Decision ID: 6a715c69-6a13-49fa-a5a0-566c8c88cda4
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis für die Kategorien A1, B, D1, BE, D1E seit dem
26. April 2001. Am 20. September 2011 lenkte er ein Fahrzeug auf der Autobahn und
überschritt die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 27 km/h. Dafür
wurde er vom Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 13. März 2012 verwarnt. Am
25. September 2012 war X mit einem Lieferwagen auf der Autobahn unterwegs, als er
von der Kantonspolizei Zürich wegen Nichteinhaltens eines genügenden Abstands
beim Hintereinanderfahren angehalten und angezeigt wurde. Das Strassenverkehrsamt
entzog ihm daraufhin den Führerausweis wegen schwerer Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von drei Monaten. Die Massnahme wurde
vom 30. Mai bis 29. August 2013 vollzogen.
B.- Am 18. Januar 2014 wurde X von der Stadtpolizei St. Gallen kontrolliert. Dabei
stellten die Polizisten rund 0,4 Gramm Kokain sicher. Aufgrund dieses Vorfalls verbot
das Strassenverkehrsamt X mit Verfügung vom 24. Januar 2014 das Führen von
Motorfahrzeugen sämtlicher Kategorien vorsorglich ab sofort und ordnete am 18.
Februar 2014 eine verkehrsmedizinische Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin
(IRM) am Kantonsspital St. Gallen an.
C.- Am 19. März 2014 unterzog sich X der verkehrsmedizinischen Untersuchung beim
IRM. Im Gutachten vom 16. Mai 2014 wurde die Fahreignung wegen
Drogenmissbrauchs abgesprochen. Der Gutachter empfahl eine mindestens
sechsmonatige fachtherapeutisch begleitete Drogenabstinenz mit monatlichen
Urinkontrollen auf Cannabis und halbjährlichen Haaranalysen. Gestützt auf das
Gutachten entzog das Strassenverkehrsamt X mit Verfügung vom 23. Juli 2014 den
Führerausweis auf unbestimmte Zeit. Die Wiedererteilung wurde von einer
kontrollierten und fachlich betreuten Drogenabstinenz (Arzt und Beratungsstelle) von
mindestens sechs Monaten sowie einer verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung
abhängig gemacht. Einem allfälligen Rekurs entzog das Strassenverkehrsamt die
aufschiebende Wirkung.
D.- Mit Eingabe vom 21. August 2014 erhob X durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung des
Strassenverkehrsamtes vom 23. Juli 2014. Als Prozessantrag begehrte er die Erteilung
der aufschiebenden Wirkung des Rekurses. Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur
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Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Strassenverkehrsamt verzichtete mit Schreiben vom 17. September 2014 auf eine
Vernehmlassung.
Mit Verfügung vom 20. Oktober 2014 wies der Präsident das Gesuch um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung ab.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 21. August 2014 (Datum des
Poststempels) ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz die Fahreignung des Rekurrenten
gestützt auf das verkehrsmedizinische Gutachten des IRM St. Gallen vom 16. Mai 2014
zu Recht verneinte. Darin wurde festgestellt, beim Rekurrenten sei von einem die
Fahreignung ausschliessenden Drogenmissbrauch (Kokain und Cannabis) auszugehen.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes [SR 741.01, abgekürzt: SVG]). Art. 16d SVG
regelt den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Nicht geeignet, ein
Fahrzeug zu führen, ist namentlich, wer nicht oder nicht mehr über die körperliche und
geistige Leistungsfähigkeit verfügt, um ein Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d
Abs. 1 lit. a SVG), wer an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (lit.
b), oder wer aufgrund seines bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass er künftig
beim Führen eines Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen
Rücksicht nehmen wird (lit. c). Drogensucht wird nach der Rechtsprechung bejaht,
wenn die Abhängigkeit von der Droge derart ist, dass der Betroffene mehr als jede
andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich ans Steuer eines Fahrzeugs in einem –
bis
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dauernden oder zeitweiligen – Zustand zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr
gewährleistet. Im Interesse der Verkehrssicherheit setzt die Rechtsprechung den
regelmässigen Konsum von Drogen der Drogenabhängigkeit gleich, sofern dieser
seiner Häufigkeit und Menge nach geeignet ist, die Fahreignung zu beeinträchtigen
(BGE 127 II 122 E. 3c). Davon ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei
nur gelegentlichem Cannabiskonsum, d.h. bei maximal zweimaligem
Substanzgebrauch pro Woche (Empfehlungen der schweizerischen Gesellschaft für
Rechtsmedizin [SGRM], in: B. Liniger, Jahrbuch zum Strassenverkehr 2014, S. 327 ff.)
nicht auszugehen, da dieses Konsumverhalten noch zu keinen verkehrsrelevanten
Leistungseinbussen führe (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.11/2006 vom 13.
April 2006 E. 3.3). Werden daneben jedoch weitere Drogen konsumiert, ist die Situation
anders zu beurteilen. Das Bundesgericht wertet einen mehrjähriger Mischkonsum als
Indiz für einen beträchtlichen Drogenkonsum, von dem eine erhebliche
Verkehrsgefährdung ausgehen könne (BGer 6A.49/2000 vom 28. Juni 2000 E. 3c).
Deshalb kann eine Person, die weder in abhängiger noch in verkehrsrelevant
missbräuchlicher Weise Cannabis konsumiert, nicht mehr ohne verkehrsmedizinische
Begutachtung als fahrgeeignet beurteilt werden, wenn sie zusätzlich Kokain verwendet
(vgl. B. Liniger, Drogen, Medikamente und Fahreignung, in: Handbuch der
verkehrsmedizinischen Begutachtung, 1. Aufl. 2005, S. 37). Von Kokain geht zudem ein
sehr grosses Suchtpotenzial aus. Aufgrund der enthemmenden Wirkung dieses
Betäubungsmittels stellt dessen Konsum eine Gefahr im Strassenverkehr dar (vgl.
Philippe Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16d N 36).
b) Der Gutachter stützte seine Beurteilung auf die Vorgeschichte, die Angaben des
Rekurrenten, die Befunde der körperlichen Untersuchung, die Resultate der
Laboruntersuchungen und auf Fremdauskünfte. Damit berücksichtigte er die
wesentlichen Aspekte und traf die notwendigen Abklärungen (BGE 129 II 82 E. 6.2.2).
In seiner Beurteilung gelangte er zum Schluss, die Fahreignung sei wegen
Drogenmissbrauchs nicht zu befürworten. Der Rekurrent habe entgegen der geltend
gemachten Abstinenz Kokain konsumiert. Dies habe sich aus der Haaranalyse ergeben.
In beiden Segmenten sei diese Substanz und deren Abbauprodukte in ungefähr
gleicher Menge nachgewiesen worden. Bei Kokain handle es sich um eine Droge mit
hohem Suchtpotential, die enthemmend wirke und die Risikobereitschaft erhöhe. Der
Kokainrausch könne je nach psychischer Verfassung und Persönlichkeitsstruktur
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unterschiedlich verlaufen. So seien Angst- und Panikreaktionen bekannt. Es könne
aber auch zu Einschränkungen der Kritikfähigkeit, des Urteilsvermögens und
Psychosen kommen. Zudem sei die Urinprobe vom 19. März 2014 positiv auf Cannabis
getestet worden. Allerdings sei die THC-Konzentration niedrig gewesen, so dass auch
ein Passivkonsum in Frage komme. Nicht auszuschliessen sei auch, dass es sich beim
Befund um einen rückläufigen Parameter im Zusammenhang mit dem Abstinenzbeginn
(Februar 2014) gehandelt habe. Cannabis reichere sich bei gewohnheitsmässigem
Konsum im Körper an, so dass die Urinproben erst nach einigen Wochen negativ
würden. Die zwei weiteren Urinkontrollen seien negativ ausgefallen. Dass der Rekurrent
nach der Anzeige wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Januar 2014
bis Februar 2014 weiterhin Cannabis konsumiert habe, spreche für ein psychisches
Verlangen. Insgesamt sei von einem Drogenmissbrauch mit fortgesetztem Kokain- und
Cannabiskonsum bis Februar 2014 auszugehen.
Der Rekurrent bringt dagegen vor, das Gutachten des IRM sei nicht schlüssig. Weder
der Gutachter noch die Vorinstanz hätten nachgewiesen, dass bei ihm eine Sucht
vorliege. Selbst wenn er gelegentlich Cannabis konsumiere, sei damit nicht dargetan,
dass er drogensüchtig sei und sich unter dem Einfluss von Cannabis ans Steuer setze.
Dasselbe gelte für den Konsum von Kokain. Es sei nicht dargetan, dass er nicht in der
Lage sei, Konsum und Strassenverkehr zu trennen. Der Schluss des Gutachters, es
liege eine Kokainsucht vor, weil die Analyseresultate gegen die vom Rekurrenten
behauptete Abstinenz sprächen, sei nicht überzeugend. Die Urinprobe vom 19. März
2014 sei negativ auf Opiate, Kokain usw. getestet worden; diejenigen vom 31. März
und 17. April 2014 auch negativ auf Cannabis. Unzutreffend seien die Ausführungen
des Gutachters zur Haaranalyse. Der Nachweis von Kokain und Abbauprodukten in
beiden Segmenten sei für sich allein nicht wesentlich, denn die Abbauprodukte seien
über längere Zeit nachweisbar. Wesentlich sei vielmehr, dass einzelne Substanzen im
zweiten Abschnitt sehr wohl nur noch in geringer Konzentration nachweisbar gewesen
seien. Dieser Umstand deute auf eine Abstinenz hin; insbesondere, weil die
Konzentration der übrigen Substanzen praktisch unverändert geblieben sei. Es sei
immer wieder feststellbar, dass sich einzelne Substanzen nicht gleichmässig abbauten.
Zudem sei ausser Acht gelassen worden, dass er in stabilen Verhältnissen lebe, einer
Erwerbstätigkeit nachgehe und weder in körperlicher noch in psychischer Hinsicht
auffällig sei.
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c) aa) Der Rekurrent berichtete gegenüber dem Gutachter von regelmässigem
Cannabiskonsum in der Vergangenheit; letztmals Mitte Februar 2014. Er habe zweimal
monatlich jeweils am Wochenende einen bis zwei Joints geraucht; beim Besuch von
Openair-Veranstaltungen seien es vier bis fünf pro Tag gewesen. Diese Angaben lassen
nicht auf einen übermässigen und unkontrollierten Cannabiskonsum schliessen; die
Analyseergebnisse vom 31. März und 17. April 2014 sprechen denn auch für eine
Abstinenz. Die Urinkontrolle vom 19. März 2014 wurde zwar positiv auf Cannabis
getestet, aufgrund der geringen THC-Konzentration liess sich damit ein Konsum aber
nicht nachweisen. Der Gutachter schloss einen Passivkonsum nicht aus. Auszugehen
ist demnach von einem letztmaligen Konsum Mitte Februar 2014. Dieser wäre
anlässlich der Untersuchung vom 19. März 2014 nur nach vorgängig chronischem
Konsum nachweisbar gewesen, da die Nachweisdauer in solchen Fällen bei 30 Tagen
liegt; bei nur gelegentlichem Konsum beträgt sie nur rund 10 Tage (vgl. Sutter/Sturm,
Wissenswertes zur Analytik von Suchtstoffen im Urin und in anderen Asservaten mittels
immunchemischen Verfahren, Version 02, S. 12, unter: www.rechtsmedizin.kssg.ch/
downloads). Die Feststellung des Gutachters, es sei nicht auszuschliessen, dass der
Rekurrent gewohnheitsmässig Cannabis konsumiert haben könnte und das
Analyseergebnis vom 19. März 2014 auf den Abstinenzbeginn zurückzuführen sei, ist
deshalb nachvollziehbar.
bb) Der Rekurrent gab sowohl gegenüber der Stadtpolizei St. Gallen (act. 9/33) als
auch gegenüber dem Gutachter an, nur zweimal Kokain konsumiert zu haben; das
erste Mal mit 18 oder 19 Jahren und ein zweites Mal an Silvester 2013. Die Analyse der
am 19. März 2014 entnommenen Haarprobe zeigte jedoch ein anderes Bild. Beim
kopfnahen Segment (0-2 cm ab Kopfhaut) wurde eine Kokain-Konzentration von 550
pg/mg gemessen, im kopffernen Segment (2 bis 4,5 bzw. 5 cm ab Kopfhaut) eine
solche von 610 pg/mg. Bei diesem Befund ist ein eher regelmässiges Konsumverhalten
anzunehmen, da ein einzelner Kokainkonsum im Rahmen der Haaranalytik in der Regel
nicht feststellbar ist (I. Thiele, Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2005, S. 117; M.R.
Baumgartner, Nachweis des Konsums von psychotropen Substanzen und Alkohol
mittels Haaranalyse, in: Therapeutische Umschau 2011, S. 272, unter: www.irm.uzh.ch/
downloads). Bei der Analyse wird mit sogenannten Cut-off-Werten gearbeitet. Diese
werden allgemein in zweierlei Hinsicht verwendet: einerseits zum Ausschluss analytisch
unsicherer Ergebnisse, d.h. zur Vermeidung falsch-positiver Resultate. In diesem Sinne
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werden bei chromatographisch-spektroskopischen Verfahren Nachweis- oder
Bestimmungsgrenzen verwendet. Andererseits dienen sie bei sicher nachgewiesener
Konzentration zur Abgrenzung von für die Fragestellung irrelevanten Werten, z.B. durch
einmaligen oder Probierkonsum. Bei einmaligem oder vereinzeltem Substanzkonsum
innerhalb eines längeren Zeitraumes liegt die Konzentration im Haar unterhalb der
Nachweisgrenze und ergibt somit einen negativen Befund (Baumgartner, a.a.O., S. 272;
vgl. auch Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs-
und Verwaltungsrecht vom 17. Juli 2013 Nr. 810 12 343 E. 5.4). Der Cut-off-Wert von
Kokain liegt gemäss SGRM bei 500 pg/mg (vgl. SGRM, Arbeitsgruppe Haaranalytik,
Bestimmung von Drogen und Medikamenten in Haarproben, 1. September 2014,
Anhang). Andere Autoren setzen ihn wesentlich tiefer, nämlich bei 100 pg/mg an
(Madea/Musshoff/Berghaus (Hrsg.), Verkehrsmedizin, 2. Aufl. 2012, S. 188). Die im
Haar des Rekurrenten gemessenen Konzentrationen liegen mit 610 und 550 pg/mg
deutlich über dem von der SGRM definierten Cut-off-Wert, was auf einen mehr als
einmaligen Kokainkonsum hinweist. Dass der Wert im kopfnahen Segment tiefer ausfiel
als derjenige im kopffernen, vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Die
abnehmende Konzentration könnte darauf hindeuten, dass der Rekurrent den Konsum
von Kokain einstellte oder zumindest reduzierte.
cc) Somit ist aufgrund der schlüssigen Ausführungen im Gutachten davon auszugehen,
dass der Rekurrent in der Vergangenheit häufiger Drogen konsumierte – insbesondere
Kokain –, als er gegenüber dem Gutachter angab. Zu berücksichtigen ist auch, dass er
anlässlich der polizeilichen Kontrolle vom 14. Januar 2014 0,4 g Kokain in seiner linken
Jackentasche mit sich trug; dieses Kokain war gemäss eigenen Angaben für den
Eigenkonsum bestimmt (act. 9/17). Die Tendenz zur Verharmlosung des
Konsumverhaltens gibt zu Bedenken Anlass, zumal Kokain ein erhebliches
Suchtpotential in sich birgt. Es besteht zwar die Vermutung, dass der gelegentliche
Kokainkonsum am Wochenende nicht zu einer dem Heroin-Missbrauch
gleichzusetzenden sozialen Schädigung und gegebenenfalls Abhängigkeit führt.
Aufgrund der äusserlich relativ unauffälligen Kokainkreise sowie der häufigen
Verbindung des Kokain-Konsums mit dem Missbrauch von Alkoholika, Barbituraten
usw. sind allgemeingültige Aussagen dazu jedoch nur sehr beschränkt möglich.
Besteht eine Abhängigkeit, ist davon auszugehen, dass die Erfolgsaussichten im Sinne
einer Langzeitabstinenz im Hinblick auf das starke fortbestehende Verlangen nach der
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Droge auch beim Kokain-Schnupfen noch geringer anzusetzen sind als bei Heroin-
Abhängigen (Th. Geschwinde, Rauschdrogen, Marktformen und Wirkungsweisen, 4.
Aufl. 1998, Rz 1456 ff. und 1493). Der Gutachter ging beim Rekurrenten von einer
gewissen psychischen Abhängigkeit aus, da er nach der Anzeige wegen des
Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz im Januar 2014 nicht auf den Konsum
von Drogen verzichtet habe. Dies erscheint nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass der
Rekurrent nach eigenen Angaben bereits im 18. oder 19. Lebensjahr (das heisst im
Jahr 2000) mit dem Drogenkonsum begann; anfangs nur Cannabis, später (2007) auch
Kokain. Wie dargelegt ist ein mehrjähriger Mischkonsum ein erhebliches Indiz für einen
beträchtlichen Drogenkonsum, von dem eine erhebliche Verkehrsgefährdung ausgehen
kann. Eine eigentliche Sucht im Sinne der ICD-10-Klassifikation der
Weltgesundheitsorganisation (vgl. www.icd-code.de) ist hingegen nicht nachgewiesen.
Jedoch kann auch eine kombinierte Einnahme von mehreren psychotropen Substanzen
– wie beim Rekurrenten – zu einer Sucht führen, ohne dass eine solche bezüglich der
einzelnen Substanzen gegeben sein muss (BSK SVG-Rütsche/D'Amico, Art. 16d N 45).
dd) Soweit aus den Akten ersichtlich, wurde der Rekurrent noch nie in zufolge
Drogenkonsums fahrunfähigem Zustand erwischt. Dies ist im vorliegenden Fall jedoch
nicht ausschlaggebend. Vielmehr ist im Sinne einer zukunftsgerichteten Betrachtung zu
prüfen, ob das vom Rekurrenten ausgehende Gefährdungspotential einen
Sicherungsentzug zu rechtfertigen vermag. Dass bereits einmal ein Fahrzeug unter
Drogeneinfluss gelenkt wurde, wird für einen Sicherungsentzug nicht vorausgesetzt
(Rütsche/D'Amico, a.a.O., Art. 16d N 44). Zwar ergab die Haaranalyse auf Kokain vom
19. März 2014 im kopfnahen Segment einen tieferen Wert als im kopffernen, was auf
einen rückläufigen oder zumindest gleichbleibenden Konsum hindeutete; die Werte
lagen mit 550 und 610 pg/mg aber immer noch deutlich über dem Cut-off-Wert von
500 pg/mg und weisen auf mehrmaligen Konsum hin. Dass der Rekurrent dies
gegenüber dem Gutachter bestritt, lässt an seiner Fähigkeit zweifeln, das eigene
Konsumverhalten kritisch zu reflektieren. Die Tendenz zur Verharmlosung des
Drogenkonsums ist deshalb problematisch, weil so die Auswirkungen der Drogen auf
das Verhalten im Strassenverkehr unterschätzt werden. Insbesondere Kokain wirkt
enthemmend und subjektiv leistungssteigernd bei herabgesetzter Fähigkeit zur
Selbstkritik. Dies kann zu einer erhöhten Risikobereitschaft und in der Folge zu
gefährlichem Verhalten im Strassenverkehr führen (BGer 1C_248/2011 vom 30. Januar
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2012 E. 4.1; Thiele, a.a.O., S. 112 f.). Vor diesem Hintergrund ist mit dem Gutachter
von einer die Fahreignung ausschliessenden verkehrsrelevanten Drogenproblematik
auszugehen. Seine Empfehlung, eine weitere verkehrsmedizinische Neubeurteilung von
einer mindestens sechsmonatigen fachtherapeutisch begleiteten Abstinenz abhängig
zu machen, erscheint folgerichtig.
e) Zusammenerfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen für einen
Sicherungsentzug erfüllt sind. Die Verfügung der Vorinstanz vom 23. Juli 2014 ist zu
bestätigen und der Rekurs abzuweisen.
3.- Die Massnahme des Sicherungsentzugs soll sicherstellen, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn der Rekurrent während eines
Rechtsmittelverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'700.–, worunter die
Kosten der Verfügung zur aufschiebenden Wirkung vom 20. Oktober 2014 von
Fr. 200.–, erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 111 und 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist
anzurechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).