Decision ID: 400dd8d7-0aeb-4ccb-ac50-5a4900341618
Year: 2019
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt sei richtig und vollständig abgeklärt. Es lägen keine ärztlichen
Unterlagen vor, welche auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der kreisärztlichen Feststellungen aufkommen liessen. Die
psychischen Beschwerden stünden nicht in einem adäquaten
Kausalzusammenhang mit dem Unfall, so dass die Frage des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht weiter geklärt zu werden brauche.
17. Mit Schreiben vom 22. Mai 2018 beantragte der Beschwerdeführer den
Beizug des Gutachtens, welches die MEDAS Zentralschweiz (nachfolgend:
MEDAS) im Auftrag der IV-Stelle des Kantons Graubünden erstellt hatte.
Die SUVA verzichtete mit Schreiben vom 1. Juni 2018 auf eine
Stellungnahme. Mit Schreiben vom 27. Juli 2018 reichte der
Beschwerdeführer daraufhin das Gutachten der MEDAS vom 19. April
2018 ein. In diesem Gutachten wurde aus orthopädischer und
rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer
adaptierten, wechselbelastenden und rücken- und knieschonenden
Tätigkeit festgelegt. Aus psychiatrischer Sicht wurde eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert
und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit festgestellt. Der weitere Verlauf
wurde als ungünstig beschrieben, es sei keine Verbesserung der
Gesamtsituation zu erwarten. Im psychiatrischen Teilgutachten wurde
erwähnt, dass eine Gesprächspsychotherapie die Schmerzverarbeitung
tatsächlich etwas erleichtern könnte, dass aber eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit auch durch eine solche Massnahme praktisch
ausgeschlossen sei. Der Beschwerdeführer machte geltend, aufgrund der
medizinischen Schlussfolgerungen dieses Gutachtens sei der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den psychischen
Beschwerden zweifelsfrei zu bejahen. Mit Schreiben vom 13. September
2018 entgegnete die SUVA, an der rechtlichen Fragestellung der
Adäquanz ändere sich mit dem MEDAS-Gutachten nichts. Soweit der
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Beschwerdeführer auf eine erhebliche psychische Arbeitsunfähigkeit sowie
eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung verweise, sei
ihm rechtsprechungsgemäss entgegen zu halten, dass bei beiden Kriterien
lediglich die physischen und nicht die psychischen Unfallfolgen zu
berücksichtigen seien und deshalb auf die im Einspracheentscheid
vorgenommene Adäquanzbeurteilung abzustellen sei.
Auf die weiteren Ausführungen im Einspracheentscheid und in den
Rechtsschriften sowie auf die im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Angefochten ist der Einspracheentscheid der SUVA vom 6. Juli 2017.
Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG; SR 832.20) in Verbindung mit Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) kann gegen diesen Entscheid Beschwerde erhoben werden. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist aufgrund von Art. 57
ATSG und Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) zur Beurteilung der
Beschwerde sachlich zuständig. Auch die örtliche Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts ist gestützt auf Art. 58 Abs. 1 ATSG gegeben, hatte
doch der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz zur Zeit der
Beschwerdeerhebung in O.1._. Als formeller und materieller Adressat
ist der Beschwerdeführer vom angefochtenen Entscheid unmittelbar
betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen gerichtlicher
Überprüfung (Art. 59 ATSG). Überdies wurde die Beschwerde frist- und
formgerecht beim Verwaltungsgericht eingereicht (Art. 60, Art. 38 Abs. 4 lit
b und Art. 61 lit. b ATSG). Demzufolge ist auf die Beschwerde einzutreten.
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2. Streitig und zu prüfen ist, ob die SUVA dem Beschwerdeführer zu Recht
eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 13 % zusprach.
Zentral ist dabei die Frage, ob die SUVA bei der Bemessung des
Invaliditätsgrades zu Recht ausschliesslich die somatisch bedingten
Einschränkungen des Beschwerdeführers berücksichtigte, mithin ob die
SUVA zu Recht die psychisch bedingten Beschwerden mangels
adäquatem Kausalzusammenhang zum Unfall ausser Acht liess. Streitig
und zu prüfen ist auch die Frage, ob die SUVA den medizinischen
Sachverhalt genügend abklärte. Bei der Beurteilung der streitigen Fragen
ist der Sachverhalt zu berücksichtigen, der sich bis zum Erlass des
angefochtenen Einspracheentscheids am 6. Juli 2017 verwirklicht hat (BGE
142 V 337 E.3.2.2, 127 V 102 E.5e), und massgeblich ist der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 141 V 15 E.3.1, 138 V 218 E.6). Die mit dem
angefochtenen Einspracheentscheid bestätigte Integritätsentschädigung
von Fr. 18'900.00 für eine Integritätseinbusse von 15 % anerkannte der
Beschwerdeführer ausdrücklich, sie ist deshalb vorliegend nicht zu prüfen.
3. Bezüglich des anwendbaren Rechts ist zu beachten, dass am 1. Januar
2017 die revidierten Bestimmungen des UVG und der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten sind. Gemäss Abs.
1 der einschlägigen Übergangsbestimmungen werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017
ereignet haben, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend ereignete sich
der Unfall am 17. Oktober 2015, so dass grundsätzlich die bis zum 31.
Dezember 2016 gültig gewesenen Bestimmungen Anwendung finden. Auf
eine Differenzierung von bisherigem und neuem Recht kann indessen
verzichtet werden, da sich die für das vorliegende Verfahren anwendbaren
Bestimmungen mit Inkrafttreten der neuen Rechtssätze nicht geändert
haben.
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4. Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung werden bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen oder Berufskrankheiten gewährt (Art. 6
Abs. 1 UVG). Als Unfall gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen
Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG).
Vorliegend sind sich die Parteien zu Recht darin einig, dass der
Beschwerdeführer einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitt, als er am
17. Oktober 2015 mit seinem Personenwagen von der Strasse abkam und
in einen Baum prallte.
5. Eine versicherte Person hat Anspruch auf die zweckmässige Behandlung
der Unfallfolgen (Art. 10 UVG) und auf ein Taggeld bei Arbeitsunfähigkeit
(Art. 16 Abs. 1 UVG). Dieser Anspruch fällt dahin, wenn von der
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV)
abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG). Vorliegend stellte die SUVA die
Kostenübernahme für die Heilbehandlung und die Taggelder per 28.
Februar 2017 ein. Dies wird vom Beschwerdeführer zu Recht nicht
beanstandet. Die SUVA stützte sich diesbezüglich auf den Bericht zur
kreisärztlichen Untersuchung vom 18. Januar 2017, in welchem der
Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie, in nachvollziehbarer Weise festhielt, es sei heute ein
stabiler (End-) Zustand erreicht (SUVA-act. 172 S. 5). Davon abweichende
ärztliche Aussagen finden sich in den Akten nicht. Die beruflichen
Massnahmen der IV wurden am 6. Februar 2017 abgeschlossen (SUVA-
act. 187). Die SUVA hat somit den Rentenbeginn zu Recht auf den 1. März
2017 festgelegt.
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6. Gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG hat eine versicherte Person Anspruch auf eine
Invalidenrente, wenn sie infolge eines Unfalles mindestens zu 10 Prozent
invalid ist. Als Invalidität gilt bei erwerbstätigen Versicherten die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit
(Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt
einen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den geltend
gemachten Schädigungen voraus. Dabei ist nach der Rechtsprechung
kumulativ ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang
erforderlich (BGE 141 V 574 E.5.2, 129 V 177 E.3.3). Ursachen im Sinne
des natürlichen Kausalzusammenhangs sind dabei alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein der eingetretene gesundheitliche Schaden nicht als
eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur
gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann (BGE 129 V 177 E.3.1). Zur
Abklärung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist die
rechtsanwendende Behörde auf Unterlagen von medizinischen
Fachpersonen angewiesen (BGE 122 V 157 E.1b). Als adäquate Ursache
eines Gesundheitsschadens hingegen gilt ein Ereignis, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung
an sich geeignet ist, einen Gesundheitsschaden von der Art des
eingetretenen herbeizuführen (BGE 129 V 177 E.3.2, 125 V 456 E.5a). Die
Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs ist eine Rechtsfrage, deren
Beantwortung nicht einer medizinischen Fachperson, sondern der
rechtsanwendenden Behörde obliegt (BGE 141 V 330 E.6.2.3). Im Bereich
organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz
praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der
natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E.2.1). Im Bereich organisch
nicht objektiv ausgewiesener Gesundheitsschäden hingegen hat die
Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers grosse
Bedeutung (BGE 125 V 456 E.5c). Geht es um organisch objektiv
ausgewiesene Gesundheitsschäden, so genügt es in der Regel, den
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natürlichen Kausalzusammenhang zu prüfen. Geht es um organisch nicht
objektiv ausgewiesene Gesundheitsschäden, so sind grundsätzlich der
natürliche und der adäquate Kausalzusammenhang zu untersuchen. Dabei
ist es sinnvoll, zunächst den adäquaten Kausalzusammenhang
abzuklären. Ist dieser nämlich zu verneinen, so ist die Frage der natürlichen
Unfallkausalität nicht mehr entscheidrelevant und kann offenbleiben (BGE
135 V 465 E.5.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_632/2018 vom 10. Mai
2019 E.7.3).
7. Zur Abklärung des Kausalzusammenhangs und für diverse weitere
unfallversicherungsrechtliche Fragen ist die rechtsanwendende Behörde
auf Unterlagen von medizinischen Fachpersonen angewiesen. Dabei
unterliegen die medizinischen Unterlagen - wie sämtliche Beweismittel in
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren - der freien Beweiswürdigung
(Art. 61 lit. c ATSG). Es gilt, das gesamte Beweismaterial objektiv zu
würdigen, bei sich widersprechenden medizinischen Berichten die Gründe
anzugeben, warum auf die eine oder andere medizinische These
abzustellen ist, und zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine
zuverlässige Beurteilung der streitigen Frage gestatten (BGE 143 V 124
E.2.2.2, 125 V 351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswertes ärztlicher
Stellungnahmen ist entscheidend, ob diese auf allseitigen Untersuchungen
beruhen, die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchten und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu
überzeugen vermögen (BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ärztlicher Stellungnahmen ist folglich
grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch dessen
Bezeichnung als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a). Dennoch
hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung
als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer
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Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen.
So kommt den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte voller
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in
einem Anstellungs- oder Auftragsverhältnis zum Versicherungsträger steht,
lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das
Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet
erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die
Unparteilichkeit des Arztes allerdings ein strenger Massstab anzulegen
(BGE 125 V 351 E.3b/ee). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139
V 225 E.5.2). Berichte der behandelnden Ärzte sind nach der
Rechtsprechung wegen deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum
Patienten mit Vorbehalt zu würdigen. Das gilt sowohl für den allgemein
praktizierenden Hausarzt als auch für den behandelnden Spezialarzt (BGE
135 V 465 E.4.5).
8. Im vorliegenden Fall basiert der streitige Rentenanspruch auf dem
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers, wie er sich bei Erreichen des
Endzustandes am 28. Februar 2017 (vgl. vorne E.5) präsentierte.
Aussagekräftig für diesen Gesundheitszustand sind insbesondere die
nachstehend aufgeführten ärztlichen Berichte. Diesen Berichten kann volle
Beweiskraft beigemessen werden. Sie stammen von qualifizierten
Spezialärzten, sie sind kohärent und einleuchtend, und es sind keine
Umstände ersichtlich, welche Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit wecken
würden.
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Austrittsbericht des Kantonsspitals Graubünden (KSGR) vom 28. Oktober 2015: Der
Beschwerdeführer habe einen Berstungsspaltbruch LWK1, eine undislozierte
Sternumfraktur und eine Thoraxkontusion erlitten. Bei der Operation am 20. Oktober 2017
sei eine dorsale Aufrichtespondylodese Th12-L2, eine Diskektomie Th12/L1 und L1/L2
sowie eine Korporektomie L1 mit Wirbelkörperersatz mit RekoLift-Cage vorgenommen
worden (SUVA-act. 17 S. 1).
Austrittsbericht der Rehaklinik D._ vom 2. Juni 2016: Der Beschwerdeführer habe
sich vom 25. April bis zum 31. Mai 2016 in der Rehaklinik D._ aufgehalten. Neben
der aus dem Unfall resultierenden orthopädischen Problematik leide der
Beschwerdeführer unter einer mittelgradigen depressiven Episode und einer spezifischen
Phobie (SUVA-act. 86 S. 1). Es bestünden kontinuierliche Schmerzen am Rücken. Diese
würden bei Belastung und Bewegung verstärkt. In der Nacht trete ab und zu ein
Taubheitsgefühl an Beinen auf (SUVA-act. 86 S. 7). Das Ausmass der demonstrierten
physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen
Befunden der klinischen Untersuchung und der bildgebenden Abklärungen sowie den
Diagnosen aus somatischer Sicht nur zum Teil erklären (SUVA-act. 86 S. 3). Die
psychische Problematik beeinträchtige die Schmerzbewältigung erheblich (SUVA-act. 86
S. 11). Es habe im Rahmen der stationären Rehabilitation keine wesentliche
Verbesserung der Schmerzproblematik erzielt werden können (SUVA-act. 86 S. 4). Aus
unfallkausaler Sicht sei die bisherige schwere und rückenbelastende Tätigkeit nicht mehr
zumutbar. Eine adaptierte leichte Tätigkeit sei ganztags zumutbar. Diese Tätigkeit müsse
wechselbelastend sein und sie dürfe keine Zwangshaltungen für die Wirbelsäule, keine
Tätigkeiten in vorgeneigter Haltung, keine Rumpfrotationen, kein wiederholtes Bücken und
keine Vibrationen und Schläge für die Wirbelsäule mit sich bringen (SUVA-act. 86 S. 2).
Im psychosomatischen Konsilium wurde ausgeführt, durch die psychische Symptomatik
sei sicherlich die Schmerzbewältigung erheblich beeinträchtigt. Der Beschwerdeführer sei
wenig differenziert im Umgang mit seiner Erkrankung und er wünsche keine
psychotherapeutische Betreuung (SUVA-act. 86 S. 11).
Bericht des operierenden und behandelnden Spezialarztes des KSGR, Dr. med. C._,
Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom 14. Juli 2016: Es zeige sich
trotz intensiver Rehabilitation und Therapie keine Besserung der Restbeschwerden. Rein
klinisch und radiologisch könne er sich die Restbeschwerden nicht erklären. Sicherlich
bestehe neben der physischen Komponente mittlerweile auch eine psychosomatische
Komponente (SUVA-act. 102 S. 2).
Bericht von Dr. med. C._ vom 3. August 2016: In der am 19. Juli 2016 gemachten
MRI-Untersuchung könne weiterhin kein pathologisches Korrelat für die Restbeschwerden
ausgemacht werden (SUVA-act. 113).
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Bericht zur kreisärztlichen Untersuchung von Dr. med. E._, Facharzt für Orthopädie
und Traumatologie, vom 11. August 2016: Es liege ein Status nach dem Unfall vom 17.
Oktober 2015 und nach der Operation vom 20. Oktober 2015 vor sowie eine mittelgradig
depressive Episode unspezifischer Phobie (recte: und eine spezifische Phobie). Sowohl
bei der Rehabilitation in der Rehaklinik D._ als auch bei der heutigen (10. August
2016) Untersuchung zeige sich eine deutliche Schmerzüberlagerung, die mit dem rein
radiologischen und klinischen Verlauf nicht vollumfänglich in Einklang zu bringen sei
(SUVA-act. 122 S. 5).
Bericht von Dr. med. C._ vom 28. September 2016: Ein Jahr postoperativ zeige sich
leider ein sehr protrahierter Verlauf mit persistierenden Lumbalgien, deren Genese ihm
nicht klar sei. Somit müsse eigentlich von einem chronifizierten Schmerzsyndrom
gesprochen werden (SUVA-act. 129 S. 3).
Bericht zur kreisärztlichen Untersuchung von Dr. med. H._ vom 18. Januar 2017: Es
bestehe ein Status nach dorsaler Aufrichtespondylodese Th12-L2 mit ventraler
interkorporeller Cage-Spondylodese Th12-L2 am 20. Oktober 2015 nach
Berstungsspaltfraktur LWK1 und Sternumfraktur am 17. Oktober 2015. Die
Röntgenaufnahme vom 28. September 2016 zeige gegenüber den postoperativen
Aufnahmen unveränderte Stellungsverhältnisse und der Cage sei stabil in situ. Eine
Fehlstellung verursacht durch die LWK1-Fraktur liege nicht vor. Die persistierenden
Beschwerden seien medizinisch nicht erklärbar und insbesondere das fehlende
Ansprechen auf die zuletzt durchgeführte spezialisierte Schmerztherapie beweise eine
deutliche psychogene Überlagerung. Es könne die Zumutbarkeitsbeurteilung der
Rehaklinik D._ vom 2. Juni 2016 übernommen werden (SUVA-act. 172 S. 5).
Bericht von Dr. med. F._, Fachärztin für Anästhesiologie und leitende Ärztin der
Schmerztherapie des KSGR, vom 26. Januar 2017: Auch mit einer adaptierten
medikamentösen Schmerztherapie mit schmerzdistanzierenden und schlafanstossenden
Antidepressiva, Opioiden und Muskelentspannungsmedikamenten habe überhaupt keine
Verbesserung des Schmerzniveaus und des Funktionszustandes erreicht werden können.
Sie schliesse daraus, dass ein Grossteil der somatischen Probleme eine Somatisierung
von Ängsten und Befürchtungen darstelle (SUVA-act. 180 S. 1). Sie schliesse den Fall ab,
da der Beschwerdeführer keiner psychosomatisch orientierten Therapie zugänglich sei
(SUVA-act. 180 S. 2).
Bericht von Dr. med. C._ vom 31. März 2017: Es bestünden Restbeschwerden mit
Lumbalgien bei Status nach der Operation vom 20. Oktober 2015. An der Gesamtsituation
habe sich weiterhin nichts verändert. Der Beschwerdeführer berichte über persistierende
Beschwerden, sobald er sich mobilisiere. Jegliche bis anhin durchgeführten Therapien wie
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Rehabilitation, Schmerztherapie und regelmässige Physiotherapie hätten keinen
Fortschritt in der Schmerzsymptomatik erbracht. Auf der aktuellen Röntgenaufnahme
zeige sich weiterhin unverändert eine korrekte Implantatlage ohne Lockerungszeichen bei
verheilter Fraktursituation. Der Cage komme unverändert zur Darstellung und es seien
keine neuen Anschlussdegenerationen aufgetreten. Die vom Beschwerdeführer
geäusserten Restbeschwerden seien nun ausführlich abgeklärt worden, ohne dass ein
Grund habe eruiert werden können. Aus orthopädischer Sicht könne er dem
Beschwerdeführer keine weitere Therapie zur Verbesserung der Situation anbieten, er
empfehle eine begleitende psychiatrische Betreuung (SUVA-act. 204 S. 1 f.).
Bericht zum psychiatrischen Konsilium von Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom 15. Juni 2017: Der Beschwerdeführer leide an einer
chronischen Schmerzstörung schweren Grades mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie an einer schweren depressiven Episode ohne
psychotische Symptome (ICD-10 F32.2; SUVA-act. 226 S. 4). Die Schmerzstörung habe
zweifellos einen organischen und traumatologischen (unfallkausalen) Kern. Sehr
wahrscheinlich lägen der Schmerzempfindung bis in die Gegenwart hineinwirkende
somatische Faktoren zu Grunde. Dies könne aus der Art der Schmerzschilderung
geschlossen werden, die eine Differenzierung körperlicher (biomechanischer) und
seelischer (insbesondere emotionaler) Aspekte erlaube. Insofern bestehe vorliegend kein
(rein) psychogener Schmerz. Allerdings unterliege der Schmerz massgeblich psychischen
Einflüssen auf die Schmerzempfindung. Sehr wahrscheinlich handle es sich beim
Beschwerdeführer um eine konstitutionell depressiv strukturierte Persönlichkeit. Nach
dem Unfall sei es – rehabilitationspsychiatrisch typisch – zunächst zu einer Gefährdung
gekommen. Die Rehaklinik D._ habe entsprechend am 2. Juni 2016 eine
mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Später sei es dann zu einer Entgleisung
des seelischen Gleichgewichts gekommen. Inzwischen liege nun eine schwerwiegende
depressive Erschöpfung vor (SUVA-act. 226 S. 4 f.). Die natürliche Unfallkausalität der
schweren Depression sei im Rang der sicheren Teilursache gegeben, die Prognose
hinsichtlich der Möglichkeiten einer beruflichen Wiedereingliederung sei ungünstig und
allein schon das Ausmass der Depression erkläre hinreichend, dass der
Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig sei (SUVA-act. 226 S. 8 f.).
9. Aus den zitierten Arztberichten (vgl. vorne E.8) wird deutlich, dass der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers geprägt war durch eine
orthopädische und eine psychische Problematik. Während die SUVA den
Kausalzusammenhang zwischen dem Autounfall und der orthopädischen
- 17 -
Problematik anerkannte, ist der Kausalzusammenhang zwischen dem
Unfall und der psychischen Problematik streitig und nachfolgend zu prüfen.
9.1. Mit der beim Beschwerdeführer diagnostizierten chronischen
Schmerzstörung und der depressiven Episode stehen psychische, mithin
organisch nicht objektiv ausgewiesene Gesundheitsschäden in Frage. Der
adäquate Kausalzusammenhang deckt sich deshalb nicht mit dem
natürlichen und ist nachfolgend vorneweg zu prüfen (vgl. vorne E.6).
Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung bildet dabei das objektiv
erfassbare Unfallereignis. Im Rahmen einer objektivierten
Betrachtungsweise ist zu untersuchen, ob der Unfall eher als leicht, als
mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich
gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den leichten
oder schweren Unfällen erfolgt. Massgebend für die Beurteilung der
Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei
entwickelnden Kräften (BGE 140 V 356 E.5.1, 115 V 133 E.6). Nicht zu
berücksichtigen sind das subjektive Erleben des Unfalls durch die
verunfallte Person und die Folgen, welche sich im Lauf der Zeit als
Reaktion auf den Unfall entwickeln (BGE 140 V 356 E.5.3, 115 V 133 E.6).
Vorliegend stufte die SUVA den Unfall im angefochtenen
Einspracheentscheid als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten
Unfällen ein. Der Beschwerdeführer vertritt demgegenüber die Ansicht, der
Unfall sei als schwer einzustufen. Wie nachfolgend gezeigt wird, treffen
diese Einstufungen beide nicht zu.
9.2. Der Beschwerdeführer verunfallte am 17. Oktober 2015 in den Ferien in
O.2._. Im Rapport der Polizeiwache wurde dazu festgehalten, der
Unfall habe sich um 21:05 Uhr ereignet. Der Beschwerdeführer sei von
O.3._ in Richtung O.4._ gefahren, als ein Tier auf die Fahrbahn
gesprungen sei. Beim Ausweichversuch sei er gegen einen Baum
gefahren. Die Beifahrerin sei leichtverletzt ins Spital von O.5._
- 18 -
transportiert worden (SUVA-act. 15 [Original] und SUVA-act. 20
[Übersetzung]). Im Austrittsbericht des KSGR vom 28. Oktober 2015 wurde
ausgeführt, bei einem Ausweichmanöver wegen einem Tier auf der Strasse
sei es zu einer Frontalkollision mit zirka 60 km/h gegen einen Baum
gekommen. Beide Insassen, der Beschwerdeführer und seine Ehefrau,
seien angegurtet gewesen und der Airbag habe bei beiden ausgelöst, es
habe keine Bewusstlosigkeit bestanden (SUVA-act. 17 S. 1 f.). Anlässlich
des Patientenbesuchs am 8. Januar 2016 gab der Beschwerdeführer an,
es habe leicht geregnet, die Strasse sei nass gewesen und als plötzlich ein
Tier auf die Strasse gelaufen sei, habe er diesem ausweichen müssen und
sei folglich frontal in einen Baum geknallt. Seine Ehefrau und er seien ca.
70 km/h gefahren (SUVA-act. 32). Am ausführlichsten wurde der
Unfallhergang im MEDAS Gutachten vom 19. April 2018 wie folgt
geschildert. Der Beschwerdeführer habe als angeschnallter Fahrer
plötzlich einen Schatten auf der Strasse gesehen, sei ausgewichen und
von der Strasse abgekommen und gegen einen Baum gefahren. Nach dem
Aufprall habe er der Polizei und der Ambulanz telefonieren wollen, habe
dies nicht gekonnt, sei wie blockiert gewesen. Andere Leute hätten dann
die Ambulanz und die Polizei gerufen. Er selber habe sich zu diesem
Zeitpunkt gesund gefühlt. Seine Frau sei mit der Ambulanz ins Spital
gekommen und dort ambulant behandelt worden, dies wegen
verschiedener Prellungen. Er habe im Spital auf seine Frau gewartet und
dabei zunehmende Rückenschmerzen verspürt und sich unwohl gefühlt, er
habe das Spital dann aber ohne weitere Behandlung für sich selber
verlassen (Beilage des Beschwerdeführers [Bf-act.] Nr. 6 S. 20).
Offensichtlich war sich der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Unfall
nicht über das Ausmass seiner Verletzungen bewusst. Seine ernsthafte
Rückenverletzung und die Verletzungen im Bereich des Brustkorbs wurden
erst zwei Tage nach dem Unfall im KSGR diagnostiziert
(Berstungsspaltfraktur LWK1, undislozierte Sternumfraktur,
Thoraxkontusion; SUVA-act. 17 S. 1).
- 19 -
9.3. Vor dem Hintergrund der bundesgerichtlichen Kasuistik hat die SUVA den
Unfall des Beschwerdeführers zu Unrecht als mittelschwer im
Grenzbereich zu den leichten Unfällen eingestuft. Das offensichtlich heftige
und mit relativ grosser Krafteinwirkung auf den Beschwerdeführer
verbundene Unfallereignis ist als mittelschwer im engeren Sinne zu
qualifizieren. Vergleichbar sind vor allem folgende, vom Bundesgericht als
mittelschwer im engeren Sinne taxierten Fälle:
- Ein Autofahrer verlor in einer Kurve die Kontrolle über sein Fahrzeug, kollidierte zuerst
mit einem Randleitpfosten und dann mit einem Baum (Urteil des Bundesgerichts
8C_885/2011 vom 18. Januar 2012).
- Ein Autofahrer kollidierte frontal mit einem entgegenkommenden Personenwagen, wobei
die Wucht des Aufpralls die Fahrzeuge ins angrenzende Wiesland schleuderte (Urteil
des Bundesgerichts 8C_212/2019 vom 21. August 2019).
- Eine Autofahrerin geriet bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h auf die Gegenfahrbahn,
wo es zunächst zu einer Streifkollision mit dem ersten entgegenkommenden und
anschliessend zu einer Frontalkollision mit dem diesem folgenden Auto kam. Daraufhin
wurde das Fahrzeug der Versicherten ins angrenzende Wiesland geschleudert; die
Airbags wurden ausgelöst (Urteil des Bundesgerichts 8C_720/2017 vom 12. März 2018).
- Ein Autofahrer prallte frontal in die Seite eines Linienbusses (Urteil des Bundesgerichts
8C_434/2012 vom 21. November 2012).
9.3.1. Dass der Unfall des Beschwerdeführers maximal als mittelschwer im
engeren Sinn und, entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers, nicht als
schwer einzustufen ist, zeigt sich anhand der Praxisübersicht zu
mittelschweren Autounfällen im engeren Sinn im Urteil des Bundesgerichts
8C_434/2012 vom 21. November 2012 E.7.2.2. Die in dieser
Praxisübersicht erwähnten und nachfolgend aufgeführten Fälle zeigen alle
ein Unfallgeschehen, bei welchem die einwirkenden Kräfte noch heftiger
waren als beim Unfall des Beschwerdeführers:
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- Ein Autofahrer kollidierte frontal mit einem anderen Personenwagen, wobei die
Geschwindigkeit des unfallverursachenden Personenwagens 30 bis 40 km/h betrug und
diejenige des beteiligten Fahrzeugs auf etwa 70 bis 80 km/h geschätzt wurde.
- Ein Autofahrer kollidierte bei einer Fahrgeschwindigkeit von ca. 80 km/h mit einem
Drahtgitterzaun abseits der Strasse.
- Ein Autofahrer prallte mit einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h frontal in einen
stehenden Personenwagen.
9.3.2. Die SUVA ist der Ansicht, der vorliegende Unfall sei vom Unfallgeschehen
her mit den Unfällen zu vergleichen, welche den bundesgerichtlichen
Urteilen U 242/06 und 8C_352/2012 zugrunde lagen und welche als
mittelschwer im Grenzbereich zu leicht eingestuft wurden. Dies trifft nicht
zu. In den beiden Vergleichsfällen ging es zwar ebenfalls um ein
Abkommen eines Autofahrers von der Fahrbahn mit anschliessender
Kollision mit einem Baum. Die Geschwindigkeit beim Aufprall auf den Baum
war jedoch in beiden Vergleichsfällen deutlich geringer als im vorliegenden
Fall, wo sie bei 60 bis 70 km/h lag. Im einen Fall betrug die Geschwindigkeit
bei der Kollision nur noch rund 20 bis 25 km/h (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts U 242/06 vom 18. September 2006 Sachverhalt A.),
im anderen Fall war der Wagen vor der Kollision mit dem Baum vom
Unterholz stark abgebremst worden (Urteil des Bundesgerichts
8C_352/2012 vom 27. Dezember 2012 E.6.2).
9.4. Während der adäquate Kausalzusammenhang nach der Rechtsprechung
bei schweren Unfällen in der Regel ohne Weiteres bejaht und bei leichten
Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei
Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens
allein schlüssig beantworten. Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich sind
weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall
in Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte
Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen (BGE
134 V 109 E.10.1). Solche - unfallbezogenen - Umstände dienen als
Beurteilungskriterien, weil sie ihrerseits nach dem gewöhnlichen Lauf der
- 21 -
Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet sind, in Verbindung
mit dem Unfall zu einer psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit zu führen
oder diese zu verstärken. Bei psychischen Fehlentwicklungen nach einem
mittelschweren Unfall sind die Adäquanzkriterien von BGE 115 V 133
E.6c/aa anzuwenden. Diese Kriterien lauten wie folgt (BGE 129 V 177
E.4.1, 115 V 133 E.6c/aa, Urteil des Bundesgerichts 8C_473 vom 11.
November 2019 E.5.1): - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls
- die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen
- ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung
- körperliche Dauerschmerzen
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert
- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen
- Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
Ist ein Unfall - wie der vorliegend zu beurteilende - als mittelschwerer Unfall
im engeren Sinn einzustufen, so kann die adäquate Unfallkausalität des
psychischen Gesundheitsschadens nur bejaht werden, wenn drei der
sieben Adäquanzkriterien erfüllt sind oder eines besonders ausgeprägt
vorliegt (BGE 115 V 133 E6c/aa, Urteile des Bundesgerichts 8C_632/2018
vom 10. Mai 2019 E.8.3 und 8C_34/2012 vom 30. April 2012 E.8).
9.5. Es werden nun die einzelnen Adäquanzkriterien geprüft. Dabei sind die
psychischen Aspekte nicht mit einzubeziehen, sondern nur die körperlichen
beziehungsweise somatischen Aspekte zu berücksichtigen (BGE 134 V
109 E. 2.1 und 6.1). Diese somatischen Aspekte lassen sich nach der
Rechtsprechung ab dem Zeitpunkt zuverlässig beurteilen, in welchem von
einer Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung mehr erwartet werden kann (BGE
134 V 109 E.6.1). Im vorliegenden Fall war dieser somatische Endzustand
bereits am 18. Januar 2017 erreicht. Im kreisärztlichen Abschlussbericht
dieses Datums gab Dr. med. H._ an, die persistierenden
- 22 -
Beschwerden seien medizinisch nicht erklärbar und insbesondere das
fehlende Ansprechen auf die zuletzt durchgeführte spezialisierte
Schmerztherapie beweise eine deutliche psychogene Überlagerung. Die
Behandlung (medikamentös, physiotherapeutisch, stationär rehabilitativ)
sei nicht erfolgreich gewesen und es bestünden ausser einer
psychologischen Betreuung keine therapeutischen Optionen mehr (SUVA-
act. 172 S. 5). Bereits zuvor hatte Dr. med. C._ mit Bericht vom 28.
September 2016 ausgeführt, die Genese der persistierenden Lumbalgien
sei ihm nicht klar. Sämtliche Abklärungen hätten keine somatischen
Pathologien darstellen können. Somit müsse eigentlich von einem
chronifizierten Schmerzsyndrom gesprochen werden (SUVA-act. 129 S. 3).
9.6. Die SUVA verneinte das Adäquanzkriterium der besonders dramatischen
Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls. Der
Beschwerdeführer beanstandete dies zu Recht nicht. Besonders
dramatische Begleitumstände liegen nicht vor, und die Eindrücklichkeit des
Aufpralls auf den Baum mit 60 bis 70 km/h unter Auslösung des Airbags
geht nicht über die Eindrücklichkeit hinaus, welche jedem mittelschweren
Unfall im engeren Sinn ohnehin eigen ist (Urteil des Bundesgerichts
8C_114/2018 vom 22. August 2018 E.6.3).
9.7. Das Adäquanzkriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen
somatischen Verletzungen, insbesondere ihrer erfahrungsgemässen
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, wurde von der SUVA
ebenfalls verneint. Der Beschwerdeführer äusserte sich nicht explizit zu
diesem Kriterium, machte aber allgemein geltend, seine Verletzungen
seien schwer gewesen. Der Beschwerdeführer erlitt eine
Berstungsspaltfraktur LWK1, eine undislozierte Sternumfraktur und eine
Thoraxkontusion (SUVA-act. 17 S. 1). Die Fraktur des Brustbeins und die
Prellung des Brustkorbs stellen offensichtlich keine besonders schweren
Verletzungen im Sinne des hier zu beurteilenden Kriteriums dar. Dem
- 23 -
Bruch eines Lendenwirbelkörpers hingegen kommt eine gewisse
Ernsthaftigkeit zu, entstand doch dadurch eine Instabilität der Wirbelsäule,
welche operativ mit einer Versteifung über drei Wirbel und einem
Wirbelkörperersatz versorgt werden musste. Die SUVA machte aber zu
Recht geltend, eine Berstungsfraktur an der LWS sei per se nicht als
«schwer» im Sinne dieses Kriteriums anzusehen. Dabei stützte sie sich auf
das Urteil 8C_352/2012, wo eine unkomplette craniale Berstungsfraktur
BWK12 vorlag und das Kriterium nicht als erfüllt angesehen wurde (Urteil
des Bundesgerichts 8C_352/2012 vom 27. Dezember 2012 Sachverhalt A
und E.6.4). Verwiesen werden kann auch auf das Urteil 8C_15/2013, in
welchem das Kriterium ebenfalls nicht bejaht wurde, obwohl eine noch
schwerere Verletzung der Wirbelsäule vorlag
(Flexionsdistraktionsverletzung HWK6/7 mit kompletter Berstungsfraktur
HWK6, Deckplattenimpressionsfraktur BWK1 und BWK2; Urteil des
Bundesgerichts 8C_15/2013 vom 24. Mai 2013 Sachverhalt A. und E.6.2).
9.8. Beim Adäquanzkriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen
Behandlung sind im Rahmen der vorliegend anwendbaren Psycho-Praxis
nur diejenigen ärztlichen Massnahmen relevant, welche zur Behandlung
somatisch bedingter Beschwerden getroffen wurden. Dieses Kriterium
bedingt eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die
Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung
von ungewöhnlich langer Dauer oder mit einer zusätzlichen Mehrbelastung
aussergewöhnlicher Natur. Blosse ärztliche Verlaufskontrollen und
Abklärungsmassnahmen sowie manualtherapeutische und
medikamentöse Behandlungen vermögen das Kriterium nicht zu erfüllen
(Urteile des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 11. September 2013 E.8.3
und 8C_209/2008 vom 2. Dezember 2008 E.5.4). Vorliegend zu
berücksichtigen sind demnach die Operation vom 20. Oktober 2015, der
Aufenthalt im KSGR vom 19. bis am 28. Oktober 2015 und die stationäre
Rehabilitation in der Rehaklinik D._ vom 25. April bis zum 31. Mai
- 24 -
2016. Aus den aktenkundigen Arztberichten wird deutlich, dass bereits
während des Aufenthalts in der Rehaklinik D._ eine psychische
Problematik vorlag, welche die Schmerzbewältigung erheblich
beeinträchtigte, und dass in der Folge die somatische Problematik
gegenüber der psychiatrischen zunehmend in den Hintergrund trat (vgl.
vorne E.8; Austrittsbericht der Rehaklinik D._ vom 2. Juni 2016
[SUVA-act 86 S. 1 und 11], MRI vom 20. Juli 2016 [SUVA-act. 109], Bericht
von Dr. med. C._ vom 3. August 2016 [SUVA-act. 113], Bericht des
Kreisarztes Dr. med. E._ vom 11. August 2016 [SUVA-act. 122 S. 5],
Bericht von Dr. med. C._ vom 28. September 2016 [SUVA-act. 129 S.
3], Bericht des Kreisarztes Dr. med. H._ vom 18. Januar 2017 [SUVA-
act. 172 S. 5], Bericht von Dr. med. F._ vom 26. Januar 2017 [SUVA-
act. 180 S. 1], Bericht von Dr. med. I._ vom 15. Juni 2017 [SUVA-act.
226 S. 3 ff.] und Gutachten der MEDAS vom 19. April 2018 [Bf-act. 6
S. 28]). Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass die
Behandlung aus somatischer Sicht mit dem Aufenthalt in der Rehaklinik
D._ rund ein halbes Jahr nach dem Unfall im Wesentlichen
abgeschlossen war, und dass die schmerztherapeutische Behandlung bei
Dr. med. F._ von November 2016 bis Januar 2017 unberücksichtigt
bleibt, weil sie sich auf psychisch bedingte Beschwerden bezog. Damit
dauerte die Behandlung des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der
bundesgerichtlichen Praxis nicht ungewöhnlich lange (vgl. dazu die Urteile
des Bundesgerichts 8C_277/2013 vom 7. Juni 2013 E.4.2.3, 8C_629/2012
vom 20. Februar 2013 E.5.4 und 8C_749/2010 vom 6. Januar 2011 E.6.3.2,
in welchen das Kriterium bei vergleichbaren Situationen ebenfalls nicht
bejaht wurde).
9.9. Das Adäquanzkriterium der körperlichen Dauerschmerzen liess die SUVA
offen. Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, dieses Kriterium sei
zweifelsfrei zu bejahen. Darin kann ihm nicht gefolgt werden. Bei diesem
Kriterium sind im Rahmen der Psycho-Praxis nur somatisch bedingte
- 25 -
Schmerzen relevant, psychogen bedingte Körperschmerzen können nicht
berücksichtigt werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_29/2007 vom 1.
Februar 2008 E.2.4 und U 492/06 vom 16. Mai 2007 E.4.3.2). Vorliegend
war der Verlauf nach der Operation vom 20. Oktober 2015 im KSGR so gut,
dass der Beschwerdeführer bereits bei der ersten Nachkontrolle bei Dr.
med. C._ am 2. Dezember 2015 nicht mehr auf eine analgetische
Therapie angewiesen war (SUVA-act. 27). Eine Schmerzmitteleinnahme
wurde erst wieder nach der Schmerzexazerbation beim ersten
Arbeitsversuch am 8. Februar 2016 nötig (Bericht von Dr. med. C._
vom 12. Februar 2016 [SUVA-act. 44]). Danach begann, wie gerade
gezeigt (vgl. vorne E.9.8), eine psychisch bedingte Schmerzüberlagerung,
so dass die Schmerzen, unter welchen der Beschwerdeführer nach dem
Aufenthalt in der Rehaklinik D._ litt, weitgehend als psychogen zu
betrachten sind. Im Rahmen des vorliegenden Kriteriums sind somit nur die
Schmerzen relevant, unter welchen der Beschwerdeführer während ein
paar weniger Wochen nach der Operation und dann wieder vom ersten
Arbeitsversuch anfangs Februar 2016 bis zum Austritt aus der Rehaklinik
D._ Ende Mai 2016 litt. Nach diesem Zeitpunkt können die Schmerzen
nicht berücksichtigt werden, weil sie in zunehmendem Masse psychisch
bedingt waren. Damit ist das Kriterium entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers nicht erfüllt.
9.10. Das Adäquanzkriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert, wurde von der SUVA verneint. Der
Beschwerdeführer machte dazu geltend, er habe sich durch den
Orthopäden K._ aus O.2._ untersuchen lassen, und dieser habe
ihm gesagt, das Schlimmste, was er habe machen können, sei die
Operation im KSGR gewesen. Diese Operation habe alles nur noch
verschlimmert. Der Beschwerdeführer reichte einen Bericht von K._
vom 9. September 2017 ein, in welchem ausgeführt wurde, die Resektion
der Wirbel hätte eine Notlösung und nicht eine erste chirurgische Option
- 26 -
sein sollen. Der Beschwerdeführer sei jung gewesen, und eine
Stabilisierung ohne prothetischen Ersatz hätte ihm eine intensivere
körperliche Aktivität erlaubt (Original [Bf-act. 3], Übersetzung auf Deutsch
[Bf-act. 4]). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers lässt aufgrund
dieses Berichtes nichts auf eine Fehlbehandlung schliessen. Diesem
Bericht kann nur eine sehr beschränkte Beweiskraft beigemessen werden.
Der Arzt aus O.2._ behauptet nur, die Operation sei falsch gewesen,
eine nachvollziehbare Begründung liefert er nicht. Aus dem Bericht geht
sodann nicht hervor, auf welche Quellen er sich stützt. Entscheidend für die
Frage, welche Massnahmen damals nach dem Unfall indiziert waren, war
der Befund bei Eintritt ins KSGR, wie er vor allem aus dem dort
durchgeführten CT hervorging. Dieses CT stand dem Orthopäden K._
allem Anschein nach nicht zur Verfügung, er stützte sich mutmasslich nur
auf die Aussagen des Beschwerdeführers und auf seine eigenen
Untersuchungsbefunde. Aber selbst wenn dem Orthopäden K._ das
voroperative CT des KSGR zur Verfügung gestanden hätte, könnte nicht
auf seinen Bericht abgestellt werden. Dies weil die Kreisärzte Dr. med.
E._ und Dr. med. H._ in ihren Berichten keinerlei Hinweise auf
eine Fehlbehandlung machten. Offensichtlich kamen diese beiden vom
KSGR unabhängigen Fachärzte nach eingehender Auseinandersetzung
mit dem Fall und nach Einsicht in sämtliche medizinischen Akten zum
Schluss, der operative Eingriff sei angesichts der Schädigung von LWK1
und angesichts der Instabilität des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts
indiziert gewesen. Auf diese Einschätzung kann abgestellt werden. Damit
liegt entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers keine ärztliche
Fehlbehandlung vor und das Kriterium ist zu verneinen.
9.11. Die SUVA hat sodann das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und
der erheblichen Komplikationen zu Recht verneint. Aus somatischer Sicht
war der Heilungsverlauf gut. Dr. med. C._ berichtete anlässlich der
ersten Verlaufskontrolle am 2. Dezember 2015, der Verlauf sechs Wochen
- 27 -
postoperativ sei regelrecht und der Beschwerdeführer sei erfreulich
beschwerdearm und auf keine analgetische Therapie mehr angewiesen
(SUVA-act. 27). Anlässlich der zweiten Verlaufskontrolle am 14. Januar
2016 hielt Dr. med. C._ fest, drei Monate postoperativ zeige sich ein
hervorragender Verlauf (SUVA-act. 33). Für die Schmerzexazerbation
anlässlich des Arbeitsversuchs anfangs Februar 2016 und für die danach
persistierenden Rückenschmerzen fand sich kein somatisches Korrelat,
insbesondere nicht im MRI vom 20. Juli 2016 (SUVA-act. 109), so dass alle
involvierten Ärzte übereinstimmend von einer psychischen Überlagerung
ausgingen (vgl. vorne E.8, E.9.8 und E.9.9). Aus rein somatischer Sicht war
der Heilungsverlauf somit gut und komplikationslos.
9.12. Als letztes Adäquanzkriterium ist dasjenige des Grades und der Dauer der
physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zu prüfen. Dabei geht es nicht nur
um die Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf, sondern in einem
umfassenderen Sinn auch um die Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit. Erfüllt ist das Kriterium nach der
Rechtsprechung erst dann, wenn die Arbeitsfähigkeit auch in einer
leidensangepassten Tätigkeit über einen längeren Zeitraum stark
eingeschränkt ist (Urteile des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom 18.
September 2018 E.5.2.2.3 und 8C_803/2017 vom 14. Juni 2018 E.3.7).
Vorliegend hat die SUVA dieses Kriterium zu Recht verneint. Sie hat
richtigerweise auf den Bericht ihres Kreisarztes Dr. med. H._ vom 18.
Januar 2017 abgestellt, in welchem auf das Zumutbarkeitsprofil der
Rehaklinik D._ verwiesen wurde (SUVA-act. 172 S. 5). Die Rehaklinik
D._ hatte die Zumutbarkeit aus unfallkausaler Sicht beurteilt und die
bisherige körperlich schwere und rückenbelastende Tätigkeit als
Bauarbeiter als unzumutbar bezeichnet. Die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten leichten wechselbelastenden und rückenschonenden Tätigkeit
hatte die Rehaklinik D._ ab dem 1. Juni 2016 auf 100 % festgelegt
(SUVA-act. 86 S. 2). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kommt
- 28 -
dieser Zumutbarkeitsbeurteilung volle Beweiskraft zu. Der
Beschwerdeführer machte geltend, die Zumutbarkeitsbeurteilung der
Rehaklinik D._ sei ungenügend und mangelhaft, weil er sich während
seinem Aufenthalt in der Rehaklinik D._ nicht wohl gefühlt habe. Er
habe starke Schmerzen gehabt und er habe die vorgeschlagenen
Therapien schmerzbedingt nicht machen können. Deshalb sei er auch nicht
kooperativ gewesen. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, wie die Ärzte
der Rehaklinik D._ überhaupt eine seriöse und aussagekräftige
Zumutbarkeitsbeurteilung hätten vornehmen können. Die
Zumutbarkeitsbeurteilung der Rehaklinik D._ sei unbrauchbar und
untauglich. Dem Beschwerdeführer kann nicht gefolgt werden. Für einen
Arzt in einer Rehabilitationsklinik entspricht es der normalen
Arbeitssituation, dass die Patienten durch ihre Schmerzen behindert
werden und dass sie nicht immer alle Therapieangebote nutzen können.
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hat dies entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers keinen verzerrenden Einfluss. Vielmehr ist es für die
Ärzte in einer Rehabilitationsklinik bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
hilfreich zu erfahren, welche körperlichen Anforderungen einem Patienten
Schmerzen bereiten und welche Therapien nicht durchführbar sind. In den
Akten finden sich sodann, entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers,
keine ärztlichen Unterlagen, welche die Arbeitsfähigkeit aus somatischer
Sicht anders als Dr. med. H._ und die Ärzte der Rehaklinik D._
beurteilen würden. Der Orthopäde K._ aus O.2._ gab an, der
Beschwerdeführer könne den Beruf als Maurer oder ähnliche Berufe nicht
mehr ausüben, Aussagen zur Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
machte er nicht (Bf-act. 3 und 4). Der Psychiater Dr. med. I._ beurteilte
die Arbeitsfähigkeit seiner fachärztlichen Spezialisierung entsprechend aus
psychiatrischer Sicht (SUVA-act. 226 S. 9), was im Rahmen des vorliegend
zu prüfenden Adäquanzkriteriums nicht zu berücksichtigen ist. Und
schliesslich vermag auch die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im MEDAS-
Gutachten vom 19. April 2018 die Beweiskraft der Beurteilung des
- 29 -
Kreisarztes Dr. med. H._ und der Ärzte der Rehaklinik D._ nicht
zu erschüttern. In diesem Gutachten wurde die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit aus orthopädisch-rheumatologischer Sicht auf 80 %
festgelegt, aus psychiatrischer Sicht wurde eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit festgestellt (Bf-act. 6 S. 23 f.). Die erwähnte
orthopädisch-rheumatologische Beurteilung im MEDAS-Gutachten stellt
die Beurteilung der Rehaklinik D._ aber nicht in Frage, weil sie nicht
nur die vorliegend relevanten unfallbedingten Rückenbeschwerden
berücksichtigte, sondern auch eine Problematik am rechten Knie, welche
auf einen Motorradunfall im Jahr 1995 zurückgeht (Bf-act. 6 S. 20 und 23).
Hinzu kommt, dass das MEDAS-Gutachten erst rund ein Jahr nach dem
vorliegend massgeblichen Zeitpunkt des Erlasses des
Einspracheentscheids am 6. Juli 2017 erstellt wurde und somit für diesen
Zeitpunkt ohnehin nur beschränkt aussagekräftig ist. Damit war der
Beschwerdeführer ab dem 1. Juni 2016, mithin rund siebeneinhalb Monate
nach dem Unfall, in einer adaptierten Tätigkeit bereits wieder zu 100 %
arbeitsfähig, so dass das Kriterium vor dem Hintergrund der
diesbezüglichen bundesgerichtlichen Praxis klarerweise nicht erfüllt ist.
9.13. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass vorliegend
kein einziges Adäquanzkriterium erfüllt ist. Damit hat die SUVA den
adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der psychischen Problematik
des Beschwerdeführers und dem Autounfall vom 17. Oktober 2015 zu
Recht verneint. Angesichts des fehlenden adäquaten
Kausalzusammenhangs kann die Frage der natürlichen Unfallkausalität
offenbleiben, sie ist nicht mehr entscheidrelevant (vgl. vorne E.6). Es ist
deshalb nicht weiter darauf einzugehen, dass Dr. med. I._ die
natürliche Kausalität der von ihm diagnostizierten psychischen Störungen
bejaht (SUVA-act. 226 S. 8), und es sind keine weiteren Abklärungen im
Bereich Psychiatrie notwendig.
- 30 -
10. Anspruch auf eine Invalidenrente begründen nur jene gesundheitlichen
Einschränkungen, die in einem Kausalzusammenhang mit dem Unfall
stehen (Art. 18 Abs. 1 UVG, vgl. vorne E.6). Vorliegend hat die SUVA
deshalb bei der Bemessung des Invaliditätsgrades die psychische
Problematik des Beschwerdeführers zu Recht ausser Acht gelassen. Die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der unfallkausalen
somatischen Rückenproblematik hat die SUVA gestützt auf den Bericht
ihres Kreisarztes Dr. med. H._ vom 18. Januar 2017 festgelegt
(SUVA-act. 172). Letzterer verwies bezüglich des Zumutbarkeitsprofils wie
bereits erwähnt auf den Austrittsbericht der Rehaklinik D._ vom 2. Juni
2016, wo die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit auf 0 % und
diejenige in einer adaptierten Tätigkeit auf 100 % festgelegt wurde (SUVA-
act. 86 S. 2, vgl. vorne E.9.12). Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers klärte die SUVA den
medizinischen Sachverhalt genügend ab und war nicht verpflichtet, ein
externes Gutachten einzuholen. Entsprechend ist auch im vorliegenden
Verfahren dem Antrag des Beschwerdeführers auf Einholung eines
externen Gutachtens in den Bereichen Neurologie, Orthopädie und
Psychiatrie mitsamt einer Leistungsfähigkeitsbeurteilung nicht Folge zu
leisten. Dies aus den nachfolgend dargelegten Gründen.
10.1. Nach der Rechtsprechung müssen im Bereich der obligatorischen
Unfallversicherung bei streitigen Leistungsansprüchen nicht grundsätzlich
versicherungsexterne medizinische Entscheidungsgrundlagen eingeholt
werden. Vielmehr ist es im Rahmen der freien Beweiswürdigung zulässig,
dass Verwaltung und Sozialversicherungsrichter den Entscheid allein auf
versicherungsinterne Entscheidungsgrundlagen stützen. An die
Unparteilichkeit und Zuverlässigkeit solcher Grundlagen sind jedoch
strenge Anforderungen zu stellen (BGE 122 V 157 E.3, Urteil des
Bundesgerichts 8C_251/2008 vom 3. Juni 2008 E.3.2). Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
- 31 -
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2, vgl. vorne E.7).
Vorliegend vermag der Bericht des Kreisarztes Dr. med. H._ vom 18.
Januar 2017 (SUVA-act. 172) in Verbindung mit dem Zumutbarkeitsprofil
im Austrittsbericht der Rehaklinik D._ vom 2. Juni 2016 (SUVA-act. 86
S. 2) diese strengen Anforderungen zu erfüllen. Dr. med. H._s
Einschätzung erfolgte nach eingehender klinischer und bildgebender
Untersuchung und in Kenntnis aller relevanten früheren medizinischen
Unterlagen. Der Kreisarzt berücksichtigte die vom Beschwerdeführer
geklagten Symptome und Schmerzen und sein Bericht leuchtet in der
Beurteilung der medizinischen Situation ein und vermag in den daraus
gezogenen Schlussfolgerungen zu überzeugen. In den Akten finden sich –
wie bereits vorne in E.9.12 ausgeführt - keine orthopädischen,
neurologischen oder rheumatologischen Berichte, welche im Widerspruch
zur Einschätzung des Kreisarztes Dr. med. H._ stünden.
10.2. Der aus Art. 4 der Bundesverfassung (BV) fliessende Anspruch auf
rechtliches Gehör umfasst auch das Recht, Beweisanträge zu stellen, und
- als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind
im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über
jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache
erheblich sind. Gelangt die Verwaltung oder das Gericht bei
pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, der Sachverhalt, den
eine Partei beweisen will, sei nicht rechtserheblich oder der angebotene
Beweis vermöge keine entscheidrelevanten Ergebnisse herbeizuführen,
kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden (antizipierte
Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E.1d, Urteil des Bundesgerichts
8C_583/2019 vom 12. November 2019 E.5.3). Vorliegend ist in antizipierter
Beweiswürdigung auf die Einholung eines externen Gutachtens zu
verzichten, weil sich gezeigt hat, dass die psychische Problematik mangels
adäquatem Kausalzusammenhang bei der Bemessung des
- 32 -
Invaliditätsgrades unberücksichtigt bleiben kann, und dass die
Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht durch den voll beweiskräftigen
Bericht des Kreisarztes Dr. med. H._ genügend abgeklärt wurde.
10.3. Der Beschwerdeführer beantragte, er sei durch das Gericht als Partei zu
befragen. Auch dieser Antrag ist in antizipierter Beweiswürdigung
abzulehnen. Zu den Fragen, die sich im vorliegenden Verfahren stellen,
kann der Beschwerdeführer keine Antworten geben, welche einen
wesentlichen Einfluss auf den Verfahrensausgang hätten. Entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers ist im vorliegenden Verfahren nämlich
nicht entscheidend, ob und inwieweit er unter psychogenen Schmerzen
und unter einer Depression leidet und ob diese psychische Problematik in
einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall steht.
Entscheidend ist die Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs, mithin
eine rechtliche Frage, zu deren Beantwortung – wie sich gezeigt hat - alle
nötigen Sachverhaltselemente hinreichend geklärt sind. Entscheidend ist
sodann die Frage, ob in Bezug auf die somatische Problematik auf den
Bericht des Kreisarztes Dr. med. H._ abgestellt werden kann. Auch
diese Frage kann aufgrund der Akten beantwortet werden.
11. Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der
Weise zu erfolgen, dass Validen- und Invalideneinkommen ziffernmässig
möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf
sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt
(BGE 130 V 343 E.3.4.2). Vorliegend ermittelte die SUVA - ausgehend von
- 33 -
der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Kreisarzt Dr. med.
H._ und unter Anwendung der Dokumentation von Arbeitsplätzen
(DAP) aufgrund von fünf körperlich sehr leichten, wechselbelastenden
Tätigkeiten als Hilfs-, Produktions- oder Montagearbeiter - ein
Invalideneinkommen von Fr. 57'342.00 für das Vergleichsjahr 2016. Dieses
stellte sie einem Valideneinkommen von Fr. 65'894.40 gegenüber, so dass
sich ein Invaliditätsgrad von 13 % ergab. Der Beschwerdeführer erhebt
diesbezüglich keine Einwände und es sind auch keine Aspekte ersichtlich,
welche gegen dieses Vorgehen sprechen würden.
12. Somit ergibt sich, dass die SUVA dem Beschwerdeführer zu Recht eine
Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 13 % zusprach. Der
angefochtene Einspracheentscheid ist rechtmässig und die dagegen
erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
13. Für das vorliegende Verfahren werden keine Gerichtskosten erhoben, da
das kantonale Beschwerdeverfahren in unfallversicherungsrechtlichen
Streitigkeiten grundsätzlich kostenlos ist (Art. 61 lit. a ATSG).
14. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende
Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Vorliegend obsiegt der
Beschwerdeführer nicht, so dass er die Kosten für seinen Anwalt selber zu
tragen hat. Die SUVA hat ebenfalls keinen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten.