Decision ID: 24ecf38d-8356-5040-af72-5887429fee6f
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin reiste am 8. November 2016 in die Schweiz ein
und suchte gleichentags um Asyl nach. Am 17. November 2016 fand die
Befragung zur Person (BzP) im Beisein einer Rechtsvertretung und am
14. Mai 2019 die Anhörung zu den Asylgründen statt. Im Wesentlichen
machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei sri-lankische Staatsange-
hörige, tamilischer Ethnie und stamme aus B._, Nordprovinz. Ihre
Eltern und drei Schwestern lebten nach wie vor dort. Sie habe zwei Brüder,
welche Sri Lanka vor Langem verlassen hätten. Einer habe in der Schweiz
Asyl erhalten (N [...]), der andere sei in C._. Sie habe das A-Level
absolviert und von 20(...) bis Ende September 20(...) an einem staatlichen
(...) in D._ als (...) gearbeitet. Eine ihrer Schwestern sei (...) und
ihr Vater betreibe (...).
Während des Bürgerkrieges habe ihre Familie Probleme mit dem Militär
gehabt. Soldaten hätten die Familie bedroht. Ihre Schwester, die als (...)
arbeite, habe im Vanni-Gebiet ein Training der Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) absolvieren müssen und ihre Brüder hätten für (...) gearbei-
tet. Sie selbst habe im Jahr 2007 ein paar Monate Essen für Angehörige
der LTTE gesammelt. Im (...) 2007 sei eine (...) auf ihr Haus geworfen
worden. Ab Ende 2007 habe sich die Familie in E._ aufgehalten,
wo sie keine Probleme mehr gehabt habe. Im Jahr 2011 sei sie mit ihrem
Vater in ihr Heimatdorf zurückgekehrt. Ein paar Tage später hätten sich un-
bekannte Leute nach (...) auf ihrem Grundstück erkundigt. Nachdem sie
geantwortet hätten, sie wüssten nichts darüber, seien diese Personen ge-
gangen. Danach sei diesbezüglich nichts mehr vorgefallen. Im Rahmen der
Parlamentswahlen im August 2015 habe sie die Tamil National Alliance
(TNA) unterstützt. Parteimitglied sei sie nicht gewesen. Sie habe an drei
Versammlungen und am (...) 2016 an einer Demonstration teilgenommen
beziehungsweise zusätzlich habe sie zwei Politiker der TNA unterstützt.
Am (...) 2016 sei sie von zwei unbekannten Personen auf einem Motorrad
verfolgt worden. Als sie zu Hause angekommen sei, seien diese weiterge-
fahren. Am nächsten Tag seien fünf Personen auf drei Motorrädern vorbei-
gekommen und hätten sich nach ihr erkundigt. Ihre Mutter habe gesagt, sie
sei nicht zu Hause. Sie habe deshalb nicht mehr zu Hause übernachtet.
Am (...) 2016 hätten zwei Mitglieder des Criminal Investigation Depart-
ments (CID) respektive jemand, der mit dem Militär zusammenarbeite, bei-
spielsweise die People's Eelam Democratic Party (EPDP), ihrer Schwester
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ein an sie – die Beschwerdeführerin – gerichtetes Schreiben auf Singhale-
sisch übergeben. Es habe sich um eine Vorladung der Polizei betreffend
eine Befragung am (...) 2016 gehandelt. Der Grund für die Befragung so-
wie die zuständige Polizeistation seien nicht vermerkt gewesen. Da sie der
Vorladung keine Folge geleistet habe, hätten ab dem (...) 2016 täglich un-
bekannte Personen nach ihr gefragt. Vermutlich hätten die Probleme der
Familie im Jahr 2007 sowie ihr Engagement für die TNA zu ihrer Verfolgung
im Jahr 2016 geführt. Sie habe Sri Lanka (...) 2016 mit einem gefälschten
Pass verlassen. Auch nach ihrer Ausreise sei sie gesucht worden.
Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin eine Kopie ihrer Identi-
tätskarte sowie die Geburtsurkunde im Original ein.
B.
Mit Verfügung vom 7. April 2020 stellte die Vorinstanz fest, die Beschwer-
deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zustän-
digen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
C.
Mit Eingabe vom 11. Mai 2020 reichte die Beschwerdeführerin gegen die-
sen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Sie bean-
tragt, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und ihr
Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und als Folge davon
sei ihr die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. Es sei ihr die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und insbesondere sei auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Die Rechtsvertreterin sei
als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen.
D.
Mit Schreiben vom 13. Mai 2020 bestätigte das Gericht den Eingang der
Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
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gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdefüh-
rerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
6.
6.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zunächst zum
Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit
dem politischen Engagement seien unglaubhaft. Sie habe hierzu wider-
sprüchliche, unlogische sowie unsubstantiierte Aussagen gemacht. Den
Ablauf der Probleme habe sie widersprüchlich geschildert. Sie habe einer-
seits ausgeführt, zwei Beamte des CID hätten ihrer Schwester die Vorla-
dung gegeben. Andererseits habe sie gesagt, ihre Schwester vermute, Mit-
glieder der EPDP, die mit dem Militär zusammenarbeiteten, hätten das Do-
kument überreicht. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Polizei die
Vorladung ihrer Schwester und nicht ihr persönlich gegeben habe und we-
der der Grund sowie der Ort der Befragung darin festgehalten gewesen
seien. Weiter sei nicht erklärlich, weshalb sie Sri Lanka verlassen habe,
ohne dem Grund für die Vorladung sowie die Suche von unbekannten Per-
sonen nachgegangen zu sein. Sodann sei fraglich, weshalb sich die Be-
hörden oder Dritte im Herbst 2016 für die politischen Aktivitäten der Be-
schwerdeführerin im Jahr 2015 interessierten sollten, zumal die TNA eine
legale Partei sei und sie als (...) bei einem staatlichen (...) gearbeitet habe.
Die einmalige Teilnahme an einer protamilischen Kundgebung im Herbst
2016 sei keine Erklärung für ein behördliches Interesse. Der Hinweis, die-
ses sei auf die Ereignisse im Jahr 2007 zurückzuführen, sei ebenfalls nicht
stichhaltig.
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6.2 Weiter hält die Vorinstanz fest, die Vorkommnisse zwischen 2007 und
2011 sowie die Essensabgabe an Angehörige der LTTE im Jahr 2007 seien
nicht geeignet, eine asylrelevante Verfolgung zu begründen. Die Behelli-
gungen durch die Armee sowie der Angriff mit der (...) seien vor dem Hin-
tergrund des Bürgerkrieges zu betrachten. Die Lage in Sri Lanka habe sich
seit dessen Ende mit der Niederlage der LTTE im Jahr 2009 verändert. Die
Sicherheits- und Menschenrechtslage habe sich verbessert. Behelligun-
gen, wie sie die Beschwerdeführerin und ihre Familie während des Bürger-
krieges erlebt hätten, gäbe es zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr. Zudem
würden Übergriffe von Drittpersonen von den sri-lankischen Behörden ge-
ahndet. Bei allfälligen künftigen Schwierigkeiten mit Drittpersonen könne
sich die Beschwerdeführerin an die sri-lankischen Behörden wenden. Die
Essensabgabe für die Mitglieder der LTTE durch tamilische Personen sei
im Jahr 2007 üblich gewesen. Dieses Engagement erzeuge kein politi-
sches Profil, welches das Interesse der sri-lankischen Behörden erwecke
und zu asylrelevanten Massnahmen führe, zumal die Behörden bis zur
Ausreise im Jahr 2016 ausreichend Gelegenheit gehabt hätten, die Be-
schwerdeführerin deshalb zu konfrontieren. Hinsichtlich der Nachfrage im
Jahr 2011 betreffend ein (...) sei nach entsprechender Verneinung durch
die Beschwerdeführerin nichts mehr vorgefallen. Diese Schlussfolgerung
werde auch dadurch gestützt, dass das Asylgesuch der Schwester aus
dem Ausland (N [...]) mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-
1849/2011 vom 30. März 2011 rechtskräftig entschieden und die familiären
Probleme von 2007 bis Dezember 2010 für nicht asylrelevant befunden
wurden. Die Schwester arbeite denn auch zum heutigen Zeitpunkt als (...)
beim Staat. An der Einschätzung, die Ereignisse zwischen 2007 und 2011
seien nicht asylrelevant, änderten die Asylgesuche der beiden Geschwister
(N [...] und N [...]) nichts. Es sei zwar nicht auszuschliessen, dass die Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr auf ihre Geschwister angesprochen
werde. Entsprechende Nachfragen seitens der Behörden seien aber üblich
und mangels Intensität nicht als asylrelevante Nachteile einzustufen.
6.3 Darüber hinaus bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, die Be-
schwerdeführerin sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt. Es gelte zu prüfen, ob sie im Falle der Rückkehr
begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von
Art. 3 AsylG habe. Diese Prüfung sei gemäss dem Referenzurteil des Bun-
desverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 anhand von Risi-
kofaktoren vorzunehmen. Die Beschwerdeführerin habe nicht glaubhaft
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gemacht, vor der Ausreise asylrelevanten Massnahmen ausgesetzt gewe-
sen zu sein. Vielmehr sei sie bis (...) 2016 in Sri Lanka wohnhaft gewesen,
mithin seit Kriegsende noch rund sieben Jahre. Allfällige, im Zeitpunkt der
Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinte-
resse der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Aufgrund der Ak-
tenlage sei nicht ersichtlich, weshalb sie bei einer Rückkehr in Sri Lanka in
asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Diese Feststellung gelte auch
unter Berücksichtigung der drei Geschwister, welche bei den Schweizer
Behörden ein Asylgesuch eingereicht gehabt hätten. Rückkehrer, die illegal
ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdokumente verfügten, im
Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behördlich gesucht
würden, würden am Flughafen zu ihrem Hintergrund befragt. Diese Befra-
gung und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Aus-
reise stellten keine asylrelevante Verfolgungsmassnahme dar. Regelmäs-
sig würden Rückkehrer auch am Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfas-
sung der Identität, bis hin zur Überwachung der Aktivitäten der Person be-
fragt. Diese Kontrollmassnahmen nähmen grundsätzlich kein asylrelevan-
tes Ausmass an.
6.4 Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit
dem Sieg von Gotabaya Rajapakse könne diese Einschätzung nicht um-
stossen. Dieser sei der Bruder von Mahinda Rajapaksa, welcher von 2005
bis 2015 Präsident von Sri Lanka gewesen sei. Unter ihm sei Gotabaya
Rajapaksa Sekretär im Verteidigungsministerium und faktisch für die
Kriegsführung im Bürgerkrieg gegen die LTTE verantwortlich gewesen. Go-
tabaya Rajapaksa würden Kriegsverbrechen vorgeworfen. Fünf Tage nach
der Wahl zum Präsidenten habe dieser seinen Bruder Mahinda Rajapaksa
interimistisch zum Premierminister ernannt. Am 19. August 2019 sei bereits
General Shavendra Silva, welchem ebenfalls Kriegsverbrechen angelastet
würden, zum Armeechef ernannt worden. Mit der Wahl von Gotabaya Raja-
paksa zum Präsidenten sowie ersten Anzeichen zunehmender Überwa-
chungsaktivitäten gingen Befürchtungen von mehr Repression und Über-
wachung von Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Oppositionellen,
Regierungskritikern und Minderheiten einher. Dennoch bestehe aktuell
kein Anlass zur Annahme, ganze Volksgruppen seien kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt. Es gebe keine Berichte über asylrelevante Ver-
folgungsmassnahmen gegenüber den genannten Personengruppen nach
den Wahlen. Tamilische Medien meldeten sodann keine grossen Verände-
rungen der Situation im Norden und Osten Sri Lankas. Voraussetzung für
die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswah-
len vom 16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden
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Person zu diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Ein solcher sei vor-
liegend nicht gegeben.
7.
7.1 Die Beschwerdeführerin rügt in der Rechtsmitteleingabe, die Vor-
instanz habe zu Unrecht ihre Vorbringen als unglaubhaft beurteilt und das
Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft verneint, mithin Art. 7 AsylG sowie
Art. 3 AsylG verletzt.
7.2 Die Beschwerdeführerin weist in der Rechtsmitteleingabe darauf hin,
dass die angefochtene Verfügung nicht von derselben Person getroffen
worden sei, welche die Anhörung durchgeführt habe. Es ist durchaus wün-
schenswert, dass die Anhörung von derselben Person durchgeführt wird,
die über das Asylgesuch (mit-)befindet, zumal der persönliche Eindruck ei-
ner Person für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Asylvorbringen von
Belang sein kann. Es existiert jedoch keine gesetzliche Verpflichtung der
Vorinstanz, dies immer so zu handhaben; eine solche Verpflichtung ergibt
sich auch aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nicht (vgl. Urteil des
BVGer E-281/2020 vom 26. Februar 2020 m.H.). Überdies ist nicht ersicht-
lich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht substantiiert darge-
legt, inwiefern ihr daraus ein konkreter Nachteil entstanden sein soll.
7.3 Es ist nicht auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin in Anbe-
tracht ihres familiären Hintergrunds beim Erhalt einer polizeilichen Vorla-
dung einen bedrohlichen Hintergrund vermutet. Die vorinstanzlichen Erwä-
gungen in Bezug auf das Glaubhaftmachen der Ausreisegründe sind aller-
dings nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz hat ausführlich dargelegt, aus
welchen Gründen die Vorbringen widersprüchlich, unsubstantiiert, stereo-
typ sowie nicht nachvollziehbar sind. Mit dem Argument, entgegen der
vorinstanzlichen Ansicht habe sie sich nicht widersprüchlich zu ihren Tätig-
keiten für die TNA geäussert, sondern ihre Angaben vielmehr ergänzt, ver-
mag die Beschwerdeführerin die unterschiedlichen Darlegungen nicht zu
erklären. Auf die ausdrückliche Frage anlässlich der BzP, was sie für Tätig-
keiten für die TNA gemacht habe, erwähnte sie nichts von der Unterstüt-
zung zweier Politiker (vgl. SEM-Akte A9/13 Ziff. 7.01 S. 8). Zudem setzt sie
sich nicht differenziert mit der vorinstanzlichen Schlussfolgerung auseinan-
der, die Schilderungen zu den Aktivitäten für die TNA seien nicht detailliert
gewesen, sondern wiederholt lediglich in oberflächlicher Weise, sie habe
Flugblätter verteilt, Plakate aufgehängt, Propaganda betrieben und an Ver-
anstaltungen teilgenommen. Die abweichenden Äusserungen zu den Per-
sonen, welche die Vorladung ihrer Schwester übergeben haben wollen,
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kann sie in der Beschwerde mit dem Vorbringen, das CID sowie die EPDP
arbeiteten zusammen, nicht rechtfertigen. Die Aussagen an der BzP und
der Anhörung, bei besagten Personen habe es sich um Angehörige des
CID respektive vermutungsweise um Mitglieder der EPDP gehandelt, ste-
hen in klarem Widerspruch zueinander (vgl. a.a.O. Ziff. 7.01 sowie A23/17
F106). Auch die von der Vorinstanz angeführten Zweifel betreffend die Vor-
ladung und deren Erhalt räumt die Beschwerdeführerin mit der blossen
Aussage, sie wisse nicht, weshalb das Dokument auf Singhalesisch ver-
fasst gewesen sei und keine Informationen zur Polizeistation enthalten
habe, nicht aus. Der Beschwerdeführerin gelingt es mit ihren Ausführungen
in der Beschwerde nicht, den vorinstanzlichen Erwägungen betreffend die
Glaubhaftigkeit etwas Stichhaltiges entgegenzuhalten. Um Wiederholun-
gen zu vermeiden, kann weitergehend auf die zutreffenden Erwägungen in
der angefochtenen Verfügung verwiesen werden.
7.4 In Bezug auf Art. 3 AsylG ist vor dem Hintergrund der vorstehenden
Darlegungen nicht von einem Risikoprofil der Beschwerdeführerin im Sinne
des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 auszugehen. Betreffend die Entwicklungen der allgemeinen
politischen Lage in Sri Lanka ist festzustellen, dass nicht erkennbar ist, wie
sich diese zum heutigen Zeitpunkt auf die Beschwerdeführerin auswirken
könnten. Diesbezüglich kann wiederum, um Wiederholungen zu vermei-
den, auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden.
An dieser Einschätzung ändert die erfolgte Entführung und Verhaftung ei-
ner sri-lankischen Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Colombo
nichts, da diesbezüglich kein individueller Bezug zur Beschwerdeführerin
ersichtlich ist. Gemäss Auskunft der Schweizerischen Botschaft sind in die-
sem Zusammenhang keine Informationen an die sri-lankischen Behörden
gelangt, so dass keine Anhaltspunkte auf eine erhöhte Gefährdungssitua-
tion vorliegen.
7.5 Zusammenfassend ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, eine
Bundesrechtsverletzung durch die Vorinstanz darzutun. Die Vorinstanz hat
die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und das Asylgesuch der Be-
schwerdeführerin abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
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Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwer-
deführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung
nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran-
kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine
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Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Sri Lanka
ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020
E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise
darauf, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen so genannten "Background Check" (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
sie persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts
zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
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vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu
auch vorstehend E. 9.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom
15. April 2020 E. 9.3).
9.4.2 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Die Beschwerdeführerin stammt
aus der Nordprovinz, wohin der Vollzug gemäss vorstehender Rechtspre-
chung grundsätzlich zumutbar ist. Mit ihren Eltern und Schwestern verfügt
sie an ihrem Herkunftsort B._ über ein bestehendes familiäres Be-
ziehungsnetz (vgl. SEM-Akte A23/17 F12 sowie A9/13 Ziff. 3.02). Sodann
hat sie das A-Level abgeschlossen und arbeitete vor der Ausreise mehrere
Jahre als (...) (vgl. SEM-Akte A23/17 F29 ff. sowie A9/13 Ziff. 1.17.04 f.),
mithin ist davon auszugehen, dass sie sich wirtschaftlich wieder einzuglie-
dern vermag. Gesundheitliche Probleme sind keine aktenkundig (vgl.
SEM-Akte A9/13 Ziff. 8.02). Soweit sie in unsubstantiierter Weise geltend
macht, angesichts der Covid-19-Pandemie sei von einer medizinischen
Notlage auszugehen, ist festzustellen, dass die lediglich theoretische Mög-
lichkeit, sich mit diesem Virus zu infizieren, ohne den Verlauf der Krankheit
absehen zu können, offensichtlich nicht geeignet ist, eine solche Notlage
zu begründen, zumal in Sri Lanka medizinische Versorgung zugänglich ist.
Es ist somit nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka in eine existentielle Notlage geraten wird. Der
Vollzug der Wegweisung ist zumutbar.
9.5 Ferner obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist auch als möglich zu be-
zeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Schliesslich steht auch die Covid-19-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein
temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa
der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl.
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-
sion [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e sowie das Urteil des BVGer
D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
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9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und unentgeltlichen Ver-
beiständung gemäss aArt. 110a Abs. 1 AsylG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten ha-
ben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht ge-
geben, weshalb die Gesuche abzuweisen sind.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die
Kosten des vorliegenden Verfahrens zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), die
auf Fr. 750.– festzusetzen sind (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
12.
Mit dem vorliegenden Urteil sind die Anträge auf Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses sowie Feststellung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde gegenstandslos geworden.
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E-2449/2020
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