Decision ID: 5c470414-c574-4e83-963b-4d58e56e1740
Year: 2002
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. A, geboren am 28. Dezember 1974, Staatsangehöriger von X, kam als Asylbewerber in die Schweiz und erhielt – nachdem sein Asylgesuch rechtskräftig abgewiesen worden war – aufgrund der Heirat mit einer Schweizerin am 14. Juni 1999 die Aufenthaltsbewilligung. Da er seit dem 1. November 2000 nicht mehr mit seiner Ehefrau zusammengelebt, zu Klagen Anlass gegeben und Leistungen der öffentlichen Fürsorge beantragt hatte, verfügte die Direktion für Soziales und Sicherheit (Migrationsamt) am 7. Januar 2002, dass seine Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert werde. Die genannte Verfügung wurde A am 8. Januar 2002 zugestellt.
II. Auf einen gegen diese Verfügung am 11. Februar 2002 vom nunmehrigen Vertreter von A eingereichten Rekurs beim Regierungsrat trat dieser am 6. März 2002 wegen Verspätung nicht ein.
III. Gegen diesen Beschluss liess A durch seinen Rechtsvertreter am 11. April 2002 Beschwerde beim Verwaltungsgericht einreichen. Er beantragte, den Beschluss des Regierungsrats aufzuheben und das Verfahren zur materiellen Behandlung an diesen zurückzuweisen.
Mit Präsidialverfügung vom 12. April 2002 wurde A gestützt auf § 15 Abs. 2 lit. b des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) angehalten, innert einer Frist von 20 Tagen die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten mit einer Barkaution von Fr. 2'000.- sicherzustellen, da er dem Bezirksgericht Zürich noch Kosten von Fr. 4'117.65 (Urteil des Bezirksgerichts vom 10. November 2000) und Fr. 1'038.20 (Urteil des Bezirksgerichts vom 17. Oktober 2001) schuldete. Für den Säumnisfall wurde ihm angedroht, dass auf seine Beschwerde nicht eingetreten würde. Die Präsidialverfügung wurde dem Vertreter von A am 22. April 2002 zugestellt.
Die Direktion für Soziales und Sicherheit liess sich nicht vernehmen. Im Auftrag des Regierungsrats beantragte die Staatskanzlei am 29. April 2002, die Beschwerde abzuweisen.
Mit Eingabe vom 10. Mai 2002 ersuchte der Vertreter von A einerseits um Erstreckung der Frist zur Bezahlung des Kostenvorschusses um 30 Tage, andererseits um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. a) Die Beschwerde richtet sich gegen den Beschluss des Regierungsrats, wonach dieser wegen Verspätung auf den Rekurs des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist. In der Beschwerde anerkennt der Vertreter des Beschwerdeführers, dass der Rekurs erst nach Ablauf der Rekursfrist eingereicht worden sei, und erklärt sich damit einverstanden, dass er selbst für dieses Versäumnis bestraft werde. Da das Fristversäumnis aber allein seine Schuld sei, wäre eine Bestrafung seines Mandanten "in höchstem Masse ungerecht und unverhältnismässig". Damit stellt der Vertreter des Beschwerdeführers sinngemäss ein Gesuch um Wiederherstellung der Rekursfrist.
b) Fristwiederherstellungsgesuche sind von derjenigen Behörde zu beurteilen, die bei Gewährung der Wiederherstellung über die nachgeholte Rechtshandlung zu befinden hat. Im vorliegenden Fall, bei dem es inhaltlich um die Wiederherstellung der Rekursfrist geht, wäre das entsprechende Gesuch mithin an den Regierungsrat zu richten gewesen. Damit wäre an sich auf die ein Gesuch um Fristwiederherstellung darstellende Beschwerde mangels Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts gar nicht einzutreten. Da indes der Regierungsrat in seinem Entscheid bereits ausgeführt hat, dass Gründe für die Wiederherstellung der Rekursfrist nicht ersichtlich seien, ist die Beschwerde aus prozessökonomischen Gründen grundsätzlich entgegenzunehmen und als Beschwerde gegen die Verweigerung der Wiederherstellung der Rekursfrist zu behandeln. Müsste nämlich die Frist wiederhergestellt werden, hätte der Regierungsrat über die Zulässigkeit der Wegweisung des Beschwerdeführers zu befinden und somit über die Aufhebung der Aufenthaltsbewilligung, auf welche der Beschwerdeführer aufgrund seiner Ehe mit einer Schweizer Bürgerin einen gesetzlichen Anspruch hat. Gestützt auf diesen dem Verfahren zugrundeliegenden Rechtsanspruch ist auf die Beschwerde gestützt auf § 43 Abs. 2 VRG in Verbindung mit Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 des Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege vom 16. Dezember 1943 einzutreten.
c) Gemäss § 12 Abs. 2 VRG kann eine versäumte Frist nur wiederhergestellt werden, wenn dem Säumigen keine grobe Nachlässigkeit zur Last fällt und er innert zehn Tagen nach Wegfall des Grundes, der die Einhaltung der Frist verhindert hat, ein Gesuch um Wiederherstellung einreicht. Dem Säumigen obliegt es dabei, die Gründe im Wiederherstellungsgesuch vollständig und genau darzustellen (RB 1988 Nr. 11). Anrechnen lassen muss sich die säumige Partei das Verhalten eines beauftragten Vertreters, wobei insbesondere an Fristwiederherstellungsbegehren von Anwälten erhöhte Anforderungen zu stellen sind (vgl. RB 2000 Nr. 3 mit weiteren Hinweisen).
2. Der Vertreter des Beschwerdeführers macht in seiner Beschwerde keinen einzigen Fristwiederherstellungsgrund im Sinn der ständigen Rechtsprechung geltend (vgl. dazu etwa die Kasuistik bei Kölz/Bosshart/Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 12 N. 19), weshalb die Beschwerde schon aus diesem Grund abzuweisen ist, sofern auf sie mangels erforderlicher Substanzierung überhaupt eingetreten werden kann. Derartige Gründe, welche im Übrigen beim Anwalt des Beschwerdeführers vorhanden sein müssten, sind auch nicht ersichtlich. Vielmehr muss das Verpassen der Rekursfrist als grobe Verletzung der Sorgfaltspflicht des Vertreters des Beschwerdeführers bezeichnet werden. Dieser beruft sich unter Hinweis auf einen Entscheid des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 7. Dezember 1995 (ZR 96/1997 Nr. 6) denn auch einzig darauf, das Verweigern der Fristwiederherstellung wäre gegenüber seinem Mandanten unverhältnismässig (vgl. auch das Zitat in Erwägung 1a). Die Ausführungen des Kassationsgerichts, dessen Auffassung das Verwaltungsgericht im Übrigen ohnehin nicht zu binden vermöchte, bezogen sich jedoch auf eine andere gesetzliche Grundlage und können somit für den vorliegenden Fall schon aus diesem Grund keine Geltung beanspruchen. Zudem entspricht es gefestigter verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung, das Verhalten des Vertreters dem Auftraggeber selbst dann zuzurechnen, wenn beim Beschwerdeführer letztlich ein Rechtsverlust eintritt (RB 2000 Nr. 3; vgl. auch die Kasuistik bei Kölz/Bosshart/Röhl, § 12 N. 20). Stichhaltige Gründe, weshalb von dieser – vom Bundesgericht im Übrigen gebilligten – Praxis (vgl. etwa das RB 2000 Nr. 3 betreffende Urteil des Bundesgerichts vom 25. August 2000 [2A.348/2000]) gerade im vorliegenden Fall abzuweichen wäre, bringt der Beschwerdeführer nicht vor. Die Beschwerde ist demzufolge vollumfänglich abzuweisen.
3. Da mit heutigem Datum ein prozessabschliessender Sachentscheid ergeht, erübrigen sich Ausführungen zum in der Eingabe vom 10. Mai 2002 ebenfalls gestellten Antrag, dem Beschwerdeführer eine Nachfrist zur Bezahlung des Kostenvorschusses anzusetzen.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 in Verbindung mit § 70 VRG).
5. a) Privaten Beschwerdeführenden, welchen die nötigen Mittel fehlen und deren Begehren nicht offensichtlich aussichtslos erscheint, ist auf entsprechendes Ersuchen die Bezahlung von Verfahrenskosten und Kostenvorschüssen zu erlassen (§ 16 Abs. 1 VRG). Unter den gleichen Voraussetzungen haben diese überdies Anspruch auf Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands, wenn sie zur Wahrung ihrer Rechte darauf angewiesen sind (§ 16 Abs. 2 VRG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands kann auch während eines hängigen Verfahrens jederzeit gestellt werden (Kölz/Bosshart/Röhl, § 16 N. 12 mit weiteren Hinweisen).
b) Angesichts der gefestigten verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. Erwägung 2) muss die vorliegende Beschwerde als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Demzufolge ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ebenso abzuweisen wie dasjenige um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands.