Decision ID: dea4de1b-b6d2-4aac-8ae6-0f70d1cc1be3
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Tierquälerei
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern, Einzelgericht, vom
30. Januar 2015 (GG140004)
- 3 -
Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 19. März 2014 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 34).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 118 S. 89 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der fahrlässigen Tierquälerei im Sinne von Art. 26
Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 26 Abs. 2 und i.V.m. Art. 4 Abs. 1 und 2 Tierschutzgesetz (TSchG).
2. Die Beschuldigte B._ ist schuldig der fahrlässigen Tierquälerei im Sinne von Art. 26
Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 26 Abs. 2 und i.V.m. Art. 4 Abs. 1 und 2 Tierschutzgesetz (TSchG).
3. Die Beschuldigte C._ ist schuldig der fahrlässigen Tierquälerei im Sinne von 26 Abs. 1
lit. a i.V.m. Art. 26 Abs. 2 und i.V.m. Art. 4 Abs.1 und 2 Tierschutzgesetz (TSchG).
4. Sanktion A._:
a) Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu
Fr. 250.–.
b) Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre fest-
gesetzt.
5. Sanktion B._:
a) Die Beschuldigte B._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu
Fr. 30.–.
b) Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre fest-
gesetzt.
6. Sanktion C._:
a) Die Beschuldigte C._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 10.–.
- 4 -
b) Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre fest-
gesetzt.
7. Die Privatklägerinnen D._ und E._ werden mit ihren Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'500.– Gebühr Anklagebehörde,
Fr. 7'218.50 Auslagen Vorverfahren.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
9. Die Gerichtsgebühr sowie die Kosten der Untersuchung werden dem Beschuldigten
A._, der Beschuldigten B._ und der Beschuldigten C._ je zu einem Drittel
auferlegt.
10. Die Anträge der Beschuldigten A._ und B._ um Leistung einer Prozessentschädi-
gung werden abgewiesen.
11. Die Beschuldigten A._, B._ und C._ werden solidarisch verpflichtet, den Pri-
vatklägerinnen, D._ und E._, für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädi-
gung von insgesamt Fr. 13'000.– (zzgl. MWST) zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird das Begehren abgewiesen.
12. (Mitteilungen)
13. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II. S. 11 f.)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 182 S. 1)
"1. A._, B._ und C._ seien der vorsätzlichen Tierquälerei im Sin-
ne von Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG iVm. Art. 4 Abs. 1 und 2 TSchG schuldig
zu sprechen.
2. a) der Beschuldigte A._ sei mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen
zu Fr. 300.-- sowie mit einer Busse von Fr. 6'500.-- zu bestrafen.
b) Die Beschuldigte B._ sei mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen
zu Fr. 50.-- sowie mit einer Busse von Fr. 1'200.-- zu bestrafen.
c) Die Beschuldigte C._ sei mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen
zu Fr. 40.-- sowie mit einer Busse von Fr. 900.-- zu bestrafen.
3. Den Beschuldigten sei der bedingte Vollzug der Geldstrafe unter Ansetzung
einer Probezeit von 2 Jahren zu gewähren."
b) Der Privatklägerinnen D.E._:
(Urk. 183 S. 2)
"1. Die Beschuldigten/Berufungsbeklagten seien der vorsätzlichen Tierquälerei
i.S.v. Art. 26 Abs. 1 lit. a Tierschutzgesetz (TSchG) i.V.m. Art. 4 Abs. 1 und 2
TSchG schuldig zu sprechen, unter gleichzeitiger Erhöhung/Änderung des
Strafmasses;
2. Die Beschuldigten/Berufungsbeklagten seien solidarisch zu verpflichten, den
Privatklägerinnen/Berufungsklägerinnen Schadenersatz in der Höhe von
CHF 27'612.40 nebst Zins zu 5 % seit 18. März 2012 zu bezahlen;
3. Die Beschuldigten/Berufungsbeklagten seien solidarisch zu verpflichten, den
Privatklägerinnen/Berufungsklägerinnen auch den im erstinstanzlichen Ver-
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fahren nicht zugesprochenen Differenzbetrag zu bezahlen und somit den
Privatklägerinnen/Berufungsklägerinnen für das erstinstanzliche Verfahren
eine Prozessentschädigung von insgesamt CHF 17'301.50 plus MWSt. zu
bezahlen;
4. Eventualiter sei das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur
neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen;
5. Die Beschuldigten/Berufungsbeklagten seien solidarisch zu verpflichten, den
Privatklägerinnen/Berufungsklägerinnen für das zweitinstanzliche Verfahren
eine Prozessentschädigung in der Höhe von CHF 10'165.90 (inkl. MWSt.)
sowie der noch nicht berücksichtigte Aufwand betr. der heutigen Hauptver-
handlung vor Obergericht Zürich plus MWSt. zu bezahlen;
6. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens seien den Beschul-
digten/Berufungsbeklagten aufzuerlegen;
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Berufungsverfahren."
c) Der Verteidigung der Beschuldigten A._ und B._:
(Urk. 184 S. 2)
"1. Ziff. 1 und 4 des Urteils des Bezirksgerichts Affoltern vom 30. Januar 2015
seien aufzuheben und der Beschuldigte 1 sei vollumfänglich freizusprechen;
2. Ziff. 2 und 5 des Urteils des Bezirksgerichts Affoltern vom 30. Januar 2015
seien aufzuheben und die Beschuldigte 2 sei vollumfänglich freizusprechen;
3. Ziff. 8 und 9 des Urteils des Bezirksgerichts Affoltern seien aufzuheben und
die Kosten nach Massgabe des obergerichtlichen Berufungsentscheides neu
zu verteilen;
4. Ziff. 10 des Urteils des Bezirksgerichts Affoltern sei aufzuheben und die Be-
schuldigten 1 und 2 seien für ihre Aufwendungen für das erst- und zweit-
instanzliche Verfahren, inklusive der Kosten für die Wahlverteidigung, an-
gemessen zu entschädigen;
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5. Ziff. 11 des Urteils des Bezirksgerichts Affoltern sei aufzuheben;
6. Die Kosten des vor- und erstinstanzlichen Verfahrens wie auch des Beru-
fungsverfahrens seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen."

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung
1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz
vom 30. Januar 2015 wurden die Beschuldigten A._, B._ und C._
im Sinne der Eventualanklage je der fahrlässigen Tierquälerei schuldig gespro-
chen und mit bedingten Geldstrafen bestraft (Urk. 118 S. 89). Gegen diesen Ent-
scheid liessen der Beschuldigte A._ durch seine erbetene Verteidigerin mit
Eingabe vom 4. Februar 2015, die Anklagebehörde mit Eingabe vom gleichen
Tag und die Privatklägerinnen durch ihre Rechtsvertretung mit Eingabe vom 10.
Februar 2015 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO;
Urk. 96, 101 und 103). Das begründete Urteil (Urk. 111 = Urk. 118) wurde den
Parteien am 14. Juli 2015 bzw. am 15. Juli 2015 zugestellt (Urk. 113, 115 und
116). Die Berufungserklärungen der Anklagebehörde, der Verteidigung sowie der
Privatklägerinnenvertretung gingen in der Folge ebenfalls innert gesetzlicher Frist
bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 119, 121 und 123). Die
Beschuldigte C._ hat weder das Urteil selbständig angefochten noch An-
schlussberufung erhoben (Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO). Mit Eingabe vom
14. Oktober 2015 erhoben die Beschuldigten A._ und B._ Anschlussbe-
rufung zu den Berufungen der Anklagebehörde und der Privatklägerinnen (Urk.
142). Auf die Erstberufung der Beschuldigten B._ wurde mit Beschluss der
Kammer vom 24. November 2015 nicht eingetreten (Urk. 164). Beweisergän-
zungsanträge wurden im Berufungsverfahren nicht gestellt (Art. 389 Abs. 3 StPO;
vgl. Urk. 139 S. 4). Die Appellanten haben ihre Berufungen in ihren Berufungser-
klärungen nicht beschränkt (Urk. 119, 121 und 123; Art. 399 Abs. 4 StPO).
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1.2. Ausgehend von den Anträgen der Parteien hat im Berufungsverfahren das
gesamte vorinstanzliche Urteil als angefochten zu gelten und es ist in keinem
Punkt in Rechtskraft erwachsen (vgl. Art. 404 StPO).
2. Rückweisung an die Vorinstanz
Eventualiter beantragen die Privatklägerinnen, das angefochtene Urteil sei auf-
zuheben und die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen
(Urk. 183 S. 2). Eine Rückweisung an das erstinstanzliche Gericht fällt lediglich
dann in Betracht, wenn das erstinstanzliche Verfahren wesentliche Mängel auf-
weist, die im Berufungsverfahren nicht geheilt werden können (Art. 409 Abs. 1
StPO). Die Privatklägerinnen unterlassen es, solche Mängel vorzubringen oder
ihren Rückweisungsantrag überhaupt zu begründen. Überdies sind auch keine
wesentlichen Mängel ersichtlich, weshalb eine Rückweisung an die Vorinstanz
ausser Betracht fällt.
3. Durch die Beschuldigten eingereichte Stellungnahmen
Ausserdem beantragen die Privatklägerinnen, die durch die Verteidigung der Be-
schuldigten eingereichten Stellungnahmen von diversen – gemäss der Ver-
teidigung – sachverständigen Personen (Urk. 185/8-12) seien aus dem Recht zu
weisen (Prot. II S. 22). Weshalb diese Stellungnahmen aus dem Recht gewiesen
werden sollten, begründet die Vertreterin der Privatklägerinnen nicht (Prot. II
S. 22) und es ist auch kein Grund hierfür ersichtlich. Vielmehr sind diese Stel-
lungnahmen als Parteibehauptungen zu den Akten zu nehmen und entsprechend
(vorsichtig) zu würdigen, wie dies auch die Staatsanwaltschaft in ihrer Stellung-
nahme zu diesen Berichten korrekt ausführt (Prot. II S. 19).
4. Verletzung des Anklagegrundsatzes
4.1. Die Beschuldigten AB._ monieren eine Verletzung des Anklage-
grundsatzes, weil die Staatsanwaltschaft es beim Verfassen der Anklageschrift
grösstenteils unterlassen habe, die Anklagevorwürfe gegen die Beschuldigten zu
differenzieren. Insbesondere sei völlig unklar, inwiefern die Beschuldigten den
vorgeworfenen Stress- und Erregungszustand von F._ hätten erkennen und
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das Training deshalb vorzeitig abbrechen müssen. Es obliege der Staatsanwalt-
schaft zu beweisen, dass F._ durch das Verladetraining physisch oder psy-
chisch überlastet gewesen sei, jedoch fehle dieser Aspekt in der Anklage. Ent-
sprechend dürfe kein Schuldspruch der Beschuldigten erfolgen (Urk. 184 S. 13 f.).
4.2. Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1
und Art. 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO fest-
geschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand
des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die der be-
schuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu
umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend
konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidi-
gungsrechte der angeschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf recht-
liches Gehör (Informationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 f.; BGE 126 I 19 E. 2a;
je mit Hinweisen). Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklage-
schrift möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen
Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung
(Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2014 vom 4.12.2014 E. 6.2.).
4.3. Zunächst ist festzuhalten, dass eine Verletzung des Anklagegrundsatzes in
der Regel nicht zu einem Freispruch der Beschuldigten, sondern zu einer Rück-
weisung an die Staatsanwaltschaft oder zur Einstellung des Verfahrens führen
würde (BSK StPO I-Niggli/Heimgartner, 2. Aufl. 2014, Art. 9 N 62). Die Anklage-
schrift wirft den Beschuldigten eine vorsätzliche, eventualiter fahrlässige Tier-
quälerei im Sinne von Art. 4 und Art. 26 TSchG vor. Sie enthält einen detaillierten
Ablauf des inkriminierten Verladetrainings, wobei einerseits einzelne Elemente
bzw. Vorkommnisse herausgegriffen werden, um die Tierquälerei zu begründen,
diese andererseits aber auch pauschal mit der Durchführung des Verladetrainings
während ca. 4.5 Stunden trotz des erkennbaren Stress- und Erregungszustandes
des Pferdes begründet wird. Dennoch wissen die Beschuldigten bereits aufgrund
der ausführlichen Beschreibung des Sachverhalts in der Anklageschrift, was
ihnen insgesamt vorgeworfen wird. Dies zeigt sich allein schon daraus, dass sich
die Beschuldigten im bisherigen Verfahren sehr ausführlich zu den diversen ein-
https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/eddc4ea5-1065-4aad-aa7b-5ff005425730/00000000-0000-0000-0000-000000000000?source=document-link&SP=8|iosibv https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/e2946cc0-9410-4dcc-963e-cde3dd1ca3e3?source=document-link&SP=8|iosibv https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/29b52e79-c592-49a3-916c-2d07cd2b600d?source=document-link&SP=8|iosibv
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zelnen Vorwürfen geäussert haben (Urk. 76, Urk. 80, Urk. 181, Urk. 184).
Schliesslich stellt insbesondere die Rüge der Verteidigung, die Anklagebehörde
habe nicht in genügender Weise umschrieben, dass das Pferd F._ durch das
Verladetraining physisch oder psychisch überlastet gewesen wäre, keine Verlet-
zung des Anklagegrundsatzes dar, sondern würde gegebenenfalls zu einem Frei-
spruch der Beschuldigten führen. Die Anklageschrift vom 19. März 2014 genügt
somit den gesetzlichen Anforderungen (Urk. 34; Art. 9 StPO), weshalb keine Ver-
letzung des Anklagegrundsatzes vorliegt.
II. Schuldpunkt
1.
1.1. Inkriminiert ist ein sogenanntes Verladetraining, welches durch die drei Be-
schuldigten mit dem Pferd "F._" am 18. März 2012 ab ca. 09.00 Uhr auf der
Reitanlage "G._" im H._ über mehrere Stunden durchgeführt wurde.
1.2. Gemäss der Darstellung in der Anklageschrift der Anklagebehörde vom
19. März 2014 hätten sich die drei Beschuldigten pauschal im Sinne der Straf-
bestimmung von Art. 4 und Art. 26 TschG tatbeständlich verhalten, indem sie das
fragliche Verladetraining trotz des durch sie erkannten, starken Stress- und Er-
regungszustandes des Pferdes zwischen ca. 09.00 Uhr und ca. 13.30 Uhr durch-
geführt und nicht abgebrochen hätten. Eventualiter hätten die Beschuldigten den
starken Stress- und Erregungszustand des Pferdes erkennen und das Training
abbrechen müssen (Urk. 34 S. 2-4 oben).
Speziell wird den Beschuldigten zur Last gelegt, sie hätten das Pferd (im Rahmen
des genannten Verladetrainings) um ca. 11.30 Uhr in den Transporter geführt und
hinter ihm die Querstange geschlossen, obwohl für sie aufgrund des starken
Stress- und Erregungszustandes des Pferdes erkennbar gewesen sei, dass die-
ses im Wagen in Panik geraten, sich durch rückwärtiges Hindurchdrücken unter
der fixierten Querstange befreien und sich dabei schwerwiegende Verletzungen
zuziehen und Schmerzen erleiden würde. Eventualiter hätten die Beschuldigten
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dieses Verhalten des Tieres mit dessen negativen Folgen vorhersehen müssen
(Urk. 34 S. 4-5 oben).
Ferner hätten die Beschuldigten im Anschluss an die vorstehend beschriebene
Befreiungsaktion des Pferdes die Verladeübung von 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr wei-
tergeführt, obwohl sie die schlechte Verfassung des Tieres festgestellt und daher
in Kauf genommen hätten, dass sich das Pferd beim Hinausdrücken verletzt und
Schmerzen gelitten habe und erschöpft gewesen sei. Eventualiter hätten sie dies
erkennen und das Training abbrechen müssen (Urk. 34 S. 5).
Nach dem inkriminierten Verladetraining sei das Pferd schwerwiegend am Rü-
cken verletzt sowie traumatisiert gewesen und habe eine Wesensveränderung er-
litten, weshalb es am 5. Juli 2012 eingeschläfert worden sei. Die Beschuldigten
hätten mit dem inkriminierten Verladetraining am Tattag in Kauf genommen, dass
das Pferd dadurch traumatisiert werde und eine Wesensveränderung erleide.
Eventualiter hätten sie dies vorhersehen und deshalb das Verladetraining abbre-
chen müssen (Urk. 34 S. 6).
2.
2.1. Die Vorinstanz gelangte zusammengefasst zum Schluss, die Beschuldig-
ten hätten über mindestens 3.5 Stunden Boden- und Verladeübungen mit
F._ durchgeführt, wobei F._ unter verschiedenen Graden an Stresszu-
ständen gelitten habe. Dadurch sei der objektive Straftatbestand in Bezug auf die
Überanstrengung des Pferdes erfüllt, ohne dass tierschutzrechtliche Rechtferti-
gungsgründe vorliegen würden (Urk. 118 S. 67 ff.). Die Beschuldigten hätten spä-
testens nach dem erstmaligen Ausreissen von F._ das Training abbrechen
müssen und auch erkennen können, welchem Stress das Tier ausgesetzt war,
weil es immer wieder in den Anhänger einsteigen sollte. Indem die Beschuldigten
das Training fortsetzten, hätten sie ihre Sorgfaltspflicht verletzt (Urk. 118 S. 72).
Deshalb sprach sie die Beschuldigten der fahrlässigen Tierquälerei schuldig
(Urk. 118 S. 89)
2.2. Die Staatsanwaltschaft bringt im Berufungsverfahren vor, das Verladetrai-
ning habe ungefähr 4.5 Stunden, jedenfalls mehrere Stunden gedauert. Obwohl
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sich das Pferd bei der Flucht unter der Querstange durch sichtbare Verletzungen
zugezogen habe, hätten die Beschuldigten das Training fortgesetzt. Gemäss dem
Gutachten sei erstellt, dass sich F._ die in der Anklage umschriebenen Ver-
letzungen am 18. März 2012 zugezogen habe, sowie dass das Pferd am 18. März
2012 unter einem gewaltigen Stress gestanden sei und sich das Training mit einer
Dauer von 4.5 Stunden unverhältnismässig lange dahingezogen habe. Aus Sicht
der Staatsanwaltschaft hätten die drei Beschuldigten mit Eventualvorsatz ge-
handelt, weil sie ganz bewusst in Kauf genommen hätten, dass das Pferd Qualen
erleide. Spätestens im Zeitpunkt, als dem Pferd unter enormen Kraftaufwand die
Flucht aus dem Verlader gelungen sei, hätten die Beschuldigten das Training be-
enden müssen (Urk. 182 S. 1-8).
2.3. Die Privatklägerinnen kritisieren im Berufungsverfahren, die Vorinstanz ha-
be ein (eventual-) vorsätzliches Handeln zu Unrecht verneint und sich nicht bzw.
nur ungenügend mit der Frage auseinandergesetzt, ob die Beschuldigten durch
die Art des Verladetrainings und die Fortsetzung desselben nach der Verletzung
von F._ eine unnötige Überanstrengung des Tieres und damit schwere Ver-
letzungen oder gar den Tod für möglich gehalten und in Kauf genommen haben.
Nachdem F._ sich nach rund 1.5 Stunden dauerndem Training losgerissen
und in den Stall zurückgaloppiert sei, hätten die Beschuldigte das Risiko erkennen
müssen, dass sich F._ bei einer Fortsetzung des Trainings unter der ge-
schlossenen Querstange durch ins Freie zwängen oder dies zumindest versuchen
könnte. Das Verhalten der Beschuldigen sei als krass sorgfaltswidrig zu werten.
Sämtliche negative Folgen für F._ wären vermeidbar gewesen, wenn das
Training frühzeitig abgebrochen worden wäre. Seitens der Beschuldigten liege
nicht bloss eine grobe Sorgfaltspflichtverletzung, sondern eine willentliche Inkauf-
nahme schwerer Verletzung oder gar des Todes von F._ vor (Urk. 183 S. 4-
6).
2.4. Die Beschuldigten wenden gegenüber dem erstinstanzlichen Urteil ein, der
Sachverhalt sei mangelhaft erstellt worden. Zwar gebe das erstinstanzliche Urteil
die Sachverhaltsdarstellung der involvierten Personen wieder, unterlasse es aber
völlig, die Aussagen zu würdigen und gelange in einer nicht nachvollziehbaren Art
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und Weise zum vermeintlich erstellten Sachverhalt (Urk. 184 S. 14 f.). Erstellt sei
einzig, dass die Beschuldigten am 18. März 2012 mit F._ ein Verladetraining
durchgeführt hätten und dabei rund 3.5 Stunden vor Ort gewesen seien. Die ef-
fektive Zeit, in der mit F._ an und im Hänger gearbeitet worden sei, sei je-
doch massiv kürzer. Die Peitsche und der Besen seien lediglich als Hilfsmittel
beim Verladetraining eingesetzt worden, dem Pferd seien damit jedoch keine
Schläge zugefügt worden. Ferner sei nicht möglich, dass sich F._ die Verlet-
zungen am 18. März 2012 zugezogen habe, was durch Dr. I._ betätig werde.
Eine körperliche Überanstrengung des Pferdes am 18. März 2012 könne gemäss
dem Gutachter vollkommen ausgeschlossen werden, überdies lasse sich auch
keine psychische Erschöpfung diagnostizieren (S. 17 ff.). Die Verteidigung reicht
schliesslich verschiedene ergänzende Stellungnahmen von Sachverständigen
ein, welche sich alle einig seien, dass selbst ein Training von 3.5 Stunden nicht zu
einer tatsächlichen Überanstrengung eines Pferdes führen könne (S. 22-29,
Urk. 185/8-12).
3.
3.1. Die Vorinstanz hat eingangs festgestellt, die Beschuldigten würden die An-
klagedarstellung zum "Ablauf und Ausmass des Verladetrainings teilweise und
den Vorwurf der Tierquälerei gänzlich bestreiten" (Urk. 118 S. 7). Dass Letzteres
die rechtliche Würdigung betrifft, wird nachstehend zu erörtern sein.
In der Folge hat die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zum Ablauf des frag-
lichen Verladetrainings sowie dem Zustand des Pferdes bis zu dessen Tötung
sämtliche Aussagen der drei Beschuldigten, der beiden Privatklägerinnen sowie
der Zeuginnen und Zeugen J._, K._, L._, I._ und M._,
wie diese im gesamten Verfahren deponiert wurden, ausführlichst wiedergegeben
(Urk. 118 S. 7-60). Ferner wurde der Inhalt des durch die Untersuchungsbehörde
eingeholten tierärztlichen Gutachtens zitiert (Urk. 118 S. 61 f.).
3.2. Eine eigentliche Beweiswürdigung der zitierten Aussagen hat die Vor-
instanz in der Folge unterlassen. Vielmehr wurde (nun) mit der lapidaren Fest-
stellung, dass die Darstellungen der Beschuldigten und der Privatklägerinnen in
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den wesentlichen Punkten übereinstimmten, von folgendem Sachverhalt aus-
gegangen (Urk. 118 S. 65 f.):
"Am 18. März 2012, von ca. 9.00 Uhr bis ca. 12.30 Uhr, führten die Beschuldigten
A._, B._ und C._ ihn der Reitanlage "G._" in ... H._ ge-
meinsam Verladeübungen mit dem Pferd "F._" durch. Ziel des Verladetrai-
nings war, das Pferd an das Verladen in einen Pferdetransporter zu gewöhnen, da
es von den Privatklägerinnen D._ und E._ nach dessen Kauf aus der
Zucht von A._ und B._ nicht erfolgreich verladen werden konnte. Der Be-
schuldigte A._ übernahm während des Trainings das Führen des Pferdes.
Nachdem während circa 30-40 Minuten Bodenübungen an der Hand durchgeführt
wurden, um das Pferd zu beruhigen, wurde das Pferd an einem am Zaumzeug des
Pferdes befestigten Longe immer wieder zum Transporter sowie auf dessen Lade-
rampe geführt. Da sich das Pferd während des Trainings jeweils, sobald es von
A._ in die Richtung des Pferdetransporters geführt wurde, sträubte, begrenz-
ten B._ und C._ das Pferd an dessen Hinterhand mit überkreuzten Lon-
gen, die sie zuvor am Transporter befestigt hatten, um das Pferd zum Einsteigen in
den Transporter zu bewegen. Weiter benutzten B._ und C._ einen Besen
und eine Peitsche, um das Pferd anzutreiben. In der Folge versuchte sich das Pferd
aus dem Griff von A._ zu befreien, um weglaufen zu können. In der Folge ge-
lang es dem Pferd zunächst in Gebüsche, die sich in ca. 15 Metern Entfernung zum
Transporter befanden, auszuweichen, sowie in der Folge zwischen 10.00 Uhr und
ca. 10.30 Uhr gar, sich durch Steigen auf die Hinterhand loszureissen, wobei
A._ versuchte, das Pferd beim Fliehen zu hindern, indem er mit seinem Kör-
pergewicht und unter Einsetzung von erheblicher Kraft an der am Zaumzeug des
Pferdes befestigten Longe zog, bis die Longe riss und A._ zu Boden stürzte.
Das befreite Pferd galoppierte daraufhin in den ca. 320 Meter entfernten Stall.
Nachdem das Pferd an den Übungsort zurück gebracht worden war, setzten die
Beschuldigten das Training noch einmal fort. Das Pferd lehnte sich in dieser Phase
nicht mehr gegen das Verladetraining auf und führte schliesslich alles, was man
von ihm verlangte, ohne die zuvor noch heftige Gegenwehr aus. Es gelang den Be-
schuldigten schliesslich, das Pferd zu Verladen und die Stange hinter dem Pferd zu
schliessen. Nach kurzer Zeit befreite sich das Pferd, indem es sich rückwärts unter
der Stange hindurch drängte.
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In der darauffolgenden Zeit verhielt sich das Pferd zunehmend aggressiv und liess
die Privatklägerschaft nicht mehr an sich heran, weshalb es, zunächst in die Be-
treuung der Beschuldigten und später in die Betreuung von M._ gegeben wur-
de. Aufgrund einhergehender schlechter Prognosen für die Normalisierung des
Pferdes wurde es am 5. Juli 2012 eingeschläfert."
3.3. Vorab fällt auf, dass sich das Beweisresultat der Vorinstanz zum mass-
geblichen Sachverhalt in wesentlichen Teilen (zumindest vermeintlich) nicht ein-
deutig mit der Darstellung in der Anklageschrift deckt:
Die Vorinstanz geht – wie zitiert – davon aus, die Beschuldigten hätten "am
18. März 2012 von ca. 9.00 Uhr bis ca. 12.30 Uhr" mit dem Pferd "F._" Ver-
ladeübungen durchgeführt. Diese Formulierung suggeriert, dass 3.5 Stunden
pausenlos Verladeübungen stattgefunden hätten. Gemäss der Darstellung in der
Anklageschrift hätten die Verladeübungen ca. um 09.00 Uhr (Urk. 34 S. 2 Mitte)
begonnen und hätten gedauert bis "zwischen ca. 10.00 Uhr und ca. 10.30 Uhr",
als das Pferd sich losgerissen habe, in den 320 Meter entfernten Stall gerannt
und von dort durch die Privatklägerinnen wieder geholt worden sei (Urk. 34 S. 3
oben). "Um ca. 11.30 Uhr" (Urk. 34 S. 4 oben) (also nach Wiederaufnahme der
Verladeübung) sei das Pferd dann in den Transporter gestiegen. Die Verlade-
übung dauerte somit gemäss Anklagevorhalt ab Beginn 1 bis max. 1.5 Stunden,
bevor sie durch das Ausreissen, Einfangen und Wiederheranführen des Pferdes
um einen doch beträchtlichen Zeitraum, mutmasslich ca. 1 Stunde, unterbrochen
wurde. Im – nachstehend noch ausführlich zu zitierenden – tierärztlichen Gut-
achten wurde dazu ausgeführt, die durch Wegrennen und Zurückholen ver-
strichene Zeit stelle noch keine (gemeint: qualitativ) "akzeptable" Unterbrechung
des Trainings dar (Urk. 19/13 S. 3). Ganz zu vernachlässigen ist diese Zäsur je-
doch sicherlich auch nicht, hat der Gutachter die Gesamtdauer des Trainings
(gemeint: Mit Bezug auf eine durchgehende, konstant hohe Stresssituation des
Pferdes) doch letztlich als "nicht eruierbar" bezeichnet (Urk. 19/13 S. 3).
Gemäss Anklage zwängte sich das Pferd nach seinem Betreten des Transporters
um ca. 11.30 Uhr (Urk. 34 S. 4 oben) aus diesem heraus, worauf das Verladetrai-
ning "um ca. 12.30 Uhr nochmals für ca. 1 Stunde fortgesetzt worden sei" (Urk. 34
- 16 -
S. 5 oben). Somit wurde das Verladetraining nach Schilderung in der Anklage fol-
gend nach dem Sich-Hinausdrängen nochmals um ca. 1 Stunde unterbrochen.
Dies übersteigt zwar selbst die Darstellung der Beschuldigten; zu deren Gunsten
ist jedoch infolge der Anklageformulierung davon auszugehen, dass nach dem
Sich-Hinausdrängen ein zeitlich-substantieller Unterbruch stattgefunden hat, be-
vor die Verladeübung – ein letztes Mal – wiederaufgenommen wurde. Zur Qualität
dieser Unterbrechung des Trainings gilt das vorstehend Erwogene. Die Vor-
instanz geht schliesslich – entgegen der Schilderung in der Anklage – davon aus,
dass "bis ca. 12.30 Uhr" verladen wurde, nachher aber offenbar nicht mehr
(Urk. 118 S. 65).
Die Anklageschrift bestimmt den Gegenstand des Gerichtsverfahrens und be-
zweckt den Schutz der Verteidigungsrechte, insbesondere die Gewährung des
rechtlichen Gehörs. Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f. StPO bezeichnet die Anklage-
schrift möglichst kurz, aber genau: die der beschuldigten Person vorgeworfenen
Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung
(Entscheid des Bundesgerichts 6B_389/2010 vom 27. September 2010 E.1.3.1.
mit Verweisen; 6B_716/2014 vom 17.10.2014 E.2.3.). Wo die Vorinstanz zur
Intensität der inkriminierten Handlungen über die Darstellung in der Anklageschrift
hinausgeht, ist ihr Beweisresultat somit von vornherein nicht zu übernehmen.
Die Anklagebehörde hat an der Hauptverhandlung sowie an der Berufungs-
verhandlung pauschal ein Verladetraining von "ca. 4,5 Stunden" behauptet
(Urk. 77 S. 2, 4, 7 und 11 f.; Urk. 182 S. 3, 5 und 7), was wie erwogen aufgrund
ihrer eigenen Formulierung in der Anklageschrift zugunsten der Beschuldigten
immerhin zu relativieren ist.
Die Vorinstanz hat wie zitiert das Ende des Verladetrainings mit "ca. 12'30 Uhr"
beziffert (Urk. 118 S. 65). Die Verteidigung anerkannte vor Vorinstanz, dass das
Verladetraining in einem Zeitraum zwischen ca. 09.15 Uhr und ca. 12.30 - 13.00
Uhr stattgefunden hat (Urk. 77 S. 7 und 22). Anlässlich der Berufungsverhandlung
wurde durch die Verteidigung ausgeführt, die Beschuldigten hätten ca. um
9.00 Uhr mit Führübungen des Pferdes ausserhalb des Hängers begonnen und
das Training um ca. 12.30 Uhr abgebrochen. Folglich seien die Beschuldigten am
- 17 -
18. März 2012 während ca. 3.5 Stunden vor Ort gewesen (Urk. 184 S. 17-18).
Demgegenüber wendete die Vertreterin der Privatklägerinnen anlässlich der Beru-
fungsverhandlung ein, aus den Akten sei ersichtlich, dass das Verladetraining
länger als 3.5 Stunden gedauert habe, unabhängig davon, was in dieser Zeit ge-
macht worden sei (Prot. II S. 21). Ausgehend einerseits von den Aussagen der
Beschuldigten sowie denjenigen der Privatklägerin E._, wonach die Beschul-
digten zwischen 13.00 und 13.30 Uhr weggefahren seien, respektive das Training
um ca. 12.30 Uhr am Auslaufen gewesen sei und vermutlich ca. um 13.00 Uhr
aufgehört habe (vgl. Urk. 118 S. 51 mit Verweisen), ist die vorinstanzliche zeitli-
che Umgrenzung der ganzen Aktion mit ca. 09.00 Uhr bis ca. 12.30 Uhr zu über-
nehmen. Dabei ist gestützt auf das tierärztliche Gutachten davon auszugehen,
dass zwar einerseits das Training nie in einer Weise unterbrochen wurde, welche
es dem Pferd erlaubt hätte, sich komplett zu regenerieren. Andererseits war die
Anspannung des Pferdes jedoch auch nicht während des gesamten
massgeblichen Zeitraums auf konstant gleich hohem Niveau.
3.4. Die Anklage teilt den mutmasslichen Tatablauf chronologisch und thema-
tisch in mehrere Sequenzen ein (Urk. 34):
- generelle Durchführung der Verladeübung über den gesamten Zeitraum
- Schliessen der Querstange hinter dem sich im Transporter stehenden Pferd,
worauf sich dieses unter der Stange rückwärts heraus gezwängt hat
- Weiterführung des Verladetrainings trotz Verletzung und Erschöpfung des
Pferdes nach dem Herauszwängen
- Durchführen des Verladetrainings trotz Gefahr einer späteren Traumatisierung
und Wesensveränderung (Urk. 34).
Die Vorinstanz hat ihre Sachverhaltsprüfung ebenfalls chronologisch gegliedert
(Urk. 118):
- Beginn des Verladetrainings bis zur Flucht des Pferdes
- 18 -
- Fortsetzung des Verladetrainings (nach Wiedereinfangen und Heranführen des
Pferdes) bis zum Unfall (Herauszwängen)
- Fortsetzung des Verladetrainings nach dem Unfall (Herauszwängen) bis zum
Abbruch
- "Weiterer Verlauf" (Zustand und Verhalten des Pferdes) "bis zu dessen Tod".
Bei der objektiven Beurteilung des Tatgeschehens hat die Vorinstanz dann aber
das in verschiedenen Phasen Inkriminierte respektive Vorgefallene wieder ver-
mengt: Zusammengefasst wurde erwogen, die Beschuldigten hätten über
3.5 Stunden Boden- und Verladeübungen durchgeführt, in welcher Zeit das Pferd
in verschiedenen Graden unter Stresszuständen gelitten habe. Das Verlade-
training sei nur unzureichend unterbrochen worden. Das Training hätte zu jenem
Zeitpunkt abgebrochen werden müssen, als das Pferd mehrmals hintereinander
ruhig im Anhänger gestanden habe und das Schliessen der Stange mit Longen
geübt worden sei. Durch die Weiterführung des Trainings nach diesem Zeitpunkt
sei der Tatbestand der Überanstrengung des Pferdes erfüllt worden (Urk. 118
S. 67 unten bis S. 69 oben). Die Art des Vorgehens der Beschuldigten beim Ver-
ladetraining sei zwar geeignet und erforderlich gewesen und habe dem üblichen
Vorgehen beim Pferdetraining entsprochen. Die Dauer des Trainings sei jedoch
unverhältnismässig gewesen (Urk. 118 S. 69).
3.5. Die Vorinstanz hat die notwendigen rechtlichen Ausführungen zu den Tat-
beständen der Tierquälerei im Sinne von Art. 26 TschG und Art. 4 TSchG an-
geführt, worauf zu verweisen ist (Urk. 118 S. 66 f.). Pönalisiert wird nebst weite-
rem namentlich das unnötige Überanstrengen eines Tieres.
4.
4.1. An dieser Stelle sind vorab einige grundsätzliche Bemerkungen anzu-
stellen:
Ein Sport- oder Freizeitpferd, wie es in der Schweiz gehalten wird, muss grund-
sätzlich in einen Anhänger verladen werden können, sei es für die temporäre oder
dauernde Dislokation in einen anderen Reitstall, für die Behandlung in einer Tier-
- 19 -
klinik oder – als Sportpferd – für die Teilnahme an Konkurrenzen. Das Pferd
"F._" sollte der Privatklägerin 1 als Springpferd dienen und an Sportveran-
staltungen eingesetzt werden (vgl. Urk. 5/4). Um seinen geplanten Zweck erfüllen
zu können, musste "F._" in einem Anhänger transportiert werden können.
"F._" war ein zum Tatzeitpunkt 5-jähriger Hannoveraner (vgl. Urk. 5/5). Pfer-
de dieser Rasse sind im Durchschnitt über 600 Kilogramm schwer (vgl.
http://www.pferdewaage24.de/html/rassen_gewicht.html). "F._" wog zum
Zeitpunkt seiner Obduktion 590 Kilogramm (Anhang zu Urk. 22/10). Es ist noto-
risch und einleuchtend, dass die Kraft eines solchen Tieres die Kraft eines Men-
schen jederzeit um ein Mehrfaches übersteigt. So hat auch die Privatklägerin 2
– völlig realistisch – ausgesagt, "F._" hätte "alle niedertrampeln können mit
seiner Kraft" (Urk. 18/7 S. 12). Es liegt somit auf der Hand, dass auf ein Pferd,
welches sich vehement weigert, in einen Anhänger einzusteigen, mit einer gewis-
sen Intensität eingewirkt werden muss und kann, ohne dass daraus sofort eine
tierquälerische Handlung resultieren muss.
Sodann gehen die Darstellungen der beim Training Anwesenden über den an-
fänglichen Zustand des Pferdes weit auseinander: Gemäss Darstellung der Pri-
vatklägerinnen sei das Pferd zu Beginn des Verladetrainings gesund, brav und
weder nervös noch ängstlich gewesen; erst im Verlauf des Trainings sei es immer
ängstlicher und angespannter geworden (Urk. 18/6 S. 6; Urk. 18/7 S. 8). Gemäss
Aussagen der Beschuldigten hingegen sei das Pferd, als es zum Training geführt
wurde, angespannt, nervös, hysterisch, durch den Wind, abgemagert und aufge-
regt gewesen; erst im Verlauf der Übung habe es sich beruhigt (Urk. 118 S. 9 ff.
mit Verweisen; Urk. 181 S. 4, S. 18). Zugunsten der Beschuldigten ist teils ge-
stützt auf die Schilderungen der Privatklägerinnen und teils auf ihre eigenen Aus-
sagen davon auszugehen, dass das Pferd immerhin zu Beginn der eigentlichen
Verladeübung relativ ruhig war.
Der Hintergrund der unterschiedlichen Sachdarstellung der Beteiligten über den
Anfangszustand des Pferdes ist im übrigen offensichtlich: Vier Tage vor dem in-
kriminierten Verladetraining am Tattag führten die Privatklägerinnen allseits aner-
kanntermassen selber ein Verladetraining durch, welches jedoch erfolglos ab-
- 20 -
gebrochen wurde. Die Beschuldigten machen geltend, das Pferd sei durch die
Privatklägerinnen selber anlässlich deren eigenen Verladetrainings massiv in Auf-
regung versetzt und angestrengt worden. Dadurch unterstellen die Beschuldigten
den Privatklägerinnen ein Selbstverschulden betreffend die Folgen des inkrimi-
nierten Vorfalls (Urk. 80 S. 4-7). Solches wird durch die Privatklägerinnen in Ab-
rede gestellt (Urk. 18/6 S. 16 und Urk. 18/7 S. 13 f.). Dies ist jedoch letztlich für
die Beurteilung des konkreten Anklagevorwurfs in gleicher Weise irrelevant wie
die ebenso ausführlich wie kontrovers geführte Diskussion, inwieweit die Privat-
klägerinnen mit dem inkriminierten Verladetraining der Beschuldigten einverstan-
den waren, dieses gar initiiert haben oder darauf hätten Einfluss nehmen können
(vgl. Urk. 118 S. 9 ff. mit Verweisen). Nichtsdestotrotz erscheint es in der Tat
fragwürdig, weshalb die Privatklägerinnen im Verlauf des Verladetrainings nicht
einschritten und sich am nächsten Tag sogar per SMS für dieses bedankten
(Urk. 185/1), wenn sie das Verladetraining nicht goutierten.
Alle drei Beschuldigten waren zum Tatzeitpunkt anerkanntermassen Pferdefach-
leute. Sie haben das inkriminierte Training ebenso anerkanntermassen ohne di-
rekte Beteiligung der Privatklägerinnen durchgeführt. Vorliegend ist einzig – aber
immerhin – zu beurteilen, ob die Beschuldigten das Pferd ausgehend von dessen
konkreter Verfassung durch das durch sie durchgeführte Verladetraining über-
anstrengt haben und – falls ja –, ob sie als Fachleute dies erkannt haben oder
hätten erkennen müssen. Ein (allfälliges, vorliegend sinngemäss bestrittenes)
Einverständnis der Privatklägerinnen mit ihrer Vorgehensweise könnte die Be-
schuldigten nicht entlasten.
4.2. Nachdem man sich am fraglichen Tag um 09.00 Uhr mit den Privatkläge-
rinnen (und dem Pferd) getroffen hatte und dem Pferd noch Notfall-Tropfen ver-
abreicht worden waren (Urk. 18/6 S. 3), begannen die Beschuldigten mit dem Ver-
ladetraining des Pferdes. Zuerst wurden Gehorsamsübungen ohne Einbezug des
Anhängers gemacht (Urk. 18/7 S. 4); die ersten 15 bis 20 Minuten waren nach
Ansicht der Privatklägerin 2 "in Ordnung" (Urk. 18/7 S. 9). Der Beschuldigte 1
führte das sich sträubende Pferd an einer Longe in Richtung des Anhängers, die
Beschuldigten 2 und 3 unterstützen ihn dabei, indem sie das Pferd zumindest
- 21 -
zwischenzeitlich mit einer Peitsche und einem Besen auf das Hinterteil schlugen,
um es zum Einsteigen in den Anhänger zu bewegen; es sei jedoch gemäss aus-
drücklicher Darstellung der Privatklägerin 2 nicht verprügelt worden (Urk. 18/7
S. 11 unten).
Prof. Dr. med. vet. N._, Spezialarzt für Pferde FVH, hat im Auftrag der An-
klagebehörde ein tierärztliches Gutachten erstellt (Urk. 19/6; vgl. Urk. 19/13 und
19/15). Darin hat er eingangs festgestellt, obwohl es heute gewaltlose Pferdeer-
ziehungsmethoden gäbe, habe "ein grosser Teil unserer Pferde" mit Hilfe der –
auch in concreto verwendeten – gekreuzten Longen sowie "Besenhilfe" das Ver-
laden in einen Transporter gelernt. Diese Methoden seien anerkannte "Einstiegs-
hilfen", der Besen diene nicht dazu, dem Pferd Schmerz oder Angst zuzuführen,
sondern ihm ein Signal zum Vorwärtsgehen zu geben. Das mehrmalige Ein- und
Aussteigen in den Transporter sei eine völlig korrekte Methode des Verladetrai-
nings, ebenso die Fixation der Querstange , wenn das Pferd ruhig im Hänger ste-
he (Urk. 19/6 S. 2 und 4). Der Gutachter taxiert die konkret angewandte Einlade-
methode als "Standard" (Urk. 19/6 S. 14).
Mit der Verteidigung (Urk. 19/9 Ziff. 14 ff.) und entgegen der Anklageschrift
(Urk. 34 S. 2 unten) kommt dem vom Gutachter grundsätzlich als (anerkannte)
Einstiegshilfen qualifizierten Einsatz von Longen, Gerte und Besen gestützt auf
die Schilderungen der Beteiligten im konkreten Tatablauf keine eigene rechtliche
Relevanz im Sinne Art. 4 Abs. 2 oder Art. 26 Abs. 1 lit. a TschG zu. Dass das
Pferd schon allein durch zu intensives Schlagen mit Gerte oder Besen gequält
worden sei, ist nicht erstellt und davon geht auch der Gutachter nicht aus
(Urk. 19/6 S. 4). Relevant sind diese Vorgänge einzig – aber immerhin – allenfalls
im Gesamtzusammenhang unter dem Titel der Überanstrengung des Pferdes.
Auch die (Augen-)Zeugin J._, ebenfalls Pferdefachfrau und ehemalige Trai-
nerin der Privatklägerin 1, sagte im übrigen klar aus, dass sie das Verladen "vom
Setting her gleich üben würde", wie dies die Beschuldigten getan haben
(Urk. 18/12 S. 15). Die Vorinstanz hat im Resultat zurecht erkannt, das inkrimi-
nierte Verladetraining sei an sich erforderlich und in der Methode auch geeignet
gewesen (Urk. 118 S. 69 unten).
- 22 -
4.3. Gemäss dem erstellten, vorstehend angeführten Beweisresultat begann
die erste Trainingseinheit einige Minuten nach 09.00 Uhr, dem Pferd wurden erst
Beruhigungstropfen gegeben, anschliessend wurden Hand-/ respektive Ge-
horsamsübungen gemacht und in der Folge wurde während rund einer Stunde
versucht, das Pferd zum Einsteigen in den Anhänger zu bewegen, bis es sich los-
reissen konnte und in den Stall zurück rannte. Gemäss Gutachten entsprach das
angewandte Trainingsverfahren gängiger Usanz. Das Pferd litt zwar unter Stress;
dies liegt jedoch bis zu einem gewissen Mass in der Natur der Sache und das
Stress-Level war auch nicht konstant gleich hoch (Urk. 19/6 S. 2 f.).
Damit haben die Beschuldigten in dieser ersten Trainingseinheit, bis zur Flucht
des Pferdes, dieses weder überanstrengt noch ihm unnötige Schmerzen zugefügt
und damit objektiv keine Tierquälerei begangen.
4.4. Nach dem Reissen der durch den Beschuldigten 1 geführten Longe rannte
das Pferd eine doch längere Strecke zurück in seinen Stall. Auf Aufforderung der
Beschuldigten führte die Privatklägerin 1 das Pferd vom Stall wieder zum Ver-
ladeort zurück, wo das Verladetraining wieder aufgenommen wurde. Gemäss An-
klageschilderung konnte das Pferd dann nach relativ kurzer Zeit in den Anhänger
geführt und hinter ihm die Querstange geschlossen werden. Unmittelbar darauf
geriet das Pferd in Panik und zwängte sich rückwärts unter der Querstange hin-
durch aus dem Anhänger.
Gemäss ihren eigenen Angaben konnte die Privatklägerin 1 das Pferd nach des-
sen Flucht zum Stall von dort "ohne Probleme" wieder an den Verladeort zurück-
führen (Urk. 18/6 S. 6). Dies spricht immerhin dagegen, dass es sich zu diesem
Zeitpunkt in einem Zustand äusserster Anspannung oder Anstrengung befunden
hat. Wiederum ist auf das Gutachten zu verweisen, wonach das Stress-Level
während der gesamten Aktion sehr unterschiedlich hoch war (Urk. 19/6 S. 3).
Auch die Zeugin J._ hat bestätigt, dass das Pferd "nicht während des ganzen
Trainings gestresst gewesen, sondern zwischendurch nervös und unruhig gewor-
den sei" (Urk. 18/12 S. 7 f.). Allseits anerkanntermassen sollte das Verladetraining
zumindest mit einem positiven Erlebnis für das Pferd abgeschlossen werden. Die
erste Trainingseinheit dauerte wie erwogen 1 bis 1.5 Stunden; die fluchtbedingte
- 23 -
Zäsur erlaubte dem Pferd zwar keine vollständige Regeneration, liess aber sein
Stress-Level doch sinken, was aus dem problemlosen Wieder-Heranführen an
den Verladeort hervorgeht. Das Tier war zu diesem Zeitpunkt auch in keiner Wei-
se verletzt. Wenn vor diesem Hintergrund das Verladetraining in der wie erwogen
nicht zu beanstandenden Weise wieder aufgenommen wurde mit dem Ziel, we-
nigstens ein einmaliges ruhiges Stehen des Pferdes im Anhänger zu erreichen,
haben die Beschuldigten das Pferd damit nicht überanstrengt, ihm keine un-
nötigen Schmerzen zugefügt und es damit nicht im Sinne der eingeklagten Tat-
bestände gequält. Auch der Gutachter geht davon aus, dass ein Verlade-Training
andauernd über zwei Stunden durchgeführt werden könne (Urk. 19/6 S. 3). Dieser
Zeitablauf war bei der Wiederaufnahme des Verladetrainings nach der Flucht des
Pferdes noch nicht erfolgt. Sodann weist die Verteidigung zurecht darauf hin, dass
auch die Pferdetrainerin M._ in einem dem inkriminierten Verladetraining fol-
genden Training von Mitte April 2012 1.5 bis 2 Stunden mit dem Pferd arbeitete,
bis dieses im Anhänger stand (Urk. 80 S. 30 mit Verweis auf Urk. 18/18 S. 5).
4.5. Wie lange die zweite Trainings-Einheit dauerte, bis das Pferd im Anhänger
stand und hinter ihm die Querstange geschlossen wurde, ist nicht zweifelsfrei er-
stellt. Zugunsten der Beschuldigten ist davon auszugehen, dass dies relativ bald
der Fall war. Nachdem die Querstange geschlossen worden war, geriet das Pferd
in Panik und zwängte sich rückwärts aus dem Anhänger.
Entgegen der Behauptung der Vertreterin der Privatklägerinnen, wonach es in
Reiterkreisen bestens bekannt sei, dass Pferde sich immer wieder unter der vor-
deren Querstange hindurch mittels Ausstieg aus der sogenannten "Servicetüre"
eines Anhängers ins Freie zwängen würden und sich gleichwohl auch unter der
hinteren Querstange durch ins Freie zwängen könnten (Urk. 183 S. 4 f.), wird im
tierärztlichen Gutachten unmissverständlich dafür gehalten, dass sich ein Pferd
rückwärts unter der Stange hindurchdrücke sei ein Vorfall, der in seiner Art einma-
lig sei. Von einem vergleichbaren Unfall habe der Gutachter noch nie gehört oder
gelesen (Urk. 19/6 S. 14). Das Verhalten des Pferdes beim Hinauszwängen wur-
de auch auf Ergänzungsfrage als "wirklich einmalig" taxiert. Wegen der Einmalig-
- 24 -
keit der Reaktion des Pferdes seien auch keine Rückschlüsse auf das Vorgehen
der Beschuldigten zu ziehen (Urk. 19/13).
Wohl hat sich das Pferd die Rückenverletzungen, wie sie radiologisch festgestellt
und diagnostiziert wurden (Anhang zu Urk. 22/10), mit den daraus resultierenden
Schmerzen (Urk. 19/6 S. 4 f.) gemäss Gutachter zumindest teilweise am Tattag
beim Hinauszwängen aus dem Transporter zugezogen (Urk. 19/6 S. 4 und S. 8 f.;
Urk. 19/13 S. 2; Urk. 19/15). Der Anklagevorwurf, die Beschuldigten hätten in
Kauf genommen, dass das Pferd sich unter der Querstange hindurchdrücken und
sich dabei verletzen und Schmerzen erleiden würde, oder sie hätten dies zumin-
dest vorhersehen müssen (Urk. 34 S. 4), wird durch das fachärztliche Gutachten
jedoch eindeutig widerlegt.
4.6. Die Schilderung in der Anklageschrift zum weiteren Tathergang nach dem
Sich-Herauszwängen des Pferdes aus dem Anhänger (Urk. 34 S. 5) ist in einigen
Punkten ohne Weiteres widerlegt:
- Die Beschuldigten hätten das Training ab ca. 12.30 Uhr nochmals für ca. eine
Stunde fortgesetzt:
Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist mit der Vorinstanz davon auszuge-
hen, dass das Training nicht erst um 12.30 Uhr wieder aufgenommen wurde,
sondern ca. um diese Zeit seinem Ende entgegen ging. Die dritte Trainingseinheit
war daher sicher kürzer als eine Stunde.
- Die Beschuldigten hätten den vormaligen Unfall des Pferdes verursacht:
Wie erwogen, war für die Beschuldigten die absolut aussergewöhnliche Reaktion
des Pferdes auf das Schliessen der Querstange nicht voraussehbar; entspre-
chend haben sie diesen Unfall auch nicht verursacht.
- Das Pferd sei als Folge des bald vier Stunden dauernden Verladetrainings in
einen physischen und psychischen Erschöpfungszustand gewesen:
Als die Beschuldigten nach dem Unfall des Pferdes das Training nochmals auf-
nahmen, hatte dieses noch nicht "bald vier Stunden" gedauert. Im tierärztlichen
- 25 -
Gutachten wurde auf entsprechende Frage der Untersuchungsbehörde der kör-
perliche Erschöpfungszustand des Pferdes auf einer Skala von 1-10 mit "nicht
mehr als 2" bezeichnet (Urk. 19/6 S. 10). Eine physische Erschöpfung durch das
Verladetraining ist somit fachärztlich widerlegt. Zur Frage einer psychischen Er-
schöpfung des Pferdes führt der Gutachter aus, eine solche sei möglich, aber
kaum diagnostizierbar; ihre allfällige Stärke sei auf einer Skala von 1-10 "nicht be-
stimmbar" (Urk. 19/6 S. 10).
Erstellt ist der massgebliche Anklagesachverhalt (Urk. 34 S. 5) dahingehend,
dass das Pferd nach seinem Unfall eine Schürfwunde auf dem Widerrist hatte,
dass die Beschuldigten das Verladetraining dennoch fortsetzen, dass die Be-
schuldigten vor der Fortführung des Verladetrainings keine tierärztliche Unter-
suchung des Pferdes veranlasst haben, dass dieses mindestens teilweise die
nach-diagnostizierten Rückenverletzungen erlitten hat und diese ihm Schmerzen
(auf einer Skala von 1-10) der Stärke "zwischen 3 und 4" (Urk. 19/6 S. 4 f.), ge-
mäss dem prozessualen Grundsatz "in dubio pro reo" somit "3", bereiteten.
Gemäss Schilderung in der Anklageschrift lehnte sich das Pferd nach seinem Un-
fall nicht mehr gegen das Verladetraining auf und führte aus, was von ihm ver-
langt wurde (Urk. 34 S. 5).
Der Beschuldigte 1 hat zusammengefasst geschildert, er habe nach dem Unfall
das Pferd "F._" auf Verletzungen untersucht und lediglich eine oberflächliche
Hautschürfung, jedoch keine Rückenverletzung festgestellt. Das Pferd habe keine
Schmerzsymptome gezeigt. Man habe das Training mit einem positiven Erlebnis
für das Pferd beenden wollen und daher die Verladeübung noch zwei- bis dreimal
durchgeführt, was erstaunlich schnell und gut gegangen sei (Urk. 118 S. 44-47
mit Verweisen; Urk. 181 S. 6). Die letzte Trainingseinheit habe ca. 15-20 Minuten
gedauert, das Pferd sei zu jenem Zeitpunkt sehr kooperativ geworden (Urk. 181
S. 9). Die Beschuldigte 2 sagte zusammengefasst aus, sie hätten die Schürfung
am Widerrist, jedoch keine weiteren Verletzungen oder Schmerzen beim Pferd
erkannt. Um dem Pferd ein positives Erlebnis zu geben, habe man die Einsteig-
Übung noch einige Male wiederholt, was problemlos gewesen sei. Das Training
habe nach dem Unfall noch ca. 10 Minuten gedauert. Insgesamt sei das Pferd
- 26 -
weder zeitlich noch körperlich überanstrengt gewesen; es habe sich zwischenzeit-
lich aufgeregt, aber in den Pausen auch immer wieder abregen und entspannen
können (Urk. 118 S. 47-49 mit Verweisen). Die Beschuldigte 3 sagte zusammen-
gefasst aus, nach dem Unfall sei allenfalls "etwas Fell ab gewesen", eine offene
Verletzung sei nicht zu sehen gewesen. Das Pferd sei noch 1 bis 2 mal hoch-
geführt worden, um mit etwas Positivem abzuschliessen. Das Pferd sei nicht auf-
geregt gewesen und habe sich direkt wieder führen lassen (Urk. 118 S. 49 f. mit
Verweisen). Die Privatklägerin 1 sagte zusammengefasst aus, man habe nach
dem Unfall nicht gesehen, dass das Pferd Verletzungen oder Schmerzen habe.
Der Beschuldigte 1 habe gesagt, es sei "nur der Verputz" ab. Nach dem Unfall sei
das Pferd kooperativer geworden (Urk. 118 S. 50 f. mit Verweisen). Die Privat-
klägerin 2 gab an, nach dem Unfall das Verladetraining verlassen zu haben und
zurückgekehrt zu sein, als die Übung am Auslaufen gewesen sei (Urk. 118 S. 51
mit Verweisen). Die Zeugin J._ schliesslich gab an, man habe beim Pferd
nach dem Unfall – einzig – eine Schürfwunde gesehen. Sie könne nicht sagen, ob
es nach dem Unfall einen Unterschied im Verhalten des Pferdes gegeben habe.
Die Methode des Verladetrainings kritisierte die Zeugin nicht, einzig dessen Län-
ge (Urk. 118 S. 52 mit Verweisen). Zur Dauer der dritten Trainingseinheit konnte
sie aber nichts sagen, da "sich das Pferd um ca. 11.00 Uhr losgerissen habe und
sie um ca. 12.00 Uhr habe gehen müssen". Die letzte Trainingseinheit hat die
Zeugin eigentlich gar nicht gesehen (Urk. 18/12 S. 6 und S. 14).
Der Gutachter hat ausgeführt, die geschilderten Stresssymptome seien beim
Pferd nicht während der ganzen Verladeübung vorhanden gewesen; dieses habe
sich zwischendurch auch wieder beruhigt (Urk. 19/6 S. 2). Grundsätzlich führten
die nachträglich festgestellten Rückverletzungen bei oberflächlicher Betrachtung
kaum zu einer sichtbaren Veränderung des Verhaltens des Pferdes; es sei durch-
aus möglich, dass das Pferd nach dem Unfall mit Verletzungsfolge keine Verhal-
tensauffälligkeiten gezeigt habe (S. 5 f.). Dass sich das Pferd nach dem Unfall
kooperativer verhalten hat, sei "schwierig erklärbar"; es sei denkbar, dass die
plötzliche Kooperation auf die erlittenen Verletzungen zurückzuführen sei; hinge-
gen schliesst der Gutachter eher aus, dass die plötzliche Kooperation aus einer
psychischen Erschöpfung des Pferdes resultiert hat (S. 9 f.).
- 27 -
Zusammengefasst haben die Beschuldigten nach dem Unfall des Pferdes das
Verladetraining weitergeführt. Die Rückenverletzung wurde nicht erkannt; dies
ergibt sich aus der anschaulichen – wenn auch falschen – Diagnose des Be-
schuldigten 1, es sei lediglich "der Verputz" oder "die Tapete" des Pferdes lädiert.
Gemäss Gutachten musste die innere Rückverletzung auch nicht zwingend er-
kannt werden. Ebenfalls gemäss Gutachten hat das weitere Verladetraining nach
dem Unfall dem Pferd auch keine zusätzlichen Schmerzen verursacht (Urk. 19/6
S. 5). Das Pferd verhielt sich ruhiger, was entgegen der Behauptung der Privat-
klägerinnen gemäss Gutachter nicht telquel auf eine psychische Erschöpfung
schliessen lässt. Die Absicht der Beschuldigten war, das Training mit einem Er-
folgserlebnis für das Pferd abzuschliessen, was – überraschenderweise – offen-
bar relativ bald gelang. Die in der Anklage bezifferte zeitliche Dauer der letzten
Trainingseinheit von einer Stunde ist wie erwogen widerlegt; zugunsten der Be-
schuldigten ist nicht von einer Überlänge auszugehen. Wohl räumte der Beschul-
digte 1 ein, das Pferd sei am Schluss müde gewesen und man habe ihm die An-
strengung der letzten Stunden angemerkt (Urk. 118 S. 45 mit Verweis). Aber da-
rauf – und gerade deswegen – haben die Beschuldigten das Training denn auch
eingestellt. Ein generelles Ermüden des Pferdes per se ist nicht strafbar, wenn
beim Eintritt der Ermüdung die anstrengende Behandlung beendet und dem Pferd
die Möglichkeit der Regeneration gegeben wird.
Die Vorinstanz hat in ihren Erwägungen geschlossen, das inkriminierte Verla-
detraining der Beschuldigten sei geeignet und erforderlich gewesen (Urk. 118
S. 69 unten). Allerdings sei es nicht verhältnismässig gewesen, weshalb sich die
Beschuldigten strafbar gemacht hätten. Diesem pauschalen Schluss gebricht es
jedoch an einer konkreten Beurteilung, in genau welcher Zeitspanne und inwie-
fern das Verhalten der Beschuldigten einen Straftatbestand erfüllt haben soll. Eine
das Tier quälende Überanstrengung, die Verursachung von Schmerzen und das
Weiter-Trainieren trotz erkannter Schmerzen sind – auch – für den Zeitraum nach
dem Unfall des Pferdes jedenfalls nicht erstellt.
4.7. Die gesamte Dauer des Verladetrainings dürfte (unabhängig vom Unfall
des Pferdes und dessen nicht erkannten Verletzungsfolgen) wohl tatsächlich an
- 28 -
der oberen Grenze dessen gewesen sein, was einem Pferd auch im Rahmen
eines de lege artis durchgeführten Verladetrainings zugemutet werden soll. Ein
klare Überanstrengung im Sinne des Tatbestandes des Tierschutzgesetzes ist je-
doch wie erwogen nicht dargetan.
Wie stark die einschlägigen Meinungen auseinandergehen, zeigt sich schon da-
ran, dass der Gutachter ein Verladetraining von bis zu zwei Stunden mit kurzen
Pausen für unbedenklich hält (Urk. 19/6 S. 3), die Zeugin J._ aber bei glei-
cher Vorgehensweise nach einer halben Stunde abbrechen und zwei Tage Pause
machen würde; allerdings sagte J._ auch, sie "als Laie" habe am Tattag zu-
schauen wollen, "wie es die Profis machen" (Urk. 18/12 S. 5. und S. 15). Die Zeu-
gin M._, ebenfalls Pferdefachfrau, plädierte für langsames – durchaus auch
langes – Training mit Pausen, wobei das Pferd den Arbeits- und Pausenrhythmus
vorgäbe (Urk. 18/18 S. 6 f.). Der Zeuge L._, Tierarzt, wollte sich zeitlich nicht
festlegen, der Zeitpunkt des Abbruchs eines Verladetrainings sei eine Ermessens-
frage; wenn man aufhöre, bevor das Pferd eingestiegen sei, habe das Pferd das
Ziel erreicht (Urk. 18/11 S. 9). Tierarzt K._ beantwortete die konkrete Frage
nach der angemessenen Dauer einer Verladeübung nicht und verwies pauschal
auf moderne, "andere" Trainingsmethoden wie z.B. "Monty Roberts". Einerseits
sagte der Zeuge K._, er würde nie so verladen, wie die Beschuldigten dies
getan hätten. Andererseits wiederholte der Zeuge konstant, er sei beim inkrimi-
nierten Verladetraining nicht dabei gewesen und wolle niemanden beschuldigen.
Offensichtlich wurde ihm das inkriminierte Verladetraining der Beschuldigten auch
in einer Weise umschrieben, wie sie gemäss den vorstehenden Erwägungen nicht
erstellt ist (Urk. 18/10 S. 7 und S. 12).
4.8. Im letzten Teil der Anklage wird schliesslich geschildert, die schlechte Ver-
fassung des Pferdes habe sich nach Beenden des Verladetrainings nicht verän-
dert. Das Pferd sei aggressiv geworden und aufgrund der schwerwiegenden
Rückenverletzung sowie der erlittenen Traumatisierung mit einer damit einherge-
henden Wesensveränderung eingeschläfert worden. Das inkriminierte Verla-
detraining habe das Pferd in einen andauernden Stress- und Erregungszustand
mit einhergehender schwerer Verletzung versetzt und dadurch traumatisiert, was
- 29 -
zur Wesensveränderung geführt habe. Die Beschuldigen hätten den Erregungs-
und Erschöpfungszustand sowie die Schmerzen des Pferdes erkannt und eine
Traumatisierung mit einhergehender Wesensveränderung in Kauf genommen,
eventualiter Ersteres erkennen und Letzteres verhindern müssen (Urk. 34 S. 6).
Wie vorstehend erwogen haben die Beschuldigten das Pferd "F._" nicht in
einen andauernden Stress-, Erregungs- und Erschöpfungszustand versetzt, wel-
cher einen Straftatbestand gemäss TschG erfüllen würde. Ferner ist nicht den
Beschuldigten anzulasten, dass das Pferd sich unter der Querstange hindurch
aus dem Transporter zwängte und dabei am Rücken verletzte. Gemäss Gutach-
ten hat das Pferd bei Wiederaufnahme des Verladens nach dem Unfall zwar
Schmerzen verspürt, diese lagen auf einer Skala von 1-10 allerdings (lediglich)
auf einer Stufe von 3 oder etwas darüber, wurden durch die weitere, letzte Trai-
ningseinheit nicht verstärkt und waren für die Beschuldigten auch nicht zwingend
zu erkennen. Auch die das Training beobachtende Privatklägerin 1 hat beim Pferd
keine Schmerz-Reaktion erkannt (Urk. 18/6 S. 14). Das Gutachten stützt auch die
Darstellung in der Anklage einer "schwerwiegenden Rückenverletzung" respektive
einer "schweren Verletzung" nur bedingt: Der Gutachter führt aus, Frakturen der
Dornfortsätze der Rückenwirbel seien ihm aus seiner vierzigjährigen Tätigkeit in
der Pferdeklinik bestens bekannt: Widerristfrakturen würden relativ problemlos
abheilen. Die Abheilungszeit betrage einige Monate (ohne Operation); anschlies-
send sei Arbeit unter dem Sattel mit einem speziellen Sattel wieder möglich.
Sämtliche dem Gutachter bekannten Pferde, die Widerristfrakturen erlitten hatten,
wurden nach einigen Monaten bis zu einem Jahr, d.h. nach völligem Abklingen
der Symptome, mit speziell verändertem Sattel wieder geritten (Urk. 19/6 S. 5 und
S. 7 f.). Bestätigt wird dies durch die Aussage der Zeugin M._, wonach eine
ihrer Freundinnen ein Pferd mit demselben Verletzungsbild gehabt habe und die-
ses ein halbes Jahr nicht mehr habe geritten werden können (Urk. 18/18 S. 18).
Wenn Anklage und Privatklägerinnen behaupten, dass Pferd habe – auch oder
gar vornehmlich – infolge der erlittenen Rückverletzung eingeschläfert werden
müssen (Urk. 18/6 S. 15; Urk. 18/7 S. 13 und S. 21), wird dies durch die zitierten
Expertenmeinungen nicht nur in Zweifel gezogen, sondern sogar widerlegt!
- 30 -
4.9. Fazit
Selbst wenn das Pferd "F._" anlässlich des Verladetrainings vom 18. März
2012 tatsächlich (allenfalls: erneut) traumatisiert worden ist, haben dies nicht die
Beschuldigten zu vertreten, da sie durch die inkriminierte Vorgehensweise – wie
vorstehend erwogen – den Straftatbestand der Tierquälerei nicht erfüllten und
mangels Voraussehbarkeit auch nicht für den Unfall des Pferdes mit dessen Ver-
letzungsfolgen verantwortlich zu machen sind.
In Gutheissung ihrer Berufung respektive Anschlussberufung und Abweisung der
Berufungen der Anklagebehörde und der Privatklägerinnen 1 und 2 sind die Be-
schuldigten 1 und 2 sowie ist auch die Beschuldigte 3 vom Vorwurf der Tier-
quälerei freizusprechen.
5.
5.1. Dennoch das Folgende:
Die Privatklägerinnen schilderten das Wesen des Pferdes "F._" vor dem in-
kriminierten Verladetraining als gesund, sehr liebenswürdig und immer brav
(Urk. 18/6 S. 6; Urk. 18/7 S. 8). Die Zeugin J._ schilderte es als tolles Pferd,
normal, zufrieden und gutmütig (Urk. 18/12 S. 6). Wenige Tage vor dem inkrimi-
nierten Vorfall, am 14. März 2012, führten die Privatklägerinnen anerkanntermas-
sen eigenhändig ein Verladetraining mit "F._" durch, welches nicht zum Er-
folg führte: Das Pferd riss sich los und rannte auf die Weide, worauf das Training
abgebrochen wurde (Urk. 18/7 S. 14). Der Gutachter führte aus, das Pferd sei
"ohne Zweifel bereits vor dem 18. März 2012 traumatisiert gewesen, wobei der
Grund in einem Ereignis während eines früheren Transportes liegen könne" (Urk.
19/6 S. 1). Die Privatklägerin 2 sagte dazu unbestimmt aus, "das Verladen von
'F._' in die Schweiz sei ja auch nicht gut verlaufen. Da sei auch das Einstei-
gen das Problem gewesen" (Urk. 18/7 S. 19). Der Gutachter hält dafür, das hoch-
sensible Pferd sei bereits vor dem Unfall vom 18. März 2012 im Stall alles andere
als lieb und brav, nämlich als nervös und scheu beschrieben worden. Ob und wie
es durch den Unfall zusätzlich traumatisiert worden sei, könne nicht eruiert wer-
- 31 -
den (Urk. 19/6 S. 11). Der Tierarzt und Zeuge L._ schloss aus, dass eine
Stresssituation wie das inkriminierte Verladetraining für eine dauernde Wesens-
veränderung eines Pferdes ausreiche (Urk. 18/11 S. 8).
Der Tierarzt K._ wurde am 21. März 2012 zum Pferd gerufen. Gemäss sei-
ner Zeugenaussage habe das Pferd Schmerzen gehabt und sei ängstlich, miss-
trauisch, abwehrend und aggressiv gewesen (Urk. 18/10 S. 5). Am 24. März 2012
wurde das Pferd zur Tierärztin I._ gebracht, die als Zeugin aussagte, sie ha-
be das Pferd untersucht, eine Schürfwunde am Widerrist und eine schmerzhafte
Rückpartie festgestellt und "F._" osteopathisch behandelt. Das Pferd sei am
Anfang zurückgewichen, was normal sei; es sei dann besser geworden, sie habe
das Pferd überall anfassen können, es habe sich entspannt und sei zutraulich
geworden. Anschliessend sei es in den Anhänger verladen worden, was inklusive
Vorbereitungsübungen ca. eine Stunde gedauert habe; dort sei es erstaunlich ru-
hig gewesen. Auf konkrete Frage verneinte die Zeugin, dass "F._" ein "nicht-
umgangsfähiges Wesen" gezeigt habe (Urk. 18/15 S. 5 f., S. 9 und S. 13). Am
31. März 2012 und am 10. April 2012 liessen die Beschuldigten 1 und 2 dann
durch M._ wiederum je ein Verladetraining durchführen. Dasjenige vom 31.
März 2012 verlief offenbar problemlos; dasjenige vom 10. April 2012 anfänglich
ebenfalls problemlos, bis sich das Pferd in gleicher Weise wie am 18. März 2012
aus dem Transporter zu befreien versuchte und die hinter ihm geschlossene
Querstange verbog, bevor diese entfernt werden konnte. Das Pferd habe einige
Schürfungen davongetragen aber nachher keine Anzeichen von Problemen ge-
zeigt (Urk. 18/18 S. 14 f. und S. 19 f.). Am 19. April 2012 wurde das Pferd von ...
nach ... zu M._ gebracht, wobei es in... offenbar innert 5 Minuten in den
Transporter verladen werden konnte (Urk. 18/18 S. 9). Verhaltensauffälligkeiten
wies das Pferd zu diesem Zeitpunkt offenbar keine auf (Urk. 18/18 S. 9 f.), was
der Gutachter als Anzeichen einer Abheilung der am 18. März 2012 erlittenen
Verletzung wertet (Urk. 19/6 S. 7). Die Zeugin M._ beschrieb "F._" in je-
nen zehn Wochen, in welchen er bei ihr war, als liebes, tolles Pferd, das alle ge-
mocht hätten. Es habe sich immer gleich und normal verhalten. Wohl habe der
Tierarzt L._ "F._" nicht anfassen können, es gäbe jedoch viele Pferde,
die Panik vor dem Tierarzt hätten, so auch ihr eigenes Pferd. Daher habe L._
- 32 -
"F._" am Schluss (d.h. anlässlich der Einschläferung) auch mit dem Blasrohr
betäuben müssen; er sei nicht an das Pferd herangekommen und sie habe das
nicht machen können (Urk. 18/18 S. 12 f.). Der Tierarzt L._ sagte als Zeuge
aus, er habe das Pferd zweimal gesehen: Am 24. April 2012 hat er das Pferd un-
tersuchen und röntgen können, einzig an der Frakturstelle am Widerrist konnte er
es nicht berühren. Beim zweiten Mal, anlässlich der Einschläferung, habe er dem
Tier keine Spritze mehr geben können, es sei weggerannt, gegen ihn gesprungen
und gestiegen; es sei widersetzlich gewesen (Urk. 18/11 S. 4 f.).
Insgesamt ist erstellt, dass das Pferd "F._" mutmasslich bereits vor dem in-
kriminierten Verladetraining traumatisiert war, was das Verladen in einen engen
Transporter betrifft, ansonsten aber ein normales Verhalten zeigte. Nach dem
Verladetraining vom 18. März 2012 war das Pferd verletzt und litt Schmerzen,
was sich zweifellos und nachvollziehbar auch auf sein aktuelles allgemeines Ver-
halten niedergeschlagen hat. Auffällig ist, dass das Pferd nach dem 18. März
2012 bis zu seiner Einschläferung noch diverse Male und ohne grössere Schwie-
rigkeiten verladen werden konnte. Die Zeugin M._, bei welcher das Pferd
vom 19. April 2012 bis zu seiner Tötung am 5. Juli 2012 untergestellt war, hat es
täglich versorgt und gebürstet, nicht jedoch mit ihm gearbeitet (Urk. 18/18 S. 12).
Von der Kausalität des inkriminierten Vorfalls für eine gewisse (quantitativ und
zeitlich unbestimmte) Wesensveränderung ist somit auszugehen. Wenn die An-
klage allerdings pauschal behauptet, das Pferd habe sich – dauernd! – von einem
liebenswürdigen und anhänglichen in ein aggressives und nicht führbares Tier
verwandelt, ist dies in keiner Weise erstellt: Einerseits hat sich "F._" nicht
allgemein und konstant abwehrend aufgeführt, sondern mit unterschiedlicher In-
tensität und primär gegen Männer (vgl. Urk. 19/6 S. 11). Andererseits wurden sei-
tens der Eigentümer keinerlei Versuche eines speziellen, korrigierenden Verhal-
tenstrainings, wie sie heute bekannt und anerkannt sind (z.B. nach Monty-Roberts
oder Pat-Parelli-Methoden) auch nur versucht, um das Verhalten von "F._"
positiv zu beeinflussen. Dass die (sei es traumatisch-bedingte oder verletzungs-
indizierte) Wesensveränderung von "F._" eine dauernde war, ist alles andere
als erwiesen.
- 33 -
5.2. Die Anklageschrift suggeriert mittels ihrer Formulierung, das Pferd
"F._" habe aufgrund der durch die Beschuldigten verursachten Verletzung,
Traumatisierung und Wesensveränderung eingeschläfert werden müssen (Urk. 34
S. 6). Die Privatklägerinnen liessen ausführen, das inkriminierte Verladetraining
der Beschuldigten sei "für 'F._' das Todesurteil gewesen" (Urk. 78 S. 4).
Eigentlich könnte sich das Strafgericht darauf beschränken, zu prüfen, ob die Be-
schuldigten die ihnen zur Last gelegten Straftaten begangen haben oder nicht
(was wie erwogen nicht der Fall ist). Die obzitierten Darstellungen der Anklagebe-
hörde und der anzeigeerstattenden Privatklägerinnen verlangen allerdings nach
dem folgenden obiter dictum:
Aus den Akten ergibt sich dieses:
Am 18. März 2012 fand das inkriminierte Verladetraining durch die Beschuldigten
in Anwesenheit der Privatklägerinnen statt. Bereits zwei Tage später und bevor
das Pferd erstmals von einem Tierarzt untersucht wurde, verlangte die Familie der
Privatklägerinnen von den Beschuldigten 1 und 2 schriftlich die Rücknahme des
Pferdes unter Rückerstattung des Kaufpreises, da das Pferd nicht "verladefromm"
sei und wohl auch nie werde; man müsse "der Realität knallhart ins Auge blicken"
(Anhang zu Urk. 5/8, E-mail vom 20. März 2012). Wie sich dieses Verhalten mit
der Darstellung der Privatklägerinnenvertretung, diese hätten "F._' lieb ge-
wonnen" (Urk. 78 S. 3) decken soll, ist schon a priori schwer verständlich. Erhel-
lend ist die Formulierung der Familie der Privatklägerinnen im weiteren Disput mit
den Beschuldigten betreffend eines Rücktritts vom Kauf: "Wichtig ist die Konstel-
lation und der Ausblick für D._ und welche Ziele sie erreichen will und kann.
Wir wollten D._ die Möglichkeit eröffnen, mit einem eigenen, kompetitiven
Pferd einen grossen Schritt vorwärts zu machen" (Anhang zu Urk. 5/8, E-mail vom
1. April 2012). In ihrem Mail vom 2. Mai 2012 schrieb die Familie der Privatkläge-
rinnen an die Beschuldigten 1 und 2, man habe zwar die Röntgenbilder noch nicht
gesehen, aber es gäbe für "F._" wohl keine sinnvolle Aussicht auf Heilung
und aufgrund der voraussichtlichen Euthanasie des Pferdes drohe Totalverlust
(Anhang zu Urk. 5/8, E-mail vom 2. Mai 2012). Als die Familie der Privatklägerin-
nen das Pferd am 2. Mai 2012 somit faktisch abschrieben hatte, lag ihnen weder
- 34 -
der Beleg seines tatsächlichen Verletzungsbildes vor, noch war sein längerfristi-
ges Wesen und Verhalten auch nur einigermassen abschätzbar. Dieser Entscheid
beruhte (scheinbar einzig) auf dem Resultat der ärztlichen Untersuchung des
Tierarztes L._ vom 24. April 2012 (die Datierung seines Attests vom
"8.4.2012" ist offensichtlich falsch!; Anhang zu Urk. 5/13). Die Prognose für
"F._" bezeichnet L._ als "Vorsichtig", "als Turnierpferd auch mit Vorbe-
halt"; ein von ihm beigezogener Tierarzt O._ empfahl eine Operation (An-
hang zu Urk. 5/13). Konkret befragt sagte L._ als Zeuge dann – nicht kon-
gruent – aus, seine Prognose für "F._" sei "vorsichtig, oder ungünstig" gewe-
sen. Er habe die Chance für eine Verwendbarkeit nach einer Operation als "so ca.
20 bis 30%" geschätzt. Man hätte "herausfinden müssen, ob man das Pferd wie-
der hätte reiten können" und es sei "fraglich gewesen, wie kooperativ sich das
Pferd nach einer Behandlung noch gezeigt hätte. Ein Turnierpferd müsse verla-
den werden können." Es verbleibt der starke Eindruck, L._ habe als Zeuge
die durch ihn im Auftrag der Familie der Privatklägerinnen durchgeführte Eutha-
nasie "F._s" zu rechtfertigen versucht. Allerdings gestand er auch ein, dass
es grundsätzlich möglich gewesen wäre, dass das Pferd sich verändere, man ha-
be aber auch in diesen zwei Monaten nichts mit dem Pferd gemacht; die Höhe der
Wahrscheinlichkeit für eine Veränderung des Wesens beim Pferd hänge von der
Bereitschaft des Besitzers ab, mit dem Pferd zu arbeiten und mit diesem umzu-
gehen. Ob sich seine Prognose auf die Zukunft als Turnier- oder als Reitpferd be-
zogen hat, hat der Zeuge auch auf wiederholtes Nachfragen nicht klar beantwor-
tet. Auf die konkrete Frage, ob "F._" aufgrund der erlittenen Verletzungen
zwingend habe euthanasiert werden müssen, sagte der Zeuge, "wenn es nur um
das Leben des Pferdes gehe, nein; es komme auch noch darauf an, ob man das
Pferd als Reitpferd nutzen wolle; es sei der Entscheid der Besitzer (Urk. 18/11 S.
6 f.; S. 9 ff.). Bei den Akten ist ferner eine Röntgenbeurteilung des Tierarztes Dr.
P._, Pferdeklinik Q._ AG, wonach "Pferde mit einer derartigen Verlet-
zung (gemeint: vergleichbar derjenigen "F._s") nach mindestens drei Mona-
ten Ruhe ohne operativen Eingriff wieder normal einsetzbar sind" (Anhang zu Urk.
5/13, E-mail vom 26. Mai 2012). Gleichentags schrieb Dr. K._ (nachdem er
das Pferd nach seiner einmaligen Visite nach dem Vorfall vom 18. März 2012 am
- 35 -
21. März 2012, also nur drei Tage nach dem Unfall, nicht mehr gesehen hatte und
ausgehend von einem klar falschen Sachverhalt), der Ausgang des chirurgischen
wie konservativen Vorgehens der Widerristfraktur sei ungewiss, dazu komme der
erhaltene psychische Schaden und die permanente fehlende Kooperation zum
Menschen (Anhang zu Urk. 5/13, E-mail vom 29. Mai 2012). In ihrem Mail vom
10. Mai 2012 schreibt die Familie der Privatklägerinnen, die vorsichtige Prognose
gemäss Dr. L._ bedeute hohe Kosten und relativ grosse Chancen auf Miss-
erfolg (Urk. 5/10). Mit Mail vom 31. Mai 2012 schrieb die Familie der Privatkläge-
rinnen, das Pferd sei in einem sehr schlechten Zustand und sollte erlöst werden;
man prüfe eine Strafanzeige, um den Druck auf die Beschuldigten 1 und 2 betref-
fend Schadenersatz zu erhöhen (Urk. 5/11). Gemäss weiterem Mailverkehr vom
31. Mai 2012 und vom 3. Juni 2012 (Urk. 5/11 und 5/12) war die Euthanasie von
"F._" zu diesem Zeitpunkt de facto eine beschlossene Sache. Die Familie
DE._ hatte offenbar auch bereits ein Ersatzpferd erstanden (vgl. Urk. 5/12).
Einerseits fällt auf, dass der Gutachter und sämtliche weiteren Experten zur Be-
handlung der Rückenverletzungen von "F._" grundsätzlich eine durchaus gu-
te Prognose stellen hinsichtlich einer Wiederverwendung als Reitpferd (nicht als
Turnier-Spring-Pferd), mit Ausnahme von Dr. L._, jenes Arztes, der
"F._" euthanasiert und seine Genesungsprognose nachträglich von "vorsich-
tig" auf "ungünstig" verschlechtert hat. M._, bei welcher sich "F._" ab
19. April 2012 bis zu seiner Tötung aufgehalten hat, versorgte diesen täglich, führ-
te sogar mehrere Verladetrainings durch und stellte dem Pferd in keiner Weise ein
rundweg schlechtes Verhaltenszeugnis aus (vgl. dazu die Videoaufzeichnung in
Urk. 20/6). Die Zeugin sagte hingegen deutlich aus, die Privatklägerinnen seien in
diesen zehn Wochen lediglich zwei mal zu "F._" gekommen. Es sei immer
ein hin und her gewesen, was mit dem Pferd passieren solle; gearbeitet sei mit
ihm nicht worden. Das Pferd habe ihr leid getan. Sie habe gehofft, dass sich die
DE._s etwas mehr um ihr Pferd kümmern würden (Urk. 18/18 S. 12).
Es ist in den einschlägigen Kreisen bekannt, dass heute von Spezialisten diverse
Programme angeboten werden, um Pferde mit Verhaltensauffälligkeiten korrigie-
rend zu trainieren (z.B. nach den Methoden von Monty Roberts oder Pat Parelli).
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Fraglos ist dies mit finanziellem und nicht geringem zeitlichen Aufwand verbun-
den, ohne dass bei Beginn eine Erfolgsgarantie bestünde. Vorliegend ist aber
Fakt, dass "F._" ein Pferd mit einer Unfallverletzung war, welche gemäss
überwiegender Spezialisten-Meinung dahingehend behandelbar ist, dass er als
Freizeit/Reitpferd mit speziellem Sattel hätte weiterverwendet werden können. Ei-
ne fachmännische Korrektur seiner insbesondere das Verladen betreffenden Ver-
haltensauffälligkeit haben die Privatklägerinnen nicht einmal im Ansatz versucht.
Man hat es vorgezogen, sich seiner umgehend zu entledigen und sich einen den
hohen sportlichen Ambitionen genügenden Ersatz zu beschaffen. Das Pferd
"F._" erhielt schlicht nie eine Chance, sich soweit als möglich zu regenerie-
ren und mit einem anderen als dem angestammten Verwendungszweck (Freizeit-
pferd statt Turnierpferd) bei anderen Haltern weiterzuleben.
Die behauptete Notwendigkeit, "F._" dermassen kurz nach dem Unfall vom
18. März 2012 und ohne jegliche medizinische und verhaltenstechnische Thera-
piebemühungen zu euthanasieren, ist gestützt auf die vorliegenden Strafakten in
keiner Weise ersichtlich. Wenn man das Mitte April 2012 aufgezeichnete Video
visioniert (Urk. 20/6), ist auch nicht nachvollziehbar, wie nur rund einen Monat
später davon gesprochen wurde, das Pferd müsse "erlöst" werden. Vor diesem
Hintergrund kann den Beschuldigten fraglos keine Verantwortung an der Tötung
des Pferdes "F._" unterstellt werden.
III. Zivilansprüche
Bei diesem Prozessausgang ist die Zivilklage der Privatklägerinnen auf den Zivil-
weg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
1.1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenfestsetzung zu bestätigen.
- 37 -
1.2. Die Kosten der Untersuchung und des Hauptverfahrens sind auf die Ge-
richtskasse zu nehmen (Art. 426 StPO). Den Privatklägerinnen könnten zwar die
Verfahrenskosten soweit auferlegt werden, als diese durch die Anträge zum Zivil-
punkt verursacht wurden (Art. 427 Abs. 1 StPO), der entsprechende Aufwand ist
allerdings zu vernachlässigen.
1.3. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird
das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Entschädigung ihrer
Aufwendungen für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte (Art. 429
Abs. 1 lit. a StPO). Die Beschuldigten A._ und B._ wurde bereits in der
Untersuchung wie auch in beiden Gerichtsverfahren erbeten anwaltlich verteidigt.
Die Verteidigerin Rechtsanwältin lic. iur. X._ bezifferte ihre Aufwendungen für
die Untersuchung und das erstinstanzliche Verfahren auf insgesamt Fr. 24'414.10
(Urk. 186). Die geltend gemachten Aufwendungen sind ausgewiesen, weshalb
den Beschuldigten 1 und 2 für die Untersuchung und das erstinstanzliche Verfah-
ren eine Prozessentschädigung von insgesamt Fr. 24'4141.10 aus der Gerichts-
kasse zuzusprechen ist.
1.4. In Abänderung des vorinstanzlichen Entscheides werden die Beschuldigten
1-3 ausgangsgemäss zu keiner Prozessentschädigung an die Privatklägerinnen 1
und 2 für die Untersuchung und das Hauptverfahren verpflichtet (Art. 433
Abs. 1 lit. a StPO).
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 4'000.– fest-
zusetzen.
2.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind zur Hälfte den Privatklägerinnen
1 und 2 (je solidarisch) aufzuerlegen und in der verbleibenden Hälfte auf die
Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2.3. Für das Berufungsverfahren bezifferte die Verteidigern Rechtsanwältin
lic. iur. X._ ihre Aufwendungen mit Honorarnote vom 30. Mai 2016 auf
Fr. 11'698.00, wobei diese allerdings einen Rechnungsfehler enthält (Urk. 180).
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Weil auch die für das Berufungsverfahren geltend gemachten Aufwendungen
ausgewiesen sind, ist den Beschuldigten 1 und 2 für das Berufungsverfahren eine
Prozessentschädigung von insgesamt Fr. 10'924.30 zuzusprechen. Der Aufwand
betreffend die Anträge der Privatklägerinnen zum Zivilpunkt sind wiederum zu
vernachlässigen (Art. 436 mit Verweis auf 432 Abs. 1 StPO). Die Prozessent-
schädigung der Beschuldigten 1 und 2 ist daher vollumfänglich aus der Gerichts-
kasse zu entrichten (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO).