Decision ID: df9a8b08-e2c8-4203-9260-f3fc9ba830f5
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Klage vom 9. Juli 2004 stellte die Vorsorgeeinrichtung der Zürich Versicherungs-
Gruppe beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen das Rechtsbegehren, L._
sei zu verpflichten, ihr den Betrag von Fr. 251'147.65 nebst Zinsen, eventuell den
Betrag von Fr. 131'878.85 nebst Verzugszinsen seit 8. März 2004, zu bezahlen. Grund
der Forderung sei, dass er unrechtmässig die Barauszahlung seiner
Freizügigkeitsleistung erwirkt habe. Das Eventualbegehren betreffe die Zahlung, welche
die Vorsorgeeinrichtung im Rahmen des Vorsorgeausgleichs gemäss Entscheid des
Verwaltungsgerichts von Appenzell Ausserrhoden vom 27. August 2003 der
ehemaligen Ehefrau von L._, H._, zu entrichten gehabt habe. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess die Klage mit Entscheid vom 17.
Mai 2006 (BV 2004/11) gut und verpflichtete L._, der Vorsorgeeinrichtung den Betrag
von Fr. 251'147.65 zuzüglich 5% Zins ab 16. Februar 2004 auf 131'878.85 und 5%
Zins ab 9. Juli 2004 auf 251'147.65 zu bezahlen. Das Gericht begründete seinen
Entscheid damit, dass L._ nach der Anstellung bei der Zürich Versicherungs-Gruppe
wiederum als Arbeitnehmer tätig gewesen sei, weshalb das Begehren um
Barauszahlung und die Ausrichtung der Leistung zu Unrecht erfolgt seien. Da L._
bösgläubig gewesen sei, habe er die zu Unrecht bezogene Leistung auch dann
zurückzuerstatten, wenn die Bereicherung nicht mehr vorhanden sei. Das
Bundesgericht hiess eine von L._ erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde gut,
hob den kantonalen Entscheid auf und wies die Sache im Umfang von Fr. 131'878.85
zuzüglich 5% Zins ab 16. Februar 2004 an das Versicherungsgericht zurück, damit es

im Sinne der Erwägungen verfahre. Im Übrigen wies es die Klage ab (Urteil B 93/06
vom 22. Januar 2007, publiziert in BGE 133 V 205 ff.). Das Bundesgericht kam zum
Schluss, dass die Zürich Versicherungs-Gruppe L._ gegenüber mit der
Barauszahlung befreiend geleistet habe, weshalb bereicherungsrechtliche
Überlegungen einem Rückerstattungsanspruch entgegenstünden. Der blosse
Umstand, dass die Barauszahlung geleistet worden sei, ohne dass die
Voraussetzungen gemäss Freizügigkeitsgesetz vorgelegen hätten, berechtige die
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Vorsorgeeinrichtung nicht zur Rückforderung der Leistung (BGE 133 V 209 ff. E.
4.3-4.9). Indessen könne die Vorsorgeeinrichtung, sofern die Ehefrau der
Barauszahlung nicht, wie gesetzlich vorgesehen, zugestimmt habe und sie dieser in der
Folge bei Scheidung ihren Anteil erneut habe bezahlen müssen, diesen vom insoweit
bereicherten geschiedenen Ehemann zurückfordern, sofern dieser bezüglich der
mangelnden Zustimmung nicht gutgläubig gewesen sei und deshalb mit einer
Rückforderung habe rechnen müssen (BGE 133 V 215 E. 5.2). Soweit demnach eine
Rückerstattung in Betracht falle (Fr. 131'878.85 zuzüglich 5% Zins ab 16. Februar
2004), wies das Bundesgericht das kantonale Versicherungsgericht an, den bisher
unvollständig festgestellten rechtserheblichen Sachverhalt weiter abzuklären. In diesem
Zusammenhang machte das Bundesgericht folgende Ausführungen, wobei
grundsätzlich zwei Fälle denkbar seien:
"Entweder hat die (nunmehr geschiedene) Ehefrau dem Barauszahlungsbegehren nicht
zugestimmt. In diesem Falle hätte die Barauszahlung richtigerweise nicht geleistet
werden dürfen, so dass das Freizügigkeitsguthaben im Falle der Scheidung noch
vorhanden gewesen und im Rahmen des Vorsorgeausgleichs gemäss Art. 22 FZG zu
teilen gewesen wäre. Hat nun der Beschwerdeführer die gesamte Austrittsleistung in
bar erhalten, so war er insoweit ungerechtfertigt bereichert, als ein Teil dieser Leistung
seiner geschiedenen Ehefrau zustehen würde. Die Vorsorgeeinrichtung, welche die
Barauszahlung irrtümlich geleistet hat und in der Folge der geschiedenen Ehefrau ihren
Anteil erneut bezahlen muss, kann diesen vom Ehemann zurückfordern (...). Dass sie
den Irrtum selber verschuldet hat, ändert daran nichts (...). Des Weiteren ist
unerheblich, ob die Voraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 FZG vorgelegen haben, denn
die in Abs. 1 und 2 statuierten Anforderungen müssen kumulativ erfüllt sein.
Oder die (nunmehr geschiedene) Ehefrau hat der Auszahlung zugestimmt und die
Beschwerdegegnerin konnte bloss das Dokument mit der Unterschrift nicht mehr
auffinden. In diesem Fall ist die Barauszahlung zu Recht erfolgt. Weder hat die
Beschwerdegegnerin irrtümlich geleistet noch ist der Beschwerdeführer
ungerechtfertigt bereichert. Die Barauszahlung war nicht in den Vorsorgeausgleich
einzubeziehen (...), sondern es war allenfalls gemäss Art. 124 Abs. 1 ZGB eine
angemessene Entschädigung zuzusprechen (...), wofür das Scheidungsgericht
zuständig ist (...). Es bestand keine materielle Verpflichtung der Beschwerdegegnerin,
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der geschiedenen Ehefrau erneut einen Teil auszubezahlen. Dass das
Verwaltungsgericht von Appenzell Ausserrhoden am 27. August 2003 anders
entschieden hat, muss die Beschwerdegegnerin ihrer eigenen Nachlässigkeit
zuschreiben - sie konnte das Dokument nicht mehr finden und daher den ihr
obliegenden Nachweis der Rechtmässigkeit der Auszahlung nicht erbringen. Dabei
geht es einzig um das Verhältnis zwischen der Beschwerdegegnerin und der
ehemaligen Ehefrau des Beschwerdeführers. In diesem Fall besteht kein
Rückerstattungsanspruch der Beschwerdegegnerin gegenüber dem
Beschwerdeführer.
Der angefochtene Entscheid enthält keine Aussage darüber, welche dieser beiden
Sachverhaltsvarianten vorliegt (...)."
Weiter wird im Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2007 ausgeführt, dass das
kantonale Versicherungsgericht im aufgehobenen Entscheid gestützt auf Erwägungen
des Verwaltungsgerichts des Kantons Appenzell Ausserrhoden im Entscheid vom
27. August 2003 offensichtlich davon ausgegangen sei,
"dass die (nunmehr geschiedene) Ehefrau der Barauszahlung nicht zugestimmt hat,
was allerdings nicht positiv bewiesen, sondern wegen Beweislosigkeit angenommen
wurde. Auch die heutige Beschwerdegegnerin hat dies offensichtlich (damals zu ihrem
Nachteil) eingestanden. Im vorliegenden Verfahren würde sich die fehlende
Zustimmung der Ehefrau zum Vorteil der heutigen Beschwerdegegnerin auswirken. Der
blosse Umstand, dass sie sich im früheren Verfahren das Fehlen der Zustimmung
entgegenhalten liess, stellt allerdings noch keinen rechtsgenüglichen Beweis dar. Der
heutige Beschwerdeführer hatte in jenem Verfahren kein Interesse, dieses
Eingeständnis in Frage zu stellen, betraf es doch nur das Verhältnis zwischen seiner
geschiedenen Ehefrau und der heutigen Beschwerdegegnerin. Er war durch den
Entscheid auch nicht beschwert und hatte keinen Anlass, ihn anzufechten. Im
vorliegenden Verfahren könnte er hingegen allfällige Gegenbeweise erbringen. Die
Vorinstanz hatte aufgrund ihrer Rechtsauffassung keinen Grund, zur Zustimmung der
Ehefrau Beweis zu führen. Da sich die Frage nach dem Gesagten indessen als
rechtserheblich erweist, ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie den
in diesem Punkt unvollständig festgestellten Sachverhalt ermittle, wozu namentlich eine
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Zeugenaussage der geschiedenen Ehefrau des Beschwerdeführers in Betracht zu
ziehen sein wird.
Im Hinblick auf das weitere Vorgehen ist zudem festzuhalten: Die Beschwerdegegnerin,
welche gegenüber dem Beschwerdeführer einen Anspruch erhebt, trägt die materielle
Beweislast für das Vorliegen der Voraussetzungen (Art. 8 ZGB). Sie trägt somit die
Beweislast dafür, dass die Ehefrau nicht zugestimmt hat, weil sie nur in diesem Fall
eine Rückforderung geltend machen kann (...). Der Umstand, dass dazu negative
Tatsachen bewiesen werden müssen, ändert nichts an der Beweislast, führt jedoch
dazu, dass die Gegenpartei nach Treu und Glauben bei der Beweisführung mitwirken
muss, namentlich indem sie einen Gegenbeweis erbringt (...). Soweit der
rechtsgenügliche Nachweis erbracht werden kann, dass die Ehefrau nicht schriftlich
zugestimmt hat, wird der Beschwerdeführer grundsätzlich rückerstattungspflichtig,
unter Vorbehalt freilich von Art. 64 OR, worüber ebenfalls Beweis zu führen sein wird.
Der in diesem Fall zu prüfende gute Glaube bezieht sich nach dem Gesagten nicht
darauf, ob der Beschwerdeführer erkennen musste, dass er unselbständig erwerbend
war, sondern ob er erkennen musste, dass die Ehefrau hätte zustimmen müssen und er
mangels Zustimmung mit einer Rückforderung rechnen musste."
B.
Mit Schreiben vom 11. April 2007 erkundigte sich das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen bei den Parteien, ob die fragliche Zustimmungserklärung der
ehemaligen Ehefrau zur Barauszahlung nachträglich noch beigebracht werden könne.
L._ liess dies mit Eingabe vom 4. Juni 2007 verneinen. Auch die Rechtsvertreterin der
Zürich Versicherungs-Gruppe verneinte dies mit Eingabe vom 18. Juni 2007
sinngemäss, indem sie das Begehren stellte, darüber sei im Rahmen einer
Zeugeneinvernahme von H._ Beweis zu führen. Des weiteren reichte sie ein
Bestellformular für Visitenkarten des Beklagten ein, aus welchem hervorgeht, dass
L._ 1997 bei dieser die Funktion "Konsulent PVS" bekleidet hat. Am 31. Oktober
2007 führte der vorsitzende Richter die Zeugeneinvernahme von H._ durch. Das
Protokoll darüber wurde ihr und den an der Zeugeneinvernahme anwesenden
Rechtsvertretern der Parteien am 5. November 2007 zugestellt und es wurde
Gelegenheit gegeben, sich zum Ergebnis der Befragung zu äussern. Während die
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Rechtsvertreterin der Zürich Versicherungs-Gruppe eine Stellungnahme vom
26. November 2007 einreichte, liess der Rechtsvertreter von L._ die gesetzte Frist
ungenutzt verstreichen.
Erwägungen:
1.
1.1 Im vorliegenden Fall war ursprünglich streitig die Rückerstattung einer
ausbezahlten Austrittsleistung. Die massgeblichen rechtlichen Grundlagen, gemäss
welchen sich diese Streitigkeit beurteilt, finden sich einerseits im aufgehobenen
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 17. Mai 2006 (BV 2004/11) und andererseits
im Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2007 (B 93/06; publiziert - wie bereits
erwähnt - in BGE 133 V 205 ff.). Darauf kann verwiesen werden. Den dortigen
Sachverhaltsdarlegungen kann sodann die detaillierte Vorgeschichte entnommen
werden, welche zum Entstehen der zu beurteilenden Streitigkeit geführt hat. Diese
braucht hier nicht wiederholt zu werden.
1.2 Wie eingangs dargelegt, hat das Bundesgericht die Streitigkeit, soweit sie den
Betrag von Fr. 131'878.85 zuzüglich Zins zu 5% ab 16. Februar 2004 überstiegen hat,
mit besagtem Entscheid vom 22. Januar 2007 letztinstanzlich erledigt. Soweit die
Streitigkeit unerledigt geblieben ist, muss sie gestützt auf die seitens des
Bundesgerichts dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen auferlegten und von
diesem durchgeführten Beweisabklärungen entschieden werden.
2.
2.1 Vorab zu beantworten ist die Frage, welche von - den vorstehend ausführlich
geschilderten - zwei denkbaren Möglichkeiten sich tatsächlich abgespielt hat: Hat die
(nunmehr geschiedene) Ehefrau dem Barauszahlungsbegehren zugestimmt oder hat sie
diesem nicht zugestimmt? Art. 5 Abs. 2 FZG verlangt für eine zulässige Barauszahlung
die schriftliche Zustimmung des Ehegatten. Weder die Klägerin noch der Beklagte
vermochten im Rahmen der durchgeführten Beweisabklärung ein Dokument zu
präsentieren, welches die Zustimmung der ehemaligen Ehefrau belegen würde. Dies
obwohl der Beklagte in diesem Verfahren nach Treu und Glauben bei der
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Beweisführung hätte mitwirken, das heisst ein entsprechendes, die Zustimmung
belegendes Dokument hätte einreichen müssen, wenn er über ein solches verfügt
hätte. Die Hypothese, dass die damalige Ehefrau zwar schriftlich der Barauszahlung
zugestimmt habe, das entsprechende Schriftstück bei der Klägerin jedoch aus
unerfindlichen Gründen verloren gegangen sei, bleibt damit ohne Nachweis. Im Übrigen
finden sich auch für die in der Duplik des Vorverfahrens vom 13. Mai 2005 gemachte
Darstellung, wonach die ehemalige Ehefrau erst finanzielle Morgenluft gewittert habe,
als ihr gewahr geworden sei, dass die Klägerin die Zustimmungserklärung nicht mehr
auffinden könne, keine Anhaltspunkte in den Akten. Fest steht, dass sich die Frage
nach der Rechtmässigkeit der Barauszahlung schon im Zeitpunkt des Teilurteils des
Kantonsgerichts Appenzell Ausserrhoden betreffend Ehescheidung vom 28. März 2001
und seither unverändert stellte und dass das Schreiben vom 29. Oktober 1997, mit
welchem die Barauszahlung ursprünglich initiiert wurde, jedenfalls ausschliesslich die
Unterschrift des Beklagten und keine seiner damaligen Ehefrau enthält. Im Rahmen der
am 31. Oktober 2007 durchgeführten Zeugeneinvernahme gab die ehemalige Ehefrau
an, dass sie weder von der Absicht ihres damaligen Ehemanns gewusst habe, sich sein
Vorsorgeguthaben bei der Klägerin bar auszahlen zu lassen, noch dass er sie je um die
dafür notwendige schriftliche Zustimmung ersucht habe. Sie habe aufgrund ihres
Berufs als Versicherungsberaterin im Bereich AHV/BVG/Steuern gewusst, dass die
schriftliche Zustimmung des Ehegatten Voraussetzung für eine zulässige
Barauszahlung sei. Dieses Wissen habe sie von ihrem damaligen Ehemann vermittelt
bekommen, der sie geschult habe. Sie habe, auch nachdem sie nicht mehr mit ihrem
Ehemann gearbeitet habe und nach der Trennung, immer verfolgt, was er beruflich
mache. Nachdem sich an das Anstellungsverhältnis bei der Klägerin nahtlos jenes bei
der PAX-Versicherung angeschlossen habe, sei ihr bewusst gewesen, dass kein
gesetzlich vorgesehener Barauszahlungsgrund vorhanden sein könne. Das habe sie
beruhigt. Sie hätte die erforderliche Zustimmung nie erteilt.
2.2 Das Verwaltungsverfahren und das Verwaltungsgerichtsverfahren sind bestimmt
vom Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Das bedeutet, dass die urteilende Instanz
die Beweise frei von Beweisregeln nach ihrer Überzeugung würdigt. Frei heisst aber
nicht willkürlich; die Behörde muss sachlich begründen können, weshalb sie einen
Beweis als erbracht bzw. als nicht stichhaltig betrachtet (Rhinow/Koller/Kiss,
Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel 1996, Rz
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914). Dabei soll sich die Gewichtung der einzelnen Beweismittel aus ihrer inneren
Qualität, d.h. aus der anzunehmenden Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, ergeben
und nicht durch deren äussere Eigenart. So ist es zulässig, einer Parteiaussage unter
Umständen mehr Gewicht einzuräumen als einer dieser widersprechenden
Zeugenaussage - vorausgesetzt allerdings, dem inneren Gehalt der Parteiaussage
komme die Überzeugungskraft zu, sie für wahr zu halten. Ausfluss des Grundsatzes
der freien Beweiswürdigung ist schliesslich, dass das Gericht frei darüber befindet, ob
das gesetzlich geforderte Beweismass erreicht ist. In diesem Zusammenhang ist es für
den Nachweis einer Tatsache grundsätzlich erforderlich, dass diese zur vollen
Überzeugung dargetan wird. Im Bereich des Sozialversicherungsrechts genügt
indessen, wenn kein direkter Beweis möglich ist, in der Regel die überwiegende
Wahrscheinlichkeit als Beweismass (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, St.
Gallen 2003, Rz 615 f. und 619 f. mit Hinweisen).
2.3 Im vorliegenden Fall hat die ehemalige Ehefrau des Beklagten die ihr anlässlich der
Zeugeneinvernahme vom 31. Oktober 2007 gestellten Fragen inhaltlich angemessen
und widerspruchsfrei sowie sprachlich genau und sachgerecht beantwortet. Wenn sie
etwas nicht genau verstand oder ihr etwas unklar erschien, fragte sie unverzüglich
nach. Konnte sie eine Antwort, etwa in zeitlicher Hinsicht, nicht sicher präzisieren,
brachte sie einen entsprechenden Vorbehalt an und stellte eine Verifizierung in
Aussicht. Insgesamt wirkten die Aussagen der ehemaligen Ehefrau in jeder Hinsicht
überzeugend und wahr. Demgegenüber können Zweifel hinsichtlich der Möglichkeit,
wonach die ehemalige Ehefrau der Barauszahlung schriftlich zugestimmt, die Klägerin
das entsprechende Dokument aber verloren habe, nicht ausgeräumt werden. Einmal
wirkt es seltsam, dass die Klägerin zum Beispiel die ausschliesslich vom Beklagten
unterschriebene Bitte um Überweisung der Freizügigkeitsleistung vom 29. Oktober
1997, womit die ganze Streitigkeit letztlich ihren Anfang nahm, sowie die Mitteilung der
Austrittsabrechnung vom 20. Januar 1998 samt vom Beklagten ausgefülltem Abschnitt
über die Verwendung der Freizügigkeitsleistung (angekreuzt "Barauszahlung" und
signiert am 22. Januar 1998) zu präsentieren vermag, wohingegen ausgerechnet das
entscheidende Dokument mit der Unterschrift der damaligen Ehefrau verloren
gegangen sein soll. Sodann erscheint es aufgrund der beruflichen Verbundenheit und
persönlichen Vertrautheit der Beteiligten nicht als ausgeschlossen, dass das
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Barauszahlungsbegehren des Beklagten seitens der Klägerin positiv beschieden und
alsdann auch vollzogen wurde, obwohl die erforderliche schriftliche Zustimmung der
damaligen Ehefrau nicht vorgelegen hatte. In diesem Zusammenhang ist immerhin
erwähnenswert, dass der Beklagte nie ausdrücklich behauptet hat, seine damalige
Ehefrau habe dem Barauszahlungsbegehren unterschriftlich zugestimmt, sondern ihr
lediglich unterstellte, von Anfang an darüber im Bild gewesen zu sein. Schliesslich
erscheint das Interesse der ehemaligen Ehefrau, anlässlich der Scheidung den
Vorsorgeausgleich unter Einschluss der Barauszahlung vorzunehmen, absolut
berechtigt. Denn anders als vom Beklagten ursprünglich dargestellt, wurde der bar
ausbezahlte Betrag nicht zur Rückzahlung von gemeinsamen Schulden der beiden
Ehepartner sowie für den gemeinsamen Lebensbedarf verwendet, sondern
ausschliesslich zur Deckung persönlicher Schulden des Beklagten sowie für dessen
Lebensbedarf. Gegen diese Darstellung der ehemaligen Ehefrau im Rahmen der
Zeugeneinvernahme hat er auf jeden Fall trotz eingeräumter Gelegenheit nichts mehr
eingewendet. In Betracht zu ziehen ist schliesslich, dass die Aussagen des Beklagten
insofern Schutzbehauptungscharakter gehabt haben könnten, als dieser sich vom
behaupteten Mitwissen der ehemaligen Ehefrau um die Barauszahlung Verschonung
vor Rückforderungen und damit Abwendung eigener finanzieller Nachteile versprochen
haben könnte. Bei diesen Gegebenheiten ist gestützt auf die erwähnten
Zeugenaussagen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erwiesen, dass die ehemalige Ehefrau des Beklagten dem Barauszahlungsbegehren nie
zugestimmt hat. Demnach ist die Klägerin, welche den gesamten Betrag an den
Beklagten bezahlt und der ehemaligen Ehefrau ihren Anteil noch einmal ausrichten
musste, gemäss den Ausführungen des Bundesgerichts im Urteil vom 22. Januar 2007
berechtigt, diesen Anteil vom Beklagten zurückzufordern.
3.
Zu prüfen bleibt damit, ob sich der Beklagte der Rückerstattungspflicht wegen
Gutgläubigkeit entschlagen kann. Dies ist zu verneinen. Wie sich aus der
Zeugeneinvernahme und der unbestrittenen Tatsache ergibt, dass der Beklagte bei der
Klägerin als Konsulent in Personalvorsorgeangelegenheiten angestellt war, handelte es
sich bei ihm um eine ausgewiesene Fachkraft bezüglich der im Bereich der beruflichen
Vorsorge zur Anwendung gelangenden Regelungen. Er verdiente seinen
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Lebensunterhalt damit, für seinen Arbeitgeber Vorsorgelösungen der 2. Säule an
Kunden zu "verkaufen". Von daher kann auch ohne weitere Abklärungen kein Zweifel
darüber bestehen, dass er erkennen musste, dass die Ehefrau einer Barauszahlung
hätte zustimmen müssen und er mangels Zustimmung eine Rückforderung seitens der
deren Anteil zweimal bezahlen müssenden Vorsorgeeinrichtung zu gewärtigen haben
würde. Dies führt dazu, dass die Klage, soweit sie vom Bundesgericht mit Entscheid
vom 22. Januar 2007 nicht bereits erledigt wurde, gutzuheissen und der Beklagte zu
verpflichten ist, der Klägerin den Betrag von Fr. 131'878.85 zuzüglich Zins zu 5% ab
16. Februar 2004 zu bezahlen. Für die Begründetheit der Zinsforderung wird auf die
einschlägigen Ausführungen im aufgehobenen Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 17. Mai 2006 verwiesen (E. 5a), welchen nichts beizufügen
ist. Gleiches gilt bezüglich Gerichtskosten und Parteientschädigung (E. 5b).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG