Decision ID: 426acf25-966d-4a36-8e24-6bed50d64322
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die Klägerin betrieb die Beklagte (bis 1. Dezember 2021 firmierend unter
"D. GmbH") mit Zahlungsbefehl Nr. xxx des Betreibungsamts Q. vom
14. Oktober 2021 für eine Forderung von Fr. 763.45 nebst Zins zu 5 % seit
1. April 2021.
1.2.
Die Beklagte erhob gegen den ihr am 28. Oktober 2021 zugestellten Zah-
lungsbefehl am 5. November 2021 Rechtsvorschlag.
2.
2.1.
Mit Eingabe vom 18. November 2021 ersuchte die Klägerin das Bezirksge-
richt Baden um Erteilung der Rechtsöffnung für Fr. 763.45 nebst Zins zu
5 % seit 1. April 2021 und für die Zahlungsbefehlskosten von Fr. 53.30
nebst Zins zu 5 % seit 14. Oktober 2021.
2.2.
Der Beklagte liess sich dazu nicht vernehmen.
2.3.
Der Präsident des Bezirksgerichts Baden erkannte am 16. Februar 2022:
" 1. Auf das Rechtsöffnungsgesuch wird nicht eingetreten.
2. Die Entscheidgebühr von Fr. 150.00 wird der Gesuchstellerin auferlegt und mit ihrem Kostenvorschuss in der gleichen Höhe verrechnet.
3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen."
3.
3.1.
Gegen diesen ihr am 18. Februar 2022 zugestellten Entscheid reichte die
Klägerin mit Eingabe vom 24. Februar 2022 beim Obergericht des Kantons
Aargau eine Beschwerde ein mit dem sinngemässen Antrag, der angefoch-
tene Entscheid sei aufzuheben und es sei ihr wie vor Vorinstanz beantragt
Rechtsöffnung zu erteilen, unter Kostenfolgen zulasten der Beklagten.
3.2.
Die Beklagte erstattete keine Beschwerdeantwort.
- 3 -

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Rechtsöffnungsentscheide sind mit Beschwerde anfechtbar (Art. 319 lit. a
i.V.m. Art. 309 lit. b Ziff. 3 ZPO). Mit der Beschwerde können die unrichtige
Rechtsanwendung und die offensichtlich unrichtige Feststellung des Sach-
verhalts geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Offensichtlich unrichtig
bedeutet willkürlich (Urteil des Bundesgerichts 4A_149/2017 vom 28. Sep-
tember 2017 E. 2.2). Neue Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und
neue Beweismittel sind ausgeschlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). Das gilt so-
wohl für echte als auch für unechte Noven, da die Beschwerde nicht der
Fortführung des erstinstanzlichen Prozesses, sondern grundsätzlich nur
der Rechtskontrolle des erstinstanzlichen Entscheids dient (DIETER FREI-
BURGHAUS/SUSANNE AFHELDT, in: THOMAS SUTTER-SOMM/FRANZ HASEN-
BÖHLER/CHRISTOPH LEUENBERGER [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N. 3 f. zu Art. 326 ZPO).
1.2.
Der Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens kann von der beschwer-
deführenden Partei somit nicht frei bestimmt werden, sondern wird durch
den angefochtenen erstinstanzlichen Entscheid verbindlich festgelegt. Ge-
genstände, über welche die erste Instanz nicht entschieden hat, soll die
Beschwerdeinstanz nicht beurteilen, da sonst in die funktionelle Zuständig-
keit der ersten Instanz eingegriffen würde.
Gegenstand des vorliegend angefochtenen erstinstanzlichen Entscheids
bildete einzig die Frage, ob sich das Rechtsöffnungsgesuch der Klägerin
gegen eine existierende, d.h. rechts- und damit parteifähige juristische Per-
son richtet. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist daher lediglich zu
prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht wegen fehlender Rechts- und Parteifä-
higkeit der beklagten Partei auf das Rechtsöffnungsgesuch der Klägerin
nicht eingetreten ist. Diesbezüglich ist auf die Beschwerde einzutreten.
Über die Frage, ob und wenn ja, in welchem Umfang der Klägerin proviso-
rische Rechtsöffnung zu erteilen sei, hat die Vorinstanz nicht entschieden.
Auf die Beschwerde ist deshalb nicht einzutreten, soweit die Klägerin darin
um Erteilung der provisorischen Rechtsöffnung ersucht.
2.
2.1.
Die Vorinstanz führte zur Begründung des angefochtenen Nichteintretens-
entscheids im Wesentlichen aus, im Gesuch der Klägerin werde die
D. GmbH als Gesuchsgegnerin aufgeführt. Gesellschaften mit beschränk-
ter Haftung müssten im Handelsregister eingetragen werden. Im Handels-
register finde sich zur D. GmbH jedoch keine Eintragung. Die D. GmbH
müsse unter diesen Umständen als nicht existierende Gesellschaft und
- 4 -
deshalb als rechts- und damit auch parteiunfähig qualifiziert werden. Eine
Parteiberichtigung falle unter diesen Umständen nicht in Betracht. Somit
sei auf das Gesuch nicht einzutreten.
2.2.
Die Klägerin macht dagegen mit Beschwerde geltend, dass die D. GmbH
sehr wohl existiere, was sie mittels Handelsregisterauszugs belegt habe.
Gemäss telefonischer Rücksprache mit der Gerichtsschreiberin sei der Vo-
rinstanz hier ein Fehler unterlaufen.
3.
3.1.
Beruht die Forderung auf einer durch öffentliche Urkunde festgestellten
oder durch Unterschrift bekräftigten Schuldanerkennung, so kann der Gläu-
biger die provisorische Rechtsöffnung verlangen (Art. 82 Abs. 1 SchKG).
Der Richter spricht dieselbe aus, sofern der Betriebene nicht Einwendun-
gen, welche die Schuldanerkennung entkräften, sofort glaubhaft macht
(Art. 82 Abs. 2 SchKG).
Beklagte Partei im Rechtsöffnungsverfahren ist der betriebene Schuldner.
Das Rechtsöffnungsgesuch muss sich mithin gegen den im Zahlungsbefehl
genannten Betriebenen richten, ansonsten auf das Gesuch nicht eingetre-
ten werden kann (BGE 94 I 365 E. 6; DANIEL STAEHELIN, in: Basler Kom-
mentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, 3. Aufl. 2021,
N. 29 f. zu Art. 84 SchKG).
3.2.
Der von der Klägerin in der Betreibung Nr. xxx des Betreibungsamts Q. er-
wirkte Zahlungsbefehl vom 14. Oktober 2021 richtete gegen die D. GmbH
mit Sitz in Q.. Im Rechtsöffnungsbegehren der Klägerin vom 18. November
2021, das in derselben Betreibung gestellt wurde, wurde ebenfalls die
D. GmbH als Beklagte angegeben. Gemäss Auszug aus dem Handelsre-
gister des Kantons Aargau wurde die D. GmbH am 2. Dezember 2021 in
"C. GmbH" umfirmiert und ihr Domizil vom [...] in Q. an die X-Strasse in Q.
verlegt. Die Umfirmierung führte nicht zum Untergang der D. GmbH. Trotz
der Umfirmierung handelt es sich vielmehr immer noch um dieselbe Gesell-
schaft. Als juristische Person (Art. 52 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 772 Abs. 1 und
Art. 779 Abs. 1 OR) ist die C. GmbH rechtsfähig (Art. 53 ZGB) und damit
parteifähig (Art. 66 ZPO). Entgegen dem vorinstanzlichen Entscheid richtet
sich das klägerische Rechtsöffnungsgesuch damit gegen eine existie-
rende, rechts- und parteifähige Gesellschaft, welche zudem - trotz Umfir-
mierung - identisch ist mit der im Zahlungsbefehl genannten Betriebenen.
Demnach ist die Vorinstanz zu Unrecht auf das Rechtsöffnungsgesuch der
Klägerin nicht eingetreten. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist
der angefochtene Entscheid deshalb aufzuheben und die Sache zu neuer
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Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Soweit die Klägerin die
Erteilung der Rechtsöffnung im Beschwerdeverfahren verlangt hat, ist auf
die Beschwerde - wie in E. 1.2 ausgeführt - nicht einzutreten.
4.
4.1.
Gemäss Art. 104 Abs. 4 ZPO kann die obere Instanz in einem Rückwei-
sungsentscheid die Verteilung der Prozesskosten des Rechtsmittelverfah-
rens der Vorinstanz überlassen.
4.2.
4.2.1.
Die obergerichtliche Entscheidgebühr für dieses Beschwerdeverfahren ist
auf Fr. 225.00 festzusetzen (Art. 95 Abs. 2 lit. b ZPO i.V.m. Art. 48 Abs. 1
und Art. 61 Abs. 1 GebV SchKG) und mit dem Kostenvorschuss der Kläge-
rin zu verrechnen.
4.2.2.
Beim vorliegenden Ausgang des Beschwerdeverfahrens, wonach die Sa-
che im Wesentlichen zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die
Vorinstanz zurückzuweisen ist, rechtfertigt es sich, da keine besonderen
Gründe für ein Abweichen von Art. 104 Abs. 4 ZPO vorliegen (vgl. DAVID
JENNY, in: THOMAS SUTTER-SOMM/FRANZ HASENBÖHLER/CHRISTOPH LEUEN-
BERGER [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung,
3. Aufl. 2016, N. 11 zu Art. 104 ZPO; PETER REETZ/SARAH HILBER, ebenda,
N. 61 zu Art. 318 ZPO), die Parteikosten des Beschwerdeverfahrens in An-
wendung dieser Bestimmung auszusetzen.
4.2.3.
Die obergerichtliche Entscheidgebühr und die Parteikosten des Beschwer-
deverfahrens hat die Vorinstanz in ihrem neuen Entscheid nach dem Aus-
gang des Verfahrens zu verlegen. Gleiches gilt für die Kosten des vor-
instanzlichen Verfahrens.