Decision ID: 0c44d97e-29dd-4b5d-9845-30c535d2ed50
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. B. senior hat seinen Wohnsitz in B., Kanton Zürich. Sein Sohn, A. B. junior, wohnt
in M., Kanton St. Gallen. A. B. junior hat drei Kinder, die allesamt im Kanton Zürich
wohnen.
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Im Jahr 2006 erhielt A. B. junior eine Schenkung von seinem Vater. Am 3. Februar 2006
überwies ihm der Vater Fr. 404'662.--. A. B. junior deklarierte in dieser Höhe eine
Schenkung im Wertschriftenverzeichnis für das Jahr 2006. Aus dem entsprechenden
Verzeichnis ergibt sich zudem, dass er am 3. Februar 2006 eine Kassenobligation über
Fr. 45'000.-- mit einer Laufzeit von drei Jahren abgeschlossen hat.
Am 3. Februar 2009 überwies A. B. junior Fr. 45'000.-- an seinen Vater. Am gleichen
Tag liess der Vater je Fr. 15'000.-- den drei Enkelkindern beziehungsweise den Kindern
von A. B. junior zukommen. Dieser gab im Wertschriftenverzeichnis für das Jahr 2009
die Schenkung an seinen Vater an. Mit Verfügung vom 31. März 2010 brachte das
Kantonale Steueramt deshalb gegenüber A. B. senior eine Schenkungssteuer in Höhe
von Fr. 2'000.-- zur Veranlagung. Eine dagegen erhobene Einsprache wurde mit
Entscheid vom 4. August 2010 abgewiesen.
B./ Dagegen liess A. B. senior mit Eingabe vom 28. August 2010 Rekurs erheben mit
dem Antrag, auf die Erhebung einer Schenkungssteuer sei zu verzichten. Die
Verwaltungsrekurskommission entschied am 1. April 2011 über den Rekurs. Sie hiess
das Rechtsmittel gut und hob den Einspracheentscheid vom 4. August 2010 sowie die
zugrunde liegende Veranlagungsverfügung vom 31. März 2010 auf.
C./ Gegen den Rekursentscheid reichte das Kantonale Steueramt mit Eingabe vom
16. Mai 2011 Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein mit dem Antrag, es sei der
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission vom 1. April 2011 aufzuheben und der
Einspracheentscheid vom 4. August 2010 zu bestätigen; unter Kostenfolge.
Die Verwaltungsrekurskommission beantragte mit Eingabe vom 6. Juni 2011
Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdegegner liess mit Eingabe vom 20. Juni
2011 Antrag auf Abweisung der Beschwerde stellen.
Auf die Begründungen der Verfahrensbeteiligten sowie auf die Ausführungen im

angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1. (...).
2. Beschwerdegegenstand bildet die Frage, ob der Betrag von Fr. 45'000.--, den der
Beschwerdegegner am 3. Februar 2009 von seinem Sohn überwiesen erhielt, eine
Schenkung oder bloss eine Darlehensrückzahlung darstellt. Die Vorinstanz ging von
Letzterem aus. Sie erachtete es als erwiesen, dass die Rückzahlung der Fr. 45'000.--
bereits im Jahr 2006 vereinbart worden sei; der Beschwerdegegner und sein Sohn
hätten abgemacht, das Geld während drei Jahren in Obligationen anzulegen und
danach wieder an den Beschwerdeführer zurückzuerstatten. Aufgrund der
Rückerstattungsverpflichtung fehle es an einer Bereicherung. Nach dem
Beschwerdeführer liegt demgegenüber eine Schenkung vor. Vater und Sohn hätten
dies so deklariert.
2.1. Das Darlehen gehört zu den Überlassungsverträgen. Der Darleiher verschafft dem
Borger das Eigentum an einer bestimmten Geldsumme oder an anderen vertretbaren
Sachen. Der Borger ist zur Rückerstattung verpflichtet. Die Rückerstattungspflicht
gehört zwar zum Darlehensbegriff, doch kommt ihr nicht der Charakter einer
Gegenleistung zu. In einem Austauschverhältnis stehen nur die Gebrauchsüberlassung
und der (vereinbarte oder übliche) Zins als Entgelt hierfür. Das unentgeltliche Darlehen
ist somit ein unvollkommen zweiseitiger Vertrag (vgl. zum Ganzen Christ, in:
Schweizerisches Privatrecht, Band VII/2, S. 222 ff.).
Ein Darlehen dient gewöhnlich dazu, dem Borger Liquidität für eine Investition zu
verschaffen. Zweckwesentlich ist, dass der Borger die Darlehensvaluta in irgendeiner
Form zum eigenen Vorteil nutzbar machen kann (Christ, a.a.O., S. 231). Der
Wertgebrauch ist jedoch nur vorübergehend, denn der Borger muss die Valuta
zurückerstatten. Dementsprechend führt ein Darlehen lediglich zu einer
Vermögensumschichtung.
2.2. Im Unterschied zum Darlehen handelt es sich bei der Schenkung nur um einen
einseitig verpflichtenden Vertrag. Sie stellt eine Vermögenszuwendung ohne
(entsprechende) Gegenleistung dar, erfolgt also unentgeltlich. Beim Empfangenden
führt sie zu einer Bereicherung. Zivilrechtlich liegt eine Schenkung nur dann vor, wenn
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die Zuwendung auf einem Schenkungswillen beruht (Cavin, in: Schweizerisches
Privatrecht, Band VII/1, S. 183 ff.).
2.3. Steuerlich zeitigt ein Darlehen nur Folgen, wenn es verzinslich ist. Der Zins stellt
beim Darleiher steuerbares Einkommen dar, während der Borger ihn in Abzug bringen
kann. Auf die Vermögensbesteuerung hat die Darlehensgewährung indes keinen
Einfluss. Der Abfluss von Liquidität wird durch eine Darlehensforderung ausgeglichen;
beim Borger verhält es sich genau umgekehrt.
Anders als ein Darlehen hat eine Schenkung grundsätzlich Steuerfolgen. Obwohl eine
unentgeltliche Zuwendung zu einem Reinvermögenszufluss führt, wird sie aber nicht
mit der allgemeinen Einkommenssteuer erfasst. Sie unterliegt vielmehr der
Schenkungssteuer, welche – als indirekte Steuer – nicht harmonisiert ist. Im Kanton St.
Gallen besteht gemäss § 147 StG eine steuerliche Zugehörigkeit, wenn der Schenker
seinen Wohnsitz hier hat oder im Kanton gelegene Grundstücke oder Rechte daran
übergehen. Steuersubjekt ist gemäss § 148 Abs. 1 StG der Empfänger der Zuwendung.
Im Gegensatz zum Zivilrecht sowie dem Steuerrecht anderer Kantone verlangt das st.
gallische Steuerrecht keinen Schenkungswillen (vgl. BGer vom 20. Oktober 1997, in:
SGE 1997 Nr. 16). Zivil- und Steuerrecht weichen zudem insofern voneinander ab, als
das Schenkungssteuerrecht dem Faktizitätsprinzip folgt. Das bedeutet, dass der
Vermögensfluss so besteuert wird, wie er tatsächlich fliesst (Muster, Erbschafts- und
Schenkungssteuerrecht, Das bernische Gesetz über die Erbschafts- und
Schenkungssteuer, S. 130; vgl. auch Richner/Frei, Kommentar zum Zürcher
Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz, N 34 zu § 4). Wird beispielsweise ein
nichtiges Rechtsgeschäft trotzdem abgewickelt, so knüpft das Steuerrecht an diesen
Vollzug.
2.4. Vorliegend gab A. B. junior im Wertschriftenverzeichnis für das Jahr 2006 an, er
habe am 3. Februar 2006 eine Schenkung in Höhe von Fr. 404'662.-- von seinem Vater
erhalten. Im Wertschriftenverzeichnis für das Jahr 2009 wies er zudem eine Schenkung
im Betrag von Fr. 45'000.-- an den Beschwerdegegner aus. Auch der
Beschwerdegegner hat die Zahlung in der Steuererklärung für das Jahr 2009 als
Schenkung von seinem Sohn deklariert. In den Vermögenssteuerdeklarationen
2006-2008 wiesen weder Vater noch Sohn je ein Aktiv- bzw. Passivdarlehen aus. Sie
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deklarierten also unabhängig voneinander kongruent. Auch wenn sich die
(Rückübertragung der) Schenkung vom Sohn an den Vater unter steuerlichen
Gesichtspunkten als ungünstig erweist, ist kein Grund ersichtlich, der dafür spricht,
dass die Deklarationen dem rechtlichen und wirtschaftlichen Sachverhalt nicht
entsprechen. Aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung deklariert niemand von sich
aus eine Schenkung, ohne eine solche auch erhalten zu haben. Hinzu kommt, dass
selbst juristische Laien den Unterschied zwischen einer Schenkung und einem
Darlehen kennen. Der vom Beschwerdegegner vorgebrachte Einwand, es habe damals
im Kanton Zürich steuerlich keine Rolle gespielt, ob sein Sohn nun eine Schenkung
oder aber ein Darlehen erhält, trifft zum einen wegen der unterschiedlichen Folgen bei
der Vermögenssteuer nicht zu und erklärt zum anderen die einheitliche Deklaration als
Schenkung nicht. Denkbar ist immerhin, dass es der Beschwerdegegner ablehnte,
weiterhin die Vermögenssteuer zu tragen, sodass man sich im Jahr 2006 für eine
Schenkung entschied, ohne die nachteiligen Steuerfolgen bei der späteren
Rückübertragung zu beachten. So oder anders bestehen jedenfalls keine
Anhaltspunkte, die Zweifel an der Richtigkeit der Deklarationen aufkommen liessen. Für
ein Darlehen allein spricht auch nicht unbedingt, dass A. B. junior im Jahr 2006 eine
Kassenobligation über Fr. 45'000.-- abgeschlossen hat und die Zinsen daraus jeweils
seinen drei Kindern zukommen liess. So können gemäss Art. 245 Abs. 1 des
Obligationenrechts (SR 220) Schenkungen mit Auflagen verbunden werden.
3. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht