Decision ID: e5eefbe7-9ea6-5f90-b0d6-e6cca742c670
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Johannes Roelli, Scheffelstrasse 2, 9000 St.
Gallen,
gegen
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St.Galler Gerichte
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilfsmittel (Elektro-Hilfsantrieb)
Sachverhalt:
A.
Am 8. März/3. April 2011 reichte die A._ AG für B._ einen Kostenvoranschlag für
eine v-max Schiebe- und Bremshilfe für den Handrollstuhl ein (IV-act. 1). Gemäss den
Angaben von Dr. med. C._ vom Ostschweizer Kinderspital litt die Versicherte an einer
zerebralen Bewegungsstörung mit Tetraplegie (IV-act. 2). Der Ergotherapeut D._, St.
Gallen, teilte Dr. C._ am 22. Mai 2011 mit (IV-act. 3), dass die Möglichkeit einer
selbständigen Mobilität mit E-Rollstuhl oder e-fix habe aufgegeben werden müssen, da
die Motivation der Versicherten unzureichend sei. Die Schiebe- und Bremshilfe werde
erst jetzt beantragt, weil vorher noch die Option einer selbständigen Steuerung mit
elektromotorischem Antrieb geprüft worden sei. Das Wohnhaus der Familie befinde
sich in abschüssigem Gelände in landwirtschaftlicher Umgebung. Bei Aktivitäten in der
Umgebung des Hauses wirke sich das Eigengewicht der Versicherten und des
Rollstuhls angesichts der Steigungen und der wenig befestigten Wege zunehmend
aktivitätseinschränkend aus. Die Schiebe- und Bremshilfe erlaube es der Familie, die
Versicherte weiterhin in die gemeinsamen Aktivitäten einzubeziehen. Die v-max
Schiebe- und Bremshilfe sei besonders zuverlässig und der Preis sei im gleichen
Rahmen wie bei den Konkurrenzprodukten. Die IV-Stelle erkundigte sich bei Dr. C._,
in welchen Situationen der Elektrohilfsantrieb eingesetzt werde solle, weshalb er
benötigt werde und ob sich die Versicherte damit selbständig fortbewegen könne. Dr.
C._ gab am 10. Juni 2011 an (IV-act. 5), die Versicherte leide an einer dyskinetischen
Cerebralparese bei St. n. neonataler Asphyxie bei GMFCS (gross motor function
classification system) V. Es bestehe ein Bewegungsmuster mit Dyskinese der oberen
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und der unteren Extremitäten. Die Versicherte benötige eine sehr anspruchsvolle
Sitzunterstützung. Im Übrigen gab Dr. C._ die Ausführungen von D._ wieder. Die
IV-Stelle erkundigte sich beim SAHB Hilfsmittelzentrum in St. Gallen, ob es sich bei der
Schiebe- und Bremshilfe um eine einfache und zweckmässige Versorgung handle und
ob sich die Versicherte nur dank des Elektro-Hilfsantriebs selbständig fortbewegen
könne (IV-act. 6). Der zuständige Berater des SAHB antwortete am 5. August 2011 (IV-
act. 7), gemäss dem Bundesgerichtsurteil 9C_940/2011 vom 24. März 2011 gehe ein
Hilfsantrieb gestützt auf die Rz 09.02 HVI nur dann zulasten der Invalidenversicherung,
wenn das Hilfsmittel nicht nur von einer Hilfsperson, sondern (aufgrund einer variablen
Verwendungsweise) auch durch die versicherte Person selbst bedient werden könne.
Der v-max Elektro-Hilfsantrieb erfülle diese Voraussetzung nicht, denn er könne nur
durch eine Begleitperson gesteuert werden. Deshalb sei es nicht relevant, ob die
Versicherte sich nur mit Hilfe des Elektro-Hilfsantriebs selbständig fortbewegen könne.
Im Übrigen sei die Versicherte gemäss den Angaben der Mutter nicht fähig, einen
Elektrorollstuhl selbständig zu fahren. Mit einem Vorbescheid vom 25. August 2011
kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Gesuchs um die Abgabe
des v-max Elektro-Hilfsantriebs an (IV-act. 10). Die Mutter der Versicherten wandte am
27. September 2011 ein (IV-act. 12), es bestehe eine schwerste Mehrfachbehinderung.
Die Versicherte sei aber eine aufgeweckte junge Frau, die am täglichen Leben
teilnehmen könne. Dazu benötige sie die entsprechenden Hilfsmittel und Hilfe von
ihrem Umfeld. Mit der Hilfe von Therapeuten und Bezugspersonen könne sie
Spaziergänge und Einkaufstouren unternehmen. Wenn sie einen Elektrorollstuhl selber
steuern könnte, wäre eine entsprechende Versorgung in Frage gekommen. Der Antrieb
sei eine Hilfe und Unterstützung für die Betreuungspersonen, denn für diese sei es zum
Teil gar nicht mehr möglich, Spaziergänge zu machen, sobald der Weg eine gewisse
Steigung aufweise. Das Elternhaus liege einen Kilometer vom Dorf entfernt. Es gehe
nur aufwärts, wenn man vom Haus aus einen Spaziergang machen oder vom Dorf zum
Haus gehen wolle. Es sei fast unmöglich, eine erwachsene Person ohne Antrieb
bergauf zu stossen. Seit Juni 2011 lebe die Versicherte im Wohnheim Sonnenhalde in
St. Gallen. Wenn man von dort aus Spaziergänge mache, gehe es aufwärts. Auch von
der Stadt aus gehe es nur aufwärts. Ohne den Antrieb könne die Versicherte also auch
vom Wohnheim aus keine Spaziergänge machen und keine Einkäufe tätigen. Es könne
nicht sein, dass sie den ganzen Tag im Heim oder im Haus festsitzen müsse, nur weil
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niemand den Rollstuhl stossen könne. Mit einer Verfügung vom 17. Oktober 2011 wies
die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (IV-act. 13). Sie führte zur Begründung aus, die
vorgebrachten Einwände seien einleuchtend und nachvollziehbar. Leider erfordere das
Gesetz aber, dass die versicherte Person den Elektro-Hilfsantrieb selbständig müsse
bedienen können. Das sei nicht der Fall, so dass die Voraussetzungen der Rz 9.02 HVI
nicht erfüllt seien.
B.
B.a Die Versicherte liess am 17. November 2011 Beschwerde erheben und die
Zusprache eines Elektro-Hilfsantriebs im Wert von Fr. 7'927.75 beantragen. Ihr
Rechtsvertreter machte geltend, der Hilfsmittelantrag sei bewusst auf eine Schiebe-
und Bremshilfe beschränkt worden, da die Beschwerdeführerin einen klassischen
Elektrorollstuhl nicht bedienen könne. Die Schiebe- und Bremshilfe solle die
Sozialrehabilitation, insbesondere die Fortbewegung und den Kontakt mit der Umwelt
sicherstellen. Dazu gehöre die nähere Umgebung der Wohnsituation, wo die üblichen
sozialen Kontakte erfolgten. Mit der beantragten Unterstützung könne die soziale
Integration im Familienrahmen und in der Wohnstätte sichergestellt werden. Das
beantragte Hilfsmittel sei zwingend notwendig, weil ohne es keine
Bewegungsmöglichkeit bestehe. Es sei einfach, zweckmässig und wirksam. Mit ihm
könne vermieden werden, dass zur Sicherstellung des sozialen Kontakts zusätzliches
Personal notwendig werde oder dass mehrere Personen eingesetzt werden müssten.
Es sei sachlich nicht vertretbar, die Bestimmung in Rz 9.02 HVI anzurufen und der
Beschwerdeführerin die fehlende Selbständigkeit bei der Bedienung entgegenzuhalten.
Auf das Erfordernis der Selbständigkeit bei der Fortbewegung sei zu verzichten.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. Januar 2012 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie führte aus, die Schiebe- und Bremshilfe für einen
gewöhnlichen Rollstuhl sei funktionell als Elektrofahrstuhl im Sinn der Rz 9.02 HVI
einzustufen. Diese Bestimmung setze voraus, dass sich die versicherte Person mit dem
Hilfsmittel selbständig fortbewegen könne. Das sei hier unbestrittenermassen nicht der
Fall. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung habe festgehalten, dass ausschliesslich
die Selbständigkeit bei der Fortbewegung das Eingliederungsziel und damit die
zwingende Voraussetzung der Abgabe des Hilfsmittels sei. Deshalb reiche es nicht,
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wenn die Schieb- und Bremshilfe die Fortbewegung im Freien oder auf gewissen
Routen überhaupt erst ermögliche. Der Beschwerdeführerin werde durch die
Verweigerung des beantragten Hilfsmittels weder der Aufenthalt im Heim noch
derjenige in der Familie verunmöglicht.
B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wandte am 6. Juni 2012 ein (act. G
12), die Beschwerdegegnerin habe ohne Not die Schiebe- und Bremshilfe als
Elektrorollstuhl qualifiziert und damit das Kriterium der selbständigen Fortbewegung als
zwingendes Argument vorgetragen. Die gesetzliche Grundlage gebe aber keinen Raum
für diese Auslegung. Das vordergründige Argument des gezielten Einsatzes der
finanziellen Ressourcen sei nicht haltbar. Das Argument der Beschwerdegegnerin, der
Aufenthalt im Heim oder in der Familie werde ohne das beantragte Hilfsmittel nicht
verunmöglicht, gehe an der Sache vorbei. Der Antrag ziele nämlich auf die
Sicherstellung der Teilnahme an der zwingend notwendigen Möglichkeit des sozialen
Kontakts ausserhalb des Heims und des Wohnorts ab. Mit geringen finanziellen Mitteln
könnten die sozialadäquate Teilnahme am Familien- und Heimleben und damit die
Integration sichergestellt werden.
B.d Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.

Erwägungen:
1.
1.1 Versicherte Personen, die infolge Invalidität für die Fortbewegung, für die
Herstellung des Kontakts mit der Umwelt und für die Selbstsorge kostspieliger Geräte
bedürfen, haben im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne
Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit einen Anspruch auf ein solches Hilfsmittel (Art. 21
Abs. 2 IVG). Gemeint ist nicht die Invalidität i.S. von Art. 8 ATSG, also die teilweise oder
vollständige Unfähigkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, sondern eine
leistungsspezifische Invalidität (vgl. Art. 8 Abs. 2 IVG). Dies wird durch Art. 21 Abs. 2
IVG ganz eigenständig definiert. Sie besteht in einer durch eine
Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten Einschränkung bei der Wahrnehmung von drei
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essentiellen Bereichen der Lebensführung, nämlich der Mobilität, der Kommunikation
mit anderen Menschen und der Fähigkeit, die lebensnotwendigen Tätigkeiten wie
Nahrungszubereitung, persönlich Hygiene usw. selbständig auszuführen. Kann eine
versicherte Person eine Einschränkung durch ein bestimmtes Hilfsmittel überwinden,
so liegt die für dieses Hilfsmittel spezifische Invalidität vor. Der Bundesrat hat die
Pflicht, eine Liste der Hilfsmittel aufzustellen, an das zuständige Departement delegiert
(Art. 14 Abs. 1 IVV). Dieses ist seiner Aufgabe mit dem Erlass der Verordnung über die
Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI), insbesondere durch die
eigentliche Hilfsmittelliste im Anhang zu dieser Verordnung, nachgekommen. Gemäss
Art. 2 Abs. 3 HVI erstreckt sich der Leistungsanspruch auch auf das invaliditätsbedingt
notwendige Zubehör und auf die invaliditätsbedingt notwendigen Anpassungen.
Erlaubt das Hilfsmittel also in seiner Normal- bzw. Grundausstattung der versicherten
Person nicht, die hilfsmittelspezifische Invalidität zu überwinden, so ist dem
Leistungsanspruch erst mit dem notwendigen Zubehör oder mit einer ausreichenden
Anpassung Rechnung getragen. Das Zubehör bzw. die Anpassung muss notwendig
sein, um die ausreichende Nutzbarkeit des Hilfsmittels sicherzustellen, darf den
Grundsatz der einfachen und zweckmässigen Hilfsmittelversorgung aber nicht
verletzen.
1.2 Die hilfsmittelspezifische Invalidität der Beschwerdeführerin besteht in der durch
die Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten Unfähigkeit, kürzere Distanzen in der
Umgebung des Wohnorts (Elternhaus bzw. Wohnheim) selbständig zu überwinden, d.h.
gehend zurückzulegen. Sie ist also in ihrer Fortbewegung eingeschränkt. Da
kostengünstige Hilfsmittel (z.B. Krückstöcke gemäss Rz 12.01 der Hilfsmittelliste im
Anhang zur HVI) als Folge der Dyskinese nicht geeignet sind, eine ausreichende
Mobilität zu erreichen, kommt nur die Versorgung mit einem Rollstuhl in Frage. Die
Unfähigkeit zu gehen lässt normalerweise einen Anspruch auf einen Rollstuhl ohne
motorischen Antrieb (Handrollstuhl) entstehen (vgl. Rz 9.01 der Liste im Anhang zur
HVI). Kann die versicherte Person allerdings einen solchen Rollstuhl
behinderungsbedingt nicht selbst bedienen, hat sie einen Anspruch auf einen
Elektrorollstuhl, sofern sie sich dank dem elektromotorischen Antrieb selbständig
fortbewegen kann (vgl. Rz 9.02 der Liste im Anhang zur HVI). Die Beschwerdeführerin
kann weder einen Handrollstuhl noch einen Elektrorollstuhl selbständig bedienen.
Trotzdem besteht ein behinderungsbedingter Bedarf, die Fortbewegung mittels eines
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Rollstuhls zu ermöglichen. Die zusätzliche Bedingung der selbständigen Bedienbarkeit,
die beim Elektrorollstuhl erfüllt sein muss, kann also nicht durch die
leistungsspezifische Invalidität erklärt werden. Vielmehr ist der Elektrorollstuhl für jene
versicherten Personen, die ihn nicht selbständig bedienen können, keine einfache und
zweckmässige Versorgung, da der Elektrorollstuhl im Hinblick auf die selbständige
Bedienung konstruiert worden ist, d.h. die versicherte Person in die Lage versetzen
soll, ohne jede Dritthilfe mobil zu sein. Kann der Elektrorollstuhl nur durch eine
Drittperson bedient werden, weil die Behinderung der versicherten Person keine
selbständige Bedienung erlaubt, erfüllt er seinen eigentlichen Zweck nicht. Die Mobilität
muss in einem solchen Fall durch einen Handrollstuhl, der von einer Drittperson
"bedient", d.h. geschoben und gesteuert wird, erreicht werden. (Hier würde eine
perfekte Hilfsmittelversorgung eigentlich aus der Abgabe eines Handrollstuhls und der
Finanzierung der Arbeit der "bedienenden" Drittperson bestehen.) Der Umstand, dass
ein Elektrorollstuhl seine "technische" Zweckbestimmung nicht erreicht, wenn er nicht
selbständig bedienbar ist, erklärt, weshalb die Gerichtspraxis motorische Antriebshilfen
den Elektrorollstühlen gleichgestellt hat (vgl. etwa ZAK 1988, S. 180 ff., und das Urteil
des Eidg. Versicherungsgerichts vom 13. Okt. 2005, I 712/04). Eine Antriebshilfe, die
von der versicherten Person selbständig bedient werden kann, ist nichts anderes als
eine technisch weniger aufwendige und damit wohl auch kostengünstigere Möglichkeit
als der Elektrorollstuhl, die selbständige Fortbewegung zu ermöglichen.
1.3 Der Verordnungsgeber dürfte davon ausgegangen sein, dass der Handrollstuhl
(nötigenfalls "bedient" durch eine Hilfsperson) und der selbständig bedienbare
Elektrorollstuhl den Hilfsmittelbedarf zur Gewährleistung der Mobilität für alle
denkbaren Fälle abdeckten. Der vorliegende Fall zeigt, dass diese Annahme nicht
zutrifft. Es gibt Versicherte, die behinderungsbedingt nicht fähig sind, einen
Elektrorollstuhl selbständig zu bedienen, und die gleichzeitig durch einen Handrollstuhl
nicht ausreichend versorgt sind, weil sie trotz des Beizugs einer Drittperson zu dessen
"Bedienung" ihre Mobilität nicht in einem ausreichenden Mass zurückgewinnen.
Gemeint sind jene Versicherten, die aufgrund einer Kombination nachteiliger Umstände
(im vorliegenden Fall das hohe Gewicht und die topographisch und teilweise in Bezug
auf die Wegverhältnisse ungünstigen Wohnsituationen) auf eine Drittperson mit weit
überdurchschnittlichen Körperkräften angewiesen wäre. Kann eine mit
durchschnittlichen Körperkräften ausgestattete Drittperson den Handrollstuhl nicht so
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"bedienen", dass die notwendige Mobilität der versicherten Person in einem
ausreichenden Mass gewährleistet ist, d.h. muss die versicherte Person immer wieder
auf ihre Mobilität verzichten und zuhause bleiben, weil sie niemanden findet, der fähig
oder bereit ist, ihren Handrollstuhl zu "bedienen", so verwandelt eine elektrische
Schieb- und Bremshilfe v-max den Handrollstuhl nicht in einen Elektrorollstuhl gemäss
Rz 9.02 der Liste im Anhang zur HVI, weil sie ja gar nicht bezweckt, eine selbständige
Mobilität der versicherten Person zu ermöglichen. Sie ist vielmehr dazu konstruiert, den
Einsatz des Handrollstuhls unter Beizug einer Drittperson auch bei schwierigen
Wegverhältnissen überhaupt erst zu erlauben, indem sie der Drittperson die (allzu)
schwere Arbeit des Schiebens und Bremsens in steilem Gelände oder auf
Naturstrassen weitgehend abnimmt und damit die "Bedienung" des Handrollstuhls
nicht nur erleichtert, sondern auch sicherer macht. Das bedeutet, dass es sich
vorliegend bei der Schieb- und Bremshilfe v-max um ein Zubehör zum Handrollstuhl
handelt. Sie gewährleistet (genauso wie besondere Seiten- oder Kopfstützen usw.) nur
die Einsetzbarkeit des Handrollstuhls, ist also auch "funktionell" nicht einem
Elektrorollstuhl gleichzusetzen. Der mit einer Schieb- und Bremshilfe v-max
ausgestattete Handrollstuhl ist also gestützt auf Art. 2 Abs. 3 HVI i.V.m. Rz 9.01 der
Liste im Anhang zur HVI immer noch ein Handrollstuhl und kein Elektrorollstuhl, so
dass das Kriterium der selbständigen Bedienbarkeit nicht massgebend ist. Würde die
Zubehöreigenschaft der Schieb- und Bremshilfe v-max verneint, könnte die
Beschwerdeführerin u.U. gar nicht invaliditätsgerecht mit einem Rollstuhl versorgt
werden, d.h. sie wäre in Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes schlechter
gestellt als jene Versicherten, die erst nach einer aufwendigen Anpassung des
Handrollstuhls und/oder mit dem Anbau von kostspieligem Zubehör überhaupt im
Rollstuhl sitzen können. Die Beschwerdegegnerin hat demnach zu Unrecht unter
Verweis auf die Anwendbarkeit der Rz 9.02 der Liste im Anhang zur HVI einen
Anspruch auf die Abgabe einer Schieb- und Bremshilfe v-max verneint.
2.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in jenen Fällen ein Anspruch auf die Abgabe
eines Schieb- und Bremssystems (wie etwa des v-max-Geräts) als Zubehör zum
Handrollstuhl besteht, in denen dieser aufgrund der Notwendigkeit, ansteigende oder
mit einer ungünstigen Oberfläche versehene Strasse oder Wege benützen zu müssen,
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nur unter Einsatz eines solchen Systems im erforderlichen Umfang eingesetzt werden
kann. Da die Beschwerdegegnerin die Abgabe des v-max-Geräts mit der -
unzutreffenden - Begründung verweigert hat, es bestehe mangels selbständiger
Steuerbarkeit kein Leistungsanspruch, ist eine ausreichende Abklärung der Strassen-
und Wegverhältnisse auf den Strecken, die von der Beschwerdeführerin befahren
werden müssen, unterblieben. Es steht deshalb nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad fest, dass die Einsatzfähigkeit des Handrollstuhls nur durch eine Schieb-
und Bremshilfe in der Art des v-max-Geräts sichergestellt werden kann. Ebensowenig
steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass das v-
max-Gerät unter Berücksichtigung des Kriteriums der einfachen und zweckmässigen
Versorgung das richtige Zubehör darstellt und dass der im Kostenvorschlag genannte
Betrag angemessen ist. Die Sache ist deshalb - unter grundsätzlicher Bejahung eines
Anspruchs der Beschwerdeführerin auf ein Schieb- und Bremsgerät als Zubehör zum
Handrollstuhl - zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
In Bezug auf die Verfahrenskosten ist dieser Verfahrensausgang als vollumfängliches
Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten. Die Beschwerdeführerin hat deshalb
einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Da von einem durchschnittlichen
Vertretungsaufwand auszugehen ist, erscheint praxisgemäss eine Entschädigung von
Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die
unterliegende Beschwerdegegnerin hat nicht nur für diese Parteientschädigung,
sondern auch für die Gerichtskosten aufzukommen. Da auch der Beurteilungsaufwand
als durchschnittlich zu werten ist, wird die Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.--
festgesetzt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
wird zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP