Decision ID: 056bd669-c8cc-4084-9876-0497663c66be
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, war seit l. November 2005 bei der
Y._ AG
als Metallbauer angestellt, als er am
4.
November 2005 einen Un
fall erlitt, bei dem er sich am linken Ellbogen verletzte (vgl.
Urk.
3/6). Am 1
2.
Februar 2013 erlitt der Versicherte einen weiteren Unfall, bei dem die linke Schulter betroffen war (vgl.
Urk.
8/34/91)
.
Am 2
9.
April 2013 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizi
nische Abklärungen und zog die Akten der Unfallversicherung bei (
Urk.
8/
10, Urk. 8/30, Urk. 8/34
). Sodann sprach sie dem Versicherten Arbeitsvermittlung zu (
Urk.
8/42), welche im September 2015 erfolglos abgeschlossen wurde (
Urk.
8/57). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
8/69;
Urk.
8/73) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom
2.
Dezember 2016 eine vom l. März bis 3
0.
November 2014 befristete ganze Rente zu (
Urk.
8/80;
Urk.
8/79).
2.
Gegen die Verfügung vom
2.
Dezember 2016 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 1
9.
Dezember 2016 Beschwerde mit dem Antrag auf dessen Aufhebung sowie auf Zusprache einer unbefristeten ganzen, eventuell einer Dreiviertelsrente (
Urk.
l S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
5.
April 2017 (
Urk.
7) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdefüh
rer am
8.
Mai 2017 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So
zialversicherungsrechts, ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsren
te und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des ana
log anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a der Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV) festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstu
fung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Ren
te (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versi
cherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die un
bestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfas
sen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hin
weisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Der Beschwerdeführer sei seit März 2013 erheblich in seiner Erwerbsfä
higkeit eingeschränkt und habe keiner Arbeitstätigkeit nachgehen können. Ab September 2014 sei er in einer körperlich angepassten Tätigkeit zu 100
%
ar
beitsfähig; der Invaliditätsgrad betrage nur noch 18
%
. Damit werde die ganze Rente per l. Dezember 2014 aufgehoben. Die medizinische Sachlage sei klar und es seien keine weiteren Abklärungen zu treffen (S.
3
).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen (
Urk.
l), er sei aus somatischen Grün
den auch in angepasster Tätigkeit zu 80
%
arbeitsunfähig. Sein linker Arm sei aufgrund der Rotatorenmanschettenruptur und der Ellbogenarthrose kaum mehr einsetzbar. Weiter leide er an einer chronifizierten depressiven Störung, welche durch seine psychosoziale Belastung aufrechterhalten und durch seine vul
nerable, kränkbare Persönlichkeit begründet werde. Die Depressionstherapie werde konsequent eingehalten. Er sei deshalb aus psychiatrischer Sicht zu 50
%
arbeitsunfähig. Insgesamt betrage seine Arbeitsunfähigkeit 100
%
, maximal je
doch 50
%
(S. 4 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer über den 3
0.
November 2014 hinaus Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Somit ist zu prüfen, ob ab September 2014 im
Vergleich zum 1.
März 2014 eine anspruchsrelevante Ver
besserung eingetreten ist (vgl. vorstehend E. 1.4).
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Orthopädie
A._
Klinik, stellte mit Bericht vom
5.
Juli 2013 (
Urk.
8/13) folgende Diagnosen (S. l):
-
Schulter links, adominant:
-
transmurale Supraspinatussehnen- und kraniale Subscapularissehnen
ruptur
-
Status nach mehrmaliger subacromialer Infiltration
-
Acromion Typ III
-
beginnende Humeroradialarthrose und Arthrofibrose bei Status nach arthroskopischer Synovektomie 2007 und Ellbogenfraktur 2005
Der Beruf als Mechaniker bereite zunehmend Probleme und bereits in den Vor
jahren habe eine schwierige S
ituation mit psychischen Beglei
terkrankungen be
standen. Eine Tätigkeit als Mechaniker und insbesondere Tätigkeiten in Über
kopfpositionen und das Hantieren mit mittelschweren und schweren Gegen
ständen in körperferner Position sei auf lange Sicht sicherlich nicht mehr zu
mutbar (S. 2). Die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im angestammten Beruf sei nach der geplanten Gelenktoilette frühestens 2-3 Monate postoperativ realistisch (S. 3).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Hausarzt des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
8/1
Ziff.
6.5), stellte mit Bericht vom 1
9.
Juli 2013 (
Urk.
8/15) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
transmurale Supraspinatussehnenruptur
-
kraniale Subscapularissehnenruptur
-
schwere Arthrose aufgrund von Luxation
-
Depression
Als Metallbauer sei der Beschwerdeführer seit 1
8.
Juni 2013 zu 100
%
und vom 2
8.
Juni bis 1
5.
Juli 2013 zu 50
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6).
3.3
Am 1
3.
September 2013 wurden eine arthroskopische Tenotomie der langen Bi
z
epssehne, eine Acromioplastik, eine AC-Gelenksresektion sowie eine Rekon
struktion der Rotatorenmanschette durchgeführt (
Urk.
8/19). Anlässlich der Konsultation vom
9.
Dezember 2013 (
Urk.
8/22) stellte
Dr. Z._
fest, dass in Abduktionsstellung noch erhebliche Schmerzen vorhanden seien. Der Be
schwerdeführer berichte auch über starke Ellbogenschmerzen.
Dr. Z._
attestierte für weitere drei Monate volle Arbeitsunfähigkeit (S. l).
Am 1
2.
März 2014 berichtete
Dr. Z._
erneut (
Urk.
8/25) und hielt fest, dass der Beschwerdeführer weiterhin über starke Schmerzen im Ellbogen und in der operierten Schulter klage. Klinisch bestehe weiterhin eine deutliche Funkti
onseinschränkung, was durch Arbeitsplatzverlust und D
epression begleitet wer
de. Bis 1.
Juni 2014 bestehe volle Arbeitsunfähigkeit als Metallbauschlosser.
Zum Belastungsprofil äusserte sich
Dr. Z._
am 2
8.
März 2014 (
Urk.
8/34/234-235) wie folgt: Zumutbar seien rein körperlich leichte Tätigkei
ten, vorzugsweise in sitzender oder gehender Position. Wechselbelastung sei ebenfalls möglich,
H
eben und Tragen sei nur bis Brusthöhe möglich und mit ei
ner Hebebelastung von maximal 4 kg. Kauern und Knien sei nicht zumutbar. Rotieren im Sitzen und Stehen sei zumutbar. Auf Leitern und Gerüste steigen sei nicht zumutbar. Treppensteigen sei uneingeschränkt möglich. Das Konzentrati
onsvermögen, das Auffassungsvermögen, die Anpassungsfähigkeit und die Be
lastbarkeit seien eingeschränkt; die Fahrtauglichkeit sei nicht eingeschränkt
(S. 2).
3.4
Mit Bericht vom
4.
Juni 2014 (
Urk.
8/27) führte
Dr. Z._
aus, dass der Verlauf konstant und für den Beschwerdeführer frustrierend sei. Es stelle sich nun le
ider eine konstante Schmerzhaftig
keit der gesamten
linken
oberen Extre
mit
ät dar, welche sich mittels chiru
rgischen Massnahmen kaum verbessern las
se. Eine Reintegration
in
die Arbeit als Bauschlosser sei unrealistisch. Eine
Ar
beitstätigkeit sei lediglich in
stark angepasster Form möglich; eine Belastbarkeit der
linken
oberen Extremität könne nicht mehr vorausgesetzt werden. Darauf müsste eine Arbeitstätigkeit sicherlich Rücksicht nehmen
. Im Juni 2014 habe er nochmals eine vollständige Arbeitsunfähi
gkeit attestiert (S. 1-2).
3.5
Dr. B._
diagnostizierte mit Bericht vom
5.
September 2014 (
Urk.
8/
37/
1-5) ein Impingemen
tsyndrom der linken Schulter, ein
e Beweg
ungseinschränkung bei Arthrose im lin
ken Ellbogen sowie eine Depression (
Ziff.
1.1). Als Metallbau
schlosser sei der Beschwerdeführer seit l. September 2014 bis auf weiteres zu 30
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6).
In der bisherigen Tätigkeit seien keine Arbeiten über Kopf und kein permanentes Heben und Tragen von schweren Gegenstän
den möglich. Die bisherige Arbeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zu
mutbar. Sie sei vollschichtig mit einer um 30 % verminderten Leistungsfähigkeit zumutbar (Ziff. 1.7).
Behinderungsangepasste Tätigkeiten seien ab
1.
September 2014 zu 100
% zu
m
u
tbar (
Urk. 8/37/5).
3.6
Dr.
med.
C._
, Psychiatriez
entru
m Clienia
D._
, stellte mit Bericht vom 2
7.
Oktober 2015 (
Urk.
8/65) folgende Diagnosen
mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Ausprä
gung, chronischer Verlauf, mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
Status nach Burn
-out 2012
Seit 14 Jahren komme es immer wieder zu depressiven Episoden und medika
mentöser
Behandlung
(S. 2). Aufrechterhaltend
für
den chronischen Verlauf der Depression seien zum einen die weiterhin bestehende psychosoziale Belastungs
situation, d
ie abhanden gekommene Autonomie und die fehlende
Fähigkeit, sich wie bisher selbst zu versorgen. Dies stelle für den Patienten eine massive Krän
kung dar, vor dem Hintergrund, für alle Eventualitäten gesorgt zu haben (diver
se Versicherungen a
bgeschlossen) und dennoch mit ein
schneidenden, ein
schränkenden Ereigni
ssen konfrontiert zu sein. Zum a
ndern bestehe die
aktuell massiv vulnerable, krän
kbare Persönlichkeit des Patienten, die jedoch prämor
bid nicht bestanden habe
und
eher eine
Folge der dekompensierten hypern
or
men Persönlichkeit sei. Es müsse von einem chronischen Verlauf ausgegangen werden. Eine integrie
rte psychiatrisch-psychotherapeu
tische Behandlung finde alle 2-3 Wochen statt und der Beschwerdeführer nehme Parotexin ein (S. 4).
Angestammt als Metallbauschlosser sei der Beschwerdeführer ab l. Juli 2015 zu 50
% arbeitsunfä
hig. Zuvor sei er ebenf
alls psychisch belastet, aber au
s soma
ti
schen Gründen zu 100
%
krank geschrieben gewesen. Im Rahmen der depressi
ven Erkrank
ung bestünden Konzentrationsstöru
ngen, verlangsamtes
Denken, Ein- und Durchschlafstörun
gen, Störungen der Vitalität, des Antriebs, des Selbstwerts und der Frustrationstoleranz. Dadurch komme es auch zu einge
schränkter Motivation, Flexib
ilität und Konfliktfähigkei
t (S. 4).
In einer angepassten Tätigkeit mit wenig Leistungs
dru
ck, wenig körperlichem Einsatz, klarer Aufgabenstellung und Zuständigkeit sei der Beschwerdeführer zu 50
%
arbei
tsfähig. Diese Einschränkungen li
essen sich mit dem Weiterführen der Therapie, vor allem aber mit einer Klärung der psychosozialen Situatio
n vermindern, da sich diese aktu
ell sehr negativ auf das psychische Zustandsb
ild auswirke (S. 5).
Ergänzend hielt
Dr. C._ fest (S. 9), der Pati
ent stehe meistens gegen 9 Uhr auf, helfe seiner Ehefrau bei den Vorbereitungen für das Mittagessen,
manchmal gingen sie zusammen ein
kaufen. Ansonsten gehe er keinen sozialen
Aktivitäten ausserhalb der Famil
ie nach. Er habe kein Interesse mehr daran und auch nicht die finanziellen Mittel
dafür. Termine versuche er einzu
halten, was meistens ge
linge. Die Nächte seien oft quälend,
da er Mühe habe abzuschalten un
d oft auf
wach
e. Als Ressourcen seien die Famil
ie, die Beziehung zu den Kindern und die Partnerschaft zu nennen. Der Patient gehe folgenden Aktivitäten n
ach: Saxofon spielen, Dokumentati
onen über Wissenschaft schauen, spazieren gehen,
Musik hören. Die depressive Störu
ng scheine eher schlechter zu werden. Der gesamte Zustand könne sich sicher verbessern, sobald existentielle Faktoren wie
Woh
nung, Ein
kommen und Perspektive gesichert seien.
3.7
Med. pract. E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD), führte am 2
1.
Januar 2016 (
Urk.
8/67/6-7) ans,
Dr. C._
habe objektiv keine Konzentrations
probleme festgestell
t. In der Prognose weise sie auf die psychosoziale Belastungssituation hin.
Die genann
ten Einschränkungen in Form von Konzentrationsstörungen, Antriebsstöru
nge
n und eingeschränkter Motivation seien objekti
v nicht bemerkbar gewesen. Eine Ant
riebsstöru
ng habe durchgehend nicht vorgelegen. E
ine durchgehende Freud- und Lustl
osigkeit kontrastiere mit den Angaben, wonach der Beschwerdeführer Saxophon spi
ele und Dokumentationen schaue.
Zudem liefere der Befund keine ausreichenden Belege für das somatische Syn
drom. Aus psyc
hiatrischer Sicht würden die Kernsymptome ein
er Depression nicht erfüllt. Weiter sei der Gesundheitszustand gemäss Angaben von
Dr. C._
von den psychosozialen U
mständen abhängig. Aus versicheru
ngs
psychiatrischer Sicht liege somit kein relevantes Leiden vor.
4.
4.1
Nach Ablauf des Wartejahrs im März 2014 war dem Beschwerdeführer unbe
strittenermassen die angestammte Tätigkeit als Metallbauer nicht mehr zumut
bar. Zur Zumutbarkeit einer behinderungsangepassten Tätigkeit äusserte sich Dr. Z._ am 28. März 2014 und hielt fest, dass dem Beschwerdeführer wechselbelastende leichte Tätigkeiten, vorzugsweise in sitzender oder gehender Position, mit Einschränkungen hinsichtlich Trage- und Hebebelastung und ohne Kauern und Knien sowie ohne Gerüste und Leitern besteigen zumutbar seien (vgl. vorstehend E. 3.3). Dr. Z._ machte jedoch keine Angaben zum zu
mutbaren Pensum. Dies gilt auch für den Bericht von Dr. Z._ vom 4. Juni 2014 (vorstehend E. 3.4).
4.2
Dr. B._ ging mit Bericht vom 5. September 2014 (vorstehend E. 3.5) davon aus, dass dem Beschwerdeführer behinderungsangepasste Arbeiten ab 1. September 2014 zu 100 % zumutbar seien. Er begründete diese - wie auch seine Einschätzung, wonach die angestammte Tätigkeit wieder zu 70 % zumut
bar sei - jedoch in keiner Weise. Insbesondere vermag nicht zu überzeugen, dass er, obwohl der Beschwerdeführer gemäss fachärztlicher Beurteilung durch Dr. Z._ seine linke obere Extremität nicht mehr belasten kann, keine Angaben zur Beidhändigkeit machte (vgl. Urk. 8/37/5). Auch einem weiteren, undatierten Bericht (Urk. 8/66/1-4) ist nichts Verlässliches zu entnehmen. Zu
dem ist Dr. B._ als Facharzt für Allgemeine Innere Medizin grundsätzlich nicht genügend befähigt, zu den Auswirkungen der orthopädischen Einschrän
kungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers Stellung zu nehmen. Auf seine Einschätzung kann somit nicht abgestellt werden.
4.3
Somit liegen keine genügend aussagekräftigen Berichte über die somatischen Auswirkungen der Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers vor. Es ist nicht schlüssig nachvollziehbar, in welchem Umfang er behinderungsangepasst ar
beitsfähig ist. Dies gilt, wie nachfolgend zu zeigen ist, auch für die Beurteilung aus psychiatrischer Sicht.
4.4
Dr. C._ diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Ausprägung, chronischer Verlauf mit somatischem Syndrom, und erachtete den Beschwerdeführer deshalb als zu 50 % arbeitsunfähig (vorstehend E. 3.6). An dieser Einschätzung ist zunächst zu bemängeln, dass Dr. C._ über keinen Facharzttitel in Psychiatrie und Psychotherapie verfügt (vgl. www.medregom.ch), was den Beweiswert ihrer Expertise erheblich schmälert. Damit liegt auch in psychiatrischer Hinsicht kein genügend aussagekräftiger Arztbericht vor. Die Beurteilung durch med. pract. E._ (vorstehend E. 3.7) kann dies nicht beheben: Zwar verfügt dieser über die fachärztliche Ausbildung, aber bei seiner Stellungnahme handelt es sich nicht um einen Arztbericht im ei
gentlichen Sinn (vgl. vorstehend E. 1.5). Angesichts des Umstands, dass eine psychische Beeinträchtigung des Beschwerdeführers jedoch nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen ist - immerhin nimmt der Beschwerdeführer nach Lage der Akten eine entsprechende Therapie wahr und Antidepressiva ein - und ge
mäss Dr. C._ nicht nur psychosoziale Faktoren dafür verantwortlich sein sollen, bedarf die Frage der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht näherer Abklärung. Dies auch, da das Bundesgericht kürzlich die Beurteilungskriterien bei psychischen Gesundheitsschäden geändert hat.
4.5
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in ei
nem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funk
tionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenem Urteil 8C_130/2017 vom 30. November 2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfah
ren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsamamnestisch ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V
281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
4.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesge
richts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Angesichts der wie dargelegt noch offenen Fragen fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid. Der entscheidrelevante Sachverhalt ist ungenügend abgeklärt: Ob im September 2014 im Vergleich zum März 2014 eine anspruchsrelevante Verbesserung eingetreten ist, kann nicht beurteilt werden.
Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzenden Abklärungen in soma
tischer und psychischer Hinsicht sowie unter Berücksichtigung der neuen Recht
sprechung zur Beurteilung psychischer Erkrankungen über den Leistungsan
spruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (B
GE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer
Anspruch au
f eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 GSVGer – ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim für Rechtsanwälte gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich MWSt
von 7.7 %
)
ist die Prozessentsch
ädigung vorliegend auf Fr. 2‘500
.-- (inkl. Bar
auslagen und MWSt) festzusetzen.