Decision ID: 3c080dfe-3601-57a8-b87b-895744635f16
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. B.B. und C.B. sind Eigentümer des mit einem Einfamilienhaus überbauten
Grundstücks Nr. 0001, Grundbuch X. Das Grundstück ist der Wohnzone für
zweigeschossige Bauten (W2) zugeteilt und liegt im „Gebiet I“ des Überbauungsplans
Y. 1:500 vom 20. Januar 1986 (Überbauungsplan) mit besonderen Vorschriften (besV).
Am 16. Juli 2014 ersuchten B.B. und C.B. die Baukommission X. um Bewilligung für
den Anbau eines 19 m grossen unbeheizten Wintergartens an der Südwestfassade
ihres Hauses (act. G 10/6/2). Während der Auflagefrist erhob A.A., Eigentümer des
südwestlich angrenzenden Grundstücks Nr. 0002, öffentlich-rechtliche Einsprache bei
der Baukommission mit dem Antrag, das Baugesuch sei abzuweisen (act. G 10/6/5).
b. Mit Beschluss vom 20. Oktober 2014 wies die Baukommission die Einsprache ab
und erteilte die beantragte Baubewilligung. Sie wies unter anderem darauf hin, dass
der Wintergarten den im Überbauungsplan verlangten Mindestgrenzabstand von 2 m
einhalte. Nicht erforderlich sei, dass er auch den Mindestgebäudeabstand von 7 m
einhalte (act. G 10/6/7 f.). Den von A.A. gegen diesen Beschluss erhobenen Rekurs
(act. G 10/1) wies das Baudepartement des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 22.
Januar 2015 ab, soweit es darauf eintrat (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt lic. iur. Markus Joos, St. Gallen, für
A.A. mit Eingabe vom 5. Februar 2015 Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid
sowie der Einspracheentscheid und die Baubewilligung der Beschwerdebeteiligten
vom 23. Oktober 2014 seien aufzuheben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act.
G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 27. Februar 2015 bestätigte und begründete
der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die gestellten Anträge (act. G 6).
2
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b. In der Vernehmlassung vom 3. März 2015 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde, verwies zur Begründung auf die Darlegungen im angefochtenen
Entscheid und nahm ergänzend zu den Vorbringen in der Beschwerde Stellung (act. G
9). Die Beschwerdebeteiligte stellte in der Vernehmlassung vom 17. März 2015 den
Antrag, die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Zur Begründung
verwies sie auf ihren Beschluss vom 20. Oktober 2014 sowie auf den angefochtenen
Entscheid und äusserte sich zusätzlich zu den Vorbringen in der Beschwerde (act. G
14). Rechtsanwalt lic. iur. Stefan Gerschwiler, St. Gallen, beantragte für die
Beschwerdegegner mit Eingabe vom 20. März 2015 Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G15).
c. Mit Replik vom 27. April 2015 bestätigte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
seine Anträge und Ausführungen (act. G 19).
d. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 5. Februar 2015 (act. G 1)
entspricht in Verbindung mit der Beschwerdeergänzung vom 27. Februar 2015 (act. G
6) zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
1.2. Der Beschwerdeführer macht vor Verwaltungsgericht erstmals geltend, mangels
Unterlagen könne nicht beurteilt werden, ob durch den Wintergarten nicht allenfalls die
zulässige Ausnützungsziffer überschritten werde. Sodann rügt er eine Unvollständigkeit
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des Baugesuchs, weil ein Schnittplan in Ost-West-Richtung und ein vollständiger
Fassadenplan nicht vorhanden seien. Im Weiteren erfülle das geplante Bauvorhaben
die von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien für einen Anbau nicht (act. G 6).
Das Rügeprinzip gilt nicht nur im Beschwerde-, sondern auch im Rekursverfahren. Eine
Überprüfung des Sachverhalts erfolgt in beiden Verfahren grundsätzlich nur insoweit,
als die Beteiligten eine unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts
beanstanden. Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts ist vom Rekurrenten/
Beschwerdeführer darzutun, in welchen Punkten die Sachverhaltsfeststellung der
Vorinstanz unrichtig sein soll, und er hat auch anzugeben, mit welchen zusätzlichen
Beweismitteln seine Darstellung belegt werden kann oder aus welchen Gründen die
Beweiswürdigung der Vorinstanz seiner Ansicht nach fehl geht. Mit diesen Rügen legen
die Beteiligten den Streitgegenstand des Rechtsmittelverfahrens im Grundsatz
verbindlich fest. Die Anforderungen an das Rügeprinzip dürfen jedoch nicht überdehnt
werden. So genügt es, wenn sich eine bestimmte Rüge sinngemäss aus den
Rechtsschriften ergibt (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
2. Aufl. 2003, Rz. 633 und 635). Nach Art. 61 Abs. 3 VRP sind neue Begehren im
Beschwerdeverfahren unzulässig. Als neues Begehren gilt auch die Änderung des
tatsächlichen Fundaments eines Verfahrens (Beschwerdegrund), sei es dass dieses
ganz oder teilweise ersetzt oder ergänzt wird, um die mit dem gestellten
Rechtsbegehren angestrebte Rechtsfolge zu erreichen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 637
mit Hinweis).
Streitgegenstand des Einsprache- und des Rekursverfahrens bildete vorliegend die
Frage, ob das Gesuch der Beschwerdegegner betreffend Erstellung eines
Wintergartens von der Beschwerdebeteiligten zu Recht bewilligt wurde oder nicht. Dem
von der Vorinstanz angeführten VerwGE B 2011/151 vom 20. März 2012 lag als
Sachverhalt zugrunde, dass im Beschwerdeverfahren betreffend eine Baubewilligung
erstmals die strassenmässige Erschliessung des Baugrundstücks beanstandet wurde,
obwohl der dortige Beschwerdeführer bereits im Rekursverfahren anwaltlich vertreten
und zudem ein Rekurs-Augenschein durchgeführt worden war, an welchem die
strassenmässige Erschliessung überhaupt kein Thema bildete. Vorliegend hatte der
Beschwerdeführer bereits in der Einsprache vom 19. August 2014 den Begriff des
Anbaus ansatzweise thematisiert (act. G 10/6/5 S. 5). Die von ihm neu angeführten
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Aspekte (Ausnützungsziffer, Unvollständigkeit des Baugesuchs) tangieren zwar in
einem weitergefassten Sinn den streitigen Wintergarten. Mit seinen im
Beschwerdeverfahren erstmals vorgebrachten Rügen trug er jedoch nicht lediglich
neue rechtliche Argumente im Rahmen des Streitgegenstandes vor (vgl. VerwGE B
2015/32 vom 19. Juli 2016, E. 5.2). Vielmehr änderte er das tatsächliche Fundament
des Verfahrens insofern, als er neue Bauhinderungsgründe/Einwände geltend machte,
welche sich nicht auf den im Rekursverfahren ermittelten Sachverhalt bzw. das dort
abgehandelte Tatsachenfundament beziehen (vgl. dazu M. Donatsch, in: Alain Griffel
[Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3.
Aufl. 2014, S. 1057 f.). Hierauf ist somit im vorliegenden Verfahren nicht einzutreten.
Aber selbst wenn darauf einzutreten wäre, würde sich am Ergebnis - wie sich aus den
nachstehenden Erwägungen ergeben wird - nichts ändern. Nicht einzutreten ist sodann
auf das Begehren, der Beschluss der Beschwerdebeteiligten vom 20. Oktober 2014
(Einspracheentscheid und Baubewilligung) sei aufzuheben, da der angefochtene
Rekursentscheid an dessen Stelle getreten ist (Devolutiveffekt; vgl. BGE 129 II 438 E.
1).
2.
2.1. Der Beschwerdeführer beantragt einen Augenschein (act. G 6 S. 3). Der
Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die
entscheidende Instanz. Er dient dem besseren Verständnis des Sachverhalts. Ob ein
Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der urteilenden
Instanz. Unbestrittene Tatsachen brauchen nicht durch einen Augenschein überprüft zu
werden, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interessen geboten ist
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 966). Die tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich im
vorliegenden Fall aus den massgebenden Plänen und den übrigen Verfahrensakten
(insbesondere act. G 10/6 Beilagen) sowie aus dem Geoportal. Auf einen Augenschein
ist daher zu verzichten, zumal die materiellen Gegebenheiten - wie sich nachstehend
ergeben wird - sich gestützt auf die erwähnten Datenquellen beurteilen lassen.
2.2. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die
Vorinstanz und die Beschwerdebeteiligte, weil diese einen Augenschein (implizit)
abgelehnt hätten, obschon ein solcher mit Blick auf den geringen Abstand des
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geplanten Wintergartens von seinem Haus (4 m) nötig sei bzw. die nachbarliche und
bauhygienische Situation nur in Kenntnis der örtlichen Verhältnisse gewürdigt und
beurteilt werden könne (act. G 6 S. 3). - Der Beschwerdeführer begründete seinen
Antrag auf Durchführung eines Augenscheins in der Rekurseingabe vom 30. Oktober
2014 (act. G 10/1) nicht und äusserte sich später auch nicht zu dem in der
Rekursvernehmlassung vom 22. Dezember 2014 dargelegten Standpunkt der
Beschwerdegegner, dass der Beschwerdeführer für die Durchführung eines
Augenscheins keine Begründung geliefert habe und ein Augenschein auch nicht nötig
sei (act. G 10/9 S. 2). Wie dargelegt liegt der Entscheid, ob ein Augenschein
durchzuführen ist, im pflichtgemässen Ermessen der urteilenden Instanz. Von einer
rechtsfehlerhaften Verweigerung eines Augenscheins durch die Vorinstanzen kann
vorliegend insofern nicht ausgegangen werden, als wie erwähnt die einschlägigen
Verhältnisse sich klar aus den Akten und den Plänen ergeben. Eine Gehörsverletzung
lässt sich dementsprechend aus dem Umstand, dass die Vorinstanzen von einem
Augenschein abgesehen haben, nicht ableiten. Damit kann auch offen bleiben, ob - wie
die Beschwerdegegner darlegen (act. G 15 S. 3) - von einem impliziten Rückzug des im
Rekursverfahren gestellten Antrags auf Durchführung eines Augenscheins auszugehen
ist.
3.
3.1. Nach Art. 28 des Baureglements der Beschwerdebeteiligten vom 6. Juli 1992 (mit
Nachtrag vom 30. Januar 2001) sind Anbauten eingeschossige Bauteile, die über die
Fassade der Hauptbauten vorstehen und nicht mehr als 3.5 m Gebäudehöhe, 5 m
Firsthöhe und eine Gebäudefläche von 50 m aufweisen (Abs. 1 in Verbindung mit Abs.
2 lit. b). Sie können einen verminderten Grenzabstand von 3 m einhalten. Für Anbauten,
die weder bewohnt sind noch der Tierhaltung dienen, ist ein Grenzabstand von 2 m
zulässig (Abs. 2 lit. a). Die Vorschriften des Baureglements gelten insoweit, als der
Überbauungsplan Y. 1:500 und dessen besondere Vorschriften (besV; act. G 10
Beilage) keine andere Regelung vorsehen. Nach Art. 9 Abs. 2 besV gelten für Bauten
innerhalb des Gebietes I ein interner Grenzabstand von mindestens 2 m und ein
Gebäudeabstand von mindestens 7 m. Gemäss Art. 10 Satz 1 besV gilt für Anbauten
im Gebiet I der Mindestgrenzabstand gemäss Art. 9 besV. Wintergärten sind den
Anbauten gleichgestellt (Art. 10 Satz 2 besV). Der Gebäudeabstand entspricht der
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Summe der für beide Fassaden vorgeschriebenen Grenzabstände (Art. 18
Baureglement; Art. 57 Abs. 2 BauG).
3.2. Im angefochtenen Entscheid führte die Vorinstanz aus, der Wortlaut der besV sei
eindeutig. Für Anbauten gelte nach Art. 10 Satz 1 besV nur der in Art. 9 Abs. 2 besV
festgelegte Mindestgrenzabstand. In Art. 10 Satz 1 besV sei nicht die Rede vom -
ebenfalls in Art. 9 Abs. 2 besV geregelten - Mindestgebäudeabstand, weshalb dieser
für Anbauten und Wintergärten nicht zur Anwendung komme. Das kommunale
Baureglement sehe keine von Art. 57 Abs. 2 BauG abweichende Regelung des
Gebäudeabstands vor. Nachdem für Anbauten in den besV wie auch in Art. 28 Abs. 2
lit. a Baureglement ein reduzierter Grenzabstand für zulässig erklärt werde, sei es
folgerichtig, dass dieser reduzierte Grenzabstand sich auch auf die Bemessung des
Gebäudeabstands auswirke und diesen damit ebenfalls reduziere. Eine andere
Auslegung mache keinen Sinn. Würde der Auffassung des Beschwerdeführers gefolgt,
könnten zwischen zwei den minimalen Grenzabstand zueinander aufweisenden
Hauptbauten niemals Anbauten erstellt werden. Der geplante Wintergarten halte den
Mindestgrenzabstand ein. Der im Überbauungsplan festgelegte
Mindestgebäudeabstand sei für Anbauten hingegen nicht anwendbar (act. G 2 S. 7 f.).
Der Beschwerdeführer wendet ein, es fehlten jegliche Hinweise dafür, dass Art. 10
besV den Gebäudeabstand von mindestens 7 m gemäss Art. 9 besV ausser Kraft
setzen wolle. Die Auffassung der Vorinstanz würde zu einer nachbarlichen und
bauhygienisch unhaltbaren Situation im Fall von bewohnbaren An- und Nebenbauten
führen. Es käme zu einem rekordverdächtigen Gebäudeabstand von 4 m in der
Wohnzone. Dies sei mit dem Erlass des Überbauungsplans Y. nicht beabsichtigt
gewesen. Das Bauvorhaben müsse den Gebäudeabstand von 7 m auch dann
einhalten, wenn es wider Erwarten als Anbaute qualifiziert werde. Für diese Auslegung
spreche auch, dass seit Erlass des Überbauungsplans im Jahr 1985 noch nie eine
Nebenbaute oder ein Wintergarten mit einem Gebäudeabstand von lediglich 4 m
irgendwo im Plangebiet bewilligt worden sei (act. G 6 S. 8 f.).
3.3. Die Darlegungen des Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren zur Auslegung
der besV des Überbauungsplans geben keinen Anlass, die Ausführungen der
Vorinstanz und ihre Feststellung, wonach der geplante Wintergarten lediglich einen
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Mindestgrenzabstand von 2 m einhalten muss, in Frage zu stellen. Art. 10 Satz 1 besV
setzt für Anbauten/Wintergärten lediglich die Einhaltung des Mindestgrenzabstands
von 2 m, nicht jedoch die Einhaltung des Gebäudeabstands von 7 m voraus. Würde
der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung gefolgt, müssten An- und
Nebenbauten im Gebiet I des Üerbauungsplans einen Gebäudeabstand von 7 m
einhalten. Dies entspräche jedoch nicht dem Sinn von Art. 10 besV, welcher darin
besteht, An- und Nebenbauten hinsichtlich der Abstandsvorschriften zu privilegieren
(vgl. B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, St. Gallen 2003, Rz. 686) - und
nicht zusätzlich einer restriktiven Gebäudeabstandsvorschrift zu unterstellen. Eine
Differenzierung zwischen bewohnbaren und unbewohnbaren An- und Nebenbauten
(vgl. act. G 6 S. 8 unten) nimmt Art. 10 besV nicht vor. Zu beachten ist sodann die
Feststellung der Beschwerdebeteiligten, wonach das Wohnhaus der
Beschwerdegegner mit der Nordfassade (ohne Auskragung Treppenhaus) einen
Abstand von 3.2 m zur Grenze einhält, wohingegen die Südwestfassade einen
minimalen (grossen) Grenzabstand von 7.5 m einhält. Zur Hauptfassade des Hauses
des Beschwerdeführers (ohne Auskragung Treppenhaus) weist der geplante
Wintergarten nach den Angaben der Beschwerdebeteiligten einen minimalen Abstand
von 5.38 m (und nicht 4 m) auf. Diese Feststellung lässt sich auf www.geoportal.ch
(Zonenplan/Y. X./Grundstücke Nr. 0002 und 0001) nachvollziehen bzw. nachmessen.
Die Schlussfolgerung der Beschwerdebeteiligten, wonach die Wohnhygiene auf dem
Grundstück des Beschwerdeführers gewährleistet bleibe, weil der wenig besonnten
Nordostfassade gegenüber der Südwestfassade nur eine untergeordnete Bedeutung
zukomme (act. G 14 S. 4), ist nachvollziehbar und begründet.
4.1. Was sodann die an sich unzulässige Rüge der Unvollständigkeit des Baugesuchs
(vgl. vorne E 1.2.) anbelangt, macht der Beschwerdeführer diesbezüglich geltend, das
Baugesuch enthalte keine Berechnung der Ausnützungsziffer (Art. 47 Abs. 2 lit. b
Baureglement). Sodann liege keine Grundbuchplankopie bei den Akten. Die
eingereichten Pläne seien zudem nicht korrekt vermasst. Insbesondere seien daraus
die Grenz- und Gebäudeabstände nicht ersichtlich. Auch fehle ein Schnittplan in Ost-
Westrichtung, welcher die Verhältnisse zum Grundstück des Beschwerdeführers
aufzeige. Ebenfalls fehle ein Plan mit vollständiger Fassade samt den gesamten
Änderungen. Aus den Baugesuchsunterlagen gehe nicht hervor, wie der neue
Gebäudeteil an das bestehende Gebäude angeschlossen werden solle. Eine
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Bausumme von 100‘000.-- Franken bzw. ein daraus sich ergebender m - Preis von Fr.
2‘200.-- sei für einen Wintergarten nicht möglich. Es sei deshalb davon auszugehen,
dass umfangreiche Baumeisterarbeiten im Bereich der heutigen Fassade
vorgenommen werden müssten. Auch diese seien jedoch aus dem Baugesuch nicht
ersichtlich (act. G 6 S. 3-5).
Nach Art. 80 Abs. 2 des Baugesetzes (BauG; sGS 731.1) muss das Baugesuch die für
die baupolizeiliche Beurteilung notwendigen Unterlagen wie Situationsplan, Grundriss,
Ansichten, Schnitte und Kanalisationspläne enthalten. Die Vorinstanz kam
diesbezüglich im angefochtenen Entscheid zum Schluss, zwar sei dem
Beschwerdeführer beizupflichten, dass namentlich der Plan „Ansicht Südostseite
1:100“ den Anschein erwecke, der Mindestgrenzabstand von 2 m werde durch den
Wintergarten unterschritten. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass die beiden im Plan
eingezeichneten Grenzen (Nordost und Südwest) der Parzelle in Wirklichkeit nicht
parallel verlaufen, sondern trapezförmig auseinanderdriften würden, weshalb sie in
einer zweidimensionalen Ansicht nicht richtig dargestellt werden könnten. Hingegen
ergebe sich aus der Grundrissdarstellung im Katasterplan 1:500 zweifelsfrei, dass die
Südwestecke des geplanten Wintergartens den Grenzabstand von 2 m einhalte (act. G
2 S. 6).
4.2. Die vorerwähnte vorinstanzliche Feststellung erweist sich überzeugend begründet
und wird durch den erwähnten Katasterplan (act. G 10/6/2 Beilage) bestätigt. Inwiefern
der Katasterplan nicht korrekt sein sollte, wie der Beschwerdeführer geltend macht,
wird von ihm nicht näher begründet (act. G 6 S. 4). Die Tatsache allein, dass es sich
beim Katasterplan um eine Kopie des Originalplans handelt, bildet keinen Grund für die
Annahme einer „Ungenauigkeit“, zumal davon ausgegangen werden darf, dass die
Kopie mit dem Original übereinstimmt. Bereits in der Baubewilligung war im Übrigen
explizit darauf hingewiesen worden, dass zwar im Situationsplan der Grenzabstand des
Wintergartens nicht vermasst und im Plan „Ansicht Südostseite“ die Grenze falsch
eingetragen sei, jedoch die Messung (gestützt auf den erwähnten Plan und das
Geoportal; vgl. act. G 14 S. 2 oben) die Einhaltung des Grenzabstands von 2 m
bestätige (act. G 10/6/7 S. 14). Im Übrigen liegt die Erstellung des Wintergartens unter
Einhaltung eines korrekten Grenzabstandes selbstredend im Interesse aller Beteiligten,
um diesbezügliche Anstände nach Bauvollendung zu vermeiden. Nicht nachvollziehbar
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erscheint sodann das Vorbringen des Beschwerdeführers (act. G 6 S. 5), wonach
umfangreiche Baumeisterarbeiten im Bereich der bestehenden Fassade der
Hauptbaute erforderlich sein sollten, zumal feststeht, dass die Erschliessung des
Wintergartens über die bestehenden Fensteröffnungen erfolgen soll (vgl. dazu
nachstehend E. 5.2). Nicht zu untersuchen ist die vom Beschwerdeführer diskutierte
Frage (act. G 19 S. 8 f.) nach der Ursache für die (aus seiner Sicht hohen) Baukosten
von rund Fr. 100‘000.--, zumal sich aus dem Baugesuch klar ergibt, was im Einzelnen
bewilligt und anschliessend gebaut werden soll.
Im Weiteren lässt sich der vom Beschwerdeführer angerufenen Bestimmung von
Art. 47 Abs. 2 lit. e Baureglement nicht entnehmen, dass ein „Schnittplan in Ost-
Westrichtung“ zwingend einzureichen wäre. Aus dem Fehlen dieses Plans resultiert
kein formeller Mangel des Baugesuchs. Die Gesuchsunterlagen (act. G 10/6/2)
erlauben somit - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - eine
abschliessende Beurteilung des Baugesuchs, zumal es bei der zur Diskussion
stehenden Kleinbaute nicht um ein kompliziertes Bauvorhaben (im Sinn von Art. 47
Abs. 4 Baureglement) geht. Nach Art. 47 Abs. 7 Baureglement legt die Baukommission
in einem solchen Fall die einzureichenden Unterlagen fest. Was die neuen und darum
unzulässigen Ausführungen des Beschwerdeführers zur Ausnützungsziffer bzw. die
Rüge der fehlenden Berechnung derselben betrifft (vgl. vorne E. 1.2.), ist festzuhalten,
dass ein Einbezug in die Berechnung (Art. 47 Abs. 2 lit. b Baureglement) bei einer
Anbaute unter bestimmten Voraussetzungen nicht verlangt ist (vgl. nachstehende E.
5.3).
5.
5.1. Als Anbauten gelten gemäss baurechtlicher Definition an das Hauptgebäude
angebaute, untergeordnete Bauten. In der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts
zur Anwendung kommende Kriterien sind dabei insbesondere die architektonische
Gestaltung, die optische und/oder funktionale Unterordnung, die konstruktive
Trennung, die funktionale Eigenständigkeit sowie die Beschränkungen im
Baureglement betreffend Gebäudegrundfläche, First- und Gebäudehöhe. Anbauten
lehnen sich an die Fassade eines Hauptgebäudes an. Sie müssen deutlich als Anbau
erkennbar sein und beseitigt werden können, ohne dass das Hauptgebäude konstruktiv
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verändert werden muss. Anbauten werden wie Nebenbauten auch als untergeordnete
oder besondere Gebäude oder als Kleinbauten bezeichnet (VerwGE B 2013/70 vom 8.
Juli 2014, E. 4.1 mit Hinweis auf B 2010/16 vom 11. Mai 2010 [= GVP 2010 Nr. 41], E.
3, und VerwGE B 2007/10 vom 11. Juni 2007; vgl. auch VerwGE B 2013/122 vom 19.
August 2014, E. 2, und B 2014/27 vom 30. Juni 2015, E. 3.3, www.gerichte.sg.ch). Im
angefochtenen Entscheid ging die Vorinstanz beim geplanten Gebäudeteil vom
Vorliegen einer Anbaute im erwähnten Sinn aus, wobei sie dies - nachdem im
Rekursverfahren nichts Gegenteiliges geltend gemacht worden war - nicht weiter
ausführte (act. G 2 S. 6 E. 4). Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt,
dass das Bauvorhaben die Kriterien der Rechtsprechung an einen Anbau offensichtlich
nicht erfülle. Von einer optischen Unterordnung könne keine Rede sein. Ebenso fehle
es an der funktionalen Unterordnung und Eigenständigkeit der Baute. Es sei eine
Erweiterung des heutigen Wohnraums und eine ganzjährige Wohnnutzung geplant. Der
im Gebiet I des Überbauungsplans festgelegte Gebäudeabstand sei demzufolge nicht
eingehalten (act. G 6 S. 6 f.).
5.2. Der geplante Wintergarten weist eine Fläche von 19 m und eine Höhe zwischen
2.2 und 2.6 m auf. Er ist - als Glas/Metall-Konstruktion (act. G 10/6/1 S. 1 unten) -
deutlich als Anbaute erkennbar und hält unbestrittenermassen die grössenmässigen
Vorgaben von Art. 28 Abs. 1 des Baureglements ein. Sodann ist er konstruktiv derart
von der Hauptbaute getrennt, dass er ohne Weiteres wieder entfernt werden könnte,
ohne dass in die bauliche Substanz der Hauptbauten eingegriffen werden müsste und
ohne dass deren Funktionalität oder Nutzung in Frage gestellt wäre. Der Umstand,
dass er isoliert wird, bedeutet nicht zugleich auch eine Vergrösserung des ständig
genutzten Wohnraums. Eine Beheizung des Wintergartens ist gemäss Baugesuchs-
Formular nicht vorgesehen (act. G 10/6/1). Neue Tür- und Fensteröffnungen sind
ebenfalls nicht geplant; der Wintergarten soll über die bereits bestehenden Tür- und
Fensteröffnungen (der Hauptbaute) erschlossen werden (vgl. Grundrissplan
Südwestansicht; act. G 10/6/2). Der Umstand, dass der Wintergarten auch
Wohnzwecken und insofern gegenüber den Hauptbauten einer nicht untergeordneten
Nutzung dient, ändert nichts an der Qualifikation als Anbaute. Es kann auch insofern
von einer funktionalen Selbständigkeit der Anbaute gesprochen werden, als sich eine
ständige Nutzung derselben als (Haupt-)Wohnraum angesichts der räumlichen
Verhältnisse der Hauptbaute nicht aufdrängt. Entsprechend ist auch die Hauptbaute
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autark bzw. in ihrer Nutzung nicht von der Anbaute abhängig. Von einer bauhygienisch
untragbaren Situation (act. G 6 S. 8, G 19 S. 10) kann entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers nicht gesprochen werden. Vielmehr weisen die Beschwerdegegner
zu Recht darauf hin (act. G 15 S. 8), dass die Fläche, auf welcher der Wintergarten
geplant ist, aktuell als Gartensitzplatz genutzt wird und sich die Immissionssituation
nach Erstellung des Wintergartens jedenfalls nicht verschlechtern dürfte. Die Frage, ob
in den letzten 30 Jahren eine An- oder Nebenbaute im Plangebiet mit einem
Gebäudeabstand von 4 m bewilligt worden war oder nicht (vgl. act. G 6 S. 9), braucht
bei den geschilderten Gegebenheiten nicht weiter untersucht zu werden.
5.3. Die Ausnützungsziffer ist die Verhältniszahl der Summe aller anrechenbaren
Geschossflächen zur anrechenbaren Parzellenfläche (Art. 61 Abs. 1 BauG). Zur
anrechenbaren Geschossfläche zählen nach Art. 61 Abs. 2 BauG die nutzbaren
Geschossflächen einschliesslich Gänge, Treppenhäuser und Mauerquerschnitte. Nicht
angerechnet werden unter anderem Wintergärten sowie verglaste Dachterrassen und
Balkone bis zu einer Fläche von 20 Prozent der anrechenbaren Geschossflächen (lit. d).
Als anrechenbare Parzellenfläche gilt nach Art. 61 Abs. 3 BauG die von der Baueingabe
erfasste Parzellenfläche innerhalb vermarkter Grenzen, soweit sie nicht bereits früher
zur Ausnützung eingerechnet worden ist.
Der geplante Wintergarten erreicht mit seiner Fläche von 19 m offensichtlich nicht 20
% der anrechenbaren Geschossfläche der zweigeschossigen Hauptbaute (vgl. Pläne in
act. G 10/6/2); dies wird auch durch die Angaben der Beschwerdebeteiligten (act. G 14
S. 2: Grundfläche von 102 m und zwei Vollgeschosse) bestätigt. Der Anbau ist somit
von der Anrechnung an die Ausnützungsziffer ausgenommen. Nicht Thema dieses
Verfahrens bildet die Ausnützungsziffer der Hauptbaute. Angesichts dieser klaren
Verhältnisse drängen sich weitere Abklärungen nicht auf, abgesehen davon, dass die
neue Rüge der Verletzung der Ausnützungsziffer ohnehin im vorliegenden Verfahren
nicht mehr zulässig ist (vgl. vorne E.1.2. und E.4.2.).
5.4. Insgesamt ist somit nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Qualifizierung
als Anbaute als rechtmässig bestätigte.
6.
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6.1. (...).
6.2. (...).