Decision ID: 64ef3576-8e46-407c-9713-0a20d510e6b9
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) A._, X._, ist Eigentümer von Grundstück Nr. 001, Grund-
buch X._, an der P._strasse in X._. Das Grundstück liegt ge-
mäss geltendem Zonenplan der Gemeinde X._ vom 30. März 1984
in der Wohn-Gewerbezone WG2. Es ist in der südwestlichen Ecke mit
einem älteren Gebäude (Vers.-Nr. 002) überbaut. Entlang der westli-
chen Grenze verläuft der Q._bach, entlang der nördlichen Grenze
die P._strasse (Kantonsstrasse Nr. 003) und parallel zur östlichen
Grundstücksgrenze die R._strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse;
nicht ausparzelliert).
[...]
Übersicht Grundstück
(Quelle: Geoportal SG)
b) Das Grundstück Nr. 001 wird seit Längerem als Abstellplatz für
Occasionsfahrzeuge benutzt. Vor diesem Hintergrund gelangte der
Gemeinderat X._ bzw. das Bausekretariat X._ seit dem Jahr 2011
verschiedentlich an A._ und forderte ihn namentlich zur Einreichung
eines Baugesuchs auf. Zudem verfügte der Gemeinderat X._ am
8. Februar 2016 einen Baustopp für nicht bewilligte Bauarbeiten auf
dem Grundstück Nr. 001 und forderte A._ am 19. Februar 2016 auf,
Fahrzeuge und Anhänger aus dem Gewässerabstand zu entfernen.
c) Mit Baugesuch vom 17. Oktober 2016 (Eingang: 3. Februar
2017) beantragten A._ und B._, X._, bei der Gemeinde X._
die Baubewilligung für eine "Ausstellungsfläche für PW, Kiesplatz".
Das Baugesuch lag vom 14. bis 27. Februar 2017 zur Einsicht auf. Ins-
besondere aufgrund einer Einsprache des Strassenkreisinspektorats
Y._ wurde die Bauherrschaft am 31. März 2017 und am 30. Novem-
ber 2018 aufgefordert, das Bauprojekt zu überarbeiten, es auf einen
bewilligungsfähigen Stand zu bringen und neue Projektpläne und Un-
terlagen einzureichen. Gegen die Verfügung vom 30. November 2018
erhoben A._ und B._ am 14. Dezember 2018 Rekurs beim Bau-
departement (Verfahren Nr. 18-8272). In der Folge gewährte die Bau-
kommission X._ A._ und B._ eine Fristverlängerung für die Ein-
reichung der Unterlagen bis 31. Januar 2019, woraufhin der Rekurs
zurückgezogen und das Rekursverfahren als erledigt von der Ge-
schäftsliste des Baudepartementes abgeschrieben wurde.
d) Am 25. Januar 2019 reichte A._ bei der Gemeinde X._
überarbeitete und ergänzte Pläne bzw. Unterlagen ein. Zufolge Unvoll-
ständigkeit wurden diese Unterlagen retourniert und die Bauherrschaft
aufgefordert, bis zum 28. Februar 2019 wiederum überarbeitete und
ergänzte Bauprojektunterlagen einzureichen. Dieser Aufforderung
kam A._ am 28. Februar 2019 nur teilweise nach, weshalb am
25. März 2019 erneut die Nachreichung zusätzlicher Unterlagen, na-
mentlich eines Baugesuchsformulars G1, verlangt wurde.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 76/2020), Seite 3/11
B.
a) Mit Baugesuch vom 3. April 2019 beantragten A._ und B._
die Baubewilligung für das Erstellen eines Abstellplatzes für Autos und
eines Lagerplatzes für Baumaterial. Das Baugesuch wurde als Pro-
jektänderung zum ursprünglichen Baugesuch vom 17. Oktober 2016
entgegengenommen ("Verschieben der Grundstückszufahrt gegen
Süden"; "Erstellen eines Lagerplatzes für Baumaterial, Baracken und
Mulden im südlichen Grundstücksbereich [...]"). Die Baugesuchsun-
terlagen lagen vom 12. bis 25. April 2019 zur Einsicht auf. Innert der
Auflagefrist erhoben drei Personen Einsprache gegen das Bauvorha-
ben. Diese Einsprachen wurden im Ergebnis zurückgezogen.
b) Eine Vorprüfung der eingereichten Baugesuchsunterlagen
durch die kantonalen Fachstellen ergab, dass die Unterlagen für eine
Beurteilung nicht ausreichten. Am 25. April 2019 wurden A._ und
B._ deshalb erneut zur Einreichung weiterer Unterlagen bzw. zur
Überarbeitung der vorhandenen Unterlagen aufgefordert. Mit Bauein-
gabeplan "Situation Mst. 1:100" vom 6. Juni 2019 kam A._ dieser
Aufforderung nach.
c) Mit strassenpolizeilicher Bewilligung vom 4. Juli 2019 (zur Eröff-
nung mit Baubescheid) erteilte der kantonale Strasseninspektor A._
und B._ unter Bedingungen die Bewilligung für das Erstellen einer
Ein- und Ausfahrt in die Kantonsstrasse Nr. 003. A._ und B._
wurde eine Gebühr von Fr. 400.– auferlegt.
d) Am 9. Dezember 2019 erteilte die Baukommission X._ die
Baubewilligung unter Auflagen und Bedingungen und eröffnete diese
A._ und B._ am 24. Januar 2020. In der Baubewilligung wurde
unter anderem für die Ausführung des Bauprojekts und die Erfüllung
der Bedingungen und Auflagen eine Frist von drei Monaten nach "In-
krafttreten" der Baubewilligung angesetzt und es wurden konkrete um-
zusetzende Massnahmen definiert (vgl. Ziff. B.1.b der Baubewilli-
gung). Zudem wurde für die Baubewilligung eine Gebühr von
Fr. 5'000.– festgelegt und diese einschliesslich der Kosten der Bauan-
zeigen von Fr. 680.– sinngemäss A._ und B._ auferlegt (vgl.
Ziff. B.20 der Baubewilligung, zzgl. Fr. 730.– für Gebühren des Kan-
tons gemäss separater Rechnung).
C.
a) Gegen diesen Beschluss erhob A._ mit Schreiben vom
4. Februar 2020 Rekurs beim Baudepartement. Es werden folgende
Anträge gestellt:
1. Die Verfügung vom 24. Januar 2020, insbesondere
Punkt B. Bedingungen und Auflagen, Pos. 1. , Abs. b, sei aufzuheben.
2. Die Verfügung vom 24. Januar 2020, insbesondere Punkt B. Bedingungen und Auflagen, Pos. 20. , sei aufzuheben.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 76/2020), Seite 4/11
Zur Begründung wird geltend gemacht, die angesetzte Frist für die
Ausführung des Bauprojekts und die Erfüllung der Bedingungen und
Auflagen von drei Monaten sei zu kurz. Es liege keine Dringlichkeit vor.
Ausserdem sei die verfügte Gebühr von Fr. 5'000.– zu hoch. Die über-
höhte Gebührenerhebung ziele einzig auf eine Bestrafung mit hohen
Kosten.
b) Mit Schreiben vom 5. Februar 2020 wurde dem Rekurrenten
verfahrensleitend die Möglichkeit zur Ergänzung seines Rekurses ge-
geben. Davon machte er keinen Gebrauch.
D.
Mit Vernehmlassung vom 16. April 2020 beantragt die Vorinstanz den
Rekurs abzuweisen. Zur Begründung wird geltend gemacht, die An-
setzung der Frist von drei Monaten sei in Anbetracht der zu leistenden
Arbeiten nicht zu kurz, zumal es nur um die Rabatte/Abschlüsse im
Bereich der Strassen und des Q._bachs (ca. 90 m), die Markierung
von sechs Parkplätzen und des Lagerplatzes (ca. 80 m2) und die Ent-
sorgung diverser Fahrzeuge, Alt- und Gebrauchtreifen und Autoer-
satzteile gehe. An der Frist von drei Monaten werde festgehalten,
ebenso an der Gebühr von Fr. 5'000.–. Letztere enthalte Aufwendun-
gen für die Beurteilung der Baueingabe inklusiv Rechtsmittelverfahren,
für die "Administration Verwaltung", für die Erteilung der Baubewilli-
gung und für die Schlussabnahme durch den Baukontrolleur. In Anbe-
tracht des seit Jahren laufenden Verfahrens seien die Aufwendungen
der Verwaltung enorm und die Gebühr in dieser Höhe gerechtfertigt.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1; ab-
gekürzt PBG) in Kraft getreten und das Baugesetz vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a
PBG). Der erstinstanzliche Einsprache- und Baubewilligungsent-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 76/2020), Seite 5/11
scheid erging am 24. Januar 2020. Mithin sind vorliegend grundsätz-
lich die Bestimmungen des PBG anwendbar, sofern sie gemäss An-
hang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche Bestimmungen im
PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Juristische Mitteilun-
gen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärt werden. Im Übrigen
gelangen weiterhin das BauG und das entsprechende Baureglement
zur Anwendung.
3.
Der Rekurrent macht geltend, die Vorinstanz habe in der Baubewilli-
gung unter Ziff. B.1.b für die Ausführung des Bauprojekts und die Er-
füllung der Bedingungen und Auflagen eine Frist von drei Monaten
nach Inkrafttreten der Baubewilligung angesetzt. Eine solche Frist sei
willkürlich und viel zu kurz. Allein die Ausarbeitung des Ausführungs-
projekts, der Ausschreibungen und Offertanfragen und der Arbeitsver-
gaben nähmen erfahrungsgemäss einige Zeit in Anspruch. Dazu
müssten auch die Unternehmer für die Arbeiten ihre Termin- und Ka-
pazitätsplanung mitberücksichtigen. Das Baugesuch habe auf Verlan-
gen bzw. Drängen der Politischen Gemeinde X._ erarbeitet und ein-
gereicht werden müssen, obwohl die Zufahrt und der Kiesplatz seit
mehreren Jahrzehnten so bestünden und als Parkplatz genutzt wor-
den seien. Eine Dringlichkeit sei nicht gegeben. Vor diesem Hinter-
grund beantragt er die Aufhebung von "Punkt B. Bedingungen und
Auflagen, Pos. 1. Bauausführung, Abs. b".
3.1 Eine Baubewilligung wird mit Auflagen und Bedingungen
versehen, soweit diese zur Sicherstellung der Übereinstimmung des
Bauvorhabens mit den massgebenden Vorschriften und Plänen
erforderlich sind (Art. 147 Abs. 1 PBG). Während Bedingungen die
Rechtswirkung der Baubewilligung von künftigen ungewissen Ereig-
nissen abhängig machen, sind Auflagen erzwingbare Nebenbestim-
mungen zur Baubewilligung. Sie auferlegen dem Adressaten der Be-
willigung ein bestimmtes Tun, Dulden oder Unterlassen (BDE
Nr. 40/2020 vom 8. Mai 2020 Erw. 12.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St.Gallen 2016,
Rz. 919). Wie jede staatliche Anordnung müssen auch Nebenbestim-
mungen zu einer Bewilligung verhältnismässig sein. Verhältnismässig
ist eine Verwaltungsmassnahme dann, wenn sie zur Verwirklichung
des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig
ist. Ausserdem muss die Massnahme zumutbar sein, d.h. sie muss
durch ein das private Interesse überwiegendes öffentliches Interesse
gerechtfertigt erscheinen (BDE Nr. 55/2020 vom 30. Juni 2020
Erw. 6.7.1; vgl. auch HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 514 ff. mit
weiteren Hinweisen).
3.2 Mit der angefochtenen Baubewilligung wurde dem Rekurrenten
die Erstellung eines Autoabstellplatzes für Occassionsautos
(Ausstellungsfläche 890 m2) und die Erstellung eines Lagerplatzes für
Baumaterial, Baracken und Mulden (Fläche 250 m2) sowie die
Erstellung von insgesamt sechs Parkplätzen bewilligt. Es handelte
sich um ein nachträgliches Bewilligungsverfahren, zumal das
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 76/2020), Seite 6/11
Grundstück Nr. 001 schon seit Längerem als Autoabstellplatz für
Occassionsautos und als Lagerplatz benutzt worden war und die
baulichen Massnahmen jedenfalls teilweise schon vor Einreichung des
Baugesuchs umgesetzt waren. Angesichts dieser Umstände
verpflichtete die Vorinstanz die Bauherrschaft hinsichtlich der
Bauausführung, das Bauprojekt innert drei Monaten auszuführen und
die Bedingungen und Auflagen zu erfüllen. Sie definierte konkrete
Massnahmen, die innert drei Monaten auszuführen sind. So sind zur
Gewährleistung der Verkehrssicherheit inklusive Einhaltung der
Sichtzonen Stellplatten einschliesslich Grünstreifen und weiteren
Abschlüssen entlang der R._- und der P._strasse zu erstellen
sowie sechs Parkplätze und eine Fläche von 250 m2 (Lagerplatz) zu
markieren und zu kennzeichnen. Ferner sind zur Gewährleistung des
Gewässerschutzes "sämtliche Fahrzeuge (Veteranenfahrzeuge,
ausgebrannte Fahrzeuge, Fahrzeuge mit Flüssigkeitsverlust,
Fahrzeuge mit mehr als 55 Schadenpunkten [...] sowie Fahrzeuge zur
Entsorgung" sowie Alt- und Gebrauchtreifen oder weitere
Autoersatzteile vom Grundstück Nr. 001 zu entfernen. Schliesslich
sind zur Einhaltung des Gewässerabstands entlang einer
Gewässerabstandslinie ebenfalls Stellplatten zu erstellen (vgl. im
Einzelnen Baubewilligung Ziff. B.1.b).
3.3 Bei den vorerwähnten, in der Baubewilligung vorgegebenen und
von der Bauherrschaft umzusetzenden Massnahmen handelt es sich
um Auflagen in dem Sinn, als deren Nichterfüllung sich zwar nicht auf
den Bestand der Bewilligung auswirkt, die Erfüllung jedoch mit den
Mitteln des Verwaltungszwangs durchgesetzt werden kann (vgl. auch
VerwGE B 2019/160 vom 23. Januar 2020 Erw. 3.1 mit Hinweis). Der
Rekurrent macht nicht geltend, die Aufnahme der genannten Auflagen
in die angefochtene Baubewilligung sei unzulässig gewesen. Hinge-
gen wendet er wie gezeigt ein, die angesetzte Frist zur Umsetzung
gewisser Massnahmen sei zu kurz. Von einer zu kurzen Frist kann je-
doch nicht die Rede sein. Die umzusetzenden Massnahmen sind in
der Baubewilligung und im bewilligten Situationsplan 1:100 vom
6. Juni 2019 wie gezeigt klar definiert. Im Wesentlichen sind rund
70 Laufmeter Stellplatten (inklusiv Grünstreifen und weiteren Ab-
schlüssen) entlang der Strassen im Norden und Osten des Grund-
stücks zu erstellen. Hinzu kommen rund 21 Laufmeter Stellplatten ent-
lang der Gewässerabstandslinie bzw. – in einem Abstand von 5,30 m
– parallel zur westlichen Grundstücksgrenze, ferner die Markierung
und Kennzeichnung von sechs Parkplätzen und des Lagerplatzes.
Schliesslich sind ausgediente Fahrzeuge, Alt- und Gebrauchtreifen
und weitere Autoersatzteile vom Grundstück zu entfernen. Inwiefern
drei Monate für die Umsetzung dieser Arbeiten nicht ausreichen sol-
len, ist nicht nachvollziehbar. Selbst wenn entsprechend der rekurren-
tischen Darstellung die Ausarbeitung des Ausführungsprojekts, der
Ausschreibungen und Offertanfragen und der Arbeitsvergaben einige
Zeit in Anspruch nähmen, wäre die dreimonatige Frist ausreichend
und angemessen. Jedenfalls ist nicht erkennbar, dass die Vorinstanz
den ihr zustehenden Ermessensspielraum bei der Festlegung der Frist
überschritten oder ihr Ermessen unzweckmässig ausgeübt haben
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 76/2020), Seite 7/11
könnte. Auch die Darstellung des Rekurrenten, es bestehe "keine
Dringlichkeit", ändert daran nichts. Sie ist ohnehin höchstens vor dem
Hintergrund der bisherigen und langjährigen Duldung der ohne Bau-
bewilligung erfolgten Nutzung des Grundstücks Nr. 001 nachvollzieh-
bar. Ebenso nachvollziehbar ist jedoch das Anliegen der Vorinstanz,
dass diese Nutzung einem rechtskonformen Zustand zugeführt wird
und die dafür nötigen baulichen Massnahmen innert nützlicher Frist
umgesetzt werden. Auch dienen die Auflagen der Gewährleistung der
Verkehrssicherheit sowie der Einhaltung gewässerschutzrechtlicher
Vorschriften, weshalb durchaus eine gewisse Dringlichkeit gegeben
ist. Auch vor diesem Hintergrund ist die angesetzte Frist von drei Mo-
naten angemessen. Diesbezüglich ist der Rekurs unbegründet und ab-
zuweisen.
4.
Der Rekurrent beanstandet, die verfügte Gebühr von Fr. 5'000.– sei
viel zu hoch. Die Behauptung, dass derart hohe Gebühren gemäss
Gebührentarif für das Bauwesen rechtens seien, werde bestritten; ein
entsprechender Nachweis habe die Vorinstanz nicht erbracht. Weiter
liege die Realisierung der fraglichen baulichen Anpassungen mehr-
heitlich im Interesse der Politischen Gemeinde X._. Die eingegan-
genen Einsprachen seien zurückgezogen worden. Schliesslich ziele
die überhöhte Gebührenerhebung einzig darauf ab, ihn (den Rekur-
renten) zu bestrafen bzw. zu büssen und mit hohen Kosten zu tadeln.
Der Rekurrent beantragt deshalb die Aufhebung von "Punkt B. Bedin-
gungen und Auflagen, Pos. 20. Gebühren".
4.1 Wer eine Amtshandlung zum eigenen Vorteil oder durch sein
Verhalten veranlasst, hat die vorgeschriebene Gebühr zu entrichten
(Art. 94 Abs. 1 Satz 1 VRP). Gemäss Art. 100 Abs. 1 VRP erlässt die
Regierung durch Verordnung ergänzende Vorschriften über die Kos-
ten. Die Regierung regelt insbesondere die Gebührenansätze
(Art. 100 Abs. 2 VRP) und sie hat von der ihr übertragenen Kompetenz
durch den Erlass der Verordnung über Kosten und Entschädigungen
im Verwaltungsverfahren (Verwaltungsgebührenverordnung;
sGS 821.1; abgekürzt VGV) und den Erlass des Gebührentarifs für die
Kantons- und Gemeindeverwaltung (sGS 821.5; abgekürzt GebT) Ge-
brauch gemacht.
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 VGV richten sich die Gebührenansätze
nach dem GebT und nach besonderen Gebührentarifen, die von der
Regierung erlassen werden. Die allgemeinen Gebühren des GebT
können erhoben werden, wenn weder besondere Gebührenansätze
festgesetzt sind noch Unentgeltlichkeit vorgeschrieben ist (Art. 3
Abs. 2 VGV). Die Gemeinden können für ihre Amtsstellen Richtlinien
erlassen über die Abstufung der Gebühren innerhalb der kantonalen
Mindest- und Höchstansätze (Art. 4 VGV). Besteht für die Gebühr ein
Mindest- und ein Höchstansatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens
nach dem Wert und der Bedeutung der Amtshandlung, dem Zeit- und
Arbeitsaufwand und der erforderlichen Sachkenntnis zu bemessen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 76/2020), Seite 8/11
(Art. 11 VGV). Nach Art. 12 Abs. 1 VGV können die Gebühren in be-
stimmten Fällen bis auf das Doppelte des einfachen oder des Höchst-
ansatzes festgesetzt werden (Art. 12 Abs. 1 Ziff. 1 VGV).
4.3 Die Gebührenbemessung hat sich im Übrigen nach den Grund-
sätzen der Kostendeckung und der Verhältnismässigkeit bzw. der
Äquivalenz zu richten. Nach dem Kostendeckungsprinzip soll der Ge-
bührenertrag die gesamten Kosten des betreffenden Verwaltungs-
zweigs nicht oder nur geringfügig übersteigen. Das Äquivalenzprinzip
konkretisiert das Verhältnismässigkeitsprinzip und das Willkürverbot
für den Bereich der Kausalabgaben. Es bestimmt, dass eine Gebühr
im konkreten Einzelfall nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis
zum objektiven Wert der abzugeltenden Leistung stehen darf und sich
in vernünftigen Grenzen halten muss. Der Wert der Leistung bemisst
sich nach dem wirtschaftlichen Nutzen, den sie dem Pflichtigen bringt,
oder nach dem Kostenaufwand der konkreten Inanspruchnahme im
Verhältnis zum gesamten Aufwand des betreffenden Verwaltungs-
zweigs. Dabei darf auf Durchschnittserfahrungen abgestellt werden,
weshalb die Gebühren nicht in jedem Fall genau dem erbrachten Ver-
waltungsaufwand entsprechen müssen. Sie sollen jedoch nach sach-
lich vertretbaren Kriterien bemessen sein und nicht Unterscheidungen
treffen, für die keine vernünftigen Gründe ersichtlich sind. Bei ihrer
Festsetzung darf innerhalb eines gewissen Rahmens der wirtschaftli-
chen Situation des Pflichtigen und dessen Interesse am abzugelten-
den Akt Rechnung getragen werden. Zudem darf gemäss dem Äqui-
valenzprinzip die Höhe der Gebühr die Inanspruchnahme gewisser In-
stitutionen nicht verunmöglichen oder übermässig erschweren
(BGE 145 I 52 Erw. 5.2.2 f.; Urteil des Bundesgerichtes 1C_181/2019
vom 29. April 2020 Erw. 7.3.2; je mit Hinweisen).
4.4 Den Behörden kommt bei der Verlegung und Bemessung von
amtlichen Kosten ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 135 II
172 Erw. 3.2; VerwGE B 2020/49 vom 23. Juni 2020 Erw. 3; VerwGE
B 2019/195 vom 18. Januar 2020 Erw. 3; BDE Nr. 28/2020 vom
21. April 2020 Erw. 11.1). Zufolge dieses Ermessensspielraums ist
den politischen Gemeinden bei der Verlegung und Bemessung von
amtlichen Kosten Autonomie zuzuerkennen (vgl.
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1902 ff., insbesondere
Rz. 1911 f. und Rz. 1921; vgl. zum Inhalt der Gemeindeautonomie
z.B. Urteil des Bundesgerichtes 1C_532/2015 vom 26. Januar 2016
Erw. 2.2 mit Hinweisen).
4.5 Der kommunale Gebührentarif für das Bauwesen in der hier an-
wendbaren Fassung vom 6. September 2017 sieht für einzelne bewil-
ligungspflichtige Vorhaben Gebührenrahmen in unterschiedlicher
Höhe vor. Das fragliche Baugesuch hat im Wesentlichen die Bewilli-
gung einer – zumindest teilweise bereits erfolgten – Umnutzung des
Grundstücks Nr. 001 zu einem Abstellplatz für Autos/Occasionsfahr-
zeuge und eines Lagerplatzes für Baumaterial zum Gegenstand.
Eigentliche bauliche Massnahmen sind nur in untergeordnetem Um-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 76/2020), Seite 9/11
fang Inhalt des Baugesuchs bzw. der Baubewilligung. Das Bauvorha-
ben lässt sich somit nicht einem einzelnen Vorhaben gemäss kommu-
nalem Gebührentarif zuordnen, weshalb die dort enthaltenen Gebüh-
renrahmen nicht unmittelbar anzuwenden sind. Damit liegt ein Fall vor,
in dem kein besonderer Gebührenansatz festgesetzt wurde, weshalb
die allgemeinen Gebühren des GebT erhoben werden können (Art. 3
Abs. 2 VGV).
4.6 Für Baubewilligungen beträgt der vom GebT vorgegebene Ge-
bührenrahmen Fr. 100.– bis Fr. 10'000.– (Ziff. 50.24.02 GebT). Ein be-
sonders aufwändiges Verfahren, das für die fragliche Baubewilligung
einen Gebührenrahmen von Fr. 10'000.– bis Fr. 50'000.– rechtfertigen
könnte (vgl. Ziff. 50.24.02.01 GebT), liegt demgegenüber nicht vor,
was im Übrigen auch die Vorinstanz nicht geltend macht.
4.7 Die Vorinstanz hat die Gebühr ziemlich genau in der Mitte des
zur Verfügung stehenden Rahmens festgesetzt. Dies scheint zumin-
dest insofern nachvollziehbar, als die Erteilung der fraglichen Baube-
willigung weder hinsichtlich des Verfahrens noch hinsichtlich dessen
Gegenstands übermässig komplex war. Auch stellten sich keine be-
sonders schwierigen rechtlichen oder tatsächlichen Fragen. Sodann
haben weder der Wert noch die Bedeutung des Bauvorhabens bzw.
der Baubewilligung ein Gewicht, das eine Gebühr deutlich über der
Hälfte des Gebührenrahmens hätte rechtfertigen können. Mit Blick auf
den – hier nicht unmittelbar anwendbaren; vgl. oben – kommunalen
Gebührentarif für das Bauwesen ist weiter festzustellen, dass die Ge-
bühr von Fr. 5'000.– im Vergleich mit anderen Gebührenrahmen für
andere Bauvorhaben als hoch erscheint (vgl. Rahmen für die Bewilli-
gungsgebühr z.B. bei Einfamilienhäusern [Fr. 3'000.– bis Fr. 5'000.–],
bei Gewerbe- und Industriebauten [Fr. 1'000.– bis Fr. 10'000.–], für
einfache innere und äussere Veränderungen [Fr. 100.– bis Fr. 1'000.–
], für umfangreiche innere und äussere Veränderungen [Fr. 500.– bis
Fr. 5'000.–], für Anlagen wie offene Autoabstellplätze, Schwimmbas-
sin, Sichtschutzwände, etc. [Fr. 100.– bis Fr. 2'000.–] und für Ände-
rungen der Umgebung [Fr. 100.– bis Fr. 1'000.–]). Zu berücksichtigen
ist weiter der im Baubewilligungsverfahren angefallene Zeit- und Ar-
beitsaufwand. Hier zog sich das Verfahren über mehrere Jahre hin: So
musste die Vorinstanz den Rekurrenten – trotz teilweise bereits erfolg-
ter Umnutzung des Grundstücks – mehrfach zur Einreichung eines
Baugesuchs auffordern und die erste dieser Aufforderungen datiert
vom 16. Mai 2011. Mit Baugesuch vom 17. Oktober 2016 (Eingang bei
Vorinstanz am 3. Februar 2017) kam der Rekurrent diesen Aufforde-
rungen nach. In der Folge reichte er jedoch wiederholt Pläne bzw. Un-
terlagen ein, die ihm zufolge Unvollständigkeit retourniert werden
mussten. Erst am 3. April 2019 lag das – nun teilweise geänderte –
Baugesuch in einer Form vor, die eine vollständige materielle Beurtei-
lung zuliess (vgl. im Einzelnen auch Korrespondenz gemäss kommu-
nalen Vorakten). Insgesamt ist damit erstellt, dass der Zeit- und Ar-
beitsaufwand der Vorinstanz bzw. der Bauverwaltung der Politischen
Gemeinde X._ trotz vergleichsweise tiefer Komplexität des Bauvor-
habens äusserst hoch war, wofür der Rekurrent hauptverantwortlich
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 76/2020), Seite 10/11
ist. Damit hat die Vorinstanz mit einer Gebühr von Fr. 5'000.– und an-
gesichts des zur Verfügung stehenden Rahmens bis Fr. 10'000.– den
ihr zustehenden weiten Ermessensspielraum nicht verlassen und sie
hat ihr Ermessen nicht missbraucht.
4.8 Weiter liegt auch keine Verletzung des Kostendeckungsprinzips
vor. Es sind namentlich keine Anhaltspunkte erkennbar, dass der Ge-
bührenertrag die gesamten Kosten des betreffenden Verwaltungs-
zweigs (hier: kommunale Bauverwaltung) übersteigen könnte. Noch
viel weniger ist davon auszugehen und wird auch vom Rekurrenten
nicht geltend gemacht, dass Mehreinnahmen in mehr als geringfügi-
gem Umfang anfallen, was aber für eine Verletzung des Kostende-
ckungsprinzips vorausgesetzt wäre.
4.9 Mit Blick auf das Äquivalenzprinzip ist festzustellen, dass die
Gebühr von Fr. 5'000.– in keinem offensichtlichen Missverhältnis zum
objektiven Wert der abzugeltenden Leistung (hier: Erteilung der Bau-
bewilligung) steht, zumal der Wert der Leistung darin besteht, dass
dem Rekurrenten die – zuvor jedenfalls teilweise bereits ohne Baube-
willigung erfolgte – gewerbliche Nutzung als Autoabstellplatz und als
Lagerplatz auf rund 1'140 m2 bewilligt und so ein rechtskonformer Zu-
stand geschaffen wird. Die Gebühr hält sich in vernünftigen Grenzen,
zumal sie wie gezeigt nicht einmal genau dem erbrachten Verwal-
tungsaufwand entsprechen müsste. Angesichts des nötig gewordenen
Aufwands zur Behandlung des Baugesuchs über mehrere Jahre hin-
weg ist die Gebühr auch im Vergleich zu sonst üblichen Gebühren für
andere Bauvorhaben sachlich vertretbar.
4.10 Schliesslich trifft es entgegen der rekurrentischen Behauptung
auch nicht zu, dass die Realisierung der fraglichen baulichen Anpas-
sungen mehrheitlich im Interesse der Politischen Gemeinde X._
liegt. Vielmehr wurde mit der Erteilung der Baubewilligung primär die
im wirtschaftlichen Interesse des Rekurrenten liegende Nutzung des
Grundstücks bewilligt. Mit der Baubewilligung wurde mithin ein rechts-
konformer Zustand auf dem Grundstück des Rekurrenten geschaffen,
woran dieser ein offenkundiges Interesse hat. Zur (nachträglichen)
Einholung einer Baubewilligung ist der Rekurrent zudem von Gesetzes
wegen verpflichtet, weshalb insgesamt die Erteilung der Baubewilli-
gung primär in seinem Interesse lag und er die Amtshandlung durch
Einreichung seines Baugesuchs zum eigenen Vorteil veranlasst hat.
Schliesslich ist durch nichts belegt, dass die angeblich überhöhte Ge-
bührenerhebung einzig auf eine Bestrafung des Rekurrenten zielen
könnte.
4.11 Insgesamt zeigt sich, dass die Gebühr von Fr. 5'000.– nicht zu
beanstanden und der Rekurs abzuweisen ist. Nicht näher einzugehen
ist auf die im Rekurs nur am Rand erwähnten "Kosten der Bauanzei-
gen" von Fr. 680.–, die "Gebühren des Kantons St.Gallen" von
Fr. 730.– und die "weitere Gemeindegebühr" von Fr. 400.–. Inwiefern
diese Gebühren unzulässig sein sollen, ist nicht ersichtlich und wurde
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 76/2020), Seite 11/11
im Rekurs – trotz gewährter Möglichkeit zur Rekursergänzung – auch
nicht begründet.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass weder die dem Rekurrenten an-
gesetzte Frist zur Ausführung bestimmter baulicher Vorkehrungen auf
seinem Grundstück noch die ihm zur Bezahlung auferlegte Gebühr
von Fr. 5'000. – zu beanstanden sind. Der Rekurs erweist sich deshalb
als unbegründet und ist abzuweisen.
6.
6.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 GebT).
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kos-
ten dem Rekurrenten zu überbinden.
6.2 Der vom Rekurrenten am 10. Februar 2020 geleistete Kosten-
vorschuss von Fr. 1'800.– ist anzurechnen.
7.
Begehren um Ersatz der ausseramtlichen Kosten wurden keine ge-
stellt, weshalb darüber nicht zu befinden ist.