Decision ID: b221a60c-51df-449b-99f0-dba0501c2716
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im März 2020 wegen psychischer Probleme zur Früherfassung
bei der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, dass sie seit März 2014 bei der
Spitex B._ als diplomierte Pflegefachfrau HF arbeite. Seit 1. September 2019 betrage
das Pensum 45%. Sie reichte die Lohnabrechnung für den Monat Februar 2020 ein (IV-
act. 2). Der Monatslohn betrug Fr. 3'129.--. Beim Früherfassungsgespräch vom
18. März 2020 teilte sie mit (IV-act. 4), dass sie sich am 14. November 2019
notfallmässig einer Gallenblasenoperation unterzogen habe. Sie habe die der Operation
vorausgegangenen Schmerzen aufgrund der privaten und beruflichen Situation und
eines im September 2019 begonnenen Studiums "auf die Psyche geschoben". Die
Operation sei der Auslöser für ihre psychischen Probleme gewesen. Sie sei bis vor
einer Woche für sechs Wochen in der Klinik C._ gewesen.
A.a.
Im gleichen Monat meldete sich die Versicherte zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 6). Sie gab an, dass sie von April 2004 bis September
2008 eine Ausbildung zur Pflegefachfrau HF absolviert habe. Seit März 2014 arbeite sie
bei der Spitex B._. Das Arbeitspensum betrage seit dem 1. September 2019 45%
und der Lohn Fr. 3'129.-- + Schichtzulagen. Sie habe im September 2019 ein
Teilzeitstudium für den Bachelor in Sozialer Arbeit an der Fachhochschule St. Gallen
begonnen. Seit dem 13. November 2019 sei sie vollständig arbeitsunfähig. Eine erste
depressive Phase habe sie im Jahr 2007 gehabt. Sie reichte einen Lebenslauf, das
Diplom zur Pflegefachfrau HF, Arbeitszeugnisse und eine Immatrikulationsbestätigung
A.b.
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der Fachhochschule St. Gallen für das Herbstsemester 2019 ein (IV-act. 9). Gemäss
den Arbeitszeugnissen hatte die Versicherte nach dem Abschluss der Ausbildung zur
Pflegefachfrau im September 2008 von März 2009 bis Juli 2009 in einem
Behindertenheim in England gearbeitet. Ab Oktober 2009 bis Juli 2013 hatte sie im
Wohn- und Pflegeheim D._ (Pensum 80%), ab September 2013 bis Dezember 2013
im E._ (Pensum 80%) und ab März 2014 bei der Spitex B._ als Pflegefachfrau
gearbeitet. Ab Januar 2018 bis August 2019 war sie bei der Spitex B._ auch als
Berufsbildnerin tätig gewesen. Das Arbeitspensum hatte bis März 2018 80%, ab April
2018 bis August 2019 90% und ab September 2019 45% betragen. Gemäss ihrem
Lebenslauf hatte die Beschwerdeführerin von Oktober 2016 bis April 2017 den CAS
Case Management absolviert.
Dr. med. F._, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am
28. April 2020 (IV-act. 17), die Versicherte sei seit dem 19. November 2019 vollständig
arbeitsunfähig. Er gab die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung ängstlich-
anankastisch-schizoid (ICD-10 F61), DD tiefgreifende Entwicklungsstörung (ICD-10
F84), an. Anamnestisch gebe es psychiatrische Beurteilungen ab 2006. Ab 2014
(Autounfall mit latent suizidalem Hintergrund) sei subjektiv ein anhaltender
Leidensdruck (ohne langandauernde Krankschreibungen, allerdings unter
Respektierung einer Arbeitsfähigkeitseinschränkung, nämlich einer bereits seit ca. 2006
bestehenden Unmöglichkeit, Infusionstherapien auszuführen) beschrieben worden.
A.c.
Fachpersonen der Klinik C._ berichteten am 16. April 2020 (IV-act. 25), die
Versicherte sei vom 29. Januar 2020 bis zum 10. März 2020 hospitalisiert gewesen. Sie
gaben die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), an. Sie hielten fest, die Versicherte sei vor dem
Hintergrund einer Erschöpfungsdepression bei einer komplexen
Selbstwahrnehmungsstörung in Kombination mit einer unsicheren Persönlichkeit und
einer traumatischen Vergangenheit zugewiesen worden. Der Einweisungszeitpunkt sei
mit einer starken psychophysischen Erschöpfung nach einer notfallmässigen Operation
bei einem Gallenblasen-Empyem zusammengefallen. Beim Austritt sei die Versicherte
weiterhin reduziert belastbar gewesen.
A.d.
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Die Spitex B._ teilte am 5. Mai 2020 mit (IV-act. 24), die Versicherte sei seit
1. März 2014 als Pflegefachfrau HF angestellt. Das Anstellungsverhältnis sei
ungekündigt. Der letzte Arbeitstag sei der 11. November 2019 gewesen. Der Lohn
betrage seit dem 1. September 2019 Fr. 3'091.15 monatlich. Ab Januar 2019 bis
August 2019 habe der Lohn Fr. 6'182.35 monatlich betragen.
A.e.
Am 12. Mai 2020 ging ein Bericht der Klinik G._ vom 6. März 2015 betreffend
eine tagesklinische Behandlung vom 26. Januar 2015 bis 6. März 2015 ein (IV-act. 26).
Fachpersonen hatten die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradig depressive Episode mit einem somatischen Syndrom (ICD-10
F33.11), und einer psychophysischen Erschöpfung (ICD-10 Z73.0) angegeben. Sie
hatten ausgeführt, die Versicherte habe geschildert, dass sie während der Ausbildung
zur Pflegefachfrau von einer Ausbildnerin "gemobbt" worden sei, sodass sie einen
Zusammenbruch erlitten habe und habe repetieren müssen. Die erste depressive
Episode habe sie im Februar 2007 erlitten. Die Klinik H._ reichte am 5. Juni 2020 den
Austritts- und Operationsbericht betreffend die Hospitalisierung vom 13. bis
20. November 2019 ein (IV-act. 28-30). Darin waren die Diagnosen einer gedeckt
perforierten Cholecystitis bei Cholezystolithiasis und einer Choledocholithiasis
angegeben und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 13. November 2019 bis
4. Dezember 2019 attestiert worden.
A.f.
Am 27. Juli 2020 berichtete eine Fachärztin der I._ AG (IV-act. 37), die
Versicherte sei vom 19. Mai 2020 bis zum 14. Juli 2020 hospitalisiert gewesen. Sie
nannte die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), eines Verdachts auf eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit unsicheren und anankastischen Anteilen (vordiagnostiziert,
ICD-10 F61) und sonstige nichtorganische Schlafstörungen (ICD-10 F51.8). Sie
attestierte für die Dauer des Aufenthalts und bis zum 31. Juli 2020 eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. In einem Verlaufsbericht vom 25. August 2020 betreffend eine
ambulante Behandlung im Anschluss an den stationären Aufenthalt gaben Fachärzte
der I._ AG dieselben Diagnosen an (IV-act. 40). Sie erwähnten, dass bei der
Versicherten bisher nicht ergründ- und therapierbare Ängste bei der Anwendung von
Infusionstherapien bestünden. Die geplante Wiederaufnahme des Studiums habe
krankheitsbedingt nicht realisiert werden können. Sie attestierten eine weiterhin
A.g.
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bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten. Dr. med. J._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete am 26. November 2020 (IV-act. 45), er
behandle die Versicherte seit dem 1. September 2020. Die Versicherte könne sich ein
Belastbarkeitstraining über die IV vorstellen. Er gab folgende Diagnosen an:
Rezidivierende depressive Episoden, aktuell mittelgradige depressive Episode (ICD-10
F33.1), spezifische Phobie (Infusion legen, entsprechend Examensangst, ICD-10 F40.2)
und akzentuierte Persönlichkeitszüge. Er attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit und eine 20%ige Arbeitsfähigkeit in einer ideal
adaptierten Tätigkeit; eine Erhöhung durch ein Belastbarkeitstraining sei möglich. Als
Adaptionskriterien nannte er keine langdauernden (über Monate) Patientenkontakte,
keine medizinischen Interventionen wie Infusionen legen und keine Schichtarbeit.
Dr. med. K._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 18. Dezember
2020 (IV-act. 49), der Gesundheitszustand der Versicherten sei insofern als stabil zu
beurteilen, als Dr. J._ eine 20%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
attestiert habe. Auf die von Dr. J._ formulierten Adaptionskriterien könne abgestützt
werden. Von einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf stabile 50% auf dem ersten
Arbeitsmarkt innert angemessener Zeit sei auszugehen.
A.h.
Am 14. Januar 2021 fand ein Assessmentgespräch statt (IV-act. 51). Die
Versicherte teilte mit (IV-act. 115), sie habe das Studium begonnen, weil sie von der
Spitex weggewollt habe. Sie habe das Problem betreffend Infusionstherapie
therapeutisch nicht "weggebracht". Die Eingliederungsverantwortliche erläuterte als
möglichen nächsten Schritt die Durchführung einer Integrationsmassnahme in einer
externen Institution. Gleichentags fragte die Versicherte per E-Mail nach, wie die
Taggeldleistungen berechnet und ob diese durch die Reduktion des Arbeitspensums
beeinflusst würden (IV-act. 53). Die Eingliederungsverantwortliche antwortete, dass die
Taggeldhöhe durch die Ausgleichskasse des Arbeitgebers berechnet werde. Es werde
"die Zahlung von den letzten zwei Jahren" berücksichtigt. Voraussichtlich gebe es die
gleiche Mischrechnung wie bei den Krankentaggeldern. Am 26. Februar 2021 erstellte
die Eingliederungsverantwortliche den Eingliederungsplan für ein Belastbarkeitstraining
(Integrationsmassnahme) der Versicherten bei der L._ AG vom 19. April 2021 bis zum
31. Juli 2021 (IV-act. 66). Die Versicherte unterzeichnete den Plan am 20. April 2021
(IV-act. 84). Das Belastbarkeitstraining hatte sie am Vortag begonnen.
A.i.
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B.
Dr. J._ berichtete am 20. April 2021 (IV-act. 81), die Diagnosen seien
gleichbleibend. Die Versicherte habe sich mit der beruflichen Situation weiter
auseinandergesetzt. Nachdem sie Kenntnis davon gehabt habe, dass sie ein
Belastbarkeitstraining beginnen könne, sei sie unruhiger, nachdenklicher und teilweise
instabiler geworden. Sie sei in eine Tag-Nacht-Umkehr geraten. Sie habe vor dem
Beginn des Trainings eine Reha machen wollen und habe sich deshalb ab Mitte März
bis Mitte April 2021 teilstationär in der Klinik G._ aufgehalten. Dr. J._ gab die
gleiche Arbeitsfähigkeitsschätzung wie im Bericht vom 26. November 2020 an.
Fachpersonen der Klinik G._ berichteten gleichentags über das vom 15. März 2021
bis 16. April 2021 durchgeführte ambulante integrative Behandlungsprogramm (IV-
act. 94). Sie gaben die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.10), einer spezifischen Phobie vor
Infusionen (ICD-10 F40.2) und einer Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1) an.
Die Versicherte habe bewusst am Vormittagsprogramm teilgenommen, um sich ihren
morgendlichen Antriebsschwierigkeiten zu stellen. Sie habe die Therapien zuverlässig
wahrgenommen. In den Einzelgesprächen sei jene langanhaltende Belastung deutlich
geworden, die die Versicherte durch die weiterhin bestehende Verbindung zu ihrem
Arbeitgeber erlebe. Ihren Wunsch, per Ende März eine endgültige Entscheidung
bezüglich ihrem Arbeitsverhältnis zu treffen, habe sie nicht erfüllen können.
A.j.
Am 29. April 2021 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für das
Belastbarkeitstraining (IV-act. 87). Im Feststellungsblatt Berufliche Massnahmen wurde
festgehalten (IV-act. 86), der Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit sei am 13. November 2019 eingetreten. Das Einkommen zur
Berechnung des Taggeldes betrage Fr. 37'093.80 (gemäss Fragebogen Arbeitgeber,
vgl. auch IV-act. 85-2: Fr. 3'091.15 x 12 = Fr. 37'093.80). Die Versicherte habe das
Pensum aufgrund des Studiums per 1. September 2019 auf 45% reduziert.
A.k.
Mit einer Verfügung vom 7. Juni 2021 sprach die IV-Stelle der Versicherten für die
Dauer der Eingliederungsmassnahme vom 19. April 2021 bis 1. August 2021 ein
Taggeld in der Höhe von Fr. 82.40 zu (IV-act. 95). Als massgebendes
Jahreseinkommen bezeichnete sie einen Betrag von Fr. 37'577.13.
A.l.
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Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 7. Juli 2021 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 7. Juni 2021 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Rückweisung der Sache zur Neuberechnung an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin). Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. In der Begründung bemerkte er vorab, die Beschwerdeführerin
wünsche eine materiellrechtliche Beurteilung der Sache, sollte das Gericht eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs feststellen. Bestritten werde die Höhe des Taggelds.
Die Beschwerdegegnerin hätte bei der Berechnung nicht auf das Erwerbseinkommen
bei einem Pensum von 45%, sondern auf dasjenige bei einem Pensum von 90%
abstellen müssen. Die Auffassung der Beschwerdegegnerin, dass der
Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit am 13. November 2019
eingetreten sei, sei falsch. Die Beschwerdeführerin leide bereits seit der Ausbildung an
einer psychischen Erkrankung. Diese habe bereits vor dem 13. November 2019
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gehabt: Der Arbeitgeber habe den Arbeitsplatz
adaptieren müssen, damit die Beschwerdeführerin ihrem Beruf habe nachgehen
können. Die Beschwerdeführerin habe bereits 2016/2017 versucht, sich mit dem CAS
Case Management umzuschulen. Einen massgebenden Einfluss auf das
Arbeitspensum habe der erneute Versuch einer Umschulung im September 2019
gehabt, als die Beschwerdeführerin ein Studium der Sozialen Arbeit aufgenommen und
das Pensum auf 45% reduziert habe. Die Beschwerdeführerin habe versucht, von
ihrem angestammten Beruf und ihrem Arbeitsplatz wegzukommen. Wesentlich sei die
leidensbedingte Einschränkung der Erwerbstätigkeit "durch die Pensumreduktion per
1. September 2019". Bis am 31. August 2019 habe die Beschwerdeführerin zwar
bereits jahrelang an ihrer psychischen Erkrankung gelitten, mit einer Adaption des
Arbeitsplatzes habe sie jedoch ohne einen Einfluss auf das Erwerbseinkommen
arbeiten können. Auch aufgrund einer analogen Anwendung des Art. 21 Abs. 5 IVV
sei bei der Bemessung des Taggelds auf das Einkommen vor der Pensumreduktion
abzustellen: Die Beschwerdeführerin hätte kein Studium der Sozialen Arbeit
aufgenommen, würde sie nicht an einer psychischen Erkrankung leiden. Sie hätte
vielmehr in ihrem Beruf als Pflegefachfrau gearbeitet. Selbst wenn es korrekt wäre,
dass der Gesundheitsschaden am 13. November 2019 eingetreten sei, müsste das
B.a.
bis
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massgebende Einkommen auf der Basis des 90%igen Pensums ermittelt werden: Bei
Art. 21 und 21 IVV handle es sich um eine nicht abschliessende Regelung zur
Ermittlung des letzten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten
Erwerbseinkommens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 5. Mai 2020, IV 2019/88 und IV 2020/22). Nachdem die Beschwerdeführerin seit
2009 ein deutlich höheres Einkommen erzielt habe, sei es nicht aussagekräftig und
nicht sachgerecht, lediglich auf den kurzen Zeitraum nach der Reduktion des Pensums
abzustellen. Der Rechtsvertreter reichte eine E-Mail von Dr. med. M._, Fachärztin für
Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, an Dr. med. N._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, vom 18. September 2015 (act. G 1.1.12), Protokolle von
Mitarbeitergesprächen vom 14. September 2016 und 12. Mai 2017 (act. G 1.1.13,
1.1.15) sowie eine Rückkehrgespräch-Checkliste der Spitex B._ vom 15. März 2017
(act. G 1.1.14) ein. Dr. M._ hatte Dr. N._ am 18. September 2015 mitgeteilt, sie
begleite die Beschwerdeführerin seit Jahren. Diese habe 2007 einen ersten
depressiven Zusammenbruch erlitten. Am 11. Juli 2014 habe sie einen Selbstunfall auf
der Autobahn gehabt. Ab November 2014 sei sie zunehmend depressiv geworden und
habe sich vom 26. Januar 2015 bis 6. März 2015 in einer tagestherapeutischen
Behandlung in der Klinik G._ befunden. Sie habe die Arbeit anschliessend wieder
aufgenommen und sei nun erneut in eine depressive Krise gefallen. Sie bitte um eine
Aufbietung der Beschwerdeführerin zu einer traumaspezifischen Abklärung. Im
Protokoll des Mitarbeitergesprächs vom 14. September 2016 war festgehalten worden,
die Infusionstherapie sei für die Beschwerdeführerin weiterhin ein emotionales
Problem. Sie habe jedoch Strategien entwickelt, wie sie eine sichere Pflege
gewährleisten könne. Zudem werde sie sich in einem anderen Bereich weiterbilden. In
der Rückkehrgespräch-Checkliste war angegeben worden, die Beschwerdeführerin
werde bis auf weiteres keinen Pikett- und Reservedienst machen. Diese Angabe hatte
auch das Protokoll des Mitarbeitergesprächs vom 12. Mai 2017 enthalten. Im Weiteren
war festgehalten worden, die Beschwerdeführerin habe den CAS Case Management
nicht abschliessen können. Sie habe die Frist für den Abschluss bis zum Herbst 2017
verlängert.
bis ter
Das Belastbarkeitstraining wurde per 8. Juli 2021 beendet (vgl. die Mitteilung vom
16. Juli 2021, IV-act. 120). Im Schlussbericht der L._ AG vom 14. Juli 2021 wurde
B.b.
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festgehalten (IV-act. 117), die Versicherte verfüge aktuell nicht über genügende
Ressourcen, um die Vergangenheit aufzuräumen und dabei parallel die berufliche
Wiedereingliederung voranzutreiben. Sie werde sich vorerst noch einmal ihrer
gesundheitlichen Situation widmen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. September 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung machte sie geltend, gemäss dem IK-Auszug
habe die Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit trotz der vorgebrachten
Einschränkungen längerfristig bei verschiedenen Arbeitgebern ausüben können. Aus
den medizinischen Akten ergebe sich für die Zeit der Reduktion des Arbeitspensums
per 1. September 2019 keine Arbeitsunfähigkeit. Dem Entscheid, ein Studium
aufzunehmen, möge zwar der Gedanke zugrunde gelegen haben, in Zukunft eine
andere Tätigkeit als die bisherige auszuüben. Dass dieser Schritt aus gesundheitlichen
Gründen gewählt worden sei, ergebe sich jedoch nicht aus den Akten. Erst am
13. November 2019 sei es zu einer Arbeitsunfähigkeit gekommen. Die
Beschwerdeführerin habe den Entscheid, das Pensum auf 45% zu reduzieren,
überwiegend wahrscheinlich nicht aufgrund der psychischen Erkrankung gefällt,
sondern damit sie mehr Zeit für das Studium gehabt habe. Bei dem zur Ermittlung des
Taggelds massgebenden Erwerbseinkommen sei zu Recht auf das Arbeitspensum von
45% abgestellt worden.
B.c.
Mit einer Replik vom 22. November 2021 liess die Beschwerdeführerin an den
gestellten Anträgen festhalten (act. G 9). Ihr Rechtsvertreter brachte vor, die
Feststellungen der Beschwerdegegnerin seien grösstenteils tatsachenwidrig und somit
falsch. Die Beschwerdeführerin leide nachweislich schon seit der Ausbildung an einer
psychischen Beeinträchtigung. Ihre Tätigkeit bei der Spitex B._ habe sie nur
aufgrund des Entgegenkommens des Arbeitgebers mit einer Adaption der
Arbeitstätigkeit ausüben können. Die Umschulungsbemühungen seien auch in den
therapeutischen Behandlungen thematisiert worden (vgl. Berichte Praxis Dr. O._ und
Bericht von Dr. N._). Dr. F._ habe klar festgehalten, von einem freien Entscheid der
Beschwerdeführerin zugunsten eines Studiums könne nicht gesprochen werden. Auch
die Spitex B._ habe bestätigt, dass die Beschwerdeführerin trotz der Anpassungen
bei der Arbeit immer wieder einem massiven Leidensdruck ausgesetzt gewesen sei.
Die Reduktion des Arbeitspensums per 1. September 2019 sei ausschliesslich
B.d.
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leidensbedingt gewesen, weshalb bei der Bemessung des Taggelds auf das
Einkommen abzustellen sei, das die Beschwerdeführerin ohne ihre Erkrankung erzielt
hätte. Dabei handle es sich um das Einkommen vor der Pensumreduktion von
Fr. 82'364.-- brutto (vgl. Lohnabrechnungen September 2018 bis August 2019, act.
G 9.17). Gemäss den Einträgen in der elektronischen Patientendokumentation der
Praxis Dr. O._ vom 9. Januar 2018, 24. Januar 2018 und 14. Februar 2018 (act.
G 9.6-9.8) hatte die Beschwerdeführerin angegeben, ihr Job sei eine "Hassliebe".
Einige Tätigkeiten, vor allem Infusionstherapien, könne sie wegen Blockaden nicht
ausüben. Sie möchte herausfinden, was therapeutisch und beruflich möglich sei.
Dr. N._ hatte am 2. November 2021 berichtet (act. G 9.9), er habe die
Beschwerdeführerin ab Oktober 2015 bis September 2017 behandelt. Er habe
rezidivierende depressive Störungen, im Ausmass mittelgradig (ICD-10 F33.1), eine
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und eine adulte Aufmerksamkeits-
Defizit-Störung mit geringer Hyperaktivität (DSM 5 F90.2, ICD-10 F90.0) diagnostiziert.
Die Beschwerdeführerin sei krankheitsbedingt nie in der Lage gewesen, ein 100%
Pensum zu bewältigen. Während Phasen von psychischer Destabilisierung habe sie ihr
Pensum zudem reduzieren müssen (ab 29. Januar 2017 bis 13. Februar 2017 50%ige
Arbeitsunfähigkeit und ab 14. Februar 2017 bis 21. März 2017 40%ige
Arbeitsunfähigkeit bei einem Pensum von 80%). Die Beschwerdeführerin sei in ihrer
Tätigkeit bei der Spitex eingeschränkt gewesen (keine Durchführung von
Infusionstherapien, kein Pikettdienst, eingeschränkte Schichtarbeit). Das
Entgegenkommen der Arbeitgeberin habe bei der Beschwerdeführerin wiederum zu
einer Verstärkung der Selbstzweifel und zu einer Selbstunsicherheit geführt. Ein
Berufswechsel sei von Therapiebeginn an ein zentrales Thema gewesen. Dr. F._
hatte am 22. Oktober 2021 mitgeteilt (act. G 9.10), er habe die Beschwerdeführerin ab
November 2018 bis Mai 2020 behandelt, also auch zum Zeitpunkt der
Pensumreduktion von 90% auf 45%. Er habe den Plan, das chronifiziert schwierige,
belastete Anstellungsverhältnis zugunsten eines Studiums zu reduzieren, unterstützt.
Von einem freien Entscheid der Beschwerdeführerin könne nicht gesprochen werden,
da diese aus einer jahrelangen Position psychischen Leidens heraus gehandelt habe
(vgl. diverse vorausgehende Therapien ab 2006). Die Spitex B._ hatte am 15. Oktober
2021 berichtet (act. G 9.14), die Beschwerdeführerin sei während ihrer gesamten
Anstellung nie in der Lage gewesen, jegliche Tätigkeiten im Bereich der i.v. (gemeint
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Erwägungen
1.
wohl: intravenösen) Therapie zu übernehmen. Der Arbeitsplatz habe dem angepasst
werden können. Dies wiederum habe bei der Beschwerdeführerin zu massiven
Defizitgefühlen gegenüber ihren Arbeitskolleginnen geführt. Aufgrund der Medikation
der Beschwerdeführerin sei ihr Dienstplan angepasst worden. Die Übernahme des
Pikett- und Reservedienst sei ihr nicht möglich gewesen. Ebenfalls habe sie weniger
Schichtarbeit übernehmen müssen. Trotz der Anpassungen habe die
Beschwerdeführerin immer wieder einen massiven Leidensdruck verbalisiert.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1. Dezember 2021 auf eine Duplik (act.
G 11).
B.e.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen holte bei der Ausgleichskasse
des Sozialversicherungszentrums Thurgau die Akten betreffend die Bemessung des
Taggeldes ein (act. G 13-15). Am 22. Februar 2022 bat es die Beschwerdegegnerin zu
begründen, weshalb das massgebende Jahreseinkommen in der Verfügung vom
7. Juni 2021 auf Fr. 37'577.13 festgelegt worden sei (act. G 17). Die
Beschwerdegegnerin teilte am 25. April 2022 unter Beilage eines Schreibens der
Ausgleichskasse des Sozialversicherungszentrums Thurgau vom 20. April 2022 mit
(act. G 23, 23.1), das Jahreseinkommen 2019, welches gemäss dem
Arbeitgeberfragebogen Fr. 37'093.80 betragen habe, sei anhand der
Nominallohnentwicklung auf das Jahr 2021 (Faktor 1.303%) hochgerechnet worden,
was einen Betrag von Fr. 37'577.13 ergeben habe.
B.f.
Gemäss Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) haben die Parteien eines Sozialversicherungsver
fahrens Anspruch auf rechtliches Gehör. Vor dem Erlass von Verfügungen, die durch
Einsprache anfechtbar sind, müssen sie nicht angehört werden. Verfügungen der IV-
Stellen unterliegen nicht dem Einspracheverfahren, sondern sind direkt vor dem
Versicherungsgericht anfechtbar (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Die Parteien müssen daher vor dem Erlass
einer IV-Verfügung angehört werden. Gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG teilt die IV-Stelle der
versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder
1.1.
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den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels
Vorbescheid mit. Die Vorbescheidspflicht gilt also ausnahmslos. Der Verordnungsgeber
hat sie ungeachtet dessen in Art. 73 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) auf die Fragen, die (intern) in den
Aufgabenbereich der IV-Stellen (Art. 57 Abs. 1 lit. c-f IVG) fallen, beschränkt. In diesen
(internen) Aufgabenbereich fallen weder die betragsmässige Festsetzung der
Invalidenrenten noch die Festlegung von Taggeldern; diese Aufgaben übernehmen
(intern) die Ausgleichskassen. Das Bundesgericht hat Art. 73 Abs. 1 IVV trotz dieser
Abweichung von Art. 57a Abs. 1 IVG als gesetzmässig qualifiziert (BGE 134 V 101 E. 2).
Nun hat die Beschwerdegegnerin aber wohl übersehen, dass das rechtliche Gehör
auch dann zu gewähren ist, wenn kein Vorbescheidverfahren durchgeführt werden
muss (BGE 134 V 107 E. 2.8.2). Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin
vor dem Erlass der angefochtenen Taggeldverfügung vom 7. Juni 2021 kein rechtliches
Gehör gewährt. Dadurch hat sie Art. 42 ATSG missachtet.
bis
bis
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des Anspruchs
führt grundsätzlich ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache
selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung (BGE 126 V 131 E. 2b, 124 V 389
E. 1). Gemäss der Rechtsprechung des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
ist das Ignorieren ("Heilen") dieses Verfahrensmangels allerdings möglich, wenn die
beschwerdeführende versicherte Person nicht ausdrücklich erklärt, sie verlange nur die
rein verfahrensrechtliche Beurteilung und damit die Aufhebung der Verfügung und die
Rückweisung zum Erlass einer neuen Verfügung (vgl. Entscheide des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Dezember 2007, IV 2007/94 und
IV 2007/217 E. 1; vom 13. Juli 2017, IV 2014/196 E. 1; vom 5. Mai 2020, IV 2019/88
und IV 2020/22 E. 2). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat zwar den
Eventualantrag der Aufhebung der Verfügung vom 7. Juni 2021 und der Rückweisung
der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Gewährung des rechtlichen Gehörs gestellt.
Im Hauptantrag hat er jedoch die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Neuberechnung des Taggelds
beantragt. Dieser hat sich also auf eine materiellrechtliche Beurteilung der Sache durch
das Gericht bezogen. In der Begründung hat der Rechtsvertreter explizit festgehalten,
die Beschwerdeführerin wünsche die materiellrechtliche Beurteilung der Sache, sollte
das Gericht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs feststellen. Die Beschwerdeführerin
hat also gerade nicht die rein verfahrensrechtliche Beurteilung der Sache verlangt. Die
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist daher ausnahmsweise zu
ignorieren, das heisst die angefochtene Verfügung vom 7. Juni 2021 ist
materiellrechtlich zu beurteilen.
1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/19
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2.
Versicherte haben während der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen
nach Art. 8 Abs. 3 IVG Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei
aufeinanderfolgenden Tagen wegen der Massnahme verhindert sind, einer Arbeit
nachzugehen, oder wenn sie in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50%
arbeitsunfähig sind (Art. 22 Abs. 1 IVG). Zu den Eingliederungsmassnahmen gehören
gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung. Die Grundentschädigung beträgt 80% des letzten ohne eine
gesundheitliche Einschränkung erzielten Erwerbseinkommens, jedoch nicht mehr als
80% des Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (Art. 23 Abs. 1 IVG).
Grundlage für die Ermittlung des Erwerbseinkommens bildet das durchschnittliche
Einkommen, von dem Beiträge nach dem AHVG erhoben werden (massgebendes
Einkommen, Art. 23 Abs. 3 IVG).
2.1.
bis
Der Bundesrat hat gestützt auf seine Vollzugskompetenz (Art. 86 Abs. 2 IVG) in der
Verordnung über die Invalidenversicherung konkretisiert, wie das massgebende
Einkommen im Sinne von Art. 23 Abs. 1 IVG zu ermitteln ist. Demnach ist zwischen
Versicherten mit einem regelmässigen Einkommen und Versicherten mit einem
unregelmässigen Einkommen zu unterscheiden. Personen, die in einem auf Dauer
angelegten Arbeitsverhältnis stehen und deren Einkommen keinen starken
Schwankungen ausgesetzt ist, gelten als Versicherte mit einem regelmässigen
Einkommen (Art. 21 Abs. 1 IVV). Ein auf Dauer angelegtes Arbeitsverhältnis liegt vor,
wenn es unbefristet ist oder für mindestens ein Jahr eingegangen wurde (Art. 21 Abs.
2 IVV). Das massgebende Einkommen wird auf den Tag ausgerechnet. Es wird wie
folgt ermittelt: Für Versicherte mit Monatslöhnen wird der letzte ohne gesundheitliche
Einschränkungen erzielte Monatslohn mit zwölf vervielfacht. Dem ermittelten
Jahreslohn wird ein allfälliger 13. Monatslohn hinzugerechnet. Der so ermittelte
Jahresverdienst wird durch 365 geteilt (Art. 21 Abs. 3 lit. a IVV; zu den weiteren
Berechnungsmethoden für Versicherte mit Stundenlöhnen und für anders entlöhnte
Versicherte vgl. Art. 21 Abs. 3 lit. b und c IVV; zur Ermittlung des massgebenden
Einkommens bei Versicherten mit unregelmässigem Einkommen vgl. Art. 21 IVV).
Lohnbestandteile, die zwar regelmässig, jedoch nur einmal im Jahr oder in
mehrmonatigen Abständen ausbezahlt werden, wie Provisionen und Gratifikationen,
werden zu dem nach Abs. 3 ermittelten massgebenden Einkommen hinzugezählt
(Art. 21 Abs. 4 IVV).
2.2.
bis
bis
bis
bis
ter
bis
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3.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 7. Juni 2021 hat die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin für die Dauer des Belastbarkeitstrainings vom 19. April 2021
bis 1. August 2021 ein Taggeld von Fr. 82.40 zugesprochen. Der grundsätzliche
Anspruch der Beschwerdeführerin auf Taggelder während der Zeit der Durchführung
des Belastbarkeitstrainings ist zu Recht unbestritten geblieben: Das
Belastbarkeitstraining bei der L._ AG ist eine Integrationsmassnahme gemäss Art. 8
Abs. 3 lit. a i.V.m. Art. 14a IVG gewesen, für die gemäss Art. 22 Abs. 1 IVG ein
Taggeldanspruch (grosses Taggeld) bestanden hat. Im Weiteren ist gestützt auf die von
Dr. J._ am 20. April 2021 attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit
als diplomierte Pflegefachfrau HF (IV-act. 81) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt, dass während der Durchführung des Belastbarkeitstrainings eine mindestens
50%ige Arbeitsunfähigkeit in der gewohnten Tätigkeit, also in der Erwerbstätigkeit (vgl.
BGE 146 V 279 E. 6.1), bestanden hat.
3.1.
bis
Die Beschwerdegegnerin ist bei der Berechnung des Taggeldanspruchs von einem
massgebenden Jahreseinkommen von Fr. 37'577.13 ausgegangen. Sie hat dazu den
ab 1. September 2019 bei einem Pensum von 45% erzielten Monatslohn von
Fr. 3'091.15 auf 12 Monate hochgerechnet und der Nominallohnentwicklung für das
Jahr 2021 angepasst (Fr. 3'091.15 x 12 = Fr. 37'093.80 x 0.01303; vgl. die Angaben im
Arbeitgeberfragebogen, IV-act. 24, sowie act. G 23, 23.1). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, das massgebende Jahreseinkommen sei
das bis 31. August 2019 bei einem Pensum von 90% erzielte Einkommen von
Fr. 82'364.-- brutto. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin das
massgebende Jahreseinkommen zu Recht auf Fr. 37'577.13 festgelegt hat.
3.2.
Gemäss Art. 23 Abs. 1 IVG bildet das letzte ohne gesundheitliche Einschränkungen
erzielte Erwerbseinkommen die Bemessungsgrundlage für das Taggeld. Zu prüfen ist
also, wann der Gesundheitsschaden mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eingetreten ist. Die Beschwerdeführerin hat sich seit dem Jahr 2007 immer wieder in
psychiatrischer Behandlung befunden und ist in Phasen stärkerer gesundheitlicher
Belastungen in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen, so während einer
tagesklinischen Behandlung in der Klinik G._ vom 26. Januar 2015 bis 6. März 2015
(IV-act. 26) und ab 29. Januar 2017 bis 21. März 2017 (teilweise Arbeitsunfähigkeit, vgl.
act. G 9.9; vgl. auch die Rückkehrgespräch-Checkliste der Spitex B._ vom 15. März
2017, act. G 1.1.14). Die Spitex B._, bei der die Beschwerdeführerin seit dem 1. März
2014 angestellt gewesen ist, hat auf die Einschränkungen der Beschwerdeführerin,
insbesondere die Blockade bei der Durchführung von Infusionstherapien, Rücksicht
3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/19
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genommen und die Arbeitseinsätze der Beschwerdeführerin entsprechend angepasst
(act. G 9.14). Das erzielte Erwerbseinkommen hat trotz der Rücksichtnahme der
Arbeitgeberin auf die Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin im branchenüblichen
Rahmen gelegen (vgl. den statistischen Lohnrechner 2018 des Bundesamts für
Statistik, wonach der Zentralwert des Einkommens für Frauen im Alter von 34 Jahren in
Assistenzberufen im Gesundheitswesen, Region Ostschweiz, ohne Kaderfunktion, mit
zehn Dienstjahren und einer wöchentlichen Arbeitszeit von 42 Stunden inkl.
13. Monatslohn Fr. 6'251.-- betragen hat; vgl. auch die Ausführungen des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, dass die Adaption des Arbeitsplatzes ohne
Einfluss auf das Erwerbseinkommen geblieben sei, act. G 1 S. 6). Eine relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist damit nicht erkennbar.
Ab dem 13. November 2019 ist die Beschwerdeführerin wegen einer notfallmässigen
Gallenblasenoperation mit einer anschliessenden starken psychophysischen
Erschöpfung vollständig arbeitsunfähig gewesen. Der Gesundheitsschaden mit einer
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist damit am 13. November 2019 eingetreten. Die
Auffassung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, wesentlich sei die
leidensbedingte Einschränkung der Erwerbstätigkeit "durch die Pensumreduktion per
1. September 2019", vermag nicht zu überzeugen. Am Gesundheitszustand und an der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat sich im Zeitpunkt der Pensumreduktion
nämlich nichts geändert. Aufgrund der Akten ist zwar nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin den Entschluss zur Aufnahme des Studiums der Sozialen Arbeit
gefällt hat, um mittelfristig von der Tätigkeit als Pflegefachfrau bei der Spitex
wegzukommen, da sie unter den Einschränkungen am Arbeitsplatz gelitten hat (vgl. IV-
act. 17, act. G 9.9, 9.14). Selbst wenn die Beschwerdeführerin die neue Ausbildung aus
gesundheitlichen Gründen begonnen und damit versucht hat, sich selbstständig in
einen ihren gesundheitlichen Beeinträchtigungen besser angepassten Beruf
einzugliedern, ist dies für die Bestimmung des massgebenden Erwerbseinkommens
i.S.v. Art. 23 Abs. 1 IVG aber nicht relevant. Sinn und Zweck von Art. 23 Abs. 1 IVG ist
nämlich einzig der Ersatz desjenigen effektiven Einkommens, das infolge der
Eingliederungsmassnahme nicht erzielt werden kann (BGE 146 V 286 E. 6.4, vgl. auch
die Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. August
2020, IV 2019/134 E. 2.1, und vom 22. September 2020, IV 2019/266 E. 1.2, wonach
das versicherte Gut gemäss Art. 23 Abs. 1 IVG das Erwerbseinkommen ist, das die
versicherte Person ohne die Verhinderung durch die berufliche
Eingliederungsmassnahme erzielen würde). Art. 21 Abs. 3 lit. a bis c IVV sieht
dementsprechend vor, dass bei Personen mit einem regelmässigen Einkommen der
letzte Monatslohn bzw. der in der letzten normalen Arbeitswoche erzielte Stundenlohn
bzw. der in den letzten vier Wochen erzielte Lohn die Berechnungsgrundlage für das
bis
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massgebende Jahreseinkommen bildet. Wäre die Beschwerdeführerin ab dem
13. November 2019 nicht arbeitsunfähig erkrankt, hätte sie weiterhin bei der Spitex
B._ zu 45% gearbeitet und wäre dem Studium nachgegangen. Das für den
Taggeldanspruch massgebende Einkommen ist deshalb das unmittelbar vor dem
Eintritt des Gesundheitsschadens am 13. November 2019 erzielte Erwerbseinkommen.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, in analoger
Anwendung des Art. 21 Abs. 5 IVV sei bei der Bemessung des Taggelds auf das
Einkommen vor der Pensumreduktion abzustellen, denn die Beschwerdeführerin hätte
kein Studium der Sozialen Arbeit aufgenommen, würde sie nicht an einer psychischen
Erkrankung leiden; sie hätte vielmehr in ihrem Beruf als Pflegefachfrau gearbeitet.
Art. 21 Abs. 5 IVV sieht vor, dass wenn eine versicherte Person glaubhaft macht,
dass sie während der Zeit der Eingliederung ohne Eintritt der Invalidität eine andere als
die zuletzt ohne gesundheitliche Einschränkung ausgeübte Erwerbstätigkeit
aufgenommen hätte, sich das Taggeld nach dem Verdienst bemisst, der mit dieser
neuen Tätigkeit erzielt worden wäre. Art. 21 Abs. 5 IVV als Art. 23 IVG
konkretisierende Norm stellt also ebenfalls auf den Zeitpunkt des Eintritts des
Gesundheitsschadens ab. Dieser ist am 13. November 2019 eingetreten und nicht mit
der Pensumreduktion per 1. September 2019 (vgl. E. 3.3). Das Vorbringen des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin ist damit nicht relevant, weshalb nicht weiter
darauf einzugehen ist.
3.4. bis
bis
bis
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat vorgebracht, selbst wenn es
korrekt wäre, dass der Gesundheitsschaden am 13. November 2019 eingetreten sei,
müsste das massgebende Einkommen auf der Basis des 90%igen Pensums ermittelt
werden. Bei Art. 21 und 21 IVV handle es sich um eine nicht abschliessende
Regelung zur Ermittlung des letzten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten
Erwerbseinkommens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 5. Mai 2020, IV 2019/88 und IV 2020/22). Es sei nicht aussagekräftig und nicht
sachgerecht, bei der Bemessung des Taggelds lediglich auf den kurzen Zeitraum nach
der Reduktion des Pensums abzustellen, nachdem die Beschwerdeführerin seit 2009
ein deutlich höheres Einkommen erzielt habe. Das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen hatte im Entscheid IV 2019/88 und IV 2020/22 vom 5. Mai 2020 einen
Sachverhalt zu beurteilen, in welchem der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Eintritts
des Gesundheitsschadens seit knapp sieben Wochen bei einem Arbeitgeber in einem
befristeten Anstellungsverhältnis im Stundenlohn angestellt und davor während
fünfeinhalb Wochen nicht erwerbstätig gewesen war. Die Berechnung des
massgebenden Jahreseinkommens gemäss Art. 21 Abs. 1 und 2 IVV (das während
3.5.
bis ter
ter
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4.
Zu prüfen bleibt, ob die Berechnung der Taggeldhöhe korrekt gewesen ist. Der
Monatslohn der Beschwerdeführerin hat ab 1. September 2019 Fr. 3'091.15 betragen
(IV-act. 24). Die Lohnabrechnung für den Oktober 2019 liegt nicht in den Akten. Aus
den Lohnabrechnungen September 2018 bis August 2019 ist ersichtlich, dass der
Beschwerdeführerin regelmässig Entschädigungen für Pikettdienste sowie Nacht- und
Wochenendzuschläge ausgerichtet worden sind (act. G 9.17). Im Dezember 2018 ist ihr
zudem ein 13. Monatslohn ausgerichtet worden. Sofern im Oktober 2019
Entschädigungen für Pikettdienste sowie Nacht- und Wochenendzuschläge
ausgerichtet worden sind, sind diese in einem durchschnittlichen Umfang zum
Monatslohn von Fr. 3'091.15 hinzuzurechnen (Art. 21 Abs. 4 IVV). Auch ein
13. Monatslohn ist hinzuzurechnen (Art. 21 Abs. 3 lit. a IVV). Die Sache ist deshalb
zur weiteren Abklärung betreffend das im Oktober 2019 erzielte Erwerbseinkommen
sowie betreffend die Ausrichtung eines 13. Monatslohns im Jahr 2019 an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin (respektive die
Ausgleichskasse des Sozialversicherungszentrums Thurgau) hat das von ihr errechnete
Einkommen 2019 der Nominallohnentwicklung für das Jahr 2021 angepasst. Gemäss
dem Kreisschreiben über die Taggelder in der Invalidenversicherung (KSTI, Stand
1. Januar 2021), Rz 3049, müssen Anpassungen des Erwerbseinkommens sowohl bei
der erstmaligen Festsetzung des massgebenden Jahreseinkommens als auch bei einer
Anpassung während der Eingliederung (Lohnerhöhungen, Anpassungen an die
Teuerung) durch den früheren Arbeitgeber ausgewiesen sein. Nur wenn keine Angaben
erhältlich sind, kann eine Anpassung aufgrund der Lohnverhältnisse in vergleichbaren
der letzten drei [bis zwölf] Monate ohne gesundheitliche Einschränkung erzielte
Erwerbseinkommen) hätte nicht das letzte ohne gesundheitliche Einschränkung erzielte
Erwerbseinkommen im Sinne von Art. 23 Abs. 1 IVG widergespiegelt. Das Gericht hatte
deshalb auf den arbeitsvertraglich vereinbarten Stundenlohn bei einem Pensum von
80% abgestellt. Im Unterschied dazu sieht die Vollzugsbestimmung des Art. 21
Abs. 3 lit. a und Abs. 4 IVV eine geeignete Methode zur Bemessung des
massgebenden Jahreseinkommens für den vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt
vor: Bei der Anstellung der Beschwerdeführerin bei der Spitex B._ hat es sich um ein
unbefristetes und damit ein auf Dauer angelegtes Arbeitsverhältnis gehandelt (vgl.
Art. 21 Abs. 1 und 2 IVV). Die Beschwerdeführerin ist im Monatslohn angestellt
gewesen und das Einkommen ist keinen starken Schwankungen unterworfen gewesen
(vgl. Art. 21 Abs. 1 IVV und die Lohnabrechnungen September 2018 bis August 2019,
act. G 9). Massgebend zur Ermittlung des massgebenden Jahreseinkommens ist
deshalb Art. 21 Abs. 3 lit. a und Abs. 4 IVV.
bis
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Betrieben oder anhand von Lohnstatistiken vorgenommen werden. Die
Beschwerdegegnerin hätte also bei der Spitex B._ abklären müssen, ob sich das
Einkommen der Beschwerdeführerin im Jahr 2021 erhöht hätte (im Jahr 2020 ist der
Monatslohn auf Fr. 3'129.-- erhöht worden, IV-act. 2; möglicherweise ist der
Monatslohn im Jahr 2021 also nochmals erhöht worden). Da sie dies unterlassen hat,
ist die Sache ist auch für diese Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Anschliessend wird sie das massgebende Jahreseinkommen neu berechnen und
gestützt darauf das Taggeld neu festsetzen.
5.