Decision ID: 238b0202-a654-435b-9da4-6add04f1e514
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963
in Bosnien
, reiste im Januar 1985
von Bosnien
in die Schweiz ein (
Urk.
7/2). Zuletzt, das heisst ab
2
0.
November 2000 war sie als Mitarbeiterin in einem Personalrestaurant tätig, ab 1
2.
August 2009 in einem
reduzierten
Pensum von 50
%
, wobei ihr die Arb
eitgeberin
am 2
0.
Oktober 2016 per Ende Januar 2017 kündigte (Arbeitgeberberic
hte der
Y._
vom 1
4.
Januar 2010
[
Urk.
7/11]
und vom 2
0.
September 2016,
Urk.
7
/6
3; Kündigung
der
Z._
vom 2
0.
Oktober 2016,
Urk.
7/80/49).
Am 2
6.
November 20
09 meldete sich die Versicherte bei der Sozialver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle zum Rentenbezug an
(
Urk.
7/2)
. Die IV-Stell
e klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und
veranlasste eine Begutachtung durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheu
maerk
rankungen
(
Gutachten vom
6.
Mai 2011
,
[
Urk.
7/32
]
).
Am
3
0.
August 2011
teilte sie der Versicherten mit
, die Arbeitsplatzerhaltung sei erfolg
reich ab
ge
schlossen
(
Urk.
7/34). Mit
der unangefochten in Rechtskraft erwachsenen Ver
fü
gung vom 1
7.
Oktober 2011
verneinte sie
mangels eines relevanten Gesund
heits
schaden
s einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente (
Urk.
7/42).
1.2
Am
2
0.
August 2016
meldete sich
die
Versicherte
bei der Invali
denversicherung erneut z
um Leistungsbezug an (
Urk.
7/49
). Di
e IV-Stelle klärte die erwerbli
chen und medizinischen Verhältnisse ab und holte ein
zuhanden
der
Allianz Suisse, Versicherungs-Gesells
chaft AG
,
dem Krankentaggeldversicherer der Versicherten,
erstellte
s
polydisziplinäres Gut
achten des
B._
vom
1
3.
April 201
7 ein (
Urk.
7/85/5
).
Gestützt darauf verneinte sie
mit Verfügung vom 1
9.
September 2017 (
Urk.
2)
nach durchge
führ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/
88,
Urk.
7/89)
bei einem Invaliditätsgrad von 10
%
einen Anspruch der
Versicherten auf
eine Invalidenrente.
2.
Dagegen liess die Versicherte am 2
3.
Oktober 2017 Beschwerde erheben (
Urk.
1) mit dem Antrag, es sei ihr ab dem
7.
April 2017 eine ganze Invalidenrente zuzu
sprechen; eventualiter sei eine polydisziplinäre Begutachtung zu veranlassen.
Der Beschwerde legte
sie
Berichte von
Dr.
med. C._
vom
2
4.
Juli 2017
sowie von
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Chirurgie und Handchirurgie
, vom
6.
Juli 2017
bei (
Urk.
3/4-5
).
In der Beschwerdeantwort vom
1
9.
Januar 2018
(
Urk.
6) schloss die IV-Stel
le auf Abweisung der Beschwerde
.
Am
9.
u
nd 1
9.
April 2018
machte
die Versicherte weitere
Eingaben
(
Urk.
9-12).
Die
IV-Stelle
verzi
chtete auf eine
Stellungnahme
dazu
(
Urk.
16),
was der Versicherten am 1
3.
Juli 2018 mitgeteilt wurde (
Urk.
17).
Auf die Ausführungen der Parteien und die ei
ngereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
ge
mei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
1.2
B
ei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent ergibt sich ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent An
spruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Pro
zent Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von min
des
tens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung übe
r
die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den
An
-
spruch
erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärzt
lichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen all
seitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zu
sammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Streitgegenstand bildet nicht die erstmalige Invaliditätsbemessung, sondern die
erneute Ablehnung eines Rentenanspruchs nach der Neuanmeldung vom 2
0.
August
201
6.
Zu prüfen ist daher analog einem Revisionsfall, ob sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der anspruchsverneinenden Verfügung vom 1
7.
Oktober 2011 bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 1
9.
September 2017 in einem rentenbegründenden Ausmass verschlechtert hat. Die
Eintretensfrage
ist nicht zu prüfen, da die IV-Stelle auf die Neuanmeldung vom 2
0.
August 2016 eingetreten ist.
2.2
2.2.1
Die IV-Stelle begründete die angefochtene Verfügung
damit, auf das
B._
- Gutachten vom
1
3.
April 2017
könne abgestellt werden.
Der
Versicherten sei eine leidensangepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar
,
woraus
im Rahmen eines
Ein
kommenvergleichs
ein Invaliditätsgrad von 10 % resultiere.
Auch bei einem Leidensabzug von 10
%
würde daraus kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad resultieren
(Urk. 2)
.
2.2.2
Demgegenüber stellt
e
sich die Beschwerdeführerin
zusammengefasst
auf den Standpunkt,
auf
das
B._
-Gutachten
könne
wegen verschiedener Mängel nicht abgestellt werden, zumal die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die behan
delnden Ärzte diametral davon abweichen würde. Die Beschwerdegegnerin habe
ihren
Gesundheitszustand
nicht
rechtsgenüglich
abgeklärt. Beim
vorgenomme
nen
Einkommen
s
vergleich sei ein Leidensabzug von 25
%
zu berücksichtigen.
3.
3.1
Der ursprüngl
ichen Verfügun
g vom 1
7.
Oktober 2011 (
Urk.
7/4
2) lag
im Wes
entli
chen
das
Gutachten von
Dr.
A._
vom
6.
Mai 2011
zugrunde.
Dieses beruht auf einer
allgemein-internistisch
e
n
und rheumatologisch
en
Unter
su
chung vom
2.
Mai 2011 (
Urk.
7/32/1
). Dabei
nann
te
der Gutachter
in seinem Gutachten vom
6.
Mai 2011 keine Diagnosen mit langdauernder Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/32/7)
. Ohne langdauernde Auswirk
ung auf die Arbeits
fähigkeit
nannte er folgende Diagnosen: (2
) ein chronisches, generali
siertes Schmerzsyndrom
bei einer
nicht ausreichend
en
somatisch
en A
bstützbar
keit
,
bei einem primären
Fibromyalgie-Syndrom, betont im Bereich der oberen Körper
hälfte,
bei
Panalgie
, diffuse
n
Druckschmerzangabe
n
, Polyarthralgien,
bei einem
Panvertebralsyndrom
sowie bei m
ultiple
n
Beschwerden
(
wie Schlaf
stö
rungen, Müdigkeit, Schmerzen im
Bauchraum
); (3
) ein
cervical
- und lumba
l be
tontes
Panvertebralsyndrom
ohne
ein
radikuläres
Reiz- oder Ausfallsyndrom
bei
einer möglichen Instabilität des
Iliosakralgelenks
; (4) ein hypermobiler Gelenks
charakter; (5
) eine
Schulteroperation rechts
(
am
6.
Mai 2009)
mit
einer
Akro
mio
plastik
,
einer
Akromioklavikular
(
AC
)
-Gelenksresektion,
einer
Tenotomie der lange
n
Bizepssehne
und
einer
arthroskopischen
Supraspinatussehnen
-Rekon
struk
tion wegen
einer
transmuralen
Supraspinatussehnenruptur
rechts mit
Insta
bilität und
einer
Degeneration der langen
Bizepssehne
sowie
bei einer
AC-Gelenksarthrose
; (
6
)
ein
a
namnestisch
es
Reizmagen-Syndrom
; (7
) eine a
rterielle Hypertonie
sowie einen
Verdacht auf
eine
subklinische Hypothyreose
.
Hinsicht
lich der Arbeitsfähigkeit gab der Gut
achter
aus somatisch-rheuma
tologischer Sicht
an
(
Urk.
7/32/16)
,
die Versicherte
sei
in
ihrer angestammten Tätigkeit ab dem
6.
Mai 2009 zu 100
%
und ab 1
2.
August 2009
zu 50
%
arbeits
un
fähig gewesen. Seit
dem
9.
September 2009
bestehe
in der angestammten Tätigkeit
keine Einschränkung
in
der Arbeitsfähigkeit der Versicherten.
3.2
Die angefochtene Verfügung vom 1
9.
September 2017 (
Urk.
2) basi
ert im Wesent
lichen auf dem
B._
-
Gutachten vom 1
3.
April 2017.
Dieses beruht auf einer funktionsorientierten medizinischen
Abklärung
mit
einer Evaluation der arbeitsbezogenen fu
nktionellen Leistungsfähigkeit
(
ELF) sowie einer psychiatrischen und neuropsychologischen
Untersuchung
vom 3.,
9.
und 1
0.
Februar 2017
(
Urk.
7/85/5)
. Dabei diagnost
i
zierten die Gutachter einen Hand
schmerz mit einer Kraft- und Leistungsminderung links bei einer
Triangular-fibrocartilage-
complex
(
TFCC
)
-Läsion und einem Zustand nach einer Arthros
kopie und einem
Débridement
(am
7.
April 2016), eine
Rhizarthrose
links mit einem Zustand nach einer
Resektionssuspensionsarthroplastik
des Daumen
sattel
gelenkes (am
7.
April 2016), eine
Pisotriquetralarthrose
links, eine
Zervikoze
phalgie
bei einer
Osteochondrose
C5/6 und einer
Spondylarthrose
C7/Th1, eine schmerzhafte Funktionseinschränkung mit einer minimalen
Frozen
Shoulder
-Symptomatik rechts bei eine
r Schulterarthroskopie mit einer
Acromioplastik
, einer AC-Gelenksresektion, einer Tenotomie der
Bizepssehne
und einer
Supra
spinatus
ssehnenrekonstruktion
(
am
6.
Mai 2009)
bei
einer
Supraspinatus
sehnen
ruptur
mit
einer
Degeneration der langen
Bizepssehne
und
einer
AC-Gelenks
arthrose
sowie -
ohne Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit – eine
Coxarthrose
beidseits, Spreizfüsse und Hammerzehen beidseits, eine arteriell
e Hypertonie
so
wie einen
Zustand nach
einer Pneumonie rechts (Juli
2012
). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
der Versicherten
kamen die Gutachter zu folgendem Schluss
(
Urk.
7/85/8 f.)
:
aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte in ihrer Arbeits
fähigkeit nicht eingeschränkt. Aus rheumatologischer Sicht sei sie
in der
ange
stammte
n
Tätigkeit
nicht mehr arbeitsfähig
. In einer leidensangepassten Tätigkeit – das heisst einer
leichte
n
Tätigkeit ohne repetitiven Einsatz der linken Hand
vor allem mit Krafteinsatz und bei
höchstens seltenen
Arbeiten
auf Schul
terhöhe und Überkopfarbeiten sowie
ohne Zwangshaltungen
betreffend die Halswirbelsäule
–
sei
sie aus rheumatologischer Sicht
zu 100
%
arbeitsfähig
.
4.
4.1
Nach der Neuanmeldung vom 2
0.
August 2016 beabsichtigte die Beschwerde
geg
nerin zunächst die Einh
olung eines polydisziplinären,
das hei
sst eines allge
mein
medizinischen/internistischen, rheumatologischen
, neurologische
n und psy
chia
trischen
Gutachtens
(gemäss ihrer Mitteilung vom
8.
Februar 2017,
Urk.
7/76)
, sah jedoch davon ab, n
achdem das zuhanden der Krankentaggeldversicherung erstattete
B._
-Gutachten vom 1
3.
April 2017 eingereicht wo
rde
n war
, auf welches sich die Beschwerdegegnerin bei Erlass der angefochtenen Verfügung abgestützt hat.
Im Vordergrund steht nun die
Frage, ob dieses
zuhanden des privatrechtlichen Kollektiv-Krankentaggeldversicherers erstellt
e
(
Urk.
7/59/14
,
Urk.
7/80/55,
Urk.
7/85/1-3)
Gutachten
unabhängig von
dessen
Herkunft
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestattet
respektive ob es die Anforderungen an ein medizinisches Gutachten erfüllt (E. 1.4)
.
Dabei fällt auf, dass
bei der
B._
-
Begutachtung gemäss ihrer
Aktenauflistung (
Urk.
7/85/11-13
)
die
medizinischen
Vorakten
bloss teilweise
berücksichtigt
wurden
. Nicht berücksichtigt wurden unter anderem
folgende Arztberichte oder Gutachten:
Berichte von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neuro
chi
rurgie, vom 2
0.
September
2016 und vom
6.
Januar
2017 (
Urk.
7/69/12-13,
Urk.
7/
74/1-4); Bericht von
Dr.
C._
vom 2
1.
Oktober 2016 (
Urk.
7/70/1-6); Gutachten von
Dr.
A._
vom
6.
Mai 2011 (
Urk.
7/32);
Bericht
von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom 3
0.
August 2010 (
Urk.
7/20/3-4). V
on den
zahlreichen
in den
Akten
liegenden
Berichte
n
der
G._
(vgl.
Urk.
7/10/7-8,
Urk.
7/14/8-11),
Urk.
7/18/16,
Urk.
7/18/20-21,
Urk.
7/18/26-32
,
Urk.
7/19/3-4)
wurde im
B._
-Gutachten lediglich jener vom 1
1.
November 2009 (
Urk.
7/85/11) berücksicht
igt, alle übri
gen jedoch nicht (
beispielsweise
auch
nicht der Operationsbericht der
G._
vom
6.
Mai
2009 betreffend eine Schulterarthroskopie rechts;
Urk.
7/18/31-32
).
Somit liegen
deutliche
Lücken
vor
bezüglich der
Kenntnis der
medizinischen
Vora
kten
.
Die mit der vorliegenden Fallkonstellatio
n einer Neu
anmeldung verbundene o
ben erwähnte Fragestellung (E. 2.1)
blieb
im
B._
-Gutachten ebenfalls
ausser Acht
und konnte mangels der erwähnten
fehlenden
Aktenkenntnis auch nicht berücksichtigt werden.
Das
B._
-Gutachten
spricht sich daher von vorneherein nicht darüber aus, inwiefern im Vergleich zur früheren Beurteilung eine Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, weshalb
ihm
für den vorliegende
n
,
in analoger Weise eine
r
Revision
zu beurteilenden Fall grundsätzlich kein genügender Beweiswert zukommt (Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2018 vom 1
8.
März 2019 E. 2.2).
Dies gilt umso mehr, als dem
B._
-Gut
achten in somatischer Hinsicht keine einleuchtende und umfassende Beur
teilung der medizinischen Zusam
menhänge entnommen werden kann, was
sich auch darin
zeigt
,
dass
es
in somatischer Hinsicht bezüglich der
Befunderhebung,
der
Beurteilung
und
der
Auseinandersetzung mit anderen medizinischen Berich
ten
zu
knapp
ist und daher nicht zu überzeugen vermag
(
Urk.
7/85/14 f.
,
Urk.
7/85/6 f.)
. An dieser
in Anbetracht der
verschiedenartigen
somatischen
Diagnosen
ungenügenden Darlegung der somatischen medizinischen Zusammen
hänge ändert auch
die Durchführung einer
EF
L
nichts, v
ermag
doch eine solche allein
eine
hinreichende
medizinische
Auseinandersetzung mit dem somatischen Leiden
an sich
nicht zu ersetzen.
Aufgrund dieser Unvollständigkeiten und Mängel erfüllt d
as
B._
-Gutachten die
rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten
(E. 1.
4
)
nicht.
4.2
Damit lassen sich
aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage die Auswirkungen der gesun
dheitlichen Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin
auf die Arbeitsfähig
keit nicht hinreichend beurteilen. Somit hätten sich weitere medizinische Abklä
rungen aufgedrängt.
Aufgrund der medizinischen Aktenlage ist
die Einholung eines polydisziplinären
Gutachtens angezeigt
mit den von
der Beschwerde
geg
nerin ursprünglich
vorgesehenen medizinischen Fachrichtungen (E. 4.1; Mittei
lung der Beschwerdegegnerin vom
8.
Februar 2017,
Urk.
7/76).
Die Verfü
gung vom
1
9.
September 2017
ist deshalb auf
zuheben und die Sache an die Be
schwer
de
gegnerin zurückz
uweisen, damit sie die von
der
Beschwerdeführer
in
geltend
gemachte Verschlechterung und Zunahme der Beschwerden und namentlich deren
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
im massgebenden Zeitraum
umfassend
abkläre. Anschliessend wird
sie
über den Rentenanspruch neu
zu
verfü
gen haben. Bei diesem Verfahrens
ausgang
können
die Streitfragen
betreffend den Zeitraum
nach der
B._
-Begutachtung bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung ebenso offen bleiben wie die Streitfragen zum Einkommensvergleich.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens-aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.--
bis
Fr.
1‘000.-- festzulegen (
Art.
6
9
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700
.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der
besc
hwerdefüh
renden
Partei (BGE 137 V E. 2.1 mit Hinweisen). Entsprechend sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Vorliegend ist die Pro
zessentschädigung beim massgeblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- auf
Fr.
2‘400.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen und von der Be
schwerdegegnerin zu bezahlen.