Decision ID: c4936768-e9a3-5b5a-99d1-297f2a8d9f2c
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Eigenen Angaben zufolge gelangten die Beschwerdeführerin sowie
ihr Ehemann (nachfolgend: D._) zusammen mit ihren Kindern am
17. April 2013 in die Schweiz, wo sie noch am selben Tag im Empfangs-
und Verfahrenszentrum (EVZ) E._ Asylgesuche einreichten. Dazu
wurden die Beschwerdeführerin sowie D._ am 25. April 2013 im
EVZ E._ befragt (Kurzbefragung) und am 3. Mai 2013 am selben
Ort angehört (Anhörung).
A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte D._ im Wesent-
lichen geltend, er habe im Dorf F._ gelebt, wo er im Jahre 2002
eine Person aus der Familie G._ im Streit umgebracht habe, wes-
halb seither eine Blutrachefehde mit dieser Familie bestehe. Wegen sei-
ner Tat sei er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden; am 15.
September 2011 habe man ihn aus dem Strafvollzug entlassen. Aus
Furcht vor einem Racheakt der Familie G._ sei er nach seiner
Entlassung zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern nach
H._ gezogen, wo sie jedoch von der Familie G._ aufge-
spürt worden seien; Mitglieder dieser Familie hätten im Quartier, wo sie
gewohnt hätten, nach ihnen gefragt. Zudem habe seine Tochter zirka ei-
nen Monat vor der Ausreise I._, einen Bruder des von ihm im Jah-
re 2002 getöteten Mannes, in der Nähe ihrer Schule gesehen, was sie ih-
rer Lehrerin mitgeteilt habe. Diese habe ihn (D._) telefonisch dar-
über informiert. Daraufhin habe er seine Kinder von der Schule abgeholt.
Aufgrund dieses Ereignisses hätten er und seine Frau die Kinder nicht
mehr zur Schule gehen lassen. Aus Angst um die Kinder, die wegen der
Blutrache ebenfalls gefährdet seien, habe er zusammen mit seiner Fami-
lie Albanien am 13. April 2013 verlassen. Für die übrigen Aussagen wird
auf die Akten verwiesen.
A.c Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen geltend, es bestehe eine Blutrachefehde mit einer Fami-
lie aus dem Dorf F._, da D._ im August 2002 im Streit je-
manden von dieser Familie getötet habe. Nach seiner Haftentlassung
seien sie zusammen mit ihren Kindern nach H._ gezogen. Auch in
H._ seien sie von der gegnerischen Familie aufgespürt worden;
diese habe sich kurz nach ihrer dortigen Ankunft in ihrem Quartier nach
ihnen erkundigt. Zirka einen Monat vor ihrer Ausreise habe zudem ihre
Tochter in der Schule J._, den Bruder des Opfers ihres Mannes,
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gesehen, was sie ihrer Klassenlehrerin erzählt habe. Diese habe sie (Be-
schwerdeführerin) dann telefonisch darüber informiert, worauf sie die
Kinder abgeholt habe. Aus diesem Grund habe sie die Kinder nicht mehr
in die Schule schicken können. Aus Angst vor der verfeindeten Familie
hätten sie Albanien am 13. April 2013 verlassen. Für die übrigen Aussa-
gen wird auf die Akten verwiesen.
B.
B.a Mit Verfügung vom 15. Mai 2013 – eröffnet am folgenden Tag – stellte
das BFM fest, die Beschwerdeführenden sowie D._ erfüllten die
Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig
verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug.
B.b Die Vorinstanz hielt in ihrer Verfügung im Wesentlichen fest, die Be-
schwerdeführerin sowie D._ hätten widersprüchliche Angaben
gemacht zur Frage, wie sie entdeckt hätten, dass sie in H._ von
der gegnerischen Familie aufgespürt worden seien. D._ gebe an,
er sei von der Lehrerin seiner Tochter telefonisch darüber informiert wor-
den, dass diese einen Angehörigen der gegnerischen Familie gesehen
habe; die Tochter habe I._ gesehen. Daraufhin habe er die Tochter
in der Schule abgeholt und nach Hause gebracht. Demgegenüber habe
die Beschwerdeführerin geltend gemacht, sie habe das Telefon der Leh-
rerin entgegengenommen und sie habe die Tochter in der Schule abge-
holt; die Tochter habe den J._ gesehen. Auf diese Widersprüche
aufmerksam gemacht, habe sie auf den eigenen Angaben beharrt und er-
klärt, ihr Ehemann habe Angst gehabt, ausser Haus zu gehen, weshalb
die Widersprüche bestehen blieben. Es sei daher nicht glaubhaft, dass
Angehörige der gegnerischen Familie die Beschwerdeführenden und
D._ in H._ aufgespürt hätten, womit das die Ausreise aus-
lösende Ereignis unglaubhaft sei. Die Beschwerdeführerin und
D._ hätten geltend gemacht, schon kurz nach ihrem Umzug habe
die gegnerische Familie sie in H._ gesucht. Ihre Angaben seien
jedoch unsubstanziiert, sie beruhten auf blossen Vermutungen, zumal sie
angegeben hätten, Bewohner ihres Wohnquartieres hätten ihnen mitge-
teilt, dass Unbekannte sich nach ihnen erkundigt hätten. Da sie sonst
keine Feinde hätten, müsse es sich um die gegnerische Familie gehan-
delt haben. Die Beschwerdeführerin und D._ würden also den
Umstand, dass sie gesucht worden seien, nur vom Hörensagen kennen.
Dass Unbekannte nach ihnen gefragt hätten, sei kein hinreichender Hin-
weis auf die gegnerische Familie. Es sei daher nicht glaubhaft, dass die
Beschwerdeführenden und D._ schon kurz nach ihrem Umzug
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nach H._ gesucht worden seien. Aufgrund der bisherigen Erwä-
gungen sei nicht glaubhaft, dass sie in H._ von der gegnerischen
Familie aufgespürt und nach ihnen gefahndet worden sei. Daran ver-
möchten die eingereichten Dokumente nichts zu ändern, da sie von den
Behörden der Herkunftsgemeinde von D._ ausgestellt worden
seien und eine Feindschaft im Dorf bescheinigten. Damit sei nicht belegt,
dass die Beschwerdeführenden und D._ in H._ gefährdet
seien. Die Gerichtsurteile belegten die Ahndung der Straftat von
D._, was vom BFM nicht bestritten werde. Insgesamt sei die
Furcht der Beschwerdeführenden sowie von D._, in H._
gefährdet zu sein, nicht glaubhaft, weshalb auch zu bezweifeln sei, dass
sie in eine Blutrachefehde verwickelt seien. Diese Zweifel würden durch
den Umstand verstärkt und bestätigt, dass D._ ausser Haus gear-
beitet und sich somit in der Öffentlichkeit aufgehalten habe und nicht wie
bei einer Rachefehde dauerhaft im Haus geblieben sei. Zudem entspre-
che es nicht einer traditionellen Blutfehde, dass die Kinder gefährdet sei-
en. Diese Vorbringen der Beschwerdeführenden sowie von D._
hielten somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass
ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.
Die Straftat und der Strafvollzug von D._ lägen zum Zeitpunkt sei-
ner und der Ausreise der Beschwerdeführenden zu weit zurück, um noch
als Anlass für die Ausreise zu gelten. Aufgrund der bisherigen Erwägun-
gen sei auch nicht glaubhaft, dass ein kausaler Zusammenhang bestehe.
Die Vorbringen der Beschwerdeführenden sowie von D._ hielten
daher den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG nicht stand. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig,
zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für den weiteren Inhalt wird auf
die Verfügung der Vorinstanz verwiesen.
C.
Am 23. Mai 2013 unterzeichnete D._ eine Erklärung, wonach er
auf sein Beschwerderecht unwiderruflich verzichte, weil er die Schweiz
definitiv und selbständig verlassen wolle.
D.
Mit Eingabe vom 5. Juni 2013 (Poststempel: 12. Juni 2013) an das Bun-
desverwaltungsgericht beantragten die Beschwerdeführenden in materiel-
ler Hinsicht, die angefochtene Verfügung des BFM vom 15. Mai 2013 sei
aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und es sei
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ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug
der Wegweisung für sie unzumutbar sei, weshalb das BFM anzuweisen
sei, ihnen den weiteren Aufenthalt in der Schweiz nach den Bestimmun-
gen über die vorläufige Aufnahme zu regeln. In prozessualer Hinsicht er-
suchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss
Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf die Begründung der Beschwer-
de wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen einge-
gangen.
Mit der Rechtsmittelschrift wurde ein Auszug aus einer schriftliche Aus-
kunft der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) betreffend Albanien
(Thema: Posttraumatische Belastungsstörung; Blutrache) vom 13. Febru-
ar 2012 zu den Akten gereicht.
E.
Am 14. Juni 2013 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden
nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-
nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
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1.3 Die Rechtsmittelinstanz darf die Verfügung grundsätzlich nur insoweit
überprüfen, als sie angefochten ist (vgl. BVGE 2009/46 E. 2). D._
hat mit Erklärung vom 23. Mai 2013 ausdrücklich auf die Erhebung einer
Beschwerde verzichtet. Die Verfügung des BFM vom 15. Mai 2013 ist
somit hinsichtlich seiner Person in Rechtskraft erwachsen und daher nicht
mehr zu überprüfen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet so-
mit lediglich die Frage, ob das Bundesamt die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführenden zu Recht verneint, deren Asylgesuche abgelehnt
sowie die Wegweisung und deren Vollzug verfügt hat.
1.4 Die Beschwerde ist von den Beschwerdeführenden frist- und formge-
recht eingereicht worden. Sie haben am Verfahren vor der Vorinstanz
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde
legitimiert (Art. 108 Abs. 1 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 48 Abs. 1 VwVG sowie 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung des Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt,
wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte,
wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be-
stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen
ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, sol-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/46
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chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten
namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mass-
nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frau-
enspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin den Wort-
laut sämtlicher Protokolle mit ihrer Unterschrift bestätigt hat und sich des-
halb ihre Aussagen grundsätzlich entgegenhalten lassen muss, zumal sie
die übersetzenden Personen bei der Kurzbefragung beziehungsweise
Anhörung gut verstanden haben will (vgl. Akten BFM A 8/11 S. 8, A 12/11
F1).
5.2 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz – festzustellen, dass die Asylvorbringen der Be-
schwerdeführerin den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art.
7 AsylG nicht standzuhalten vermögen beziehungsweise nicht asylrele-
vant sind, weshalb diesbezüglich vorab auf die ausführlichen und zutref-
fenden vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen ist (vgl. Ziffer I,
Bst. B.b. vorstehend). Die Vorbringen in der Rechtsmittelschrift sind nicht
geeignet, eine Änderung der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken,
zumal diesen keine stichhaltigen Entgegnungen zu entnehmen sind. Ins-
besondere vermag die Aussage in der Beschwerde, wonach die Be-
schwerdeführerin und D._ anlässlich der Anhörungen keinen Wert
darauf gelegt hätten, wer von ihnen beiden von der Lehrerin informiert
worden sei und wer dann zur Schule gefahren sei, um die Kinder abzuho-
len, da sie es nicht als wesentliches Detail empfunden hätten, die wider-
sprüchlichen Vorbringen nicht zu erklären beziehungsweise aufzulösen.
Gestützt auf das vorstehend Ausgeführte ist zu schliessen, dass es sich
bei der behaupteten Verfolgungssituation lediglich um ein Konstrukt han-
delt. An dieser Einschätzung vermag die auszugsweise zu den Akten ge-
reichte schriftliche Auskunft der SFH betreffend Albanien nichts zu än-
dern. Mangels Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen erübrigt es sich auf die
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Vorbringen in der Beschwerde bezüglich Schutz durch den Staat und
Fluchtalternativen einzugehen.
5.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es den Beschwerdeführen-
den nicht gelungen ist nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu ma-
chen, dass sie in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG er-
litten haben oder solche bei der Ausreise zu befürchten hatten oder im
Falle einer Rückkehr nach Albanien befürchten müssten. Das BFM hat
demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden
verneint und deren Asylgesuche abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein,
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der
Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-
ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG,
SR 142.20]).
Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigs-
tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AuG).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/50
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7.2.2 Der Vollzug der Wegweisung ist vorliegend in Beachtung der mass-
geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig. Es feh-
len insbesondere – wie bereits in der angefochtenen Verfügung festgehal-
ten – Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung der Beschwerdeführen-
den in Albanien. Da in der Beschwerde hinsichtlich der Zulässigkeit des
Vollzugs der Wegweisung keine Einwände geltend gemacht werden, er-
übrigen sich diesbezüglich weitergehende Ausführungen.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat
auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete
Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die
vorläufige Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Vorab ist festzuhalten, dass die allgemeine Lage in Albanien nicht
auf eine konkrete Gefährdung der Beschwerdeführenden im Falle einer
Rückkehr schliessen lässt.
7.3.3 Den Akten sind zudem keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen,
dass die – gemäss den Akten – gesunden Beschwerdeführenden bei ei-
ner Rückkehr aus individuellen Gründen wirtschaftlicher oder sozialer Na-
tur in eine existenzbedrohende Situation geraten würden, zumal sie in Al-
banien über zahlreiche Verwandte und somit über ein tragfähiges Bezie-
hungsnetz verfügen welches ihnen eine Reintegration erleichtern kann.
Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass sich gemäss den Ausführun-
gen in der Beschwerde D._, der Ehemann beziehungsweise Vater
der Beschwerdeführerenden, in Albanien aufhält. Auch das Übereinkom-
men vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (Kinderrechts-
konvention, KRK; SR 0.107) steht einem Wegweisungsvollzug nicht ent-
gegen, zumal die Kinder sich erst seit sehr kurzer Zeit in der Schweiz
aufhalten und aufgrund ihres Alters noch in einem engen Verhältnis zu ih-
ren Eltern stehen.
7.3.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als
zumutbar zu bezeichnen.
7.4 Der Vollzug der Wegweisung nach Albanien ist schliesslich möglich,
da die Beschwerdeführenden über gültige Reisepässe verfügen und kei-
ne Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG).
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7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten
fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83
Abs. 1 - 4 AuG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.
9.
Mit Entscheid in der Hauptsache wird der Antrag um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
10.
10.1 Aufgrund vorstehender Erwägungen erweisen sich die Beschwerde-
begehren als aussichtlos. Das Gesuch der Beschwerdeführenden um un-
entgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist damit –
unabhängig einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit – abzuweisen.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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