Decision ID: 621706b6-83a7-4530-8e12-d6bad0b969bb
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 13.01.2011 Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG: Wer eine Kündigung akzeptiert, welche die gesetzliche Frist missachtet, verzichtet nicht auf Lohnansprüche, sondern auf die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses. Beim Verzicht auf die Einhaltung einer Kündigungsfrist eines Zwischenverdienstes unterliegt nur der Differenzbetrag zwischen dem Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung und demjenigen auf Kompensationszahlungen der Einstellung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. Januar 2011, AVI 2010/49). Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Marcel Kuhn Entscheid vom 13. Januar 2011 in Sachen R._, Beschwerdeführer, gegen Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, betreffend Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Einhaltung der Kündigungsfrist) Sachverhalt:
A.
A.a R._ meldete sich am 13. Januar 2010 erneut zum Leistungsbezug bei der
Arbeitslosenversicherung an und teilte mit, eine 100% Anstellung zu suchen (act. G
5.1/14 und 20). Aus einer früheren Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung
bestand bereits eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug (1. März 2009 bis 28. Februar
2011; act. G 5.1/42 und 46). Der versicherte Verdienst wurde auf Fr. 5'348.--
festgesetzt (act. G 5.1/13).
A.b Seit 7. September 2009 arbeitete der Versicherte als Koch in der A._ in einem
55% Pensum und erzielte dabei einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 3'120.--, welcher
ab Neuanmeldung bei der Arbeitslosenversicherung im Januar 2010 als
Zwischenverdienst abgerechnet wurde (act. G 5.1/22 und 23). Im Kündigungsschreiben
vom 26. Februar 2010 (Unterzeichnung Arbeitgeber und Arbeitnehmer am 1. März
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2010) wurde festgehalten, dass der Arbeitgeber dem Versicherten die Arbeitsstelle als
Koch in beidseitigem Einverständnis per sofort (26. Februar 2010) kündige. Als Gründe
wurden Umstrukturierung des Betriebs und Arbeitsänderung aufgeführt (act. G 5.1/12).
A.c Mit Verfügung vom 4. März 2010 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse den
Versicherten für 18 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Er habe zu Lasten der
Arbeitslosenkasse auf die Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfrist von einem
Monat verzichtet und müsse sich daher unter Berücksichtigung aller Umstände ein
mittelschweres Verschulden vorwerfen lassen (act. G 5.1/8). Die gegen diese Verfügung
am 29. März 2010 erhobene Einsprache wies die Kantonale Arbeitslosenkasse mit
Einspracheentscheid vom 6. April 2010 ab (act. G 5.1/3 und 6).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Versicherten am 26. April
2010 (Postaufgabe: 28. April 2010) erhobene Beschwerde mit den sinngemässen
Anträgen, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und es sei auf eine Einstellung in
der Anspruchsberechtigung zu verzichten. Der Arbeitgeber habe ihm auf Januar 2010
eine 100% Anstellung versprochen. Da er ihn angeblich nicht habe bezahlen können,
sei es allerdings beim 55% Pensum geblieben. Trotzdem habe der Arbeitgeber
zusätzlich noch eine Frau eingestellt. Der Lohn sei nie pünktlich ausbezahlt und auch
nicht auf die Bank überwiesen worden. Am 23. Februar 2010 habe ihm der Arbeitgeber
um 23:00 Uhr eine SMS geschrieben, dass er drei Tage frei nehmen solle. Er sei damit
nicht einverstanden gewesen, woraufhin der Arbeitgeber geantwortet habe, dass er
ihm fristlos kündigen werde, wenn er zur Arbeit erscheine. Am 26. Februar 2010 habe
er mit dem Arbeitgeber eine Aussprache gehabt. Dieser habe allerdings die Kündigung
schon geschrieben gehabt und er sei nicht mehr gefragt worden, wie es weitergehen
solle. Der Arbeitgeber habe offenbar nur noch mit den zwei angestellten Frauen
arbeiten wollen, weshalb er ihm auch den Lohn nicht mehr habe bezahlen können. Das
Feriengeld sei ihm auch nicht ausbezahlt worden. Er habe das Restaurant auf
Vordermann gebracht und sei sich keiner Schuld bewusst. Er hoffe, dass sich eine
Lösung finde (act. G 1).
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B.b In der Beschwerdeantwort vom 11. Mai 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Gründe
würden nichts daran ändern, dass er zu Lasten der Arbeitslosenkasse auf die
Einhaltung der Kündigungsfrist verzichtet habe. Er hätte gegenüber seinem Arbeitgeber
auf der einmonatigen Kündigungsfrist bestehen sollen. Somit treffe ihn ein
Selbstverschulden an der Arbeitslosigkeit. Aufgrund der Umstände liege ein
mittelschweres Verschulden im unteren Bereich vor, weshalb 18 Einstelltage
angemessen seien (act. G 5).
B.c Der Beschwerdeführer hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (SR 837.0; AVIG) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Wer eine Kündigung akzeptiert, welche die gesetzliche Frist
missachtet, verzichtet nicht auf Lohnansprüche, sondern auf die Weiterführung des
Arbeitsverhältnisses. Ein solches Verhalten kann den Tatbestand der
selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit erfüllen (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in
der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 130).
2.
2.1 Die Kündigungsvereinbarung vom 26. Februar 2010 wurde vom Beschwerdeführer
und seinem ehemaligen Arbeitgeber am 1. März 2010 unterschrieben. Aufgrund der
Aktenlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass entgegen
dem anders lautenden Text im Kündigungsschreiben das Arbeitsverhältnis nicht in
beidseitigem Einverständnis aufgelöst wurde, sondern es sich faktisch um eine
Kündigung durch den Arbeitgeber handelt. Zu Recht hat die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Einspracheentscheid dementsprechend auch nicht geltend gemacht,
dass der Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis von sich aus gekündigt habe. Streitig
ist lediglich, ob den Beschwerdeführer aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht
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ein Verschulden trifft, indem er nicht auf der Einhaltung der Kündigungsfrist bestanden,
sondern einer sofortigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit der Unterzeichnung
des Kündigungsschreibens zugestimmt hat. Gemäss Arbeitsvertrag betrug die
Kündigungsfrist einen Monat, jeweils auf Ende eines Monats (act. G 1.3).
2.2 Der Beschwerdeführer macht keine konkreten Gründe geltend, weshalb er das
Kündigungsschreiben vom 26. Februar 2010 unterzeichnete und somit auf die
einmonatige Kündigungsfrist verzichtete. Insbesondere ist den Akten kein Sachverhalt
zu entnehmen, welcher den Arbeitgeber zu einer fristlosen Auflösung des
Arbeitsverhältnisses berechtigt hätte. Der Beschwerdeführer hätte somit mit der
Nichtunterzeichnung der Kündigung auf einer ordentlichen Kündigung, unter Einhaltung
der Kündigungsfrist, bestehen können. Trotz offensichtlicher Differenzen mit seinem
ehemaligen Arbeitgeber wäre ihm dies aufgrund der vorliegenden Akten auch ohne
Weiteres zumutbar gewesen. Der Beschwerdeführer hat somit durch den Verzicht auf
die Einhaltung der Kündigungsfrist eine verfrühte Arbeitslosigkeit in Kauf genommen.
Ein triftiger Grund für den Verzicht auf die Einhaltung der Kündigungsfrist lag nicht vor,
weshalb die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht gestützt auf Art. 30
Abs. 1 lit. a AVIG in der Anspruchsberechtigung einstellte.
2.3 Die Dauer der Einstellung ist gemäss Art. 30 Abs. 3 AVIG nach dem Grad des
Verschuldens zu bemessen und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 AVIV).
Zweck der Einstellung in der Anspruchsberechtigung als versicherungsrechtliche
Sanktion ist die angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden, den
sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung verursacht hat.
2.4 Aufgrund der Akten ist davon auszugehen, dass das Arbeitsklima zwischen dem
Beschwerdeführer und seinem ehemaligen Arbeitgeber eher angespannt war. Der
Beschwerdeführer macht geltend, dass der ehemalige Arbeitgeber die Kündigung beim
Treffen am 26. Februar 2010 bereits geschrieben hatte. Es ist daher anzunehmen, dass
der Beschwerdeführer auf gewissen Druck des ehemaligen Arbeitgebers das
Kündigungsschreiben unterschrieben hat. Unter Berücksichtigung dieses Umstands
sowie der Tatsache, dass der Monat März 2010 über 23 Kontrolltage verfügte,
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erscheint im Sinn einer Schadensbeteiligung eine Einstellung im unteren Bereich des
mittelschweren Verschuldens von 18 Tagen als angemessen.
2.5 Bezüglich der Anzahl der von der Beschwerdegegnerin verfügten Einstelltage ist
der angefochtene Entscheid somit nicht zu beanstanden. Hingegen hat die
Beschwerdegegnerin bei ihrem Entscheid nicht berücksichtigt, dass der
Beschwerdeführer lediglich für einen Zwischenverdienst auf die Einhaltung der
Kündigungsfrist verzichtet hat. So ist aus der Abrechnung der Kantonalen
Arbeitslosenkasse für den Monat März 2010 ersichtlich, dass der Beschwerdeführer für
18 Tage auf der Basis des gesamten Taggelds eingestellt wurde (act. G 5.1/4). Da dem
Beschwerdeführer auch bei Weiterführung des Zwischenverdienstes gestützt auf Art.
24 AVIG ein Anspruch auf Kompensationsleistungen der Arbeitslosenversicherung
(Ausgleich der Differenz zwischen dem versicherten Verdienst und dem
Zwischenverdienst) zugestanden wäre, darf er während der Einstelltage betraglich nicht
auf dem vollen Taggeld eingestellt werden. Vielmehr bildet die Differenz zwischen der
Arbeitslosenentschädigung und der Kompensationsleistung den
Einstellungsgegenstand. Lediglich im Umfang dieser Differenz kann unter den
Gesichtspunkten der Kausalität und Verhältnismässigkeit von einer schuldhaft
verursachten Arbeitslosigkeit ausgegangen werden (BGE 122 V 34; vgl. Kreisschreiben
des seco über die Arbeitslosenentschädigung [KS ALE], Stand Januar 2007, Rz D68).
Bei einem versicherten Verdienst von Fr. 5'348.-- und einem Zwischenverdienst von
Fr. 3'120.-- pro Monat hätte die Kompensationsleistung pro Tag Fr. 71.85 ([Fr. 5'348.--
- Fr. 3'120.--] : 21.7, davon 70%) betragen. Der Einstellungsgegenstand entspricht
somit einem Differenzbetrag von Fr. 100.65 (Fr. 172.50 volles Taggeld – Fr. 71.85
Kompensationsleistung). Folglich ist der Beschwerdeführer für die dem Verschulden
entsprechende Sanktionsdauer von 18 Tagen auf der Basis eines Betrags von Fr.
100.65 einzustellen, was 10,5 vollen Taggeldern ([18 x Fr. 100.65] : Fr. 172.50)
entspricht.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und
der Einspracheentscheid vom 6. April 2010 aufzuheben. Der Beschwerdeführer ist für
18 Tage auf der Basis eines Betrags von Fr. 100.65 einzustellen, was 10,5 normalen
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Taggeldern entspricht. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 Abs. 1 lit. a
ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG