Decision ID: 614870e7-f636-4f25-8828-29ac7f72f6b2
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1948,
war ab 1. April 1977 als Geschäftsführer der
Z._
angestellt und bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: „Zürich“) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 15. September 1998 verletzte er sich beim Volleyballspiel am rechten Fuss und am 1. April 2003 beim Aussteigen aus dem Auto am linken Knie; am 3. Februar 2008 stürzte er beim Wandern und zog sich eine Verletzung an der rechten Schulter zu; schliesslich stolperte er am 20. Oktober 2008 beim Spazieren und verletzte sich am rechten Knie (vgl. Urk. 2 sowie Urk. 1 S. 3 Ziffer 9 und Urk. 7/1-2 [Unfallakten der „Zürich“]).
1.2
Mit Schreiben vom 20. April 2011 (Urk. 7/1/Z130) beauftragte die „Zürich“
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, mit der Begut
achtung des Versicherten. Am 20. Mai und 10. Juni 2011 wurde dieser von
Dr
.
A._
untersucht (Urk. 7/1/ZM79 S. 2). Am 24. Juni 2011 wurde das Gut
achten erstellt (Urk. 7/1/ZM79). In der Folge liess der Versicherte das von ihm
bei Oberarzt
Dr.
med.
B._
und PD
Dr.
med.
C._
, Leiter der F
uss- und Sprunggelenkschirurgie
des D._
,
in Auftrag
gege
be
ne Gut
ach
ten vom 24.
April 2012 (Urk. 7/1/ZM82)
ins Recht reichen.
1.3
Am 9. Juli 2012 teilte die „Zürich“ dem Versicherten mit, dass zur weiteren Ab
klärung des medizinischen Sachverhalts und der Prüfung zusätzlicher
Behand
lungsoptionen
wie auch für die Festlegung weiterer Leistungen eine weitere Begutachtung notwendig sei (Urk. 7/1/Z159). Mit Schreiben vom 7. September 2012 (Urk. 7/1/Z163) wurde dem Versicherten mitgeteilt, dass das Gutachten vom
E._
(Chefarzt
Dr.
med.
F._
) erstellt werden solle. Am 6. September 2012 liess der Versicherte dagegen einwenden, dass eine neuerli
che Begutachtun
g nicht erforderlich und
eine vergleichsweise Regulierung einem drohenden Rechtsstreit vorzuziehen sei (Urk. 7/1/Z164). Mit Schreiben vom 20. September 2012
(
Urk.
7/1/Z166
liess der Versicherte geltend machen, dass
eine erneute Begutachtung grundsätzlich unnötig sei, eine Begutachtung im
E._
„von vornherein ausser Betracht“ falle und schliesslich
Dr.
med.
G._
von der
H._
als Gutachter zu bestellen sei.
Mit Verfügung vom 4. Oktober 2012 (Urk. 2 = Urk. 7/1/Z167) ordnete die Zürich eine Begutachtung an und
bestimmte
Dr.
F._ des
E._
,
als Begutachtungsstelle.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 5. November 2012 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Die Parteien seien zu einer Vergleichsverhandlung/Referentenaudienz einzuladen.
2.
Die Verfügung vom 4.10.2012 sei aufzuheben und die Sache sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie auf der Grundlage der bestehenden medizinischen Akten über den Anspruch des Be
schwerdeführers auf eine Invalidenrente entscheide.
3.
Unter Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.
Die „Zürich“ schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 16. November 2012 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde.
Replicando
und
duplicando
hielten die Parteien an
ihren Anträgen fest
(Urk. 12 und 15).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
derlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) kann gegen Verfügungen innerhalb von dreissig Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon aus
genommen sind prozess- und verfahrensleitende Verfügungen. Gegen die letzt
genannten Verfügungen, mithin Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann direkt Beschwerde erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 ATSG).
1.2
Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen, wobei die zuständige Behörde nicht an Anträge der versicherten Person gebun
den ist (BGE 132 V 93 E. 5.2.8). Entsprechend dem Untersuchungsgrundsatz ist es in erster Linie Sache der zuständigen Behörde, die materielle Wahrheit zu ermitteln (SVR 2007 IV Nr. 22 S. 77, I 478/04). Es liegt im Ermessen des Versi
cherungsträgers, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären ist. Aus dem gesetzlichen Untersuchungsgrundsatz fliesst das Recht und die Pflicht zur Einholung von medizinischen Gutachten, wobei der versi
cherten Person grundsätzlich kein Wahlrecht zusteht. Die Ernennung eines bestimmten Gutachters muss daher nicht näher begründet werden. Vom Sozial
versicherungsträger nimmt die Rechtsprechung an, dass er im Abklärungs- und nichtstreitigen Verfügungs- und
Einspracheverfahren
das gesetzlich vorgese
hene, zu Objektivität und Neutralität verpflichtete Vollzugsorgan ist (BGE 122 V 157 E. 1c).
Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). Neben dem Erfordernis der Notwendigkeit muss die Voraussetzung der Zumutbarkeit erfüllt sein. Dabei ist diese Frage ebenfalls objektiv zu klären; es geht mithin nicht darum, ob die betreffende Person aus ihrer eigenen (subjektiven) Wahrnehmung heraus die Untersuchung als zumut
bar betrachtet oder nicht, sondern darum, dass die subjektiven Umstände (etwa Alter der Person, Gesundheitszustand, bisherige Erfahrungen mit Abklärungen) in einer objektiven Betrachtung dahingehend gewürdigt werden, ob diese Um
stände die Untersuchung zulassen oder nicht. Die üblichen Untersuchungen in einer Gutachtensstelle sind ohne konkret entgegenstehende Umstände generell als zumutbar zu betrachten (Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, N 44 zu Art. 43 ATSG mit Hinweisen, unter anderem auf SVR 2007 IV Nr. 48, Urteil I 988/06 vom 28. März 2007, E. 4.2).
1.3
Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen aus, es sei eine weitere Begutachtung notwendig, da zwei sich widersprechende Gutachten vorlägen. Bei dem vom Beschwerdeführer vorge
schlagenen
Dr.
G._
handle es sich um einen beratenden Arzt der
Beschwer
degegnerin
, weshalb er im Rahmen einer externen Beurteilung nicht hinzuge
zogen werden könne. Zudem sei der Beschwerdeführer bereits von
Dr.
G._
behandelt worden, was ebenfalls gegen dessen Bestellung als Gutachter spreche. Man halte deshalb daran fest,
Dr.
F._
mit der Begutachtung zu beauftra
gen. Da sich das eingereichte Parteigutachten
einzig auf die Beurteilung der rechtsseitigen Fussproblematik und auf die Kritik des im Rahmen des
Verwal
tungsverfahrens
eingeholten Gutachtens von
Dr.
A._
beschränke, sei eine abschliessende Klärung des medizinischen Sachverhalts zwingend (Urk. 2).
An dieser Sichtweise hielt die Beschwerdegegnerin auch im vorliegenden Pro
zess fest und ergänzte, dass in den beiden Gutachten erhebliche Diskrepanzen in Bezug auf die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit bestünden. Diese Unstimmig
keiten seien durch ein Obergutachten zu klären. Zudem bestünden gegenüber dem eingereichten Parteigutachten diverse Vorbehalte: Es beschränke sich - wie ausgeführt - lediglich auf die OSG-Problematik rechts. Auch die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit überzeuge im Parteigutachten nicht; sie sei nicht nachvoll
ziehbar. So sei etwa nicht einzusehen, weshalb eine Arbeitsunfähigkeit von 75% allein für rein administrative Tätigkeiten attestiert werde, die deutlich höher liege als die von den behandelnden Ärzten bescheinigte
Gesamtarbeitsunfähig
keit
von 50 % (Urk. 6; vgl. auch Urk. 15).
2.2
Demgegenüber liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vortragen, dass die Beschwerdegegnerin seit 1998 für die Folgen von insgesamt vier Unfällen Ver
sicherungsleistungen erbringe. Seit dem 1. November 2010 leiste sie Taggeld aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Da das von der
Beschwerdegeg
nerin
im Hinblick auf einen Fallabschluss bei
Dr.
A._
eingeholte Gutachten nicht habe überzeugen können, habe der
Beschwerdeführer selbst eine Begut
achtung durch die orthopädische Abteilung des
D._
„angeordnet“. Die Beschwerdegegnerin habe nicht dargetan, weshalb nicht auf das
D._
-Gutachten abgestellt werden könne. Die medizinische Aktenlage sei nach Eingang des
D._
-Gutachtens ausreichend, um die dem
Beschwerde
führer zustehende Invalidenrente zu verfügen. Der Beschwerdeführer habe mehrmals, aber leider erfolglos Verhandlungs- und Vergleichsbereitschaft sig
nalisiert. Deshalb werde das Gericht ersucht, die Parteien zu einer
Vergleichs
verhandlung
einzuladen (Urk. 1). Von einer weiteren Begutachtung sei wohl kaum wesentlich Neues zu erwarten. Der Beschwerdeführer befürchte nicht, dass ein Gutachten des
E._
gänzlich anders ausfallen könnte. Er bemängle lediglich, dass eine weitere Abklärung unnötig sei, keine neuen Er
kenntnisse bringe und das Verfahren übermässig in die Länge ziehe (Urk. 12).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die Einholung eines weiteren Gutachtens angeordnet hat, weil aus medizinischer Sicht immer noch Abklärungsbedarf besteht, oder die Frage, ob
aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten beurteilt werden kann
,
ob
und gegebenenfalls auf welche Leistungen er Anspruch hat.
3.
Soweit der Beschwerdeführer beantragen liess, die Parteien seien zu einer
Ver
gleichsverhandlung
/Referentenaudienz vorzuladen, ist vorauszuschicken, dass angesichts der gefestigten Positionen der Parteien und der vom Beschwerde
führer selbst beschriebenen Tatsache (vgl. Urk. 1 Ziffer 22), dass er bereits mehrfach erfolglos Verhandlungs- und Vergleichsbereitschaft signalisiert habe, nicht ersichtlich ist, wozu eine solche Verhandlung dienlich sein sollte.
Dies gilt umso mehr, als - nach den impliziten Ausführungen des Beschwerde
führers - die Vergleichsverhandlungen nicht die Begutachtung an sich zum Thema haben sollen, sondern die weiteren gesetzlichen Leistungen, namentlich eine allfällige Invalidenrente. Der Beschwerdeführer bemühte sich nach Eingang des Gutachtens
der
D._
bereits
im Verwaltungsverfahren um eine vergleichsweise Erledigung im Hinblick auf seine Ansprüche (
Urk.
7/1/Z153). Im vorliegenden Prozess ist dies aber gerade nicht Streitgegenstand und - solange die Beschwerdegegnerin von einer zu wenig geklärten Sachlage ausgeht - ist auch keine Einigung im Hinblick auf die Ansprüche des Beschwerdeführers zu erwarten.
4.
4.1
4.1.1
Dr
.
A._
stellte in seinem Gutachten vom 24. Juni 2011 (Urk. 7/1
/ZM79
) fol
gende Diagnosen (S. 15):
-
rechtes OSG mit posttraumatischer Arthrose bei
St.n
.
Supinations
trauma
mit
osteochondraler
Läsion,
St.n
. Mosaikplastik und diver
sen o
perativen Eingriffen
-
linkes Knie,
St.n
. ACME und
Knorpeldebridement
am 01.04.2003
/ medial beginnende
Gonarthrose
-
rechte Schulter;
St.n
. Kontusion 03.02.2008, aktuell Partialruptur
Rotatorenmanschette
,
St.n
.
arthroskopische
r
Defileeerweiterung
und
Bursektomie
/ AC-Gelenksresektion
-
rechtes Knie, 20.10.2008 Rotationstrauma /
St.n
. ACME medial, aktuell beginnende mediale
Gonarthrose
-
komplexe, periphere Neuropathie, etwas unklare Genese, DD
Poly
neuropathie
-
erhebliche
Zervikuradikulopathie
-
klinische
Lumboradikulopathie
-
St.n
. kardialer
Koronopathie
mit
Stenteinlagen
-
periphere Beinschwellungen unklare Genese
Der
Gutachter führte aus, der
Beschwerdeführer
klage
über rezidivierende Schwel
lungen und
Hypdysästhesien
im Unterschenkel und im oberen Sprung
gelenk rechts sowie über bel
a
stungsabhängige Schmerzen im Sprunggelenk und im unteren Sprunggelenk. Gelegentlich komme es zu blockadeähnlichen Sen
sationen im oberen Sprunggelenk. Der Beschwerdeführer sei
der
Meinung, dass er dadurch zu 60 bis 70 % in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, weil er nicht mehr länger gehen und nicht mehr auf Leitern steigen könne (S. 6). Die Kniesituation links habe sich weitgehend ad
integrum
entwickelt (S. 7). Bezüg
lich
rechter
Schulter beklage der Beschwerdeführer eine deutliche
Impin
ge
ment
symptomatologie
mit Abschwächung im rechten Ober
arm. Daneben würden auch Beschwerden an der Halswirbelsäule und an der rechten Hand angegeben (S. 9).
Am rechten Knie
mache
der Beschwerdeführer
belastungsab
hängige
und Rotationsschmerzen sowie gelegentliche Ergüsse geltend (S. 10).
4.1.2
Betreffend Unfallkausalität äusserte sich
Dr.
A._
folgen
d
ermassen
(S. 16 f.):
Hinsichtlich der Gesundheitsbeei
n
trächtigungen am oberen Sprunggelenk sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Unfallkausalität zu bejahen. Davon auszunehmen seien die
neurologiebedingten
Probleme sowie die unklaren
Bein
beschwerden
, die zunehmend zur Beschwerdesymptomatologie beitrügen.
Die Beschwerden am linken
und rechten
Knie seien
lediglich
möglicherweise unfallbedingt. Man habe nämlich schon in der ersten Arthroskopie eine degene
rative Komponente gefunden.
Es handle sich um eine mediale
Gonarthrose
, die auch ohne gegebenes Unfallereignis entstehen könne. Zudem führe eine
Teil
meniskektomie
bei gesundem Gewebe selten zu einer
Gonarthrose
.
Auch die Gesundheitsbeeinträchtigungen an der rechten Schulter seien nur mög
licherweise auf den erlittenen Unfall (Sturz beim Wandern) zurückzuführen. Degenerative Veränderungen der
Rotatorenmanschette
seien nämlich, insbeson
dere bei körperlich schweren Arbeiten, häufig.
4.1.3
Die Frage, welche Körperbelastungen, Verrichtungen und Arbeiten für den Beschwerdeführer aufgrund der unfallbedingten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen dauernd nicht mehr ausführbar seien, beantwortete
Dr
.
A._
dahin
gehend, dass dies aus rein orthopädischer Sicht nicht
beantwortbar
sei. Dazu bedürfe es einer Arbeitsplatzabklärung. Die Arbeit des Beschwerdeführers (Geschäftsführer eines Blumengeschäfts) beinhalte ja einen administrativen und einen körperlich belastenden Teil. Die administrative Arbeit
sei dem Beschwer
deführer unbeschränkt zumutbar. Bei der körperlichen Arbeit (Überkopfarbeiten, Tragen von Blumenkisten, Besteigen von Leitern und dergleichen) sei er hinge
gen erheblich eingeschränkt, mindestens zu 50 %. Nun komme es entscheidend auf die Auf
teilung zwischen administrativen und körperlichen Arbeiten an, wo
bei der Beschwerdeführer als Geschäftsführer mit mehreren Mitarbeitern prinzi
piell in einer guten Ausgangslage sei, um die Arbeitsabläufe zu optimieren (S. 20 f.).
Die unfallbedingt erlittenen Integritätseinbussen schätzte
Dr.
A._
auf
je 30
%
betreffend das rechte obere Sprunggelenk sowie das rechte Knie, auf 20
%
betreffend die rechte Schulter und 0
%
betreffend das linke Knie. Gesamthaft bezifferte er die Integritätseinbusse mit 40
%
(S. 22).
4.2
4.2.1
PD
Dr.
C._
und
Dr.
B._
hielten in
ihrem Gutachten vom 24. April 2012 (Urk. 7/1/ZM82) folgende Diagnosen fest (S. 35 f.):
Posttraumatische
anteromedialbetonte
OSG-Arthrose rechts bei
Status nach mehrfachen OSG-Distorsionstraumata rechts, erstmalig 1984, mit
Avulsionsfraktur
Ligamentum
fibulotalare
anterius
(09.08.1990) sowie posttraumatischer
osteochondraler
Läsion der medialen
Talusschulter
rechts
Status nach Mosaikplastik mediale
Talusschulter
(Entnahme
Auto
graft
Knie
ipsilateral
) via medialer
Malleolarosteotomie
, Resektion
Avulsionsfragment
und
Refixation
des Ligamentum
fibulotalare
anterius
rechts am 05.10.1999
aktenanamnestisch Verdacht auf postoperative CRPS (
Algodystro
phie
) rechts 1999
Status nach OSG-Arthroskopie mit
Débridement
, Metallentfernung
Malleolus
medialis
und Revision des
Tibialis
posterior-Sehnenfa
ches
bei rezidivierenden OSG-Blockaden und
Tibialis
posterior-Tend
i
nopathie
rechts am 26.04.2000
Status nach OSG-Arthroskopie und
Débridement
rechts (2002?)
Status nach OSG-Arthroskopie mit
Débridement
sowie
Tarsaltun
nelspaltung
rechts bei Verdacht
auf
Tarsaltunnelsyndrom
am 05.07.2005
Fasciitis
plantaris
beidseits (Erstdiagnose 1998)
Tarsometatarsale
III / IV-
Arthrose
links
Status nach Überlastungsreaktion Os
cuneiforme
mediale und
Meta
tarsalia
III-IV und Os
cuboideum
1/2009
Komplexe periphere Neuropathie unklarer Genese
Verdacht auf sensible Polyneuropathie
Verdacht auf
Crampus
-Myalgie-Syndrom
Hinweise für eine Affektion der
lemniscalen
Afferenzen
Beginnende
medialbetonte
Gonarthrose
beidseits
Status nach
osteochondraler
Graftentnahme
Condylus
lateralis
recht
s
im Rahmen der Mosaikplastik OSG rechts am 05.10.1999
Status nach Kniearthroskopie mit partieller medialer
Meniskektomie
und
Knorpeldébridement
links am 03.04.2003
Status nach wahrscheinlich postoperativer Einblutung in eine
Baker
zyste
Knie links 4/2003
Status nach Kniearthroskopie rechts mit medialer
Teilmeniskekto
mie
am 28.10.2008
Rotatorenmanschettenläsion
rechts (PASTA-Läsion
Supraspinatus-Tendinopathie
,
Subskapularis
)
Status nach Schulterarthroskopie rechts mit
subakromialer
Dekom
pression,
Akromioplastik
und AC-Gelenksresektion am 02.05.2008 und fraglich
Supraspinatussehnennaht
Status nach
Epicondylitis
humeri
radialis
links (11/2005)
Koronare Herzkrankheit bei
Status nach Koronarangiographie mit
Stenteinlage
(12/2006)
Kardiovaskuläre Risikofaktoren: Arterielle Hypertonie, Adipositas
Magnesiummangel (1999)
Anale Inkontinenz bei Status nach
Colonpolypen
-Operation
Die Gutachter führten aus, a
ktuell klage der Beschwerdeführer über starke, vor allem
perimalleoläre
mediale Ruheschmerzen (mit starken Schwankungen im zeitlichen Verlauf). Das Ausmass der Ruheschmerzen sei beeinflusst durch das Ausmass der Aktivität und Wetterwechsel. Bergaufgehen oder Gehen auf un
ebe
nem Gelände sei so gut wie nicht möglich. Die Sitzdauer sei limitiert auf maximal eine Stunde. So müsse beim Autofahren alle ein bis zwei Stunden eine Pause eingelegt werden, um etwas herumzugehen und die Position zu wechseln. Die mögliche Laufdauer betrage eine Stunde, wobei er sich auch dann zwi
schendurch setzen oder Lockerungsübungen machen müsse. Stehen könne er nur während zehn Minuten. Weiter klage er über mediale und
anteromediale
Knieschmerzen beidseits. Bezüglich der rechten Schulter fühle sich der Be
schwer
deführer schmerzhaft blockiert ab einer Elevation von 90 Grad. Bereits das Zähneputzen sei nur noch mit einer elektrischen Zahnbürste möglich; das Führen eines Löffels beim Essen und das Rasieren fielen ihm sehr schwer. Im typischen Alltag führe er als Inhaber und Geschäftsführer eines Blumenge
schäftes den Einkauf durch, was etwa eine Stunde dauere
. Danach führe er während einer Stunde administrative Tätigkeiten aus. Mehr als diese zwei Stun
den seien aber nur schwer möglich (S. 24-26).
4.2.2
Zur Unfallkausalität führten die beiden Gutachter aus, dass sich der Beschwer
de
führer 1984 ein erstes relevantes Distorsionstrauma zugezogen habe. In der Folge habe eine leichte chronische OSG-Instabilität persistiert, jeweils gefolgt von Schmerzen beim Auftreten und neuerlichen
Supinationen
, die aber eine vollumfängliche Bewältigung des Alltages erlaubt hätten. Zwei weitere grössere Distorsionsereignisse hätten die Situation transient und nicht rich
tungsweisend
verschlechtert. Hingegen habe die schwere Distorsion vom 15. September 1998 zu einer richtungsweis
enden Verschlechterung geführt. Damit sei insoweit der Kausalzusammenhang gegeben.
Die
damals nachgewie
sene
osteochondrale
Läsion der medialen
Talusschulter
sei aber ihres Erachtens bereits eine Folge der früheren Traumata. Das im weiteren Verlauf aufgetretene
Tarsaltunnelsyndrom
sei eine überwiegend wahrscheinliche Unfallfolge, da posttraumatische respek
tive postoperative Veränderungen durch Vernarbungen eine Irritation des
Ner
vus
tibialis
im
Tarsaltunnel
durch eine Kompression wohl begünstigt hätten, die im Operationsbericht vom 5. Juli 2005 beschriebene venöse Stauung und Ein
schränkung vor allem am Eingang zum Adduktor
hallucis
aber
auch ohne vorangehendes Trauma auftreten könne. Insoweit sei ein Kausalzusammenhang möglich. Inwiefern bereits damals
eine
subklinische Polyneuropathie die Insta
bilität erhöht habe, lasse sich nicht beurteilen.
Die aktuellen Beschwerden seien zum Teil neurologischer Natur.
Dieser Anteil könne nur geschätzt werden und bleibe letztlich von akademischem Charakter. Da diese Problematik aber bilateral bestehe, auf der Gegenseite aber nur
gering
gradige
Einschränkungen bestünden, schätzten sie den Anteil im Gesamtkontext als gering ein (S. 46 f.).
4.2.3
Bezüglich des rechten Rückfusses seien körperlich belastende Tätigkeiten, wie sie für einen Gärtner / Floristen notwendig seien, dauerhaft nicht mehr möglich. Die Quantifizierung Unfall versus Krankheit sei dabei objektiv nicht möglich. Man schätze den krankheitsbedingten Anteil auf rund 10 %. Für leichte
wech
selbelastende
und administrative Tätigkeiten sei die Arbeitsfähigkeit höher. Aber auch hier bestünden deutliche Einschränkungen aufgrund der
Ruhebe
schwerden
sowie der Schmerzen bei unveränderter Position über bereits kurze Zeit. Sie schätzten hier die Arbeitsfähigkeit auf maximal zwei bis drei Stunden pro Tag, verteilt auf ein ganzes Tagespensum. Auch hier sei der überwiegende Anteil unfallbedingt, aber noch schwieriger zu quantifizieren als bei einer intensiveren Belastung. Man schätze den Anteil krankheitsbedingter Faktoren (zugegeben empirisch) auf nur rund 25 %. Insofern seien sie mit der Beurteilung im Gutachten von
Dr.
A._
, der administrative Arbeiten für uneingeschränkt möglich erachte, nicht einverstanden (S. 49; vgl. auch S. 51).
Den am oberen Sprunggelenk erlittenen Integritätsschaden bezifferten die bei
den Gutachter
mit
30 % (S. 52).
4.2.4
Auf S. 52 f. nahmen
PD
Dr.
C._
und
Dr.
B._
zum Gutachten von
Dr.
A._
Stellung
:
Dieser habe im Rahmen eines Sammelgutachtens mehrere Ereignisse beurteilt. Die Aufarbeitung der Rückfussproblematik rechts und die Rekonstruktion der Unfallereignisse mit nachfolgender Beschwerdeentstehung
und konsekutiven Therapien seien sicherlich weniger ausführlich geschildert als in ihrem eigenen Gutachten. Die Bewertung der Unfallkausalität stütze sich im Wesentlichen auf den früher akzeptierten Unfallzusammenhang. Frühere Distorsionstraumata würden als nicht relevant eingestuft, obwohl diese bereits zur Entwicklung chronischer Beschwerden geführt hätten, wenn auch da
s Er
eignis vom 15.
September 1998 richtungsweisenden Charakter gehabt habe. Die neurologisch bedingten Probleme würden zwar vermerkt, aber kein Versuch
unternommen, deren Anteil zu quantifizieren. Zudem fehle im Gutachten von
Dr.
A._
ein Hinweis auf die Beurteilung der vorbehandelnden Neurologen. Ihres Erachtens beurteile
Dr.
A._
die Beschwerden zu stark unter dem Titel einer posttraumatischen Arthrose, würdige dabei
aber zu wenig die Faktoren, welche den Beschwerdeführer als chronischen Schmerzpatienten charakterisier
ten und welche seine Arbeitsfähigkeit auch bei nicht belastenden Tätigkeiten beeinträchtigten. Diese Faktoren spielten aber beim Beschwerdeführer eine erhebliche Rolle und würden von ihnen im Wesentlichen als eine Unfallfolge res
pektive eine Folge der mehrfachen Interventionen angesehen.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer liess zu Recht nicht einwenden, dass die von der
Be
schwer
degegnerin
vorgesehene Begutachtung durch
Dr.
F._
be
ziehungs
weise am
E._
i
m
Sinne von Art. 43 Abs. 2 ATSG unzumutbar wäre. Derartige Untersuchungen beziehungsweise
Begutachtungen werden näm
lich – wie oben in E. 1.2 dargelegt – von der Praxis in der Regel als zumutbar angesehen. Besondere Umstände, die es
angezeigt erscheinen liessen
, von dieser Regel abzuweichen, sind nicht ersichtlich und wurden auch nicht vorgetragen.
5.2
Der Beschwerdeführer stellte sich vielmehr auf den Standpunkt, dass eine wei
tere Begutachtung nicht notwendig sei, da ohne Weiteres auf das von ihm
ein
gereichte Parteigutachten von PD
Dr.
C._
und
Dr.
B._
(
D._
-Gut
achten
) abgestellt werden könne und auf der Grundlage der dort gemachten Einschätzungen die ihm
zustehenden Leistungen festgelegt
werden könnten.
Dieser Auffassung
ist entgegenzuhalten, dass in den Gutachten von
Dr.
A._
einerseits und von PD
Dr.
C._
und
Dr.
B._
andererseits erhebliche Unterschiede betreffend die Frage, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer noch zumutbar sind, bestehen. Während
Dr.
A._
zum Schluss kam
(Urk. 7/1
/ZM79
S. 20; vgl. oben E. 4.1.3)
, dass dem Beschwerdeführer
admi
nistrative Tätigkeite
n uneingeschränkt zumutbar und auch körperliche Arbeiten (Überkopfarbeiten, Tragen von Blumenkisten und dergleichen) wenigstens noch bis zu einem gewissen Grad möglich seien (diesbezügliche Einschränkung min
destens 50 %), vertraten
PD
Dr.
C._
und
Dr.
B._
die
Auffassung, dass die körperlich belastende Tätigkeit als Gärtner/Florist gar nicht mehr möglich sei und auch administrative Arbeiten nur noch im Rahmen eines 25%igen Pensums zumutbar seien (Urk. 7/1/ZM82 S. 51; vgl. oben E. 4.2.3).
PD
Dr.
C._
und
Dr.
B._
begründeten zwar in ihrem Gutachten die Diskrepanzen ihrer Einschätzung zu jener von
Dr.
A._
(vgl. oben E. 4.2.4), restlos
zu
überzeugen
vermag
diese Begründung allerdings nicht. Sie kritisierten im Wesentlichen, dass
Dr.
A._
die Beschwerden zu stark
unter dem Titel einer posttraumatischen Arthrose beurteile,
dabei aber die Faktoren zu wenig würdige, welche den Beschwerdeführer als chronischen Schmerzpatienten charakterisierten und welche seine Arbeitsfähigkeit auch bei nicht belastenden Tätigkeiten beeinträchtigten (S. 53).
Insoweit gab die Beschwerdegegnerin durchaus zu Recht zu bedenken, dass selbst die von den behandelnden Ärzten attestierte Gesamtarbeitsunfähigkeit - mithin bei Mitberücksichtigung einer etwaigen nicht unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit sowie bei Zugrundelegung der bisherigen Tätigkeit, die sowohl administrative als auch körperliche Tätig
keiten umfasst - 50 % nicht übersteige. So bescheinigte
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Orthopädische Medizin und Sportmedizin, dem Beschwerde
führer am 15. Februar 2011, am 11. Januar 2012 und am 29. März 2012 jeweils eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (Urk. 7/1/ZM75 sowie Beilagen zu Urk. 7/1/Z150).
Diese Beurteilungen
des behandelnden Arztes passen offen
sichtlich
viel eher
zur Einschätzung von
Dr.
A._
als zu derjenigen von PD
Dr.
C._
und
Dr.
B._
.
Angesichts dieser erheblichen Unterschiede in den beiden Gutachten, die zudem mit der Frage nach der noch verbliebenen Arbeitsfähigkeit beziehungsweise nach dem massgebenden Zumutbarkeitsprofil einen wesentlichen Punkt betref
fen, ist das Ansinnen der Beschwerdegegnerin, ein Obergutachten in Auftrag zu geben
,
nachvollziehbar. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich vorliegend aus medizinischer Sicht um einen komplexen Fall handelt, in dem nicht nur die Folgen von verschiedenen Unfällen zu beurteilen sind, sondern auch von krankheitsbedingten
Gesundheitsbeeinträchtigungen und Einschränkungen abzu
grenzen sowie zu quantifizieren sind. Die Einwendungen des Beschwer
de
führers, wonach die Einholung eines Obergutachtens unnötig sei und keine neuen Erkenntnisse bringen werde, sind unbegründet. Von einem
Obergutach
ten
ist vielmehr zu erwarten, dass es die offenen Fragen (insbesondere
unfall
bedingtes
Zumutbarkeitsprofil) einer Klärung zuführt und ausführlich darlegt, weshalb dem einen oder anderen Gutachten zu folgen ist oder weshalb und inwiefern von beiden abzuweichen ist.
5.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Auffassung der
Beschwerdegeg
nerin
, wonach die Einholung eines Obergutachtens zur Klärung des Sachver
halts und zur Ausräumung der zwischen den beiden genannten Gutachten bestehenden
Diskrepanzen notwendig ist, zutreffend ist.
Weiter ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im vorliegenden Prozess weder gegen
Dr.
F._
noch gegen das
E._
(beziehungsweise andere dort tätige
Medi
zinalpersonen
)
Ausstands- oder Ablehnungsgründe geltend machen liess. Solche sind denn auch nicht ersichtlich. Vielmehr liess der Beschwerdeführer selbst ausführen, dass er nicht befürchte, dass ein Gutachten des
E._
gänzlich anders ausfallen würde als dasjenige
des
D._
(Urk. 12 Ziffer
15).
Bei dieser Sachlage und mangels entsprechender Rüge des Beschwerdeführers besteht auch keine Veranlassung zur Rückweisung der Streitsache zur einvernehmlichen Gutachterbestimmung (BGE 137 V 210 E. 3.1, BGE 138 V 318, BGE 139 V 349 E. 5.2.2).
5.4
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.