vorge
nommen werden. Die Bewegungsausmasse der Wirbelsäule sowie der Extremi
täten könnten nur mit Vorbehalt festgelegt werden. Die Angaben von schmerz
haften Bewegungseinschränkungen, Palpations- und Bewegungsschmerzäusse
rungen seien nur bedingt reproduzierbar (Urk. 7/57 S. 20).
Die Bildgebung zeige eine Kyphose-Fehlhaltung der Halswirbelsäule auf Höhe C4 bis C
6.
Zudem sei eine
Osteochondrose
erkennbar. Weiter bestehe eine Spinal
kanal
einengung mit begleitender
Spondylarthrose
und
Uncovertebralarthrose
. Bei der rechten Schulter seien zwei
Mitek
-Anker im
Humeruskopf
vorhanden, vermutlich bei Status nach einem
Rotatorenmanschettenriss
. Weichteil
verkal
kungen würden nicht
vorliegen, genauso wenig im linken Schultergelenk. Hier sei jedoch ein kleiner
Akromionsporn
erkennbar als Hinweis auf ein mögliches chronisches
Impingement
(Urk. 7/57 S. 21).
Im Vordergrund stehe offensichtlich eine Schmerzsymptomatik im Bereich des Schultergürtels und der Halswirbelsäule. Die Befunderhebung gestalte sich jedoch äusser
s
t schwierig. Aufgrund der Abwehr sei eine differenzierte Untersuchung kaum möglich,
weshalb nur unter Vorbehalt Angaben gemacht werden könnten. Zusammenfassend lasse sich aus orthopädischer Sicht eine Funktionsein
schrän
kung der Schultergelenke beidseits mässigen Grades feststellen, in gewissem
Masse auch eine Funktionseinschränkung der Halswirbelsäule (Urk. 7/57 S. 22-23).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, aufgrund der herabgesetzten Belastbar
keit der Schultergelenke seien der Versicherten keine Tätigkeiten über Schulter
höhe oder allgemein mit stärkerer Belastung der Arme zumutbar (Urk. 7/57 S. 24-25).
3.1.4
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt,
es könne keine Anamnese
erhoben werden. Die Explorandin beantworte keine Fragen. Sie klage zwischen
durch spontan über starke Schmerzen, insbesondere Kopf- und Rücken
schmer
zen,
wobei sie sich nicht in Worten, sondern nur in Lauten äussere. Es sei nicht möglich, ein Gespräch zu führen (Urk. 7/57 S. 27).
Die Explorandin sitze während der Untersuchung unruhig und seufzend im Stuhl, bewege sich hin und her. Gemäss Angaben der Dolmetscherin sei sie bezüglich Raum, Ort, eigener Person und Situation nicht orientiert. Sie gebe stereotyp zur Antwort, sie wisse es nicht und der Kopf schmerze. Auf Aufforderung hin, der Gutachterin in die Augen zu schauen, mache sie das Gegenteil. Dies deute darauf hin, dass es sich um eine Interaktion handle und die Explorandin die Anweisung verstehe (Urk. 7/57 S. 28).
Die Explorandin könne sich im Gebäude nicht orientieren, bewege sich scheinbar orientierungslos im Treppenhaus. Am Ende des Gesprächs finde sie die Tür nicht selbständig. Die
Stimmung sei nicht beurteilbar. Insgesamt zeige sich das Bild einer praktisch vollständigen Beeinträchtigung der psychischen Funktionen (Urk. 7/57 S. 28).
Insgesamt gestalte sich die Exploration äussert schwierig beziehungsweise un
mög
lich. Die Explorandin kooperiere in keiner Weise. Auch mit Hilfe der Dol
metscherin könne kein Zugang gefunden werden. Sie führe keine Anleitung in dem Sinne aus, wie sie angeordnet werde. Dies deute auf eine massive Aggra
vation beziehungsweise eine
histrionische
Verarbeitung hin. Auch bei einer demenziellen Erkrankung wäre
anzunehmen, dass gewisse Kenntnisse noch vorhanden wären. Die Explorandin sei beispielsweise gefragt worden, wie ihr Ehe
mann oder ihre Kinder heissen würden. Sie habe geantwortet, sie wisse nicht wie ihr Ehemann heisse und habe zu viele Kinder (Urk. 7/57 S. 30).
Aufgrund der Untersuchung lasse sich psychiatrisch kaum eine logische Diagnose stellen. Die Anamnese sei nicht schlüssig, so sei nicht nachvollziehbar, weshalb sich nach der Kündigung eine derartige Verschlechterung des psychischen Zu
stan
des ergeben habe, indem die Explorandin praktisch auf ein
Kleinkind-Niveau regrediert sei. Fremdanamnestisch würden jedoch glaubhaft Einschränkungen der psychischen Funktionsfähigkeit geschildert, die sich über alle Lebensbereiche erstrecken würden. Die Versicherte nehme nicht mehr am sozialen Leben teil, habe keine Aktivitäten mehr und beschäftige sich nicht einmal mit den Enkel
kindern (Urk. 7/57 S. 30).
3.1.5
In der interdisziplinären Zusammenfassung wurde festgehalten, im Vordergrund der Exploration stehe das auffällige Verhalten der Versicherten, die sich voll
kommen
unkooperativ
verhalte, quasi apathisch sei und den Augenkontakt meid
e. Gesamthaft beurteilt sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
(Urk. 7/57 S. 39).
3.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei auf das
Y._
-Gutachten abzu
stellen, obwohl dieses
teilweise mangelhaft sei
(Urk. 1 S. 9 ff.).
Die Gutachter hielten übereinstimmend fest, die Beschwerdeführerin habe in
keinster
Weise kooperiert und aussagekräftige Untersuchungen verunmöglicht (Urk. 7/57 S. 15, S.
19 f., S.
27). Da keine allseitigen und umfassenden Unter
suchungen vorgenommen werden konnten, kann entgegen der Ansicht der Be
schwerdeführerin nicht unbesehen auf die Einschätzung der Gutachter abgestellt werden.
Der orthopädische Gutachter stützte sich bei seiner Beurteilung mehrheitlich auf die
Vorakten
sowie die bildgebenden Befunde (Urk. 7/57 S. 21). Basierend darauf schloss er auf eine Funktionseinschränkung der Schultergelenke beidseits sowie – in gewissem Masse – der Halswirbelsäule (Urk. 7/57 S. 23).
Diese Beurteilung steht in Einklang
mit der Einschätzung des behandelnden Orthopäden. Im Bericht der Uniklinik
Z._
vom 13. November 2014 wurde festgehalten, die Patientin könne keine Arbeiten verrichten, die das Heben von schweren Gewichten über den ganzen Tag beinhalten würden. Repetitives Hantieren mit Gewichten bis zu 2 kg bis Kopfhöhe sei ihr jedoch zumutbar (Urk. 7/10 S. 7-8).
Aus dem Arbeit
geberfragebogen geht hervor, dass die Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin kein Heben oder Tragen schwerer oder mittelschwerer Gegenstände umfasst (Urk. 7/13 S. 5), weshalb gestützt auf diese
orthopädischen Beurteilungen von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit auszugehen ist.
Die psychiatrische Gutachterin kam zwar zum Schluss, es liege eine Einschrän
kung der gesamten psychischen Funktionsfähigkeit vor. Gleichzeitig wies sie jedoch darauf hin, dass sich
aufgrund
der Untersuchung keine logische Diagnose
stellen
lasse. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Kündigung zu einer derartigen Verschlechterung des psychischen Zustandes geführt habe. Die Be
schwerdeführerin habe in keiner Weise kooperiert und keine Anleitung in dem Sinne ausgeführt, wie sie angeordnet worden sei. Dies deute auf eine massive Aggravation beziehungsweise eine
histrionische
Verarbeitung hin (Urk. 7/57 S. 30).
3.3
Wie bereits dargelegt (E.
1.6), liegt keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, wenn die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstel
lation beruht.
Die Beschwerdeführerin
zeigte sich absolut
unkooperativ
und führte keine Anweisung
aus
, die ihr
erteilt
wurde
.
Ihre
Tochter musste sie an- und au
skleid
en (Urk. 7/57 S. 16). Aus den Akten ergibt sich indes, dass die Beschwerdeführerin fähig
ist
, sich selber anzuziehen. So schilderte die Tochter, sie würde ihr jeweils die Kleider
bereit legen
(Urk. 7/57 S. 27). Dass sie
ihrer Mutter beim Anziehen helfen müsse
, erwähnte sie jedoch nicht.
Weiter
führte sie aus, die Beschwerdeführerin müsste jeweils dazu ermuntert werden, sich zu waschen und zu essen (Urk. 7/57 S. 27). Die Beschwerdeführerin
ist
demnach in der Lage,
Anweisungen zu verstehen und umzusetzen
. Dass
die Beschwer
de
führerin zur Interaktion fähig ist,
folgerte auch
die psychiatrische Gutachterin. So hielt sie fest
,
die Beschwerdeführerin habe weggesehen, als sie sie dazu auf
gefordert habe, ihr in die Augen zu schauen
(Urk. 7/57 S.
28
). Aus dem Gutachten ergibt sich weiter, dass die Beschwerdeführerin das Gespräch
verweigerte und lediglich
«Oh-Laute» von sich
gab
(Urk. 7/57 S. 15).
Im Gegensatz daz
u zeigt sich in den Berichten der behandelnden Ärzte
, dass die Beschwerdeführerin
durchaus
fähig
ist
, ihre Beschwerden zu schildern. So wurde im Bericht der Universi
täts
klinik
Z._
angegeben, die Patientin beklage langsam auftretende Schulter- und Nackenschmerzen (Urk. 7/30 S. 5). Im Bericht der Klinik für Pneumologie
vom 2
8.
Dezember
2015 wurde
ausgeführt
,
die Patientin
klage
über seit 2-3 Jahren
bestehende ausgeprägte Durchschlafstörungen, Tagesmüdigkeit und eine Eins
chlaf
neigung (Urk. 7/47 S. 3). Es ist daher nicht schlüssig, weshalb die Be
schwer
deführerin gegenüber allen
Y._
-Gutachtern keinerlei Angaben machte.
Nicht nachvollziehbar ist auch, dass
die Beschwerdeführerin gegenüber der psychia
trischen Gutachterin
angab
, sie
könne sich nicht an den Namen ihres Ehemannes erinnern und habe zu
viele Kind
er (Urk. 7/57 S.
28).
Dem Bericht der
Klinik
A._
vom 1. Oktober 2015 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
äusserte
, die Kinder ihrer Tochter zu lieben. Zudem wurde der stationäre Aufent
halt wegen Heimweh abgebrochen (Urk. 7/
35
S. 3), was für eine intakte Bezieh
ung zu ihrer Familie spricht.
Ein weiterer Widerspruch zeigt sich darin, dass sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung komplett orientierungslos gab
(Urk. 7/57 S. 28)
, sogar die Tür nach der psychiatrischen Begutachtung nicht mehr fand (Urk. 7/57 S.
28), im Bericht der
Klinik
A._
vom 1. Oktober 2015 hingegen vermerkt wurde, die Patientin sei vollständig orientiert (Urk. 7/35 S. 1).
Zu b
erücksichtigen ist ferner der erhobene Medikamentenspiegel. In diesem lag lediglich eines der verordneten Medikamente im therapeutischen Bereich
(Urk. 7/57 S. 42
)
.
Die Beschwerdeführerin macht geltend,
ihr auffälliges Verhalten sei krankheits
bedingt, was eine Aggravation ausschliesse. Auch die Gutachter hätten erkannt, dass sie nicht kooperieren könne. Die fehlende Kooperation sei nicht auf die mangelnde Bereitschaft, sondern auf ihr Unvermögen zurückzuführen. Sie sei psychiatrisch vollständig eingeschränkt
. Es verletze das Willkürverbot, von ihr zu verlangen, verlässliche Angaben zu
machen
(Urk. 1). Zwar ist der Beschwerde
führerin darin Recht zu geben, dass im Gutachten
festgehalten wurde, schon bei der Begrüssung werde ersichtlich, dass die Versicherte nicht kooperieren könne (Urk. 7/57 S. 15). Diese Bemerkung erfolgte jedoch vom internistischen Gutach
ter, der über keine Fachausbildung im Bereich Psychiatrie verfügt. Aus diesem Grund eignet sie sich nicht dazu, eine krankheitsbedingte Unmöglichkeit zur Koope
ration zu belegen.
Gegen ein krankheitsbedingtes Verhalten spricht
auch
, dass in den Berichten des behandelnden Psychiaters über nichts Derartiges be
richtet wu
rde (Urk. 7/25, 7/40). Da sich die Beschwerdeführerin alle drei Wochen in Behandlung begibt (Urk. 7/40 S. 3), erscheint fraglich, wie diese überhaupt durchgeführt werden könnte, wäre die Beschwerdeführerin krankheitsbedingt nicht in der Lage zu kommunizieren.
Zudem hätten - spätestens bei Erhebung der
Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht
–
Erwachsenenschutz
mass
nahmen angeordnet werden müssen (vgl. Art. 390 des Schweizerischen Zivilge
setzbuches [ZGB]), w
äre die Beschwerdeführerin
tatsächlich in der geltend ge
machten Art und Weise psychiatrisch
eingeschränkt
. Dass dies unterlassen wurde, spricht gegen ein krankheitsbedingtes Verhalten.
Aufgrund
der
zahlreichen Widersprüche
in den Akten
ist
der Ansicht der
psy
chiatrischen Gutachterin,
es liege eine massive Aggravation vor
,
zu folgen
.
3.4
Damit ist aufgrund des hier erfüllten Ausschlussgrundes der Aggravation an
zunehmen, dass aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeits
fähig
keit resultiert. Da aus orthopädischer Sicht eine vollständige Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit besteht, ist ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen.
4.
Die Beschwerdeführerin macht im Eventualstandpunkt geltend, sie sei neurolo
gisch zu
untersuchen
. Die psychiatrische Gutachterin habe empfohlen, eine MRI-Untersuchung des Schädels zu veranlassen
,
um ein organisches Substrat der psychiatrischen Beschwerden auszuschliessen. Die IV-Stelle habe dies zu Unrecht unterlassen und damit ihre Abklärungspflicht verletzt. Zudem sei
abzuklären, ob sie unter einer Schlafapnoe leide (Urk. 1 S. 13).
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Dezember 2015
pneumologisch
untersucht wurde
. Die lungenfunktionelle Untersuchung war unauffällig. Die ABGA ergab keine Hinweise für eine alveoläre Hypoventilation und zeigte eine respiratorische
Alkalose
bei Hyperventilation. Die Ärzte kamen zum Schluss, dass die Schlafstörung und Müdigkeit in erster Linie durch die psy
chische Erkrankung und die chronische ausgeprägte Schmerzproblematik bedingt sei (
Urk.
7/47 S. 3). Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle keine weiteren Untersuchungen veranlasste. Eine
Beurteilung
in einem Schlaflabor erscheint nicht notwendig. Gleiches gilt für die beantragte neu
rologische
Untersuchung.
Da die Beschwerdeführerin sämtliche Untersuchungen
verunmöglichte, ist nicht ersichtlich, inwiefern weitere medizinische Abklä
rungen
neue
entscheidrelevante
Erkennt
n
isse liefern könnten.
5.
Nach dem Gesagten verneinte die IV-Stelle zu Recht einen Anspruch der Ver
sicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung. Die Beschwerde ist abzu
weisen.
6.
Die Gerichtskosten sind auf Fr. 700.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
).