Decision ID: 22e65179-8b65-4218-a67e-cff6f24cb515
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Rahmen der Früherfassung am 2. April 2012 bzw. am 23.
April 2012 bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (IV-act. 1, 6). Sie hatte im Oktober
2011 die Diagnose Multiple Sklerose (MS) erhalten und arbeitete als Sachbearbeiterin
in einem bis Ende 2012 befristeten Arbeitsverhältnis (IV-act. 6). Anlässlich des
Telefonats zwischen der RAD-Ärztin Dr. med. B._ und dem Hausarzt der
Versicherten, Dr. med. C._, vom 2. Juli 2012, schätzte jener die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten infolge der MS grundsätzlich auf 50%. Seit 18. Juni 2012 sei sie jedoch
aus psychiatrischer Sicht wegen Mobbing am Arbeitsplatz zu 100% arbeitsunfähig (IV-
act. 22, 29).
A.b Im September 2012 vereinbarte die Versicherte mit der IV-Stelle zur Beurteilung
der Leistungsfähigkeit und Arbeitserprobung auf dem 1. Arbeitsmarkt einen
Arbeitsversuch vom 1. Oktober 2012 bis 31. März 2013 mit einem anfänglichen
Pensum von 50% (IV-act. 31).
A.c Mit Mitteilungen vom 9. Oktober 2012 sprach die IV-Stelle der Versicherten
Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Job-Coachings, Arbeitsvermittlung und
die Möglichkeit eines Arbeitsversuchs in einem Einsatzbetrieb zu (IV-act. 36ff.).
A.d Am 13. November 2012 stellte die Versicherte Antrag auf Hilflosenentschädigung,
da sie seit Oktober 2012 auf Hilfe im Haushalt (u.a. Staub saugen, bügeln, kochen...)
und beim Einkauf (den Einkauf nach Hause befördern) angewiesen sei (IV-act. 43). Mit
Formular vom 8. Januar 2013 beantragte sie zudem Hilfsmittel am Arbeitsplatz (IV-act.
49).
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A.e Die IV-Stelle teilte ihr mit Schreiben vom 11. Februar 2013 mit, dass sie die Kosten
für ein Computerprogramm mit Diktierfunktion im Rahmen der
Frühinterventionsmassnahmen zur Anpassung des Arbeitsplatzes übernehme (IV-act.
62).
A.f Mit Vorbescheid vom 4. Februar 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten eine
Abweisung des Antrags auf Hilflosenentschädigung in Aussicht. Sie führte aus, dass
ein Anspruch erst entstehe, wenn die Hilflosigkeit während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch in mindestens leichtem Grad bestanden habe und weiterhin
andauere. Da sie gemäss den Unterlagen seit Oktober 2012 auf Dritthilfe angewiesen
sei, werde das Leistungsbegehren abgewiesen. Nach Ablauf des Wartejahres könne
das Gesuch aber erneut eingereicht werden (IV-act. 58). Gegen diesen Vorbescheid
erhob die Versicherte mit Schreiben vom 2. März 2013 Einwand mit der Begründung,
dass sie bereits seit Oktober 2011 auf Dritthilfe im Haushalt angewiesen sei (IV-act. 64).
Mit Schreiben vom 8. März 2013 bestätigte auch Dr. C._ eine bestehende
Hilfsbedürftigkeit seit Oktober 2011 (IV-act. 65).
A.g Nachdem während des Arbeitsversuchs eine Erhöhung des Arbeitspensums auf
über 50% wegen sinkender Konzentrationsfähigkeit und erhöhter Müdigkeit gescheitert
war, erhielt die Versicherte vom Einsatzbetrieb ab 1. April 2013 eine unbefristete
Anstellung als Assistentin der Geschäftsleitung im Rahmen von 50% (act. G 68, 69-4).
A.h Am 25. Juni 2013 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Begehrens um
Hilflosenentschädigung. Die nochmalige Prüfung des Begehrens habe ergeben, dass
die Versicherte die Hilfe im Haushalt selbständig organisieren und delegieren könne.
Somit bestehe kein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung im Rahmen einer
lebenspraktischen Begleitung. Zudem sei sie zurzeit bei sämtlichen massgebenden
Lebensverrichtungen mehrheitlich selbständig (IV-act. 74).
A.i Mit Vorbescheid vom 27. Juni 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherte gestützt auf
einen Invaliditätsgrad von 50% die Zusprache einer halben Rente ab 1. April 2013 in
Aussicht (IV-act. 75). Am 2. Oktober 2013 verfügte sie im Sinne des Vorbescheids (IV-
act. 92).
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A.j Gegen die Verfügung vom 25. Juni 2013 liess die Versicherte am 21. August 2013
durch Rechtsanwalt lic. iur. D. Zünd Beschwerde erheben und ab 1. November 2012
Hilflosenentschädigung beantragen. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter
geltend, es sei nicht entscheidend, ob die versicherte Person die Hilfe selber
organisieren könne, sondern, ob sie auf Dritthilfe angewiesen und ohne diese eben
"hilflos" sei (IV-act. 81).
A.k Mit Verfügung vom 27. September 2013 widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom
25. Juni 2013. Sobald sie die notwendigen Abklärungen durchgeführt habe, werde sie
erneut verfügen (IV-act. 88, 90). Gestützt darauf schrieb die Präsidentin des
Versicherungsgerichts das Beschwerdeverfahren mit Entscheid vom 7. November 2013
ab (IV-act. 99).
B.
B.a Mit Formular vom 6. Dezember 2013 beantragte die Versicherte bei der IV-Stelle
als Hilfsmittel einen Drehknopf für das Autolenkrad (IV-act. 105). Dr. C._ befürwortete
einen solchen im Arztbericht vom 30. Dezember 2013, weil durch zusätzlich
vorhandene und intermittierende Sensibilitätsstörungen im Bereich der Finger ein
korrektes Halten und Stabilisieren des Steuerrades nicht immer gewährleistet sei.
Weiter gab er an, dass trotz konsequenter Therapie bei der Versicherten in den letzten
Monaten eine diskrete Verschlechterung stattgefunden habe (IV-act. 109).
B.b Am 13. Januar 2014 wurde die Versicherte im Beisein ihrer Mutter hinsichtlich ihrer
Hilflosigkeit abgeklärt. Die zuständige Abklärungsperson hielt im Bericht vom 22.
Januar 2014 fest, dass die Versicherte im Oktober 2013 eine neue Wohnung bezogen
habe. Diese weise kaum Hürden in Form von Schwellen oder engen Räumlichkeiten
(Bad) auf und verfüge über eine Tiefgarage, welche direkt per Lift zugänglich sei. Der
Versicherten sei per 17. September 2013 - infolge von Ermittlungen gegen den
Geschäftsführer der Arbeitgeberin - fristlos gekündigt worden, was eine grosse
persönliche Belastung zur Folge gehabt habe. Da die Versicherte auf Grund einer
Magen-Bypass Operation, zwei Kündigungen in kurzer Zeit und der Diagnose MS
einiges erlebt habe, sei eine psychosoziale Belastung durchaus nachvollziehbar. Weil
keine geregelte Dritthilfe zum Erhalt des Haushalts gegeben sei, würden die
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Voraussetzungen für eine lebenspraktische Begleitung gegenwärtig nicht erfüllt. Auch
die Verrichtungen seien "nicht ausgewiesen" und könnten somit nicht angerechnet
werden (IV-act. 112).
B.c RAD-Ärztin Dr. med. D._ nahm zum Abklärungsbericht am 20. März 2014
Stellung. Sie befand, dass die Einschätzung der Abklärungsperson im Einklang mit den
klinisch-neurologischen Befunden stehe. Obgleich im Arztbericht der Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) von 5. November 2013 (vgl. IV-act.
109-3f.) eine leichte Kraftminderung der Finger sowie leichte Koordinations- und
Gangstörungen beschrieben würden, was feinmotorische Einschränkungen der Hände,
eine verminderte Geschicklichkeit und leichte Gangstörungen erkläre, vermöchten
diese Befunde aus medizinischer Sicht nicht den Bedarf für eine regelmässige und
erhebliche Dritthilfe bei der Selbsthilfe und im Haushalt zu begründen (IV-act. 120).
B.d Im Vorbescheid vom 1. April 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten eine
Abweisung ihres Antrags auf Hilflosenentschädigung in Aussicht. Sie sei in keiner der
sechs alltäglichen Lebensverrichtungen auf die erhebliche und regelmässige Hilfe
Dritter angewiesen. Auch bestehe kein Anspruch auf eine lebenspraktische Begleitung,
da nach dem Umzug in eine neue Wohnung nicht mindestens während zwei Stunden
pro Woche eine geregelte Begleitung im Alltag bestehe (IV-act. 121).
B.e Am 13. Juni 2014 erhob der Rechtsvertreter für die Versicherte Einwand gegen
den Vorbescheid vom 1. April 2014. Er machte geltend, dass die Versicherte durchaus
auf lebenspraktische Begleitung, d.h. Unterstützung während mindestens zwei
Stunden pro Woche, angewiesen sei. So benötige sie Hilfe bei der Bewältigung der
Haushaltsführung. Sowohl die Mutter als auch die Cousine der Versicherten, die sie
bisher bei der Haushaltsführung unterstützt hätten, könnten in Zukunft keine weiteren
Hilfeleistungen erbringen (IV-act. 132).
B.f Mit Verfügung vom 2. Juli 2014 wies die IV-Stelle einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung ab (IV-act. 133).
C.
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C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde der Versicherten
vom 5. September 2014 mit dem Antrag auf deren Aufhebung und Zusprache einer
Hilflosenentschädigung ab 1. November 2011. Eventualiter sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur erneuten,
umfassenden Klärung des Sachverhalts sowie einer anschliessenden Neubeurteilung
und neuen Verfügung zurückzuweisen. Zudem sei der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung zu gewähren; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Als Begründung führt der Rechtsvertreter aus, die
Beschwerdeführerin sei häufig durch ihre Mutter in der Führung des Haushaltes
unterstützt worden, weil dies nötig gewesen sei. Da sich jedoch der
Gesundheitszustand der in E._ lebenden Mutter verschlechtert habe, sei es ihr nicht
mehr möglich, ihre Tochter regelmässig in der Schweiz zu besuchen und ihr bei den
Haushaltsarbeiten zu helfen. Zudem habe sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin kürzlich stark verschlechtert, weshalb sie noch stärker auf
Unterstützung in der Haushaltsführung und generell im Alltag angewiesen sei. Auch
habe sie in der alten Wohnung in F._ eine grosse Hilfestellung durch die im gleichen
Haus wohnende Vermieterin erfahren. Diese Unterstützung stehe ihr nach ihrem Umzug
nach G._ nun auch nicht mehr zur Verfügung. Schliesslich sei ihr auch ihre Cousine
unterstützend beigestanden. Da diese aber nun ihre Schwiegereltern pflegen müsse,
falle diese Unterstützung ebenfalls weg. Dass die Beschwerdeführerin derzeit noch
keine Hilfe habe, liege einzig an den fehlenden finanziellen Möglichkeiten. Gerade das
Fensterputzen sei für die Beschwerdeführerin eine enorm strapaziöse Arbeit, die sie
nicht selber bewältigen könne. Ob die Arbeiten wöchentlich oder monatlich anfallen
würden, könne nicht entscheidend sein. Da die Beschwerdeführerin dazu nicht in der
Lage sei, benötige sie Hilfe, die finanziert werden müsse (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 26. September 2014 beantragte die
Beschwerdegegnerin unter Verweis auf die angefochtene Verfügung die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3).
C.c Am 30. September 2014 bewilligte die Präsidentin des Versicherungsgerichts das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (act. G 4).
C.d Die Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 6).
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Erwägungen
1.
Die richterliche Überprüfung einer Verwaltungsverfügung ist grundsätzlich auf den
Zeitraum bis zum Erlass dieser Verfügung (vorliegend: 2. Juli 2014; IV-act. 133)
beschränkt; nachträgliche Sachverhalts- und Rechtsänderungen werden nicht
berücksichtigt (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). Der von der Beschwerdeführerin
geltend gemachte, allenfalls seit der Verfügung veränderte Sachverhalt einer „kürzlich
eingetretenen starken Verschlechterung“ (act. G 1, Ziff. III B 5) hat daher im
vorliegenden Beschwerdeverfahren ausser Acht zu bleiben.
2.
2.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) haben hilflose Personen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als
hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für die alltäglichen
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), oder wer zu Hause lebt und wegen einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung
angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 IVG). Nach Art. 42 Abs. 2 IVG ist zu unterscheiden
zwischen schwerer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit, wobei diese Grade in Art.
37 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) näher
umschrieben werden. Nach der Praxis sind zur Festlegung des Grades der Hilflosigkeit
sechs alltägliche Lebensverrichtungen massgebend, nämlich Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung, Kontaktaufnahme. Hilflos in einer dieser Lebensverrichtungen ist eine
versicherte Person bereits dann, wenn sie für eine Teilfunktion regelmässig in
erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen ist (BGE 117 V 146 E. 2; Rz 8011 des vom
Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH [gültig ab 1. März 2016]).
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2.2 Ein Bedarf nach einer lebenspraktischen Begleitung besteht, wenn eine Person
ausserhalb eines Heims lebt und infolge einer Beeinträchtigung der Gesundheit ohne
die Begleitung durch eine Drittperson nicht selbständig wohnen kann (Art. 38 Abs. 1 lit.
a IVV), für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf die Begleitung
durch eine Drittperson angewiesen ist (Art. 38 Abs. 1 lit. b IVV) oder ernsthaft gefährdet
ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (Art. 38 Abs. 1 lit. c IVV). Ziel der
lebenspraktischen Begleitung muss es sein zu verhindern, dass eine Person schwer
verwahrlost und/oder in ein Heim oder in eine Klinik eingewiesen werden muss (vgl. Rz
8040 KSIH). Zu berücksichtigen ist gemäss Art. 38 Abs. 3 IVV nur der regelmässige
Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Zusammenhang mit einer der in Art. 38 Abs.
1 IVV erwähnten Situationen, wobei diese Aufzählung abschliessend ist (vgl. Rz 8049
KSIH). Dazu hat das BSV festgelegt, dass die lebenspraktische Begleitung im Sinne
von Art. 38 Abs. 3 Satz 1 IVV regelmässig ist, wenn sie über eine Periode von drei
Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens zwei Stunden pro Woche benötigt
wird (Rz 8053 KSIH). Gemäss dem Bundesgericht korreliert diese Quantifizierung von
zwei Stunden pro Woche mit der Wertung des Gesetzgebers, dass der Anspruch auf
Hilflosenentschädigung nicht bereits bei jeder Form und Dauer der Inanspruchnahme
lebenspraktischer Begleitung gegeben sein soll, sondern vielmehr einen bestimmten
minimalen Schweregrad der Hilflosigkeit voraussetzt (vgl. BGE 133 V 462 E. 2). Als
Voraussetzung von Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV (selbständiges Wohnen) muss die betroffene
Person auf Hilfe bei der Tagesstrukturierung oder auf Unterstützung zur Bewältigung
von Alltagssituationen (z.B. Fragen der Gesundheit, Ernährung und Hygiene, einfache
administrative Tätigkeiten etc.) angewiesen sein (vgl. Rz 8050 KSIH). Bei
ausserhäuslichen Verrichtungen liegt ein Bedarf nach einer lebenspraktischen
Begleitung vor, wenn diese notwendig ist, damit die betroffene Person in der Lage ist,
das Haus für bestimmte notwendige Verrichtungen und Kontakte (Einkaufen,
Freizeitaktivitäten, Kontakte mit Amtsstellen oder Medizinalpersonen, Coiffeurbesuch
etc.) zu verlassen (vgl. Rz 8051 KSIH mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts vom
21. Juli 2008, 9C_28/2008, E. 3.4). Eine lebenspraktische Begleitung zur Vermeidung
einer dauernden Isolation setzt voraus, dass sich die Isolation und die damit
verbundene Verschlechterung des Gesundheitszustands bereits manifestiert haben
(Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2008, 9C_543/2007, E. 3.2). Die
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lebenspraktische Begleitung besteht hier in beratenden Gesprächen und in der
Motivation zur Kontaktaufnahme (vgl. Rz 8052 KSIH).
2.3 Gemäss Rechtsprechung ist bei der Erarbeitung der Grundlagen für die
Bemessung der Hilflosigkeit eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen
Arzt und Verwaltung erforderlich. Ersterer hat anzugeben, inwiefern die versicherte
Person in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt
ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärungen vornehmen.
Bei Unklarheiten über physische oder psychische bzw. geistige Störungen oder deren
Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die
medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die
Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende
Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich
muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der
Hilfsbedürftigkeit sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle
erhobenen Angaben zu stehen (vgl. EVG-Urteil vom 2. März 2005, I 563/2004 E.3).
3.
3.1 Vorliegend ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin auf
lebenspraktische Begleitung angewiesen ist, so dass sie Anspruch auf
Hilflosenentschädigung erhält. Unbestritten ist, dass sie bezüglich der alltäglichen
Lebensverrichtungen nicht dauernd auf die Hilfe Dritter oder auf persönliche
Überwachung angewiesen ist (vgl. act. G 1 Ziff. 5).
3.2 Die Beschwerdeführerin macht nicht geltend, ihr drohe Gefahr, sich dauernd von
der Aussenwelt zu isolieren. Eine solche kann denn auch weder dem Abklärungsbericht
noch den übrigen Akten entnommen werden. Trotz der Folgen ihrer gesundheitlichen
Beeinträchtigung ist die Beschwerdeführerin ohne Weiteres in der Lage, soziale
Kontakte zu pflegen, wie beispielsweise zu telefonieren, Besuche zu machen oder
kulturelle Anlässe zu besuchen (vgl. IV-act. 112-4). Somit ist der Tatbestand von Art. 38
Abs. 1 lit. c IVV im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Dasselbe gilt für den Tatbestand von
Art. 38 Abs. 1 lit. b IVV, denn die Beschwerdeführerin ist ohne Begleitung in der Lage,
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mit Behörden, Ärzten, Banken usw. zu verkehren (vgl. IV-act. 112-6). Zu prüfen bleibt,
ob die Beschwerdeführerin auf eine lebenspraktische Begleitung gemäss Art. 38 Abs. 1
lit. a IVV angewiesen ist, ob sie also ohne die Begleitung durch eine Drittperson nicht
selbständig wohnen kann.
3.3 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung (vgl. BGE 133 V 450 E. 10.2; Urteil
vom 1. April 2010, 9C_410/2009, E. 5.4) ist nicht zwischen indirekter und direkter
Dritthilfe zu unterscheiden, weil es nicht von Belang ist, ob die Drittperson eine
bestimmte Arbeit bei der Haushaltsbesorgung nur überwacht oder gleich selbst
ausführt. Zur direkten Dritthilfe zur Ermöglichung des selbständigen Wohnens gemäss
Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV gehören deshalb auch Haushaltsarbeiten wie das Kochen, die
Wäschebesorgung oder das Aufräumen (vgl. den Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 20. März 2012, IV 2011/260 E. 6.3). Auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen - und damit hilflos - ist gemäss Art. 38 Abs. 1
lit. a IVV also jede Person, die als Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung bei der
Ausführung der im eigenen Haushalt anfallenden Arbeiten so stark eingeschränkt ist,
dass sie nicht mehr selbständig wohnen könnte, wenn nicht eine Drittperson diese
Haushaltsarbeiten für sie ausführen würde. Die Einschränkungen bei den einzelnen
Verrichtungen, aus denen sich die Besorgung des eigenen Haushalts zusammensetzt,
müssen insgesamt ein solches Ausmass erreichen, dass ein selbständiges Wohnen
nicht mehr möglich oder zumutbar ist. Im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV leichtgradig
hilflos sind also auch all jene Versicherten, die auf Grund einer
Gesundheitsbeeinträchtigung bei der Besorgung ihres Haushaltes so stark
eingeschränkt sind, dass sie ohne Dritthilfe bei der Haushaltsbesorgung nicht mehr
selbständig wohnen könnten.
3.4 Dem Abklärungsbericht ist zu entnehmen, dass die Versicherte seit Oktober 2013
in einer barrierefreien und neuerbauten Wohnung lebt. Diese weist kaum Hürden in
Form von Schwellen oder engen Räumlichkeiten (Bad) auf. Zudem ist sie von der
Tiefgarage aus direkt mit dem Lift erreichbar. Hinsichtlich ihrer Hilflosigkeit bei den
alltäglichen Lebensverrichtungen gab die Beschwerdeführerin bei der Befragung durch
die Abklärungsperson an, sie leide unter Sensibilitätsstörungen auch in den Armen und
Fingern. Daher setze sie beim Essen ein speziell geeignetes Besteck ein. Zudem kaufe
sie auch Dosengetränke, weil ihr diese besser in der Hand liegen würden als Gläser
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und Flaschen (IV-act. 112-3). Dank dem Einsatz eines Gehstockes könne sie sich frei
bewegen. Es sei ihr möglich die Wohnung über den Lift selbständig zu verlassen. Das
Führen eines Fahrzeugs sei ihr ebenfalls möglich. Sie entscheide jedoch, zu welchen
Zeiten sie das Auto einsetze und wann sie es nicht nutzen wolle. Bezüglich der
Haushaltsführung schilderte die Beschwerdeführerin, sie müsse Morgenstunden dazu
nutzen, Teile der Wohnung zu saugen. Allenfalls müsse ein weiteres Zimmer an einem
anderen Tag gesaugt werden, da die Kraft in Armen und Beinen nicht für die ganze
Wohnung ausreiche. Sie spare daher auf einen Saugroboter, der sich anbieten würde,
weil eine schwellenlose Bauweise gegeben sei. Die neue Wohnung biete eine
Waschmaschine in der Wohnung. So könne sie sich die nötigen Erledigungen gut
einteilen und vermöge die Wäsche selbständig zu reinigen. Diverse Kleidungsstücke
müssten nicht gebügelt werden. Andere bügle sie dann, wenn diese gerade gebraucht
würden. Beim Kochen versuche sie sich bestmöglich zu organisieren. So koche sie
einerseits eher einfache Gerichte. Andererseits verarbeite sie - allenfalls wenn ihre
Mutter zu Besuch sei - "in einem Geköche" gleich sehr grosse Mengen, die sie
portionieren und einfrieren könne. Zuletzt habe sie als Ausnahme auch mal den
Pizzaservice in Anspruch genommen. Infolge knapper Finanzen gehe sie selten in
Speiserestaurants. Den Einkauf erledige die Beschwerdeführerin nicht täglich in
kleineren Mengen, sondern sie nutze das Auto und einen Rollwagen zum Grosseinkauf.
Wenn sie dafür eine Begleitung finde, nehme sie diese gerne an. Doch sei ihr solch ein
Einkauf auch selbständig möglich. Zwar nicht an jedem Tag und nicht zu jeder Stunde,
sie müsse dafür den passenden Zeitpunkt finden. Abschliessend führte der
Abklärungsverantwortliche aus, die Beschwerdeführerin versuche aktuell den Haushalt
selber zu bewältigen. Regelmässige und geordnete Dritthilfen würden nicht bestehen.
Noch sei es ihr dank guter Planung und Organisation möglich, selber einen Haushalt
aufrecht zu erhalten. Sie setze nötige Hilfsmittel ein, damit sie im Haushalt bestmöglich
zu Recht komme. Allerdings sei der Kontakt zu Hilfsorganisationen bezüglich einer
Haushaltshilfe bereits gesucht worden. Das Reinigen der Fenster gelinge ihr trotz
bester Planung nicht. Ihre Gleichgewichtsstörung erlaube es nicht, auf eine Leiter zu
stehen. Hierfür müsse sie aktuell im Einzelfall Lösungen finden (IV-act. 112-4ff.). Wie
dem letzten Arztbericht der Klinik für Neurologie des KSSG vom 5. November 2013
über die halbjährliche Verlaufskontrolle vom 30. Oktober 2013 zu entnehmen ist, hatte
eine Symptomexazerbation bei starker psychosozialer Belastung stattgefunden. Auf
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Grund einer seit dem 26. Oktober 2013 (wohl im Rahmen der Kündigung durch die
Arbeitgeberin) bestehenden psychosozialen Belastungssituation sei das Gefühl in den
Händen für kurze Zeit "komplett verschwunden". Diese Symptomatik sei aber
inzwischen wieder regredient, das Gefühl in den Händen sei aber "nicht wie vorher".
Das Gehen sei unverändert eingeschränkt, sie könne gute 500m mit einseitiger Gehhilfe
zurücklegen. Nach einer Magen-Bypass Operation im Juni 2013 habe sie zudem 28kg
abgenommen, was sich sogar eher positiv auf die Gehstrecke ausgewirkt habe. Die
behandelnden Ärzte dokumentierten, dass das MRI Neurocranium und Wirbelsäule
(Clivus - LWK3) mit KM i.v. vom 17. April 2013 im Vergleich zu den MR-
Voruntersuchungen vom 13. April 2012 stationäre Befunde zeigten. Auch würden die
geschilderten Symptome einer vorübergehenden Verstärkung der
Sensibilitätsstörungen der Hände kein kernspintomographisches Korrelat zeigen,
weshalb sie eindeutig mit der aktuell erheblichen psychosozialen Belastungssituation
zu vereinbaren seien. Gestützt darauf gingen die Ärzte nicht von Schubereignissen aus,
sondern vielmehr von Fluktuationen vorbestehender Symptome (IV-act. 109-3f.).
Vorwiegend mit Bezug auf diesen Arztbericht, aber auch auf die weiteren ärztlichen
Berichte, prüfte RAD-Ärztin Dr. D._ den häuslichen Abklärungsbericht (vgl.
Stellungnahme vom 20. März 2014; IV-act. 120-2). Sie befand, dass der
Abklärungsbericht detailliert und anschaulich die von der Beschwerdeführerin
angegebenen Beschwerden, ihre funktionellen Möglichkeiten und Einschränkungen im
häuslichen Alltag und bei der Haushaltsführung beschreibe. Wenn die
Abklärungsperson zum Ergebnis komme, dass die Beschwerdeführerin trotz der
beschriebenen Einschränkungen bei den alltagspraktischen Verrichtungen und bei der
Haushaltsbewältigung mit teilweise erhöhtem Zeitbedarf, unter Anwendung von
Kompensationsstrategien und Hilfsmitteln nicht auf regelmässige und erhebliche
Dritthilfe angewiesen sei, stehe diese Einschätzung im Einklang mit den klinisch-
neurologischen Befunden. Während sich im Dezember 2011 bei der neurologischen
Untersuchung noch keine relevanten Funktionsstörungen gezeigt hätten, würden im
neurologischen Arztbericht vom November 2013 eine leichte Kraftminderung der Finger
sowie leichte Koordinations- und Gangstörungen beschrieben. Diese Befunde könnten
feinmotorische Einschränkungen der Hände, eine verminderte Geschicklichkeit und
leichte Gangstörungen erklären. Sie vermöchten jedoch aus medizinischer Sicht nicht
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den Bedarf für eine regelmässige und erhebliche Dritthilfe bei der Selbsthilfe und im
Haushalt zu begründen.
4.
4.1 Gemäss dem Abklärungsbericht steht somit im Vordergrund, dass vorwiegend das
Fensterputzen von der Beschwerdeführerin nicht mehr selber ausgeführt werden kann.
Die übrigen, weniger schweren Arbeiten im Haushalt, die v.a. auch ohne das Besteigen
einer Leiter möglich sind, führt die Beschwerdeführerin selbständig, wenn auch in
Abhängigkeit von ihrer tagesabhängigen körperlichen Verfassung in Etappen und meist
mit grösserem zeitlichem Aufwand aus. Ebenfalls berücksichtigt wurde bei den
Angaben, dass die Mutter auf Grund der Distanz nur ab und zu vorbeikommen kann
und die frühere Unterstützung durch die Cousine und die ehemalige Vermieterin der
alten Wohnung weggefallen sind (vgl. IV-act. 112-4). Obgleich der Abklärungsbericht
keinen Hinweis enthält, dass die Mutter die Beschwerdeführerin auf Grund eigener
gesundheitlicher Beschwerden mittlerweile nicht mehr so oft wie früher unterstützen
kann, gab die Beschwerdeführerin auch nicht an, dass sie seit dem Umzug
regelmässig durch die Mutter unterstützt worden wäre.
4.2 Entgegen den von der Beschwerdeführerin bestätigten Angaben im
Abklärungsbericht, bestreitet der Rechtsvertreter in der Beschwerde beinahe sämtliche
Möglichkeiten der Eigenleistung. So sei es der Beschwerdeführerin nicht möglich,
schwere Gegenstände zu bewegen, wie z.B. Getränke in die Wohnung zu
transportieren. Sie könne die Haushaltsführung auch auf Grund immer wieder
eintretender Erschöpfung schlicht nicht selber bewältigen. Das Wischen und
Staubsaugen stelle deshalb eine nicht zu bewältigende Aufgabe dar. Dies zumal sie auf
Grund des Gehstocks einhändig hantieren müsse und die Taubheitsgefühle in Händen
und Beinen die Reinigung des Badezimmers vor grosse Probleme stelle. Schliesslich
bereite ihr auch das Kochen zunehmend Mühe, müsse sie doch längere Zeit stehen
und ab und zu Gewichte heben und für sie unhandliche Gegenstände halten. So
würden ihr Messer regelmässig aus der Hand fallen. Auch könne sie die Wäsche nicht
selber waschen, da sie z.B. den Wäschekorb nicht tragen und die Wäsche nicht bügeln
könne und Einkäufe könne sie nicht selber in die Wohnung transportieren. Die
Beschwerdeführerin sei früher häufig durch ihre Mutter bei der Führung des Haushalts
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unterstützt worden. Zudem habe ihr diese vorgekocht, so dass sie die Speisen nur
noch habe aufwärmen müssen. Da sich der Gesundheitszustand der Mutter jedoch
verschlechtert habe, sei es ihr nicht mehr möglich, ihre Tochter regelmässig in der
Schweiz zu besuchen und ihr bei den Hausarbeiten zu helfen. Auch die Hilfeleistungen
der Cousine sowie der ehemaligen Vermieterin der alten Wohnung würden seit dem
Umzug nach G._ wegfallen. Zwar ist offensichtlich nicht von der Hand zu weisen,
dass die Beschwerdeführerin für sämtliche Arbeiten bedeutend länger hat als noch als
Gesunde und sie sich die Arbeiten heute sehr gut einteilen und planen muss. Dennoch
ist nicht ersichtlich, weshalb sämtliche Angaben im Abklärungsbericht - der immerhin
von der Beschwerdeführerin am 28. Januar 2014 unterschriftlich bestätigt wurde (IV-
act. 112-6) - für den bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung relevanten Zeitraum
nicht stimmen sollten. Diesbezüglich lässt auch das Schreiben von Dr. C._ vom 3.
Juni 2014 keine nach Januar 2014 (Abklärungszeitpunkt) eingetretene
Verschlechterung erkennen. Dr. C._ wies in diesem kurzen Arztzeugnis darauf hin,
dass sich trotz Frühtherapie und unauffälliger Nachkontrolle auf der Neurologie der
"subjektive Bewegungsumfang" verschlechtert habe und die Beschwerdeführerin
"wiederum" auf eine Gehhilfe (Gehstock) angewiesen sei (IV-act. 132-6). Damit würde
nicht auf eine objektiv begründete Verschlechterung hingewiesen. Ausserdem gab die
Beschwerdeführerin bereits im Januar 2014 an, dass sie sich dank dem Einsatz eines
Gehstocks frei bewegen könne (IV-act. 112-4). Auch der Vermerk "die Gehbehinderung
ist sich verschlechternd" im Formular betreffend die Eignungsabklärung
körperbehinderter Motorfahrzeugführer vom 21. Februar 2013 (IV-act. 116-1) kann
entgegen der Behauptung des Rechtsvertreters schon datumsmässig nicht als Beweis
für eine nach der Abklärung vor Ort eingetretene gesundheitliche Verschlimmerung
verstanden werden. Nachdem der Rechtsvertreter lediglich Behauptungen aufstellt,
ohne eine vor dem Verfügungserlass eingetretene Verschlechterung ärztlich oder
anderweitig zu belegen, fehlen konkrete Anhaltspunkte für eine objektiv veränderte
Situation.
4.3 Wie die Beschwerdegegnerin zudem zu Recht ausgeführt hat, bestehen im
Rahmen der Schadenminderungspflicht weitere Möglichkeiten, wie beispielsweise der
Einsatz eines Rollators, eines Einkaufstrolleys (von der Beschwerdegegnerin als
"Einkaufswagen" betitelt) oder ähnlicher Hilfsmittel, um gewisse Arbeiten im Haushalt
oder auch den Einkauf zu vereinfachen. Unbestritten bleibt jedoch, dass besondere
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Arbeiten, wie das Reinigen der Fenster von der Beschwerdeführerin nicht mehr
selbständig zu verrichten sind. Da diese Arbeiten jedoch offensichtlich nicht in einem
Ausmass anfallen, dass sie als erhebliche und regelmässige Arbeiten im Sinne des
Kreisschreibens und damit im Rahmen von durchschnittlich zwei Stunden pro Woche
zu qualifizieren wären (vgl. Erwägung 2.2), ist nicht von einer leichtgradigen Hilflosigkeit
auszugehen.
4.4 Zusammenfassend ist auf den Abklärungsbericht vom 22. Januar 2014, der durch
die RAD-Ärztin überprüft und beurteilt wurde, abzustellen. Der Berichtstext erscheint
plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der
Hilfsbedürftigkeit zu sein. Dass die Beschwerdegegnerin den Hausarzt nicht dazu
aufforderte, sich zur Hilfsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin bei den alltäglichen
Lebensverrichtungen zu äussern, sondern sie ihn lediglich spezifisch zur Beantwortung
der Frage nach vorhandenen Beeinträchtigungen bei der Organisation der
Haushaltsführung aufforderte (vgl. Bericht vom 22. Dezember 2012, IV-act. 48), ist mit
den geltend gemachten Anspruchsvorrausetzungen an eine lebenspraktische
Begleitung durchaus vereinbar. Immerhin ist zu berücksichtigen, dass die RAD-Ärztin
den Abklärungsbericht prüfte und gestützt darauf sowie die übrigen ärztlichen Berichte
keine Notwendigkeit von Rückfragen an den Hausarzt sah. Damit ist überwiegend
wahrscheinlich erstellt, dass im bis zur angefochtenen Verfügung vom 2. Juli 2014
massgebenden Zeitraum auch keine leichtgradige Hilflosigkeit gegeben ist (Art. 37 Abs.
3 lit. e IVV). Es bleibt darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bei der
Beschwerdegegnerin erneut einen Antrag auf Hilflosenentschädigung stellen kann,
sofern sich an der Situation etwas geändert haben sollte.
5.
5.1 Auf Grund der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
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Beschwerdeführerin ist die Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
5.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote
eingereicht. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Verwaltungsgericht, Verwaltungsrekurskommission und Versicherungsgericht pauschal
Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten [HonO; sGS 963.75]). In der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 2'500.--
angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes
[AnwG; sGS 963.70]). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
pauschal (BGE 125 V 201) mit Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
5.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).