Decision ID: c6658511-fa83-4d31-9691-4273fab3c596
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1963 geborene
X._
meldete sich am 1
5.
September 2005 (Ein
gangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/2). Nach Vornahme medizinischer und erwerb
lichen Abklärungen sowie nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/22) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom
6.
Dezember 2006 das Leistungsbegehren des Versicherten ab (
Urk.
8/23)
.
Am
9.
November 2006 geriet der Versicherte, welcher als Maurer arbeitete, bei der Arbeit unter einen fahrenden Bagger (
Urk.
8/38/74).
Das erstbehandelnde Universitätsspital
Y._
diagnostizierte ein
Thoraxtra
u
ma
mit Fraktur 7./
8.
Rippe links, nicht disloziert; Beckentraum
a
mit F
ra
k
t
ur Os
ilii
beidseits, ISG-Sprengung links, Frak
t
ur unterer und oberer Schambeinast links und
A
c
eta
bulum-Fraktur
rechts;
Extremitätenverletzungen
mit distaler
Tibiaschaftfraktur
rechts, 2-Etagen Fibula-Fraktur rechts, Logensyndrom Fuss rechts und totaler medialer
Naviculare
-Luxation rechts (
Urk.
8/38/56). Die Suva kam für Heil
behandlung
s
kosten auf und erbrachte Taggeldleistungen.
Am 15.
Mai 2007 (
Urk.
8/29) meldete
sich der Versicherte
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor.
Die Suva sprach dem Ver
sicherten mit Verfügung vom 10.
Februar 2009 eine Rente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 100
%
sowie eine Integritätsentschädigung ent
sprechend einer Integritätseinbusse von 50,6
%
zu (
Urk.
8/65/5-7).
Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/79) sprach
die IV-Stelle
dem Ver
sicherten mit Verfügung vom
7.
Oktober 2009 mit Wirkung ab
1.
November 2007 eine ganze Rene zu (
Urk.
8/84).
Ein 2012 durchgeführtes Revisionsverfahren
(vgl.
Urk.
8/110)
schloss die IV-Stelle mit Mitteilung vom
7.
August 2012 ebenso mit der Feststellung eines un
veränderten Invaliditätsgrades ab (
Urk.
8/114)
wie ein
im August
2017 ein
geleitetes
und
mi
t Mitteilung vom 2
3.
Oktober 20
17 (
Urk.
8/122)
abgeschlossenes Revisionsverfahren.
Die Suva hielt mit Mitteilung vom 3
1.
Juli 2017 ebenfalls einen unveränderten Invaliditätsgrad fest (
Urk.
8/117).
1.2
Im Herbst 2018 leitete die IV-Stelle erneut e
in Revisionsverfahren ein (Urk.
8/126).
Sie liess einen Auszug aus dem I
ndi
viduellen Konto erstellen (Urk.
8/128) und holte Berichte von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, speziell Rheumatologie, (
Urk.
8/129)
des
Schmerz
ambulatorium
s
des
Universitätsspitals Y._
(
Urk.
8/1
32), von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin sowie Psychiatrie und Psychotherapie,
(
Urk.
8/134) und der Klini
k
für Plastische Chirurgie und Handchirurgie
des
Universitätsspitals Y._
(
Urk.
8/135
)
ein und
gab bei
Dr.
med.
B._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
lic
. phil.
C._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP,
ein Gutachten in Auftrag (Ur
k.
8/139), welches am 1
1.
Februar 2020 erstattet wurde (
Urk.
8/150
, Urk.
8/149
). In der Folge holte die IV-Stelle weiter
e Berichte bei
Dr.
Z._
(Urk.
8/153) und
dem Schmerz
ambulatorium des
Universitätsspitals Y._
(
Urk.
8/154,
Urk.
8/157) ein und gab
beim
D._-Zentrum
ein Gutachten
in den Fac
hdisziplinen Orthopädische Chir
u
r
gie und Neurologie
in Auftrag (
Urk.
8/160), welches am
4.
Februar 2021 erstattet wurde (
Urk.
8/171).
Nachdem die IV-Stelle am 2
4.
Juli 2021 mit dem Versich
e
rten ein Gespräch betreffend Eingliederung durchgeführt hatte (
Urk.
8/177)
, hielt sie mit
Mitteilung vom 2
4.
Juni 2021 fest, dass die Eingliederung abgesch
lossen werde
, da sich der Versicherte nicht in der Lage fühle, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (
Urk.
8/176). Nach durchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/181,
Urk.
8/187) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
7.
September 2021 die Rente des Versicherten auf das Ende des der Zustellung de
r
Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
2
).
2.
Mit Eingabe vom 2
9.
Oktober 2021
(
Urk.
1)
liess
der Versicherte
Beschwerde er
heben und beantragen:
«1.
Es sei die Verfügung vom 2
7.
September 2021 aufzuheben.
2.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer weiterhin die gesetzlichen Leistungen gemäss IVG zu gewähren, mithin auch über den
1.
November 2021 hinaus bis auf Weiteres weiterhin eine ganze Rente der Eidgenössischen Invalidenversicherung.
3.
Even
t
ualiter sei nach Aufhebung der Verfügung die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese zu verpflichten, zur
rechts
genüglichen
Abklärung des medizinischen Sachverhaltes ein verwaltungs
externes polydisziplinäres medizinisches Gutachten zum Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers und dessen Verlauf und Veränderung sowie dessen Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers bei unabhängigen, fachlich geeigneten und nach dem Zufallsprinzip aus
gewählten Gutachterpersonen einzuholen, um im Nachgang dazu auf Basis dieser gutachterlichen Beurteilung über die Ansprüche des Beschwerde
führers auf Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung neu zu entscheiden.
4.
Subeventualiter
sei zur Abklärung des medizinischen Sachverhaltes, namentlich zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und dessen Verlauf und Veränderung sowie dessen Auswirkungen auf die Erwerbs
fähigkeit des Beschwerdeführers ein polydisziplinäres medizinisches Gut
achten bei unabhängigen, fachlich geeigneten Gutachterpersonen einzu
holen.
5.
Unter o/e-Kostenfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegnerin.»
In prozessualer Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer, es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen und es sei in Nachachtung von
Art.
6 EMRK eine öffentliche mündliche Verhandlung durchzuführen und
er
sei dabei zu befragen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Januar 2022 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
5.
Januar 2022 (
Urk.
9
) unter Hinweis, dass das Gericht die An
ordnung eines weiteren Schriftenwechsels nicht als erforderlich erachte, es den Parteien jedoch unbenommen bleibe
,
sich nochmals zur Sache zu äussern und weitere sachbezogene Unterlagen einzureichen, angezeigt wurde. Gleichzeitig teilte das Gericht mit, dass über den Antrag auf Durchführung einer Gerichts
verhandlung sowie über allenfalls vom Gericht als nötig erachtete weitere Ver
fahrensschritte zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1
.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
1.5.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.5.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4). Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle des
wegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5.3
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Ein
gliederungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigen
anstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Ab
senz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufs
erfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Per
son in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungs
potenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_233/2021 vom 7. Juni 2021 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss
zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die not
wendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweis
wert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung ihres Entscheides im Wesent
lichen
(
Urk.
2)
, seit dem Unfall vom
9.
November 2006 sei es zu einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers gekommen. Die Folgen des Ereignisses seien ausgeheilt. Im Rahmen der Untersuchung habe sich lediglich noch eine posttraumatische Arthrose gezeigt, die aber keine mass
gebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bewirke
.
Der
Beschwerdeführer
sei
in einer angepassten Tätigkeit spätestens seit Dezembe
r 2017 zu 100
%
arbeits
fähig
. Eine Tätigkeit gelte als angepasst, wenn sie körperlich leicht bis maximal mittelschwer sei und vorwiegend sitzend, mit manchmal
Gehen und Stehen aus
geübt werden könne. In solch einer Tätigkeit könnte der Beschwerdeführer ein Einkommen von Fr. 67'071.
erziele
n
. Dabei stütz
e sie sich auf die durch
schnittliche
n Löhne sämtlicher Arbeitnehmer eine
r
Hilfstätigkeit. In der bis
herigen Tätigkeit als Maurer könn
t
e der Beschwerdeführer
im Gesundheitsfall
noch ein Einkommen von Fr. 81'172.
--
erzielen. Es resultiere
so ein Invaliditäts
grad von 17
%.
2.2
Der Beschwerdeführer wendete dagegen
im Wesentlichen ein (
Urk.
1),
n
ach der Aktenlage sei offensichtlich gewesen, dass mindestens drei medizinische
Fach
disziplinen fallrelevant
seien. Die Auswahl der Gutachter hätte daher nach dem Zufallsprinzip erfolgen müssen. Die Beschwerdegegnerin habe
allerdings
statt einem polydisziplinären
zwei separate
bidisziplinäre
Gutachten
in Auftrag gegeben
.
Dabei habe sie
die
Gutachterauswahl
frei vorgenommen
. Dies sei unzu
lässig, weshalb die
Gutachten aus dem Recht zu weisen seien.
Dass im vor
liegenden Fall eine polydisziplinäre Gesamtwürdigung und Konsensbeurteilung aller involvierter Gutachter notwendig und geboten gewesen wäre, zeige sich evident an den Ausführungen des Psychiaters
betreffend
Schmerzstörung. Dabei verneine er eine solche, weil die Schmerzen einen wesentlichen somatischen Kern hätten
.
Hätte
er
zum Zeitpunkt der Abgabe seiner Beurteilung gewusst, was Monate später die scheibchenweise beauftragten neurologischen und ortho
pädischen Gutachter
behaupten
, wäre seine Beurteilung zumindest in diesem Punkt zwingend anders ausgefallen.
In Anbetracht der Aktenlage überzeuge
ohnehin
nicht, dass der psychiatrische Gutachter keine Diagnose mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
habe stellen können
. Darüber hinaus ergebe
sich aus
seinen
Gutachten, dass
er
der Auffassung sei, dass sich weder im Ver
hältnis zur initialen
Rentenzusprache
noch bezogen auf den massgebenden Zeit
punkt der
1.
Revisionsentsch
eidung
im Jahr 2012 eine Veränderung ergeben habe. Denn
d
er
psychiatrische Gutachter
sei der Ansicht, dass schon seinerzeit keine psychiatrische
n
D
ia
g
n
osen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
vor
gelegen h
abe
.
A
uch
in der
bidisziplinäre
n
Beurteilung der
D._
werde
explizit festgehalten, dass keine Veränderung des medizinischen Sachverhaltes ein
getreten sei.
Ein unveränderter medizinischer Sachverhalt vermöge keine Renten
aufhebung zu begründen.
Das
D._
-Gutachten genüge den Anforderungen an beweiskräftige medizinische Gutachten
zudem
ohnehin nicht.
R
echtsprechungsgemäss sei
en
nach mindestens fünfzehn Jahren Rentenbezugs
dauer (vorliegend knapp nicht erfüllt) oder
Zurücklegung de
s 55.
Altersjahr
s
(w
as
er
erfülle
)
vor einer revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Rente
in der Regel Massnahmen z
ur Eingliederung durchzuführen.
Es läge vorliegend kein Grund vor, welche
r
ein Absehen von Eingliederungsmassnahmen begründen würde.
Insbesondere könne
ein Verzicht auf Eingliederungsmassnahmen bzw. vielmehr deren schneller Abschluss
auch
nicht mit dem Argument eines fehlenden Eingliederungswillen
s
gerechtfertigt werden
.
Er
habe mit Unter
zeichnung seiner Bereitschaftserklärung klar zu verstehen gegeben, dass er an Eingliederungsmassnahmen teilnehmen möchte
, also grundsätzlich Ein
gliederungswille habe.
Es könne
ihm auch nicht vorgeworfen werden, dass er die Postulate der Gutachter eine
r
bestehenden vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bezweifle und rechtlich überprüfen wolle.
Es wäre
der subjektiv aus
geprägten Krankheitsüberzeugung bzw. seiner (zumindest vorerst)
angenommenerweise
fehlenden Eingliederungsmotivation nicht mit einer direkten Rentenaufhebung, sondern mit der Durchführung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
zu begegnen gewesen.
3.
3.1
Im Rahmen der erstmaligen, mit Verfügung vom
7.
Oktober 2009 mit Wirkung ab
1.
November 2007 erfolg
t
en
Zusprache
einer ganzen Rente (
Urk.
8/84)
war die Beschwerdegegnerin davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer seit dem Unfall vom
9.
November 2006
in sämtlichen Tätigkeiten
zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Sie stütz
t
e sich dabei haupt
sachlich auf die
Einschätzung
von
Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt F
MH für orthopädische Chirurgie
(
Urk.
8/75/7
;
vgl. dazu auch
Urk.
8/65/12 u. 8/65/19-22)
.
Dr.
E._
hatte
den Beschwerdeführer am 2
1.
April bzw.
1
3.
Mai 2008
untersucht
. Er
erklärte
dazu
(
Urk.
8/74/2-
8
), beim Beschwerdeführer bestehe seit langem eine chronische
Epikondylitis
am rechten Arm, heute im Hintergrund
.
S
chon vor dem Ereignis vom
9.
November 2006 habe er deswegen grosse Arbeits
ausfälle gehabt. Am
9.
November 2006 sei er von den Füssen bis zum Becken hinauf von einem Bagger überrollt worden. Er habe eine beidseitige Becken
frak
t
ur mit ISG-Sprengung links, eine Fraktur beider Schambeinäste links, eine distale
Tib
i
aschaftfraktur
rechts sowie ein Logensyndrom am Fuss rechts mit Luxation des
Navikus
pedis
erlitten. Am Fuss sei eine Logenspaltung nötig geworden
, das
Navikulare
sei reponiert und das OSG
mit Osteosynthese behandelt
worden. D
ie Fraktur sei konsolidiert, das obere Sprunggelenk aber in der Beweglichkeit stark eingeschränkt und schmerzhaft. Das Becken sei erst nach mehreren Eingriffen zur Konsolidation gekommen, noch heute würden Belastungsschmerzen im Be
reich des linken Beines beklagt. A
uffallend sei eine deutliche Funktionseinschränkung der linken Hüf
t
e,
die schmerzhaft sei. Die Flexio
n
s
teh
e
bei etwa 70° schmerzh
a
ft an, weswegen Sitzen nur für kürzere Zeit möglich sei. Die Aufnahme
n
vom April 2008 zeigten zwar keine wesentliche
Coxarthrose
links, dennoch müsse von einem Äquivalent dazu ausgegangen wer
den, wahrscheinlich bedingt durch die Weichteile. Des Weiteren
bestehe
eine mässige
posterolaterale
Rotationsinstabilität am linken Knie. Diese sei nicht schmerzhaft und mache bei sehr eingeschränkter Gehfähigkeit des Beschwerde
führers keine Symptome. In erster Linie kla
ge
der Beschwerdeführer über einen Dauerschmerz im Bereich des rechten Fusses. Er stehe deswegen in der Schmerz
sprechstunde des
Universitätsspitals Y._
in Betreuung. Man werde versuchen müssen, die Medikamentendosis etwas zu reduzieren. Dieser Schmerz sei laut Beschwerde
führer Tag und Nach vorhanden, nicht zwingend belastungsabhängig, wenn er auch be
im Anlaufen ausgeprägter sei. Auc
h de
n
Druck der Bettdecke auf dem rechten Fuss toleriere der Beschwerdeführer nur schlecht. Der Schmerz in der Hüfte links sei stellungsabhängig. Im Liegen bei gestreckter Hüfte bestünden dort keine Beschwerden, wohl aber beim Sitzen, das heisse ab einer Flexionsste
llung im Hüftgelenk von etwa 60
°, sodass über längere Zeit kein komfortables Sitzen möglich sei.
In erster L
i
nie müssten weichteilbedingte Veränderungen dafür ver
antwortlich gemacht werden. Eine massive
Coxarthrose
,
welche die Beschwerden erklärten
, sei heute nicht nachweisbar. Der Zusammenhang des Schmerzes mit dem Unfallgeschehen sei evident. Die mässige Instabilität am linken Knie bleibe diesen Hauptproblemen untergeordnet. Im Weiteren bestehe eine AC-
Gelenksarthropathie
links ohne Instabilität.
Diese wäre in erster Linie mit einer Steroidinfiltration zu behandeln, der Beschwerdeführer wolle davon allerdings nichts wissen. Dieses Problem müsse er als unfallfremd deklarieren. Wohl gehe der Beschwerdeführer an St
ö
cken, dies aber doch recht selten. Die Beanspruchung der A
rm
e und auch der linken Schulter wie des AC-Gelenkes wäre bei einer normalen Berufstätigkeit weit höher. Unfallbedingt könne der Beschwerdeführer nur wenige hundert Meter gehen, nur kurz ste
hen und auch nicht lange sitzen. Er
müsse sich verständlicherweise immer wieder hinlegen. Für keines der Probleme gebe es einen griffigen Behandlungsansatz. Auch eine Intensivierung der Physiotherapie werde nichts Entscheidendes bringen. Aktuell gehe der Beschwerdeführer zur Physiotherapie, sobald weitere Fortschritte ausblieben, werde man dies
e
einstellen können. Dies werde voraussichtli
c
h Mitte des Jahr 2008 der Fall sein. Die medikamentöse Therapie müsse weitergehen. Bei der desperaten Situation gelinge es ihm nicht, eine zumutbare Belastbarkeit zu erkenne
n
, die einen Einsatz irgendwelcher Art im Erwerbsleben erlauben würde.
3.2
Im Rahm
en
des mit Mitteilung vom
7.
August 2012 abgeschlossenen Revisions
verfahren
s
(
Urk.
8/114) ging die Beschwerdegegnerin von einem unveränderten Gesundheitszustand aus. Sie stützte sich dabei im Wesentlichen auf einen Beric
h
t von
Dr.
Z._
zu Händen der Suva
vom 2
3.
Februa
r 2012 (Urk.
8/113/2). Dr.
Z._
führte in seinem Bericht (
Urk.
8/110/8-9) als Diagnose an:
-
c
hronisches Schmerzsyndrom mit/bei
-
Status nach multiplen Frakturen bei Überrolltraum
a
durch einen Bagger im November 2006
-
p
ersistierende Pseudoarthrose linker unter
er
Schambeinast
-
Myositis
ossificans
der Adduktoren-Ansätze linkes Hüftgelenk
-
s
chwere sekundäre Arthrose im
Chopart
-Gelenk sowie
naviculocuneiform
rechts
-
Allodynie
,
Hyperpathie
distaler Unterschenkel und Fuss gesamt mit vorwiegend schmerzbedingter Bewegungseinschränkung
-
Verdacht auf mechanische Irritati
on
des linken
Acromiocl
avicular
gelenks
(Unterarmgehstü
t
z
en)
-
c
hronische
Epicondylopathi
a
humeroradialis
rechts
Der Verlauf sei stationär
res
pek
t
ive unverändert.
3.3
Bei dem mit Mitteilung vom 2
3.
Oktober 2017 abgeschlossenen Verfahren, mit welchem wiederum ein unveränderter Invaliditä
tsgrad festgehalten wurde (Urk.
8/122)
,
stützte sich die Beschwerdegegnerin auf ein Schreiben der Suva vom 3
1.
Juli 2017 (
Urk.
8/117), in welchem ohne Begründung ein unveränderter Invaliditätsgrad festgehalten wurde (
Urk.
8/120).
3.4
3.4.1
Im aktuellen Revisionsverfahren wurden insbesondere die folgenden ärztlichen Berichte aufgelegt:
3.4.2
Dr.
Z._
führ
e mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 2
3.
Oktober 2018 (
Urk.
8/129)
die gleiche Diagnose wie in seinem Bericht vom 2
3.
Februar 2012 an (vgl. E. 3.2). Zusätzlich nannte er:
-
neu: chronische Schulterschmerzen rechts para- und
infrascapulär
-
Status nach Lipom-E
ntfernung Schulter rechts September 2017
-
neuropathische Schmerzen Fussrücken rechts
-
multifaktoriell mit vermutlich gemischt
nozizeptiv
-neuropathischen Komponenten
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich verschlechtert. Er habe nach der Lipom
-E
ntfernung Schulter rechts im September 2017 chronische Schulterschmerzen rechts para- und
infrascapulär
entwickelt. Zurzeit sei er in Behandlung im Schmerzambulatorium des
Universitätsspitals Y._
.
Die Frage, ob eine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung
im Umfang
von mindestens
zwei
Stunden pro
Tag
bestehe, verneinte
Dr.
Z._
.
3.4.
3
Dr.
med.
F._
, Oberarzt, Schmerzambulatorium des
Universitätsspitals Y._
,
führte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 2
1.
November 2018 (
Urk.
8/132) als Diagnosen an:
-
chronische Schulterschmerzen rechts bei intramuskulärem Lipom, bestehen
d
seit September 2017
-
Status nach Lipom-Entfernung September 2017 mit postoperativem Wundinfekt
-
a
ktuell
:
Neu-Lipom, Differentialdiagnose Rezidiv
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich verschlechtert. Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers machte
Dr.
F._
keine Angaben.
3.4.
4
Dr.
A._
nannte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom
4.
Januar 2019 (
Urk.
8/134) als Diagnosen:
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
c
hronifizierte
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41)
-
c
hronifizierte
depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode mit soma
tischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
Der Beschwerdeführer könne die bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben. Es bestehe keine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung im Umfa
n
g von mindestens zwei Stunden pro T
ag.
3.4.
5
Dr.
med.
G._
, Oberärztin, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des
Universitätsspitals Y._
,
erklärte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1
2.
Februar 2019 (
Urk.
8/135), in ihrer Klinik sei lediglich das Lipom behandelt worden. Sie könnten nur darüber Auskunft geben. Der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers habe sich verbessert. Eine Arbeitsunfähigkeit bei stattgehabter
Lipomexstirpation
bestehe nicht.
Bezüglich des Lipoms lägen
keine funktionellen Einschränkungen mehr
vor
. Es finde sich noch eine
Seromhöh
l
e
, welche
inter
ventio
nel
l-radiologisch
sklerosiert
werde
.
D
ies habe aber keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
3.4.
6
Dr.
B._
erklärte mit Gutachten vom
1.
Februar 2020 (
Urk.
8/150)
, es läge keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vor (
Urk.
8/150/66). Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führ
t
e er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
,
an. Es sei möglich, dass früher vorübergehend eine depressive Episode bestanden habe, die (vorübergehend) einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Beschwerde
führers gehabt habe. Es sei jedoch n
icht plausibel, dass über Jahre
anhaltend eine mittelgradige depressive Episode bestanden habe, wie dies in den Berichten des behandelnden Psychiaters erwähnt werde. Im Rahmen der aktuellen Begut
achtung sei auch eine neuropsychologische Abklärung durchgeführt w
o
rde
n
.
Lic
. phil.
C._
habe den Beschwerdeführer am 1
4.
Januar 2020 untersucht. Er beschreibe insgesamt eine Intelligenz im unterdur
chschnittlichen Bereich (der No
nverbal-IQ liege bei 77) sowie eine minimale neuropsychologische Hirn
funktionsschwäche mit leichtgradigen Beeinträchtigungen in Teilbereich
en
exekutiver Funktionen. Ansonsten sei die neuropsychologische Leistungs
fähigkeit des Beschwerdeführers im Wesentlichen alterskonform. So halte
lic
. phil.
C._
insbesondere auch fest, dass die von
Dr.
A._
ang
e
führte
deutlich
verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit in der Untersuchungssituation auch nach längerer Belastung nicht objektiviert werden könne (
Urk.
8/150/71).
Zuletzt habe
Dr.
A._
mit
Bericht vom
4.
Januar 2019 auch eine
chronifizierte
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD.10 F45.41) diagnostiziert. Diese Diagnose habe er aber früher nie gestellt und sie sei auch von anderer Seite nie gestellt worden. Sie sie auch aus verschiedenen Gründen problematisch. In die internationale Klassifikation psyc
hischer Störungen, 10. ü
berarbeitete Auflage, der WHO habe sie bisher auch nicht Ein
gang gefunden
, sondern lediglich in die deutsche Version.
Er werde sich bei der A
rgumentatio
n darum an die interna
t
ionale Klassifikation halten und lediglich die Frage klären, ob eine anhaltende Schmer
z
störung (ICD-10 F45.4) bestehe. Laut
ICD-10 sei bei dieser Störung
die vorherrschende Beschwerde [...] ein andauernder, schwer
er
und quälender Schmerz, der durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden könne. Der Schmerz trete in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psycho
sozialen Problemen auf. Diese sollten schwerwiegend genug sein, um als ent
scheidende ursäc
hliche Einflüsse zu gelten
. Im Falle des Beschwerdeführers hätten die Schmerzen aber einen wesentlichen somati
schen Kern (respektive mehrere). D
ie Situat
i
on sei von somatischer Seite
weitreichend abgeklärt und es würden bereits von somatischer Seite, beispielsw
eise im Verlaufsbericht von Dr.
Z._
vom 2
3.
Oktober 2018
,
chronische Sch
ul
terschmerzen rechts pa
ra- und
infra
scapulär
, neuropat
hische Schmerzen am Fussrücken rechts sowie ein chronisches Schmerzsyndrom des Beckens und der unteren Extremitäten beschrieben. In dieser Situation könne man nicht mehr behaupten, dass emotionale Konflikte oder psychosoziale Probleme (auch wenn solche bestünden) als entscheidende ursächliche E
i
nflüsse der Schm
erzen gelten könnten. Das heisse
, dass die Diagnose einer anhaltenden Schmerzstörung nicht gestellt werden könne. Diese Diagnose sei auch
s
onst in keinem Bericht gestellt worden, nur Dr.
A._
habe in seinem letzten Bericht eine solche Diagnose gestellt, in f
rüher
en Berichten sei dies nicht der Fall gewesen.
Überhaupt stelle sich die Frage, ob tatsächlich ein anhaltender Schmerz bestehe. Aus der Formulierung des Beschwerdeführers, dass er beispielsweise konzentriert einen Film schauen müsse,
das lenke ihn von Schmerzen ab, we
nn er sich nicht konzentrieren würde, würden die Schmerzen
hingegen
auftreten, könn
t
e man schliessen, dass die Schmerzen nicht immer bestünden, als
o
nicht anhaltend seien (
Urk.
8/150/65-66
)
.
3.4.
7
Die
D._
-Gutachter nannten in ihrem
bidisziplinären
Gutachten vom
4.
Februar 2021 (
Urk.
8/171) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk.
8/171/8)
:
-
m
ässige posttraumatische Arthrose des
Talonaviculargelenks
und des
Bona
-Jäger-Gelenkes des rechten Fusses nach reponierter kompletter medialer Luxation des rechten O
s
naviculare
am
9.
November 2006
-
k
nöchern konsolidierte und osteosynthetisch versorg
t
e ISG-Sprengun
g links sowie der Fraktur des l
inke
n unteren
und oberen
Schambeinastes vom 9.
November 2006
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
führten die Gutachter an (
Urk.
8/171/8):
-
k
nöchern konsolidierte Frakturen der Os
ilii
beidseits, der rechten
Aceta
bulum-Fraktur
und der 2-Etagen-Fraktur der
rechten Fibula vom 9.
November 2006
-
k
nöchern konsolidierte und osteosynthetisch versorgte distale
Tibiaschaftfraktur
rechts vom
9.
November 2006
-
k
nöchern konsolidierte nicht dislozierte Frakturen der 7./
8.
linken Rippe
v
om
9.
November 2006
-
Adipositas (BMI 30,5 kg/m
2
)
Aufgrund der mässigen posttraumatischen Arthrose des
Talonaviculargelenks
und des
Bona
-Jäger-Gelenks des rechten Fusses sowie der knöchern konsolidierten und osteosynthetisch versorgen ISG-Sprengung links und der Fraktur des linken unteren und oberen Schambeinastes bestehe eine Verminderung der körperlichen Belastbarkeit für körperlich mittelschwere Tätig
keiten mit vorwiegende
m
Stehen oder Gehen. Weitere funktionelle Ein
schränkungen lägen weder auf orthopädisch-
traumatologischem
noch auf neurologischem Gebiet vor (
Urk.
8/171/8).
Der Beschwerdeführe sei in der Tätigkeit als Maurer zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Tätigkeit als Reinigungskraft könne
er
während 8,5 Stunden pro Tag ausüben, bei einer Leistungseinschränkung von 30
%
. Die retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolge ab dem massgebenden Entscheid vom 2
3.
Oktober 201
7.
Anschliessend werde von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit bis zum voll
ständigen Wundverschluss rechts paravertebral der Brustwirbelsäule bis Ende November
2
017 ausgegangen. Ab Dezember 2017 werde
von einer dauerhaften 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Maurer sowie vom Erreichen einer 70%igen Arbeitsfähigkeit als Reinigungsmitarbeiter ausgegangen (
Urk.
8/171/10).
In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Die retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolge ab dem massgebenden Ent
scheid vom 2
3.
Okto
b
er 20
1
7.
Anschliessend werde von einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit bis zum vollständigen Wundverschluss rechts paravertebral der Brustwirbelsäule bis Ende November 2017 ausgegangen.
Ab Dezember 2017 werde vom Erreichen einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptieren Tätigkeit ausgegangen (
Urk.
8/171/10).
Auf die Frage der
Beschwerdegegnerin
, ob eine Veränderung des
Gesundheits
zustandes eingetreten sei, antworteten die Gutachter, nein. Die Folgen des Ereignisses vom
9.
November 2006 seien seit Jahren ausgeheilt. Lediglich im Bereich des rechten Fusses habe sich bi
s dato eine mässige posttraumat
i
s
che Arth
ro
se des
Talonaviculargelenk
s
und des
Bona
-Jäger-Gelenkes entwickelt, die je
doch keine massgebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bedinge. Die Ent
wicklung der posttraumatisch
en Arthrose des
Talonavicularge
le
nk
s
und des
Bona
-Jäger-Gelenkes habe prinzipiell mit dem Ereignis
vom
9.
November 2006 begonnen. Bis heute lägen
jedoch nur mässige posttraumat
i
s
che Arthrosen vor. Seit wann die aktuell nachweisbaren degenerativen radiologischen Veränderungen im Bereich des rechten Fusses genau bestünden, könne bei fehlenden radiologischen Vorbefunden des rechten Fusses nicht mit hinreichender Sicherheit datiert werden (
Urk.
8/171/12). Es werde
angesichts des
normalen bis kräftigen Muskelreliefs des Beschwerdeführers und den angegebenen Aktivitäten in den
Bereichen
Freizeit und Haushalt von einer längst erfolg
t
en Angewöhnung oder Anpassung an die Folgen des Ereignisses vom
9.
November 2006 ausgegangen (
Urk.
8/171/12)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützt ihren Entscheid im Wesentlichen auf
das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten von
Dr.
B._
und
lic
. phil.
C._
vom
1.
Februar 2020 (E. 3.4.
6
)
sowie das neurologisch-ortho
pädische/
traumatologische
Gutachten der
D._
vom
4.
Februar 2021 (E.
3.4.
7
; vgl.
Urk.
8/180)
.
Nach
Art.
72
bis
IVV haben medizinische Gutachten, an denen drei und mehr Fach
disziplinen beteiligt sind, bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt eine Vereinbarung getroffen hat (
Abs.
1). Die Vergabe der Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (
Abs.
2).
Die Beschwerdegegnerin hat – wie dar
gelegt – kein polydisziplinäres, sondern zwei
bidisziplinäre
Gutachten in Auftrag gegeben. Dabei hat sie – soweit aus den Akten ersichtlich – die Gutachter nicht nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, sondern diese nach eigenem Gutdünken bestimmt. Weder
in der angefochtenen Verfügung vom 2
7.
September 2021 (
Urk.
2) noch in der Beschwerdeantwort vom 2
4.
Januar 2022 (
Urk.
7) begründete die Beschwerdegegnerin,
weshalb
sie
anstelle eine
s
polydisziplinären, zwei
bidiszplinäre
Gutachten in Auftrag gegeben ha
t
.
Auch aus den Akten, ins
besondere dem Feststellungsblatt (
Urk.
8/180)
,
ergibt sich nicht, von welchen Überlegungen sich die Beschwerdegegnerin leiten liess. Gestützt auf die medizinische Aktenlage lässt sich das Vorgehen der Beschwerdegegnerin denn auch nicht begründen. So waren bereits
im Zeitpunkt der Erteilung des Auftrages für das psychiatrische-neuropsychologische Gutachten sämtliche nun im Raum stehenden Diagnosen grundsätzlich aktenkundig
(vgl. insbesondere E. 3.4.2-E. 3.4.5)
. Wie nachfolgend zu zeigen, kann
vorliegend
offenbleiben, ob sich die
von der
Beschwerdegegnerin
getätigte
Sachverhaltsabklärung aufgrund des Splittings der medizinischen Abklärungen und damit der zumindest faktischen Umgehung von
Art.
72
bis
IVV bereits aus formellen Gründen als nicht rechtmässig erweis
t
(vgl. BGE 140 V 507
; vgl. aber auch
das Urteil des Bundesgerichts 8C_680/2014 vom 1
6.
März 2015 E. 5.2.2,
Urteil des hiesigen Gerichts IV.2019.00240 vom 2
0.
Mai 2020 sowie BGE 147 V 79
)
,
waren
ihre
Abklärungen doch auch aus materieller Sicht
ungenügend
.
4.2
Der
psychiatrische Gutachter
Dr.
B._
verneinte
das Vorhandensein
einer
chronifizierten
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41) bzw. eine anhaltende Schmerzstörung (IC
D-
10 F45.4) unter anderem mit der Begründung, dass die Schmerzen einen wesentlichen somatischen Kern (respektive mehrere) hätten. Er verwies dabei unter anderem auf die chronischen Schulterschmerzen des Beschwerdeführers
(E. 3.4.6)
.
Die
D._
-Gutachte
r
führten in ihrem neurologisch-orthopädischen/
traumatologischen
Gutachten je
doch keine Diagnose betreffend die geklagten Schulterbeschwerden an (vgl.
Urk.
8/171/8
). Die Annahme von
Dr.
B._
, die geklagten Schulterbeschwerden hätten eine somatische Ursache, steht somit im Widerspruch zur Einschätzung der
D._
-Gutachter.
Es liegt
daher
weder eine psychiatrische noch eine neuro
logisch-orthopädische
gutachterliche
Begründung für die vom Beschwerdeführer geklagten Schulterbeschwerden vor. Beide Gutachten stellen die geklagten Schulterbeschwerden zwar zumindest in der geklagten Schwere infrage (
Urk.
8/150/66,
Urk.
10/171/64), sie lege
n
jedoch nicht dar,
ob beziehungsweise inwieweit
ihrer Ansicht nach
eine Aggravation oder Simulation vorliegt
.
Die
widersprüchlichen Ausführungen in den beiden Gutachten
betreffend Schulter
beschwerden
hätten
eine polydisziplinäre Gesam
twürdigung erforderlich gemacht.
Darüber hinaus
gilt es zu beachten, dass im
neurologischen Teilgutachten
der
D._
im Rahmen der Beschwerdeschilderung durch den Beschwerdeführer fest
gehalten
ist
,
beim
Unfall
im Jahre
2006
s
e
i ei
n Gerüst auf ihn gefallen (Urk.
8/171/40). Es wird also ein Unfallgeschehen beschrieben, welches im Widerspruch zu den restlichen Akten steht. Auch wenn an anderer Stelle im neurologischen Teilgutachten in Übereinstimmung mit den übrigen
Akten
fest
gehalten ist, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom
9.
November 2006 unter einen fahrenden Bagger ger
aten sei (
Urk.
8/171/45), stellte die
von der Gutachterin nicht kommentierte,
abweichende
Schilderung des Unfallgeschehens die Zuverlässigkeit des Gu
tachtens infrage. Es erscheint nämlich fraglich, ob die Kommunikation des Beschwerdeführers mit der Gutachterin, welche unter
Beizug
einer Dolmetscherin erfolgte (
Urk.
8/171/39), ansonsten zuverlässig funktionierte.
E
ntsprechend
erscheint auch fraglich
,
ob der Beschwerdeführer tatsächlich nicht in der Lage war
,
die
Angaben betreffend brennende Schmerzen zu konkretisieren (vgl.
Urk.
8/171/47) oder ob dies – einzig – durch Verständigungsschwierigkeiten begründet war.
Die abweichende, unkommentiert gebliebene
Schilderung des Unfallgeschehens lässt zudem fraglich erscheinen, ob si
ch
die neurologische Gut
achterin konkret mit
der Anamnese
des Beschwerdeführers auseinandergesetzt hat.
Zudem fehlt es im
D._
-Gutachten an einer hinreichenden Auseinander
setzung mit der Frage, ob eine revisionsrechtserhebliche Änderung des Sach
verhalts eingetreten ist. Ein Revisionsgrund wird mit Bezug auf die vorliegend gar nicht massgebende Mitteilung vom 2
3.
Oktober 2017 verneint (
Urk.
8/171/1
0
)
.
Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass eine Angewöhnung an die gesundheitlichen Folgen des Ereignisses vom
9.
November 2006 erfolgt sei (
Urk.
8
/171/10). Massgebend für die
Rentenzusprache
waren die Folgen des Un
falls vom
9.
November 2006 - die im Rentenrevisionsverfahren im 2012 als unverändert beschrieben wurden (
Urk.
8/171/8) - respektive die Einschätzung von
Dr.
E._
vom 1
3.
Mai 2008 (
Urk.
8/74/2-4). In den
Vorakten
des
D._
-Gutachtens ist dieser Bericht nicht aufgeführt. Indessen wird der Bericht des
Suva
-Arztes
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, vom 2
9.
Januar 2009 zitiert (
Urk.
8/65/19-22,
Urk.
8/171/29), worin dieser der Ansicht von
Dr.
E._
folgte (
Urk.
8/65/19-22). Eine Auseinandersetzung damit findet im
D._
-Gutachten jedoch nicht statt, insbesondere nicht im ortho
pädisch-
traumatologischen
Teilgutachten von
Dr.
I._
(
Urk.
8/171/54-75).
Nach dem Gesagten kann gestützt auf die beiden
bidizisplinären
Gutachten von
Dr.
B._
und
lic
. phil.
C._
vom
1.
Februar 2020 (E. 3.4.6)
sowie
der
D._
vom
4.
Februar 2021 (E. 3.4.7; vgl.
Urk.
8/180)
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
nicht rechtsgenügend beurteilt werden.
4.3
Nachdem sich auch gestützt auf die übrigen Akten der Gesundheitszustand de
s
Beschwerdeführer
s
nicht
schlüssig erstellen
lässt, erweist sich der rechts
erhebliche Sachverhalt als ungenügend abgeklärt.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders, wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Im Prozess um Zusprechung oder Verweigerung von Sozialversicherungsleistungen holt die Beschwerdeinstanz in der Regel ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutachterlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4).
5.2
V
orliegend hat es die Beschwerdegegnerin unterlassen, die beiden eingeholten Gutachten einer Gesamtwürdigung zu unterziehen, hat doch
RAD-Ärztin
Dr.
med.
J._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
nur
zum psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten von
Dr.
B._
und
lic
. phil.
C._
und RAD-Arzt
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Ortho
pä
dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
nur zum
ortho
pä
dischen-neurologischen
D._
-
Gutachten Stellung genommen
(
Urk.
8/180/10-12)
. Entsprechend sind der Beschwerdegegnerin bzw. ihrem RAD die Ungereimt
heiten
zwischen den beiden Gutachten
nicht aufgefallen. Aufgrund der fehlenden gesamtmedizinischen Beurteilung durch die Beschwerdegegnerin bzw. ihren RAD steht vorliegend die Rechtsprechung gemäss BGE 137 V 210 einer Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin nicht entgegen. BGE 137 V 210 änderte nämlich nichts an der gesetzlichen Ordnung, wonach der Beweis über sozial
versicherungsrechtliche Ansprüche primär auf der Stufe des Administrativ
verfahrens (vgl.
Art.
43 f. ATSG) und nicht im gerichtlichen Prozess geführt wird (vgl. BGE 137 V 210 E. 2.2.2 und 4.2). Wie das Bundesgericht festgestellt hat, litte die Rechtsstaatlichkeit der Versicherungsdurchführung empfindlich und wäre von einem Substanzverlust bedroht, wenn die Verwaltung von vornherein darauf bauen könnte, dass ihre Arbeit ohnehin in jedem verfügungsweise ab
geschlossenen Sozialversicherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gericht
licher Nachbesserung unterläge (BGE 137 V 210 E. 4.2).
5.
3
Nach dem Gesagten ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ein schlüssiges
polydisziplinäres
Gutachten einholt. Hernach hat sie, allenfalls nach Vornahme
von Eingliederungsmassnahmen,
über den Leistungs
anspruch
des
Beschwerdeführer
s
neu zu entscheiden. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen.
6.
Nachdem
der Beschwerdeführer
als Eventualantrag die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Begutachtung formuliert hat, erweist sich bei diesem Ausgang des Verfahrens die Durchführung einer öffentlichen Haupt
verhandlung als entbehrlich (
Urteil des hiesigen Gerichts IV.2020.00379 vom
6.
Januar 2021 mit Verweis auf das
Urteil des Bundesgerichts 8C_64/2017
vom 2
7.
April 2017
E. 3.2
; vgl. auch die Urteile des hiesigen Gerichts
IV.2017.1260 vom
3.
April 2019 E. 5 und
IV.
2018.01059 vom 2
0.
Juni 2019 E.
4.4
)
.
7.
7.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt. Vor
liegend sind sie auf
Fr.
900.-- festzusetzen.
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als voll
ständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
7.2
Der vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung (
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Die dem Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin auszurichtende Prozessentschädigung ist unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ermessensweise auf
Fr.
2’900
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.