Decision ID: 0950af91-b72b-5d18-ad0e-6169df7c5ef0
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1958 geborene, in seiner Heimat wohnhafte französische Staatsbürger
A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) war seit
1. Oktober 1990 als Grenzgänger in der Schweiz im Detailhandel in leiten-
der Stellung erwerbstätig und leistete dabei Beiträge an die schweizerische
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV). Zuletzt arbei-
tete er ab September 2005 aus gesundheitlichen Gründen in einer adap-
tierten Tätigkeit und einem reduzierten Pensum von 50 %, ehe er ab Juni
2011 krankheitsbedingt nicht mehr arbeitstätig war (IV-act. 113).
B.
Am 4. November 2004 meldete sich der Versicherte wegen Rückenbe-
schwerden bei der IV-Stelle (...) (nachfolgend: kantonale IV-Stelle) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1). Nach erfolgten Abklärungen durch die kan-
tonale IV-Stelle wurde das Gesuch insbesondere gestützt auf das Gutach-
ten von Dr. med. B._, Facharzt für Orthopädie, vom 17. November
2005 (IV-act. 28) von der IV-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend:
IVSTA oder Vorinstanz) mit Verfügung vom 27. Dezember 2005 abgewie-
sen (IV-act. 30). In einer dagegen erhobenen Einsprache vom 30. Januar
2006 liess der Versicherte erstmals psychische Probleme geltend machen
(IV-act. 34), worauf die kantonale IV-Stelle ein Gutachten von Dr. med.
C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 31. Mai
2007 (IV-act. 46) und Ergänzung vom 24. Juni 2007 (IV-act. 49) einholte.
Auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (nachfolgend: RAD)
vom 13. März 2008, der die Einschätzung von Dr. med. C._ als wi-
dersprüchlich betrachtete (IV-act. 51), holte die kantonale IV-Stelle ein Gut-
achten von Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-
rapie, vom 23. Juni 2008 ein (IV-act. 54). Gestützt darauf wies die IVSTA
nach Beurteilung durch den RAD die Einsprache mit Entscheid vom 7. Juli
2008 ab (IV-act. 58).
C.
Eine dagegen am 11. September 2008 erhobene Beschwerde hiess das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil C-5808/2008 vom 5. Februar 2010
gut, hob den Einspracheentscheid vom 7. Juli 2008 auf und wies die Sache
an die Vorinstanz zurück, damit diese dem Versicherten das rechtliche Ge-
hör gewähre und anschliessend neu verfüge (IV-act. 64). Nach durchge-
führtem Vorbescheidverfahren wies die IVSTA mit Verfügung vom 23. März
2011 das Leistungsbegehren bei einem Invaliditätsgrad von 0 % erneut ab
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(IV-act. 82). Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 5. Mai 2011
Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht erheben und die Zuspra-
che einer ganzen Rente mit Wirkung ab August 2004 und einer halben
Rente ab März 2005 beantragen (IV-act. 83). Zur Begründung machte er
im Wesentlichen geltend, dass für die Beurteilung des Rentenanspruchs
auf das Gutachten von Dr. med. C._ und nicht auf das als unzuläs-
sige «second opinion» eingeholte Gutachten von Dr. med. D._ ab-
zustellen sei.
D.
Während des laufenden Beschwerdeverfahrens reichte der Versicherte bei
der kantonalen IV-Stelle am 15. September 2011 wegen einer neu aufge-
tretenen Prostatakrebserkrankung unter Beilage ärztlicher Berichte ein
«Revisionsgesuch» ein (IV-act. 85). Dieses wurde dem Bundesverwal-
tungsgericht am 22. September 2011 zur Kenntnisnahme übermittelt
(BVGer-act. 8, Beschwerdedossier B-2587/2011). Die kantonale IV-Stelle
holte daraufhin beim RAD Stellungnahmen von Dr. med. E._, Fach-
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. November 2011 (IV-
act. 88) und von Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom
10. Mai 2012 (IV-act. 97) ein. Auf Empfehlung des RAD-Arztes Dr. med.
F._ vom 18. Juli 2012 (IV-act. 101) teilte die kantonale IV-Stelle der
Rechtsvertreterin des Versicherten am 23. August 2012 mit, dass zur Klä-
rung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Untersu-
chung (Rheumatologie, Psychiatrie, Urologie) notwendig sei (IV-act. 102).
Die Rechtsvertreterin teilte daraufhin am 7. September 2012 mit, dass eine
dritte psychiatrische Begutachtung zum heutigen Zeitpunkt nicht notwendig
sei und hielt die kantonale IV-Stelle an, das bereits seit einem Jahr hängige
Revisionsgesuch zu beurteilen (IV-act. 104). Nach Rücksprache mit dem
Rechtsdienst (IV-act. 105) und dem RAD (IV-act. 106) gab die kantonale
IV-Stelle am 12. Oktober 2012 in der Folge lediglich eine urologische Ab-
klärung in Auftrag (IV-act. 108).
Am 1. November 2012 erstellte Dr. med. G._, Facharzt für Urologie,
Universitätsspital I._, ein Gutachten. Dieses ging in einer nicht un-
terzeichneten Version am 6. Februar 2013 bei der kantonalen IV-Stelle ein
(IV-act. 116). Dazu nahm der RAD am 12. Februar 2013 Stellung (IV-act.
117). Am 6. März 2013 ging eine veränderte und unterzeichnete Version
des Gutachtens vom 1. November 2012 bei der kantonalen IV-Stelle ein
(IV-act. 119). Nach Beurteilung durch den Rechtsdienst (IV-act. 130) stellte
die kantonale IV-Stelle am 5. September 2013 dem Versicherten die Ab-
weisung des Leistungsbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 35 % in
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Aussicht (IV-act. 131). Auf seine Einwände hin (IV-act. 132) holte die kan-
tonale IV-Stelle Stellungnahmen vom RAD vom 22. Oktober 2013 und 7.
November 2013 (IV-act. 135 und 139) sowie von Dr. med. G._ vom
28. Oktober 2013 (IV-act. 137) ein. Mit Verfügung vom 22. November 2013
wies die IVSTA das Rentenbegehren bei einem Invaliditätsgrad von 38 %
sodann ab (IV-act. 143).
E.
Mit Urteil B-2587/2011 vom 18. November 2013 wies das Bundesverwal-
tungsgericht in der Zwischenzeit die vom Versicherten am 5. Mai 2011 er-
hobene Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. März 2011 ab (IV-
act. 142; Eingang bei der kantonalen IV-Stelle am 2. Dezember 2013). Zur
Begründung hielt es im Wesentlichen fest, dass die Vorinstanz zu Recht
auf das vollständige, widerspruchsfreie und in seinen Ergebnissen nach-
vollziehbare psychiatrische Gutachten von Dr. med. D._ und nicht
auf das Gutachten von Dr. med. C._ abgestellt habe.
F.
Gegen die Verfügung vom 22. November 2013 erhob der Versicherte durch
seine Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 13. Januar 2014 (Poststempel)
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die ange-
fochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab 1. Ja-
nuar 2012 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die
Sache zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. Zudem ersuchte er um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und Verbeiständung durch seine Rechtsvertre-
terin (BVGer-act. 1). Die Beschwerdeeingabe vom 13. Januar 2014, die an
das «Bundesverwaltungsgericht, Postfach, 3000 Bern 14» adressiert war,
wurde der Rechtsvertreterin von der Post am 16. Januar 2014 mit dem
Vermerk «Weggezogen. Nachsendefrist abgelaufen» retourniert. Mit
Schreiben vom 17. Januar 2014 reichte sie die Beschwerdeeingabe vom
13. Januar 2014 im verschlossenen Umschlag dem Bundesverwaltungs-
gericht an die korrekte Adresse in St. Gallen ein (BVGer-act. 2).
G.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 18. Februar 2014
unter Hinweis auf die Ausführungen der kantonalen IV-Stelle vom 17. Feb-
ruar 2014, dass auf die Beschwerde infolge Fristversäumnis nicht einzu-
treten sei. Eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen (BVGer-act. 4).
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Seite 5
H.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Februar 2014 wurde das Gesuch um un-
entgeltliche Rechtspflege abgewiesen und der Beschwerdeführer unter An-
drohung der Säumnisfolgen aufgefordert, einen Kostenvorschuss von Fr.
400.– zu leisten (BVGer-act. 6). Dieser Betrag wurde am 28. März 2014 zu
Gunsten der Gerichtskasse überwiesen (BVGer-act. 10).
I.
Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 5. Mai 2014 an seinen Rechts-
begehren – mit Ausnahme des Antrags um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege – fest. Er reichte zudem einen Bericht seines behandelnden
Psychiaters Dr. med. H._ vom 21. Januar 2014 ein (BVGer-act. 11).
J.
Mit Duplik vom 3. Juli 2014 hielt die Vorinstanz gestützt auf eine Stellung-
nahme der kantonalen IV-Stelle vom 27. Juni 2014 an ihren Anträgen fest
(BVGer-act. 13), worauf der Schriftenwechsel mit verfahrensleitender Ver-
fügung vom 10. Juli 2014 abgeschlossen wurde (BVGer-act. 14).
K.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
den Vorschriften des VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art.
37 VGG). Auf Verfahren in Sozialversicherungssachen findet das VwVG
jedoch keine Anwendung, soweit der ATSG (SR 830.1) anwendbar ist (Art.
3 Bst. dbis VwVG). Das ist hier gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG (SR 831.20) der
Fall, soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vor-
sieht.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG) und der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfü-
gung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse
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an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung der Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG; Art. 59 ATSG).
1.3 Die Beschwerde wurde unter Berücksichtigung des Fristenstillstands
während der Gerichtsferien vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar
(Art. 22a Abs. 1 Bst. c VwVG) gemäss Poststempel und Aufgabebestäti-
gung rechtzeitig am 13. Januar 2014 zu Handen des Bundesverwaltungs-
gerichts der Schweizerischen Post übergeben (Art. 21 Abs. 1 VwVG;
Art. 39 Abs. 1 ATSG). Der Umstand, dass die Beschwerde mit der alten
Adresse des Bundesverwaltungsgerichts in Bern («Postfach, 3000 Bern
14») bezeichnet und der Rechtsvertreterin deshalb von der Post mit dem
Vermerk "Weggezogen. Nachsendefrist abgelaufen" via Postfach am
16. Januar 2014 retourniert wurde, ändert entgegen der Ansicht der Vo-
rinstanz an der Rechtzeitigkeit der Beschwerde nichts. Mit Eingabe vom
17. Januar 2014 liess der Beschwerdeführer die Beschwerde vom 13. Ja-
nuar 2014 im verschlossenen Umschlag an die korrekte Adresse "Bundes-
verwaltungsgericht, Postfach, 9023 St. Gallen" einreichen, womit eine
rechtsmissbräuchliche Falschadressierung ausgeschlossen werden kann
und ein Nichteintreten auf die Beschwerde infolge Fristversäumnis über-
spitztem Formalismus gleichkäme. Nachdem auch der Kostenvorschuss
fristgerecht geleistet wurde, ist auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde vom 13. Januar 2014 daher einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und
Art. 52 Abs. 1 VwVG; Art. 60 ATSG).
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung der Vorinstanz vom 22. November 2013, mit welcher im Rah-
men eines Neuanmeldeverfahrens ein Rentenanspruch des Beschwerde-
führers bei einem Invaliditätsgrad von 38 % verneint wurde. Wie in der Zu-
ständigkeitsregelung des Art. 40 Abs. 2 IVV (SR 831.201) vorgesehen, hat
die kantonale IV-Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der Versicherte zuletzt in
seiner Eigenschaft als Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat,
das Leistungsbegehren entgegengenommen und geprüft, während die Vo-
rinstanz die angefochtene Verfügung erlassen hat.
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3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist französischer Staatsangehöriger und wohnt
in Frankreich, weshalb das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen
vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft ei-
nerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedsstaaten
andererseits über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681) sowie die ge-
mäss Anhang II des FZA anwendbaren Verordnungen (EG) des Europäi-
schen Parlaments und des Rates Nr. 883/2004 vom 29. April 2004 sowie
Nr. 987/2009 vom 16. September 2009, welche am 1. April 2012 die Ver-
ordnungen (EWG) des Rates Nr. 1408/71 vom 14. Juni 1971 sowie
Nr. 574/72 vom 21. März 1972 abgelöst haben, anwendbar sind. Gemäss
Art. 8 Bst. a FZA werden die Systeme der sozialen Sicherheit koordiniert,
um insbesondere die Gleichbehandlung aller Angehörigen der Vertrags-
staaten zu gewährleisten. Soweit – wie vorliegend – weder das FZA und
die gestützt darauf anwendbaren gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte ab-
weichende Bestimmungen vorsehen noch allgemeine Rechtsgrundsätze
dagegen sprechen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens und die
Prüfung des Rentenanspruchs alleine nach der schweizerischen Rechts-
ordnung (vgl. BGE 130 V 257 E. 2.4), was sich auch mit dem Inkrafttreten
der oben erwähnten Verordnungen am 1. April 2012 nicht geändert hat (vgl.
Urteil des BVGer C-3985/2012 vom 25. Februar 2013 E. 2.1). Demnach
bestimmt sich vorliegend die Frage, ob der Beschwerdeführer Anspruch
auf Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung hat, alleine auf-
grund der schweizerischen Rechtsvorschriften.
3.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 22. November 2013) eingetretenen Sachver-
halt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
3.3 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1),
weshalb jene Vorschriften Anwendung finden, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 22. November 2013 in Kraft standen (so auch die Nor-
men des auf den 1. Januar 2012 in Kraft gesetzten ersten Teils der 6. IV-
Revision [IV-Revision 6a], AS 2011 5659); weiter aber auch Vorschriften,
die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die aber für die
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Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche von Belang
sind.
4.
Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung hat,
wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 8 ATSG, vgl. E. 5.1 hiernach)
und beim Eintritt der Invalidität während der vom Gesetz vorgesehenen
Dauer Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(AHV/IV) geleistet hat, das heisst während mindestens drei Jahren laut Art.
36 Abs. 1 IVG. Diese Bedingungen müssen kumulativ gegeben sein; fehlt
eine, so entsteht kein Rentenanspruch, selbst wenn die andere erfüllt ist.
Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen während mehr als drei
Jahren Beiträge an die schweizerische AHV/IV geleistet, so dass die Vo-
raussetzung der Mindestbeitragsdauer für den Anspruch auf eine ordentli-
che Invalidenrente erfüllt ist.
5.
5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.2 Der Nachweis der Invalidität im Rechtssinn setzt eine gesundheitlich
bedingte, erhebliche und evidente, dauerhafte sowie objektivierbare Beein-
trächtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit voraus (BGE 139 V 547 E.
9.4). Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher
Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne des
Gesetzes bewirken. Die Annahme eines psychischen Gesundheitsscha-
dens setzt zunächst eine fachärztlich gestellte Diagnose nach einem wis-
senschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus. Eine solche lege
artis gestellte Diagnose ist indes noch nicht hinreichend für die Annahme
einer psychisch bedingten Invalidität (BGE 130 V 396 E. 6.3, BGE 127 V
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294 E. 4). Denn nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Ein-
schränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Auf-
bietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwer-
ten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend
objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2, vgl. auch BGE 102 V 165).
5.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei-
nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertels-
rente.
5.4 Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren,
nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die er-
forderlichen Auskünfte ein (Satz 1). Das Gesetz weist auf dem Gebiet der
Invalidenversicherung der örtlich zuständigen Invalidenversicherungsstelle
die Aufgabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersu-
chungsgrundsatz abzuklären, und zwar richtig und vollständig, so dass ge-
stützt darauf die Verfügung im Sinn von Art. 49 ATSG über die jeweils in
Frage stehende Leistung ergehen kann (BGE 136 V 376 E. 4.1.1). Um den
Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be-
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren
sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung
der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge-
mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4; BGE 125 V 256 E. 4).
5.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der Expertin
oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; BGE 125 V 351
E. 3a) und ob der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver-
fügt (Urteil des BGer 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1).
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Seite 10
5.6 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verwei-
gert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft,
wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind.
Demnach ist in der Neuanmeldung glaubhaft zu machen, dass sich der
Grad der Invalidität des Versicherten in einer für den Anspruch erheblichen
Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat
sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von
der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditäts-
grades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise
wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
130 V 71 E. 3, AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinweisen). Stellt sie fest, dass
der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung
keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern-
falls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung
genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen,
und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche mate-
rielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, BGE 109 V
108 E. 2b). Ob eine erhebliche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich
durch den Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten, der
versicherten Person eröffneten rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer
materiellen Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs mit rechts-
konformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung ei-
nes Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den
erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht, mit dem-
jenigen zur Zeit der streitigen Verfügung; vorbehalten bleibt die Rechtspre-
chung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 130 V 71
E. 3.2.3).
6.
Der Beschwerdeführer liess durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe
vom 15. September 2011 einen «Antrag auf Revision» einreichen. Diese
Eingabe erfolgte während des damals noch am Bundesverwaltungsgericht
hängigen Beschwerdeverfahrens B-2587/2011, weshalb es sich nicht um
ein Revisionsgesuch handeln konnte und aufgrund des Devolutiveffekts an
das Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet werden musste. Das unan-
gefochten gebliebene Urteil im Beschwerdeverfahren B-2587/2011 wurde
am 18. November 2013 gefällt, womit die Verfügung vom 23. März 2011
erst zu diesem Zeitpunkt rechtskräftig wurde. Die angefochtene Verfügung
vom 22. November 2013 wurde unmittelbar danach erlassen, weshalb das
parallel zum Beschwerdeverfahren B-2587/2011 durchgeführte Verwal-
tungsverfahren, das der angefochtenen Verfügung vom 22. November
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Seite 11
2013 voranging, wie ein Neuanmeldeverfahren zu behandeln ist. Da die
Vorinstanz auf das am 15. September 2011 eingereichte Gesuch – aller-
dings verfrüht – eingetreten ist, erübrigt sich die richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage. Es gilt somit zu klären, ob sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers im massgeblichen Zeitraum zwischen der mit Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts B-2587/2011 vom 18. November 2013
bestätigten Verfügung vom 23. März 2011 (IV-act. 82), in welcher ein An-
spruch auf eine Invalidenrente verneint wurde, und der angefochtenen Ver-
fügung vom 22. November 2013 (IV-act. 143), welche die zeitliche Grenze
für den zu beurteilenden Sachverhalt bildet, insoweit verschlechtert hat,
dass nunmehr ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.
7.
Die leistungsverweigernde Verfügung vom 23. März 2011 beruht auf der
Annahme einer Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von 10 % in ei-
ner den somatischen Beschwerden angepassten Tätigkeit. Die Vorinstanz
stützte sich dabei im Wesentlichen auf folgende Arztberichte:
7.1 Dr. med. B._ hielt in seinem orthopädischen Gutachten vom
17. November 2005 als Diagnose chronisch persistierende Lumbalgien
(ICD-10 M54.5) mit/bei degenerativen Diskopathien L4/5 und L5/S1, dis-
kreten medianen Diskusprotrusionen (degenerativer Art) L4/5 und L5/S1
sowie fehlenden radikulären Zeichen, fest. Er attestierte dem Beschwerde-
führer für die aktuell ausgeübte Tätigkeit im administrativen Bereich mit
vorwiegenden Kontroll- und Organisationsaufgaben mit der Möglichkeit zu
wechselbelasteter Tätigkeit und unter Vermeidung von körperlicher Belas-
tung eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Aufgrund der degenerativen Verän-
derungen bestehe für die angestammte Tätigkeit mit schweren körperli-
chen Belastungen (wie bis zum August 2003 ausgeübt) eine Einschrän-
kung in dem Sinne, dass die schweren körperlichen Belastungen nicht
mehr möglich seien (IV-act. 28).
7.2 Im psychiatrischen Gutachten von Dr. med. D._ vom 23. Juni
2008 wurden als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Dysthymie (ICD-10 F34.1) und als Diagnose ohne Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) genannt.
Der Gutachter attestierte aus psychiatrischer Sicht eine längerfristige Ar-
beitsunfähigkeit von 10 % für eine den körperlichen Beschwerden ange-
passte Tätigkeit (IV-act. 54).
C-269/2014
Seite 12
8.
In der angefochtenen Verfügung vom 22. November 2013 geht die Vo-
rinstanz von einer Arbeitsunfähigkeit von etwa 20 % für die bisherige Tä-
tigkeit aus. Sie stellte dabei auf das von ihr eingeholte urologische Gutach-
ten von Dr. med. G._ von der Universitätsklinik I._ vom
1. November 2012 ab (unterzeichnete Version mit Eingangsstempel vom
6. März 2013; IV-act. 119).
8.1 Dr. med. G._ hielt folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Ar-
beitsfähigkeit fest:
– Postoperative Blasenspeicherstörung bei Belastungsinkontinez Grad III
(N39.3) mit/bei Status nach laparoskopischer radikaler Prostatektomie wegen
Prostatakarzinoms 10/2011, Status nach Prostatastanzbiopsie mit Nachweis
eines Prostatakarzinoms Gleason 3+3 5.7.2011 (C61) sowie postoperative
erektile Dysfunktion (N48.4).
– Depressives Zustandsbild.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er fest:
– Status nach Thrombophlebitis Unterschenkel links 06/2011.
– Hämorrhoiden.
8.2 Der urologische Gutachter führte aus, dass beim Beschwerdeführer im
Juli 2011 ein Prostatakarzinom diagnostiziert und im Oktober 2011 eine la-
paroskopische radikale Prostatektomie durchgeführt worden sei. Postope-
rativ habe sich gemäss dem behandelnden Urologen eine schwere Stres-
sinkontinenz und eine erektile Dysfunktion entwickelt. Für den Fall, dass
der PSA-Wert in den nächsten zwei Jahren nicht ansteige, sei in Bezug auf
das Prostatakarzinom von einer normalen Lebenserwartung auszugehen.
Die urologischen Beschwerden würden zu einer zusätzlichen sozialen In-
teraktionsstörung durch die vom Beschwerdeführer geschilderte Proble-
matik (Uringeruch und Impotenz) führen. Zusätzlich müsse der Beschwer-
deführer tagsüber die Möglichkeit haben, den achtfachen Einlagenwechsel
durchzuführen. In der aktuellen Situation sei eine körperliche Belastbarkeit
mit einem zunehmenden Urinverlust verbunden. Da der Urinverlust bereits
bei leichtem Husten auftrete, sei auch das Heben von geringen Lasten oder
die Bewegung im Büro mit Inkontinenz verbunden. Die bisherige Tätigkeit
im Detailhandel mit Heben von leichten Lasten und Bewegung im Büro
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wäre aus rein urologischer Sicht grundsätzlich zumutbar, wobei die objek-
tivierte schwere Inkontinenz zu einer zeitlichen und qualitativen Einbusse
der Leistung- und Einsatzfähigkeit führe (Notwendigkeit des Pausenbe-
darfs für Einlagenwechsel, Dringlichkeit des Harndrangs, Belastung durch
Angst vor Uringeruch). Die Prognose hinsichtlich der Krebserkrankung sei
sehr gut und die geplanten medizinischen Massnahmen (Bandeinlage
und/oder künstlicher Schliessmuskel) würden mit dem Beschwerdeführer
im Januar 2013 vom behandelnden Urologen erneut erörtert. Die Chancen,
mit diesen Massnahmen die Inkontinenz erfolgreich zu behandeln, seien
insbesondere mit dem künstlichen Schliessmuskel als relativ hoch anzuse-
hen. Aus isoliert urologischer Sicht bestehe mit der aktuell vorhandenen
Stressinkontinenz Grad III eine Arbeitsunfähigkeit von etwa 20 % seit der
Prostataoperation. In Kombination mit der psychischen Belastungssitua-
tion wirke sich dies in einer effektiven Arbeitsunfähigkeit von 100 % aus.
8.3 Dr. med. F._ vom RAD hielt in seiner abschliessenden Stellung-
nahme vom 7. November 2013 fest, dass im Gutachten von Dr. med.
G._ ganz klar aufgeführt werde, dass aus rein urologischen Grün-
den eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % bestehe. Der Rest
der aktuellen Arbeitsunfähigkeit werde auf psychische Gründe zurückge-
führt, welche aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter abgeklärt werden
dürften (IV-act. 139).
9.
9.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die Vorinstanz zu Unrecht
nicht berücksichtigt habe, dass Dr. med. G._ dem Beschwerdefüh-
rer unter Berücksichtigung der psychischen Belastungssituation eine Ar-
beitsunfähigkeit von 100 % attestiert habe. Falls auf diese Einschätzung
nicht abgestellt werden könne, hätte ein psychiatrisches Gutachten einge-
holt werden müssen. Er führte aus, dass mit Blick auf das am Bundesver-
waltungsgericht hängige Verfahren B-2587/2011, in welchem im Wesentli-
chen die Zulässigkeit der Einholung eines zweiten psychiatrischen Gutach-
tens strittig gewesen sei, er am 7. September 2012 die Erstellung eines
dritten psychiatrischen Gutachtens abgelehnt habe. Dies sei jedoch in Un-
kenntnis der Beurteilung von Dr. med. G._ erfolgt. Zudem habe die
Vorinstanz bei der Beurteilung des Rentenanspruchs die im psychiatri-
schen Gutachten von Dr. med. D._ vom 23. Juni 2008 attestierte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 % zu Unrecht nicht berücksich-
tigt. Auch die von Dr. med. B._ im Gutachten vom 17. November
2005 erhobenen Befunde und Einschränkungen seien zu berücksichtigen
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und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit unter Beizug sämtlicher Fachärzte
im Sinne einer Gesamtschau zu ermitteln. In diesem Punkt erweise sich
der entscheidwesentliche Sachverhalt als ungenügend abgeklärt.
9.2 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass aus dem Gutachten
von Dr. med. G._ kein Anspruch auf eine ganze Rente abgeleitet
werden könne. Es erscheine widersprüchlich, dass der Beschwerdeführer
nun eine erneute psychiatrische Begutachtung fordere, obwohl er bisher
immer darauf bestanden habe, kein neues psychiatrisches Gutachten er-
stellen zu lassen. Zudem lasse sich aus dem Gutachten von Dr. med.
D._ keine psychische Krankheit mit Auswirkungen auf die Arbeits-
fähigkeit erkennen. Es bestehe damit kein Anlass, von den Ergebnissen
des lege artis erstellten Gutachtens von Dr. med. G._ abzuweichen
oder weitere medizinische Abklärungen vornehmen zu lassen.
10.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz das Leistungsbegehren zu
Recht gestützt auf die Beurteilung von Dr. med. G._ abgewiesen
hat beziehungsweise ob sich der medizinische Sachverhalt als genügend
abgeklärt erweist.
10.1 Soweit der Beschwerdeführer aus der urologischen Beurteilung von
Dr. med. G._ eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ableiten will, kann
dem nicht gefolgt werden. Dr. med. G._ führt die vollständige Ar-
beitsunfähigkeit soweit sie die rein urologisch begründete Arbeitsunfähig-
keit von 20 % übersteigt, auf psychische Ursachen zurück. Seine Einschät-
zung erfüllt die Anforderungen an eine beweiskräftige psychiatrische Beur-
teilung jedoch nicht, zumal für die verlässliche Beurteilung des psychischen
Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in
der Regel ein psychiatrischer Facharzt beizuziehen ist (vgl. Urteil des BGer
8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2). Das Gutachten von Dr. med.
G._, welches ohnehin keinen Anspruch auf eine abschliessende
psychiatrische Beurteilung erhebt, da darin ausdrücklich eine Evaluation
der psychischen Problematik empfohlen wird, ist somit nicht geeignet, eine
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen rechtsgenüglich nachzuwei-
sen. Ob sich der Umstand, dass sich zwei nicht identische Versionen des
Gutachtens vom 1. November 2012 in den Vorakten befinden, Einfluss auf
den Beweiswert der Einschätzung von Dr. med. G._ im Allgemei-
nen hat, kann offengelassen werden. Jedenfalls ist aber nicht ersichtlich,
dass aus der ersten, nicht unterzeichneten Version des Gutachtens oder
aus der zweiten, unterzeichneten Version eine über 20 % hinausgehende
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Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers aus rein urologischen Gründen
abgeleitet werden könnte.
10.2 Wie sich aus den Akten ergibt und der RAD in seiner Stellungnahme
vom 18. Juli 2012 (IV-act. 101) ausdrücklich festhält, treffen beim Be-
schwerdeführer verschiedene Gesundheitsbeeinträchtigungen zusam-
men. Es bestehen insbesondere urologische und psychiatrische Be-
schwerden, aber auch ein Rückenleiden. In einem solchen Fall ist es nicht
gerechtfertigt, die somatischen und psychischen Befunde isoliert abzuklä-
ren. Vielmehr ist eine interdisziplinäre Untersuchung durchzuführen (vgl.
Urteil des BGer 8C_168/2008 vom 11. August 2008 E. 6.2.2) und der Grad
der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer sämtliche Behinderungen umfassenden
fachärztlichen Gesamtbeurteilung zu bestimmen (vgl. Urteil des Eidgenös-
sischen Versicherungsgerichts I 850/02 vom 3. März 2003 E. 6.4.1). In die-
sem Sinn hielt auch der RAD in seiner Stellungnahme vom 18. Juli 2012
(IV-act. 101) fest, dass aufgrund des aktuellen polymorbiden Gesundheits-
zustandes des Beschwerdeführers zur Klärung der ganzen Situation ein
polydisziplinäres Gutachten mit den Zusatzfachrichtungen Psychiatrie,
Rheumatologie und Urologie sinnvoll erscheine. Die aktenkundigen (fach-
)ärztlichen Berichte beinhalten aber keine in diesem Sinne zuverlässige
bzw. schlüssig und nachvollziehbar begründete Gesamtbeurteilung. Ein
polydisziplinäres Gutachten wurde nicht eingeholt. Die Vorinstanz hat sich
ausschliesslich auf das urologische Gutachten von Dr. med. G._
abgestützt.
10.3 Was die psychische Problematik im Besonderen anbelangt, so ist
diese im Rahmen der aktuellen Leistungsbeurteilung unberücksichtigt ge-
blieben. Insbesondere wurde ein allfälliger Einfluss der postoperativen Be-
schwerden auf die vorbestehende psychiatrische Problematik trotz ent-
sprechender ärztlicher Hinweise nicht abgeklärt. Dr. med. G._ emp-
fahl in seinem Gutachten vom 1. November 2012 zu evaluieren, inwiefern
die Krebsproblematik die psychische Situation des Beschwerdeführers ver-
schlechtert habe. Er führte aus, dass die aktuelle urologische Problematik
mit Krebserkrankung, Operation, postoperativer Inkontinenz und erektiler
Dysfunktion zu einer zusätzlichen Belastungssituation für den Beschwer-
deführer geführt habe, was durch einen beginnenden sozialen Rückzug,
Selbstmordgedanken und letztendlich Verschlechterung der depressiven
Grundstimmung ersichtlich werde. Inwiefern die Krebsproblematik die psy-
chische Situation des Beschwerdeführers verschlechtert habe, empfehle
sich weiter zu evaluieren. Zudem hielt auch der RAD in seiner Stellung-
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nahme vom 18. Juli 2012 fest, dass er nicht wisse, wie sich diese medizi-
nische Situation auf den psychischen Zustand des Beschwerdeführers
auswirke, welcher ja früher schon angeschlagen gewesen sei. Da sich das
psychiatrische Gutachten von Dr. med. D._, das bereits mehr als
fünf Jahre vor Erlass der angefochtenen Verfügung und damit auch vor
Eintritt der Krebserkrankung erstellt wurde, diese Entwicklung nicht berück-
sichtigt, ist es angesichts der Empfehlungen von Dr. med. G._ und
des RAD unumgänglich, eine aktuelle fachärztliche psychiatrische Begut-
achtung einzuholen, wobei auch das im Beschwerdeverfahren einge-
reichte, nach Erlass der angefochtenen Verfügungen erstellte ärztliche At-
test des behandelnden Psychiaters Dr. med. H._ vom 21. Januar
2014 zu berücksichtigen sein wird (Beilage zu BVGer-act. 11).
10.4 Weitergehenden medizinischen Abklärungen steht nicht entgegen,
dass sich der Beschwerdeführer am 7. September 2012 (IV-act. 104) ge-
gen die Notwendigkeit einer weiteren psychiatrischen Begutachtung aus-
gesprochen hat. Dies wurde mit dem damals noch hängigen Beschwerde-
verfahren am Bundesverwaltungsgericht begründet, in dem im Wesentli-
chen die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen zu
prüfen und die entsprechenden Gutachten von Dr. med. D._ und
Dr. med. C._ zu würdigen waren. Dieses Beschwerdeverfahren
wurde kurz vor Erlass der angefochtenen Verfügung mit Urteil vom 18. No-
vember 2013 abgeschlossen. Ein treuwidriges Verhalten des Beschwerde-
führers ist nicht ersichtlich. Zudem ist es die Aufgabe der Vorinstanz bezie-
hungsweise der kantonalen IV-Stelle, von Amtes wegen die für die An-
spruchsprüfung notwendigen Abklärungen vorzunehmen und die erforder-
lichen Auskünfte einzuholen (Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG). Soweit ärztliche
oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumut-
bar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43
Abs. 2 ATSG). Von einer (unentschuldbaren) Weigerung eines Versicher-
ten, sich einer angeordneten Begutachtung zu unterziehen kann erst dann
gesprochen werden, wenn er vorher unter Einräumung einer angemesse-
nen Bedenkzeit schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen
wurde (Art. 43 Abs. 3 ATSG). Erst wenn dann eine versicherte Person den
Mitwirkungspflichten nicht nachkommt, kann aufgrund der Akten entschie-
den und das von der versicherten Person eingereichte Gesuch mit der Be-
gründung abgewiesen werden, der Sachverhalt, aus dem diese ihre
Rechte ableiten wolle, sei nicht erwiesen (vgl. Urteil des BGer
8C_396/2012 vom 16. Oktober 2012 E. 2.2). Da die Vorinstanz im vorlie-
genden Fall verfrüht auf das Gesuch vom 15. September 2011 eingetreten
ist (vgl. E. 6) und kein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchgeführt hat,
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kann sie sich nicht auf die Verweigerung der Mitwirkung des Beschwerde-
führers berufen.
11.
Angesichts der vorstehenden Darlegungen ist im Ergebnis festzuhalten,
dass für die Leistungseinschätzung nicht alleine auf das urologische Gut-
achten von Dr. med. G._ abgestellt werden kann. Es fehlt sowohl
an einer multidisziplinären Gesamtbeurteilung des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers wie auch an einer alle Leiden berücksichtigenden
schlüssigen Beurteilung des Grads der Arbeitsunfähigkeit. Daher ist es
dem Bundesverwaltungsgericht nicht möglich, aufgrund der Akten mit dem
im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegen-
den Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob und gegebenenfalls in welchem
Umfang und ab wann der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invaliden-
rente hat. Im vorinstanzlichen Verfahren sind infolge unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts (vgl. Art. 43 ff.
ATSG und Art. 12 VwVG) entscheidwesentliche Aspekte vollständig unge-
klärt geblieben. Von der Einholung eines Gerichtsgutachtens oder Erhe-
bung anderer Beweismassnahmen ist daher abzusehen. Die Beschwerde
ist folglich insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung aufzu-
heben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen ist (vgl. zur Rück-
weisung BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Die Vorinstanz ist anzuweisen, unter
Berücksichtigung sämtlicher aktenkundiger Arztberichte sowie unter Bei-
zug weiterer verfügbarer medizinischer Unterlagen eine multidisziplinäre
fachärztliche Begutachtung des Gesundheitszustands des Beschwerde-
führers sowie von dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorzuneh-
men. Anschliessend hat die Vorinstanz neu zu verfügen (vgl. Art. 61 Abs. 1
VwVG).
12.
12.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m.
Art. 69 Abs. 2 IVG), wobei das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 63
Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei
auferlegt. Eine Rückweisung wegen mangelhafter Sachverhaltsabklärung
durch die Vorinstanz gilt in Bezug auf die Verlegung der Verfahrenskosten
in der Regel als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei (BGE 132 V
215 E. 6). Da der Beschwerdeführer bzw. seine Rechtsvertreterin im vor-
liegenden Fall aber trotz hängigen Beschwerdeverfahrens auf der Durch-
führung eines «Revisionsverfahrens» durch die Vorinstanz bestanden und
damit die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz mitverschuldet hat
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(vgl. E. 6), rechtfertigt es sich, von einem teilweisen Obsiegen auszugehen
und dem Beschwerdeführer einen Drittel der auf Fr. 400.– festzusetzenden
Verfahrenskosten aufzuerlegen, abgerundet Fr. 130.– ausmachend (vgl.
Art. 63 Abs. 4bis VwVG in Verbindung mit Art. 1, Art. 2 Abs. 1 und 2 sowie
Art. 4 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) Dieser Betrag ist dem ge-
leisteten Kostenvorschuss zu entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 270.– ist
dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückzuerstatten. Der Vorinstanz sind gestützt auf Art. 63 Abs. 2
VwVG keine Kosten aufzuerlegen, weshalb die restlichen Verfahrenskos-
ten von Fr. 270.– auf die Gerichtskasse zu nehmen sind.
12.2 Ein obsiegender Beschwerdeführer hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG
in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,
SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Ver-
waltung. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung
aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Be-
rücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundi-
gen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
vorliegend zu beurteilenden Verfahrens ist eine um einen Drittel reduzierte
(vgl. E. 12.1) Parteientschädigung von Fr. 1'800.– (inkl. Auslagen, ohne
Mehrwertsteuer [vgl. dazu auch Urteil des BVGer C-6173/2009 vom
29. August 2011 mit Hinweis]; Art. 9 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2
VGKE) gerechtfertigt. Die unterliegende Vorinstanz hat keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung.
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