Decision ID: a35f52a5-85c5-5d40-8dd4-9294e94bbbe4
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Die X International Holding AG mit Sitz in M wurde am 26. Oktober 2005 im
Handelsregister eingetragen. Sie bezweckt das Halten von Beteiligungen an in- und
ausländischen Gesellschaften, welche sich im Wesentlichen mit Immobiliengeschäften
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befassen, wobei auch das Halten anderer Beteiligungen möglich ist. Gemäss Bericht
der Revisionsstelle zur Jahresrechnung 2006 hielt die Gesellschaft eine 75%-
Beteiligung an der X – Georgia Ltd. (Georgien), 50%-Beteiligungen an der X, Vilnius
(Litauen), an der X St. Petersburg (Russland) und an der X Kazakhstan Llc (Kasachstan)
sowie eine 33%-Beteiligung an der X, Vaduz, mit dem Zweck, in den jeweiligen
Ländern mit vorab lokalen Partnern Bauprojekte zu realisieren und zu veräussern.
B.- Gestützt auf den (überjährigen) Geschäftsabschluss per 31. Dezember 2006
deklarierte die X International Holding AG für das Steuerjahr 2006 einen steuerbaren
Reingewinn von Fr. 1'958'865.-- und ein steuerbares Kapital von Fr. 2'958'865.--. Für
die Staatssteuern beantragte sie die Besteuerung als Holdinggesellschaft. Die
Veranlagungsbehörde rechnete geldwerte Leistungen von Fr. 235'678.-- auf und setzte
den steuerbaren Reingewinn dementsprechend auf Fr. 2'194'500.-- fest. Das
deklarierte steuerbare Kapital wurde übernommen. Dem Begehren um Besteuerung als
Holdinggesellschaft wurde nicht entsprochen. Die gegen diese Veranlagung
insbesondere mit dem Begehren, die X Holding AG sei als gemischte Gesellschaft zu
besteuern, erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt am 22. Juni 2010 ab.
C.- Gegen den Einsprache-Entscheid vom 22. Juni 2010 erhob die X International
Holding AG durch ihre Vertreterin mit Eingabe vom 20. August 2010 und Ergänzung
vom 10. September 2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem
Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Rekurrentin als
gemischte Gesellschaft zu besteuern; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die
Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 4. Oktober 2010 die Abweisung des
Rekurses. Die Rekurrentin äusserte sich mit Eingabe vom 28. Oktober 2010
zurvorinstanzlichen Vernehmlassung. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten
zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 20. August 2010 ist unter
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Berücksichtigung der vom 15. Juli bis 15. August dauernden Gerichtsferien rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 10. September 2010
in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP; Art. 90 lit. a des
Gerichtsgesetzes in der bis 31. Dezember 2010 gültigen Fassung, nGS 38-77). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist einzig umstritten, ob es sich bei der
Rekurrentin um eine "gemischte Gesellschaft" im Sinn von Art. 73 Abs. 1 Satz 2 StG
handelt und der Umfang ihrer Steuerpflicht deshalb trotz ihres Sitzes im Kanton St.
Gallen aufgrund ihres Auslandsbezugs beschränkt ist. Dabei wird im Rekurs jedoch
nicht geltend gemacht, die Besteuerung der Rekurrentin verletze Regeln des
internationalen Doppelbesteuerungsrechts. Ebensowenig wird vorgebracht, die
Rekurrentin sei bei der Berechnung der Gewinnsteuer als gemischte
Beteiligungsgesellschaft im Sinn von Art. 90/91 StG, als Holdinggesellschaft im Sinn
von Art. 92 StG oder als Domizilgesellschaft im Sinn von Art. 93 StG zu behandeln.
Vielmehr ist im Rahmen der Festlegung der Steuerpflicht einzig die Auslegung und
Anwendung von Art. 73 Abs. 1 Satz 2 StG umstritten.
a) Nach Art. 71 StG sind juristische Personen aufgrund persönlicher Zugehörigkeit
steuerpflichtig, wenn sich ihr Sitz oder ihre tatsächliche Verwaltung im Kanton befindet.
Die Bestimmung entspricht den Vorgaben von Art. 20 Abs. 1 Satz 1 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden (SR 642.14, abgekürzt: StHG). Bei der Rekurrentin handelt es sich um eine
Aktiengesellschaft nach den Regeln der Art. 620 ff. des Schweizerischen
Obligationenrechts (SR 220, abgekürzt: OR) mit Sitz im Kanton St. Gallen (2005/2006 in
S, derzeit in M). Nach dem Grundsatz von Art. 71 StG ist sie dementsprechend im
Kanton St. Gallen steuerpflichtig.
b) aa) Gemäss Art. 73 Abs. 1 StG ist die Steuerpflicht juristischer Personen bei
persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt; sie erstreckt sich aber nicht auf
Geschäftsbetriebe, Betriebsstätten und Grundstücke ausserhalb des Kantons (Satz 1).
Eine Betriebsstätte ausserhalb der Schweiz liegt auch vor, wenn wenigstens 80% der
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Erträge aus ausländischer Quelle stammen und gleichzeitig wenigstens 80% des
eigenen oder durch Dritte geleisteten Beitrags zur Leistungserstellung im Ausland
erbracht wird (Satz 2). Dieser Regelung stehen die Vorschriften des Bundes zur
Steuerharmonisierung nicht entgegen (vgl. Athanas/Widmer, in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 46 zu Art. 20 StHG).
Eine "gemischte Gesellschaft" im Sinn von Art. 73 Abs. 1 Satz 2 StG liegt vor, wenn der
Umfang ihrer schweizerischen Geschäftstätigkeit von untergeordneter Bedeutung ist,
d.h. höchstens 20% des gesamten Geschäftsvolumens ausmacht. Trifft dies zu, so
geht das st. gallische Steuergesetz davon aus, die Auslanderträge seien einer
ausländischen Betriebsstätte zuzuordnen. Dies gilt unabhängig davon, ob in einem
oder mehreren ausländischen Staaten tatsächlich die Voraussetzungen einer
Betriebsstätte im Sinn des OECD-Musterabkommens erfüllt sind. Für die Beurteilung,
ob in der Schweiz lediglich eine untergeordnete Geschäftstätigkeit stattfindet, wird
sowohl auf die Ertrags- als auch auf die Aufwandseite abgestellt. Die Voraussetzungen
werden nach den Bruttoumsätzen bestimmt und müssen für jede Steuerperiode erfüllt
sein, für die eine Steuerausscheidung geltend gemacht wird (vgl. Art. 35 Abs. 1 der
Steuerverordnung; sGS 811.11, abgekürzt: StV). Ertragsseitig müssen mindestens 80%
des Umsatzes aus dem Ausland stammen. Gleichzeitig muss der eigene oder durch
Dritte erbrachte Beitrag zur Leistungserstellung zu mindestens 80% im Ausland
erbracht werden. Für die Begriffsbestimmung sowie die geographische Zuordnung der
Geschäftstätigkeit gelten die gleichen Grundsätze wie für die Holding- und
Domizilgesellschaften (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st.
gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 260).
bb) In der Erfolgsrechnung der Rekurrentin für die Zeit vom 19. Oktober 2005 bis
31. Dezember 2006 werden betrieblich bedingte Aufwände von Fr. 578'863.50
ausgewiesen. Im Zusammenhang mit den im Lauf des ersten Geschäftsjahres
erworbenen Beteiligungen an Tochtergesellschaften in Georgien, Kasachstan,
Russland, Litauen und im Fürstentum Liechtenstein wurden – unbestrittenermassen –
keine Erträge erzielt (vgl. Jahresrechnung 2006, act. 4a, S. 3; Spartenrechnung
bezüglich der Erträge 2006, act. 8a). Der Gewinn der Gesellschaft von Fr. 2'610'124.83
ist einzig auf das Finanzergebnis von Fr. 3'188'988.33 zurückzuführen. Dieses beruht
im Wesentlichen auf einem Wertschriftenerfolg von rund 3,5 Mio. Franken
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(Wertschriftenaufwand rund 1 Mio. Franken, Wertschriftenertrag rund 4,5 Mio.
Franken), der mit zahlreichen, ausnahmslos über die B, Private Banking, in Zürich
abgewickelten Käufen und Verkäufen von Call Optionen verschiedener in- und
ausländischer Gesellschaften erzielt wurde. Die Rekurrentin macht in erster Linie
geltend, der Handel mit diesen Wertschriften sei nicht als Geschäfts-, sondern als reine
Verwaltungstätigkeit bzw. untergeordnete Nebentätigkeit zu qualifizieren, zumal der
Gründer der Rekurrentin lediglich sich zufällig bietende Gelegenheiten ausgenützt
habe.
cc) Art. 73 Abs. 1 Satz 2 StG stützt darauf ab, ob 80% der Erträge aus ausländischer
Quelle stammen. Der Wortlaut der Bestimmung trifft keine Unterscheidung hinsichtlich
der Art der Erträge. Insbesondere bietet er keinen Anlass, zwischen Erträgen aus der
Geschäftstätigkeit und aus reiner Verwaltungs- oder untergeordneter Nebentätigkeit zu
differenzieren. Ausschlaggebend ist allein, dass die Erträge zu 80% aus ausländischer
Quelle stammen. Die Rekurrentin hat im ersten, per 31. Dezember 2006
abgeschlossenen (überjährigen) Geschäftsjahr weder aus den Beteiligungen an ihren
ausländischen Tochtergesellschaften in Georgien, Litauen, Russland und Kasachstan
sowie im Fürstentum Liechtenstein Erträge erzielt noch sind die Gewinne aus dem über
den Finanzplatz Zürich abgewickelten Optionenhandel dem Ausland zuzurechnen (vgl.
dazu auch nachfolgend E. 2b/ee). Die Rekurrentin erfüllt damit die Voraussetzungen,
wie sie entsprechend dem Wortlaut von Art. 73 Abs. 1 Satz 2 StG an eine gemischte
Gesellschaft gestellt werden, nicht.
dd) Im Rekurs wird geltend gemacht, noch im November 2005 seien Fr. 600'000.-- des
Aktienkapitals von 1 Mio. Franken in Projekte in Bulgarien investiert und mit weiteren
Eigenmitteln die mit der umfangreichen und ansteigenden Auslandtätigkeit zum
raschen Aufbau von Immobilienbeteiligungen verbundenen laufenden Ausgaben
bestritten worden. Der Gründer der Rekurrentin habe sich im ersten Geschäftsjahr
nachweislich rund 150 Arbeitstage in den Zielländern aufgehalten. Damit seien Spesen
von rund Fr. 131'000.-- verbunden gewesen. Die Wertschriftenerträge stellten das
Ergebnis einer lediglich untergeordneten und ausschliesslich mit Eigenmitteln
finanzierten Nebentätigkeit der Gesellschaft dar, die mit dem Aufbau der
internationalen Gruppenstruktur sukzessive abgenommen habe und noch während des
Jahres 2006 gänzlich eingestellt worden sei. Die damit erzielten Erträge gingen im
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Wesentlichen auf drei Transaktionen ("E", "Sch" und "S") zurück, bei denen der
Gründer der Rekurrentin sich zufällig bietende Gelegenheiten ausgenutzt habe. Die
Tätigkeit in der Schweiz habe sich praktisch durchwegs auf reine Hilfs- respektive
Vorbereitungsarbeiten beschränkt. Diese Vorbringen vermögen jedoch nichts daran zu
ändern, dass die Rekurrentin insbesondere aus ihren ausländischen Beteiligungen im
massgebenden Zeitraum keine einer ausländischen Quelle zuzuordnenden Erträge
erzielt hat.
Die Rekurrentin macht zwar geltend, nach der Veranlagungspraxis zur
Domizilgesellschaft im Sinn von Art. 93 StG (StB 93 Nr. 1 Ziff. 9.3.2) seien
Wertschriftenerträge "von schweizerischen Schuldnern" als übrige Einkünfte aus der
Schweiz zu qualifizieren; umgekehrt müssten deshalb Erträge von ausländischen
Schuldnern, insbesondere die Erträge aus den Transaktionen "E" (1,7 Mio. Franken)
und "Sch" (1,3 Mio. Franken), als übrige Einkünfte aus dem Ausland behandelt werden.
Sie beruft sich damit auf eine systematische Auslegung von Art. 73 Abs. 1 Satz 2 StG
im Licht der Regeln über die Domizilgesellschaften.
Es trifft zu, dass nach Auffassung der Lehre bei der Anwendung von Art. 73 Abs. 1
Satz 2 StG für die Begriffsbestimmung sowie die geographische Zuordnung der
Geschäftstätigkeit auf die gleichen Grundsätze wie für die Holding- und
Domizilgesellschaften abgestellt werden kann (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig,
a.a.O., S. 260). Holdinggesellschaften entrichten gemäss Art. 92 Abs. 1 StG keine
Gewinnsteuern, sofern die Beteiligungen oder die Erträge aus den Beteiligungen
längerfristig wenigstens zwei Drittel der gesamten Aktiven oder Erträge ausmachen; die
Bestimmung entspricht Art. 28 Abs. 2 StHG. Diese Voraussetzung kann die Rekurrentin
jedenfalls in der für die Steuerperiode 2006 massgebenden Geschäftsperiode nicht
erfüllen, da sie keine Erträge aus Beteiligungen im Sinn von Art. 92 StG erzielt hat.
Insbesondere stellen die Erträge aus dem Handel mit Optionen keine
Beteiligungserträge dar, da die Optionen keine Beteiligungsrechte beinhalten. Vielmehr
sind sie ein Derivat, dessen Wert vom künftigen Kurs das Beteiligungspapiers abhängt
(vgl. dazu E. 2b/ee).
ee) Die von der Rekurrentin angeführte Anwendungsregel steht im Zusammenhang mit
den sogenannten Domizilgesellschaften, die in der Schweiz eine Verwaltungstätigkeit,
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jedoch keine Geschäftstätigkeit ausüben. Domizil- oder Verwaltungsgesellschaften,
d.h. Kapitalgesellschaften, Genossenschaften und Stiftungen, die in der Schweiz eine
Verwaltungstätigkeit, aber keine Geschäftstätigkeit ausüben, entrichten gemäss Art. 93
Abs. 1 StG keine Gewinnsteuer auf Erträgen aus und Kapital- und
Aufwertungsgewinnen auf Beteiligungen von wenigstens 20% oder wenigstens zwei
Millionen Franken am Grund- oder Stammkapital anderer Gesellschaften (lit. a); übrige
Einkünfte aus der Schweiz werden ordentlich (lit. b), übrige Einkünfte aus dem Ausland
nach der Bedeutung der Verwaltungstätigkeit in der Schweiz ordentlich besteuert
(lit. c). Diese Bestimmung entspricht Art. 28 Abs. 3 StHG. Sie schreibt eine
objektmässige Steuerbefreiung von Beteiligungserträgen und Beteiligungsgewinnen in
Verbindung mit der ordentlichen Besteuerung schweizerischer Einkünfte und eines
Teils der ausländischen Einkünfte vor für Kapitalgesellschaften, Genossenschaften und
Stiftungen, die in der Schweiz eine Verwaltungstätigkeit, aber keine Geschäftstätigkeit
ausüben. Diese Berechnungsmodalitäten gelten gemäss Abs. 4 auch für
Gesellschaften, deren Geschäftstätigkeit überwiegend auslandsbezogen ist und die in
der Schweiz nur eine untergeordnete Geschäftstätigkeit ausüben
(Verwaltungsgesellschaften; vgl. Duss/von Ah/Rutishauser, in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 3 der Vorbemerkungen zu
Art. 27/28 StHG). In diesem Zusammenhang wird der Begriff der "gemischten
Gesellschaft" vermieden, weil er für Gesellschaften Verwendung findet, deren
Auslandstätigkeit – wie in Art. 73 StG – im Rahmen der subjektiven Steuerpflicht
geordnet ist. Diese gemischten Gesellschaften sind harmonisierungsrechtlich nicht
unter Art. 28 StHG zu würdigen (vgl. Duss/von Ah/Rutishauser, a.a.O., N 127 zu Art. 28
StHG und N 8a der Vorbemerkungen zu Art. 27/28 StHG).
Abgesehen davon ist entsprechend dem klaren Wortlaut von Art. 93 Abs. 1 StG davon
auszugehen, dass auch die Domizil- oder Verwaltungsgesellschaft grundsätzlich nur für
jene Erträge nicht an ihrem schweizerischen Sitz gewinnsteuerpflichtig ist, die sie aus
Beteiligungen erzielt hat. Solche Erträge weist die Rekurrentin im Rechnungsabschluss
per 31. Dezember 2006 unbestrittenermassen nicht aus. Gleichzeitig vertritt sie die
Auffassung, sie habe in der Schweiz keine eigentliche Geschäftstätigkeit ausgeübt.
Systematisch erscheint es als unmöglich, einer Gesellschaft die Quote
Geschäftstätigkeit Schweiz null zuzuweisen und die übrigen Einkünfte aus dem
Ausland dennoch nach dem Umfang dieser Geschäftstätigkeit – d.h. gar nicht – zu
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besteuern (vgl. Duss/von Ah/Rutishauser, a.a.O., N 137 zu Art. 28 StHG). Unter die
übrigen Einkünfte aus der Schweiz fallen Einkünfte aus schweizerischen Quellen, d.h.
das Domizil des Schuldners der entsprechenden Leistung muss in der Schweiz sein.
Diese Anknüpfung ist bei Erträgen aus Grundeigentum oder aus immateriellen Rechten
wie Lizenz- oder Markenrechten problemlos, erscheint aber in verschiedenen anderen
Konstellationen als sachwidrig (vgl. Duss/von Ah/Rutishauser, a.a.O., N 143 zu Art. 28
StHG).
Die von der Rekurrentin erzielten Einkünfte gehen auf den Handel mit Call-Optionen
zurück. Der Käufer einer Call-Option erwirbt gegen Bezahlung einer Prämie (Preis der
Option) das Recht (nicht aber die Pflicht), in einem bestimmten Zeitpunkt (Verfalltag)
oder Zeitraum (Laufzeit) eine bestimmte Menge (Kontraktgrösse) eines bestimmten
Guts (Basiswert) zu einem bestimmten Preis (Ausübungspreis) vom Optionsverkäufer
zu erwerben. Der Verkäufer der Call-Option geht gegen Erhalt der Prämie die
Verpflichtung (und nicht nur eine Berechtigung) ein, in einem bestimmten Zeitpunkt
oder Zeitraum dem Käufer der Option den Basiswert zum Ausübungspreis zu liefern
(vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 60 zu
Art. 20 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt:
DBG). Bei Wertschriftengeschäften dieser Art kann daraus, ob der Option als Basiswert
das Anteilsrecht an einer schweizerischen oder einer ausländischen Gesellschaft
zugrunde liegt, nicht auf das Domizil des Schuldners, d.h. des Käufers des Basiswerts
oder der Option geschlossen werden. Ebensowenig stellen die Erträge aus dem
Optionenhandel Beteiligungserträge dar (vgl. oben E. 2b/dd). Es ist deshalb ohne
Weiteres gerechtfertigt, für die Besteuerung der aus diesen Transaktionen erzielten
Einkünfte auf den Sitz der Gesellschaft oder aber den Finanzplatz, über welchen die
Transaktionen abgewickelt wurden, abzustellen. Deshalb ist es nicht möglich, das
Finanzergebnis ganz oder bloss teilweise dem Ausland zuzuordnen.
ff) Schliesslich verlangen weder die Entstehungsgeschichte noch deren Sinn und
Zweck eine Auslegung von Art. 73 Abs. 1 Satz 2 StG entgegen dem Wortlaut. Die
Bestimmung wurde neu ins Steuergesetz vom 9. April 1998 aufgenommen. Den
"gemischten Gesellschaften" ist eigen, dass ihre Geschäftstätigkeit sowohl bezüglich
Leistungserbringung als auch bezüglich Absatzes überwiegend, aber nicht
ausschliesslich auslandbezogen ist. Gleich wie die Domizilgesellschaften, welche in der
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Schweiz keine Geschäftstätigkeit ausüben und daher die privilegierte Besteuerung
nach Art. 93 StG beanspruchen können, belasten sie die schweizerische Infrastruktur
nur in sehr geringem Ausmass. Daher rechtfertigt es sich, die reinen Ausland-Ausland-
Umsätze nur soweit zu besteuern, als die in der Schweiz ausgeübte
Verwaltungstätigkeit zu diesem Erfolg beiträgt. Dies wird dadurch erreicht, dass bei
überwiegender Auslandbezogenheit der Geschäftstätigkeit einseitig und in Abweichung
vom OECD-Musterabkommen eine ausländische Betriebsstätte angenommen wird.
Neben einem Vorausanteil von 10-20% des erzielten Reingewinns (je nach Bedeutung
der schweizerischen Verwaltungstätigkeit) unterliegt vom restlichen Reingewinn der auf
die schweizerische Geschäftstätigkeit entfallende Anteil der kantonalen Besteuerung.
Der auf die ausländische Geschäftstätigkeit entfallende Anteil am verbleibenden
Ergebnis wird dem Ausland zur Besteuerung zugewiesen (vgl. Botschaft, in: ABl 1997
S. 1026 f.).
3.- Die Besteuerung des Unternehmensgewinns im Kanton St. Gallen verletzt
schliesslich auch nicht die bundesrechtlichen Vorgaben zur Steuerharmonisierung bei
juristischen Personen (vgl. E. 2 b/aa).
4.- Der Rekurs erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 4'000.-- ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- ist zu verrechnen.