Decision ID: 31fff29e-3988-591f-8a81-43b32f515788
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der 1974 geborene A._ (nachfolgend: Versicherter oder Be-
schwerdeführer) stammt aus Serbien und besitzt die Schweizer Staatsbür-
gerschaft. Nach einem Arbeitsunfall (act. 3) meldete er sich am 10. März
2005 bei der IV-Stelle das Kantons C._ zum Leistungsbezug an
(act. 14). Diese sprach ihm mit Verfügung vom 23. Januar 2006 eine halbe
Rente ab 1. März 2003 zu (IV-Grad: 50 %). Überdies gewährte sie ihm mit
Verfügung vom 2. Februar 2006 eine Hilflosenentschädigung (Hilflosigkeit
leichten Grades; act. 33). Diese Ansprüche bestätigte sie revisionsweise
mit Mitteilung vom 19. Juli 2007 (act. 44). Im Jahr 2008 kehrte der Versi-
cherte nach Serbien zurück (act. 50 S. 1).
A.b Im Rahmen eines Revisionsverfahrens hob die IV-Stelle für Versi-
cherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) gestützt auf das
polydisziplinäre Gutachten des Instituts D._ vom 31. März 2014
(act. 100) die seit dem 1. März 2005 ausgerichtete halbe Invalidenrente mit
Verfügung vom 1. September 2016 mit Wirkung ab dem 1. November 2016
auf (act. 142). Auf eine dagegen erhobene Beschwerde trat das Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil C-6049/2016 vom 18. November 2017 infolge
verspäteter Leistung des einverlangten Kostenvorschusses nicht ein
(act. 162). Das Bundesgericht trat auf eine gegen dieses Urteil erhobene
Beschwerde mit Urteil 8C_732/2017 vom 31. Oktober 2017 nicht ein
(act. 166).
B.
Mit Schreiben vom 23. Mai 2019 machte der Versicherte gegenüber der
IVSTA unter Beilage von Arztberichten eine Verschlechterung seines Ge-
sundheitszustandes geltend (act. 173 ff.). Am 9. Juli 2019 meldete er sich
sodann beim serbischen Versicherungsträger zum Bezug einer Invaliden-
rente an. Dieser übermittelte das Antragsformular SBR/CH 204 am 29. Juli
2019 der Schweizerischen Ausgleichskasse (SAK) zur Durchführung des
zwischenstaatlichen Rentenprüfungsverfahrens (act. 184). Mit Verfügung
vom 21. September 2020 wies die IVSTA das Leistungsbegehren gestützt
auf die Einschätzungen ihres medizinischen Dienstes und des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) ab (act. 244).
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit einer von der IVSTA am
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22. Oktober 2020 zuständigkeitshalber überwiesenen Eingabe vom 5. Ok-
tober 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt,
dass die Vorinstanz aufgrund der eingereichten medizinischen Unterlagen
einen neuen IV-Grad festlege respektive hierfür ein neues Gutachten ein-
hole (BVGer-act. 1).
D.
Der mit Zwischenverfügung vom 10. November 2020 beim Beschwerde-
führer eingeforderte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– (BVGer-
act. 5) wurde am 16. November 2020 geleistet (BVGer-act. 4).
E.
Der Beschwerdeführer reichte am 17. November 2020 (Postaufgabe) eine
Beschwerdeergänzung (BVGer-act. 8) und am 8. Dezember 2020 (Post-
aufgabe) medizinische Unterlagen ein (BVGer-act. 10).
F.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 29. Januar 2021
gestützt auf eine Stellungnahme des medizinischen Dienstes vom 21. Ja-
nuar 2021, dass die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Sache im Sinne der erwähnten Stellungnahme
an die Verwaltung zurückzuweisen sei (BVGer-act. 14).
G.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochte-
nen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48 Abs. 1
VwVG). Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde
(Art. 63 Abs. 4 VwVG), ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
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Seite 4
2.
Der Beschwerdeführer ist schweizerischer Staatsangehöriger und hat
Wohnsitz in Serbien, weshalb das am 1. Januar 2019 in Kraft getretene
Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
Republik Serbien über soziale Sicherheit vom 11. Oktober 2010 zur An-
wendung gelangt (SR 0.831.109.682.1). Die materiellen Voraussetzungen
des Anspruchs des Beschwerdeführers auf eine Rente der schweizeri-
schen Invalidenversicherung beurteilen sich ungeachtet dieses Umstands
allein nach schweizerischem Recht.
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherte Anspruch auf eine
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungs-
massnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min-
destens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (Bst. b), und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Bst. c).
3.3 Wurde eine Rente wegen eines fehlenden oder zu geringen Invalidi-
tätsgrades bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur ge-
prüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der
Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat
(Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV [SR 831.201]). Tritt die Verwaltung auf die Neu-
anmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver-
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verän-
derung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat dem-
nach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1
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ATSG vorzugehen (Urteil des BGer 9C_570/2018 vom 18. Februar 2019
E. 2.2.1). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren
rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie
das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die
festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117
V 198 E. 3a; SVR 2008 IV Nr. 35 E. 2.1).
3.4 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ist die Rente bei einer erheblichen Änderung
des Invaliditätsgrades von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zu-
kunft entsprechend zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben. Revisi-
onsbegründend kann unter anderem eine Änderung des Gesundheitszu-
standes oder der erwerblichen Auswirkungen sein. Eine lediglich unter-
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sach-
verhalts ist im revisionsrechtlichen Kontext nicht massgeblich (BGE 141 V
9 E. 2.3). Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision – durch Vergleich des
Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten materiellen Beurteilung und
rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der
streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3; 130 V 71 E. 3.2.3).
3.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4; 125 V 256 E. 4).
3.6 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der Expertin
oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351
E. 3a).
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Seite 6
3.7 Soll über einen Rentenanspruch ohne Einholung eines externen Gut-
achtens, sondern gestützt auf im Wesentlichen oder sogar ausschliesslich
vom Versicherungsträger intern eingeholte medizinische Unterlagen ent-
schieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen
in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zu-
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-
stellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. BGE 135 V
465 E. 4.4; Urteil des BGer 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.2).
4.
Die Vorinstanz ist auf die Neuanmeldung vom 26. April 2016 eingetreten
und hat den Rentenanspruch des Beschwerdeführers nach einer materiel-
len Prüfung mit der angefochtenen Verfügung vom 21. September 2020
verneint. Die Eintretensfrage ist damit vom Bundesverwaltungsgericht
nicht zu beurteilen (BGE 109 V 108 E. 2b). Nachfolgend ist zu prüfen, ob
im massgebenden Vergleichszeitraum zwischen der leistungsverneinen-
den Verfügung vom 1. September 2016 und der angefochtenen Verfügung
vom 21. September 2020 eine anspruchsrelevante Verschlechterung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers eingetreten ist bzw. ob
sich der medizinische Sacherhalt in dieser Hinsicht als genügend abgeklärt
erweist.
4.1 Die rentenablehnende Verfügung vom 1. September 2016 beruhte auf
der Annahme einer Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der an-
gestammten Tätigkeit als Lagerist von 30 % sowie einer vollen Arbeitsfä-
higkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit. Die Verfügung vom 1. Sep-
tember 2016 basierte in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf dem
Gutachten des Instituts D._ vom 31. März 2014, das auf allgemein-
internistischen, psychiatrischen, orthopädischen, neurologischen und gast-
roenterologischen Untersuchungen beruhte. In diesem Gutachten wurde
die folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
– Chronisches thorakal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom, aktuell ohne
eindeutige Ausstrahlungen (ICD-10 M54.80)
– thorakal betonte S-förmige Torsionsskoliose mit thorakalem Scheitelpunkt
bei BWK9 rechts, Cobb-Winkel 42° (ICD-10 M41.2)
– unterdurchschnittlich entwickelte paravertebrale Muskulatur
– Beinverkürzung links von klinisch 1.5 cm (ICD-10 M21.70)
– aktuell Symptomausweitung und Selbstlimitation
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Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden genannt:
– leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
– anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
– Diabetes mellitus Typ II (ICD-10 E 11.9)
– gut eingestellt bei HbA1c-Wert von 5,1 % (Norm < 6,3%)
– Hypercholesterinämie, behandelt (ICD-10 E78.0)
– Chronisches Spannungstyp-Kopfweh (ICD-10 G44.2)
– Oberbauchbeschwerden unklarer Aetiologie (ICD-10 R10.1)
– Verdacht auf Gastritis oder Ulkusleiden, möglicherweise zusätzliche Re-
fluxsymptomatik
– Anamnestisch Diarrhoe unklarer Aetiologie (ICD-10 K52.9)
– Verdacht auf Reizdarmsyndrom, bisher nicht abgeklärt
– leichte Leukozytose unklarer Ätiologie (ICD-10 D72.8)
– am ehesten bei interkurrentem Infekt
Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, dass sich als einzige Diag-
nose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aus Sicht des Bewegungsappa-
rates ein chronisches, thorakal betontes, panvertebrales Schmerzsyndrom
finde. Für körperlich schwer belastende Tätigkeiten bestehe aus Sicht des
Bewegungsapparates eine Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten, wo eine Hebe- und Traglimite von 15 kg nur aus-
nahmsweise überschritten wird und keine länger dauernden Zwangshal-
tungen des Rumpfes vorkommt, liege hingegen eine zeitlich und leistungs-
mässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor. Das chronische Spannungs-
typ-Kopfweh habe aus neurologischer Sicht keinen Einfluss auf die Arbeits-
fähigkeit. Die gastroenterologischen Diagnosen schränkten die Arbeitsfä-
higkeit ebenfalls nicht ein. Aus psychiatrischer Sicht bestehe ebenfalls
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die leichte depressive Episode
und die Schmerzstörung wirkten sich nicht einschränkend auf die Arbeits-
fähigkeit aus. Eine schwere psychische Störung bestehe nicht. Aus psychi-
atrischer Sicht könne es dem Beschwerdeführer zugemutet werden, trotz
der geklagten Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen,
um einer seinen körperlichen Einschränkungen angepassten Tätigkeit
ganztags nachzugehen. Auch aus allgemeininternistischer Sicht fänden
sich keine weiteren Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Insge-
samt bestehe aus polydisziplinärer Sicht eine uneingeschränkte Arbeits-
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Seite 8
und Leistungsfähigkeit in sämtlichen körperlich leichten bis mittelschweren,
adaptierten Tätigkeiten. Für körperlich schwer belastende Tätigkeiten be-
stehe eine Arbeitsunfähigkeit.
4.2 Der Beschwerdeführer hat im Beschwerdeverfahren C-6049/2016 Be-
richte behandelnder (Fach-)Ärztinnen und (Fach-)Ärzte eingereicht
(act. 152). Die IV-Ärzte Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, und Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin, hielten in ihren Stellungnahmen vom 24. März 2017 (act. 154) und
vom 13. Mai 2017 (act. 158) fest, dass diese Berichte die Schlussfolgerun-
gen der D._-Gutachter nicht entkräften würden.
4.3 Mit der Neuanmeldung hat der Beschwerdeführer weitere Berichte sei-
ner behandelnden (Fach-)Ärztinnen und (Fach-)Ärzte eingereicht
(act. 174-180; act. 193-199). Der RAD Arzt Dr. med. G._, Facharzt
für Physikalische Medizin und Rehabilitation, (Stellungnahme vom 23. Ja-
nuar 2020; act. 205) und der IV-Arzt Dr. med. K._, Facharzt für Psy-
chiatrie und Psychotherapie, (Stellungnahme vom 24. März 2020; act.
2016) kamen zum Schluss, dass die vorgelegten Arztberichte keine Ände-
rung des Gesundheitszustandes belegen würden. Im Vorbescheidverfah-
ren hat der Beschwerdeführer weitere Arztberichte eingereicht (act. 229-
240), die laut der Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med. G._ vom
17. September 2020 keine wesentliche, IV-relevante Verschlechterung des
Gesundheitszustandes als überwiegend wahrscheinlich erscheinen lasse
(act. 243).
4.4 Im aktuellen Beschwerdeverfahren hat der Beschwerdeführer sodann
die folgenden Berichte eingereicht (BVGer-act. 12):
– Die Neurologin Dr. H._ berichtete am 12. November 2020, dass
beim Beschwerdeführer eine thorakolumbale Skoliose, thorakale Dis-
kopathien C6-C9, lumbale Radikulopathien L5 und S1, ein Status nach
zervikothorakaler Contusion und ein depressives Syndrom vorliegen.
Die Arbeitsfähigkeit sei beeinträchtigt.
– Gemäss einem Bericht der Psychiaterin Dr. I._ vom 13. Novem-
ber 2020 leide der Beschwerdeführer an einer rezidivierenden depres-
siven Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symp-
tomen (ICD-10 F33.3) und an einer organischen affektiven Störung
(ICD-10 F06.3). Bei der vorherigen Untersuchung sei eine Verschlech-
terung registriert worden. Angesichts der klinischen Befunde, des
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Seite 9
Krankheitsmechanismus und des Behandlungsverlaufs sei der Be-
schwerdeführer arbeitsunfähig.
– Im Bericht von Dr. J._ vom 28. November 2020 wird festgehal-
ten, dass der Beschwerdeführer an einer nicht näher bezeichneten
Spondylose (ICD-10 M47.9) und an einer Osteopenie leidet. Er sei
nicht fähig, lange zu stehen, körperliche Arbeiten oder Arbeiten unter
ungünstigen klimatischen Bedingungen zu verrichten.
4.5 Der IV-Arzt Dr. med. K._, Facharzt für Psychiatrie und Psycho-
therapie, hielt in seiner Stellungnahme vom 21. Januar 2021, dass die neu
eingereichten Berichte eine Verschlechterung sowohl des psychiatrischen
wie auch des somatischen Zustandes beschreiben würden. Leider würden
sich die psychiatrischen Berichte immer wieder auf die Somatik beziehen
und liessen keine eigentlich psychiatrische Beurteilung zu. Auch werde im-
mer wieder die jetzige epidemiologische Situation als Auslöser der Ver-
schlechterung angeführt. Dr. med. K._ bat um Einholung eines psy-
chiatrischen Berichts bei der Verbindungsstelle. Der Gutachter solle sich
auf das Gebiet der Psychiatrie (ohne Neurologie) beschränken und den
Verlauf seit 2014 beschreiben.
4.6 Angesichts der Berichte der behandelnden (Fach-)Ärztinnen und
(Fach-)Ärzten sowie den Ausführungen von IV-Arzt Dr. med. K._
vom 21. Januar 2021 liegen Hinweise dafür vor, dass sich die gesundheit-
liche Situation beim Beschwerdeführer seit Erlass der rentenablehnenden
Verfügung vom 1. September 2016 verschlechtert hat. Da sich in den Akten
aber kein aktueller, lückenloser psychiatrischer, orthopädischer rund neu-
rologischer Untersuchungsbefund findet, ist es den versicherungsinternen
Ärzten nicht möglich, ein vollständiges Bild über den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers zu erlangen. Es ist daher nachvollziehbar, dass
Dr. med. K._ davon ausgeht, dass gestützt auf die vorhandenen
Akten eine abschliessende Beurteilung des Gesundheitszustands und der
daraus folgenden allfälligen Arbeitsunfähigkeit nicht möglich ist, und daher
weitere medizinische Abklärungen erforderlich sind. Für das Bundesver-
waltungsgericht sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, weshalb dem über-
einstimmenden Antrag der Vorinstanz und des Beschwerdeführers auf
Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung nicht entsprochen werden
sollte.
4.7 Unbestritten ist, dass eine psychiatrische Abklärung des Beschwerde-
führers erforderlich ist. Entgegen der Ansicht des IV-Arztes Dr. med.
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Seite 10
K._ sind die Abklärungen jedoch nicht auf den Fachbereich Psychi-
atrie zu beschränken. Da die vorliegenden Arztberichte aus Serbien ver-
schieden Fachgebiete anbelangen (insbesondere Orthopädie/Rheumato-
logie und Neurologie) und zudem bereits im Zeitpunkt der rentenaufheben-
den Verfügung Beschwerden vorlagen, die mehrere medizinische Fachge-
biete betreffen, ist auch im heutigen Zeitpunkt eine entsprechend umfas-
sende Abklärung des Sachverhalts in Form eines polydisziplinären Gutach-
tens zu veranlassen, um die gesamtmedizinische Situation rechtsgenüg-
lich zu erfassen (vgl. auch Urteil des BVGer C-4344/2019 vom 7. Dezem-
ber 2020 E. 4.3).
5.
Insgesamt erweist sich der Sachverhalt bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 21. September 2020 in medizinischer Hinsicht nicht rechts-
genügend abgeklärt. Demzufolge ist es nicht möglich, mit dem im Sozial-
versicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit zu beurteilen, ob, gegebenenfalls in welcher Höhe und ab
wann der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversi-
cherung hat.
5.1 Da die angefochtene Verfügung gestützt auf eine unvollständige Sach-
verhaltsabklärung ergangen ist, ist die Sache in Anwendung von Art. 61
Abs. 1 VwVG und in Gutheissung des übereinstimmenden Antrags der Ver-
fahrensbeteiligten zur Vornahme der notwendigen erwerblichen und medi-
zinischen Abklärungen und hernach neuem Entscheid an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Diese Rückweisung an die Vorinstanz erfolgt in Überein-
stimmung mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, gemäss welcher
eine Rückweisung an die IV-Stelle insbesondere im Falle einer notwendi-
gen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage möglich ist (BGE
137 V 210 E. 4.4.1.4), wenn wie vorliegend im aktuellen Neuanmeldever-
fahren noch keine interdisziplinäre Begutachtung durchgeführt wurde.
Überdies würde dem Beschwerdeführer mit dem Verzicht auf ein Administ-
rativgutachten im Verwaltungsverfahren der doppelte Instanzenzug nicht
gewahrt (vgl. Urteil des BVGer C-1882/2017 vom 3. April 2018 E. 6.1).
5.2 Die Vorinstanz ist anzuweisen, nach Aktualisierung und Vervollständi-
gung der medizinischen Akten eine interdisziplinäre Begutachtung des Be-
schwerdeführers zu veranlassen. Mit Blick auf die im Raum stehenden Be-
funde und Diagnosen erscheinen Expertisen in den Fachbereichen Allge-
meine Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie (wobei
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Seite 11
die psychiatrische Abklärung die Standardindikatoren gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung [BGE 143 V 418; 143 V 409; 141 V 281] zu
berücksichtigen hat) erforderlich. Ob neben den genannten Fachdiszipli-
nen auch noch weitere Spezialisten beigezogen werden, ist dem pflichtge-
messen Ermessen der Gutachter zu überlassen, zumal es primär ihre Auf-
gabe ist, aufgrund der konkreten Fragestellung über die erforderlichen Un-
tersuchungen zu befinden (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 3.3; Urteil des
BGer 9C_752/2018 vom 12. April 2019 E. 5.3 mit Hinweisen; Urteil des
BVGer C-4537/2017 vom 20. August 2019 E. 8). Das Gutachten hat sich
zudem ausreichend zum neuanmelderechtliche Beweisthema – erhebliche
Änderung des Sachverhalts – zu äussern (vgl. Urteil des BGer
9C_137/2017 vom 8. November 2017 E. 3.1).
5.3 Die polydisziplinäre Begutachtung hat vorliegend in der Schweiz zu er-
folgen, da die Abklärungsstelle mit den Grundsätzen der schweizerischen
Versicherungsmedizin vertraut sein muss (vgl. dazu Urteil des BGer
9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; statt vieler Urteil des BVGer
C-3864/2017 vom 11. März 2019 E. 7.5 m.w.H.) und vorliegend keine
Gründe ersichtlich sind, die eine Begutachtung in der Schweiz als unver-
hältnismässig erscheinen liessen. Im Weiteren ist die Gutachterstelle nach
dem Zufallsprinzip gemäss Zuweisungssystem «SuisseMED@P» zu ermit-
teln (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 5.2.1 und Art. 72bis Abs. 2 IVV) und dem
Beschwerdeführer sind die ihm zustehenden Mitwirkungsrechte einzuräu-
men (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9).
5.4 Im Ergebnis ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die
Verfügung vom 21. September 2020 aufzuheben und die Sache an die
Vorinstanz zurückzuweisen ist, damit diese nach erfolgter Abklärung im
Sinne der Erwägungen über den Anspruch des Beschwerdeführers auf
Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung neu verfüge.
6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m.
Art. 69 Abs. 2 IVG), wobei das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 63
Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei
auferlegt. Eine Rückweisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der Be-
schwerde führenden Partei (BGE 141 V 281 E. 11.1), weshalb dem Be-
schwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Der einbe-
zahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– ist dem Beschwerdefüh-
rer nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils auf ein von ihm
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Seite 12
bekannt zu gebendes Konto zurückzuerstatten. Der Vorinstanz sind eben-
falls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
6.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da dem nicht anwaltlich ver-
tretenen Beschwerdeführer keine unverhältnismässig hohen Kosten ent-
standen sind, ist ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen. Der unter-
liegenden Vorinstanz ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64
Abs. 1 VwVG e contrario).
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