Decision ID: 5c1e16b6-3c0d-56ae-b568-92a98329d901
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Dezember 2002 wegen einer seit seiner Flucht aus B._
bestehenden psychischen und physischen Erkrankung zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Fachärzte der C._ berichteten am
16. Dezember 2002 (IV-act. 8), der Versicherte leide an einer paranoiden Schizophrenie
bei einem Beobachtungszeitraum von weniger als einem Jahr (ICD-10 F20.09). Sie
attestierten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem 8. Juni 2002. Am 25. August
2003 gaben dieselben Fachärzte an (IV-act. 15), der Gesundheitszustand des
Versicherten sei stationär. Mit einer Verfügung vom 4. Dezember 2003 sprach die IV-
Stelle dem Versicherten ab dem 1. Juni 2003 eine ganze Invalidenrente zu (IV-act. 24).
A.a.
Am 7. Dezember 2007 gab der Versicherte im Revisionsfragebogen an (IV-act. 43),
sein Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Er sei vollständig arbeitsunfähig.
Fachärzte des D._ berichteten am 20. März 2008 (IV-act. 46), der
Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär. Der Versicherte sei auch in einer
adaptierten Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig. Die IV-Stelle teilte dem Versicherten
am 27. März 2008 mit (IV-act. 48), er habe unverändert Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente. Ein im September 2010 eröffnetes Revisionsverfahren ergab bei einem
unveränderten Gesundheitszustand weiterhin einen Anspruch auf eine ganze
A.b.
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Invalidenrente (vgl. die Mitteilung der IV-Stelle vom 20. Januar 2011, IV-act. 68). Im
Revisionsfragebogen hatte der Versicherte am 3. November 2010 angegeben, dass er
im Jahr 2009 geschieden worden sei (IV-act. 58).
Das Einwohneramt E._ sandte der IV-Stelle am 4. August 2017 verschiedene
Unterlagen zu (IV-act. 75). Gemäss einer durch ein Büro in F._ übersetzten
Bescheinigung einer B._schen Polizeistelle vom 1. November 2015 (IV-act. 75-5) war
der Versicherte dort vorstellig geworden, um seine Entführung durch eine Gruppe
bewaffneter Personen zu schildern. Er hatte angegeben, er sei geschlagen und mit
dem Tod bedroht worden. Der Reisepass und die Bankkarten seien ihm
weggenommen worden. Aus einer englischen Übersetzung eines auf G._ verfassten
Schreibens vom 10. November 2011 ergab sich (Übersetzer unbekannt, Zusendung
des Schreibens durch die Schweizerische Botschaft in B._, IV-act. 76), dass eine
Person namens H._ gegenüber der Schweizerischen Botschaft in F._ angegeben
hatte, mit dem Versicherten verheiratet zu sein und mit diesem von März 2011 bis
Oktober 2011 in E._ zusammengelebt zu haben. Sie hatte behauptet, der Versicherte
sei ein Lügner. Er habe vorgegeben, psychisch krank zu sein, dabei habe er seine
Medikamente jeweils in den Abfall geworfen. Sie hatte weiter behauptet, die
schweizerische Polizei darüber informiert zu haben, dass der Versicherte Personen die
illegale Einreise in die Schweiz ermögliche.
A.c.
Am 23. Oktober 2017 fand in den Räumen der IV-Stelle ein Gespräch mit dem
Versicherten statt. Der Versicherte gab an (IV-act. 81), sich in den Jahren 2015 und
2016 mehrmals während mehrerer Wochen im Ausland aufgehalten zu haben. Im Jahr
2016 sei er dreimal zur Anfertigung einer Zahnprothese nach I._ gereist. Im Jahr 2015
habe er in B._ seine Familie besucht; die Ex-Frau und die Kinder lebten in B._. Er
habe seine Verwandten seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. Er reise jeweils alleine. Er
sei immer noch krank; er höre immer etwas und könne nicht gut schlafen. Die Frage,
ob er immer noch glaube, vom B._schen Geheimdienst verfolgt zu werden, bejahte
der Versicherte. Er gab an, im September 2015 in B._ von 15 Personen
festgenommen und während drei Wochen im Gefängnis gewesen zu sein. Er nehme
jeden Tag Zyprexa und Dafalgan ein. Auf den Hinweis, es bestehe ein gewisser
Widerspruch darin, dass er sich im Jahr 2015 trotz seiner Ängste während zwei
Monaten in B._ aufgehalten habe, entgegnete der Versicherte, dass seine Familie
A.d.
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dort sei. Ein Mitarbeiter der IV-Stelle notierte am 25. Oktober 2017 (IV-act. 83), eine
Auswertung des Reisepasses des Versicherten bestätige dessen Angaben.
Am 15. November 2017 gab der Versicherte im Revisionsfragebogen an (IV-act.
91), sein Gesundheitszustand sei gleich geblieben bzw. er habe sich seit der
Scheidung vor acht Jahren verschlechtert.
A.e.
Am 24. November 2017 notierte ein Mitarbeiter der IV-Stelle (IV-act. 92), diese
habe beim Amt Z._ des Kantons St. Gallen Akteneinsicht erhalten. Die fallrelevanten
Aktenstücke seien in die IV-Akten übernommen worden. Gemäss einem Rapport des
Amts Z._ vom 14. Oktober 2011 (IV-act. 92-3) hatte H._ erklärt, der Versicherte
halte sich seit rund vier Monaten in J._ auf. Er schleuse Personen illegal in die
Schweiz ein. Der Versicherte lüge, wenn er sage, dass er psychische Probleme habe
und krank sei. Er habe überhaupt nichts und nutze nur den Staat Schweiz aus. H._
hatte den Rapport unterzeichnet.
A.f.
Mit einem Schreiben vom 24. Januar 2018 lud die IV-Stelle den Versicherten zu
einem Standortgespräch am 9. Februar 2018 ein, um eine geplante Begutachtung
sowie allgemeine Fragen zur laufenden Rentenrevision zu besprechen (IV-act. 100). Der
Versicherte erschien am 26. Januar 2018 am Schalter und erklärte, dass er den Termin
vom 9. Februar 2018 verschieben müsse, da er am 28. Januar 2018 für zwei Wochen
nach K._ verreise. Er wolle dort eine Therapie machen. Der Rückflug sei am
14. Februar 2018. Da die fallverantwortliche Person gerade in einem anderen Gespräch
war, wurde dem Versicherten mitgeteilt, dass er telefonisch über eine
Terminverschiebung informiert werde. In der Gesprächsnotiz wurde ausserdem
festgehalten, dass der Versicherte schlecht Deutsch gesprochen und für das Gespräch
ausdrücklich einen Dolmetscher in G._ verlangt habe (IV-act. 103). Die zuständige
Sachbearbeiterin rief den Versicherten gleichentags an. Sie notierte (IV-act. 104), sie
habe dem Versicherten mitgeteilt, dass der Termin nur aus ganz wichtigen Gründen
verschoben werden könne. Da er die Reise schon gebucht habe, würden sie dies so
zur Kenntnis nehmen. Es sei vereinbart worden, dass die IV-Stelle ihm einen neuen
Termin (nach dem 14. Februar 2018) schicken und gleichzeitig einen G._
sprechenden Dolmetscher organisieren werde. Der Versicherte sei damit einverstanden
gewesen und habe sich sehr bedankt.
A.g.
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Dr. med. L._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, berichtete am 17. Februar
2018 (IV-act. 107), er habe den Versicherten von 1993 bis 2000 als Hausarzt betreut.
Seit dem Jahr 2011 stehe dieser erneut bei ihm in Behandlung. Er leide an einem
Vitamin B-12-Mangel, der substituiert werde, und an einer arteriellen Hypertonie. Der
Versicherte nehme regelmässig Olanzapin ein. Psychiatrisch werde er vom D._
betreut. Dr. L._ reichte einen Bericht der Psychiatrischen Klinik M._ vom 20. April
1998 ein (IV-act. 107-7). Der Versicherte war dort im März 1998 wegen einer akuten,
vorübergehenden, vorwiegend wahnhaften psychotischen Störung (ICD-10 F23.3) vier
Tage hospitalisiert gewesen.
A.h.
Am 26. Februar 2018 lud die IV-Stelle den Versicherten zu einem Standortgespräch
am 7. März 2018 ein (IV-act. 110). Da der Versicherte unentschuldigt nicht erschien,
teilte ihm die IV-Stelle am 9. März 2018 mit (IV-act. 113), sie beabsichtige, die IV-Rente
für zwei Monate einzustellen. Der Versicherte nahm dazu nicht Stellung. Mit einer
Verfügung vom 23. März 2018 stellte die IV-Stelle die Rentenzahlungen für zwei
Monate ein (IV-act. 116). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am
28. März 2018 lud die IV-Stelle den Versicherten zu einem Standortgespräch am
17. April 2018 ein (IV-act. 117). Der Versicherte blieb auch diesem Termin
unentschuldigt fern. Am 2. Mai 2018 rief ein Kollege des Versicherten bei der IV-Stelle
an und informierte diese (IV-act. 119), dass sich der Versicherte in N._ aufhalte, krank
sei und in ca. zehn Tagen in die Schweiz zurückreisen werde. Am 9. Mai 2018 forderte
die IV-Stelle den Versicherten zur Teilnahme an einem Standortgespräch am 22. Mai
2018 auf (IV-act. 119). Sie machte ihn auf Art. 28 und 43 Abs. 3 des Gesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) aufmerksam und
wies ihn ausdrücklich darauf hin, dass sie die Rentenleistungen gestützt auf Art. 43
Abs. 3 ATSG einstellen werde, falls er dem Gespräch vom 22. Mai 2018 unentschuldigt
fernbleiben oder unvollständige oder unrichtige Auskünfte erteilen sollte. Mit einem
Vorbescheid vom 22. Mai 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Renteneinstellung in Aussicht (IV-act. 120). Zur Begründung gab sie an, der Versicherte
habe mehrere Termine nicht wahrgenommen. Auch dem letzten, auf den heutigen Tag
angesetzten Termin sei er unentschuldigt ferngeblieben. Deshalb sei aufgrund der
Akten zu entscheiden und die IV-Rente einzustellen. Dieser Entscheid ergehe aufgrund
folgender Überlegungen: Bei der Zusprache der IV-Rente seien die schweren
A.i.
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psychischen Einschränkungen nach der Flucht des Versicherten aus B._ wesentlich
gewesen. Am 23. Oktober 2017 habe der Versicherte angegeben, häufig zu reisen,
auch in N._ische Länder. Am 26. Januar 2018 habe er mitgeteilt, für zwei Wochen
nach K._ zu reisen. Diese Umstände liessen daran zweifeln, dass die
Einschränkungen, die für die Rentenzusprache ausschlaggebend gewesen seien, heute
noch bestünden. Es erscheine als unwahrscheinlich, dass ein Traumapatient, der
immer noch an Verfolgungsängsten leide, freiwillig in jene Region reise, in welcher er
eine erneute Verfolgung befürchten müsse. Soweit eine Unsicherheit in Bezug auf den
Gesundheitszustand bestehe, habe der Versicherte die Folgen zu tragen. Da der
Nachweis für das Fortbestehen einer relevanten gesundheitlichen Einschränkung fehle,
sei die IV-Rente einzustellen. Der Versicherte erhob dagegen keinen Einwand. Mit einer
Verfügung vom 26. Juni 2018 ordnete die IV-Stelle die Einstellung der laufenden Rente
auf das Ende des auf die Zustellung der Verfügung folgenden Monats, also per 31. Juli
2018, an (IV-act. 121).
Am 13. Juli 2018 meldete sich der Versicherte am Empfang der SVA. Im
anschliessenden Gespräch mit einer Sachbearbeiterin und einem
Rechtsdienstmitarbeitenden gab er an (IV-act. 123), dass er einen Termin verpasst
habe. Er habe sich seit dem 28. Januar 2018 in K._ aufgehalten. Dort habe er am
15. Februar 2018 einen Autounfall erlitten und mehrere Tage liegen müssen. Drei Tage
nach dem Unfall sei er zu einem Arzt gegangen. Er verwies auf ein beigebrachtes
ärztliches Attest vom 22. Februar 2018 (vgl. IV-act. 124). Auf eine Nachfrage hin gab er
an, dass der Unfall am 18. oder 19. Februar 2018 gewesen sei. Ca. eine Woche nach
dem O._ habe er seine Rückreise in die Schweiz in Angriff genommen. Die Polizei
habe ihn jedoch an der Ausreise gehindert. Er sei auch vor Gericht gewesen. Er habe
dreimal erfolglos versucht, über die Grenze zu kommen. Dem Versicherten wurde
mitgeteilt, dass er im Verlauf der nächsten Woche zu einem Gespräch in der SVA
werde erscheinen müssen.
A.j.
Am 17. Juli 2018 fand das Gespräch mit dem Versicherten statt. Der Versicherte
gab im Wesentlichen zu Protokoll (IV-act. 126), dass er drei Tage nach der Ankunft in
K._ krank geworden sei. Er habe in einer Wohnung eines Freundes in P._ gewohnt.
Ca. am 19. Februar 2018 habe er einen Autounfall erlitten. Am 22. Februar 2018 sei er
zu einem Arzt gegangen. Anfangs Juni 2018 habe er sich besser gefühlt. Ein Kollege
A.k.
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B.
habe für ihn einen Rückflug am 6. Juni 2018 gebucht. Am Zoll sei er aufgehalten
worden, da sein Visum abgelaufen gewesen sei. Er habe dann versucht, über Q._
auszureisen, dies habe aber nicht geklappt. Anschliessend sei er nach R._ gegangen.
Dort sei er zur Polizei geschickt worden. Die Polizei habe ihm gesagt, er müsse zurück
nach P._. In P._ sei er am 5. Juli 2018 zur Polizei gegangen. Der Versicherte gab
zwei Dokumente ab (vgl. IV-act. 126-12, 126-13). Die Dolmetscherin übersetzte die
Dokumente und notierte die wichtigsten Angaben auf den angefertigten Kopien.
Demnach war der Versicherte wegen eines unerlaubten Aufenthalts zu einer Busse
verurteilt worden. Der Versicherte gab an, dass er am 11. Juli 2018 in die Schweiz
zurückgeflogen sei. In K._ sei es ihm auch moralisch schlecht gegangen. Er habe zu
wenig Zyprexa dabeigehabt. Er habe bei der IV-Stelle nicht anrufen können und einen
Kollegen gebeten, bei der IV-Stelle anzurufen und zu sagen, dass er krank sei. Seit
seiner Rückkehr habe er den Briefkasten nicht leeren können. Vier bis fünf Tage nach
seiner Abreise sei nämlich die Polizei in seine Wohnung gekommen und habe alle
Schlüssel mitgenommen.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 27. August 2018 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 26. Juni 2018 (act. G 1). Er stellte folgende
Anträge: Die Verfügung vom 26. Juni 2018 sei aufzuheben; es sei festzustellen, dass
die sanktionsweise Renteneinstellung zu Unrecht erfolgt sei; die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) sei anzuweisen, die ganze Invalidenrente rückwirkend ab dem
1. August 2018 wieder auszurichten und das Rentenrevisionsverfahren in formell
korrekter Form durchzuführen; ihm sei die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Zur Begründung machte er im Wesentlichen
geltend, er habe die Gründe für das Nichterscheinen am 13./17. Juli 2018 erklärt. Ein
Verschulden i.S.v. Art. 43 Abs. 3 ATSG werde bestritten. Er bestreite, das Schreiben
vom 9. Mai 2018 erhalten zu haben. Praxisgemäss obliege die Beweislast des Erhalts
dieser Mahnung beim Verwaltungsträger. In den Akten sei nicht ersichtlich, dass die
Beschwerdegegnerin diesen Beweis erbracht habe. Das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren sei in formeller Hinsicht also nicht korrekt erfolgt, weshalb die
Einstellung der Invalidenrente nicht rechtmässig sei. Sofern das Gericht der Ansicht
sein sollte, dass er seine Mitwirkungspflicht in unentschuldbarer Weise verletzt habe
B.a.
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und die Beschwerdegegnerin den Nachweis der formell korrekten Zustellung ihrer
Mahnung belegen könne, weise er auf folgendes hin: Eine Renteneinstellung könne
sich nur auf denjenigen Zeitraum beziehen, in dem die Mitwirkung tatsächlich
verweigert worden sei. Laut gängiger Praxis sei die Sanktion aufzuheben, wenn die
versicherte Person ihre Mitwirkung wieder aufnehme. Die Verfügung datiere vom
26. Juni 2018. Damit sei die Renteneinstellung per 31. Juli 2018 festgelegt worden.
Bereits am 13. Juli 2018 habe er sich bei der Beschwerdegegnerin gemeldet und
"seine Mitwirkung erbracht". Eine allfällige Sanktion hätte also nur bis zum 13. Juli
2018 greifen können. Da die hier beanstandete Sanktion, nämlich die
Renteneinstellung, erst ab 1. August 2018, also in einem Zeitpunkt, in dem er wieder
mitgewirkt habe, erfolgt sei, sei die Renteneinstellung unrechtmässig gewesen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. November 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie an, der Gegenstand der
angefochtenen Verfügung und damit des Gerichtsverfahrens sei die Rechtmässigkeit
der Verfügung vom 26. Juni 2018, also die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
eine Sanktion ausgesprochen habe. Nicht Gegenstand sei, wie lange die Sanktion
aufrecht zu erhalten sei. Die entsprechenden Ausführungen in der Beschwerde seien
daher unbeachtlich. Der Beschwerdeführer mache geltend, dass er am 13./17. Juli
2018 bei der Beschwerdegegnerin erschienen sei und sich erklärt habe. Dieser
Vorgang falle in die Zeit nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung und sei damit
nicht Gegenstand der Verfügung und des Gerichtsverfahrens. Jedenfalls sei daraus
nicht abzuleiten, dass der Beschwerdeführer bereits vor dem Erlass der angefochtenen
Verfügung "in geschuldeter Weise" mitgewirkt habe. Der Beschwerdeführer habe bei
den Gesprächen vom 13./17. Juli 2018 versucht zu erklären, weshalb er die
Einladungen nicht befolgt habe. Es frage sich also, ob entschuldigende Momente
vorlägen. Die Darstellungen des Beschwerdeführers seien widersprüchlich und wenig
glaubhaft. Die Umstände und Motive für den langen Auslandsaufenthalt seien
intransparent. Der Beschwerdeführer mache Umstände für das Versäumen der Termine
geltend, die ihn nicht zu entlasten vermöchten. Das Schreiben vom 9. Mai 2018 sei
dem Beschwerdeführer zugestellt worden (vgl. den Zustellnachweis, IV-act. 166).
B.b.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 16. November
2018 das Gesuch um die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
B.c.
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C.
Parallel zum Beschwerdeverfahren hatte die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen
getätigt. Am 29. August 2018 hatte erneut ein Gespräch mit dem Beschwerdeführer
stattgefunden (IV-act. 152). Dem Beschwerdeführer war einleitend mitgeteilt worden,
dass eine medizinische Begutachtung geplant sei. Vorgängig seien aber noch einige
Fragen zu klären (zum weiteren Gesprächsverlauf vgl. IV-act. 152-3 ff.). Im Anschluss
an das Gespräch war der Beschwerdeführer zwecks Entnahme einer Haarprobe in ein
Labor geschickt worden. Bei der Analyse der Barthaare war für den Zeitraum von Ende
April 2018 bis Mitte August 2018 Olanzapin in tiefer Konzentration nachgewiesen
worden (IV-act. 161). Eine zahnärztliche Untersuchung vom 11. September 2018 hatte
ergeben (IV-act. 160), dass sich der Beschwerdeführer seit Juni 2015 einer
umfangreichen Zahnsanierung unterzogen hatte.

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat wegen einer Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der
Abklärung des Sachverhalts (Art. 43 Abs. 3 ATSG) zunächst ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren durchgeführt und dann mit der angefochtenen Verfügung vom
26. Juni 2018 die Invalidenrente des Beschwerdeführers per 31. Juli 2018 eingestellt.
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet somit die Rechtmässigkeit dieser
Renteneinstellung.
2.
Die Versicherten und ihre Arbeitgeber haben beim Vollzug der
Sozialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken. Wer Versicherungsleistungen
beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des
Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich sind (Art. 28
Abs. 1 und 2 ATSG). Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die
notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das
Beschwerdeverfahren (act. G 10).
Der Beschwerdeführer verzichtete am 6. Dezember 2018 auf eine Replik (act.
G 11).
B.d.
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ein. Mündlich erteilte Auskünfte sind schriftlich festzuhalten. Kommen die versicherte
Person oder andere Personen, die Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- und
Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der
Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und
Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf
die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen
(Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG).
3.
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer am 9. Mai 2018 zur Teilnahme an
einem Standortgespräch vom 22. Mai 2018 aufgefordert. Sie hat ihn auf seine
diesbezügliche Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht und ihn darauf hingewiesen,
dass sie bei einem unentschuldigten Fernbleiben gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG die
Rentenleistungen einstellen werde (IV-act. 119). Dieses Schreiben ist dem Versicherten
mittels A-Post plus am 11. Mai 2018 in den Briefkasten gelegt worden (vgl. Track &
Trace-Ausdruck vom 2. November 2018, IV-act. 166). Die Beschwerdegegnerin hat
damit das Mahn- und Bedenkzeitverfahren gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG durchgeführt.
Der Beschwerdeführer hat bestritten, das Schreiben vom 9. Mai 2018 erhalten zu
haben. Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden, kann offengelassen
werden, ob dieses Schreiben als zugestellt zu gelten hat. Ebenso kann offengelassen
werden, ob die Voraussetzungen von Art. 43 Abs. 3 ATSG erfüllt gewesen sind,
insbesondere ob der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht in unentschuldbarer
Weise verletzt hat, und ob – was an sich vorfrageweise zu prüfen wäre (vgl. Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich 2020, N 112 zu Art. 43) – die verlangte
Mitwirkung rechtmässig gewesen ist, ob also das Standortgespräch vom 22. Mai 2018
zur revisionsweisen Überprüfung der Weiterausrichtung der ganzen Invalidenrente
erforderlich gewesen ist.
4.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht Art. 43 Abs. 3 ATSG und
nicht Art. 7b Abs. 2 lit. d des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
SR 831.20) angewendet hat, laut dem Leistungen ohne die Durchführung eines Mahn-
und Bedenkzeitverfahrens gekürzt oder verweigert werden können, wenn die
versicherte Person der IV-Stelle die Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung
ihrer gesetzlichen Aufgaben benötigt. Nach der konstanten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist die Anwendung von Art. 7b Abs. 2 IVG auf Fälle qualifizierter
Pflichtverletzungen beschränkt, beispielsweise strafrechtlich relevante
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Betrugshandlungen oder eine bewusste Verfälschung medizinischer
Untersuchungsergebnisse, etwa durch das Vortäuschen eines beeinträchtigten
Gesundheitszustandes mit dem Ziel, Versicherungsleistungen zu erschleichen. In allen
anderen Fällen ist (gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG) ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren
durchzuführen (Urteile des Bundesgerichts vom 27. Mai 2019, 8C_743/2018, E. 5.2.2;
vom 29. August 2017, 8C_400/2017, E. 4.2; vom 30. November 2011, 9C_744/2011,
E. 5.2 m. H.). Das Nichterscheinen zu einem Standortgespräch ist offensichtlich keine
qualifizierte Pflichtverletzung im Sinne dieser Rechtsprechung. Art. 7 Abs. 2 lit. d IVG
ist damit zu Recht nicht angewendet worden.
5.
Das Verfahren zur Abklärung eines Leistungsanspruchs der Invalidenversicherung ist
vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG). Zur Abklärung des
massgeblichen Sachverhalts kann die IV-Stelle aber auf die Mitwirkung der
versicherten Person angewiesen sein (vgl. Art. 28 ATSG), beispielsweise wenn sie
Auskünfte oder Unterlagen benötigt, über die nur die versicherte Person verfügt, oder
wenn zur Klärung eines Leistungsanspruchs eine medizinische Untersuchung der
versicherten Person notwendig ist. Verweigert die versicherte Person ihre Mitwirkung
und ist es der IV-Stelle damit nicht möglich, den Sachverhalt umfassend abzuklären,
gibt Art. 43 Abs. 3 ATSG der IV-Stelle ein Mittel in die Hand, nämlich die Abmahnung
der versicherten Person, ihrer Mitwirkungspflicht nachzukommen, verbunden mit einer
Androhung, bei einer weiteren Nichtmitwirkung aufgrund der Akten zu entscheiden
oder die Erhebungen einzustellen und das Nichteintreten zu beschliessen. Sinn und
Zweck von Art. 43 Abs. 3 ATSG ist es also, auf die versicherte Person Druck
auszuüben, damit diese ihrer Mitwirkungspflicht nachkommt. Im Rahmen eines
Revisionsverfahrens im Sinne von Art. 17 ATSG, bei dem der Verdacht besteht, der
bisherige Leistungsanspruch könnte weggefallen sein oder sich vermindert haben, ist
allerdings weder ein Entscheid aufgrund der Akten noch ein Nichteintretensentscheid
das geeignete Druckmittel, da beide Entscheidformen in den meisten Fällen die
Weiterausrichtung der Dauerleistung zur Folge hätten: Bei einem
Nichteintretensentscheid bliebe die fraglich gewordene Leistungspflicht nämlich
bestehen, da die leistungszusprechende, formell rechtskräftige Verfügung nicht
modifiziert würde. Auch bei einem Entscheid aufgrund der Akten bliebe die
Leistungspflicht in aller Regel bestehen, da der relevante Sachverhalt nicht vollständig
ermittelt werden könnte und damit keine mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit vorliegende Veränderung des Sachverhalts nachgewiesen wäre.
Das einzige Druckmittel, das die versicherte Person dazu bewegen kann, ihrer
Mitwirkungspflicht nachzukommen, damit das Revisionsverfahren ordnungsgemäss zu
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Ende geführt werden kann, ist der vorläufige Leistungsstopp (vgl. zum Ganzen Tobias
Bolt, Folgen einer Mitwirkungspflichtverletzung, in: Jaso 2016, S. 169 ff., und die
Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. Dezember
2018, IV 2016/361, E. 3.2, und vom 18. April 2016, IV 2013/634, E. 2.4). Kommt die
versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht nach, muss der Leistungsstopp in
Anwendung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes ab dem Zeitpunkt der Mitwirkung
dahinfallen. Der Leistungsstopp kann sich also nur auf den Zeitraum beziehen, in dem
die Mitwirkung verweigert worden ist (BGE 139 V 590, E. 6.3.7.5; Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Dezember 2018, 9C_282/2018, E. 3.2). Anschliessend kann
das Revisionsverfahren nämlich zu Ende geführt werden.
6.
Der Beschwerdeführer hat am 17. Juli 2018, also nach dem Verstreichen des mit
der Abmahnung vom 9. Mai 2018 angesetzten Gesprächstermins (22. Mai 2018), aber
vor dem Wirkungsbeginn der mit der angefochtenen Verfügung vom 26. Juni 2018
angeordneten Renteneinstellung per 31. Juli 2018, an dem von der
Beschwerdegegnerin als unerlässlich betrachteten Gespräch teilgenommen. Die
Beschwerdegegnerin hat die Rente trotzdem per 31. Juli 2018 eingestellt. Begründet
hat sie dies in der angefochtenen Verfügung vom 26. Juni 2018 damit, dass der
Nachweis für das Fortbestehen einer relevanten Gesundheitsbeeinträchtigung fehle.
Das kann nur so verstanden werden, dass die Einstellung der Rente per 31. Juli 2018
nicht als Druckmittel zur Durchsetzung der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers
in der Form der Teilnahme an einem Gespräch, sondern als definitive, auf einer Umkehr
der Beweislast für das Weiterbestehen des bisherigen Invaliditätsgrades beruhende
und sich damit direkt auf Art. 17 Abs. 1 ATSG stützende Einstellung der Rente gemeint
gewesen ist (auch wenn die Beschwerdegegnerin das Gespräch mit dem
Beschwerdeführer dann – unnötigerweise – doch noch geführt hat). Eigentlich hätte die
Beschwerdegegnerin, entsprechend dem oben Ausgeführten, nach dem Verstreichen
des in der Abmahnung angesetzten Gesprächstermins (22. Mai 2018) aber einen
bedingten Rentenstopp verfügen müssen. Das Dispositiv der entsprechenden
Verfügung hätte demnach die Anordnung enthalten müssen, dass der verfügte
Rentenstopp nur so lange vollzogen werde, als der Beschwerdeführer seine Mitwirkung
verweigere, dass die Rente also wieder ausgerichtet werde, sobald der
Beschwerdeführer am geforderten Gespräch teilnehme. Das hätte bedeutet, dass es
gar nicht zu einem Vollzug des Rentenstopps gekommen wäre, weil der
Beschwerdeführer noch vor dem Vollzugsbeginn am 1. August 2018, nämlich am 17.
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Juli 2018, am geforderten Gespräch teilgenommen hat, so dass kein Bedarf nach
einem Druckmittel in der Form eines Rentenstopps mehr bestanden hätte.
Das Bundesgericht geht davon aus, dass eine erneute Mitwirkung einer
versicherten Person bei der Sachverhaltsabklärung als Neuanmeldung zu qualifizieren
sei, falls die IV-Stelle in der Lage gewesen sei, die Leistungseinstellung "aufgrund der
Akten" zu verfügen, d.h. einen (materiellen) Entscheid in der Sache zu fällen (vgl. BGE
139 V 590, E. 6.3.7.4, m.H.; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2018,
9C_282/2018, E. 3.2 und 4.2.1.1). Ein solcher (materieller) Entscheid setzt voraus, dass
die entsprechende Veränderung des massgebenden Sachverhalts mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist (vgl. das Urteil des Bundesgerichts
vom 18. Dezember 2018, 9C_282/2018, E. 4.2.1). Die angefochtene Verfügung vom 26.
Juni 2018 ist als (materieller) Entscheid rechtswidrig gewesen, denn die Begründung
für die Renteneinstellung hat nur auf den Gesprächen vom 23. Oktober 2017 und vom
26. Januar 2018 betreffend die Reisetätigkeit des Beschwerdeführers beruht. Eine
Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ist damit
offensichtlich nicht belegt gewesen. Die Beschwerdegegnerin argumentiert, der
Beschwerdeführer habe zu verantworten, dass eine Unsicherheit in Bezug auf seinen
Gesundheitszustand bestehe. Sie dürfte sich damit auf eine bundesgerichtliche
Auffassung beziehen, laut der eine verweigerte Mitwirkung zu einer Beweislastumkehr
führe, so dass die versicherte Person den Nachteil der Beweislosigkeit dafür trage,
dass sie immer noch in einem rentenbegründenden Ausmass invalid sei. Diese
Auffassung beruht auf einem falschen Verständnis der objektiven Beweislosigkeit (vgl.
dazu ausführlich das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
18. Dezember 2018, IV 2016/361, E. 3.2) und unterstellt zudem der ihre Mitwirkung
verweigernden versicherten Person ein in einem hohen Mass rechtsmissbräuchliches
Verhalten, dem nur noch durch die Rechtsfolge der Umkehr der materiellen Beweislast
Rechnung getragen werden könne. Letzteres würde aber voraussetzen, dass die
versicherte Person ihre Mitwirkungspflicht mit Sicherheit nicht mehr erfüllen würde,
denn erst dann bestünde tatsächlich eine objektive Beweislosigkeit. Das ist hier
offensichtlich nicht der Fall gewesen, denn der Beschwerdeführer hat schliesslich doch
noch an einem Abklärungsgespräch teilgenommen. Selbst wenn die Umkehr der
materiellen Beweislast als Voraussetzung für eine revisionsweise, d.h. sich direkt auf
Art. 17 ATSG stützende (materielle) Einstellung einer laufenden Leistung im Rahmen
einer Verweigerung der Mitwirkung bei der Sachverhaltsabklärung in Frage käme, wäre
sie hier also nicht zulässig.
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