Decision ID: ee5368eb-d7ab-5e2c-b042-e5bb1c3078a5
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals am 28. Oktober 2015 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen zu seiner AHV-Rente an. Den eingereichten Unterlagen war zu
entnehmen, dass der Versicherte seit dem 15. Februar 2003 zu 50% und seit dem 22.
Mai 2009 zu 75% invalid (EL-act. 64 f.) sowie seit dem 5. August 2014 verbeiständet
war (EL-act. 63). Aus einer Versicherungspolice der Helsana Versicherungen AG
(nachfolgend Helsana) vom 30. Oktober 2014 ging hervor, dass der Versicherte u.a. im
Rahmen einer "CURA Langzeitpflegeversicherung zum Schutz des Vermögens bei
Pflegebedürftigkeit mit Unfall" bei der Helsana zusatzversichert war. Die CURA
Langzeitpflegeversicherung kostete monatlich Fr. 26.10 und gewährte nach einer
Wartefrist von 720 Tagen einen Anspruch auf Übernahme der ungedeckten Kosten für
Spitex und Pflegeheime im Umfang von Fr. 30.-- pro Tag durch die Helsana. Insgesamt
kostete die Zusatzversicherung (inkl. Spitalzusatz-, Langzeitpflege- und
Kapitalversicherung infolge Unfall) monatlich Fr. 60.30 (EL-act. 62). Der Versicherte
lebte seit dem 7. September 2015 im Wohnheim für Betagte B._ (WOBE B._). Am
25. September 2015 kündigte der Beistand des Versicherten dessen
Zusatzversicherung bei der Helsana per 31. Dezember 2015 (vgl. EL-act. 56). Gemäss
der Rechnung des WOBE B._ vom 8. Oktober 2015 für den September wurden dem
Versicherten neben den Kosten für Pension und Betreuung auch ein
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Auswärtigenzuschlag in Höhe von täglich Fr. 10.-- sowie die infolge seiner BESA-
Einstufung (Stufe 5) entstandenen Kosten für die notwendige Pflege angerechnet (EL-
act. 61). Da die EL-Durchführungsstelle gestützt auf einen ebenfalls mit der Anmeldung
eingereichten Darlehens- und Pfandvertrag zwischen dem Versicherten und dessen
Bruder aus dem Jahr 1995 (EL-act. 57) davon ausging, dass das anrechenbare
Vermögen des Versicherten Fr. 143'089.-- betrage, verneinte sie aufgrund eines daraus
resultierenden Einnahmenüberschusses mit einer Verfügung vom 29. November 2015
einen Anspruch des Versicherten auf Ergänzungsleistungen per 1. September 2015
(EL-act. 51 f.).
A.b Am 19. Februar 2016 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Ergänzungsleistungen an und liess geltend machen, dass ihm das Darlehen als
Vermögensverzicht anzurechnen sei, weil dieses erst bei Ableben seines Bruders
zurückbezahlt werde (EL-act. 43 f.). Daraufhin sprach die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten mit einer Verfügung vom 15. Mai 2016 ab dem 1. Februar 2016
monatliche Ergänzungsleistungen in Höhe von monatlich Fr. 1'478.-- zu. Dazu führte
sie u.a. aus, dass der Versicherte seine CURA Langzeitpflegeversicherung, deren
Wartefrist von 720 Tagen ab Pflegestufe 4 zu laufen beginne, gekündigt habe, obwohl
er seit dem Eintritt ins WOBE B._ auf Pflegestufe 5 sei und das Taggeld in Höhe von
Fr. 30.-- somit in absehbarer Zeit ausbezahlt worden wäre. Ab dem Zeitpunkt des
Ablaufs der Wartefrist – September 2017 – müsse deshalb ein Einkommensverzicht
angerechnet werden (EL-act. 36). Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 20.
Mai 2016 Einsprache erheben und sinngemäss geltend machen, ihm sei ab September
2017 keine hypothetischen Leistungen aus der nicht mehr bestehenden
Zusatzversicherung nach VVG anzurechnen (EL-act. 32). Die EL-Durchführungsstelle
trat auf diese Einsprache mit der Begründung, dass kein Rechtsschutzinteresse
bestehe, da mit der angefochtenen Verfügung noch kein Vermögensverzicht
angerechnet worden sei und die dahingehenden Ausführungen rein informativ gewesen
seien, nicht ein (EL-act. 22).
A.c Am 3. Februar 2017 erhielt die EL-Durchführungsstelle Kenntnis davon, dass sich
der Versicherte seit dem 14. Dezember 2016 in der Klinik C._ aufhielt (EL-act. 19).
Daraufhin passte sie am 28. Februar 2017 den EL-Anspruch des Versicherten
rückwirkend per 1. Januar 2017 an (EL-act. 17). Ab dem 9. März 2017 wohnte der
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Versicherte wieder im B._, wo seine Pflegestufe auf 7 erhöht wurde (EL-act. 15 f.).
Dazu notierte ein Mitarbeiter der EL-Durchführungsstelle die verschiedenen
Heimkosten, wobei er den bisher vom WOBE B._ in Rechnung gestellten
Auswärtigenzuschlag nicht aufführte (EL-act. 14). Am 12. April 2017 passte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistungen per 1. März 2017 an (EL-act. 13).
A.d Mit einer Verfügung vom 4. August 2017 rechnete die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten ab dem 1. September 2017 "Krankenkassenleistungen aus VVG" in Höhe
von jährlich Fr. 10'636.-- an, sodass sich ein Einnahmenüberschuss ergab und der
Versicherte keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen mehr hatte. Zur Begründung
führte sie aus, der Versicherte sei seit dem 7. September 2015 in Pflegestufe 4 oder
höher eingestuft und die 720-tägige Wartefrist seiner per 31. Dezember 2015
gekündigten CURA Langzeitpflegeversicherung habe zu diesem Zeitpunkt zu laufen
begonnen. Da die Zusatzversicherung gekündigt worden sei, als der Versicherte bereits
im Heim gewesen sei bzw. der Heimaufenthalt vorhersehbar gewesen sei, begründe
die Kündigung der CURA Langzeitpflegeversicherung einen Einkommensverzicht (EL-
act. 11 f.). Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 9. August 2017 Einsprache
erheben. Darin liess er geltend machen, dass die CURA Langzeitpflegeversicherung
durch seinen Beistand gekündigt worden sei, da er die Prämie nicht mehr habe
finanzieren können. Fast gleichzeitig habe der Wohnheimwechsel stattgefunden.
Diesem Wechsel sei in Bezug auf die CURA Langzeitpflegeversicherung keine
Beachtung geschenkt worden, da er im Wohnheim D._, in welchem er zuvor gelebt
habe, nie in einer BESA-Stufe gewesen sei. Die Meldung des neuen WOBE B._
betreffend die Einstufung habe sein Beistand am 14. Oktober 2016 (richtig: am 14.
Oktober 2015) zusammen mit der ersten Heimrechnung erhalten, als die CURA
Langzeitpflegeversicherung bereits gekündigt gewesen sei. Weil die Kündigung vor der
BESA-Einstufung erfolgt sei, sei kein Vermögensverzicht anzurechnen (EL-act. 7).
A.e Mit einem Einspracheentscheid vom 13. Dezember 2017 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache des Versicherten ab. Sie begründete dies damit,
dass es nicht nachvollziehbar sei, weshalb der Beistand des Versicherten davon
ausgegangen sei, die Weiterführung der CURA Langzeitpflegeversicherung sei
aufgrund der finanziellen Situation nicht mehr möglich und müsse deshalb gekündigt
werden. Im Zeitpunkt der Kündigung habe der Versicherte ein Vermögen von Fr.
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13'621.-- gehabt und eine Rente von jährlich Fr. 49'284.-- bezogen. Zusammen mit
dem EL-Anspruch wäre es zudem möglich gewesen, die Prämie in Höhe von monatlich
Fr. 313.20 für ein weiteres Jahr zu bezahlen. Der Beistand hätte wissen müssen, dass
Betagtenheime eine BESA-Einstufung vornähmen. Zudem sei ihm bekannt gewesen,
dass der Versicherte einer Unterstützung in alltäglichen Belangen bedürfe. So sei
dieser beispielsweise direkt aus der Psychiatrie C._ in das neue Betagtenheim
gezogen – dies mutmasslich deshalb, weil im bisherigen Wohnheim D._ eine
entsprechende Betreuung nicht mehr habe gewährleistet werden können. Ein Zuwarten
bis zur definitiven BESA-Einstufung bzw. Heimrechnung wäre deshalb zumutbar
gewesen (EL-act. 2).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend
Beschwerdeführer) am 26. Januar 2018 Beschwerde erheben und u.a. die Aufhebung
des angefochtenen Einspracheentscheids sowie die Neuberechnung des EL-
Anspruchs unter Berücksichtigung der vollen Tagestaxe für Hotellerie und Betreuung
sowie ohne Anrechnung von hypothetischen Leistungen aus der nicht mehr
bestehenden Zusatzversicherung nach VVG beantragen. Zur Begründung liess er
ausführen, dass in Bezug auf die CURA Langzeitpflegeversicherung kein Verzicht
vorliege. Da seine laufenden Einnahmen seine laufenden Ausgaben nicht mehr gedeckt
hätten und sein geringes Restvermögen, welches im Übrigen unter dem gewährten
Vermögensfreibetrag von Fr. 37'500.-- gelegen habe, für die Begleichung des
laufenden Defizits habe eingeplant werden müssen, habe sein Beistand per 31.
Dezember 2015 nach Möglichkeiten zur Kosteneinsparung gesucht und verschiedene
freiwillige Zusatzversicherungen gekündigt, da aus diesen in unmittelbarer Zukunft
nicht mit Sicherheit Gegenleistungen zu erwarten gewesen seien. Zum Zeitpunkt der
Kündigung habe er nämlich weder einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen gehabt
noch sei eine BESA-Einstufung vorgenommen worden. Ebenso wenig hätten aufgrund
der Wartefrist von 720 Tagen allfällige Versicherungsleistungen unmittelbar
bevorgestanden. Von einer Pflegebedürftigkeit sei nämlich zum Zeitpunkt seines
Eintritts in das WOBE B._ nicht auszugehen gewesen, insbesondere sei der Übertritt
in das WOBE B._ nicht aufgrund einer Pflegebedürftigkeit erfolgt. Zusammenfassend
könne also in der aus Kostengründen vorgenommenen Kündigung der
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Zusatzversicherung durch den Beistand keine Sorgfaltspflichtverletzung erkannt
werden. Vielmehr sei sein Beistand aufgrund seiner Funktion dazu gezwungen
gewesen, die laufenden Kosten zu minimieren. Derartige Entscheidungen seien in
Anbetracht der konkreten Gesamtsituation abzuwägen und zu fällen und es sei
diesbezüglich ein entsprechender Handlungsspielraum zu gewähren, welcher nicht der
(nachträglichen) Kontrolle der EL-Durchführungsstellen unterliege. Als direkte
Gegenleistung habe die Kündigung der Zusatzversicherungen im Übrigen tiefere
Versicherungsprämien zur Folge gehabt. Weiter liess der Beschwerdeführer darauf
hinweisen, dass die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) seit
dem 1. September 2017 lediglich eine tägliche Pauschale von Fr. 86.-- als Ausgabe
angerechnet habe, obwohl zusätzlich ein sogenannter Auswärtigenzuschlag von Fr.
10.-- geschuldet sei, welcher bis anhin auch angerechnet worden sei. Das WOBE B._
habe die Beschwerdegegnerin am 6. April 2017 fälschlicherweise nur über die
Pensionskosten von Fr. 86.-- in Kenntnis gesetzt und den ebenfalls in Rechnung
gestellten Auswärtigenzuschlag von Fr. 10.-- nicht erwähnt. Diese offensichtlich falsche
Mitteilung führe dazu, dass auch die EL-Berechnung diesbezüglich falsch und somit
rückwirkend zu korrigieren sei (act. G 1).
B.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte am 1.
März 2018 die Abweisung der Beschwerde. Ergänzend zu ihren Erwägungen im
Einspracheentscheid führte sie begründend aus, dass eine Korrektur betreffend den
Auswärtigenzuschlag von Fr. 10.-- nicht möglich sei, da die entsprechende Verfügung
unangefochten in Rechtskraft erwachsen sei. Dass dem Beistand dieser Fehler nicht
bereits während der Rechtsmittelfrist der betreffenden Verfügung vom 12. April 2017
aufgefallen sei, zeige, dass er die EL-Berechnungsblätter nicht überprüft habe und
unterstütze ihre Haltung bezüglich der grundsätzlich fahrlässigen Handlungsweise
seitens des Beistands. Der Beschwerdeführer habe sich dessen Verhalten anrechnen
zu lassen (act. G 5).
B.c Am 7. März 2018 liess der Beschwerdeführer erklären, die Beschwerdeantwort zur
Kenntnis genommen zu haben, an seinem Rechtsbegehren festzuhalten und auf seine
Ausführungen in der Beschwerdeschrift zu verweisen (act. G 8).

Erwägungen
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1.
1.1 In seiner Beschwerde hat der Beschwerdeführer den Einspracheentscheid
betreffend die mit der Verfügung vom 4. August 2017 ab dem 1. September 2017 als
hypothetische Einnahmen angerechneten, durch die vor der Anmeldung zum EL-Bezug
erfolgte Kündigung der CURA Langzeitpflegeversicherung jedoch gar nicht
ausbezahlten Beiträge an die Tagestaxe anfechten lassen. Ausserdem hat er geltend
machen lassen, die Beschwerdegegnerin habe ihm eine zu niedrige Tagestaxe
(Hotellerie) als Ausgabe angerechnet (act. G 1). Diese Ausgabenposition ist durch die
Beschwerdegegnerin nach einem zwischenzeitlichen Klinikaufenthalt des
Beschwerdeführers mit der Verfügung vom 12. April 2017 angepasst worden (EL-act.
13 ff.). Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen, weshalb die darin
angepassten Positionen nicht im Rahmen dieses Beschwerdeverfahrens beurteilt
werden können. Allerdings ist der Teil der Beschwerde, in welchem der
Beschwerdeführer hat geltend machen lassen, dass die Beschwerdegegnerin irrtümlich
eine zu niedrige Tagestaxe (Hotellerie) berücksichtigt habe, da das WOBE B._ die
Beschwerdegegnerin fälschlicherweise lediglich über die reinen Pensionskosten von Fr.
86.-- pro Tag und nicht auch über den ebenfalls effektiv zusätzlich in Rechnung
gestellten Auswärtigenzuschlag in Höhe von Fr. 10.-- informiert habe, als
Wiedererwägungsgesuch zu betrachten. Es liegt im Ermessen der
Beschwerdegegnerin, ob sie auf dieses erstinstanzlich eintreten will, zumal auch sie
den Fehler des WOBE B._ nicht bemerkt hat (vgl. Art. 53 Abs. 2 ATSG).
Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist aufgrund des Gesagten
jedenfalls einzig die Frage, ob die Beschwerdegegnerin hypothetische
Krankenversicherungsleistungen aus VVG in Höhe von jährlich Fr. 10'636.-- als
Einnahmen hat anrechnen dürfen.
1.2 Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung [SR 831.30; ELG]). Als anrechenbare Einnahmen sind dabei unter
anderem gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. d ELG Renten, Pensionen und andere
wiederkehrende Leistungen sowie gemäss lit. g Einkünfte und Vermögenswerte, auf die
verzichtet worden ist, anzurechnen. Der Verzichtstatbestand dient der
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Missbrauchsverhinderung, indem er dazu führt, dass eine Person, die auf Einkünfte
oder Vermögen verzichtet, den daraus entstehenden Ausgabenüberschuss nicht
mithilfe der Ergänzungsleistungen decken kann. Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG greift damit
nicht in die persönliche Freiheit bzw. in die Lebensführung einer Person ein. Er hindert
niemanden daran, auf Einkünfte oder auf Vermögen zu verzichten, denn dieses
Verhalten ist nicht an sich missbräuchlich. Stattdessen soll eine versicherte Person nur
daran gehindert werden, mit einem – missbräuchlichen – Leistungsgesuch unter
Verweis auf fehlende Einkünfte und Vermögenswerte bzw. auf den darauf
resultierenden Ausgabenüberschuss Erfolg zu haben. Ein missbräuchliches Verhalten
kann also einzig und allein in der Geltendmachung eines EL-Anspruchs und nicht im
Verzicht auf Vermögen und Einkünfte an sich bestehen (RALPH JÖHL,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Band
XIV Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz 200). Gemäss höchstrichterlicher
Rechtsprechung ist der Verzichtstatbestand erfüllt, wenn der EL-Bezüger ohne
rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf Einkünfte oder
Vermögen verzichtet hat (vgl. BGE 120 V 187 ff. E 2b). Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG soll
jedoch wie gesagt lediglich diejenigen versicherten Personen, die sich ihres Vermögens
entäussert oder es verschwendet haben oder auf Einnahmen verzichtet haben, daran
hindern, den entsprechenden Ausfall an anrechenbaren Einnahmen durch
Ergänzungsleistungen zu kompensieren und damit die Verantwortung für die Folgen
ihrer Lebensführung auf die Allgemeinheit zu überwälzen (JÖHL, a.a.O., Rz 202 f. mit
Hinweisen). Das den subjektiven Teil des Verzichtstatbestandes bildende
Willenselement orientiert sich an der EL-spezifischen Eigenverantwortung in Bezug auf
die Bestreitung des Existenzbedarfs aus eigener Kraft. Diese Eigenverantwortung
zwingt zu einem sorgfältigen Umgang mit dem Vermögen und mit den
Einkommensquellen. Die versicherte Person muss also alles unterlassen, was eine
Vermögenseinbusse zur Folge haben oder eine bestehende Einkommensquelle
drosseln oder zum Versiegen bringen könnte. Sie muss aber auch alles unterlassen,
was die Chance eines Vermögenszuflusses oder die Chance der Erschliessung einer
neuen bzw. die Erweiterung einer bestehenden Einkommensquelle gefährden könnte.
Der subjektive Tatbestand des Verzichts ist somit erfüllt, wenn eine versicherte Person
absichtlich auf Vermögen oder Einkommen verzichtet oder wenn sie in Verletzung ihrer
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Sorgfaltspflicht in Kauf nimmt, Vermögen oder Einkommen einzubüssen (JÖHL, a.a.O.,
Rz 206).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist seit dem 5. August 2014 verbeiständet (EL-act. 63). Kurz
nachdem der Beschwerdeführer am 7. September 2015 vom Wohnheim D._ in das
WOBE B._ gewechselt hatte (vgl. EL-act. 61), hat der Beistand des
Beschwerdeführers am 25. September 2015 die Zusatzversicherungen nach VVG bei
der Helsana per 31. Dezember 2015, darunter auch die CURA
Langzeitpflegeversicherung, gekündigt. Im Rahmen der CURA
Langzeitpflegeversicherung hätte sich die Helsana nach Ablauf einen 720-tägigen
Wartefrist, die zu laufen begonnen hätte, sobald Pflegeleistungen gemäss
Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) von durchschnittlich über 60 Minuten pro
Tag notwendig geworden wären, im Umfang von Fr. 30.-- pro Tag an den nicht
gedeckten Kosten für Spitex und Pflegeheime beteiligt, wenn dieser Pflegebedarf
während sowie nach Ablauf der Wartefrist ohne Unterbruch bestanden hätte (vgl.
insbesondere die zusätzlichen Vertragsbedingungen (ZVB) der CURA
Langzeitpflegeversicherung 2011 [abrufbar unter: https://www.helsana.ch/docs/cura-
zvb-de.pdf, zuletzt aufgerufen am 7. November 2018]). Der Beschwerdeführer hat
geltend machen lassen, er habe die Zusatzversicherung aus Kostengründen gekündigt,
da er seinen Existenzbedarf mit seinen Einnahmen nicht habe decken können und
dafür sein vorhandenes, unter dem EL-rechtlich geltenden Freibetrag liegendes
Vermögen habe verzehren müssen. Ausserdem seien in näherer Zukunft aus der CURA
Langzeitpflegeversicherung keine Leistungen zu erwarten gewesen. Die
Beschwerdegegnerin hat demgegenüber zu bedenken gegeben, dass der Beistand mit
der Kündigung der Zusatzversicherung immerhin hätte warten müssen, bis das WOBE
B._ eine BESA-Einstufung vorgenommen hätte. Bereits zum Zeitpunkt der
Kündigung sei bekannt gewesen, dass der Beschwerdeführer einer intensiven
Betreuung bedürfe.
2.2 Ergänzungsleistungen bezwecken die Deckung der laufenden Bedürfnisse,
weshalb bei der Anspruchsberechnung nur tatsächlich vereinnahmte Einkünfte und
vorhandene Vermögenswerte berücksichtigt werden dürfen, über die der
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Leistungsansprecher ungeschmälert verfügen kann (BGE 127 V 248 E 4a S. 249).
Vorhandenes Vermögen ist also für den gegenwärtigen Lebensunterhalt einzusetzen,
da die versicherte Person in diesem Moment finanzieller Mittel bedarf.
Dementsprechend werden bei den Ergänzungsleistungen keine Überlegungen zu
langfristigen finanziellen Auswirkungen vorgenommen. Massgebend ist allein der
Zeitpunkt, in dem Leistungen beansprucht werden (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgericht vom 27. November 2003, P 33/03, E. 3.2.3). So hat das
Bundesgericht bestätigt, dass es nicht mit dem Zweck der Ergänzungsleistungen in
Einklang gebracht werden könne, dass vorhandenes Vermögen nicht für den aktuellen
Bedarf eines damals 32-jährigen Versicherten eingesetzt werde, sondern ersatzweise
Ergänzungsleistungen geltend gemacht würden und das Vermögen dafür verwendet
werde, zu Vorsorgezwecken eine Leibrente abzuschliessen, die einen hypothetischen
Bedarf in 30 Jahren decken solle (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Mai 2011,
9C_59/2011 und den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
24. November 2010, EL 2009/37).
2.3 Im eben beschriebenen Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 2011 hat sich die
Handlung, deren Verzichtscharakter strittig gewesen ist, jedoch auf der Einnahmenseite
abgespielt, indem verbunden mit einer Vermögensreduktion zu Gunsten der
langfristigen Altersvorsorge ein Einkauf in eine Leibrente stattgefunden hatte. Während
der damalige Beschwerdeführer also versucht hatte, die Finanzierung der
Altersvorsorge auf die EL zu verlagern, hat sich der Beschwerdeführer im konkreten
Fall von der Last der Prämienzahlung befreit, indem er eine EL-rechtlich nicht
anerkannte Ausgabenposition zulasten der längerfristigen Vorsorge "eingespart" hat.
Andernfalls hätte er nämlich zum Ausgleich seiner
Zusatzversicherungsprämienzahlungen bei anderen (EL-rechtlich möglicherweise
anerkannten) Ausgaben sparen müssen, wobei die praktische Umsetzbarkeit dessen
durchaus fraglich gewesen wäre. Im Ergebnis hat der Beschwerdeführer also im
konkreten Fall das getan, was im genannten Präzedenzfall aus dem Jahre 2011 (Urteil
des Bundesgerichts vom 12. Mai 2011, 9C_59/2011) vom damaligen Beschwerdeführer
verlangt worden ist: er hat mit Blick auf seine aktuelle Vermögenssituation gehandelt
und seine Ausgaben seinen Einnahmen angepasst. Allerdings ging es im Präzedenzfall
aus dem Jahr 2011 um eine Verminderung des Vermögens zugunsten einer
Vorsorgeleistung, die erst in etwa 30 Jahren zu erwarten gewesen wäre, während die
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relevante Versicherungsleistung im vorliegenden Fall theoretisch bereits innerhalb von
weniger als zwei Jahren hätte erwartet werden können. Sowohl im vorliegenden Fall als
auch in jenem aus dem Jahre 2011 hätten die Beschwerdeführer noch lange von den
Leistungen profitieren können. Gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung
werden bei den Ergänzungsleistungen allerdings keine Überlegungen zu langfristigen
finanziellen Auswirkungen vorgenommen (s.o.). Deshalb kann es keine Rolle spielen, ob
eine langfristige finanzielle Auswirkung innerhalb von zwei oder von dreissig Jahren
eintritt, weshalb beide Fälle gleich behandelt werden müssen. Andernfalls müsste
gesetzlich ein Zeithorizont festgelegt werden, innerhalb dessen ein (künftiger) EL-
Bezüger verpflichtet wäre, finanzielle Vorsorgeüberlegungen zu tätigen. Weil ein solcher
Zeithorizont bislang jedoch nicht existiert, muss ein (künftiger) EL-Bezüger selbst dann
ausschliesslich mit Blick auf den aktuellen Zeitpunkt sparen, wenn die Belastung durch
die Prämienzahlung verglichen mit der später zu erwartenden Versicherungsleistung so
gering ist, dass sie dazu in einem Missverhältnis steht und die momentane Entlastung
der EL eine viel massgeblichere Entlastung in der Zukunft verhindert. Deshalb ist nicht
einzusehen, warum im vorliegenden Fall von einer versicherten Person bzw. von deren
Beistand zu einem Zeitpunkt, in dem noch keine Ergänzungsleistungen bezogen
werden und auch noch keine Anmeldung eingereicht worden ist, verlangt werden soll,
Prämien für eine Zusatzversicherung wie die CURA Langzeitpflegeversicherung zu
bezahlen, wenn Leistungen aus dieser Versicherung – wenn überhaupt – erst in einigen
Jahren zu erwarten gewesen wären, während ansonsten der Vorsorge dienende
Handlungen ganz klar als Verzicht qualifiziert werden, "da sie sich auf einen
zukünftigen Zeitpunkt beziehen" (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
vom 20. August 2001, P 48/00, E. 4b). Unabhängig davon, ob der Beschwerdeführer
bzw. dessen Beistand zum Zeitpunkt der Kündigung der CURA
Langzeitpflegeversicherung gewusst hat oder zumindest hätte wissen müssen, dass
der Beschwerdeführer pflegebedürftig war und die Wartefrist der CURA
Langzeitpflegeversicherung von 720 Tagen mit den Übertritt ins neue Heim zu laufen
beginnen würde, hätte die Zusatzversicherung also nicht nur gekündigt werden dürfen,
sondern sogar gekündigt werden müssen. Der Beschwerdeführer hätte nämlich für die
zunächst nach wie vor gegenleistungslose Aufrechterhaltung der CURA
Langzeitpflegeversicherung über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren Vermögen und
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Einkommen verwenden müssen, das er stattdessen zur Bestreitung seines
Existenzbedarfs hätte aufbringen müssen.
3.
3.1 Zusammenfassend sind dem Beschwerdeführer somit ab dem 1. September 2017
keine hypothetischen Leistungen der gekündeten CURA Langzeitpflegeversicherung
anzurechnen. In Gutheissung der Beschwerde ist dem Beschwerdeführer auch ab dem
1. September 2017 ein Anspruch auf die (mit der Verfügung vom 12. April 2017
zugesprochenen) Ergänzungsleistungen in Höhe von monatlich Fr. 766.--
zuzusprechen.
3.2 Gemäss Art. 61 lit. a ATSG sind keine Gerichtskosten zu erheben.
3.3 Aufgrund des Obsiegens des Beschwerdeführers hat dieser einen Anspruch auf
eine volle Parteientschädigung durch die Beschwerdegegnerin (Art. 61 lit. g ATSG). In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. Aufgrund der ausführlichen und
sorgfältig argumentierten Beschwerdeschrift ist der Vertretungsaufwand trotz des
vergleichsweise dünnen Aktendossiers als durchschnittlich zu qualifizieren, sodass eine
von der Beschwerdegegnerin zu bezahlende Parteientschädigung von Fr. 3'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen erscheint.