Decision ID: 637f9358-2e44-4dc2-863c-619007530140
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt seit dem 7. Januar 2012 den Führerausweis der Kategorie B. Am
Samstag, 4. Februar 2017, ca. 04.54 Uhr, verursachte er als Lenker eines in
Deutschland immatrikulierten Personenwagens im Bereich der Strassenkreuzung
Tösstalstrasse/ Girenbadstrasse in Turbenthal einen Selbstunfall. Er war von der
Tösstalstrasse abgekommen und in die Ladenfront eines Fahrradgeschäftes geprallt. X
wurde selbst leicht verletzt (Prellung der rechten Hand und der Rippen, Nasenbluten)
und es entstand erheblicher Sachschaden.
B.- Mit Strafbefehl des Statthalteramts Bezirk Winterthur vom 3. Juli 2017 wurde X
wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln infolge Nichtanpassens der
Geschwindigkeit an die Strassenverhältnisse und Nichtbeherrschens des Fahrzeugs
mit einer Busse von Fr. 300.– bestraft. Das Administrativmassnahmeverfahren war
zuvor bis zum rechtskräftigen Strafbefehl sistiert und am 17. November 2017
fortgesetzt worden. Mit Stellungnahme vom 30. November 2017 beantragte der
Rechtsvertreter von X statt eines Führerausweisentzugs eine Verwarnung. Mit
Verfügung vom 8. Januar 2018 entzog das Strassenverkehrsamt den Führerausweis für
einen Monat, und zwar wegen einer mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften.
C.- Gegen die Verfügung vom 8. Januar 2018 erhob X durch seinen Rechtsvertreter am
25. Januar 2018 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und stattdessen eine Verwarnung
auszusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt
verzichtete am 21. Februar 2018 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen im Rekurs zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich,

in den Erwägungen eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 25. Januar 2018 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und materieller Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen gemäss Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1; abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Es ist unbestritten, dass der Rekurrent am 4. Februar 2017, ca. 04.54 Uhr, im
Bereich der Strassenkreuzung Tösstalstrasse/Girenbadstrasse in Turbenthal einen
Selbstunfall verursachte und dabei von der Tösstalstrasse abkam und in die Ladenfront
eines Fahrradgeschäfts prallte. Nach Art. 31 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes
(SR 741.01; abgekürzt: SVG) muss der Fahrer das Fahrzeug ständig so beherrschen,
dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Beherrschen bedeutet, jederzeit
in der Lage zu sein, auf die jeweils erforderliche Weise auf das Fahrzeug einzuwirken
und auf jede Gefahr ohne Zeitverlust genügend schnell und zweckmässig zu reagieren.
Dies verlangt, dass der Fahrzeugführer jederzeit die volle Kontrolle über sein Fahrzeug
ausüben und die Verkehrsregeln beachten kann. Entsprechend muss er jederzeit in der
Lage sein, auf selbst überraschende Verkehrsverhältnisse mit einer durchschnittlichen
Reaktionszeit angemessen zu reagieren. Ein Nichtbeherrschen des Fahrzeugs liegt
auch vor, wenn ein Fahrzeuglenker, wie bei einem Selbstunfall, nur sich selber
gefährdet (Philippe Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 31
N 1 und 5). Nach Art. 32 Abs. 1 SVG, welcher durch Art. 4 der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) konkretisiert wird, ist die
Geschwindigkeit stets den Umständen anzupassen, namentlich den Besonderheiten
von Fahrzeug und Ladung, sowie den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen. Der
Fahrzeugführer hat langsam zu fahren, wo die Strasse verschneit, vereist, mit nassem
Laub oder mit Splitt bedeckt ist (Art. 4 Abs. 2 VRV). Besondere Vorsicht ist generell zur
Winterzeit geboten, wenn Kälte und Nebel auf verschneiter oder feuchter, aber auch
auf schneefreier und bisher trockener Strasse zu Glatteis führen können. Die gefahrene
Geschwindigkeit kann somit selbst dann den Umständen nicht angepasst sein, wenn
sie sehr tief ist (Weissenberger, a.a.O., Art. 32 N 16).
bis
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Indem der Rekurrent das Fahrzeug nicht mehr in der erforderlichen Weise beherrschte,
verletzte er die Verkehrsvorschriften gemäss Art. 31 Abs. 1 und Art. 32 Abs. 1 SVG
sowie Art. 4 VRV, worauf bereits im rechtskräftigen Strafbefehl vom 16. April 2017
erkannt wurde. Im Administrativmassnahmeverfahren ist umstritten, wie die
Verkehrsregelverletzung einzustufen ist.
3.- a) Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren
(Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Gemäss Art. 16a SVG
begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch die Verletzung von Verkehrsregeln eine
geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes
Verschulden trifft (Abs. 1 lit. a). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird
dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Nach Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG begeht eine mittelschwere Widerhandlung, wer durch Verletzung von
Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt.
Eine mittelschwere Widerhandlung stellt einen Auffangtatbestand dar und liegt vor,
wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung nach Art. 16a
Abs. 1 lit. a SVG und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren
Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG gegeben sind (Botschaft zur Änderung
des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, BBl 1999, S. 4487). Für die
Abgrenzung zwischen leichter und mittelschwerer Widerhandlung spielen der Grad der
erhöhten Gefährdung und die Höhe des Verschuldens eine Rolle (Weissenberger,
a.a.O., Art. 16a N 8).
b) Die Vorinstanz stufte das Verhalten des Rekurrenten als mittelschwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG ein. Zur Begründung wird in der
angefochtenen Verfügung zusammengefasst ausgeführt, dass der Rekurrent im Wissen
um den feuchten Strassenzustand und die Rutschgefahr durch seine unvorsichtige
Fahrweise mit einem fremden Auto schuldhaft eine erhöhte abstrakte Gefahr für andere
Verkehrsteilnehmer geschaffen habe (act. 9/36).
c) Gegen die Qualifikation als mittelschwere Widerhandlung wird im Rekurs
vorgebracht, dass dem Rekurrenten lediglich ein leichtes Verschulden und eine geringe
Gefährdung angelastet werden können und deshalb von einer leichten Widerhandlung
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im Sinn von Art. 16a SVG auszugehen sei. Unter Verweis auf die Stellungnahme vom
30. November 2017 wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass der Rekurrent mit
einer bereits reduzierten Geschwindigkeit von ca. 35 bis 40 km/h unterwegs gewesen
sei und die ihm vorausfahrenden Fahrzeuge in der gleichen Kurve offensichtlich keine
Probleme gehabt hätten. Als der Wagen zu rutschen begonnen habe, habe trotz
geistesgegenwärtiger Reaktion des Rekurrenten ein vollständiges Abrutschen des
Wagens nicht verhindert werden können. Unter Verweis auf die historischen
Wetterdaten bringt der Rekurrent vor, dass bei den damaligen milden Temperaturen
auch ein geübter Fahrer von gesalzenen Hauptstrassen habe ausgehen dürfen und
keine verschneite Fahrbahn vorgelegen habe. Daher sei von einem leichten
Verschulden auszugehen. Die potenzielle Gefährdung von Verkehrsteilnehmern und
Fussgängern sei zudem gerade an einem Samstagmorgen, insbesondere bezüglich
berufstätiger Personen, reduziert gewesen. Auch in Anbetracht der deutlich
herabgesetzten Geschwindigkeit könne es sich vorliegend insgesamt nur um eine
geringe Gefährdung handeln. Aufgrund der konkreten Umstände und vergleichbarer
Fälle in der Rechtsprechung sei damit von einer leichten Widerhandlung im Sinn von
Art. 16a SVG auszugehen. Da keine Drittpersonen zu Schaden gekommen seien, sei
ein Führerausweisentzug nicht angemessen, sondern es sei eine Verwarnung
auszusprechen.
4.- a) Eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt voraus,
dass der Lenker durch die Verkehrsregelverletzung eine geringe Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Nach der
Rechtsprechung müssen beide Voraussetzungen kumulativ gegeben sein (BGE 135 II
138 E. 2.2.3). Demgegenüber ist von einer mittelschweren Widerhandlung nach Art.
16b Abs. 1 lit. a SVG auszugehen, wenn entweder das Verschulden gross, die
Gefährdung aber gering oder umgekehrt das Verschulden gering und die Gefährdung
gross waren (Weissenberger, a.a.O., Art. 16a N 5).
b) Mit Strafbefehl des Statthalteramts Bezirk Winterthur vom 3. Juli 2017 wurde der
Rekurrent wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln (Art. 90 Abs. 1 SVG) infolge
Nichtanpassens der Geschwindigkeit an die Strassenverhältnisse und
Nichtbeherrschens des Fahrzeugs mit einer Busse bestraft. Der Strafbefehl erwuchs
unangefochten in Rechtskraft. Nach ständiger Rechtsprechung darf die
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Verwaltungsbehörde vom Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und
ihrem Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren, wenn sich die
Erhebung zusätzlicher Beweise aufdrängt, wenn die Beweiswürdigung des Strafrichters
eindeutig im Widerspruch zur Tatsachenlage stand oder wenn der Strafrichter bei der
Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat,
insbesondere jene nicht, welche die Verletzung der Verkehrsregeln betreffen (BGE 124
II 103 E. 1c). Vorliegend sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche ein Abweichen
von der Sachverhaltsfeststellung der Strafbehörde rechtfertigen würden. Damit sind
auch die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz im Ergebnis nicht zu
beanstanden.
c) Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (statt vieler: BGE 142 IV 93 E. 3.1).
Entscheidend ist daher, wie gross in einer hypothetisch angenommenen konkreten
Gefährdungssituation (nach gewöhnlichem Lauf der Dinge und allgemeiner
Lebenserfahrung) die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung von Personen ist (BSK SVG-
B. Rütsche, Basel 2014, Art. 16 N 39). Der Gefährdung der Sicherheit kommt durch die
seit 1. Januar 2005 geltenden Art. 16a bis 16c SVG eine wesentliche und eigenständige
Bedeutung zu. Der Gesetzgeber hat bewusst dem Gesichtspunkt der
Verkehrsgefährdung ein höheres Gewicht beigemessen (Weissenberger, a.a.O., Art.
16a N 5). Ob tatsächlich Drittpersonen zu Schaden gekommen sind, ist demnach für
die Frage der Tatbestandsmässigkeit nicht entscheidend.
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d) Am Unfall vom Samstag, 4. Februar 2017, war nur der Rekurrent beteiligt. Das
Fehlen weiterer Unfallbeteiligter schliesst jedoch eine massgebliche Gefahr für andere
Verkehrsteilnehmer (im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG) nicht aus (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_83/2010 vom 12. Juli 2010 E. 5.1). Der Selbstunfall
ereignete sich anfangs Februar auf einer Hauptstrasse im Innerortsbereich an einem
Samstagmorgen um ca. 04.54 Uhr. Aus dem Unfallrapport geht hervor, dass der
Rekurrent mit seinem Fahrzeug im Bereich eines Fussgängerstreifens ins Rutschen
geriet, sodann über eine nur schlecht einsehbare, einmündende Hauptstrasse
(Girenbadstrasse) sowie einen Geschäftsvorplatz glitt und schliesslich frontal in die
Ladenfront eines Fahrradgeschäfts krachte. Hierbei entstand ein beträchtlicher
Sachschaden in der Höhe von ca. Fr. 70'000.– (act. 9/6 ff.). Im Polizeirapport vom
16. April 2017 wurde festgehalten, dass die Verkehrsbedingungen „schwach“ gewesen
seien, wobei sich dieser Hinweis auf das damalige Verkehrsaufkommen bezogen
haben dürfte. Dass im Rekurs vom 25. Januar 2018 geltend gemacht wurde, die ihm
vorausfahrenden Fahrzeuge hätten an jener Stelle keine Probleme gehabt, lässt darauf
schliessen, dass zum fraglichen Zeitpunkt weitere Verkehrsteilnehmer im Blickfeld des
Rekurrenten unterwegs waren; andernfalls hätte er keine Angaben zum Fahrverhalten
anderer Fahrzeuglenker machen können. Der Argumentation des Rekurrenten, zum
fraglichen Zeitpunkt sei die potenzielle Gefährdung reduziert gewesen (vgl. act. 1, S. 4),
kann vor diesem Hintergrund nicht gefolgt werden. Namentlich erscheint ohne Weiteres
möglich, dass zu dieser frühmorgendlichen Zeit bereits Fussgänger unterwegs sind,
und zwar insbesondere, wenn es sich wie hier um einen Innerortsbereich in der Nähe
eines Fussgängerstreifens handelt. Ebenfalls nicht ausgeschlossen werden kann bei
dieser Sachlage eine Gefährdung derjenigen Personen, die sich im Unfallzeitpunkt im
betreffenden Gebäude aufhielten; das waren die Inhaber des Velogeschäfts, die auch
dort wohnen (act. 9/8). Die vom Rekurrenten hervorgerufene erhöhte abstrakte
Gefährdung war auch deshalb nicht mehr gering. Daran ändert auch der Hinweis des
Rekurrenten auf BGE 127 II 302 E. 3c und d nichts. Zu berücksichtigen ist
insbesondere, dass jenes Urteil noch unter dem alten, bis 31. Dezember 2004
geltenden Strassenverkehrsrecht ergangen war und damals dem Aspekt der
Gefährdung noch nicht die gleiche Bedeutung zukam wie im geltenden Recht. Ob ein
Fall leicht im Sinn von aArt. 16 Abs. 2 Satz 2 SVG war, beurteilte sich nach dem
Verschulden des Fahrzeuglenkers und seinem automobilistischen Leumund; die
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Schwere der Verkehrsgefährdung war nur insoweit von Bedeutung, als sie auch
verschuldensmässig relevant war (BGE 127 II 302 ff. = BGer 6A.116/2000 vom 7. Juni
2001 E. 3b). Das Bundesgericht setzte sich denn auch praktisch ausschliesslich mit der
Frage des Verschuldens auseinander und hielt dafür, dass dieses noch leicht sei. Der
Fahrzeuglenker war in jenem Fall auf der mit Schneematsch bedeckten Stadtautobahn
in St. Gallen am Überholen, als er unmittelbar nach einer Tunnelausfahrt auf dem
Pannenstreifen zwei Patrouillenfahrzeuge der Polizei mit eingeschalteten
Warnblinkanlagen bemerkte und sofort zu bremsen begann. Die Räder blockierten und
der Wagen geriet ins Schleudern. Das Fahrzeug rutschte mit einer leichten
Drehbewegung vor einem auf der Normalspur fahrenden Personenwagen auf den
Pannenstreifen, prallte gegen das Heck des einen Patrouillenwagens und stiess
anschliessend mit der Fahrertür des Polizeifahrzeugs zusammen. Das Bundesgericht
betrachtete den Unfall als Ergebnis eines Zusammenspiels mehrerer unglücklicher
Umstände und lastete dem Fahrzeuglenker höchstens ein leichtes Verschulden an, was
bei der damaligen Rechtslage letztlich den Ausschlag gab, dass ein
Führerausweisentzug nicht verhältnismässig war. Müsste derselbe Sachverhalt nach
heutigem Administrativmassnahmerecht beurteilt werden, wäre von einer nicht mehr
geringen Gefährdung auszugehen, was bei gleichzeitig leichtem Verschulden zu einem
Führerausweisentzug wegen mittelschwerer Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG führen würde.
Ebenfalls unter altem Recht erging das Bundesgerichtsurteil 6A.90/2002 vom 7.
Februar 2003, weshalb Analogieschlüsse zum vorliegenden Fall bereits deshalb heikel
sind. Hinzu kommt, dass es um einen Selbstunfall auf einer dem Automobilisten
bekannten Ausserortsstrecke wegen nicht angepasster Geschwindigkeit ging, mithin
um einen anders gelagerten Sachverhalt. Schliesslich führt auch der Verweis auf BGer
1C_382/2011 vom 12. Dezember 2011 zu keiner anderen rechtlichen Beurteilung. In
diesem Fall fuhr ein Motorradfahrer an einem sonnigen Spätsommertag im
Ausserortsbereich mit einer Geschwindigkeit von ca. 50 bis 60 km/h, als vor einer
Rechtskurve ein Fuchs unvermittelt rund zehn Meter vor ihm auf die Fahrbahn lief. Er
reagierte darauf mit einer Vollbremsung, worauf das Motorrad nach links ausbrach. Um
eine Frontalkollision mit einem entgegenkommenden Personenwagen zu verhindern,
liess der Motorradfahrer sein Gefährt absichtlich auf die rechte Seite fallen. Das
Bundesgericht erwog zur Gefährdung, dass der Fahrer das Motorrad kontrolliert zu Fall
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gebracht habe, woraufhin es weitergerutscht und mit dem entgegenkommenden
Fahrzeug kollidiert sei, welches bereits stark abgebremst worden sei und vollständig
oder jedenfalls beinahe still gestanden habe. Die Sicherheit der Insassen sei nicht
ernsthaft gefährdet gewesen und auch der Motorradfahrer habe nur relativ geringfügige
Verletzungen erlitten (E. 3.2). Im hier zu beurteilenden Fall verlor der Rekurrent
demgegenüber die Kontrolle über das Fahrzeug nicht, weil er sich für ein bestimmtes
Manöver entschieden hatte, um Schlimmeres zu verhindern; vielmehr kam er von der
Tösstalstrasse ab, weil die Geschwindigkeit nicht den Umständen angepasst war und
konnte in der Folge nicht mehr korrigierend einwirken. Allein deshalb ist nicht mehr von
einer geringen Gefährdung auszugehen.
e) Dass dem Rekurrenten in Anbetracht der Umstände des Selbstunfalls nur ein
leichtes Verschulden vorzuwerfen wäre, erscheint zudem fraglich. Zwar führte der
Rekurrent aus, dass die Strasse gut beleuchtet gewesen sei. Dies steht jedoch im
Widerspruch zum Polizeirapport, von welchem auszugehen ist und worin steht, dass
die Strassenbeleuchtung zum fraglichen Zeitpunkt ausser Betrieb gewesen sei.
Aufgrund dieser Sichtverhältnisse galt demnach eine erhöhte Vorsichtspflicht des
Rekurrenten (BGer 6B_184/2011 vom 24. Mai 2011 E. 1.4.1). Ob er zusätzlich eine
höhere Vorsicht hätte walten lassen müssen, weil er mit einem Fahrzeug einer Kollegin
unterwegs war und mit diesem nicht so vertraut gewesen sei, ist unklar, denn an der
entsprechenden Aussage vor der Polizei hielt er im Verfahren vor der Vorinstanz und im
Rekursverfahren nicht mehr fest. Letztlich muss auf Fragen zum Verschulden aber nicht
weiter eingegangen werden, denn die Annahme einer leichten Widerhandlung kommt
bereits mangels Vorliegens einer geringen Gefährdung nicht in Betracht (vgl. BGer
1C_83/2010 vom 12. Juli 2010 E. 5.2).
f) Zusammenfassend rief der Rekurrent durch die (schuldhafte) Verletzung von
Verkehrsregeln eine nicht mehr geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervor. Die
Vorinstanz ging zu Recht von einer mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG aus. Dies steht
insbesondere auch mit der strafrechtlichen Verurteilung wegen einfacher
Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Abs. 1 SVG im Einklang, da diese
administrativrechtlich sowohl leichte als auch mittelschwere Widerhandlungen erfasst
(BGE 135 II 138 E 2.4). Die vorinstanzlich verfügte Entzugsdauer eines Monats
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entspricht der Mindestentzugsdauer gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG, die nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 3 SVG selbst bei einer beruflichen
Angewiesenheit der betroffenen Person auf den Führerausweis und bei einem
ungetrübten automobilistischen Leumund nicht unterschritten werden darf (BGE 132 II
234 E. 2.3). Die Entzugsdauer eines Monats ist demnach ebenfalls nicht zu
beanstanden.
5.- Die Vorinstanz ordnete in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung an, dass der
Rekurrent den Führerausweis und allfällig vorhandene weitere Ausweise bis spätestens
am 8. April 2018 abzugeben habe. Hierbei handelt es sich um eine
vollstreckungsrechtliche Anordnung, die separat verfügt werden müsste. Darauf ist
indessen nicht weiter einzugehen, denn der Abgabetermin ist bereits vorüber. Die
besagte Anordnung ist zufolge Gegenstandslosigkeit aufzuheben und die Vorinstanz
wird einen neuen Abgabetermin festlegen müssen. Allerdings hätte Ziffer 2 der
angefochtenen Verfügung aufgehoben werden müssen, wenn die Abgabefrist nicht
bereits abgelaufen wäre. Dies ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
6.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Sie sind dem Rekurrenten
zu vier Fünfteln und dem Staat zu einem Fünftel aufzuerlegen. Denn einerseits
unterliegt der Rekurrent in der Hauptsache und andererseits hat die Vorinstanz die
materielle Verfügung (Führerausweisentzug) in unzulässiger Weise mit der
Vollzugsanordnung (Abgabetermin des Führerausweises) kombiniert. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung
[sGS 941.12]) erscheint angemessen. Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist mit dem
Kostenanteil des Rekurrenten in der Höhe von Fr. 960.– zu verrechnen. Der Rest des
Kostenvorschusses von Fr. 240.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen
(Art. 98 VRP).