Decision ID: 66ffd902-a486-4f87-8150-0ffc2376b756
Year: 2016
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Der Rekurrent erwarb die Liegenschaft „B._“ in C._ von der D._ AG mit öf-
fentlich beurkundetem Kaufvertrag vom 20. Januar 2011 zu einem Kaufpreis von Fr. 700‘000.--.
Aufgrund des von der Steuerverwaltung ermittelten Verkehrswerts der Liegenschaft in Höhe
von Fr. 840‘000.-- wurde die Differenz zwischen Verkehrswert und Verkaufspreis abzüglich ei-
nes Freibetrags von Fr. 10‘000.-- mit Veranlagungsverfügung Nr. ES 2014/49-25676 vom
16. September 2014 zu einem Steuersatz von 30% besteuert und dem Pflichtigen eine Schen-
kungssteuer in Höhe von Fr. 39‘000.-- auferlegt.
2. Mit Eingabe vom 8. Oktober 2014 erhob die Vertreterin des Steuerpflichtigen Einsprache
und begehrte, es sei der Liegenschaftswert auf Fr. 700‘000.-- festzusetzen und die Veranla-
gungsverfügung aufzuheben. Zur Begründung führte sie aus, der Rekurrent sei zusammen mit
seinen zwei Brüdern Mitinhaber der D._ AG. Einziges Aktivum der Gesellschaft sei die Lie-
genschaft „B._“ in C._ gewesen, in welcher die zwischenzeitlich verstorbene Mutter ge-
lebt habe. Die drei Brüder hätten sich geeinigt, die Liegenschaft dem Pflichtigen zu verkaufen,
wobei dieser die Sanierungskosten zu übernehmen hatte. Nach Rücksprache mit Spezialisten
und der Hausbank sei der Wert der Liegenschaft auf Fr. 700‘000.-- festgelegt worden. Zu die-
sem Preis habe die D._ AG die Liegenschaft dann auch dem Rekurrenten verkauft. Der
Steuerpflichtige habe anschliessend im Jahre 2011 Fr. 71‘320.-- und im Jahre 2012 Fr. 5‘000.--
in die Sanierung investieren müssen. Der von der Steuerverwaltung ermittelte Wert von
Fr. 840‘000.-- entspreche nicht dem damaligen Marktwert, da das Haus seit dem Tod der Mutter
nicht mehr bewohnbar gewesen sei.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 10. Juni 2016 hiess die Steuerverwaltung die Einsprache
teilweise gut. Zur Begründung führte sie aus, da der Abzug für die bei einer späteren Veräusse-
rung in Rechnung zu stellenden Grundstückgewinn- sowie Handänderungssteuer nicht berück-
sichtigt worden sei, sei der Verkehrswert der Liegenschaft neu mit Fr. 826‘066.40 zu bewerten,
so dass von einem Schenkungswert von Fr. 126‘000.-- auszugehen sei, womit sich die Schen-
kungssteuer neu auf Fr. 34‘800.-- belaufe. Die Sanierungskosten in Höhe von insgesamt
Fr. 76‘320.-- seien vom Pflichtigen zu belegen, was nicht geschehen sei, so dass dieselben
nicht berücksichtigt werden könnten.
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4. Mit Schreiben vom 1. Juli 2016 erhob die Vertreterin des Pflichtigen mit dem Begehren,
es seien die Veranlagungsverfügung vom 16. September 2014 und der Einsprache-Entscheid
vom 10. Juni 2016 aufzuheben, der in der Einsprache aufgeführte Sachverhalt festzustellen und
dieser in der Veranlagung zu berücksichtigen, Rekurs. Zur Begründung führte sie u.a. aus, der
Pflichtige sei Minderheitsaktionär gewesen und hätte deshalb keine Mehrheitsentscheide in
Eigenregie fällen können, weshalb der Kaufpreis in Höhe von Fr. 700‘000.-- als Marktwert be-
trachtet werden müsse. Die angefallenen Sanierungskosten würden den minderwertigen Kauf-
zustand aufzeigen, denn erst durch den Einsatz von neuem Kapital hätte die Liegenschaft in
einen marktüblichen Zustand gestellt werden können. Werde am amtlichen Verkehrswert fest-
gehalten, müssten konsequenterweise die zusätzlichen Investitionen abgezogen werden.
5. Mit Vernehmlassung vom 8. August 2016 beantragte die Steuerverwaltung die teilweise
Gutheissung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, es läge eine verdeckte Gewinnaus-
schüttung vor, da die Gesellschaft dem Pflichtigen als Aktionär die Liegenschaft unterpreislich
veräussert und dadurch auf einen Ertrag verzichtet habe. Das Steuerrecht qualifiziere alle Arten
von geldwerten Leistungen als Ertrag aus Beteiligungsrechten, weshalb die Erfassung solcher
Leistungen allein mit der Schenkungssteuer steuersystematisch nicht die richtige Lösung sei.
Erfolge eine verdeckte Vorteilszuwendung an eine nahestehende Person, so würde die Leis-
tung deshalb zunächst der Besteuerung als Beteiligungsertrag beim Aktionär unterliegen, da-
nach bilde sie als unentgeltliche Zuwendung des Aktionärs an die nahestehende Person eine
Schenkung. Somit sei die Differenz im Umfang von Fr. 140‘000.-- als verdeckte Gewinnaus-
schüttung an die drei Aktionäre zu betrachten, d.h. pro Aktionär Fr. 46‘667.--. In einer logischen
Sekunde danach sei eine Schenkung der beiden Brüder von ihrem jeweiligen Anteil an den Re-
kurrenten erfolgt. Nach Abzug des Freibetrags resultiere eine steuerbare Schenkung im Um-
fang von je Fr. 16‘667.-- zu 15%. Dies ergebe eine noch verbleibende Schenkungssteuer von
total Fr. 5‘000.--.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest.
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Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen
und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stel-
lenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Vorliegend ist zu prüfen, ob die Steuerverwaltung zu Recht eine Schenkungssteuer in-
folge unterpreislicher Veräusserung der Liegenschaft von der D._ AG an einen der Aktionä-
re und gleichzeitig Rekurrenten erhoben hat.
a) Gemäss § 2 Abs. 1 des Gesetzes über die Erbschafts- und Schenkungssteuer
vom 7. Januar 1980 (ESchStG) gilt als Schenkung im Sinne dieses Gesetzes jede freiwillige
und unentgeltliche Zuwendung von Geld, Sachen oder Rechten irgendwelcher Art mit Ein-
schluss des Erbauskaufes (Art. 495 des Bundesgesetzes über das Schweizerische Zivilgesetz-
buch vom 10. Dezember 1907 [ZGB]) und der Stiftung (Art. 80 ff. ZGB) sowie der schenkungs-
weise Erlass von Verbindlichkeiten. Steht bei einem entgeltlichen Rechtsgeschäft die eine Leis-
tung in einem offenbaren Missverhältnis zur Gegenleistung, so wird der durch die Gegenleis-
tung nicht gedeckte Wert gemäss § 2 Abs. 3 ESchStG einer Schenkung gleichgestellt. Ist ein
Grundstück Gegenstand einer solchen gemischten Schenkung, so wird auf dem entgeltlichen
Teil des Rechtsgeschäfts die Handänderungssteuer und auf dem restlichen Teil die Schen-
kungssteuer erhoben (§ 82 Abs.1 lit. c StG e contrario; Wenk in: Nefzger/Simonek/Wenk
[Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, Basel 2004, § 73 N 14;
Ramseier, Die basellandschaftliche Erbschafts- und Schenkungssteuer, Liestal 1989, S. 73;
Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 28. August 2015, 510 15 25, E. 2a).
b) Als eine zivilrechtliche Schenkung wird gemäss Art. 239 Abs. 1 des Bundesge-
setzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligati-
onenrecht) vom 30. März 1911 (OR) eine Zuwendung unter Lebenden bezeichnet, bei der je-
mand aus seinem Vermögen einen anderen ohne entsprechende Gegenleistung bereichert.
Damit eine Schenkung vorliegt, müssen grundsätzlich drei Begriffsmerkmale vorliegen, nament-
lich die Vermögenszuwendung vom Schenker auf den Beschenkten mit Kausalzusammenhang
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zwischen der Entreicherung und Vermögensbereicherung, die Unentgeltlichkeit sowie der
Schenkungswille (Hindersmann/Myssen, Die Erbschafts- und Schenkungssteuern der Schwei-
zer Kantone, Köln 2003, N 611 ff.; vgl. auch Guhl/Koller, Das Schweizerische Obligationen-
recht, 9. Auflage, Zürich 2000, § 43 N 1 ff.; Basler Kommentar [BSK] OR I - Vogt/Vogt, Art. 239
N 1; StGE vom 28. August 2015, 510 15 25, E. 2b).
c) Das basellandschaftliche Gesetz enthält eine eigene, von Art. 239 OR unabhän-
gige Definition der Schenkung. Die Merkmale des steuerrechtlichen Schenkungsbegriffs sind im
wirtschaftlichen Sinn auszulegen, sodass die zivilrechtliche Umschreibung der Schenkung nicht
massgebend ist. Jedoch sind sowohl im Zivilrecht als auch im Steuerrecht für das Vorliegen
einer Schenkung die Merkmale der Vermögenszuwendung, der Unentgeltlichkeit und des
Schenkungswillens absolut begriffsnotwendig (Ramseier, a.a.O., S. 56 f.; Wenk, a.a.O., § 73
N 12; Hindersmann/Myssen, a.a.O., S. 149 ff.). Dasselbe gilt für die gemischte Schenkung im
Sinne von § 2 Abs. 3 ESchStG. Unentgeltlichkeit wird hier angenommen, wenn ein offenbares
Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung besteht. Weitere Voraussetzung ist wie
bei jeder Schenkung der Schenkungswille, das heisst der Zuwendende muss die Gegenleistung
bewusst niedriger ansetzen als seine eigene Leistung, mit dem Willen, die Differenz dem Emp-
fänger unentgeltlich zukommen zu lassen (Ramseier, a.a.O., S. 73, 75; Hindersmann/Myssen,
a.a.O., S. 307; Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 118 Ia 497, E. 2bb; BGE 65 I 212, S. 213;
Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons-Basellandschaft [VGE] vom 27. August 1997,
publiziert in: Basellandschaftliche und Baselstädtische Steuerpraxis [BStPra], Band XIV, S. 5 ff.;
StGE vom 11. Juni 2010, 510 10 16, E. 3b; StGE vom 28. August 2015, 510 15 25, E. 3c; vgl.
Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich, SR 2006.00005, E. 1.1, m.w.H.).
d) Im vorliegenden Fall wurde die in der Buchhaltung der D._ AG aktivierte Lie-
genschaft „B._“ in C._ vom Aktionär und gleichzeitig Rekurrenten mit öffentlich beurkun-
detem Kaufvertrag vom 20. Januar 2011 zu einem Kaufpreis von Fr. 700‘000.-- erworben. Die
Steuerverwaltung, Abteilung Spezialsteuern, stellte indes nach erfolgter Schätzung einen Ver-
kehrswert der Liegenschaft in Höhe von Fr. 840‘000.-- bzw. in ihrem Einsprache-Entscheid vom
10. Juni 2016 einen solchen von Fr. 826‘000.-- fest und erhob auf der Differenz zwischen dem
Verkehrswert und dem Verkaufspreis eine Schenkungssteuer beim Pflichtigen. Die Differenz
zwischen Verkehrswert und Verkaufspreis bei einer unterpreislichen Veräusserung einer Lie-
genschaft, welche die Voraussetzungen der Vermögenszuwendung sowie der Unentgeltlichkeit
erfüllt, kann vorliegend nicht mittels Schenkungssteuer besteuert werden. Dies begründet sich
damit, dass sowohl das Zivilrecht als auch das Steuerrecht als Tatbestandselement der Schen-
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kung das Vorliegen eines Schenkungswillens voraussetzt. Da es sich beim Schenkungswillen,
nicht zuletzt gestützt auf die systematische Stellung der Bestimmungen zur Schenkung im Obli-
gationenrecht, ausschliesslich um eine Eigenschaft natürlicher Personen handelt, kann eine
Aktiengesellschaft diese Voraussetzung nicht erfüllen, sodass nach dem Gesagten eine Schen-
kung von der Gesellschaft an den Aktionär ausgeschlossen ist. Ob eine unterpreisliche Ver-
äusserung stattfand, kann damit offen bleiben. Im vorliegenden Fall kann somit keine Schen-
kungssteuer erhoben werden, womit die Veranlagungsverfügung Nr. ES 2014/49-25676 vom
16. September 2014 und der Einsprache-Entscheid vom 10. Juni 2016 aufzuheben sind.
3. Des Weiteren ist zu untersuchen, wie die allfällige unterpreisliche Veräusserung der Lie-
genschaft von der D._ AG an den Aktionär und gleichzeitig Rekurrenten steuerrechtlich zu
behandeln wäre.
a) Auf Ebene der Kapitalgesellschaften ist gemäss § 53 Abs. 1 StG der steuerbare
Reinertrag Gegenstand der Ertragssteuer. Dieser setzt sich zusammen aus allen vor Berech-
nung des Saldos der Erfolgsrechnung ausgeschiedenen Teilen des Geschäftsergebnisses, die
nicht zur Deckung geschäftsmässig begründeter Aufwendungen verwendet werden, wie insbe-
sondere (...) offene und verdeckte Gewinnausschüttungen und geschäftsmässig nicht begrün-
dete Zuwendungen an Dritte (lit. b). Inhaltlich übereinstimmende Vorschriften enthalten auch
Art. 24 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kan-
tone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) sowie Art. 58 Abs. 1 lit. b des Bundesge-
setzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG). Auf Ebene des Aktionärs
unterliegen gemäss § 23 Abs. 1 StG sämtliche wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte aller
Art der natürlichen sowie der ihnen gleichgestellten juristischen Personen der Einkommens-
steuer. Zum steuerbaren Einkommen gehören insbesondere gemäss § 24 Abs. 1 lit. e StG alle
Einkünfte aus beweglichem Vermögen, namentlich Zinsen aus Guthaben, Dividenden und
geldwerte Leistungen aus Beteiligungen aller Art (...). Inhaltich übereinstimmende Vorschriften
enthalten auch Art. 7 Abs. 1 StHG sowie Art. 20 Abs. 1 lit. c DBG.
b) Zum steuerbaren Reingewinn der Gesellschaft und zum Einkommen des Inha-
bers von Beteiligungsrechten gehören Zuwendungen der Gesellschaft an die Anteilsinhaber, die
einem Aussenstehenden nicht oder zumindest nicht im gleichen Mass gewährt würden. Der
Grundtatbestand solcher geldwerter Leistungen ist nach der Rechtsprechung immer dann an-
zunehmen, wenn (a) die Gesellschaft keine oder keine gleichwertige Gegenleistung erhält, (b)
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der Aktionär direkt oder indirekt einen Vorteil erhält, der einem Dritten unter gleichen Bedingun-
gen nicht zugebilligt worden wäre (sog. Prinzip des "dealing at arm's length"), die Leistung also
insofern ungewöhnlich ist, und (c) der Charakter dieser Leistung für die Gesellschaftsorgane
erkennbar war (BGE 131 II 593, E. 5.1; BGE 138 II 57, E. 2.2; BGE 140 II 88, E. 4.1; BGE
2C_272/2011 vom 5. Dezember 2011, E. 3.1, 3.2.1; BGE 2C_265/2009 vom 1. September
2009, E. 2.1, in: StR 64/2009 S. 915; BGE 2A.204/2006 vom 22. Juni 2007 E. 6; BGE
2C_414/2012 vom 19.November 2012, E. 3; vgl. auch StGE vom 18. März 2016, 510 15 55,
E. 2b). Dabei wird die verdeckte Gewinnausschüttung nicht ordnungsgemäss als Gewinnver-
wendung verbucht und der Gesellschaft werden verdeckt Mittel entnommen, um sie den Inte-
ressen der Aktionäre zuzuführen. Die direkte unentgeltliche Zuwendung einer geldwerten Leis-
tung an den Aktionär wird sodann aufgrund des Massgeblichkeitsprinzips dem steuerbaren
Gewinn der Gesellschaft zugerechnet, unterliegt beim Beteiligungsinhaber der Einkommens-
steuer und die Verrechnungssteuer wird erhoben (vgl. Reich, Steuerrecht, 2. Auflage, Basel
2012, § 13 N 128, § 20 N 19; Höhn/Waldburger, Steuerrecht Band I, 9. Auflage, Bern 2001,
§ 14 N 85, § 18 N 103, § 21 N 13; Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuer-
rechts, 7. Auflage, Basel 2016, S. 332 f).
c) Eine verdeckte Gewinnausschüttung findet in erster Linie statt, wenn die Unter-
nehmung Privataufwand des Anteilsinhabers aus eigenen Mitteln deckt und diesen als ge-
schäftlichen Aufwand verbucht oder wenn sie Geschäftsvermögen für Privatzwecke zur Verfü-
gung stellt. Die häufigste Form der verdeckten Gewinnausschüttung besteht darin, dass die
Kapitalgesellschaft aufgrund eines Rechtsgeschäfts an Anteilsinhaber oder nahestehende Per-
sonen zulasten eines Aufwandkontos Leistungen erbringt, welche im Verhältnis zu der von
ihnen erbrachten Gegenleistung offensichtlich übersetzt sind (vgl. Höhn/Waldburger, a.a.O.,
§ 18 N 107 f.). Typische Beispiele verdeckter Gewinnausschüttungen sind unter anderem über-
setzte Gehaltszahlungen an mitarbeitende Aktionäre, übersetzte Zinsleistungen für Darlehen
von Beteiligten oder auch die Veräusserung von Vermögensgegenständen an Beteiligte zu un-
tersetzten Preisen (Reich, a.a.O., § 20 N 21; Blumenstein/Locher, a.a.O., S. 333 ff.)
d) Vorliegend wurde die in der Buchhaltung der D._ AG aktivierte Liegenschaft
„B._“ in C._ dem Aktionär und gleichzeitig Rekurrenten mit öffentlich beurkundetem
Kaufvertrag vom 20. Januar 2011 möglicherweise unterpreislich veräussert, womit zu untersu-
chen ist, ob es sich um eine geldwerte Leistung von der Gesellschaft an den Aktionär handelt.
Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung liegt die erste Voraussetzung einer verdeckten
Gewinnausschüttung vor, wenn eine Leistung ausgerichtet wurde, welcher keine angemessene
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Gegenleistung gegenübersteht. Der Pflichtige hat die Liegenschaft zu einem Kaufpreis von
Fr. 700‘000.-- von der D._ AG erworben. Die Schätzung der Steuerverwaltung, Abteilung
Spezialsteuern, ergab indes einen Verkehrswert der Liegenschaft in Höhe von Fr. 840‘000.--
resp. in ihrem Einsprache-Entscheid vom 10. Juni 2016 in Höhe von Fr. 826‘000.--, womit der
Kaufpreis um Fr. 140‘000.-- resp. um Fr. 126‘000.-- tiefer ist, als der von der Steuerverwaltung
ermittelte Verkehrswert. Damit steht der von der D._ AG erbrachten Leistung, mithin der
Veräusserung der Liegenschaft, keine angemessene Gegenleistung gegenüber, womit die erste
Voraussetzung einer verdeckten Gewinnausschüttung, sofern man von dem von der Steuer-
verwaltung ermittelten Verkehrswert ausgehen würde, erfüllt wäre. Als weitere Voraussetzung
muss ein Anteilsinhaber begünstigt worden sein, wobei anzunehmen ist, dass die Leistung an
einen Dritten unterblieben oder wesentlich geringer ausgefallen wäre (sog. Drittvergleich). Vor-
liegend handelt es sich beim Leistungsempfänger um einen der drei Aktionäre der D._ AG,
welcher die Liegenschaft unterpreislich erworben hat. Die Liegenschaft wäre mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit einem Dritten nicht mit einer Differenz zwischen dem von der
Steuerverwaltung ermittelten Verkehrswert und Verkaufspreis in Höhe von Fr. 140‘000.-- resp.
Fr. 126‘000.-- veräussert worden, da dadurch die Gesellschaft sowie indirekt auch die Aktionäre
auf Erträge in besagter Höhe verzichtet hätten. Somit ist die zweite Voraussetzung einer ver-
deckten Gewinnausschüttung ebenfalls gegeben. Die letzte Voraussetzung einer geldwerten
Leistung verlangt die Erkennbarkeit des Missverhältnisses von Leistung und Gegenleistung für
die handelnden Organe, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Begünstigung be-
absichtigt war. Vorliegend halten die drei Brüder sämtliche Aktien der D._ AG und erfüllen
zusammen die Funktion des Verwaltungsrates. Da der Erwerber selber Verwaltungsratsmitglied
ist, zwischen den Aktionären bzw. Verwaltungsratsmitgliedern ein Verwandtschaftsverhältnis
besteht und der Veräusserungspreis stark vom Verkehrswert abweicht, kann davon ausgegan-
gen werden, dass das handelnde Organ von der von der Steuerverwaltung behaupteten unter-
preislichen Veräusserung Kenntnis hatte und deshalb die Begünstigung beabsichtigt war. Somit
liegen alle drei Voraussetzungen einer verdeckten Gewinnausschüttung vor und die unterpreis-
liche Veräusserung der Liegenschaft (so denn eine vorliegt) hätte nach den Grundsätzen der
geldwerten Leistung besteuert werden müssen, d.h. die Differenz zwischen Verkehrswert und
Veräusserungspreis würde der Gewinnsteuer bzw. der Grundstückgewinnsteuer bei der D._
AG und der Einkommenssteuer beim Pflichtigen unterliegen und die Verrechnungssteuer müss-
te erhoben werden. Wie es sich damit im Einzelnen verhält, kann im vorliegenden Verfahren, in
welchem lediglich die angefochtene Schenkungssteuer zu beurteilen ist, offen bleiben.
Der Rekurs erweist sich damit als begründet und ist gutzuheissen.
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4. Ausgangsgemäss sind dem Rekurrenten nach § 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des
Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung
(VPO) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
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