Decision ID: 4fa2bd1d-83eb-4d50-8534-8c2f6d6849e6
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._ AG im Verkauf-Aussendienst
tätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die
Folgen von Unfällen versichert, als er am 15. August 2014 in eine Auffahrkollision
verwickelt wurde (Suva-act. 1). Gemäss Polizeiprotokoll der Kantonspolizei
Graubünden vom 2. September 2014 fuhren drei Unfallbeteiligte, an erster Position der
Versicherte, mit ihren Personenwagen hintereinander von C._ Richtung D._, als ein
unbekannter, vor dem Versicherten fahrender Personenwagenlenker abzubiegen
beabsichtigte und seinen Personenwagen bis zum Stillstand abbremste. Der
Versicherte sowie der Personenwagenlenker an zweiter Position bremsten ihre
Personenwagen ebenfalls bis zum Stillstand ab. Der Personenwagenlenker an dritter
Position versuchte ebenfalls abzubremsen, kollidierte jedoch mit dem Heck des
Personenwagens an zweiter Position, worauf es diesen durch den Aufprall in das Heck
des Personenwagens des Versicherten schob (Suva-act. 18/7; vgl. auch Suva-act.
12/2). Der Versicherte liess sich noch am Unfalltag im Spital E._ untersuchen, wo
nach einer Röntgen- sowie klinisch-neurologischen Untersuchung der LWS und HWS
die Diagnosen Kontusion im LWS-Bereich sowie craniocervicales
Beschleunigungstrauma gestellt und ab dem 15. August 2014 voraussichtlich für eine
Woche eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurden (UV-act. 13; vgl. auch Suva-
act. 11). Die Hausärztin des Versicherten, Dr. med. F._, Allgemeine Medizin FMH,
verordnete dem Versicherten am 30. August 2014 bei den vorgenannten Diagnosen
eine Physiotherapieserie (Suva-act. 11). Am 15. September 2014 teilte die
Arbeitgeberin des Versicherten der Suva telefonisch mit, dass sich der Versicherte
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gleichentags krank gemeldet, bis dahin aber immer gearbeitet habe. Bereits die Woche
davor habe er über Schmerzen im Nacken-/Rückenbereich geklagt (Suva-act. 9). Am
22. September 2014 folgte die Information an die Suva, dass der Versicherte wieder zur
Arbeit erschienen sei (Suv-act. 17). Für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit hatte Dr. F._
ein Arztzeugnis ausgestellt (Suva-act. 10). In einem ärztlichen Zwischenbericht vom 29.
September 2014 hielt sie fest, dass sich die Rücken- und Kopfschmerzen des
Versicherten nach chiropraktorischer Behandlung gebessert hätten. Die Chirotherapie
werde voraussichtlich drei Monate weitergeführt. Ein bleibender Nachteil sei
voraussichtlich nicht zu erwarten (Suva-act. 19). Am 10. Dezember 2014 teilte der
Versicherte der Suva telefonisch mit, dass er noch regelmässig bei Dr. med. G._,
Chiropraktor, und Dr. F._ in Behandlung sei (Suva-act. 22). Auch am 14. April und 9.
Juni 2015 verneinte der Versicherte gegenüber der Suva einen Behandlungsabschluss
und gab Dr. F._ und Dr. G._ als Arzt bzw. Therapeuten an (Suva-act. 28, 30).
A.b Am 3. Juni 2015 war beim Versicherten wegen Schmerzen im Bereich der LWS
und ins linke Bein ausstrahlend und bei einem positiven Lasègue auf Zuweisung von
Dr. F._ eine MRI-Untersuchung der LWS im Radiologiedepartement des Spitals
H._ erfolgt, welche einen ausgedehnten Bandscheibenvorfall LWK5/S1 linksbetont
mit konsekutiver Nervenwurzelbedrängung L5 und S1 links und zusätzlich leichte
neuroforaminale Engen LWK4/5 beidseits und LWK5/S1 rechts zur Darstellung
gebracht hatte (Suva-act. 33). Infolge Ausschöpfung der nicht-chirurgischen Therapien
inklusive Infiltration (Suva-act. 40) wurde beim Versicherten am 22. Juli 2015 in der
Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: KSSG) eine
Sequesterektomie L4/5 links durchgeführt, wofür er vom 21. bis 25. Juli 2015
hospitalisiert war (Suva-act. 40). Dem Versicherten wurde vom 21. Juli bis 31. August
2015 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Suva-act. 43).
A.c Am 6. August 2015 liess die Suva durch ihre Kreisärztin med. pract. I._,
Fachärztin für Chirurgie, eine Kausalitätsbeurteilung der Rückenbeschwerden
vornehmen. Die Kreisärtzin befand die aktuell beklagten Beschwerden inklusive
Operation im KSSG nicht als überwiegend wahrscheinlich unfallkausal und betrachtete
die unfallbedingten Beschwerden längstens als abgeklungen (Suva-act. 41).
Gleichentags verneinte die Suva gegenüber dem Versicherten ihre Leistungspflicht für
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den Bandscheibenvorfall bzw. dessen Operation mangels Unfallkausalität (Suva-act.
42).
A.d Am 10. August 2015 teilte der Versicherte der Suva telefonisch mit, dass er mit der
Leistungsablehnung nicht einverstanden sei (Suva-act. 44). Weiter wurden der Suva
Schreiben von Dr. F._ und Dr. med. J._, Spezialarzt für Orthopädische Chirurgie
FMH, vom 11. bzw. 12. August 2015 eingereicht (Suva-act. 45 f.), worin die beiden
Ärzte mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einen kausalen
Zusammenhang zwischen dem Unfall vom 15. August 2014 und dem
Bandscheibenvorfall feststellten. Auch die Arbeitgeberin des Versicherten nahm mit
Schreiben vom 18. August 2015 zur Leistungsablehnung der Suva Stellung (Suva-act.
48).
A.e Angesichts der neu eingereichten Akten ersuchte die Suva ihre Kreisärzte Dr. med.
K._, FMH für Chirurgie, spez. Allgemein- und Unfallchirurgie, und med. pract. I._
erneut um eine Kausalitätsbeurteilung. Nachdem diese in ihren Beurteilungen vom 21.
August bzw. 2. September 2015 eine fehlende Unfallkausalität der Diskushernie
begründet hatten (Suva-act. 47, 49), hielt die Suva mit Verfügung vom 3. September
2015 an ihrer Leistungsablehnung bezüglich des operativen Eingriffs vom 22. Juli 2015
und dessen Nachbehandlung fest (Suva-act. 50). Für die unfallbedingten HWS-
Beschwerden und die Kopfschmerzen sicherte sie dem Versicherten weiterhin
Versicherungsleistungen zu (Suva-act. 50).
B.
B.a Gegen diese Verfügung ging bei der Suva am 9. September 2015 eine Einsprache
des Versicherten ein, worin dieser auf einen Bericht des Instituts L._ verwies,
welches die medizinische Tauglichkeit für die Ausbildung zum O._ prüfe. Dieses habe
ihn für den Lehrgang 2012 als sehr gesund und fit eingestuft (Suva-act. 54).
B.b Mit E-Mail vom 18. September 2015 ersuchte die Suva Dr. med. M._, Chef
Flugmedizin, Eidgenössisches Departement N._, um Einreichung der Unterlagen
betreffend die beim Ver¬sicherten durchgeführten Abklärungen, insbesondere in Bezug
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auf dessen Rücken (Suva-act. 57). Am 5. November 2015 legte Dr. M._ einen beim
Versicherten erhobenen Röntgenbefund vor (Suva-act. 66).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 17. November 2015 (Suva-act. 68) wies die Suva die
vom Versicherten erhobene Einsprache (Suva-act. 54) ab.
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 26. November 2015 (act. G 1) Beschwerde und
beantragte sinngemäss, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es seien ihm
die gesetzlichen Leistungen im Zusammenhang mit der Bandscheibenoperation vom
22. Juli 2015, inklusive deren Nachbehandlung und der nachfolgenden
Arbeitsunfähigkeit, auszurichten.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. Februar 2016 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 23. Februar 2016 hielt der Beschwerdeführer sinngemäss an
seinem Antrag fest (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung
einer Duplik (act. G 7 f.).
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die weiteren
Ausführungen in den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen
1.
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht in Bezug auf den beim
Beschwerdeführer am 3. Juni 2015 mittels MRI erhobenen Bandscheibenvorfall LWK5/
S1 linksbetont mit konsekutiver Nervenwurzelbedrängung L5 und S1 (Suva-act. 33)
bzw. dessen operative Behandlung vom 22. Juli 2015 mit Sequesterektomie L4/5 links
mit nachfolgender Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 40) zu Recht verneint hat, weil
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zwischen diesem Befund bzw. der entsprechenden Operation und dem Autounfall vom
15. August 2014 kein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
2.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher
die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
3.
3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (ALEXANDRA
RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Ursachen im Sinn des natürlichen Kausalzusammenhangs
sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung
nicht oder nicht in gleicher Weise oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Für die
Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall
die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass
das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die Schädigung
verantwortlich ist, der Unfall mit anderen Worten als Teilursache nicht weggedacht
werden kann, ohne dass auch die eingetretene Folge entfiele. Ob zwischen einem
schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit
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eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht
(BGE 129 V 181 E. 3.1, 119 V 337 f. E. 1 mit Hinweisen; RKUV 1991 Nr. U 133 S. 312 E.
1b; THOMAS LOCHER/THOMAS GÄCHTER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts,
4. Aufl. Bern 2014, § 70 Rz. 58 f.). Als adäquate Ursache eines Erfolgs hat ein Ereignis
nach der Rechtsprechung zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu
bewirken, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als begünstigt
erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 125 V 461 E. 5a mit Hinweisen). Im Bereich klar
ausgewiesener somatischer Unfallfolgen spielt jedoch die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher
Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V
291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit Hinweisen).
3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss, zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen angewiesen (BGE 129 V 181 E. 3.1; PVG
1984 Nr. 82, 174; RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 55). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die beklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind. Ausschlaggebend
für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder dessen
Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 312 E. 1b). Die
Beschwerdegegnerin stützt ihre Leistungsablehnung insbesondere auf die
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kreisärztlichen Beurteilungen von Dr. K._ und med. pract. I._ vom 21. August bzw.
1. September 2015 (Suva-act. 47, 49). Den Berichten versicherungsinterner Ärzte und
Ärztinnen kann rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert beigemessen werden,
sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV
1991 Nr. U 133 S. 311 ff.). Der Umstand, dass Dr. K._ sowie med. pract. I._ ihre
Beurteilungen aufgrund der Akten abgegeben und den Beschwerdeführer nicht selbst
untersucht haben, steht ihrem Beweiswert nicht entgegen (RKUV 1988 Nr. U 56 S. 370
E. 5b).
4.
4.1 Eine Diskushernie bzw. ein Bandscheibenvorfall ist im Regelfall eine degenerative
Erkrankung der Wirbelsäule. Sie kann hingegen im Ausnahmefall auch Folge eines
Traumas sein (vgl. dazu ALFRED M. DEBRUNNER, Orthopädie, Orthopädische
Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 878 ff.; PSCHYREMBEL, Klinisches Wörterbuch, 266.
Aufl. Berlin 2014, S. 232; ROCHE LEXIKON, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 182;
LEITLINIE DER ORTHOPÄDIE, Hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie
und Orthopädische Chirurgie und dem Berufsverband der Ärzte für Orthopädie, 2.
erweiterte Aufl. Köln 2002, S. 5).
4.2 Ist es durch den Unfall zu einer Diskushernie und damit zu einem neuen
strukturellen Gesundheitsschaden gekommen, ist die natürliche Kausalität gegeben.
Hat der Unfall hingegen keine Diskushernie verursacht, kann diese nur im Rahmen
eines degenerativen Prozesses entstanden sein. In diesem Fall können unfallkausale
Verletzungsfolgen und damit eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin nur bejaht
werden, wenn es durch den Unfall zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung einer
vorbestehenden degenerativen Diskushernie gekommen ist. Denn im Falle einer (nur)
vorübergehenden Verschlimmerung eines vorbestehenden Bandscheibenvorfalls ist
eine Leistungspflicht für eine Bandscheibenoperation und die nachfolgende
Arbeitsunfähigkeit unabhängig davon, ob die Beschwerden des durch den Unfall
aktivierten Bandscheibenvorfalls im Zeitpunkt der Sequesterektomie noch andauerten,
zu verneinen, weil der Eingriff der Behebung der Ursache selbst, d.h. des degenerativ
bedingten Bandscheibenvorfalls dient (vgl. Urteil des Eidgenössischen
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Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 20. September 2001, U 379/00, E. 6c; Urteil des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 30. Juni 2004, UV 2003/51, E. 4.b, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch, Dienstleistungen, Rechtsprechung, Versicherungsgericht).
5.
5.1 Eine traumatische Diskushernie gilt als objektiviert, wenn sie durch einen
entsprechenden radiologischen Untersuchungsbefund erhoben wird (BGE 134 V 121 E.
9, 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen, 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E.
5.4 mit Hinweisen [U479/05]; Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008,
8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen).
5.2 Die beim Beschwerdeführer noch am Unfalltag, d.h. am 15. August 2014,
durchgeführte Röntgenuntersuchung der LWS hat, abgesehen von einer leichten
Höhenminderung von BWK 12 ventral, normal hohe Wirbelkörper, eine normale Höhe
der Zwischenwirbelkörper, ein regelrechtes dorsales Alignement und eine normale
Knochenmineralisation ergeben. Es konnte zudem keine knöcherne Destruktion und
keine frische Fraktur ausgemacht werden. Hingegen zeigte sich ein unfallfremder
Vorzustand in Form einer leichten rechts-konvexen Skoliose der LWS (Suva-act. 13).
Einem früheren Röntgenbefund von Dr. M._, der offenbar zur Prüfung der
medizinischen Tauglichkeit des Beschwerdeführers für die Ausbildung zum O._ für
den Lehrgang 2012 erhoben worden war, kann neben der Skoliose ein
hyperlordotischer Flachrücken und ein fehlender Bogenschluss L5/S1 entnommen
werden (Suva-act. 66; vgl. dazu DEBRUNNER, a.a.O., S. 776, 813, 817, 827 ff., 843 ff.;
PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 1974 f., S. 2000 "Spondylolyse", S. 2294
"Wirbelsäulenspaltbildungen"). Erst die MRI-Untersuchung der LWS des
Beschwerdeführers vom 3. Juni 2015 brachte einen ausgedehnten Bandscheibenvorfall
LWK5/S1 linksbetont (median bis foraminär), mit konsekutiver
Nervenwurzelbedrängung L5 und S1 links, sowie zusätzliche leichte neuroforaminale
Engen LWK4/5 beidseits und LWK5/S1 rechts zur Darstellung (Suva-act. 33).
5.3 Aus dem Umstand, dass gemäss medizinischer Literatur Diskushernien auf
normalen Röntgenbildern nicht direkt sichtbar sind und die Abnützung nur gelegentlich
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als eine Verschmälerung des knöchernen Wirbelabstands indirekt nachweisbar ist (vgl.
dazu DEBRUNNER, a.a.O., S. 881 f.; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 232; ROCHE
LEXIKON, a.a.O., S. 182; http://www.hirslanden-bibliothek.ch/themen/artikel/article/
bandscheibenvorfall-ursachen-und -behandlung/, abgerufen am 13. April 2017), ist zu
folgern, dass im vorliegenden Fall keine beweiskräftigen bildgebenden Unterlagen
vorliegen, welche den genauen Zeitpunkt der tatsächlichen Entstehung des
Bandscheibenvorfalls LWK5/S1 linksbetont beim Beschwerdeführer belegen würden.
Nachdem der Bandscheibenvorfall am 22. Juli 2015 operativ therapiert wurde, wird
auch nicht mehr zu beantworten sein, ob allenfalls bereits vor dem Unfall vom 15.
August 2014 ein zunächst symptomloser Bandscheibenvorfall vorhanden war.
Festzustellen ist immerhin, dass ein vorbestehender Bandscheibenvorfall in den
medizinischen Akten nicht explizit angesprochen bzw. in Erwägung gezogen worden
ist.
5.4 Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, kann ein Kausalzusammenhang
zwischen dem Bandscheibenvorfall bzw. dessen operativer Behandlung mit
nachfolgender Arbeitsunfähigkeit und dem Autounfall vom 15. August 2014 trotz dieser
Unsicherheit mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit verneint
werden.
6.
6.1 Nach der Rechtsprechung kann eine Diskushernie bzw. ein Bandscheibenvorfall
nur dann als weitgehend unfallbedingt betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von
besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe
herbeizuführen. Vorausgesetzt wird weiter, dass die Symptome der Diskushernie
(vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger
Arbeitsunfähigkeit auftreten (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190, Nr. U 379 S. 192; Urteil des
EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, teilweise publiziert in AJP 2006 S. 877 ff.). Ein
Unfall ist nur in Ausnahmefällen geeignet, eine Bandscheibenverletzung hervorzurufen,
zumal eine gesunde Bandscheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter
Gewalteinwirkung eher die Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt
würde. Im medizinischen Versuch konnte die isolierte Verletzung einer Bandscheibe
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durch einen Unfall lediglich bei rein axialer Belastung der Wirbelsäule, nicht aber bei
Rotations-, Hyperextensions- oder Hyperflexionsbewegungen herbeigeführt werden
(Urteil des EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, E. 3.1, mit Hinweis auf GÜNTER G.
MOLLOWITZ [Hrsg.], Der Unfallmann, Berlin/Heidelberg 1993, S. 164 ff.). Angesichts
des Gesagten kann also eine erst in zeitlichem Abstand zum Unfall diagnostizierte
Diskushernie im Regelfall nicht die Folge des Unfalls sein, sondern stellt eine
eigenständige, d.h. unfallunabhängige degenerative Gesundheitsschädigung dar.
6.2 Kreisärztin med. pract. I._ nimmt in ihrer Beurteilung vom 2. September 2015
(Suva-act. 49) zur Frage der Unfallkausalität des Bandscheibenvorfalls im Sinne einer
beim Unfall erlittenen strukturellen Läsion Stellung und verneint eine Unfallkausalität.
Der Beschwerdeführer sei der Fahrer eines Autos gewesen, auf welches zwei weitere
Autos aufgeprallt/aufgefahren seien. Das Auto des Beschwerdeführers habe nur eine
kleine Läsion mit einem Sachschaden in Höhe von Fr. 1'000.-- erlitten (vgl. dazu Suva-
act. 18/6, Suva-act. 20). Initial seien die Beschwerden des Beschwerdeführers als
LWS-Kontusion beurteilt worden. Im Arztzeugnis UVG des Spitals E._ vom 28.
August 2014 (Suva-act. 13) sei ausserdem ein normaler Neurostatus vermerkt. Im
konkreten Fall habe sodann weder ein Trauma mit einer hohen Gewalteinwirkung noch
mit einer axialen Stauchung stattgefunden. Die lumbale Wirbelsäule habe durch die
Abstützung und Polsterung durch die Sitzfläche einen guten Schutz erfahren (Suva-act.
49). Med. pract. I._ nimmt damit in ihrer Beurteilung auf den Unfallmechanismus, die
Schwere des vom Beschwerdeführer erlittenen Autounfalls vom 15. August 2014 sowie
die initiale medizinische Beurteilung der Unfallverletzung Bezug und setzt sich mit den
rechtssprechungsgemäss massgebenden und auf medizinischen Erfahrungstatsachen
basierenden Faktoren einer traumatischen Diskushernie auseinander (vgl. Erwägung
6.1). Sie gibt die Fakten des konkreten Falles korrekt wieder und setzt sie in einen
nachvollziehbaren und schlüssigen Zusammenhang. Vor diesem Hintergrund besteht
kein Anlass daran zu zweifeln, dass der Unfall vom 15. August 2014 nicht geeignet war,
beim Beschwerdeführer eine - im Sinn eines Ausnahmefalls mögliche (vgl. Erwägung
6.1.1) - Diskushernie zu verursachen.
6.3 Gestützt wird die kreisärztliche Schlussfolgerung durch die beim
Beschwerdeführer erst mit einer Latenzzeit von rund einem Monat tatsächlich
eingetretene Arbeitsunfähigkeit. Der erstbehandelnde Arzt im Spital E._ hatte dem
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Beschwerdeführer zwar ab dem Unfalltag, einem Freitag, für voraussichtlich eine
Woche eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Suva-act. 13). Von dieser machte er
aber offensichtlich keinen Gebrauch und ging nach dem Wochenende, d.h. am
Montag, wieder zur Arbeit (vgl. dazu Suva-act. 9, Suva-act. 18-27). Auf dem Unfallfoto
ist ausserdem kein Sachschaden am Personenwagen des Beschwerdeführers
erkennbar (Suva-act. 18/16), aus dem sich ein Autounfall von besonderer Schwere mit
einer Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule ableiten liesse, die geeignet gewesen wäre,
eine Diskushernie zu verursachen. Der Umstand, dass initial und zumindest bis Ende
Januar 2015 in den medizinischen Akten nicht von typischen radikulären Symptomen
einer Diskushernie die Rede ist (vgl. Suva-act. 13, 19, 25), sondern solche erst
anschliessend, spätestens etwas vor Mai 2015, aufgetreten sein dürften (vgl. Suva-act.
33, 46), stützt die Beurteilung, die Diskushernie sei erst in zeitlichem Abstand zum
Unfall aufgetreten, ebenfalls. Unfallnah wurde eine Diskushernie offenbar auch nicht in
Erwägung gezogen. Die Unfalldiagnose lautete "Kontusion im LWS-Bereich" (Suva-act.
11, 13) und der erstbehandelnde Arzt im Spital E._ hatte es jedenfalls nicht als nötig
erachtet, eine MRI-Untersuchung durchzuführen, mit welcher ein Verdacht auf eine
Diskushernie hätte erhärtet werden können (vgl. DEBRUNNER, a.a.O., S. 881;
PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 232; ROCHE LEXIKON, a.a.O., S. 182).
6.4 Dr. K._ zieht in seiner Beurteilung vom 21. August 2015 aus dem Umstand, dass
eine Schmerzausstrahlung nicht im Anschluss an den Unfall, sondern erst viel später im
Verlauf dokumentiert ist, den überzeugenden Schluss, es liege eine unfallunabhängige
Bandscheibenproblematik vor (Suva-act. 47). Eine Degeneration ist im Gegensatz zu
einem akuten Trauma ein fortschreitender Prozess. Sie beginnt unbedeutend und
nimmt im Verlauf zu. Entsprechend kann sie zunächst ohne weiteres symptomlos oder
unmerklich schleichend verlaufen, aber auch unvermittelt und schlagartig kompliziert
werden (vgl. dazu DEBRUNNER, a.a.O., S. 586, 878). Im konkreten Fall spricht die
Beschwerdesymptomatik im zeitlichen Ablauf nicht für eine traumatisch verursachte
Diskushernie, sondern - wie von Dr. K._ angenommen - überwiegend wahrscheinlich
für eine degenerative Bandscheibenproblematik, die im Juni 2015 akut geworden ist.
Erfahrungsgemäss kann sich ein degenerativer Prozess wie hier beschrieben in der
gegebenen Latenzzeit von beinahe einem Jahr bis zu den aktenmässig dokumentierten
radikulären Symptomen ohne weiteres entwickeln. Zumindest drängt sich die Annahme
einer unfallbedingten Kausalität nicht auf. Dies zumal belegt ist, dass die LWS des
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Beschwerdeführers vor dem Unfall Veränderungen (Skoliose, fehlender Bogenschluss
L5/S1, Suva-act. 13, 66) aufwies, die eine entsprechende Entwicklung noch gefördert
haben könnten.
6.5 Dr. J._ und Dr. F._ sprechen sich zwar für einen Zusammenhang zwischen
dem Bandscheibenvorfall und dem Autounfall vom 15. August 2014 aus (Suva-act. 45
f.), doch begründen sie ihre Schlussfolgerung mit dem zeitlichen Zusammenhang und
der Beschwerdefreiheit des Beschwerdeführers vor dem Unfall (post hoc ergo propter
hoc). Die blosse zeitliche Abfolge vermag jedoch juristisch gesehen nichts über eine
allfällige Unfallkausalität auszusagen (vgl. dazu ALFRED MAURER, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 N 1205; UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015, N 69 zu Art. 4 ATSG; SVR 2009 UV Nr. 13
[8C_590/2007], S. 52, E. 7.2.4, sowie SVR 2008 UV Nr. 11 [U 290/06]; RKUV 1994 Nr.
U 206 S. 329 E. 3b).
6.6 Damit steht mit dem im Sozialversicherungsrecht geforderten Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass beim Beschwerdeführer eine durch den
Unfall vom 15. August 2014 verursachte neue, bleibende Gesundheitsschädigung im
Sinn einer strukturellen Veränderung auszuschliessen ist.
7.
7.1 Bezüglich der Frage, ob sich eine vorbestehende Diskushernie richtungsgebend,
mithin dauernd, unfallbedingt verschlimmert hat, gelten dieselben Kriterien wie für eine
unfallbedingte Diskushernie, was auch hier dazu führt, dass eine Unfallkausalität nur
ausnahmsweise und insbesondere nur dann in Frage kommt, wenn der Unfall auch
geeignet gewesen wäre, eine gesunde Bandscheibe zu verletzen (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Februar 2012, 8C_902/2011, E. 2 mit Hinweisen; Urteil des
EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, teilweise publiziert in AJP 2006 S. 877 ff., und 13.
Juni 2005, U 441/04, E. 3.1). Eine allfällige richtunggebende Verschlimmerung muss
röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression
abheben (Urteile des Bundesgerichts vom 22. Juli 2016, 8C_285/2016, E. 6.4.3, und
25. April 2012, 8C_237/2012,
E. 4.2.4).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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7.2 Wie bereits erwähnt, liegen unfallnah keine aussagekräftigen radiologischen Bilder,
wie ein MRI, vor, welche eine richtungsgebende Verschlimmerung ausweisen könnten.
Im konkreten Fall bestehen aber auch keinerlei Anhaltspunkte für eine solche. Wie in
Erwägung 6 dargelegt, ist weder von einem Unfall von besonderer Schwere
auszugehen noch sind beim Beschwerdeführer unfallnahe Radikulopathien und eine
sofortige Arbeitsun¬fähigkeit nachgewiesen.
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der angefochtene Einspracheentscheid,
mit welchem die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die Behandlung des am
3. Juni 2015 mittels MRI erhobenen ausgedehnten Bandscheibenvorfalls LWK5/S1
linksbetont bzw. dessen operative Behandlung und die nachfolgende
Arbeitsunfähigkeit abgelehnt hat (Suva-act. 68), nicht zu beanstanden ist.
9.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 17. November 2015 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).