Decision ID: dbf9dfbe-4c54-4652-9e57-e2d591635187
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 3. August 1988. Im
Administrativmassnahmenregister ist er nicht verzeichnet. Am Montag, 29. Dezember
2008, um 22.24 Uhr, meldete ein Verkehrsteilnehmer, dass auf der Normalspur der
Autobahn A1, Höhe Münchwilen, Fahrtrichtung St. Gallen, ein Fahrzeug auf der
Normalspur abgestellt sei und der Lenker auf der Fahrbahn herumlaufe. Die
ausgerückte Patrouille der Kantonspolizei Thurgau fand in der Folge am angegebenen
Ort den Personenwagen "VW Passat" sowie X auf dem Pannenstreifen vor. Bei der
Tatbestandsaufnahme stellte die Polizei fest, dass X unter Alkoholeinfluss stand, beide
Räder (Pneu und Felgen) auf der rechten Fahrzeugseite defekt waren und das Benzin
ausgegangen war. Der Führerausweis wurde ihm auf der Stelle abgenommen. Die
Analyse der entnommenen Blutprobe ergab für den Zeitpunkt 22.20 Uhr eine minimale
Blutalkoholkonzentration von 2,24 Gew.- ‰.
B.- Mit Strafverfügung des Bezirksamtes Münchwilen vom 14. Januar 2009 wurde X
wegen Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand zu einer bedingten
Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je Fr. 120.-- und einer Busse von Fr. 1'500.--
verurteilt.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung
Administrativmassnahmen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt), eröffnete am 23.
Januar 2009 gegenüber X ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung und verfügte
gleichzeitig einen vorsorglichen Führerausweisentzug. Mit Verfügung vom 16. Februar
2009 ordnete es eine verkehrsmedizinische Untersuchung an, welche an der
verkehrsmedizinischen Abteilung des Instituts für Rechtsmedizin am Kantonsspital St.
Gallen durchgeführt wurde. Im Gutachten vom 14. April 2009 kam der
Verkehrsmediziner gestützt auf die Untersuchung vom 12. März 2009 zum Schluss,
dass bei X eine Alkoholabhängigkeit gemäss ICD-10 nicht habe nachgewiesen werden
können. Es sei von einem zumindest episodenhaften missbräuchlichen Alkoholkonsum
auszugehen, der mit dem Ereignis vom Dezember 2008 Verkehrsrelevanz erlangt habe.
Da die Fahreignung nicht abschliessend beurteilt werden könne, habe X eine
mindestens dreimonatige, ärztlich kontrollierte und fachtherapeutisch betreute
Alkoholabstinenz nachzuweisen. Das Strassenverkehrsamt teilte X mit Schreiben vom
21. April 2009 diese für eine abschliessende Beurteilung der Fahreignung empfohlene
Bedingung mit. Der Führerausweis blieb bis auf weiteres vorsorglich entzogen.
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D.- Mit Schreiben vom 7. Juli 2009 teilte die Sozialarbeiterin der Suchtberatung dem
Strassenverkehrsamt mit, dass die fachtherapeutische Beratung bei X keinen Sinn
mehr mache und daher beendet worden sei. Die Blut- und Urinproben in den drei
Monaten waren negativ ausgefallen. In der Folge wurde eine weitere Haarprobe
entnommen, deren Analyse unauffällig ausfiel. Im Aktengutachten vom 5. August 2009
kam der Verkehrsmediziner zum Schluss, dass zur definitiven Beurteilung der
Fahreignung und der Frage nach allfälligen Auflagen eine verkehrspsychologische
Untersuchung erforderlich sei.
Mit Zwischenverfügung vom 18. August 2009 ordnete das Strassenverkehrsamt eine
verkehrspsychologische Untersuchung an. Diese fand am 10. Oktober 2009 statt. Im
Gutachten vom 31. Oktober 2009 wurde die Fahreignung von X aus charakterlichen
Gründen verneint, da das Rückfallrisiko wegen ungenügender Kritikfähigkeit und
Belehrbarkeit, zu wenig kritischer Selbstwahrnehmung und Selbstüberschätzung
erhöht sei. Es wurde eine weiterführende psychologische Beratung von mindestens
zehn Stunden während sechs Monaten empfohlen.
E.- Mit Verfügung vom 10. Dezember 2009 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis bei einer Sperrfrist von drei Monaten wegen mangelnder Fahreignung
(Charakter) auf unbestimmte Zeit. Als Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs
wurden klagloses Verhalten, Absolvierung einer Verkehrstherapie von mindestens zehn
Sitzungen über den Zeitraum von ca. sechs Monaten sowie eine positiv lautende
verkehrspsychologische Kontrolluntersuchung verlangt. Einem allfälligen Rekurs wurde
die aufschiebende Wirkung entzogen.
F.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. Januar
2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und der Führerausweis dem Rekurrenten mit sofortiger
Wirkung auszuhändigen, eventuell verbunden mit der Auflage einer kontrollierten
Alkoholabstinenz sowie einer verkehrspsychologischen Therapie während sechs
Monaten; ferner sei dem Rekurs die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete am 14. Februar 2010 auf
eine Vernehmlassung.
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Mit Verfügung vom 22. Februar 2010 erteilte der Abteilungspräsident dem Rekurs die
aufschiebende Wirkung.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten
wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 8. Januar 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Bestehen Zweifel an der körperlichen oder psychischen Fahreignung eines
Fahrzeugführers, sind medizinische, psychologische oder psychiatrische Abklärungen
vorzunehmen (Art. 11b Abs. 1 lit. a und b der Verordnung über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt: VZV). Wird
dabei festgestellt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung nicht oder
nicht mehr bestehen, muss der Führerausweis entzogen werden (Art. 16 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). In diesen Fällen dient der
Entzug des Ausweises der Sicherung des Verkehrs vor ungeeigneten Fahrzeugführern
(Sicherungsentzug). Der Entzug wird grundsätzlich auf unbestimmte Zeit
ausgesprochen (Art. 16d Abs. 1 Ingress SVG). Der auf unbestimmte Zeit entzogene
Führerausweis kann bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine
allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist, und die betroffene Person
die Behebung des Mangels nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art.
17 Abs. 3 SVG). Für den Nachweis der Heilung wird in der Regel eine mindestens
einjährige kontrollierte Abstinenz verlangt.
b) Der Untersuchungsgrundsatz verlangt von der Verwaltung und vom Gericht die rich
tige und vollständige Abklärung des massgebenden Sachverhalts, d.h. die Ermittlung
der materiellen Wahrheit (vgl. F. Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, S.
bis
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207). Je tiefer in den Persönlichkeitsbereich eingegriffen wird, desto sorgfältiger ist
diesem Grundsatz nachzuleben (vgl. R. Schaffhauser, Zur Entwicklung von Recht und
Praxis des Sicherungsentzugs von Führerausweisen, in: AJP 1/1992 S.17 ff., insbe
sondere S. 33, N 58). Da ein Sicherungsentzug stark in den Persönlichkeitsbereich
eingreift, ist eine genaue Abklärung der persönlichen Verhältnisse des Betroffenen in
jedem Fall und von Amtes wegen vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen
behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein Gutachten eingeholt
werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im
pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (vgl. BGE 129 II82 E. 2.2). Die
vorliegenden Beweismittel, und damit auch das verkehrspsychologische Gutachten,
unterliegen der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit
Art. 58 Abs. 1 VRP).
c) Führerausweise sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG).
Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis entzogen, wenn sie
an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG),
wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit (vgl. Botschaft
zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999
S. 4462 ff., S. 4491).
Der Begriff der Trunksucht oder der Alkoholabhängigkeit im Sinn des
Strassenverkehrsgesetzes ist nicht identisch mit demjenigen im medizinischen oder
gesellschaftlichen Sinn. Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG geht von einem mehr oder weniger
lang dauernden, als Sucht zu bezeichnenden Zustand aus, welcher die Gefahr schafft,
dass der davon Betroffene die Sicherheit des Strassenverkehrs beeinträchtigt, wenn er
ein Fahrzeug führt. Dabei ist nicht erforderlich, dass der Süchtige gerade im Zeitpunkt,
da über die Erteilung oder den Entzug des Führerausweises entschieden wird,
fahrunfähig ist; massgebend ist die potenzielle Gefahr. Immerhin genügt die blosse
Möglichkeit einer späteren Gefährdung nicht. Die Trunksucht muss derart sein, dass
der Betroffene mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich ans Steuer
eines Fahrzeuges in einem – dauernden oder zeitweiligen – Zustand zu setzen, der das
sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht,
wenn die betroffene Person regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre
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Fahrfähigkeit vermindert wird und sie diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss
durch den eigenen Willen nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine
fehlende Fahreignung darf geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der
Lage ist, Alkoholkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die
nahe liegende Gefahr besteht, dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten
Strassenverkehr teilnimmt. Dieses Verständnis der Trunksucht erlaubt es, auch bloss
suchtgefährdete Personen, bei denen aber jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt,
vom Strassenverkehr fernzuhalten (vgl. BGE 129 II 86 ff m.w.H.), vorausgesetzt, dass
sie das Führen von Motorfahrzeugen und einen die Fahrfähigkeit beeinträchtigenden
Alkoholkonsum nicht hinreichend sicher trennen können (R. Seeger, Fahreignung und
Alkohol, in: Probleme der Verkehrsmedizin, hrsg. vom Institut für Rechtsmedizin der
Universität Zürich).
d) Der Ausweis wird ferner auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn eine Person aufgrund
ihres bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig beim Führen eines
Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen
wird (vgl. Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG; Nichteignung aus charakterlichen Gründen).
Anzeichen hierfür bestehen, wenn Charaktermerkmale des Betroffenen, die für die
Eignung im Verkehr erheblich sind, darauf hindeuten, dass er als Lenker eine Gefahr für
den Verkehr darstellt (BGE 104 Ib 95 E. 1). Für den Sicherungsentzug aus
charakterlichen Gründen ist die schlechte Prognose über das Verhalten als
Motorfahrzeugführer massgebend (P. Stauffer, Der Entzug des Führerausweises, Bern
1966, S. 40). Die Behörden müssen gestützt hierauf den Ausweis verweigern oder
entziehen, wenn hinreichend begründete Anhaltspunkte vorliegen, dass der Führer
rücksichtslos fahren wird (vgl. Botschaft vom 24. Juni 1955 zum Entwurf eines
Bundesgesetzes über den Strassenverkehr, BBl 1955 II S. 21 f.). Die Frage ist anhand
der Vorkommnisse (unter anderem Art und Zahl der begangenen Verkehrsdelikte) und
der persönlichen Umstände zu beurteilen (BGE 125 II 492 E. 2a). Aus charakterlichen
Gründen sind nach Auffassung der Lehre jene Personen zum Führen von
Motorfahrzeugen nicht geeignet, die nicht über ein Minimum an
Verantwortungsbewusstsein, Beständigkeit und Selbstbeherrschung verfügen, die
gleichzeitig ungeschickt, unbeholfen und ohne Entscheidungssinn sind, die übertrieben
optimistisch und ganz ohne Bewusstsein für Gefahren sind oder die dazu neigen, sich
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immer im Recht zu glauben und völlig hemmungslos sind (vgl. M. Perrin, Délivrance et
retrait du permis de conduire, Fribourg 1982, S. 49). Bezugspunkt der Beurteilung ist
aber einzig die Verkehrssicherheit. Diejenigen Personen sollen nicht zugelassen
werden, von denen anzunehmen ist, dass sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur
eine besondere Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer darstellen. Eine solche
Gefahr liegt etwa nahe bei sehr starker emotionaler Unausgeglichenheit, bei
unbeherrschter Impulsivität oder dauernder affektiver Gespanntheit. Positiv wird eine
einigermassen angepasste charakterliche Reife vorausgesetzt. Nicht jede Person mit
ungünstigen Charakteranlagen ist zum Führen von Motorfahrzeugen nicht geeignet
(vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I:
Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2. Aufl., Bern 2002, S. 154 f.).
Eine umfassende verkehrspsychologische Untersuchung beinhaltet nebst der
Überprüfung der charakterlichen Eignung auch eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit.
Bei der vom Gutachter durchgeführten Leistungsprüfung handelt es sich um eine Reihe
allgemein anerkannter, standardisierter, spezifisch zur Beurteilung der Fahreignung
entwickelter Tests.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis
gestützt auf das verkehrspsychologische Gutachten vom 31. Oktober 2008 mangels
charakterlicher Eignung in Anwendung von Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG zu Recht auf
unbestimmte Zeit entzogen hat.
a) Der Rekurrent macht im Wesentlichen geltend, es sei eine unwiderlegbare Tatsache,
dass weder die klinischen Untersuchungen noch die bisherigen Urin- wie Haaranalysen
je einen übermässigen bzw. verkehrsrelevanten Alkoholkonsum ergeben hätten. Von
einem bestehenden Alkoholproblem, in welches er keine Einsicht zeige, könne daher
keine Rede sein. Seit über 22 Jahren sei er als Verkaufsleiter täglich mit seinem
Fahrzeug unterwegs und am Steuer nie negativ aufgefallen. Von seinem Arbeitgeber
werde er aufgrund seiner hervorragenden Arbeitsleistung sowie des hohen
Verantwortungsbewusstseins überaus geschätzt. Mit all diesen für ihn sprechenden
Fakten hätten sich weder das verkehrspsychologische Gutachten noch die Vorinstanz
auseinandergesetzt. Im Gutachten fehle ferner eine nachvollziehbare
Auseinandersetzung mit der Frage nach der Fähigkeit des Rekurrenten, Trinken und
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Fahren zu trennen. Der Rekurrent habe zugegebenermassen im August 2009 ein Glas
Wein getrunken, nachdem er die dreimonatige Abstinenzauflage erfüllt habe. Es sei
daher völlig fehl am Platz, wenn man ihm in diesem Zusammenhang Unbelehrbarkeit
und Uneinsichtigkeit vorwerfe. Aus verkehrsmedizinischer Sicht habe er nachweislich
kein Alkoholproblem und sei bis anhin im Strassenverkehr nie negativ auffällig
geworden. Ferner werde im Gutachten fälschlicherweise als negativ gewertet, dass er
sich nicht mit den Ereignissen des Vorfalls vom Dezember 2008 auseinandergesetzt
habe. Aus dem Polizeirapport gehe klar hervor, dass er auf der Normalspur der
Autobahn sein Fahrzeug abgestellt habe und in stark angetrunkenem Zustand mit
verschmutzter Kleidung zu Fuss auf dem Pannenstreifen unterwegs umhergeirrt sei.
Das von ihm geltend gemachte Blackout vor und nach der Trunkenheitsfahrt lasse sich
damit ohne weiteres erklären. Von einer ausgeprägten Alkoholgewöhnung könne
zudem keine Rede sein, ansonsten er sich nicht mehrfach übergeben hätte und bei ihm
ein Atemalkoholtest leicht hätte durchgeführt werden können. Er könne sich trotz
entsprechender Nachforschungen nicht daran erinnern, wie es erstmalig zu einer derart
hohen Alkoholisierung habe kommen können. Er habe die Erkenntnis gewonnen,
Alkohol und Autofahren künftig strikt voneinander zu trennen und sich an die Grenze
von einem Glas Wein zu einem guten Essen oder bei einem Geschäftsapéro zu halten.
Die Einsicht in das damalige Unrecht sei mit der strafrechtlichen Sanktion und mit dem
Führerausweisentzug seit dem Vorfall mit Sicherheit gegeben. Eine Rückfallgefahr liege
deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vor. Er sei freiwillig bereit, eine
verkehrspsychologische Therapie zu absolvieren. Ein weiter andauernder
Ausweisentzug sei jedoch nicht mehr angebracht und unverhältnismässig. Als
Familienvater von zwei Töchtern und als berufliche Führungspersönlichkeit habe er sein
Fehlverhalten auch seinem sozialen Umfeld gegenüber verantworten müssen, was ihn
zusätzlich von einer zweiten Trunkenheitsfahrt abhalte. Er sei kein unverbesserlicher
Wiederholungstäter, weshalb ihm der Führerausweis wieder auszuhändigen sei.
b) Die Vorinstanz geht in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass beim
Rekurrenten eine mangelnde charakterliche Fahreignung vorliege. Gemäss
verkehrspsychologischem Gutachten ergebe sich insgesamt eine verminderte
Kritikfähigkeit und Belehrbarkeit, eine wenig kritische Selbstwahrnehmung und eine
Selbstüberschätzung sowie insgesamt eine ungenügende Einsicht. Somit bleibe kein
Spielraum für andere Massnahmen als die vorliegende. Daran ändere der bis anhin
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ungetrübte Leumund nichts. Das Gutachten sei schlüssig und bilde eine hinreichend
verlässliche Grundlage. Das öffentliche Interesse an der Verkehrssicherheit gehe den
privaten Interessen des Einzelnen vor. Die Angewiesenheit auf den Führerausweis
könne daher bei der Beurteilung nicht näher in Betracht gezogen werden.
Die Vorinstanz stellt damit auf das verkehrspsychologische Gutachten vom 31. Oktober
2009 ab, wonach die Fahreignung aus charakterlichen Gründen nicht gegeben sei. Aus
den Akten geht jedoch eindeutig hervor, dass beim Rekurrenten nicht eine Charakter-,
sondern allenfalls eine Alkoholproblematik zur Diskussion steht. Das vorliegende
Administrativmassnahmeverfahren zur Abklärung der Fahreignung wurde wegen einer
Trunkenheitsfahrt des Rekurrenten vom 29. Dezember 2008 eingeleitet. Der
Verkehrspsychologe zieht den Schluss, dass das Rückfallrisiko beim Rekurrenten mit
der ungenügenden Kritikfähigkeit und Belehrbarkeit, der zu wenig kritischen
Selbstwahrnehmung und der Selbstüberschätzung erhöht sei (act. 5/20). Er geht
folglich davon aus, dass der Rekurrent mehr als jede andere Person gefährdet sei, in
angetrunkenem Zustand am Strassenverkehr teilzunehmen. Wenn jedoch jemand seine
Neigung zum übermässigen Alkoholkonsum durch den eigenen Willen nicht zu
überwinden bzw. kontrollieren vermag oder nicht in der Lage ist, Fahren und Trinken zu
trennen, liegt eine Trunksucht im Sinn des Strassenverkehrsgesetzes und keine
charakterliche Nichteignung vor. Der Verstoss des Rekurrenten steht im
Zusammenhang mit Alkohol. Andere Auffälligkeiten im Strassenverkehr, die auf eine
charakterliche Nichteignung schliessen lassen, sind nicht bekannt. Wenn überhaupt,
wäre somit ein Sicherungsentzug wegen einer die Fahreignung ausschliessenden
Sucht im Sinn von Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG auszusprechen. Es ist daher zu prüfen, ob
eine Trunksucht im Sinn des Strassenverkehrsgesetzes vorliegt. Dieser Nachweis kann
grundsätzlich auch mittels eines verkehrspsychologischen Gutachtens erbracht
werden.
c) Aufgrund des Vorfalls vom 29. Dezember 2008, als der Rekurrent auf der Autobahn
alkoholisiert (Minimalgehalt 2,24 Gew.-‰, Mittelwert 2,58 Gew.-‰) mit einem
Fahrzeug unterwegs war und sich an nichts mehr erinnern konnte, hegte die Vorinstanz
den berechtigen Verdacht auf eine alkoholbedingte Fahreignungsproblematik. Der
Rekurrent wurde daher verpflichtet, sich verkehrsmedizinisch untersuchen zu lassen.
Weder im Blut noch im Urin oder in den Haaren konnten jedoch irgendwelche Hinweise
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auf einen regelmässigen erhöhten Alkoholkonsum gefunden werden. In seinem
Gutachten vom 14. April 2009 (act. 5/6) führte der Verkehrsmediziner aus, dass ein
intervallmässiger Alkoholüberkonsum bei der Haaranalyse erfahrungsgemäss nicht
erfasst werde. Vor allem bei Haarabschnitten, die über eine Länge von 3 cm
hinausgingen, müsse mit einem erheblichen Auswascheffekt gerechnet werden. Trotz
der hohen Blutalkoholkonzentration sei der Rekurrent noch in der Lage gewesen, am
Strassenverkehr teilzunehmen, was auf eine ausgeprägte Alkoholgewöhnung
schliessen lasse, die sich nur durch lang andauernden, regelmässigen
Alkoholüberkonsum entwickeln könne. Entsprechende normabweichende
Trinkgewohnheiten liessen sich aus den Angaben des Rekurrenten nicht ableiten. Es
müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass die Aussagen zum Alkoholkonsum
vor dem FiaZ-Ereignis nicht zutreffen würden. Regelmässiger intervallmässiger
Alkoholüberkonsum könne ebenso zu einer erheblichen Alkoholgewöhnung führen. Vor
diesem Hintergrund sei der Zeitraum zwischen dem FiaZ-Ereignis und der
Fahreignungsbeurteilung zu kurz, um sicher zu sein, dass der Rekurrent
Alkoholkonsum und Fahren dauerhaft und sicher trennen könne. Zusammenfassend
konnte der Gutachter beim Rekurrenten keine Alkoholabhängigkeit nach ICD-10
nachweisen. Es sei jedoch zumindest von einem episodenhaften missbräuchlichen
Alkoholkonsum auszugehen, der mit dem FiaZ-Ereignis Verkehrsrelevanz erlangt habe.
Es liege eine erhebliche Alkoholgewöhnung vor, deren Ursache und Entwicklung nur
durch eine Verlaufsbeobachtung beurteilt werden könne. Die Fahreignung könne daher
nicht abschliessend positiv beurteilt werden. Vorher solle der Rekurrent eine
mindestens dreimonatige kontrollierte und betreute Alkoholabstinenz nachweisen.
In diesem nicht abschliessenden Gutachten wurde das Vorliegen einer
Alkoholabhängigkeit beim Rekurrenten explizit verneint. Es kann daher keine Grundlage
für den verfügten Sicherungsentzug bilden.
In der Folge absolvierte der Rekurrent die geforderte dreimonatige ärztlich kontrollierte
und fachtherapeutisch betreute Alkoholabstinenz. Die Blut- und Urinproben fielen stets
negativ aus, die danach entnommene Haarprobe enthielt erneut keinerlei Hinweise auf
Alkoholkonsum. Die Suchtberaterin teilte in einem Schreiben an die Vorinstanz vom 7.
Juli 2009 nach vier Gesprächen mit, dass sie die fachtherapeutische Beratung beim
Rekurrenten frühzeitig beenden wolle, da dieser dem Vorfall und seinem
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Alkoholkonsum nichts mehr hinzufügen könne. Es sei so nicht möglich, die
Hintergründe seines Verhaltens näher zu beleuchten (act. 5/8). Im daraufhin erstellten
Aktengutachten vom 5. August 2009 (act. 5/14) nimmt der Verkehrsmediziner erneut
keine definitive Beurteilung der Fahreignung sowie der Notwendigkeit allfälliger
Auflagen vor. Zur Klärung der Frage nach der Einsichtsfähigkeit und der
Verkehrsprognose erachtet er eine verkehrspsychologische Untersuchung als
notwendig. Die empfohlene Alkoholabstinenz von drei Monaten wurde gemäss
Gutachter eingehalten. Bei der Fachtherapie hätten jedoch die Hintergründe, die zur
Alkoholgewöhnung als Folge eines normabweichenden Trinkverhaltens und der
Alkoholfahrt geführt hätten, nicht problemzentriert aufgearbeitet werden können. Auf
dem Boden des erwähnten missbräuchlichen Alkoholkonsums mit
Toleranzentwicklung, dem Bagatellisieren der Konsumgewohnheiten bei Negieren
jeglicher Problematik müsse die fehlende Introspektionsfähigkeit, wie sie aus dem
Bericht der Fachtherapeutin abzuleiten sei, zusammen auch mit dem wieder
aufgenommenen Alkoholkonsum prognostisch ungünstig bewertet werden. Aus
verkehrsmedizinischer Sicht sei eine Fortsetzung der Alkoholabstinenzauflage indiziert.
In beiden Gutachten geht der Verkehrsmediziner davon aus, dass die Darstellung des
Rekurrenten, es handle sich um einen einmaligen unerklärlichen Ausrutscher, nicht
zutreffen kann. Die Besonderheit im vorliegenden Fall besteht darin, dass sich der
Rekurrent an die Ereignisse des 29. Dezember 2008, als die Trunkenheitsfahrt
stattfand, in keiner Art und Weise zu erinnern vermag. Er macht geltend, weder Ort,
Zeit noch Menge des getrunkenen Alkohols zu kennen. Ab Mittag des betreffenden
Tages habe er einen Filmriss. Zur medizinischen Frage, ob eine solche Amnesie, die
auch den Zeitraum vor Trinkbeginn umfasst, beim Rekurrenten überhaupt möglich bzw.
wahrscheinlich ist, hat sich der Gutachter nicht geäussert. In seinem Gutachten hat er
diese Möglichkeit jedoch auch nicht explizit ausgeschlossen. Das Gutachten ist
diesbezüglich nicht vollständig. Die Schlussfolgerung, beim Rekurrenten bestehe ein
missbräuchlicher Alkoholkonsum mit Toleranzentwicklung, ist aufgrund der
Untersuchungsergebnisse zudem nicht nachvollziehbar. Dem Polizeirapport ist zu
entnehmen, dass der Rekurrent merklich unter Alkoholeinfluss stand. Er hatte mit
seinem Fahrzeug offenbar eine Kollision, bei der die Pneus auf der rechten Seite zu
Schaden kamen, musste sich im Fahrzeug mehrfach übergeben, irrte auf der Fahrbahn
und dem Pannenstreifen umher und war aufgrund seines alkoholisierten Zustands nicht
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in der Lage, einen Atemlufttest durchzuführen. Zusammen mit der Tatsache, dass beim
Rekurrenten sämtliche klinischen Tests unauffällig ausfielen, keine weiteren Vorfälle mit
Alkohol am Steuer bekannt sind und auch die Fremdauskünfte, soweit vorhanden
(Arbeitgeber), nicht auf eine Alkoholproblematik schliessen lassen, kann die
Toleranzentwicklung bzw. Alkoholgewöhnung nicht allein aus dem Umstand, dass der
Rekurrent mit 2,24 Gew.-‰ mehr schlecht als recht ein Fahrzeug lenkte, abgeleitet
werden (vgl. VerwGE B 2009/211 vom 18. März 2010, E. 3.3). Damit ist jedoch auch der
daraus abgeleiteten Schlussfolgerung, ein regelmässiger intervallmässiger
Alkoholkonsum sei nicht auszuschliessen, die Grundlage entzogen. Sodann hielt der
Verkehrsmediziner selbst fest, dass die Angaben des Rekurrenten, wonach die
fragliche Fahrt unter Alkoholeinfluss eine unerklärliche Ausnahme gewesen sei und es
an dem üblicherweise nur sehr mässigen, genussorientierten Alkoholkonsum nichts zu
ändern gebe, anhand der Untersuchungsergebnisse nicht zu widerlegen seien. Dies
deckt sich mit der Feststellung im Gutachten, dass die Untersuchung eine unerklärliche
Diskrepanz zwischen Befunden und Information ergeben habe. Da mangels
gegenteiliger Ausführungen zugunsten des Rekurrenten davon ausgegangen werden
muss, dass er sich tatsächlich nicht an die Umstände, die zur hohen Alkoholisierung
und zum FiaZ geführt haben, erinnern kann, ist es nicht nachvollziehbar, wenn dem
Rekurrenten in den Gutachten vorgeworfen wird, er bagatellisiere das FiaZ-Ereignis
und negiere jegliche Problematik. Ebenfalls nicht negativ zu werten ist der zugegebene
Alkoholkonsum des Rekurrenten nach Absolvieren der geforderten dreimonatigen
Abstinenz (ein Glas Wein) vom 1. August 2009. Im Schreiben der Vorinstanz vom 21.
April 2009, das mit dem Betreff "Information" versehen ist, wird die Durchführung einer
mindestens dreimonatigen Abstinenz als Bedingung für eine abschliessende
Fahrbeurteilung gefordert. Mangels formeller Verfügung dieser Auflage war der
Rekurrent nicht zwingend gehalten, die Abstinenz über die Dauer von drei Monaten
hinaus fortzuführen.
Da beim Rekurrenten weder ein missbräuchlicher Alkoholkonsum mit
Toleranzentwicklung noch eine Bagatellisierung der Konsumgewohnheiten und
Negierung der Alkoholproblematik und folglich keine fehlende Introspektionsfähigkeit
nachgewiesen werden konnten, erweist sich die damit begründete Einholung eines
verkehrspsychologischen Gutachtens als nicht gerechtfertigt. Es gibt keine hinreichend
gesicherten Verdachtsmomente auf eine beim Rekurrenten bestehende Rückfallgefahr,
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die einer verkehrspsychologischen Untersuchung bedürfte. Es ist vielmehr davon
auszugehen, dass der Rekurrent von der gesetzlich vorgesehenen Massnahme für
erstmalige FiaZ-Täter, dem mehrmonatigen Warnungsentzug, von einem weiteren
Verstoss abgehalten werden kann.
Nachdem das ungerechtfertigterweise erstellte verkehrspsychologische Gutachten
bezüglich der abzuklärenden Problematik auf den unzutreffenden Annahmen des
Aktengutachtens des IRM vom 5. August 2009 fusst, vermag es von Vornherein den für
einen Sicherungsentzug nötigen Beweis, dass beim Rekurrenten eine
strassenverkehrsrechtlich relevante Trunksucht vorliegt, nicht zu erbringen. Im
Gutachten wird Bezug genommen auf die fehlende Einsicht in die Problematik. Der
Rekurrent habe sich damit nur vordergründig beschäftigt, wobei auf den erneuten
Alkoholkonsum trotz Abstinenzauflage verwiesen wird. Dass es sich dabei jedoch nicht
um eine formell korrekt verfügte Abstinenzauflage über die Dauer von drei Monaten
hinaus gehandelt hat, ist bereits abgehandelt worden. Weiter wird ausgeführt, der
Rekurrent könne sich angeblich nicht erinnern, was an jenem Abend passiert sei, was
das Erkennen von Ursachen und Hintergründen ebenfalls erschwere. Dieser Umstand
darf jedoch, da nicht widerlegt, nicht zuungunsten des Rekurrenten gewertet werden.
Das Vorliegen eines erhöhten Rückfallrisikos wird nebst einer zu wenig kritischen
Selbstwahrnehmung und Selbstüberschätzung hauptsächlich mit der ungenügenden
Kritikfähigkeit und Belehrbarkeit begründet. Da jedoch die Hintergründe und Ursachen,
die zum fraglichen Vorfall geführt haben, nicht bekannt sind, und dem Rekurrenten kein
regelmässiger überhöhter Alkoholkonsum nachgewiesen werden konnte, ist diese
Schlussfolgerung nicht nachvollziehbar. Das verkehrspsychologische Gutachten
äussert sich sodann nicht zur Frage, weshalb dem erhöhten Rückfallrisiko nicht mittels
entsprechender Auflagen begegnet werden kann. Zur vom Verkehrsmediziner
empfohlenen Alkoholabstinenzauflage nimmt es auch keine Stellung, sondern empfiehlt
eine psychologische Beratung.
d) Nachdem beim Rekurrenten im massgebenden Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung weder eine charakterliche Nichteignung noch eine Alkoholabhängigkeit
nachgewiesen werden konnten, erweist sich die Verfügung eines Sicherungsentzugs
als nicht rechtmässig. Die angefochtene Verfügung ist demzufolge aufzuheben.
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Mangels Nachweises einer erhöhten Suchtgefährdung erübrigt sich auch die Verfügung
von Auflagen.
4.- Da die Voraussetzungen für die Anordnung eines Sicherungsentzugs nicht erfüllt
sind, ist für die Fahrt des Rekurrenten in angetrunkenem Zustand vom 29. Dezember
2008 ein Warnungsentzug auszusprechen.
a) In der Regel hat die Rechtsmittelinstanz in einer Streitsache selbst zu entscheiden.
Art. 56 Abs. 2 VRP sieht jedoch vor, dass die Rekursinstanz die Sache zur neuen
Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen kann. Die Rückweisung steht dabei im
Ermessen der Rekursinstanz. Eine Rückweisung an das Strassenverkehrsamt drängt
sich insbesondere in Fällen auf, wo eine wesentliche Ergänzung der Beweisgrundlagen
notwendig ist, wo ausgesprochene Ermessensfragen zu entscheiden sind, wo die
Vorinstanz den Sachverhalt nur ungenügend ermittelt hat oder wo im
Rechtsmittelverfahren umfangreiche Noven vorgebracht werden, so dass weitere
Abklärungen und Beweiserhebungen nötig sind (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 1029 ff. mit
Hinweisen).
b) Damit der Rekurrent keine Instanz verliert und er sich zur Massnahme des
Warnungsentzugs vorgängig noch äussern kann, erscheint eine Rückweisung an die
Vorinstanz gerechtfertigt. Dem Rekurrenten war der Führerausweis seit 29. Dezember
2008 vorsorglich entzogen. Mit Erteilung der aufschiebenden Wirkung im Entscheid
vom 22. Februar 2010 erhielt er ihn wieder ausgehändigt. Es ist davon auszugehen,
dass die Dauer des noch auszusprechenden Warnungsentzugs damit bereits
abgegolten ist.
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen ist. Die angefochtene
Verfügung vom 10. Dezember 2009 ist aufzuheben und die Streitsache im Sinne der
Erwägungen zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6.- a) Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu
tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der
Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens oder Unterliegens
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(Hagmann, a.a.O., S. 267 f.). Der Rekurrent hat die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung sowie die Herausgabe des Führerausweises, eventuell unter Auflagen,
verlangt. Obschon die Verfügung mit diesem Entscheid nicht ersatzlos aufgehoben
wird, sondern noch ein Warnungsentzug auszusprechen ist, können dem Rekurrenten
angesichts der Tatsache, dass die Entzugsdauer des Warnungsentzugs längst
abgelaufen ist, keine Kosten auferlegt werden. Die amtlichen Kosten sind daher vom
Staat zu tragen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'700.-- ist angemessen (samt Kosten
für den Zwischenentscheid hinsichtlich der aufschiebenden Wirkung; vgl. Art. 13
Ziff. 511 und 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist
anzuweisen, dem Rekurrenten den geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1'500.--
zurückzuerstatten.
b) Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im vorliegenden Fall war im Hinblick auf Fragen im
Zusammenhang mit dem Sicherungsentzug, der von der Würdigung mehrerer
Gutachten abhing, der Verzicht auf den Beizug eines Rechtsvertreters im
Rekursverfahren nicht zumutbar. Eine Kostennote ist nicht eingereicht worden.
Angesichts des Aktenumfangs und des Aufwands für die Rekurseingabe erscheint eine
Entschädigung von Fr. 2'000.-- zuzüglich Barauslagen (4% davon) und Mehrwertsteuer
(7,6% davon) als angemessen (Art. 19, 22 Abs. 1 lit. b, 28 und 29 der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75). Entsprechend
dem Verfahrensausgang sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten
vollumfänglich, d.h. mit Fr. 2'238.10 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen (Art. 98 VRP). Kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt).