Decision ID: 70de3016-b512-410b-97ab-82a29c0db4b5
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 1. Oktober 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Im Anmeldeformular gab sie u.a. an, sie habe keinen Beruf erlernt. Med. pract.
B._, Ärztin für Allgemeinmedizin, berichtete der IV-Stelle am 5. November 2007 (IV-
act. 12), sie habe folgende Diagnosen erhoben: Posttraumatisches Syndrom mit
Angststörung und Schmerzen (linke Körperhälfte, besonders Nackenbereich und Hüfte)
und St. n. operativer Entfernung eines Vestibularis-Schwannoms rechts am 20. August
2007 (mit rechts Hypo- und links Hyperakusis, Schwindel, Gangunsicherheit). Sie gab
weiter an, die Versicherte sei am 29. September 2006 von einem unbekannten Mann
mit dem Velo umgestossen worden und auf die linke Seite gefallen. Sie habe
Prellungen des Ellbogens, des Gesässes und des Unterschenkels links erlitten. In der
Folge habe sich ein posttraumatisches Syndrom mit Angststörung und Schmerzen in
der ganzen linken Körperhälfte entwickelt. Am 30. Mai 2007 sei ein unklares,
passageres sensibles Hemisyndrom links aufgetreten. Ein Akustikusneurinom links sei
diagnostiziert und am 20. August 2007 operativ entfernt worden. Durch diesen Eingriff
habe sich die Angst- und Schmerzsymptomatik massiv verschlechtert. Neu seien eine
Gangunsicherheit und Schwindel aufgetreten, die sich trotz eines
Rehabilitationsaufenthalts in Valens nicht gebessert hätten. Die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit im Reinigungsdienst sei nicht mehr möglich. Die Versicherte klage über
Ohrgeräusche, Hörverminderung, Gleichgewichtsstörungen, massive
Nackenschmerzen vor allem rechts mit Ausstrahlung in Schulter und Arm, Schwindel,
allgemeine Kraftlosigkeit und schlechten Schlaf mit Alpträumen. Dr. med. C._, FMH
Physikalische Medizin und Rehabilitation, Manuelle Medizin SAMM, hatte der
Hausärztin am 26. April 2007 mitgeteilt (IV-act. 12-7), ein MRI der LWS habe ausser
einer initialen Chondrose L5/S1 keine gravierende Pathologie gezeigt. Die Klinik Valens
hatte in einem vorläufigen Austrittsbericht vom 26. September 2007 angegeben (IV-act.
12-17), die Rehabilitation sei komplikationslos verlaufen und es hätten deutliche
Fortschritte erzielt werden können. Die Versicherte habe subjektiv eine minimale
Besserung angegeben. Sie habe v. a. kaum veränderte Schmerzen in der linken
Körperhälfte beschrieben. Die D._ AG teilte der IV-Stelle am 28. November 2007 mit
(IV-act. 22), sie beschäftige die Versicherte seit dem 1. Juli 2002 als
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Reinigungsmitarbeiterin mit einem leicht reduzierten Beschäftigungsgrad. Der Lohn
betrage Fr. 20.30 zuzüglich die Ferienentschädigung von Fr. 2.16, die
Feiertagsentschädigung von Fr. -.90 und den 13. Monatslohn von Fr. 1.69. Die Ärzte
der Klinik Valens berichteten der IV-Stelle am 14. November 2007 (IV-act. 23), die
Versicherte leide nach der Tumorentfernung rechts an Hypo- und links an Hyperakusis,
Schwindel und Gangunsicherheit. Ausserdem bestehe ein posttraumatisches Syndrom
mit Angststörung und Schmerzen. Durch die Behandlung mit Citalopram und Trittico
sei es zu einer diskreten Stimmungsaufhellung gekommen. Die Angst stehe aber weiter
im Vordergrund. Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, teilte der IV-
Stelle am 24. Februar 2008 mit (IV-act. 30), die Versicherte gebe einen massiven
Schwindel, eine Gangunsicherheit, einen Tinnitus rechtsbetont und ausgeprägte
Schmerzen in der linken Körperhälfte an. Auf dem rechten Ohr höre sie gar nicht, auf
dem linken Ohr viel zu laut. Sie könne nicht schlafen und werde von Alpträumen
geplagt. Sie habe starke Kopfschmerzen. Sie traue sich nicht, allein aus dem Haus zu
gehen, so dass sie überallhin begleitet werden müsse. Die vorbestehenden Ängste mit
Zittern und Schreckhaftigkeit seien unverändert geblieben. Es bestünden massive
Konzentrationsschwierigkeiten und ein negatives Selbstbild. Die Versicherte sei aktuell
in stationärer Behandlung. Sie sei vollständig arbeitsunfähig. Die Ärzte der
Psychiatrischen Dienste F._ berichteten der Hausärztin am 13. März 2008 (IV-act.
33), die Versicherte sei wegen des Tinnitus eingetreten. Während des stationären
Aufenthalts habe sich eine durch den Unfall verursachte posttraumatische
Belastungsstörung mit mittelgradiger depressiver Episode, generalisierten
Angstzuständen, Alpträumen und Flashbacks gezeigt. Die Tinnitusbehandlung habe
deshalb nur am Rand durchgeführt werden können. Im Vordergrund hätten
stabilisierende Massnahmen gestanden. Der stationäre Aufenthalt sei wegen
Problemen mit dem Ehemann (körperliche Gewalt gegenüber der Tochter) vorzeitig
abgebrochen worden.
A.b Die IV-Stelle beauftragte die MEDAS Zentralschweiz mit einer interdisziplinären
Begutachtung (IV-act. 36). Der rheumatologische Gutachter führte in seinem Konsilium
vom 28. Mai 2008 (IV-act. 47-23 ff.) aus, die Untersuchung habe ein chronifiziertes,
therapierefraktäres, deutlich linksbetontes Ganzkörpersyndrom ohne objektivierbares
organisches Korrelat am Bewegungsapparat ergeben. Die aktiv leichte bis höchstens
mässiggradige Beweglichkeitseinschränkung aller Wirbelsäulenabschnitte sei als
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schmerzbedingte Selbstlimitierung aufzufassen, da passiv keine
Bewegungseinschränkung bestehe. Zudem hätten sich weder klinisch noch bildgebend
Anhaltspunkte für eine Systeminstabilität oder für wesentliche degenerative
Veränderungen gezeigt. Der klinische Untersuch habe auch keine Indizien für eine
radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik - weder auf zervikalem noch auf lumbalem
Niveau - ergeben. Die beiden Schultergelenke hätten sich frei beweglich und ohne
Hinweis auf eine Impingementsymptomatik gezeigt. Insgesamt habe eine erhebliche
Diskrepanz zwischen den von der Versicherten als vollständig invalidisierend erlebten
Beschwerden und den objektivierbaren Befunden am Bewegungsapparat bestanden.
Das Beschwerdebild sei nicht erklärbar, denn es sei ein altersentsprechender
Normalbefund erhoben worden. Aus rheumatologischer Sicht bestehe somit keine
Arbeitsunfähigkeit. Der psychiatrische Gutachter gab in seinem Konsilium an (IV-act.
47-32 ff.), bei der Versicherten bestünden eine Unfallverarbeitungsstörung und
wahrscheinlich auch eine Verarbeitungsstörung des operierten Akustikusneurinoms.
Diese beiden Faktoren dürften sich gegenseitig verstärkt haben. Zur Zeit der
Verarbeitung von Unfall und Operation hätten massive soziale Probleme bestanden,
allen voran die Auseinandersetzung mit dem invaliden Ehemann, so dass die
Versicherte mit der Tochter ausgezogen sei und nun bei ihren Eltern lebe. Die
Versicherte fühle sich entwurzelt, sei verunsichert, ziehe sich von der Gesellschaft
zurück und halte sich oft nur noch im Bett auf. Diagnostisch hätten sich eine
dissoziative Empfindungsstörung und eine Verarbeitungsstörung diagnostizieren
lassen. Diese Störungen seien auf dem Weg zur Chronifizierung und könnten schon
bald zu einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung führen. Der fortgeschrittene
soziale Rückzug sei im Sinn der Foerster'schen Prognosekriterien eine ungünstige
Voraussetzung für eine berufliche Wiedereingliederung. Hoffnung gebe die noch
laufende psychiatrische Behandlung. Zudem sollte die Versicherte möglichst
umgehend in ein Arbeitstraining aufgenommen werden, um der depressiven Neigung
und der Chronifizierung entgegen zu wirken. Sie sollte in einem geschützten
Arbeitsmilieu mit einem Beschäftigungsgrad von 50% wieder lernen, an die
zumutbaren Leistungsgrenzen heranzukommen. Das Pensum könnte dann je nach dem
Fortschritt erhöht werden. Eine unverzügliche Wiedereingliederung in die freie
Wirtschaft werde der Versicherten kaum gelingen. Der neurootologische Gutachter
berichtete am 6. Juni 2008 (IV-act. 47-39 ff.), er habe folgende Diagnosen erhoben:
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Chronische peripher-vestibuläre Funktionsstörung rechts (zentral unvollständig
kompensiert bei St. n. Entfernung eines Vestibularisschwannoms rechts am 20. August
2007 und Taubheit rechts) und V. a. vestibuläre Migräne. Die subjektiv geklagten
(Schwindel-) Beschwerden seien eindeutig objektivierbar. Als Reinigungsfrau sei die
Versicherte wegen dieser Beschwerden nicht mehr arbeitsfähig. Wie hoch die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit (sitzend in ruhiger Umgebung) sei, hänge
davon ab, ob und wie stark die zentrale Kompensation sich verbessern werde bzw.
durch ein Gleichgewichtstraining noch verbessert werden könne. Eine genaue
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei aktuell nicht möglich. Eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit werde wohl kaum mehr erreicht werden. Die gesamte Liste der
Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der Arbeitsfähigkeit lautete: Chronische
peripher-vestibuläre Funktionsstörung rechts, zentral bisher unvollständig kompensiert,
Rhinophonia aperta, V. a. vestibuläre Migräne, dissoziative Empfindungsstörung mit
einem chronifizierten, linksbetonten Ganzkörperschmerzsyndrom ohne entsprechendes
Substrat am Bewegungsapparat und Anpassungsstörung mit Störungen im
Sozialverhalten und mit ängstlich-depressiver Symptomatik im Rahmen einer
Fehlverarbeitung nach Unfall und Krankheit. Für eine sitzende Tätigkeit in ruhiger
Umgebung, eventuell in einem geschützten Rahmen, veranschlagten die Gutachter die
momentane Arbeitsfähigkeit gesamthaft auf 50%, wobei sich die neurootologische und
psychiatrische Beeinträchtigung gleichermassen auswirkten. Diese Einschätzung galt in
Übereinstimmung mit der Hausärztin rückwirkend ab dem 30. Mai 2007. Dr. med.
G._ vom RAD betrachtete das Gutachten als umfassend, kohärent, widerspruchsfrei
und in seinen Schlussfolgerungen nachvollziehbar (IV- act. 53).
A.c Am 22. Dezember 2008 verfügte die IV-Stelle die Kostenübernahme für ein
Hörgerät (IV-act. 61). Sie schloss am 17. April 2009 die Arbeitsvermittlung ab (IV-act.
66), da sich die Versicherte subjektiv nicht in der Lage fühle, einer geregelten Tätigkeit
nachzugehen. Med. pract. B._ teilte der IV-Stelle am 10. August 2009 mit (IV-act. 68),
der Vestibularisausfall rechts sollte bei genügender Übung zentral kompensiert werden
können. Da sich die Versicherte aber wegen des Schwindels und der Schmerzen kaum
bewege, sei das bisher nicht geschehen. Es sei fraglich, ob die Kompensation noch
möglich sei. Die Angst- und Depressionssymptomatik sei trotz medikamentöser und
Psychotherapie kaum besser geworden. Die Prognose sei auch hier schlecht. Die von
der MEDAS angegebene Arbeitsfähigkeit von 50% könne nicht realisiert werden.
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Dr. E._ berichtete am 12. Oktober 2009 (IV-act. 71), sie habe die folgenden
Diagnosen erhoben: Mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom,
posttraumatische Belastungsstörung (nach Fahrradunfall 2006), St. n. Operation eines
Akustikusneurinoms rechts am 20. August 2007 mit rechts Hypo-, links Hyperakusis,
Tinnitus bds. rechtsbetont, V. a. anhaltende somatoforme Schmerzstörung (DD:
Dissoziative Empfindungsstörung). Dr. E._ führte weiter aus, die Versicherte sei
psychisch vollkommen dekompensiert. Alle bisher unternommenen ambulanten
Therapieversuche seien von frustrierendem Erfolg gewesen. Nach der Therapie in der
Klinik H._ sollte eine neue Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolgen. Am 18.
Dezember 2009 teilte Dr. E._ mit (IV-act. 78), die stationäre Therapie sei nicht
zustande gekommen. Die Versicherte werde am 12. Januar 2010 in die Tagesklinik
I._ eintreten. Die Ärzte dieser Tagesklinik berichteten am 30. März 2010 (IV-act. 84),
im Vergleich zum psychiatrischen Konsilium vom 28. Mai 2008 seien keine signifikanten
Änderungen eingetreten. Die Versicherte wirke extrem auf ihre körperliche
Symptomatik fixiert. In ihrem Schmerzverhalten wirke sie verunsichert, zögerlich und
verängstigt. Sie habe wiederholt angegeben, dass sie nicht in der Lage sei, sich
körperlich etwas zuzutrauen. Die Ärzte gaben weiter an, die Motivation der
Versicherten, aus eigener Kraft wieder zur früheren Leistung zurückzufinden, sei eher
bescheiden. Die Versicherte fühle sich extrem müde und bereits nach kleinsten
Tätigkeiten massiv erschöpft. Sie klage über Schwindelgefühle und ausgeprägte
depressive Stimmungsschwankungen. Häufig fühle sie sich lust- und freudlos und
ohne Energie. Sie leide an chronischen Schlafstörungen, z.T. auch an
Durchschlafstörungen mit frühem Erwachen. Immer wieder komme es zu Alpträumen,
die sich inhaltlich um den Velounfall drehten. Aufgrund der geschilderten, subjektiven
Ermüdung und Erschöpfung verbunden mit Schlafproblemen,
Konzentrationsproblemen und Defiziten im Kurzzeitgedächtnis sehe sich die
Versicherte nicht in der Lage, irgendeiner Tätigkeit nachzugehen. Die Ärzte der
Tagesklinik nannten folgende Diagnosen: Dissoziative Empfindungsstörung und
Anpassungsstörung mit Störungen im Sozialverhalten und mit ängstlich depressiver
Symptomatik im Rahmen einer Fehlverarbeitung nach Unfall und Krankheit (DD:
Übergang zu anhaltender somatoformer Schmerzstörung). Die Ärzte gaben weiter an,
bei einer sitzenden Tätigkeit in ruhiger Umgebung, eventuell in einem geschützten
Rahmen, sei aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50% der Norm
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denkbar. Dr. G._ vom RAD notierte am 13. April 2010 (IV-act. 85), die Versicherte sei
weiterhin zu 50% arbeitsfähig, vorerst in einem geschützten Rahmen, dann in der freien
Wirtschaft.
A.d Die IV-Stelle verglich ein anhand des Lohns an der letzten Arbeitsstelle ermitteltes
Valideneinkommen (2008) von Fr. 43'119.-- mit einem ausgehend von einem (deutlich
höheren, aber bis auf eine Differenz von 5% herabgesetzten) Durchschnittseinkommen
(2008) bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50% ermittelten zumutbaren
Invalideneinkommen von Fr. 22'638.-- und errechnete so einen Invaliditätsgrad von
48% (IV-act. 89). Mit einem Vorbescheid vom 28. Juni 2010 teilte sie der Versicherten
mit (IV-act. 92), dass sie beabsichtige, ihr rückwirkend ab 1. Mai 2008 eine Viertelsrente
zuzusprechen. Die Versicherte wandte am 27. Juli 2010 ein (IV-act. 97), vor Mai 2008
habe sie einen Anspruch auf eine ganze Rente, danach einen Anspruch auf mindestens
eine halbe Rente. Das Valideneinkommen 2007 betrage Fr. 47'629.45. Es habe keine
Parallelisierung stattgefunden. Der Tabellenlohnabzug müsse mindestens 20%
betragen. Mit einer Verfügung vom 3. Dezember 2010 sprach die IV-Stelle der
Versicherten rückwirkend ab Mai 2008 eine Viertelsrente und entsprechende
Kinderrente zu (IV-act. 104). Diese Verfügung wurde nicht dem Rechtsvertreter, der den
Einwand gegen den Vorbescheid eingereicht hatte, sondern der Versicherten
persönlich zugestellt. Der Rechtsvertreter machte die IV-Stelle am 13. Dezember 2010
auf diesen Fehler aufmerksam. Er verlangte eine korrekte Zustellung an sich selbst, da
er es der IV-Stelle nicht erlaube, die Frist durch die falsche Zustellung zu verkürzen (IV-
act. 106). Die IV-Stelle eröffnete ihm eine vom 15. Dezember datierende Verfügung (IV-
act. 113-17 ff.). Am 30. Dezember 2010 stellte die IV-Stelle ihm ihre Akten zu (IV-act.
108).
B.
B.a Die Versicherte liess am 4. Januar 2011 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer ganzen Rente ab Unfalltag (29. September 2006) bis zur medizinischen
Begutachtung resp. bis 31. Juli 2008 und für die Zeit danach die Zusprache einer
halben Rente beantragen (act. G 1). Der Rechtsvertreter machte in formeller Hinsicht
sinngemäss geltend, er habe sofort Beschwerde eingereicht, um nicht mit den Fristen
zu spielen. Die Beschwerdegegnerin habe ihm die Verfügung vom 3. Dezember 2010
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am 17. Dezember 2010 zugestellt, ohne sich zu dieser Fristverkürzung zu äussern. Das
Verfahren und das Verhalten der Beschwerdegegnerin würden mit jeder gewünschten
Deutlichkeit gerügt. Zudem sei die Verfügungsbegründung unzureichend, so dass eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliege. In materieller Hinsicht machte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geltend, diese sei gemäss den Angaben der
medizinischen Sachverständigen nur in einem geschützten Rahmen zu 50%
arbeitsfähig. Das sei vom RAD akzeptiert worden. Sie sei zu Recht als
Vollerwerbstätige qualifiziert worden. Bei der Ermittlung des Valideneinkommens sei
die Beschwerdegegnerin von einem zu tiefen Betrag ausgegangen, weil sie bloss die
Teuerung bis 2008 aufgerechnet habe. Zudem hätte ein Zuschlag von 10% erfolgen
müssen, weil die Beschwerdeführerin nur zu 90% gearbeitet habe. Es sei bei der
Arbeitgeberin abzuklären, was die Beschwerdeführerin im Jahr 2010 verdient hätte,
wenn sie zu 100% angestellt gewesen wäre. Die Beschwerdegegnerin habe sich
geweigert, zur Frage der Parallelisierung Stellung zu nehmen. Das Invalideneinkommen
sei zu hoch angesetzt worden. Seit dem Unfall und wegen der Kopfoperation sei die
Beschwerdeführerin mindestens bis zur Begutachtung zu 100% arbeitsunfähig
gewesen. Für die Zeit danach sei mindestens eine halbe Rente zuzusprechen, weil es
der Beschwerdeführerin nicht möglich sei, mehr als die Hälfte des Valideneinkommens
zu verdienen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 1. März 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte unter Verweis auf die einschlägige Rechtsprechung
geltend, sie sei nicht verpflichtet gewesen, die Verfügung der Rechtsvertreter mit einer
neuen Beschwerdefrist zu eröffnen, da der Beschwerdeführerin durch die mangelhafte
Eröffnung kein Nachteil entstanden sei. Mit der Verfügung sei das rechtliche Gehör
verletzt worden, indem nur global auf die Einwände eingegangen worden sei. Diese
leichte Verletzung des rechtlichen Gehörs könne praxisgemäss geheilt werden.
Invalidisierende Beschwerden bestünden erst seit 2007. Deshalb könne auf das
Einkommen 2006 abgestellt werden. Dieses habe bei einem Arbeitspensum von 94ç Fr.
40'660.-- betragen. Umgerechnet auf 100% resultiere ein Einkommen von Fr.
43'262.--. Eine Aufwertung könne unterbleiben. Das Durchschnittseinkommen der
Hilfsarbeiterinnen 2006 habe sich auf Fr. 50'278.-- belaufen. Es sei bis zu einer
positiven Differenz von 5% zum Valideneinkommen zu kürzen. Die Differenz von 5% sei
zu belassen, weil nur deutliche Abweichungen zur Parallelisierung Anlass gäben. Das
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Invalideneinkommen betrage somit Fr. 22'713.--. Daraus ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von 48%. Somit bestehe ab Mai 2008 ein Anspruch auf eine
Viertelsrente.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 9. März 2011 ausführen (act. 7), sie nehme zur
Kenntnis, dass sich die Beschwerdegegnerin der Vorverlegung der Invalidenrente
(Beginn des Wartejahrs am Unfalltag) nicht widersetze. Die Rente sei somit ein Jahr
nach dem Unfall laufen zu lassen. Der Beginn des Wartejahrs müsse spätestens nach
der Kopf- und Tumoroperation angenommen werden. Die Bemerkung der
Beschwerdegegnerin, dass die Erwerbstätigkeit vorerst im geschützten Rahmen
ausgeübt werden solle, sei eine Erfindung der Beschwerdegegnerin und im Gutachten
nicht enthalten. Der Verkürzung der Beschwerdefrist sei bei der Kostenverlegung
Rechnung zu tragen. Dasselbe gelte für die Anerkennung als Vollerwerbstätige. In den
ersten zehn Monaten des Jahres 2007 habe die Beschwerdeführerin Fr. 39'406.50
verdient. Das Valideneinkommen müsse deshalb auf mindestens Fr. 46'023.40 erhöht
werden. Am Vorwurf der fehlenden Parallelisierung müsse festgehalten werden. Im
Übrigen hätte ein zusätzlicher Abzug vom Invalideneinkommen erfolgen müssen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 16. März 2011 auf eine Duplik (act. G 9).
B.e Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte am 20. Juni 2011 (act. G 11)
den Rentenentscheid der Personalvorsorgeeinrichtung der D._ AG ein. Die
Beschwerdeführerin erhielt bei einem Invaliditätsgrad von 48% eine Rente von 25%.
Der Rechtsvertreter machte in seinem Begleitschreiben geltend, die
Beschwerdegegnerin habe mit ihren gekünstelten Rechenspielen eine halbe Rente der
zweiten Säule verhindert.
B.f Die Gerichtsleitung machte den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am
18. Oktober 2012 darauf aufmerksam (act. G 13), dass mit der Möglichkeit einer
Rückweisung zur weiteren medizinischen Abklärung zu rechnen sei und dass daraus
dann faktisch eine reformatio in peius entstehen könnte. Sie wies den Rechtsvertreter
auf die Möglichkeit hin, dem durch einen Beschwerderückzug zu entgehen. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erklärte am 19. November 2012 (act. G 16), an
der Beschwerde festhalten zu wollen. Er reichte einen Bericht der H._ AG an Dr.
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E._ vom 25. September 2012 ein (act. G 16.1). Die Ärzte hatten folgende Diagnosen
angegeben: Posttraumatische Belastungsstörung mit mittelgradiger depressiver
Komorbidität, anhaltende somatoforme Schmerzstörung, DD: Dissoziative
Empfindungsstörung. Der psychopathologische Befund beim Eintritt in die Klinik war
(verkürzt) folgendermassen beschrieben worden: Deutliche Konzentrationsstörungen
und Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, Berichte über Gedankenkreisen und
Blockaden, diffuse Angstzustände, Panikattacken mit vegetativer Symptomatik,
Insuffizienzgefühle, gestörte Selbstwertgefühle, Schuldgefühle, verminderte
Antriebslage, psychomotorische Störungen, phasenweise Depersonalisations- und
Derealisationserlebnisse, dissoziative Episoden, Ein- und Durchschlafstörungen,
lebensmüde Gedanken ohne Suizidalität, ausgeprägte Intrusionen auf sämtlichen
perzeptiven Ebenen, Wiedererleben des Unfallereignisses, anhaltende somatoforme
Symptomatik, Nervosität, Reizbarkeit, hohe Anspannung, Hyperarousal und
Hypervigilanz, Isolation und Rückzug, Veränderung der Affektregulierung mit
anhaltender dysphorischer Verstimmung. Die Ärzte hatten weiter angegeben, die
Versicherte sei zurückgezogen gewesen, habe aber zu einigen Mitpatienten einen
guten Kontakt gehabt und habe mit diesen gemeinsame Aktivitäten (z.B. Einkaufen)
unternommen. Die Versicherte habe erkannt, dass sich solche Aktivitäten positiv auf ihr
Befinden auswirkten. Mit der SWICA-Casemanagerin seien Möglichkeiten besprochen
worden, um die Versicherte bei der Einhaltung einer Tagesstruktur und beim Erledigen
alltäglicher Verpflichtungen zu unterstützen.

Erwägungen:
1.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, er sei nur über die
Zustellung einer Verfügung an seine Mandantin informiert worden. Daraufhin habe er
die Beschwerdegegnerin am 13. Dezember 2010 ersucht, die Verfügung - formell
korrekt - ihm zu eröffnen. Das hat die Beschwerdegegnerin mit der an den
Rechtsvertreter adressierten neuen Verfügung vom 15. Dezember 2010 auch getan. Es
muss davon ausgegangen werden, dass der Rechtsvertreter die Verfügung vom 3.
Dezember 2010 nie in Händen gehabt hat. Hätte die Beschwerdegegnerin ihm nur eine
Kopie dieser an die Beschwerdeführerin adressierten Verfügung geschickt, wäre der
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Fristenlauf mit der nachgeholten Zustellung ausgelöst worden. Da die
Beschwerdegegnerin aber am 15. Dezember 2010 eine inhaltlich mit derjenigen vom 3.
Dezember 2010 identische Verfügung erlassen hat, kann nur eine dieser beiden
Verfügungen rechtswirksam sein und den Anfechtungsgegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens bilden. Das zwingt dazu, die Verfügung vom 3. Dezember 2010
als nichtig zu betrachten, weil sie nie wirksam eröffnet worden ist. Die Beschwerde
gegen die Verfügung vom 15. Dezember 2010 ist rechtzeitig erhoben worden.
2.
Der Anspruch auf eine Invalidenrente setzt als erstes voraus, dass die durch eine
Gesundheitsbeeinträchtigung herabgesetzte Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederhergestellt, erhalten oder verbessert werden kann
(Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). Angesichts der bisher erfolglosen Behandlung der inzwischen
chronifizierten psychischen Beeinträchtigung ist davon auszugehen, dass es keine
medizinische Eingliederungsmassnahme (Therapie) gibt, die geeignet wäre, die
herabgesetzte Erwerbsfähigkeit wiederherzustellen oder wenigstens zu verbessern. Die
Beschwerdeführerin hat gemäss ihren eigenen (überzeugenden) Angaben keinen Beruf
erlernt. Sie ist demnach als Hilfsarbeiterin zu qualifizieren. Als solche kann sie ohne
berufliche Eingliederungsmassnahme (mit Ausnahme der nicht unter Art. 28 Abs. 1 lit. a
IVG zu subsumierenden Arbeitsvermittlung) in eine adaptierte Hilfsarbeit wechseln.
Deshalb wird die Aufnahme einer adaptierten Hilfsarbeit als selbstverständliche
Eingliederungsmassnahme ohne weiteres fingiert. Besteht allerdings auch in einer
adaptierten Hilfsarbeit nur eine reduzierte Arbeitsfähigkeit, kommt als berufliche
Eingliederungsmassnahme nur eine sogenannt höherwertige Umschulung (Art. 17 Abs.
1 IVG) in Frage, denn damit könnte das Lohnpotential der verbliebenen Arbeitsfähigkeit
so erhöht werden, dass die Arbeitsunfähigkeit bezogen auf das Valideneinkommen
keine oder nur noch eine stark reduzierte Lohneinbusse bewirken würde. Der höhere
Stundenlohn würde im Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) die Arbeitsunfähigkeit
ausgleichen. Die höherwertige Umschulung bestünde hier in einer Berufslehre. Dies
würde allerdings voraussetzen, dass die Beschwerdeführerin in der Lage wäre,
zunächst das schulische Wissen und die Deutschkenntnisse so zu verbessern, dass sie
dem schulischen Teil der Berufslehre zu folgen vermöchte. Dann müsste sie auch dem
beruflichen Teil der Lehre intellektuell gewachsen sein. Die Akten lassen darauf
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schliessen, dass dies nicht der Fall ist und dass die Beschwerdeführerin gesundheitlich
auch gar nicht in der Lage ist, sich einer derart aufwendigen beruflichen Eingliederung
zu unterziehen. Die Voraussetzung des Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG ist also erfüllt.
3.
Der Rentenanspruch kann erst entstehen, wenn die versicherte Person während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig
gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Dr. J._ hat am 5. November 2007 für die
Periode 2. bis 23. Oktober 2006 und dann wieder für die Zeit ab 30. Mai 2007 eine
Arbeitsunfähigkeit angegeben. Die D._ AG hat nur für die Zeit ab 29. Mai 2007
Abwesenheitslisten eingereicht. Im Bericht der Klinik Valens vom 14. November 2007
ist zwar für die Zeit ab dem Unfall im Jahr 2006 ein posttraumatisches Syndrom
erwähnt worden, aber eine Arbeitsunfähigkeit findet sich in diesem Bericht erst ab Mai
2007. Auch im polydisziplinären Gutachten wird erst für die Zeit ab Mai 2007 eine
Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Für die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie sei ab
dem Unfall durchgehend arbeitsunfähig gewesen, fehlt in den Akten jeder Beleg. Wäre
diese Behauptung richtig, hätte med. pract. B._ dies der Beschwerdegegnerin
angegeben, denn sie hat die Beschwerdeführerin bereits seit 2003 behandelt.
Demnach steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass
die Beschwerdeführerin frühestens ab Mai 2007 zu mindestens 40% arbeitsunfähig
gewesen sein kann. Demnach kann frühestens ab Mai 2008 ein Rentenanspruch
bestanden haben.
4.
4.1 Ein Rentenanspruch besteht, wenn die versicherte Person nach dem Ablauf des
Wartejahrs zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). Gemäss den
Angaben der D._ AG ist die Beschwerdeführerin mit einem reduzierten
Beschäftigungsgrad (37,6 Std. pro Woche statt 40 Std.) tätig gewesen. Angesichts der
äusserst beengten finanziellen Situation nach der faktischen Trennung vom Ehemann
besteht die plausibelste Verhaltensweise der Beschwerdeführerin im fiktiven
"Gesundheitsfall" in der Ausübung einer vollzeitlichen Hilfsarbeit. Der Invaliditätsgrad
ist deshalb mittels eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln (Art. 28a Abs. 1 IVG
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i.V.m. Art. 16 ATSG). Dabei ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bevor das Valideneinkommen
und das zumutbare Invalideneinkommen ermittelt werden können, müssen die
erwerblichen Verhältnisse feststehen, in denen das jeweilige Einkommen zu erzielen
wäre. Die erwerblichen Verhältnisse, die der Ermittlung des Valideneinkommens
zugrunde gelegt werden, sind nicht real, denn es wird von der Fiktion ausgegangen,
dass die versicherte Person noch gesund und damit in der angestammten
Erwerbstätigkeit voll arbeitsfähig sei (sog. Validenkarriere). In vielen Fällen sind auch
die erwerblichen Verhältnisse, anhand derer das zumutbare Invalideneinkommen zu
bemessen ist (sog. Invalidenkarriere), zumindest teilweise fiktiv. Die real noch
vorhandene Restarbeitsfähigkeit wird nämlich oft nicht mehr zur Erzielung eines
Erwerbseinkommens eingesetzt, weil die versicherte Person sich für vollständig
arbeitsunfähig hält oder weil sie arbeitslos ist. Es kann aber auch sein, dass zwar noch
eine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird, die Restarbeitsfähigkeit dabei aber nicht
vollumfänglich oder in einer unterqualifizierten Erwerbstätigkeit eingesetzt wird. In
diesen Fällen wird die - quantitativ und qualitativ - vollständige Ausnützung der
Restarbeitsfähigkeit fingiert.
4.2 Die Beschwerdeführerin hat bei der D._ AG einen Lohn erzielt, der - auch nach
einer Aufrechnung auf einen Beschäftigungsgrad von 100% - deutlich tiefer als der
schweizerische Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne gewesen ist. Wäre ihr ein
Arbeitsplatz angeboten worden, der in Bezug auf die Anforderungen an die
Arbeitsleistung und in Bezug auf die äusseren Umstände (Arbeitsweg, Arbeitszeit,
Arbeitsplatzsicherheit usw.) jedenfalls nicht schlechter gewesen wäre als der
Arbeitsplatz bei der D._ AG, an dem ihr aber ein dem schweizerischen Durchschnitt
entsprechender Lohn ausgerichtet worden wäre, dann hätte sie diesen Arbeitsplatz
sofort angetreten. Es deutet nämlich nichts darauf hin, dass sie eine Veranlassung
gehabt hätte, bei der D._ AG zu bleiben und auf die Erzielung eines deutlichen
höheren Lohns zu verzichten. Den Arbeitsplatz bei der D._ AG dürfte die
Beschwerdeführerin nur aufgrund arbeitsmarktlicher Zwänge angetreten haben, die es
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ihr praktisch verunmöglicht haben, in der Region einen besser entlöhnten Arbeitsplatz
zu finden. Die Validenkarriere der Beschwerdeführerin besteht deshalb nicht in der
effektiv ausgeübten Tätigkeit bei der D._ AG, sondern in einer durchschnittlichen -
und damit auch durchschnittlich entlöhnten - Hilfsarbeit. Dasselbe gilt für die
Invalidenkarriere, denn auch hier muss davon ausgegangen werden, dass eine
durchschnittliche Verwertung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit an einem
behinderungsadaptierten Hilfsarbeitsplatz erfolgt. Das Valideneinkommen und das
Ausgangseinkommen zur Bemessung der zumutbaren Invalideneinkommens
entsprechen demnach dem gesamtschweizerischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnen
löhne.
4.3
4.3.1 Der nächste Schritt bei der Bestimmung des Invaliditätsgrads ist die
Ermittlung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit. Der
rheumatologische Gutachter der MEDAS Zentralschweiz hat einen
altersentsprechenden Normalbefund erhoben. Er hat die geklagten Beschwerden aus
der Sicht seines Fachgebiets nicht erklären können und ist deshalb - wiederum aus der
Sicht seines Fachgebiets - von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen.
4.3.2 Der neurootologische Gutachter der MEDAS Zentralschweiz hat
festgestellt, dass die Beschwerdeführerin beim Gehen eine eindeutige Rechtstendenz
aufweise. Sobald sie sich visuell nicht mehr orientieren könne, verliere sie das
Gleichgewicht. Der Schwankschwindel resp. die Gleichgewichtsstörungen passten zu
einer Vestibularisstörung und könnten eindeutig belegt werden. Das gelte nicht für den
gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin für Minuten anhaltenden Drehschwindel.
Dieser sei sehr atypisch für eine Vestibularisstörung und er habe nach der
Schwannomentfernung persistiert. Der neurootologische Gutachter hat die Vermutung
geäussert, dass als Ursache am ehesten eine Migräne in Frage komme. Dieser Frage
ist er allerdings nicht weiter nachgegangen, es ist bei der Vermutung geblieben. Für die
bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Reinigungsfrau hat der Gutachter eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit angenommen, was angesichts der Notwendigkeit, bei
der Arbeit ungünstige Positionen (vornübergeneigt, kniend, kauernd, über Kopf)
einnehmen zu müssen, nachvollziehbar ist. Dasselbe gilt für die für die Arbeit im
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eigenen Haushalt angegebene Arbeitsunfähigkeit von 50%, denn auch dort sind
ungünstige Arbeitshaltungen unumgänglich. In Bezug auf eine adaptierte, sitzend
auszuübende Erwerbstätigkeit hingegen ist nicht einzusehen, weshalb die
Rechtstendenz und die Gleichgewichtsprobleme die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen
sollten. Hier fehlt also im neurootologischen Teil des MEDAS-Gutachtens eine
überzeugende Begründung. Es besteht ein weiterer Abklärungsbedarf. Die
psychiatrische Untersuchung anlässlich der MEDAS-Begutachtung hat eine
Anpassungsstörung mit Beeinträchtigung des Sozialverhaltens und mit ängstlich
depressiver Symptomatik sowie eine dissoziative Empfindungsstörung aufgezeigt.
Dabei handelt es sich im Fall der Beschwerdeführerin offenbar um eine Vorstufe zur
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, m.a.W. es liegt eines jener
Krankheitsbilder vor, bei denen rechtsprechungsgemäss zu vermuten ist, dass die
subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwunden werden kann. Der psychiatrische Gutachter ist sich dieses Umstands zwar
bewusst gewesen, aber eine Auseinandersetzung mit dieser Vermutung (bzw. mit den
Foerster'schen Kriterien) ist weitgehend unterblieben. Als einziges Kriterium ist ein
fortgeschrittener sozialer Rückzug genannt worden, aber der Gutachter hat nicht
geltend gemacht, dass dieses Kriterium allein ausreiche, um die subjektive
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung wenigstens im Umfang von 50% zu einer nicht mehr
überwindbaren, objektiven zu machen. Die ausschlaggebenden Gründe für die
Annahme des Gutachters, die Arbeitsfähigkeit sei objektiv eingeschränkt, dürften die
Fixierung der Beschwerdeführerin auf die (somatisch nicht erklärbaren) Schmerzen und
das Schonverhalten gewesen sein. Diese Symptome sind nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung aber nicht geeignet, die zumutbare Willensanstrengung zur
vollständigen Überwindung der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu beeinträchtigen
oder sogar zu verhindern. Im Übrigen ist der psychiatrische Gutachter nicht davon
ausgegangen, dass die von ihm angegebene Arbeitsunfähigkeit von 50%
unüberwindbar sei. Er hat nämlich eine erwerbliche Betätigung in einem geschützten
Rahmen im Umfang von 50% als therapeutische Massnahme empfohlen und damit
eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf mehr als 50% als möglich erachtet. Er ist also
selbst von einer Überwindbarkeit der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung ausgegangen,
wobei er aber in Bezug auf den Zeitbedarf pessimistischer gewesen ist, als es nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung anzunehmen gewesen wäre. Die
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Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS Zentralschweiz kann deshalb, soweit sie auf
der (in Bezug auf die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vagen) Beurteilung des
neurootologischen Gutachters beruht, nicht als überwiegend wahrscheinlich richtig
betrachtet werden. Die neurootologische Abklärung erweist sich deshalb als
unzureichend; sie wird noch zu ergänzen sein.
4.3.3 Die behandelnde Psychiaterin Dr. E._ hat den psychischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin pessimistischer eingeschätzt als der
psychiatrische Gutachter der MEDAS Zentralschweiz. Sie hat als zusätzliche, vom
Gutachter nicht genannte Diagnosen eine mittelgradige depressive Episode und eine
posttraumatische Belastungsstörung angegeben. Insbesondere der Schwere der
angegebenen Depression entsprechend hat sie eine Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin verneint. Die Umschreibung der Symptome weicht allerdings nur
unerheblich von derjenigen des Gutachters ab. Dr. E._ hat lediglich zusätzlich
Depersonalisations- und Derealisationsphänomene als Indizien für eine Ich-Schwäche
angegeben. Schon aufgrund der Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte
aufgrund ihrer engen, therapeutisch ausgerichteten Beziehung zum Patienten dazu
neigen, dessen in aller Regel sehr pessimistische Selbsteinschätzung zu übernehmen
und deshalb sowohl bei der Diagnosestellung als insbesondere auch bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung ebenfalls pessimistisch zu sein, kann die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ nicht als überwiegend wahrscheinlich richtig
qualifiziert werden. Im Bericht der Tagesklinik des Psychiatrie-Zentrums K._ ist eine
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50% angegebenen worden. Diese
Arbeitsunfähigkeit ist aber mit anderen Symptomen erklärt worden, als Dr. E._ ihrer
Arbeitsfähigkeitsschätzung zugrunde gelegt hat. Die Ärzte der Tagesklinik haben eine
ausgeprägte Ermüdung und Erschöpfung verbunden mit Schlafproblemen,
Konzentrationsprobleme und Defizite im Kurzzeitgedächtnis angegeben. Der Umstand
allein, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung grundsätzlich mit derjenigen des
psychiatrischen Gutachters übereingestimmt hat, ist kein Beleg für die Richtigkeit.
Auch hier muss wieder auf die Erfahrungstatsache hingewiesen werden, dass
behandelnde Ärzte ihre Patienten in Bezug auf die Schwere der Krankheit und das
Ausmass der verbliebenen Arbeitsfähigkeit zu pessimistisch einzuschätzen pflegen.
Immerhin ist im Bericht der Tagesklinik eine für die anhaltende somatoforme
Schmerzstörung typische Einstellung der Beschwerdeführerin beschrieben worden:
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Sehr bescheidene Motivation, aus eigener Kraft wieder zur früheren Leistung
zurückzufinden, sehr klagsam, ohne aber einen sehr leidenden Eindruck zu machen,
Ablehnung selbst kleinster Belastungen und Anforderungen, was objektiv nicht
nachvollziehbar war. Die Ärzte der Tagesklinik haben zudem das Vorliegen einer
posttraumatischen Belastungsstörung entschieden verneint. Die im Zeitablauf
schwankenden Einschätzungen sind nicht auf erhebliche Veränderungen des
Gesundheitszustands zurückzuführen, sondern beruhen, wie die weitgehend
übereinstimmenden Ausführungen zur Art und Schwere der grundsätzlichen Symptome
zeigen, auf einem seit längerer Zeit weitgehend stabilen Gesundheitszustand. Das gilt
auch für den im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht der H._, der deshalb bei
der Beurteilung des psychischen Zustands der Beschwerdeführerin gewürdigt werden
kann, weil er angesichts der Stabilität der Krankheit Rückschlüsse auf die Situation bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung zulässt. In diesem neuesten Bericht taucht
wieder die von der Tagesklinik ausdrücklich verneinte Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung auf und die Beschwerdeführerin wird wieder als
mittelgradig depressiv bezeichnet. Im Bericht der Tagesklinik ist nur von einem
ängstlich-depressiven Zustand die Rede gewesen. Die Beschwerdeführerin ist in H._
als völlig arbeitsunfähig eingeschätzt worden. Auch hier muss wieder auf bereits
erwähnte Erfahrungstatsache verwiesen werden, dass behandelnde Ärzte
vermutungsweise nicht objektiv berichten. Würden die von den verschiedenen mit dem
Fall der Beschwerdeführerin befassten Ärzten gestellten Diagnosen nach Art und
Schwere übereinstimmen, könnte wohl davon ausgegangen werden, dass die
Beurteilung durch den psychiatrischen Gutachter der MEDAS Zentralschweiz die
objektivste sein müsse und dass sie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belege.
Angesichts der von Facharztbericht zu Facharztbericht stark divergierenden
Diagnosestellung besteht aber der Verdacht, dass keine der verschiedenen
Einschätzungen richtig sein könnte, d.h. dass die Beschwerdeführerin durch eine
eindringlich und überzeugend geschilderte, aber übermässig pessimistische
Selbsteinschätzung eine Unsicherheit in der Diagnosestellung bewirkt haben könnte,
die stark abweichende und generell zu pessimistische Arbeitsfähigkeitsschätzungen
zur Folge gehabt haben könnte. Das muss auch für die Beurteilung durch den
psychiatrischen Gutachter der MEDAS Zentralschweiz gelten. Im Übrigen hat dieser die
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Frage, ob ein Anwendungsfall der höchstrichterlichen Rechtsprechung zur
Arbeitsfähigkeit bei einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung oder bei einem
vergleichbaren Syndrom vorliege, nur ansatzweise beantwortet. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass keine der psychiatrischen Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu
überzeugen vermag. Der massgebende Sachverhalt erweist sich auch in Bezug auf
eine allfällige Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit durch eine psychische Erkrankung
als unzureichend abgeklärt.
4.3.4 Die Invaliditätsbemessung mittels eines Einkommensvergleichs scheitert
also am Umstand, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
leidensadaptierten Tätigkeit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht. Die
angefochtene Verfügung ist demnach in Verletzung der Untersuchungs- und
Beweispflicht der Beschwerdegegnerin ergangen. Sie ist als rechtswidrig aufzuheben.
Die Beschwerdegegnerin wird die entsprechenden Abklärungen (zumindest
neurootologischer und psychiatrischer Art) nachzuholen haben.
5.
Die angefochtene Verfügung ist somit aufzuheben und die Sache ist zur weiteren
Abklärung des massgebenden Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Dieser Verfahrensausgang ist praxisgemäss in Bezug auf die
Verfahrenskosten als vollumfängliches Obsiegen der Beschwerdeführerin zu
qualifizieren. Sie hat deshalb einen Anspruch auf den Ersatz der gesamten
Vertretungskosten. Diese Kosten sind angesichts des als durchschnittlich zu
wertenden Vertretungsaufwands praxisgemäss auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat auch für
die Gerichtskosten aufzukommen. Da der Beurteilungsaufwand ebenfalls als
durchschnittlich zu betrachten ist, wird die Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.--
festgesetzt. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin
zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
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