Decision ID: c7616331-d441-4159-98a7-a0d4cfe2aa34
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
versuchte schwere Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom 22. März 2013 (DG120127)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 2. April
2012 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 34).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der versuchten einfachen Körperverletzung Art. 123 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, − des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB, − der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB, − der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB, − der Widerhandlung gegen das Waffengesetz (WG) im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. c WG, − der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB sowie − der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 2 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 36 (in Zahlen) Monaten Freiheitsstrafe, wovon
bis und mit heute 175 Tage durch Haft erstanden sind sowie mit einer Busse von
Fr. 600.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, abzüglich 175 Tage,
die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. Die Busse ist zu
bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Schadenersatz von
Fr. 1'518.80 zu bezahlen.
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6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 8'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 14. November 2010 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird
das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 27. Juni 2011 beschlagnahmten
Gegenstände (1 schwarzes Poloshirt "La Martina"; 1 schwarze Herrenjacke
"Jack + Jones"; Sachkautionsnummer ...) werden dem Privatkläger B._ nach
Eintritt der Rechtskraft auf erstmaliges Verlangen ausgehändigt. Holt der Privatklä-
ger B._ die Gegenstände nicht innert 6 Monaten seit Eintritt der Rechtskraft
ab, werden diese vernichtet.
8. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 30. Juni 2011 beschlagnahmte
1 Flachbildschirm, Marke Philips, Originalverpackt (Sachkautionsnummer ...) wird
definitiv beschlagnahmt und der Gerichtskasse zur Verwertung überlassen. Der
Verwertungserlös wird zur Urteilsvollstreckung verwendet, in erster Linie zur De-
ckung der Busse, in zweiter Linie für die Zivilforderung.
9. Die weiteren mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 30. Juni 2011 beschlag-
nahmten Gegenstände (Brechwerkzeug, silberfarben, mehrkantig und
1 Hebewerkzeug, Marke Vaughan, blau; Sachkautionsnummer ...) werden einge-
zogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 30. Juni 2011 beschlagnahmten
Fr. 360.– (Noten) und Fr. 138.80 (Hartgeld) (Sachkautionsnummer ...) werden defi-
nitiv beschlagnahmt und zur Urteilsvollstreckung verwendet, in erster Linie zur
Deckung der Busse, in zweiter Linie für die Zivilforderung.
11. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 30. März 2012 beschlagnahmte
Kassenbuch (Sachkautionsnummer ...) wird eingezogen und der Privatklägerin
C._ GmbH auf erstmaliges Verlangen ausgehändigt. Holt die Privatklägerin
C._ GmbH das Kassenbuch nicht innert 6 Monaten seit Eintritt der Rechtskraft
ab, wird es vernichtet.
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12. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 7'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'793.70 Kosten der Kantonspolizei Zürich
Fr. 12'250.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 24'355.30 Auslagen Untersuchung
Fr. 15'000.– amtliche Verteidigung (Untersuchung)
Fr. 15'371.83 amtliche Verteidigung
Fr. 8498.42 Vertreter Privatklägerschaft
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die
Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit separatem Beschluss ent-
schieden.
15. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers B._ werden defini-
tiv auf die Gerichtskasse genommen. Über die Höhe der Kosten der unentgeltlichen
Vertretung des Privatklägers wird mit separatem Beschluss entschieden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 101):
1. Ziff. 1 Alinea 1, 2 und 9; Ziff. 2; 3; 5; 6 und 13 des Urteils vom 22. März 2013
des Bezirksgerichts Zürich seien aufzuheben;
2. der Beschuldigte sei vom Vorwurf der versuchten schweren Körperver-
letzung freizusprechen;
3. der Beschuldigte sei anstelle der versuchten einfachen Körperverletzung
und der sexuellen Belästigung je der Tätlichkeit schuldig zu sprechen;
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4. der Beschuldigte sei insgesamt mit 175 Tagessätzen zu CHF 50, bedingt auf
eine Probezeit von 2 Jahren, unter Anrechnung der erstandenen Unter-
suchungshaft von 175 Tagen, sowie einer Busse von CHF 1'000.-- zu
bestrafen;
5. die Schadenersatz- und Genugtuungsforderung des Privatklägers B._
sei abzuweisen;
6. die Kosten der Untersuchung- und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens
seien dem Beschuldigten zu 2/3 aufzuerlegen und zu 1/3 auf die Gerichts-
kasse zu nehmen;
7. die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen;
8. die Kosten der amtlichen Verteidigung von CHF 3'716.85 zuzüglich
CHF 200/h (zuzüglich 8% MwSt) für die Dauer der Hauptverhandlung, der
Urteilseröffnung und den Reiseweg seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 102):
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 22. März 2013 sei grundsätzlich
vollumfänglich zu bestätigen, mit folgender wesentlicher Ausnahme:
2. Es sei der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 57 Monaten zu be-
strafen.
3. Es sei die Freiheitsstrafe zu vollziehen.
c) Des Vertreters des Privatklägers (Urk. 103):
1. Der Beschuldigte sei der versuchten schweren Körperverletzung zum Nach-
teil des Privatklägers B._ im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Er sei mit einer Freiheitsstrafe zu bestrafen.
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3. Er sei zu verpflichten, dem Privatkläger B._ Schadenersatz von CHF
1'518.80 (Selbstkostenanteil für die Heilbehandlung, Kosten der beschädig-
ten und beschlagnahmten Kleider) sowie eine Genugtuung von CHF 8'000.--
zuzüglich 5% Zins sei dem 14. November 2010 zu bezahlen.
4. Es seien dem Beschuldigten die vollständigen Verfahrenskosten aufzu-
erlegen und er sei zu verpflichten, dem Privatkläger B._ eine Entschä-
digung für die anwaltlichen Aufwendungen im Berufungsverfahren zu erstat-
ten.

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung
1. Verfahrensgang
1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vom 22. März
2013 sprach das Bezirksgericht Zürich, 8. Abteilung, den Beschuldigten diverser
Delikte (siehe obenstehendes Dispositiv-Ziffer 1, Urk. 86 S. 95) schuldig und
bestrafte ihn mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten (24 Monate
bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren und 12 Monate unbedingt), unter An-
rechnung von 175 Tagen erstandener Haft sowie mit einer Busse von Fr. 600.--.
Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse setzte sie eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 6 Tagen fest (vgl. Urk 86 Dispositiv-Ziffer 2, 3 und 4). Weiter
verpflichtete sie den Beschuldigten, dem Privatkläger B._ Schadenersatz im
Umfang von Fr. 1'5187.80 sowie eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- zuzüglich 5%
Zins ab 14. November 2010 zu bezahlen und wies das Genugtuungsbegehren im
Mehrbetrag ab (vgl. Dispositiv-Ziffer 5 und 6). Sodann entschied sie über die Ein-
ziehung bzw. Herausgabe diverser Gegenstände und Gelder inkl. deren Verwen-
dung (vgl. Dispositiv-Ziffer 7 - 11). Die Kosten der Untersuchung und des gericht-
lichen Verfahrens, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, aufer-
legte sie dem Beschuldigten, wobei sie diejenigen der amtlichen Verteidigung un-
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ter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse nahm (Disposi-
tiv-Ziffer 13 und 14). Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers
B._ nahm sie definitiv auf die Gerichtskasse (vgl. Dispositiv-Ziffer 15).
1.2. Mit Eingabe vom 26. März 2013 meldete die Staatsanwaltschaft IV
Berufung an (vgl. Urk. 83). In der Berufungserklärung vom 5. Juni 2013
beschränkte die Anklagebehörde diese Berufung ausdrücklich auf Ziff. 2 und
Ziff. 3 des vorinstanzlichen Urteils, nämlich auf die Bemessung der Freiheitsstrafe
und den Vollzug bzw. den bedingten Vollzug der Strafe (vgl. Urk. 87) und stellte
den folgenden Antrag:
1. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 57 Monaten zu bestrafen.
Die Anklagebehörde stellte keine Beweisanträge.
1.3. Gegen das bezirksgerichtliche Urteil meldete auch die Verteidigung am
27. März 2013 fristgerecht Berufung an (vgl. Urk. 80), wobei sie das vorinstanzli-
che Urteil in Teilen anfocht, "d.h. soweit es den Beschuldigten der versuchten
schweren Körperverletzung, der versuchten einfachen Körperverletzung und der
sexuellen Belästigung schuldig spricht und ihn hierfür zu einer Strafe (inkl. Straf-
zumessung) sowie zur Bezahlung von Zivilforderungen und Verfahrenskosten
verurteilt". Die Verteidigung stellte in der Berufungserklärung vom 12. Juni 2013
die folgenden Anträge (vgl. Urk. 89):
1. Ziff. 1 Alinea 1, 2 und 9; Ziff. 2; 3; 5; 6 sowie 12 und 13 des Urteils vom 22. März 2013 des Bezirksgerichts Zürich seien aufzuheben;
2. der Beschuldigte sei vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung freizusprechen;
3. der Beschuldigte sei anstelle der versuchten einfachen  und der sexuellen Belästigung je der Tätlichkeit schuldig zu sprechen;
4. Der Beschuldigte sei insgesamt mit 175 Tagessätzen zu CHF 50, bedingt auf eine Probezeit von 2 Jahren, unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von 175 Tagen, sowie einer Busse von CHF 1'000.-- zu bestrafen;
5. die Zivilforderungen seien abzuweisen;
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6. die Kosten des Untersuchungs- und Gerichtsverfahrens seien dem Beschuldigten zu 2/3 aufzuerlegen und zu 1/3 auf die  zu nehmen.
Gleichzeitig verzichtete die Verteidigung darauf, Beweisanträge zu stellen, wobei
sie sich das Recht vorbehielt, anlässlich der Berufungsverhandlung Beweismittel,
namentlich Beweisurkunden, einzureichen (vgl. Urk. 89 S. 3).
1.4. Mit Eingabe vom 9. August 2013 verzichtete die Verteidigung auf eine
Anschlussberufung (vgl. Urk. 94). Die Privatklägerschaft liess sich nicht ver-
nehmen.
1.5. In der Folge wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung vorgeladen
(vgl. Urk. 96). Diese fand am 18. November 2013 in Anwesenheit des Beschuldig-
ten und seiner Verteidigung, der Staatsanwältin sowie des Vertreters des Privat-
klägers B._ statt.
2. Umfang der Berufung
2.1. Gestützt auf die oben zitierten Berufungserklärungen und die Anträge an
der Berufungsverhandlung sind folgende Punkte des vorinstanzlichen Urteils nicht
angefochten und daher in Rechtskraft erwachsen (vgl. Prot. II S. 3ff.):
- Dispositiv Ziffer 1: Schuldspruch - des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB - des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,
- der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB,
- der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB,
- der Widerhandlung gegen das Waffengesetz (WG) im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. c WG,
- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB - Dispositiv Ziffern 7 - 11 Einziehungen - Dispositiv Ziffer 12: Kostenfestsetzung - Dispositiv Ziffer 15: Kosten unentgeltliche Vertretung des
Privatklägers B._
Dies ist vorweg festzustellen.
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2.2. Demgegenüber stehen die übrigen Dispositiv Ziffern zur Disposition,
nämlich:
- Dispositiv Ziffer 1: Schuldspruch - der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
- der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
- der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 2 StGB. - Dispositiv Ziffer 2: Sanktion, - Dispositiv Ziffer 3: teilbedingter Vollzug, - Dispositiv Ziffer 4: Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse, - Dispositiv Ziffer 5: Regelung betreffend Schadenersatz, - Dispositiv Ziffer 6: Regelung betreffend das Genugtuungs-
begehren, - Dispositiv Ziffer 13 und 14: Regelung betreffend Kostenauflage.
II. Prozessuales
1. Anwendbares Prozessrecht
1.1. Seit dem 1. Januar 2011 steht die Schweizerische Strafprozessordnung vom
5. Oktober 2007 (StPO) in Kraft. Vorliegend stehen Delikte aus dem Jahre 2010
zur Beurteilung an, der vorinstanzliche Entscheid erging am 22. März 2013. Damit
stellt sich die Frage nach dem anwendbaren Prozessrecht.
1.2. Art. 448 der StPO bestimmt, dass Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses
Gesetzes hängig sind, grundsätzlich nach neuem Recht fortgeführt werden, wobei
Verfahrenshandlungen, die vor Inkrafttreten der StPO angeordnet oder durch-
geführt worden sind, ihre Gültigkeit behalten (vgl. Art. 448 Abs. 1 und 2 StPO).
Weiter regelt Art. 454 StPO, dass für Rechtsmittel gegen erstinstanzliche
Entscheide, die nach Inkrafttreten der StPO gefällt werden, neues Recht gilt.
1.3. Im vorliegenden Verfahren ist damit das neue Prozessrecht (StPO) an-
wendbar, wobei für Fragen nach der Gültigkeit von Verfahrenshandlungen, die vor
Inkrafttreten der StPO vorgenommen wurden, das alte kantonale Prozessrecht,
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namentlich die bis Ende 2010 gültige Fassung der Strafprozessordnung des Kan-
tons Zürich (StPO ZH) massgebend ist (so auch die Vorinstanz in Urk. 86 S. 5).
III. Sachverhalt
1. Zu beurteilende Anklagevorwürfe und Ausgangslage
1.1. Im Berufungsverfahren stehen somit lediglich die Anklagepunkte gemäss
Hauptdossier betreffend versuchte schwere Körperverletzung sowie teilweise
diejenigen gemäss Nebendossier 5 betreffend sexuelle Belästigung und ver-
suchte einfache Körperverletzung (vgl. Anklage Urk. 34 S. 2 f. und S. 5 f.) zur
Diskussion.
1.2. Der Beschuldigte stellt den eingeklagten Sachverhalt der noch abzuhan-
delnden Vorwürfe in Abrede, so dass im Folgenden zu prüfen ist, ob dieser erstellt
werden kann.
2. Grundsätze der Beweiswürdigung
2.1. Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid die theoretischen Grundsätze der rich-
terlichen Beweiswürdigung wiedergegeben und darauf hingewiesen, dass bei der
Abwägung von Aussagen zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und der
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden ist. Darauf ist zur Vermeidung
von unnötigen Wiederholungen vorab zu verweisen (vgl. Urk. 86 S. 7 f.).
3. Zum Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung (Anklage HD S. 2 f.)
3.1. Stark zusammengefasst wirft die Anklageschrift dem Beschuldigten vor, den
Privatkläger B._ an jenem 14. November 2010 mit zwei 3 cm tiefen Messer-
stichverletzungen am Oberkörper verletzt und dabei lebensgefährliche Verletzun-
gen gewollt oder zumindest in Kauf genommen zu haben (vgl. Anklage HD, Urk.
34 S. 2 f.). Zutreffend hielt die Vorinstanz in diesem Zusammenhang fest, dass für
die rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachverhalts einzig das auf S. 3 der
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Anklageschrift geschilderte Verhalten des Beschuldigten relevant ist, nämlich die
Beibringung der erwähnten Messerstichverletzungen samt deren Folgen sowie
der umschriebene innere Sachverhalt und dass die zuvor auf S. 2 geschilderten
verbalen und tätlichen Auseinandersetzungen einschliesslich der Tritte des Mitbe-
schuldigten D._ gegenüber dem Privatkläger B._ nicht von massgebli-
cher Bedeutung sind (vgl. Urk. 86 S. 9 f.).
3.2. Im Rahmen der Untersuchung wurden verschiedene Beweismittel erhoben.
3.2.1. Neben den Aussagen des Privatklägers B._ (vgl. Urk. HD 3/1, 3/3, 3/6
- 3/8 und 3/9) und jenen des Beschuldigten (Urk. HD 6/1, 6/3, 6/4, 6/10 - 21), lie-
gen die Aussagen des Mitbeschuldigten D._ (Urk. HD 4/1 und 4/2) sowie
weiterer Personen, welche sich am Tatort befanden, so namentlich E._ (Urk.
HD 8/1, 8/3 und 8/4), F._ (vgl. Urk. 8/6 und 8/7), G._ (Urk. HD 8/12 -
8/16), H._ (Urk. HD 8/17 und 8/18) und I._ (Urk. 8/19, 8/20, 8/23 - 8/26)
sowie der Sicherheitsangestellten J._ (Urk. 4/1 und 4/2) und K._ (Urk.
HD 5/4) vor. Zur Frage der Verwertbarkeit dieser Beweismittel wird im Rahmen
derer Würdigung Stellung genommen. Vorweg ist festzuhalten, dass ... (Urk. HD
8/11), der ohnehin nur polizeilich einvernommen wurde, und ... (Urk. HD 8/8 und
8/9) nicht vor Ort waren und daher keine Angaben zum eingeklagten Vorfall ma-
chen konnten, weswegen ihre Aussagen hier nicht von Belang sind.
3.2.2. Weiter liegen die Aufnahmen von zwei beim Hallenstadion installierten
Videoüberwachungskameras (DVD Urk. 15/2, Protokoll des Ablaufs u.a. in
Urk. 8/24), die Unterlagen der ärztlichen Behandlung des Privatklägers B._
im Universitätsspital Zürich samt Operationsbericht (Urk. HD 9/2 - 9/4, vgl. Beila-
gen zu Urk. HD 10/7) und der Behandlung beim Hausarzt (Urk. HD 10/7 samt Bei-
lagen) sowie ein Aktengutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität
Zürich vom 20. Juni 2011, namentlich über die Verletzungen des Privatklägers
B._, deren Entstehung und Folgen (Urk. HD 10/4), sowie die Protokolle der
ärztlichen Untersuchungen des Beschuldigten und des Privatklägers B._
samt den diesbezüglichen Chemisch-toxikologischen Gutachten (vgl. Beschuldig-
ter: Urk. HD Urk. 12/1 - 12/4; Privatkläger: Urk. HD 11/1 - 11/4) vor. Zu guter Letzt
erstattete das Forensische Institut Zürich diverse Spurenberichte (vgl. Urk. HD
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13/1 - 13/3), wobei diesbezüglich lediglich Vorbericht-Auswertungen erfolgten, so
dass sie nicht als Gutachten im Sinne des damals gültigen § 113 StPO/ZH
gelten und damit hier nicht verwertet werden können.
3.3. Aussagen des Beschuldigten
3.3.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten, wie er sie in der
Untersuchung vor und nach Vorführen der Videoüberwachung und anlässlich der
Hauptverhandlung deponiert hat, im Wesentlichen wiedergegeben (vgl. Urk. 86
S. 13 ff. sowie S. 16 ff.), worauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.3.2. Vorab ist festzuhalten, dass sämtliche Einvernahmen korrekt durchgeführt
und daher verwertbar sind.
3.3.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte an, er bestreite
nach wie vor, dem Privatkläger B._ zwei Messerstiche zugefügt zu haben. Es
sei von Anfang an alles gegen ihn gelaufen, auch seitens der Polizei und der
Staatsanwaltschaft. Im Zeitraum, als die Stiche erfolgt sein sollen, seien noch drei
bis vier andere Personen dabei gewesen. Diese kenne man nicht und sie seien
nie befragt worden. Offenbar sei es so, dass sich G._ bzw. I._ abge-
sprochen hätten. Es sei kein Absprechen im eigentlichen Sinn, sondern einfach
ein Kollegengespräch gewesen. Man habe wohl einfach gesagt, der A._ ha-
be ein Messer gehabt und sei durchgedreht. So sei dies zum Thema geworden
und man habe das weiterverfolgt. Man habe einfach nie jemand anderen in Be-
tracht gezogen. Ein Messer habe er zu jener Zeit nicht auf sich getragen (Urk. 100
S. 6ff.).
3.4. Aussagen des Privatklägers B._
3.4.1. Der Privatkläger wurde noch am Tag des eingeklagten Vorfalls und
zwei Tage danach im Universitätsspitals polizeilich befragt (vgl. Urk. HD 3/1 und
3/3). Dessen Videobefragung fand am 26. November 2010 statt (vgl. DVD Urk. 8).
Am 2. Februar 2011 wurde er schliesslich in Anwesenheit des Beschuldigten als
Auskunftsperson befragt (vgl. Urk. HD 3/9). Die Vorinstanz hat auch diese Aus-
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sagen in ihrem Entscheid festgehalten (vgl. Urk. 86 S. 22 ff.), worauf wiederum
verwiesen werden kann.
3.4.2. Die ersten zwei Befragungen erfolgten im Universitätsspital Zürich. Die
Depositionen des Privatklägers sind lediglich vom befragenden Polizeibeamten
"sinngemäss" (vgl. Urk. HD 3/1) bzw. in einem Ermittlungsbericht (vgl. Urk.
HD 3/3) zusammengefasst worden und vom Privatkläger daher nicht unterzeich-
net worden. Die Videobefragung des Privatklägers als Auskunftsperson fand aus
unerklärlichen Gründen in Abwesenheit des Beschuldigten statt, obwohl er zu
jenem Zeitpunkt in Haft war und für eine Teilnahme ohne weiteres zur Verfügung
stand. In der späteren staatsanwaltschaftlichen Einvernahme (vgl. HD Urk. 3/9)
erhielt indessen der Beschuldigte Gelegenheit, dem Privatkläger Ergänzungs-
fragen zu stellen (vgl. Urk. HD 3/9 S. 3 und S. 12), so dass seine Teilnahmerechte
gewahrt wurden, weswegen die polizeiliche Videobefragung als Beweismittel ver-
wertbar ist.
3.5. Aussagen der übrigen Personen
3.5.1. Im Entscheid der Vorinstanz sind sodann die Aussagen der übrigen
Personen (vgl. Urk. 86 S. 40 f.), insbesondere diejenigen der Auskunftspersonen
G._ (vgl. Urk. 86 S. 31 ff) und I._ (vgl. Urk. 86 S. 36 ff.) zusammenge-
fasst. Auch diesbezüglich kann darauf vorweg verwiesen werden.
3.5.2. Zur Verwertbarkeit dieser Aussagen wird im Rahmen der nachfolgenden
Würdigung zurück zu kommen sein.
3.6. Die Vorinstanz fasste auch die Aufnahmen der Videoüberwachung zu-
treffend zusammen (vgl. Urk. 86 S. 15 f. und S. 34).
3.7. Ärztliche Berichte und Gutachten
3.7.1. Dem Aktengutachten des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsspitals
Zürich kann entnommen werden, dass der Privatkläger B._ (neben Hautab-
schürfungen und Prellungen) zwei Messerstichverletzungen am Brustkorb erlitt,
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eine zwischen rechter Brustwarze und Rippenbogen und eine am Rücken links-
seitig unter dem Schulterblatt (vgl. Urk. HD 10/4 S. 5).
Nach Auffassung der Gutachter reichten beide Stichverletzungen mindestens von
der Oberhaut bis in die Brusthöhle. Dazu sei die Überwindung von Haut, Unter-
haut, Muskulatur und Rippenfell notwendig gewesen, was einer Distanz von
ca. 3 cm entspreche. Linksseitig könne ein etwas längerer Stichkanal vermutet
werden, weil die Lunge angestochen worden sei und geblutet habe. In unmittel-
barer Nachbarschaft zum Stichkanal dieser Verletzungen seien die Zwischen-
rippenschlagadern gewesen; benachbart zur rechtsseitigen Verletzung sei das
Herz in ca. 5 cm unter der Körperoberfläche, die linksseitige Hautverletzung in
einer Distanz von ca. 6 cm zur Milz gewesen: Eine Verletzung dieser Zwischen-
rippenschlagadern und insbesondere von Herz und Milz könne zum Tod durch
Verbluten führen (vgl. Urk. HD 10/4 S. 5).
Die festgestellten Stichverletzungen seien durch scharfe mechanische Gewalt
entstanden, wobei eine Selbstbeibringung als unwahrscheinlich zu beurteilen sei.
Zu den Folgen der Stichverletzungen hält das Gutachten sodann fest, diese
hätten aufgrund von Lufteintritt in die Brusthöhlen zu einem Kollaps der Lungen
geführt, wobei die Verletzungen linksseitig hätten behandelt werden müssen.
Infolge einer Lungengewebeverletzungen sei es zudem zur Blutung in die linke
Brusthöhle gekommen (vgl. Urk. HD 10/4 S. 5). Das Gutachten verneint das
Vorliegen einer unmittelbaren Lebensgefahr zum Zeitpunkt der medizinischen
Versorgung, weist indessen darauf hin, dass zur Wiederherstellung der Funktion
der linken Lunge beim Privatkläger eine dringliche (operative) Behandlung nötig
war. Aus dem Heilungsverlauf nach der Operation wird schliesslich abgeleitet,
dass ohne ärztliche Behandlung zwar der Tod durch Verbluten infolge Lungen-
stichs nicht sicher auszuschliessen war, dass ein solcher aber nicht mit hoher
Wahrscheinlichkeit (somit zu mehr als ca. 90% Wahrscheinlichkeit) zu erwarten
gewesen wäre. Auch ein Spannungspneumothorax (Druckaufbau in der Brust-
höhle durch Luft mittels Ventilmechanismus) wäre aus dem bekannten allge-
meinen Verlauf der Heilung nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten
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gewesen, auch wenn Einzelfälle mit Tod im Spannungspneu medizinisch bekannt
sind (vgl. Urk. HD 10/4 S. 6).
Zur Frage der weiteren Arbeitsunfähigkeit des Privatklägers verweist das Gutach-
ten - unter Hinweis auf eine solche im Umfange von 100% bis zum 5. Dezember
2010 - auf die Angaben seines Hausarztes (vgl. Urk. HD 10/4 S. 6). Bleibende
Schäden seien bisher - so das Gutachten weiter - keine beschrieben worden,
wobei jede Verletzung Vernarbungsprozesse zur Folge haben könne (hier v.a.
das Lungengewebe und das Rippenfell) und mit psychischen Folgen (wie
Wiedererleben, Angststörungen, chronischen Schmerzen) grundsätzlich ge-
rechnet werden müsse. In diese Richtung zeige, dass der Privatkläger am
29. November 2010 mit Atemnot die Notfallstation des Stadtspitals Waid aufge-
sucht habe, obwohl medizinisch keine Veränderungen an den Lungen hätten
festgestellt werden können (vgl. Urk. HD 10/4 S. 6).
3.7.2. Die Blutanalyse des Privatklägers B._ ergab zum Zeitpunkt der Blut-
entnahme (04.40 am 14. November 2010, mithin mehr als eine Stunde und
20 Minuten nach dem hier zur Diskussion stehenden Ereignis) einen Wert von
1.29 - 1.43 Gewichtspromille (vgl. Urk. HD 11/1 und 11/2). Nach Einschätzung
des Arztes wirkte der Privatkläger zum Zeitpunkt dieser ärztlichen Untersuchung
"nicht merkbar beeinträchtigt" (vgl. Urk. HD 11/1). Eine Rückrechnung des
Minimal- und Maximalwertes zum Zeitpunkt des Ereignisses konnte wegen
unvollständiger Zeitangaben (Trinkende) nicht durchgeführt werden (vgl. Urk.
HD 11/3 S. 3 und 11/4). Aufgrund der erzielten negativen Analysenergebnisse der
um 07.10 Uhr des 14. November 2010 erfolgten Asservierung des Urins (vgl. Urk.
HD 11/3 S. 1) schloss das chemisch-toxikologische Gutachten des IRM vom
22. Dezember 2010 beim Privatkläger für diverse Stoffe bzw. Stoffgruppen eine
Wirkung für den Zeitpunkt des Ereignisses mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit
aus (vgl. Urk. HD 11/3 S. 3). Das positive Testergebnis auf Sevofluran und
Barbiturate war auf die in der Zwischenzeit erfolgte notfallmedizinische Behand-
lung des Privatklägers zurück zu führen.
3.7.3. Die Blutanalyse des Beschuldigten ergab zum Zeitpunkt der Blutentnahme
(06.08 am 14. November 2010, mithin beinahe 3 Stunden nach dem hier zur
- 16 -
Diskussion stehenden Ereignis) einen Wert von 1.04 - 1.16 Gewichtspromille (vgl.
Urk. HD 12/1 und 12/2). Nach Einschätzung des Arztes wirkte der Beschuldigte
zum Zeitpunkt dieser ärztlichen Untersuchung "merkbar beeinträchtigt mutmass-
lich emotional erregt, ev. unter Einfluss von Alkohol stehend" (vgl. Urk. HD 12/1
und 12/2 jeweils Rückseite). Die Rückrechnung der Blutalkoholkonzentration
ergab nach dem ärztlichen Bericht zur Blutalkoholanalyse vom 6. Dezember 2010
einen Minimalwert von 1.12‰ und einen Maximalwert von 1.86 ‰ (vgl. Urk. HD
12/4). Aufgrund der erzielten negativen Analysenergebnisse, der um 06.11 Uhr
des 14. November 2010 erfolgten Asservierung des Urins (vgl. Urk. HD 11/3 S. 1),
schloss das chemisch-toxikologische Gutachten des IRM vom 22. Dezember
2010 beim Beschuldigten für diverse Stoffe bzw. Stoffgruppen eine Wirkung für
den Zeitpunkt des Ereignisses mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit aus (vgl. Urk.
HD 12/3 S. 2).
3.8. Würdigung
3.8.1. Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen
3.8.1.1. In ihrem Entscheid setzte sich die Vorinstanz mit der Glaubwürdigkeit der
einvernommenen Personen auseinander.
3.8.1.2. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten erwog die Vorinstanz
zutreffend, dass ihn strafprozessrechtlich keine Wahrheitspflichten treffen. In der
Tat ist er weder verpflichtet, durch aktives Verhalten die Untersuchung zu fördern,
noch kann er gezwungen werden, sich selbst durch Aussagen zu belasten (vgl.
Art. 113 Abs. 1 StPO). Ferner trifft es zu, dass der Beschuldigte ein - insofern
legitimes - Interesse daran haben könnte, die Geschehnisse in einem für ihn
günstigen Licht darzustellen. Dieselben Überlegungen treffen auch für den Mit-
beschuldigten D._ zu. Diese Tatsachen sind indessen nicht geeignet, die
Glaubwürdigkeit grundsätzlich in Frage zu stellen. Entscheidend ist die Glaub-
haftigkeit der Aussagen. Darauf nahm denn auch die Vorinstanz Bezug, wenn sie
auf diverse im Einzelnen aufgeführte Widersprüche in den Aussagen des
Beschuldigten hinwies (vgl. Urk. 86 S. 15 ff.), welche zugegebenermassen seine
allgemeine Glaubwürdigkeit nicht erhöhen.
- 17 -
3.8.1.3. Zur Glaubwürdigkeit des Privatklägers B._ erwog die Vorinstanz zu
Recht, dass dieser dem Verfahren nicht unbeteiligt gegenüber steht und auch
Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche geltend macht. Ein konkretes Inte-
resse der Auskunftspersonen E._, F._, G._, H._ und I._
am Ausgang des Verfahrens ist mit der Vorinstanz nicht ersichtlich, wobei zu er-
wähnen ist, dass G._, I._ und F._ Kollegen des Privatklägers
B._ sind und damit in einer persönlichen Beziehung zu ihm stehen (vgl. Urk.
86 S. 12 mit Hinweis auf die entsprechenden Aktenstellen). Ebenso wenig ist ein
Interesse der als Auskunftspersonen befragten Securitasangestellten J._ und
K._ am Ausgang des Verfahrens ersichtlich, zumal diese den Beschuldigten
und den Privatkläger an jenem Abend zum ersten Mal sahen und - obwohl sie
sich als Privatkläger konstituiert hatten - keine Zivilforderungen geltend machten
(vgl. Urk. HD 17/6 S. 2 und 17/9 S. 2). Die Vorinstanz führte weiter im Einzelnen
die Vorstrafen des Privatklägers B._ und der befragten G._ und I._
auf (vgl. Urk. 86 S. 12) und schloss zu Recht, bei diesen Vorstrafen handle es
sich nicht um Delikte, welche die grundsätzliche Glaubwürdigkeit der betreffenden
Auskunftspersonen hinsichtlich der Erstattung von Aussagen wesentlich ein-
schränken würden. F._ wurde demgegenüber u.a. wegen Irreführung der
Rechtspflege und falscher Anschuldigung verurteilt, womit fest steht, dass er in
einem früheren Verfahren wahrheitswidrige Angaben machte und weswegen sei-
ne Aussagen entsprechend zu würdigen sind (so auch Vorinstanz in Urk. 86 S.
12).
Dass die Glaubhaftigkeit der Aussagen entscheidend ist, gilt bezüglich sämtlicher
Befragten. Wenn die Vorinstanz bei der Würdigung der allgemeinen Glaubwürdig-
keit auf die ihnen jeweils vor den Einvernahmen angedrohten Straffolgen hinwies
(vgl. Urk. 86 S. 11 ff.), so ist diesbezüglich zu präzisieren, dass ihren Angaben
nicht schon deswegen ein höherer Wahrheitsgehalt zukommt, weil ihnen Straf-
androhungen vorgehalten wurden. Alleine aus der prozessualen Stellung einer
am Strafverfahren beteiligten Person kann nichts hinsichtlich deren Glaubwürdig-
keit abgeleitet werden. Der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer einvernommenen
Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kommt somit kaum
mehr relevante Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als
- 18 -
die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage
(BGE 133 I E. 4.3, Urteil des Bundesgerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012
E. 1.4, je mit Hinweisen).
3.8.1.4. Insgesamt ist daher festzuhalten, dass die allgemeine Glaubwürdigkeit
des Beschuldigten, des Privatklägers und der weiteren befragten Personen auf
der gleichen Stufe anzusiedeln ist. Im Folgenden ist somit die Glaubhaftigkeit der
konkreten Aussagen zum Tatvorwurf zu analysieren.
3.8.2. Glaubhaftigkeit der Aussagen und Würdigung der weiteren Beweismittel
3.8.2.1. Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz in ihrer Begründung
eine äusserst sorgfältige und ausführliche Auseinandersetzung mit den zur
Verfügung stehenden Beweismitteln vornahm, die Aussagen der Hauptbeteiligten
– nämlich des Beschuldigten und des Privatklägers – und der Auskunftspersonen
G._ und I._ einer eingehenden Analyse unterzog und sich mit unzähli-
gen Details bezüglich des Aussageverhaltens dieser Personen befasste. Auf die-
se Ausführungen, die restlos überzeugen, kann daher an dieser Stelle vorerst
verwiesen werden (vgl. Urk. 86 S. 13 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden
Ausführungen enthalten daher - dort wo keine Ergänzungen oder Abweichungen
anzubringen sind - vielfach Wiederholungen.
3.8.2.2. Der Beschuldigte bestritt durchs Band, Urheber der Messerstich-
verletzungen des Privatklägers B._ gewesen zu sein und stellte in Abrede,
an jenem Abend überhaupt ein Messer auf sich getragen zu haben. Auffallend ist,
dass er bereits in der ersten Antwort in seiner allerersten Befragung den Verdacht
äusserte, jemand könnte ihm "etwas in die Schuhe schieben" (vgl. Urk. HD 6/1
S. 1), obwohl er zu jenem Zeitpunkt von der Polizei lediglich in Erfahrung gebracht
hatte, dass er wegen des dringenden Verdachts der Körperverletzung festge-
nommen worden war und ihm gegenüber über die Tragweite und die Art der zur
Diskussion stehenden Verletzungen noch keine Angaben gemacht worden waren.
3.8.2.3. Die Vorinstanz zeigte unter Hinweis auf die Aufnahmen der Videoüber-
wachung (vgl. Urk. HD 15/2 Original bzw. dort auch Kopie OG, vgl. auch Kurz-
- 19 -
protokoll der Kantonspolizei Zürich darüber u.a. in Urk. 8/24) das Geschehen in
jener Nacht auf (vgl. Urk. 86 S. 15 f.). Korrekt hielt sie fest, dass der Beschuldigte
offensichtlich in Begleitung des Mitbeschuldigten D._ und von E._ zur
Gruppe um den Privatkläger B._ stiess, wobei sich die letzterwähnte Gruppe
bis zur Ankunft des Beschuldigten und auch in seiner Anwesenheit noch in nor-
malem Gespräch befand. Weiter ist der Aufnahme zu entnehmen, dass der Be-
schuldigte zunächst auf F._ (...) verbal einwirkte, worauf dieser zurückwich
und der Beschuldigte ihm folgte. In der Folge bedrängte der Beschuldigte weiter-
hin den zurückweichenden F._, worauf die beiden sich gegenseitig an den
Armen bzw. Jacken hielten. Nach weiteren Diskussionen zwischen dem Beschul-
digten und F._ und teilweise dem Mitbeschuldigten D._ ging der Be-
schuldigte zum Privatkläger B._, worauf sich diese gegenseitig packten und
mehrfach zu Boden kamen. Zwar ist auf der Aufnahme der Überwachungskamera
- wie die Vorinstanz weiter festhielt - nicht ersichtlich wer dieser beiden direkt Be-
teiligten beim ersten Fall den anderen zu Boden riss, indessen rang später der
Beschuldigte den Privatkläger zu Boden, wobei sich dieser (der Privatkläger) an
den Beschuldigten klammerte, als die weiteren Anwesenden die beiden zu tren-
nen versuchten. Auch im späteren Verlauf des Geschehens war es wiederum der
Beschuldigte, welcher in aggressiver Haltung auf die Gruppe losging und den Pri-
vatkläger B._ angriff. Sichtbar ist weiter, dass sich der Privatkläger B._
mit einem Faustschlag gegen den Beschuldigten wehrte, wobei er darauf zu flie-
hen versuchte, aber vom Beschuldigten und vom Mitbeschuldigten D._ wie-
der eingeholt wurde (vgl. dazu Vorinstanz Urk. 86 S. 15 f. unter Angabe der jewei-
ligen Fundstellen der Videoaufnahme). Auch im weiteren Verlauf des Geschehens
zeigt die Videoaufnahme die Fluchtversuche des Privatklägers B._, der u.a.
vom Beschuldigten verfolgt wird und - nachdem der Mitbeschuldigte D._ den
Privatkläger mit gestrecktem Bein in die Bauchgegend trat und darauf zu Boden
fiel, weiter auf die ...strasse flüchtete - schliesslich mit ihm erneut zu Fall kam (vgl.
Urk. HD 15/2 Kamera ... Tor ... schwenkbar 3:22:35 - 3:22:56), wo sich beide
(Beschuldigter und Privatkläger) am Boden wälzten. Kurz darauf verlassen so-
wohl der Beschuldigte als auch der Mitbeschuldigte D._, der den am Boden
- 20 -
liegenden Privatkläger getreten hatte, den Ort des Geschehens (vgl. Urk. HD 15/2
Kamera ... Tor ... schwenkbar 3:23:00 - 3:23.15).
3.8.2.4. Die Vorinstanz setzte sich im Einzelnen mit den Aussagen des Beschul-
digten auseinander (vgl. Urk. 86 S. 13 ff, Ziff. 5). Unter Aufzählung der konkreten
Angaben erwog sie vorerst, dessen Aussagen anlässlich der ersten zwei Einver-
nahmen (Urk. 6/1 und 6/3), welche noch am Tattag erfolgten, würden durch die
Aufnahmen der Videoüberwachung des Hallenstadions zu einem grossen Teil
widerlegt (vgl. Urk. 86 S. 15). Wie die oben geschilderten Videoaufnahmen bele-
gen, stiess der Beschuldigte - entgegen seiner Darstellung - nicht alleine zur
Gruppe um den Privatkläger B._. Nicht zutreffend ist sodann, dass bereits
eine heftige Diskussion im Gange war, als er dort ankam, dass er dem Treiben
der Gruppe um den Privatkläger B._ eine Weile zuschaute und anschlies-
send beim Weitergehen geschubst wurde (vgl. Urk. HD 6/1 S. 3 ff, HD 6/3 S. 5).
Vielmehr befand sich die Gruppe bis zu seiner Ankunft und zunächst auch noch in
seiner Anwesenheit in normalem Gespräch und es war der Beschuldigte, der sich
nach seiner Beteiligung am Gespräch der Gruppe aggressiv verhielt (so auch
Vorinstanz Urk. 86 S. 15). Zwar ist der Videoaufnahme zu entnehmen, dass sich
der Privatkläger B._ mit einem Faustschlag gegen die Aggressionen des
Beschuldigten wehrte, indessen findet seine Darstellung, er sei von vier bis
fünf Personen der Gruppe B._ geschlagen und getreten worden, "als wäre er
ein Stück Fleisch" (vgl. Urk. 6/3 S. 7) keine Bestätigung. Unzutreffend ist sodann
seine Schilderung, er sei weggerannt, damit er nicht noch mehr geschlagen
worden sei (so auch Vorinstanz in Urk. 86 S. 16). Ebenso wenig bestätigen die
Videoaufnahmen seine Darstellung, er sei total "besoffen" und habe sich in jener
Nacht nur noch torkelnd fortbewegt (vgl. Urk. HD 6/1 S. 3f., HD 6/3 S. 5). Seine
zum Alkoholkonsum gemachten Angaben (zusammen mit einem Gewissen ... ei-
ne Flasche von 75 cl Whisky und von einer zweiten Flasche drei bis vier Becher
halb Whisky, halb Cola getrunken zu haben, vgl. HD 6/3 S. 3; vgl. dazu die Aus-
sagen von D._ in der Konfrontationseinvernahme Urk. HD 6/16 S. 6 f.) las-
sen sich zudem mit der auf die Tatzeit rückgerechneten Blutalkoholkonzentration
(minimal 1.12 bzw. maximal 1.86 Gewichtspromille gemäss Urk. HD 12/4) nicht in
Einklang bringen. Zu Recht wies im Übrigen die Vorinstanz diesbezüglich auf die
- 21 -
bundesgerichtliche Rechtsprechung hin, wonach im Sinne einer Faustregel
verminderte Schuldfähigkeit erst bei einer Blutalkoholkonzentration ab zwei
Gewichtspromille in Betracht zu ziehen ist, wobei ergänzend anzufügen ist, dass
diese Vermutung für die Annahme einer Verminderung der Schuldfähigkeit im
Einzelfall durch Gegenindizien - wie beispielsweise die Gewöhnung an grosse
Alkoholmengen - umgestossen werden kann (vgl. BGE 122 IV 49 E. 1b und 1c).
Darauf, dass der Beschuldigte zu (übermässigem) Alkoholkonsum neigte, weist
auch die Blutalkoholkonzentration hin, welche im Zusammenhang mit dem
Anklagesachverhalt ND 5 beim Beschuldigten gemessen wurde (vgl. ND 5
Urk. 7/4: 1.19 - 1.78 Gewichtspromille) und einen Vorfall vom 7. November 2010
betrifft, mithin lediglich 7 Tage vor dem hier zur Diskussion stehenden Vorfall, was
auf eine gewisse Alkoholtoleranz schliessen lässt. In jener Zeit regelmässig
Alkohol konsumiert zu haben, bestätigte der Beschuldigte schliesslich auch an der
Berufungsverhandlung (Urk. 100, S. 5-6). Zudem lassen die Videoaufnahmen
zusammen mit der rückgerechneten Blutalkoholkonzentration die Darstellung des
Beschuldigten, er sei derart stark alkoholisiert gewesen, dass sich alles um ihn
gedreht und er es nicht scharf gesehen habe (Urk. HD 6/3 S. 5 und 6/4 S. 7 f.) als
Schutzbehauptung erscheinen. Mit der Vorinstanz ist damit festzuhalten, dass die
Aussagen, welche der Beschuldigte vor Einsichtnahme in die Aufnahme der
Überwachungskamera des Hallenstadions erstattete, dem tatsächlichen Ablauf
der Ereignisse widersprechen und sich damit als nicht glaubhaft erweisen.
Aber auch seine Aussagen nach der Vorführung der Videoaufnahmen sind - so-
fern er überhaupt dazu Stellung nahm (vgl. dazu Urk. HD 6/14), was freilich sein
gutes Recht ist - wenig überzeugend. So ortete bereits die Vorinstanz darin nebst
ausweichenden Aussagen auch Bestreitungen, die mit den Videobildern nicht in
Einklang stehen. Zunächst bestritt er, ausgerechnet sein Kumpane D._ (der
Mann mit einer Kapuze über dem Kopf) auf dem Video zu erkennen (vgl. Urk.
HD 6/14 S. 3). Den Vorhalt gestützt auf die Videoaufnahmen (Urk. HD 15/2
Kamera ... Tor ... schwenkbar 03:14:52), er stosse F._ plötzlich weg,
erwiderte er mit der Frage, woher man sehe, dass er ihn stosse und verzichtete
daraufhin, dazu Stellung zu nehmen (vgl. Urk- HD 6/14 S. 3). Weiter erklärte der
Beschuldigte auf entsprechenden Vorhalt, er und F._ seien aneinander-
- 22 -
geraten, er könne nicht beurteilen, ob es ein Streit gewesen sei, man höre ja
nichts, es habe auch andere Leute dabei (vgl. Urk. 6/14 S. 4). Dazu hielt die
Vorinstanz mit Recht fest, auch wenn die Viedeoaufnahmen der Überwachungs-
kamera keinen Ton aufwiesen, so zeigten die Bilder unmissverständlich, dass der
Beschuldigte F._ wegstiess und es zwischen den beiden zu einer verbalen
Auseinandersetzung kam, weswegen die entsprechende Bestreitung des
Beschuldigten wenig plausibel erscheine (vgl. Urk. 86 S. 17). Auf den Vorhalt, der
Privatkläger B._ sei vor ihm zurückgewichen und habe mit den Armen eine
Abwehrhaltung eingenommen, betonte er, vorher selber Abwehrbewegungen
gemacht zu haben, als der Privatkläger B._ auf ihn eingeprügelt habe (vgl.
Urk. HD 6/14 S. 5), womit er eine Antwort zu der ihm gezeigten Videosequenz
schuldig blieb. Dazu hielt die Vorinstanz sodann korrekt fest, allfällige eigene
Abwehrbewegungen des Beschuldigten stünden zwar nicht in Widerspruch zur
Darstellung des Privatklägers B._, der bereits in der ersten Befragung auf
der Intensivstation eingeräumt hatte, dem Beschuldigten einen Faustschlag ins
Gesicht versetzt zu haben (vgl. Urk. 86 S. 17 mit Hinweisen auf die Aussagen von
B._); Indessen sei ein eigentliches Einprügeln von B._ auf den Beschul-
digten, wie er es geltend mache, den Aufnahmen nicht zu entnehmen (vgl. Urk.
86 S. 17), was korrekt ist.
Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme mit dem Mitbeschuldigten D._
nahm der Beschuldigte einlässlich zum Geschehen und zu den ihm zur Last
gelegten Vorwürfe Stellung (vgl. Urk. HD 6/16, vgl. Zusammenfassung der Aus-
sagen im vorinstanzlichen Urteil Urk. 86 S. 17 f.). Mit Bezug auf die letzte Phase
des Geschehens, nämlich bevor er das letzte Mal mit dem Privatkläger zusam-
menstiess, schilderte er erstmals, sich zuerst von B._ 3 - 4 Meter entfernt zu
haben, wobei er seine Bauchtasche und seine Jacke habe richten wollen, damit
man ihm diese nicht über den Kopf hätte ziehen können. Ebenfalls erstmals
konzedierte er, selber wütend geworden zu sein und gedacht zu haben, dass er
jetzt "Herr B._ abschlagen" würde (vgl. Urk. HD 6/16 S. 19: "Also richtig zu-
schlagen, nicht nur abwehren. Gegen den Kopf "böxeln"."), worauf er auf ihn zugegangen
sei (vgl. Urk. HD 6/16 S. 19). Nach wie vor bestritt er, ein Messer dabei gehabt
oder auch nur gesehen zu haben (vgl. Urk. HD 6/16 S. 19). Die Vorinstanz erwog,
- 23 -
die Ausführungen des Beschuldigten nach Einsichtnahme in die Aufnahmen der
Überwachungskamera machten deutlich, wie er sein Aussageverhalten angepasst
und - soweit die Bilder aus seiner Sicht nahelägen - Eingeständnisse gemacht
habe. Andererseits interpretiere er die Videobilder teilweise auch zu seinen
Gunsten, obwohl die Aufnahmen eine andere Darstellung belegten. Die
Vorinstanz konkretisierte diese Schlussfolgerungen mit diversen Beispielen, die
allesamt zutreffend sind (vgl. Urk. 86 S. 19 f.): Neu will er noch bevor man zu
Boden fiel, den ersten Schlag von B._ ins Gesicht bekommen haben (vgl.
Urk. HD 6/16 S. 18 im Gegensatz zu früher vgl. HD 6/1 S. 4 und HD 6/3 S. 5 und
HD 6/4 S. 2). Nicht mehr geltend machte er, mehrere Personen hätten auf ihn
eingedroschen, geschlagen und getreten, welch anderslautende Darstellung
ohnehin in Widerspruch zu den Videoaufnahmen stand. Sprach er in den ersten
Einvernahmen abweichend zu den vorhandenen Bildern noch davon, lediglich
zwecks Abwehr wild um sich geschlagen zu haben, räumte er nun ein, den
Privatkläger aus Wut "abschlagen" gewollt zu haben und deswegen in der letzten
Phase auf ihn zugegangen zu sein. Bemerkenswert ist sodann - dies wiederum
mit der Vorinstanz - dass er die Videosequenz, aus welcher der polizeiliche Sach-
bearbeiter schloss, der Beschuldigte habe ein Messer aus seiner Bauchtasche
genommen (vgl. Vorhalt in Urk HD 6/14 S. 5 unter Hinweis auf Urk. HD 15/2
Kamera ... Tor ... schwenkbar 03:21:44), so interpretiert, dass er neu seine Bauchtasche und seine Jacke habe richten wollen. Allzu durchsichtig auf eine
Verteidigungsstrategie weisen zudem seine Schilderungen, er habe den am Bo-
den liegenden Privatkläger an der Jacke gerissen, damit er aufstehe, "so dass wir
jetzt fair kämpfen" (vgl. Urk. HD 6/16 S. 20). Denn diese Darstellung steht in Wi-
derspruch zu den vorhandenen Bildern, welche den Privatkläger am Boden zei-
gen, wie er vom Mitbeschuldigten D._ getreten wird. Mit der Vorinstanz ist
daher festzuhalten, dass der vom Beschuldigten im Lauf der Untersuchung neu
geltend gemachte äussere Ablauf insoweit er einräumt, er sei dem Privatkläger
nachgerannt und beabsichtigt habe, diesen zu schlagen, eher den Aufnahmen der
Videoüberwachung entspricht, als derjenige gemäss seinen früheren Behauptun-
gen. Indessen stehen seine Aussagen nach wie vor in verschiedener Hinsicht
nicht mit den Videoaufnahmen in Einklang (vgl. dazu Urk. 86 S. 20). Auch die
- 24 -
korrigierte, teilweise in Widerspruch zu seinen früheren Aussagen stehende
Darstellung des Beschuldigten erweist sich daher als wenig glaubhaft.
Die Vorinstanz zeigte sodann im Einzelnen verschiedene Widersprüche in
den Aussagen des Beschuldigten auf, welche zwar nicht das eigentliche Tatge-
schehen beschlagen, jedoch sein unzuverlässiges Aussageverhalten dokumentie-
ren. Auf die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz, die allesamt zutreffen,
kann an dieser Stelle verwiesen werden (vgl. Urk. 86 S. 20 f. Ziff. 5.6.).
Nicht ganz ohne Bedeutung ist seine bereits von der Vorinstanz angeführte
Bestreitung im Rahmen der Untersuchung betreffend den hier diskutierten Vorfall
vom 14. November 2010, er habe nicht einmal ein Messer (vgl. Urk. HD 6/3 S. 7).
In einer späteren Einvernahme bestritt er sodann, mit einem Messer oder Sack-
messer herumzulaufen um hinzuzufügen, jedenfalls nicht mit einem Sackmesser
(vgl. Urk. HD 6/4 S. 9). Auf die sich aufgrund seiner Reaktion aufdrängende
Frage, was er dann nehmen würde, antwortete er, vielleicht ein Butterfly oder ein
Spickmesser. "Etwas das Stil hat" (vgl. Urk. HD 6/4 S. 9). Dazu erklärte er ohne
Aufforderung (was auf ein Lügensignal hindeutet), er wisse, dass Messer ver-
boten seien, deshalb laufe er nicht mit einem Butterfly herum, was er auch nicht
tun würde, selbst wenn es legal wäre. Nun zeigt der im Zusammenhang mit dem
Anklagepunkt ND 5 eingeklagte Sachverhalt (Vorfall vom 7. November 2010, mit-
hin 7 Tage vor dem hier diskutierten Vorfall vom 14. November 2010; vgl. Urk.
HD 34 S. 5 f.), dass es sich beim Beschuldigten nicht so verhält. So wurde er im
vorinstanzlichen Urteil wegen Drohung mit einem Butterfly-Messer zum Nachteil
von L._ und Widerhandlung gegen das Waffengesetz verurteilt, welchen
Entscheid der Beschuldigte im vorliegenden Berufungsverfahren nicht mehr über-
prüft haben will und somit diesbezüglich im Schuldpunkt in Rechtskraft erwuchs.
Damit stehen auch diese Aussagen in Widerspruch zu seinem als erstellt zu be-
trachtenden Verhalten.
Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Aussagen
des Beschuldigten mit Widersprüchen behaftet sind und teilweise stark vom
Geschehen abweichen, das durch die Aufnahmen der Videoüberwachung
des Hallenstadions erstellt ist (vgl. Vorinstanz Urk. 86 S. 22). Seine Aussagen
- 25 -
erweisen sich damit insgesamt als nicht überzeugend und wenig glaubhaft, was
letztlich auch die Verteidigung so beurteilte (Urk. 101 S. 6).
3.8.2.5. Der Privatkläger B._ wurde insgesamt vier Mal befragt (vgl. HD 3/1,
3/3, 3/6 -8 und 3/9). Aufgrund der oben aufgeführten medizinischen Berichte,
insbesondere des dazu angeforderten Aktengutachtens (vgl. oben, vgl. insbeson-
dere Urk. HD 10/4) steht fest, dass der Privatkläger B._ an jenem Abend
zwei Messerstichverletzungen am Brustkorb erlitt. Die auch im Entscheid der
Vorinstanz zusammengefassten Aussagen des Privatklägers schildern im
Wesentlichen konstant den Ablauf der Ereignisse bis zu seinem Schlag in das
Gesicht des Beschuldigten. Wie er genau zu Boden kam, konnte er indessen nie
genau schildern (so auch Vorinstanz in Urk. 86 S. 25). Uneinheitlich sind seine
Schilderungen, was die Messerstiche betrifft. Insbesondere divergieren seine
Aussagen zu den Fragen, ob er das Messer beim Beschuldigten sah und ob er
die Stichbewegungen bei der Zufügung der Stiche sah bzw. ob er die Stiche
wahrnahm.
In seiner ersten Befragung verneinte er, in jener Nacht ein Messer gesehen zu
haben, wobei er davon ausging, dass der Mann, der ihn geschlagen habe, auch
das Messer hatte (vgl. Urk. HD 3/1 S. 2). Demgegenüber erklärte er in der
zweiten polizeilichen Befragung, das Messer in der Hand des Mannes gesehen zu
haben, der zuerst bei F._ gewesen sei und danach versucht habe, ihn zu
schlagen. Dazu schilderte er, jener Mann (den er auf Vorhalt verschiedener Bilder
als den Beschuldigten identifizierte; vgl. Urk. HD 3/3 S. 4) habe das Messer in der
einen Hand gehalten und es mit der anderen geöffnet; das Messer habe so aus-
gesehen wie ein Schweizer Sackmesser (vgl. Urk. HD 3/3 S. 3). In der Video-
befragung erklärte er dazu, er habe nicht gesehen, woher der Beschuldigte das
Messer gehabt und wie er die Klinge geöffnet habe; er habe nur die Klinge in
seiner Hand gesehen. Als er auf dem Boden gelegen habe, habe der Beschuldig-
te das Messer in der Hand gehalten und auf ihn eingestochen; dabei habe er die
Klinge gesehen (vgl. Urk. HD 3/7 S. 3 bzw. DVD Urk. 3/8 ab19:00). In derselben
Einvernahme präzisierte er, es sei ihm gesagt worden, dass es sich beim Messer
um ein Schweizer Sackmesser gehandelt habe. Er habe das Messer aber nicht
- 26 -
gesehen. Er wisse nicht mehr, wer ihm dies gesagt habe; alle seien zu ihm ins
Spital gekommen (vgl. Urk. HD 3/7 S. 4 bzw. genauer DVD Urk. 3/8 ab 40:00). In
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 2. Februar 2011 schliesslich
bekräftigte er, kein Messer gesehen zu haben, sondern nur, dass „er etwas in der
Hand hatte, und etwas glänzte, so wie eine Klinge“ (vgl. Urk. HD 3/9 S. 7). Eben-
so wenig habe er gesehen, woher der Beschuldigte dieses Messer her hatte (vgl.
Urk. HD 3/9 S. 7). Er bestätigte sodann gesehen zu haben, dass der Beschuldigte
zugestochen habe, wobei er sich nur an den Stich erinnere, welcher in die Brust
gegangen sei (vgl. Urk. HD 3/9 S. 8 f.).
Zu den ihm zugefügten Messerstichen spekulierte der Privatkläger in seiner
ersten Befragung, diese habe er möglicherweise am Boden erhalten, nachdem er
umgefallen sei und auf ihn eingetreten worden sei (vgl. Urk. HD 3/1 S. 1). In der
zweiten Befragung äusserte er, I._ habe etwas von einem Messer
gesprochen, wobei er (der Privatkläger) am Anfang nichts bemerkt habe von
einem Stich. I._ habe zu ihm gesagt, dass er bluten würde. Gespürt habe er,
dass etwas Kaltes in ihn eingedrungen sei, er Kraft verloren habe und auf den-
jenigen, der ihn „angemacht“ habe, gefallen sei (vgl. Urk. HD 3/3 S. 3). In der
Videobefragung erklärte er, er habe plötzlich das Messer in seinem Rücken links
gespürt, habe keine Luft mehr bekommen und sei vornüber auf den Boden ge-
fallen. Auf dem Boden habe er nochmals einen Stich in die Brust bekommen (vgl.
Urk. HD 3/7 S. 3 bzw. DVD Urk. HD 3/8 ab 11:50). Als er auf dem Boden ge-
wesen und das zweite Mal gestochen worden sei habe er gesehen, dass der
Beschuldigte ihn gestochen habe (vgl. Urk. HD 3/7 S. 3 bzw. DVD 3/8 ab 13:00).
Später widerholte er, er sei auf den Boden gefallen, weil er nicht mehr habe
atmen können, wobei er relativierte, nachdem es passiert gewesen sei, habe er
noch alles gewusst. Aber seit der Narkose wisse er nicht mehr, weshalb er zu
Boden gefallen sei; er glaube, dass er nach dem Stich gegen seine Seite auf den
Boden gefallen sei. D1._ (gemeint D._) habe versucht, ihn zu treten und
der Beschuldigte habe ihn erneut gestochen (vgl. Urk. HD 3/7 S. 3 bzw. DVD 3/8
ab 20:00). Von sich aus bemerkte er wenig später erneut, es sei so „Scheisse“; er
hätte lieber grad nach der Tat ausgesagt, jetzt nach der Narkose fehle ihm viel
(vgl. Urk. HD 3/7 S. 4 bzw. DVD 3/8 ab 26:40). In der staatsanwaltschaftlichen
- 27 -
Einvernahme erläuterte er, er könne sich an den Moment erinnern, kurz bevor
er gestochen worden sei: Der Beschuldigte sei vor ihm gestanden und zu ihm
hinunter gekommen, dann habe er gespürt, dass er gestochen worden sei. Er sei
zweimal gestochen worden, aber den zweiten Stich wisse er nicht mehr, er erin-
nere sich an denjenigen, der in die Brust gegangen sei (vgl. Urk. HD 3/9 S. 8 f.).
Bei der Würdigung dieser Aussagen des Privatklägers ist vorerst auf Folgendes
hinzuweisen: Sowohl die erste als auch die zweite polizeiliche Befragung des
Privatklägers B._ erfolgten als er noch hospitalisiert war. Die erste Befragung
fand wenige Stunden nach seiner Operation im Intensiv Hof-B des Universitäts-
spitals Zürich statt. Der diesbezüglichen Aktennotiz des befragenden Polizeibe-
amten ist zu entnehmen, dass der Privatkläger im Zeitpunkt seiner Aussagen
- obwohl er vom zuständigen Arzt als vernehmungsfähig bezeichnet worden war -
an den Nachwehen des künstlichen Komas litt, sehr müde und jeweils kurz vor
dem Einschlafen war (vgl. Urk. HD 3/1). Diese Feststellungen hätten eigentlich
nahegelegt, auf eine Befragung zu verzichten. Bei dieser Ausgangslage erstaunt
daher, dass der Privatkläger dabei „dennoch“ „recht klare Aussagen zum Vorfall
vom Morgen des 14.11.2010 machen“ konnte, wie dies der Polizeibeamte festhielt
(vgl. Notiz in Urk. HD 3/1 S. 1). Die zweite Befragung erfolgte zwei Tage nach
dem Geschehen wiederum im Universitätsspital Zürich, wo der Privatkläger nach
wie vor hospitalisiert war (vgl. HD Urk. 3/3). Die Aussagen des Privatklägers
wurden bei beiden Befragungen in Berichtsform wiedergegeben. Wie die
Vorinstanz zutreffend fest hielt, lässt sich den bloss sinngemäss zusammen-
gefassten Ausführungen letztlich nicht zweifelsfrei entnehmen, inwiefern die
Depositionen des Privatklägers bei diesen Befragungen seine eigenen Wahr-
nehmungen betrafen oder ob er allenfalls Beobachtungen von Dritten zu Protokoll
gab, zumal weder aus der Aktennotiz vom 14. November 2010 noch dem Ermitt-
lungsbericht vom 19. November 2010 die genauen Fragen und deren Antworten
im Einzelnen hervorgehen (vgl. Urk. 86 S. 28 f.). Nachdem der Privatkläger auch
keine Gelegenheit erhielt, das Protokollierte selber durchzulesen und zu be-
stätigen, können zudem auch nur Missverständnisse nicht ausgeschlossen
werden. Damit ist aber auch gesagt, dass eine Würdigung der Aussagen des
- 28 -
Privatklägers unter Berücksichtigung des Zustandekommens der ersten zwei
Befragungsprotokolle zu erfolgen hat.
Die Vorinstanz erwog, der Privatkläger habe einzig in der ersten polizeilichen
Befragung zu Protokoll gegeben, kein Messer gesehen zu haben (vgl. Urk. 86
S. 26). In diesem Zusammenhang wies sie auf die schon oben angesprochenen
Besonderheiten dieser Befragung hin (der Privatkläger war noch auf der Intensiv-
station), wobei sie unter Angabe der medizinischen Unterlagen speziell die kurze
Zeit davor erfolgte Extubation und die noch wirkende starke Medikation des
Privatklägers hervorhob (vgl. Urk. 86 S. 26 f.). Gestützt darauf schloss sie, dass
der Privatkläger in dieser ersten polizeilichen Befragung im Gegensatz zu seinen
späteren Aussagen ausgeführt habe, er habe kein Messer gesehen und zu den
Messerstichen keine näheren Angaben gemacht habe, lasse sein Aussagever-
halten deshalb nicht als unglaubhaft erscheinen. Dazu ist zu präzisieren, dass
aufgrund der fraglichen Aktennotiz (Urk. HD 3/1 erste Befragung) nicht gesagt
werden kann, der Privatkläger sei überhaupt um nähere Angaben zu den Messer-
stichen gefragt worden. Was seine Erklärung betrifft, kein Messer gesehen zu
haben, so widerspricht diese Aussage letztlich auch nicht seinen später mehrmals
gemachten gleichbleibenden Depositionen. Denn - abgesehen von der zweiten
Befragung - sagte er in sämtlichen Einvernahmen konstant aus, das Messer nicht
gesehen zu haben, sondern eben nur dessen Klinge, wobei er diesbezüglich noch
verdeutlichte, es habe etwas geglänzt in der Hand des Beschuldigten, so wie eine
Klinge (vgl. Urk. HD 3/9 S. 7). Lediglich den in Berichtsform wiedergegebenen
Aussagen der zweiten Einvernahme ist zu entnehmen, dass er das Messer sah
(vgl. Urk. HD 3/3 S. 3). Schon dort hatte er aber darauf hingewiesen, I._
habe etwas von einem Messer gesprochen (vgl. Urk. HD 3/3 S. 3), womit er Be-
zug auf Gehörtes nahm und was Fragen hinsichtlich seiner späteren Aussage in
derselben Befragung, das Messer gesehen zu haben und deren Protokollierung
aufwirft. Diese Fragen konnte er in seiner Videobefragung klären. Dort bekräftigte
er, er habe weder gesehen, woher der Beschuldigte das Messer gehabt, noch wie
er die Klinge geöffnet habe. Er wisse nicht, „was das für ein Messer war“ (vgl. Urk.
HD 3/7 S. 3 bzw. DVD 3/8 ab 19:00). Weiter erklärte er, ihm sei gesagt worden,
dass es sich beim Messer um ein Schweizer Sackmesser gehandelt habe, er
- 29 -
habe das Messer aber nicht gesehen. Er wisse nicht mehr, wer ihm das gesagt
habe, ins Spital seien alle gekommen (vgl. Urk. HD 3/7 S. 4 bzw. genauer DVD
3/8 ab 40:00). Damit stellte er klar, dass seine in Berichtsform protokollierten
Messerangaben in der zweiten Befragung vom Hörensagen stammten und auf die
Schilderung von Dritten zurückzuführen sind. Im Ergebnis erweist sich sein Aus-
sageverhalten hinsichtlich Wahrnehmung des Messers nicht als in dem Masse
widersprüchlich wie dies die Verteidigung geltend zu machen versucht (vgl.
Urk. 70 S. 6, Urk. 101 S. 3). Der Vorinstanz ist damit zuzustimmen, dass aus
diesen Aussagen eine Beeinträchtigung der Glaubhaftigkeit der Aussagen des
Privatklägers nicht abzuleiten ist.
Was die Wahrnehmung der Messerstiche betrifft, so waren die diesbezüglichen
Aussagen des Privatklägers - wie oben gezeigt - nicht einheitlich. So divergieren
seine Aussagen insbesondere mit Bezug auf die Reihenfolge dieser Stiche (vgl.
oben). Auch die Vorinstanz setzte sich in ihrem Entscheid damit auseinander und
zählte unter Angabe der betreffenden Aktenstellen die Abweichungen in seinen
Aussagen auf (vgl. Urk. 86 S. 27 f.). Vorerst fällt auf, dass er bei der Polizei den
ersten Stich als denjenigen in den Rücken links bezeichnete (vgl. u.a. Urk. HD 3/3
S. 3 und HD 3/7 S. 2f. bzw. DVD 3/8 ab 11:00 bzw. 12:40), der allerdings nur
möglicherweise zu seinem Umfallen führte (vgl. Urk. HD 3/7 S. 3 bzw. DVD 3/8 ab
19:00 bis 20:30), währenddem er bei der Staatsanwaltschaft den ersten Stich als
denjenigen bezeichnete, der vorne in die Brust ging (vgl. Urk. HD 3/9 S. 9), wobei
er in diesem Zusammenhang präzisierte, er erinnere sich genau daran, dass er
am Boden gelegen sei, als er gesehen habe, wie der Beschuldigte auf ihn zu-
stach, worauf er einen Schmerz, ein Brennen, verspürt habe (vgl. Urk. HD 3/9
S. 8). An einen weiteren Stich (den zweiten?) konnte sich der Privatkläger bei der
Staatsanwältin nicht mehr erinnern (vgl. Urk. HD 3/9 S. 9). Nun erwog die
Vorinstanz diesbezüglich zutreffend, der Privatkläger habe in diesen Einver-
nahmen (Videobefragung und staatsanwaltschaftliche Einvernahme) im Wesentli-
chen übereinstimmend geschildert, wie der Beschuldigte ihm das Messer in die
Brust gestochen habe. Ebenso korrekt hielt sie fest, dass insofern glaubhaft
erscheine, dass der Privatkläger den Stich in den Rücken nicht umschreiben
konnte, als dieser offenbar von hinten und ausserhalb seines Blickfeldes erfolgte.
- 30 -
Wesentlich ist jedoch, dass es sich beim eingeklagten Vorfall um ein äusserst
dynamisches Geschehen handelte, das - wie die Videoaufnahmen zeigen - sich
über längere Zeit unter ständigem Wechsel der Örtlichkeiten hinzog. Damit ver-
mag in der Tat nicht zu erstaunen (so auch die Vorinstanz Urk. 86 S. 29), dass die
genauen Details der Abläufe nicht mehr in allen Einzelheiten konstant wieder-
gegeben werden konnten. Dazu kommt, dass der Privatkläger B._ immer
wieder auf sein fehlendes Erinnerungsvermögen hinwies (vgl. u.a. Urk. HD 3/1;
HD 3/3 S. 4, HD 3/7 S. 3 und 4 bzw. DVD 3/8 z.B. ab 20:00 und 26:40, HD 3/9
S. 4 - 8) und sogar selber äusserte, er hätte lieber grad nach der Tat ausgesagt,
jetzt fehle ihm viel (vgl. Urk. 3/7 S. 4 bzw. DVD 3/8 ab 26:40). Darüber hinaus ist
mit der Vorinstanz festzuhalten, dass auch angesichts der Traumatisierung des
Privatklägers durch die erlittenen Messerstiche und die anschliessende Operation
unter Narkose plausibel ist, dass er sich nicht mehr in allen Details an den Ablauf
des Vorfalls vom 14. November 2010 erinnern kann (vgl. Vorinstanz Urk. 86
S. 29).
Weiter sind auch die Erwägungen der Vorinstanz zutreffend, vor diesem Hinter-
grund erscheine auch nicht als wesentlich, dass der Privatkläger B._ noch in
der Intensivstation des Universitätsspitals gemäss Aktennotiz des befragenden
Polizeibeamten angab, G._ habe ihm gesagt, er solle mal auf seinen Bauch
schauen (vgl. HD 3/1 S. 1), währenddem er zwei Tage später immer noch am
Spitalbett erklärte, I._ habe zu ihm gesagt, dass er blute (vgl. Urk. HD 3/3 S.
3 Vorinstanz: Urk. 86 S. 29). Gleiches gelte auch für seine divergierenden Aus-
sagen betreffend die ihm versetzten Tritte (mehrere Personen gemäss HD 3/1
S. 1; zwei Personen gemäss HD 3/3 S. 3; der Mitbeschuldigte D._ habe ihn
getreten gemäss Urk. HD 3/7 S. 3 bzw. DVD 3/8 ab 13:20 und Urk. HD 3/9 S. 4;
zum Ganzen Vorinstanz in Urk. 86 S. 29). Immerhin führte der Privatkläger
gleichbleibend aus, mehrere Tritte versetzt bekommen zu haben (vgl. HD 3/1
S. 1, HD 3/7 S. 4 und HD 3/9 S. 5), was durch die festgestellten multiplen
Prellmarken - so die Vorinstanz unter Hinweis auf die Zusammenfassung der
Krankengeschichte in Urk. 10/7) - glaubhaft erscheint und ergänzend durch die
Videoaufnahmen bestätigt wird. Auch angesichts der Tatsachen, dass der Vorfall
nachts stattfand, die Lichtverhältnisse trotz Beleuchtung nicht optimal waren und
- 31 -
der Privatkläger im Zeitpunkt der Tritte am Boden lag, sind seine Angaben über
die Anzahl der auf ihn eintretenden Personen nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen zu untergraben (so auch Vorinstanz in Urk. 86 S. 29).
Im Sinne eines Zwischenergebnisses erwog die Vorinstanz, dass die Aussagen
des Privatklägers B._ in der Untersuchung zwar verschiedene Differenzen
und Ungereimtheiten enthielten. Diese liessen sich jedoch durch die Dynamik des
Geschehens sowie das aufgrund der Traumatisierung durch die Übergriffe und er-
littenen Messerstiche mit anschliessender Operation unter Narkose glaubhaft
mangelnde Erinnerungsvermögen des Privatklägers B._ und die herrschen-
den Lichtverhältnisse erklären (so Vorinstanz in Urk. 86 S. 29 f.). Zutreffend ist
sodann, dass sich, angesichts dieser besonderen Umstände, seine Aussagen
insgesamt als authentisch und lebensnah erweisen (vgl. Urk. 86 S. 30).
Anhaltspunkte dafür, dass der Privatkläger B._ den Beschuldigten zu Un-
recht belastete, bestehen mit der Vorinstanz keine. Vorab sprächen die diskutier-
ten Divergenzen in den Aussagen des Privatklägers B._ sowie dessen feh-
lende Erinnerung gegen eine solche Falschbelastung. Überdies sei kein Motiv er-
sichtlich, weshalb er den Beschuldigten zu Unrecht der tatsächlich erlittenen Mes-
serstiche bezichtigen sollte, zumal Privatkläger und Beschuldigter einander - wie
sie übereinstimmend sagten - vor diesem Vorfall nicht gekannt hätten (vgl. Urk. 86
S. 30 unter Hinweis auf die konkreten Aktenstellen). Weiter verwies die Vor-
instanz auf den Umstand, dass der Privatkläger bereits von allem Anfang an, ins-
besondere vor der Visionierung der Videoüberwachung, unumwunden einräumte,
dem Beschuldigten die Faust ins Gesicht geschlagen zu haben (vgl. Urk. 86 S. 30
mit Hinweisen auf die Akten), was zeigt, dass er nicht nur danach trachtete, das
Fehlverhalten des Beschuldigten zu schildern, sondern dass er durchaus um
wahrheitsgetreue Schilderung des Geschehens bemüht war, was ebenso für die
Glaubhaftigkeit seiner Darstellung spricht.
Die Aussagen des Privatklägers B._ zeigen aber auch, dass kein Anlass
besteht, der Vermutung des Beschuldigten und seiner Verteidigung zu folgen, es
liege eine Absprache mit seinen Kollegen G._ und I._ vor, welche der
Beschuldigte seltsamerweise bereits in seiner ersten Einvernahme in Unkenntnis
- 32 -
der Aussagen des Privatklägers und seiner Kollegen andeutete und später mehr-
fach äusserte (vgl. Urk. HD 6/1 S. 1, später HD 6/4 S. 1, HD 6/10 S. 2, Urk. 66
S. 5 und Urk. 70 S. 6 f., Urk. 100 S. 8-9). Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass
die Aussagen des Privatklägers B._ weniger Ungereimtheiten und Erinne-
rungslücken aufwiesen und weit mehr mit den Aussagen G._s und I._s
übereinstimmten, wäre eine solche Absprache tatsächlich erfolgt. Insbesondere
würde der Privatkläger B._ - so die Vorinstanz weiter - kaum darauf hinwei-
sen, G._ habe während des fraglichen Vorfalls das Auto umparkiert (vgl. Urk.
HD 3/7 S. 3 bzw. DVD 3/8 ab 21:00). In diesem Zusammenhang kann vorweg
festgehalten werden, dass sowohl G._ als auch I._ am selben Tag,
nämlich am 14. November 2010, polizeilich getrennt einvernommen wurden und
zwar um 08.35 Uhr (G._; vgl. Urk. HD 8/12 S. 1) bzw. um 08.32 Uhr (I._;
vgl. Urk. HD 8/19 S. 1), weswegen eine Absprache mit dem im Universitätsspital
hospitalisierten Privatkläger, der um 13.00 Uhr desselben Tages noch in der In-
tensivstation war (vgl. Urk. HD 3/1 S. 1) gar nicht möglich gewesen war. Nun sag-
te G._ bereits in seiner ersten Einvernahme, derjenige der später von der
Polizei verhaftet worden sei und den er später als den Beschuldigten identifizierte,
habe ein Schweizer Armee-Messer aus seiner Bauchtasche hervorgenommen,
dieses geöffnet und damit nach dem Sturz der beiden (Privatkläger und Beschul-
digter) dem Privatkläger in die rechte Brustseite gestochen (vgl. Urk. HD 8/12 S.
2).
Zusammenfassend ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie die Aussagen des
Privatklägers B._ trotz der in seinen Ausführungen enthaltenen Divergenzen
und Ungereimtheiten im Grundsatz insgesamt als glaubhaft taxierte (vgl.
Vorinstanz in Urk. 86 S. 31).
3.8.2.6. Die Auskunftsperson G._ sagte insgesamt fünf Mal aus (vgl. Urk. HD
8/12 - 8/16). Die Vorinstanz wies unter Bezugnahme auf die neuere bundesge-
richtliche Rechtsprechung (BGE 139 IV 25) zutreffend darauf hin, dass die Ein-
vernahme vom 12. Mai 2011 (Urk. HD 8/15) zufolge Verletzung der Teilnahme-
rechte des Beschuldigten zu seinen Lasten nicht verwertet werden darf (vgl. Urk.
86 S. 31). Im Übrigen kann hinsichtlich seiner Aussagen auf die im vorinstanzli-
- 33 -
chen Entscheid wiedergegebene Zusammenfassung verwiesen werden (vgl. Urk.
86 S. 31 f.). Unterschiedliche Aussagen ortete die Vorinstanz darüber, ob der
Privatkläger B._ unmittelbar vor dem Messerstich vom Beschuldigten zu
Boden gerissen wurde oder ob er gestürzt bzw. gestolpert sei (vgl. Urk. 86 S. 32
unter Hinweis auf die Aktenstellen). Weiter diskutierte die Vorinstanz die divergie-
renden Aussagen von G._ zur zeitlichen Einordnung des von ihm geschilder-
ten Flaschenwurfs (a.a.O.), zum Zeitpunkt, wann der Beschuldigte das Messer
öffnete und mit welcher Hand der Beschuldigte das Messer führte (a.a.O.). Zutref-
fend ist, dass insbesondere die Frage nach der zeitlichen Einordnung des von ihm
geschilderten Flaschenwurfs, nicht das eigentliche Kerngeschehen betrifft. Fest
steht, dass G._ das vom Beschuldigten verwendete Messer beschreiben
konnte, was er in verschiedenen Einvernahmen tat (vgl. Urk. HD 8/12 S. 2 und S.
5; Urk. HD 8/13 S. 4f.), wobei er sich auch zur Klingenlänge äusserte (geschätzt
7,5 - 8 cm, vgl. Urk. HD 8/13 S. 5). Mehrfach schilderte er gleichbleibend woher
der Beschuldigte das Messer hervornahm, nämlich aus der (Bauch)Tasche, die
jener um den Hals gehängt hatte (vgl. Urk. HD 8/12 S. 2, 8/13 S. 4 und S. 7, 8/14
S.6), welche er unter der Jacke trug (vgl. Urk. HD 8/14 S. 6). Dass der Beschul-
digte tatsächlich eine (Bauch)Tasche um den Hals und zwar unter der Jacke trug,
steht aufgrund dessen Aussagen fest und geht auch aus den Fotos, die auf der
Kamera des Beschuldigten sichergestellt werden konnten, hervor. Auch was das
Öffnen des Messers (der Beschuldigte habe das Messer gehalten und mit der
anderen habe er es geöffnet) und den Messerstich (er habe einen Stich gesehen auf die rechte Brust) sowie die Position des Privatklägers als er gestochen wurde
(er lag auf dem Boden auf dem Rücken) betrifft, sagte G._ - dies mit der
Vorinstanz - im Wesentlichen widerspruchsfrei und detailliert aus. Detailreich
erscheinen insbesondere seine Aussagen, das Öffnen des Messers habe dem
Beschuldigten Probleme bereitet, er sei am „Probieren“ gewesen und habe dazu
geflucht (vgl. Urk. HD 8/13 S. 4), ein Detail, das auf tatsächlich Erlebtes hinweist.
G._ wurde - wie oben dargetan - fünf Mal innerhalb einer Zeitspanne von
rund 8 Monaten befragt, dabei musste er mehrfach den Ablauf eines dynami-
schen Geschehens schildern, weswegen mit der Vorinstanz nachvollziehbar ist,
dass er diesen nicht mehr in allen Einzelheiten gleichbleibend wiedergeben
- 34 -
konnte (vgl. Urk. 86 S. 33). Er räumte dabei auch wiederholt ein, dass er sich an
gewisse Vorkommnisse nicht mehr erinnern konnte, was - selbst unter Berück-
sichtigung der Tatsache, dass er an jenem Abend keinen Alkohol getrunken hatte
(vgl. Urk. HD 8/12 S. 4 ) - wenig überrascht. Bemerkenswert ist zudem, dass er
immer nur die Wahrnehmung eines Stichs bestätigte (vgl. u.a. Urk. HD 8/13 S. 5
und 8/14 S.7), obwohl er im Laufe der Untersuchung erfahren hatte (vgl. Urk. HD
8/14 S. 11), dass der Privatkläger durch zwei Stiche verletzt worden war. Darin
zeigt sich, dass er die Aussagen über seine Wahrnehmungen nicht etwa seinem
Wissensstand anpasste. Mit der Vorinstanz sind jedenfalls keine Anhaltspunkte
dafür ersichtlich, dass G._ den Beschuldigten zu Unrecht belasten würde,
zumal er auch klar auseinanderhielt, welche Handlungen dem Beschuldigten und
welche dem Mitbeschuldigten D._ zuzuordnen sind (vgl. Urk. 86 S. 33).
Unzutreffend ist der Einwand des Beschuldigten unter Hinweis auf die Aussagen
des Privatklägers B._, G._ habe nichts gesehen, da er den Wagen um-
parkiert habe (vgl. Urk. HD 6/4 S. 1, HD 6/10 S. 2 und Urk. 66 S. 5, Urk. 101). Wie
die Vorinstanz unter Hinweis auf die Videoaufnahmen im Detail nachweist, hatte
G._ das Fahrmanöver vor Beginn der handgreiflichen Auseinandersetzung
(vgl. 15/2 bei ca. 3:20:20) schon abgeschlossen und war bereits wieder bei der
Gruppe (vgl. 15/2 bei 3:19:50) und zwar noch bevor sich das Geschehen in die
...strasse verlagerte (vgl. Urk. 86 S. 34).
Dass zwischen G._ und dem Privatkläger eine Absprache stattgefunden
haben soll, wie dies der Beschuldigte geltend macht (vgl. Urk. HD 6/4 S. 1,
HD 6/10 S. 2, HD 6/11 S. 2 und Urk. 66 S. 5f.) ist mit der Vorinstanz nicht ersicht-
lich. Zwar trafen sich der Privatkläger, G._ und I._ auch nach dem Vor-
fall noch zusammen. Indessen hätten ihre Aussagen bei einer Absprache- wie die
Vorinstanz zu Recht fest hält (vgl. Urk. 86 S. 34) - in weit grösserem Ausmass
übereinstimmen müssen als den entsprechenden Befragungen zu entnehmen ist
und sie hätten sich überdies wesentlich besser an die Einzelheiten des Tat-
geschehens erinnern müssen. Eine Absprache unmittelbar nach dem Vorfall
konnte sodann - wie oben dargestellt - schon deshalb nicht erfolgen, weil G._
und I._ noch am selben Tag getrennt und gleichzeitig polizeilich befragt
- 35 -
wurden, währenddem der Privatkläger in der Intensivstation des Universitäts-
spitals untergebracht war (vgl. oben bereits Ausführungen zum Privatkläger).
Schliesslich ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass der von G._ geschilderte
Ablauf grösstenteils mit den Aufnahmen der Überwachungskamera vereinbar ist,
auch wenn der Beschuldigte und der Privatkläger B._ darauf nicht durch-
wegs erkennbar sind (vgl. Urk. 86 S. 34). Sie strich in diesem Zusammenhang
sodann korrekt hervor, dass G._ - im Gegensatz zum Beschuldigten - den
Vorfall vor Einsicht in die Bilder der Videokamera im Wesentlichen gleich schilder-
te wie nachher und dass eine mögliche Divergenz lediglich bezüglich des Zeit-
punkts besteht, in welchem der Mitbeschuldigte D._ auf den Privatkläger
B._ eintrat (vgl. im Einzelnen Vorinstanz in Urk. 86 S. 34 f.), worauf hier,
mangels Belang dieses Details im Zusammenhang mit der Beurteilung des Ver-
haltens des Beschuldigten, nicht weiter einzugehen ist.
Zusammenfassend sind die Aussagen G._s mit der Vorinstanz insgesamt als
glaubhaft und überzeugend, so dass darauf abgestellt werden kann (vgl. Vor-
instanz Urk. 86 S. 35).
3.8.2.7. Auch die Auskunftsperson I._ wurde fünf Mal befragt, wobei auch bei
ihm aus prozessualen Gründen die Aussagen gemäss Urk. HD 8/22 nicht ver-
wertbar sind (Verletzung der Teilnahmerechte des Beschuldigten, vgl. BGE 139
IV 25; vgl. Vorinstanz Urk. 86 S. 38). Die Vorinstanz fasste auch seine Aussagen
zusammen und gelangte zu Recht zum Schluss, I._ habe Mühe gehabt, den
genauen Ablauf des Vorfalls vom 14. November 2010 zu schildern, er habe sich
auch an diverse Einzelheiten nicht erinnern können. Insbesondere habe er die
Tathandlungen örtlich und im zeitlichen Ablauf nur sehr ungenau einordnen kön-
nen. Weiter erwog die Vorinstanz (vgl. Urk. 86 S. 38 f.), es fänden sich auch ver-
schiedene Ungereimtheiten und Widersprüchlichkeiten in I._s Aussagen, so
zur Farbe des Messers, die er zunächst nicht gesehen haben will, während dem
er später an der roten Farbe erkannt haben soll, dass es sich um ein Schweizer
Taschenmesser handelte (vgl. Urk. HD 8/19 S. 5 und 8/20 S. 4), weiter zur Frage,
ob der Beschuldigte Stichbewegungen mit dem Messer gemacht oder ob es sich
dabei nur um Schläge gehandelt und er das Messer in der Hand gehalten habe
- 36 -
(vgl. Urk. HD 8/19 S. 6 und 8/20 S. 6, 8/21 S. 5 und S. 7). Es ist nun offensicht-
lich, dass aufgrund dieser Differenzen - so die Vorinstanz - eine grosse Unsicher-
heit bezüglich I._s Wahrnehmungen betreffend das Tatgeschehen bestehen,
welche möglicherweise auf seinen übermässigen Alkoholkonsum zurückzuführen
sind (vgl. Urk. HD 8/19 S. 2). Kommt dazu, dass diese Differenzen das Kern-
geschehen betreffen, weshalb sie die Glaubhaftigkeit der Aussagen erschüttern.
Zwar ist mit der Vorinstanz augenfällig, dass I._ verschiedene Elemente -
wenn auch in einem anderen Ablauf - immer wieder erwähnte und insbesondere
den Beschuldigten konstant als denjenigen bezeichnete, der ein Messer in der
Hand gehalten habe und mit dem Messer in der Hand auf den Privatkläger
B._ einschlug- oder stach (vgl. Vorinstanz Urk. 86 S. 39 unter Hinweis auf
die einzelnen Aussagen). Die wiederholten Angaben, welche überdies mit vielen
Erinnerungslücken behaftet sind, stehen aber in einer derart schlechten zeitlichen
und örtlichen Einordnung des Ablaufs der Ereignisse, dass sie sich als unzuver-
lässig im Hinblick auf eine massgebende Wiedergabe von Erlebtem erweisen. Die
Aussagen von I._ erscheinen daher entgegen der Vorinstanz lediglich als mit
Unsicherheiten behaftete, losgelöste Fragmente, und überzeugen daher nicht.
3.8.2.8. Was die Aussagen der weiteren einvernommenen Personen betrifft, so ist
folgendes festzuhalten:
Der Mitbeschuldigte D._, der zu Beginn bestritt, zur Tatzeit am Tatort gewe-
sen zu sein (vgl. Urk. HD 7/1 S. 4 und 7/2) und auch nach zwei monatiger Haft
sich immer noch nicht zum Vorfall äusserte mit der Bemerkung, er wisse immer
noch nichts von einer Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem
Privatkläger(vgl. Urk. HD 7/4) und erst später zugab, den am Boden liegenden
Privatkläger getreten zu haben (vgl. Urk. HD 7/5 S. 2 und 7/ S. 8), konnte auch
nach Vorhalt der Videoaufnahmen nicht sagen, wie es zu den Messerstich-
verletzungen des Privatklägers, worüber er später gehört haben will, gekommen
war (vgl. Urk. HD 7/7 S. 7 und 7/8 S. 15 f.). Dies obwohl er sich während des
Geschehens meist in unmittelbarer Nähe des Beschuldigten aufhielt. Entgegen
der Verteidigung kann bei diesem zurückhaltenden Aussageverhalten von
- 37 -
D._ seine Angabe, er habe nie ein Messer gesehen, nicht als Indiz dafür ge-
wertet werden, dass der Beschuldigte kein Messer auf sich trug (Urk. 101 S. 5).
Wie die Vorinstanz korrekt zusammenfasste, konnten die Auskunftspersonen
E._, F._ (...) und H._ ebenfalls keine Angaben darüber machen,
wie es zu den Messerstichverletzungen des Privatklägers kam (vgl. Urk. 86 S.
40). Nachdem sie erklärten, sich rund 100 bis 150 Meter vom Geschehen bzw.
vom am Boden liegenden Privatkläger entfernt aufgehalten zu haben (vgl. Urk.
HD 8/1 S. 9, HD 8/3 S. 7, HD 8/4 S. 7, HD 8/6 S. 7, HD 8/7 S. 5, HD 8/17 S. 3 und
8/18 S. 6), erstaunt auch nicht, dass sie darüber keine Angaben machen konnten,
weshalb die Vorinstanz zutreffend erwog, diese Aussagen könnten den Beschul-
digten weder belasten noch ihn - dies entgegen der Darstellung der Verteidigung
(vgl. Urk. 70 S. 6) - entlasten (vgl. Urk. 86 S. 40). Gleiches gilt für die Ausführun-
gen der beiden Securitasangestellten J._ und K._, welche ebenfalls kein
Messer wahrnehmen konnten, wobei diese erst zu einem späteren Zeitpunkt zum
Geschehen traten (vgl. auch Vorinstanz Urk. 86 S. 41). Immerhin erfuhren beide
Securitasangestellten noch vor Ort, dass die vom Privatkläger erlittenen Verlet-
zungen mit einem Messer erfolgt waren (vgl. Urk. HD 4/2 S. 10 und HD 5/1 S. 5
sowie HD 5/4 S. 5).
Zu guter Letzt kann den Ausführungen der Vorinstanz zugestimmt werden, dass
die Aussagen der Ex-Freundin des Beschuldigten ihn - dies entgegen der Ver-
teidigung (vgl. Urk. 70 S. 7) - nicht zu entlasten vermögen, da für die Beurteilung
der hier massgebenden Geschehnisse unerheblich ist, ob ihm beim Treffen mit
dem Beschuldigten einen Tag zuvor ein Messer aufgefallen war oder nicht (vgl.
Vorinstanz Urk. 86 S. 41 unter Hinweis auf HD 8/8 S. 3 f).
3.8.3. Zusammenfassung
Es wurde oben im Einzelnen dargetan, dass die Aussagen des Beschuldigten mit
Widersprüchen behaftet sind und - abgesehen davon, dass er in der Anfangs-
phase sogar eine völlig andere Darstellung zum Besten gab - teilweise stark vom
Geschehen abweichend, das durch die Aufnahmen der Videoüberwachung des
Hallenstadions erstellt ist, weswegen sich die Aussagen insgesamt als nicht über-
- 38 -
zeugend und wenig glaubhaft erweisen. Immerhin räumte er selber ein, auf den
Privatkläger in der Schlussphase des Geschehens deshalb zugegangen zu sein,
weil er ihn aus Wut abschlagen wollte. Demgegenüber kann - so erwog die
Vorinstanz zusammenfassend zutreffend - auf die Darstellungen des Privat-
klägers B._ und von G._ abgestellt werden, zumal sich insbesondere
der von G._ konstant geschilderte Ablauf der Ereignisse mit den Bildern der
Videoüberwachung vereinbaren lässt (Urk. 86 S. 42). G._ schilderte mehr-
fach, in der Hand des Beschuldigten ein Messer gesehen zu haben, was durch
die Aussagen des Privatklägers, der etwas glitzern sah, untermauert wird. Unmit-
telbar nach der letzten Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten stellte der
Privatkläger auf Hinweis von G._ auch die Stichverletzung an der Brust fest,
welcher Ablauf auch in den Aufnahmen der Videoüberwachung klar bestätigt wird.
Die Verletzungen des Privatklägers sind aufgrund der medizinischen Akten klar
erstellt. Angesichts der Tatsache, dass die Aufnahmen der Videoüberwachung
das Geschehen praktisch lückenlos zeigen, dass der Privatkläger lediglich mit
dem Beschuldigten in tätlichen Auseinandersetzungen verwickelt war, und ent-
gegen der Verteidigung gerade kein Raufhandel stattfand, ist zudem nicht ersicht-
lich, von wem sich der Privatkläger wenn nicht vom Beklagten derartige Ver-
letzungen zugezogen haben sollte. Es bestehen insgesamt daher - und zwar auch
ohne dass die Tatwaffe zum Vorschein kam - keine vernünftigen Zweifel daran,
dass sich der dem Beschuldigten vorgeworfene Sachverhalt, nämlich die Ver-
letzung des Privatklägers durch zwei Messerstiche, auch tatsächlich verwirklicht
hat. Nachdem letztlich nur dieser Sachverhalt für die rechtliche Würdigung von
Belang ist, sind weitere Erörterungen zum Sachverhalt obsolet (vgl. dazu
Vorinstanz in Urk. 86 S. 42 f.).
Der Vollständigkeit halber sei noch mit der Vorinstanz wiederholt, dass die vom
Beschuldigten selbst und von der Verteidigung vorgebrachte und schon oben ent-
kräftete Komplotttheorie (Absprache zwischen dem Privatkläger, G._ und
I._) sowenig wie die vorgebrachte Raubtheorie (der Privatkläger und seine
Kollegen hätten den betrunkenen Beschuldigten ausnehmen wollen, worauf "viel-
leicht einer der anderen seinen eigenen Kollegen niedergestochen" habe; vgl.
Urk. 6/4 S. 8 vgl. auch HD 6/10 S. 2 f) oder die Unfallspekulation der Verteidigung
- 39 -
(die Verletzung des Privatklägers sei durch eine andere Person versehentlich
erfolgt; vgl. Urk. 70 S. 5) überzeugen und damit zu verwerfen sind. Diesbezüglich
zeigen die Aufnahmen der Videoüberwachung eine allzu deutliche Sprache:
Durchs Band ist darauf der Beschuldigte als derjenige zu erkennen, der gegen-
über dem Privatkläger vorgeht, ihn sogar dann verfolgt als jener sich von ihm ent-
fernt und wieder einholt und zwar in der - wohlbemerkt zugestandenen - Absicht,
ihn aus Wut abzuschlagen. Wo bei diesem Stand der Dinge die Raubtheorie noch
Platz haben könnte, ist daher vollkommen unerfindlich. Die Videoüberwachung
zeigt aber auch, dass - entgegen der Verteidigung (vgl. Urk. 70 S. 8, Urk. 101
S. 3) und wie bereits vorher erwähnt - auch nicht von einem Raufhandel die Rede
sein kann. Zwar waren mehrere Personen vor Ort. Dass sich diese indessen an
den zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger stattfindenden Aus-
einandersetzungen aktiv und nicht nur schlichtend beteiligten, ist mit Ausnahme
des Eingreifens des Mitbeschuldigten D._, der den Privatkläger trat, nicht
ersichtlich. Daran ändern auch die vom Beschuldigten selbst erlittenen Verletzun-
gen nichts, zumal der Privatkläger von allem Anfang an die Verabreichung eines
Faustschlages ins Gesicht des Beschuldigten einräumte.
Im Ergebnis erweist sich der unter dem Titel HD eingeklagte Sachverhalt - soweit
für die rechtliche Würdigung relevant - als rechtsgenügend erstellt.
4. Zum Vorwurf der versuchten einfachen Körperverletzung (Anklage S. 6)
4.1. Mit Bezug auf die im Zusammenhang mit dem Privatkläger L._ unter
ND 5 eingeklagten Delikte bilden lediglich die Tritte gegen den Körper des am
Boden liegenden Geschädigten, woraus keine Verletzungen resultierten, Gegen-
stand des Berufungsverfahrens (vgl. Anklage ND 5 letzter Absatz, Urk. 34 S. 6
letzter Absatz). Der weitere Sacherhalt, der zur erstinstanzlichen Verurteilung des
Beschuldigten wegen Drohung und wegen Widerhandlung gegen das Waffenge-
setz führten (vgl. Urk. 34 ND 5 drittletzter Absatz, Urk. 34 S. 5 f.) steht - was den
Schuldpunkt betrifft - nicht mehr zur Diskussion. Die erfolgten Verurteilungen sind
demnach in Rechtskraft erwachsen.
- 40 -
4.2. Der Beschuldigte konzedierte nach anfänglicher Bestreitung, überhaupt am
Tatort gewesen zu sein, absichtlich gegen die Beine des Geschädigten getreten
zu haben (vgl. Urk. HD 6/18 S. 2 f., HD 6/21 S. 7 und Urk. 66 S. 10, Urk. 100
S. 10). Vor Vorinstanz machte die Verteidigung geltend, als L._ von einer
dritten Person umgestossen worden sei, sei der Beschuldigte weggerannt, sei
dabei über die Füsse von L._ gestiegen und habe ihm dabei Tritte in die
Fussgegend versetzt. Aus den Tritten seien keine Verletzungen hervorgegangen,
weshalb es sich entgegen der Anklage um reine Tätlichkeiten handle. Als unzu-
treffend wird sodann gerügt, der Beschuldigte habe gegen den Oberköper von
L._ getreten (vgl. Urk. 70 S. 10, Urk. 101 S. 8f.).
4.3. Zu diesem zur Diskussion stehenden Sachverhaltsteil konnte der direkt
betroffene Geschädigte L._ keine Aussagen machen, weil er zu jenem Zeit-
punkt bewusstlos am Boden lag (vgl. u.a. Urk. ND 5/2/1 S. 7). Demgegenüber
äusserten sich anlässlich der Untersuchung M._, die Begleiterin des Ge-
schädigten (vgl. Urk. ND 5/5/3), N._ (vgl. ND 5/5/2) und deren Begleiter
O._ (vgl. ND 5/5/1) zu den fraglichen Tritten. Die Vorinstanz hat deren dies-
bezüglichen Aussagen in ihrem Entscheid im Detail festgehalten (vgl. Urk. 86 S.
57 oben, S. 58 zweite Hälfte und S. 59 unten und S. 60 oben). Darauf kann ver-
wiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). In ihrer Würdigung schied die Vorinstanz
die Aussagen des Zeugen O._ aus, der den Urheber der Tritte gegen den
Geschädigten L._ nicht zweifelsfrei bezeichnen konnte (vgl. Urk. 86 S. 60),
welchem Vorgehen zuzustimmen ist. Sowohl M._ als auch N._ bestätig-
ten demgegenüber die Tritte des Beschuldigten gegenüber dem Geschädigten.
Aus deren Aussagen geht klar hervor, dass ihm mehrere Tritte verabreicht
wurden, wobei die Zeugin N._ äusserst plastisch und damit authentisch die
Heftigkeit dieser Tritte beschrieb (so auch Vorinstanz Urk. 86 S. 59). Die
Vorinstanz hielt sodann fest, dass zwar nur die Zeugin N._ die Fusstritte
gegen den Oberkörper des Privatklägers zu bezeichnen vermochte (die Zeugin
M._ nahm nur solche im Fussbereich wahr; vgl. Urk. ND 5/5/3 S. 7), sie er-
wog in diesem Zusammenhang jedoch zutreffend, sie habe differenziert ausge-
sagt und habe den Beschuldigten eindeutig als Quelle der genannten Fusstritte
gegen den Oberkörper bezeichnet (vgl. Urk. 86 S. 65), welche Schlussfolgerung
- 41 -
überzeugt. Bei N._ handelte es sich um eine unbeteiligte Passantin, die Zeu-
gin der Übergriffe zum Nachteil des Geschädigten L._, den sie ebenso wenig
kannte wie den Beschuldigten, wurde und die keinerlei Interesse am Ausgang des
Verfahrens hat. Anhaltspunkte dafür, sie wolle damit den Beschuldigten zu Un-
recht belasten gehen aus den Akten keine hervor und sind auch sonst keine er-
sichtlich.
4.4. Der Beschuldigte selber räumte die Verabreichung solcher Tritte im Laufe
des Verfahrens ein. Seine Versuche, die Tritte gegen den Geschädigten auf sein
Stolpern zurückzuführen bzw. darauf, er habe damit nur die Beine des Geschä-
digten aus dem Weg räumen wollen, weil ihm diese die Flucht erschwert hätten,
müssen bei näherer Betrachtung der Aussagen von M._ und N._ als
plumper Beschönigungsversuch bezeichnet werden. Wie die Vorinstanz zudem
zu Recht festhielt, ist in keiner Art und Weise nachvollziehbar, weshalb er in der
breiten Bahnhofstrasse über eine am Boden liegende, verletzte Person hätte
stolpern sollen, um wegrennen zu können. Schliesslich steht auch aufgrund
seines Eingeständnisses fest, dass er mit Absicht auf den Geschädigten trat, was
auch der Darstellung der Zeuginnen entspricht. Damit sind aber die eingeklagten
mehrfachen Tritte gegen die Fussregion sowie Region Oberkörper erstellt.
5. Zum Vorwurf der sexuellen Belästigung (Anklage S. 5)
5.1. Mit Bezug auf den eingeklagten Übergriff des Beschuldigten gegenüber der
Privatklägerin P._ steht im Berufungsverfahren einzig der eingeklagte Schlag
des Beschuldigten auf deren Gesäss zur Diskussion, der rechtlich als sexuelle
Belästigung bewertet wird. Die nachfolgende Ohrfeige ins Gesicht derselben Pri-
vatklägerin, die zur erstinstanzlichen Verurteilung des Beschuldigten wegen Tät-
lichkeiten führte, ist demgegenüber im Berufungsverfahren im Schuldpunkt nicht
angefochten und daher in Rechtskraft erwachsen.
5.2. Der Beschuldigte bestritt sowohl vor Vorinstanz als auch im Berufungs-
verfahren, die Geschädigte P._ separat auf den Po geschlagen zu haben
(vgl. Urk. 66 S. 8, Urk. 100 S. 11). Er räumte ein, sie vielleicht berührt zu haben,
als er sie weggestossen habe (vgl. Urk. 66 S. 8). Die Verteidigung stellte im Beru-
- 42 -
fungsverfahren den Antrag, den Beschuldigten anstelle der sexuellen Belästigung
der Tätlichkeit schuldig zu sprechen (vgl. Urk. 89, Antrag Ziff. 3, Urk. 101 S. 2).
Damit scheint der eingeklagte Schlag des Beschuldigten gegen das Gesäss der
Geschädigten nicht mehr bestritten zu sein.
5.3. Der Vollständigkeit halber ist dennoch festzuhalten, dass dieser Schlag - wie
die Vorinstanz auch eingehend begründete und worauf verwiesen werden kann
(vgl. Urk. 86 S. 45 ff., insbesondere S. 52) - aufgrund der erhobenen Beweise,
namentlich der Einvernahmen der Geschädigten (vgl. Urk. ND 5/3/1 S. 2 und
ND 5/3/2 S. 1 und ND 5/3/3 S. 3 f.) und ihrer Begleiterin Q._ (vgl. Urk. ND
5/4/4) als erstellt zu gelten hat. Es bestehen nämlich keine Gründe - auch keine
solche pekuniärer Art, zumal sie ausdrücklich keine Zivilansprüche stellte (vgl. ND
5/9/2) -, weshalb insbesondere die Privatklägerin, die den Beschuldigten nicht
kannte, diesen diesbezüglich zu Unrecht belasten sollte. Ihre Aussagen scheinen
insbesondere im Lichte der Annäherungsversuche des Beschuldigten und der
weiteren Entwicklung der Ereignisse (ihre Beleidigung des Beschuldigten mit dem
Wort "Hurensohn" und seine darauffolgende Verabreichung einer Ohrfeige)
durchaus plausibel und überzeugend.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Versuchte schwere Körperverletzung (HD)
1.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt, den Beschuldigten mit Bezug auf die ver-
ursachten Messerstichverletzungen zum Nachteil des Privatklägers B._ der
versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
1.2. Objektiver Tatbestand
Der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB macht sich
schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt. Nun wirft die
Anklage dem Beschuldigten in objektiver Hinsicht überhaupt nicht vor, dem
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Privatkläger B._ eine lebensgefährliche Verletzung zugefügt zu haben.
Schon aus diesem Grund verbietet sich also die Annahme, bei den zwei vom Be-
schuldigten dem Privatkläger zugefügten, ca. 3 cm tiefen Messerstichverletzun-
gen am Brustkorb (zum Verletzungsbild im Einzelnen vgl. u.a. Urk. 10/4) handle
es sich um lebensgefährliche Verletzungen. Ganz abgesehen davon verneinte
auch das darüber eingeholte und oben (vgl. oben Ziff. III 3.7.) sowie im vo-
rinstanzlichen Urteil wiedergegebene Aktengutachten des IRM das Vorliegen ei-
ner unmittelbaren Lebensgefahr (vgl. Urk. HD 10/4 S. 6, Urk. 86 S. 66).
Freilich hielt das medizinische Gutachten fest, dass beide Stichverletzungen
mindestens von der Oberhaut bis in die Brusthöhe reichten, wozu die Über-
windung von Haut, Unterhaut, Muskulatur und Rippenfell notwendig gewesen sei
und einer Distanz von ca. 3 cm entspreche, wobei linksseitig auch die Lunge
angestochen worden sei. Weiter schildert dasselbe Gutachten, in unmittelbarer
Nachbarschaft zum Stichkanal dieser Verletzungen seien Zwischenrippenschlag-
adern gewesen; benachbart zur rechtsseitigen Verletzung sei das Herz in
ca. 5 cm unter der Körperoberfläche, die linksseitige Hautverletzung in einer
Distanz von ca. 6 cm zur Milz gewesen: Eine Verletzung dieser Zwischenrippen-
schlagadern und insbesondere von Herz und Milz könne zum Tode durch Verblu-
ten führen (vgl. Urk. HD 10/4 S. 5). Damit steht aber fest, dass wenn die Stiche
einen zufällig leicht anderen Verlauf gehabt hätten die vom IRM aufgelisteten
Beeinträchtigungen hätten eintreten können, welche für den Privatkläger zweifel-
los eine unmittelbare Lebensgefahr und damit eine schwere Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB bedeutet hätten.
1.3. Versuchte Tatbegehung
Eines versuchten Deliktes macht sich schuldig, wer, nachdem er mit der Aus-
führung der Tat begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt, respek-
tive wenn der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt (Art. 22 Abs. 1
StGB). Zum Tatentschluss, dem auf die Begehung des Delikts gerichteten Willen,
gehört stets der Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt (BSK, Strafrecht I -
Jenny, N 2 zu Art. 22 StGB mit Verweisen auf die Praxis).
- 44 -
Nach Zufügung der Stichverletzungen am Brustkorb des Privatklägers verliess der
Beschuldigte den Tatort, womit seine Tatausführung beendet war, ohne dass der
zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg (lebensgefährliche Verletzung) einge-
treten wäre. Der objektive Tatbestand von Art. 122 StGB wurde somit nicht voll-
umfänglich erfüllt. Hingegen ist von einem vollendeten Versuch im Sinne von
Art. 22 Abs. 1 StGB auszugehen.
1.4. Subjektiver Tatbestand
Dass der Beschuldigte die Tat mit Wissen und Wollen, also mit direktem Vorsatz
(Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB), ausgeführt hätte, kann den Akten nicht entnommen
werden, was auch die Vorinstanz ausschloss (vgl. Urk. 86 S. 68).
Vorsätzlich handelt indessen bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich
hält und in Kauf nimmt (vgl. Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Der eventualvorsätzlich
handelnde Täter weiss demnach einerseits um die Möglichkeit bzw. das Risiko
der Tatbestandsverwirklichung und nimmt andererseits den Eintritt des als mög-
lich erkannten Erfolg ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab (vgl. BGE
134 IV 26 S. 3.2.2; BGE 133 IV 9 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.2. und 8.3. m.H.),
mag er ihm auch unerwünscht sein. Gefordert ist mithin das Wissen des Täters
darum, dass seine Handlungen beim Opfer mindestens möglicherweise eine
Lebensgefahr bewirken können sowie die Inkaufnahme einer solchen Lebens-
gefahr. Nicht erforderlich ist, dass sich der Täter gerade die tatsächlich einge-
tretenen konkreten Folgen vorgestellt zu haben braucht (BSK StGB II - Roth /
Berkemeier, 3. Auflage, Basel 2013, N 25 zu Art. 122 StGB).
Eventualvorsatz kann unter anderem angenommen werden, wenn sich dem Täter
der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs infolge seines Verhaltens als so
wahrscheinlich aufdrängte, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkauf-
nahme dieses Erfolgs gewertet werden kann. Eventualvorsatz kann indessen
auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges bloss möglich
ist, ja selbst dann, wenn sich diese Möglichkeit, statistisch gesehen, nur relativ
selten verwirklicht. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Beschuldigten um
die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme und damit auf Even-
- 45 -
tualvorsatz geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukom-
men. Die blosse Hoffnung auf das Ausbleiben der Tatbestandserfüllung schliesst
deren Inkaufnahme nicht aus. Auch die dem Täter bekannte Nähe des Ver-
letzungsrisikos und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung sind entscheidend.
Je näher die Möglichkeit der Tatbestandsverwirklichung liegt, desto eher lässt
sich auf eine Inkaufnahme schliessen (vgl. BGE 134 IV 26 S. 29; ZR 109 [2010]
Nr. 58).
Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht - soweit der Täter nicht
geständig ist - regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf
Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen
auf die innere Einstellung des Täters erlauben.
Das Bundesgericht hat sich mehrfach mit dem subjektiven Tatbestand bei
Messerstechereien befasst und jeweils gar die Voraussehbarkeit der Todesfolge
bei Messerstichen anerkannt. Insbesondere hat das Bundesgericht bereits vor
geraumer Zeit festgehalten, das Wissen um das Vorhandensein von wichtigen
Organen und Blutgefässen im Bauchbereich bzw. Brustbereich könne als allge-
mein bekannt vorausgesetzt werden und verschiedentlich darauf hingewiesen,
dass es keiner besonderen Intelligenz bedürfe, um zu erkennen, dass ungezielte
Messerstiche im Brust und Bauch eines Menschen selbst den Tod zur Folge
haben können (vgl. BGE 109 IV 6, Entscheid des Bundesgerichtes 6B_829/2010
vom 28. Februar 2011 E. 3.2.). Weiter hat es ausgeführt, dass wer mit einem
Messer mit grosser Wucht in die Herz-, Lungen-, oder Bauchgegend eines
Menschen steche, dessen Tode zumindest in Kauf nimmt und sich mit der Todes-
folge als reale Möglichkeit abfinde, auch wenn er sie nicht wünsche (vgl.
BJM-1997, S. 34). Daran hat sich auch in der jüngsten Rechtsprechung nichts
geändert (vgl. Entscheide 6b_480/2011 vom 17. August 2011, 6B_432/2011 vom
18. August 2011 und 6B_572/2011 vom 20. Dezember 2011).
Es ist vorliegend klar, dass hier aus prozessualen Gründen - es liegt keine
genügende Anklage vor, auch ist das Verschlechterungsverbot zu beachten - eine
rechtliche Qualifikation im Sinne eines Tötungsdeliktes entsprechend der oben
aufgeführten Rechtsprechung nicht in Frage kommt. Indessen sind die im
- 46 -
Rahmen dieser Praxis geltenden Grundsätze auch auf diesen Fall anwendbar, in
welchem es „lediglich“ um den Vorwurf der schweren Körperverletzung, nament-
lich einer lebensgefährlichen Verletzung geht.
Auf den konkreten Fall bezogen führte die Vorinstanz unter Bezugnahme auf die
im Aktengutachten gemachten Feststellungen aus, bei den Messerstichen,
welche der Beschuldigte dem Privatkläger B._ zugefügt habe, müsse insbe-
sondere aufgrund der Lage der Verletzungen, des verwendeten Messers und der
damit einhergehenden hohen und ihm bekannten Wahrscheinlichkeit einer
lebensbedrohlichen Verletzung darauf geschlossen werden, dass sich das Risiko
lebensgefährlicher Verletzungen dem Beschuldigten als so wahrscheinlich auf-
drängen musste, dass sein Handeln als Inkaufnahme dieses Erfolges ausgelegt
werden müsse (vgl. Urk. 86 S. 67 f.). Dieser Schlussfolgerung ist grundsätzlich
zuzustimmen. Ergänzend ist auszuführen, dass insbesondere sämtliche konkre-
ten Umstände für eine solche Inkaufnahme sprechen. So war der Beschuldigte
zum Tatzeitpunkt alkoholisiert, das Geschehen fand in der Nacht bei ungünstigen
Sichtverhältnissen statt und im Rahmen eines dynamischen Vorganges, weshalb
die Gefahr von unkontrollierten Bewegungen mit ungewissem Verletzungsverlauf
bestand. Bei der damals herrschenden Hektik konnte der Beschuldigte nie und
nimmer damit rechnen, dass sich der Privatkläger dabei nicht bewegen würde.
Der Verlauf der beiden Stiche hing also nicht alleine vom Verhalten des alkoholi-
sierten Beschuldigten, sondern auch von demjenigen des ebenso alkoholisierten
Privatklägers ab, das er aber freilich nicht kontrollieren oder steuern konnte. Dass
der Brustkorb ein sehr sensibler Körperteil ist, gehört ohne Weiteres zum Allge-
meinwissen eines durchschnittlichen Erwachsenen und musste damit auch dem
jungen Beschuldigten bekannt sein, was dieser letztlich auch bestätigte (Urk. 100
S. 10). Darüber hinaus fügte der Beschuldigte dem Privatkläger gar zwei Stiche
zu. Bei diesem Stand der Dinge war somit die Wahrscheinlichkeit, dass er dem
Privatkläger lebensgefährliche Verletzungen hätte zufügen können gross, so dass
die dadurch begangene Sorgfaltspflichtverletzung schwer wiegt. Angesichts der
geschilderten Gesamtsituation kann mit Fug gesagt werden, dass eine nur gering-
fügig andere Bewegung entweder des Beschuldigten oder aber des Privatklägers
bei beiden ausgeführten Stichen sehr wohl zu dessen lebensgefährliche Ver-
- 47 -
letzung hätte führen können und dass letztendlich die genauen Auswirkungen der
Stiche im Bereich des Zufälligen lagen. Damit handelte der Beschuldigte jeden-
falls mit Eventualvorsatz, womit der subjektive Tatbestand von Art. 122 StGB
erfüllt ist. Dass dabei die tatsächlich hervorgerufenen Körperverletzungen und der
Versuch der (eventual)vorsätzlichen schweren Körperverletzung als konsumiert
anzusehen sind, führte die Vorinstanz bereits zutreffend aus (vgl. Urk. 86 S. 68).
Dagegen sind die von der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung
gemachten Ausführungen hinsichtlich eines Raufhandels nicht von Bedeutung
(vgl. Urk. 101 S. 9), da einerseits ein Raufhandel nicht eingeklagt ist und anderer-
seits das Vorliegen eines solchen auch den Videoaufzeichnungen widerspricht.
Die Vorinstanz stellte zutreffend fest, dass Rechtfertigungs- und Schuldaus-
schlussgründe weder vom Beschuldigten geltend gemacht wurden noch ersicht-
lich sind. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der Beschuldigte solche
angesichts des erstellten Sachverhaltes auch nicht mit Erfolg geltend machen
könnte. Zwar wurde auch er in der tätlichen Auseinandersetzung verletzt, indes-
sen hatte er den Privatkläger angegriffen und war ihm später gefolgt, so dass ins-
besondere eine Notwehrsituation unter allen Titeln ausser Betracht fällt.
Der Beschuldigte ist daher der eventualvorsätzlich versuchten schweren Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
2. Versuchte einfache Körperverletzung (ND 5)
2.1. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten mit Bezug auf die dem Privat-
kläger L._ verabreichten Tritte in die Fussregion und Region Oberkörper ver-
suchte einfache Körperverletzung vor.
2.2. Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, das die Zufügung äusserer oder innerer
Verletzungen und Schädigungen, wie unkomplizierter, verhältnismässig rasch und
problemlos ausheilender Knochenbrüche oder Hirnerschütterungen, durch
Schläge, Stösse und dergleichen hervorgerufener Quetschungen oder Schürfun-
gen nach der bundesgerichtlicher Rechtsprechung als Körperverletzungen einzu-
- 48 -
stufen sind (vgl. Urk. 86 S. 76 mit Hinweis). Sie hielt ebenso korrekt fest, dass
Fusstritte gegen den Oberkörper oder in die Bein-/Fussgegend zweifelsohne
geeignet sind, einfache Körperverletzungen im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
herbeizuführen, die über eine Tätlichkeit nach Art. 126 Abs. 1 StGB hinausgehen
und führte - mit Bezug auf den subjektiven Tatbestand und des diesbezüglich
zumindest geforderten Eventualvorsatzes - aus, dass derjenige, der jemandem
mehrere Fusstritte in die genannten Regionen versetze, zumindest in Kauf
nehme, dass die betroffene Person leichte Verletzungen davon trage, da sich ins-
besondere in der Oberkörperregion diverse Organe und Weichteile befänden, die
durch stumpfe Gewalteinwirkung beschädigt werden könnten (vgl. Urk. 86 S. 76
mit Hinweis auf BGE 103 IV 65 E. II.2.d).
2.3. Dem Beschuldigten wird nicht vorgeworfen, beim Privatkläger solche Verlet-
zungen hervorgerufen zu haben. Solche gehen auch nicht aus dem Bericht der
Unfallchirurgie vom 7. November 2010 hervor (vgl. Urk. ND 5/6/1), weshalb hier
nur die versuchte Tatbegehung zu diskutieren ist.
2.4. Wie oben aufgezeigt wurde, muss als erstellt gelten, dass der Beschuldigte
vorsätzlich (er sprach selber von Absicht) mehrmals gegen die Fussregion sowie
den Oberkörper des am Boden liegenden Privatklägers L._ trat. Zur Stärke
und Anzahl der Tritte kann mit der Vorinstanz auf die Aussagen der unbeteiligten
Zeugin N._ verwiesen werden, welche diesbezüglich äusserte, es seien
mehr als zwei sehr aggressive Tritte gewesen, aus blanker Wut. Der Beschuldigte
habe mit dem Bein ordentlich ausgeholt (vgl. Urk. ND 5/5/2 S. 5). Demzufolge - so
die Vorinstanz zutreffend - trat der Beschuldigte mit einer Intensität und einer An-
zahl von Tritten zu, denen die Möglichkeit allfälliger Verletzungen inhärent gewe-
sen wären (vgl. Urk. 86 S. 77), was ohne Weiteres zur Bejahung zumindest einer
Inkaufnahme von einfachen Körperverletzungen führt. Entsprechend korrekt
stimmte daher bereits die Vorinstanz der rechtlichen Würdigung der Strafbarkeit
des Beschuldigten im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB durch die Staatsanwaltschaft zu.
- 49 -
2.5. Damit ist der Beschuldigte der versuchten einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
3. Sexuelle Belästigung (ND5)
3.1. Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid das Nötige zum Tatbestand der
sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 2 StGB aufgeführt und angege-
ben, welche Berührungen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung darunter
fallen (vgl. Urk. 86 S. 73 mit Hinweis). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO). Die Verteidigung brachte dagegen vor, es sei zwar nichts dagegen
einzuwenden, wenn die Vorinstanz zum Schluss gekommen sei, der Beschuldigte
habe der Privatklägerin P._ mit der flachen Hand auf ihren Hintern geschla-
gen, jedoch sei es zu keinem Zeitpunkt die Intention des Beschuldigten gewesen,
der Privatklägerin P._ irgendwie sexuell entgegen zu treten (Urk. 101 S. 8).
Der Beschuldigte sei somit nicht wegen sexueller Belästigung, sondern wegen
Tätlichkeiten zu verurteilen.
3.2. Wegen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB wird auf Antrag
bestraft, wer gegen jemanden Tätlichkeiten verübt, die keine Schädigung des
Körpers oder der Gesundheit zur Folge haben.
3.3. Für den konkreten Fall hielt die Vorinstanz fest, der Beschuldigte habe der
Privatklägerin P._ auf das Hinterteil geschlagen und dadurch eine Tätlichkeit
gegenüber einem intimen Körperteil ausgeübt. Objektiv sei bei dieser Verhaltens-
weise zweifelsohne ein sexueller Bezug gegeben. Der Schlag sei vorsätzlich
erfolgt und der Beschuldigte habe zumindest in Kauf genommen, dass der Schlag
einen sexuellen Charakter aufweise, zumal er zuvor erfolglos versucht habe mit
der Privatklägerin P._ und ihrer Kollegin Q._ in Kontakt zu treten, wo-
rauf ihm diese zu verstehen gegeben hatten, keinen solchen zu wünschen (vgl.
urk. 86 S. 74). Diesen Ausführungen ist nicht zu folgen. Zwar trifft es zu, dass es
zum Schlag auf den Hintern der Privatklägerin P._ gekommen war, nachdem
der Beschuldigte erfolglos versucht hatte, sich deren Kollegin Q._ zu nähern.
Jedoch liess die Vorinstanz unbeachtet, dass der Schlag erfolgte, nachdem der
- 50 -
Beschuldigte mit der Privatklägerin P._ bereits in Streit geraten war und er
ihr gegenüber zum Vornherein keine sexuellen Absichten hegte. Somit kann nicht
gesagt werden, dem Verhalten des Beschuldigten liege zweifelsohne ein sexuel-
ler Bezug zugrunde, weshalb von einer Bestrafung wegen sexueller Belästigung
im Sinne von Art. 198 Abs. 2 StGB abzusehen ist.
3.4. Damit ist der Beschuldigte - entgegen der Vorinstanz - der Tätlichkeiten im
Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
4. Zusammenfassung
Damit ist der Beschuldigte darüber hinaus der versuchten schweren Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB, der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
V. Sanktion
1. Vorbringen der Staatsanwaltschaft
1.1. Die Staatsanwaltschaft IV stellte in ihrer Berufungserklärung Antrag auf
eine höhere Strafe, nämlich auf die Bestrafung des Beschuldigten mit einer Frei-
heitsstrafe von 57 Monaten (vgl. Urk. 87).
1.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung beantragte die Staatsanwaltschaft im
Strafpunkt erneut eine Freiheitsstrafe von 57 Monaten. Zur Begründung führte die
Staatsanwaltschaft an, das Handeln des Beschuldigten liege an der Grenze zur
versuchten Tötung, was sich selbstverständlich auf das Verschulden auswirken
müsse. Die Tat sei aus nichtigem Anlass erfolgt, eine Bedrohung habe für den
Beschuldigten nicht vorgelegen. Eine verminderte Schuldfähigkeit, insbesondere
aufgrund des vorangehenden Alkoholkonsums, liege beim Beschuldigten nicht
vor, weshalb er unter dem Titel "verminderte Schuldfähigkeit" keine Strafreduktion
erfahre. Straferhöhend seien die weiteren dem Beschuldigten vorgeworfenen
- 51 -
Taten zu berücksichtigen. Speziell erwähnenswert sei der brutale Übergriff auf
den Geschädigten L._. Betreffend die Täterkomponente sei auf das Aussa-
geverhalten des Beschuldigten anlässlich der Untersuchung hinzuweisen. Er ha-
be sämtliche Vorwürfe geleugnet, seine Aussagen stets den aktuellen Umständen
angepasst, weshalb von Einsicht und Reue keine Rede sein könne (Urk. 102).
2. Vorbringen der Verteidigung
2.1. Die Verteidigung verlangte in ihrer Berufungserklärung die Bestrafung des
Beschuldigten mit einer bedingten Geldstrafe von 175 Tagessätzen zu Fr. 50.--
sowie mit einer Busse von Fr. 1'000.--, wobei sie von Freisprüchen in verschiede-
nen Punkten ausging (vgl. Urk. 89).
2.2. An der Berufungsverhandlung blieb die Verteidigung bei diesem Antrag.
Konkret brachte sie vor, es sei entgegen der Vorinstanz nicht zutreffend, dass der
Beschuldigte ohne ersichtlichen Grund aggressiv geworden sei. Vielmehr habe
der Privatkläger B._ den Raufhandel und letztlich somit seine Verletzung
provoziert. Beim Nebendossier 5 sei in Bezug auf die Tätlichkeit gegen den
Privatkläger L._ (Tritte gegen die Fussregion) das Geständnis strafmindernd
zu berücksichtigen. Weiter sei die "deutliche" Straferhöhung wegen Delinquierens
während laufender Untersuchung nicht angezeigt. Die dem Beschuldigten vorge-
worfenen Taten hätten sich innerhalb von nur drei Monaten ereignet, was die
kurze Phase von Arbeits- und Orientierungslosigkeit im Leben des Beschuldigten
reflektiere. Zudem sei beim Beschuldigten von einer besonderen Strafempfind-
lichkeit auszugehen. Der Beschuldigte habe nach der Krebserkrankung seiner
Mutter beschlossen Verantwortung zu übernehmen. Er habe eine Arbeitsstelle
gesucht und ein Einzelunternehmen aufgebaut. Diese positive Entwicklung habe
eine jähe Zäsur erlebt, als er selber durch 6-7 Messerstiche lebensgefährlich ver-
letzt worden sei. Er habe sich nach längerer Hospitalisation wieder zurück
kämpfen müssen und stehe jetzt sowohl geschäftlich wie privat auf stabilen
Füssen. Wenn er jetzt ins Gefängnis müsse, so würde ihn dies ungleich schwerer
treffen, als eine andere Person, was eine Strafminderung zur Folge haben müsse
(Urk. 101).
- 52 -
3. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
3.1. Die Vorinstanz hat korrekt erwähnt, dass bei der Strafzumessung gemäss
Art. 49 Abs. 1 StGB, welche Bestimmung sich sowohl auf verschiedene als auch
auf mehrfach begangene, gleichartige Delikte bezieht und damit vorliegend anzu-
wenden ist, das vom Beschuldigten mit der schwersten Strafandrohung begange-
ne Delikt den Ausgangspunkt bildet. Sie hat entsprechend den gesetzlichen Straf-
rahmen von Art. 122 StGB korrekt abgesteckt (Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren
oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen) und sich auch zum Strafrahmen der
übrigen hier zur Diskussion stehenden Delikte, welche teilweise mehrfach verübt
wurden, zutreffend geäussert, worauf verwiesen werden kann (vgl. Urk. 86 S. 78
f.). Ergänzend kann zur Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1
StGB auf die im Entscheid des Bundesgericht vom 20. Oktober 2013 dargelegte
Praxis verwiesen werden (vgl. Entscheid des Bundesgerichtes 6B_499/2013 vom
22. Oktober 2013 E. 1.7. und E. 1.8.).
3.2. Da es vorliegend sowohl bei der schweren als auch bei der einfachen
Körperverletzung beim Versuch blieb, lässt Art. 22 Abs. 1 StGB eine Strafmilde-
rung nach Art. 48a StGB zu, was bereits die Vorinstanz erwähnte. Sie wies im
Übrigen auch auf die bundesgerichtliche Praxis hinsichtlich Unter- bzw. Über-
schreitung des ordentlichen Strafrahmens zutreffend hin (vgl. Urk. 86 S. 79,
BGE 136 IV 55 E. 5.8).
3.3. Schliesslich hat die Vorinstanz die anzuwendenden Strafzumessungs-
regeln in ihrem Entscheid aufgeführt und ebenso zutreffend festgehalten, dass
zwischen Tat- und Täterkomponente zu unterscheiden ist. Auch darauf kann ver-
wiesen werden (vgl. Urk. 86 S. 80 f.).
4. Tatkomponenten
4.1. Versuchte schwere Körperverletzung gemäss Hauptdossier
4.1.1. Bei der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
erheblich in die körperliche und psychische Unversehrtheit des Privatklägers
eingriff. Nach Handgreiflichkeiten verfolgte er den flüchtenden Privatkläger
- 53 -
B._ und stach ihn gar zweimal ohne ersichtlichen Anlass in den Oberkörper.
Wenn die Vorinstanz dazu erwog, dass den Stichen eine zunächst verbale Ausei-
nandersetzung mit dem Privatkläger B._ und dessen Kollegen sowie ein ge-
genseitiges Festhalten und eine handgreifliche Auseinandersetzung vorangegan-
gen waren, wobei der Privatkläger B._ den Beschuldigten mit einem Schlag
ins Gesichts ebenfalls verletzt habe, dass der Beschuldigte dennoch bereits in
dieser Anfangsphase ohne erkennbaren Grund ein aggressives Verhalten an den
Tag gelegt habe, so kann dies übernommen werden. Offensichtlich ist zudem,
dass er durch die Verfolgung des flüchtenden Privatklägers und durch das Zuste-
chen, für eine massive Eskalation der Auseinandersetzung sorgte (so Vorinstanz
Urk. 86 S. 81). Diese Eskalation gründete, entgegen der Verteidigung, nicht auf
einer Provokation des Privatklägers B._. Durch die Messerstiche verletzte
der Beschuldigte den Privatkläger B._ sodann derart erheblich, dass eine
dringliche Operation zur Versorgung der Stichverletzungen und insbesondere zur
Wiederherstellung der Funktion der linken Lunge mit anschliessender stationärer
Hospitalisierung über fünf Tage notwendig wurde (vgl. Urk. HD 10/4). In diesem
Zusammenhang erwog die Vorinstanz gestützt auf die medizinischen Akten
zutreffend, auch wenn eine unmittelbare Lebensgefahr zum Zeitpunkt der medizi-
nischen Versorgung nicht bestanden habe, so habe ein lebensgefährlicher
Zustand im Sinne einer mittelbaren Lebensgefahr vorgelegen, zumal die Stich-
verletzungen zum vollständigen Kollaps des linken Lungenflügels und auch zu
einer geringen Volumenminderung des rechten Lungenflügels geführt hätten. (vgl.
Urk. 86 S. 81). Ergänzend ist zudem fest zu halten, dass es durch die provozierte
Lungengewebeverletzung auch zur Blutung in die linke Brusthöhle kam (vgl. Urk.
HD 10/4 S. 5). Damit kann jedenfalls gesagt werden, dass der Beschuldigte mit
seiner Handlung erhebliche Risiken hinsichtlich wesentlich schwerwiegenderen
Verletzungen schuf, zumal der Ausgang der Messerstiche - wie oben bereits
dargetan - nicht alleine von seinem Verhalten abhing. Insgesamt ist das objektive
Verschulden - dies in Abweichung zur Vorinstanz - mehr als erheblich einzu-
stufen.
4.1.2. Die Schwere der Tat wird dadurch in Grenzen gehalten, als der eigentliche
Taterfolg des eingeklagten Straftatbestandes, eine schwere Körperverletzung des
- 54 -
Privatklägers, nicht eingetreten ist. Es liegt mithin „nur“ versuchte Tatbegehung
vor, wobei von einem vollendeten Versucht auszugehen ist. Damit ist der Versuch
bei der objektiven Tatkomponente (also unabhängig vom Verschulden des
Beschuldigten) zu berücksichtigen (vgl. hierzu Mathys, Zur Technik der Strafzu-
messung in SJZ 100/2004 S. 178). Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe
hängt beim Versuch nach der Rechtsprechung unter anderem von der Nähe des
tatbestandsmässigen Erfolgs und den tatsächlichen Folgen der Tat ab (Urteil des
Bundesgerichtes 6S.44/2007 vom 6. Juni 2007 E. 4.5.4. und 4.5.5. unter Verweis
auf BGE 121 IV 49 E. 1b). Hinsichtlich der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs
kann vorerst auf das oben zum Verletzungsbild mehrfach Ausgeführte verwiesen
werden. Die Taterfolgsnähe ist dabei in jedem Fall zu bejahen, lagen doch in
unmittelbarer Nachbarschaft zu den Stichkanälen die Zwischenrippenschlag-
adern, das Herz und die Milz, welche bei einem nur leicht anderen Verlauf der
Stiche weit dramatischere Verletzungen hätten verursachen können (vgl. dazu
Aktengutachten Urk. 10/4, vgl. auch Vorinstanz Urk. 86 S. 81 f.).
4.1.3. Die Einsatzstrafe liegt damit - noch ohne Berücksichtigung der Tatsache,
dass es bei einer versuchten Tatbegehung blieb - in der Mitte des festgesetzten
Strafrahmens, nämlich im Bereich von 5 Jahren. Bei der versuchten Tatbegehung
ist zu berücksichtigen, dass es einerseits weitgehend dem Zufall oblag, ob der
Privatkläger lebensgefährliche Verletzungen erlitt, andererseits dass der tat-
bestandsmässige Erfolg nicht allzu weit lag, was insgesamt eine Strafminderung
in eher bescheidenem Rahmen rechtfertigt.
4.1.4. In subjektiver Hinsicht erwog die Vorinstanz, zugunsten des Beschuldigten,
dieser habe die Tat nicht geplant und mit Eventualvorsatz gehandelt, was zu
übernehmen ist. Dennoch ist klar festzuhalten, dass für eine solche Attacke
gegen den Privatkläger nicht der geringste Grund bestand, weshalb sein äusserst
aggressives Vorgehen eine nicht unerhebliche kriminelle Energie und grosses
Gewaltpotential verrät. Ein Motiv ist nicht erkennbar, die Vorgehensweise des
Beschuldigten war durch blinde Wut geprägt. Korrekt berücksichtigte die
Vorinstanz, dass der Beschuldigte zur Tatzeit mit einer rückgerechneten Blut-
alkoholkonzentration von minimal 1.12 bzw. maximal 1.86 Gewichtspromille (vgl.
- 55 -
Urk. HD 12/4) deutlich alkoholisiert war. Es wurde bereits oben in Zusammenhang
mit der Würdigung der Aussagen des Beschuldigten auf die Praxis des Bundes-
gerichtes zur Annahme einer Verminderung der Schuldfähigkeit zufolge Alkohol-
konsums hingewiesen (Vgl. BGE 122 IV 49 E. 1. b). Im Lichte dieser Praxis kann
mit der Vorinstanz noch nicht von einer Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit aus-
gegangen werden. Dennoch ist durchaus anzuerkennen, dass die die Kritik
schwächende, enthemmende und Aggressionen fördernde Wirkung des Alkohols
sicherlich zu einer spürbaren Erleichterung der Tatbereitschaft beitrug, welchem
Umstand bei der Bestimmung des Tatverschuldens entsprechend spürbar ent-
lastend Rechnung zu tragen ist. Dabei wird indessen zu berücksichtigen sein,
dass der Beschuldigte in jener Zeit regelmässig auch grosse Mengen Alkohol
konsumierte, weswegen er über eine etwas erhöhte Alkoholtoleranz verfügte (vgl.
Urk. 100 S. 5f.)
4.1.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die aufgeführte Alkoholisierung
des Beschuldigten zusammen mit dem Umstand, dass die Tat im Versuchs-
stadium blieb, die bisherige Qualifikation des objektiven Tatverschuldens spürbar
relativiert. Insgesamt ist hier daher von einem erheblichen, jedoch noch nicht von
einem schweren Verschulden auszugehen, weswegen die Einsatzstrafe um rund
einen Fünftel zu reduzieren ist.
4.2. Einbruchdiebstähle gemäss ND 3 und 4
4.2.1. Bezüglich der Beteiligung des Beschuldigten an den von R._ began-
genen Einbruchdiebstählen erwog die Vorinstanz, dass ein ernstlicher, aber auch
nicht übermässiger Sachschaden (Fenster eingeschlagen, mehrere Türen aufge-
brochen) zustande kam. Weiter hielt sie korrekt fest, dass die beiden gezielt ein
Objekt aufgesucht hätten, das zur Tatzeit verlassen war, dass indessen eine
relativ geringe Beute erzielt wurde, obwohl R._ und der Beschuldigte auf
mehr gehofft haben dürften. Der Tatbeitrag des Beschuldigten erschöpfte sich
zwar im Transportdienst und die Zurverfügungstellung von Einbruchswerkzeug,
dennoch kann dieser - dies mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 86 S. 83) - auch unter
Berücksichtigung der Tatsache, dass der Beschuldigte selber nicht in die Büro-
räumlichkeiten der Privatklägerinnen eindrang, nicht als unerheblich bezeichnet
- 56 -
werden, weil das von ihm zur Verfügung gestellte Auto das einfache und schnelle
Erreichen und Verlassen der ausgesuchten Objekte erst ermöglichte. Zutreffend
ist, dass er für seine Dienste Fr. 50.-- erhielt, was einen eher geringen Anteil an
der Beute darstellt.
4.2.2. In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte aus rein finanziellen
Motiven, dies obwohl er sich in keinerlei Notlage befand (so auch Vorinstanz,
Urk. 86 S. 83).
4.2.3. Mit der Vorinstanz ist damit das Verschulden insgesamt als noch leicht zu
qualifizieren, was zur leichten Erhöhung der Einsatzstrafe führt.
4.3. Drohung, versuchte einfache Körperverletzung, Widerhandlung gegen das
Waffengesetz gemäss ND 5
4.3.1. Hier steht der Vorfall vom 7. November 2010 zum Nachteil des Privat-
klägers L._ zur Debatte. Wie die Vorinstanz ausführte, nahm der Beschuldig-
te ein Butterfly-Messer hervor, als der Privatkläger L._ der von ihm (dem
Beschuldigten) bedrängten Privatklägerin P._ zur Hilfe kommen wollte. Es
trifft zu, dass er den Privatkläger L._ mit dem Messer, eine gefährliche Waf-
fe, deren Besitz verboten ist, nicht berührte. Dennoch ist mit der Vorinstanz fest-
zuhalten, dass er den Privatkläger dadurch massiv verunsicherte, zumal er damit
rechnen musste, dass der Beschuldigte das Messer auch zum Einsatz bringt,
womit er zumindest schwere Verletzungen befürchten musste. Damit stellte das
Vorzeigen dieses Messers eine erhebliche Bedrohung dar. Nachdem der Privat-
kläger zu Boden gekommen und dort mit dem Kopf aufschlug, so dass er
regungslos liegen blieb, trat der Beschuldigte - wie die Zeugin N._ bestätigte
- mehrmals heftig gegen dessen Körper, namentlich in die Fussregion und in den
Oberkörper. Wenn die Vorinstanz in diesem Zusammenhang erwog, dass es nur
glücklichen Umständen zu verdanken ist, dass der Privatkläger keine Verletzun-
gen davon trug, weswegen nur versuchte Tatbegehung vorliegt, so ist dem
zuzustimmen. Das objektive Verschulden muss daher als erheblich bezeichnet
werden.
- 57 -
4.3.2. In subjektiver Hinsicht kann mit der Vorinstanz festgehalten werden, dass
der Beschuldigte solche Verletzungen jedenfalls im Sinne eines Eventualvor-
satzes in Kauf nahm. Zum Motiv spekulierte die Vorinstanz, der Beschuldigte
habe wohl den Privatkläger L._ einschüchtern wollen, damit sich dieser nicht
weiter in seine Auseinandersetzung mit der Privatklägerin einmischen würde. Es
mag zutreffen, dass darin der Beweggrund für das Handeln des Beschuldigten
lag. Indessen lässt dies sein Vorgehen, welches sein Gewaltpotenzial zeigte,
nicht unter einem besseren Licht erscheinen, insbesondere in keiner Weise recht-
fertigen. Vielmehr dokumentiert dies eine grosse kriminelle Energie und Rück-
sichtslosigkeit gegenüber dem in jener Lage hilflos am Boden liegenden Privat-
kläger, was sein Verhalten als besonders verwerflich erscheinen lässt. In Ergän-
zung zu den Ausführungen der Vorinstanz ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte zur Tatzeit mit einer rückgerechneten Blutalkoholkonzentration von
minimal 1.19 bzw. maximal 1.78 Gewichtspromille (vgl. Urk. ND 5/7/4) auch
anlässlich dieses Vorfalles (wie bei demjenigen vom 14. November 2010, HD)
deutlich alkoholisiert war. Im Lichte der oben dargelegten bundesgerichtlichen
Praxis kann auch hier nicht von einer Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit aus-
gegangen werden. Dennoch ist im Rahmen des Verschuldens zu beachten, dass
der konsumierte Alkohol selbst unter der Annahme einer etwas erhöhten
Alkoholtoleranz eine enthemmende Wirkung auf den Beschuldigten haben
konnte. Insofern erfährt das Verschulden durch die subjektive Seite eine
merkliche Entlastung.
4.3.3. Die Widerhandlung gegen das Waffengesetz fällt mit der Vorinstanz ver-
schuldensmässig nicht sehr stark ins Gewicht, stellt auf der anderen Seite auch
keine Bagatelle dar, zumal sie die Gleichgültigkeit des Beschuldigten gegenüber
geltende Vorschriften dokumentiert (so auch Vorinstanz Urk. 86 S. 84).
4.3.4. Nach alledem ist das Tatverschulden des Beschuldigten bezüglich der
Drohung und der versuchten einfachen Körperverletzung gegenüber dem Privat-
kläger L._ sowie der Widerhandlung gegen das Waffengesetz nicht mehr als
erheblich, sondern als nicht mehr leicht zu bezeichnen. Dies führt zu einer spür-
baren Erhöhung der Einsatzstrafe.
- 58 -
4.4. Zusammenfassend erscheint nach Beurteilung sämtlicher Tatkomponenten -
unter Berücksichtigung der versuchten Tatbegehung bei zwei Delikten - eine
Einsatzstrafe im Bereich von 4 3⁄4 bis 5 Jahren als angemessen.
5. Täterkomponente
Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie
das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren.
5.1. Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann vorweg auf die
Personalakten, die Befragung anlässlich der Hauptverhandlung (Urk. 66) sowie
den im vorinstanzlichen Urteil ausführlich geschilderten Werdegang verwiesen
werden (vgl. Urk. 86 S. 85 f.).
An der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte zu seiner persönlichen
Situation aus, er leide von dem gegen ihn verübten Übergriff her immer noch
unter Schmerzen in der Schulter. Eigentlich sei eine erneute Operation not-
wendig, aber er könne es sich im Moment nicht leisten, von seiner Firma fern zu
bleiben. Es sei schon schwierig genug gewesen, weil er den Führerschein ver-
loren habe. Er führe nach wie vor ein Transportgeschäft. Er erledige dort jegliche
anfallenden Arbeiten. Dies sei sein Traumjob. Er habe aber im Moment immer
noch zwischen Fr. 20'000.-- und Fr. 30'000.-- Schulden. Er lebe nach wie vor mit
seiner Mutter zusammen. Er bezahle ihr nichts dafür, lediglich ab und zu ein paar
Hundert Franken. Es komme darauf an, wie gut das Geschäft laufe. Seiner Mutter
gehe es wegen der Krebserkrankung nicht gut. Sie habe einen Tumormarker der
zunehme. (Urk. 100).
Zusammenfassend lassen sich aus der Biografie des Beschuldigten, keine straf-
zumessungsrelevanten Faktoren ableiten (so auch Vorinstanz Urk. 86 S. 86).
5.2. Der Zentralstrafregisterauszug des Beschuldigten weist keine Vorstrafen
auf, was sich neutral auswirkt. Der Beschuldigte beging die unter HD 5 zur
Anklage gebrachten Delikte während der bereits laufenden Untersuchung wegen
Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs (vgl. ND 3 und 4). Ledig-
lich 7 Tage nach Verübung der Delikte unter ND 5 delinquierte er erneut (vgl. Vor-
- 59 -
fall HD). Diese wiederholte Delinquenz während laufender Untersuchung führt zu
einer deutlichen Straferhöhung (vgl. auch Vorinstanz Urk. 86 S. 86f.).
5.3. Zum Nachtatverhalten ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte lediglich
in Bezug auf die Einbruchdiebstähle gemäss ND 3 und 4 sowie die Drohung
geständig zeigte. Mit Bezug auf die dem Privatkläger L._ verabreichten Tritte
(ND 5) bestritt er hauptsächlich die rechtliche Qualifikation. Während er im
Berufungsverfahren den Vorwurf betreffend Widerhandlung gegen das Waffen-
gesetz nicht mehr zur Diskussion stellte, ist er mit Bezug auf den Hauptvorwurf
der versuchten schweren Körperverletzung nach wie vor nicht geständig. Ein um-
fassendes Geständnis liegt damit nicht vor, so dass seine Zugeständnisse nur zu
einer leichten Strafminderung Anlass geben. Von Reue und Einsicht kann
- entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 86 S. 87) - nicht die Rede sein. Wenn die
Vorinstanz zu seinen Gunsten berücksichtigte, dass er in einer kurzen Phase
handelte und zuvor sowie auch seit diesen Vorfällen nicht durch strafrechtlich
relevantes Verhalten auffiel (vgl. Vorinstanz Urk. 86 S. 87), so ist diesbezüglich zu
bemerken, dass Wohlverhalten vorausgesetzt ist. Indessen kann dies in
Zusammenhang mit dem jugendlichen Alter des Beschuldigten, der bei sämtli-
chen Delikten noch nicht 20jährig war, gebracht werden, weshalb ihm unter
diesem Titel wohlwollenderweise doch eine leichte Strafminderung zuzugestehen
ist. (vgl. dazu BSK Strafrecht I - Wiprächtiger / Keller, Basel 2012, 3. Auflage,
Art. 48 N 5 bzw. Art. 47 N 126).
5.4. Schliesslich ist die Wirkung der Strafe auf das Leben des Beschuldigten
mit zu berücksichtigen, womit letztlich die Strafempfindlichkeit angesprochen wird.
Eine deutlich erhöhte Strafempfindlichkeit - wie von der Rechtsprechung verlangt
- ist nicht ersichtlich. Jedenfalls liegt bei ihm keine Konstellation mit ausser-
gewöhnlichen Umständen vor, welche aktuell irgendeine besondere Strafempfind-
lichkeit - aus persönlichen oder beruflichen Gründen - zu begründen vermöchte.
Wie das Bundesgericht festhielt, stellt selbst die Verbüssung einer langjährigen
Freiheitsstrafe für jeden selbst in ein familiäres oder soziales Umfeld einge-
betteten Beschuldigten eine gewisse Härte dar.
- 60 -
5.5. Insgesamt halten sich die straferhöhenden (Delinquenz währen der laufen-
den Untersuchung) und die strafmindernden (Teilgeständnis und jugendliches
Alter) Faktoren die Waage, so dass die Würdigung der Täterkomponente zu
keiner Reduktion der Einsatzstrafe führt.
6. Strafzumessung bezüglich ND 5: Tätlichkeiten
6.1. Die Tätlichkeiten gegenüber der Privatklägerin P._ sind mit Busse zu
ahnden.
6.2. Betreffend den Schlag auf das Gesäss und die Ohrfeige, welche der
Beschuldigte der Privatklägerin P._ versetzte, nachdem sie ihn nach dem
Schlag auf ihr Gesäss mit "Nuttensohn" betitelt hatte, ist das objektive Tatver-
schulden jedenfalls als nicht mehr leicht zu werten. Die Ohrfeige führte zu einer
Rötung der linken Wange und bereitete der Privatklägerin Kopfschmerzen. Zutref-
fend ist sodann, dass die der Ohrfeige vorangegangene Beleidigung der Privat-
klägerin dem Beschuldigten gegenüber sein Verschulden in subjektiver Hinsicht
nicht zu relativieren vermag, zumal der Beleidigung der Schlag des Beschuldigten
auf ihr Gesäss vorangegangen war (vgl. Vorinstanz Urk. 86 S. 87) und er damit
selber ihre Reaktion verursacht hatte.
6.3. Zur Täterkomponente ist auf die Ausführungen im Zusammenhang mit der
Strafzumessung zu den anderen Delikten zu verweisen. Eine leichte Strafminde-
rung ergibt das Geständnis mit Bezug auf die Ohrfeige und den Schlag auf den
Hintern.
6.4. Zusammenfassend ist die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse von
Fr. 600.--, welche auch auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten
Rücksicht nimmt, zu bestätigen. Die auf 6 Tage bemessene Ersatzfreiheitsstrafe
für den Fall der Nichtbezahlung der Busse entspricht ständiger Praxis und ist nicht
weiter zu erörtern.
- 61 -
7. Gesamtergebnis der Sanktion
Ausgehend von der im Rahmen der Tatkomponenten festgesetzten hypotheti-
schen Freiheitsstrafe und in Würdigung der vorstehend aufgeführten weiteren
Strafzumessungsfaktoren, die zu keiner Veränderung dieses Strafmasses führen,
erweist sich eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 9 Monaten als angemessen.
Vor diesem Hintergrund erscheint das von der Vorinstanz ausgesprochene Straf-
mass als zu mild. Für die Übertretungen ist zudem eine Busse von Fr. 600.-- aus-
zusprechen, wobei die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der
Busse auf 6 Tage anzusetzen ist.
8. Anrechnung der Haft
Der Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von insgesamt 175 Tagen
steht nichts im Wege (Art. 51 StGB).
VI. Vollzug
Bei dieser Strafhöhe steht die Gewährung des (teil-)bedingten Strafvollzugs aus
objektiven Gründen nicht zur Diskussion (Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 43 Abs. 1
StGB), weshalb sich weitere Ausführungen erübrigen.
VII. Zivilansprüche
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen, unter denen die Privatkläger-
schaft im Strafprozess adhäsionsweise zivilrechtliche Ansprüche im Sinne von
Art. 41 ff. OR geltend machen kann, korrekt dargelegt, weshalb sie an dieser
Stelle nicht zu wiederholen sind (vgl. Urk. 86 S. 90 f.).
1.2. Die Vorinstanz sprach dem Privatkläger B._ Schadenersatz im Um-
fang von Fr. 1'518.80 zu und eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- zuzüglich 5% Zins
- 62 -
ab 14. November 2010 (vgl. Urk. 86 S. 91 f., vgl. Dispositiv-Ziff. 5 und 6). Das
Genugtuungsbegehren wies die Vorinstanz im Mehrbetrag ab.
1.3. Der Privatkläger hat gegen das erstinstanzliche Urteil weder Berufung,
noch Anschlussberufung erhoben, beantragte indessen an der Berufungs-
verhandlung die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils ( vgl. Urk. 103).
2. Schadenersatz
Der Beschuldigte liess im Berufungsverfahren in diesem Punkt einen Freispruch
und die Abweisung der Zivilforderungen beantragen (Urk. 89, Urk. 101). Nachdem
die Verurteilung des Beschuldigten zu bestätigen ist, bedarf es keiner besonderen
Erörterung, dass der Beschuldigte für die verlangten ausgewiesenen und nicht
bestrittenen Positionen dem Privatkläger gegenüber Schadenersatz zu leisten
hat. Die von der Vorinstanz getroffene Schadenersatzregelung ist daher zu be-
stätigen (vgl. Urk. Urk. 68, Urk. 86 S. 91, vgl. Urk. 86 S. 95 Dispositiv Ziff. 5).
3. Genugtuung
3.1. Die Vorinstanz sprach dem Privatkläger eine Genugtuung von Fr. 8'000.--
zu und wies im Mehrbetrag eine solche ab (vgl. Urk. 86 S. 95, Dispositiv-Ziffer 6).
3.2. Diese Regelung nimmt auf die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen,
die eine Operation und eine fünftägige Hospitalisierung mit nachfolgender
Behandlung nach sich zogen Rücksicht. Auf die in allen Teilen zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz kann im Übrigen verwiesen werden (vgl. Urk. 86 S. 91
f.). Nachdem im Berufungsverfahren aus prozessualen Gründen keine Erhöhung
der Genugtuung zur Diskussion stehen kann, ist der vorinstanzliche Entscheid
ohne Weiteres zu bestätigen.
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VIII.Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten der ersten Instanz
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage zu bestätigen (Dispositiv-
Ziffern 13 und 14; Art. 426 StPO).
2. Kosten der Berufungsinstanz
2.1. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich, die Anklagebehörde obsiegt mit ihren
Anträgen. Der Privatkläger B._ obsiegt mit seinem Antrag auf Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils. Demnach sind die Kosten des Berufungsverfahrens
(exklusive Kosten der amtlichen Verteidigung) zuzüglich derjenigen der unentgelt-
lichen Vertretung des Privatklägers B._ vollumfänglich dem Beschuldigten
aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren sind
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
2.2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 4'000.-- anzu-
setzen.
3. Entschädigungen
3.1. Der amtliche Verteidiger reichte am 18. November 2013 seine Honorarnote
ein und beantragte an der Berufungsverhandlung in Ergänzung dazu eine Ent-
schädigung für die Dauer der Berufungsverhandlung, die Urteilseröffnung sowie
den Reiseweg für die Verhandlung (vgl. Urk. 101). Die geltend gemachten Auf-
wendungen sind ausgewiesen. Der amtliche Verteidiger ist damit für das
Berufungsverfahren mit Fr. 4'472.90 (inkl. MwSt) zu entschädigen.
3.2. Der unentgeltliche Vertreter des Privatklägers B._ reichte am
11. November 2013 seine Honorarnote ein, welche auch den geschätzten Auf-
wand für die Berufungsverhandlung beinhaltet (vgl. Urk. 98), womit sein gesamter
Aufwand abschliessend genannt ist. Die geltend gemachten Aufwendungen sind
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ausgewiesen. Der unentgeltliche Vertreter des Privatklägers ist damit für das
Berufungsverfahren mit Fr. 1'483.40 (inkl. MwSt.) zu entschädigen.