Decision ID: 9a65c924-6d42-55a0-982b-feabe4952250
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden, welche die kosovarische Staatsbürgerschaft
besitzen und der Volksgruppe der Roma angehören, reisten eigenen An-
gaben zufolge am 21. August 2012 illegal in die Schweiz ein, wo sie glei-
chentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) I._ um Asyl
nachsuchten. Die Beschwerdeführenden, A._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer), B._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) und
C._ (nachfolgend: Tochter), wurden am 31. August 2012 summa-
risch zu den Asylgründen befragt sowie am 12. Dezember 2012 einlässlich
angehört.
B.
Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten die Beschwerdeführenden im
Wesentlichen geltend, sie würden ursprünglich aus J._ in der Ge-
meinde K._ (Kosovo) stammen. Während des Kosovo-Krieges sei
der Beschwerdeführer von der serbischen Armee gezwungen worden, für
sie zu übersetzen und diverse Arbeiten zu verrichten. Nach dem Krieg sei
es ausserhalb seines Heimatdorfes zu einem Konflikt mit Albanern aus ei-
nem anderen Dorf respektive mit Leuten der UCK (Ushtria Çlirimtare e Ko-
sovës‚ Befreiungsarmee des Kosovo) gekommen. Diese hätten dem Be-
schwerdeführer vorgeworfen, im Krieg mit der serbischen Armee kooperiert
zu haben, und ihn deshalb, in der Absicht ihn zu töten, angegriffen sowie
mit einem Pistolengriff am Kopf verletzt. Nur dank dem Eingreifen seiner
Nachbarn sei es nicht zur Tötung gekommen. Die Angreifer hätten gedroht,
ihn beim nächsten Mal umzubringen. Noch in derselben Nacht habe er
J._ verlassen und sich in L._ beim Onkel seiner Frau ver-
steckt, welcher ihm geraten habe, von dort wegzugehen. Daraufhin seien
die Beschwerdeführenden Ende September 1999 mit dem Bus nach
M._ respektive N._ gefahren, wo sie sich in den Camps als
Flüchtlinge hätten anmelden wollen. Dort habe es jedoch keinen Platz ge-
habt. Nach ungefähr einem Monat seien sie deshalb mit dem Zug nach
O._ (bis 2006 Serbien und Montenegro, heute Montenegro) gegan-
gen, wo sie zuerst in einer Mietwohnung gelebt und sich schliesslich im
Quartier P._ in einer Baracke niedergelassen hätten. Sie hätten
dort mehrere Jahre als Flüchtlinge gelebt, bis am frühen Morgen des (...)
2012 diese Baracken niedergebrannt seien. Beim Brand seien unter ande-
rem sämtliche Ausweispapiere der Kinder vernichtet worden. Nach dem
Brand hätten sie provisorisch in einem Zelt gelebt, bis die Familie genug
Geld gesammelt habe, um die Ausreise zu finanzieren. Von Montenegro
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aus seien sie mit dem Schiff nach Italien gereist, wo sie abgeholt und von
einem Schlepper in die Schweiz gefahren worden seien. Der Beschwerde-
führer leide an diversen Krankheiten, die erst in der Schweiz festgestellt
worden seien.
Die Beschwerdeführenden reichten die Geburtsurkunden der Eltern sowie
ein weiteres Beweismittel zu den Akten.
C.
Am 23. Dezember 2013 ersuchte das BFM die Schweizerische Botschaft
in Pristina um Abklärungen.
D.
Die Schweizerische Botschaft teilte dem BFM am 13. März 2014 das Er-
gebnis der Abklärungen mit.
E.
Das BFM informierte die Beschwerdeführenden am 21. März 2014 über
das Ergebnis der Abklärungen und gewährte ihnen das rechtliche Gehör.
F.
Mit Eingabe vom 29. April 2014 nahmen die Beschwerdeführenden Stel-
lung zum Ergebnis der Abklärungen und legten ein weiteres Beweismittel
bei.
G.
Mit Verfügung vom 5. Mai 2014 – eröffnet am 6. Mai 2014 – lehnte das
BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab und ordnete die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an.
H.
Mit Eingabe vom 4. Juni 2014 (Poststempel) erhoben die Beschwerdefüh-
renden gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt und beantragten die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung von Asyl.
Eventualiter sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzugs festzustellen und eine vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen. In formeller Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art 110a Abs. 1
Bst. a AsylG (SR 142.31) samt Entbindung von der Vorschusspflicht sowie
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde er-
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sucht. Im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei die zuständige Be-
hörde anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimat-
oder Herkunftsstaats sowie jegliche Weitergabe von Daten an dieselben
zu unterlassen; über eine eventuell bereits erfolgte Datenweitergabe sei in
einer separaten Verfügung zu informieren.
Zur Untermauerung ihrer Beschwerde reichten die Beschwerdeführenden
eine Fürsorgebestätigung vom 4. Juni 2014 sowie diverse Beweismittel zu
den Akten, auf welche, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegan-
gen wird.
I.
Mit Verfügung vom 11. Juni 2014 stellte die damals zuständige Instrukti-
onsrichterin fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um unentgeltliche Prozess-
führung und amtliche Rechtsverbeiständung wurde gutgeheissen. Die Be-
schwerdeführenden wurden zur Nennung eines Rechtsvertreters aufgefor-
dert. Überdies wurde den Beschwerdeführenden Gelegenheit geboten, ei-
nen aktuellen Arztbericht über den Gesundheitszustand des Beschwerde-
führers einzureichen und eine Erklärung über die Entbindung von der ärzt-
lichen Schweigepflicht abzugeben.
J.
Mit Eingabe vom 26. Juni 2014 zeigte der von den Beschwerdeführenden
beauftragte Rechtsvertreter sein Mandat an und legte weitere Beweismittel
ins Recht.
K.
Mit Eingabe vom 9. Juli 2014 wurden weitere Beweismittel zu den Akten
gereicht.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Juli 2014 wurde der bisherige Rechtsver-
treter als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet und die Vorinstanz zur Ver-
nehmlassung eingeladen.
M.
In seiner Vernehmlassung vom 6. August 2014 nahm das BFM zu den Vor-
bringen in der Beschwerde Stellung und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
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Seite 5
N.
Mit Verfügung vom 8. August 2014 wurde den Beschwerdeführenden die
Vernehmlassung zugestellt und die Gelegenheit zur Replik eingeräumt.
Mit Eingabe vom 25. August 2014 ersuchten die Beschwerdeführenden um
Fristerstreckung zur Einreichung der Replik unter dem Hinweis auf eine
bevorstehende Operation des Beschwerdeführers.
Das Bundesverwaltungsgericht verlängerte die Frist zur Einreichung der
Replik bis zum 9. September 2014.
O.
In der Replik vom 9. September 2014 nahmen die Beschwerdeführenden
zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung und ersuchten um Akten-
einsicht in das Länderconsulting des BFM.
P.
Mit Zwischenverfügung vom 17. September 2014 wurde das Aktenein-
sichtsgesuch abgewiesen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det – wie auch vorliegend – auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser
bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das BFM im Wesentlichen
aus, es zweifle an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen. So habe der Be-
schwerdeführer eine handschriftlich ausgefüllte Geburtsurkunde einge-
reicht, die sich als plumpe Fälschung erwiesen habe. Die Beschwerdefüh-
rerin habe zudem erwiesenermassen wider besseres Wissen unwahre
Aussagen über den Verbleib ihrer Familienangehörigen gemacht. Überdies
erweise sich der vorgebrachte Aufenthalt im Flüchtlingslager in P._
bei O._ vom Jahr 1999 bis zum Brand im Jahr 2012 als unglaubhaft.
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Die Beschwerdeführenden hätten keinerlei geeignete Beweismittel einge-
reicht, welche ihre Anwesenheit als Flüchtlinge in Montenegro dokumen-
tieren würden, obwohl sie sich eigenen Angaben zufolge dort als re-
gistrierte Flüchtlinge aufgehalten hätten. Es sei ihnen ein Flüchtlingsaus-
weis ausgestellt worden und sie hätten im Lager Unterstützungsleistungen
von einem Mann erhalten. Das Argument, sie könnten keine entsprechen-
den Beweismittel einreichen, weil alle ihre Dokumente im Feuer verbrannt
seien, sei folglich nicht stichhaltig. Hinzu komme, dass sie in ihrer Stellung-
nahme vom 29. April 2014 anderslautende Angaben gemacht hätten, in-
dem sie gesagt hätten, sie hätten in P._ nicht als registrierte Flücht-
linge gelebt und hätten folglich keine Möglichkeit, ihren dortigen Aufenthalt
nachzuweisen. In der Anhörung habe sich zusätzlich gezeigt, dass die Be-
schwerdeführerin sowie die älteste Tochter nicht gewusst hätten, dass sich
P._ in Montenegro befinde. Die Schilderungen hinsichtlich der Le-
bensumstände während des langjährigen Aufenthalts im Flüchtlingslager
seien knapp, oberflächlich und wenig detail- und erlebnisreich ausgefallen.
Die Beschwerdeführenden hätten zudem unterschiedliche Angaben zum
Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Montenegro gemacht. Des Weiteren würden
verschiedene Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in Serbien für die Un-
glaubhaftigkeit des 13-jährigen Aufenthalts in P._ sprechen. Die
Botschaftsabklärung habe ergeben, dass der Vater der Beschwerdeführe-
rin bereits vor dem Krieg viele Jahre in M._ gelebt habe. Die Kon-
sultation des N-Dossiers der Eltern der Beschwerdeführerin habe gezeigt,
dass bereits eine im (...) 2005 durchgeführte Botschaftsabklärung zu Tage
gebracht habe, dass der Vater der Beschwerdeführerin seit dem Jahr (...)
in einem eigenen Haus in M._ gelebt habe. Drei seiner Töchter, da-
runter auch B._, seien in Serbien verheiratet und würden in der Re-
gion M._ leben. Dieses Abklärungsergebnis habe der Vater der Be-
schwerdeführerin in seiner schriftlichen Stellungnahme im Jahr 2006 be-
stätigt. Das BFM habe vorliegend darauf verzichtet, über die Schweizer
Vertretung in Erfahrung zu bringen, ob die Beschwerdeführenden in
M._ bekannt seien. Angesichts der zahlreichen Unglaubhaftigkeit-
selemente zu ihrem Aufenthalt in P._ könne diese Frage offen ge-
lassen werden.
Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass Angehörige der Minderheit der
Roma von der albanischsprachigen Bevölkerung teilweise als Kollabora-
teure der jugoslawischen Armee betrachtet worden seien und es nach
Kriegsende zu derartigen Anschuldigungen und tätlichen Übergriffen ge-
kommen sei. Dennoch sei den Aussagen des Beschwerdeführers zu ent-
nehmen, dass er nach Kriegsende mit den Dorfbewohnern von J._
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grundsätzlich keine Probleme gehabt habe. Seinen Vorbringen seien folg-
lich keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass er während des Krieges
tatsächlich ein Kollaborateur der serbischen Armee gewesen sei oder gar
eine exponierte Stellung innegehabt habe. Vielmehr sei er von serbischen
Soldaten im Kriegskontext unter Druck gesetzt worden. Offenbar sei dieser
Umstand den Bewohnern von J._ bekannt gewesen. Er habe über-
dies in keiner Weise die Befürchtung geäussert, erneut Opfer eines Über-
griffs durch Drittpersonen zu werden. Aus den Akten würden sich somit
keine Hinweise auf eine begründete Furcht vor einer künftigen Verfolgung
gemäss Art. 3 AsylG ergeben. Die Sicherheitslage im Kosovo habe sich in
den letzten Jahren grundlegend verbessert. In vielen Dörfern und Bezirken
sei sie seit Jahren stabil. Die Verbesserungen hätten sich auch im intereth-
nischen Zusammenleben positiv ausgewirkt, nicht zuletzt zugunsten der
albanischsprachigen Roma, Ashkali und "Ägypter" (RAE). Mit der Unab-
hängigkeit Kosovos im Jahr 2008 sei eine neue Verfassung geschaffen
worden, die den ethnischen Minderheiten umfangreiche Rechte zuge-
stehe. Parallel dazu sei ein adäquater Schutz durch die Präsenz der inter-
nationalen Sicherheitskräfte und die Kosovo Police (KP) gegeben. Die Si-
cherheitskräfte würden bei Übergriffen intervenieren und bei Straftaten ge-
gen Angehörige von Minderheiten Ermittlungen aufnehmen. Zentrale Poli-
zeifunktionen würden weiterhin von internationalen Polizeikräften wahrge-
nommen. Im Kosovo seien somit wirksame Polizei- und Justizorgane zur
Ermittlung, Strafverfolgung und Ahndung von Verfolgungshandlungen vor-
handen, weshalb von der Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit des Staates
ausgegangen werden könne. Die Vorbringen würden weder die Kriterien
gemäss Art. 7 AsylG noch jene nach Art. 3 AsylG erfüllen, weshalb er die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und sein Asylgesuch abzulehnen sei.
4.2 Die Beschwerdeführenden entgegneten der Verfügung des BFM, sie
hätten nie wissentlich unwahre Angaben gemacht. Der Beschwerdeführer
habe nie gesagt, dass seine Geburtsurkunde ein Original sei. Mit den El-
tern der Beschwerdeführerin würden sie zwar in Kontakt stehen, doch mit
der Familie im Kosovo hätten sie seit 14 Jahren nichts mehr zu tun. Bei der
Befragung im EVZ hätten sie dem BFM ein Dokument, ausgestellt von der
Lagerleitung in P._, abgegeben. Dieses Dokument beweise, dass
die Beschwerdeführerin von dort habe ausreisen wollen. Sie hätten elf
Jahre im Flüchtlingslager in P._ mehr schlecht als recht gelebt. Der
Vorwurf hinsichtlich der ungenauen geographischen Angaben und der rea-
litätsfernen Antworten der Beschwerdeführerin und der Tochter werde zu-
rückgewiesen, zumal es sich bei den erwähnten Personen um eine Anal-
phabetin beziehungsweise um ein Kind handle, das unter den misslichsten
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Umständen im Lager zur Schule gegangen sei, und sie sich während der
Befragung in einer Stresssituation befunden hätten. Die leicht voneinander
abweichenden Zeitangaben betreffend die Ausreise aus Montenegro der
Beschwerdeführerin und der Tochter könnten nach einem aufwühlenden
und angstvollen Erlebnis eines Brandes und anschliessender Flucht nicht
als Zeichen der Unglaubhaftigkeit gedeutet werden. Der Beschwerdeführer
habe selber mitgeteilt, dass er im September 1999 einen Monat in
M._ gewesen sei. Aufgrund der vielen Flüchtlinge in M._
seien die Beschwerdeführenden jedoch nach Montenegro weitergegan-
gen. Zu jener Zeit sei der Vater der Beschwerdeführerin bereits in der
Schweiz gewesen, weshalb er nicht gewusst habe, dass die Beschwerde-
führenden nach Montenegro weitergegangen seien. Damals hätten Ser-
bien und Montenegro noch einen Staat gebildet. Es sei unerklärlich, wes-
halb das BFM die Schweizer Vertretung nicht beauftragt habe, nach ihrem
Aufenthalt in P._ zu forschen, zumal die Dokumente von
P._ vorhanden seien.
5.
5.1 Vorliegend hat das BFM den Beschwerdeführenden teilweise das
rechtliche Gehör nicht gewährt. Es hat Informationen aus dem Dossier der
Eltern der Beschwerdeführerin (N [...]) entnommen und, ohne deren Inhalt
den Beschwerdeführenden vorgängig bekannt zu geben, in die angefoch-
tene Verfügung einfliessen lassen. Es handelt sich dabei jedoch einerseits
bloss um eine geringfügige – zumal gar nicht ausdrücklich gerügte – Ge-
hörsverletzung, und andererseits hatten die Beschwerdeführenden auf Be-
schwerdestufe die Möglichkeit, sich dazu zu äussern, wovon sie in ihrer
Beschwerde denn auch Gebrauch machten. Dadurch, dass sie sich im wei-
teren Schriftenwechsel nicht mehr zu diesem Punkt geäussert haben, ist
davon auszugehen, dass ihrerseits alles Wesentliche erwähnt wurde, wo-
mit die Gehörsverletzung als geheilt betrachtet werden kann.
5.2 Im Ergebnis hat das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden
zu Recht abgelehnt.
5.2.1 Aufgrund der vielen Ungereimtheiten hat das BFM den langjährigen
Aufenthalt in P._ zu Recht als unglaubhaft erachtet. An dieser Stelle
kann offen bleiben, ob und wie lange sich die Beschwerdeführenden in
P._ aufgehalten haben. Der vorgebrachte Aufenthalt in P._
ist vorliegend ohnehin nicht näher auf Asylrelevanz hin zu überprüfen, da
die Beschwerdeführenden diesbezüglich keine gezielte Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG geltend machten.
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5.2.2 Das BFM hat den vom Beschwerdeführer vorgebrachten Angriff
durch einige Albaner im Jahr 1999 zu Recht als nicht asylrelevant einge-
stuft. Nach Kriegsende kam es zwar teilweise zu verbalen und tätlichen
Übergriffen auf Angehörige der Minderheit der Roma durch die albanisch-
sprachige Bevölkerung, doch hatte der Beschwerdeführer eigenen Anga-
ben zufolge keine Probleme mit der Dorfbevölkerung. Insbesondere waren
es auch die Leute aus dem Dorf, die ihm geholfen hätten, den Angriff ab-
zuwehren (vgl. act. A16 F13 ff.). Zudem sind zwischenzeitlich mehr als 15
Jahre vergangen. Heute verfügt der Kosovo über funktionierende Polizei-
behörden sowie internationale Sicherheitskräfte, die sowohl schutzwillig
als auch schutzfähig sind. Diese sind grundsätzlich in der Lage, insbeson-
dere Minderheiten Schutz vor Übergriffen durch Dritte zu gewährleisten
(vgl. BVGE 2011/50 E. 4.7). Sollten sich die Beschwerdeführenden nach
ihrer Rückkehr in den Kosovo dennoch durch Dritte bedroht fühlen, steht
es ihnen frei, sich an die zuständigen Behörden vor Ort zu wenden. Zum
heutigen Zeitpunkt liegen jedenfalls keine konkreten Hinweise auf eine be-
gründete Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung vor.
5.2.3 Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass die Be-
schwerdeführenden keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünf-
tiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnten und
deshalb nicht als Flüchtlinge anerkannt werden können. Das BFM hat zu
Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein,
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9; 2013/37 E 4.4 je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
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Seite 11
Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen
gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis-
standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie
sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
Da das BFM den Aufenthalt in P._ als unglaubhaft erachtet hat und
die Beschwerdeführenden kraft Staatsbürgerschaft über ein Aufenthalts-
recht im Kosovo verfügen, hat das BFM den Wegweisungsvollzug zu Recht
in den Kosovo geprüft. Wie nachfolgend aufgezeigt wird, sind sämtliche
Voraussetzungen für einen Wegweisungsvollzug in den Kosovo erfüllt.
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AuG).
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfüllen, weshalb der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrück-
schiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet. Ferner er-
geben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus
den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in
den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wären. Der Wegweisungsvollzug erscheint auch unter der Berück-
sichtigung der allgemeinen Menschenrechtssituation im Kosovo zum heu-
tigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig. Nach dem Gesagten ist
der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völ-
kerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug
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Seite 12
Kinder betroffen, so ist im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung dem Kindes-
wohl Rechnung zu tragen.
7.3.2 In der angefochtenen Verfügung führt das BFM aus, dass die im Ko-
sovo herrschende politische Situation nicht gegen die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs spreche. Die Wahrscheinlichkeit einer konkreten
Gefährdung alleine aufgrund der Ethnie könne für Angehörige der RAE
grundsätzlich ausgeschlossen werden. Auch der Zugang zu den medizini-
schen und sozialen Strukturen sei in aller Regel gewährleistet. In
J._ lebe heute eine grosse Anzahl Familien der Minderheit der
RAE. Deren Beziehungen zur albanischen Mehrheitsbevölkerung würden
als ausgesprochen gut gelten. Auch in L._, wo die Beschwerdefüh-
renden sich gemäss eigenen Angaben zeitweise beim Onkel der Be-
schwerdeführerin aufgehalten hätten und wo zahlreiche Familienangehö-
rige heute wohnhaft seien, lebe die Minderheit der RAE unbehelligt inmit-
ten einer albanischen Mehrheit. Die Diabeteserkrankung sowie die chroni-
sche Pankreatitis des Beschwerdeführers könnten im Kosovo auf Stufe Re-
gionalspital und in der Universitätsklinik Pristina behandelt werden. Von
den zwölf aktuell verordneten Medikamenten seien im Kosovo fünf vorhan-
den, vier könnten durch andere mit demselben Wirkstoff ersetzt werden
und drei der derzeit eingenommenen Medikamente müssten mutmasslich
im Ausland oder privat beschafft werden. Im Kosovo seien zwar verschie-
dene Insulinsorten vorhanden, eine umfassende Insulinversorgung wie in
der Schweiz gebe es aber nicht. Gemäss konstanter Rechtsprechung spre-
che jedoch ein tieferes Niveau der medizinischen Versorgung im Heimat-
land nicht grundsätzlich gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs. Die Beschwerdeführenden hätten Verwandte, die entweder im Ko-
sovo oder im Ausland leben würden. Die Eltern sowie drei jüngere Ge-
schwister der Beschwerdeführerin würden seit dem Jahr (...) in der
Schweiz leben. Wie die Abklärungen der Schweizer Vertretung in Pristina
vom (...) 2014 ergeben hätten, lebe der Onkel der Beschwerdeführerin seit
der Rückkehr aus der Schweiz im Jahr (...) mit seiner Familie wieder in
L._ und besitze heute eine gut laufende (Firma). Auch ein Bruder
der Beschwerdeführerin lebe dort. Die Familie der Beschwerdeführerin
lebe seit jeher auf dem betreffenden Grundstück, das aktuell rund (...)
Quadratmeter umfasse. Nach dem Krieg seien die beschädigten Häuser
abgerissen und neu erbaut worden. Insgesamt verfüge die Familie der Be-
schwerdeführerin heute über (...) stattliche Häuser, wobei sich eines noch
im Baustadium befinde und angeblich einem Verwandten in Deutschland
gehöre. Gestützt auf den aktenkundigen Sachverhalt könne von der Exis-
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Seite 13
tenz eines tragfähigen familiären Netzes ausgegangen werden. Somit er-
weise sich der Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar. Zudem
könne aufgrund der relativ kurzen Aufenthaltsdauer in der Schweiz und der
Tatsache, dass die Kinder den überwiegenden Teil ihres Lebens nicht hier,
sondern im soziokulturellen Kontext des Balkans zugebracht hätten, im
Falle der Wegweisung nicht von einer Entwurzelung gesprochen werden.
Der Wegweisungsvollzug erweise sich daher auch unter dem Gesichts-
punkt des Kindeswohls als zumutbar.
7.3.3 Die Beschwerdeführenden machten in der Beschwerde geltend, dass
bei einer Rückkehr an den Herkunftsort, wo der Beschwerdeführer verprü-
gelt und mit dem Tod bedroht worden sei, nicht abgeschätzt werden könne,
was mit ihnen geschehe. Zudem sei der Beschwerdeführer inzwischen
schwer krank. Den beigelegten medizinischen Berichten könne entnom-
men werden, dass die erforderlichen Behandlungen noch nicht abge-
schlossen seien. Als ethnischer Roma könne er im Kosovo nicht mit einer
sicheren medizinischen Betreuung rechnen. Gemäss dem Bericht der Ge-
sellschaft für bedrohte Völker (Migrationspartnerschaft Schweiz-Kosovo
2010 - 2012, Wiederausreise statt Reintegration? Die Situation der unter
Zwang rückgeführten Roma, Ashkali und Ägypter, März 2013) setze der
kosovarische Staat die im Rahmen der Migrationspartnerschaft ausgehan-
delten Bedingungen für die Reintegration der unter Zwang zurückkehren-
den RAE nicht um. Solange eine Rückkehr in Würde nicht gewährleistet
sei, und die genannten Defizite in der Umsetzung der Migrationspartner-
schaft nicht behoben seien, sei von Zwangsrückführungen von RAE abzu-
sehen. Die sechs Kinder hätten im Kosovo keine Möglichkeit, eine gute
Schule und Ausbildung zu erhalten. Die Kinder seien sehr motiviert, Schul-
bildung zu erwerben, und würden sich sichtlich darum bemühen, die durch
die Schule gestellten Anforderungen bestmöglich zu erfüllen. Der Wille zur
Kooperation und Integration sei vorhanden. Obwohl sie noch nicht so lange
in der Schweiz seien, hätten die Kinder hier Wurzeln geschlagen und ein
Gefühl der Sicherheit aufgebaut. Dieselben Bedenken würden auch von
der Schulleiterin und der Schulpsychologin geteilt (vgl. Schreiben der
Schulpsychologin vom [...] sowie Schreiben der Schulleiterin vom [...]). Der
Beschwerdeführer habe keine Chance, eine Arbeitsstelle als (Berufsbe-
zeichnung) zu finden und könne somit nicht den Lebensunterhalt verdie-
nen.
7.3.4 Das BFM führte in seiner Vernehmlassung aus, dass der angefoch-
tene Entscheid bereits ausführlich begründet worden sei. So würden sich
in der Beschwerde keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel
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Seite 14
finden lassen, die eine Änderung des Standpunktes rechtfertigen könnten.
Zur Beurteilung der medizinischen Behandlungsmöglichkeiten im Kosovo
sei ein internes Consulting erstellt worden. Bei der Prüfung der Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs seien alle relevanten Umstände berück-
sichtigt worden. Die auf Beschwerdeebene eingereichten und neu vorlie-
genden fachärztlichen Diagnosen würden nicht in Frage gestellt. Indes ver-
möchten sie keine Änderung hinsichtlich der Beurteilung des Wegwei-
sungsvollzugs herbeizuführen. Das Krankheitsbild des Beschwerdeführers
lasse nicht auf eine konkrete Gefährdung aufgrund einer medizinischen
Notlage schliessen, die im Kosovo schlicht nicht behandelbar sei. Für die
benötigte Weiterbehandlung nach erfolgtem Wegweisungsvollzug würden
entsprechende Institutionen im Kosovo zur Verfügung stehen. Auch wenn
das Niveau der medizinischen Versorgung nicht mit demjenigen in der
Schweiz vergleichbar sei, spreche dies nicht gegen die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs. Schliesslich bestehe auch die Möglichkeit, medizi-
nische Rückkehrhilfe in Anspruch zu nehmen.
7.3.5 In ihrer Replik führten die Beschwerdeführenden im Wesentlichen
aus, die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers habe sich seit
Erlass der angefochtenen Verfügung weiter verschlechtert, weshalb davon
auszugehen sei, dass das vom BFM erwähnte Consulting die Beschwer-
den des Beschwerdeführers nicht vollumfänglich erfasse. Zudem gehe aus
der Vernehmlassung des BFM nicht hervor, welche der eingenommenen
Medikamente im Kosovo erhältlich seien. Entgegen der Behauptungen des
BFM könnten sich die Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr in
den Kosovo nicht auf ein tragfähiges Beziehungsnetz stützen. Die schwer-
wiegenden gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers seien auch
insofern zu berücksichtigen, als er zwingend auf eine entsprechende Infra-
struktur angewiesen sei, welche es ihm ermögliche, korrekt behandelt und
versorgt zu werden. Unter prekären hygienischen Umständen komme es
beispielsweise durch die hohe Infektionsgefahr rasch zu einer ernsthaften
Gefährdung von Leib und Leben. Aus den jüngsten ärztlichen Berichten
gehe hervor, dass eine vollständige Heilung eben gerade nicht erfolgt sei.
Das BFM begründe die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit,
dass die Mitnahme eines Medikamentenvorrats möglich sei. Diese Argu-
mentation sei schlicht absurd. Es sei nicht davon auszugehen, dass das
BFM die Ansicht vertrete, die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auf
Jahre hinaus sei mit der Mitnahme eines Medikamentenvorrates zu be-
gründen. Auch den Kindern sei es nicht mehr möglich, sich im Kosovo ohne
Gefährdung an Leib und Leben zu integrieren. Vielmehr sei es der Familie
unmöglich, sich eine neue Existenz aufzubauen.
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7.3.6 Da es im Kosovo weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt
gibt, gilt es vorliegend zu prüfen, ob die gesundheitliche Situation des Be-
schwerdeführers (vgl. E. 7.3.7), das Kindeswohl (vgl. E. 7.3.8)
oder fehlende Reintegrationsmöglichkeiten (vgl. E. 7.3.9) einer Wegwei-
sung wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs entgegenstehen könnten.
7.3.7 Wie das BFM zutreffend ausführte, kann sich ein Wegweisungsvoll-
zug gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AuG aus medizinischen Gründen als unzu-
mutbar erweisen, wenn bei einer Rückkehr eine notwendige medizinische
Behandlung im Heimatland nicht zu Verfügung steht. Eine nicht dem
schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung be-
gründet die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs jedoch noch nicht.
Vielmehr muss die ungenügende Möglichkeit der Weiterbehandlung zu ei-
ner raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheits-
zustandes der betroffenen Person führen (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2;
2011/50 E. 8.3).
Vorliegend sind – entgegen der auf Beschwerdeebene vorgebrachten An-
sicht – den Akten keine stichhaltigen Anhaltspunkte für eine drohende me-
dizinische Notlage des Beschwerdeführers im Heimatstaat im Sinne von
Art. 83 Abs. 4 AuG zu entnehmen. Die gesundheitliche Situation des Be-
schwerdeführers ist zweifellos ernst zu nehmen, dennoch ist sie nicht als
so gravierend zu beurteilen, dass eine Rückkehr in den Kosovo als unzu-
mutbar zu qualifizieren wäre. Laut ärztlichem Zeugnis vom (...) 2014 leidet
der Beschwerdeführer an drei Hauptkrankheiten, (...) (vgl. Beschwerdebei-
lage 16). Der Beschwerdeführer musste sich letztmals am (...). August
2014 einer Operation unterziehen und konnte am (...). August 2014 in gu-
tem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden (vgl. Beschwerdebei-
lage 23, S. 2). Das BFM hat die Wegweisungsvollzugshindernisse aus me-
dizinischen Gründen sorgfältig geprüft und in einem internen Consulting
festgestellt, dass das vorliegende Krankheitsbild des Beschwerdeführers
im Kosovo auf Stufe Regionalspital und in der Universitätsklinik in Pristina
behandelt werden kann. Die meisten der derzeit eingenommenen Medika-
mente sind im Kosovo erhältlich oder können durch solche mit dem glei-
chen Wirkstoff ersetzt werden. Es steht dem Beschwerdeführer offen, ei-
nen entsprechenden Medikamentenvorrat mitzunehmen, der ausreichen
wird, bis die Medikation in geeigneter Weise umgestellt werden kann. Über-
dies kann er gemäss Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylver-
ordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen (AsylV2,
SR 142.312) individuelle medizinische Rückkehrhilfe beantragen. Des
Weiteren können die Beschwerdeführenden mit finanzieller Unterstützung
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ihrer im Kosovo und insbesondere auch im Ausland lebenden grossen Ver-
wandtschaft rechnen, welche die Beschwerdeführenden bereits früher
punktuell mit Geldleistungen unterstützt haben. Nach dem Gesagten sowie
im Hinblick auf eine bald zu erwartende Stabilisierung des Gesundheitszu-
standes des Beschwerdeführers erweist sich der Vollzug der Wegweisung
aus gesundheitlicher Sicht als zumutbar.
7.3.8 Das Kindeswohl bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung – wie
eingangs erwähnt – einen Gesichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies
ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von
Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom
20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter
dem Aspekt des Kindeswohls sind demnach sämtliche Umstände einzube-
ziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich
erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für ein Kind namentlich
folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Be-
deutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähig-
keit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbe-
sondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose
bezüglich Entwicklung/Ausbildung, sowie der Grad der erfolgten Integra-
tion bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt,
die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung
der Chancen und Hindernisse einer Reintegration im Heimatland bei einem
Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund
aus einem einmal vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei
ist aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare per-
sönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen,
sondern auch dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der
Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der
Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann,
welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen
lässt (vgl. die vom Bundesverwaltungsgericht übernommene Praxis der
Asylrekurskommission: Entscheidungen und Mitteilungen der ehemaligen
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 6 E. 6.; 2006
Nr. 24 E. 6.2.3., BVGE 2009/28 E. 9.3.2; 2009/51 E. 5.6).
Den Akten zufolge ist die Integration der Kinder auf guten Wegen.
C._ komme jetzt in die Berufswahlphase, was für sie eine knappe
Angelegenheit sei, während ihre Geschwister mehr Zeit hätten und sich die
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Chancen auf eine Berufsausbildung deshalb erheblich vergrössern wür-
den. Insbesondere H._ und G._, die beiden jüngsten Kinder,
hätten optimale Voraussetzungen, da sie die ganze Schulzeit in der
Schweiz absolvieren könnten (vgl. Schreiben der Schulleiterin vom [...]).
Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführenden erst seit
etwas mehr als zwei Jahren in der Schweiz aufhalten. Vor diesem Hinter-
grund kann nicht von einer weitergehenden Assimilierung an die schweize-
rische Kultur und Lebensweise gesprochen werden. Die Kinder sind in der
Schweiz nicht derart verwurzelt, dass eine Reintegration im Heimatstaat
unmöglich erscheint. Sodann sind alle Kinder albanischer Muttersprache,
was die Reintegration im Heimatstaat zusätzlich erleichtern dürfte. Da die
Kinder den grössten Teil ihres Lebens ausserhalb der Schweiz verbracht
haben, werden sie bei einer Rückkehr nicht aus ihrem gewohnten Umfeld
herausgerissen. Ausserdem reichen bessere Ausbildungsmöglichkeiten in
der Schweiz alleine nicht aus, um von einer Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs auszugehen. Die Beschwerdeführenden brachten zudem
vor, dass die zweitälteste Tochter, D._, an einem Tumor gelitten
habe, der operiert worden sei (vgl. act. A15 F69; A16 F87). Da im Be-
schwerdeverfahren diesbezüglich keine weiteren Probleme geltend ge-
macht wurden, ist davon auszugehen, dass D._ erfolgreich behan-
delt wurde und keine medizinischen Probleme mehr bestehen. Aufgrund
einer Gesamtabwägung gelangt das Gericht folglich zum Schluss, dass
das Kindeswohl dem Vollzug der Wegweisung nicht entgegensteht.
7.3.9 Der Vollzug der Wegweisung von albanischsprachigen RAE nach Ko-
sovo ist in der Regel zumutbar, sofern auf Grund einer Einzelfallabklärung
feststeht, dass bestimmte Reintegrationskriterien – wie berufliche Ausbil-
dung, Gesundheitszustand, Alter, ausreichende wirtschaftliche Lebens-
grundlage und Beziehungsnetz im Kosovo – erfüllt sind (vgl. BVGE
2007/10 E. 5.3).
Wie den Ergebnissen der Botschaftsabklärung vom 13. März 2014 zu ent-
nehmen ist, lebt die Familie der Beschwerdeführerin in L._, einer
Gegend, wo das Zusammenleben zwischen der Minderheit der RAE und
der albanischen Mehrheit offenbar problemlos funktioniert. Sie verfügt dort
über grosszügigen Wohnraum und Landbesitz. Mit dem in der Beschwerde
vorgebrachten Argument, sie würden im Heimatstaat über kein tragfähiges
Beziehungsnetz verfügen und auch seit 14 Jahren keinen Kontakt mehr zu
den Verwandten pflegen, vermögen die Beschwerdeführenden nicht durch-
zudringen. Insbesondere weil die Tochter ausgeführt hat, dass sie gemein-
sam mit der Mutter und zwei ihrer Schwestern mehrmals den Onkel der
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Beschwerdeführerin besucht und teilweise die Schulferien in L._
verbracht habe (vgl. act. A6 S. 4; A14 F43 ff.). Auch die Beschwerdefüh-
renden haben angegeben, dass sich die Beschwerdeführerin jeweils vor
der Entbindung bei ihrem Onkel in L._ aufgehalten habe (vgl. act.
A15 F36 ff.; A16 F66 ff.). Es ist daher davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführenden und der Onkel der Beschwerdeführerin über mehrere
Jahre hinweg regelmässig in Kontakt standen. Selbst wenn die Beschwer-
deführenden – wie vorgebracht – zurzeit keinen direkten Kontakt mit den
Verwandten pflegen, können sie diesen ohne Weiteres wieder herstellen.
Ausserdem bedeutet ein tragfähiges Beziehungsnetz nicht, dass eine voll-
umfängliche Unterstützung im Sinne von finanzieller Hilfe und Zur-Verfü-
gung-Stellen von Wohnraum vorliegen muss. Vielmehr sollte es möglich
sein, aufgrund eigener Bemühungen und mithilfe der sozialen Verknüpfung
des Netzwerks und allenfalls Rückkehrhilfe eine Existenz aufbauen zu kön-
nen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4381/2012 vom 22. No-
vember 2012 E. 7.5). Neben der sozialen Vernetzung kommt den Be-
schwerdeführenden zugute, dass der Beschwerdeführer über langjährige
Arbeitserfahrung unter anderem im Baugewerbe verfügt (vgl. act. A4 S. 4;
A16 F96). Aufgrund dessen sollte ihm eine wirtschaftliche Integration im
Heimatstaat möglich sein, sodass er für seine Familie sorgen kann.
7.3.10 Das BFM hat somit den Vollzug der Wegweisung unter Gesamtwür-
digung aller relevanten Umstände zu Recht als zumutbar erachtet.
7.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
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9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da aber ihre
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG und der amtlichen Rechtsverbeiständung gemäss
Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG gutgeheissen wurden, ist auf die Auferlegung
von Verfahrenskosten zu verzichten und dem Rechtsvertreter eine Ent-
schädigung auszurichten.
9.2 Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote zu den Akten gereicht, je-
doch lässt sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten-
lage hinreichend zuverlässig abschätzen (vgl. Art. 14 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Unter Berücksichtigung der
massgebenden Berechnungsfaktoren (vgl. Art. 7 ff. VGKE) wird dem
Rechtsvertreter für die amtliche Rechtsverbeiständung der Beschwerde-
führenden eine Entschädigung von Fr. 1'500.– (inkl. Auslagen und Mehr-
wertsteuer) ausgerichtet.
(Dispositiv nächste Seite)
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