Decision ID: 56456052-1585-4c79-9e29-e3af68a57a33
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1953 geborene
X._
war vom 1. September 1983
bis
31. Dezember
1987 als Finanzchef bei der
Y._
Immobilien AG und
– nach einer zwischenzeitlichen Tätigkeit im Auftragsverhältnis für diese –
ab dem 1. Juli 1995 bei der
Z
._
als deren Rechtsnachfolgerin angestellt, wobei er
zuletzt (
ab
Juli 1999
[
Urk. 19 S. 5
]
beziehungsweise
Januar 2003
[
Urk. 12
S. 3])
die Funktion des Geschäftsführers innehatte
(Urk.
2/5/3
,
Urk. 2/5/8,
Urk. 12 S. 3,
Urk. 25 S. 9, Urk. 26/8)
.
Dieses Arbeitsverhältnis wurde a
m 22.
Mai 2014 seitens der
Arbeitgeberin
fristlos gekündigt
(Urk. 2/5/4
, Urk. 2/5/31
)
. Im Rahmen der Arbeitsverhältnisse mit der
Z
._
beziehungsweise deren Rechtsvorgängerin war der Versicherte bis Ende 1988 – ab 1. Januar 1985 obligatorisch – bei der Personalvorsorgestiftung
Y._
Immobilien AG, Winterthur, berufs
vorsorgeversichert. Per Ende 1988 stellte diese ih
re operative Tätigkeit ein; die
Arbeitnehmenden
der
Y._
Im
mobilien AG beziehungsweise der
Z._
waren
in der
Folge bei wechselnden Berufsvorsorgeeinrichtungen, zuletzt bei
der PKG Pensi
onskasse
(vgl. Urk. 2/5/55)
, obligatorisch versichert
(vgl. Urk. 12 S. 5)
.
Zudem war der Versicherte – im Rahmen einer freiwilligen Vorsorge – bei der
Perso
nalvorsorge
der
Y._
-Gruppe versichert (
Urk.
2/6).
Betreffend die
Personal
vorsorgestiftung
der
Y._
-Gruppe
wurden im Jahr 2012 vom Vermögen freie Mittel i
n Höhe
von Fr. 2'000‘000.--
zugunsten der Mitarbeitenden ausgeschie
den. Dieser Betrag wurde in der Folge im Rahmen einer
Teilliquidation nach BVG und FZG
über fünf Jahre
v
ert
eil
t in jährlichen
Tranche
n
von Fr. 400‘000.
--
(erstmals am 1. Juli 2012 und letztmals am 1. Juli 2016)
nach einem
genau de
finierten Verteilschlüssel
– in Form einer Gutschrift auf dem individuellen
Konto
bei der
Personalvorsorgestiftung der
Y._
-Gruppe –
den berechtigten Mitarbeitern zugewiesen
(
Urk. 2/5/38,
Urk. 2/7,
Urk. 12 S.
6
,
Urk. 13/14
f.
,
Urk. 19 S. 6
,
Urk. 25 S. 8 f., Urk. 26/6-9,
Urk. 33 S. 11
)
.
1.2
Während die PKG Pensionskasse dem Versicherten seit
dem
Stellenverlust im Frühjahr 2014
– im Rahmen einer Frühpensionierung – eine Altersrente aus
richtet
(
vgl. Urk. 2/5/57
)
, verweigert
e
d
ie Personalvorsorgestiftung der
Y._
-Gruppe
ihm
auf sein entsprechendes Gesuch (Urk. 2/8 f.) – stillschweigend (vgl. Urk. 2/10) – die
Auszahlung einer Austrittsleistung (vgl. Urk. 1 S. 4 ff., Urk. 12 S. 7 ff.).
In der Folge wandte er sich deswegen mit Schreiben vom 21. August 2014 (Urk. 2/10) an die BVG- und Stiftungsaufsicht des Kantons Zürich (BVS) und ersuchte diese, aufsichtsrechtliche Massnahmen gegen die
Personalvorsor
gestiftung
der
Y._
-Gruppe zu treffen, was diese schliesslich am 1. Oktober 2014 – unter Hinweis darauf, dass aufsichtsrechtlich keine Grundlage bestehe, einzuschreiten und Weisungen zu er
teilen, es dem Kläger indes offen stehe, sei
nen allfälligen Anspruch auf Austrittsleistung klageweise gelte
nd zu machen – ablehnte (Urk. 2/14).
2.
Am 6. Januar 2015 liess
X._
mit folgendem Rechtsbegehren Klage gegen die
Personalvorsorgestiftung der
Y._
-Gruppe
erheben (Urk. 1 S. 2):
"Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger die vollständige
Austritts
leistung
per 22. Mai 2014 im Betrag von mindestens Fr. 560‘684.25 zuzüg
lich Zinsen zu jährlich 1,75 % auf diesem Betrag ab 22. Mai 2014 bis 20. Juni 2014 sowie Zinsen zu jährlich 2,75 % auf diesem Betrag seit dem 21. Juni 2014 je hälftig auf die von ihm bezeichneten Freizügigkeitskonten bei der
A._
(
B._
) bzw. bei der
C._
(
D._
) zu überweisen, unter
Entschä
digungsfolgen
zulasten der Beklagten.“
Die Beklagte schloss am 4. Mai 2015 auf – kosten- und entschädigungspflich
tige – Abweisung der Klage (vgl. Klageantwort, Urk. 12).
Replicando
änderte der Kläger sein Rechtsbegehren
am 4. September 2015
wie folgt (Urk. 19 S. 2):
"Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger die vollständige
Austritts
leistung
per 22. Mai 2014 im Betrag von mindestens Fr. 569‘467.30 zuzüg
lich Zinsen zu jährlich 1,75 % auf diesem Betrag ab 22. Mai 2014 bis 20. Juni 2014 sowie Zinsen zu jährlich 2,75 % auf diesem Betrag seit dem 21. Juni 2014 je hälftig auf die von ihm bezeichneten Freizügigkeitskonten bei der
A._
(
B._
) bzw. bei der
C._
(
D._
) zu überweisen, unter
Entschä
digungsfolgen
zulasten der Beklagten.“
Die Beklagte hielt mit Duplik vom 14. Dezember 2015 an ihrem Rechtsbegehren fest (Urk. 25 S. 2).
Hiezu
äusserte sich der Kläger am 4. März 2016 (Urk. 33). Die Stellungnahme der Beklagten vom 3. Mai 2016 zu dieser Eingabe (Urk. 38) wurde dem Kläger am 11.
Mai 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 40).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 11 des
„
Reglements über die Kapitalleistungen
“ der Beklagten
, Fas
sung vom 9. September 2013 (Urk. 2/3
; nachfolgend: Reglement
),
in Kraft seit 1. Juli 2013 (Art. 21 des Reglements)
hat der Versicherte Anspruch auf eine Austrittsleistung, wenn das Arbeitsverhältnis aus anderen Gründen als durch Pensionierung, Tod oder
Erwerbsunfähigkeit beendet wird
(Abs. 1)
.
Die Austrittsleistung entspricht dem auf den Zeitpunkt des Austritts vorhande
nen Altersguthaben gemäss Art. 8 Abs. 2 (volle Freizügigkeit
). Die
Austritts
lei
s
tung
kann an eine allfällige Abgangsentschädigung der
Z._
für ein langjähriges Arbeitsverhältnis gemäss Art. 339
b
ff. OR an
gerechnet werden, es sei denn, eine solche Anrechnung sei bereits bei den reg
lementarischen Leistungen der obligatorischen Personalvorsorge der
Z._
erfolgt (
Abs. 2).
Die Austrittsleistung wird mit dem Austritt aus der Stiftung fällig. Ab diesem Zeitpunkt bis zur Überweisung wird sie mit dem vom Bundesrat festgelegten Mindestzinssatz verzinst. Wenn die Stiftung die Austrittsleistung nicht innert 30 Tagen nach Erhalt der notwendigen Unterlagen für die Auszahlung über
weist, wird sie ab diesem Zeitpunkt mit dem Verzugszins gemäss Art. 7 FZV verzinst (Abs. 3).
Die Austrittsleistung wird in der Regel an die Vorsorgeeinrichtung des neuen Arbeitgebers überwiesen. Kann die Austrittsleistung nicht an die neue
Vorsor
geeinrichtung
überwiesen werden, wähl
t der Versichert
e
im Rahmen der
nach
folgend aufgeführten gesetzlichen Möglichkeiten:
Eröffnung eines Freizügigkeitskontos
Abschluss einer Freizügigkeitspolice
Barauszahlung nach Art. 11 Abs. 6
Der Versicherte teilt seine Wahl der Stiftung bis spätestens zum Austrittsdatum mit (Abs. 5).
1.2
Nach Art. 19
des Reglements
werden durch dieses nicht ausdrücklich geregelte Fälle vom Stiftungsrat durch
sinngemässe Anwendung und unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften erledigt.
2.
2.1
Der Kläger führte zur Klagebegründung aus,
das Vorsorgeverhältnis mit der Beklagten habe aufgrund der von der Arbeitgeberin am 22. Mai 2014
–
trotz korrekten Verhaltens
seinerseits –
fristlos
ausgesprochenen Kündigung des Ar
beitsverhältnisses zu diesem Zeitpunkt geendet.
Die Beklagte habe ihm daher
nach Art. 11 Abs. 1 des Reglements
– unabhängig davon, ob die fristlose Ent
lassung gerechtfertigt gewesen sei oder nicht –
seine damit fällig gewordene Austrittsleistung in Höhe von Fr.
569‘467.30
(einschliesslich seines eingebrach
ten Guthabens von Fr. 307‘822.20 [Urk. 33 S. 10])
,
zuzüglich Zinsen je zur Hälfte auf die von ihm bezeichneten beiden Freizügigkeitskonten zu überweisen (Urk. 1 S. 3 ff.,
Urk. 19 S. 8 ff
, Urk. 33 S. 2 ff.
). Eine Verrechnung der
Austritts
leistung
mit einer
F
orderung seiner
früheren Arbeitgeberin
betreffend
Arbeit
nehmerbeiträge
der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge
falle
ausser Betracht, weil eine solche
einerseits
gar nich
t bestehe und – gehe man von Gegenteiligem aus – andererseits
auch die Voraussetzungen für eine Verrechnung nicht erfüllt
seien
(Urk. 19 S. 10
, Urk. 33 S. 9 f.
).
2.2
Die Beklagte stellte sich d
emgegenüber auf den Standpunkt, der Kläger habe im Rahmen des Arbeitsverhältnisses mit der
Z._
während Jahren massiv gegen interne Weisungen verstossen und sich in zahlreichen Fällen der ungetreuen Geschäftsführung und des Betrugs zum Nachteil
der Ar
beitgeberin schuldig gemacht,
weshalb diese ihm per 22. Mai 2014 fristlos ge
kündigt habe und zudem am 18. Juli 2014 bei der zuständigen Staatsanwalt
schaft Strafanzeige gegen ihn erstattet habe (Urk. 12 S. 3 f.
, Urk. 25 S. 4 ff.
, Urk. 38 S. 4 ff.
)
. Im Rahmen der Teilliquidation des Vermögens der Beklagten sei der Kläger als Mitglied des Stiftungsrats
massgebend an der Festlegung des Verteilschlüssels beteiligt gewesen. Indem er bei den entsprechenden Angaben seinen Arbeitsbeginn auf das Jahr 1983 statt auf den 1. Juli 1995 festgesetzt und
seinen Lohn
alljährlich
– von Fr. 264‘000.-- im Jahr 2003 auf Fr. 633‘814.-- im Jahr 2013
–
eigenmächtig erhöht habe,
habe
er
dafür gesorgt, dass er
auf
grund seines hohen Dienstalters und Salärs
am meisten
von den entsprechenden (überobligatorischen, rein freiwilligen und nicht mit Arbeitnehmerbeiträgen fi
nanzierten) Leistungen
profitiert habe (Urk. 12 S. 7
, Urk. 25 S. 9
, Urk. 38 S. 8 f.
).
Zudem habe er es unterlassen, die Verteillisten betreffend die im Jahr 2012 aus
bezahlte Tranche vom Gesamt-Stiftungsrat genehmigen zu lassen (Urk. 38 S. 9).
Angesichts der Tatsache, dass der Kläger am 19. September 2012 im Rahmen der Teilliquidation auf sein Guthaben
per
31. Dezember 2011 in Höhe von Fr. 307‘822.20 verzichtet habe, reduziere sich die Streitsumme auf Fr. 261‘645.-- (Urk. 25 S. 10 f.
, Urk. 38 S. 11
).
Der
Anspruch auf eine Abgangsentschädigung im Falle einer fristlosen
Entlassung aus wichtigem Grund
sei im
Reglement
nicht geregelt
.
In analoger Anwendung der bei einer fristlosen Auflösung des Arbeitsverhältnisses für den Anspruch auf eine Abgangsentschädigung nach Art. 339d OR geltenden Regelung habe d
er Stiftungsrat beschlossen,
dem Kläger die Austrittsleistung
nicht auszubezahlen (Urk. 12 S. 8
, Urk. 25 S. 10
). Dieser Entscheid erweise sich auch deshalb als gerechtfertigt, weil der Kläger die von Kadermitgliedern
seiner damaligen Arbeitgeberin
zu zahlenden
Arbeitnehmer
b
eiträge
an die obligatorische
Berufsvorsorge seit mindestens dem Jahr 2000 ei
genmächtig von der Arbeitgeberin habe bezahlen lasse
n
. So habe er bis und mit 2014 – auf Kosten der Arbeitgeberin Fr. 238‘990.-- beziehungsweise (ein
schliesslich
der
in den fraglichen 14 Jahren bis 31. Dezember 2014 aufgelaufe
ne
n
Zinsen
)
– Fr. 341‘019.
--
gespart
(Urk. 12 S. 8
, Urk. 25 S. 7
und S. 10
, Urk. 38 S. 7 f.
)
.
Sollte das Gericht trotz der geschilderten Gegebenheiten zum Schluss gelangen, dass der Kläger Anspruch auf Austrittsleistungen der Beklag
ten habe, so seien diese mit der
ihr – der Beklagten – von der Arbeitgeberin am 17. Mai 2015 abgetretenen Forderung aus ausstehenden Arbeitnehmerbeiträgen der beruflichen Vorsorge im Höhe von Fr. 341‘019.
--
zu verrechnen
(Urk. 12 S. 10)
.
Da die Beiträge nicht vom Lohn abgezogen worden seien, sei die Ver
rechnung nach Art. 39 Abs. 2 BVG zulässig (Urk. 25 S. 10
und S. 11
).
Zudem sei die Verrechnung auch deshalb rechtens, weil die
geäufneten
Mittel nicht auf der gesetzlichen Altersvorsorge gemäss BVG basierten und daher nicht der obliga
torischen Altersvorsorge dienten. So
hätten die bis 1987
geäufneten
Beiträge (und die darauf angefallenen Zinsen) nicht dem 1985 in Kraft getretenen BVG unterstanden, und bei den von 2012 bis 2014 geleisteten Beiträgen handle es sich um Spareinlagen der Arbeitgeberin und der Beklagten, die ebenfalls aus
serhalb der beruflichen Vorsorge generiert worden seien und nicht dem zwin
genden Vorsorgeschutz gegolten hätten (Urk. 38 S. 10).
Zu beachten sei schliesslich, dass die Altersvorsorge des Klägers aufgrund der Leistungen der obligatorischen
Berufsv
orsorge ohne
Weiteres
gewährleistet sei (Urk. 12 S. 9).
3.
3.1
Strittig
und zu prüfen ist, ob der Kläger
(
im Rahmen der freiwilligen
beruflichen Altersv
orsorge
)
Anspruch auf
Austrittsleistung der Beklagten in Höhe des per 22. Mai 2014 (
Ende
des Arbeitsverhältnisses) vorhandenen Altersguthabens hat
und – gegebenenfalls – ob
die Beklagte zur Verrechnung mit der ihr von der
frühere
Arbeitgeberin
des Kläger
abgetretenen
Forderung betreffend
Arbeitneh
merbeiträge
der obligatorischen Vorsorge nach BVG
befugt ist
.
3.2
3.2.1
Voraussetzung für den Anspruch auf eine Austrittsleistung ist gemäss Art. 11 Abs. 1
des
Reglement
s
(Urk. 2/3)
einzig, dass das Arbeitsverhältnis des Klägers, der im Zeitpunkt der Kündigung unbestrittenermassen bei der Beklagten versi
chert war,
aus anderen Gründe
n
als durch Pensionierung, Tod, oder Erwerbs
unfähigkeit beendet wurde. Die fristlose Entlassung fällt unter keinen der drei genannten Ausschlussgründe und stellt – entgegen
der
Ansicht
der Beklagten (Urk.
12 S. 8
)
–
auch keinen
mangels einer ausdrücklichen reglementarischen Regelung vom Stiftungsrat durch sinngemässe Anwendung und unter Beach
tung der gesetzliche Vorschriften zu erledigen
den
Fall im Sinne von Art. 19 des Reglements dar. Vielmehr
handelt es sich bei einer
fristlose
n
Kündigung
klarer
weise
um
eine – zur Austrittsleistung berechtigende – Beendigung des Arbeits
verhältnisses „aus anderen Gründen“ nach Art. 11 Abs. 1 des Reglements.
An
gesichts dieses Ergebnisses ist die
Rechtmässigkeit der fristlosen Entlassung
be
ziehungsweise der Ausgang des diesbezüglich hängigen arbeitsgerichtlichen Verfahrens zwischen dem Kläger und seiner früheren Arbeitgeberin (vgl. Urk. 2/5) vorliegend nicht von Bedeutung.
3.2.2
Was die Höhe der Austrittsleistung anbelangt,
umfasst diese nebst
dem Anteil des Klägers an den
Zuwendungen der Beklagten aus freien Mitteln in den Jah
ren 2012 und 2013
auch das vom Kläger
eingebrachte Kapital (
bestehend
aus
Beitragszahlungen
von 1984 bis 1987
und einem Einkauf im Jahr 1995
) sowie die
bis zur fristlosen Entlassung am 22. Mai 2014
aufgelaufenen Zinsen
(
vgl. Urk. 13/26).
Der von der Beklagten behauptete Verzicht des Klägers auf die ein
gebrachten Mittel (einschliesslich Zinsen) per 31. Dezember
2011 im Gesamtbe
trag von Fr. 307‘822.20 im Rahmen der Teilliquidation (Urk. 25 S. 10) entbehrt einer Grundlage in den Akten. Tatsächlich hat
sich
der Kläger
in der am 19. September 2012
(mithin nach der Auszahlung der ersten Tranche an freien Mittel am 1. Juli 2012)
von ihm und seiner Ehefrau unterzeichneten
Verzichts
erklärung im Anhang zum Regleme
nt Teilliquidation (Urk. 26/13) lediglich
da
mit einverstanden erklärt, dass sein Guthaben
per 31. Dezember 2011
im Rah
men
weiterer
Teilliquidation
en
bei der Berechnung seines Anteils
an den
freie
n
Mittel
n nicht berücksichtigt werde
(massgebend bei der Aufteilung einer Tran
che war unter anderem die Höhe des Freizügigkeitsguthabens Ende des Vorjahrs [vgl. Urk. 12 S. 6])
.
Nicht zu hören ist sodann der Vorhalt, der Kläger habe ei
nen zu hohen Lohn bezogen, durfte er doch diesen selber festsetzen.
Auch das Eintrittsjahr (1983) ist nicht zu beanstanden, wurde doch dieses so festgelegt (
Urk.
2/5/3). Damit sind keine (aufgrund dieser Parameter) zu Unrecht erwirkten Gutschriften erkennbar.
Der Anspruch auf Austrittsleistung beläuft sich dem
nach auf Fr.
569‘
467.30 (vgl. Urk. 13/26).
Nicht von Bedeutung ist dabei, ob der Kläger, der eine Altersrente aus obligatorischer beruflicher Vorsorge bezieht, dieses Kapitals zur Sicherung einer adäquaten Altersvorsorge bedarf (Urk. 12 S. 8
f.
)
3.3
3.3.1
Zu prüfen bleibt, ob die
Austrittsleistungsf
orderung
des Klägers
teilweise
–
im Umfang von Fr. 341‘019.
--
–
durch Verrechnung getilgt wurde (Urk. 12 S. 10).
3.3.2
Wenn zwei Personen einander Geldsummen schul
den, so kann nach Art. 120 Abs.
1
des Obligationenrechts (
OR
)
jede ihre Schuld verrechnen (sofer
n beide Forderungen fällig beziehungsweise
erfüllbar sind). Eine Verrechnung kann auch derjenige geltend machen, dessen Gegenforderung bestritten wird (
Art.
120 Abs.
2 OR)
.
Die Verrechnungswirkung tritt aber nur ein, wenn die Verrechnungsforderung tatsächlich besteht und durchsetzbar ist. Wird sie be
stritten, muss im Prozess
beziehungsweise
im Schuldbetreibungsverfahren ihr Bestehen bewiesen oder glaubhaft gemacht werden (
L
aurent
Killias
, Matthias
Wiget
,
CHK - Handkomme
ntar zum Schweizer Privatrecht, Obligationenrecht
, Allgemeine Bestimmungen, Art.
1-183 OR, 2. Auflage 2012,
Rz
. 10 zu Art. 120).
3.3.3
Die
Beklagte begründete die
geltend
gemachte Verrechnungsforderung
mit
Arbeit
nehmerbeiträgen
an die obligatorische berufliche Vorsorge in Höhe von 5 % des Bruttolohns
, die sich der Kläger
– entgegen der entsprechenden Wei
sung der Arbeitgeberin – spätestens ab dem Jahr 2000 nicht
(mehr)
von seinem Salär abziehen, sondern
eigenmächtig von der Arbeitgeberin
bezahlen lassen
habe (Urk. 12 S. 8
,
Urk. 25 S. 7,
Urk. 38 S. 10
)
.
Gemäss dem Kläger basierte die
Bezahlung d
er Arbeitnehmerbeiträge durch die Arbeitgeberin
auf einer entspre
chenden Vereinbarung mit d
ies
er
(Urk. 33 S. 6)
, was
schon aufgrund
der Tatsa
che, dass der Kläger
nach Angaben
von
E._
,
de
m
Verwaltungs
ratspräsident
en
seiner früheren Arbeitgeberin
(
im Rahmen de
s
auf deren Straf
anzeige gegen ihn
[
Urk. 13/2
]
hin veranlassten Strafverfahrens
)
,
befugt war, sei
nen Lohn selbst festzusetzen
(vgl.
Urk. 20/1 S. 5
),
als
durchaus
plausibel er
scheint
.
Zudem sieht der Geschäftsführervertrag vom 24. Januar 2003, gemäss dem vom Bruttolohn „die Prämien der gesetzlichen vorgeschriebenen Sozial
versicherungen (AHV/IV/EO, ALV) und die Krankentaggeldversicherungs-Prä
mie“ in Abzug gebracht w
erden
, (zumindest explizit) keinen Lohnabzug für Beiträge an die berufliche Vorsorge vor (vgl. Urk. 20/5 S. 2 Ziff. 3.1).
Eine ent
sprechende Forderung machte die Arbeitgeberin denn auch im Rahmen ihrer Widerklage
auf Bezahlung von Fr. 3‘
211‘
239.-- im Verfahren zwischen ihr und dem Kläger vor dem Arbeitsgericht Winterthur nicht geltend (vgl. Urk. 13/1).
3.3.4
Da der effektive Bestand der von der Beklagten geltend gemachten
F
orderung
(aus Arbeitsvertrag)
demnach
nicht feststeht und die entsprechende Überprü
fung nicht in die sachliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts
fällt
(weshalb zu einer allfälligen Beitragsforderung der Beklagten in diesem Verfahren auch keine Zeugen zu befragen sind [Urk. 38 S. 8])
, fällt eine Verrechnung dieser Forderung mit derjenigen des Klägers auf Austrittsleistung ausser Betracht.
An
gesichts dieses Ergebnisses kann die grundsätzliche Zulässigkeit der Verrech
nung einer von der Arbeitgeberin an eine Einrichtung der freiwilligen berufli
chen Vorsorge abgetretenen Forderung auf Arbeitnehmerbeiträge aus BVG mit einer
Forderung des Arbeitnehmers auf
Austrittsleistung aus freiwilliger Vor
sorge
(Urk. 12 S. 10, Urk. 19 S. 10, Urk. 33 S. 9, Urk. 38 S. 10)
offen bleiben.
3.4
Die Austrittsleistung wurde mit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses am 22. Mai 2014 beziehungsweise dem damit verbundenen Enden des
Vorsorgever
hältnisses
mit der Beklagten fällig (
vgl. Art. 11 Abs. 3 Satz 1 des Reglements [Urk. 2/3]).
Ab diesem Zeitpunkt hat die Beklagte auf der Austrittsleistung den Mindestzinssatz von
Art.
12 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hin
terlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2;
bis 31. Dezember 2015
min
destens 1,75
%
p.a. und ab 1. Januar 2016 mindestens 1,25 % p.a. [
Art.
12
lit
. h
und
lit
. i
BVV 2]) zu vergüten.
Da die Beklagte die Austrittsleistung, nachdem der Kläger ihr die notwendigen Unterlagen am 4. Juli 2014
(Freitag)
hatte zukom
men lassen (Urk. 2/8), nicht innert dreissig Tagen
nach Erhalt (mutmasslich) am 7. Juli 2014 (Montag)
auszahlte, beläuft sich der
anzuwenden
de Zinssatz ab 6. August 2014
(und nicht schon ab 20. Juni 2014 [Urk. 1 S. 2, Urk. 19 S. 2])
auf den BVG-Mindest
zinssatz plus einem Prozent (
Art. 11 Abs. 3 Satz 2 des Reglements [Urk. 2/3] in Verbindung mit Art.
7
FZV
).
Demzufolge
ist die dem Kläger geschuldete Austrittsleistung ab
22. Mai 2014 mit 1,75 %, ab 6. August 2014 mit 2,75 % und ab 1. Januar 2016 mit 2,25 % zu verzinsen.
4.
A
ngesichts des weitgehenden Obsiegens des Klägers
ist die Beklagte gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu verpflichten, dem anwaltlich vertretenen Kläger eine Prozessentschädigung zu entrichten, wobei ein Betrag von Fr. 4‘300.-- als angemessen erscheint.