Decision ID: 12090eb9-ea72-42d1-9b54-c8f7b147fa01
Year: 2009
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

ausgeführten Sachverhalts handle es sich um eine Auskunft, die Vertrauen
begründet habe. Bei den beiden Anbauflächen von Bettina Wachter handle
es sich um mit der „...“ vergleichbare Flächen. Die Auskunft des AJF sei auf
eine konkrete Anfrage hin erfolgt; ebenso handle es sich beim AJF um die für
die Auskunftserteilung zuständige Amtsstelle. Die Auskunft sei vorbehaltlos
erfolgt und deren Unrichtigkeit sei weder für Bettina Wachter noch für die
Beschwerdeführerin erkennbar gewesen, weshalb keine weiteren
Massnahmen getroffen worden seien. An der Rechtslage habe sich seither
nichts geändert. Das jahrelange Schweigen der Jagdaufsichtsorgane
begründe nach Auffassung des Bundesgerichts für sich allein keine
Vertrauengrundlage. Im Gesamtzusammenhang sei dies jedoch ein
gewichtiges Indiz dafür, dass die Erdbeerkulturen weder als akut
wildexponiert noch als offensichtlich frassgefährdet eingestuft würden. Zu
berücksichtigen sei auch die Tatsache, dass das AJF ab dem 12. Januar 2006
ohne Weiteres mittels geeigneter Massnahmen (Abschüsse, Licht- oder
Lärmquellen, Ablenkungsfütterungen) weitere Frassschäden hätte vermeiden
können. Abschliessend sei noch auf BGE 2C_447/2007 verwiesen, wo der
Inhaber des Jagdregals zur Leistung einer teilweisen Entschädigung für
Wildschweinschäden bei einer nicht eingezäunten Bio-Dinkel-Anpflanzung
verpflichtet worden sei, welche lediglich einen Waldabstand von 6 m
aufgewiesen habe.
c) Mit Stellungnahme vom 17. April 2009 beantragte das BVFD die Abweisung
der Beschwerde. Die Anbaufläche im Gebiet „...“ sei im Gegensatz zu den
Anbauflächen im Gebiet „...“ nicht wildexponiert im Sinne von Art. 17 lit. a
KJV; sie sei aber im Sinne von Art. 17 lit. b KJV ungenügend eingezäunt
gewesen. Diese Differenzierung habe sowohl das AJF in seiner Verfügung
vom 9. Mai 2006 als auch das BVFD in seinem Entscheid vom 16. August
2007 vorgenommen. Das Verwaltungsgericht habe somit den
rechtserheblichen Sachverhalt korrekt ermittelt. Das Bundesgericht habe
rechtsverbindlich festgestellt, dass die Zäunung der beiden Anbauflächen im
Gebiet „...“ offensichtlich ungenügend gewesen sei. Da die Zäunung der
Intensivkultur im Gebiet „...“ mit dem gleichen Material erfolgt sei, müsse
folglich auch diese Zäunung als offensichtlich ungenügend und untauglich
beurteilt werden. Die Beschwerdeführerin habe somit auch in diesem Fall die
ihr zumutbaren Abwehrmassnahmen in krasser Art und Weise unterlassen.
Intensivkulturen wiesen nämlich ein erhebliches Schadenspotenzial auf.
Gerade deshalb habe der Gesetzgeber in Art. 17 lit. b KJV als zumutbare
Abwehrmassnahme das Zäunen von erheblich gefährdeten Intensivkulturen
verlangt, hierfür aber auch Kantonsbeiträge in Aussicht gestellt. Das
Bundesgericht - wie zuvor bereits das Verwaltungsgericht - habe in seinem
Urteil ausgeführt, dass sich die Beschwerdeführerin nicht auf den Grundsatz
von Treu und Glauben berufen könne, weshalb sich die erneute Berufung
darauf als unbehelflich erweise. Auch aus dem zitierten Bundesgerichtsurteil
(2C_447/2007) könne die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten
ableiten, betreffe dieser Fall doch das Recht des Kantons Aargau und nicht
die im Kanton Graubünden massgebenden Bestimmungen. Ebenso wenig
verfange der Hinweis der Beschwerdeführerin, die Wildhut hätte im Winter
2005/2006 aktiv zur Schadensprävention beitragen müssen. Sowohl das
Verwaltungsgericht wie auch das Bundesgericht habe die Pflicht zum
eigenverantwortlichen Handeln der Beschwerdeführerin hervorgehoben. Wer
aber - obwohl voraussehbar und nicht einmal nach Feststellung der ersten
Schäden - als professionelle Bewirtschafterin keine tauglichen
Abwehrmassnahmen treffe, könne nicht nachträglich den erlittenen Schaden
bei der öffentlichen Hand einfordern.
d) Am 25. Mai 2009 führte das Verwaltungsgericht im Beisein der Parteien und
ihrer Rechtsvertreter vor Ort einen Augenschein durch. Allen Anwesenden
wurde dabei Gelegenheit gegeben, ihren Standpunkt anhand der
Örtlichkeiten noch einmal zu verdeutlichen.
Auf die Erkenntnisse am Augenschein sowie die Darlegungen in den
Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Zunächst ist festzuhalten, dass das Bundesgericht in seinem Urteil vom 28.
Januar 2009 (2C_562/2008) rechtsverbindlich festgestellt hat, dass das
angefochtene Urteil des Verwaltungsgerichts vom 1. April 2008 (VGU U 07
86) vor Bundesrecht standhält, soweit es sich auf das Gebiet „...“ bezieht.
Hierzu führte es in seinen Erwägungen aus, es könne nicht entscheidend sein,
wie viele Hirsche sich im Winter 2005/2006 oder in anderen Jahren im
fraglichen Gebiet aufgehalten hätten, da die entsprechenden Zahlen ohnehin
bloss als geschätzte Richtzahlen gelten könnten. Massgeblich sei vielmehr,
dass sich im Wald beim Gebiet „...“ im Winter regelmässig Rotwild aufhalte.
Dies und der Umstand, dass Hirsche bei für sie kritischen Verhältnissen in
Erdbeerkulturen eindrängen, seien der Beschwerdeführerin aus einem
früheren Schadenfall bekannt gewesen. Die im Anschluss daran erstellte
Einzäunung sei aber offensichtlich ungenügend gewesen.
b) Was dagegen die Anbaufläche im Gebiet „...“ betreffe, so habe das
Verwaltungsgericht den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches
Gehör verletzt. Obschon die Beschwerdeführerin nämlich ausdrücklich
geltend gemacht habe, dass hinsichtlich dieser Anbaufläche von anderen
tatsächlichen Verhältnissen auszugehen sei, habe sich das
Verwaltungsgericht dazu nicht geäussert. Ob es dabei lediglich gegen den
Anspruch auf eine genügende Begründung verstossen oder darüber hinaus
auch unterlassen habe, den massgeblichen Sachverhalt in genügendem
Umfang abzuklären, könne aufgrund der vorliegenden Akten nicht
abschliessend beurteilt werden. Genauso wenig lasse sich beurteilen, ob die
entsprechende Anbaufläche als wildexponiert zu gelten habe und eine dort
angelegte Erdbeerkultur als erheblich gefährdet zu bezeichnen sei.
c) Gegenstand der vorliegenden Beurteilung bildet somit einzig die Anbaufläche
im Gebiet „...“ bzw. die Frage nach der Entschädigungspflicht des Kantons
Graubünden hinsichtlich des Wildschadens in Höhe von Fr. 142'945.--, den
die Beschwerdeführerin in diesem Gebiet erlitten hat.
2. a) Gemäss Art. 17 KJV sind Grundeigentümer, Pächter und Bewirtschafter
verpflichtet, zur Verhütung von Wildschäden die zumutbaren Massnahmen zu
treffen. Zumutbar sind insbesondere das Anlegen von gefährdeten
Intensivkulturen abseits von wildexponierten Gebieten (lit. a) sowie das
Zäunen von erheblich gefährdeten Intensivkulturen (lit. b). Laut Art. 21 Abs. 2
lit. d KJV entfällt der Anspruch auf eine Entschädigung oder er wird
herabgesetzt, wenn der Geschädigte die zumutbaren Massnahmen nicht
getroffen hat.
b) Unbestritten ist, dass die Anbaufläche im Gebiet „...“ nicht wildexponiert im
Sinne von Art. 17 lit. a KJV ist, liegt sie doch - wie auch anlässlich des
Augenscheins festgestellt werden konnte - in einiger Distanz zum Waldrand.
Streitig und zu prüfen bleibt somit, ob es sich dabei um eine erheblich
gefährdete Intensivkultur handelt. Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht,
diese Anbaufläche stelle keine erheblich gefährdete Intensivkultur dar,
weshalb die getroffenen Abwehrmassnahmen grundsätzlich tauglich
gewesen seien und den Anforderungen von Art. 17 KJV entsprochen hätten.
Der Beschwerdegegner stellt sich dagegen auf den Standpunkt, dass die
betreffende Anbaufläche eine erheblich gefährdete Intensivkultur im Sinne
von Art. 17 lit. b KJV sei, deren Schutz eine hinreichende Zäunung erfordere.
c) Das Gericht ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss gelangt,
dass es sich bei der fraglichen Anbaufläche im Gebiet „...“ sehr wohl um eine
erheblich gefährdete Intensivkultur handelt. Die Beschwerdeführerin hat dies
im Prinzip schon in früheren Jahren anerkannt, indem sie die betreffende
Anbaufläche mit einem hohen Zaun schützte. Der am Augenschein
teilnehmende Wildhüter führte hierzu ergänzend aus, dass das ganze zur
Diskussion stehende Gebiet als Wildeinstandsgebiet bezeichnet werden
müsse. Seit Jahren trete das Rotwild in der Nacht aus dem Wald und halte
sich auf den offenen Feldern auf. Im Folgenden kann auf das Urteil des
Bundesgerichts verwiesen werden, welches rechtsverbindlich festgestellt hat,
dass die Einzäunung der beiden Anbauflächen im Gebiet „...“ offensichtlich
ungenügend gewesen sei. Da für die Zäunung der Anbaufläche im Gebiet „...“
dasselbe Material verwendet wurde, muss folglich auch diese als
offensichtlich ungenügend bezeichnet werden. Der von der
Beschwerdeführerin erstellte Zaun war in keiner Weise geeignet, Hirsche am
Eindringen in die Kulturen zu hindern, was auch vom am Augenschein
anwesenden Wildhüter bestätigt werden konnte. Er habe zur betreffenden Zeit
das Treiben der Hirsche während mehrerer Nächte beobachtet. Seinen
Schilderungen zufolge hätten diese den Zaun ohne Schwierigkeiten
übersteigen und auf ebenso leichtem Weg auch wieder aus der Kultur
austreten können. Dass diese Anbaufläche - wie von der Beschwerdeführerin
vorgebracht - erst nach Überschreiten einer Strasse, mehrerer Feldwege
sowie der Passierung mehrerer Gehöfte erreicht werden kann, vermag nichts
daran zu ändern, dass es sich hierbei um eine erheblich gefährdete
Intensivkultur handelt, deren Schutz einer hinreichenden Zäunung bedarf.
Nach dem Gesagten kann somit festgehalten werden, dass die
Beschwerdeführerin auch im Gebiet „...“ - wie bereits im Gebiet „...“ - die ihr
zumutbaren Massnahmen nicht getroffen hat, um den Eintritt eines
Wildschadens zu verhindern.
3. Soweit sich die Beschwerdeführerin erneut auf den Grundsatz des
Vertrauensschutzes beruft, kann sie nicht gehört werden. Entgegen ihrer
Auffassung hat sich das Bundesgericht in seinem Urteil abschliessend dazu
geäussert und dabei festgehalten, dass der Umstand, dass dasselbe Produkt
bei einer anderen landwirtschaftlichen Anbaufläche als genügende
Einzäunung akzeptiert worden sei, kein Vertrauen im Sinne von Art. 9 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
hinsichtlich der Tauglichkeit der von der Beschwerdeführerin getroffenen
Abwehrmassnahme zu begründen vermocht habe. Erstens habe sich die
damalige Auskunft an eine andere Person gerichtet und zweitens habe sie ein
Grundstück betroffen, dessen Wildexponierung und deren örtliche
Gegebenheiten nicht genau bekannt seien. Im Übrigen lasse sich aus der
Bemerkung eines Mitarbeiters des AJF, die streitige Einzäunung könne aus
der Sicht der Jagdgesetzgebung ohne weitere Auflagen geduldet werden,
nicht ableiten, das Amt habe sie auch als zur Abwendung von Wildschäden
genügend beurteilt. Dass der Wildhüter die bestehende Einzäunung gesehen
habe, ohne dagegen etwas einzuwenden, begründe der Beschwerdeführerin
gegenüber ebenfalls keine Vertrauensgrundlage. Dazu sei er weder
verpflichtet gewesen, noch habe für ihn Anlass bestanden, die Geeignetheit
des Zauns zu prüfen.
4. Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, das AJF hätte ab dem 12.
Januar 2006 ohne Weiteres mittels geeigneter Massnahmen weitere
Frassschäden verhindern können. Es habe jedoch erstmals nach rund sechs
Wochen Frass im Gebiet „...“ durch die Jagdaufsicht zwei Hirschkälber
erlegen lassen, was denn auch Wirkung gezeigt habe. Dieser Einwand
erweist sich als unbehelflich. Das Bundesgericht hat diesbezüglich
festgehalten, es habe in erster Linie der Beschwerdeführerin selbst oblegen,
die zum Schutz ihrer Kulturen erforderlichen und zumutbaren
Abwehrmassnahmen zu treffen. Es widerspreche denn auch Art. 13 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere
und Vögel (Jagdgesetz, JSG; SR 922.0) nicht, wenn den Landwirten an Orten
mit erhöhter Gefahr von Wildschäden besondere Vorsichtsmassnahmen
zugemutet würden. Im vorliegenden Fall gebe es keine Hinweise dafür, dass
der Kanton Graubünden einen unangemessen hohen Hirschbestand
zugelassen hätte, seien doch einzelne Regulierungsabschüsse belegt. Es sei
jedoch nicht Sinn der dem Kanton allgemein obliegenden Pflicht,
übermässigen Wildschaden zu verhindern, eine ganze Herde zu eliminieren,
weil sie sich in der Nähe landwirtschaftlicher Kulturen aufhalte.
5. Abschliessend verweist die Beschwerdeführerin auf das Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Februar 2008 (2C_447/2007), wonach der Inhaber
des Jagdregals zur Leistung einer teilweisen Entschädigung für einen
Wildschweinschaden bei einer nicht eingezäunten Bio-Dinkel-Anpflanzung
verpflichtet worden sei, welche lediglich einen Waldabstand von 6 m
aufgewiesen habe. Dabei verkennt sie allerdings, dass im zitierten Urteil nicht
das Bundesgericht selbst, sondern bereits die zuständige kantonale
Jagdkommission den Beschwerdeführern im Rahmen des ihr zustehenden
Ermessens eine um 60% reduzierte Entschädigung zugesprochen hat. Das
Bundesgericht hat einzig festgehalten, dass dieser Entscheid bundesrechtlich
nicht zu beanstanden sei. Ein der Beschwerdeführerin zustehender Anspruch
auf eine Entschädigung bzw. auf eine reduzierte Entschädigung kann daraus
jedenfalls nicht abgeleitet werden. Darüber hinaus ist der Verweis auf das
besagte Urteil schon deshalb unbehelflich, weil es einen Fall im Kanton
Aargau betrifft, weshalb auch die in diesem Kanton massgebenden
Bestimmungen zur Anwendung gelangt sind, wohingegen vorliegend das
Recht des Kantons Graubünden einschlägig ist. Die Kantone können nämlich
- wie aus dem von der Beschwerdeführerin zitierten Urteil ebenfalls
hervorgeht - bei der näheren Regelung der Entschädigungspflicht der
besonderen Situation auf ihrem Territorium Rechnung tragen (Urteil des
Bundesgerichts 2C_447/2007 vom 19. Februar 2008 E. 1.1; vgl. auch das
Urteil des Bundesgerichts 2C_562/2008 vom 28. Januar 2009 E. 2.1).
6. a) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin
die ihr zumutbaren Abwehrmassnahmen zum Schutz ihrer Anbaufläche vor
Wildschäden nicht getroffen hat, weshalb ihr gegenüber dem
Beschwerdegegner kein Entschädigungsanspruch zusteht. Die Beschwerde
ist somit abzuweisen.
b) Bei diesem Ausgang werden die Kosten für das Beschwerdeverfahren der
Beschwerdeführerin bzw. den beiden Gesellschaftern auferlegt (Art. 73 Abs.
1 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR
370.100]. Dem obsiegenden Beschwerdegegner wird keine
Parteientschädigung zugesprochen (Art. 78 Abs. 2 VRG).