Decision ID: d33465b7-229a-5ff8-9eed-26b1c5ba94fa
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (act. G 1.2), war beim Kanton St. Gallen angestellt und bei der B._
berufsvorsorgeversichert. Die B._ informierte die bei ihr versicherten Personen im
Januar 2017, als Folge der Senkung des technischen Zinssatzes werde per 1. Januar
2019 auch der Umwandlungssatz im Alter 65 auf 5.2% gesenkt. Um die Folgen der
Senkung des Umwandlungssatzes abzufedern, würden die Jahrgänge 1970 und älter,
die bereits am 31. Dezember 2016 bei ihr versichert gewesen seien, ab 1. Januar 2019
gestaffelt eine Einlage erhalten (act. G 10.1). Ebenfalls im Januar 2017 erhielten die
Versicherten der B._ eine «Versicherteninformation betreffend Grundlagenwechsel
per 1. Januar 2019». Darin orientierte die B._ insbesondere über die Senkung des
Umwandlungssatzes und die Anpassung der Spar- und Risikobeiträge. Unter dem Titel
«Flankierende Massnahmen für Versicherte der Jahrgänge 1970 und älter» führte sie
aus, die Erhöhung der Sparbeiträge bewirke, dass die jungen Versicherten
modellmässig das Leistungsziel (trotz Senkung des Umwandlungssatzes) erhalten
könnten. Allerdings müssten die versicherten Personen, die kurz vor der Pensionierung
stünden, ohne flankierende Massnahmen bei einer Senkung des Umwandlungssatzes
massive Rentenkürzungen ertragen. Der Rentenwert ihrer Sparguthaben würde sich bei
einer Senkung von 6.4 auf 5.2% auf einen Schlag um über 18% reduzieren. Daher
habe der Stiftungsrat beschlossen, die Folgen der Senkung des Umwandlungssatzes
für die Jahrgänge 1970 und älter abzufedern. Dies geschehe mit gestaffelten Einlagen
ins Sparguthaben der betroffenen Jahrgänge. Je früher die Alterspensionierung
bevorstehe, desto stärker sei die flankierende Massnahme ausgestaltet. Dabei werde
A.a.
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insbesondere berücksichtigt, dass jüngere Versicherte eine längere
Versicherungsdauer bis zur Alterspensionierung hätten und damit während einer
längeren Frist höhere Sparbeiträge ins Sparguthaben einzahlen könnten. Massgebend
für die Einlage ins Sparguthaben sei das per 31. Dezember 2018 bei der B._
vorhandene Sparguthaben in der Grundversicherung der versicherten Personen.
Freizügigkeitseinlagen, freiwillige Einkäufe und Rückzahlungen von Vorbezügen für die
Wohneigentumsförderung (WEF) nach dem 31. Oktober 2016 würden nicht
berücksichtigt. Die Einlage ins Sparguthaben werde den versicherten Personen in
48 Raten, bis am 31. Dezember 2022, monatlich gutgeschrieben (act. G 8.5,
insbesondere S. 3 f.). Sowohl in der Versicherteninformation vom Januar 2018 als auch
vom Januar 2019 erläuterte die B._ erneut den Anspruch und die Umsetzung der
Einlagen ins Sparguthaben (act. G 8.6, S. 5 f., und act. G 8.7, S. 4), die in Art. 79 der
seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung des Vorsorgereglements
(act. G 8.4) geregelt ist.
Die B._ schrieb der Versicherten am 8. März 2019, dass sie zum Kreis der
Berechtigten für eine Einlage in das Sparguthaben gehöre. Ihr Sparguthaben habe am
31. Dezember 2018 Fr. 249'659.-- betragen. Davon seien Fr. 147'800.--
zuschlagsberechtigt. Die Einlage für den Jahrgang 1965 betrage 12% bzw.
Fr. 17'736.--. Sie werde in 48 monatlichen Raten zu je Fr. 369.50 ab Januar 2019 dem
Sparguthaben gutgeschrieben (act. G 1.2). Die Versicherte verlangte am 23. März 2019
von der B._ den Erlass einer rechtsmittelfähigen Verfügung (act. G 8.2). Diese teilte
der Versicherten am 27. März 2019 mit, dass sie keine Verfügungen erlasse. Falls sie
den Rechtsweg beschreiten wolle, müsse sie Klage beim Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen erheben. Bezüglich der Berechnung der Verstärkungseinlage führte
die B._ aus, vom Sparguthaben im Betrag von Fr. 249'659.-- (Stand: 31. Dezember
2018) würden Fr. 101'866.90 aus der verzinsten Einlage von Fr. 100'000.-- stammen,
welche die Versicherte am 22. Februar 2017 getätigt habe. Davon seien Fr. 81'431.--
auf die Rückzahlung eines Vorbezugs von Wohneigentum und Fr. 18'569.-- auf einen
Einkauf aus privaten Mitteln zurückzuführen. Einlagen nach dem 31. Oktober 2016
würden indessen bei der Berechnung der Verstärkungseinlage nicht berücksichtigt.
Deshalb bilde nur das auf den 31. Dezember 2018 bestehende restliche Sparguthaben
von Fr. 147'792.10 die Berechnungsgrundlage (act. G 1.1).
A.b.
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B.
In der am 6. April 2019 als «Beschwerde bzw. Rekurs» bezeichneten Klage
beantragte die Klägerin eine Verstärkungseinlage im Betrag von Fr. 46'876.--. Zur
Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, der von der Beklagten ermittelte Betrag
sei zu tief und stelle eine Verletzung wohlerworbener Rechte dar. Zudem führe das
Ausserachtlassen des zurückbezahlten WEF-Vorbezugs zu einer gesetzwidrigen
Ungleichbehandlung. Auch der für die Ermittlung der Verstärkungseinlage
berücksichtigte Stichtag (31. Oktober 2016) führe zu einer gesetzwidrigen
Ungleichbehandlung. Die von der Beklagten praktizierte Rechtsanwendung führe
darüber hinaus zu einer ungerechtfertigten Besserstellung von Männern gegenüber ihr
als Frau (act. G 1).
B.a.
Die Beklagte beantragte in der Klageantwort vom 11. Juli 2019 die vollumfängliche
Abweisung der Klage; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie stellte sich auf den
Standpunkt, dass die von ihr berechnete Verstärkungseinlage rechtmässig sei und die
ihr zugrundeliegende Bestimmung des Reglements zu keiner Diskriminierung der
Klägerin führe (act. G 8).
B.b.
In der Replik vom 21. August 2019 hielt die Klägerin unverändert an der Klage fest.
Zusätzlich beantragte sie, die Beklagte sei zu verpflichten, dem Gericht die von ihr
intern gemachten und extern in Auftrag gegebenen Studien zur Gestaltung des
Wechsels des Umwandlungssatzes einzureichen (act. G 12).
B.c.
Die Beklagte hielt ihrerseits in der Duplik vom 15. Oktober 2019 an der von ihr
beantragten vollumfänglichen Klageabweisung fest. Zudem beantragte sie, das mit der
Replik gestellte Editionsbegehren sei abzuweisen (act. G 16).
B.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien ist die Höhe der Verstärkungseinlage umstritten und
nachfolgend zu prüfen.
2.
Gemäss Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) bezeichnet jeder Kanton ein
Gericht, das als letzte kantonale Instanz über Streitigkeiten unter anderem zwischen
Vorsorgeeinrichtungen und Anspruchsberechtigten entscheidet. Im Kanton St. Gallen
ist nach Art. 65 Abs. 1 lit. e des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP;
sGS 951.1) das Versicherungsgericht zuständig für Streitigkeiten nach Art. 73 BVG.
1.1.
bis
Gerichtsstand ist nach Art. 73 Abs. 3 BVG der Sitz oder Wohnsitz des Beklagten
oder der Ort des Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt wurde. Die Beklagte hat
ihren Sitz in St. Gallen. Damit ist die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen gegeben.
1.2.
Da auch sämtliche übrigen prozessualen Voraussetzungen unbestrittenermassen
erfüllt sind, ist auf die Klage einzutreten. Da der Anspruch auf die Verstärkungseinlage
am 1. Januar 2019 entstanden war, ist er im Zeitpunkt der Klageerhebung auch fällig,
weshalb die Klägerin ein aktuelles Rechtsschutzinteresse hat.
1.3.
Bei der Ausgestaltung der beruflichen Vorsorge sind die Grundsätze der
Angemessenheit, der Kollektivität, der Gleichbehandlung, der Planmässigkeit sowie
des Versicherungsprinzips zu beachten (Art. 1 Abs. 3 BVG). Das
Rechtsgleichheitsgebot (Art. 8 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) verlangt, dass Gleiches nach Massgabe seiner
Gleichheit gleich, Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu
behandeln ist (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2010, 9C_935/2009, E. 5.3
mit Hinweis auf BGE 135 V 369 E. 5.4.1). Der Grundsatz der Gleichbehandlung ist in
der beruflichen Vorsorge eingehalten, wenn für alle Versicherten eines Kollektivs die
gleichen reglementarischen Bedingungen im Vorsorgeplan gelten (Art. 1f der
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVV 2;
SR831.441.1]).
2.1.
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Die Beklagte regelt die Versicherung für das Alter nach dem Beitragsprimat (Art. 6
Abs. 1 des Gesetzes über die St. Galler Pensionskasse [sGS 864.1]). Das bedeutet,
dass das mit Beiträgen finanzierte Sparguthaben und die darauf erzielten Erträge für
die Höhe der Altersrente entscheidend sind. Der in Verbindung mit der Senkung des
Umwandlungssatzes erlassene Art. 79 des Vorsorgereglements in der 7., ab 1. Januar
2019 gültigen Fassung trägt die Überschrift «Flankierende Massnahmen per 1. Januar
2019». Er bestimmt, dass die am 1. Januar 2019 bei der Beklagten versicherten
Personen, die bereits am 31. Dezember 2016 bei ihr versichert waren, eine Einlage ins
Sparguthaben gemäss Anhang 6 «Einlagen ins Sparguthaben» erhalten. Massgebend
ist das per 31. Dezember 2018 bei der Beklagten vorhandene Sparguthaben in der
Grundversicherung der versicherten Personen. Freizügigkeitseinlagen, freiwillige
Einkäufe und Rückzahlungen von WEF-Vorbezügen nach dem 31. Oktober 2016
werden nicht berücksichtigt. Die Einlage ins Sparguthaben wird den versicherten
Personen in 48 Raten, bis am 31. Dezember 2022, monatlich gutgeschrieben (Art. 79
Abs. 1 des Vorsorgereglements). Anhang 6 des Vorsorgereglements sieht für den
Jahrgang der Klägerin eine Einlage von 12% vor. Die zur Finanzierung notwendigen
Rückstellungen wurden per 31. Dezember 2016 gebildet (Information für Versicherte,
Januar 2017, act. G 10, S. 2 oben).
2.2.
Die Klägerin rügt, dass die in Art. 79 des Vorsorgereglements normierte
Berechnung zu einer Verletzung wohlerworbener Rechte und der Eigentumsgarantie
führe. Ausserdem widerspreche sie dem Grundsatz von Treu und Glauben (act. G 1,
Ziff. 2c, und act. G 12, Ziff. 2a).
2.3.
Eine versicherte Person kann nicht darauf vertrauen, dass die Rechte, die ihr
gesetzlich oder reglementarisch eingeräumt werden, dauernd fortbestehen.
Grundsätzlich änderbar sind Anwartschaften. Als Anwartschaft gilt ein erst im Werden
begriffener Anspruch, der weder fällig noch durchsetzbar ist. Darunter fällt
beispielsweise die erwartete künftige Altersrente (siehe hierzu etwa Tristan Imhof,
Besitzstandsgarantie, in: Schweizer Personalvorsorge 11-14, S. 87, mit Hinweis auf das
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG]; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts vom 13. September 2002, B 94/2001,
E. 7).
2.3.1.
Zunächst weist die Beklagte zu Recht darauf hin, dass die Senkung des
Umwandlungssatzes nicht zu einer Reduktion des Sparguthabens führt, sondern
ausschliesslich die Erwartung in die Rentenbildung bzw. die Rentenhöhe betrifft (act.
G 16, Rz 6.3).
2.3.2.
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Wie die Beklagte zutreffend ausführt (act. G 8, Rz 10.1), ist weder erkennbar
noch von der Klägerin näher begründet worden, dass sie ein Recht an einem fixen
zukünftigen Altersrentenbetrag wohlerworben bzw. eine entsprechende unabänderliche
Zusicherung erhalten hätte, die unter den Schutz der von ihr angerufenen
Eigentumsgarantie (Art. 26 BV) fiele. Zwar ist nicht von der Hand zu weisen, dass die
von einer beruflichen Vorsorgeeinrichtung periodisch vorgenommenen Berechnungen
der zukünftigen Altersrente (etwa im Rahmen der jährlich ausgestellten
Versicherungsausweise) bei den aktiven Versicherten Erwartungshaltungen auslösen,
nach denen sie ihre Altersvorsorgeplanung ausrichten. Entscheidend ist jedoch, dass
es sich bei diesen Altersrentenbeträgen nicht um eine Zusicherung bzw. verbindliche
Auskunft handelt. Es ist zudem gerichtsnotorisch, dass die Beklagte in den
Versicherungsausweisen jeweils auf den rein informativen Charakter der darin
enthaltenen Rentenberechnungen hinweist. Mangels verbindlicher Zusicherung eines
Altersrentenbetrags bzw. mangels Vertrauensgrundlage stellt die Senkung des
Umwandlungssatzes verbunden mit der Gewährung von Verstärkungseinlagen -
entgegen der Ansicht der Klägerin - kein dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9
BV) widersprechendes Verhalten dar. Die Senkung des Umwandlungssatzes verbunden
mit flankierenden Massnahmen erfolgte wegen einer Unterdeckung (siehe etwa act.
G 10.1 sowie den Artikel «Wir sind dazu verpflichtet, die Leistungen zu erhalten.»,
Schweizer Personalvorsorge 04-18, S. 9 f.) und beruht somit auf einem sachlich
gerechtfertigten Grund. Es sind keine Anhaltspunkte für ein willkürliches Vorgehen
ersichtlich.
2.3.3.
Aus der Sicht der Klägerin führt die Nichtberücksichtigung des von ihr am
22. Februar 2017 (act. G 1.1) zurückbezahlten WEF-Vorbezugs bei der Berechnung der
Verstärkungseinlage zu einer gesetzwidrigen Ungleichbehandlung (act. G 1, Ziff. 2d,
und act. G 12, Ziff. 2b).
2.4.
Für den Anspruch auf flankierende Massnahmen im Sinn von Art. 79 Abs. 1 des
Vorsorgereglements sind grundsätzlich die von den Versicherten getroffenen
Vermögensdispositionen für die Berechnung der Verstärkungseinlagen massgebend,
wie sie den vor dem Bekanntwerden der Senkung des Umwandlungssatzes
bestehenden Altersrentenaussichten entsprachen. Damit knüpft Art. 79 Abs. 1 des
Vorsorgereglements an die Erwartungshaltung an die Erträge des individuell
angehäuften Sparguthabens bzw. der gestützt darauf getroffenen Dispositionen an, die
infolge der Senkung des Umwandlungssatzes enttäuscht wurde bzw. wurden: Es wird
bezüglich freiwilliger Ein- bzw. Rückzahlungen von Kapital für die Ermittlung der
Verstärkungseinlage nur derjenige Teil des Sparguthabens berücksichtigt, welcher bis
2.4.1.
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zum Bekanntwerden der Senkung des Umwandlungssatzes und der flankierenden
Massnahmen auch tatsächlich der Ertragsbildung zugunsten der beruflichen Vorsorge
gewidmet war.
Die Klägerin entschied sich aus persönlichen Gründen (act. G 1, S. 4), einen Teil
ihres Sparguthabens bei der Beklagten als Vorbezug für Wohneigentum zu beziehen
(Fr. 81'431.--, act. G 1.1). Erst nach Bekanntwerden der vom Stiftungsrat am
16. Dezember 2016 beschlossenen flankierenden Massnahmen (zur Bekanntgabe
bereits in Form des Vorsorgereglements gültig per 1. Januar 2017 siehe act. G 16,
Rz 8.2, und act. G 16.1 S. 52) zahlte die Klägerin den WEF-Vorbezug zurück (zur am
22. Februar 2017 erfolgten Rückzahlung siehe act. G 1.1). Das vorbezogene Kapital
hatte die Klägerin folglich - für die Dauer des Vorbezugs - der
berufsvorsorgerechtlichen Ertrags- bzw. Rentenbildung entzogen und es zum eigenen
ökonomischen Nutzen in Eigenkapital für selbstgenutztes Wohneigentum verlagert. Mit
der Zweckumwidmung erzielte die Klägerin anstelle des erst zukünftig fälligen
rentenbildenden berufsvorsorgerechtlichen Nutzens einen vorbezogenen tatsächlichen
finanziellen Vorteil in Form etwa eines niedrigeren Fremdkapitalbedarfs und einer
tieferen Zinslast (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Mai 2014, 9C_638/2013,
E. 4.1). Diese bereits vorbezogenen finanziellen Vorteile und das damit gehaltene
Wohneigentum wirken sich positiv auf den Lebensunterhalt der Klägerin im Rentenalter
aus. Sie werden durch die Senkung des Umwandlungssatzes nicht nachträglich
geschmälert. Entscheidend ist, dass im Rahmen des vorbezogenen Kapitals mangels
Ertragswirksamkeit keine Rentenbildung stattfand, in deren Erwartungshaltung die
Klägerin hätte enttäuscht werden können. Vor diesem Hintergrund bzw. mangels
enttäuschter Erwartungshaltung in die Ertragskraft des vorbezogenen Kapitals besteht
ein sachlich gerechtfertigter Grund für die in Art. 79 Abs. 1 des Vorsorgereglements
vorgeschriebene Ausscheidung von erst nach Bekanntwerden der Senkung des
Umwandlungssatzes und der flankierenden Massnahmen zurückbezahlten WEF-
Vorbezüge.
2.4.2.
Eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung erblickt die Klägerin auch im
Umstand, dass bei der Bestimmung der Höhe der Verstärkungseinlage im Sinn von
Art. 79 des Vorsorgereglements nur bis zum 31. Oktober 2016 erfolgte Rückzahlungen
berücksichtigt, spätere, ab 1. November 2016 vorgenommene Rück- und Einzahlungen
indessen ausser Acht bleiben würden (act. G 1, Ziff. 2e, und act. G 12, Ziff. 2c). Bei der
Beurteilung des eingeklagten Anspruchs der Klägerin kann offenbleiben, ob der
Stichtag vom 31. Oktober 2016 rechtmässig ist, erfolgte ihre strittige Rück- und
Einzahlung von Kapital ohnehin erst nach dem Bekanntwerden des
2.5.
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Stiftungsratsbeschlusses vom 16. Dezember 2016 (siehe vorstehende E. 2.4.2) am
22. Februar 2017 (act. G 1.1) und damit in einem Zeitpunkt, als sie nicht mehr den
früheren, höheren Umwandlungssatz für die Ertragswirksamkeit dieser beiden
Kapitalleistungen erwarten konnte. Mit anderen Worten konnte sie deshalb auch nicht
in einer entsprechenden Erwartungshaltung in die zukünftige Rentenbildung enttäuscht
werden.
Die Klägerin bemängelt des Weiteren, dass Art. 79 des Vorsorgereglements zu
einer nicht gerechtfertigten Privilegierung von Männern gegenüber Frauen führen
würde. Die ungenügende Rente habe sie aus dem einfachen Grund, weil sie als Frau
und Mutter während der Mutterschaft lediglich reduziert erwerbstätig gewesen sei und
weil sie ohne den hier zur Diskussion stehenden WEF-Bezug nach der Scheidung das
Familienhaus nicht hätte halten können (act. G 1, Ziff. 2f). In der Replik ergänzte die
Klägerin, genau genommen rüge sie nicht die Benachteiligung von Frauen, sondern
eine ungerechtfertigte Benachteiligung von teilzeitlich erwerbstätigen Frauen oder
Männern (mit Kindern und einem Familienhaus, welches durch einen WEF-Vorbezug
habe finanziert werden müssen; act. G 12, Ziff. 2d). Bei ihrer Kritik verkennt die
Klägerin, dass die berufliche Vorsorge - anders als die von ihr zum Vergleich
herangezogene Alters- und Hinterlassenenversicherung (act. G 1, S. 5) - eine
Versicherung ausschliesslich für Erwerbstätige ist. Massgebend für die Höhe der
Rentenleistungen sind damit zwangsläufig die - u.a. vom Beschäftigungsgrad -
abhängigen Erwerbsverhältnisse während der Aktivzeit bzw. die auf den tatsächlich
erzielten Löhnen bezahlten Beiträge (Beitragsprimat; Art. 6 Abs. 1 des Gesetzes über
die St. Galler Pensionskasse). Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass die
berufliche Vorsorge offensichtlich auch keine Leistungs- bzw. Kompensationspflicht für
die Folgen einer gescheiterten Ehe auf die Wohnsituation trifft. Ohnehin ist nicht
erkennbar, inwiefern der Besitz von mit einem WEF-Vorbezug finanzierten
Wohneigentum für sich allein ein sachlich gerechtfertigter Grund für ein Abweichen
vom Beitragsprimat bei der Bemessung der Altersrente darstellt und die berufliche
Vorsorge eine entsprechende Kompensationspflicht treffen würde, zumal der Vorbezug
bzw. die Umwidmung des entsprechenden Teils des Sparguthabens mit erheblichen
ökonomischen Vorteilen für die Versicherten verbunden ist (siehe hierzu vorstehende
E. 2.4.2). Letztlich würde die von der Klägerin vertretene Sichtweise zu einer sachlich
nicht gerechtfertigten Privilegierung führen, da sie sowohl die Vorteile des Vorbezugs
als auch gleichzeitig über die Verstärkungseinlage rentenbildende Erträge auf dem der
beruflichen Vorsorge (vorübergehend) entzogenen Teil des Sparguthabens erhielte.
2.6.
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3.
Nach dem Gesagten ist die Klage abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben
(Art. 73 Abs. 2 BVG). Ausgangsgemäss hat die Klägerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Die obsiegende Beklagte beantragt ebenfalls die Ausrichtung
einer Parteientschädigung (act. G 8). Als Vorsorgeeinrichtung hat sie praxisgemäss
keinen diesbezüglichen Anspruch, soweit - wie vorliegend - die Prozessführung der
Gegenpartei nicht als mutwillig oder leichtsinnig zu bezeichnen ist (BGE 112 V 356, 126
V 143 und 128 V 323). Ihr Antrag auf Ausrichtung einer Parteientschädigung ist deshalb
abzuweisen.