Decision ID: 391336a5-9810-4cf3-8046-b310a524dd56
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Unterkategorie A1 seit dem 9. September 2015
und denjenigen der Kategorie B seit dem 5. November 2015. Im Informationssystem
über die Verkehrszulassung (IVZ, früher: Administrativmassnahmen-Register) ist er
nicht verzeichnet. Nach dem Besuch eines Etablissements kollidierte X am
18. November 2018 um 02.16 Uhr beim Ausparkieren mit der linken Heckpartie seines
Personenwagens mit der Hausfassade der betreffenden Liegenschaft.
Auskunftspersonen berichteten, dass X anschliessend vorwärtsgefahren und dabei mit
der rechten Frontpartie gegen die linke, hintere Fahrzeugseite eines korrekt
abgestellten Personenwagens geprallt sei. Ohne sich um den angerichteten Schaden
zu kümmern und ohne Licht, habe er den Platz mit seinem Personenwagen verlassen.
Ebenfalls erklärten Auskunftspersonen, dass X bereits beim Besuch des
Etablissements angetrunken gewesen sei und geschwankt habe. Zudem habe er an
der Bar noch ein Bier getrunken.
Am Samstag, 5. Januar 2019, stellte das Grenzwachtkorps bei der Einreise von X in die
Schweiz fest, dass dieser zwei verschweisste Beutel mit halluzinogenen Pilzen von
insgesamt 40 g mit sich führte.
Mit Strafbefehl vom 9. Mai 2019 wurde X der mehrfachen einfachen Verletzung der
Verkehrsregeln, der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
(Motorfahrzeugführer) und des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall schuldig
gesprochen und im Zusatz zum Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten vom
19. Februar 2019 mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 100.–, bedingt
aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von Fr. 1'600.–
verurteilt.
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B.- Mit Schreiben vom 12. April 2019 teilte das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt
des Kantons St. Gallen X mit, dass angesichts dieser zwei Sachverhalte Zweifel an
seiner Fahreignung bestehen würden. Deshalb sei die Durchführung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital
St. Gallen (IRM) beabsichtigt. Mit Schreiben vom 4. Juni 2019 nahm X dazu Stellung.
Mit Verfügung vom 6. Juni 2019 hielt das Strassenverkehrsamt an der Durchführung
der verkehrsmedizinischen Untersuchung fest und ordnete diese an.
C.- Dagegen erhob X mit Eingabe vom 25. Juni 2019 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Er beantragte, die
Verfügung vom 6. Juni 2019 sei aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 1), eventualiter sei auf eine verkehrsmedizinische
Untersuchung zu verzichten (Ziff. 2), subeventualiter sei maximal eine
verkehrsmedizinische Begutachtung bei einem Gutachter der Stufe 3 anzuordnen
(Ziff. 3); unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Auf seine Ausführungen zur

Begründung seiner Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 11. Juli 2019 auf eine Vernehmlassung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 25. Juni 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Der Rekurrent macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
geltend, weil die Vorinstanz nicht auf seine Vorbringen in der Stellungnahme vom
4. Juni 2019 eingegangen sei und nicht begründet habe, weshalb sie trotzdem an der
Untersuchung beim IRM festhalte.
b) Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 der Bundesverfassung
(SR 101, abgekürzt: BV) leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die
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Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133
III 439 E. 33, 133 I 270 E. 31, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Als
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die
Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder von der Verfügung in ihrer
Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt und ihren
Entscheid oder ihre Verfügung vor diesem Hintergrund begründet (vgl. Steinmann, in:
Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung, St.
Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N 49). Der von einem Entscheid oder einer
Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er den
Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III
439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, N 1071). Dies ist nur möglich, wenn sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids
oder der Verfügung ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz
die Überlegungen genannt werden, von denen sich die die Behörde leiten liess und auf
welche sich ihr Entscheid oder ihre Verfügung stützt. Allerdings bedeutet dies nicht,
dass sich die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid oder die Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I
270 E. 3.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1071). Umfang und Dichte der
Begründung richten sich generell nach den Umständen (Steinmann, a.a.O., Art. 29
N 49). Ist die Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein
Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der Behörden
– aufgrund von Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von
in Betracht fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten
(BGE 112 Ia 110 E. 2b, 104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., Art. 29 N 49). Die
Begründungspflicht, welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von
Art. 29 Abs. 2 BV fliesst, hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24
Abs. 1 lit. a VRP ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung
unter anderem die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen VerwGE B
2009/211 vom 18. März 2010 E. 2.1, im Internet abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
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Der Rekurrent machte in der Stellungnahme vom 4. Juni 2019 weitere Angaben zur
Einfuhr und zum Besitz von halluzinogenen Pilzen sowie zum Konsum von Drogen. Die
Vorinstanz ging auf die einzelnen Einwendungen nicht ein, sondern führte allgemein
aus, dass sie die Stellungnahme zur Kenntnis genommen habe, dem Antrag aber nicht
entsprochen werden könne und aufgrund der beiden vorliegenden Sachverhalte an
einer verkehrsmedizinischen Untersuchung festgehalten werde. Damit fehlt jedoch
zumindest eine kurze Begründung, weshalb trotz der Einwendungen des Rekurrenten
an der vorgesehenen verkehrsmedizinischen Untersuchung festgehalten werde.
Dadurch verletzte die Vorinstanz den verfassungsmässigen Anspruch des Rekurrenten
auf das rechtliche Gehör.
c) Die Gewährung des rechtlichen Gehörs ist formeller Natur und die Verletzung dieses
Grundsatzes hat in der Regel die Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur Folge
(Kneubühler, Gehörsverletzung und Heilung, in: ZBl 99/1998 S. 101; BGE 121 I 232
E. 2a mit Hinweisen; GVP 1988 Nr. 37). Eine Heilung dieses Verfahrensmangels kann
nur in Ausnahmefällen vorgenommen werden. Wesentliche Kriterien, die gegen eine
Heilung sprechen, sind unter anderem dann gegeben, wenn die Gehörsverletzung
schwer wiegt, wenn sie in einem Verfahren erfolgt, welches einen empfindlichen Eingriff
in eine Grundrechtsposition der betroffenen Person bewirkt, und wenn bei der
Vorinstanz eine Tendenz zur regelmässigen Gehörsverletzung besteht (Kneubühler,
a.a.O., S. 116). Das Bundesgericht lässt in Ausnahmefällen die Heilung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör im Rechtsmittelverfahren zu, um einen prozessualen Leerlauf und
damit verbunden eine zeitliche Verzögerung zu vermeiden (BGE 137 I 195 E. 2.3.2).
Vorausgesetzt wird, dass der betroffenen Partei daraus kein Nachteil erwächst, das
heisst, dass sie ihre Rechte im Rechtsmittelverfahren voll wahrnehmen und die zweite
Instanz alle Tat- und Rechtsfragen frei nachprüfen kann (Häfelin/Müller/Uhlmann,
a.a.O., N 1175 ff.).
Die Voraussetzungen für eine Heilung des Mangels im Rekursverfahren sind erfüllt. Die
Gehörsverletzung durch die Vorinstanz wiegt nicht allzu schwer. Die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung stellt keinen empfindlichen Eingriff in eine
Grundrechtsposition des Betroffenen dar. Das Gericht verfügt über volle
Überprüfungsbefugnis (Art. 46 Abs. 1 VRP). Eine Rückweisung zu neuer Verfügung an
die Vorinstanz erwiese sich aus verfahrensökonomischen Gründen deshalb nicht als
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zweckmässig. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz wird jedoch
bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen sein.
3.- In materieller Hinsicht ist vorliegend strittig, ob die Vorinstanz zu Recht eine
verkehrsmedizinische Untersuchung durch einen Arzt der Stufe 4 (vorliegend beim IRM)
anordnete.
a) Ein Fahrzeuglenker muss über Fahreignung und Fahrkompetenz verfügen (Art. 14
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Über
Fahrkompetenz verfügt, wer die Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der Kategorie, für
die der Ausweis gilt, sicher führen kann (Art. 14 Abs. 3 SVG). Unter Fahreignung
werden die körperlichen und geistigen Voraussetzungen des Individuums umschrieben,
um ein Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können (Art. 14 Abs. 2 lit. b SVG).
Die Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1).
Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Person, so wird diese einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen (Art. 15d Abs. 1 SVG). Zweifel an der
Fahreignung bestehen namentlich dann, wenn einer der Fälle gemäss Art. 15d Abs. 1
lit. a bis e SVG vorliegt (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_13/2017 vom 19. Mai
2017 E. 3.2). Diese Aufzählung ist indessen nicht abschliessend. Die zuständige
Behörde hat die erforderlichen Abklärungen im Hinblick auf einen allfälligen
Sicherungsentzug des Führerausweises ungeachtet der Beispiele in Art. 15d Abs. 1
lit. a bis e SVG zu treffen, wenn begründete Anzeichen vorliegen, dass bei einer Person
die Fahreignung fehlen könnte. Es ist weder erforderlich, dass einer der
Abklärungsgründe nach Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt, noch braucht der
Beweis eines Ausschlussgrundes vorzuliegen. Der Anlass für eine Abklärung der
Fahreignung kann sehr vielfältig sein, wobei die anordnende Behörde einen gewissen
Ermessensspielraum geniesst (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2015, Art. 15d N 6). Eine verkehrsmedizinische Abklärung darf aber
stets nur angeordnet werden, wenn konkrete Anhaltspunkte ernsthafte Zweifel an der
Fahreignung der betroffenen Person wecken (statt vieler BGer 1C_434/2016 vom
1. Februar 2017 E. 2.1).
Nach Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG bestehen Zweifel an der Fahreignung, wenn eine
Person in angetrunkenem Zustand mit einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von
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1,6 Gewichtspromille oder mehr oder mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg
oder mehr pro Liter Atemluft ein Fahrzeug lenkt. Nach Art. 15d Abs. 1 lit. b SVG
bestehen zudem Zweifel an der Fahreignung, wenn eine Person unter dem Einfluss von
Betäubungsmitteln ein Fahrzeug lenkt oder Betäubungsmittel, die die Fahrfähigkeit
stark beeinträchtigen oder ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufweisen, mitführt.
b) Die Vorinstanz begründete die Anordnung der verkehrsmedizinischen Untersuchung
in der angefochtenen Verfügung damit, dass der Rekurrent, nachdem es zu einer
Kollision gekommen war, die Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit vereitelt
habe sowie in einem anderen Fall bei ihm im Fahrzeug Betäubungsmittel (40 g
Psilocybin-Pilze) sichergestellt worden seien.
Der Rekurrent macht demgegenüber geltend, es sei offensichtlich, dass er kein
Drogenproblem habe. Er habe im Alter von ca. 18 Jahren erstmals und letztmals
Betäubungsmittel in Amsterdam in Form von Drogenpilzen konsumiert. Auch die Atem-
Alkoholmessung vom 5. Januar 2019 habe einen Wert von 0,00 mg/l ergeben und auf
einen Drogenschnelltest sei von Seiten der Polizei verzichtet worden. Es stehe somit
fest, dass die sichergestellten Drogen in keinem Zusammenhang mit dem Verkehr bzw.
seiner Fahrfähigkeit gestanden hätten. Zudem sei einzig aufgrund der Aussage einer
Auskunftsperson nicht erwiesen, dass er am Abend des 18. November 2018 betrunken
gewesen sei.
c) Das Mitführen von 40 g Psilocybin-Pilzen erfüllt den Tatbestand von Art. 15d Abs. 1
lit. b nicht, da es sich bei diesen nicht um Betäubungsmittel handelt, die ein hohes
Abhängigkeitspotenzial aufweisen bzw. die Fahrfähigkeit stark beeinträchtigen. Dies
wäre nur beim Mitführen von harten Drogen wie Kokain oder Heroin der Fall (vgl. BSK
SVG-Bickel, Basel 2014, Art. 15d N 22). Dieser Punkt alleine rechtfertigt demzufolge
noch keine verkehrsmedizinische Untersuchung.
Ob der Rekurrent am 18. November 2018 in angetrunkenem Zustand mit einem BAK
von 1,6 Gewichtspromille oder mehr oder mit einer Atemalkoholkonzentration von
0,8 mg oder mehr pro Liter Atemluft ein Fahrzeug lenkte, lässt sich nicht nachweisen.
Mit der Aussage der Serviceangestellten, die den Rekurrenten in der besagten Nacht
bediente, liegen jedoch konkrete Anhaltspunkte vor, dass dieser stark betrunken war
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(vgl. act. 9/15-18). Dieser Verdacht wird weiter dadurch bestätigt, dass der Rekurrent
beim Ausparkieren zunächst mit der Hausfassade und anschliessend mit einem korrekt
parkierten Fahrzeug kollidierte. Hierbei handelt es sich um ein gewöhnliches
Fahrmanöver, dass von einer fahrfähigen Person problemlos bewältigt werden kann.
Dadurch, dass er im Anschluss an die beiden Kollisionen, ohne sich um die
verursachten Schäden zu kümmern, die Örtlichkeit unerlaubterweise verliess und
zusätzlich nach der ersten Kollision das Abblendlicht ausschaltete (vgl. act. 9/16 und
9/20), vereitelte er auch die Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit. Somit
hat er es selber zu verantworten, dass keine BAK- bzw.
Atemalkoholkonzentrationswerte bestimmt werden konnten. Es wäre stossend, wenn
eine Person, die sich in gesetzeswidriger Weise einer zu erwartenden
Atemalkoholprobe entzieht (vgl. Art. 55 SVG), privilegiert behandelt würde, da ihr die in
Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG festgehaltenen BAK- bzw. Atemalkoholkonzentrationswerte
nicht nachgewiesen werden können. Aufgrund des Verhaltens des Rekurrenten ist nicht
erstellt, ob der Tatbestand von Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG erfüllt ist. Die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung ist jedoch auch unter der Generalklausel von
Art. 15d Abs. 1 SVG möglich. Diese Massnahme dient auch als Mittel zur
Sachverhaltsfeststellung, womit es sich bei dieser Bestimmung auch um eine
Ausprägung der Untersuchungsmaxime handelt (BSK SVG-Bickel, a.a.O., Art. 15d N 7).
Zusammenfassend liegen aufgrund der Aussagen der Auskunftspersonen und des
Verhaltens des Rekurrenten konkrete Anhaltspunkte vor, dass beim Rekurrenten im
Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum Zweifel an der Fahreignung bestehen.
Erschwerend hinzu kommt, dass dem Rekurrenten auch bereits der Besitz und das
Mitführen von Betäubungsmitteln nachgewiesen wurde, weshalb die Frage einer
allfälligen Drogenproblematik ebenfalls abzuklären ist.
d) Dem Subeventualantrag des Rekurrenten, maximal eine verkehrsmedizinische
Begutachtung bei einem Gutachter der Stufe 3 anzuordnen, kann nicht gefolgt werden.
Vorliegend ist kein Sachverhalt gegeben, der sich unter Art. 5a Abs. 1 lit. a bis c der
Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr
(SR 741.51, abgekürzt: VZV; verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchungen von über
75-jährigen Inhabern eines Führerausweises; erstmalige Untersuchung von Bewerbern
um einen Lernfahr- oder Führerausweis bzw. verkehrsmedizinische
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Kontrolluntersuchungen von Inhabern der Kategorien C oder D oder einer Bewilligung
zum berufsmässigen Personentransport; Untersuchungen von Verkehrsexperten,
Zweituntersuchungen von vorgenannten Personen, wenn das Ergebnis der
Erstuntersuchung keinen eindeutigen Schluss über deren Fahreignung zulässt;
erstmalige Untersuchung von Bewerbern um einen Lernfahr- oder Führerausweis oder
eine Bewilligung zum berufsmässigen Personentransport, an deren medizinischer
Eignung zum Führen von Motorfahrzeugen die kantonale Behörde zweifelt; erstmalige
Untersuchung von über 65-jährigen oder körperbehinderten Bewerbern um einen
Lernfahr- oder Führerausweis oder um eine Bewilligung zum berufsmässigen
Personentransport; verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchungen von
Ausweisinhabern während oder nach schweren körperlichen Beeinträchtigungen durch
Unfallverletzungen oder Krankheiten; verkehrsmedizinische Untersuchungen bei
Zweifel an der Fahreignung welche durch eine kantonale IV-Stelle oder einen Arzt
gemeldet werden) subsumieren lässt und somit eine verkehrsmedizinische
Untersuchung der Stufe 1 bis 3 rechtfertigen würde. Somit muss eine Untersuchung
der Stufe 4 gemäss Art. 5a Abs. 1 lit. d VZV vorgenommen werden.
3.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Zweifel an der Fahreignung des
Rekurrenten berechtigt sind, weshalb die Vorinstanz zu Recht eine
verkehrsmedizinische Untersuchung anordnete. Der Rekurs erweist sich als
unbegründet und ist abzuweisen.
4.- a) Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu
tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der
Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens.
Kosten, die ein Beteiligter durch Trölerei oder anderes ungehöriges Verhalten oder
durch Verletzung wesentlicher Verfahrensvorschriften veranlasst, gehen jedoch zu
seinen Lasten (Art. 95 Abs. 2 VRP). Der Rekurrent dringt mit seinen Begehren nicht
durch. Auf der anderen Seite verletzte die Vorinstanz im Verwaltungsverfahren den
Anspruch des Rekurrenten auf rechtliches Gehör, weshalb die amtlichen Kosten dem
Rekurrenten und dem Staat je zur Hälfte aufzuerlegen sind. Angemessen erscheint eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen und dem
Rekurrenten im Mehrbetrag von Fr. 600.– zurückzuerstatten.
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b) Der Rekurrent liess sich anwaltlich vertreten, ohne dass eine Kostennote eingereicht
wurde. Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt, soweit sie
aufgrund der Sach- oder Rechtslage notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98
Abs. 2 VRP), und den Verfahrensbeteiligten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt
(Art. 98 VRP). Da aber eine Verfügung, die unter Verletzung der Gehörsansprüche
einer Partei ergeht, stets rechtsfehlerhaft ist und deren Anfechtung deshalb
grundsätzlich zu Recht erfolgt (vgl. BGer 1C_564/2013 vom 30. August 2013 E. 2.3), ist
es vorliegend angezeigt, eine Entschädigung auszusprechen. Namentlich ist der
Aufwand zu entschädigen, der mit der Geltendmachung der Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör angefallen ist. Angemessen erscheint eine Entschädigung von
Fr. 600.– zuzüglich Barauslagen von Fr. 24.– (4% von Fr. 600.–) und Mehrwertsteuer
von Fr. 48.05 (7.7% von Fr. 624.–; Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 der Honorarordnung
[sGS 963.75]). Entsprechend hat der Staat (Strassenverkehrsamt) dem Rekurrenten
ausseramtliche Kosten von insgesamt Fr. 672.05 zu entschädigen.