Decision ID: c3838c73-5674-4819-9901-9f725b51bfe8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1979,
war vom
1.
November 2010
bis
3
1.
Juli 2019
bei
der
Y._
AG
zuerst in der Produktion und danach wegen einer Mehlallergie
in der Spedition Tagesschicht
tätig, wobei der letzte Arbeitstag am
1
9.
November 2018
war (
Urk.
7/1/1,
Urk.
7/9/2,
Urk.
7/11
). Unter Hinweis auf unkontrollierbare Wut, Aggressivität
,
Depression und Vergesslichkeit
sowie Probleme
mit dem Vorgesetzten
am Arbeitsplatz
meldete sich der Versi
cherte am
2
4.
April 2019
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab und
zog Akten der
Krankentag
geldversicherung
bei (
Urk.
7/3,
Urk.
7/16-18
)
.
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
7/21
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
0.
Februar 2020
einen Rentenanspruch (
Urk.
7/22
=
Urk.
2)
.
2.
Der Versicherte erhob am
2
0.
März 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
0.
Februar 2020
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
eine ganze Rente
zuzusprechen.
E
ventuell sei
die gesundheitliche Einschränkung anhand eines psychiatrischen Gutachtens abzuklären
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
9.
Mai 2020
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 2
9.
Juni 2020 hielt der Beschwerde
führer an seinen Anträgen fest (
Urk.
10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete
mit Eingabe vom
8.
September 2020
auf eine Duplik
(
Urk.
14), was dem Beschwerde
führer am 1
6.
September 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass gemäss Abklärungen keine psychische Einschränkung mit langandau
ernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Eine Invalidität im Sinne des Gesetzes sei nicht gegeben und es bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Mai 2020 führte sie ergänzend aus (
Urk.
6),
aus den Berichten des behandelnden Psychiaters
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
gehe klar eine Verbesserung hervor und dieser habe eine Integration in den Arbeitsprozess als zumutbar erachtet (S. 1 f.). E
ine von der belastenden psychosozialen Situation unabhängige, verselbständigte und langandauernde depressive Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit liege
nicht vor. Weiter sei die Diagnose «sonstige spezifische Persönlichkeitsstörung» nicht begründet und hergeleitet worden. Vor den Problemen am Arbeitsplatz habe es keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung gegeben, weshalb die Diagnose nicht nachvollzogen werden könne. Die Zwangshandlungen würden den Beschwerdeführer nicht einschränken und hätten keinen Einfluss au
f die Arbeits
fähigkeit. Die vom behandelnden Psychiater geforderten klar strukturierten und fairen Arbeitsbedingungen seien kein Grund für eine Arbeitsunfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Für eine andere Arbeitsstelle in der bisherigen Tätigkeit bestehe
demnach keine Einschränkung (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt (
Urk.
1),
in der Verfügung werde nicht ausgeführt, wie die Beschwerdegeg
nerin auf die Feststellung komme, dass keine psychische Einschränkung mit lang
andauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorläge. Sie sehe darüber hin
weg, dass er von Fachärzten untersucht und als psychisch krank befunden wor
den sei. Weshalb die Beschwerdegegnerin
die in Aussicht gestellte stationäre Behandlung nicht abgewartet
und verfügt
habe
,
sei absolut unverständlich. Indem die Beschwerdegegnerin ihrer Begründungspflicht nicht annähernd nach
gekommen sei, habe sie den aus
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
f
li
es
senden Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt (S. 4).
Die Beurteilung der Beschwerdegegnerin, wonach die Diagnosen invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant seien, stütze sich einzig auf die Stellungnahme
einer
Sachbearbei
terin
. Dies entspreche keiner
rechtsgenüglichen
Beurteilung. Viel
mehr sei der Beurteilung von
Dr.
Z._
zu folgen und von einer mindestens 70%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Obwohl eine depressive Störung fachärztlich aus
gewiesen sei und auch der Eingliederungsberater den Eindruck geäussert habe, dass mehr als nur eine mittlere depressive Episode hinter der Erkrankung stehe, habe die Beschwerdegegnerin in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes kein psychiatrisches Gutachten eingeholt (S. 5).
Mit Replik vom 2
9.
Juni 2020 (
Urk.
10) führte der Beschwerdeführer weiter aus, die Beschwerdegegnerin verkenne, dass sein Leiden in Bezug auf die Depression Schwankungen unterworfen sei und er nach dem etwas positiveren Verlauf
ab 2
9.
Januar 2020
in der i
ntegrierten Psychiatrie
A._
habe stationär behandelt werden müssen. Die Zuweisung sei indes nicht wie von der Beschwer
degegnerin behauptet auf eigenen Wunsch, sondern durch die behandelnde Psy
chologin erfolgt (S. 1). Ausserdem werde bei Austritt per
1
2.
Februar 2020 noch bis zum
6.
März 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 2
0.
August 2020
lasse sich nicht entnehmen, in welchem Umfang eine Arbeitstätigkeit zumutbar sein soll
e
.
Eine solche solle
gemäss seinen
Aussagen
im Rahmen eines Arbeitsintegrationsprogramm
s
festgestellt werden. Auch ein psychiatrisches Gutachten, welches hinsichtlich der Zumutbarkeit und der Möglichkeit der Arbeitsfähigkeit fundierte Antworten hätte geben können, sei nicht für nötig befunden worden. Wenn die Beschwerdegegnerin die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung ablehne und nicht für nachvollziehbar halte, dann hätte sie beim behandelnden Facharzt nachfragen und eine Begründung verlan
gen können
o
der ein psychiatrisches Gutachten veranlassen müssen (S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerde
führers
verhält und ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen invalidisierenden Gesundheitsschaden verneint hat.
3.
3.1
Dr.
Z._
nannte
im Bericht vom
5.
Februar 2019 (
Urk.
7/1
/1-3
)
als Diagnosen eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie mobbingassoziierte Beeinträchtigungen (Unstimmigkeiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen, ICD-10 Z56.4).
Der Beschwerdeführer
arbeite seit neun Jahren in einer Bäckerei und habe wegen einer Mehlallergie die Abteilung wechseln müssen. In der neuen Abteilung sei es zu Problemen mit dem neuen Vorgesetzten gekommen.
Dies sei seit einem Jahr besonders belastend. Auch Gespräche mit anderen Vorgesetzten hätten nichts gebracht (S. 1). Einige Male sei es zu heftigem Streit gekommen. Er habe sich immer mehr zurückgezogen und habe Schlafstörungen bekommen. Er sei sehr dünnhäutig geworden und habe Mühe sich zu orientieren (S. 2 oben). Durch die regelmässigen Therapiegespräche und unterstützende Psychopharmaka habe eine Akzeptanz der Situation erreicht werden können. Der Beschwerdeführer sei allerdings sehr müde und könne immer noch nicht klar denken. Wenn sich der Beschwerdeführer unverstanden fühle, werde er aggressiv und auch laut. Bei der Arbeit könne er seine Nerven nicht kontrollieren, wenn er ungerecht behan
delt werde. Er schlage die Gegenstände kaputt und müsse den Ort verlassen, sonst könne er sich nicht mehr beruhigen. Er leide unter Antriebs-, Lust-, Kraft- und Energielosigkeit. Er reagiere sehr aggressiv auf Kleinigkeiten und habe mit seiner Ehefrau öfters Streit deswegen. Er vermeide alle Kontakte bei der A
rbeitsstelle und wolle von niemanden, der dort arbeite, etwas hören (S. 2).
Aktuell bestehe aufgrund der psychischen Beschwerden eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten (S. 3 oben).
In
mehreren
Zeugnissen
attestierte
Dr.
Z._
vom
2
0.
November 2018
bis 2
9.
April 2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/1/4-8).
3.2
Im Bericht vom 1
4.
Mai 2019 (
Urk.
7/17) nannte
Dr.
Z._
als weitere Diagno
sen Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt (ICD-10 F42.2) sowie einen Verdacht auf sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F60.8).
Neben der pharmakologischen Behandlung nehme d
er Beschwerdeführer wöchentlich Termine wahr und sei bei der
K
linik
B._
angemeldet worden.
Durch die regelmässigen Therapiegespräche und unterstützende Psychopharmaka
habe
nicht viel erreicht werden können. Er könne immer noch nicht klar denken, wes
halb er für eine intensive Therapie in der Klinik angemeldet worden sei. Gegen
über seiner Ehefrau sei er ein paar Mal handgreiflich geworden. Er könne seine Aggressivität nicht unter Kontrolle bringen und fühle sich sehr schnell ungerecht behandelt. Eine andere dem
K
rankheitsverlauf angepasste Tätigkeit sei im Moment nicht zumutbar und möglich. Aufgrund der psychischen Beschwerden bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten (S. 2).
3.3
Am
9.
Juli 2019 (
Urk.
7/13)
berichtete
Dr.
Z._
neben den bekannten Diagno
sen über
kognitive Einschränkungen (Aufmerksamkeits- und Konzentrations
mangel), Aggressionsregulationsprobleme sowie eine geringe Belastbarkeit und schnelle Ermüdbarkeit (
Ziff.
3.4).
Die Eingliederungsprognose erachtete
Dr.
Z._
als günstig, sobald der Beschwerdeführer in einem geschützten Rahmen mit dem Arbeitstrainingsprozess anfangen könne (
Ziff.
4.3).
3.4
In einem weiteren Bericht vom 2
0.
August 2019 (
Urk.
7/18) führte
Dr.
Z._
aus, durch die regelmässigen Therapiegespräche und unterstützende Psychopharmaka habe beim Beschwerdeführer eine Akzeptanz der Situation erreicht werden kön
nen. Danach habe es lange gedauert, bis der Beschwerdeführer sich beruhigen, von der Arbeitssituation distanzieren und den Zustand habe akzeptieren können. Er reagiere immer noch sehr unsicher und emotional auf gewisse Sachen, aber könne sich wieder beruhigen und habe fast keine Wutausbrüche mehr. Die Bezie
hung zu seiner Ehefrau habe sich auch ein bisschen verbessert und er werde nicht mehr handgreiflich. Eine angepasste Tätigkeit sei zumutbar und möglich und solle im Rahmen eines Arbeitsintegrationsprogrammes der Invalidenversicherung fest
gestellt werden. Klar strukturierte, faire Arbeitsbedingungen und die Art und Weise, wie man mit ihm umgehe und spreche, seien sehr wichtig (S. 2).
3.5
Gemäss
interner Notiz über ein mit dem Krankentaggeldversicherer am 2
5.
November 2019 geführtes Telefonat sei der Beschwerdeführe
r
bis 3
0.
Novem
ber 2019 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/19).
3.6
In einer internen Stellungnahme vom 2
5.
November 2019 führte die Kundenbe
ratung
der Beschwerdegegnerin
aus, die bisher bekannten Diagnosen seien inva
lidenversicherungsrechtlich nicht relevant und könnten keine langandauernde
Arbeitsunfähigkeit begründen. Bei der Persönlichkeitsdiagnose handle es sich bis
her nur um eine Verdachtsdiagnose. Es liege somit kein invalidisierender Gesund
heitsschaden vor (
Urk.
7/20/3).
3.
7
Dr.
med.
C._
, Praktische Ärztin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitende Ä
rztin, sowie med. pract.
D._
, Assis
tenzarzt, vom
A._
, berichteten im Kurzaustrittsbericht vom
5.
März 2020 über den stationären Aufenthalt vom 2
9.
Januar bis 1
2.
Februar 2020 (
Urk.
3/6) und nannten als Diagnose
n
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit
telgradige Episode (ICD-10 F33.1), vorwiegend Zwangshandlun
gen/Zwangsrituale (ICD-10 F42.1)
,
sowie sonstige spezifische Persönlichkeitsstö
rungen. Die Zuweisung sei durch die behandelnde Psychologin lic. phil.
E._
aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mittelgradig
,
erfolgt
.
Der Beschwerdeführer sei bei Eintritt psychomotorisch unruhig gewesen und habe über Schlafstörungen berichtet. Ausserdem habe er unter Ängsten, immer wiederkehrenden belastenden Gedanken, innerer Unruhe und
Anpas
sungs
-
schwierigkeiten im Alltag gelitten. Der Beschwerdeführer habe berichtet, sich durch die Aufnahme deutlich entlastet zu fühlen. Grund seiner schlechten psychischen Verfassung sei die schwierige familiäre Situation. Er habe sich gut auf der Station eingelebt und habe auch an Spezialtherapien teilgenommen. Zur Spannungsreduktion sei
Temesta
abgegeben worden, wodurch der Beschwerde
führer eine Erleichterung erfahren habe und regelmässig in den Einzelgesprächen, trotz schwerer sprachlicher Barriere, die belastende Situation thematisiert habe.
Es sei problem- und lösungsorientiert gearbeitet worden. Daneben habe eine medikamentöse Behandlung mit
Dexorat
,
Risperdon
und Quetiapin stattgefun
den. Gegen Ende der Behandlung habe er angegeben, viel von den Gesprächen profitiert und dabei gute Strategien gelernt zu haben,
um
mit der Situation umzugehen. Für eine weitere Behandlung sei der Beschwerdeführer nicht mehr bereit gewesen und habe den Austrittswunsch geäussert, weshalb er in psychisch stabilisierten Zustand in die gewohnten Verhältnisse entlassen worden sei (S. 2).
Mit Arbeitsunfähigkeitszeugnissen attestierten die Ärzte des
A._
vom 2
9.
Januar bis
3.
April 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
3/3-5).
4.
4.1
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstel
lung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Gemäss
Art.
52
Abs.
2 Satz
2 ATSG werden
Einspracheentscheide
begründet. Die Begründung eines Entschei
des muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfech
ten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittel
instanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand
auseinander setzen
muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichts
punkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheiden
den Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Par
teien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107 Ia 1). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrens
mängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobe
nen Gerichts
verfahren behoben würden. Der Umstand, dass eine solche Heilungs
möglichkeit besteht, rechtfertigt es demnach nicht, auf die Anhörung des Betroffenen vor Erlass eines Entscheides zu verzichten. Denn die nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvollkommenen Ersatz für eine unterlassene vorgängige Anhörung. Abgesehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren gehen kann, wird der betroffenen Person zugemu
tet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen.
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderli
chen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu ver
einbaren sind (BGE 120 V 357 E.
2b, 116 V 182 E. 3c und d).
4.2
Die Beschwerdegegnerin setzte sich weder im Vorbescheid vom
9.
Januar 2020
(
Urk.
7
/
21
) noch in der angefochtenen Verfügung vom
2
0.
Februar 2020
(
Urk.
2) mit der konkreten Aktenlage auseinander. Eine nachvollziehbare Begründung,
warum insbesondere aus psychiatrischer Sicht keine gesundheitliche Einschrän
kung vorliegt, findet sich nicht. Damit fehlt es der angefochtenen Verfügung an einer rechtsgenügenden Begründung, da sie weder eine Darstellung des vom Ver
sicherungsträger als relevant erachteten Sachverhalts noch eine einzelfallbezo
gene rechtliche Würdigung enthält (vgl. vorstehend E.
4
.1), die eine sorgfältige Meinungsbildung darüber, ob und gegebenenfalls mit welcher Argumentation
der Beschwerdeführer
die Rentenablehnung anfechten soll, verunmöglichte. Der Beschwerdeführer wurde gewissermassen auf den Gerichtsweg gezwungen, um - allenfalls - die Entscheidungsgründe der Beschwerdegegnerin zu erfahren. Dies kann nicht im Sinne der Verfahrensökonomie liegen und erweist sich auch unter Berücksichtigung der Kostenpflicht des Beschwerdeverfahrens (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) als stossend.
Erst in der Beschwerdeantwort vom
1
9.
Mai 2020
(
Urk.
6
) äusserte sich die Beschwerdegegnerin dazu eingehend,
verkennt jedoch
, dass die Pflicht zur Begründung einer Verfügung nicht auf das Beschwerdeverfahren verschoben werden darf. Die versicherte Person muss in der Lage sein, sich ein Bild über die Entscheidung zu machen, bevor Beschwerde erhoben wird. Es kann nicht Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass die Verwaltung sich über den elementaren Grundsatz des recht
lichen Gehörs hinwegsetzt und darauf vertraut, dass der Verfahrensmangel in einem etwaigen Prozess behoben werde (vgl. BGE 116 V 182 E. 3c) und das Gericht womöglich anstelle der Versäumnisse im Verwaltungsverfahren eine
rechtsgenügliche
Begründung verfasse.
4
.3
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende – Ver
let
zung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhö
rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
Auch wenn dem hiesigen Gericht volle Kognition zukommt und von einer Rück-weisung abgesehen werden kann, wenn diese zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerung führen würde, obwohl ein Entscheid in der Sache möglich wäre, kann vorliegend von einer Rückweisung der Sache an die
Verwaltung nicht abgesehen werden, da - wie sich nachfolgend zeigt - in mate
rieller Hinsicht weitere Abklärungen nötig sind.
5.
5.1
Eine Rückweisung erweist sich vorliegend (auch) aus materiellen Gründen als angezeigt.
5.2
Der Beschwerdeführer stützt sich bei der Geltendmachung eines psychischen Gesundheitsschadens auf die Berichte des behandelnden Psychiaters
Dr.
Z._
und des
A._
, welche eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode,
Zwangshandlungen und sonstige spezifische Persönlichkeitsstö
rungen diagnostizierten und eine Arbeitsunfähigkeit attestierten. Die Beschwer
degegnerin mass den Berichten des behandelnden Psychiaters offenbar keinen Beweiswert zu und kam
-
ohne Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
und damit ohne ärztliche Auseinandersetzung
-
zum Schluss, dass die Diagnosen invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant seien, keine lang
andauernde Arbeitsunfähigkeit begründen könnten und somit kein invalidisie
render Gesundheitsschaden vorliege (
vgl.
Urk.
7/20/3). Mit ergänzender Begrün
dung führte die Beschwerdegegnerin im Rahmen des vorliegenden Beschwerde
verfahrens
-
wiederum ohne
zusätzliche
fachärztliche Stellungnahme
-
unter anderem
weiter aus,
dass
k
eine von der belastenden
psychosozialen Situation unabhängige, verselbständigte und langandauernde depressive Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor
liege und die Diagnose
«sonstige spezifische Persönlichkeitsstörung» nicht begründet und hergeleitet worden
sei (
vgl.
Urk.
6 S. 2).
5.3
Rechtsprechungsgemäss ist es nicht zulässig, dass sich der Sozialversicherer über fachärztlich festgestellte Diagnosen hinwegsetzt, indem auf allgemein zugängli
che, populär medizinische Abhandlungen oder auf eigene Erfahrung, mithin ohne Abstützung auf ärztliches Fachwissen, abgestellt wird (vgl. Urteil des Bundesge
richts 8C_391/2009 vom 2
1.
Oktober 2009 E. 4.2 mit Hinweisen).
Die vom behandelnden Psychiater und den Ärzten des
A._
genannten Diagnosen wurden von
psychiatrischen
Fachärzten gestellt
und geben gewichtige Anhaltspunkte für ein massgebliches Krankheitsgeschehen
,
das
laut sämtlichen aufliegenden Arzt
berichten zu
einer länger dauernden
Arbeitsunfähigkeit geführt hat
.
Bei den Akten findet sich wede
r eine davon abweichende fach
ärztliche Stellungnahme noch eine solche des RAD. Die
Beschwerdegegnerin
kann ihre Schlussfolgerungen mithin nicht auf ärztliches Fachwissen stützen, sondern leitet
sie
aus eigenen Annahmen her
.
Allein mit dem Hinweis auf
psychosoziale Faktoren
oder die bis
herige Berufsbiographie
lassen
sich fachärztlich gestellte Diagnose
n
nicht ent
kräften.
Dazu bedarf es zumindest einer begründet davon abweichenden - eben
fall
s fachärztlichen - Beurteilung. Bei Unklarheiten oder sogar scheinbaren Widersprüchen insbesondere zwischen Befund und Diagnose, wie
die Beschwer
degegnerin in ihrem
Feststellungsblatt
selbst
aufführte
(vgl.
Urk.
7/20 S. 3 oben), muss zumindest beim betreffenden Arzt nachgefragt werden (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_942/2008 vom 1
6.
März 2009 E. 5.3).
Der
Beizug
des not
wendigen Fachwissens ist
betreffend den
vorliegend
zu beur
teilenden
Sachverhalt
unabdingbar.
Auch wenn
der
Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
Z._
vom 2
0.
August 2019 zunächst ein
en positiven
Verlauf
aufzeigt
,
kann daraus nicht geschlossen werden, dass die Depression gänzlich verschwunden ist
und das Beschwerdebild einzig
in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen
sein
e
hinreichende Erklärung finde
t
.
Zwar diagnos
tizierte
Dr.
Z._
im genannten Bericht
neben den
übrigen
Diagnosen noch eine leichte bis mittelgradige depressive Episode und
er
berichtete über eine reduzierte
Behandlungsfrequenz. Die medikamentöse Behandlung
wurde aber
- wenn auch in etwas reduzierte
re
m Umfang im Vergleich zum Vorbericht (vgl.
Urk.
7/17) -
beibehalten
. Der behandelnde Psychiater wies überdies
auf die Notwendigkeit eines Arbeitsintegrationsprogramms zur Bestimmung der Arbeitsfäh
igkeit hin (vorstehend E. 3.4). Auch wenn die Beschwerdegegnerin
in der Beschwerdeant
wort vom 1
9.
Mai 2020
zutreffend
auf ps
ychosoziale
Belastungsfaktoren
und
die
(vorübergehende
)
Verbesserung des Beschwerdebildes nach dessen Rückgang
hingewiesen hat
,
blendet sie den weiteren Verlauf aus.
Dem Beschwerdeführer wurde weiterhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt
(
vgl. vorste
hend E. 3.5) und
er
wurde
aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung am 2
9.
Januar 2020 -
und damit vor Erlass der angefochtenen Verfügung -
in eine
stationäre Behandlung beim
A._
überwiesen
.
Die Diagnosestellung des
A._
bestätigt
im Wesentlichen
die vom behandelnden Psychiater gestellten Diagno
sen
, wobei der Schweregrad der depressiven Störung wieder als mittelgrad
ig
beurteilt wurde
. Während des stationären Aufenthalts wurde die antidepressive Medikation erneut ausgebaut und der Beschwerdeführer nahm an Spezialthera
pien teil, welche den Zustand
wiederum
stabilisierten
(vgl.
vorstehend E. 3.7)
.
Eine schlüssige und nachvollziehbare Aussage darüber, ob die von den Fachärz
ten erhobenen Befunde ihre hinreichende Erklärung ausschliesslich in den psy
chosozialen Faktoren finden, lässt sich daraus und insbesondere ohne fachärztli
che Beurteilung nicht ohne Weiteres ableiten.
W
ie weit die depressive
Episode
respektive Störung
während
der Therapie oder auch des
Klinikaufenthaltes redu
ziert werden konnte, ist im Übrigen
nicht entscheidend
, lässt doch eine psychiat
rische Diagnose für sich allein genommen ohnehin keinen Schluss auf eine gesundheitlich bedingte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit zu
, sondern erst deren Folgeabschätzung
.
Bei einer depressiven Episode, sei sie nun schwer oder mittelschwer, kann eine invalidisierende Wirkung entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin
auch nicht a priori von der Hand gewiesen werden.
So ist b
ei leichten bis mittelschwe
ren depressiven Störungen, wie bei jeder geltend gemachten gesundheitsbeding
ten Erwerbsunfähigkeit, im Einzelfall (einzig) danach zu fragen, ob und wie sich die Krankheit leistungslimitierend auswirkt, wobei eine leistungs-, insbesondere rentenbegründende Invalidität jedenfalls eine psychiatrische, lege artis gestellte Diagnose voraussetzt
.
Denn gerade mit Blick darauf, dass auch bei einem depres
siven Leiden soziale Belastungen, die direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, auszuklammern sind, setzt die vorzunehmende Abgrenzung zu reaktiven, invali
ditätsfremden Geschehen auf psychosoziale Belastungen eine nachvollziehbare Diagnosestellung voraus.
Entsprechend
sind auch affektive Störungen, ein
schliesslich der leichten bis mittelschweren depressiven Erkrankungen, gemäss geänderter Rechtsprechung dem strukturierten Beweisverfahren unterstellt (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 143 V 418 E. 7.1
).
Es ist nach dem Gesagten
nicht Sache des Gerichts
abzuklären
und
zu bestimmen, ob die diagnostizierte depressive Störung sowie die weiteren Diagnosen Krank
heitswert aufweisen und eine massgebliche Arbeitsunfähigkeit begründen.
Zur Feststellung, inwieweit vorliegend die psychosozialen oder soziokulturellen Fak
toren in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen oder eine verselbständigte und im Rahmen des gesamten Beschwerdebildes ins Gewicht fal
lende psychische Störung
vorliegt und
gegebenenfalls
eine längerdauernde Erwerbsunfähigkeit
begründet
, bedarf es einer fachärztlichen
psychiatrischen
Beurteilung.
Soweit der Beschwerdeführer die Zusprache einer Invalidenrente beantragte (vgl.
Urk.
1 S. 2) ist festzuhalten, dass eine direkte
Leistungszusprache
einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte
recht
sprechungsgemäss
kaum je
in Frage
kommt
. Diese hatten sich in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren und ihre Berichte wurden nicht zu dem Zweck erstellt, eine objektive und abschliessende Beurteilung eines allfälligen Versiche
rungsanspruches zu ermöglichen (BGE 135 V 465 E. 4.5
).
5.5
Nach dem Gesagten erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sach
verhalt als unvollständig, weshalb die angefochtene Verfügung
vom 2
0.
Februar
2020
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese eine den aktuellen Anforderungen
der geänderten Rechtsprechung
genügende Prüfung der Auswirkung der diagnostizierten Leiden auf die Arbeits
fähigkeit vornehme und hernach über den Leistungsanspruch
(berufliche Mass
nahmen und Invalidenrente)
des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61 lit. a ATSG
in der
hier anwendbaren,
bis am 31. Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung
(
Art.
83 ATSG)
kostenpflichtig.
Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- fest
gesetzt
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
. Vorlie
gend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
7
00
.-- als angemessen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
Gerichtskosten in der Höhe von
Fr.
7
00.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Ausgangsgemäss steht
dem obsiegenden Beschwerdeführer
eine Prozessentschä
digung zu, die gemäss
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) – ohne Rücksicht auf den Streit
wert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist. In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteientschädigung auf
Fr.
1'
9
00.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.