Decision ID: 9e50e99d-336a-41fb-94c9-f506d3975bfb
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte Nötigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht in Strafsachen, vom 16. Mai 2013 (GG130005)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 21. Januar 2013
(Urk. 38) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
Fr. 150.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr Strafuntersuchung.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Gerichtsgebühr um einen Drittel.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Geschädigten für das gesamte Ver-
fahren eine Parteientschädigung von Fr. 4'796.65 zu bezahlen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 69 S. 1)
1. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der versuchten Nötigung freizu-
sprechen.
2. Es seien die Kosten der Untersuchung sowie des erst- und zweitin-
stanzlichen Gerichtsverfahren auf die Staatskasse zu nehmen und es
sei dem Beschuldigten für die Kosten der Verteidigung sowohl für das
erst- wie auch das zweitinstanzliche Verfahren eine angemessene Ent-
schädigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
3. Eventualiter sei im Falle eines Schuldspruchs wegen versuchter Nöti-
gung gestützt auf Art. 52 StGB von einer Bestrafung abzusehen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 62, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
Gegen das im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Uster,
Einzelgericht in Strafsachen, vom 16. Mai 2013, mit welchem der Beschuldigte
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wegen versuchter Nötigung mit einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen
zu Fr. 150.– bestraft wurde, meldete der Beschuldigte mit Eingabe vom 16. Mai
2013 Berufung an (Urk. 53). Nach Erhalt des begründeten Urteils ging fristgerecht
auch die Berufungserklärung ein (Urk. 58). Mittels Präsidialverfügung vom 6. No-
vember 2013 wurde diese der Staatsanwaltschaft sowie dem Privatkläger zuge-
stellt (Urk. 60). Beide verzichteten auf Anschlussberufung und die Staatsanwalt-
schaft zusätzlich auf Stellung eines Antrags (Urk. 62 und 63).
Der Beschuldigte focht das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich an und be-
antragte in seiner Berufungserklärung einen Freispruch unter Zusprechung einer
angemessenen Prozessentschädigung sowie Kostenübernahme durch die
Staatskasse und Abweisung des Antrags des Privatklägers auf Ausrichtung einer
Parteientschädigung (Urk. 58).
Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der Beschuldigte die eingangs
erwähnten Anträge. Beweisanträge wurden keine gestellt.
II. Schuldpunkt
1. Der eingeklagte Sachverhalt ist in Übereinstimmung mit der Schluss-
folgerung der Vorinstanz als rechtsgenügend erstellt zu betrachten und im Übri-
gen vom Beschuldigten unbestritten geblieben. Die Verteidigung führte aus, es sei
auch die Vorgeschichte zu beachten, wonach der Beschuldigte nach der ersten
Kontaktaufnahme mit dem Privatkläger davon ausgegangen sei, er würde zu ei-
nem Erstgespräch eingeladen (Urk. 69 S. 4 f.). Wird jedoch auf den Wortlaut der
ersten E-Mail des Beschuldigten, welcher als deutscher Arzt eine ausgeprägte
Formulierungsgabe besitzt, abgestellt, so bestand aus Sicht des Privatklägers
kein Bedarf für ein Gespräch. Der Beschuldigte fügte der E-Mail vom 19. Januar
2010 die wichtigsten Schriftenwechsel bei und erkundigte sich, ob eine Klage vor
dem Bundesverwaltungsgericht Chancen auf Erfolg hätte. Des Weiteren wies er
auf die 30-tägige Frist zur Einreichung einer Klage hin und vermerkte, dass er
über eine kurzfristige Antwort dankbar wäre (Urk. 6b S. 1). Für den Privatkläger
war nicht erkennbar, dass der Beschuldigte zuerst ein Gespräch suchte, weshalb
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er ohne Rückfrage aktiv werden konnte. Er rechnete mit einem Aufwand im Baga-
tellbereich von rund zwei Stunden bei einem Honorar von weniger als Fr. 1'000.–
und konnte deshalb davon ausgehen, ein gutverdienender Arzt wäre dies zu zah-
len bereit.
2. Der Beschuldigte stellte dem Privatkläger in seinem Schreiben vom
11. März 2010 in Aussicht, im Falle der Nichtakzeptanz der Reduktion des Hono-
rars auf Fr. 100.–, den VSAO (Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärz-
tinnen und -ärzte) über die Verfahrens- und Honorarforderungspraxis des  zu informieren, um so sicherzustellen, dass dieser künftig von dort nicht
mehr anderen Mitgliedern empfohlen werde. Ferner werde er im Falle einer Fort-
setzung der Honorarforderung den Anwaltsverband einschalten, um auch dort
über die höchst fragwürdige Verfahrenspraxis des Privatklägers zu informieren
und diese unterbinden zu lassen (Urk. 2/3 S. 2).
In rechtlicher Hinsicht macht die Verteidigung geltend, der Privatkläger ge-
niesse beim VSAO einen sehr guten Ruf, woran die negative Rückmeldung des
Beschuldigten wohl kaum etwas geändert hätte (zumindest wäre zu erwarten ge-
wesen, dass dem Privatkläger das "rechtliche Gehör" gewährt worden wäre und
er so seine Sicht der Dinge hätte einbringen können). Damit scheitere es unter
aquisitorischen und monetären Gesichtspunkten bereits an der Ernstlichkeit des
angedrohten Nachteils und der unzulässigen Freiheitsbeschränkung beim Dro-
hungsadressaten. Des weiteren bestehe ein sachlicher Konnex zwischen den in
Aussicht gestellten Massnahmen und dem Prozedere betreffend Mandatsüberprü-
fung resp. der strittigen Honorarforderung. Im Ergebnis fehle es somit sowohl am
tatbestandsmässigen Handeln sowie auch an der Rechtswidrigkeit (Urk. 49 S. 9
f.).
3. Die Vorinstanz äusserte sich umfassend zu den rechtlichen Vorausset-
zungen des Tatbestands der Nötigung, worauf verwiesen werden kann (Urk. 57
S. 4 ff.). Wie sie zutreffend festgehalten hat, liess sich der Privatkläger gemäss
dem unbestrittenen Sachverhalt von den Androhungen des Beschuldigten nicht
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beeindrucken und reduzierte seine Honorarforderung nicht, weshalb vorliegend
einzig eine versuchte Nötigung in Betracht kommt.
Vorliegend hing es objektiv nicht vom Willen des Beschuldigen ab, ob dem
Privatkläger wieder Mandate durch den VSAO vermittelt werden. Allerdings hat
der Beschuldigte beim Privatkläger den durchaus ernstzunehmenden Eindruck
erweckt, er könne darauf Einfluss nehmen, indem er in seinem Schreiben erwähn-
te, durch die Information des VSAO sicherzustellen, dass der Privatkläger ande-
ren Mitgliedern nicht mehr empfohlen werde. Er wies zudem darauf hin, ein lang-
jähriges Mitglied des VSAO zu sein, dessen Zweck die Wahrung der beruflichen,
standespolitischen und wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder auf nationaler
Ebene ist (Urk. 50/2). Der Beschuldigte stellte den Eintritt des Übels als von sei-
nem Willen abhängig hin und drohte einen Nachteil im Sinne von Art. 181 StGB
an. Es liegt somit keine blosse Warnung mehr vor, sondern die Drohung erweist
sich als ernstlich und war geeignet, eine besonnene Person in der Lage des Pri-
vatklägers zu einem bestimmten Verhalten zu motivieren. Der Privatkläger wird
jeweils vom VSAO für die Übernahme von Rechtsstreitigkeiten dessen Mitgliedern
empfohlen; er ist hingegen nicht als Verbandsanwalt des VSAO tätig. Er hat ein
wirtschaftliches Interesse daran, seinen guten Ruf gegenüber dem VSAO zu wah-
ren, um auch in Zukunft als Rechtsanwalt vermittelt zu werden. Auch wenn, wie
die Verteidigung ausführte, im Durchschnitt pro Jahr ein bis zwei Empfehlungen
durch den VSAO für den Privatkläger abgegeben wurden (Urk. 69 S. 13), so kön-
nen die sich daraus ergebenden Mandate durchaus sehr lukrativ sein. Es er-
scheint zudem fraglich, ob der Privatkläger sich gegen sämtliche Vorwürfe des
Beschuldigten erfolgreich hätte zur Wehr setzen und seinen Ruf vollständig wie-
derherstellen können, hätte er beim VSAO seine Sicht der Dinge einbringen kön-
nen. Die Androhung eines solchen Nachteils ist nach seinem objektiven Ausmass
geeignet, den Privatkläger in seiner Handlungsfähigkeit wesentlich zu beeinflus-
sen. Dass er sich nicht hat beeinflussen lassen, ändert daran nichts. In objektiver
Hinsicht ist der Tatbestand der versuchten Nötigung erfüllt.
Anders ist die Aussage des Beschuldigten zu werten, er werde den Anwalts-
verband informieren, um die höchst fragwürdige Verfahrenspraxis des Privatklä-
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gers unterbinden zu lassen. Der Beschuldigte gibt hier gar nicht erst vor, auf die
Entscheidfindung des Anwaltsverbands Einfluss zu haben. Beim Anwaltsverband
handelt es sich zudem um den Berufsverband des Privatklägers, weshalb ihm
dessen Verfahrensabläufe und Sanktionsmöglichkeiten bekannt sind. Dem Privat-
kläger musste somit klar sein, dass die Information gegenüber dem Anwaltsver-
band oder dessen Honorarprüfungskommission keine ernstlichen Konsequenzen
für ihn haben konnte. Somit fehlt es an der Ernstlichkeit der angedrohten Nachtei-
le und es liegt bezüglich dieser Textpassage keine versuchte Nötigung vor.
In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz gefordert, der sich auf die Beeinflussung
und das abgenötigte Verhalten beziehen muss, wobei Eventualvorsatz genügt.
Bereits vor besagtem Schreiben vom 11. März 2010 korrespondierten die Partei-
en, ohne sich jedoch über die Höhe des geschuldeten Honorars einig zu werden.
Erst nach erfolgloser Einigung drohte der Beschuldigte mit dem erwähnten Vor-
gehen, sollte sich der Privatkläger nicht mit einem Entgelt in der Höhe von
Fr. 100.– begnügen. Der Beschuldigte wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, in wel-
chem Umfang der Privatkläger vom VSAO empfohlen wurde. Auch wenn sein Mo-
tiv und Handlungsziel war, andere Mitglieder zu schützen, so nahm er durch diese
Androhung zumindest in Kauf, den Privatkläger in seinen wirtschaftlichen Interes-
sen zu tangieren und ihn somit in seiner freien Willensbildung und -betätigung zu
beschränken. Der subjektive Tatbestand ist damit erfüllt.
Beim Tatbestand der Nötigung ist zusätzlich die Voraussetzung der Wider-
rechtlichkeit zu prüfen. Eine solche liegt vor, wenn das Mittel oder der Zweck un-
erlaubt ist oder wenn das Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhält-
nis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel
und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist. Letzteres
trifft insbesondere zu, wenn zwischen dem Gegenstand der Drohung und der be-
absichtigten Forderung kein sachlicher Zusammenhang besteht (BGE 106 IV 125
E. 3).
Zwischen dem Vergleichsangebot des Beschuldigten, dem Privatkläger
Fr. 100.– unter Abgeltung sämtlicher Ansprüche zu bezahlen, und der Drohung,
bei Nichtannahme dieses Angebots den VSAO über die Verfahrens- und Honorar-
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forderungspraxis zu informieren, um so sicherzustellen, dass der Privatkläger
künftig nicht mehr anderen Mitgliedern empfohlen werde, besteht entgegen der
Ansicht der Verteidigung kein unmittelbarer sachlicher Zusammenhang. Mit dieser
Drohung wollte der Beschuldigte eine erhebliche Reduktion der Forderung des
Privatklägers durchsetzen, wobei der Stundenansatz von Fr. 50.–, den der Be-
schuldigte offerierte, für anwaltliche Tätigkeit offensichtlich unangemessen gewe-
sen wäre. Bereits mit der Verknüpfung der Durchsetzung des teilweisen Forde-
rungsverzichts mit der angedrohten Intervention beim VSAO wird die Nötigung
rechtswidrig. Gleiches folgt aus dem offensichtlichen Missverhältnis des Mittels
zum erstrebten Zweck: Beim streitigen Honorar geht es um einen Betrag in der
Höhe von Fr. 629.45 (Urk. 2/2), der Beschuldigte wollte mit seiner Information an
den VSAO jedoch sicherstellen, dass dem Privatkläger künftig überhaupt keine
Mandate mehr vermittelt werden sollen. Die Nachteile, welche dem Privatkläger
dadurch entstanden wären, wären in keinem Verhältnis mehr gewesen zum finan-
ziellen Vorteil, den der Beschuldigte mit seiner Drohung erwirken wollte.
4. Schuldausschlussgründe sind keine ersichtlich, weshalb der Beschul-
digte der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist.
III. Strafbefreiung
Gemäss Art. 52 StGB sieht die zuständige Behörde von einer Strafverfol-
gung, einer Überweisung an das Gericht oder von einer Bestrafung ab, wenn
Schuld und Tatfolgen geringfügig sind. Eine Strafbefreiung kommt nur bei Delik-
ten in Frage, bei denen keinerlei Strafbedürfnis besteht. Auch bei einem Bagatell-
delikt kann daher wegen Geringfügigkeit von Schuld und Tatfolgen eine Strafbe-
freiung nur angeordnet werden, wenn es sich von anderen Fällen mit geringem
Verschulden und geringen Tatfolgen qualitativ unterscheidet. Das Verhalten des
Täters muss im Quervergleich zu typischen unter dieselbe Gesetzesbestimmung
fallenden Taten insgesamt - vom Verschulden wie von den Tatfolgen her - als un-
erheblich erscheinen, so dass die Strafbedürftigkeit offensichtlich fehlt. Die Be-
hörde hat sich mithin am Regelfall der Straftat zu orientieren. Sind die Vorausset-
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zungen erfüllt, so ist die Strafbefreiung zwingend. Stellt erst das Gericht die Vor-
aussetzungen für das fehlende Strafbedürfnis fest, so erfolgt keine Verfahrens-
einstellung, sondern ein Schuldspruch bei gleichzeitigem Strafverzicht (BGE 135
IV 130 E. 5.3.2 und 5.3.3). Die Würdigung des Verschuldens des Täters richtet
sich nach den in Art. 47 StGB aufgeführten Strafzumessungskriterien. Die Vor-
instanz hat die Voraussetzungen detailliert aufgeführt, worauf verwiesen werden
kann (Urk. 57 S. 17 f.).
Der Beschuldigte war zunächst über die nicht bestandene Prüfung frustriert
und unterlag im internen Verfahren, weshalb er mit seiner Anfrage an einen An-
walt gelangte. Dieser teilte ihm nicht nur mit, das Unterfangen sei aussichtslos
und er werde einen allfälligen Prozess nicht führen, sondern stellte eine nicht un-
erhebliche Rechnung. Mit dieser Antwort war der Beschuldigte nachvollziehbar
höchst unzufrieden; er fühlte sich vom Privatkläger übergangen und verfasste da-
raufhin das inkriminierte Schreiben (Prot. II S. 8). Der Beschuldigte wollte sich ei-
nen Vermögensvorteil in der Höhe von rund Fr. 500.– verschaffen und gab zur Er-
reichung seines Ziels vor, Einfluss darauf zu haben, dass dem Privatkläger von
Seiten des VSAO keine weiteren Mandate mehr zukommen würden. Irrigerweise
will er davon ausgegangen sein, die Erstberatung sei unentgeltlich, wie dies auf
der Homepage des VSAO hinsichtlich der Beratung durch die Juristen der VSAO-
Sektionen vermerkt ist (Urk. 50/1). Seine E-Mail an den Privatkläger stellte jedoch
einen Auftrag zur anwaltlichen Vorabklärung der Erfolgschancen für eine allfällige
Klage vor Bundesverwaltungsgericht dar, ein Auftrag, der üblicherweise entgelt-
lich ist.
In persönlicher Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte weder
in der Schweiz noch in Deutschland vorbestraft ist. Nach Beendigung eines hu-
manitären Einsatzes in ... (Urk. 36 S. 5) arbeitet er heute als ...-Arzt im Kan-
tonsspital .... Vor der Staatsanwaltschaft erklärte sich der Beschuldigte zudem
bereit, zu einer gütlichen Einigung Hand zu bieten, was jedoch an der Weigerung
des Privatklägers scheiterte (Urk. 7). Das Tatverschulden des Beschuldigten ist
insgesamt als sehr leicht zu bezeichnen.
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Entgegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. 57 S. 19) war die Entbindung
vom Berufsgeheimnis durch die Aufsichtskommission über die Anwältinnen und
Anwälte zwecks Eintreibung der Honorarforderung im Zivilverfahren nicht Folge
des Nötigungsversuchs. Der Privatkläger hätte diese Massnahme auch ergreifen
müssen, hätte sich der Beschuldigte in sonstiger Weise geweigert, die Honorar-
rechnung zu bezahlen. Es ist somit, wenn überhaupt, von geringfügigen direkten
Tatfolgen auszugehen.
Aus diesen Gründen rechtfertigt es sich, vorliegend von einer Strafe Um-
gang zu nehmen. Damit erfolgt auch kein Eintrag der Verurteilung ins Strafregister
(Art. 9 lit. b der Verordnung über das Strafregister).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Erfolgt ein gerichtlicher Schuldspruch ohne Aussprechung einer Sanktion,
hat grundsätzlich der Betroffene die Verfahrenskosten zu tragen (BSK Strafrecht
I-Riklin, Vor Art. 52-55 N 36). Die erstinstanzlichen Kosten und die Parteientschä-
digung an den Privatkläger wären dem Beschuldigten deshalb auch auferlegt
worden, hätte schon die Vorinstanz auf Strafbefreiung nach Art. 52 StGB erkannt.
Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv ist deshalb zu bestäti-
gen (Dispositivziffern 4, 5 und 6).
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Mit Bestätigung des
Schuldspruchs unterliegt der Beschuldigte, der einen Freispruch beantragt hatte,
im Hauptpunkt. Dass von einer Strafe abgesehen wird, was bereits vor Vorinstanz
hätte erwartet werden können, ist im Rechtsmittelverfahren mitzuberücksichtigen.
Dem Beschuldigten sind deshalb die Kosten des Berufungsverfahrens zu zwei
Dritteln aufzuerlegen und es ist ihm eine reduzierte Prozessentschädigung von
Fr. 1'500.– aus der Gerichtskasse zu entrichten.
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