Decision ID: f7827fc6-3f65-5acf-8d18-06a3e864ec77
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Rekurrentin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Veronica Hälg-Büchi, Marktgasse 14, 9004 St.
Gallen,
gegen
Politische Gemeinde B._,
Vorinstanz,
betreffend
Mutterschaftsbeiträge (Flüchtlinge B)
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Sachverhalt:
A.
A.a A._, Flüchtlingsstatus B, gebar 2011 ihr zweites Kind. Am 4. Januar 2012
ersuchte sie die Wohnsitzgemeinde B._ um Auszahlung von Mutterschaftsbeiträgen
(act. G 3.2). Mit Beschluss vom 20. Februar 2012 wies die Sozialkommission B._ das
Gesuch ab. Zur Begründung brachte sie vor, dass die Gesuchstellerin als anerkannter
Flüchtling keinen Anspruch auf Mutterschaftsbeiträge habe (act. G 3.6).
A.b Der dagegen beim Gemeinderat B._ erhobene Rekurs vom 28. Februar 2012
(act. G 3.7) wurde am 19. März 2012 abgewiesen (act. G 3.12).
A.c Gegen den Entscheid des Gemeinderats vom 19. März 2012 richtet sich der
vorliegende Rekurs vom 2. April 2012. Die Rekurrentin beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge dessen Aufhebung und die Zusprache von
Mutterschaftsbeiträgen für die Dauer von sechs Monaten. Sie bringt im Wesentlichen
vor, sie und ihre Familie verfügten über den Status Flüchtlinge B. Sie erfülle sämtliche
Voraussetzungen für einen Anspruch auf Mutterschaftsbeiträge. Es bestehe keine
Rechtfertigung für eine im Vergleich zu anderen sozialhilfebeziehenden Personen
ungleiche Behandlung bei der Ausrichtung von Mutterschaftsbeiträgen (act. G 1).
A.d In der Vernehmlassung vom 12. Mai 2012 beantragt die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses. Es sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge festzustellen, dass die
Einnahmen die Ausgaben während der Bemessungsperiode zu decken vermögen. Sie
stellt sich auf den Standpunkt, dass die bundesrechtlichen Sozialhilfeleistungen nach
dem Asylgesetz den kantonalen Mutterschaftsbeiträgen vorgehen würden. Es bleibe
deshalb kein Raum für die kantonalen Mutterschaftsbeiträge. Durch die Verneinung
eines Anspruchs auf Mutterschaftsbeiträge werde die Rekurrentin nicht schlechter
gestellt, da sie in den fraglichen sechs Monaten sozialhilferechtlich unterstützt worden
sei. Allfällige Mutterschaftsbeiträge hätten nach dem Grundsatz der Subsidiarität zu
einer Reduktion der Sozialhilfeleistungen geführt (act. G 3).
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A.e Mit Präsidialverfügung vom 30. Mai 2012 wird dem Gesuch der Rekurrentin um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwältin Veronica
Hälg-Buchi entsprochen (act. G 4).
A.f Die Rekurrentin verzichtet auf eine Replik (act. G 6).

Erwägungen:
1.
Umstritten und zu prüfen ist der Anspruch der Rekurrentin auf Mutterschaftsbeiträge.
Unbestritten ist, dass die Rekurrentin ein anerkannter Flüchtling im Sinn des
Asylgesetzes ist. Sie besitzt eine Aufenthaltsbewilligung B (act. G 3.2).
1.1 Gemäss Art. 1 des kantonalen Gesetzes über Mutterschaftsbeiträge (GMB;
sGS 372.1) hat die Mutter bei Geburt eines Kindes Anspruch auf Mutterschaftsbeiträge
ihrer Wohnsitzgemeinde, wenn sie sich persönlich der Pflege und der Erziehung des
Kindes widmet (lit. a) und der Lebensbedarf das anrechenbare Einkommen übersteigt
(lit. b). Bei den Mutterschaftsbeiträgen handelt es sich um Fürsorgeleistungen nach der
kantonalen Spezialgesetzgebung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. April 2000,
2P.298/1999, E. 2a mit Hinweis auf Urteil des kantonalen Verwaltungsgerichts vom
16. September 1999).
1.2 Nach Art. 80 Abs. 1 des Asylgesetzes (AsylG; SR 142.31) in der seit 1. Januar 2008
gültigen Fassung sind die Zuweisungskantone zuständig, die Sozialhilfe an Personen
zu gewährleisten, die sich gestützt auf dieses Gesetz in der Schweiz aufhalten. Als
Zuweisungskanton gilt derjenige Kanton, dem die betreffende Person durch das
Bundesamt für Migration zugewiesen wurde (Art. 27 Abs. 2 AsylG). Sodann bestimmt
Art. 81 AsylG, dass Personen, die sich gestützt auf das Asylgesetz in der Schweiz
aufhalten und die ihren Unterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können, die
notwendigen Sozialhilfeleistungen erhalten, sofern nicht Dritte auf Grund einer
gesetzlichen oder vertraglichen Verpflichtung für sie aufkommen müssen. Ferner regelt
Art. 82 Abs. 1 Satz 1 AsylG, dass für die Ausrichtung von Sozialhilfeleistungen
kantonales Recht gilt. Sind nach Bundesrecht die Kantone für die Gewährung von
Sozialhilfe an Flüchtlinge zuständig, sind sie auch Träger dieser Sozialhilfe. Daran
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ändert Art. 88 AsylG nichts. Diese Bestimmung legt lediglich fest, wie der Bund die
Kosten ersetzt, die den Kantonen bei der Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe
entstanden sind. Art. 88 AsylG hat mithin die Kostenersatzpflicht des Bundes und nicht
dessen Zuständigkeit bei der Gewährung der Sozialhilfe an Personen aus dem
Asylbereich zum Gegenstand. Weiter statuiert das Bundesrecht entsprechend der
Zuständigkeitsregelung von Art. 81 AsylG nur einen grundsätzlichen Anspruch auf
Sozialhilfe. Für die Art und den Umfang der Sozialhilfe ist jedoch das kantonale Recht
des jeweiligen Zuweisungskantons massgebend (vgl. BGE 137 I 115 E. 3.1; http://
www.bj.admin.ch/content/bfm/de/home/themen/asyl/sozialhilfe/
anerkannte_fluechtlinge.html, abgerufen am 29. August 2012).
1.3 Weder aus dem kantonalen Sozialhilfegesetz (sGS 381.1) noch aus dem GMB
ergibt sich eine gesetzliche Grundlage für eine besondere leistungsrechtliche Regelung
für anerkannte Flüchtlinge. Die Anspruchsberechtigung wird damit nicht nach dem
fremdenpolizeilichen Aufenthaltsstatus der Mutter differenziert. Eine solche Regelung
wäre denn auch mit Blick auf Art. 23 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention: FK, SR 0.142.30) nicht zulässig,
wonach die vertragsschliessenden Staaten den auf ihrem Gebiet rechtmässig sich
aufhaltenden Flüchtlingen die gleiche Fürsorge und öffentliche Unterstützung wie den
Einheimischen zu gewähren haben (zum Vorrang der FK vgl. Art. 58 AsylG). Nach
Art. 59 AsylG gelten Personen, denen die Schweiz Asyl gewährt hat, gegenüber allen
eidgenössischen und kantonalen Behörden als Flüchtlinge im Sinn des Asylgesetzes
und der FK. Beim genannten Art. 23 FK handelt es sich um self-executing, mithin
innerstaatlich unmittelbar anwendbares Recht, worauf sich ein anerkannter Flüchtling
direkt ab Datum der Anerkennung als Flüchtling berufen kann (http://www.bj.admin.ch/
content/bfm/de/home/themen/asyl/sozialhilfe/anerkannte_fluechtlinge.html, abgerufen
am 29. August 2012; vgl. zu Art. 24 FK BGE 136 V 36 E. 3.2.1).
1.4 Daran ändert der Verweis der Vorinstanz auf die Rechtsprechung (Urteile des
Bundesgerichts vom 12. April 2000, 2P.298/1999 und 2P.299/1999, sowie die diesen
zugrunde liegenden Entscheide des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen)
nichts, erfolgte diese doch noch unter der Geltung des alten AsylG vom 5. Oktober
1979 und nicht des vorliegend anwendbaren AsylG vom 26. Juni 1998 (in Kraft seit
1. Oktober 1999) unter Berücksichtigung der teilweise per 1. Januar 2008 geänderten
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Bestimmungen. Diese legen in Abweichung zum aAsylG fest, dass für die Ausrichtung
von Sozialhilfeleistungen auch bei anerkannten Flüchtlingen kantonales Recht gilt (vgl.
vorstehende E. 1.2). Deshalb erübrigen sich Weiterungen hierzu.
1.5 Unbehelflich ist ferner das Vorbringen der Vorinstanz, die Rekurrentin würde
aufgrund der Verneinung des Anspruchs auf Mutterschaftsbeiträge nicht schlechter als
Schweizerinnen gestellt. Denn sie sei in den fraglichen sechs Monaten nach der Geburt
des Kindes sozialhilferechtlich unterstützt worden. Allfällige Mutterschaftsbeiträge
hätten somit nach dem Grundsatz der Subsidiarität zu einer Reduktion der
Sozialhilfeleistungen geführt (act. G 3 am Schluss). Bei dieser Sichtweise lässt die
Vorinstanz ausser Acht, dass geleistete Mutterschaftsbeiträge von der beziehenden
Person im Gegensatz zu den finanziellen Leistungen nach dem kantonalen
Sozialhilfegesetz (Art. 18 des Sozialhilfegesetzes) grundsätzlich nicht zurückzuerstatten
sind (zur vorliegend nicht interessierenden Rückerstattungsmöglichkeit im Fall von
unrechtmässigem Bezug vgl. Art. 11 GMB). Ferner besteht beim Bezug von
Mutterschaftsbeiträgen im Gegensatz zum Sozialhilfegesetz keine Pflicht zur Arbeit
(Art. 12 Sozialhilfegesetz) bzw. eine Kürzung der Sozialhilfe bei Ablehnung einer Arbeit
(Art. 17 Abs. 1 lit. d Sozialhilfegesetz). Allein schon aus diesen Gründen resultierte bei
einer Verneinung des Anspruchs auf Mutterschaftsbeiträge eine nicht zu
rechtfertigende Schlechterstellung der Rekurrentin gegenüber Schweizerinnen, was mit
Art. 23 FK nicht vereinbar wäre.
2.
2.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs vom 2. April 2012 unter
Aufhebung des angefochtenen Entscheides der Vorinstanz vom 19. März 2012
gutzuheissen. Die Sache ist zur Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
2.2 Gerichtskosten sind gemäss Art. 95 Abs. 3 des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) von der Vorinstanz nicht zu erheben.
2.3 Ausgangsgemäss hat die obsiegende Rekurrentin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
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Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Mit Blick auf vergleichbare Fälle (Urteil des Versicherungsgerichts
vom 18. Januar 2008, MB 2007/1) erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Damit erübrigt es sich,
die Entschädigung zufolge unentgeltlicher Prozessführung festzusetzen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP