Decision ID: 07b07936-0f56-469b-a416-189b250014f3
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Hinderung einer Amtshandlung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirkes Zürich (10. ) vom 10. November 2011 (GG110266)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 5. Oktober 2011
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 26).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte A._ ist schuldig
- der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB sowie
- der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im
Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu
Fr. 30.–, wovon 1 Tagessatz durch Haft erstanden ist, sowie mit einer Busse
von Fr. 300.–.
Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4.1. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ eine Genugtu-
ung von Fr. 300.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 22. Juli 2011 zu bezahlen.
4.2. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers C._ wird abgewiesen.
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5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'800.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(schriftlich, Urk. 41)
1. Die Beschuldigte sei in allen Anklagepunkten von Schuld und Strafe
freizusprechen.
2. Eventualiter sei die Beschuldigte der Hinderung einer Amtshandlung im
Sinne von Art. 286 StGB schuldig zu sprechen und mit einer Geldstrafe
von maximal 5 Tagessätzen zu Fr. 30.- zu bestrafen, wovon 1 Tages-
satz durch Haft erstanden ist.
3. Eventualiter sei der Vollzug der Geldstrafe aufzuschieben und die Pro-
bezeit auf 2 Jahre festzusetzen. Von der Ausfällung einer Busse sei
abzusehen.
4. Der Beschuldigten sei keine Entschädigung oder Genugtuung zuzu-
sprechen.
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5. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers B._ sei abzuweisen,
soweit überhaupt darauf eingetreten werden kann.
6. Die Kosten sowohl der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfah-
rens als auch des Berufungsverfahrens, seien vollumgänglich auf die
Staatskasse zu nehmen. Eventualiter seien diese anteilmässig der Be-
schuldigten aufzuerlegen.
7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien hingegen unabhängig
vom Ausgang des Verfahrens auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat:
(schriftlich, Urk. 45)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I.
1. Die Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung –
Einzelgericht, vom 10. November 2011 wegen Hinderung einer Amtshandlung
sowie mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte schuldig
gesprochen und mit einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer
Busse von Fr. 300.– bestraft (Urk. 40 S. 33). Während der mündlichen Urteilser-
öffnung brach die Beschuldigte zusammen und musste notfallmässig ins Spital
eingewiesen werden, weshalb die mündliche Eröffnung abgebrochen wurde
(Prot. I S. 7 f.; Urk. 31 S. 1). In der Folge wurde der Beschuldigten ein amtlicher
Verteidiger bestellt und das Urteil in begründeter Form schriftlich eröffnet
(Urk. 32). Das begründete Urteil wurde dem amtlichen Verteidiger am 5. März
2012 zugestellt (Urk. Urk. 37/1). Dagegen liess die Beschuldigte mit Eingabe vom
13. März 2012 (Datum Poststempel) rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 38). Die
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Berufungserklärung erfolgte am 24. März 2012 (Urk. 41). Darin liess die Beschul-
digte einen vollumfänglichen Freispruch mit den entsprechenden Folgen beantra-
gen sowie den Beizug der vollständigen IV-Akten der Beschuldigten und die Ein-
holung eines psychiatrischen Gutachtens zur Schuldfähigkeit. Die Staatsanwalt-
schaft verzichtete mit Eingabe vom 30. April 2012 auf Anschlussberufung, bean-
tragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, verzichtete auf weitere Anträ-
ge und erklärte sich mit der schriftlichen Durchführung des Berufungsverfahrens
einverstanden (Urk. 45). Auf Anfrage erklärten sich auch die beiden Privatkläger
mit dem schriftlichen Verfahren einverstanden (Urk. 48).
2. Mit Eingabe vom 25. Juni 2012 schränkte der Verteidiger die Berufung ein,
indem er diese mit Bezug auf den Schuldpunkt ausdrücklich zurückzog. Auch die
Beweisanträge wurden zurückgezogen. Zudem beantragte er, dass sämtliche
Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen seien (Urk. 50). Der Privatklä-
ger B._ reichte am 18. Juni 2012 eine Desinteresseerklärung ein und erklär-
te, auf die von der Vorinstanz zugesprochene Genugtuung zu verzichten
(Urk. 49). Mit Verfügung vom 26. Juni 2012 wurden die beiden Dokumente der
Staatsanwaltschaft zur Stellungnahme zugestellt. Gleichzeitig wurde den Parteien
mitgeteilt, dass über die Berufung aufgrund der vorliegenden Akten entschieden
werde, sollte keine der Parteien eine mündliche Berufungsverhandlung beantra-
gen (Urk. 51). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Stellungnahme zur
Desinteresseerklärung und auf die Durchführung einer mündlichen Berufungsver-
handlung (Urk. 53).
3. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt (vgl. Schmid, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009, N 1
zu Art. 402). Somit ist vorab festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zü-
rich, 10. Abteilung – Einzelgericht, vom 10. November 2011 bezüglich Dispositiv-
ziffern 1 (Schuldspruch) und 4.2 (Abweisung Genugtuung Privatkläger C._)
in Rechtskraft erwachsen ist.
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II.
1. Gemäss Art. 52 StGB sieht die zuständige Behörde von einer Strafverfol-
gung, einer Überweisung an das Gericht oder einer Bestrafung ab, wenn Schuld
und Tatfolgen geringfügig sind. Bezüglich der Vorwürfe gegen die Beschuldigte ist
auf die Anklageschrift zu verweisen (Urk. 26).
2. Zum Verschulden hat schon die Vorinstanz zutreffend festgehalten, dass die
Verletzung des Privatklägers B._ (blutige Kratzer) klar im unteren Bereich
der möglichen Intensität einzuordnen ist. Auch dem Privatkläger C._ wurden
durch den Tritt ins Schienbein nur kurz Schmerzen zugefügt. Bezüglich der Tat-
umstände ist zu berücksichtigen, dass sich die Beschuldigte gegen ihre eigene
Einsperrung wehrte, eine weitergehende Gefährdung von Rechtsgütern der betei-
ligten Polizisten wie auch der öffentlichen Sicherheit geht aus dem Sachverhalt
nicht hervor und wurde von ihr auch nicht angestrebt. Dies gilt auch für die Weige-
rung, sich für den Verhaftsrapport fotografieren zu lassen. Subjektiv ging die Vo-
rinstanz zutreffend von einem Eventualvorsatz aus. Weiter schloss die Vorinstanz
aufgrund des gesamten Tathergangs darauf, dass die Beschuldigte in ihrer Fä-
higkeit, gemäss vorhandener Einsicht in das Unrecht ihrer Tat zu handeln, leicht
eingeschränkt war und billigte ihr eine verminderte Schuldfähigkeit in jedenfalls
leichtem Grade zu (Urk. 40 S. 27 f.).
3. Bezüglich der Tatfolgen ist somit von geringfügigen Verletzungen auszuge-
hen. Die Geringfügigkeit der Tatfolgen wird auch dadurch deutlich, dass der Pri-
vatkläger B._ eine Desinteresseerklärung einreichte (Urk. 49). Insgesamt ist
somit von einem Bagatelldelikt auszugehen. Da sowohl Schuld wie auch Tatfol-
gen geringfügig sind, sind die Voraussetzungen von Art. 52 StGB erfüllt. Aus die-
sen Gründen ist von einer Bestrafung der Beschuldigten abzusehen. Damit erfolgt
auch kein Eintrag der Verurteilung ins Strafregister (Art. 9 lit. b der Verordnung
über das Strafregister).
4. Der vorinstanzliche Kostenentscheid ist vor dem Hintergrund des rechtskräf-
tigen Schuldspruchs grundsätzlich korrekt. In Anbetracht der wirtschaftlichen Ver-
hältnisse der Beschuldigten (Urk. 47/1-7; die Beschuldigte ist IV-Rentnerin) sind
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die Kosten jedoch abzuschreiben. Aus demselben Grund hat die Gerichtsgebühr
für das Berufungsverfahren ausser Ansatz zu fallen. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt der
hier - rein theoretischen - Rückzahlungspflicht von Art. 135 Abs. 4 StPO.