Decision ID: aad708ac-737e-4e63-a074-8585db2fb865
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 19_, erlitt am 7. April 2008 beim Umkippen eines schweren
Gussteils auf das linke Bein eine dislozierte distale Unterschenkelfraktur links, eine
nicht dislozierte Fraktur Metatarsale III und eine gering dislozierte Fraktur Metatarsale V
(Unfallmeldung vom 16. April 2008, act. G 4.2, und Bericht des Spitals B._ vom
24. April 2008, act. G 4.1.34-36 f.). Die Arbeitgeberin meldete den Versicherten am
22. April 2009 zur Frühintervention bei der IV-Stelle an (act. G 4.1.4). Auf Aufforderung
der IV-Stelle vom 29. April 2009 hin (act. G 4.1.3) meldete sich der Versicherte am
11. Mai 2009 zum Bezug von IV-Leistungen an (act. G 4.1.7). Anlässlich des
Frühinterventionsgesprächs vom 2. Juni 2009 erklärte der behandelnde Dr. med. C._,
Allgemeine Medizin FMH, gegenüber dem RAD, der Versicherte leide an
belastungsabhängigen Schmerzen im rechten (richtig wohl: links) Bein und im Rücken.
Für eine leidensangepasste Tätigkeit verfüge der Versicherte provisorisch über eine
50%ige Arbeitsfähigkeit, eventuell auch ganztags mit vermehrten Pausen (Protokoll
vom 2./9. Juni 2009, act. G 4.1.20).
A.b Im kreisärztlichen Untersuchungsbericht vom 26. Juni 2009 führte Dr. med. D._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, aus, der Versicherte habe viele gesundheitliche
Probleme: Schmerzen im linken Unterschenkel, Fuss und Knie, Rückenbeschwerden
sowie Kopfschmerzen. Es bestehe ein günstiger klinischer und radiologischer Befund
die Unfallfolgen betreffend. Die unfallfremden krankhaften Probleme seien in allererster
Linie für die Arbeitsunfähigkeit verantwortlich (act. G 4.1.34-8 ff.). Dr. C._ berichtete
am 2. September 2009, die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit sei dem
Versicherten nicht möglich (act. G 4.1.34-1 ff.).
A.c Im Auftrag des Krankentaggeldversicherers wurde am 24. und 25. August 2009 im
SWICA Gesundheitszentrum eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
durchgeführt. Im EFL-Bericht vom 26. August 2009 führten die Experten aus, die
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Konsistenz der Tests sei gut, und kamen zum Schluss, eine leichte Arbeit sei
mindestens halbtags 4 Stunden pro Tag und unter Beachtung zusätzlicher Pausen von
ca. 30 Minuten pro Tag zumutbar (act. G 4.2). Die behandelnden Ärzte des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) gaben am 5. Oktober 2009 an, körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten seien dem Versicherten zu 50% zumutbar (act.
G 4.1.40-5).
A.d Aufgrund des Verhaltens des Versicherten und den objektiv vorhandenen
Einschränkungen wurde ein vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
durchgeführtes, am 1. Januar 2010 begonnenes Einsatzprogramm per 31. Januar 2010
vorzeitig beendet (act. G 4.1.44).
A.e Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 16. März und 8. Mai 2010
polydisziplinär (orthopädisch, psychiatrisch und internistisch) durch das Medizinische
Gutachtenzentrum St. Gallen (MGSG) untersucht. Im Gesamtgutachten (zum
psychiatrischen Teilgutachten vom 17. März 2010 und internistischen Teilgutachten
vom 2. Juni 2010 siehe act. G 4.1.53-35 ff. und G 4.1.53-49 ff.) vom 10. Juni 2010
stellten die Gutachter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
medio-linkslaterale Rezidivdiskushernie L4/5 mit verkürzter Wurzeltasche links
(02/2009) bei Status nach Discushernien-Operation L4/5 links 1989, Reoperation 12/08
und Revision 12/08 und leichter Spondylarthrose L4 bis S1 sowie eine Adipositas.
Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend
und stehend ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei häufig inklinierte und
reklinierte sowie rotierte Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände über 5 kg
gehoben oder getragen werden müssen, könnten seit Februar 2009 gesamthaft bei
voller Stundenpräsenz vollumfänglich zugemutet werden (act. G 4.1.53-1 ff.). Der RAD
hielt die gutachterliche Einschätzung für beweiskräftig (Stellungnahme vom 13. Januar
2011, act. G 4.1.59).
A.f Da sich der Versicherte subjektiv nicht arbeitsfähig fühle, schloss die IV-Stelle die
berufliche Eingliederung ab (Schlussbericht vom 19. April 2011, act. G 4.1.66).
A.g Der Versicherte reichte am 12. Mai 2011 (act. G 4.1.68) einen vom
Krankentaggeldversicherer eingeholten interdisziplinären arbeitsspezifischen
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Abklärungsbericht der Klinik Valens vom 26. Januar 2011 ein, der sich auf am
24. Januar 2011 durchgeführte Untersuchungen stützte. Die Abklärungspersonen
gaben an, die momentane Leistungsfähigkeit des Versicherten entspreche einer
leichten Arbeit in Wechselbelastung, die er halbtags während vier bis viereinhalb
Stunden ausüben könne. Dabei sei momentan zusätzlich von einer eingeschränkten
und reduzierten Leistungsfähigkeit von ca. 20% (bezogen auf einen Arbeitshalbtag)
auszugehen. Somit könne der Versicherte eine effektive Leistungsfähigkeit während ca.
dreieinhalb Stunden pro vier bis viereinhalbstündigen Arbeitshalbtag erbringen. Nach
durchgeführter stationärer Rehabilitation könne davon ausgegangen werden, dass
zumindest wieder eine volle 50%ige Arbeitsfähigkeit in behinderungsadaptierten
Tätigkeiten erreicht werden könne (act. G 4.1.67).
A.h Am 30. Mai 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, die Arbeitsvermittlung
werde abgeschlossen (act. G 4.1.70).
A.i In der Stellungnahme vom 1. Dezember 2011 hielt der RAD an der Auffassung fest,
für eine leidensangepasste Tätigkeit verfüge der Versicherte über eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit (act. G 4.1.73).
A.j Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, das Rentengesuch abzuweisen (act.
G 4.1.75). Vor Ablauf der Einwandfrist verfügte sie am 13. Januar "2011" (richtig: 2012)
die Rentenabweisung (act. G 4.1.78).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 13. Januar 2012 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 15. Februar 2012. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Es sei ihm rückwirkend ab
1. November 2009 eine Dreiviertelsrente eventualiter eine halbe Rente zu gewähren.
Subeventualiter sei die Sache zur umfassenden Abklärung und Neubeurteilung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Vorab rügt der Beschwerdeführer eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs, da die Beschwerdegegnerin noch vor Ablauf der
Einwandfrist verfügt habe. Im Sinn der Verfahrensbeschleunigung werde indessen
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keine Rückweisung für die Heilung der Gehörsverletzung beantragt. Das MGSG-
Gutachten erfülle in keiner Weise die Anforderungen an ein umfassendes Gutachten.
Insbesondere werde einer wesentlichen Ursache für die gesundheitlichen
Beeinträchtigungen - nämlich der Unterschenkelfraktur - keinerlei Beachtung
geschenkt. Es sei deshalb auf die Beurteilung der Klinik Valens abzustellen, wonach
eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit bestehe. Ferner sei bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens ein 20%iger Tabellenabzug gerechtfertigt (act. G 1).
B.b Der RAD nahm am 20. März 2012 aus medizinischer Sicht Stellung zur
Beschwerde und erachtete die vorgebrachte Kritik am MGSG-Gutachten für
unzutreffend (act. G 4.1.87).
B.c In der Beschwerdeantwort vom 10. April 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Im Wesentlichen bringt sie zur Begründung vor, es
bestehe kein Anlass, von der bescheinigten 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensan
gepasste Tätigkeiten abzuweichen (act. G 4).
B.d Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 16. Mai 2012 unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 6).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 11).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen, ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente.
1.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsun
fähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
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Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dem
Umstand, dass ein nach altem Standard, d.h. vor der in BGE 137 V 210
vorgenommenen Praxisänderung, in Auftrag gegebenes Gutachten eine massgebende
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Entscheidungsgrundlage bildet, ist bei der Beweiswürdigung Rechnung zu tragen. In
dieser speziellen Übergangssituation lässt sich die beweisrechtliche Situation der
versicherten Person mit derjenigen bei versicherungsinternen medizinischen
Entscheidungsgrundlagen vergleichen. In solchen Fällen genügen schon relativ geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, um eine
(neue) Begutachtung anzuordnen (Urteil des Bundesgerichts vom 17. September 2012,
9C_148/2012, E. 1.3 f. mit Hinweisen).
2.
Vorab ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenüg
liche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in
medizinischer Hinsicht auf das MGSG-Gutachten vom 10. Juni 2010 (act. G 4.1.78;
zum Gutachten siehe act. G 4.1.53). Der Beschwerdeführer hält dieses aus
verschiedenen Gründen für nicht beweiskräftig (act. G 1).
2.2 Der Beschwerdeführer rügt u.a., die Gutachter hätten sich nicht mit dem von ihrer
Beurteilung abweichenden, zuhanden des Krankentaggeldversicherers erstellten EFL-
Bericht vom 26. August 2009 auseinandergesetzt (act. G 1, S. 10).
2.2.1 In der Tat wird der EFL-Bericht vom 26. August 2009 im Gutachten an keiner
Stelle erwähnt, weshalb davon ausgegangen werden muss, dass dieser von den
Gutachtern nicht zur Kenntnis genommen wurde. Dies wäre indessen umso
erforderlicher gewesen, als darin eingehende Aussagen zur Leistungsfähigkeit
enthalten sind und sowohl die Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers als
zuverlässig als auch die Konsistenz bei den Tests als gut bezeichnet wurden. Daran
ändert nichts, wenn auch auf relativ geringfügige pathologischen Befunde im
Unterschenkel-/Fussbereich links hingewiesen wurde. Schliesslich hielten die
Abklärungspersonen im Ergebnis eine (mindestens) vierstündige tägliche Arbeitszeit für
zumutbar. Der zusätzliche Pausenbedarf betrage ca. 30 Minuten täglich (act. G 4.2). Es
handelt sich damit um einen wesentlichen medizinischen Bericht, der nicht ausser Acht
gelassen werden durfte.
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2.2.2 Ins Gewicht fällt weiter, dass die Gutachter den Bericht der Klinik für
Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen vom 5. Oktober 2009 (act. G 4.1.40)
lediglich unvollständig in die Beurteilung einbezogen. So nahmen sie nicht zur
Kenntnis, dass die neurochirurgischen Experten darin für leidensangepasste
wechselbelastende Tätigkeiten lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigten,
nebst dem sie rein sitzende, rein stehende oder vorwiegend im Gehen ausgeübte
Tätigkeiten für gänzlich unzumutbar hielten (act. G 4.1.40-5). Im Rahmen einer
sorgfältigen Begutachtung hätte diese Einschätzung zumindest diskutiert und eine
abweichende gutachterliche Beurteilung begründet werden müssen, zumal sie vom
RAD - zumindest provisorisch - bestätigt wurde (Stellungnahmen vom 2. Juni, 18.
September und 22. Oktober 2009, act. G 4.1.46-1 f.). Ergänzend ist zu bemerken, dass
im Bericht der Klinik Valens vom 25. Januar 2011 ebenfalls von einer 50%igen
Restarbeitsfähigkeit ausgegangen wurde (act. G 4.1.67-7 am Schluss), was zusätzliche
Zweifel am MGSG-Gutachten weckt, zumindest zugunsten der neurochirurgischen
Arbeitsfähigkeitsschätzung spricht.
2.2.3 Ein Gutachten, das (wie das vorliegende MGSG-Gutachten) die
medizinischen Vorakten unzureichend berücksichtigt, ist unvollständig und vermag
daher nicht zu Ergebnissen zu führen, die auf gesamthafter Würdigung der
medizinischen Lage beruhen. Einer solchen Expertise fehlt rechtsprechungsgemäss die
erforderliche Überzeugungs- und Beweiskraft selbst dann, wenn die auf der Grundlage
der vom Experten selbst erhobenen Befunde gezogenen Schlüsse an sich einleuchten
und vom Rechtsanwender prüfend nachvollzogen werden können (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Juli 2008, 9C_51/2008, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
2.2.4 Zusätzliche Zweifel an einer sorgfältigen Beurteilung des Beschwerdeführers
durch die MGSG-Gutachter entstehen auch dadurch, dass für die angestammte,
vorwiegend stehende Tätigkeit mit häufig rotierten Körperhaltungen eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit bescheinigt wurde (act. G 4.1.53-29), die sich mit den Vorakten nicht
vereinbaren lässt. So haben die neurochirurgischen Experten des KSSG im Bericht
vom 5. Oktober 2009 angegeben, dass dem Beschwerdeführer lediglich noch ein
"ergonomischer Arbeitsplatz" mit wechselbelastenden Tätigkeiten (mit einer 50%igen
Einschränkung) zumutbar sei (act. G 4.1.40-5). Bei der angestammten Tätigkeit war
eine Anpassung auf eine wechselbelastende Tätigkeit gerade nicht möglich (EFL-
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Bericht vom 26. August 2009, act. G 4.2, S. 5). Rein stehende Tätigkeiten oder
Tätigkeiten mit Rotationsbewegungen hielten sie nicht mehr für zumutbar (act.
G 4.1.40-5). Die neurochirurgische Einschätzung wurde in der erst nach dem MGSG-
Gutachten ergangenen ausführlichen Beurteilung der Klinik Valens vom 25. Januar
2011 geteilt (act. G 4.1.67-7).
2.2.5 Allein schon angesichts dieser Zweifel ist dem MGSG-Gutachten - das mit
versicherungsinternen medizinischen Entscheidungsgrundlagen zu vergleichen ist (vgl.
vorstehende E. 1.3) - der Beweiswert abzusprechen, weshalb offen bleiben kann, ob
die weiteren vom Beschwerdeführer vorgetragenen Einwände gegen das Gutachten
zutreffen (vgl. hierzu act. G 1, S. 10 ff.). An dieser Auffassung vermag die
Stellungnahme des RAD vom 20. März 2012 (act. G 4.1.87) nichts zu ändern, da diese
nicht geeignet ist, die unvollkommene Voraktenkenntnis der Gutachter zu beheben,
zumal sie nicht auf eigenen fachärztlichen Untersuchungen beruht und sich nicht mit
der neurochirurgischen Beurteilung vom 5. Oktober 2009 auseinandersetzt, worin dem
Beschwerdeführer eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
bescheinigt wurde (act. G 4.1.40-5). Wenn die RAD-Ärztin mit ihren Ausführungen zum
Verhalten des Beschwerdeführers im Rahmen des Einsatzprogramms diesen in ein
ungünstiges Licht rückt (act. G 4.1.87-2), übersieht sie, dass die von ihm geklagten
Beschwerden im Rahmen des Einsatzprogramms auch "als objektiv vorhanden"
bezeichnet wurden (act. G 4.1.44) und im Rahmen der EFL eine zuverlässige
Leistungsbereitschaft bescheinigt wurde (Bericht vom 26. August 2009, act. G 4.2,
S. 3). Da der Bericht der Klinik Valens vom 26. Januar 2011 seinerseits ebenfalls nicht
in Würdigung der umfassenden Voraktenlage erfolgte und keine Aussagen zum
zurückliegenden Arbeitsfähigkeitsverlauf enthält, vermag er das durch die Verneinung
der Beweiskraft des MGSG-Gutachtens entstehende Abklärungsdefizit nicht zu
kompensieren.
2.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Sachverhalt als unzureichend polydisziplinär
abgeklärt. Da das im Verwaltungsverfahren eingeholte Gutachten vor der
Praxisänderung gemäss BGE 137 V 210 angefertigt wurde, mithin die darin neu vom
Bundesgericht formulierten Verfahrensgarantien zugunsten der Versicherten nicht
einbezog und nachträglich den ursprünglichen Beweiswert zwar nicht ganz aber doch
in wesentlichem Umfang (Gleichstellung mit versicherungsinternen Berichten; relativ
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geringe Zweifel führen zur fehlenden Beweistauglichkeit; Urteil des Bundesgerichts
vom 17. September 2012, 9C_148/2012, E. 1.3 f. mit Hinweisen) verlor, liegt aus
beweisrechtlicher Sicht kein vollwertiges versicherungsexternes Gutachten vor bzw. ein
solches wurde bis anhin im Verwaltungsverfahren nicht produziert. Des Weiteren ist in
diesem Zusammenhang die Ausführung des Bundesgerichts zu beachten, wonach sich
die Einschränkung der Befugnis der Sozialversicherungsgerichte, eine Streitsache zur
neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückzuweisen, "komplementär zu den
(gemäss geänderter Rechtsprechung) bestehenden partizipativen Rechten der
Versicherten im Zusammenhang mit der Anordnung eines Administrativgutachten"
verhalte (BGE 137 V 264 E. 4.4.1.3). Im Übrigen erscheint es weder naheliegend noch
sachlich begründet, dass das Bundesgericht die Absicht verfolgte, einerseits die nach
altem Verfahrensstand ergangenen Administrativgutachten rückwirkend in ihrer
Beweiswertigkeit erheblich zu beschränken, sie dann aber andererseits hinsichtlich der
Einschränkung der Sozialversicherungsgerichte betreffend Rückweisungsmöglichkeiten
den nach neuem Standard eingeholten Administrativgutachten gleichzustellen. Eine
Gleichbehandlung der beiden Varianten von Administrativgutachten rechtfertigt sich
allein schon wegen der wesentlich unterschiedlichen Beweiswertigkeit nicht. Da keine
besonderen Umstände vorliegen, die ein Gerichtsgutachten erforderlich machen oder
welche die Beschwerdegegnerin für weitere Abklärungsmassnahmen als ungeeignet
erscheinen lassen, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme eines im
Rahmen des neuen Verfahrensstandards zu ergehenden polydisziplinären
Administrativgutachtens durch eine noch nicht mit dem Fall befasste, unabhängige
Gutachterstelle zurückzuweisen. Die Rückweisung rechtfertigt sich vorliegend umso
mehr, als der rechtskundig vertretene Beschwerdeführer ausdrücklich eine solche
beantragt (act. G 1 und G 6), mithin einem im Rahmen eines fairen Verfahrens
eingeholten Administrativgutachten den Vorzug gibt.
3.
Bei diesem Verfahrensausgang erübrigen sich Ausführungen zur beantragten Heilung
der geltend gemachten Gehörsverletzung (vgl. hierzu act. G 1, S. 9) sowie zur Höhe der
Vergleichseinkommen.
4.
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4.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 13. Januar 2012 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur weiteren
Abklärung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem Ausgang
erübrigt sich die Festlegung einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen
Rechstverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP