Decision ID: fd0ae6f7-653a-4b1a-a05f-c5249526efdb
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 19
75 geborene
X._
war seit Januar 2016 bei der
Y._
AG als Fahrlehrer-Praktikantin angestellt und in diesem Rahmen bei der GENERALI Allgemeine Versicherungen AG (nachfolgend:
Generali
) obligatorisch gegen Unfälle versichert.
Gemäss Unfallmeldung vom 23. Oktober 2017
befand sie sich
am 27. September 2017
(gemeint wohl: 27. August 2017 [vgl. Urk. 9/6
,
Urk. 9/15
])
als
Fahrlehrerin und
Beifahrerin
in einem
vor einem Rotlicht stehen
den
Fahrzeug, als das dahinter folgende Fahrzeug auf ihr
Fahrzeug
auffuhr (Urk. 9/1).
Gemäss dem
Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma
vom
30. Oktober 2017
(
Urk. 9/6
) erlitt die Versicherte dabei
ein Schleudertrauma Grad
I
I (vorläufige Diagnose, Verdachts
diagnose).
Die
Generali
erbrachte daraufhin Versicherungsleistungen (
vgl.
Urk.
9/23
, Urk. 9/43, Urk. 9/59/1
).
Am 18. Oktober 2018 wurde in der ADUS Radiologie ein MRI der HWS und
der
BWS durchgeführt (Urk. 9/36).
Am 14. Dezember 2018 wurde zuhanden der
Haftpflichtversicherung der Unfallverursacherin
ein
unfallanalytisches Gutachten erstattet (Urk. 9/42).
Mit Schreiben vom 18. Dezember 2018 teilte die
Generali
der Versicherten mit, dass für weitere Taggeldleistungen keine Leistungspflicht
mehr bestehe, da ab dem 1. Oktober 2018 nur noch eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %
bestehe
(Urk. 9/43). Nachdem die
Generali
das Dossier ihrem beratenden Arzt, Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Neurologie
, vorgelegt hatte (Urk. 9/50 und Urk. 9/58/1)
,
stellte sie die Leistungen mit Verfügung vom 6. März 2019 per Verfügungsdatum ein und entzog einer allfälligen Einsprache
dagegen
die aufschiebende Wirkung
(Urk. 9/59/1).
Die von der Versicherten
erhobene Einsprache vom 12. April 2019 (Urk. 9/63/1) wies die
Generali
mit Einspracheentscheid vom
7. Juni 2019 ab (Urk. 2 = Urk. 9/64).
2.
Dagegen
erhob die Versicherte am 19. August 2019 Beschwerde und beantragte, es sei der Einspracheentscheid
vom 7. Juni 2019
aufzuheben und es seien ihr auch nach dem 6. März 2019 weiterhin die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder, eventuell auch Zusprechung einer [Teil-]Rente, Integritätsentschädigung) zu erbringen. In prozessualer Hinsicht beantragte die Versicherte
,
das Verfahren zu sistieren und
einen zweiten
Schriftenwechsel
durchzuführen
,
damit eine weiterreichende Begründung nach der Untersuchung in der Klinik
A._
anfangs September (Orthopädie-Traumatologie/Neurologie) und dem Vorhandensein der notwendigen medizinischen Unterlagen nachgereicht werden könne. Eventuell sei ein polydisziplinäres Gutachten anzuordnen und die Sache zwecks Klärung des medizinischen Sachverhalts
an
die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Mit Verfügung vom 27. August 2019 wurde der Antrag auf Sistierung des Verfahrens abgewiesen (Urk. 5). Mit Beschwerdeantwort vom 20. September 2019 schloss die
Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8).
Mit Verfügung vom 30. September 2019
ordnete das Gericht einen zweiten
Schriftenwechsel an (Urk. 11), woraufhin die
Parteien
mit Replik vom 2. Dezember 2019 (Urk. 16) und
Duplik
vom 14. Januar 2020 (Urk. 20
, der
Beschwerdeführerin
zugestellt am 17. Januar 2020 [Urk. 21]
) an ihren b
isherigen Anträgen festhielten.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
27. August 2017
ereignet,
w
eshalb die ab dem 1. Januar 2017 gültigen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden
.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (lit. a), Verrenkungen von Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.3
1.3
.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer
den kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Wor
ten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheit
liche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V
286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast –
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Ver
sicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte zur Ablehnung des Leistungsbegehrens im Wesentlichen aus,
gestützt auf die Beurteilungen von Dr.
Z._
vom 7. Januar und vom 16. Februar 2019
sei nicht von einer traumatischen Schädigung der Bandscheibe im Zusammenhang mit dem gemeldeten Unfallereignis
auszugehen.
D
ie mittels MRI nachgewiesene
Diskusprotrusion
sei
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit degenerativ verursacht worden. Die festgestellten Dehydratationen der Bandscheiben deuteten auf einen alten, langsam fortschreitenden Prozess hin.
Nach dem Unfall seien die Beschwerden offenbar nicht so ausgeprägt
gewesen
, dass eine bildgebende Diagnostik notwendig gewesen wäre
.
Eine solche sei so
dann erst
14 Monate nach dem Unfall erstellt worden.
Es sei ein Vorzustand an der HWS
in Form eines
Zervikovertebralsyndrom
s
mit
zervikogenem
Schwindel
und
auch
eine bereits zuvor bestehende
Migräne aktenkundig.
D
er Vorzustand, die aktenmäss
ige Ent
wicklung sowie sämtliche ärztliche
Beurteilungen
würden
klar gegen eine Unfall
kausalität der
Diskusprotrusion
sprechen (Urk. 2
, Urk. 8
).
2.2
Dahingegen stellte sich die
Beschwerdeführerin
auf den Standpunkt,
gestützt auf die Einschätzung von Prof.
Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
sei erstellt, dass es sich um eine traumatische Diskushernie C5/6 und C4/5 handle, die nicht resorbiert sei.
Dr.
Z._
sei im Gegensatz zu Prof.
B._
kein Wirbel
säulenspezialist und auch kein
Unfalltraumatologe
(Urk. 16 S. 11 Rn 22).
Auch die Spezialisten des Universitätsspitals
C._
hätten die Diskushernien auf den erlittenen Auffahrunfall vom 27. August 2017 zurückgeführt (Urk.
16 S. 5
Rn 8).
Selbst wenn der Unfall nicht zu diesen organisch nachweisbaren Befunden geführt
hätte
, spreche vorliegend nichts dafür, dass ein allfälliger Vorzustand schicksal
s
mässig und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen progredienten Verlauf
genommen
hätte. Somit sei von der
Beschwerdegegnerin
nicht nachgewiesen worden, dass die
Beschwerdeführerin
auch ohne den Unfall vom 27. August 2017 und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit spätestens ab dem 6. März 2019 an den tatsächlich bestehenden, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen
den Beschwerden gelitten hätte
(Urk. 1 S. 10 f.
Rn 15
).
Einen Vor
zustand an der HWS habe es nicht gegeben und an Kopfschmerzen oder auch an Migräne würden sehr viele Personen leiden, wobei beides zum Beispiel vererblich, hormonell bedingt oder auch stressbedingt oder wetterbezogen auftrete ohne dass dafür ein Vorzu
stand an der HWS von Nöten sei
(Urk. 16 S. 7 Rn 13).
Es habe auch
kein stummer Vorzustand
bestanden
, denn Prof.
B._
sei davon ausgegangen, dass die Diskushernie erst durch den Unfall verursacht
worden sei
(Urk. 16 S. 12).
Das Gutachten der Unfallanalytiker stamme von der Haftpflicht
versicherung der Unfallverursacherin, weshalb die Ausführungen mit Vorsicht zu geniessen und vom Gericht ein weiteres unabhängiges Gutachten zwecks Über
prüfung dieser Angaben einzuholen sei
(Urk. 16 S. 11 Rn 21)
.
2.3
In ihrer Duplik ergänzte die
Beschwerdegegnerin
, bei
Prof
.
B._
würde es sich um einen Parteigutachter und Operateur beziehungsweise behandelnden
Arzt handeln
, weshalb seine Ausführungen mit Vors
icht zu geniessen seien
(Urk. 20 S. 3
Rn 3)
.
Prof.
B._
scheine nicht darüber informiert gewesen zu sein, dass sich (nach dem Unfall vom 27. August 2017) noch mindestens zwei weitere Auffahr
unfälle ereignet h
ätten
und gehe damit von falschen Tatsachen aus (Urk. 20 S. 6 Rn 12). Auch kenne er die
Beschwerdeführerin
offensichtlich erst seit September 2019 (Urk. 20 S. 6 f. Rn 18).
Vorliegend sei
en die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen für eine unfallkausale Diskushernie nicht erfüllt.
Immerhin komme aber auch
Prof
.
B._
zum Schluss, dass eine ausgesprochene Degenerationsentwicklung vorliege.
Gemäss der Krankengeschichte sei bereits seit (mindestens) November 2014 die Rede von einer Diskushernie C5/6 (Urk. 20 S. 3 f. Rn 3).
Der Vorzustand an der HWS
sei nicht einmal stumm gewesen, sondern habe si
ch sehr wohl bemerkbar gemacht
(Urk. 20 S. 7 f
.
Rn 22).
2.4
Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin
wegen der Folgen des Un
falles vom 27. August 2017 über den 6. März 2019 hinaus Leistungen der Unfall
versicherung zu erbringen hat. Insbesondere zu prüfen ist in diesem Zusammen
hang, ob die nach dem 6. März 2019 geklagten Beschwerden noch in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis stehen.
3.
3.1
Im Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma vom
30. August 2017 wurde
von Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
als vorläufige Diagnose
/Verdachtsdiagnose
ein Beschleunigungstrauma Grad I
I
gestellt
.
Sofort nach dem Unfall sei es zu Kopfschmerzen und Übelkeit gekommen, was die
Beschwerdeführerin
spontan angegeben habe. Auf Nachfrage hin habe die
Beschwerdeführerin
erklärt, dass es 12 Stunden nach dem Unfall zu Nacken
schmerzen und Schlafstörungen gekommen sei.
Nach 24 Stunden seien zudem Rückenschmerzen aufgetreten.
Schwindel, Erbrechen, Hör- und Sehstörungen seien nicht
auf
getreten
.
Die
Beschwerdeführerin
habe bereits vor dem Unfall an
Migräne gelitten.
Weiter wurde angegeben, es sei bei der Kollision zu einem Kopf
anprall an der Kopfstütze gekommen. Die
Beschwerdeführerin
sei auf die Kollision gefasst gewesen
und habe einen Sicherheitsgurt getragen
.
Die
Beschwerdeführerin
sei nach dem Unfall nicht bewusstlos geworden
bei einem GCS-Score von 1
5.
Es sei weder zu einer Gedächtnislücke noch zu einer Angst- oder Schreckreaktion gekommen.
Nach dem Unfallereignis habe sie nicht mit dem Unfallfahrzeug weiterfahren können (Garage) und habe die geplante Tätigkeit nicht verrichten können, da sie unkonzentriert un
d abwesend gewesen sei (Urk. 9/6
).
3.2
Dr.
D._
wies i
n seinem Verlaufsbericht vom 24. Januar 2018 auf einen prolongierten Verlauf nach HWS-Distorsion mit persistierender Beschwerde
symptomatik hin. Es habe einer intensiven Analgesie und
myorelaxierender
Therapie bedurft. Zudem sei begleitend eine ambulante Physiotherapie durchgeführt worden. Die bisherige Tät
igkeit als Fahrlehrerin habe die Beschwerdeführerin
nicht mehr ausüben, sondern lediglich Theorielektionen geben können.
Unter den etablierten Therapien habe sich langsam eine Beschwerdelinderung gezeigt. Die Arbeitsunfähigkeit habe am 28. August 2017 auf 90 % und am 27. November 2017 au
f 50 % reduziert werden können
(Urk. 9/12).
3.3
I
m Verlaufsbericht vom 4. April 2018
hielt Dr.
D._
fest, dass bei der
Beschwerdeführerin
weiterhin keine vollständige Beschwerdeli
nderung beobachtet werden könne
.
Es habe sich ein wechselhafter Verlauf gezeigt. Insgesamt könne jedoch eine Beschwerdelinderung beobachtet werden. Insbesondere die physiotherapeutischen Massnahmen würden zu einer deutlichen Schmerzreduktion führen. Seit dem 1. April 2018 habe die Arbeitsunfähigkeit auf 25 % reduziert werden können. Eine langfristige Prognose bezüglich Arbeitsfähigkeit sei schwierig. Langfristig könne mit einer vollständigen Arbeits
fähigkeit gerechnet werden (Urk. 9/14).
3.4
Im MRI der HWS un
d der BWS vom 18. Oktober 2018 wurde eine
breitbasige zirkuläre
Protrusion
mit konsekutiver Enge der
Neuroforamina
im Segment C5/6
festgestellt.
Es
sei wohl eine Beeinträchtigung beider C6 Wurzeln gegeben und es würden weitere
Diskopathien
und Degenerationen von leichter bis mässiger Aus
prägung vorliegen.
Im Segment C4/5 bestehe eine zirkuläre
Diskusprotrusion
ohne Beeinträchtigung der Nervenwurzeln. Die Bandscheiben der oberen HWS-
Segmente
seien
weitgehend dehydriert, es liessen sich im Segment C5/6
osteochondrotische
Veränderungen nachweisen und es bestünden
spondylophytäre
Randkantenausziehungen sowie leichte Degenerationen der Facettengelenke.
Auch an der
BWS
würden leichte bis mässige Degenerationen
und
Diskopathien
bestehen.
So liessen sich
ossär
geringe
spondylophytäre
Rand
kantenausziehungen nachweisen und im Segment TH6/7 bestehe eine
Diskusprotrusion
. Im Segment TH7/8 sei eine links medio-lateral akzentuierte
Protrusion
auszumachen und im Segment TH11/12 eine links akzentuierte
Protrusion
.
An der BWS bestehe kein Nachweis einer Nervenwurzelkompression (Urk. 9/36).
3.
5
Dr.
Z._
führte in seiner
Aktenbeurteilung
vom
7. Januar 2019
aus, die
zervikalen
Beschwerden
dürften sich
aktuell kaum von den Beschwerden
unter
scheiden
,
wie
sie
bereits
im Jahr
2016
bestanden hätten
. Die auf Höhe C5/6 beschriebene
Diskusprotrusion
sei mit weit überwiegender Wahrscheinlichkeit degenerativ bedingt, sämtliche untersuchten Segmente der HWS würden gemäss Befund Dehydratationen der Bandscheiben zeigen, auch
osteophytäre
Veränderungen, welche auf einen alten, langsam fortschreitenden Prozess hin
deuteten. Eine Zuordnung
der Beschwerden zum Unfallereignis sei nicht gerecht
fertigt.
An
die Unfallkausalität einer Diskushernie würden sehr strenge Anforderungen gestellt, so müsse beispielsweise eine radikuläre Symptomatik innert 72 Stunden nach dem Unfall aktenkundig sein. Eine solche Symptomatik habe nie bestanden, auch aktuell bestehe keine radikuläre Ausfallssymptomatik, allenfalls eine radikuläre Schmerzausstrahlung, wobei dies durch einen Neurologen weiter abzuklären wäre. Eine Operationsindikation sei zurzeit ohne
hin nicht gegeben, erst bei langer Schmerzhaftigkeit wäre eine Operation zu Lasten der Krankenversicherung zu überprüfen. Zu verweisen sei auf die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, wonach bei einem HWS-Distorsionstrauma im vorliegenden Kraftgrad eine vollständige Abheilung innert 6 Monaten gesehen werden dürfe. Allfällige, über diese Frist hinausgehende Beschwerden seien bis zum Beweis des Gegenteils als unfallfremd zu klassifizieren, wie es in diesem Fall gemäss dem Befund MRI HWS auch erklärbar wäre (Urk. 9/50).
An seiner Einschätzung hielt Dr.
Z._
auch nach Zustellung der MRI-Bilder
vom 18. Oktober 2018 fest.
Eine Zuordnung der Beschwerden zum Unfallereignis sei
aus genannten Gründen
nicht gerechtfertigt (Urk. 9/58/1).
3.6
Prof.
B._
wies in seinem Bericht
vom 4. September 2019
daraufhin, dass sich
dem MRI ausgeprägte
foraminale
Stenosen bei Diskushernie C5/6, aber auch Diskushernie C4/5 dort aber ohne signifikante Stenose
,
entnehmen liessen. Gestützt auf das
MRI
sei davon auszugehen, dass
keine
Osteophyten
vorhanden
seien
und es
sich
um eine traumatische Diskushernie
handle
, die sich nicht resorbiert habe. Auch wenn kein direktes postoperatives MRI vorhanden sei, sei bei einer ansonsten vorbestehend beschwerdefreien
Beschwerdeführerin
davon auszugehen, dass es sich um eine traumatische Diskushernie handle. Er empfehle
eine neue MRI-Untersuchung zur Beurteilung, ob eine Dek
ompression und Fusion über ein
oder zwei Segmente sinnvoll wäre (Urk. 10/2).
3.7
Am 1. November 2019
führte
Prof
.
B._
im Trauma Zentrum
A._
eine Dekompression sowie eine monosegmentale
Spondylodese
C5/6
durch
(Urk. 17
/1). Im Austrittsbericht
des Trauma Zentrums
A._
wurde festgehalten,
der Eintritt sei zur Dekompression und monosegmentalen
Spondylodese
bei ausgeprägter Degenerationse
ntwicklung und auch beginnender
Degeneration im Anschlusssegment erfolgt, um eine weitere Degeneration zu verlangsamen und die
foraminale
Symptomatik mit C6-Radikulopathie zu lösen. Intraoperativ seien sehr enge Verhältnisse vorgefunden worden, das Segment C5/6 habe vollständig dekomprimiert werden können auch mit Resektion der
Osteophyten
. E
s würden keine eigentlichen motorischen Defizite in den oberen Extremitäten bestehen, aber ausstrahlende starke Schmerzen vor allem
in den rechten Arm (Urk. 17/2).
4.
4.1
4.1
.1
Die
Beschwerdegegnerin
stützte sich in medizinischer Hinsicht auf die Beurteilung von Dr.
Z._
vom 7. Januar
beziehungsweise vom 16. Februar 2019
,
wo von einem degenerativ bedingten
Gesundheitsschaden
ausgegangen wird
(E. 3.5
).
Die Beurteilung von
Dr.
Z._
beruht
auf fundierten Akten
kenntnissen (Urk. 9/50 S. 1-5).
Dr.
Z._
hat die medizinischen Zusammenhänge schlüssig dargelegt und seine Beurteilung der medizinischen Situation leuchtet ein (Urk. 9/50 S. 5-6
, Urk. 9/58/1
).
Damit erfüllt die
betreffende
Beurteilung die formellen Voraussetzungen an eine beweiskräftige
medizinische
Entscheidgrundlage
(E. 1.4)
.
4.1
.2
Die
Beschwerdeführerin
brachte hiergegen vor,
gestützt auf die Einschätzung von Prof.
B._
sei erstellt, dass es sich um eine t
raumatische Diskushernie handle, weshalb sich die Aktenbeurteilung von Dr.
Z._
nicht als verlässlich erweise
. Es sei zu berücksichtigen, dass Dr.
Z._
im Gegensatz zu Prof.
B._
kein Wirbelsäulenspezialist und auch kein
Unfalltraumatologe
sei
. Ferner hätten auch die Spezialisten des Universitätsspitals
C._
die Diskushernien
auf den Auf
fahrunfall vom 27. August 2017 zurückgeführt
(E. 2.2).
Prof
.
B._
berichtete erstmals am 4. September 2019 über
den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
. Seinen
Schluss auf eine traumatische Ursache der Diskushernie begründete er
insbesondere
mit de
m Fehlen von
Osteophyten
(E. 3.6
).
Dies
e Einschätzung
steht in Widerspruch
zum
Bericht betreffend Auswertung der Ergebnisse des MRIs vom 18. Oktober 2018 von
Dr. med.
E._
, Fachärztin FMH für Radiologie,
welche
osteochondrotische
Veränderungen im Segment C5/6 fest
gehalten
hatte
(E. 3.4)
. Im Einklang dazu machte auch
Dr.
Z._
aufgrund der ihm vorgelegten MRI-Bilder
osteophytäre
Veränderungen
aus
(E. 3.
5
).
Für das Vorliegen von
Osteophyten
sprechen sodann auch die von
Prof
.
B._
erhobenen intraoperativen Befunde (Urk. 17/1-2).
Soweit
Prof
.
B._
zur Begründung einer traumatischen Ursache der Diskushernie eine vor dem Unfall bestehende Besc
hwerdefreiheit vor
bringt (E. 3.6
)
, war er offensichtlich nicht darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass bei der
Beschwerdeführerin
bereits vor dem Unfall eine Diskushernie sowie ein Zervikovertebralsyndrom diagnostiziert worden war
en
, was sich
aus der Zusammenstellung des Krankheitsverlaufs von Dr.
D._
(
26. November 2014
; Urk. 17/4)
sowie aus dem
Kurzbericht des Spitals
F._
vom 25. Februar 2016
(Urk. 9/37/9)
ergibt.
Dass
es sich – wie von der
Beschwerdeführerin
vorgebracht – beim betreffenden Eintrag im Krankheitsverlauf von Dr.
D._
um ein blosses Versehen (Urk. 31) beziehungsweise um einen «am Computer generierten Fehler» handeln soll (Urk. 32)
,
erscheint unglaubwürdig. Selbst gegebenenfalls würde dies aber, insbesondere aufgrund des Berichtes des Spitals
F._
vom 25. Februar 2016, noch nicht auf eine vor dem Unfall bestehende Beschwerdefreiheit schliessen lassen
.
In den
weiteren
Berichten von Prof
.
B._
(Urk. 23, Urk. 26, Urk. 30/1)
wird (zumindest in der Diagnosestellung
; vgl. Urk. 25
) zwar weiterhin eine traumatische
Diskushernie
erwähnt
.
S
einer Einschätzung
fehlt es jedoch
an einer ausreichenden Begründung
, um gestützt darauf auf eine Unfallkausalität der Beschwerden schliessen zu können
.
Analog
verhält es sich mit dem Bericht des Universitätsspital
s
C._
vom 10. Dezember 2018 (Urk. 9/40).
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass sich
Prof
.
B._
an keiner Stelle
mit
der Kausalitätsbeurteilung
von Dr.
Z._
auseinandergesetzt hat
,
obwohl
ein
ent
sprechender
Bericht von der
Beschwerdeführerin
wiederholt in Aussicht gestellt
worden war
(Urk. 16 S. 10 Rn 18, Urk. 25, Urk. 27, Urk. 29
, Urk. 31
).
In Übereinstimmung zur Beurteilung von Dr.
Z._
machte sodann auch Prof.
B._
e
i
ne
ausgeprägte
Degenerationsentwicklung
aus (
Urk. 17/1-2).
Eine
r
weit nach dem relevanten Unfallereignis
attestierte
n
Arbeitsunfähigkeit (vgl. Urk. 28, Urk. 30
/2
,
Urk.
34/1-8
)
,
eine
r
Kostenübernahme der Krankenversicherung für eine Haushaltshilfe (Urk. 30/3)
sowie einer Bestätigung betreffend
einem Klinikaufenthalt
(
Urk.
34/9) und einer Mitteilung der IV-Stelle betreffend Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
34/10)
kommen
hinsichtlich der strittigen
Belange
keine
massgebliche Bedeutung
zu
.
4.1.3
Vor diesem Hintergrund vermögen
weder die Berichte der behandelnden Ärzte noch die Einwendungen der
Beschwerdeführerin Zweifel
an der Aktenbeurteilung von Dr.
Z._
zu erwecken
(vgl. E. 1.4)
.
Nichts daran zu ändern vermag die Tat
sache,
dass Dr.
Z._
im Gegensatz zu Prof.
B._
über keinen Facharzttitel in
O
rthopädischer Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, sondern über einen solchen in
Neurologie
verfügt. Die
Disziplin
der Neurologie
befasst sich mit den Störungen des gesamten Nervensystems, der neuromuskulären Über
tragung und der Muskulatur. Sie setzt Kenntnisse über Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des peripheren (einschliesslich des vegetativen) Nervensystems inklusive Muskulatur und des zentralen Nervensystems mit zu- und abführenden Blutgefässen voraus und umfasst die Lehre der
Krankheiten des Nervensystems.
D
ie Interpretation der Resultate
von bildgebenden Abklärungen der Wirbelsäule bilden dabei
einen
Bestandteil der
während
der A
usbildung erworbenen Kenntnisse
(
www.fmh.ch
, Facharzt für Neurologie, Weiterbildungsprogramm vom 1. Juli 2016 [letzte Revision: 23. März 2018], S. 2 und S. 17).
Damit
war Dr.
Z._
befähigt,
den
G
esundheitszustand
der
Beschwerdeführerin
anhand der vorliegenden Akten
zu beurteilen.
Zu ergänzen ist, dass es sich v
orliegend
– bei im Wesentlichen feststehendem medizinischen Sachverhalt –
um die Beurteilung des
Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 27. August 2017 und dem eingetretenen Gesundheitsschaden handelt
, was rechtsprec
hungsgemäss in einem Aktengutachten erörtert werden kann
(Urteil des Bundesgerichts 8C_540/2007 vom 27. M
ärz 2008 E. 3.2 mit Hin
weisen).
4.2
4.2
.1
Gemäss Dr.
Z._
dürften sich die
zervikalen
Beschwerden kaum von den bereits 2016
bestehenden
unterscheiden. Sämtliche untersuchten Segmente der HWS würden Dehydratationen der Bandscheiben zeigen und auch
osteophytäre
Veränderungen, welche auf einen alten, langsam fortschreitenden Prozess hin
deuteten. Die
Diskusprotrusion
sei deshalb mit weit überwiegender Wahrscheinlichkeit degenerativ bedingt und eine Zuordnung der Beschwerden zum Unfallereig
nis nicht gerechtfertigt (E. 3.5
).
Dass die Diskushernie traumatischer Natur wäre, ist vor diesem Hintergrund sowie angesichts des Unfallgeschehens
nicht anzunehmen. So entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraus
setzungen, als eigentlich
e
Ursache in Betracht fällt.
Als weitgehend
unfallbedingt
kann ein Bandscheibenvorfall betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von
besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbe
i
zuführen, und die Symptome der
Diskushernie
(vertebrales oder
radikuläres
Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind (vgl. für Viele etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_843/2014 vom 18. März 2015 E. 8.1).
Ein Unfall ist somit nur in Ausnahmefällen geeignet, eine Bandscheibenverletzung hervorzurufen,
zumal eine gesunde Bandscheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter Gewalteinwirkung eher die Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt würde. Bezüglich der Verschlimmerung eines vorbestehenden Gesundheitsschadens gelten dieselben Kriterien, was dazu führt, dass eine Unfallkausalität nur ausnahmsweise und insbesondere nur dann in Frage kommt, wenn der Unfall auch geeignet gewesen wäre, eine gesunde Bandscheibe zu verletzen (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungs
gerichts U 441/04 vom 13. Juni 2005 E. 3.1).
4.2
.2
Die
Beschwerdeführerin
brachte f
ür das Vorliegen eine
r
besonderen Unfall
schwere vor, das
Delta-v
sei wesentlich höher gewesen, als die angenommenen 13.3 km/h bis 18.3 km/h und beantragte diesbezüglich eine weitere Unfallanalyse (Urk. 1 S. 7 f. Rn
9
, Urk. 16 S. 9 Rn 15-16).
I
m
unfallanalytischen
Gutachten
vom 14. Dezember 2018
wurde
von einer Kollisionsgeschwindigkeit des
auffahrenden
Fahrzeuges
von bis zu 39 km/h ausgegangen (Urk. 9/42 S. 14)
, was die
Beschwerdeführerin
nicht in Frage stellte (Urk. 1 S. 7 Rn 9).
D
er Experte berücksichtigte bei seiner Beurteilung auch die an den beteiligten Fahrzeugen entstandenen Schäden (Urk. 9/42 S. 7-11). Für die Annahme einer noch höheren Aufprallgeschwindigkeit besteht vorliegend kein Raum, zumal im unfallanalytischen Gutachten nachvollziehbar dargelegt wurde, dass das hintere Fahrzeug vor dem Anprall abgebremst wurde (Urk. 9/42 S. 13), was auch in Ein
klang zur von der Unfallverursacherin nach dem Unfall gegenüber der Polizei getätigten Aussage steht, wonach sie das Bremsmanöver des vorausfahrenden Fahrzeuges zu spät bemerkt und die Kollision trotz Vollbremsung nicht mehr habe verhindern können (Urk. 9/19 S. 2-3). Zusammengefasst
vermag das, was von der
Beschwerdeführerin
für ein höheres
Delta-v
vorgebracht wurde, keine Zweifel an den Ausführungen im unfallanalytische
n
Gutachten vom
14. Dezember 2018 zu erwecken, womit darauf abzustellen ist.
Damit erübrigt sich d
ie
Einholung eines weiteren Gutachtens dieser Art
.
4.2
.3
A
ls Beispiele für ein Unfallereignis von besonderer Schwere
werden i
n der
Rechtsprechung
etwa ein freier Sturz aus erheblicher Höhe, ein Sprung aus zehn Meter Höhe, ein Sturz beim Tragen von Lasten oder ein Zusammenstoss bei grosser Geschwindigkeit genannt. Es sind massivste Gewalteinwirkungen auf den Körper notwendig (Urteil des Bundesgerichts 8C_811
/2012 vom 4. März 2013
E. 6.2).
Damit nicht vergleichbar ist der
von der
Beschwerdeführer
in
erlittene Un
fall, bei dem ein anderes Fahrze
ug ins Heck
ihres
Fahrzeuges
auffuhr, wobei die stossbedingte G
eschwindigkeitsänderung (
Delta-v
) zwischen
13.3
km/h
und 18.3 km/h
betrug
, die
Beschwerdeführerin
auf den Aufprall gefasst war
,
einen Sicherheitsgurt getragen
und sich keine ossären oder äusseren Verletzungen zugezogen
hat
(E. 3.1). Das
Heck
des
Fahrzeuges
der
Beschwerdeführerin
wurde durch den Aufprall
nur leicht eingedrückt (vgl. Urk. 19 S. 2,
Urk. 9/42 S. 1
und S. 4-6
).
Damit liegt kein Unfallereignis von besonderer Schwere vor und sind die
Voraussetz
ungen für die Qualifikation der
Diskushernie als unfallkausal
nicht er
füllt.
Allein aus d
em Umstand, dass sich der Airbag des Fahrzeuges der Unfall
verursacherin geöffnet hat (Urk.
9/42 S. 9
)
,
lässt sich nicht auf ein Unfallereignis von besonderer Schwere schliessen.
Im Weiteren
findet sich in den Akten keine Stütze dafür, dass es nach dem Unfallereignis unverzüglich zu einer dramatis
chen Symptomatik mit einem vert
ebralen oder
radikuläre
n
Syndrom gekommen ist
(vgl. E. 3.5)
.
Daran ändert nichts
, dass
Dr.
D._
der Beschwerdeführerin
ab dem Folgetag
nach dem Unfall
ereignis eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit
attestierte
(Urk. 9/3)
,
zumal
sich a
nlässlich der
seinerseits
nach dem Unfall durchgeführten Untersuchung
en
keine massgeblichen Einschränkungen der Beweglichkeit der HWS
ergaben
(
Urk. 9/6 S. 2,
vgl. Urk. 9/50 S. 2)
.
D
ie Beschwerdeführerin
äusserte
lediglich unspezifische Rückenschmerzen
(Urk. 9/6 S. 2). Dr.
D._
erachtete eine Bildgebung sodann nicht als notwendig (Urk. 9/6 S. 3)
. Gegen den Eintritt eines vert
ebralen oder eines radikulären Syndroms spricht sodann auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin
erst drei Tage nach dem Unfallereignis bei einem Arzt vor
stellig wurde (Urk. 9/6),
zwei Wochen nach dem Unfallereignis die Abschlussprüfung als Fahrl
ehrerin absolvierte (Urk. 9/15 S. 4
) und vom 16. September bis am 8. Oktober 2017 in den Ferien weilte (Urk. 9/31.5).
4.3
Mangels der erforderlichen Schwere des Unfallereignisses vom
27. August 2017
fällt
dieses als direkte Ursache der
Diskushernie
ausser Betracht. Auch der
Ein
wand der Beschwerdeführerin
,
dass sie früher nicht an HWS-Beschwerden gelitten habe (Urk. 16 S. 11 Rn 20)
,
vermag daran nichts zu ändern. Ihre
Begrün
dung erschöpft
sich in der Figur «
post
hoc ergo
propter
hoc», was rechtsprechungsgemäss für die Annahme einer natürlichen Kausalität nicht genügt (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/
2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
Die fehlende Voraussetzung eines Unfallereignisses von besonderer Schwere ist
entscheidwesentlich
. Die Unfallkausalität ist damit zu verneinen und eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin
für eine allfällige Verschlimmerung der
durch die vorbestehende Diskushernie bedingten Beschwerden entfällt, ohne dass weitere Aspekte –
wie etwa
die Adäquanz bei Schleudertrauma-Fällen – zu prüfen wären
(Urteil des Bundesgerichts 8C_902/2011 vom 10. Februar 2012 E. 2.3)
.
4.4
4.4
.1
Ist die
Diskushernie
bei degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehen
de Schmerzsyndrom zu erbringen.
Nach derzeitigem medizinischem
Wissensstand kann das Erreichen
des Status quo sine bei p
osttraumatischen Lumbalgien und
Lumboischialgien
nach
drei bis vier Monaten erwartet werden, wogegen
eine allfällige richtunggebende
Verschlimmerung röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben muss; eine traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten (Urteil des Bundesgerichts 8C_601/2011 vom 9. Janua
r 2012 E. 3.2.2
mit Hinweisen).
Es handelt sich dabei um einen unfallmedizinisch allgemein anerkannten Verlauf vorbestehender Wirbelsäulenerkrankungen nach einem Unfallereignis ohne strukturelle Verletzungen der Wirbelsäule (Urteil des Bundesgerichts 8C_32
1/2010 vom 29. Juni 2010 E. 4.3
mit weiteren Hinweisen).
4.4
.2
Gestützt auf die nachvollziehbaren Darlegungen von Dr.
Z._
ist
davon auszugehen, dass die
Bandscheibenproblematik bei degenerativem Vorzustand
durch das Unfallereignis
symptomatisch
geworden ist,
und zwar im Sinne ei
ner vorübergehenden, aber nicht richtungsgebenden Verschlimmerung
(
vgl. E. 3.
5
). Seine Annahme, wonach sämtliche über die Frist von 6 Monaten über das Unfallereignis hinaus andauernden Beschwerden als unfallfremd zu klassifizieren sind, steht sodann in Einklang mit der obgenannten Rechtsprechung
. Ferner ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass die
Beschwerdeführerin
gegenüber dem Schadeninspektor der Haftpflichtversicherung
der Unfallverursacherin
am 12. Juni 2018 schilderte, dass die Beschwerden per Februar 2018 viel geringer waren, seit April 2018 keine Einschränkungen im Haushalt mehr bestehen und derzeit nur noch vereinzelt Rückenschmerzen bestehen würden (Urk. 9/31.3-31.5). Zudem kümmerte sich die
Beschwerdeführerin
im April 2018 «praktisch alleine» um die Räumung
eines
7-Zimmer Haus
es
inklusive Garten und 4 Nebenräumen (Urk. 9/16).
Eine schnelle Genesung nach dem Unfallereignis steht sodann auch nicht in Widerspruch zu den Berichten von Dr.
D._
vom 24. Januar und 4. April 2018 (E. 3.2-3.3).
Damit ist
erstellt
, dass
der
Status quo sine der durch den Unfall ausgelösten
respektive
verschlimmerten
Bandsc
heibenproblematik
6 Monate nach dem Unfallereignis, somit bereits Ende Februar 2018,
erreicht war.
Dass die
Beschwerdegegnerin
ihre Leistungen erst per 6. März 2019 eingestellt hat (Urk. 9/59/1)
,
erscheint vor diesem Hintergrund als grosszügig, ist aber
der Tatsache geschuldet, dass sie
ihren beratenden Arzt erst im Dezember 2018 mit der Erstellung einer Aktenbeurteilung beauftragt
hat
(Urk. 9/49/1)
.
4.4
.3
Da nicht anzunehmen ist, d
ass die Einholung eines
polydisziplinären
Gutachtens beziehungsweise eines Gutachtens eines
Wirbelsäulentraumatologen
(Urk. 1 S. 2 und S. 11
)
zu eine
m anderen Ergebnis führen würde
,
kann
davon abgesehen wer
den (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d mit weiteren Hinweisen).
5
.
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin
ihre Leistungen p
er 6. März 2019
eingestellt hat
(Urk. 9/59/1, Urk. 2).
Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich daher als rechtens, was zur Ab
weisung der Beschwerde führt.