Decision ID: 2a32c366-8db4-51c7-97b9-6e2c44c707f1
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 8. Januar 2020 um die Gewährung von
Asyl in der Schweiz nachsuchte und das SEM die Behandlung seines Ge-
suches im Bundesasylzentrum (BAZ) B._ an die Hand nahm,
dass er anlässlich der Gesuchseinreichung angab, er sei am (...) geboren
und damit noch minderjährig (vgl. Personalienblatt; act. 1059782-1/2),
dass der Beschwerdeführer am 14. Januar 2020 den Mitarbeitenden der
im BAZ B._ tätigen Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht er-
teilte, womit er während des erstinstanzlichen Verfahrens über den Bei-
stand der ihm zugewiesenen Rechtsvertretung verfügte,
dass ihn das SEM am 12. Februar 2020 zu seiner Person und zu seinem
persönlichen Hintergrund, zum Verbleib seiner Reise- und Identitätspa-
piere, zu seinem Reiseweg und summarisch zu seinen Gesuchsgründen
befragte (vgl. act. 1059782-12/15: Protokoll Erstbefragung UMA),
dass er im Rahmen der Befragung sein Geburtsdatum mit dem (...) ([...]
nach afghanischem Kalender) angab und in diesem Zusammenhang Ko-
pien seiner afghanischen Identitätskarte (Tazkara) sowie einer Aufenthalts-
gestattung der deutschen Behörden zur Durchführung des Asylverfahrens
vom (...) zu den Akten reichte,
dass er hinsichtlich des Originals seiner Tazkara ausführte, dieses sei vor
ungefähr vier bis sechs Monaten in Afghanistan in seiner Abwesenheit aus-
gestellt worden, wobei dieses aktuell postalisch zu seiner im Iran wohnhaf-
ten Mutter unterwegs sei,
dass er selbst in der Stadt C._ im Iran geboren und aufgewachsen
sei und nicht wisse, wann seine Eltern von Afghanistan in den Iran gezogen
seien,
dass er vor seiner Einreise in die Schweiz ungefähr (...) lang in Deutsch-
land gelebt habe,
dass ihn die deutschen Behörden zunächst als 17-Jährigen registriert hät-
ten, weil sie die Kopie seiner Tazkara als Beweismittel nicht akzeptiert hät-
ten,
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dass diese auf seinen Protest hin eine Knochenaltersbestimmung vorge-
nommen und sein Alter dann seinen Angaben entsprechend auf 15 Jahre
korrigiert hätten,
dass sein Reiseziel von Anfang an die Schweiz gewesen, er indessen in
Deutschland "erwischt" worden sei,
dass der Schlepper seiner Mutter erklärt habe, er könne ohne Weiteres von
Deutschland in die Schweiz weiterreisen, da ihn das Dublin-Gesetz als
Minderjährigen "nicht betreffe",
dass dem Beschwerdeführer zum Schluss der Befragung das rechtliche
Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach Deutschland gewährt wurde,
dass er sich bei dieser Gelegenheit gegen eine Wegweisung nach
Deutschland aussprach, weil hier in der Schweiz eine entfernt mit ihm ver-
wandte Familie lebe, die er allerdings nicht kenne,
dass er gleichzeitig auf die Frage nach allfälligen gesundheitlichen Beein-
trächtigungen vorbrachte, er sei (...), und er sei in Deutschland in psycho-
logischer Behandlung gewesen,
dass das SEM am 19. Februar 2020 an das Institut für Rechtsmedizin des
Kantonsspitals (IRM) D._ gelangte und dieses um Erstellung eines
Gutachtens zur Altersschätzung ersuchte,
dass das IRM in seinem Gutachten vom 26. Februar 2020 gestützt auf eine
körperliche Untersuchung, zwei verschiedene radiologische Untersuchun-
gen und eine zahnärztliche Untersuchung zum Schluss gelangte, anhand
der erhobenen Befunde habe der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Un-
tersuchung am 21. Februar 2020 das 19. Lebensjahr sicher vollendet, wes-
halb das von ihm angegebene Geburtsdatum (chronologisches Lebensal-
ter von 15 Jahren und 11 Monaten) nicht zutreffen könne,
dass das SEM dem Beschwerdeführer das IRM-Gutachten am 2. März
2020 zur Stellungnahme vorlegte, verbunden mit der Feststellung, auf-
grund aller Anhaltspunkte werde er für das weitere Verfahren als volljährig
betrachtet und sein Geburtsdatum im ZEMIS (SR 142.513) voraussichtlich
von Amtes wegen auf den (...) geändert,
dass er in der Folge mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 5. März
2020 an der geltend gemachten Minderjährigkeit festhielt und er sich mit
einer Änderung seines Geburtsdatums nicht einverstanden erklärte,
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dass dabei geltend gemacht wurde, das SEM habe in seinem Schreiben
vom 2. März 2020 weder die vom Beschwerdeführer eingereichte Kopie
der Tazkara noch die deutsche Aufenthaltsgestattung zur Durchführung
des Asylverfahrens, in denen sein Geburtsdatum mit (...) angegeben sei,
erwähnt, weshalb der Eindruck entstehe, das SEM nehme faktisch keine
Gesamtwürdigung aller für und gegen seine Minderjährigkeit sprechenden
Anhaltspunkte vor, sondern stütze seine Zweifel an seiner Minderjährigkeit
lediglich auf das Altersgutachten,
dass er im Übrigen bereits in Deutschland einer medizinischen Altersschät-
zung unterzogen worden sei, welche seine Minderjährigkeit bestätigt habe,
dass aufgrund der Widersprüchlichkeit der beiden Altersgutachten dasje-
nige der deutschen Behörden für eine erneute Beurteilung beizuziehen sei,
dass die Originale der Tazkara aus dem Iran und der deutschen Aufent-
haltsgestattung unterwegs seien,
dass das Original der Aufenthaltsgestattung dem SEM im März 2020 zu
einem nicht näher bekannten Zeitpunkt zuging,
dass das SEM die deutschen Behörden am 9. März 2020 gestützt auf die
Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist [Dublin-III-VO]), um Über-
nahme des Beschwerdeführers ersuchte,
dass Deutschland dieses Ersuchen am 31. März 2020 zunächst gestützt
auf Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO mit der Begründung ablehnte, man habe die
Altersangaben des Beschwerdeführers insbesondere durch die Vorlegung
seiner Tazkara als glaubhaft angesehen, weshalb kein Altersfeststellungs-
verfahren eingeleitet worden sei und der Beschwerdeführer in Deutschland
als unbegleiteter Minderjähriger gelte,
dass das SEM die deutschen Behörden am 31. März 2020 im Rahmen ei-
nes Remonstrationsverfahrens um neuerliche Überprüfung des Übernah-
meersuchens bat,
dass es zunächst darauf hinwies, der Beschwerdeführer habe laut dem
Schweizer Altersgutachten das 19. Altersjahr sicher vollendet,
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dass er überdies in der Schweiz bloss eine Kopie seiner Tazkara zu den
Akten gereicht und gleichzeitig angegeben habe, das Original derselben
werde von Afghanistan in den Iran und von dort in die Schweiz geschickt,
dass die deutschen Behörden deshalb um nähere Angaben zu der in
Deutschland eingereichten Tazkara ersucht würden,
dass die deutschen Behörden am 1. April 2020 auf ihren ablehnenden Ent-
scheid vom 31. März 2020 zurückkamen und erklärten, Deutschland sei zu
einer Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1
Bst. b Dublin-III-VO bereit,
dass das SEM dem Beschwerdeführer am 6. April 2020 das rechtliche Ge-
hör zu den weiteren Abklärungsergebnissen im Verlauf des Dublinprozes-
ses (kein Altersfeststellungsverfahren in Deutschland bezüglich des Be-
schwerdeführers; keine Zustellung von Originaldokumenten durch
Deutschland, Zustimmungserklärung der deutschen Behörden vom 1. April
2020) gewährte,
dass die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers in ihrer Stellungnahme
vom 8. April 2020 festhielt, ihr Mandant verstehe nicht, weshalb die deut-
schen Behörden behaupten würden, es sei in Deutschland kein Altersfest-
stellungsverfahren eingeleitet worden, sei sein Alter in Deutschland doch
gestützt auf seine Altersangaben und die Tazkara nach ärztlicher Untersu-
chung auf 15 Jahre korrigiert worden,
dass deshalb gestützt auf Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO die Schweiz für die
Durchführung des Asylverfahrens zuständig und folglich auf die Überstel-
lung nach Deutschland zu verzichten sei,
dass das SEM mit Verfügung vom 15. April 2020 – eröffnet am 16. April
2020 – in Anwendung der Bestimmungen zum Dublin-Verfahren und ge-
stützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht eintrat und dessen Wegweisung aus der Schweiz
nach Deutschland anordnete,
dass es gleichzeitig eine Ausreisefrist auf den Tag nach Ablauf der Be-
schwerdefrist ansetzte, den Kanton E._ mit dem Vollzug der Weg-
weisung beauftragte, dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten
aushändigte und festhielt, einer Beschwerde gegen diese Verfügung
komme keine aufschiebende Wirkung zu,
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dass das SEM im Rahmen seiner Entscheidbegründung zunächst die be-
hauptete Minderjährigkeit als nicht glaubhaft gemacht erklärte,
dass es sodann auf die Zuständigkeit von Deutschland gemäss Dublin-III-
VO verwies und festhielt, es sprächen keine Gründe gegen eine Wegwei-
sung in diesen Staat, da weder die in Deutschland herrschenden Verhält-
nisse noch individuelle Gründe gegen eine Überstellung sprechen würden,
da unter anderem kein Anlass zur Annahme bestehe, dass in Deutschland
der Zugang zu notwendiger medizinischer Behandlung nicht gewährleistet
sei,
dass für die weiteren Einzelheiten der Begründung auf die angefochtene
Verfügung zu verweisen ist,
dass der Beschwerdeführer am 23. April 2020 gegen den Nichteintretens-
und Wegweisungsentscheid des SEM mittels der ihm zugewiesenen
Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhob,
dass er dabei beantragte, die Verfügung des SEM vom 15. April 2020 sei
vollständig aufzuheben, das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch ein-
zutreten und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen,
eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen,
dass er weiter beantragte, es sei der vorliegenden Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien im Sinne
einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme unverzüglich anzu-
weisen, von seiner Überstellung nach Deutschland abzusehen, bis das
Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung
entschieden habe,
dass er schliesslich um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte,
dass in der Beschwerde zunächst an der vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Minderjährigkeit festgehalten wird, wobei nochmals auf die
dem SEM vorgelegte Kopie der Tazkara und die dort im Verlaufe des März
2020 im Original deponierte Aufenthaltsgestattung der deutschen Behör-
den verwiesen und eingewendet wird, das SEM habe keine Gesamtabwä-
gung der für und wider seine Minderjährigkeit sprechenden Argumente vor-
genommen,
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und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG
und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass sich die vorliegende Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als
offensichtlich unbegründet erweist, weshalb über die Beschwerde in ein-
zelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder
einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass der Beschwerdeführer gemäss Aktenlage von Deutschland herkom-
mend in die Schweiz eingereist ist und er in Deutschland insgesamt (...)
gelebt und die 8. Schulklasse besucht haben will,
dass bei dieser Ausgangslage Deutschland für die Behandlung seines
Asylgesuches zuständig ist, da das Zuständigkeitskriterium nach Art. 13
Abs. 1 bzw. Abs. 2 Dublin-III-VO erfüllt ist, was von Deutschland am 1. April
2020 ausdrücklich anerkannt worden ist,
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dass sich Deutschland zu einer Wiederaufnahme des Beschwerdeführers
gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO – und damit zwecks Fortsetzung
seines dort hängigen Asylverfahrens – bereit erklärt hat,
dass das Zuständigkeitskriterium nach Art. 13 Dublin-III-VO zurückzutreten
hätte (gemäss Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), wenn von der Minderjährigkeit
des Beschwerdeführers auszugehen wäre, da in Art. 6 und 8 Dublin-III-VO
verschiedene Garantien für Minderjährige verankert sind, darunter die Ga-
rantie, dass im Falle eines unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre An-
knüpfungspunkte jener Staat zuständig ist, in dem er seinen Antrag gestellt
hat (Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO), weshalb Minderjährige von Wiederaufnah-
meverfahren ausgenommen sind (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Ver-
ordnung, 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8),
dass allerdings eine geltend gemachte Minderjährigkeit von der asylsu-
chenden Person zu beweisen ist, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und
andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen, da sie die Beweislast dafür
trägt, auch wenn das SEM die entscheidrelevanten Sachverhaltsmomente
von Amtes wegen festzustellen hat (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5 ff.),
dass vom Beschwerdeführer die geltend gemachte Minderjährigkeit ledig-
lich behauptet wird, aufgrund der Aktenlage jedoch insgesamt nichts dafür-
spricht, dass er im Zeitpunkt der Antragstellung tatsächlich noch minder-
jährig war,
dass in diesem Zusammenhang vorab festzustellen ist, dass er den
Schweizer Asylbehörden lediglich eine Kopie seiner Tazkara vorgewiesen
und bei der Erstbefragung gleichzeitig – ohne dies zu belegen – behauptet
hat, das Original derselben sei vor etwa vier bis sechs Monaten in seiner
Abwesenheit in Afghanistan ausgestellt worden und aktuell unterwegs zu
seiner Familie im Iran (vgl. act. 1059782-12/15 S. 3 Ziff. 1.06),
dass bereits diese Ausführungen erhebliche Zweifel an der Authentizität
seiner Tazkara wecken,
dass auch den Altersangaben in der Aufenthaltsgestattung der deutschen
Behörden nur ein geringer Beweiswert zukommt, wird doch in besagtem
Dokument ausdrücklich festgehalten, die darin enthaltenen Angaben zur
Person beruhten auf den eigenen Angaben des Inhabers,
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dass die deutschen Behörden ferner bestätigt haben, dass in Deutschland
entgegen den Behauptungen des Beschwerdeführers bezüglich dessen
Person nie ein Altersfeststellungsverfahren durchgeführt worden ist,
dass sich damit die Behauptung des Beschwerdeführers vor den Schwei-
zer Asylbehörden, es lägen hinsichtlich seiner Person zwei einander wider-
sprechende Altersgutachten vor, als tatsachenwidrig erweist,
dass mithin die Aussage des Beschwerdeführers gegenüber den deut-
schen und Schweizer Behörden, er sei am (...) geboren und somit minder-
jährig, eine reine Parteibehauptung darstellt,
dass demgegenüber ein überzeugendes interdisziplinäres Gutachten vor-
liegt, laut dem er "das 19. Lebensjahr sicher vollendet" habe,
dass bei dieser Ausgangslage die vorgebrachte Minderjährigkeit überein-
stimmend mit dem SEM als nicht glaubhaft gemacht zu erachten ist,
dass letztlich auch die Tatsache, dass die deutschen Behörden im Rahmen
des Remonstrationsverfahrens einer Rückübernahme des Beschwerde-
führers zugestimmt haben, nur den Schluss zulässt, dass sie sich der Ein-
schätzung der Schweizer Behörden angeschlossen haben, wonach der
Beschwerdeführer als volljährig zu betrachten sei,
dass nach dem Gesagten dem Zuständigkeitskriterium nach Art. 13 Abs. 1
bzw. Abs. 2 Dublin-III-VO kein anderes, vorrangiges Kriterium entgegen-
steht,
dass damit die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid in Anwendung
von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG und die Anordnung einer Wegweisung
nach Deutschland gegeben ist,
dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Antragsteller in Deutschland wiesen systemische
Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf,
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO),
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dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-
mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür
gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre,
dass die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers in der Beschwerde ab-
gesehen von der Altersfrage keine weiteren Gründe anführt, welche gegen
dessen Überstellung nach Deutschland sprechen könnten,
dass Deutschland Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt,
dass den Akten denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen
sind, Deutschland werde im Falle des Beschwerdeführers den Grundsatz
des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwin-
gen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden,
dass ferner davon auszugehen ist, Deutschland anerkenne und schütze
die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäi-
schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge-
meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna-
tionalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni
2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die in-
ternationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass nach dem Gesagten kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asyl-
gesuch respektive für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO ersichtlich ist,
dass in diesem Zusammenhang anzumerken bleibt, dass das SEM die vor-
liegende Sache auch unter dem Aspekt von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 (SR
142.311) einer gesetzeskonformen Würdigung unterzogen hat (vgl. dazu
BVGE 2015/9 E. 7 f.), zumal es sich beim Beschwerdeführer nicht um eine
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Person handelt, deren spezifische Bedürfnislage mehr als eine bloss sum-
marische Auseinandersetzung unter diesem Titel erfordern würde,
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und
– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts-
oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die
Überstellung nach Deutschland angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be-
stätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet
abzuweisen ist,
dass es nach der Abweisung der Beschwerde einer Auseinandersetzung
mit dem Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung (nach Art. 107a
AsylG) nicht bedarf, da dieser Antrag – wie auch das Gesuch um Befreiung
von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) – mit vor-
liegendem Urteil in der Hauptsache gegenstandslos geworden ist,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab-
zuweisen ist, da sich die Beschwerde nach dem Gesagten als von Anfang
an aussichtslos erwiesen hat,
dass demnach die Kosten des Verfahrens von Fr. 750.– dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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