Decision ID: baebc8d2-6cfa-4dcd-a0ee-80705ec08f1a
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970,
gelernte Verkäuferin,
war
seit
2001
selbständig
im Vertrieb von Beauty-Produkten
tätig
(vgl.
Urk.
1 S. 3 Mitte;
Urk.
7/11/2; Urk.
7/14/4).
Seit 2011
leitete
sie
im Nebenerwerb
Zumba Kurse
(Urk.
7
/11/2)
. A
m 1
7.
Mai 2013
meldete sie sich
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Krankentaggeld
versicherung
bei (
Urk.
7/5
) und holte bei
der
Y._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
8.
Mai 2015
erstattet wurde (Urk.
7/
50/2-45
).
M
it Verfü
gung vom 1
7.
Dezember 2015
verneinte sie
einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 7/7
1
).
Nachdem die Versicherte Beschwerde erhoben hatte (
Urk.
7/77/3-13), wurden die Parteien vom Sozialversicherungsgericht auf den
6.
Juli 2016 zur Instruktions
verhandlung vorgeladen (
Urk.
7/82). Anlässlich dieser Verhandlung beantragten die Parteien übere
insti
mmend die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zur Abklärung von beruflichen Massnahmen (vgl.
Urk.
7/84/5). Entsprechend wurde die Beschwerde mit Urteil vom
8.
Juli 2016 (
Urk.
7/84/1-2) in dem Sinne gutge
heissen, dass die angefochtene Verfügung vom 1
7.
Dezember 2015 aufgehoben und die Sache zur Abklärung von beruflichen Massnahmen an die IV-Stelle zu
rückgewiesen wurde.
1.2
In der Folge gewährte die IV-Stelle der Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (
Urk.
7/96) sowie Kostengutsprache für ein Arbeitstraining (
Urk.
7/126).
Mit Schreiben vom 1
6.
November 2017 (
Urk.
7/133) beantragte die Versicherte die Rentenprüfung.
Per 2
2.
Januar 2018 konnte die Versicherte eine Stelle als
Merchandiserin
in einem Pensum von 20-40 % antreten (vgl. Urk. 7/141-142,
Urk.
7/145/11).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/162;
Urk.
7/172-173
)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
5.
No
vember 2018
einen Anspruch
der Versicherten
auf eine Invalidenr
ente (Urk.
7/179
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
7.
Dezember 2018
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
5.
November 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en ihr Rentenleistungen nach dem
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG)
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2 Mitte
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
3.
Januar 2019 (
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
2
0.
März 2019
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts
; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit
Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invali
denrente.
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass
mit Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom
8.
Juli 2016 lediglich der Teil der Verfügung vom 1
7.
Dezember 2015 aufgehoben worden sei, welcher sich auf die Eingliederungsmassnahmen beziehe. Seit dieser Verfügung seien aus medizinischer Sicht keine wesentlichen Veränderungen festgestellt worden (S. 2 oben).
In der Beschwerdeantwort hielt d
ie
Beschwerdegegnerin
insbesondere fest, dass
mit Verfügung vom 1
7.
Dezember 2015 ein Rentenanspruch rechtskräftig ver
neint worden sei. D
er übereinstimmende Antrag auf Rückweisung zur Abklärung von beruflichen Massnahmen
habe
nicht auch die nochmalige Überprüfung
des Rentenanspruchs umfasst
. Wie auch im Protokoll der Instruktionsverhandlun
g festgehalten worden sei, sei
sie
davon ausgegangen, dass auch die für eine Um
schulung notwendige Erwerbseinbusse von 20 % nicht erreicht worden sei
(S. 1)
.
2.3
Die Beschwerdeführerin machte in der Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass die Ver
fügung vom 1
7.
Dezember 2015 mittels Urteil vom
8.
Juli 2016 vollumfänglich aufgehoben worden sei und daher keinerlei Rechtswirkungen mehr zeitige
. Im Urteilszeitpunkt habe mangels Eingliederungsversuch noch gar keine Stellung zum Rentenanspruch genommen werden können, denn es gelte bekanntlich der Leitsatz «Eingliederung vor Rente»
(S. 6 oben).
Die Beschwerdegegnerin habe den Untersuchungsgrundsatz missachtet und auch eine
Indikatorenprüfung
sei unter
blieben, so dass zu Unrecht auf eine nicht-invalidisierende gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit geschlossen worden sei (S. 5 unten). Das Gutachten der
Y._
bleibe vage betreffend die Auswirkungen in einer angepassten Tätigkeit und es bestünden Widersprüchlichkeiten (S. 6 unten). Sie habe im Rahmen des Arbeitstrainings versucht, ein
50%-Pensum zu halten, wel
che Belastung zur Überschreitung der psychisch-physischen
Limite
und auf Kos
ten der Gesundheit gegangen sei (Gewichtsabnahme innert kurzer Zeit von 60 kg auf 44 kg). Auf dringendes ärztliches Anraten sei das Arbeitspensum auf 40 % reduziert worden (S. 7 unten). Der behandelnde Psychiater
Dr.
Z._
beschreibe auch unter den Bedingungen der nun optimal angepassten Tätigkeit das Vorhan
densein von kognitiven Störungen und psychischen Symptomen, welche bei Be
lastung beziehungsweise Überbelastung stark zunähmen. Aufgrund der Erschöp
fungssituation würden Sport und Bewegung nicht mehr ausgeführt und sie habe keine Energie mehr für die Essenzubereitung (S. 9 Mitte).
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin
,
nannte im
Be
richt vom
2
4.
Juni 20
13
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7
/13)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
mitt
elsc
hweres depressives Zustandsbild
-
Status nach
k
ranio
-
zervik
alem T
r
auma im Juli
20
09
-
seit dieser Zeit leichter
Schwankschwindel
-
migräneartige Kopfschmerzen
Dr.
A._
gab an, die
Prognose
sei
an sich günstig
(
Ziff.
1.4)
.
Zur Zeit
sei die Beschwerdeführerin
100
%
erwerbsunfähig (
Ziff.
1.6)
. In
sechs bis neun Monaten sei
mit
einer
erneute
n Arbeitsfähigkeit
zu rechnen
(
Ziff.
1.9).
Mit
Schreiben
zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 1
0.
Dezember 2013 (Urk.
7
/18)
hielt
Dr.
A._
fest, dass die Prognose auf längere Sicht ungünstig sei.
3.2
Im Rahmen der haftpflichtrechtlichen Schadenregulierung erfolgte
im Februar / März 2014
eine Begutachtung bei der
B._
. I
m interdisziplinären
Gutachten vom
2
6.
April 2014 (Urk.
7
/22/8-46) wurden folgende
Diagnosen
genannt (
S. 33
Ziff.
8.1)
:
-
Status nach Autounfall mit Rück
en
kontusion
en
und überwiegend wahr
scheinlicher HWS-Distorsion am
4.
Juli 2009 mit
-
gehäuften, teils
migräniformen
Kopfschmerzen,
teils
zervikogenen
Kopfschmerzen
-
depressiver Episode
, derzeit mittelgradiger Ausprägung mit somati
schem Syndrom
-
persistierenden posttraumatischen
zervikogene
n
Beschwerden
-
insgesamt
leichte
r
bis mittelschwere
r
kognitive
r
Funktionsstörung
mit im Vordergrund stehenden
konzentrativen
und mnestischen Minder
leistungen
-
persistierenden Störungen im Bewegu
ngssehen
Die Gutachter führten aus, dass Ende des Jahres 2009 wieder eine volle Arbeits
fähigkeit erreicht worden sei. Eine im Jahr 2012 neu aufgetretene gynäkologische Problematik mit diversen Abklärungen habe im Herbst 2012 zu einer psychischen Dekompensation geführt. Bei dieser depressiven Affektion mit länger dauernder voller Arbeitsunfähigkeit hätten die Folgen des Unfalls von
2009
die Rolle eines wesentlichen
Kofaktor
s
gespielt (S. 34 unten).
Im Rahmen der depressiven Symp
tomatik
habe von
September 2012 praktisch bi
s Ende 2013
eine volle Arbeitsun
fähigkeit bestanden
. Seit Januar 2014
bestehe eine
Arbeitsfähigkeit
von etwa 20
%.
Diese k
önne sich
bei erfolgreicher
Behandlung
der depressiven Symptoma
tik wieder erheblich verbessern (S. 35 Mitte)
.
Eine Weiterführung der psych
othe
rapeuti
schen Behandlung inklusive
Psychopharmaka sei indiziert
(S. 37 Mitte).
3.3
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte im Bericht vom 1
4.
Juni 20
14
zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7
/27)
eine
depressive
Störung, gegenwärt
ig mittelgradige Episode,
ein
Aus
gebranntsein
, besteh
end seit mindestens Herbst 2012
,
sowie
deutliche
Zeichen eines
PTSD
(
posttraumatic
stress
disorder
)
, wobei
die
Kriterien nach ICD nic
ht vollumfänglich erfüllt seien (
seit mindestens Herbst 2012, anamnestisch bereits seit Juli 2009;
Ziff.
1.1)
.
Die Prognose sei schwierig. Mittels einer adäquaten neu
ropsychologischen Behandlung, welche
in die Wege geleitet
werde, sei zumindest mit einer Verbesserung der kognitiven Defizite zu rechnen
(S. 3 Ziff.
1.4
).
Zudem sei die regelmässige ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung fortzuführen (S. 3
Ziff.
1.5).
Dr.
C._
attestierte der Beschwerdeführerin eine 100
%
ige Arbeitsunfähigkeit
seit Oktober 2012
(S. 3
Ziff.
1.6)
. Seit einiger Zeit versuche
die Beschwerdeführerin
,
etwa
eine Stunde
pro Tag in ihrem eigenen Geschäft
(Versand von Beautyprodukten)
zu arbeiten, was sie teilweise an ihre Grenzen bringe
(S. 4
Ziff.
1.7)
.
3.4
Im neurophysiologischen
Biomarker-Report
der
D._
vom 2
2.
August 2014 (
Urk.
7
/40
) wurde ausgeführt, d
ie Fragebogen würden einerseits depressive Zustände nahelegen, andererseits würden ko
gnitive Funktionen und die Leis
tungsmöglichkeiten als reduziert bezeichnet. Dies könne durch die depressiven Zustände, aber auch als Folge der Unfälle betrachtet werden. Bei
der Performance sei
die
Reakti
onszeit
der Beschwerdeführerin
ausgesprochen
verlangsamt
(S. 35 unten)
. Die Spektraldaten liessen keine kla
ren Hinweise hinsichtlich
der Ver
ar
beitung erkennen. Am ehesten
weise das Muster auf
massive Ermüdung
und Er
schöpfung
hin
(S. 36 oben)
. Die Abweichungen von der
Refe
renzdatenbank
könn
ten mit zwei
Prozessen begrü
ndet werden, e
inerseits
mit Erschöpfungszu
ständen und depressiven Verstimmungen aufgrund d
es Defizit-Erlebens nach dem Un
fall
und andererseits
mit Spätfolgen des Unfalls
(S. 36 unten)
.
3.5
Im
Gutachten der Ärzte der
Y._
vom
8.
Mai 20
15 (
Urk.
7
/50/2-45)
wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt (
Ziff.
7.1.1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)
-
nicht näher bezeichnete andaue
rnde Persönlichkeitsänderung (F52.9: richtig F62.9)
Die Neuropsychologin führte in ihrem Teilgutachten (
Urk.
7
/50/46-53) aus, die aktuell objektivierten Befunde seien insgesamt als leichte kognitive Minderleis
tungen zu werten. Auffällig seien zudem die beobachteten Konzentrations
schwankungen. Ansonsten sei von einem unauffälligen kognitiven Leistungspro
fil auszugehen. Unter Berücksichtigung der anamnestischen Angaben und der medizinischen Untersuchungsbefunde seien die kognitiven Minderleistungen und die teilweise beobachteten Konzentrationsschwankungen, unterschiedliche Ar
beitsgeschwindigkeit eher nicht im Rahmen einer hirnorganischen Erkrankung, sondern am ehesten im Rahmen der psychischen Befindlichkeit und / oder einer verminderten Anstrengungsbereitschaft beziehungsweise -möglichkeit zu erklä
ren (S. 6 unten). Aus rein neuropsychologischer Sicht wäre aufgrund der leichten kognitiven Minderleistungen rein theoretisch von einer 20%igen Einschränkung der
Leistungsfähigkeit auszugehen, wobei die Belastbarkeit mit zu berücksichti
gen sei. Diese Frage müsse aus psychiatrischer Sicht beantwortet werden (S. 7 unten).
Aus psychiatrischer Sicht wurde
im Gutachten (
Urk.
7
/50/2-45)
ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Schmerzen im Bereich der HWS, Kopfschmer
zen und Schmerzen in beiden Schultern angebe.
Diese Schmerzen seien ausrei
chend somatisch erklärbar, nicht abhängig von der psychischen Verfassung und
stünden nicht im Zusammenhang mit einem emotionalen Konflikt oder einer psy
chosozialen Belastungssituation. Somit liege keine
som
atoforme Schmerzstörung vor. Die Beschwerdeführerin sei innerlich sehr angespannt, unruhig, gereizt und habe insgesamt emotional instabil und nur wenig belastbar gewirkt
(S. 24
Ziff.
5.4.3)
. Insgesamt lägen
keine Hinweise für
eine
hirnorganische
Erkrankung und
damit auch nicht für eine organische
Persönlichkeitsstörung vor. Am ehesten seien
die
emotionale Instabilität und
die
Affektlab
ilität eine psychische
Folge des Un
falls im Sinne einer andauernden Persönlichkeitsver
änderung
(S. 25 Mitte)
.
Es sei keine depressive Symptomatik feststellbar.
D
ie festgestellten neuropsycholo
gischen
Defizi
te seien am ehesten im Rah
men der nicht näher bezeichneten an
dauernden Persönl
ichkeitsänderung zu sehen
, könnten aber auch noch teilweise
durch die posttraumatische
Belastungsstörun
g
verursacht sein (S. 26 oben).
Die Beschwerdeführerin erfülle insgesamt genügend Kriterien zur Stellung der Diag
nose einer posttraumatischen Belastungsstörung; die Krankheit
sei aber im Laufe der
letzten
Jahre ge
ringer worden
(S. 26 unten)
.
Die bisher beschriebene de
pres
sive Episode bestehe nicht mehr,
sei remittiert
(S. 26 f.)
.
Die p
osttraumatische Belastungsstö
rung
und die nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsänderung könnten nicht alleine überwunden werden, aber seien behandelbar
(S.
27
Ziff.
5.4.5)
,
wobei die Behandlung lange dauern könne und der Erfolg nicht sicher sei (S. 29
Ziff.
5.7).
In
der
angestammte
n
Tätigkeit
b
estehe eine Einschränkung zu
100
%
,
da es sich nicht um eine
geeignete Arbeit
handle. Auch im Verkauf bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 27 f.
Ziff.
5.6.1)
.
In einer
ang
epasste
n
Tätigkeit sei
die Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer
Sicht
nicht einge
schränkt. Dies g
elte seit spätestens
dem
8.
April 20
1
5.
Zuvor habe aufgrund der damals bestehenden mittelgradigen depressiven Episode
auch
in einer
angepass
t
en Tätigkeit
eine Einschränkung von etwa
50
%
bestanden (S. 28
Ziff.
5.6.3)
.
Der psychiatrische Gutachter machte nähere Angaben zu einer
angepasste
n
Tätigkeit
(unter anderem keine psychisch anspruchsvollen Arbeiten; S. 28 f.
Ziff.
5.6.4)
.
Aus
neurologischer
Sicht
wurden
keine Diagnosen mit Auswirkung auf
Arbeits
fähigkeit genannt (vgl.
Urk.
7
/50/54-62 S. 7)
.
Aus orthopädischer Sicht bestünden aufgrund der nur
geringgradigen
Funktions
einschränkung der Halswirbelsäule keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und auch keine Einschränkungen in den Haus
haltstätigkeiten (
Urk.
7
/50/2-45 S. 36
Ziff.
6.6.1)
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung (
Urk.
7
/50/38-43)
wurde festgehalten,
dass in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
seit dem Unfall vom
4.
Juli 2009
eine 100
%
ige Arbeitsunfähi
gkeit bestehe
(S. 41
Ziff.
8.1
).
In einer
ange
passte
n
Tätigkeit bestehe
spätestens seit dem
8.
April 2015 eine volle Arbeitsfähigkeit.
Vom 1
9.
April 2012 bis
spätestens
am
7.
April 20
15
habe
wegen der damals bestehenden mittelgradi
gen depressiven Episode
eine
50%ige
Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen
(S. 42
Ziff.
8.2.1)
.
Die
Prognose sei offen
(S. 43
Ziff.
8.4; vgl. auch ergänzende Stellung
nahmen der Gutachter der
Y._
vom
2
7.
Mai 2015,
Urk.
7/52,
und 1
2.
Oktober 2015,
Urk.
7/63)
.
3.6
RAD-
Arzt
pract
.
med. E._
,
Facharzt für
Arbeitsmedizin,
hielt in der Stellungnahme vom
2.
Juni 2015 (
Urk.
7
/65/6-7) fest, das
Gutachten sei umfas
send und nachvollziehbar.
3.7
Vom 1
5.
bis 2
8.
Juli 2015 erfolg
t
e eine
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin
in der
F._
. Im entsprechenden
Aus
trittsbericht vom 1
9.
August 20
15
(
Urk.
7
/59/17-19)
wurde
n
als Diagnosen eine
mittelgradige depressive Epi
sode (F32.1)
sowie
mittelschwere kognitive
Funktionsstörungen
genannt (S. 1 Mitte)
.
Aufgrund der von der Beschwerdeführerin geschilderten Symptomatik mit Niedergestimmtheit, innerer Unruhe, reduziertem Antrieb, erhöhter Ermüdbarkeit, ausgeprägter Affektlabilität, grübelnden
Gedanken und Existenz- und Zukunfts
ängsten sei von einer aktuell mittelgradigen depressiven Episode auszugehen, vor dem Hintergrund einer Anpassungsproblematik an ihre kognitive Funktionsstö
rung (S. 2 unten).
N
eben
der
etablierten
neuropsychologischen
Therapie
sei
drin
gend ein
e psychiatrisch-psychotherapeutische
Therapie
empfohlen worden, wel
che
nun
geplant sei (S. 3 Mitte)
.
Im Rahmen der
Hospitalisation
wurde erneut ein MRI des Schädels durchgeführt, welches eine minimale Asymmetrie der nicht er
weiterten Seitenventrikel und eine Darstellung von einzelnen
hippocampal
rem
nants
beidseits ohne Nachweis einer Hippocampus Atrophie zeigte. Ansonsten zeigte sich eine altersentsprechend regelrechte Darste
llung des
Neurok
raniums
(S. 2 Mitte).
3.8
V
or diesem Hintergrund verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
1
7.
Dezember 2015
einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung
(
Urk.
7/71)
.
Sie führte aus, dass die Diagnose einer post
traumatischen Belastungsstörung nicht nachvollziehbar sei. Des Weiteren stehe die Beschwerdeführerin nicht in psychiatrischer Behandlung, nehme keine Psychopharmaka und schöpfe somit die Behandlungsoptionen nicht aus.
4.
4.1
Dr.
A._
führte mit Bericht vom
9.
Oktober 2017 zuhanden der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
7/128) aus, dass
die Beschwerdeführerin im Rahmen des Arbeits
integrationsprogramms eine hohe Motivation gezeigt und versucht habe, die höchstmögliche Arbeitsfähigkeit zu erreichen. Leider sei
eine Arbeitsleistung von mehr als 40 % aus medizinische
n Gründen nicht realisierbar
. Die Beschwerdefüh
rerin habe während der Arbeitsintegration kontinuierlich an Gewicht verloren, am Schluss insgesamt 10 kg. Die psychischen und physischen Belastungen des Arbeitsprozesses könne die Beschwerdeführerin auch bei hoher Motivation nicht erfüllen.
4.2
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im Bericht vom
3.
November 2017 zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/131/2-3) folgende Diagnosen (S. 1):
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
nicht näher bezeichnete andauernde Persönlichkeitsänderung
-
rezidivierende depressive Episode anamnestisch, aktuell remittiert
Die Beschwerdeführerin
sei bei ihrem Arbeitstraining an eine psychophysische Grenze gekommen, was sich durch eine rasche Ermüdbarkeit bis zur Erschöpfung im Laufe des Tages, vermehrte Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und Fehlleistungen gezeigt habe. Unter anhaltender Überlastung habe sie unter Ner
vosität, Kopfschmerzen, Durchfall und grippeartigen Symptomen mit Glieder
schmerzen gelitten. Eine besondere Belastung entstehe durch die Unfähigkeit, Umgebungsgeräusche wie Hintergrundmusik oder Stimmen zu filtern. Die Be
schwerdeführerin wirke übermotiviert, sei über ihre Grenzen gegangen im Bemü
hen, die gesteckten Ziele zu erreichen, was sich auch in einem erheblichen Ge
wichtsverlust von über 10 kg (auf aktuell 48 kg) manifestiere (S. 1). Sie
komme mit einer ze
itlichen Belastung von 3 bis 3 1/2
Stunden täglich an eine Grenze. Dabei sei ihre Leistungsfähigkeit etwa 20 % bis 30
% eingeschränkt wegen ihrer kognitiven
Störungen und den anhaltenden Restsymptomen der posttraumati
schen Belastungsstörung (erhöhte psychische Sensitivität,
Hypervigilanz
, erhöhte Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit mit emotionalen Durchbrüchen, Konzentrations
störungen). Die Erwerbsfähigkeit sei deshalb erneut zu überprüfen (S. 2).
4.3
Im Bericht
vom 1
3.
April 2018 zuhanden der B
eschwerdegegnerin (Urk.
7/148)
nannte
Dr.
Z._
erneut
die
gleiche
n
Diagnosen wie
im
Gutachten
der
Y._
vom
8.
Mai 2015 (
Ziff.
2.5). Er
führte aus, dass die Beschwerdeführerin alle zwei Wochen bei ihm in Behandlung
sei
(
Ziff.
1.2). M
it
ihrem
aktuell
en Ar
beitspensum von
30-40 %
sei sie
an
ihrer
Leistungsgrenze
, zeitweise darüber, was sich durch eine weitere Gewichtsabnahme auf 44 kg manifestiere
(
Ziff.
2.7)
. Sie lebe sozial zurückgezogen und sei zu erschöpft, um Sport zu machen respektive sich zu bewegen (
Ziff.
3.5).
4.4
RAD-Arzt
E._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, führte in der Stellung
nahme vom 1
1.
Juli 2018 (
Urk.
7/161
S. 3
) aus, dass keine Ände
rung im Vergleich zum Zustand i
m Gutachtenszeitpunkt gesehen werden könne. Letztlich sei nicht zu erklären, weshalb die Beschwerdeführerin nur ein Pensum von etwa 30 % be
wältigen könne.
4.5
Im
Schlussbericht
der
G._
vom 2
7.
Juli 2018 (
Urk.
7/158)
wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin vom 1
5.
Mai bis 1
4.
November 2017 ein Arbeitstrai
ning im Warenservice der Parfümerie-Abteilung bei
H._
absolviert habe
.
Sie habe sich engagiert gezeigt und keine Fehltage gehabt. Das Arbeitspensum habe 30-50 % betragen, habe aber wieder auf 40 % reduziert werden müssen. Die Be
schwerdeführerin habe während des Arbeitstrainings mehr als 10 kg Körperge
wicht verloren (S. 1 Mitte). Durch intensive Bewerbungsbemühungen sei es ihr gelungen, eine Anstellung als
Merchandiserin
zu finden. Sie arbeite an drei Tagen pro Woche jeweils 4-5 Stunden. Sie sei für die Regalpflege und Promotionen von Unilever-Produkten zuständig. Die Häufigkeit und Länge von Pausen könne sie selbst bestimmen. Psychisch tue ihr die Arbeit nach eigenen Aussagen gut, kör
perlich sei sie jedoch am Limit
. Im Mai und Ende Juni sei sie aufgrund von Er
schöpfung arbeitsunfähig geschrieben gewesen
. Sie habe dies jedoch nicht dem Arbeitgeber kommuniziert, sondern um ein paar freie Tage gebeten (Stunden
lohnvertrag). Sie möchte die Stelle auf alle Fälle behalten (
S. 1 unten).
Wie sich im Arbeitstraining gezeigt habe, gerate die Beschwerdeführerin mit einem Ar
beitspensum von 40 % an ihre physischen und mentalen Grenzen (S. 4 oben).
5.
5.1
Vorab stellt sich die Frage, ob der Rentenanspruch
bereits
rechtskräftig beurteilt wurde.
M
it Verfügung vom 1
7.
Dezember 2015
verneinte die Beschwerdegegne
rin
einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversi
cherung (Urk. 7/71).
Diese Verfügung wurde indessen m
it Urteil des hiesigen Ge
richts vom
8.
Juli 2016 (
Urk.
7/84/1-2)
vollumfänglich
aufgehoben und die Sache zur Abklärung von beruflichen Massnahmen an die IV-Stelle zurückgewiesen.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin wurde somit ein Rentenanspruch nicht rechtskräftig verneint.
Nachdem die Beschwerdeführerin im November 2017 die Rentenprüfung verlangt hatte, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
5.
November 2018 einen
A
n
spruch
auf eine Invalidenrente
,
mit der Begründung, dass seit der Verfügung vom 1
7.
Dezember 2015 aus medizinischer Sicht keine wesentlichen Veränderungen hätten festgestellt werden können
(
Urk.
2 S. 2 oben)
.
Die Beschwerdegegnerin trat somit auf das Gesuch ein und prüfte
den Rentenan
spruch
materiell, jedoch nur im Hinblick auf das Vorliegen einer anspruchserheb
lichen Tatsachenänderung seit Erlass der
-
mit Urteil des hiesigen Gerichts
auf
gehobenen
-
Verfügung vom
Dezember 201
5.
Da der angefochtenen Verfügung
jedoch
keine rechtskräftige Vernei
nung des Rentenanspruchs voraus
ging, wäre d
e
r
Rentenanspruch
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig – gestützt auf den Sachverhalt bei Verfügungserlass – zu prüfen gewesen. Die Beschwerde
gegnerin ging somit von falschen Voraussetzungen aus
.
Die Sache ist deshalb zur umfassenden Prüfung des Rentenanspruchs an die Vorinstanz zurückzuweisen.
5.2
In Bezug auf die
vorliegenden medizinischen
Akten ist festzuhalten, dass
der Sachverhalt zur Beurteilung des Rentenanspruchs nicht
hinreichend
abgeklärt ist. Insbesondere lag
die Begutachtung durch die Ärzte der
Y._
, auf wel
che sich die Beschwerdegegnerin stützte,
im Verfügungszeitpunkt bereits mehr als 3 1⁄2 Jahre zurück.
Des Weiteren vermag sie
den Anforderungen
der heute massgebenden
Rechtsprechung (vgl. E. 1.4
) nicht
zu genügen
.
5.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in
Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.4
Vorliegend ergibt sich, dass ein abschliessender materieller Entscheid gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich ist, da der
entscheidrele
vante
Sachverhalt
nicht hinreichend
abgeklärt wurde. Die vorhandenen me
dizi
nischen Unterlagen erlauben
keine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
im
nunmehr anzuwendenden strukturierten Beweisver
fahren nach BGE 141 V 281, weshalb die
Beschwerdegegnerin
weitere Abklärun
gen vorzunehmen hat.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) ist folglich aufzuheben und die Sache zur
Durchführung einer allseitigen Prüfung des Rentenanspruchs
mit
Vornahme wei
terer Abklärungen und zu erneutem Entscheid über den
Renten
anspruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00
.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
7.
7.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
7.2
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (
§
34
Abs.
3
des
Gesetz
über das Soz
ialversicherungsge
richt,
GSVGer
). Beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
2
2
0.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist vorlie
gend eine Entschädigung von Fr.
2’2
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen, welche entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.