Decision ID: 16b63d3a-7725-4a66-97da-bfcecf92306a
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Bundesanwaltschaft (nachfolgend "BA") eröffnete am 15. Dezem-
ber 2015 aufgrund einer Selbstanzeige ein Strafverfahren gegen die Gesell-
schaft B. (Verfahren SV.15.0584) wegen Verdachts einer Straftat nach
Art. 102 Abs. 2 i.V.m. Art. 322septies StGB.
B. Am 25. Januar 2017 dehnte die BA das Verfahren auf A. aus. Es bestehe
der Verdacht der Bestechung fremder Amtsträger nach Art. 322septies StGB,
der ungetreuen Geschäftsbesorgung nach Art. 158 StGB, evtl. der Verun-
treuung nach Art. 138 StGB sowie der Geldwäscherei nach Art. 305bis StGB.
A. sei von November 1997 bis November 2008 als CFO für die Gesell-
schaft B. tätig gewesen. Anschliessend habe er verschiedene Geschäftslei-
tungsaufgaben als Berater resp. Advisor für die B. weitergeführt (BB.2017.51
act. 1.2 S. 2 Ziff. 2).
Die BA wirft A. vor, während seiner Anstellung bei der B. aktiv an der Aus-
schleusung von Vermögenswerten aus dem Gesellschaftsvermögen der B.
sowie der Bestechung fremder Amtsträger mitgewirkt zu haben. Ferner wirft
sie ihm vor, nach dem Ende seiner Anstellung für B. eine schwarze Kasse
mit zur Bestechung fremder Amtsträger bestimmten Vermögenswerten ge-
führt und auch Bestechungszahlungen ausgeführt zu haben (BB.2017.51
act. 1.2 S. 2 Ziff. 3).
C. Mit Verfügung vom 23. Februar 2017 stellte die BA fest, dass sie aufgrund
des bereits bestehenden abgekürzten Verfahrens gegen die Gesellschaft B.
eine getrennte Untersuchung gegen A. hätte eröffnen müssen und dass die
Ausdehnungsverfügung vom 25. Januar 2017 daher "als Eröffnungsverfü-
gung für das getrennte, vorliegende Verfahren SV.17.0229 gilt und die gegen
A. seither durchgeführten Verfahrenshandlungen diesem Verfahren zuzu-
ordnen sind" (BB.2017.51 act. 1.1).
D. Dagegen liess A. am 9. März 2017 Beschwerde führen, wobei er in der
Hauptsache und im Wesentlichen beantragte, die Verfügung der Bundesan-
waltschaft vom 23. Februar 2017 sei aufzuheben und sein Verfahren unter
der Nummer SV.15.0584 zusammen mit demjenigen gegen die Gesell-
schaft B. zu führen (BB.2017.51 act. 1 S. 2).
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A. beantragte mit der Beschwerde zugleich (Verfahren BP.2017.15-16), es
sei die Suspensivwirkung gegen die angefochtene Verfügung vom 23. Feb-
ruar 2017 zu gewähren, subsidiär oder von Amtes wegen sei es der Bundes-
anwaltschaft zu untersagen, das Verfahren SV.15.0584 zu schliessen oder
irgendwelche Verfahrenshandlungen darin vorzunehmen bis vorliegende so-
wie jedwelche andere Beschwerde bezüglich Vereinigung oder Trennung in
Zusammenhang mit dem Verfahren SV.15.0584 entschieden sei.
E. Die Verfügung des verfahrensleitenden Richters der Beschwerdekammer
vom 22. März 2017 wies die BA an, im Verfahren SV.15.0584 sowie gegen
andere Beschuldigte im gleichen Sachzusammenhang bis zum Abschluss
des Beschwerdeverfahrens keine Anklage zu erheben; im Übrigen wurde der
Antrag auf aufschiebende Wirkung bzw. Erlass vorsorglicher
Massnahmen mangels nicht wieder gutzumachenden Nachteils bzw. Not-
wendigkeit abgewiesen (Verfahren BP.2017.15-16).
F. Mit Schreiben vom 24. März 2017 teilte die BA im Verfahren BB.2017.51 mit,
dass sie den Strafbefehl gegen B. eröffnet hat und dass die Gesellschaft B.
zuhanden der BA auf eine Einsprache verzichtet hat (act. 1.2).
G. Am 5. April 2017 erhob A. dagegen einerseits Einsprache bei der BA, wobei
er beantragte, das Verfahren sei zu sistieren, bis über das hängige Be-
schwerdeverfahren entschieden sei (act. 1.3).
Andererseits erhob A. gegen das Schreiben der BA vom 24. März 2017 resp.
den Erlass des Strafbefehls am 5. April 2017 vorliegende Beschwerde. Er
beantragt (act. 1):
En la forme
1. Recevoir le présent recours.
Sur mesures provisionnelles
2. Suspendre les effets de l'ordonnance pénale rendue par le Ministère public de
la Confédération à l'encontre de B. SA dans la procédure SV.15.0584 jusqu'à
droit jugé sur le présent recours.
3. Faire interdiction au Ministère public de la Confédération de statuer l'opposition
formée le 5 avril 2017 par A. à l'encontre de l'ordonnance pénale rendue par le
Ministère public de la Confédération à l'encontre de B. SA dans la procédure
SV.15.0584 jusqu'à droit jugé sur le présent recours.
Au fond
Principalement
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4. Dire et juger que le prononcé et la notification d'une ordonnance pénale à l'en-
contre de B. SA dans la procédure SV.15.0584 sont inopportuns en l'état jus-
qu'à droit connu sur le présent recours et sur le recours formé le 9 mars 2017
par A. sur la disjonction de la procédure SV.15.0584 et la poursuite de A. dans
une nouvelle procédure SV.17.022 (BB.2017.51).
5. Annuler en conséquence l'ordonnance pénale rendue par le Ministère public de
la Confédération à l'encontre de B. SA dans la procédure SV.15.0584.
H. Es wurde kein Schriftenwechsel durchgeführt (vgl. Art. 390 Abs. 2 StPO im
Umkehrschluss).
Auf die Ausführungen der Partei und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft
kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde er-
hoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 des Bundes-
gesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des
Bundes [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71]). Die Be-
schwerde ist nach Art. 394 StPO nicht zulässig, wenn die Berufung möglich
ist (lit. a) sowie gegen die Ablehnung von Beweisanträgen durch die Bun-
desanwaltschaft, wenn der Antrag ohne Rechtsnachteil vor dem erstinstanz-
lichen Gericht wiederholt werden kann (lit. b).
1.2 Das Strafbefehlsverfahren ist in den Art. 352–356 StPO geregelt. Der Straf-
befehl stellt im Grunde einen Vorschlag zur aussergerichtlichen Erledigung
des Straffalles dar. Einzig möglicher Rechtsbehelf ist die Einsprache. Sie ist
kein Rechtsmittel, sondern löst das gerichtliche Verfahren aus, in dem über
die Berechtigung der im Strafbefehl enthaltenen Deliktsvorwürfe entschieden
wird (Botschaft des Bundesrates vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitli-
chung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085, S. 1291). Auch ohne dass
der Gesetzestext dies ausdrücklich erwähnt, ist gegen einen Strafbefehl
keine Beschwerde zulässig. Dies ergibt sich aus dem anderen Rechtsmittel-
weg in den Art. 354 f. StPO sowie aufgrund der Rechtsnatur des Strafbefehls
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als Urteilsvorschlag (KELLER, Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-
zessordnung, 2. Aufl. Zürich 2014, Art. 393 N. 18). Für eine Beschwerde ge-
gen den Strafbefehl bleibt deshalb kein Raum (GUIDON, Basler Kommentar,
2. Aufl. Basel 2014, Art. 393 StPO N. 11 S. 2951). Nur wenn der Strafbefehl
eine explizite oder implizite Teileinstellung enthält, kann ein Privatkläger ge-
gen diese Beschwerde erheben (BGE 138 IV 241 E. 2.6; SCHWARZENEGGER,
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. Zürich 2014,
Art. 354 N. 5).
1.3 Vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Entscheid der BA, den Straf-
befehl gegenüber der Gesellschaft B. zu erlassen und zu eröffnen, wörtlich
"contre une décision du MPC (celle de prononcer et de notifier l'ordonnance
pénale litigieuse à l'encontre de B.)". Überprüft werden soll die Angemessen-
heit dieser Entscheidung (act. 1 S. 4 Ziff. 15). Beantragt ist unter anderem
die Aufhebung des Strafbefehls (Anträge Ziff. 5).
Gegen den Strafbefehl steht ausschliesslich der Rechtsbehelf der Einspra-
che zur Verfügung; eine doppelspurige Überprüfungsmöglichkeit ist nicht im
Sinne der Rechtsmittelordnung. Damit fehlt es der Beschwerde an einem
gültigen Anfechtungsobjekt, weshalb auf diese nicht einzutreten ist. Die Be-
schwerde ist offensichtlich unzulässig. Ob es auch an weiteren Eintretens-
voraussetzungen fehlt, kann damit offenbleiben.
2. Ist auf die Beschwerde nicht einzutreten, so sind die Nebenverfahren
BP.2017.22-23 (Suspensiveffekt, vorsorgliche Massnahmen) gegenstands-
los geworden und daher entsprechend abzuschreiben.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Gerichts-
kosten zu tragen (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr ist auf
Fr. 1'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des
Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten,
Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR;
SR 173.713.162]).
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