Decision ID: 29ee38e0-8317-4faf-aae9-653e2ffffd5e
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239,
9443 Widnau,
gegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV (Rückforderung)
Sachverhalt:
A.
A.a Am 22. September 2009 meldete sich A._ zum Bezug von Ergänzungsleistungen
(EL) zur Invalidenrente an (IV-act. 36 ff.). Die Versicherte gab an, dass sie seit 19.
Februar 2009 geschieden sei. Sie erhalte eine ganze Rente der Invalidenversicherung
sowie eine Rente der Stiftung Auffangeinrichtung BVG (EL-act. 36-4, 39-3). Als
Alleinstehende könne sie mit diesem Einkommen nicht leben. Glücklicherweise habe
sie jedoch eine Arbeitsstelle mit einem Pensum von 20% gefunden. Das monatliche
Einkommen aus dieser Arbeitsstelle gab sie mit Fr. 697.-- an (EL-act. 37-1).
A.b Mit Verfügung vom 4. November 2009 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) der Versicherten rückwirkend
ab 1. März 2009 ordentliche und ausserordentliche EL in der Höhe von Fr. 800.--
monatlich zu (EL-act. 28). In der Folge wurden die EL jeweils an die jährlichen Ver
änderungen angepasst. Das Erwerbseinkommen wurde indessen unverändert mit jähr
lich Fr. 9'837.-- in der EL-Berechnung belassen (EL-act. 17, 23 ff.).
A.c Am 15. Dezember 2011 leitete die EL-Durchführung eine periodische Überprüfung
der wirtschaftlichen Verhältnisse ein (EL-act. 21). Den Revisionsunterlagen war zu
entnehmen, dass die Versicherte ihr Arbeitsverhältnis aus gesundheitlichen Gründen
per 31. Dezember 2011 kündigen musste (die Versicherte gab im Kündigungsschreiben
vom 24. Dezember 2011 wohl versehentlich den 31. Dezember 2012 als Kündigungs
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
termin an, EL-act. 10-2). Sodann stellte die EL-Durchführungsstelle anhand der einge
reichten Lohnabrechnungen der Jahre 2009, 2010 und 2011 fest, dass das Erwerbs
einkommen seit Anspruchsbeginn tatsächlich höher ausgefallen war, als in den ent
sprechenden EL-Berechnungen berücksichtigt.
A.d Mit einer Verfügung vom 8. März 2012 setzte die EL-Durchführungsstelle den EL-
Anspruch rückwirkend per 1. März 2009 neu fest und berechnete die im Zeitraum vom
1. März 2009 bis 31. Dezember 2011 zuviel ausbezahlten EL auf Fr. 10'779.--. Gleich
zeitig sprach sie der Versicherten mit Wirkung ab 1. Januar 2012 EL in der Höhe von
Fr. 1'149.-- zu. Nach Verrechnung von Nachzahlungen für den Zeitraum 1. Januar 2012
bis 31. März 2012 in der Höhe von Fr. 870.-- forderte sie zuviel ausbezahlte EL von
total Fr. 9'909.-- zurück. Einer Einsprache gegen die Verfügung vom 8. März 2012
wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (EL-act. 2 ff.).
A.e Gegen diese Verfügung liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
A. Fiechter, am 27. April 2012 Einsprache erheben (EL-act. 5).
A.f Mit Einspracheentscheid vom 18. Juni 2012 hiess der Rechtsdienst der SVA die
Einsprache in Vertretung der EL-Durchführungsstelle teilweise gut. In der Rückforde
rungsverfügung sei das Erwerbseinkommen im Zeitraum Januar 2010 bis September
2010 nicht privilegiert angerechnet worden. Insofern sei die Verfügung aufzuheben.
Andererseits sei der EL-Anspruch nicht bereits mit Wirkung ab 1. März 2009, sondern
erst ab 1. September 2009 entstanden. Die entsprechenden EL seien zurückzufordern.
Es werde festgestellt, dass die Versicherte den Betrag von Fr. 8'832.-- zurückzu
erstatten habe. Der Einsprache werde die aufschiebende Wirkung in Bezug auf die
Rückforderung der Summe von Fr. 8'832.-- erteilt. Einer allfälligen Beschwerde werde
im Übrigen die aufschiebende Wirkung entzogen (act. G 3.3).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur.
A. Fiechter in Vertretung der Versicherten erhobene Beschwerde vom 20. August 2012.
Die Verfügung vom 8. März 2012 sowie der Einspracheentscheid vom 18. Juni 2012
seien unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aufzuheben. Es sei von einer Rückforderung der EL abzusehen. Zudem sei der Be
schwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu
gewähren (act. G 1). Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
vor, die Beschwerdegegnerin habe vor Erlass der Rückforderungsverfügung vom
8. März 2012 keine Stellungnahme bei ihr eingeholt. Zudem habe sich die
Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid nicht mit der Rüge auseinandergesetzt,
dass die Rückforderung von EL primär nach dem ELG und nicht nach dem ATSG zu
beurteilen sei. Überdies habe die Beschwerdegegnerin mit dem Einspracheentscheid
den EL-Anspruch im Zeitraum von März 2009 bis September 2009 ohne Androhung
einer reformatio in peius verneint, was zu einer zusätzlichen Rückforderung geführt
habe. Die Beschwerdegegnerin habe somit das rechtliche Gehör klar verletzt (act. G 1,
S.5). Ungeachtet dessen basiere die Rückforderungsverfügung auf falschen Tatsachen.
Die Beschwerdeführerin habe nämlich in den Jahren 2010 und 2011 effektiv ein tieferes
Einkommen erzielt, als in den entsprechenden Lohnausweisen ausgewiesen worden
sei. Gemäss den Bankauszügen sei ihr in diesem Zeitraum effektiv Fr. 375.-- weniger
ausbezahlt worden. Die Bankauszüge des Jahres 2009 hätten aufgrund der hohen
Bankspesen nicht beigebracht werden können. Es sei jedoch davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin auch im Jahr 2009 effektiv ein tieferes Einkommen erzielt habe,
als im Lohnausweis 2009 angegeben worden sei. Der Rückforderungsbetrag von
Fr. 10'779.-- reduziere sich somit korrekterweise um den Freibetrag von Fr. 3'105.--,
den Minderverdienst von Fr. 375.05 sowie um die zweifelsfrei gutgläubig empfangenen
Leistungen während des Zeitraums März 2009 bis September 2009 (act. G 1, S 6 ff.).
Zudem sei vorfrageweise die Frage des Erlasses zu prüfen. Die Beschwerdegegnerin
sei auf die Prüfung des Erlasses nicht eingegangen, obwohl damit im Sinn der Ver
fahrenseffizienz und -ökonomie auf ein separates und aufwändiges Erlassverfahren
verzichtet werden könnte. Die Voraussetzungen des Erlasses seien bei der Be
schwerdeführerin erfüllt, sodass auf die Rückerstattung von EL zu verzichten sei (act.
G 1, S 10 ff.).
B.b Am 5. September 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde und verweist zur Begründung auf den Einspracheentscheid sowie auf ihr
Schreiben an die Beschwerdeführerin vom 27. Juni 2012 (act. G 3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.c Mit Stellungnahme vom 26. September 2012 hält die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest. Ergänzend führt sie im Wesentlichen aus, sie habe bei der Anmeldung
zu Bezug von EL am 21. September 2009 keine rückwirkende Ausrichtung von EL
verlangt. Es bestehe somit bezüglich der rückwirkend ausgerichteten EL keine
Meldepflichtverletzung. Aufgrund des Vertrauensschutzes sei sie nicht dazu
verpflichtet, für die Periode vom 1. März 2009 bis zur Anmeldung zum Bezug von EL
per 21. September 2009 irgendwelche Rückforderungen zu erbringen. Die
Rückforderung von Fr. 3'234.-- (7 Monate à Fr. 462.--) für den Zeitraum 1. März 2009
bis 30. September 2009 sei somit zu Unrecht geltend gemacht worden (act. 6, S. 2 f.).
Ferner habe sie ihre Steuererklärung jährlich dem Steueramt Au eingereicht. Sie sei
davon ausgegangen, dass auch die AHV-Zweigstelle und somit auch die SVA
automatisch Kenntnis von den aktuellen Lohnverhältnissen gehabt hätten. Somit habe
sie ihre Meldepflicht erfüllt (act. G 6, S. 3 f.).
B.d Am 4. Dezember 2012 stellte die zuständige Abteilungspräsidentin die auf
schiebende Wirkung der Beschwerde in Nachachtung der bundesgerichtlichen Recht
sprechung (BGE 130 V 407 ff.), wonach bei Verfügungen über die Rückforderung von
Geldleistungen der Entzug der aufschiebenden Wirkung einer Beschwerde nicht zu
lässig ist, wieder her (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Vorab ist auf die von der Beschwerdeführerin beantragte vorfrageweise Prüfung
des Erlasses der Rückforderung näher einzugehen.
1.2 Nach Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurück
zuerstatten (Satz 1). Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht
zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Satz 2). Über die Rückforderung und
den - gegebenenfalls spätestens 30 Tage nach Eintritt der Rechtskraft der Rück
forderungsverfügung zu beantragenden - Erlass wird in der Regel in zwei Schritten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verfügt (Art. 3 und 4 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts [ATSV; SR 830.11] ATSV; EVGE P 62/04 vom 6. Juni 2005, Erw. 1.2).
Auf die Rückerstattung bereits im Rahmen der (ersten) Verfügung über die Rück
forderung kann nur verzichtet werden, wenn offensichtlich ist, dass die Voraus
setzungen für den Erlass gegeben sind (Art. 3 Abs. 3 ATSV). Der strittige Einsprache
entscheid beschlägt erst die Frage der Rückforderung. Betreffend Erlass der Rück
forderung hat die Beschwerdegegnerin keine Verfügung erlassen. Somit bildet die
Frage des Erlasses der Rückforderung nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
1.3 Eine Ausdehnung des Streitgegenstandes auf die Erlassfrage ist aus folgenden
Gründen nicht möglich: Verfügt die Beschwerdegegnerin – was den Regelfall ausmacht
– zunächst nur über die Rückerstattung und nicht über den Erlass, so beschränkt sich
die richterliche Prüfungszuständigkeit auf diesen Punkt; eine Ausdehnung des Rück
erstattungsprozesses auf die Frage des Erlasses ist nur dann möglich, wenn die von
der Rechtsprechung aufgestellten Voraussetzungen für eine Erweiterung des
gerichtlichen Verfahrens über den bestrittenen Anfechtungsgegenstand
(Streitgegenstand) hinaus gegeben sind (Meyer-Blaser, Die Rückerstattung von
Sozialversicherungsleistungen, in: ZBJV 1995, S. 486 f.). Nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts kann das gerichtliche Verfahren nämlich aus
prozessökonomischen Gründen auf eine ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes,
d.h. ausserhalb des durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisses liegende
spruchreife Frage ausgedehnt werden, wenn diese mit dem bisherigen
Streitgegenstand derart eng zusammenhängt, dass von einer Tatbestandsgesamtheit
gesprochen werden kann, und wenn sich die Verwaltung zu dieser Streitfrage
mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert hat (BGE 122 V 36, Erw. 2a mit
Hinweisen; EVGE P 26/99 vom 20. Dezember 2000, Erw. 1a; siehe auch EVGE P 4/06
vom 7. Dezember 2006, Erw. 3.2). Eine solche Äusserung muss einen eindeutigen
Antrag enthalten (BGE 103 V 113).
1.4 Hinsichtlich dieser Rechtsprechung müsste die Beschwerdegegnerin ihre Auf
fassung zum Erlass z. B. im Rahmen der Beschwerdeantwort oder auf sonstige Weise
eindeutig kundgetan haben. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Im Einspracheentscheid
hat die Beschwerdegegnerin lediglich unter Hinweis auf Art. 4 Abs. 4 ATSV mitgeteilt,
dass sie über den Erlass nach Eintritt der Rechtskraft der Rückerstattungsverfügung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entscheiden werde (G 3.3, Ziff. 6). Somit hat sie über die Frage des Erlasses weder
verfügt noch sich in Form einer Prozesserklärung dazu geäussert. Aus diesen Gründen
sind die Voraussetzungen für eine Ausdehnung des Prozesses auf die Frage des
Erlasses nicht gegeben.
2.
2.1 Mit dem die Verfügung vom 8. März 2012 ersetzenden Einspracheentscheid vom
18. Juni 2012 hat die Beschwerdegegnerin zu Unrecht bezogene Ergänzungsleistungen
zurückgefordert. Anlässlich der Anmeldung zum Leistungsbezug gab die Beschwerde
führerin an, ihr Nettoerwerbseinkommen belaufe sich auf Fr. 697.60 monatlich bzw.
Fr. 8'371.20 jährlich (EL-act. 36-4). Ausgehend von der Lohnabrechnung September
2009 sowie aufgrund der Auskunft des Arbeitgebers, dass die Beschwerdeführerin
einen 13. Monatslohn erhalte, berücksichtigte die Beschwerdegegnerin das
Nettoerwerbseinkommen sowohl in der erstmaligen EL-Verfügung vom 4. November
2009 als auch in den nachfolgenden Verfügungen mit Fr. 9'837.-- (EL-act. 28-3, 17 ff.).
Aus den bei der periodischen Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse
eingereichten Lohnausweisen war sodann ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin im
Jahr 2009 ein Bruttoeinkommen von tatsächlich Fr. 18'883.-- (EL-act. 8-14), im Jahr
2010 ein Bruttoeinkommen von Fr. 11'078 (EL-act. 8-12) und im Jahr 2011 ein
Bruttoeinkommen von Fr. 9'773.-- (EL-act. 8-5) erzielt hatte. Da angesichts dieser
effektiven Lohnbezüge bereits die ursprüngliche EL-Verfügung vom 4. November 2009
zweifellos unrichtig war, hat die Beschwerdegegnerin sie zu Recht
wiedererwägungsweise aufgehoben und die Berechnung ab 1. März 2009 korrigiert
(vgl. die Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen EL 2007/27 vom 15.
August 2007, Erw. 3, und EL 2006/34 vom 24. Januar 2008, Erw. 3). Mit der Verfügung
vom 8. März 2012 sind somit die Verfügungen vom 9. November 2009, vom 28.
Dezember 2009, 29. Dezember 2010 und vom 28. Dezember 2011
wiedererwägungsweise aufgehoben und durch eine neue (abgestufte)
Leistungszusprache rückwirkend ab 1. März 2009 ersetzt worden. Der Ein
spracheentscheid vom 18. Juni 2012 wiederum ersetzt die Wiedererwägungs- und
Rückforderungsverfügung vom 8. März 2012.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1 Noch im Einspracheverfahren hat die Beschwerdeführerin geltend gemacht, die
am 8. März 2012 verfügte Rückforderung sei zu spät erfolgt und der
Rückforderungsanspruch daher verwirkt. Art. 25 Abs. 2 ATSG lässt den
Rückforderungsanspruch mit dem Ablauf eines Jahres erlöschen, nachdem die
Versicherungseinrichtung Kenntnis von der Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs
erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der
einzelnen Leistung. Es handelt sich um Verwirkungsfristen. Die Rechtsprechung stellt
nicht auf die tatsächliche Kenntnisnahme durch den Versicherungsträger ab, sondern
bezeichnet es als ausreichend, dass dieser bei Beachtung der zumutbaren
Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine
Rückerstattung bestehen (Kieser, ATSG-Kommentar, 2009, N. 39 zu Art. 25; SVR 2001
IV Nr. 30). Um die Voraussetzungen für eine Rückerstattung beurteilen zu können,
müssen dem Versicherungsträger alle im konkreten Einzelfall erheblichen Umstände
zugänglich sein, aus deren Kenntnis sich der Rückforderungsanspruch dem Grundsatz
nach und in seinem Ausmass gegenüber einem bestimmten Rückerstattungspflichtigen
ergibt. Für die Beurteilung des Rückforderungsanspruchs genügt es nicht, dass
Umstände, die möglicherweise zu einem solchen Anspruch führen können, aus den
Akten ersichtlich sind, dem Versicherungsträger sonstwie bekannt werden oder dass
dieser Anspruch bloss dem Grundsatz nach, nicht aber in masslicher Hinsicht
feststeht. Das Bundesgericht lässt nicht das erstmalige unrichtige Handeln (oder
Nichthandeln) des Versicherungsträgers als fristauslösend genügen; es stellt vielmehr
auf jenen Tag ab, an dem sich die Amtsstelle später – beispielsweise anlässlich einer
Rechnungskontrolle – unter Anwendung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit über ihren
Fehler hätte Rechenschaft geben müssen (BGE 110 V 306 f., Erw. 2b in fine). Demnach
ist in Anwendung der in BGE 110 V 304 ergangenen und in BGE 124 V 380 und SVR
2002 IV Nr. 2 S. 5 bestätigten Rechtsprechung bezüglich der zumutbaren Kenntnis des
zur Rückforderung Anlass gebenden Sachverhalts nicht auf das erstmalige unrichtige
Handeln, sondern auf den späteren Zeitpunkt abzustellen, in dem der
Versicherungsträger bei der ihm zumutbaren Aufmerksamkeit den Fehler hätte
erkennen müssen (EVGE P 17/02 vom 2. Dezember 2002, Erw. 3.3).
3.2 Vorliegend war es der Beschwerdegegnerin erstmals möglich, die fehlerhafte Be
rücksichtigung des anrechenbaren Erwerbseinkommens zu erkennen, als die Be
schwerdeführerin anlässlich der im Dezember 2011 eingeleiteten Überprüfung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wirtschaftlichen Verhältnisse die Lohnausweise der Jahre 2009, 2010 und 2011 ein
reichte (EL-act. 8-4 ff.). Vor diesem Zeitpunkt hatte die Beschwerdegegnerin keine
Kenntnis vom tatsächlich erzielten Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin. Insbe
sondere erfolgte bei den seit der erstmaligen EL-Leistungszusprache erlassenen
jährlichen Anpassungsverfügungen keine umfassende Prüfung der wirtschaftlichen
Verhältnisse. Sodann war die Beschwerdegegenerin weder dazu verpflichtet von sich
aus Abklärungen zu treffen, noch leiten die Steuerbehörden ihre Daten an die EL-
Durchführungsstellen weiter. Aufgrund der Meldepflicht nach Art. 24 der Verordnung
über die Ergänzungsleistungen zur Alters- und Hinterlassenenversicherung (ELV; SR
831.301) - auf welche in den EL-Verfügungen explizit hingewiesen wird - ist es vielmehr
Sache der EL-Anspruchsberechtigten, Änderungen ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse
zu melden. Die einjährige Verwirkungsfrist zur Geltendmachung der Rückforderung hat
daher mit Einreichung der Lohnausweise im Jahr 2012 zu laufen begonnen. Sie ist mit
dem Erlass der Rückforderungsverfügung vom 8. März 2012 offensichtlich gewahrt.
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin geht davon aus, dass EL nur dann zurückgefordert
werden können, wenn eine Meldepflicht verletzt worden ist. Diese Auffassung trifft
nicht zu. Nach der Rechtsprechung (BGE 122 V 139 Erw. 2e, 115 V 313 Erw. 4a/aa)
besteht die Pflicht zur Rückerstattung unrechtmässig bezogener Ergänzungsleistungen
unabhängig von einer allfälligen Meldepflichtverletzung des Leistungsempfängers. Es
geht hier einzig darum, nach Entdeckung einer ursprünglich unrichtigen oder
unvollständigen Sachverhaltsfeststellung den rechtmässigen Zustand
wiederherzustellen. Insbesondere gelangt nicht Art. 25 Abs. 2 lit. d ELV zur
Anwendung, denn mit der Rückforderungsverfügung wurde nicht eine rückwirkende
Anpassung einer rechtskräftig festgesetzten EL an einen nachträglich veränderten
Sachverhalt vorgenommen. Vielmehr hat die Beschwerdegegnerin die erstmalige
Leistungsverfügung (sowie die nachfolgenden Verfügungen) wegen zweifelloser
Unrichtigkeit in Wiedererwägung gezogen. Die Frage einer allfälligen
Meldepflichtverletzung ist somit bei der Prüfung der Rechtmässigkeit der
Rückforderung unerheblich.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2 Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, die Rückforderung sei auf
grund des Vertrauensschutzes zu Unrecht erfolgt. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt
werden. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung hat im allgemeinen Verwaltungsrecht
bestimmte Regeln über die Zulässigkeit des Widerrufs oder der Anpassung
ursprünglich rechtsfehlerhafter Verfügungen entwickelt. Im Bereich des
Sozialversicherungsrechts ist indessen die Wiedererwägung rechtskräftiger
Verfügungen durch Art. 53 Abs. 2 ATSG positivrechtlich geregelt worden, in Bezug auf
die Rückerstattung bereits ausbezahlter Leistungen ergänzt durch Art. 25 ATSG. Diese
gesetzliche Regelung konkretisiert in ihrem Anwendungsbereich den
verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz, (Art. 9 BV; Urteil B. vom 25. Januar 2006, C
264/05, Erw. 2.1 mit Hinweisen). Die Abwägung zwischen der Durchsetzung des
objektiven Rechts und dem Interesse an der Bestandeskraft der Verfügung ist damit
durch den Gesetzgeber abstrakt und verbindlich vorgenommen worden (Art. 191 BV).
Mit der richtigen Anwendung von Art. 53 Abs. 2 ATSG ist damit auch dem
Vertrauensschutz Genüge getan (vgl. auch zur Rechtsprechung des Eidgenössischen
Versicherungsgerichtes bereits vor dem Inkrafttreten des ATSG Urteil B. vom 1. Juli
2003, I 464/02, Erw. 1.5). Sodann wird der Grundsatz von Treu und Glauben im Bereich
der Rückerstattung unrechtmässig bezogener Leistungen durch den Erlass nach Art.
25 Abs. 1 Satz 2 ATSG konkretisiert (vgl. BGE 130 V 420 Erw. 4.4 in Bezug auf den
analogen Art. 64 OR). Wie bereits erwähnt, sind die Voraussetzungen für den Erlass der
Rückforderung jedoch nicht im vorliegenden Prozess, sondern in einem besonderen
Erlassverfahren zu prüfen.
5.
5.1 Was die Rüge der Beschwerdeführerin betrifft, die Beschwerdegegnerin habe
ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie die Rückforderungsverfügung
vom 8. März 2012 ohne Einholung einer Stellungnahme erlassen habe, ist festzuhalten,
dass der Wortlaut von Art. 42 Satz 2 ATSG die Behörde von der Pflicht befreit, die
Parteien vor Verfügungen anzuhören, die mit Einsprache anfechtbar sind (vgl. zum
Ganzen BGE 132 V 368). Verfügungen der EL-Durchführungsstellen sind zwingend mit
Einsprache nach Art. 52 ATSG anfechtbar. Die Beschwerdegegnerin war somit nicht
verpflichtet, die Beschwerdegegnerin vor Erlass der Rückforderungsverfügung vom
8. März 2012 anzuhören.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2 Weiter bemängelt die Beschwerdeführerin, dass die Beschwerdegegnerin ihren
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, indem sie im Einspracheentscheid neu
die Anspruchsberechtigung zum Bezug von EL im Zeitraum März 2009 bis September
2009 verneint und die entsprechenden EL zurückgefordert habe, ohne ihr vorgängig
eine reformatio in peius anzudrohen. Die Beschwerdegegnerin hat im Rahmen des
Einspracheverfahrens festgestellt, dass das Erwerbseinkommen der Beschwerde
führerin im Zeitraum von Januar 2010 bis September 2010 nicht privilegiert
angerechnet worden ist. Sie nahm eine entsprechende Korrektur vor, was zu einer
Reduktion der Rückforderung um Fr. 3'105.-- führte. Gleichzeitig ging sie jedoch davon
aus, dass die Anspruchsberechtigung zum Bezug von EL erst mit Anmeldung zum
Leistungsbezug und somit im September 2009 entstanden sei (vgl. jedoch
nachstehende Erw. 6.2). Von den im Zeitraum März 2009 bis September 2009
ausgerichteten EL von monatlich Fr. 800.-- wurden mit der Rückforderungsverfügung
bereits monatlich Fr. 462.-- aufgrund des damals tatsächlich erzielten
Erwerbseinkommens zurückgefordert. Im Einspracheentscheid forderte die
Beschwerdegegnerin nun noch die Differenz zu den damals ausgerichteten EL (von
monatlich Fr. 800.--) in der Höhe von monatlich Fr. 338.-- zurück. Für den Zeitraum
März 2009 bis September 2009 resultierte eine zusätzliche Rückforderung von Fr.
2'028.-- (6 x Fr. 338.--). Unter Verrechnung der Reduktion stellte die
Beschwerdegegnerin fest, dass der zurückzufordernde Betrag sich daher um Fr.
1'077.-- (Fr. 3'105.-- abzügl. Fr. 2'028.--) auf Fr. 8'832.-- reduziere. Im Vergleich zur
angefochtenen Rückforderungsverfügung stellt der Einspracheentscheid somit eine
Besserstellung dar, sodass für die Beschwerdegegnerin entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin kein Anlass bestand, eine reformatio in peius (Verschlechterung
der vorprozessualen Situation) anzudrohen. Gleichwohl wäre der Beschwerdeführerin
betreffend die Verneinung der Anspruchsberechtigung zum Bezug von EL im Zeitraum
März 2009 bis September 2009 das rechtliche Gehör zu gewähren gewesen. Dieser
Mangel kann jedoch als geheilt betrachtet werden. Die Beschwerdeführerin konnte sich
diesbezüglich im vorliegenden Beschwerdeverfahren - in welchem sowohl der
Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüft werden kann - äussern. Sodann würde
eine Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf führen (vgl. BGE 135 I 279 E.
2.6.1, BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.1 Somit bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die Höhe der Rückforderung
korrekt ermittelt hat.
6.2 Mit der Rückforderungsverfügung forderte die Beschwerdegegnerin die im
Zeitraum vom 1. März 2009 bis 31. August 2009 ausgerichteten EL teilweise zurück
(EL-act. 2-2). Im angefochtenen Einspracheentscheid führte sie aus, die EL-
Anspruchsberechtigung sei erst per 1. September 2009 entstanden. Dementsprechend
seien die EL im Zeitraum vom 1. März 2009 bis 31. August 2009 gesamthaft
zurückzufordern (act. G 3.3, Ziff. 8).
6.2.1 Nach Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur
Alters- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) besteht der Anspruch auf eine
jährliche EL, abgesehen von dem hier nicht relevanten Abs. 2, ab Beginn des Monats,
in dem die Anmeldung eingereicht worden ist, sofern sämtliche gesetzlichen Voraus
setzungen erfüllt sind. Art. 12 Abs. 4 ELG räumt dem Bundesrat die Kompetenz ein, die
Nachzahlung von Leistungen zu regeln, wobei die in Art. 24 Abs. 1 ATSG festgelegte
Dauer gekürzt werden kann. Gestützt auf diese Gesetzesnorm hat der Bundesrat die
Nachzahlung von EL in Art. 22 ELV geregelt. Nach Art. 22 Abs. 1 ELV beginnt der
Anspruch auf EL mit dem Monat der Anmeldung für die Rente der AHV oder der IV,
frühestens jedoch mit der Rentenberechtigung, sofern die Anmeldung für die jährliche
EL innert sechs Monaten seit der Zustellung der Verfügung über ein Rente der AHV
oder IV eingereicht wird. Wird eine laufende Rente der AHV oder IV mit Verfügung
geändert, findet Abs. 1 sinngemäss Anwendung (Art. 22 Abs. 2 ELV).
6.2.2 Gemäss Einspracheentscheid bezieht die Beschwerdeführerin seit Januar
2002 eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Mit Verfügung vom 3. April 2009
erfolgte eine Neuberechnung der Invalidenrente mit Wirkung ab 1. März 2009. Grund
für die Neuberechnung war die mit Entscheid des Kreisgerichts X._ vom 19. Februar
2009 ausgesprochene Scheidung der am 18. August 2000 geschlossenen Ehe bzw. die
wohl damit verbundene Entplafonierung der Invalidenrente (EL-act. 33-1 ff., 37-4). Die
in Art. 22 Abs. 2 ELV statuierte sinngemässe Anwendung von Art. 22 Abs. 1 ELV bei
einer mit Verfügung geänderten laufenden Invalidenrente, eröffnet die Möglichkeit einer
Nachzahlung, sofern die Anmeldung zum EL-Leistungsbezug innert sechs Monaten
nach der Zustellung der entsprechenden Änderungsverfügung erfolgt. Art. 22 Abs. 2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ELV findet seine Begründung darin, dass die verfügungsweise Abänderung einer
laufenden Rente die EL-anspruchserheblichen Einkommensverhältnisse entscheidend
und nachhaltig zu beeinflussen vermag (vgl. auch BGE 118 V 223, in welchem
festgehalten wird, dass Art. 22 Abs. 2 ELV sich auch auf Fälle der Rentenheraufsetzung
bezieht). Anwendungsfälle von Art. 22 Abs. 2 ELV sind beispielsweise die
revisionsweise Änderung einer Invalidenrente oder die Ablösung einer Witwen- durch
eine Altersrente (Müller, Rechtsprechung zu den EL, 2. Auflage, ELG Rz. 164 ff.). Da
auch die Entplafonierung einer Invalidenrente massgeblichen Einfluss auf einen
allfälligen EL-Anspruch haben kann, gelangt auch in diesem Fall die
Nachzahlungsregelung von Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 ELV zur Anwendung. Die
Änderungsverfügung datiert vom 3. April 2009, die EL-Anmeldung vom 22. September
2009 erfolgte daher offensichtlich innert sechs Monaten nach Zustellung der
Verfügung. Somit ist der EL-Anspruch am 1. März 2009 (Wirkungszeitpunkt der
Rentenverfügung) entstanden. Die Beschwerdegegnerin hat den EL-Anspruch im
Zeitraum 1. März 2009 bis 31. August 2009 somit zu Unrecht verneint. Folglich sind die
EL in diesem Zeitraum auch nicht gesamthaft zurückzufordern.
6.3 Sodann bemängelt die Beschwerdeführerin die in der Rückforderungsverfügung
angerechneten Erwerbseinkommen. Diese seien tatsächlich tiefer ausgefallen, als in
den entsprechenden Lohnausweisen ausgewiesen.
6.4 Tatsächlich ergibt die Addition der Lohngutschriften gemäss den von der Be
schwerdeführerin eingereichten Buchungsbelegen ihrer Bank für die Jahre 2010 und
2011 (vgl. die monatlichen Lohngutschriften, act. G 1.1) eine Differenz zum Nettolohn
der Lohnausweise der Jahre 2010 und 2011 von insgesamt rund Fr. 375.--. Wie diese
Differenz genau zustande kommt, lässt sich aufgrund der vorliegenden Akten nicht
restlos erklären. Es ist jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu
gehen, dass die Differenz im Zusammenhang mit den Ferienentschädigungen, welche
der Arbeitgeber jeweils auf einem sogenannten Ferienkonto zurückbehalten hat, steht
(vgl. die Lohnabrechnungen, act. G 1.1). Die Ferienentschädigungen dürften der
Beschwerdeführerin jeweils beim Ferienbezug ausbezahlt worden sein. Jedenfalls
vermögen die von der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereichten
Buchungsbelege über die monatlichen Lohngutschriften auf ihr Bankkonto allein nicht
zu beweisen, dass ihr Erwerbseinkommen tatsächlich tiefer war, als in den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Lohnausweisen ausgewiesen. Diesbezüglich trägt die Beschwerdeführerin den Nachteil
der Beweislosigkeit (BGE 117 V 263 f. E. 3b mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts
vom 14. April 2008, 8C_615/2007, E. 2.2.2). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass
die Beschwerdegegnerin auf die Erwerbseinkommen gemäss den entsprechenden
Lohnausweisen abgestellt hat. Somit ist das Erwerbseinkommen der
Beschwerdeführerin im Jahr 2009 mit einem Bruttoeinkommen von Fr. 18'883.-- (EL-
act. 8-14), im Jahr 2010 mit Fr. 11'078.-- (EL-act. 8-12) und im Jahr 2011 mit Fr.
9'773.-- (EL-act. 8-5) zu berücksichtigen. Von dem jeweiligen Bruttoeinkommen sind
die Sozialversicherungsabgaben und Gewinnungskosten in Abzug zu bringen (Art. 11a
ELV). Alsdann ist das so ermittelte jährliche Nettoeinkommen privilegiert anzurechnen
(Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG).
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht EL zurück
gefordert hat. Der EL-Anspruch der Beschwerdeführerin ist jedoch entgegen der Auf
fassung der Beschwerdegegnerin bereits per 1. März 2009 entstanden. Die EL im Zeit
raum 1. März 2009 bis 31. August 2009 sind daher nur teilweise und nicht gesamthaft
zurückzufordern. Der Einspracheentscheid ist somit aufzuheben. Betreffend die
Berücksichtigung der jeweiligen Erwerbseinkommen in den Jahren 2009 bis 2011 ist
der Einspracheentscheid indessen nicht zu beanstanden. Insbesondere hat die
Beschwerdegegnerin die Rückforderungsverfügung betreffend das im Zeitraum Januar
2010 bis September 2010 fälschlicherweise nicht privilegiert angerechnete
Erwerbseinkommen korrigiert, womit sich der Rückforderungsbetrag um Fr. 3'105.--
reduziert hat. Die Neuberechnung der Rückforderung mit lediglich einer teilweisen
Rückforderung der EL im Zeitraum 1. März 2009 bis 31. August 2009 wird eine
zusätzliche Reduktion des Rückforderungsbetrags ergeben. Die Beschwerde ist somit
teilweise gutzuheissen.
8.
8.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist der angefochtene Einsprache
entscheid vom 18. Juni 2012 aufzuheben und die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Die Sache ist zur Neuberechnung der Rückforderung für den Zeitraum 1. März 2009 bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
31. Dezember 2011 in Sinn der Erwägungen und anschliessender Neuverfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es steht der Beschwerdeführerin offen, nach
Eintritt der Rechtskraft der neu zu erlassenden Rückforderungsverfügung ein
Erlassgesuch zu stellen (Art. 25 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 4 ATSV).
8.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
8.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Die Höhe der Parteientschädigung ist vom Gericht ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff.
VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter hat am 27. September 2012 eine Kostennote
in der Höhe von Fr. 3'818.90 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) eingereicht.
Unter Berücksichtigung, dass die Frage des Erlasses nicht Gegenstand des
vorliegenden Prozesses ist, erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 2'700.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP