Decision ID: 355c7869-01f3-5c35-aca3-8b8d23a8dccb
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog X mit
Verfügung vom 1. September 2017 den Führerausweis für die Spezialkategorie M für
einen Monat und verweigerte ihm den Lernfahrausweis der Kategorie A1 für die Dauer
von sechs Monaten, nachdem er ein Kleinmotorrad gelenkt hatte, ohne im Besitz des
Führerausweises der Kategorie A1 zu sein. Im Informationssystem über die
Verkehrszulassung (IVZ; früher: Administrativmassnahmen-Register) wurde dieser
Vorfall als mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
erfasst. Seit dem 29. April 2019 besitzt X den Führerausweis der Kategorie B und seit
dem 21. Mai 2019 jenen der Kategorie A.
B.- Am 11. Juli 2020 um 12.30 Uhr beging X innerorts auf der C-Strasse (Höhe
Hausnummer 74a) in A (Vorarlberg / Österreich) eine Geschwindigkeitsübertretung.
Dabei überschritt er die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h innerorts um
57 km/h (nach Abzug der Messtoleranz). Die Bezirkshauptmannschaft Feldkirch
verurteilte X mit Strafverfügung vom 21. August 2020 wegen Überschreitens der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit zu einer Geldstrafe von € 555.– und belegte diesen
mit Bescheid vom 12. Oktober 2020 mit einem zweiwöchigen Lenkverbot für
Österreich.
C.- Gestützt auf die Mitteilung der Bezirkshauptmannschaft Feldkirch eröffnete das
Strassenverkehrsamt gegen X ein Administrativmassnahmeverfahren wegen der
Geschwindigkeitsübertretung vom 11. Juli 2020. Es teilte ihm am 25. November 2020
mit, dass aufgrund der in Österreich begangenen Geschwindigkeitsüberschreitung
beabsichtigt sei, ihm den Führerausweis auf Probe wegen einer schweren
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Widerhandlung für mindestens sechs Monate zu entziehen und die Probezeit um ein
Jahr zu verlängern; gleichzeitig gewährte es das rechtliche Gehör. Nach der
Akteneinsicht beantragte X mit Stellungnahme seines Rechtsvertreters vom 29.
Dezember 2020, es sei eine Massnahmenanordnung in Anwendung von Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG zu treffen, ein einmonatiger Warnungsentzug anzuordnen sowie die Probezeit
um ein Jahr zu verlängern. Er brachte vor, die massgebliche österreichische Behörde
habe nach den gleichen Kriterien, welche für die Unterscheidung zwischen
mittelschweren und schweren Fällen nach SVG gelten würden, festgestellt, dass kein
schwerer Fall vorliege. Es verbiete sich daher für die Schweizer Behörde, entgegen der
ortszuständigen Behörde eine andere Sachverhalts- und Rechtsbewertung
vorzunehmen. Mit Verfügung vom 4. Februar 2021 entzog das Strassenverkehrsamt
den Führerausweis wegen schwerer Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von fünf Monaten und verlängerte die
Probezeit des Führerausweises um ein Jahr.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 16.
Februar 2021 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen
(VRK), den er mit Eingabe vom 4. März 2021 ergänzte. Er beantragte, dem Rekurs sei
aufschiebende Wirkung zu gewähren und es sei eine öffentliche und mündliche
Hauptverhandlung durchzuführen. Die Verfügung der Vorinstanz sei in Ziffer 1 wie folgt
abzuändern: Der Entzug des Führerausweises sei als mittelschwerer Fall im IVZ
einzutragen und die Entzugsdauer sei auf einen Monat zu beschränken, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete am 11. März 2021 auf eine
Stellungnahme. Mit Schreiben vom 13. April 2021 wurde dem Rekurrenten mitgeteilt,
im Rahmen der Entscheidfindung werde das Gericht auch prüfen, ob allenfalls der
Tatbestand der krassen Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit gemäss
Art. 90 Abs. 4 lit. b SVG erfüllt worden sei, und räumte Gelegenheit zur Stellungnahme
ein. Des Weiteren bat der Verfahrensleiter um Mitteilung, ob am Antrag auf
Durchführung einer mündlichen Verhandlung festgehalten werde, ansonsten eine
Kostennote einzureichen sei. Nachdem die Kostennote eingegangen war, teilte der
Verfahrensleiter mit Schreiben vom 1. Juni 2021 mit, dass keine mündliche
Verhandlung durchgeführt werde. Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 16. Februar 2021 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt zusammen
mit der Ergänzung vom 4. März 2021 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2. Mit Eingabe vom 4. März 2021 beantragte der Rekurrent zunächst, dem Rekurs sei
aufschiebende Wirkung zu gewähren. Gemäss Art. 51 Abs. 1 VRP hat der Rekurs
grundsätzlich aufschiebende Wirkung, wenn die Vorinstanz nicht aus wichtigen
Gründen die Vollstreckbarkeit anordnet. Mit Schreiben der VRK vom 17. Februar 2021
wurde bereits darauf hingewiesen, dass der Rekurs aufschiebende Wirkung habe. Dies
bedeute, dass die angefochtene Verfügung während des Rekursverfahrens keine
Wirkung entfalte, selbst wenn dieses über den 4. August 2021 hinaus dauern sollte. So
ordnete die Vorinstanz in Ziffer 1 Abs. 2, 5 und 6 der angefochtenen Verfügung an,
dass dem Rekurrenten der Führerausweis und allfällig vorhandene weitere Ausweise
vom 4. August 2021 bis und mit 3. Januar 2022 entzogen würden. Hierbei handelt es
sich jedoch um eine vollstreckungsrechtliche Anordnung, die separat verfügt werden
müsste. Darauf ist indessen nicht weiter einzugehen, denn der Abgabetermin (4.
August 2021) ist vorüber, weshalb Ziffer 1 Abs. 2, 5 und 6 zufolge
Gegenstandslosigkeit aufzuheben ist. Die Vorinstanz wird diesbezüglich nach Eintritt
der Rechtskraft der Sachverfügung allenfalls eine Vollstreckungsverfügung zu erlassen
haben (Entscheid der VRK [VRKE] IV-2017/149 vom 4. Februar 2019 E.2, im Internet
abrufbar unter www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Rechtsprechung). Allerdings
hätte Ziffer 1 Abs. 2, 5 und 6 der angefochtenen Verfügung auch aufgehoben werden
müssen, wenn die Abgabefrist nicht bereits abgelaufen wäre, und zwar wegen
unzulässiger Vermischung von Erkenntnis- und Vollstreckungsverfahren; dies ist bei
der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
3. Weiter machte der Rekurrent eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Eine
Verwaltungsbehörde habe ihre Verfügung zu begründen und bekanntzugeben, von
welchen Überlegungen sie sich habe leiten lassen. Als Minimum sei von einer
Verwaltungsbehörde zu erwarten, dass sie sich zu den Tatbestandsmerkmalen
äussere, was vorliegend nicht der Fall sei.
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a) Die Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) garantiert auf Verfassungsstufe
Verfahrensrechte. Sie umreisst mit Art. 29 und 30 bis 32 BV die verfassungsrechtlichen
Anforderungen an rechtsstaatliche Verfahren vor Behörden in allgemeiner Weise; hinzu
kommt Art. 29a BV. Zum einen sind die Verfahrensgrundrechte mit der Umschreibung
der Anforderungen an Verfahren institutioneller Natur. Zum anderen gewährleisten sie
den von Verfahren Betroffenen umfassenden grundrechtlichen Verfahrensschutz. Trotz
unterschiedlicher Ausrichtung der Einzelnormen und ihrer Teilgehalte sind sie – unter
Einbezug der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(SR 0.101, abgekürzt EMRK) und des UNO-Pakts II (SR 0.103.2) – als einheitliches
Normengebilde zur Sicherung rechtsstaatlicher Verfahren zu verstehen und bei
Auslegung und Anwendung sowie Konkretisierung und Weiterbildung aufeinander zu
beziehen. Das rechtliche Gehör etwa ist ein wichtiger, in Art. 29 Abs. 2 BV eigens
aufgeführter Teilaspekt des Grundsatzes eines gerechten Verfahrens. Der Anspruch auf
ein gerechtes Verfahren bildet für sämtliche Verfahrensarten ein offenes Grundprinzip
zur Sicherung rechtsstaatlicher Verfahren. Art. 29 Abs. 1 BV ist Grundtatbestand der im
Einzelnen ausgebildeten verfassungsmässigen Verfahrensrechte und grundlegender
Ausdruck des prozessualen Fairnessgrundsatzes (vgl. Steinmann, St. Galler
Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 29 BV N 4 und 39; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, N 1041). Aus Art. 29 Abs. 2 BV ergibt sich auch der
Mindestanspruch auf Begründung einer Verfügung. Sie entspricht den Anforderungen
dieser Norm, wenn die Betroffenen dadurch in die Lage versetzt werden, die Tragweite
der Verfügung oder Entscheidung zu beurteilen und diese in voller Kenntnis der
Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist aber nicht
verpflichtet, sich zu allen Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie
sich auf die ihr für die Verfügung oder den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken. Es genügt, wenn ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sich die
Behörde leiten liess (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1070 f.).
b) Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die Eingabe des
Rekurrenten vom 29. Dezember 2020 aus, er habe gemäss Bescheid der
Bezirkshauptmannschaft Feldkirch innerorts die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von
40 km/h um 57 km/h überschritten, wofür ihm die Lenkberechtigung für Österreich für
die Dauer von zwei Wochen aberkannt worden sei. Damit erfülle er gemäss
Bundesgerichtspraxis die schwere Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG,
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womit die Voraussetzung von Art. 16c Abs. 1 Bst. b SVG ebenfalls erfüllt sei. Die
konkreten Umstände, welche zur massiven Geschwindigkeitsübertretung geführt
hätten, seien nicht relevant. Auch für Führerausweisentzüge für Widerhandlungen im
Ausland gelte das Kaskadensystem der Artikel 16b und 16c SVG, danach komme bei
einem Rückfall eine höhere (bei Auslandtaten aber unterschreitbare)
Mindestentzugsdauer zur Anwendung, und zwar unabhängig davon, ob die erste die
zweite oder beide Widerhandlungen im Ausland begangen worden seien. Vorliegend
komme die Kaskadenbestimmung nach Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG zur Anwendung. Die
geltend gemachte Betroffenheit sei privater Natur und nicht in einem solchen Mass
ausgeprägt, wie z.B. bei einer beruflichen Angewiesenheit, weshalb eine Entzugsdauer
von fünf Monaten als angemessen erscheine.
c) Somit ergibt sich, dass die Vorinstanz die angefochtene Verfügung einlässlich und
nachvollziehbar begründete. Der Rekurrent wurde in die Lage versetzt, die Tragweite
der Verfügung zu erfassen und diese in voller Kenntnis der Umstände an die VRK
weiterzuziehen. Es war für den Rekurrenten insbesondere ersichtlich, von welchen
Überlegungen die Vorinstanz sich leiten liess. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
liegt demnach nicht vor.
4.- a) Im Zusammenhang mit dem administrativen Führerausweisentzug unterscheidet
das Gesetz zwischen der leichten, mittelschweren und schweren Widerhandlung (Art.
16a bis c des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Eine leichte
Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr
für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft
(Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Eine schwere Widerhandlung begeht, wer durch
grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Die Annahme einer schweren
Widerhandlung setzt kumulativ eine qualifizierte objektive Gefährdung und ein
qualifiziertes Verschulden voraus. In objektiver Hinsicht wird verlangt, dass die
Verkehrssicherheit ernsthaft gefährdet wurde. Dabei genügt nach der Rechtsprechung
eine erhöhte abstrakte Gefährdung, die vorliegt, wenn in Anbetracht der jeweiligen
Verhältnisse des Einzelfalls der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer
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Verletzung naheliegt. Subjektiv erfordert der Tatbestand der groben
Verkehrsregelverletzung ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend
verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei fahrlässiger Begehung
grobe Fahrlässigkeit (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_50/2017 vom 16. Mai 2017
E. 4.1 mit Hinweisen).
b) Der Gesetzgeber hat im Rahmen des Handlungsprogramms des Bundes für mehr
Sicherheit im Strassenverkehr ("Via sicura") die Straf- und
Administrativmassnahmenbestimmungen des SVG per 1 Januar 2013 verschärft (AS
2012 6291; BBl 2010 8447). Bei den Warnungsentzügen hat er es zwar bei den drei
bisherigen Kategorien – leichte, mittelschwere und schwere Widerhandlungen –
belassen. Bei den schweren Widerhandlungen sieht er in Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG
für die sogenannten Raser indessen eine massiv erhöhte Mindestentzugsdauer von
zwei Jahren vor, welche unabhängig davon gilt, ob der Führerausweis früher bereits
(wegen mittelschwerer oder schwerer Widerhandlung) entzogen war (BSK SVG-
Bernhard Rütsche/Denise Weber, Art. 16c N 52 f.). Als Raser gilt unter anderem, wer
durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines
Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich durch besonders
krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit (Art. 90 Abs. 3 SVG). In Art.
90 Abs. 4 SVG wird sodann aufgelistet, welche Geschwindigkeitsübertretungen in
jedem Fall den Rasertatbestand erfüllen. So liegt eine qualifiziert grobe
Geschwindigkeitsüberschreitung im Sinn von Art. 90 Abs. 3 SVG vor, wenn die
zulässige Höchstgeschwindigkeit um mindestens 50 km/h überschritten wird, wo die
Höchstgeschwindigkeit höchstens 50 km/h beträgt (Art. 90 Abs. 4 lit. b SVG; BGer
1C_397/2014 vom 20. November 2014 E. 2.2).
c) Es ist unbestritten, dass der Rekurrent am 11. Juli 2020 um 12.30 Uhr innerorts auf
der C-Strasse (Höhe Hausnummer 74a) im österreichischen A die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h um 57 km/h (nach Abzug der Messtoleranz)
überschritt. Der Rasertatbestand ist demnach erfüllt. Zu prüfen bleibt, welche
administrativrechtlichen Konsequenzen diese Auslandtat in der Schweiz hat.
3.- a) Gemäss Art. 16c SVG wird der Führerausweis nach einer Widerhandlung im
Ausland entzogen, wenn im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde (Abs. 1 lit. a;
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nachfolgend E. 3b) und die Widerhandlung nach den Artikeln 16b und 16c als
mittelschwer oder schwer zu qualifizieren ist (lit. b, nachfolgend E. 3d). Beide
Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Mit Art. 16c SVG hat der
Gesetzgeber die zuvor fehlende gesetzliche Grundlage für Führerausweisentzüge nach
einem im Ausland begangenen Verkehrsdelikt geschaffen. Aus dem gesetzlichen
Verweis auf Art. 16b und Art. 16c SVG und dem Hinweis, dass die gesetzlichen
Mindestdauern unterschritten werden dürfen, ergibt sich, dass grundsätzlich die für
Inlandtaten geltenden Vorschriften anzuwenden sind, sofern sich aus Art. 16c SVG
nichts anderes ergibt (vgl. BGer 1C_392/2013 vom 23. Januar 2014 E. 2.2 mit Verweis
auf 1C_47/2014 vom 17. April 2012 E. 2.2; so auch die Botschaft zur Änderung des
Strassenverkehrsgesetzes vom 28. September 2007, in BBl 2007 S. 7622 f.).
b) Die Bezirkshauptmannschaft Feldkirch verurteilte den Rekurrenten mit
Strafverfügung vom 21. August 2020 wegen Überschreitens der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit zu einer Geldstrafe von € 555.– und belegte diesen mit
Bescheid vom 12. Oktober 2020 mit einem zweiwöchigen Lenkverbot für Österreich.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Die Voraussetzung von
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG, wonach im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde, ist
demnach erfüllt.
c) Der Rekurrent hielt bezüglich der Qualifikation seiner Widerhandlung in Österreich
fest, es handle sich "bloss" um eine mittelschwere Verfehlung. Die österreichische
Behörde habe nach den gleichen Kriterien, welche für die Unterscheidung zwischen
mittelschweren und schweren Fällen für die Schweiz gelten würden, aufgrund der Orts-
und Sachkenntnisse festgestellt, dass kein schwerer Fall vorliege. Unter
Berücksichtigung der Sachverhaltsfeststellung der ortskundigen ausländischen
Behörde seien die Voraussetzungen einer schweren Widerhandlung nach Art. 16c SVG
nicht erfüllt. Es mangle sowohl an objektiven (ernstliche Gefahr für die Sicherheit
anderer) als auch an subjektiven (grobes bzw. schweres Verschulden)
Tatbestandselementen. Bei einem Führerausweisentzug nach einer Widerhandlung im
Ausland wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen seien die Umstände des Einzelfalls
zu berücksichtigen; ebenfalls gelte es, die Eigenheit der ausländischen
Strassengesetzgebung zu beachten.
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Die Vorinstanz machte demgegenüber geltend, durch die begangene
Geschwindigkeitsübertretung habe der Rekurrent grob schuldhaft Verkehrsregeln
verletzt und dabei eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder
in Kauf genommen. Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts handle es sich dabei
um eine schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG, weshalb ein
Führerausweisentzug nach Art. 16c Abs. 2 SVG zu erfolgen habe. Die konkreten
Umstände, welche zur massiven Geschwindigkeitsüberschreitung geführt hätten, seien
nicht relevant. Die Erwähnung der österreichischen Behörde, dass die Übertretung
nicht geeignet gewesen sei, besonders gefährliche Verhältnisse herbeizuführen, und
nicht mit besonderer Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Strassenbenützern
ausgeführt worden sei, schliesse die Annahme einer schweren Widerhandlung nach
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG nicht aus. Für die Qualifikation der Massnahme sei
ausschliesslich auf das schweizerische Massnahmenrecht abzustützen.
d) In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten (vgl. act. 7 N 13 und act. 12 S. 22), dass der
Rekurrent am 11. Juli 2020 um 12.30 Uhr innerorts auf der C-Strasse (Höhe
Hausnummer 74a) im österreichischen A die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von
40 km/h um 57 km/h überschritt. Der Rekurrent erfüllte damit den Rasertatbestand im
Sinn von Art. 90 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 90 Abs. 4 lit. b SVG und es liegt eine
schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG vor, weshalb die
Voraussetzung von Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG ebenfalls erfüllt ist. Entgegen den
Ausführungen des Rekurrenten ist somit nicht von einer mittelschweren Widerhandlung
auszugehen. Es kann nicht massgeblich sein, aus welchen Gründen resp. gestützt auf
welche Kriterien die österreichische Behörde die zulässige Höchstgeschwindigkeit an
der besagten Stelle auf 40km/h festgesetzt hat. Denn die Gefährdung von Passanten
und korrekt fahrender Fahrzeuglenker steigt mit der Zunahme der
Geschwindigkeitsüberschreitung. Auf die Intensität dieser Gefährdung hat das Motiv
der Begrenzung der Geschwindigkeit keinen Einfluss (BGer 1C_224/2010 und
1C_238/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.3). Der Rekurrent und die Vorinstanz stimmen
darin überein, dass der Führerausweis aufgrund der massiven
Geschwindigkeitsübertretung in Österreich auch in der Schweiz zu entziehen ist (vgl.
act. 7 N 17). Hinsichtlich der angemessenen Entzugsdauer gehen die Meinungen
jedoch auseinander. Während der Rekurrent eine maximale Entzugsdauer von einem
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Monat beantragt, hält die Vorinstanz fünf Monate für angemessen. Wie es sich damit
verhält, ist im Folgenden zu prüfen.
4.- Begeht eine Person mit schweizerischem Wohnsitz im Ausland ein
Strassenverkehrsdelikt, kann der Tatortstaat eine Administrativmassnahme allein mit
Wirkung für das eigene Staatsgebiet aussprechen. Den schweizerischen Führerausweis
als solchen kann er nicht entziehen. Die Wirkung der im Ausland verfügten
Administrativmassnahme ist daher beschränkt. Deshalb sieht Art. 16c SVG unter den
erwähnten Voraussetzungen den Entzug des schweizerischen Führerausweises durch
die hiesige Behörde vor. Das darf jedoch nicht zu einer doppelten Sanktionierung
führen. Die im Ausland und in der Schweiz ausgesprochenen Massnahmen müssen in
ihrer Gesamtheit schuldangemessen sein. Daher sind gemäss Art. 16c Abs. 2 Satz 1
SVG bei der Festlegung der Entzugsdauer die Auswirkungen des ausländischen
Fahrverbots auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen. Damit wird
dem Umstand Rechnung getragen, dass das ausländische Fahrverbot den Fehlbaren
unterschiedlich stark oder gar nicht treffen kann. So gibt es Fahrzeuglenker, die im
Tatortstaat oft unterwegs sind, weshalb sie das dortige Fahrverbot erheblich belastet.
Umgekehrt gibt es Personen, die praktisch nie im Tatortstaat ein Fahrzeug lenken,
weshalb sie das ihnen dort auferlegte Fahrverbot kaum oder überhaupt nicht trifft.
Massgeblich sind die Umstände des Einzelfalles. Gegebenenfalls kann sich das
Unterschreiten der Mindestentzugsdauer rechtfertigen, was Art. 16c Abs. 2 Satz 2
SVG ausdrücklich zulässt (BGE 141 II 256 E. 2.3). Bei Personen, zu denen im
Informationssystem über die Verkehrszulassung keine Daten zu
Administrativmassnahmen gemäss Art. 89c lit. d enthalten sind, darf die Entzugsdauer
das am Begehungsort verfügte Fahrverbot nicht überschreiten (Art. 16c Abs. 2 SVG;
BGer 1C_47/2012 vom 17. April 2012 E. 2.2). Handelt es sich demgegenüber um
Rückfalltäter, kann die Schweizer Behörde über die Dauer des am Begehungsort
verfügten Fahrverbots hinausgehen (BGE 141 II 256 E. 2.4). Gesamthaft darf der
angeordnete Entzug mit der ausländischen Massnahme zusammen nicht strenger
erscheinen als der Entzug, der ausgesprochen worden wäre, wenn die Anlasstat in der
Schweiz begangen worden wäre (Botschaft zur Änderung des
Strassenverkehrsgesetzes [Führerausweisentzug nach Widerhandlung im Ausland], BBl
2007 S. 7622; Th. Scherrer, Administrativrechtliche Folgen von "Auslandtaten", in:
R. Schaffhauser, Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, S. 252).
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Art. 16c Abs. 2 SVG enthält demnach verschiedene Vorgaben, wie die Entzugsdauer
nach einer Auslandtat zu bemessen ist. So sind die Auswirkungen des ausländischen
Fahrverbots auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen und die
Mindestentzugsdauer (gemäss Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2 SVG) darf
unterschritten werden. Schliesslich darf die Entzugsdauer bei Personen, zu denen im
Informationssystem über die Verkehrszulassung keine Daten zu
Administrativmassnahmen (Art. 89c lit. d SVG) enthalten sind, die am Begehungsort im
Ausland verfügte Dauer des Fahrverbots nicht überschreiten (nachfolgend E. 4a).
a) Aus Art. 16c Abs. 2 SVG ergibt sich, dass bei der Bemessung der Entzugsdauer
grundsätzlich von den Sanktionsdrohungen gemäss Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2
SVG auszugehen ist. Dies gilt nur dann nicht, wenn die am Begehungsort im Ausland
verfügte Dauer des Fahrverbots – im vorliegenden Fall zwei Wochen – nicht
überschritten werden darf, und zwar, weil zu der betroffenen Person im IVZ keine Daten
zu Administrativmassnahmen enthalten sind. Der Rekurrent ist mit einem
Führerausweisentzug (Führerausweis der Spezialkategorie M) nach einer
mittelschweren Widerhandlung im IVZ eingetragen, weshalb für ihn eine Begrenzung
des oberen Sanktionsrahmens auf der Höhe des im Ausland ausgesprochenen
Fahrverbots von zwei Wochen nicht in Frage zu kommen scheint. Die
Entstehungsgeschichte der Norm und deren Sinn und Zweck lassen sich jedoch mit
dem Wortlaut nicht in Einklang bringen (vgl. VRKE IV-2017/2 vom 29. Juni 2017 E. 4.a).
In der bundesrätlichen Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
(Führerausweisentzug nach Widerhandlung im Ausland) war in E-Art. 16c Abs. 2 SVG
nur vorgesehen, dass bei der Festlegung der Entzugsdauer die Auswirkungen des
ausländischen Fahrverbots auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen
seien und die Mindestentzugsdauer unterschritten werden dürfe (BBl 2007 7617 ff. und
7625). Während der parlamentarischen Beratung wurde ein Antrag gestellt, wonach die
Entzugsdauer die am Begehungsort verfügte Dauer des Fahrverbots nicht
überschreiten dürfe. Der Antragsteller hielt dafür, dass das Kaskadensystem gemäss
Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2 SVG nach einer Auslandtat nicht zur Anwendung
gelangen solle (z.B. Amtl. Bull. NR, Frühjahrssession 2008, Dreizehnte Sitzung,
19.03.08, 08h20, 07.079 [Votum Müller]). Dieser Antrag wurde schliesslich nicht Gesetz
und die Räte einigten sich auf einen Kompromiss. Es wurde entschieden, dass die
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Dauer des ausländischen Fahrverbots nur bei Ersttätern, also bei Personen, die im IVZ
(früher: Administrativmassnahmen-Register) nicht verzeichnet sind, die Obergrenze für
die Entzugsdauer in der Schweiz bilde. So werde verhindert, dass Wiederholungstäter
wie Ersttäter behandelt werden und Wiederholungstäter, die im Ausland zum Beispiel
die Geschwindigkeitsvorschriften krass missachten, gegenüber Wiederholungstätern in
der Schweiz privilegiert behandelt werden (Amtl. Bull. SR, Frühjahrssession 2008,
Zehnte Sitzung, 18.03.08, 08h15, 07.079 [Votum Bieri]). Mit der Gesetz gewordenen
Fassung wollte der Gesetzgeber eine faktische Aushebelung des in der Schweiz
geltenden Kaskadensystems verhindern. Das Kaskadensystem gemäss Art. 16b Abs. 2
und Art. 16c Abs. 2 SVG kommt dann zur Anwendung, wenn der betroffene
Fahrzeuglenker wiederum eine mittelschwere oder schwere Widerhandlung begeht und
die im Gesetz vorgesehenen Rückfallfristen, welche zwischen 2 und 10 Jahren dauern
und nach dem Vollzug des Führerausweisentzugs beginnen, noch nicht abgelaufen
sind. Zu berücksichtigen ist indessen, dass der Rekurrent im Zeitpunkt des Entzugs
des Führerausweises der Spezialkategorie M (Motorfahrräder; Art 3 Abs. 3 der
Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt: VZV) 16 Jahre alt war und
deshalb gar nicht im Besitz eines Führerausweises der Kategorien B oder A sein
konnte. Damit war auch eine Ausdehnung auf diese beiden Kategorien gemäss Art. 33
Abs. 4 lit. b VZV nicht möglich. Nach dieser Bestimmung kann die Entzugsbehörde mit
dem Lernfahr- oder dem Führerausweis einer Spezialkategorie auch den Lernfahr- oder
Führerausweis der Kategorien und Unterkategorien entziehen. Beim Entscheid darüber
hat die Behörde abzuwägen, ob sich eine Ausdehnung angesichts der Schwere und
der Art der begangenen Widerhandlung rechtfertigt. Dabei hat sie sämtliche Umstände
des Einzelfalles zu berücksichtigen (vgl. zum früheren Recht BGE 114 Ib 41 E. 3 [Praxis
77 (1988) Nr. 80]). Gemäss früherer bundesgerichtlicher Rechtsprechung konnte die
Anordnung eines Motorfahrradausweisentzugs ohne Ausdehnung auf einen
ordentlichen Führerausweis nicht zu einem Rückfall führen (vgl. BGE 128 II 187 E. 1c
am Schluss). Es ist nicht ersichtlich, weshalb diese Praxis nicht auch für das seit 1.
Januar 2005 geltende Administrativmassnahmenrecht gelten soll, was dazu führt, dass
das Kaskadensystem gemäss Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2 hier nicht zur
Anwendung gelangt. Vor diesem Hintergrund ist die Gesetzesredaktion, wonach der
Führerausweisentzug in der Schweiz nur für Personen, zu denen im IVZ keine Daten zu
Administrativmassnahmen enthalten sind, nicht länger als die Dauer des ausländischen
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Fahrverbots ausfallen darf, ungenau. Letztlich kann es nur darum gehen, dass die
betroffene Person nicht mit einer Administrativmassnahme wegen mittelschwerer oder
schwerer Widerhandlung eingetragen oder eine entsprechende Rückfallfrist abgelaufen
ist oder die betroffene Person nicht wegen eines Führerausweisentzugs in der
Spezialkategorie M (Motorfahrräder) mit einer Ausdehnung auf eine Kategorie oder
Unterkategorie eingetragen ist. Bei diesen Fällen kann nicht von einem Rückfall im Sinn
des Kaskadensystems ausgegangen werden, weshalb die Dauer des
Führerausweisentzugs nicht über die Dauer des ausländischen Fahrverbots
hinausgehen soll. Es verhält sich damit nicht anders wie bei einer neuerlichen schweren
Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln in der Schweiz, wenn zwar bereits früher
Strassenverkehrsvorschriften missachtet wurden, dieser frühere Verstoss jedoch
lediglich zum Entzug des Führerausweises für Motorfahrräder führte (da die betroffene
Person entweder aus Altersgründen oder freiem Entschluss nur einen Führerausweis
für Motorfahrräder besass, und sich die Frage der Ausdehnung des Entzugs auf einen
ordentlichen Führerausweis gar nicht stellte); hier kommt das Kaskadensystem
ebenfalls nicht zur Anwendung und eine "unhaltbare Privilegierung" des Rückfalltäters
mit einer Widerhandlung im Ausland gegenüber einem Rückfalltäter mit einer Inlandtat
kann ausgeschlossen werden. Bei einem Ersttäter darf die schweizerische Behörde
keine strengere Wertung vornehmen als die ausländische. Dass sie gegebenenfalls
nach hiesigen Massstäben ein längeres Fahrverbot als gerechtfertigt angesehen hätte,
spielt keine Rolle. Die Dauer des am Begehungsort ausgesprochenen Fahrverbots
begrenzt den Ermessensspielraum der schweizerischen Behörde nach oben (vgl. BGer
1C_538/2014 vom 9. Juni 2015 E. 2.4). Schliesslich kann anderen Einträgen wie etwa
einer Verwarnung (Art. 89c lit. d Ziffer 7 SVG), die die Kaskaden gemäss Art. 16b Abs. 2
und 16c Abs. 2 SVG nicht auszulösen vermag, verkehrspsychologischen und
verkehrsmedizinischen Untersuchungen (Ziffer 8) oder einer Teilnahme an
Nachschulung (Ziffer 10) keine Bedeutung zukommen mit Bezug auf die Begrenzung
der Entzugsdauer auf die Höhe der Dauer des ausländischen Fahrverbots, weshalb der
generelle Verweis in Art. 16c Abs. 2 SVG auf Art. 89c lit. d SVG auch deshalb an der
Sache vorbeigeht.
Der Rekurrent weist im IVZ zwar einen Eintrag wegen mittelschwerer Widerhandlung
auf, diese betrifft jedoch einen Entzug des Ausweises der Spezialkategorie M. Mithin
kommt für ihn das Kaskadensystem nicht zur Anwendung. Entsprechend darf der
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schweizerische Führerausweisentzug die Dauer des österreichischen Fahrverbots von
zwei Wochen nicht überschreiten. An diesem Zwischenergebnis ändert auch das
Bestehen einer Rasernorm mit einer Mindestentzugsdauer von zwei Jahren nichts. Es
gibt keine Hinweise, dass für Auslandtaten in diesem Bereich Art. 16c SVG nicht gilt.
Der Gesetzgeber hat sich dazu, soweit überblickbar, jedenfalls nicht geäussert. Dass
der Rekurrent wesentlich milder zu sanktionieren ist, hängt damit zusammen, dass
krasse Geschwindigkeitsüberschreitungen in Österreich viel weniger streng sanktioniert
werden als in der Schweiz, und ist hinzunehmen (BGE 141 II 256 E. 2.6).
b) Zusammenfassend ist Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und der
Führerausweis für zwei Wochen zu entziehen. Dass eine Entzugsdauer von zwei
Wochen als angemessen erscheint, ändert nichts daran, dass der Rekurrent fortan mit
einer schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG im IVZ verzeichnet
ist. Insbesondere beginnen auch die Rückfallfristen gemäss Art 16b Abs. 2 und Art. 16c
Abs. 2 SVG für allfällige weitere mittelschwere oder schwere Widerhandlungen zu
laufen. Sollte der Rekurrent etwa in den nächsten fünf Jahren gar noch einmal gegen
die Raserstrafnorm verstossen, gälte er als unverbesserlich und der Führerausweis
würde für immer entzogen (Art. 16d Abs. 3 lit. b SVG). Ein solcher Führerausweisentzug
könnte frühestens nach fünf Jahren und nur dann aufgehoben werden, wenn der
Betroffene glaubhaft macht, dass die Massnahme nicht mehr erforderlich ist (Philippe
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16d N 49).
c) Nicht angefochten wurde die Verlängerung der Probezeit des Führerausweises um
ein Jahr, weshalb nach Ablauf der Entzugsdauer durch die Vorinstanz ein neuer
Führerausweis auf Probe zuzustellen ist.
5. Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die Kosten dem Rekurrenten zu einem Viertel und dem Staat zu drei
Vierteln aufzuerlegen. Denn einerseits unterliegt der Rekurrent, was die Qualifizierung
der Auslandtat als schwere Widerhandlung anbelangt, und andererseits unterliegt die
Vorinstanz im Zusammenhang mit der Bemessung der Entzugsdauer der Auslandtat.
Zudem hat sie die materielle Verfügung (Führerausweisentzug) in unzulässiger Weise
mit der Vollstreckung (Abgabe des Führerausweises) kombiniert. Eine Entscheidgebühr
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von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist mit
dem Kostenanteil des Rekurrenten (Fr. 300.–) zu verrechnen. Der Restbetrag des
Kostenvorschusses von Fr. 900.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
Der teilweise obsiegende Rekurrent liess sich anwaltlich vertreten. Er hat entsprechend
der Verlegung der amtlichen Kosten gemäss Art. 98 Abs. 2 und Art. 98 VRP
Anspruch auf eine hälftige Entschädigung der ausseramtlichen Kosten, soweit diese als
notwendig und angemessen erscheinen (PK VRP/SG-A. Linder, Art. 98 N 16). Der
Beizug eines Rechtsvertreters war im vorliegenden Rekursverfahren geboten.
Im Verfahren vor der VRK wird das Honorar als Pauschale ausgerichtet. Es beträgt
zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung
[sGS 963.75; abgekürzt HonO]). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar
nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen,
der Schwierigkeiten des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten
bemessen (Art. 19 HonO). Der Rechtsvertreter reichte eine Kostennote über
Fr. 6'650.50 (Honorar Fr. 6'000.–, Barauslagen Fr. 175.– und Mehrwertsteuer
Fr. 475.50) ein. Das geltend gemachte Honorar erscheint eindeutig zu hoch. Zu
berücksichtigen ist, dass der Sachverhalt unbestritten war und sich nur, wenn auch
nicht ganz einfache, Rechtsfragen stellten. Letztlich ging es im Wesentlichen um die
Auslegung der Bestimmungen von Art. 16c Abs. 2 sowie Art. 16c SVG. Der
Aktenumfang war eher unter dem Durchschnitt. Insgesamt erscheint damit ein Honorar
von Fr. 3'300.– als angemessen, das heisst entsprechend der Verlegung der amtlichen
Kosten ein Betrag von Fr. 1'650.–. Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von Fr. 66.–
(4% von Fr. 1'650.–; Art. 28 Abs. 1 HonO) und die Mehrwertsteuer von Fr. 132.15
(7.7% von Fr. 1'716.–; Art. 29 HonO). Dem Rekurrenten sind die ausseramtlichen
Kosten demnach im Betrag von Fr. 1'848.15 zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 VRP);
entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrsamt).