Decision ID: 138e212e-6275-4ba2-9f72-7915ea160302
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1953
geborene
X._
war
vom 21. April 1978 bis 30. April 2004 bei der
Y._
AG als Tiefbaumaschinist tätig
, wobei das langjährige Arbeits
verhältnis durch die
Y._
AG infolge angespannter Auftragslage aufgelöst w
urde (Urk. 7/4/1-6, Urk. 7/14). Im
Anschluss daran
bezog er
Tag
gelder der Arbeitslosenversicherung
(Urk. 7/16). A
m 17. Mai 2006
meldete er sich
unter Hinweis auf Rücken-
, Nacken-
,
Kopf
-, und Bein
schmerzen bei der In
validen
ver
sicherung zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/1). Die
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die erwerblichen und medi
zinischen Verhält
nisse ab und holte unter anderem
das
interdisziplinäre Gutach
ten des
Zentrum Z._
vom
23. April 2008
ein (Urk. 7/24). Gestützt darauf verneinte die IV-Stelle
nach durchgeführtem Vorbescheidver
fahren (Urk. 7/30-36) mit Verfügung vom 3. Dezember 2008 einen Renten
an
spruch des Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 20 %
(Urk.
7/37
)
. Di
e dagegen mit Schreiben vom 15.
Januar 2009 erhobene Be
schwerde (Urk. 7/38/3-9) wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil
IV.2009.00049
vom 21. Juni 2010 unter Berücksichtigung eines Invaliditätsgrades von 36
%
ab (Urk. 7/44/5-6). Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Vom 1.
bis 8. November 2012
wurde der Versicherte im
Spital A._
wegen eines
Bauchaortenaneurysma
s
stationär behandelt (Bericht vom 7. No
vember 2012, Urk. 7/53).
Mit Eingang am 21. November 2012 meldete sich der Versicherte
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an und machte eine Verschlechte
rung seines Gesundheitszustandes
ab März 2010
gel
tend (Urk. 7/49).
Mit Vorbescheid vom 4. Januar 2013 trat die IV-Stelle auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (Urk. 7/56
), wogegen der Versicherte mit Schrei
ben vom 7. Februar 2013
(Urk. 7/57),
ergänzt mit Schreiben vom 13. März 2013
(Urk. 7/60) und unter Beilage des
Berichts von Dr. med.
B._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
10. März
2013 (Urk. 7/59), Einwände erhob. Die IV-Stelle holte in der Folge das
bidisziplinäre
Gutachten des
Spitals C._
vom 29. Oktober 2013 ein (
Urk.
7/69
) und
kündigte gestützt darauf
mit Vorbescheid vom 18. März 2014
die Abweisung des Rentenbegehrens
an (
Urk.
7/78). Dagegen erhob die Vereinigung
Mergim-Tared
für den Versicherten mit Schrei
ben vom 28. April 2014 Einwand (Urk. 7/80). Mit Verfügung vom 27. Mai 2014 wies die IV-Stelle das Renten
be
gehren wie angekündigt ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte m
it Eingabe vom
30. Juni
2014
Beschwerde und beantragte, die Verfügung
sei aufzuheben und die Angelegenheit sei an die
Beschwerde
gegnerin
zur
zusätzlichen medizinischen, interdisziplinären
Abklä
rung zurück
zu
weisen
, wobei insbesondere durch einen
Diabetologen
abzuklären sei, ob und allenfalls seit wann der
Diabetus
mellitus unter Kontrolle sei, gleich
zeitig sei die Arbeitsfähigkeit neu zu beurteilen und es sei nach Durch
führung dieser Ab
klä
rungen neu zu verfügen,
und zwar
sei ihm mit Wirkung ab Januar 2013 eine min
destens halbe Invalidenrente
auszurichten,
sowie
,
es seien
ihm Ein
gliede
rungs
massnahmen zuzu
sprechen. In prozessualer Hinsicht beantragte der Be
schwerdeführer zudem, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu ge
wäh
ren und eine unent
geltliche Rechtsvertretung in der Person von Rechts
anwältin Dr. Barbara Wyler
zu bestellen
(Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom
13. August 2014
ohne Begründung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Mit Verfügung vom 13. November 2014 wurde dem Versicherten Rechtsanwältin Dr. Barbara Wyler zur unentgeltlichen Rechtsvertreterin bestellt und die unentgeltliche Prozessführung gewährt (
Urk.
13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die In
validität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsun
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
glie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er
werbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Er
werbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Be
ein
träch
tigung zu berück
sich
tigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Ge
sundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG be
wirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit
in
validen
versicherungsrechtlich
nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Fest
zu
stellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbs
tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträch
tigung verein
bar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbs
unfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Ver
wertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1
.2
Die massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditäts
grad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1
.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Ein
kom
mens
ver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen
Invaliditäts
grades
verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 4 IVV in der bis Ende 2011 gültig gewese
nen Fassung; ab 2012: Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine
für den Renten
anspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades erfolgt ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Renten
bezügerin oder eines
Rentenbe
-
zü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Än
derung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustan
des, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beur
teilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Ge
sund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sic
h allein genommen keinen
Revi
-
si
onsgrund
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
ten
anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.5
Der Rentenanspruch entsteht
gemäss
Art. 29
Abs.
1 IVG
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29
Abs.
1 ATSG
, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt.
Ausbezahlt wird die Rente nach Art. 29
Abs.
3 IVG
vom Beginn des Monats an, in dem der Rentenanspruch entsteht.
Nach Art. 29 Abs. 1 ATSG hat sich, we
r eine Versicherungsleistung bean
sprucht, beim zuständigen Versicherungsträger in der für die jeweilige Sozial
ver
sicherung gültigen Form
anzumelden.
Wird eine Anmeldung nicht form
ge
recht oder bei einer unzuständigen Stelle eingereicht, so ist für die Einhaltung der Fristen und für die an die Anmeldung geknüpften Rechtswirkungen trotz
dem der Zeitpunkt
massgebend
, in dem sie der Post übergeben oder bei der unzuständigen Stelle eingereicht wird
(Art. 29 Abs. 3 ATSG
)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
dem Beschwerdeführer sei seit Mai 2006 seine angestammte Tätig
keit als Tiefbau-Maschinist nicht mehr zumutbar.
Eine
körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende und rückenschonende Tätig
keit sei
ihm weiter
hin
vollumfänglich zumutbar. Die
bidisziplinär
von den Gutachtern des
C._
wegen des entgleisten Diabetes mellitus attestierte 50%ige Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
gelte lediglich für die Dauer von zirka drei Monaten und sei damit vorübergehend,
weshalb ab Oktober 2013 wieder von einer vollum
fäng
li
chen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen sei
. Die Verschlechterung des Gesundheitszustandes könne aufgrund der kurzen Dauer nicht berücksichtigt werden. Da der Invaliditätsgrad unter 40
%
liege, bestehe kein Rentenanspruch (
Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein,
die angefochtene Verfügung sei aktenwidrig und die Beschwerdegegnerin habe ihre Abklärungspflicht verletzt. Denn gemäss dem
C._
-Gutachten sei der Diabetes mellitus mit ausgeprägter Polyurie und Polydipsie ein Jahr vor der Begutachtung, somit ab dem 2
2.
Juli 2012 eingetreten
und es sei aufgrund der zusätzlichen Diagnose des Diabetes mellitus mit der
hyperglykämischen
Entgleisung eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % auch für leicht bis mittelschwere, rückenschonende und wechselbelastende Tätigkeiten attestiert worden. Zudem sei im Gutachten festgehalten worden, es werde eine Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit in einem Jahr, somit Ende Okto
ber 2014 empfohlen.
Dies sei nicht abgewartet worden und es sei auch nicht
kontrolliert
worden, ob die Grobeinstellung und somit das Wiedererreichen der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
bei ihm bereits in drei Monaten erreichbar sei. Auch der Arztbericht von
pract
.
med.
D._
vom 24. Januar 2014 (Urk. 7/75) beantworte diese Frage nicht explizit. Die bereits bestehenden Beeinträchtigungen wie chronische Rücken- und Kopfschmerzen wür
den durch den Stent bei
Aortenaneurysma
und den Diabetes mellitus weiter
belastet
. Ohne die von den
C._
-Gutachtern vorgesehene erneute medizi
nische Abklärung nach einem Jahr könne die Arbeitsfähigkeit nicht korrekt einge
schätzt werden. Sowohl der Regionale Ärztliche Dienst als auch das
C._
-Gut
achten schweige sich zudem darüber aus, wie sich die zusätzliche 50%ige Ein
schränkung der Erwerbsfähigkeit ab dem 2
2.
Juli 2012 zum bereits attestierten Invaliditätsgrad von 36
%
verhalte. Indem die Beschwerdegegnerin
dies
nicht beachtet habe, habe sie die Abklärungspflicht ver
letzt.
Aufgrund der attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit habe er
sechs Monate nach seiner Anmeldung vom 18. August 2012
An
spruch auf eine un
befristete, mindestens halbe Rente ab Januar 2013.
Zudem seien
ihm
Eingliederungsmassnahmen zuzu
sprechen, da er
weit über 55
Jahre alt sei und sich allein mit Sicherheit nicht mehr in
das
Erwerbsleben eingliedern könne
(Urk.
1
S. 6 ff.).
2.3
2.3.1
Die
Frage, ob der Be
schwerdeführer Anspruch auf Eingliederu
ngsmassnahmen hab, bildet nicht Gegenstand dieses Verfahrens
. Denn im
ver
waltungsgericht
-
lichen
Beschwerdeverfahren sind grund
sätzlich nur Rechts
verhältnisse zu über
prüfen beziehungsweise zu beur
teilen, zu denen die zuständige Verwaltungs
be
hörde vorgän
gig verbindlich - in Form einer Ver
fügung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
- Stellung genom
men hat. Insoweit bestimmt die Verfü
gung beziehungsweise der Eins
pracheentscheid den beschwerde
weise
weiter
ziehbaren
Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungs
gegenstand
und somit an einer
Sachurteilsvoraus
setzung
, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein Einsprache
entscheid er
gangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Da mit Verfügung vom 27. Mai 2014 allein der Rentenanspruch beurteilt
wurde
(
Urk.
2), ist
mangels
Anfechtungs
gegenstand
i
n Bezug auf den Antrag des Beschwerdeführers, es seien ihm Ein
gliederungs
massnahmen zuzusprechen
(Urk.
1 S. 2)
,
in diesem Punkt
auf die Be
schwerde nicht einzutreten
.
2.3.2
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom
18. August 2012 (Eingang bei der Beschwerdegegnerin am
21. November 2012
;
Urk.
7/49
) eingetreten. Das Gericht hat daher in materiell
-
rechtlicher Hinsicht zu prüfe
n, ob sich der Invaliditätsgrad, der mit Urteil vom 21. Juni 2010 auf 36 % erhöht wurde (Urk. 7/44/5),
seit de
r renten
abweisenden Ver
fügung vom
3. Dezember 2008
(Urk.
7/37
)
bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
27. Mai 2014 (Urk. 2) in leistungs
begründendem
Ausmass verändert hat. Die ange
foch
tene Verfügung bildet da
bei recht
sp
re
chungsgemäss die zeitliche Grenze der richter
lichen Über
prüfungs
be
fugnis (BGE 132 V 220 E. 3.1.1,
122 V 77 E. 2b, Urteil des Bundes
ge
richts 8C_76/2009 vom 19.
Mai 2009 E. 2, je mit Hin
weis).
Der
frühest
e
mö
gliche
Beginn einer allfälligen Rente
bildet dabei
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
nicht der 1.
Januar 2013, sondern der 1. Mai 2013
(Art. 29
Abs.
3 IVG)
. Denn massgeblich nach Art.
29 Abs. 1
IVG
in Ver
bindung mit Art. 29 ATSG
ist nicht
das auf der
Neuanmeldung
aufgeführte Datum vom 18. August 2012 (Urk. 7/49/9), sondern das Datum der
Postüber
gabe
oder der
Einreichung der Anmeldung
, hier
im November 2012
(
Urk.
7/49).
3.
3.1
Die mit Urteil
des hiesigen Gerichts
vom
21. Juni 2010 (Urk. 7/44) bestätigte
Abweisung
des
ursprünglichen
Rentenbegehrens war gestützt auf das inter
dis
ziplinäre
Z._
-Gutachten
vom 23. April 2008 (
Urk.
7/
24
) e
rfolgt. Danach war
- wie im Urteil vom 21. Juni 2010 festgehalten wurde (Urk. 7/44/3-4) - der
inter
nistische Status
unauffällig und es waren
keine relevanten psycho
patho
logi
schen Befunde
eruierbar
(Ur
k. 7/24/19).
Das Vorliegen einer depres
siven Störung und einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung wurde
im
Ge
gen
satz
zu den Einschätzungen der behandelnden Ärzte verneint (Urk. 7/24/26-27).
D
ie rheuma
tologische Unter
suchung
hatte
eine
chronifizierte
belastungs
ab
hän
gige
cervicovertebrale
und
lumbovertebrale
Schmerzsymp
tomatik
erge
ben, welche auf degenerative Ver
änderungen der Hals- und
Brust
wirbelsäule
(HWS und BWS)
zurückgeführt wurde
(Urk. 7/24/15)
. D
ie
Z._
-
Gutachter
nannten
ins
ge
samt als Diagnose mit Auswirkungen auf die
A
rbeits
fähigkeit eine
chroni
fizierte
, belastungsabhängige
cervico
- und
lumbo
vertebrale
Schmerz
sympto
ma
tik
mit
Osteochondrosen
C5 bis C7,
pluriseg
mentalen
, mässigen
Chondrosen
der
BWS
sowie inkonstante
Weich
teil
dysbalancen
im Bereich der Wirbelsäule sowie der Schultergürtelregion
(Urk. 7/24/20). I
n Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
hatten die
Z._
-Gutachter fest
ge
stellt
, aufgrund der fortge
schrit
tenen degenerativen Veränderungen der
HWS und BWS
sei der Be
schwer
deführer für schwere kör
perliche Arbeiten ni
cht mehr geeignet.
D
ie zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Bau
arbeiter und Maschinist sei ihm daher nicht mehr zumutbar, dagegen sei ihm eine behinderun
gsangepasste Tätigkeit aus
poly
disziplinärer
Sicht in vollem Umfa
ng zumutbar (Urk. 7/24/23
-24
).
Von dieser Sachlage ist als Vergleichsbasis auszugehen.
3.2
3.2.1
Gemäss dem
bidisziplinären
Gutachten des
C._
vom 29. Oktober 2013 wurde der Beschwerdeführer am 2
2.
Juli 2013 internistisch und am 4. Septem
ber 2013 psychiatrisch begutachtet (Urk. 7/69/1). Die
C._
-Gutachter stellten
zusätzlich zu der be
reits bekannten
Diagnose einer
chronifizierte
n
,
belastungs
abhängige
n
cervico
- und
lumbover
tebrale
n
Schmerz
symptomatik mit
Osteo
chondrosen
C5 bis C7,
pluriseg
men
talen
, mässigen
Chondrosen
der
BWS
sowie in
konstante
n
Weich
teil
dysba
lancen
im Bereich der Wirbelsäule sowie der
Schul
tergürtel
re
gion
als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
n
m
assiv ent
gleiste
n
Diabetes mellitus, am ehesten Typ 2 (Erstdiagnose bei aktuel
ler Explo
ration)
,
und ein
Aorten
aneu
rysma
der
juxtarenalen
Aorta
abdo
minalis
bei
Status nach elektiver
aorto
-bi-
iliacaler
Y-Graft-Prothese am 1. No
vember 2012 im
Spital A._
sowie bei
car
dio
vaskulären
Risikofaktoren
(
arte
rieller Hypertonie und Diabetes mellitus
; Urk.
7/69/5). Die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter und Maschinist beurteilten die
C._
-Gutachter als weiterhin vollständig ein
ge
schränkt. In einer körperlich leichten bis mittelschweren
,
rückenschonenden u
nd wechselbelastenden Tätig
keit
sei die Arbeitsfähigkeit
aufgrund des
aktuell
hy
perglykäm
ent
gleisten
Diabetes mellitus
mit ausgep
rägter Polyurie und Poly
dipsie zu 50
%
einge
schränkt. Auch sei er deswegen fraglich fahrtüchtig und sollte keine Tätigkeiten auf Leitern oder ähnlichem verrichten. Es werde eine Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit in einem Jahr empfohlen. Zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit erklärten die
C._
-Gutachter, dass der Gesundheitszustand aus rheuma
tologischer Sicht seit der Begutachtung durch das
Zentrum Z._
unverändert sei. In Bezug auf den Diabetes mellitus, welcher die Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränke, habe der Beschwerdeführer angegeben, dass er seit zirka einem Jahr an Polydipsie und Polyurie leide, so dass davon auszugehen sei, dass der Diabetes seit dieser Zeit bestehe und unbehandelt zur besagten Ent
gleisung geführt habe.
Als medizini
sche Massnahmen empfahlen die
C._
-Gutach
ter regelmässige hausärztliche Kontrollen und die Einstellung des neu diagno
stizierten Diabetes mellitus. Die Grobeinstellung und somit das
Wieder
e
r
reichen
der
(100%igen)
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten bis mittel
schweren
rücken
schonenden
und wechsel
belastenden Tätigkeit sollten bei Adhärenz des Beschwerdeführers in 3 Monaten erreichbar sein (Urk. 7/69/6).
3.3
3.3.1
Es ist mit dem von der Beschwerdegegnerin im Rentenrevisionsverfahren einge
holten
bidisziplinären
Gutachten des
C._
vom 29. Oktober 2013 (
Urk.
7/69)
unstrittig ausgewiesen, dass sich der Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung durch die
Z._
-Gutachter im Jahr 2008 in somatischer Hinsicht verschlechtert hat und in psychischer Hinsicht weiterhin keine patho
logisch und diagnostisch begründete
n
Einschränkungen der Arbeits
fähig
keit vorliegen
.
Zu letzterem
wurde im psychiatrischen
C._
-Teilgutachten
auch
über
zeugend begründet dargelegt, weshalb der Einschätzung des behandelnden Arztes Dr.
B._
(Bericht vom 10. März 2013, Urk. 7/59) nicht gefolgt werden könne (Urk. 7/70/8-9).
Dem ist beizupflichten
, auch seitens des Beschwerdefüh
rers wurde nichts gegen die psychiatrische Einschätzung vorgebracht
.
Das
C._
-Gutachten erfüllt
ins
gesamt
alle
recht
sprechungs
gemäss
erforderlichen Kriterien für beweis
kräftige ärztli
che Entscheidungs
grundlagen (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c), weshalb
darauf abzustellen ist.
3.3.2
Der Beschwerdeführer macht zu Recht geltend, dass er
gemäss dem
C._
-Gutach
ten
im Zusam
menhang mit dem Diabetes mellitus nicht erst ab der inter
nistischen Unter
suchung am
C._
vom 2
2.
Juli 2013 (
Urk.
7/69/1)
,
sondern
bereits zuvor als zu 50
%
arbeitsunfähig zu gelten hat.
Zwar wurde im Bericht des
Spital
s
A._
vom 7. November 2012 unter dem Titel „Jetzige Leiden“ „kein Diabetes“ auf
geführt. Jedoch geht aus diesem Bericht nicht klar hervor, ob dies allein
nach Befragen
des Beschwerdeführers oder aufgrund von ent
spre
chenden medizinischen Tests festgehalten worden war.
Die
Annahme, dass der Diabetes und damit auch die
attestierte Arbeitsun
fähig
keit bereits ein Jahr vor der
internistischen
Untersuchung
vom 22. Juli 2013 (
Urk.
7/
69/1
)
, mithin im
Juli 2012 bestanden habe,
braucht indes
nicht
weiter
abgeklärt zu werden.
Denn der früh
e
ste Rentenbeginn ist aufgrund von
Art.
29
Abs.
1 IVG, wie hiervor ausgeführt (E. 2.3.2), erst ab Mai 2013 möglich. Da der
Diabetes
anläss
lich der inter
nisti
schen Untersuchung am 22.
Juli 2013 bereits massiv entgleist war (Urk. 7/69/5), kann davon ausge
gangen werden, dass nur rund drei Monat zuvor bereits
erheblich
einschrän
kende Symptome in diesem Zusam
menhang aufgetreten
sein mussten
.
3.3
.3
Es ist somit ab dem
1.
Mai 2013
von einer 50%igen Arbeits
unfähigkeit in einer körperlich leichten bis mittel
schweren
rücken
schonenden
und
wechsel
be
lasten
den
Tätigkeit auszugehen.
Da
gestützt auf das
C._
-Gutachten die Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit weiterhin und somit bereits seit Jahren vollständig eingeschränkt
ist, sind die Voraussetzungen von
Art.
28 Abs. 1
lit
. b-c IVG
erfüllt
.
3.4
3.4.1
Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdegegnerin
sodann
in Bezug auf ihre Annahme, es sei aufgrund der Aussage im
C._
-Gutachten,
dass die Grob
ein
stellung und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätig
keit in dre
i Monaten erreicht sein sollte (Urk. 7/69/6), von einer nur vorüber
ge
henden, bis Ende September 2013 bestehenden und daher in Bezug auf den Rentenanspruch unerheblichen Verschlechterung auszugehen (Urk.
2 S. 2
).
Denn z
um einen wäre selbst unter dieser Annahme ein befristeter Renten
anspruch
möglich
. Zum anderen handelt es sich bei der zitierten
medizinischen
Angabe von drei Monaten
nur um eine Prognose
.
Zwar
vermag das Vorliegen eines Diabetes
mellitus
nach der Rechtsprechung
grundsätzlich keine Invalidität zu begründen (Urteil des Bundesgerichts
8C_903/2014
vom 1
3.
August 2015
E. 4.3 mit Hinweisen
).
Denn
mit einem adäquat behandelten, gut eingestellten Diabetes mellitus
ist
in der Regel keine Arbeitsunfähigkeit verbunden. Anders verhält es sich indes bei einem
- wie hier massiv -
ent
gleisten Diabetes, der eine dauernde Arbeitsunfähigkeit bewirken
kann (vgl.
Urteil des Bundesgerichts I 94/06 vom 2
3.
August 2006 E. 3.4 mit Hinweis auf
Urteil
des Bundesgerichts I 22/05 vom
6.
Juni 2006)
.
Wie bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes muss für die Be
fris
tung einer Rente auch eine allfällige Besserung des Gesundheitszustandes
rechts
genügend
ausgewiesen sein. Den Akten ist
indes
kein ärztlicher Bericht zu entnehmen, der bescheinigt, dass die Prognose einer Besserung des Ge
sund
hei
tszustandes mit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer
körperlich leichten bis mittel
schweren
rücken
schonenden
und
wechsel
be
lastenden
Tätigkeit bereits
nach drei Monaten ab Diagnosestellung, mithin per Ende September 2013 ein
getreten
ist
.
3.4.2
Ein Arztbericht wurde erst wieder am 2
4.
Januar 2014, und zwar vom behan
delnden Hausarzt
pract
. med.
D._
verfasst, der
erklärte, dass die Art und das Ausmass der vorliegenden somatischen Beschwerden und schmerzbedingten psychischen Störung sowie deren Funktionsdefizit weiterhin eine unveränderte Arbeitsfähigkeit implizieren würden. Z
war
führte
pract
.
med.
D._
unter ande
rem die Diagnose „neu entdeckte Diabetes mellitus Typ II (medikamentös Ein
gestellt)“ auf, jedoch
erklärte er auch
,
dass
der Gesundheitszustand
sich nicht verändert und mit dem neu entdeckten Diabetes eher verschlechtert
habe (Urk.
7/75).
Gestützt hierauf kann
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes seit der inter
nistischen
C._
-Untersuchung vom 2
2.
Juli 2013 mit einer
100%ige
n
Arbeits
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
nicht angenommen wer
den. Die Frage, ob und ab wann die Einstellung des Diabetes mellitus erfolgt war und ob und ab wann damit einhergehend eine Besserung des Gesundheits
zustandes mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit
(welcher?)
eintrat,
ist von der Beschwerdegegnerin
daher
zusätzlich
abzuklären.
3.5
Die Beschwerdegegnerin hätte nach Ablauf des Wartejahres den genauen Invali
ditätsgrad bestimmen müssen, was sie nun – da sich die Parteien im Prozess zu den Einkommensverhältnissen nicht geäussert haben – nachzuholen und her
nach über den Rentenanspruch ab Mai 2013 neu zu verfügen hat.
4
.
Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und un
abhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise auf Fr. 700.-- an
zusetzen und ent
spre
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers,
Rechtsanwältin Dr. Barbara Wyler,
Frauenfeld
,
steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das
Sozialver
si
cherungs
gericht
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen
sowie unter Berücksichtigung der Honorarnote vom
19. Oktober 2015
(Urk. 15)
fest
zusetzen ist.
In der H
onorarnote ist ein
Aufwand vom
6. Juni bis 17. November 2014
von insgesamt
18,58
Stunden und von
Fr.
208.--
Barauslagen mit einem Ge
samtbe
trag von Fr.
4‘237.90
aufgeführt
(Urk. 15
).
Allein für die Vorbereitung der 10-seitigen Be
schwerde
schrift
vom 3
0.
Juni 2014 (Urk. 1)
wird ein Aufwand von
14,75
Stunden geltend
gemacht
(
inklusive
Aktenstudium und Be
sprechungen), was weder mit Bezug auf die Schwierigkeit des Prozesses noch hinsichtlich des Umfanges und des Inhaltes der Beschwerdeschrift angemessen ist. Im Übrigen erfolgte lediglich eine weitere Eingabe von Seiten des Beschwerde
führers, und
zwar
die
zweiseitige Eingabe vom
7.
November 2014
zur Substantiierung des Gesuchs um
unentgeltliche Prozessführung mit ausge
fülltem Formular zur Ab
klärung der prozessualen Bedürftigkeit und diversen Beilagen (Urk. 10-12/1-10).
Aber auch die Barlauslagen von Fr. 208.-- sind ungewöhnlich hoch. Insbe
son
dere ist nicht nachvollziehbar, weshalb Fr. 145.-- für Fotokopien geltend gemacht werden, obschon das Aktendossier von der IV-Stelle in Kopie gratis bezogen werden konnte.
Da der Prozess keinen Grund für einen
ausserordentlichen
Aufwand bot, ist
der Auf
wand auf einen angemessenen Umfang zu kürzen und die Prozessent
schädi
gung entsprechend auf Fr.
2‘
7
00.--
(
inkl. Barauslagen und Mehr
wert
steuer von 8 %
) festzusetzen.