Decision ID: 025ddf50-9118-4ccf-b579-6851d98528b6
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre 1989 geborene
X._
leidet seit dem frühen Kindes
alter an einer Innenohrschwerhörigkeit (
Urk.
11/47). In diesem Zusammenhang wurde sie von der Invalidenversicherung im Bereich Hilfsmittel sowie durch schulische und berufliche Massnahmen unterstützt (Sonderschulmassnahmen,
Urk.
11/1,
Urk.
11/24; Berufsberatung,
Urk.
11/15; erstmalige berufliche Ausbil
dung zur Bauzeichnerin,
Urk.
11/28,
Urk.
11/58; Hörgerät,
Urk.
11/49). Am 3
1.
Juli 2011 schloss die Versicherte ihre Lehre ab (
Urk.
11/87) und konnte per
1.
September 2011 eine Vollzeitstelle als
Bauzeichnerin antreten (
Urk.
11/77
).
1.2
Seit dem 1
5.
März 2013 stand die Versicherte bei der
Klinik
Y._
in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutisc
her Be
hand
lung, wobei ab dem 1
0.
Juli 2013 ein stationärer Aufenthalt nötig wurde (Psyc
hiatriezentrum
Z._
,
Urk.
11/91/7
). In diesem Zusammenhang meldete
sich die Versicherte am
5.
September 2
013 bei der Sozialversicherungs
anstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle
, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/88
). Nach kurzem teilstationärem Setting wurde in der Zeit vom 1
4.
bis 2
1.
Oktober 2013 eine zweite
Hospitalisation
nötig, wiederum gefolgt von einem vierwöchigen teil
sta
tionären Setting (
Urk.
11/12
1
/
5-10
). In der Zeit vom
5.
März bis 3
0.
April 2014 weilte die Versicherte zur stationären Behandlung in
der Klinik
A._
(
Urk.
11/126
), ebenso in der Zeit vom 1
2.
Septemb
er bis 1
1.
November 2014 (
Urk.
11/136/35
). Nach erfolgten Abklärungen stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 2
7.
August 2014 die Abweisung des Leistun
gsbegehrens in Aus
sicht (
Urk.
11
/129
) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vo
m
4.
November 2014 fest (
Urk.
11/135
).
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht in dem Sinne gut, als dass es die Sache zur
psychiatrischen Begutachtung an die IV-Stelle zurückwies (
Urk.
11/147
; Prozess IV.2014.01303
).
1.3
Diese leitete in der Folge die weiteren Abklärungen in die Wege (
Urk.
11/153); das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH für Neuro
logie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, datiert vom 2
8.
März
2017 (
Urk.
11/16
4).
Seit dem
2.
Mai
2017 ist die Versicherte Mutter eines Sohnes (
Urk.
18 S.
18).
Mit Vorbescheid vom 1
7.
Mai
2017 stellte die IV-Stelle die Ab
weisung des Rentenbegehrens in Aussicht (
Urk.
11/169
; Einwand vom 24. August
2017; Urk.
11/178
) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom
6.
Nove
m
ber 2017 fest (
Urk.
7/185 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die
Vertreter
in
der Versichert
en am
8.
Dezember 2017
Bes
chwer
de
und beantragte, es sei
der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab
1.
April 2014 eine
angemessene Rente zuzusprechen; eventua
liter sei
die Beschwerdegegnerin
zu verpflichten, die gesetzlich vorgeschriebenen und notwendigen
medizini
schen
Abklärungen
vorzunehmen.
Weiter sei der
Beschwerdeführerin die unentgelt
liche
Prozessführung zu gewähren und die Unterzeichnende als unentgeltliche
Rechts
beiständin
einzusetzen;
weiter sei eine angemessene Nachfrist zur Einreichung weiterer Unterlagen zu gewähren;
alles unter Kosten- und Entschädigungs
folgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Schreiben vom 1
4.
Dezember 2017 legte die Vertreterin der Beschwerde
füh
rerin einen weiteren Arztbericht auf und reichte weitere Unterlagen im Zusam
men
hang mit der unentgeltlichen Rechtspflege ein (
Urk.
5 ff.).
Mit Bes
chwerde
antwort vom 2
9.
Januar 2018 beantragte die Beschwerdegegne
rin die A
bweisung
der Beschwerde (
Urk.
10
),
was der Beschwerdeführerin am 3
1.
Januar 2018
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Mit Beschluss vom
9.
Oktober 2018 wurde bei
C._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten einge
holt (
Urk.
16), welches am
7.
Januar 2019 fertiggestellt wurde (
Urk.
18). Mit Ver
fügung vom 2
9.
Januar 2019 wurde das Gutachten den Parteien zur freige
stellten Stellungnahme unterbreitet (
Urk.
20); während sich die Vertreterin der Beschwerdeführerin innert Frist (
Urk.
21) nicht vernehmen liess, verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme (
Urk.
22).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
g
e
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Sie kann Folge von Ge
burts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung; IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung
mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung
allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kommen
zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015
vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
a
us (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewie
sen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicher
ten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gege
n
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen
bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann
vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein
vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Sch
luss
folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung
kann ferner gerecht
fertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Ge
richt als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass ge
stützt auf das Gutachten von
Dr.
B._
keine längerdauernde gesundheitliche
Einschränkung ausgewiesen sei, die Leistungen der Invalidenversicherung auszu
lösen vermöge. Der Beschwerdeführerin sei die bisherige Tätigkeit als Bauzeich
nerin weiterhin zu 100
%
zuzumuten (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
Dr.
B._
in ihrem Gutachten in wenig überzeugender Weise zum Schluss komme, dass keine posttraumatische Belastungsstörung vorliege
(
Urk.
1 S. 4)
. Weiter werde von
Dr.
B._
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Erkrankung für die Dauer der stationären Behandlungen anerkannt, wobei etwa dem Austrittsbericht vom 3
0.
April 2014 noch immer eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit zu entnehmen sei
(S. 5)
.
Dabei sei nicht ersichtlich, ab wann die
Leis
tungs
- und Arbeitsfähigkeit aus Sicht der Gutachterin sich wieder erhöht habe, was im Zusammenhang mit der Prüfung einer befristeten Rente aber unerläss
lich sei (S. 6). Zudem sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin ernsthaft bemüht gewesen sei, ihre Leistungsfähigkeit als Bauzeichnerin wieder zu 100
%
zu erlangen, was aber nicht möglich gewesen sei (S. 6 f.).
3.
3.1
Dr. med.
D._
,
Oberärztin
der
Klinik
Y._
, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 10. Juli 2013 eine mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2) sowie Probleme mit Bezug auf ne
ga
tive Erlebnisse in der Kindheit (ICD-10 Z61; DD:
Traumafolgestörung
). Es bestehe
eine belastende familiäre Vorgeschichte mit diversen traumatischen Erlebnissen, auf welche die Beschwerdeführerin bisher nicht näher habe eingehen kön
nen/
wollen. Sie sei derzeit stationär hospitalisiert und es bestehe im Moment sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit. Prinzipiell würden sie davon ausgehen, dass bezüglich der depressi
ven Symptomatik eine Remission erreicht werden könne und eine Rück
kehr in die Erwerbstätigkeit möglich sei, es gelte jedoch zunächst den Verlauf abzu
warten (Urk. 11/91/11 f.).
3.2
Die für den Bericht des Psychiatriezentrums
Z._
vom 28. August 2013 ver
antwortlichen Fachpersonen diagnostizierten eine mittelgradige depressive Epi
sode
(ICD-10 F32.1), eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), eine
Dysthymia
(ICD-10 F34.1) sowie eine Akzentuierung von Persönlich
keits
zügen, vorrangig emotional-instabile Züge (ICD-10 Z73.1). Die Beschwer
defüh
rerin beschreibe eine
dysthyme
Entwicklung seit ihrem frühen Jugendalter vor dem Hintergrund massiver physischer und psychischer Gewalt durch die Mutter. Bei Eintritt zeige sich ein mittelgradig depressives Zustandsbild mit stark ge
drückter Stimmung, Freud- und Lustlosigkeit, Ein- und Durchschlaf
störungen,
grübelnden Gedanken, Konzentrationsstörungen, Leeregefühl als auch Überflu
tungs
erleben von belastenden Erinnerungen, Gefühle von blockiert sein und plötzliches Weinen. Weiter berichte die Beschwerdeführerin über Sui
zidge
danken in der Vergangenheit, könne sich aktuell aber klar davon distan
zieren. Sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit sei ak
tuell von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ein Wechsel in ihr teilsta
tionäres Setting sei für ca. Anfang Oktober 2013 geplant, wobei eine ge
naue
Zeitangabe nicht möglich sei, da sich die Beschwerdeführerin immer wie
der stark
emotional instabil zeige. Es sei nicht von einer Invalidisierung auszugehen, sondern von einer baldigen Erreichung einer zumindest teilweisen Arbeits
fähig
keit (Urk. 11/91/7 ff.).
3.3
Die für den Austrittsbericht des Psychiatriezentrums
Z._
vom 22. Oktober 2013 verantwortlichen Fachärzte gingen im Wesentlichen von den gleichen psy
chiatrischen Diagnosen aus, wie sie dem Bericht vom 28. August 2013 zu entnehmen sind. Die Beschwerdeführerin sei am 14. Oktober 2013 Zeugin eines schweren Verkehrsunfalls geworden, bei welchem sie erste Hilfe geleistet habe. In diesem Zusammenhang sei es zu einer akuten Belastungssituation gekommen (ICD-10 F43.0), welche erneut zu einer stationären Unterbringung geführt habe (bis 21. Oktober 2013). Ab dem 23. Oktober 2013 werde die Beschwerdeführerin die Behandlung im teilstationären Setting für vier Wochen fortführen, danach im ambulanten Setting. In der angestammten Tätigkeit sei vom 10. Juli bis
31. Oktober 2013 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, es wür
de
n kognitive Einschränkungen sowie eine reduzierte Belastbarkeit und Aus
dauer
im Rahmen der Grunderkrankung bestehen. Die bisherige Tätigkeit sei aus medi
zinischer Sicht noch zuzumuten, sofern die depressive Symptomatik sowie die
Traumafolgesymptomatik
ausreichend remittiert seien. Wann damit zu rechnen sei, könne derzeit nicht abgeschätzt werden (Urk. 11/121 S. 5 ff.).
3.4
Die für den Austrittsbericht der Privatklinik
A._
verantwortlichen Fach
personen diagnostizierten nach dem Klinikaustritt am 3
0.
April 2014 eine kom
plexe posttraumatische Belastungsstö
rung (ICD-10 F43.1), eine
dissoziative Bewe
gungsstörung (ICD-10 F44.4), Feindseligkeit gegenüber dem Kind und ständige
Schuldzuweisungen an das Kind (ICD-10 Z62.3), Probleme bei körperlicher Mi
ss
handlung eines Kindes (ICD-10 Z61.6), anamnestisch eine Dysthymie (ICD-10 F34.1) sowie eine mittelgradige depressive Episode, aktuell teilremittiert (ICD-10 F32.1). Bei der Beschwerdeführerin liege eine komplexe
Traumafolge
störung
mit dissoziativen Bewegungsstörungen sowie eine
traumabedingte
Per
sönlichkeits
akzentuierung mit emotional-instabilen Anteilen vor. Zum Zeitpunkt
des Aus
tritts sei aus medizinisch-therapeutischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit auszugehen. Zur weiteren
Traumabearbeitung
und Stabilisie
rung würde
n sie die Weiterführung der Traumatherapie sowie eine feste Tages
struktur empfehlen. Die Beschwerdeführerin trete in die angestammten häusli
chen Ver
hältnisse aus, bei ambulanter Behandlung bei Dr.
D._
. Ein zweites
Intervall der stationären Traumatherapie sei in vier Monaten geplant (Urk.
11
/126
)
.
3.5
Gemäss Austrittsmeldung vom 11. November 2014 fand die zweite
Hospitalisa
tion
in der Klinik
A._
vom 12. September bis 11. November 2014 statt. In diagnostischer Hinsicht gingen die Fachärzte neu von einer rezidivierenden de
pressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) aus, bei ansonsten unveränderter Diagnosestellung. Ein drittes Intervall der stationären Traumatherapie würden sie unter der Bedingung einer tragfähigen Einbindung in ein ambulantes psychotherapeutisches Setting und der Indikationsstellung in Absprache mit der ambulanten
Behandlerin
als indiziert erachten. Unter diesen Bedingungen wäre ein Wiedereintritt in neu
n bis zwölf Monaten anzudenken (
Urk.
11/136/35)
.
3.6
Dr.
B._
hielt in ihrem Gutachten vom
2
8.
März 2017
fest, dass im Zeitpunkt der Begutachtung
keine
Diagnose gemäss ICD-10 habe gestellt werden können
.
Bezüglich einer
posttraumatische
n
Belastungsstörung
habe
nicht objektiviert werden könne
n
, inwieweit
die
von der Beschwerdeführerin berichtete
n
oder zum Teil nur angedeutete
n
Gewalterfahrungen einen vollständigen oder teil
weise realen Hintergrund aufweisen
würden
. Sie habe ein re
ch
t unauffälliges Leben geführt und e
s gebe keine Hinweise, dass in den Jahre
n
vor d
er Therapie
Symptome im Sinne
einer posttraumatischen Belastungsstörung
aufgetreten seien
. Die diagnostischen Leitlinien sähen
zudem
vor, dass eine posttrau
ma
tische Belastungsstörung nur dann diagnostiziert werden solle, wenn sie «inner
halb von sechs Monaten nach einem traumatisierenden Ereignis von ausser
ge
wöhnlicher Schwere aufgetreten ist». Es werde der Situation der Beschwerde
führerin angesichts der geschilderten oder auch nur angedeuteten, fraglich oder tatsächl
ich erlebten Ereigniss
en, wahrscheinlich in jedem Fall sehr schwierigen Kindheit siche
r am ehesten gerecht, wenn die Störung
nach ICD-10 mit Z61 (Probleme durch negative Kindheitserlebnisse) klassifiziert und aufgrund der un
kl
aren Objektivierbarkeit keine detaillierte Zuordnung vorgenommen werde. Bei den stationären Behandlungen in der Klinik
Y._
sei jeweils die Diag
nose einer mittelgradigen depressiven Erkrankung gestellt worden, zu der auch
die beschriebenen Symptome passten. Insofern könne davon ausgegangen wer
den
,
dass zu jenem Zeitpunkt tatsächlich eine depressive Episode mittelgra
digen Ausmasses bestanden habe. Im Fall der kurzen stationären Behandlung
habe
ei
n
e Belastungsreaktion nach Erleben eines Unfalles und Leisten von erster Hilfe
bestande
n. Es bestehe bei der Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht
keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (
Urk.
11/164 S.
13).
3.7
Dr.
C._
stellte in ihrem psychiatrischen Gerichtsgutachten vom
7.
Januar
2019 die folgenden Diagnosen
(
Urk.
18 S. 28)
:
-
posttraumatische Belastungsstörung im Sinne einer komplexen posttrau
matischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig allenfalls leichte depres
sive
Episode (ICD-10 F33.0)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge, vorrangig emotional instabil (ICD-10 Z73.1)
-
dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4)
Sie legte dar
,
a
ufgrund der
beschriebenen
Einschränkungen
(S. 33 f.)
sei in der angestammten Tätigkeit als Bauzeichnerin von einer 100%igen Arbeitsun
fähig
keit
auszugehen. Im Rahmen der in den Jahren 2013 und 2014 durchgeführten Arbeitsversuchen habe keine ausreichende Leistung erbracht werden können. Da sich das Krankheitsbild insgesamt seit Mai 2013, insbesondere was die kognitive Leistungsfähigkeit und die affektive Labilität betreffe, nicht richtungsweisend verändert habe, sei aus heutiger Sicht in der angestammten Tätigkeit als Bau
zeichnerin seit Mai 2013 von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
auszugehen (S. 34 f.). In einer angepassten
Tätigkeit
, ohne hohe Anforderungen an die Kon
zentrationsfähigkeit, wo die Beschwerdeführerin immer wieder Pausen machen könne, welche in gewisser Weise abwechslungsreich sei, vorzugsweise ohne be
sonderen zeitlichen Druck mit Routineabläufen sowie unter Einbindung in eine wohlwollende Umgebung in einem eher kleinen Team sei von einer Belast
barkeit von 20-30
%
auszugehen
. Eine solche Tätigkeit sei der Beschwerde
füh
rerin
ab Anfang 2015 bis Januar 2017 bei ihrem alten Arbeitgeber im Sinne von Sekretariatsarbeiten ermö
glicht worden. Damit scheine sie
aber auch schon damals praktisch an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt gewesen zu sein. Bereits ein Arbeitgeberwechsel habe in dieser Zeit zu einer psychischen Labili
sierung mit Krankschreibung geführt, sodass in dieser Zeit von einer Arbeits
fähigkeit von maximal 40
%
auszugehen sei. Ab Februar 2017 sei auch in einer angepassten Tätigkeit von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Nach der Geburt des Sohnes (
2.
Mai 2017) sei aufgrund der konkret ausgeübten Tätigkeit ab September 2017
(Sekretariatsarbeiten beim alten Chef, Pensum 20
%
)
wieder
von einer Arbeitsfähigkeit von 20
bis 30
%
auszugehen
(S. 35).
4.
4.1
Das vorliegende Gerichtsgutachten legt den medizinischen Sachverhalt in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar, insbesondere berücksichtigt es die medizinischen
Vorakten
und äussert sich ausdrücklich zu den wichtigsten vorhandenen ärztlichen Berichten (
Urk.
18 S. 4, S. 36 ff.). So legt es auch
ein
gehend und
nachvollziehbar dar, wieso auf das Gutachten von
Dr.
B._
nicht abgestellt werden kann (S. 38).
Gestützt auf das
Gerichtsg
utachten kann dem
nach ab Mai 2013 von einer weitgehend gleichmässigen Einschränkung der Leis
tungsfähigkeit ausgegangen werden, was sich auch in der Tatsache wieder
spiegelt, dass die Beschwerdeführerin in der Zeit von Angang 2015 bis Januar 2017 einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 40
%
nachgehen konnte, wobei
für diesen Zeitraum
von einer Ausschöpfung der Leistungsfähigkeit
auszug
ehen ist (vgl. S.
35
, vgl. auch
Urk.
11/182
).
4.2
Die von
Dr.
C._
attestierte Arbeitsfähigkeit von 20-30
%
für die Zeit vor 2015 sowie für jene nach dem Mutterschaftsurlaub ab September 2017 beruht dabei nicht auf der Annahme einer Verschlechterung des Gesund
heits
zustandes, sondern
erfolgt
unter Berücksichtigung, dass die Beschwerdeführerin auf dem freien Arbeits
markt nicht mit einem derart woh
lwollenden Arbeitgeber rechnen kann.
Inwiefern die Beschwerdeführerin das von ihr über längere Zeit geleistete Pensum von 40
%
auch auf dem freien, ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten kann
,
stellt
aber
eine Rechtsfrage dar, welche von der Verwaltung respektive
vom Gericht zu beantworten ist.
Hinzuweisen ist dabei auf die Tatsache, dass d
er ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen- und Arbeitsan
ge
bote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 5.11 mit Hinweisen). Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgebend, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktver
hältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeits
kraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von An
gebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.3.2 mit Hinweis;
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014
,
R
z
132 zu Art. 28a).
Hinzuweisen ist dabei
darauf
, dass selbst die
psychisch
bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen nach
der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund
(leidens
bedingter Abzug bei der Ermittlung des Invalideneinkommens)
anerkannt wer
den kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015
vom 22. September 2015
E. 4.3.1 mit Hinweisen), ebenso wenig
wie
etwa das Risiko von vermehrten ge
sundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand oder weniger Flexi
bilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mitar
beiters anbetrifft (Urteile des Bundesgerichts 9C_437/2015 vom 30. November 2015 E. 2.4; 8C_712/2012 vom 30. November 2012 E. 4.2.1 und 9C_708/2009 vom 19. November 2009 E. 2.3.2; vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_146/2017 vom 7. Juli 2017 E. 5.2.2
).
4.3
Vor diesem Hintergrund ist der Beschwerdeführerin
in einer Verweistätigkeit
generell eine Arbeitsfähigkeit im Umfang
von 40
%
zuzumuten,
wie dies in der Zeit von Anfang 2015 bis Januar 2017 im Rahmen eines optimal angepassten Arbeitsplatzes möglich war.
Dies entspricht auch der Einschätzung von
Dr.
D._
in ihrer Stellungnahme vom 2
8.
August 2017 zum Gutachten
von
Dr.
B._
(
Urk.
11/182).
D
en Anforderungen an einen behinderungsangepassten Arbeitsplatz
ist
gegebenenfalls
bei der Ermittlung des Invalidenei
nkommens Rech
nung zu tragen
(leidensbedingter Abzug).
5.
5.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indi
ka
to
ren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rer
seits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
z
en (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundes
gerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem
Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz
(BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4)
.
5.3
5.3
.1
Gestützt auf das vorliegende Gerichtsgutachten ist
von einer deutlichen Aus
prägung der diagnoserelevanten psychiatrischen Befun
de auszugehen. Die diag
noserelevanten
Befunde
sind
dabei so stark ausgeprägt, dass trotz mehrjähriger adäquater psychiatrisch/psychotherapeutischer Behandlung inklusive mehreren stationären Behandlungen nur Teilerfolge h
ab
en erzielt werden können (
Urk.
18 S. 41).
Hinsichtlich der aus psychiatrischer Sicht bestehenden therapeutischen Möglich
keiten hielt
die Gutachter
in
fest, dass
die Sistierung der Medikamen
ten
einnahme im Zusammenhang mit der Mutterschaft stehe (S. 35 f.), was auch für die
traumaspezifische
Behandlung gelte. Die Angst vor einer psychischen De
kom
pensation mit Einfluss auf die Betreuung des Sohnes sei nachvollziehbar und therapeutisch absolut vertretbar; dies könne nicht als mangelnde Therapie
motivation verstanden werden (S. 43).
Bezüglich der Komorbidität ist voraus
zuschicken, dass l
aut BGE 143 V 418 Stö
rungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht
fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung zukommt (E. 8.1, Präzi
sierung der Rechtsprechung; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.1 und E.
7.2 mit Hinweis).
Entsprechend dem Gerichts
gut
achten
(S. 41)
ist von einer negativen Interaktion der einzelnen Störungsbilder auszugehen,
sodass
eine
Komorbidität
gegeben
ist.
5.3
.2
Was den Komplex
«
P
ersönlichkeit
»
betrifft, hielt
die Gutachter
in
fest, dass
bei der
Beschwerdeführer
in die Persönlichkeitsakzentuierung dazu beitrage, dass die
depressiven und posttraumatischen Belastungen weniger gut kompensiert werden
könnten. Demgegenüber verfüge die Beschwerdeführerin über ein grosses Durc
h
haltevermögen und eine hohe Leistungsbereitschaft, welche dazu beigetragen haben, dass das Störungsbild gesamthaft erst im Alter von 24 Jahren in der beschriebenen Form manifest wurde (S. 42).
5.3
.3
Bei der Beurteilung des sozialen Kontexts
sei seit 2013 von einem deutlichen Rück
zug auszugehen, wobei ausser im kleinen Familienkreis und mit verein
zelten Freunden kaum
mehr Sozialkontakte stattfinden würden (S. 42).
Auch wenn damit gewisse soziale Belastungen auszumachen sind, ist dennoch zu berücksichtigen, dass eine intakte Partnerschaft
vorhanden ist
.
5.3
.4
Im Rahmen der Konsistenzprüfung
hielt
die Gerichtsgutachterin
fest, dass es keine
n Grund gebe, an den Ausführungen der Beschwerdeführerin zu zweifeln. Diese würden sich mit den Beobachtungen im Rahmen der Untersuchung, den Befundbeschreibungen der stationären Behandlungen und der Beschreibung der ambulant behandelnden Psychiaterin decken. Der Befund schlage sich auch in den Einschränkungen des Aktivitätsniveaus in den unterschiedlichen Lebensbe
rei
chen nieder, wobei allein im kleinen Familienkreis von guten und verläss
li
chen Kontakten auszugehen sei (S. 42).
Aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin seit 2013
in regelmässiger Behandlung steht bei guter Motivation und Compliance (S. 43), ist von einem erheblichen Leidensdruck auszugehen.
5.4
In einer Gesamtwürdigung der massgebenden
Standardindikatoren ist die Ein
schätzung des Leistungsvermögens durch
die Gerichtsgutachterin
nicht zu be
an
standen.
Die noch gegebene Restleistungsfähigkeit
berücksichtig
t
dabei
,
dass
die
Beschwerdeführer
in
d
och über ein
e intakte Familiensituation verfügt;
weiter ist von einem grossen Durchhaltevermögen
und einer grundsätzlich guten Leis
tungs
bereitschaft
auszugehen.
Auf der anderen Seite
liegt
indes
eine deutliche
Ausprägung der diagnoserelevanten psychiatrischen Befunde
vor
bei
schon er
heb
lichen therapeutischen Bemühungen und konsistenten Angaben der Be
schwer
deführerin.
6.
6.1
Aufgrund der
a
usgewiesenermassen
ab dem 29. April 2013 bestehenden Arbeit
s
unfähigkeit
(vgl. Urk.
11/91/4-1
6)
ist
unter
Berücksichtigung des Wartejahres von einem frühestmöglichen Rentenbeginn per
1. April 2014 auszugehen. Aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht ist demnach
die ab April 2014 gegebene Arbeitsfähigkeit in der bisherigen oder einer angepassten Tätigkeit von Inte
resse. In der Zeit vom
5.
März bis 3
0.
April 2014 weilte die Versicherte zur sta
tionären Behandlung in
der Klinik A._
(
Urk.
11/126), eben
so in der Zeit vom 1
2.
September bis 1
1.
November 2014 (
Urk.
11/136/35).
In einer angepassten Tätigkeit bestehen damit die folgenden Arbeitsfähigkeiten:
-
0
%
vom
1.
bis 3
0.
April 2014
-
40
%
vom
1.
Mai bis 1
1.
September 2014
-
0
%
vom 1
2.
September bis 1
1.
November 2014
-
40
%
ab
1
2.
N
ovember 2014
Zu prüfen bleibt weiter, o
b in der Zeit zwischen Februar 2017 und der Geburt am
2.
Mai 2017
vorübergehend
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit v
orgelegen hat
.
Dr.
C._
hielt in ihrem Gerichtsgutachten fest, dass für die
fragliche Zeitspanne
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auch in einer ange
pass
ten Tätigkeit auszugehen sei, soweit dies retrospektiv überhaupt beurteilbar sei (
Urk.
18 S. 35). Die Beschwerdeführerin führte im Rahmen des Gerichtsgutach
tens aus, dass sie wenige Wochen vor der Geburt des Sohnes wieder überlastet gewesen und in der Folge krankgeschrieben worden sei (S. 19). Echtzeitliche Angaben für diesen Zeitraum sind
in
den vorliegenden Akten nicht enthalten.
Bei dieser Ausgangslage erscheint eine
dreimonatige
Verschlechterung des IV-relevanten Gesundheitsschadens (
Art.
88a
Abs.
2
der
Verordnung
über die Inva
lidenversicherung; IVV
) nicht überwiegend w
ahrscheinlich
dargetan. Eine Ver
schlech
terung von kürzerer Dauer führt dabei nicht zu einer Veränderung
des Rentenanspruchs, sodass die Bestimmung des exakten Verlaufs offen bleiben kann.
6.2
Nachdem die Beschwerdegegnerin im Rahmen der angefochtenen Verfügung keinen IV-relevant
en Gesundheitsschaden feststell
en konnte
(
Urk.
2)
, wurden demzufolge keine Abklärungen
in beruflicher Hinsicht vorgenommen und kein Einkommensvergleich durchgeführt. Zur Wahrung des Instanzenzuges ist die Sache dazu an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Berücksichtigung der f
estgesetzten Arbeitsfähigkeiten.
6.3
Aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin seit dem
2.
Mai 2017 Mutter eines Sohnes ist und die Kinderbetreuung übernimmt, stellt sich zudem die Frage, ob dies revisionsrechtlich beachtlich ist.
Per
2.
Mai 2017 wäre dabei die bis zum 3
1.
Dezember 2017 gültige
Praxis zur gemisch
ten Methode anwendbar.
Der Europäische Gerichtshof für Menschen
rechte (EGMR) hat am
2.
Februar 2016 sein Urteil in Sachen Di
Trizio
gegen die Schweiz (Nr. 7186/09) gefällt.
Gestützt darauf hielt das Bundesgericht fest, dass
die revisionsweise Aufhebung einer Invalidenrente EMRK-widrig ist, wenn allein
familiäre Gründe (die Geburt von Kindern und die damit einhergehende Reduk
tion des Erwerbspensums) für einen Statuswechsel von «vollerwerbstätig» zu «teilerwerbstätig» (mit Aufgabenbereich) sprechen (BGE 143 I
50, BGE 144 I 103 E. 4.2 unter Hinweis auf das IV-Rundschreiben Nr. 355). Auf den Zeitpunkt
d
er Geburt fällt dabei eine revisionsweise Überprüfung des Rentenanspruchs ausser Betracht.
Für die Zeit ab
1.
Januar 2018 findet das neue Berechnungsmodell bei der gemischten Methode Anwendung
(Art. 27
bis
IVV)
. Da damit Teilerwerbstätige mit Aufgabenbereich nun grundsätzlich nicht mehr schlechter gestellt werden,
könnte
der Wechsel des Status einer versicherten Person
allenfalls
wieder als möglicher
Revisionsgrund
gelten
(IV-Rundschreiben Nr. 372, Aufhebung des IV-Rundschreibens Nr. 355 per
1.
Januar 2018)
, was die Beschwerdegegnerin zu prüfen haben wird
.
6.4
Zusammenfassend ist die Sache zur Durchführung des Einkommensvergleichs aufgrund der nunmehr feststehenden Arbeitsfähigkeiten an die Beschwerde
geg
nerin zurückzuweisen; die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen, was zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führt.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen der Beschwerdeführerin gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berück
sich
tigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
sowie nach Einsicht in die
als angemessen
erscheinende
Honorarnote vom 1
4.
März 2019 (
Urk.
23) auf Fr. 3'000.50
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch betreffend Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung gegenstandslos.
7.2
Das Gerichtsgutachten war erforderlich, weil die Beschwerdegegnerin ihren Ent
scheid auf eine Expertise
stützte, welche die höchstgerichtlichen Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten nicht erfüllt. Die Beurteilung durch Dr.
B._
leuchtete in der Beurteilung der medizinischen Situation nicht ein und ihre Schlussfolgerungen waren unzureichend begründet, da insbesondere keine
rechts
genügliche
Auseinandersetzung mit den abweichenden
Vorakten
erfolgte
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c)
, wie Dr. Dr.
C._
zutreffenderweise
darlegte (Urk. 18 S. 38 f.). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die entstandenen, vom Gericht anerkannten Kosten in der Höhe von Fr.
8'700.-- gemäss Rechnung vom 7. Januar 2019 (Urk. 19) zu erstatten.