Decision ID: c4482832-ebf3-4c66-a95f-51a3a14f6a32
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Januar 2019 wegen Schmerzen beim Gehen nach einer
Versteifung des Sprunggelenks/Arthrose zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 4). Sie gab an, dass sie mit B._ verheiratet sei,
ein eigenes Kind (Jahrgang 199_) und drei Pflegekinder (Jahrgänge 198_, 198_ und
199_) habe und seit dem 1. Mai 2007 bei B._ Hauswartungen/Gartenunterhalt
arbeite. Sie sei zu 50% als Reinigungsangestellte und zu 20% als Büroangestellte tätig.
Das Bruttoeinkommen als Reinigungsangestellte betrage Fr. 1'700.-- pro Monat; die
Tätigkeit als Büroangestellte erfolge unentgeltlich. Der erlernte Beruf sei Bäckerin-
Konditorin (Ausbildung von 19_ bis 19_). Seit dem 16. Juli 2018 sei sie vollständig
arbeitsunfähig. Sie reichte das Fähigkeitszeugnis als Bäckerin-Konditorin (IV-act. 6), ein
Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. med. C._, FHM Orthopädie und Traumatologie,
vom 12. Juli 2018 betreffend eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 16. Juli 2018 bis
19. August 2018 (IV-act. 7) und eine Krankenkarte des Taggeldversicherers mit
Einträgen des Hausarztes Dr. med. D._ betreffend eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit ab dem 13. August 2018 bis 14. Februar 2019 (IV-act. 7) ein. Im
gleichen Monat meldete sie sich zum Bezug von Hilfsmitteln, eines
knöchelstabilisierenden Schuhs mit einer Abrollrampe, an (IV-act. 1).
A.a.
B._ gab am 12. Februar 2019 im Fragebogen für Arbeitgebende an (IV-act. 14),
die Versicherte sei seit dem 1. Mai 2007 angestellt. Sie habe verschiedene
Treppenhäuser gereinigt. Der letzte Arbeitstag sei am 14. Juli 2018 gewesen. Sie habe
zwischen 18 und 22 Stunden pro Woche bei einer Wochenarbeitszeit im Betrieb von
42.5 Stunden gearbeitet. Nebst der Reinigung der Treppenhäuser (Staubsaugen, feucht
A.b.
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wischen, Glasreinigungen) seien auch Lampen zu ersetzen, Unrat wegzuräumen und im
Winter evtl. zu salzen gewesen. Der Monatslohn habe seit dem 1. Januar 2017
Fr. 1'700.-- betragen.
Der Hausarzt Dr. D._ berichtete am 23. Februar 2019 (IV-act. 22), es sei offen,
ob die Fussoperation gelungen sei oder ob weitere Massnahmen erfolgen müssten. Er
legte einen Austrittsbericht der K._ vom 30. November 2018 und einen Bericht von
Dr. C._ vom 14. Februar 2019 bei (IV-act. 20, 21). Gemäss dem Bericht der K._ war
die Versicherte vom 18. bis 29. November 2018 in der Klinik E._ hospitalisiert
gewesen. Am 24. November 2018 war sie einer laparoskopischen Hemikolektomie
links, einer Bypass-Revision und einer Rectoskopie unterzogen worden. Folgende
Diagnosen waren angegeben worden: Gedeckt perforierte Descendens-Divertikulitis
mit Konglomerat am Beckeneingang bei elongiertem linkem Hemicolon, Super
Adipositas (156.5 cm, initial 164 kg, aktuell 93 kg, BMI 34.0 kg/m2; bei St. n. Anlage
eines offenen distalen Magenbypasses 10/2007, St. n. Narbenhernienplastik,
Bauchdeckenrekonstruktion und Hysterektomie 12/2008, St. n. dorsalem Bodylift,
Bauchnabelrekonstruktion und medialer Oberschenkelstraffung bds. 12/2009), St. n.
Rückfuss-Arthrodese rechts 08/2018, Komorbiditäten: Arterielle Hypertonie,
Prädiabetes, St. n. Dyslipoproteinämie, St. n. obstruktivem Schlafapnoesyndrom
(CPAP-Therapie sistiert), St. n. EPG-Gestose, St. n. Depression. Dr. C._ hatte
folgende Diagnosen angegeben: Implantat-Irritation distales OSG rechts, St. n.
Rückfuss-Nagelarthrodese rechts (08/2018), St. n. rezidivierenden oberflächlichen
Thrombophlebitiden linker US (aktuell unter NOAK), St. n. Hemikolektomie links
(11/2018), St. n. symptomatischer Divertikulitis (11/2018), Lymphödem, Adipositas
WHO Grad II, Chopart-Arthrose mit akzentuierter talonavicularer Gelenkdestruktion,
fortgeschrittene OSG-Arthrose rechts, Tibialis posterior Sehneninsuffizienz Grad 4,
Fibulafraktur rechts unter konservativer Behandlung (11/2017), Diskushernie L4/5 links
(04/2017), St. n. Magenbypassoperation (2007). Dr. C._ hatte festgehalten, ein CT
habe eine Schraubenlockerung der distalsten Verriegelungsschrauben gezeigt. Die
operative Schraubenentfernung sei geplant. Am 12. März 2019 wurde die Versicherte
operiert (Bolzenentfernung laterales OSG rechts, IV-act. 31). Am 28. April 2019
berichtete Dr. C._ (IV-act. 35), die Mobilisationen seien gebessert. Er gab als neue
Diagnose eine muskuläre Dysbalance der Sehnenrekonstruktion Fuss rechts an.
A.c.
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Die IV-Stelle erteilte am 13. März 2019 eine Kostengutsprache für orthopädische
Serienschuhe ab dem 5. Dezember 2018 bis zum 31. Dezember 2021 (IV-act. 28).
A.d.
Am 28. Mai 2019 hielt ein Sachbearbeiter der IV-Stelle in einer Telefonnotiz fest
(IV-act. 36-3), die Versicherte habe angegeben, sie habe jeweils an vier Tagen pro
Woche von 7.30 Uhr bis ca. 11.30 Uhr, manchmal bis 12.30 Uhr, gearbeitet. An
manchen Samstagen habe sie den Schlüsseldienst übernommen. Die einfachen
Bürotätigkeiten habe sie nachmittags erledigt (Pläne ausarbeiten usw.). Die "richtigen"
Bürotätigkeiten würden durch einen Treuhänder erledigt. Sobald eine Möglichkeit
bestehe, werde sie die Arbeit wieder aufnehmen. Eine Anstellung ausserhalb des
Familienbetriebes sei nicht vorgesehen. Sie könne beispielsweise nicht in einem Büro
arbeiten, da ihr das Wissen fehle. Die Versicherte sei mit der Abweisung der beruflichen
Massnahmen einverstanden. Aufgrund der Sachlage seien solche nicht angezeigt. Mit
einer Mitteilung vom 18. Juli 2019 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche
Massnahmen ab (IV-act. 38).
A.e.
Dr. D._ berichtete am 20. September 2019 (IV-act. 40), der Gesundheitszustand
der Versicherten sei stationär (schlecht). Eine second opinion sei ausstehend. Die
Tätigkeit als Raumpflegerin sei nicht möglich. Eine reine Bürotätigkeit sei der
Versicherten zumutbar, doch dafür fehle ihr die Ausbildung. Dr. C._ teilte am
23. September 2019 mit (IV-act. 45), der Gesundheitszustand der Versicherten habe
sich verbessert. Er gab die Diagnosen eines St. n. Rückfuss-Arthrodese rechts und
eine rezidivierende Weichteilschwellung bei Lymphadenopathie an. Zur Vermeidung
von Anschluss-Degenerationen seien die Schuhe anzupassen. In der bisherigen
Tätigkeit bestehe eine reduzierte Belastbarkeit mit einer eingeschränkten Mobilität.
Diese Tätigkeit sei der Versicherten zu maximal zwei bis drei Stunden pro Tag
zumutbar. Eine wechselnde, mehrheitlich sitzende Tätigkeit sei der Versicherten zu
maximal vier Stunden pro Tag zumutbar. Die Versicherte benötige Ruhezeiten zur
Schmerzbehandlung.
A.f.
Die Versicherte gab am 25. September 2019 im Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt an (IV-act. 42), seit dem 1. Juli 2019 arbeite sie
vier bis fünf Stunden pro Woche. Ohne eine gesundheitliche Einschränkung wäre sie in
einem 50%-Pensum in der Treppenhausreinigung erwerbstätig. Sie habe sich nicht um
A.g.
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Stellen beworben, da sie im Geschäft ihres Ehemannes arbeite. Sobald es ihr besser
gehe, werde sie das Pensum erhöhen. Den Zeitaufwand im Haushalt bezifferte sie auf
4.58 Stunden pro Tag. Sie kreuzte bei allen Verrichtungen an, dass sie diese
selbstständig erledigen könne. Bei den Verrichtungen Vorrat, Garten- und
Umgebungspflege, Haustierhaltung und Einkauf gab sie an, dass ihre Tochter/ihr
Ehemann helfe. Das Reinigen der Fenster und der Vorhänge sowie der Frühjahrsputz
würden von Familienangehörigen erledigt.
Am 26. November 2019 berichtete Dr. med. F._, leitende Ärztin Fusschirurgie
der Klinik G._ (IV-act. 47), die Versicherte habe sich zur Einholung einer
Zweitmeinung vorgestellt, da sie unter Belastung immer noch Schmerzen am rechten
Fuss habe. Die beschriebenen Beschwerden am distalen lateralen Unterschenkel
gingen sehr wahrscheinlich von der kaudalen der beiden Verriegelungsschrauben aus.
Die Belastungs- bzw. Entlastungsschmerzen am rechten Fuss lateral könnten schwer
zugeordnet werden; möglicherweise hätten sie mit dem gelockerten Arthrodesenagel
zu tun. Dieser sollte entfernt werden.
A.h.
Dr. med. J._ vom IV-internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am
6. Dezember 2019 (IV-act. 49), der linke (gemeint wohl: rechte) Fuss sei dauerhaft nur
noch eingeschränkt belastbar. Auch die vorgeschlagene Entfernung des Nagels werde
daran nichts ändern. Die angestammte Tätigkeit sei versicherungsmedizinisch
dauerhaft nicht zumutbar. Adaptiert könne vorbehaltlich allfälliger weiterer Abklärungen
der Einschätzung von Dr. C._ im Bericht vom 23. September 2019 gefolgt werden.
Der Gesundheitszustand sei stabil. Im Haushalt seien Einschränkungen bei Tätigkeiten
mit längerem Stehen und Gehen sowie beim Besteigen von Leitern und Treppen
möglich. In der angestammten Tätigkeit bestehe eine vollständige und in einer
adaptierten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
A.i.
Mit einem Vorbescheid vom 11. Dezember 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit (IV-act. 52), sie sehe vor, das Gesuch um eine Invalidenrente abzuweisen. Zur
Begründung gab sie an, gemäss den Angaben der Versicherten und der bisherigen
Erwerbskarriere würde die Versicherte ohne Gesundheitsschaden in einem 50%-
Pensum arbeiten. Sie werde deshalb als Teilerwerbstätige qualifiziert. Zur Klärung des
Rentenanspruchs sei die gemischte Methode anzuwenden. Im Erwerbsteil werde zur
A.j.
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Bemessung des Valideneinkommens auf den zuletzt abgerechneten Lohn gemäss IK-
Auszug abgestützt. Nach der Rechtsprechung werde das erzielte Einkommen auf ein
100%-Pensum hochgerechnet (Fr. 20'400.-- bei 50%-Pensum). Die bisher ausgeübte
Tätigkeit als Reinigungsangestellte könne die Versicherte gesundheitsbedingt
dauerhaft nicht mehr ausführen. Eine körperlich leichte, wechselbelastende,
überwiegend im Sitzen ausgeübte Tätigkeit sei ihr zu 50% zumutbar. Zur Ermittlung
des Invalideneinkommens werde der Medianlohn der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamts für Statistik (Frauen, Niveau 1, 2017) zu Hilfe genommen. Bei einem
Valideneinkommen von Fr. 40'800.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 27'392.--
resultiere ein Teil-Invaliditätsgrad im Erwerbsteil von 32.86%. Im Haushalt sei die
Versicherte in ihren täglichen Arbeiten eingeschränkt. Gewisse Aufgaben könne sie nur
mit Hilfe ihrer Tochter oder ihres Ehemannes vollständig ausführen. Die
Einschränkungen im Haushalt seien mittels dem eingereichten Fragebogen überprüft
worden. Täglich fielen Arbeiten im Umfang von 4.69 Stunden an. Davon könne die
Versicherte gemäss ihren eigenen Angaben 4.05 Stunden selber erledigen. Dies
entspreche einem Teil-Invaliditätsgrad im Haushaltsbereich von 13.6%. Bei einem
Anteil von 50% im Erwerb und 50% im Haushalt resultiere ein Invaliditätsgrad von
23%.
Die Versicherte liess am 8. Januar 2020/20. Februar 2020 einen Einwand erheben
(IV-act. 53, 58). Ihr Vertreter (Mitarbeiter einer Rechtsschutzversicherung) beantragte
die Aufhebung des Vorbescheids vom 11. Dezember 2019 und die Durchführung von
weiteren medizinischen Abklärungen, insbesondere die Erstellung eines Gutachtens;
hernach seien der Versicherten die ihr gesetzlich zustehenden Leistungen,
insbesondere eine ganze Invalidenrente, eventualiter eine Dreiviertelsrente,
zuzusprechen; eventualiter sei ihr eine Invalidenrente nach Massgabe eines neu
berechneten Invaliditätsgrades zuzusprechen. Zur Begründung machte er im
Wesentlichen geltend, die Versicherte sei am 10. Februar 2020 einer Darmoperation
unterzogen worden. Der medizinische Sachverhalt sei zu wenig abgeklärt worden. Der
Einkommensvergleich sei nicht korrekt durchgeführt worden. Indem bei der
Festsetzung des Invalideneinkommens lediglich auf die Tabellenlöhne abgestellt
worden sei, habe die IV-Stelle ausser Acht gelassen, dass die Tabellenlöhne
A.k.
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insbesondere auch die körperlich schweren Arbeitstätigkeiten umfassten, für welche
praxisgemäss ein höherer Lohn ausgerichtet werde.
In einem Austrittsbericht der Klinik L._ vom 4. März 2020 (IV-act. 60) gaben die
Fachärzte die folgenden Diagnosen an: Condylome perianal, Mariskenkranz, Verdacht
auf ODS (Obstruktives Defäkations-Syndrom; MR Defäkographie 15. Januar 2020:
Deszensus des hinteren Kompartiments, Rektozele, intrarektale Intussuszeption),
Narbenhernie Unterbauch (ca. faustgross), Adipositas WHO Grad II (BMI 35.5 kg/m2).
Am 10. Februar 2020 war die Versicherte einer Mariskektomie, einer Laserevaporation
und einer Botoxinjektion unterzogen worden (vgl. auch den Operationsbericht vom
14. Februar 2020, IV-act. 59). Der RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 10. März 2020 (IV-
act. 61), der Gesundheitszustand sei nicht stabil. Die faustgrosse Narbenhernie müsse
wahrscheinlich operiert werden; die beschriebenen Veränderungen des Enddarms
müssten wahrscheinlich ebenfalls operiert werden.
A.l.
Der Hausarzt Dr. D._ berichtete am 5. Mai 2020 (IV-act. 63), der Gesundheits
zustand der Versicherten sei stationär. Es bestünden drei Themen, welche einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten: Darm, OSG rechts, Bauchwand. Er reichte
mehrere Arztberichte ein (IV-act. 64 ff.).
A.m.
Am 1. Mai 2020 war die Versicherte am Unterbauch operiert worden (Narben
hernienrepair mit Netzeinlage, Operationsbericht vom 5. Mai 2020, IV-act. 72; Austritts
bericht der Klinik L._ vom 8. Mai 2020, IV-act. 73). Dr. D._ teilte am 21. Juli 2020
mit (IV-act. 74), der Gesundheitszustand sei stationär (schlecht). Der Bauch sei operiert
worden, nun sei der rechte Fuss dran. Er attestierte in einer adaptierten Tätigkeit eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit und merkte an, "man braucht für alles die Füsse". Er
legte einen Bericht von Dr. F._ vom 26. Juni 2020 bei (IV-act. 75). Dr. F._ hatte
angegeben, die Versicherte wünsche die Entfernung des Rückfussarthrodesnagels. Am
19. Oktober 2020 berichtete Dr. D._ (IV-act. 77), der Gesundheitszustand am Fuss
habe sich verbessert, nachdem das Metall entfernt worden sei. Für Büroarbeiten im
Betrieb des "Ex-Mannes" "kann es gehen". Für Reinigungs- oder sonstige Arbeiten mit
viel Fussbelastung "wird es nie mehr gehen". Gemäss einem Operationsbericht der
Klinik G._ vom 4. August 2020 war der Versicherten am 3. August 2020 der
Rückfussarthrodesenagel rechts vollständig entfernt worden (IV-act. 78).
A.n.
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Die RAD-Ärztin Dr. med. M._ notierte am 10. November 2020 (IV-act. 80), es
lägen mehrere Diagnosen vor, die den Gesundheitszustand der Versicherten
beeinträchtigten und sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten: Eine Adipositas und die
mit der Adipositaschirurgie assoziierten Probleme (Narbenhernie, Stoffwechsel- und
Verdauungsstörungen nach Bypassoperation und Hemikolektomie) sowie langwierige
Fussschmerzen mit einer eingeschränkten Beweglichkeit und Mobilität. Für eine valide
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei eine polydisziplinäre
Begutachtung notwendig. Vorgängig sei ein Bericht der Klinik G._ betreffend den
postoperativen Verlauf einzuholen.
A.o.
Ein Facharzt der Fusschirurgie der Klinik G._ berichtete am 14. Dezember 2020
(IV-act. 83), gemäss den Angaben der Versicherten sei der plantare Fersenschmerz
verschwunden, es persistiere jedoch der belastungsabhängig auftretende Schmerz am
lateralen Fuss. Dieser schränke die Versicherte vor allem beim Treppensteigen ein. Das
Röntgenbild habe soweit beurteilbar eine durchbaute Arthrodese OSG und USG
gezeigt. Klinisch habe er am ehesten ein symptomatisches Sinus tarsi-Syndrom
gesehen. Er habe eine Infiltration durchgeführt. Im Anschluss daran seien die
Beschwerden gebessert gewesen. Am 29. Oktober 2020 hatte derselbe Facharzt
mitgeteilt (IV-act. 84), die Versicherte habe berichtet, dass die präoperativen
Beschwerden weitgehend abgeklungen seien. Die Röntgenbilder hätten eine stationäre
Situation gezeigt. Die Orthese dürfe ab sofort weggelassen werden. Dr. M._ vom
RAD notierte am 4. Januar 2021 (IV-act. 87), die Berichte vom 29. Oktober 2020 und
14. Dezember 2020 wiesen auf einen erfreulichen Rehabilitationsverlauf hin. Zuletzt sei
ein neu aufgetretenes Sinus tarsi-Syndrom mit belastungsabhängigen Beschwerden
am lateralen Fuss rechts mittels Infiltration behandelt worden. Da die Beschwerden
prompt besserten und ohnehin nur bei Belastung aufträten, könne der
Gesundheitszustand als ausreichend stabil bezeichnet werden, zumal überwiegend
gehende und stehende Tätigkeiten versicherungsmedizinisch bereits ausgeschlossen
worden seien (vgl. RAD-Stellungnahme vom 6. Dezember 2019). Nachdem auch die
Rezidiv-Narbenhernie chirurgisch erfolgreich therapiert (vgl. Austrittsbericht der Klinik
L._ vom 8. Mai 2020) und keine gastrointestinale Passagestörung mehr
nachgewiesen worden sei, sei auch hinsichtlich der abdominalen Symptomatik eine
stabile Situation mit einer deutlichen Verbesserung eingetreten. Da eine Teil-
A.p.
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Arbeitsfähigkeit unter adaptierten Konditionen medizinisch absolut plausibel sei, könne
in Übereinstimmung mit der hausärztlichen Einschätzung gemäss Verlaufsbericht vom
Oktober 2020 und der Selbstauskunft der Versicherten über ihre relativ geringen
Einschränkungen im eigenen Haushalt auf eine Begutachtung verzichtet werden. In
einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten, überwiegend sitzend, ohne Treppensteigen, ohne
Ersteigen von Leitern und Gerüsten, ohne regelmässiges Heben und Tragen, ohne
Gewichtsbelastungen über zehn Kilogramm, seien der Versicherten zumutbar. Im
Haushalt müssten Tätigkeiten, die ein längeres Stehen oder Gehen erforderten,
etappenweise erledigt werden. Tätigkeiten, die mit den oben ausgeschlossenen
Belastungen einhergingen (Treppenhausreinigung, Grossputz, Wocheneinkauf,
Fensterreinigung etc.) seien nicht mehr möglich.
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 6. Januar 2021 im Rahmen einer zweiten
Anhörung mit (IV-act. 88), sie halte am bisherigen Entscheid fest. Die Versicherte liess
am 29. Januar 2021 dagegen einwenden (IV-act. 94), Dr. D._ habe am 21. Juli 2020
eine 100%ige verminderte Leistungsfähigkeit mit der Begründung, "man braucht für
alles die Füsse", attestiert. Am 19. Oktober 2020 habe er die Arbeitsfähigkeit
offengelassen, indem er ausgesagt habe, für Büroarbeiten im Betrieb des Ex-Mannes
könne es gehen, jedoch für sonstige Arbeiten mit Fussbelastung werde es nie mehr
gehen. Aufgrund der seit dem Einwand vom 8. Januar 2020/20. Februar 2020
stattgefundenen medizinischen Eingriffe könne nicht mehr auf die in den Akten
liegenden alten Berichte abgestellt werden. Der aktuelle Gesundheitszustand und die
Arbeitsfähigkeit seien durch ein polydisziplinäres Gutachten festzustellen.
A.q.
Mit einer Verfügung vom 10. Februar 2021 wies die IV-Stelle das Begehren um eine
Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 23% ab (IV-act. 95). Zum Einwand hielt
sie fest, es liege im pflichtgemässen Ermessen der IV-Stelle, darüber zu befinden, mit
welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären sei. Die entsprechenden Berichte seien
eingeholt, gesichtet und gewürdigt worden. Das Invalideneinkommen sei gestützt auf
die Lohnstrukturerhebung des Bundeamts für Statistik errechnet worden. Da es sich
bei den Tabellenlöhnen um Durchschnittseinkommen handle, sei der wichtige
Gesichtspunkt der rechtsgleichen Behandlung aller Versicherten am besten
gewährleistet (ZAK 1973, S. 581 f.). In Industrie und Gewerbe würden körperlich
A.r.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/21
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B.
schwere Arbeiten, welche die versicherte Person invaliditätsbedingt nicht mehr
ausüben könne, zunehmend durch Maschinen verrichtet, während den
Überwachungsfunktionen grosse und wachsende Bedeutung zukomme (ZAK 1991,
S. 320 f.). Für die versicherte Person geeignete Tätigkeiten seien etwa leichtere
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten sowie
leichtere Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung.
Die nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess
am 8. März 2021 eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. Februar 2021
erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Zusprache ab wann rechtens, allerspätestens ab 1. Januar 2019,
einer ganzen Invalidenrente. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer
medizinischer Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Im Weiteren ersuchte er um eine Nachfrist zur Beschwerdeergänzung.
In seiner Beschwerdeergänzung vom 30. April 2021 (act. G 5) hielt er an den gestellten
Anträgen fest, modizifierte den Antrag betreffend die Zusprache einer ganzen
Invalidenrente aber in der Hinsicht, dass allerspätestens ab 1. Juli 2019 eine Rente
zuzusprechen sei. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, die
Beschwerdegegnerin habe unzutreffend angenommen, die Beschwerdeführerin würde
ohne eine gesundheitliche Beeinträchtigung lediglich zu 50% einer Erwerbstätigkeit
nachgehen. Die Beschwerdeführerin würde, wäre sie gesund, einer Vollerwerbstätigkeit
nachgehen. Sie habe sich nach dem erfolgreichen Abschluss der Lehre als Bäckerin-
Konditorin zur Datatypistin/Datenerfasserin ausbilden lassen. In der Zeit danach sei sie
meist zu 100% erwerbstätig gewesen. Im Jahr 1990 habe sie als Büroangestellte bei
der H._ AG ein Jahreseinkommen von Fr. 51'750.-- erzielt (vgl. IK-Auszug, IV-
act. 13), was heute einem Einkommen von rund Fr. 69'000.-- entspreche. Ab der
Geburt ihrer Tochter im Jahr 199_ sei sie vorübergehend praktisch gar nicht
erwerbstätig gewesen. Hinzu komme, dass sie ab ca. 1998/1999 bis ca. 2004/2005
drei Pflegekinder aufgenommen habe. Vor rund zwei Jahrzehnten habe die
Krankengeschichte der Beschwerdeführerin begonnen. Deshalb sei sie nie mehr einer
vollen Erwerbstätigkeit nachgegangen. Wäre sie nicht krank geworden, würde sie heute
zu 100% arbeiten und zwar im Bürobereich. Für eine Vollzeitbeschäftigung spreche
B.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/21
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auch die Tatsache, dass ihr Ehegatte Teil-Invalidenrentner sei, das Ehepaar also auf
zusätzliche Einkommenszuflüsse angewiesen sei. Im Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt habe die Beschwerdeführerin angegeben: "Ich
arbeite im Geschäft meines Mannes. Wenn es mir besser geht, erhöhe ich das
Pensum". Damit habe sie unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass sie, wäre
sie gesund, mehr als 70%, nämlich 100% einer Beschäftigung nachgehen würde. Die
Frage betreffend das Ausmass der Erwerbstätigkeit habe sie offensichtlich falsch
verstanden. Hinsichtlich der Abklärung Erwerbstätigkeit/Haushalt sei darauf
hinzuweisen, dass die Angaben vom 25. September 2019 im Zeitpunkt des Erlasses
der angefochtenen Verfügung nicht mehr aktuell gewesen seien. In der angefochtenen
Verfügung habe sich die Beschwerdegegnerin insbesondere auf die RAD-
Stellungnahme vom 4. Januar 2021, in welcher eine 50%ige Arbeitsfähigkeit adaptiert
als zumutbar erachtet worden sei, gestützt. Dr. D._ habe am 5. Mai 2020 und 21. Juli
2020 unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die Beschwerdeführerin in der
bisherigen Tätigkeit als Raumpflegerin vollständig arbeitsunfähig sei, dies aber auch für
adaptierte Tätigkeiten gelte. Die nun neu die Beschwerdeführerin behandelnde
Hausärztin Dr. med. I._, bei welcher die Beschwerdeführerin seit März 2021 in
Behandlung sei, habe die vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit bestätigt. Für eine adaptierte Tätigkeit habe sie erklärt, aufgrund der
komplexen Situation mit mehreren betroffenen Organen sei eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung nur schwer vorzunehmen. Immerhin habe sie gemeint,
aufgrund der nun ebenfalls vorhandenen chronischen Schulterläsionen links und der
vermutlich persistierenden fehlenden Belastbarkeit beim Gehen werde die
Beschwerdeführerin sicherlich zukünftig nicht mehr als zu 50% in den Arbeitsalltag zu
integrieren sein. Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auch für adaptierte Tätigkeiten
rechtfertige sich erst recht angesichts der überaus langen Diagnoseliste. Aus diesen
zahlreichen Diagnosen seien zwingend zahlreiche Wechselwirkungen zwischen den
einzelnen Beschwerden bzw. Diagnosen resultierend. Soweit eine andere Auffassung
vertreten werde, würde höchstens ein polydisziplinäres Gutachten rechtsgenüglich
Auskunft über die verbliebene Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten erteilen. Er
beantrage die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens. Auch in einem Bericht der
Fusschirurgie der Klinik G._ sei eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten bestätigt worden. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung beziehe sich nur auf die
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Fussproblematik. Unter Berücksichtigung der weiteren Leiden und Diagnosen müsse
die Arbeitsunfähigkeit weit höher als 50% sein. Gemäss dem Bericht von Dr. I._ vom
12. April 2021 seien zahlreiche medizinische Massnahmen und Behandlungen pendent.
Diese beträfen die Zeit vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 10. Februar
2021. Vor diesem Hintergrund könne die kurze RAD-Stellungnahme vom 4. Januar
2021 nicht massgebend sein. Das Valideneinkommen sei zu tief veranschlagt worden.
Beim Invalideneinkommen sei ein "Leidensabzug" von 25% vorzunehmen. Der
Rechtsvertreter reichte einen Bericht von Dr. I._ vom 12. April 2021 (act. G 5.2) und
der Fusschirurgie der Klinik G._ vom 19. März 2021 (act. G 5.3) ein.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. Juni 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, gemäss dem
Arbeitgeberfragebogen sei die Beschwerdeführerin seit dem 1. Mai 2007 jeweils 18 bis
22 Stunden pro Woche im Betrieb des Ehemannes tätig gewesen. Dies entspreche
etwa einem Pensum von 50%. Dies stimme mit den Angaben der Beschwerdeführerin
anlässlich des Telefonats vom 28. Mai 2019 überein, wonach sie an vier Tagen pro
Woche etwa vier Stunden morgens gearbeitet und am Nachmittag Bürotätigkeiten
erledigt habe. Damit könne nicht von einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 70%
ausgegangen werden. Die Beschwerdeführerin habe selber angegeben, dass sie ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung in einem 50%-Pensum im Betrieb ihres Ehemannes
erwerbstätig wäre. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wäre die Beschwerdeführerin
im fiktiven "Gesundheitsfall" also zu 50% erwerbstätig und zu 50% im Haushalt tätig.
Die Angaben im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt
hätten nach wie vor Gültigkeit. Damit bestehe im Aufgabenbereich Haushalt eine
Einschränkung von 13.6%. Unbestritten sei, dass die Beschwerdeführerin in der
angestammten Tätigkeit als Reinigungsangestellte nicht mehr arbeitsfähig sei. Unter
Berücksichtigung sämtlicher medizinischer Berichte liege ein lückenloser Befund vor.
Im Wesentlichen gehe es vorliegend nur noch um die fachärztliche Beurteilung eines an
sich feststehenden medizinischen Sachverhalts. Eine direkte ärztliche Befassung sei
damit nicht notwendig und eine Aktenbeurteilung sei ausreichend (Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Juli 2020, 8C_322/2020 E. 3). Die RAD-Stellungnahme vom
4. Januar 2021 sei schlüssig und die RAD-Ärztin Dr. M._, Praktische Ärztin FMH und
zertifizierte medizinische Gutachterin (SIM), verfüge über die notwendigen fachlichen
B.b.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 10. Februar 2021
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 23%
verneint. Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
Qualifikationen, womit auf ihre Stellungnahme abgestellt werden könne (Urteil des
Bundesgerichts vom 9. April 2014, 9C_73/2014 E. 4.2). Überwiegend wahrscheinlich
sei die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig. Im
fiktiven "Gesundheitsfall" würde die Beschwerdeführerin weiterhin im Betrieb ihres
Ehegatten arbeiten. Das Valideneinkommen sei damit nicht gestützt auf das im Jahr
1990 erzielte Einkommen zu bemessen. Nicht ersichtlich sei, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund der leidensbedingten Einschränkungen weitere
Lohneinbussen zu akzeptieren hätte. Ein "leidensbedingter" Abzug vom Tabellenlohn
könne deshalb nicht vorgenommen werden. Damit bleibe es bei einer Einschränkung
im Erwerb von 32.9%. Die Verfügung vom 10. Februar 2021 sei nicht zu beanstanden.
In einer Replik vom 2. November 2021 liess die Beschwerdeführerin an ihren An
trägen festhalten (act. G 13). Ihr Rechtsvertreter machte ergänzend geltend, die
Beschwerdegegnerin habe ausgeblendet, dass die Beschwerdeführerin im
Anmeldeformular angegeben habe, dass sie zu 70% arbeite. Wegen eines sich
verstärkten Schulterleidens rechts (Sturz vor eineinhalb Jahren) und der sich
verschlechternden Situation am Rücken könne weder von einer stabilen
Gesundheitssituation gesprochen werden noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in
adaptierten Tätigkeiten bejaht werden. Eine Stellungnahme zu den übrigen im Recht
liegenden medizinischen Berichten sei nicht erfolgt. Er reichte einen Bericht von
Dr. I._ vom 25. Oktober 2021 ein (act. G 13.1). Dr. I._ hatte darin festgehalten, das
Rücken- und Schulterleiden habe bereits vor dem 10. Februar 2021 bestanden. Neu sei
ein Aortenvitium, das die Arbeitsfähigkeit jedoch (noch) nicht beeinflusse.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 3. Dezember 2021 auf eine Duplik (act.
G 15).
B.d.
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2.
3.
Als erstes ist zu prüfen, ob die Bemessung des Invaliditätsgrades der
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; sog. Betätigungsvergleich).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb
des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird
die Invalidität für diese Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil
der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder
der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (sog. gemischte Methode; Art. 28a
Abs. 3 IVG).
2.2.
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Beschwerdeführerin anhand eines reinen Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG) oder anhand der sogenannten gemischten Methode mit einer
Teilerwerbstätigkeit und einer Tätigkeit im Aufgabenbereich (Art. 28a Abs. 3 IVG i.V.m
Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201) zu erfolgen
hat. Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung vom 10. Februar 2021 die
gemischte Methode angewandt und ist von einer Erwerbsquote von 50% und einer
Tätigkeit im Haushalt von 50% ausgegangen. Sie hat sich dabei gemäss der
Verfügungsbegründung auf die Angaben der Beschwerdeführerin (gemeint wohl: im
Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt) und auf die
bisherige Erwerbskarriere gestützt. Die Beschwerdeführerin hat im Anmeldeformular
angegeben, dass sie zu 50% als Reinigungsangestellte und zu 20% als
Büroangestellte, total also zu 70%, im Betrieb ihres Ehemannes gearbeitet habe. Die
Bürotätigkeit hat die Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Angaben unentgeltlich
geleistet. Dies dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass ihr Ehemann im Fragebogen
für Arbeitgebende lediglich Auskunft betreffend die Tätigkeit der Beschwerdeführerin
als Reinigungsangestellte, die entschädigt worden ist, erteilt hat. Gemäss dessen
Angaben hat das Pensum als Reinigungsangestellte rund 50% betragen (18 bis
22 Stunden pro Woche bei einer Wochenarbeitszeit im Betrieb von 42.5 Stunden). Dies
stimmt auch mit der Angabe in der Telefonnotiz vom 28. Mai 2019, wonach die
Beschwerdeführerin an vier Tagen pro Woche vier bis fünf Stunden pro Tag und
gelegentlich am Samstag in der Reinigung gearbeitet habe, überein. Die Angabe eines
20%-Pensums als Büroangestellte beruht dagegen allein auf der Angabe der
Beschwerdeführerin im Anmeldeformular. Die Beschwerdegegnerin hat nicht weiter
abgeklärt, ob das Pensum tatsächlich 20% betragen hat, beispielsweise durch eine
Rückfrage beim Ehemann als Arbeitgeber. Vielmehr hat sie diese Erwerbstätigkeit bei
der Festlegung der Erwerbsquote gar nicht berücksichtigt und sich auf die Angabe der
Beschwerdeführerin im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/
Haushalt, dass sie ohne eine gesundheitliche Einschränkung zu 50% in der
Treppenhausreinigung erwerbstätig wäre, abgestützt. Die Beschwerdeführerin dürfte
die Frage nach einer Erwerbstätigkeit im fiktiven "Gesundheitsfall" aber auf eine
entgeltliche Erwerbstätigkeit bezogen und damit die Frage falsch verstanden haben.
Diese Antwort kann deshalb zur Bestimmung der Erwerbsquote nicht massgebend
sein. Der Rechtsvertreter hat geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin ohne eine
gesundheitliche Beeinträchtigung einer Vollerwerbstätigkeit nachgehen würde, da ihre
Krankengeschichte vor rund zwei Jahrzehnten begonnen habe. Es bestehen jedoch
keine objektiven Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin seit dem Jahr
199_, also seit der Geburt ihrer Tochter und der Betreuung der drei Pflegekinder, aus
gesundheitlichen Gründen nie mehr einer Vollerwerbstätigkeit nachgegangen ist. Im
bis
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Weiteren ist es nicht plausibel, dass die Beschwerdeführerin aus wirtschaftlichen
Gründen einer Vollerwerbstätigkeit hätte nachgehen müssen. Denn wären die
Beschwerdeführerin und ihr Ehemann auf zusätzliche Einnahmen angewiesen
gewesen, wäre die Beschwerdeführerin seit dem 1. Mai 2007 einer besser bezahlten
Erwerbstätigkeit nachgegangen, statt im Betrieb ihres Ehemannes (teilweise
unentgeltlich) mitzuarbeiten (zur unterdurchschnittlichen Entlöhnung der
Reinigungstätigkeit im Betrieb ihres Ehemannes vgl. E. 4). Die Angabe der
Beschwerdeführerin im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/
Haushalt, dass sie im Geschäft ihres Mannes arbeite und das Pensum erhöhen werde,
sobald es ihr besser gehe, hat sich auf die damals aktuelle Situation einer Erwerbs
tätigkeit von vier bis fünf Stunden pro Woche bezogen. Daraus ist nicht zu schliessen,
dass die Beschwerdeführerin, wäre sie gesund, einer Vollerwerbstätigkeit nachgehen
würde. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wäre die Beschwerdeführerin ohne eine
gesundheitliche Beeinträchtigung deshalb weiterhin einer Erwerbstätigkeit in dem
Umfang nachgegangen, in welchem sie vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens
(16. Juli 2018) gearbeitet hat. Das Pensum der Tätigkeit als Büroangestellte im Betrieb
des Ehemannes, das für den Einkommensvergleich zum 50%-Pensum als
Reinigungsangestellte hinzuzuzählen ist (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG), steht jedoch noch
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Die Sache ist
deshalb zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Anschliessend wird sie die Erwerbsquote neu festzulegen haben.
4.
Die Beschwerdeführerin hat von 19_ bis 19_ eine Ausbildung zur Bäckerin-Konditorin
absolviert. In ihrem erlernten Beruf hat sie nie gearbeitet, denn gemäss den Angaben
ihres Rechtsvertreters hat sie sich nach dem Lehrabschluss zur Datatypistin/
Datenerfasserin ausbilden lassen und bis zur Geburt ihrer Tochter im Jahr 199_ als
Büroangestellte gearbeitet. Seit dem 1. Mai 2007 hat sie im Betrieb ihres Ehegatten in
der Reinigung und im Büro gearbeitet. Zur Bestimmung der Validenkarriere ist
massgebend, mit welcher Erwerbstätigkeit die Beschwerdeführerin ihre
Erwerbsfähigkeit bestmöglich verwerten könnte. Aufgrund der langen Zeitdauer seit
dem Lehrabschluss und des Umstands, dass die Beschwerdeführerin nie in ihrem
erlernten Beruf gearbeitet hat, ist davon auszugehen, dass sie nicht mehr in ihrem
erlernten Beruf als Bäckerin-Konditorin arbeiten könnte. Ihre Validenkarriere besteht
daher nicht in einer Tätigkeit als Bäckerin-Konditorin. Sie besteht auch nicht in einer
Tätigkeit als Büroangestellte, da die Beschwerdeführerin in diesem Bereich keine
Berufsausbildung absolviert hat (vgl. die Angaben im Anmeldeformular). Ebenso stellt
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigungsangestellte nicht die Validenkarriere dar,
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/21
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da es sich dabei um eine im Vergleich zu einer durchschnittlich entlöhnten Tätigkeit als
Hilfsarbeiterin stark unterdurchschnittlich entlöhnte Tätigkeit gehandelt hat. Der im Jahr
2017 erzielte Lohn hat bei einem 50%-Pensum nämlich nur Fr. 20'400.-- (Fr. 1'700.-- x
12) bzw. bezogen auf ein Vollpensum Fr. 40'800.-- betragen, während der Zentralwert
des Einkommens einer Hilfsarbeiterin gemäss der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamts für Statistik im Jahr 2017 Fr. 54'783.-- betragen hat (vgl. Anhang 2 der IV-
Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019). Anhaltspunkte dafür, dass die
Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung nur
unterdurchschnittlich leistungsfähig gewesen wäre, bestehen nicht. Die Validenkarriere
besteht deshalb in einer Tätigkeit als ungelernte Hilfsarbeiterin, ebenso die
Invalidenkarriere. Weil die Validen- und die Invalidenkarriere identisch sind, kann der
Betrag der Vergleichseinkommen keine Rolle spielen. Der Teil-Invaliditätsgrad im
Erwerbsteil ist deshalb durch einen sogenannten Prozentvergleich zu ermitteln.
5.
Um den Prozentvergleich durchführen zu können, muss der verbliebene Arbeits
fähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat der angefochtenen
Verfügung vom 10. Februar 2021 in medizinischer Hinsicht die RAD-Stellungnahmen
vom 6. Dezember 2019 und vom 4. Januar 2021 zugrunde gelegt. Zu prüfen ist, ob
diesen Stellungnahmen ein voller Beweiswert zukommt.
5.1.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob er für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie
der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Den Berichten und Gutachten
versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 353 E. 3b.ee). Bestehen auch nur
geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit, sind weitere Abklärungen
vorzunehmen (BGE 139 V 229 E. 5.2). In Bezug auf Berichte von behandelnden Haus-
und Fachärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache Rechnung tragen,
dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten auszusagen
pflegen (BGE 125 V 353 E. 3b.cc; Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 2020,
8C_653/2019 E. 4.2 m.w.H.).
5.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/21
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Der RAD-Arzt Dr. J._ hat seine Beurteilung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit vom 6. Dezember 2019 auf den
Bericht von Dr. C._ vom 23. September 2019 gestützt (IV-act. 49). Dr. C._ ist
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie und hat die Beschwerdeführerin bis im
August 2019 bezüglich ihrer Beschwerden am rechten Fuss behandelt (IV-act. 45). In
Anbetracht des Therapieauftrags und des damit verbundenen Vertrauensverhältnisses
zwischen der Beschwerdeführerin und Dr. C._ vermag dessen
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu überzeugen. Zu berücksichtigen ist ausserdem,
dass Dr. C._ lediglich die Funktionseinschränkungen bezüglich des rechten Fusses
beurteilt hat. Die Beschwerdeführerin hat jedoch an weiteren gesundheitlichen
Beeinträchtigungen gelitten (vgl. die Diagnoselisten in den Berichten von Dr. C._ vom
14. Februar 2019 und der K._ vom 30. November 2018, IV-act. 20, 21). Ob sich
daraus weitere Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ergeben, lässt sich aus den dem
Gericht vorliegenden Akten nicht entnehmen. Weil sich Dr. J._ vom RAD bei seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung lediglich auf den Behandlerbericht von Dr. C._ gestützt
hat, seine Beurteilung also nicht aufgrund einer eigenen Untersuchung abgegeben hat,
und weil er sich nicht dazu geäussert hat, ob die weiteren Diagnosen eine
Einschränkung des funktionellen Leistungsvermögens bewirken, bestehen nicht nur
geringe, sondern erhebliche Zweifel an seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung. Der RAD-
Stellungnahme vom 6. Dezember 2019 kommt damit kein ausreichender Beweiswert
zu. Die RAD-Ärztin Dr. M._ hat ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung vom 4. Januar 2021
(IV-act. 87) ebenfalls nicht aufgrund einer eigenen Untersuchung der
Beschwerdeführerin abgegeben. Sie hat ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung gestützt auf
Behandlerberichte, insbesondere die Berichte der Fusschirurgie der Klinik G._ vom
29. Oktober 2020 und 14. Dezember 2020 betreffend einen positiven postoperativen
Verlauf nach der Entfernung des Rückfussarthrodesenagels rechts (IV-act. 83, 84)
sowie den Austrittsbericht der Klinik L._ vom 8. Mai 2020 betreffend die chirurgisch
therapierte Rezidiv-Narbenhernie (IV-act. 73), abgegeben. Im Weiteren hat sie auf den
Bericht des Hausarztes Dr. D._ vom 19. Oktober 2020, worin dieser über einen
gebesserten Gesundheitszustand bezüglich des rechten Fusses berichtet und
festgehalten hat, für Büroarbeiten im Betrieb des "Ex-Mannes" "kann es gehen" (IV-
act. 77), und die Angaben der Beschwerdeführerin im Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt, wonach relativ geringe Einschränkungen im
Haushalt bestünden, verwiesen. Obwohl sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin im Verlauf also gebessert hat, hat Dr. M._ – wie Dr. J._ – eine
50%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit attestiert. Diese Angabe ist nicht
schlüssig. Im Weiteren hat Dr. M._ nicht begründet, weshalb die Beschwerdeführerin
in ihrer Arbeitsfähigkeit zu 50% eingeschränkt sein soll. Eine aus medizinischer Sicht
5.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/21
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6.
plausible Teil-Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit könnte auch einen höheren
oder tieferen Arbeitsfähigkeitsgrad bedeuten. Die Attestierung einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ist damit nicht überzeugend. Schliesslich
ist aus der Sicht eines medizinischen Laien nicht nachvollziehbar, weshalb Dr. M._
am 10. November 2020 eine polydisziplinäre Begutachtung für notwendig erachtet hat,
nach der Einholung der Berichte der Klinik G._ vom 29. Oktober 2020 und
14. Dezember 2020 aber mit der Begründung, es liege sowohl hinsichtlich des rechten
Fusses als auch der abdominalen Symptomatik eine stabile Situation mit einer
deutlichen Verbesserung vor, von einer Begutachtung abgesehen hat. Zwischen diesen
beiden Stellungnahmen besteht ein Widerspruch, der nicht überzeugend erklärt worden
ist, zumal Dr. M._ trotz eines verbesserten Gesundheitszustands von einer
erheblichen Teil-Arbeitsunfähigkeit ausgegangen ist. An der Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. M._ bestehen somit erhebliche Zweifel. Damit kann auch der RAD-
Stellungnahme vom 4. Januar 2021 kein ausreichender Beweiswert zukommen. In den
beiden RAD-Stellungnahmen fehlt überdies eine retrospektive
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Der Auffassung der Beschwerdegegnerin, dass die
Aktenbeurteilung durch den RAD ausreichend gewesen sei, ist in Anbetracht des oben
Ausgeführten nicht zu folgen. Die Sache ist deshalb zur Vornahme weiterer
medizinischer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie wird den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und deren verbliebene Arbeitsfähigkeit im
Rahmen einer internen Begutachtung durch den RAD oder durch eine externe
Begutachtung abklären lassen. Dabei ist es dem RAD bzw. der von der
Beschwerdegegnerin zu beauftragenden Begutachtungsstelle überlassen, die für eine
umfassende Untersuchung erforderlichen medizinischen Fachdisziplinen festzulegen.
Die Rückweisung ist vorliegend zulässig, da keine umfassende medizinische
Untersuchung vorgelegen hat, es sich somit nicht um einen im Verwaltungsverfahren
anderweitig erhobenen medizinischen Sachverhalt handelt (vgl. BGE 137 V 264
E. 4.4.1.4, wonach die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten einholt,
wenn sie einen [im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen] medizinischen
Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält). Offenbleiben kann, ob
die nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 10. Februar 2021 erstellten
Berichte von Dr. I._ vom 12. April 2021 (act. G 5.2) und vom 25. Oktober 2021 (act.
G 13.1) sowie der Bericht der Fusschirurgie der Klinik G._ vom 19. März 2021 (act.
G 5.3) Zweifel an der Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD wecken. Die
Beschwerdegegnerin wird diese Berichte bei den weiteren medizinischen Abklärungen
aber berücksichtigen müssen.
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Die Beschwerdegegnerin hat die Einschränkungen der Beschwerdeführerin in der
Fähigkeit, den Haushalt zu besorgen, einzig auf deren Angaben im Fragebogen zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt vom 25. September 2019
gestützt. Abgesehen davon, dass diese Angaben im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung vom 10. Februar 2021 möglicherweise nicht mehr aktuell
gewesen sind, können die Einschränkungen in der Fähigkeit, den Haushalt zu
erledigen, ohne einen Augenschein und eine Befragung der Familienmitglieder der
Beschwerdeführerin nicht objektiv beurteilt werden. Die Beschwerdegegnerin wird
deshalb nach den weiteren medizinischen Abklärungen auch eine Haushaltabklärung
an Ort und Stelle durchführen, um den Teil-Invaliditätsgrad im Haushalt festlegen zu
können.
7.