Decision ID: 43b1f551-aef3-4252-84b5-9140686cad92
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
3
0, und ihr Ehemann
Z._
, geboren 1928
,
reis
ten am
1.
Juni 2016 aus Spanien in die Schweiz ein und
meldeten sich am
1
2.
August 2016
zum Bezug von Zusatzleistungen zur Altersrente an (Urk.
17
/2).
Am 1
7.
Januar 2017 verstarb
Z._
(vgl.
Urk.
17/47).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich
(
nachfolgend
SVA), Zusatz
leistungen zur AHV/IV,
sprach
X._
und
Z._
mit
Verfü
gungen
vom
2
5.
April 2017
(
Urk. 17/62 und
Urk.
17/64)
mo
nat
li
che Ergänzungsleistungen mit Wirkung ab Juni 201
6
zu, wobei sie
für (nicht selbstbewohntes) Grundeigentum einen Betrag von Fr. 252'769.-- sowie einen Liegenschaftsertrag von
Fr.
12'638.-- anrechnete (vgl. Berechnungs
blätter,
Urk.
17/66-77
).
Dagegen erhob d
i
e
Versi
cher
te am 15.
Mai 2017
Einsprache (Urk.
17/
8
7
).
Mit Entscheid
vom
1
4.
Juni 2018 hiess d
ie
SVA
, Zusatzleistungen zur AHV/IV,
die Einsprache
teilweise gut
, wobei sie das Grundeigentum mit
Fr.
117'058.--
bezifferte,
ein Verzichtsvermögen von
Fr.
56'303.-- für das Jahr 2016 respektive Fr. 46'303.-- für das Jahr 2017 berück
sichtigte und einen Liegenschaftsertrag von
Fr.
11'465.-- anrechnete
(Urk.
17/128
= Urk.
2
).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
1
4.
Juni 2018
(
Urk.
2)
erhob d
ie
Versi
cherte am
1
1.
August 2018
Be
schwerde (
Urk.
1) und beantragt
e, die
se
r sei
so
anzupas
sen, dass kein Verzichtsvermögen für das eingeräumte Wohnrecht anzurechnen, das wohnrechtsbelastete Vermögen nicht in die Berechnung einzubeziehen und kein Liegenschaftsertrag (eventuell ein ortsüblicher tieferer Ertragswert für Dau
ermieten) anzurechnen sei (S. 1
Ziff.
1-3). Zudem sei auch für das Jahr 2016 eine Neuberechnung vorzunehmen (S. 1
Ziff.
4).
Mit Vernehmlassung vom
6.
Dezem
ber 2018
beantrag
te die Beschwerdegegnerin
die teilweise Gutheissung
der Beschwerde (
betreffend Neuberechnung von Juni bis Dezember 2016,
Urk.
14
). Diese Eingabe wurde de
r
Beschwerdeführer
in
am
1
9.
Dezember 2018
zur Kennt
nis gebracht (
Urk.
18
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen,
welche die gesetzlichen Voraus
setzungen nach
Art.
4-6 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zusatzleis
tun
gen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (
Art.
2 Abs.
1 ELG; §
§
1, 13
und
20 Abs. 1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleistungen zur Alters-,
Hinterlas
senen- und Invalidenversicherung, ZLG).
1.2
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (
Art.
9 Abs. 1 ELG).
1.3
Die anrechenbaren Einnahmen werden nach
Art.
11 ELG ermittelt. Zu den anre
chenbaren Einnahmen gehören unter anderem nebst Erwerbseinkünften, Ren
ten
,
Pensionen und anderen wiederkehrenden Leistungen auch Einkünfte aus be
weg
l
i
chem und unbeweglichem Vermögen (
Art.
11 Abs. 1
lit
. a, b und d ELG). Dabei umfasst der Ertrag aus unbeweglichem Vermögen Miet- und Pachtzinse,
Nutz
niessungen
, Wohnrechte sowie den Mietwert der selbstbewohnten Woh
nung (
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Auflage, Zü
rich/Basel/Genf
2009, S. 167).
Als Einkommen anzurechnen sind auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11 Abs. 1
lit
. g ELG). Nach der Rechtsprechung ist der Tatbestand des
Art.
11 Abs. 1
lit
. g ELG erfüllt, wenn die anspruchsberech
tigte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf
Ein
künfte oder Vermögen verzichtet hat (BGE 131 V 329 E. 4.2; BGE 121 V 204
E.
4b; BGE 120 V 187 E. 2b).
1.4
Gemäss
Art.
17a der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hin
terlassenen- und Invalidenversicherung (ELV) wird der anzurechnende Betrag von Vermögenswerten, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG), jährlich um
Fr.
10'000.-- vermindert (
Abs.
1). Der Wert des Vermögens im Zeit
punkt des Verzichts ist unverändert auf den
1.
Januar des Jahres, das auf den Verzicht folgt, zu übertragen und dann jeweils nach einem Jahr zu vermindern (
Abs.
2). Für die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung ist der vermin
derte Betrag am
1.
Januar des Bezugsjahres massgebend (
Abs.
3).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist die Berechnung und damit die Höhe der Zusatzleistun
gen für beide Ehegatten ab
1.
Juni 2016
sowie für die Beschwerdeführerin
alleine
ab
1.
Februar 2017
, wobei insbesondere die Berücksichtigung eines eingeräumten Wohnrechtes strittig ist.
2.2
Die Beschwerdegegnerin
hielt
im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2)
fest
, dass
die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann die Liegenschaft unbelastet erworben und
A._
(
Bruder der Beschwerdeführerin
)
in einem späteren Zeitpunkt ein Wohnrecht eingeräumt
hätten
. Die Gewährung eines lebenslangen Wohnrechtes stelle eine Vermögenshingabe an den Dritten dar (S. 4 oben). Soweit ersichtlich, hätten die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann
mit
A._
keine Entgelt
lichkeit seiner Leistungen vereinbart. Entsprechend habe keine Rechtspflicht zur Einräumung des Wohnrechts bestanden und es sei von einem Vermögensverzicht auszugehen (S. 4 unten).
Die Einräumung eines Wohnrechts stelle eine Verzichts
handlung dar
, welche zur Anrechnung eines Verzichtsvermögens führen müsse (S. 5 Mitte).
Die Beschwerdegegnerin
hiess die Einsprache in dem Sinne teilweise gut, als sie
der Beschwerdeführerin
ab Februar 2017
angesichts
der güter- und erbrechtlichen Folgen
nur
noch
drei Viertel
des Vermögens anrechnete (S. 8 f.).
Mit Beschwerdeantwort vom
6.
Dezember 2018 (
Urk.
14)
beantragte die Beschwerdegegnerin insofern die teilweise Gutheissung der Beschwerde, als für die Zeit von Juli bis Dezember 2016 keine Neuberechnung erfolgt sei. Mit den beiliegenden Verfügungen sei dieses Versehen berichtigt worden (S. 2 Mitte).
2.3
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, sie und ihr Ehemann hätten die Liegenschaft in La Palma von der Übersiedelung im Jahr 1991 bis zur Rückkehr in die Schweiz im Jahr 2016, mithin während 25 Jahren, zusammen mit ihrem Bruder bewohnt. Die Liegenschaft habe nur dank der Dienste ihres Bruders gekauft und bebaut werden können. Er habe die Bauleitung übernommen und sei anschliessend mit Unterhaltsarbeiten, Reparaturen und der Landschaftspflege der Liegenschaft betraut gewesen; später habe er zudem Fahr
dienste für das Ehepaar erbracht (S. 2 Mitte). Die Einräumung des Wohnrechts sei zum einen als Gegenleistung für diese Dienste sowie aus einer familiären Ver
pflichtung erfolgt (S. 2 unten).
Sie vertrete den Standpunkt, dass die Einräumung eines Wohnrechts keine Vermögensverminderung bewirke und damit auch kein Verzichtstatbestand vorliege. Ähnlich wie bei einer Darlehensvergabe sei das Ver
mögen noch vorhanden, könne jedoch nicht liquide gemacht werden (S. 3 oben). Die Anrechnung eines Liegenschaftsvermögens sei nicht zulässig, da die Liegen
schaft zu Lebzeiten ihres Bruders nicht veräussert werden könne. Für den Fall, dass doch ein Liegenschaftsvermögen angerechnet werde, müsste sich dieses jedes Jahr um den angerechneten hypothetischen Vermögensverzehr verringern
. Wei
ter sei fälschlicherweise ein Liegenschaftsertrag berücksichtigt worden (S. 3 Mitte). Es handle sich genau um den Ertrag, der als Verzichtsvermögen kapitali
siert worden sei. Damit komme die Liegenschaft, welche nicht veräussert werden könne, mehrfach zur Anrechnung (S. 4 oben).
3.
3.1
Die einzelnen Positionen der Berechnung der Zusatzleistungen stellen Begrün
dungselemente der Verfügung und allenfalls des
Einspracheentscheides
(Teilas
pekte des verfügungsweise festgelegten Rechtsverhältnisses) dar. Nicht beanstan
dete Berechnungspositionen prüft das kantonale Versicherungsgericht nur, wenn
hiezu
aufgrund der Vorbringen in der Beschwerde oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 125 V 413 E. 2b und 2c).
3.2
Vorliegend sind die
jenigen
Positionen strittig, welche mit der Einräumung des Wohn
rechts in Zusammenhang stehen
, nämlich Grundeigentum, Vermögensver
zicht und Liegenschaftsertrag.
4.
4.1
Einkünfte und Vermögenswerte sind anzurechnen, wenn die anspruchsberech
tigte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf
Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat
(vgl. E. 1.3).
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin und ihr
mittlerweile verstorbener
Ehemann
dem Bruder der Beschwerdeführerin,
A._
,
im Jahr 2003
ein Wohnrecht eingeräumt haben.
Dies wurde notariell beglaubigt (
Urk.
17/5).
Die Beschwerdegegnerin bezifferte den Wert des Wohnrechtes auf
Fr.
176'303.-- (vgl.
Urk.
2 S. 7 oben).
Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass die Einräumung des Wohnrechts als Gegenleistung für die Dienste von
A._
erfolgt sei.
Aus dem notariell beglaubigten Dokument ergibt sich
indessen
kein Hinweis, dass das Wohnrecht
als Gegenleistung
für
geleistete Arbeiten eingeräumt wurde.
Auch in den übrigen Akten finden sich
keine
Belege über effektiv angefallene
Kosten oder
Aufstellung
en
über die von
A._
investier
ten Arbeitsstunden
, wel
che darauf hingedeutet hätten, dass er eine Entschädigung für seine Tätigkeit hätte einfordern wollen. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass er die entsprechenden Leistungen unentgeltlich erbracht hat, zumal es sich bei
A._
um den Bruder der Beschwerdeführerin handelt.
Selbst wenn
eine
adäquate Gegenleistun
g
, mithin (Dienst-)Leistungen im Wert von
Fr. 176'303.
--
,
vorläge
n
,
müsste von einer Verzichtshandlung ausgegangen wer
den.
Andernfalls könnten ohne rechtliche Verpflichtung und ohne Anspruch auf Entgelt erbrachte Dienstleistungen im Nachhinein abgegolten werden. Da vorher keine Entgeltlichkeit vereinbart worden ist und die Leistungen deshalb freiwillig erfolgt sind, würden die von Privaten ohne Rechtspflicht erbrachten Leistungen im Nachhinein dennoch von der Allgemeinheit bezahlt werden, indem der
Lebensunterhalt des Schenkers nicht mehr durch den Verzehr des Vermögens, sondern durch Ergänzungsleistungen finanziert würde. Dafür sind die Ergän
zungsleistungen jedoch nicht geschaffen worden. In rechtlicher Hinsicht liegt in solchen Fällen eben gerade keine Entgeltlichkeit vor, steht doch der Leistung des Schenkers definitionsgemäss
keine entsprechende Gegenleistung
des Beschenkten gegenüber (
Art.
239
Abs.
1 OR; Urteil des Bundesgerichts P 19/04 vom 1
7.
August 2005 E. 4.4).
4.2
D
ie Einräumung eines Wohnrechts
muss
zur Anrechnung eines Verzichtsvermö
gens führen. Ansonsten könnte man eine Liegenschaft durch die unentgeltliche Einräumung einer Nutzniessung oder eines Wohnrechts der Anrechnung bei den Zusatzleistungen entziehen
(
Urk.
2 S. 5 Mitte)
. Wie bei der Übertragung der Lie
genschaft muss auch hier - während der Dauer des Wohnrechts – ein Verzic
hts
vermögen angerechnet werden.
Die Beschwerdeführerin machte
dazu
geltend, dass das Vermögen noch vorhan
den sei. D
ie Einräumung eines Wohnrechts bewirke keine Vermögensverminde
rung.
E
ntsprechend
dieser Argumentation
wäre der Gesamtwert der Liegenschaft beim Vermögen zu berücksichtigen. Dies wäre indessen nicht angemessen, da dieser Wert nicht realisiert werden kann. Die Verwertung einer mit einem Wohn
recht belasteten Liegenschaft ist nicht ausgeschlossen, diese hat jedoch einen viel geringeren Wert.
4.3
Betreffend den
W
ert der Liegenschaft
in La Palma
liegen zwei Schätzungen vor
.
In der
von der Beschwerdeführerin eingereichte
n
Schätzung von
B._
vom 2
4.
Oktober 2016 (
Urk.
17/36-37)
wurde
der Wert der Liegenschaft mit
rund
Euro 233’289.
--
beziffert.
In der
offizielle
n
Schätzung der
Agencia
C._
vom 1
0.
Februar 2017 (
Urk.
17/51) wurde ein
Steuerwert von Euro 190'000.
--
veranschlagt. Die Beschwerdegegnerin ging
auf Antrag der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
17/121)
vom Mittelwert der beiden Schätzungen,
mithin Euro 211'644.50
, aus und rechnete diesen gemäss dem am 3
1.
Dezember 2015 geltenden Wechselkurs um.
Damit ergab sich ein Wert der
Liegenschaft
von
Fr. 229'316.
--
(vgl.
Urk.
2 S. 6 Mitte).
D
ies
er Liegenschaft
swert
wurde in der Beschwerde nicht mehr bestritten.
4.4
Bei nicht vermieteten Liegenschaften ist entweder ein ortsüblicher Mietzins anzurechnen oder der durchschnittliche Ertrag, der eine Rendite während der ganzen Lebensdauer der auf dem Grundstück stehenden Bauten widerspiegeln soll.
Als durchschnittlicher
Ertrag für die ganze Lebensdauer
einer Liegenschaft kann vom
Mittelwert von 5 % des Verkehrswertes
ausgegangen werden
(
Cari
giet
/Koch, a.a.O., S. 172).
Die Liegenschaft in La Palma wurde noch nie vermietet. Auch ist nicht näher bekannt, wie hoch die üblichen Mietzinse in La Palma sind
respektive in den Jahren 2003 sowie 2016/2017 waren.
Infolgedessen
ging d
ie Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Entsc
heid von
5 % des Verkehrswertes aus, womit sich ein
Mietwert von Fr.
11'465.
8
0
ergab
(Fr.
229'316
.
--
x 0.05
). Sie
führte aus
, dass
dieser Betrag angesichts der Lage, der Grösse und des Aus
baustandards (205m
2
Wohnfläche, drei Schlafzimmer, Swimmingpool, touristisch gut erschlossen) nicht übersetzt sei
(
Urk.
2 S. 6).
Ein Blick in die Mietportale von Liegenschaften in La Palma zeige, dass Liegenschaften in der Regel zu Ferien
zwecken vermietet würden. Die Mieten seien daher unangemessen hoch (
Urk.
2 S. 8 oben).
Vor diesem Hintergrund
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwer
degegnerin
bei den Einnahmen
einen Betrag von Fr. 11'465.
--
(5 % des Verkehrs
wertes)
als
Liegenschaftsertrag anrechnete.
Neben dem Liegenschaftsertrag berücksichtigte d
ie
Beschwerdegegnerin
bei den Ausgaben einen G
ebäudeunterhalt
. Sie hielt fest, dass hinsichtlich der Gebäude
unterhaltskosten gemäss
Art.
16 ELV der für die direkte kantonale Steuer im Wohnsitzkanton anwendbare Pauschalabzug gelte. Im Kanton Zürich betrage die
ser 20 %
vom Bruttoertrag.
Da es keine Bestimmung betreffend die Berücksichti
gung von Unterhaltskosten bei privaten Liegenschaften im Ausland gebe, wende sie diesen Pauschal
betrag auch auf die Liegenschaft in La Palma an. Entsprechend rechnete sie einen jährlichen Betrag für den Gebäudeunterhalt in der Höhe
von
Fr.
2'293.
--
an
(
Fr. 11'465.
--
x 0.2;
vgl.
Urk.
2 S. 7 f.).
4.5
Hinsichtlich
des Verzichtsvermögens ist vom Wert des Wohnrechts auszugehen.
Dazu ist der Kapitalisierungsfaktor zu ermitteln.
A._
war bei Gewäh
rung des Wohnrechts
im Jahr 2003
68 Jahre alt.
Bei einem 68 Jahre alten Mann entspricht eine Kapitalleistung von
Fr.
1'000.
--
einer jährlichen Leibrente von
Fr.
65.03 (vgl.
Tabelle der Eidgenössischen Steuerverwaltung
zur Umrechnung von Kapitalleistungen in lebenslängliche Renten, Werte ab 2000)
, womit sich ein Kapitalisierungsfaktor von 15.37 ergibt
.
Dieser ist mit dem Ertragswert zu multi
plizieren.
Die Beschwerdegegnerin
errechnete
somit
richtigerweise
für das Jahr 200
3
ein kapitalisiertes Wohnrecht von
Fr.
176
'
303
.
--
(
Fr.
1’000/
Fr.
65.03 x
Fr.
11'465.00;
Urk.
2
S.
7 oben).
Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist, sind jährlich um
Fr.
10'000.
--
zu vermindern
(vgl. E. 1.4)
.
Entsprechend berücksichtigte die Beschwerdegegnerin
zu R
echt
für das
Jahr 2016
einen
Wert des Wohnrechts
– und damit ein
en
Ver
mögensverzicht -
von
Fr.
56'303.
--
und
für das
Jahr 2017 einen solchen
von Fr. 46'303.
--
(S. 7 Mitte).
4.6
Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass sich das Liegenschaftsvermögen, falls ein solches angerechnet werde, jedes Jahr um den angerechneten hypothe
tischen Vermögensverzehr verringern müsste.
Dazu ist festzuhalten, dass e
iner
seits der tatsächliche Vermögensverzehr berücksichtigt
wird
, indem für das Folge
jahr
das entsprechend tiefere Vermögen angerechnet wird. So wurde
n
vorliegend in den Berechnungen der Zusatzleistungen für das Jahr 2016 Spargutha
ben/Wertschrif
ten in der Höhe von
Fr.
40'061.
--
(vgl.
Urk.
16/47/33) und für das Jahr 2017
noch
solche von
Fr.
28'398.
--
(vgl.
Urk.
16/47/41) berücksi
chtigt. Andererseits verringert
sich der
anzurechnende
Vermögensverzicht jedes Jahr um
Fr.
10'000.
--
.
Entsprechend wurde, wie soeben dargelegt,
für das Jahr 2016 ein Vermögensverzicht von
Fr.
56'303.
--
sowie für das Jahr 2017
ein solcher
von Fr. 46'303.
--
angerechnet
(vgl. E. 1.4).
Für eine weitere Reduktion des Vermögens besteht keine Grundlage.
4.7
Zur Ermittlung des aktuellen Wertes der Liegenschaft berechnete
die Beschwer
degegnerin den Wert des
Wohnrechts
ab 2016 neu. Ausgehend vom
Verkehrswert abzüglich
des aktuellen
Verzichtsvermögen ergäbe sich
nämlich
ein zu hoher Wert, da
da
s
Verzichtsvermögen
j
ährlich
um
Fr.
10'000.
--
verringert wurde.
A._
wurde
im Jahr 2016 81 Jahre alt. D
amit entsprach
eine Kapitalleistung von
Fr.
1'000.
--
einer jährlichen Leibrente von
Fr.
102.13 (vgl.
Tabelle der Eid
genössischen Steuerverwaltung
zur Umrechnung von Kapitalleistungen in lebenslängliche Renten, Werte ab 2005). Für das Jahr 2016 ergibt sich somit ein kapitalisiertes Wohnrecht von
Fr.
112'258.
--
(
Fr.
1
'
000
.--
/
Fr.
102.13 x Fr. 11'465.00).
Die Beschwerdegegnerin setzte somit
in den Berechnungen der Zusatzleistungen ab 2016
einen (Rest-)Wert der Liegenschaft («Grundeigentum») von
Fr.
117
'
058
.
--
ein
(Fr. 229'316
.
--
-
Fr.
112'258
.
--
;
Urk.
2 S. 7 Mitte
).
Dies ist nicht zu beanstanden.
4.8
Die Beschwerdeführerin machte schliesslich geltend, dass die Liegenschaft, wel
che nicht veräussert werden könne, mehrfach zur Anrechnung komme. Wenn die Einräumung eines Wohnrechts als Verzichtsvermögen angerechnet werde, dürfe in der Konsequenz eben gerade kein Ertrag angerechnet werden, da genau auf diesen verzichtet worden sei (
Urk.
1 S. 4 oben). Entgegen dieser Auffassung der Beschwerdeführerin ist es
richtig, dass die Einräumung des Wohnrechts einerseits beim
Vermögen
(Vermögensverzicht und Restwert der Liegenschaft)
und ande
rerseits beim Einkommen
(hypothetischer Liegenschaftsertrag)
zu berücksichtigen ist.
Auch bei
unbela
stetem Grundeigentum
erfolgt eine Anrechnung sowohl beim Vermögen als auch beim Einkommen
. E
inerseits wird der Liegen
schaftswert und andererseits
werden
die Mieteinnahmen respektive der Eigenm
ietwert angerech
net.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machte, dass bei einem Vermögensver
zicht auch nicht über Jahre hinweg ein hypothetischer Ertrag angerechnet wird
(
Urk.
1 S. 4 oben), trifft dies nicht zu.
Auch bei einer Schenkung der Liegenschaft wäre
einerseits ein hypothetisches Vermögen in der Höhe des Verkehrswert
e
s und andererseits ein hypothetischer Ertrag an
zurechnen.
4.9
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin in Zusammenhang mit der Ein
räumung des Wohnrechtes an
A._
zu
R
echt Grundeigentum, Vermö
gensverzicht und Li
egenschaftsertrag angerechnet.
D
ie entsprechenden Werte
wurden, wie dargelegt,
korrekt ermittelt
.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machte, dass auch für das Jahr 2016 eine Neuberechnung vorzunehmen sei (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
4), ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin die Neuberechnungen
für die Zeit von Juli bis Dezember 2016
bereits
im Rahmen der Beschwerdeantwort vornahm (vgl. entsprechende Verfügungen,
Urk.
15/1-3).
Dass diese Neuberechnung auf korrekten Grundlagen erfolgte, wurde bereits dargelegt.