Decision ID: a9c951ab-93bd-4e58-932e-c41d2e365603
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christa Rempfler, Falkensteinstrasse 1,
Postfach 112, 9006 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 7. Dezember 2004 unter Hinweis auf Rückenbeschwerden,
(Weichteil-) Rheuma, Kopfschmerzen, Schlafmangel, psychische Störungen,
Hüftbeschwerden, Fersenbeschwerden und Schwindel zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Am 25. Februar 2005 erstattete Dr. med. B._, Facharzt FMH für Rheumatologie,
einen Arztbericht. Er diagnostizierte eine Hypovitaminose D mit Polyarthralgien und
Myalgien, chronische lumbale Rückenschmerzen mit Ausstrahlungen in beide Beine bei
Bandscheibendegeneration L4/5 und kleinvolumiger medio-rechts-lateraler bis knapp
foraminaler Discushernie und konsekutiv leichter Foraminaleinengung rechts sowie
über eine Depression, welche psychiatrisch behandelt werde, und attestierte eine bis
auf weiteres bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem 17. Januar 2002. Er
stellte allerdings in Frage, ob bzw. zu welchem Anteil diese Arbeitsunfähigkeit
medizinisch begründet sei. Weiter führte er aus, eine Ganzkörperskelettszintigraphie
vom 22. Oktober 2004 habe verschiedene mässige Anreicherungen im Bereich der
Epiphysenfugen sowie an beiden Foramina und am Tibiakopf gezeigt, die sich mit der
nachträglich festgestellten Hypovitaminose D erklären liessen. Die geklagten Be
schwerden könnten mehrheitlich auf die Hypovitaminose D zurückgeführt werden. Die
Versicherte habe zwei Jahre in einem Kunststoff verarbeitenden Betrieb an einer
Maschine gearbeitet und anschliessend fünf Jahre in einem anderen Betrieb mecha
nische Arbeiten verrichtet. Seit der Geburt ihres Sohnes habe sie nicht mehr gearbeitet.
Der Ehemann der Versicherten und ein unbekannter Begleiter hätten Dr. B._ darauf
aufmerksam gemacht, dass bei diesen Beschwerden doch eine Invalidenrente
beantragt werden müsse. Er habe in der Folge eine entsprechende Anmeldung
vorgenommen und um Abklärung der beruflichen Möglichkeiten ersucht (IV-act. 24–
5 ff.). Am 7. März 2005 erstattete die Fachstelle für Sozialpsychiatrie und
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Psychotherapie einen Arztbericht. Die Ärzte diagnostizierten eine posttraumatische Be
lastungsstörung, bestehend seit etwa dem Jahr 1976, und attestierten eine seit dem
10. März 2004 und bis auf weiteres bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit. Sie
führten aus, die Versicherte habe angegeben, sie sei in ihrer Kindheit geschlagen und
verbal erniedrigt worden. Im Alter von sechs Jahren sei sie sexuell missbraucht
worden. Die Schule habe sie nur bis zur sechsten Klasse besuchen dürfen. Als sie
hätte zwangsverheiratet werden sollen, sei sie in die Schweiz geflohen. Hier habe sie
geheiratet. Die Ehe sei allerdings fünf Jahre später bereits wieder geschieden worden.
Anschliessend habe sie nochmals geheiratet. Diese Ehe dauere an. Die Versicherte
habe ausgeführt, ihr Leben sei infolge der Misshandlungen durch den Vater und den
erlebten sexuellen Missbrauch kaputt. Sie leide unter starken Schmerzen und habe
ständig Angst, dass auch ihrem Kind etwas zustossen könnte. Sie habe Angst in der
Dunkelheit und könne nicht alleine sein. Im Alter von 16 Jahren habe sie zwei
Suizidversuche unternommen. Die Ärzte führten aus, die Behandlung sei momentan auf
die Stabilisierung der Versicherten fokussiert. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sei
momentan nicht möglich. Der Gesundheitszustand sei allerdings besserungsfähig (IV-
act. 25).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte Ende Juni 2005 durch die medi
zinische Abklärungsstelle (MEDAS) Zentralschweiz begutachtet. Im Gutachten vom
20. Oktober 2005 wurde auf einen Bericht des kantonalen Spitals C._ vom 16. Mai
1999 hingewiesen. Die Versicherte war vom 10. bis zum 12. Mai 1999 nach einem
(fremdanamnestisch) tonisch-klonischen Anfall bei der Arbeit dort behandelt worden.
Die Untersuchungen waren unauffällig gewesen, weshalb ein Gelegenheitsanfall bei
normalem Elektroencephalogramm und bei physischer und familiärer
Belastungssituation (Hinweis auf körperlich anstrengende Ferien in den Tagen davor
wegen Todes des Schwiegervaters und eine innereheliche Konfliktsituation)
diagnostiziert worden war. Weiter wurde im Gutachten ein Bericht der Klinik Valens
vom 9. Mai 2005 erwähnt, in welchem ausgeführt worden war, dass eine
rheumatologische und psychosomatische Rehabilitation indiziert sei. Offenbar hatte die
Versicherte darauf bestanden, ihr Kind mitnehmen zu können, weil sie sich sonst
permanent Sorgen machen müsse. Die Ärzte hatten dafür Hand geboten und
abschliessend ausgeführt, es handle sich trotz der ausgeprägten somatoformen
Problematik um eine intelligente und konsistente junge Frau, die klar ihre Bereitschaft
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für eine stationäre Rehabilitation gezeigt habe. Die Gutachter der MEDAS
Zentralschweiz gaben an, die Versicherte sei intelligent und spreche recht gut Deutsch.
Ihr Zustand sei allerdings recht schlecht gewesen. Sie habe offenbar an ausgeprägter
Hyperemesis gravidarum gelitten. Die Versicherte habe angegeben, ihr Vater sei ein
Frauenhasser, was er offen zugegeben habe. Er habe sie und ihre Mutter oft
geschlagen und geplagt. Die Brüder seien bevorzugt behandelt worden. Offenbar sei
die Versicherte von einem Bruder geschändet worden. Ihre Mutter habe die Ausreise in
die Schweiz organisiert. Hier habe sie einen invaliden Mann geheiratet. Dieser sei in
einem Heim aufgewachsen und dort Opfer sexueller Übergriffe durch den Heimleiter
geworden, was zu schweren psychischen Schädigungen geführt habe. Er habe der
Versicherten versprochen, sie könne in der Schweiz das Gymnasium nachholen und
dann Jura studieren. Es habe sich dann aber herausgestellt, dass er gar kein Geld
gehabt habe. Er habe sie ausgenutzt. Sie habe hart gearbeitet und ihm den Lohn
abgegeben. Er habe das Geld ausgegeben und teilweise verschenkt. Weiter habe er
„so viele grausame Sachen“ gemacht, gemäss Gutachter offenbar die Versicherte auf
sadistische Weise gequält. Er habe beispielsweise ohne Anlass einen Spannteppich
eingeschäumt und verschmutzt oder Motorenöl in die Badewanne geleert, nur, um ihr
zusätzliche Arbeit zu machen. Seine Sexualität sei ebenfalls gestört gewesen. Nach der
Scheidung habe sie zum zweiten Mal geheiratet, nicht aus Liebe, sondern aus Angst
davor, alleine zu sein. Ihr Ehemann sei gut zu ihr, störe sich aber an ihrer gestörten
Sexualität und ihren vielfältigen Problemen. Sie sei sehr besorgt über seine Aussage,
wenn es nicht bessere, werde er in sein Heimatland zurückkehren, weil sie befürchte,
dass er den gemeinsamen Sohn mitnehmen werde. Den Gutachtern sei die ständige
Sorge um den Sohn ebenfalls aufgefallen. Der Sohn sei auch extrem auf die
Versicherte fixiert gewesen. Die Versicherte habe angegeben, aktuell wieder schwanger
zu sein, allerdings – von ihrer Seite her – ungewollt. Bezüglich Schulbildung habe sie
ausgeführt, fünf Jahre lang die Primarschule und drei Jahre lang ein collège besucht zu
haben. Sie habe dann in die zweijährige Maturaklasse eintreten wollen, um danach
Juristin zu werden. Ihr Vater habe ihr aber weitere Schulbesuche verweigert. Hier in der
Schweiz habe sie Hilfsarbeiten verrichtet. Einmalig sei es aufgrund einer Toluol-
Immission zu einem Kollaps am Arbeitsplatz gekommen. Aufgrund häufiger Absenzen
im Rahmen der ersten Schwangerschaft sei ihr die Arbeitsstelle gekündigt worden.
Obwohl sie krank gewesen sei, habe sie bis Ende 2003 Arbeitslosenentschädigung
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bezogen. Sie habe die üblichen Bewerbungen gemacht. Bezüglich ihres psychischen
Zustandes habe sie ausgeführt, in ständiger Angst zu leben und speziell kein Vertrauen
mehr zu Männern zu haben. Sie könne zudem nur mit Licht und bei offener Türe
schlafen, aus Angst vor der Dunkelheit. Ausserdem müsse sie ihr Kind bei sich haben.
Der Ehemann schlafe in einem anderen Zimmer. Der Gutachter stellte fest, dass sich
eine pathologische Mutter-Sohn-Bindung entwickle bzw. entwickelt habe. Weiter führte
der Gutachter aus, die Versicherte habe sich in einem miserablen, schmerzgeplagten,
depressiv-weinerlichen Zustand befunden. Im Rahmen der Untersuchung hätten sich
auffällige Inkonsistenzen gezeigt. Der rheumatologische Consiliarius diagnostizierte in
erster Linie ein Ganzkörperschmerzsyndrom ohne adäquates somatisches Korrelat. Er
führte aus, es sei möglich, aber eher unwahrscheinlich, dass die Schmerzen auf einen
Vitamin D-Mangel zurückzuführen seien. Er attestierte eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit für eine der Körperkonstitution angepasste leichte Frauenarbeit. Der
psychiatrische Consiliarius führte aus, die Versicherte leide an einer schweren
posttraumatischen Belastungsstörung mit Re-Traumatisierungen im Verlauf der ganzen
Biographie. Die Angaben der Versicherten zur Kindheit und Jugend seien zwar nicht
durch objektive Daten verifizierbar. Die Schilderungen seien allerdings detailgetreu, in
sich konsistent und durch adäquate Affekte begleitet gewesen. Die Versicherte sei
jedenfalls nicht arbeitsfähig und werde auch keine Berufstätigkeit gegen Lohn mehr
leisten können. Sie sei auch im Haushalt in weiten Bereichen arbeitsunfähig. Die beste
Behandlungsmöglichkeit wäre eine stationäre Behandlung in einer für psychische
Leiden bei Frauen spezialisierten Klinik. Zusammenfassend attestierten die Gutachter
unter Berücksichtigung des Bezuges einer Arbeitslosenentschädigung bis Ende 2003
und dem von der behandelnden Psychiaterin angegebenen Beginn der
Arbeitsunfähigkeit eine ab dem 10. März 2004 bestehende vollständige
Arbeitsunfähigkeit für sämtliche ausserhäuslichen Tätigkeiten und eine
Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent für Haushalttätigkeiten (IV-act. 33).
A.d Am 12. Dezember 2005 wandte sich ein der Versicherten bekanntes Ehepaar
schriftlich an die IV-Stelle. Die Ehefrau, welche das Schreiben unterzeichnet und offen
bar selbständig verfasst hat, wollte die IV-Stelle damit darüber informieren, dass die
Versicherte ihres Erachtens auf betrügerische Weise eine Invalidenrente bewirken wolle
(IV-act. 43). Die IV-Stelle leitete das Schreiben an die Gutachter der MEDAS Zentral
schweiz weiter und bat sie, zur Frage Stellung zu nehmen, ob aufgrund dieses Briefes
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die vollständige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten in Frage gestellt werde (IV-act. 48).
Die Sachverständigen antworteten am 15. Februar 2006, sofern die Angaben der Ver
sicherten im Rahmen der Begutachtung der Wahrheit entsprächen, ändere sich nichts
an der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Es sei ihnen nicht möglich, heraus zu finden, ob
sie von der Versicherten getäuscht worden seien. Sie hielten es aber für wahrschein
licher, dass ihre Erlebniswelt eine ganz andere sei als die, welche aussen stehende
Personen wahrnähmen (IV-act. 50). Am 27. Februar 2006 wandte sich die Denunziantin
erneut an die IV-Stelle und beantragte die Anonymisierung ihres Schreibens vom
12. Dezember 2005, da die Versicherten offenbar Kenntnis von besagtem Schreiben
erhalten und Repressalien angedroht habe (IV-act. 51). Am 28. Juli 2006 liess die Ver
sicherte durch eine Sozialarbeiterin der Beratungsstelle für gewaltbetroffene Frauen
Stellung zum Schreiben vom 12. Dezember 2005 nehmen und anfragen, welche Rolle
besagtes Schreiben im weiteren Verfahren spielen werde (IV-act. 59). Die IV-Stelle ant
wortete am 10. August 2006, das Schreiben spiele für die weitere Bearbeitung keine
Rolle (IV-act. 61).
A.e Am 27. April 2006 hatte eine Abklärung im Haushalt der Versicherten
stattgefunden. Die Abklärungsbeauftragte hatte in ihrem Bericht vom 28. Juli 2006
festgehalten, die Versicherte habe angegeben, sie würde ohne
Gesundheitsbeeinträchtigung keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Sie wolle für ihre
Kinder da sein, könne sich aber gut vorstellen, dass sie später wieder einer
Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre, auch aus finanziellen Gründen. Die
Abklärungsbeauftragte stellte sich dementsprechend auf den Standpunkt, die
Versicherte sei als Hausfrau zu qualifizieren. Sie ermittelte unter Berücksichtigung der
Schadenminderungspflicht des Ehemannes eine Einschränkung von 56 Prozent
hinsichtlich der Haushaltstätigkeit und beantragte die Zusprache einer halben Rente
mit Wirkung ab dem 1. März 2005 (IV-act. 58).
A.f Am 10. Oktober 2006 teilte die IV-Stelle mit, dass vorgesehen sei, der Versicherten
mit Wirkung ab dem 1. März 2005 eine halbe Rente zuzusprechen (IV-act. 66). Am
17. Oktober 2006 liess die Versicherte durch Dr. B._ Einwand gegen den Vor
bescheid vom 10. Oktober 2006 erheben. Dr. B._ führte aus, gemäss Gutachten der
MEDAS Zentralschweiz liege die Einschränkung im Haushalt bei 70 Prozent. Er habe im
Beisein von A._ telefonisch nach dem Grund für die abweichende Einschätzung
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durch die IV-Stelle fragen wollen, doch habe man sich geweigert, mit einem Arzt am
Telefon einen Vorbescheid zu diskutieren. Sein Schreiben sei deshalb als Einwand zu
betrachten. Er liess es auch durch die Versicherte unterschreiben (IV-act. 67). Am
26. Oktober 2006 teilte die IV-Stelle der zuständigen Ausgleichskasse ihren Beschluss
mit und ersuchte sie, die Geldleistungen zu berechnen, die Verfügung zu erstellen und
zu versenden. Dem Beschluss legte die IV-Stelle die Begründung für die Verfügung bei,
in welcher bezugnehmend auf den Einwand von Dr. B._ ausgeführt worden war, die
Differenz erkläre sich durch die Mitwirkungspflicht des Ehemannes im Haushalt (IV-
act. 69). Am 27. Oktober 2006 erhob die Versicherte selbst nochmals Einwand und
machte geltend, sie sei vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 70–1). Ihrem Schreiben lag
ein Arztzeugnis der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie vom
25. Oktober 2006 bei, in welchem eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auch in Bezug
auf die Haushaltstätigkeit attestiert worden war (IV-act. 70–2). Am 5. Dezember 2006
verfügte die IV-Stelle die Zusprache einer halben Rente mit Wirkung ab dem 1. März
2005 (IV-act. 76).
B.
B.a Dagegen liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte am 22. Januar 2007 Be
schwerde erheben. Sie liess die Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab dem
1. März 2005 und eventualiter die Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren
Abklärungen beantragen. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen ausführen, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss dem Haushaltsabklärungsbericht vom 28. Juli 2006
überzeuge nicht. Sie sei in mehreren Punkten falsch und widerspreche den
Schätzungen der Gutachter der MEDAS Zentralschweiz und von Dr. B._ (IV-act. 81).
Am 15. März 2007 widerrief die IV-Stelle ihre Verfügung, um weitere Abklärungen
durchzuführen (IV-act. 87).
B.b Am 20. März 2007 ging der IV-Stelle ein Bericht des Spitals C._ vom
21. Dezember 2005 betreffend einer Sectio caesarea zu. Die Ärzte hatten darin über
einen komplikationslosen Schwangerschaftsverlauf berichtet, abgesehen von
Bandscheibenproblemen, welche seit der ersten Geburt bestehen würden (IV-act. 91).
Am 7. Mai 2007 ging der IV-Stelle ein Bericht des psychosomatischen Dienstes der
Klinik Valens vom 6. Mai 2005 zu. Gemäss diesem hatte die Beschwerdeführerin
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angegeben, in ihrer Herkunftsfamilie viel Schlimmes erlebt zu haben. Ihr erster
Ehemann sei brutal gewesen. Sie habe vage angedeutet, dass er zwischenzeitlich
wegen sexueller Übergriffe, unter anderem gegenüber Kindern, rechtskräftig verurteilt
worden sei. Mangels finanzieller Ressourcen habe sie ein Jura-Studium nach zwei
Semestern aufgeben müssen. Auch ihr aktueller Ehepartner zeichne sich durch
besondere sexuelle Neigungen aus, was es ihr unmöglich mache, mit ihm ordentlich
zusammen zu leben. Der Referent führte aus, dass die Versicherte unter massiven
psychosozialen Belastungen leide. Es lasse sich nicht differenzieren, ob die Schmerzen
im Sinne einer dissoziativen oder eher im Sinne einer anhaltenden somatoformen
Problematik zu interpretieren seien. Sicherlich hätten sie teilweise Ausdruckscharakter.
Die Versicherte habe sich von der Notwendigkeit einer stationären Behandlung über
zeugen lassen, aber darauf bestanden, ihren Sohn bei sich haben zu dürfen. Sie miss
traue ihrem Ehemann, wie allen Männern (IV-act. 102).
B.c Am 13. Oktober 2006 hatte die Versicherte eine Anmeldung zum Bezug einer Hilf
losenentschädigung der Invalidenversicherung eingereicht. Sie hatte geltend gemacht,
für mehrere alltägliche Verrichtungen auf die Hilfe des Ehemannes angewiesen zu sein
(IV-act. 72). Die IV-Stelle hatte am 26. Januar 2007 den Entschluss gefasst, bezüglich
der Hilflosigkeit umfassende Abklärungen zu tätigen (IV-act. 83). Nachdem die Ver
sicherte darum gebeten hatte, nur von Frauen untersucht zu werden (IV-act. 113),
erteilte die IV-Stelle den Auftrag zur Begutachtung nicht der MEDAS Ostschweiz, wie
zunächst vorgesehen, sondern der Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und
Hygiene (AEH) AG (IV-act. 114 f.). Sie bat die AEH AG um Beantwortung von Fragen
betreffend einen allfälligen Rentenanspruch sowie um Beantwortung von Fragen
betreffend einen allfälligen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung (IV-act. 116).
B.d Die AEH AG erstattete das Gutachten am 11. März 2008. Die Gutachter
beschrieben ein maladaptives Krankheitsverhalten. Die Rheumatologin hielt fest, eine
eingehende Untersuchung sei grösstenteils durch das auffällige Verhalten der
Versicherten verhindert worden. Als Diagnosen führten die Gutachter ein generalisiertes
Schmerzsyndrom mit panvertebralen Rückenschmerzen und Discopathie L4/5,
Polyarthralgien und Myalgien mit Chrondropathia patellae rechts und maladaptivem
Krankheitsverhalten, einen Status nach Vitamin D-Mangel unklarer Ätiologie mit im Jahr
2006 skelettszintigraphisch noch nachweisbaren Anreicherungen in den
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Epiphysenfugen und im Beckenskelett und unter Substitution seit dem Jahr 2005
normalem Vitamin D-Spiegel, eine Persönlichkeitsstörung mit gemischten Anteilen bei
klinisch-phänomenologisch mittelgradiger affektpathologischer Störung und
subsyndromaler posttraumatischer Belastungsstörung und Schmerzstörung im Kontext
eines primären Krankheitsgewinnes sowie eine chronische Gastritis an. Bezüglich der
Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, aus rheumatologischer Sicht seien
körperlich schwere Tätigkeiten, überwiegend gehend und stehend zu verrichtende
Tätigkeiten und häufig gebückt oder kniend zu verrichtende Tätigkeiten nicht mehr
zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 70 Prozent für
sämtliche Tätigkeiten. Im Vergleich mit dem Gutachten der MEDAS Zentralschweiz sei
der Gesundheitszustand als im Wesentlichen stationär zu bezeichnen. Neu sei lediglich
die im Jahr 2007 erstmals diagnostizierte Gonarthrose rechts, welche zu qualitativen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit führe. Die aus psychiatrischer Sicht attestierte
Arbeitsunfähigkeit gelte auch in Bezug auf die Haushaltstätigkeit. Aus
rheumatologischer Sicht lägen keine Gründe für die Anerkennung einer relevanten
Hilflosigkeit vor (IV-act. 124 und 126). In einer internen Notiz äusserte eine Mitarbeiterin
des Rechtsdienstes der Sozialversicherungsanstalt Zweifel an den Angaben der
Versicherten im Rahmen der Begutachtung. Sie wies auf diverse Ungereimtheiten hin
(IV-act. 128). Die Dres. med. D._ und E._ vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD) stellten sich dagegen am 9. April 2008 auf den Standpunkt, die
Versicherte leide mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an einer schweren
Persönlichkeitsstörung. Sie führten aus, das Gutachten der AEH AG sei nachvollziehbar
und stimme in seiner Beurteilung und Schlussfolgerung im Wesentlichen mit jenem der
MEDAS Zentralschweiz überein. Zu den Bedenken der Mitarbeiterin des
Rechtsdienstes sei zu bemerken, dass die psychiatrische Consiliargutachterin explizit
Stellung zur „Glaubwürdigkeit“ der Aussagen der Versicherten genommen und diese
bejaht habe. Eine Persönlichkeitsstörung könne den Eindruck einer Simulation
erwecken. Eine Simulation müsse vorliegend jedoch verneint werden. Es sei zwar mit
medizinischen Methoden nicht möglich, eine Täuschung durch einen Exploranden mit
Sicherheit auszuschliessen. Die beiden Gutachten seien aber nachvollziehbar und
plausibel. Aus medizinischer Sicht sei die Gesundheitsbeeinträchtigung hinreichend
belegt (IV-act. 134).
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B.e Am 15. April 2008 teilte die IV-Stelle mit, dass die Abweisung des Gesuchs um
eine Hilflosenentschädigung vorgesehen sei. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass
in keiner der massgebenden alltäglichen Lebensverrichtungen eine relevante
Beeinträchtigung medizinisch ausgewiesen sei (IV-act. 137). Am 26. Mai 2008 verfügte
die IV-Stelle entsprechend (IV-act. 140). Am 16. Juni 2008 teilte die IV-Stelle mit, dass
die Zusprache einer halben Rente mit Wirkung ab dem 1. März 2005 vorgesehen sei
(IV-act. 143). Die Versicherte liess dagegen am 9. Juli 2008 Einwände erheben und die
Zusprache einer ganzen Rente beantragen (IV-act. 146). Am 25. August 2008 teilte die
IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten mit, dass die Einwände zur Kenntnis ge
nommen worden seien und dass in der Verfügung dazu Stellung genommen werde (IV-
act. 149). Gleichentags teilte die IV-Stelle der Ausgleichskasse ihren Beschluss mit (IV-
act. 148). Der Mitteilung des Beschlusses lag die Begründung zur Verfügung bei, in
welcher zu den Einwänden Stellung genommen wurde (IV-act. 147). Am 24. November
2008 teilte die IV-Stelle der Ausgleichskasse mit, dass sie weitere Abklärungen durch
führe und deshalb darum ersuche, die vorgesehene Verfügung einstweilen noch nicht
zu erlassen (IV-act. 153). Darüber informierte sie am 25. November 2008 auch den
Rechtsvertreter der Versicherten (IV-act. 154).
B.f Am 28. November 2008 lud die IV-Stelle die Versicherte zu einem Standortgespräch
ein (IV-act. 155). Das Gespräch fand am 10. Dezember 2008 statt. Teil daran nahmen
die Versicherte, ihr Rechtsvertreter, der RAD-Arzt Dr. E._ und eine Sachbearbeiterin
der IV-Stelle als Protokollführerin. Die Versicherte führte auf die entsprechenden
Fragen hin sinngemäss aus, ihr Gesundheitszustand habe sich seit der letzten
Begutachtung eher verschlechtert (IV-act. 158). Am 15. Dezember 2008 gab Dr. E._
eine Beurteilung anhand der anlässlich der Besprechung vom 10. Dezember 2008
gewonnenen Eindrücke ab. Er führte aus, insgesamt seien die erhobene Anamnese, die
geklagten Beschwerden und das präsentierte klinische Bild im Standortgespräch
vergleichbar mit den in den beiden Gutachten beschriebenen. Es gebe keinen Anlass,
aufgrund der Beobachtungen im Standortgespräch daran zu zweifeln, dass die
erhobenen Anamnese und Befunde in den beiden Gutachten falsch (recte wohl: richtig)
dokumentiert oder psychiatrisch nicht fundiert (recte wohl: fundiert) dargestellt worden
seien (IV-act. 162). Am 16. Dezember 2008 gab der Leiter der AHV-Zweigstelle F._
auf eine entsprechende Frage einer Mitarbeiterin des Rechtsdienstes der Sozialver
sicherungsanstalt hin telefonisch an, die Versicherte habe sich in den Räumlichkeiten
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der AHV-Zweigstelle jeweils normal verhalten. Er habe sie auch schon beim Einkaufen
gesehen. Sie sei ihrem Ehemann jeweils in normalem Tempo und ohne sichtbare
körperliche Beeinträchtigungen gefolgt. Die Telefonnotiz unterzeichnete der Leiter der
AHV-Zweigstelle am 18. Dezember 2008 (IV-act. 166). Am 19. Dezember 2008 führte
die Mitarbeiterin des Rechtsdienstes ein Telefonat mit einem Mitarbeiter der Amts
vormundschaft G._. Dieser gab an, der erste Ehemann der Versicherten zeige ein
gestörtes Sexual- und Beziehungsverhalten, wobei allerdings nichts bewiesen werden
könne (IV-act. 167). Am 15. Januar 2009 hielt die Mitarbeiterin des Rechtsdienstes in
einer Notiz fest, sie habe am Nachmittag des Vortages die Versicherte zufällig auf der
Strasse gesehen. Die Versicherte sei ihr zügig entgegen gekommen, habe sich
umgedreht, über das ganze Gesicht gestrahlt und einer unbekannten Person in einem
Geländewagen mit dem Arm über Kopfhöhe gewunken (IV-act. 178). Am 16. Januar
2009 lud die IV-Stelle die Versicherte zu einem zweiten Gespräch vor (IV-act. 179).
C.
C.a Das Gespräch fand am 22. Januar 2009 statt. Daran teil nahmen die Versicherte,
ihr Ehemann, ihr Rechtsvertreter, die Mitarbeiterin des Rechtsdienstes, eine Sachbe
arbeiterin als Protokollführerin und ein Übersetzer. Die Versicherte wurde zunächst zu
ihrem Gesundheitszustand befragt. Sie gab an, es gehe ihr gleichbleibend schlecht.
Daraufhin wurde ihr erklärt, dass man an ihrer Krankheit zweifle. So habe
beispielsweise das Spital C._ über einen komplikationslosen
Schwangerschaftsverlauf berichtet. Ausserdem pflege die Versicherte offenbar
weiterhin Kontakt mit ihrem ehemaligen Ehemann. Der AHV-Zweigstellenleiter F._
habe berichtet, die Versicherte verhalte sich jeweils unauffällig, wenn er sie sehe. Die
IV-Stelle habe die Versicherte deshalb verdeckt überwachen lassen. Die
Protokollführerin zeigte der Versicherten daraufhin einen Überwachungsbericht mit
Fotos. Daraufhin verliess die Versicherte den Raum mit der Bemerkung, sie möchte
keine Auskunft mehr geben. Ihr Rechtsvertreter gab in der Folge an, die Versicherte
sitze mit ihrem Kind im Auto und sei nicht mehr in der Lage, weiter am Gespräch
teilzunehmen. Daraufhin wurden dem Ehemann und dem Rechtsvertreter
Videoausschnitte der Überwachung vorgeführt (IV-act. 183 f.).
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C.b Die IV-Stelle nahm in der Folge zwei Ermittlungsberichte zu den Akten. Gemäss
diesen Berichten war die Versicherte im Zeitraum vom 27. Oktober bis zum 4. No
vember 2008, am 9., 10., 16., 18. und 27. Dezember 2008 sowie am 6. und 8. Januar
2009 observiert worden. Die Ermittler hielten im ersten Bericht zusammenfassend fest,
es seien weder körperliche noch psychische Beeinträchtigungen festgestellt worden
(IV-act. 181). Im zweiten Bericht hielten sie zusammenfassend fest, es seien – ausser
an dem Tag, an dem die Versicherte vorgeladen worden sei (10. Dezember 2008) –
keine körperlichen Beeinträchtigungen festgestellt worden. Am 10. Dezember 2008
habe sich die Versicherte zu Fuss sehr langsam und stark hinkend rechts bewegt, sich
mehrfach abgestützt und sich mehrfach an ihrem Ehemann festgehalten. Ausserdem
sei an diesem Tag ein eindeutig schmerzverzerrtes Gesicht beobachtet worden (IV-
act. 182).
C.c Am 5. Februar 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass vorgesehen sei, das
Rentengesuch abzuweisen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt,
anlässlich der Observation sei festgestellt worden, dass sich die Versicherte im Alltag
unauffällig verhalte. Sie habe Einkaufstaschen getragen, die Hecktür des Autos
bedient, sich frei und natürlich zu Fuss fortbewegt und ohne Begleitung des
Ehemannes auf eine Amtsstelle begeben. Es sei daher zu bezweifeln, dass die
Versicherte an einer relevanten Krankheit leide. Vielmehr werde davon ausgegangen,
dass sie unwahre Angaben gemacht oder gesundheitliche Leiden vorgetäuscht habe
(IV-act. 195). Am 13. Februar 2009 erhob die IV-Stelle Strafklage gegen die Versicherte
wegen Betruges, versuchten Betruges und Widerhandlungen gegen Bestimmungen
über die Invalidenversicherung und die Ergänzungsleistungen sowie gegen den
Ehemann der Versicherten wegen Gehilfenschaft und eventuell Anstiftung zum Betrug
und zu versuchtem Betrug und Widerhandlungen gegen Bestimmungen über die
Invalidenversicherung und die Ergänzungsleistungen (IV-act. 201). Am 9. März 2009
verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 211). Gleichentags
wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung, das der neue Rechtsvertreter
der Versicherten gestellt hatte, zufolge Aussichtslosigkeit und fehlender Erforderlichkeit
abgewiesen (IV-act. 213).
C.d Am 22. April 2009 ging der IV-Stelle ein Austrittsbericht der Klinik Valens
betreffend eine stationäre Behandlung vom 19. Februar bis zum 3. März 2009 zu.
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Gemäss diesem Bericht hatte die Versicherte sich im Verlauf der Rehabilitation
gegenüber den behandelnden Ärzten und teilweise auch gegenüber den anderen
Patienten etwas geöffnet, den Aufenthalt dann aber infolge der persönlichen Situation
vorzeitig abbrechen müssen (IV-act. 216).
D.
D.a Am 23. April 2009 liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. März 2009 betreffend Abweisung des
Rentengesuchs erheben und die Zusprache einer ganzen Rente ab Dezember 2003
sowie eventualiter die Durchführung weiterer Abklärungen beantragen. Der
Rechtsvertreter ersuchte vorab um Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis zum
Vorliegen eines rechtskräftigen Abschlusses des Strafverfahrens. Summarisch führte er
zur Begründung seiner materiellen Anträge aus, es sei auf die medizinischen Akten
abzustellen, von einer vollen Erwerbstätigkeit im hypothetischen Gesundheitsfall
ausgehen, entsprechend ein Einkommensvergleich durchzuführen und der
Beschwerdeführerin eine ganze Rente zuzusprechen (act. G 1).
D.b Das Verfahren wurde einstweilen sistiert. Am 9. Juli 2010 beantragte die neue
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin die Fortsetzung des Verfahrens. Sie
begründete ihren Antrag damit, dass im Strafverfahren bislang die medizinischen Akten
nicht berücksichtigt, sondern vielmehr diverse Einvernahmen durchgeführt würden,
weshalb vom Ausgang des Strafverfahrens keine relevanten Erkenntnisse für das vor
liegende Verfahren zu erwarten seien. Weiter führte sie aus, der zuständige Mitarbeiter
des Rechtsdienstes der Sozialversicherungsanstalt sei befangen. Er habe bereits das
vierte Gesuch um Akteneinsicht ignoriert. Sie beharre für die Beschwerdeergänzung
auf einer vollständigen Akteneinsicht (act. G 10). Ihrer Stellungnahme legte die Rechts
vertreterin unter anderem die Korrespondenz zwischen ihr und der Sozialver
sicherungsanstalt vom März 2010 betreffend Akteneinsicht bei (act. G 10.1.4 ff.). Dazu
nahm die Beschwerdegegnerin am 13. August 2010 Stellung. Sie wies darauf hin, dass
das Strafverfahren voraussichtlich in Kürze abgeschlossen werden könne, weshalb es
angezeigt sei, das vorliegende Verfahren weiterhin zu sistieren. Bezüglich des Akten
einsichtsgesuches machte sie geltend, sie habe die Aktenherrschaft dem zuständigen
Untersuchungsamt überlassen, auch aus praktischen Gründen. Da die Beschwerde
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führerin von der zuständigen Untersuchungsrichterin mit den Akten bedient worden sei,
sei sie bezüglich ihres Antrages auf Akteneinsicht gar nicht beschwert (act. G 12).
Daraufhin wurde das Beschwerdeverfahren bis zum 31. Oktober 2010 sistiert (act.
G 13). Am 27. Oktober 2010 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass eine auf den
19. Oktober 2010 angesetzte Einvernahme der Beschwerdeführerin nicht stattgefunden
habe. Sie ersuchte um Verlängerung der Sistierung (act. G 15). Am 4. Januar 2011
lehnte die zuständige Abteilungspräsidentin des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen eine weitere Sistierung des Verfahrens ab (Entscheid IV 2009/136 Z vom
4. Januar 2011; act. G 17).
D.c Am 11. April 2011 erstattete die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeantwort. Sie
beantragte die Abweisung der Beschwerde und eventualiter die erneute Sistierung des
Verfahrens. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Aussagen der Be
schwerdeführerin seien nicht glaubwürdig. Es sei unwahrscheinlich, dass sie an einer
relevanten Krankheit leide (act. G 20). Ihrer Beschwerdeantwort legte sie die Akten des
Strafverfahrens bei (IV-act. 251 ff.). Bei diesen befand sich das Protokoll der Ein
vernahme eines Arztes der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie,
Dr. med. H._. Er hatte ausgeführt, dass gewisse, von der Untersuchungsrichterin
geschilderte Verhaltensweisen der Beschwerdeführerin nicht zu den diagnostizierten
Störungen passen würden, dass es teilweise Widersprüchlichkeiten gäbe und dass es
möglich sei, dass die Beschwerdeführerin gelogen habe. Es gäbe sicher halb bewusste
Sachen, welche inszeniert sein können. Es könne aber auch sein, dass sie wisse, dass
sie nicht recht habe, aber nicht anders handeln könne. Menschen mit histrionischen
Störungen hätten auch den Hang zur Übertreibung. Das Ganze könne sich wie ein
grosses Theater darstellen. Seiner Ansicht nach leide die Beschwerdeführerin an einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung. Zu diesem Schluss gelange er aufgrund des
gesamten Krankheitsverlaufs. Er glaube nicht, dass man das spielen könne. Es sei
ähnlich wie bei einem Kind, das gelogen habe und nun auf verlorenem Posten stehe.
Es halte dann an der Behauptung so fest, dass man den Eindruck kriege, es glaube
selber an die Lüge. Histrionisches Verhalten führe dazu, dass man die Lüge tatsächlich
glaube. Grundsätzlich halte er die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit für möglich. Im
jetzigen Zustand sei die Beschwerdeführerin dazu aber nicht in der Lage. Der Zustand
habe sich seit Oktober 2008 verschlimmert (IV-act. 257–29 ff.).
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D.d Am 7. Juli 2011 liess die Beschwerdeführerin die Replik erstatten. Sie liess zusätz
lich die Entfernung der Observationsergebnisse aus den Akten beantragen, verbunden
mit einer Mitteilung an die Strafuntersuchungsbehörde. Sie liess geltend machen, die
Beschwerdegegnerin bzw. insbesondere der zuständige Sachbearbeiter des Rechts
dienstes sei befangen. Das Gesuch um eine Invalidenrente sei nicht objektiv geprüft
worden. Sowohl ihr Anspruch auf ein faires Verfahren als auch die
Unschuldsvermutung seien missachtet worden. Die Observation sei ohne begründeten
Verdacht angeordnet worden. Die Überwachung während zweimal sieben Tagen in
einem Zeitraum von vier Monaten sei unverhältnismässig gewesen. Die Aufnahmen
seien teilweise in Verletzung von Art. 179 des Schweizer Strafgesetzbuches
erfolgt. Die Observationsergebnisse seien aus diesen Gründen aus den Akten zu
entfernen. Der Anspruch auf eine Invalidenrente sei jedenfalls gestützt auf medizinische
Berichte zu prüfen. Gemäss den im Recht liegenden medizinischen Berichten sei ein
Anspruch auf eine ganze Rente unbestrittenermassen ausgewiesen. Nach der
Observation seien keine medizinischen Abklärungen mehr getätigt worden. Es fehle
daher an einer genügenden Grundlage für die Abweisung des Rentengesuchs
(act. G 31).
D.e Am 12. Juli 2011 wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 36).
D.f Am 1. September 2011 erstattete die Beschwerdegegnerin die Duplik. Sie machte
geltend, die Zuverlässigkeit der medizinischen Berichte hänge entscheidend von der
Glaubwürdigkeit der Aussagen der Beschwerdeführerin ab. Zur Überprüfung derselben
erweise sich eine Observation als geeignetes Mittel. Die Observation habe gezeigt,
dass die Beschwerdeführerin nicht an einer relevanten Krankheit leide, weshalb ihr
Rentengesuch zu Recht abgewiesen worden sei (act. G 38).
D.g Am 21. November 2011 beschloss das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen, ein psychiatrisches Obergutachten einzuholen. Den Parteien wurde die
Möglichkeit gewährt, sich zur vorgesehenen Begutachtung zu äussern und allfällige
Ergänzungsfragen anzubringen (act. G 41). Die Beschwerdeführerin liess am 23. Januar
2012 ihr Einverständnis erklären (act. G 42). Die Beschwerdegegnerin erklärte sich
am 23. Januar 2012 ebenfalls mit der vorgesehenen Begutachtung einverstanden. Sie
quater
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stellte drei Zusatzfragen und beantragte formell den Beizug der seit dem 21. Februar
2011 aufgelaufenen Strafakten durch das Gericht (act. G 43). Das Versicherungsgericht
antwortete am 30. Januar 2012, dass die Zusatzfragen in den Fragekatalog aufge
nommen und über den Beizug der Strafakten zu einem späteren Zeitpunkt entschieden
würden (act. G 44). Am 2. Februar 2012 erteilte das Versicherungsgericht Dr. med. I._
den Auftrag zur Begutachtung der Beschwerdeführerin (act. G 45). Am 3. Februar 2012
liess die Beschwerdeführerin die Einholung eines interdisziplinären Gutachtens anstelle
eines psychiatrischen Obergutachtens beantragen (act. G 46). Das
Versicherungsgericht teilte der Beschwerdeführerin am 17. Februar 2012 mit, dass
über die Notwendigkeit von ergänzenden medizinischen Untersuchungen zu einem
späteren Zeitpunkt entschieden werde (act. G 47).
D.h Am 12. Juli 2012 teilte die Beschwerdegegnerin dem Versicherungsgericht mit, sie
habe mit Befremden Kenntnis von direkten Kontakten zwischen der Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin und der Gutachterin genommen. Die Beschwerdeführerin habe
ihrer Ansicht nach bereits verschiedentlich versucht, Zeugen zu beeinflussen. Auch
wenn sie die Gutachterin lediglich bezüglich des Untersuchungstermins kontaktiert
habe, sei dies unzulässig. Die Verfahrensleitung und Verfahrenskoordination liege
beim Gericht. Es sei der Beschwerdeführerin und ihrer Rechtsvertreterin daher zu
untersagen, weiterhin Kontakt mit der Gutachterin aufzunehmen. Zudem sei die Be
schwerdeführerin bzw. ihre Rechtsvertreterin zu verpflichten, offen zu legen, welche
Kontakte bereits erfolgt seien (act. G 52). Die Beschwerdeführerin liess am 4. Sep
tember 2012 Stellung dazu nehmen. Sie liess geltend machen, die Vorwürfe der Be
schwerdegegnerin seien haltlos und liessen Zweifel an der Objektivität des zuständigen
Mitarbeiters des Rechtsdienstes aufkommen (act. G 54). Die Beschwerdegegnerin liess
daraufhin an ihrem Antrag festhalten (act. G 56). Das Versicherungsgericht
unterbreitete den Parteien am 21. September 2012 den Vorschlag, den Eingang des
Gutachtens abzuwarten und sich im Anschluss zu materiellen und formellen Aspekten
zu äussern (act. G 57).
D.i Am 30. Oktober 2012 ging dem Versicherungsgericht das am 24. Oktober 2012
erstellte psychiatrische Gutachten von Dr. I._ zu. Die Gutachterin beantwortete die
gestellten Fragen wie folgt: „(Die Beschwerdeführerin) leidet an einer psychiatrischen
Erkrankung. Es liegt eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1) vor.
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Daneben liegt zum Begutachtungszeitpunkt weiterhin eine chronifizierte mittelgradige
depressive Störung (ICD-10 F 32.1) vor. Zudem besteht eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F 45.41). Es ist
ausserdem eine Persönlichkeitsakzentuierung mit histrionischen, narzisstischen und
ängstlich-vermeidenden Zügen vorhanden, die aber nach der Definition der ICD-10
Klassifikation nicht alle erforderlichen Kriterien für die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung erfüllt. Zudem liegt ein ärztlich verordneter regelmässiger
Benzodiazepinkonsum vor (ICD-10 F 13.1). Seitens der posttraumatischen
Belastungsstörung bestehen unbehandelt Schlafstörungen, die die Leistungsfähigkeit
tagsüber verringern können. Diese behandelt (die Beschwerdeführerin) jedoch mit
Benzodiazepinen, die wiederum als Nebenwirkung Gedächtnisstörungen und
Verlangsamung bedingen können (die geklagt wurden, aber nicht objektivierbar waren).
Unter Anspannung komme es zu Stressreaktionen (Hyperventilation, Erbrechen,
Magenbeschwerden). Unter Belastung treten Angst und Panikgefühle auf. Auslöser für
derartige Stresssituationen sind sehr niederschwellig, also bereits bei leichten
Anforderungen und Leistungserwartungen (z.B. auch beim Eintreffen von
Postsendungen oder kritischen Rückmeldungen oder in unbekannten sozialen
Situationen). Seitens der depressiven Symptomatik bestehen folgende
Einschränkungen: (Die Beschwerdeführerin) ist antriebslos, zeigt eine gedrückte
Stimmung, Gedankenkreisen und Einengung des Gedankengangs auf Inhalte wie die
eigene schlechte Verfassung, aber auch auf das Gefühl, ungerecht eingeschätzt zu
werden, da man ihre Erkrankung in Abrede stellt und sie gegen alles Recht beobachtet
habe. Sie benutzt aufgrund von Ängsten keine öffentlichen Verkehrsmittel, berichtet
starke Ängste beim Alleinsein und vor allem nachts. Aufgrund einer Kombination mit
einer auffälligen Persönlichkeitsstruktur und einem primär und langfristig chronifizierten
dysfunktionalen Krankheitsverhalten kommt es neben den oben genannten
Einschränkungen zu einer starken Selbstlimitierung und Dekonditionierung, die das
Aktivitätsniveau zusätzlich beeinträchtigt. (...) Es besteht aufgrund der psychiatrischen
Erkrankung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Arbeitsunfähigkeit wird, wie in
den Vorgutachten von 2008, mit 70 Prozent beziffert. Eine optimal angepasste Tätigkeit
bestände in einer körperlich leichten (siehe somatisches Vorgutachten von 2008)
Beschäftigung ohne Zeitdruck in einer ruhigen Arbeitsumgebung, ohne Schichtdienst,
mit flexiblen Pausen, unter Anleitung von geduldigen Führungspersonen, ohne
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Verantwortung für andere, mit einem Pensum von maximal 30 Prozent, bei der eine
regelmässige Arbeitsleistung nicht eingefordert würde, bzw. ein Unterschreiten der
Arbeitsleistung keine negativen Konsequenzen hätte. Dies ist nur an einem beschützten
Arbeitsplatz, nicht jedoch in der freien Wirtschaft, denkbar. Denkbar sind unter diesem
Aspekt auch leichte Haushaltstätigkeiten in zeitlicher Eigenregie, da je nach
psychischer Gesamtbefindlichkeit und Konfliktbelastung die Arbeitsleistung als
schwankend zu erwarten ist. Dazu käme die Belastung, die (die Beschwerdeführerin)
durch histrionisches Verhalten, vor allem durch die Präsentation von Beschwerden für
ihr Arbeitsumfeld bedeuten würde. (...) Es bestehen Einschränkungen im Haushalt, vor
allem bezüglich konstanter Leistungsfähigkeit, Schwierigkeiten beim Erfüllen von
eigenen Leistungsansprüchen und denen Dritter und bezüglich Konzentrationsleistung.
Tätigkeiten ausser Haus (Einkaufen) sind aufgrund von Ängsten erschwert. Die Ein
schränkungen bestehen in gleichem Ausmass wie in der freien Wirtschaft. Die Arbeits
unfähigkeit im Haushalt wird ebenfalls mit 70 Prozent beziffert. Im zeitlichen Verlauf seit
2005 wird der Krankheitsverlauf wie folgt beurteilt: Aus Gutachtersicht handelt es sich
um ein primär chronifiziertes Krankheitsbild. Die Gutachten von 2005 und 2008 be
schreiben im Wesentlichen ein konstantes, chronifiziertes, komplexes Störungsbild. Die
Gutachterin vermag im Verlauf keine wesentliche Veränderung der Störung zu sehen. In
den Jahren 2009 und 2010 kam es zu mehreren Klinikaufenthalten im Rahmen einer
Belastungssituation durch das weiterhin pendente Strafverfahren und die Reaktion der
Versicherten auf die damit in Verbindung stehenden Befragungen und in Frage
stellungen ihrer Position. In dieser Zeit verschlechterte sich die chronifizierte, mittel
gradig depressive Symptomatik in der Form, als sogar psychosenahe, paranoid
gefärbte Verhaltensweisen auftraten. Diese remittierten aber unter Entlastung aus der
Situation und einer adäquaten Neuroleptika-Behandlung. Die dauerhafte
Gesundheitsverschlechterung ist daraus also nicht entstanden. Der Invaliditätsgrad
bzw. das Funktionsniveau hat sich grundsätzlich dadurch nicht verändert. Den
Schlussfolgerungen des Gutachtens der MEDAS Zentralschweiz aus dem Jahr 2005
und des AEH-Gutachtens aus dem Jahr 2008 schliesse ich mich inhaltlich im
Wesentlichen an. Beiden Vorgutachten und das eigene Gutachten diagnostizierten im
Wesentlichen ein ähnliches Störungsbild, setzen allenfalls Nuancen in den
Schwerpunktbewertungen. (Auf die Frage, ob sie es für möglich halte, dass die
Beschwerdeführerin die Symptome der Erkrankung simuliere:) Es gibt in diesem Fall
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einige Inkonsistenzen. So sprechen Zeugenaussagen von klarem Simulationsverhalten,
gar von Betrugsvorwürfen und Druckausübung auf Zeugen. Die Videoobservationen
sprechen dafür, dass eine relevante somatisch-organisch bedingte Störung zumindest
in der geklagten Schwere nicht vorhanden ist. Dies war aber bereits 2008 gutachtlich
so festgehalten worden, da auch damals die Organbefunde das somatische
Störungsbild in Art und Ausprägung nicht erklärte. Die Ergebnisse der
Videoobservation schliessen jedoch eine unbewusste neurotische Symptombildung mit
psychosomatischen Beschwerden, die nicht bewusst durch den Willen überwindbar
sind, nicht vollumfänglich aus. Entgegen den Angaben der Explorandin muss es
damals einen fluktuierenden Symptomverlauf gegeben haben, da die
Videoaufzeichnungen sie allein (trotz der damals schon geltend gemachten sozialen
Ängste, die immer dazu geführt hätten, dass sie begleitet werden musste) über circa
eine halbe Stunde in einem Geschäft zeigten. Aus diesem Grund ist zumindest eine
Verdeutlichungstendenz der Beschwerdeschilderung in den Situationen, in denen (die
Beschwerdeführerin) zu ihren Beschwerden befragt wurde oder sie in Arzt
kontakten beobachtet wurde, wahrscheinlich. Ein komplettes Nichtvorhandensein
oder ein fehlender Leidensdruck durch psychische Beschwerden ist damit allerdings
nicht belegt. Das klinische Bild präsentiert sich auf der anderen Seite sehr authentisch
und typisch für die diagnostizierte Störung, seit Jahren immer wieder ähnlich und
insofern konsistent (in Nuancen und bei jeder Fachperson in leicht unterschiedlicher,
jedoch nicht grundsätzlich divergierender, Schwerpunktsetzung). Die Symptome der
Erkrankung werden von (der Beschwerdeführerin) so präsentiert, wie sie in der
klinischen Praxis immer wieder einmal bei traumatisierten Menschen beobachtet
werden können. Sie sind in ähnlicher Form über Jahre immer wieder beschrieben. Die
Explorandin nimmt seit Jahren Arztbesuche, auch regelmässige ambulante Therapie,
auf sich. Sie zeigt ein Krankheitsverhalten, das zwar Krankheitsgewinn in sich trägt
(siehe oben bei der Diskussion der Förster-Kriterien), auf der anderen Seite auch einen
sehr hohen Preis an Lebensqualität für sich und die Familie, vor allem für die Kinder,
bedeutet, die unter erheblichen Einschränkungen ihres Lebensraumes und ihrer
Entfaltungsmöglichkeiten leiden müssen. Es sind innerpsychische Konflikte erkennbar,
die aus gutachtlicher Sicht die Symptomatik unterhalten, die Chronifizierung und das
dysfunktionale Krankheitsverhalten erklären. Das Krankheitsverhalten ist als
neurotische Gesamtstörung erklärbar. Ein Beweis für einen hohen Grad an Bewusstheit
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bezüglich der Symptombildung lässt sich nicht erbringen. Dieser würde eine sehr hohe
Fähigkeit zur glaubhaften Symptompräsentation voraussetzen, auch mit Überwindung
eigener Schamgrenzen (z.B. Erbrechen in der neuropsychologischen Testung) und eine
derart hochgradige Fixierung und Einengung auf eine langfristig dysfunktionale
Lebensführung (seit mindestens 2009 Rückzug ins Haus mit daraus resultierender
eingeschränkter Lebensführung und dauerhafter Belastung für die Kinder), dass dieses
Verhalten wiederum psychiatrischen Störungscharakter hätte. Leider gelang es (der
Beschwerdeführerin) in der Begutachtungssituation auch nicht, wie bereits bei
Vorgutachten bezüglich somatischer Symptome (siehe generalisierte
Leistungsunfähigkeit/Selbstlimitierung in der EFL 2008), krankheitsbedingte Defizite
insofern glaubhaft zu belegen, dass sie in der neuropsychologischen Testuntersuchung
und Beschwerdevalidierung differenzierte, nicht tendenziöse Ergebnisse, die ein
Hinweis auf Validität der Beschwerden gewesen wären, abgeliefert hätte. Unter
Anwendung der Leitlinien von Slick et al. und von Bianchini et al. sind die Kategorie
‚eindeutige‘ oder ‚wahrscheinliche‘ oder ‚mögliche‘ Aggravation oder Simulation nach
den Definitionen der jeweiligen Leitlinien nicht anzuwenden, vor allem da sich eine
psychiatrische Interpretation des Beschwerdebildes findet, nämlich eine Kombination
zwischen depressionsbedingten Einschränkungen mit einer komplexen
Konversionssymptomatik mit dissoziativen Zuständen, psychosomatischen
Beschwerden und Schmerzsensationen, die sich wiederum aufgrund der
Persönlichkeitsauffälligkeiten in histrionischem Ausagieren zusätzlich ungünstig
aufschaukeln. Zusätzliche harte Hinweise oder Belege auf Simulation oder Aggravation
ergeben sich damit nicht, wenngleich der Beweis der Unbewusstheit der
Symptombildung prinzipiell unmöglich ist. Die Observations-DVD von 2008/2009
zeigen die Explorandin beim Einkaufen über einen Zeitraum von circa 20 Minuten
stehend, in Waren wühlend, leichtere Gegenstände tragend, Sequenzen, in dem sie mit
unauffälligem Gangbild in der Nähe des Familienfahrzeugs umhergeht, den Kofferraum
öffnet, sich hinein beugt, sich wieder aufrichtet, ohne dass motorische oder einem
typischen Schonverhalten entsprechende Bewegungsmuster vorhanden wären. Dies
widerspricht den etwa zeitgleich geltend gemachten physischen Beschwerden der
Explorandin. Sie zeigen zumindest eine passagere Belastbarkeit, die der Fähigkeit,
über circa 20 Minuten leichte Tätigkeiten im Haushalt durchzuführen (z.B. Wäsche
sortieren = beim Einkaufen in Textilien herum suchen und leichte Gegenstände über
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einige Minuten halten) oder gelegentlich etwas Leichtes anheben und in einen Schrank
einräumen (= etwas in einen Autokofferraum legen) entspräche. Die Videoaufnahme
belegt, dass 2008 der körperliche Zustand so war, dass Phasen gelegentlicher
organischer Beschwerdearmut vorhanden gewesen sein müssen, was auch den
damaligen Schlüssen der somatischen Begutachtung entsprach, die (die
Beschwerdeführerin) für ausreichend belastbar für jede leichte Tätigkeit einschätzte.
Über Dauerbelastbarkeit und auch Fähigkeit zu einer regelmässigen Belastung oder
regelmässigem Stehen oder Gehen können die Observationsvideos jedoch keinen
Beweis beisteuern. Die Videoaufzeichnungen zeigen jedoch eine Inkonsistenz zu den
Angaben der Versicherten, die ihre Fähigkeiten generalisiert als erloschen schilderte.
Die Videoaufnahmen sind jedoch weder für das Vorhandensein noch für das Nicht-
Vorhandensein psychischer Erkrankungen ein Beleg, wenngleich das Videoband sie in
einer Situation zeigt (... unbegleitet), die ihr laut ihren Angaben zu diesem Zeitpunkt
nicht möglich gewesen sein soll. Die Videoaufzeichnungen zeigen also zumindest
bezüglich der Kontinuität der Beschwerden eine Inkonsistenz. Auf der Hinfahrt zu
einem Termin zur IV-Stelle St. Gallen am 10. Dezember 2008, noch am Wohnort (und
nicht erst beim Eintreffen bei der IV-Stelle), zeigte (die Beschwerdeführerin) ein
Verhalten mit Schonhinken und schmerzverzerrtem Gesicht. Zu diesem Zeitpunkt
wusste sie noch nichts von der Observation, erwartete also (noch) keine Beobachtung
(zumindest nicht bei der Abfahrt) und zeigte trotzdem das beobachtete Verhalten.
Diese Sequenz ist also mit den geklagten Beschwerden konsistent. Nach Ansicht der
Gutachterin spricht dies dafür, dass die Erwartung einer schwierigen und belastenden
Situation die Versicherte in einen Zustand des Leidens brachte und es sich zu diesem
Zeitpunkt nicht um eine an einen Zuschauer gerichtete bewusste Inszenierung
handelte. (Auf die entsprechenden Zusatzfragen der IV-Stelle hin:) Es gibt anerkannte
Methoden zur Beschwerdevalidierung. Dabei sind Leitlinien-Kataloge, wie z.B. die
Kriterien nach Slick zu nennen und Beschwerdevalidierungstests wie z.B. die
Testbatterie zur forensischen Neuropsychologie oder Selbstbeurteilungsskalen wie das
MMPI. Diese Tests versuchen, Antworttendenzen festzustellen, die vom zu
erwartenden Funktionsniveau abweichen. Die Durchführung der Testbatterie zur
forensischen Neuropsychologie und von Selbstbeurteilungsskalen war aufgrund
heftiger psychovegetativer Reaktionen der Explorandin nicht möglich. Es liegt somit
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kein verwertbares Ergebnis vor. Beschwerdevalidierung mit standardisierten
Messmethoden war nicht möglich“ (act. G 58).
D.j Die Beschwerdeführerin liess am 6. Dezember 2012 Stellung zum Gutachten
nehmen. Sie liess ausführen, dass das Gutachten die Schlussfolgerungen der beiden
früheren Gutachten bestätige, und zwar unter Berücksichtigung der
Observationsergebnisse. Der Beschwerdeführerin sei deshalb eine ganze Rente
zuzusprechen (act. G 63). Die Beschwerdegegnerin nahm am 3. Januar 2013 Stellung
zum Gutachten. Sie hielt fest, dass das Gutachten bei näherer Betrachtung an diversen
Mängeln leide. Die Gutachterin habe ihre Aufgabe falsch verstanden. Sie habe die
Beschwerdeführerin auf ihre Parteirechte im Strafverfahren hingewiesen, namentlich
auf das Recht, zu schweigen bzw. sich nicht zu belasten. Im
Sozialversicherungsverfahren habe die versicherte Person aber die Pflicht, sämtliche
relevante Auskünfte wahrheitsgemäss zu erteilen. An dieser Pflicht zur
Auskunftserteilung ändere der Umstand, dass ein Strafverfahren hängig sei, nichts. Die
strafprozessualen Verfahrensgarantien seien nur im Strafverfahren zu beachten. Es sei
Sache der Untersuchungsbehörden und allenfalls des Strafrichters, die Verwertbarkeit
eines im Sozialversicherungsverfahren eingeholten Gutachtens zu beurteilen. Die
Gutachterin sei auch offensichtlich von falschen Beweisregeln ausgegangen. Sie habe
faktisch mit einer Art Unschuldsvermutung gearbeitet, was zur Regel „im Zweifel für die
Rente“ führe. Richtigerweise liege die Beweislast aber bei der Beschwerdeführerin. Im
Zweifel sei keine Krankheit ausgewiesen und folglich kein Rentenanspruch gegeben. Im
konkreten Fall bedeute dies, dass für Verhaltensweisen, welche sich ebenso gut durch
eine Krankheit wie durch eine Simulation oder durch eine andere bewusste falsche
Darstellung des Sachverhalts erklären liessen, keine krankhafte Genese angenommen
werden dürfe. Könne eine Simulation nicht ausgeschlossen werden, sei eine
invalidisierende Krankheit nicht nachgewiesen. Die Gutachterin sei auch in Punkten,
welche die Beschwerdeführerin entlasten, über weite Strecken völlig unkritisch
gewesen, obwohl angesichts der Akten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der
Beschwerdeführerin bestünden. Die Gutachterin habe die Beschwerdeführerin nicht
unvoreingenommen beurteilt, weshalb das Gutachten unverwertbar sei. Es stehe
unterdessen unbestreitbar fest, dass die Beschwerdeführerin an keiner relevanten
Krankheit des Bewegungsapparates leide. In psychischer Hinsicht habe bis vor kurzem
die Annahme einer posttraumatischen Belastungsstörung im Vordergrund gestanden.
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Diese Diagnose sei mittlerweile vom behandelnden Psychiater verworfen worden. Auch
die Gutachterin habe festgestellt, dass die Verhaltensweise der Beschwerdeführerin
mit dem zu erwartenden Vermeidungsverhalten gegenüber einem fortgesetzt trauma
tisierenden Täter nicht vereinbar sei. Trotzdem habe die Gutachterin wieder eine post
traumatische Belastungsstörung diagnostiziert, einfach mit einer anderen, lediglich als
„denkbar“ bezeichneten Erklärung. Aus den Akten gehe aber hervor, dass die von der
Beschwerdeführerin behauptete Traumatisierung nicht den Tatsachen entsprechen
würde. Die Zweifel bezögen sich sowohl auf die Ereignisse als auch auf die Glaub
würdigkeit der Beschwerdeführerin an sich. Die Gutachterin hätte teilweise ungeeignete
Validierungstests verwendet und die Leitlinien falsch angewendet, weshalb die Zweifel
nicht ausgeräumt worden seien. Falsch sei auch die Prämisse der Gutachterin, die Be
schwerdeführerin habe nicht mit einer Observation gerechnet. Ihr Ehemann habe ange
geben, vor Verlassen der Wohnung einen Mann gesehen zu haben, der sich auffällig
verhalten habe. Es sei auch singulär, dass jemand im Rahmen der Konfrontation so
schnell begreife, worum es gehe. Der Beschwerdeführerin sei deshalb am fraglichen
Morgen bereits vor Verlassen der Wohnung bewusst gewesen, dass sie observiert
werde. Selbst wenn auf das Gutachten abgestellt würde, sei eine Einschränkung von
mehr als 30 Prozent bezüglich der Haushaltsarbeiten keinesfalls zu akzeptieren. Ge
samthaft sei die Beschwerde ohne weitere Abklärungen abzuweisen (act. G 64).
D.k Die Beschwerdeführerin liess in einer weiteren Stellungnahme vom 18. Januar
2013 ausführen, es gehe nicht an, dass der zuständige Mitarbeiter der
Beschwerdegegnerin sie mehrfach als Lügnerin bezeichne und der Gutachterin
unterstelle, sie habe wider besseres Wissen ein falsches Gutachten ausgestellt. Das
Verhalten des Mitarbeiters des Rechtsdienstes werfe die Frage nach
Disziplinarmassnahmen auf. Es sei unhaltbar, eine Beschwerde entgegen drei
Gutachten und entgegen der Meinung sämtlicher behandelnder Ärzte und des RAD,
also ohne jegliche medizinische Stütze, abzuweisen (act. G 66). Die
Beschwerdegegnerin entgegnete am 22. Januar 2013, der RAD-Arzt Dr. J._ habe
ebenfalls dafür gehalten, dass das Gutachten nicht lege artis erstellt worden sei. Die
Frage, ob die Beschwerdeführerin nicht bloss Unwahrheiten von sich gegeben,
sondern gelogen habe, sei vorliegend entscheidend. Eine Lüge stelle einen bewussten
Vorgang dar. Im Rahmen der Rechtsanwendung seien die Dinge beim Namen zu
nennen (act. G 67).
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Erwägungen:
1.
1.1 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Volljährige, die vor der Beeinträchtigung ihrer
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und
denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten als invalid, wenn eine
Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8 Abs. 3
ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Diese Bestimmung gilt in Bezug auf
Beeinträchtigungen im Aufgabenbereich sinngemäss (Art. 8 Abs. 3 ATSG).
1.2 Eine relevante Invalidität setzt in jedem Fall – ob die versicherte Person als
erwerbstätig oder als im Aufgabenbereich tätig zu qualifizieren ist – eine
Gesundheitsbeeinträchtigung voraus, welche sich auf die Fähigkeit, im Erwerb oder im
Aufgabenbereich tätig zu sein, einschränkend auswirkt. Zu dieser
Gesundheitsbeeinträchtigung, namentlich zu den Befunden, zur Diagnose, zur
Prognose und zur Pathogenese oder Ätiologie, wie auch zur durch diese
Gesundheitsbeeinträchtigung verursachten Arbeitsunfähigkeit haben medizinische
Sachverständige Stellung zu nehmen (vgl. BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 398 f. mit
zahlreichen Hinweisen). Massgebend für die Invaliditätsbemessung ist das durch die
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Mediziner festgestellte Fähigkeitsprofil, also (positiv) die Antwort auf die Frage, welche
Tätigkeiten der versicherten Person in welchem Umfang noch zumutbar sind, bzw.
(negativ) die Antwort auf die Frage, welche Tätigkeiten der versicherten Person nicht
mehr oder nur noch mit Einschränkungen zumutbar sind. Es ist die Aufgabe der
Verwaltung und des Gerichts, die im Recht liegenden medizinischen Beurteilungen zu
würdigen, das heisst insbesondere, zu beurteilen, ob und inwieweit sie den
beweisrechtlichen Anforderungen genügen und allenfalls, weshalb auf eine bestimmte
medizinische Einschätzung abgestellt wird, falls abweichende Einschätzungen im
Recht liegen. Ist es im Einzelfall nicht möglich, anhand der vorhandenen medizinischen
Unterlagen die Frage nach der relevanten Gesundheitsbeeinträchtigung zu
beantworten, kann also das Vorliegen einer relevanten Gesundheitsbeeinträchtigung
weder mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bejaht noch verneint werden, sind in aller
Regel weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. Im Vordergrund steht dabei die
Einholung eines versicherungsexternen Gutachtens oder eines Gerichtsgutachtens.
Allenfalls genügt ein versicherungsinternes Gutachten zur Beantwortung der relevanten
Fragen. Notwendig ist jedenfalls, dass eine relevante Gesundheitsbeeinträchtigung an
hand medizinischer Unterlagen ausgeschlossen oder nachgewiesen werden kann.
Massgebend sind diesbezüglich in jedem Verfahren betreffend Rentenleistungen der
Invalidenversicherung medizinische Unterlagen.
1.3 Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte
erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungs
leistungen erforderlich sind (Art. 28 Abs. 2 ATSG). Aus dieser Auskunftspflicht in Ver
bindung mit der Abklärungspflicht des Versicherungsträgers (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
sowie aus Art. 59 Abs. 5 IVG, welcher den Beizug von Spezialisten zur Bekämpfung
des ungerechtfertigten Leistungsbezugs erlaubt, hat das Bundesgericht die Kompetenz
der IV-Stellen zur Anordnung verdeckter Observationen abgeleitet. Dabei hat es relativ
geringe Anforderungen an die Zulässigkeit solcher verdeckter Observationen
aufgestellt (BGE 137 I 327). Zum Sinn und Zweck bzw. zur Eignung einer Observation
hat es ausgeführt, es handle sich dabei um ein geeignetes Mittel, um eine versicherte
Person bei der Ausübung alltäglicher Verrichtungen zu sehen. Die unmittelbare
Wahrnehmung könne bezüglich der Arbeitsfähigkeit einen anderen Erkenntnisgewinn
bringen als eine weitere Begutachtung (BGE 137 I 327 E. 5.4.1 S. 332). Mittels einer
Observation soll also in erster Linie die Frage beantwortet werden, ob die Angaben und
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das Verhalten der versicherten Person gegenüber den behandelnden und allenfalls
begutachtenden Medizinern die Beeinträchtigungen im Alltag zuverlässig
widerspiegeln. Bestehen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Angaben bzw. des
Verhaltens der versicherten Person gegenüber den Medizinern, können diese Zweifel
nicht in jedem Fall mittels weiterer medizinischer Untersuchungen ausgeräumt werden.
Allenfalls stellt eine Observation eine geeignete Massnahme zur Überprüfung der
Glaubwürdigkeit der Angaben dar. Einen weiteren Erkenntnisgewinn kann eine
Observation in aller Regel nicht verschaffen. Die Fälle, in denen anhand von
Observationsergebnissen direkt beantwortet werden kann, ob und allenfalls inwiefern
eine versicherte Person an einer relevanten Gesundheitsbeeinträchtigung leidet,
dürften äusserst selten sein. In den meisten Fällen wird sich, falls die
Observationsergebnisse die Zweifel an der Zuverlässigkeit der bisherigen Unterlagen
bestätigen, eine weitere medizinische Untersuchung aufdrängen, wobei die
Observationsergebnisse gewissermassen als fremdanamnestische Angaben zu
berücksichtigen sind. Die Tatsache, dass im Einzelfall eine Observation durchgeführt
wird, ändert grundsätzlich nichts daran, dass letztlich in tatsächlicher Hinsicht eine
medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung die Grundlage für die Invaliditätsbemessung
bilden muss.
2.
2.1 Vorliegend wurde nach der Einholung zweier polydisziplinärer Gutachten eine ver
deckte Observation in Auftrag gegeben und durchgeführt. Die Beschwerdeführerin
wendet sich gegen die Zulässigkeit der Observation und beantragt, deren Ergebnisse
bei der Sachverhaltswürdigung nicht zu berücksichtigen. Zur Begründung verweist sie
unter anderem auf den Entscheid IV 2010/218 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 3. März 2011. Dieser Entscheid ist mittlerweile vom Bundesgericht auf
gehoben worden (BGE 137 I 327). Das Bundesgericht stellt deutlich tiefere Anforderun
gen an die Zulässigkeit einer verdeckten Observation. Diese sind vorliegend erfüllt,
weshalb die Observationsergebnisse bei der Sachverhaltswürdigung zu
berücksichtigen sind.
2.2 Die Beschwerdegegnerin stellt sich – in diesem Fall wie auch in anderen Fällen –
auf den Standpunkt, eine weitere medizinische Untersuchung nach der Observation sei
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nicht nur unnötig, sondern vielmehr kontraproduktiv. Es sei damit zu rechnen, dass es
der versicherten Person im Rahmen einer weiteren medizinischen Untersuchung ge
lingen werde, die Sachverständigen wiederum von ihren Beschwerden zu überzeugen.
Wer einmal lüge, lüge auch ein weiteres Mal. Zudem würden die Fähigkeiten zur
Täuschung mit jeder weiteren Untersuchung weiter geschult. Diese Argumentation
überzeugt nicht. Den Sachverständigen werden die Observationsergebnisse bekannt
gegeben. Ihr Auftrag umfasst auch die Stellungnahme zu denselben. Allfällige Diskre
panzen zwischen den Angaben und dem Verhalten in Untersuchungssituationen und im
Alltag sind ihnen also bekannt, bevor sie die versicherte Person untersuchen. Damit
haben sie den vorherigen Sachverständigen einen wesentlichen Erkenntnisgewinn
voraus. Die Untersuchung erfolgt unter anderen Prämissen als die früheren Unter
suchungen, nämlich in Kenntnis der allfälligen Ungereimtheiten. Es darf von Sachver
ständigen durchaus erwartet werden, dass sie in der Lage sind, den Observations
ergebnissen angemessen Rechnung zu tragen. Würde man der Argumentation des Mit
arbeiters des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin folgen, müsste man den
Sachverständigen diesbezüglich unterstellen, Observationsergebnisse gleichsam
generell zu ignorieren oder nicht in der Lage zu sein, die wesentlichen Schlüsse aus
den Observationsergebnissen zu ziehen. Für solche generelle Unterstellungen besteht
allerdings kein Anlass. Hinzu kommt, dass Diskrepanzen zwischen den Angaben und
dem Verhalten in Untersuchungssituationen und dem Verhalten im Alltag nicht in jedem
Fall auf Täuschung oder Simulation zurückzuführen sind. Auch unbewusste oder
krankheitswertige Vorgänge, namentlich dissoziative oder somatoforme Störungen,
können zu solchen Diskrepanzen führen. Mittels einer Observation können zwar
allenfalls solche Diskrepanzen festgestellt werden. In aller Regel bedarf es aber einer
medizinischen Beurteilung zur Beantwortung der Frage, was die Ursache der
Diskrepanzen ist bzw. ob diesbezüglich eine relevante Gesundheitsbeeinträchtigung
vorliegt. Die Observation im vorliegenden Fall hat erwiesenermassen wesentliche
Diskrepanzen aufgezeigt: Die Beschwerdeführerin bewegte sich weitgehend unauffällig,
verhielt sich aber an dem Tag, an dem sie für ein Gespräch bei der
Beschwerdegegnerin vorgeladen war, auffällig, mit schmerzverzerrtem Gesicht und
Gangstörungen. Sie suchte zudem öffentliche Orte ohne Begleitung auf, was ihren
Angaben zufolge an sich nicht hätte möglich sein sollen. Darüber, was der Grund für
diese erheblichen Diskrepanzen ist, lässt sich den Observationsergebnissen nichts
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entnehmen. Daran ändern auch die weiteren fremdanamnestischen Angaben,
insbesondere der im Strafverfahren befragten Bekannten, grundsätzlich nichts, denn
auch anhand dieser Angaben lässt sich lediglich beweisen, dass solche Diskrepanzen
bestehen, nicht aber, was der Grund dafür ist. Eine weitere medizinische Begutachtung
war angesichts dessen unabdingbar.
3.
3.1 Bezüglich des Gerichtsgutachtens macht die Beschwerdegegnerin unter anderem
formelle Mängel geltend. Sie stellt sich auf den Standpunkt, die Gutachterin sei be
fangen gewesen und habe ihre Aufgabe falsch verstanden. Auf diese beiden Rügen ist
zuerst einzugehen, weil formelle Mängel dazu führen würden, dass dem Gutachten bei
der Sachverhaltswürdigung keine Beachtung geschenkt werden dürfte.
3.2 Dass die Gutachterin ihre Aufgabe falsch verstanden haben soll, ist nicht nachvoll
ziehbar. Es trifft zwar zu, dass die Versicherten im Abklärungsverfahren eine Mit
wirkungspflicht trifft, welche selbstverständlich die Pflicht beinhaltet, vollständig und
wahrheitsgetreu Auskunft zu erteilen. Dieser Auskunftspflicht kommt bei der Begut
achtung allerdings nicht die wesentliche Rolle zu, die ihr die Beschwerdegegnerin zu
messen will. Bei einer Begutachtung nach einer Observation ist es gerade eine der
Hauptaufgaben des medizinischen Sachverständigen, eine objektive, fundierte Antwort
auf die Frage zu geben, was die Ursache für eine allfällige Diskrepanz zwischen dem
Verhalten und den Angaben in einer Untersuchungssituation und dem Verhalten im All
tag ist. Es ist insofern eine Kernaufgabe des Gutachters, herauszufinden, ob die be
troffene Person lügt oder simuliert. Der Beweiswert des Gutachtens hängt in erster
Linie davon ab, wie gut der Gutachter seine diesbezügliche Antwort begründen kann,
und nicht davon, ob die versicherte Person wahrheitsgetreu Auskunft erteilt hat. Es ist
denn auch nicht zu erwarten, dass eine versicherte Person, die in früheren
Begutachtungen simuliert oder gelogen hat, im Rahmen einer weiteren Begutachtung
plötzlich wahrheitsgetreu Auskunft erteilt bzw. nicht mehr simuliert. Das Verhalten der
versicherten Person wirkt sich jedenfalls weniger auf den Beweiswert des Gutachtens
aus als die Einschätzung des Gutachters, die unabhängig davon überzeugen muss, ob
die versicherte Person (wiederum) gelogen oder simuliert hat. Dass die Gutachterin die
Beschwerdeführerin mit Blick auf das hängige Strafverfahren auf ihr strafprozessuales
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Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen, aufmerksam gemacht hat, ist vor diesem
Hintergrund nicht von entscheidender Bedeutung. Hinzu kommt, dass die beiden
hängigen Verfahren nicht so leicht auseinander gehalten werden können, wie die
Beschwerdegegnerin suggeriert. Belastet sich die Beschwerdeführerin in diesem
Verfahren selbst, wird die Untersuchungsrichterin davon Kenntnis erhalten, was
wiederum ihr weiteres Vorgehen beeinflussen wird. Es kann allerdings offen gelassen
werden, wie dieses Problem zu lösen wäre, da der entsprechende Hinweis der
Gutachterin im Blick auf die Verwertbarkeit des Gutachtens irrelevant ist.
3.3 Zur Begründung ihrer Rüge, die Gutachterin sei befangen gewesen, führt die
Beschwerdegegnerin einzig inhaltliche Anhaltspunkte an. Da abgesehen davon keine
Hinweise für eine Befangenheit der Gutachterin ersichtlich sind, ist auf diese Rüge im
Rahmen der materiellen Würdigung des Gutachtens näher einzugehen.
3.4 Formelle Mängel des Gerichtsgutachtens sind zusammenfassend nicht
ausgewiesen, weshalb es bei der Würdigung zu berücksichtigen ist.
4.
4.1 Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, sind in Bezug auf den
massgebenden Sachverhalt diverse Ungereimtheiten ausgewiesen. Die
Beschwerdeführerin hat im Verlauf des mittlerweile neun Jahre dauernden Verfahrens
teilweise widersprüchliche Angaben gemacht. Vereinzelt entsprachen die Angaben der
Beschwerdeführerin nicht den Tatsachen. So hat sie beispielsweise zunächst mehrfach
angegeben, sie sei bei der Untersuchung bei Dr. B._, anlässlich welcher die
Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung erstellt worden ist,
von einem gewissen K._ begleitet worden. Später hat sie dann zugegeben, dass es
sich dabei um ihren ersten Ehemann gehandelt hatte. Dies weckt durchaus Zweifel an
der Zuverlässigkeit der Angaben der Beschwerdeführerin. Daraus folgt allerdings nicht
auch, dass die Sachverhaltsvariante, die Beschwerdeführerin fingiere ihre Gesundheits
beeinträchtigungen vollständig, um auf betrügerischer Weise Versicherungsleistungen
zu erschleichen, die wahrscheinlichste ist. Es ist zu berücksichtigen, dass die meisten
Diskrepanzen in den Angaben der Beschwerdeführerin mehrheitlich von unterge
ordneter Bedeutung und teilweise wohl auch auf Verständigungsprobleme zurückzu
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führen sind. So widersprechen etwa die Angaben im Bericht der Klinik Valens vom
6. Mai 2005 teilweise den Angaben in anderen medizinischen Berichten, wobei der Ver
dacht nahe liegt, der zuständige Arzt habe die Beschwerdeführerin nicht genau ver
standen. Er hat insbesondere festgehalten, der erste Ehemann der Beschwerdeführerin
habe sich an Kindern vergriffen, während aus sämtlichen übrigen Akten, die diesbe
zügliche Angaben enthalten, hervorgeht, dass er als Kind Opfer sexueller Übergriffe
geworden war. Auch die Angabe, die Beschwerdeführerin habe ein Jura-Studium
abbrechen müssen, findet in den übrigen Akten keine Bestätigung. Vielmehr findet sich
wiederholt die Aussage der Beschwerdeführerin wiedergegeben, sie hätte Jura
studieren wollen, ihr hätten dazu aber die Möglichkeiten gefehlt. Durchaus wahr
scheinlich ist zudem, dass die diskrepanten Angaben Ausdruck einer
krankheitswertigen Verarbeitung der früheren Erlebnisse sein können. Es kann
jedenfalls aufgrund der im Recht liegenden Akten nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit angenommen werden, die Diskrepanzen seien Ausdruck einer –
insofern misslungenen – Täuschung seitens der Beschwerdeführerin. Genauso
wahrscheinlich ist die Schlussfolgerung, die Inkohärenzen seien Ausdruck einer
misslungenen Verarbeitung traumatischer Erlebnisse. Daran ändern die Aussagen der
Bekannten der Beschwerdeführerin im Strafverfahren nichts, erweisen sich doch auch
diese als teilweise widersprüchlich und insbesondere aufgrund der vielfältigen,
undurchsichtigen Verstrickungen zwischen den Beteiligten als nicht ohne Weiteres
glaubwürdig.
4.2 Obwohl die Beschwerdegegnerin offensichtlich keine Mühen gescheut hat, eine
kohärente Sachverhaltsvariante zu konstruieren, überzeugt ihre Darstellung der
Ereignisse nicht mehr als jene der Beschwerdeführerin. Bezüglich beider Varianten be
stehen Zweifel, die nicht restlos ausgeräumt werden können. Die Betroffenen, anhand
derer Aussagen allein der weiter zurück liegende, relevante Sachverhalt erstellt werden
könnte, wissen offenbar teilweise selbst nicht mehr genau, wie sich die Ereignisse im
Einzelnen abgespielt haben. Eine in sich stimmige, kohärente Sachverhaltsvariante
kann vor diesem Hintergrund nicht ermittelt werden.
4.3 Wie nachfolgend aufgezeigt wird, bedeutet dies allerdings nicht, dass damit
die Gesundheitsbeeinträchtigung der Beschwerdeführerin, die teilweise durch diese
früheren, undurchsichtigen Ereignisse hervorgerufen wurden, als unbewiesen zu
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qualifizieren und ein Rentenanspruch damit ohne Weiteres zu verneinen wären.
Entscheidend ist der aktuelle Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, der, wie
aufzuzeigen ist, durchaus mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden
kann.
5.
5.1 Entscheidend für die Beantwortung der Frage, ob die Beschwerdeführerin in einem
rentenrelevanten Umfang arbeitsunfähig ist, sind in erster Linie die medizinischen
Unterlagen. Nebst den Berichten der behandelnden Ärzte liegen mittlerweile drei Gut
achten im Recht. Das erste Gutachten, das von der MEDAS Zentralschweiz erstellt
worden ist, ist erstattet worden, bevor erstmals ein Indiz für eine mögliche
Vortäuschung der Gesundheitsbeeinträchtigungen aktenkundig geworden ist. Relativ
kurz nach Eingang des MEDAS-Gutachtens ging der Beschwerdegegnerin das
Schreiben des der Beschwerdeführerin bekannten Ehepaares zu, in dem geltend
gemacht worden war, die Beschwerdeführerin täusche ihre Beschwerden vor. Auf eine
entsprechende Rückfrage hin, führten die Gutachter aus, falls die Beschwerdeführerin
in den Untersuchungen wahrheitsgetreue Angaben gemacht habe, ändere sich an der
Beurteilung nichts. Damit haben die Gutachter eine Simulation oder Täuschung weder
bestätigt noch verneint. Sie haben allerdings klar gestellt, dass es ihrer Ansicht nach
wahrscheinlicher sei, dass die Beschwerdeführerin weder simuliere noch bewusst
Beschwerden vortäusche. Der psychiatrische Consiliarius hatte bereits in seinem
Teilgutachten festgehalten, die Schilderungen der Beschwerdeführerin seien
detailgetreu, in sich konsistent und durch adäquate Affekte begleitet, so dass davon
auszugehen sei, sie seien realitätsentsprechend. Das zweite Gutachten, das von der
AEH AG erstellt worden ist, enthält eine ausführlichere Stellungnahme zur Frage, ob es
möglich sei, dass die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden simuliere oder vortäusche.
Es ist auch erst erstellt worden, als der Verdacht einer Simulation oder Täuschung
bereits im Raum stand. Die psychiatrische Consiliargutachterin hat ausgeführt:
„Vorliegend wird unter ‚weitgehend glaubwürdigen Auskünften‘ der Umstand
beschrieben, dass hinsichtlich der subjektiven Schilderungen, den eigenen Befunden,
der Psychodynamik, als auch der Art und dem Schweregrad von Störungsbildern, im
Gesamtkontext keine so genannten Inkongruenzen bestehen. Die subjektiven
Schilderungen entsprechen der Dynamik des Geschehens im Rahmen einer
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Schmerzproblematik mit subjektiv körperzentrierter Kausalattribution ohne
psychiatrisch-affektive Mitbeteiligung. Vor dem Hintergrund ihres Beschwerdebildes
erscheint das Krankheitsverhalten der Explorandin maladaptiv im Umgang mit der
Schmerzsymptomatik und aggravierend-regressiv bis autoaggressiv bei vorbestehend
psychosozialer Belastungssituation und struktureller Vulnerabilität im Sinne einer
prämorbiden Problematik. Psychodynamisch interaktionell deduktiv nachvollziehbar im
Sinne eines primitiven Abwehrmechanismus (projektive Identifikation), sowie
Selbsttäuschungen (altruistische Abwehr) und Entwertungserleben und primitives
Idealisierungserleben. Es ist von einer konstitutionell-strukturellen Vulnerabilität auszu
gehen“ (IV-act. 124–5). Auch die zweite Gutachterin hat mithin die Angaben der Be
schwerdeführerin als zu den erhobenen Befunden und den zu erwartenden Aus
führungen kongruent erachtet. Sowohl eine Simulation als auch eine Täuschung hat sie
ausgeschlossen. Erst der dritten Gutachterin sind allerdings die
Observationsergebnisse vorgelegen. Sie ist explizit beauftragt worden, zu den
Observationsergebnissen und zur Frage einer möglichen Simulation oder Täuschung
Stellung zu nehmen. Ihre Antwort ist ausführlich begründet und klar ausgefallen: Die
Observationsergebnisse beweisen ebenso wenig wie die übrigen Akten eine Simulation
oder eine Täuschung. Die Gutachterin hat die Angaben der Beschwerdeführerin mittels
verschiedener Leitlinien validiert. Eine vorgesehene neuropsychologische Testung mit
mehreren Validierungstests musste allerdings vorzeitig abgebrochen werden. Die
Gutachterin hat diesbezüglich festgehalten, dass die massive psychovegetative
Reaktion der Beschwerdeführerin gewissermassen als Validierung genüge. Das
Vortäuschen einer solchen Reaktion würde selbst eine erhebliche Gesundheitsstörung
voraussetzen.
5.2 Obwohl also drei Gutachten im Recht liegen, die mit überzeugender Begründung
zum im Wesentlichen selben Schluss gelangen, und obwohl eines der drei Gutachten
unter Berücksichtigung der Observationsergebnisse erstattet worden ist, bleiben
gewisse Restzweifel an der Glaubwürdigkeit der Beschwerden bestehen. Die
Beschwerdegegnerin hat in ihren Eingaben auf diverse Ungereimtheiten hingewiesen,
die Bekannten der Beschwerdeführerin haben im Strafverfahren zu ihren Ungunsten
ausgesagt und das Observationsvideo zeigt Verhaltensweisen, die sich für einen medi
zinischen Laien nur schwerlich mit den geltend gemachten Beeinträchtigungen ver
einbaren lassen. Insbesondere die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin sich aus
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nahmslos unauffällig verhalten und am Tag der Vorladung der Beschwerdegegnerin ein
völlig anderes Verhalten gezeigt hat, weckt Zweifel an der Glaubwürdigkeit der
Angaben der Beschwerdeführerin. Der Kontrast zwischen den beiden Verhaltensweisen
mutet geradezu grotesk an.
5.3 Die Frage ist, ob weitere Abklärungen diese Zweifel ausräumen könnten. In
Betracht käme einzig eine weitere medizinische Begutachtung, da fraglich ist, was die
„innere“ Ursache für die Diskrepanzen zwischen den geltend gemachten
Beeinträchtigungen und dem Verhalten im Alltag ist. Selbst wenn im Rahmen einer
weiteren Begutachtung Validierungstests durchgeführt werden könnten, wäre fraglich,
ob anhand der Ergebnisse die Zweifel ausgeräumt werden könnten. Ohnehin ist zu
erwarten, dass solche Tests wiederum vorzeitig abgebrochen werden müssten.
Nachforschungen bezüglich der Vergangenheit der Beschwerdeführerin
(fremdanamnestische Angaben) würden wohl ebenfalls keinen wesentlichen
Erkenntnisgewinn verschaffen. Es ist bereits aktenkundig ausgewiesen, dass nicht
sämtliche Angaben der Beschwerdeführerin den Tatsachen entsprechen. Die
wesentlichen behaupteten Vorgänge könnten sodann wohl kaum bewiesen oder
widerlegt werden. Weitere Abklärungen führen daher in antizipierender
Beweiswürdigung nicht zu relevanten neuen Erkenntnissen, weshalb das Verfahren auf
der Grundlage der vorhandenen Akten abzuschliessen ist.
5.4 Der Abschluss des Verfahrens besteht entweder darin, auf die übereinstimmenden,
ausführlich begründeten medizinischen Schlussfolgerungen abzustellen oder aufgrund
der Observationsergebnisse und den Aussagen der Personen im Strafverfahren bzw.
der daraus folgenden Zweifel an der Glaubwürdigkeit einen Rentenanspruch entgegen
den medizinischen Berichten zu verneinen. Von diesen beiden Alternativen ist jene zu
wählen, welche der wahrscheinlicheren Sachverhaltsvariante entspricht. Im Sozialver
sicherungsverfahren haben die Verwaltung und das Gericht nämlich gemäss bundes
gerichtlicher Rechtsprechung ihren Entscheid gestützt auf die Tatsachen zu fällen,
welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sind. Von mehreren möglichen
Sachverhaltsvarianten ist dementsprechend jene zu wählen, welche aufgrund der
Akten als die wahrscheinlichste erscheint (vgl. BGE 125 V 193 E. 2 S. 195 mit
Hinweisen).
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5.5 Für das Gericht reichen die Zweifel an der Zuverlässigkeit der Angaben der
Beschwerdeführerin nicht aus, um entgegen der Berichte sämtlicher behandelnder und
begutachtender Ärzte von einer Simulation oder Vortäuschung der Gesundheitsbe
einträchtigungen auszugehen. Obwohl selbst das vom Gericht in Auftrag gegebene
und unter Berücksichtigung der Observationsergebnisse und der Strafakten erstellte
Gutachten nicht sämtliche Zweifel ausräumt, erscheint es als wenig wahrscheinlich,
dass es der Beschwerdeführerin gelungen sein könnte, sämtliche Mediziner zu
täuschen und von einer erheblichen Störung zu überzeugen, die tatsächlich nicht
vorhanden ist. Wie bereits ausgeführt, kann die Frage, ob eine relevante Störung
vorliegt oder ob die Beschwerdeführerin simuliert oder Beschwerden vorgetäuscht hat,
am ehesten von Fachärzten beantwortet werden. Wenn drei Gutachter, einer davon in
Kenntnis sämtlicher „belastender“ Umstände, davon ausgehen, es sei eine relevante
krankheitswertige Störung ausgewiesen, müssten erheblichere Zweifel bestehen, um
dieser Schlussfolgerung nicht zu folgen. Die Diskrepanzen in den Akten können so oder
anders gedeutet werden, können auf eine Krankheit oder eine Täuschung
zurückgeführt werden; für sich allein liefern sie noch keine ausreichende Erklärung,
weshalb letztlich doch den fachärztlichen Beurteilungen zu folgen ist.
5.6 Auch wenn das Gerichtsgutachten nicht sämtliche Zweifel ausräumt, erscheinen
die ausführlich begründeten Schlussfolgerungen im Wesentlichen doch überwiegend
wahrscheinlich zutreffend. Ein weiteres Gutachten dürfte kaum wesentlich
überzeugender ausfallen. Drei übereinstimmende Gutachten müssen für die
Beurteilung des Rentengesuchs ausreichen. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin erweckt der Inhalt des Gerichtsgutachtens nicht den Eindruck,
die Gutachterin sei voreingenommen gewesen. Sie hat sich von den beiden erwähnten
Sachverhaltsvarianten aufgrund des von ihr anhand des Aktenstudiums und der
persönlichen Untersuchung gewonnen Eindrucks für eine entschieden. Dabei hat sie
selbst ausdrücklich auf Umstände hingewiesen, welche ihre Schlussfolgerung in Frage
stellen könnten. Sie hat sich mit diesen Umständen auseinander gesetzt und
begründet, weshalb sie an ihrer Schlussfolgerung trotzdem festhält. Demgegenüber
stützte sich die Argumentation der Beschwerdegegnerin auf eine Observation und auf
Behauptungen Dritter in einem bis heute nicht abgeschlossenen Strafverfahren. Für die
Beurteilung einer invaliditätsbegründenden Arbeitsunfähigkeit ist letztlich die
medizinische Einschätzung massgebend. Die medizinischen Gutachter haben
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überzeugend dargelegt, dass selbst wenn die Beschwerdeführerin die Beschwerden
nur vortäuschen würde, dies - gemäss Dr. I._ - selbst Ausdruck einer erheblichen
Persönlichkeitsstörung wäre, welche eine derartige Täuschung erst erlauben würde. So
oder anders ist ein medizinisches Substrat überwiegend wahrscheinlich, das dazu
führt, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt
und dem Arbeitsmarkt nicht mehr zumutbar ist.
5.7 Demnach ist von einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im Erwerb und im
Haushalt von 70 Prozent auszugehen.
6.
6.1 Die Beschwerdeführerin hat bis zur Geburt ihres ersten Sohnes vollzeitig
gearbeitet. Danach hat sie allerdings noch bis etwa Ende des Jahres 2003
Arbeitslosenentschädigungen bezogen, sich also dem Arbeitsmarkt weiterhin zur Ver
fügung gestellt (vgl. IV-act. 33–14). Im Rahmen der Abklärung in ihrem Haushalt hat die
Beschwerdeführerin angegeben, sie würde ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen
momentan keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, weil sie für ihre Kinder da sein wolle. Zu
einem späteren Zeitpunkt könne sie sich aber die Wiederaufnahme einer Erwerbstätig
keit vorstellen, auch aus finanziellen Gründen (IV-act. 58–3). Gemäss bundesgericht
licher Rechtsprechung ist für die Beurteilung der Frage, ob eine versicherte Person als
erwerbstätig oder als im Aufgabenbereich tätig zu qualifizieren ist, nicht entscheidend,
ob und in welchem Umfang ihr die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zugemutet werden
könnte. Entscheidend ist vielmehr, wie sich die betroffene Person ohne gesundheitliche
Einschränkungen, aber bei ansonsten unveränderten tatsächlichen Verhältnissen über
wiegend wahrscheinlich verhalten würde. Das bedeutet vorliegend, dass die Be
schwerdeführerin in Bezug auf den hier massgebenden Zeitraum als Hausfrau zu
qualifizieren ist, weil sie angegeben hat, sie würde keiner Erwerbstätigkeit nachgehen,
solange ihre Kinder noch auf Betreuung angewiesen seien, und da ihr jüngerer Sohn
erst acht Jahre alt ist. Massgebend für die Bemessung des Invaliditätsgrades ist also
die Beeinträchtigung im Haushalt.
6.2 Diese beträgt gemäss Gutachten seit spätestens dem Jahr 2004 mindestens
70 Prozent. Daraus folgt, dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ganze Rente
der Invalidenversicherung hat (Art. 28 Abs. 2 IVG).
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6.3 Die Gutachter der MEDAS Zentralschweiz haben den Beginn der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin
bis Ende des Jahres 2003 Arbeitslosenentschädigungen bezogen hatte, und in
Anlehnung an das Zeugnis der behandelnden Psychiaterin, welche ab dem 10. März
2004 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte, auf den 10. März 2004
festgelegt. Aufgrund der übrigen Akten besteht kein Anlass, dieser Auffassung nicht zu
folgen. Das so genannte Wartejahr ist demnach im März 2005 abgelaufen, weshalb die
Beschwerdeführerin ab dem 1. März 2005 Anspruch auf die ganze Invalidenrente samt
den entsprechenden Kinderrenten hat.
7.
7.1 Die Beschwerde ist zusammenfassend gutzuheissen. Formell handelt es sich um
eine teilweise Gutheissung, weil eine ganze Rente ab Dezember 2003 beantragt
worden ist. Da die Beurteilung des Antrags, auch für den Zeitraum vom Dezember
2003 bis und mit Februar 2005 eine Rente zuzusprechen, keinen nennenswerten
Mehraufwand verursacht hat, ist dem (formellen) teilweisen Unterliegen der
Beschwerdeführerin bei der Verlegung der Kosten und Entschädigungen keine
Rechnung zu tragen.
7.2 Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die Gerichtskosten sowie die Kosten für das
Gerichtsgutachten zu bezahlen. Angesichts des ausserordentlichen Aufwands sind die
Gerichtskosten auf den Maximalbetrag gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG, das heisst auf
1’000 Franken, festzulegen. Die Kosten für das Gutachten belaufen sich auf 7’000
Franken. Die Beschwerdegegnerin hat demnach gesamthaft Kosten von 8’000 Franken
zu bezahlen.
7.3 Sodann hat die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu entschädigen.
Trotz des hohen Aufwands in diesem Verfahren rechtfertigt sich die Zusprache einer
über den ordentlichen Rahmen von Art. 22 Abs. 1 lit. b der St. Galler Honorarordnung
für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (sGS 963.75) hinaus gehenden Parteient
schädigung nicht. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin deshalb mit
12’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.