Decision ID: 817e549b-af8a-4605-a243-2d6c4e2c39d8
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit Oktober 2000. Wegen
Überschreitens der signalisierten Höchstgeschwindigkeit, begangen am 28. April 2007,
war ihm der Führerausweis vom 2. November bis und mit 1. Dezember 2007 für die
Dauer eines Monats entzogen. Am 8. August 2010 erlitt X als Lenker eines nicht
versicherten und nicht gelösten Rennmotorrades einen Verkehrsunfall, bei dem er sich
unter anderem einen Schädelbruch mit Schädel-Hirn-Trauma und einen offenen Bruch
der rechten Hand zuzog. Er wies eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,17
Gew.-‰ auf und trug keinen Helm.
B.- Da eine Drittperson das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons
St. Gallen über die gravierenden Unfallfolgen orientierte und die Ehefrau von X für ihn
am 6. September 2010 den Verzicht auf den Führerausweis erklärte, wurde am
8. Oktober 2010 ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung eingeleitet. X wurde am
24. November 2010 am Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen
verkehrsmedizinisch untersucht. Mit Verfügung vom 24. Januar 2011 entzog ihm das
Strassenverkehrsamt den Führerausweis wegen des Vorfalls vom 8. August 2010 für
die Dauer von sechs Monaten. Gleichzeitig wurde der Führerausweis gestützt auf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 4. Januar 2011 mit der Auflage einer Kontrolle
verschiedener Blutparameter alle drei Monate und halbjährlichen ärztlichen Berichten
zur Fahreignung sowie mit der Verpflichtung, nur in absolut alkoholfreiem Zustand (0,0
‰) ein Motorfahrzeug zu führen, versehen. Einem allfälligen Rekurs wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen.
C.- Gegen die vom Strassenverkehrsamt verfügten Auflagen erhob X mit Eingabe
seines Rechtsvertreters vom 1. Februar 2011 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge seien die Auflagen aufzuheben, eventualiter auf die Verpflichtung,
Motorfahrzeuge nur in alkoholfreiem Zustand zu lenken, zu beschränken. Auf die
Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete am 10. März 2011 auf eine
Vernehmlassung. Am 15. April 2011 entsprach der zuständige Abteilungspräsident dem
mit dem Rekurs gestellten Gesuch um Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung.
Die Kosten blieben bei der Hauptsache.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 1. Februar 2011 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs wird die Aufhebung der mit der Verfügung vom 24. Januar 2011 von der
Vorinstanz angeordneten Auflagen beantragt. Die Auflagen zum Führerausweis haben
zwar ebenso wie der gleichzeitig, aber mit besonderer Verfügung angeordnete
Warnungsentzug für die Dauer von sechs Monaten ihren Ursprung in der
Widerhandlung vom 8. August 2010. Die beiden Anordnungen sind jedoch rechtlich
nicht in unzulässiger Weise miteinander verknüpft, da die Wiedererteilung des
Ausweises nicht von der Einhaltung der Auflagen abhängt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.58/2004 vom 26. November 2004 E. 1 mit Hinweis auf BGE 130 II
25 E. 4).
a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist die Fahreignung.
Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen Voraussetzungen, um ein
Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss
grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Nach Art. 14 Abs. 2 lit. b SVG
darf der Führerausweis nicht erteilt werden, wenn der Bewerber nicht über eine
körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, die zum sicheren Führen von
Motorfahrzeugen ausreicht. Wird nachträglich festgestellt, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen, ist der Führerausweis
zu entziehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Gemäss Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG wird der
Führerausweis einer Person auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn ihre körperliche und
geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein Motorfahrzeug sicher zu
führen.
Nach den allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen ist es im Rahmen der
Verhältnismässigkeit zulässig, aus besonderen Gründen den Führerausweis mit
Auflagen zu versehen, wenn diese der Sicherstellung der Fahreignung und damit der
Verkehrssicherheit dienen sowie mit dem Wesen der Fahrerlaubnis im Einklang stehen
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(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4482). Die Anordnung von Auflagen kommt dann in
Frage, wenn der Lenker die gesetzlichen Anforderungen an die Fahreignung bei
Einhaltung bestimmter Massnahmen erfüllt; ein Entzugsgrund nach Art. 16 SVG muss
dabei nicht gegeben sein (VRKE IV-2004/101 vom 20. Oktober 2004 E. 3a). Erforderlich
ist zudem, dass sich die Fahreignung nur mit dieser Massnahme aufrechterhalten lässt
und die Auflagen erfüll- und kontrollierbar sind (BGE 131 II 248 E. 6; VRKE IV-2008/117
vom 22. Januar 2009 E. 3b).
b) Der Rekurrent erlitt am Sonntag, 8. August 2010 um ca. 17.30 Uhr in alkoholisiertem
Zustand (Blutalkoholkonzentration mindestens 1,17 Gew-‰) mit einem für den
Strassenverkehr nicht zugelassenen Rennmotorrad auf einer Naturstrasse einen
Selbstunfall, bei dem er sich – da er keinen Helm trug – unter anderem ein Schädel-
Hirn-Trauma zuzog. Die Behandlung der schweren Verletzungen erforderte einen
Aufenthalt in der Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen und anschliessend vom
19. August bis 1. Oktober 2010 eine stationäre Neurorehabilitation in der Rehaklinik Y.
Im Zeitpunkt des Austritts aus der Klinik bestanden gemäss neuropsychologischer
Einschätzung keine kognitiven Leistungs- und insbesondere
Aufmerksamkeitseinschränkungen mehr, die zu einer Selbstgefährdung im Umgang mit
Werkzeugen und/oder Maschinen führen würden. Der Test der bei Eintritt mittelschwer
beeinträchtigten Aufmerksamkeitsleistungen ergab eine Normkonformität in allen
Unterfunktionen und damit im Rahmen der umfassenden psychometrischen Abklärung
ein durchgängig unauffälliges kognitives Leistungsniveau. Während der gesamten
Rehabilitation bestand gegenüber dem Rehabilitationsteam jedoch ein sehr auffälliges
Sozialverhalten mit einer Minderung der Impulskontrolle. Im Austrittsbericht wurde die
definitive Einschätzung der Fahreignung dem Institut für Rechtsmedizin des
Kantonsspitals St. Gallen überlassen.
Die Vorinstanz ordnete am 3. November 2010 eine verkehrsmedizinische Untersuchung
des Rekurrenten am Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen an. Das
Gutachten sollte sich insbesondere darüber äussern, ob aus verkehrsmedizinischer
Sicht eine wesentliche, die Fahreignung beeinflussende gesundheitliche (körperliche
oder psychische) Problematik bestehe, andere verkehrsmedizinisch relevante Befunde
vorlägen oder sich konkrete Hinweise auf eine fehlende Fahreignung ergäben und
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welche Massnahmen, Auflagen oder weitere Abklärungen gegebenenfalls notwendig
wären.
Der Rekurrent wurde am 24. November 2010 verkehrsmedizinisch untersucht. Im
Gutachten vom 4. Januar 2011 wird zusammenfassend die Fahreignung nach dem
Unfall vom 8. August 2010 mit anschliessender längerer Behandlungs- und
Rehabilitationsphase mit guter neurologischer und motorischer Erholung ohne die
Fahreignung relevant einschränkende Residuen mit den Auflagen einer
Alkoholfahrabstinenz, ärztlicher Kontrollen der Blutwerte GOT/GPT/GGT/CDT und MCV
alle drei Monate und halbjährlichen Verlaufsberichten des Hausarztes bejaht.
Der Beurteilung liegen die Vorgeschichte und der Untersuchungsgrund, die Angaben
des Rekurrenten zur Krankenvorgeschichte und sozialen Situation, zum Alkoholkonsum
und zum Ereignis vom 8. August 2010 sowie die Resultate der Laboruntersuchungen
von Blut, Urin und Haaren und ein Bericht des Hausarztes vom 29. November 2010
zugrunde. Vorgeschichte und Untersuchungsgrund werden – soweit anhand der Akten
überprüfbar – zutreffend wiedergegeben. Zur Krankenvorgeschichte und zur sozialen
Situation hat der Rekurrent unter anderem angegeben, er arbeite wieder zu 30%, sei
verheiratet und habe eine 2-jährige Tochter; die Geburt eines zweiten Kindes stehe
kurz bevor. Er habe Kollegen und einen Freundeskreis und fahre hobbymässig
Motorrad. Einerseits trinke er während der Woche ein- bis zweimal abends ein bis zwei
Gläser Bier à drei Deziliter und anderseits an den Wochenenden ein- bis zweimal zwei
bis drei Liter Bier. Letztmals vor der Untersuchung habe er am Samstag zwei Liter Bier
und drei Kräuterlikör konsumiert. Zeiten mit vermehrtem Alkoholkonsum habe es nicht
gegeben. Tagsüber trinke er keinen Alkohol. Eine leichte Alkoholgewöhnung werde
angenommen, jedoch bestehe kein Alkoholproblem. Zum Unfall vom 8. August 2010
und zum vorgängigen Alkoholkonsum könne er keine Angaben machen, da ihm die
Erinnerung für die Zeit um den Verkehrsunfall fehle. Die körperliche Untersuchung
verlief in verkehrsmedizinischer, insbesondere kognitiver Hinsicht ebenso unauffällig
wie die Laboruntersuchungen von Blut (mit Ausnahme eines leicht erhöhten GPT-
Wertes), Urin und Haaren (Ethylglucuronid-Konzentration von 13 pg/mg).
In der Beurteilung werden die Aussagen des Rekurrenten zu seinem Alkoholkonsum
wiedergegeben. Der isoliert erhöhte Leberwert GPT könne auf einen vermehrten
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Alkoholkonsum hinweisen; es seien aber auch andere Ursachen denkbar. Der EtG-Wert
spreche für einen moderaten Alkoholkonsum im sogenannt sozialen Rahmen. Kognitiv
seien keine verkehrsmedizinisch relevanten Befunde feststellbar, Auffassungsgabe und
Ausdruck/Expression seien nicht erkennbar beeinträchtigt. "Im Übrigen" ergäben sich
keine verkehrsmedizinisch relevanten Besonderheiten. Neurologisch habe sich der
Rekurrent soweit erholt, dass keine verkehrsrelevanten Einschränkungen in Bezug auf
die kognitiven Leistungen und die Fahreignung mehr vorliegen dürften. Die noch
bestehenden motorischen Defizite im Bereich des rechten Vorderarms seien in Bezug
auf die Fahreignung nicht limitierend und dürften sich in den nächsten Monaten noch
weiter verbessern. Die Empfehlung der Alkoholfahrabstinenz wird damit begründet, der
Rekurrent habe ein schweres Schädel-Hirn-Trauma hinter sich und sollte Noxen
jeglicher Art, zu welchen auch Alkohol gehöre, möglichst meiden. Die empfohlene
Überwachung der alkoholrelevanten Blutparameter GOT/GPT/GGT/CDT und MCV alle
drei Monate und die durch den Hausarzt zu erstattenden halbjährlichen
Verlaufsberichte werden in der Beurteilung nicht erwähnt.
c) aa) Die Vorinstanz hat die im verkehrsmedizinischen Gutachten empfohlenen
Auflagen in der angefochtenen Verfügung übernommen. Im Rekurs wird geltend
gemacht, die verkehrsmedizinische Untersuchung habe sich weniger auf die Folgen
des Unfalls vom 8. August 2010 als vielmehr auf den Alkoholkonsum des Rekurrenten
bezogen. Wieso die Fahreignung des Rekurrenten nur bedingt bejaht werde, sei nicht
nachvollziehbar, nachdem weder ein übermässiger Alkoholkonsum noch die
Fahreignung beeinflussende Unfallfolgen festgestellt worden seien. Sie werde einzig
damit begründet, dass der Rekurrent schädliche Einflüsse möglichst meiden sollte.
Dies sei insofern unsinnig und verletze das Verbot des Übermasses, als das
Strassenverkehrsrecht der Verkehrssicherheit und nicht der Durchsetzung
gesundheitlicher Postulate diene. Die Alkoholfahrabstinenz sei zudem kaum geeignet,
den Rekurrenten "vom Noxum Alkohol fernzuhalten", da sie nicht bedeute, dass er
keinen Alkohol konsumieren dürfe. Wozu die Blutproben dienlich sein sollten, sei
unerfindlich. Wenn nämlich der Rekurrent seinen mässigen Alkoholkonsum beibehalte
und nur fahre, wenn er keinen Alkohol im Blut habe, fielen die Blutproben wie bis anhin
aus. Die Verlaufsberichte hiessen nichts anderes, als dass die Vorinstanz die Dauer der
Behandlung der Unfallfolgen vorgebe. Die Auflagen verletzten die Rechtsgleichheit,
weil die Unfallfolgen den Rekurrenten nicht behinderten und kein Mensch auf die Idee
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von Auflagen gekommen wäre, wenn der Rekurrent einfach mit 1,17 Gew.-‰ gefahren
wäre ohne zu verunfallen.
bb) Staatliche Eingriffe in die persönliche Freiheit – wie sie die von der Vorinstanz
verfügten Auflagen zum Führerausweis des Rekurrenten darstellen – müssen auf
gesetzlicher Grundlage beruhen und verhältnismässig sein (Art. 10 Abs. 2 in
Verbindung mit Art. 36 Abs. 1 und Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft, SR 101, abgekürzt: BV). Das setzt voraus, dass das
verkehrsmedizinische Gutachten, auf welches sich die Auflagen stützen,
nachvollziehbar, widerspruchsfrei und schlüssig ist.
Nach Kopftraumen gilt als empirisch begründete Übereinkunft, dass die Betroffenen
drei Monate nicht aktiv am Strassenverkehr teilnehmen sollen. Diese Übereinkunft gilt
ausdrücklich für den Fall, dass die Hirnbeteiligung nicht zu epileptischen Anfällen
geführt und keine gravierenden Ausfälle hinterlassen hat. Sie basiert auf der Erfahrung,
dass über eventuelle fokale neurologische Symptome hinaus jedwede
Hirnsubstanzschädigung eine Desintegration kognitiver, mnestischer und/oder
psychomotorischer Funktionen nach sich zieht, die sich nicht zuverlässig in kurzer Zeit
zurückbildet. Darüber hinaus besteht gerade in den ersten Monaten nach Hirn-Traumen
ein erhöhtes Risiko epileptischer Anfälle. Die Dreimonatsfrist kann beim
"unkomplizierten" Hirntrauma prinzipiell unterschritten werden; dies bedarf aber der
nervenärztlichen/neurologischen Beurteilung. Diese sollte sich auf eine
neuropsychologische Zusatzuntersuchung, gegebenenfalls auch auf apparative
Zusatzuntersuchungen (Kernspintomografie, Computertomografie, EEG) stützen. Bei
umfangreicheren Substanzschäden des Gehirns besteht bei nachgewiesener Heilung
die Möglichkeit, Motorfahrzeuge zu führen, wenn Beschwerdefreiheit besteht und
durch die neurologische bzw. nervenärztliche Untersuchung und neuropsychologische
Zusatzuntersuchung überdauernde Residuen ausgeschlossen werden, welche die
Fahreignung beeinträchtigen könnten. Ist mit der Möglichkeit eines Rezidivs oder einer
sekundären Progression zu rechnen, sind Nachuntersuchungen erforderlich; im
Allgemeinen werden Intervalle von ein, zwei und vier Jahren als adäquat angesehen
(vgl. Meinck/Ringleb, in: Madea/Musshoff/Berghaus [Hrsg.], Verkehrsmedizin, Köln
2007, S. 380).
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cc) Aufgrund der verkehrsmedizinischen Untersuchung kam der Gutachter hinsichtlich
des Alkoholkonsums zum Schluss, beim Rekurrenten liege weder eine
Alkoholabhängigkeit im medizinischen Sinn noch ein Alkoholmissbrauch vor. Vielmehr
liege dessen Alkoholkonsum in einem moderaten sozialen Rahmen. Diese
Schlussfolgerung entspricht dem Ergebnis der Haaranalyse mit einem EtG-Gehalt von
13 pg/mg und der Beschreibung des Alkoholkonsums durch den Rekurrenten selbst.
Der EtG-Gehalt liegt zwar über der mit einer Abstinenz noch vereinbaren Grenze von 7
pg/mg, jedoch deutlich unter der 30 pg/mg liegenden Grenze, ab welcher ein
risikoreicher, starker bis chronisch-exzessiver Alkoholkonsum anzunehmen ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 1C_243/2010 vom 10. Dezember 2010 E. 2.7). Mit Blick auf
den ermittelten EtG-Gehalt ist auch davon auszugehen, dass der Rekurrent seinen
Alkoholkonsum gegenüber dem Gutachter nicht beschönigt hat. Der Alkoholkonsum
wurde zwar mit dem Selbstunfall vom 8. August 2010 verkehrsrelevant. Abgesehen
davon, dass es sich dabei um die erste Alkoholauffälligkeit im Strassenverkehr
handelte, waren die Umstände in verschiedener Hinsicht nicht alltäglich und enthalten
keine Indizien dafür, dass der Rekurrent generell nicht in der Lage ist, Fahren und
Trinken zu trennen: Er und seine Frau hatten Gäste zum Brunch eingeladen, den sie
wegen des Wetters in der Garage durchführten. Nach einer Diskussion mit seinen
Kollegen über Motorräder setzte sich der Rekurrent gegen Abend ohne Ausrüstung,
insbesondere ohne Helm und nur mit "Clocks" an den Füssen, auf sein Rennmotorrad
und fuhr auf ein direkt hinter dem Haus liegendes Firmenareal. Auf der ebenfalls zu
diesem Areal führenden, mit einem Kiesbelag versehenen und vom öffentlichen Verkehr
kaum genutzten Z-Strasse kam es schliesslich zum Unfall.
Anlass für die Abklärung waren allerdings in erster Linie die neurologischen Folgen des
Schädel-Hirn-Traumas, das sich der Rekurrent beim Selbstunfall vom 8. August 2010
zugezogen hatte, und nicht sein Alkoholkonsum. In dieser Hinsicht hat der
Verkehrsmediziner in der Untersuchung des Rekurrenten am 24. November 2010, rund
dreieinhalb Monate nach dem Unfall, in kognitiver und neurologischer Hinsicht keine
verkehrsrelevanten Einschränkungen mehr festgestellt. Er hat keine zusätzlichen
Abklärungen insbesondere zur psychophysischen Leistungsfähigkeit oder zur
Ausprägung einer unfallfolgebedingten verkehrsrelevanten Persönlichkeitsveränderung
als erforderlich erachtet. Der Gutachter kommt auch nicht zum Schluss, dass der
Rekurrent aufgrund weiterer Umstände, wie beispielsweise seiner familiären,
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beruflichen, sozialen oder gesundheitlichen Situation oder seiner
Persönlichkeitsstruktur, in erhöhtem Mass suchtgefährdet wäre. Ebensowenig werden
Hinweise für eine verkehrsrelevante Missbrauchsgefahr genannt. Unter diesen
Umständen besteht jedenfalls kein objektiver erkennbarer Anlass, den Alkoholkonsum
des Rekurrenten aus strassenverkehrsrechtlichen Gründen zu überwachen. Abgesehen
davon ist die Kontrolle der genannten Blutwerte, nämlich GOT/GPT/GGT/CDT und
MCV, nur beschränkt geeignet, zuverlässige Rückschlüsse auf das Ausmass des
Alkoholkonsums zu ziehen, da es sich dabei – im Gegensatz zur forensisch-
toxikologischen Haaranalyse auf Ethylglucuronid – um Parameter handelt, die lediglich
indirekt durch den Alkoholkonsum beeinflusst werden können (vgl. BGE 129 II 82
E. 6.2.1; B. Liniger, Die forensisch-toxikologische Haaranalyse auf Ethylglucuronid –
eine beweiskräftige Untersuchungsmethode zur Überprüfung des Alkoholkonsums in
der verkehrsmedizinischen Begutachtung, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht
2006, St. Gallen 2006, S. 41 ff.). Unauffällige Werte bei der Analyse der Blutproben
vermöchten einen übermässigen Alkoholkonsum nicht auszuschliessen. Dies gilt
angesichts des erheblichen Anteils von sogenannten Non-respondern (20-40%) selbst
für den alkoholaffinen CDT-Wert, dessen Erhöhung regelmässig im Zusammenhang mit
einem erhöhten Alkoholkonsum steht. Bei den Non-respondern handelt es sich um
Personen, bei denen trotz bekanntem Alkoholüberkonsum kein erhöhter CDT-Wert
nachgewiesen werden kann (vgl. U. Grimm, Beurteilung der Fahreignung [Alkohol,
Drogen] und Aussagemöglichkeit der Laborparameter, publiziert auf www.fosumos.ch
Referate; ders., Verkehrsmedizinische Beurteilung bei Suchtmittel-Problematik,
publiziert auf www.fosumis.ch Referate).
Dem Gutachten und den Akten können – wie bereits dargelegt – zudem keine Hinweise
dafür entnommen werden, dass der Rekurrent generell nicht in der Lage ist, den
Konsum von Alkohol und das Führen von Motorfahrzeugen zu trennen. Wenn der
Rekurrent gegenüber dem Gutachter angab, der Alkoholkonsum erfolge "im
nahegelegenen Restaurant im Ausgang" und "nicht tagsüber", steht dies der
Schlussfolgerung, der Alkoholkonsum des Rekurrenten sei nicht verkehrsrelevant,
jedenfalls nicht entgegen. Der Gutachter hat den Rekurrenten nicht dazu befragt, ob er
seit dem Unfall Veränderungen bei den Wirkungen des Alkoholkonsums festgestellt
habe. Es ist davon auszugehen, dass diesbezüglich also keine Änderungen eingetreten
sind. Im Gutachten werden sodann keine medizinisch begründeten Zusammenhänge
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zwischen dem offenbar weitgehend ausgeheilten Schädel-Hirn-Trauma und einer
verstärkten Alkoholwirkung dargelegt. Auch in der verkehrsmedizinischen Literatur sind
– soweit überblickt – keine solchen Hinweise zu finden. Es wird keine erhöhte Gefahr
einer durch das Schädel-Trauma ausgelösten Epilepsie-Erkrankung erwähnt, die bei
Alkoholkonsum die Möglichkeit eines solchen Anfalls erhöhen würde. Dem Gutachten
lassen sich ausser dem – medizinisch allgemein gültigen – Grundsatz, dass Noxen
jeglicher Art möglichst vermieden werden sollten, keine konkreten verkehrsrelevanten
Begründungen für die empfohlene Alkoholfahrabstinenz entnehmen.
d) Unter den dargelegten Umständen erscheinen die Empfehlungen in der
verkehrsmedizinischen Begutachtung vom 4. Januar 2011, nämlich die
Alkoholfahrabstinenz und die hausärztliche Kontrolle der Blutwerte GOT/GPT/GGT/
MCV und CDT alle drei Monate mit halbjährlichen Verlaufsberichten anhand des
Gutachtens und der Akten nicht ausreichend nachvollziehbar begründet.
Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene Verfügung der
Vorinstanz vom 24. Januar 2011, mit welcher der Führerausweis des Rekurrenten mit
Auflagen verbunden wurde, aufzuheben.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'400.-- (inklusive der Kosten
für den Zwischenentscheid über die aufschiebende Wirkung) erscheint angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 und 111 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die
Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem Rekurrenten den Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.-- zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent Anspruch auf volle Entschädigung
der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP; GVP 1983 Nr. 56; vgl.
Leuenberger/Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, Rz. 10.36 ff.),
soweit diese aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen
erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Im Rekursverfahren war der Beizug eines
Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Im
Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet, und zwar liegt der Rahmen zwischen Fr. 1'000.-- und Fr. 12'000.--
(Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS
bis ter
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963.75; abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO). Umstritten war die Würdigung eines verkehrsmedizinischen
Gutachtens zur Frage einer verkehrsrelevanten Cannabissucht bei bescheidenem
Aktenumfang. Unter diesen Umständen erscheint ein Honorar von Fr. 2'000.--
(Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen, Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO) als
angemessen. Entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt).