Decision ID: a54ca7ec-5621-5458-852e-0dc4a4fce6ff
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer wurde am 7. Juli 2017 in der Schweiz als Flüchtling
anerkannt, und es wurde ihm Asyl gewährt.
B.
B.a Am 28. Dezember 2017 ersuchte der Beschwerdeführer um Bewilli-
gung der Einreise seiner Ehefrau und seiner fünf Kinder zwecks Familien-
zusammenführung.
B.b Im Rahmen der Prüfung des Gesuchs kam die Vorinstanz zum
Schluss, das Abstammungsverhältnis der Kinder sei nicht genügend be-
legt. Sie schlug dem Beschwerdeführer am 12. Januar 2018 die Durchfüh-
rung eines DNA-Tests vor und teilte ihm mit, dass er die Kosten zu tragen
habe. Am 25. Januar 2018 erklärte sich der Beschwerdeführer mit dem
DNA-Test einverstanden und machte die Vorinstanz auf Fehler in ihrem
Schreiben vom 12. Januar 2018 aufmerksam (ein Kind nicht aufgeführt;
zwei Geburtsdaten nicht korrekt). Die Vorinstanz stellte dem Beschwerde-
führer daraufhin am 31. Januar 2018 eine korrigierte Version zu.
B.c Der Beschwerdeführer ersuchte am 14. Dezember 2018 die Vor-
instanz um Übernahme der Kosten von Fr. 2'100.- für die DNA-Tests, da er
nicht über die erforderlichen finanziellen Mittel verfüge. Die Vorinstanz teilte
ihm am 8. Januar 2019 mit, es obliege ihm im Rahmen seiner Mitwirkungs-
pflicht, die Kosten für die DNA-Abklärungen zu übernehmen. Von diesem
Grundsatz könne nur in Härtefällen abgewichen werden. Die Vorinstanz
forderte den Beschwerdeführer auf, die finanzielle Situation von ihm selbst
sowie seiner Ehefrau und anderer nahen Verwandten umfassend darzule-
gen. Am 18. Januar 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinem Gesuch
um Übernahme der Kosten für die DNA-Tests fest und beantragte zusätz-
lich die Übernahme der Einreisekosten für die nachzuziehenden Familien-
mitglieder.
B.d Am 6. Februar 2019 bewilligte die Vorinstanz der Ehefrau und den fünf
Kindern des Beschwerdeführers die Einreise in die Schweiz.
B.e Am 13. Februar 2019 forderte die Vorinstanz den Beschwerdeführer
auf, einen detaillierten Voranschlag für die Einreisekosten vorzulegen. Am
27. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer einen Kostenvoranschlag
ein, der von Kosten von insgesamt Fr. 3'340.- ausging.
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B.f Mit Verfügung vom 12. März 2019 wies die Vorinstanz die Gesuche um
Übernahme der Kosten für die DNA-Tests und die Einreise ab.
C.
Am 29. März 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinngemäss
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Übernahme der
Kosten sowohl für die DNA-Tests als auch für die Einreise. Zudem ersuchte
er um unentgeltliche Rechtspflege.
D.
Die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers reisten am 16. April
2019 in die Schweiz ein und ersuchten um Asyl. Die Gesuche wurden am
21. Mai 2019 respektive 14. Juni 2019 gutgeheissen, und den Betroffenen
wurde Asyl gewährt.
E.
Am 12. Juni 2019 hiess der damals zuständige Instruktionsrichter das Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege gut.
F.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 12. Juli 2019 die Ab-
weisung der Beschwerde.
G.
In seiner Replik vom 15. August 2019 hielt der Beschwerdeführer an sei-
nen Anträgen und deren Begründung fest.
H.
Die Vorinstanz nahm am 25. September 2019 zur Replik Stellung. Der Be-
schwerdeführer verzichtete auf eine weitere Stellungnahme.
I.
Per 1. September 2020 wurde das Beschwerdeverfahren einem neuen In-
struktionsrichter zugeteilt.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-
gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist
[Art. 108 Abs. 6 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG]) sind erfüllt. Auf die Be-
schwerde ist daher einzutreten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet
das Bundesrecht von Amtes wegen an und kann die Beschwerde auch aus
anderen Gründen als den geltend gemachten gutheissen oder abweisen
(Art. 62 Abs. 4 VwVG).
3.
3.1 Die angefochtene Verfügung befasst sich mit zwei Gesuchen, die zu
unterscheiden sind. Zum einen geht es um die Kosten für das DNA-Gut-
achten, mit dem die Verwandtschaft zwischen dem Beschwerdeführer und
den nachzuziehenden Kindern nachgewiesen werden sollte. Zum anderen
geht es um die konkreten Reisekosten für die Familienmitglieder.
3.2 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sind die Kosten für den Nach-
weis des Verwandtschaftsverhältnisses mittels DNA-Gutachten nicht als
«Kosten für die direkte Einreise», welche der Bund übernehmen kann, an-
zusehen (vgl. Art. 92 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 53 Einleitungssatz AsylV 2
[SR 142.312]), sondern als Verfahrenskosten (entstanden durch Beweis-
erhebungen) im Rahmen des Gesuchs um Einreisebewilligung gestützt auf
Art. 51 Abs. 4 AsylG. Es handelt sich deshalb um ein Gesuch um Befreiung
von der Kostentragungspflicht (vgl. Urteil des BVGer F-5360/2017 vom
29. Mai 2018 S. 4 f.).
3.3 Der Beschwerdeführer hat um Bewilligung der Einreise für seine Fami-
lie ersucht und ist daher grundsätzlich verpflichtet, die Kosten inkl. Ausla-
gen für dieses Verfahren zu tragen (vgl. Art. 2 i.V.m. Art. 6 der Allgemeinen
Gebührenverordnung vom 8. September 2004 [AllgGebV, SR 172.041.1]).
Vor diesem Hintergrund ist sein im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens
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eingereichte Gesuch um «Übernahme der Kosten des DNA-Tests» als Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege anzusehen. Zwar sieht das VwVG
keine ausdrückliche Regelung für die unentgeltliche Rechtspflege im nicht-
strittigen Verfahren vor. Allerdings ergibt sich der Anspruch unmittelbar aus
Art. 29 Abs. 3 BV (vgl. BGE 128 I 225 E. 2.3) und folgt den gleichen Re-
geln, wie im strittigen Verfahren (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsver-
fahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, N 657
m.H.). Voraussetzung für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
ist demnach, dass die Partei bedürftig ist und ihr Begehren nicht aussichts-
los erscheint (so ausdrücklich für das strittige Verfahren Art. 65 Abs. 1
VwVG). Der Beschwerdeführer war zum Zeitpunkt der Gesuchstellung
(14. Dezember 2018) von der Sozialhilfe abhängig und daher offenkundig
bedürftig. Zudem hat die Vorinstanz zu jenem Zeitpunkt sein Begehren (Be-
willigung der Einreise seiner Familienmitglieder) nicht als aussichtslos an-
gesehen, sonst hätte sie nicht das DNA-Gutachten angeordnet (vgl. Akten
SEM B3 und B5; zum Begriff der Aussichtslosigkeit vgl. statt vieler BGE
140 V 521 E. 9.1 m.H.). Damit waren die Anforderungen an die Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege erfüllt.
3.4 Indem die Vorinstanz das (sinngemässe) Gesuch des Beschwerdefüh-
rers um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen hat, hat sie Bundesrecht
verletzt. Die Beschwerde ist in diesem Punkt gutzuheissen und die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben, soweit sie die Kosten für das DNA-Gut-
achten betrifft. Die Vorinstanz hat diese Kosten (Fr. 2'100.-, vgl. Akten SEM
B7) unter dem Titel unentgeltliche Rechtspflege auf die Staatskasse zu
nehmen. Da der Beschwerdeführer offenbar die Rechnung vom 12. De-
zember 2018 bereits bezahlt hat, ist ihm der Betrag von der Vorinstanz zu
erstatten.
4.
4.1 Beim Gesuch um Übernahme der direkten Einreisekosten handelt es
sich um ein selbständiges Verfahren. Als Kosten der Einreise sind gemäss
Art. 53 Einleitungssatz AsylV 2 nur die effektiven Reisekosten anzusehen,
im vorliegenden Fall die Kosten für den Flug (vgl. Kostenvoranschlag, Ak-
ten SEM B15).
4.2 Die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers gehören zwar zu
dem in Art. 53 Bst. d AsylV 2 genannten Personenkreis, für den der Bund
die Einreisekosten übernehmen kann. Diese Regelung soll verhindern,
dass sich durch die Verzögerung der Ausreise eine Gefahr für die schutz-
bedürftige Person ergibt (vgl. Urteil des BVGer F-7064/2018 vom 21. Juni
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2019 S. 5 f.). Praxisgemäss ist die Übernahme der Einreisekosten jedoch
restriktiv zu handhaben und kommt nur dann in Frage, wenn die betroffene
Person keine andere Möglichkeit zur Finanzierung hat (Prinzip der Subsi-
diarität; vgl. Urteil des BVGer F-7064/2018 S. 5 f. m.H.). Ist die betreffende
Person bereits in die Schweiz eingereist, so werden die Kosten grundsätz-
lich nicht übernommen, wobei allerdings die konkreten Umstände der
Reise – wie wurde sie finanziert? War die Person im Ausland in akuter Ge-
fahr? – zu berücksichtigen sind (vgl. Urteile des BVGer F-2973/2015 vom
10. Januar 2018 S. 5 f.; D-4352/2015 vom 2. September 2015 E. 5.2
m.H.).
4.3 Gemäss geltendem Recht prüft das Bundesverwaltungsgericht Verfü-
gungen des SEM im Anwendungsbereich des Asylgesetzes nicht auf ihre
Angemessenheit (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Gemäss BVGE 2014/22 (E. 5.4 -
5.8) handelt es sich beim Entscheid betreffend eine Übernahme der Ein-
reisekosten um einen Ermessensentscheid. Die Kognition beschränkt sich
deshalb auf qualifizierte Fehler (d.h. Missbrauch und Über- oder Unter-
schreitung des Ermessens).
4.4 Ein solch qualifizierter Fehler liegt nicht vor. Die Vorinstanz hat die Vor-
bringen des Beschwerdeführers anhand dieser Vorgaben geprüft und ist
zum Schluss gekommen, es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen
glaubhaft darzulegen, dass er mit Hilfe seine Verwandten im Ausland und
der Familie seiner Ehefrau nicht in der Lage war, die Kosten aufzubringen.
Ergänzend ist festzuhalten, dass aus den Akten nicht hervorgeht, dass sich
die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers in akuter Gefahr befun-
den hätten, nachdem es ihnen im September 2018 gelungen war, Eritrea
zu verlassen und nach Äthiopien zu reisen. Zu berücksichtigen ist ferner,
dass es dem Beschwerdeführer gemäss den Ausführungen in der Replik
gelungen ist, eine Organisation zu finden, die ihm das für die Einreise not-
wendige Geld vorgeschossen hat, weshalb seine Familie noch vor Ab-
schluss des Verfahrens in die Schweiz einreisen konnte. Die Beziehung
zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Gläubigerin ist für das vorlie-
gende Verfahren unerheblich und vermag dessen Ausgang nicht zu beein-
flussen (vgl. Urteil des BVGer F-7064/2018 vom 21. Juni 2019 S. 6).
4.5 Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen, soweit sie die Über-
nahme der Einreisekosten betrifft.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vorinstanzliche Verfügung
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Bundesrecht verletzt, soweit sie die Kosten für das DNA-Gutachten betrifft.
In diesem Umfang ist die Beschwerde gutzuheissen. Im Übrigen ist sie ab-
zuweisen.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten dem
Beschwerdeführer im Umfang des Unterliegens aufzuerlegen (vgl. Art. 63
Abs. 1 und Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21.Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch die unentgeltliche Verfah-
rensführung bewilligt wurde, ist er von der Bezahlung der Verfahrenskosten
befreit.
6.2 Im Umfang seines Obsiegens ist dem Beschwerdeführer zulasten der
Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendi-
gen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 und
Abs. 2 VwVG). Dem Gericht liegt keine Kostennote vor, weshalb die Par-
teientschädigung aufgrund der Akten festzulegen ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE).
Daher wird die (reduzierte) Parteientschädigung unter Berücksichtigung
der rechtlichen Komplexität und des Umfangs des Verfahrens auf pauschal
Fr. 350.- festgelegt.
7.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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