Decision ID: 5c5d57d1-1791-5bf3-a1a2-db652e24e907
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 21. Mai 2014 in der Schweiz ein Asylge-
such. Mit Verfügung des SEM vom 15. Februar 2017 wurde ihm unter Zu-
erkennung seiner Flüchtlingseigenschaft Asyl gewährt. Mit Eingabe vom
31. Juli 2017 (Eingang SEM: 8. August 2017) stellte er beim SEM ein Ge-
such um Familiennachzug zugunsten von B._. Am 28. Februar
2018 erteilte das SEM B._ eine Einreisebewilligung gültig vom 14.
März 2018 bis 14. Juni 2018, worüber die Schweizerische Vertretung in
C._ (nachfolgend Botschaft) informiert wurde.
B.
Mit E-Mail vom 6. Mai 2018 ersuchte die Botschaft das SEM um weitere
Informationen zu B._, mit der Begründung, die bei der Botschaft
vorsprechende Person habe sich nicht als die Ehefrau des Beschwerde-
führers identifizieren können. Mit E-Mail vom 13. Juli 2018 übermittelte das
SEM der Botschaft einen an Frau B._ zu richtenden Fragekatalog
sowie die beim SEM eingereichten Unterlagen (Ehevertrag und zwei Ganz-
körperfotos).
C.
Mit Eingabe vom 28. Mai 2018 ersuchte der Beschwerdeführer um Verlän-
gerung der Einreisebewilligung. Mit Verfügung vom 16. Juli 2018 verlän-
gerte das SEM die Einreisebewilligung zugunsten von B._ bis
30. Oktober 2018.
D.
Mit Schreiben vom 25. Juni 2018 informierte die damalige Rechtsvertrete-
rin des Beschwerdeführers das SEM über ihr Mandat und ersuchte um
prompte Erledigung des Verfahrens.
E.
Mit E-Mail vom 9. September 2018 ersuchte die Botschaft das SEM den
Fragekatalog in englischer Sprache einzureichen. Zudem sei der Ehemann
aufzufordern, ein gemeinsames Foto des Paares einzureichen und einen
DNA-Test zu erstellen. Weiter informierte die Botschaft über den Erhalt ei-
nes von der damaligen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers bei der
Botschaft per E-Mail eingereichten Reisedokuments des UNHCR (United
Nations High Commissioner for Refugees) und führte aus, solche Doku-
mente würden normalerweise erst nach Abschluss aller Abklärungen von
der Botschaft beim UNHCR bestellt. Es würden sich jedoch Fälle häufen,
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in denen Personen – wie Frau B._ – diese Ausweise von sich aus
bei der Botschaft vorlegen würden; entsprechende Abklärungen seien hän-
gig.
F.
Mit E-Mail vom 17. Oktober 2018 an das SEM stellte die Botschaft fest,
eine Dokumentenanalyse habe ergeben, dass es sich bei der eingereich-
ten Heiratsurkunde um eine Totalfälschung handle.
G.
Mit Eingabe vom 23. Oktober 2018 ersuchte die damalige Rechtsvertrete-
rin des Beschwerdeführers das SEM um Verlängerung der Einreisebewilli-
gung sowie um prompte Behandlung des Verfahrens.
H.
Mit Schreiben vom 6. November 2018 informierte das SEM den Beschwer-
deführer darüber, dass die Ausstellung eines Visums seitens der Botschaft
weiterhin nicht möglich sei, da die dort vorsprechende Person nicht als
seine Ehefrau habe identifiziert werden können; ihre Identität sei weder be-
wiesen noch glaubhaft gemacht worden. Gleichzeitig gewährte es dem Be-
schwerdeführer das rechtliche Gehör zur Fälschung der eingereichten Hei-
ratsurkunde und forderte ihn zur Beantwortung einer Reihe von Fragen auf.
I.
Mit E-Mail vom 13. November 2018 informierte die Botschaft das SEM über
die abgeschlossene Durchführung einer auf den Fragekatalog des SEM
gestützten Befragung von B._ und darüber, dass diese keine wei-
teren Unterlagen einreichen könne.
J.
Mit Schreiben vom 21. November 2018 nahm der Beschwerdeführer zum
rechtlichen Gehör vom 6. November 2018 Stellung und ersuchte um Ak-
teneinsicht. Anlässlich eines Telefongesprächs vom 23. Januar 2019 zwi-
schen der Fachspezialistin Asyl und der damaligen Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers verzichtete letztere einstweilen auf die Akteneinsicht.
K.
Mit Schreiben vom 19. Februar 2019 ersuchte der Beschwerdeführer das
SEM um baldige Vorladung seiner Ehefrau bei der Botschaft zwecks Iden-
titätsabklärung und ersuchte um Abschluss des Verfahrens. Mit Schreiben
vom 12. März 2019 informierte der Beschwerdeführer das SEM über die
Schwangerschaft von Frau B._ und ersuchte erneut um Abschluss
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des Verfahrens. Mit Schreiben vom 29. April 2019 informierte der Be-
schwerdeführer das SEM über die Fehlgeburt und ersuchte erneut um bal-
digen Abschluss des Verfahrens.
L.
Mit E-Mail vom 20. Mai 2019 erkundigte sich der (...) des SEM bei der
Botschaft über den Verfahrensstand.
M.
Mit E-Mail vom 21. Mai 2019 informierte die Botschaft das SEM darüber,
dass B._ lediglich Tigray spreche und sich die Suche nach einem
entsprechenden Dolmetscher äusserst schwierig gestalte.
N.
Anlässlich eines Telefongesprächs vom 22. Juni 2019 zwischen der Fach-
spezialistin Asyl und der damaligen Rechtsvertreterin des Beschwerdefüh-
rers ersuchte letztere um vollständige Akteneinsicht; diese wurde mit
Schreiben vom 23. Juli 2019 gewährt.
O.
Mit E-Mail vom 13. Oktober 2019 informierte die Botschaft das SEM, dass
B._ zur Botschaft gekommen sei, um sich nach dem Stand des Ver-
fahrens zu erkundigen, wobei sich – entgegen ihrer bisherigen Behauptung
– herausgestellt habe, dass sie auch Arabisch spreche. Zudem erkundigte
sich die Botschaft, ob weiterhin eine Befragung mit B._ durchzufüh-
ren sei.
P.
Am 28. November 2019 fand eine Befragung von B._ in arabischer
Sprache auf der Botschaft statt.
Q.
Mit Schreiben vom 9. Dezember 2019 an das SEM beantragte die dama-
lige Rechtsvertreterin, sie sei über den Stand des Verfahrens zu informie-
ren.
R.
Mit Schreiben vom 15. Dezember 2019 übermittelte die Botschaft die Be-
fragung von B._ vom 28. November 2019 (55 Fragen) mit Zusatz-
informationen an das SEM.
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S.
Mit Schreiben vom 3. Februar 2020 ersuchte die damalige Rechtsvertrete-
rin des Beschwerdeführers das SEM, die Situation von B._ bei der
Prioritätenauswahl zu berücksichtigen. Mit Schreiben vom 16. März 2020
ersuchte sie erneut um unverzügliche Information der Ergebnisse und um
Bekanntgabe des Verfahrensstandes. Mit Schreiben vom 15. Juli 2020
stellte sie eine Rechtsverzögerungsbeschwerde in Aussicht und erkundigte
sich abermals über den Stand des Verfahrens.
T.
Mit Eingabe vom 24. Dezember 2020 reichte die neue Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers unter Beilage verschiedener E-Mail-Korrespon-
denzen mit der Botschaft beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein
und beantragte, das SEM sei anzuweisen, umgehend mitzuteilen, ob die
Identifikation der Ehefrau des Beschwerdeführers auf der Botschaft habe
rechtsgenüglich vorgenommen werden können, und das Gesuch um Fa-
miliennachzug binnen eines Monats einem Entscheid zuzuführen bezie-
hungsweise binnen eines Monats über die Aufrechterhaltung der Einreise-
bewilligung zu entscheiden. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren und die Rechtsvertreterin als unentgeltliche
Rechtsbeiständin zu bestellen.
U.
Mit Schreiben vom 4. Januar 2021 wurde eine Fürsorgebestätigung nach-
gereicht.
V.
Mit Zwischenverfügung vom 7. Januar 2021 hiess der Instrutktionsrichter
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, ver-
zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, lehnte das Gesuch
um Gewährung der amtlichen Rechtsbeiständung aufgrund fehlender
Komplexität des Verfahrens ab und lud das SEM zur Vernehmlassung ein,
das der Aufforderung mit Eingabe vom 22. Januar 2021 nachkam. Mit Ein-
gabe vom 28. Januar 2021 replizierte die Rechtsvertreterin des Beschwer-
deführers.
W.
Mit Schreiben vom 3. August 2021 ersuchte die Rechtsvertreterin des Be-
schwerdeführers das Bundesverwaltungsgericht um einen möglichst baldi-
gen Entscheid.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtba-
ren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung
einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zu-
ständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch
MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun-
desgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Rz. 3 zu
Art. 46a).
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde zuständig.
1.2 Rechtsverweigerungs- und -verzögerungsbeschwerden richten sich
gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdele-
gitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Be-
gehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf be-
steht. Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in
Verfügungsform zu handeln und der ansprechenden Person nach Art. 6
i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15
E. 3.2 m.w.H.).
Vorliegend ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung des Familien-
asyls zugunsten von B._. Über das Gesuch hat die
Vorinstanz in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Der Be-
schwerdeführer ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert.
1.3 Beschwerde gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern
einer Verfügung kann jederzeit geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Die
zeitliche Grenze bildet der Grundsatz von Treu und Glauben. Bietet eine
bestimmte behördliche Handlung oder Äusserung objektiv begründeten
Anlass für eine Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungsbe-
schwerde, darf nicht beliebig lange zugewartet werden. Vielmehr muss die
Beschwerde innert angemessener Frist erhoben werden. Was angemes-
sen ist, bemisst sich nach den konkreten Umständen, namentlich nach der
der betroffenen Person zumutbaren Sorgfaltspflicht. Jene muss darlegen,
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dass sie zur Zeit der Beschwerdeeinreichung ein schutzwürdiges – mithin
aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzögerten
Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden Rechts-
verzögerung hat (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem
Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.23).
Der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu beanstan-
den und das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers an der Vor-
nahme der Amtshandlung ergibt sich aus der Tatsache, dass das SEM trotz
wiederholter Intervention des Beschwerdeführers bis anhin in der Sache
nicht entschieden hat.
1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die nach Massgabe
von Art. 52 Abs. 1 VwVG formgerecht eingereichte Beschwerde einzutre-
ten.
1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich
vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverweigerungs- be-
ziehungsweise das Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. Im Falle einer
Gutheissung der Beschwerde weist es die Sache mit verbindlichen Wei-
sungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das
Gericht nicht dazu befugt, sich dazu zu äussern, wie ein unrechtmässig
verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sollen, da es – Spezial-
konstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig gebliebenen Be-
hörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug verkürzt und mög-
licherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden (vgl. BVGE
2008/15 E. 3.1.2 m.w.H.).
3.
3.1 Das Verbot der Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung ergibt
sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29
Abs. 1 BV. Danach hat jede Person Anspruch auf eine Beurteilung ihrer
Sache innert angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). Diese Ver-
fassungsgarantie gilt für alle Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwen-
dung (vgl. BGE 130 I 174 E. 2.2 m.w.H.). Eine Rechtsverweigerung liegt
namentlich vor, wenn eine Behörde sich weigert, eine Verfügung zu erlas-
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sen, obwohl sie dazu aufgrund der einschlägigen Rechtsnormen verpflich-
tet wäre. Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach
Lehre und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie
bei einer Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die Be-
hörde nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objektiv
noch als angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines Ver-
fahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände
zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Komplexität
der Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Behörden,
die Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie einzelfallspe-
zifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 f.
m.w.H. auf Lehre und Praxis). Ein Verschulden der Behörde an der Verzö-
gerung wird nicht vorausgesetzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsver-
bot auch dann verletzt, wenn sie wegen Personalmangels oder Überlas-
tung nicht innert angemessener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4;
107 Ib 160 E. 3c; 103 V 190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen
sind bei der Beurteilung der Angemessenheit der Verfahrensdauer zu be-
rücksichtigen (vgl. zum Ganzen auch das Urteil des BVGer E-1438/2018
vom 5. April 2018 E. 3.2 m.w.H.).
3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat Kenntnis von den hohen Penden-
zenzahlen der Vorinstanz. Es ist unvermeidbar und nachvollziehbar, dass
gewisse Verfahren – insbesondere dann, wenn sich Abklärungsmassnah-
men aufdrängen – länger dauern können. Vorliegend kann jedoch nicht von
einer gerechtfertigten Verfahrensverzögerung ausgegangen werden, ins-
besondere, da die Vorinstanz mehrmals und über einen längeren Zeitraum
ohne ersichtlichen Grund untätig geblieben ist.
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass seit dem Einreichen des
Gesuchs um Familiennachzug und der daraufhin erfolgten Einreisebewilli-
gung vom 28. Februar 2018 bis zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung
fast dreieinhalb Jahre vergangen sind, ohne dass der Ehefrau des Be-
schwerdeführers ein Einreisevisum erteilt wurde. Obwohl nach verschiede-
nen Anfragen zum Verfahrensstand jeweils Amtshandlungen vorgenom-
men wurden, erfolgte bis zum Einreichen der Beschwerde ein vorinstanzli-
cher Verfahrensschritt letztmals am 28. November 2019 (beziehungsweise
am 15. Dezember 2019). Die hiernach gestellten Anfragen nach dem Ver-
fahrensstand (Anfragen vom 9. Dezember 2019, 3. Februar 2020, 16. März
2020 und 15. Juli 2020) blieben allesamt unbeantwortet. Den Akten sind
im Zeitraum zwischen dem 15. Dezember 2019 (Information an das SEM
über den Inhalt der letzten Befragung von B._ vom 28. November
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2019) und der Beschwerdeeinreichung über ein Jahr später keine Verfah-
rensschritte zu entnehmen.
Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung sodann auch aus, das Ver-
fahren habe tatsächlich sehr lange gedauert und es sei nicht zu rechtferti-
gen, dass die wiederholten Anfragen zum Verfahrensstand unbeantwortet
geblieben seien. Sie begründet dies damit, die Anspruchsberechtigte
(B._) trage eine kausale Mitverantwortung an der langen Verfah-
rensdauer, da sie sich nicht habe ausweisen können, ein Beweismittel als
Fälschung qualifiziert worden sei und die Befragung auf der Botschaft erst
am 28. November 2019 habe erfolgen können, da sie zunächst falsche
Angaben zu ihren Sprachkenntnissen gemacht habe. Im Übrigen sei die
Erteilung von Einreisebewilligungen aufgrund der Covid-19-Pandemie im
Jahr 2020 zeitweise sistiert worden.
Es ist indessen nicht ersichtlich, weshalb die Botschaft und das SEM zwi-
schen ihren Amtshandlungen jeweils derart viel Zeit verstreichen liessen
und nach Abschluss der letzten ausführlichen Befragung von B._
weiterhin über ein Jahr untätig blieben. Dies kann nicht einzig mit Sistie-
rungen aufgrund der Covid-19-Pandemie gerechtfertigt werden, die im Üb-
rigen auch nicht aktenkundig sind. Auch die Erklärungen betreffend Über-
setzungsprobleme gehen ins Leere, zeigen doch die Ausführungen der
Botschaft vom 13. November 2018, dass B._ bereits damals an-
hand des Fragekatalogs befragt werden konnte. Es ist ferner auch nicht
nachvollziehbar, weshalb die Anfragen zum Verfahrensstand über einen
Zeitraum von mehr als einem Jahr gänzlich unbeantwortet blieben. Eine
solch lange Verfahrensdauer erscheint trotz der notwendigen Abklärungen
zu lange, da einerseits ein erster aktenkundiger Verfahrensschritt erst sie-
ben Monate nach Gesuchseinreichung getätigt wurde. Anderseits ist die
Vorinstanz nach Abschluss der notwendigen Abklärungen erneut und ohne
ersichtlichen Grund untätig geblieben, weshalb das Beschleunigungsgebot
von Art. 29 Abs. 1 BV verletzt ist. Die Rüge der Rechtsverzögerung erweist
sich somit als begründet. Indessen sind den Akten und Ausführungen der
Vorinstanz keine ausreichenden Hinweise dafür zu entnehmen, dass diese
nicht gewillt wäre oder sich grundsätzlich weigern würde, eine Verfügung
zu erlassen.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Akten gehen
an die Vorinstanz zurück, verbunden mit der Anweisung, den Beschwerde-
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führer umgehend über den Stand des Verfahrens und insbesondere dar-
über zu informieren, ob die Identifikation von B._ rechtsgenüglich
vorgenommen werden konnte und das Gesuch um Familiennachzug be-
förderlich – das heisst unter Vermeidung weiterer Phasen der Nichtbear-
beitung – fortzuführen. Sollte das SEM keinen weiteren Abklärungs- oder
Instruktionsbedarf erkennen, ist das Verfahren innert weniger Wochen mit-
tels einer Verfügung erstinstanzlich abzuschliessen. Wider Erwarten den-
noch bestehender Abklärungs- oder Instruktionsbedarf wäre konkret und
substanziell aktenkundig zu machen und dem Beschwerdeführer mitzutei-
len.
5.
5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
5.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Unter Be-
rücksichtigung der aktualisierten Kostennote vom 28. Januar 2021 (Replik
S. 3) wurde ein Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 1'410.80 geltend
gemacht, ausgehend von einem zeitlichen Aufwand von 7 Stunden zu ei-
nem Stundenansatz von Fr. 193.85.– (inkl. MWST) sowie einem mit Blick
auf das Dossier plausibel erscheinenden Auslagenersatz von Fr. 53.85,
was in Anbetracht des Obsiegens nicht zu beanstanden ist (vgl. Art. 10 und
Art. 11 Abs. 3. VGKE). Die Eingabe vom 3. August 2021 (Verfahrensstand)
hat indessen keinen ausschlaggebenden Charakter für den Ausgang des
Verfahrens und vermag aus diesem Grund auch nicht einen notwendigen
Aufwand darzustellen, womit sie nicht zusätzlich zu entschädigen ist. Die
von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung beträgt somit ins-
gesamt Fr. 1'411.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im
Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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