Decision ID: 62ef5697-7747-46e6-80b7-eb2ab19c71b5
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 6. November 2015 aufgrund einer Beeinträchtigung seiner
Lungenfunktion zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Der gelernte
Elektromonteur war seit 1981 selbständig als Auslieferungs- und Servicemonteur der
Einzelfirma B._ erwerbstätig, seit dem 2. März 2015 zu 50% und ab dem 8. Juni 2015
zu 100% arbeitsunfähig und erhielt Leistungen seiner Krankentaggeldversicherung (vgl.
IV-act. 2ff.). Dr. med. C._, Fachärztin für Innere Medizin FMH, gab im Bericht vom 8.
Dezember 2015 unter anderem an, dass der Versicherte an einer chronisch
obstruktiven Lungenerkrankung Stadium Gold III leide, welche im Rahmen einer
infektiösen Exazerbation im September 2014 diagnostiziert worden sei. Im Juli 2015 sei
wegen eines Karzinom-Verdachts, welcher sich nicht bestätigte, eine
Lungenteilresektion des Oberlappens rechts erfolgt. Eine diagnostizierte Aspergillose
sei medikamentös behandelt worden. Weiter bestehe eine schwere
Spinalkanalstenose, Claudicatio spinalis, seit Juni 2015. Die Arbeitsfähigkeit sei seit
Ende September 2014 wegen Anstrengungs-Atemnot und Claudicatio-Beschwerden in
den Beinen sowie Lumbalgien eingeschränkt. Der Versicherte habe deswegen weniger
gearbeitet, dies aber nicht berichtet und sei von ihr ab dem 2. März 2015 zu 50%, ab
dem 16. Juli 2015 zu 100% und aktuell bis auf weiteres zu 80% arbeitsunfähig erklärt
worden. Aktuell könne er eine leichte körperliche Arbeit in Wechselbelastung zwei
Stunden am Tag ausführen (IV-act. 16-1f.).
A.a.
Berufliche Massnahmen wurden nicht an die Hand genommen, da der Versicherte
erklärte, noch zirka zwei Jahre Krankentaggelder beziehen zu können und seine
Tätigkeit noch bis zum 64. Altersjahr weiterzuführen. Er erledige aktuell noch
A.b.
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Bürotätigkeiten und pflege telefonische Kontakte mit Kunden. Er verfüge über zwei
Mitarbeiter, einer davon sei sein Sohn, welcher den Betrieb früher oder später
übernehmen werde und aktuell seine früheren Tätigkeiten ausführe (IV-act. 17, 19, 21).
Dementsprechend erfolgte der Abschluss der beruflichen Massnahmen (Mitteilung vom
7. Januar 2016, IV-act. 22).
Da die einjährige Wartezeit noch nicht abgelaufen war, wurde dem Versicherten
am 15. Januar 2016 die Weiterbearbeitung des Rentengesuches für den März 2016 in
Aussicht gestellt (IV-act. 22). Nach Einholung diverser Arztberichte nahm RAD-Arzt Dr.
med. D._, Facharzt für allgemeine Medizin, Pneumologie und Arbeitsmedizin, am 4.
April 2016 erstmals Stellung und bestätigte, dass eine COPD sowie eine
Spinalkanalstenose im Vordergrund stünden, wobei letztere als symptomarm
beschrieben worden sei. Im Grossen und Ganzen sei der Gesundheitszustand stabil.
Gemäss Hausärztin hätten die Krankschreibungen im März 2015 begonnen. Gemäss
pneumologischem Arztbericht betrage die medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit 100%. Gemäss durchgeführter Spiroergometrie reiche die
Lungenfunktion präoperativ für eine ganztägige überwiegend sitzende Tätigkeit aus.
Eine adaptierte Tätigkeit ohne Heben, Tragen, Ziehen, Stossen schwerer Lasten, ohne
grössere Gehstrecken oder Höhendifferenzen (mehr als zwei Stockwerke) und ohne
Zeitdruck sei möglich. Ein Bericht der stattfindenden pulmonalen Rehabilitation sei
noch einzuholen (IV-act. 28; eine solche fand jedoch offenbar nicht statt, vgl.
Bemerkungen im Feststellungsblatt Rente vom 31. Mai 2016, IV-act. 38-2 und 29-1).
A.c.
Am 20. Mai 2016 wurden via die Treuhandfirma weitere Buchhaltungsunterlagen
eingereicht und zudem mitgeteilt, dass der Versicherte plane, sein Geschäft per 30.
Juni 2016 aufzugeben (IV-act. 37).
A.d.
Am 31. Mai 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Zusprache einer
Viertelsrente bei einem IV-Grad von 44% ab dem 1. Mai 2016 in Aussicht. Da bereits
eine Teilrente resultiere und unter Berücksichtigung des Alters des Versicherten werde
auf weitere umfangreichere Abklärungen verzichtet. Das Valideneinkommen setzte sie
gemäss dem Durchschnitt aus den im IK aufscheinenden Einkommen aus den Jahren
2009 bis 2013 auf Fr. 105'380.-- fest. Für das Invalideneinkommen ermittelte sie
gestützt auf die Zahlen der schweizerischen Lohnstrukturerhebung für das Jahr 2012
A.e.
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einen Betrag von Fr. 65'172.--. Da dem Versicherten nur noch leichtere Tätigkeiten
zumutbar seien, berücksichtigte sie zudem einen Tabellenlohnabzug von 10% (vgl.
Formular Einkommensvergleich vom 12. April 2016, IV-act. 31; Feststellungsblatt Rente
vom 31. Mai 2016, IV-act. 38f.).
Im Einwand vom 1. Juli 2016 beantragte der Versicherte die Zusprache einer
ganzen IV-Rente sowie die Anpassung des IV-Grades auf mindestens 70%. Gemäss
dem Arztbericht seiner Hausärztin Dr. C._ vom 22. Juni 2016 sei bei einem optimalen
Verlauf mit einer maximalen Arbeitsfähigkeit von 20-30% und einem dementsprechend
tieferen Invalideneinkommen zu rechnen. Seine gesundheitliche Situation habe sich
gegenüber dem ärztlichen Bericht vom 8. Dezember 2015 nochmals verschlechtert.
Seine Wirbelsäule werde derzeit spezialärztlich behandelt, wobei zunächst eine
Infiltration und allenfalls eine anschliessende Operation geplant sei (IV-act. 40).
A.f.
Gemäss den medizinischen Akten erfolgten drei Infiltrationen (am 30. Juni 2016,
17. November 2016 sowie 12. Januar 2017) sowie eine pneumologische
Verlaufskontrolle (IV-act. 50, 52). RAD-Arzt Dr. D._ befand in der Stellungnahme vom
20. Februar 2017, dass hinsichtlich der pulmonalen Leistungseinschränkungen
weiterhin auf das Ergebnis der Spiroergometrie von Juni 2015 abgestellt werden
könne. Bezüglich der Spinalkanalstenose sei eine Arbeitsfähigkeitsschätzung für in
optimal den Leiden angepassten Tätigkeiten einzuholen (IV-act. 53).
A.g.
Am 12. April 2017 unterzog sich der Versicherte einer Wirbelsäulenoperation
(Dekompression L3/4), welche sechs Monate später ein sehr zufriedenstellendes
Ergebnis zeigte. Er habe ausser einem leichten Anlaufschmerz am Morgen, mit
welchem er gut zurechtkomme, keinerlei Beschwerden bezüglich der
Spinalkanalstenose mehr. Es sei keine Nachkontrolle mehr geplant (vgl. Bericht von Dr.
med. E._, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, KSSG, vom 18. Oktober 2017, IV-act. 69).
A.h.
Gemäss RAD-Arzt Dr. D._ hat die Spinalkanalstenose keine dauerhafte und
anhaltende quantitative Leistungsminderung beim Versicherten bewirkt. Die Frage nach
der Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei von den orthopädischen Behandlern zwar
nicht dezidiert beantwortet worden, die zur Verfügung gestellten Berichte würden
A.i.
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B.
jedoch nahelegen, dass die Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit nach
erfolgreicher Behandlung von dieser Seite her nicht nennenswert und dauerhaft
eingeschränkt sei. Deshalb könne weiterhin von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in
optimal leidensangepassten Tätigkeiten gemäss RAD-Beurteilung vom Februar 2017
ausgegangen werden (RAD-Stellungnahme vom 6. Dezember 2017, IV-act. 70).
Der Versicherte gab auf Nachfrage hin an, dass er den Betrieb per 1. Juli 2016
seinem Sohn übergeben habe, überhaupt nicht mehr mithelfen könne und heute von
seinem Ersparten lebe (IV-act. 72; dasselbe bestätigte auch der Treuhänder im Mail
vom 6. Dezember 2017, vgl. IV-act. 73-1). Für die angestammte Tätigkeit als
Auslieferungs- und Servicemonteur von Haushaltapparaten bestätigte RAD-Arzt Dr.
D._ am 10. Januar 2018 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Für die zuletzt
ausgeübte Bürotätigkeit würden keine neuen medizinischen Unterlagen vorliegen, die
eine andere Arbeitsfähigkeitsschätzung rechtfertigen würden (IV-act. 74).
A.j.
Am 10. Januar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass der Einwand
vom 1. Juli 2016 inzwischen abschliessend habe geprüft werden können und dass
dazu im Verfügungsteil 2 ausführlich Stellung genommen werde. Die zuständige AHV-
Ausgleichskasse werde die Rentenverfügung demnächst erlassen und ihm zustellen
(IV-act. 77). Gleichentags erging der Beschluss über die Zusprache einer Viertelsrente
ab dem 1. Mai 2016 bei einem IV-Grad von 44% (IV-act. 76).
A.k.
Mit Verfügung vom 14. Februar 2018 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab dem
1. Mai 2016 eine Viertelsrente zu (IV-act. 78; Verfügungsteil 2, IV-act. 75).
A.l.
Gegen die Verfügung vom 14. Februar 2018 erfolgt am 12. März 2018 Beschwerde
mit dem Antrag auf deren Aufhebung sowie auf Zusprache einer ganzen Rente ab dem
1. Mai 2016; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Der Beschwerdeführer sei alleine aufgrund seines Lungenleidens
zu 70% in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Die behandelnde Ärztin habe
dargelegt, dass er selbst in leichter Tätigkeit nur noch zu 20-30% leistungsfähig sei.
Selbst unter der Annahme einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten
Tätigkeit ergäbe sich bereits ein Anspruch auf eine ganze Rente. Das
B.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
Valideneinkommen betrage gemäss IK-Auszug im Durchschnitt der erwähnten Jahre
Fr. 107'671.40 und nicht Fr. 105'380.--. Zudem sei ihm deshalb die Verwertbarkeit
seiner Restarbeitsfähigkeit mit bestehenden Einschränkungen selbst bei leichten
Tätigkeiten bei einem Alter im Jahre 2015 von 62 nicht mehr zumutbar (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 23. Mai 2018
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf die gemäss den
medizinischen Akten sowie gemäss der RAD-Beurteilung bestehende 100%-ige
Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten, die korrekte Ermittlung des
Valideneinkommens, auf das Alter des Beschwerdeführers von 62 Jahren im Zeitpunkt
der massgeblichen RAD-Stellungnahme vom 4. April 2016 sowie das Vorhandensein
von diversen Stellen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (act. G 4).
B.b.
In der Replik vom 21. Juni 2018 hält der Beschwerdeführer an den gestellten
Anträgen fest, da sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hätte, keine aktuellen
Unterlagen beigezogen worden seien und eine Begutachtung unterblieben sei. Zudem
sei nicht ersichtlich, aus welchem Fachgebiet RAD-Arzt D._ stamme und
dementsprechend läge keine fachspezifische Beurteilung vor. Sollte das Gericht nicht
zur Ansicht gelangen, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine ganze IV-Rente
habe, sei zunächst eine Begutachtung durchzuführen (act. G 6).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 25. Juli 2018 auf eine Duplik (act. G 8).B.d.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
1.1.
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Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.4.
Nicht auf eigenen Untersuchungen beruhende RAD-Berichte (Art. 49 Abs. 2 IVV)
können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
1.5.
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2.
Vorab sei bemerkt, dass RAD-Arzt Dr. med. D._ über die Facharzttitel für Allgemeine
Innere Medizin, Pneumologie und Arbeitsmedizin (Deutschland) verfügt und damit für
die Beurteilung der gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers qualifiziert
erscheint (die entsprechenden Angaben sind online abrufbar unter: http:\
\www.doctorfmh.ch).
3.
Wesentlichen um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in
den Hintergrund rückt (vgl. Art. 59 Abs. 2 IVG). Ein förmlicher Anspruch auf
versicherungsexterne Begutachtung besteht nicht. Eine solche ist indes anzuordnen,
wenn auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen bestehen (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 43 N. 41 m.H.). Ein externes, meist polydisziplinäres
Gutachten ist namentlich einzuholen, wenn der interdisziplinäre Charakter einer
medizinischen Problemlage dies gebietet, wenn der RAD nicht über die nötigen
fachlichen Ressourcen verfügt, sowie wenn zwischen RAD-Bericht und dem
"allgemeinen Tenor" im medizinischen Dossier eine relevante Differenz besteht (Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Dezember 2017, C-1022/2016, E. 7.4 mit
Hinweisen auf BG-Urteil vom 1. September 2015, 9C_335/2015, E. 3.1).
bis
Zu prüfen ist, ob der medizinische Sachverhalt feststeht. Den medizinischen Akten
ist zu entnehmen, dass beim Beschwerdeführer folgende Diagnosen vorliegen:
chronisch obstruktive Pneumopathie (COPD, Stadium GOLD 3, Erstdiagnose 09/14,
sistierter Tabakrauchkonsum, 100py 07/15), zwei Aspergillome Oberlappen rechts
(nicht invasive Aspergillose, 9.07.15 thorakoskopische Adhäsiolyse, Wedgeresektion
Oberlappen rechts im LVRS Konzept sowie Lymphadenektomie ATS 4R und 10
Oberlappen), invertiertes Papillom Kieferhöhle links (mediane Maxillektomie,
Kieferhöhlenausräumung nach Caldwell-Luc 09/15), hypertensive und Verdacht auf
koronare Herzkrankheit (Dyspnoe, keine Angina pectoris, 06/15: TTE: normale LVEF,
Hypo- bis Akinesie inferobasal Auswurfsfraktion, cvRF: Adipositas, Dyslipidämie,
Nikotin), periphere arterielle Verschlusskrankheit (bds. Stadium IIb, Erstdiagnose 04/15,
Gehstrecke 100 - 200 m, nächtliche Wadenkrämpfe, duplexsonographisch Nachweis
von arteriosklerotischen Plaques (Bericht Klinik für Pneumologie KSSG vom 7.
November 2016, IV-act. 50) sowie ein Status nach mikroskopischer bilateraler
Dekompression L3/L4 rechts vom 12. April 2017 bei hochgradiger Spinalkanalstenose
3.1.
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L3/L4 und einem Status nach positiver epiduraler Infiltration L3/L4 vom 12. Januar
2017 (IV-act. 69-1).
Der Beschwerdeführer macht geltend, gemäss dem Bericht seiner Hausärztin vom
22. Juni 2016 sei er selbst in leichten Tätigkeiten nur 20 - 30% leistungsfähig (act. G 1).
Im fraglichen Bericht führt die Ärztin die Diagnosen chronisch obstruktive
Lungenerkrankung Stadium Gold III (nach Lungenteilresektion Oberlappen rechts 07/15
wegen Karzinom-Verdacht, Diagnose einer Aspergillose, medikamentös behandelt)
sowie einer schweren Spinalkanalstenose, Claudicatio spinalis 06/15 an. Wegen seiner
Anstrengungs-Atemnot toleriere er nur leichte körperliche Belastungen. Bei einem
längeren Verkaufsgespräch müsse er eine Pause einlegen. Wegen der ausgeprägten
degenerativen Veränderungen an der Lendenwirbelsäule (LWS) dürfe er keinesfalls
mehr schwere Lasten tragen, zudem sei wegen der Claudicatio-spinalis-Symptome in
beiden Beinen die Gehstrecke auf 300 - 400 m eingeschränkt und schon bei längerem
Stehen würden Gefühlsstörungen und Schmerzen in beiden Waden auftreten. Wie
bereits im Bericht vom 8. Dezember 2015 erwähnt, könne auch bei gutem Verlauf
allenfalls eine Restarbeitsfähigkeit von 20 - 30% mit sehr leichter körperlicher
Belastung erreicht werden. Da sich die Claudicatio-spinalis-Symptome in den
vergangenen Monaten deutlich verschlechtert hätten, laufe aktuell eine spezialärztliche
Beurteilung an der Wirbelsäulensprechstunde im Kantonsspital. Es sei eine Infiltration
geplant und bei fehlendem Ansprechen eine stabilisierende Operation (IV-act. 40).
3.2.
Gegenüber der Krankentaggeldversicherung hatte die Hausärztin
Arbeitsunfähigkeiten ab 2. März 2015 von 50%, ab 8. Juni 2015 von 100%, ab dem 8.
Oktober 2015 von 50% sowie ab dem 19. Oktober 2015 von 80% bestätigt (vgl.
Krankenkarte, IV-act. 3). Zuhanden der Beschwerdegegnerin gab sie im Bericht vom 8.
Dezember 2015 an, dass eine leichte körperliche Arbeit bei Wechselbelastung aktuell
zwei Stunden pro Tag möglich sei. Ab dem 2. März 2015 habe sie eine
Arbeitsunfähigkeit vom 50% bescheinigt, ab dem 16. Juli 2015 eine solche von 100%
und aktuell bis auf weiteres eine solche von 80%. Der Beschwerdeführer leide an
Anstrengungs-Atemnot, Claudicatio-Beschwerden in den Beinen sowie Lumbalgien.
Gegen einen sofortigen Beginn der Wiedereingliederung würde sprechen, dass eine
bessere Lösung als eine Restarbeitsfähigkeit von 20 - 30% im eigenen Betrieb nicht
möglich sein werde (IV-act. 16-1f.).
3.3.
3.4.
Betreffend die Lungenerkrankung ist dem Bericht der Klinik für Pneumologie und
Schlafmedizin des KSSG vom 4. Juni 2015 über die Untersuchung vom selben Tag zu
3.4.1.
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entnehmen, dass weitere Abklärungen hinsichtlich der malignomverdächtigen
Rundherde im rechten Oberlappen vorgesehen waren und dass sich unter angepasster
inhalativer Therapie eine deutliche Besserung der FEV1 bei erstmalig aufgetretener
partieller Reversibilität gezeigt hatte. Auch subjektiv sei es zu einer deutlichen
Beschwerdebesserung gekommen (IV-act. 8-7ff.). Aus einem weiteren Bericht vom 26.
Juni 2015 geht hervor, dass vom 15. bis 24. Juni 2015 Abklärungen betreffend einen
Verdacht auf ein Bronchuskarzinom durchgeführt worden seien und eine
Spiroergometrie ergeben habe, dass eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit bei leicht
bis mittelschwer eingeschränkter maximaler Sauerstoffaufnahme bestanden habe. Vom
15. Juni bis 15. Juli 2015 wurde dem Beschwerdeführer eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 8-12ff.). Im Versicherungsbericht zuhanden des
Krankentaggeldversicherers vom selben Tag wurde betreffend die
Arbeitsfähigkeitsschätzung festgehalten, dass zunächst die Ergebnisse der
Spiroergometrie abzuwarten seien (IV-act. 8-10f.). Am 9. Juli 2015 unterzog sich der
Beschwerdeführer in der Klinik für Thoraxchirurgie des KSSG einer thorakoskopischen
Adhäsiolyse, einer Wedgeresektion Oberlappen rechts im LVRS-Konzept sowie einer
Lymhadenektomie ATS 4 R, worauf er am 22. Juli 2015 wieder entlassen wurde
(Sprechstundenbericht vom 1. Juli 2015, IV-act. 16-3f., Austrittsbericht vom 21. Juli
2015, IV-act. 16-5f., undatierter Arztbericht der Klinik für Thoraxchirurgie des KSSG
Eingang SVA am 29. Februar 2016, IV-act. 27). Die Klinik für Pneumologie und
Schlafmedizin des KSSG attestierte im undatierten, bei der Beschwerdeführerin am 24.
Februar 2016 eingegangenen Arztbericht eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit für
angepasste Tätigkeiten. Sitzende Tätigkeiten seien ganztags möglich. Die
angestammte Tätigkeit als Montagetechniker sei bei einer medizinisch-theoretischen
Ateminvalidität von mehr als 50% nur noch eingeschränkt möglich (IV-act. 26-2ff.). Am
3. November 2016 fand eine grosse Lungenfunktionsprüfung statt, welche eine
schwere obstruktive Ventilationsstörung bei mittelschwer verminderter CO-
Diffusionskapazität ergab. Gemäss Zuweisungsschreiben habe eine zunehmende
Anstrengungsdyspnoe Ende September 2016 im Vordergrund gestanden. In der
Zwischenzeit sei gemäss Patient eine diuretische Therapie bei peripheren Ödemen
erfolgt. Im Jahresverlauf bestehe ein weitgehend stabiler Verlauf. Limitierend in den
letzten zwei bis drei Monaten seien die Beinschmerzen gewesen. Er habe von einer
Infiltration im Juni 2016 sehr profitiert mit deutlich grösserem Aktionsradius.
Lungenfunktionell sei es nach der einseitigen Lungenvolumenreduktionschirurgie
(LVRS) rechts 2015 initial zu einer signifikanten Zunahme mit nun wieder Abfall des
FEV1 um 300ml (17.2%) gekommen. Insgesamt liege eine COPD, Stadium GOLD 3 vor,
in der Risikogruppe D (wobei hier die Atemnot limitierend sei). Die inhalative Therapie
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sei zurzeit optimal. Der Abfall des FEV1 sei wahrscheinlich auf die nachlassende
Wirkung der rechtsseitigen LVRS zurückzuführen. Zurzeit sei der Patient jedoch im
Gehtest mit 486m und nicht heterogenem Emphysem und kaum Überblähung kein
guter Kandidat für die Gegenseite. Dem Bericht war ausserdem zu entnehmen, dass
der Tabakrauchkonsum seit Juli 2015 bei 100py sistiert wurde (Bericht vom 7.
November 2016, IV-act. 50). Am 28. Dezember 2016 gab die Klinik für Pneumologie
einen verschlechterten Gesundheitszustand an und verwies auf Therapiemassnahmen
in Form einer am 17. November 2016 bereits erfolgten Infiltration in der Klinik für
Orthopädie sowie regelmässiger körperlicher Aktivität (IV-act. 51).
Bezüglich der Lunge ist somit festzustellen, dass zwei sich als nicht bösartig
erweisende Tumore erfolgreich entfernt werden konnten und der Beschwerdeführer an
einer schweren obstruktiven Lungenkrankheit leidet. Deshalb kann er keine schweren
Tätigkeiten mehr ausführen, ist jedoch für leichte sitzende Tätigkeiten ganztags zu
100% arbeitsfähig. Die im Bericht der Pneumologie vom 17. November 2016
angegebene und nicht näher bezeichnete Verschlechterung des Gesundheitszustandes
bezog sich offensichtlich auf die Beschwerden aufgrund der Claudicatio, da betreffend
Behandlungsmassnahmen Infiltrationen in der Klinik für Orthopädie und regelmässige
körperliche Aktivitäten empfohlen worden waren. Somit hatte die am 24. Februar 2016
angegebene 100%-ige Arbeitsfähigkeit für lungenadaptierte Tätigkeiten nach wie vor
Geltung (vgl. E. 3.4.1 vorstehend). Zu keinem anderen Schluss kam auch RAD-Arzt und
Pneumologe Dr. D._ in seiner Stellungnahme vom 20. Februar 2017. Es könne
weiterhin auf das Ergebnis der Spiroergometrie von Juni 2015 abgestellt werden (IV-act
53).
3.4.2.
3.5.
Die Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des KSSG berichtete am 4. Juni 2015, dass der
Beschwerdeführer an asymptomatischen Wadenkrämpfen litt, die behandelt werden
konnten, und dass er trotz der Spinalkanalstenose im Bereich von L3/4 mit
Kompression der Nervenwurzel L4 beidseits im jetzigen Zeitpunkt in seiner
Mobilität nur durch die COPD stark eingeschränkt sei. Es sei eine diagnostisch/
therapeutische Infiltration geplant (IV-act. 52-12f.). Am 26. Mai 2016 informierten die
Ärzte über eine Nachkontrolle vom 24. Mai 2016. Nach der letzten Vorstellung im Juni
2015 sei der Beschwerdeführer klinisch asymptomatisch gewesen und klage nun über
vermehrte Schmerzen nach kürzerer Gehstrecke mit Ausstrahlungen in die Beine. Es
bestehe der Verdacht auf eine erneute Claudicatio spinalis bei hochgradiger
3.5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/18
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Spinalkanalstenose, weshalb nach einem MRI eine Infiltration vorgenommen werden
könne. Infiltrationen könnten bei gutem Nutzen 3-4x/jährlich wiederholt werden, bei nur
kurzem Nutzen müsse über eine mikroskopische Dekompression nachgedacht werden
(IV-act. 52-10f.). Am 30. Juni 2016, am 17. November 2016 sowie am 12. Januar 2017
wurden Infiltrationen durchgeführt (vgl. entsprechende Operationsberichte, IV-act.
52-8f., 52-4f., 52-2f.). Am 25. August 2016 wurde über einen sehr erfreulichen Verlauf
zwei Monate postoperativ berichtet (act. 52-6f.). Eine Nachkontrolle am 28. März 2017
ergab, dass die letztmalige Infiltration einen deutlich geringeren Benefit ergeben habe
und der Beschwerdeführer eine operative Vorgehensweise wünsche. Bezüglich
Bestimmung der Arbeitsunfähigkeit sei zunächst der operative Eingriff abzuwarten
(Bericht vom 29. März 2017, IV-act. 57). Am 12. April 2017 erfolgte eine
mikroskopische bilaterale Dekompression L3/4. Im Verlauf berichtete der
Beschwerdeführer morgens beim Aufstehen noch leichte Rückenschmerzen zu
verspüren und im Tagesverlauf keine wesentlichen Schmerzen im Kreuz zu haben.
Beim Gehen oder aktiven Strecken des Beines würde er vermehrt Krämpfe im Bereich
der Wadenmuskulatur verspüren (Operationsbericht vom 21. April 2017, IV-act. 63, und
Untersuchungsbericht vom 17. Juli 2017, IV-act. 61). Die Untersuchung vom 17.
Oktober 2017 ergab, dass beim Beschwerdeführer sechs Monate nach der
Dekompression L3/4 ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis bestehe. Er habe bezüglich
der Spinalkanalstenose keinerlei Beschwerden, lediglich einen leichten Anlaufschmerz
am Morgen, mit welchem er aber gut zurechtkomme. Es sei keine weitere
Nachkontrolle geplant (Bericht vom 18. Oktober 2017, IV-act. 69).
Betreffend die Spinalkanalstenose ergibt sich aus den medizinischen Akten, dass
der Beschwerdeführer im Juni 2015 an Beschwerden litt, die erfolgreich behandelt
werden konnten und sich erst im Mai 2016 wieder verschlechterten. Nach im Juni und
November 2016 erfolgten Infiltrationen besserten sich die Beschwerden jeweils
merklich und für Monate; der Erfolg hielt jedoch nach einer letzten Infiltration von
Januar 2017 nicht mehr längerdauernd an. Infolge der Operation vom 12. April 2017
stellte sich ein bleibend gutes Ergebnis ein und der Beschwerdeführer litt lediglich noch
an Anlaufschmerzen am Morgen. Somit bestanden aufgrund der Spinalkanalstenose
jeweils nur vorübergehende Arbeitsunfähigkeiten, die sich rasch und langanhaltend
verbessern liessen. Mit Ausnahme von prä- und postoperativ bestehenden
Arbeitsunfähigkeiten bestand für rückenangepasste Tätigkeiten eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht. RAD-Arzt Dr. D._, auch Allgemein- und
Arbeitsmediziner, hielt am 20. Februar 2017 fest, dass es nach wiederholten
Infiltrationen zu monatelang anhaltender Beschwerdefreiheit gekommen sei (IV-act. 53).
3.5.2.
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4.
Zusammenfassend ist der medizinische Sachverhalt als genügend abgeklärt
anzusehen. Für die angestammte Tätigkeit ist gemäss den vorhandenen Akten seit
März 2015 von einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% auszugehen. Demnach
war das Wartejahr im März 2016 erfüllt. Im massgebenden Zeitraum ab März 2016 ist
abgesehen von mehrwöchigen Unterbrüchen - zuletzt ab April 2017 - von einer 100%-
igen Arbeitsfähigkeit für eine den Leiden angepasste Tätigkeit auszugehen.
5.
Die Frage nach der Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten sei von den Orthopäden
zwar nicht explizit beantwortet worden, jedoch würden die Äusserungen in den zur
Verfügung gestellten Berichten nahelegen, dass die Arbeitsfähigkeit in
leidensadaptierter Tätigkeit von dieser Seite her nicht nennenswert und dauerhaft
eingeschränkt sei (IV-act. 70).
Bei dieser Sachlage bestand kein Anlass für weitere Abklärungen. Insbesondere
drängt sich hier keine Begutachtung auf, da der medizinische Sachverhalt feststeht.
Die vom Beschwerdeführer ins Feld geführte Bemerkung im letzten lungenärztlichen
Bericht von November 2016 hinsichtlich einer Verschlechterung seines
Gesundheitszustandes bezog sich offenkundig nicht auf das Lungenleiden, sondern
auf das Rückenleiden, das wie dargelegt, erfolgreich behandelt werden konnte. Die
Ausführungen und Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Hausärztin Dr. C._ vom 30.
September 2016 erweisen sich damit als überholt (IV-act. 45). Die letzten Arztberichte
stammen von Oktober 2017 und es ist nicht ersichtlich, inwiefern die medizinische
Aktenlage nicht genügend aktuell in Bezug auf den Beschluss vom 10. Januar 2018
bzw. die Verfügung vom 14. Februar 2018 abgebildet worden sein soll. Insbesondere
war orthopädischerseits seit Oktober 2017 gar keine Verlaufskontrolle mehr (vgl. IV-act.
69) und aus lungenfachärztlicher Sicht im November 2016 eine nach 12 Monaten, also
im November 2017 geplant (vgl. IV-act. 51). Aus dem letzten Bericht der
Orthopädischen Chirurgie sind keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers - auch betreffend das Lungenleiden -
verschlechtert hätte. Der Beschwerdeführer hat bei seiner Beschwerdeschilderung
nichts dergleichen erwähnt und auch mit der Beschwerde keine entsprechenden
anderslautenden medizinischen Akten eingereicht (IV-act. 69).
3.6.
Da der Beschwerdeführer mit Jahrgang 19_ bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im
März 20_ bereits 61-jährig war, stellt sich die Frage nach der Verwertbarkeit der
5.1.
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Restarbeitsfähigkeit. Ins Gewicht fällt vorliegend, dass der Beschwerdeführer ganztags
zu 100% arbeitsfähig ist für leidensangepasste Tätigkeiten und keine schweren
Tätigkeiten mehr ausführen kann. Weiter zu beachten ist, dass er seit 1981, mithin 35
Jahre lang, als Selbständigerwerbender tätig war. Den Betrieb hat er per 1. Juli 2016
aufgegeben bzw. ihn seinem Sohn übertragen (vgl. Sachverhalt vorstehend E. A.j). Die
IV-Anmeldung erfolgte am 6. November 2015 und das Wartejahr lief im März 2016 ab.
Somit ist frühestmöglicher Beginn einer allfälligen Rente der 1. Mai 2016 (vgl. Art. 29
Abs. 1 IVG).
Die Frage, ob und gegebenenfalls welche berufliche Neueingliederung von einer
versicherten Person für die Bestimmung des Invaliditätsgrads im Rahmen ihrer Pflicht
zur Schadenminderung verlangt werden kann, beantwortet sich nach dem Grundsatz
der Zumutbarkeit (so ausdrücklich auch etwa Art. 7 Abs. 1 und Art. 16 ATSG), der als
Teilgehalt im verfassungsmässigen Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2
der Bundesverfassung [BV; SR 101]) enthalten ist. Von der versicherten Person kann
daher nur eine berufliche Umstellung verlangt werden, die ihr unter Berücksichtigung
der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar ist,
d.h. es darf sich nicht um realitätsfremde und in diesem Sinn unmögliche oder
unzumutbare Vorkehren handeln. Für die Beurteilung der Zumutbarkeit eines
Berufswechsels sind insbesondere das Alter der versicherten Person, die Art und
Dauer ihrer bisherigen Berufstätigkeit, deren selbstständige oder unselbstständige
Ausübung, die mit einer beruflichen Neueingliederung verbundene Veränderung der
sozialen Stellung der versicherten Person, ihre persönlichen und familiären Verhältnisse
sowie ihre entsprechend grössere oder geringere Flexibilität hinsichtlich ihres Wohn-
und Arbeitsortes massgebend. Ins Gewicht fällt auch die Art und Dauer der
beanspruchten Versicherungsleistungen sowie deren Kosten. Denn die Anforderungen
an die Schadenminderungspflicht sind zulässigerweise dort strenger, wo eine erhöhte
Inanspruchnahme der Sozialversicherung in Frage steht, wie dies beispielsweise bei
Rentenleistungen an relativ junge Versicherte der Fall ist, denen in einer neuen
beruflichen Tätigkeit noch eine lange Aktivitätsperiode verbleibt (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 23. Dezember 2004, I 316/04, E. 2.2 mit
zahlreichen Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur; siehe auch Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Februar 2013, 8C_654/2012, E. 5.1 mit Hinweisen).
5.2.
Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgeblich, ob eine invalide Person unter
den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob
sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein
5.3.
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Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften bestünde
(ausgeglichener Arbeitsmarkt, Art. 16 ATSG). An der Massgeblichkeit des theoretisch
ausgeglichenen Arbeitsmarktes vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass es
für die versicherte Person im Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, im
tatsächlichen Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle zu finden. Der ausgeglichene
Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Eine Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit ist hingegen in denjenigen Fällen anzunehmen, in denen die
zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil
des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 2 und E. 3.3.1 mit
Hinweisen). Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt
eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente begründet (BGE 138 V 460 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in
der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer
versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischer Weise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren
Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Der
Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen
Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend
können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der
absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang
auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich sein (BGE 138 V 460 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen; Urteile des
Bundesgerichts vom 22. März 2012, 9C_153/2011, E. 3.1, vom 28. Mai 2009,
9C_918/2008 E. 4.2.2 mit Hinweisen, und vom 21. November 2014, 9C_358/2014,
E. 7.1). Von Bedeutung für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
sind namentlich deren Ausmass und die verbleibende berufliche Aktivitätsdauer im
Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit einer
(Teil-)Erwerbstätigkeit. Dieses ist gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine
5.4.
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zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (vgl. BGE 138 V 461 f. E. 3.3 f.; Urteile
des Bundesgerichts vom 21. November 2014, 9C_358/2014, E. 7.2, und vom 25. Juli
2016, 8C_324/2016, E. 4.4, wo fünf Jahre erwähnt werden).
Mit Blick auf die Massgeblichkeit des theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarktes
ist eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht leichthin anzunehmen (Urteile
des Bundesgerichts vom 8. Januar 2013, 8C_724/2012, E. 4.3, vom 13. Februar 2013,
8C_12/2013, E. 3.2, und vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 3.3.1). Hilfsarbeiten
werden auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich
altersunabhängig nachgefragt (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2018,
9C_862/2017, E. 3.3.3 mit Hinweis). Angesichts der strengen Bundesgerichtspraxis
sind die Hürden für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auch bei älteren
Arbeitnehmern hoch (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_918/2008,
E. 4.3, und vom 29. November 2016, 8C_910/2015, E. 4.2.2 und E. 4.3.4; zur
Rechtsprechung des Bundesgerichtes vgl. auch Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 7. Dezember 2017, IV 2015/384, E. 3.3.2).
5.5.
Für den Zeitpunkt, in dem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-)
Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, ist auf das Feststehen der
medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit abzustellen (BGE 138 V
457 E. 3.3 S. 461 f.). Die Beschwerdegegnerin legt diesen Zeitpunkt des Feststehens
der medizinischen Zumutbarkeit in ihrer Beschwerdeantwort auf den April 2016, in
welchem die erste RAD-Stellungnahme zur Rente verfasst wurde, und erachtete das
Alter des Beschwerdeführers von 62 Jahren als massgebend (IV-act. 28). Der
Beschwerdeführer bestreitet dies zwar nicht, jedoch ist nach den infolge des Einwands
vorgenommenen weiteren Abklärungen sowie mehreren RAD-Stellungnahmen wohl
kaum davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten im
Zeitpunkt der ersten RAD-Stellungnahme feststand. Insbesondere auch nachdem der
RAD selbst die Einholung weiterer Berichte anordnete und der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers aufgrund der Operationen sowie Behandlungen noch nicht als
stabil angesehen und auch noch nicht die vorübergehende Natur der gesundheitlichen
Verschlechterungen erkannt werden konnte. Demnach schaffte erst die letzte RAD-
Stellungnahme von Dezember 2017 die nötige Klarheit, womit in diesem Zeitpunkt vom
Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit der Arbeitsfähigkeit auszugehen und das
nämliche Alter entscheidend ist. Zu diesem Zeitpunkt war der Beschwerdeführer, der
am _1953 geboren ist, bereits 64 1⁄2 Jahre alt, womit sich die Prüfung der
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bzw. der adaptierten Arbeitsfähigkeit aufgrund
der sehr kurzen verbleibenden Aktivitätsdauer realistischer Weise gar nicht mehr stellen
5.6.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-V-457%3Ade&number_of_ranks=0#page457 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-V-457%3Ade&number_of_ranks=0#page457
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6.
konnte. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer zu Recht geltend macht, er könne
nicht ohne weiteres eine angestellte Bürotätigkeit annehmen und zudem sei ihm ein
derart radikaler Wechsel, der eine hohe Anpassungsfähigkeit voraussetze, nicht
zuzumuten. Die Beschwerdegegnerin geht in ihrer Beschwerdeantwort davon aus, dass
ihm irgendwie geartete Hilfsarbeiten ohne weiteres zumutbar seien und nicht lediglich
Bürotätigkeiten in Frage kommen würden. Sie lässt dabei jedoch ausser Acht, dass es
dem 35 Jahre als selbständig erwerbender Berufsmann tätig gewesenen
Beschwerdeführer nicht zuzumuten ist, irgendeine Hilfsarbeitertätigkeit anzunehmen.
Der zu erbringende Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand wäre daher beträchtlich
gewesen. Nicht ersichtlich ist sodann, inwiefern der Beschwerdeführer die im eigenen
Verkaufs- und Servicegeschäft während 35 Jahren gewonnene Berufserfahrung im
Rahmen einer Verweisungstätigkeit direkt hätte nutzbar machen können. Unter diesen
Gegebenheiten wurde die Arbeitskraft des im massgebenden Zeitpunkt (Dezember
2017) 64 1⁄2 Jahre alten Beschwerdeführers auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischer Weise nicht mehr nachgefragt. Die Restarbeitsfähigkeit in einer
unselbständigen Tätigkeit war somit nicht verwertbar. Nachdem er seine Firma aufgab,
ist nicht mehr massgeblich, dass ihm die Aufgabe gemäss den genannten Gründen
ohnehin gar nicht zumutbar gewesen wäre.
Demnach ist die Verwertbarkeit der 100%-igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten nicht mehr gegeben sowie der Wechsel von einer selbständigen zu einer
unselbständigen Tätigkeit bzw. die Aufnahme einer unselbständigen Tätigkeit nicht
mehr zumutbar und dem Beschwerdeführer der Anspruch auf eine ganze Rente
einzuräumen. Bei diesem Ergebnis erübrigt sich die Prüfung des vom
Beschwerdeführer bemängelten Valideneinkommens sowie auch die Ermittlung eines
Invalideneinkommens grundsätzlich. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die
Berechnung des Durchschnittes der Einkommen von 2009 bis 2013 gemäss dem IK-
Auszug insoweit korrekt vorgenommen wurde, als die Buchung von Fr. 113'500.-- für
das Jahr 2012 wieder abgezogen worden war. Einzig die Anpassung der
Jahreseinkommen an die Nominallohnentwicklung wurde vergessen.
5.7.
Nach dem Gesagtem hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine ganze Rente
der Invalidenversicherung ab 1. Mai 2016. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben
und die Angelegenheit zur Berechnung der Rentenhöhe und zur Ausrichtung der
geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
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