Decision ID: f541a212-6713-4ea0-926c-ad53c6d5a153
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, gelernte Köchin (Urk. 7/87), be
zog als Kind Leistungen der Invalidenversicherung zur Behandlung des Geburts
gebrechens gemäss Ziff. 206 des Anhangs zur
Geburtsgebrechensverordnung
(
GgV
; Urk. 7/8). Am 26. Februar 2010 meldete sie sich aufgrund von verschiede
nen Beschwerden bei der Invalidenversicherung an (Urk. 7/14). Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizini
sche Abklärungen und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/40-41) mit Verfügung vom 10. Mai 2011 infolge Verletzung der Mitwir
kungspflicht einen Anspruch der Versicherten auf berufliche Massnahmen (Urk. 7/42).
1.2
Am 5. Juli 2011 meldete sich die Versicherte erneut an (Urk. 7/52). Die IV-Stelle holte medizinische und berufliche Unterlagen ein und liess die Versicherte durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) psychiatrisch (Urk. 7/59) und orthopä
disch (Urk. 7/60; Untersuchungsberichte vom 24. Januar 2012) untersuchen. Mit Vorbescheid vom 5. Februar 2014 (Urk. 7/99) stellte die IV-Stelle die Verneinung eines Taggeldanspruchs nach Art. 20
sexies
der
Verordnung über die Invalidenver
sicherung (IVV)
in Aussicht, wogegen die Versicherte Einwände erhob (Urk. 7/104). Mit Verfügung vom 19. März 2014 (Urk. 7/108) verneinte die
IV-Stelle einen Umschulungstaggeldanspruch der Versicherten. Die dagegen am 5. Mai 2014 erhobene Beschwerde (Urk. 7/118/3-12) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 25. November 2014 im Prozess Nr. IV.2014.00481 ab (Urk. 7/133).
1.3
Am 22. April 2014
erfolgte eine erneute Anmeldung
(Urk. 7/112). Mit Mitteilung vom 16. Mai 2014 (Urk. 7/119) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf beruf
liche Massnahmen aufgrund de
s zu diesem Zeitpunkt noch hängigen Gerichts
verfahrens
und
nahm die entsprechenden Abklärungen am 12. Februar 2015 (Urk. 7/139) wieder auf. Dem Gesuch der Beschwerdeführerin auf Abgabe eines Elektrofahrzeugs vom 22. Dezember 2014 (Urk. 7/150) wurde mit Mitteilung vom 17. Mai 2016 entsprochen (Urk. 7/173). Sodann sprach die IV-Stelle der Versi
cherten am 15. Februar 2016 eine externe Berufsberatung und eine Potentialab
klärung zu (Urk. 7/159-160), worüber am 12. April 2016 berichtet wurde (Urk. 7/169). Am 21. Dezember 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, die Berufsberatung werde aufgrund ihres instabilen Gesundheitszustandes abge
schlossen
,
und es werde ein Rentenanspruch geprüft (Urk. 7/192). Mit Verfügung vom 22. Februar 2018 verneinte die IV-Stelle
bei einem Invaliditätsgrad von 26 %
einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 6/210). Die dagegen am 10. April 2018 erhobene Beschwerde (Urk. 7/211/3-10) hiess das Sozialversicherungsge
richt mit
Urteil vom 15. Januar 2019 im Prozess Nr. IV.2018.00327 in dem Sinne gut, als es Sache an die IV-Stelle zur erneuten Abklärung und Verfügung zurück
wies (Urk. 7/213).
1.4
In Umsetzung dieses Urteils holte die IV-Stelle
unter anderem ein polydisziplinä
res Gutachten bei der
Gutachtenstelle Y._
ein, welches am 9. März 2020 erstattet wurde (Urk.
7
/237).
Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Urk. 7/239; Urk. 7/244) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. Juni 2020 einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 7/247 = Urk. 2).
2.
Am 6. Juli 2020 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. Juni 2020 (Urk. 2) und beantragte deren Aufhebung und die Zusprache gesetzli
cher Leistungen, insbesondere einer ganzen Invalidenrente (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 31. August 2020 (Urk. 6) beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 7. Sep
tember 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2) wie folgt: Aus der Begutachtung ergäben sich keine Hinweise, dass die Arbeitsfähig
keit für eine angepasste Tätigkeit seit 2011 jemals über eine längere Zeit höher
gradig eingeschränkt gewesen sei. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführe
rin habe sich nicht verändert (S. 1). Es sei eine Konsensbeurteilung erfolgt. Die Angaben der behandelnden Ärztin, wonach eine Tätigkeit in einer Anwaltskanz
lei nicht optimal angepasst sei, sei nicht nachvollziehbar.
Diese entspreche einer körperlich leichten Tätigkeit, bei der man die Körperposition bei einem höhen
verstellbaren Arbeitsplatz frei wählen und auch einmal ein paar Schritte gehen könne, und sei eine ideal angepasste Tätigkeit (S. 2).
2.2
Dazu machte die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1), sie sei am 5. September 2017 Mutter geworden und wäre im Gesundheitsfall gezwungen, voll zu arbeiten, da sie keine Unterhaltsleistungen des Kindsvaters erhalte (S. 3 Ziff. 7).
Die der
matologische Gutachterin habe zwar zugestanden, dass
s
ie aufgrund der ausge
prägten Reaktionen, teils auch anaphylaktischer Art, sowohl im Beruf wie im Privatleben stark beeinträchtigt sei, habe aber nur eine vollständige Arbeitsunfä
higkeit in der angestammten Arbeit als Köchin attestiert. Bezüglich einer ange
passten Tätigkeit habe sie sie als voll arbeitsfähig beurteilt, sofern sie keinen Kontakt zu den
allergenen
Stoffen habe und die Haut mechanisch nicht stark belaste. Dies werde
ihrer effektiven Situation in keiner Weise gerecht, da sie auch bei indirektem Kontakt allergische Reaktionen habe (S. 4 f. Ziff. 16). Sie sei darauf angewiesen, dass ihr ganzes Umfeld sich strikte an ihre Anweisungen halte, da im schlimmsten Fall ein anaphylaktischer Schock drohe. Die Gutachterin habe sich in einem kurzen Gespräch ausserhalb der Begutachtung dahingehend geäus
sert, dass sie keine Arbeitsfähigkeit sehen könne, wenn sie (die Beschwerdefüh
rerin) nicht einmal einen Einkaufswagen anfassen könne. Dies sei jedoch im Gut
achten so nicht erfasst worden (S. 5 Ziff. 17-19).
Aufgrund der einzuhaltenden Sicherheitsmassnahmen komme ein Arbeitsplatz auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht in Frage (S. 6 Ziff. 20). Weiter leide das
Medas
-Gutachten an näher dargelegten anderen gravierenden Mängeln (S. 6 Ziff. 24 f.). Der IV-Grad sei anhand der allgemeinen Methode bei voll Erwerbstätigen zu bestimmen. Sie habe ab 1. September 2017 Anspruch auf eine Invaliden- und eine Kinderrente (S. 7 Ziff. 28-29).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Nachdem das Sozialversicherungsgericht
in seinem Urteil vom 15. Januar 2019
(Urk. 7/213)
die bislang vorliegenden Berichte (vgl. E. 3 des genannten Urteils) als für die Frage der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht genügend aussagekräftig beurteilte (vgl. E. 4 des genannten Urteils), kann auf eine Wieder
gabe an dieser Stelle verzichtet werden.
3.2
3.2.1
Die Gutachterinnen und Gutachter der
Y._
erstatteten ihr Gutachten vom 9. März 2020 (Urk. 7/237) gestützt auf die Akten, unter Erhebung der Anamnese und nach Durchführung einer internistischen, psychiatrischen, rheumatologi
schen und dermatologischen Untersuchung. Sie stellten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9):
-
Polyvalente Typ I Sensibilisierungen mit multiplen Nahrungsmittelaller
gien
-
Atopie
-
Laktose-, Sorbit- und Fructose-Intoleranz
-
Hypermobilität
-
wechselnde Polyarthralgien
-
klinisch, labortechnisch und radiologisch keine Hinweise für entzünd
lich-rheumatisches Geschehen
Die nachfolgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(S.
9 f.):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Coxalgie
beidseits
-
Status nach arthroskopischer
Labrumrefixation
mit drei Ankern, Syno
vektomie und Labrumstabilisation linke Hüfte am 23. August 2012
-
klinisch und bildgebend unauffälliger Befund
-
chronisches
thorakolumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
myostatische Insuffizienz mit den entsprechenden
muskuloligamentä
ren
Überlastungsreaktionen
-
klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik
-
radiologisch bis auf Hyperlordose unauffälliger Befund
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Dysbalance der Schultergürtelmuskulatur
-
klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik
-
Adipositas
3.2.2
Bei der psychiatrischen Begutachtung (S. 31 ff.) gab die Beschwerdeführerin an, sie sei nicht in psychiatrischer Behandlung und brauche keinen Psychiater (S. 33 oben).
Auf die Frage, was das Schlimmste in ihrem Leben gewesen sei, teilte sie mit, dies sei der sexuelle Missbrauch und dessen Folgen im 12. oder 14. Lebens
jahr mit Behandlung bis ins 18. Lebensjahr durch den Kinder- und Jugendpsy
chiatrischen Dienst gewesen. Nicht einfach sei auch, dass sie keine Identität habe, da sie früh adoptiert worden sei (S. 34).
Eine psychiatrische Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei nicht zu stellen.
Der Gutachter hielt fest, es würden ausgeweitete Schmerzen im Bewegungsapparat und Probleme wegen Allergien und Unverträglichkeiten geklagt. Insofern die Symptomatik mit der Überzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, mit somatischen Befunden nicht begründet werden könne, müsse aus psychiatrischer Sicht von einer psychischen Überlagerung im Sinne einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren ausgegangen werden. Es bestünden emotionale und psy
chosoziale Belastungsfaktoren, die eine Rolle spielten mit einem Schicksal als Adoptivkind, sie kenne ihre eigenen Eltern nicht, zur Adoptivmutter habe sie keine Kontakte mehr, aber auch mit einem erlebten sexuellen Missbrauch und nun einer angespannten finanziellen Situation mit Abhängigkeit vom Sozialamt. Sie zeige im Querschnittsbefund wenig auffällige Persönlichkeitsmerkmale, auch der Längsverlauf mit sonst norm
aler Persönlichkeitsentwicklung, Schulabschluss und abgeschlossener beruflicher Ausbildung spreche gegen die Achse-2-Diagnose einer Persönlichkeitsstörung.
Bei erlebter sexueller Gewalt könne die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung, die in Betracht gezogen werden müsse, nicht gestellt werden. Ein wiederholtes Erleben traumatischer Erinnerun
gen, eine emotionale Abstumpfung, Phasen von Erregtheit und ein Vermeidungs
verhalten bestünden nicht (S. 36). Es sei kaum davon auszugehen, dass die Explorandin in absehbarer Zeit wieder einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen werde. Sie habe erklärt, nicht mehr arbeiten zu können, was sie mit ihren Schmerzen, Allergien und Unverträglichkeiten begründe. Die Prognose sei aufgrund des chronischen Verlaufs und der deutlich ausgeprägten Krankheits- und Behinderungsüberzeugung ungünstig (S. 37). Auch im Verlauf könne eine anhaltende psychiatrische Arbeitsunfähigkeit nicht bestätigt werden (S. 39).
3.2.3
Anlässlich der
rheumatologische
n
Begutachtung
(S. 41-51)
teilte die
Beschwer
deführerin
mit, sie habe zuletzt als Büroangestellte bei einem befreundeten Anwalt gearbeitet. Es habe sich um eine leichte, überwiegend sitzende Tätigkeit am Computer gehandelt. Sie habe diese Tätigkeit im Dezember 2013 aufgrund ihrer Hüftbeschwerden beendet. Sie sei bei vielen Tätigkeiten im Haushalt einge
schränkt, so zum Beispiel beim Staubsaugen und Badewanne putzen, so dass sie zwei Mal wöchentlich Hilfe durch die Spitex erhalte (S. 43). Die Untersuchung
ergab
, dass die Hüftgelenke der Beschwerdeführerin aktuell frei beweglich seien. Die bildgebenden Untersuchungen zeigten einen unauffälligen Befund ohne Hin
weise für degenerative oder entzündliche Veränderungen als Ursache der von der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerdesymptomatik (S. 46 unten). Bei der aktuellen klinischen Untersuchung seien sowohl die Halswirbelsäule als auch die Schultergelenke beidseits frei beweglich, ebenso die Lendenwirbelsäule. Bis auf die klinisch feststellbare Hyperlordose seien die Röntgenaufnahmen unauffällig. Auffällig sei eine allgemeine Hypermobilität mit deutlicher Überstreckbarkeit der Gelenke. Bedingt hierdurch
könne es bei nur ungenügender muskulärer Stabili
sierung immer wieder zu Überlastungserscheinungen im Bereich der peripheren Gelenke und zu Blockierungen im Wirbelsäulenbereich mit der entsprechenden Beschwerdesymptomatik kommen. Die Hauptursache für die von der Beschwer
deführerin von Seiten des Bewegungsapparates her geschilderten Beschwerden gingen hierauf zurück. Bei der aktuellen Untersuchung seien sämtliche Gelenke reizlos und frei beweglich. Hinweise für ein entzündlich-rheumatisches Gesche
hen fänden sich weder klinisch, labortechnisch, radiologisch, sonographisch, kernspintomographisch noch computertomographisch. Auch degenerative Ver
änderungen als Erklärung für die Beschwerdesymptomatik hätten bei den in der Vergangenheit und den aktuell durchgeführten Untersuchungen ausgeschlossen werden können. Die bisherigen Behandlungen und Abklärungen seien sinnvoll und angemessen gewesen. Nicht nachvollzogen werden könne, warum die
Beschwerdeführerin mit einem Elektro-Behindertenmobil versorgt worden sei und zwei Mal pro Woche die Spitex komme. Durch derartige Massnahmen werde die subjektive Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin weiterhin ver
stärkt (S. 47).
Für die angegebenen Schmerzen und Funktionseinschränkungen von Seiten des Bewegungsapparates finde sich nur zum Teil ein entsprechendes morphologisches Korrelat. Die angegebenen massiven Einschränkungen bei der Führung des Haus
halts liessen sich anhand der objektivierbaren Befunde nicht nachvollziehen. Die in den früheren Arztberichten genannte Arbeitsfähigkeit von 100 % in leichten angepassten Tätigkeiten sei zu bestätigen (S. 48). Die von Dr. med.
Z._
gestellten Diagnosen einer
Periarthropathia
coxae
beidseits linksbetont, einer Fehlform der Wirbelsäule mit Hyperlordose lumbal und intermittierenden ISG-Dysfunktionen beidseits sowie eines au
sgedehnten myofaszialen Schmerz-s
yndroms des Schulter- und Beckengürtels deckten sich
mit der aktuellen Beurteilung, ebenso die Einschätzung, dass vorwiegend mittelschwere und schwere Tätigkeiten
,
wie diejenige als Köchin oder Behindertenbetreuerin
,
nicht mehr zumutbar sei
en
. Nicht gefolgt werden könne hingegen der lediglich 50%igen Arbeitsfähigkeit für leichte, optimal adaptierte Tätigkeiten, dies sei auf
grund der objektivierbaren Befunde als deutlich zu niedrig anzusehen. Bis auf die allgemeine Hypermobilität liessen sich keine objektivierbaren Befunde mit Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit feststellen (S. 49 oben). Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit einer Büroangestellten in einem Anwaltsbüro sei 8 Stunden täglich zumutbar (S. 49 Mitte). Zumutbar seien leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten (S. 51).
3.2.4
Anlässlich der dermatologischen Begutachtung (S. 52 ff.) berichtete die Be
-
schwerdeführerin
über weiterhin rezidivierendes Auftreten von Quaddeln sowie juckende
Makule
im Bereich des Integuments, einhergehend mit Atemnot und Schwächeanfällen. Diese träten auch bei Hautkontakt zu den sensibilisieren
den Stoffen auf
(S. 53 Ziff. 3.2.1). Sie sei auf Hausstaubmilben und Katzenhaare sensibilisiert, leide an Nahrungsmittelallergien auf Stein- und Kernobst, Karotten, Kiwi, Sellerie, Baumnüsse, Mandeln und Haselnüsse sowie an diversen Intoleran
zen im Sinne von Sorbit-, Fruktose- und Laktoseintoleranz (S. 52 Ziff. 3.1). Sie sehe sich nicht in der Lage, in der angestammten Tätigkeit sowie in jeglichen Tätigkeiten mit Kontakt zu den sensibilisierenden Nahrungsmitteln wieder berufstätig zu sein. Sie befürchte Exazerbationen der allergischen Symptomatik (S. 53 Ziff. 3.2.6).
Die ausgeprägten Reaktionen, teils auch anaphylaktischer Art, könnten die Explorandin stark im beruflichen sowie im Privatleben beeinträchti
gen, da sie den Kontakt zu vielen häufigen Nahrungsmitteln vermeiden müsse. Es bestünden keine Abweichungen zu den vorangegangenen dermatologischen und allergologischen
Abklärungen. Eine Allergenkarenz sei essentiell, könne jedoch zum Teil für die Explorandin einen erheblichen Aufwand darstellen (S. 55 Ziff. 7.3-7.4). In der angestammten Tätigkeit als Köchin sei sie vollständig arbeitsunfähig (S. 55 Ziff. 8.1). In leichten und mittelschweren Tätigkeiten ohne Kontakt zu den bekannten sensibilisierenden Stoffen und Nahrungsmitteln sowie ohne starke mechanische Belastung der Haut bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (S. 56 Ziff. 8.2.1).
3.2.5
Die Konsensbeurteilung (S. 10-12) ergab, dass die volle Arbeitsunfähigkeit als Köchin durch die Allergien bedingt sei und wahrscheinlich schon seit dem Berufs
abschluss bestehe (S. 11 Ziff. 4.6.4). Körperlich leichte bis gelegentlich mittel
schwere wechselbelastende Tätigkeiten ohne Kontakt zu den bekannten sensibi
lisierenden Stoffen und Nahrungsmitteln seien zu 100 % zumutbar. Aus den Untersuchungsbefunden und den anamnestischen Angaben ergäben sich keine Hinweise, dass die Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten früher über eine längere Zeit dauernd höhergradig eingeschränkt gewesen sei (S. 11 Ziff. 4.7).
3.3
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Rheumatologie und Rehabi
litation, hielt in ihrem am 4. Mai 2020 zuhanden der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführe
rin verfassten Schreiben (Urk. 7
/243) fest, die rheumatologische Teilbegutachtung sei nicht in allen Teilen konsistent. So lasse sich die Befunder
hebung mit einem
myofaszialen
Schmerzsyndrom vereinbaren, dieses finde jedoch keine Erwähnung in der Diagnosestellung. Auch sei die alleinige Nennung der Hypermobilität mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht nachvollzieh
bar. Die Diagnosen der
Coxalgie
und des
thorakolumbospondylogenen
und
zer
vikospondylogenen
Schmerzsyndroms könnten nicht von der Hypermobilität getrennt werden, da diese häufig Ursache der wiederkehrenden Arthralgien, Wir
belsäulenfehlstatik und myofaszialer Schmerzsyndrome mit entsprechender Aus
dehnung sei. Entsprechend seien diese Diagnosen ebenfalls mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu bewerten. Zudem falle auf, dass keine Konsensbeurteilung vorliege
(S. 1)
. Neben den rheumatologischen Diagnosen werde zudem im psy
chiatrischen Teilgutachten eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren genannt. Im jeweiligen Fachgebiet könnten diese Diagno
sen allein ohne Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit sein, in Kombination müssten sie aber neu beurteilt und eingeschätzt werden und könnten eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bedingen. Es sei unver
ändert an einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit
in angepassten leichten, körperlich wechselbelastenden Tätigkeiten festzuhalten. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in einer Anwaltskanzlei sei nicht optimal angepasst, da sie weitgehend statisch, vorwiegend im Sitzen, erfolge. Auch sei aufgrund der Dekonditionierung die
Beurteilung einer vollen Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar.
Nach Wie
dereinstieg in eine berufliche, den Beschwerden optimal angepasste Tätigkeit sei eine sukzessive Steigerung durch körperliche Adaption sicherlich möglich, mit im Endeffekt nur unwesentlicher Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 2).
3.4
Dr. med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie, Regionaler Ärztlicher Dienst, hielt dazu am 3. Juni 2020 (Urk. 7/246/3) fest, Dr.
Z._
scheine die Konsensbeurteilung im Gutachten zu überse
hen. Sinngemäss gehe sie von einer zu Anfang 50%igen angepassten Arbeitsfä
higkeit aus, welche schrittweise bis auf 100 % gesteigert werden könne. Dass die Tätigkeit in einer Anwaltskanzlei nicht optimal angepasst sei, sei beim besten Willen nicht nachvollziehbar, denn eine körperlich leichtere Tätigkeit, bei der man die Körperposition frei wählen und auch einmal ein paar Schritte gehen könne, sei nicht vorstellbar. Aus versicherungsmedizinischer Sicht spreche nichts gegen einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben mit einer schrittweisen Steigerung bis zum Erreichen der 100 %.
4.
4.1
Das
Y._
-Gutachten erging unter Berücksichtigung sämtlicher Kriterien, die für den Beweiswert einer medizinischen Expertise gelten (vgl. vorstehend E. 1.3). Es ist daher grundsätzlich darauf abzustellen.
4.2
Die psychiatrische Begutachtung ergab keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus Sicht dieser Disziplin. Dies ist nachvollziehbar begründet, gab die Beschwerdeführerin doch selbst an, nicht in psychiatrischer Behandlung zu stehen und keinen Psychiater zu benötigen. Psychische Beschwer
den wurden nicht geklagt. Der Gutachter legte schlüssig dar, dass trotz emotio
nalen und psychischen Belastungsfaktoren (Situation als Adoptivkind, früherer erheblicher sexueller Missbrauch, angespannte finanzielle Situation) wenig auf
fällige Persönlichkeitsmerkmale festzustellen seien. Auch die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung sei nicht zu stellen. Es bestehe eine deutlich ausgeprägte Krankheits- und Behinderungsüberzeugung, was jedoch keine Arbeitsunfähigkeit verursache (vorstehend E. 3.2.2).
Die rheumatologische Begutachtung zeigte einen unauffälligen Befund ohne Hin
weise für degenerative oder entzündliche Veränderungen als Ursache der ange
gebenen Beschwerdesymptomatik. Festgestellt wurde eine allgemeine Hypermo
bilität mit deutlicher Überstreckbarkeit der Gelenke, was bei der ungenügenden muskulären Stabilisierung immer wieder zu Überlastungserscheinungen mit der entsprechenden Beschwerdesymptomatik führen könne
; dies sei die Hauptursache
für die von Seiten des Bewegungsapparates geschilderten Beschwerden. Sämtli
che Gelenke zeigten sich jedoch als reizlos und frei beweglich und keine der durchgeführten Untersuchungen habe Hinweise für ein entzündlich-rheumati
sches Geschehen ergeben, ebenso hätten degenerative Veränderungen ausge
schlossen werden können. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerde
führerin mit einem Elektromobil versorgt worden sei und
im Haushalt
die Spitex in Anspruch nehme, dies verstärke die subjektive Krankheitsüberzeugung. Die angegebenen massiven Einschränkungen im Haushalt seien nicht nachvollzieh
bar
(vorstehend E. 3.2.3).
Aufgrund dieser Feststellungen ist schlüssig begründet, dass aus rheumatologischer Sicht die mittelschwere und schwere Tätigkeit als Köchin oder Behindertenbetreuerin nicht mehr, jedoch eine behinderungsange
passte leichte Tätigkeit
,
wie die zuletzt ausgeführte in einem Anwaltsbüro
,
in einem vollen Pensum möglich ist.
Hierzu ist festzuhalten, dass eine ungenügende muskuläre S
tabilisierung
im Rahmen der Schadenminderungspflicht angegangen werden kann.
Ebenso ist die Verwendung eines Stehpultes in einer Bürotätigkeit zumutbar.
Aus dermatologischer Sicht bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit als Köchin. In leichten bis mittelschweren Tätigkeiten wurde die Beschwerdeführerin bei Aller
genkarenz
sowie ohne starke mechanische Belastung der Haut als vollständig arbeitsfähig beurteilt (vorstehend E. 3.2.4).
Dies vermag zu überzeugen, auch wenn die Vermeidung des Kontakts mit
allergenen
Stoffen mit erheblichem Auf
wand
,
wie die Mitführung eines
Epi
-Pen und das Tragen von Handschuhen
,
ver
bunden sein kann. Auch hier bedeutet die Schadenminderungspflicht eine Zumutbarkeit, diesen Aufwand zu betreiben.
4.3
Die Gutachterinnen und Gutachter kamen zum Schluss, dass die angestammte Tätigkeit als Köchin nicht mehr, eine behinderungsangepasste Tätigkeit jedoch zu 100 % zumutbar sei und in einer solchen Tätigkeit auch früher keine längere höhergradige Einschränkung bestanden habe. Davon ist auszugehen. Der Beur
teilung durch Dr.
Z._
, wonach lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in angepassten Tätigkeiten bestehe (vorstehend E.
3.3)
, kann hingegen nicht gefolgt werden. Der rheumatologische Gutachter wies darauf hin,
dass diese Ein
schätzung aufgrund der objektiven Befunde deutlich zu niedrig sei (vgl. vorste
hend E. 3.2.3). Dass gemäss Dr.
Z._
im Gutachten keine Konsens
beurteilung stat
tgefunden habe, ist aktenwidrig, und n
icht nachvollziehbar ist mit Dr.
A._
(vorstehend E. 3.4)
ihre Einschätzung
, dass die zuletzt ausgeübte Tätig
keit in einer Anwaltskanzlei nicht angepasst sei. Im Übrigen ging auch Dr.
Z._
davon aus, dass eine sukzessive Steigerung durch körperliche Adaption mit im Endeffekt nur unwesentlicher Einschränkung der Arbeitsfähig
keit möglich sei.
4.4
Zur Arbeitsfähigkeit im Haushalt ist gestützt auf das Gutachten davon auszuge
hen, dass keine Einschränkung besteht. So liessen sich die angegebenen Beein
trächtigungen aufgrund der objektivierbaren Befunde nicht bestätigen. Zudem lassen sich im eigenen Haushalt Allergene einfach
er
vermeiden, und es ist zumutbar, die anfallenden Tätigkeiten in Etappen zu erledigen. Wie es sich damit verhält, kann jedoch offen bleiben, da die Beschwerdeführerin
ohnehin
geltend macht, im Gesundheitsfall in vollem Pensum erwerbstätig zu sein
(vorstehend
E.
2.2)
.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
5.2
Die Beschwer
degegnerin ermittelte
einen Invaliditätsgrad von 26 %, wobei sie aufgrund des Umstands, dass der Beschwerdeführerin nur noch sehr leichte Tätigkeiten zumutbar seien, einen leidensbedingten Abzug von 15 % gewährte
(vgl. Urk. 7/
198)
.
Da
die Beschwerdeführerin, wie gutachterlich bestätigt, zusätz
lich verschiedene Allergene vermeiden muss
und dies sich auf die Arbeitsplatzsi
tuation auswirken könnte
, käme der Maximalabzug von 25 % in Frage.
Die Höhe des leidensbedingten Abzugs kann jedoch letztlich offen gelassen werden, da - u
nter Verwendung der von der
Beschwerdegegnerin genannten Zahlen, welche nicht bestritten wurde
n
,
-
auch beim maximalen Abzug von 25 % ein
nicht ren
tenbegründender Invaliditätsgrad von 35 %
resultieren würde
.
5.3
Der angefochtene Entscheid ist nach dem Gesagten rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 7
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss d
er unterliegenden Beschwerdeführ
erin aufzuerlegen.