Decision ID: 3be94e85-faa1-4d30-a15b-66fb99103899
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Stephan Schärli, Oberdorfstrasse 6, Postfach,
8887 Mels,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Arbeitslosenentschädigung (Beitragszeitbefreiung)
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Sachverhalt:
A.
B._ meldete sich am 18. September 2008 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum Sargans (nachfolgend: RAV) zur Arbeitsvermittlung an (act.
G 3.15) und stellte am 22. September 2008 Antrag auf Arbeitslosenentschädigung
infolge (noch nicht abgeschlossener) Ehescheidung. Sie gab an, eine Stelle im Umfang
von 20% zu suchen (act. G 3.13). In der Folge erhöhte sie das angestrebte Pensum auf
60% (vgl. AVAM-Mutationsbestätigung vom 6. Oktober 2008, act. G 3.22). Mit
Schreiben vom 5. Dezember teilte die Kantonale Arbeitslosenkasse (nachfolgend:
Kasse) der Versicherten mit, dass sie keine genügenden Beitragszeiten nachweisen
könne, und forderte sie zur Stellungnahme auf, damit sie (die Kasse) prüfen könne, ob
allenfalls ein Befreiungsgrund vorliege (act. G 3.31). Am 17. Dezember 2008 teilte die
Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Stephan Schärli, der Kasse mit, infolge der
unerwarteten Pensionierung ihres Ehemanns per 1. Mai 2008 habe sie auf einen Teil
der Unterhaltsbeiträge verzichten müssen. Seither reiche die wirtschaftliche
Unterstützung durch ihren Ehemann nicht mehr aus, um ihren Lebensbedarf zu
decken, weshalb sie nun gezwungen sei, eine unselbstständige Erwerbstätigkeit
aufzunehmen (act. G 3.33). Mit Verfügung vom 20. Januar 2009 lehnte die Kasse das
Begehren der Versicherten um Arbeitslosenentschädigung ab 18. September 2008 ab,
da sie weder eine genügende Beitragszeit noch einen Grund für die Befreiung von der
Beitragszeit vorweisen könne. Der Befreiungsgrund "Trennung/Scheidung" oder
ähnliche Gründe könne nicht berücksichtigt werden, da die gerichtliche Scheidung
noch nicht vollzogen sei und die Trennung mehr als zwölf Monate zurückliege. Die
Pensionierung des Ehemanns sei voraussehbar gewesen (act. G 3.35).
B.
Am 20. Februar 2009 erhob der Vertreter der Versicherten Einsprache und beantragte
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Gutheissung des Antrags auf
Arbeitslosenentschädigung. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, die
Versicherte sei seit der Pensionierung ihres Ehemanns per 1. Mai 2008 und der damit
verbundenen Reduktion der Unterhaltsbeiträge gezwungen, einer Erwerbstätigkeit
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nachzugehen. In der angefochtenen Verfügung werde fälschlicherweise davon
ausgegangen, die Trennung dürfe in jedem Fall nicht mehr als ein Jahr vor
Gesuchseinreichung zurückliegen. Dies könne jedoch nicht zutreffen. Das im Gesetz
angesprochene Ereignis beziehe sich nicht auf den zeitlich bestimmbaren effektiven
Trennungszeitpunkt, sondern auf den ebenfalls zeitlich bestimmbaren Wegfall der
hinreichenden finanziellen Unterstützung durch den Ehemann, der im vorliegenden Fall
mit Wirkung ab 1. Mai 2008 keine ausreichenden Einkünfte mehr erziele, um weiterhin
die früher festgelegten Unterhaltsbeiträge zu bezahlen. Die Pensionierung des
Ehemanns sei für die Versicherte nicht vorhersehbar gewesen, da dieser ursprünglich
noch ein vollständiges Erwerbsjahr nach Vollendung des 65. Altersjahres habe
anhängen wollen. Vor der Gesuchseinreichung auf Arbeitslosenentschädigung mit
Wirkung ab 18. September 2008 habe sie (die Versicherte) keine vollständige
Erwerbstätigkeit aufnehmen bzw. die Erwerbwstätigkeit nicht erweitern wollen, vor
allem, weil dies ihr damaliger gesundheitlicher Zustand gar nicht zugelassen hätte (act.
G 3.40). Mit Einspracheentscheid vom 4. März 2009 wies die Kasse die Einsprache ab,
da die Versicherte weder eine genügende Beitragszeit noch einen Grund für die
Befreiung von der Beitragszeit vorweisen könne. Neben der Wiederholung der
Verfügungsbegründung führte die Kasse zusätzlich an, es fehle auch an der Kausalität
zwischen dem reduzierten Unterhaltsbeitrag des Ehemanns und der Antragsstellung
auf Arbeitslosenentschädigung. So habe die Versicherte in der Einsprache geltend
gemacht, es sei ihr vor allem auch aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich
gewesen, vor dem 18. September 2008 eine erweiterte Erwerbstätigkeit aufzunehmen.
Es müsse also davon ausgegangen werden, dass die Versicherte bei guter Gesundheit
bereits vor längerer Zeit ihr Arbeitspensum ausgedehnt hätte und nicht die
Reduzierung der Unterhaltsbeiträge der Grund für die gewünschte Ausdehnung
gewesen sei. Auch müsse festgehalten werden, dass die Versicherte lediglich einen
Antrag für eine angestrebte Beschäftigung von 20%, also von ca. 40 Stunden pro
Monat gestellt habe. Bei ihren letzten Arbeitgebern sei sie ca. 20 bzw. 55 Stunden pro
Monat, tätig gewesen. Sie habe somit im Zeitraum der Rahmenfrist für die Beitragszeit
auch schon in einem höheren Pensum gearbeitet, als dass sie nun Antrag stelle. Auch
deshalb liege keine Kausalität zwischen dem entsprechenden Ereignis und der
Antragsstellung auf Arbeitslosenentschädigung vor (act. G 3.42).
C.
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C.a Mit Eingabe vom 3. April 2009 erhebt Rechtsanwalt Stephan Schärli für die
Versicherte Beschwerde und beantragt, der Einspracheentscheid vom 4. März 2009 sei
aufzuheben. Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung sei gutzuheissen. Bei einer
Gutheissung sei der Taggeldanspruch mit Wirkung ab 18. September 2008
festzusetzen. Zur Begründung wiederholt der Rechtsvertreter die im
Verwaltungsverfahren vorgebrachten Argumente. Zusätzlich macht er im Wesentlichen
geltend, es treffe nicht zu, dass die Beschwerdeführerin lediglich Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung für ein Arbeitspensum von 20% gestellt habe. Der
Anmeldebestätigung des RAV sei unschwer zu entnehmen, dass sich die
Beschwerdeführerin per 18. September 2008 zu einem Beschäftigungsgrad von 60%
(also ca. 120 Stunden) angemeldet habe. Es sei damit falsch, dass die
Beschwerdeführerin im Zeitraum der Rahmenfrist bei ihren letzten Arbeitgebern zu
einem höheren Pensum gearbeitet habe. Die Beschwerdegegnerin mutmasse
neuerdings, dass zwischen dem reduzierten Unterhaltsbeitrag des Ehemanns und der
Antragstellung kein Kausalzusammenhang gegeben sei, weil in der Einsprache geltend
gemacht worden sei, dass es der Beschwerdeführerin auch aus gesundheitlichen
Gründen nicht möglich gewesen wäre, vor dem 18. September 2008 eine erweiterte
Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Die Annahme, dass die Beschwerdeführerin bei guter
Gesundheit bereits vor längerer Zeit ihr Arbeitspensum ausgedehnt hätte, sei
schlichtweg eine Unterstellung, für welche die Beschwerdegegnerin beweispflichtig sei.
Die Beschwerdeführerin habe sich am 1. Mai 2008 nicht sofort angemeldet, weil sie
gehofft habe, die psychischen und körperlichen Probleme in wenigen Monaten in den
Griff zu bekommen, um sich alsdann zur Arbeitsvermittlung anzumelden. Sie habe sich
korrekt verhalten. Vor der Gesuchseinreichung auf Arbeitslosenentschädigung mit
Wirkung ab 18. September 2008 habe die Beschwerdeführerin keine vollständige
Erwerbstätigkeit aufnehmen wollen und können. Sie habe dies zudem bis und mit 30.
April 2008 auch nicht tun wollen und können, weil die bis zu diesem Zeitpunkt
bezahlten Unterhaltsbeiträge des Ehemanns zusammen mit den (wenn auch nur
bescheidenen) Einkünften der Beschwerdeführerin ausgereicht hätten (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 15. April 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wiederholt sie im Wesentlichen die im
Verwaltungsverfahren geltend gemachten Argumente. Zusätzlich führt sie aus, es sei
richtig, dass der gewünschte Beschäftigungsgrad der Beschwerdeführerin später mit
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der AVAM-Mutation auf 60% festgelegt worden sei. Im Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung und beim AVAM-Antrag habe sie aber zunächst 20%
angegeben (act. G 3).
C.c Ein weiterer Schriftenwechsel fand nicht statt (vgl. act. G 5).

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 8 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) hat
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wer unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat
oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist. Die Beitragszeit erfüllt hat laut Art. 13
Abs. 1 AVIG, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG)
während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt
hat.
1.2 Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den
sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit
beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 2 und 3 AVIG).
1.3 Von der Erfüllung der Beitragspflicht befreit sind gemäss Art. 14 Abs. 2 AVIG unter
anderem Personen, die wegen Trennung oder Scheidung der Ehe, wegen Invalidität
oder Todes des Ehegatten oder aus ähnlichen Gründen oder wegen Wegfalls einer
Invalidenrente gezwungen sind, eine unselbstständige Tätigkeit aufzunehmen oder zu
erweitern. Diese Regel gilt nur dann, wenn das betreffende Ereignis nicht mehr als ein
Jahr zurückliegt und die betroffene Person beim Eintritt dieses Ereignisses ihren
Wohnsitz in der Schweiz hatte. Die Bestimmung von Art. 14 Abs. 2 AVIG ist in erster
Linie für jene Fälle vorgesehen, in denen plötzlich die Person, welche durch
Geldzahlungen an den Unterhalt der Familie beiträgt, oder die Erwerbsquelle aus- oder
weggefallen ist (BGE 125 V 124 E. 2a). Gemäss geltender Rechtsprechung ist eine
Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit nach Art. 14 Abs. 2 AVIG nur möglich,
wenn zwischen dem geltend gemachten Grund und der Notwendigkeit der Aufnahme
oder Erweiterung einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit ein Kausalzusammenhang
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gegeben ist. Dabei ist kein strikter Kausalitätsnachweis im naturwissenschaftlichen
Sinn zu verlangen. Der erforderliche Kausalzusammenhang ist vernünftigerweise
bereits zu bejahen, wenn es glaubwürdig und nachvollziehbar erscheint, dass der
Entschluss der versicherten Person, eine unselbstständige Erwerbstätigkeit
aufzunehmen, in dem als Befreiungsgrund in Frage kommenden Ereignis mitbegründet
liegt (BGE 125 V 125 E. 2a, 121 V 344 E. 5c/bb, 119 V 55 E. 3b und ARV 2002 Nr. 25
S. 176 E. 2).
1.4 Eine Kumulation von Beitragszeiten mit Zeiten der Beitragsbefreiung ist nicht
möglich (KS-ALE, Januar 2007, B 170; ARV 2004 Nr. 26, S. 270, E. 3.2; Urteil des
Bundesgerichts, C 123/06, vom 13. Juli 2007).
2.
Vorliegend ist unbestritten und geht im Übrigen aus den Akten hervor, dass die
Beschwerdeführerin keine genügende Beitragszeit vorzuweisen vermag. Nachfolgend
wird daher zu prüfen sein, ob ein Grund für die Befreiung von der Beitragszeit vorliegt.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin erblickt den Grund für die Befreiung von der Beitragszeit
in der Pensionierung ihres Ehemanns und der damit verbundenen Reduktion der
Unterhaltsbeiträge, durch welche sie sich gezwungen gesehen habe, eine
unselbstständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen bzw. auszudehnen. Die
Beschwerdegegnerin hält dem entgegen, dass zwischen der Trennung der
Beschwerdeführerin von ihrem Mann und der Anmeldung zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung mehr als ein Jahr vergangen sei, weshalb kein Grund für
eine Beitragszeitbefreiung vorliege. Die Pensionierung des Ehemanns sei vorhersehbar
und darüber hinaus nicht kausal für die Anmeldung zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung gewesen.
3.2 Die Beschwerdeführerin lebt unbestrittenermassen seit 1. Juli 2005 von ihrem
Ehemann getrennt. Gemäss gerichtlich genehmigter Vereinbarung vom 10. Februar
2006 zahlte der Ehemann der Beschwerdeführerin monatliche Unterhaltsbeiträge
in Höhe von Fr. 3'000.-- (act. G 3.28.1). Anlässlich der ersten Anhörung im Rahmen des
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Scheidungsverfahrens äusserte sich der Ehemann der Beschwerdeführerin am 30.
August 2007 dahingehend, dass er auch nach seiner Pensionierung (bzw. wohl nach
Erreichen des ordentlichen Pensionsalters) bis Ende 2008 80% und 2009 50%
weiterarbeiten würde. Er wisse noch nicht genau, welche Rente, ob AHV oder
Pensionskasse, er ab wann beziehen wolle. Es bestehe auch noch die Option, eine
Kapitalauszahlung bei der Pensionskasse zu machen. Mit dem reduzierten
Arbeitspensum und Gehalt könne er seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Er
werde das mit der Pensionskasse und der AHV abklären (act. G 3.33.1). Per 1. Mai
2008 liess sich der Ehemann der Beschwerdeführerin ordentlich pensionieren (vgl. act.
G 3.33.5). Da sich sein Einkommen dadurch erheblich reduzierte, erklärte sich die
Beschwerdeführerin mit einer Reduktion der monatlichen Unterhaltsbeiträge auf Fr.
1'800.--, vorerst per Mai und Juni 2008, einverstanden (act. G 3.6). In der Folge blieb
es gemäss unbestritten gebliebener Aussage der Beschwerdeführerin bei diesen
reduzierten Unterhaltsbeiträgen.
3.3 Aus dem Gesagten geht klar hervor, dass nicht die Trennung an sich, sondern erst
die Reduktion der Unterhaltsbeiträge die Beschwerdeführerin dazu zwang, eine
unselbstständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen bzw. sich zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung anzumelden, legt sie doch glaubhaft dar, dass ihr
finanzieller Bedarf ab jenem Zeitpunkt nicht mehr hinreichend gedeckt war.
Entsprechend handelt es sich bei dem Ereignis im Sinn von Art. 14 Abs. 2 AVIG, das
nicht weiter als ein Jahr zurückliegen darf, nicht um die Trennung vom 1. Juli 2005,
sondern um den Wegfall bedarfsdeckender Unterhaltszahlungen durch den Ehemann
der Beschwerdeführerin per 1. Mai 2008. Dieses Ereignis liegt offensichtlich weniger als
ein Jahr vor der Anmeldung der Beschwerdeführerin bei der Arbeitslosenversicherung
am 18. September 2008 zurück. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat
auch in früheren Urteilen entschieden, dass das "Ereignis" nicht notwendigerweise in
einer Trennung oder Scheidung bestehen muss, sondern durchaus im Wegfall bzw. der
Reduktion von Unterhaltsleistungen bestehen kann (Entscheide vom 14. September
2006, AVI 2006/16, E. 2c und vom 26. Oktober 2006, AVI 2006/64, E. 1c). Somit liegt
grundsätzlich ein Grund für die Befreiung von der Beitragszeit vor.
Soweit die Beschwerdegegnerin geltend macht, die Pensionierung des Ehemanns per
1. Mai 2008 sei für die Beschwerdeführerin vorhersehbar gewesen, kann dem nicht
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gefolgt werden. Aus der Aktennotiz bezüglich der ersten Anhörung des Ehemanns im
Scheidungsverfahren geht hervor, dass sich dieser nicht ordentlich pensionieren
lassen, sondern (mit schrittweise reduziertem Pensum) mindestens bis Ende 2009
weiterarbeiten wollte. Um seinen finanziellen Verpflichtungen trotz reduziertem Pensum
nachkommen zu können, wollte er entsprechende Abklärungen treffen (act. G 3.33.1).
Unter diesen Umständen musste die Beschwerdeführerin nicht damit rechnen, dass
sich der Ehemann per 1. Mai 2008 ordentlich pensionieren lassen und seine
Unterhaltszahlungen entsprechend reduzieren würde. Vielmehr durfte sie davon
ausgehen, dass er ihr die vereinbarten Fr. 3'000.-- pro Monat zumindest bis Ende 2009
bezahlen würde.
Auch der Einwand der Beschwerdegegnerin, wonach die Pensionierung des Ehemanns
der Beschwerdeführerin bzw. die Reduktion der Unterhaltsleistungen für die
Anmeldung der Beschwerdeführerin bei der Arbeitslosenversicherung nicht kausal
gewesen sei, verfängt nicht. Die Beschwerdegegnerin begründet die angeblich
fehlende Kausalität damit, dass die Beschwerdeführerin in der Einsprache ausgeführt
habe, es wäre ihr vor allem auch aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich
gewesen, vor dem 18. September 2008 eine erweiterte Erwerbstätigkeit aufzunehmen.
Es müsse also davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin bei guter
Gesundheit bereits vor längerer Zeit ihr Arbeitspensum ausgedehnt hätte. Zwar trifft es
zu, dass sich die Beschwerdeführerin gemäss Ausführungen in der Einspracheschrift
vom 20. Februar 2009 (act. G 3.40) bereits vor dem 1. Mai 2008 nach den
Voraussetzungen für den Bezug von Arbeitslosenentschädigung erkundigte. Offenbar
hat sie jedoch nie ein entsprechendes Gesuch eingereicht, wäre doch andernfalls zu
erwarten gewesen, dass die Beschwerdegegnerin die betreffenden Unterlagen
beigezogen hätte, nachdem der Vertreter der Beschwerdeführerin anlässlich der
Einsprache einen dahingehenden Antrag gestellt hatte. Allein aus vor dem 1. Mai 2008
eingeholten Auskünften bezüglich Arbeitslosenentschädigung kann jedenfalls nicht auf
fehlende Kausalität zwischen der Reduktion der Unterhaltsbeiträge und der Aufnahme
einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit bzw. der Anmeldung bei der
Arbeitslosenversicherung geschlossen werden. Selbst wenn die Beschwerdeführerin
eine Anmeldung vor dem 1. Mai 2008 erwogen haben sollte, gibt es Anhaltspunkte
dafür, dass die Beschwerdeführerin gezwungen gewesen wäre, ihr Arbeitspensum
nach Reduktion der Unterhaltsbeiträge zu erhöhen, war sie doch innerhalb der
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Rahmenfrist bei A._ von Dezember 2006 bis 31. März 2007 maximal während 55
Stunden pro Monat tätig (vgl. act. G 3.2 f.); bei der B._, wo sie vom 1. Februar bis 31.
August 2008 tätig war, betrug ihr Pensum noch weniger (vgl. act. G 3.8 und 3.18).
Diese Pensen liegen deutlich unter dem von der Beschwerdeführerin (spätestens ab 6.
Oktober 2008, vgl. act. G 3.22) angestrebten Pensum von 60%, weshalb die Reduktion
der Unterhaltszahlungen zumindest als teilursächlich für die Erweiterung der
Erwerbstätigkeit bzw. Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung angesehen werden
muss. Dies ist gemäss oben zitierter Rechtsprechung (vgl. E. 1.3) ausreichend.
3.4 Zusammengefasst ergibt sich somit, dass die Reduktion der Unterhaltsleistungen
des Ehemanns der Beschwerdeführer (teil)kausal für die Aufnahme oder Erweiterung
einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit bzw. für die Anmeldung bei der
Arbeitslosenversicherung war und dass dieses Ereignis weniger als ein Jahr davor
zurückliegt. Damit sind die Voraussetzungen für die Befreiung von der Beitragszeit im
Sinn von Art. 14 Abs. 2 AVIG erfüllt.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Es wird festgestellt,
dass die Beschwerdeführerin für einen Leistungsbeginn ab 18. September 2008
(Datum der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung; act. G 3.15) von der Beitragspflicht
befreit ist. Die Sache ist sodann zur Prüfung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art.
61 lit. a ATSG). Hingegen hat die obsiegende Beschwerdeführerin bei diesem
Verfahrensausgang Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Vorliegend erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- (inkl.
Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
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