Decision ID: b6f89730-6f96-4d8b-a08a-905ea40df846
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966,
war vom
1
6
.
August 2009 bis zum 28
.
Februar 2013
bei der Gemeinde
Z._
(Kanton Zürich) als Primarlehrerin angestellt und damit bei der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich für die berufliche Vorsorge versichert (
Urk.
10/3-5). Vom 2
8.
November 2012 bis zum 3
1.
Juli 2013 war sie bei der Gemeinde
A._
(Kanton Zug) angestellt und bei der Zuger Pensionskasse vorsorgeversichert (
Urk.
2/4). Ab August 2013 war
X._
arbeitslos. Wegen einem chronischen Alkoholabusus, aktuell abstinent, sowie einer depressiven Episode
wurde
sie am 1
1.
Februar 2015
(Eingangs
datum
) be
i der Invalidenversicherung zur Früherfassung
gemeldet
(Urk 14/1).
Mit Be
schluss vom 1
8.
Februar 2015 ernannte die Kinder- und Erwachsenen
schutz
behörde (KESB) Ausserschwyz für
X._
einen Beistand mit den Aufgaben, stets für eine geeignete Wohnsituation besorgt zu sein und sie beim Erledigen der administrativen sowie finanziellen Angelegenheiten zu vertreten (
Urk.
14/9).
Am
9
.
Juni 2
015 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an (
Urk.
14/5).
Die
IV-Stelle Schwyz nahm diverse
Abklärungen vor und sprach
X._
schlies
s
lich mit Verfügung vom 1
0.
Februar
2017 basierend
auf einem Invalidi
tätsgrad von 76
%
ab dem
1.
Dezember 2015 ein
e ganze Invalidenrente zu (Urk.
14/45,
Urk.
14/48). Diese Verfügung wurde der BVK, nicht aber der Zuger Pensionskasse eröffnet (
Urk.
14/48).
In der Folge lehnten sowohl die BVK als auch die Zuger Pensionskasse die Ausrichtung von Invaliden
leistungen für
X._
ab (
Urk.
2/5,
Urk.
2/6).
2.
Am 1
3.
Juli 2018 erhob
X._
durch Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
gegen die BVK (Beklagte 1) sowie die Zuger Pensionskasse (Beklagte 2) Klage mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
«1.
Es seien der Klägerin zulasten der Beklagten 1 die gesetzlich und regle
mentarisch geschuldeten Leistungen inkl. Zins zu 5
%
ab heute aufgrund der seit 1
2.
April 2012 aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit zuzusprechen.
2.
Eventualiter seien der Klägerin zulasten der Beklagten 2 die gesetzlich und reglementarisch geschuldeten Leistungen inkl. Zins zu 5
%
ab heute auf
grund der seit
1.
August 2013 aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit zuzu
sprechen.
3.
Es seien die Beklagten 1 und 2 zu verpflichten, ihre vollständigen Dossiers mit den Berechnungsgrundlagen für eine gesetzliche und reglementarische Rente zu edieren und detailliert zu begründen.
4.
Es sei der Klägerin Gelegenheit zu geben, nach Edition der gesamten Akten, Berechnungen und Begründungen zur Höhe der geschuldeten Renten Stel
lung zu nehmen.
5.
Evtl. sei die Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Direktion, Postfach, 8050 Zürich, beizuladen.
6.
Es sei der Klägerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche
Rechtsbeiständin
zu bewilligen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten 1 bzw. der Beklagten
2 (inkl. 7,7
%
MWST
).»
Die Beklagte 2 mit Klageantwort vom
6.
September 2018 (
Urk.
6) und die Be
klagte 1 mit Klageantwort vom 2
0.
September 2018 (
Urk.
9) ersuchten um Abwei
sung der gegen sie gerichteten Klage. Mit Verfügung vom 2
4.
September 2018 (
Urk.
11) wurden die Akten der Invalidenversicherung beigezogen (Urk. 14/1-59). Mit Replik vom 1
1.
Dezember 2018 hielt die Klägerin an ihren Anträgen fest (
Urk.
18).
Ebenso hielt die Beklagte 1 mit Duplik vom 3
1.
Januar 2019 an ihre
n
Anträgen fest (
Urk.
21), was den Parteien am 1
5.
April 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
23).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden von der
je
nigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher der Ansprecher bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, angeschlossen war
(Art. 23
lit
. a des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG]). Die Leistungspflicht setzt einen engen sachlichen und zeit
lichen Zusammenhang zwischen der während der Dauer des Vorsorgever
hält
nisses (einschliesslich der Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) be
stan
de
nen Arbeitsunfähigkeit (Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bishe
rigen Beruf von zumindest 20 Prozent; BGE 136 V 65 E. 3.1 S. 68; 134 V 20 E. 3.2.2 S. 23; SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143 E. 2.3 mit Hinweisen, 9C_127/2008) und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus (BGE 130 V 270 E. 4.1 S. 275).
1.2
Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat, im Wesentlichen der gleiche ist wie derjenige, auf welchem die Erwerbsunfähigkeit beruht (BGE 134 V 20 E. 3.2 S. 22).
1.3
Die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die ver
sicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidi
tät geführt hat, nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig war. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu berück
sichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische Beur
teilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umständen zählen auch die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass ein Versicherter über längere Zeit hinweg als voll vermittlungsfähiger Stellensuchender Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Mit Bezug auf die Dauer der den zeitlichen Konnex unterbrechenden Arbeitsfähigkeit kann die Regel von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) als Richtschnur gel
ten. Nach dieser Bestimmung ist eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Bestand während mindestens drei Monaten wieder volle Arbeitsfähigkeit und erschien gestützt darauf eine dauerhafte Wiedererlangung der Erwerbsfähig
keit als objektiv wahrscheinlich, stellt dies ein gewichtiges Indiz für eine Unter
brechung des zeitlichen Zusammenhangs dar. Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als Eingliederungsversuch zu werten ist oder massgeblich auf sozialen Erwägungen des
Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung unwahrscheinlich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 S. 22 mit Hinweisen).
Diese Grundsätze gelten sinngemäss auch, wenn eine Vorsorgeeinrichtung ihre Leistungspflicht mit der Begründung verneinen will, eine berufsvorsorgerecht-
lich
bedeutsame Arbeitsunfähigkeit habe bereits vor Beginn des
Vorsorgever-hält
nisses
bestanden und ohne wesentliche Unterbrechung bis zum Beginn der Versicherungsdeckung angedauert (Urteil 9C_273/2012 vom 20. November 2012 E. 4.1.2 mit Hinweis).
1.4
Es wird zwar in der Regel, aber nicht in jedem Fall, zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit zum
rechtsgenüglichen
Nachweis einer be
rufs
vorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen verlangt (vgl. Bundesgerichtsurteile 8C_195/2009 vom 2. September 2009 E. 5 und 9C_96/2008 vom 11. Juni 2008 E. 3.2.2). Immerhin reichen nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jahren rück
wirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit nicht aus (Bun
des
gerichtsurteil 9C_368/2008 vom 11. September 2008 E. 2 mit Hinweisen). Die gesundheitliche Beeinträchtigung muss sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben; die Einbusse an funktionellem Leistungs
ver
mögen muss mit anderen Worten arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten sein, etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte aus dem Rahmen fallende ge
sund
heitlich bedingte Arbeitsausfälle (SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143 [9C_127/2008 E. 2.3]; SVR 2008 IV Nr. 11 S.
32 [I 687/06 E.
5.1]; Bundesgerichtsurteil 9C_362/2012 vom 6. Juni 2012 E. 5.2.1 mit Hinweis).
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
ver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 271 E. 2a, 120 V 108 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des
Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer
gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126
V 311 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklä
run
g
en freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Fest
le
gung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 4 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung bzw. das Berufs
vorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts in Sachen R. vom 23. Febru
ar 2010, 9C_49/2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(Art. 73
ter
IVV) einbezogen und ihr die
Rentenverfü-gung
formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts in Sachen S. vom 16. Juni 2010, 9C_81/2010, E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsor
ge
einrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grund
sätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 273 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungs
weise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditäts
be
messung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
Die Klägerin macht geltend, die Invalidenversicherung sei aufgrund ihrer verspäteten Anmeldung lediglich gehalten gewesen, die Arbeitsunfähigkeit für die Zeit ab dem
1.
Dezember 2014 abzuklären. Die Feststellung der Invaliden
versicherung betreffend den Beginn der Arbeitsunfähigkeit per August 2013 sei somit im vorliegenden Verfahren nicht bindend und könne frei überprüft werden.
Der sachliche Konnex zwischen dem Gesundheitsschaden, welcher zur Arbeitsun
fähigkeit während den
jeweiligen Versicherungsverhältnissen mit den Beklagten geführt habe und demjenigen, welcher zur invalidisierenden Erwerbs
unfähigkeit geführt habe, sei gegeben. Bezüglich der Frage des zeitlichen Zusammenhangs sei auf das von der Invalidenversicherung eingeholte Gutachten der MEDAS
B._
vom
3.
März 2016 zu verweisen, in welchem die Ärzte zweifellos zum Schluss gekommen seien, dass der Beginn der reduzierten Arbeitsfähigkeit auf den 1
2.
April 2012 falle, auf den Zeitpunkt der ersten
Hospitalisation
in der
C._
. Diese Feststellung sei schlüssig und nachvoll
ziehbar. Von diesem Zeitpunkt an seien w
iederkehrend Klinikaufenthalte erfolgt, so sei die Klägerin alleine über zehn Mal in der
C._
gewesen. Bei Austritt aus der Klinik sei sie praktisch immer zu 100
%
oder 50
%
arbeitsunfähig gewesen. Ihre volle Leistungsfähigkeit habe sie nie mehr erlangt. Selbst wenn sie in der Zeit von Januar bis Juli 2013 ein volles Einkommen erzielt habe, sei sie nicht voll leistungsfähig gewesen. Bei Ein
tritt der Arbeitsunfähigkeit sei
die Klägerin bei der Gemeinde
Z._
tätig gewesen und sie habe sich seither nicht mehr in einer Weise erholt, dass von einer Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs ausgegangen werden könnte. Die Beklagte 1 habe demnach Invaliden
leistungen zu erbringen. Im
Fall, dass wider Erwarten vom Eintritt der massgeblichen Arbeitsunfähigkeit per
1.
August 2013 ausgegangen würde, sei di
e Beklagte 2 leistungspflichtig, da die Arbeitsunfähigkeit während der Nachdeckungsfrist des Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten 2 eingetreten sei
(
Urk.
1).
Es treffe nicht zu, dass die Klägerin nicht bereits während des Versicherungs
verhältnisses mit der Beklagten 1 aufgrund ihrer narzisstisch-
histrionischen
Per
sönlichkeitsstörung in ihrer Arbeitsfäh
igkeit eingeschränkt gewesen
und deshalb der sachliche Konnex zu verneinen sei. Vielmehr ergebe sich aus den Akten, dass die Klägerin während des Versicherungsverhältnisses mit der Beklagten 1 mehr
fach psychiatrisch habe hospitalisiert werden müssen und sie in dieser Zeit nicht nur wegen ihrer Suchtproblematik, sondern auch wegen ihrer Persönlich
keits
störung arbeitsunfähig gewesen sei. Die Klägerin sei seit Mai 2012 als Lehrerin stark beeinträchtigt gewesen und es habe im Frühjahr 2013 fest
gestellt werden müssen, dass überhaupt keine Arbeitsfähigkeit als Lehrerin mehr vorliege.
Ob
wohl die Klägerin bereits ab Dezember 2012 eine neue Stelle angenommen habe, habe sich die Prognose, dass sie länger in ihrer Arbeitsfähig
keit eingeschränkt sei, als richtig erwiesen, sei die Klägerin doch bereits im Februar 2013 erneut ausgefallen und habe ab März 2013 ihre Arbeit überhaupt nicht mehr aufnehmen können. Die IV-Stelle habe den Eintritt der Arbeitsun
fähigkeit in offensichtlich unhaltbarer Weise festgestellt, da sie
angenommen habe, die Klägerin habe bei der Gemeinde
A._
von Dezember 2012 bis Juli 2013 durchgehend gear
beitet, obwohl sich aus den Akten ergebe, dass
die Klägerin bereits zwei Mal im Januar und Februar 2013 und ab dem 13. März 2013 bis zur Beendigung der Anstellung bei der Gemeinde
A._
ohne Unterbruch
in stationärer psyc
hia
trischer Behandlung gewesen sei. Es sei damit gestützt auf das
Medas
-Gutachten davon auszugehen, dass die Klägerin sei
t
Mai 2012 dauerhaft in ihrer Arbeits
fähigkeit als Lehrerin eingeschränkt sei
. Während der Anstellung bei der Ge
meinde
A._
sei die Klägerin nur noch für kurze Zeit arbeitsfähig gewesen, weshalb nicht von einem Unterbruch des zeitlichen Zusammenhangs ausge
gangen werden könne. De facto sei es ihr nicht mehr gelungen, als Lehrerin Fuss zu fassen
(Urk. 18).
2.2
Demgegenüber führt die Beklagte 1 aus, der sachliche Zusammenhang zwischen dem der Invalidität zugrundeliegenden Gesundheitsschaden und dem während der Versicherungszeit bei der Beklagten 1 erlittenen Gesundheitsschaden sei nicht gegeben. Während der Versicherungszeit mit der Beklagten 1 sei alleine das Sucht
geschehen infolge des übermässigen Alkoholkonsums der Klägerin
im Vor
dergrund gestanden. Dieses
habe keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit bewirkt. Die die dauerhafte Arbeitsunfähigkeit verursachende Persönlichkeitspathologie sei erst nach der Versicherungszeit b
ei der Beklagten 1 aufgetreten. Die Klägerin sei sodann während der Zeit vom 2
8.
November 2012 bis zum 3
1.
Juli 2013 bei der Gemeinde
A._
angestellt gewesen und der Aktenlage seien für diese Zeit keine längerdauernden Arbeitsunfähigkeiten zu entnehmen. Die Klägerin habe ein volles Einkommen erwirtschaftet. Nach Beendigung des Arbeitsver
hält
nisses bei der Gemeinde
A._
habe sie Arbeitslosenent
schädigung bezo
gen und sei von Februar bis März 2014 sowie von April bis Juni 2014 erwerbs
tätig gewesen. Selbst wenn der sachliche Zusammenhang bejaht würde, sei damit jedenfalls der zeitliche Zusammenhang unterbrochen (
Urk.
9).
Die während dem Versicherungsverhältnis mit der Beklagten
1
bestehenden Arbeits
unfähigkeiten seien nicht von langdauerndem Ausmass, sondern auf Einzeltage bzw. sehr kurze Zeiträume beschränkt gewesen.
Folglich sei die Klägerin rein suchtbedingt arbeitsunfähig gewesen. Eine dauerhafte Arbeitsun
fähigkeit habe sich erst später entwickelt
(
Urk.
21)
.
2.3
Die Beklagte 2 führt aus, die massgebliche Arbeitsunfähigkeit der Klägerin sei
bereits vor dem Stellenantritt bei der Gemeinde
A._
und somit vor Beginn des Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten 2 eingetreten. Nachdem die Klägerin im
Zeitraum vom
1.
Januar 2010 bis zum 3
1.
Dezember 2012 wiederholt arbeits
unfähig gewesen sei und habe hospitalisiert werden müssen, sei sie kurz nach Stellenantritt bei der Gemeinde
A._
am 2
8.
Januar 2013 wieder zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Die Klägerin sei damit vor Beginn des Vorsorgever
hältnisses mit der Beklagten 2 invalid geworden und die Beklagte 2 sei nicht leistungspflichtig (
Urk.
6).
3.
3.1
Gemäss dem Arztbericht
des Hausarztes
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, vom 2
0.
Juni 2015 (
Urk.
14/12/1-2) bestehen bei der Klägerin
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein (1) schweres Alkohol
abhängigkeitssyndrom mit psychischen und Verhaltensstörungen sowie ein (2) Abhängigkeitssyndrom durch Sedativa und Hypnotika, mit psych
ischen und Ver
haltensstörungen und
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Status nach Magenbypass-Operation 201
1.
Die Klägerin
sei zuletzt vom 1
6.
bis zum 22.
Mai 2015 in der
C._
hospitalisiert gewesen. Daneben habe es auch diverse
Hospitalisationen
im Spital
E._
und der
F._
geg
eben. Es bestehe keine Arbeits
fähigkeit mehr. Früher sei die Klägerin als Oberstufenlehrerin tätig gewesen. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden.
3.2
Aus den Austrittsberichten
der
C._
(
Urk.
14/16) ist ersichtlich,
dass die Klägerin
zwischen April
2012 und Mai 2015 insgesamt 11
Mal
in der Klinik
hospitalisiert war
, wovon alleine zwischen April 2012 und Oktober 2012 6 Mal
. Die Einweisungen erfolgten primär aufgrund des Alkoholab
hängigkeitssyndroms.
Die Klägerin zeigte sich aber jeweils wenig bereit für eine über die Behandlung der körperlichen Symptome hinausgehende
vertie
fte Aus
ein
andersetzung mit ihrer
Suchtpr
oblematik
, so dass es teilweise nur sehr kurze Zeit nach den
Entlassung
en
zu
Rückfällen und
erneuten Einweisung
en
in die Klinik –
auch zwangsweise
per Fürsorgerische Unterbringung (FU) – kam.
Im Be
richt über die vom 2
6.
September bis
zum
2.
Oktober 2012 dauernde 6.
Hospi
ta
lisation
hielten die Ärzte der Klinik fest, die Klägerin sei durch ein anstehendes klärendes Mitarbeitergespräch überfordert gewesen und habe ein massives Rückfallgeschehen entwickelt. Durch den Klinikeintritt habe sie psychisch stabilisiert werden können. Das Mitarbeitergespräch habe in der Klinik durch
geführt werden können und die Klägerin sei durch die Klärung beruflicher Belas
tungsfaktoren entlastet worden. Dennoch müsse bezüglich der Alkoholprob
le
matik weiterhin von einer reduzierten Krankheitseinsicht und reduzierter Be
hand
lungsbereitschaft ausgegangen werden. An der Abstinenz
motivation der Klägerin
ergäben sich grundsätzliche Zweifel.
Die Klägerin sei per sofort von ihrer Arbeit bis zum Ende des laufenden Schuljahres freigestellt. Sie sei zu 0
%
arbeitsfähig. Die weitere Beurteilung sei durch den
Nachbehandler
vorzunehmen.
3.3
Laut dem Austrittsbericht der
G._
vom
6.
August 2013
(
Urk.
19)
befand sich die Klägerin vom 1
3.
März bis zum 1
7.
Juli 2013 in stationärer Be
hand
lung
in der Klinik
.
Es bestünden ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, derzeit in beschützender Umgebung abstinent (ICD-10: F10.21), eine rezidivierend de
pressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4) sowie eine kombiniert narzisstisch-
histrionische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0), Differential
diag
nose: manisch-depressive Störung. Die Klägerin sei anfangs durch ihre ge
hobene Stimmung und ihr distanzloses Verhalten aufgefallen. Ihr submanisches Zustandsbild mit beschleunigtem Gedankengang und vermehrtem Redefluss hätten enge Strukturen notwendig gemacht.
Dies wie auch die Kritik an ihrem Verhalten habe die Klägerin zu dieser Zeit kaum akzeptieren können. Sie habe sich selber als jemand mit hoher sozialer Kompetenz und ausgezeichneten Fähigkeiten angesehen, weshalb sie überzeugt gewesen sei, beste Voraus
setz
ungen zum Gelingen der Therapie mitzubringen und mit ihren Qualifikationen schnell wieder eine neue Anstellung finden zu können. Die Grössenphantasien hätten sie anfangs zu einer Aussenseiterin in der Gruppe gemacht. Die diagnos
tische Einordnung sei schwierig gewesen. Es sei aber eine medikamentöse Be
handlung begonnen worden, welche einen deutlichen Stimmungsausgleich erbracht habe. Ihr distanzloses Verhalten sei verschwunden, die Klägerin habe aber in der Gruppe nach wie vor ausgesprochen viel Raum
für sich
in Anspruch genommen.
Einsichts- und Kritikfähigkeit sei
en
nun vorhanden gewesen, die Klägerin habe entgegen ihrer anfänglichen Überzeugung auch eingesehen, dass sie keine neue Arbeitsstelle finden könne.
Sie
habe sich zunehmen
d
besser mit ihren Problemen auseinandersetzen können
.
Der Prozess habe
aber erst gegen Ende der
Hospitalisation
begonnen und es bleibe fraglich, ob es genügen werde, um die Abstinenz nach Austritt zu gewährleisten.
Die Klägerin sei Primarlehrerin und befinde sich in einem befristeten Arbeitsver
hältnis, das Ende Juli auslaufe. Sie habe von Beginn an eine starke Motivation gezeigt, eine weiterführende Arbeitsstelle zu finden. Sie sei bei der Stellensuche aber mit vielen Absagen und Enttäuschungen konfrontiert gewesen. Sie habe immer wieder neue Energie gefunden, um sich weiter zu bewerben, sei jedoch bis zum Klinikaustritt erfolglos geblieben.
3.4
Gemäss dem Bericht des
H._
des Kantons Schwyz vom 2
9.
Juli 2015 (
Urk.
14/13) bestehen bei der Klägerin psychische und
Verhaltensstörungen durch Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.23), geg
en
wärtig abstinent, in Behandlung mit aversiven Medikamenten, psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa und
Hypnotica
(ICD-10 F13.2) sowie eine kombiniert narzisstisch-
histrionische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0). Die Klägerin sei in einem problematischen Elternhaus aufgewachsen, beide Eltern hätten Alkoholprobleme gehabt. Im Alter von 15 Jahren hätten sich die Eltern scheiden lassen, die Klägerin sei beim Vater geblieben. Sie habe eine Ausbildung zur Lehrerin absolviert und danach an verschiedenen Stellen unterrichtet. Von 2009 bis 2012 sei sie als Primarschullehrerin in
Z._
tätig gewesen, danach sei eine befristete Stelle bis Juli 2013 in
A._
gefolgt. Seither habe die Klägerin nur noch befristete Stellen gehabt. Mit dem Alkoholkonsum (damals
Sc
hnaps) habe die Klägerin
im Lehrerinnenseminar begonnen.
Bereits damals h
abe sie grössere Mengen konsumiert, nach eigenen Angaben aber mit abstinenten Phasen. Nach der Scheidung
ihrer Ehe im Jahr 1995 habe sie
ungefähr ein Flasche Weisswein pro Tag getrunken, im Verlauf der Zeit habe sie die Menge auf 2 bis 3 Flaschen gesteigert. Aktuell sei sie abstinent mit
Antabuseinnahme
und befinde sich in einer stabilen Phase. Bei Weiterführung der
Antabuseinnahme
und des engmaschigen Settings könne von einer anfänglichen Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ausgegangen werden.
Die bisherige Tätigkeit sei der Klägerin noch zumut
bar in einem zeitlichen Rahmen von vier Stunden pro Tag.
Die Klägerin sei seit 2010 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Sie benötige einen ruhigen Arbeits
platz und eine einfache Tätigkeit.
3.4
Laut dem polydisziplinären Gutachten der MEDAS
B._
vom
3.
März 2016 (
Urk.
14/30) bestehen bei der Klägerin ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, derzeit abstinent (ICD-10 F10.20), eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig remittiert (ICD-10 F33.4) sowie eine kombiniert narzisstisch-
histrionische
Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen Persönlichkeits
anteilen und Aff
ek
t
verflachung
(ICD-10 F61.0). Klinisch fänden sich bei der Klägerin akzen
tuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen,
histrionischen
und abhängigen Persönlichkeitszügen. Ihre Selbstwahrnehmung sei stark beeinträch
tigt. Es sei davon auszugehen, dass die akzentuierten Persönlichkeits
züge bereits vor 11 Jahren bestanden und die Klägerin in der Arbeitsfähigkeit nicht beeinträcht
igt hätten. D
ie akzentuierten Persönlichkeitszüge in Kombination mit dem jahre
langen übermässigen Alkoholkonsum
hätten sich
weiter verstärkt und zu einer psychischen Wesensveränderung mit Affektverflachung und einge
schränkter Selb
st
wahrnehmung
geführt
. Die
histrionischen
Persönlichkeits
züge seien als Ausdruck zu werten, die affektive Verflachung zu überspielen.
Zurzeit wohne die Klägerin in einer beschützten Umgebung, in welcher sie das
psycho-physische
Gleichgewicht stabil halten könne. Dieses sei hochlabil. Die psychische Belast
barkeit sei krankheitswertig beeinträchtigt.
Als Lehrerin sei die Klägerin zurzeit und mittelfristig nicht arbeitsfähig. In der aktuellen psychophysischen Verfas
sung sei sie keinem Arbeitgeber zumutbar. Sie verfüge über gute Ressourcen, in einer geeigneten Verweisungstätigkeit sei die Leistungsfähigkeit ausgehend von einem 50%-Pensum allenfalls
steigerbar
. Bezüglich des Beginns der Arbeitsun
fähigkeit sei festzuhalten, dass abgestützt auf die medizinischen Akten die Klägerin seit der ersten
Hospitalisation
in der
C._
im Mai 2012 als Lehrerin in der Arbeitsfähigkeit
stark beeinträchtigt sei. Im Rahmen der Entwöhnungskur in der
G._
sei das Ausmass der psychischen Beeinträchtigungen manifest geworden. Ab diesem Zeitpunkt sei die Klägerin als Lehrerin nicht mehr arbeitsfähig.
3.5
Die IV-Stelle Schwyz führte in der rentenzusprechenden Verfügung vom 10. Februar 2017 (
Urk.
14/45,
Urk.
14/48) aus, die MEDAS
B._
gehe von einer Arbeitsunfähigkeit vor August 2013 aus. Da die Klägerin von Januar bis Juli 2013 jedoch über einen Zeitraum von rund 7 Monaten in der Lage gewesen sei, ein volles Einkommen zu erzielen, sei als Zeitpunkt für den Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf den Stellenverlust per August 2013 abzustellen. Ab diesem Zeitpunkt liege eine ununterbrochene und dauernde Arbeitsunfähigkeit
vor. Nach Ablauf der einjährigen Wartefrist würde somit ab
1.
August 2015 (richtig
: 2014) Anspruch auf eine ganze Rente bestehen. Da die Anmeldung jedoch am
9.
Juni 2015 und somit verspätet eingereicht worden sei, bestehe frühestens sechs Monate nach Eingang der Anmeldung Anspruch auf eine ganze Rente, d.h. ab
1.
Dezember 201
5.
4.
4.1
Die Klägerin hat sich bei der Invalidenversicherung verspätet zum Leistungsbezug angemeldet. Eine Auszahlung der Invalidenrente vor dem
1.
Dezember
2015 kam aufgrund der erst im
Juni
2015 erfolgten Anmeldung nicht in Betracht (vgl. Art. 29
Abs.
1 IVG), es spielte mithin für den Leistungsanspruch gegenüber der Invalidenversicherung keine Rolle, ob die Klägerin erst ab August 2013 oder bereits zu einem früheren Zeitpunkt wesentlich in ihrer Arbeitsfähigkeit als Primar
lehrerin eingeschränkt gewesen ist.
Dies führt dazu, dass der Festlegung des Eintritts der
massgeblichen Arbeitsunfähigkeit durch die Invaliden
versiche
rung im vorliegenden vorsorgerechtlichen Verfahren keine Bindungs
wirkung zukommt und frei überprüft werden kann.
4.2
Es ergibt sich denn auch aus den Akten, dass sich
die Annahme der IV-Stelle,
die Klägerin
sei
aufgrund des Umstandes, dass sie währen
d des rund sieben Monate
dauernden
befristeten
Arbeitsverhältnisses mit der Gemeinde
A._
bis Ende Juli 2013
den vollen Lohn erhalten habe, während dieser Ze
it voll arbeitsfähig gewesen
, als unzutreffend erweist.
Laut Angaben der Beklagten 2 wurde der Klägerin bereits am 2
8.
Januar 2013 wieder eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (
Urk.
6 S. 2). V
om 1
4.
bis zum 1
5.
Februar 2013
war sie
ein weiteres Mal in der
C._
hospitalisiert und es wurde ihr
auch
dort
– über den Aufenthalt in der Klinik hinaus -
eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
bescheinigt
(Urk.
14/16/21-22).
Vom 13.
März bis zum 1
7.
Juli 2013 wurde die Klägerin sodann stationär in
der
G._
behandelt, womit sie die Tätigkeit als Primarlehrerin bei der Gemeinde
A._
bis zur Beendigung des befristeten Arbeitsverhältnisses nicht mehr ausüben konnte
(
Urk.
19).
Es ergibt sich ausserdem aus den Akten, dass die Klägerin
auch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der Gemeinde
Z._
nicht voll arbeitsfähig
war
. Bei der Entlassung aus der
C._
am
2.
Oktober 2012 wurde ihr eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
attestiert und angemerkt, dass sie von ihrer Arbeit bis zum Ende des laufenden Schuljahres freigestellt sei (
Urk.
14/16/18).
Die Klägerin war in der Zeit zwischen dem 1
2.
April und dem 2
.
Oktober 2012 insgesamt sechs Mal in der
C._
hospitalisiert und nahm ihre damalige Erwerbstätigkeit bei der Gemeinde
Z._
nach dem vom 2
6.
September bis zum
2.
Oktober 2012 dauernden
Klinika
ufenthalt nicht wieder auf.
E
s war ihr
zwar gelungen,
sofort wieder eine befristete Stelle bei der Gemeinde
A._
zu
finden, sie konnte dort aber die Tätigkeit als Lehrerin nicht mehr über einen längeren Zeitraum hinweg ausüben, sondern es ging im Wesentlichen im gleiche
n
Stil weiter wie zuvor während der letzten Monat
e bei der Gemeinde
Z._
.
D
ie Klägerin musste sich kurz nach Stellenantritt wieder in
psychiatrische
Behandlung begeben und war deswegen vollständig arbeitsunfähig.
Zu beachten ist in diesem Zusammenhang
auch, dass die Klägerin sich aufgrund mangelnder Krankheitseinsicht
lange Zeit
als
weitgehend uneingeschränkt
arbeitsfähig einst
ufte
und sie sich dementsprechend um neue Anstellungen in ihrem angestammten
Beruf als Primarlehrerin bemühte
.
Selbst anlässlich der Be
gutachtung im Januar 2016
führte sie
gegenüber den Guta
chtern der MEDAS
B._
noch
aus, es sei schändlich, dass sie seit nunmehr ca. 1 1⁄2 Jahren unter Beist
andschaft stehe und
mit
Fr.
60.--
pro Woche auskommen müsse. Sie bemühe sich weiterhin, eine Arbei
t
sstelle zu bekommen, sie wolle keine Rente, sondern unbedingt wieder als Lehrerin arbeiten. Sie wolle ihre Schulden in der Höhe von rund
Fr.
130'000.-- abtragen und wieder ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft werden. Sie sei auch nicht damit einverstanden, dass sie in einer begleiteten Wohngemeinschaft leben müsse, dorthin gehöre sie nicht. Die anderen Bewohner seien wirklich psychisch krank, während sie nur ein «Burnout» gehabt habe.
Sie wolle wieder in einer eigenen Wohnung mit netten Nachbarn leben. Früher habe sie immer zu 100
%
gearbeitet und aktuell könne sie wenigstens, wenn sie nicht mehr trinke, zu 50
%
arbeiten. Sie sei sicher, dass sie wieder arbeiten könne, die IV sei für andere Fälle da (
Urk.
14/30/12).
Es erscheint damit als nachvollziehbar, dass die Gutachter der MEDAS
B._
zum Ergebnis gelangt sind, dass die Klägerin seit der ersten
Hospitali
sation
in der
C._
am 1
2.
April 2012 dauerhaft in der Ar
beitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist
(
Urk.
14/30/19).
Dementsprechend ist festzu
halten, dass die Klägerin während dem Arbeitsverhältnis mit der Gemeinde
Z._
und damit während dem Versicherungsverhältnis mit der Beklagten 1 dauerhaft arbeitsunfähig geworden ist. Soweit die Beklagte 1 geltend macht, der sachliche Zusammenhang sei zu verneinen, da die während des Arbeitsverhältnisses bei der Gemeinde
Z._
eingetretene Arbeitsunfähig
keit einzig auf die Suchmit
t
el
abhängigkeit zurückzuführen gewesen sei, wogegen die die Invalidität bewir
kende kombiniert-narzisstisch-
histrionische
Persönlich
keitsstörung erst später manifest geworden sei, ist festzuhalten, dass bei der Klägerin die Suchmittel
abhängigkeit und die Persönlichkeitsstörung untrennbar miteinander verknüpft sind und sich wechselseitig be
einflussen. Zwar wurde im Jahr 2012 noch keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, es zeigten sich aber bereits damals die ent
sprechenden Symptome und
es ist auch auf die Persönlichkeitsstörung zurück
zuführen, dass die Klägerin
nicht in der Lage
war
, auf die vorhandenen Probl
eme auf andere Weise als mit übermässigem
Konsum von Alkohol zu reagieren. Zu beachten ist im Weiteren auch, dass gemäss der neusten Rechtsprechung des
Bundesgerichts nachvollziehbar diagnostizierte Abhängigkeitssyndrome bzw. Sub
stanzkonsumstörungen grund
sätzlich als invalidenversicherungsrechtlich beacht
liche (psychische) Gesund
heits
schäden in Betracht fallen (BGE 145 V 215), mithin auch unter diesem Aspekt
es sich rechtfertigt, Suchtmittelabhängigkeit und Persönlichkeitsstörung als einheitliche gesundheitliche Störung zu betrachten.
4.3
In Gutheissung der Klage ist die Beklagte 1 damit zu verpflichten,
der Klägerin die gesetzlich und reglementarisch geschuldeten Leistungen aufgrund der seit dem 1
2.
April 2012 aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit zuzusprechen.
Da sich der Rentenanspruch im Übrigen aufgrund der Aktenlage aber nicht genau beziffern lässt und auch kein beziffertes Klagebegehren vorliegt, ist die vorlie
gende Klage gegen die Beklagte 1 gemäss ständiger Praxis lediglich in dem Sinne gutzuheissen, dass die Beklagte 1 grundsätzlich zu verpflichten ist, de
r
Kläger
in ab
1.
Dezember 2015
die
a
uf einem Invaliditätsgrad von 76
%
basierenden
gesetz
lichen und reglementarischen Invalidenleistungen auszu
richten
. Die genaue
ziffernmässige Berechnung der einzelnen
Rentenbetreffnisse
ist hingegen der leistungspflichtigen Vorsorgeeinrichtung zu überlassen (woge
gen im Streitfalle wiederum eine Klage zulässig wäre; vgl. BGE 129 V 450).
Bezüglich des Rentenbeginns ist darauf hinzuweisen, dass d
er Anspruch auf Inva
lidenleistungen der (obligatorisch
en) beruflichen Vorsorge
seit Inkrafttreten der
5.
IV-Revision mit der Entstehung des Anspruchs auf eine Rente der Inva
liden
versicherung nach
Art.
29
Abs.
1 IVG und nicht mit Ablauf der Wartezeit nach
Art.
2
8
Abs.
1
lit
. b IVG beginnt (BGE 140 V 470), mithin vorliegend ein An
spruch auf Leistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge erst ab dem
1.
Dezem
ber 2015 besteht. Ab welchem Zeitpunkt der Anspruch auf Invaliden
leistungen gemäss
§
53 des Vorsorgereglements 2013
der Beklagten 1
(
Urk.
10/9) besteht, lässt sich anhand de
r vorliegenden Unterlagen nicht bestimmen. Die Klägerin wird der Beklagten 1 Auskunft zu erteilen haben über die von ihr erziel
ten Einkünfte. Bezüglich allfälliger Rentenansprüche vor dem 1. Juli 2013 hat die Beklagte 1 zu Recht die Verjährungseinrede erhoben (
Urk.
9 S. 12).
5.
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich
Art.
105
Abs.
1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5
%
, sofern das Regle
ment der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
Die Beklagte 1 hat in Anhang II
lit
. C. des seit dem
1.
Januar 2017 gültigen Vor
sorgereglements
2017 (
Urk.
10/8)
festgelegt, dass sämtliche ihr gegenüber besteh
enden Forderungen im Verzugsfall zum jeweiligen BVG-Mindestzinssatz (
Art.
15
Abs.
2 BVG
i.V.m
.
Art.
12 BVV 2) plus 1
%
(
Art.
7 der Verordnung über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [FZV; SR 831.425]) zu verzinsen sind. Dementsprechend ist der Verzugszins in dieser Höhe geschuldet.
6
.
6
.1
Ausgangsgemäss ist die Beklagte 1
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu verpflichten, der anwaltlich ver
tretenen Klägerin eine Pro
zessentschädigung zu entrichten. Der von Rechts
anwältin
Friedauer
mit Schreiben vom 2
4.
April 2019
geltend gemachte Aufwand von 21.4 Stunden sowie Barauslagen von
Fr.
192.60 scheint angemessen
(vgl.
Urk.
24)
. In Anwendung des ge
richtsüblichen Ansatzes von Fr.
220.-- pro Stunde ist die Prozessentschädigung damit auf
Fr.
5'277.95 (inkl.
Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist damit gegen
standslos geworden.
6
.2
Der Beklagten
2
steht in ihrer Funktion als Trägerin der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung zu (§ 34 Abs. 2
GSVGer
; vgl. statt vieler: BGE 128 V 124 E. 5b).