Decision ID: 9de69e76-66fa-4863-8a22-538be67e7989
Year: 2020
Language: de
Court: AG_HG
Chamber: AG_HG_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Der Vizepräsident entnimmt den Akten:
1.
Die Gesuchstellerin ist Aktiengesellschaft mit Sitz in R.. Sie bezweckt im
Wesentlichen _ (Gesuchsbeilage [GB] 2).
2.
Die Gesuchsgegnerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Freiburg i.Üe.
Sie hat gemäss Handelsregister (GB 6) folgenden Zweck _
Die Gesuchsgegnerin ist Alleineigentümerin der Grdst.-Nrn. 123 GB R. (E-
GRID: CH 12345 67890 12; GB 3), 456 GB R. (E-GRID: CH 98765 43210
12; GB 5) und 7890 GB R. (E-GRID: CH 56789 12345 78; GB 4).
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3.
Mit Gesuch vom 4. November 2020 (gleichentags persönlich überbracht)
stellte die Gesuchstellerin die folgenden Rechtsbegehren:
" 1. Das Grundbuchamt O. sei im Sinne von Art. 961 Abs. 1 Ziff. 1
ZGB anzuweisen, auf den Parzellen der Gesuchsgegnerin LIG R. Nr. 123 (E-GRID CH 12345 67890 12), 7890 (E-GRID CH 56789 12345 78) und 456 (E-GRID CH 98765 43210 12)  der Gesuchstellerin die vorläufige Eintragung eines  mit einer Pfandsumme von je CHF 51'557.40 nebst Zinst zu 5 % seit dem 4. November 2020 vorsorglich sofort vorzumerken.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Gesuchs-
gegnerin."
4.
Am 4. November 2020 erliess der Vizepräsident folgende Verfügung:
1.
In Gutheissung des Gesuchs vom 4. November 2020 wird der Ge-
suchstellerin die Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts
gemäss Art. 837/839 ZGB als Gesamtpfandrecht nach Art. 798
Abs. 1 ZGB und als Vormerkung einer vorläufigen Eintragung im
Sinne von Art. 961 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB auf den Grundstücken der Ge-
suchsgegnerin Nr. 123 GB R. (E-GRID: CH 12345 67890 12), 456
GB R. (E-GRID: CH 98765 43210 12) und 7890 GB R. (E-GRID: CH
56789 12345 78) in Höhe von Fr. 51'557.40 zuzüglich Zins zu 5 %
seit dem 4. November 2020 superprovisorisch bewilligt.
2.
Das Grundbuchamt O. wird angewiesen, die Vormerkung gemäss
vorstehender Dispositiv-Ziff. 1 sofort einzutragen.
3.
Die Gesuchstellerin hat mit beiliegendem Einzahlungsschein bis
zum 20. November 2020 einen Gerichtskostenvorschuss von
Fr. 2'000.00 zu leisten.
4.
Zustellung des Doppels des Gesuchs (inkl. Beilagen) vom 4. No-
vember 2020 an die Gesuchsgegnerin zur Erstattung einer schrift-
lichen Antwort bis zum 20. November 2020.
5.
Fristerstreckungen werden grundsätzlich nicht gewährt. Aus-
nahmsweise ist eine Fristerstreckung beim Vorliegen zureichender
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Gründe möglich (Art. 144 Abs. 2 ZPO). Als solche gelten die Zustim-
mung der Gegenpartei oder von der Partei nicht vorhersehbare oder
nicht beeinflussbare Hinderungsgründe.
6.
Bei Säumnis wird das Verfahren ohne die versäumte Handlung wei-
tergeführt (Art. 147 Abs. 2 ZPO).
7.
Die Gesuchsgegnerin wird darauf hingewiesen, dass die Vormer-
kung im Grundbuch gelöscht wird, wenn sie für die angemeldeten
Forderungen hinreichende Sicherheiten leistet. Für die Anmel-
dung der Löschung sind die Parteien selbst verantwortlich.
8.
Der Stillstand der Fristen gemäss Art. 145 Abs. 1 ZPO gilt nicht
(Art. 145 Abs. 2 lit. b ZPO).
5.
Das Grundbuchamt O. merkte die vorläufige Eintragung am 4. November
2020 (Tagebuchnummer 12342) im Tagebuch vor.
6.
Mit Eingabe vom 18. November 2020 teilte die Gesuchsgegnerin mit, sie
verzichte auf eine ausführliche Stellungnahme zum Gesuch um provisori-
sche Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts der Gesuchsgegnerin
vom 4. November 2020. Schuldnerin einer allfälligen Forderung wäre die
Muntana AG, weshalb die Gesuchsgegnerin den Anspruch auf vorläufige
Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts sowie Bestand und Höhe der
geltend gemachten Forderung mit Nichtwissen bestreite und sich im Hin-
blick auf das Verfahren auf definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfand-
rechts sämtliche Rechte vorbehalte. Bereits im jetzigen Stadium werde ins-
besondere die Zulässigkeit der Eintragung eines Gesamtpfands bestritten.

Der Vizepräsident zieht in Erwägung:
1. Zuständigkeit
Der Einzelrichter am Handelsgericht ist örtlich, sachlich und funktionell zur
Beurteilung der im summarischen Verfahren zu behandelnden Streitigkeit
zuständig (vgl. dazu E. 4 der Verfügung vom 4. November 2020).
2. Allgemeine Voraussetzungen der vorläufigen Eintragung
2.1.
Die Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts setzt im Wesentlichen
die Forderung eines Bauhandwerkers oder Unternehmers für die Leistung
von Arbeit und allenfalls von Material zugunsten des zu belastenden
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Grundstücks sowie die Wahrung der viermonatigen Eintragungsfrist voraus
(Art. 837 Abs. 1 Ziff. 3 und 839 Abs. 2 ZGB).
2.2.
Die Eintragungsvoraussetzungen sind im Verfahren betreffend vorläufige
Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts lediglich glaubhaft zu ma-
chen. An diese Glaubhaftmachung werden zudem weniger strenge Anfor-
derungen gestellt, als es diesem Beweismass für vorsorgliche Massnah-
men (Art. 261 ff. ZPO) sonst entspricht.1 Die vorläufige Eintragung darf nur
verweigert werden, wenn der Bestand des Pfandrechts ausgeschlossen o-
der höchst unwahrscheinlich erscheint. Im Zweifelsfall, bei unklarer Be-
weis- oder Rechtslage, ist die vorläufige Eintragung zu bewilligen und die
Entscheidung dem Richter im ordentlichen Verfahren zu überlassen.2 Letzt-
lich läuft es darauf hinaus, dass der gesuchstellende Unternehmer nur die
blosse Möglichkeit eines Anspruchs auf ein Bauhandwerkerpfandrecht
nachzuweisen hat.3
3. Pfandsumme, Verzugszinsen und Eintragungsfrist
Die Gesuchsgegnerin bringt in Bezug auf die Pfandsumme, die Verzugs-
zinsen und die Eintragungsfrist nichts ausser einer pauschalen Bestreitung
der Werklohnsumme vor, weshalb es bei den entsprechenden Ausführun-
gen gemäss E. 5 der Verfügung vom 4. November 2020 bleibt.
4. Gesamtpfand
Bezüglich der Zulässigkeit der Eintragung eines Gesamtpfands wird auch
in der Lehre darauf hingewiesen, dass in der Praxis mindestens im vorsorg-
lichen Verfahren das Begehren, das Pfandrecht vorübergehend auf allen
Grundstücken vorzumerken, nicht abgewiesen wird.4
5. Ergebnis
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen für die vorläufige
Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts als Gesamtpfandrecht in der
mit Verfügung vom 4. November 2020 festgestellten Höhe zzgl. 5 % Ver-
zugszins seit 4. November 2020 erfüllt sind und die superprovisorisch an-
geordnete Vormerkung der vorläufigen Eintragung des Bauhandwerker-
pfandrechts entsprechend zu bestätigen ist.
1 BGE 137 III 563 E. 3.3; 86 I 265 E. 3; vgl. auch SCHUMACHER, Das Bauhandwerkerpfandrecht, 3. Aufl.
2008, N. 1394; BSK ZGB II-THURNHERR, 6. Aufl. 2019, Art. 839/840 N. 37. 2 BGE 86 I 265 E. 3; 102 Ia 81 E. 2b.bb; BGer 5A_426/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 3.4; 5A_924/2014
vom 7. Mai 2015 E. 4.1.2; SCHUMACHER, Das Bauhandwerkerpfandrecht, Ergänzungsband zur 3. Aufl., 2011, N. 628.
3 SCHUMACHER (Fn. 1), N. 1395. 4 BSK ZGB II-SCHMID, 6. Aufl. 2019, Art. 961 N. 25 m.w.N.
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6. Prosequierung
Ist eine Klage auf definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts
noch nicht rechtshängig, ist der gesuchstellenden Partei nach Art. 263 ZPO
eine Frist zur Einreichung der Klage mit der Androhung anzusetzen, dass
die Vormerkung der vorläufigen Eintragung im Grundbuch bei ungenutztem
Ablauf der Frist ohne weiteres und ersatzlos gelöscht werde.5 Die Prose-
quierungsfrist beträgt nach handelsgerichtlicher Praxis bei Fällen der vor-
liegenden Grösse rund drei Monate. Der Fristenstillstand gemäss Art. 145
Abs. 1 ZPO ist bei der Prosequierungsfrist nach Art. 263 ZPO i.V.m.
Art. 961 Abs. 3 ZGB ausgeschlossen.6
7. Prozesskosten
Die Prozesskosten, bestehend aus Gerichtskosten und Parteientschädi-
gung, werden der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 95 Abs. 1 und
Art. 106 Abs. 1 ZPO). Ausgangsgemäss sind sie von der Gesuchsgegnerin
zu tragen.
7.1.
Unter Berücksichtigung des verursachten Aufwands sowie des Umfangs
der Streitigkeit werden die Gerichtskosten auf Fr. 1'500.00 festgesetzt (§ 8
VKD; SAR 221.150). Gestützt auf Art. 111 Abs. 1 Satz 1 ZPO werden sie
vorab mit dem von der Gesuchstellerin geleisteten Gerichtskostenvor-
schuss in Höhe von Fr. 2'000.00 verrechnet. Die Gesuchsgegnerin hat der
Gesuchstellerin die Gerichtskosten, d.h. Fr. 1'500.00, direkt zu ersetzen
(vgl. Art. 111 Abs. 2 ZPO). Ein allfälliger Überschuss steht der Gesuchstel-
lerin zu.
7.2.
Die Gesuchsgegnerin hat der Gesuchstellerin zudem eine Parteientschä-
digung zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Parteientschädigung wird
nach dem Streitwert – vorliegend Fr. 51'557.40 – bemessen (vgl. § 3 AnwT;
SAR 291.150). Ausgehend von einer Grundentschädigung von Fr. 8'710.17
(§ 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 5 AnwT) resultiert nach Vornahme eines Summarab-
zugs von 75 % (§ 3 Abs. 2 AnwT) ein Betrag von Fr. 2'177.55. Damit sind
insbesondere eine Rechtsschrift und die Teilnahme an einer behördlichen
Verhandlung abgegolten (vgl. § 6 Abs. 1 AnwT). Nach einem weiteren Ab-
zug von 20 % wegen der nicht durchgeführten Verhandlung (§ 6 Abs. 2
AnwT), resultiert ein Betrag in Höhe von Fr. 1'742.05. Nach Hinzurechnung
einer Auslagenpauschale (§ 13 Abs. 1 AnwT) von praxisgemäss 3 % resul-
tiert ein Betrag in Höhe von gerundet Fr. 1'795.00, den die
Gesuchsgegnerin der Gesuchstellerin als Parteientschädigung zu bezah-
len hat.
5 SCHUMACHER (Fn. 1), N. 672 ff. 6 BGE 143 III 554 E. 2.5.2 m.w.N.; vgl. auch SCHUMACHER (Fn. 1), N. 688.
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Einen Mehrwertsteuerzuschlag macht die Gesuchstellerin zu Recht nicht
geltend, da sie mehrwertsteuerpflichtig7 und damit auch vorsteuerabzugs-
berechtigt ist.8
7.3.
Eine abweichende Verlegung der Prozesskosten im allenfalls vor Handels-
gericht stattfindenden Hauptprozess im ordentlichen Verfahren oder auf-
grund separater Verfügung im vorliegenden Verfahren bleibt vorbehalten.