Decision ID: 6968da66-1c34-43e8-90f5-bcbb3a14f438
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Stephanie Schwarz, Sigg Schwarz Advokatur,
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 18. März 2009 zur Früherfassung
bei der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen teilte
der Versicherten am 19. März 2009 mit, dass sie eine IV-Anmeldung für nötig erachte
(IV-act. 5). Daraufhin meldete sich die Versicherte am 25. März 2009 zum Bezug von
Leistungen an (IV-act. 6).
A.b Für die medizinischen Unterlagen holte die IV-Stelle das Dossier der
Unfallversicherung ein (act. G 9.2). Gemäss Aktennotiz des Regionalen Aerztlichen
Dienstes der Invalidenversicherung (RAD) vom 26. März 2009 (IV-act. 10) sei die
Versicherte bisher in der Produktion tätig gewesen und psychosozial belastet. Sie sei
am 15. Januar 2009 (richtig: 2008) bei einem Sturz mit der Ulnarseite des linken
Handgelenks auf ein Treppengeländer geprallt. Nach dieser ulnarseitigen Kontusion der
dominanten linken Hand habe sie erhebliche Schmerzen gehabt, die zu einer
Eskalation der ärztlichen Massnahmen geführt habe. Nach einer konsiliarischen
handchirurgischen Beurteilung in B._, in der keine Erklärung für die Schmerzen
gefunden werden konnte, sei im September 2008 der Fallabschluss durch die Suva
erfolgt. Aus versicherungsmedizinischer Sicht verfüge die Versicherte in einer
adaptierten Tätigkeit ab sofort über eine volle Arbeitsfähigkeit (vgl. auch IV-act. 18).
Daher wurden Abklärungen bezüglich der Möglichkeiten einer beruflichen
Eingliederung geprüft und eine Anmeldung bei der Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV)
geplant (IV-act. 27, 31). Am 26. August 2009 (IV-act. 35) reichte die
Rechtschutzversicherung einen neuen ärztlichen Bericht ein und teilte mit, dass die
Versicherte aufgrund der immer vorhandenen Schmerzen massive weitergehende
gesundheitliche Probleme entwickelt habe. Sie magere stark ab und hätte Mitte Juli nur
noch ein Gewicht von 47kg gehabt. Aus diesem Grund werde um Beschleunigung des
Verfahrens und umgehende Veranlassung einer Schmerztherapie gebeten. Nach
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Anmeldung beim RAV am 20. Mai 2009 liess die Versicherte den ersten Termin
verschieben und nahm den zweiten Termin nicht wahr, weshalb das Begehren um
Arbeitsvermittlung abgewiesen wurde (IV-act. 39, 40). Mit Schreiben vom 2. September
2009 teilte die IV-Stelle mit, dass eine Schmerztherapie nicht in den
Zuständigkeitsbereich der Invalidenversicherung gehöre (IV-act. 38). Nach Schreiben
von Rechtsanwältin lic.iur. Stephanie Schwarz, Winterthur, vom 28. September 2009
(IV-act. 44) nahm die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung wieder auf (IV-act. 45).
A.c Mit Bericht vom 16. Oktober 2009 (IV-act. 48-1/30 ff.) diagnostizierte pract. med.
C._ chronische durch Belastung verstärkte Schmerzen im linken ulnarseitigen
Handgelenks-/Handbereich bei Status nach Kontusion des linken Handgelenks,
Linkshänderin und depressive Verstimmung. In einer angepassten Tätigkeit sei eine
50%-ige Arbeitsfähigkeit gegeben. Am 17. November 2009 berichtete Prof. Dr. med.
D._, Neurologie FMH, dass er als Ursache der angegebenen Schmerzen der linken
Hand eine noch leichte Form eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms vermute,
auf neurologischem Fachgebiet jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bestehe (IV-act. 54). Am 29. Dezember 2009 wurde die Arbeitsvermittlung
vorübergehend abgeschlossen, da aufgrund der Operation vom 3. Dezember 2009
(Stellatumblockade; vgl. act. G 9.2/3-177/279) ein instabiler Gesundheitszustand vorlag
(IV-act. 61, 55). Das Einsatzprogramm bei der E._ wurde gleichentags vorzeitig
beendet, da keine Arbeiten möglich seien die nur mit einer Hand ausgeübt werden
könnten (IV-act. 74). Gemäss Gutachten von Dr. med. F._, Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie und Dr. med. G._, Facharzt FMH für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 31. Juli 2010 (IV-act. 83)
konnte keine psychiatrische Diagnose gestellt werden. Aus orthopädischer Sicht sei die
linke, dominante obere Extremität deutlich vermindert belastbar und könne nur sehr
begrenzt eingesetzt werden. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar.
In einer leidensangepassten Tätigkeit müsse von einer Arbeitsfähigkeit von 50%
ausgegangen werden. Die Tätigkeit sollte nur mit der rechten, adominanten Hand
ausgeführt werden müssen. Keine feinmotorischen Tätigkeiten. Die ehemals dominante
linke Hand könne nur im Sinn einer Zudien- und Hilfshand benutzt werden.
Diesbezüglich kein Heben und Tragen von Lasten über 5kg. Keine Tätigkeiten, die
linksseitig Positionen des Armes über die Horizontalebene erfordern. Der RAD
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bestätigte die Nachvollziehbarkeit des bidisziplinären Gutachtens vom 31. Juli 2010
und qualifizierte die Versicherte ohne Behinderung als Vollerwerbstätige (IV-act. 85, 88).
A.d Dr. med. H._ erstellte am 7. Februar 2011 ein Leistungsprofil (IV-act. 90) und
äusserte darin aufgrund der Vorgeschichte und der geringen objektiven Befunde
Zweifel an den ärztlich monierten funktionellen Auswirkungen (praktische Einarmigkeit).
Der Fall eigne sich gut für eine Observation, eine solche dränge sich auf. Als nicht zu
erwartendes Verhalten hielt er dabei den unauffälligen Einsatz der linken oberen
Extremität, das Ergreifen von schwereren Gegenständen (> 15 kg) mit der linken Hand,
Drehbewegungen, Beugen und Strecken des (linken) Handgelenks, das Nichttragen der
Schiene insbesondere beim Gebrauch der linken Hand sowie unauffällige Bewegungen
im linken Schultergelenk, Möglichkeit von Überkopfarbeiten, fest. Nach der
Observation am 8. März 2011 stellte Dr. H._ am 12. März 2011 (IV-act. 95) auf den
Videosequenzen fest, dass die Versicherte bei der Reinigung des Autos mit dem
Hochdruckreiniger den linken Arm überhaupt nicht eingesetzt habe, aber die
ununterbrochene und ohne Ermüdung durchgeführte Prozedur nur mit der rechten
(angeblich adominanten) oberen Extremität auch bei Rechtsdominanz eine erhebliche
Leistung sei. Die Bilder sprächen zwar einerseits für eine konsequente Schonung der
linken oberen Extremität aus welchen Gründen auch immer. Sie liessen andererseits
gewisse Zweifel an der monierten Linkshändigkeit aufkommen. Die Versicherte könne
mit der linken Hand den Kofferraumdeckel erfassen und herunterziehen und die
Autotüre zuziehen. Sie könne mit der linken Hand einen Bodenteppich des Autos halten
und diverse andere Dinge ergreifen oder halten. Sie könne mit der linken Hand einen
leichten Gegenstand halten, während dieser mit der rechten Hand gereinigt werde. Die
Versicherte könne Auto fahren. Sie habe eine gut viertelstündige Innen- und
Aussenreinigung eines Autos mit der gleichen Effizienz wie eine Gesunde durchgeführt.
Eine Arbeitsunfähigkeit von 50% in adaptierten Tätigkeiten stehe in sehr deutlichem
Gegensatz zu den Ermittlungsergebnissen. Die Versicherte sei also nicht funktionell
einarmig. Weitere Ermittlungen seien nicht nötig, da das bisherige Material genügend
Zweifel an der Einschätzung des Gutachters begründe. Es entstünden ausserdem
gewisse Zweifel an einer dominanten Linkshändigkeit. Mit Abklärungsbericht Haushalt
vom 26. Mai 2011 wurde festgehalten, dass die geltend gemachten Einschränkungen
in diesem Ausmass wenig glaubhaft seien und eine erneute Begutachtung dringend
angezeigt sei (IV-act. 113). Mit Bericht vom 6. Juli 2011 erachtete Dr. H._ die
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Versicherte aufgrund der Sachverhaltsabklärungen als angepasst bimanuell
vollschichtig einsetzbar, wobei im Fall tatsächlicher Linkshändigkeit bereits nach kurzer
Rekonditionierungszeit (Weglassen der Schiene wie ärztlich gefordert und
Ingebrauchnahme der Hand!), im Fall von tatsächlicher Rechtshändigkeit ab sofort eine
volle Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-act. 116). Mit Vorbescheid vom 7. Dezember 2011
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab (IV-act. 123).
B.
Der Einwand vom 20. Januar 2012 (IV-act. 125) wurde mit Verfügung vom 27. März
2012 (act. G 1.2) abgelehnt.
C.
C.a Mit Beschwerde vom 9. Mai 2012 (act. G 1) liess die Versicherte durch
Rechtsanwältin lic.iur. Stephanie Schwarz, Winterthur, die Aufhebung der Verfügung
vom 27. März 2012 und die Zusprache einer Rente unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin beantragen. Zudem
beantragte die Rechtsvertreterin die persönliche Sichtung der Videoaufzeichnungen
durch die beurteilenden Mitglieder des Gerichts. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, die medizinische Situation sei insbesondere aufgrund des
bidisziplinären Gutachtens von Dr. G._ und Dr. F._ erstellt gewesen, was auch vom
RAD-Arzt Dr. med. I._ mit Stellungnahme vom 19. August 2010 bestätigt worden sei.
Die von RAD-Arzt Dr. med. H._ beantragte Observierung der Beschwerdeführerin sei
nicht notwendig und im vorliegenden Fall wegen mangelnder gesetzlicher Grundlage,
fehlenden Anfangsverdachts und Unverhältnismässigkeit nicht zulässig gewesen. Die
bei der Observierung erwähnten Hilfstätigkeiten entsprächen den im Gutachten
erwähnten Zudienfunktionen der linken Hand, was Dr. H._ zu Unrecht nicht
berücksichtigt habe. Es werde klar bestritten, dass die Beschwerdeführerin gegenüber
einem Arbeitsvermittlungsunternehmen festgehalten habe, sie "mache auf IV". Dass die
Observation Grundrechte Dritter verletze, lasse an der Eignung und Professionalität der
Überwachungsfirma zweifeln. Die observierende Person habe subjektive
Wahrnehmungen festgehalten. Die Observation sei betreffend Gesundheitszustand und
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Arbeitsfähigkeit nicht aussagekräftig. Sämtliche Beobachtungen sprächen für das
Vorliegen einer Beeinträchtigung der linken dominanten Hand der Beschwerdeführerin.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 22. August 2012 (act. G 8) schloss die
Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie
insbesondere an, die Suva habe ihre Leistungspflicht mit überzeugender Begründung
verneint. Da neben den Unfallfolgen kein Leiden anzunehmen sei, bestehe kein Anlass,
von dieser Beurteilung abzuweichen. Durch die Observation habe gezeigt werden
können, dass die Beschwerdeführerin nicht funktionell einarmig sei. Sie leide zwar an
diagnostizierten, aber nicht an objektivierbaren Beschwerden. In Anwendung der
Foerster'schen Kriterien sei eine volle Arbeitsfähigkeit anzunehmen. Die Anordnung der
Observation sei nicht zu beanstanden. Das Rentengesuch müsste auch unter
Ausklammerung des Observationsergebnisses abgewiesen werden.
C.c Mit Replik vom 2. November 2012 (act. G 13) und Duplik vom 5. Dezember 2012
(act. G 15) hielten die Parteien an ihren jeweiligen Standpunkten fest.

Erwägungen:
1.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Anspruch der Beschwerdeführerin
auf Rentenleistungen.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
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Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung
der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 351
E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
3.
3.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Während die
Beschwerdeführerin der Ansicht ist, dass sich die Beschwerdegegnerin bei der
Ermittlung der Arbeitsfähigkeit in rechtswidriger Weise nicht auf das Gutachten von
Dr. F._ und Dr. G._ vom 31. Juli 2010 (IV-act. 83) gestützt habe, vertritt die
Beschwerdegegnerin die Auffassung, dass die Observationsergebnisse von den
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Observationen am 7. und 8. März 2011 (IV-act. 105) und deren medizinische Prüfung
durch Dr. H._ (IV-act. 90, 95, 116) zeigten, dass es sich bei der Diagnose eines CRPS
um eine ärztliche Fehleinschätzung handle und der Schluss nahe liege, dass die
Beschwerdeführerin in einer leidensadaptierten Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig sei.
3.2 Anlässlich der orthopädischen Untersuchung vom 25. Juni 2010 (IV-act. 83)
beschrieb die Beschwerdeführerin gegenüber Dr. G._ eine im Vordergrund stehende
Schmerzproblematik, die mit der aktuellen Medikation erträglich sei. Sie trage die
immobilisierende Schiene praktisch ständig (auch nachts), um schmerzprovozierende
Bewegungen zu verhindern. Tagsüber habe sie den Eindruck, dass die linke Hand kalt
sei, nachts erscheine sie heiss. Neben dem im Handgelenk lokalisierten und in die
Finger sowie nach proximal bis in den Nacken ausstrahlenden Schmerzen gab die
Beschwerdeführerin als Begleitsymptome an, dass der Ring- und der Kleinfinger kein
Gefühl besässen und "taub" seien. Die Finger seien vor allem am Morgen stark
geschwollen. Weiter sei die Beweglichkeit aller Gelenke an der linken oberen Extremität
eingeschränkt. Bei der orthopädischen Untersuchung der linken Hand stellte Dr. G._
Bewegungseinschränkungen des Schulter-, Ellbogen- und Handgelenks fest. Zudem
beständen eine diffus teigige Schwellung und eine leicht bläulich livide Verfärbung des
linken Handrückens und der Finger. Eine vermehrte Schweisssekretion oder eine
Hypertrichosis könnten nicht festgestellt werden. Das linke Handgelenk weise eine
ausgeprägte Druckdolenz ulnarseits auf. Es bestehe eine leichte Atrophie von Thenar
und Hypothenar, auch die kleinen Handmuskeln würden etwas verschmächtigt
erscheinen. Die Langfinger könnten nicht vollständig gestreckt werden und der
Faustschluss sei knapp möglich, wobei allerdings ein deutlich proximaleres
Einschlagen der Finger IV und V zu beobachten sei. Beim neurologischen Status wurde
insbesondere eine Hyposensibilität im Ring- und Kleinfinger sowie an der ulnaren Seite
des Mittelfingers festgestellt. Dr. G._ stellte die orthopädischen Diagnosen eines
Schulter-Arm-Syndroms links sowie eines CRPS Typ I (früher Morbus Sudeck) Stadium
2 der linken oberen Extremität. Die Beschwerdeführerin klage über Schmerzen und
Verlust von Beweglichkeit, Kraft und Sensibilität in der dominanten linken oberen
Extremität. Das CRPS Typ I habe dazu geführt, dass die dominante obere Extremität in
ihrer Einsetzbarkeit deutlich eingeschränkt sei. Reaktiv sei es zu einem Schulter-Arm-
Syndrom gekommen; die linke Schulter sei in ihrer aktiven und passiven Beweglichkeit
deutlich eingeschränkt und könne ebenfalls nur begrenzt eingesetzt werden. Unter
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diesen Umständen sei es gerechtfertigt, davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin funktionell praktisch einarmig sei. Betroffen sei die dominante
obere Extremität, das heisse, die Beschwerdeführerin müsse alle Tätigkeiten mit der
ursprünglich adominanten Hand ausüben und könne die grundsätzlich dominante linke
obere Extremität nur im Sinn einer Hilfs- und Zudienhand einsetzen. Daraus resultiere
erfahrungsgemäss eine schwere Einschränkung in allen Tätigkeiten. Es müsse
einerseits berücksichtigt werden, dass die adominante Hand feinmotorisch deutlich
weniger geschickt sei. Andererseits könne die Beschwerdeführerin auch gut
leidensangepasste, also rein einarmige Tätigkeiten nicht mit der gleichen
Geschwindigkeit erledigen, wie es eine Person mit zwei funktionsfähigen Armen könne.
Die Reaktionsfähigkeit sei ebenfalls vermindert, da der linke dominante Arm nicht
kompensatorisch eingesetzt werden könne. Auch Arbeiten, die mit bestimmten, auch
wenn unbelasteten, Stellungen des linken Arms verbunden seien, könnten nur begrenzt
ausgeübt werden. Die Ausübung der angestammten, als mittelschwer
einzuschätzenden Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar, weshalb hier eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit bestehe. In einer leidensadaptierten Tätigkeit müsse auch von einer
Einschränkung ausgegangen werden. Unter Berücksichtigung aller Einschränkungen
erscheine eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit bei ganztägiger Arbeit zumutbar. Die
Beschwerdeführerin sollte einerseits die Möglichkeit zu vermehrten und
betriebsunüblichen Pausen haben und andererseits sollte ihrem verminderten
Arbeitstempo Rücksicht getragen werden. Sinnvollerweise würde ein konkreter
Arbeitsversuch die genaue Belastbarkeit testen.
3.3 Dr. G._ stellte als orthopädische Diagnosen – wie oben erwähnt – ein Schulter-
Arm-Syndrom links (M 54.12) sowie ein CRPS Typ I (früher Morbus Sudeck) Stadium 2
der linken oberen Extremität (M 89.09).
3.3.1 Als Schulter-Arm-Syndrom werden Schmerzen im Bereich des Halses, des
Schultergürtels und der oberen Extremitäten (eventuell mit sensiblen und motorischen
Ausfällen und vegetativ-trophischen Störungen) infolge Irritation oder Kompression von
Wurzeln zervikaler Spinalnerven bezeichnet. Ursache bilden ein zervikaler
Bandscheibenvorfall und/oder knöcherne degenerative Veränderungen der
Halswirbelsäule (HWS). Dieses Syndrom kann aber auch posttraumatisch z.B. nach
einem Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule auftauchen (Pschyrembel,
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Klinisches Wörterbuch 2011, 262. neu bearbeitete und erweiterte Auflage Berlin/New
York 2010, S. 2265 unter "Zervikobrachialsyndrom"). Gemäss Dr. G._ hat sich
zunächst ein CRPS Typ I an der linken Hand entwickelt. Erst anschliessend sei es
reaktiv zu einem Schulter-Arm-Syndrom gekommen. Das Schulter-Arm-Syndrom findet
jedoch seinen Ursprung üblicherweise nicht in einer Handproblematik, sondern
offenbar in Irritationen oder Kompressionen im Bereich der HWS. Ob sich im zervikalen
Bereich ein organisch-strukturelles Korrelat für das Schulter-Arm-Syndrom finden lässt,
wurde bis anhin nicht untersucht (auch nicht von Dr. J._, Facharzt FMH Innere
Medizin und Facharzt FMH Rheumatologie, Klinik Valens, der in seinem Bericht vom
10. Juni 2008 ein Schulter-Arm-Syndrom diagnostiziert hat; vgl. act. G 9.2 bzw. UV-
act. 27) und ist daher noch durch bildgebende Verfahren zu eruieren.
3.3.2 Zur Diagnose eines CRPS Typ I werden die Budapest-Kriterien
herangezogen, die sich mittlerweile etabliert haben (vgl. <http://
rheumatologie.universimed.com/artikel/komplexes-regionales-schmerzsyndrom-typ-1-
crps-1>, abgerufen am 25. Februar 2013): als Erstes steht ein zum auslösenden
Ereignis disproportionaler Dauerschmerz. Die betroffene Person berichtet zudem über
mindestens ein Syndrom in drei von vier der folgenden Kriterien:
- Sensibel: Hyperästhesie und/oder Allodynie
- Vasomotorisch: Temperaturdifferenz und/oder Hautverfärbungen und/oder
asymmetrische Hautfarbe
- Sudomotorisch/Ödem: Ödem und/oder veränderte Sudomotorik und/oder
asymmetrische Sudomotorik
- Motorisch/trophisch: Bewegungseinschränkung und/oder motorische
Dysfunktion (Schwäche, Tremor, Dystonie) und/oder trophische Veränderungen (Nägel,
Haare, Haut).
Des Weiteren ist anlässlich der Untersuchung mindestens ein Befund in zwei oder mehr
der folgenden Kategorien vorhanden:
- Sensibel: Hyperalgesie und/oder Allodynie
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- Vasomotorisch: Temperaturdifferenz und/oder Hautverfärbungen und/oder
asymmetrische Hautfarbe
- Sudomotorisch/Ödem: Ödem und/oder veränderte Sudomotorik und/oder
asymmetrische Sudomotorik
- Motorisch/trophisch: Bewegungseinschränkung und/oder motorische
Dysfunktion (Schwäche, Tremor, Dystonie) und/oder trophische Veränderungen (Nägel,
Haare, Haut).
Zu guter Letzt darf es keine andere Diagnose geben, welche die Symptome und
Befunde besser erklärt. Beim CRPS Typ I handelt es sich nämlich um eine
Ausschlussdiagnose, die Liste der Differentialdiagnosen ist entsprechend dem breiten
Manifestationsspektrum lang (<http://rheumatologie.universimed.com/ artikel/
komplexes-regionales-schmerzsyndrom-typ-1-crps-1>, abgerufen am 25. Februar
2013). Dr. G._ hat bei seiner Diagnosestellung weder diese noch andere Kriterien
(Kriterien der International Association for the Study of Pain [IASP]; Veldman-Kriterien;
Kriterien von Bruehl) beigezogen. Wie er sonst zur Schlussfolgerung gelangt, es habe
sich bei der Beschwerdeführerin ein CRPS Typ I entwickelt, ist aus dem Gutachten
nicht ersichtlich und erscheint unklar. In den vorangegangenen, von der Suva
eingeholten medizinischen Berichten wurde ein CRPS Typ I lediglich vermutet und
keine sichere Diagnose gestellt (act. G 9.2; Suva-act. 27, 28, 37, 52, 58, 68, 93).
Prof. D._ vermutete in seinem Bericht vom 17. November 2009 zwar eine noch
leichte Form eines CRPS als Ursache der angegebenen Schmerzen der linken Hand.
Dies lasse sich neurographisch nicht eindeutig beweisen. Die Nerven seien
neurographisch an sich intakt und es liege kein objektivierbares neurologisches Defizit
vor. Auf dem neurologischen Fachgebiet bestünde keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 54). Zudem lässt sich im Gutachten von Dr. G._ keine
Erklärung für die beim neurologischen Status erhobene Hyposensibilität im Ring- und
Kleinfinger sowie an der ulnaren Seite des Mittelfingers finden. Dass die
Hyposensibilität in einem allfälligen CRPS I begründet liegt, ist zu bezweifeln, da ein
CRPS I sich gerade durch eine allfällige Hyperästhesie/Hyperalgesie
(Überempfindlichkeit für Schmerz-, Temperatur- und Berührungsreize [im engeren Sinn
nur für Berührungsreize]/gesteigerte Schmerzempfindlichkeit; Pschyrembel, a.a.O.,
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S. 921) auszeichnet. Ob Dr. G._ als Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates überhaupt in der Lage war, neurologische
Befunde (CRPS Typ I, Hyposensibilität im Ring- und Kleinfinger, sowie ulnare Seite des
Mittelfingers) zu erheben und sich in kompetenter Weise zu neurologischen Defiziten zu
äussern, ist ebenfalls fraglich. Zu guter Letzt widerspricht die von Dr. G._
beschriebene funktionelle praktische Einarmigkeit seinen eigenen Erhebungen (vgl.
insbesondere IV-act. 83/11/25 f., orthopädischer Status/Messprotokoll der oberen
Extremitäten) und seiner Feststellung, die grundsätzlich dominante linke obere
Extremität lasse sich "nur" im Sinne einer Hilfs- und Zudienhand einsetzen.
3.3.3 Dr. F._ hat aus rein psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit
Krankheitswert erhoben. Hinweise auf eine Simulation oder Aggravation hätten sich zu
keinem Zeitpunkt der Untersuchung gegeben und auch die psychosoziale Situation
werde als angemessen und harmonisch geschildert.
3.3.4 Aufgrund der in den vorstehenden Erwägungen (vgl. E. 3.3.1 ff.) erwähnten
Zweifel kann die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht gestützt
auf das Gutachten vom 31. Juli 2010 von Dr. G._ und Dr. F._ erfolgen. Einerseits
erscheinen weitere Abklärungen zum Schulter-Arm-Syndrom – insbesondere durch
bildgebende Untersuchungen der HWS – angezeigt, andererseits ergibt sich auch
hinsichtlich der von Dr. G._ doch festgestellten Hyposensibilität im Ring- und
Kleinfinger, sowie an der ulnaren Seite des Mittelfingers weiterer Abklärungsbedarf,
vorzugsweise bei einem unabhängigen Neurologen. Unter Umständen ist auch eine
erneute psychiatrische Begutachtung notwendig, da Dr. F._ die Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung lediglich deshalb nicht stellte, weil sie
gestützt auf die Befunde von Dr. G._ davon ausging, dass die Beschwerden aus
somatischer Sicht nachvollziehbar seien.
3.4 Eine weitere Abklärung drängt sich somit unabhängig von den Ergebnissen der
Observationen vom 7. und 8. März 2011 (IV-act. 105) und deren medizinischer Prüfung
durch Dr. H._ (IV-act. 90, 95, 116) auf. Dennoch ist von Amtes wegen zu prüfen, ob
die Observation zulässig war; dies insbesondere deshalb, da sich bei Rückweisung der
Sache zu weiteren Abklärungen auch die Frage stellt, ob bei erneuter Begutachtung
und Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auch die
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Observationsergebnisse zu berücksichtigen seien. Da eine Observation den
grundrechtlichen Schutz der Privatsphäre (Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) tangiert, bedarf sie einer
gesetzlichen Grundlage, muss im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig
sein (Art. 36 Abs. 1-3 BV). Des Weiteren darf der Kerngehalt des Grundrechts durch
eine Observation nicht angetastet werden (Art. 36 Abs. 4 BV).
3.4.1 Gemäss BGE 137 I 327 ergibt sich die hinreichende gesetzliche Grundlage
für eine Observation aus Art. 43 i.V.m. Art. 28 Abs. 2 ATSG sowie aus Art. 59 Abs. 5
IVG (E. 5.1 und 5.2).
3.4.2 Das öffentliche Interesse an einer wirksamen Missbrauchsbekämpfung und
der Aufdeckung bzw. Verhinderung von Versicherungsbetrug rechtfertigt die mit der
Observation verbundene Einschränkung des Schutzes der Privatsphäre (BGE 137 I 327
E. 5.3). Vorliegend ist dieses Erfordernis zu bejahen, da bei dieser eher jungen Ver
sicherten Leistungen der Invalidenversicherung (Invalidenrente und zwei Kinderrenten)
gründend auf eine Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit von 50% im
Raum stehen.
3.4.3 Die Verhältnismässigkeitsprüfung hat unter den Gesichtspunkten der der
Eignung, Erforderlichkeit und Zumutbarkeit (Verhältnismässigkeit im engeren Sinn)
stattzufinden. Dass es sich bei der Observation um ein geeignetes Mittel handelt, um
die versicherte Person bei der Ausübung alltäglicher Verrichtungen zu sehen, ist
vorliegend unbestritten. Das Element der objektiven Gebotenheit der Observation
verlangt, dass konkrete Anhaltspunkte vorliegen müssen, die Zweifel an den
geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend gemachten
Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen. Solche Anhaltspunkte können beispielsweise
gegeben sein bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person, oder wenn
Zweifel an der Redlichkeit derselben bestehen (eventuell durch Angaben und
Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung u.Ä. (BGE 137 I 327
E. 136 III 410 E. 4.2.1 mit Hinweis). Nach Einholung des bidisziplinären Gutachtens
vom 31. Juli 2010 von Dr. G._ und Dr. F._ bestätigte der RAD-Arzt Dr. I._ die
Nachvollziehbarkeit der Schlussfolgerungen und bezeichnete das Gutachten als
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umfassend, weshalb er die Einschränkung von 50% in einer adaptierten Tätigkeit
übernahm (IV-act. 85). Gemäss Aktennotiz vom 22. September 2010 war die
Versicherte als Vollerwerbstätige zu qualifizieren, da keine genügenden
Gegenargumente bestünden (IV-act. 88). Im Leistungsprofil vom 7. Februar 2011
begründet Dr. H._ die objektive Gebotenheit mit der auffälligen Vorgeschichte (IV-
act. 90): eine banale Kontusion der linken Hand habe in einer psychosozial belastenden
Situation eine Eskalation ärztlicher Massnahmen ausgelöst. Die Versicherte werde nach
gut zwei Jahren vom Gutachter Dr. G._ faktisch als funktionell einarmig bezeichnet.
Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bzw. ein psychiatrisches Leiden
überhaupt werde fachärztlich ausgeschlossen. Ohne eigentlichen strukturellen
Schaden werde von den Ärzten mittlerweile übereinstimmend ein gewisser (leichter)
somatischer Schaden im Sinn eines somatisch abstützbaren Schmerzsyndroms
(CRPS, neuropathischer Schmerz) angenommen. Die Versicherte erscheine motiviert
für eine Arbeit. Zum Lokalbefund von Dr. G._ sei festzustellen, dass es auch durch
Nichtgebrauch und durch das (zu enge) Tragen einer Schiene zu einer Schwellung des
Handrückens, muskulärer Rückbildung und gelenkiger Versteifung am Arm kommen
könne. Aufgrund der Vorgeschichte und der geringen objektiven Befunde seien Zweifel
an den ärztlich monierten funktionellen Auswirkungen (praktische Einarmigkeit)
vorhanden. Weitere medizinische Untersuchungen könnten hier aber keine Klärung
bringen und eine Observation, für die sich der Fall gut eigne, dränge sich auf.
3.4.4 Die Vorgeschichte und insbesondere die Tatsache, dass ein bagatelläres
Ereignis (Kontusion der linken Hand bei Sturz von einer Treppe) ohne eigentliches
objektiv-strukturelles Korrelat bei Ausschluss eines psychischen Leidens zwei Jahre
später zu einer funktionellen Einarmigkeit geführt haben soll, boten hinreichende
Anhaltspunkte für eine Observation. Insofern sind auch die Observationsergebnisse bei
einer erneuten Begutachtung zu evaluieren, wobei festzuhalten ist, dass die
Beschwerdeführerin in den Videosequenzen aus der Sicht eines medizinischen Laien
nicht mehr als das von Dr. H._ als zu erwartend beschriebene Verhalten an den Tag
gelegt hat (braucht den linken dominanten Arm nur eingeschränkt, wodurch der
Eindruck einer deutlichen Behinderung im Alltag entsteht; vermeidet kraftvollen Einsatz
der linken Hand; Steifhaltung des linken Handgelenks; trägt Handschiene; mittelgradige
Einschränkungen der Beweglichkeit im linken Schultergelenk) und Dr. H._ als
Hauptargument Zweifel an der behaupteten Linksdominanz vorbrachte (vgl. IV-act. 95).
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Aufgrund der von Dr. H._ vorgebrachten Zweifel könnte im Rahmen der noch
vorzunehmenden Abklärungen auch die ursprüngliche Händigkeit der Versicherten ein
für allemal geklärt werden.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 27. März 2012
(act. G 1.2) in teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur
weiteren Abklärung im Sinn der Erwägungen und anschliessend neuer Verfügung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss
zwar als volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2), allerdings erscheint im vorliegenden
Fall - wo die Beschwerdeführerin eine Rente gestützt auf das Gutachten vom 31. Juli
2010 beantragte - eine Verteilung der Kosten auf beide Parteien sachgerechter. Die
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- haben die Beschwerdegegnerin im Umfang von
Fr. 300.-- und die Beschwerdeführerin im Betrag von Fr. 300.-- zu bezahlen. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin daran
angerechnet und im Umfang von Fr. 300.-- zurückerstattet.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
anteilige Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise und ohne
Rücksicht auf den Streitwert festzusetzen. Bei Berücksichtigung der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses erscheint eine Entschädigung von
Fr. 1'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen (Art. 61 lit. g ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP