Decision ID: f999898a-2f7e-58b5-b81e-d8cfd4b88545
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsbürger tamilischer Ethnie,
verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am 31. Oktober 2018 mit sei-
nem Onkel, B._, (N [...]) auf dem Luftweg mit einem indischen
Pass. Über Indien und Dubai gelangten sie nach Italien, von wo sie mit
dem Zug am 7. November 2018 in die Schweiz einreisten und gleichentags
um Asyl nachsuchten. Am 23. November 2018 wurde der Beschwerdefüh-
rer auf Italienisch summarisch befragt (Befragung zur Person, nachfolgend
BzP).
Er führte im Wesentlichen aus, er sei tamilischer Ethnie und stamme aus
C._ (Nordprovinz), wo er seit seiner Geburt bis am 22. September
2018 mit seinen Eltern und zwei jüngeren Schwestern gelebt habe. Er habe
(...) repariert. Seine Familie besitze zudem Land. Sie betreibe Landwirt-
schaft. Am 5. September 2018 habe das Criminal Investigation Department
(CID) ihm und seinem Onkel mit dem Tod gedroht. Auf ihrem Grundstück
sei ein Schatz ausgegraben worden. Das CID habe sie verdächtigt, den
Schatz ausgegraben zu haben. Er sei jedoch am Arbeiten gewesen. Sein
Vater habe ihn wissen lassen, dass das CID wegen ihm und dem Onkel
gekommen sei, und habe ihm gesagt, er solle sich verstecken. Vom
23. September 2018 bis zur Ausreise habe er sich in Colombo aufgehalten.
Sie hätten auch noch einen Brief des CID erhalten, dass sie sich melden
müssten und wenn sie sich nicht melden würden, dies Konsequenzen ha-
ben werde. Zwei Tage später sei sein Vater vom CID auf einen Hügel mit-
genommen worden.
B.
Am 27. August 2019 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu seinen
Asylgründen auf Deutsch angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen geltend,
Anfang August 2018 habe jemand ihn und seinen Onkel beobachtet, als
sie auf ihrem Grundstück einen Schacht angeschaut hätten. Bezüglich des
Grundstücks gebe es einen Streit mit Singhalesen, deshalb sei das CID
darüber informiert worden. Er wisse jedoch nicht, wer dort was und wann
ausgegraben habe. Am 5. September 2018 habe ihn sein Vater angerufen
und ihm mitgeteilt, dass das CID ihn und den Onkel gesucht habe und er
nicht mehr nach Hause kommen, sondern zur Tante gehen solle. Er habe
sich eine Woche bei seiner Tante aufgehalten. In der Umgebung rund um
ihr Haus sei ständig das CID anwesend gewesen, weshalb sein Vater ihm
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gesagt habe, er solle nach Colombo gehen. Kurze Zeit nach der Ankunft in
Colombo sei ein Brief zu Hause angekommen. Er und sein Onkel seien
darin aufgefordert worden, zur CID-Abteilung zu kommen, ansonsten es
keine Garantie für ihr Leben gäbe. Eine Woche, nachdem dieser Brief ge-
kommen sei, habe man seinen Vater mit Gewalt in einem Van in ein Wald-
stück entführt, dort geschlagen und ihm gedroht, wenn er seinen Sohn und
seinen Bruder nicht aushändige, gäbe es für deren Leben keine Garantie.
Auf die Frage seines Vaters, wieso sie seinen Sohn und Bruder suchen
würden, hätten sie geantwortet, dass die beiden Ausgrabungen gemacht
hätten und deswegen zur CID-Abteilung kommen müssten. Daraufhin
habe ihn sein Vater angerufen und ihm mitgeteilt, es gäbe keine Sicherheit,
wenn sie zur CID-Abteilung gehen würden, zumal ein Dorfbewohner nicht
mehr nach Hause gekommen sei, als dieser dorthin gegangen sei. Sie sol-
len Sri Lanka verlassen. Sein Vater habe für ihn und seinen Onkel einen
Schlepper organisiert. Nach fünf bis sechs Wochen Aufenthalt in Colombo
habe er mit seinem Onkel zusammen am 31. Oktober 2018 Sri Lanka ver-
lassen.
Der Beschwerdeführer reichte seine Geburtsurkunde ein.
C.
Mit Verfügung vom 10. Februar 2020 – eröffnet am 12. Februar 2020 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht und lehnte sein Asylgesuch vom 7. November 2018 ab. Gleich-
zeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Die vorinstanzliche
Verfügung wurde in italienischer Sprache erlassen, mit Ausnahme der Be-
gründung des Sprachenwechsels, des Dispositivs und der Rechtsmittelbe-
lehrung, welche (auch) auf Deutsch erfolgten.
D.
Mit Eingabe vom 13. März 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean-
tragte, die Verfügung der Vorinstanz vom 10. Februar 2020 sei wegen der
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventuell wegen der Ver-
letzung der Begründungspflicht, eventuell zur Feststellung des vollständi-
gen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts aufzuheben und die Sa-
che sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell
sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu
gewähren. Eventuell sei die Verfügung betreffend die Dispositivziffern 3
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und 4 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, das vorliegende Beschwer-
deverfahren sei mit dem Beschwerdeverfahren seines Onkels (N [...]) zu
koordinieren. Ferner sei der Spruchkörper bekanntzugeben und zu bestä-
tigen, dass dieser zufällig ausgewählt worden sei, andernfalls seien die ob-
jektiven Kriterien für die Auswahl des Spruchkörpers bekanntzugeben.
Mit der Beschwerde wurden ein 90-seitiger vom Rechtsvertreter verfasster
Länderbericht zu Sri Lanka vom 23. Januar 2020, ein Datenträger mit den
Beilagen zum Bericht vom 23. Januar 2020, das Rechtsgutachten von
Prof. Walter Kälin vom 23. Februar 2014, verschiedene Zeitungsberichte
zu Waffenfunden und eine Message Form der OIC Crime Branche vom
22. Oktober 2018 inklusive englische Übersetzung eingereicht.
E.
Mit Verfügung vom 1. April 2020 stellte die Instruktionsrichterin des Bun-
desverwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang
des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten, und gab ihm – unter
Vorbehalt allfälliger Wechsel bei Abwesenheiten – die Zusammensetzung
des Spruchkörpers bekannt. Dem Antrag um Koordination des Verfahrens
mit demjenigen seines Onkels gab sie statt.
F.
Mit Eingabe vom 6. April 2020 verlangte der Rechtsvertreter, dass in kor-
rekter Umsetzung des Entscheides des Bundesgerichts 12T_3/2018 vom
22. Mai 2018 Richter Yanick Felley durch eine nicht der Schweizerischen
Volkspartei (SVP) angehörende Gerichtsperson zu ersetzen sei.
G.
Mit Verfügung vom 26. August 2020 forderte die Instruktionsrichterin den
Beschwerdeführer auf, bis zum 10. September 2020 einen Kostenvor-
schuss in der Höhe von Fr. 1’500.– einzuzahlen.
H.
Der Beschwerdeführer zahlte am 10. September 2020 den verlangten Kos-
tenvorschuss ein. Er stellte fest, dass sein Antrag vom 6. April 2020 um
eine Veränderung des Spruchkörpers bisher nicht behandelt worden sei.
Er ersuchte zudem um Mitteilung, wer die Spruchkörperbildung mit welcher
Methode vorgenommen habe und ob manuell in das Spruchkörpergenerie-
rungssystem eingegriffen worden sei. Ferner machte er Ausführungen zu
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Seite 5
den neusten Entwicklungen in Sri Lanka. Er reichte eine Kopie der Seite 3
der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Juli 2020
aus dem Verfahren D-3427/2020, einen Zusatzbericht (Stand vom 10. April
2020) und einen Rapport über die Situation in Sri Lanka vom 11. April 2020
bis 26. Juni 2020 auf einem Datenträger ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, vorbehältlich nachfolgen-
der Einschränkungen, einzutreten.
2.
2.1 Im Zusammenhang mit der Spruchkörperbildung beantragt der Be-
schwerdeführer, dass Auskunft darüber zu erteilen sei, ob in den Automa-
tismus der Spruchkörperbildung eingegriffen wurde. Die automatisierte Ge-
schäftsverteilung und Verfahrensabwicklung am Bundesverwaltungsge-
richt betreffen gerichtsinterne Arbeitsschritte. Diesbezüglich ist auf die gel-
tende Praxis (Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3)
und die betreffenden Bestimmungen des Geschäftsreglements vom
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Seite 6
17. April 2008 für das Bundesverwaltungsgericht (VGR; SR. 173.320.1) zu
verweisen. Auf diesen Antrag ist daher nicht einzutreten. Bei dieser Aus-
gangslage ist auch auf den weiteren Teilantrag, im Falle eines Eingriffs die
objektiven Kriterien bekannt zu geben, nicht einzutreten (vgl. statt vieler:
Urteil des BVGer E-2110/2020 vom 11. Juni 2020 E. 2). Soweit darüber
hinaus um Bekanntgabe der Person, die diese Auswahl getroffen hat, er-
sucht wird, ist auf diesen Antrag ebenfalls nicht einzutreten, da dieses Aus-
kunftsersuchen in engem Zusammenhang mit den vorstehend erwähnten
Anträgen steht beziehungsweise deren vorgängige Behandlung bedingt
(vgl. Urteil des BVGer E-3931/2020 vom 22. März 2021 E. 3).
2.2 Der Antrag auf Bekanntgabe des Spruchgremiums ist – soweit diesem
nicht bereits in der Instruktionsverfügung vom 1. April 2020 entsprochen
wurde – mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014726 E. 5).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Mit Eingabe vom 6. April 2020 verlangte der Rechtsvertreter, dass in
korrekter Umsetzung des Entscheides des Bundesgerichts 12T_3/2018
vom 22. Mai 2018 Richter Yanick Felley durch eine nicht der SVP angehö-
rende Gerichtsperson zu ersetzen sei. Im Aufsichtsentscheid des Bundes-
gerichts sei festgehalten worden, dass aus Gründen der Effizienz, aus
Dringlichkeit, zum Ausgleich der Arbeitslast, zur Vermeidung einer einseiti-
gen politischen Zusammensetzung der Richterbank oder wegen Ausstand
in die automatische Verteilung eingegriffen werden könne (Entscheid des
Bundesgerichts 12T_3/2018 vom 22. Mai 2018 E. 2.4.2). Bei einer gram-
matikalisch korrekten Lesart heisse dies konkret, dass sich das "kann" auf
den Eingriff als solchen beziehe. Dadurch werde ein Eingriff nämlich über-
haupt erst legitimiert. Die obengenannten objektiven Kriterien wiederum
würden die Frage regeln, wann zwingend eingegriffen werden müsse.
5.2 Weder aus den gesetzlichen noch aus den reglementarischen Vorga-
ben des Bundesverwaltungsgerichts respektive dessen Abteilungen IV und
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Seite 7
V ergibt sich eine Pflicht, bei Mehrheiten einer politischen Partei im Spruch-
gremium korrigierend einzugreifen. Eine solche folgt – wie dem Rechtsver-
treter des Beschwerdeführers nun bereits in mehreren Urteilen des Bun-
desverwaltungsgerichts mitgeteilt worden ist – auch nicht aus dem genann-
ten Entscheid des Bundesgerichts (vgl. etwa Urteile des BVGer E-
3822/2018 vom 12. Juli 2018, D-3751/2018 vom 11. Juli 2018 und E-
3816/2018 10. Juli 2018, je E. 6.1). Der Antrag, Yanick Felley sei durch eine
nicht der SVP angehörende Gerichtsperson zu ersetzen, ist abzuweisen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass die Verfügung in italienischer Spra-
che ergangen sei und nicht in deutscher Sprache, obwohl er in der deut-
schen Sprachregion wohne. Die Übersetzungsmöglichkeiten der Verfü-
gung von Italienisch auf Tamilisch seien im Kanton (...) massiv kleiner als
im Tessin. Das gleiche gelte für die Suche einer geeigneten Rechtsvertre-
tung. Es sei für ihn schwieriger, innert Frist von seinem Wohnsitzkanton
(...) aus eine Italienisch sprechende Rechtsvertretung zu mandatieren. Es
sei ihm jedenfalls unmöglich gewesen, in (...) einen tamilischen Übersetzer
zu finden, der ihm seinen negativen Entscheid aus dem Italienischen ins
Tamilische hätte übersetzen können. Auch im (...) habe niemand Italie-
nisch gesprochen und ihm helfen können nachzuvollziehen, weshalb sein
Asylgesuch abgelehnt worden sei. Damit sei sein Rechtsschutz einge-
schränkt worden. Das SEM habe nachvollziehbar offenzulegen und zu do-
kumentieren, aus welchen Gründen die vorliegende Verfügung nicht in der
Sprache eröffnet worden sei, welche an seinem Wohnort Amtssprache sei,
und weshalb im vorliegenden Fall ein zwingendes Erfordernis bestanden
habe, von aArt. 16 Abs. 2 AsylG abzuweichen.
6.2 Der Beschwerdeführer hat sein Asylgesuch am 7. November 2018 ge-
stellt. Massgeblich ist daher – wie bereits festgestellt (E.1.2) – das zu die-
sem Zeitpunkt geltende Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen
zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
6.3 Gemäss aArt. 16 Abs. 2 AsylG (in der Fassung Stand 1. Januar 2018)
werden Verfügungen oder Zwischenverfügungen des SEM in der Sprache
eröffnet, die am Wohnort der Asylsuchenden Amtssprache ist. Das SEM
kann gemäss Abs. 3 ausnahmsweise davon abweichen, wenn die asylsu-
chende Person oder deren Rechtsvertreterin oder Rechtsvertreter einer
anderen Amtssprache mächtig ist (Bst. a); dies unter Berücksichtigung der
Gesuchseingänge oder der Personalsituation vorübergehend für eine effi-
ziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich ist (Bst. b); oder
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Seite 8
die asylsuchende Person in einem Empfangs- und Verfahrenszentrum di-
rekt angehört und einem Kanton mit einer anderen Amtssprache zugewie-
sen wird (Bst. c). Diese Bestimmung war mit der Asylgesetzrevision am
1. Februar 2014 in das Asylgesetz aufgenommen worden.
6.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil D-1361/2020 vom 3. No-
vember 2020 (zur Publikation vorgesehen) festgestellt (vgl. E. 6.3), dass
sich die Anwendung der Rechtsprechung der vormaligen Schweizerischen
Asylrekurskommission (ARK) zur Verfahrenssprache und deren Recht-
mässigkeit (vgl. Entscheide und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004
Nr. 29 E. 7 ff.) nach wie vor rechtfertigt. Demnach sei in der Regel dem
Grundsatz Rechnung zu tragen, dass die Verfügung in der Sprache erlas-
sen werde, die am Wohnsitz der asylsuchenden Person Amtssprache sei.
Die vom Gesetzgeber vorgesehenen Ausnahmen seien begrenzt durch
das Recht auf wirksame Beschwerde und einen fairen Prozess (Art. 29
Abs. 1 BV und Art. 13 EMRK). Eine Verfügung könne ausnahmsweise in
einer anderen Amtssprache ergehen, wenn gleichzeitig im Gegenzug ge-
eignete Korrektivmassnahmen getroffen würden, die das Recht auf eine
wirksame Beschwerde und auf einen fairen Prozess gewährleisten. Eine
der möglichen Korrektivmassnahmen bestehe in der mündlichen Überset-
zung der ergangenen Verfügung durch die Vorinstanz in eine der be-
schwerdeführenden Person verständliche Sprache. Soweit die Vorinstanz
keine geeigneten Korrektivmassnahmen ergriffen habe und auch im Be-
schwerdeverfahren das Versäumnis nicht nachhole, obwohl aus der Be-
schwerdeschrift ersichtlich sei, dass die Partei den Entscheid nicht genü-
gend verstanden habe, sei die angefochtene Verfügung grundsätzlich zu
kassieren, sofern der Beschwerdeführer nicht von einem professionellen
Rechtvertreter vertreten werde. Die Kassation der angefochtenen Verfü-
gung einzig aus dem Grund, dass die Regeln betreffend die anzuwen-
dende Verfahrenssprache verletzt wurden, komme demgegenüber grund-
sätzlich nicht in Frage, wenn die beschwerdeführende Person im Be-
schwerdeverfahren von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten
werde. Die Vorinstanz könne in einem solchen Fall zur Leistung einer Ent-
schädigung verpflichtet werden für allfällige nützliche Auslagen, die der un-
terliegenden Partei entstünden, um diesen Mangel zu beheben.
Art. 52 VwVG regelt die Anforderungen an Inhalt und Form der Beschwer-
deschrift. Der Beschwerdeführer hat darzulegen, weshalb er die angefoch-
tene Verfügung beanstandet; er begründet auf diese Weise sein Rechts-
begehren. Er führt an, welche tatbeständlichen und rechtlichen Erwägun-
gen und sich daraus ergebenden Anordnungen der Vorinstanz nach seiner
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Seite 9
Auffassung unrichtig oder nicht stichhaltig sind. Die Beschwerdegründe
sind das Gegenstück zur Kognition der angerufenen Rechtsmittelbehörde.
Soweit der Beschwerdeführer folglich die Rechtswidrigkeit der angefochte-
nen Verfügung geltend machen will, muss er wenigstens implizit den Grund
der Rechtswidrigkeit beziehungsweise die angeblich missachtete oder
falsch angewendete Rechtsnorm nennen. Die Begründung muss zumin-
dest sachbezogen sein und sich mit den Erwägungen der Vorinstanz aus-
einandersetzen. Eine inhaltliche Bezugnahme auf die Argumentation der
angefochtenen Verfügung ist daher unerlässlich. Der Beschwerdeführer
muss erkenntlich darlegen, aus welchen Gründen und in welchen Punkten
er die Erwägungen der Vorinstanz als unrichtig oder nicht stichhaltig erach-
tet. Hierbei wird grundsätzlich bei der Begründung der Eingabe eines Laien
ein weniger strenger Massstab angewendet als bei derjenigen eines
Rechtsvertreters (SEETHALER/PORTMANN in: Waldmann/Weissenberger
[Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016,
Rz. 62 ff. zu Art. 52 VwVG; vgl. Urteil D-1361/2020 vom 3. November 2020
[zur Publikation vorgesehen] E. 6.4).
6.5 Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz im Kanton (...) und damit
in einem Gebiet, welches der deutschen Amtssprache untersteht (vgl. §(...)
der Verfassung des Kantons (...). Es wäre mithin der Erlass einer Verfü-
gung in deutscher Sprache die Regel gewesen. Das SEM beruft sich in der
Begründung seiner materiellen Verfügung auf eine Situation, welche es in
Anwendung von aArt. 16 Abs. 2 Bst. b AsylG rechtfertige, die Verfügung
ausnahmsweise in einer anderen als der am Wohnort gesprochenen Spra-
che, vorliegend in der italienischen Sprache, zu erlassen. Weiter wurde
festgehalten, dass es sich um eine vorübergehende Massnahme handle,
die dem zügigen Abbau der bei der Vorinstanz noch pendenten altrechtli-
chen Verfahren diene. Als Korrektivmassnahme wurden das Dispositiv und
die Rechtsmittelbelehrung der Verfügung in die deutsche Sprache über-
setzt. Eine Übersetzung der gesamten Verfügung erfolgte nicht.
6.6 Ob das vom SEM gewählte Vorgehen, namentlich die gewählte Korrek-
tivmassnahme generell als ausreichend anzusehen ist, um den in Art. 29a
BV und Art. 13 EMRK garantierten Anspruch auf effektiven gerichtlichen
Rechtsschutz genügend Rechnung zu tragen, kann vorliegend offenblei-
ben. Dem Beschwerdeführer war es offensichtlich mit Hilfe der von ihm
mandatierten Rechtsvertretung möglich, eine in jeder Hinsicht rechts-
genügliche Beschwerde einzureichen, die sich mit allen Aspekten der vor-
instanzlichen Verfügung einlässlich auseinandergesetzt hat; die Beschwer-
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Seite 10
deerhebung erfolgte auch fristgerecht. Eine Aufhebung der vorinstanzli-
chen Verfügung oder anderweitige Instruktionsmassnahmen gebieten sich
daher vorliegend nicht.
7.
7.1 In der Beschwerde werden weiter verschiedene formelle Rügen erho-
ben (Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklusive Verletzung
der Begründungspflicht, unvollständige und unrichtige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts).
7.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
7.3
7.3.1 Der Beschwerdeführer rügt, mit dem Erlass der Verfügung durch eine
andere Person als diejenige, welche die Anhörung durchgeführt habe, sei
das rechtliche Gehör verletzt worden und dadurch habe die Vorinstanz das
Gutachten von Prof. Dr. Walter Kälin missachtet.
7.3.2 Bei dem vom Beschwerdeführer zitierten Rechtsgutachten handelt es
sich lediglich um eine Empfehlung von Prof. Dr. Walter Kälin an das SEM,
aus welcher der Beschwerdeführer keine Ansprüche für sich ableiten kann.
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Dasselbe gilt für die Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014. Über-
dies ist nicht ersichtlich, inwiefern ihm aus der Behandlung seines Falles
durch verschiedene Personen ein Nachteil entstanden sein soll. Aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör ergeben sich keine Vorgaben für die Vor-
instanz, die Verfügung müsse durch die befragende Person verfasst wer-
den. Die Rüge geht somit fehl.
7.4
7.4.1 Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, das SEM habe ver-
schiedene Sachverhaltselemente, wie seine LTTE-Verbindung, den Reich-
tum seiner Familie, seinen Gesundheitszustand und die aktuelle Lage in
Sri Lanka in keinster oder in offensichtlich unkorrekter Weise in der ange-
fochtenen Verfügung erwähnt und dementsprechend nicht berücksichtigt.
Der Beschwerdeführer sei verdächtigt worden, ein Versteck der LTTE aus-
gehoben zu haben. Somit wäre im Rahmen einer korrekten Begründung
zu würdigen gewesen, ob er aufgrund seiner vermeintlichen LTTE-Verbin-
dungen aufgrund des auf dem Grundstück seines Vaters aufgefundenen
LTTE-Schatzes bei einer allfälligen Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet sei.
Zudem habe sein Onkel angegeben, dass er aus einer gut betuchten Fa-
milie stamme, was als risikobegründender Faktor für eine Verfolgung be-
trachtet werden müsse, da eine Reihe von paramilitärischen Gruppierun-
gen regelmässig vermögende Personen entführen und erpressen würden,
wogegen der sri-lankische Staat keinen Schutz biete.
Ferner habe das SEM den Sachverhalt nicht richtig festgestellt, indem es
die neusten Länderinformationen nicht beachtet habe, wonach Personen
mit einem Profil wie dem seinigen bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aus
dem Exil (insbesondere aus der Schweiz) mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt seien. Zu-
dem sei es erschreckend, dass das SEM nicht einmal ansatzweise versu-
che, die von ihm erwähnten Quellen korrekt zu würdigen. Das SEM gehe
nicht auf einzelne konkrete Artikel ein, sondern stelle lediglich die Schluss-
folgerung in den Raum, wonach in der Zeitung angeblich nicht über grosse
Veränderungen der Situation im tamilisch geprägten Norden und Osten Sri
Lankas berichtet worden sei. Eine Überprüfung der Berichterstattung des
Tamil Guardian offenbare allerdings das Gegenteil. Eine korrekte Würdi-
gung dieser Berichterstattung hätte dazu führen müssen, dass sich die Si-
tuation seit den Präsidentschaftswahlen sehr wohl verschlechtert habe. Die
nachweislich falsche Einschätzung der aktuellen Lage in Sri Lanka und die
faktenwidrige Argumentation in der angefochtenen Verfügung würden eine
schwere Verletzung der Begründungspflicht darstellen. Es sei somit nicht
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Seite 12
nur unter dem Titel der unvollständigen und unrichtigen Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts sowie der Beweiswürdigung, sondern
auch unter dem Titel der Verletzung der Begründungspflicht zu rügen, dass
das SEM die gut dokumentierte politische und menschenrechtliche Situa-
tion in Sri Lanka nicht berücksichtigt habe. Zudem habe das SEM offenzu-
legen, auf welche Quellen es sich bei der Beurteilung der aktuellen Lage
in Sri Lanka stütze.
7.4.2 Vorliegend hat das SEM die individuellen Asylgründe des Beschwer-
deführers vor dem Hintergrund der aktuellen Lage genügend abgeklärt und
den Sachverhalt hinreichend festgestellt. Das SEM erwähnte im Sachver-
halt, dass der Beschwerdeführer vom CID verdächtigt worden sei, auf dem
Grundstück der Familie einen Schatz entwendet zu haben, und begründete
auch hinreichend, warum es dieses Vorbringen als unglaubhaft erachtet.
Folglich hat das SEM zu Recht nicht geprüft, ob dieses Vorbringen bei einer
allfälligen Rückkehr zu einer Gefährdung führen könnte.
Der Onkel des Beschwerdeführers gab zwar an, er stamme aus einer eini-
germassen wohlhabenden Familie (vgl. Akte N [...] A25/14 F22). Der Be-
schwerdeführer meinte seinerseits, er gehöre zur Mittelschicht (vgl. Akte
A17/15 F17 ff.). Weder der Onkel noch der Beschwerdeführer haben aber
je geltend gemacht, sie seien aufgrund dessen verfolgt worden oder sie
hätten sich deswegen vor einer Entführung durch paramilitärische Grup-
pierungen gefürchtet. Für das SEM bestand deshalb kein Anlass, im Zu-
sammenhang mit der Prüfung der Asylgründe näher darauf einzugehen.
Warum in der Beschwerde gerügt wird, der Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers sei nicht hinreichend abgeklärt worden, ist nicht nachvoll-
ziehbar. Der Beschwerdeführer hat anlässlich der BzP und der Anhörung
angegeben, es gebe keine gesundheitlichen Gründe, die gegen eine allfäl-
lige Rückkehr sprechen würden (vgl. Akten A7/13 Ziff. 8.02, A17/15 F122),
und auch in den Akten liegen keine Dokumente zum Gesundheitszustand
vor. In der Beschwerde selbst werden sodann keine gesundheitlichen
Probleme des Beschwerdeführers angegeben oder Arztberichte einge-
reicht. Das SEM konnte deshalb darauf verzichten, den Gesundheitszu-
stand weiter abzuklären oder näher darauf einzugehen.
Das SEM hat sodann hinreichend begründet, weshalb es die Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung der aktuellen
Lage in Sri Lanka verneint und eine Rückkehr des Beschwerdeführers für
zulässig und zumutbar erachtet. Alleine der Umstand, dass das SEM zum
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Seite 13
einen in seiner Länderpraxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als vom
Beschwerdeführer vertreten, und es zum anderen aus sachlichen Gründen
auch zu einer anderen Würdigung der Gesuchsvorbringen gelangt, als vom
Beschwerdeführer verlangt, und Quellen anders interpretiert, spricht weder
für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung noch stellt dies eine Verlet-
zung der Begründungs- beziehungsweise Beweiswürdigungspflicht dar.
Der Beweisantrag, das SEM habe die Quellen, auf welche es sich stütze,
offenzulegen, ist ebenfalls abzuweisen. Das SEM hat in der angefochtenen
Verfügung öffentlich zugängliche Quellen aufgeführt.
7.5 Die formellen Rügen erweisen sich demzufolge als unbegründet, wes-
halb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus formel-
len Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Die
diesbezüglichen Rechtsbegehren und Beweisanträge sind abzuweisen.
8.
8.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
8.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2012/5 E. 2.2).
9.
9.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft.
Im Einzelnen führte es aus, die Schilderungen des Beschwerdeführers an-
lässlich der BzP und der Anhörung seien wenig detailliert gewesen. Er sei
nicht im Stande gewesen zu erklären, wem der Schatz gehört habe, der
auf dem Grundstück seines Vaters gefunden worden sei, wer diesen ge-
nommen habe und was der Schatz beinhaltet habe und was ausgegraben
D-1690/2020
Seite 14
worden sei. Angesichts dessen, dass der Schatz auf ihrem Grundstück ge-
funden worden sei, er und sein Onkel die Grube besichtigt hätten und dies
der Grund für die Probleme mit dem CID sei, sei seine Unkenntnis nicht
nachvollziehbar (A7/13 S. 8-9). Er habe diese damit begründet, dass sei-
nem Vater nie gesagt worden sei, was auf ihrem Grundstück gefunden wor-
den sei (A17/15 F60). Da sein Onkel aber offensichtlich gewusst habe, um
was es sich gehandelt habe, erscheine es nicht nachvollziehbar, dass er
nicht einmal danach gefragt habe und dies auch ein Jahr nach dem Vorfall
nicht (A17/15 F53). Auch bezüglich des Briefes des CID, wonach er und
sein Onkel sich beim Hauptsitz hätten melden müssen und welcher seinem
Vater übergeben worden sei, habe er keine genauen Angaben machen
können. Dies habe er damit erklärt, dass er den Brief nicht gesehen haben
und sein Vater nur knapp darüber am Telefon gesprochen habe (A17/15
F110). Zudem habe er nicht spezifizieren können, wie viele CID-Leute am
5. September 2018 zu ihm nach Hause gekommen seien. Er sei auch nicht
im Stande gewesen auszuführen, auf welche Art und Weise diese Besuche
abgelaufen (A17/15 F72) oder in welchen Abständen sie bei ihm zuhause
aufgekreuzt seien (A17/15 F82). Ausserdem habe er nicht angeben kön-
nen, wie viele Tage nach der Entführung seines Vaters dieser ihm darüber
berichtet habe (A7/13 S. 9). Angesichts seiner Furcht um sein Leben er-
staune sein geringes Interesse an Informationen über die Besuche des
CID. Zudem sei die Erklärung, er und sein Onkel seien bei der Grube von
den Nachbarn beobachtet worden (A17/15 F52, F63), weshalb er und sein
Onkel und nicht sein Vater, welcher der eigentliche Grundstückbesitzer sei,
vom CID gesucht worden seien, absurd. Auch seine Ausführungen zum
Grundstückstreit mit Singhalesen und der Vermutung, diese hätten sie bei
der Grube beobachtet und beim CID gemeldet, seien vage und undetailliert
gewesen (A17/15 F52, F54, F57). Er habe keine plausible Erklärung auf
die Frage geben können, warum das CID aufgrund eines Fundes auf ihrem
Grundstück habe intervenieren müssen (A17/15 F56). Auf die Frage, wes-
halb er das Land verlassen habe, obwohl er keine Ahnung habe, was das
CID genau von ihm wissen wolle und warum er zu einem Besuch vorgela-
den worden sei, habe er geantwortet, dass ein «Bruder» vom Dorf auch
aufgefordert und mitgenommen worden sei und man nicht wisse, ob er
noch am Leben sei oder nicht (A17/15 F64). Die Vorbringen seien zu vage
und unlogisch, um sie für glaubhaft zu erachten.
Während seiner Erzählung sei es ferner zu wesentlichen Unstimmigkeiten
gekommen. Anlässlich der BzP vom 23. November 2018 habe er angege-
ben, er habe sich zwei Wochen bei der Verwandten T. versteckt (A7/13
S. 8-9). Demgegenüber habe er anlässlich der Anhörung gesagt, er sei nur
D-1690/2020
Seite 15
eine Woche dort gewesen (A17/15 F46). Weiter habe er anlässlich der BzP
angegeben, dass zwei Tage nach Eintreffen des Briefes des CID dieses
seinen Vater mitgenommen und auf einen bewaldeten Hügel von
E._ gebracht habe. Im Gegensatz dazu habe er anlässlich der An-
hörung angegeben, eine Woche nach Eingang des Briefes sei sein Vater
mit Gewalt in einem Van entführt worden (A17/15 F46, F111). Als er unmit-
telbar danach mit dem Widerspruch konfrontiert worden sei, habe er diesen
nicht erklären können (A17/15 F112). Später habe er wiederum angege-
ben, innerhalb von zwei Tagen nach Erhalt des Briefes sei sein Vater mit-
genommen worden (A17/15 F114). Im Verlaufe der BzP habe er angege-
ben, dass sein Vater ihn zwei Tage nach Erhalt des Briefes angerufen habe
(A7/13 S. 9), während er anlässlich der Anhörung gesagt habe, dass ihn
sein Vater zwei Tage nach dessen Mitnahme angerufen und ihm darüber
berichtet habe (A17/15 F117). Auch diesen Widerspruch habe er nicht auf-
zulösen vermocht (A17/15 F118). Während der BzP habe er gesagt, dass
das CID denke, dass sie den ausgegrabenen Schatz genommen hätten
(A7/13 S. 8). Demgegenüber habe er anlässlich der Anhörung angegeben,
dass er und sein Onkel die Grube besichtigt hätten, dass etwas gefunden
worden sei, sie aber nicht wüssten, was es gewesen sei, dass jemand dies
kommuniziert habe und das CID deswegen zu ihnen gekommen sei
(A17/15 F51-53). Auf diesen Widerspruch angesprochen, habe er nur eine
unwahrscheinliche und repetitive Erklärung gehabt, indem er meinte, sie
hätten es sich angeschaut und jemand habe gemeldet, dass sie es genom-
men hätten (A17/15 F119). Im Verlauf der Anhörung habe er angegeben,
dass er die Kühe getrieben habe, als er das Loch gesehen habe. Mitte
August 2018, sprich drei oder vier Wochen nach Entdeckung des Lochs
(A17/15 F68), sei die Polizei zu seinem Vater nach Hause gegangen, um
sie aufzusuchen. Dieses Ereignis sei von seinem Vater dem Dorfvorsteher
gemeldet worden (A17/15 F66). Unverständlicherweise seien diese we-
sentlichen Ereignisse anlässlich der BzP nicht annähernd angesprochen
worden, obwohl er die Möglichkeit gehabt habe, sich ausführlich zu seinen
Asylgründen zu äussern (A7/13 S. 8-9). Seine widersprüchlichen und
nachgeschobenen Schilderungen würden vor diesem Hintergrund den An-
forderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG nicht standhalten.
Dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise einer asylrelevanten Ver-
folgung ausgesetzt gewesen sei, habe er somit nicht glaubhaft machen
können. Er sei auch nie Mitglied der LTTE gewesen und habe nie mit die-
sen zusammengearbeitet. Im Gegenteil habe er sich bis Ende November
2018 in Sri Lanka aufgehalten und somit nach Kriegsende noch zehn Jahre
D-1690/2020
Seite 16
in seinem Heimatland gelebt. Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise beste-
hende Risikofaktoren hätten kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lan-
kischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage
nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in
den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt wer-
den solle. Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl
mit dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa vermöge diese Einschätzung nicht
umzustossen. Wie immer prüfe das SEM das Verfolgungsrisiko im Einzel-
fall. Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der
Präsidentschaftswahl sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Per-
son zu eben diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Dafür reiche es
nicht aus, pauschal auf politische Entwicklungen der jüngeren Vergangen-
heit oder mögliche Zukunftsszenarien zu verweisen. Stattdessen müsse im
Einzelfall eine beachtliche Wahrscheinlichkeit vorliegen. Dies sei vorlie-
gend nicht der Fall. Somit bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme,
dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah-
men im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein werde.
9.2 In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen geltend ge-
macht, dem SEM sei zuzustimmen, dass seine Ausführungen zum Teil
vage und unkonkret, zum Teil auch unlogisch ausgefallen seien. Es sei al-
lerdings unzulässig, daraus auf die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen zu
schliessen. Er habe nie selbst mit den CID-Beamten gesprochen. Sämtli-
che Angaben zu diesem Vorbringen würden lediglich auf Hörensagen be-
ruhen. Es handle sich bei den vagen Ausführungen um Rationalisierungs-
versuche. Da er nicht gebildet sei und aus einem bäuerlichen Umfeld
stamme, seien die Rationalisierungsversuche entsprechend ausgefallen.
Der Schatz sei von unbekannten Personen ausgegraben worden. Er wisse
deshalb nicht genau, was auf dem Grundstück seines Vaters während des
Bürgerkrieges vergraben und 2018 wieder ausgegraben worden sei. Aber
als Sohn eines Grundstückbesitzers, der zudem von Zeugen bei der Grube
(und somit beim vermeintlichen Ausgraben) gesehen worden sei, sei er ins
Visier der sri-lankischen Behörden geraten. Es handle sich um Gerüchte
über den Inhalt von solchen Verstecken und Schätzen, die von den LTTE
insbesondere in der Region, wo er gewohnt habe, angelegt worden seien.
Zur gleichen Zeit seien in der Region auf Nachbargrundstücken und in
Nachbardörfern verschiedene solche LTTE-Schätze ausgehoben worden.
Aus diesem Grund sei es auch zu einer erhöhten Präsenz des CID gekom-
men, das offenbar über die LTTE-Funde informiert worden sei und entspre-
chende Ermittlungen an die Hand genommen habe. Praktisch immer seien
D-1690/2020
Seite 17
beim Auffinden solcher LTTE-Lager Tamilen verhaftet worden. Es brauche
extrem genaue Ortskenntnisse, um einen vergrabenen Schatz nach zehn
Jahren wieder aufzufinden. Werde also ein entsprechendes LTTE-Versteck
von den sri-lankischen Behörden gefunden, würden jene ins Visier geraten,
die bei der entsprechenden Grube gesehen worden seien. Es sei deshalb
logisch, dass er ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten sei und un-
ter dem Verdacht stehe, eine direkte Verbindung zu den LTTE zu haben
und auch zehn Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges an einer Wieder-
belebung des tamilischen Separatismus beteiligt zu sein, indem er einen
Schatz der LTTE ausgehoben habe. Die behördliche Verfolgung sei durch
eine polizeiliche Vorladung (message form) in Singhalesisch (inklusive
englischer Übersetzung) der (...) für den Beschwerdeführer und seinen
Onkel vom 22. Oktober 2018 belegt worden, welche dem Vater des Be-
schwerdeführers übergeben worden sei. Aufgrund des Reichtums seiner
Familie sei er von seinem singhalesischen Nachbarn denunziert oder an-
gezeigt worden. Er könne jederzeit Opfer von Erpressung von notorisch
korrupten sri-lankischen Sicherheitsbeamten werden. Er sei illegal in die
Schweiz geflüchtet. Die Begründung des SEM in Bezug auf die Unglaub-
haftigkeit verschiedener Sachverhaltselemente sei nicht nachvollziehbar
und teilweise schlicht falsch.
Der Beschwerdeführer weise folgende Risikofaktoren gemäss dem Refe-
renzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 auf: Auf dem Grundstück der Fa-
milie des Beschwerdeführers sei ein LTTE-Warenlager ausgehoben wor-
den. Er sei von Zeugen bei der Grube gesehen und denunziert oder ange-
zeigt worden. Er weise somit in den Augen der sri-lankischen Behörden
eine klare und aktuelle LTTE-Verbindung auf (1). Es sei eine polizeiliche
Vorladung betreffend ihn und seinen Onkel ausgehändigt worden. Die ver-
meintliche LTTE-Verbindung sei deshalb behördlich registriert worden. Es
sei davon auszugehen, dass er sich auf einer Stop- oder Watch-Liste be-
finde (2). Sein Reichtum stelle einen weiteren Risikofaktor dar (vgl. Urteil
des BVGer E-6220/2006 vom 26. Oktober 2011; (3)). Er halte sich über
zwei Jahre in der Schweiz – einem Hort des tamilischen Separatismus –
auf (4). Er verfüge über keine gültigen Einreisepapiere (5). Drei dieser Ri-
sikofaktoren seien als stark einzustufen (1-3), während zwei (4-5) eher ge-
nereller Natur seien, aber auch für sich alleine genommen eventuell zu ei-
ner asylrelevanten Verfolgung in Sri Lanka führen könnten. In ihrer Kumu-
lation ergebe sich jedenfalls, dass die Risikofaktoren nach geltender
Rechtsprechung zwingend zu einer Bejahung der Flüchtlingseigenschaft
führen müssten. Besonders hervorgehoben werden müsse vor allem, dass
vor dem Hintergrund der neuen Ausgangslage die einzelnen Risikofaktoren
D-1690/2020
Seite 18
verstärkt Geltung hätten, da sich mit dem Wiedereinzug von Mahinda Raja-
paksas in das zweithöchste Exekutivamt das Verfolgungsrisiko massiv ver-
stärkt habe.
10.
10.1 In der Beschwerde wird den Ausführungen des SEM zugestimmt, in-
sofern es feststellte, die Schilderungen des Beschwerdeführers seien teil-
weise vage, unkonkret und unlogisch ausgefallen. Hierzu wird erklärt, der
Beschwerdeführer habe die Informationen nicht von CID-Personen erhal-
ten, sondern vom Hörensagen und versuche, den Ereignissen einen Sinn
zu geben. Dies erklärt zwar seine vagen Äusserungen, jedoch nicht die
Vielzahl vom SEM aufgeführten Widersprüche, welche in der Beschwerde
keineswegs aufgelöst werden. In der Beschwerde werden auch keine Aus-
führungen dazu gemacht, warum der Beschwerdeführer anlässlich der BzP
nicht erwähnte, dass vor dem CID bereits die Polizei wegen der Ausgra-
bung bei ihnen nachgefragt hatte. Zudem ist schwer vorstellbar, dass der
Beschwerdeführer und seine Familie die angebliche Ausgrabung nicht be-
merkt haben, zumal in der Beschwerde berichtet wird, dass sogar die sri-
lankischen Medien über solche Funde berichten würden und solche Mel-
dungen mit gross angelegten Suchaktionen der sri-lankischen Sicherheits-
kräften verbunden seien (Beschwerde S. 23). Schliesslich konnte der Be-
schwerdeführer nicht erklären, warum das Interesse des CID ihm und nicht
seinem Vater, dem das Grundstück gehört, gelte (vgl. Akte A17/15 F63).
Der Beschwerdeführer war im Jahre 2009, als der Bürgerkrieg endete, (...)
Jahre alt und hatte deshalb kaum die in der Beschwerde erwähnten exak-
ten Ortskenntnisse, wo die LTTE während dem Krieg einen Schatz ver-
steckt hatten. Wenn das CID also vermuten würde, dass auf dem Grund-
stück des Vaters des Beschwerdeführers ein LTTE-Schatz ausgegraben
worden ist, hätte vielmehr der Vater ins Visier des CID geraten müssen.
Unter diesen Umständen und aufgrund der Vielzahl widersprüchlicher Aus-
sagen (vgl. dazu die angefochtene Verfügung sowie E. 9.1) kann deshalb
dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass er im Zusammenhang
mit einer Ausgrabung eines LTTE-Schatzes von den sri-lankischen Behör-
den im Zeitpunkt der Ausreise verfolgt worden ist.
10.2 An dieser Feststellung vermögen weder die mit der Beschwerde ein-
gereichte Vorladung noch die Medienberichte etwas zu ändern. Aus der
Vorladung geht nicht hervor, in welchem Zusammenhang der Beschwerde-
führer und der Onkel vorgeladen worden sind. Zudem erscheint merkwür-
dig, dass der Beschwerdeführer diese Vorladung erst im Zusammenhang
mit der Beschwerde einreichte, obwohl sie im Oktober 2018 ausgestellt
D-1690/2020
Seite 19
worden zu sein scheint, weshalb Zweifel an deren Echtheit bestehen. Der
Beschwerdeführer wird in den Medienberichten über Funde von ehemali-
gen LTTE-Gegenständen nicht namentlich erwähnt, weshalb er daraus
keine persönliche Verfolgung ableiten kann.
10.3 Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, eine ihm im Zeit-
punkt seiner Ausreise drohende flüchtlingsrechtlich relevante Gefähr-
dungslage nachzuweisen oder glaubhaft darzutun.
11.
11.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach
Sri Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus Europa
respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht ge-
nerell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausge-
setzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurtei-
lung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von
Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei
handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint-
lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, Teilnahme
an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und Vorliegen früherer
Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam-
menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE
(sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.1 - 8.4.3). Einem
gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden unterliegen
ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach
Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt
werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM)
nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben
(sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und
8.4.5). Es ist im Einzelfall abzuwägen, ob die konkret glaubhaft gemachten
Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden
Person ergeben. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass insbesondere jene
Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinn von
Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zuge-
schrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wie-
deraufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
11.2 Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, ist es unglaub-
haft, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka vor seiner Ausreise von den
D-1690/2020
Seite 20
sri-lankischen Behörden verfolgt worden ist. Es bestehen keine Verbindun-
gen zwischen dem Beschwerdeführer und den LTTE. Der Beschwerdefüh-
rer war sodann im Zeitpunkt des Kriegsendes im Jahre 2009 gerade einmal
(...) Jahre alt und machte keine Mitgliedschaft oder Mitarbeit für die LTTE
geltend. Auch in seiner Familie war niemand bei der LTTE (vgl. Akte A17/15
F44). Zudem macht er keine politischen Aktivitäten in der Schweiz geltend
(vgl. Akte A17/15 F121). Es besteht deshalb kein Anlass zur Annahme, er
würde im Falle der Rückkehr die Aufmerksamkeit der heimatlichen Behör-
den in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Mass auf sich ziehen. Allein die
Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur tamilischen Ethnie, seine mehr-
jährige Landesabwesenheit sowie die Asylgesuchstellung in einem tamili-
schen Diasporaland reichen nicht aus, um im Falle einer Rückkehr von
Verfolgungsmassnahmen auszugehen (vgl. Referenzurteil des BVGer E-
1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2). Weiter sind Angehörige der tamili-
schen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernst-
zunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt (vgl.
E-1866/2015 E. 8.3). Die Ausführungen, dass der Beschwerdeführer als
Mitglied einer bestimmten sozialen Gruppe respektive als Angehöriger der
Risikogruppe von Personen, die aus der Schweiz – einem tamilischen
Diasporazentrum – nach längerer Zeit zurückkehrten, verfolgt würde, geht
daher fehl.
Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in Sri
Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2019 und daran an-
knüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stel-
len (vgl. dazu im Einzelnen: Urteil des BVGer E-1156/2020 vom 20. März
2020 E. 6.2). Es besteht zudem kein persönlicher Bezug des Beschwerde-
führers zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive de-
ren Folgen. Auch aus den auf Beschwerdeebene eingereichten zahlrei-
chen Dokumenten zur allgemeinen Lage und politischen Situation in Sri
Lanka vermag der Beschwerdeführer keine auf seine Person bezogene
konkrete Gefährdung darzulegen. Objektive Nachfluchtgründe, bei denen
eine Gefährdung entstanden ist aufgrund von äusseren, nach der Ausreise
eingetretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen
konnte (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen vorliegend nicht vor. Es
sind auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Beschwerdefüh-
rer im aktuellen politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lanki-
schen Behörden geraten ist, weshalb er keine Verfolgung oder begründete
Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen
oder glaubhaft zu machen vermag.
D-1690/2020
Seite 21
11.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers abgelehnt hat.
12.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
13.
13.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
13.2
13.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30],
Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter-
reise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder
einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83
Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumut-
bar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situatio-
nen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage
konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist –
unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu ge-
währen. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin
oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch
D-1690/2020
Seite 22
in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83
Abs. 2 AIG).
13.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12).
An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Ent-
wicklungen in Sri Lanka festzuhalten. Der Europäische Gerichtshof für
Menschenrechte (EGMR) hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht ge-
nerell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka
eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Ein-
zelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich
vom 19. September 2013, Nr. 10466/11, Ziff. 37; neueren Datums bestätigt
in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten erge-
ben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit per-
sönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
13.3
13.3.1 Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allge-
meiner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz Sri Lankas ist
zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien
(insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 13.2). An
dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Entwick-
lungen in Sri Lanka festzuhalten.
13.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus C._ (Nordprovinz), wo er
seit seiner Geburt bis fünf Wochen vor seiner Ausreise mit seiner Familie
gelebt habe. Ein Vollzug in diese Provinz ist im Lichte der Rechtsprechung
zumutbar. In vorliegendem Fall sprechen sodann keine individuellen
Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug. Der Beschwerdeführer be-
suchte elf Jahre die Schule, hat eine Ausbildung als (...)techniker abge-
schlossen und danach auf seinem Beruf gearbeitet (vgl. Akte A7/13
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Seite 23
Ziff. 1.17.04). Seine Familie besitzt Land, welches sie mit zwei bis drei An-
gestellten bewirtschaftet und ist finanziell gut gestellt (vgl. A17/15 F11-19).
Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass er existenzielle
Schwierigkeiten haben wird. In C._ verfügt der Beschwerdeführer
mit seinen Eltern und zwei Schwestern über ein Beziehungsnetz und eine
gesicherte Wohnsituation (vgl. Akte A17/15 F9). Nach dem Gesagten er-
weist sich der Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar.
13.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
13.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
14.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der
Beschwerde und die eingereichten Beweismittel – die sich ganz überwie-
gend auf die generelle Situation in Sri Lanka beziehen, ohne einen indivi-
duellen Bezug zum Beschwerdeführer zu haben – noch näher einzugehen.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
15.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten zufolge der sehr um-
fangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Be-
zug zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Zur Begleichung der Verfahrenskosten ist der am 10. Sep-
tember 2020 in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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