Decision ID: b99e5d70-b98e-4f24-9c6b-42e981451d8b
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., geb. 1964, italienischer Staatsangehöriger, reiste am 4. März 1990 in die
Schweiz ein und verfügt über eine Niederlassungsbewilligung EU/EFTA (Vorakten
Migrationsamt, nachfolgend Dossier, S. 5 ff.). Am 22. Mai 1992 heiratete er eine
italienische Staatsangehörige, mit der er zwei Kinder hat. Das ältere der beiden Kinder
ist volljährig (geb. 1993), das jüngere geboren 2002. Im Jahre 2005 wurde die Ehe
geschieden. A.Y. wohnt an derselben Adresse wie seine Ex-Ehefrau und der
gemeinsame minderjährige Sohn.
Das Verhalten von A.Y. gab in strafrechtlicher Hinsicht verschiedentlich zu schweren
Klagen Anlass. Nach vier Verurteilungen wegen SVG Delikten wurde A.Y. mit Urteil des
Bezirksgerichts X. vom 29. September 2015 wegen mehrfachen Verbrechens gegen
das Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung zu einer
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Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie einer Geldstrafe von 12 Tagessätzen zu je
CHF 60 verurteilt. Beide Strafen wurden bedingt ausgesprochen, unter Ansetzung einer
Probezeit von drei Jahren. Danach wurde A.Y. erneut straffällig und am 22. Juni 2016
wegen Ungehorsams im Betreibungs- und Konkursverfahren zu einer Busse verurteilt.
Per 16. Juni 2016 war A.Y. beim Betreibungsamt mit einer offenen Betreibung in Höhe
von CHF 43‘910.05 verzeichnet.
B. Mit Verfügung vom 10. August 2016 widerrief das Migrationsamt die Bewilligung von
A.Y. und wies ihn unter Ansetzung einer sechzigtägigen Ausreisefrist aus der Schweiz
weg (act. 6/1.1). Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den dagegen von A.Y.
erhobenen Rekurs am 23. März 2017 ab.
C. A.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 24. März 2017 versandten
Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch seine
Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 7. April 2017 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit den Begehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge, eventualiter unter
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung, seien der
angefochtene Entscheid und die ihm zugrunde liegende Verfügung des Migrationsamts
aufzuheben und der Beschwerdeführer sei zu verwarnen, eventualiter sei ihm eine
Ausreisefrist von sechs Monaten anzusetzen.

Mit Vernehmlassung vom 19. April 2017 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Der
Beschwerdeführer ergänzte am 17. Mai 2017 sein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seines Rechtsbegehrens sowie die Akten wird,
soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung der Beschwerde berechtigt (so Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde gegen den am 24. März 2017 versandten Entscheid der
Vorinstanz wurde mit Eingabe vom 7. April 2017 rechtzeitig erhoben; sie erfüllt formal
und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher grundsätzlich
einzutreten.
Nicht einzutreten ist darauf, soweit der Beschwerdeführer beantragt, die Verfügung des
Migrationsamts sei aufzuheben. Denn diese erstinstanzliche Verfügung ist durch den
angefochtenen Entscheid ersetzt worden beziehungsweise gilt inhaltlich als
mitangefochten (Devolutiveffekt, BGer 2C_249/2014 vom 27. März 2015 E. 1.3 mit
Hinweis auf BGE 138 II 169 E. 3.3).
2. Beim Widerruf von Niederlassungsbewilligungen ausländischer Personen ist das
Ausländergesetz (SR 142.20, AuG) anwendbar, soweit keine anderen Bestimmungen
des Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene völkerrechtliche Verträge zur
Anwendung gelangen. Für Angehörige der EU-/EFTA-Staaten kommt es subsidiär zur
Anwendung, soweit nicht das Abkommen zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA)
beziehungsweise die entsprechenden Assoziierungsabkommen mit den EFTA-Staaten
abweichende Bestimmungen enthalten oder wenn es günstigere Bestimmungen enthält
(Art. 2 AuG; VerwGE B 2013/118 vom 11. März 2014 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Auf
den Beschwerdeführer ist aufgrund dessen italienischer Staatsangehörigkeit das
Freizügigkeitsabkommen anwendbar. Die Niederlassungsbewilligung EU/EFTA wird
allerdings nach Massgabe des nationalen Rechts erlassen und entzogen (Art. 2 Abs. 2
AuG, Art. 5 und Art. 23 Abs. 2 der Verordnung über die schrittweise Einführung des
freien Personenverkehrs, SR 142.203, VEP).
Die Niederlassungsbewilligung kann nur widerrufen werden, wenn der Ausländer zu
einer längerfristigen Freiheitsstrafe, d.h. zu einer solchen von mehr als einem Jahr,
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verurteilt worden ist, wobei mehrere unterjährige Strafen nicht kumuliert werden (vgl.
Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Abs.1 lit. b AuG; BGE 137 II 299 E. 2).
Unerheblich ist, ob die ausgefällte Sanktion bedingt oder unbedingt ausgesprochen
worden ist (vgl. BGer 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerrufsgrund ist
sodann gegeben, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung verstossen hat oder diese gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG).
Diese Widerrufsgründe gelten auch für Niederlassungsbewilligungen ausländischer
Personen, die sich wie der Beschwerdeführer seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen
und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Die
Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich seit langem hier aufhält, soll aber
nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei wiederholter beziehungsweise schwerer
Straffälligkeit ist dies jedoch selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn der Ausländer
hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat (vgl. etwa
BGE 139 I 16 E. 2.2.1). Im Gegensatz zur früheren Rechtsprechung (vgl. BGer 2A.
297/2006 vom 14. August 2006 E. 2) fordert das Bundesgericht heute nicht mehr
Gewaltdelikte beziehungsweise wiederholte schwere Straftaten. Zu den schweren
Straftaten zählen laut Bundesgericht auch Drogendelikte aus rein finanziellen Motiven
(vgl. BGer 2C_1071/2016 vom 30. März 2017 E. 4.5.2.; BGE 139 I 16 E. 2.2.1). Dabei
muss zum Schutz der Öffentlichkeit ausländerrechtlich selbst ein geringes Restrisiko
weiterer Beeinträchtigungen wesentlicher Rechtsgüter nicht in Kauf genommen
werden.
Unter dem Gesichtspunkt des Freizügigkeitsabkommens ist Art. 5 Anhang I FZA zu
berücksichtigen, der besagt, dass die auf Grund des Freizügigkeitsabkommens
eingeräumten Rechte nur durch Massnahmen eingeschränkt werden dürfen, die aus
Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind.
Art. 5 Anhang I FZA steht – anders als das Landesrecht – aufenthaltsbeendenden
Massnahmen entgegen, die allein aus generalpräventiven Gründen verfügt werden
(BGer 2C_221/2012 vom 19. Juni 2012 E. 3.3.2). Von der ausländischen Person muss
eine hinreichend schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung,
Sicherheit und Gesundheit ausgehen (BGer 2C_845/2009 vom 17. August 2010 E. 3;
BGE 130 II 493 E. 3.2; BGE 130 II 176 E. 3.4.1). Es kommt also wesentlich auf das
Rückfallrisiko an. Verlangt wird eine nach Art und Ausmass der möglichen
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Rechtsgüterverletzung zu differenzierende, hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der
Ausländer auch künftig die öffentliche Sicherheit und Ordnung stören wird. Je schwerer
die möglichen Rechtsgüterverletzungen wiegen, desto niedriger sind die
Anforderungen, die an die hinzunehmende Rückfallgefahr zu stellen sind (vgl. BGer
2C_839/2011 vom 28. Februar 2012 E. 2.3). Nicht vorausgesetzt ist, dass der frühere
Straftäter mit Sicherheit wieder delinquieren wird (BGer 2C_1071/2016 vom 30. März
2017 E. 4.5.2.). Umgekehrt ist für das Verneinen der Rückfallgefahr auch nicht
erforderlich, dass kein Restrisiko mehr besteht (BGer 2C_406/2014 vom 2. Juli 2015
E. 4.2). Massgeblich für die Beurteilung der Rückfallgefahr ist grundsätzlich der
Zeitpunkt der Verfügung der aufenthaltsbeendenden Massnahme (vgl. BGer
2C_1071/2016 vom 30. März 2017 E. 4.5.2.). Die „blosse“ Verurteilung wegen
Vermögensdelikten steht Entfernungsmassnahmen auch im Anwendungsbereich des
Freizügigkeitsabkommens nicht entgegen (BGer 2C_680/2010 vom 18. Januar 2011
E. 2.3). Jede Verletzung nationalen Rechts genügt den Anforderungen freilich nicht (vgl.
BGE 130 II 176 E. 3.4.1). Als ausreichend schwerwiegende und gegenwärtige
Gefährdung der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gilt auch der
qualifizierte Drogenhandel aus rein finanziellen Motiven (BGer 2C_1071/2016 vom
30. März 2017 E. 4.5.2. mit Hinweis auf die Rechtsprechung des Europäischen
Gerichtshofes, 2C_406/2014 vom 2. Juli 2015 E. 4.2. vgl. auch BGer 2C_485/2014 vom
22. Januar 2015 E. 2.2.).
Ist das Vorliegen eines Widerrufsgrunds zu bejahen, ist sodann zu prüfen, ob der
Widerruf der Niederlassungsbewilligung verhältnismässig ist (vgl. Art. 96 Abs. 1 AuG;
Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101, BV) und ob er Art. 8 der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK)
widerspricht. Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere
des Delikts und das Verschulden des Betroffenen, der seit der Tat vergangene
Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration
beziehungsweise die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihm und seiner
Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen.
3. Der Beschwerdeführer bringt vorliegend vor, dass die von ihm verübten Delikte
abgesehen von der ihm zur Last gelegten Verurteilung zu einer bedingten
Freiheitsstrafe von 24 Monaten als nicht schwerwiegend zu qualifizieren seien (act. 1
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S. 5 ff.). Und auch diese Tat stelle keinen derart schweren Eingriff in Rechtsgüter dar,
der bei einer derart langjährigen Aufenthaltsdauer einen Widerruf der
Niederlassungsbewilligung rechtfertigen würde. Ein Widerruf sei erst dann zulässig,
wenn eine sich zusehends verschlechternde Situation vorliege. Seit dem Jahre 2010
habe er keine weiteren schweren Delikte verübt. Er stelle in keiner Weise eine schwere
und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung dar. Die Anforderungen an die
Rückfallgefahr seien angesichts der nicht schwer wiegenden Rechtsgutverletzungen
hoch anzusetzen. Seine Verfehlungen würden nicht ausreichen, um eine Rückfallgefahr
zu begründen. Hinsichtlich seines Schuldenvolumens könne nicht von einem
schwerwiegenden Verstoss gegen die öffentliche Ordnung die Rede sein. Zudem
bemühe er sich, die Schulden ratenweise abzuzahlen. Nach den vielen Jahren, in
denen er in der Schweiz lebe, sei seine Heimat Italien zu seiner Feriendestination
geworden; sein Lebensmittelpunkt sei hier in der Schweiz. Wenn die Vorinstanz der
Auffassung sei, der minderjährige Sohn müsse ja nicht mit dem Beschwerdeführer, der
die Trennung selbst zu verantworten habe, nach Italien ausreisen, verletze sie Art. 8
EMRK. Der Einsatz technischer Kommunikationsmittel sei in keiner Weise ein
angemessener Ersatz für den Verlust des intakten Familienlebens. Der
Beschwerdeführer habe ausserdem einen grossen Kreis an schweizerischen Freunden.
Seit seiner Einreise in die Schweiz habe er immer gearbeitet und sei wirtschaftlich in
der Schweiz integriert. Seit einem Unfall im Februar 2016 sei er aber aufgrund einer
komplizierten Schulterverletzung arbeitsunfähig. Im Moment sei er nur dank seiner
Ex Frau, die ihn finanziell unterstütze, nicht von der Sozialhilfe abhängig. Es sei nicht
richtig, dass er aufgrund des begangenen Betäubungsmitteldelikts nicht mehr als
integriert gelten könne.
4. Vorliegend stellt sich zunächst die Frage, wie die Gefährdung der öffentlichen
Ordnung, Sicherheit und Gesundheit durch den Beschwerdeführer sowie in diesem
Zusammenhang seine Rückfallgefahr zu beurteilen ist.
Aus den Vorakten geht hervor, dass der Beschwerdeführer am 9. August 2002 wegen
Nichtbeherrschens des Motorfahrzeugs gebüsst wurde (Dossier, S. 5 f.). Am 4. Februar
2004 wurde er aufgrund einer mehrfachen groben Verkehrsregelverletzung durch
mehrfach ungenügenden Abstand beim Hintereinanderfahren auf der Autobahn (fünf
Fälle mit Abständen von fünf Metern und weniger bei einer Geschwindigkeit von
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durchschnittlich 144 km/h) im Dezember 2003 verurteilt (Dossier, S. 16 f.). Am
4. September 2012 wurde der Beschwerdeführer verurteilt, weil er im Juli 2012 trotz
Führerausweisentzug ein Motorfahrzeug geführt hatte und infolge Ablenkung und
Nichtanpassens der Geschwindigkeit einen Selbstunfall verursacht hatte (Dossier,
S. 115 f.). Mit Strafbefehl vom 6. August 2014 wurde er wegen Verursachens
vermeidbaren Lärms und Unterlassens der Richtungsanzeige verurteilt (Dossier,
S. 136 f.). Mit Verfügung vom 15. Juni 2015 wurde ein gegen ihn wegen Verbrechen
gegen das Betäubungsmittelgesetz eröffnetes Strafverfahren mangels erhärteter
Tatsachen eingestellt (Dossier, S. 138 ff.). Mit Strafbefehl vom 15. Juli 2015 wurde er
erneut wegen Verursachens vermeidbaren Lärms verurteilt (vgl. Dossier, S. 141 f.). Das
Bezirksgericht X. verurteilte ihn zudem am 29. September 2015 wegen mehrfachen
Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfacher Übertretungen gegen das
Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung und Förderung
des rechtswidrigen Aufenthalts zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten
sowie einer bedingten Geldstrafe von zwölf Tagessätzen à je CHF 60 (Dossier,
S. 143 ff.). Ihm wurde damals eine Probezeit von drei Jahren gewährt. Aus der
Anklageschrift (mit Zusatz) geht hervor, dass sich die dem Urteil zugrundeliegenden
Sachverhalte in den Jahren 2009 bis 2010 (BetmG) sowie 2012 und 2013 (Rest)
verwirklichten (Dossier, S. 150 ff.). Hinsichtlich der Betäubungsmitteldelikte wird aus
der Anklageschrift ersichtlich, dass der Beschwerdeführer in dieser Zeit Geld mit dem
Verkauf von Kokain verdiente. Der Beschwerdeführer gab während der
Strafuntersuchung an, irgendwann auch selbst Kokain konsumiert zu haben (allerdings
erst ab März 2010, nicht in den Jahren 2008 oder 2009; siehe Dossier, S. 157, 201,
234, 246, 277 und 435). Zudem erhielt er in jener Zeitspanne nach eigenen Angaben
Medikamente wegen Depressionen (Dossier, S. 211). Primär ging es ihm also um den
Gewinn, den er mit dem Drogenhandel erzielen konnte (Dossier, S. 410 und 425 mit
weiteren Hinweisen). Erst später schlitterte er allenfalls selbst in den Konsum. Davon
scheint auch das zuständige Gericht ausgegangen zu sein, folgte es doch dem Antrag
der Staatsanwaltschaft in Bezug auf die Höhe der Strafe (Dossier, S. 430) fast
vollumfänglich. Bei Drogendelikten aus rein finanziellen Motiven mit einer derartigen
Straffolge geht die Rechtsprechung regelmässig davon aus, dass es sich um eine
schwere Straftat handelt und zum Schutz der Öffentlichkeit ausländerrechtlich selbst
ein geringes Restrisiko weiterer Beeinträchtigungen des Rechtsgutes der öffentlichen
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Gesundheit nicht in Kauf genommen werden muss. Der Widerrufsgrund für die
Niederlassungsbewilligung lag damit nach Erlass des besagten Urteils bereits vor.
Trotz des ihm damit drohenden Entzugs der Niederlassungsbewilligung liess sich der
Beschwerdeführer nicht davon abhalten, wieder zu delinquieren, wenn auch „nur“ in
Form des mehrfachen Ungehorsams im Betreibungs- und Konkursverfahren
(Strafbefehl vom 22. Juni 2016, Dossier, S. 490 f.). Diese Uneinsichtigkeit deutet darauf
hin, dass von ihm weiterhin eine ausreichend schwerwiegende und gegenwärtige
Gefährdung der öffentlichen Gesundheit und Ordnung ausgeht, obschon er sich
während des laufenden ausländerrechtlichen Verfahrens ansonsten scheinbar
wohlverhalten hat, was allerdings nicht überrascht. In Bezug auf die Rückfallgefahr
nicht unberücksichtigt bleiben darf zudem, dass seine Drogendelikte nicht die erste
Gefährdung der öffentlichen Gesundheit darstellten, gefährdete er doch mit seinem
Verhalten im Strassenverkehr bereits vor seinen Drogendelikten die Gesundheit
anderer Menschen (Fahrabstand von teilweise weniger als fünf Metern bei einer
Fahrgeschwindigkeit von durchschnittlich 144 km/h). Der Widerrufsgrund liegt somit
vor und es bleibt einzig zu prüfen, ob der Widerruf vorliegend verhältnismässig ist
beziehungsweise allenfalls Art. 8 EMRK widerspricht.
Der Beschwerdeführer hat, obschon er begann, auch selbst Drogen zu konsumieren,
die massgeblichen Sachverhalte zur Hauptsache aus rein finanziellen Motiven
verwirklicht und wollte mit dem Drogenhandel vor allem Geld verdienen. Damit ist sein
Verschulden erheblich. Er lebt seit vielen Jahren in der Schweiz und betrachtet sein
ehemaliges Heimatland Italien mittlerweile als Feriendestination. Seine Ex-Frau und
seine Kinder leben hier, von denen eines zusammen mit seiner Ex-Frau und ihm
zusammen wohnt. Wirtschaftlich scheint er abgesehen von seinem Drogenhandel nicht
sonderlich integriert, denn die angelaufenen offenen Betreibungen und offenen
Verlustscheine stammen aus den Jahren 2011 bis 2016 (Dossier, S. 463) und sind
damit nicht, wie er selbst vorbringt, seiner Schulterverletzung im Jahre 2016
zuzuschreiben. In gesellschaftlicher Hinsicht ist eine besondere Integration ebenfalls
nicht erstellt, trotz der weitreichenden Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers im
vorliegenden Verfahren. Mit der hiesigen Rechtsordnung bekundet er augenscheinlich
ebenfalls Mühe. Als sein Hauptinteresse verbleibt somit vor allem seine Beziehung zu
seinen Kindern, allen voran seine Beziehung zu seinem jüngsten Sohn. Die Intensität
der Beziehungen zu seinen Kindern scheint indes mangels entsprechender Vorbringen
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nicht über das übliche Mass hinauszugehen. Einzig erstellt ist offenbar, dass er mit
dem minderjährigen Sohn und seiner Ex-Frau zusammenwohnt beziehungsweise an
derselben Adresse registriert ist. Das Verwaltungsgericht hat in Bezug auf Delinquenten
und ihre minderjährigen Kinder bereits früher verschiedentlich ausgeführt, dass die
Beziehung zu Kindern auch vom Ausland aus gepflegt werden kann (z.B. mittels Skype
oder anderer elektronischer Medien sowie im Rahmen von Besuchsaufenthalten).
Gerade im Fall von Italien ist es aufgrund der geringen räumlichen Distanz ohne
weiteres möglich, sich im Rahmen von Besuchsaufenthalten regelmässig zu sehen.
Dem Beschwerdeführer ist die Ausreise zumutbar, hat er doch seine ihn prägende
Schul- und Jugendzeit in Italien verbracht, ist der dortigen Sprache bestens mächtig
und geniesst das Land zumindest als Feriendestination. Im Übrigen musste er bereits
zur Zeit seiner Delinquenz damit rechnen, dass er die Beziehung zu seinem
minderjährigen Sohn in Zukunft allenfalls vom Ausland her pflegen muss. Obschon das
private Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbleib aufgrund seines
minderjährigen Sohnes ausgewiesen ist, wiegt es aufgrund der Möglichkeit der
Abschwächung dieses Nachteils durch moderne Kommunikationsmittel und die kurze
Distanz zu Italien weniger schwer als das öffentliche Interesse an seiner Wegweisung.
Die Verhältnismässigkeit des vorinstanzlichen Entscheids und dessen Konformität mit
Art. 8 EMRK ist damit zu bejahen.
Die Beschwerde ist diesbezüglich abzuweisen.
5. In Bezug auf die Angemessenheit der Ausreisefrist ist festzuhalten, dass diese
normalerweise zwischen sieben und 30 Tage beträgt (Art. 64d Abs. 1 AuG). Eine
längere Ausreisefrist (wie vorliegend in Höhe von 60 Tagen) ist anzusetzen, wenn
besondere Umstände wie die familiäre Situation, gesundheitliche Probleme oder eine
lange Aufenthaltsdauer dies erfordern (vgl. BGer 2C_259/2013 vom 29. Juli 2013
E. 3.7). Daraus geht hervor, dass das Migrationsamt den vorliegend besonderen
Umständen mit der Verlängerung der Ausreisefrist auf 60 Tage Rechnung getragen hat.
Da der Beschwerdeführer abgesehen vom Abschied von seiner Familie und der
Organisation seines neuen Lebens in Italien keine z.B. an Fristen gebundene Gründe
vorbringt, aufgrund derer ihm eine erheblich längere Ausreisefrist anzusetzen sei, ist
nicht klar, warum die vorgesehene Ausreisefrist von zwei Monaten nicht angemessen,
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eine von sechs Monaten aber angemessen sein sollte. Die Beschwerde ist deshalb
auch diesbezüglich abzuweisen.
6. Dem Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege (inkl.
unentgeltliche Rechtsverbeiständung) ist stattzugeben, da sein Begehren nicht als
aussichtslos eingestuft werden konnte, seine prozedurale Bedürftigkeit erstellt und er
auf anwaltliche Vertretung im vorliegenden Beschwerdeverfahren angewiesen ist. Der
Bestellung von Rechtsanwältin Nicole Schneider, Zürich, als unentgeltliche
Rechtsvertreterin steht nichts entgegen.
7. Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Beschwerdeführer die Kosten zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2‘000 ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die amtlichen Kosten
gehen dementsprechend infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zulasten
des Staates (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 Ingress sowie lit. b
der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Auf die Erhebung ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Wird vor Verwaltungsgericht die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt (vgl.
Art. 99 Abs. 1 VRP), ist bei der Bemessung der Entschädigung auf die staatliche
Honorarordnung für die Vorbereitung und Durchführung des Verfahrens der
Verwaltungsrechtspflege abzustellen (vgl. Art. 30 Ingress lit. b Ingress und Ziff. 2 des
Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG). Bei unentgeltlicher Prozessführung wird das
Honorar um einen Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Verwaltungsgericht pauschal
CHF 1'000 bis CHF 12'000 (vgl. Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b der Honorarordnung
für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75, HonO). Innerhalb des für eine
Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des
Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO).
Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote eingereicht. Ein Pauschalhonorar von
CHF 2'000, das um einen Fünftel auf CHF 1'600 zu kürzen ist, erscheint angemessen.
Hinzu kommen pauschale Barauslagen in Höhe von CHF 80 (vier Prozent von
CHF 2'000, Art. 28 Abs. 1 HonO) sowie die Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO), wobei bis
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angesichts des Umstands, dass die anwaltlichen Leistungen vor dem 1. Januar 2018
erbracht wurden, noch der Satz von acht Prozent zur Anwendung gelangt (vgl. Ziff. 2.1
der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018, www.estv.admin.ch).