Decision ID: 46bb359b-66e7-5338-9599-dcd3c506b63c
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ ist als Oberärztin und Leiterin der Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums
B._ bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) unfallversichert. Am 22. April
2014 liess sie dieser melden, sie habe am 12. April 2014 einen Auffahrunfall erlitten
(UV-act. A 1). Die Klinik für Orthopädie des Spitals C._ diagnostizierte eine
Halswirbelsäulendistorsion (HWS-Distorsion) Quebec Task Force (QTF) II (UV-act. M 1,
11 und 20).
A.b Mit Schreiben vom 15. Oktober 2014 bestätigte die AXA eine
Leistungsanerkennung von sechs Monaten seit dem Unfallereignis (act. G 1.10). Mit
Verfügung vom 16. Dezember 2014 stellte die AXA die Versicherungsleistungen aus der
obligatorischen Unfallversicherung auf Ende Oktober 2014 ein (UV-act. A 44). Die
gegen diese Verfügung am 22. Januar 2015 erhobene Einsprache (UV-act. 51) wies die
AXA mit Einspracheentscheid vom 29. April 2015 ab (UV-act. 64).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid lässt die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) vertreten durch ihren Rechtsvertreter am 29. Mai 2015 unter
Entschädigungsfolge Beschwerde erheben mit dem Rechtsbegehren, der
Einspracheentscheid vom 29. April 2015 sei aufzuheben, der Beschwerdegegnerin
seien die gesetzlichen Heilbehandlungskosten und Taggelder zu bezahlen und es sei
davon Vormerk zu nehmen, dass die Verneinung der Adäquanz, soweit nach
Rechtslage und Endzustand erfolgend, akzeptiert werde (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 17. Juni 2015 beantragt die AXA (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
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B.c Mit Replik vom 23. Oktober 2015 (act. G 11) und Duplik vom 7. Januar 2016 (act.
G 15) bestätigen die Parteien ihre Standpunkte.
B.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
1.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Die versicherte Person hat
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung von Unfallfolgen (Art. 10 UVG) sowie auf
ein Taggeld, wenn sie infolge eines Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (im Sinn
des Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) ist.
1.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität,
Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise
beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann.
Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität
der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit
Hinweisen).
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1.3 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als
adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von
der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das
Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V
456 E. 5a).
1.4 Wenn der Unfallversicherer den natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und einer entsprechenden Gesundheitsschädigung einmal
anerkannt hat und entsprechende Leistungen erbringt, entfällt die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht (mehr) die natürliche und adäquate
Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur noch und
ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft zu, wenn entweder der
(krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328
E. 3b mit Hinweisen). Der Unfallversicherer hat jedoch nicht den Beweis für
unfallfremde Ursachen zu erbringen, sondern nur darzutun, dass die unfallbedingten
Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 27. Februar 2004, U 29/03, E. 3.1).
2.
2.1 Streitig ist, ob die Leistungen, welche von der Beschwerdegegnerin im Sinne des
UVG im Anschluss an das Unfallereignis vom 12. April 2014 ausgerichtet wurden, auf
den 31. Oktober 2014 eingestellt werden durften.
2.2 Vor dem hier überwiegend interessierenden Unfall vom 12. April 2014 verunfallte
die Beschwerdeführerin im Dezember 2010 auf einer Rutsche im D._ und schlug sich
den Kopf rechts an. Als Folge davon beklagte sie vorwiegend Nackenschmerzen,
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Kopfschmerzen und Trümmel. Die Untersuchung war neurologisch unauffällig und die
HWS-Rotation frei, jedoch mit zervikaler Dysfunktion. Der Verlauf gestaltete sich
positiv, aber immer wieder mit Rezidiven (UV-act. M 7 f.). Die Beschwerdeführerin war
aufgrund des vorgenannten Unfalls in physiotherapeutischer und ärztlicher
Behandlung. Die Behandlung war im Mai 2012 abgeschlossen. Im weiteren Verlauf
traten im Sommer 2012 erneut zervikale Beschwerden auf, welche zu einer
Physiotherapie bis September 2012 führten (UV-act. M 5).
2.3 Beim Unfall vom 12. April 2014 prallte unbestrittenermassen ein Lenker mit seinem
Personenwagen auf das Heck des Personenwagens der angegurteten, jedoch
unvorbereiteten Beschwerdeführerin. Die Unfallanalyse vom 17. Juni 2014 ergab, dass
die berechnete kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) beim
Heckanstoss 2.4 bis 4.7 km/h betrug (UV-act. A 6). Die Beschwerdeführerin gab bei der
Notfallkonsultation am Unfalltag an, sie habe sofort Nackenschmerzen gehabt. Auch
habe sie Mühe mit der Atmung gehabt und Schwindel sowie Übelkeit verspürt, wobei
sie dies im Zusammenhang mit der Schreckreaktion nach dem Unfall sehe. Im Verlauf
hätten sich zusätzlich frontale Kopfschmerzen entwickelt. Sie sei nicht bewusstlos
gewesen und Fieber sowie Erbrechen seien nicht aufgetreten (UV-act. M 11). Im
Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem
Beschleunigungstrauma vermerkten die Ärzte des Spitals C._ zusätzlich, dass die
Kopfstellung beim Aufprall gerade gewesen sei. Im Weiteren wurde die HWS geröntgt
(UV-act. M 1). Organisch-strukturelle Unfallfolgen wurden durch die bildgebende
Untersuchung ausgeschlossen und auch neurologisch war keine ursächliche
strukturelle Läsion festzustellen (UV-act. M 4, 10 und 11).
2.4 Mit Beurteilung vom 6. November 2014 spricht Dr. med. E._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Zentrum F._,
von einem sehr protrahierten Verlauf nach HWS-Distorsion QTF II. Es sei aber zu
berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin eine äusserst anspruchsvolle Arbeit mit
sehr hoher Verantwortung ausübe und die noch reduzierte Arbeitsfähigkeit der einzige
Weg sei, dass sie Freiräume für kurze Erholungspausen erzwingen könne (UV-act. M
10). Im Verlauf seit dem Unfall vom 12. April 2014 attestierten die behandelnden Ärzte,
Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, und Dr. E._ der
Beschwerdeführerin vom 12. April bis am 11. Mai 2014 eine 100%-ige
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Arbeitsunfähigkeit. Danach bescheinigten sie ihr bis am 18. Mai 2014 eine 70%-ige, bis
Ende Mai 2014 eine 60%-ige, bis Ende Juli 2014 eine 50%-ige, bis Ende September
2014 eine 40%-ige, bis Ende März 2015 eine 30%-ige, bis Ende Juni 2015 eine 20%-
ige und bis Ende Juli 2015 eine 10%-ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.11 und 11.2). Per
20. Juli 2015 war die Beschwerdeführerin wieder 100% arbeitsfähig (act. G 11.2).
2.5 Der Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin, Dr. med. H._, führt mit Bericht vom
24. November 2014 aus, es könne klar gesagt werden, dass es bei der
Beschwerdeführerin – bei der offenbar ein bekannter Vorzustand der HWS mit
intermittierenden Schmerzzuständen im Bereich des Nackens sowie einer beruflichen
Belastungsproblematik vorliege – zu einer (vorübergehenden) Verschlechterung des
Zustands aufgrund des Unfallereignisses vom 12. April 2014 gekommen sei. Die rein
weichteilbedingten Beschwerden, wie sie in diesem Fall dokumentiert seien, würden
aber keine so lange Arbeitsunfähigkeit begründen. Der Unfall könne mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für die noch vorliegende Beschwerdeproblematik nicht ursächlich
sein. Auch bei einem gravierenden Vorzustand sollten die Beschwerden bei diesem
Unfallereignis spätestens sechs Monate danach folgenfrei abgeheilt sein (UV-act. M
12).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin lässt ausführen, dass durch die ärztlichen Behandlungen
seit dem Unfallereignis am 12. April 2014 bis zu ihrer vollen Arbeitsfähigkeit ab dem 22.
Juli 2015 durch die stetige Steigerung der Arbeitsfähigkeit eine namhafte Besserung
des Gesundheitszustands habe erzielt werden können. Dementsprechend habe sie
auch über den 31. Oktober 2014 hinaus Anspruch auf Leistungen der
Beschwerdegegnerin.
3.2 Sinngemäss wird somit geltend gemacht, dass die Beschwerdegegnerin den Fall
zu früh abgeschlossen habe. Voraussetzung für einen rechtmässigen Fallabschluss ist,
dass von der Fortsetzung der ärztlichen unfallbedingten Behandlung überwiegend
wahrscheinlich keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes im Sinne von
Art. 19 Abs. 1 UVG mehr zu erwarten war (BGE 134 V 114 f. E. 4.2). Unstrittig wäre die
mittels Arztzeugnissen ausgewiesene Erhöhung der Arbeitsfähigkeit von 70% (bei
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Fallabschluss am 31. Oktober 2014) auf 100% (am 22. Juli 2015; vgl. vorstehend Ziff.
2.4) als namhafte Besserung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin zu
qualifizieren (Urteil des Bundesgerichts vom 14. August 2008, E. 4.3). Umstritten und
nachfolgend zu prüfen ist, ob die Arbeitsunfähigkeit von 30% per Fallabschluss als
(teil)unfallbedingt einzustufen ist. Diese Voraussetzung ist erfüllt, sofern der natürliche
und adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 12. April 2014 und den
bestehenden Beschwerden bzw. der teilweisen Arbeitsunfähigkeit per 31. Oktober
2014 gegeben ist. Nur in diesem Fall führt die namhafte Besserung des
Gesundheitszustands im Sinne der Steigerung der Arbeitsfähigkeit ab dem 31. Oktober
2014 dazu, dass die Beschwerdegegnerin den Fall nicht hätte abschliessen dürfen.
4.
4.1 Ist ein Schleudertrauma der HWS diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung
typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse
Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit,
rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression,
Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit in der
Regel anzunehmen. Gemäss obiger Begriffsumschreibung genügt es für die Bejahung
des natürlichen Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für eine bestimmte
gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 360 f. E. 4b).
4.2 Durch die verschiedenen Arztberichte ist ein Schleudertrauma QTF II
diagnostiziert. Die Beschwerdeführerin beklagt seit dem Unfall typische Beschwerden,
namentlich Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und in der Folge rasche Ermüdbarkeit
(UV-act. M 1, 11 und 20), wie sie für ein diagnostiziertes Schleudertrauma typisch sind.
Gestützt auf das von der Beschwerdeführerin geschilderte Beschwerdebild und die
Arztberichte ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den
danach eingetretenen Beschwerden damit grundsätzlich gegeben. Eine abschliessende
Klärung der Frage, ob und wie lange der natürliche Kausalzusammenhang vorliegend
tatsächlich gegeben ist, kann jedoch unterbleiben, nachdem – wie sich nachfolgend
zeigen wird – ein natürlicher Kausalzusammenhang spätestens bei Leistungseinstellung
per 31. Oktober 2014 nicht adäquat und damit nicht rechtsgenüglich wäre. Die Prüfung
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der Adäquanz ist entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin auf den zu
beurteilenden Zeitpunkt von Relevanz, zumal die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs lediglich eine Leistungspflicht des Unfallversicherers
begründet, wenn auch ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist (vgl.
vorstehend Ziff. 1.3). Mangels Hinweisen für das Bestehen psychischer
Beeinträchtigungen hat die Adäquanzprüfung nach der sogenannten
Schleudertraumapraxis (BGE 117 V 359, modifiziert in BGE 134 V 109) und nicht nach
der Psychopraxis (BGE 115 V 133) zu erfolgen.
5.
5.1
Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und
den infolge eines Schleudertraumas der HWS auch nach Ablauf einer gewissen Zeit
nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die nicht auf
organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen sind, ist im Einzelfall zu
verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der
Arbeits- bzw. der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine
gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Es ist
demnach zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten
ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung ist bei leichten Unfällen in der
Regel ohne weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne weiteres zu bejahen,
wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit
einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist
und abhängig davon, ob einzelne Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt
sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder
müssen mehrere herangezogen werden (BGE 117 V 366 ff. E. 6.a und b). Als Kriterien
nennt die Rechtsprechung a) besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls, b) die Schwere oder besondere Art der erlittenen
Verletzungen, c) fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung, d) erhebliche
Beschwerden, e) ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert, f) schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Kompli¬kationen und g)
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erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen (BGE 134 V 130 E.
10.3). Diese Aufzählung ist abschliessend (BGE 134 V 127 E. 10.2).
5.2 Nachdem unbestrittenermassen durch den Unfall vom 14. April 2014 organisch-
strukturelle Unfallfolgen durch die bildgebende Untersuchung ausgeschlossen werden
konnten und auch neurologisch keine ursächliche strukturelle Läsion festzustellen war,
ist bei der weiteren Adäquanzprüfung die Schwere des Unfalls aufgrund des
augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu
beurteilen (BGE 134 V 126 f. E. 10.1). Die fragliche Kollision – mit einem Delta-v von 2.4
bis 4.7 km/h (UV-act. A 6) – wird rechtsprechungsgemäss regelmässig als leichtes oder
als mittelschweres, an der Grenze zu den leichten Unfällen liegendes Ereignis
qualifiziert (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2004, U 61/03, E. 4.3).
Auch die aktenkundigen Fahrzeugschäden geben vorliegend zu keiner anderen
Beurteilung Anlass. Von den weiteren massgeblichen Kriterien müssten bei der
gegebenen Unfallschwere für eine Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs
entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter oder aber mehrere in gehäufter oder
auffallender Weise gegeben sein (BGE 134 V 126 f. E. 10.1 und Urteil des
Bundesgerichts vom 29. Januar 2004, 8C_897/2009, E. 4.5). Offen bleiben kann, ob
das Ereignis den leichten oder aber den mittelschweren im Grenzbereich zu den
leichten liegenden Unfällen zuzuordnen ist. Denn auch bei einem als leicht zu
qualifizierenden Unfall ist der adäquate Kausalzusammenhang – als Ausnahme zur
Regel – dann zu prüfen, wenn er unmittelbare Unfallfolgen zeitigt, die sich nicht
offensichtlich als unfallunabhängig erweisen. Dabei sind die Kriterien, die für Unfälle in
mittleren Bereich gelten, heranzuziehen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober
2004, U 61/03, E. 4.3). Diese Voraussetzung ist aufgrund des Beschwerdebilds der
Beschwerdeführerin erfüllt (vgl. vorstehend Ziff. 2.3). Unter diesen Umständen ist
unabhängig davon, ob der Unfall als leicht oder als mittelschwer zu qualifizieren ist,
eine besondere Adäquanzbeurteilung durchzuführen.
5.3 Der Unfall vom 4. April 2014 hat sich weder unter besonders dramatischen
Begleitumständen ereignet noch war er von besonderer Eindrücklichkeit. Dieses
Kriterium ist ohne weiteres zu verneinen.
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5.4 Die Beschwerdeführerin hat auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen
besonderer Art erlitten. Die Diagnose eines HWS-Schleudertraumas bzw. einer HWS-
Distorsion vermag für sich allein die Schwere oder besondere Art der erlittenen
Verletzung nicht zu begründen (BGE 134 V 127 f. E. 10.2.2). Daran ändert auch die
HWS-Problematik, welche die Beschwerdeführerin aufgrund des Unfalls vom
Dezember 2010 (vgl. vorstehend Ziff. 2.2) hatte, nichts. Eine erhebliche Vorschädigung
der HWS durch jenen Unfall ist nicht ausgewiesen und wird auch mit dem
Notfallkonsultationsbericht vom 17. April 2014 nicht bestätigt, welcher von normalem
Alignement und normaler Konfiguration der Wirbelkörper sowie von normalen
prävertebralen Weichteilen bei der HWS spricht (UV-act. M 11). Dementsprechend ist
die seitens der Beschwerdeführerin geltend gemachte erhöhte Vulnerabilität nicht
überwiegend wahrscheinlich. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass der
Sachverhalt objektiviert zu betrachten ist und allfällig unfallfremde Probleme, wie eine
hohe Belastung am Arbeitsplatz, nicht entscheidend sind für die Beurteilung des
adäquaten Kausalzusammenhangs (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015,
8C_34/2015, E. 4.3.4).
5.5 Was das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung
betrifft, ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nach dem Unfall vom 12. April
2014 mit initialer Behandlung im Spital C._ und anschliessender Physiotherapie (UV-
act. M 3 und 5) bis Juni 2014 mehrmals monatlich, danach monatlich bis zumindest
Juli 2015 in Behandlung bei ihrem Hausarzt Dr. G._ war (act. G 1.11 und 11.2). Ab
November 2014 bis Oktober 2015 war die Beschwerdeführerin zusätzlich, rund jeden
zweiten Monat, bei Dr. E._ in Behandlung (UV-act. M 10 und 14, act. 1.12, 1.18, 11.1
und 11.3). Nebst Medikamenten wurde der Beschwerdeführerin im November 2014 ein
Schaumstoffkragen abgegeben sowie weitere Physiotherapie verordnet (UV-act. M 10).
Ferner wurden im Jahr 2015 Akupunkturbehandlungen durchgeführt und es wurde eine
osteopathische Behandlung angeregt (act. G 11.3). In Anbetracht dieser Aktenlage
kann eine fortgesetzt spezifische, die Beschwerdeführerin belastende ärztliche
Behandlung im Sinn der Rechtsprechung (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 13.
Juni 2008, 8C_331/2007, E. 4.2.3) weder hinsichtlich der Art der Behandlungen noch
aufgrund der Behandlungsdauer oder des Behandlungsumfangs bejaht werden.
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5.6 Adäquanzrelevant können im Weiteren in der Zeit zwischen dem Unfall und dem
Fallabschluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden
sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der
Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im
Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 128 E. 10.2.4). Gemäss dem Arztbericht vom 6.
November 2014 beklagte die Beschwerdeführerin, dass sie im ersten Monat nach dem
Unfall fast nur geschlafen habe und die Müdigkeit und die verminderte Belastbarkeit
noch immer ein Problem seien. Jede Nacht wache sie auf und müsse sich bewegen.
Mit 70%-igem Arbeitspensum sei sie am Rande der Belastbarkeit. Sie verspüre noch
immer Muskelverspannungen und Übelkeit, wobei sie dies mit der Einnahme von
Medikamenten in Verbindung bringe. Weiter beklagte sie gemäss vorgenanntem
Bericht kognitive Einschränkungen und Konzentrationsstörungen, welche sich vor
allem in Wortfindungsstörungen zeigten (UV-act. M 10). Angesichts dieser Aktenlage
kann das Kriterium von ohne wesentlichen Unterbruch bestehenden erheblichen
Beschwerden allenfalls in geringem Umfang als erfüllt gelten.
5.7 Demgegenüber können ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen aufgrund der medizinischen Akten nicht als gegeben erachtet werden.
Wie unter Ziff. 5.5 erwähnt, absolvierte die Beschwerdeführerin Physiotherapie- und
später – nach Fallabschluss durch die Beschwerdegegnerin – auch Akupunktur- und
Osteopathie-Sitzungen. Zudem besuchte sie rund monatlich ihren Hausarzt und
insgesamt sechsmal – ebenfalls nach Fallabschluss – einen Facharzt. Aus der
Behandlungsintensität bis zum Fallabschluss und auch danach sowie aus dem
Umstand, dass trotz der Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine
(vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bis zu 31. Oktober 2014
erreicht werden konnte, kann jedoch nicht schon auf ein Erfüllen des Kriteriums des
schwierigen Heilungsverlaufes geschlossen werden. Dazu bedürfte es nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung besonderer Gründe, welche die Heilung
beeinträchtigt haben (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2008,
8C_252/2007, E. 7.6). Solche Gründe bestehen hier nach Lage der Akten nicht. Es
kamen zwar verschiedene Therapien zur Anwendung, es liegen indes weder
besondere, den Heilungsverlauf beeinträchtigende Gründe noch Komplikationen vor.
Dieses Kriterium ist deshalb nicht erfüllt. Ebenso wenig steht eine die Unfallfolgen
erheblich verschlimmernde ärztliche Fehlbehandlung zur Diskussion.
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5.8 Was schliesslich das Kriterium der Arbeitsfähigkeit anbelangt, ist gemäss BGE 134
V 129 f. E. 10.2.7 dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis
mittelschweren Schleudertraumen der HWS und leichten Schädelhirntraumen ein
längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen
Standpunkt aus eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist
daher massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu
überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Konkret
muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder in
den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person
können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher
Unannehmlichkeiten manifestieren. Sodann können Bemühungen um alternative, der
gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht
fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss in erheblichem Masse arbeitsunfähig
ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE
134 V 129 f. E. 10.2.7). Die Beschwerdeführerin hat sich nach ihren Angaben mit
konsequentem Training bemüht, ihre Arbeitsfähigkeit stetig zu steigern (UV-act. M 5
und 14). Bis zur Leistungseinstellung, rund sechs Monate nach dem Unfall vom 12.
April 2014, erreichte sie gemäss den behandelnden Ärzten eine Arbeitsfähigkeit von
70% (vgl. vorstehend Ziff. 2.4). Das Kriterium der erheblichen – zugunsten der
Beschwerdeführerin angenommenen unfallbedingten – Arbeitsunfähigkeit bis zum 31.
Oktober 2014 trotz Anstrengungen kann bei diesem Sachverhalt als erfüllt betrachtet
werden, wenn auch nicht im besonderen Umfange.
5.9 Nach dem Gesagten sind lediglich erhebliche Beschwerden sowie die erhebliche
Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen zu bejahen. Da keines dieser
zwei Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, genügt dies bei
vorliegendem Unfall nicht zur Bejahung der Adäquanz allfälliger noch vorhandener
unfallbedingter Beschwerden über den 31. Oktober 2014 hinaus. Der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den geklagten Beschwerden ist
spätestens per Leistungseinstellung nicht (mehr) gegeben. Hieran ändert nichts, dass
die Beschwerdegegnerin während rund einem halben Jahr Heilungskosten und
Taggelder ausrichtete, nachdem zu entscheiden ist, ob der adäquate
Kausalzusammenhang im Zeitpunkt der Leistungseinstellung gegeben war (Urteile des
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EVG vom 10. Mai 2004, U 199/03, E. 2.3.1 und vom 6. Mai 2003, U 6/03, E. 4.2.1). Dies
ist aufgrund des Ausgeführten zu verneinen.
6.
Nachdem die Adäquanz zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung am 31. Oktober 2014
zu verneinen ist, kann offen bleiben, ob der natürliche Kausalzusammenhang gegeben,
bzw. ob und wann der Status quo sine bzw. Status quo ante eingetreten war, weshalb
von weiteren medizinischen und anderen Abklärungen abzusehen ist. Die kausale
Bedeutung allfällig unfallbedingter Ursachen des Gesundheitsschadens der
Beschwerdeführerin ist spätestens per 31. Oktober 2014 dahingefallen und der
Fallabschluss auf diesen Zeitpunkt zu Recht erfolgt. Mit anderen Worten gelingt der
Beschwerdegegnerin aufgrund fehlender Adäquanz mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit der Beweis, dass der Status quo sine bzw. Status
quo ante zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung erreicht und eine unfallbedingte
Notwendigkeit einer therapeutischen Weiterbehandlung über den 31. Oktober 2014
hinaus nicht gegeben war. Damit hat die Beschwerdegegnerin die Leistungen per 31.
Oktober 2014 zu Recht eingestellt. Die Beschwerde ist abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.