Decision ID: f03afa62-3b82-4f76-a471-31757c0a26c1
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1954 geborene
X._
meldete sich am 2
3.
Januar 2013 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
12/2). Zur Klärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zog die IV-Stelle nebst einem Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
12/4) die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (
Urk.
12/11) und holte einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
12/15) sowie Bericht
e
der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
12/8, 12/16, 12/27 und 12/29-30)
. Mit Mitteilung vom 1
8.
Juli 2013 teilte
sie
dem Versicherten mit, dass derzeit keine beruflichen Eingliederu
ngsmassnahmen nötig seien (Urk.
12/22). Mit Vorbescheid vom 2
8.
Oktober 2013 stellte die Verwaltung die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
12/33). Daran hielt sie – auf Einwand von
X._
hin (
Urk.
12/34 und Urk. 12/36) – mit Verfügung vom 1
3.
Dezember 2013 fest (
Urk.
12/41 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 2
2.
Januar 2014 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm rückwirkend eine angemessene Invalidenrente auszurichten
(
Urk.
1). Am 31. Januar 2014 reichte er einen Kurzbericht von Prof.
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Neurologie, und PD
Dr.
phil.
Z._
,
Diplom-Psychologin, über die am
7.
Januar 2014 stattgefundene neuropsychologische Untersuchung nach (
Urk.
7-8). Mit Beschwerdeantwort vom
3.
März 2014 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11). Mit Replik vom
7.
April 2014 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest (
Urk.
15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete in der Folge auf eine Duplik (
Urk.
19), was dem Versicherten am 20. Mai 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
20).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG
]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsablehnung damit, aus medizi
nischer Sicht bestehe weder aus physischen noch aus psychischen Gründen ein Gesundheitsschaden, der eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit begründe. Die Schlafapnoe sei gut behandelbar, was insbesondere deshalb gelte,
weil
sie nur leicht- respektive
mässiggradig
ausgeprägt sei
; sie werde
nun auch adäquat behandelt
(
Urk.
2). Aus dem Arbeitgeberfrage
boge
n gehe zudem hervor, dass der Beschwerdeführer ein rentenausschliessendes Einkommen erziele (
Urk.
11).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, er sei seit August 2012 aufgrund von gesundheitlichen Problemen in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
Er
schöpfe
seither
seine Restarbeitsfähigkeit
vollumfänglich
aus und sei bestmöglich einge
gliedert.
Die ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50
%
dauere länger als ein Jahr und der Invaliditätsgrad betrage 50
%
. Folglich seien alle Voraussetzungen für die
Zusprache
einer Invalidenrente erfüllt
.
Sofern die Be
handlung des Schlafapnoesyndroms erfolgreich sei und zu einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit führe
n würde
, gäbe dies
dann
Anlass für eine revisionsweise Überprüfung des Rentenanspruchs (
Urk.
1 S. 4 ff.).
Die von
der
Beschwerdegeg
nerin
aus dem
Arbeitgeberfragebogen
gezogene Schlussfolgerung
sei
ausserdem
aufgrund der ausgestellten ärztlichen Atteste falsch (
Urk.
15 S. 2).
3.
3.1
Zwischen
den
Parteien herrscht Uneinigkeit, ob der beim Beschwerdeführer beste
hende Gesundheitsschaden eine Erwerbsunfähigkeit bleibender Natur
res
pektive
von voraussichtlich längerer Dauer bewirkt.
Dies braucht aber nur wei
ter geprüft zu werden,
f
a
l
ls eine allfällige Invalidität ein rentenbegründendes Mass erreicht.
H
iezu
ergibt sich Folgendes:
Die
Ärzte des
A._
diagnostizierten am 3. Oktober
2013 eine obstruktive Schlafapnoe
mit Einschränkung der Konzent
ration
und der
Vigilanzregulierung
.
Sie führten aus, der Beschwerdeführer habe eine starke Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit durch Tagesmüdigkeit und ein vermehrtes Schlafbedürfnis
geschildert
, das sich nach einer Erysipel-Erkran
kung erstmals im Herbst 2011 manifestiert habe. Eine weitere Verschlimmerung der Symptomatik sei nach einer zweiten Erysipel-Erkrankung ab August 2012 aufgetreten.
Nach Angaben seiner Ehefrau schlafe er ruhig. Seine aktuelle Arbeitsschicht dauere von 18.45 – 23.00 Uhr. Gelegentlich habe er auch von 14.00 – 18.00 Uhr zu arbeiten.
Der Beschwerdeführer habe berichtet, er könne sich maximal vier bis fünf Stunden konzentrieren und arbeite deshalb in einem reduzierten Arbeitspensum
(50
%
;
Urk.
12/30/1-4 S. 1 f.).
3.2
Aus dem Arbeitgeberbericht vom 1
1.
März 2013 (
Urk.
12/15) geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit 3
1.
März 1970 bei der
B._
ange
stellt ist
(
Ziff.
2.1)
. Seine Arbeitszeit betrug vor Eintritt des Gesundheitsschadens sieben Stunden pro Tag und 42 Stunden in der Woche
und nach Eintritt des Gesundheitsschadens 4.9 Stunden pro Tag und 29.4 Stunden in der Woche
(
Ziff.
2.9)
. Daraus folgt, dass der Beschwerdeführer
seine Arbeit
jeweils an sechs Tagen in der Woche zu leisten hat.
Sein Lohn beläuft sich seit
1.
Januar 2013 auf Fr. 89‘061.-- (plus Nacht- und Sonntagszulagen
)
. Von seiner Arbeitgeberin wird der seit 1
4.
Februar 2013 der Arbeitsleistung entsprechende Verdienst mit Fr. 62‘342.70 (plus Nacht- und Sonntagszulagen) beziffert
(
Ziff.
2.10)
. Dieses um 30
%
tiefere Salär korreliert mit der seit dem gleichen Tag bestehenden Arbeitsunfähigkeit von 30
%
(S. 7)
.
3
.3
Die aktuell vom Beschwerdeführer ausgeübte Arbeitsschicht dauert
üblicher
weise
von 18.45 – 23.00 Uhr (
Urk.
12/30/1-4 S. 2 und
Urk.
12/30/7-8 S.
1). Bei einer sechs-Tage-Woche
ergibt sich damit
eine wöchentliche Arbeitszeit von
25.5 Stunden, womit v
erglichen mit der betriebsüblichen Arbeitszeit v
on 42 Stunden (
Urk.
12/15 Ziff.
2.9)
eine
zeitliche wie auch erwerbliche
Einschrän
kung von 39.29
%
resultiert
(vgl. E. 3.2 vorstehend)
. Da vorliegend von einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis auszugehen ist, stimmt das Mass der tat
sächlichen Erwerbseinbusse mit dem
Umfang der Invalidität überein
(vgl.
Meyer/
Reich
muth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 2014, S. 337
; vgl. auch E. 3.2 vorstehend
)
.
Angesichts des unter 40
%
liegenden Invaliditätsgrades (zur Rundung: BGE 130 V 121 E. 3.2) ist die Beschwe
rde bereits deshalb abzuweisen.
An diesem Ergebnis ändern die von den behandeln
den Ärzten
gegenüber der K
rankentaggeldversicherung
abgegebenen Beurtei
lungen der Arbeitsfähigkeit
(vgl.
Urk.
15 S. 2)
nichts, wirken sich
doch
diese
aufgrund der konkreten Arbeitsumstände des
Versicherten
effektiv
anders aus
.
Würde im Übrigen auf die vom Beschwerdeführer gemachte Angabe, wonach er sich maximal vier b
is fünf Stunden konzentrieren kö
nn
e
(Urk. 12/30/1-4 S. 2 und
Urk.
12/30/7-8 S. 1)
, abgestellt werden, wäre angesichts der im Gebiet der Invalidenversicherung geltenden Schadenminderungspflicht vom einem noch tieferen Invaliditätsgrad auszugehen
, kann er doch diese Arbeitsfähigkeit an sechs Tagen pro Woche verwerten
(
[
42 – 6
x 5
]
x 100 / 42 = 29
%
). Dies gilt umso mehr
als
die behandelnden Ärzte insbesondere in den Nachtstunden von einer verminderten Leistungsfähigkeit ausgehen (
Urk.
12/30/1-4 S. 3) und damit
zu erwarten ist, dass
der Beschwerdeführer
seine Restarbeitsfähigkeit
tagsüber
optimaler verwerten kann
. Entsprechendes ist auch
durch vermehrtes Einlegen von Pausen
zu vermuten.
Z
u ergänzen
bleibt zudem
, dass
der Beschwerdeführer selbst
nach Absolvierung
der
bis 23 Uhr dauernden Arbeitsschicht
über genü
gend Ressourcen verfügt, um
mit dem Auto nach Hause zu fahren
(Urk.
12/30/1-4 S.
2)
.
3.4
Bei diesem Ausgang
kann damit offen bleiben
, ob
die
vom Beschwerdeführer beklagten Leiden
– insbesondere die
mässiggradige
obstruktive Schlafapnoe (
Urk.
12/30/1-4 S. 2), die durch die dem Beschwerdeführer im Rahmen der Schadenminderungspflicht zumutbare CPAP-Therapie wirksam behandelt wer
den kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_53/2010 vom 2
6.
Mai 2010 E. 5.2.1 und
Urk.
12/30/1-4 S. 3)
–
überhaupt eine
invalidenversicherungsrechtlich relevante
Arbeitsunfähigkeit
verursachen
.
4.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
7
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss de
m
Beschwerdeführer
aufzuerlegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
).