Decision ID: 76135731-c549-5712-9224-8b5761738e98
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der am (...) 1958 geborene, deutsche Staatsangehörige A._
(nachfolgend: Beschwerdeführer) ist gelernter Baumaschinist und arbei-
tete als Grenzgänger vom 1. Januar 2007 bis zum Zeitpunkt eines Arbeits-
unfalls am 26. September 2014 als Sicherheitswärter und Gleismonteur bei
der B._, Bauunternehmung, in (...) angestellt (Akten der Vo-
rinstanz 3 S. 4; 9.4; 19.56; 19.24: Polier im Gleis-, Strassen- und Tiefbau
[nachfolgend: act.]). In dieser Periode leistete er Beiträge an die schweize-
rische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (act. 6).
A.b Wegen der Folgen eines Baumaschinenfahrunfalls (Vollbremsung
während eines Überholmanövers; act. 19.40; 19.52) mit einem Bruch der
10. Rippe und der Wirbelkörper (nachfolgend: WK) L2 bis L4 meldete sich
der Beschwerdeführer am 8. Juni 2015 bei der IV-Stelle des Kantons
C._ (nachfolgend: kantonale IV-Stelle) zum Leistungsbezug an
(act. 3; 8.2; 19.56; 53). Nach einer konservativen Rehabilitation in der Klinik
D._, D-(...), wurde in der Klinik E._, eine Infiltration zur
Schmerzdefinition geplant, um danach eine operative Sanierung mit Stabi-
lisierung durchzuführen (act. 19.46; 19.34).
A.c Am 11. September 2015 erlitt der Beschwerdeführer einen Herzinfarkt
(act. 19.43). Gleichentags erfolgte aufgrund einer koronaren Herzgefässer-
krankung eine Stent-lmplantation (act. 19.43; 19.41). In der Folge wurde
die geplante Infiltration zwei Male verschoben (act. 19.6, 21.20), bevor die
Operation der Wirbelsäule am 24. April 2017 vorgenommen wurde
(act. 27.58).
A.d Nachdem die Suva aufgrund dieses Baumaschinenfahrunfalls für die
Zeit vom 26. September 2014 bis zum 31. Juli 2018 Versicherungsleistun-
gen (Taggelder und Heilkosten) erbracht hatte (act. 55), stellte sie diese mit
Schreiben vom 29. August 2018 ein, da keine Besserung des Gesund-
heitszustandes mehr zu erwarten sei, und schloss den Fall ohne Zuspra-
che einer Rente ab, zumal die verbleibende Beschwerdesymptomatik der
Lendenwirbelsäule nicht unfallbedingt, sondern auf vorbestehende dege-
nerative Veränderungen zurückzuführen sei (act. 46). Für die verbliebene
Beeinträchtigung wurde mit Verfügung vom 4. September 2018 eine Integ-
ritätsentschädigung gesprochen (act. 47.2).
B.
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Seite 3
B.a Die zuständige kantonale IV-Stelle führte erwerbliche und medizini-
sche Abklärungen durch und zog die Akten der Schweizerischen Unfallver-
sicherungsanstalt (SUVA) bei (act. 20, 21.1, 43-46). Mit Vorbescheid vom
7. März 2019 sprach die Vorinstanz gestützt auf diese Unterlagen dem Be-
schwerdeführer mit Wirkung ab 1. Dezember 2015 eine ganze IV-Rente
und ab 1. April 2018 eine Dreiviertelsrente zu (act. 56).
B.b Den dagegen erhobenen Einwand vom 10. April resp. 24. Mai 2019
(act. 57; 60) wies die Vorinstanz mit zwei Verfügungen vom 2. Oktober
2019 ab und bestätigte die Rentengewährung gemäss Vorbescheid
(act. 71 S. 3 und S. 11).
C.
C.a Der Beschwerdeführer erhob gegen die Verfügung vom 2. Oktober
2019, welche eine Dreiviertelsrente zuspricht (B-act. 1 Beilage 2), mit Ein-
gabe vom 1. November 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
und beantragte, (1) es sei die Verfügung vom 2. Oktober 2019 insoweit auf-
zuheben, als dass sie ab dem 1. April 2018 den Anspruch des Beschwer-
deführers auf eine ganze Invalidenrente verweigert; (2) Es sei die Be-
schwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer durchgehend
ab 1. Dezember 2015 eine ganze Invalidenrente zu bezahlen; (3) Eventu-
aliter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ein medizinisches Gut-
achten einzuholen, unter Einschluss der Fachdisziplin der Orthopädie und
Kardiologie. Zur Begründung machte der Beschwerdeführer im Wesentli-
chen geltend, die Restarbeitsfähigkeit sei nicht verwertbar, zumal der Be-
schwerdeführer aufgrund des zu beachtenden Belastungsprofils und Alters
auf dem Arbeitsmarkt überhaupt keine Arbeitstätigkeiten mehr finde würde.
Ferner kämen die in der LSE Tabelle 2014, Tabelle TA1, Kompetenzniveau
1, enthaltenen sitzenden Tätigkeiten wegen seines Belastungsprofils nicht
in Frage. Eventualiter hätte ein maximaler Leidensabzug von 25% auf-
grund der Einschränkung und des Alters gewährt werden sollen. Zur Be-
gründung des Eventualantrages bringt er insbesondere vor, eine zumut-
bare Restarbeitsfähigkeit sei in orthopädischer sowie in kardiologischer
Hinsicht nur ungenügend abgeklärt worden. Überdies ergebe sich aus den
vorhandenen Akten ein chronisches Schmerzsyndrom, was eine eigen-
ständige Diagnose darstellen würde (Akten im Beschwerdeverfahren 1
[nachfolgend: B-act.]).
C.b Der Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 11. Novem-
ber 2019 aufgefordert, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.–
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Seite 4
bis zum 12. Dezember 2019 zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen
(B-act. 2). Der einverlangte Kostenvorschuss ging am 2. Dezember 2019
in der Gerichtskasse ein (B-act. 5).
C.c Mit Vernehmlassung vom 24. Februar 2020 beantragte die Vorinstanz
unter Verweis auf die Stellungnahme der kantonalen IV-Stelle vom
20. Februar 2020 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der
angefochtenen Verfügung. Die kantonale IV-Stelle bejahte in ihrer Stellung-
nahme unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, das auf
50% reduzierte Arbeitspensum und den im UV-Verfahren angebotenen,
aber vom Beschwerdeführer abgebrochenen Arbeitsversuch die Verwert-
barkeit der Restarbeitsfähigkeit (B-act. 10).
C.d Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 26. März 2020 an seinen
gestellten Anträgen fest (B-act. 13).
C.e Die Vorinstanz hielt mit Duplik vom 30. Juni 2020 an ihren Anträgen
fest (B-act. 17).
C.f Mit Instruktionsverfügung vom 8. Juli 2020 wurde der Schriftenwechsel
unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen abgeschlossen (B-
act. 18).
D. Auf die Ausführungen der Parteien und die Beweismittel ist, soweit er-
forderlich, in den folgenden Erwägungen näher einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG (SR 831.20) sowie Art. 5 VwVG beurteilt das Bundesver-
waltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügun-
gen der IVSTA. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Gemäss Art. 40 Abs. 2 IVV ist für die Entgegennahme der Anmeldun-
gen von Grenzgängern sowie Durchführung und Prüfung der entsprechen-
den Abklärungen die kantonale IV-Stelle zuständig, in deren Tätigkeitsge-
biet der Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausübt hat; die Verfügungen
werden von der IV-Stelle für Versicherte im Ausland erlassen.
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Seite 5
1.3 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Indes findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das ATSG (SR 830.1) anwend-
bar ist.
1.4 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; er ist durch die ihn betreffende Verfügung berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59 ATSG).
1.5 Da die Beschwerde rechtzeitig und formgerecht (Art. 60 ATSG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht und auch der vollständige Kostenvor-
schuss innert der auferlegten Frist geleistet wurde (Art. 63 Abs. 4 VwVG),
ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 Der Anfechtungsgegenstand in einem Beschwerdeverfahren wird
durch die angefochtene Verfügung bestimmt. Davon zu unterscheiden ist
der Streitgegenstand. Im Bereich der nachträglichen Verwaltungsrechts-
pflege ist der Streitgegenstand das Rechtsverhältnis, welches – im Rah-
men des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegenstandes –
den aufgrund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfü-
gungsgegenstand bildet. Anfechtungs- und Streitgegenstand sind dann
identisch, wenn die Verwaltungsverfügung insgesamt angefochten wird
(vgl. hierzu BGE 131 V 164 E. 2.1 und 119 Ib 36 E. 1b mit Hinweisen; SVR
2010 BVG Nr. 14 S. 56 E. 4.1).
Vorliegend sind beide Verfügungen vom 2. Oktober 2019 (B-act. 1 Beilage
2, act. 71 S. 11) Streitgegenstand. Der Umstand, dass die Vorinstanz die
rückwirkend abgestufte Rente in zwei separaten Verfügungen gleichen Da-
tums eröffnet hat, ist in anfechtungs- und streitgegenständlicher Hinsicht
irrelevant. Für die gerichtliche Überprüfbarkeit macht es keinen Unter-
schied, ob die Vorinstanz eine oder mehrere Verfügungen redigiert und er-
öffnet hat. Materiell liegt nur eine Verfügung vor. Wird nur die Abstufung der
Leistung angefochten, wird damit die gerichtliche Überprüfungsbefugnis
nicht in dem Sinne eingeschränkt, dass unbestritten gebliebene Bezugs-
zeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (vgl. BGE 131 V 164
E. 2.2 und E. 2.3 mit Hinweis auf BGE 125 V 417 E. 2d). Vorliegend be-
schränkt sich der Streitgegenstand damit nicht nur auf die mit der zweiten
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Seite 6
Verfügung angeordnete Herabsetzung der ganzen Rente auf eine Dreivier-
telsrente per 1. April 2018, sondern es wird auch die unbestritten geblie-
bene Gewährung einer ganzen Rente im Zeitraum vom 1. Dezember 2015
bis zum 31. März 2018 von der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis erfasst
(vgl. Urteil des BVGer C-2364/2017 vom 11. April 2019 E. 2.2).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.3 Nach ständiger Rechtsprechung beschränkt sich die Prüfung des So-
zialversicherungsgerichts auf die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass
der angefochtenen Verwaltungsverfügung entwickelt haben (vgl. Urteil des
BGer 8C_489/2016 vom 29. November 2016 E. 5.2 m.H. auf BGE 132
V 215 E. 3.1.1; 130 V 138 E. 2.1; 121 V 362 E. 1b). Tatsachen, die jenen
Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand ei-
ner neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
2.4 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger mit Wohnsitz in
Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni
1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des
FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen
Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind
auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4).
2.5 In materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtss-
ätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes Geltung haben, wobei nach ständiger Praxis auf den im Zeit-
punkt des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes (hier: 2. Oktober
2019) eingetretenen Sachverhalt abgestellt wird (BGE 130 V 329 E. 6, 129
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V 1 E. 1.2 mit Hinweisen). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verän-
dert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsver-
fügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
2.6 In zeitlicher Hinsicht sind bei der rückwirkenden Zusprechung einer ab-
gestuften Rente – wie vorliegend – die Revisionsbestimmungen (Art. 17
Abs. 1 ATSG; Art. 88a Abs. 1 IVV) analog anwendbar, weil noch vor Erlass
der ersten Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung ein-
getreten ist mit der Folge, dass dann gleichzeitig die Änderung mitberück-
sichtigt wird (vgl. Urteile des BGer 8C_87/2009 vom 16. Juni 2009 E. 2.2;
8C_71/2017 vom 20. April 2017 E. 3 m.H.).
2.6.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-
hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG; vgl. auch Art. 88a IVV). Anlass zur Rentenre-
vision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen
seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und da-
mit den Anspruch zu beeinflussen (BGE 134 V 131 E. 3).
2.6.2 Die Frage, ob eine erhebliche, d.h. mit Bezug auf den Invaliditätsgrad
rentenwirksame Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist,
beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demjenigen im Zeit-
punkt der streitigen Revisionsverfügung (BGE 130 V 343 E. 3.5.2; vgl.
auch BGE 133 V 108). Wird rückwirkend eine abgestufte oder befristete
Rente zugesprochen, sind einerseits der Zeitpunkt des Rentenbeginns und
anderseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 IVV
festzusetzende Zeitpunkt der Rentenherabsetzung oder -aufhebung die
massgebenden Vergleichszeitpunkte (Urteil des BGer 8C_87/2009 vom
16. Juni 2009 E. 2.2).
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
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Seite 8
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
3.2 Bevor die versicherte Person Leistungen der Invalidenversicherung
verlangt, hat sie aufgrund der Schadenminderungspflicht alles ihr Zumut-
bare selber vorzukehren, um die Folgen der Invalidität bestmöglich zu min-
dern. Ein Rentenanspruch ist zu verneinen, wenn sie selbst ohne Einglie-
derungsmassnahmen, nötigenfalls mit einem Berufswechsel, zumutbarer-
weise in der Lage ist, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu
erzielen. Für die Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der zumut-
baren Tätigkeit sind die gesamten subjektiven und objektiven Gegebenhei-
ten des Einzelfalles zu berücksichtigen. Im Vordergrund stehen bei den
subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie die wei-
teren persönlichen Verhältnisse wie Alter, berufliche Stellung, Verwurze-
lung am Wohnort etc. Bei den objektiven Umständen sind insbesondere
der ausgeglichene Arbeitsmarkt und die noch zu erwartende Aktivitäts-
dauer massgeblich (vgl. dazu Urteile des BGer 9C_621/2017 vom 11. Ja-
nuar 2018 E. 2.2.1; 9C_644/2015 vom 3. Mai 2016 E. 4.3.1 mit Hinweisen;
SVR 2010 IV Nr. 11 [9C_236/2009] E. 4.1 und 4.3).
3.3 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 8 ATSG) und beim Eintritt
der Invalidität während der vom Gesetz vorgesehenen Dauer Beiträge an
die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleistet
hat, das heisst während mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG (in
der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung; AS 2007 5129). Diese Bedin-
gungen müssen kumulativ gegeben sein; fehlt eine Voraussetzung, so ent-
steht kein Rentenanspruch, selbst wenn die andere erfüllt ist. Falls die Min-
destbeitragsdauer mit schweizerischen Versicherungszeiten nicht erfüllt
ist, müssen bei Schweizern und Angehörigen von EU/EFTA-Staaten Bei-
tragszeiten mitberücksichtigt werden, die in einem EU/EFTA-Staat zurück-
gelegt worden sind. Beträgt allerdings die Beitragszeit in der Schweiz we-
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Seite 9
niger als ein Jahr, so besteht kein Anspruch auf eine ordentliche Invaliden-
rente (ULRICH MEYER/ MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundes-
gerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 36 N. 4; Art. 6 VO 883/04; vgl. auch
Rz. 3003 ff. des Kreisschreibens über das Verfahren zur Leistungsfestset-
zung in der AHV/IV; KSBIL, gültig ab 4. April 2016, Stand: 1. Januar 2020).
Der Beschwerdeführer leistete in der Schweiz Beiträge an die AHV / IV
während den Jahren 2007-2014. Er erfüllt damit die dreijährige Mindest-
beitragsdauer der schweizerischen Invalidenversicherung.
3.4 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c). Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei mindestens
60% auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70% auf eine ganze
Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Anmeldung zum Leistungsbezug (Art. 29
Abs. 1 IVG). Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem Invalidi-
tätsgrad von weniger als 50% entsprechen, nur an Versicherte ausgerich-
tet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der
Schweiz haben. In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind Vier-
telsrenten jedoch entgegen Art. 29 Abs. 4 IVG exportierbar (BGE 130
V 253 E. 2.3 und 3.1).
3.5
3.5.1 Bei der Bemessung des Invaliditätsgrades stützen sich die Verwal-
tung und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztli-
chen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stel-
len sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen).
C-5774/2019
Seite 10
3.5.2 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation ein-
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und Experten be-
gründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutach-
tende medizinische Fachperson muss über die notwendigen fachlichen
Qualifikationen verfügen (Urteil des BGer 9C_555/2017 vom 22. Novem-
ber 2017 E. 3.1 mit Hinweisen). Den Berichten und Gutachten versiche-
rungsinterner Ärzte kommt ebenfalls Beweiswert zu, sofern sie als schlüs-
sig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei
sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache
allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versiche-
rungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Be-
fangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche
das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begrün-
det erscheinen lassen (BGE 135 V 465 E. 4.4 m.H. auf 125 V 351
E. 3b/ee).
3.5.3 Jedoch gilt in der Beweiswürdigung bei Entscheiden, die sich aus-
schliesslich auf versicherungsinterne ärztliche Beurteilungen stützen, die
im Wesentlichen oder ausschliesslich aus dem Verfahren vor dem Sozial-
versicherungsträger stammen: Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, ist eine
versicherungsexterne medizinische Begutachtung im Verfahren nach Art.
44 ATSG oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (vgl. Urteil des BGer vom
12. April 2017 E. 3 mit Verweisen auf BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7 sowie Urteil 8C_385/2014 vom 16. September 2014
E. 4.2.2; vgl. auch BGE 125 V 351 E. 3b/ee sowie UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 43 Rz. 46).
3.5.4 Die Feststellungen der aus dem Ausland stammenden Beweismittel,
wie insbesondere auch ärztliche Berichte und Gutachten, unterliegen der
freien Beweiswürdigung des Gerichts (vgl. Urteil des Eidgenössischen Ver-
sicherungsgerichts [EVG, ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen
des Bundesgerichts] vom 11. Dezember 1981 i.S. D; zum Grundsatz der
freien Beweiswürdigung: BGE 125 V 351 E. 3a).
3.5.5 Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begeh-
ren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt
C-5774/2019
Seite 11
die erforderlichen Auskünfte ein (Satz 1). Das Gesetz weist dem Durchfüh-
rungsorgan die Aufgabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem
Untersuchungsgrundsatz abzuklären, sodass gestützt darauf die Verfü-
gung über die in Frage stehende Leistung ergehen kann (Art. 49 ATSG;
SUSANNE LEUZINGER-NAEF, Die Auswahl der medizinischen Sachverstän-
digen im Sozialversicherungsverfahren [Art. 44 ATSG], in: Riemer-
Kafka/Rumo-Jungo [Hrsg.], Soziale Sicherheit – Soziale Unsicherheit,
Bern 2010, S. 413 f.).
4.
Vorliegend ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer zu Recht eine ganze
Rente vom 1. Dezember 2015 bis zum 31. März 2018 und ab 1. April 2018
(nur) noch eine Dreiviertelsrente zugesprochen worden ist bzw. die Vo-
rinstanz davon ausgehen durfte, dass ab Ende 2017 eine rentenbeeinflus-
sende Verbesserung eingetreten ist, die ab 1. April 2018 zur Herabsetzung
der Rente führte. Hierzu ist vorab zu prüfen, ob die Vorinstanz ihrer Abklä-
rungspflicht im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG rechtsgenüglich nachge-
kommen ist. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Leis-
tungsfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung liegen insbesondere folgende ärztliche Berichte und ein Gutach-
ten aus Deutschland vor:
4.1 Dem Austrittsbericht vom 1. Oktober 2014 des Spitals F._, in
welchem der Beschwerdeführer nach dem Fahrunfall am 26. September
2014 bis zum 10. Oktober 2014 zur klinischen Überwachung und physio-
therapeutisch angeleiteten Mobilisation hospitalisiert war, ist als Diagnose
aufgrund der radiologischen Untersuchung folgendes zu entnehmen: Im
Bereich WK L2 und L3 eine Deckplattenimpressionsfraktur mit Beteiligung
der Hinterkante und im Bereich WK L4 eine stabile Fraktur ohne Hinterkan-
tenbeteiligung sowie eine Fraktur der rechten 10. Rippe (act. 8.2 S. 23,
siehe auch 27.19. S. 4). Die radiologische Kontrolle, 6 Tage posttrauma-
tisch, zeige keine weitere Sinterung und keine progrediente Hinterkanten-
beteiligung. Die stationäre Behandlung erfolgte konservativ mittels Analge-
sie und physiotherapeutisch-assistierter Mobilisation und Anlage eines 3-
Punkte-Korsetts; auf eine operative Therapie wurde entsprechend verzich-
tet. Daraufhin wurde der Beschwerdeführer in die stationäre Therapie in
der Klinik D._ überführt (Aufenthalt vom 10. Oktober bis 7. Novem-
ber 2014; act. 8.2 S. 14; 8.2. S. 16).
4.2 Mit Entlassungsbericht vom 7. November 2014 hielt Dr. med.
G._, FA für Orthopädische Unfallchirurgie, verantwortlicher Arzt der
C-5774/2019
Seite 12
Klinik D._, folgendes fest: Der Beschwerdeführer habe angegeben,
mässige Schmerzen zu verspüren und bereits vor dem Unfall Wirbelsäulen
(WS) -Beschwerden gehabt zu haben, wozu er Kuraufenthalte in Bad
Säckingen durchlaufen habe. Er trage ein gut sitzendes 3-Punkt-Stützkor-
sett, welches er selbstständig an- und ablegen könne. Ferner ergab die
radiologische Untersuchung folgendes: Hinterkantenhöhe von L2 34 mm,
Vorderkante 23 mm. Fraktur noch nicht sicher konsolidiert; im Bereich der
Wirbelkörper L3 ventral/kaudal sowie L4 ventral angedeutete spondyloti-
sche Randzacken, ebenso kranial im Bereich der unteren WS (BWK 9 -
11). Im Vergleich zu den Voraufnahmen vom 9. Oktober 2014 unveränderte
Darstellung der LWS anterior - posterior (nachfolgend: a. p.) Bild und im
seitlichen Bereich, auch bei dem frakturierten Lendenwirbelkörper (LWK) 2
(diskrete Sinterung im ventralen Bereich nicht sicher auszuschließen).
Nachdem der Beschwerdeführer aufgrund des radiologischen Befundes
(aufgehobene Lordose, kyphotischer Knick zwischen L1 und L3 bei fraktu-
riertem 2. LWK mit massiver Höhenminderung und Elongation) bei Prof. Dr.
H._, Klinik I._, zur Klärung der eventuellen Operation-Indi-
kation vorgestellt wurde, sah dieser bei der aktuell relativen Beschwerde-
freiheit keine Notwendigkeit für eine operative Intervention. Letztlich beur-
teilte Dr. med. G._ die Arbeits- und Leistungsfähigkeit in seiner so-
zialmedizinischen Epikrise im Entlassungsbericht vom 7. November 2014
im Wesentlichen folgendermassen: Er empfehle eine ambulante Physio-
therapie auf Rezeptbasis und, nach Ablegen des Korsetts, die Intensivie-
rung der Therapie im Rahmen einer erweiterten ambulanten Physiothera-
pie mit dem Ziel einer Rumpfstabilisierung und dem Ausbau der Belastbar-
keit (Steh-, Geh-, Sitzdauer). Nach weiterer Stabilisierung des Zustandes
prognostisch ab dem 2. Quartal 2015 könne die Polier-Tätigkeit (administ-
rativ leitende Tätigkeiten mit Baustellenbegehung und Einweisung der An-
gestellten) wieder möglich sein. Körperlich schwere Arbeitsanteile seien·zu
vermeiden. Wegen der Funktionsstörung der Wirbelsäule seien Tätigkeiten
wie die schwere körperliche Arbeit, das ständige Stehen oder Sitzen ohne
Bewegungspause und überwiegende Zwangshaltungen (gebückt, vorge-
neigt stehend) sowie die überwiegende Exposition gegenüber Nässe,
Kälte, Zugluft zu vermeiden (act. 8.2 S. 16).
4.3 Dr. med. J._, Facharzt für Diagnostische Radiologie, D-(...),
hielt in seinem Bericht vom 12. Januar 2015 fest, dass eine Konsolidierung
der Wirbelkörperfraktur bei L2 computertomografisch nicht nachzuweisen
sei. Ein deutlicher Frakturspalt im Bereich der Wirbelkörpervorderkante,
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Seite 13
aber auch im mittleren Anteil des Wirbelkörpers, sei nachweisbar. Die an-
sonsten erhaltene Hinterkante sei etwas vermehrt sklerosiert und wölbe
sich minimal gegen den Spinalkanal vor. Zusätzlich bestehe ein Zustand
nach (nachfolgend: Z. n.) älterem Grundplatteneinbruch bei L4. Auffällig
seien die erheblich arteriosklerotischen Veränderungen, insbesondere kurz
nach Abgang der rechten A. iliaca communis (act. 8.2. S. 11). Dr. med.
K._ Facharzt für Diagnostische Radiologie, D-(...), stellte in seinem
Bericht vom 2. März 2015 zum CT-Befund vom 23. Februar 2015 einen Zu-
stand nach Mehrfragmentfraktur des 2. LWK fest, mit resultierender Keil-
wirbelbildung und vorwiegend rechtsseitiger Höhenminderung sowie einer
Verlängerung der ventrodorsalen Distanz sowie lediglich geringfügige, be-
ginnende knöcherne Konsolidierung im Bereich der kortikalen Strukturen,
zentral keine Durchbauung der Fragmente; keine Einengung der Neurofo-
ramina und des Spinalkanals (act. 8.2 S. 10). Im Anschluss an eine erwei-
terte ambulante Physiotherapie stellte Dr. med. L._, Fachärztin für
Orthopädie, in ihrem Bericht vom 19. Mai 2015 fest, dass es während der
Therapie zu einer Schmerzprogredienz gekommen sei. Die am 23. Februar
2015 durchgeführte Kontroll-CT habe keine ausreichende knöcherne Kon-
solidierung des 2. LWK ergeben, weshalb nunmehr die Klärung einer Ope-
ration-Indikation vorgesehen sei (act. 8.2 S. 1). Der verantwortliche Radio-
loge der Klinik E._, Dr. med. M._, konstatierte in seinem CT-
Befund vom 10. Juli 2015 eine Fischwirbelbildung des LWK2 mit im mittle-
ren Drittel diskreter Hinterkantenvorwölbung um 5 mm in den Spinalkanal
und dadurch eine Spinalkanalstenosierung (act. 19.58). Der Wirbelsäulen-
chirurg der Klinik E._, Dr. med. N._, Orthopädische Chirur-
gie FMH, diagnostizierte am 28. Juli 2015 ein persistierendes invalidisie-
rendes lumbovertebrales Syndrom im Bereich der WK L2-L4 und bei L2
eine Pseudoarthrose nach Beisszangenfraktur. Bis zum Zeitpunkt der Un-
tersuchung habe der Beschwerdeführer ein Rahmenkorsett getragen;
dadurch ergebe sich eine kyphotische Grundhaltung (act. 8.2 S. 3).
4.4 Im Arztbericht von Dr. med. O._des Zentrum P._ vom
11. September 2015 wird anlässlich des Herzinfarktes folgendes diagnos-
tiziert (act. 19.43):
1. Koronare Herzerkrankung mit Dreigefässbeteiligung;
2. Myokardinfarkt der Hinterwand;
3. Dreifach Primärstentimplantation, Zusätzlich: Fortgeschrittene periphere
arterielle Verschlusskrankheit (nachfolgend: paVK oder Claudicatio), Be-
cken-Typ.
C-5774/2019
Seite 14
4.5 Die Dres. med. Q._ und R._ stellten im ärztlichen Ent-
lassungsbericht (Deutsche Rentenversicherung) der Klinik S._, D-
(...), vom 11. Oktober 2015 eine leicht eingeschränkte linksventrikuläre
Pumpfunktion, keine Belastungskoronar-insuffizienz bis 50/75 Watt und
eine PAVK Stadium II nach Fontaine fest. In ihrer Epikrise kamen sie zum
Schluss, dass aus rein kardiologischer Sicht die aktuelle Tätigkeit als Polier
im Strassen- und Tiefbau (mittelschwere Tätigkeiten) dem Beschwerdefüh-
rer zwar zumutbar sei, jedoch könne letzterer diese Tätigkeit bei schwers-
ten Einschränkungen durch die LWS-Fraktur bis auf weiteres nicht ausü-
ben. Überdies stellten sie folgende kardiovaskulären Risikofaktoren fest:
Diabetes mellitus Typ 2, oral eingestellt, Nikotinabusus, arterielle Hyperto-
nie, und eine Hyperlipoproteinämie (act. 19.24).
4.6 Dr. med. T._, Kardiologe und Angiologe, Gemeinschaftspraxis,
D-(...), hält in seinem Bericht vom 23. März 2016 fest, dass der Beschwer-
deführer von kardialer Seite normal belastbar, jedoch durch die WS-Be-
schwerden eingeschränkt sei (act. 19.10). Im Arztbericht vom 25. August
2016 stellt Dipl.-Med. U._, Innere Medizin und Kardiologie, Berufs-
ausübungsgemeinschaft, D-(...), folgendes fest: Klinisch kardial stabil, Lie-
geergometrie bis 75 Watt formal negativ, keine lschämiezeichen, objektive
Auslastung nicht erreicht; dringliche völlige Nikotinkarenz (act. 20.14).
4.7 In der interdisziplinären Beurteilung vom 2. September 2016 stellten
Dr. med. V._, FMH Int. Schmerztherapie, Schmerz Medizin, (...),
und Dr. med. N._, Orthopädische Chirurgie FMH, Klinik E._,
im Wesentlichen fest, dass in Bezug auf den Herzinfarkt eine stabile Situ-
ation bestehe. Hinsichtlich der Schmerzen verspüre der Beschwerdeführer
ein ausgeprägtes Schmerzsyndrom im gesamten LWS-Bereich; proximal
wahrscheinlich im Bereich der Fraktur, jedoch auch distal mit Ausstrahlun-
gen in beide Beine. In den CT-Bildern vom Frühling seien deutlich sichtbare
Kalkablagerungen in den verschiedenen Gefässen vorhanden. Somit ka-
men sie zum Schluss, dass die Schmerzen in den Beinen und im distalen
LWS-Bereich durch die PAVK (Claudicatio intermittens) verursacht würden.
Die Schmerzen im proximalen Bereich würden wahrscheinlich im Zusam-
menhang mit der Fraktur stehen (act. 20.11).
4.8 Dem Bericht des Angiologen der Klinik W._, D-(...), vom 6. Ok-
tober 2016 ist zu entnehmen, dass die Beschwerden vertebragen (von der
Wirbelsäule ausgehend) bedingt seien. Diese würden direkt im LWS-Be-
reich beginnen und würden in beide Gesässhälften ausstrahlen. Eine typi-
sche Claudicatio sei nicht zu finden; würden die Beschwerden durch die
C-5774/2019
Seite 15
Claudicatio ausgelöst, kämen diese mit Sicherheit nur rechts zum Tragen.
Er empfehle daher wiederum eine Therapie der LWS, da eine Sanierung
der Veränderungen der Beckengefäße rechts dem Beschwerdeführer
keine Linderung seiner Beschwerden bringen würde (act. 20.4).
4.9 In der Konsultation am 18. Oktober 2016 und am Infiltrationstermin am
2. November 2016 äusserte der Beschwerdeführer starke Angst und war
wegen der kardialen Problematik besorgt, so dass die Infiltration nicht
durchgeführt werden konnte (act. 20.5; 21.20). Die Hausärztin hält in ihrem
Schreiben vom 14. November 2016 fest, der erlebte Herzinfarkt werde vom
Beschwerdeführer als ein sehr einschneidendes Erlebnis bewertet,
wodurch die vorhergehenden Gespräche und Behandlungen, welche die
Wirbelsäulenverletzungen betrafen, weit in den Hintergrund getreten seien
(act. 21.14). Nachdem Dr. med. V._, FMH Schmerztherapie,
Schmerz Medizin (...), am 29. November 2016 die 4 Gelenke infiltriert
habe, sei der Beschwerdeführer 30 Minuten nach der Infiltration mobilisiert
worden. Dabei habe der Beschwerdeführer eine 100%-ige Schmerzreduk-
tion verspürt; auch beim Belastungstest hätten keine Schmerzen bestan-
den. Einen Tag danach habe die Situation erneut exazerbiert. Seiner Mei-
nung nach bestehe jedoch eine klare segmentale Problematik (act. 27.77).
4.10 Im Bericht der Klinik E._ vom 21. Februar 2017 hält Dr. med.
M._, fest, dass aktuell kein Anhalt für eine Ischämie des linksventri-
kulären Myokards bestehe (act. 27.61). Das CT der WS vom 9. März 2017,
Klinik E._, wird mit Blick auf die bevorstehende Operation vom ver-
antwortlichen Arzt wie folgt beurteilt: Fischwirbeldeformation LWK2, kein
Nachweis einer Nervenwurzelkompression, mittelschwere segmentale Ein-
engung des Spinalkanals auf Höhe LWK3/4 und auf Höhe LWK4/5 (act.
27.62). Dr. C. N._ hält in seinem Operationsbericht vom 24. April
2017 fest, dass eine transpedunkuläre [recte: transpedikuläre] Fixation L1
- L3 mit Einzementierung der Schrauben wegen der Osteoporose sowie
ein Wirbelaufbau transpedunkulär [recte: transpedikulär] von L2 (Con-
fidence Knochenzement) und separaterer Wirbelaufbau von L4 (Boden-
plattenimpressionsfraktur) durchgeführt worden sei. Zudem diagnostiziert
er eine dringend abklärungsbedürftige, schwerste Osteoporose, welche er
intraoperativ festgestellt habe (act. 27 S. 58).
4.11 Im Anschluss an einen stationären Aufenthalt in der Klinik X._
vom 2. bis 20. Mai 2017 halten die Dres. Y._ und Z._ mit
Austrittsbericht vom 30. Juni 2017 folgenden Befund fest: Muskuläre Insuf-
C-5774/2019
Seite 16
fizienz und Muskelatrophie im Lumbalbereich; keine Druck- oder Klopf-
schmerzen, keine Schmerzausstrahlung und keine peripheren sensomoto-
rischen Defizite. Drehen und Neigen gegen Widerstand möglich. Ferner
konstatieren sie, dass aus unfallkausaler Sicht zum Zeitpunkt des Austrit-
tes eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit bestehe und hinsichtlich der Zumut-
barkeit in einer anderen beruflichen Tätigkeit noch nichts festgelegt werden
könne (act. 27.40).
4.12 Anlässlich der Verlaufskontrolle vom 19. Juli 2017 konstatiert Dr. med.
N._, Orthopädische Chirurgie FMH, es zeige sich – rund drei Mo-
nate postoperativ – trotz intensiver Rehabilitation in (...) leider kein Thera-
piegewinn durch die Operation. Lokal würden sich reizlose Wund- und
Weichteilverhältnisse zeigen. Der Patient habe nach wie eine Retropulsion
der Wirbelsäule, die natürlich im Sinne einer Deformität zu betrachten sei.
Seiner Ansicht nach müsse eine Schmerztherapie, möglicherweise inter-
ventionell, durchgeführt werden (act. 27.31).
4.13 Dr. med. Aa._, FA Chirurgie, D-(...) kam in seinem, im Auftrag
der Bb._ Versicherung AG erstellten chirurgischen Gutachten vom
23. September 2017 zum Schluss, dass folgende Unfallfolgen verblieben
seien (act. 27.19):
– In Keilfehlform (Fischwirbelbildung) knöchern konsolidierte Fraktur des 2. Lendenwirbelkörpers mit Hinterkantenvorwölbung und  Höhe Lendenwirbelkörper 2 (CT vom 10.07.2015);
– Segmentale Einengung des Spinalkanals auf Höhe Lendenwirbelkörper 3 / 4 und auf Höhe Lendenwirbelkörper 4 / 5 bei Zustand nach  Lendenwirbelkörper 3 / 4 (CT vom 09.03.2017);
– Versteifte Bewegungssegmente Lendenwirbelkörper 1 – 4;
– Wiederkehrende Muskelreizzustände im Lendenwirbelsäulenbereich;
– Erheblichste Bewegungseinschränkung der Lendenwirbelsäule bei  rechts / links, Drehen im Sitzen rechts / links sowie ;
– Ausbildung eines chronischen Schmerzsyndroms lumbal.
Ferner konstatierte er aufgrund der Komplexität der Verletzungen eine ver-
bleibende Einschränkung der allgemeinen Leistungsfähigkeit im Umfang
von 45%. Zudem sei laut Aussage des Beschwerdeführers auch nach er-
folgter Operation keine Verbesserung der Schmerzsymptomatik eingetre-
C-5774/2019
Seite 17
ten. Die belastungsabhängigen Schmerzen im Bereich der Lendenwirbel-
säule würden auf der VAS mit 5 / 10 angegeben. Es sei folglich nicht mit
einer Verbesserung der Beweglichkeit zu rechnen, weshalb er in seinem
alten Beruf nicht mehr wettbewerbsfähig einsetzbar sei (act. 27.19).
4.14 Im Bericht vom 10. November 2017 über die ambulante Verlaufskon-
trolle vom 9. November 2017 hält Dr. med. N._, Orthopädische Chi-
rurgie FMH, fest, es gehe dem Beschwerdeführer nach wie vor nicht sehr
gut, wenngleich besser als präoperativ. Das heute durchgeführte Röntgen-
bild zeige reguläre Verhältnisse. Bezüglich des zwischenzeitlich durchge-
führten Gutachtens möchte er sich enthalten. Seiner Ansicht nach sei der
Beschwerdeführer höchstens 50% arbeitsfähig, dies für abwechselnd sit-
zend und stehende Tätigkeiten ohne Rückenbelastung. Eine letzte inva-
sive Option würde ein sogenannter Hinterstrangstimulator sein, dabei
würde er eine Plattenelektrode der Firma Nevro bevorzugen, welche vor
allem die Rückenschmerzen adressiere (act. 27.12).
4.15 Der Kreisärztlichen Untersuchung von Dr. med. Cc._ , Arzt für
Allgemeinmedizin, vom 7. Februar 2018 zufolge würden belastungsabhän-
gige Beschwerden, vor allem im lumbosakralen Übergang im Bereich der
ausgeprägten vorbestehenden Osteochondrose mit Verdacht auf
Schmerzchronifizierung (St. p. Fraktur LWK2 am 26.09.2014 sowie wahr-
scheinlich kleine Absprengung Unterkante LWK4 rechts und Z. n. transpe-
dikulärer Fixation L1 bis L3 mit Einzementierung der Schrauben wegen Os-
teoporose sowie Wirbelaufbau transpedikulär L2, separater Wirbelaufbau
L4 bei Bodenplattenimpressionsfraktur 24.04.2017) bestehen. Folgende
nicht unfallbedingte Diagnose wurden zudem festgehalten: Ausgeprägte
degenerative Veränderungen der unteren BWS sowie der LWS mit Span-
genbildungen und ausgeprägte Osteochondrose L5/S1 mit tiefem Einbruch
der Bodenplatte L5. Zur Operation (transpedikuläre Fixation L1 bis L3) hiel-
ten sie fest, dass diese keine Änderung des Zustands bewirkt habe (act.
45). Schliesslich hielt Dr. med. Cc._ in seiner ergänzenden Unter-
suchung vom 14. März 2018 fest, dass das MRI vom 13. Februar 2018 fol-
gendes zeige: regelrechte, postoperative Strukturverhältnisse bei Z. n. Auf-
richtung und Fixation des frakturierten Wirbelkörpers LWK 2 und Spondy-
lodese LKW1 auf LWK 3. Ein Z. n. Vertebroplastie der Wirbelkörper L1 bis
L3. Osteochondrosen LWK 4/5 mit medianer Diskusprotrusion/kleiner Her-
nie nach links ziehend, ossär/diskogen enges Neuroforamen WK L5/S1
links mit möglicher Irritation der Wurzel L4/5 links. Erosive Osteochondro-
sen WK L5/S1 mit Restprotrusion und ossär engem Neuroforamen auf die-
C-5774/2019
Seite 18
sem Niveau. Dementsprechend lasse sich die relevante Schmerzauslö-
sung im operierten Bereich sowohl anhand der klinischen Befunde als auch
der MRI-Untersuchungen ausschliessen. Dass belastungsabhängige Rest-
beschwerden bestehen, sei plausibel. Die nunmehr geklagte extreme Be-
schwerdesymptomatik resultiere jedoch ausschliesslich aufgrund der vor-
bestehenden degenerativen Veränderungen. Unfallbedingt könne somit
davon ausgegangen werden, dass in einer angepassten, wechselbelasten-
den, körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren Tätigkeit eine
ganztägige Arbeitsfähigkeit unter folgenden Voraussetzungen gegeben
sei: Keine Tätigkeiten mit längeren Zwangshaltungen für die Wirbelsäule,
insbesondere in vorgeneigter Position, keine Tätigkeiten, welche mit Vib-
rationen und Schlägen für die Wirbelsäule verbunden seien (act. 43).
4.16 Gestützt auf eine Aktenbeurteilung kam die RAD-Ärztin, Dr. med.
Dd._ , Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie
FMH, in ihrer Beurteilung vom 6. März 2019 zum Schluss, dass der Be-
schwerdeführer in der angestammten Tätigkeit bleibend 100% arbeitsun-
fähig sei. In einer angepassten Tätigkeit (optimal sehr leichten bis leichten
wechselbelastenden Tätigkeit; max 5-10 kg) sei er aus orthopädischer
Sicht circa 6-8 Monate nach der Operation vom 24. April 2017 zu 50% ar-
beitsfähig. Sie hielt folgendes Belastungsprofil fest: Keine Tätigkeiten mit
längeren Zwangshaltungen für die Wirbelsäule, insbesondere in vorge-
neigter Position, vermehrte Rotationen der Wirbelsäule, keine Tätigkeiten,
welche mit Vibrationen und Schlägen für die Wirbelsäule verbunden seien.
Das Gehen auf unebenem Boden sowie das Besteigen von Leitern und
Gerüsten sollte vermieden werden. Schliesslich stellte sie fest, dass auch
degenerative Veränderungen der Wirbelsäule vorliegen würden, die eben-
falls einen Einfluss auf die Belastbarkeit der Wirbelsäule (Bewegungsein-
schränkungen) hätten und somit auch die Arbeitsfähigkeit einschränken
würden (act. 55 S. 2). Anlässlich des Einwandes des Beschwerdeführers
hielt sie in ihrer versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 17. Septem-
ber 2019 unter Bezugnahme auf die Stellungnahme von Dr. med.
Ee._ (s. E. 4.17) folgende Würdigung der Akten fest: Aus den vor-
handenen Berichten gehe eine gute kardiale Leistungsfähigkeit bei St. n.
Herzinfarkt vom 11. September 2015 mit sofortiger Gefässaufweitung und
Stenteinlage hervor. Die Pumpfunktion zeige sich in der Echokardiographie
nicht eingeschränkt. Auch die klinische Untersuchung und die Ergometrie
würden keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit durch die Herzerkran-
kung ergeben. Ebenwenig würden sich klinisch relevante Einschränkungen
durch die periphere arterielle Verschlusskrankheit finden. Selbstverständ-
lich sei ein andauernder Rauchstopp wichtig. Die Arbeitsfähigkeit bezüglich
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Seite 19
der Herzerkrankung sei auch für die angestammte Tätigkeit als nicht ein-
geschränkt beschrieben worden. Diese sei aber auf Grund der orthopädi-
schen Leiden nicht zumutbar. Aus fachinternistischer Sicht (s. E. 4.19 hier-
nach) seien, bezogen auf die internistischen Erkrankungen, körperlich
leichte und mittelschwere Tätigkeiten medizinisch-theoretisch vollzeitlich
zumutbar (act. 69 S. 2).
4.17 Die RAD-Ärztin, Dr. med. Ee._ , Fachärztin für Innere Medizin
FMH, kommt in ihrer fachinternistischen Einschätzung vom 12. September
2019 zum Schluss, dass aus den vorhandenen Berichten eine gute kardi-
ale Leistungsfähigkeit bei St. n. Herzinfarkt vom 11. September 2015 mit
sofortiger Gefässaufweitung und Stenteinlage hervorgehe. Die Pumpfunk-
tion zeige sich in der Echokardiographie nicht eingeschränkt. Auch die kli-
nische Untersuchung und die Ergometrie würden keine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit durch die Herzerkrankung ergeben. Ebenso würden
sich keine klinisch relevanten Einschränkungen durch die periphere arteri-
elle Verschlusskrankheit finden. Selbstverständlich sei ein andauernder
Rauchstopp wichtig. Die Arbeitsfähigkeit bezüglich der Herzerkrankung sei
auch für die angestammte Tätigkeit als nicht eingeschränkt beschrieben
worden; diese sei aber aufgrund der orthopädischen Leiden nicht zumut-
bar. Sie kommt deshalb zum Schluss, dass aus fachinternistischer Sicht –
bezogen auf die internistischen Erkrankungen – körperlich leichte und mit-
telschwere Tätigkeiten medizinisch-theoretisch vollzeitlich zumutbar seien
(act. 68).
5.
5.1 Die Vorinstanz stützte ihre Beurteilung in der angefochtenen Verfügung
auf die (reinen) Aktenbeurteilungen der RAD-Ärztinnen Dr. med.
Dd._ vom 6. März und 17. September 2019 (act. 55 S. 2; 69 S. 2)
sowie Dr. med. Ee._ vom 12. September 2019 (act. 68), welche
ihrerseits auf die ärztlichen Berichte in den Akten der SUVA abgestellt ha-
ben.
5.2 Nach der geltenden Rechtsprechung (BGE 133 V 549) besteht für die
Invalidenversicherung keine Bindungswirkung an die Invaliditätsschätzung
der Unfallversicherung, weshalb die IV-Stellen auch nicht zur Einsprache
gegen die Verfügung und zur Beschwerde gegen den Einspracheentscheid
des Unfallversicherers über den Rentenanspruch als solchen oder den In-
validitätsgrad berechtigt sind. Allerdings schliesst das Bundesgericht in
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Seite 20
BGE 133 V 549 E. 6.4 nicht aus, dass die IV-Stellen oder im Beschwerde-
fall die kantonalen Gerichte die Unfallversicherungsakten beiziehen und
gestützt darauf den Invaliditätsgrad für den Bereich der Invalidenversiche-
rung bestimmen können.
Mit Blick auf die fehlende Bindungswirkung haben die IV-Stellen und die
Unfallversicherer die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selb-
ständig vorzunehmen. Sie dürfen sich somit nicht ohne weitere eigene Prü-
fung mit der blossen Übernahme des Invaliditätsgrades der jeweils ande-
ren Stelle begnügen (vgl. BGE 133 V 549 E. 6.1 m. H., bestätigt mit Urteil
des BGer 8C_549/2016 vom 19. Januar 2017 E. 5.1).
5.3 Aus medizinischer Sicht geht aus den vorinstanzlichen Akten hervor,
dass die Vorinstanz – abgesehen von den Aktenbeurteilungen ihres RAD
(act. 55 S. 2; 68; 69) – keine eigenen medizinischen Abklärungen veran-
lasst hat. Das Abstellen auf die Abklärungen und Akten des Unfallversiche-
rers ist zwar für sich allein nicht zu beanstanden, wenn einleuchtet und
nachvollziehbar ist, weshalb nur auf diese abgestellt wird und damit keine
weiteren Abklärungen nötig sind (s. hiervor E. 3.5.2). Allerdings besteht in
Bezug auf den Ursprung der Schmerzen ein Widerspruch: Gemäss inter-
disziplinärer Beurteilung von Dr. med. V._, FMH Int. Schmerzthera-
pie, Schmerz Medizin (...), und Dr. med. N._, Orthopädische Chi-
rurgie FMH, Klinik E._, würden die Schmerzen in den Beinen und
im distalen LWS-Bereich durch die PAVK (Claudicatio intermittens) verur-
sacht (act. 20.11). Hierzu stellt sich der verantwortliche Angiologe der Klinik
W._, D-(...), am 6. Oktober 2016 auf den Standunkt, dass sich
keine solche PAVK vorfinden würde und bei einer solchen würden die
Schmerzen nur rechts zum Tragen kommen (act. 20.4). Diese Unklarheit
begründet bereits Zweifel an der ärztlichen Beurteilung (vgl. zu deren Wür-
digung E. 3.5.3).
5.4 Des Weiteren stützte sich die RAD-Ärztin im Wesentlichen auf die
kreisärztliche Einschätzung und somit auf die unfallbedingte Arbeitsfähig-
keit. Als finale Versicherung hat die Invalidenversicherung im Unterschied
zur Unfallversicherung sämtliche Leiden der versicherten Personen unab-
hängig von ihrer Ursache zu berücksichtigen (vgl. Urteil des BGer
8C_359/2013 vom 27. August 2013 E. 3). Vorliegend beurteilte die SUVA
die unfallkausalen Leiden als ausgeheilt; die verbleibenden Schmerzen
seien auf eine vorbestehende ausgeprägte degenerative Veränderung der
WK L5/S1 zurückzuführen. Die Vorinstanz leitet daraus implizit ab, dass
C-5774/2019
Seite 21
die vom Beschwerdeführer weiterhin geklagten gesundheitlichen Be-
schwerden auch für die Invalidenversicherung unbeachtlich seien. In den
angefochtenen Verfügungen wurde per 1. April 2018 von einer Besserung
des Gesundheitszustandes ausgegangen (s. E. 2.1). Eine solche besse-
rungsbedingte Herabsetzung muss sich jedoch auf eine wesentliche Ände-
rung der tatsächlichen gesundheitlichen Verhältnisse stützen (s. hiervor
E. 2.5.2), was vorliegend in der RAD-Beurteilung vom 6. März 2019 nicht
nachvollziehbar dargelegt wird. Die Vorinstanz stellt lediglich fest, dass der
Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht circa 6-8 Monate nach der
Operation vom 24. April 2017 zu 50% arbeitsfähig sei. Dabei wird ausser
Acht gelassen, dass noch im September 2017 erhebliche funktionellen Ein-
schränkungen attestiert wurden (s. E. 4.13 und E. 5.6), die fraglich einer
50%-igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten sehr leichten bis leichten
Tätigkeit entsprechen. Darüber hinaus kommt Dr. med. N._, Ortho-
pädische Chirurgie FMH, Klinik E._, in seiner Stellungnahme vom
10. November 2017 zum Schluss, dass zwar eine Besserung eingetreten
sei – jedoch gehe es dem Beschwerdeführer nach wie vor nicht gut, wes-
halb er weitere Interventionsmassnahmen vorschlage (s. E. 4.14. hiervor).
5.5 Hinzu kommt, dass in den Akten mehrere Hinweise auf ein chronisches
Schmerzsyndrom zu finden sind, welches mit Blick auf die invaliditätsbe-
dingte Arbeitsfähigkeit gänzlich ausser Acht gelassen wurde. So hielten die
verantwortlichen Ärzte Dr. med. V._, FMH Int. Schmerztherapie,
Schmerz Medizin (...), und Dr. med. N._, Orthopädische Chirurgie
FMH, Klinik E._, bereits in der interdisziplinären Beurteilung vom
2. September 2016 fest, der Beschwerdeführer verspüre ein ausgeprägtes
Schmerzsyndrom im gesamten LWS-Bereich; proximal wahrscheinlich im
Bereich der Fraktur, jedoch auch distal mit Ausstrahlungen in beide Beine
(act. 20.11). Ebenso diagnostiziert der deutsche Gutachter ein chronisches
Schmerzsyndrom lumbal (act. 27.19). Vorliegend steht eine chronische
Schmerzstörung (ohne nähere ICD-Klassifizierung) zur Diskussion. Nach
der neuesten Rechtsprechung bedarf es in diesem Zusammenhang einer
Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge der
Schmerzstörung zu sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störun-
gen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Diesen Anforderungen werden die bisher
vorliegenden medizinischen Berichte nicht gerecht.
5.6 Hinsichtlich der Epikrise der Ärzte aus Deutschland hält die Vorinstanz
bzw. die IV-Stelle fest, dass die Deutsche Rentenversicherung ein von der
schweizerischen Invalidenversicherung wesentlich abweichendes Renten-
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abstufungssystem kenne und die schweizerischen Behörden die Renten-
prüfung unabhängig vom Ergebnis der ausländischen IV-Verfahren vorzu-
nehmen hätten, sodass eine Bindungswirkung der Verfügung der Deut-
schen Rentenversicherung entfalle (Urteil des BVGer C-1601/2019 vom
18. November 2020, E. 7.5.2). Nichtdestostrotz unterliegen fremde ärztli-
che Beurteilungen der freien Beweiswürdigung (s. hiervor E. 3.5.4) und
können, wie in der Erwägung 5.3 festgehalten, Anlass zu Zweifeln geben.
So wird das Gutachten von Dr. med. Aa._, FA Chirurgie, D-(...) (s.
hiervor E. 4.13) in der RAD-ärztlichen Stellungnahme vom 6. März 2019
zwar gelistet, bleibt jedoch in der Würdigung der Vorakten unberücksich-
tigt: Dr. med. Aa._ attestiert in seinem Gutachten vom 23. Septem-
ber 2017 schwerste Einschränkungen der LWS-Beweglichkeit (Seitneigen,
Drehen im Sitz und Rumpfvorbeuge erheblich eingeschränkt). In diesem
Zusammenhang nennt die RAD Ärztin, Dr. med. Dd._ , lediglich zu-
sätzliche degenerative Veränderungen. Die Vorinstanz hätte unter Zugrun-
delegung des aktenkundigen Gutachtens zumindest prüfen müssen, ob
eine angepasste Tätigkeit im Stehen oder Sitzen (s. hiervor E. 4.14) diesen
Einschränkungen Rechnung trägt.
5.7 Nach dem Gesagten steht zum einen fest, dass die Vorinstanz zu
Recht ab 1. Dezember 2015 (6 Monate nach Rentenanmeldung [E. 3.4])
bis im März 2018 eine ganze Invalidenrente gewährt hat. Die Rentenge-
währung berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer im September 2014
einen Unfall mit LWK-Frakturen erlitt, bis Mitte 2015 keine knöcherne Kon-
solidierung der Fraktur des Lendenwirbelkörpers (LWK) 2 eintrat, der Be-
schwerdeführer im September 2015 einen Herzinfarkt erlitt, mit welchem
sich die LWK-Operation verzögerte, die Klinik S._ (...) in ihrem Aus-
trittsbericht im Oktober 2015 schwerste (funktionelle) Einschränkungen
durch die LWK-Fraktur attestierte, im November 2016 Gelenksinfil-tratio-
nen und im April 2017 eine Operation der Lendenwirbelsäule (Fixation LWK
1-3, Wirbelaufbau LWK 2-4) notwendig wurden, der Beschwerdeführer zum
Zeitpunkt des Austritts aus der Klinik X._ im Mai 2017 als 100% ar-
beitsunfähig erachtet wurde und im September 2017 eine zwar inzwischen
knöchern konsolidierte Fraktur L2, aber erhebliche Bewegungseinschrän-
kungen in der LWS attestiert wurden.
Zum andern ist festzuhalten, dass sich der gesundheitliche Zustand und
insbesondere dessen Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähig-
keit per Ende 2017 unter Berücksichtigung der von der Vorinstanz der an-
gefochtenen Verfügung zugrunde gelegten Akten nicht schlüssig beurteilen
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lassen. Damit lässt sich auch die Herabsetzung einer vollen Rente auf eine
Dreiviertelsrente ab 1. April 2018 nicht schlüssig erklären. Die Abstufung
fusst auf sich widersprechenden medizinischen Berichten zu den Folgen
der Wirbelsäulen-Operation vom 24. April 2017 und kann damit nicht
Grundlage für eine Verbesserung des Gesundheitszustandes sein. Die Zu-
sprache von mindestens einer Dreiviertelsrente – basierend auf der von Dr.
Dd._ (RAD) erfolgten Beurteilung, dass nach erfolgter Rückenope-
ration im April 2017 ab Ende 2017 (nur) eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit in
angepasster Tätigkeit wiedererlangt worden sei (E. 4.16) – ist durchaus
nachvollziehbar und wird vorliegend bestätigt. Die Tatsache, dass das Gut-
achten von Dr. med. Aa._, FA Chirurgie, D-(...), unbeachtet geblie-
ben ist, ist jedenfalls geeignet, Zweifel an der Richtigkeit der medizinischen
Einschätzung hervorzurufen. Die Vorinstanz wird deshalb angewiesen, den
medizinischen Sachverhalt unter Würdigung aller Berichte, explizit auch
des Gutachtens aus Deutschland, ergänzend abzuklären und auf Grund-
lage dessen nochmals zu entscheiden, ob ab 1. April 2018 eine volle Rente
oder in Bestätigung der bisherigen Beurteilung mindestens eine Dreivier-
telsrente auszurichten ist.
6.
6.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Unrecht
von einer eigenen, von den SUVA-Abklärungen unabhängigen medizini-
schen Prüfung abgesehen hat. Zudem hat sie den relevanten medizini-
schen Sachverhalt nicht allseitig und auch nicht vollständig abgeklärt, zu-
mal neben den verbleibenden WS-Beschwerden und dem nunmehr aus-
gebildeten chronischen Schmerzsyndrom auch die (umstrittene) Frage ei-
ner Claudicatio und deren Auswirkungen zur Diskussion stehen, deren na-
türliche und adäquate Kausalität lediglich für den Unfallversicherer von Re-
levanz ist. Aus diesem Grund sind zusätzliche Abklärungen für den Zeit-
raum ab Ende 2017 notwendig. Vorliegend sind Expertisen in den Fachbe-
reichen Innere Medizin, Orthopädie und Psychiatrie geboten. Ob neben
den genannten Fachdisziplinen auch noch weitere Spezialisten beigezo-
gen werden, ist dem pflichtgemässen Ermessen der Gutachter zu überlas-
sen, zumal es primär ihre Aufgabe ist, aufgrund der konkreten Fragestel-
lung über die erforderlichen Untersuchungen zu befinden (vgl. dazu Urteil
des BGer 8C_124/2008 vom 17. Oktober 2008 E. 6.3.1). Mit der polydis-
ziplinären Begutachtung kann auch sichergestellt werden, dass alle rele-
vanten Gesundheitsschädigungen erfasst und die daraus jeweils abgelei-
teten Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit würdigend in einem Gesamtergeb-
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nis ausgedrückt werden (vgl. dazu SVR 2008 IV Nr. 15 S. 44, E. 2.1). Dar-
über hinaus erfordert die bundesgerichtliche Praxis im Bereich der chroni-
schen Schmerzstörungen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3) im vorliegenden Fall
auch die Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens.
6.2 Die polydisziplinäre Begutachtung hat vorliegend in der Schweiz zu er-
folgen, zumal die Abklärungsstelle mit den Grundsätzen der schweizeri-
schen Versicherungsmedizin vertraut sein muss (vgl. dazu Urteil des BGer
9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; Urteil des BVGer C-
4677/2011 vom 18. Oktober 2013 E. 3.6.3). Der dem Gutachtensauftrag
beizulegende Fragenkatalog hat sämtliche Standardindikatoren der neuen
Rechtsprechung (BGE 141 V 281 E. 4.1.3) zu berücksichtigen.
6.3 Eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung
des Sachverhaltes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ist unter diesen Umständen mög-
lich, da sie in der notwendigen Beantwortung der bisher ungeklärten Fra-
gen nach den Auswirkungen des Gesundheitszustandes auf die Arbeits-
respektive Leistungsfähigkeit begründet liegt (vgl. BGE 137 V 210
E. 4.4.1.4). Vorliegend fehlt es an einer IV-rechtlich erforderlichen Gesamt-
beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers. Die Vo-
rinstanz hat es unterlassen, eine umfassende polydisziplinäre Abklärung
zu veranlassen, obwohl eine solche aufgrund der im Raum stehenden Be-
funde und Diagnosen, welche verschiedene medizinische Fachgebiete be-
treffen, geboten gewesen wäre. Eine reine Aktenbeurteilung war vorlie-
gend unzulässig, was zwangsläufig zur Einholung eines Administrativgut-
achtens hätte führen müssen. Würde eine derart mangelhafte Sachver-
haltsabklärung durch Einholung eines Gerichtsgutachtens im Beschwerde-
verfahren korrigiert, bestünde die konkrete Gefahr der unerwünschten Ver-
lagerung der den Durchführungsorganen vom Gesetz übertragenen Pflicht
zur Abklärung des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts auf das
Gericht mit entsprechender zeitlicher und personeller Inanspruchnahme
der Ressourcen. Daher ist die Angelegenheit zur Vornahme einer polydis-
ziplinären Begutachtung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die im vorlie-
genden Fall vorzunehmende Rückweisung beinhaltet im Übrigen keine Ge-
fahr einer reformatio in peius, da die gewährte ganze Rente vom 1. De-
zember 2015 bis 31. März 2018 bestätigt werden kann. Auch die Dreivier-
telsrente ab 1. April 2018 ist aufgrund der Aktenlage als ausgewiesen und
begründet zu erachten (vgl. BGE 137 V 314 E. 3.2.4). Es bleibt hingegen
offen und wird von der Vorinstanz zu prüfen sein, ob sich die geltend ge-
machte Nichtverbesserung des Gesundheitszustandes seit der Rücken-
operation im April 2017 auf den IV-Grad (im Sinne einer Beibehaltung einer
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ganzen Rente) ausgewirkt haben könnte (vgl. dazu die Urteile des BVGer
C-6415/2010 vom 6. Februar 2013 E. 7, C-7355/2014 vom 6. September
2016 E. 6.2 und C-4325/2015 vom 27. September 2016 E. 8) und eine
(vorliegend bestrittene) Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit mit Blick
auf das fortgeschrittene Alter des Beschwerdeführers (Jahrgang 1958) und
das ärztlich festgelegte Belastungsprofil noch bejaht werden kann.
6.4 Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die angefochtenen
Verfügungen vom 2. Oktober 2019 sind aufzuheben insoweit, als ab 1. April
2018 nur eine Dreiviertelsrente zuerkannt wurde. Diesbezüglich sind die
Akten im Sinne der Erwägungen zur Durchführung weiterer Abklärungen
und anschliessendem Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
7.
7.1 Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Partei-
entschädigung.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG
die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Da eine
Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Par-
tei gilt (BGE 132 V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall dem Beschwerde-
führer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Der Kosten-vorschuss von
Fr. 800.– wird dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des vor-
liegenden Urteils zurückerstattet. Der Vorinstanz werden ebenfalls keine
Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
7.3 Der Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Parteientschädigung, die
von der Vorinstanz zu leisten ist (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 7 ff.
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da keine
Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung aufgrund der Akten
festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berücksichtigung des ge-
botenen und aktenkundigen Aufwandes wird die Parteientschädigung (inkl.
Auslagenersatz, exkl. MWSt) auf Fr. 2'800.– festgelegt (Art. 10 VGKE).
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