Decision ID: 0a04a885-3f54-4510-8210-69a5feac82bc
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelrichters im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Hinwil vom 26. Oktober 2010 (FE070160)
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Rechtsbegehren:
Die Ehe sei zu scheiden unter gerichtlicher Regelung der Nebenfolgen.
Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelrichter im ordentlichen Verfahren,
vom 26. Oktober 2010:
1. Die Ehe der Gesuchsteller wird geschieden.
2. Die Kinder C._, geb. tt.mm.1994, und D._, geb. tt.mm.1998, wer- den unter die elterliche Sorge des Gesuchstellers gestellt.
3. Die Gesuchstellerin ist berechtigt, die Tochter D._ ab Rechtskraft des Scheidungsurteils an jedem zweiten Samstag von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
Die Gesuchstellerin ist lediglich berechtigt, D._ jeweils am Mittwoch Abend zwischen 19.00 Uhr und 20.00 Uhr telefonisch zu kontaktieren.
Ist bei der Gesuchstellerin nach Ablauf eines halben Jahres die Bereitschaft für eine therapeutische Behandlung zu erkennen, ist dieses Besuchsrecht dann in Absprache mit dem Beistand vorerst auf Freitag 18.00 Uhr bis Samstag 18.00 Uhr und nachfolgend auf Freitag 18.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr auszudehnen und die telefonischen Einschränkungen aufzuhe- ben.
Ab diesem Zeitpunkt ist die Gesuchstellerin auch berechtigt, D._ in ge raden Jahren vom 25. Dezember, 12.00 Uhr, bis 26. Dezember, 18.00 Uhr, vom 31. Dezember, 10.00 Uhr, bis 1. Januar 12.00 Uhr, sowie von Grün- donnerstag, 18.00 Uhr bis Ostermontag, 18.00 Uhr, und in ungeraden Jah- ren vom 24. Dezember, 10.00 Uhr, bis 25. Dezember, 12.00 Uhr, vom 1. Ja- nuar 12.00 Uhr, bis 2. Januar, 18.00 Uhr, und von Pfingstsamstag, 10.00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr, auf eigene Kosten mit sich oder zu sich auf Besuch zu nehmen.
Weiter ist die Gesuchstellerin dann berechtigt, D._ während jährlich drei Wochen Schulferien auf eigene Kosten mit sich oder zu sich in die Ferien zu nehmen.
4. Das Besuchsrecht der Gesuchstellerin gegenüber dem Sohn C._ bleibt der freien Vereinbarung zwischen C._ und der Gesuchstellerin überlas- sen.
5. Die Erziehungs- und Besuchsrechtsbeistand gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2
ZGB wird weitergeführt.
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Der Beistand wird namentlich beauftragt:
- das in Ziffer 3 angeordnete Besuchsrecht zu überwachen, - dieses anzupassen und insbesondere der zuständigen Behörde Antrag
zu stellen, falls das beschränkte Besuchsrecht schrittweise in ein  Besuchsrecht übergeführt werden kann.
Die Vormundschaftsbehörde E._ wird eingeladen, das  einer neuen Fachperson zu übertragen.
6. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin einen persönlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 900.– zu bezahlen. Dieser Betrag ist zahlbar  im Voraus jeweils auf den ersten eines jeden Monat bis 1. Februar 2013.
Dieser Unterhaltsbeitrag basiert auf einem monatlichen  der Gesuchstellerin von Fr. 1'407.-- und einem monatlichen  (inkl. 13. Monatslohn und Kinderrenten) des Gesuchstellers von Fr. 7'720.– sowie bei beiden Gesuchstellern ein Vermögen von Null.
Es wird festgestellt, dass die vereinbarten Unterhaltsbeiträge den  Unterhalt der Gesuchstellerin von Fr. 3'659.– um Fr. 1'352.– nicht . Die Gesuchstellerin kann daher gemäss Art. 129 Abs. 1 und 3 ZGB innerhalb von fünf Jahren seit Rechtskraft der Scheidung die Erhöhung der Beiträge verlangen, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des  entsprechend verbessert haben.
7. Die mit Verfügung vom 14. August 2009 im Umfang von Fr. 1'321.–  Schuldneranweisung der Arbeitgeberin des Gesuchstellers wird mit Rechtskraft des Scheidungsurteils aufgehoben.
8. Die Pensionskasse F._, ... (Adresse), wird angewiesen, mit Rechtskraft des Scheidungsurteils vom Vorsorgekonto des Gesuchstellers (B._, Vers.-Nr. ..., AHV-Nr. ..., geb. tt.mm.jjjj, wohnhaft ... E._) Fr. 35'996.30 auf ein durch die Gesuchstellerin (A._, AHV-Nr. ..., geb. tt.mm.jjjj, wohnhaft ... E._) noch zu bezeichnendes Freizügigkeitskonto zu .
9. Die G._ AG, ... (Adresse) wird angewiesen, mit Rechtskraft des  von der Policennummer ... des Gesuchstellers (B._, geb. tt.mm.jjjj, wohnhaft ... E._) die Hälfte des Rückkaufswertes per 26. Oktober 2010, abzüglich eines Betrages von Fr. 3'300.–, auf eine auf den Namen der Gesuchstellerin (A._, AHV-Nr. ..., geb. tt.mm.jjjj,  ... E._) lautende neue gebundene Vorsorgepolice zu übertragen.
10. Im Übrigen werden die Parteien güter- und eherechtlich auseinandergesetzt erklärt.
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11. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: Fr. 7'500.–; die weiteren Kosten betragen: Fr. 8'448.60 Gutachten
12. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, zufolge der ihnen gewährten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Ge- richtskasse genommen. Die Parteien werden auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 92 ZPO hinge- wiesen.
13. Die Prozessentschädigungen werden wettgeschlagen.
Berufungsanträge:
der Gesuchstellerin und Appellantin (Urk. 182 S. 2 ff.):
1. Es sei festzustellen, dass die Ziffern 1 (Scheidungspunkt), 4 (Besuchsrecht
C._), 8 (Vorsorgeausgleich) sowie 9 (Güterrecht) des Urteils FE070160 des Einzelrichters des Bezirksgerichts Hinwil vom 26. Oktober 2010 in Rechtskraft erwachsen sind.
2. Ziffer 2 des erstinstanzlichen Urteils sei abzuändern und D._, geboren
tt.mm.1998, sei unter die elterliche Sorge der Appellantin zu stellen.
3. Ziffer 3 des erstinstanzliche Urteils sei abzuändern und es sei folgendes Be-
suchsrecht festzulegen:
Solange beide Parteien in der Schweiz leben sei der Appellat für berechtigt zu erklären, D._ an jedem zweiten Wochenende von Freitag, 17.00 Uhr bis Sonntag, 18.00 Uhr, zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.  sei dem Appellaten ein Ferienbesuchsrecht von sechs Wochen jährlich während den Schulferien zuzusprechen. Das Ferienbesuchsrecht sei  drei Monate im Voraus anzuzeigen.
Leben nicht mehr beide Parteien in der Schweiz, sei dem Appellaten ein  von fünf Wochen im Jahr zuzusprechen. Das  sei mindestens drei Monate im Voraus anzuzeigen.
Eventuell, soweit dem Antrag gemäss Ziffer 1 (recte: Ziffer 2) nicht  wird, sei die Appellantin für berechtigt zu erklären, D._ jedes zweite Wochenende von Freitag, 17.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr, zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Zudem sei ihr ein Ferienbesuchsrecht von sechs Wochen im Jahr einzuräumen.
Zudem sei das Besuchsrecht über die Feiertage zu regeln, indem der be-
suchsberechtigte Elternteil ermächtigt wird, D._ zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
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- in geraden Jahren vom 31. Dezember des Vorjahres, 12.00 Uhr, bis 1. Ja- nuar, 12.00 Uhr, von Karfreitag, 18.00 Uhr bis Ostermontag, 18.00 Uhr, sowie vom 24. Dezember, 12.00 Uhr, bis 25. Dezember, 12.00 Uhr. - in ungeraden Jahren vom 1. Januar, 12.00 Uhr, bis 2. Januar 12.00 Uhr, von Freitag vor Pfingsten, 18.00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr, sowie vom 25. Dezember 12.00 Uhr, bis 26. Dezember 12.00 Uhr.
4. Ziffer 5 des erstinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und die Beistandschaft
für C._ und D._ sei aufzuheben.
5. Der Appellat sei zu verpflichten, der Appellantin für den Unterhalt von
D._ einen monatlich und monatlich im Voraus zu bezahlenden  von Fr. 900.00 zuzüglich allfälligerweise durch ihn bezogener Kinderzulagen, zu bezahlen, zahlbar an die Appellantin, auch über die  von D._ hinaus, soweit diese noch bei der Mutter lebt und nicht Zahlung an sich lebst verlangt oder eine andere Zahlstelle bezeichnet.
6. Ziffer 6 des erstinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der Appellat sei zu
verpflichten, der Appellantin an ihren persönlichen Unterhalt einen monatlich und monatlich im Voraus zahlbaren Unterhaltsbeitrag von mindestens Fr. 1'720.00 zu bezahlen. Zahlbar bis zum Erreichen des ordentlichen  des Appellaten.
Die festgestellte Unterdeckung gegenüber dem gebührenden Unterhalt sei entsprechend anzupassen. Zudem sei der Unterhaltsbeitrag gerichtsüblich zu indexieren.
7. Ziffer 7 des erstinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und die angeordnete Schuldneranweisung gegenüber der Arbeitgeberin des Appellaten sei an den neu festgelegten Unterhaltsbeitrag anzupassen.
8. Ziffer 10 des erstinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und es sei festzustel-
len, dass insgesamt Fr. 20'870.15 an Unterhaltsbeiträgen ausstehend sind. Im Übrigen seien die Parteien in güter- und eherechtlicher Hinsicht als  zu erklären.
9. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Appellaten.
10. Der Appellantin sei auch für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Pro-
zessführung mit Offizialverbeiständung zu gewähren und der Unterzeichnete als Offizialanwalt einzusetzen.
des Gesuchstellers und Appellaten (Urk. 195 S. 2):
1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen.
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2. Dem Berufungsbeklagten sei die unentgeltliche Prozessführung sowie der Beizug eines Offizialanwalts zu bewilligen.
Sachverhalt und Prozessgeschichte:
1. Die Parteien heirateten am tt.mm.1991. Aus ihrer Ehe sind der am
tt.mm.1994 geborene Sohn C._ und die am tt.mm.1998 geborene Tochter
D._ hervorgegangen. Die Gesuchstellerin war als hauswirtschaftliche Ange-
stellte, als Zoofachverkäuferin und schliesslich bei H._ berufstätig (Urk.
4/11). Während der Ehe widmete sie sich hauptsächlich der Kinderbetreuung und
dem Haushalt (Urk. 21/1 S. 3). Am tt. Juli 2005 erlitt sie einen Hirnschlag (cere-
brovaskulärer Insult, Urk. 83 S. 3). Gemäss Verfügung der Eidgenössischen Inva-
lidenversicherung vom 1. Oktober 2010 erhält die Gesuchstel-
lerin seit dem 1. Januar 2010 eine volle IV-Rente von monatlich Fr. 1'407.–
(Urk. 162/1). Heute beträgt diese Rente Fr. 1'967.– pro Monat (Prot. II S. 15).
Der Gesuchsteller ist bei H._ berufstätig.
2. a) Mit Eingabe vom 8. Juli 2005 ersuchte die Gesuchstellerin beim Be-
zirksgerichtspräsidium Kreuzlingen um Anordnung eheschutzrichterlicher Anord-
nungen (Urk. 21/1). Mit Verfügung des Vizepräsidenten des Bezirksgerichts
Kreuzlingen vom 20. Oktober 2005 wurde schliesslich vorgemerkt, dass die Par-
teien seit dem 15. Juli 2005 getrennt lebten. Die Kinder C._ und D._
wurden unter die Obhut der Gesuchstellerin gestellt, wobei ihnen ein Erziehungs-
beistand bestellt und der Gesuchstellerin die Weisung erteilt wurde, mit den Kin-
dern nicht ins Ausland, insbesondere nicht nach I._ auszuwandern. Weiter
wurde der Gesuchsteller verpflichtet, für die beiden Kinder und die Gesuchstelle-
rin Unterhaltsbeiträge zu bezahlen und es wurden auch die übrigen Folgen des
Getrenntlebens geregelt (Urk. 21/11).
b) Am 27. Juni 2006 reichte der Gesuchsteller beim Bezirksgerichts-
präsidium Kreuzlingen ein Begehren um Abänderung der eheschutzrichterlichen
Anordnungen ein mit dem Hauptbegehren, dass die Kinder unter seine Obhut zu
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stellen seien (Urk. 21/12). Er zog indes diesen Antrag am 11. August 2006 wieder
zurück (vgl. die Verfügung des Vizepräsidenten des Bezirksgerichts Kreuzlingen
vom 16. Oktober 2006, in Urk. 21). Mit dem erwähnten Entscheid wurde der An-
trag auf Aufhebung der Beistandschaft abgewiesen, indes die Nebenfolgen des
Getrenntlebens teilweise neu geregelt und mit Wirkung ab 22. September 2006
die Gütertrennung angeordnet. Ein weiteres Verfahren betreffend das Besuchs-
recht des Gesuchstellers führte zu einem Beschluss des Obergerichts des Kan-
tons Thurgau vom 15. August 2007 (Urk. 21/23). Schliesslich musste sich auch
das Obergericht des Kantons Zürich - nach dem Umzug der Gesuchstellerin in
den Kanton Zürich - mit der Frage der Beistandschaft befassen. Das Obergericht
des Kantons Zürich, II. Zivilkammer, bestätigte mit Beschluss vom 27. August
2007 den Entscheid des Bezirksrates Hinwil vom 4. Juni 2007, mit welchem der
Antrag der Gesuchstellerin auf Aufhebung der Beistandschaft abgewiesen worden
war (Urk. 21/24).
c) Am 16. Juli 2007 reichte die Gesuchstellerin ein Schreiben ein, mit
welchem sie ihre Vorstellungen über eine Scheidungsregelung äusserte. Mit Ver-
fügung vom 21. August 2007 überwies die Friedensrichterin der Gemeinde
E._ das gemeinsame Scheidungsbegehren der Parteien vom 14./15. August
2007 an die Vorinstanz. Für den Prozessverlauf vor erster Instanz kann auf die
ausführliche Darstellung im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 176
S. 2 ff.). Wesentlich ist, dass mit Verfügung der Vorinstanz vom 19. Oktober 2007
der Gesuchstellerin mit sofortiger Wirkung die Obhut über die Kinder entzogen
und diese unter die Obhut des Gesuchstellers gestellt sowie das Besuchsrecht
und die Unterhaltszahlungen neu geregelt wurden. Mit Beschluss des Oberge-
richts des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, vom 17. April 2008 wurde indes nur der
Sohn C._ unter die Obhut des Gesuchstellers gestellt, die Tochter D._
dagegen unter der Obhut der Gesuchstellerin belassen (Urk. 58). Nachdem die
Gesuchstellerin im Rahmen von Gewaltschutzmassnahmen in Gewahrsam ge-
nommen worden war, wurde die Tochter D._ aufgrund eines neuen Begeh-
rens des Gesuchstellers angesichts des massiv gestörten Familienverhältnisses
mit Entscheid der Vorinstanz am 20. Juni 2008 mit sofortiger Wirkung jedoch auch
unter die Obhut des Gesuchstellers gestellt (Urk. 68). Diese Anordnung wurde am
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20. August 2008 bestätigt (Urk. 86). Ein Rekurs der Gesuchstellerin hiegegen
blieb erfolglos (Beschluss der Kammer vom 21. Oktober 2008, Urk. 92), ebenso
eine Beschwerde an das Bundesgericht (Urk. 95). Zur Regelung der Kinderbelan-
ge wurde sodann ein psychologisches Gutachten eingeholt, das am 14. Juli 2009
erstattet wurde (Urk. 113). Schliesslich fällte die Vorinstanz am 26. Oktober 2010
das oben wiedergegebene Urteil, mit dem die Parteien geschieden, die beiden
Kinder unter die elterliche Sorge des Gesuchstellers gestellt, das Besuchsrecht
geregelt, die Beistandschaft weitergeführt und über die übrigen Nebenfolgen be-
funden wurde (Urk. 176).
3. Mit Eingabe vom 12. November 2010 erhob die Gesuchstellerin rechtzei-
tig Berufung (Urk. 171 und 177), worauf ihr mit Verfügung vom 7. Dezember 2010
Frist zur Begründung der Berufung angesetzt wurde (Urk. 181). Die Berufungsbe-
gründung datiert vom 17. Januar 2011 (Urk. 182). Am 20. Januar 2011 reichte die
Gesuchstellerin eine weitere Eingabe ein, mit der sie unter Hinweis auf einen Be-
schluss der Vorinstanz vom 9. Dezember 2010 in einem Strafverfahren betreffend
Drohung ergänzend zu ihrer Situation und dem von der Vorinstanz eingeholten
Gutachten Stellung nahm (Urk. 186). Mit Eingabe vom 11. Januar 2011 hatte der
Gesuchsteller bereits zuvor bei der Vorinstanz ein Gesuch um Abänderung der
vorsorglichen Massnahmen gestellt, d.h. um eine Reduktion der von ihm zu leis-
tenden Unterhaltsbeiträge ersucht und den Erlass eines Kontaktverbotes gegen-
über seiner Lebenspartnerin beantragt (Urk. 189). Die Vorinstanz trat - da die Ver-
fahrenshoheit nunmehr beim Obergericht lag - auf die Begehren nicht ein und
überwies die Eingabe der Kammer (Urk. 188), welche die Anträge des Gesuch-
stellers mit Beschluss vom 24. Januar 2011 abwies (Urk. 191). Am 8. März 2011
ging sodann die Berufungsantwort ein (Urk. 195), worauf die Kammer mit Be-
schluss vom 11. März 2011 vormerkte, dass das Urteil der Vorinstanz vom
26. Oktober 2010 in den nicht angefochtenen Punkten, nämlich Disp. Ziff. 1
(Scheidung), Disp. Ziff 2 (elterliche Sorge für C._), Disp. Ziff. 4 (Besuchs-
recht für C._) sowie Disp. Ziff. 8 und 9 (Ausgleich Freizügigkeitsansprüche)
am 8. März 2011 in Rechtskraft erwachsen ist (Urk. 201). Mit Eingabe vom 15.
März 2011 stellte der Gesuchsteller sodann eine CD mit Mitteilungen der Ge-
suchstellerin zu und machte zwei Noven geltend (Urk. 198), worüber die Gesuch-
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stellerin orientiert wurde (Urk. 201 Disp. Ziff. 2). Am 22. März 2011 wurden die
Parteien vorgeladen zur Berufungsverhandlung auf den 21. Juni 2011 (Urk. 205).
Ein Verschiebungsgesuch der Gesuchstellerin vom 29. März 2011 (Urk. 206)
wurde am 31. März 2011 abgewiesen (Urk. 207). Anlässlich der Berufungsver-
handlung - an welcher die Parteien ergänzend befragt wurden (Prot. II S. 11-24) -
hielt die Gesuchstellerin an ihren bisherigen Anträgen fest, wobei sie für sich per-
sönlich statt wie bisher mindestens Fr. 1'720.– nurmehr einen Unterhaltsbeitrag
von monatlich mindestens Fr. 1'692.– beantragte (Urk. 208 S. 1-3). Der Gesuch-
steller stellte erneut Antrag auf Abweisung der Berufung (Urk. 209 S. 1).
Mit Eingabe vom 18. Juli 2011 teilte die Gesuchstellerin mit, dass die Fest-
legung des Ferienbesuchsrechts für D._ wieder Probleme verursacht habe
(Urk. 211). Am 20. Juli 2011 wurde sodann der Gesuchstellerin eine Kopie des
Verhandlungsprotokolls der Berufungsverhandlung vom 21. Juli 2011 zugestellt
(Urk. 212 und 213). Schliesslich reichte der Gesuchsteller mit Eingabe vom
21. September 2011 einen aktuellen Lohnausweis nach (Lohnabrechnung für
September 2011, Urk. 217 und 218). Das Doppel dieser Eingabe und eine Kopie
des Lohnausweises wurde am 27. September 2011 der Gesuchstellerin zugestellt
(Urk. 219).
4. Im Anschluss an die Berufungsverhandlung verzichteten die Parteien auf
ihre Anwesenheit an der (partei-)öffentlichen Urteilsberatung und Urteilseröffnung
(Prot. II S. 26).
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Erwägungen:
I.
1. Auf den 1. Januar 2011 ist die neue Schweizerische Zivilprozessordnung
in Kraft getreten. Gemäss Art. 404 Abs. 1 ZPO gilt indes für Verfahren, die bei In-
krafttreten dieses Gesetzes rechtshängig sind, das bisherige Verfahrensrecht bis
zum Abschluss vor der betroffenen Instanz. Damit sind für das Verfahren vor
Obergericht weiterhin die bisherigen Bestimmungen der ZPO/ZH und des
GVG/ZH sowie die Verfahrensbestimmungen von Art. 134-149 aZGB anzuwen-
den.
2. Zu beurteilen bleiben im Berufungsverfahren in erster Linie die Zuweisung
der elterlichen Sorge für D._, damit zusammenhängend auch die Besuchs-
und Unterhaltsregelung. Weiter ist über die von der Gesuchstellerin beantragte
Unterhaltsregelung und die Frage der Anweisung an den Arbeitgeber des Ge-
suchstellers sowie die Beibehaltung der Beistandschaft für die beiden Kinder zu
entscheiden.
3. Nachdem die Gesuchstellerin anlässlich der Berufungsverhandlung vom
21. Juni 2011 mitgeteilt hat, dass sie wieder ihren ursprünglichen Namen A._
angenommen habe (Prot. II S. 8), ist das Rubrum entsprechend anzupassen.
II.
1. a) Im erstinstanzlichen Verfahren beantragte die Gesuchstellerin, dass
der Sohn C._ unter die elterliche Sorge des Gesuchstellers, die Tochter
D._ dagegen unter ihre elterliche Sorge zu stellen sei. Sie führte dazu aus,
sie plane schon seit längerer Zeit, zu ihrem Vater und ihrem Bruder nach I._
auszuwandern. Diese würden seit langem in I._ leben und sie habe ein intak-
tes Verhältnis und könne damit über ein tragfähiges soziales Netz verfügen.
D._ wolle - im Gegensatz zu C._ - mit ihr nach I._. Das von der Vo-
rinstanz eingeholte Gutachten lasse diesen Willen der Tochter völlig ausser acht
(vgl. ergänzend Urk. 176 S. 5 f.). Der Gesuchsteller erachtete es dagegen als mit
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dem Kindeswohl nicht vereinbar, wenn die Tochter in einem fremden Land ohne
Vater aufwachsen müsste. Zudem machte er geltend, dass die Gesuchstellerin
mit der Kindererziehung überfordert sei, sie verweigere praktisch jede Zusam-
menarbeit (vgl. ergänzend Urk. 176 S. 6 f.).
b) Für die Grundsätze zur Zuteilung der elterlichen Sorge kann vorab
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (§ 161
GVG/ZH, Urk. 176 S. 7). Nach Art. 133 Abs. 2 ZGB sind bei der Zuteilung der el-
terlichen Sorge und der Regelung des persönlichen Verkehrs alle für das Kindes-
wohl wichtigen Umstände massgebend. Den Bedürfnissen der Kinder ist entspre-
chend ihrem Alter, ihren Neigungen und ihrem Anspruch auf elterliche Fürsorg-
lichkeit, Zuwendung und Erziehung bestmöglich zu entsprechen. Es ist dem Be-
dürfnis der Kinder nach der für eine harmonische Entfaltung in körperlicher, seeli-
scher und geistiger Hinsicht notwendigen Stabilität der Verhältnisse Rechnung zu
tragen. Der Elternteil, dem das Kind als Alleinerzieher anvertraut werden soll,
muss genügend Gespür für die Bedürfnisse des Kindes haben, ein Klima der
Wärme vermitteln, ihm vernünftige Grenzen setzen, es aber auch zur Selbstän-
digkeit anleiten können. Wesentlich scheint sodann, dass das Kind in einem fes-
ten Milieu aufwachsen kann. Es kommt schliesslich nicht nur auf die äusseren
Möglichkeiten zur Kinderbetreuung an, sondern auch auf die innere Haltung ge-
genüber dem anderen Elternteil und den Willen, die Kontakte zu diesem zu beja-
hen und zu pflegen (vgl. u.a. BGE 117 II 355). Zusammengefasst ist der unter
dem Aspekt des Kindeswohls und nicht unter dem Aspekt der Interessen der El-
tern zu treffende Entscheid unter Abwägung verschiedener Gesichtspunkte zu fäl-
len und es sind die Umstände abzuwägen, die für eine Zuteilung der elterlichen
Sorge an die Mutter oder an den Vater sprechen. Zu berücksichtigen sind dabei
die Elterlichkeit (der Stellenwert des Kindes im Leben der Eltern), das Förde-
rungsprinzip (die Unterstützung des Kindes beim Aufbau seiner eigenen Persön-
lichkeit), der Stabilitätsgrundsatz (die Stetigkeit der Erziehung und Betreuung),
der Kontinuitätsgrundsatz (möglichst kein Abbruch gefestigter Beziehungen) so-
wie die Bindungstoleranz (die Bereitschaft, den Umgang mit dem anderen Eltern-
teil zu fördern).
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c) Die Vorinstanz stützte ihren Entscheid, auch die Tochter D._
unter die elterliche Sorge des Gesuchstellers zu stellen, wesentlich auf das Gut-
achten von Dr. phil. J._ vom 14. Juli 2009 und die entsprechenden Empfeh-
lungen ab. Sowohl aus diesem Gutachten als auch aus weiteren Beurteilungen
gehe hervor, dass das Verhalten der Gesuchstellerin auf eine schwere psychi-
sche Störung hinweise (Urk. 153 S. 8 f.). Weiter hielt sie fest, dass die Gutachte-
rin aufgrund der psychologischen Untersuchung der Kinder festhalte, dass
D._ anders als C._ in grosser Abhängigkeit zur Mutter lebe und bei ihr
wohnen möchte. Als Mädchen sei sie mit der Mutter identifiziert und ihr junges Al-
ter erlaube ihr nicht, sich von ihr abzugrenzen. Sie werde von der Mutter verein-
nahmt und im Kampf gegen den Vater instrumentalisiert. D._ könne das Ver-
halten der Mutter nicht einordnen und hinterfragen. Gemäss Gutachterin stelle
das Verhalten der Gesuchstellerin und die langjährige psychische Terrorisierung
des Gesuchstellers, der sich um die Kinder bemühe, eine erhebliche Gefährdung
des Kindeswohls dar. C._ schütze sich, indem er sich emotional verschliesse
und alles an ihm abprallen lasse. D._ sei dagegen dem mütterlichen Einfluss
hilflos ausgesetzt. Sie identifiziere sich als Mädchen mit der Mutter und sei ihrem
Verhalten und ihrer feindseligen Weltsicht völlig ausgeliefert. Sie laufe Gefahr,
ähnliche psychische Strukturen auszubilden oder später psychisch zu erkranken.
Ihre eigenen emotionalen Bedürfnisse könne sie nicht altergemäss entwickeln,
solange sie von der Mutter in diesem Ausmass vereinnahmt werde (Urk. 176 S. 9
f.). Beim Gesuchsteller drehe sich dagegen das ganze Bemühen um das Wohl
der Kinder. Er unterstütze die Kinder und ermögliche ihnen möglichst viele Kon-
takte zur Gesuchstellerin, ohne Stellung zu beziehen. Der Gesuchsteller könne al-
lerdings zuwenig klare Forderungen stellen, wenn die Kinder andere Wünsche
hätten. Es falle ihm schwer, auf die Bedürfnisse der Kinder altersgerecht einzuge-
hen (Urk. 176 S. 10).
In der Abwägung aller Umstände stellte die Vorinstanz schliesslich in den
Vordergrund, dass D._ durch die Mutter völlig vereinnahmt sei und sich mit
ihr identifiziere. Das Verhalten der Gesuchstellerin gefährde das Kindeswohl in
hohem Masse. Das gelte auch für die Idee, zusammen mit D._ nach I._
zu übersiedeln. Weiter verweigere die Gesuchstellerin auch jede Kooperation mit
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Behörden und Fachpersonen, sogar wenn es um ihre Kinder gehe. Der offenkun-
dige Hass und Kampf gegen den Gesuchsteller zeige die fehlende Beziehungsto-
leranz und es könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Gesuchstellerin
D._ zu einem Kontakt mit dem Gesuchsteller motivieren würde. Der Gesuch-
steller habe anderseits bewiesen, dass er die Betreuung für D._ während der
beruflichen Abwesenheit organisieren könne und er nehme Unterstützung durch
Fachpersonen an (Urk. 176 S. 11).
d) Die Gesuchstellerin stellt mit der Berufung - wie bereits vor Vo-
rinstanz - die Ergebnisse der Begutachtung durch Dr. phil. J._ in Frage. Das
Gutachten stütze sich in unzulässiger Weise auf das strafrechtliche Untersu-
chungsverfahren sowie Aktennotizen von nicht medizinisch geschulten Personen
und halte zu Unrecht fest, dass die Gesuchstellerin die Kinder instrumentalisiere.
Dies mache vielmehr der Gesuchsteller, der auch unzählige Male die Polizei geru-
fen und aus prozesstaktischen Gründen etliche Strafanzeigen eingereicht habe.
Es sei auch nicht berücksichtigt worden, dass der Gesuchsteller erhebliche ge-
sundheitliche Probleme habe und dass die Kinder häufig alleine seien, was sich
mit der neuen Partnerin des Gesuchstellers noch akzentuiert habe. Die Kinder
seien häufig unbeaufsichtigt oder würden einfach vor den Fernseher gesetzt.
Auch fehle es an einer genügenden medizinischen Betreuung (Urk. 182 S. 5 ff.,
Urk. 208 S. 5 ff.). Die Gesuchstellerin habe dagegen die Kinder sowohl während
des Zusammenlebens als auch während eines erheblichen Teils der Trennungs-
zeit tatsächlich betreut (Urk. 208 S. 4). Dabei sei es nie zu einer Gefährdung des
Kindeswohls gekommen und die Gesuchstellerin habe damit ihre Erziehungsfä-
higkeit bewiesen. Die Kinder hätten sich positiv entwickelt. Es sei denn auch der
Gesuchstellerin nie vorgeworfen worden, dass sie die Kinder vernachlässigt habe.
Die Defizite des Gesuchstellers seien dagegen nie überprüft worden. Wenn die
Parteien selber erhebliche Probleme im gegenseitigen Umgang hätten, könne da-
raus keine Gefährdung des Kindeswohls abgeleitet werden. Es sei aber der Ge-
suchsteller, der auf die Bedürfnisse der Kinder keine Rücksicht nehme und selbst
das von ihm einseitig festgelegte Ferienbesuchsrecht könne nicht ohne Hinder-
nisse ausgeübt werden. Unter diesen Umständen komme dem Wunsch des Kin-
des eine zentrale Bedeutung zu (Urk. 182 S. 7, Urk. 208 S. 6). Die Tochter sei
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sich sehr wohl bewusst, dass sie bei der von ihr gewünschten Lösung nicht mehr
mit C._ zusammenleben würde und sei damit einverstanden. Die Kinder hät-
ten auch schon eine gewisse Zeit getrennt gelebt (Urk. 208 S. 8). D._ habe
nunmehr ein Alter erreicht, in welchem sie fähig sei, die Konsequenzen ihrer Ent-
scheidung abzusehen. Allenfalls sei eine neuerliche Begutachtung anzuordnen
(Urk. 182 S. 8). Die Gesuchstellerin habe schweren Herzens akzeptiert, dass
C._ beim Vater verbleiben wolle. Anderseits sei aber auch zu berücksichti-
gen, dass D._ bei der Mutter leben wolle. Dies habe sie erklärt auch nach-
dem sie bereits längere Zeit beim Vater gelebt habe. Es handle sich damit um ei-
nen gefestigten und reflektierten Wunsch (Urk. 208 S. 7 f.).
e) Vorerst ist festzuhalten, dass die Gesuchstellerin auch nach den
Angaben des Gesuchstellers die Kinder bis zur Trennung im Sommer 2005 "gut
erzogen und gut betreut hat" (Urk. 113 S. 10). Auch ist offenkundig, dass die Ge-
suchstellerin als IV-Rentnerin zeitlich in der Lage wäre, die Tochter selber zu be-
treuen, währenddem der voll berufstätige Gesuchsteller auf Hilfe von Drittperso-
nen angewiesen ist. Diese Punkte können aber nicht alleine ausschlaggebend
sein. Es ist vielmehr einerseits auch die Entwicklung der Kinder seit 2005 zu prü-
fen und es ist der seitherige Einfluss der Eltern auf die Kinder und das Verhalten
der Eltern zu würdigen. Anderseits ist aber auch zu klären, ob der Gesuchsteller -
unter dessen Obhut die Kinder seit dem 20. Juni 2008 stehen - in der Lage ist, für
beide Kinder zu sorgen.
Was die schulische Entwicklung der Kinder anbelangt, so steht fest, dass
C._ im ersten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Detailhandelsfachmann mit
sehr guten Noten bewertet wurde (Urk. 197/36). Auch D._, die nach der
Trennung der Eltern und dem Umzug mit der Gesuchstellerin nach E._ wäh-
rend 60 Tagen in der Schule fehlte und deshalb 2007/2008 die 2. Klasse repetie-
ren musste (Urk. 25 und Urk. 113 S. 23, nicht die erste Klasse, wie von der Ge-
suchstellerin in der Befragung erwähnt: Prot. II S. 12), wird nunmehr in der 5.
Klasse mit guten Noten beurteilt (Urk. 197/37). Dies weist darauf hin, dass die
Kinder unter der Obhut des Gesuchstellers in ihrer Ausbildung bisher erfolgreich
waren und dass dieser seinen Erziehungsaufgaben durchaus gewachsen ist. Es
- 15 -
liegt denn auch kein näher umschriebener, detaillierter Vorwurf vor, wonach der
Gesuchsteller hiezu nicht in der Lage sein sollte. Die im Gutachten J._ fest-
gehaltene neuropsychologischen Befunde, die auf eine eingeschränkte Hirnfunk-
tion des Gesuchstellers hinwiesen (Urk. 113 S. 15: "minimale diffuse Hirnfunkti-
onsstörung; Urk. 113 S. 39), fallen daher nicht schwer ins Gewicht. Es wird aus
ihnen im Übrigen auch bloss abgeleitet, dass der Gesuchsteller "im erzieheri-
schen Umgang unsicher und in mancherlei Hinsicht etwas zu gutgläubig oder naiv
sei" und dass es ihm schwer falle, auf die Bedürfnisse der Kinder altersgerecht
einzugehen. Es bestehe eine Gefahr, dass er sich überlaste. Hiefür fehlen bis
heute jedoch konkrete Anhaltspunkte. Zudem wird als Gesamtwürdigung festge-
halten, dass der Gesuchsteller mit "leichter Einschränkung" erziehungsfähig sei.
Er könne die Kinder angemessen betreuen und sei letztlich geeignet, die Obhut
und Sorge über die Kinder innezuhaben (Urk. 113 S. 39). Eine generelle Beein-
trächtigung der Erziehungsfähigkeit liege nicht vor (Urk. 113 S. 15). Der Gesuch-
steller hat zudem unwidersprochen ausgeführt, dass während seiner beruflichen
Abwesenheit für die Betreuung von D._ gesorgt ist. Er hat dabei dem
Wunsch von D._ entsprochen, die jeweils bei der Familie ihrer besten Freun-
din im Quartier sein kann (Prot. II S. 21).
Das Verhalten der Gesuchstellerin lässt es dagegen als fraglich erscheinen,
dass sie die Kinder bzw. D._ ebenso unterstützen könnte. So wird u.a. in der
Gefährdungsmeldung des Amtes für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zü-
rich, ..., vom 31. August 2010 festgehalten, dass die Gesuchstellerin kürzlich aus
der psychiatrischen Klinik entlassen worden sei und dass sie sich bereits wieder
auf D._ "fixiere" und sich nicht an Abmachungen halte. Sie wolle die derzeiti-
ge Regelung nicht akzeptieren und immer wieder versuchen, D._ nach den
Besuchswochenenden und den Ferien bei sich zu behalten. Sie behaupte dann,
dass D._ - die von ihr aufgehetzt werde - dies so wolle, womit sie D._ in
einen Loyalitätskonflikt bringe. Ganz wesentlich ist sodann der Vermerk, dass
D._ in der Zeit, in welcher die Gesuchstellerin in Haft bzw. in der Klinik war,
aufgeblüht sei und sich die ganze Situation entspannt habe. Mit der Gefähr-
dungsmeldung wird schliesslich festgehalten, dass es nicht zu verantworten sei,
D._ wieder der Gesuchstellerin zu überlassen. Es bestehe die Gefahr, dass
- 16 -
D._ wieder mit psychosomatischen Beschwerden reagiere, da sie das ag-
gressive Verhalten der Gesuchstellerin nicht einschätzen könne (Urk. 197/34). Ein
solches Verhalten wird denn auch im Grunde gar nicht bestritten und ist im Übri-
gen auch mit ungehörigen Äusserungen gegenüber dem Gesuchsteller belegt
(Urk. 200/39). Damit liegen aber auch ohne Beachtung des Gutachtens J._
gewichtige Umstände vor, die gegen eine Zuteilung der elterlichen Sorge an die
Gesuchstellerin sprechen.
Hinzu kommt der nach wie vor feste Wille der Gesuchstellerin, mit D._
nach I._ auswandern zu wollen, wobei die Gesuchstellerin davon ausgeht,
dass sie ihren Lebensunterhalt alsdann mit der IV-Rente und den Unterhaltszah-
lungen bestreiten könnte. Weitere konkrete Vorstellungen über das Leben in
I._ sind nicht namhaft gemacht worden (Prot. II S. 13 ff.). Dass die Gesuch-
stellerin mit ihren derzeitigen Wohnverhältnissen (Dusche und WC sowie Küche
bloss zur Mitbenützung, Prot. II S. 16) nicht in der Lage ist, D._ ständig bei
sich zu haben und angemessen zu fördern, ist offensichtlich. Aber auch die ge-
plante Auswanderung nach I._ erscheint im Hinblick auf die schulische Aus-
bildung für D._ nicht angebracht. D._ hat - wie erwähnt - die 2. Klasse
wiederholen müssen und besucht nun im Alter von mehr als 13 Jahren erst die 6.
Klasse der Primarschule, in welcher bekanntlich erste Weichen für die zukünftige
Ausbildung gestellt werden. Mit der Auswanderung in ein Land, in dem eine Spra-
che gesprochen wird, die D._ nicht beherrscht (Prot. II S. 15), würde die
Ausbildung jedoch nochmals verzögert und D._ müsste zusätzliche Schwie-
rigkeiten überwinden. Auch diese Umstände sprechen ganz erheblich gegen eine
Zuweisung der elterlichen Sorge an die Gesuchstellerin.
Bei einer Zuweisung der elterlichen Sorge an den Gesuchsteller können an-
derseits die jetzigen stabilen Verhältnisse weiter geführt werden. Dies erscheint
im Hinblick auf die Entwicklung beider Kinder denn auch als angebracht, nach-
dem sie bisher in einen langwierigen Scheidungsprozess einbezogen waren und
eine - vorab aufgrund des Verhaltens der Gesuchstellerin - aussergewöhnlich ge-
hässig geführte Auseinandersetzung miterleben mussten. Letzteres muss sich die
Gesuchstellerin anrechnen lassen, nachdem - im Zusammenhang mit einem
- 17 -
Strafverfahren - festgehalten wurde, dass keine paranoide Schizophrenie vorliege
und nicht von einer Schuldunfähigkeit auszugehen sei. Gemäss dem von der Ge-
suchstellerin eingereichten Entscheid des Bezirksgerichts Hinwil vom 9. Dezem-
ber 2010 (Urk. 187/46) basiert diese Einschätzung auf persönlicher Exploration
und auf ärztlicher Beobachtung über einen längeren Zeitraum. Allerdings verblei-
be danach eine paranoid-querulatorische Persönlichkeitsstörung, welche eine
Verminderung, aber nicht eine gänzliche Aufhebung der Einsichts- und Steue-
rungsfähigkeit zur Folge habe (Urk. 187/46 S. 12). Diese gemäss Gutachten
Dr. K._ und med. pract. L._ seit einem langen Zeitraum bestehende
Persönlichkeitsstörung sei einer Therapie nur noch schwer zugänglich und sei nur
bei einer Mitarbeit der betroffenen Person möglich. Die Gesuchstellerin lehne je-
doch eine Therapie oder Massnahme ab (Urk. 151/37 S. 47). Eine derartige an-
dauernde Persönlichkeitsstörung spricht indes auch gegen die Zuweisung der el-
terlichen Sorge an die Gesuchstellerin, auch wenn von einer Gefährdung durch
diese Störung vorab der Gesuchsteller unmittelbar betroffen ist (Urk. 151/37 S.
56).
Damit bleibt schliesslich die Frage zu beantworten, ob trotz der angeführten
Umstände eine Zuweisung der elterlichen Sorge an die Gesuchstellerin zu erfol-
gen hat, da D._ den Wunsch geäussert hat, bei der Mutter zu wohnen (Prot. I
S. 23, Urk. 113 S. 35). D._ hat diese Äusserungen im Alter von 10 bzw. 11
Jahren gemacht, mithin noch in einem Alter, in welchem auf jeden Fall noch zu
prüfen ist, ob eine Befolgung des Kindeswillen nicht zu Lebensbedingungen füh-
ren würde, die in einem Missverhältnis zur objektiven Bedürfnislage des Kindes
stehen. Müsste hierauf geschlossen werden, so wäre damit das Kindeswohl ge-
fährdet. Dabei ist einerseits die Frage nach den möglichen Gefährdungsfolgen zu
stellen, wenn dem kindlichen Willen stattgegeben würde, und anderseits ist zu
prüfen, welche Gefährdungsfolgen eintreten könnten, wenn dem Kindeswillen
nicht entsprochen würde. Diese Prüfung bewegt sich im Spannungsfeld von Kin-
deswille und Kindesschutz. Ein prinzipiell mögliches Ergebnis ist, dass die Selbst-
bestimmung des Kindes durch den Schutzbedarf des Kindes begrenzt oder aus-
geschlossen werden muss. Der Kindeswille ist zwar grundsätzlich zu berücksich-
tigen, es sei denn, das dieser mit dem Wohl des Kindes nicht vereinbar ist (vgl.
- 18 -
hiezu H. Dettenborn, Kindeswohl und Kindeswille, 2. A., S. 81 sowie F. Arntzen,
Elterliche Sorge und Umgang mit Kindern, 2. A.,S. 12). Von einer derartigen Situ-
ation ist hier indes auszugehen. Die Zuteilung der elterliche Sorge an die Ge-
suchstellerin würde dazu führen, dass D._ aus dem bisherigen Umfeld und
auch aus der engen Verbundenheit mit C._ (Urk. 113 S. 13) und der bisheri-
gen Schule herausgerissen und in eine völlig neue Umgebung, mit noch völlig of-
fenen Weiterbildungsmöglichkeiten, umsiedeln müsste. Zudem würde auch die
Bindung zum Gesuchsteller weitgehend verunmöglicht, d.h. D._ würde ein
ganzes Geflecht von Beziehungen verlieren. Der Gesuchsteller unterstützt dage-
gen die Kontakte von D._, indem er - wie oben erwähnt - für die Zeit über
Mittag eine neue Tagesfamilie gefunden hat, deren Tochter als beste Freundin
von D._ bezeichnet wurde. Ausserdem akzeptiert er, dass die Tochter vor
der Schule zur Gesuchstellerin geht, um zu frühstücken und um den "Znüni" ab-
zuholen (Prot. II S. 20 f.). Damit ermöglicht er trotz der Anfeindungen durch die
Gesuchstellerin die offenbar auch von der Tochter gewünschten intensiven Kon-
takte und beweist damit die Bereitschaft, den Umgang mit dem anderen Elternteil
zu fördern. Dies spricht wiederum für die Zuweisung der elterlichen Sorge an den
Gesuchsteller.
Zusammengefasst ist deshalb in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
(Urk. 176 S. 8-11) festzuhalten, dass auch D._ unter die elterliche Sorge des
Gesuchstellers zu stellen ist.
2. a) Gemäss Art. 133 Abs. 1 ZGB regelt das Gericht nach den Bestim-
mungen über die Wirkungen des Kindesverhältnisses den Anspruch des nicht
sorgeberechtigten Elternteils auf persönlichen Verkehr, wobei nach Art. 133
Abs. 2 ZGB alle für das Kindeswohl wichtigen Umstände massgebend sind. Die
entsprechenden Vorgaben zur Regelung des persönlichen Verkehrs finden sich in
den beiden Artikeln 273 und 274 ZGB. Danach haben Eltern, denen die elterliche
Sorge nicht zusteht, und die unmündigen Kinder gegenseitig Anspruch auf ange-
messenen persönlichen Verkehr. Dieses Recht steht den Kindern und den Eltern
um ihrer Persönlichkeit willen zu. Es soll damit v.a. auch dem grundsätzlichen
Bedürfnis des Kindes entsprochen werden, regelmässige Kontakte zu beiden El-
- 19 -
ternteilen haben zu können. Das Kind soll eine Beziehung zu beiden Elternteilen
entwickeln bzw. beibehalten können. Wesentlich ist sodann, dass das Besuchs-
recht in erster Linie dem Interesse des Kindes dienen soll. Bei der Festsetzung
des Besuchsrechts geht es nicht darum, einen gerechten Interessenausgleich
zwischen den Eltern zu finden, sondern den elterlichen Kontakt mit dem Kind in
dessen Interesse zu regeln (BGE 131 III 209 E 5; 130 III 585 E 2.1). Zu befinden
ist - wie oben erwähnt - nurmehr über die Besuchsregelung für D._.
b) aa) Mit dem Massnahmeentscheid der Vorinstanz vom 20. August
2008 wurde die Gesuchstellerin für berechtigt erklärt, die beiden Kinder jedes
zweite Wochenende von Freitag 18.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr auf Besuch zu
nehmen und ausserdem für 3 Wochen jährlich zu sich oder mit sich in die Ferien
zu nehmen (Urk. 86). Diese Regelung wurde mit Beschluss der Kammer vom
21. Oktober 2008 bestätigt (Urk. 92). Die Vorinstanz schränkte mit dem angefoch-
tenen Urteil diese Besuchsregelung ein und reduzierte die Besuche vorerst auf
jeden zweiten Samstag und telefonische Kontakte am Mittwoch. Erst nach der Be-
reitschaft der Gesuchstellerin für eine therapeutische Behandlung sollte das Be-
suchsrecht nach Absprache mit dem Beistand auf Freitag bis Samstag bzw. Frei-
tag bis Sonntag ausgedehnt werden (Urk. 176 S. 16 f. und 31 f. Disp. Ziff. 3). Die
Vorinstanz stützte sich bei diesen Anordnungen auf das bereits erwähnte Gutach-
ten J._, mit dem aufgrund des Verhaltens der Gesuchstellerin gegenüber
dem Gesuchsteller eine Gefährdung des Kindeswohls als möglich erachtet wurde.
Es wurde befürchtet, dass D._, die dem mütterlichen Einfluss völlig ausge-
setzt sei, überfordert werde und ähnliche psychische Strukturen ausbilden und
später psychisch erkranken könnte (Urk. 176 S. 15 f.).
Aufgrund der Befragung der Parteien steht indes fest, dass die Tochter
D._ regelmässig bei der Gesuchstellerin zu Besuch ist. Zudem telefoniert die
Gesuchstellerin täglich mit D._ (Prot. II S. 11 f.). Der Gesuchsteller hielt zu-
dem fest, dass D._ seit "ein paar Monaten" am Morgen "etwas früher" gehe,
um zu frühstücken und um den "Znüni abzuholen". Er stelle sich nicht dagegen,
"wenn es D._ gut tut". Zwar habe die Vorinstanz gesagt, dass er D._
weniger zur Gesuchstellerin gehen lassen soll und dass sie auch nur ein Mal in
- 20 -
der Woche mit der Gesuchstellerin telefonieren sollte. Auch hier lasse er häufige-
res Telefonieren zu, weil es D._ "gut tut". Wenn er Verbote erlassen würde,
würde D._ heimlich Kontakt haben (Prot. II S. 20). Der Gesuchsteller bestä-
tigte überdies, dass D._ jedes zweite Wochenende die Gesuchstellerin be-
suche (Prot. II S. 22). Wesentliche Schwierigkeiten beim regelmässigen Besuchs-
recht wurden nicht namhaft gemacht.
Angesichts des nunmehr offenbar funktionierenden Besuchsrechts an jedem
zweiten Wochenende von Freitag bis Sonntag besteht heute kein Anlass mehr,
das bisherige Besuchsrecht einzuschränken. Einerseits geht aus den Angaben
der Gesuchstellerin hervor, dass sie auf die Interessen von D._ Rücksicht
nimmt (Zulassung des Besuches des Stadtfestes mit einer Kollegin: Prot. II S. 11),
und anderseits hielt der Gesuchsteller ganz allgemein fest, dass es mit D._
"gut gehe" (Prot. II S. 20). Er hat D._ zudem auch schon gefragt, ob sie frü-
her zur Gesuchstellerin wolle (Prot. II S. 22), was auf eine grundsätzliche Zustim-
mung des Gesuchstellers zu einem grosszügigen regelmässigen Besuchsrecht
hinweist. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass in Konfliktsituationen zwischen den
Elternteilen bei gutem Eltern-Kind-Verhältnis eine Einschränkung des Besuchs-
rechts nicht angezeigt ist (vgl. BGE 130 III 585). Allgemein kann gesagt werden,
dass in Konfliktsituationen, in denen das Kind Besuche beim anderen Elternteil
anstrebt, ein Abbruch bzw. eine Einschränkung zwar momentan eine Beruhigung
bringen kann, dass aber eine Behinderung die sinnvolle Verarbeitung des Schei-
dungsgeschehens langfristig verhindert. Besuche können in einem problemati-
schen Umfeld durchaus entspannend wirken. Die Auswirkungen der Konfliktsitua-
tion können sich - durch die Wiederholungen der Besuche - mehr und mehr verlie-
ren (vgl. dazu Arntzen, a.a.O., S. 42 ff.). Das Besuchsrecht ist deshalb entspre-
chend der bisherigen Regelung auf jedes zweite Wochenende von Freitag, 18.00
Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr, festzusetzen.
bb) Die Vorinstanz hat der Gesuchstellerin, sobald der Beistand
eine Ausdehnung des Besuchsrechts als möglich erachtet, auch ein gerichtsübli-
ches Ferienbesuchsrecht zugestanden (Urk. 176 S. 16 f. und Urk. 208 S. 10).
Dieses gerichtsübliche Ferienbesuchsrecht wurde auf drei Wochen festgelegt
- 21 -
(Urk. 176 S. 32 Disp. Ziff. 3). Unter Hinweis auf das oben Gesagte besteht kein
Anlass, das Ferienbesuchsrecht nicht sogleich anzuordnen. Die Gesuchstellerin
beantragte allerdings, das Ferienbesuchsrecht auf sechs Wochen festzusetzen.
Sie begründete dies damit, dass die Tochter so auch während der sechs Wochen
Schulferien betreut würde, in denen der Gesuchsteller die (ganztätige) Betreuung
nicht selber wahrnehmen könne, da er insgesamt nur sechs Wochen Ferien habe
(Urk. 182 S. 9). Der Gesuchsteller äusserte sich hiezu nicht weiter (Urk. 195 S. 5
und Urk. 209 S. 4).
Auch in diesem Punkt rechtfertigen sich aufgrund der beibehaltenen Kontak-
te von D._ zur Gesuchstellerin keine Einschränkungen mehr. Es ist vielmehr
auch in diesem Zusammenhang zu beachten, dass D._ eine gute Beziehung
zur Gesuchstellerin hat und dass ihr die Kontakte nach Angaben des Gesuchstel-
lers - wie bereits erwähnt - "gut tun". Solange D._ die Schule besucht und
dabei 12 oder 13 Wochen Ferien hat und der Gesuchsteller mit ihr unwiderspro-
chen bloss sechs Wochen Ferien verbringen kann, erscheint daher die beantragte
Regelung als sinnvoll. Sie ermöglicht D._ und der Gesuchstellerin mehrere
Ferienbesuche pro Jahr.
cc) Mit Bezug auf die Feiertagsregelung haben sich die Parteien
nicht weiter geäussert, ausser dass es sinnvoll sei, diesbezüglich eine Regelung
zu treffen (Urk. 182 S. 10 und Urk. 208 S. 10). Damit spricht nichts gegen die Be-
stätigung der von den Parteien nicht in Frage gestellten erstinstanzlichen Rege-
lung, wobei auch hier eine sofortige Anordnung getroffen werden kann. Dies gilt
ebenso für die Regelung der Telefonkontakte, wozu sich die Parteien auch nicht
weiter vernehmen liessen.
3. a) Seit Erlass der Verfügung des Vizepräsidenten des Bezirksgerichts
Kreuzlingen vom 20. Oktober 2005 ist für beide Kinder eine Beistandschaft im
Sinne von Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB angeordnet. Bisherige Begehren um Aufhe-
bung dieser Anordnung wurden abgewiesen (vgl. Urk. 176 S. 17). Vor Vorinstanz
sprachen sich beide Parteien gegen eine Fortführung der Beistandschaft aus
(Urk. 176 S. 17 f.). Die Vorinstanz ging indes davon aus, dass der Gesuchsteller
"sicher von Fall zu Fall auf eine Hilfestellung angewiesen sei" und sie erachtete
- 22 -
auch das Mitwirken des Besuchsrechtsbeistandes unabdingbar für die Beurtei-
lung, wieweit die Besuchsrechtsbeschränkung gelockert werden könne. Demnach
sollte die Erziehungs- und Besuchsrechtsbeistandschaft weiter geführt werden mit
den Aufträgen, das Besuchsrecht zu überwachen, es anzupassen und schrittwei-
se in ein ordentliches Besuchsrecht zu überführen (Urk. 176 S. 18 und S. 32 Disp.
Ziff. 5).
b) Die Gesuchstellerin macht mit ihrem im Berufungsverfahren erneut
gestellten Antrag, wonach die Beistandschaft für C._ und D._ aufzuhe-
ben sei, vorab geltend, dass die Kinder nicht bereit seien, mit der Beiständin zu-
sammenzuarbeiten. Zudem sei sie auch nicht unterstützt worden, als sie wegen
des Ferienbesuchsrechts um Unterstützung ersucht habe. Ihr Antrag entspreche
demjenigen des Gesuchstellers, der vor erster Instanz ebenfalls die Aufhebung
der Beistandschaft beantragt habe. Nachdem seit Errichtung der Beistandschaft
keinerlei Fortschritte erzielt worden seien, sei die Massnahme aufzuheben, da sie
nicht zwecktauglich sei (Urk. 182 S. 10 f. und Urk. 208 S. 10 f.). Der Gesuchsteller
hielt fest, dass bezüglich C._ die Beistandschaft angesichts dessen Alters
und des Desinteresses jederzeit aufgehoben werden könne. Aber auch für
D._ mache sie keinen Sinn, da er nicht unterstützt worden sei und die Bei-
ständin in kritischen Situationen nicht interveniert habe. Es fehle an konkreten
Pflichten für den Beistand, ohne indes darzulegen, welche konkreten Pflichten al-
lenfalls aufzugeben wären (Urk. 195 S. 5 f.). Mit der Berufungsduplik hielt er an-
derseits fest, dass er gegen eine Erziehungsbeistandschaft nichts einzuwenden
habe (Urk. 209 S. 4), er sei auf Unterstützung angewiesen (Prot. II S. 11).
c) aa) Mit Bezug auf C._ ist offenkundig, dass die bisher ange-
ordnete Beistandschaft aufzuheben ist. C._ ist bald 17-jährig und das Be-
suchsrecht ist rechtskräftig der freien Vereinbarung zwischen ihm und der Ge-
suchstellerin überlassen worden. Er hat nach den Angaben beider Parteien wenig
Kontakt zur Gesuchstellerin und entscheidet selbständig über Besuche und er hat
der Gesuchstellerin auch bedeutet, dass sie ihn nicht mehr am Arbeitsplatz besu-
chen solle (Prot. II S. 12 f. und 19 f.). Er ist damit in der Lage, selber die nötigen
Entscheide zu treffen. Sodann steht er in der Lehre, die er bisher erfolgreich ab-
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solviert hat (Prot. II S. 20). Damit besteht für ihn in keinerlei Weise Anlass, die
bisherige Beistandschaft weiter zu führen. Sie ist entsprechend aufzuheben.
bb) Der Gesuchsteller hielt weiter fest, dass es auch mit D._
"eigentlich sehr gut läuft". D._ hat - wie bereits oben erwähnt - häufige Kon-
takte zur Gesuchstellerin. Der Gesuchsteller bestätigte, dass D._ u.a. jedes
zweite Wochenende die Gesuchstellerin besuche (Prot. II S. 22). Wesentliche
Schwierigkeiten beim Besuchsrecht wurden nicht namhaft gemacht, der Gesuch-
steller erklärte vielmehr, dass er die Kontakte und Besuche bei der Gesuchstelle-
rin zulasse, da dies D._ "gut tue" (Prot. II S. 20). Damit steht aber auch fest,
dass die mit dem vorliegenden Entscheid angeordneten regelmässigen Besuche
kaum Anlass für Schwierigkeiten geben werden, die den Beizug eines Beistandes
erfordern. Auch mit Bezug auf die schulische Ausbildung der Tochter kann davon
ausgegangen werden, dass D._ genügend gefördert wird (vgl. dazu Prot. II
S. 21). Insoweit erscheint fraglich, ob die Beistandschaft für D._ weiterhin
anzuordnen ist. Der Gesuchsteller hat indes anlässlich der Berufungsverhandlung
vorbringen lassen, dass er auf Unterstützung durch die Beiständin angewiesen
sei, D._ habe ein gutes Verhältnis zur Beiständin (Prot. II S. 10 f.). Der Ge-
suchsteller hielt denn auch persönlich fest, dass er Kontakt zur Beiständin habe
und dass er sich bei allfälligen Problemen mit der Beiständin aussprechen könne.
Ungefähr alle drei Monate finde ein Treffen statt, an dem eine Bestandesaufnah-
me gemacht werde (Prot. II S. 22). Damit erscheint es jedoch sinnvoll, die Bei-
standschaft für die erst 13-jährige D._ weiter zu führen, und zwar mit dem
Auftrag, den Gesuchsteller bei allfälligen Schwierigkeiten zu unterstützen. Solche
Schwierigkeiten wurden zudem auch namhaft gemacht, wie mit dem Hinweis auf
die Intervention der Gesuchstellerin bei der Kieferorthopädin, bei welcher die kie-
ferorthopädische Behandlung für D._ besprochen werden sollte. Diese Be-
handlung konnte wegen der Intervention der Gesuchstellerin noch nicht durchge-
führt werden, vielmehr hielt die Kieferorthopädin fest, dass eine Behandlung erst
durchgeführt werden könne, wenn klare Verhältnisse vorliegen (Prot. II S. 24). In
einem derartigen Fall oder in ähnlichen Situationen kann eine Unterstützung für
den Gesuchsteller durchaus angezeigt bleiben. Zudem erfolgt die Absprache der
Ferienbesuchstermine offenbar noch immer nicht einverständlich (Urk. 211). Auch
- 24 -
hier kann eine Beistandschaft unterstützend wirken. All dies rechtfertigt es letzt-
lich, die Beistandschaft für D._ zu bestätigen.
4. Wird die elterliche Sorge dem Gesuchsteller zugeteilt, so erübrigt sich ein
Entscheid über die von der Gesuchstellerin beantragten Unterhaltsleistungen für
die Tochter D._. Die Gesuchstellerin ist zudem - wie aus den nachstehenden
Erwägungen hervorgeht - nicht in der Lage, Unterhaltsbeiträge für D._ (und
C._) zu bezahlen.
Im erstinstanzlichen Entscheid wurde allerdings auf die IV-Kinderrenten in
der Höhe von je Fr. 563.– verwiesen, welche aufgrund der Invalidität der Gesuch-
stellerin ausgerichtet werden. Dabei wurde festgehalten, dass diese Kinderrenten
in der jeweils ausgerichteten Höhe dem Gesuchsteller zu bezahlen seien, wobei
diese offenbar bereits jetzt direkt an den Gesuchsteller ausgerichtet würden. Die
zuständige Ausgleichskasse sei daher anzuweisen, dies weiterhin zu tun
(Urk. 176 S. 19). Eine entsprechende Anweisung fand dann jedoch keinen Ein-
gang ins Dispositiv des Entscheides (vgl. Urk. 176 S. 31 ff.), was vom Gesuchstel-
ler nicht gerügt wurde. Aus der von der Vorinstanz bei der IV eingeholten Aus-
kunft geht hervor, dass die Zahlungen tatsächlich an den Gesuchsteller ausge-
richtet werden (Urk. 162/2). Dies erklärt wohl, weshalb die Parteien, d.h. vorab der
Gesuchsteller, sich nicht mehr weiter geäussert haben. Es sind im Berufungsver-
fahren hiezu keine Anträge mehr gestellt worden. Damit braucht die Frage aber
auch nicht weiter geprüft zu werden.
5. a) Für die Grundsätze zur Zusprechung und Bemessung einer Unter-
haltsrente im Sinne von Art. 125 ZGB kann auf die Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden. Darin werden die entsprechenden Grundsätze zutreffend fest-
gehalten (§ 161 GVG/ZH; Urk. 176 S. 21 f.).
b) Seit dem 11. Juli 2008 war der Gesuchsteller verpflichtet, der Ge-
suchstellerin im Rahmen der vorsorglichen Massnahmen monatliche Unterhalts-
beiträge von Fr. 1'800.– zu bezahlen (Urk. 86 S. 22 und Urk. 92 S. 24 = Bestäti-
gung durch die Kammer mit Beschluss vom 21. Oktober 2008). Im Rahmen einer
vom Gesuchsteller anbegehrten Abänderung der vorsorglichen Massnahmen ei-
- 25 -
nigten sich die Parteien am 20. Januar 2010 dahingehend, dass der Unterhalts-
beitrag für die Gesuchstellerin ab April 2009 noch Fr. 1'321.– betragen soll (Prot. I
S. 45), was mit Verfügung der Vorinstanz vom selben Tag vorgemerkt wurde (Urk.
134). Die Vorinstanz verpflichtete mit ihrem Urteil den Gesuchsteller zur Bezah-
lung eines persönlichen Unterhaltsbeitrages an die Gesuchstellerin von monatlich
Fr. 900.– bis Ende Januar 2013 (d.h. Januarlohn 2013) bzw. bis 1. Februar 2013
(Urk. 176 S. 23 und S. 32 f., Disp. Ziff. 6). Sie ging dabei davon einer lebensprä-
genden Ehe aus. Sie nahm aber an, dass die Invalidität der Gesuchstellerin nicht
als ehebedingter Nachteil qualifiziert werden könne, dass aber der Solidaritätsge-
danke es rechtfertige, für eine Übergangsdauer eine Rente zuzusprechen (Urk.
172 S. 22 f.).
c) Mit der Berufung machte die Gesuchstellerin geltend, dass es sich
um eine lebensprägende Ehe gehandelt habe, weshalb der Gesuchsteller zu ver-
pflichten sei, ihr einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag zu leisten. Gemäss bun-
desgerichtlicher Praxis sei zu berücksichtigen, dass sie ihre Arbeitsfähigkeit nicht
mehr erreichen werde. Damit habe der Gesuchsteller bis zum Erreichen seines
ordentlichen AHV-Alters, soweit die finanzielle Leistungsfähigkeit dies zulasse, ihr
Unterhaltsbeiträge zu bezahlen (Urk. 182 S. 12). Mit der Replik bezifferte bzw. re-
duzierte sie den entsprechend monatlich zu zahlenden Betrag auf Fr. 1'692.–
(Urk. 208 S. 12).
Der Gesuchsteller verwies dagegen auf den erstinstanzlichen Entscheid
(Urk. 195 S. 6 und Urk. 209 S. 5) und machte im Hinblick auf die Dauer der Un-
terhaltspflicht geltend, dass er für die Betreuung der Kinder aufkomme und nun
schon seit sechs Jahren "am Existenzminimum" leben müsse. Ausserdem sei die
Deliktserie zu berücksichtigen, welche die Gesuchstellerin zu seinem Nachteil
verübt habe und die dazu geführt habe, dass Gewaltschutzmassnahmen anzu-
ordnen waren (Urk. 195 S. 7). Ausserdem habe er für Schulden von mehr als
Fr. 35'000.– aufzukommen (Urk. 209 S. 5).
d) Die Parteien haben im Jahre 1991 geheiratet. Aus ihrer Ehe sind
zwei Kinder hervorgegangen, die während des Zusammenlebens hauptsächlich
von der Gesuchstellerin betreut wurden. Seit Juli 2005 leben die Parteien ge-
- 26 -
trennt. Damit ist - wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten (Urk. 176 S. 22)
- von einer lebensprägenden Ehe auszugehen. Die Gesuchstellerin hat daher
nach Art. 125 ZGB grundsätzlich Anspruch auf Unterhaltsbeiträge, sofern sie nicht
in der Lage ist, selber für ihren Unterhalt aufzukommen. Dabei ist gemäss aus-
drücklicher Bestimmung von Art. 125 Abs. 2 Ziff. 4 ZGB der Gesundheitszustand
der Ehegatten mit zu berücksichtigen. Währenddem bei einer nicht lebensprä-
genden Ehe der Umstand, dass ein Ehegatte aus gesundheitlichen Gründen nicht
oder nur beschränkt in der Lage ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, nicht zu
berücksichtigen ist, ist dies bei einer lebensprägenden Ehe zu beachten. Begrün-
det wird dies damit, dass eine Vertrauensposition geschaffen worden sei, die
nach der Scheidung nicht enttäuscht werden dürfe (Pra 2007 Nr. 68 = FamPra
2007 S. 148 f.). Es wird so der nachehelichen Solidarität Rechnung getragen
(Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. A., Rz 05.05). Das Bun-
desgericht hat denn auch schon festgehalten, dass es nicht darauf ankomme, ob
eine Krankheit oder Invalidität ehebedingt sei. Bei einer lebensprägenden Ehe sei
der Gesundheitszustand und die damit verbundene Einschränkung in der Er-
werbsfähigkeit ungeachtet der Ehebedingtheit zu berücksichtigen (Bundesgericht
5A_288/2008, Urteil vom 27. August 2008). Keine Rolle spielt sodann, in welchem
Zeitpunkt während der Ehe die Beeinträchtigung in der Gesundheit eingetreten
ist, solange diese Beeinträchtigung vor dem Urteil über die Scheidung eingetreten
ist. Ein ausnahmsweises Abweichen vom Scheidungszeitpunkt wird damit zwar
nicht ausgeschlossen, doch muss dieses Abweichen sachlich begründet sein. Bei
der Beurteilung, ob ein Unterhaltsbeitrag zu leisten sei und gegebenenfalls in wel-
cher Höhe und wie lange, unterscheidet die Rechtsprechung sodann nicht da-
nach, ob sich die Gesundheit eines Ehegatten vor oder nach der Aufnahme des
Getrenntlebens verschlechtert hat (Bundesgericht 5A_384/2008 = ZBJV 2009
S. 667 f.).
e) Wie bereits erwähnt, ersuchte die Gesuchstellerin am 8. Juli 2005
beim Bezirksgerichtspräsidium Kreuzlingen um Anordnung eheschutzrichterlicher
Anordnungen. Mit Verfügung des Vizepräsidenten des Bezirksgerichts Kreuzlin-
gen vom 20. Oktober 2005 wurde schliesslich vorgemerkt, dass die Parteien seit
dem 15. Juli 2005 getrennt lebten. Kurz nach der Aufnahme des Getrenntlebens,
- 27 -
nämlich am tt. Juli 2005 erlitt die Gesuchstellerin einen Hirnschlag (cerebrovasku-
lärer Insult, Urk. 83 S. 3, Urk. 151 S. 31). Sie war seither nicht mehr berufstätig.
Seit dem 1. Oktober 2010 hat sie aufgrund eines Invaliditätsgrades von 100% An-
spruch auf eine volle IV-Rente (Urk. 162/1). Sie ist damit nicht in der Lage, für ih-
ren Bedarf vollumfänglich aufzukommen. Damit ist im Sinne der bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung zu prüfen, ob ihr bis zum Erreichen des ordentlichen Pen-
sionsalter des Gesuchstellers Unterhaltsbeiträge zuzusprechen sind. Ein entspre-
chender Anspruch ist nach dem Gesagten grundsätzlich ausgewiesen.
Der Gesuchsteller stellt diesem grundsätzlichen Anspruch - wie oben er-
wähnt - entgegen, dass er für die Betreuung der Kinder und deren Unterhalt auf-
zukommen habe und nun seit Jahren am Existenzminimum leben müsse. Zudem
verweist er - ohne auf Einzelheiten einzugehen - auf die "Deliktserie, die der Beru-
fungsklägerin zum Nachteil des Beklagten zur Last gelegt" werde, bei welcher die
Gesuchstellerin aufgrund des Gutachtens, auf das sie sich stütze, zurechnungs-
fähig gewesen sei. Damit verweist er auf Art. 125 Abs. 3 ZGB, wonach ein Unter-
haltsbeitrag ausnahmsweise verkürzt oder verweigert werden kann, wenn ein
solcher offensichtlich unbillig wäre (Urk. 195 S. 7 und Urk. 209 S. 5). Gemäss
Art. 125 Abs. 3 Ziff. 3 ZGB ist dies u.a. dann der Fall, wenn die unterhaltsberech-
tigte Partei gegen die verpflichtete Person eine schwere Straftat begangen hat.
Die Gesuchstellerin liess sich zu dieser Frage nicht weiter vernehmen (vgl. Urk.
208 S. 12-14).
f) Obwohl mit der Scheidungsrevision per 1. Januar 2000 auch im Un-
terhaltsrecht eine Abkehr vom Verschuldensprinzip propagiert wurde, enthält
Art. 125 Abs. 3 ZGB eine Billigkeitsklausel, wonach ein an sich nach Art. 125 Abs.
1 und 2 ZGB gegebener Unterhaltsanspruch unter bestimmten Voraussetzungen
versagt oder gekürzt werden kann. Nachdem im Vorentwurf eine ganz allgemein
gehaltene Billigkeitsklausel vorgesehen war, wurde diese Bestimmung aufgrund
des Vernehmlassungsverfahrens eingeschränkt, indes mit blossen Regelbeispie-
len doch offen gelassen (FamKomm Scheidung/Schwenzer, 2. A., N 80 und 82 zu
Art. 125 ZGB). Letzteres ergibt sich vorab aus dem Wortlauf der Bestimmung,
wonach ein Beitrag ausnahmsweise versagt oder gekürzt werden kann, wenn er
- 28 -
offensichtlich unbillig wäre, insbesondere (so nach Art. 125 Abs. 3 Ziff. 3 ZGB)
weil die berechtigte Person gegen die verpflichtete Person eine schwere Straftat
begangen hat. Mit dem nachträglich eingeführten Wort: "insbesondere" wurde
verdeutlicht, dass die in Art. 125 Abs. 3 ZGB genannten Tatbestände nicht in ab-
schliessendem Sinne zu verstehen sind (Suter/Freiburghaus, Kommentar zum
neuen Scheidungsrecht, N 106 zu Art. 125 ZGB). Wesentlich erscheint indes,
dass mit der Bestimmung von Art. 125 Abs. 3 ZGB denjenigen Konstellationen
Rechnung getragen werden sollte, in denen aufgrund der objektiven Kriterien von
Abs. 1 und 2 an sich ein Unterhaltsanspruch besteht, dessen Gewährung jedoch
aufgrund bestimmter Umstände dem Gerechtigkeitsempfinden krass widerspre-
chen würde (Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 103 zu Art. 125 ZGB). Dabei wird al-
lerdings einhellig die Auffassung vertreten, dass diese Ausnahmebestimmung
restriktiv anzuwenden sei (Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 105 zu Art. 125 ZGB;
Gloor/Spycher, Basler Kommentar, 4. A., N 37 zu Art. 125 ZGB und Schwenzer,
a.a.O., N 82 zu Art. 125 ZGB). Hausheer/Spycher weisen indes auch darauf hin,
dass die Bestimmung von Art. 125 Abs. 3 ZGB in ihrer Grundhaltung den Prinzi-
pien der Europäischen Rechtsangleichung im Familienrecht entspreche, wonach
bei einer besonderen Härte für den Unterhaltspflichtigen der Unterhalt aufgrund
des Verhaltens des Unterhaltsberechtigten eingeschränkt oder verweigert werden
könne (Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. A., Rz 05.134).
Nach Art. 125 Abs. 3 Ziff. 3 ZGB kann - wie erwähnt - ein Beitrag versagt
oder gekürzt werden, wenn die berechtigte Person gegen die verpflichtete Person
eine schwere Straftat begangen hat. Das Bundesgericht hat sich in einem Ent-
scheid im Jahre 2004 hiezu geäussert und festgehalten, dass nicht durch Strafan-
trag weiterverfolgte Beschimpfungen im Sinne von Art. 177 StGB und Drohungen
gemäss Art. 180 StGB keine schweren Straftaten im Sinne dieser Bestimmung
darstellen würden (5C.232/2004, Entscheid vom 10. Februar 2004, wiedergege-
ben in FamPra 2005 S. 357 ff.). Diese Auffassung entspricht der Meinung Sut-
ter/Freiburghaus, wonach für die Anwendung von Art. 125 Abs. 3 Ziff. 3 ZGB zwar
keine Strafe ausgesprochen worden sein muss, doch jedenfalls die strafrechtliche
Feststellung eines tatbeständsmässigen und widerrechtlichen Verhaltens vorzu-
liegen hat. Anders zu entscheiden hiesse nicht nur, dem Scheidungsgericht straf-
- 29 -
gerichtliche Zuständigkeiten zu übertragen, vielmehr würde dies bedeuten, dass
im Scheidungsverfahren doch wieder Ehekonflikte aufzuarbeiten wären. Dies
könne indes nicht Sinn der Bestimmung von Art. 125 Abs. 3 Ziff. 3 ZGB sein (Sut-
ter/Freiburghaus, a.a.O., N 114 zu Art. 125 ZGB).
Zu beachten bleibt letztlich, dass mit einem Unterhaltsbeitrag nach Art. 125
Abs. 1 und 2 ZGB im Ergebnis die bisherige Wirtschaftsgemeinschaft über die
Ehe hinaus im Rahmen der nachehelichen Solidarität weitergeführt wird. Diese
Solidarität soll aber nicht überstrapaziert werden (Hausheer/Spycher, a.a.O., Rz
05.135). Es sind daher auch Tatbestände denkbar, die in vergleichbarer Weise
wie die drei in Art. 125 Abs. 3 ZGB angeführten Tatbestände als krasse Miss-
brauchstatbestände einem vollen Unterhaltsbeitrag entgegen stehen oder Anlass
zu einer Reduktion geben könnten (Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 116 zu Art. 125
ZGB).
g) Der Gesuchsteller hat es im Berufungsverfahren unterlassen, im De-
tail aufzuzeigen, weshalb ein Unterhaltsbeitrag ganz zu verweigern oder zu kür-
zen sei. Er hat im Hinblick auf die allfällige Anwendung von Art. 125 Abs. 3 ZGB
lediglich auf die "Deliktserie" und die Gewaltschutzmassnahmen verwiesen. Er
hat indes bereits im erstinstanzlichen Verfahren geltend gemacht, dass das Ver-
halten der Gesuchstellerin einem nachehelichen Unterhalt entgegen stehe. Die
Gesuchstellerin habe ihn terrorisiert mit Morddrohungen, nächtlichen Telefonaten,
Sachbeschädigungen und tätlichen Angriffen. Der Strafrichter habe diverse Mes-
ser eingezogen (Urk. 131 S. 6).
Aufgrund der Akten sind folgende Sachverhalte belegt:
- Mit Verfügung vom 4. Mai 2008 wurden zum Schutz des Gesuchstellers
und zu Lasten der Gesuchstellerin Massnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz
erlassen (Urk. 63/1).
- Mit Verfügung vom 9. Mai 2008 wurde das gegenüber der Gesuchstellerin
ausgesprochene Rayonverbot und das Kontaktverbot bis zum 4. Juli 2008 verlän-
gert (Urk. 63 A/13).
- 30 -
- Im Rahmen eines weiteren Gewaltschutzverfahrens wurde am 17. Juni
2008 der seit 16. Juni 2008 bestehende Polizeigewahrsam bis 21. Juni 2008 ver-
längert, nachdem die Gesuchstellerin drei Mal gegen die Gewaltschutzmassnah-
men verstossen hatte. Die Gesuchstellerin bestätigte, dass sie den Gesuchsteller
geschlagen und bedroht habe, wobei die Drohungen nicht ernst gemeint gewesen
seien (Urk. 65).
- Mit Verfügung vom 26. September 2008 bestätigte der Haftrichter des Be-
zirkes Hinwil die mit Verfügung der Kantonspolizei vom 15. September 2008 an-
geordneten Schutzmassnahmen, welche aufgrund wiederholter Belästigungen
und Drohungen sowie körperlicher Angriffe der Gesuchstellerin gegen den Ge-
suchsteller angeordnet worden waren (Urk. 102/11). Mit Verfügung vom selben
Tag wurden die Schutzmassnahmen überdies bis 15. November 2008 verlängert
(Urk. 102/12).
- Auch im Rahmen der vorsorglichen Massnahmen im Scheidungsverfahren
mussten Kontaktverbote gegen die Gesuchstellerin angeordnet werden (Be-
schluss der Kammer vom 21. Oktober 2008, Urk. 102/14).
- Aus einer Verfügung der Haftrichterin des Bezirksgerichts Zürich vom
16. März 2009 geht schliesslich hervor, dass die Gesuchstellerin seit anfangs Ok-
tober 2008 in Untersuchungshaft stand und dass aufgrund der Wiederholungsge-
fahr im Sinne von § 58 Abs. 1 Ziff. 3 StPO/ZH eine Haftentlassung abgewiesen
wurde (Urk. 121/29), wobei aus einer Mitteilung betreffend: "Bevorstehender Ab-
schluss der Untersuchung" der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
8. März 2011 hervorgeht, dass Gegenstand des Strafverfahrens mehrfache Dro-
hungen gegen den Gesuchsteller waren (Urk. 200/40).
- Mit dem von der Gesuchstellerin eingereichten Beschluss des Bezirksge-
richts Hinwil vom 9. Dezember 2010 wurde sodann offen gelegt, dass die Anträge
der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich, wonach das Verfahren gegen die
Gesuchstellerin einzustellen und eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 59
StGB (Behandlung von psychischen Störungen) anzuordnen sei, abgewiesen
wurden. Das Verfahren wurde zurückgeleitet zur Anklageerhebung oder allenfalls
- 31 -
zum Erlass eines Strafbefehls (Urk. 187/46). Begründet wurde dies damit, dass
aufgrund der neuerlichen Begutachtung, wonach von "einer paranoid-querulato-
rischen Persönlichkeitsstörung gemäss ... auszugehen ist, welche eine Verminde-
rung, aber nicht die gänzliche Aufhebung der Einsichts- und der Steuerungsfähig-
keit zur Folge hat. Die Angeschuldigte (=Gesuchstellerin) hat nicht im Wahn de-
linquiert, sondern im Bewusstsein, etwas Unrechtes zu tun und in der (fehlerhaf-
ten) Überzeugung, es sei ihr (ebenfalls) Unrecht angetan worden" (Urk. 187/46 S.
12). Aus dem entsprechenden Gutachten Dr. K._ / med. pract. L._ vom
3. Juni 2010 geht ebenfalls hervor, dass die der Gesuchstellerin vorgeworfenen
Handlungen gegen den Gesuchsteller gerichtet waren. Die Gesuchstellerin erklär-
te, sie sei ausgerastet, weil "sie Angst gehabt habe, dass ihr Mann ihr die Kinder
für immer wegnehmen würde" (Urk. 151/ 37 S. 8). Im Rahmen der Begutachtung
kamen folgende Vorwürfe zur Sprache: Einschlagen mit einem Pflasterstein auf
das Auto des Gesuchstellers, Hausfriedensbruch, mehrfache Tätlichkeiten gegen
den Gesuchsteller, mehrfacher Missbrauch eine Fernmeldeanlage, Verkleben der
Türschlösser des Autos des Gesuchstellers (Urk. 151/37 S. 11-14). Es wird
schliesslich ausdrücklich auf eine hohe Zahl von Vorkommnissen verwiesen, ins-
besondere die erwähnten Sachbeschädigungen und die Tätlichkeiten gegenüber
dem Gesuchsteller (Urk. 151/37 S. 35). Dabei wird festgehalten, dass diese Ge-
schehnisse im Anschluss an eine Gerichtsverhandlung oder nach Konflikten mit
dem Gesuchsteller ergingen, aber auch bei zufälligem Zusammentreffen mit dem
Gesuchsteller erfolgten. Im wesentlichen seien die Delikte jedoch nach dem glei-
chen Schema abgelaufen, nämlich kurzfristig zuvor erlebte Frustration und Krän-
kung durch den Gesuchsteller oder aufgestaute Wut, die sich dann in Affekthand-
lungen entladen habe (Urk. 151/37 S. 36). Dabei spielten eine verminderte Frust-
rationstoleranz verbunden mit erhöhter Kränkbarkeit und eine reduzierte Impuls-
kontrolle eine Rolle. Besonders ins Auge falle das streitsüchtige und beharrliche,
situationsunangemessene Bestehen auf eigenem Recht, auch wenn die Aussich-
ten auf dessen Durchsetzung objektiv betrachtet unrealistisch seien (Urk. 151/37
S. 41). Mit dem erwähnten Gutachten wurde letztlich für die gegenüber dem Ge-
suchsteller begangenen Taten eine leicht bis mittelgradig verminderte Schuldfä-
higkeit der Gesuchstellerin diagnostiziert (Urk. 151/37 S. 46 und 51 f.).
- 32 -
All diese - wie erwähnt vom Gesuchsteller nicht im Detail substantiierten -
Vorwürfe genügen nicht, um gestützt auf Art. 125 Abs. 3 ZGB eine Unterhalts-
pflicht des Gesuchstellers gänzlich zu verneinen. Es kann nicht von einer schwe-
ren Straftat im Sinne dieser Bestimmung (Art. 125 Abs. 3 Ziff. 3 ZGB) ausgegan-
gen werden. Dabei steht insbesondere im Vordergrund, dass die Vorfälle in direk-
tem Zusammenhang mit dem Scheidungsverfahren standen. Die Handlungen der
Gesuchstellerin dürfen zwar nicht bagatellisiert werden, doch bleibt zu beachten,
dass die Sachbeschädigungen und Tätlichkeiten im "Zustand einer starken emo-
tionalen Belastung und grossen inneren Not erfolgten" und quasi im Affekt be-
gangen wurden. Völlig ausser Acht gelassen werden kann das Verhalten der Ge-
suchstellerin indes nicht, zumal auch wiederholte Beschimpfungen mit den vom
Gesuchsteller eingereichten Tonträgern belegt sind. Insgesamt grenzt das (beleg-
te) Verhalten der Gesuchstellerin an einen Sachverhalt, der mit den Bestimmun-
gen von Art. 125 Abs. 3 ZGB gleich gesetzt werden könnte. Im Ergebnis bedeutet
dies, dass bei der Ermittlung des vom Gesuchsteller zu leistenden Unterhaltsbei-
trages jedenfalls die Deckung seines gebührenden Bedarfes und ein grosszügiger
Unterhalt der Kinder zu gewährleisten ist.
h) Vorweg ist festzuhalten, dass der Entscheid der Vorinstanz, wonach
der Gesuchsteller verpflichtet wird, der Gesuchstellerin bis und mit Januarlohn
2013 einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 900.– zu bezahlen, zahlbar jeweils auf den
Ersten eines jeden Monats, seitens des Gesuchstellers unbestritten geblieben ist.
Der Gesuchsteller hat die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils beantragt. Er
ist deshalb zumindest zu verpflichten, die entsprechende Unterhaltsbeiträge zu
leisten.
i) Der Bedarf der Gesuchstellerin wurde im erstinstanzlichen Verfahren
auf Fr. 3'659.– festgesetzt (Urk. 176 S. 24). Dieser Betrag blieb im Berufungsver-
fahren unbestritten (Urk. 182 S. 12, Urk. 195 S. 6 f., Urk. 208 S. 12 und Urk. 209
S. 4). Die Gesuchstellerin kann heute über eine volle IV-Rente von monatlich
Fr. 1'967.– verfügen (Urk. 208 S. 12 und Prot. II S. 15). Damit bleibt ihr Bedarf im
Umfang von Fr. 1'692.– pro Monat ungedeckt.
- 33 -
Für den Gesuchsteller ermittelte die Vorinstanz einen Bedarf von monatlich
Fr. 6'791.– (Urk. 176 S. 23). Die Gesuchstellerin beantragt eine Reduktion dieses
Betrages auf Fr. 5'434.– (Urk. 182 S. 13 und Urk. 208 S. 13). Sollte dem Antrag
auf Zuteilung der elterlichen Sorge für D._ nicht stattgegeben werden, so sei
der Bedarf des Gesuchstellers auf Fr. 5'744.– zu reduzieren (Urk. 182 S, 14 und
Urk. 208 S. 13). Massgeblich ist indes folgender Bedarf:
Grundbetrag Fr. 1'350.–
Grundbetrag C._ und D._ Fr. 1'200.–
Wohnkosten inkl. Garagenplatz Fr. 1'929.– (a)
Krankenkasse Fr. 456.– (b)
Selbstbehalt / Franchise Fr. 120.– (c)
Kieferorthopädische Behandlung D._ Fr. 250.–
Tagesmutter Fr. 200.– (d)
Hausrat / Haftpflichtversicherung Fr. 35.–
Telefon / Radio / TV Fr. 160.–
Arbeitsweg / Mobilität Fr. 400.– (e)
Auswärtige Verpflegung Fr. 220.–
Steuern Fr. 500.– (f)
total: Fr. 6'820.–
a) Prot. S. 5 in EF090008 = Urk. 168, Urk. 198 und Urk. 200/41: Es blieb unbe-
stritten, dass das Auto das Gesuchstellers nicht mehr beschädigt wurde, seit
der Gesuchsteller über einen Platz in der Tiefgarage verfügt. Die entspre-
chenden Auslagen sind ihm daher anzurechnen. Ebenso die Mietzinserhö-
hung um Fr. 29.– per 1. Juli 2011.
b) Die Gesuchstellerin begründet im Berufungsverfahren nicht, weshalb vom
erstinstanzlich zugebilligten Betrag von Fr. 456.– abgewichen und bloss
Fr. 430.– zugestanden werden sollten (vgl. Urk. 182 S. 13 f. und Urk. 208
S. 13).
- 34 -
c) Auch hier begründete die Gesuchstellerin ihre Abweichung (Fr. 100.– statt
Fr. 120.–) nicht.
d) Entgegen der Darstellung der Gesuchstellerin sind diese Kosten, die unbe-
strittenermassen nach wie vor anfallen (Prot. II S. 21), bereits im Verfahren
EF090008 ausgewiesen worden (vgl. Urk. 176 S. 24 lit. g) i.V. mit
Urk. 168/14/2). Sie sind entsprechend anzurechnen.
e) Dem Gesuchsteller ist weiterhin die (bisherige) Benutzung eines Automobils
zuzubilligen.
f) Es kann dem Gesuchsteller nicht zugemutet werden, die Steuern während
den rund 20 Jahren, in denen Unterhaltsbeiträgen zu bezahlen sind, nicht
anzurechnen. Dies gilt erst recht aufgrund des oben angeführten Verhaltens
der Gesuchstellerin.
Die Vorinstanz ist von einem Gesamteinkommen des Gesuchstellers von
monatlich Fr. 7'720.– ausgegangen (Urk. 176 S. 23). Die Gesuchstellerin machte
im Berufungsverfahren geltend, dass dem Gesuchsteller ein Einkommen von mo-
natlich netto Fr. 6'600.– anzurechnen sei und dass zudem - bei Zuteilung der el-
terlichen Sorge für beide Kinder - die ihm ausgerichteten IV-Kinderrenten von total
Fr. 1'574.– zu berücksichtigen seien. Es stünden ihm somit monatlich Fr. 8'174.–
zur Verfügung (Urk. 208 S. 13 f.). Der Gesuchsteller wendete hiegegen - unter
Bezugnahme auf die Unterhaltsdauer - ein, dass er sich und den Kindern seit Jah-
ren kaum etwas leisten könne. Das beginne beim Musikunterricht für die Tochter
und den Sohn, gehe weiter bei Ferien, Hobbies, Kleidung der Kinder, Kommuni-
kation etc. (Urk. 195 S. 7 und Urk. 209 S. 5).
Sinngemäss macht der Gesuchsteller damit geltend, dass er nicht in der La-
ge sei, für den gebührenden Unterhalt der Kinder aufzukommen. Es ist denn auch
offenkundig, dass mit den im Bedarf des Gesuchstellers berücksichtigten Grund-
betrag nur das betreibungsrechtliche Existenzminimum gedeckt wird. Eine derar-
tige Einschränkung kann dem Gesuchsteller (und den Kindern) angesichts des
erwähnten Verhaltens der Gesuchstellerin indes nicht auf Dauer zugemutet wer-
- 35 -
den. Der durchschnittliche Unterhaltsbedarf für Kinder im Alter von C._ und
D._ beläuft sich - ohne Berücksichtigung der Kosten für Unterkunft und von
Pflege und Erziehung - auf Fr. 1'300.– (vgl. Empfehlungen zur Bemessung von
Unterhaltsbeiträgen für Kinder, Herausgegeben vom Amt für Jugend und Berufs-
beratung, Tabelle per 1. Januar 2011). Hievon werden Fr. 250.– bzw. Fr. 330.–
durch die Kinderzulagen bzw. Ausbildungszulagen gedeckt (Urk. 218), so dass
noch rund Fr. 1'000.– bzw. Fr. 1'050.– vom Gesuchsteller zu tragen sind. An die-
se Beträge sind nun vorab die unbestritten gebliebenen IV-Kinderrenten von je
Fr. 787.– (Urk. 208 S. 14) anzurechnen. Diese sind für den Unterhalt der Kinder
bestimmt und nicht als Grundlage für die finanzielle Leistungsfähigkeit des Ge-
suchstellers heranzuziehen. Sie sind bei der Leistungsfähigkeit des Gesuchstel-
lers nicht weiter zu berücksichtigen. Im Ergebnis bedeutet dies anderseits, dass
der Gesuchsteller lediglich im Umfang von insgesamt rund Fr. 500.– mit seinem
Einkommen für den Unterhalt der Kinder aufzukommen hat. Es sind daher in sei-
nem Bedarf statt des berücksichtigten Grundbetrages für die beiden Kinder von je
Fr. 600.– (= Fr. 1'200.–) lediglich insgesamt Fr. 500.– anzurechnen. Die Aufwen-
dungen für die Kinder werden im Übrigen durch die IV-Kinderrenten sowie die
Kinder- und Ausbildungszulagen gedeckt. Damit reduziert sich der massgebliche
Bedarf des Gesuchstellers auf Fr. 6'120.– pro Monat (Fr. 6'820.– ./. Fr. 700.– =
Fr. 6'120.–).
Wird nun diesem monatlichen Bedarf von Fr. 6'120.– das unbestritten ge-
bliebene Nettoerwerbseinkommen des Gesuchstellers von Fr. 6'600.– (ohne IV-
Kinderrenten und ohne Kinderzulagen, inkl. Anteil 13. Monatslohn) gegenüber ge-
stellt, so verbleiben dem Gesuchsteller lediglich Fr. 480.– zur Bezahlung von Un-
terhaltsbeiträgen an die Gesuchstellerin. Auch nach Einreichung des aktuellen
Lohnausweises für September 2011 ist vom entsprechenden Einkommen auszu-
gehen, nachdem sich die Parteien hiezu nicht weiter geäussert haben und über-
dies das Nettoeinkommen (inkl. Anteil 13. Monatslohn und ohne Berücksichtigung
von Kinder- und Ausbildungszulagen) auch nicht wesentlich vom bisher ange-
nommenen monatlichen Nettoeinkommen abweicht (vgl. dazu Urk. 218). Entspre-
chend ist der Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchstellerin bis und mit (Lohn
für) Januar 2013 gestützt auf Art. 125 ZGB der Teuerung anzupassende Unter-
- 36 -
haltsbeiträge von monatlich Fr. 900.–, ab Februar 2013 bis zum Eintritt ins ordent-
liche Pensionierungsalter von monatlich Fr. 480.– zu bezahlen. Eine weiterge-
hende Verpflichtung ist dem Gesuchsteller aufgrund aller Umstände nicht zuzu-
muten.
k) Ausgehend vom Bedarf von Fr. 3'659.– und der IV-Rente von
Fr. 1'967.– pro Monat bleiben damit unter Anrechnung der Unterhaltsbeiträge des
Gesuchstellers in der ersten Phase bis Januar 2013 Fr. 792.– und in der zweiten
Phase ab Februar 2013 Fr. 1'212.– des Bedarfs der Gesuchstellerin ungedeckt.
Dies ist im Urteil festzuhalten.
6. a) Mit Verfügung der Vorinstanz vom 14. August 2009 wurde die Ar-
beitgeberin des Gesuchstellers, H._, ..., angewiesen, ab sofort vom jeweili-
gen Lohn des Gesuchstellers monatlich Fr. 1'321.– zuhanden der Gesuchstellerin
auf deren Konto zu überweisen. Zur Begründung dieser Anweisung wurde festge-
halten, dass der Gesuchsteller die von ihm gemäss Massnahmeentscheid zu zah-
lenden Unterhaltsbeiträge während eines Jahres nur teilweise bezahlt und bei
seinen Zahlungen vermerkt habe, dass der Alimentenrest "durch die Gemeinde
bezahlt" werde (EF090008, Urk. 168/17). Mit dem Urteil vom 26. Oktober 2010
hob die Vorinstanz diese Schuldneranweisung wieder auf, da die Gesuchstellerin
im Rahmen der Replik keine erneute Schuldneranweisung beantragt habe
(Urk. 176 S. 25).
b) Mit der Berufung stellte die Gesuchstellerin indes erneut Antrag auf
eine Anweisung an die Schuldnerin des Gesuchstellers. Zur Begründung des neu
gestellten Antrages machte sie geltend, dass sie gezwungen gewesen sei, für die
ausstehenden Unterhaltsbeiträge eine Betreibung anzuheben. Der Gesuchsteller
habe jedoch Rechtsvorschlag erhoben. Damit sei davon auszugehen, dass er
nicht gewillt sei, seinen Verpflichtungen freiwillig nachzukommen (Urk. 182 S. 14).
Mit der Replik wies sie darauf hin, dass der Gesuchsteller nach erteilter Rechts-
öffnung Aberkennungsklage erhoben habe, womit er erneut seine Zahlungsunwil-
ligkeit manifestiert habe (Urk. 208 S. 14). Diese Sachverhalte blieben unbestritten
(vgl. Urk. 195 S. 8, Urk. 209 und Prot. II S. 8 ff.), weshalb der neu gestellte Antrag
als zulässig erscheint. Der Gesuchsteller wendete bloss ein, dass die Frage der
- 37 -
ausstehenden Unterhaltsbeiträge und die Schuldneranweisung Vollstreckungsfra-
gen im Zusammenhang mit dem Massnahmeverfahren seien, die nicht in das
Hauptverfahren gehörten (Urk. 195 S. 8).
c) Vernachlässigt die verpflichtete Partei die Erfüllung der Unterhalts-
pflicht, so kann das Gericht ihren Schuldner anweisen, die Zahlungen ganz oder
teilweise an die berechtigte Person zu leisten (Art. 132 Abs. 1 ZGB). Das bis im
Jahre 2000 gültige Scheidungsrecht enthielt keine Vorschriften über die Anwei-
sung des Schuldners der verpflichteten Person. Nach der Praxis konnte die un-
terhaltspflichtige Person aber in analoger Anwendung von Art. 43 Abs. 2 OR auf
entsprechenden Antrag hin im Scheidungsurteil zur Sicherheitsleistung für Ren-
tenansprüche verpflichtet werden. Voraussetzung war der Nachweis einer konkre-
te Gefährdung der Erfüllung der Unterhaltspflicht. Das revidierte Scheidungsrecht
sieht nun eine Anweisung als eigenständige Massnahme vor, die im Scheidungs-
urteil oder auch nachträglich in einem separaten Verfahren angeordnet werden
kann (Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 1 und 2 zu Art. 132 ZGB).
Eine Vernachlässigung liegt vor, wenn der Unterhaltsbeitrag wiederholt
nicht, nicht vollständig und/oder pünktlich bezahlt wurde und zu befürchten ist,
dass dies auch in Zukunft geschehen wird. Auf den Grund für die nicht gehörige
Erfüllung kommt es nicht an. Eine Anweisung darf zwar nicht erfolgen, wenn nur
ausnahmsweise eine Unterhaltszahlung ganz oder teilweise ausgeblieben ist, sie
kann aber mit dem Scheidungsurteil angeordnet werden, wenn die verpflichtete
Person schon der während des Scheidungsverfahrens angeordneten Unterhalts-
pflicht nicht nachgekommen ist und deshalb bereits eine Anweisung angeordnet
wurde (Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 7 f. zu Art. 132 ZGB).
d) Die Vorinstanz hat - wie oben erwähnt - mit Verfügung vom 14. Au-
gust 2009 eine entsprechende Anweisung an die Arbeitgeberin des Gesuchstel-
lers erlassen (EF090008, Urk. 168/17). Es blieb unbestritten, dass der Gesuch-
steller für ausstehende Unterhaltsbeiträge betrieben werden musste und dass zur
Zeit über eine Aberkennungsklage zu befinden ist. Dies zeigt im Zusammenhang
mit der im Rahmen der vorsorglichen Massnahmen erlassenen Schuldneranwei-
sung, dass dem entsprechenden Antrag der Gesuchstellerin auch für die nach-
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ehelichen Unterhaltsbeiträge zu entsprechen ist, wobei die geschuldeten Beträge
anzupassen sind. Es kann der Gesuchstellerin nicht zugemutet werden, das
Scheidungsurteil abzuwarten und dann bei allfälliger Nichtbezahlung erneut ein
Gesuch um Schuldneranweisung zu stellen. Im Übrigen ist der Eingriff nicht mehr
derart einschneidend in das Verhältnis des Gesuchstellers zum Drittschuldner,
nachdem zur Zeit bereits eine Schuldneranweisung in Kraft steht. Aus dem neu
eingereichten Lohnausweis für September 2011 geht hervor, dass diese Anwei-
sung auch heute noch - nach der geänderten Anstellung des Gesuchstellers -
weiterhin vollzogen wird (Urk. 218). Die Anweisung ist daher zu bestätigen, wobei
die Anweisung an die mit dem neu eingereichten Lohnausweis genannte Adresse:
"..." zu ergehen hat.
7. Die Gesuchstellerin beantragte zu Recht die Aufhebung von Disp. Ziff. 10
des erstinstanzlichen Urteils, mit welcher Bestimmung festgehalten wurde, dass
die Parteien "im Übrigen güter- und eherechtlich auseinandergesetzt" erklärt wer-
den. Vorab wurde eine entsprechende Erklärung nicht beantragt und zudem strei-
ten die Parteien um ausstehende Unterhaltsbeiträge (Urk. 182 S. 15 f. und
Urk. 208 S. 14). Sie sind mithin "im Übrigen" eherechtlich noch nicht auseinan-
dergesetzt. Der Gesuchsteller verwies seinerseits auf das Vollstreckungsverfah-
ren (Urk. 195 S. 8). Die Parteien einigten sich im Anschluss an die Berufungsver-
handlung denn auch darauf, dass die angefochtene Disp. Ziff. 10 aufzuheben und
durch die Bestimmung: "Im Übrigen werden die Parteien - mit Ausnahme der aus-
stehenden Unterhaltsbeiträge - als güter- und eherechtlich auseinandergesetzt
erklärt" zu ersetzen sei (Prot. II S. 26). Diesem Antrag ist ohne Weiteres zu ent-
sprechen. Die neue Formulierung trägt den tatsächlichen Gegebenheiten Rech-
nung.
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III.
1. Die Vorinstanz gewährte den Parteien mit Verfügung vom 19. Oktober
2007 die unentgeltliche Prozessführung und bestellte deren Vertreter als unent-
geltliche Rechtsbeistände (Urk. 35 S. 6 f., Disp. Ziff. 6). Beide Parteien beantra-
gen auch für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege (Urk. 182
S. 4 und Urk. 195 S. 2). Gemäss der hier noch gültigen ZPO/ZH gilt die Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht nur für die angerufene Instanz, son-
dern auch für das weitere Verfahren (Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zür-
cherischen Zivilprozessordnung, 3. A., N 3 zu § 90 ZPO/ZH). Die Rechtsmitte-
linstanz kann für ihr Verfahren allerdings einen selbständigen Entscheid treffen (§
90 Abs. 2 ZPO/ZH). Hiezu besteht indes kein Anlass. Damit gilt die bisher ge-
währte unentgeltliche Rechtspflege weiterhin.
2. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss erstinstanzlichem Urteil
sind nicht weiter angefochten (vgl. Urk. 182 S. 16 und Urk. 208 S. 15 sowie
Urk. 195 S. 2). Sie sind denn auch ohne Weiteres zu bestätigen.
3. Entgegen der Auffassung der Gesuchstellerin ist bei der Beurteilung der
Kosten- und Entschädigungsfolgen nicht zu berücksichtigen, dass der Gesuch-
steller "die klar wirtschaftlich stärkere Partei" sei (Urk. 208 S. 15). Die Kostenrege-
lung richtet sich vielmehr nach dem Prozessausgang. Nach ständiger Praxis der
Kammer sind die Kosten mit Bezug auf die Kinderbelange indes unabhängig vom
Prozessausgang den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen, wenn sie für ihre Anträ-
ge gute Gründe hatten (Frank/Sträuli/Messmer, a.a.O., N 30 zu § 64 ZPO/ZH mit
Hinweis auf ZR 84 Nr. 31). Hievon ist auch hier auszugehen. Sodann unterliegt
der Gesuchsteller im Grundsatz mit Bezug auf den von der Gesuchstellerin gefor-
derten Unterhalt und mit Bezug auf die beantragte Schuldneranweisung. Weiter
wurde sein Begehren um Abänderung der vorsorglichen Massnahmen abgewie-
sen (Urk. 191). Die Gesuchstellerin unterliegt anderseits mit Bezug auf die Höhe
des geforderten Unterhaltsbeitrages, doch spielten hier die Interessen der Kinder
wiederum eine wesentliche Rolle. Damit rechtfertigt es sich im Ergebnis, auch im
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Berufungsverfahren die Kosten den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen. Demge-
mäss sind keine Prozessentschädigungen zuzusprechen.