Decision ID: d1cbc412-8d17-4413-9020-c44c7e47febf
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
K._, geb. 1981, stammt aus Nordmazedonien. Am 17. August 2012 reiste sie in die
Schweiz ein und heiratete am 11. September 2012 ihren Landsmann M._, geb. 1983.
Im Rahmen des Familiennachzugs zu ihrem seit längerem in der Schweiz
niedergelassenen Ehemann M._ erhielt K._ am 29. November 2012 eine
Aufenthaltsbewilligung und am 28. Oktober 2019 die Niederlassungsbewilligung. Im
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Januar 2018 kam der gemeinsame Sohn C._ zur Welt. Im Haushalt leben zudem die
beiden Söhne von M._ aus erster Ehe D._, geb. 2004, und E._, geb. 2008.
B.
Am 26. Januar 2021 ersuchte K._ um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im
Familiennachzug für ihre zwei in Nordmazedonien lebenden Töchter aus erster Ehe
A._, geb. 2006, und B._, geb. 2008. Das Migrationsamt wies das Gesuch am 9. Juli
2021 ab, im Wesentlichen mit der Begründung, die fünfjährige Nachzugsfrist sei am
29. November 2017 abgelaufen. Ein wichtiger Grund für einen Nachzug ausserhalb der
gesetzlichen Fristen sei nicht zu erkennen. Das Sicherheits- und Justizdepartement
wies den von K._, M._ sowie A._ und B._ dagegen erhobenen Rekurs am 22. April
2022 ab.
C.
K._, M._ sowie A._ und B._ (Beschwerdeführer 1 - 4) erhoben gegen den ihnen am
25. April 2022 zugestellten Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements
(Vorinstanz) durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom 9. Mai 2022 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei
der angefochtene Entscheid aufzuheben und das Familiennachzugsgesuch für A._
und B._ gutzuheissen. Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 20. Juni 2022
auf die Erwägungen in ihrem Entscheid und beantragte, die Beschwerde sei
abzuweisen. Mit Schreiben vom 8. Juli 2022 reichten die Beschwerdeführer neue
Dokumente ein, welche der Vorinstanz zur Kenntnis gebracht wurden.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführer zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit wesentlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressaten des
angefochtenen Entscheids sind die im Rekursverfahren unterlegenen
Beschwerdeführer 1 – 4 zur Ergreifung der Beschwerde grundsätzlich berechtigt
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). In Bezug auf den Rekurs und die
Beschwerde des Beschwerdeführers 2 ist allerdings anzumerken, dass dieser als
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Stiefvater der Beschwerdeführerinnen 3 und 4 nicht zur Ergreifung von Rechtsmitteln
befugt ist, weshalb auf seine Beschwerde nicht einzutreten ist. Die
Beschwerdeführerinnen 3 und 4 ihrerseits werden sodann gesetzlich von ihrer Mutter
vertreten, weshalb auf die separate Beschwerde (der beiden minderjährigen Kinder)
ebenfalls nicht einzutreten ist. Im Folgenden ist daher nur auf die Beschwerde der
Beschwerdeführerin 1 (nachfolgend: Beschwerdeführerin) einzutreten. Dies stimmt
auch mit dem ursprünglich (nur von ihr) eingereichten Gesuch um Familiennachzug (für
die beiden Kinder) überein. Die Beschwerde gegen den am 22. April 2022 versandten
Entscheid der Vorinstanz wurde mit Eingabe vom 9. Mai 2022 rechtzeitig erhoben und
erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 VRP sowie Art. 145 Abs. 1 Ingress
und lit. b der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO, und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP).
2.
Die Beschwerdeführerin beantragt vorweg, A._ und B._ seien zum angestrebten
Familiennachzug anzuhören. Die Vorinstanz und das Migrationsamt hätten auf eine
solche Anhörung zu Unrecht verzichtet.
Die von Art. 12 des UNO-Übereinkommens über die Rechte des Kindes (SR 0.107,
UNO-KRK) und etwas weniger weitgehend von Art. 47 Abs. 4 Satz 2 des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (SR
142.20, AIG) und Art. 73 Abs. 3 Satz 2 und 3 der Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) vorgesehene persönliche
Anhörung der Kinder kann unterbleiben, wenn die Kinder durch ihre Eltern vertreten
werden, beider Interessen gleichläufig sind und der rechtserhebliche Sachverhalt auch
ohne diese Anhörung rechtsgenüglich festgestellt werden kann (BGE 147 I 149 E. 3.2
mit Hinweisen).
2.1.
Die Beschwerdeführerin vertritt ihre beiden minderjährigen Töchter, deren Interessen
gleichläufig sind. Im eigenen wie auch in deren Namen beantragt sie eine
Aufenthaltsbewilligung für diese. Als deren Vertreterin hatte sie im bisherigen Verfahren
Gelegenheit, die Situation ihrer Kinder, insbesondere hinsichtlich der Betreuung in
Nordmazedonien, der Beziehung zu ihnen sowie der Integrationsfähigkeit in der
Schweiz umfassend darzulegen. Welche weiteren, für den Entscheid relevanten
Ausführungen nur in einer Anhörung noch hätten ermittelt werden können und müssen,
ist nicht ersichtlich. Damit ist von einer persönlichen Anhörung von A._ und B._ durch
2.2.
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3.
Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, der Sachverhalt sei nicht
richtig festgestellt bzw. unvollständig festgestellt worden. Wichtige familiäre Gründe für
einen nachträglichen Familiennachzug lägen vor. Die bis anhin betreuenden
Grosseltern väterlicherseits in Nordmazedonien seien krankheitsbedingt nicht mehr in
der Lage, A._ und B._ zu betreuen. Eine mögliche oder zumutbare Unterstützung
durch andere Verwandte in der Heimat bestehe nicht. Den Grosseltern mütterlicherseits
sei es sowohl altersbedingt als auch finanziell nicht möglich, die zwei Kinder zu
betreuen. Bei ihnen würden bereits ein Sohn sowie dessen zwei Kinder, wovon eines
an Epilepsie erkrankt, wohnen. Zudem bestehe zu diesen Grosseltern auch kein enges
Verhältnis. Dazu seien A._ und B._ zu befragen. Auch P._, die Schwester der
Beschwerdeführerin, die verheiratet sei, zwei eigene Kinder habe und zusätzlich ihre
Schwiegermutter beherberge, komme als Betreuungsperson nicht in Frage.
Desgleichen S._, die Schwester des verstorbenen Vaters. Inwiefern diese Verwandten
rechtlich verpflichtet sein sollten, gegen ihren Willen die Betreuung von A._ und B._
zu übernehmen, sei nicht ersichtlich. Damit fehlten im Herkunftsland alternative
Betreuungsmöglichkeiten für die beiden Kinder. Die dortige Betreuungssituation habe
sich dergestalt verändert, dass ein nachträglicher Familiennachzug gerechtfertigt sei.
Die Beschwerdeführerin habe sich während noch laufender Nachzugsfrist beim
Migrationsamt erkundigt. Ihr sei beschieden worden, die allgemeinen
Zulassungsvoraussetzungen seien nicht erfüllt und ein entsprechendes Gesuch
aussichtslos. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz sei die Beschwerdeführerin
an einem Nachzug ihrer beiden Töchter bereits früher interessiert gewesen. Da die
Grosseltern, bei denen A._ und B._ bisher wohnten, die Betreuung nun nicht mehr
übernehmen könnten, könne deren Kindeswohl nur durch den Nachzug in die Schweiz
gewahrt werden. Der Ehemann der Beschwerdeführerin gehöre der zweiten Generation
an, weshalb davon auszugehen sei, dass die Integration von A._ und B._ sich leichter
gestalten dürfte, insbesondere für die jüngere der beiden Schwestern. Das Interesse
der beiden Kinder, künftig bei ihrer Mutter, dem einzig noch verbleibenden Elternteil, zu
leben, sei stärker zu gewichten als die mit einem Nachzug möglicherweise
verbundenen Nachteile.
das Verwaltungsgericht abzusehen. Aus dem gleichen Grund durften die Vorinstanz
und das Migrationsamt auf eine mündliche Anhörung verzichten. Eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt nicht vor.
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4.
Ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von Personen mit
Aufenthaltsbewilligung bzw. Niederlassungsbewilligung haben Anspruch auf Erteilung
und Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung, sofern sie die in lit. a bis e aufgezählten
Voraussetzungen erfüllen (Art. 43 Abs. 1 und Art. 44 Abs. 1 AIG). Der Anspruch auf
Familiennachzug muss innerhalb von fünf Jahren geltend gemacht werden. Kinder über
zwölf Jahre müssen innerhalb von zwölf Monaten nachgezogen werden (Art. 47 Abs. 1
AIG). Ein nachträglicher Familiennachzug wird gemäss Art. 47 Abs. 4 AIG nur bewilligt,
wenn wichtige familiäre Gründe geltend gemacht werden. Die Bestimmung ist so zu
handhaben, dass der Anspruch auf Schutz des Familienlebens nach Art. 8 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(SR 0.101, EMRK; BGer 2C_979/2019 vom 7. Mai 2020 E. 4.2) nicht verletzt wird.
Wurde die Frist, die eine Zusammenführung der Familie ermöglicht hätte, versäumt,
reicht das blosse Interesse am gemeinsamen Leben nicht aus. Ein nachträglicher
Familiennachzug, d.h. ein solcher ausserhalb der Nachzugsfristen zu einem der
Elternteile, wird nur bewilligt, wenn wichtige familiäre Gründe hierfür sprechen (Art. 47
Abs. 4 AIG; BGer 2C_29/2014 vom 10. November 2014 E. 3.3 mit Hinweisen, siehe
auch T. Hugi Yar, Von Trennungen, Härtefällen und Delikten – Ausländerrechtliches
rund um die Ehe- und Familiengemeinschaft, in: Achermann/Amarelle/Caroni/Epiney/
Kälin/Uebersax, Jahrbuch für Migrationsrecht 2012/2013, S. 129). Die
Beschwerdeführerin macht vor Verwaltungsgericht zu Recht nicht geltend, der
Nachzug ihrer Kinder erfolge fristgerecht. Ausschliesslich zu prüfen ist daher, ob die
Vorinstanz die Tragweite von Art. 47 Abs. 4 AIG verkannt bzw. diese Bestimmung
konventions- oder verfassungswidrig angewandt hat.
4.1.
Sinn und Zweck der Fristenregelung von Art. 47 in Verbindung mit Art. 42 ff. AIG ist es,
die Integration der Kinder zu erleichtern. Durch einen frühzeitigen Nachzug sollen diese
unter anderem eine möglichst umfassende Schulbildung in der Schweiz geniessen. Die
Regelung des Familiennachzugs ist eine Kompromisslösung zwischen den konträren
Anliegen, einerseits das Familienleben zu gestatten und andererseits die Einwanderung
zu begrenzen. Den Fristen in Art. 47 AIG kommt somit auch die Funktion zu, den Zuzug
von ausländischen Personen zu steuern. Hierbei handelt es sich praxisgemäss um ein
legitimes staatliches Interesse, um im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK das Recht auf
Familienleben beschränken zu können (BGer 2C_1011/2019 vom 21. April 2020 E.
3.3.4, BGE 137 I 284 E. 2.1). Die EMRK verschafft praxisgemäss keinen
4.2.
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vorbehaltslosen Anspruch auf Einreise und Aufenthalt; soweit ein solcher besteht, gilt
er zudem nicht absolut: Liegt eine aufenthaltsbeendende oder -verweigernde
Massnahme im Schutz- und Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, erweist sich eine
solche dennoch als zulässig, falls sie – wie hier – gesetzlich vorgesehen ist (Art. 47
AIG), einem legitimen Zweck dient und in einer "demokratischen Gesellschaft als
notwendig" erscheint. Art. 8 EMRK hindert die Konventionsstaaten nicht daran, die
Anwesenheit auf ihrem Staatsgebiet zu regeln und den Aufenthalt ausländischer
Personen unter Beachtung der Interessen des Familien- und Privatlebens
gegebenenfalls auch wieder zu beenden (vgl. BGer 2C_132/2016 vom 7. Juli 2016
E. 2.2 mit zahlreichen Hinweisen).
Wichtige Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG liegen vor, wenn das Kindeswohl nur
durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden kann (vgl. Art. 75 VZAE). Bei der
notwendigen Gesamtbetrachtung ist indes zu berücksichtigen, dass eine Bewilligung
des Nachzugs nach Ablauf der Fristen dem Willen des Gesetzgebers zufolge die
Ausnahme und nicht die Regel bilden soll (BGer 2C_73/2016 vom 26. September 2016
E. 2.2.2 und 2C_515/2015 vom 10. Februar 2016 E. 2.1, je mit Hinweisen). Ein solcher
Nachzug kommt deshalb nicht in Betracht, wenn die Einhaltung von Fristen, welche die
Zusammenführung der Gesamtfamilie ermöglicht hätten, versäumt wird und keine
gewichtigen Gründe geltend gemacht werden, um erst später einen derartigen
Nachzug zu beantragen. Trotz seines Ausnahmecharakters ist Art. 47 Abs. 4 AIG so zu
handhaben, dass der Anspruch auf Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK bzw.
Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
nicht verletzt wird (BGer 2C_809/2016 vom 6. März 2017 E. 3.3.1 mit Hinweisen).
Ein wichtiger Grund liegt insbesondere dann vor, wenn die weiterhin notwendige
Betreuung der Kinder im Herkunftsland beispielsweise wegen des Todes oder der
Krankheit der betreuenden Person nicht mehr gewährleistet ist (vgl. M. Spescha, in:
Spescha/Zünd/Bolzli/ Hruschka/De Weck [Hrsg.], Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 13
zu Art. 47 AIG). An den Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland
sind umso höhere Anforderungen zu stellen, je älter das nachzuziehende Kind ist und je
grösser die Integrationsschwierigkeiten erscheinen, die ihm hier drohen. Es obliegt im
Rahmen ihrer Mitwirkungspflichten der nachzugswilligen Person, die entsprechenden
Umstände nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen (BGer 2C_555/2019 vom
12. November 2019 E. 6.1). Allerdings geht es inhaltlich nicht darum, dass alternative
Betreuungsmöglichkeiten im Heimatland überhaupt fehlen; d.h. es ist nach der
Rechtsprechung mit Art. 8 EMRK nicht vereinbar, einen Familiennachzug erst dann
4.3.
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5.
zuzulassen, wenn keine einzige andere Alternative zur Betreuung des Kindes in seinem
Heimatland zur Verfügung steht. Eine solche Alternative muss aber dann ernsthaft in
Betracht gezogen und sorgfältig geprüft werden, wenn das Kind bereits älter ist, sich
seine Integration schwieriger gestalten dürfte und die zum in der Schweiz lebenden
Elternteil aufgenommene Beziehung nicht allzu eng erscheint (BGer 2C_767/2015 vom
19. Februar 2016 E. 5.1.2 mit Hinweisen). Erforderlich ist, dass das Kindswohl
schwergewichtig nur durch einen Nachzug in die Schweiz sachgerecht gewahrt werden
kann (BGer 2C_182/2016 vom 11. November 2016 E. 2.2 mit Hinweisen). Hat das Kind
nur noch einen Elternteil, kann in der Regel nicht angenommen werden, dass es in
seinem Interesse liegt, von diesem Elternteil getrennt zu leben; ferner ist eine gewisse
kulturelle und soziale Entwurzelung jeder familiären Umgliederung immanent und kann
nicht a priori gegen den Familiennachzug sprechen (BGer 2C_303/2014 vom
20. Februar 2015 E. 6.1 mit Hinweisen).
Eine Übersiedlung in ein anderes Land stellt vor allem für Kinder bzw. Jugendliche, die
bereits 13 Jahre alt sind (vgl. dazu Art. 47 Abs. 1 Satz 2 AIG), einen bedeutenden
Eingriff dar. Insbesondere dann, wenn sie die Sprache der Gegend, in welche sie
nachziehen sollen, nicht beherrschen, führt der Wechsel zu einer empfindlichen
Entwurzelung und ist – zumindest anfänglich – mit erheblichen Problemen verbunden.
Das Kindeswohl kann also auch für die Beibehaltung des bisherigen Zustandes
sprechen. Letztlich bedarf es einer Gesamtschau unter Berücksichtigung aller
relevanten Umstände des Einzelfalls (vgl. BGer 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011 E.
4.4 und 2C_781/2015 vom 1. April 2016 E. 4.2). Im Übrigen soll mit der Fristenregelung
unter anderem verhindert werden, dass Gesuche um den Nachzug von Kindern, die
nach dem Wegzug eines Elternteils jahrelang in der Heimat zurückgelassen werden,
rechtsmissbräuchlich erst kurz vor Erreichen des erwerbsfähigen Alters gestellt
werden. Denn in diesen Fällen steht laut Botschaft oft die erleichterte Zulassung zur
Erwerbstätigkeit im Vordergrund, ohne dass eine echte Familiengemeinschaft
angestrebt wird (BBl 2002 3754 Ziff. 1.3.7.7; BGer 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015
E. 6.7.3 und 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011 E. 4.2).
Die Beschwerdeführerin reiste am 17. August 2012 in die Schweiz ein und heiratete am
11. September 2012 ihren heutigen Ehemann. Ihre beiden Töchter A._ und B._,
damals knapp vier und sechs Jahre alt, verblieben in Nordmazedonien und lebten
fortan bei den Grosseltern väterlicherseits. Der Vater der Kinder war bereits am
5.1.
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16. September 2009 verstorben. Dass die fünfjährige Nachzugsfrist abgelaufen ist, wird
von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. Die Frist begann mit Erteilung von deren
Aufenthaltsbewilligung am 29. November 2012 zu laufen und endete somit am
28. November 2017. A._ ist heute 161⁄2 Jahre und B._ bald 14 Jahre alt (vgl. zur
Berücksichtigung der Umstände bis zum jeweiligen Entscheidzeitpunkt BGer
2C_146/2017 vom 25. Januar 2018 E. 4.4 sowie 2C_73/2016 vom 26. September 2016
E. 3.4, je mit Hinweisen). Beide leben seit ihrer Geburt in Nordmazedonien und
besuchen oder besuchten dort die Schule. In welcher Ausbildung bzw. Schule sich die
Mädchen derzeit befinden und was für ihre berufliche Zukunft geplant ist, hat die
Beschwerdeführerin nicht dargetan. Aus den aktenkundigen Lebensläufen geht
lediglich hervor, dass A._ seit 2012 und B._ seit 2014 die Schule besuchen oder
besuchten (Migrationsakten [MA] 137 f.). Der Abbruch einer in Nordmazedonien
begonnenen Berufsausbildung stünde jedenfalls nicht im Interesse von A._. In der
Schweiz stünde sie am Ende der obligatorischen Schulzeit und würde nicht mehr
eingeschult. B._ würde demgegenüber noch für ein oder zwei Jahre eingeschult. Weil
die beiden Kinder nie in der Schweiz lebten, ist davon auszugehen, dass sie über
keinerlei Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen und bisher auch nicht begonnen
haben, sich diese Sprache anzueignen. Solches wird von der Beschwerdeführerin
jedenfalls nicht behauptet. Überhaupt fehlen jegliche Angaben dazu, ob sich die beiden
Mädchen zu Besuchszwecken auch schon in der Schweiz aufhielten und ob und wie
sie mit den hiesigen Lebensumständen vertraut sind. Unabhängig davon steht fest,
dass sie erhebliche Integrationsleistungen (Spracherwerb, Einschulung,
Lehrstellensuche, Aufnahmeprüfung ins Gymnasium o.ä.) erbringen müssten, um sich
in der Schweiz zu integrieren. Da sie ihr ganzes bisheriges Leben bei ihren Grosseltern
in Nordmazedonien verbracht und damit die Sozialisierung und Ausbildung dort
durchlaufen haben, ist unwahrscheinlich, dass ihnen diese Integrationsleistung ohne
Kenntnis der schweizerischen Gepflogenheiten gelingen würde, selbst mit
Unterstützung ihrer Mutter und ihres Stiefvaters. Demgegenüber eröffnen sich ihnen im
Heimatland aufgrund ihrer dort absolvierten Schulausbildungen mit Blick auf die
weitergehende Ausbildung resp. den Start ins Berufsleben bessere Perspektiven als in
der Schweiz. Bei dieser Sachlage wären die Integration von A._ und B._ in der
Schweiz – zumindest anfänglich – mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, zumal
sie sich in der Schweiz in einem neuen Familiengefüge mit dem Stiefvater, dem
Halbbruder und zwei Stiefbrüdern in einer 51⁄2-Zimmerwohnung einleben und
zurechtfinden müssten. Daran vermag nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführerin
und insbesondere ihr Ehemann sich in der Schweiz gut integriert haben. Mit Blick auf
Art. 44 Abs. 1 lit. b und c AIG würde sich nicht nur die Frage nach einer
bedarfsgerechten Wohnung, sondern auch jene nach der künftigen finanziellen
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Situation stellen. Fest steht auf jeden Fall, dass das vertraute Umfeld der Mädchen seit
langem der Haushalt ihrer Grosseltern väterlicherseits, T._ und Z._, in Montenegro
bildet, wo sie seit dem Wegzug der Mutter im Jahr 2012 in die Schweiz die letzten zehn
Jahre lebten.
Am 26. Januar 2021 ersuchte die Beschwerdeführerin erstmals um den Nachzug ihrer
beiden Töchter. Auf Aufforderung des Migrationsamts am 1. März 2021 reichte sie
weitere Unterlagen ein, darunter die Lebensläufe der Töchter und eine Liste von
Verwandten in Nordmazedonien (MA 168). Als das Migrationsamt ihr zum
voraussichtlich ablehnenden Entscheid das rechtliche Gehör gewährte, machte die
Beschwerdeführerin in der Stellungnahme ihres Rechtsvertreters vom 15. Juni 2021
erstmals geltend, die Grosseltern könnten die Betreuung von A._ und B._ aufgrund
des hohen Alters sowie aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen nicht mehr
gewährleisten (MA 216 ff.).
Krankheit der bis anhin betreuenden Personen kann einen wichtigen familiären Grund
für einen nachträglichen Familiennachzug im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG darstellen.
Aus mehreren ärztlichen Berichten geht hervor, dass die heute 63-jährige Grossmutter
Z._ an Schilddrüsenüberfunktion, Bluthochdruck und Polyarthritis leidet. Sie sei
aufgrund ihres "schweren Gesundheitszustands" nicht in der Lage, sich um die
Enkelkinder zu kümmern (Bericht der ärztlichen Untersuchung vom 24. März 2021, MA
208). Im Herbst 2020 wurde die Grossmutter wegen Brustkrebs operiert (MA 233).
Anschliessend erfolgte eine Bestrahlungsbehandlung (MA 237) und im Juli 2021 eine
Zytotherapie (MA 241). Der mittlerweile 65-jährige Grossvater U._, leidet an Diabetes
mellitus Typ 2 sowie einer Fettstoffwechselstörung; im Jahr 2020 erlitt er einen
Schlaganfall (MA 210 und 256). Er befinde sich in einem "mittelschweren
Gesundheitszustand" und könne sich nicht um die Enkelkinder kümmern (MA 210)
bzw. sei absolut nicht in der Lage, sich um diese zu kümmern (MA 258). Beide
Grosseltern befinden sich wegen der erwähnten Krankheiten in ärztlicher Behandlung
und erhalten die entsprechenden Medikamente und Therapien. Wie genau sich diese
gesundheitlichen Gebrechen auf ihr alltägliches Leben und insbesondere ihre
Betreuungsfähigkeit auswirken, geht weder aus den Arztberichten hervor noch macht
die Beschwerdeführerin nähere Angaben dazu. Trotz der gesundheitlichen
Beschwerden leben A._ und B._ bis heute bei den Grosseltern. Auffällig ist in diesem
Zusammenhang, dass die Beschwerdeführerin weder bei der Einreichung des
Nachzugsgesuchs noch bei der Nachreichung der eingeforderten Beilagen in
irgendeiner Weise darauf hinwies, dass die Grosseltern alters- und gesundheitsbedingt
5.2.
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die Betreuung der Kinder künftig nicht mehr übernehmen könnten, obschon die
Grosseltern offenbar bereits seit längerer Zeit behandlungsbedürftige Beschwerden
haben, datieren doch mehrere Arztberichte aus den Jahren 2019 und 2020. Vielmehr
beschränkte sich die Beschwerdeführerin gegenüber dem Migrationsamt, das ihr
zufolge Ablaufs der Nachzugsfrist mit Schreiben vom 4. Februar 2021 den Rückzug der
Gesuche nahelegte und sie für den Fall, dass sie am Gesuch festhalten wolle,
gleichzeitig aufforderte zu begründen, weshalb der Antrag erst jetzt gestellt werde (MA
133), in ihrer Eingabe vom 1. März 2021 auf den Einwand, sie habe keine Kenntnis von
der Nachzugsfrist gehabt, ansonsten sie das Gesuch so schnell als möglich gestellt
hätte (MA 168).
Hinzu kommt, dass A._ und B._ keine (intensiv betreuungsbedürftigen Klein)-Kinder
mehr sind. Mit über 16 und bald 14 Jahren befinden sie sich vielmehr an der Schwelle
zum Erwachsenenalter bzw. im Teenageralter. Das durch die Bezugspersonen im
Heimatland (noch) erbringbare Mass an Fürsorge und Beistand ist ins Verhältnis zu
setzen zu den aktuellen Betreuungsbedürfnissen der beiden Jugendlichen, welche sich
hinsichtlich Art und Intensität mit zunehmendem Alter und erhöhter Selbständigkeit
verringern. So ist durchaus denkbar, dass sich Grosseltern aufgrund altersbedingter
Gebrechlichkeit und schwindender Körperkräfte zwar ausser Stande sehen, die unter
anderem mit physischem Einsatz verbundenen Pflege-, Obhuts- und
Erziehungsfunktionen für ein Kleinkind wahrzunehmen, jedoch einem Adoleszenten den
zunehmend benötigten Beistand nach wie vor zu vermitteln in der Lage sind (vgl. BGer
2A.601/2003 vom 13. April 2004 E. 2.4.2). Sowohl A._ als auch B._ kann angesichts
ihres Alters zugemutet werden, einen Grossteil der Verrichtungen im Haushalt selber zu
übernehmen. Die Betreuungsaufgaben der Grosseltern sind bereits heute nicht mehr
zeitintensiv und werden künftig noch mehr abnehmen. Falls die Grossmutter und der
Grossvater – trotz zehnjährigen Zusammenlebens mit A._ und B._ – tatsächlich nicht
(mehr) bereit oder in der Lage sein sollten, ihre Enkelinnen zu betreuen, hat die
Beschwerdeführerin in Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht nicht aufgezeigt, welcher
notwendige Betreuungsbedarf heute tatsächlich besteht; ebenso wenig, in welcher
Ausbildung (Schule, Lehre) sie sich momentan befinden. Damit kann nicht untersucht
werden, ob den Kindern in Nordmazedonien alternative altersgerechte
Betreuungsmöglichkeiten – etwa an einer weitergehenden Schule oder einem
sonstigen Ausbildungsplatz – zur Verfügung stehen. Daran ändert nichts, dass es, wie
die Beschwerdeführerin grundsätzlich zu Recht einwendet, inhaltlich nicht darum geht,
dass alternative Betreuungsmöglichkeiten im Heimatland überhaupt fehlen resp. keine
einzige andere Alternative zur Betreuung der Jugendlichen im Heimatland zur
Verfügung steht (vgl. BGer 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015 E. 6.1) und es – indes
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innerhalb der Nachzugsfristen – in erster Linie den Eltern überlassen ist, über den
Aufenthaltsort ihrer Kinder zu befinden (vgl. BGE 137 I 284 E. 2.3.1 und BGE 136 II 78
E. 4.8 mit Hinweis auf BGE 136 II 65 E. 5.2). Von daher ist auch nicht näher auf die
Möglichkeit, A._ und B._ bei anderen in Nordmazedonien lebenden Verwandten
unterzubringen, einzugehen und sind auch keine entsprechenden Befragungen
durchzuführen. Berücksichtigt werden kann jedoch, dass, sollte es einmal einen
Engpass in der Betreuung geben, zur kurzfristigen Unterstützung zahlreiche,
Familienmitglieder im gleichen Ort leben und einspringen könnten.
In zwei eidesstattlichen Erklärungen vom 23. März 2021 und vom 6. August 2021 führte
der Grossvater aus, er sei finanziell und materiell nicht in der Lage, für A._ und B._ zu
sorgen (MA 212 und 243). Diesbezüglich ist allerdings davon auszugehen, dass in
erster Linie die Beschwerdeführerin für die finanziellen Belange ihrer Töchter aufkommt
oder aufzukommen hat, wozu sie im Übrigen auch gesetzlich verpflichtet ist. In der
Schweiz würden zudem deutlich höhere Lebenshaltungskosten anfallen. Die
Ausführungen in der Erklärung des Grossvaters vom 6. August 2021, wonach A._ und
B._ wütend geworden seien und nicht mehr bei den Grosseltern leben wollten,
erwecken sodann den Anschein, dass diese Darstellung zielgerichtet und im Hinblick
auf das Familiennachzugsverfahren angefertigt wurden. Allein der für sich genommen
nachvollziehbare Wunsch von A._ und B._, in die Schweiz zu ziehen und fortan bei
ihrer Mutter, ihrem Stiefvater, ihrem Halbbruder und den zwei Stiefbrüdern zu leben,
stellt zudem keinen wichtigen Grund für einen nachträglichen Familiennachzug im
Rechtssinn dar (vgl. BGE 2C_909/2019 vom 7. April 2020 E. 4.7). Einen wesentlichen
Teil der Betreuungsaufgaben kann die Beschwerdeführerin schliesslich auch von der
Schweiz aus wahrnehmen, indem sie ihre beiden Töchter nicht nur finanziell, sondern
auch moralisch durch regelmässige Telefonate oder Kontakte mit neuen Medien sowie
durch häufige (gegenseitige) Besuche unterstützt und ihnen bei Bedarf mit Rat und Tat
zur Seite steht. Eine Betreuung im Sinn von Überwachung steht in diesem Alter nicht
mehr im Vordergrund.
Unter diesen Umständen sind keine Gründe ersichtlich, weshalb das Kindeswohl von
A._ und B._ nur durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden könnte
(vgl. Art. 75 VZAE). Die behauptete fehlende Gewährleistung der weiterhin notwendigen
Betreuung in Nordmazedonien, für deren Nachweis angesichts des fortgeschrittenen
Alters der Jugendlichen erhöhte Anforderungen gelten, ist nicht hinreichend dargetan
(BGer 2C_555/2019 vom 12. November 2019 E. 6.3.1). Der Nachzug der beiden
Mädchen ist nicht die einzige Möglichkeit, ihr Kindeswohl zu wahren (BGer
2C_146/2017 vom 25. Januar 2018 E. 4.4). Gesamthaft betrachtet liegen keine
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Mit der Heirat hat sich die Beschwerdeführerin bewusst für ein Leben in der Schweiz
und für die damit einhergehenden familiären Konsequenzen entschieden, obschon sie
nach dem Ableben ihres damaligen Ehemannes und Vaters von A._ und B._ im Jahr
2009 der einzig noch verbliebene Elternteil war. Es hätten daher gewichtige Gründe
bestanden, die dafürgesprochen hätten, den Familiennachzug schnellstmöglich zu
beantragen. Die Beschwerdeführerin hat ihre beiden Töchter stattdessen während all
der Jahre bei den Eltern ihres verstorbenen Ehemanns gelassen und damit akzeptiert,
die entsprechenden familiären Beziehungen künftig nur besuchsweise und
eingeschränkt leben zu können. Vor diesem Hintergrund kann im Folgenden
grundsätzlich auch nicht von der gesetzlichen Vermutung ausgegangen werden, dass
bei einem Kind mit nur einem Elternteil in der Regel angenommen wird, dass es nicht
wichtigen familiären Gründe im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG für einen nachträglichen
Familiennachzug vor.
Im Weiteren führt die Verweigerung des Familiennachzugs auch nicht zu einem
unverhältnismässigen Eingriff in das Recht auf Familienleben gemäss Art. 8 EMRK und
Art. 13 Abs. 1 BV (siehe auch Art. 5 Abs. 2 BV und Art. 96 Abs. 1 AIG). Der
Beschwerdeführerin, die seit über zehn Jahren in der Schweiz, mittlerweile über die
Niederlassung verfügt und in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis steht, ist es zwar
nicht ohne Weiteres zumutbar, zusammen mit ihrem zweiten Ehemann, welcher sich
seit mehr als 25 Jahren in der Schweiz aufhält, dessen zwei Söhnen aus erster Ehe und
ihrem jüngsten vierjährigen Sohn in ihr Heimatland zurückzukehren (vgl. hierzu BGE
135 I 153 E. 2.1 mit Hinweisen). Dass zwischen A._ und B._ und der
Beschwerdeführerin eine intensiv gelebte, enge Beziehung besteht, ist jedoch nicht
näher belegt. Dazu bestehen weder konkrete Parteibehauptungen noch wurden
irgendwelche Beweismittel eingereicht, die typischerweise geeignet sind, den
gemeinsamen Kontakt im Rahmen einer Fernbeziehung nachzuweisen (z.B. Fotos,
ausgetauschte SMS-Nachrichten oder Ähnliches). Aufgrund der im Ausländerrecht
geltenden Mitwirkungspflicht nach Art. 90 AIG, wäre es an der rechtlich bereits
frühzeitig vertretenen Beschwerdeführerin gewesen, entsprechende konkrete Angaben
zu machen und Nachweise vorzubringen bzw. den Antrag auf Anhörung von A._ und
B._ hinreichend zu substantiieren (BGer 2C_909/2019 vom 7. April 2020 E. 3.4.3), da
die Behörden in diesem Punkt nicht oder jedenfalls nicht mit vernünftigem Aufwand in
der Lage sind, die relevanten Sachumstände zu erheben (vgl. BGer 2C_909/2019 vom
7. April 2020 E. 4.6.9).
5.3.
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im Kindesinteresse liegt, von diesem Elternteil getrennt zu leben (vgl.
BGer 2C_909/2019 vom 7. April 2020 E. 4.6.2). Dies zeigt sich auch daran, dass sich
die Beschwerdeführerin während all der Jahre nicht um deren Nachzug bemüht hat,
obwohl die Kinder über einen entsprechenden Rechtsanspruch verfügt hätten. Es trifft
zwar zu, dass ihr ganz zu Beginn ihres Aufenthalts in der Schweiz im Dezember 2012
beschieden wurde, aufgrund der "momentanen finanziellen Situation" würde ein
Gesuch um Nachzug von A._ und B._ nicht gutgeheissen werden (MA 18). Damals
ging die Beschwerdeführerin allerdings noch keiner Erwerbstätigkeit nach, weshalb ihr
eigener Familiennachzug zum Ehemann nur unter Bedingungen bewilligt werden
konnte. Zudem sind die Migrationsbehörden nicht verpflichtet, ausländische Personen
über sämtliche sie betreffenden Fristen aktiv zu informieren (vgl. BGer 2C_303/2014
vom 20. Februar 2015 E. 6.6.2). Die Beschwerdeführerin macht zurecht nicht geltend,
sie sei durch eine falsche behördliche Auskunft oder die Unterlassung einer im
Einzelfall gebotenen Auskunft irregeführt worden. Solche Umstände sind auch nicht zu
erkennen. Nachdem sich die Einkommenslage der Familie in den vergangenen Jahren
schon bald kontinuierlich verbessert hatte – und zwar entgegen der Behauptung der
Beschwerdeführerin nicht erst nach Ablauf der Nachzugsfrist –, hätte diese ohne
Weiteres noch innerhalb der Nachzugsfrist einen Antrag auf Familiennachzug ihrer
Töchter stellen können und müssen, was insbesondere für deren (schulische)
Integration und künftige berufliche Perspektive in die Schweiz wichtig gewesen wäre.
Aus welchen Gründen auch immer, verzichtete sie in jener Zeit jedoch darauf. Wenn
aber eine Familie freiwillig jahrelang getrennt gelebt hat, dokumentiert sie damit, dass
ihr an einem gemeinsamen Familienleben nicht sehr viel liegt, sodass das Interesse an
der Einwanderungsbeschränkung sowie das Ziel einer möglichst frühzeitigen
Integration überwiegt, solange nicht wichtige familiäre Gründe etwas Anderes
nahelegen. Solche wichtigen familiären Gründe sind im vorliegenden Fall jedoch, wie
bereits dargelegt (E. 5.2. hiervor), nicht gegeben.
Vor diesem Hintergrund ist es verfassungsrechtlich zumutbar und läuft auch dem
Kindeswohl nicht zuwider, wenn der Beschwerdeführerin und ihren Töchtern weiterhin
ein getrenntes Leben zugemutet wird. Die Verweigerung des Familiennachzugs
verstösst auch gegen keine Bestimmungen der Kinderrechtskonvention. Diese vermag
praxisgemäss keine über die Garantien von Art. 8 EMRK hinausgehenden,
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eigenständigen Rechtsansprüche zu begründen (BGE 143 I 21 E. 5.5.2). Nachdem der
angefochtene Entscheid das Recht auf Achtung des Familienlebens (Art. 8 EMRK) nicht
verletzt, wurde somit auch den durch die Kinderrechtskonvention geschützten
Kinderinteressen hinreichend Rechnung getragen.
6.
Zusammenfassend können der Vorinstanz keine falsche oder unvollständige
Feststellung des Sachverhalts oder sonstige Rechtsfehler vorgeworfen werden, wenn
sie weder die Betreuungssituation von A._ und B._ noch das allgemeine Kindeswohl
als wichtige familiäre Gründe nach Art. 47 Abs. 4 AIG betrachtete und das öffentliche
Interesse an der Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung schwerer gewichtete als die
privaten Interessen an einer partiellen Familienzusammenführung in der Schweiz. Es ist
der Beschwerdeführerin und ihren Töchtern unter den gegebenen Umständen
zumutbar, ihre familiären Beziehungen im bisherigen Rahmen weiter zu pflegen. Die
Beschwerde ist folglich abzuweisen.
7.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Ausgang nicht zuzusprechen (vgl. Art. 98
VRP).