Decision ID: 2244b073-e231-4805-a9b2-1b875c91c001
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
1972
geborene
X._
ist seit dem
1. Dezember 2003
als
Schreiner
bei der
Y._
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Am 26.
Juni 2010 zog er sich bei einem Sturz von einem Gerüst aus circa drei Metern Höhe ein Schädel-Hirn-Trauma zu (Urk. 7/1, Urk. 7/12
/2
, Urk. 7/
376
).
Die
Suva
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld;
Urk.
7/17).
Mit Verfügung vom
4. Februar 2019 (Urk. 7/496)
schloss die
Suva
den Fall per
31. Juli 2017
ab und
sprach dem Versicherten ab
1. August 2017
eine Invaliden
rente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von
56
%
und eines versicherten Jahresverdienstes von
Fr.
79'843.--
sowie eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von
50
%
zu
.
Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom
4. März 2019
(Urk.
7/506
) wies die
Suva
am
2
5.
September 2019
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
25. Oktober 2019
Beschwerde (
Urk.
1) und be
antragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es sei
ihm eine Integritätsentschädigung auf Basis eines Integritätsschadens von 65 Prozent zuzusprechen, eventualiter sei die Sache in Aufhebung des angefochtenen Ent
scheides an die Vorinstanz zurückzuweisen zwecks Abklärung des Integritäts
schadens; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegeg
nerin (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 4. Dezember 2019 (Urk. 6) schloss die Suva auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
9. Dezember 2019 (Urk. 8)
unter An
ordnung
eines zweiten Schriftenwech
sels zur Kenntnis
gebracht wurde.
Nachdem sich
der Beschwerdeführer
innert erstreckter Frist nicht
hatte
verneh
men
lassen
, hielt er mit Stellungnahme vom 11. März 2020 (Urk. 12) an seinen Anträgen fest,
was
der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 16. März 2020 (Urk. 13) zur Kenntnis
gebracht
wurde.
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Nach Art. 24 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
der
Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV)
Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die kör
perliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfäl
lig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körper
liche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusam
men, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 25. September 2019 (Urk. 2)
gestützt auf
das
interdisziplinäre Gutachten des
Z._
vom 22. Oktober 2018 (Urk. 7/467) zur Hauptsache, addiere man beide Schädigungen, errechne sich eine Summe von 65 %. Hingegen habe Dr. med.
A._
, Facharzt Neurologie FMH,
den Gesamt-Integritätsschaden unter Berücksichtigung der resultierenden Wechselwirkung auf funktioneller Ebene zwischen einer posttraumatischen Epilepsie und einer neuropsychologi
schen Störung gemäss Gutachten auf bloss 50 % geschätzt (S. 6). Wiederspre
chend
e
ärztliche Berichte seien dem medizinischen Dossier nicht zu entnehmen und würden
einspracheweise
weder aufgelegt noch geltend gemacht (S. 7).
Mit Beschwerdeantwort vom 4. Dezember 2019 (Urk. 6)
führte
sie ergänzend
aus
, dass bei der Schätzung des Integritätsschadens der Vorzustand nicht angemessen diskutiert worden sei
(S. 3). Der angefochtene
Einspracheentscheid
sei, da die
Integritätsentschädigung angemessen zu kürzen wäre, wenn die Gesundheits
schädigung nur teilweise die Folge des Unfalls sei, nicht zu beanstanden bezie
hungsweise grosszügig (S. 4).
2.2
Dagegen wendet der Beschwerdeführer (Urk. 1) zur Hauptsache ein,
Dr.
A._
habe die Wechselwirkung einzig in seiner Antwort in Ziffer 7.6 erwähnt. Andern
orts seien die Wechselwirkungen nicht verzeichnet. Damit liessen sich diese auch nicht ableiten oder eruieren. Das Gutachten sei mithin kein Beweis dafür, dass die Epilepsie und die neuropsychologischen Störungen sich auf funktioneller Ebene überschnitten (S. 6). Die Versicherung habe zudem den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie seine Ergänzungsfragen nicht zugelassen habe (S. 7).
Replicando
wies er am 11. März 2020 (Urk. 12) darauf hin, dass
die Kausalität der
Hypersom
n
ie
nicht fraglich,
der Vorzustand bei der Beurteilung des I
ntegritäts
schadens auszublenden und d
iesbezüglich ebenfalls relevant
sei
, dass er vor dem Unfall in beruflicher und sozialer Umgebung voll leistungsfähig gewesen sei. Die
s
spreche dafür, dass die eingeschränkte soziale Kognition ausschliessliche Folge des Unfalls sei (S. 2).
Ausserdem führe
der neurologische Gutachter
nicht aus und
es
sei deshalb nicht erwiesen, dass in vorliegendem Fall die Leistung wegen Depressivität beeinflusst gewesen sei (S. 3).
2.3
Strittig ist vorliegend einzi
g die Höhe der Integritätsentschädigung
.
Die
Höhe der Invalidenrente
war bereits im
Einspracheverfahren
nicht mehr umstritten, sodass diesbezüglich Teilrechtskraft eingetreten ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_528/2019 vom 1
2.
November 2019 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 119 V 347).
3.
3.1
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der expliziten gesetzlichen Regelung in
Art.
42
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
auch in
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfas
sung (BV) garantiert wird, ist das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, er
hebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erhebli
chen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äus
sern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu
beeinflussen (BGE 132 V 368 E.
3.1).
In Bezug auf Expertengutachten berechtigt der Anspruch auf rechtliches Gehör die Parteien insbesondere, vom Inhalt
des Gutachtens Kenntnis zu nehmen sowie dem Experten ergänzende Fragen zu stellen. Die Verwaltung oder das Gericht können auf die Ergänzungsfragen verzichten, wenn davon keine neuen Erkennt
nisse zu
erwarten
sind (Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_
738/2014 vom 1
5.
Januar 2015 E.
6.3,
8C_834/2013 vom 1
8.
Juli 2014 E. 5.1).
3.2
Aus den Akten geht hervor, dass
der Beschwerdeführer nach Kenntnisnahme des
interdisziplinären (neurologisch-
epileptologischen
und neuropsychologischen)
Experteng
utachtens vom 22. Oktober 2018
(Urk. 7/467) beziehungsweise
neuropsychologischen Teilgutachtens vom
13. Juni 2017 (Urk. 7/469) der V
orinstanz am
1. November 2018 (Urk. 7/472) Ergänzungsfragen vorlegte, wel
che den Experten zu unterbreiten seien. Weiter ist der Telefonnotiz vom 28. November 2018 (Urk. 7/478)
zu entnehmen, dass die
Beschwerdegegner
in einzig aus zeitlichen Gründen darauf verzichtete (S. 1
2.
Absatz). Mit diesem Vor
gehen verletzte sie
den Anspruch de
s
Beschwerdeführer
s
auf rechtliches Gehör
.
Indes war
der Beschwerdeführer
zur sachgerechten Anfechtung de
s
Einsprache
entscheides
vom
25. September 2019
in der Lage und
konnte in
diesem Beschwerdeverfahren vor einem den Sachverhalt und die Rechtslage frei prüfen
den Gericht (vgl.
Art.
61
lit
. c und d ATSG; BGE 132 V 387 E. 5.1) umfassend zu den vorliegenden Beweismitteln Stellung nehmen und sich zu allen Aspekten des Verfahrens äussern (vgl.
Urk.
1).
Da zudem die noch strittige Ergänzungsfrage hinsichtlich einer Wechselwirkung zwischen posttraumatischer Epilepsie und den neuropsychologischen Einschränkungen (vgl. Urk. 7/47
2
S. 2 Frage 3) Hauptge
genstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet, würde
eine Rückweisung einzig zur Gewährung des rechtlichen Gehörs lediglich zu einem
formalistischen Leerlauf führen, weshalb davon abgesehen werden kann
(BGE 132 V 387 E. 5.1, 124 V
180 E. 4a).
Demnach ist eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt zu betrachten (vgl. BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
) und
der angefochtene
Einspracheent
scheid
in
materieller Hinsicht zu prüfen.
4
.
4.1
Während
Dr.
A._
im Rahmen der interdisziplinären Begutach
tung (Expertise vom 22. Oktober 2018
[Urk. 7/467]
)
aus neurologischer Sicht
klinisch-neurolo
gisch keine Auffälligkeiten schilderte (S. 10),
diagnostizierten Dr. sc. nat.
B._
, Neuropsychologin, und Prof. Dr.
rer
. nat.
C._
, Leiter Neuropsycholo
gie, eine leichte bis mittelschwere kognitive Störung (ICD-10 F07.8). Differenti
aldiagnostisch seien
auch Aspekte eines organischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2) gegeben
(Urk. 7/469 S. 26).
4.2
Die Experten führten aus, bei
der neurologischen-
epileptologi
schen
gutachterli
chen Untersuchung
seien folgende Beschwerden angegeben worden: verminderte Belastbarkeit, Schwierigkeiten beim Planen, Vorausdenken, Suchen von Lösun
gen, Mühe beim Treffen von Entscheidungen und der Auswahl von Varianten, Minderung von Antrieb und allgemeine Lustlosigkeit, vermehrte Ungeduld und Reizbarkeit, Wortfindungsstörungen, vermehrte Vergesslichkeit, Niedergeschla
genheit beziehungsweise Depression, Kopfschmerzen. Der klinisch-neurologische Untersuchungsbefund sei unauffällig, desgleichen der Befund des Standa
rd-Elektroenzephalogramms (EEGs; Urk. 7/467 S. 12)
.
4.3
Bei der neuropsychologischen gutachterlichen Untersuchung seien folgende Beschwerden angegeben worden: Müdigkeit, Verlangsamung, verminderte Belastbarkeit, Schwierigkeiten beim Erkennen von Zusammenhängen, Schwierig
keiten beim Treffen von Entscheidungen, vermehrte Vergesslichkeit, Wortfin
dungsstörungen, emotionale Störungen mit vermehrter Ängstlichkeit, aber auch vermehrter Ungeduld und Reizbarkeit,
z
eitweise Niedergeschlagenheit bezie
hungsweise Depression, Ohrrauschen/Tinnitus
,
Kopfschmerzen (S. 12 f.).
4.4
Aus neurologisch-
epileptologischer
Sicht liege aufgrund des Verdachts auf eine (= sehr wahrscheinliche)
posttraumatische Epilepsie eine entsprechende Beein
trächtigung vor (Integritätsschaden für posttraumatische Epilepsie mit Anfällen oder Dauermedikation ohne Anfälle = 30 %). Aus neuropsychologischer Sicht liege ebenfalls eine ent
sprechende Beeinträchtigung (35 %; leichte bis
mittel
schwere Störung gemäss Suva Tabelle 8; S. 1
5 f.
)
vor
.
4.5
Dr.
A._
schätzte den Gesamt-Integritätsschaden unter Berücksichtigung der resultierenden Wechselwirkung auf funktioneller Ebene auf 50 % (= mittel
schwere Störung; S.16).
5.
5.1
Vorwegzuschicken ist, dass die Ausrichtung einer Integritätsentschädigung weder im Grundsatz noch hinsichtlich
d
er
zugrundeliegenden Schädigungen umstritten ist. So
erkannte die Beschwerdegegnerin (Urk. 2) nach Aktenlage zu
R
echt, dass aus neurologisch-
epileptologischer
Sicht der Verdacht auf eine sehr wahrschein
liche
posttraumatische Epilepsie besteht, aufgrund welcher der Beschwerdeführer auf eine Dauermedikation angewiesen ist, sowie aus neuropsychologischer Sicht zudem eine leichte bis mittelschwere
kognitive Störung
besteht (S. 5; vgl. E. 4).
Strittig ist demnach ausschliesslich die Höhe der auszurichtenden Integritätsent
schädigung
und h
i
erbei, wie es sich mit einer möglichen Addition der
zu entschä
digenden Beeinträchtigungen verhält
.
Gemäss
den Vorbringen
des Beschwerde
führers
(Urk. 1)
verstösst die von der Beschwerdegegnerin zugesprochene Integritätsentschädigung gegen
Art.
24 UVG, da anhand der aktuellen Beweislage eine Überschneidung der Gesundheitsschäden nicht erstellt sei, weshalb vom Grund
satz der Addition auszugehen sei und der Gesamt-Integritätsschaden somit 65 % betrage.
5.2
5.2.1
Die Bemessung der Integritätsentschädigung richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere des Integritätsschadens. Diese beurteilt sich nach dem medizi
nischen Befund. Bei gleichem medizinischem Befund ist der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen. Die Integri
tätsentschädigung der Unfallversicherung unterscheidet sich daher von der pri
vatrechtlichen Genugtuung, mit welcher der immaterielle Nachteil individuell unter Würdigung der besonderen Umstände bemessen wird. Es lassen sich im Gegensatz zur Bemessung der Genugtuungssumme im Zivilrecht (vgl. BGE 112 II 131 E. 2) ähnliche Unfallfolgen miteinander vergleichen und auf medizinischer Grundlage allgemein gültige Regeln zur Bemessung des Integritätsschadens auf
stellen; spezielle Behinderungen der Betroffenen durch den Integritätsschaden bleiben dabei unberücksichtigt. Die Bemessung des Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalles ab; auch geht es bei ihr nicht um die Schätzung erlittener Unbill, sondern um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1, 113 V 218 E. 4b mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 445 S. 555 ff.).
5.2.2
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht ab
schliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem an
gegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (
Ziff.
1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem
Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (
Ziff.
1
Abs.
2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen An
spruch auf Entschädigung (
Ziff.
1
Abs.
3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
5.2.3
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätli
chen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Fein
ras
ter) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für das Gericht nicht verbindlich, umso weniger als Ziff. 1 Abs. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, der in der Skala angegebene Prozentsatz des Integritätsschadens gelte im Regelfall, welcher im Einzelfall Ab
weichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicher
ten gewähr
leistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
5.3
Gemäss Anhang 3 zur UVV
beträgt der Integritätsschaden bei p
osttraumatische
r
Epilepsie mit Anfällen oder in Dauermedikation ohne Anfälle
30 %. Nach der Tabelle 8 der Suva
betreffend Integritätsschaden
bei
psychischen Folgen von Hirnverletzungen
entspricht eine leichte bis mittelschwere Störung einem Inte
gritätsschaden von 35 %.
5.4
Sodann ist v
on verschiedenen Integritätsschäden auszugehen, wenn die Beein
trächtigungen sich medizinisch eindeutig feststellen und in ihren Auswirkungen voneinander klar unterscheiden lassen. Klar unterscheidbare und sich gegenseitig nicht beeinflussende Integritätsschäden sind grundsätzlich zu addieren. Bei einer gegenseitigen Überlagerung verschiedener Beeinträchtigungen darf der Gesamt
wert indessen nicht dazu führen, dass ein Teil der Beeinträchtigungen doppelt entschädigt wird. Umgekehrt kann sich eine Erhöhung rechtfertigen, wenn sich die verschiedenen Beeinträchtigungen in ihrer Wirkung verstärken (
Urteil des Bundesgericht
s
8C_826/2012 vom 28. Mai 2013 E. 3.2
).
5.5
5.5.1
Der Beschwerdeführer
(Urk. 1) vertritt die Auffassung, der Gutachter führe nicht aus, worin die Wechselwirkungen zwischen der Epilepsie und den neuropsycho
logischen Störungen bestünden (S. 5). Die
Beschwerdegegner
in sei demgemäss nicht im Stande
gewesen, die Wechselwirkungen zu beschreiben und Gegenstand ihrer Beweiswürdigung zu machen. Damit könne sie die Wechselwirkungen auch mittels Beweiswürdigung nicht dergestalt erstellen, dass diese als überwiegend wahrscheinlich anzusehen wären (S. 6).
5.5.2
In seiner Beurteilung des Integritätsschadens vom 22. Oktober 2018 (
E. 4
)
schätzte Dr.
A._
den Gesamt-Integr
itätss
chaden zufolge Wechselwirkungen auf funktioneller Ebene auf 50 %. Diesbezüglich lässt sich
aus seiner
Begründung – wenn
auch
sehr knapp erfolgt – ersehen, dass
die Dauerhaftigkeit der Medika
tion
zur Behandlung
einer posttraumatischen Epilepsie auf Verdacht
zwar eine
eigenständige
Einschränkung darstellt,
die angegebenen Beschwerden und erho
benen Befunde
jedoch
mit der ausgewiesenen
leichte
n
bis mittelschwere
n
kogni
tive
n
Störung
gemeinhin kongruieren. Namentlich hielt er aus neurologisch-
epileptologischer
Sicht
verminderte Belastbarkeit, Schwierigkeiten beim Planen, Vorausdenken, Suchen von Lösungen, Mühe beim Treffen von Entscheidungen und der Auswahl von Varianten, Minderung von Antrieb und allgemeine Lustlo
sigkeit, vermehrte Ungeduld und Reizbarkeit, Wortfindungsstörungen, vermehrte Vergesslichkeit, Niedergeschlagenheit beziehungs
weise Depression
und
Kopf
schmerzen fest, während
aus neuropsychologischer Sicht
verminderte Belastbar
keit
, Schwierigkeiten beim Erkennen von Zusammenhängen, Verlangsamung, Schwierigkeiten beim Treffen
von Entscheidungen, Müdigkeit, e
motionale Stö
rungen mit vermehrter Ängstlichkeit, aber auch vermehrter Ungeduld und Reiz
barkeit, Wortfindungsstörungen, vermehrte Vergesslichkeit, zeitweise Niederge
schlagenheit beziehungsweise Depression sowie Ohrrauschen/Tinnitus und Kopf
schmerzen erfasst wurden.
In der Gesamtschau
ist somit nachvollzieh
bar, dass keine
uneingeschränkte
Addition der ermittelten Integritätsschäden zu erfolgen hat
, der Experte dahingegen eine Schätzung des Gesamtschadens vor
nahm.
Dies namentlich deshalb, weil jeweils mehr als die Hälfte der Beschwerden auch i
n der anderen Pathologie beschrie
ben werden und nicht doppelt zu ent
schädigen sind.
Daran vermag auch d
er Umstand der Anfallsfreiheit unter Medi
kation n
ichts zu änder
n
,
gehen doch die
vom
Beschwerdeführer
beschriebenen und von den
F
ach
ärzten
erhobenen
Beschwerden überwiegend in einander auf
. Eine Kumulation im Umfang von 15
%
respektive 20
%
ist angesichts des Aus
nahmecharakters der Kumulation bei identischen Befunden (Urteil des Bundesge
richts 8C_89/2013 vom
5.
April 2013 E. 4) nicht zu beanstanden.
5.5.3
Schliesslich
ist zu berücksichtigen, dass die posttraumatische Epilepsie lediglich
als
Verdacht diagnostiziert wurde
(E.
4.4
, vgl.
auch
am
bulanter Verlaufsbericht D._
vom 21. Dezember 2015
[
Urk. 7/229
]
)
. Eine bestimmte Gesundheits
schädigung muss hingegen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorliegen, damit sie einen Anspruch auf Leistungen der Sozialversicherung begründen kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_693/2019 vom 5. Februar 2020 E. 5.2.2).
Vor die
sem Hintergrund
erweist sich der
im angefochtenen
Einspracheentscheid
festge
legte Integritätsschaden von 50 %
auch
gemessen an den dargelegten Grundsät
zen als plausibel.
Anhaltspunkte, welche ein Abweichen von der kreisärztlichen Schätzung nahelegen, bestehen mit Blick auf die Aktenlage
ebenfalls nicht.
5.6
Da die aktenkundigen ärztlichen Unterlagen
somit
eine zuverlässige Beurteilung des abzugeltenden Integritätsschadens erlauben, erübrigt sich die in der Beschwerde beantragte
Rückweisung zur
Einholung einer medizinischen Exper
tise (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 131
I 153 E. 3 S. 157; 124 V 90 E.
4b S.
94).
6.
Nach dem Gesagten
besteht keine Veranlassung,
in
die Ermessensausübung der
Beschwerdegegnerin
einzugreifen. Demnach erweist sich die Beschwerde vom 25. Oktober 2019 gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
5.
September 2019 als unbegründet.
Die Beschwerde ist abzuweisen.