Decision ID: 7ebd2c7c-6753-4474-94fb-002623d7679a
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Urteil vom
3.
J
uni 2014 im Verfahren IV.2012.0
1195 wurde die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
1
8.
Oktober 2012 (
Urk.
11/77), mit welcher ein Rentenanspruch von
X._
, geboren 1975, verneint wurde, bestätigt (
Urk.
11/95 Dispositiv
Ziff.
1).
Nach am
6.
Januar 2014 erfolgter Neuanmeldung
der Versicherten
zum Leis
tungsbezug (
Urk.
11/89) wurde mit
Urteil vom 1
3.
April 2016 im Verfahren IV.2015.00297
die
leistungsanspruchsverneinende
Verfügung
der IV-Stelle vom
3.
Februar 2015 (
Urk.
11/109)
bestätigt (vgl.
Urk.
11/136 Dispositiv
Ziff.
1). Die
ses Urteil erwuchs in Rechtskraft.
1.2
Am
7.
November 2016 meldete sich die Versicherte erneut unter Hinweis auf
seit dem
7.
August 2009 bestehende unfallbedingte
Nacken- sowie Schulterbeschwer
den rechts, Rücken- und Kniebeschwerden sowie psychische Probleme bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(vgl.
Urk.
11/137
Ziff.
7.1-3
). Die IV-Stelle
klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab
,
holte im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
11/144;
Urk.
11/146
,
Urk.
11/181
)
bei
m Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) ein psychiatrisch-orthopädisches
Gutachten ein, das am
2
6.
Februar 2018
erstattet wurde (
Urk.
11/186-187) und verneinte
mit Verfügung vom
1
1.
April 2018
einen
Anspruch auf Leistungen der Invalidenver
sicherung
(
Urk.
11
/200
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
8.
Mai 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
1.
April 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
eine Invalidenrente
zuzusprechen, eventuell sei
der Fall zwecks gesetzeskonformer medizinischer Abklärung an die Beschwerdegegn
erin zurückzuweisen (
Urk.
1
S. 1
).
Am
2.
Juni 2018 (
Urk.
7) reichte sie einen weiteren medizinischen Bericht (
Urk.
8) ein
, welcher der Beschwerdegegnerin am
4.
Juni 2018 zur Kenntnis ge
bracht wurde (
Urk.
9).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
3.
Juni 2018
(
Urk.
10
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
2
9.
August 2018 wurde eine Kopie der Berichte der
Y._
vom 2
8.
März 2018 (
Urk.
11/197) und vom 1
6.
Mai 2018
(
Urk.
8)
sowie des
Z._
vom 1
6.
April 2018 (
Urk.
11/202) der Beschwer
degegnerin
zugestellt, um diese dem RAD zur eingehenden Stellungnahme zu unterbreiten (
Urk.
16). Am 2
8.
September 2018 (
Urk.
17) reichte die Beschwerde
gegnerin die Stellungnahme des RAD vom 1
9.
respektive 2
1.
September 2018 (
Urk.
18) ein
, welche der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfügung vom
3.
Ok
tober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde. Weiter wurde
antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 1
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt
(
Urk.
19
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich
einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen
Er
krankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und so
ziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet,
dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, be
stehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfas
sen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungs
-
zuständen klar unter
scheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Be
lastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psy
chische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Ge
sundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Ur
teil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Wurde eine Rente
,
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vo
raussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Re
visionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versi
cherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzu
klären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfü
gung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern
falls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1
.6
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.7
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Re
visionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mittei
lung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu ver
gleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hin
weis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.
3.1.2).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass mit Ver
fügung vom
3.
Februar 2015 das Gesuch der Beschwerdeführerin abgewiesen worden sei, da keine langandauernde gesundheitliche Beeinträchtigung ausge
wiesen gewesen sei. Dies sei mit Urteil des
hiesigen Gerichts
vom 1
3.
April 2016
bestätigt worden.
Aufgrund des Gesuchs der Beschwerdeführerin vom
8.
Novem
ber 2016 sei der Rentenanspruch überprüft worden.
Den
neu eingereichten Be
richte
n
sei keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
zu entnehmen
. Dies sei auch durch die psychiatrisch
e
und orthopädische Untersuchung durch den RAD bestätigt worden, wonach keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit bestünden und sie aus orthopädischer Sicht für eine leichte Tätig
keit zu 100
%
arbeitsfähig sei (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
trotz zahlreicher eingereichte
r
Berichte, welche eine volle Arbeitsunfähigkeit be
stätigten,
habe
die RAD-Untersuchung erg
eben
, dass
sie
vollumfänglich arbeits
fähig sei (S. 2 unten). Der Entscheid der Beschwerdegegnerin sei willkürlich
(S. 3 oben)
.
Sie leide vor allem an psychischen Krankheiten, Wirbelschmerzen, Kopf
schmerzen
,
und ihre Bewegung sei eingeschränkt.
Aufgrund einer
Verschlechte
rung
des Gesundheitszustandes
im März 2018
habe sie
stationär in
die
Y._
gehen müssen.
Auch
die
somatischen Diagnosen seien durch den RAD nur unzureichend berücksichtigt worden
(S. 3
Mitte
)
.
Nach mehrmonatiger Behandlung und Be
obachtung hätten Fachärzte festgestellt, dass sie unter anderem an einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen und
an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung leide. Dabei habe sie auch Selbstmordversuche unternommen. Sie sei schwerkr
ank und nicht arbeitsfähig (S.
4 oben). Die Be
schwerdegegnerin habe die Berichte der behandelnden Ärzte nicht berücksichtigt (S. 4 Mitte).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob sich
seit Erlass der Verfügung vom
3.
Februar 2015
eine anspruchsrelevante Veränderung erg
eben hat (vgl. vorstehend 1.
5
-7
).
3.
3.1
Ob eine anspruchsrelevante Änderung eingetreten ist, beurteilt sich im Vergleich des Sachverhaltes wie er sich im Zeitpunkt der
mit Urte
il vom 1
3.
April 2016 (
Urk.
11/136
) bestätigten
leistungsverneinenden Verfügung vom
3
.
Februar 2015 (Urk. 11
/1
09
) präsentierte, mit jenem, welcher der nun angefochtenen Verfügung vom
1
1.
April 2018
(Urk. 2) zugrunde liegt.
3.2
Im Urteil vom 13
.
April 2016
wurde davon ausgegangen, dass de
r
Beschwerde
führer
in eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Umfang von 100
%
zumutbar sei. Mangels seit dem Urteil vom
3.
Juni 2014 eingetretener Veränderung blieb es be
i dem dort festgehaltenen
einen
Rentenanspruch
ausschliessenden
Invaliditäts
grad von 17
%
(vgl.
Urk.
11/
136
E. 5.4 und
Urk.
11/95 E. 4.8).
3.3
In
somatisc
her Hinsicht
wurde
im Urteil vom 1
3.
April 2016 (
Urk.
11/136)
eine seit der mit
Urteil vom
3.
Juni 2014
bestätigten Verfügung vom 1
8.
Oktober 2012 (
Urk.
11/77)
eingetretene Verschlechterung
des Gesundheitszustandes der Be
schwerdeführerin verneint. Im
Urteil vom
3.
Juni 2014
wurde zur Beurteilung der somatischen
Beschwerden auf die Ausführungen der Ärzte der
A._
vom 19. Februar 2010
(vgl.
Urk.
11/20)
, welche eine Halswirbelsäulen (HWS)-Distorsion, eine Schulterkontusion rechts sowie ein panvertebrales Schmerz
syndrom und ein Schulterschmerzsyndr
om rechts bei
retraktiler
Kapsu
litis
und lumbale degenerative Läsionen sowie eine Adipositas diagnostizierten, und gestützt auf die Einschätzung der Ärzt
e
B._
vom 30. Juni 2011
(
Urk.
11/52/7-10)
, wo
ein generalisiertes Schmerzsyn
drom, ein chronisches
zer
viko
- und
thorakospond
ylogenes
sowie
lumbospon
dylogenes
Syndrom nebst ei
ner Adipositas diagnostiziert wurde, davon
ausgegangen
, dass die Beschwerde
führerin aus rheumatologischer Sicht ab Februar 2010 für e
ine angepasste beruf
liche Tätig
keit vollständig arbeitsfähig sei (vgl.
Urk.
11/95 E. 3.4, E. 3.10, E. 4.2 und E. 4.4
).
Aus somatischer Sicht lagen zum Zeitpunkt des Urteils vom 1
3.
April 2016 ledig
lich neue gynäkologische Diagnosen vor, wobei diesbezüglich, nach im März 2014 durchgeführter Ovarektomie, von fachärztlicher Seite her keine Einschrän
kung der Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (vgl.
Urk.
11/136 E. 4.2 und E 5.1).
3.4
Auch aus psychiatrischer Sicht wurde
im Urteil vom 1
3.
April 2016 eine seit
d
er Verfügu
ng vom 1
8.
Oktober 2012 (
Urk.
11
/77) eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes verneint.
Namentlich
wurde
ein Krankheit
s
wert der von den behandelnden Ärzten
gestellten Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.1)
aufgrund
der domi
nierenden psychosozialen Belastungssituation und der mangelnden Abgrenzung zu
m eigentlichen
Krankheitsgeschehen in den Berichten sowie
vor dem Hinter
grund der damals geltenden Rechtsprechung des Bundesgerichts
verneint (vgl.
Urk.
11/
136
E. 5.2-4).
4.
4.1
Im Rahmen der Neuanmeldung vom
7.
November 2016 (
Urk.
11/137)
gingen die folge
nden
wesentlichen
medizinischen Berichte ein:
4.2
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Neurologie, stellte in seinem Bericht vom
3.
Mai 2017 (
Urk.
11/163/19-21)
folgende Diagnosen (S. 1)
:
-
posttraumatisches
cervicocephales
und
lumboradikuläres
Schmerzsyn
drom mit w
ahrscheinlich zervikal bedingtem
Begleitschwindel bei Status nach Autounfall im Jahr 2009 mit Commotio cerebri und Überdehnungs
trauma der HWS sowie Prellungen der linken Schulter und der
Lenden
wirbelsäule (
LWS
)
-
Meralgia
paraesthetica
links
Dr.
C._
führte aus, laut der Beschwerdeführerin gehe es ihr seit der letzten Untersuchung vom 2
8.
November 2016 kaum besser.
Gemäss
dem
Ehemann könne
sie
wegen der Angst zu stürzen
drauss
en
kaum selbständig herumgehen
,
und er müsse
sie deshalb immer begleiten (S. 1 Mitte).
Dr.
C._
führte aus, im Vergleich zur Voruntersuchung vom November 2016 habe sich grundsätzlich keine Veränderung ergeben. Der
cervicocephale
Befund sei unverändert, mit schmerzbedingter Bewegungseinschränkung der HWS sowie
palpatorisch
verdickter und
druckdolenter
Nacken- und Schultermuskulatur.
Die von der Patientin angegebene Schwäche in den rechten Extremitäten lasse sich nicht objektivieren und die durchgeführte
neuroangiologische
Untersuchung habe einen unauffälligen Befund ergeben
(S. 2 unten).
4.3
Dr.
med.
D._
, Oberarzt, und
Dr.
E._
, Psychologin,
Y._
, stellten in ihrem Bericht
vom 1
2.
Mai 2017
(
Urk.
11/160)
folgende psychiatrische Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen (eigenanamnestisch spätestens seit 2011), ICD-10 F33.3
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (eigenanamnestisch seit Auto
unfall 2009), ICD-10 F45.40
Die Fachpersonen nannten als somatische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seit August 2009 bestehende sonstige Rückenschmerzen im Lum
balbereich, Läsionen der
Rotatorenmanschette
, Schulterschmerzen rechts sowie eine
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts, aktuell
Frozen
Shoulder
(
B._
; Ja
nuar 2011) und ein
lumbovertebrales
Syndrom mit degenerativen Veränderun
gen. Als somatische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nann
ten
sie
eine benigne essentielle Hypertonie, eine Adipositas, eine
bösartige Neu
bildung des Ovars,
eine gutartige Neubildung des Ovars sowie einen Zustand nach Ovarektomie beidseits in den Jahren 2011 und 2014 (
Ziff.
1.1).
Die Beschwerdeführerin sei
vom 2
5.
Januar bis 1
2.
April 2017
stationär in der Klinik gewesen (
Ziff.
1.2).
In der zuletzt ausgeübten Aushilfstätigkeit als
Abpa
ckerin
bestehe seit dem Jahr 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es bestünden chronische Schmerzen im Rücken, der Schulter und in den Beine
n
sowie ausge
prägte Ängste, welche sich durch vegetative Symptome (Herzrasen, Schwindel,
Schweissausbruch
), emotionale Symptome (panische Angst, Todesangst) und Symptome auf der Verhalt
ensebene (Vermeidungsverhalten)
, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Gedankenkreisen und eine sehr geringe Stresstoleranz
äusserten
. Die Fachpersonen führten aus, es
sei
der Patientin aktuell nicht mög
lich, einen Beruf auf dem ersten Arbeitsmarkt auszuführen. Aufgrund der Schmerzen sitze oder liege
sie
einen
grossen
Teil des Tages im
Bett
,
und ihre Bewegungsfreiheit sei stark eingeschränkt. Sie laufe fast
ausschliesslich
mit Geh
hilfe
.
Der Haushalt werde fast vollständig vom Ehemann und ihrem Sohn geführt. Die aus
geprägten Ängste führten dazu,
dass die Patientin nur noch selten das Haus verlassen könne und dies dann
ausschliesslich
in Begleitung tue. Daher sei sie aktuell zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.
6-
7).
Die Fachpersonen führten aus,
d
er Eintritt sei
in Begleitung des Ehemannes auf
grund eines am Aufnahmetag vorausgegangenen Suizidversuches erfolgt.
Der Ehemann
habe die Patientin entdeckt,
als
sie zwei Tabletten
Prazine
à 50 mg eingenommen
habe. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie sonst alle Tabletten der Packung eingenommen hätte und auch schon einen
Abschiedsbrief geschrieben habe.
Zum psychischen Befund bei Eintritt führten die Fachpersonen aus, die gepflegte Patientin sei wach, bewusstseinsklar, örtlich unscharf, sonst orientiert, und psychomotorisch leicht verlangsamt gewesen. Es hätten keine offensichtlichen Störungen von Auffassung, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit sowie der mnestischen Funktionen bestanden.
Im formalen Gedankengang sei sie ge
ordnet und ausreichend kohärent gewesen.
Es habe sich kein Anhalt für wahn
hafte inhaltliche Denkstörungen, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen
gezeigt. Sie sei affektiv deprimiert gewesen, weinend und
reduziert schwingungsfähig
. Bei Eintritt habe eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen be
standen. Die ausgeprägte Angstsymptomatik habe sich mit vegetativen Sympto
men sowie psychotischen Symptomen in Form von Körperhalluzinationen und akustischen Halluzinationen gezeigt. Die psyc
hotischen Symptome seien nach
Ei
ndosierung
von
R
isperdal
vollständig verschwunden
(
Ziff.
1.4
).
4.4
Die Fachpersonen des
Z._
stellten in ihrem Bericht vom 1
6.
Mai 2017
(
Urk.
11/163/6-9)
in der Hauptsache folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf di
e Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1
):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Adipositas per magna
-
Schulterschmerzen rechts
-
lumbovertebrales
Syndrom
-
muzinöser
Borderline
-Tumor
Die Fachpersonen führten aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 3
0.
Juli 2015 bei ihnen in Behandlung, und die letzte Kontrolle habe am
3.
Mai 2017 stattge
funden (
Ziff.
1.2
). Es f
inde
ein bis zweimal pro Monat eine Einzeltherapie und etwa alle zwei bis drei Monate eine psychiatrisch-medikamentöse Therapie statt
(
Ziff.
1.5).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin be
stehe seit August 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Gegenwärtig sei
die Be
schwerdeführerin
aufgrund der momentanen
Ausprägung
ein
er
(bei den Diagno
sen nicht aufgeführten)
posttraumatischen Belastungsstörung
für sämtliche Tä
tigkeiten in der freien Marktwirtschaft zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6-7).
4
.5
Die Fachpersonen des
Z._
stellten in ihrem Bericht vom
1
8.
Dezember 2017 (
Urk.
11/182/4-7)
die gleichen Diagnosen wie in ihrem Bericht vom 1
6.
Mai 2017 (S. 1,
vgl. vorstehend E. 4.4
).
Die Fachpersonen führten aus, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich verschlechtert (S. 1
Ziff.
1.1). Es lägen aktuell
keine veränderten Be
funde vor
(S. 2
Ziff.
1.3). Seit dem Unfall
vom
7.
August 2009 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (S. 2
Ziff.
1.3, S. 2
Ziff.
2.1). Auch in einer angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin wegen der rezidivierenden depressiven Störung und der
posttraumatischen Belastungs
störung zu 100
%
arbeitsunfähig. Sie habe
grosse
Mühe sich zu konzentrieren und könne auch einfache Handlungen zum Beispiel im Haushalt ohne fremde Hilfe nicht mehr erledigen. Neu zeigten sich seit wenigen Monaten Orientierungs
schwierigkeiten beim Verlassen der Wohnung
,
und sie finde auch in der Woh
nung gewohnte Gegenstände nicht mehr ohne fremde Hilfe. Es werde ein rasch zunehmender kognitiver Abbau beobachtet
(S. 2
Ziff.
2.1)
. Sie sei wegen der re
zidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychoti
schen Symptomen (ICD-10 F33.3)
,
und der Panikstörung zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 3
Ziff.
2.2).
Die Patientin habe von intermittierenden Sinnestäuschungen in Form von visuellen Halluzinationen
und
von
einem
Beeinträchtigungswahn
be
richtet (S.
2
Ziff.
1.3).
4.6
Am
9.
Februar 2018 erstattete
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
RAD,
ihren psychiatrischen Untersuchungsbericht (
Urk.
11/186).
Dr.
F._
konnte
nach gleichentags erfolgter Untersuchung der Be
schwerdeführerin
keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit stellen. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine
geringgradig
ausgeprägte Panikstörung (ICD-10 F41.0) sowie eine anamnestisch rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4; S. 10
Ziff.
10).
Dr.
F._
führte aus,
aufgrund
der Aggravation und Selbst
limitierung
könnten keine klaren Einschränkungen
gemäss
Mini-ICF-APP ange
geben werden. Zu vermuten sei, dass keine Einschränkungen im psychiatrischen Bereich bestünden
(S. 11 oben)
. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit
,
sicher seit dem Untersu
chungszeitpunkt.
Frühere
Arbeitsunfähigkeits-Zeiten könnten aufgrund der vor
handenen medizinisc
hen Unterlagen nicht klar bejah
t werden, da der Verdacht auf Aggravation und Selbstlimitierung schon in der Vergange
nheit anzunehmen sei (S. 11
Ziff.
11).
Zusammenfassend könne gesagt werden, dass verschiedene, zum Teil gravierende psychosoziale und soziokulturelle Belastungen bestünden, welche die
»
Krankhei
ten
«
und das manipulative Verhalten mit nachfolgendem sekundären Krankheits
gewinn (persönlich und finanziell) verständlich machten. Die Versicherte und ihr Ehemann h
ätten
aufgrund d
ieser Umstände auch schon profit
ieren können, zum Beispiel habe das Auto trotz der Lohnpfändungen aufgrund der genannten Ängste nicht verkauft werden müssen (S. 10 Mitte).
Dr.
F._
führte
aus, während der gesamten Untersuchungszeit habe sich keine depressive Symptomatik gezeigt. Das gelegentliche Weinen sei gezielt eingesetzt worden und habe bei Themenwechsel sofort eingestellt werden können. Eine de
pressive Symptomatik müsse aktuell verneint werden (S. 8
Ziff.
9). Trotz adäqua
ter Medikamenteneinnahme zeigten sich massive Inkonsistenzen und starke Hin
wei
se auf Aggravation (S. 9 oben).
Der Suizidversuch durch die Einnahme von zwei Tabletten
Prazine
müsse als manipulativ beurteilt werden, indem die Be
schwerdeführerin dadurch habe erreichen können, dass der Ehemann ein Verbot gegenüber den Schwiegereltern ausgesprochen
habe
(S. 9 Mitte)
.
4.7
Am
9.
Februar 2018 erstattete med.
pract
.
G._
, Fachärztin für Or
thopädisches Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
RAD,
ihren orthopädischen Untersuchungsbericht (
Urk.
11/187). Med.
pract
.
G._
stellte folgende Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10
Ziff.
8):
-
schmerzhaft
e Bewegungs- und Belastungseinschränkung der LWS ohne
radikuläre
Symptome mit Druckschmerz über dem rechten
Iliosakralge
lenk
(
ISG
)
-
Bewegungseinschränkung der rechten Schulter bei aktenanamnestisch be
kannter
retraktiler
Kapsulitis
-
fragliche Sensibilitätsstörung
des rechten
Arm
es
und
des rechten
Bein
es
(kein
Dermatom
-Bezug)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
med.
pract
.
G._
Senkfüsse
sowie
anamnestisch
einen
beidseitige
n
Fersensporn (S. 10
Ziff.
8)
. Med.
pract
.
G._
führte aus, bei der Beschwerdeführerin sei anhand der vorliegenden medizinischen Berichterstattung und körperlichen Untersu
chung vom
9.
Februar 2018 ein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. In ihrer früheren Tätigkeit als Packerin bestehe weiterhin eine 0%ige Arbeitsfähigkeit. In einer angepassten
,
körperlich leichten wechselbelastenden
Tätigkeit, ohne
regelmässige
Hebe- und Tragebelas
tungen über 10 kg, ohne Arbeiten
auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Trep
pensteigen, ohne häufige wirbelsäulenbelastende Arbeiten sei eine 100%ige Ar
beitsfähigkeit seit jeher gegeben. Der Gesundheitszustand habe sich gegenüber Oktober 2012 nicht wesentlich verändert (S. 11 f.
Ziff.
10).
Med.
pract
.
G._
führte aus, die bereits im Oktober 2012 bekannten Be
schwerden hätten auch im Rahmen der heutigen Untersuchung erhoben werden können. Die Beschwerdeführerin klage weiterhin über Schmerzen der LWS und der rechten Schulter. Über Schmerzen im Bereich der HWS und
der Brustwirbel
säule (
BWS
)
klage sie nicht mehr. Die geklagten Funktionseinschränkungen hät
ten nicht objektiviert werden können. So hätten sich keine Hinweise auf eine anhaltende Schonung des rechten Armes gefunden, indem sich der Armumfang seitengleich
gezeigt habe
und
sich
keine Atrophien
gefunden
hätten. Es hätten sich kaum Gebrauchsspuren an den Händen gezeigt, so dass die Angabe
der Be
schwerdeführerin
, sie führe keine Hausarbeiten aus, authentisch wirke (S. 10
Ziff.
9
)
.
Weniger a
uthentisch erscheine die Angabe, dass sie eine fast
ausschliess
lich
liegende Lebensweise führe
. Die normale
Beschwielung
der
Füsse
mit Zeichen alter Hornhaut-Aufbrüche lasse auf ein höheres
Mass
an Aktivität
schliessen
.
Einzig der Schmerz über dem re
chten ISG sei auch bei Ablenkung reproduzierbar gewesen und somit als authentisch zu bewerten (S. 11 oben).
Med.
pract
.
G._
hielt fest, d
ie Untersuchung sei von zahlreichen Inkonsis
tenzen geprägt gewesen.
Die
Schmerzen und Bewegungseinschränkungen seien bei Ablenkung nicht im demonstrierten
Ausmass
reproduzierbar gewesen. Die Schmerzen und Sensibilitätsstörungen hätten keinen anatomischen Strukturen zugeordnet werden könne
n
. Alle
Waddell
-Zeichen seien ausgeprägt zu beobach
ten (S. 11 Mitte).
4.
8
Die Fachpersonen des
Z._
führten i
n ihrer Stellungnahme zum RAD-Gutachten
am
1
6.
April 2018 (
Urk.
11/202)
aus, die Abhandlung von
Dr.
F._
beschränke sich fälschlicherweise vor allem auf die Panikstörung.
Es stelle sich die Frage, wie die Patientin, wenn sie sich nicht auf die
Strasse
getraue
,
denn arbeiten solle, da die Reisefähigkeit nicht gegeben sei (S. 2
Ziff.
2-3). Auch sei nicht klar, weshalb die bereits in der
Y._
im Jahr
2015 vorgebrachten Halluzinationen nicht authen
tisch sein soll
t
en (S. 2
Ziff.
4). Die Fachpersonen führten aus, sie hätten in den bisher 50 Sitzungen keine Aggravation festgestellt. Die Patientin leide seit 2009 zunehmend unter Depressionen begleitet von Angst und Panik
. Sie sei nicht in der Lage, das Haus alleine zu verlassen. S
owohl das RAD-Gutachten als auch die Verfügung
bagatellisierten alles
,
und die Argumentation sei fehlgeleitet. Es sei eine Verschlechterung des Zustandes der Patientin eingetreten (S. 2
Ziff.
5).
4.9
Dr.
D._
und med.
pra
ct
.
H._
,
Assistenzärztin,
Y._
,
stellten in ih
rem Bericht vom
1
6.
Mai 2018
(
Urk.
8) folgende
psychiatrische
Diagnosen (S. 1 f.):
-
rezidiv
ierende depressive Störu
n
g
, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen, Differenzialdiagnose dissoziative Symptomatik
, ICD-10 F33.3
-
Agoraphobie: Mit Panikstörung, ICD-10 F40.1
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.40
-
rezidivierende Zustände mit Bewusstseinsminderung und generalisiertem
Tonusverlust
der Muskulatur
Als somatische Diagnosen nannte die Ärzte
(hier
in gekürzt wiedergegebener Fas
sung
)
einen
Status nach Ovarektomie beidseits
,
eine benigne essentielle Hyperto
nie
, sonstige näher bezeichnete Bandscheibenschäden, eine Adipositas, eine bös
artige Neubildung des Ovars, eine gutartige Neubildung des Ovars, Läsion
en
der
Rotatorenmanschette
, eine
nicht näher bezeichnete
Schlafapnoe, Schulterschmer
zen
rechts
nach
einem Autounfall im August 2009
, eine
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts, aktuell
Frozen
Shoulder
(
B._
, Januar 2011) sowie ein
lumbovertebrales
Syndrom mit verschiedenen degenerativen Veränderungen
(S. 1 f.)
.
Die
Ärzte
führten aus, die Beschwerdeführerin
sei vom 2
8.
Februar bis
2.
Mai 2018 in der Klinik stationär behandelt worden
(S. 1 Mitte). Es sei ein freiwilliger Eintritt auf Zuweisung des
I._
bei aku
ter Suizidalität vor dem Hintergrund einer bekannten rezidivierenden depressiven Störung erfolgt (S. 2 oben).
Laut Angaben der Beschwerdeführerin denke sie
viel an den Tod und habe bereits einen Plan gemacht, sich
mit Medikamenten zu
suizidieren
und
einen Abschiedsbrief schreiben wollen.
Sie habe angegeben, im Haushalt seit längere Zeit nicht mehr helfen zu können, da sie Angst habe
, einen Unfall zu verursachen. So sei es zweimal zum Brand beim Kochen gekommen, weshalb sie sich nun fürchte, diverse elektrische Geräte zu benutzen.
Aus ihrem sozialen Kreis habe sie sich ebenfalls zurückgezogen
und gehe nur selten und in Begleitung aus dem Haus, da sie Angst vor Menschenmengen habe
(S. 2 Mitte).
Zu psychischen Befund bei Eintritt führten die
Ärzte
aus,
es zeige sich eine al
tersentsprechend gekleidete, gepflegte Patientin. Sie sei wach, bewusstseinsklar, allseits orientiert und psychomotorisch leicht verlangsamt. Im interpersonellen Kontakt sei die Beschwerdeführerin freundlich zugewandt, und es bestehe ein
adäquater Blickkontakt.
Die
Ärzte
verneinten weiter offensichtliche Störungen von Auffassung, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
sowie der mnes
tischen Funktionen
. Im formalen Gedankengang sei sie geordnet und kohärent. Es bestehe kein Anhalt für Ich-Störungen. Die Patientin
äussere
akustische Hal
luzinationen (Stimme des Bruders) und
Akoasmen
(Rauschen und Rasseln). Im Affekt sei sie deprimiert, weinerlich, reduziert schwingungsfähig und der Antrieb sei deutlich reduziert. Die Impulskontrolle erscheine nicht reduziert. Es bestehe eine gute Krankheitseinsicht und Therapiemotivation (S. 3 Mitte).
Zum Verlauf führten die Ärzte aus, bei Eintritt habe ein schwer depressives Zu
standsbild imponiert. Die Patientin habe rezidivierend
Akoasmen
, akustische und taktile Sinnestäuschungen geschildert und in Belastungssituationen kurze Anfälle mit qualitativer Bewusstseinsminderung und
Tonusver
lust
der Willkürmuskulatur gebot
en, die selbstlimitierend gewesen seien und am ehesten als dissoziativ ge
wertet würden
(S. 4 oben)
. Es sei mittels einer Verhaltensanalyse die agorapho
bische Angstsymptomatik bearbeitet worden. Zudem seien die agoraphobischen Ängste im Menschenmengen und bei der Arbeit mit elektrischen Geräten im Rah
men eines Expositionstrainings adressiert worden. Der Patientin sei es zunehmen gelungen, sich selbständig für kurze Spaziergänge zu mobilisieren und
sie
habe es geschafft, ausgeschaltete Küchengeräte in die Hand zu nehm
en (S. 4 Mitte). Im Rahmen von Familiengesprächen seien die psychosoziale Situation der Patientin erläutert und die Fortführung des gestuften Expositionstrainings im ambulanten Rahmen besprochen worden. Die
chronifizierte
depressive Symptomatik sei im Verlauf jedoch therapieresistent gewesen (S. 4 unten).
4.10
Med.
pract
.
G._
, RAD, führte in ihrer Stellungnahme vom 1
9.
September 2018
(
Urk.
18) aus, dem Bericht der
Y._
vom 2
8.
März 2018 (
vgl.
Urk.
11/197
)
liessen
sich aus
somatischer Sicht keine neuen Aspekte
entnehmen. Der Bericht des
Z._
vom 1
6.
April
2018 befasse
sich ausschliesslich mit psychi
schen Befun
den, weshalb
an der Stellungnahme vom 2
4.
Februar
20
18 fest
ge
halten
werde
(S. 2 Mitte)
.
4.11
Dr.
F._
, RAD, führte in ihrer Stellungnahme vom 2
1.
September 2018 (
Urk.
18) aus,
mangels psychopathologische
r
Befunde und Beschwerdeschilderung sei der Bericht
der
Y._
vom
2
8.
März 2018
(vgl.
Urk.
11/197
)
nicht
verwertbar
(S. 2 unten)
.
Was den Bericht der
Y._
vom
1
6.
Mai 2018 (vgl. vorstehend E. 4.9
)
an
belange, seien
bei der
Beschwerdeschilderung und im psychopathologischen Be
fund praktisch die gleichen Beschwerden, Einschränkungen und Symptome be
schrieben
w
orden
, wie im
Bericht
der
Y._
vom
2.
März 2017 (vgl.
Urk.
11/150
).
Neu
seien
lediglich
«
akustische
»
Halluzinationen,
«
Akoasmen
»
und die Differen
tialdiagnose einer dissozialen Symptomatik (ohne ICD-10-Code) angegeben
wor
den
.
Bereits im
Bericht des
Z._
vom
Juni 2017
sei
ausgeführt
worden,
dass die Ver
sicherte über
intermittierende
Sinnestäuschungen in Form von vi
suellen - nicht aber akustische
n
- Halluzinationen berichtet
habe
, ohne dass diese näher
be
schrieben worden seien.
Dr.
F._
führte aus, d
ie Diagnose einer r
ezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Sympto
men (
ICD-10
F33.3)
,
k
önne
aufgrund der genannten
«
akustischen
»
Halluzinatio
nen und
«
Akoasmen
»
nicht klar nachvollzogen werden
(S. 3 Mitte)
. Im Allgemei
nen w
erde
die Diagnose einer schweren Depression mit psychotischen Sympto
men dann gestellt, wenn eine begl
eitende Wahnsymptomatik vorliege
. Die Aus
sage
der Beschwerdeführerin
, dass
sie
die Stimme des Bruders und Geräusche höre, ohne genauere Angaben und ohne eine Wahnsymptomatik k
önne
nicht als psychotische Sympto
matik beurteilt und k
urze Anfälle mit qualitativer Bewusst
sein
s
minderung und
Tonusverlust
könn
t
en nicht diskussionslos als dissoziative Symptomatik interpretiert werden
(S. 3 Mitte)
. Hier b
edürfe
es einer genaueren Analyse, wie
auch der Frage nach Aggravation und
Manipulat
i
on. Weder auf die anhaltende somatoforme Schmerzstörung (
ICD-10
F45.40)
noch auf die Agora
phobie
mit
Panikstörung (F40.01)
sei
näher eingegangen
worden (S. 3 unten)
.
Zum Bericht des
Z._
vom
1
6.
April
2018
führte
Dr.
F._
aus, es seien
lediglich Argume
nte
aus früheren Arztberichte
n
aufgelistet und keine neuen med
izinischen Tatsachen/Fakten aufgezeigt
worden
(S. 4 oben).
5
.
5.1
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
3.
April 2016
(
Urk.
11/136)
wurde festge
halten, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der mit Ur
teil vom
3.
Juni 2014 (
Urk.
11/95) bestätigten Verfügung vom 1
8.
Oktober 2012 (
Urk.
11/77) weder in somatischer noch in psychiatrischer Hinsicht in invaliden
versicherungsrechtlich relevanter Weise verändert respektive verschlechtert hat.
Nach
wie vor wurde eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Umfang von 100
%
für zumutbar erachtet
(vgl. vorstehend E. 3.2-4)
.
5.2
Gestützt auf die Untersuchung
sberichte
von
Dr.
F._
und med.
pract
.
G._
vom
9.
Februar 2018
(vgl. vorstehend E. 4.6-7)
verneinte die Beschwerdegegn
e
rin in der
angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) eine Verschlechterung des Gesundheits
zustand
es der Beschwerdeführerin
seit letztmaliger eingehender Prüfung
ihres
Leistungsanspruches im Zusammenhang mit der Verfügung v
om
3.
Februar 2015 (
Urk.
11/109
) und ging von einer nach wie vor bestehenden 100%igen Arbeits
fähigkeit in behinderungsangepasster Tätigkeit aus
(vgl. vorstehend E. 2.1)
.
5.3
Sowohl der Untersuchungsbericht von med.
pract
.
G._
vom
9.
Februar 2018
(vgl. vorstehend E. 4.7
) a
ls auch jener von
Dr.
F._
gleichen Datums
(vgl. vor
stehend E. 4.6
)
,
ergänzt durch deren Stellungnahme vom
1
9.
und 2
1.
September 2018
(vgl. vorstehend E. 4.10-11
)
,
erfüllen vorl
iegend die formalen Beweiswert-
Anforderungen an eine beweiskräftige E
xpertise (vgl. vorstehend E. 1.8
)
ohne weiteres,
sind
sie
doch für die stre
itigen Belange umfassend, beruhen
auf allsei
tige
n Untersuchungen, berücksichtigen
auch die geklagten Bes
chwerden sowie das Verhalten der Beschwerdeführerin
und wurde
n
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben.
Darüber hinaus leuchten die Untersuchungsberichte
auch in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion ein und enth
alten
nachvollziehbar begründete Schlussfolgerungen. Dies be
trifft auch die Feststellungen betreffend die psychosoziale Belastungssituation so
wie hinsichtlich des
aggravatorischen
Verhaltens der Beschwerdeführerin, wel
ches sowohl anlässlich der orthopädischen als auch der psychiatrischen Untersu
chung festgestellt wurde.
5.4
In somatischer Hinsicht ging med.
pract
.
G._
in ihrem Gutachten vom
9.
Februar 2018 (vgl. vorstehend E. 4.7)
von einem seit Oktober 2012 nicht we
sentlich verä
nderten Gesundheitszustand aus und stellte
in einer behinderung
s
angepassten Tätigkeit
eine
100%ige
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
fest
.
Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit geht einher mit der übrigen Aktenlage.
Die neu geltend gemachten Sensibilitätsstörungen betreffend die rechten Extre
mitäten konnte
bereits
Dr.
C._
anlässlich seiner neurologischen Untersu
chung im Mai
2017 (vgl. vorstehend E. 4.2), nachdem die Beschwerdeführerin geltend machte, sie könne wegen der Sturzgefahr nicht mehr alleine nach
draussen
gehen,
keinem
objektivierbaren Korrelat zuordnen. Demnach erweist sich auch die währen
d
des stationären Aufenthaltes an der
Y._
vom 2
5.
Januar bis 1
2.
April 2017
gezeigte eingeschränkte Gehfähigkeit, wonach
sich
die Be
schwerdeführerin fast ausschliesslich mit einer Gehhilfe fort
b
ewegte,
aus soma
tischer Sicht
als
nicht nachvollzie
h
bar (vgl. vorstehend E. 4.3
).
Allfällige Stürze wurden dann von der Beschwerdeführerin
im
Rahmen
der RAD-Untersuchung im Februar 2018 auch nicht mehr erwähnt
,
und sie konnte sich
ohne Gehhilfen fort
bewegen.
Weiter wies med.
pract
.
G._
darauf hin, dass die Untersuchung
der Be
schwerdeführerin
von
zahlreichen Inkonsistenzen
geprägt gewesen
sei
und die angegebenen
Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bei Ablenkung nicht im demonstrierten
Ausmass
reproduzierbar gewesen seien.
5
.5
Nach
neuer Praxis des Bundesger
ichts führ
t
die Diagnos
e einer psychischen Er
krankung
nur dann zur Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgra
des, wenn einerseits die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardin
dikatoren
(vgl. vorstehend E. 1
.
3)
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind, und andererseits keine Ausschlussgründe
namentlich
k
eine Aggravation
vorliegen
.
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Kons
tellation, liegt
regelmässig
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn:
eine erhebliche Diskrepanz zwi
schen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anam
nese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Nicht per se auf Aggravation weist
blosses
verdeutlichendes Verhal
ten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1).
5.6
In psychiatrischer Hinsicht konnte
Dr.
F._
nach Untersuchung der Beschwer
deführerin am
9.
Februar 2018
bei
starken Hinweisen auf Aggravation
und Selbstlimitierung sowie
dem Vorliegen von psychosozialen
Belastungsfaktoren keine Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit nennen
.
Dr.
F._
konnte einen
gut herstellbaren affektiven Rapport fest
stellen
, eine uneinge
schränkte Schwingungsfähigkeit und eine grosse emotionale Spannbreite. Auch der Antrieb und die Psychomotorik
sowie Konzentration und Aufmerksamkeit
wurde
n
als unauffällig beschrieben (
Urk.
11/186
S. 6
Ziff.
8,
S. 7 Mitte). Dass unter diesen Gesichtspunkten das Vorliegen eines depressiven Geschehens ver
neint wurde, erweist sich als korrekt. Gegen eine eigentliche Depressivität spricht weiter der Umstand, dass die
Beschwerdeführerin, wie
Dr.
F._
festhielt, je nach Thema gezielt geweint und bei einem The
menwechsel
dies
sofort wieder
einge
stellt habe (vgl.
Urk.
11/186 S. 7 Mitte).
Auch die konkreten Ausführungen der Beschwerdeführerin auf Befragung durch
med.
pract
.
G._
, weshalb sie denn im Haushalt nichts mehr machen könne, ergab, dass dieser Umstand nicht etwa in einer durch eine depressive Erkrankung bedingte
n
Antriebslosigkeit gründete, sondern im Umstand, dass sich die Be
schwerdeführerin infolge eines durch sie verursachten Brandes nun vor den elektrischen Geräten fürchtete, weshalb sie sich nicht mehr getraue
,
diese zu be
dienen
. In der Folge wurde dann anlässlich des Aufenthaltes in der
Y._
eine Expositionstherapie mit elektrischen Küchengeräten durchgeführt
(vgl.
Urk.
11/187 S. 2 oben,
vorstehend E. 4.9)
.
Dr.
F._
begründete in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise, weshalb der Diagnostik der behandelnden Fachpersonen der
Y._
(vgl. vorstehend E. 4.2 und E. 4.9)
und
des
Z._
(vgl. vorstehend E. 4.4-5 und E. 4.8)
nicht gefolgt werden könne.
Hinsichtlich der vo
n Seiten der behandelnden Fachpersonen der
Y._
und des
Z._
diagnostizierten
Panikstörung
(ICD-10 F 41.0) befand
Dr.
F._
die
se als
geringgradig
ausgeprägt und in dem Sinne als ohne Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit.
Im Rahmen der
Befragung zu ihren Ängsten durch
Dr.
F._
führte die Beschwerdeführerin
denn
auch aus, sie habe Ängste vor Katzen und Hunden sowie vor der Angst (vgl.
Urk.
11/186 S. 7 unten). Selbst wenn die Panikstörung das Antreffen von Spinnen beträfe (vgl.
Urk.
11/186 S. 3 oben
)
,
würde dies
keine aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
bedeutende Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit begründen.
A
us den Ausführungen der Beschwerdeführerin zu ihrem «Spinnensehen»
geht
klar hervor, dass sie sich entgegen ihren sonstigen A
ngaben
auch alleine nach draussen begibt, auch wenn sie dies im Nachhinein dadurch relativierte, dass sie in einem solchen Fall die gesamte Zeit mit ihrem Ehemann via Handy i
n
Kontakt stehe (vgl.
Urk.
11/186 S. 3 oben)
.
Zudem wurde die Angst, nicht alleine nach draussen gehen zu können, je nach Untersuchungs
kontext anders begründet. So wurde anlässlich der Untersuchung vom
2.
Mai 2017 beim Neurologen
Dr.
C._
ausgeführt, die Beschwerdeführerin könne wegen der Angst zu stürzen nicht alleine nach drauss
en gehen (vgl. vorstehend E. 4.2)
,
und im
Bericht der Fachpersonen des
Z._
vom 1
8.
Dezember 2017 wur
den weiter Orientierungsstörungen im Rahmen eines beobachteten kognitiven Abbaus angegeben (vgl. vorstehend E. 4.5).
Entsprechend sind auch die Ausfüh
rungen der Beschwerdeführerin, dass sie nicht
alleine nach draussen gehen könne, aufgrund der Inkonsistenzen
mit Z
urückhaltung zu würdigen
.
Gleiches gilt
hinsichtlich des
von
ihr
geltend gemachten Stimmenhören
s
, wonach
unter anderem ihr verstorbene
r
Bruder
und eventuell der Teufel
zu ihr
gesprochen hätten
(
Urk.
11/186 S. 3 Mitte).
Bereits in ihrem Untersuchungsbericht vom
9.
Februar 2018
(vgl.
Urk.
11/186 S. 7 oben)
und erneut in ihrer Stellungnahme vom
2
1.
September 2018 (vgl. vorstehend E. 4.11)
befand
Dr.
F._
die von der Beschwerdeführerin
geltend gemachten akustischen Halluzinationen und
Akoas
men
für nicht authentisch.
Weiter berichtete die Beschwerdeführerin auf
konkrete
Befragung durch
Dr.
F._
zur
von den Fachpersonen der
Y._
in ihrem Bericht vom 1
6.
Mai 2018 (vgl. vor
stehend E. 4.9) gestellten
Diagnose einer
Agoraphobie
(ICD-10
F40.0
)
, dass sie über Ängste vor Menschen seit einer Bedrohungssituation in der
Y._
verfüge und Angst habe, von Bekannten ausgelacht zu werden, weil sie in der
Y._
ge
wesen sei (
Urk.
11/186 S. 9 unten).
Damit lässt sich jedoch die Diagnose einer Agoraphobie (ICD-10 F40.0) gemäss den klinisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 (
vgl. klinisch-diagnostische Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapital V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, Hrsg., 10. überarbeitete Auflage, Bern 2015 S. 1
92
)
nicht begründen.
Auch das Vorliegen einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
konnte
Dr.
F._
nicht bestätigen. So verneinte sie
einerseits das Vorliegen
der hierfür
massgeblichen
Kriterien
und verwies andererseits darauf, dass die Be
schwerdeführerin
jeweils sehr gezielt auf ihre Schmerzen verwiesen
habe
,
welche dann
beim Gespräch über andere Themen völlig in den Hintergrund getreten und nicht zu beobachten gewesen seien (vgl.
Urk.
11/186 S. 9 unten f.).
Damit ein
hergehend waren auch anlässlich der orthopädischen Untersuchung bei med.
pract
.
G._
ein
Grossteil
der angegebenen Beschwerden bei Ablenkung nicht reproduzierbar
(vgl. vorstehend E. 4.7)
.
In Anbetracht der vorliegenden Aggrava
tion der Beschwerden sind auch die Ausführungen zum Tagesablauf,
wonach die Beschwerdeführerin den Tag vorwiegend liegend verbringe
,
als wenig aussage
kräftig zu bezeichnen. Insbesondere führte med.
pract
.
G._
aus, dass die Hornhautstruktur der Füsse gegen eine vorwiegend liegende Körperhaltung spre
che
(vgl. vorstehend E. 4.7
).
An der schlüssigen Einschätzung
durch
Dr.
F._
ändern insbesondere die Aus
führungen der behandelnden Fachpersonen des
Z._
(vgl. vorstehend E. 4.4-5 und
E. 4.8)
,
die
- wie auch die Ausführungen der Fachpersonen der
Y._
- auf
grund
der
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung
,
welche
als hausarztähnlich be
zeichnet werden muss,
ohnehin mit
Zurückhaltung
zu würdigen sind
(vg
l. BGE 125 V 351 E. 3b/cc),
nichts. Sofern die Fachpersonen des
Z._
in ihren Berichten
vom
1
6.
Mai und 1
8.
Dezember 2017 (vgl. vorstehend E. 4.
4-5
)
ausführten, dass eine
postt
raumatischen Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1)
massgeblich
mit
ver
antwortlich für die vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin auf dem ersten Arbeitsmarkt
s
ei
,
ist
darauf hinzuweisen, dass diese Diagnose ein schwerwiegendes Trauma voraussetzen würde, welches bei fast jedem tiefe Ver
zweiflung hervorrufen würde (vgl. klinisch-diagnostische Leitlinien der Interna
tionalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapital V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, Hrsg., 10. überarbeitete Auflage, Bern 2015 S.
207 f.
).
Ein solches wurde weder beschrieben noch geltend gemacht.
Weiter
konnte das
von den Fachpersonen
des
Z._
in ihrem Bericht vom 1
8.
De
zember 2017
(vgl. vorstehend E. 4.5)
beschriebene demente Zustandsbild
,
wonach
sich
die Beschwerdeführerin
selbst in der
eigenen
Wohnung ohne fremde Hilfe fast nicht mehr zurechtfinden könne
,
anlässlich der RAD-
Untersuchung weder von
Dr.
F._
noch von med.
pract
.
G._
bestätigt werden.
Die an der Ein
schätzung
durch
Dr.
F._
von den Fachpersonen des
Z._
geübte Kritik in ihrem Schreiben vom 1
6.
April 2018 (vgl. vorstehend E. 4.8), wonach sich die Ausfüh
rungen von
Dr.
F._
lediglich auf die Panikstörung beschränkt hätte
n
, erweist sich als
unbehelflich
.
5.7
Den
im Bericht der
Y._
vom
1
2.
Mai 2017 (vgl. vorstehend E. 4.3) dokumentier
ten Suizidversuch durch Medikamentenintoxikation, wonach die Beschwerdefüh
rer
in
zwei Tabletten
Prazine
à 50 mg eingenommen hatte und ausführte, sie hätte die gesamte Packung Tabletten eingenommen, wenn ihr Ehemann
sie
nicht ge
funden hätte, befand
Dr.
F._
als manipulativ im Sinne eines Druckmittels
der Beschwerdeführerin
gegen ihren
Ehemann, damit dieser
sich gegen seine Mutter
stelle
(
vgl.
Urk.
11/186 S. 3 unten f.
).
Auch bei der im Bericht der
Y._
vom 1
6.
Mai 2018 (vgl. vorstehend E. 4.9) be
schrieben Suizidalität äusserte die Beschwerdeführerin lediglich, sie habe einen Plan gemacht, sich mit Medikamenten zu
suizidieren
und habe einen Abschieds
brief schreiben wollen.
Erneut wurde sie, bevor
es
überhaupt
zu einer Intoxikation
kam,
von ihrem Ehemann entdeckt und in die Klinik gefahren, wobei
sie
gemäss
der objektiven Befunderhebung
bei Eintritt
einen
relativ guten Allgemeinzustand
auf
wies
.
Insbesondere
zeigte
sie
anlässlich der Einweisung ke
ine Symptome,
wel
che die
Diagnose einer schwere
n
depressiven Episode
mit psychotischen Symp
tomen (ICD-10 F33.3)
rechtfertigen könnte
n
. Die Beschwerdeführerin wurde
als freundlich und zugewandt beschrieben ohne offensichtliche Störung von Auf
merksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und der Auffassung. Weiter wurde der for
male Gedankengang als ge
ordnet und kohärent be
zeichnet
(vgl. vorstehend
E. 4.9)
.
Dr.
F._
taxierte weiter die Einnahme des sedierend wirkenden Medikamentes
Prazine
während der
Begutachtung
mit der Begründung der Beschwerdeführerin, dass sie extrem müde sei (vgl.
Urk.
11/186 S. 4
Ziff.
3)
,
als demonstrativ.
5.8
Was die stationären Aufenthalte
der Beschwerdeführerin
in der
Y._
anbelangt, so
fällt insgesamt auf, dass
diese durchwegs im Nachgang an einen negativen Vorbescheid respektive
im Zusammenhang mit
einer leistungsanspruchsvernei
nenden Verfügung
erfolgten
. So
begab sie sich vom
1
9.
Januar bis 2
4.
März 2015 in einen stationären Aufenthalt in d
ie
Y._
(
Urk.
11/125), nachdem ihr
mit Vor
bescheid vom 2
7.
November 2014 (vgl.
Urk.
11/105) in Aussicht gestellt wurde, dass kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe,
und be
gründete ihre Ein
wände
vom 1
0.
Februar 2015 mit Hinweis auf diesen
Aufent
-
halt (
Urk.
11/110).
Auch als
ihr
mit Vorbescheid vom 1
5.
Dezember 2016 (
Urk.
11/144) in Aussicht gestellt wurde, das
s
kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung best
ehe
, begab
sie
sich im Folgemonat Januar 2017 eben
falls wieder in stationäre Behandlung in die
Y._
und be
gründete
wiederum
ihre Ein
wände
damit
(vgl. vorstehend E. 4.3
,
Urk.
11/145-146
).
Sodann begab sie sich
kurz
e Zeit nach
der
RAD-Untersuchung am
9.
Februar 2018
ab dem
2
8.
Februar 2018 in stationäre
Behandlung
in die
Y._
(vgl. vorstehend E. 4
.9
).
Demgegenüber suchte sie in Zeiten, in welchen sie sich nicht im
Vorbescheidver
fahren
befand, wie sie anlässlich der Begutachtung bei med.
pract
.
G._
aus
führte, lediglich alle zwei Monate einen Psychiater auf und befand sich zwischen ein-
bis
zweimal im Monat beim Psychologen
(vgl.
Urk.
11/187 S. 2 Mitte)
. Soweit demnach vor a
llem im Hinblick auf eine sich a
bzeichnende Verweigerung eines Rentenanspruches die Therapiefrequenz derart intensiviert wird, ist dies als in
konsistent zu werten
(vgl. Urteil des Bundesgericht 9C_885/2015 vom 1
3.
Januar 2016 E. 2, BGE 141 V 281 E. 4.4.2).
Anzumerken ist, dass bereits nach erstmaliger leistungsanspruchsverneinender Verfügung vom 1
8.
Oktober 2012 (
Urk.
11/77) eine notfallmässige Selbstzuweisung der Beschwerdeführerin ins
J._
am 2
5.
Oktober 2012 erfolgte (vgl.
Urk.
11/103/7-9).
Nebst der beschriebenen Aggravation der Beschwerden ist vorliegend jedoch auch eine massive psychosoziale Belastungssituation dokumentiert, insbesondere durch die Ü
berschuldung der Familie und d
ie
durch
die Schwiegermutter aufge
baute
Drucksituation für die Beschwerdeführerin sowie ihrer Angst, von
ihrem Ehemann verlassen zu werden
(vgl.
Urk.
11/186 S. 2
Ziff.
3 Mitte, S. 3 Mitte)
. B
ei der Annahme einer rentenbegründenden Invalidität
ist daher
ohnehin Zurückhal
tung geboten
(vgl. vorstehend E. 1.4
; Urteile des Bundesgerichts 8C_746/2015 vom 3. Februar 2016 E. 2.2, 9C_146/
2015 vom 19. Januar 2016 E. 3.1
).
5
.9
Aufgrund des Gesagten ist
,
der Beschwerdegegnerin folgend
,
davon auszugehen,
dass eine aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht eingetretene relevante Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin seit der
letzt
maligen leistungsverneinenden Verfügung vom
3.
Februar
2015 (vgl.
Urk.
11/109
) in Anbetracht der das Beschwerdebild dominierenden
Aggra
vation der Beschwerden sowie der
psychosozialen und
soziokulturellen Faktoren vorlie
gend
nicht ausgewiesen ist
.
Damit bleibt es bei dem im Urteil vom
3.
Juni 2014
(
Urk.
11/95)
festgelegten und mit Urteil vom
1
3.
April 2016
bestätigten
renten
anspruchsauschliessenden
Invali
ditätsgrad von 17
%
(vgl.
Urk.
11/136 E. 5.4)
.
Die angefochtene Verfügung
(
Urk.
2)
erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerdefüh
rer
in
aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung je
doch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.