Decision ID: 7ccab5a8-175f-4286-8bab-758e4fa280c1
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._, geboren _ und in einer Familie von Fahrenden aufgewachsen, meldete
sich am 19. Februar 2003 wegen niedrigen Blutdrucks, «Zucker», Kopfbeschwerden
und Depression zum Bezug von Leistungen (Berufsberatung und Umschulung) bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). In deren Auftrag erstattete med. pract.
C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am 11. November 2003 ein
Gutachten, das sich auf persönliche Untersuchungen vom 21. Oktober 2003 stützte.
Med. pract. C._ diagnostizierte eine schizoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10:
F60.1). Diese sei beim Versicherten so ausgeprägt, dass die Ausübung einer
herkömmlichen Tätigkeit, die verbunden sei mit einem festen Arbeitsplatz und dem
täglichen Kontakt zu den gleichen Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg
aktuell nicht möglich sei. Für solche Tätigkeiten bestehe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Der Versicherte könne jedoch sehr wohl Tätigkeiten ausüben, die
ihm genügend Flexibilität bezüglich der Arbeitsorte und Kontakte offenhalte, wie dies
zum Beispiel bei saisonalen Tätigkeiten oder bei Tätigkeiten mit freier Zeiteinteilung wie
z.B. im Verkauf oder auf Montage möglich wäre. Bei einer solchen Tätigkeit bestehe
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 27, insbesondere IV-act. 27-16 f.). Da der
Versicherte in der Folge die Mitwirkung an Eingliederungsmassnahmen trotz
Abmahnung verweigert hatte, wies die IV-Stelle dessen Leistungsbegehren mit
Verfügung vom 1. Juni 2004 ab (IV-act. 38).
A.a.
Am 12. Oktober 2005 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an und machte dabei geltend, an psychischen
Problemen (Angstzuständen und Depression) zu leiden (IV-act. 43). Der behandelnde
Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 18. Januar
A.b.
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2006, der Versicherte leide an rezidivierenden Panikattacken bei endogener Depression
und Minderbegabung sowie an einer Borderline-Persönlichkeit. Deren Auswirkungen
würden zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit führen (IV-act. 50). Die IV-Stelle liess
sich am 24. Februar 2007 ein psychiatrisches Gutachten von Dr. med. E._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, erstatten, dem eine persönliche Untersuchung am
13. Februar 2007 vorausgegangen war. Dr. E._ diagnostizierte eine schizoide
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.1), DD: Borderline-Störung (ICD-10: F60.31),
sowie eine Angst und depressive Störung leichten Grades gemischt. Bezogen sowohl
auf die angestammte Tätigkeit als Hausierer als auch eine leidensangepasste Tätigkeit
bescheinigte er dem Versicherten eine 30- bis 35%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 75).
Gestützt auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ermittelte die IV-Stelle
einen Invaliditätsgrad von 34 % und wies das Rentengesuch nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (IV-act. 81) mit Verfügung vom 24. Juli 2007 ab (IV-act. 82).
Der Versicherte meldete sich am 25. Oktober 2019 ein weiteres Mal zum Bezug
von Leistungen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 87). Hinsichtlich
seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung verwies er (IV-act. 87-6) auf den Bericht von
Dr. D._ vom 6. Oktober 2019, worin rezidivierende Panikattacken bei endogener
Depression und bei Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert sowie eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden waren. Aufgrund der
Krankheitseinsicht des Versicherten hielt Dr. D._ eine stationäre Behandlung zum
aktuellen Zeitpunkt nicht für indiziert (IV-act. 88).
A.c.
Da der Versicherte auf Aufforderung der IV-Stelle vom 30. Oktober 2019 (IV-
act. 94) keine weiteren medizinischen Berichte eingereicht hatte, stellte ihm die IV-
Stelle mit Vorbescheid vom 20. Februar 2020 in Aussicht, auf sein Leistungsgesuch
nicht einzutreten (IV-act. 100). Daraufhin erhielt die IV-Stelle am 23. April 2020 einen
weiteren Bericht von Dr. D._ vom 11. März 2020, worin er die Diagnoseliste um einen
Verdacht auf obstruktive Schlafapnoe ergänzt hatte (IV-act. 103). Am 10. September
2020 berichtete Dr. D._ der IV-Stelle, dass der Versicherte weiterhin vollständig
arbeitsunfähig sei (IV-act. 112). Die RAD-Ärztin Dr. med. F._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, vertrat in der Stellungnahme vom 17. September 2020
die Auffassung, seit der letzten gutachterlichen Beurteilung habe sich der
Gesundheitszustand des Versicherten nicht wesentlich verändert, weshalb weiterhin
A.d.
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von einer 66%igen Restarbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne (IV-act. 113; siehe
auch die Stellungnahme vom 28. Januar 2021, IV-act. 121). Die IV-Stelle zeigte dem
Versicherten mit Vorbescheid vom 5. Februar 2021 an, dass sie weiterhin von einem
34%igen Invaliditätsgrad ausgehe und deshalb sein Leistungsbegehren abweisen
werde (IV-act. 124).
Dagegen liess der Versicherte, vertreten durch die Sozialen Dienste B._, am
11. März 2021 Einwand erheben und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen,
eventualiter eine neue Begutachtung, beantragen (IV-act. 132). Die IV-Stelle hielt in der
Folge weitere medizinische Abklärungen für erforderlich und liess sich am 7. Mai 2021
ein psychiatrisches Gutachten von Prof. Dr. med. G._, Facharzt u.a. für Psychiatrie
und Psychotherapie, erstatten. Die persönliche Untersuchung des Versicherten hatte
am 4. Mai 2021 stattgefunden. Prof. G._ diagnostizierte eine schizoide
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.1) und mass dieser Krankheit einen Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit bei; der ebenfalls diagnostizierten Panikstörung, leichtgradig
ausgebildet (ICD-10: F41.0), sprach er einen solchen dagegen ab. Aus rein
psychiatrischer Sicht liege im Vergleich zum Sachverhalt, wie er der Verfügung vom
24. Juli 2007 zugrunde gelegt worden sei, ein im Wesentlichen unveränderter
Gesundheitszustand vor. Prof. G._ schloss sich der Beurteilung von Dr. E._ an und
bescheinigte dem Versicherten eine 33%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl für die
angestammte als auch eine leidensangepasste Tätigkeit (IV-act. 143, insbesondere IV-
act. 143-22 und -27). Die RAD-Ärztin Dr. F._ vertrat die Auffassung, auf das
Gutachten von Prof. G._ könne aus versicherungsmedizinischer Sicht abgestellt
werden (Stellungnahme vom 1. Juni 2021, IV-act. 144). Mit neuerlichem Vorbescheid
vom 4. Juni 2021 zeigte die IV-Stelle dem Versicherten an, dass sein Rentengesuch bei
einem 33%igen Invaliditätsgrad abgewiesen werde (IV-act. 147).
A.e.
Am 3. Juni 2021 liess der Versicherte ein undatiertes, nicht persönlich
unterzeichnetes Arbeitszeugnis von H._, Maler und Dachdecker, Wagenhausen,
einreichen, worin u.a. festgehalten wurde, dass er höchstens eine 40%ige
Arbeitsleistung erbringen könne (IV-act. 148 f.). Gegen den Vorbescheid vom 4. Juni
2021 liess der Versicherte am 9. Juli 2021 Einwand erheben und die Ausrichtung der
ihm zustehenden Leistungen beantragen. Eventualiter sei eine polydisziplinäre
Begutachtung anzuordnen (IV-act. 152). Die RAD-Ärztin Dr. F._ setzte sich in der
A.f.
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B.

Erwägungen
1.
Stellungnahme vom 31. August 2021 mit der im Einwand vorgebrachten Kritik am
Gutachten von Prof. G._ auseinander und gelangte zum Schluss, dass weiterhin an
der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung festgehalten werden könne (IV-
act. 153). Daraufhin verfügte die IV-Stelle am 1. September 2021 die Abweisung des
Rentengesuchs (IV-act. 154).
Der Beschwerdeführer liess am 30. September 2021, vertreten durch die Sozialen
Dienste B._, Beschwerde gegen die Verfügung vom 1. September 2021 erheben. Er
beantragte deren Aufhebung und die Ausrichtung der ihm zustehenden Leistungen.
Eventualiter sei eine polydisziplinäre Begutachtung anzuordnen und aufgrund dieser
erneut über den Anspruch auf eine Invalidenrente zu entscheiden; alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, das
Gutachten von Prof. G._ sei nicht beweiskräftig, da es an verschiedenen Mängeln
leiden würde. Gestützt auf die Einschätzung von Dr. D._ sei von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Hinsichtlich der Bemessung des Invalideneinkommens
forderte er einen Tabellenlohnabzug von mindestens 20 % (act. G 1).
B.a.
In der Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie vertrat im Wesentlichen den
Standpunkt, dass die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Prof. G._
beweiskräftig sei, und verneinte Umstände, die im Fall des Beschwerdeführers einen
Tabellenlohnabzug rechtfertigen würden (act. G 3).
B.b.
Am 6. Dezember 2021 entsprach das Versicherungsgericht dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten) für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 4).
B.c.
Der Beschwerdeführer liess am 16. Dezember 2021 den Verzicht auf eine
begründete Replik mitteilen (act. G 6).
B.d.
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Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) in Kraft. Die vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem
1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und
des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1) sind
daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in der bis
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2), in der sie nachfolgend auch referenziert
werden.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 Satz 1 IVG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
1.4.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2022&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=weiv+ivg&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-210%3Ade&number_of_ranks=0#page210
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob der
medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin
stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf das psychiatrische Gutachten von
Prof. G._ vom 7. Mai 2021. Der Beschwerdeführer bemängelt dieses unter
verschiedenen Gesichtspunkten.
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid,
sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V
193 E. 2, je mit Hinweisen).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.5.
Der Beschwerdeführer kritisiert, es sei offensichtlich, dass zwischen den
verschiedenen medizinischen Unterlagen und dem Gutachten von Prof. G._
Diskrepanzen hinsichtlich Diagnosen und deren Schwere bestehen würden. Prof. G._
habe die Abweichung nur minimal begründet (act. G 1, II. B. Rz 1.7 ff.).
2.1.
Dieser Kritik ist nicht zu folgen. Prof. G._ berücksichtigte sämtliche für die
psychiatrische Beurteilung des Gesundheitsschadens und der Arbeitsunfähigkeit
relevanten Unterlagen (IV-act. 143-4 f. und -29 ff.). Er setzte sich damit, insbesondere
im Rahmen der Diagnosefindung, schlüssig auseinander (IV-act. 143-19 ff.). Dabei legte
er fassbar dar, aus welchen Gründen er die von anderen psychiatrischen Fachpersonen
gestellten Diagnosen für zutreffend oder eben unzutreffend hielt. Dass und weshalb er
2.1.1.
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eine emotional instabile Störung bzw. Borderline-Störung nicht für gegeben hielt (IV-
act. 143-21), begründete er nachvollziehbar mit dem Fehlen der einschlägigen
Diagnosekennzeichen (keine emotionale Instabilität, keine on-off-Beziehungen und
keine Selbstverletzungen). Es ist weder erkennbar noch vom Beschwerdeführer konkret
geltend gemacht worden, weshalb diese Einschätzung mangelhaft wäre oder auf
ungenügenden Untersuchungen beruhen würde. Vielmehr erhob Prof. G._ einen
umfassenden Psychostatus gemäss AMDP-Richtlinien (IV-act. 143-16 ff.).
Der Umstand, dass Dr. E._ (bloss) differenzialdiagnostisch eine Borderline-
Störung (ICD-10: F60.31) in der Diagnoseliste erwähnte, vermag die Diagnosestellung
von Prof. G._ nicht in Zweifel zu ziehen. Entscheidend ist einerseits, dass aus dem
Untersuchungsbefund von Dr. E._ (IV-act. 75-4 f.) keine objektiv wesentlichen
Aspekte hervorgehen (und solche werden denn auch vom Beschwerdeführer nicht
genannt), die Prof. G._ übersehen hätte. Andererseits bezweifelte Dr. E._ – wie
Prof. G._ – eine Befundlage, die für die Diagnose einer Borderline-Störung
erforderlich wäre: «Der behandelnde Psychiater diagnostizierte eine Borderline-
Persönlichkeitsstörung, welche allerdings gegenwärtig wenig Hinweise dazu
bietet.» (IV-act. 75-5). Die Aufnahme als Differenzialdiagnose scheint damit
hauptsächlich auf aktenanamnestischen Überlegungen zu beruhen. Vielmehr
bekräftigen die diagnostischen Ausführungen von Dr. E._ diejenigen von Prof. G._,
hielt er doch ebenfalls die schizoide Persönlichkeit des Beschwerdeführers für das
«grösste psychopathologische Problem» (IV-act. 75-5).
2.1.2.
Soweit sich Dr. D._ überhaupt näher zu den Diagnosen äusserte, nannte er
lediglich die verschiedenen Symptome (IV-act. 112-4: Phobie bezüglich
Aidserkrankung, Gedankenkreisen, Waschzwang, Ein- und Durchschlafstörungen und
Antriebslosigkeit), die nicht den von Prof. G._ für eine Borderline Störung
aufgeführten einschlägigen Diagnosekennzeichen entsprechen (siehe vorstehende
E. 2.1.1). Jedenfalls ergeben sich daraus keine objektiv relevanten Aspekte, welche die
abweichenden Einschätzungen von Dr. E._ oder Prof. G._ in Zweifel ziehen,
namentlich eine Borderline-Störung nahelegen würden. Ohnehin mangelt es der
Einschätzung des behandelnden Psychiaters an einer objektiven Konsistenz- und
Ressourcenprüfung. Angesichts der zahlreichen Hinweise auf Diskrepanzen und
Inkonsistenzen in der Leidensschilderung des Beschwerdeführers (IV-act. 75-4, IV-
act. 143-14, IV-act. 143-20 und IV-act. 143-24) erscheint eine solche vorliegend umso
wichtiger für eine beweiskräftige Arbeitsfähigkeitsschätzung.
2.1.3.
Des Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, die von Dr. D._ erwähnte
obstruktive Schlafapnoe sei von Prof. G._ nicht berücksichtigt worden (act. G 1,
2.2.
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II. B. Rz. 1.11). Zunächst handelt es sich bei einer obstruktiven Schlafapnoe nicht um
ein psychisches Leiden. Hinzu kommt, dass Prof. G._ das Schlafverhalten und -
empfinden des Beschwerdeführers abklärte und dieser im Übrigen nicht über eine
Tagesmüdigkeit oder Atemprobleme klagte (siehe zu den Leidensangaben IV-
act. 143-7 und IV-act. 143-11 f.; zur Angabe, er habe mit dem Schlafen keine Probleme
siehe IV-act. 143-13). Im Übrigen beliess es Dr. D._ bei einer blossen
Verdachtsdiagnose (IV-act. 103 und IV-112-4) und auch aus dem Arbeitszeugnis geht
nichts hervor, das auf eine leistungsbeeinträchtigende Schlafapnoe schliessen liesse.
Ein pneumologischer Abklärungsbedarf ist deshalb zu verneinen.
Prof. G._ hat sich aus der Sicht des Beschwerdeführers ausserdem bloss
unzureichend mit seinen Ängsten und Panikattacken auseinandergesetzt (act. G 1,
II. B. Rz 2.1 ff.). Den von Prof. G._ aus der fehlenden Medikamenteneinnahme
gezogenen Schluss auf einen geringen Leidensdruck hält er für falsch (act. G 1,
II. B. Rz 2.5 ff.).
2.3.
Dieser Vorwurf ist unberechtigt. Prof. G._ liess sich die Angstattacken vom
Beschwerdeführer eingehend schildern. Dieser gab an, er könne nicht damit umgehen,
wenn ihn Menschen anschreien würden. Er leide ausserdem unter Albträumen.
Intrusionen oder Flashbacks würden nicht auftreten (IV-act. 143-11; siehe auch IV-
act. 143-17). Zudem berücksichtigte Prof. G._ bei seiner Einschätzung der «ca.
zweimalig in der Woche» auftretenden Attacken (IV-act. 143-12 oben) und deren
Auswirkung zu Recht das vom Beschwerdeführer erwähnte erfolgreiche
selbstberuhigende Verhalten (Rauchpause, «Das klappe gut.», IV-act. 143-11 unten; zur
regelmässig erfolgreichen Ablenkung mit «guten und positiven Gedanken» siehe IV-
act. 143-12 oben und IV-act. 143-24 oben).
2.3.1.
Zudem liess Prof. G._ auch plausibel in seine Würdigung einfliessen, dass im
Rahmen der Untersuchung kein Leidensdruck beim Beschwerdeführer spürbar
gewesen sei (IV-act. 143-12 Mitte). Die fehlende Medikamentencompliance bekräftigt
diese Einschätzung (IV-act. 143-12 Mitte und IV-act. 143-21). Was der
Beschwerdeführer gegen diese Betrachtungsweise vorbringt, verfängt nicht. So
machte er geltend, die Angst, dass er unter verordneten Medikation nicht mehr klar
denken und für seinen Sohn nicht mehr da sein könne, sowie die Angst davor, von den
Medikamenten abhängig zu werden, sei grösser (act. G 1, II. B. Rz 2.5). Zunächst
erscheinen die Aussagen des Beschwerdeführers als reine Schutzbehauptungen.
Anlässlich der Begutachtung vom 4. Mai 2021 gab der Beschwerdeführer
bezeichnenderweise erstmals bei der Aufforderung zur Kontrolle des Blutserumspiegels
2.3.2.
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an, dass er «seit mindestens zwei bis drei Monaten oder länger» die verschriebenen
Medikamente nicht einnehme (IV-act. 143-12), worauf er im Einwand vom 9. Juli 2021
nochmals hinwies (IV-act. 152-3), allerdings ohne einen Grund für den zwischenzeitlich
erfolgten Medikamentenverzicht anzugeben. Erst in der Beschwerde gab er Gründe für
den Verzicht an. Der Sohn lebt bereits seit September 2020 beim Beschwerdeführer
(IV-act. 143-10), womit offenkundig kein zeitlicher Zusammenhang mit dem dadurch
begründeten ca. zwei bis drei Monate vor Mai 2021 behaupteten
Medikamentenverzicht besteht. Bezüglich der geltend gemachten Furcht vor einer
Medikamentenabhängigkeit bzw. vor negativen Auswirkungen auf die kognitive
Leistungsfähigkeit gilt es zu beachten, dass den gesamten medizinischen Akten,
insbesondere dem Bericht von Dr. D._ vom 10. September 2020 (IV-act. 112-4),
weder eine negative Begleiterscheinung der Medikamente zulasten der kognitiven
Fähigkeiten noch eine Angst des Beschwerdeführers vor Nebenwirkungen entnommen
werden können. Vielmehr verneinte Dr. D._ trotz der von ihm verschriebenen
Medikation (IV-act. 112-4) jegliche Zweifel an der Fahreignung des Beschwerdeführers
(IV-act. 112-6). Im Übrigen lässt der Umstand, dass der Beschwerdeführer (inzwischen)
mehr Angst vor den Nebenwirkungen der Medikation als vor den Panikattacken
verspürt, durchaus den Schluss zu, dass letztere mit einem vergleichsweise geringeren
Leidensdruck verbunden sind.
Hinzu kommt, dass Dr. E._ im Rahmen seiner Begutachtung unter
Berücksichtigung der bereits damals vom Beschwerdeführer geklagten Angst und
Panik (IV-act. 75-5) zu einer bezogen auf die Arbeitsfähigkeit vergleichbaren
Einschätzung wie Prof. G._ gelangt war.
2.3.3.
Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, dass das Arbeitszeugnis von H._ in der
Entscheidfindung der Beschwerdegegnerin zu Unrecht ausser Acht gelassen worden
sei (act. G 1, II. B. Rz 3.1). Aus dem undatierten Arbeitszeugnis (IV-act. 149) ergibt sich
zunächst, dass der Beschwerdeführer ab dem 22. Altersjahr an «ständigen»
Angstzuständen gelitten habe, was für den von Prof. G._ bestätigten stationären
Gesundheitszustand spricht. Des Weiteren scheint der Verfasser des Arbeitszeugnisses
den Beschwerdeführer immerhin für 40 % arbeitsfähig zu halten. Zudem lässt sich
seinen Ausführungen entnehmen, dass der Beschwerdeführer offenbar ohne weiteres
in der Lage ist, seinen Haushalt zu besorgen (sein Zuhause sei sehr sauber und
gepflegt). Dies spricht vielmehr für eine namhafte Arbeitsfähigkeit, wie sie sowohl von
Dr. E._ als auch von Prof. G._ bescheinigt wurde. Entscheidend ist ausserdem,
dass aus dem Arbeitszeugnis keine objektiven Aspekte hervorgehen, die von
2.4.
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3.
In Anbetracht, dass dem Beschwerdeführer auch im angestammten Bereich
leidensangepasste Tätigkeiten offenstehen und sich aus seinen vor dem Eintritt des
Gesundheitsschadens ausgeübten Tätigkeiten keine taugliche Grundlage für die
konkrete Ermittlung eines Valideneinkommens ergeben, ist zur Ermittlung des
Invaliditätsgrads ein Prozentvergleich vorzunehmen (siehe zum Prozentvergleich etwa
das Urteil des Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweis).
Im Rahmen des Prozentvergleichs sind die vom Beschwerdeführer zugunsten eines
Tabellenlohnabzugs (siehe hierzu BGE 126 V 75) ins Feld geführten lohnwirksamen
invaliditätsfremden Gesichtspunkte (keine Schulbildung und keine abgeschlossene
Lehre, act. G 1, II. B. Rz 4.2) sowohl beim Validen- als auch beim Invalideneinkommen
ausgeklammert, weshalb sie keinen Abzug rechtfertigen. Was den vom
Beschwerdeführer zusätzlich angeführten teilzeitlichen Beschäftigungsgrad anbelangt
(act. G 1, II. B. Rz 4.2), so geht aus der nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
für die Frage des Teilzeitabzugs massgebenden Tabelle des Bundesamts für Statistik
Prof. G._ übersehen worden wären. Nichts anderes gilt hinsichtlich des vom
Beschwerdeführer geführten Tagebuchs (act. G 1.7).
Bei der Würdigung der Beurteilung von Prof. G._ fällt ausserdem ins Gewicht,
dass sie auf einer umfassenden persönlichen Untersuchung beruht, die vom
Beschwerdeführer geklagten Leiden und die relevanten medizinischen Akten dabei
Berücksichtigung fanden, die aus objektiver Sicht erfolgte Konsistenz- und
Ressourcenprüfung plausibel erscheint und die hinsichtlich des Gesundheitsschadens
und der Arbeitsfähigkeit gezogenen Schlüsse aus medizinischer Laiensicht einleuchten.
Ein weiterer Abklärungsbedarf ist zu verneinen und das Gesuch des
Beschwerdeführers um eine polydisziplinäre Begutachtung abzuweisen. Gestützt auf
die beweiskräftige Arbeitsfähigkeitsschätzung von Prof. G._ ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sowohl für die
angestammte als auch eine leidensangepasste Tätigkeit über eine 67%ige
Arbeitsfähigkeit verfügt (IV-act. 143-26). Es erscheint aufgrund dieser
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung fraglich, dass der Beschwerdeführer die für einen
Rentenanspruch kumulativ zu erfüllende Voraussetzung einer während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch andauernden durchschnittlich mindestens 40%igen
Arbeitsunfähigkeit gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG erfüllt (vgl. hierzu BGE 142 V 550
E. 3.1). Diese Frage kann jedoch offengelassen werden, da ohnehin kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad im Fall des Beschwerdeführers resultiert (siehe
nachstehende E. 3).
2.5.
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T18, Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert) nach Beschäftigungsgrad, beruflicher
Stellung und Geschlecht, 2020, hervor, dass der statistische Lohn für Teilzeit, Männer,
Ohne Kaderfunktion, im Teilzeitbereich von 50 % bis 74 % (Fr. 5'957.--) verglichen mit
dem entsprechenden Lohn für Vollzeit (90 % oder mehr; Fr. 6'214.--) lediglich um 4 %
tiefer ([Fr. 6'214.-- - Fr. 5'957.--] / Fr. 6'214.--) liegt. Daher erschiene – wenn überhaupt
– höchstens ein 5%iger Tabellenlohnabzug angemessen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 2. Mai 2019, 9C_44/2019, E. 4.3). Bei einer 33%igen
Arbeitsunfähigkeit und einem höchstens 5 %igen Tabellenlohnabzug resultiert ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von abgerundet 36 % (33 % + [67 % x 5 %]).
4.