Decision ID: ab016104-3490-4a79-8526-9ba0ddd7108f
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren K._, aktuell tätig als selbstständiger
Holzschnitzer, meldete sich am 6. Mai 2019 unter Hinweis auf eine
sturzbedingte Knieverletzung bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an.
2. Sein Hausarzt Dr. med. B._ diagnostizierte mit Bericht vom
1. August 2019 einen Endzustand mit St. n. Patellafraktur und
eingeschränkter Kniebewegung links mit Instabilität sowie ein chronisch
schädlicher Alkoholkonsum mit kognitiven und körperlichen Phänomenen
(F10.2) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Er wies eine seit dem
8. Dezember 2014 bestehende Arbeitsunfähigkeit von 100% für
belastende Arbeiten mit wiederholtem Kniebeugen und Gehen in
unebenem Gelände aus und erachtete sowohl die bisherige wie auch eine
angepasste Tätigkeit als unzumutbar.
3. Dr. med. C._, Chefarzt der orthopädischen Chirurgie, welcher
A._ nach der im Dezember 2014 erlittenen, mehrfach operativ
versorgten Patella-Trümmerfraktur bis Mitte Dezember 2017 behandelt
hatte, führte in seinem Bericht vom 23. August 2019 aus, dass sich der
Patient seit der Implantation einer partiellen Femoropatellarprothese im
linken Knie am 9. August 2019 (recte: 9. August 2017) gut vom Eingriff
erholt habe. Seit dem 19. September 2017 sei er komplett schmerzfrei und
auch die Beweglichkeit habe sich nochmals verbessert. Daher sei ihm
sowohl seine bisherige Tätigkeit als Holzschnitzer als auch eine adaptierte
Tätigkeit zumutbar.
4. In der Folge betraute die IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend:
IV-Stelle) die Swiss Medical Assessment- and Business Center (SMAB)
AG in St. Gallen mit der Erstellung eines bidisziplinären Gutachtens in den
- 3 -
Disziplinen Orthopädie sowie Psychiatrie und Psychotherapie. Die
Explorationen fanden am 13. Januar 2020 statt und das Gutachten wurde
am 17. Februar 2020 erstattet. Darin stellten die Gutachterinnen keine
Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Als ohne Einfluss
darauf nannten sie u.a. eine Femoropatellarprothese des linken Knies vom
9. August 2017 sowie eine Substanzkonsumstörung durch Alkohol
(F10.2). Sie erachteten A._ sowohl in der angestammten wie auch in
einer leidensadaptierten Tätigkeit ab Mai 2018 zu 100% arbeitsfähig.
5. In seiner Abschlussbeurteilung vom 24. Februar 2020 stellte der Arzt des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) Dr. med. D._ auf die
Feststellungen im SMAB-Gutachten ab und wies eine seit Mai 2018
bestehende 100%ige Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster
Tätigkeit aus.
6. Mit Vorbescheid vom 6. März 2020 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Begründend führte sie
namentlich aus, dass er aus medizinischer Sicht sowohl in der Tätigkeit
als selbstständigerwerbender Holzschnitzer als auch in einer adaptierten
Tätigkeit zu 100% arbeiten könne. Einschränkungen bestünden nur für
Tätigkeiten mit Kniebeugen, Hocken und häufigem Treppensteigen. In
Gegenüberstellung des gestützt auf die Tabellenlöhne der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) ermittelten
Invalideneinkommens mit dem Einkommen, das er heute ohne
Gesundheitsschaden erzielen würde, könne nicht von einer
rentenbegründenden Einkommenseinbusse von mindestens 40%
ausgegangen werden.
7. Am 30. April 2020 verfügte die IV-Stelle wie im Vorbescheid angekündigt
und verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
- 4 -
8. Dagegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 2. Juni
2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und
stellte die folgenden Rechtsbegehren:
"1. Es sei die Verfügung vom 30. April 2020 aufzuheben.
2. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente nach IVG zu gewähren.
3. Es sei der Beschwerdeführer durch das Gericht begutachten zu lassen.
4. Eventualiter sei die Sache zur Neubegutachtung und anschliessendem Neuentscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin."
In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer ausserdem um
unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung.
Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass das SMAB-
Gutachten vom 17. Februar 2020 grobe Mängel aufweise, insbesondere
in Bezug auf den Alkoholkonsum und seine Leistungsfähigkeit, weshalb
es für das vorliegende Verfahren nicht verwertbar sei.
9. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in der
Vernehmlassung vom 8. Juli 2020 auf Abweisung der Beschwerde und
verwies primär auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung vom
30. April 2020, welche sie angesichts der Vorbringen des
Beschwerdeführers punktuell vertiefte.
10. Mit Eingabe vom 24. September 2020 replizierte der Beschwerdeführer
bei unveränderten Rechtsbegehren.
- 5 -
11. Am 5. Oktober 2020 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie
auf die angefochtene Verfügung vom 30. April 2020 wird, soweit
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom
30. April 2020 stellt eine solche anfechtbare Verfügung und folglich ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in
Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressat der strittigen
Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt und er weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 59
ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet in Anbetracht der im Mai 2019 erfolgten
Anmeldung gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG unbestrittenermassen die Frage,
ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch des Beschwerdeführers
- 6 -
ab dem 1. November 2019 zu Recht verneint hat. Streitig ist das Vorliegen
eines Gesundheitsschadens mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit,
der im hier massgeblichen Zeitraum ab dem 1. November 2019 einen
Rentenanspruch zu begründen vermag.
3. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands bzw. der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers sind im Wesentlichen die folgenden medizinischen
Unterlagen zu berücksichtigen:
3.1. Mit Bericht vom 1. August 2019 stellte Dr. med. B._ folgende
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Endzustand mit
St. n. Patellafraktur und eingeschränkter Kniebewegung links mit
Instabilität sowie chronisch schädlicher Alkoholkonsum mit kognitiven und
körperlichen Phänomenen (F10.2). Er wies eine seit dem 8. Dezember
2014 bestehende Arbeitsunfähigkeit von 100% für belastende Arbeiten mit
wiederholtem Kniebeugen und Gehen in unebenem Gelände aus. Zudem
stellte Dr. med. B._ eine schlechte Prognose und führte aus, der
Beschwerdeführer könne höchstens etwas Schnitzen und Hausarbeiten
erledigen. Es bestünden namentlich körperliche und geistige
Einschränkungen nach/bei chronischem Alkoholkonsum sowie
Bewegungseinschränkungen im linken Knie. Sowohl die bisherige als
auch eine angepasste Tätigkeit seien dem Beschwerdeführer nicht
zumutbar. Zudem bestehe eine Tendenz zur Verwahrlosung sowie eine
sehr schlechte Motivation zur Wohnungs- und Körperpflege. Dr. med.
B._ empfahl eine psychiatrische und orthopädische Beurteilung
(vgl. Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 24).
3.2. In dem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 23. August
2019 diagnostizierte Dr. med. C._ eine femoropatelläre Arthrose
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und einen Alkohol- bzw.
Nikotinabusus, Abhängigkeitssyndrom (F10.2. bzw. F17.2), ohne Einfluss
- 7 -
auf die Arbeitsfähigkeit. Ferner führte er aus, dass sich der
Beschwerdeführer seit der Implantation einer partiellen
Femoropatellarprothese im linken Knie am 9. August 2019 (recte:
9. August 2017) gut vom Eingriff erholt habe. Seit dem 19. September
2017 sei er komplett schmerzfrei und auch die Beweglichkeit habe sich
nochmals verbessert. Die letzte Kontrolle habe am 12. Dezember 2017
stattgefunden. Die bisherige Tätigkeit als Holzschnitzer sei ihm nach der
Implantation der Femoropatellarprothese wieder zumutbar. Zudem könne
er auch in einer leidensangepassten Tätigkeit arbeiten. Die Prognose sei
grundsätzlich gut. Trotz C2-Abusus präsentiere sich hinsichtlich des linken
Knies ein sehr gutes Resultat und ein zufriedener Patient (vgl. Bg-act. 27).
3.3. Im bidisziplinären SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020 wiesen die
Gutachterinnen keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
aus. Als solche ohne Einfluss darauf nannten sie u.a. eine
Femoropatellarprothese des linken Knies vom 9. August 2017 sowie eine
Substanzkonsumstörung durch Alkohol (F10.2). Die Gutachterinnen
führten dazu in der Konsensbeurteilung aus, im Rahmen der orthopädisch-
traumatologischen Untersuchung habe eine gering eingeschränkte
Beugung des reizlosen und stabilen linken Kniegelenks mit Angabe eines
Ziehens an der linken Patella bei 130° Beugung bestanden. Ausserdem
sei eine Parästhesie im Narbenbereich des linken Kniegelenks
beschrieben worden. In den aktuellen Röntgenbefunden des linken
Kniegelenks vom 13. Januar 2020 habe sich eine reizlos einliegende
zementierte Femoropatellarprothese des linken Kniegelenks ohne
Hinweis auf eine Lockerung oder Dislokation präsentiert.
Zusammenfassend bestehe von orthopädisch-traumatologischer Seite ein
zufriedenstellendes postoperatives Ergebnis des linken Kniegelenks. Im
Kontext des Gesamtbefunds unter Berücksichtigung von fehlenden
emotionalen, kognitiven und motivationalen Defiziten zeige sich auf
- 8 -
psychiatrischem Gebiet keine Erkrankung mit Krankheitswert, sodass
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festzustellen sei. Bei einer
chronischen Substanzkonsumstörung (Alkohol) seien die
Abstinenzwünsche des Beschwerdeführers ersichtlich und es sei auch
bereits zu einer Reduktion des Alkoholkonsums gekommen. Aktuelle
irreversible Suchtfolgeschäden seien aus psychiatrischer Sicht nicht
vorliegend. Insgesamt befanden die Gutachterinnen den
Beschwerdeführer sowohl in angestammter wie auch in einer
Verweistätigkeit ab Mai 2018 zu 100% arbeitsfähig, wobei
Einschränkungen nur für Tätigkeiten mit Knien, Hocken und häufigem
Treppensteigen bestünden (vgl. Bg-act. 38 S. 4 ff.).
3.4. Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung vom
30. April 2020 einen Rentenanspruch mit der Begründung, gestützt auf die
medizinischen Abklärungen sei dem Beschwerdeführer die selbstständige
Tätigkeit als Holzschnitzer genauso wie eine Verweistätigkeit in einem
Pensum von 100% zumutbar, sofern Tätigkeiten mit Knien, Hocken oder
Treppensteigen vermieden würden. Dabei stützte sie sich gemäss ihrer
Vernehmlassung neben der RAD-Beurteilung vom 24. Februar 2020
(Case Report [Bg-act. 46 S. 10 f.]) sowie dem orthopädischen Bericht der
Klinik E._ vom 23. August 2019 (Bg-act. 27) und insbesondere
auf das bidisziplinäre SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020 ab (Bg-
act. 38).
4. Im Folgenden ist deshalb zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
das bidisziplinäre SMAB-Gutachten vom 17. Februar 2020 mit seinen
Feststellungen zur Arbeitsfähigkeit als Grundlage für ihren Entscheid
beigezogen hat oder ob konkrete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit
sprechen. Während die Beschwerdegegnerin dieses als in seinen
- 9 -
Ergebnissen schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei erachtet,
hält der Beschwerdeführer es in mehrfacher Hinsicht für mängelbehaftet.
4.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl.
BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122
V 157 E.1c mit Hinweisen). Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit
dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für
die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286
E.1b, 112 V 30 E.1a mit Hinweisen). So ist den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 137
V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb).
- 10 -
4.2. Der Beschwerdeführer kritisiert insbesondere, dass sich die
Gutachterinnen zu wenig mit seinem Alkoholkonsum auseinandergesetzt
hätten. Seine Angaben dazu anlässlich der Begutachtung seien diskrepant
gewesen. So habe er im Rahmen der orthopädischen Exploration
angegeben, dass er pro Tag vier bis fünf Flaschen Bier konsumiere,
während er sich gegenüber der psychiatrischen Gutachterin dahingehend
geäussert habe, dass er früher fünf bis sechs Flaschen Bier getrunken
habe, den Konsum aber zusammen mit seinem Hausarzt auf einen Liter
pro Tag habe reduzieren können. Die Gutachterinnen hätten zwar auf die
Diskrepanz hingewiesen, sich aber damit nicht weiter auseinandergesetzt.
Dies sei angesichts der Vorakten und der neuen Rechtsprechung zu den
Suchterkrankungen besonders gravierend. Sowohl in den Berichten der
Dres. med. B._ und C._ als auch in diversen
Spitalberichten werde ein Abhängigkeitssyndrom und ein C2-Abusus
ausgewiesen. Dr. med. B._ habe in seinem letzten Bericht an die
IV-Stelle festgehalten, dass der Alkoholkonsum schon seit vielen Jahren
bestehe, chronisch sei und sich auf den geistigen und körperlichen
Zustand auswirke, wodurch die Prognose in Bezug auf eine mögliche
Wiedereingliederung schlecht sei. Eine Reduktion des Alkoholkonsums
lasse sich daraus nicht entnehmen. Insofern hätten die Gutachterinnen
weiter abklären müssen, ob er seinen Konsum tatsächlich vermindert habe
oder nicht. Dazu wären zumindest bei Dr. med. B._
fremdanamnestische Angaben einzuholen gewesen. Ohne diese
Informationen könne auf die Beurteilungen der Gutachterinnen zum
Einfluss des Abhängigkeitssyndroms nicht abgestellt werden.
4.3. Dem Beschwerdeführer kann nicht gefolgt werden. Vielmehr ist der
Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass die Gutachterinnen sich in
ihrer Beurteilung in Kenntnis der medizinischen Vorakten (Bg-act. 38 S. 10
ff.) mit den gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers
- 11 -
auseinandergesetzt und ihre Schlussfolgerungen gestützt auf die eigenen
Untersuchungen, Befunderhebungen und Laborwerte getroffen haben
(vgl. Bg-act. 38 S. 20 ff. und S. 39 ff.). Dabei flossen auch die vom
Beschwerdeführer gemachten Angaben zur Krankheitsentwicklung und
zum jetzigen Leiden in die Gesamtbeurteilung zum Gesundheitszustand
und zur Arbeitsfähigkeits-Einschätzung mit ein. Ebenso fand die neue
bundesgerichtliche Rechtsprechung Eingang, wonach fachärztlich
einwandfrei diagnostizierte Abhängigkeitssyndrome grundsätzlich als
invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische)
Gesundheitsschäden zu beachten sind. Deshalb ist wie bei allen anderen
psychischen Erkrankungen anhand eines strukturierten Beweisverfahrens
abzuklären, ob sich ein fachärztlich diagnostiziertes
Abhängigkeitssyndrom auf die Arbeitsfähigkeit der betroffenen Person
auswirkt (BGE 145 V 215 E.6.1). Die psychiatrische Teilgutachterin,
Dr. med. F._, orientierte sich bei der Frage, ob die
diagnostizierten psychischen Leiden zu einer Arbeitsunfähigkeit führen,
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
rechtsprechungsgemäss an den Standardindikatoren (vgl. BGE 145 V 215
E.2.2, 143 V 409 E.4.5.2, 143 V 418 E.5.2.1). Dabei setzte sich Dr. med.
F._ auch mit der diagnostizierten Alkoholkonsumstörung
auseinander. So hielt sie etwa zum Indikator "Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde" des Komplexes "Gesundheitsschädigung"
von der Kategorie "funktioneller Schweregrad" fest, dass im Kontext des
Gesamtbefunds unter Berücksichtigung von fehlenden emotionalen,
kognitiven und motivationalen Defiziten sich auf psychiatrischem Gebiet
keine Erkrankung mit Krankheitswert zeige. Bei einer chronischen
Substanzkonsumstörung (Alkohol) seien die Abstinenzwünsche des
Beschwerdeführers ersichtlich und es sei auch bereits zu einer Reduktion
des Alkoholkonsums gekommen. Aktuelle irreversible Suchtfolgeschäden
seien aus psychiatrischer Sicht nicht vorliegend (Bg-act. 38 S. 45 und 38
- 12 -
S. 4). Auch äusserte sich die psychiatrische Gutachterin entgegen der
vom Beschwerdeführer in der Replik vertretenen Ansicht zum Indikator
"Behandlungserfolg oder -resistenz" bzw. dem der Kategorie "Konsistenz"
zugehörigen Indikator "Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
ausgewiesener Leidensdruck", indem sie ausführte, es seien bisher keine
psychotherapeutischen oder psychiatrischen Behandlungen,
insbesondere auch keine Entwöhnungs- oder Entzugsbehandlung, erfolgt.
Ebenso wenig bestehe eine (ausgewiesene) medikamentöse Behandlung
(Bg-act. 38 S. 45). Da gemäss Dr. med. F._ bei der
diagnostizierten Alkoholkonsumstörung, welche zwar aktuell aus
versicherungsmedizinischer Sicht ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
sei, bei fortgesetztem Konsum eine Verschlechterung der affektiven,
kognitiven und somatischen Lage eintreten könne, sei eine Entgiftung
bzw. Entwöhnungstherapie sowie eine Anbindung an eine
Selbsthilfegruppe für Suchtpatienten zu diskutieren (Bg-act. 38 S. 48).
Dass beim Beschwerdeführer im Gegensatz zu der nicht weiter belegten
Einschätzung des Hausarztes Dr. med. B._, wonach aufgrund
des chronisch schädlichen Aethylkonsums namentlich kognitive
Phänomene bestünden (vgl. Bericht vom 1. August 2019 [Bg-act. 24
S. 3]), bisher insbesondere keine solchen substanzkonsumbedingten
Defizite aufgetreten seien, erscheint angesichts des von Dr. med.
F._ erhobenen psychiatrischen Befundes nachvollziehbar. So
führte sie insbesondere aus, der Beschwerdeführer habe die Exploration
mit ausreichender Aufmerksamkeit verfolgt. Auch gegen Ende hätten
Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen nicht nennenswert
nachgelassen. Der Beschwerdeführer habe keine Mühe, den
Spannungsbogen zu halten. Die Konzentration und Merkfähigkeit sowie
Aufmerksamkeit seien auch in einem grob orientierenden klinischen Test
ungestört gewesen. Zudem wiesen das Kurz- und Langzeitgedächtnis im
psychopathologischen Befund keine Defizite auf. Mnestische kognitive
- 13 -
Defizite mit Hinweis auf eine primär hirnorganische Leistungsminderung
lägen aktuell nicht vor (Bg-act. 38 S. 43).
4.4. Des Weiteren geht der Einwand des Beschwerdeführers fehl, wonach sich
die psychiatrische Gutachterin damit begnügt habe, seine diskrepanten
Angaben zum Alkoholkonsum (vier bis fünf Bierflaschen pro Tag
anlässlich der orthopädischen Exploration [vgl. Bg-act. 38 S. 21] vs.
Reduktion auf einen Liter Bier am Tag anlässlich der psychiatrischen
Exploration [vgl. Bg-act. 38 S. 39 f.]) festzustellen, ohne diese auch mit
Blick auf die Arbeitsfähigkeit zu würdigen. Vielmehr geht aus ihren
Ausführungen hervor, dass sie die Angaben des Beschwerdeführers
bezüglich einer Alkoholkonsum-Reduktion für ausgewiesen erachtete.
Dabei stützte sie sich insbesondere auf die anlässlich der Begutachtung
festgestellten Laborwerte ab und führte dazu aus, der aktuell unauffällige
CDT-Wert bei erhöhtem GGT korreliere mit der Aussage des
Beschwerdeführers, den Alkoholkonsum von früher mehreren Flaschen
Bier auf jetzt ein bis zwei täglich herabgesetzt zu haben (vgl. Bg-act. 38
S. 6 und S. 44 i.V.m. S. 39 f.). Dies ist angesichts der Ergebnisse der
Laboruntersuchung vom 13. Januar 2020 mit einem unter der Grauzone
bzw. der pathologischen Grenze liegenden CDT-Wert von 0.8 (wobei die
Grauzone ab einem Wert von 1.75 beginnen würde), einem dem
Referenzwert entsprechenden Ethylglucuronid-Wert von weniger als 0.10
sowie einem erhöhten GGT-Wert nicht zu beanstanden (Bg-act. 38 S. 37).
Vielmehr erscheint es angesichts dessen nachvollziehbar, wenn die
psychiatrische Gutachterin die Alkoholsubstanzstörung den Diagnosen
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zugeordnet hat. Dies stimmt
denn auch mit der Beurteilung von Dr. med. C._ überein, welcher
den Alkoholabusus bzw. das Abhängigkeitssyndrom den Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zuwies (vgl. Bericht vom 23. August 2019
[Bg-act. 27 S. 4]). Demgegenüber führte Dr. med. B._ den von
- 14 -
ihm festgestellten chronisch schädlichen Alkoholkonsum zwar unter den
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf, lieferte hierzu im
Vergleich zu den gutachterlichen Befunderhebungen aber keine
laborchemischen Werte. Zudem hielt er zu den bestehenden
Funktionsbeeinträchtigungen fest, es bestünden geistige und körperliche
Einschränkungen "nach/bei" chronischem Alkoholkonsum (vgl. Bericht
vom 1. August 2019 [Bg-act. 24 S. 3 f.]). Gleichermassen ist die in
mehreren Spital- bzw. Sprechstundenberichten ausgewiesene Diagnose
eines C2-Abusus (vgl. dazu z.B. Austrittsberichte aus dem Spital
G._ vom 8. Januar 2015 [Bg-act. 30 S. 6] und 10. August 2015
[Bg-act. 30 S. 18] sowie Sprechstundenberichte von Prof. Dr. med.
H._ vom 13. August 2015 [Bg-act. 30 S. 20] und 24. September
2015 [Bg-act. 30 S. 21]) insoweit zu relativieren, als dass darin zu dieser
Thematik keine Feststellungen getroffen worden sind. Vielmehr scheint
diese Diagnose in anamnestischer Hinsicht übernommen worden zu sein.
Dass sich die psychiatrische Gutachterin vor diesem Hintergrund nicht
ausdrücklich zu abweichenden Berichten geäussert hat, was sie selbst mit
in den Akten fehlenden fachbezogenen Unterlagen begründete (vgl. Bg-
act. 38 S. 46), kann ihr nicht zum Vorwurf gereichen. Ebenso wenig
haltbar ist die Behauptung des Beschwerdeführers, Dr. med. F._
habe sich nicht mit den Vorakten auseinandergesetzt, wies sie doch
explizit aus, dass sie den Aktenauszug, einschliesslich die vollständigen
Akten, eingesehen habe (vgl. Bg-act. 38 S. 39), was sich denn auch in
ihren Ausführungen wiederspiegelt. Insoweit erweisen sich angesichts der
nachvollziehbaren Ausführungen im SMAB-Gutachten vom 17. Februar
2020 weitere Abklärungen aufgrund der unlängst geänderten
Rechtsprechung zu primären Abhängigkeitssyndromen (siehe BGE
145 V 215) – jedenfalls aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage – nicht als
angezeigt (siehe Urteil des Bundesgerichts 8C_213/2020 vom 19. Mai
2020 E.5.1.4). Insbesondere war angesichts der einleuchtenden
- 15 -
Beurteilung der medizinischen Situation und den daraus gezogenen
Schlussfolgerungen keine Einholung fremdanamnestischer Auskünfte
angezeigt, stellt dies doch ohnehin nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung eine Frage des medizinischen Ermessens dar, welche
grundsätzlich der Fachkenntnis der Expertin unterliegt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_379/2019 vom 26. September 2019 E.3.5.1 m.H.).
4.5. Auch die weiteren vom Beschwerdeführer monierten Mängel am SMAB-
Gutachten vermögen dieses nicht in Frage zu stellen. Dass im Gutachten
an mehreren Stellen erwähnt wird, der Beschwerdeführer arbeite neun
Stunden am Tag als Holzschnitzer in seinem eigenen Geschäft (vgl. z.B.
Bg-act. 38 S. 6 und S. 27 f.), ist angesichts seiner eigenen Angaben
anlässlich der Explorationen (vgl. Bg-act. 38 S. 21 f. und S. 41) und im
Fragebogen für Selbstständigerwerbende vom 11. Juni 2019 (vgl. Bg-
act. 21) nicht zu beanstanden. Dass er dabei eine verminderte
Leistungsfähigkeit aufweist, wurde denn auch im SMAB-Gutachten
vermerkt (vgl. Bg-act. 38 S. 27 und S. 21), weshalb davon ausgegangen
werden kann, dass den Gutachterinnen bewusst war, dass der
Beschwerdeführer entsprechend ein bescheidenes Einkommen erzielt.
Wenn nun die orthopädisch-traumatologische Gutachterin Dr. med.
I._ in Berücksichtigung der angegebenen neunstündigen Arbeit
pro Tag als Holzschnitzer eine Einschränkung der quantitativen
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausschloss, erscheint dies
angesichts der von ihr erhobenen, weitgehend unauffälligen Befunde (vgl.
Bg-act. 38 S. 23 ff.), den fehlenden körperlichen Einschränkungen in den
angegebenen Aktivitätsniveaus, den festgestellten
Verdeutlichungstendenzen und dem fehlenden Analgetika-Bedarf (vgl.
Bg-act. 38 S. 28) als nachvollziehbar. Dies deckt sich denn auch mit der
Beurteilung von Dr. med. C._, welcher in seinem Bericht vom
23. August 2019 ausführte, der Beschwerdeführer sei seit dem
- 16 -
19. September 2017 im linken Knie komplett schmerzfrei und auch die
Beweglichkeit habe sich nochmals verbessert, weshalb ihm die bisherige
Tätigkeit als Holzschnitzer nach der Implantation der
Femoropatellarprothese wieder zumutbar sei (Bg-act. 27 S. 4 ff.).
Dr. med. I._ setzte sich denn auch mit der davon abweichenden
Auffassung von Dr. med. B._ auseinander, wonach eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für belastende Arbeiten mit wiederholten Kniebeugen
und Gehen in unebenem Gelände bestehe und die bisherige Tätigkeit
daher nicht zumutbar sei (vgl. Bericht vom 1. August 2019 [Bg-act. 24 S. 2
und S. 5]). Dazu führte sie gestützt auf ihre eigene Untersuchung und
angesichts der vorbefundlichen fachärztlichen Einschätzung schlüssig
aus, dass aus orthopädisch-traumatologischer Sicht nur Einschränkungen
für Tätigkeiten mit Knien, Hocken und häufigem Treppensteigen bestehe,
was jedoch nicht dem beschriebenen Belastungsprofil der bisherigen
selbstständigen Tätigkeit des Beschwerdeführers entspreche (Bg-act. 38
S. 28). Dass überdies die regelmässige berufliche Tätigkeit als Ressource
ausgewiesen wird (vgl. Bg-act. 38 S. 6 und 38 S. 46), ist nicht zu
beanstanden, ist sie doch mit Blick auf den Alltag des Beschwerdeführers
massgeblich und verleiht diesem eine stabilisierende Struktur (vgl. der
gutachterlicherseits festgehaltene Tagesablauf [Bg-act. 38 S. 22 und
S. 41]). Insofern kann dem Beschwerdeführer nicht gefolgt werden, wenn
er in der Beschwerde vorbringt, er sei nicht in der Lage, den Alltag
eigenständig zu meistern. Dass er hinsichtlich der Vermögensverwaltung
auf einen Beistand angewiesen ist und Sozialhilfe bezieht (vgl.
Ernennungsurkunde vom 6. Juli 2015 [Bg-act. 10] und Bestätigung der
Sozialhilfe der Gemeinde J._ vom 11. Juni 2020 [Beilage zum
URP-Gesuch]), tut seinen vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen
genauso wenig Abbruch wie der Umstand, dass er in der
Haushaltsführung unterstützt wird, indem namentlich einmal monatlich
eine Reinigungshilfe käme, wovon denn auch im SMAB-Gutachten
- 17 -
Vermerk genommen wird (vgl. Bg-act. 38 S. 22 und S. 41). Inwiefern sich
diese Umstände massgeblich auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auswirken würden, wird denn auch weder dargetan
noch ist dies ersichtlich. Dasselbe gilt mit Bezug auf die unbelegte
Aussage des Beistandes, wonach der Beschwerdeführer immer noch
regelmässig nachmittags im Dorf betrunken angetroffen werde. Vielmehr
erscheint – wie bereits ausgeführt – die von ihm angegebene
Alkoholkonsum-Reduktion aufgrund der gutachterlichen Feststellungen
und Laborbefunde als nachvollziehbar, weshalb auch nicht ersichtlich ist,
inwiefern er aufgrund von Dissimulierungstendenzen von sich selbst ein
zu positives Bild zeichnen würde. Zwar wurde im psychiatrischen
Teilgutachten in Abweichung zur vorbefundlich festgestellten Tendenz zur
Verwahrlosung (vgl. Bericht von Dr. med. B._ vom 1. August
2019 [Bg-act. 24 S. 5]) ein unauffälliges Erscheinungsbild ausgewiesen
(vgl. Bg-act. 38 S. 42). Immerhin stellte aber die orthopädisch-
traumatologische Gutachterin einen mässig gepflegten Zustand fest (vgl.
Bg-act. 38 S. 23), so dass auch dieser als mitberücksichtigt zu gelten hat.
Abgesehen davon liegt die Beurteilung des Äusseren ohnehin weitgehend
im Ermessen der medizinischen Sachverständigen. Dass somit weiterer
Abklärungsbedarf im Sinne einer Einholung fremdanamnestischer
Auskünfte für die Gutachterinnen bestanden hätte, ist – auch angesichts
zum Vorerwähnten [vgl. Erwägung zur Fremdanamnese in E.4.4] – nicht
ersichtlich.
4.6. Insgesamt ergibt sich daher, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers
nicht geeignet sind, den Beweiswert des SMAB-Gutachtens mit seinen
Feststellungen zu dem hier massgebenden Zeitraum ab dem 1. November
2019 zu schmälern. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin auf die im Gutachten attestierte 100%ige
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen bzw. in einer angepassten Tätigkeit
- 18 -
abstellte. Vor diesem Hintergrund kann auf die beantragte (Rückweisung
zur) Einholung eines Gerichtsgutachtens verzichtet werden, zumal das
streitberufene Gericht aufgrund der bereits abgenommenen Beweise
seine Überzeugung gebildet hat und annehmen kann, dass diese
Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl.
BGE 136 I 229 E.5.3, 134 I 140 E.5.3).
5. Zur Bemessung des Invaliditätsgrads ist was folgt festzuhalten: Bei dem
von der Beschwerdegegnerin nicht näher bestimmten Valideneinkommen,
welches gemäss Auszug aus dem individuellem Konto (IK-Auszug) im
Durchschnitt der letzten fünf Jahre vor Eintritt der Knieverletzung im
Dezember 2014 (aufindexiert gemäss Tabelle 1.93 zur
Nominallohnentwicklung vom Bundesamt für Statistik) rund Fr. 21'730.--
betrug, und einem Invalideneinkommen von Fr. 69'128.80 per 2020 (wobei
die LSE-Tabelle 2018 in Abweichung zur Auffassung der
Beschwerdegegnerin zur Anwendung gelangt, da diese LSE-Tabelle am
21. April 2020, d.h. bereits vor Erlass der Verfügung am 30. April 2020
publiziert war und somit gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur
Anwendung gelangt [vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_15/2018 vom
2. Juli 2018 E.4.2, 9C_414/2017 vom 21. September 2017 E.4.2 und
9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E.5.2]), resultiert ein negativer
Invaliditätsgrad. Ausgegangen wird von der LSE-Tabelle 2018 TA1,
Kompetenzniveau 1, Männer, wobei die durchschnittliche wöchentliche
Arbeitszeit 41.7 Stunden und die Arbeitsfähigkeit 100% betragen und eine
Aufindexierung erfolgt, was ein Invalideneinkommen von Fr. 69'128.80
ergibt (Fr. 5'417.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.01 x 1.01). In Anwendung der
allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs hat dies – in
Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin – zur Folge, dass der
Beschwerdeführer ab dem 1. November 2019 keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
- 19 -
6. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig (vgl. Art. 83 ATSG). Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen
wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand
entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung des
bundesrechtlichen Kostenrahmens auf Fr. 700.-- fest. Aufgrund des
Verfahrensausganges gehen diese grundsätzlich zulasten des
Beschwerdeführers. Allerdings hat er um unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung ersucht. Da der Beschwerdeführer gemäss Bestätigung
der Gemeinde J._ vom 11. Juni 2020 Sozialhilfe bezieht, sind die
Voraussetzungen dafür gegeben (vgl. ferner weitere Ausführungen der
Rechtsvertreterin im Schreiben vom 17. Juni 2020), womit dem Gesuch
entsprochen werden kann. Demzufolge gehen die Gerichtskosten von Fr.
700.-- (vorläufig) zulasten der Gerichtskasse.
7. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte dem Gericht am
12. Oktober 2020 eine Honorarnote über einen Aufwand von 15.3 Stunden
zzgl. Barauslagen (Fr. 114.80) und MWST ein. Der geltend gemachte
Arbeitsaufwand erscheint als angemessen. Im Rahmen der
unentgeltlichen Vertretung beträgt der Stundenansatz praxisgemäss
Fr. 200.-- (vgl. Art. 5 Abs. 1 der Verordnung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte [HV; BR 310.250]). Zudem können
maximal 3% als Spesenpauschale veranschlagt werden. Mithin beläuft
sich der Parteikostenersatz auf Fr. 3'394.50 (Fr. 3'060.-- für 15.3
Arbeitsstunden zzgl. 3% Barauslagen [Fr. 91.80] und 7.7% MWST [Fr.
242.70]), die (vorläufig) zulasten der Gerichtskasse gehen.
- 20 -