Decision ID: 0c1215f6-c42a-57a6-b0c1-24522ed2f079
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X. Y. fuhr am Freitag, 20. Mai 2005, um ca. 15.25 Uhr, mit dem Personenwagen
"SEAT Alhambra" auf der Autobahn A 1 von A. her kommend in Richtung B.. Im
Bereich des Autobahnanschlusses Zürich-Affoltern verursachte er auf der Überholspur
einen Auffahrunfall. Der vor ihm fahrende Lieferwagen "Mercedes Benz E" war stark
abgebremst worden. X. Y., der eigenen Angaben nach mit einer Geschwindigkeit von
90 - 100 km/h und einem "vage" geschätzten Abstand von "vielleicht ca. 50 m" zum
vorausfahrenden Fahrzeug unterwegs war, hatte zwar gesehen, dass die Bremslichter
aufleuchteten. Jedoch kam es trotz Vollbremsung zur Kollision. Dabei wurde der
Lieferwagen in das vor ihm noch mit einer Geschwindigkeit von rund 40 km/h rollende
Fahrzeug, das zuvor ebenfalls stark abgebremst hatte, geschoben. An allen drei
Fahrzeugen entstand Sachschaden. Personen wurden nicht verletzt.
B.- Mit Strafverfügung vom 6. Juli 2005 wurde X. Y. vom Statthalteramt des Bezirkes
C. wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs in Anwendung von Art. 31 Abs. 1 und Art.
90 Ziff. 1 SVG mit Fr. 500.-- gebüsst. Die Strafverfügung wurde unangefochten
rechtskräftig.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung
Personenzulassung, entzog X. Y. mit Verfügung vom 8. August 2005 wegen
Nichteinhaltens eines ausreichenden Sicherheitsabstandes beim Hintereinanderfahren
den Führerausweis gestützt auf Art. 34 Abs. 4 in Verbindung mit Art. 16b Abs. 1 lit. a
SVG für die Dauer eines Monats.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X. Y. mit Eingabe vom 19. August 2005 und
Ergänzung vom 14. September 2005 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit
dem Antrag, es sei von einem Entzug des Führerausweises abzusehen. - Auf die
Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung des Antrags wird, soweit notwendig, in
den Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz verzichtete mit Vermerk vom 20. September 2005 auf eine
Vernehmlassung.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 19. August 2005 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 14. September 2005
in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 24 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG; Art. 41 lit. e, 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
3.- Vorab ist zu klären, welche Verkehrsregel der Rekurrent am 20. Mai 2005, um ca.
15.25 Uhr, auf der Autobahn A1 im Bereich des Anschlusses Zürich-Affoltern mit der
Verursachung einer Auffahrkollision verletzt hat.
a) Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, der Rekurrent habe beim
Hintereinanderfahren keinen ausreichenden Sicherheitsabstand eingehalten.
Demgegenüber hielt der Strafrichter fest, der Rekurrent habe verkehrsbedingt
abbremsen müssen und trotz Vollbremsung nicht mehr rechtzeitig anhalten können.
Damit habe er sein Fahrzeug nicht mehr beherrscht.
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Der Rekurrent gab der Polizei gegenüber unmittelbar nach der Kollision an, seine
Geschwindigkeit habe 90 bis 100 km/h betragen. Dann habe er gesehen, dass die
Bremslichter des Fahrzeugs vor ihm aufleuchteten. Trotz einer Vollbremsung sei es zur
Kollision gekommen. Mit welchem Abstand er dem Wagen gefolgt sei, sei er sich nicht
ganz sicher. Es könnten vielleicht ca. 50 Meter gewesen sein. Dies sei jedoch nur eine
vage Schätzung. Auf alle Fälle sei er aufmerksam gewesen. Er denke, dass er einfach
zu wenig Abstand zum vorderen Fahrzeug eingehalten habe. Vor Vorinstanz liess der
Rekurrent vorbringen, er habe nicht umgehend bemerkt, dass die Vorderfahrzeuge
abrupt bremsten. Er führe die Auffahrkollision nicht auf einen zu geringen Abstand
zurück. Im Rekurs bringt der Rekurrent vor, er sei vermutlich für Sekundenbruchteile
unaufmerksam gewesen und habe eventuell zu wenig Abstand gehabt. Es sei
unmöglich, an einem Freitagnachmittag auf der A1 Richtung G-tunnel den Abstand
einzuhalten.
b) Die allgemeinen Fahrregeln verpflichten den Führer, das Fahrzeug ständig so zu
beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann (Art. 31 Abs. 1
SVG), und die Geschwindigkeit stets den Umständen, insbesondere den Strassen-,
Verkehrs- und Sichtverhältnissen anzupassen (Art. 32 Abs. 1 SVG). Die Regeln für
einzelne Verkehrsvorgänge schreiben unter anderem vor, dass gegenüber allen
Strassenbenützern, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und
Hintereinanderfahren, ausreichender Abstand zu wahren ist (Art. 34 Abs. 4 SVG). Der
Strafrichter hat die vom Rekurrenten verursachte Kollision auf das Nichtbeherrschen
des Fahrzeugs durch den Rekurrenten zurückgeführt und die Busse gestützt auf Art. 31
Abs. 1 SVG ausgefällt.
Im Interesse von Rechtseinheit und Rechtssicherheit gilt es zu vermeiden, dass
derselbe Lebensvorgang zu voneinander abweichenden Sachverhaltsfeststellungen
von Verwaltungs- und Justizbehörden führt und die erhobenen Beweise abweichend
gewürdigt und rechtlich beurteilt werden. Das Strafverfahren bietet durch die
verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, die umfassenderen persönlichen
und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie die weiterreichenden prozessualen
Befugnisse (insbesondere im Zusammenhang mit Zeugenbefragungen) besser Gewähr
dafür, dass das Ergebnis der Sachverhaltsermittlung näher bei der materiellen Wahrheit
liegt als im nicht durchwegs derselben Formstrenge unterliegenden
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Verwaltungsverfahren. Die Verwaltungsbehörde hat daher - sofern eine Anzeige an den
Strafrichter erfolgt oder mit einer solchen zu rechnen ist - grundsätzlich mit ihrem
Entscheid zuzuwarten, bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt, soweit der
Sachverhalt oder die rechtliche Qualifikation des in Frage stehenden Verhaltens für das
Verwaltungsverfahren von Bedeutung sind; dies ist etwa dann der Fall, wenn nur die
Frage des bedingten Strafvollzuges streitig ist oder wenn klar ist, dass ein Rückfall
gegeben ist. Ausnahmen sind indessen nur dann zuzulassen, wenn in Bezug auf den
Schuldpunkt der in Frage stehenden SVG-Widerhandlung keinerlei Zweifel bestehen
(z.B. Beweis des Fahrens in angetrunkenem Zustand aufgrund einer Blutprobe, deren
Ergebnis anerkannt ist). Das Verfahren ist formell nicht einzustellen, sondern
auszusetzen oder zu sistieren (vgl. BGE 119 Ib 158 E. 2c/bb).
Von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil darf die Verwaltungsbehörde nur
dann abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die
dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat, wenn sie zusätzliche
Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen Entscheid führt, oder wenn die
Beweiswürdigung durch den Strafrichter den feststehenden Tatsachen klar
widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen Beweise erhoben, hat sie sich
grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu halten) oder schliesslich wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt, insbesondere die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln
übersehen hat. Die Verwaltungsbehörde hat insbesondere dann auf die Tatsachen im
Strafurteil abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren mit öffentlicher
Verhandlung unter Anhörung der Parteien und Einvernahme von Zeugen ergangen ist,
es sei denn, es bestünden klare Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit dieser
Tatsachenfeststellung; in diesem Fall hat die Verwaltungsbehörde nötigenfalls
selbständige Beweiserhebungen durchzuführen (vgl. BGE 119 Ib 158 E. 3c/aa).
c) Aus welchen Gründen die Vorinstanz im vorliegenden Fall das Ergebnis des
Strafverfahrens nicht beigezogen hat, ist nicht ersichtlich. Wie dargelegt, können einer
Auffahrkollision die Verletzung unterschiedlicher Verkehrsregeln - ungenügende
Aufmerksamkeit, nicht angepasste Geschwindigkeit, ungenügender Abstand -
zugrunde liegen. Aus den im Polizeirapport wiedergegebenen Aussagen des
Rekurrenten war zwar zu schliessen, dass er selbst die Ursache in einem
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ungenügenden Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug erblickte. Indessen
war aus den gleichzeitig gemachten geschätzten Angaben des Rekurrenten zu
Geschwindigkeit - 90 bis 100 km/h - und Abstand - 50 m - diese Schlussfolgerung
nicht zwingend. Insbesondere die Angaben der Beteiligten zu den innegehabten
Geschwindigkeiten - vorausfahrender Fahrzeuglenker 60 km/h, Rekurrent 90 bis 100
km/h - deuteten auf eine nicht angepasste Geschwindigkeit oder auf eine
ungenügende Aufmerksamkeit hin. Hinzu kam vorliegend, dass der Rekurrent im
Verfahren vor der Vorinstanz im Wesentlichen geltend machte, er habe das abrupte
Abbremsen der vorausfahrenden Fahrzeuge nicht umgehend bemerkt. Unter diesen
Umständen wäre es angesichts des offenen Sachverhalts angezeigt gewesen, im
Administrativverfahren das Ergebnis des Strafverfahrens beizuziehen.
In tatsächlicher Hinsicht hat der Strafrichter in der Strafverfügung vom 6. Juli 2005
lediglich festgehalten, der Rekurrent habe trotz Vollbremsung nicht mehr rechtzeitig
anhalten können und sei dem vor ihm fahrenden Personenwagen ins Heck gefahren.
Indem er darin eine Verletzung von Art. 31 Abs. 1 SVG erblickt hat, ist er in
tatsächlicher Hinsicht davon ausgegangen, dass dem Rekurrenten weder eine nicht
angepasste Geschwindigkeit noch ein ungenügender Abstand rechtsgenügend
nachzuweisen waren. Gründe, um von diesen tatsächlichen Feststellungen
abzuweichen, liegen nicht vor. Im Administrativverfahren wurden weder zusätzliche, zu
einem anderen Ergebnis führende Beweise erhoben noch Tatsachen festgestellt und
dem Entscheid zugrunde gelegt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er
nicht beachtet hat. Die Beweiswürdigung durch den Strafrichter widerspricht
angesichts der erwähnten Angaben der Beteiligten unmittelbar im Anschluss an den
Unfall auch nicht den klar feststehenden Tatsachen.
d) Dementsprechend ist im Administrativverfahren zusammen mit der Würdigung des
Strafrichters davon auszugehen, dass der Rekurrent am 20. Mai 2005, um 15.25 Uhr,
auf der A1 beim Anschluss Zürich-Affoltern auf der Überholspur in Fahrtrichtung B. den
von ihm gelenkten Personenwagen nicht genügend beherrscht und zufolge
ungenügender Aufmerksamkeit eine Auffahrkollision verursacht hat.
4.- Die Vorinstanz hat die vom Rekurrenten begangene Verkehrsregelverletzung als
mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art.
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16b Abs. 1 lit. aSVG qualifiziert. Zur Begründung wird in der angefochtenen Verfügung
ausgeführt, die Gefährdung habe sich mit dem Verursachen der Auffahrkollision
konkretisiert. Das Verschulden könne nicht mehr als leicht eingestuft werden, da der
Rekurrent nach eigenen Angaben dem Grundsatz, dass beim Hintereinanderfahren
immer genügend Abstand zu wahren sei, so dass auch bei einer abrupten und völlig
unerwarteten Bremsung des vorausfahrenden Fahrzeuges rechtzeitig angehalten
werden könne, zu wenig Beachtung geschenkt habe. Der Rekurrent bringt in diesem
Zusammenhang vor, er sei vermutlich für Sekundenbruchteile unaufmerksam gewesen.
Möglicherweise habe er auch zu wenig Abstand gehabt, wobei es unmöglich sei, an
einem Freitagnachmittag auf der A1 Richtung G-tunnel den Abstand einzuhalten.
Indem er zudem beantragt, es sei von einem Entzug des Führerausweises abzusehen,
macht er sinngemäss geltend, die Widerhandlung sei als leicht zu qualifizieren.
a) Gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft.
aa) Nach dem bis zum 31. Dezember 2004 geltenden Recht war ein leichter, zu einer
Verwarnung führender Fall anzunehmen, wenn die Voraussetzungen für den
fakultativen Entzug des Führerausweises erfüllt waren, der Fall aber unter
Berücksichtigung des Verschuldens und des Leumundes als Motorfahrzeugführer als
leicht erschien (vgl. Art. 16 Abs. 2 Satz 2 in der bis 31. Dezember 2004 geltenden
Fassung des Strassenverkehrsgesetzes, AS 1959 S. 679, abgekürzt: aSVG; Art. 31
Abs. 2 Satz 2 in der bis 31. Dezember 2004 geltenden Fassung der Verordnung über
die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, AS 1976 S. 2423,
abgekürzt: aVZV). Das Bundesgericht hat zum früheren Recht die wiederholt bestätigte
Rechtsprechung, wonach bei der Beurteilung des leichten Falles unter anderem auch
die Schwere der Verkehrsgefährdung zu berücksichtigen sei, geändert und ist gestützt
auf den Wortlaut von Art. 31 Abs. 2 aVZV und den Grundsatz der Verhältnismässigkeit
zum Schluss gekommen, selbst bei einer schweren Verkehrsgefährdung, die durch
eine bloss geringfügige Unachtsamkeit und entsprechend geringem Verschulden
hervorgerufen werde, könne ein leichter Fall gegeben sein. Es hat festgehalten, beim
Warnungsentzug dürfe die Sanktion das Mass des Verschuldens nicht übersteigen. Bei
der Beurteilung, ob ein leichter Fall vorliege, dürften und müssten die objektiven
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Umstände des Einzelfalles herangezogen werden, doch könnten diese nur zu einer
härteren Massnahme führen, soweit sie auch verschuldensmässig von Bedeutung
seien (vgl. BGE 125 II 561 E. 2a und b).
Mit der am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
ist der Gesetzgeber im Bereich der Administrativmassnahmen von diesem Ansatz der
zentralen Bedeutung des Verschuldens abgekommen, indem er einerseits das geringe
Ausmass der Gefährdung ausdrücklich als Kriterium für die Annahme einer leichten
Widerhandlung eingeführt hat (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG) und anderseits die
Gefährdung der Verkehrssicherheit noch vor dem Verschulden als erstes Kriterium für
die Bemessung der Dauer des Warnungsentzugs nennt (Art. 16 Abs. 3 SVG). Damit
räumt Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG der Schwere der Verkehrsgefährdung eine
eigenständige Stellung ein, die über deren Bedeutung für das Verschulden im Sinn der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung hinausgeht.
bb) Im Recht der Administrativmassnahmen liegen der gesetzlichen Kategorisierung
der Widerhandlungen gegen Strassenverkehrsvorschriften verschiedene
Gefährdungsstufen zugrunde. Von der konkreten Gefährdung der körperlichen
Integrität anderer Personen ist deren abstrakte Gefährdung zu unterscheiden, die
"einfach" oder "erhöht" sein kann. Die einfache abstrakte Gefährdung zieht kein
Administrativmassnahmeverfahren nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Bei der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist zwischen dem besonders leichten (vgl. Art. 16a Abs. 4 SVG;
Verzicht auf jegliche Massnahme), dem leichten (vgl. Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG; je nach
automobilistischer Vorgeschichte Verwarnung oder Entzug des Führerausweises), dem
mittelschweren (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG; Entzug des Führerausweises) und dem
schweren Fall (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG; Entzug des Führerausweises) zu
unterscheiden (vgl. dazu R. Schaffhauser, Die neuen Administrativmassnahmen des
Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen
2003, S. 180 ff.).
Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG umschreibt die leicht erhöhte abstrakte Gefährdung als
"geringe Gefahr für die Sicherheit anderer". In der Botschaft wird auf die
Rechtsprechung des Bundesgerichts verwiesen, wonach darunter z.B.
Geschwindigkeitsüberschreitungen fallen, die nur leicht über den Widerhandlungen
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nach Anhang 1 der Ordnungsbussenverordnung (SR 741.031, abgekürzt: OBV) liegen,
sofern nicht erschwerende Umstände hinzukommen (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S.
4462 ff.). Eine weitere Konkretisierung des Begriffs der "geringen Gefahr" ist der
Botschaft nicht zu entnehmen. Immerhin deutet der Verweis auf die aktuelle
Rechtsprechung des Bundesgerichts aber darauf hin, dass sich die Abgrenzungen
zwischen den einzelnen Stufen der abstrakten Gefährdung weiterhin an der zum
früheren Recht entwickelten Praxis und Rechtsprechung ausrichten sollen.
Wenn im Strassenverkehrsgesetz von der "Sicherheit anderer" die Rede ist, ist damit
das Schutzgut der körperlichen Integrität ("Leib und Leben") und Gesundheit anderer
Personen, seien sie Verkehrsteilnehmer oder sonstwie mögliche Gefährdete, gemeint.
Die Verkehrsregeln sind als abstrakte Gefährdungsdelikte ausgestaltet, so dass deren
Verletzung den Tatbestand der Gefahr selbst nicht als Deliktsmerkmal enthält. Der
Gesetzgeber knüpft vielmehr Sanktionen oder Massnahmen an ein Verhalten, das
generell geeignet ist, das geschützte Rechtsgut zu gefährden oder zu verletzen.
Abstrakte Gefährdungstatbestände bedrohen mithin ein Verhalten wegen seiner
typischen Gefährlichkeit allgemein mit Strafe oder Massnahme. Es kommt nicht darauf
an, ob im Einzelfall tatsächlich ein Rechtsgut gefährdet wurde. Eine abstrakte
Gefährdung genügt (vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz.
2255-2257; Trechsel/Noll, Schweizerisches Strafrecht Allgemeiner Teil I: Allgemeine
Voraussetzungen der Strafbarkeit, 5. Aufl. 1998, S. 77).
"Gefährdung" ist ein unbestimmter Rechtsbegriff und in besonderem Mass der
Auslegung bedürftig (vgl. Schaffhauser, Grundriss, a.a.O., Rz. 2258). Eine allgemeine
abstrakte Gefährdung ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur dann
anzunehmen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten des
Rekurrenten hätten betroffen werden können. Für die Abstufung innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe die Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefährdung (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Der
Überhang der Typik bei den Gefährdungsdelikten über den Einzelfall verlangt zudem
die Berücksichtigung des Ausmasses der üblicherweise entstehenden Schädigung bei
Eintritt der Rechtsgutverletzung.
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b) Der Rekurrent war am Freitagnachmittag um 15.25 Uhr auf der Autobahn A1 beim
Anschluss Zürich-Affoltern auf der Überholspur in Richtung B. unterwegs. Es herrschte
gemäss Angaben im Polizeirapport starker Verkehr. Der Rekurrent selbst geht davon
aus, dass es um diese Tageszeit vor dem G-tunnel kaum möglich sei, den notwendigen
Sicherheitsabstand einzuhalten. Auch er schätzt das Verkehrsaufkommen also als hoch
ein. Unaufmerksamkeiten, auch wenn sie lediglich von kurzer Dauer sind, führen
angesichts der unvermeidlich sich im Gefahrenbereich des eigenen Fahrzeugs
bewegenden anderen Verkehrsteilnehmer zu erhöhten abstrakten Gefährdungen. Der
vom Rekurrenten verursachte Unfall zog zwar lediglich Sachschaden nach sich, zeigt
aber, dass im Fall einer Realisation der Gefährdung mit Unfällen zu rechnen ist, die
geeignet sind, nebst erheblichem Sach- auch Personenschaden nach sich zu ziehen.
Im konkreten Fall ist aus den Angaben der Beteiligten zu den von ihnen eingehaltenen
Geschwindigkeiten - vorausfahrendes Fahrzeug rund 60 km/h, Rekurrent 90 bis 100
km/h - abzuleiten, dass der Rekurrent nicht nur das Bremsmanöver relativ spät,
sondern vorher auch eine beträchtliche Geschwindigkeitsdifferenz nicht
wahrgenommen hat. Dies deutet auf eine ungenügend Aufmerksamkeit während einer
Dauer hin, die insbesondere angesichts der Verkehrsdichte und der relativ hohen
Geschwindigkeit typischerweise eine erhöhte abstrakte Gefährdung in sich birgt, die
nicht mehr als gering bezeichnet werden kann.
c) Ist die Gefahr, die der Rekurrent durch die ungenügende Aufmerksamkeit angesichts
des dichten Verkehrs und der relativ hohen Geschwindigkeiten verursacht hat, nicht
mehr als gering einzustufen, kann nicht mehr von einer leichten Widerhandlung im Sinn
von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG ausgegangen werden. Die Qualifikation des Verschuldens
kann unter diesen Umständen im Zusammenhang mit der Qualifikation der
Widerhandlung offen bleiben. Mithin ist von einer mittelschweren Widerhandlung im
Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG auszugehen.
5.- Zu prüfen bleibt die von der Vorinstanz verfügte Dauer des Entzugs des
Führerausweises von einem Monat.
Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind gemäss
Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
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Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer mittelschweren
Widerhandlung mindestes für einen Monat entzogen.
Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung den
Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Entzugsdauer von einem
Monat entzogen. Da das Gesetz eine Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer
ausschliesst (Art. 16 Abs. 3 SVG), erübrigt es sich, massnahmemindernde Umstände
wie insbesondere eine berufliche Angewiesenheit des Rekurrenten auf das Führen
eines Motorfahrzeugs zu prüfen (vgl. zum früheren Recht SJZ 97/2001 S. 524 f.).
Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen Mindestentzugsdauer verbleibt der
rechtsanwendenden Behörde auch kein Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie
Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur
Besserung des Betroffenen anstellen könnte (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4462 ff.,
wo auf die mit BGE 120 Ib 504 eingeführte, die Unterschreitung der
Mindestentzugsdauer wegen überlanger Verfahrensdauer betreffende Rechtsprechung
hingewiesen wird). Daraus folgt, dass die Mindestentzugsdauer selbst in
Ausnahmesituationen im Sinn der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl.
BGE 120 Ib 504 ff., 115 Ib 159 ff., 118 Ib 233 f.) nicht unterschritten werden kann.
Dies mag insbesondere in Fällen unbefriedigend sein, in denen der automobilistische
Leumund des Betroffenen ungetrübt ist und ihn nur ein leichtes Verschulden trifft, der
Führerausweis aber entzogen werden muss, weil die Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsordnung mehr als eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorrief. Indessen ergibt sich die dargelegte Abkehr vom verschuldensorientierten
Ansatz bei der Umschreibung des leichten Falls aus dem klaren Wortlaut der neuen
gesetzlichen Ordnung in Art. 16a SVG.
Im vorliegenden Fall besteht schliesslich auch kein Anlass, Gefährdung und
Verschulden des Rekurrenten schwerer zu gewichten, als dies die Vorinstanz getan hat,
und die Entzugsdauer entsprechend zu erhöhen. Die Bewertung der Gefährdung wirkt
auf die Bemessung der Entzugsdauer in erster Linie über die mit der Qualifikation der
Widerhandlung verbundene gesetzliche Mindestdauer. Dafür, dass dem Verschulden
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des Rekurrenten mit einer einmonatigen Entzugsdauer nicht ausreichend Rechnung
getragen würde, bestehen keine Anhaltspunkte.
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist.
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist
angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.