Decision ID: 937c224a-b69f-50e5-8504-0daf05bceec2
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Speck, St. Gallerstrasse 29,
9032 Engelburg,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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St.Galler Gerichte
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Urs Glaus, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1972 geborene B._ war bei der A._ als Tankstellenverkäuferin tätig und
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) unfallversichert, als
sie am 7. Juni 2007 als Mitfahrerin auf dem Motorrad ihres Ehemanns in einen
Verkehrsunfall verwickelt wurde (Suva-act. 1, 14). Dr. med. C._, Facharzt für Innere
Medizin, bestätigte im Arztzeugnis vom 20. Juni 2007 eine Erstkonsultation am 8. Juni
2007 und diagnostizierte Prellungen an der Schulter links, am Knie und Ellbogen links
sowie an der Hüfte links. Als Befunde erhob er eine Schürfung am linken Knie sowie
Hämatome am Knie und an der Hüfte links. Dr. C._ bescheinigte der Versicherten
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis 11. Juni 2007 und schloss die Behandlung noch
am 8. Juni 2007 ab (Suva-act. 8). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht.
A.b Wegen persistierender Schmerzen, vor allem im Bereich der Nackenmuskulatur,
stellte sich die Versicherte am 20. Juni 2007 in der Notfallabteilung des Kantonsspitals
St. Gallen (KSSG) vor (Suva-act. 9). Im weiteren Verlauf klagte sie über ständige
Nacken-, Kopf- und Brustschmerzen, weshalb sie ihre Tätigkeit als
Tankstellenverkäuferin nicht mehr aufnahm (Suva-act. 10, 12). Die Versicherte hatte bei
der A._ jeweils am Montag bzw. 8.5 Stunden pro Woche gearbeitet und dabei alle
Gestelle und das Lager aufgefüllt (Suva-act. 1, 22). Die drei Kinder der Versicherten
wurden an diesen Tagen vom Ehemann betreut (Suva-act. 13). Die Versicherte stand
sodann noch in zwei weiteren Arbeitsverhältnissen. Bei der D._ putzte sie ein Mal
wöchentlich die Büros und bei der E._ war sie als Zeitungsverträgerin angestellt. Die
Tätigkeit als Zeitungsverträgerin nahm die Beschwerdeführerin am 12. Juni 2007
wieder auf. Bei der Putztätigkeit gab es gar keinen Arbeitsausfall. Die Versicherte
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konnte hier die Arbeitszeit selber einteilen und immer wieder Pausen einlegen. Auch als
Zeitungsverträgerin konnte sie bei Bedarf Pausen einlegen (Suva-act. 22).
A.c Am 15. Oktober 2007 fand eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med. F._,
Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Allgemein- und Unfallchirurgie, statt. Im
Untersuchungsbericht vom 17. Oktober 2007 diagnostizierte dieser eine HWS-
Distorsion sowie Prellungen an der Schulter und Hüfte sowie am Knie und Ellbogen
(alle links) (Suva-act. 39). Am 25. Februar 2008 erfolgte eine neurologische Abklärung
durch Dr. med. G._, Fachärztin für Neurologie FMH, . Die Ärztin diagnostizierte
aktuell persistierende Kopfschmerzen, wahrscheinlich im Rahmen der psychosozialen
Überlastungssituation nach dem Unfallereignis (Suva-act. 65).
A.d Mit Verfügung vom 2. April 2008 eröffnete die Suva dem Rechtsvertreter der
Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. D. Speck, Engelburg, dass die noch geklagten
Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar seien. Der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den geklagten Beschwerden sei in
Berücksichtigung der Kriterien gemäss BGE 115 V 133 zu verneinen. Im Sinn eines
Entgegenkommens würden zur Angewöhnung ab dem 7. April bis 31. Mai 2008
Taggeldleistungen basierend auf einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% ausgerichtet.
Ab dem 1. Juni 2008 würden die Leistungen definitiv eingestellt (Suva-act. 66).
B.
Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (Suva-act. 68, 71) wies die Suva mit
Entscheid vom 17. Juni 2008 ab (Suva-act. 73).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess die Versicherte durch ihren
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 16. Juli 2008 Beschwerde erheben mit dem Antrag,
der Einspracheentscheid vom 17. Juni 2008 und die Verfügung vom 2. April 2008 seien
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr die gesetzlichen
Leistungen, insbesondere das volle Taggeld ab dem 7. April 2008 zu erbringen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge.
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C.b In der Beschwerdeantwort vom 23. September 2008 beantragte der
Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin, Rechtsanwalt Dr. iur. U. Glaus, St. Gallen,
Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik und Duplik vom 13. bzw. 23. Oktober 2008 hielten die Parteien
unverändert an ihren Anträgen fest.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird, soweit
entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich des
Unfalls vom 7. Juni 2007 und erbrachte entsprechende Versicherungsleistungen. Laut
ihren Erwägungen in der Verfügung vom 2. April 2008 erachtete sie die natürliche und
adäquate Kausalität zwischen den geklagten Beschwerden und dem erlittenen Unfall
im Verfügungszeitpunkt an sich nicht mehr als gegeben. Vom 7. April bis 31. Mai 2008
richtete jedoch die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin
entgegenkommenderweise zur Angewöhnung an die Wiederaufnahme der
Erwerbstätigkeit als Tankstellenverkäuferin Taggelder basierend auf einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% aus. Per 1. Juni 2008 erfolgte die definitive
Leistungseinstellung. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet damit
vorderhand die Frage, ob über den Zeitpunkt des Verfügungserlasses hinaus natürlich
und adäquat kausale Unfallrestfolgen vorliegen und unter dem Gesichtspunkt dieser
Anspruchsvoraussetzung demnach eine weitergehende Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin besteht.
2.
Gemäss ständiger Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) kann ein nach einem
versicherten Unfall aufgetretenes Leiden nur dann als dessen Folge betrachtet werden,
wenn und soweit es sicher oder doch zumindest überwiegend wahrscheinlich von
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jenem Unfall herrührt (natürliche Kausalität). Die blosse Möglichkeit eines
Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129
V 177 E. 3.1, 119 V 338 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen). Der Unfallversicherer
haftet sodann nur für jene Folgen, die mit dem Unfall adäquat kausal
zusammenhängen. Während es Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist, den natürlichen
Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 123 III 110 E. 3a). Im Bereich
klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen
Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit Bild gebenden
Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] nachgewiesen
werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar,
bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung
der adäquaten Kausalität, können doch gerade klinische Befunde erfahrungsgemäss
auch psychisch ausgelöst werden. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist
zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma
erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140
E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass die versicherte
Person eine Schleudertraumaverletzung erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 359 festgelegten bzw. den mit BGE 134 V 109 modifizierten
Kriterien. Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang
bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus
dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die
ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild
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ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 E. 3b). Zu präzisieren bleibt, dass die zu den
Verletzungen nach klassischem Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung zum
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang (BGE 119 V 335, 117 V 359) auch
auf analoge Verletzungen wie Distorsionen der HWS sowie Schädel-Hirntraumata
anwendbar ist, wenn und soweit sich dessen Folgen mit jenen eines Schleudertraumas
vergleichen lassen (vgl. Urteil des EVG vom 17. August 2004 i/S O.G. [U 243/03]; RKUV
2000 Nr. U 395 S. 317, E. 3; BGE 117 V 369).
3.
3.1 Den medizinischen Akten sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, wonach die
von der Beschwerdeführerin über den Zeitpunkt des Verfügungserlasses hinaus
geklagten Beschwerden mit klar ausgewiesenen organischen Befunden im Sinn
nachweisbarer unfallkausaler struktureller Veränderungen erklärbar wären.
Insbesondere in Bezug auf die Untersuchungsergebnisse des KSSG vom 22. Juni 2007
(Suva-act. 9) ist festzuhalten, dass eine manuelle ärztliche Untersuchung der
versicherten Person klinische, nicht aber objektivierbare Ergebnisse zu Tage fördert.
Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar sind und von der Person des
Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Würde auf
Ergebnisse klinischer Untersuchungen abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein
organisches Substrat namhaft gemacht. Folglich kann von organisch objektiv
ausgewiesenen Unfallfolgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen
Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (vgl. BGE 134 V
109 E. 9, 117 V 359 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U
479/05]). Diese Untersuchungsmethoden müssen zudem wissenschaftlich anerkannt
sein (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweisen). Beispielsweise sind ein Thoracic outlet
Syndrom (TOS), myofasziale und tendinotische bzw. myotendinotische Befunde für
sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen zu betrachten.
Auch Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Nacken
sowie Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit können für sich allein nicht als klar
ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifiziert werden. Gleiches
gilt für Nackenverspannungen bei Streckhaltung der HWS mit Retrohaltung (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008 i/S H.B.-G. [8C_124/2008] mit vielen Hinweisen,
sowie vom 7. Februar 2008 i/S D. [U 13/07] E. 3.2 und 3.3).
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3.2 Unbestrittenermassen erlitt die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 7. Juni 2007
verschiedene Prellungen. Diese sind laut medizinischen Akten - wie es auch der
allgemeinen medizinischen Erfahrung entspricht - abgeheilt bzw. haben zu keinen
bleibenden Unfallrestfolgen geführt. Selbst die Beschwerdeführerin macht keinerlei
solche geltend (Suva-act. 37, 39). Die am 19. Juni 2007 durchgeführte
röntgenologische Untersuchung der HWS, BWS und LWS im Röntgeninstitut und MR-
Zentrum, St. Gallen, ergab sodann keine Hinweise für das Vorliegen posttraumatischer
Läsionen, insbesondere einer Fraktur oder einer Subluxation (Suva-act. 37). Auch das
kranio-cerebrale MRT vom 29. Januar 2008 erbrachte keinen Nachweis
posttraumatischer Läsionen bzw. andersartiger fokaler hirnorganischer Veränderungen.
Die neurologische Untersuchung durch Dr. G._ zeigte schliesslich einen unauffälligen
Hirnnervenstatus. Im Bereich der Extremitäten waren keine sensomotorischen Defizite
oder Reflexdifferenzen erkennbar (Suva-act. 65).
4.
4.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleudertraumaverletzungen sowie äquivalenten Verletzungen auch ohne
nachweisbare pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem Unfall
funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Der Umstand, dass die für
ein Schleudertrauma, eine Distorsion der HWS oder ein Schädel-Hirntrauma typischen
Beschwerden nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen,
Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die
diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE 117 V 359 E. 5d/aa).
4.2 Ist ein Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung
diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer
Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations-
und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen,
Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der
natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl.
auch BGE 117 V 369 E. 3e). Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichts
(Urteile vom 30. Januar 2007 i/S T. [U 215/05] und vom 15. März 2007 i/S G. [U
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258/06]) muss bei einer HWS-Verletzung das typische Beschwerdebild mit einer
Häufung von Beschwerden nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24
bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in
diesem Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS - bei einem
Schädel-Hirntrauma in Form von Kopfschmerzen - manifestieren. Die anderen im
Rahmen eines Schleudertraumas oder einer äquivalenten Verletzung typischerweise
auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem Zeitraum
manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen.
5.
5.1 Distorsionen der HWS sind Folgen von Beschleunigungskräften, die im Sinn einer
Überdehnung und Überbiegung auf die HWS einwirken und mit einem Kopfanprall
verbunden sein können. Ein eigentliches Schleudertrauma liegt nur dann vor, wenn bei
einer Auffahrkollision durch die plötzliche Beschleunigung des getroffenen Fahrzeugs
der Kopf des Insassen - ohne anzuprallen - zuerst nach hinten zu knicken scheint und
anschliessend nach vorne beschleunigt wird. Führt der Beschleunigungsmechanismus
zu einem Kopfanprall, sollte nicht von einem Schleudertrauma, sondern von einer
HWS-Distorsion gesprochen werden (vgl. diesbezüglich Thomas Locher, HWS-
Distorsionen [Schleudertrauma] - Einführung in die Rechtslage nach schweizerischem
Recht, in: Murer/Niederer/Radanov/Rumo-Jungo/Sturzenegger/Walz [Hrsg.], Das
sogenannte "Schleudertrauma" - medizinische, biomechanische und rechtliche
Aspekte der Distorsionen der Halswirbelsäule, Bern 2001, S. 31 f.). - Im konkreten Fall
kollidierte die Beschwerdeführerin als Mitfahrerin auf dem Motorrad ihres Ehemanns
seitlich-frontal mit einem Personenwagen, wurde in der Folge vom Motorrad
geschleudert und stürzte zu Boden (Suva-act. 14). Angesichts der obigen Darlegungen
fällt bei diesem Unfallmechanismus ein eigentliches Schleudertrauma von vornherein
ausser Betracht. Bei einem Sturz vom Motorrad ohne anschliessenden Kopfanprall
wäre auch eine HWS-Distorsion ausgeschlossen. Hat jedoch ein Kopfanprall
stattgefunden, erscheint das Erleiden einer HWS-Distorsion und/oder einer Commotio
cerebri bzw. eines leichten Schädel-Hirntraumas an sich denkbar. Aufgrund der Akten
erscheint es allerdings fraglich, ob bei der Beschwerdeführerin nach dem Unfall eine
schleudertraumaähnliche Verletzung vorgelegen hat. Laut echtzeitlichem Bericht von
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Dr. C._ vom 20. Juni 2007 erlitt sie anlässlich des Unfalls einzig verschiedene
Prellungen. Eine dem Schleudertrauma äquivalente Diagnose ist darin nicht vermerkt
(Suva-act. 8). Mit der Diagnose einer Myalgie Musculus sternocleidomastoideus
beidseits und Musculus trapezius beidseits im Bericht des KSSG vom 25. Juni 2005
haben die Ärzte sodann lediglich ein Beschwerdebild im Bereich der Nackenmuskulatur
fassbar gemacht (Suva-act. 9). Konkret wurde eine HWS-Distorsion erstmals rund vier
Monate nach dem Unfall von Kreisarzt Dr. F._ diagnostiziert (Suva-act. 39). Dr. G._
geht in ihrem Bericht vom 25. Februar 2008 lediglich vermutungsweise von einer
Commotio cerebri aus (Suva-act. 65). Allgemein kann eine Vermutung nur die
Möglichkeit einer Commotio cerebri belegen und genügt damit dem im
Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nicht (Th. Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, S. 451
f.). Indem Dr. G._ ihre Vermutung zudem ohne Kenntnis der Vorakten anstellte, kann
dieser ohnedies keine Beweiskraft zukommen. Die Helmfotos (Suva-act. 68) vermögen
schliesslich ebenfalls keinen überzeugenden Aufschluss über einen allfälligen
Kopfanprall zu geben. Die darauf sichtbaren Kratzspuren deuten einzig auf ein
mögliches Schleifen auf dem Boden hin.
5.2 Selbst wenn von einer schleudertraumaähnlichen Verletzung ausgegangen wird,
ist festzustellen, dass zu keinem Zeitpunkt von einem Leidensprofil mit einer Häufung
von für einen Beschleunigungsmechanismus der HWS oder ein Schädel-Hirntrauma
typischen Beschwerden ausgegangen werden kann (vgl. Erwägung 4.2). In den Akten
sind Nacken- und Kopfschmerzen erstmals rund drei bzw. fünf Wochen nach dem
streitigen Unfall und damit ausserhalb der erforderlichen Latenzzeit von 24 bis
höchstens 72 Stunden dokumentiert (Suva-act. 9, 12). Laut Angaben der
Beschwerdeführerin sind diese Beschwerden hingegen bereits kurze Zeit nach dem
Unfall aufgetreten. Infolge anfänglicher Fokussierung auf andere Probleme - Zustand
des Ehemanns, Betreuung der Kinder - habe allerdings kein Arzt konsultiert werden
können. Auch ohne Berücksichtigung der Latenzzeit ist jedoch in den medizinischen
Akten regelmässig einzig von Nacken- und Kopfschmerzen - die Kopfschmerzen im
Übrigen überwiegend als Folgeerscheinungen der Nackenproblematik - die Rede.
Weitere Beschwerden, wie Konzentrationsschwierigkeiten sowie Vergesslichkeit,
werden erstmals in der Beschwerde angegeben. In den medizinischen Akten sind sie
überhaupt nicht vermerkt und wurden damit von der Beschwerdeführerin gegenüber
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den untersuchenden Ärzten offensichtlich auch nicht beklagt (Suva-act. 19, 22, 24, 31,
34, 39, 65).
6.
6.1 Angesichts dieser Grundlagen (kein fassbarer pathologischer Befund; keine
Häufung schleudertraumatypischer Beschwerden) ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin zum einen nicht an somatischen Beschwerden leidet und zum
anderen die natürliche Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 7. Juni 2007 und
den geklagten Beschwerden als Folgen einer schleudertraumaähnlichen Verletzung
nicht gegeben ist. Selbst wenn in Bezug auf die geklagten Beschwerden - wie von der
Beschwerdegegnerin zunächst anerkannt - für die Zeit nach dem Unfall von einer
natürlichen Kausalität ausgegangen wird, muss diese im Zeitpunkt des Erlasses der
Verfügung vom 2. April 2008 zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit verneint werden.
6.2 Die in den Akten liegenden medizinischen Berichte bestätigen dieses Bild. Bereits
die anlässlich der Untersuchung vom 22. Juni 2007 im KSSG erhobenen klinischen
Befunde waren verhältnismässig geringfügig (Suva-act. 9). Dr. H._ informierte sodann
am 24. Juli 2007, dass bei der Beschwerdeführerin durch die Kollision und die
mittelschwere Verletzung des Ehemanns eine traumatisch bedingte akute
Belastungsreaktion aufgetreten sei, die sich aktuell bessere. Ebenso würden sich die
unfallbedingten Schmerzen zurückbilden (Suva-act. 18). Am 31. August 2007
berichtete Dr. H._ ebenfalls, dass die Beschwerdeführerin seit dem Unfall an einer
Belastungsreaktion leide, die durch die Schwere der Unfallverletzung des Ehemanns
unterhalten werde (Suva-act. 24). Bei der kreisärztlichen Untersuchung vom 15.
Oktober 2007 zeigten sich die klinischen Untersuchungsergebnisse organisch ebenfalls
als eher unauffällig. Im Untersuchungsbericht vom 17. Oktober 2007 hielt Dr. F._ fest,
bei der depressiv bis latent aggressiven Beschwerdeführerin habe während der
Untersuchung klinisch kein muskulärer Hartspann erhoben werden können. Die
Beweglichkeit des Kopfs sei in abgelenkten Momenten vollumfänglich nach rechts
möglich, hingegen bei gezielter Untersuchung eingeschränkt gewesen. Intermittierend
wende die Beschwerdeführerin auch bei der Begrüssung den Kopf gesamthaft. Im
längeren Gespräch stelle sich in Übereinstimmung mit Hausarzt Dr. H._ heraus, dass
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am ehesten der gesamte biopsychosoziale Kontext für die einschränkenden Momente
verantwortlich sei. Einerseits stille die Beschwerdeführerin noch ihr 1 1⁄2 jähriges Kind,
andererseits sei der Ehemann wegen der aktuellen Unfallfolgen mehr eingeschränkt als
er es aufgrund der ursprünglichen IV-relevanten Folgen gewesen sei. Er könne die
Betreuung der Kinder nicht weiterführen und die Familie sei auf die Mithilfe der Mutter
der Beschwerdeführerin angewiesen. Die organischen Befunde seien stabil, was sich
auch dadurch bestätige, dass sie die Reinigungsarbeiten, die sie sich selbst etwas
einteilen könne, verrichten könne, und bei Spaziergängen mit dem Hund Zeitungen
vertrage. Hingegen sei die strengere eintägige Tätigkeit im Tankstellenshop mit fester
Arbeitseinteilung noch nicht möglich. Die Frage, ob sie einen halben Tag im
Tankstellenshop arbeiten könnte, wenn entsprechende Betreuungshilfen für die Kinder
vorhanden wären, habe die Beschwerdeführerin verneint. Sie ertrage den Lärm der
Kühltruhe nicht und werde dabei aggressiv. Diese einschränkenden Momente sowie
die Kopfschmerzen seien somit am ehesten im Rahmen des erwähnten
biopsychosozialen Kontextes mit Überlastungsreaktion zu interpretieren. Aus
chirurgisch-traumatologischer Sicht wäre die Beschwerdeführerin für den Einsatz im
Tankstellenshop zur Angewöhnung im hälftigen Umfang des ursprünglichen Rahmens
wieder arbeitsfähig (Suva-act. 39). Dr. G._ hielt in Folge der neurologischen
Untersuchung am 25. Februar 2008 fest, dass sich weder klinisch noch radiologisch
Anhaltspunkte für Verletzungsfolgen intracraniell oder im Bereich der Wirbelsäule
ergeben hätten. Auf Grund der Gesamtsituation vermutete die Neurologin, dass die in
Folge des Traumas eskalierte familiäre Situation, indem nicht nur die Unterstützung des
Ehemanns ausgefallen sei, sondern dieser selbst Beistand benötigt habe, wesentlich
dazu beigetragen habe, dass sich die Beschwerdeführerin von einer vermutlichen
Commotio cerebri noch nicht recht erholt habe (Suva-act. 65). Nach Vorliegen des
Ergebnisses der MRT-Untersuchung vom 29. Januar 2008 und der neurologischen
Untersuchung hielt Dr. F._ am 14. März 2008 abschliessend fest, dass es sich bei
den aktuell geschilderten und diagnostizierten Beschwerden nur noch im
biopsychosozialen Kontext, sonst jedoch kaum um Unfallfolgen handle. Aufgrund der
Unfallfolgen könne von einer mindestens teilweisen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
werden (Suva-act. 64). - Die vorgenannten medizinischen Berichte und ärztlichen
Äusserungen stimmen allesamt überein. Ein somatischer Gesundheitsschaden oder
Folgen einer schleudertraumaäquivalenten Verletzung lassen sich daraus nicht ableiten.
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Auch von Seiten der medizinischen Forschung (Gerhard Jenzer, Klinische Aspekte bei
HWS-Belastungen durch Kopfanprall oder Beschleunigungsmechanismus:
Grenzbereich zum "leichten" Schädel-Hirn-Trauma, in: SZS 1996 S. 462 ff.) wird
festgehalten, der typische posttraumatische Verlauf nach einem leichten Schädel-
Hirntrauma bzw. einer Beschleunigungsverletzung entspreche einer Erholung innert
sechs bis zwölf Wochen. Ungewöhnlich lang dauernde und schwere Verläufe nach
Beschleunigungsverletzung würden bei Fehlen der klinischen Kriterien einer
traumatischen Hirn- bzw. HWS-Schädigung nach einer Interpretation ausserhalb einer
hirnorganischen Schädigung bzw. Schädigung im HWS-Bereich rufen (S. 469 mit
Hinweis und S. 463; vgl. auch Bogdan P. Radanov, Über den Stellenwert der
neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten nach HWS-Distorsion, in: SZS 1996 S.
471 ff. und S. 475). Im Übrigen ist von Bedeutung, dass eine gesundheitliche
Schädigung nicht schon dann als durch den Unfall verursacht gelten kann, wenn sie
zeitlich nach diesem aufgetreten ist (vgl. BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb). Schliesslich lässt
sich auch den eigenen Aussagen der Beschwerdeführerin wiederholt entnehmen, dass
sie ihre Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf die Tätigkeit im Tankstellenshop nicht allein
wegen ihrer Gesundheit, sondern auch aus familiären Gründen eingeschränkt sieht
(Suva-act. 13, 22, 52).
7.
7.1 Die in Erwägung 6.2 genannten medizinischen Berichte enthalten einen
übereinstimmenden Hinweis auf eine psychische Komponente im Sinn eines
biopsychosozialen Kontextes mit Überlastungsreaktion, die offensichtlich eine natürlich
kausale Folge des Unfalls vom 7. Juni 2007 ist. Laut Aussagen der Ärzte unterhält sie
die somatisch wahrgenommenen Beschwerden der Beschwerdeführerin, kommt
jedoch augenscheinlich keinem eigentlichen psychischen Gesundheitsschaden gleich.
Eine psychiatrische Untersuchung der Beschwerdeführerin wurde bis anhin nicht
durchgeführt. Eine Rückweisung der Sache zur Vornahme einer solchen erübrigt sich
indessen. Eine derartige weitere medizinische Abklärung wäre nämlich lediglich
geeignet, die Ausprägung der psychischen Komponente weiter auszuleuchten. Trotz
Bejahung einer natürlichen Kausalität der psychischen Komponente zum Unfallereignis
muss eine weitergehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin letztlich jedoch
überhaupt deshalb verneint werden, weil es, wie nachfolgend (Erwägung 7.2 f.) zu
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zeigen ist, am kumulativ vorausgesetzten adäquaten Kausalzusammenhang fehlt. Nach
dem in Erwägung 2 Gesagten ist die Adäquanzprüfung nach Massgabe der in BGE 115
V 133 begründeten Rechtsprechung zu den psychogenen Unfallfolgen vorzunehmen.
Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die rechtlichen
Voraussetzungen des Vorliegens eines adäquat kausalen Zusammenhangs bei
psychogenen Unfallfolgen zutreffend dar (Erwägung 4); darauf ist zu verweisen.
7.2 Bezüglich der bei der Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs
vorzunehmenden Katalogisierung ging die Beschwerdegegnerin beim Unfall vom 7.
Juni 2007 von einem mittelschweren Ereignis aus. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin stuft demgegenüber den Unfall als schwer ein. - Die Frage, ob sich
ein Unfallereignis und eine psychische Fehlentwicklung im Sinn eines adäquaten
Verhältnisses von Ursache und Wirkung entsprechen, ist im Hinblick auf die Gebote
der Rechtssicherheit und der rechtsgleichen Behandlung der versicherten Personen
aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu prüfen (BGE 115 V 139 E. 6 mit
Hinweisen; RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 ff.). Bei objektivierter Betrachtungsweise
gelten als schwere Unfälle im Allgemeinen nur solche, bei denen sämtliche Umstände,
insbesondere die Dramatik und Dauer des Unfallereignisses wie auch die somatischen
Unfallfolgen eine für die versicherte Person aussergewöhnliche Eindrücklichkeit
aufweisen. Demzufolge können auch Unfälle, die im Volksmund als schwer bezeichnet
zu werden pflegen, nach der Rechtsprechung zur obligatorischen Unfallversicherung
keine entsprechende Schwere aufweisen. Nach der in RKUV 1995 Nr. U 215 S. 90 ff.
enthaltenen Übersicht wurden als schwere Unfälle etwa qualifiziert: Eine
Frontalkollision, bei welcher die versicherte Person schwere Verletzungen erlitt und ein
anderer Fahrzeuginsasse starb (nicht veröffentlichtes Urteil I. vom 15. Dezember 1994
[U 145/94]), der Zusammenstoss einer Autofahrerin mit einem Zug mit Verlust des
Unterschenkels (nicht veröffentlichtes Urteil T. vom 13. Dezember 1994 [U 141/94]), ein
Unfall auf der Autobahn mit schweren Verletzungen (nicht veröffentlichtes Urteil A. vom
11. Januar 1990 [U 77/89]) sowie der Fall eines Arbeiters, der von einem mit einer
Geschwindigkeit von 50 km/h vorbeifahrenden Lastwagen am Kopf getroffen und
weggeschleudert wurde und dabei eine schwere Commotio cerebri erlitt (nicht
veröffentlichtes Urteil F. vom 17. Oktober 1989 [U 53/86]). Im Licht dieser
Rechtsprechung kann der hier zur Diskussion stehende Unfall aufgrund des Hergangs
(seitlich-frontale Kollision eines Motorrads mit einem abbiegenden Personenwagen)
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und der erlittenen Verletzungen (Prellungen an Schulter, Knie, Ellbogen und Hüfte,
Ellbogenhämatom, Hämatom an der Hüfte, Schürfungen am Knie; massgebende
Verletzungen infolge eines Kopfaufpralls sind nicht belegt) (Suva-act. 8, 18; Erwägung
5.1, 6.2) nicht als schwer qualifiziert werden. Vom objektiven Standpunkt aus lag der
Unfall für die Beschwerdeführerin in einem Bereich, der vergleichbar mit den vom EVG
dem mittleren Bereich zugeordneten Unfallereignissen ist: ein Zweiradfahrer, der von
einem Personenwagen frontal erfasst, auf die Motorhaube gehoben und auf das
Trottoir geworfen wurde (unveröffentlichtes Urteil C. vom 23. Dezember 1991 [U
90/90]), Mofafahrerin, die sich bei einem Zusammenstoss mit einem Personenwagen
eine Tibiakopffraktur zuzog (unveröffentlichtes Urteil P. vom 14. Dezember 1989 [U
91/87]; vgl. auch die Zusammenstellung der Rechtsprechung in RKUV 2003 Nr. U 481
S. 204 E. 3.3.2). Die in der Beschwerde vorgetragenen Umstände - die
Beschwerdeführerin habe als Beifahrerin nicht ins Geschehen eingreifen können und
habe mit ansehen müssen, wie ihr Ehemann nach der Kollision blutend und
schmerzschreiend vom Unfallort weggekrochen sei - rechtfertigen keine andere
Einstufung.
7.3 Ist von einem mittelschweren Unfall auszugehen, müssen
rechtsprechungsgemäss (BGE 115 V 140 E. 6c; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 E. 2, 2001
UV Nr. 8 S. 32 E. 3 mit Hinweisen) die weiteren unfallbezogenen Kriterien entweder in
gehäufter oder auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann.
7.3.1 Auch beim Adäquanzkriterium der besonders dramatischen
Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls ist nicht auf das
subjektive Erleben, sondern auf die objektive Eignung der Umstände, bei den
Betroffenen psychische Beeinträchtigungen auszulösen, abzustellen (RKUV 1999 Nr. U
335 S. 209 E. 3b/cc). Dementsprechend hat das EVG das Adäquanzkriterium der
besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls etwa bejaht bei einem Zusammenstoss
mehrerer Personenwagen in einem Tunnel, bei dem der Lenker des vorausfahrenden
Fahrzeugs getötet und derjenige des entgegenkommenden Fahrzeugs schwer verletzt
wurde und ein Fahrzeug an der Tunnelwand hochgetrieben wurde und hierauf in den
von der Versicherten gesteuerten Personenwagen stiess (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207
ff.); ferner bei einer Auffahrkollision und anschliessendem Zusammenstoss mit zwei
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Fussgängern, wovon einer auf die Kühlerhaube des Fahrzeugs gehoben und
anschliessend auf die Strasse geschleudert wurde (Urteil H. vom 26. Mai 2000 [U
86/98]); bei einem Unfall auf der Autobahn wegen eines geplatzten Reifens, wobei das
Fahrzeug ins Schleudern und daraufhin in eine Fahrbahnabschrankung geriet, sich
überschlug und auf dem Dach liegend zum Stillstand kam (Urteil G. vom 25. März 1998
[U 137/96]) und bei der Kollision eines Lieferwagens mit einem mit erheblich
übersetzter Geschwindigkeit herannahenden Motorradfahrer, der am Tag nach dem
Unfall seinen schweren Verletzungen erlag (Urteil M. vom 18. Februar 1997 [U 137/96]).
Dem Unfallereignis vom 7. Juni 2007 kann zwar, wie jeder Kollision von
Motorfahrzeugen in höherem als im Schritttempo, eine gewisse Eindrücklichkeit nicht
abgesprochen werden. Mit den oben beschriebenen Unfallereignissen vergleichbare
Umstände sind indessen nicht gegeben. Die Dramatik übersteigt die bei nicht mehr
leichten Unfällen übliche kaum. Insbesondere war der Unfallablauf ein sehr kurzes
Ereignis (Suva-act. 24 S. 6). Wie der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort zutreffend ausführt, war der Zusammenprall nicht übermässig
heftig. Eine schwere Verletzung erlitt einzig der Ehemann der Beschwerdeführerin.
Diese war aber offensichtlich nicht sofort in ihrem Ausmass erkennbar, weil es sich in
erster Linie um eine lokal begrenzte Beinverletzung handelte. In den Akten finden sich
schliesslich keine konkreten Aussagen der Beschwerdeführerin, dass sie das
Unfallereignis an sich seelisch bedrücke.
7.3.2 Von einer ärztlichen Fehlbehandlung kann allein wegen der erst vier Monate
nach dem Unfall diagnostizierten HWS-Distorsion nicht gesprochen werden. Die einer
solchen Diagnose insbesondere zugrunde liegenden Nackenbeschwerden wurden von
der Beschwerdeführerin erstmals anlässlich der Untersuchung im KSSG vom 22. Juni
2007 beklagt, von den Ärzten durchaus zur Kenntnis genommen und sodann
entsprechend therapiert (Suva-act. 9). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass es sich
bei der Diagnose HWS-Distorsion ohnehin nicht um die überwiegend wahrscheinlich
zutreffende medizinische Beurteilung handelt (vgl. Erwägung 5.1).
7.3.3 Die Erfüllung weiterer in BGE 115 V 140 E. 6c/aa angeführter
adäquanzrelevanter Kriterien macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu
Recht nicht geltend.
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7.3.4 Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die Adäquanz der noch
geklagten Beschwerden zum Unfall vom 7. Juni 2007 selbst unter Berücksichtigung
des mit dem streitigen Unfall zusammenhängenden Schicksals des Ehemanns zu
verneinen ist.
7.4 Der Feststellung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, die
Beschwerdegegnerin habe wohl nicht wegen der unfallbedingten Prellungen, sondern
infolge Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den
Kopf- und Nackenbeschwerden während rund eines Jahres Leistungen erbracht, steht
grundsätzlich nichts entgegen. Die Beschwerdegegnerin ging offensichtlich von einer
gewissen schädigenden Wirkung des Unfalls auf den Kopf- und Nackenbereich aus,
obwohl diese nie wirklich sichtbar gemacht werden konnte. An dieser Beurteilung ist,
auch wenn die Beschwerdegegnerin nicht von konkreten Folgen einer eigentlichen
schleudertraumaähnlichen Verletzung ausging, nichts auszusetzen. Rund vier Monate
nach dem Unfall liess die Beschwerdegegnerin zur Abklärung der Kausalität
verschiedene medizinische Untersuchungen durchführen. Gestützt auf die
Untersuchungsergebnisse stellte sie - wie in Erwägung 6.2 dargelegt - ihre Leistungen
mangels Unfallkausalität zu Recht ein. Inwieweit hierin ein rechtsmissbräuchliches
Vorgehen liegen sollte, ist nicht auszumachen. Allein der Umstand, dass eine
versicherte Person nach einem Unfallereignis fortdauernde Beschwerden beklagt,
begründet nicht auch eine andauernde Leistungspflicht des Unfallversicherers. Da
Beschwerden häufig auf verschiedenen - ebenso unfallfremden - Ursachen beruhen,
können sie gerade auch dann gleichartig fortdauern, wenn die unfallbedingten
Ursachen weggefallen sind. Der Übergang von der Leistungspflicht des
Unfallversicherers zu deren Entfallen ist hierbei logischerweise immer fliessend. Dass
der Zeitpunkt der Leistungseinstellung letztlich - auch wenn er offenkundig anhand
genauer Beurteilungskriterien festgelegt wird - ein Stück weit theoretisch bleibt,
versteht sich aus der Sache selbst.
8.
Grundsätzlich entfällt zeitgleich mit dem Wegfall der Kausalität zwischen den geklagten
Beschwerden und dem Unfallereignis die Leistungspflicht des Unfallversicherers
gänzlich. Offensichtlich in Anbetracht der kreisärztlichen Beurteilung vom 17. Oktober
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2007 - aus chirurgisch-traumatologischer Sicht wäre die Beschwerdeführerin für den
Einsatz im Tankstellenshop zur Angewöhnung im hälftigen Umfang des ursprünglichen
Rahmens wieder arbeitsfähig (Suva-act. 39) - richtete die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin für weitere zwei Monate ein Taggeld aufgrund einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit aus. Im Rahmen des Instituts einer Anpassungszeit ist eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers über den Zeitpunkt des Wegfalls der Kausalität
möglich. Die Rechtsprechung sieht eine solche aber nur dann vor, wenn eine
versicherte Person auf einen anderen Tätigkeitsbereich ausweichen muss (BGE 130 V
345 E. 3.1, 115 V 133 E. 2 mit Hinweisen; RKUV 1987 Nr. U S. 393 E. 2b). In diesem
Sinn ist die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit der Einräumung einer
zweimonatigen Angewöhnungszeit eigentlich entgegengekommen. In Anbetracht der
schwierigen familiären Situation - geschädigte Gesundheit des Ehemanns, Mutter
dreier betreuungspflichtiger Kinder, Wegfall des Ehemanns als Betreuungsperson -
erscheint jedoch die erwähnte Taggeldausrichtung nicht zu beanstanden.
9.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG