Decision ID: e0b06dd7-4d89-532e-b04d-b8a04bd55da4
Year: 2020
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1963 geborene A. meldete sich am 28. Januar 2011 wegen einer seit
4. August 2010 bestehenden Krankheit bei der IV-Stelle St. Gallen zum Bezug von
Invalidenleistungen (Massnahmen für die berufliche Eingliederung und Rente) an (IV-act.
1.74). Am 26. Juli 2011 wurde A. mitgeteilt, dass keine beruflichen Eingliederungsmass-
nahmen möglich seien (IV-act. 1.46). Im Rahmen der Abklärung des erwerblichen und
medizinischen Sachverhalts holte die IV-Stelle bei Dr. med. B., Arzt für Neurologie und
Psychiatrie, ein monodisziplinäres Gutachten ein, am 7. August 2012 fand eine
Untersuchung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) statt und am 12. Februar 2013
eine Haushaltsabklärung (IV-act. 1.35, IV-act. 1.31 und IV-act. 1.22). Mit Verfügung vom
25. Oktober 2013 sprach ihr die IV-Stelle mit Wirkung ab 1. August 2011 eine Dreiviertel-
rente (Invaliditätsgrad: 64%) zu (IV-act. 1.6).
B. Am 1. Mai 2018 leitete die infolge Wohnsitzwechsels nunmehr zuständige IV-Stelle
Appenzell Ausserrhoden von Amtes wegen ein Revisionsverfahren ein (IV-act. 1.1 und IV-
act. 2). Die IV-Stelle klärte in der Folge den medizinischen Sachverhalt erneut ab und holte
bei Dr. med. C., Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches
Gutachten und bei lic. phil. D., Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, eine neuro-
psychologische Beurteilung ein (IV-act. 33). Mit Vorbescheid vom 24. Mai 2019 kündigte
die IV-Stelle A. die Rentenaufhebung an (IV-act. 35). Dagegen liess A. am 21. Juni 2019
Einwand erheben und reichte eine ärztliche Stellungnahme ihres behandelnden
Psychiaters Dr. med. E., Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Juni 2019
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ein (IV-act. 41). Mit Verfügung vom 22. August 2019 bestätigte die IV-Stelle ihren
Vorbescheid und hob die Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden
Monates auf (IV-act. 43).
C. Gegen die Verfügung vom 22. August 2019 liess A. am 17. September 2019 mit den
eingangs erwähnten Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell
Ausserrhoden erheben (act. 1). Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom
29. Oktober 2019 die Abweisung der Beschwerde (act. 6).
D. Am 11. März 2020 liess A. die Replik einreichen (act. 11). Die IV-Stelle verzichtete
stillschweigend auf eine Duplik.

Erwägungen
1. Formelles
1.1
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales Ver-
sicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die örtliche
Zuständigkeit ist nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) gegeben.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
Seite 4
1.2
Gestützt auf Art. 2 der Verordnung über COVID-19-Massnahmen: Gerichte (bGS 113.2)
kann das Obergericht zur Bewältigung der aktuell ausserordentlichen Lage in allen Fällen
auf dem Zirkularweg entscheiden, wenn das Gesetz keine Verhandlung vorschreibt. Ent-
scheide, die auf dem Zirkularweg gefällt werden, bedürfen der Einstimmigkeit (Art. 52 Abs.
2 JG). Da vorliegend keine Durchführung einer Verhandlung vorgeschrieben ist und die
Parteien auf die Durchführung einer solchen verzichteten, hat das Obergericht den vor-
liegenden Entscheid im Zirkularverfahren gefällt.
2. Materielles
2.1
2.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann nach Art. 4 Abs. 1 IVG Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein-
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche
Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG
bewirken. Nach der Rechtsprechung ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob
ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte
Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (BGE 139 V 547 E. 5; BGE 131 V 49 E. 1.2; Urteil des
Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Eine rentenbegründende Invalidität setzt eine psychiatrische, lege artis gestellte Diagnose
voraus (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; BGE 141 V 281 E. 2). Zur Annahme einer Invalidität
braucht es ein medizinisches Substrat, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird
und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich einschränkt
(Urteil des Bundesgerichts 9C_725/2018 vom 6. März 2019 E. 5.3.1 mit Hinweisen). In
https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=06.03.2019_9C_725-2018
Seite 5
jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der
diagnostischen Einordnung eines Leidens und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie
ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die Frage, ob es der
versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen, was sich nach einem
weitgehend objektivierten Massstab beurteilt (BGE 143 V 409 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden kann nur gegeben sein, wenn das
klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen
seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst. Je
stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten
und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich
festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. In diesem Sinne
verselbständigte Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind
unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 127 V 294 E.
5a; BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1. und E. 4.3.3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
9C_648/2017 vom 20. November 2017 E. 2.3.1. und E. 3.2.4.1).
2.1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können; während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind.
2.1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin erheblich, so wird die Rente von
Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 86 ter
bis Art. 88 bis
der Verordnung vom
17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) und Art. 31 IVG). Anlass
zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit
Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan-
spruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen Änderung
des Gesundheitszustandes revidierbar, sondern auch bei veränderten Auswirkungen auf
den Erwerbs- oder Aufgabenbereich bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand.
Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich. Liegt in diesem
Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher
https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-127-V-294 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=20.11.2017_9C_648-2017
Seite 6
Hinsicht umfassend („allseitig“) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen
besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit zahlreichen Hinweisen).
Die Feststellung einer revisionsbegründenden Veränderung erfolgt durch eine Gegenüber-
stellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes. Gegenstand des Beweises ist
somit das Vorhandensein einer entscheidungserheblichen Differenz in den medizinischen
Unterlagen zu entnehmenden Tatsachen. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen
Befundes und seiner funktionellen Auswirkungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung;
sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur entscheidungserheblich, soweit sie tat-
sächlich einen Unterschied auf der Seinsebene zum früheren Zustand wiedergibt. Der Be-
weiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wesentlich da-
von ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des
Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren und
schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der
Rentenberechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforder-
lichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung
nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesund-
heitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist,
dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Urteil des Bundesgerichts
8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 6.1.2 mit Hinweis; vgl. ebenso Urteil des Bundesgerichts
8C_672/2019 vom 12. Februar 2020 E. 2.2.2 mit Hinweisen).
2.1.5
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad bemes-
sen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen an-
gewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stel-
len haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei-
len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizini-
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (134 V 231 E. 5.1).
Seite 7
2.1.6
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind
nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurück-
gelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Eingliederungsmassnahmen durch-
zuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene
Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten.
Ausnahmen von der diesfalls grundsätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzu-
mutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige
Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versi-
cherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind
immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne
sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit ent-
sprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben
integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versi-
cherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene
Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE
145 V 209 E. 5.1).
2.2
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in einer
sich auf die Invalidenrente auswirkenden Weise verbessert beziehungsweise ob die Be-
schwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Zeitlicher Referenz-
zeitpunkt für die Beurteilung der Frage einer anspruchserheblichen Änderung im Sinne von
Art. 17 Abs. 1 ATSG ist die Verfügung vom 25. Oktober 2013, mit welcher der Beschwerde-
führerin eine Dreiviertelrente zugesprochen worden war (IV-act. 1.6; BGE 134 V 131 E. 3).
2.2.1
Die IV-Stelle begründet die revisionsweise Aufhebung der Rente gestützt auf das
Gutachten von Dr. med. C. vom 21. Mai 2019 damit, dass eine Verbesserung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin vorliege. Im Rahmen der Beurteilung der
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seien Diskrepanzen zwischen den geschilderten
Beschwerden und dem Aktivitätsniveau festgestellt worden, weshalb gemäss dem RAD
kein dauerhafter Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
festzustellen sei. Im Gesundheitsfall wäre die Beschwerdeführerin weiterhin zu 70% im
Erwerb und zu 30% im Haushalt tätig, wobei in beiden Bereichen keine relevante
gesundheitliche Einschränkung bestehe. Daher werde die bisherige Rente eingestellt (act.
2.1). In der Vernehmlassung führte die IV-Stelle ergänzend aus, der psychiatrische
https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-145-V-209
Seite 8
Gutachter habe es unterlassen, die Diskrepanzen, die Verdeutlichung bis hin zur
Aggravation sowie die psychosozialen Belastungsfaktoren in die Berechnung der Arbeits-
fähigkeit einfliessen zu lassen. Daher sei das Gutachten grundsätzlich verwertbar, jedoch
nicht in Bezug auf die Schätzung der Arbeitsfähigkeit. Vielmehr ergebe sich unter
Ausklammerung dieser Aspekte versicherungsmedizinisch kein dauerhafter Gesundheits-
schaden (act. 6).
2.2.2
Die Beschwerdeführerin lässt hierzu im Wesentlichen vorbringen, dass kein Revisionsgrund
nach Art. 17 ATSG vorliege, da der RAD dem Gutachten von Dr. med. C. keinen Beweis-
wert zuerkenne und es damit sowohl an der Feststellung einer revisionsbegründenden
Veränderung als auch an einer Anspruchsänderung fehle. Ungeachtet dessen habe die IV-
Stelle, gestützt auf die versicherungsinterne Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med. F.
vom 22. Mai 2019, wonach aus versicherungsmedizinischer Sicht kein dauerhafter
Gesundheitsschaden vorliege, eine revisionsbegründende Veränderung festgestellt. Auf
diese könne jedoch mangels Vollständigkeit und Schlüssigkeit und weil sie die
praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten nicht erfülle, nicht abgestellt
werden. Damit fehle es auch gestützt auf die RAD-Beurteilung an der Fest-stellung einer
revisionsbegründenden Veränderung, weshalb kein Revisionsgrund nach Art. 17 ATSG
vorliege. Sodann erlaube sowohl das Gutachten als auch die Stellungnahme des RAD
keine schlüssige Beurteilung im Licht aller massgeblichen Indikatoren, weshalb keine
beweiskräftigen medizinischen Angaben vorliegen, die eine zuverlässige Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit erlauben würden. Auch habe keine fundierte Auseinandersetzung mit der
abweichenden Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. E. stattgefunden (act. 1).
Ergänzend liess die Beschwerdeführerin ausführen, die Einschätzung von Dr. med. E.
betreffend Diagnose und Arbeitsfähigkeit sei konstant geblieben, er habe mithin eine
Chronifizierung der depressiven Symptomatik festgestellt. Dem Gutachten von Dr. med. C.
könne höchstens der Beweiswert einer versicherungsinternen medizinischen Beurteilung
zukommen, da er im Wesentlichen seit mehreren Jahren nur noch eine Gutachtertätigkeit
ausübe. Es beständen aufgrund der nachvollziehbaren Ausführungen von Dr. med. E.
ausreichende Zweifel an der Beurteilung von Dr. med. C., weshalb auf letztere nicht
abgestellt werden könne. Ferner sei die Reduktion der bisherigen Rente ohne vorgängige
Eingliederungsmassnahmen nicht zulässig und es sei eine Haushaltsabklärung zur Prüfung
der Einschränkung in der Haushaltsführung vorzunehmen (act. 11).
Seite 9
2.3
Die rentenzusprechende Verfügung vom 25. Oktober 2013, mit welcher die IV-Stelle
St. Gallen der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. August 2011 eine Dreiviertelrente
zugesprochen hatte, stützte sich im Wesentlichen auf folgende medizinischen Berichte (IV-
act. 1.6):
2.3.1
Im Austrittsbericht der Klinik G. vom 25. Dezember 2010 über den stationären Aufenthalt
der Beschwerdeführerin vom 13. September 2010 bis 21. Dezember 2010 wurde die
Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10:
F32.10) gestellt (IV-act. 33-75ff).
2.3.2
Dr. med. E. diagnostizierte im Arztbericht vom 11. April 2010 [recte: 11. April 2011] eine
mittelschwere depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10) seit Juli
2010. Er behandle die Beschwerdeführerin seit 28. Dezember 2010 ambulant integrativ
psychiatrisch-psychotherapeutisch mit wöchentlichen einstündigen Gesprächen und
medikamentöser Einstellung. Es bestehe eine mindestens 80%-ige Arbeitsunfähigkeit für
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Sachbearbeiterin und jedwede andere Tätigkeit des
ersten Arbeitsmarktes. Aufgaben im Haushalt könnten täglich mit maximal 2 Stunden
Aufwand und unter Entlastung durch die Spitex bewältigt werden (IV-act. 1.54-1f).
2.3.3
Im psychiatrischen Gutachten von Dr. med. H., Facharzt FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, zuhanden der Krankenversicherung I. vom 5. Juli 2011 wurde in der
Beurteilung festgestellt, dass die Beschwerdeführerin auch im aktuellen Untersuchungs-
befund objektivierbar ein ausgeprägtes depressives Zustands-bild entsprechend einer
mittelgradigen bis schweren depressiven Episode mit somatischem Syndrom zeige (ICD-
10: F32.2). Zudem fänden sich Hinweise für eine Somatisierungstendenz und konversions-
neurotische Symptombildungen unter Belastungen. Das objektivierbare ausgeprägte
Krankheitswert erreichende psychische Beschwerdebild werde durch psychosoziale
Faktoren mit aufrechterhalten. Im aktuellen Zustandsbild sei die Beschwerdeführerin weiter
akut behandlungsbedürftig und aus fachärztlich psychiatrischer Sicht als nicht arbeitsfähig
für Tätigkeiten unter Bedingungen der freien Wirtschaft zu qualifizieren. Sie sei auf eine
fortgesetzte fachärztlich psychiatrische und psychopharmako-logische Behandlung
angewiesen, wobei die Option einer erneuten Behandlungsintensi-vierung im Rahmen
eines stationären Therapieprozesses geprüft werden müsse. Das vorliegende Zustandsbild
Seite 10
sei grundsätzlich behandelbar und besserbar mit zu erwartender voller Wiederherstellung
der umsetzbaren Arbeitsfähigkeit (IV-act. 1.49-1ff).
2.3.4
Im Verlaufsbericht vom 26. Januar 2012 attestierte der behandelnde Psychiater Dr. med. E.
der Beschwerdeführerin einen stationären Gesundheitszustand sowie eine unveränderte
Diagnose. Im Übrigen hielt er daran fest, dass eine mindestens 80%-ige Arbeitsunfähigkeit
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Sachbearbeiterin bestehe und jedwede andere
Tätigkeit des ersten Arbeitsmarktes. Aufgaben im Haushalt könnten täglich mit maximal
2 Stunden Aufwand und unter Entlastung durch die Spitex bewältigt werden. Die bisherige
Tätigkeit sei nicht zumutbar, da insgesamt eine deutlich eingeschränkte psychische
Belastbarkeit bestehe, die eine Tätigkeit des ersten Arbeitsmarktes derzeit und weiterhin
verunmöglichen. Eine andere Tätigkeit sei ebenfalls nicht zumutbar, da aufgrund des
bisherigen Verlaufs, Art und Schwere des psychischen Leidens an der bisherigen
Einschätzung festgehalten werden müsse, dass eine Besserung des Leidens und damit ein
Wiedererlangen einer Arbeitsfähigkeit nur langfristig zu erwarten sei (IV-act. 1.43).
2.3.5
Dr. med. B. stellte im psychiatrischen Gutachten vom 12. Juni 2012 folgende Diagnosen:
gemischte Persönlichkeitsstörung mit vor allem selbstunsicheren und dependenten Zügen
(ICD-10: F60.9), Angst und Depression (ICD-10: F41.2), chronifizierte Depression (ICD-10:
F32.9) und maladaptive Verarbeitung einer Lebensbelastung (ICD-10: F43.2). Die
Beschwerdeführerin sei im Haushalt zu 75% und in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit
als Bürokraft zu 100% arbeitsunfähig. Eine besser an das Behinderungs-profil angepasste
Tätigkeit mit resultierend höherer beruflicher Leistungsfähigkeit könne nicht benannt
werden (IV-act. 1.35)
2.3.6
Im ärztlichen Bericht vom 13. August 2012 über die RAD-Abklärung vom 7. August 2012
wurde eine schwere depressive Störung (ICD-10: F32.2) diagnostiziert. Aktuell bestehe
eine 80-100%-ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten in freier Wirtschaft. Eine
geschützte Arbeitsmöglichkeit wäre indiziert, sei aber nur sinnvoll bei mit Hilfe des
ambulanten Behandlers erarbeiteter ausreichender Eigenmotivation. Bei gutem Verlauf
wäre sodann eine niederschwellige berufliche Massnahme in einer geschützten Werkstatt
mit langsamem Aufbau von Ausdauer und Leistung zu erwägen (IV-act. 1.31).
Seite 11
2.3.7
Im Abklärungsbericht Haushalt vom 14. März 2013 wurde die Beschwerdeführerin zu 70%
im Erwerb und zu 30% im Haushalt tätig eingeschätzt (IV-act. 1.22).
2.4
Die rentenaufhebende Verfügung vom 22. August 2019 beruhte im Wesentlichen auf
nachstehenden medizinischen Unterlagen:
2.4.1
Im Verlaufsbericht vom 9. August 2018 hielt der behandelnde Psychiater der Beschwerde-
führerin, Dr. med. E., einen stationären Gesundheitszustand sowie eine unveränderte
Diagnose fest. Er diagnostizierte eine chronische depressive Episode mittelschwerer
Ausprägung ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.1). Weiter führte er aus, dass,
obwohl im Jahr 2010 noch von einer vorsichtig positiven Prognose ausgegangen werden
konnte, sich in den letzten Jahren herausgestellt habe, dass die depressive Episode
chronischen Charakter habe und der psychophysische Zustand sich dauerhaft auf deutlich
eingeschränktem Niveau befinde. Nach wie vor bestehe eine mindestens 80%-ige
Arbeitsunfähigkeit für jedwede Tätigkeit des ersten Arbeitsmarktes. Für die Haushalts-
tätigkeit bestehe bei reduzierter Leistungsfähigkeit eine maximale Belastbarkeit von zwei
Stunden täglich (IV-act. 7).
2.4.2
Lic. phil. D. hielt im neuropsychologischen Untersuchungsbericht vom 12. Mai 2019
gestützt auf die gesammelten Daten zusammenfassend fest, dass eine Intelligenz im
unterdurchschnittlichen Bereich und keine Hinweise auf eine relevante neuropsycho-
logische Hirnfunktionsstörung vorlägen (IV-act. 33-60). Es sei aufgrund der vorliegenden
Befunde davon auszugehen, dass aus neuropsychologischer Sicht keine berufsrelevanten
kognitiven Einschränkungen beständen (IV-act. 33-63).
2.4.3
Dr. med. C. diagnostizierte im psychiatrischen Gutachten vom 21. Mai 2019 eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig (höchstens) mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1). In der bisherigen und bei jeder in Frage kommenden Tätigkeit bestehe eine 50%-
ige Arbeitsfähigkeit und dies seit dem Verlaufsbericht von Dr. med. E. vom 9. August 2018.
Im Haushalt liessen sich keine Einschränkungen begründen (IV-act. 33-47ff).
Seite 12
2.4.4
Der RAD-Arzt Dr. med. F., Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, stellte im Bericht vom
22. Mai 2019 fest, dass das Gutachten von Dr. med. C. verwertet werden könne, da es
formal die versicherungsmedizinischen Anforderungen erfülle. Die Schlussfolgerungen
bezüglich Diagnose und Arbeitsfähigkeit seien hingegen weder plausibel noch
nachvollziehbar. Der psychiatrische Gutachter erwähne zwar Inkonsistenzen und
Aggravation, beziehe sie aber nicht in seine Diagnose und bei der Arbeitsfähigkeits-
beurteilung mit ein. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei ein Gesundheitsschaden mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht ausgewiesen, dies spätestens seit dem Zeitpunkt
der Begutachtung (IV-act. 34-4).
2.4.5
In der von der Beschwerdeführerin eingeholten ärztlichen Stellungnahme von Dr. med. E.
vom 15. Juni 2019 hielt er an seiner Einschätzung fest, dass aufgrund der Art und Schwere
des psychischen Leidens und der schwachen Persönlichkeitsanteile der Beschwerde-
führerin diese als Sachbearbeiterin oder in jedweder anderen Tätigkeit des ersten
Arbeitsmarktes durch die dort erwartete Stresstoleranz, die Fähigkeit zu flexiblem Handeln
und konstanter Leistung auch in persönlichen, organisatorischen oder zeitlichen
Drucksituationen weitgehend überfordert und maximal eine 20%-ige Arbeitsfähigkeit in
einer ihrem psychischen Leiden angepassten Tätigkeit möglich sei. Die Einschätzung im
Gutachten von Dr. med. C. sowie die Ergebnisse der testpsychologischen Untersuchung
seien nicht nachvollziehbar aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in der Behandlung der
Beschwerdeführerin. Widersprüchlich und nicht nachvollziehbar sei die Zusammenfassung
des RAD, das Gutachten als gültig anzusehen, nicht aber dessen Schlussfolgerung und
Ergebnisse. Die Besserung des psychischen Leidens auf dem Niveau einer chronischen
mittelschweren depressiven Störung sei ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit für
Tätigkeiten des ersten Arbeitsmarktes (IV-act. 41-8ff).
2.5
2.5.1
Das psychiatrische Gutachten des Facharztes Dr. med. C. vom 21. Mai 2019 ist hinsichtlich
der zu beurteilenden Leiden der Beschwerdeführerin umfassend. Es beinhaltet eine
psychiatrische Untersuchung und beruht auf der erforderlichen klinischen Exploration,
Laborerhebungen sowie einer neuropsychologischen Untersuchung (IV-act. 33-2; IV-act.
33-73f und IV-act. 33-57ff). Das Gutachten wurde in Kenntnis der und in Auseinander-
setzung mit den Vorakten erstattet, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt
sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander (IV-act. 33-4; IV-
act. 33-28ff und IV-act. 33-44ff). Der Gutachter legt den medizinischen Zustand
Seite 13
einleuchtend dar und seine Schlussfolgerung ist nachvollziehbar begründet. So zeigt er
überzeugend auf, dass nunmehr eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
(höchstens) mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1) vorliegt und nicht mehr eine schwere
depressive Störung (ICD-10: F32.2), weshalb es somit im Vergleich zum Zeitpunkt der
Rentenzusprache am 25. Oktober 2013 zu einer Verbesserung gekommen ist. Diese
Verbesserung beziehungsweise die nunmehrige Diagnose sind unbestritten, da sowohl Dr.
med. C. als auch Dr. med. E. die gleiche Diagnose stellen (act. 1/9 und IV-act. 41-12).
Bestritten wird die (verbesserte) Diagnose hingegen seitens der IV-Stelle beziehungsweise
des RAD (act. 2.1 und IV-act. 34-3ff). Insbesondere wird von Dr. med. F. kritisiert, dass als
einzige objektivierbare Symptome eine deutlich zum depressiven Pol verschobene
Stimmung und eingeschränkte affektive Modulationsfähigkeit beschrieben werde, die
übrigen für die Diagnose einer mittelgradigen Depression erforderlichen Symptome jedoch
alle auf subjektiven Beschwerdeschilderungen der Beschwerdeführerin beruhten. Weiter
wird gerügt, der psychiatrische Gutachter erwähne zwar Inkonsistenzen und Aggravation,
beziehe diese aber nicht in seine Diagnose ein (IV-act. 34-4). Dem ist entgegenzuhalten,
dass Dr. med. C. in der Herleitung der Diagnose einige Hinweise auf eine sehr starke
Verdeutlichung, um nicht zu sagen Aggravation, aufführte, jedoch auch erklärte, dass das
Fehlen von neuropsychologischen Einschränkungen – wie vorliegend von lic. phil. D.
festgestellt – die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode nicht ausschliesse.
Letztere sei im Rahmen einer seit Jahren bestehenden rezidivierenden depressiven
Störung zu sehen (IV-act. 33-45). Der psychiatrische Gutachter stellt somit unter
Berücksichtigung der seit Jahren bestehenden psychischen Erkrankung der
Beschwerdeführerin eine differenzierte Betrachtung in Bezug auf die Diagnose an,
wohingegen der RAD – rein aktenbasiert – keine Diagnose stellt beziehungsweise einen
dauerhaften Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht als
ausgewiesen erachtet (IV-act. 34-4). Und dies, ohne darzulegen, inwiefern und gestützt auf
welche Umstände sich das psychische Beschwerdebild seit Zusprechung der ange-
fochtenen Dreiviertelrente verbessert haben soll und zudem ohne Auseinandersetzung mit
der ebenfalls anderslautenden Diagnose des behandelnden Psychiaters Dr. med. E. (vgl.
E. 2.1.4). Die Beurteilung des RAD ist damit nicht umfassend und nicht schlüssig, weshalb
nicht darauf abgestützt werden kann, zumal versicherungsinternen Berichten, wozu die
Berichte des RAD gehören, im Vergleich zu externen medizinischen Sachverständigen nur
beschränkte Beweiskraft zukommt (Urteil des Bundesgerichts 8C_452/2016 vom
27. September 2016 E. 3 und E. 4).
Seite 14
2.5.2
Zu prüfen bleibt, welche konkreten Auswirkungen die – unbestrittene – depressive Störung
hinsichtlich der Leistungsfähigkeit in Bezug auf die angestammte beziehungsweise eine
leidensangepasste Tätigkeit zur Folge hat.
Das psychiatrische Gutachten von Dr. med. C. enthält eine klinische Untersuchung mit
Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung und entspricht somit
den bundesgerichtlichen Voraussetzungen an ein psychiatrisches Gutachten (Urteil des
Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2). Sodann hat Dr. med. C. auch
dargetan, inwiefern und inwieweit wegen des von ihm erhobenen Befundes die beruflich-
erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 145 V 361 E. 4.3). Er erklärte, dass
eine Besserung in der Arbeitsfähigkeit seit der RAD-Abklärung vom 7. August 2012
eingetreten sei. Letztere Einschätzung habe dannzumal auf der Diagnose einer schweren
depressiven Störung basiert sowie auf kognitiven Einschränkungen. Diesbezüglich sei
mittlerweile eine deutliche Verbesserung eingetreten, bei der aktuellen neuropsycho-
logischen Abklärung sei die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin unauffällig
gewesen. Nach der Rentenzusprache sei der Verlauf der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit
längere Zeit nicht dokumentiert. Da Dr. med. E. am 9. August 2018 nur noch eine
chronische depressive Episode mittelschwerer Ausprägung diagnostiziert habe und seither
einen unveränderten Zustand beschreibe, könne zumindest ab diesem Zeitpunkt von der
derzeitigen Einschränkung ausgegangen werden (IV-act. 33-52).
Der Kritik der Beschwerdeführerin am psychiatrischen Gutachten von Dr. med. C. geht fehl.
Dem Vorwurf, es sei keine Fremdanamnese eingeholt worden, ist entgegenzuhalten, dass
die vorliegenden medizinischen Unterlagen allesamt vorlagen, berücksichtigt und
entsprechend gewürdigt wurden. Die Beschwerdeführerin führt denn auch nicht aus,
welche Fremdauskünfte zu ergänzen gewesen wären. Im Übrigen ist es nicht zwingend
notwendig, dass überhaupt fremdanamnestische Angaben eingeholt werden (Urteil des
Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. E. 4.2.3). Der Rüge der Beschwerde-
führerin, es sei nicht umfassend geklärt worden, in welcher Ausprägung die diagnose-
relevanten Befunde beständen, kann nicht gefolgt werden, führte der psychiatrische
Gutachter doch aus, dass die Grundstimmung deutlich zum depressiven Pol hin
verschoben und die affektive Modulationsfähigkeit eingeschränkt sei. Gleichzeitig lägen
insgesamt aber auch einige Hinweise auf eine sehr starke Verdeutlichung, um nicht zu
sagen Aggravation vor. So seien die Einschränkungen im Alltag nicht so stark wie die
demonstrierte Symptomatik und auch die berichteten kognitiven Einschränkungen ständen
im Widerspruch zum Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin trotzdem fähig fühle, ein
Auto zu lenken. Ferner habe auch der Schweregrad der subjektiv eingeschätzten
Seite 15
Ermüdung und Unkonzentriertheit sich weder in der Verhaltensbeobachtung noch in den
Testbefunden gezeigt. Die unauffällige neuropsychologische Testung führe zum Schluss,
dass die Beschwerdeführerin in ihren kognitiven Funktionen nicht eingeschränkt sei. Und
dies heisse, dass – im Rahmen einer seit Jahren bestehenden rezidivierenden depressiven
Störung – insgesamt allerhöchstens eine mittelgradige depressive Episode bestehe (IV-act.
33-44f; vgl. zum Komplex „Gesundheitsschädigung“ BGE 141 V 281 E. 4.3.1). Soweit die
Beschwerdeführerin geltend macht, der psychiatrische Gutachter führe nicht klar aus,
inwiefern sich die Depression beziehungsweise die festgestellten (objektiven) Befunde sich
zumindest noch ressourcenhemmend auswirken könnten, ist ihr entgegenzuhalten, dass
sich Dr. med. C. mit der Frage des Vorliegens von eindeutigen Hinweisen auf eine
Persönlichkeitsstörung auseinandersetzte, aber keine Auffälligkeiten feststellte (IV-act. 33-
45f). Insofern ist gestützt auf den Gutachter keine eigentliche Persönlichkeitsproblematik
erkennbar, welche im Rahmen der Ressourcenprüfung negativ ins Gewicht fallen würde
(vgl. zum Komplex „Persönlichkeit“ BGE 141 V 281 E. 4.3.2). Der psychiatrische Gutachter
wies bei der Würdigung von Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen nochmals darauf
hin, dass bei der aktuellen Untersuchung eine Verdeutlichung bis zur Aggravation
bestanden habe, was sich sehr eindeutig in Bezug auf die beklagten kognitiven
Einschränkungen zeige. Diese seien so in der neuropsychologischen Abklärung nicht
feststellbar. Die Schilderung des Alltags deute nicht auf gravierende Einschränkungen bei
der Bewältigung des täglichen Lebens, auch im sozialen Kontakt, hin. Diskrepant dazu
gehe die Beschwerdeführerin weiterhin davon aus, dass keinerlei Arbeitsfähigkeit bestehe.
In dieser Situation müsse medizinisch-theoretisch argumentiert werden, was bedeute, dass
bei einer aktuell höchstens mittelgradigen depressiven Episode sich höchstens eine 50%-
ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit begründen lasse (IV-act. 33-51f; vgl. zum
Komplex „sozialer Kontext“ BGE 141 V 281 E. 4.3.3). Weiter ist nicht ersichtlich, inwiefern
im Gutachten der Komplex „sozialer Kontext“ nicht hinreichend abgeklärt worden ist, da die
Beschwerdeführerin Auskunft im Zusammenhang mit der Frage nach dem Tagesablauf,
Freizeitgestaltung, Hobbys etc. erteilte und diese Angaben auch gewürdigt wurden (IV-act.
33-37f; IV-act. 33-50f). Dem Antrag auf eine Haushaltsabklärung ist entgegenzuhalten,
dass gemäss Gutachten sich im Haushalt keine Einschränkungen begründen lassen und im
Übrigen auch keine solchen beklagt worden seien (IV-act. 33-55). Aus den Akten ergibt
sich kein Grund, diese Einschätzung in Zweifel zu ziehen, zumal die Beschwerdeführerin
die Organisation der Haushaltsführung gemäss ihren Angaben und jenen ihres Psychiaters
stark nach ihrem subjektiven Befinden ausrichtet. Ohnehin wird bei widersprechenden
Ergebnissen der Abklärung vor Ort und den fachmedizinischen Feststellungen letzteren in
der Regel mehr Gewicht eingeräumt, falls sich der Gutachter zum Thema Haushaltsführung
klar geäussert hat (act. 1/11; IV-act. 41-9; IV-act. 33-37f; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts 8C_509/2019 vom 8. November 2019 E. 5.4). Was die Beschwerdeführerin
Seite 16
schliesslich im Rahmen der Konsistenzprüfung vorbringt, geht ebenfalls fehl (vgl. zur
Kategorie „Konsistenz“ BGE 141 V 281 E. 4.4). Der psychiatrische Gutachter Dr. med. C.
machte keine Incompliance in Bezug auf die Medikamenteneinnahme geltend. Vielmehr
wies er darauf hin, dass abgesehen vom Schlafmittel die Psycho-pharmaka im Blut der
Beschwerdeführerin nachweisbar seien und dass das Schlafmittel kein Dauermedikament
sei und nur bei Bedarf eingenommen werden sollte. Die Schilderung der Beschwerde-
führerin, wonach sie das Schlafmittel regelmässig einnehme und die Tatsache, dass dieses
Medikament im Blut nicht nachgewiesen werde, wecke diesbezüglich gewisse Zweifel (IV-
act. 33-55). Somit bestehen die geltend gemachten Zweifel hinsichtlich der Compliance
lediglich in Bezug auf das Schlafmittel, nicht jedoch in Bezug auf die Psychopharmaka. Zur
Rüge der nicht fundierten Auseinandersetzung mit abweichenden Arbeitsfähigkeits-
schätzungen ist festzuhalten, dass Dr. med. C. die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des
behandelnden Psychiaters Dr. med. E. bekannt war, er aber offensichtlich dessen Ansicht
nicht teilte (IV-act. 33-22ff und IV-act. 7). Der psychiatrische Gutachter setzte sich mit den
früheren Arbeitsfähigkeitsschätzungen insoweit auseinander, als er – zutreffend – fest-
stellte, dass nach der Rentenzusprache der Verlauf der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit
längere Zeit nicht dokumentiert worden sei und ausführte, weshalb er zu seiner
Einschätzung gelangte. Eine ausführlichere Auseinandersetzung war zudem ohnehin
aufgrund der Akten nicht möglich, wurde die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med.
E. doch im Rahmen eines Verlaufsberichts abgegeben und daher – was den Regelfall
darstellt – nicht näher erläutert (IV-act. 1/12). Soweit die Beschwerdeführerin geltend
macht, aus der fehlenden Inanspruchnahme eines tagesklinischen und stationären
Angebots könne nicht auf eine fehlende Invalidisierung geschlossen werden, geht sie fehl,
da der Gutachter nichts dergleichen ausgeführt hat. Vielmehr führte er aus, dass allenfalls
eine Intensivierung des Settings (Tagesklinikaufenthalt oder stationäre Behandlung) einen
positiven Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe, dies könne allerdings nicht mit Sicherheit
vorausgesagt werden (IV-act. 33-54). Zur Rüge der Beschwerdeführerin, die ihr unterstellte
Aggravation oder Simulation sei falsch, ist zunächst festzuhalten, dass der psychiatrische
Gutachter der Beschwerdeführerin keine Simulation unterstellt, aber ausführt, dass einige
Hinweise auf eine sehr starke Verdeutlichung, um nicht zu sagen Aggravation, bestehen
(IV-act. 33-44 und IV-act. 33-50f). Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstella-
tionen beruhende Leistungseinschränkung vermag eine versicherte Gesundheits-
schädigung nicht leichthin auszuschliessen. Sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit
darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine klar
als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss
verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das aggravatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen
wäre (Urteil des Bundesgerichts 9C_154/2016 vom 19. Oktober 2016 E. 4.3). Eine
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Aggravation zeichnet sich aus durch eine Übertreibung oder Ausweitung von Beschwerden,
indem tatsächlich vorhandene Symptome zur Erreichung eines Ziels verstärkt werden.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass umso eher von Aggravation auszugehen ist, je mehr
Hinweise auf eine absichtliche, gesteuerte und in diesem Sinne „bewusste“ Symptom-
erzeugung bestehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 3.1).
Im Ergebnis macht Dr. med. C. aber nur gewisse Hinweise auf eine sehr starke
Verdeutlichung, um nicht zu sagen Aggravation, geltend und legt diese Hinweise in der
Folge auch dar (IV-act. 33-44). Damit wird die von der Rechtsprechung geforderte
Eindeutigkeit der Anhaltspunkte für eine Aggravation beziehungsweise Verdeutlichung
jedoch nicht erreicht und es wird gestützt darauf folgerichtig auch nicht eine
rentenbegründende Invalidität verneint. Indem die Beschwerdeführerin geltend macht, dem
Gutachten von Dr. med. C. könne höchstens der Beweiswert einer versicherungsinternen
medizinischen Beurteilung zukommen, da er im Wesentlichen seit mehreren Jahren nur
noch eine Gutachtertätigkeit ausübe, übernimmt sie eine Argumentationslinie in Bezug auf
die Beweisregeln, welcher das Bundesgericht eine deutliche Abfuhr erteilt hat (Urteil des
Bundesgerichts 9C_824/2019 vom 14. Januar 2020 E. 2.3.2 und E. 3; ebenso Urteil des
Bundesgerichts 8C_760/2019 vom 25. Februar 2020 E. 3.3). Konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit des psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. C. liegen nicht vor. Die
psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessenfrei erfolgen
und eröffnet dem begutachtenden Psychiater deshalb praktisch immer einen gewissen
Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen
möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist,
was vorliegend der Fall ist. Abweichende Beurteilungen behandelnder Ärzte vermögen
grundsätzlich ein Gutachten nach Art. 44 ATSG nicht in Frage zu stellen. Vorbehalten
bleiben Fälle, in denen sie wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_246/2018 vom
16. August 2018 E. 4.1). Dies ist vorliegend aufgrund der vorhergehenden Ausführungen
nicht der Fall, da entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin die Ausführungen des
behandelnden Psychiaters Dr. med. E. keine Zweifel an der Beurteilung von Dr. med. C. zu
erwecken vermögen (vgl. hierzu auch BGE 135 V 465 E. 4.5).
2.5.3
Zusammenfassend vermögen die Vorbringen der Beschwerdeführerin das psychiatrische
Gutachten von Dr. med. C. nicht in Frage zu stellen und dem Gutachten kommt volle
Beweiskraft zu.
Seite 18
2.6
Im Zeitpunkt der Rentenaufhebung mit Verfügung vom 22. August 2019 war die
Beschwerdeführerin 56 Jahre und einen Monat alt, weshalb vorgängig zur revisionsweisen
Herabsetzung der Rente die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen zu prüfen
gewesen wäre. Die Frage der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung, für dessen Vorliegen
die IV-Stelle die Beweislast trägt, ist von der IV-Stelle gemäss den vorliegenden Akten nicht
geprüft worden, weshalb die Sache für entsprechende Abklärungen an die IV-Stelle
zurückzuweisen ist (BGE 145 V 209 E. 5.1 und E. 6; Urteil des Bundesgerichts
8C_826/2018 vom 14. August 2019 E. 3.2.2). Gestützt auf die Ergebnisse der Abklärung
hat die IV-Stelle allenfalls Massnahmen einzuleiten und in der Folge gestützt auf das voll
beweiskräftige psychiatrische Gutachten den Invaliditätsgrad neu zu berechnen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1 bis
IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Vor-
instanz unterliegt im vorliegenden Verfahren, da die Rückweisung der Sache zu weiterer
Abklärung und neuer Verfügung für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch
der Parteientschädigung praxisgemäss als volles Obsiegen der beschwerdeführenden
Partei gilt (BGE 137 V 57 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_548/2019 vom 16. Januar
2020 E. 7; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 224 zu Art. 61 ATSG). Da der
Vorinstanz gemäss Art. 22 Abs. 1 VRPG keine Verfahrenskosten auferlegt werden können,
werden die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 800.-- auf die Staatskasse genommen. Die
Gerichtskasse wird daher angewiesen, der Beschwerdeführerin den von ihr geleisteten
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zurückzuerstatten.
3.2
Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerde-
führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungs-
gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Vorliegend wird die
Beschwerde an die IV-Stelle zurückgewiesen, womit die Beschwerdeführerin obsiegt und
ihr ein Anspruch auf eine Entschädigung zulasten der IV-Stelle entsteht.
Die Bemessung der Entschädigung richtet sich im Rahmen von Art. 61 lit. g ATSG nach
kantonalem Recht, mithin nach Art. 16 Abs. 1 der Verordnung vom 14. März 1995 über den
Anwaltstarif (AT, bGS 145.53; UELI KIESER, a.a.O., N. 228 ff und N. 232 zu Art. 61 ATSG;
Seite 19
vgl. auch Art. 4 Abs. 2 AT; Urteil des Bundesgerichts 8C_11/2016 vom 22. Februar 2016
E. 3.1). Vorliegend handelt es sich um einen eher durchschnittlichen leichten Fall mit
durchschnittlicher Menge an Akten sowie keinen besonders aufwändig zu beantwortenden
Sachverhalts- und Rechtsfragen. Unter diesen Umständen ist die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin mit Fr. 2‘800.20 (Pauschalhonorar Fr. 2‘500.-- + 4% Barauslagen
(= Fr. 100.--) + 7.7% Mehrwertsteuer (= Fr. 200.20)) zulasten der Vorinstanz zu
entschädigen.
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