Decision ID: 9faf4523-f46d-5b28-9845-1fd7951855fe
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ K.L., geb. 1984, ist Staatsangehöriger von Kosovo. Er gelangte 1990 im Rahmen
des Familiennachzugs mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zu seinem im Kanton
St. Gallen wohnhaften Vater. In der Folge wurde ihm eine Aufenthaltsbewilligung und
später die Niederlassungsbewilligung erteilt. Zwischen 2003 und 2008 wurde K.L.
wiederholt straffällig und wegen verschiedener Delikte mit mehreren Freiheitsstrafen
und Bussen bestraft. Im Jahr 2006 verwarnte ihn das Ausländeramt wegen der
Verurteilungen und der Schulden und drohte ihm die Ausweisung an.
Mit Verfügung vom 28. November 2008 widerrief das Ausländeramt die
Niederlassungsbewilligung von K.L.. Zur Begründung führte es im wesentlichen an,
sein Verhalten habe zu schweren Klagen Anlass gegeben. Er sei mehrfach verurteilt
worden und weise offene Verlustscheine von Fr. 17'384.55 auf.
B./ Gegen den Widerruf der Niederlassungsbewilligung erhob K.L. durch seinen
Rechtsvertreter Rekurs, der vom Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid
vom 2. März 2009 abgewiesen wurde. Das Departement erwog, der Betroffene
delinquiere seit 2003 und mithin seit seinem 19. Altersjahr regelmässig und sei
mehrfach zu Bussen und Freiheitsstrafen verurteilt worden. Weder die
fremdenpolizeiliche Verwarnung noch die früheren strafrechtlichen Sanktionen und
Probezeiten hätten ihn von weiteren Straftaten abgehalten. Das Kreisgericht Rheintal
sei in seinem Entscheid vom 11. April 2008 davon ausgegangen, dass ein Aufschub
des Vollzugs der neu ausgefällten Freiheitsstrafe von 21 Monaten ausgeschlossen sei.
Aufgrund der Straffälligkeit während der Probezeit und angesichts der neuerlichen
Verurteilung wegen gleichartiger Straftaten habe es den Vollzug der am 14. Oktober
2005 ausgesprochenen Gefängnisstrafe angeordnet. Da K.L. zur Tatzeit noch nicht
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25 Jahre alt gewesen sei, er an einer Störung des Sozialverhaltens mit depressivem
Syndrom leide und die diagnostizierte Störung mit den von ihm begangenen Straftaten
in direktem Zusammenhang stehe, habe ihn das Gericht in eine Einrichtung für junge
Erwachsene eingewiesen. Es sei ihm neben seiner langjährigen Delinquenz
insbesondere vorzuwerfen, dass er nach Ablauf von lediglich einem Drittel der
Probezeit erneut zu delinquieren begonnen und ausserdem wieder gleichartige Delikte
verübt habe. Angesichts der verhängten Strafen und unter Berücksichtigung der Art
und der Vielzahl der begangenen Delikte wiege sein Fehlverhalten bzw. sein
Verschulden schwer. Aus ausländerrechtlicher Sicht könne unter Berücksichtigung der
gesamten Umstände keine günstige Prognose in bezug auf die Rückfallgefahr gestellt
werden.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 16. März 2009 erhob K.L. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements vom 2. März 2009 sei aufzuheben, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Ausserdem beantragte er, es sei die unentgeltliche Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung zu gewähren.
Der Präsident des Verwaltungsgerichts wies das Begehren um unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung mit Verfügung vom 19. März 2009 wegen
Aussichtslosigkeit des Rechtsmittels ab.
Gegen diese Verfügung erhob K.L. Beschwerde beim Bundesgericht. Dieses hiess die
Beschwerde mit Urteil vom 2. Juli 2009 gut, hob die Verfügung vom 19. März 2009 auf
und wies die Sache zum neuen Entscheid über die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung an die Vorinstanz zurück. Das Bundesgericht erwog, die
Gewinnaussichten und Verlustgefahren würden sich ungefähr die Waage halten bzw.
die Verlustgefahren seien nicht klar geringer als die Gewinnaussichten. Auch eine
Partei mit genügend finanziellen Mitteln hätte sich für eine Beschwerdeerhebung
entschieden.
Mit Verfügung vom 10. Juli 2009 ordnete der Präsident des Verwaltungsgerichts die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung an und bestimmte
Rechtsanwalt Paul Rechsteiner, St. Gallen, als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
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Am 13. und 22. Juli sowie am 3. und 7. August 2009 übermittelte das Ausländeramt
dem Verwaltungsgericht die Rapporte über Entweichungen und Festnahmen sowie die
förmliche Verwarnung des Beschwerdeführers durch das Amt für Justizvollzug. Diese
Akten wurden dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 13. August 2009 zur
Kenntnisnahme zugestellt.
Am 21. August 2009 sprach das Amt für Justizvollzug eine Verwarnung gegen den
Beschwerdeführer aus
In seiner Beschwerdeergänzung vom 7. September 2009 hielt der Beschwerdeführer
an dem in der Beschwerdeerklärung vom 16. März 2009 gestellten Antrag fest. Die zur
Begründung seines Antrags gemachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in
den nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 14. September 2009 unter
Hinweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Akten die
kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
Am 7. Oktober 2009 reichte der Vertreter des Beschwerdeführers einen aktuellen
Bericht des Massnahme-zentrums Kalchrain vom 2. Oktober 2009 ein. Gleichentags
übermittelte er diesen Zwischenbericht der Vorinstanz und ersuchte um Prüfung einer
Wiedererwägung.
Die Vorinstanz äusserte sich am 12. Oktober 2009 dahingehend, dass sie die Mitteilung
nicht als förmliches Wiedererwägungsgesuch betrachte.
Das Ausländeramt lehnte eine Wiedererwägung des Widerrufs der
Niederlassungsbewilligung am 15. Oktober 2009 ab.
Auf die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers sowie auf die während des
Beschwerdeverfahrens zugegangenen Akten wird, soweit wesentlich, in den folgenden
Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 16. März und 7.
September 2009 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Nach Art. 63 Abs. 1 AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden,
wenn die Voraussetzungen nach Art. 62 lit. a oder b AuG erfüllt sind (lit. a), wenn der
Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in
der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder
die äussere Sicherheit gefährdet (lit. b) oder wenn der Ausländer oder eine Person, für
die er zu sorgen hat, dauerhaft und in erheblichem Masse auf Sozialhilfe angewiesen
ist (lit. c). Die Niederlassungsbewilligung von Ausländern, die sich seit mehr als
fünfzehn Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, kann
nur aus Gründen von Art. 63 Abs. 1 lit. b und Art. 62 lit. b AuG widerrufen werden.
Nach Art. 62 lit. b AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn
der Ausländer zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt wurde oder gegen ihn eine
strafrechtliche Massnahme im Sinn von Art. 64 oder 61 StGB angeordnet wurde.
2.1. Die Vorinstanz stützte ihren Entscheid auf Art. 62 lit. b AuG. Das
Verwaltungsgericht hat unlängst entschieden, dass Freiheitsstrafen von zwei Jahren
bzw. von 22 Monaten längere Freiheitsstrafen im Sinn von Art. 62 lit. b AuG sind und
einen Grund für den Widerruf der Niederlassung bilden (VerwGE B 2009/1 vom
24. März 2009 und B 2008/199 vom 9. Juli 2009, in: www.gerichte.sg.ch). In einem
weiteren Urteil erachtete es den Widerrufsgrund von Art. 62 lit. b AuG bei einem
Ausländer als erfüllt, der zu Freiheitsstrafen von 18 Monaten und 15 Monaten verurteilt
wurde (VerwGE B 2009/78 vom 22. September 2009 i.S. A.A., dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers bekannt). Der Beschwerdeführer wurde am 14. Oktober 2005 zu
einer Gefängnisstrafe von 10 Monaten und am 11. April 2008 zu einer Freiheitsstrafe
von 21 Monaten verurteilt. Mit dem Entscheid vom 11. April 2008 wurde er gestützt auf
Art. 61 StGB in eine Massnahmeanstalt für junge Erwachsene eingewiesen. Der
Widerrufsgrund nach Art. 62 lit. b AuG ist beim Beschwerdeführer somit grundsätzlich
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erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_295/2009 vom 25. September 2009). Dies
wird denn auch in der Beschwerde zu Recht nicht bestritten oder in Frage gestellt.
2.2. Ob auch der Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 62
lit. c AuG besteht, kann offen bleiben. Die Vorinstanz begründete die Anwendung
dieser Bestimmung mit der Verschuldung des Beschwerdeführers. Aufgrund der lange
dauernden Anwesenheit in der Schweiz erscheint eine Verschuldung von rund
Fr. 17'000.-- allerdings nicht derart gravierend, dass zusätzlich zu Art. 62 lit. b AuG
auch der Tatbestand von Art. 62 lit. c AuG bejaht werden kann. Darüber braucht
allerdings nicht abschliessend entschieden zu werden.
2.3. Art. 63 AuG gewährt der zuständigen Behörde beim Entscheid über den Widerruf
der Niederlassungsbewilligungen einen Ermessensspielraum. Der Tatbestand ist als
"Kann-Bestimmung" formuliert. Das Gesetz schreibt nicht zwingend den Widerruf der
Niederlassung vor, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Der Widerruf
einer Niederlassungsbewilligung ist anzuordnen, wenn er bei sorgfältiger Abwägung
der Interessen verhältnismässig erscheint (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101,
abgekürzt BV). Die Behörden berücksichtigen gemäss Art. 96 Abs. 1 AuG die
öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der
Integration, wobei namentlich die Schwere des Verschuldens, die Dauer der
Anwesenheit in der Schweiz sowie die dem Ausländer und seiner Familie drohenden
Nachteile ins Gewicht fallen (Weisungen des Bundesamts für Migration, Ziff. 8.2.1.2).
Dabei sind umso strengere Anforderungen an den Widerruf einer Niederlassung bzw.
an eine Wegweisung zu stellen, je länger ein Ausländer in der Schweiz anwesend war.
Es ist aber in Betracht zu ziehen, dass der Widerruf der Niederlassung und die
Wegweisung selbst gegenüber Ausländern der zweiten Generation, welche ihr
gesamtes Leben in der Schweiz verbracht haben, grundsätzlich zulässig ist (Weisungen
des Bundesamts für Migration, Ziff. 8.2.1.2.1. mit Hinweis auf BGE 122 II 433 ff.). Nach
der Praxis des Bundesgerichts ist eine Wegweisung im übrigen umso eher zulässig,
wenn der Ausländer selbst nach längerer Anwesenheit in der Schweiz sich nicht oder
nur wenig integriert hat, hauptsächlich mit Landsleuten zusammen ist, enge
Beziehungen zu seinem Heimatland pflegt sowie dessen Sprache spricht (vgl. VerwGE
2009/78 vom 22. September 2009 i.S. A.A. mit Hinweis auf BGE 2A.540/2001 vom
4. März 2002).
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2.4. Das Untersuchungsamt Altstätten bestrafte den Beschwerdeführer am 3. April
2003 wegen Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, Verletzung der
Verkehrsregeln und weiterer Verkehrsdelikte mit einer Woche Gefängnis, unter
Gewährung des bedingten Strafvollzugs mit einer Probezeit von zwei Jahren, und einer
Busse von Fr. 900.--. Am 14. Oktober 2005 verurteilte das Kreisgericht Rheintal den
Beschwerdeführer wegen mehrfachen Raubes, Diebstahls, geringfügigen Diebstahls,
mehrfacher Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch und weiterer SVG-
Delikte sowie wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer zu zehn Monaten Gefängnis, unter Gewährung des
bedingten Strafvollzugs mit einer Probezeit von drei Jahren, und zu einer Busse von
Fr. 500.--. Die mit Strafbescheid vom 3. April 2003 ausgefällte Gefängnisstrafe von
einer Woche wurde vollziehbar erklärt. Das Untersuchungsamt Gossau büsste den
Beschwerdeführer am 17. Mai 2006 wegen Übertretung des Transportgesetzes mit
Fr. 90.--. Das Untersuchungsamt Altstätten büsste den Beschwerdeführer am
4. Oktober 2006 wegen Verletzung von Verkehrsregeln und mehrfachen Lenkens eines
Kleinmotorrades ohne Führerausweis mit Fr. 400.--. Wegen Widerhandlung gegen das
Transportgesetz wurde der Beschwerdeführer am 23. April 2007 und am 11. Februar
2008 mit Fr. 60.-- gebüsst.
Das Kreisgericht Rheintal verurteilte den Beschwerdeführer am 11. April 2008 wegen
banden- und gewerbsmässigen Diebstahls, Diebstahls, mehrfacher
Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher Entwendung eines
Motorfahrzeuges zum Gebrauch, mehrfachen Fahrens trotz Entzugs des
Lernfahrausweises und geringfügigen Vermögensdelikts zu einer Freiheitsstrafe von
21 Monaten und einer Busse von Fr. 300.--. Die am 14. Oktober 2005 ausgesprochene
Strafe von zehn Monaten Gefängnis wurde vollziehbar erklärt. Es erfolgte die
Einweisung in eine Einrichtung für junge Erwachsene.
In diesem Urteil lastete das Kreisgericht dem Beschwerdeführer straferhöhend an, dass
er bereits zwei einschlägige Vorstrafen aus den Jahren 2003 und 2005 aufwies und
dass er sich innerhalb der angesetzten Probezeit wieder strafbar machte.
Strafmindernd wurde die "fast ausnahmslose" Anerkennung der Straftaten
berücksichtigt.
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2.5. Mehrere mit bedingtem Vollzug ausgesprochene Freiheitsstrafen machten auf den
Beschwerdeführer keinen Eindruck. Trotz Verurteilungen zu bedingten Freiheitsstrafen
und der Ansetzung von Probezeiten fuhr er mit seinem deliktischen Verhalten fort. Auch
liess er sich von der Verwarnung des Ausländeramts bzw. von der Androhung der
Ausweisung nicht beeindrucken. Die Straftaten wurden mit zunehmender Dauer
schwerer. Auch bewährte sich der Beschwerdeführer im Strafvollzug nicht. Das
Massnahmenzentrum für junge Erwachsene Kalchrain hielt in seinem Bericht vom
9. Dezember 2008 fest, dass der Beschwerdeführer am 9. Mai 2008 nach Art. 61 StGB
vorzeitig in die geschlossene Aufnahmegruppe eingetreten sei. Im zweiten Anlauf habe
er die Probezeit auf der Wohngruppe per 7. Oktober 2008 bestanden. Er habe schon
am 13. Juli 2008 das erste Mal auf die Wohngruppe 1 gewechselt, sei aber bereits
nach fünf Tagen vom Arbeitsplatz aus zusammen mit einem anderen Eingewiesenen
entwichen. Am 8. August 2008 sei er freiwillig zurückgekehrt, habe die Arreststrafe
verbüsst und sei in die geschlossene Aufnahmegruppe zurückversetzt worden. Weiter
wird festgehalten, es seien wenige Regelverstösse zu verzeichnen. Einmal sei es
während der Zeit auf der Aufnahmegruppe zu einer körperlichen Auseinandersetzung
mit einem anderen Eingewiesenen gekommen, wobei sich der Beschwerdeführer nur
verteidigt habe. Dem Beschwerdeführer wurde insbesondere das Verhalten im
Arbeitsbereich zugute gehalten, ebenso die ausnahmslos negativ ausgefallenen
insgesamt 39 Urinproben. Weiter wurde festgehalten, dass er die abstinenzorientierte
Lebensumgebung akzeptiere, lernfähig sei, dass ihm seine Familie ein stabiles,
tragendes und soziales Umfeld biete und er hier stark verwurzelt sei und dass er für die
Massnahme motiviert sei und klare Ziele für die erfolgreiche Absolvierung einer
Ausbildung habe. Der Beschwerdeführer sei massnahmefähig und -willig. In diesem
Sinne wurde die Hoffnung auf eine letzte Chance für den Eingewiesenen zum Ausdruck
gebracht. Diese Erwartung erfüllte sich allerdings nicht. Am 7. Juli 2009 floh der
Beschwerdeführer erneut mit einem Mitbewohner aus dem Massnahmevollzug. Sein
Vater wollte ihn in das Massnahmezentrum Kalchrain zurückfahren, doch er entwich
noch während der Fahrt aus dem Auto. Der Beschwerdeführer wurde am selben Abend
in Rorschach festgenommen. Das Massnahmezentrum informierte in der Folge das
Amt für Justizvollzug, dass sich der Beschwerdeführer bereits zuvor am 19. Juni 2009
mit einem Mitbewohner unerlaubterweise aus einem Sommerlager entfernte und erst
nachts um 01.00 Uhr zurückkehrte, und dass er sich im Sommerlager gegenüber
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schwächeren Mitbewohnern ziemlich schlecht verhalten habe, weshalb ihm der
nächste Urlaub gestrichen und externe Aktivitäten gesperrt worden seien. Das Amt für
Justizvollzug sprach in der Folge gegen den Beschwerdeführer eine förmliche
Verwarnung aus.
Aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers ging die Vorinstanz zu Recht davon
aus, dass ihm neben seiner langjährigen Delinquenz insbesondere auch vorzuwerfen
ist, dass er die ihm gewährten zahlreichen Chancen nicht genutzt hat. Namentlich fällt
erschwerend ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer mehrmals aus dem
Massnahmevollzug entwichen ist und trotz des Hinweises auf eine Gewährung einer
letzten Chance erneut geflohen ist. Der Beschwerdeführer konnte sich offensichtlich
auch in den Strukturen des Sanktionsvollzugs nicht an die geforderten Regeln halten.
Es kann daher entgegen den Ausführungen in der Beschwerde nicht gesagt werden,
die Massnahme verlaufe insgesamt positiv. Zwar wurde dem Beschwerdeführer im
Bericht vom 9. Dezember 2008 hinsichtlich Arbeit und Drogenkonsum ein klagloses
Verhalten bescheinigt, doch zeigte sich bereits bei der ersten Rückversetzung in die
Aufnahmegruppe, dass er sich nicht an die Regeln des Massnahmevollzugs halten
konnte. Auch die weiteren Entweichungen bringen zum Ausdruck, dass er nicht
imstande ist, sich gemäss dem Rahmen des Massnahmevollzugs zu verhalten und die
ihm eingeräumte letzte Chance auch wirklich zu ergreifen und zu nutzen. Die im Bericht
vom 9. Dezember 2008 geäusserten Hoffnungen über einen positiven Verlauf der
Massnahme haben sich nicht erfüllt. Auch der während des Beschwerdeverfahrens
eingereichte Bericht des Massnahmezentrums Kalchrain vom 2. Oktober 2009 vermag
trotz der Empfehlung, von einer Ausweisung abzusehen, keinen positiven Verlauf der
Massnahme zu dokumentieren. Im Bericht wird festgehalten, ab Mitte Juni 2009 hätten
sich die Probleme im Umgang mit dem Beschwerdeführer gehäuft. Er habe "leise vor
sich hin" rebelliert, indem er bei der Arbeit und auf der Gruppe eher abwesend und
abweisend aufs Ansprechen reagiert habe. Zunehmend habe er auch unmögliche
Forderungen gestellt - sofortiger Massnahmeabbruch - Ausreisen in den Balkan, ab ins
Gefängnis u.s.w. Dieses Verhalten habe dann im Sommerlager in einem unerlaubten
Entfernen gegipfelt - mit freiwilliger Rückkehr. Im Juli 2009 seien Demotivation für die
Arbeit, für das Gruppenleben und für sich persönlich dazugekommen. In ausführlichen
Gesprächen habe man ihn zum Weitermachen motivieren können, und am 5. Juli 2009
sei er bereit gewesen, mit seiner Familie die Situation - Ausweisung - zu besprechen.
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Es sei ein sehr gutes und ausführliches Gespräch mit viel Verständnis von der
elterlichen Seite gewesen. Trotzdem sei er am 7. Juli 2009 entwichen und am Tag
darauf von der Polizei ins Massnahmezentrum zurückgebracht worden. Am 15. Juli
2009 sei er erneut entwichen. Am 25. Juli 2009 sei er gefasst und am 15. August 2009,
nach Verbüssung einer Arreststrafe von 7 Tagen, ins Massnahmezentrum
zurückgebracht worden. Er habe dem Zentrum mitgeteilt, er habe wieder Motivation
gefunden, um in der Massnahme weiterzumachen und zu bestehen. Seine positive
Veränderung seit den Entweichungen sei augenscheinlich. Er spreche offener über
seine Gedanken und Pläne und sei fest entschlossen, hier die Ausbildung und die
Massnahme gut zu beenden. Er wirke viel offener und habe Ziele, die für ihn erreichbar
seien (Wechsel ins Lehrlingsheim). Der Bericht schliesst mit der Empfehlung, eine
erfolgreiche Resozialisierung und Rückführung in die Gesellschaft der Schweiz
benötige unbedingt das Weiterführen der Massnahme und den Abschluss einer
Berufsausbildung. Nach einem erfolgreichen Massnahmeabschluss müsste dann von
einer Ausweisung abgesehen werden. Der Beschwerdeführer hätte dann die
geforderten Entwicklungs- und Veränderungsschritte für eine Integration in der Schweiz
mehr als erfüllt.
Auffallend ist, dass der Beschwerdeführer nach positiven Entwicklungsansätzen im
ersten Halbjahr 2009 rebellierte, die Kooperation verweigerte und unmögliche
Forderungen stellte und sich in der Folge unerlaubt entfernte, und dass er im Juli 2009
unmittelbar nach einem gemäss Bericht sehr guten und ausführlichen Gespräch mit viel
Verständnis von der elterlichen Seite erneut entwich. Es fehlen im Bericht des
Massnahmezentrums nachvollziehbare und plausible Gründe, weshalb dem
Beschwerdeführer nach den bisherigen Verhaltensweisen eine ausgesprochen positive
Prognose gestellt wird. Namentlich kann aufgrund seines bisherigen Verhaltens nicht
auf Beteuerungen und Absichtserklärungen abgestellt werden. Auch der erfolgreiche
Beginn der Attestlehre bringt noch keinen grundlegenden Wandel zum Ausdruck.
Wiederholt hat der Beschwerdeführer nach positiv scheinenden Entwicklungen versagt
und ist aus dem Vollzug entwichen. Eine eigentliche Bewährung ist nicht sichtbar. Die
gute Prognose der Wohngruppenleiterin des Massnahmezentrums steht im
Widerspruch zu ihren tatsächlichen Ausführungen zum Verlauf der Massnahme.
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Angesichts der Vielzahl der verhängten Strafen, der wiederholten Delinquenz trotz
strafrechtlicher Sanktionen und einer fremdenpolizeilichen Verwarnung, der Dauer der
Freiheitsstrafen von insgesamt rund zweieinhalb Jahren und des wiederholten
gravierenden Fehlverhaltens im Massnahmevollzug muss das öffentliche Interesse am
Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers als hoch eingestuft
werden. Trotz zahlreicher Warnstrafen und Massnahmen fuhr er mit dem deliktischen
Verhalten fort und beging mit zunehmender Dauer schwerere Delikte. Aufgrund des
Verhaltens im Massnahmevollzug und der deliktischen Vergangenheit muss daher auch
von einer hohen Rückfallgefahr ausgegangen werden.
Fest steht, dass der Beschwerdeführer bereits seit 1990 und damit seit 20 Jahren in
der Schweiz ansässig ist. Er war 1990 als sechsjähriger Schüler im Rahmen des
Familiennachzugs in die Schweiz eingereist. Die lange Aufenthaltsdauer von nahezu 20
Jahren ist unbestrittenermassen zu seinen Gunsten zu berücksichtigen. Seit der
Mündigkeit ist allerdings sein Aufenthalt von zunehmender Delinquenz geprägt. Im
übrigen war er bereits als Schüler wegen Ladendiebstählen auffällig geworden. Der
Beschwerdeführer vermochte sich offensichtlich in der Schweiz nicht bzw. nur teilweise
zu integrieren. Eine persönliche Verwurzelung, wie sie der Strafrichter festgestellt hat,
mag wohl aufgrund der langen Aufenthaltsdauer in gewisser Hinsicht gegeben sein.
Hinsichtlich des gesetzestreuen und regelkonformen Verhaltens muss aber
festgehalten werden, dass sich der Beschwerdeführer nicht zu integrieren vermochte.
Der Beschwerdeführer ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Er kann sich daher
nicht auf einen Anspruch nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen. Die Beziehungen des
mündigen Beschwerdeführers zum Vater und zur Stiefmutter bzw. den
Stiefgeschwistern fallen insofern nicht unter den Schutzbereich von Art 8 Ziff. 1 EMRK,
als diese Bestimmung keinen eigenständigen Rechtsanspruch auf Aufenthalt in der
Schweiz verschafft. Die vom Beschwerdeführer zitierte Literaturstelle hält denn auch
ausdrücklich fest, dass der volle Genuss der in Art. 8 EMRK garantierten Rechte eine
Abhängigkeit des Kindes von seinen Eltern verlangt (M.E. Villiger, Handbuch der
Europäischen Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Zürich 1999, Rz. 572).
Bei sehr langer Anwesenheit in der Schweiz darf ein Widerruf einer
Niederlassungsbewilligung nur angeordnet werden, wenn der Ausländer, statt sich zu
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bessern, mit der deliktischen Tätigkeit fortfährt und sich weitere Straftaten zuschulden
kommen lässt. Eine solche lange andauernde Delinquenz liegt beim Beschwerdeführer
zweifelsohne vor. Unbestritten ist sodann, dass sich der Beschwerdeführer jeweils
ferienhalber in Kosovo aufgehalten hat. Weiter steht fest, dass er ungeachtet des
langen Aufenthalts in der Schweiz nach wie vor Kontakte mit dem Heimatstaat pflegt.
Nach den Ermittlungen der Polizei hatte er sich mit einem Landsmann im ersten
Halbjahr 2007 während rund zwei Monaten in Kosovo aufgehalten. Dies zeigt, dass er
sich in seinem Herkunftsstaat nach wie vor zurechtfindet und auch nach einem langen
Aufenthalt in der Schweiz die Möglichkeit hat, dort Fuss zu fassen.
Fehl geht im weiteren das Argument, bei den vom Beschwerdeführer begangenen
Straftaten handle sich nicht um besonders schwere Delikte im Sinne der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Beim Beschwerdeführer handelt es sich nicht
um einen Angehörigen der sog. zweiten Ausländergeneration. Der lange Aufenthalt ist
zwar zu seinen Gunsten zu berücksichtigen, doch bedeutet dieser nicht, dass nur bei
wiederholten sehr schweren Delikten ein Widerruf der Niederlassung zulässig wäre.
Immerhin wurde der Beschwerdeführer u.a. wegen Raubes und bandenmässigen
Diebstahls schuldig gesprochen. Dabei handelt es sich um überaus gravierende
Delikte.
2.6. Werden die öffentlichen Interessen an der Fernhaltung des Beschwerdeführers
gegen seine privaten Interessen am Verbleib in der Schweiz abgewogen, so erweist
sich der Widerruf der Niederlassungsbewilligung verhältnismässig. Die
schwerwiegende, intensive und lang andauernde Delinquenz, die zahlreichen Strafen
bzw. Sanktionen, die Wirkungslosigkeit von Warnstrafen und der fremdenpolizeilichen
Verwarnung rechtfertigen trotz des langen Aufenthalts in der Schweiz einen Widerruf
der Niederlassung. Die Vorinstanz hat den Grundsatz der Verhältnismässigkeit nicht
verletzt. Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3. Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung gewährt. Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens trägt
somit der Staat. Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13,
Ziff. 622 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten.
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Der Vertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. Die
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist daher nach Ermessen
festzusetzen (Art. 6 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten,
sGS 963.75, abgekürzt HonO). Eine Entschädigung von Fr. 1'600.-- zuzügl. MWSt für
das Beschwerdeverfahren ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO in Verbindung mit
Art. 19 HonO und Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).
Demnach hat das Verwaltungsgericht