Decision ID: 7a64e229-fea8-449b-a4e9-7b3b274a58c4
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
19
52
,
war
bis zur Kündigung per Ende September 2014 als Fassaden
vor
arbeiter bei der
Y._
AG
angestellt (
Urk. 8/15,
Urk.
8/18-19).
Am 24. Juni 2008
hatte
er einen Unfall
erlitten, in dessen
Folge seine Unfallversicherung Suva ihm ab dem
1.
November 2009 eine Invalidenrente mit einem
Invaliditäts
grad
von 30 % ausrichtete (Verfügung vom 17. No
vember 2009; Urk. 8/11).
Am 30. Mai 2014 meldete er sich
beim Regionalen
Arbeitsvermittlungs
zen
trum
(RAV)
Z._
zur Arbeitsvermittlung
für ein 100%iges
Pensum
an
(Urk.
8/24
). Am
20. Juni
2014 stellte er bei der Arbeits
losenver
sicherung den Antrag auf
Arbeitslosenentschä
digung ab
dem 30. Mai 2014
(Urk.
8/25
).
Die
Unia
Arbeitslosenkasse
(nachfolgend:
Unia
)
eröffnete
die Rahmenfrist für den
Leistungsbezug ab
Oktober
2014
mit einem versicherten Verdienst von Fr.
5‘319.--
und
einem Taggeld von Fr. 171.60
(
70
%
des ver
sicherten Ver
dienstes;
Urk.
8/14/155
, Urk. 2 S. 1
).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, kündigte mit Vorbescheid
vom 2. April 2015
zugunsten des Versicherten
die Ausrichtung einer ganzen Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100 % mit Wirkung ab dem
1.
September 2013 und einer
Viertelsrente
bei einem Invaliditätsgrad von
41 %
mit
Wirkung ab dem 1.
November 2013
an (
Urk.
8/10). Mit Schrei
ben vom 7. April 2015 teilte die
Unia
dem Versicherten mit, dass
der
ver
sicherte Verdienst
mit ent
sprechender Auswirkung auf die
Taggeldleistun
gen
aufgrund der
Viertels
rente
ab sofort entsprechend dem verbleibenden
Ver
mittlungsgrad
von 59
%
auf Fr. 4‘011.-- reduziert werde (
Urk.
8/9).
Dazu nahm der Ve
rsicherte mit Schreiben vom 21.
April 2015 Stellung (
Urk.
8/7). Mit Verfügung vom 27. April 2015
setzte die
Unia
den versicherten Verdienst ab der
Kontroll
periode
April 2015 auf
Fr.
4‘011.-- (59
%
) fest (
Urk.
8/6). Dagegen erhob der Versicherte
mit Schreiben vom 2
6.
Mai 2015 Einsprache (Urk. 8/5), welche die
Unia
mit
Einspracheentscheid
vom 16. Juni 2015 teil
weise guthiess, in
dem sie den versicherten Verdienst ab der Kontroll
periode April 2015 auf Fr.
4‘484.-- festsetzte (Urk. 2).
Mit Verfügungen vom 2
9.
Juli 2015
sprach die IV-Stelle dem Versicherten wie angekündigt eine ganze Rente ab dem
1.
September 2013 und eine
Vier
telsrente
ab dem 1.
November 2013
zu (
Urk.
8/4/1-2).
Gegen diese Ver
fügungen wurde am hiesigen Gericht keine Beschwerde erho
ben.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
der
Unia
vom
16. Juni 2015
(
Urk.
2)
erhob
der Versicherte
mit Eingabe vom
14. August
2015
Be
schwerde und bean
tragte
,
dieser sei
in Bezug auf Ziffer 3
aufzuheben und
der versicherte Ver
dienst ab Kontrollperiode April 2015
sei
auf Fr. 5‘319.-- festzusetzen be
zie
hungsweise zu belassen
(Urk. 1). Die Beschwerd
egegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 28.
August
2015 auf Abwei
sung der Be
schwerde (Urk.
7 S. 1
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Soweit eine ganz oder teilweise arbeitslose Person im Sinne von Art. 10 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die In
solvenzentschädigung
(AVIG)
die weiteren
Anspruchsvoraussetzungen (Art.
8 AVIG) erfüllt, steht ihr eine Arbeitslosenentschädigung zu. Diese wird als Tag
geld ausgerichtet (
Art.
21 AVIG). Ausgangspunkt der Taggeldbemessung ist der versicherte Verdienst (
Art.
22 AVIG).
Ein volles Taggeld beträgt 70
%
oder 80 % des versicherten Verdienstes (Art. 22 Abs. 1
und
Abs.
2 AVIG).
Nach
Art.
23
Abs.
1 AVIG gilt als versicherter Verdienst der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines
Bemessungs
zeit
raums
aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde.
Nach
Art.
37
Abs.
1
der
Verordnung über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV)
bemisst sich der versicherte Verdienst nach dem Durchschnittslohn der letzten sechs
Bei
tragsmonate
(nach
Art.
11 AVIV) vor Beginn der Rahmenfrist für den
Leis
tungsbezug
.
Nach
Art.
37
Abs.
2
AVIV bemisst
er
sich
dann
nach dem Durchschnittslohn der letzten zwölf Beitragsmonate vor Beginn der
Rah
menfrist
für den Leistungsbezug, wenn dieser Durchschnittslohn höher ist als derjenige nach Absatz 1
.
1.2
1.2.1
Die versicherte Person hat gemäss
Art.
8
Abs.
1
lit
. f AVIG in Verbindung mit
Art.
15
Abs.
1 AVIG Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn sie vermittlungsfähig ist, das heisst, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Der Begriff der Vermittlungsfähigkeit als
Anspruchsvoraus
set
zung
schliesst graduelle Abstufungen aus. Nach
Art.
15
Abs.
2 Satz 1 AVIG gilt der körperlich oder geistig Behinderte als vermittlungsfähig, wenn ihm bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage, unter Berücksichtigung seiner Behin
derung, auf dem Arbeitsmarkt eine zumutbare Arbeit vermittelt werden könnte. Die Kompetenz zur Regelung der Koordination mit der Invaliden
ver
sicherung ist in
Art.
15
Abs.
2 Satz 2 AVIG dem Bundesrat übertragen wor
den. Dieser hat in
Art.
15
Abs.
3
AVIV
festgelegt, dass ein Behinderter, der unter der Annahme einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage nicht offen
sicht
lich vermittlungsunfähig ist, und der sich bei der Invalidenversicherung (oder einer anderen Versicherung nach
Art.
15
Abs.
2 AVIV) angemeldet hat, bis zum Entscheid der anderen Versicherung als vermittlungsfähig gilt. In die
sem Sinn sieht
Art.
70
Abs.
2
lit
. b ATSG vor, dass die Arbeits
losen
versiche
rung für Leistungen, deren Übernahme durch die Arbeits
losenversicherung, die Krankenversicherung, die Unfallver
siche
rung oder die Invalidenver
sicherung umstritten ist, vorleistungspflichtig ist
(
BGE 142 V 380 E. 3.1;
Urteil des Bundesgerichts 8C_919/2015 vom 2
1.
Juli 2016 E. 2.1).
1.2.2
Aufgrund dieser Bestimmungen hat die Arbeitslosenversicherung arbeitslose, bei einer anderen Versicherung angemeldete Personen zu entschädigen, falls ihre Vermittlungsunfähigkeit nicht offensichtlich ist. Dieser Anspruch auf eine ungekürzte Arbeitslosenentschädigung besteht namentlich, wenn die ganz arbeitslose Person aus gesundheitlichen Gründen lediglich noch
teil
zeitlich
arbeiten könnte, solange sie im Umfang der ihr ärztlicherseits attes
tierten Arbeitsfähigkeit eine Beschäftigung sucht und bereit ist, eine neue Anstellung mit entsprechendem Pen
sum anzutreten (BGE 136 V 95 E.
7.1). Die Vermutungsregel der grundsätzlich gegebenen
Vermittlungs
fähigkeit
von Behinderten (
Art.
70
Abs.
2
lit
. b ATSG und
Art.
15
Abs.
2 AVIG in Verbin
dung mit
Art.
15
Abs.
3 AVIV) gilt lediglich für die Zeit, in welcher der Anspruch auf Leistungen einer anderen Versicherung abgeklärt wird und somit noch nicht feststeht. Damit sollen Lücken im Erwerbsersatz vermieden werden. Die Vorleistungspflicht ist daher auf die Dauer des Schwebezustan
des begrenzt, weshalb sie endet, sobald das Ausmass der Erwerbsunfähigkeit
feststeht (vgl. BGE 136 V
195 E. 7.4; ARV 2011 S.
55, 8C_651/2009
;
zum Ganzen:
BGE 142 V 380 E. 3.2 und
Urteil des Bun
desgerichts 8
C_919/2015 vom 2
1.
Juli 2016 E.
2
.2
).
1.3
1.3.1
Nebst der Frage der Vermittlungsfähigkeit stellt sich in diesem Zusam
men
hang auch diejenige nach der Höhe der von der Arbeitslosen
ver
sicherung zu erbringenden Leistungen und damit nach dem versicherten Verdienst
(Art. 23 AVIG)
. Bei Versicherten, die unmittelbar vor oder während der Arbeits
losig
keit eine gesundheitsbedingte Beeinträchtigung ihrer Erwerbsfähigkeit erlei
den, ist gemäss
Art.
40b AVIV der Verdienst massgebend, welcher der ver
bleibenden Erwerbsfähigkeit entspricht
(
BGE 142 V 380 E. 3.3.1;
Urteil des Bundesgerichts 8
C_919/2015 vom 2
1.
Juli 2016 E.
2
.3.1).
1.3.2
Der Zweck des
Art.
40b AVIV besteht darin, über die Korrektur des ver
sicher
ten Verdienstes die Koordination zur Eidgenössischen Invalidenver
sicherung zu bewerkstelligen, um eine Überentschädigung durch das Zusam
menfallen einer Invalidenrente mit Arbeitslosentaggeldern zu verhindern (BGE 140 V 89 E. 3 mit Hinweis).
Art.
40b AVIV betrifft allerdings, wie in BGE 133 V 524
E. 5.2
zu BGE 132 V 357
E. 3.2.3
präzisiert wurde, nicht allein die
Leistungs
koordination
zwischen Arbeitslosen- und Invaliden
versicherung, sondern - in allge
meinerer Weise - die Abgrenzung der Zu
ständigkeit der Arbeitslosen
ver
sicherung gegenüber anderen Versiche
rungsträgern nach Massgabe der Erwerbsfähigkeit. Nach Sinn und Zweck der Verordnungsbestimmung soll die Leistungspflicht der Arbeitslosenver
sicherung auf einen Umfang beschränkt werden, der sich nach der ver
bleibenden Erwerbs
fähigkeit der versicherten Person während der Dauer der Arbeitslosigkeit auszurichten hat. Da die Arbeitslosenversicherung nur für den Lohnausfall einzustehen hat, der sich aus der Arbeitslosigkeit ergibt, kann für die Berech
nung der
Arbeitslo
senentschädigung
keine Rolle spielen, ob ein anderer Versicherungsträger Invalidenleistungen erbringt. Durch das Abstellen auf die verbleibende Erwerbs
fähigkeit soll verhindert werden, dass die Arbeitslosenentschädigung auf einem Verdienst ermittelt wird, den der Versicherte nicht mehr erzielen könnte (BGE 140 V 89 E. 5.1 S. 91 f. mit Hi
nweisen; SVR 2014 ALV Nr. 13 S. 40, 8C_824/2013 E.
3.2). Hinsichtlich der Beeinträchtigung der Erwerbs
fähigkeit ist der durch die Invaliden
versicherung ermittelte Invaliditä
tsgrad massgeblich (ARV 2015 S.
165, 8C_746/2014 E. 3.3 mit Hinweis
;
zum Gan
zen: BGE 142 V 380 E. 3.3.2 und
Urteil des Bundesgerichts 8
C_919/2015 vom 2
1.
Juli 2016 E.
2
.3.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf den Standpunkt,
der Beschwerdeführer habe zuletzt
nebst der
seit November 2009 ausgerichteten
Invaliden
rente der Suva mit einem
Invali
di
tätsgrad
von 30
%
vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung ab Januar 2013
bei der
Y._
AG
einen Monatslohn von Fr. 5‘319.-- (inklusive 13. Monatslohn)
erzielt.
Dieser
Betrag
sei für die Arbeitslosenversicherung im Bemessungszeitraum für den versicherten Ver
dienst massgeblich und nicht
das
von der Invalidenversicherung fest
gelegte hypothetische Invalideneinkommen.
Bei einem (von der Invaliden
versiche
rung) festgelegten Invaliditätsgrad von 41
% betrage die
Rester
werbsfähig
keit
59
%. Der versicherte Verdienst sei dementsprechend auf Fr. 4‘484.-- (
Fr.
5‘319.
-- :
70
[x 100];
x 59
[: 100]
) anzupassen.
Dabei habe sie, die Beschwerdegegnerin, sich an die vom
SECO
erteilten Weisungen
gemäss der
AVIG-Praxis
Arbeitslosenentschädigung (ALE;
Rz
C26 und C
29) zu
halten. Danach habe die Anpassung des versicherten Verdienstes bereits aufgrund des Vorbescheids der Invaliden
versicherung und nach Massgabe des von der IV-Stelle ermittelten Invaliditätsgrades zu erfolgen
(
Urk.
2 S. 3 ff.).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, in den von der
Beschwerde
gegne
rin
erwähnten Weisungen des SECO
(
AVIG-Praxis
ALE
C29
)
werde auf den Bundesgerichtsentscheid 8C_53/2014 vom 2
6.
August 2014 verwiesen.
Dieser Entscheid beziehe sich indes nur auf den Fall einer 100%igen Er
werbsun
fähigkeit mit einer ganzen Invalidenrente. Dennoch glaube das SECO gestützt hierauf berechtigt zu sein, bei niedrigeren Invaliditätsgraden den versicherten Verdienst auf die Resterwerbsfähigkeit anpassen zu können. Die ent
sprechenden Folgerungen in den Weisungen würden im zitierten Urteil indes keine Stütze finden. Die Unhaltbarkeit der vorgenommenen Reduktion des versicherten Verdienstes und damit der Taggeldentschädi
gungen erhelle auch daraus, dass ihm gemäss den medizinischen Akten seit August 2013 eine 100%ige leidensangepasste Erwerbstätigkeit zumutbar sei und im IV-Vorbe
scheid von einem Invalideneinkommen von Fr. 65‘698.-- ausgegangen wor
den sei. Der IV-Grad resultiere zudem nur daraus, dass ihm ein
leidens
-
be
dingter Abzug (vom statistischen Durchschnittslohn) von 25
% gewährt wor
den sei. Seine Vermittlungsfähigkeit werde dadurch in keiner Weise tangiert, zumal dieser Begriff graduelle Abstufungen ausschliesse.
E
in An
spruch auf eine ungekürzte Arbeitslosenentschädigung bestehe selbst dann,
wenn eine vollarbeitslose Person aus gesundheitlichen Gründen lediglich noch
teilzeit
lich
arbeiten könne, so
lange sie im Umfang der ihr ärzt
licherseits attestierten Arbeitsfähigkeit eine Beschäftigung suche und bereit sei
, eine neue Anstel
lung mit entsprechendem Pensum anzutreten. Diese Voraus
setzungen seien bei ihm gegeben.
Entscheidend für den versicherten Verdienst
sei
jenes Ein
kommen, das er vor Beginn der Rahmenfrist tatsächlich erzielt habe, und zwar Fr. 5‘
319.-- pro Monat. Auch der ermittelte Invaliditätsgrad von 41
%
habe keinerlei Aussagewert bezüglich der ver
bleibenden Erwerbsfähigkeit beziehungsweise den massgeblichen ver
sicherten Verdienst. Denn
der
Invali
ditätsgrad
sei aufgrund eines
Validenein
kommens
von Fr. 84‘175.-- berech
net worden.
Die
Resterwerbsfähigkeit v
on 59
%
sei
durch ganz andere Ver
gleichsgrössen ermittelt worden, als sie im
arbeitslosenver
sicherungsrecht
lichen
Rahmen massgeblich seien.
Der IV-Vorbescheid
liefere keinerlei Gründe für eine Anpassung des versicherten Verdienstes, der auf der Basis des real erzielten Einkommens ermittelt worden sei.
Abgesehen davon seien gegen den IV-Vorbescheid ohnehin Einwände erhoben worden (
Urk.
1 S.
3 ff.
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
unter Be
rück
sichtigung des Vorbescheides der IV-Stelle vom 2. April 2015 (
Urk.
8/10)
von einem
versicherten Ver
dienst von Fr. 4‘484.--
zur Festsetzung der
Taggeld
leistungen
ab April 2015 ausgegangen ist
.
Bei Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheides
vom 16. Juni 2015, was
recht
spre
chungsgemäss
die zeitliche Grenze der richterlichen
Über
prüfungs
befugnis
bildet (BGE 132 V 2
15
E. 3.1.1,
122 V 77 E. 2b;
Urteil des Bundes
gerichts 8C_647/2010 vom
6.
September 2010
E. 4.1), hatte die IV-Stelle erst den Vorbescheid erlassen. Sie hatte damit erst in Aussicht gestellt, dass dem Beschwerdeführer rückwirkend ab dem
1.
September 2013
eine ganze Invali
denrente und ab
1.
November 2013
eine
Viertelsrente
aufgrund eines
Invali
ditätsgrades
von 41
%
zugesprochen werde
(
Urk.
8/10). Die Verfügungen der IV-Stelle vom 2
9.
Juli 2015
(Urk. 8/4/1-2)
erfolgten
erst
nach dem hier zu beurteilenden
Einsprache
entscheid
der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
2)
.
Der angefochtene
Ein
sprache
entscheid
ist daher nach dem Sachverhalt zu prüfen, wie er bis zum 1
6.
Juni 2015 eingetreten ist.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin verneint
e
zu Recht nicht, dass der Beschwerdeführer
trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung
und Anmeldung bei der Inva
lidenversicherung
grundsätzlich
vermittlungsfähig (Art. 15
Abs. 2 Satz 1 AVIG
und
Art.
15
Abs.
3 AVIV
) ist und dass sie
als Arbeitslosenversicher
er
grundsätzlich vorleistungspflichtig
(Art.
70 Abs.
2
lit
.
b ATSG
)
ist
respektive war
.
Weil die
Vermutungsregel der grund
sätzlich gegebenen
Vermittlungs
fähigkeit
von Behinderten
ledi
glich für die Zeit gilt, in welcher der Anspruch auf Leistungen einer anderen Versicherung noch abgeklärt wird,
und die
Vorleistungspf
licht
auf die Dauer des Schwebezustandes begrenzt ist
, mithin solange andauert, als das Ausmass der Erwerbsunfähigkeit noch nicht fest
steht
(BGE 136 V 195 E. 7.4; vgl. E. 1.2
.2
hiervor),
ist zu klären,
ob
die geforderte Klarheit bereits
mit dem Vorbescheid der IV-Stelle vom
2. April 2015
(Urk.
8/10
)
angenommen werden durfte
.
3.2
Die
Verwaltungsw
eisungen
des SECO
, AVIG-Praxis ALE
,
C26 und C29
(Aus
gabe
:
Januar 2013, Stand: Januar 2017)
,
auf welche sich die
Be
schwerdegeg
nerin
im ange
fochtenen
Einspracheentscheid
zur Beantwortung dieser Frage
stützte
, lauten
wie folgt:
Bei versicherten Personen mit gesundheitsbedingter dauernder Beein
träch
tigung der Erwerbsfähigkeit ist der Verdienst massgebend, der i
hrer verblei
benden Erwerbsfähig
keit entspricht. Es handelt sich dabei um Per
sonen, be
i denen eine andere Sozialversi
cherung eine Invalidität festgestellt hat. Der Versicherungsschutz der
Arbeitslosenversicherung
beschränkt sich auf
die Deckung der verbleibenden Erwerbsfähigkeit (
Validitätsgrad
). Für die Arbeits
losenkasse massgebend ist der Verdienst, den die versicherte Person vor der gesund
heitlichen Beeinträchtigung erzielt hatte (Lohn vor der In
val
i
dität) und nicht das von der Invalidenversicherung
festgelegte Einkom
men, das die ver
sicherte Perso
n aufgrund ihrer Invalidität hy
po
thetisch noch erzielen könnte
(
BGE 132 V 357;
AVIG-Praxis ALE, C26)
.
Stellt eine andere Sozialversicherung im Laufe der
Rahmenfrist für den
Leis
tungsbezug
rückwirkend einen Invaliditäts
grad fest, muss der versicherte Verdienst der verbleibenden Erwerbsfähigkeit angepasst werden – unab
hän
gig davon, ob der festgestellte Invaliditätsgrad zu einem Rentenanspruch führt. Bereits aufgrund des Vorbescheids der Inv
alidenversicherung hat eine all
fällige Anpassung des versicherten Verdienstes zu erfolgen
(
Urteil des Bundesgerichts
8C_53/2014 vom
26. August 2014;
AVIG-Praxis ALE, C29)
.
3.3
3.
3
.1
Solche Verwaltungsweisungen sind für das Gericht grundsätzlich nicht ver
bindlich.
Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der
anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine
rechts
gleiche
Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen
(
BGE
141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
3.3
.2
Die Verwaltungsweisung AVIG-ALE C6 stützt sich auf die bundesgerichtliche Gesetzesauslegung gemäss BGE 132 V 357 und ist gesetzes- und
ver
ord
nungskonform
. Denn in diesem Leitentscheid wurde
- wie in der Weisung C6
zutreffend
festgehalten -
erkannt, dass
Ausgangspunkt
für die Berech
nung des versicherten Verdienstes nach Art. 23 AVIG und Art. 40b AVIV
der vor der gesundheitsbedingten Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit wäh
rend eines bestimmten Zeitraumes
(Art. 37 AVIV)
tatsächlich erzielte Lohn
bildet
. Dieser Wert ist mit dem Faktor zu multiplizieren, der sich aus der Differenz zwischen 100
%
und dem Invaliditätsgrad ergibt. Mit Blick auf die langjäh
rige Verwaltungs- und Gerichtspraxis nicht einschlägig ist das (hypothetisch
erzielbare) Invalideneinkommen (BGE 132 V 357 E. 3.2
;
vgl. auch
BGE 142 V 380 E. 3.3.2
).
Diese Verwaltungsweisung respektive Rechtsprechung
hat die
Beschwerde
gegnerin
insofern
korrekt umgesetzt.
Insbesondere ist der versicherte Ver
dienst
und damit der Taggeldanspruch entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers rechtsprechungsgemäss
grundsätzlich
durchaus in Kor
re
lation zum von der IV-Stelle ermittelten
Invaliditätsgrad
und unabhängig vom Invalideneinkommen sowie von der ärztlich attestierten Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
zu reduzieren.
Denn die
Behörden der Arbeitslosenversicherung
sind
befugt und verpflichtet, den versicherten Ver
dienst zu berichtigen, sobald das Ausmass der Erwerbsunfähigkeit feststeht (BGE 140 V 89 E. 5.3
;
Urteil des Bundesgerichts 8C_919/2015 vom 2
1.
Juli 2016 E.
5.2.2
).
Eine andere Frage
ist, ob
bereits
aufgrund des Vorbescheides der IV-Stelle von einem feststehenden Invaliditätsgrad, mithin von einer
hin
reichende
n
Grundlage für die Anpassung des versicherten Verdienstes
ausgegangen wer
den durfte, wie dies in AVIG-Praxis ALE C29 postuliert wird.
3.
4
3.4.1
Das Bundesgericht hat im neuen Leitentscheid BGE 142 V 380 dazu erkannt, dass
diese Verwaltungsweisung in AVIG-Praxis ALE C29 insoweit
ver
ord
nungs
- und bundesrechtswidrig ist, als darin der Vorbescheid in jedem Fall,
ohne Würdigung der Einzelfallkonstellationen, als hinreichende Grund
lage für die Anwendung von
Art.
40b AVIV angesehen wird.
Denn s
ie
lasse
eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren Bestimmungen nicht zu
(BGE 142 V 380 E. 5.4 mit Hinweisen).
Weiter stellte das Bundesgericht fest
, dass grundsätzlich erst die (noch nicht rechtskräftige) Verfügung der Invalidenversicherung oder einer anderen Sozialversicherung hinreichende Grundlage für die Anpassung des ver
sicherten Verdienstes an den damit erkannten Grad der Erwerbsunfähigkeit oder zumindest an den nicht umstrittenen Prozentsatz des errechneten
Inva
liditätsgrades
bildet. Vorbehalten
würden
die zuvor
in der Erwägung 5.2
skizzierten Konstellationen, in denen bereits vor Verfügungserlass der Invali
denversicherung mit deren Vorbescheid der Grad der Erwerbsun
fähigkeit absehbar feststeh
e
. Dies betr
effe
Fälle, wo keine Einwände gegen den Vor
bescheid zu erwarten
seien
bzw. erfolgen
würden
; oder wenn eine ganze Invalidenrente bei verbleibender Restarbeitsfähigkeit in Aussicht gestellt
werde. Diese Sichtweise stehe
in Einklang mit der bisherigen Recht
sprechung (
BGE 133 V 524
E. 5; SVR 2014 ALV Nr. 13 S. 40, 8C_824/2013 E. 5; vgl. auch Urteile
des Bundesgerichts
8C_918/2012 vom 2
9.
Januar 2013 E. 3 und 8C_40/2011 vom
4.
März 2011 E. 4.1), woran festzuhalten
sei
. Diese
laufe
einer rechtsgleichen und praktikablen Verwaltungspraxis nicht zuwider, zumal damit allenfalls weniger Nachkorrekturen vorzunehmen
seien
, als wenn stets auf den im Vorbescheid angegebenen Erwerbsunfähigkeitsgrad abgeste
llt würde (BGE 142 V 380 E. 5.5).
3.4.2
Hier war der Schwebezustand zur Frage des Umfangs der Erwerbsunfähigkeit respektive restlichen Erwerbsfähigkeit mit dem Erlass des Vorbescheides vom 2. April 2015 (
Urk.
8/10) noch nicht aufgehoben. Denn
eine vollständige Erwerbsunfähigkeit mit offensichtlicher Vermittlungsunfähigkeit
war
bei
dem damit angekündigten
Invaliditätsgrad von 41
% ab November 2013
(Urk. 8/10)
nicht
zu erwarten
(vgl. BGE 142 V 380 E. 5.2.1)
. Ausserdem hatte
der Beschwerdeführer gegen den Vorbescheid Einwände erhoben und darin auch weitere medizinische Abklärungen beantragt
(vgl. die Erwägungen in der IV-Verfügung vom 29. Juli 2015, Urk. 8/4/2)
.
Das Bundesgericht
hielt zu einer solchen Sachlage fest, e
ntgegen der AVIG-Praxis ALE C29
stehe
im Zeitpunkt des Vorbescheides eine Mindesthöhe des Invaliditätsgrades gerade dann noch nicht fest, wenn die versicherte Person - wie hier - gegen den Vorbescheid Einwände erheb
e
und weitere medizinische Abklärungen forder
e
. Der Ausgang des Verfahrens
sei
aufgrund der mög
lich
erweise durchzuführenden weiteren Beweismassnahmen ungewiss und
könne
durchaus auch zu Ungunsten
der versicherten Person
ausfallen. Die Ein
wände im
Vorbescheidverfahren
seien
kein Rechtsmittel, das zurück
gezogen werden könnte mit der Konsequenz, dass der Vorbescheid rechts
kräftig würde. Diese
würden
vielmehr eine Möglichkeit zur Äusserung im Rahmen des Gehörsanspruchs dar
stellen
. Das
Vorbescheidverfahren
geh
e
insoweit über den verfassungsrechtlichen Mindestanspruch auf rechtliches Gehör (
Art.
29
Abs.
2 BV) hinaus, als die versicherte Person Gelegenheit
erhalte
, sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vorgesehenen
End
entscheid
zu äussern (
Art.
57a
Abs.
1 IVG und
Art.
73ter
Abs.
1 IVV
)
. Die Verwaltung
sei
aber nicht verpflichtet, gemäss dem Vorbescheid zu verfügen, weshalb in der Verfügung auch ein tieferer Invaliditätsgrad al
s der im Vorbescheid ange
zeigte
festgestellt werden
dürfe
(
BGE 142 V 380 E. 5.3
).
3.5
Da
hier somit
bis zum Erlass des
Einspracheentscheides
vom 16. Juni 2015
(Urk.
2)
noch
nicht feststand, wie sich der Sachverhalt bezüglich der
Rester
werbsfähigkeit
bis zum Verfügungszeitpunkt der IV-Stelle entwickeln
wird
,
und
damit
auch
das Ausmass der Erwerbs
unfähigkeit
noch nicht hinreichend bestimmt war
,
bestand
die Vorleistungspflicht der
Arbeitslosen
versicherung weiter. Die Beschwerdegegnerin
durfte
den versicherten Verdienst
daher
nicht reduzieren.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 1
6.
Juni 2015 (
Urk.
2) ist folglich in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben und
die Beschwerdegegnerin
ist (im Rahmen der Vor
schusspflicht der Arbeitslosenversicherung)
zu ver
pflichten, dem Be
schwerdeführer über den
1. April
2015 hinaus
Arbeits
lo
sentaggelder
aufgrund eines ungekürzten versicherten Verdienstes von
Fr. 5‘319.-- (inklu
sive 13. Monatslohn)
auszurichten.
4.
Das Verfahren ist kostenlos.
Dem Beschwerdeführer ist
für das vorliegende Verfahren nach
Massgabe
von
Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das
Sozial
ver
sicherungsgericht
ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen
sowie aufgrund
der einge
reich
ten Honorarnote vom 27. Oktober 2015
(Urk. 11
)
mit Fr.
1‘209.60
(inkl. Mehr
wertsteuer von 8
%
und
Baraus
lagen
)
aus der Ge
richts
kasse zu ent
schädigen.