Decision ID: 96511054-6cee-58bf-8b3e-f6edada2f8f2
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 8. November 2007 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1 und 9).
A.b Auf Anfrage der IV-Stelle erstattete die Rheinburg-Klinik AG am 9. Januar 2008
einen Arztbericht, in welchem chronische Spannungskopfschmerzen (mit Verdacht auf
zusätzlichen Analgetika-induzierten Kopfschmerz) und eine depressive Episode
diagnostiziert wurden. Da die Versicherte die stationäre Behandlung vorzeitig
abgebrochen habe, könne zur Arbeitsfähigkeit keine Stellung bezogen werden (IV-
act. 12–1 ff.). Dem Arztbericht lag der Austrittsbericht vom 15. Mai 2007 betreffend die
stationäre Behandlung vom 18. April bis 5. Mai 2007 bei (IV-act. 12–5 ff.).
A.c Am 21. Januar 2008 erstattete das Psychiatrische Zentrum Wattwil ebenfalls
einen Arztbericht. In diesem wurden die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven
Episode sowie eines Kombinationskopfschmerzes bei chronischen
Spannungskopfschmerzen und Verdacht auf zusätzlich Analgetika-induzierte
Kopfschmerzen diagnostiziert. Die Behandlung sei vom 1. Juni bis 6. September 2007
erfolgt; nachdem die Versicherte in ihrem Heimatland neue Medikamente zur
Behandlung der Kopfschmerzen erhalten habe und diese offensichtlich zu einer
erheblichen Besserung des Zustandes geführt hätten, sei die Behandlung sistiert
worden. Angesichts der Verbesserung könne ein Arbeitsversuch diskutiert werden. Da
die Versicherte seit März 2005 nicht mehr gearbeitet habe und neben der
Schmerzsymptomatik auch häusliche Verpflichtungen habe, könnte ein solcher im
Rahmen von etwa ein bis zwei Stunden pro Tag stattfinden (IV-act. 13).
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A.d Gleichentags erstattete schliesslich auch der Hausarzt der Versicherten,
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, einen Arztbericht. Er
diagnostizierte eine Hemitendinose rechts, chronische Spannungskopfschmerzen,
Cervikobrachialgien und eine Lumbago, bestehend seit Jahren. Die Versicherte sei seit
dem 18. März 2005 zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act. 17–1 ff.). Dem Bericht lagen
diverse weitere medizinische Berichte bei, insbesondere ein Bericht des Spitals Wattwil
vom 22. November 1999 mit der Verdachtsdiagnose einer Commotio cerebri und den
weiteren Diagnosen einer HWS-Distorsion, einer Prellung der Orbita und des
Jochbogens rechts mit Hämatom, kleineren oberflächlichen Schnittverletzungen mit
vielen kleinen Glassplittern im rechten Oberlid und einer Prellung des rechten Knies im
Rahmen eines am 18. November 1999 als Beifahrerin erlittenen Autounfalles (IV-
act. 17–32 f.), ein Bericht von Dr. med. C._, Fachärztin FMH für Neurologie, vom
10. Januar 2005 mit der Diagnose von Spannungskopfschmerzen bei unauffälligem
Befund und unauffälliger Computertomographie vom 25. Februar 2004 (IV-act. 17–
25 ff.), ein Bericht des Spitals Wattwil vom 3. Februar 2005 betreffend eine ambulante
Behandlung bei Hyperventilationssyndrom (IV-act. 17–28 f.), ein Bericht der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen vom 9. März 2006 mit den
Diagnosen unklarer Cervikobrachialgien und unklarer Lumbago (IV-act. 17–14 f.), ein
Bericht von Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und
Rehabilitation, vom 11. April 2006 mit der Diagnose einer Hemitendinose rechts im
Rahmen einer familiären Überlastungssituation (IV-act. 17–21 f.), ein Bericht der Klinik
für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 27. September 2006 mit der
Diagnose chronischer Spannungskopfschmerzen und eines Status nach zweimaligem
passagerem Schwächeanfall unklarer Ätiologie (differentialdiagnostisch kardialer oder
psychogener Ursache) bei unauffälligem Befund einer cranio-cerebralen
Kernspintomographie (IV-act. 17–18 ff.) sowie ein Bericht der Klinik für Gynäkologie
und Geburtshilfe des Spitals Wil vom 22. März 2007 mit den Diagnosen unklarer
Unterbauchschmerzen, einer unspezifischen Kolpitis und des Verdachts auf eine
funktionelle Zyste im linken Ovar (IV-act. 17–16 f.).
A.e In der Folge beauftragte die IV-Stelle die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Ostschweiz mit der Erstellung eines Gutachtens (IV-act. 23), welches am 11. Juni 2008
erstattet wurde. Die Gutachter diagnostizierten im Wesentlichen ein chronifiziertes
cervikobrachiales Schmerzsyndrom rechts und ein lumbospondylogenes
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Schmerzsyndrom beidseits mit Generalisierungstendenz und Hemihypästhesie rechts
sowie eine asthenische Entwicklung bei akzentuierter Persönlichkeitsstruktur mit
histrionischen Zügen. Sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht sei
der Versicherten die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Rahmen von gesamthaft 70 %
zumutbar, gleichwie jede andere leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeit unter
Vermeidung Hebens oder Tragens von Lasten über zehn bis zwölfeinhalb Kilogramm
(IV-act. 31).
A.f Am 13. Juni 2008 wurde eine Abklärung im Haushalt der Versicherten
durchgeführt, welche im Wesentlichen ergab, dass die Versicherte vollzeitig
erwerbstätig wäre, wenn sie gesundheitlich nicht beeinträchtigt wäre (IV-act. 33).
A.g Mit Schreiben vom 12. September 2008 stellte die IV-Stelle der MEDAS
Ostschweiz Ergänzungsfragen, namentlich zur Arbeitsfähigkeitsschätzung betreffend
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit, zur Kausalität zwischen Unfallereignis 1999 und
neurasthenischer Entwicklung und zur Notwendigkeit einer neuropsychologischen
Untersuchung (IV-act. 37). Die Gutachter antworteten mit Schreiben vom 31. Oktober
2008. Sie hielten fest, dass die Versicherte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im
Rahmen von 70 % arbeiten könnte, wobei die Einschränkung bezüglich Hebe- und
Traglast dem Habitus der Versicherten Rechnung trage und die quantitative
Einschränkung auf der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den psychiatrischen
Konsiliarius beruhe, dass ein Zusammenhang zwischen Unfallereignis und
neurasthenischer Entwicklung höchstens möglich sei, und dass eine zusätzliche
neuropsychologische Untersuchung nicht indiziert sei (IV-act. 39).
A.h Mit Vorbescheid vom 22. Dezember 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass bei einem Invaliditätsgrad von 30 % die Abweisung des Rentengesuchs
vorgesehen sei (IV-act. 47). Am 13. März 2009 verfügte sie entsprechend (IV-act. 59).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 15. April 2009 beantragte die Beschwerdeführerin die
Aufhebung der Verfügung vom 13. März 2009 und die Zusprache einer Invalidenrente,
eventualiter die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur
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Vornahme weiterer Abklärungen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, auf
das Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 11. Juni 2008 könne nicht abgestellt
werden, da der psychiatrische Gutachter voreingenommen gewesen sei und überdies
eine rechtliche Würdigung vorweggenommen habe, das Gutachten unvollständig sei
und keine Auseinandersetzung mit den Vorakten enthalte. Schliesslich sei nicht
einzusehen, weshalb weder ein „Leidensabzug“ noch ein „Teilerwerbsabzug“
vorgenommen worden sei (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2009 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dem
Gutachten liessen sich keine Hinweise auf eine Voreingenommenheit des
psychiatrischen Gutachters entnehmen, der Hinweis auf die rechtliche Würdigung
durch den Gutachter sei ebenfalls unbeachtlich, zumal dieser trotz bundesgerichtlicher
Rechtsprechung eine Arbeitsunfähigkeit wegen Neurasthenie attestiert habe (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 25. Juni 2009 hielt die Beschwerdeführerin an den mit
Beschwerde vom 15. April 2009 gestellten Anträgen fest (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete sinngemäss auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist in erster Linie der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Rente der Invalidenversicherung. Ergäbe sich, dass ein solcher Anspruch grundsätzlich
im Raum stünde, wäre auch zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin eine mögliche
Eingliederung zuverlässig geprüft hätte.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Der
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zu beurteilende Sachverhalt beschlägt teilweise den Zeitraum vor Inkrafttreten der
5. IV-Revision. Da sich die Definition der Invalidität und die damit zusammenhängenden
Begriffe mit dieser Revision nicht geändert haben, werden nachfolgend die seit dem
1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen wiedergegeben.
2.2 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig im Sinne von Art. 6 ATSG gewesen sind, und nach
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid im Sinne von Art. 8 ATSG sind
(Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG ist die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
2.3 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität
bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
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ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.
Zunächst ist die medizinische Aktenlage zu würdigen. Im Zentrum steht dabei das
Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 11. Juni 2008 (IV-act. 31) inkl. Ergänzungen
(IV-act. 39), das von der Beschwerdeführerin in verschiedener Hinsicht kritisiert wird:
Der psychiatrische Gutachter sei ihr in hohem Mass feindselig begegnet, die
Untersuchung habe weniger als eine Stunde gedauert (wovon ein erheblicher Teil auf
Aktenstudium entfallen sei), das Gutachten sei unvollständig, weil vertiefte
psychotherapeutische Überlegungen fehlen würden, es fehle eine Auseinandersetzung
mit den abweichenden Vorakten, der psychiatrische Gutachter habe in unzulässiger
Weise eine rechtliche Würdigung vorweggenommen und es fehle eine
neuropsychologische Untersuchung. Im Folgenden ist auf diese Kritikpunkte
einzugehen.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es lägen objektive Indizien für die
feindselige Haltung des psychiatrischen Gutachters vor. So habe er sie ohne nähere
Begründung als nicht kooperativ bezeichnet und ihr unterstellt, sie richte ihr Verhalten
nur darauf aus, in den Genuss von Versicherungsleistungen zu kommen. Tatsächlich
wird im psychiatrischen Konsiliargutachten festgehalten, die Beschwerdeführerin sei
„wenig kooperativ“ gewesen (IV-act. 31–19), und dass differenzialdiagnostisch
„aufgrund der auffälligen Beeinträchtigung der Orientierung und des Gedächtnisses
eine Pseudodemenz in Frage (komme), also ein nicht nachvollziehbares, eher
vorgetäuschtes Erscheinungsbild, eventuell als – bewusste oder nicht bewusste –
Zweckreaktion, einerseits um die Aufmerksamkeit ihrer Umgebung auf sich zu lenken,
andererseits um in den Genuss von Vergünstigungen der Versicherungen zu
kommen“ (IV-act. 31–20). Daraus kann aber nicht ohne Weiteres geschlossen werden,
der Gutachter sei voreingenommen gewesen, zumal er – entgegen der Behauptung der
Beschwerdeführerin – auch begründet, weshalb er zu diesen Schlüssen gelangt ist. So
weist er nämlich darauf hin, dass die Beschwerdeführerin (wie übrigens auch im
Rahmen der rheumatologischen Untersuchung) erhebliche Beeinträchtigungen
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demonstriert hat, die nicht objektiviert werden konnten. Ihren eigenen Angaben zufolge
war die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, vor der Begutachtung die Fragebögen
(in ihrer Muttersprache) auch nur teilweise auszufüllen, die relevanten Daten zur
Ausbildung, zur letzten Tätigkeit, zu den durchgeführten Behandlungen, zur Einreise in
die Schweiz, zum Geburtsort, zum Ort, an dem sie aufgewachsen ist, zu ihren
Geschwistern, zur eigenen Hochzeit, zum Alter und zur Herkunft ihres Ehemannes, zum
Alter ihrer eigenen Kinder, zur Örtlichkeit der Begutachtung und dazu, wie sie nach der
Begutachtung wieder nach Hause komme, zu nennen. Für diese gravierenden
Beeinträchtigungen fehlte aber jegliches Korrelat. Die Beschwerdeführerin war im
Rahmen der psychiatrischen Begutachtung in der Lage, auf die gestellten Fragen
einzugehen und sich auf das Gespräch zu konzentrieren und dieses aufmerksam zu
verfolgen. Im Rahmen der rheumatologischen Begutachtung zeigte sie sich sodann
hinsichtlich der kognitiven Fähigkeiten nicht annähernd so beeinträchtigt wie im
Rahmen der psychiatrischen Begutachtung (dafür demonstrierte sie aber eine
erhebliche körperliche Beeinträchtigung, die ebenfalls nicht objektiviert werden konnte).
Schliesslich ergeben sich auf Grund der Voruntersuchungen keine anderen
Schlussfolgerungen. Zwar werden im Bericht des psychiatrischen Zentrums Wattwil
vom 21. Januar 2008 (IV-act. 13–3) kognitive Defizite im Sinn eines schlechten
Gedächtnisses für Zahlen und Daten erwähnt; dieser Befund steht aber in Widerspruch
zur gleichzeitig vermerkten guten Auffassungsgabe und zu guten Sprachkenntnissen.
Im Bericht der psychiatrisch behandelnden Ärzte wurden zudem der formale
Gedankengang der Beschwerdeführerin als geordnet beschrieben und inhaltliche
Denkstörungen verneint. Angesichts dessen ist die Schlussfolgerung des
psychiatrischen Konsiliargutachters, die demonstrierten Beeinträchtigungen seien nicht
objektivierbar bzw. die Beschwerdeführerin sei nicht kooperativ gewesen und habe ein
an der Grenze zur Manipulation liegendes Verhalten gezeigt, nachvollziehbar und
insofern auch genügend begründet. Indizien für Voreingenommenheit,
Gegenübertragung oder gar Feindseligkeit liegen auch anderweitig nicht vor. Insofern
vermögen die Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht zu überzeugen.
3.2 Dass die Untersuchung weniger als eine Stunde gedauert habe und dass ein
wesentlicher Teil derselben auf Aktenstudium entfallen sei, lässt sich den Akten nicht
entnehmen. Der psychiatrische Konsiliargutachter hielt fest, die Untersuchung habe 70
Minuten gedauert. Hinsichtlich der Untersuchungsdauer liegt mithin Beweislosigkeit
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vor, doch ist darauf hinzuweisen, dass es unwahrscheinlich erscheint, dass der
Gutachter einen wesentlichen Teil des Gesprächs dem Aktenstudium gewidmet hat.
Erstens liegen kaum psychiatrisch relevante Akten im Recht, zweitens konnten nicht
einmal Fragebögen ausgewertet werden und drittens erfolgt das eigentliche
Aktenstudium kaum je während der Exploration. Ohnehin lässt sich aber allein aus der
Dauer einer psychiatrischen Exploration nichts in Bezug auf den Beweiswert eines
Gutachtens ableiten (vgl. hierzu den Entscheid I 58/06 des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 13. Juni 2006, E. 2.2, mit Hinweisen).
3.3 Was die vertieften psychotherapeutischen Überlegungen betrifft, welche dem
Gutachten der MEDAS Ostschweiz nach Ansicht der Beschwerdeführerin abgehen, ist
darauf hinzuweisen, dass es nicht Aufgabe eines psychiatrischen Gutachters ist,
psychotherapeutische Überlegungen anzustellen. Der Sinn eines Gutachtens liegt
gerade darin, eine medizinische Einschätzung vorzunehmen, die losgelöst von einem
Behandlungsauftrag abgegeben wird und damit versicherungsmedizinisch verwertbar
ist (vgl. hierzu etwa den Entscheid I 701/05 des EVG vom 5. Januar 2007, E. 2 mit
zahlreichen Hinweisen). Eine solche Einschätzung hat der Konsiliargutachter gestützt
auf die Vorakten und die Ergebnisse der eigenen Untersuchung abgegeben, was
grundsätzlich genügt. Dass nur wenige relevante Vorakten vorlagen, schmälert die
Aussagekraft des Gutachtens nicht in grundsätzlicher Weise. Vielmehr erscheint gerade
auch aufgrund der Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin nie länger in
psychotherapeutische Behandlung begab, der Schluss gerechtfertigt, eine
invalidisierende psychiatrische Beeinträchtigung sei wenig wahrscheinlich.
3.4 Ähnliches gilt in Bezug auf eine ergänzende neuropsychologische Untersuchung:
Bislang wurden keine relevanten neuropsychologischen Defizite festgestellt. Auch
fielen eine Computertomographie (IV-act. 17–25) und eine cranio-cerebrale
Kernspintomographie (IV-act. 17–18) unauffällig aus. Indizien dafür, dass erhebliche
hirnorganisch bedingte oder sonstige neurokognitive Beeinträchtigungen vorliegen,
sind aus den Akten – abgesehen von den im Rahmen der Begutachtung
demonstrierten Beeinträchtigungen – nicht ersichtlich. Insofern besteht grundsätzlich
kein Anlass für eine solche Untersuchung. Da die Ergebnisse neuropsychologischer
Untersuchungen zudem in hohem Mass von Kooperation und Motivation der
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Exploranden abhängig sind, ist überdies zu bezweifeln, dass mittels einer solchen
Untersuchung verlässliche Ergebnisse erzielt werden könnten, nachdem die
Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung aggraviert hat. Insofern überzeugen
die diesbezüglichen Ausführungen des psychiatrischen Konsiliargutachters in dessen
Stellungnahme vom 2. Oktober 2008 (IV-act. 39–6).
3.5 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kann auch kein Mangel des
Gutachtens der MEDAS Ostschweiz darin erblickt werden, dass auf die Vorakten nicht
vertieft eingegangen wird, nachdem relevante Widersprüche zwischen diesem und
jenen nicht ersichtlich sind. In psychiatrischer Hinsicht liegt nämlich neben dem
Gutachten der MEDAS Ostschweiz einzig der Arztbericht des Psychiatrischen
Zentrums Wattwil vom 21. Januar 2008 im Recht, in welchem zwar eine mittelgradige
depressive Episode diagnostiziert, andererseits aber festgehalten wird, dass während
der Behandlung vor allem die Kopfschmerzen stark im Vordergrund gestanden seien,
dass diese nach Verschreibung eines Medikaments im Heimatland der
Beschwerdeführerin stark gebessert hätten und dass deshalb die Behandlung nach
rund drei Monaten bereits wieder beendet worden sei. Bezüglich Arbeitsfähigkeit wird
ausgeführt, ein Arbeitsversuch sei möglich, angesichts der langen Absenz vom
Arbeitsmarkt, der Schmerzsymptomatik und den häuslichen Verpflichtungen vorerst im
Rahmen von etwa ein bis zwei Stunden (IV-act. 13). Diese Einschätzung steht nicht im
Widerspruch zur Einschätzung des psychiatrischen Konsiliargutachters der MEDAS
Ostschweiz, der festhielt, aufgrund der neurasthenischen Entwicklung sei der
Beschwerdeführerin die Doppelbelastung als Erwerbstätige und Hausfrau mit drei
Kindern nicht zumutbar, da sie damit sichtlich überfordert sei, und dass aufgrund der
Chronifizierung des Zustandes und der unbefriedigenden Behandlungsergebnisse die
Arbeitsfähigkeit um 30 % eingeschränkt sei. In beiden Berichten wird gleichermassen
dem Verlauf, der Chronifizierung der Schmerzsymptomatik und den häuslichen
Verpflichtungen Rechnung getragen. Die Aussage im Bericht des Psychiatrischen
Zentrums Wattwil bezüglich Arbeitsfähigkeit ist zudem im Hinblick auf den Beginn
eines Arbeitsversuchs zu verstehen, was die Möglichkeit einer (erheblichen) Steigerung
impliziert. Jedenfalls ist der Bericht des Psychiatrischen Zentrums Wattwil nicht
geeignet, Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gutachtens der MEDAS Ostschweiz
aufkommen zu lassen.
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3.6 Dass der behandelnde Hausarzt ohne eigene Würdigung der Befunde festhielt,
der Beschwerdeführerin sei keinerlei Arbeitstätigkeit mehr zumutbar, schmälert die
Überzeugungskraft des Gutachtens der MEDAS Ostschweiz nicht. Mangels konkreter
Indizien lässt der Bericht vom 21. Januar 2008 (IV-act. 17–3) keine Zweifel an der
Einschätzung der Gutachter der MEDAS Ostschweiz aufkommen.
3.7 Insofern die Beschwerdeführerin schliesslich rügt, der psychiatrische Konsiliarius
habe seine Kompetenzen überschritten und eine rechtliche Würdigung
vorweggenommen, verkennt sie die Aufgabe des begutachtenden Arztes. Auch wenn
der Begriff der Zumutbarkeit ein normativer ist, kann im Einzelfall doch nur ein Arzt
aufgrund seiner Fachkenntnisse beantworten, was der versicherten Person in welchem
Umfang effektiv zumutbar ist. Dabei beinhaltet jede Arbeitsfähigkeitsschätzung bereits
implizit eine normative Wertung – allerdings aus der Sicht eines Mediziners –, eine
Abwägung zwischen dem, was die versicherte Person noch leisten zu können meint,
und dem, was sie aus medizinischer Sicht und eben auch unter Berücksichtigung der
rechtlichen Rahmenbedingungen tatsächlich leisten könnte. Andernfalls würde ja stets
lediglich auf die subjektiven Angaben der versicherten Person abgestellt, die zudem
weder über das notwendige medizinische Fachwissen noch über eine vertiefte
Kenntnisse der massgebenden rechtlichen Vorgaben verfügt. In diesem Kontext
überzeugen die Ausführungen des psychiatrischen Konsiliarius im vorliegenden Fall
durchwegs, wenn er festhält, dass der Beschwerdeführerin die Doppelbelastung als
Erwerbstätige und Hausfrau mit drei kleinen Kindern nicht mehr zumutbar ist und ihr
aufgrund der Chronifizierung des Zustandes und der unbefriedigenden
Behandlungsergebnisse lediglich noch die Verrichtung eines Pensums im Umfang von
70 % zugemutet werden könne. Es handelt sich dabei nicht um eine rechtliche
Würdigung, sondern um eine medizinische, allerdings unter Berücksichtigung der
massgebenden rechtlichen Rahmenbedingungen, indem namentlich die
invaliditätsfremden Faktoren ohne Berücksichtigung bleiben. Im Übrigen verkennt die
Beschwerdeführerin, dass der Gutachter seine Schätzung gerade nicht (gleichsam
einzig) unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorgaben abgegeben hat, sondern sich
mit seiner Einschätzung im konkreten Fall gewissermassen über die
Bundesgerichtspraxis, wonach Neurasthenie angeblich generell keine invalidisierende
Wirkung habe, hinweggesetzt hat. Andernfalls hätte er volle Arbeitsfähigkeit attestiert.
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3.8 Gesamthaft überzeugt das Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 11. Juni 2008.
Es bildet eine verlässliche Grundlage für die Bemessung des Invaliditätsgrades.
4.
Gemäss Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 11. Juni 2008 besteht in der
angestammten Tätigkeit als Verkäuferin wie auch in jeder leichten bis mittelschweren
Tätigkeit eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. Es rechtfertigt sich daher die Annahme, dass
das Invalideneinkommen ungefähr bei 70 % des Valideneinkommens liegt. Würde zur
Bemessung des Invalideneinkommens auf die statistischen Löhne abgestellt, würde
dies nichts ändern, da die Beschwerdeführerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens
unterdurchschnittlich verdient hat und deshalb vom selben Betrag für das
Valideneinkommen und den Ausgangswert des Invalideneinkommens ausgegangen
werden müsste, womit das Invalideneinkommen ebenfalls bei 70 % des
Valideneinkommens liegen würde (vgl. hiezu den Entscheid IV 2009/79 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. März 2011, E. 4.1, mit Hinweis).
Was einen weiteren Abzug vom Invalideneinkommen (oft missverständlich als
„Leidensabzug“ bezeichnet; missverständlich, weil gerade nicht mit dem Leiden in
Zusammenhang stehend) betrifft, so ist zunächst darauf hinzuweisen, dass Frauen in
Teilzeitpensen in einfachen und repetitiven Tätigkeiten im Vergleich zu
Vollzeitbeschäftigten überproportional entlöhnt werden (vgl. Bundesamt für Statistik,
Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2006, T2*). Ein Abzug fällt mithin einzig unter
Berücksichtigung weiterer invaliditätsbedingter Konkurrenznachteile, wie etwa
verminderter Flexibilität (z.B. in Bezug auf Überstunden), in Betracht. Aufgrund der
wenigen entsprechenden Hinweise in den Akten ist ein Abzug von mehr als 10 % nicht
gerechtfertigt, womit sich aber lediglich ein Invaliditätsgrad von höchstens 37 % (=
100 % – 70 % × 90 %) ergibt. Ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
besteht damit nicht.
5.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig.
Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine bis
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Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Da die Beschwerdeführerin
vollständig unterliegt, hat sie unter Anrechnung des von ihr geleisteten
Kostenvorschusses von Fr. 600.-- diese Gerichtsgebühr allein zu tragen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP