Decision ID: 7a139199-4392-56e2-bf28-b3439ff5928e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954,
bezog sei
t
März 2015 Taggelder der Arbeitslo
senversicherung und war damit bei der Suva gegen Unfälle versichert. Am 2
4.
Mai 2015 erlitt sie einen Unfall, als sie auf einem Baumstumpf sitzend das Gleichgewicht verlor, als ihr Enkel auf sie zugelaufen kam, zur Seite kippte und zu Boden fiel (
Urk.
8/1 und
Urk.
8/47). Die gleichentags erstbehandelnde
Dr.
med.
Y._
diagnostizierte eine Kniedistorsion rechts, Grad II-III sowie einen Ver
dacht auf eine Zerrung (
Urk.
8/11). Die Suva trat auf den Schaden ein und erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
Im Rahmen der Heilbehand
l
ung wurde in der Folge von der behandelnden
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin FMH für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie, die Diagnose einer posttraumatisch aktivierten Arthrose am rechten Kniegelenk gestellt (
Urk.
8/25). Mit Verfügung vom 2
4.
November 2015 (
Urk.
8/65) schloss die Suva den Fall per
7.
September 2015 ab und verneinte einen Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen. Dagegen erhob die Versicherte
am 1
1.
Januar 2016 (
Urk.
8/68) Einsprache. Am 9.
Mai 2017 (
Urk.
8/82/5-135) erging das von der Eidgenössischen Invalidenver
sicherung veranlasste polydi
sziplinäre Gutachten des A._
. Nach orthopädisch-chirurgischer Beurteilung durch Suva-Versiche
rungsmediziner
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädie und Unfall
chirurgie, vom
4.
Juli 2018 (
Urk.
8/95)
wies die Suva die Einsprache mit Entscheid vom 3
0.
Juli 2018 (
Urk.
2) ab.
2
.
Hiergegen erhob die Versicherte am 1
4.
September 2020 (
Urk.
1) Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, es
sei
der
Einspracheentscheid
vom 3
0.
Juli 2018 aufzu
heben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen nach UVG aufgrund der Unfallfolgen vom 2
4.
Mai
201
5
auszurichten; eventuell sei die Beschwerdeführerin durch das Gericht medizinisch begutachten zu lassen; subeventuell sei die Sache zwecks Einholung eines medizinischen Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungs
folgen (S. 2). Die Suva ersuchte am 1
5.
November 2018 (
Urk.
7) um Abweisung der Beschwerde. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels
(
Urk.
14 und
Urk.
17)
hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest.
Mit Verfügung vom 2
9.
Mai 2019 (
Urk.
18) erfolgte die Vereinigung von drei Prozessen in Sachen der
Versicherten
und der in ihrem
Alleineigentum
stehenden
C._
in Liquidation gegen die VAUDOISE ALLGEMEINE Versicherungs-Gesellschaft AG
(Prozess Nr. UV.2018.00257 und UV.2018.00267)
sowie in Sachen der
Versicherten
gegen die AXA Versicherungen AG
(Prozess Nr. UV.2019.00008)
. In jenen Prozessen geht es um Versicherungsleistungen
beziehungsweise deren Rückforderung, wobei im Wesentlichen das Vorliegen rechtsgültiger Versicherungsverhältnisse strittig ist. Die Suva prot
e
stierte am 2
8.
Juni 2019 (
Urk.
27)
,
die
Versicherte
sowie die
C._
am
7.
Oktober 2019 (
Urk.
37)
und die AXA Versicherungen AG am
2.
Dezember 2019 (
Urk.
41)
gegen die Vereinigung der Prozesse mit dem vorliegenden.
Eine Durch
sicht der Akten und
der Vorbringen
der Parteien hat gezeigt, dass zwischen den letzteren Prozessen und dem vorliegenden in der Tat kein Zusammenhang besteht. Namentlich
sind
andere
Unfä
ll
e
Gegenstand der Streitigkeit und betrifft die Frage der Versicherungsdeckung in den neueren Verfahren das Verhältnis der Versicherten zur Suva nicht. Demgemäss sind die vereinigten Prozesse Nr. UV.2018.00257, UV.2018.00267 und UV.2019.00008 vom vorliegenden abzu
trennen und unter der Verfahrensnummer UV.2020.00250 weiterzuführen. Die Verfahrensakten sind in den jeweil
s
betroffenen
Verfahren zu führen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 2
4.
Mai 2015 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werd
en.
1
.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1).
1.
3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungs
begründender natürlicher Kausalzusammenhang
gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrund
sätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung ihrer Leistungseinstellung aus
(
Urk.
1)
,
bereits vor dem Ereignis vom 2
4.
Mai 2015 seien bei der Beschwerde
führerin multiple Beschwerden am Bewegungsapparat bekannt gewesen, welche das rechte Knie beträfen. Dort bestünden
myofasziale
Beschwerden und eine mässige Retropatellara
r
throse, welche sich im konventionellen Röntgenbild (noch) nicht, jedoch im MRI deutli
c
h darstelle. Anlässlich des Stu
r
zes habe sich die Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Zerrung und Prellung des rechten Kniegelenkes zugezogen, wodurch die vorbestehende Arthrose aktiviert worden sei. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seien die relativ leichten Verletzungen einschliesslich der
Arthroseaktivierung
bis zum 1
0.
August 2015 folgenlos verheilt (S. 8).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt dagegen, es sei eine Retropatellararthrose im rechten Knie festgestellt worden
, welche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Ob die
se
ganz oder teilweise auf den Unfall zurückzuführen sei, lasse sich den Beurteilungen der Gutachter mangels Stellungnahme zur Kausalität nicht entnehmen (
Urk.
1 S. 6).
Replicando
ergänzte sie, auch eine nicht mehr aktivierte Arthrose könne weiterh
in Beschwerden verursachen, ein
Status quo ante oder sine sei
diesfalls
nicht erreicht. Auch wenn eine vorbestehende Arthrose durch den Unfall verschlimmert oder überhaupt erst symptomatisch geworden sei, seien Leistungen nach UVG geschuldet (
Urk.
14 S. 2).
3.
3.1
Die am Unfalltag erstbehandelnde
Hausärztin
Dr.
med.
Y._
,
D._
,
diagnostizierte in
ihrem Bericht vom 1
7.
Juni 2015 (
Urk.
8/11) eine Kniedistorsion rechts Grad II-III sowie einen Verdacht auf eine Zerrung. Sie empfahl eine konservative Behandlung.
3.2
Die MRI-Untersuchung vom 3
0.
Juni 2015 (
Urk.
8/18) zeigte einen intakten lateralen Meniskus, eine Degeneration des medialen
Meniskushinterhorns
, wenig bis mässigen Gelenkserguss, eine mässige
femoropatelläre
Arthrose
mit gross
flächiger Knorpelausdünnung
retropatellär
medial und mit latera
l
einzelnen Knorpeleinrissen, umschri
e
bene geringe Knorpelschäden do
r
sal am lateralen
Tibiaplateau
(DD Weichteilkontusion, umschriebene
Throm
b
ophlebitis
,
Pannikulitis
), flüssigkeitsgefüllt
e
Burs
präpatellaris
, keine flüssigkeitsgefüllte
Burs
anserina
sowie leichte Entzündung um die
Pes
anserinus
Sehnen.
3.3
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
welche die Beschwerdeführerin auf Überweisung durch die Hausärztin hin behan
delt hatte,
diag
n
o
st
izierte am
1
5.
und
2
2.
Juli 2015 (
Urk.
8/25
und
Urk.
8/45
) eine posttraumatisch aktivierte Arthrose recht
e
s Kniegelenk. Zur letzten Konsultation vom
2.
Juli 2015 verwies sie auf einen fehlenden Meniskusschaden (im MRI), aber eine deutlich
e
Gelenker
gussbildung und schon deutliche
Femuropatellararthrose
. Sie führte aus, eigentlich sei eine
Kortisoninjektion
geplant ge
w
esen, die Beschwerdeführerin habe aber nichts machen lassen wollen. Sie mache Akupunk
tur, es sei jetzt auch schon viel besser geworden.
Dr.
Z._
attestierte eine voll
umfängliche Arbeitsfähigkeit ab
6.
Juli 2015 und schloss die Behandlung ab.
3.4
Nach weiterhin erfolgter Arbeitsunfähigkeitsschreibung
im Umfang von 50
%
respektive ab 2
0.
Juli 2015 80
%
(
Urk.
8/31) und weiteren Abklärungen bericht
e
te
Dr.
med.
E._
,
D._
, am 2
7.
August 2015 (
Urk.
8/50)
über eine am 1
0.
August 2015 festgestellte deutliche Besserung. Klinisch habe kein Erguss mehr bestanden, indes Schmerzen über der Gelenkspalte lateral und medial sowie eine
Druckdolenz
über dem Ansatz des
Musculus
tractus
ileotibialis
. Eine
akute
Arthrose habe nicht mehr bestanden, er vermutete eine muskuläre Ursache. Er empfahl Physiotherapie und Akupunktur und sah in der gemäss Beschwerdeführerin das Knie stark belastenden
aktuellen
Tätigkeit (Pflegehelferin Spitex ab
1.
August 2015; daneben 1.5 Stunden pro Woche im
F._
in
G._
;
Urk.
8/30) die Wiederaufnahme der Arbeit zu 20
%
ab
1.
August 2015, 50
%
ab
1.
September 2015 und innert drei Monaten 100
%
.
Er verwies auf eine gewisse Diskrepanz zwischen der Arbeitsunfähigkeit von 80
%
und den mässigen
klinischen Befunden, er habe die Beschwerdeführerin vor der Konsultation nicht gekannt.
3.5
Kreisarzt
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates FMH, bestätigte mit Aktenbericht vom
3.
September 2015 (
Urk.
8/52) das Vorliegen von Unfallfolgen. Diese seien aller
dings nur noch muskulärer Natur und dürften innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen abgeklungen sein. Die Arbeitsunfähigkeit von 50
%
sei angemessen.
3.6
D
i
e
rheumatologische Fachä
rzt
in
des
A._
,
Dr.
med.
I._
,
diagnostizierte
im polydisziplinären Gutachten vom
9.
Mai 2017 (
Urk.
8/82/5-135)
in Bezug auf das vorliegend interessierende rechte Knie eine Retropatellararthrose rechts sowie einen degenerativen Meniskusschaden (mediales
Meni
s
kushinterhorn
, S. 63). Unter anderem deswegen erachtete
sie
körperlich schwere Arbeiten als nicht mehr zumutbar, möglich seien jedoch leichte, wechselbelastende und rückenadaptierte Tätigkeiten ohne dauerndes Steigen auf Treppen oder Leitern oder ununter
brochenes Gehen auf unebenem Grund (S. 68).
3.7
Suva-Arzt
Dr.
B._
verwies in seinem Aktenbericht vom
4.
Juli 2018 (
Urk.
8/95)
auf bereits vor dem Ereignis vom 2
4.
Mai 2015 dokumentierte Beschwerden am Bewegungsapparat, welche rechtsbetont
seien
, unter anderem die Kniegelenke betr
äfen
und als
myofasziale
Reizzustände interpretiert worden seien (S. 6 und
Urk.
8/82/5-135 S.
45
).
Myofasziale
Reizzustände beträfen die Muskulatur, deren sehnige Hüllen (Faszien) und Sehnenansätze. Eine der viel
fältigen Ursachen hierfür seien Gelenkreizzustände bei Arthrosen. Es seien auch deutliche Hinweise für die Entwicklung einer chronischen Schmerzkrankheit
gefunden worden (S. 6).
Zur MRI-Aufnahme vom 3
0.
Juni 2015 (E. 3.2) hielt er fest, auffallend sei ein mässiger Erguss im Kniegelenk und Schleimbeutel über der Kniescheibe. Ein Knochenmarksödem als Hinweis auf eine Traumatisierung des Knochens sei nicht sichtbar. Die Bandstrukturen und Menisken seien intakt. Jedoch fänden sich an beiden Menisken Texturstörungen im Sinne von degenerativen Veränderungen. Der Gelenkknorpel auf der Rückseite der Kniescheibe sei medial deutlich ausge
dünnt und habe lateral Strukturstörungen bei noch normaler Dicke. Hier handle es sich um eine mässige Retropatellararthrose. In der Gesamtschau der radiologi
schen Bilder seien keine unfallbedingten strukturellen Läsionen erkennbar
(S. 7)
.
Zum Verlauf führte
Dr.
B._
aus
(S. 8 f.)
, die vorli
e
gend zu diskutieren
d
en Diagnosen Kniedistorsion und Knieprellung seien relativ leichte Verletzungen, die innerhalb von ca. vier bis acht Wochen folgenlos aushei
lten. Vorliegend habe der dokume
ntierte Heilverlauf zunächst dieser Erwartung
entsprochen
.
Bei der Konsul
t
ation vom
2.
Juli 2015 (E. 3.3) - knapp sechs Wochen nach dem Sturz -
hab
e die Beschwerdeführerin angegeb
en, dass das rechte Kni
e
schon viel besser geworden sei und auf die angebotene Knie
p
unktion und Gelenkspritze verzichtet. Dementsprechend habe die Beschwerdeführerin am
3.
Juli 2015 darüber infor
miert, dass die Entzündung im Knie abgeklungen und sie wieder arbeitsfähig sei (vgl. hierzu
Urk.
8/20). Nach der Kontrolluntersuchung vom 1
0.
August 2015 habe
Dr.
E._
eine deutliche Befundbesserung konstatiert. Ein Kniegelenks
erguss sei klinisch nicht mehr feststellbar und die Arthrose nicht mehr aktivier
t
gewesen. Die noch bestehenden Beschw
erden im Bereich des rechten Kn
i
e
gelenkes habe er auf eine muskuläre Ursache zurüc
kgeführt, was zwanglos mit den
bereits 2014 festgestellten
myofaszialen
Reizzuständen harmoniere. Daraus könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit geschlussfolgert werden, dass bis zum 1
0.
August 2015 am rechten Kniegelenk wieder der Zustand erreicht worden sei, wie er vor dem Sturz bestanden habe.
Der von
Dr.
E._
erhobene Befund sei im Oktober 2016 von
Dr.
med.
J._
bestätigt worden. Er habe
sonographisch
einen Kniegelenkserguss ausschliessen können. Auf anlässlich der Konsultation angefertigten
Röntgenaufnahmen
habe er keine
Arthrosezeichen
finden können (
Urk.
8/82/5-135 S. 51).
Anlässlich des polydisziplinä
ren Gutachtens vom
9.
Mai 2017
h
a
be die Beschwerdeführerin angeg
e
ben, dass ihr rechtes Knie
sch
m
erze
,
vor allem,
wenn sie versuche hinzuknien, wenn sie dann noch dazu eine unvorsichtige Bewegung mache, sei es für ein bis zwei Tage geschwollen (
Urk.
8/82/5-135 S. 51). Diese Beschwerden seien nicht spezifisch für eine Un
fallverletzung, jedoch typi
s
ch für eine Pathologie im Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelrolle (
Femoro
patellargelenk
), wie sie bei der Beschwerdeführerin in Form einer mässigen Retropatellararthrose nachgewiesen sei. Das erkläre auch
die von
Dr.
Y._
am 1
1.
Jan
u
a
r 2016
(
Urk.
8/72)
fes
tges
t
e
llte intermittierende Verschle
ch
terung mit erneuter Ergussbildung im Knie, bedenke man, dass bei einer Arthrose häufig ein wellenförmiger Verlauf der Beschwerden beobachtet werde.
Diese Überlegungen würden auch durch die Befunde gestützt, welch
e
bei der klinischen Untersuchung für das
A._
-Gutachten erhoben worden seien. Bei frei beweglichen Kniegelenken und stabiler Bandführung seien beidseits Beugung und Streckung schmerzhaft gewesen und habe beidseits ein positives
Zohlen
-Zeichen bestanden (
Urk.
8/82/5-135 S. 59 f.
).
Das positive
Zohlen
-Zeichen weise auf eine Erkrankung des patellaren Gleitlagers hin. Im vorli
e
genden Fall bestätige es zum einen die Beschwerdehaftigkeit der Retropatellararthrose rechts und weise zum anderen darauf hin, dass wahrscheinlich auch im linken
Femoro
patellar
gelenk
eine ähnliche Pathologie vorliege. Trotz dieser Sympto
matik habe das Gangbild nicht beeinträchtigt zu sein geschienen, sei doch beschrieben worden,
dass die Beschwerdeführerin nach der Untersuchung beschwingten Schrittes das Untersuchungszimmer und die Praxis verlassen habe (
Urk.
8/82/5
135 S. 57). Auch habe die Beschwerdeführerin als Hobby das Laufen angegeben, welches si
e
während ca. 30 Minuten pro Tag betreibe (
Urk.
8/82/5-135 S. 114).
In seiner Schlussfolgerung hielt
Dr.
B._
fest, bereits vor dem Ereignis vom 2
4.
Mai 2015 seien bei der Beschwerd
eführerin multiple Beschwerden
a
m
Bewe
gungsapparat
bekannt gewesen, die auch das rechte Knie betroffen hätten. Dort bestünden
myofasziale
Beschwerden und eine mässige Retropatellararthrose. Anlässlich des Sturzes habe sich die Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Zerrung und Prellung des rechten Kniegelenkes zugezo
gen, wodurch die vorbestehende Arthrose aktiviert worden sei. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seien die rel
at
iv leichten Verletzungen einschliesslich der
Arthroseaktivierung
bis zum 1
0.
August 2015 folgenlos verheilt (S. 9).
4.
4.1
Aufgrund der Akten steht fest,
dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 2
4.
Mai 2015 eine Kniedistorsion erlitten hat. In der Folge wur
de eine aktivierte Arthrose dia
g
n
ostiziert, d.h. es kam zu einer Entzündungsreaktion im Gelenk
mit Ergussbildung (E. 3.1 und E. 3.3). Auf den MRI-Aufnahmen waren verschiedene degenerative Veränderungen zu sehen: So die Degeneration des medialen
Meniskushinterhorns
sowie eine
femoropatell
a
re
Arthrose mit grossflächiger Knorpelausdünnung retropatell
a
r medial
.
Ein
Meniskussch
a
den war keine
r
zu sehen
(E. 3.2).
Anlässlich der Untersuchung vom 1
0.
August 2015 waren die beim Unfall zuge
zogenen Schäden nicht mehr erkennbar. Die Distorsion zeigte keine klinisch
erhebbaren
Auswirkungen mehr.
Ein Erguss war nicht mehr vorhanden, lediglich noch Schmerzen über der Gelenkspalte sowie eine
Druckdolenz
über dem Muskelansatz
im Sinne einer muskulären Problematik (E. 3.4). Dass keine akti
vierte Arthrose mehr bestand und auch keine Folgen der Distorsion mehr
,
bestä
tigte Kreisarzt
Dr.
H._
am
3.
September 2015 (E. 3.5). Auch im Rahmen der
A._
-Begutachtung
im Jahr 2016/2017
fanden die Ärzte die vorbestandene Retropatellararthrose sowie den bekannten Meniskusschaden. Ein Erguss oder Entzündungszeichen als Symptome der aktivierten Arthrose wurden nicht geschildert
,
sondern wiederum einzig Schmerzangaben. Der Gang war im Wesentlichen unauffällig
(E. 3.6 und
Urk.
8/82/
5-135 S. 57 f. und S. 60).
4.2
Bei dieser medizinischen Aktenlage ist es nicht zu beanstanden, dass
Suva-Arzt
Dr.
B._
auf die vorbestandenen
myofasziale
n
Beschwerden sowie die Retro
patellararthrose verwies und konstatierte, dass die relativ leichten Verletzungen einschliesslich der
Arthroseaktivierung
bis zum 1
0.
August 2015 folgenlos ver
heilt waren (E. 3.7). Im Vordergrund stand ohnehin die Aktivierung der Arthrose, denn eine Bänderzerrung (im Rahmen der unfallbedingten Distorsion) wurde zu keinem Zeitpunkt thematisiert, im Gegenteil zeigte die erste bildgebende Unter
suchung gerade keine traumatischen
Veränderungen. Ein Knochenmarksödem als Hinweis auf eine Traumatisierung war nicht sichtbar und die Bandstrukturen und Menisken intakt (E. 3.7). Einzig die Ergussbildung sowie Entzündungszeichen waren erkennbar, d.h. die Arthrose war unfallbedingt aktiviert, was sich bis am 1
0.
August 2015 wieder legte. Die noch bestehenden
Druckdolenzen
waren weiter nicht mit einer Bänderdehnung erklärbar, sondern vielmehr mit muskulären Problemen, welche aktenkundig nicht länger andauerten. Die über ein Jahr später gutachterlich
festgestellten
Restbeschwerden bestätigen diese Einschätzung, fanden doch die bete
iligten Ärzte keine traumatisch-
strukturellen Veränderungen und auch keine aktivierte Arthrose, sondern einzig
Beschwerden
im Zusammen
hang mit der vorbestandenen Retropatellararthrose
.
4.3
Arztberichte, welche auf Gegenteiliges schliessen lassen, liegen keine auf. Soweit
Dr.
Y._
am 1
2.
Januar 2016 (
Urk.
8/72
/2
) eine Verschlechterung mit erneuter Ergussbildung im Knie schilderte, ist dies zwanglos mit dem häufig wellenförmi
gen Verlauf der Beschwerden bei Arthrosen erklärt.
Ihre Ausführungen, wonach aufgrund des Unfalles vom 2
4.
Mai 2015
eine durch das Trauma ausgelöste Ein
schränkung der Beweglichkeit des rechten Knies bestehe und der aktuelle Befund die noch vorhandene Einschränkung des Gelenkes bestätige, vermögen die aus
führlichen Begründungen der involvierten Fachärzte nicht in Frage zu stellen. So findet sich etwa - in Bezug auf die Kausalität - keine Auseinandersetzung mit der vorbestehenden Retropatellararthrose, im Gegenteil schilde
r
te
Dr.
Y._
eine solche gar nicht und es ist fraglich, ob sie diese überhaupt bemerkt hat. Auch benannte
Dr.
Y._
keine traumatisch geschädigten Areale des Knies. Dass die von ihr nach dem Unfall diagnostizierte Kniedistorsion nach wie vor besteht, schilderte sie nicht.
4.4
Bei dieser Aktenlage ist erstellt, dass die relativ leichten Verletzungen im Knie bis am
7.
September 2015 abgeheilt und die noch vorhandenen Beschwerden auf die Vorerkrankungen zurückzuführen waren. Die Leistungseinstellung der Beschwer
degegnerin ist demgemäss nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.