Decision ID: 59238a89-f99d-5960-9346-7bac5deeee60
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1976 geborene
X._
arbeitete seit 2002 als Hilfs-Bau
arbeiter bei der
Y._
AG (ehemals
Z._
AG). Am 2. August 2012 rutschte er bei der Arbeit aus und schlug sich dabei sein linkes Knie an (Urk. 8/3).
Mit der Arbeit setzte er erst am 4. Februar 2013 aus
(vgl. Schadenmeldung UVG, Urk. 8/20/127).
Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
(SUVA)
leistete Taggeld
er
und übernahm die Heilkosten (Urk. 8/20/125). Am 2. April und am 18. Juni 2013 wurde der Versicherte am
Spital A._
am linken Knie
operiert (Urk. 8/20/86 und Urk. 8/20/104).
Am 15. Juli 2013 wurde die Kausa
li
tät
der Beschwerden
kreis
ärztlich
beurteilt (Urk. 8/20/82-83).
Am 3. September 2013
(Eingangsdatum) meldete sich
X._
bei der
Sozialver
siche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/3). In der Folge tä
tigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen und
zog die Ak
ten der Unfallversicherung bei. Am 7. Januar
2014 und am 8. Okto
be
r 2014 wurde der Versicherte kreisärztlich untersucht (Urk. 8/20/15-19 und Urk. 8/36). Die SUVA
stellte
daraufhin mit Schreiben vom 30. Oktober 2014
die
Taggeld
leistungen
per 3
1.
Dezember 2014 ein (Urk. 8/37) und wies mit Verfü
gung vom 14. Januar 2015 sowohl den Anspruch auf eine Invalidenrente als auch auf eine Integritätsentschädigung ab (Urk. 8/39).
Nach durchgeführtem
Vor
bescheidver
fahren
(Urk. 8/43 und Urk. 8/50) sprach
die IV-Stelle
mit Ver
fü
gung vom 2. Juni 2015
dem Versicherten
eine vom 1. März 2014 bis 3
1. Januar 2015 be
fristete ganze
Invalidenrente zu (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 11. Juni 2015 Beschwerde und beantragte Folgendes:
„1.
Es
sei
festzustellen, dass die Verfügung
der SVA Zürich
vom 2.
6.
2015
hinsichtlich der zugesprochenen Rente vom 1.
3.
2014 bis
3
1. 1.
20
1
5
i
n
Rechtsk
r
aft erwachsen sei.
2.
Die Verfügung
der SVA Zürich
vom 2.
6.
2016 sei hinsichtlich des
ver
n
einten Re
nten
anspruchs ab 1.
2.
2015 aufzuheben und
X._
rückwirkend eine Rente zuzusprechen.
3.
Es sei eine
ergänzende Begutachtung
von
X._
zu veranlassen, die
in nachvollziehbarer Weise Aufschluss darüber g
i
b
t
, in welchem Um
fang und bezüglich welcher Tätigkeiten aus somatischer und psy
chi
scher
Sic
ht eine Arbeitsfähigkeit besteht
.
4.
Der Rentenanspruch sei im Anschluss zur Begutachtung für den Zeitraum
ab 1.
2.
2015 neu zu bestimmen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten der
Beschwerdegegnerin
.“
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 20. August 2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-81), was dem Beschwerdeführer am 21. August 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflicht
gemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass da
s Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
ba
ren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches ge
statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Be
richten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdi
gen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Be
ur
teilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folge
rung
en begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 2. Juni 2015
(
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Akten, insbesondere auf
die
kreis
ärzt
lichen
Untersuchungsbericht
e
der Unfallversicherung
vom 7. Januar und vom 8. Oktober 2014,
davon aus, dass dem Beschwerdeführer
ab 4. Februar 2013 keine berufliche Tätigkeit
möglich
gewesen sei, sich sein Gesundheitszu
stand aber insoweit gebessert habe, dass ihm ab 8. Oktober 2014 eine ange
passte
Tätig
keit
wieder
vollumfänglich zumutbar sei.
Für die Zeit vom 1. März 2014
(Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG und Art. 29 Abs. 1 IVG) bis 31. Januar 2015 (Ver
besserung
ab 8. Oktober 2014 plus 3 Monate, Art. 88
a Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV)
habe der Beschwerdeführer demnach An
spruch
a
uf eine ganze Invalidenrente. Für den
nachfolgend
en Zeitraum errech
nete
die Beschwerdegegnerin
sodann
gestützt auf das mittels Tabellenlöhne ermittelte Invalideneinkommen einen rentenausschlies
senden Invaliditätsgrad von
4
%. Sie hielt ausserdem fest, dass es sich um einen rein unfallbedingten Gesundheitsschaden handle.
2.2
Der Beschwerdeführer
hielt dem beschwerdeweise (Urk. 1) entgegen, er sei weiter
hin zu 100 % arbeitsunfähig. Da es fraglich sei, ob eine alleinige
Unfall
problematik
vorliege, könne die Beschwerdegegnerin nicht
bloss auf die
Unfall
akten
abstellen, sondern hätte eigene Abklärungen tätigen sollen. Insbe
son
dere dränge sich auch eine psychiatrische Erhebung auf, da abzuklären sei, ob auch eine Schmerzverarbeitungsstörung vorliege.
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin, nannte in ihrem Bericht vom 18. Oktober 2013 (Urk. 8/12) zuhanden der
Beschwerdegeg
nerin
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
vordere Kreuzband
(VKB
)-R
uptur links und Knorpelschaden am
media
len
Femurkondylus
(
I
CRS III, bestehend seit 4. Februar 2013) bei
-
Status nach diagnostischer Kniearthroskopie links
-
Status nach
arthroskopischer
vorderer Kreuzbandplastik (1
8.
Juni
2013)
Als Nebendiagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verbleibe eine
Sialoli
this
Parotis
rechts, bestehend seit Juni 201
3.
In seiner bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter sei der Beschwerdeführer seit dem 4. Februar 2013 bis auf
Weiteres
zu 100 % arbeitsunfähig.
Die Beschwerden hätten deutlich gebessert. Die Arbeit
s
fähigkeit
sei
ver
besserungsfähig, insbesondere
durch
eine konsequente Durch
führung
der Physiotherapie
.
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilita
tion FMH, hielt als Kreisarzt der SUVA im Rahmen seiner Beurteilung vom 15. Juli
2013 (Urk. 8/20/82-83) fest, dass primär davon auszugehen sei, dass
eine VKB-Ruptur oder Teilruptur durch einen Unfall verursacht werde. Der Be
schwerdeführer sei bereits seit 2002 bei der SUVA gegen Unfall versichert (laut Schadenmeldung). Auffällig sei, dass der Knorpelschaden innerhalb eines Jahres bereits beträchtlich gewesen sei; dies lediglich bei einer Teilruptur des VKB. Das MRI
vom 11. Februar 2013 (nur 7 Monate nach dem Unfallereignis) weise aber kein
Bone
bruise
auf, was aber bei einem derartigen Knieanprall zu erwarten gewesen wäre. Deshalb könne die Kausalität der Beschwerden nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit dem Unfallereignis vom 2. August
201
2
zuge
ordnet werden.
Fraglich sei, ob verursachende Ereignisse vorgekommen seien, die noch vor diesem Unfallereignis in SUVA-versicherter Zeit lägen.
3.3
Im kreisärztlichen Untersuchungsbericht vom 7. Januar 2014 (Urk. 8/20/15-19) hielt
Kreisarzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädie und Rheumatolo
gie, Physikalische Medizin und Rehabilitation fest, dass beim Be
schwerdeführer
residuelle
Belastungsschmerzen am linken Kniegelenk nach VKB-Plastik am 18. Juni 2013 nach dem Unfallereignis am 2. August 2012 mit
orthograder
Prellung der Kniescheibe
ohne Verdrehung des Beines vorl
ägen. Eine diagnos
tische Kniearthroskopie vom 2. April 2013, bei der ein
Débridement
des VKB-Stumpfes und eine partielle Resektion des hypertrophen Hoffa Fett
körpers vor
genommen worden sei, habe einen Knorpelschaden am medialen
Femurkon
dylus
ICRS III aufgedeckt, der nicht mit überwiegender Wahr
schei
n
lichkeit
dem Unfallereignis vom
August
2012 zugeordnet werden könne. Die ASK vom 2. April 2013 habe keinen Hinweis auf einen retropatellaren Schaden geliefert.
Im Vordergrund finde sich nach Art und Lokalisation der Beschwerden ein ty
pisches
fermoropatellares
Schmerzsyndrom, das vor dem Unfall nicht be
stan
den habe. Nicht im Vordergrund stehend, aber auch benannt, seien Schmerzen im Bereich des Aussenmeni
s
kusvorderhornes, die besonders beim Hin
knien verspürt würden. Hierbei
sei
kernspintomografisch am 11. Februar 2013 ein Riss im in
neren Kompartiment
des lateralen Meniskusvorderhorns mit angrenzender 1.5 Zentimeter grosser
septierter
Synovialzyste
mit Ausdehnung in den ventra
len Hoffa Fettkörper dargestellt worden. Weitere
kernspinto
mo
grafische
Be
funde seien die nicht erkennbare
osteochondrale
Läsion (intra
opera
tiv am 2. April 2013, dann Knorpelschaden ICRS III gefunden) und ein nicht vor
han
denes
Bone
bruise
, das
bei der beschriebenen Heftigkeit des
Unfallereig
nisses
6 Monate später
residuell
eher noch hätte erwartet werden können.
Die Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als Bauhilfsarbeiter be
trage weiterhin 100
%. Für eine Wiedereingliederung mit abgestufter Arbeitsfä
higkeit sei der Beschwerdeführer für die beschriebene körperliche Tätigkeit noch nicht ein
s
etzbar.
Da die Hauptbeschwerdesymptomatik der
Patellarückfläche
zugeordnet werde, sei eine diagnostische Arthroskopie im Hinblick auf einen traumatischen retropatellaren Knorpelriss zu erwägen. Der am ehesten degene
rative Knorpelschaden des medialen
Femurkondylus
passe nicht zum
Beschwer
devortrag
des Beschwerdeführers.
3.4
Im Bericht der Chirurgischen Klinik des
Spitals A._
vom
4.
Juni 2014 (Urk. 8/35/23-24) zuhanden der Unfallversicherung wurden persistierende
pa
tel
lär
lokalisierte belastungsabhängige Restbeschwerden des linken Knies bei be
kannter Vorgeschichte
festgehalten
. Zwischenzeitlich gehe es dem Be
schwerde
führer zwar deutlich besser. Leider sei aber eine Rückkehr in den
Be
rufsalltag
immer noch nicht möglich. Der Beschwerdeführer nehme keine Anal
getika ein
und partizipiere rege an den physiotherapeutischen Übungen. Leider sei es nach wie vor nicht ganz eindeutig
,
woher die Restbeschwerden kämen. Vereinbar mit der Klinik und dem bekannt gehäuft auftretenden
Patellaspit
zensyndrom
nach vorderer Kreuzbandplastik
sei zu vermuten, dass es sich um ein
Rehabili
ta
tions
defizit
mit leichter
Quadrizepsverkür
zung
und
Patellaspitzensyndrom
handle. Deshalb sei intensiv mit Physiothera
pie, vielleicht sogar Sport-Physiotherapie weiterzufahren. Alternativ dazu würde auch eine stationäre Rehabilitation (bei
spielsweise in
E._
) sinnvoll sein
. Aktuell würde der Beschwerdeführer von einem erneuten chirurgischen Eingriff nicht profitieren.
3.5
Im Bericht der
F._
, Orthopädie, vom 8. September 2014 (Urk. 8/35/15-16) wurden im Nachgang zum MRI folgende Diagnosen gestellt:
-
Rehabilitationsdefizit Knie links
-
D
ifferentialdiagnose
: im Rahmen von Schmerzen
bei Resorp
tion
der Interferenzschraube
mit
-
Dysäs
thesie im Innervationsgebiet des
Nervus
peroneus
superficialis
bei
-
Status nach
arthroskopischer
vorderer Kreuzband-
Rekonstruktion links am 18.
Juni 2013 (
A._
)
-
Status nach d
iagno
stischer Arth
ro
skopie
links mit
Débridement
des vorderen Kreuzbandstumpfes und
partieller Resektion eines hypertrophen Hoffa-Fettkörpers
am 4. Februar 2013 (
A._
)
Durch die MRI-Untersuchung habe eine intraartikuläre weiterführende Patholo
gie ausgeschlossen werden können. Die persistierenden Schmerzen seien am ehesten im Rahmen eines Rehabilitationsdefizits des linken Knies bei Status nach VKB-Rekonstruktion, welches MR-tomografisch intakt und in Kontinuität erhalten sei
,
zu sehen
. Des Weiteren könnten die Schmerzen ursächlich sein bei bis zu 3 Jahren andauernder Resorption der Interferenzschraube. Aktuell be
stehe aus orthopädisch-chirurgischer Sicht kein weiterer Handlungsbedarf.
3.6
Dr.
D._
führte in seinem kreisärztlichen Untersuchungsbericht vom 8. Oktober 2014 (Urk. 8/36) aus, dass im Vergleich zur kreisärztlichen Vorun
tersuchung vom 7. Januar 2014 die
residuellen
Belastungsschmerzen am linken Kniegelenk nach VKB-Plastik am 18. Juni
2013 wegen U
nfallereignis vom 2. August 2012
unverändert seien. Eine diagnostische Knie-Arthroskopie vom 2. April 2013, bei der ein
Débridement
des VKB-Stumpfes und eine partielle Resekt
ion des hypertrophen Hoffa-Fettk
örpers vorgenommen worden sei, habe einen Knorpel
schaden am medialen
Femurkondylu
s
ICRS III aufgedeckt, der nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dem Unfalle
r
eignis vom August 2012 zugeordnet werden könne. Die Arthroskopie vom 2. April 2013 habe keine Hinweise auf einen retropatellaren Schaden geliefert. Im Vordergrund des
Be
schwerdevortrages
ständen belastungsabhängige Schmerzen, strichförmig quer über die Mitte der Patella sowie Schmerzen im Bereich des medialen und late
ralen Gelenkspaltes. Treppengehen sei besonders erschwert. Klinisch finde
sich im Unterschied zum
Vorbefund vom 7. Januar 2014 ein gebesserter
Trainings
zu
stand
der Ober- und Unterschenkel mit entsprechend bis zu 4.5 Zentimeter Umfangsver
mehrung links 20 Zentimeter o
berhalb Knieinnenspalt. Ferner seien das
Zohlen
- und
Fründ’sche
Zeichen negativ.
Obwohl der B
eschwerdeführer von einem gebess
erten
Stabilitätsgefühl nach der VKB-
Plastik spreche, finde sich klinisch eine
residuelle
Instabilität, die auf eine
elongierte
, in der Kontinuität
erhaltene VKB-Plastik schliessen lasse. Die kernspintomografische Untersu
chung
vom 2
1.
März 2014 habe nur eine leichtgradige Verschmälerung des
Knorpel
be
lages
im medialen und lateralen Kompartiment im Sinne einer
Chondromalazie
Grad I bis II ohne Hinweis für einen umschriebenen
osteo
chondralen
Defekt
ergeben
. Die Kontinuität bei Kreuzbandplastik sei erhalten. An der
Eminentia
intercondylaris
zeige sich ein diskretes Knochenmarksödem. Im
Re
cessus
supra
p
a
talleris
bestehe ein diskreter Erguss.
Es
finde sich
nur eine leichtgra
dige
fibro
tische
Veränderung des
Hoff’schen
Fettkörpers ohne umschriebene
Fibrosierung
und ohne Zyklop. Die
myxoide
Meni
s
k
u
sdegeneration sei me
dial betont ohne N
achweis eines Ris
s
es. Die
Bakerzyste
sei winzig (< 1 Zentimeter). Der medi
zinische Endzustand sei erreicht. Nach den Vorgaben gemäss
Unfall
versiche
rungsgesetz
(UVG) sei keine Integritätsentschädigung auszurichten.
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Bau-Hilfsarbeiter bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Beschwerdeführer sei für wechselbelastende Tätigkeiten vollschichtig einsetzbar. Zu hebende und zu tragende Lasten sollten nicht über 20 Kilogramm wiegen und nicht häufig repetitiv bewegt werden müssen. Klet
tern und Steigen auf Leitern und Gerüsten sei ungeeignet. Die tiefe Hocke und das Hinknien seien nur sporadisch erlaubt, nicht aber häufig repetitiv.
3.7
Dem Bericht vom 2. Juni 2015 von
Dr.
B._
(Urk. 8/72), welcher im Rahmen des
Einwandverfahrens
eingereicht wurde, ist zu entnehmen, dass der postoperative Verlauf beim Bes
chwerdeführer nicht optimal gewe
s
e
n sei. Es best
ünden
weiterhin ein massives Schonhinken sowie
subj
ektiv chronische Schmer
zen auch nachts. Trotz glaubhaft konsequenter Einhaltung der Physio
the
rapie und Durchführung der empfohlenen Übungen komme es zu keiner Besserung der Motorik und der Muskelkraft im Unter- und Oberschenkel links. Der Be
schwerdeführer könne s
omit ganz sicher nicht mehr auf
einer Baustelle arbei
ten
, zudem sei er mit den Be
schwerden nicht vermittelbar.
Es bestehe zu
dem - unabhängig vom Unfall - ein
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, welches die Schmerzproblematik noch komplizierter mache.
4.
4.1
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass die ärztlichen Beurteilun
gen durch SUVA-Kreisarzt
Dr.
D._
(vorstehend E.
3.3 und E.
3.6
) für die Beantwortung der gestellten Frage umfassend sind. Die Beurteilungen be
rücksichtigen die medizinischen
Vorakten
ebenso wie die geklagten Beschwer
den des Beschwerdeführers. Die Darlegung der medizinischen Befunde sowie deren Beurteilung leuchten ein und die Schlussfolgerungen sind nachvollzieh
bar begründet. Sodann wurden die Beurteilungen in Kenntnis und in Auseinan
dersetzung mit den
Vorakten
erstellt und tragen der konkreten medizinischen Situation Rechnung.
So stellte
Dr.
D._
fest, dass ein Gesundheitsschaden, welcher sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, mit den dargelegten Kniebeschwerden ausgewie
sen ist.
Anlässlich der zweiten kreisärztlichen Untersuchung vom 8. Oktober 2014 stellte er zwar unveränderte
residuelle
Belastungsschmerzen am linken Kniegelenk fest. In Zusammenschau der weiteren getätigten Abklärungen des
A._
(vgl. E. 3.4) und der
F._
(vgl. E. 3.5), wonach die per
sistierenden Restbeschwerden im Rahme
n
eines Rehabilitationsdefizits zu be
trachten seien, und de
s
festgestellten
gebesserten
Trainingszustandes und des
wiedererlangten subjektiven
Stabilitätsgefühls
, ist
aber
die Besserung per Okto
ber 2014 nachvollziehbar dargelegt.
Dr.
D._
nahm ausführlich Stellung zu den noch zumutbaren Tätigkeiten und hielt plausibel fest, dass dem Be
schwerdeführer
diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen ei
ner
behinderungs
an
gepassten
Tätigkeit zu 100
% mit diesem besonderen
Anfor
derungsprofil
, welches auf die geklagten
Beschwerden abgestimmt ist
(wechsel
belastend, ohne häufiges Bewegen, H
eben und Tragen von Lasten über
20 Kilogramm, ohne Klettern und Steigen auf Leitern und Gerüste, ohne häufi
ges Hocken und Hin
knien)
, nicht entgegen
stehen
. Bereits die Hausärztin
Dr.
B._
hielt eine Besserung für möglich (vgl. E. 3.1) und auch das
A._
und die
F._
stellten eine weitere Besserung in Aussicht, sobald das
Rehabili
tationsdefizit
- insbesondere bei konsequenter Durchführung der Physiotherapie -
ausgeglichen ist (vgl. E. 3.4-5).
Die Berichte erfüllen damit die praxisgemässen Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.4) vollumfänglich, so dass für die
Entscheidfindung
und insbesondere die Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit darauf abgestellt werden kann.
4.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer rügt, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht auf die Unfallakten abgestellt habe, da es unklar sei, ob aufgrund des Vorliegens des Knorpelschadens tatsächlich eine reine Unfallproblematik vorliege (Urk. 1 S. 5).
Für
die invalidenversicherungsrechtliche Beurteilung
ist es
irrelevant, woher die Beschwerden, die zur eingeschränkten Arbeitsfähigkeit führen, herrühren, näm
lich ob Unfall oder Krankheit (vgl. auch
Art.
4 IVG und E. 1.1).
Beim festgestellten Knorpelschaden am medialen
Femurkondylus
ICRS III ist
es zwar
tatsächlich zweifelhaft, ob dieser mit überwiegender Wahrscheinlich dem Unfallereignis am 2. August 2012 zugeordnet werden kann (vgl. E. 3.2).
So ist ge
mäss
Dr.
D._
(Urk. 8/20/30) anzunehmen, dass dieser
Knorpel
schaden
schon vorher bestanden hat. Und dennoch
war
der Beschwerdeführer
voll
schichtig
arbeitsfähig,
sogar
bis Februar 201
3.
Dieser degenerative
K
nor
pel
schaden
wurde
auf Anweisung von
Dr.
D._
(Urk. 8/20/15-19) noch
mals
genauer untersucht. Die MRI-Untersuchung vom 4. September
2014 (Urk. 8/35
/21) konnte eine intraartikuläre weiterführende Pathologie aus
schliessen.
Entsprechend ist davon auszugehen, dass die restlichen
Kniebe
schwerden
von Rehabilitationsdefiziten herrührten und im Zusammenhang mit der bis zu 3 Jahre dauernden Resorption der Interferenzschraube standen. Hin
sichtlich der vom Beschwerdeführer geklagten subjektiven Schmerzen ist an
zu
merken, dass er nur sehr selten Schmerzmedikamente einnimmt (Urk. 8/20/15-19
S. 3
, Urk. 8/35/23-24
und Urk. 8/36 S. 4), was gegen einen ausgeprägten
Lei
dens
druck
spricht. Ungeachtet
dessen
, ob das Unfallereignis vom 2. August 2012
oder eine degenerative Erkrankung des Kniegelenks als eigentliche Krankheit zur Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führt, kann auf die überzeugenden Ab
klärungen der Unfallversicherung, insbesondere auf die kreisärztliche Beurtei
lung von Dr.
D._
vom 8. Oktober 2014, abgestellt werden.
4.2.2
Im Weiteren verlangt der Beschwerdeführer, e
s
sei überdies eine psychiatrische Abklärung durchzuführen, da eine etwaige Schmer
zverarbeitungsstörung vor
liege
, welche sich zusätzlich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (Urk. 1 S. 6-7).
Die behördliche und richterliche Abklärungspflicht umfasst nicht unbesehen alles, was von einer Partei behauptet wird. Vielmehr bezieht sie sich auf den im Rahmen des streitigen Rechtsverhältnisses (Streitgegenstand) rechtserheblichen Sachverhalt. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es ab
hängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und
Sozialversicherungs
gerichte
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn
hiezu
aufgrund der
Partei
vor
bringen
oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hin
rei
chender Anlass besteht (BGE 110 V 48 E. 4a).
Die blosse Möglichkeit, dass nebst den somatischen Kniebeschwerden auch eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Schmerzverarbeitungsstörung vor
liegt, bildet keinen hinreichenden Anhaltspu
n
kt dafür, dass die
Beschwerdegeg
nerin
(oder das Gericht) weitere Abklär
ungen betreffend psychiatrischen
Ge
sundheitszustand zu tätigen hat. In den Akten findet sich lediglich ein Hinweis von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie FMH, vom 2
4.
Oktober 2013 (Urk. 8/12/6) zuhanden
Dr.
B._
, dass sich der Beschwerdeführer zurzeit einer antidepressiven medikamentösen Behandlung unterziehe. Nicht einmal die behandelnde Hausärztin
Dr.
B._
stellt zumindest eine psychiatrische Verdachtsdiagnose und der Beschwerdeführer befindet sich of
fenbar auch in keiner psychotherapeutischen Behandlung. Entsprechend liegen keine medizinisch begründeten und hinreichenden Anhaltspunkte
für
eine in psychiatrischer Sicht invalidenversicherungsrechtlich relevante
Schmerzproble
matik
vor. Deshalb drängt sich auch keine weitere psychiatrische (oder interdis
ziplinäre) Abklärung auf.
4.2.3
Der Beschwerdeführer macht überdies geltend, sein Gesundheitszustand habe sich aufgrund des Vorliegens eines
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms seit
der kreisärztlichen Untersuchung am
8. Oktober 2014 verschlechtert
(Urk. 1 S. 6).
Wenn der Beschwerdeführer dabei auf den Bericht von
Dr.
B._
vom 2. Juni 2015 (Urk. 8/72) verweist, ist festzu
halten
, dass sie d
iese
Rücken
beschwerden
bloss erwähnt und
keine
Diagnose (oder zumindest
Verdachts
diagnose
) stellt. Bei der Einschätzung von
Dr.
B._
als behandelnde Hausärztin ist
zudem
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen
, wes
halb ihre Aussagen mit Vorbehalt zu würdigen sind
(BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
4.3
Damit steht aufgrund des überzeugenden kreisärztlichen Untersuchungsberich
tes vom 8. Oktober 2014 (Urk. 8/36) fest, dass der Beschwerdeführer ab Februar 2013 bis
8.
Oktober 2014 für jegliche Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig war, ihm aber eine behinderungsangepasste
Tätigkeit
(
wechselbelastend, ohne häufi
ges Bewegen, Heben und Tragen von Lasten über 20 Kilogramm, ohne Klettern und Steigen auf Leitern und Gerüste, ohne häufiges Hocken und Hinknien
) seit
her zu 100 % zumutbar ist.
5.
5.1
D
ie von der Beschwerdegegnerin bei der Invaliditätsbemessung verwendeten Bemessungsfaktoren wurden weder in tatsächlich
er
noch in rechtlicher
Hinsicht
bean
standet und es besteht angesichts des klar rentenausschliessenden
Inva
liditäts
grades
- auch bei Berücksichtigung eines Leidensabzuges von 10 % (vgl.
Be
schwerdeantwort
, Urk. 7) - auch kein Anlass für eine nähere Prüfung für den Zeitraum ab Februar 2015 von Amtes wegen. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.2
Anzumerken bleibt, dass
der Beschwerdeführer
von der beruflichen Massnahme der Arbeitsvermittlung Gebrauch machen kann, um wieder im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen (vgl. auch Hinweis der Beschwerdegegnerin, Urk. 2 S. 5).
6.
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Stre
it
wert festzusetzen sind (Art. 69 Abs
.
1bis IVG), sind auf Fr. 600
.
—
anzu
setzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.