Decision ID: 3095302a-46db-4f62-af54-b1eeefc8d344
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Hehlerei etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung, vom 28. November 2018 (DG180005)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 28. März
2018 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 23).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 64 S. 123 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen
– der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 aSVG
in Verbindung mit Art. 34 Abs. 3 und Abs. 4 SVG, Art. 12 Abs. 1 VRV und Art.
35 Abs. 1 SVG (ND 24).
- des mehrfachen Erschleichens eines Ausweises oder einer Bewilligung, teil-
weise im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG (ND 1-13, ND 16-18, ND 27
und ND 31)
2. Der Beschuldigte ist schuldig
– der gewerbsmässigen Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2
StGB (ND 1-21 und 26-31),
- des mehrfachen Erschleichens eines Ausweises oder einer Bewilligung, teil-
weise im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG, teilweise im Sinne von Art. 97
Abs. 1 lit. d SVG (ND 14-15, ND 26 und ND 28-30)
– der mehrfachen Gehilfenschaft zur Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB (ND 19-21),
- der Gehilfenschaft zur versuchten Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 und Art. 25 StGB (ND 25),
- der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
(ND 22 und 23),
- des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (ND 32),
– der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
(ND 32) sowie
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– des Missbrauchs von Schildern im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG (ND
33).
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wovon bis
und mit heute 96 Tage durch Haft erstanden sind, und mit einer Geldstrafe von
180 Tagessätzen zu Fr. 60.–.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 Schadenersatz in Höhe von
Fr. 30'464.– zuzüglich Zins zu 5% seit dem 3. Dezember 2011 zu bezahlen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 4 Schadenersatz in Höhe von
Fr. 19'100.– zuzüglich Zins zu 5% seit 1. November 2011 sowie Fr. 3'618.75 zu-
züglich Zins zu 5% seit 15. Juni 2015 zu bezahlen.
7. Im weiteren Umfang werden die Privatkläger mit ihren Schadenersatzforderungen
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Die Genugtuungsforderungen der Privatkläger 15 und 16 werden abgewiesen.
9. Die von der Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 18. Dezember 2012 beschlag-
nahmte Barschaft in Höhe von Fr. 800.– wird eingezogen und zur Deckung der Ver-
fahrenskosten verwendet.
10. Die folgenden, von der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich mit Verfügung
vom 19. Februar 2012 beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten
auf erstes Verlangen binnen 3 Monaten nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegen-
den Urteils herausgegeben:
- 15 Goldvreneli à Fr. 20.00,
- 1 Goldmünze Vittorio Emanuele II, L 20.00 Italia,
- 1 Goldmünze Umberto I, L. 20.00 Italia,
- 2 Goldmünzen Napoleon III, F. 20.00 Frankreich,
- 1 Goldmünze Tunesien, F. 20.00,
- 1 Goldmünze Franz Josef, Imperium Austriaca, F 20.00 Österreich.
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Sofern die Herausgabe innert dieser Frist nicht verlangt wird, werden diese Gegen-
stände definitiv eingezogen, verwertet und zur Deckung der Verfahrenskosten ver-
wendet.
11. Die folgenden, von der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich mit Verfügung
vom 13. Februar 2018 beschlagnahmten Gegenstände (Dokumente) werden ein-
gezogen und als Beweismittel bei den Akten belassen:
- Amtliches Formular für Eintrag und die Löschung der Ziffer ... betr. VW Golf,
Stamm-Nr. 1,
- Liste von Codes der Leasinggesellschaften,
- Strafklage betr. Ehrverletzung, datiert vom 21. April 2010,
- Strafklage betr. Ehrverletzung, datiert 21. April 2010 (oranger Post-it "Varian-
te 1" befand sich anlässlich Sicherstellung vom 6. Dezember 2012 auf dem
Dokument),
- Strafklage betr. Ehrverletzung, datiert 21. April 2010 (oranger Post-it "Varian-
te 2" befand sich anlässlich Sicherstellung vom 6. Dezember 2012 auf dem
Dokument),
- Schreiben der B._-AG [Rechtsschutz] vom 11. Oktober 2011 mit hand-
schriftlicher Kündigung samt handschriftlich adressiertem Umschlag.
12. Das Begehren um Verpflichtung des Beschuldigten zur Ablieferung von Fr. 71'500.–
als Ersatzforderung an den Staat wird abgewiesen.
13. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 15'000.00 ; weitere Kosten sind:
Fr. 10'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 4'493.70 Auslagen (Gutachten)
Fr. 1'252.00 Auslagen
Fr. 360.00 Telefonkontrolle
Fr. 700.00 Entschädigung Zeugen
Fr. 31'805.70 Total
Diese Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten im Umfang von 4/5 auferlegt und soweit gedeckt mit den eingezogenen
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Vermögenswerten verrechnet (Art. 442 Abs. 4 StPO). Zu 1/5 werden die Kosten auf
die Staatskasse genommen.
14. Rechtsanwalt lic. iur. X1._ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidi-
ger mit Fr. 80'614.– aus der Gerichtskasse entschädigt.
Im Umfang von 1/5 werden die Kosten der amtlichen Verteidigung definitiv auf die
Staatskasse genommen. Im Umfang von 4/5 bleibt die Rückzahlungspflicht im Sin-
ne von Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
15. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 4 (C._ GmbH) für das
gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 4'700.– (inkl. MwSt.) zu be-
zahlen.
16. (Mitteilungen)
17. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 f.)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 90 S. 1)
1. Das Urteil der Vorinstanz vom 28. November 2018 sei im Schuldpunkt
(Dispositivziffer 2) mit nachfolgender Änderung zu bestätigen.
Der Beschuldigte sei
- des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, teilweise
des Versuchs dazu im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB (ND 32)
schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 50 Monaten zu bestrafen.
3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, Fr. 71'500.– als Ersatzforderung für
den unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil an den Staat abzuliefern.
4. Im Übrigen sei das erstinstanzliche Urteil vom 28. November 2018 zu be-
stätigen.
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b) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 91 S. 1)
1. Der Beschuldigte A._ sei mit Ausnahme vom Vorwurf des Verwendens
von Schildern im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG von Schuld und Strafe
freizusprechen.
2. Von einer Bestrafung von A._ sei Umgang zu nehmen.
3. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
18. November 2012 beschlagnahmte Barschaft von insgesamt Fr. 800.– sei
dem Beschuldigten herauszugeben.
4. Auf die Zivilansprüche der Privatklägerschaft sei nicht einzutreten.
5. Die Kosten des Verfahrens inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung
seien auf die Staatskasse zu nehmen und dem Beschuldigten sei für den
durch dieses Verfahren entstandenen Schaden eine angemessene Ent-
schädigung (zzgl. MwSt.) zu bezahlen.
6. Sämtliche beschlagnahmte Gegenstände seien dem Beschuldigten auf
Wunsch herauszugeben.
7. Für die zu Unrecht erduldete Haft sei der Beschuldigte angemessen zu
entschädigen.

Erwägungen:
1. Prozessverlauf
1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf, II. Abteilung, vom 28. November
2018 wurde der Beschuldigte der gewerbsmässigen Hehlerei im Sinne von
Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB (ND 1-21 und 26-31), des mehrfachen Er-
schleichens eines Ausweises oder einer Bewilligung, teilweise im Sinne von Art.
97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG, teilweise im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG (ND 14-
15, ND 26 und ND 28-30), der mehrfachen Gehilfenschaft zur Veruntreuung im
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Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB (ND 19-21),
der Gehilfenschaft zur versuchten Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs.
1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 und Art. 25 StGB (ND 25), der mehrfa-
chen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (ND 22 und 23), des
mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (ND 32), der mehrfachen
Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ND 32) sowie des
Missbrauchs von Schildern im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG (ND 33) schul-
dig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten und einer Geldstrafe
von 180 Tagessätzen zu Fr. 60.– bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der
Geldstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Vom
Vorwurf der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2
aSVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 3 und Abs. 4 SVG, Art. 12 Abs. 1 VRV und
Art. 35 Abs. 1 SVG (ND 24) sowie dem Vorwurf des mehrfachen Erschleichens
eines Ausweises oder einer Bewilligung, teilweise im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs.
4 aSVG (ND 1-13, ND 16-18, ND 27 und ND 31) wurde der Beschuldigte freige-
sprochen (Urk. 64).
1.2. Gegen dieses Urteil meldeten der Beschuldigte mit Eingabe vom
29. November 2018 (Urk. 59) und die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
(nachfolgend Staatsanwaltschaft) mit Eingabe 3. Dezember 2018 (Urk. 60)
Berufung an. Das begründete Urteil wurde den Parteien anfangs Februar 2019
zugestellt (vgl. act. 63). Die Berufungserklärungen der Staatsanwaltschaft (Urk.
65) und des Beschuldigten (Urk. 67) gingen fristgerecht ein. Die Staatsanwalt-
schaft und der Beschuldigte verzichteten auf Anschlussberufung (Urk. 72 und Urk.
79). Auch seitens der Privatkläger wurde entweder ausdrücklich (Urk. 73) oder
stillschweigend auf eine Anschlussberufung verzichtet. Die Berufungsverhand-
lung, zu der der Beschuldigte mit seinem Verteidiger erschien, fand zusammen
mit der Berufungsverhandlung im Verfahren SB190108-O, Staatsanwaltschaft II
des Kantons Zürich gegen D._, am 27. August 2020 statt (Prot. II S. 4 ff.).
Das Urteil wurde am 31. August 2020 beraten und schriftlich im Dispositiv mitge-
teilt (Prot. S. 15 ff.).
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2. Berufungserklärung
2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erstin-
stanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Gemäss Art. 402
StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung.
2.2. Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Berufung auf den Schuldspruch
des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB bezüglich ND 32, die
Bemessung der Strafe und den Vollzug bzw. den bedingten Vollzug der Strafe
(Dispositiv-Ziffern 3 und 4) sowie die Abweisung des Begehrens um Verpflichtung
des Beschuldigten zur Ablieferung von Fr. 71‘500.– als Ersatzforderung an den
Staat (Dispositiv-Ziffer 12) (Urk. 65).
2.3. Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf die Schuldsprüche mit
Ausnahme der Verurteilung wegen des Missbrauchs von Schildern im Sinne von
Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG (Dispositiv-Ziffer 2), die Bestrafung (Dispositiv-Ziffern 3
und 4), die Zivilansprüche der Privatklägerschaft gemäss Dispositiv-Ziffern 5, 6, 7
und 15, die Einziehung der beschlagnahmten Barschaft (Dispositiv-Ziffer 9) sowie
die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Dispositiv-Ziffer 13 und 14).
2.4. Nachdem somit die Urteilsdispositiv-Ziffern 1 (Freisprüche), 2 bezüglich
Schuldspruch des Missbrauchs von Schildern im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. a
SVG (ND 33), 8 (Abweisung Genugtuungsforderungen Privatkläger 15 und 16),
10 (Herausgabe Goldvreneli und Goldmünzen), 11 (Einziehung) nicht angefoch-
ten sind, ist vorab festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang
in Rechtskraft erwachsen ist.
2.5. Sodann ist auf Folgendes hinzuweisen:
2.5.1. Die Vorinstanz führte bezüglich des Tatbestands Erschleichen eines Aus-
weises oder einer Bewilligung aus, dass diesbezüglich betreffend ND 1-13,
ND 16-21, ND 27 und ND 31 die Verfolgungsverjährung eingetreten sei (Urk. 64
S. 8 f.). In den Erwägungen zu den Tatvorwürfen „Veruntreuung, Hehlerei, Er-
schleichen eines Ausweises oder einer Bewilligung (Anklage-Ziff. II [act. HD 23
S. 20 - 25])“ betreffend ND 19, ND 20 und ND 21 hielt die Vorinstanz dement-
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sprechend denn auch fest, dass der Tatbestand des Erschleichens eines Auswei-
ses oder einer Bewilligung in allen drei Fällen verjährt sei (Urk. 64 S. 50). In der
Folge wurde der Beschuldigte jedoch in diesen drei Fällen betreffend ND 19-21 –
im Gegensatz zu den anderen verjährten Fällen – nicht explizit vom Vorwurf frei-
gesprochen, und auch nicht deswegen verurteilt (Urk. 64 S. 123). Die Staatsan-
waltschaft stellt die Ausführungen der Vorinstanz zur Verjährung der Tatvorwürfe
„Erschleichen eines Ausweises oder einer Bewilligung“, die vor dem 28. Novem-
ber 2011 erfolgt sind, zurecht nicht in Frage.
2.5.2. Das Verfahren ist einzustellen, wenn Prozessvoraussetzungen definitiv
nicht erfüllt werden können oder Prozesshindernisse aufgetreten sind (Art. 319
Abs. 1 lit. d StPO). Die Verjährung ist ein Prozesshindernis (BSK StPO-
Grädel/Heiniger, Art. 319 N 15). Kann ein Urteil definitiv nicht ergehen, so stellt
das Gericht das Verfahren ein, nachdem es den Parteien und weiteren durch die
Einstellung beschwerten Dritten das rechtliche Gehör gewährt hat (Art. 329 Abs. 4
StPO). Nachdem die Vorinstanz sich bereits zutreffend zur Verjährung geäussert
hat, ist das rechtliche Gehör der Parteien und der Privatkläger gewahrt. Das Ver-
fahren ist betreffend die Vorwürfe Erschleichen eines Ausweises oder einer Bewil-
ligung bezüglich ND 19-21 der Vollständigkeit halber noch formell einzustellen.
3. Vorbemerkungen
3.1. Aktion "Vehikel"
3.1.1. Die Staatsanwaltschaft führte eine gross angelegte Strafuntersuchung im
Zusammenhang mit illegalen Geschäften mit Leasingfahrzeugen. Die zumeist
fabrikneuen Fahrzeuge wurden jeweils namens einer schuldenfreien, inaktiven
Firmengesellschaft mittels Leasingvertrag erworben und in Besitz genommen.
Anschliessend liess man mittels gefälschten Löschungsformularen den Code ...
"Halterwechsel verboten" aus den Fahrzeugausweisen der Leasingobjekten ent-
fernen und verkaufte die Autos an Dritte. In diese Vorgänge waren diverse Perso-
nen mit unterschiedlichen Tatbeiträgen involviert (vgl. Urk. 1/2 und 1/3).
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3.1.2. Es ergingen in dieser Angelegenheit bereits verschiedene Urteile
(vgl. Urk. 8/2 und 8/3 betr. E._; Urk. 8/5 betr. F._ [abgekürztes
Verfahren]; Urk. 8/7 betr. G._; Urk. 8/9 betr. H._; Urk. 8/11 betr. I._
[abgekürztes Verfahren]; Urk. 8/13 betr. J._).
3.2. Vereinigung
3.2.1. Die Verteidigung beanstandete vor Vorinstanz, dass die Verfahren gegen
die einzelnen Mitbeteiligten einzeln geführt und verhandelt worden sind. Der Um-
stand, dass der Staatsanwalt der strafprozessual zentralen und wichtigen Rege-
lung, wonach in Mittäterschaft oder Teilnahme begangene Straftaten gemeinsam
verfolgt und auch gemeinsam beurteilt werden sollen (Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO),
nicht nachgekommen sei, seien dem Beschuldigten wichtige prozessuale Rechte
genommen worden. Durch die getrennten Anklagen seien die Verteidigungsrechte
des Beschuldigten in nicht haltbarer Weise beeinträchtigt worden (Urk. 45 S. 3 f.;
vgl. auch Urk. 91 S. 3 f.).
3.2.2. Der in Art. 29 ZPO verankerte Grundsatz der Verfahrenseinheit bezweckt
die Verhinderung sich widersprechender Urteile, sei dies bei der Sachverhaltsfest-
stellung, der rechtlichen Würdigung oder der Strafzumessung. Er gewährleistet
das Gleichbehandlungsgebot (Art. 8 BV) und dient überdies der Prozessökonomie
(BGer-Urteil 6B_771/2019 vom 7. November 2011 E. 3.1). Liegen sachliche
Gründe vor, kann die Staatsanwaltschaft Strafverfahren trennen (Art. 30 StPO).
Eine Verfahrenstrennung ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur bei
Vorliegen sachlicher Gründe zulässig und muss die Ausnahme bleiben. Die sach-
lichen Gründe müssen objektiv sein. Getrennte Verfahren sollen vor allem der
Verfahrensbeschleunigung dienen bzw. eine unnötige Verzögerung vermeiden
helfen. Als sachlicher Trennungsgrund gilt etwa die grosse Zahl von Mittätern, die
länger dauernde Unerreichbarkeit einzelner mitbeschuldigter Personen oder die
bevorstehende Verjährung einzelner Straftaten (BGer-Urteil 1B_553/2018 vom
20. Februar 2019 E. 2.1; BGE 138 IV 29 E. 3.2).
3.2.3. Im Rahmen der durch die Staatsanwaltschaft geführten Strafuntersuchung
(Aktion „Vehikel“) wurde gegen eine Vielzahl von Personen ermittelt (vgl.
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Urk. 1/3). Dabei handelte es sich mehrheitlich um besonders grosse Strafverfah-
ren mit dutzenden Delikten und je verschiedener Zusammensetzung teilweise
gleicher Mittäter, für welche zudem teilweise auch noch andere Kantone zustän-
dig sind resp. waren und teilweise unterschiedliche Verfahrensvorschriften galten,
da einzelne Mittäter vom abgekürzten Verfahren profitierten. Es bestanden somit
nachvollziehbare Gründe für eine getrennte Verfahrensführung, namentlich solche
des Beschleunigungsgebotes und der Prozessökonomie. Dies einerseits, weil
einzelne Mitbeschuldigte, insbesondere auch I._, aufgrund ihrer Geständnis-
se in abgekürzten Verfahren, der Beschuldigte sowie weitere Beteiligte hingegen
in ordentlichen Verfahren, in denen der Aktenumfang dabei jeweils sehr gross
war, beurteilt wurden. Andererseits wirkten die Beteiligten in wechselnden Zu-
sammensetzungen und teilweise in Unkenntnis der Handlungen der anderen Be-
teiligten. Schliesslich wurden verschiedenen Beteiligten weitere Delikte (z.B.
G._: Wucher, versuchte Erpressung [vgl. Urk. 8/6]; K._: Straftaten im
Zusammenhang mit Immobilienhandel und Anlagegeschäfte, Bestellungsbetrüge-
reien etc. [vgl. Urk. 8/3 S. 15]; H._: Mord (Versuch), Wucher, Erpressung
[vgl. Urk. 8/8; J._: Misswirtschaft [vgl. Urk. 8/12]) vorgehalten, so auch dem
Beschuldigten Betrug und Urkundenfälschung (vgl. Anklagesachverhalt III), die in
keinem (direkten) Zusammenhang mit den "Leasingdelikten" standen und deren
Untersuchung erst nach Eingang einer entsprechenden Strafanzeige vom 22. Mai
2015 (Urk. ND 32 1/1) am 21. Juli 2015 an Hand genommen wurde (Urk. ND 32
2/1). Demgegenüber wurde die erste Anklage bereits im Februar 2014 erhoben
(E._; vgl. Urk. 8/1). Weitere Anklagen erfolgten am 11. April 2016 (G._;
vgl. Urk. 8/6), 29. Juli 2016 (H._; Urk. 8/8), 16. September 2016 (I._;
Urk. 8/10) und 16. Dezember 2016 (J._; Urk. 8/12).
3.2.4. Die Verteidigung, die bereits anfangs des Strafverfahrens bestellt wurde,
macht nicht geltend, dass sie bereits in der Untersuchung den Antrag auf Vereini-
gung der Verfahren gestellt habe (Urk. 45 S. 3 f.). Sodann stellt die Verteidigung
nicht in Abrede, dass die Akteneinsicht immer gewährt worden war und die Aus-
sagen der Beteiligten fortlaufend zu den Akten genommen wurden (vgl. Urk. 48
S. 2).
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3.2.5. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass sachliche Grün-
de für eine getrennte Verfahrensführung vorgelegen haben und die Mitwirkungs-
rechte des Beschuldigten gewahrt wurden. Hierzu kann angemerkt werden, dass
in getrennt geführten Verfahren den Beschuldigten im jeweils andern Verfahren
keine Parteistellung zukommt. Ein gesetzlicher Anspruch auf Teilnahme an den
Beweiserhebungen im eigenständigen Untersuchungs- und Hauptverfahren der
andern beschuldigten Person besteht folglich nicht (Art. 147 Abs. 1 StPO e
contrario). Die Einschränkung der Teilnahmerechte von Beschuldigten in getrenn-
ten Verfahren im Vergleich zu Mitbeschuldigten im gleichen Verfahren ist vom
Gesetzgeber implizit vorgesehen und hinzunehmen (BGE 140 IV 172 E. 1.2;
BGE 141 IV 220 E. 4.5).
3.3. Beweisantrag
3.3.1. Wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 42) beantragte die Verteidigung die Ein-
vernahme verschiedener Zeugen zur Frage, ob sich der Beschuldigte im Novem-
ber 2011 in Italien aufgehalten hat (Urk. 91 S. 16 ff.).
3.3.2. Wie noch zu zeigen sein wird, kann auf die Einvernahme dieser Zeugen
verzichtet werden (vgl. Ziffer 4.2.40 nachfolgend), weshalb der Beweisantrag
abzuweisen ist.
4. Anklagesachverhalt I. Hehlerei, Erschleichen eines Ausweises oder einer Bewilligung betr. ND 1 - 18, ND 26 - 31
4.1. Vorbemerkungen
4.1.1. Die Tatvorwürfe ergeben sich aus der Anklageschrift vom 28. März 2018
(Urk. 23). Zusammengefasst wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor,
dass er in Kenntnis oder zumindest unter Inkaufnahme, dass I._ (nachfol-
gend I._) und/oder Drittpersonen verschiedene Fahrzeuge jeweils zuvor zum
Nachteil verschiedener Leasinggeberinnen durch Hehlerei erhältlich gemacht
hätten, von I._ die Fahrzeugausweise dieser Fahrzeuge, worin jeweils der
Code ... "Halterwechsel verboten" eingetragen gewesen sei, entgegengenommen
und in der Folge jeweils die Formulare zur Löschung des Codes ... in den Fahr-
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zeugausweisen dieser Fahrzeuge gefälscht habe. Danach habe er mit diesen ge-
fälschten Formularen auf dem Strassenverkehrsamt die Löschung des Codes ...
veranlasst und die neuen Fahrzeugausweise ohne Code ... an I._ zurückge-
geben, damit dieser die Fahrzeuge trotz bestehenden Leasings verkaufen bzw.
weitergeben konnte. Hierfür habe er Fr. 2‘500.– pro Ausweis, insgesamt
Fr. 71‘500.–, erhalten (Urk. 23 S. 2 ff.).
4.1.2. Erstellt – und seitens des Beschuldigten auch nicht in Frage gestellt – ist,
dass alle aufgeführten Fahrzeuge, in denen unrechtmässig der Code ... gelöscht
worden war, Leasingfahrzeuge waren deren deliktische Herkunft ausgewiesen ist.
Es kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 64 S. 19 f. Ziffer 2.3).
4.1.3. Jedoch bestritt der Beschuldigte die ihm persönlich vorgeworfenen Taten
durchgehend und vollumfänglich sowohl in der Strafuntersuchung als auch vor
Gericht (Urk. 2/21; Urk. 49 S. 14 ff.; Urk. 89/1 S. 8 ff.). Der Beschuldigte behaup-
tet, insbesondere mit der Fälschung der Löschungsformulare nichts zu tun zu ha-
ben (Urk. 2/21 S. 16; Urk. 49 S. 17; Urk. 89/1 S. 9). I._ habe ihm diese je-
weils gebracht. Die Formulare seien dann jeweils bereits vollständig ausgefüllt
gewesen inklusive der nötigen Unterschriften (Urk. 2/7 S. 5).
4.1.4. Es ist deshalb nachfolgend aufgrund der vorhandenen Beweismittel zu
prüfen, ob die eingeklagten Sachverhalte erstellt werden können.
4.2. Sachverhaltserstellung / Beweiswürdigung
4.2.1. Als Beweismittel liegen nebst den Aussagen des Beschuldigten diverse
Aussagen von Zeugen und Auskunftspersonen, Erkenntnisse aus einer geheimen
Überwachungsmassnahme sowie verschiedene Urkunden vor. Auf diese ist nach-
folgend, soweit für die Sachverhaltserstellung relevant, einzugehen. Mit den
Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung von Aussagen,
sowie der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten, von I._ und weiteren Perso-
nen und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen hat sich die Vorinstanz ausführlich
und soweit korrekt befasst, so dass grundsätzlich darauf verwiesen werden kann
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(Urk. 64 S. 9 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Bezüglich der Verwertbarkeit der Beweis-
mittel kann ebenfalls auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 64 E. 1.2.). Insbesondere kann zulasten des Beschuldigten nur auf
diejenigen Aussagen von Auskunftspersonen abgestellt werden, bei denen die
Teilnahmerechte des Beschuldigten gewahrt wurden, d.h. wenn der Beschuldigte
wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Ge-
legenheit hatte, die ihn belastenden Aussagen in Zweifel zu ziehen und Fragen an
Beschuldigte im getrennten Verfahren zu stellen (BGE 140 IV 172 E. 1.3;
BGE 141 IV 220 E. 4.5). Diese Möglichkeit wurde dem Beschuldigten in der Kon-
frontationseinvernahme mit I._ vom 6. Februar 2013 (Urk. 2/8) sowie in den
Einvernahmen von I._ am 8. Januar 2015 (Urk. 3/45) und am 17. Mai 2017
(Urk. 3/54) eingeräumt. Sodann wurden der Verteidigung des Beschuldigten ver-
schiedene Protokolle der Einvernahmen von I._ vor der Konfrontationsein-
vernahme zugestellt (vgl. Urk. 2/8 S. 3) und es wurden schlussendlich sämtliche
Protokolle der Einvernahmen von I._ im vorliegenden Verfahren beigezogen
(vgl. Urk. 3/1-54). Die Aussagen von I._ sind deshalb verwertbar. Sodann ist
anzumerken, dass die dargelegten Grundsätze des fairen Verfahrens grundsätz-
lich auch gelten, wenn die belastende Aussage lediglich eines von mehreren
Gliedern einer Indizienkette ist (BGer-Urteil 6B_98/2018 vom 18. April 2019 E. 3.2
mit Hinweis). Nach ständiger Rechtsprechung kann der Beschuldigte den Behör-
den nicht vorwerfen, bestimmte Zeugen zwecks Konfrontation nicht vorgeladen zu
haben, wenn er es unterlässt, rechtzeitig und formgerecht entsprechende Anträge
zu stellen (BGer-Urteil 6B_645/2018 vom 22. Mai 2019 E. 1.3.8 mit Verweis auf
BGE 131 I 476 E. 2.1; BGE 125 I 127 E. 6c/bb mit Hinweisen; BGer-Urteil
6B_98/2018 vom 18. April 2019 E. 3.2; BGer-Urteil 6B_1196/2018 vom 6. März
2019 E. 3.1, je mit Hinweisen).
4.2.2. Die Vorinstanz hat sich im Rahmen der Beweiswürdigung ausführlich mit
den vorliegenden Beweismitteln auseinandergesetzt (Urk. 64 S. 23 ff.). Auf diese
zutreffenden Ausführungen kann grundsätzlich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). Im Folgenden wird jedoch im Sinne einer Zusammenfassung und teilweise
ergänzend, vertiefend oder präzisierend nochmals auf die vorliegenden Beweis-
mittel und die Einwände der Verteidigung eingegangen.
- 15 -
4.2.3. Die Anklage stützt sich insbesondere auf die Aussagen von I._. Die
Verteidigung macht geltend, dass es keinerlei Sachbeweise, weder Urkundenbe-
weise, noch auch nur einen anderen Zeugen, gebe, der bestätigen könnte, dass
tatsächlich der Beschuldigte die betreffenden Löschungsformulare gefälscht und
damit wissentlich und willentlich einen Beitrag zu den kriminellen Machenschaften
von I._ und seinen Hintermännern geleistet habe. Somit seien dessen Aus-
sagen speziell kritisch zu würdigen, das heisse, an die Aussagen von I._ sei-
en mithin hohe Anforderungen zu stellen. Diese Anforderungen würden jedoch
weder mit Bezug auf die Glaubwürdigkeit von I._ noch mit Bezug auf die
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen im Geringsten erfüllt (Urk. 45 S. 6; Urk. 91 S. 3
ff.).
4.2.4. I._ wurde selber im Rahmen der Aktion "Vehikel" strafrechtlich verfolgt
und hatte deshalb ein erhebliches Interesse, sich selbst in einem günstigen Licht
zu präsentieren und sich selber zu entlasten. Sodann wendet die Verteidigung zu
Recht ein, dass I._ schon mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten ist.
Dies spricht beides gegen eine hohe Glaubwürdigkeit von I._. Weiter ist je-
doch auch zu berücksichtigen, dass sich I._ mit seinem Geständnis selber
massiv belastete und er im Rahmen der Belastungen des Beschuldigten von An-
fang an gleichzeitig auch eingestand, dass der Beschuldigte die Codelöschungen
in seinem Auftrag vorgenommen habe (Urk. 3/15 S. 2). Er bezeichnete sich denn
auch selber ausdrücklich als Haupttäter (Urk. 3/53 S. 22). Aufgrund der eigenen
Tatbeteiligung und der eigenen Interessen am Ausgang seines eigenen Strafver-
fahrens müssen die Aussagen von I._ mit Vorsicht gewürdigt werden. Je-
doch erscheinen die Aussagen von I._ aufgrund dessen eingeschränkter
Glaubwürdigkeit nicht von vornherein als unverwertbar und vollumfänglich un-
glaubhaft. Weiter ist bei dessen Aussagen zu berücksichtigen, dass sich die Stra-
funtersuchung über einen langen Zeitraum erstreckte und zahlreiche ähnliche,
zum Teil sogar sehr ähnliche Sachverhaltsvorwürfe betraf, weshalb Verwechslun-
gen einzelner Handlungsdetails nachvollziehbar und daher nicht als Lügenzei-
chen zu werten sind. Im Gegenteil sprechen die Ungenauigkeiten eher für die
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Hätte er es darauf angelegt, den Beschuldigten
als Sündenbock vorzuschieben, oder zu verheimlichen, dass er das Geld für die
- 16 -
Bezahlungen der Codelöschungen selber eingesteckt hatte, hätte er sich seine
Aussagen zurecht gelegt und widerspruchsfrei und stringent ausgesagt. Auch der
Umstand, dass I._ seine (ersten) belastenden Aussagen nicht in Anwesen-
heit von K._ machten wollte (vgl. Urk. 91 S. 4 f.), lässt nicht den unüberwind-
baren Schluss zu, dass I._ den Beschuldigten zu Unrecht belastete. Eine Er-
klärung dafür, warum I._ die Aussagen nicht in Anwesenheit von K._
machen wollte, kann auch darin liegen, dass I._ – der sich bis am Schluss
bezüglich der Hintermänner bedeckt hielt – nachteilige Folgen befürchtete, da er
mit seinen Aussagen nicht nur den Beschuldigten belastende sondern auch – sich
auch selber belastende – weitere Zugeständnisse zum vorgehaltenen Sachverhalt
machte (vgl. Urk. 3/15). Die Verteidigung gesteht denn auch ein, dass I._
Angst vor seinen Leuten im Hintergrund hatte (Urk. 91 S. 12). Die Aussagen von
I._ sind sodann insbesondere dort ungenau, wo er daraus gar nichts zu
seinen Gunsten ableiten konnte und es ihn daher auch nicht (mehr) interessierte,
wie es sich genau verhielt. So zum Beispiel beim – wie es die Verteidigung nennt
(vgl. Urk. 91 S. 13) – bedenkenlosen Chaos in Bezug auf den zeitlichen Ablauf.
Die Verteidigung verweist denn auch selber darauf, dass das konstante Aussage-
verhalten geradezu verdächtig sei (Urk. 91 S. 6). Sodann profitierte I._ nicht
durch die Belastung des Beschuldigten, da er bezüglich der "Codelöschungen"
(Erschleichen eines Ausweises oder einer Bewilligung) anerkannte, dass diese in
seinem Auftrag erfolgten und dementsprechend diesbezüglich ebenfalls als
(Mit)Täter angeklagt und verurteilt wurde (vgl. Urk. 8/10-11). Die Aussagen von
I._ – und auch diejenigen des Beschuldigten – werden schliesslich unter
Berücksichtigung des übrigen Beweisergebnisses zu würdigen sein.
4.2.5. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, dementierte I._ anfänglich, et-
was mit der Löschung des Codes ... in den Fahrzeugausweisen zu tun gehabt zu
haben (Urk. 64 S. 20 mit entsprechenden Zitatstellen). In der Einvernahme vom
31. Oktober 2012 erklärte I._, der zu diesem Zeitpunkt noch bestritt, ge-
wusst zu haben, dass es sich um Leasingfahrzeuge gehandelt hatte, dass er den-
ke, die mittels einer gefälschten Unterschrift erfolgte Löschung des Codes ...
"Halterwechsel verboten" habe K._ vorgenommen (Urk. 3/7 S. 2). Zu einem
späteren Zeitpunkt erklärte er auf die Frage, ob ihm bekannt sei, wer den
- 17 -
Fahrzeugausweis im Strassenverkehrsamt annulliert habe, dies habe der Serbe
(L._) gemacht (Urk. 3/13 S. 4). In der Konfrontationseinvernahme mit
K._ hielt er zunächst daran fest, dass K._ für die Löschung des
Codes ... verantwortlich gewesen sei, dies sei auch der Deal gewesen (Urk. 3/14
S. 12). Auf diesen Vorhalt erwiderte K._, der bezüglich des Verkaufs von
Leasingfahrzeugen geständig war und eingestand, für ihn sei nur wichtig gewe-
sen, dass Geld rein gekommen sei (Urk. 3/14 S. 11), einleuchtend, er sei für die
Löschung des Codes ... nicht verantwortlich gewesen. Wenn er damals gekonnt
hätte, also gewusst hätte, wie man den Code ... löschen könne, hätte er das
selbst vorgenommen und hätte dadurch ganz andere Preise verlangen und
Gewinne erwirtschaften können (Urk. 3/14 S. 13 f.). Mit dieser Aussage kon-
frontiert, erklärte I._ auf die Fragen zu den Einlösungen der Fahrzeuge, dass
er sich dazu in Anwesenheit von K._ nicht äussern möchte. Das möchte er
nachher detailliert sagen, eben nicht in Anwesenheit von K._, da dieser mit
dieser Sache, die er sagen wolle, nichts zu tun habe (Urk. 3/14 S. 21 f.).
4.2.6. In der anschliessenden staatsanwaltschaftlichen Befragung führte I._
aus, nachdem er von K._ die Fahrzeugausweise erhalten habe, habe er sie
einem Herrn namens M._ weitergeleitet. Dieser arbeite bei der N._ in
O._. Er habe sie ihm an einem Tag gebracht und am Tag darauf habe er die
Ausweise von ihm erhalten und der Code ... sei gelöscht gewesen. Auf Nachfrage
bestätigte er sodann, dass er diesem die Ausweise mit dem Auftrag gegeben ha-
be, den Code ... zu entfernen. Wie er das gemacht habe, wisse er nicht. Er habe
Fr. 2'000.– bis 5'000.– pro Auto bezahlt. Es sei auf den Ankaufpreis pro Auto an-
gekommen. Wenn es teure Autos gewesen seien, habe er Fr. 5'000.– pro Auto
und Ausweis bezahlen müssen. Die Ausweise der 14 Autos von K._ habe er
diesem M._ gegeben, damit dieser den Code ... entfernen lasse. Kennen ge-
lernt habe er M._ durch einen Serben. Wie dieser Serbe heisse, wisse er
nicht. Er habe sich L._ oder so ähnlich genannt. Diesen kenne er durch
P._, das sei ein Mann aus dem Kosovo. Insgesamt seien es ca.
20 Fahrzeuge gewesen, die er als geleaste Autos entgegen genommen, den
Code ... in den Fahrzeugausweisen entfernen lassen und die Fahrzeuge dann
weiterverkauft habe. Finanziert worden sei der Kauf der Autos durch den Kosova-
- 18 -
ren, den er P._ nenne. Er habe bei P._ Schulden gemacht. Er habe mit
dessen Geld diese Autos gekauft und habe pro Woche 10% Zins zahlen müssen.
Er habe bei allen Autos gewusst, dass sie geleast gewesen seien. Bei all diesen
Autos habe er den Code ... über M._ entfernen lassen (Urk. 3/15 S. 2 ff.).
4.2.7. Die Beschuldigung des Beschuldigten durch I._ erfolgte erstmals in
dieser Einvernahme (Urk. 3/15). Die diesbezüglichen Aussagen von I._ in
dieser Einvernahme sind deshalb besonders sorgfältig zu analysieren. Zu berück-
sichtigen ist diesbezüglich, dass I._ – auch wenn er nicht unter der Strafan-
drohung von Art. 307 StGB (falsches Zeugnis) aussagte – in der seinen Aussagen
vorausgehenden Konfrontationseinvernahme darauf hingewiesen worden war,
dass die Beschuldigung eines Nichtbeschuldigten wider besseres Wissens ge-
mäss Art. 303 StGB bestraft werden kann (Urk. 3/14 S. 2) und er sich damit bei
falschen Aussagen der Strafverfolgung wegen falscher Anschuldigung aussetzt.
4.2.8. Zutreffend ist, dass I._ seine Aussagen in der Folge insofern anpasste,
als er erklärte, für die Codelöschungen jeweils Fr. 2'500.– pro Fahrzeug bezahlt
zu haben (Urk. 3/16 S. 3; Urk. 3/18 S. 3; Urk. 3/20 S. 3), und angab, den Be-
schuldigten über einen Bekannten, einen Schweizer der Q._ heisse, kennen
gelernt zu haben (Urk. 3/16 S. 2). In der Folge blieben die diesbezüglichen Aus-
sagen von I._ in sich geschlossen, stimmig und klar, auch wenn sie – wie die
Verteidigung zu Recht einwendet (Urk. 45 S. 10; Urk. 91 S. 6) – nicht sehr detail-
reich waren. Jedoch ist diesbezüglich zu beachten, dass I._ anerkannter-
massen oft beim Beschuldigten in dessen Büro bei der N._ in O._ war
(Urk. 45 S. 11) und die Übergabe und Entgegennahme von Fahrzeugausweisen
und die Übergabe von Geld sich durchaus immer gleich abgespielt haben kann
und es sich bei solchen Vorgängen nicht um besonders detailreiche Vorkommnis-
se handelt. Sodann erklärte I._ in Übereinstimmung mit dem Beschuldigten,
dass er einmal einen Fahrzeugausweis am Wohnort des Beschuldigten, in der
Garage der Überbauung, abgeholt habe (Urk. 3/16 S. 3; Urk. 3/20 S. 3; Urk. 2/8
S. 14). Schliesslich kann hierzu auch noch angemerkt werden, dass die zugege-
benermassen regelmässigen Kontakte zwischen dem Beschuldigten und I._
im Büro des Beschuldigten auch vom Beschuldigten nicht detaillierter beschrieben
- 19 -
wurden. Sodann gab Q._ zu Protokoll, dass es gut möglich sei, dass er den
Beschuldigten und I._ zusammengebracht habe. Es sei gut möglich, dass
I._ ihn angesprochen habe, ob er jemanden kenne, der in der Versiche-
rungsbranche arbeite (Urk. 7/6 S. 7 f.). Demgegenüber gab der Beschuldigte an,
I._ zwar zu kennen, da dieser viel in seine Agentur gekommen sei. Wie er
ihn kennengelernt habe, wisse er nicht (Urk. 2/4 S. 3). In der Folge erklärte er, er
glaube, er habe I._ bei der R._ AG in S._ kennengelernt (Urk. 2/4
S. 8), um dann wiederum zu erklären, er habe keine Ahnung, von wo er I._
kenne. Es sei möglich, dass er mit I._ durch Q._ bekannt gemacht wor-
den sei. Er könne sich einfach daran nicht erinnern (Urk. 2/6 S. 2). In der Konfron-
tationseinvernahme bestätigte der Beschuldigte dann aber, es sei richtig, dass er
I._ über Q._ kennengelernt habe (Urk. 2/8 S. 13).
4.2.9. Weiter ist zu beachten, dass sich I._ mit seinen Aussagen auch selber
beschuldigte, in dem er eingestand, dass die Löschungen des Codes ... in sei-
nem Auftrag erfolgt seien. Dementsprechend wurde denn I._ auch derselben
Straftaten wie der Beschuldigte (Hehlerei und Erschleichen eines Ausweises) an-
geklagt und schuldig gesprochen (vgl. Urk. 8/10 und 8/11). Somit profitierte
I._ nicht von der Beschuldigung des Beschuldigten (vgl. Urk. 91 S. 12); im
Gegenteil hätte er sich mit einer falschen Anschuldigung einer weiteren Strafun-
tersuchung ausgesetzt. Warum er dieses Risiko in Kauf nehmen sollte, ist nicht
ersichtlich, insbesondere da er – wie erwähnt – von dieser Aussage in keiner
Weise profitieren konnte, und er sich bezüglich verschiedener Mitbeteiligter immer
wieder darauf berief, deren richtigen Namen nicht zu kennen (vgl. die Aussagen
von I._ zum "Serben" und zum "Kosovaren"). Hätte er sich selber entlasten
wollen, wäre es naheliegender gewesen auszusagen, er hätte die Löschungsfor-
mulare von einer ihm namentlich nicht bekannten Person oder vom "Serben" oder
"Kosovaren" erhalten.
4.2.10. Soweit die Verteidigung einwendet, I._ dürfte ein erhebliches Interes-
se daran gehabt haben, den Beschuldigten zu belasten, weil er andernfalls selbst
damit hätte rechnen müssen, wegen Urkundenfälschung angeklagt zu werden
(Urk. 45 S. 6 f.; Urk. 91 S. 12), ist klarzustellen, dass auch der Beschuldigte nicht
- 20 -
wegen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB angeklagt wurde
und sich I._ – wie bereits erwähnt – mit seiner Aussage auch selbst (als Mit-
täter) belastete und diesbezüglich nicht von seinen Aussagen profitierte. Zwar ist
zutreffend, dass I._ seine Eingeständnisse wohl auch unter der erdrücken-
den Beweislast abgab (Urk. 45 S. 6 f.; Urk. 91 S. 7), jedoch gab es für I._ –
wie dargelegt – keine Veranlassung, seine sonst schon schlechte Ausgangslage
durch eine Falschanschuldigung, aus der er keinerlei Vorteile ziehen konnte, noch
zu verschlechtern. Sodann war I._ nach seinem Geständnis nicht bemüht,
seine eigene Tatbeteiligung herunterzuspielen (vgl. z.B. das Eingeständnis, dass
die Codelöschungen immer durch ihn und nie durch Dritte veranlasst worden sei-
en, Urk. 3/16 S. 3; oder die Aussage, nein, F._ habe den Auftrag nicht vom
Kosovaren, sondern von ihm bekommen, Urk. 3/16 S. 13). Schliesslich ist nicht
ersichtlich, warum I._, der seine Haupttäterschaft in der Folge nicht mehr in
Abrede stellte, und – wie bereits erwähnt – eingestand, den Beschuldigten mit
den Codelöschungen beauftragt zu haben (Urk. 3/15 S. 2; Urk. 2/8 S. 3; Urk. 3/37
S. 3; Urk. 3/40 S. 2, S. 4) resp. für die Codelöschungen zuständig gewesen zu
sein (Urk. 3/37 S. 1), sich dann bezüglich der Fälschung der Formulare dem Risi-
ko einer Falschanschuldigung aussetzen soll. Da es sich bei diesen Löschungen
nicht um einen "Vier-Augen-Sachverhalt" handelte, hätte I._ realistischer-
weise damit rechnen müssen, dass eine Falschaussage durchaus aufgedeckt
werden könnte.
4.2.11. In der den belastenden Aussagen von I._ vorangegangenen
Konfrontationseinvernahme mit K._ war sodann die Rede von einer Person
beim Strassenverkehrsamt. Eine allfällige Mitwirkung des Beschuldigten kam
nicht zur Sprache, sondern seine Person war in dieser Einvernahme überhaupt
kein Thema (Urk. 3/15). Es kann somit nicht gesagt werden, die Beschuldigung
des Beschuldigten habe sich geradezu aufgedrängt oder zumindest angeboten.
Auch wurden I._ die von ihm mit dem Beschuldigten geführten, aufgezeich-
neten Telefongespräche (auf diese wird nachfolgend zurückzukommen sein) erst
rund zwei Monate nach seinen Anschuldigungen erstmals vorgehalten (Urk. 3/18).
Es drängte sich für I._ somit nicht auf, den Beschuldigten als "Sündenbock"
vorzuschieben, und es erscheint vor diesem Hintergrund sehr unwahrscheinlich,
- 21 -
dass sich I._ in der Konfrontationseinvernahme mit K._ ausgedacht ha-
ben soll, er könnte diesbezüglich (zu Unrecht) den Beschuldigten (mit)belasten.
Weiter verweigerte I._ bis am Schluss zu gewissen Fragen die Antwort, so
dass er ohne weiteres auch dazu, von wem er die gefälschten Formulare erhalten
resp. wer die Codelöschungen vorgenommen habe, die Aussage hätte verwei-
gern können, wenn er sich vor Konsequenzen dieser Drittperson gefürchtet und
diese hätte schützen wollen, ohne deswegen in der Strafuntersuchung schlechter
dazustehen. Daran ändert nichts, dass T._ in seiner Einvernahme vom
23. April 2013 erklärte, dass er einen "Balkantypen" mit den Codelöschungen be-
auftragt, diesem jeweils die Fahrzeugausweise übergeben und pro Löschung
Fr. 2‘000.– bezahlt habe. Dieser "Balkantyp" sei nicht I._ gewesen. Auch hät-
te er nicht den Beschuldigten mit den Codelöschungen beauftragt. Er könne nicht
sagen, wer dieser "Balkantyp" sei; er müsse das lieber auf sich nehmen. Es gehe
nicht nur um ihn; er habe zwei kleine Kinder. Der Name des Beschuldigten sei im
Gespräch mit dem Balkantyp gefallen. Es sei nicht gesagt worden, dass der Be-
schuldigte die Codelöschungen vornehme (Urk. 7/10 S. 15 ff.). Somit bleibt offen,
wer die Codelöschungen für T._ vorgenommen hat. Jedenfalls ist nicht da-
von auszugehen, dass der Beschuldigte schweizweit der Einzige war, der über
die Möglichkeiten, diese Codelöschungsformulare zu fälschen, verfügte. Sodann
kann I._ – wie bereits ausgeführt (vgl. Ziff. 4.2.5.) – durchaus seine Gründe
dafür gehabt haben, dass er seine Aussage nicht in Anwesenheit vor K._
machen wollte.
4.2.12. Die Verteidigung bringt sodann vor, dass ein weiteres starkes Motiv für ei-
ne Falschanschuldigung darin liege, dass er auch aus Angst vor seinen Leuten im
Hintergrund bzw. den Geldgebern unmöglich die Wahrheit habe sagen können,
da er den Lohn für die Codelöschungen selber eingesteckt und den Geldgebern
gegenüber die Drittperson nur deshalb erfunden habe, um mit diesem Trick und
Vorgehen noch ein zusätzliches Einkommen generieren zu können (Urk. 45 S. 7;
Urk. 91 S. 12). I._ verweigerte konsequent nähere Angaben zu den Perso-
nen im Hintergrund, insbesondere zur Person, die er den "Kosovaren" nannte
(Urk. 3/28 S. 1, Urk. 3/31 S. 2 f.; Urk. 3/33 S. 2; Urk. 3/35 S. 9; Urk. 3/50 S. 5),
dies aus Angst vor diesem "Kosovaren" (vgl. Urk. 3/28 S. 1 f.). Unter diesen Um-
- 22 -
ständen erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass I._ es gewagt hätte, die-
sen "Kosovaren" insoweit zu hintergehen, als er diesem gegenüber tatsächlich
gar nicht angefallene Codelöschungskosten in der Höhe von Fr. 2'500.– vorspie-
gelte. Jedoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass I._ die angefallenen
Codelöschungskosten nicht wie vereinbart dem Beschuldigten bezahlte (vgl. Ziff.
4.2.44.) und dieses Geld für sich brauchte. Weiter ist nachvollziehbar, dass
I._ nicht wollte, dass weitere Personen wissen, über welche Person er die
Codelöschungen vornimmt (vgl. Urk. 45 S. 7; Urk. 91 S. 12), ansonsten die Ge-
fahr bestanden hätte, dass sich seine "Geschäftspartner" direkt an diese Perso-
nen wenden würden, und er so um seine "Geschäfte" gebracht worden wäre. So
sagte denn auch K._ aus, hätte er gewusst, wie er diese Codes löschen
könne, hätte er das selbst vorgenommen und dadurch ganz andere Preise ver-
langen können (Urk. 3/14 S. 13, S. 14). Weiter weist die Verteidigung selber zu-
treffend darauf hin, dass sich I._ in einem klar hierarchisch strukturierten,
mafiaähnlichen Milieu bewegt habe (Urk. 45 S. 10), so dass davon ausgegangen
werden muss, dass die Personen im Hintergrund Kenntnis davon erlangt hätten,
wenn I._ die Codelöschungen selbständig vorgenommen hätte, und dass ein
diesbezüglich "falsches Spiel" von I._ aufgeflogen wäre. Schliesslich hatte
I._ hohe Schulden mit wucherischen Zinsen (vgl. Urk. 3/49 S. 27 ff. und
Urk. 3/50), unter anderem bei einem "Kosovaren", vor dem er sich fürchtete. Das
Ziel von I._ war denn (unter anderem) auch, mit seinen illegalen Geschäften
seine Schulden abzubezahlen. Es war somit nicht im Interesse von I._, seine
Schulden durch fingierte Gestehungskosten weiter anwachsen zu lassen. Im Wei-
teren kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 64 S. 25 f.).
4.2.13. Die Verteidigung führt weiter an, dass Hinweise / Aussagen vorliegen
würden, wonach I._ die Papiere für die Codelöschungen zunächst mit seiner
Ehefrau, dann, nach der Scheidung von ihr, mit U._ und dessen Ehefrau
V._ vorbereitet und über eine Kontaktperson beim Strassenverkehrsamt ver-
fügt habe (Urk. 45 S. 8 f.; Urk. 91 S. 8). Soweit die Verteidigung auf die Aussagen
von H._ verweist, ist festzuhalten, dass sich dieser bis am Schluss nur in ei-
ner untergeordneten Rolle sah. und er bezüglich der weiteren involvierten Perso-
- 23 -
nen sehr widersprüchlich aussagte und sehr viele Angaben machte, von denen er
jedoch lediglich vom Hören sagen her Kenntnis hatte. So gab er in der Einver-
nahme vom 21. November 2013, in der er alles erzählen wollte, über alle Autos,
die er wisse, die I._ manipuliert habe, an, W._ (I._) habe die Lö-
schung der Codes übernommen. Zudem habe er vom Verkaufserlös Fr. 6'000.–
mehr erhalten, weil er den Mann habe bezahlen müssen, der die Codes gelöscht
habe. Dann erklärte er, über die Codes könnten am besten BA._ [Spitzname
von F._] (F._) oder W._ (I._) Auskunft geben. Die beiden hät-
ten diese gekannt, die dies machen. Der eine arbeite auf dem Strassenverkehrs-
amt in BB._, BC._ oder Zürich und der zweite, der noch wichtiger gewe-
sen sei, irgendwo auf einer Bank. BA._ habe ihm erzählt, dass es bessere
Leute gewesen seien; er habe diese nie gesehen. Er erzähle das, was BA._
und W._ geredet hätten. Er könne es nicht mit Bestimmtheit sagen.
BD._ (U._) habe auch davon gewusst. Dann erklärte er, dieser J._
habe die Beziehung zu diesen Leuten hergestellt, die die Codes löschen. Wie er
diese Leute mit W._ und E._ bekannt gemacht habe, wisse er nicht. Er
wisse einfach, dass er es gemacht habe. Über diese beiden Personen wisse er,
dass einer der beiden einmal ins Gefängnis gekommen sei. Über diesen habe, so
glaube er, auch W._ Aussagen gemacht. Der habe, so viel er wisse, die gan-
ze Schuld auf sich genommen. Der andere sei bis heute nicht im Gefängnis (vgl.
Urk. ND 19-21 4/14 S. 1 ff.). In einer weiteren Einvernahme soll H._ ausge-
sagt haben, dass I._ vor seiner Trennung von seiner Ehefrau die Papiere, die
für das Löschen des Codes ... nötig gewesen seien, mit der Unterstützung seiner
Ehefrau gemacht habe, später zusammen mit BD._ und V._ (vgl. Urk.
3/31 S. 7). In der Einvernahme vom 7. Juli 2014 erklärte H._ sodann auf die
Frage, wie er sich vorgestellt habe, dass I._ dies (Leasingwagen) werde re-
geln können, er wisse es nicht. Er habe gesehen, dass W._ vieles mit Autos
gemacht und nie Probleme damit gehabt habe. Er habe ihm gesagt, dass er dies
regeln könne und er keine Probleme damit bekommen würde. Er habe sich da
überzeugen lassen und habe dies gemacht, obwohl er gewusst habe, dass das
Auto nicht in Ordnung gewesen sei (Urk. ND 3 4/19 S. 4). Die Aussagen von
H._ vermögen daher weder die Aussagen von I._ bezüglich der Beteili-
- 24 -
gung des Beschuldigten in Frage zu stellen, noch stützen sie den Standpunkt der
Verteidigung, dass I._ alleine resp. mit Freunden die für die Codelöschung
nötigen Papiere hergestellt habe. Daran ändert nichts, dass I._ wusste, dass
die Leasinggeberinnen durch entsprechende Codes in den Fahrzeugausweisen
ermittelbar waren (Urk. 3/16 S. 3).
4.2.14. Auch K._ sagte – in der Konfrontationseinvernahme mit I._ –
aus, I._ habe ihm gesagt, dass er das machen könne. Er habe sich jedoch
nicht dazu geäussert, wie er das machen würde (Urk. 3/14 S. 16). Auf Vorhalt ei-
ner früheren Aussage, bestätigte er sodann, dass I._ ihm mitgeteilt habe,
dass er dies über eine Kontaktperson machen würde, die er beim Strassenver-
kehrsamt habe. Er habe ihm das nur einmal gesagt. Er habe ihn bewusst gefragt,
was er mit den Autos danach mache. Er habe gesagt, dass er seine Leute dazu
habe. Er habe konkret eine Person vom Strassenverkehrsamt erwähnt (Urk. 3/14
S. 16). Weiter sagte auch F._ aus, I._ habe ihm gesagt, er arbeite mit
grossen Leuten, mit den Chefs der Strassenverkehrsämter etc. (Urk. 4/4 S. 5).
I._ habe ihm immer gesagt, dass er einen kenne, der im Strassenverkehrs-
amt arbeite; dieser würde für ihn Löschungen machen. Er habe immer gesagt,
dieser arbeite im Strassenverkehrsamt (Urk. 4/5 S. 5 f.). I._ verneinte einen
solchen Kontakt und verwies diesbezüglich auf den Beschuldigten. Er verneinte
durchgehend, über eine Kontaktperson beim Strassenverkehrsamt zu verfügen
(Urk. 3/31 S. 7). Aus den Aussagen der vorerwähnten Personen ergibt sich denn
auch nicht, dass I._ tatsächlich eine beim Strassenverkehrsamt tätige Person
kannte, konnte doch keine dieser Personen einen Namen nennen, noch hat eine
dieser Personen diese Person je gesehen. F._ erklärte sodann, mit "diesem"
meine er den Mann, den I._ in Richtung Einsiedeln besucht habe (Urk. 4/5 S.
5). Hierbei handelt es sich offensichtlich um den Beschuldigten, ist doch unstrittig,
dass I._ einmal einen Fahrzeugausweis beim Beschuldigten zu Hause in
BE._ abholte. Schliesslich wurden die Fahrzeuge bei verschiedenen Stras-
senverkehrsämtern eingelöst. K._, H._ und F._ sprachen aber nur
von einer Person vom Strassenverkehrsamt.
- 25 -
4.2.15. Sodann steht die Bezeichnung, unter der I._ die Telefonnummer des
Beschuldigten in seinem Mobiltelefon abgespeichert hatte, im Einklang mit des-
sen Behauptung, dass er den Beschuldigten für die Löschung des Codes ... ein-
gesetzt habe. So führte er den Beschuldigten im Adressverzeichnis seines Mobil-
telefons mit "M._ " auf (Urk. 3/16 S. 6; Urk. 3/17 Anhang zu EV v. 14.12.12).
Es kann, auch bezüglich der Einwände der Verteidigung (Urk. 45 S. 9), auf die zu-
treffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 64 S. 28). So-
dann hätte für I._ keine Veranlassung bestanden, die Telefonnummer des
Beschuldigten unter "M._ " abzuspeichern, wenn er die Formulare selber o-
der über einen Dritten gefälscht hätte. Sodann ist zu beachten, dass es vorliegend
um die Einlösung von 30 Fahrzeugen ging, die nach Darstellung von I._ über
den Beschuldigten erfolgt sind. Hätte I._ die Formulare selber gefälscht oder
diese von einem Dritten erhalten, hätte sich aufgedrängt, nicht ständig den glei-
chen Versicherungsberater für die Einlösung aufzusuchen, um sich nicht der Ge-
fahr von unangenehmen Fragen, woher die vielen Autos, für die mit einem Versi-
cherungswechsel der Code ... "Halterwechsel verboten" im Fahrzeugausweis ge-
löscht werden soll, kommen, auszusetzen und damit ein Auffliegen zu riskieren.
4.2.16. Die Erklärung, wie es mit der "Zusammenarbeit" zwischen ihm und dem
Beschuldigten losgegangen sei, schilderte I._ schlüssig und im Einklang mit
den Fakten. So führte er aus, der Beschuldigte habe ihm gesagt, er solle mal ei-
nen Ausweis bringen. Er habe dann die beiden Ausweise des Mercedes und des
BMW gebracht, dies in die Agentur der Zürich in O._. Der Beschuldigte habe
ihn dann am anderen Tag angerufen und ihn ins Büro bestellt. Er habe ihm zwei
neue Fahrzeugausweise und die dazugehörenden Kontrollschilder, auf welche die
beiden Autos eingelöst worden seien, übergeben (Urk. 3/16 S. 2). Nachdem das
mit dem BMW und dem Mercedes geklappt habe, habe er den "Kosovaren" in-
formiert. Er habe dem "Kosovaren" erzählt, dass er diese Code-Löschungen habe
vornehmen können, und dass er dadurch in der Lage sei, die Schulden bei ihm so
zu begleichen. So habe eigentlich alles begonnen (Urk. 3/16 S. 4). Diese ersten
Codelöschungen seien ca. im August 2011 erfolgt (Urk. 3/16 S. 5). Die Löschung
des Codes ... bezüglich des BMW 745D (ND31) ist denn auch die erste Lö-
schung, die dem Beschuldigten vorgeworfen wird (Löschung des Codes ... am 3.
- 26 -
März 2011). Die Löschung des Codes ... bezüglich des Mercedes-Benz E350CDI
erfolgte sodann am 21. Juni 2011 (ND 1). Dazwischen war am 28. April 2011
noch bezüglich des Maserati Granturismo der Code ... im Fahrzeugausweis ge-
löscht worden (ND 17). Die nächsten "Code-Löschungen" erfolgten dann erst ab
Anfang September 2011 wieder (ND 18), dann jedoch mit einer erhöhten Kadenz
(23. September 2011, ND 2; ca. 12. Oktober 2011, ND 3; 11. und 13. Oktober
2011 [insgesamt sieben Fahrzeuge], ND 4; 13. Oktober 2011, ND 5; ca. 20. Okto-
ber 2011, ND 6; ca. 20. Oktober 2011, ND 7; ca. 20. Oktober 2011, ND 8; 28. Ok-
tober 2011, ND 9; 28. Oktober 2011, ND 10; 1. November 2011, ND 11; etc.).
Somit scheint tatsächlich zunächst einmal eine erste Testphase mit drei Autos er-
folgt zu sein und als diesbezüglich keine Probleme auftraten, hatte man die Ma-
schinerie hochgefahren. Dass sich I._ nicht mehr an die genauen Zeitpunkte
und die Reihenfolge der ersten Löschungen zu erinnern vermochte, erscheint
aufgrund der vielen Löschungen, die alle in einem ähnlichen Ablauf ergingen,
nachvollziehbar und macht dessen Aussagen deshalb nicht unglaubhaft (vgl. im
Weiteren die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz, Urk. 64 S. 29).
4.2.17. Bezüglich des Aussageverhaltens von I._ ist jedoch noch Folgendes
zu beachten: I._ konnte nicht nachvollziehbar erklären, wie er Kenntnis da-
von bekommen hat, dass der Beschuldigte solche Löschungen vornehmen kann.
Zunächst gab er an, den Beschuldigten durch einen Serben, der sich L._ o-
der so ähnlich genannt habe, kennen gelernt zu haben (Urk. 3/15 S. 2). Weiter er-
klärte er, er habe Fr. 2'000.– bis Fr. 5'000.– pro Auto bezahlen müssen. Es sei auf
den Ankaufspreis pro Auto angekommen. Wenn es teure Autos gewesen seien,
habe er Fr. 5'000.– pro Auto und Ausweis bezahlen müssen. Er habe dem Be-
schuldigten die Ausweise von den 14 Autos von K._ gegeben, damit dieser
den Code ... entfernen lasse (Urk. 3/15 S. 2). Drei Tage später erklärte I._
auf die Frage, wie er den Beschuldigten kennengelernt habe, dies sei durch einen
Bekannten gewesen. Es sei ein Schweizer gewesen, dieser heisse Q._. Er
sei spontan auf diese Löschungen zu sprechen gekommen. Der Beschuldigte ha-
be ihm erklärt, wenn man eine solche Löschung machen würde, dann hafte der
alte Halter nicht mehr. Auf Nachfrage, weshalb er überhaupt auf diese Löschun-
gen zu sprechen gekommen sei, gab I._ an, im Gespräch mit Q._ seien
- 27 -
sie auf das Löschen des entsprechenden Codes gekommen, dies sei spontan
gewesen. Der Beschuldigte habe ihm garantiert, dass er die Löschungen "normal"
vornehmen würde. Es habe dann ja auch geklappt. Unter "normal" habe er ver-
standen, dass er einen Fahrzeugausweis bekomme, auf dem kein Code mehr sei
(Urk. 3/16 S. 2). Sodann gab er auf die Frage, was er für diesen Test habe bezah-
len müssen, an, für jedes Auto, glaube er, Fr. 2'500.– bezahlt zu haben (Urk. 3/16
S. 3). In der Folge blieb er dabei, dass er mit Ausnahme der sieben Smarts, für
die er insgesamt Fr. 14'000.– bezahlt habe, dem Beschuldigten pro Auto Fr.
2'500.– bezahlt habe. Q._ bestritt zwar, mit I._ über Codelöschungen
gesprochen zu haben (Urk. 7/6 S. 6 ff.), aber anerkanntermassen lernten sich der
Beschuldigte und I._ über diesen kennen (Urk. 2/8 S. 13).
4.2.18. Zutreffend weist die Verteidigung sodann darauf hin, dass I._ jeweils
nur so viel eingestand, wie man ihm nachweisen konnte. So gestand er in der
Einvernahme vom 3. Dezember 2012 nunmehr ein, gewusst zu haben, dass es
sich bei den verkauften Autos um Leasingfahrzeuge gehandelt habe. Dabei soll
es aber nur um 14 Fahrzeuge gegangen sein (Urk. 3/15 S. 2). Schlussendlich soll
I._ den Beschuldigten jedoch gemäss Anklageschrift für 30 Fahrzeuge mit
der Codelöschung beauftragt haben (Urk. 23). Weiter ist auch zutreffend, dass
sich I._ immer mal wieder darauf berief, sich nicht mehr zu erinnern. Dies ist
einerseits aufgrund der ähnlichen Tatabläufe durchaus nachvollziehbar. Anderer-
seits kann daraus und aus dem Umstand, dass die Zugeständnisse nur peu à peu
erfolgten, nicht abgeleitet werden, dass die nach und nach erfolgten Zugeständ-
nisse falsch seien.
4.2.19. Bezüglich des Chevrolet Captiva, Stamm-Nr. 2, führte I._ zunächst
aus, soviel er wisse, sei der Wagen im Kosovo verkauft worden. Im Prinzip habe
BF._ den Wagen im Kosovo abgekauft. Verhandelt habe er mit D._. Auf
Vorhalt, dass D._ bestreite, diesen verkauft zu haben, gab I._ an,
D._ habe den Wagen verkauft. Er habe für D._ den Kaufvertrag vorbe-
reitet (Urk. 3/3 S. 6). Nachdem I._ eingestanden hatte, dass er geleaste
Fahrzeuge verkauft habe, bestritt I._ zunächst weiter, diesen Chevrolet ver-
kauft zu haben. Er habe das Fahrzeug dem "Kosovaren" übergeben. Dieser habe
- 28 -
das Fahrzeug an BF._ verkauft (Urk. 3/16 S. 17). Auf Vorhalt, dass BF._
ausgesagt habe, dass er für diesen Chevrolet D._ Fr. 26'500.– bezahlt habe,
erklärte I._, in Tat und Wahrheit habe BF._ das Geld dem Serben be-
zahlt und nicht dem D._. Er sei dabei gewesen, als BF._ es dem Serben
übergeben habe (Urk. 3/16 S. 17). Den Kaufvertrag habe er geschrieben und der
Serbe habe unterschrieben. D._ sei telefonisch nicht erreichbar gewesen,
weshalb es dann eben so gelaufen sei (Urk. 3/16 S. 18). Schliesslich gestand
I._ ein, dass D._ mit dieser Sache nichts zu tun gehabt und nichts da-
von gewusst habe. Er (I._) habe den Chevrolet übernommen. Dann habe die
Codelöschung stattgefunden, via den Beschuldigten, und in der gleichen Woche
habe er (I._) diesen Wagen mit einem Smart einem Kosovoalbaner, der nicht
in der Schweiz wohne, verkauft. Irgendwann habe der Herr vom Kosovo die Fahr-
zeuge zurück in die Schweiz bringen wollen. Dann habe er organisiert, dass
H._ die beiden Fahrzeuge dem "Kosovaren" abkaufe. BF._ sei vorge-
schoben worden, damit er neue Einlösungen machen könne. Er wisse nicht mehr,
ob er oder H._ BF._ instruiert habe, was er machen müsse. Den Vertrag
zwischen D._ und BF._ habe ein Kollege von BF._ gemacht
(Urk. 3/39 S. 2, S. 4, S. 7). BF._, der in den polizeilichen Einvernahmen
mehrmals ausgesagt hatte, dass er den Chevrolet von D._ gekauft und die-
sem Fr. 26'500.– für den Chevrolet übergeben habe (Urk. ND 3 4/5; Urk. ND 3
4/7; Urk. ND 3 4/13), erklärte auf seine Falschaussage angesprochen, diese Sa-
che mit dem Auto habe W._ [I._] gemacht. Die Wahrheit sei, dass das
W._ gemacht habe. W._ habe dies alles gemacht mit dem Kaufvertrag.
Er (I._) habe ihm gesagt, was er sagen müsse. Er habe dies aus Angst getan
und weil er (I._) es so gewollt habe. W._ habe den Vertrag gemacht. Er
habe Schulden bei diesem gehabt. Er (I._) habe ihm gesagt, dass diese
Schulden beglichen seien, wenn er bei der Polizei diese Aussage mache. I._
habe ihm dann D._ vorgestellt. Sie hätten sich in einem Hotel getroffen, wo
er den Vertrag habe unterschreiben müssen. I._ habe ihm die Telefonnum-
mer des einvernehmenden Polizisten gegeben und verlangt, dass er diesen anru-
fen und das Auto verlangen solle. Er solle dies machen und dann seien seine
Schulden getilgt (Urk. ND 3 4/20 S. 2 f.). In Übereinstimmung mit der Zusammen-
- 29 -
stellung der N._ Versicherung (Urk. 52) gab I._ sodann an, dass der
Versicherungsnachweis für diesen Chevrolet durch den Beschuldigten beschafft
worden sei (Urk. 3/45 S. 12). Zwar zeigt auch dieses Aussageverhalten von
I._, dass er keine Hemmungen hatte, falsche Angaben zu machen. Jedoch
korrigierte er diese in der Folge, wenn er mit gegenteiligen Aussagen der von ihm
beschuldigten Personen konfrontiert wurde. Bezüglich seiner belastenden Aussa-
gen gegen den Beschuldigten hielt er jedoch auch in der Konfrontationseinver-
nahme fest (Urk. 2/8 S. 3 ff.).
4.2.20. Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass I._ ihn regelmässig im Büro
aufgesucht habe. Jedoch habe er nur Motorfahrzeugversicherungen für I._
ausgestellt und die entsprechenden Autos eingelöst; dies gehöre zum Service.
Weitere Aufträge respektive Arbeiten habe er nicht für I._ ausgeführt (Urk. 49
S. 15 f.). Es könne durchaus sein, dass er auch Löschungen des Codes ... für
I._ vorgenommen habe. Er wisse es aber nicht mehr, ob dieser ihn damit be-
auftragt habe (Urk. 49 S. 16). Entgegen dieser Darstellung führte der Beschuldig-
te in der Einvernahme, in der ihm die Fälschung der Löschungsmeldungen zum
ersten Mal vorgehalten worden war, aus, ihm sei nicht bekannt, dass er jemals mit
einem solchen Formular und einem Originalfahrzeugausweis in das Strassenver-
kehrsamt gegangen sei und dort die Löschung des Codes ... veranlasst habe. Er
sehe keinen Sinn dahinter, weil er durch diese Handlung kein Geschäft habe ma-
chen können. Er verdiene nur mit dem Verkauf der Versicherungen. In der Folge
korrigierte er sich und gab an, es sei jedoch möglich, dass er gefälligkeitshalber
solche Formulare mitgenommen und die Löschung beantragt habe. Er mache
zwischen 600 bis 800 Einlösungen im Jahr. Aus diesem Grund könne er sich nicht
mehr an alle erinnern (Urk. 2/4 S. 2). Er wisse nicht, ob er für I._ auch Lö-
schungen des Codes ... im Fahrzeugausweis vorgenommen habe (Urk. 2/4 S. 3).
Diese Aussagen des Beschuldigten erscheinen jedoch unglaubhaft, insbesondere
als er selber angab, I._, den er zunächst nur unter dem Namen BG._
[W._] kennen wollte, sei viel in seine Agentur gekommen und habe manch-
mal auch telefonisch einen Nachweis bestellt (Urk. 2/4 S. 3). So ist doch davon
auszugehen, dass für einen Versicherungsabschluss und eine telefonische Be-
stellung eines Versicherungsnachweises mehr Angaben benötigt werden als nur
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ein Vorname. Es ist doch äusserst fragwürdig, dass der Beschuldigte so eng
(rein) geschäftlich mit I._ zusammengearbeitet haben will, ohne dessen voll-
ständigen Namen zu kennen. Wie wusste er dann, für wen die Versicherungsab-
schlüsse oder die Nachweise auszustellen waren resp. dass I._ legitimiert
war, die entsprechenden Versicherungen abzuschliessen und die Nachweise zu
bestellen resp. die entsprechenden Fahrzeugeinlösungen zu veranlassen? Auch
hat er von I._ ein nagelneues iPhone mit einer SIM-Karte geschenkt erhalten
und dieses Geschenk auch angenommen (Urk. 2/7 S. 7). Dies von einer Person,
die er nicht einmal namentlich kennen will und ohne dieses Geschenk zu hinter-
fragen. Dies erscheint nicht glaubhaft. Bezüglich der Aussage, er wisse nicht, ob
er für I._ auch Löschungen des Codes ... im Fahrzeugausweis vorgenom-
men habe (Urk. 2/4 S. 3), korrigierte sich der Beschuldigte nach Vorhalt der Aus-
sage von I._, wonach der Beschuldigte jeweils gegen 4-stellige Frankenbe-
träge die Löschung von ...er Codes aus Fahrzeugausweisen für ihn veranlasst
habe, und erklärte dann auf einmal, er habe für I._ solche Codelöschungen
veranlasst, aber nie gegen Entgelt, sondern im Falle von Neueinlösungen, für die
er sowieso ins Strassenverkehrsamt habe gehen müssen. Die Formulare fürs
Codelöschen habe I._ ihm gebracht, bereits vollständig ausgefüllt inklusive
der nötigen Unterschriften (Urk. 2/7 S. 5).
4.2.21. Der Beschuldigte versuchte sodann seine Verbindung zu I._ herun-
terzuspielen. Zur Person von I._ befragt, gab er zunächst an, er wisse nicht,
wie er diese Person kennen gelernt habe. Er sei viel in seine Agentur gekommen
(Urk. 2/4 S. 3). Dann korrigierte er sich, er glaube, er habe I._ bei der
R._ in S._ kennengelernt (Urk. 2/4 S. 8). Zwei Wochen später erklärte
er auf Vorhalt der Aussagen von Q._, dass dieser ihn mit I._ bekannt
gemacht habe, er habe keine Ahnung, von wo er I._ kenne. Es sei möglich,
dass Q._ ihn mit I._ bekannt gemacht habe, er könne sich einfach daran
nicht erinnern (Urk. 2/6 S. 2). Sodann erklärte er auf I._ angesprochen, auf
einmal seien Stornos gekommen, d.h. Versicherungen, die abgeschlossen, aber
nicht bezahlt worden seien. Er sei eine Zeit lang sehr böse auf diese Person ge-
wesen (Urk. 2/4 S. 3). In der selben Einvernahme erklärte er sodann, dieser Mann
(von der R._) habe später zu ihm gesagt, dass er von I._ "gelinkt" wor-
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den sei (Urk. 2/4 S. 8). Aufgrund des Umstands, dass I._ viel beim Beschul-
digten in der Agentur war und zwischen diesen auch reger telefonischer Kontakt
herrschte (vgl. Ziffer 4.2.28. ff. nachfolgend), ist nicht glaubhaft, dass sich der
Beschuldigte nicht mehr daran erinnert, wie er I._ kennenlernte. Es entsteht
der Eindruck, dass der Beschuldigte sich mit seinen Aussagen einerseits von
I._ distanzieren und andererseits den Fokus auf I._ lenken wollte. Hätte
er aber ein rein geschäftliches ("sauberes") Verhältnis zu diesem gehabt, hätte
hierzu keine Veranlassung bestanden und hätte er nachvollziehbar ausführen
können, welcher Art das geschäftliche Verhältnis zwischen I._ und ihm war.
4.2.22. Auch die Erklärung, warum der im Dezember 2011 annullierte Fahrzeug-
ausweis, lautend auf die Firma BH._, Ende 2012 in den noch pendenten Ak-
ten gewesen sei, überzeugt nicht. Zunächst gab der Beschuldigte an, er könne
dies nicht erklären. In der Folge setzte er doch zu einer Erklärung an und führte
aus, er wisse nicht, ob einer schon verarbeitet worden sei. Er habe alles kontrol-
lieren müssen. Dies hätte er dieses Jahr erledigt. Er wäre in das Geschäft gegan-
gen und hätte geschaut, ob der Wagen überhaupt eingelöst und bezahlt worden
sei. Dann hätte er das Geschäft abgelegt. Wenn der Wagen nicht eingelöst wor-
den wäre, hätte er das Geschäft vernichtet (Urk. 2/4 S. 4). Diese Erklärung macht
aber keinen Sinn und erklärt nicht, warum er gerade diese Unterlagen rund ein
Jahr später noch in den pendenten Aufträgen aufbewahrte. So war die Neueinlö-
sung per 2. Dezember 2011 vorgesehen und die Erledigungsfrist per 1. Januar
2012.
4.2.23. Auffällig am Aussageverhalten des Beschuldigten ist sodann, dass dieser
immer wieder zu "Gegenangriffen" überging und versuchte, andere Personen
schlecht hinzustellen, sich dann aber auch wieder sehr unterwürfig zeigte. Es
kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 64 S. 31 f.). BI._ unterstellte er, dieser habe ihm eine Falle stellen wol-
len und habe einen Privatdetektiv engagiert, um ihn überwachen zu lassen
(Urk. 49 S 25). BJ._, seinem Chef während seiner Tätigkeit bei der BK._
Versicherungen AG, unterstellte er, er habe ein Problem mit ihm gehabt. Dieser
sei von der BL._ gekommen und habe seine Kollegen von der BL._ an
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den neuen Arbeitsort mitnehmen wollen (Urk. 49 S. 32). Auch verschiedene wei-
tere Personen, zu denen er befragt wurde, bedachte er mit abschätzigen Bemer-
kungen. So führte er zu BM._ an, von ihm habe er auch schon viel gehört. Er
glaube, dieser sei ein armes Schwein. Zu BN._, namens BO._, befragt,
gab er an, er habe schon von diesem gehört. Das sei, so glaube er, der Oberjun-
kie, der Kokainabhängige. BP._ habe ihm gesagt, dass er mit diesem Gros-
ses vor habe (Urk. 2/1 S. 2 f.). Auf die Frage, ob BU._ ein guter Typ sei, gab
er an, er habe mit diesem bereits Kontakt gehabt, als dieser zusammen mit
BQ._ bei der BR._ AG in BS._ Occasionswagen verkauft habe.
Beide hätten dann dort gehen müssen. BQ._ habe eine Gefängnisstrafe er-
halten. Er wisse nur, dass etwas schief gelaufen sei. Es sei auch um Leasing und
um Autos, welche ins Ausland verschoben worden seien, gegangen (Urk. 2/2 S.
8). Bezüglich I._ führte er aus, dass dieser ihnen richtig den „Schmus“ gege-
ben habe. Manchmal habe er eine 20-er Note oder auch eine 50-er Note liegen
gelassen. Das hätten auch die Innendienstangestellten gesagt. Er sei ja nicht im-
mer im Büro gewesen (Urk. 2/4 S. 3). Diese Aussage wiederholte er in der Ein-
vernahme vom 6. Dezember 2012. Auch dort gab er an, dass I._ teilweise
die Ausweise in der Agentur Mitarbeitern der Zürich abgegeben habe, insbeson-
dere an BT._. I._ sei nämlich immer grosszügig gewesen, dies mit Be-
zug auf Trinkgelder. Sie [BT._] habe auch stets grüne Karten für ihn machen
müssen (Urk. 2/6 S. 4). Die grüne Karte sei vom Innendienst erstellt worden. Er
[I._] habe dann meistens dem Innendienst Fr. 20.– Trinkgeld gegeben
(Urk. 2/6 S. 4). Einmal sei er sogar für I._ mit seinem Göttikind zum Stras-
senverkehrsamt gegangen. I._ habe dem Göttikind damals übrigens noch
Fr. 50.– übergeben (Urk. 2/6 S. 5). Diese Aussagen bezüglich des Trinkgeldes
sind nicht nur unglaubhaft, sondern stehen auch im Widerspruch zu den Aussa-
gen von BT._ die ausführte, sie habe nie Trinkgeld von Kunden des Be-
schuldigten erhalten. Sie vom Innendienst hätten eine gemeinschaftliche Trink-
geldkasse und dort sei in all den Jahren höchstens 80 Franken zusammen ge-
kommen (Urk. 7/7 S. 4). In der Folge relativierte der Beschuldigte seine Aussage
zu den Trinkgeldern und führte an, er erinnere sich einfach einmal an eine Trink-
geldzahlung von I._, um dann gleich wieder auszuführen, I._ habe im-
- 33 -
mer die grüne Karte fürs Ausland benötigt. Er habe dabei eben Trinkgelder gege-
ben, wobei er ihn auch darauf hingewiesen habe, dass er mal ein Trinkgeld geben
könne (Urk. 2/8 S. 18). Nachdem der Beschuldigte sodann telefonisch zu den
Aussagen von BU._ befragt worden war, ging er bei diesem vorbei. Gemäss
Aussage von BU._ soll der Beschuldigte ihn aufgefordert haben, der Polizei
künftig anzugeben, dass er nicht alleine in der Garage gewesen sei, nicht er die
Fahrzeuge entgegen genommen habe, und nicht er von ihm das Geld für die ers-
ten Raten erhalten habe (Urk. ND 22-23 3/2 S. 2, 3/7 S. 4 f.). Nach Darstellung
des Beschuldigten ging er bei BU._ vorbei, um ihn zu fragen, was ihm einfal-
le, einen solchen Blödsinn zu erzählen (Urk. 49 S. 28). Einen Grund, weshalb ihn
BU._ diesbezüglich falsch beschuldigten sollte, konnte er nicht angeben
(Urk. 49 S. 27). Jedoch versuchte der Beschuldigte – wie bereits erwähnt – in ei-
ner Befragung BU._ – ohne Veranlassung – in ein schlechtes Licht zu stellen
(Urk. 2/2 S. 8). Das Aussageverhalten des Beschuldigten weckt gewisse Zweifel
an seiner Glaubwürdigkeit und der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen.
4.2.24. Im Fahrzeug des Beschuldigten wurde ein bis auf die Unterschriften aus-
gefülltes Antragsformular zur Löschung des Codes ... (Anhang 1 zu Urk. 2/7) si-
chergestellt. Hierzu führte der Beschuldigte aus, er habe von einem Vermittler hie
und da Versicherungsabschlüsse vermittelt bekommen. Hier habe er gesehen,
dass im Fahrzeugausweis der Code ... Halterwechsel verboten eingetragen sei.
Nach Rücksprache mit dem Vermittler habe ihm dieser gesagt, dass man diesen
Code somit noch löschen müsse, worauf er das Formular vorbereitet habe. Die-
ses habe er dann dem Vermittler übergeben, damit der alles erledigen könne
(Urk. 2/9 S. 4). Gleichzeitig erklärte der Beschuldigte aber, dass er die Antrags-
formulare für die Löschungen jeweils direkt von den Leasinggesellschaften erhal-
ten habe (Urk. 2/9 S. 6). Die Erklärung, vorliegend sei es anders gemacht worden,
weil er sich ein Neugeschäft, sprich einen Versicherungsabschluss, erhofft habe
(Urk. 2/9 S. 5), überzeugt nicht. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern der Neuab-
schluss für eine Versicherung ein Abweichen vom üblichen Vorgehen erfordert.
Es erscheint auch in einem solchen Fall naheliegender, die entsprechenden For-
mulare, die in der Folge elektronisch zugestellt werden, direkt bei den Leasingge-
sellschaften anzufordern, für die das Ausstellen solcher Formulare zum Tagesge-
- 34 -
schäft gehört. Der Beschuldigte erklärte denn in der Einvernahme vom 30. Januar
2013 auch, wenn er einen neuen Kunden habe gewinnen können, der ein Lea-
singfahrzeug ausserterminlich habe umschreiben wollen, so sei dies nur mit ei-
nem Fahrzeugwechsel möglich gewesen. Nur mit einem Fahrzeugwechsel sei die
noch laufende Versicherungspolice aufgehoben worden. Das Strassenverkehrs-
amt habe eine Ausserverkehrssetzung des Leasingautos aber nur akzeptiert,
wenn vorher der Eintrag "Halterwechsel verboten" gelöscht worden sei. Dazu ha-
be er jeweils einen Löschungsantrag bei der Leasinggeberin erbeten (Urk. 2/7
S. 2 f.). Auf seinem Notebook gebe es einen Mailordner namens "Leasing"
(Urk. 2/7 S. 2). In der Folge erklärte er nochmals, dass er vom Kunden oder von
dessen ehemaligen Leasinggeberin das Löschungsformular erhalten habe. Heute
erhalte er diese jeweils per Mail, um sie dann auszudrucken (Urk. 2/7 S. 3). Es ist
deshalb nicht nachvollziehbar, warum der Beschuldigte im Fall des aufgefunde-
nen Formulars für den Kunden für die Löschung ein Formular vorbereitet haben
will, um damit den Kunden für die Einholung der nötigen Unterschriften zur Lea-
singgeberin zu schicken (vgl. Urk. 2/7 S. 4). Ein solches Vorgehen erscheint an-
gesichts des Umstands, dass der Beschuldigte selber aussagte, dass ihm die
Formulare seitens der Leasinggeberin jeweils per Mail zugestellt werden, und die-
se in der Regel elektronisch unterzeichnet werden, unsinnig und unglaubhaft. Die
nötige Formularbeschaffung könnte mit einem kurzen Anruf bei der Leasingge-
sellschaft – sei es durch den Kunden oder durch ihn (vgl. Urk. 2/4 S. 2, was in 80-
90% der Fall gewesen sein soll, und Urk. 2/6 S. 3) – viel einfacher und schneller
erledigt werden. Die Erklärung des Beschuldigten erscheint deshalb konstruiert,
um das in seinem Fahrzeug sichergestellte Formular zu rechtfertigen. Sodann
mutet es seltsam an, dass der Beschuldigte ohne weitere Abklärungen einzig auf-
grund unvollständiger Angaben eines Vermittlers ein solches Formular ausstellt
und dieses auch noch mit sich führt, ohne beim Kunden oder der Leasinggesell-
schaft geklärt zu haben, wie es sich mit dieser Löschung verhält (vgl. Urk. 2/7 S. 5
f.). Erstmals auf dieses Formular angesprochen, hatte er sodann im Widerspruch
zu obigen Ausführungen erklärt, es handle sich um ein Löschungsformular, das er
für einen Kunden gemacht habe. Er habe das alles vorbereitet und das Formular
hätte nur noch bei der BV._ [Bank] in BW._ abgestempelt werden müs-
- 35 -
sen (Urk. 2/5 S. 6). Die Ausführungen des Beschuldigten zum sichergestellten
Formular erscheinen unglaubhaft und als reine Schutzbehauptung.
4.2.25. Weiter wurde in den Unterlagen des Beschuldigten eine "Code-Liste", in
der die Leasinggesellschaften mit den entsprechenden in den Fahrzeugauswei-
sen ausgewiesenen Codes aufgeführt sind, sichergestellt (vgl. Anhang zu
Urk. 2/5). Diesen Besitz erklärte der damit, dass er für Kunden, die nicht einmal
hätten sagen können, bei welcher Firma sie das Auto geleast hätten, Löschformu-
lare ausgefüllt habe. Deshalb habe er sich jeweils im Innendienst danach erkun-
digen müssen. Als er das im Auto gefundene Löschungsformular zuhause ausge-
füllt habe, habe er sich selber darum kümmern müssen, welche Leasingfirma hin-
ter dem Code stecke. Die Codeliste habe er auf Hinweis eines Arbeitskollegen im
Internet gefunden. Er habe die Liste zu Hause ausgedruckt und so zusammenge-
schnitten, dass die gesamte Liste auf einer Seite Platz habe. Deshalb habe er ei-
ne solche Liste zuhause liegen. Es sei sowieso nicht mehr Sache des Innendiens-
tes, für sie diese Abklärungen zu treffen (Urk. 2/7 S. 8). Zwar ist (oder war) eine
Liste, von welchen Leasinggesellschaften gescannte Unterschriften akzeptiert
werden, mit den entsprechenden Codes der Gesellschaften, tatsächlich im Inter-
net zugänglich (vgl. Anhang zu Urk. 2/9). Jedoch ergaben Abklärungen bei der
N._ Versicherung, dass die Agentur über keine Codeliste bezüglich Leasing-
gesellschaften verfügt und es nicht bekannt ist, dass man seitens des Innendiens-
tes den Kundenberatern darüber habe Auskunft geben können. Sodann würde
dies keiner üblichen Praxis entsprechen (vgl. Anhang zu Urk. 2/9 Aktennotiz vom
5. Februar 2013). Dies macht denn auch keinen Sinn, hat doch jeder Leasing-
nehmer einen entsprechenden Leasingvertrag, aus dem der Leasinggeber ohne
weiteres entnommen werden kann. Der Beschuldigte konnte (oder wollte) sich
denn auch nicht klar dazu äussern, von wem er den Tipp bezüglich dieser Liste
erhalten hatte, obwohl er die Liste erst vor etwas über zwei Monate heruntergela-
den haben wollte (Urk. 2/8 S. 7).
4.2.26. Bei der Durchsicht der gefälschten Löschungsformulare fällt auf, dass sich
die eingefügten Unterschriften wiederholen (vgl. z.B. Urk. ND 2 2/1, Urk. ND 4
Anhang zu 1/1 und Urk. ND 6 2), was darauf hindeutet, dass es sich um Kopien
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von gescannten Originalunterschriften handelt. Zu solchen hatte der Beschuldigte
eingestandenermassen Zugang, nachdem er angab, von Leasinggesellschaften
solche Formulare per E-Mail zugestellt erhalten zu haben. Daran ändert nichts,
dass die Unterschriften auf den Formularen nicht den entsprechenden Original-
unterschriften entsprachen (Urk. 91 S. 9). So ist nicht zu erwarten, dass der Be-
schuldigte im Besitz von Originalformularen von sämtlichen Leasinggesellschaften
war.
4.2.27. Weiter kann noch angemerkt werden, dass sich der Beschuldigte auf den
Standpunkt stellt, dass die sog. "Blindeinlösungen" legal seien (Urk. 49 S. 17).
Auch wenn solche "Blindeinlösungen" in der Branche tatsächlich üblich sein soll-
ten (Urk. 49 S. 17, S. 20), wird damit ein Fahrzeugwechsel vorgeschoben, der tat-
sächlich gar nicht stattfindet. Es liegt somit ein Scheinwechsel vor, mit welchem
bestehende Kündigungsfristen umgangen werden. Ein solches Vorgehen kann
nicht rechtmässig sein. Sodann gestand der Beschuldigte ein, gegenüber seiner
Rechtsschutzversicherung falsche Angaben gemacht zu haben, damit diese den
Vertrag aufheben (Urk. 49 S. 26). Auch wenn der Beschuldigte bis anhin straf-
rechtlich nicht in Erscheinung trat und es sich bei ihm – wie die Verteidigung gel-
tend macht (Urk. 91 S. 3) – um einen grundsätzlich unbescholtenen Bürger han-
delt, nimmt es der Beschuldigte mit der Rechtmässigkeit seines Tuns nachweis-
lich nicht immer so genau, was Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit aufkommen
lässt.
4.2.28. Es liegen sodann verschiedene Aufzeichnungen von Telefongesprächen
zwischen dem Beschuldigten und I._ vor. Sehr auffällig ist insbesondere das
Gespräch vom 20. Juli 2012 (Anhang zur EV vom 6.3.13, Urk. 2/10, Gespräch
vom 20.7.12, 11.24 bis 11.28 Uhr). Zunächst geht es in diesem Telefongespräch
um einen Audi A8, den der Beschuldigte von einem Dritten I._ zum Kauf an-
geboten hatte. Als I._ das Gespräch beenden wollte, sagt der Beschuldigte
zu I._: "Hör mal schnell, was ist da genau los, bist du unter Beobachtung".
Nachdem I._ dies verneinte, erklärte der Beschuldigte: "Ich habe riesen
Glück gehabt, riesen Glück." Auf Nachfrage von I._ führte der Beschuldigte
weiter aus: "Sie wollten schon den Ausweis von mir sehen und alles". [...] "Auf
- 37 -
dem Strassenverkehrsamt". Das Gespräch endet mit: I._: "Ja komm jetzt",
Beschuldiger: "Ja", I._: "Kommst du drauf?", Beschuldigter: "Ich sage es dir
dann, sehen wir und [wohl: uns] schnell". Auf Vorhalt dieses Gesprächs erklärte
der Beschuldigte, dass er im Auftrag von I._ beim Strassenverkehrsamt, ev.
BX._, gewesen sei, als ihn die Frau am Schalter darauf hingewiesen habe,
dass das Auto, das er gerade habe einlösen wollen, ausgeschrieben sei. Sie habe
gefragt, ob er der Inhaber dieser zukünftigen Halterfirma sei. Dies habe er ver-
neint. Er habe die Unterlagen wieder an sich genommen, ohne dass das Fahr-
zeug eingelöst worden sei. Er habe noch gesagt, dass er dies klären müsse. Er
habe danach einen Termin in seinem Büro gehabt. Was er danach zur Klärung
dieser Sache gemacht habe, wisse er nicht mehr. Es sei richtig, dass man an-
nehmen müsse, dass I._ ihn mit der Einlösung eines polizeilich gesuchten
oder von einer Versicherung ausgeschriebenen Fahrzeugs beauftragt habe (Urk.
2/10 S. 12 f.). Es befremdet doch sehr, dass der Beschuldigte – nachdem ihn
I._ mit der Einlösung eines ausgeschriebenen Fahrzeugs beauftragt hatte –
diesem gegenüber ausführt, er habe riesen Glück gehabt. Hätte er keine Kennt-
nisse der Machenschaften von I._ gehabt, hätte die Reaktion doch ganz an-
ders ausfallen müssen und zwar empört und fragend, was das soll, was mit die-
sem Fahrzeug sei, woher er dieses Fahrzeug habe etc. Insbesondere auch da er
selber ausführt, dass Anzeige gegen ihn hätte erstattet werden können und es
sich um ein Fahrzeug gehandelt habe, bei dem
– wie bei vielen Fahrzeugen zuvor, die er für I._ eingelöst hatte – zunächst
der Eintrag "Halterwechsel verboten" hätte entfernt werden müssen (Urk. 2/10
S. 14 f.). Die Aussage in dieser Situation, er habe riesen Glück gehabt, wider-
spricht jeglichem nachvollziehbarem Verhalten und kann nur damit erklärt werden,
dass der Beschuldigte genau wusste, was I._ trieb. Der Beschuldigte konnte
denn mit seiner Aussage, die hätten ja Anzeige gegen ihn erstatten können, auch
nicht plausibel erklären, warum er gegenüber I._, der ihm die ganze Sache
eingebrockt hatte, von riesigem Glück gesprochen habe (Urk. 2/10 S. 14). Hätte
er sodann nichts von den illegalen Geschäften mit den Leasingfahrzeugen ge-
wusst, wäre eine normale Reaktion wohl ein Nachhacken bei der Mitarbeiterin des
Strassenverkehrsamtes gewesen, was mit diesem Fahrzeug nicht in Ordnung sei,
- 38 -
und nicht, obwohl er aufgefordert worden war, sich auszuweisen, seine Sachen
zu packen und möglichst schnell zu verschwinden (Urk. 2/10 S. 14).
4.2.29. Es ist somit nicht zutreffend, dass die Angestellten der Strassenverkehrs-
ämter die verschiedenen Versicherungsagenten kennen und durchaus wissen
würden, wer zu welcher Gesellschaft gehöre (Urk. 91 S. 15). Weiter leuchtet auch
nicht ein, warum der Beschuldigte diesen Vorfall überhaupt zum Inhalt des dama-
ligen Telefongesprächs machte, nachdem der Beschuldigte und I._ abge-
macht hatten, sich in etwa einer Stunde zu treffen, wenn er – wie er anlässlich der
Befragung angab – dieses Thema nicht vor dem Österreicher und der Serbin, die
zu dieser Zeit in seinem Büro gewesen seien, habe breitschlagen wollen
(Urk. 2/10 S. 13). Dass er aber I._ doch über den Vorfall auf dem Strassen-
verkehrsamt informierte und nachfragte, ob dieser unter Beobachtung stehe, kann
nur so verstanden werden, dass er sicher gehen wollte, dass er I._ nachher
bedenkenlos treffen kann. Hierfür hätte es aber keinen Anlass gegeben, wenn
sich der Beschuldigte nichts zu Schulden hat kommen lassen, und er keine
Kenntnisse über die Machenschaften von I._ hatte. Die Erklärung des Be-
schuldigten, es müsse ja fast so sein, dass er den Vorfall vom Strassenverkehrs-
amt bei anderer Gelegenheit besprochen habe, er sich jedoch nicht erinnere, was
er im Detail mit diesem geredet habe, er habe ihn ja sicher darauf angesprochen,
er habe sich jedenfalls aufgeregt (Urk. 2/10 S. 13), erscheint doch sehr unglaub-
haft. Das aufgezeichnete Telefongespräch widerlegt sodann die Behauptung des
Beschuldigten, er habe sich über diesen Vorfall aufgeregt.
4.2.30. Weiter erscheint auch sehr unglaubhaft, dass sich der Beschuldigte zwar
nicht mehr mit Sicherheit erinnern konnte, auf welchem Strassenverkehrsamt er
gewesen war, sich jedoch erinnern will, dass sogar noch ein Kunde von ihm bei
ihm gewesen sei, an dessen Namen er sich jedoch ebenfalls nicht mehr zu erin-
nern vermochte, dafür aber wieder mit Sicherheit sagen konnte, dass es um ein
Fahrzeug gegangen sei, bei dem zuerst der Eintrag "Halterwechsel verboten" hät-
te entfernt werden müssen, um dann auf Nachfrage auszuführen, wenn man ihn
so frage, dann wisse er es oft nicht mehr zu 100% (Urk. 2/10 S. 14 f.). Es darf
doch davon ausgegangen werden, dass das für den Beschuldigten eine unange-
- 39 -
nehme Situation gewesen war, als Versicherungsvertreter, der regelmässig auf
dem Strassenverkehrsamt Fahrzeuge einlöst, darauf aufmerksam gemacht zu
werden, dass das Fahrzeug, das er einlösen wollte, ausgeschrieben sei, und das
im Beisein eines Kunden. In einer solchen Situation bleibt einem nach allgemeiner
Lebenserfahrung bestimmt sowohl das Strassenverkehrsamt als auch der Kunde,
der dabei war, in Erinnerung. Das selektive Erinnerungsvermögen des Beschuldi-
gen erscheint deshalb unglaubhaft, und es bekräftigt die Unglaubhaftigkeit seiner
Aussagen, er habe mit den illegalen Geschäften von I._ nichts zu tun gehabt
und von diesen nichts gewusst. Schliesslich endete das Gespräch mit der Frage
von I._: "Kommst du drauf?" und der Antwort des Beschuldigten: "Ich sage
es dir dann, sehen wir uns schnell". Auf die Frage, was er I._ dann beim
Treffen habe sagen wollen, erklärte der Beschuldigte, eben, er habe ihn fragen
wollen, was das Ganze solle (Urk. 2/10 S. 15), was keinen Sinn ergibt, hatte die
Frage doch I._ gestellt.
4.2.31. Ein weiteres drei Tage später aufgezeichnetes Telefongespräch (Telefon-
gespräch vom 23. Juli 2012, 9.22 bis 9.25 Uhr, vgl. Anhang zu Urk. 2/10) beginnt
mit der Aussage des Beschuldigten, dass "das Andere Scheisse gewesen sei,
oder?" Dies wird von I._ bestätigt. Daraufhin erklärt der Beschuldigte noch-
mals: "Ein riesen Glück hatte ich". In der Folge fragt I._ den Beschuldigten:
"Meinst du, sie haben etwas geändert dort?" worauf der Beschuldigte antwortet:
"Nein haben sie nicht, aber wenn etwas ist, dann ist ein Fragezeichen drin und
dann müssen sie anrufen und das war hier genau der Fall". Hätte der Beschuldig-
te tatsächlich bis zum Vorfall auf dem Strassenverkehrsamt keine Kenntnisse von
den illegalen Machenschaften von I._ gehabt, hätte ihm spätestens nach
diesem Vorfall bewusst sein müssen, dass mit all diesen Fahrzeugeinlösungen
etwas nicht stimmen kann. Dann widerspricht es aber jedem vernünftigen Han-
deln, wenn der Beschuldigte in der Folge mit I._ weiter "geschäftet", wie
wenn nichts gewesen wäre. Die Tatsache, dass der Beschuldigte in der Folge
weiterhin mit I._ in Kontakt war und weiter mit diesem Geschäfte machte,
bestätigt, dass der Beschuldigte eben doch sehr wohl Kenntnis von den illegalen
Machenschaften mit den Fahrzeugen hatte und darin involviert war. Dafür spricht
auch die Fortsetzung des Gesprächs vom 23. Juli 2012:
- 40 -
"W._: Was wollte ich fragen, ich habe hier Leute, die B-Bewilligungen haben, kann man etwas machen mit denen?
A._: Ja, Kredit
W._: Sie sind erst seit drei Monaten hier.
A._: Macht nichts, kann man schon etwas machen
W._: Kredit oder was?·
A._: Ja
W._: Bist du sicher?
A._: Ja
W._: Und wie viel bekommt einer?
A._: Schauen, wo viel wie möglich, gehen die nachher wieder? Oder was?
W._: Ja
A._: Dann ist gut, bringen dann kann man das ändern.
W._: Ja meinst du Kredit bei der Bank, oder auf Versicherung etwas
machen
A._: Nein nein bei der Bank
W._: Aber sie haben wenig glaube ich.
A._: Das ist doch gleich, wenn sie 10 oder 20'000 bekommen ist gut
W._: Ja kennst du jemanden dort?
A._: Ja ja
W._: Ok, frag einmal ob du etwas machen kannst, dann kann ich das
organisieren
A._: Ok du musst mir einfach die Ausweise bringen.
W._: ok, aber wenn die es auf den Konto haben verschwinden die ...
A._: Die müssen aber mit uns zusammen kommen.
W._: Auf die Bank?
A._: Ja
W._: wenn es so weit ist meinst du?
A._: Ja
W._: Ja das wäre auch eine Möglichkeit. OK ich rufe dich am Nachmit-
tag an.
A._: OK, oder eben, 2-3 Autos könnten wir dort holen.
W._: Und das geht?
A._: Muss man schauen, probieren
W._: Ja sicher
- 41 -
A._: Occasionen
W._: Hä
A._: Occasionen
W._: Ja so oder so, ja gut
A._: Sehen wir uns heute noch?
W._: Ja sicher am Nachmittag
A._: Und hast du mir irgendetwas kleines?
W._: Du musst ein wenig warten, Geduld haben, ich dachte es klappt
da, ich könnte etwas machen, ich hatte einen Kunden für das, dann
ging alles in die Hosen.
A._: Aber da war etwas faul, das habe ich gespürt"
Auf Vorhalt dieses Gesprächs und die Frage, worum es bei diesen Leuten mit
B-Bewilligungen gegangen sei, erklärte der Beschuldigte, dass diese Leute mit
B-Ausweisen eine Krankenversicherung haben müssten, und er daran interessiert
gewesen sei, diesen Leuten – in Zusammenarbeit mit der BY._-
Krankenkasse – eine solche zu verkaufen. Auf die Frage, was eine Krankenversi-
cherung mit einem Kredit zu tun habe, erklärte er, er habe damit nur erreichen
wollen, dass I._ ihm deren Ausweise bringe. Der Befrager wisse genau, dass
Leute mit B-Ausweis keinen Kredit erhalten würden. Er habe diesen Leuten kei-
nen Kredit beschaffen wollen. Auf die Frage, was es denn mit diesen Erklärungen
an I._ auf sich habe, überlegte er lange und gab dann an, er wisse doch
auch nicht, was da gewesen sei. Herr X1._ [Verteidiger], helfen Sie mir (Urk.
2/10 S. 16 f.). Nach einem kurzen Unterbruch der Befragung führte er aus, mitt-
lerweile würde ihn seine Situation dermassen belasten, dass er nicht mehr in der
Lage sei, sich selbständig zu erinnern. Sogar Schriftlichkeiten wie die vorliegende
könne er momentan nicht mehr auf die Reihe bringen. Er wisse zum Beispiel nicht
mehr, was er wie und warum mit Krediten zu tun gehabt haben solle. Er habe ja
nicht einmal Kontakt zu einem Banker, welcher Kredite vergeben würde. Er wisse
beim besten Willen nicht, was er mit dieser Aussage bei I._ habe bezwecken
wollen (Urk. 2/10 S. 17 f.). In der Folge erklärte er, er habe vermutlich damit das
Herstellen des Kontaktes zu einer Bank gemeint. Er habe wahrscheinlich zumin-
dest gehofft, dass er dann doch noch einen Kontakt herstellen könnte (Urk. 2/10
S. 19).
- 42 -
4.2.32. Die Ausführungen des Beschuldigten erscheinen als reine Schutzbehaup-
tung. Im Gespräch ist unzweideutig von einem Kredit in Höhe von Fr. 10'000 bis
Fr. 20'000 die Rede, die der Beschuldigte für diese Personen beschaf-
fen/vermitteln will, obwohl I._ unmissverständlich zum Ausdruck bringt, dass
diese Personen in der Folge mit dem Kredit verschwinden würden (Urk. 2/10 S.
20). Weiter auf die 2-3 Autos angesprochen, die man dort nach Ansicht des Be-
schuldigten holen könnte, erklärte der Beschuldigte, er habe wahrscheinlich ein-
fach den Kontakt herstellen wollen. Er könne sich heute keinen Reim mehr zu den
Bemerkungen mit den Autos machen (Urk. 2/20 S. 20). Abschliessend gestand er
– obwohl er zunächst verneint hatte, von I._ für irgendwelche Dienstleistun-
gen oder aus einem anderen Grund Geld erhalten zu haben (Urk. 2/7 S. 7 ) – ein,
dass er mit der Frage, ob er ihm irgendetwas Kleines habe, Geld gemeint habe;
für die Strapazen, die ihm I._ angetan habe. Er meine die Strapazen, die er
auf dem Strassenverkehrsamt gehabt habe, als er das Auto habe einlösen wollen
und man ihn dort abgewiesen habe (Urk. 2/20 S. 20). Es ist somit nicht zutreffend,
dass der Beschuldigte nie irgendetwas von I._ erwartet oder versprochen er-
halten hat (Urk. 91 S. 11). Auch im Telefongespräch vom 25. Juli 2012 (vgl. nach-
folgend Ziffer 4.2.36) forderte der Beschuldigte von I._ Geld – auch wenn
dieser das bestritt (Urk. 2/20 S. 23) –, wenn er diesen darauf hinwies, dass er "u-
huere Nöt" habe (vgl. Anhang zu Urk. 2/10).
4.2.33. Aus dem Telefongespräch ergibt sich einerseits, dass der Beschuldigte
von I._ angefragt wurde, ob dieser für Personen mit B-Bewilligungen einen
Kredit beschaffen/vermitteln könne. Andererseits macht der Beschuldigte von sich
aus 2-3 Autos, die sie dort holen könnten, zum Thema. Die Erklärung des Be-
schuldigten, er könne sich heute keinen Reim mehr aus dieser Aussage machen,
erscheint als reine Schutzbehauptung, insbesondere da die Befragung nicht Jahre
nach diesem Telefongespräch, sondern rund neun Monate danach erfolgte und
das Gespräch von ihm aus auf diese Autos kam. Die Tatsache, dass der Be-
schuldigte I._ darauf hinwies, dass sie dort 2-3 Autos holen könnten, ist ein
weiteres Indiz dafür, dass der Beschuldigte sehr wohl von den illegalen Machen-
schaften mit den Leasingfahrzeugen wusste und in diese Geschäfte auch invol-
viert war. So sprach er davon, dass sie (und nicht er [I._]) dort 2-3 Autos ho-
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len könnten ("2-3 Autos könnten wir dort holen" [Hervorhebung hinzugefügt]). Schliesslich ergibt sich, dass der Beschuldigte von I._ Geld fordert. Hierfür
gäbe es aber keine Veranlassung, wenn der Beschuldigte ausschliesslich im
Rahmen seiner Tätigkeit als Versicherungsberater für I._ tätig war. Denn im
Rahmen dieser Tätigkeit würde er von den Geschäften über Provisionszahlungen
der N._ Versicherung profitieren, und es wäre eher an I._, für die Ver-
mittlung eine Entschädigung zu fordern.
4.2.34. Sodann widerlegt auch der Umstand, dass lediglich vier Versicherungs-
nachweise von insgesamt 30 Fahrzeugen auf den Beschuldigten zurückgehen
(Urk. 52; Urk. 91 S. 14), die vom Beschuldigten geltend gemachte rein geschäft-
liche Beziehung zu I._, um möglichst viele Versicherungsabschlüsse vermit-
teln zu können (Urk. 49 S. 15 f.; Urk. 91 S. 15; vgl. auch Urk. 2/3 S. 3). Es erklärt
auch nicht, warum der Beschuldigte für I._ diverse Fahrzeugeinlösungen
vorgenommen hatte, wenn es ihm nur darum gegangen war, möglichst viele Ver-
sicherungsabschlüsse vermitteln zu können (Urk. 91 S. 15), er aber von einem
Grossteil der Fahrzeugeinlösungen gar nicht profitierte. Schliesslich lassen sich
die lediglich vier Versicherungsnachweise auch nicht mit dem regelmässigen,
beinahe schon intensiven Kontakt zwischen I._ und dem Beschuldigten und
den Aussagen des Beschuldigten, I._ habe manchmal auch telefonisch einen
Versicherungsnachweis bestellt und I._ habe immer die grüne Karte fürs
Ausland benötigt (Urk. 2/4 S. 3; Urk. 2/8 S. 18; Urk. 49 S. 15 f.) in Einklang brin-
gen, wenn es schlussendlich nur zu vier Vermittlungen von Versicherungsab-
schlüssen gekommen war.
4.2.35. In einem weiteren aufgezeichneten Telefongespräch teilte I._ dem
Beschuldigten mit, dass er mit denen ins Geschäft gekommen sei. Ob er (der
Beschuldigte) das erledigen könne? Er (der Beschuldigte) wisse, was er (I._)
meine? Der Beschuldigte beantwortete diese Frage mit "jaja" und auf Nachfrage
von I._, ob er sicher sei, bestätigte der Beschuldigte dies nochmals. Hierauf
fügte I._ an, nicht dass es wieder einen Scheiss gebe, wie das letzte Mal,
worauf der Beschuldigte meinte, nein, nein, dort habe er (I._) ihm den Sch-
eiss gebracht, nicht er (der Beschuldigte). Auf Nachfrage von I._, dann mei-
- 44 -
ne er (der Beschuldigte), das klappe, bestätigte der Beschuldigte mit "jaja", nor-
malerweise schaffe er das schon (vgl. Anhang zu Urk. 2/10 Telefongespräch vom
24. Juli 2012, 21.52 bis 21.53 Uhr). Auf Vorhalt dieses Gesprächs erklärte der
Beschuldigte, er habe keine Ahnung, was er für I._ hätte erledigen sollen, er
wisse es wirklich nicht. Wahrscheinlich sei es um ein Fahrzeug gegangen, dass er
für ihn habe umschreiben sollen (Urk. 2/10 S. 21). Wenn es sich aber um eine le-
gale Umschreibung eines Fahrzeugs gehandelt hätte, hätte es weder einen Grund
gegeben, die Sache nicht explizit auszusprechen noch in Frage zu stellen, ob das
klappen werde. Auch dieses Gespräch lässt keinen anderen Schluss zu, als dass
der Beschuldigte nicht nur von den illegalen Machenschaften von I._ wusste,
sondern auch darin involviert war.
4.2.36. Schliesslich kann auch noch auf das Telefongespräch vom Beschuldigten
mit I._ vom 25. Juli 2012, 15.45 bis 15.47 Uhr (vgl. Anhang zu Urk. 2/10),
verwiesen werden. Die beiden sprechen über Autos. Das Gespräch endet damit,
dass I._ sagt: "sehen wir uns" und der Beschuldigte nachfragt: "Wann sehen
wir uns mal?", worauf I._ erklärt: "Ja morgen, ich...". Hierauf erfolgt der Ein-
wand des Beschuldigten, er "habe uhuere Nöt..." und I._ meint, er glaube
ihm, er glaube ihm, er rufe ihn morgen an. Der Beschuldigte fügt sodann noch an,
dass er ihm etwas zeigen müsse, er könne es ihm schwarz auf weiss zeigen. Der
Beschuldigte bestritt auf Vorhalt dieses Gesprächs, dass es wieder um Geld ge-
gangen sei, dass er von I._ habe erhalten wollen, das er dringendst benötigt
habe. Sodann erklärte er plötzlich, dass I._ für ihn als Vermittler gearbeitet
habe. Er habe ihm Kunden zugehalten und habe von ihm dafür im Schnitt
Fr. 200.– oder so erhalten. I._ habe den Kontakt zu diesen Firmen gehabt
(Urk. 2/10 S. 23). Diese Erklärung steht nicht nur im Widerspruch zu den übrigen
Aussagen des Beschuldigten, sondern erscheint auch aufgrund des Inhalts des
Gesprächs völlig haltlos. Er gestand denn auch ein, dass er anlässlich des Tele-
fongesprächs vom 23. Juli 2012 von I._ Geld gefordert habe (vgl. Ziffer
4.2.31. ff.) und damit eigentlich I._ in seiner Schuld stand. Sodann leuchtet
nicht ein, warum er I._ darauf aufmerksam macht, dass er in finanzieller Not
sei, wenn er I._ für Vermittlungen Geld schulden soll.
- 45 -
4.2.37. Sodann belastet den Beschuldigten der abgefangene Brief, den der
Beschuldigte aus der Untersuchungshaft seiner Ehefrau zukommen lassen wollte
(vgl. Anhang zu Urk. 2/9). Zunächst verneinte er die Frage, ob er seiner Ehefrau
aus der Haft irgendwelche Informationen habe zukommen lassen (Urk. 2/9 S. 9).
Auf Nachfrage führte er dann aus, dass er BZ._ beauftragt habe, seiner Frau
einen Gruss auszurichten und mitzuteilen, dass er sie wirklich fest lieben und sehr
vermissen würde. Jedoch bestritt er, diesem vor dessen Haftentlassung ein von
ihm verfasstes Schriftstück übergeben zu haben. Erst auf Vorhalt des abgefange-
nen Schreibens gestand er ein, den Brief geschrieben zu haben, fügte aber gleich
erklärend an, er habe BZ._ gesagt, er solle den Brief nicht abgeben, er solle
bloss den Gruss und die Liebesgrüsse übermitteln. Er habe ihm ausdrücklich ge-
sagt, dass er nichts machen müsse. BZ._ habe nicht mehr den Auftrag ge-
habt, den Brief abzugeben. Anfangs habe er dies gewollt, aber später nicht mehr
(Urk. 2/9 S. 9 f.). Die Erklärungen des Beschuldigten im Zusammenhang mit die-
sem Schreiben erscheinen konstruiert und wenig glaubhaft. Auf den Inhalt des
Schreibens angesprochen, erklärte er, er wisse gar nicht mehr, was er dort drauf
geschrieben habe. Auf Vorhalt des Inhaltes des Briefes vermochte er hierzu keine
schlüssigen Antworten liefern. Die Erklärung des Beschuldigten, was es mit der
Schatulle im Schrank auf sich hat, die die Ehefrau nicht erwähnen solle, macht
keinen Sinn. So gab er an, sie hätten dort drin eine eiserne Reserve, er und seine
Frau. Das sei für die Brustrekonstruktion gewesen, welche die Krankenkasse
nicht bezahle. Es gehöre ja ihr; es gehöre ihr ganz alleine (Urk. 2/9 S. 10 f.).
Wenn sich aber in dieser Schatulle Geld befindet, dass sie auf ehrliche Weise er-
halten haben und für die Brustrekonstruktion seiner Ehefrau gedacht war, ist nicht
ersichtlich, warum diese Schatulle den Untersuchungsbehörden verheimlicht wer-
den soll. Weiter wies der Beschuldigte seine Ehefrau in seinem Brief an: "lieber
kei usage mache alls öpis." Auch die diesbezügliche Erklärung des Beschuldig-
ten, jedes Mal, wenn man hier eine Aussage mache, werde alles herumgedreht,
überzeugt nicht. Kann seine Ehefrau keine belastenden Aussagen machen, gibt
es keinen Grund, sie aufzufordern, nichts zu sagen. Weiter teilte er in seinem
Brief seiner Ehefrau mit, dass "dä CA._" aussagen müsse und aussagen sol-
le, was das für Gauner seien. Auf Vorhalt dieser Passage gab der Beschuldigte
- 46 -
an, sein Bruder könne nichts sagen, er wisse ja nichts. Somit wollte der Beschul-
digte seinen Bruder zu einer falschen Aussage aufmuntern. Auch hierzu hätte je-
doch kein Anlass bestanden, wenn der Beschuldigte nichts zu verheimlichen hatte
(Urk. 2/9 S. 11). Anzumerken ist sodann, dass im Brief nicht wie in der Einver-
nahme dem Beschuldigten vorgehalten stand "wegem Jugo usäge, das ..."  "wegem Jugo usage, das ..." (Hervorhebung hinzugefügt) und somit die diesbezügliche Erklärung des Beschuldigten, er habe sie diesbezüglich informie-
ren wollen, mit dem Text im Schreiben in Übereinstimmung zu bringen ist. Dies
ändert jedoch nichts daran, dass der Brief des Beschuldigten an seine Ehefrau als
Versuch, das Aussageverhalten seiner Ehefrau und von "CA._" zu steuern,
zu interpretieren ist, wofür keine Veranlassung bestand, wenn der Beschuldigte
ein reines Gewissen hatte. Auch dieses Verhalten des Beschuldigten stellt seine
Glaubwürdigkeit und die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen in Frage.
4.2.38. Sodann liegen zwar weiter auch Aussagen von Drittpersonen vor. Wie die
Vorinstanz jedoch zutreffend festhält, vermochte keine andere Person präzise
eigene Wahrnehmungen zum Verhältnis zwischen I._ und dem Beschuldig-
ten machen. Soweit ihre Aussagen als Indiz heranzuziehen sind, wurde bereits
darauf eingegangen.
4.2.39. Es kann zusammenfassend festgehalten werden, dass keine Gründe
ersichtlich sind, warum I._ mit seinen Aussagen auf eine ungerechtfertigte
Belastung des Beschuldigten hätte abzielen sollen, zumal er mit seinen Aussagen
sich selber ebenso belastete, und es Möglichkeiten gegeben hätte, andere Per-
sonen zu belasten. Aufgrund der vorliegenden objektiven Indizien erscheinen so-
dann die Aussagen von I._, dass der Beschuldigte diese Löschungsformula-
re gefälscht und die Löschungen vorgenommen habe, im Gegensatz zu denjeni-
gen des Beschuldigten, der jegliche Beteiligung bestreitet, schlüssig und in sich
stimmig. Demgegenüber vermögen die Erklärungsversuche des Beschuldigten zu
verschiedenen erstellten Vorgängen nicht zu überzeugen. Diese Vorgänge lassen
nur den Schluss zu, dass der Beschuldigte sehr wohl von den Machenschaften
von I._ wusste und darin involviert war. Aufgrund der vorliegenden objektiven
Indizien macht deshalb nur die Darstellung von I._ Sinn.
- 47 -
4.2.40. Sodann hält die Vorinstanz – im Zusammenhang mit ND 25 – fest, dass
der Beschuldigte am 16. November 2011 unbestrittenermassen in Italien geweilt
habe (Urk. 64 S. 51). Diesbezüglich ist anzumerken, dass dem Beschuldigten in
der Anklageschrift bezüglich ND 13 vorgeworfen wird, am 16. November 2011
dem Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich das wahrheitswidrig ausgefüllte
Formular zugestellt bzw. übergeben zu haben (Urk. 23 S. 3, S. 12). Das entspre-
chende Formular datiert vom 28. Oktober 2011 (Urk. ND 13 2/2). Die Löschung
des Codes ... im Fahrzeugausweis des BMW 320d xDrive wurde am 16. Novem-
ber 2011 auf dem Strassenverkehrsamt verarbeitet (Urk. ND 13 1/5 S. 4). Der
BMW wurde an diesem Tag auf die CB._ Lüftungsmontage und CC._
GmbH eingelöst und am gleichen Tag wieder ausser Verkehr gesetzt (vgl. An-
hang zu Urk. ND 13 1/5). I._ sagte in den Einvernahmen vom 6. Dezember
2012 und 8. Januar 2015 aus, die Codelöschung sei – auf seine Veranlassung hin
– durch den Beschuldigten erfolgt und auch die Einlösung sei durch den Beschul-
digten erfolgt (Urk. ND 13 3/9 = Urk. 3/16 S. 35; Urk. ND 13 3/14 = Urk. 3/45
S. 30). Jedoch fällt bei der Befragung vom 8. Januar 2015 auf, dass die Untersu-
chungsbehörde I._ hierzu lediglich – suggestiv – befragte, ob es wiederum
über den Beschuldigten gelaufen sei, was I._ mit ja, richtig beantwortete
(Urk. ND 13 3/14 = Urk. 3/45 S. 30). Der Beschuldigte jedoch bestritt durchge-
hend, die Formulare für die Löschung des Codes ... gefälscht zu haben. Der Ein-
wand, dass er sich im November 2011 in Italien aufgehalten habe, erfolgte jedoch
erstmals in der Einvernahme vom 6. Februar 2018 (Urk. 2/20 S. 4). In der Einver-
nahme vom 23. Mai 2014, in der es um die im Namen der CD._ AG geleas-
ten BMWs ging und dem Beschuldigten ausdrücklich vorgehalten worden war, am
9. November 2011 im Namen der CD._ AG einen BMW X5 geleast zu ha-
ben, erwähnte er mit keinem Wort, dass er an diesem Tag in Italien gewesen sei
resp. erklärte er, ob er damals in Italien gewesen sei, wisse er nicht mehr. Er be-
stritt sodann, mit BI._ ein entsprechendes Telefonat geführt zu haben
(Urk. 2/13 S. 1 ff.). Zu Recht hält die Vorinstanz fest, dass es lebensfremd er-
scheint, dass sich der Beschuldigte, der sich zweieinhalb Jahre danach nicht
mehr zu erinnern vermochte, wo er gewesen sei, sich nach über sechs Jahren
plötzlich erinnern kann, wo er in der fraglichen Zeit gewesen war. Das von der
- 48 -
Verteidigung eingereichte Schreiben (Urk. 47/1) ist sodann untauglich, einen Auf-
enthalt des Beschuldigten in Italien zu bestätigen. So hält dieses Schreiben nicht
fest, zu Handen von wem die Erklärung abgegeben wird, von wem dieses aufge-
setzt wurde und wann die Unterschriften erfolgten. Weiter fällt auf und erscheint
doch mehr als fraglich, dass die unterzeichnenden Personen bestätigten können,
dass sich der Beschuldigte vom 9. November 2011 bis 20. November 2011 (unun-
terbrochen) und vom 26. November 2011 bis 5. Dezember 2011 (ununterbrochen)
in Italien aufgehalten haben soll. Es erscheint doch lebensfremd, dass alle diese
acht Personen in dieser Zeit ununterbrochen oder auch nur täglich mit dem Be-
schuldigten zusammen gewesen sein wollen und dies nach Jahren noch bestäti-
gen können. Aufgrund der auffallenden, falschen – dem Italienischen fremden –
Gross-/Kleinschreibung muss sodann umso mehr davon ausgegangen werden,
dass der Beschuldigte dieses Schreiben selber aufsetzte und seine Freunde die-
ses Schreiben aus reiner Gefälligkeit unterzeichneten (Urk. 47/1). Aufgrund all
dieser Umstände und den gegensätzlichen Aussagen von I._ und denjenigen
von BI._, die mit dem übrigen Beweisergebnis in Einklang stehen, würde so-
dann selbst bei entsprechenden Zeugenaussagen der im Schreiben aufgeführten
Personen, erhebliche Zweifel an deren Aussagen verbleiben, so dass auf deren
Zeugeneinvernahme verzichtet werden kann. Aufgrund der Beweislage ist davon
auszugehen, dass sich der Beschuldigte weder am 9./10. November 2011 noch
am 14. November 2011 (ND 12) in Italien aufgehalten hatte. Die entsprechende
Behauptung des Beschuldigten ist eine reine Schutzbehauptung und wohl darauf
zurückzuführen, dass der Beschuldigte vor der Einvernahme im Februar 2018, in
der er zu den Aussagen von BI._ Stellung nehmen konnte, dessen Aussage,
der Beschuldigte habe am 16. November 2011 am Telefon gesagt, er sei in Ita-
lien, dankbar aufgriff. Auch wenn BI._ nicht bestätigen konnte, dass sich der
Beschuldigte am 16. November 2011 tatsächlich in Italien aufgehalten hatte, son-
dern nur, dass dieser dies am Telefon gesagt habe, muss zugunsten des Be-
schuldigten davon ausgegangen werden, dass er sich am 16. November 2011 in
Italien befand, kann dies doch nicht widerlegt werden. Dementsprechend kann
nicht erstellt werden, dass der Beschuldigte die Löschung des Codes ... aus dem
Fahrzeugausweis des BMW 320d xDrive am 16. November 2011 beim Strassen-
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verkehrsamt (selber) vornehmen liess (ND 13), auch wenn nicht ausgeschlossen
ist, dass der Beschuldigte vor der Abfahrt nach Italien noch beim Strassenver-
kehrsamt war. Nachdem das entsprechende Formular jedoch vom 28. Oktober
2011 datiert (Urk. ND 13 2/2), verbleiben keine Zweifel, dass auch dieses Formu-
lar vom Beschuldigten erstellt wurde.
4.2.41. Zu ND 26 ist sodann anzumerken, dass die Löschung des Codes ... im
Fahrzeugausweis des Mercedes Benz E350 CDI am 11. Juli 2012 beim Strassen-
verkehrsamt erfasst worden war (vgl. Urk. ND 26 1/3 S. 5). Sodann ergab sich
aus der Telefonüberwachung, dass I._ BF._ am 11. Juli 2012, 12:07
Uhr, telefonisch informierte, wie er die Einlösung des Mercedes Benz machen sol-
le (vgl. Urk. ND 26 1/3 S. 9). Weiter existiert eine Aufzeichnung eines Telefon-
gesprächs zwischen I._ und dem Beschuldigten vom 11. Juli 2012, 11:29:59
bis 11:30:45. In diesem teilt der Beschuldigte I._ mit: "Komm, kann es dir
gleich geben, ich habe es bei mir." Hierauf antwortet I._: "Ist es schon fer-
tig?", was der Beschuldigte mit ja, ja beantwortet (Urk. ND 26 Anhang zu 3/4).
Dieses Gespräch lässt keinen Zweifel, dass es um die Übergabe des vom Be-
schuldigten hergestellten Löschungsformulares ging. Die vom Beschuldigten hier-
zu vorgebrachte Erklärung, er denke, es sei um ein Kontrollschild oder einen
Fahrzeugausweis oder was wisse er was, gegangen (Urk. 2/20 S. 5), erscheint
als reine Schutzbehauptung. Denn I._ spricht davon, ob "es schon fertig" sei.
Wäre es um Kontrollschilder und Fahrzeugausweise gegangen, hätte die Frage,
"warst du schon dort?" oder "hast du sie schon?" lauten müssen. I._ bestä-
tigte denn in der Einvernahme vom 8. Januar 2015 auch, dass er dem Beschul-
digten den Löschungsauftrag erteilt habe. Weiter erklärte er aber, dass er denke,
die Einlösung des Fahrzeugs habe BF._ gemacht. Er denke, diese Einlösung
sei nicht über den Beschuldigten erfolgt (Urk. ND 26 3/9 = Urk. 3/45 S. 34). Auch
wenn I._ in der Folge in der Einvernahme zu voraussichtlich zur Anklage ge-
langenden Sachverhalte den Vorhalt, der Beschuldigte habe das Formular samt
Fahrzeugausweis einem Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich zugestellt
resp. übergeben, anerkannte (Urk. ND 26 3/20 S. 15 f.), muss aufgrund der Aus-
sagen von I._ anlässlich der Einvernahme vom 8. Januar 2015 davon aus-
gegangen werden, dass der Beschuldigte in ND 26 zwar für das Löschungsformu-
- 50 -
lar zuständig war, nicht jedoch für die Fahrzeugeinlösung und daher das Formular
nicht – wie ihm in der Anklageschrift vorgehalten wird (Urk. 23 S. 3) – dem Stras-
senverkehrsamt zustellte bzw. übergab, sondern das Formular I._ übergab.
4.2.42. Schliesslich sind die Ausführungen der Vorinstanz, wonach der Beschul-
digte verneint habe, für I._ jemals ein Formular zur Löschung des Codes ...
eingereicht zu haben (Urk. 64 S. 32), zu korrigieren. So gab der Beschuldigte
zunächst an, er wisse nicht, ob er auch Löschungen des Codes ... im Fahrzeug-
ausweis für I._ vorgenommen habe (Urk. 2/4 S. 3). Auf Vorhalt, dass er
durch I._ belastet werde, erklärte er, er habe für diesen solche Codelö-
schungen veranlasst. Dies habe er aber nie gegen Entgelt gemacht, sondern im
Falle von Neueinlösungen, für die er sowieso ins Strassenverkehrsamt habe ge-
hen müssen. Die Formulare habe I._, bereits vollständig ausgefüllt inklusive
der nötigen Unterschriften, gebracht (Urk. 2/7 S. 5). Er verneinte lediglich, für
I._ jemals Blindeinlösungen gemacht zu haben (Urk. 2/8 S. 17). Dies ändert
aber an den ansonsten schlüssigen Ausführungen der Vorinstanz nichts und ver-
mag das Beweisergebnis nicht in Frage zu stellen.
4.2.43. Die Verteidigung bemängelt sodann, dass die Vorinstanz in Willkür verfal-
le, wenn sie ohne Weiteres feststelle, der Beschuldigte sei für sein Handeln mit
Fr. 71'500.– entschädigt worden und habe folglich gewerbsmässig gehandelt
(Urk. 93 S. 10 f.). Es ist zutreffend, dass sich die Vorinstanz bei der Sachverhalts-
erstellung nicht ausdrücklich zur Entschädigung äussert. Jedoch hält sie im
Rahmen der Beweiswürdigung fest, dass insbesondere auch gestützt auf die
glaubhaften Aussagen von I._ keine begründeten Zweifel bestehen, dass der
Beschuldigte anklagegemäss für I._ die Löschungen der Codes ... in den
Fahrzeugausweisen der inkriminierten Fahrzeuge veranlasst habe (Urk. 64 S. 36).
4.2.44. Es ist zutreffend, dass I._ bezüglich der Entschädigungen für die
Codelöschungen zunächst aussagte, er habe dafür Fr. 2'000 - Fr. 5'000 pro Auto
bezahlen müssen (Urk. 3/15 S. 2). In der Folge sagte er jedoch konstant aus,
dass er für die Codelöschungen jeweils Fr. 2'500.– pro Fahrzeug bezahlt habe
(vgl. Urk. 3/16 S. 3; Urk. 3/18 S. 3; Urk. 3/20 S. 3). Der Beschuldigte war über ei-
nen Zeitraum von rund 16 Monaten in 30 Fällen von Codelöschungen involviert.
- 51 -
Aus dieser Tatsache drängt sich der Schluss auf, dass der Beschuldigte dies in
der Absicht tat, mit diesen Codelöschungen einen regelmässigen Erwerb im Sin-
ne eines zusätzlichen Einkommens zu erzielen. Es ist nicht ersichtlich, weshalb
sonst der Beschuldigte diese Codelöschungen für I._ hätte vornehmen sol-
len, wenn nicht um davon finanziell zu profitieren. Wie bereits erwähnt, liefen für
die inkriminierten 30 Fahrzeuge lediglich für vier Fahrzeuge die Versicherungs-
nachweise über den Beschuldigten. Somit profitierte er nicht in erster Linie von
Versicherungsabschlüssen. Zudem nahm der Beschuldigte mit den Einlösungen
auch ein gewisses Risiko auf sich. Es erscheint lebensfremd, dass er die Fäl-
schung der Formulare und die Einlösungen rein aus Goodwill vorgenommen ha-
ben soll. Die Aussage von I._, der Beschuldigte habe für die Codelöschun-
gen Fr. 2'500.– (resp. Fr. 14'000.– für die sieben Smarts) verlangt, erscheint des-
halb insoweit glaubhaft, als der Beschuldigte für die Codelöschungen mit
Fr. 2'500.– (resp. Fr. 14'000.– für die sieben Smarts) bezahlt werden wollte und
sollte. Dass der Beschuldigte (alle) in der Anklageschrift aufgeführten Beträge
auch tatsächlich erhielt, kann nicht erstellt werden und muss offenbleiben.
4.2.45. Im Ergebnis verbleiben angesichts der Beweislage keine erheblichen
Zweifel, dass sich der Sachverhalt – mit Ausnahme vorgenannter Korrekturen
(vgl. Ziff. 4.2.40, Ziff. 4.2.41 und Ziffer 4.2.44) – wie in Ziffer I. der Anklageschrift
beschrieben ereignet hat. Dieser Sachverhalt ergibt sich nicht nur aus den Aus-
sagen von I._. Dessen Aussagen werden durch weitere Indizien, insbeson-
dere die Aufzeichnungen verschiedener Telefongespräche zwischen dem Be-
schuldigten und I._ massgeblich gestützt. Die diesbezüglichen Aussagen von
I._ erscheinen deshalb glaubhaft, auch wenn dieser in anderen Zusammen-
hängen – wie die Verteidigung zu Recht einwendet – unstetig und teilweise wider-
sprüchlich aussagte. Demgegenüber sind die Aussagen des Beschuldigten ge-
prägt von Übertreibungen, zahlreichen Phantasiemerkmalen und Ungereimtheiten
und deshalb nicht glaubhaft. Sodann ist auch seine Glaubwürdigkeit einge-
schränkt, nahm er es doch auch in der Vergangenheit nicht immer so genau mit
der Wahrheit (Wohnortwechsel, Blindeinlösungen). Schliesslich belasten den Be-
schuldigten nicht nur die Aussagen von I._ und die aufgezeichneten Telefon-
- 52 -
gespräche sondern auch die in seinem Fahrzeug sichergestellten Dokumente und
der an seine Frau geschriebene, abgefangene Kassiber (Anhang zu Urk. 2/9).
5. Anklagesachverhalt II. Veruntreuung, Hehlerei, Erschleichen eines  oder einer Bewilligung betr. ND 19 - 23, ND 25
5.1. Vorbemerkungen
5.1.1. Die Tatvorwürfe ergeben sich aus der Anklageschrift vom 28. März 2018
(Urk. 23 S. 20 ff.). Zusammengefasst wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschul-
digten vor, bei der CF._ Garage Leasingverträge für vier Fahrzeuge erwirkt
zu haben. Drei dieser Fahrzeuge habe er in der Folge I._ zwecks Verkaufs
überlassen und die Codes ... „Halterwechsel verboten“ ohne Kenntnis der
Leasinggesellschaft aus den Fahrzeugausweisen löschen lassen. Beim vierten
Fahrzeug sei der Beschuldigte jedoch nicht zum Abholen des Fahrzeugs aufge-
taucht, weshalb es nicht zur vorgesehenen Übergabe an I._ gekommen sei
(ND 19-21, ND 25). Sodann habe der Beschuldigte zwei durch die Firma
CE._s Gastro AG geleasten Fahrzeuge mit den Fahrzeugausweisen, worin
der Code ... „Halterwechsel verboten“ aufgeführt gewesen sei, zu deren Handen
entgegengenommen. In der Folge habe er diese beiden Fahrzeuge I._ zum
Kauf angeboten. Da dieser kein Interesse gehabt habe, habe er die Fahrzeuge an
eine unbekannte Käuferschaft im Ausland verkauft (ND 22 und 23).
5.1.2. Der Beschuldigte bestritt die ihm vorgeworfenen Taten durchgehend und
vollumfänglich sowohl in der Strafuntersuchung als auch vor Gericht (Urk. 2/21;
Urk. 49 S. 27 f.; Urk. 89/1 S. 11 ff.).
5.1.3. Es ist deshalb nachfolgend aufgrund der vorhandenen Beweismitteln zu
prüfen, ob die eingeklagten Sachverhalte erstellt werden können.
5.2. Sachverhaltserstellung
5.2.1. Als Beweismittel liegen nebst den Aussagen des Beschuldigten diverse
Aussagen von Zeugen und Auskunftspersonen, Erkenntnisse aus einer geheimen
Überwachungsmassnahme sowie verschiedene Urkunden vor. Auf diese ist nach-
folgend, soweit für die Sachverhaltserstellung relevant, einzugehen. Mit den
- 53 -
Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung von Aussagen,
sowie der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten, von I._ und weiteren Perso-
nen und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen hat sich die Vorinstanz ausführlich
und soweit korrekt befasst, so dass grundsätzlich darauf verwiesen werden kann
(Urk. 64 S. 23 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Bezüglich der Verwertbarkeit der Beweis-
mittel kann ebenfalls auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 64
E. 1.2.) sowie auf Ziffer 4.2.1 f. hiervor verwiesen werden.
5.2.2. Grundsätzlich kann auf die ausführlichen und soweit zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 64 S. 40 ff.). Zusammenfas-
send, teilweise ergänzend resp. präzisierend ist das Folgende festzuhalten:
5.2.3. Zu ND 19-21 und ND 25
5.2.3.1. Der Beschuldigte wird insbesondere durch BI._ belastet. BI._
war im Tatzeitpunkt Verkäufer bei der CF._ AG. Über ihn erfolgte die Ver-
kaufsberatung und Abwicklung des Leasings der entsprechenden Fahrzeuge
(Urk. ND 19-21 10, 11, 12; ND 25 1). Zur Glaubwürdigkeit von BI._ ist fest-
zuhalten, dass dieser bei den Vertragsabschlüssen äusserst fahrlässig vorgegan-
gen war und die Unterschriften nicht genügend geprüft hatte. Die Unterschriften
auf den Leasingverträgen (vgl. ND 19-21 10, 11 und 12; ND 25 1) weisen zwar
eine Ähnlichkeit mit der Unterschrift von CG._ in dessen Passkopie auf,
jedoch ergeben sich bei genauerer Betrachtung doch gewisse Zweifel, ob es sich
tatsächlich um die Unterschrift der gleichen Person handelt. Diese Zweifel treten
umso mehr in den Vordergrund, nachdem BI._ keinen direkten Kontakt mit
CG._ hatte und die Unterzeichnung der Verträge nicht in Anwesenheit von
BI._ erfolgten. Sodann waren weder CG._ noch der Beschuldigte im an
BI._ übergebenen Handelsregisterauszug als zeichnungsberechtigte Person
aufgeführt (Urk. ND 19-21 1/1 Beilage 8). Die Ausweiskopie der zeichnungsbe-
rechtigten Person CH._ wurde ihm nicht übergeben (Urk. ND 19-21 4/3
S. 12). Die ihm retournierten Verträge hat BI._ nicht kontrolliert und damit
trotz falscher Unterschrift die Fahrzeuge ausgehändigt (Urk. ND 19-21 4/3 S. 18
f.). BI._ hat deshalb ein erhebliches Interesse daran, den Sachverhalt in ei-
nem für ihn günstigen Licht darzustellen und die Vertragsabschlüsse damit zu
- 54 -
rechtfertigen, dass er der entsprechenden Person vertraut habe und auch habe
vertrauen dürfen. So betonte er denn auch in Ausweichung auf die Frage, ob er
respektive die CF._ AG durch den Beschuldigten und/oder Dritte durch Vor-
spiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irregeführt worden sei,
wie bereits erwähnt, habe er dem Beschuldigten vertraut. Dieser habe auf ihn
immer einen seriösen Eindruck gemacht (Urk. ND 19-21 4/3 S. 16). Jedoch hat
BI._ seine Versäumnisse von Anfang an eingestanden, was wiederum für die
Glaubwürdigkeit von BI._ und die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht.
5.2.3.2. Weiter fällt bei den Einvernahmen von BI._ auf, dass er bezüglich
der Begleitperson des Beschuldigten zunächst lediglich erklärte, diese wahr-
scheinlich wiederzuerkennen (Urk. ND 19-21 4/3 S. 13). In der Einvernahme vom
7. Mai 2013 konnte er diese Begleitperson – I._ – auf dem ihm vorgehalte-
nen Fotobogen auch erkennen, gab aber an, dessen Namen nicht zu kennen
(Urk. ND 19-21 4/3 S. 1 f.). Erst auf den Hinweis, dass es sich bei der Begleitper-
son um I._ handle, erklärte er, es sei möglich, dass er diese Person von sei-
ner Schule in CI._ her kenne. Er wisse es aber nicht mehr genau. Er sei kein
Freund von ihm. Sie hätten sich vielleicht auf dem Schulplatz gesehen. Er würde
ihn nicht namentlich kennen oder so (Urk. ND 19-21 4/3 S. 3). Sodann erklärte er
bezüglich des am 16. November 2011 erfolgten Telefonanrufs zunächst, anfäng-
lich habe der Beschuldigte seinen Anruf nicht entgegen genommen. Zwei bis drei
Minuten später habe ihn der Beschuldigte zurückgerufen und erklärt, er sei in Ita-
lien und würde das Fahrzeug, den X5, später, nach seiner Rückkehr, abholen
kommen (Urk. ND 19-21 4/3 = ND 25 3/1 S. 14). In der zweiten Einvernahme er-
klärte er, er habe versucht, den Beschuldigten anzurufen. Da sei ein italienischer
Ton gekommen. So habe er gemerkt, dass das Telefon in Italien sei. Er habe dem
Polizisten gesagt, dass der Beschuldigte vermutlich in Italien sei. Dann habe der
Beschuldigte beim zweiten oder dritten Mal abgenommen. Er habe gesagt, dass
er in Italien sei und das Auto später abholen werde. Er sei dringend in Italien
(Urk. ND 19-21 4/8 = Urk. ND 25 3/2 S. 4).
5.2.3.3. BI._ erklärte in der ersten Einvernahme, der Beschuldigte sei in der
Garage erschienen und habe gesagt, dass er Herrn CH._ kenne und als
- 55 -
dessen Beauftragter erscheine, um drei Fahrzeuge zu erwerben. Er habe den Be-
schuldigten ja bereits von früheren Autokäufen gekannt. Der Beschuldigte habe
zwei Fahrzeuge – einen 3er BMW, den er später in ein 1er Cabriolet umgetauscht
habe – über ihn gekauft. Der Beschuldigte habe ihm den HR-Auszug der
CD._ AG, Baar, gezeigt und zudem das Geburtsdatum von CH._, Mit-
glied des Verwaltungsrats, gewusst. Er habe dem Beschuldigten vertraut. Dieser
habe zuvor schon zwei Fahrzeuge bei ihm gekauft. Er habe nie Probleme mit dem
Beschuldigten gehabt. Dieser sei auch mal für einen Kaffee vorbei gekommen.
Auch andere Verkäufer bei der CF._ AG hätten ihn gekannt. Ein anderer
Versicherungsagent habe ihm bestätigt, dass der Beschuldigte für die N._
Versicherung tätig sei. Der Beschuldigte habe gleich bei der Abholung der Fahr-
zeuge sämtliche die drei ersten Leasingraten für die Fahrzeuge in bar bezahlt.
Den Leasing- und Kaufvertrag habe er dem Beschuldigten zur Unterzeichnung
durch CH._ ausgehändigt und ihm erklärt, dass die Fahrzeuge in zwei bis
drei Tagen bereit stehen würden. Das eine Fahrzeug sei am 9. November 2011
ausgeliefert worden. Die anderen zwei habe er am 10. November 2011 abgeholt.
Weiter erklärte er, er habe vom Beschuldigten zusammen mit dem HR-Auszug
zwei Ausweiskopien von CG._ erhalten. Der Beschuldigte habe gemeint,
dass, falls es nicht über CH._ gehen sollte, der Kauf bzw. das Leasing über
CG._ getätigt werden könne. Als er gemeint habe, dass er die Passkopien
nicht brauche, dass sie die Verträge über CH._ laufen lassen würden, habe
der Beschuldigte ihm gesagt, dass CG._ zur Zeit noch nicht im HR der
CD._ AG eingetragen sei, dies jedoch in den nächsten Tagen soweit sein
sollte. Er solle die Ausweiskopien auf Reserve halten. Der Beschuldigte habe ihm
erklärt, dass er die Ausweiskopien von CH._ noch erhalten werde (Urk. ND
19-21 4/3 S. 6 ff.).
5.2.3.4. Bezüglich des Leasings des BMW X5 erklärte BI._, der Beschuldigte
habe am 9. November 2011 das erste Fahrzeug abgeholt und nach einem Direk-
tionsfahrzeug für die CD._ AG gefragt. Das Fahrzeug sei im Showroom ge-
standen. Das Verkaufsgespräch habe kurz gedauert. Als der Beschuldigte am
10. November 2011 die beiden restlichen Fahrzeuge abgeholt habe, habe er ihm
die fraglichen Verträge zur Unterzeichnung mitgegeben. Betreffend die Übergabe
- 56 -
hätten sie sogleich einen Übergabetermin vereinbart, er glaube auf einen Mitt-
wochabend, die Woche drauf. Damals sei ja dann die Polizei bei ihnen gewesen.
Doch die Übergabe sei nicht zustande gekommen (Urk. ND 19-21 4/3 S. 13 =
ND 25 3/1 S. 13).
5.2.3.5. Schliesslich bestätigte BI._ in Anwesenheit des Beschuldigten, dass
dieser am 28. Oktober 2011 zu ihm gekommen sei und zugunsten einer Firma
geeignete Leasingfahrzeuge gesucht habe. Der Beschuldigte sei zu ihm gekom-
men und habe gesagt, dass eine Firma Interesse an Fahrzeugen habe. Die Firma
habe Interesse an mehreren Fahrzeugen, und sie hätten gerade eine Aktion von
Lagerfahrzeugen gehabt. Er bestätigte auf entsprechende Frage, dass es sich bei
dieser Firma um die CD._AG gehandelt habe (Urk. 7/11 = Urk. ND 19-21
4/19 S. 3). Er bestätigte weiter, dass es sich bei den handschriftlichen Anmerkun-
gen auf dem Handelsregisterauszug der CD._ AG um seine Schrift handle.
Hierzu erklärte er, dass es sich um die Natelnummer handle, die der Beschuldigte
ihm gegeben habe (Urk. 7/11 S. 4 f.). Der Beschuldigte habe ihm erklärt, dass er
der Beauftragte dieser Firma sei, um diese Fahrzeuge zu beschaffen (Urk. 7/11
S. 7). Weiter gab er an, dass der Beschuldigte von I._, den er von der Schul-
zeit (Oberstufe CI._) her kenne, begleitet worden sei, als er die Autos abge-
holt habe. Den Namen dieser Person kenne er nicht (Urk. 7/11 S. 11). Er führte
sodann aus, dass der Beschuldigte die Übergabeprotokolle (unten rechts) unter-
zeichnet habe und sicher mit einem Fahrzeug weggefahren sei. Entgegen dem
Übernahmeprotokoll sei keine Probefahrt gemacht worden. Auch die Fahrzeug-
funktionen habe er dem Beschuldigten nicht gezeigt, da dieser schon einen 1er
BMW besessen habe. Vom Beschuldigten sei die erste Leasingrate abgegeben
worden (Urk. 7/11 S. 13 ff.). BI._ bestätigte sodann, dass er dem Beschuldig-
ten einen BMW X5 gezeigt habe. Die Anfrage für das entsprechende Leasing sei
am 9. November 2011 erfolgt und auch dieser Wagen sei sofort bewilligt worden.
Es sei die gleiche Anfrage gestellt worden, wie bei den ersten Fahrzeugen. Das
Fahrzeug hätte an den Beschuldigten ausgeliefert werden sollen. Es sei aber
nicht ausgeliefert worden, weil der Beschuldigte nicht gekommen sei. Er habe den
Beschuldigten telefonisch kontaktiert und dieser habe ihm gesagt, er sei in Italien
- 57 -
und könne das Auto nicht holen. I._ sei nicht zum Abholen des BMW X5 bei
ihm in der Garage aufgetaucht (Urk. 7/11 S. 17 ff.).
5.2.3.6. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, sagte BI._ in allen Einver-
nahmen widerspruchsfrei aus, dass der Beschuldigte an ihn gelangt sei und die
entsprechenden Fahrzeuge geleast habe. Seine diesbezüglichen Aussagen sind
detailliert, lebensnah, klar und in sich geschlossen (vgl. Urk. 64 S. 46). Es ist
nachvollziehbar, dass sich BI._ anlässlich der Befragung über vier Jahre
nach diesem Treffen nicht mehr an sämtliche Details erinnern konnte und daher
gewisse Sachverhalte erst nach Vorhalt seiner Aussagen im Januar 2012 bestä-
tigte. Jedoch zeigen die Antworten von BI._, dass er nicht einfach sämtliche
Vorhalte bestätigte. So antwortete er auf die Frage, ob es so sei, dass er die
Nummer vom Beschuldigten erhalten habe, mit dem Hinweis, dass dies die Kon-
taktnummer von Herrn CH._ sei, er [der Beschuldigte] habe ihm diese Tele-
fonnummer gegeben; sie müssten ja eine Kontaktperson bzw. eine Telefonnum-
mer eingeben (Urk. 7/11 S. 5). Ebenso bestätigte er die Frage, ob es – wie an-
lässlich der Einvernahme vom 10. Januar 2012 ausgesagt – korrekt sei, dass der
Beschuldigte für die CD._ AG Fahrzeuge mit einer maximalen monatlichen
Leasingbelastung von Fr. 400.– gesucht habe, nicht vorbehaltslos mit ja, sondern
erklärte, er glaube ja (Urk. 7/11 S. 5). Auch die Frage, ob die wiedergegebene
Konversation so stattgefunden habe, bestätigte er mit dem Hinweis, dass er die
Details nicht mehr wisse (Urk. 7/11 S. 9). Sodann ist darauf hinzuweisen, dass
BI._ auf die Frage, ob er die fehlende Ausweiskopie vom Beschuldigten an-
gefordert habe, antwortete, das wisse er nicht mehr (Urk. 7/11 S. 13). Weiter ist
zutreffend, dass für die Ehefrau des Beschuldigten bei der CF._ Garage Zü-
rich ein BMW Cabrio geleast worden war (Urk. 14/6), und es ist nachvollziehbar,
dass BI._ dem Beschuldigten, dem er nicht nur bereits zwei Fahrzeuge ver-
kauft hatte, sondern von dem er auch wusste, dass er Versicherungsberater bei
der N._ Versicherung ist, Vertrauen entgegen brachte.
5.2.3.7. CG._ erklärte, dass er den Beschuldigten kenne. Es sei diese Per-
son, die für ihn Versicherungen abschliesse, aber "Scheissdreck" gemacht habe.
Der Beschuldigte habe zu ihm gesagt, dass er Versicherungen abschliessen wol-
- 58 -
le. Er habe ihn überzeugt. Dabei habe er ihm seinen Pass und seinen Ausländer-
ausweis übergeben (Urk. ND 19-21 4/9 S. 1). Er habe den Beschuldigten über
CJ._ kennengelernt (Urk. ND 19-21 4/9 S. 3; Urk. ND 19-21 4/20 S. 3). Auf
Vorhalt von Fotobögen erkannte er den Beschuldigten, demgegenüber gab er be-
züglich des Fotobogens mit I._ an, niemanden zu kennen (Urk. ND 19-21 4/9
S. 2). In der Einvernahme vom 16. April 2015 gab er dann aber auf Frage an,
dass er "BG._" nicht so richtig kenne; er habe ihn mal so gesehen (Urk. ND
19-21 4/20 S. 3). Sodann korrigierte er seine Aussage, dass der Beschuldigte
Ausweiskopien von ihm, die in dessen Büro gemacht worden seien, erhalten ha-
be. Diese Ausweiskopien habe CJ._ damals mitgenommen (Urk. ND 19-21
4/20 S. 5). Die Kopien seien im Büro der N._ Versicherung gemacht worden.
CJ._ habe seinen Pass und seinen Ausweis kopiert. Er sei im Büro gewesen
und habe mit dem Beschuldigten gesprochen. CJ._ habe die Ausweiskopien
in die Innenjacke gesteckt (Urk. ND 19-21 4/20 S. 7). Er bestritt sodann, die Ver-
tragsunterlagen namens der CD._ AG unterschrieben zu haben. Dies sei
nicht seine Unterschrift und die Unterlagen kenne er sowieso nicht, die habe er
noch nie gesehen. Es sei richtig, dass eine gewisse Ähnlichkeit vorliege, doch er
kenne seine Unterschrift. Es sei niemals seine Unterschrift auf den Verträgen
(Urk. 7/12 S. 10 f.).
5.2.3.8. Selbst wenn sich aus der Einvernahme von CG._ ergibt, dass dieser
CJ._ verdächtigt, die Leasingabschlüsse unter Vorlage seiner Ausweiskopie
abgeschlossen zu haben und die Person zu sein, die BI._ den HR-Auszug
der CD._ AG und dessen Natelnummer als Kontakt angab (Urk. 4/20 S. 5
ff.), ist nicht ersichtlich, weshalb BI._ den Beschuldigten falsch belasten und
sich mit Falschaussagen dem Risiko einer Strafverfolgung aussetzen sollte. Eine
falsche Anschuldigung wäre nur erklärbar, wenn BI._ in die Machenschaften
von I._ involviert gewesen wäre, wofür nicht ansatzweise Anhaltspunkte vor-
liegen. Selbst wenn sodann CJ._ die Ausweiskopien zunächst an sich ge-
nommen hat, schliesst dies nicht aus, dass er sie in der Folge dem Beschuldigten
übergeben hat. Sodann muss davon ausgegangen werden, dass bei einer Invol-
vierung von BI._ die Leasingverträge nicht mit offensichtlich nicht legitimier-
ten Personen abgeschlossen worden wären, sondern eine Firma, z.B. von
- 59 -
CG._ (vgl. Urk. ND 19-21 4/20 S. 4), beigezogen worden wäre. Denn
BI._ hätte bewusst sein müssen, dass er bei einem solchen offensichtlich
unkorrekten Vorgehen erhebliche Probleme bekommen und damit auch seine An-
stellung gefährden würde. Warum und mit welchem Interesse BI._ ein sol-
ches Risiko auf sich hätte nehmen sollen, ist nicht ersichtlich. Auch ist nicht er-
sichtlich, warum BI._ ein Interesse haben sollte, mit falschen Angaben
I._ – selbst wenn es sich bei diesem allenfalls um einen Schulkollegen han-
deln sollte (Urk. 49 S. 21 f.; Urk. 91 S. 19) – zu schützen, und damit das Risiko
einzugehen, strafrechtlich verfolgt zu werden. Es hätte die Gefahr bestanden,
dass sich der Beschuldigte mit einem Alibi für die entsprechenden Tage vom
Vorwurf hätte entlasten können. Eine enge freundschaftliche Verbindung zwi-
schen BI._ und I._ konnte sodann nicht erstellt werden. Im Gegenteil
erscheinen die entsprechenden Aussagen des Beschuldigten als reine Schutzbe-
hauptung. Sodann bestritt der Beschuldigte am Schluss nicht mehr, dass ihn
BI._ wegen des BMW X5 angerufen habe (Urk. 49 S. 23). Warum sollte
BI._ den Beschuldigten wegen einer Fahrzeugübergabe anrufen, wenn die-
ser mit dem Leasing nichts zu tun gehabt hätte und die Übergabe des Fahrzeugs
nicht mit ihm abgesprochen gewesen wäre. Die Erklärung, BI._ habe ver-
sucht, ihm eine Falle zu stellen, überzeugt nicht. Der Beschuldigte konnte denn
auch nicht begründen, warum BI._ Grund gehabt hätte, ihm eine Falle zu
stellen. Jedoch beschuldigte er BI._ sogar noch, Privatdetektive engagiert zu
haben (Urk. 49 S. 25), was vollends keinen Sinn macht. Wieso hätte BI._ ei-
nen so grossen Aufwand betreiben und Privatdetektive engagieren sollen, um
dem Beschuldigten fälschlicherweise und grundlos Machenschaften im Zusam-
menhang mit den abgeschlossenen Leasingverträgen zu unterstellen? Bezüglich
des Einwands, der Beschuldigte sei am 9./10. November 2011 in Süditalien ge-
wesen (Urk. 45 S. 16; Urk. 47/1; Urk. 91 S. 17 ff.), kann auf die Ausführungen in
Ziffer 4.2.40 verwiesen werden.
5.2.3.9. Die Löschungsformulare für die drei 1er BMWs wurden beim Strassen-
verkehrsamt am 14. November 2011 erfasst (Urk. ND 19-21 2/1-3). Sie datieren
jedoch vom 28. Oktober 2011 (Urk. ND 19-21 2/1-3). Zu diesem Zeitpunkt verfüg-
te insbesondere der Beschuldigte bereits über die entsprechenden Angaben,
- 60 -
nachdem er die Leasingverträge an diesem Tag gemäss Aussagen von BI._
von diesem ausgehändigt erhalten hatte (Urk. ND 19-21 4/3 S. 10).
5.2.3.10. Bezüglich der Bezahlung der Fahrzeuge führte I._ aus, dass er für
alle drei (1er BWM) Fr. 45'000.– bezahlt habe. Das Geld habe er dem Beschuldig-
ten im Büro in O._ übergeben, bar auf die Hand (Urk. 3/21 S. 3). In einer
späteren Einvernahme erklärte er, er habe dem Beschuldigten je Fr. 18'000.– für
die 1er BMWs bezahlt. Weiter gestand er ein, dass er den Beschuldigten nicht
bezahlt habe. Dieser habe ihm die Autos auf Kredit gegeben. Auch später habe er
den Kredit nicht bezahlt. Die Bezahlung habe nicht stattgefunden, weil er ihm die
Fahrzeugausweise nicht am gleichen Tag übergeben habe. Genau könne er sich
aber nicht mehr erinnern, wie es mit der Einlösung dieser Fahrzeuge abgelaufen
sei (Urk. 3/45 S. 37, S. 40, S. 42). Bezüglich des Aussageverhaltens von I._
kann auf die Ausführungen in Ziffer 4.2.4. ff. verwiesen werden. Auch wenn
I._ unterschiedliche Beträge nannte, erscheint glaubhaft, dass der Beschul-
digte die Fahrzeuge I._ zum Kauf respektive die Übergabe dieser Fahrzeuge
gegen Entschädigung angeboten hat. So bewegen sich die angegebenen Beträge
in derselben Grössenordnung und I._ gestand ein, die Beträge gar nie be-
zahlt zu haben. Damit überrascht nicht weiter, dass er sich gut drei Jahre nach
dem Vorfall nicht mehr an den genauen Betrag erinnern konnte, der abgemacht
worden war. Schliesslich ist nicht ersichtlich, warum der Beschuldigte die Fahr-
zeuge I._ überlassen sollte, wenn nicht, um daraus einen finanziellen Vorteil
zu erzielen.
5.2.3.11. I._ bestätigte sodann, dass er diese drei 1er BMWs ab dem Park-
platz der CF._ Garage vom Beschuldigten übernommen habe. Der Beschul-
digte habe ihm die Schlüssel übergeben (Urk. 3/45 S. 38).
5.2.3.12. Die Vorinstanz geht davon aus, dass nicht schlüssig geklärt werden
könne, ob der Beschuldigte eines oder mehrere Fahrzeuge tatsächlich in Besitz
und damit in Gewahrsam genommen habe oder ob sämtliche Fahrzeuge direkt
von I._ übernommen worden seien und der tatsächliche Gewahrsam dem
Beschuldigten verwehrt geblieben sei (Urk. 64 S. 49). BI._ sagte aus, der
Beschuldigte habe die Autoschlüssel im Ablieferungsraum seinem Begleiter über-
- 61 -
geben. Dieser sei dann mit dem Wagen weggefahren (Urk. ND 19-21 4/8 S. 2 f.).
Sodann sagte er aus, dass der Beschuldigte die Übergabeprotokolle unterzeich-
net habe und sicher mit einem Fahrzeug weggefahren sei (Urk. 7/11 S. 14).
I._ sagte aus, dass er die drei 1er BMWs ab dem Parkplatz der CF._-
garage übernommen habe. Der Beschuldigte habe ihm die Fahrzeugschlüssel
übergeben. Die Fahrzeuge vom Parkplatz weggefahren hätten CK._,
D._ und er (Urk. 3/45 S. 38 f.). BI._ und I._ sagten somit überein-
stimmend aus, dass der Beschuldigte die Fahrzeugschlüssel der Fahrzeuge ent-
gegengenommen hatte.
5.2.3.13. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Aussagen von
BI._ zeitnah zu den Vorfällen, detailliert und grundsätzlich in sich stimmig er-
folgten und sowohl dessen Aussagen als auch die Aussagen von I._ mit den
weiteren Indizien sowie gegenseitig in Einklang zu bringen sind. Demgegenüber
erscheint die Aussage des Beschuldigten, dass er am 9./10. November 2011 in
Italien gewesen sei, unglaubhaft, nachdem er sich zeitnah nicht an diese Tatsa-
che zu erinnern vermochte, dann aber vier Jahre später angab, er sei zu diesem
Zeitpunkt in Italien gewesen. Angesichts der Beweislage verbleiben keine erhebli-
chen Zweifel, dass der Beschuldigte am 28. Oktober 2011 und am 9. November
2011 in den Räumlichkeiten der Garage CF._ AG erwirkte, dass zwischen
der Firma CD._ AG und der CL._ Services drei Leasingverträge für drei
1er BMWs für eine Laufzeit von je 48 Monaten (vgl. Urk. ND 19-21 Anhang zu
1/4) sowie ein Leasingvertrag für einen BMW X5 für eine Laufzeit von 48 Monaten
(vgl. Urk. ND 25 1) abgeschlossen wurden. Der Beschuldigte wusste, dass
gestützt auf diese Verträge die drei 1er BMWs und der BMW X5 der Firma
CD._ AG u.a. mit der Verpflichtung anvertraut wurden, die Fahrzeuge nach
Ablauf der Vertragsdauer der Leasinggeberin wieder zurückzugeben, und dass
die CL._ Services Eigentümerin dieser Fahrzeuge blieb. Sodann ist erstellt,
dass der Beschuldigte die drei geleasten 1er BMWs (resp. die entsprechenden
Fahrzeugschlüssel) zusammen mit den jeweiligen Fahrzeugausweisen, worin der
Code ... "Halterwechsel verboten" aufgeführt war, auf dem Areal der Garage
CF._ AG zuhanden der Firma CD._ AG übernahm und unmittelbar nach
der Übernahme diese Fahrzeuge resp. die Fahrzeugschlüssel an I._ aus-
- 62 -
händigte. Dabei ist vorgängig vereinbart worden, das I._ dem Beschuldigten
nachträglich einen Betrag von ca. Fr. 15'000.– pro Fahrzeug zahlen werde. Be-
züglich des BMW X5 ist sodann erstellt, dass der Beschuldigte mit I._ ver-
einbart hatte, dass er diesen unmittelbar nach Erhalt gegen eine nicht mehr eru-
ierbare Entschädigung an I._ übergeben werde, der Beschuldigte jedoch am
16. November 2011 nicht zur vereinbarten Übergabe des Fahrzeugs erschienen
ist (Sachverhalt Ziffer II. 1.1. und 2.).
5.2.3.14. Bezüglich Sachverhalt Ziffer II. 1.2. (Hehlerei, Erschleichen eines Aus-
weises oder einer Bewilligung) kann im Übrigen offen gelassen werden, ob dieser
erstellt werden kann, nachdem der Vorwurf des Erschleichen eines Ausweises
oder einer Bewilligung verjährt ist (vgl. Ziff. 2.5.) und der Vortäter nicht sein eige-
ner Hehler sein kann. So setzt Hehlerei nach dem Gesetzeswortlaut die Vortat ei-
nes anderen voraus und fällt sowohl beim Alleintäter als auch beim mittelbaren
Täter und beim Mittäter ausser Betracht (BSK StGB-Weissenberger, Art. 160
N 92 mit Verweis auf BGE 111 IV 51). Gemäss Anklagevorwurf Sachverhalt Ziffer
II. 1.2. wird dem Beschuldigten vorgehalten, in den Fahrzeugausweisen von den
von ihm übernommenen und anschliessend an I._ übergebenen Fahrzeuge
(= Vortat) die Löschung der Codes ... durch Einreichung von gefälschten Formu-
laren beim Strassenverkehrsamt veranlasst zu haben. Nicht relevant kann sein,
ob die Löschung der Codes ... bereits vor oder erst nach der Übergabe der Fahr-
zeuge vom Beschuldigten veranlasst wurde.
5.2.4. Zu ND 22 und ND 23
5.2.4.1. Erstellter- und auch unbestrittenermassen hatte BM._ als Ver-
waltungsrat der CE._s Gastro AG am 9. Februar 2012 resp. 5 März 2012
zwei Leasingverträge für einen Citroën C5 und einen Citroën DS3 abgeschlossen.
Mit Unterschrift vom 5. März 2012 bestätigte BM._ sodann den Empfang der
beiden Fahrzeuge (ND 22-23 Beilagen zu 1/1 und 1/2). Am 6. März 2012 wurden
die Fahrzeuge – mit Versicherungsnachweis der CM._ – durch das Stras-
senverkehrsamt des Kantons Zürich neu zugelassen (Urk. ND 22-23 Beilage zu
1/2). Mit Quittung vom 15. März 2012 bestätigte die CN._ (Suisse) S.A.,
- 63 -
CO._, den Erhalt der ersten erhöhten Leasinggebühren für die beiden Fahr-
zeuge (Urk. ND 22-23 Beilage zu 1/2).
5.2.4.2. BM._ erklärte in seiner ersten Einvernahme vom 23. März 2012,
BN._ habe ihm gesagt, er solle zur Citroen-Garage in Zürich gehen und die
Verträge für die Firmenfahrzeuge (zwei Citroën) unterzeichnen. BN._ habe
damit Werbung machen wollen. Wer die Fahrzeuge ausgesucht habe, wisse er
nicht. Er habe gewusst, dass BN._ der Meinung gewesen sei, dass es zu
wenig laufe, da noch keine Werbung gemacht worden sei. Die Fahrzeuge habe er
nie gesehen, aber er habe die beiden Leasingverträge unterzeichnet. Nachher
habe er nie mehr etwas von den Fahrzeugen gehört. Er habe zwar am 5. März
2012 für die Abholung der Fahrzeuge unterschrieben, aber er habe die Fahrzeuge
nicht abgeholt. Er sei zur Vertragsunterzeichnung mit einem Kollegen dort gewe-
sen, der heisse A._. Dessen vollständiger Name wisse er nicht. Eine Tele-
fonnummer von diesem habe er keine. Dieser habe ihn mit seinem Auto einfach
dorthin gebracht (Urk. ND 22-23 2/1 S. 3 f., S. 5 f.). In der zweiten Einvernahme
vom 1. April 2012 führte er aus, als er die Übergabeerklärung unterzeichnet habe,
sei nicht darüber gesprochen worden, dass die Fahrzeuge noch nicht herausge-
geben werden könnten, da die Bezahlung der beiden ersten Raten ausstehend
sei. Er sei nur einmal mit A._ in der Garage gewesen, wobei dieser vor der
Garage gewartet habe, bis er mit den Formalitäten fertig gewesen sei. Es könne
nicht sein, dass der Beschuldigte am 6. März 2012 die Kontrollschilder für die bei-
den Fahrzeuge der Garage übergeben habe. Auf Nachfrage warum nicht, gab er
an, dass er sich das nicht vorstellen könne. Er (BM._) habe ihm gesagt, dass
er (BM._) unterschrieben habe (Urk. ND 22-23 2/4 S. 1, S. 3). In der Einver-
nahme vom 20. Juni 2012 bestritt BM._ sodann, mit dem Beschuldigten in
die Garage gegangen zu sein, und dass der Beschuldigte gegenüber dem Gara-
gisten gesagt habe, er (BM._) interessiere sich für zwei Fahrzeuge. Er be-
stritt sodann, in Begleitung des Beschuldigten am 5. März 2012 die Entgegen-
nahme der Fahrzeuge unterschriftlich bestätigt zu haben. Weiter führte er aus,
BN._ habe ihn mal angerufen und gesagt, er solle zur Citroen-Garage ge-
hen. Sie hätten dort zwei Autos, er müsse nur noch unterschreiben. Das habe er
gemacht. Die Dokumente für diese beiden Citroëns habe er unterschrieben, ohne
- 64 -
etwas zu überlegen. Es sei möglich, dass er noch ein zweites Mal zu dieser Cit-
roën-Garage gegangen sei. Er habe sich beide Male in Begleitung zur Garage
begeben. Ein Gast habe ihn zur Citroën-Garage gefahren; er wisse aber nicht
mehr, wie dieser heisse. Er wisse nicht mehr, ob dieser mit ihm in die Garage
hineingegangen sei oder draussen gewartet habe. Möglicherweise sei er (der
"Gast") einmal kurz hereingekommen. Das Ganze sei ja auch schnell erledigt
worden. Er sei nur kurz unterschreiben gegangen und habe die Garage gleich
wieder verlassen. Den Beschuldigten habe er erst kennen gelernt, als das Ganze
zum Laufen gekommen sei; als die Kapo wegen dieser zwei Citroëns den Namen
des Beschuldigten erwähnte. Vorher habe er ihn nur kurz im CP._ gesehen.
Er sei nie zusammen mit dem Beschuldigten in der Citroen-Garage gewesen. Der
Beschuldigte habe nicht im Club ... [Clubname] verkehrt. Sodann erklärte er auf
entsprechende Frage, er habe erfahren, dass BU._ und CQ._ befreun-
det seien. Abschliessend fügte er an, das Ganze könnte eine Rachehandlung da-
für sein, dass er für CR._ [Anm.: im Zusammenhang mit den Umbauarbeiten
im Club ... [Clubname] unterschrieben habe. BN._ und CS._ seien
Gauner; die würden ja nur konsumieren (Urk. ND 22-23 2/5 S. 2 f., S. 6 ff.).
5.2.4.3. BN._ bestritt in sämtlichen Einvernahmen, etwas über die beiden Cit-
roëns zu wissen und BM._ den Auftrag gegeben zu haben, diese zu kaufen
resp. zu leasen (Urk. ND 22-23 3/4 S. 2; Urk. ND 22-23 3/11 S. 2 f.). CT._,
Türsteher im Club ..., gab an, den Beschuldigten Ende Dezember 2011 oder An-
fangs Januar 2012 im Club ... angetroffen zu haben. Dieser sei schon da gewe-
sen, als der Club noch nicht geöffnet gehabt habe. Er (der Beschuldigte) sei als
Gast dort gewesen (Urk. ND 22-23 3/5 S. 2; Urk. ND 22-23 3/10 S. 2, S. 7 f.).
5.2.4.4. Der Zeuge CU._, Mitarbeiter in der Citroen-Garage, erklärte, er habe
den Beschuldigten bei ihnen drei Mal gesehen. Das dritte Mal sei dann gewesen,
als die Sache bereits bei der CV._ Finance gelaufen sei und er nach
BU._ gefragt habe (Urk. ND 22-23 3/13 S. 3, S. 5). Sodann erklärte der Zeu-
ge CU._, dass er am Arbeitsplatz von BU._ gesessen sei. Dann seien
diese beiden Herren hereingekommen. Er habe das Gefühl gehabt, dass die Per-
son, die sich später als der Beschuldigte herausgestellt habe, relativ vertraut mit
- 65 -
BU._ gewirkt habe. Er habe natürlich den Arbeitsplatz von BU._ verlas-
sen und sich an seinen Arbeitsplatz gesetzt. Nebenbei habe er mitbekommen,
dass sie den C5, der in der Ausstellungshalle gestanden sei, angeschaut hätten.
Sie hätten die Autos nicht sehr lange angeschaut. Man sei relativ schnell zum
Vertraglichen, zum Finanziellen geschritten. Die beiden hätten sich nicht zuerst
die Autos angeschaut, sondern seien direkt auf sie zugekommen. Bei der zweiten
Person habe es sich nicht um BM._ gehandelt, da sei er sich sicher. Das
zweite Mal, als er den Beschuldigten bei ihnen gesehen habe, sei er draussen
gestanden. Der Beschuldigte sei mit dem BMW Cabriolet herangefahren. Da sei-
en irgendwelche Dokumente gezeigt worden. Er nehme an, es sei um Versiche-
rung und so gegangen. Mit wem der Beschuldigte gesprochen habe, wisse er
nicht mehr. Es sei eine fremde Person, nicht von der Garage, gewesen (Urk. ND
22-23 3/13 S. 4 ff.).
5.2.4.5. Der Beschuldigte wird insbesondere durch BU._ belastet. Dieser er-
klärte in seiner ersten Befragung, dass BM._ mit dem Beschuldigten in die
Garage gekommen sei. Der Beschuldigte habe gesagt, dass BM._ Interesse
an zwei Fahrzeugen habe, worauf er ihm schliesslich zwei Fahrzeuge verkauft
habe. BM._ habe schliesslich, nachdem die Leasingverträge geprüft worden
seien, einige Tage später die gesamten Dokumente, worunter sich auch die In-
empfangnahme der beiden Fahrzeuge befunden habe, unterzeichnet. Das Fahr-
zeug sei jedoch aufgrund fehlender Zahlung der ersten Rate noch nicht heraus-
gegeben worden. Erst ca. am 15. März 2012 sei die Herausgabe erfolgt. Dies als
der Beschuldigte mit einem Kollegen erschienen sei und für beide Fahrzeuge die
erste Rate in bar bezahlt habe. Der Beschuldigte sei einige Tage zuvor in der Ga-
rage vorbeigekommen und habe die von ihm eingelösten Kontrollschilder abge-
geben. BM._ sei nicht die Person gewesen, die mit dem Beschuldigten die
Fahrzeuge abgeholt habe (Urk. ND 22-23 3/2 S. 1). In der staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme führte BU._ – in Anwesenheit des Beschuldigten und von
BM._ – aus, am 5. März 2012 habe die eigentliche Fahrzeugübergabe statt-
gefunden, ca. 13.30 Uhr. BM._ und der Beschuldigte seien an diesem Tag
erschienen. Er habe die Fahrzeuge zur Übergabe bereitgestellt. BM._ habe
am 5. März 2012 das Geld nicht bei sich gehabt. Somit habe er die Autos nicht
- 66 -
aushändigen können. Dem Beschuldigten habe er an diesem 5. März 2012 auch
den Prüfungsbericht vom C5 und den Fahrzeugausweis vom DS3 mit den zwei
Eintragungscode-Formularen ... übergeben. BM._ habe dem Beschuldigten
noch die mündliche Vollmacht gegeben, diese beiden Fahrzeuge in den kom-
menden nächsten Tagen ohne seine Anwesenheit abzuholen. Am 6. März 2012
habe er den Beschuldigten wieder gesehen. Dieser habe die beiden Fahrzeuge
am 6. März 2012 immatrikuliert. Er habe ihm die Ausweise und Nummernschil-
dern für diese beiden Fahrzeuge gebracht und gefragt, ob er sogleich den C5
probefahren dürfe. Das habe er abgelehnt, weil die Zahlung immer noch nicht
eingetroffen sei. Am 15. März habe er den Beschuldigten wieder gesehen, als
dieser, in Anwesenheit einer Person, die er noch nie gesehen habe, die zwei
Fahrzeuge abgeholt und ihm Fr. 6'000.– im Auftrag der CE._s Gastro AG
übergeben habe. Weiter gab er an, dass der Beschuldigte ihn in der Folge
nochmals aufgesucht habe, und ihm gesagt habe, dass er gegenüber der Polizei
aussagen solle, dass nicht er, sondern andere Leute von der Firma Gastro, die
Fahrzeuge übernommen hätten. Er bestritt sodann, CQ._ zu kennen (Urk.
ND 22-23 3/7 S. 2 ff.).
5.2.4.6. Zu den Aussagen von BU._ ist festzuhalten, dass er auf die Ergän-
zungsfrage von BM._, von wem er den Auftrag erhalten habe, die Verträge
bereit zu legen, keine Auskunft gab. Dies weil ihn BM._ und nicht der Staats-
anwalt gefragt habe (Urk. ND 22-23 3/7 S. 10). Dies mag ein fragwürdiges Verhal-
ten darstellen. Jedoch sind die Aussagen von BU._ ansonsten detailliert, le-
bensnah, in sich geschlossen und im Wesentlichen widerspruchsfrei. Weitere
Hinweise, dass BU._ – wie die Verteidigung geltend macht (Urk. 45 S. 18 ff.)
– in die Sache involviert war und etwas zu verbergen suchte, liegen nicht vor. Es
ist denn auch nicht ersichtlich, warum BU._ mit seinen Aussagen auf eine
ungerechtfertigte Belastung des Beschuldigten hätte abzielen sollen. Aus dem
Umstand, dass BU._ erst in der Einvernahme vom 30. November 2012 auf
die Finanzierungsanträge zu sprechen kam, kann nicht gefolgt werden, dass
BU._ unglaubwürdig ist und/oder seine Aussagen unglaubhaft sind. So
kommt diesen Finanzierungsanträgen in der vorliegenden Sache keine besondere
Bedeutung zu, weshalb es nachvollziehbar ist, dass BU._ dies vorerst für
- 67 -
nicht relevant betrachtete, so dass er nicht von sich aus auf diese zu sprechen
kam. Nachdem sodann unstrittig ist, dass BM._ die Kauf- und Leasingverträ-
ge unterzeichnet hat, ist nicht ersichtlich, was aus dem Widerspruch zwischen
den Aussagen von CU._, dass die Begleitperson des Beschuldigten kurze,
dunkle Haare gehabt habe, und dem Umstand, dass BM._ eher längere
weissliche Haare hat, zur Entlastung des Beschuldigten abgeleitet werden können
soll (Urk. 45 S. 19), selbst wenn BU._ sich diesbezüglich in der Einvernahme
vom 30. November 2012 rechtfertigen wollte (Urk. ND 22-23 3/15 S. 6). CU._
bestätigte nämlich gleichzeitig, dass sich der Beschuldigte für den C5 interessiert
habe (Urk. ND 22-23 3/13 S. 4), was vom Beschuldigten bestritten wird. Es ist
aber nicht ersichtlich, weshalb CU._, der unter der strengen Strafandrohung
von Art. 307 StGB aussagte, diesbezüglich falsche Angaben machen sollte. Für
den Wahrheitsgehalt der Aussagen von BU._ spricht sodann, dass nebst
BU._ auch CW._, Verkaufsleiter bei der Citroen-Garage in CO._,
bei welcher die beiden Citroën gekauft resp. geleast wurden, den Beschuldigten
belastet.
5.2.4.7. So erklärte CW._, dass er den Beschuldigten beim Kaffee an ihrer
Bar kennengelernt habe. Er (der Beschuldigte) habe erzählt, dass er Versiche-
rungen verkaufe und geschaut habe, dass eine Firma zwei Autos gekauft habe,
bzw. dass er für sie quasi zwei Fahrzeuge vermittelt habe. Weiter führte
CW._ aus, dass er dem Beschuldigten gedankt habe. Der Beschuldigte habe
gesagt, dass sie dafür bei ihm Versicherungen abschliessen sollten. Er
(CW._) habe ihm jedoch klar und deutlich erklärt, dass sie dies nicht machen
würden (Urk. ND 22-23 3/12 S. 4). Der Beschuldigte gestand denn auch ein, mit
dem Verkaufschef von BU._ einen Kaffee getrunken zu haben. Dabei soll es
aber nach Darstellung des Beschuldigten nur um den Vermittlervertrag gegangen
sein (Urk. 2/2 S. 8). Es ist jedoch nicht ersichtlich, warum CW._, der unter
der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB ausgesagt hatte, diesbezüglich
falsche Angaben hätte machen sollen, insbesondere da das Leasinggeschäft aus
Sicht der Garage korrekt abgelaufen ist, nachdem eine zeichnungsberechtigte
Person die Leasingverträge unterzeichnet hat. Es sind somit keine Gründe er-
sichtlich, warum nicht auf die Aussagen von CW._ zu dem mit dem Beschul-
- 68 -
digten geführten Gespräch abgestellt werden kann. Damit muss davon ausge-
gangen werden, dass der Beschuldigte gegenüber CW._ angab, dass er die-
se zwei Leasinggeschäfte vermittelt hat. Damit kann aber die Aussage von
BM._, der in seiner letzten Einvernahme angab, er sei nicht vom Beschuldig-
ten, sondern einem (anderen) Gast des Clubs ... zur Garage gefahren worden,
nicht stimmen. Dessen Aussage, der Beschuldigte habe nicht im Club ... verkehrt,
wird sodann vom Zeugen CT._ widerlegt. Auf die den Beschuldigten entlas-
tenden Aussagen von BM._ kann deshalb nicht abgestellt werden. BM._
hatte denn selber auch ein Interesse daran, sich in dieser Angelegenheit mög-
lichst in einer untergeordneten Rolle darzustellen. Sodann hegte er offensichtlich
einen Groll gegen BN._. Nachdem der Beschuldigte sodann gegenüber
CW._ die Vermittlung der Leasinggeschäfte betonte, sind seine Bestreitun-
gen in den Einvernahmen, etwas von diesen Leasingverträgen gewusst zu haben
und darin involviert gewesen zu sein, widerlegt.
5.2.4.8. Auffällig ist sodann das Aussageverhalten des Beschuldigten in der ers-
ten Einvernahme, in der er von der Polizei im Zusammenhang mit den beiden Cit-
roën befragt wurde. So antwortete er nach dem Hinweis auf die Eröffnung eines
Strafverfahrens gegen ihn wegen Betrugs im Zusammenhang mit den beiden
Fahrzeugen Citroën C5 und DS3 auf die Frage, ob ihm diese Angelegenheit et-
was sage, mit einem Nein. Er führte weiter aus, vom Hören sagen lerne man lü-
gen. Eigentlich wisse er gar nichts (Urk. 2/1 S. 1). Auf Nachfrage, was das heisse,
führte er aus, er habe vieles von Drogen und den beiden Fahrzeugen etc. gehört.
Es gehe um Leute, welche er nicht kenne etc. Solche Dinge habe er nicht gerne
(Urk. 2/1 S. 1). Weiter führte er auf die Frage, ob er "BN._" kenne, aus, er
habe schon von ihm gehört. Es sei, so glaube er, der Oberjunkie, der Kokainab-
hängige (Urk. 2/1 S. 3). Sodann agierte der Beschuldigte auf die Frage, ob er
BM._ zur Vertragsunterzeichnung begleitet habe, sehr proaktiv. Nachdem er
die Frage verneinte, gab er an: "Am 5. März 2012..., da kann ich Ihnen sagen,
was ich gemacht habe. Im muss das im Büro in meinem Kalender nachsehen."
Auf die Einlösung angesprochen, erkundigt sich der Beschuldigte, wo die Fahr-
zeuge versichert worden seien, um dann aus dem Umstand, dass die Versiche-
rung bei der CM._ erfolgte, zu folgern, dass es dann ja logischerweise nicht
- 69 -
er gewesen sei. Er hätte logischerweise die Versicherung selbst abgeschlossen,
natürlich auf N._ (Urk. 2/1 S. 4 f.). Hatte aber der Beschuldigte die Absicht,
diese Fahrzeuge weiterzuverkaufen, ist es geradezu logisch, dass er sie dann
eben gerade nicht bei der N._ versicherte. Sodann führte er in dieser Einver-
nahme aus, dass er eigentlich nie etwas mit BM._ zu tun gehabt habe (Urk.
2/1 S. 2). Auf Vorhalt des Leasingvertrages und auf Frage, was er darüber wisse,
erklärte er, eigentlich gar nichts; überhaupt nichts (Urk. 2/1 S. 4). Auf Vorhalt,
dass sowohl BM._ als auch BU._ angegeben hätten, dass er BM._
bei der Vertragsunterzeichnung begleitet habe, erklärte er, das sei falsch, 100%ig.
Er wisse nicht, ob er zu diesem Zeitpunkt nicht per Zufall in dieser Garage in
CO._ gewesen sei (Urk. 2/1 S. 4). Schliesslich gestand er ein, dass er –
nachdem er von der Polizei telefonisch zu diesem Vorfall befragt worden war –
bei BU._ vorbeigegangen sei. Nach seiner Darstellung, um diesem zu sagen,
dass er nicht einen solchen "Scheiss" sagen solle (Urk. 2/1 S. 5). Schliesslich er-
scheint auch das in dieser Einvernahme an den Tag gelegte, entrüstete Verhalten
mehr als überspritzt (vgl. Urk. 2/1 S. 5 f.). Sodann wird dem Beschuldigten vorge-
halten, die Fahrzeuge am 15. März 2012 und nicht im November 2011 (Urk. 91 S.
20) übernommen zu haben, womit aus dem Umstand, dass der Beschuldigte am
16. November 2011 in Italien weilte, nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden
kann.
5.2.4.9. I._ erklärte in der Einvernahme vom 4. Dezember 2013 auf die Fra-
ge, ob er vom Beschuldigten einen Citroën übernommen habe, dieser habe ihm
einmal zwei Citroëns angeboten. Er habe ihm gesagt, dass er zwei Citroëns C5
habe. Solch einen C5 habe er in Anwesenheit des Beschuldigten bei der Citroen-
Garage in CO._ angeschaut. Er (I._) habe versucht, Käufer für diese
beiden Citroëns zu finden, was ihm aber nicht gelungen sei. Er habe diese Cit-
roëns nicht gekauft (Urk. 3/31 S 29). Es kann somit keine Rede davon sein, dass
I._ offenkundig einfach alles, was ihm die Staatsanwaltschaft und Polizei ge-
radezu in den Mund gelegt habe, sagte (Urk. 45 S. 18). So kam I._ von sich
aus darauf zu sprechen, dass ihm zwei Citroëns angeboten worden seien und es
sich um das Modell C5 gehandelt habe. Nachdem aufgrund der Vielzahl der von
I._ getätigten "Geschäfte" nachvollziehbar ist, dass I._ die einzelnen
- 70 -
Vorgänge zeitlich nicht mehr einwandfrei einordnen konnte, vermag der Umstand,
dass I._ angab, es sei mitten in der Phase gewesen, als er den Beschuldig-
ten mit den Codelöschungen beauftragt habe (Urk. 45 S. 18), die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen zu den Citroëns ebenfalls nicht in Frage zu stellen. Soweit die
Verteidigung geltend macht, I._ habe ausgesagt, der Beschuldigte habe gar
nie selber Leasingfahrzeuge übernommen (Urk. 45 S. 17), ist klarzustellen, dass
I._ gefragt worden war, ob der Beschuldigte auch Leasingautos übernom-
men habe, die durch ihn (I._) oder Drittpersonen aus seinem Umfeld be-
schafft worden seien (Urk. 3/16 S. 4). Dies verneinte I._. Dass I._ auf
diese Frage nicht von sich aus erklärte, aber ihm seien vom Beschuldigten einmal
zwei Citroëns angeboten worden, vermag die Glaubhaftigkeit der Aussagen von
I._ zu den Citroëns nicht in Frage zu stellen.
5.2.4.10. Soweit sodann die Vorinstanz eine Auffälligkeit in den Aussagen von
I._ sieht, da dieser einmal erklärt habe, es sei klar gewesen, dass es sich um
Leasingfahrzeuge gehandelt habe, und dann wiederum behauptet habe, der
Beschuldigte habe ihm gesagt, dass es sich bei diesem Fahrzeug nicht um ein
Leasingfahrzeug handle, ist festzuhalten, dass I._ erklärte, von der Konstel-
lation her sei es ein klarer Fall gewesen, dass der C5 vom Beschuldigten geleast
worden sei (Urk. 3/31 S. 29 f.). Die Frage, ob der Beschuldigte erwähnt habe,
dass es Leasingfahrzeuge seien, verneinte er jedoch (Urk. 3/31 S. 30). Wenn
I._ nunmehr in der Einvernahme vom 8. Januar 2015 behauptete, der Be-
schuldigte habe gesagt, dass es bei diesem Fahrzeug nicht um ein Leasingfahr-
zeug gehen würde (Urk. 3/45 S. 48), ist darin kein Widerspruch zu seiner früheren
Aussage auszumachen.
5.2.4.11. I._ bestätigte sodann in der Einvernahme vom 8. Januar 2015
nochmals, dass ihm der Beschuldigte noch zwei weitere Citroëns habe verkaufen
wollen. Einer sei ein C5 gewesen. Schlüssig erklärte er hierzu sodann, dass die
Citroëns für seine Kreise nicht geeignet gewesen seien (Urk. 3/45 S. 44).
5.2.4.12. Es ist nicht ersichtlich, warum I._ den Beschuldigten im Zusam-
menhang mit den Citroëns fälschlicherweise belasten sollte. So wäre es für
I._, der mit diesen Fahrzeugen bis dahin nicht in Verbindung gebracht wer-
- 71 -
den konnte, einfacher gewesen, die Frage, ob ihm vom Beschuldigten ein Citroën
angeboten worden sei, zu verneinen, insbesondere wenn er davon tatsächlich
keine Kenntnisse gehabt haben sollte. Sodann konnte I._ doch einzelne De-
tails der Fahrzeuge, auch die Farbe des C5 (vgl. Urk. 3/31 S. 31), nennen.
5.2.4.13. Auf die Frage, wie viel der Beschuldigte für diese zwei Citroëns C5
verlangt habe, erklärte I._, er glaube, je Fr. 35'000.–. Sodann erklärte er, der
Beschuldigte habe erwähnt, wie hoch der Wert des C5 sei, und habe ihm die Hälf-
te angeboten. Das heisse, der Wagen habe ca. Fr. 70'000.– gekostet (Urk. 3/31
S. 29). In der Folge erklärte I._, der Beschuldigte habe für den C5
Fr. 40'000.– verlangt (Urk. 3/45 S. 46).
5.2.4.14. Sodann erklärte I._, der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass er die
beiden Fahrzeuge im Ausland verkauft habe. Wo wisse er nicht (Urk. 3/31 S. 31;
Urk. 3/45 S. 48). Weitere Angaben hierzu konnte I._ nicht machen. Nachdem
die Aussagen von I._ bezüglich des Verkaufs sehr vage sind, und er in den
Verkauf nicht involviert war, kann lediglich gestützt auf die Aussage von I._
nicht geschlossen werden, dass der Beschuldigte die Fahrzeuge tatsächlich ins
Ausland verkauft hat. Es bleibt offen, was in der Folge mit den beiden Fahrzeugen
geschehen ist, selbst wenn sich aus dem Schreiben der CM._ vom
26. September 2013 ergibt, dass vom Strassenverkehrsamt die Ausserverkehrs-
setzung der Fahrzeuge per 15. März 2012 ausgelöst worden war (Urk. ND 19-21
5).
5.2.4.15. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass angesichts der
Beweislage keine erheblichen Zweifel verbleiben, dass der Beschuldigte – wie
ihm in Anklagesachverhalt II. 3. Abs. 1 bis 3 vorgehalten wird – wusste, dass am
5. März 2012 zwischen der Firma CE._s Gastro AG und der Leasinggesell-
schaft CV._ SA zwei Leasingverträge für einen Citroën DS3 und einen
Citroën C5 abgeschlossen worden waren, und dass die Fahrzeuge nach Ablauf
der Vertragsdauer der Leasinggeberin wieder zurückzugeben waren und die Lea-
singgesellschaft Eigentümerin dieser Fahrzeuge blieb. Sodann ist erstellt, dass
der Beschuldigte die beiden Fahrzeuge am 15. März 2012 zuhanden der Firma
CE._s Gastro AG entgegennahm. Weiter ist erstellt, dass der Beschuldigte
- 72 -
diese beiden Fahrzeuge in der Folge I._ für einen Preis von mindestens
Fr. 35'000.– anbot und sie verkaufen wollte. Nicht erstellt werden kann, dass der
Beschuldigte die Fahrzeuge in der Folge ins Ausland verkaufte.
6. Anklagesachverhalt III. Betrug, Urkundenfälschung betr. ND 32
6.1. Vorbemerkungen
6.1.1. Die Tatvorwürfe ergeben sich aus der Anklageschrift vom 28. März 2018
(Urk. 23). Zusammengefasst wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor,
er habe als Angestellter der BK._ Versicherungen AG (nachfolgend
BK._) in 31 Fällen Antragsformulare für Neuabschlüsse von Versicherungen
gefälscht, indem er die entsprechenden Antragsformulare selber ausgefüllt und
jeweils die Unterschriften der vermeintlichen Antragssteller nachgemacht habe,
um durch die fingierten Abschlüsse Provisionszahlungen auszulösen.
6.1.2. Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe durchgehend und vollumfänglich
sowie in der Strafuntersuchung als auch vor Gericht (Urk. 2/21; Urk. 49 S. 28 ff.;
Urk. 89/1 S. 14 ff.).
6.1.3. Es ist deshalb nachfolgend aufgrund der vorhandenen Beweismitteln zu
prüfen, ob die eingeklagten Sachverhalte erstellt werden können.
6.2. Sachverhaltserstellung
6.2.1. Als Beweismittel liegen nebst den Aussagen des Beschuldigten Aussagen
von Zeugen/Auskunftspersonen (Privatkläger), diverse Urkunden sowie ein
graphologisches Gutachten (Urk. ND 32 22/6) vor.
6.2.2. Bezüglich der Aussagen der Zeugen/Auskunftspersonen kann auf die zu-
treffende Zusammenfassung der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 64 S. 63 ff.).
DI._ wurde nicht befragt.
- 73 -
6.2.3. Grundsätzlich kann auf die ausführlichen und soweit zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 64 S. 66 ff.). Zusammenfas-
send und teilweise ergänzend ist das Folge festzuhalten:
6.2.4. Sämtliche Befragten bestritten, die ihnen vorgelegten Dokumente ("Wahl
der Variante", "Neuabschluss für basis", "Neuantrag für Zusatzversicherungen",
"Kündigung" resp. "Scelta della variante", "Nuova richiesta per Assicurazioni
complementari") unterzeichnet zu haben. CX._ erklärte zwar, sie habe drei
Krankenkassenverträge unterschrieben. Sie bestritt jedoch, die ihr vorgehaltenen
Formulare "Wahl der Variante", "Neuabschluss für basis", "Neuantrag für Zusatz-
versicherungen", "Kündigung" sowohl lautend auf sie als auch auf ihre beiden
Kinder ausgefüllt und unterzeichnet zu haben (Urk. 7/42 S. 4 ff.). Ebenso erklärten
CY._ und CZ._ zwar Papiere unterzeichnet zu haben, jedoch nicht die
ihnen vorgehaltenen Formulare "Scelta della variante", "Nuova richiesta per
Assicurazioni complementari". Die Unterschrift auf dem Dokument "Kündigung"
stamme von ihnen (Urk. 7/36 S. 4 ff.; Urk. 7/37 S. 5 ff.).
6.2.5. Der Beschuldigte bestätigte, dass er mit DA._, DB._, DC._,
CX._, DD._, CZ._, DE._ und DF._ über Krankenversi-
cherungen gesprochen habe. Er bestreitet jedoch, für diese Personen Versiche-
rungsanträge ausgefüllt und die Versicherungsanträge in deren Namen unter-
schrieben zu haben (Urk. 2/17 S. 2; Urk. 49 S. 31 f.). Auch in der Hafteinvernah-
me gestand er ein, dass er mit den meisten Geschädigten mal einen Krankenkas-
senversicherungsvertrag abgeschlossen habe, später aber etwas falsch gelaufen
sei. Er wisse nur von den Verträgen, die sie mit ihm abgeschlossen hätten
(Urk. 2/18 S. 2). Wie erwähnt, bestritten die Geschädigten jedoch – mit Ausnahme
von CX._ sowie CY._ und CZ._, die erklärten, ein anderslautenden
Angebot akzeptiert zu haben – beim Beschuldigten einen Vertrag abgeschlossen
zu haben.
6.2.6. Auffällig am Aussageverhalten des Beschuldigten ist, dass er immer wieder
betonte, es habe sich um einen Zwischenverdient während seiner Arbeitslosigkeit
gehandelt. Seine Lohnzahlungen seien über die Kasse der Arbeitslosenversiche-
rung gelaufen. Er habe immer gleich viel Lohn von der ALV erhalten (Urk. 2/17
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S. 2 f., S. 11, S. 16). Dies trifft jedoch ebenso wenig zu, wie seine Aussage, er
habe immer wieder einen neuen Anstellungsvertrag erhalten (Urk. 2/17 S. 4;
Urk. 2/18 S. 3). Wie sich den Lohnabrechnungen entnehmen lässt, wurde dem
Beschuldigten der Lohn von der BK._ auf sein Postkonto (Urk. 2/19 S. 32)
ausbezahlt (Urk. ND 32 1/7). Sodann war der Beschuldigte gemäss Arbeitsvertrag
per 2. Juni 2014 unbefristet als Versicherungsberater im Aussendienst im Ge-
schäftsbereich Vertrieb angestellt worden (Urk. ND 32 20/2). Schliesslich profitier-
te der Beschuldigte sehr wohl von seinem Zwischenverdienst, wurde ihm dadurch
doch insgesamt mehr Lohn ausbezahlt (vgl. Urk. ND 32 20/2). So belief sich sein
Anspruch aus der Arbeitslosenversicherung auf maximal Fr. 7'350.– brutto resp.
rund Fr. 6'700 netto (70% des versicherten Verdienstes von Fr. 10'500.– abzüg-
lich 7,78% AHV/IV/EO u. NBU sowie abzüglich BVG-Risikoversicherung; vgl. Urk.
32 ND 20/2). Mit einem höheren Zwischenverdienst konnte der Beschuldigte,
selbst wenn der Mehrverdienst nicht linear mit dem Zwischenverdienst anstieg,
sein Einkommen somit erhöhen. So erzielte er im November 2014 ein Einkommen
von insgesamt Fr. 8'745.35, im Dezember 2014 ein Solches von insgesamt Fr.
8'803.30 und im Januar 2015 ein Solches von insgesamt Fr. 8'432.85 (Urk. ND 32
20/2).
6.2.7. Wie die Verteidigung sodann selber auch anführte, hatte der Beschuldigte
ein grosses Interesse daran, bei der BK._ einen bestmöglichen Eindruck zu
hinterlassen (Urk. 45 S. 25; Urk. 91 S. 23). Einen solchen erzielt man mit mög-
lichst vielen neuen Versicherungsabschlüssen. Im Übrigen wurde der Beschuldig-
te per 2. Juni 2014 unbefristet angestellt (Urk. ND 32 20/2) und verfügte somit be-
reits über eine Festanstellung.
6.2.8. Der Beschuldigte bringt vor, er könne sich vorstellen, dass es jemand ande-
res gewesen sein könnte. Bis der neue Agenturleiter die Agentur übernommen
habe, sei immer alles gut gelaufen. Dieser habe auch gesagt, dass er seine Kol-
legen von der BL._, also der DG._ dort haben wolle (Urk 2/17 S. 11). Er
macht damit einmal mehr eine Verschwörung zu seinem Nachteil geltend. Es
macht jedoch absolut keinen Sinn, dass der Agenturleiter Anträge gefälscht ha-
ben soll, um einen unliebsamen Arbeitnehmer loszuwerden. Insbesondere schä-
- 75 -
digt er mit einem solchen Verhalten den Ruf der Krankenkasse, was nicht im Inte-
resse eines Agenturleiters sein kann und ihn auch dem Vorwurf aussetzt, seinen
"Laden" nicht im Griff zu haben, und damit eher kontraproduktiv auf die Kündi-
gung des eigenen Arbeitsverhältnisses hinauslaufen würde. Sodann sagten einige
Befragten aus, sie hätten mit dem Beschuldigten Kontakt aufgenommen und es
sei nichts passiert. So erklärte CZ._, den Beschuldigten angerufen zu haben.
Dieser habe ihm mitgeteilt, dass es ein Fehler sei, und dass er alles in Ordnung
bringe. Er habe auch nach 15 Tagen noch nichts gehört. Als er ihn erneut angeru-
fen habe, habe der Beschuldigte ihn vertröstet und gesagt, dass es ein Fehler sei.
Er habe fast jeden Tag angerufen, aber der Beschuldigte habe nichts unternom-
men. Er habe immer gesagt, er werde das korrigieren (Urk. ND 32 10/3 S. 2).
CX._ sagte aus, der Beschuldigte habe ihr erklärt, sie könne da nicht mehr
zurück (Urk. ND 32 7/7 S. 9). Dies steht in krassem Widerspruch zu den Aussa-
gen des Beschuldigten, wonach er sich eingesetzt haben will, als sich herausge-
stellt hatte, dass – wie es der Beschuldigte formulierte – etwas schief gelaufen
war (Urk. 2/17 S. 11 f.).
6.2.9. Der Beschuldigte erklärte auf die Frage, ob er die Dokumente
CZ._/CY._ der BK._ eingereicht habe, er denke schon (Urk. 2/19
S. 6). Nachdem nicht ersichtlich ist, warum CZ._ und CY._ bezüglich ih-
rer Aussagen, die Unterschriften auf diesen Formularen würden nicht von ihnen
stammen, falsche Angaben machen sollen und deren Unterschriften auf den Ein-
vernahmeprotokollen (Urk. ND 10/3 und 7/36 sowie Urk. ND 32 10/4 und 7/37)
erheblich von den Unterschriften auf den entsprechenden Formularen abweichen,
gilt als erstellt, dass die Unterschriften nicht von CZ._ und CY._ stam-
men. Bezüglich des Formulars "Kündigung" bestätigten beide, dass sie diese sel-
ber unterzeichnet hätten (Urk. 7/36 = ND 32 10/11 S. 6 und Urk. 7/37 = ND 32
10/12 S. 6). Soweit der Beschuldigte mit seiner Behauptung, die CY._ und
CZ._ betreffenden Anträge von DH._ unterzeichnet erhalten zu haben,
DH._ als Verdächtigen vorschieben will, ist festzuhalten, dass nicht ersicht-
lich ist, warum DH._ Krankenkassenversicherungsanträge fälschen sollte.
Sodann sagten CZ._ und CY._ übereinstimmend aus, dass DH._
bei dem mit dem Beschuldigten geführten Gespräch nicht anwesend gewesen sei
- 76 -
(Urk. 7/36 S. 4; Urk. 7/37 S. 3). Es ist nicht ersichtlich, warum die beiden diesbe-
züglich falsch aussagen sollten. Die Aussagen des Beschuldigten erscheinen
deshalb als Versuch, den Verdacht von sich zu lenken, wofür es keine Veranlas-
sung geben würde, wenn nicht er die entsprechenden Unterschriften gefälscht
hätte.
6.2.10. Bezüglich verschiedener Formulare gesteht der Beschuldigte ein, dass
diese zumindest teilweise von ihm ausgefüllt worden seien (Urk. 2/19 S. 4 ff.). Es
leuchtet jedoch nicht ein, warum der Beschuldigte zum Beispiel zwar das Datum,
nicht aber den Ort auf dem Formular ausgefüllt haben will (Urk. 2/19 S. 10). Noch
abstruser wird es, wenn der Beschuldigte ausführt, die 8 in der 58 könnte von ihm
sein, die 5 sei jedoch nicht seine Handschrift (Urk. 2/19 S. 12). Sodann ist nicht
erklärbar, wie diese angeblich teilweise vom Beschuldigten ausgefüllten Formula-
re, die aufgrund der glaubhaften Aussagen der geschädigten Personen nicht von
ihnen unterzeichnet und der BK._ eingereicht wurden, anders als durch den
Beschuldigten bei der BK._ eingegangen sein sollen. Der Beschuldigte be-
hauptet nicht, dass er diese Formulare nur teilweise ausgefüllt und ohne Unter-
schriften eingereicht habe, was auch keinen Sinn machen würde. Das graphologi-
sche Gutachten kam sodann bezüglich der untersuchten Urkunden (bezüglich
DA._, DB._, DI._ und DC._) zum Schluss, dass sich die fragli-
chen Einträge, die mit blau einfärbendem Kugelschreiber erstellt worden seien,
nicht differenzieren liessen. Obwohl es sich bei Kugelschreibern um Massenpro-
dukte handeln würde, spreche dies eher dafür, dass jeweils für alle Einträge das-
selbe Schreibmittel verwendet worden sei (Urk. ND 32 22/6). In der Folge wollte
sich der Beschuldigte denn auch nicht mehr dazu äussern, welche handschriftli-
chen Eintragungen auf den Formularen (betreffend DA._ und DI._) von
ihm seien. Die Erklärung, er wisse es nicht (Urk. 2/20 S. 17 ff.) resp. er habe kei-
ne Ahnung (Urk. 2/20 S. 19), erscheinen als reine Schutzbehauptung, erkennt
man doch in der Regel die eigene Handschrift.
6.2.11. Bezüglich DA._ machte der Beschuldigte keine Angaben, welche
resp. ob handschriftliche Eintragungen von ihm stammen (Urk. 2/20 S. 16 ff.).
DA._ bestätigte, beim Beschuldigten um eine Offerte angefragt zu haben. Er
- 77 -
habe nie etwas unterschrieben (Urk. ND 32 4/3 S. 2). Bei den im Recht liegenden
Formularen fällt auf, dass bei den Formularen "Wahl der Variante", "Neuab-
schluss für basis", "Neuantrag für Zusatzversicherungen" und "Kündigung" der
Vorname DA._ und als Nachname "DJ._" aufgeführt wird. Hierzu erklär-
te DA._ "DJ._" [...] sei sein Hausarztmodell, das er dem Beschuldigten
auf dessen Frage angegeben habe (Urk. ND 32 4/3 S. 2). Dies vermag zu erklä-
ren, warum das Formular falsch ausgefüllt worden war und stellt ein Indiz dafür
dar, dass der Beschuldigte es ausgefüllt haben könnte. Sodann kam das grapho-
logische Gutachten zum Schluss, dass die Untersuchungsbefunde ausseror-
dentlich stark dafür sprechen würden, dass die Unterschriften auf den Formularen
"Unterschrift (BeraterIn)" vom Beschuldigten stammen (Urk. ND 32 22/6).
6.2.12. Bezüglich der auf DI._ lautenden Formularen kommt das graphologi-
sche Gutachten ebenfalls zum Schluss, dass die Untersuchungsbefunde ausser-
ordentlich stark dafür sprechen würden, dass die beiden Unterschriften auf den
Formularen "Wahl der Variante" und "Neuabschluss für basis" "Unterschrift (Bera-
terIn)" (Urk. ND 32 6/33a) vom Beschuldigten stammen (Urk. ND 32 22/6). So-
dann kam das Gutachten zum Schluss, dass die Untersuchungsbefunde stark da-
für sprechen würden, dass die Texteinträge auf den Formularen Seite 1 "Wahl der
Variante", Seite 2 und 3 "Neuabschluss für basis", Seite 4 bis 6 "Neuantrag für
Zusatzversicherungen" sowie Formular "casamed hausarzt" stark dafür sprechen
würden, dass die mit blau einfärbendem Kugelschreiber erstellten fraglichen
Texteinträge vom Beschuldigten stammen (Urk. ND 32 22/6).
6.2.13. Sodann hielt das Gutachten auch bezüglich der weiteren untersuchten
Dokumente (betreffend DB._ und DC._) fest, dass die Untersuchungs-
befunde ausserordentlich stark dafür sprechen würden, dass die Unterschriften
auf den Formularen "Unterschrift (BeraterIn)" vom Beschuldigten stammen und
stark dafür, dass die mit blau einfärbendem Kugelschreiber erstellten fraglichen
Texteinträge vom Beschuldigte stammen (Urk. ND 32 22/6).
6.2.14. Weiter kann bezüglich DC._ auf das vom Beschuldigten an diese ge-
sendete E-Mail verwiesen werden, in dem der Beschuldigte ausführt, ihr Vorge-
hen würde ihn befremden. Sie möchte bei ihm versichert sein, sei ihr letztes
- 78 -
WhatsApp gewesen. Aber selbstverständlich möchte er unter keinen Umständen
solche Kunden, die etwas vorgaukeln (Urk. ND 32 8/5). Auffällig ist dabei, dass
der Beschuldigte lediglich festhält, dass sie gesagt habe, sie wolle bei ihm versi-
chert sein, nicht jedoch, dass sie den Versicherungsantrag selber unterschrieben
habe. Demgegenüber behauptete er dann in der Einvernahme vom 18. Januar
2017 DC._ habe alles selbst unterschrieben (Urk. 2/17 S. 6).
6.2.15. DD._ führte zwar aus, dass sie in der BK._ Filiale in BS._
Kontakt mit dem Beschuldigten gehabt habe, da sie die Rechnungen infolge
Trennung der Familienmitglieder habe aufgeteilt haben wollen (Urk. ND 32 9/7
S. 3 f.). Sodann ist dokumentiert, dass der Beschuldigte DD._ am
28. November 2014 per E-Mail eine Offerte zukommen liess, der diese wider-
sprach (Urk. ND 32 9/5 6b). Damit ist ausgewiesen, dass es der Beschuldigte war
– und nicht irgendjemand vom Innendienst, der dem Beschuldigten schlecht ge-
sinnt war –, der DD._ eine Offerte zukommen liess, die nicht dem anlässlich
der Besprechung vorgebrachten Anliegen von DD._ entsprach. Sodann be-
stätigte DD._ gerade nicht, dass der Beschuldigte sich für sie eingesetzt ha-
be (vgl. Urk. 2/17 S. 12). Sie erklärte, sie habe noch ein bis zwei Mal vorsprechen
müssen, bis die Sache geklärt gewesen sei. In diese Reaktivierung sei der Be-
schuldigte jedoch nicht involviert gewesen (Urk. ND 32 9/7 S. 6 f.).
6.2.16. Bezüglich DF._ und DK._ erklärte der Beschuldigte, sie hätten
es (den Antrag) dann eingereicht und es sei abgelehnt worden, weil er bei der al-
ten Kasse noch Schulden gehabt habe (Urk. 2/17 S. 10). Damit gesteht der Be-
schuldigte sinngemäss ein, dass er für DF._ und DK._ Ver-
sicherungsanträge eingereicht hatte.
6.2.17. Soweit der Beschuldigte sodann einwendet, wieso er hätte seine eigene
Cousine hintergehen und damit ein familiäres Zerwürfnis in Kauf nehmen sollen
(Urk. 45 S. 26; Urk. 91 S. 26), ist klarzustellen, dass seine Cousine (CX._)
ausführte, dass sie keinen Kontakt zum Beschuldigten pflege. Dieser habe sich
nach ihrer Trennung bei ihr gemeldet, weil er vermutlich ein Geschäft gewittert
habe (Urk. ND 32 7/2 S. 1). Dies bestätigte sie auch in der staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme (Urk. 7/42 S. 2 f.). Wenn der Beschuldigte nunmehr vorbringt,
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er habe seine Cousine sehr gemocht (Urk. 91 S. 26), erscheint dies aufgrund der
Aussagen von CX._ sehr heuchlerisch. Sodann bestand durchaus die Ge-
fahr, dass die BK._ aufgrund der anstehenden kieferorthopädischen Behand-
lung den Antrag für den Abschluss der Zusatzversicherung abgelehnt hätte. Auch
CX._ widersprach sodann der Darstellung des Beschuldigten, dass er sich
für die Kunden eingesetzt habe, nachdem etwas "schief gelaufen" sei. So erklärte
sie, der Beschuldigte habe gesagt, es gehe nicht mehr, sie könne nicht mehr zu-
rücktreten. Sie habe dann mit Herrn DL._ von der DM._ Kontakt
aufgenommen. Sie habe ihn gebeten, der Sache nachzugehen, da die Franchise
anders gewesen sei. Herr DL._ habe in ihrer Anwesenheit in dessen Büro
den Beschuldigten angerufen. Der Beschuldigte sei nicht besonders freundlich zu
Herrn DL._ gewesen. Sie habe das Gespräch über den Lautsprecher mitver-
folgt. Herr DL._ habe dann das Gespräch abgebrochen und für sie die Kün-
digung der BK._ Versicherung übernommen (Urk. 7/42 S. 9).
6.2.18. Sodann ist anzumerken, dass der Beschuldigte zwar neu in der Firma war.
Jedoch hatte der Beschuldigte zuvor mehrere Jahre bei der N._ als Versi-
cherungsberater gearbeitet. Bei dieser wurde denn auch eine Referenz eingeholt
(Urk. ND 32 1/4). Diese muss positiv ausgefallen sein, sonst hätte man den Be-
schuldigten nicht angestellt. Es ist deshalb nicht ersichtlich, warum man seitens
der BK._ auf den Beschuldigten ein strenges Auge hätte werfen sollen (Urk
45 S. 24, S. 26; Urk. 91 S. 23), muss doch nicht von vornherein erwartet werden,
dass ein Versicherungsberater im Aussendienst Unterschriften fälscht und ein
Versicherungsberater mit der Erfahrung des Beschuldigten seinen Job nicht rich-
tig macht. Im Gegenteil durfte der Beschuldigte darauf vertrauen, dass die von
ihm eingereichten Versicherungsanträge nicht weiter überprüft werden, da dies
ein erheblicher Aufwand nach sich gezogen hätte und die Innendienstmitarbeiter
gewisse Angaben auch gar nicht überprüfen können. Sodann wären kritische
Rückfragen als klares Misstrauensvotum gegenüber dem Beschuldigten zu wer-
ten gewesen, was arbeitsrechtlich nicht unproblematisch gewesen wäre. Sodann
ist notorisch, dass die Innendienstmitarbeiter "lediglich" die "Schreibarbeit" über-
nehmen. Damit ist es aber auch nicht ihre Aufgabe, die Aussendienstmitarbeiter
zu überwachen. Die Innendienstmitarbeiter müssen und dürfen sich auf die Anga-
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ben der Versicherungsberater im Aussendienst verlassen. Bei Massengeschäften
wie Versicherungsabschlüssen ist die Vertrauensbasis zwischen Innen- und Aus-
sendienst immanent. Der Innendienst darf sich grundsätzlich darauf verlassen,
dass von den Aussendienstmitarbeitern korrekte Angaben geliefert werden.
6.2.19. Die Umstände, dass die Unterschriften auf den Formularen teilweise sogar
innerhalb der Antragsunterlagen frappant unterschiedlich waren (Urk. 91 S. 23 f.)
und die Manipulationen theoretisch sehr wohl durch eine andere Person als den
Beschuldigten hätten vorgenommen werden können (Urk. 91 S. 26), vermögen
den Beschuldigten nicht zu entlasten. Einerseits spricht sein Aussageverhalten
gegen ihn, andererseits lassen die vorliegenden Indizien keinen anderen Schluss
zu, als dass diese Unterschriften durch den Beschuldigten gefälscht wurden. Wie
bereits ausgeführt, macht es absolut keinen Sinn, dass der Agenturleiter Anträge
gefälscht haben soll, um den Beschuldigten als unliebsamen Arbeitnehmer los-
zuwerden (vgl. Ziffer 6.2.8.). Es ist auch nicht ersichtlich, was für Vorteile der In-
nendienst davon hätte, Antragsformulare des Beschuldigten zu fälschen, nach-
dem vom Abschluss von Versicherungsverträgen in erster Linie der entsprechen-
de Versicherungsberater profitiert. Es ist auch nicht ersichtlich, wie die Innen-
dienstmitarbeiter an die entsprechenden Angaben der Personen, mit denen der
Beschuldigte nachweislich Kontakt hatte, hätten gekommen sein sollen. Der Be-
schuldigte gestand denn teilweise auch ein, dass er die entsprechenden Anträge
(selber) eingereicht habe (Urk. 2/19 S. 6).
6.2.20. Schliesslich kann der Beschuldigte aus dem Umstand, dass die BK._
dem Beschuldigten ganz "normal" bzw. ordentlich gekündigt hat, nichts zu seinen
Gunsten ableiten (Urk. 45 S. 23). So erscheint es insbesondere im Hinblick auf
bei fristlosen Kündigungen regelmässig folgenden arbeitsrechtlichen Streitigkeiten
in Anbetracht der kurzen Kündigungsfrist nachvollziehbar, dass seitens des Ar-
beitgebers die ordentliche Kündigung unter Einhaltung der vertraglichen Kündi-
gungsfrist vorgezogen wurde. Bei einem arbeitsrechtlichen Streit besteht des Wei-
teren durchaus die Gefahr, dass die Sache an die Öffentlichkeit gelangt, was si-
cher nicht im Interesse der BK._ war.
- 81 -
6.2.21. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das graphologische
Gutachten bezüglich der untersuchten Dokumente zwar offenlässt, ob die Unter-
schriften der Versicherungsnehmer vom Beschuldigten stammen. Dennoch ver-
bleiben angesichts der Beweislage keine erheblichen Zweifel, dass sich der
Sachverhalt wie in der Anklageschrift umschrieben abgespielt hat und der Be-
schuldigte die jeweiligen Unterschriften der Geschädigten auf die entsprechenden
Formulare gesetzt hat. Entgegen der Ansicht der Verteidigung finden sich bei den
entsprechenden Unterschriften keine, die eindeutig nicht vom Beschuldigten
stammen (Urk. 91 S. 24; vgl. Urk. ND 32 22/6 S. 15 ff.). Einzig bezüglich des
Kündigungsschreibens von CY._ und CZ._ ist ein Vorbehalt anzubrin-
gen. Nachdem CY._ und CZ._ übereinstimmend aussagten, das Kündi-
gungsformular
– im Hinblick auf die vom Beschuldigten gemachte und im Anschluss nicht zu-
stande gekommene Offerte – selber unterzeichnet zu haben, ist als erstellt zu er-
achten, dass der Beschuldigte die Unterschriften auf dieser die beiden betreffen-
den Kündigungen, datierend 11.11.2014, nicht nachgemacht hat.
7. Rechtliche Würdigung
7.1. Anklagesachverhalt I.
7.1.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten – soweit nicht die Verjährung
eingetreten ist – in Übereinstimmung mit der Anklage des Erschleichens eines
Ausweises oder einer Bewilligung im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG bzw.
Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG sowie der gewerbsmässigen Hehlerei im Sinne von
Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB schuldig. Die Verteidigung hat keine (über
die bestrittene Erstellung des Sachverhaltes hinausgehende, vgl. Urk. 91 S. 10 f.)
Einwände gegen diese rechtlichen Würdigung erhoben (Urk. 91 S. 3 ff.).
7.1.2. Erschleichen eines Ausweises oder einer Bewilligung (Art. 97 Abs. 1 lit. d
SVG resp. Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG) (ND 14, 15, 26, 28, 29, 30)
7.1.2.1. Gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jah-
ren oder Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich durch unrichtige Angaben, Ver-
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schweigen erheblicher Tatsachen oder Vorlage von falschen Bescheinigungen ei-
nen Ausweis oder eine Bewilligung erschleicht. Darunter fällt namentlich auch der
Fahrzeugausweis gemäss Art. 10 Abs. 1 SVG, der ausschliesslich von den
Verwaltungsbehörden erteilt und entzogen werden kann (Art. 22 SVG). Art. 97
Abs. 2 SVG bestimmt sodann, dass die besonderen Bestimmungen des Strafge-
setzbuches in den Fällen von Art. 97 Abs. 1 SVG keine Anwendung finden. Diese
Bestimmungen traten am 1. Januar 2012 in Kraft. Diese revidierte Bestimmung
entspricht inhaltlich der alten bis Ende 2011 gültigen Fassung von Art. 97 Ziff. 1
Abs. 4 aSVG, weshalb bezüglich der Taten, die nach dem 28. November 2011
und vor dem 1. Januar 2012 erfolgten (ND 28, ND 29 und ND 30), weiterhin das
alte Recht anzuwenden ist, da das neue Recht im konkreten Fall nicht milder ist
(Art. 102 Abs. 1 SVG in Verbindungen mit Art. 2 Abs. 1 und 2 StGB), zumal auch
die Strafandrohungen gleich lauten.
7.1.2.2. Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG bildet eine lex specialis zu Art. 253 StGB und gilt,
soweit allein Ausweise oder Bewilligungen aus dem Strassenverkehrsrecht zur
Diskussion stehen. Den Tatbestand erfüllt objektiv, wer durch ein bestimmtes
Verhalten täuscht und dadurch einen Ausweis oder eine Bewilligung erschleicht,
den bzw. die die zuständige Behörde im Wissen um den Täuschungsumstand
nicht ausgestellt hätte. Die massgeblichen Täuschungsmittel bestehen im Machen
unrichtiger Angaben, Verschweigen erheblicher Tatsachen oder Vorlegen von
falschen Bescheinigungen. Unrichtig sind Angaben dann, wenn sie mit der
Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Wenn die strafbare Handlung zwar im Zusam-
menhang mit Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG begangen wird, aber gleichzeitig eine von
dieser Bestimmung unabhängige Straftat darstellt, besteht Realkonkurrenz und
die Täterschaft ist zusätzlich wegen Verletzung der einschlägigen Tatbestände
des Strafgesetzbuches schuldig zu sprechen (BSK SVG-Bähler, Art. 97 N 20 ff.
mit Verweis auf BGE 111 IV 24). In den Fällen, in denen die Tathandlung nicht
weitergeht als zur Erfüllung des Tatbestands gemäss Art. 97 Abs. 1 SVG, finden
die Bestimmungen des besonderen Teils des Strafgesetzbuches keine Anwen-
dung. Umgekehrt hat eine Bestrafung wegen weiterer Delikte zu erfolgen, wenn
die strafbare Handlung weitergeht als zur Erfüllung der in Art. 97 Abs. 1 SVG ge-
nannten Tatbestände erforderlich. Eine Bestrafung wegen weiterer Delikte des
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besonderen Teils des Strafgesetzbuches hat demnach zu erfolgen, wenn die
strafbare Handlung zwar im Zusammenhang mit einer Verletzung nach Art. 97
Abs. 1 SVG erfolgt ist, aber neben dieser auch eine von dieser gesetzlichen Be-
stimmung unabhängige Straftat erfüllt (BSK SVG-Bähler, Art. 97 N 33 mit Verweis
auf BGE 111 IV 24). Dies verhält sich bezüglich Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG nicht
anders. Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (BSK
SVG-Bähler, Art. 97 N 22).
7.1.2.3. Die Korrektur der Anklageschrift, wonach der Beschuldigte bezüglich
ND 26 (und ND 13 [verjährt]) die von ihm gefälschten Löschungsformulare nicht
selber dem Strassenverkehrsamt, sondern I._ resp. einer nicht eruierbaren
Drittperson übergeben hatte, ändert nichts an der rechtlichen Würdigung des
Sachverhaltes, wusste der Beschuldigte doch, wofür I._ resp. die Drittperson
dieses Formular brauchte, und übergab er diese diesen für diesen Zweck. Damit
waren die Handlungen von I._ resp. einer Hilfsperson von diesem resp. einer
Drittperson vom Beschuldigten mitgetragen (Mittäterschaft).
7.1.2.4. Der Beschuldigte ist somit gemäss erstelltem Sachverhalt bezüglich
ND 14, ND 15, ND 26, ND 28, ND 29 und ND 30 des mehrfachen Erschleichen
eines Ausweises oder einer Bewilligung im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG
resp. Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG schuldig zu sprechen.
7.1.3. Hehlerei (Art. 160 StGB; ND 1-18, ND 26-31)
7.1.3.1. Der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer
eine Sache, von der er weiss oder annehmen muss, dass sie ein anderer durch
eine strafbare Handlung gegen das Vermögen erlangt hat, erwirbt, sich schenken
lässt, zum Pfande nimmt, verheimlicht oder veräussern hilft. In subjektiver Hin-
sicht wird Vorsatz oder Eventualvorsatz vorausgesetzt. Der Hehler muss im Mo-
ment seines Handelns mindestens um die Möglichkeit wissen, dass der Gegen-
stand deliktisch erlangt wurde, und sie in Kauf nehmen (Donatsch in: Donatsch/
Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], Kommentar StGB, 20. Aufl. 2018, Art. 160
N 12).
- 84 -
7.1.3.2. Die Sache muss ein anderer (Vortäter) durch eine gegen fremdes Ver-
mögen gerichtete strafbare Handlung (Vortat) erlangt haben. Der Vortäter kann
nicht sein eigener Hehler sein. Als Veräusserung gilt jede wirtschaftliche Verwer-
tung der Sache durch rechtsgeschäftliche Übertragung in fremde Verfügungsge-
walt. Die Verwertung braucht nicht entgeltlich zu sein. Die Tathandlung scheidet
bei Personen aus, die zuvor Verfügungsmacht über die Sache erlangt haben. Die
Tathandlung setzt schon vom Wortlaut her die Unterstützung des Vortäters oder
bösgläubigen Vorbesitzers voraus. Der Hehler hilft die Sache zu veräussern,
wenn er im Interesse des Vortäters oder Vorbesitzers und mit dessen Einver-
ständnis an der Verwertung des Deliktsgutes mitwirkt, d. h. diesen dabei in rele-
vanter Weise unterstützt. Der Täter muss seinen Beitrag deshalb im Interesse und
mit (ausdrücklichem, konkludentem oder nur mutmasslichem) Einverständnis des
Vortäters oder eines Dritten (insb. des Hehlers) leisten, selbst wenn er auch eige-
ne Interessen verfolgt. Die Tathandlung der Veräusserungshilfe setzt keine eige-
ne Verfügungsgewalt über die Sache voraus. Zudem ist ohne Belang, ob die Hilfe
zur Veräusserung entschädigt wurde oder unentgeltlich erfolgte. Subjektiv erfor-
dert die Hehlerei Vorsatz. Dieser muss sich insbesondere auf den Umstand be-
ziehen, dass die Sache durch eine strafbare Handlung gegen das Vermögen er-
langt wurde, wobei genaue Kenntnis der Straftat nicht erforderlich ist. Eventual-
vorsatz reicht in jedem Fall aus. Der Hehler muss nicht mit Bereicherungsabsicht
handeln (BSK StGB II-Weissenberger, Art. 160 N 18 ff., N 56 ff.).
7.1.3.3. Die gewerbsmässige Begehung von Vermögensdelikten setzt gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung berufsmässiges Handeln voraus, welches
vorliegt, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die der Täter für die deliktische
Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimm-
ten Zeitraums sowie aus den angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass
er die deliktische Tätigkeit nach der Art eines Berufs ausübt (BGE 116 IV 335
E. 2). Ferner ist erforderlich, dass der Täter die Tat bereits mehrfach begangen
hat und in der Absicht handelte, ein Erwerbseinkommen zu erlangen, und dass
aufgrund seiner Taten geschlossen werden muss, er sei zu einer Vielzahl von un-
ter den fraglichen Tatbestand fallenden Taten bereit gewesen. In dieser Bereit-
- 85 -
schaft manifestiert sich die besondere soziale Gefährlichkeit des Täters, welche
die Qualifikation rechtfertigt (BGE 123 IV 116 E. 2).
7.1.3.4. Gemäss erstelltem Sachverhalt war der Beschuldigte über einen Zeitraum
von rund 16 Monaten in 30 Fällen von Codelöschungen involviert, wobei sein
Beitrag darin bestand, die für die Löschungen erforderlichen Formulare zu fäl-
schen und beim Strassenverkehrsamt einzureichen oder diese Drittpersonen zu
übergeben, die diese dann beim Strassenverkehrsamt einreichten, was der Be-
schuldigte wusste. Dabei musste er annehmen, dass die entsprechenden Fahr-
zeuge, für die er diese Formulare fälschte, durch strafbare Handlungen erlangt
worden waren. Auch wenn nicht erstellt werden kann, dass der Beschuldigte für
seine Dienstleistungen gesamthaft tatsächlich Fr. 71'500.– von I._ entge-
gennahm, ist erstellt, dass der Beschuldigte für seine Dienstleistungen, die er re-
gelmässig erbrachte, eine Entschädigung pro Fahrzeug in der Höhe von Fr.
2'500.– (resp. Fr. 14'000.– für die sieben Smarts) forderte. Ausgehend davon,
dass der Beschuldigte über einen Zeitraum von rund 16 Monaten in 30 Fällen
Codelöschungen vornahm, drängt sich der Schluss auf, dass der Beschuldigte in
der Absicht handelte, regelmässige Einkünfte zu erzielen. Somit liegt ein ge-
werbsmässiges Handeln vor.
7.1.3.5. Auch hier gilt sodann, dass die Korrektur der Anklageschrift, wonach der
Beschuldigte bezüglich ND 26 und ND 13 die von ihm gefälschten Löschungs-
formulare nicht selber dem Strassenverkehrsamt, sondern I._ resp. einer
nicht eruierbaren Drittperson übergeben hatte, nichts an der rechtlichen Würdi-
gung des Sachverhaltes ändert, wusste der Beschuldigte doch, wofür I._
resp. die Drittperson dieses Formular brauchte und übergab er diese diesen für
diesen Zweck. Damit waren die Handlungen von I._ resp. einer Hilfsperson
von diesem resp. einer Drittperson vom Beschuldigten mitgetragen (Mittäter-
schaft).
7.1.3.6. Dementsprechend ist der Beschuldigte betreffend ND 1-18 und ND 26-31
der gewerbsmässigen Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2
StGB schuldig zu sprechen.
- 86 -
7.1.4. Fazit
Der Schuldspruch der Vorinstanz ist zu bestätigen. Die Tathandlungen des
Beschuldigten erfüllen die Tatbestände des mehrfachen Erschleichen eines Aus-
weises oder einer Bewilligung im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG resp. Art. 97
Ziff. 1 Abs. 4 aSVG (ND 14, 15, 26, 28, 29, 30) und der gewerbsmässigen Hehle-
rei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB (ND 1-18, 26-31).
7.2. Anklagesachverhalt II.
7.2.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten der mehrfachen Gehilfenschaft
zur Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 25 StGB, der gewerbsmässigen Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1
und Ziff. 2 StGB (ND 19-21), der Gehilfenschaft zur versuchten Veruntreuung im
Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 und Art. 25
StGB (ND 25) und der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 1 StGB (ND 22 und 23) schuldig.
7.2.2. Wie ausgeführt (vgl. Ziffer 5.2.3.14.) erfüllt der in Anklage Ziffer II. 1.2.
beschriebene Sachverhalt den Tatbestand der Hehlerei nicht, weshalb sich der
Beschuldigte bezüglich ND 19-21 nicht der (gewerbsmässigen) Hehlerei im Sinne
von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB schuldig gemacht hat. Dies ändert je-
doch nichts an der Verurteilung des Beschuldigten wegen gewerbsmässiger Heh-
lerei bezüglich der übrigen begangenen Hehlereidelikten (vgl. Ziffer 7.1.3.).
7.2.3. In der Lehre und Praxis ist sodann strittig, ob sich der Teilnehmer an der
Vortat auch noch als Hehler strafbar machen kann. Das Bundesgericht und ein
Teil der Lehre nehmen an, es bestehe zwischen Gehilfenschaft zur Vortat und
Hehlerei echte Konkurrenz, weil die blosse Förderung der Haupttat die Hehlerei
jedenfalls nicht vollständig erfasse. Damit unterstünde aber derjenige, der die Vor-
tat lediglich fördert und anschliessend eine Hehlereihandlung begeht, einem ins-
gesamt höheren Strafrahmen als der Vortäter. Das kann offensichtlich nicht richtig
sein. Vorzuziehen ist deshalb die Gegenauffassung, wonach mit der Bestrafung
wegen Hehlerei die Gehilfenschaftshandlung vollständig abgegolten ist: Hehlerei
würde die Gehilfenschaft an der Vortat konsumieren (BSK StGB-Weissenberger,
- 87 -
Art. 160 N 95, N 98). Wie noch zu zeigen sein wird, wäre das dem Beschuldigten
in Anklagesachverhalt Ziffer II. 1.1. vorgehaltene Verhalten jedoch nicht als mehr-
fache Gehilfenschaft zur Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
in Verbindung mit Art. 25 StGB, sondern als Veruntreuung im Sinne von Art. 138
Ziff. 1 StGB zu qualifizieren (vgl. nachfolgend Ziffer 7.2.4.). Mangels Anfechtung
seitens der Staatsanwaltschaft kann jedoch nicht über den Schuldspruch der
Vorinstanz hinausgegangen werden (Art. 391 Abs. 2 StPO).
7.2.4. Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 StGB)
7.2.4.1. Wer sich eine ihm anvertraute fremde bewegliche Sache aneignet, um
sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, macht sich der Verun-
treuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig.
7.2.4.2. Veruntreuung kann nur von demjenigen begangen werden, dem die Sa-
che oder das Vermögen anvertraut worden ist (BSK StGB II-Niggli/Riedo, Art. 138
N 9). Anvertraut ist eine Sache, wenn sie mit der Verpflichtung empfangen wird,
es in bestimmter Weise im Interesse eines andern zu verwenden, insbesondere
es zu verwahren, zu verwalten oder abzuliefern. Die Sache muss mit dessen Wil-
len in den Gewahrsam des Täters übergehen (BSK StGB II-Niggli/Riedo Art. 138
N 40 und N 75 f.). Der Täter muss die tatsächliche Verfügungsmacht über die Sa-
che erlangen. Bei der Verfügungsmacht handelt es sich um ein faktisches (nicht
rechtliches) Verhältnis (BGE 143 IV 297 E. 1.4). Eine Manifestation des
Aneignungswillens liegt dann vor, wenn der Täter nach aussen erkennbar seinen
Willen bekundet, über die Sache zu verfügen wie ein Eigentümer. Entsprechend
liegt Aneignung schon im Angebot zum Verkauf und nicht erst im Verkauf selbst
vor (BSK StGB II-Niggli/Riedo, Art. 138 N 104). Subjektiv wird Vorsatz verlangt,
der sich insbesondere auf die Fremdheit der Sache, die dauernde Enteignung und
die zumindest vorübergehende Aneignung beziehen muss. Weiter ist die Absicht
unrechtmässiger Bereicherung notwendig (BSK StGB II-Niggli/Riedo, Art. 138
N 112 f.).
7.2.4.3. Die Vorinstanz kam bezüglich Anklagesachverhalt Ziffer II. 1.1. (ND 19-
21) zum Schluss, dass ungenügend habe geklärt werden können, ob die Fahr-
- 88 -
zeuge direkt von I._ übernommen worden seien und damit der tatsächliche
Gewahrsam dem Beschuldigten verwehrt geblieben sei (Urk. 64 S. 49). In der
Folge kam sie zum Schluss, dass eine Bestrafung wegen Gehilfenschaft zur Ver-
untreuung und Hehlerei zu einer milderen Strafe führe als eine Verurteilung we-
gen einer vollendeten Veruntreuung. Der Beschuldigte sei deshalb unter Berück-
sichtigung des Grundsatzes in dubio pro reo in allen drei Fällen der Gehilfenschaft
zur Veruntreuung sowie der Hehlerei schuldig zu sprechen (Urk. 64 S. 49 f.). Ge-
mäss erstelltem Sachverhalt hatte der Beschuldigte jedoch die Fahrzeugschlüssel
entgegengenommen, und hat damit Gewahrsam an den Fahrzeugen begründet,
den er in der Folge mit der Übergabe der Fahrzeugschlüssel an I._ weiter-
gab. Der Beschuldigte wäre deshalb in allen drei Fällen der (vollendeten) Verun-
treuung schuldig zu sprechen. Der Staatsanwalt hat jedoch den Schuldspruch der
(lediglich) mehrfachen Gehilfenschaft zur Veruntreuung im Sinne von Art. 138
Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB nicht angefochten, weshalb
nicht zuungunsten des Beschuldigten vom vorinstanzlichen Schuldspruch abge-
wichen werden kann (Art. 391 Abs. 2 StPO). Der Beschuldigte ist deshalb der
mehrfachen Gehilfenschaft zur Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB schuldig zu sprechen. Nachdem der dem
Beschuldigten in Anklageziffer II. 1.2. vorgehaltene Sachverhalt den Tatbestand
der Hehlerei – wie ausgeführt (vgl. Ziffer 5.2.3.14 und 7.2.2) – nicht erfüllt, ist der
Beschuldigte bezüglich ND 19-21 jedoch nicht zusätzlich der Hehlerei schuldig zu
sprechen.
7.2.4.4. Bezüglich Anklagesachverhalt Ziffer II. 2. (ND 25) führt die Vorinstanz zu
Recht aus, dass die Vollendung der Tat voraussetze, dass der Treunehmer die
Sache empfange, und vorliegend ausser Frage stehe, dass der Beschuldigte das
Fahrzeug nicht in Empfang genommen habe. Die versuchte Veruntreuung setzt
zumindest den Willen zur Bildung des tatsächlichen Gewahrsams an der verun-
treuten Sache voraus. Weiter hält die Vorinstanz zutreffend fest, dass BI._
zwar behauptete, der Beschuldigte habe gesagt, dass er das Fahrzeug an einem
anderen Tag abholen wolle, jedoch aus der Anklageschrift nicht hervorgeht, dass
der Beschuldigte zu einem späteren Zeitpunkt beabsichtigt habe, das Fahrzeug in
Empfang zu nehmen.
- 89 -
7.2.4.5. Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder
Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur
Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht ein, liegt eine versuchte Tatbegehung
vor (Art. 22 Abs. 1 StGB). Führt der Täter aus eigenem Antrieb die strafbare Tä-
tigkeit nicht zu Ende, so kann das Gericht die Strafe mildern oder von einer Be-
strafung absehen (Art. 23 Abs. 1 StGB).
7.2.4.6. Mit dem Abschluss des Leasingvertrags wurde die Veruntreuung begon-
nen. Es liegt deshalb eine versuchte Handlung vor. Elemente für einen Rücktritt
sind nicht ersichtlich und werden vom Beschuldigten auch nicht geltend gemacht.
Somit wäre der Beschuldigte der versuchten (vollendeten) Veruntreuung schuldig
zu sprechen. Da aber auch der diesbezügliche Schuldspruch der Gehilfenschaft
zur versuchten Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 25 StGB von der Staatsanwaltschaft nicht
angefochten wurde, kann nicht zuungunsten des Beschuldigten vom vorinstanz-
lichen Schuldspruch abgewichen werden (Art. 391 Abs. 2 StPO). Demnach ist der
Beschuldigte der Gehilfenschaft zur versuchten Veruntreuung im Sinne von
Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 25
StGB schuldig zu sprechen.
7.2.4.7. Bezüglich Anklagesachverhalt Ziffer II. 3. (ND 22 und 23) ist sodann noch
anzumerken, dass zwar der Verkauf der Fahrzeuge ins Ausland nicht erstellt
werden kann. Da aber bereits das Anbieten zum Kauf zur Erfüllung des Straftat-
bestands genügt, und erstellt ist, dass der Beschuldigte die Fahrzeuge I._
zum Kauf angeboten hatte, ist der Tatbestand der mehrfachen Veruntreuung im
Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB erfüllt.
7.2.5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte be-
züglich Anklagesachverhalt II. der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von
Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (ND 22 und 23) und der mehrfachen Gehilfenschaft
zur Veruntreuung, teilweise zur versuchten Veruntreuung, im Sinne von Art. 138
Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 und Art. 25 StGB (ND 19-21,
ND 25) schuldig zu sprechen ist.
- 90 -
7.3. Anklagesachverhalt III.
7.3.1. Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB)
7.3.1.1. Wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu
schädigen oder sich oder einen andern einen unrechtmässigen Vorteil zu ver-
schaffen, eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das
echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt
oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden
lässt, macht sich der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1
und 2 StGB schuldig. Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz hinsichtlich aller
objektiven Tatbestandsmerkmale, wobei Eventualvorsatz genügt (BGE 138 IV
130 E. 2.1).
7.3.1.2. Urkunden sind Schriften, die geeignet sind, eine Tatsache von rechtlicher
Bedeutung zu beweisen (Art. 110 Abs. 4 StGB). Das Wesentliche an einer Urkun-
de ist der Inhalt. Nur diesem Inhalt kommt der spezifische Beweiswert zu, um
dessen Willen die Urkunde geschützt wird. Die Schrift muss daher eine Gedan-
kenerklärung verkörpern. Soweit es um den Schutz des Rechtsverkehrs geht,
sind Schriften nur Urkunden, wenn sie Beweismittel für eine Tatsache von rechtli-
cher Bedeutung sind. Rechtlich erheblich sind diejenigen Tatsachen, die allein
oder in Verbindung mit anderen Tatsachen die Entstehung, Erhaltung, Feststel-
lung, Veränderung, Übertragung oder Aufhebung eines Rechts oder einer Pflicht
bewirken. Es genügt, dass der Inhalt des Schriftstücks in irgendeiner Hinsicht
rechtlich bedeutsam werden könnte. Die Schrift muss ferner zum Beweis im
Rechtsverkehr bestimmt und geeignet sein. Schliesslich erfordert der Urkunden-
begriff als ungeschriebenes Merkmal die Erkennbarkeit des Ausstellers (BSK
StGB I-Boog, Art. 110 Abs. 4 N 13 ff.).
7.3.1.3. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte Antragsformulare für
den Neuabschluss von Krankenpflegeversicherungen und Zusatzversicherungen
sowie für die Kündigung der bestehenden Versicherungen für verschiedene
Geschädigte erstellt und auf diese Dokumente selber die jeweilige Unterschrift der
Geschädigten gesetzt. Mit der Unterzeichnung der entsprechenden Antrags-
- 91 -
formulare und der Kündigung wird der Wille erklärt, eine bestimmte Versicherung
abzuschliessen und ein – bei einer anderen Versicherung – bestehenden Ver-
sicherungsvertrag aufzulösen. Diese Formulare und Schreiben sind deshalb als
Urkunden im Sinne von Art. 110 Abs. 4 StGB zu qualifizieren. Die entsprechen-
den Formulare und Schreiben wurden nicht von den betroffenen Geschädigten
unterzeichnet sondern vom Beschuldigten mit der jeweiligen Unterschrift der be-
troffenen Geschädigten versehen.
7.3.1.4. Der Beschuldigte hat sich demnach der mehrfachen Urkundenfälschung
im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB schuldig gemacht.
7.3.2. Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB)
7.3.2.1. Wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern,
jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig
irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem
Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen
schädigt, macht sich des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig.
7.3.2.2. Die Verteidigung macht geltend, dass aufgrund der unterschiedlichen
Unterschriften und weiteren Angaben sofort hätte auffallen müssen, dass mit den
fraglichen Anträgen etwas nicht stimme. Die Innendienstmitarbeiter hätten des-
halb sehr wohl allen Grund gehabt, eine interne Überprüfung zu veranlassen. Bei
derart stümperhaften und in sich völlig unstimmigen Fälschungen könne unmög-
lich damit gerechnet werden, dass sich jemand davon ernsthaft täuschen lasse.
Unter diesen Umständen könne von Arglist keine Rede sein (Urk. 45 S. 27 ff.;
Urk. 91 S. 24 f., S. 27).
7.3.2.3. Nicht jede Täuschung im Zusammenhang mit dem Geschäftsverkehr oder
– weiter formuliert – in Vermögensangelegenheiten genügt zur Erfüllung des
Betrugstatbestandes, vielmehr verlangt das Gesetz einschränkend, dass die
Täuschung arglistig zu sein habe. Nach der Praxis des Bundesgerichts definiert
sich Arglist wie folgt: "Arglist ist nach ständiger Rechtsprechung gegeben, wenn
der Täter ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaf-
- 92 -
ten oder Kniffe bedient. Bei einfachen falschen Angaben ist das Merkmal erfüllt,
wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht
zumutbar ist, sowie dann, wenn der Täter den Getäuschten von der möglichen
Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass dieser die Über-
prüfung der Angaben aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unter-
lassen werde" (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2; s. a. BGE 135 IV 76 E. 5.2; BSK StGB
II-Maeder/ Niggli, Art. 146 N 61 ff. m.w.H.).
7.3.2.4. Das Kriterium der Überprüfbarkeit ist auch bei Lügengebäuden und be-
sonderen Machenschaften von Bedeutung. Jedoch liegt gemäss bundesgerichtli-
cher Rechtsprechung "grundsätzlich" Arglist vor, wenn der Täter mit gefälschten
Urkunden operiert, "da im geschäftlichen Verkehr grundsätzlich auf die Echtheit
von Urkunden vertraut werden darf". Anders kann es sein, "wenn sich aus den
vorgelegten Urkunden selbst ernsthafte Anhaltspunkte für deren Unechtheit erge-
ben" (BSK StGB II-Maeder/Niggli, Art. 146 N 103 mit Verweis auf BGer-Urteil
6S.74/2006 vom 3. Juli 2006). Arglist scheidet aus, wenn das Opfer die grundle-
gendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet hat. Entsprechend entfällt der
strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, sondern nur bei
Leichtfertigkeit (BGer-Urteil 6S.74/2006 vom 3. Juli 2006 mit Verweis auf BGE
128 IV 18 E. 3a).
7.3.2.5. Wie bereits im Sachverhalt ausgeführt, durfte der Beschuldigte sehr wohl
davon ausgehen, dass die Echtheit der von ihm eingereichten Versicherungsan-
träge nicht weiter geprüft wird, und es ist aufgrund des zwischen der BK._
AG und dem Beschuldigten bestehenden Arbeitsverhältnisses von einem beson-
deren Vertrauensverhältnis auszugehen. Aufgrund dieses Vertrauensverhältnis-
ses musste der Innendienst selbst aufgrund der teilweise nicht ganz ordentlich
ausgefüllten Formularen nicht darauf schliessen, dass ihr Aussendienstmitarbeiter
gefälschte Antragsformulare einreicht. Bei den Formularen handelte es sich zu-
dem mehrheitlich um Anträge von Personen mit fremdländischen Namen, womit
allfällige Differenzen und Fehler mit Verständigungsproblemen erklärt werden
können. Im Weiteren kann auf die Ausführungen in Ziffer 6.2.18. verwiesen wer-
den.
- 93 -
7.3.2.6. Der Schuldspruch der Vorinstanz ist somit zu bestätigten und der Be-
schuldigte ist des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (ND 32
Fälle 2-4 und 7-11) und – in Korrektur des vorinstanzlichen Urteils – soweit die
Provision nicht ausbezahlt wurde (ND 32 Fälle 1 und 5-6) des mehrfachen ver-
suchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
8. Strafzumessung
8.1. Vorbemerkungen
8.1.1. Die Vorinstanz sprach eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten und eine Geld-
strafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 60.– aus, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe
sowie der Geldstrafe aufgeschoben und die Probezeit auf vier Jahre festgesetzt
wurde (Urk. 64 S. 124).
8.1.2. Die Staatsanwaltschaft beantragt, der Beschuldigte sei mit einer Freiheits-
strafe von 50 Monaten zu bestrafen. Sie bemängelt insbesondere, dass die
Vorinstanz aufgrund der langen Verfahrensdauer die Strafe um einen Drittel
reduzierte. Sodann sei das Verschulden des Beschuldigten im Hinblick auf die
gewerbsmässige Hehlerei keineswegs als leicht zu veranschlagen. Weiter wirke
sich die Delinquenz während der laufenden Untersuchung korrekterweise als
erheblich und nicht nur geringfügig straferhöhend aus (Urk. 65 S. 3 ff.; Urk. 90 S.
3 f.).
8.1.3. Am 1. Januar 2018 sind revidierte Bestimmungen des allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches, das neue Sanktionenrecht, in Kraft getreten. Gemäss
Art. 2 StGB wird ein Straftäter grundsätzlich nach demjenigen Recht beurteilt, das
bei Begehung der Tat in Kraft war. Jedoch ist eine zwischen der Tatbegehung
und der gerichtlichen Beurteilung in Kraft getretene Revision zu berücksichtigen,
wenn das neue Recht das mildere ist. Unter Beurteilung ist die Fällung eines Sa-
churteils zu verstehen, selbst wenn es sich nicht um das erste handelt, weil es
beispielsweise im Berufungsverfahren ergeht (Trechsel/Vest, Praxiskommentar
- 94 -
StGB, 3. Aufl. 2018, Art. 2 N 7). Im Folgenden ist diesen Grundsätzen Rechnung
zu tragen.
8.1.4. Im Weiteren kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zum
Strafrahmen und zur Strafzumessung im Allgemeinen (Urk. 64 S. 85 ff.) verwie-
sen werden.
8.2. Strafzumessung in concreto
8.2.1. Gewerbsmässige Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2
StGB (ND 1-18 und ND 26-31)
8.2.1.1. Wer sich der gewerbsmässigen Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1
Abs. 1 und Ziff. 2 StGB schuldig macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jah-
ren oder Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen bestraft (Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1
und Ziff. 2 StGB).
8.2.1.2. Bezüglich der objektiven Tatschwere kann grundsätzlich auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Der Tatbeitrag des Be-
schuldigten war von ausschlaggebender Bedeutung für Verkaufsbemühungen von
I._. Er kann denn auch nicht einfach als dessen Befehlsempfänger angese-
hen werden, sondern eher als dessen "Geschäftspartner". Der Gesamtwert der
Fahrzeuge belief sich auf rund Fr. 1,6 Mio. Auch wenn die lange und regelmässi-
ge Delinquenz des Beschuldigten bereits in der Qualifikation des Straftatbestands
als gewerbsmässig enthalten ist, ist bedeutsam, wie oft und über welchen Zeit-
raum der Beschuldigte delinquierte. Unter Berücksichtigung der gewerbsmässi-
gen Tatbegehung erscheint die Anzahl der Delikte noch verhältnismässig über-
schaubar. Jedoch delinquierte der Beschuldigte über einen Zeitraum von rund 16
Monaten. Sodann delinquierte er an einzelnen Tagen zum Teil mehrfach. Diese
"Leistungsbereitschaft" offenbart eine grosse kriminelle Energie. Im Verhältnis zu
den Werten der Fahrzeuge ist die vom Beschuldigten erzielte resp. angestrebte
Entschädigung jedoch eher bescheiden. So erwirtschaftete er resp. zielte er auf
eine Entschädigung in Höhe von rund Fr. 71'500.–. Insgesamt erweist sich das
objektive Tatverschulden des Beschuldigten als nicht mehr leicht.
- 95 -
8.2.1.3. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere kann ebenfalls auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Es ist zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte direktvorsätzlich und aus rein finanziellen und damit egois-
tischen Motiven handelte. Nachvollziehbare Beweggründe oder Anhaltspunkte,
die das subjektive Verschulden des Beschuldigten milder erscheinen lassen wür-
den, liegen nicht vor. Gemäss seinen eigenen Angaben verdiente der Beschuldig-
te im damaligen Zeitpunkt überdurchschnittlich gut. Geldprobleme hatte er damals
folglich keine und sein Handeln muss auf die reine Gier oder Profilierungsdrang
zurückgeführt werden, dass der Beschuldigte sich auf die Geschäfte mit I._
einliess. Die subjektiven Verschuldenselemente wirken sich unwesentlich strafer-
höhend aus.
8.2.1.4. Insgesamt ist das Verschulden somit als nicht mehr leicht zu qualifizieren
und die Einsatzstrafe auf 30 Monate festzusetzen.
8.2.2. Mehrfache Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (ND 22
und ND 23)
8.2.2.1. Wer sich eine ihm anvertraute fremde bewegliche Sache aneignet, um
sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, wird mit Freiheitsstra-
fe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB).
8.2.2.2. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zunächst die mehrfache Tatbe-
gehung zu berücksichtigen. Die beiden Fahrzeuge hatten einen Gesamtwert von
knapp Fr. 90'000.– und der Beschuldigte wollte mit dem Verkauf dieser Fahrzeu-
ge einen ihm nicht zustehenden Erlös von Fr. 35'000.– erzielen. Der Beschuldigte
missbrauchte eine ihm sich anerbotene Situation und das Vertrauen, das ihm ent-
gegengebracht wurde. Es ist von einer grossen kriminellen Energie auszugehen.
Insgesamt erweist sich das objektive Tatverschulden unter Berücksichtigung des
weiten Strafrahmens bis fünf Jahre Freiheitsstrafe als noch leicht.
8.2.2.3. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte aus
rein finanziellen Motiven und direktvorsätzlich handelte. Es gilt auch hier das
schon Ausgeführte: Gemäss seinen eigenen Angaben verdiente der Beschuldigte
- 96 -
im damaligen Zeitpunkt überdurchschnittlich gut. Geldprobleme hatte er damals
folglich keine und die Delinquenz des Beschuldigten ist auf die reine Gier oder
Profilierungsdrang zurückzuführen. Nachvollziehbare Beweggründe oder Anhalts-
punkte, die das subjektive Verschulden des Beschuldigten milder erscheinen
lassen würden, liegen nicht vor. Die subjektiven Verschuldenselemente wirken
sich unwesentlich straferhöhend aus.
8.2.2.4. In Würdigung der gesamte Umstände ist das Verschulden als noch leicht
zu qualifizieren und die Einsatzstrafe/Einzelstrafe auf 6 Monate Freiheitsstrafe
festzusetzen. Die aus den Einzelstrafen resultierende Gesamtstrafe übersteigt
den Strafrahmen einer Geldstrafe deutlich. Die Bestrafung mit einer (milderen)
Geldstrafe fällt wie auch bei den nachfolgenden Einzelstrafen angesichts des
Ausmasses des (Einzeltat-)Verschuldens ausser Betracht.
8.2.3. Mehrfache Gehilfenschaft zur Veruntreuung (ND 19-21) und zur versuchten
Veruntreuung (ND 25) im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 und Art. 25 StGB
8.2.3.1. Wer sich eine ihm anvertraute fremde bewegliche Sache aneignet, um
sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, wird mit Freiheitsstra-
fe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB).
Wer zu einem Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet, wird milder be-
straft (Art. 25 StGB). Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Ver-
brechens oder Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende, so
kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB).
8.2.3.2. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte Gehilfenschaft zur Veruntreuung von drei Fahrzeugen (zwei BMW
D 118i und ein BMW 120d) leistete. Bezüglich des BMW X5 blieb es bei einem
Versuch. Die drei 1er BMWs wiesen insgesamt einen Wert von knapp
Fr. 120'000.– auf. Beim BMW X5 handelte es sich um ein äusserst wertvolles
Fahrzeug mit einem Wert von ca. Fr. 116'550.–. Die Vorinstanz hielt zutreffend
fest, dass der Beschuldigte gezielt und organisiert vorging und beabsichtigte, ei-
nen (ihm nicht zustehenden) Gewinn zu erzielen. Dabei ist nicht relevant, dass er
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das Geld nicht erhalten hat. Der Beschuldigte handelte, auch wenn er nicht als
Haupttäter, sondern "nur" als Gehilfe agierte, aus eigenem Antrieb und initiierte
mit dem Erwirken der Leasingverträge die Delikte. Das Vorgehen des Beschuldig-
ten offenbart eine grosse kriminelle Energie. Bezüglich des BMW X5 ist sodann
zu berücksichtigen, dass es bei einem Versuch blieb und der Beschuldigte der
Übergabe des Fahrzeugs von sich aus fernblieb. Insgesamt erweist sich das ob-
jektive Tatverschulden unter Berücksichtigung des weiten Strafrahmens bis fünf
Jahre Freiheitsstrafe als gerade noch leicht.
8.2.3.3. In subjektiver Hinsicht kann angemerkt werden, dass der Beschuldigte
auch hier einzig finanziell und damit egoistisch motiviert handelte. Er handelte mit
direkten Vorsatz. Nachvollziehbare Beweggründe oder Anhaltspunkte, die das
subjektive Verschulden des Beschuldigten milder erscheinen lassen würden, lie-
gen nicht vor. Gemäss seinen eigenen Angaben verdiente der Beschuldigte im
damaligen Zeitpunkt überdurchschnittlich gut. Geldprobleme hatte er damals folg-
lich keine und die Delinquenz des Beschuldigten ist auf die reine Gier oder Profi-
lierungsdrang zurückzuführen. Die subjektiven Verschuldenselemente wirken sich
unwesentlich straferhöhend aus.
8.2.3.4. In Würdigung der gesamte Umstände ist das Verschulden als gerade
noch leicht zu qualifizieren. Unter Berücksichtigung von Art. 25 StGB und Art. 22
Abs. 1 StGB rechtfertigt es sich, die Einzelstrafe für die mehrfache Gehilfenschaft
zur Veruntreuung (ND 19-21) auf 4 Monate und für die Gehilfenschaft zur ver-
suchten Veruntreuung (ND 25) auf 2 Monate festzusetzen. Nachdem die aus den
Einzelstrafen resultierende Gesamtstrafe den Strafrahmen einer Geldstrafe deut-
lich übersteigt, fällt die Bestrafung mit einer (milderen) Geldstrafe angesichts des
Ausmasses des (Einzeltat-)Verschuldens ausser Betracht.
8.2.4. Mehrfaches Erschleichen eines Ausweises oder einer Bewilligung im Sinne
von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG bzw. Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG (ND 14, ND 15,
ND 26, ND 28-30)
8.2.4.1. Wer vorsätzlich durch unrichtige Angaben, Verschweigen erheblicher
Tatsachen oder Vorlage von falschen Bescheinigungen einen Ausweis oder eine
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Bewilligung erschleicht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
bestraft (Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG; Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG).
8.2.4.2. Bezüglich der objektiven Tatschwere fällt die mehrfache Tatbegehung ins
Gewicht. In Anbetracht dessen, dass Ausweise und Bewilligungen im Strassen-
verkehr im Wesentlichen dazu dienen, sicherzustellen, dass alle Verkehrsteil-
nehmer und Fahrzeuge die erforderlichen Fähigkeiten für die Teilnahme am
Strassenverkehr mitbringen, erscheinen wesentlich gravierendere Tatbegehungen
möglich als die vom Beschuldigten veranlassten Löschungen des Codes .... Je-
doch ermöglichte das Vorgehen des Beschuldigten erst die Veruntreuungen der
Fahrzeuge, durch die den Leasinggebern einen beachtlichen Vermögensschaden
entstanden ist. Aus dem Vorgehen des Beschuldigten und seinem Zusammenwir-
ken mit I._ ist sodann auf eine erhebliche kriminelle Energie zu schliessen.
Insgesamt erweist sich das objektive Tatverschulden als gerade noch leicht.
8.2.4.3. Hinsichtlich des subjektiven Tatverschuldens kann angemerkt werden,
dass der Beschuldigte auch bei diesen Delikten einzig finanziell und damit
egoistisch motiviert handelte. Er handelte mit direkten Vorsatz. Nachvollziehbare
Beweggründe oder Anhaltspunkte, die das subjektive Verschulden des Beschul-
digten milder erscheinen lassen würden, liegen nicht vor. Gemäss seinen eigenen
Angaben verdiente der Beschuldigte im damaligen Zeitpunkt überdurchschnittlich
gut. Geldprobleme hatte er damals keine und die Delinquenz des Beschuldigten
ist auf die reine Gier oder Profilierungsdrang zurückzuführen. Die subjektiven
Verschuldenselemente wirken sich unwesentlich straferhöhend aus.
8.2.4.4. In Würdigung der gesamte Umstände ist das Verschulden als gerade
noch leicht zu qualifizieren und die Einzelstrafe auf 3 Monate Freiheitsstrafe
festzusetzen. Nachdem die aus den Einzelstrafen resultierende Gesamtstrafe den
Strafrahmen einer Geldstrafe deutlich übersteigt, fällt die Bestrafung mit einer
(milderen) Geldstrafe angesichts des Ausmasses des (Einzeltat-)Verschuldens
ausser Betracht.
8.2.5. Mehrfache Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2
StGB (ND 32)
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8.2.5.1. Wer sich der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1
und 2 StGB schuldig macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geld-
strafe bestraft (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 4 StGB).
8.2.5.2. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte rund 100 Unterschriften bezüglich 31 betroffene Personen fälschte.
Die mehrfache Tatbegehung fällt straferhöhend ins Gewicht. Jedoch resultierten
aus der Deliktstätigkeit jeweils nur relativ kleine Beträge (zwischen Fr. 212.50 und
Fr. 472.60). Insgesamt wurden dem Beschuldigten "lediglich" Fr. 6'874.– aus-
bezahlt. Ein Betrag in Höhe von Fr. 2'159.80 wurde dem Beschuldigten infolge
rechtzeitiger Aufdeckung seiner deliktischen Handlungen nicht ausbezahlt. Das
Vorgehen des Beschuldigten zeugte sodann nicht von einer besonderen Raffi-
nesse, jedoch einer gewissen Dreistigkeit, indem er das ihm entgegengebrachte
Vertrauen schamlos ausnützte. Es war absehbar, dass die Fälschungen früher
oder später aufgedeckt würden. Zutreffend hält die Vorinstanz sodann fest, dass
durch die Handlungen des Beschuldigten keine Drittpersonen ernsthaft gefährdet
worden waren. Jedoch führte das Vorgehen des Beschuldigten dazu, dass ver-
schiedene Geschädigte Versicherungen mit teilweise höheren Prämien erhielten,
die sie so gar nicht wollten. Zudem wurden diesen dadurch Umtriebe und Kosten
verursacht. Angesichts der bemerkenswerten Anzahl der Delikte in einem Zeit-
raum von lediglich rund fünf Monaten und der Dreistigkeit, mit welcher der Be-
schuldigte im Einzelnen handelte, ist mit der Vorinstanz trotz der eher geringen
erwirtschafteten Beträgen von einer mittelschweren kriminellen Energie auszuge-
hen. Insgesamt erweist sich das objektive Tatverschulden als gerade noch leicht.
8.2.5.3. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere kann festgehalten werden, dass
der Beschuldigte einzig aus finanzieller und damit egoistischer Motivation handel-
te. Auch wenn der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gleich gut ver-
diente wie früher, handelte er ohne eigentliche Not. Die subjektiven Verschuldens-
elemente wirken sich weder straferhöhend noch strafmindern aus.
8.2.5.4. In Würdigung der gesamte Umstände ist das Verschulden als noch leicht
zu qualifizieren und die Einsatzstrafe/Einzelstrafe auf 90 Tage/Tagessätze festzu-
setzen.
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8.2.6. Mehrfacher, teilweise versuchter Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB
teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (ND 32)
8.2.6.1. Wer sich des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig macht,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 146 Abs. 1
StGB). Tritt der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht ein, kann das Ge-
richt die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB).
8.2.6.2. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist das mehrfache Tatbegehen
straferhöhend zu berücksichtigen. Jedoch schädigte der Beschuldigte seine Ar-
beitgeberin vergleichsweise geringfügig. So wurden ihm insgesamt Fr. 6'874.–
ausbezahlt. Zur Auszahlung von weiteren unberechtigterweise beanspruchten
Provisionen in der Höhe von Fr. 2'159.80 kam es nicht. Wie die Vorinstanz zutref-
fend festhält, wiegt das Vorgehen des Beschuldigten innerhalb des Betrugstatbe-
stands, der per se eine gewisse Raffinesse bei der Täuschung des Opfers vo-
raussetzt, eher leicht und setzte keine grosse Planung und Vorbereitung voraus.
Gleichwohl wirkt das Tatvorgehen des Beschuldigten verhältnismässig dreist,
nutzte er doch das ihm entgegengebrachte Vertrauen schamlos aus. Insgesamt
erscheint das Mass der kriminellen Energie als in einem unteren Bereich liegend.
In Berücksichtigung sämtlicher objektiver Tatbestandselemente ist das Verschul-
den als leicht zu qualifizieren.
8.2.6.3. In subjektiver Hinsicht kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte
einzig aus finanzieller und damit egoistischer Motivation handelte. Auch wenn der
Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gleich gut verdiente wie früher, han-
delte er ohne eigentlich Not. Anhaltspunkte, die das Vorgehen des Beschuldigten
zu relativieren vermöchten, sind ebenso wenig ersichtlich, wie Anhaltspunkte,
die auf eine reduzierte Schuldfähigkeit schliessen liessen. Die subjektiven Ver-
schuldenselemente wirken sich weder straferhöhend noch strafmindern aus.
8.2.6.4. In Würdigung der gesamte Umstände ist das Verschulden als noch leicht
zu qualifizieren und die Einzelstrafe unter Berücksichtigung von Art. 22 Abs. 1
StGB auf 90 Tage/Tagessätze festzusetzen.
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8.2.7. Missbrauch von Schildern im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG
8.2.7.1. Wer Ausweise oder Kontrollschilder verwendet, die nicht für ihn oder sein
Fahrzeug bestimmt sind, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstra-
fe bestraft (Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG).
8.2.7.2. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschul-
digte lediglich ein einziges Mal mit dem am Fahrzeug montierten falschen Schild
unterwegs war und er beabsichtigte, das Fahrzeug noch am selben Tag korrekt
einzulösen. Die für das Fahrzeug erforderliche Haftpflichtversicherung war grund-
sätzlich vorhanden. Die Länge der Fahrt war mit rund 30 km überschaubar. Es ist
mit der Vorinstanz von einer geringen kriminellen Energie auszugehen und das
objektive Tatverschulden als sehr leicht zu qualifizieren.
8.2.7.3. In subjektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass das
Verhalten des Beschuldigten wohl einzig auf dessen Bequemlichkeit zurückzu-
führen ist. Die subjektiven Verschuldenselemente wirken sich weder straferhö-
hend noch strafmindern aus.
8.2.7.4. In Würdigung der gesamte Umstände ist das Verschulden als sehr leicht
zu qualifizieren und die Einzelstrafe auf 20 Tage/Tagessätze festzusetzen.
8.2.8. Täterkomponente
8.2.8.1. Bezüglich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 64 S. 88 f.).
Angefügt werden kann, dass der Beschuldigte unterdessen als Chauffeur bei
DN._ arbeitet und Fr. 23.15 pro Stunde verdient (Urk. 89/1 S. 5 f.). Sein
Schulden belaufen sich aktuell auf ca. Fr. 150'000.– (Urk. 89/1 S. 6). Aus den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann nichts Relevantes für die
Strafzumessung abgeleitet werden.
8.2.8.2. Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (Urk. 88/1). Dies wirkt sich
bei der Strafzumessung neutral aus (BGE 136 IV 1). Zutreffend hält die Vo-
rinstanz sodann fest, dass beim Beschuldigten weder Reue noch Einsicht ersicht-
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lich sind und damit keine Gründe für eine Strafreduktion gegeben sind (Urk. 64
S. 89). Einzig bezüglich des Missbrauchs von Schildern zeigte sich der Beschul-
digte geständig. Dies wirkt sich jedoch nicht weiter strafmindernd aus, nachdem
dem Beschuldigten dieser Missbrauch ohne weiteres nachgewiesen werden
konnte.
8.2.8.3. Straferhöhend zu berücksichtigen ist bezüglich der mehrfachen Urkun-
denfälschung und des mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs das Handeln
während laufender Strafuntersuchung. Dies rechtfertigt es, die Einzelstrafen für
die mehrfache Urkundenfälschung und den mehrfachen, teilweise versuchten Be-
trug je auf 120 Tage/Tagessätze zu erhöhen.
8.2.8.4. Schliesslich ist eine besondere Strafempfindlichkeit des Beschuldigten
nicht auszumachen.
8.2.8.5. Aus den Täterkomponenten ergibt sich insgesamt, dass die Einzelstrafen
für die mehrfache Urkundenfälschung und den mehrfachen, teilweise versuchten
Betrug angemessen zu erhöhen sind. Ansonsten wirken sich die Täterkomponen-
ten weder straferhöhend noch strafmindernd aus.
8.2.9. Zusammenfassung Strafzumessung
8.2.9.1. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte für
die von ihm begangene gewerbsmässige Hehlerei mit einer Freiheitsstrafe von
30 Monaten zu bestrafen wäre. Für die mehrfache Veruntreuung wäre eine Ein-
zelstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe, für die mehrfache Gehilfenschaft zur
Veruntreuung eine solche von 4 Monaten Freiheitsstrafe, für die Gehilfenschaft
zur versuchten Veruntreuung eine solche von 2 Monaten Freiheitsstrafe und für
das mehrfache Erschleichen eines Ausweises oder einer Bewilligung eine solche
von 3 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. Wie bereits angeführt, fällt angesichts
des Ausmasses des (Einzeltat-)Verschuldens die Bestrafung der vorerwähnten
Delikte mit einer (milderen) Geldstrafe ausser Betracht. Das rechnerische Total
der Einsatz- und Einzelstrafen beträgt 45 Monate Freiheitsstrafe. Unter Berück-
sichtigung des Asperationsprinzips rechtfertigt es sich, die Strafe für die ge-
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werbsmässige Hehlerei von 30 Monaten Freiheitsstrafe für die mehrfache Verun-
treuung um rund 2 Monate, für die mehrfache Gehilfenschaft zur Veruntreuung
um rund 2 Monate, für die Gehilfenschaft zur versuchten Veruntreuung um rund
1 Monat und für das mehrfache Erschleichen eines Ausweises oder einer Bewilli-
gung um rund 1 Monat zu erhöhen und eine Gesamtstrafe von 36 Monaten Frei-
heitsstrafe festzusetzen.
8.2.9.2. Sodann wäre für die mehrfache Urkundenfälschung eine Einzelstrafe von
120 Tage/Tagessätze festzusetzen und für den mehrfachen, teilweise versuchten
Betrug ebenfalls eine solche von 120 Tage/Tagessätze. Schliesslich wäre für den
Missbrauch von Schildern eine Einzelstrafe von 20 Tage/Tagessätze festzuset-
zen. In Anbetracht des Tatverschuldens und des Umstands, dass der Beschuldig-
te für die in Ziffer 8.2.9.1. erwähnten Delikte mit einer Freiheitsstrafe zu bestrafen
ist, erscheint das Aussprechen einer Freiheitsstrafe für die mehrfache Urkunden-
fälschung, den mehrfachen, teilweise versuchten Betrug und den Missbrauch von
Schildern weder als erforderlich noch angebracht. Demnach ist für diese Delikte
eine Geldstrafe auszusprechen. Das rechnerische Total der Einsatz- und Einzel-
strafen beträgt 260 Tagessätze. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips
rechtfertigt es sich, die Geldstrafe für die mehrfache Urkundenfälschung von
120 Tagessätzen für den mehrfachen, teilweise versuchten Betrug um 60 Tages-
sätze und für den Missbrauch von Schildern um 10 Tagessätze zu erhöhen und
eine Gesamtgeldstrafe von 190 Tagessätzen festzusetzen.
8.2.9.3. Insgesamt resultiert damit eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten und eine
Geldstrafe von 190 Tagessätzen.
8.2.10. Strafreduktion
8.2.10.1. Die Vorinstanz reduzierte die zunächst festgesetzte Strafe wegen der
Verfahrenslänge um einen Drittel (Urk. 64 S. 96 f.). Die Staatsanwaltschaft bringt
vor, dass kein Anlass bestehe, die Strafe aufgrund der langen Verfahrensdauer
zu mindern (Urk. 90 S. 4).
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8.2.10.2. Es ist mit der Staatsanwaltschaft davon auszugehen, dass aufgrund der
konkreten Gegebenheiten, insbesondere angesichts der zahlreichen Delikten, der
umfangreichen Strafuntersuchung, der Komplexität des Falls und der Delinquenz
des Beschuldigten während laufender Strafuntersuchung, keine Verletzung des
Beschleunigungsgebots vorliegt. Jedoch ist zu beachten, dass seit der Anklage-
erhebung im März 2018 bis zum zweitinstanzlichen Urteil beinahe 2 1⁄2 Jahre ver-
gangen sind und die Strafuntersuchung, auch wenn der Beschuldigte hierzu sei-
nen Beitrag leistete, in dem er Ende 2014 erneut straffällig wurde, über sechs
Jahre dauerte. Bereits die Strafuntersuchung hatte gravierende Auswirkungen auf
den Beschuldigten, nachdem er – wohl aufgrund der hängigen Strafuntersuchung
– seine gut bezahlte Anstellung verlor. Es rechtfertigt sich daher eine leichte Re-
duktion der Strafe. Die Freiheitsstrafe ist deshalb auf 32 Monate und die Geldstra-
fe auf 170 Tagessätze festzusetzen. Sodann kann noch angemerkt werden, dass
der Anrechnung der 96 Tage Untersuchungshaft (Art. 51 StGB) nichts entgegen-
steht.
8.3. Höhe des Tagessatzes
8.3.1. Die Höhe des Tagessatzes richtet sich nach den persönlichen und wirt-
schaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach
Einkommen und – soweit er davon lebt – Vermögen, ferner nach seinem Lebens-
aufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten und nach dem Exis-
tenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt für die Tagessatzberechnung
ist das Einkommen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Abzu-
ziehen ist, was gesetzlich geschuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zu-
fliesst, so etwa die laufenden Steuern und die obligatorischen Versicherungsbei-
träge. Ausserdem ist das Nettoeinkommen um die Unterhalts- und Unterstüt-
zungsbeiträge zu reduzieren, soweit der Verurteilte ihnen tatsächlich nachkommt.
Nicht zu berücksichtigen sind Schulden und in der Regel auch nicht die Wohnkos-
ten (BGE 134 IV 60 E. 6.).
8.3.2. Der Beschuldigte lebt zusammen mit seiner zweiten Ehefrau in einer der
Ehefrau gehörenden Eigentumswohnung. Er arbeitet bei DN._ im Stunden-
lohn von Fr. 23.15 pro Stunde. Sodann hat der Beschuldigte Schulden in der Hö-
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he von ca. Fr. 150'000.– (Urk. 89/1 S. 4 ff.). In Anbetracht von diesen finanziellen
Verhältnissen rechtfertigt es sich, den Tagessatz auf Fr. 30.– festzusetzen.
8.4. Vollzug
8.4.1. Ausgangslage
8.4.1.1. Das Gericht kann den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens einem
Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, wenn dies notwendig ist,
um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen. Der unbedingt
vollziehbare Teil darf die Hälfte der Strafe nicht übersteigen. Sowohl der aufge-
schobene wie auch der zu vollziehende Teil müssen mindestens sechs Monate
betragen (Art. 43 StGB).
8.4.1.2. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstra-
fe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht
notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB).
8.4.1.3. Spricht das Gericht verschiedenartige Strafen aus, so muss es für jede
Strafart gesondert prüfen, ob die Voraussetzungen für den bedingten Vollzug
gelten. Für Ersttäter ist der Strafaufschub die Regel, von der grundsätzlich nur bei
ungünstiger Prognose abgewichen werden darf (BGE 135 IV 180).
8.4.2. In concreto
8.4.3. Die objektiven Voraussetzungen für eine teilbedingte Strafe nach Art. 43
StGB bezüglich der auszusprechenden Freiheitsstrafe und eine bedingte Strafe
nach Art. 42 StGB bezüglich der auszusprechenden Geldstrafe sind erfüllt. Der
Beschuldigte ist nicht vorbestraft und aufgrund der Tatumstände, des Vorlebens,
des Leumunds sowie allen weiteren Tatsachen kann mit der Vorinstanz von einer
grundsätzlich günstigen Prognose ausgegangen werden. Es kann auf die zu-
treffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urk. 64 S. 98).
Sodann ist die Freiheitsstrafe von Gesetzes wegen (mindestens) teilweise zu voll-
ziehen. Es ist davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte hiervon genügend
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beeindrucken lässt, so dass der Vollzug der Geldstrafe nicht erforderlich scheint.
Dem Umstand, dass der Beschuldigte während laufender Strafuntersuchung –
und trotz Verbüssung von Untersuchungshaft – erneut straffällig wurde, ist mit der
Festsetzung einer leicht erhöhten zu vollziehenden Dauer der Freiheitsstrafe
Rechnung zu tragen.
8.4.4. Gestützt auf diese Überlegungen rechtfertigt es sich, den Vollzug der Frei-
heitsstrafe im Umfang von 23 Monaten aufzuschieben; 9 Monate sind zu vollzie-
hen. Die Probezeit für den aufgeschobenen Teil der Strafe ist auf zwei Jahre
festzusetzen. Sodann ist der Vollzug der Geldstrafe aufzuschieben und die Pro-
bezeit auf zwei Jahre festzusetzen.
9. Beschlagnahme / Einziehung
9.1. Die Vorinstanz hat die in der Strafuntersuchung beschlagnahmte Barschaft
in Höhe von Fr. 800.– in Anwendung von Art. 263 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit
Art. 268 Abs. 1 lit. a und Art. 442 Abs. 4 StPO zur Deckung der Verfahrenskosten
herangezogen. Der Beschuldigte beantragt in seiner Berufung die Herausgabe
der beschlagnahmten Barschaft (Urk. 67 S. 2; act. 91 S. 28).
9.2. Ist die Beschlagnahme eines Gegenstandes oder Vermögenswertes nicht
vorher aufgehoben worden, so ist über seine Rückgabe an die berechtigte Per-
son, seine Verwendung zur Kostendeckung oder über seine Einziehung im En-
dentscheid zu befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO).
9.3. Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer
Drittperson können beschlagnahmt werden, wenn die Gegenstände und Vermö-
genswerte voraussichtlich zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, Geldstrafen,
Bussen und Entschädigungen gebraucht werden (Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO).
Vom Vermögen der beschuldigten Person kann so viel beschlagnahmt werden,
als voraussichtlich zur Deckung der Verfahrenskosten und Entschädigungen nötig
ist (Art. 268 Abs. 1 lit. a StPO).
9.4. Die Beschlagnahme des Bargelds erfolgte durch die Staatsanwaltschaft
zur Sicherstellung der Verfahrenskosten (Urk. 14/1). Ein direkter Zusammenhang
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des Bargeldes zu einer Straftat kann nicht hergestellt werden. Nachdem der Be-
schuldigte verurteilt wird, rechtfertigt es sich, das beschlagnahmte Bargeld zur
Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden.
10. Ersatzforderung
10.1. Die Staatsanwaltschaft beantragte in der Anklage und in ihrer Berufung,
der Beschuldigte sei für den unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil zur Zah-
lung einer Ersatzforderung in Höhe von Fr. 71‘500.– an den Staat zu verpflichten
(Urk. 23, Urk. 65, Urk. 90 S. 4 f.).
10.2. Die Vorinstanz ging davon aus, dass der unrechtmässig erlangte Vorteil
nicht mehr vorhanden sei und der Beschuldigte im Zusammenhang mit dem vor-
liegenden Strafverfahren mit beträchtlichen Forderungen im Rahmen der Kosten-
und Entschädigungsfolgen konfrontiert sein werde. Unter diesen Umständen er-
scheine die Verpflichtung des Beschuldigten zur Zahlung einer Ersatzforderung
im Hinblick auf den angestrebten Zweck des Ausgleichs nicht erforderlich. Sie
würde die Wiedereingliederung des sich finanziell ohnehin in einer misslichen La-
ge befindlichen Beschuldigten zusätzlich erschweren. Die Vorinstanz wies des-
halb des Begehren um Verpflichtung des Beschuldigten zur Ablieferung von
Fr. 71‘500.– als Ersatzforderung an den Staat ab (Urk. 64 S. 117 f., S. 125).
10.3. Sind die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vor-
handen, so erkennt das Gericht auf eine Ersatzforderung des Staates in gleicher
Höhe (Art. 71 Abs. 1 StGB). Das Gericht kann von einer Ersatzforderung ganz
oder teilweise absehen, wenn diese voraussichtlich uneinbringlich wäre oder die
Wiedereingliederung des Betroffenen ernstlich behindern würde (Art. 71 Abs. 2
StGB).
10.4. Das Verhältnismässigkeitsprinzip besagt, dass das Gericht bei der Anwen-
dung der Ausgleichseinziehung jeweils zu klären hat, ob die Massnahme im
Hinblick auf den angestrebten Zweck (Ausgleich) geeignet und erforderlich ist,
und ob zwischen diesem Zweck und dem Eingriff in die Eigentumsverhältnisse
des Betroffenen ein vernünftiges Verhältnis besteht (Zweckangemessenheit). Zur
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Anwendung gelangen kann der Grundsatz etwa im Zusammenhang mit der Ver-
meidung von Doppelbelastungen, der Netto-/Bruttoproblematik, bei der Reinvesti-
tion deliktischer Mittel in immer neue Delikte oder zum Schutze von mit der Ein-
ziehung konkurrierenden Zivilgläubigern. Allgemein ausgedrückt ist ein Verzicht
auf die Einziehung oder deren Herabsetzung immer dann möglich und geboten,
wenn und soweit sich diese "mit Blick auf die Ziele dieser Massnahme nicht als
notwendig erweist" (BSK StGB-Baumann, Art. 70/71 N 62 mit weiteren Hinwei-
sen).
10.5. Der vorinstanzlichen Auffassung kann gefolgt werden. Es kann auf die zu-
treffenden Ausführungen (Urk. 64 S. 117 f.) verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). Aufgrund der Schulden, die der Beschuldigte bereits hat, der auf ihn zu-
kommenden Kosten aus dem Strafverfahren, seiner aktuellen Arbeits- und Ein-
kommenssituation sowie seines Alters muss sodann wohl auch von einer voraus-
sichtlichen Uneinbringlichkeit ausgegangen werden.
11. Zivilansprüche
11.1. Verschiedene Geschädigte haben im vorinstanzlichen Verfahren adhäsi-
onsweise privatrechtliche Ansprüche erhoben (vgl. Urk. 96 S. 99 ff., S. 111 f.). Die
Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, der Privatklägerin 2 Schadenersatz in
der Höhe von Fr. 30‘464.– zuzüglich Zins zu 5% seit dem 3. Dezember 2011 zu
bezahlen (Urk. 64 S. 124; Dispositiv-Ziffer 5), obwohl in den Erwägungen ausge-
führt wird, dass sich der eigentliche Schaden nicht genau bestimmen lasse und
die Privatklägerin 2 mit ihren Schadenersatzforderungen deshalb auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen sei (Urk. 64 S. 102 f.). Sodann verpflichtete die
Vorinstanz den Beschuldigten, der Privatklägerin 4 Schadenersatz in Höhe von
Fr. 19‘100.– zuzüglich Zins zu 5% seit 1. November 2011 sowie Fr. 3‘618.75
zuzüglich Zins zu 5% seit 15. Juni 2015 zu bezahlen (Urk. 64 S. 104 ff.; Disposi-
tiv-Ziffer 6). Die Genugtuungsbegehren der Privatkläger 15 und 16 wies die Vo-
rinstanz ab (Dispositiv-Ziffer 8; Urk. 64 S. 111 f., S. 124). Im Übrigen verwies die
Vorinstanz die Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses (Urk. 64 S. 99 ff.,
S. 124; Dispositiv-Ziffer 7).
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11.2. Die Abweisung der Genugtuungsbegehren der Privatkläger 15 und 16 ist in
Rechtskraft erwachsen. Der Beschuldigte beantragt mit seiner Berufung das
Nichteintreten auf die übrigen Zivilansprüche der Privatklägerschaft (Dispositiv-
Ziffern 5, 6, 7; Urk. 67 S. 2) resp., dass die Zivilklagen auf den Zivilweg zu verwei-
sen seien (Urk. 91 S. 28).
11.3. Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es
die beschuldigte Person schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die Zivilkla-
ge wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht
hinreichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO).
11.4. Zu den einzelnen Schadenersatzbegehren
11.4.1. Privatklägerin 2 (DO._ AG)
11.4.1.1. Bezüglich der Forderung der Privatklägerin 2 kann auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 64 S. 102 f.).
11.4.1.2. Nachdem die Privatklägerin einen Anspruch gegenüber dem Beschul-
digten auf Herausgabe nicht dazutun vermag, ist das Rechtsbegehren Ziffer 1 der
Privatklägerin 2 entsprechend dem Antrag des Beschuldigten auf den Weg des
Zivilprozesses zu verweisen. Da sodann der geltend gemachten Schaden nicht
bestimmt werden kann, ist die Privatklägerin 2 auch mit ihren Rechtsbegehren
Ziffer 2 und 3 auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
11.4.2. Privatklägerin 4 (C._ GmbH)
11.4.2.1. Die Privatklägerin 4 begründet ihren Schadenersatzanspruch damit,
dass sie aufgrund von Art. 934 ZGB während fünf Jahren damit habe rechnen
müssen, dass das Fahrzeug von der rechtmässigen Eigentümerin herausverlangt
werde.
11.4.2.2. Gemäss Art. 934 Abs. 1 ZGB kann der Besitzer, dem eine bewegliche
Sache gestohlen wird, während fünf Jahren jedem Empfänger abfordern. Vorbe-
halten bleibt Art. 722 ZGB. Klageberechtigt nach Art. 934 ZGB ist, wer im Zeit-
punkt des unfreiwilligen Abhandenkommens der Sache selbständiger oder un-
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selbständiger Besitzer war. Ist die Sache dem unmittelbaren Besitzer abhanden-
gekommen, so kann der mittelbare nur auf Herausgabe an den seinerzeitigen
unmittelbaren Besitzer klagen (BSK ZGB II-Ernst, Art. 934 N 9).
11.4.2.3. Gemäss Art. 933 ZGB ist derjenige, der eine bewegliche Sache in gutem
Glauben zu Eigentum oder zu einem beschränkten dinglichen Recht übertragen
erhält, in seinem Erwerb auch dann zu schützen, wenn sie dem Veräusserer ohne
jede Ermächtigung zur Übertragung anvertraut worden war. Übergibt der Eigen-
tümer eine Sache aufgrund eines Miet- oder eines ähnlichen Vertrages einem
Dritten zu einem beschränkt dinglichen Recht, wird die Sache dem Dritten anver-
traut (BSK ZGB II-Ernst, Art. 933 N 16).
11.4.2.4. Das streitgegenständliche Fahrzeug wurde bei der DP._ AG
(Lieferant) geleast. Als Leasinggeber trat die CL._ BMW Leasing auf. Lea-
singnehmer war die DQ._ GmbH (vgl. Urk. ND 8 1/1), wobei der Leasingver-
trag unter Vorlage einer Kopie der ID-Karte des Eigentümers der Firma,
DR._, durch K._, der als DR._ auftrat, abgeschlossen wurde. In der
Folge übergab K._ das Fahrzeug mit dem Fahrzeugausweis I._, der in
der Folge an den Beschuldigten gelangte, damit dieser mittels einem gefälschten
Formular die Löschung des Codes ... im Fahrzeugausweis beim Strassenver-
kehrsamt veranlasst (vgl. Urk. ND 8 1/4). Schlussendlich wurde das Fahrzeug –
ohne den Eintrag Code ... "Halterwechsel verboten" – auf die BH._ AG ein-
gelöst und an die C._ GmbH verkauft (Urk. ND 8 1/2).
11.4.2.5. Mit der Übergabe des Fahrzeugs an die DQ._ GmbH wurde dieser
das Fahrzeug grundsätzlich anvertraut. Hat ein Irrtum oder eine Täuschung das
Vertrauen des Besitzers in den Vertrauensmann mitbegründet oder sonst
mitgewirkt, so ist der Vertrag über das Anvertrauen der Sache eventuell wegen
Willensmangels anfechtbar. Er kann auch aus anderen Gründen ungültig sein.
Massgebend für die Anwendung von Art. 933 ZGB ist jedoch nicht ein gültiger
Vertrag zwischen dem ursprünglichen Besitzer und dem sog. Vertrauensmann,
sondern vielmehr, als Realakt, dass die Sache dem sog. Vertrauensmann vom
Besitzer übertragen wird und nicht abhandengekommen ist. Wenn der Vertrag
zwischen dem früheren Besitzer und seinem Vertrauensmann anfechtbar oder
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ungültig ist, steht das daher der Anwendbarkeit von Art. 933 ZGB nicht im Weg
(BSK ZGB II-Ernst, Art. 933 N 19 f.).
11.4.2.6. Entgegen den Ausführungen der Privatklägerin 4 wurde der rechtmässi-
gen Eigentümerin das Fahrzeug denn auch nicht gestohlen, sondern diese resp.
deren Hilfsperson übergab das Fahrzeug aufgrund des zwischen ihr und der
DQ._ GmbH geschlossenen Leasingvertrags. Beim streitgegenständlichen
Fahrzeug handelt es sich demzufolge nicht um eine abhandengekommene, son-
dern um eine anvertraute Sache. Nachdem die C._ GmbH die Sache gut-
gläubig erworben hatte, war und ist sie in ihrem Erwerb/Besitz zu schützen. Dem-
entsprechend kann dem Beschuldigten schon aus diesem Grund nicht angelastet
werden, dass die C._ GmbH das Fahrzeug fünf Jahre lang nicht verkaufte.
11.4.2.7. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 4 wäre deshalb abzu-
weisen. Nachdem jedoch nicht über den Antrag des Beschuldigten hinausgegan-
gen werden kann, ist das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 4 entspre-
chend dem Antrag des Beschuldigten auf den Weg des Zivilprozesses zu verwei-
sen.
11.4.3. Übrige Privatkläger
11.4.3.1. Keine der übrigen Privatkläger hat den Entscheid der Vorinstanz (Ver-
weisung ihrer Schadenersatzforderungen auf den Weg des Zivilprozesse) ange-
fochten.
11.4.3.2. Nachdem deshalb aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391
Abs. 2 Satz 1 StPO) nicht zuungunsten des Beschuldigten vom vorinstanzlichen
Urteil abgewichen werden darf, sind die Schadenersatzforderungen der übrigen
Privatkläger auf den Zivilweg zu verweisen und ist auf diese nicht weiter einzu-
gehen.
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12. Kosten- und Entschädigungsfolgen
12.1. Der vorinstanzliche Schuldspruch ist grundsätzlich zu bestätigen. Dement-
sprechend ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv Ziffer 13
und 14 ebenfalls zu bestätigen.
12.2. Die Vorinstanz sprach der Privatklägerin 4 eine Prozessentschädigung in
Höhe von Fr. 4'700.– zu. Der Beschuldigte beantragt, es sei auf das Begehren
der Privatklägerin 4 um Zusprechung einer Prozessentschädigung nicht einzutre-
ten. Jedoch erhob der Beschuldigte, der verurteilt wird, keine konkreten Einwände
gegen die Festsetzung der Prozessentschädigung durch die Vorinstanz (Urk. 91).
Dementsprechend ist die Zusprechung einer Prozessentschädigung in Höhe von
Fr. 4'700.– an die Privatklägerin 4 (C._ GmbH) zu bestätigen.
12.3. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seiner Berufung. Die Staatsanwaltschaft unterliegt mir ihrer Berufung
ebenfalls teilweise (Höhe Strafe, Vollzug, Ersatzforderung). Dementsprechend
sind die Kosten des Berufungsverfahrens – mit Ausnahme der Kosten der amtli-
chen Verteidigung – dem Beschuldigten zu drei Viertel aufzuerlegen und zu ei-
nem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidi-
gung sind zu einem Viertel definitiv und zu drei Viertel einstweilen auf die Ge-
richtskasse zu nehmen. Die Rückforderung gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO
bleibt im Umfang von drei Viertel vorbehalten. Der amtliche Verteidiger ist für sei-
ne Aufwendungen mit pauschal Fr. 10'200.– (inkl. MWSt.) zu entschädigen (vgl.
Urk. 92).