Decision ID: c2f7ae45-6dfb-4bda-b706-cd42b45a4400
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Am Donnerstagmorgen, 12. Dezember 2013, lenkte X um 5.50 Uhr einen
Personenwagen von Sax kommend über die "Rossmad" in Richtung Haag. Aufgrund
der tiefen Temperaturen und des Nebels war die Strasse spiegelglatt. Trotz
eingeleiteter Vollbremsung kam es zu einem Zusammenstoss mit einem anderen
Personenwagen, dessen Lenkerin an der gleichen Stelle kurz zuvor einen Selbstunfall
verursacht hatte und infolgedessen auf der Fahrbahn zum Stillstand gekommen war.
B.- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten vom 13. Februar 2014 wurde X
im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 12. Dezember 2013 wegen Verletzung der
Verkehrsregeln (nicht den Strassen- und Witterungsverhältnissen angepasste
Geschwindigkeit) zu einer Busse von Fr. 600.– verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
C.- Am 3. April 2014 eröffnete das Strassenverkehrsamt gegen X ein
Administrativmassnahmeverfahren und teilte ihm mit, die Fahrt mit nicht angepasster
Geschwindigkeit sei als mittelschwere Verkehrsregelverletzung zu qualifizieren.
Gleichzeitig stellte es ihm den Entzug des Führerausweises für die Dauer eines Monats
in Aussicht. Dazu nahm der Vertreter von X am 28. April 2014 Stellung und brachte im
Wesentlichen vor, die Kollision mit dem anderen Auto sei zu grossen Teilen auf ein
Fehlverhalten der Unfallgegnerin zurückzuführen. Die dadurch entstandenen geringen
Schäden liessen darauf schliessen, dass die Kollisionsgeschwindigkeit niedrig
gewesen sei und nur minim über der den Umständen angepassten Geschwindigkeit
gelegen habe. Eine Gefahr für die Sicherheit anderer habe nie bestanden. Ferner könne
X einen ungetrübten automobilistischen Leumund vorweisen.
Am 6. Mai 2014 entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis für die Dauer
eines Monats wegen einer mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften. Zur Begründung führte es an, X habe infolge nicht
angepasster Geschwindigkeit einen Verkehrsunfall verursacht. Da es ihm nicht möglich
gewesen sei, auf halbe Sichtweite sein Fahrzeug zum Stillstand zu bringen, könne nicht
von einem leichten Verschulden ausgegangen werden.
Dagegen erhob X mit Eingabe vom 19. Mai 2014 (Poststempel) durch seinen
Rechtsvertreter Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission und beantragte, die
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Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 6. Mai 2014 sei aufzuheben, die Kosten neu
zu verlegen und ihm statt eines Führerausweisentzugs eine Verwarnung zu erteilen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben
vom 10. Juni 2014 auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 19. Mai 2014 (Poststempel) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In tatsächlicher Hinsicht bestreitet der Rekurrent nicht, am 12. Dezember 2013 beim
Befahren der "Rossmad" in Richtung Haag einen Verkehrsunfall verursacht zu haben.
Von diesem Sachverhalt ist deshalb auszugehen. Umstritten ist jedoch, ob diese
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz als mittelschwer oder leicht zu
qualifizieren sei.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG).
b) Der Rekurrent macht geltend, er sei sich der prekären Strassen- und
Witterungsverhältnisse durchaus bewusst gewesen, weshalb er die Geschwindigkeit
auf 30 bis 40 km/h reduziert habe. Er sei somit nur minim schneller gefahren, als die
Umstände es zuliessen. Beachtet werden müsse ebenfalls das Fehlverhalten der
Unfallgegnerin, welche nach ihrem Selbstunfall die Unfallstelle ungenügend gesichert
habe. Ferner sei es lediglich zu einer leichten Kollision gekommen, weshalb nur eine
geringe Gefahr bestanden habe und nicht von einer konkreten Gefährdung
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ausgegangen werden könne. Im Übrigen sei im vorliegenden Fall der Unfall auf eine
Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen, weshalb es sich rechtfertige, von
einem Führerausweisentzug abzusehen.
c) Nach Art. 32 Abs. 1 SVG ist die Geschwindigkeit stets den Umständen, namentlich
den Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen, anzupassen. Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, dass er
innerhalb der überblickbaren Strecke halten kann; wo das Kreuzen schwierig ist, muss
er auf halbe Sichtweite halten können (Art. 4 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung,
SR 741.11, abgekürzt: VRV). Der Fahrzeugführer hat langsam zu fahren, wo die Strasse
verschneit, vereist, mit nassem Laub oder mit Splitt bedeckt ist (Art. 4 Abs. 2 VRV).
Die Verwaltungsbehörde darf von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur
abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren oder wenn sie zusätzliche Beweise erhebt sowie wenn
der Strafrichter auf den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat. Sie hat
insbesondere dann auf die Tatsachen im Strafurteil abzustellen, wenn dieses im
ordentlichen Verfahren mit öffentlicher Verhandlung unter Anhörung von Parteien und
Einvernahme von Zeugen ergangen ist, es sei denn, es bestünden klare Anhaltspunkte
für die Unrichtigkeit dieser Tatsachenfeststellung (BGE 124 II 103 E. 1c/aa; 119 Ib 158
E. 3c/aa). Die Verwaltungsbehörde ist aber unter bestimmten Voraussetzungen auch an
einen Strafentscheid gebunden, der in einem Strafbefehlsverfahren gefällt wurde,
selbst wenn er ausschliesslich auf einem Polizeirapport beruht. Dies gilt insbesondere
dann, wenn der Beschuldigte wusste oder angesichts der Schwere der ihm
vorgeworfenen Delikte voraussehen musste, dass gegen ihn ein
Führerausweisentzugsverfahren eröffnet würde, und er es trotzdem unterlässt oder
darauf verzichtet, im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens die ihm garantierten
Verteidigungsrechte geltend zu machen. Unter diesen Umständen darf der Betroffene
nicht das Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und
Beweisanträge zu stellen, sondern ist nach Treu und Glauben verpflichtet, dies bereits
im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens zu tun, sowie allenfalls die nötigen
Rechtsmittel zu ergreifen (BGE 123 II 97 E. 3c/aa; 121 II 214 E. 3a).
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In Bezug auf die Rechtsanwendung ist die Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht an
die rechtliche Qualifikation des Sachverhalts durch das Strafurteil gebunden. Anders
kann es sich verhalten, wenn die rechtliche Würdigung sehr stark von der Würdigung
von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter besser kennt als die Verwaltungsbehörde,
was etwa der Fall sein kann, wenn der Strafrichter den Betroffenen persönlich
einvernommen hat (BGE 124 II 103 E. 1c/bb; 119 Ib 158 E. 3c/bb, 104 Ib 358 E. 3).
d) Der Rekurrent lenkte sein Fahrzeug am 12. Dezember 2013 frühmorgens auf der
"Rossmad" von Sax nach Haag. Als er realisierte, dass sich ein weiteres Fahrzeug auf
der Fahrbahn befand, leitete er unverzüglich eine Vollbremsung ein. Als Folge der
vereisten Strasse rutschte er in den Personenwagen der Unfallgegnerin, welche
vorgängig einen Selbstunfall verursacht hatte und quer auf der Fahrbahn gestanden
war. Bei der durch den Rekurrenten verursachten zweiten Kollision entstand
Sachschaden.
Aus dem Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten vom 13. Februar 2014, welcher
sich auf die Darstellung im Polizeirapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 1. Januar
2014 und die darin protokollierten Aussagen des Rekurrenten im Anschluss an den
Verkehrsunfall stützt, geht hervor, dass dem Rekurrenten Fahren mit nicht angepasster
Geschwindigkeit vorgeworfen wurde (act. 8/15 und 8/16). Daran ist die
Verwaltungsbehörde gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gebunden.
Zwar beruht der erlassene Strafbefehl allein auf dem Polizeirapport, jedoch musste der
Rekurrent angesichts der Umstände – seine Fahrweise führte zu einem Verkehrsunfall,
er wurde durch die Polizei auf die Mitteilung an das Strassenverkehrsamt St. Gallen
und das Untersuchungsamt Altstätten hingewiesen und im Verteiler der
Bussenverfügung war auch das Strassenverkehrsamt aufgeführt – mit einem
Führerausweisentzugsverfahren rechnen. Unter diesen Umständen durfte der
Rekurrent nicht das Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen
und Beweisanträge zu stellen, sondern war nach Treu und Glauben verpflichtet, dies
bereits im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens zu tun, sowie allenfalls die
nötigen Rechtsmittel zu ergreifen (vgl. BGE
123 II 97 E. 3c/aa).
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Zu eigenen Sachverhaltserhebungen sind die Entzugsbehörden nur verpflichtet, wenn
klare Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Sachverhaltsfeststellungen im Strafurteil
unrichtig sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.35/2004 vom 1. September
2004 E. 3.3 und 6A.68/2002 vom 26. Mai 2003 E. 2.1 mit Hinweisen auf BGE Ib 158 E.
3c/aa und 103 Ib 101 E. 2b). Solche Anhaltspunkte liegen nicht vor.
Art. 4 Abs. 2 VRV schreibt vor, dass Fahrzeugführer langsam zu fahren haben, wo die
Strasse verschneit oder vereist ist. Während des Winters ist generell besondere
Vorsicht geboten. Kälte und Nebel können insbesondere bei feuchter, aber auch bei
trockener, Fahrbahn zu vereisten Stellen führen. Die Beantwortung der Frage nach der
angemessenen Geschwindigkeit hängt massgebend von den örtlichen Verhältnissen ab
(vgl. BGE 99 IV 227 E. 2). Ausschlaggebendes Kriterium ist, ob der Fahrzeuglenker
seine Geschwindigkeit so bemessen hat, dass er innerhalb der Strecke halten konnte,
welche als frei erkennbar war (vgl. BGE 103 IV 41 E. 4). Ferner muss gemäss Art. 4
Abs. 1 VRV auf halbe Sichtweite angehalten werden können, wenn das Kreuzen
schwierig ist.
e) Aus dem Polizeirapport vom 1. Januar 2014 geht hervor, dass zum Unfallzeitpunkt
sehr tiefe Temperaturen herrschten (act. 8/16). Auf dem Strassenabschnitt, auf
welchem die Kollision geschah, ist das Kreuzen aufgrund der geringen Strassenbreite
nur eingeschränkt möglich (vgl. 8/17). Ferner ist aus den Polizeiunterlagen ersichtlich,
dass die Fahrbahn nicht durch Strassenlampen ausgeleuchtet wird. Tiefe
Temperaturen und Nebel hatten dazu geführt, dass die Fahrbahn spiegelglatt war, als
es frühmorgens zum Unfall kam. Zu dieser Uhrzeit durfte nicht darauf vertraut werden,
dass sämtliche Strassen durch den Winterdienst bereits gesalzen und damit eisfrei
waren, zumal es sich um eine Nebenstrasse und keine Autobahn oder Hauptstrasse
handelt. Anlässlich der polizeilichen Befragung gab der Rekurrent an, seine
Geschwindigkeit vor dem Zusammenstoss habe zwischen 30 und 40 km/h betragen
und er sei mit Abblendlicht gefahren. Die Sichtweite mit eingeschaltetem Abblendlicht
beträgt unter optimalen Verhältnissen etwas mehr als 50 Meter (vgl. BGer 6B.673/2011
vom 20. Dezember 2011, E. 2.1; BGE 93 IV 115 E. 2, bestätigt in BGE 126 IV 115 E. 2).
Im vorliegenden Fall ist nicht davon auszugehen, dass die Scheinwerfer die Fahrbahn
mit der gesamten Reichweite von rund 50 Meter ausleuchteten, da der Nebel die Sicht
einschränkte. Aufgrund der geringen Strassenbreite ist der Fahrer gehalten, die
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gefahrene Geschwindigkeit so zu wählen, dass er innerhalb der Hälfte der
überblickbaren Strecke zum Stillstand kommen kann. Auch aus dem Einwand zur
seiner Meinung nach ungenügenden Sicherung der Unfallstelle durch die
Unfallgegnerin, kann der Rekurrent nichts zu seinen Gunsten ableiten. Im
Strassenverkehr kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle Hindernisse
ordnungsgemäss beleuchtet sind (vgl. BGE 126 IV 91 E. 4). Dieser Grundsatz gilt
ebenso auf Nebenstrassen. Die Tatsache, dass es zu einem Zusammenstoss zwischen
den beiden Fahrzeugen trotz eingeleiteten Bremsmanövers kam, lässt einzig den
Schluss zu, dass der Rekurrent mit einer den Umständen nicht angepassten
Geschwindigkeit unterwegs war.
Art. 32 Abs. 1 SVG verlangt vom Fahrzeugführer eine Anpassung der Geschwindigkeit
an die konkreten Umstände. Eine übersetzte Geschwindigkeit liegt nicht bereits vor,
wenn vor einem Hindernis ein Anhalten nicht möglich war. Vielmehr ist entscheidend,
dass innerhalb der als frei erkannten Strecke angehalten werden kann, also innerhalb
jener Strecke, auf der weder ein Hindernis sichtbar noch mit dem Auftauchen eines
solchen gerechnet werden muss (BGE 103 IV 41 mit Hinweis auf BGE 99 IV 230). Bei
einer Sichtweite von unter 50 Metern muss das Fahrzeug folglich innerhalb einer
Strecke von weniger als 25 Metern zum Stillstand gebracht werden können, wenn das
Kreuzen sich als schwierig erweist. Ebenso ist es nicht ungewöhnlich, dass auf einer
unbeleuchteten Nebenstrasse ein Hindernis die Fahrbahn versperrt. Zur Kollision kam
es demzufolge, weil der Rekurrent seine Geschwindigkeit nicht ausreichend den
kritischen Strassen- und Witterungsverhältnissen angepasst hatte. Dementsprechend
steht in Übereinstimmung mit der strafrechtlichen Verurteilung fest, dass der Rekurrent
den Unfall infolge Nichtanpassens der Geschwindigkeit verursachte.
3.- Umstritten ist ferner, ob die Vorinstanz die Verletzung von Art. 32 Abs. 1 SVG zu
Recht als mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im
Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert hat. Die Vorinstanz hält in der
angefochtenen Verfügung fest, dass die schuldhaft verursachte Gefahr (Unfall mit
konkreter Gefährdung) nicht mehr als gering eingestuft werden könne. Es liege deshalb
unabhängig vom Grad des Verschuldens zumindest ein mittelschwerer Fall vor.
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a) Nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch die
Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Eine mittelschwere Widerhandlung im
Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG liegt vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung
gegeben sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487). Für die Annahme eines leichten
Falls setzt das Gesetz ausdrücklich ein geringes Ausmass der Gefährdung voraus. Im
Gegensatz zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum früheren, bis 31. Dezember
2004 geltenden Recht (vgl. BGE 125 II 561) räumt Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG der
Schwere der Verkehrsgefährdung wieder eine eigenständige Stellung ein. Im Recht der
Administrativmassnahmen liegen der gesetzlichen Kategorisierung der
Widerhandlungen gegen Strassenverkehrsvorschriften verschiedene
Gefährdungsstufen zugrunde. Von der konkreten Gefährdung der körperlichen
Integrität anderer Personen ist deren abstrakte Gefährdung zu unterscheiden, die
"einfach" oder "erhöht" sein kann. Die einfache abstrakte Gefährdung zieht kein
Administrativmassnahmeverfahren nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Eine solche
Gefährdung ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aber nur dann
anzunehmen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten des
Rekurrenten hätten betroffen werden können. Führt hingegen die Missachtung einer
Verkehrsregel zu einer Verletzung eines Rechtsguts, einer konkreten Gefährdung der
körperlichen Integrität oder zu einer erhöhten abstrakten Gefährdung dieses
Rechtsguts, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die
neuen Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.).
Für die Abstufung innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der
Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte
Gefährdung (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen
bestimmten, tatsächlich daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer
des Täters die Gefahr einer Körperverletzung oder gar Tötung bestand. Erst recht ist
eine konkrete Gefahr zu bejahen, wenn es zu einem Unfall gekommen ist, mit anderen
Worten sich die hervorgerufene Gefahr realisiert hat (J. Boll, Grobe
Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12). Zudem ist das Ausmass der
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üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der Rechtsgutverletzung zu
berücksichtigen.
b) Der Rekurrent macht geltend, er sei sich der schwierigen Strassenverhältnisse
durchaus bewusst gewesen und habe deswegen seine Geschwindigkeit auf 30 bis 40
km/h reduziert. Diese Reduktion sei der Grund dafür gewesen, dass geringer
Sachschaden entstanden sei. Ferner habe für die Unfallgegnerin keine Gefahr
bestanden, da sie sich zum Unfallzeitpunkt nicht in ihrem Fahrzeug, sondern am
Strassenrand aufgehalten habe.
Aus dem Polizeirapport ist ersichtlich, dass der Schaden, welcher der Rekurrent am
Fahrzeug der Unfallgegnerin verursachte, nicht genau beziffert werden konnte. Dies ist
darauf zurückzuführen, dass im Nachhinein nicht eruierbar ist, welche Beschädigungen
durch den ersten Selbstunfall und welche im Nachhinein, als das Auto auf der
Fahrbahn zum Stillstand gekommen und das Fahrzeug des Rekurrenten mit
demjenigen der Unfallgegnerin kollidiert war, entstanden. Demgegenüber wurde der
Sachschaden am Fahrzeug des Rekurrenten, die leicht eingedrückte Frontstossstange,
durch die Polizei auf rund CHF 1'000.– geschätzt (act. 8/15). In Anbetracht dieser
geschätzten Schadenssumme und dem Umstand, dass die Schadenhöhe am Fahrzeug
der Unfallgegnerin im Nachhinein nicht genau rekonstruierbar ist, kann von einem nicht
allzu heftigen Aufprall ausgegangen werden. Dies bedeutet indessen nicht, dass nur
eine geringe Gefahr bestand. Zu berücksichtigen ist insbesondere, dass sich das
Fahrzeug des Rekurrenten, wenngleich mit reduzierter Geschwindigkeit, unkontrolliert
näherte. Selbst wenn sich die Unfallgegnerin im Kollisionszeitpunkt nicht mehr in ihrem
Fahrzeug, sondern am Strassenrand befunden haben sollte – was weder aus dem
Polizeirapport noch aus dem Strafbefehl hervorgeht –, bestand für sie eine mehr als nur
geringe Gefahr.
c) Voraussetzung für die Begehung einer Verkehrsregelverletzung nach Art. 16a SVG ist
ein schuldhaftes Verhalten. Beim Rekurrenten ist sowohl der Strafrichter als auch die
Vorinstanz von einem Verschulden ausgegangen. Dabei handelt es sich um eine
rechtliche Qualifikation, an welche die Administrativmassnahmebehörde nicht
gebunden ist. Hat ein Fahrzeuglenker Kenntnis einer Vereisung oder hält sie zumindest
für möglich und verliert in der Folge wegen Glatteises die Herrschaft über das
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Fahrzeug, ist das Verhalten als grobfahrlässig einzustufen, wenn die gefahrene
Geschwindigkeit in hohem Mass von derjenigen abweicht, welche den Umständen als
angemessen erscheint (vgl. BGer 6P.169/2004 vom 9. März 2005 E. 5.1).
Vorliegend ist nicht von einem grobfahrlässigen Verhalten des Rekurrenten
auszugehen. Auf dem fraglichen Strassenabschnitt gilt eine Höchstgeschwindigkeit von
80 km/h. Er reduzierte die Geschwindigkeit auf 30 bis 40 km/h und fuhr damit deutlich
unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Aufgrund der schwierigen Strassen- und
Witterungsverhältnisse fuhr er jedoch immer noch zu schnell – dies wird im Rekurs
insoweit zugestanden, als von einer minimalen Übertretung der den Verhältnissen
angepassten Geschwindigkeit die Rede ist. Das Verhalten der Unfallgegnerin, welche
nach ihrem Selbstunfall die Unfallstelle nicht durch entsprechende Signale sicherte,
kann bei der Verschuldensfrage einbezogen werden. Dies ändert aber nichts daran,
dass er sein Fahrzeug auf halbe Sichtweite hätte zum Stillstand bringen können
müssen. Bei den Regeln zur Anpassung der Geschwindigkeit handelt es sich um
Grundregeln des Strassenverkehrs, deren Beachtung eine unabdingbare
Voraussetzung für das sichere Lenken eines Fahrzeugs ist. Die Missachtung dieser
Vorschriften stellt einen Verstoss gegen eine elementare Verkehrsvorschrift dar und
führt erfahrungsgemäss immer wieder zu Unfällen. Dies bestätigt der vorliegende Fall.
Trotz winterlichen Verhältnissen mit tiefen Temperaturen, Nebel und einer vereisten
Fahrbahn hat der Rekurrent seine Geschwindigkeit diesen Umständen nicht genügend
angepasst, obwohl von Gesetzes wegen eine diesbezügliche Pflicht besteht (Art. 4
Abs. 2 VRV). Hinzu kommt, dass er auf einer engen Nebenstrasse zu einem Zeitpunkt
unterwegs war, an welchem nicht davon ausgegangen werden durfte, dass der
Winterdienst die Fahrbahn bereits mit Streusalz behandelt hatte. Es ist sodann
allgemein bekannt, dass sich der Bremsweg auf verschneiter oder vereister Fahrbahn
bei zunehmender Geschwindigkeit exponentiell erhöht. Selbst ein allfälliger
ungenügender Strassenunterhalt entbindet den Rekurrenten nicht von seiner Pflicht,
die Geschwindigkeit den herrschenden Strassenverhältnissen anzupassen.
Der Rekurrent war folglich in pflichtwidriger Unvorsichtigkeit und damit fahrlässig mit
nicht angepasster Geschwindigkeit unterwegs. Er hat Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung
mit Art. 4 Abs. 1 VRV schuldhaft verletzt, auch wenn das Verschulden insgesamt nicht
schwer wiegt. Auf der anderen Seite ist das Verschulden aber auch nicht leicht. Davon
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ist offensichtlich auch der Strafrichter ausgegangen, der eine Busse von Fr. 600.–
verhängte. Selbst wenn von der Bussenhöhe nicht ohne Weiteres auf den Grad des
Verschuldens geschlossen werden kann – da darin auch andere Zurechnungsfaktoren
wie z.B. die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zum Ausdruck gelangen –, liegt eine
Busse von Fr. 600.– deutlich über der Grenze von Fr. 300.–, bis zu welcher
Ordnungsbussen ausgesprochen werden können (vgl. Ordnungsbussenverordnung,
SR 741.031, abgekürzt: OBV).
Der verursachte Unfall zog Sachschaden nach sich. Insgesamt steht damit fest, dass
der Rekurrent zufolge einer den Strassen- und Witterungsverhältnissen nicht
angepassten Geschwindigkeit eine konkrete Gefahr für die Sicherheit anderer,
insbesondere der unfallbeteiligten Lenkerin, geschaffen hat, die entgegen der Ansicht
des Rekurrenten nicht mehr als gering bezeichnet werden kann. Ist die vom
Rekurrenten verursachte Gefahr nicht mehr als gering einzustufen, scheidet eine leichte
Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG bereits aus diesem Grund aus.
Hinzu kommt, dass auch das Verschulden nicht leicht war. Somit ist mit der Vorinstanz
von einer mittelschweren Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG
auszugehen.
4.- Zu prüfen bleibt die von der Vorinstanz verfügte Dauer des Entzugs des
Führerausweises von einem Monat.
a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer mittelschweren
Widerhandlung mindestens für einen Monat entzogen.
b) Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung den
Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Dauer von einem Monat
entzogen. Das Gesetz schliesst eine Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer aus
(Art. 16 Abs. 3 SVG). Folglich bleibt es bei der einmonatigen Entzugsdauer und allfällige
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massnahmemindernde Umstände wie eine berufliche oder persönliche Angewiesenheit
des Rekurrenten auf das Führen eines Motorfahrzeugs (vgl. zum früheren Recht SJZ
97/2001 S. 524 f.) oder ein ungetrübter automobilistischer Leumund wirken sich nicht
aus. Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen Mindestentzugsdauer verbleibt
der rechtsanwendenden Behörde auch kein Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie
Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur
Besserung des Betroffenen anstellen könnte (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 4486).
5.- Zusammenfassend ist der Rekurs abzuweisen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 13 Ziff.
522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu
verrechnen.