Decision ID: 13381dcd-5106-4367-8b1b-48748b381121
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals am 27. Juni 2005 zum Bezug von IV-Leistungen an.
Sie gab an, sie sei am 30. April 2001 in die Schweiz eingereist (IV-act. 1). Dies
entsprach den Angaben in der Aufenthaltsbewilligung (IV-act. 2-3). Weiter erklärte die
Versicherte, sie sei bis 1999 in ihrem Herkunftsland erwerbstätig gewesen, seither
jedoch keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen (IV-act. 7). Dr. med. B._,
Allgemeine Medizin FMH, hielt am 4. August 2005 folgende Diagnosen fest: Asthma
bronchiale (seit ca. 1994), Polytoxikomanie (seit Jahren), aktuell unter
Methadonsubstitution (40 mg täglich, Paceum 10 mg täglich), rezidivierende
Gelenkschmerzen und – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – St. n. subtotaler
Thyreoidektomie, Eltroxsubstitution, St. n. Hepatitis B und C und Adipositas. Er
berichtete, die Versicherte habe bis 1997, also vor dem Krieg, in ihrem Herkunftsland
als Kindergärtnerin gearbeitet. Seither sei sie erwerbslos. Aktuell lebe sie von den IV-
Leistungen, die der ebenfalls drogenabhängige Ehemann erhalte. Aufgrund der
psychiatrischen Störung sei die Versicherte seit Jahren arbeitsunfähig. Allenfalls wäre
eine Betätigung in einer geschützten Werkstatt denkbar (IV-act. 8). Dr. med. C._,
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Oberärztin an der psychiatrischen Klinik D._, berichtete der IV-Stelle am 16. August
2005, sie habe bei der Versicherten folgende Diagnosen erhoben: Störung durch
multiplen Substanzgebrauch, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem
ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm (Methadon), vor dem Hintergrund einer
Persönlichkeitsstörung vom emotional unstabilen Typ bei posttraumatischer
Belastungsstörung mit anhaltender somatoformer Schmerzstörung. Dr. C._ führte
aus, die Versicherte habe im Bosnienkrieg schwere sexuelle Gewalt erlebt und mit
ansehen müssen, wie ihr Onkel und andere Personen getötet worden seien. Vorher sei
die Versicherte gut im Leben integriert gewesen und habe keinerlei Symptome gehabt.
Seit dem Krieg sei sie jedoch unruhig, nervös, habe Angst- und Panikattacken, sei von
Albträumen geplagt, schrecke bei Lärm sofort auf und erinnere sich an den Krieg. Sie
spüre, dass Heroin und Benzodiazepine sie beruhigten und nehme Drogen, um die
Erinnerungen an den Krieg zu verscheuchen. Gemäss den Angaben von Dr. C._ hatte
die Versicherte vor dem Klinikeintritt folgende Suchtmittel konsumiert: Zwei Liter Bier
pro Tag, vier Kapseln Tramal pro Tag, 50 mg Valium pro Tag, 2,5 mg Temesta pro Tag,
selten Kokain, ab und zu Cannabis sowie 50 mg Methadon als kontrollierte Abgabe.
Abschliessend hielt Dr. C._ fest, die Versicherte sei in einem gebesserten, jedoch
nicht in einem stabilen Zustand entlassen worden. Die Prognose hänge im
Wesentlichen davon ab, inwiefern die Versicherte mithilfe einer Verhaltenstherapie und
einer psychotherapeutischen Begleitung erlernen könne, ihre Angst- und Panikattacken
und die intensiven Erinnerungsbilder an den Krieg zu beherrschen. Derzeit bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit. Eine Arbeit im geschützten Rahmen sei vorstellbar, sofern die
Versicherte ihre Symptomatik soweit in den Griff bekomme, dass sie nicht mehr auf
den Drogenkonsum als Copingstrategie zurückgreifen müsse (IV-act. 10).
A.b Dr. med. E._ vom RAD notierte am 3. Januar 2005, ein überwiegender Teil der
Problematik dürfte bereits vor der Einreise in die Schweiz vorhanden und auch
behandlungsbedürftig gewesen sein. Es bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf
dem freien Arbeitsmarkt. Konkret sei zu prüfen, ob die Versicherte bereits zum
Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz 100% arbeitsunfähig gewesen sei (IV-act. 15-2).
Daraufhin bat die IV-Stelle das Bundesamt für Flüchtlinge am 5. Januar 2005 um die
Zustellung der grenzsanitarischen Unterlagen (IV-act. 16). Das Bundesamt für Migration
bemerkte am 19. Januar 2005, dass sich die Unterlagen zur grenzsanitarischen
Untersuchung nicht in ihren Akten befänden, sondern direkt an den zuständigen
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Kantonsarzt übermittelt worden seien (IV-act. 17-1). Es übermittelte jedoch u.a. einen
Auszug aus einem Austrittsbericht der kantonalen psychiatrischen Dienste Nord über
eine Hospitalisation der Versicherten vom 21. Januar bis 5. April 2002. Gemäss der
darin zusammengefassten Anamnese hatte die Versicherte angegeben, sie sei im Krieg
vergewaltigt worden. Von 1998 bis 2000 sei sie erstmals als Asylbewerberin in der
Schweiz gewesen. Während des Aufenthalts sei es zu verschiedenen
Spitalbehandlungen wegen Atemnot gekommen. Nach der Ausschaffung im November
2000 sei sie bis März 2001 in ihrem Herkunftsland gewesen, wo sie erneut vergewaltigt
worden sei. Seit den traumatischen Kriegserlebnissen leide sie unter Angstzuständen
und Atemnot. In Bosnien sei ein Asthma bronchiale mit Morphium behandelt worden.
Während einer Behandlung im Kantonsspital St. Gallen im Oktober 2001 sei es zu einer
deutlichen Entzugssymptomatik gekommen, worauf sie in die psychiatrische Klinik
verlegt worden sei. Seit dem 22. Oktober 2001 sei sie in einem Methadonprogramm
(IV-act. 17-13). Die Ärztin H._ von der medizinisch-sozialen Hilfsstelle 2 der Stiftung
Suchthilfe gab am 15. Mai 2006 an, die Versicherte sei zweimal behandelt worden. Der
erste Entzug im Oktober 2001 zur Überbrückung bis zum Eintritt in die psychiatrische
Klinik D._ habe wegen schwerwiegender psychischer Probleme nach zweieinhalb
Monaten vorzeitig abgebrochen werden müssen. Die zweite Aufnahme sei im April
2002 erfolgt und am 10. Mai 2002 habe – diesmal durch den Hausarzt – ein weiterer
Methadonentzug begonnen (IV-act. 31-1). Dr. med. I._ vom RAD notierte am 30. Mai
2006, die schwere Traumatisierung, die zu der tiefgreifenden
Persönlichkeitsveränderung geführt und die als Auslöser des Asthmas bronchiale zu
betrachten sei, sei lange vor der Einreise in die Schweiz dokumentiert. Dasselbe gelte
für die Behandlungs- und Selbstbehandlungsversuche mit Morphin und für die
Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung. Aus medizinischer Sicht sei es sehr
wahrscheinlich und zum Teil anamnestisch belegt, dass die beschriebenen Störungen
bereits vor der Einreise in die Schweiz bestanden hätten (IV-act. 33). Mit einer
Verfügung vom 2. Juni 2006 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen und um eine Invalidenrente ab und begründete dies damit,
dass die gesundheitsbedingten Einschränkungen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit bereits bei der Einreise in die Schweiz vorlagen, die
versicherungsmässigen Voraussetzungen zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht erfüllt
gewesen seien (IV-act. 35). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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A.c Am 3. Juli 2006 ersuchte die EL-Durchführungsstelle die IV-Stelle, rechtshilfeweise
den Invaliditätsgrad der Versicherten zu ermitteln (IV-act. 37). Die IV-Stelle verglich ein
Valideneinkommen als Hilfsarbeiterin von Fr. 47‘460.-- mit einem in einer geschützten
Werkstätte erzielbaren Erwerbseinkommen von Fr. 9‘600.-- und ermittelte so einen
Invaliditätsgrad von 80%, den sie auf einem internen "Feststellungsblatt" festhielt (IV-
act. 38). In diesem Zusammenhang berichtete Dr. B._ am 4. Dezember 2006, die
Versicherte sei nach wie vor vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 47).
B.
B.a Die Versicherte meldete sich am 22. Mai 2012 erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 49). Die IV-Stelle wies sie am 7. Juni 2012 darauf hin, dass
gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (SR 831.201;
IVV) nur dann auf ein erneutes Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen und
Rentenleistungen eingetreten werden könne, wenn darin glaubhaft gemacht worden
sei, dass sich die Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert
habe. Sie räumte der Versicherten eine Frist bis 5. Juli 2012 ein, um entsprechende
Dokumente einzureichen (IV-act. 51). Am 16. Juli 2012 notierte eine Sachbearbeiterin
der IV-Stelle, innert der angesetzten Frist seien keine Unterlagen eingegangen (IV-act.
52-2). Am 20. Juli 2012 erging eine Nichteintretensverfügung (IV-act. 54). Dr. B._
reichte am 24. Juli 2012 diverse medizinische Berichte der vergangenen Jahre ein (IV-
act. 55). Eine Reaktion der IV-Stelle blieb aus.
B.b Am 26. Juli 2016 meldete sich die Versicherte ein drittes Mal zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 58). Med. pract. J._ von der psychiatrischen Klinik D._ hielt
am 27. Juli 2016 in einem Zeugnis fest, die Versicherte sei seit dem 1. Mai 2016 in
stationärer Behandlung. Es handle sich um den sechsten Aufenthalt in der Klinik D._.
In den letzten Jahren sei sowohl bezüglich des Funktionsniveaus als auch bezüglich
der Psychopathologie eine Verschlechterung eingetreten (IV-act. 59). Die IV-Stelle wies
die Versicherte am 2. August 2016 routinemässig darauf hin, dass eine wesentliche
Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts bislang nicht habe glaubhaft gemacht
werden können (IV-act. 63). Sie räumte der Versicherten eine Frist bis 16. August 2016
ein, um die notwendigen Dokumente einzureichen (IV-act. 63). Am 18. August 2016
erhielt die IV-Stelle ein ärztliches Zeugnis von Dr. B._ vom Vortag. Darin hatte Dr.
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B._ ausgeführt, dass die Versicherte aufgrund ihrer schweren Suchtkrankheit seit
Jahren auf IV-Leistungen angewiesen wäre. Mittlerweile sei sie von ihrem ebenfalls
drogenabhängigen Ehemann, von dessen IV-Rente sie gelebt habe, geschieden (IV-act.
67-1). Diesem ärztlichen Zeugnis lagen zwei Berichte bei: Dr. med. K._, Chefarzt
Chirurgie vom Spital L._, hatte am 5. August 2016 als neue Diagnose ein mässig
differenziertes Adenokarzinom vom intratestinalen Typ in der rechten Kolonflexur ohne
Stenose angegeben (IV-act. 67-3) und Dr. med. M._, Facharzt für Innere Medizin
FMH, hatte am 8. August 2016 neu eine COPD aufgelistet (IV-act. 67-5). Ein
Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte am 19. Dezember 2016, die Versicherte habe die
versicherungsmässigen Voraussetzungen nicht erfüllt, weil sie bereits bei der Einreise
in die Schweiz in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen sei. Seitdem
sie in der Schweiz lebe, habe sie keine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Deshalb habe
sich am Sachverhalt nichts verändert. Das (neue) Leistungsbegehren sei „mit
Nichteintreten abzuweisen“ (IV-act. 72). Mit einem Vorbescheid vom 4. Januar 2017
kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, dass sie nicht auf das neue
Leistungsbegehren eintreten werde (IV-act. 73). Die Versicherte wandte am 17. Januar
2017 ein, dass sich ihre gesundheitliche und soziale Situation verschlechtert habe und
dass sie neben der chronischen Suchterkrankung, welche primär zu ihrer
Erwerbsunfähigkeit führe, neu an Dickdarmkrebs leide (IV-act. 74). Die IV-Stelle
verfügte am 20. Februar 2017 ein Nichteintreten auf das Leistungsbegehren. Dies
begründete sie damit, dass die versicherungsmässigen Voraussetzungen schon zum
Zeitpunkt der Abweisungsverfügung vom 6. Juli 2005 nicht erfüllt gewesen seien, da
der erhebliche Gesundheitsschaden, der eine Erwerbsunfähigkeit von mehr als 70%
zur Folge habe, bereits vor der Einreise in die Schweiz bestanden habe. Weil die
versicherungsmässigen Voraussetzungen bereits damals nicht erfüllt gewesen seien,
könnten sie auch heute nicht mehr erfüllt werden (IV-act. 79).
C.
C.a Die Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführerin) liess am 22. März 2017 gegen
die Nichteintretensverfügung Beschwerde erheben und den Antrag stellen, die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) sei anzuweisen, „auf das Gesuch für ein neues
Leistungsbegehren einzutreten“. Zur Begründung ihres Hauptantrages liess sie
ausführen, gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG setze der Anspruch auf eine ordentliche
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Invalidenrente voraus, dass bei Eintritt der Invalidität während mindestens drei Jahren
Beiträge geleistet worden seien. Sie habe durch die Beiträge ihres Ehemannes vor der
Neuanmeldung ohne Weiteres während drei Jahren Beiträge geleistet. Zur Diskussion
stehe keine Revision, sondern eine „gänzliche“ Neuanmeldung infolge eines neuen
medizinischen Sachverhalts. Sie leide an einer vollkommen neuen und schweren
Krankheit, die ebenfalls zu einer vollständigen Invalidität führen könne. Wäre sie nicht
bereits bei der Einreise in die Schweiz gesundheitlich beeinträchtigt gewesen, so wäre
die Beschwerdegegnerin ohne Weiteres auf das Leistungsbegehren eingetreten. Die
Auffassung der Beschwerdegegnerin, die versicherungsmässigen Voraussetzungen
könnten heute nicht mehr erfüllt werden, sei unzutreffend. Sie, die Beschwerdeführerin,
erfülle heute alle Voraussetzungen für eine Invalidenrente (act. G 1). Der Beschwerde
lagen diverse medizinische Berichte bei, u.a. ein Operationsbericht vom 29. August
2016 über eine offene erweiterte Hemikelektomie (act. G 1.1.8), vom 7. Februar 2017
über eine Operation bei einer chronisch infizierten Panvertebralfistel (act. G 1.1.10) und
vom 13. März 2017 über eine Operation bei einem Bauchdeckenabszess (act. G
1.1.12).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 21. April 2017 die Abweisung der
Beschwerde. Sie verwies darauf, dass ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente aufgrund der nicht erfüllten versicherungsmässigen Voraussetzungen
mit der Verfügung vom 2. Juni 2006 rechtskräftig verneint worden sei. Die
Beschwerdeführerin sei seit ihrer Einreise in die Schweiz im Mai 2001 vollständig
arbeitsunfähig und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit ihrer Einreise vollständig
invalid gewesen sei. Deshalb mache es keinen Unterschied, wenn seither neue
invalidisierende Leiden hinzugekommen und zwischenzeitlich seit mehr als drei Jahren
Beiträge bezahlt worden seien. Es könne kein neuer Versicherungsfall vorliegen. Die
Nichteintretensverfügung sei somit rechtmässig (act. G 4).
C.c In einer Replik vom 30. Juni 2017 liess die Beschwerdeführerin sinngemäss
entgegnen, dass nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung ein neuer
Versicherungsfall eintrete, wenn nach der Einreise in die Schweiz eine völlig
verschiedene Gesundheitsbeeinträchtigung zu der Gesundheitsbeeinträchtigung
hinzutrete, die bei der Einreise in die Schweiz bereits bestanden habe. Eine neue
Krankheit sei also ein neuer Versicherungsfall. Sie leide mit dem Adenokarzinom am
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Colon an einer solchen neuen Krankheit. Die Beschwerdegegnerin hätte deshalb auf
die Neuanmeldung eintreten und abklären müssen, inwiefern die Leiden, die bei der
Einreise in die Schweiz noch nicht bestanden hätten, eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge
hätten (act. G 10).
C.d Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.

Erwägungen
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 20. Februar 2017 ist die
Beschwerdegegnerin nicht auf das neue Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin vom
26. Juli 2016 über die Gewährung einer Invalidenrente eingetreten. Der
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens ist deshalb die Frage, ob die
Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin in Bezug auf die
Gewährung einer Invalidenrente hätte eintreten müssen.
1.2 Die Beschwerdeführerin ist ausländische (genauer: bosnisch-herzegowinische)
Staatsangehörige und im Jahr 2001 aus dem ehemaligen Jugoslawien in die Schweiz
gekommen (IV-act. 61). Bis zum Inkrafttreten des Sozialversicherungsabkommens
zwischen der Schweiz und Bosnien-Herzegowina gilt das
Sozialversicherungsabkommen zwischen der Schweiz und Jugoslawien (https://
www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-72358.html,
zuletzt besucht am 2. Oktober 2018). Gemäss Art. 2 des
Sozialversicherungsabkommens zwischen der Schweiz und Jugoslawien sind die
schweizerischen und jugoslawischen Staatsangehörigen in den Rechten und Pflichten
u.a. aus dem IVG einander gleichgestellt, soweit im Abkommen und seinem
Schlussprotokoll nichts Abweichendes bestimmt ist (vgl. Abkommen zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien
über Sozialversicherung [SR 0.831.109.818.1], BGE 139 V 263). In Bezug auf die
versicherungsmässigen Voraussetzungen lassen sich in diesem Abkommen keine
speziellen Vorschriften finden. Es sind also die Bestimmungen des schweizerischen
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (SR 831.20; IVG) anwendbar. Gemäss
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Art. 6 Abs. 2 IVG sind ausländische Staatsangehörige nur anspruchsberechtigt,
solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und
sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge
geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten
haben. Gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG haben jene versicherten Personen einen Anspruch
auf eine ordentliche Rente, die bei Eintritt der Invalidität während mindestens drei
Jahren Beiträge geleistet haben.
2.
2.1 Im Sozialversicherungsleistungsrecht gilt der Grundsatz, dass jede versicherte
Person jederzeit ihren Leistungsanspruch geltend machen kann (vgl. Art. 29 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [SR 830.1;
ATSG]) und somit auch einen Anspruch auf eine materielle Prüfung ihres Gesuchs hat.
Eine Ausnahme davon sieht Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (SR 831.201; IVV) vor: Ist die Zusprache einer IV-Rente aufgrund
eines zu geringen IV-Grades verweigert worden, wird eine Neuanmeldung gemäss Art.
87 Abs. 3 IVV nur geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft machen kann, dass
sich der Grad ihrer Invalidität in einer für den IV-Rentenanspruch erheblichen Weise
geändert hat (vgl. Art. 87 Abs. 2 IVV). Im vorliegenden Fall ist das erste
Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin aus dem Jahr 2006 nicht infolge eines zu
geringen IV-Grades, sondern aufgrund der Nichterfüllung der versicherungsmässigen
Voraussetzungen abgewiesen worden. In der Regel gelten die versicherungsmässigen
Voraussetzungen – anders als der Gesundheitszustand bzw. der IV-Grad – als
veränderungsresistent. Der Anspruch auf eine Invalidenrente resultiert nämlich aus
einem klassischen Versicherungsverhältnis im Bereich der Invalidenversicherung, in
welchem ein während des Bestehens der Versicherungsdeckung eingetretener
versicherter Schaden einen Anspruch auf die Versicherungsleistung – die
Invalidenrente – entstehen lässt. Tritt also, bevor eine versicherte Person die
versicherungsmässigen Voraussetzungen des Art. 36 Abs. 1 IVG erfüllt hat, d.h. bevor
das Versicherungsverhältnis in Bezug auf das Risiko, dass ein zu einem Anspruch auf
eine Invalidenrente führender Gesundheitsschaden eintreten könnte, überhaupt
entstanden ist, ein Gesundheitsschaden ein, so kann dieser selbst dann nicht
versichert sein, wenn die zur Entstehung des Versicherungsverhältnisses erforderlichen
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Voraussetzungen in der Folge erfüllt werden und sich der Gesundheitsschaden
gegebenenfalls sogar massgeblich vergrössert (vgl. dazu auch das Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 30. Mai 2006, I 76/05, E. 2). Würde man
allerdings ausschliesslich dem Wortlaut des Art. 87 Abs. 3 IVV folgen, müsste auf
Neuanmeldungen, die sich von früheren, aufgrund des Nichtvorliegens der
versicherungsmässigen Voraussetzungen abgewiesenen Leistungsgesuchen nicht
unterscheiden, materiell eingetreten werden, weil eben nicht der zu niedrige IV-Grad
der Grund für die Abweisung gewesen ist. Sinn und Zweck des Art. 87 Abs. 3 IVV
bestehen jedoch darin, zu verhindern, dass sich die IV-Stellen nach vorausgegangenen
rechtskräftigen Leistungsverweigerungen oder rechtskräftig abgelehnten
Revisionsgesuchen immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten,
d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen müssen
(vgl. BGE 117 V 198 E 4b mit Hinweisen). Ziel ist also die Verminderung des
Verwaltungsaufwands der IV-Stellen bei Leistungsgesuchen, die aufgrund einer bereits
rechtskräftig verfügten Abweisung von vornherein nicht dazu geeignet sind, einen
Leistungsanspruch zu begründen. Eine gesuchstellende Person muss deswegen im
Falle einer Neuanmeldung glaubhaft machen, dass sich der massgebliche Sachverhalt
seit der letzten rechtskräftigen Abweisung massgeblich geändert hat und ihr
Leistungsgesuch somit – zumindest theoretisch – anders beantwortet werden könnte
als das vorherige. Innerhalb ein und desselben Versicherungsfalls ist eine
Sachverhaltsveränderung in Bezug auf das Vorliegen der versicherungsmässigen
Voraussetzungen nicht möglich, weil ein Versicherter diese bei Eintritt des fraglichen
Gesundheitsschadens entweder bereits erfüllt hat oder eben nicht. Obwohl Art. 87 Abs.
3 IVV den Fall des nach der Abweisung eines ersten Leistungsgesuchs infolge der
Nichterfüllung der versicherungsmässigen Voraussetzungen eingereichten neuen
Leistungsgesuchs nicht erfasst, muss allein aufgrund der Tatsache, dass
versicherungsmässige Voraussetzungen innerhalb eines Versicherungsfalls absolut
veränderungsresistent sind, gerade für diesen Fall ganz klar eine (wenn auch
ungeschriebene) Ausnahme von der Regel, dass jedes Leistungsgesuch materiell zu
prüfen ist, bestehen, d.h. es darf nicht auf ein erneutes Leistungsgesuch eingetreten
werden.
2.2 Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren der
Beschwerdeführerin um eine Invalidenrente mit einer formell rechtskräftigen Verfügung
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vom 2. Juni 2006 abgewiesen, da die Gesundheitsschäden der Beschwerdeführerin
(konkret ein Asthma bronchiale, eine Polytoxikomanie sowie eine
Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen Typus bei posttraumatischer
Belastungsstörung mit somatoformer, anhaltender Schmerzstörung) bereits vor der
Einreise in die Schweiz bestanden hatten (IV-act. 35). Weil die invaliditätsrelevanten
Gesundheitsschäden (bzw. die daraus resultierende Invalidität) im konkreten Fall also
bereits eingetreten waren, bevor die versicherungsmässigen Voraussetzungen gemäss
Art. 36 Abs. 1 IVG erfüllt waren bzw. bevor überhaupt ein Versicherungsverhältnis
entstanden war, ist eine "Deckung" dieser "Schäden" durch die Invalidenversicherung
nicht möglich. Dasselbe muss aufgrund der Veränderungsresistenz der
versicherungsmässigen Voraussetzungen (vgl. E 2.1) auch im Falle einer Vergrösserung
der bereits bestehenden und nicht versicherten Gesundheitsschäden sowie bei allfällig
auftretenden Folgeschäden gelten, weshalb die Geltendmachung einer nachträglichen
Verschlechterung des bereits vor der Einreise in die Schweiz bestehenden
psychiatrischen Zustandes der Beschwerdeführerin bzw. deren gesundheitlichen
Situation aufgrund ihrer Drogenabhängigkeit in Bezug auf die Frage, ob sie Anspruch
auf eine IV-Rente hat bzw. ob auf ihr erneutes Leistungsgesuch vom 26. Juli 2016
einzutreten gewesen wäre, nichts daran ändert, dass nicht auf die erneute Anmeldung
eingetreten werden darf.
3.
3.1 Es stellt sich jedoch die Frage, was gilt, wenn ein neuer, vom ersten
Gesundheitsschaden unabhängiger Gesundheitsschaden eingetreten ist. Im
vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin nämlich im Rahmen des neuen
Leistungsgesuchs vom 26. Juli 2016 unter anderem geltend gemacht, neu an einem
bösartigen Adenokarzinom des Colons zu leiden, welches – losgelöst von den bereits
bestehenden Gesundheitsschäden – zu einer vollständigen Invalidität führen könne. Da
sie zudem die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfülle, sei auf ihr
Leistungsgesuch einzutreten (vgl. IV-act. 58, act. G 1, act. G 10). Im konkreten Fall
stellt sich deshalb zunächst die Frage, ob das mit der Einreise in die Schweiz im Jahr
2001 neu entstandene Invalidenversicherungsverhältnis, obwohl bereits ein erster
(nichtversicherter, vgl. E 2.1) Gesundheitsschaden vorliegt, überhaupt einen zweiten,
davon unabhängigen Gesundheitsschaden als Versicherungsfall zulässt. Gemäss der
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bundesgerichtlichen Rechtsprechung besteht im Rahmen der Invalidenversicherung die
Möglichkeit einer Deckung mehrerer Versicherungsfälle (vgl. BGE 136 V 369). Im
konkreten Fall kann jedoch in Bezug auf den ersten Gesundheitsschaden eben gerade
nicht von einem "Versicherungsfall" gesprochen werden, da dieser aufgrund der
fehlenden versicherungsmässigen Voraussetzungen gar nicht versichert war. Dennoch
ist auch bei der vorliegenden Konstellation zu berücksichtigen, dass in der Schweiz in
Bezug auf die Invalidenversicherung grundsätzlich gemäss Art. 2 IVG i.V.m. Art. 3 und
12 AHVG für Personen im erwerbsfähigen Alter das Versicherungsobligatorium gilt. So
müssen auch Ausländer, die in die Schweiz einreisen, Beiträge zahlen und haben,
sofern sie die entsprechenden Voraussetzungen des IVG erfüllen, einen Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung. Weil somit im Rahmen des
Versicherungsobligatoriums (vgl. Art. 2 IVG i.V.m. Art. 3 und 12 AHVG) – unabhängig
vom Gesundheitszustand der versicherten Personen – eine Beitragspflicht und somit
auch ein Versicherungsverhältnis entsteht bzw. besteht, müssen also die versicherten
Personen grundsätzlich auch – ebenfalls unabhängig von ihrem bisherigen
Gesundheitszustand – einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung haben
können, wenn ein völlig neuer Gesundheitsschaden eintritt und sie die entsprechenden
Voraussetzungen für einen Leistungsbezug erfüllen.
3.2 Tritt also ein völlig neuer Gesundheitsschaden ein, so gilt in Bezug auf diesen
wieder der aus Art. 29 Abs. 1 ATSG resultierende Grundsatz, dass ein Anspruch auf die
materielle Prüfung eines Leistungsgesuches besteht. Ein Nichteintreten könnte auch in
diesem Fall gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV wieder nur dann ausnahmsweise verfügt
werden, wenn das erstmalige Leistungsgesuch aufgrund eines zu geringen
Invaliditätsgrades abgewiesen worden wäre (vgl. aber auch die weitere Ausnahme in
Bezug auf die versicherungsmässigen Voraussetzungen E 2.1). Im konkreten Fall hätte
die Beschwerdegegnerin also, folgte man ausschliesslich dem Wortlaut des Art. 87
Abs. 3 IVV, auf das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin eintreten müssen. Die
Beschwerdegegnerin hat jedoch zu bedenken gegeben, dass aus dem ersten, nicht
versicherten Gesundheitsschaden ein derart hoher Invaliditätsgrad resultiert habe, dass
gar kein Rentenanspruch mehr bestehen könne (vgl. IV-act. 79). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist, sofern die Verschlechterung des
Gesundheitszustandes einer versicherten Person nicht einer Vergrösserung des bereits
vor der Entstehung des Versicherungsverhältnisses bestehenden
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Gesundheitsschadens, sondern einem komplett neuen, nach der Entstehung des
Versicherungsverhältnisses auftretenden Gesundheitsschadens geschuldet ist, zu
prüfen, ob der neue Gesundheitsschaden – zusätzlich zum bereits bestehenden
"Schaden" bzw. zur bereits bestehenden Invalidität – einen rentenrelevanten IV-Grad
zu begründen vermag (vgl. dazu den Entscheid des Bundesgerichts vom 25. Oktober
2010, 9C_369/2010 E 3.1.1). Dies leuchtet durchaus ein. Obwohl die
Versicherungsdeckung nämlich grundsätzlich auch für neue Schäden an bereits
"beschädigten" versicherten "Gütern" gilt, ist zu berücksichtigen, dass nur der bei
Eintritt in das Versicherungsverhältnis vorliegende Gesundheitszustand versichert ist.
Hat vor der Entstehung des Versicherungsverhältnisses also bereits ein IV-Grad von
40% bestanden und führt der nach der Entstehung des Versicherungsverhältnisses neu
eingetretene Gesundheitsschaden für sich allein ebenfalls zu einem IV-Grad von 40%,
kann lediglich ein Anspruch auf eine Viertelsrente bestehen, weil der vorbestehende IV-
Grad nicht berücksichtigt werden kann. Hat der vorbestehende nicht versicherte
Gesundheitsschaden jedoch einen IV-Grad von 80% zur Folge gehabt, kann der neue
Gesundheitsschaden nur noch maximal einen IV-Grad von 20% begründen, da die
Erwerbsfähigkeit maximal 100% beträgt. Die Entstehung eines Rentenanspruchs ist
hier also unmöglich. Deshalb muss nach dem Sinn und vom Zweck des Art. 87 Abs. 3
IVV in einer Konstellation wie der vorliegenden ein Nichteintreten möglich sein, obwohl
die Abweisung des erstmaligen Leistungsgesuchs nicht mit einem zu niedrigen IV-Grad
begründet worden ist. Der Wortlaut des Art. 87 Abs. 3 IVV ist also lückenhaft und muss
im Falle einer neuerlichen Anmeldung einer versicherten Person unter Geltendmachung
eines neuen Gesundheitsschadens auch dann zur Anwendung kommen, wenn das
erstmalige Leistungsgesuch mit der Begründung abgewiesen worden ist, die
versicherte Person erfülle die versicherungsmässigen Voraussetzungen nicht. Die dann
im Rahmen von Art. 87 Abs. 3 IVV für ein Eintreten zu erfüllenden Voraussetzungen des
Art. 87 Abs. 2 IVV müssen dahingehend angepasst werden, dass zunächst glaubhaft
gemacht werden muss, dass ein völlig neuer Gesundheitsschaden vorliege und somit
die veränderungsresistenten versicherungsmässigen Voraussetzungen, deren
Nichterfüllung der unveränderliche Grund der erstmaligen Leistungsabweisung
gewesen ist, ausschliesslich in Bezug auf den neuen Gesundheitsschaden zu prüfen
sind. Zusätzlich muss die versicherte Person glaubhaft machen, dass der neue
Gesundheitsschaden einen Rentenanspruch entstehen lasse. Dazu ist es einerseits
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nötig, glaubhaft zu machen, dass nach Abzug des nicht versicherten
Gesundheitsschadens eine Erwerbsfähigkeit übrig ist, die so hoch ist, dass ihre
Einschränkung noch zu einem Anspruch auf eine Invalidenrente führen könnte (=
verbliebener IV-Grad mindestens 40%), und andererseits, dass die durch den geltend
gemachten Gesundheitsschaden resultierende Einschränkung einen Rentenanspruch
begründen könnte (= neuer Gesundheitsschaden führt zu einem IV-Grad von
mindestens 40%).
3.3 Die Beschwerdeführerin hatte zum Zeitpunkt der Prüfung ihres ersten
Leistungsgesuchs an einem Asthma bronchiale, einer Polytoxikomanie sowie einer
Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen Typus bei posttraumatischer
Belastungsstörung mit somatoformer, anhaltender Schmerzstörung gelitten (IV-act. 32).
Im Jahr 2016 hat sie angegeben, zusätzlich insbesondere an einem bösartigen
Adenokarzinom des Colons zu leiden (IV-act. 67, act. G 1, 10). Damit hat sie das
Vorliegen eines neuen Gesundheitsschadens glaubhaft gemacht. Es stellt sich somit
lediglich noch die Frage, ob die Beschwerdeführerin ausserdem eine rentenrelevante
neue (zusätzliche) Gesundheitsbeeinträchtigung hat glaubhaft machen können. Weil
eine Krebserkrankung aus der Sicht eines Laien geeignet ist, den menschlichen
Organismus massgeblich zu schädigen und deshalb davon auszugehen ist, dass dieser
geltend gemachte neue Gesundheitsschaden bereits für sich allein einen
Rentenanspruch hervorrufen könnte, ist die erste der beiden "Untervoraussetzungen"
als glaubhaft gemacht zu betrachten. In Bezug auf die verbliebene Erwerbsfähigkeit ist
anzumerken, dass die Beschwerdegegnerin im Rahmen der rechtskräftigen Verfügung
vom 2. Juni 2006 lediglich festgehalten hat, dass die Beschwerdeführerin bereits bei
der Einreise in die Schweiz erheblich in ihrer Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
eingeschränkt gewesen sei (IV-act. 35). Ausführungen zum konkreten Umfang der
beschriebenen Einschränkung, insbesondere zu einem konkreten IV-Grad, lassen sich
der Verfügung jedoch nicht entnehmen. Erst auf eine Anfrage der EL-
Durchführungsstelle hin hat die Beschwerdegegnerin am 25. Juli 2006 den IV-Grad der
Beschwerdeführerin bestimmt (IV-act. 38). Da sie diesen jedoch nicht verfügt hat und
da die Beschwerdeführerin keine Möglichkeit gehabt hat, sich gegen eine solche
Bemessung ihres IV-Grades zu Wehr zu setzen, steht der ursprüngliche IV-Grad nicht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Es ist
also nicht bekannt, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin im Rahmen des ersten
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Versicherungsfalls zum Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz invalid gewesen ist. Somit
muss auch der zweite Unterpunkt des rentenrelevanten Eintritts eines neuen
Gesundheitsschadens zumindest als glaubhaft gemacht betrachtet werden. Die
Beschwerdegegnerin hätte deshalb auf das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin
eintreten müssen.
4.
4.1 Zusammenfassend ist die Beschwerde deshalb gutzuheissen. Die
Nichteintretensverfügung vom 20. Februar 2017 ist als rechtswidrig aufzuheben und
durch einen Eintretensentscheid zu ersetzen. Dementsprechend ist die Sache zur
Durchführung des materiellen Verwaltungsverfahrens und zur anschliessenden
Verfügung in der Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Rahmen der
Sachverhaltsabklärungen hat die Beschwerdegegnerin zu überprüfen und zu beziffern,
in welchem Umfang die Beschwerdeführerin bei der Einreise in die Schweiz invalid
gewesen ist, ob tatsächlich ein neuer Gesundheitsschaden vorliegt und wie hoch der
Invaliditätsgrad allein infolge des zumindest bislang glaubhaft gemachten neuen
Gesundheitsschadens wäre. Abschliessend hat sie zu bestimmen, ob der IV-Grad des
neuen Gesundheitsschadens unter Berücksichtigung der infolge des ersten, nicht
versicherten Gesundheitsschadens reduzierten Versicherungsdeckung einen Anspruch
auf eine IV-Rente zu begründen vermag. Dies wäre beispielsweise dann der Fall, wenn
infolge des bei Einreise in die Schweiz bestehenden Gesundheitsschadens ein IV-Grad
von 60% resultiert hätte, während der neue Gesundheitsschaden beispielsweise
ebenfalls einen IV-Grad von 60% mit sich bringen würde, sodass bei einem maximal
möglichen "neuen" IV-Grad von 40% immerhin ein Anspruch auf eine Viertelsrente
bestünde.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
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4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Der
Vertretungsaufwand ist trotz des geringen Aktenumfangs aufgrund des doppelten
Schriftenwechselns und der im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten
Arztberichte annähernd im Bereich eines durchschnittlichen Rentenfalles gewesen.
Deshalb erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive
Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.