Decision ID: c5f57a23-e900-45f6-a5e6-09508e69fdc5
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1973 geborene
X._
war als Vorarbeiter bei der
Y._
bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 20. März 2015 beim Ausleeren eines zirka 25 Kilogramm schweren Eimers mit Bioabfall spürte, dass er sich eine Verletzung
an der rechten Hand
zugezogen hat
te
(
Urk.
8/1, 8/13).
Auf Überweisung des erstbehandelnden Arztes
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin (
Urk.
8/8)
,
untersuchte
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische C
hirurgie und Traumatologie, Facharzt für Handchirurgie,
B._
,
den Versicherten und diagnostizierte am 20. April 2016 einen traum
atischen Längsriss der Extensor-
pollicis
-
brevis
-Sehne sowie
eine traumatische Tendovaginitis
stenosans
de
Quervain
am rechten Handgelenk (
Urk.
8/15).
Am 27. April 2015 versorgte er
die Verletzung (
Urk.
8/19).
Mit
Verfügung vom
3. Juli 2015
verneinte die Suva
ihre Leistungspflicht, da weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung vorliege (
Urk.
8/34).
Nach Einholung einer
kreisärztlichen Beurteilung vom 2
2.
Sep
-
tember
2015 (
Urk.
8/46)
hielt die Unfallversicherung mit
Einsprache
entscheid
vom 20. Oktober 2015 an ihrer Verfügung vom
3. Juli 2015
fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am 20. November 2015 Beschwerde erheben, die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und
die
Verpflichtung der Beschwerdegegnerin zur Veranlassung eines neutralen medizinischen Gut
achtens zur Frage der Kausalität der erlittenen Verletzung zum Ereignis vom 20. März 2015 beantragen (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Vernehmlassung vom 14. Januar 2016 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 118 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
werden Versicherungsleistungen für Unfälle,
die sich vor dem Inkraft
treten dieses Gesetzes
(
UVG-Revision per
1. Januar 2017
)
,
ereignet haben,
nac
h dem bisherigen Recht gewährt, weshalb im Folgenden
die bis
31. Dezember 2016
gültig gewesene
Rechtslage zitiert
wird
.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geisti
gen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
1.3.1
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
Gebrauch gemacht und folgende
Körperschädi
gungen
, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degenera
tion zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
1.3.2
Bei den unfallähnlichen Körpe
rschädigungen im Sinne von Art.
9
Abs.
2 UVV entfällt im Vergleich zu den eigentlichen Unfällen nach Art. 4 ATSG einzig das Tatbestandselement der Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors. Alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalles müssen hingegen auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen erfüllt sein. Dies gilt namentlich für das Erfordernis des einwirkenden äusseren Faktors an sich, worunter ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnfälliger
–
eben unfallähnlicher
–
Einfluss auf den Körper zu verstehen ist. Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer kör
pereigenen Bewegung bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom 8. Mai 2014 E. 2.2.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 327 E. 3.1, 3.3.1; 129 V
466 E. 2.2, 4.1
;
123 V 43 E. 2b).
Erforderlich für die Bejahung eines äusse
ren Faktors ist ein gesteigertes Schädigungspotenzial, sei es zufolge einer all
gemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung füh
renden Faktors. Die physiologische Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_696/2013 vom 14. November 2013 E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E. 3.3.1, 129 V 466 E. 4.2.2, 4.3). Ein äusserer Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn die zur Diskussion stehende Betätigung mit einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers, ins
besondere seiner Gliedmassen, verbunden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom 8. Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327
E. 3.3.1). Erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, so etwa beim plötzlichen Aufste
hen aus der Hocke, bei heftigen belastenden Bewegungen oder bei einer wegen äusserer Einflüsse unkontrollierbar gewordenen Positionsände
rung (vgl. BGE 129 V 466 E.
4.2.3, Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom
8. Mai 2014 E. 2.2.3).
1.3.3
Der Zweck des Instituts der unfallähnlichen Körperschädigung besteht nicht darin, krankhafte oder degenerative Körperschäden von der obligatorischen Unfallversicherung auszuschliessen, sondern darin, die oft schwierige Abgrenzung zwischen Unfall und Krankheit zugunsten der Versicherten zu vermeiden. Die sozialen Unfallversicherer haben somit ein Risiko zu über
nehmen, das nach der geltenden begrifflichen Abgrenzung von Unfällen und Krankheiten den letzteren zuzuordnen wäre. Hinzu kommt, dass es für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs praxisgemäss genügt, wenn das schädigende Geschehen eine Teilursache bildet. Ein degenerativer oder pathologischer Vorzustand schliesst daher eine unfallähnliche
Körperschädi
gung
nicht aus, sofern ein unfallähnliches Ereignis den vorbestehenden Gesundheitsschaden verschlimmert oder manifest werden lässt. Bei
den
in Art. 9
Abs.
2
lit
. a bis h UVV abschliessend erwähnten Verletzungen muss aber eine schädigende, äussere Einwirkung wenigstens im Sinne eines
Aus
lösungsfaktors
zu den (vor- oder überwiegend) krankhaften oder degenerati
ven Ursachen hinzutreten, damit eine unfallähnliche Körperschädigung vor
liegt (vgl. BGE 123 V 43 S. 45 E. 2b mit Hinweisen, insbes. auf BGE 116 V
155 E. 6c, 117 V 360 E. 4a, 114 V 301 E. 3c; RKUV 1988 Nr. U 57 S. 373
E. 4b).
1.3.4
Im Urteil U 148/04 vom
2.
Dezember 2004 E. 2.3 hatte das frühere Eidgenös
sische Versicherungsgericht
das Anheben und anschliessende
Abdrehen einer
zirka
20 kg schweren Waage durch einen Mann zu beurteilen; es hat erkannt, dass von einer im Rahmen der üblichen Arbeit und unter normalen Bedin
gungen erfolgten Bewegung auszugehen sei, sodass der äussere Faktor in
folge fehlendem gesteigertem Schädigungspotenzial und somit ein
unfall
ähnliches
Ereignis zu verneinen sei. Im Urteil 8C_656/2008 vom 13. Februar 2009 E. 3.3 hat das Bundesgericht entschieden, beim Heben eines bepackten
zirka
20 kg schweren Koffers durch eine Frau sei ein äusserer Faktor recht
sprechungsgemäss zu verneinen; es fehle an einem gesteigerten
Schädi
gungspotenzial
. Zum selben Schluss kam
es
auch im Urteil 8C_696/2
009 vom 1
2.
November 2009
, als es zu entscheiden hatte, ob ein beim Ausziehen eines 25 bis 30 kg schweren Rucksackes erlittener Sehnenriss als
unfallähn
liche
Körperschädigung zu qualifizieren sei. Gleich entschied das Bundesge
richt bei einer Frau, welche bei Umzugsarbeiten eine etwa 15 kg schwere Bücherkiste mit etwas Schwung anhob und dabei starke Schulterschmerzen verspürte (Urteil 8C_867/2009 vom 17. März 2009 E. 3.3).
Demgegenüber ist gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ein äusserer Faktor zu bejahen beim Anheben eines 15 kg schweren, sperrigen
Plastik
tisches
mit gleichzeitiger Drehbewegung, um diesen auf dem Rücken zu transportieren (Urteil
des Bundesgerichts
U 123/04 vom 5. Juli 2004 E. 3.3) oder beim Aufspringen von einem Bürostuhl aus Freude über günstige Kon
ditionen für den Abschluss eines grundpfandgesicherten Darlehens (
Urteil des Bundesgerichts
U 159/06 vom 29. August 2006 E. 3.2).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin aus dem Ereignis vom 20. März 2015 Leistungen zu erbringen hat. Der Unfallversicherer verneinte dies mit der Begründung, es liege weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung vor, wobei zwischen den Parteien in erster Linie umstrit
ten ist, wie sich das Ereignis vom 20. Mä
rz 2015 konkret zugetragen hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin geht im Wesentlichen gestützt auf die
Sachverhalts
schilderung
des Beschwerdeführers im Fragebogen vom 17. April 2015 (
Urk.
8/13) davon aus, dass der Bewegungsablauf beim Aus
leeren des
Bioab
falleimers
durch
k
eine Programmwidr
igkeit wie ein Abrutschen oder Aus-der-
Hand-Gleiten gestört wurde, weshalb mangels eines ungewöhnlichen äusseren Faktors kein Unfall im Rechtssinne vorliege.
Eine unfallähnliche Körperschädigung sei zu verneinen, weil es sich beim
Ausleeren des
zirka 25 Kilogramm schweren Abfalleimers
nicht um ein Geschehen handle, dem ein gesteigertes Gefährdungspotential innewohne; vielmehr stelle diese Tätigkeit für einen Vorarbeiter einer Reinigungsfirma eine alltägliche Verrichtung dar, weshalb es an der Voraussetzung eines äusseren schädigenden Faktors respektive
an
einem objektiv feststellbaren, sinnfälligen, plötzlichen und damit unfallähnlichen Ereignis fehle (
Urk.
2, 7).
2.3
Der Beschwerdeführer lässt dagegen im Wesentlichen vorbringen, dass die Unfallmeldung und der Fragebogen offensichtlich von einer Mitarbeiterin
der Arbeitgeberin ausgefüllt worden sei
en. Der nicht D
eutsch sprechende Beschwerdeführer habe dieser auf Italienisch zu schildern versucht, wie sich der Vorgang ereignet habe.
Gemäss seiner Sachverhaltsschilderung hat er den schweren, ölverschmierten Abfall-Container beim Versuch, diesen auszuleeren, nicht richtig halten kön
nen, wodurch die rechte Hand in eine unnatürliche Position geraten sei; der Beschwerdeführer habe gespürt, dass etwas kaputt gegangen sei, die Sehne also in diesem Augenblick gerissen sei.
Das Ereignis vom 20. März 2015 habe entsprechend nicht dem alltäglichen, programmgemässen Ablauf des Ausleerens des Containers entsprochen, was der Beschwerdeführer im Rahmen seiner sprachlichen Möglichkeiten immer wieder versucht habe zu erklären. Vielmehr habe der Container wegen der rutschigen Verunreinigung nicht richtig gehalten werden können und beim Versuch, die Tonne nicht fallen zu lassen, sei die rechte Hand in eine unna
türliche Position geraten (
Urk.
1 S. 4 f.).
3.
3.1
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend erkannte, fehlt es an einem äusseren Faktor, wenn allein beim Ausleeren des schweren Abfalleimers, welcher Vor
gang per se unbestrittenermassen zu den alltäglichen und wiederkehrenden beruflichen Aufgaben des Beschwerdeführers gehörte, die
Verletzung
im rechten Handgelenk
aufgetreten ist.
Diesfalls
wäre gemäss der
hier anwend
baren
bis Ende 2016
gültig gewesenen
Rechtslage das Vorliegen
sowohl
eines Unfalls im Sinne von Art. 4 ATSG als auch einer unfallähnlichen
Körper
schädigung
gemäss Art. 6
Abs.
2 UVG in Verbindung mit Art. 9 UVV
zu
ver
neinen, kann doch diesbezüglich
auf die in obiger Erwägung 1.3.4
erwähnten höchstrichterlichen Beispiele verwiesen werden.
Von den dort aufgeführten Sachverhalten zu erwähnen ist insbesondere der Fall, bei
welchem
das Anheben und anschliessende Abdrehen einer
zirka
20 Kilogramm
schweren Waage durch einen Mann zu beurteilen
war und bei welchem das Bundesgericht den
äussere
n
Faktor infolge
fehlendem gestei
gertem Schädigungspotenzial
verneinte (
U
rteil
des Bundesgerichts
U 148/04 vom
2.
Dezember 2004
). Dieses Ereignis ist weitgehend mit dem hier zur Dis
kussion stehenden zu vergleichen.
3.2
Anders könnte es sich verhalten, wenn
der Geschehensablauf
beim Heben und Ausleeren des schweren Eimers
in der Tat durch ein sinnfälliges Ereignis im Sinne der Rechtsprechung gestört wurde, so dass einzelne Muskeln oder andere Körperteile übermässig oder in
unphysiologischer
Weise beansprucht wurden. Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn die versicherte Person stol
pert, ausgleitet oder wenn beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und zu einer Schädigung führt (Urteil des Bundesgerichts U 277/99 vom 30. August 2001 E. 3c;
BGE
116 V 139
E.
3b).
3.3
Den Akten ist
zum Geschehensablauf vom 20. März 2015 im Wesentlichen
Folgendes zu entnehmen:
Die Sachverhaltsschilderung i
n der Unfallmeldung vom 9. April
2015 beschränkt
e sich
auf die Angabe, dass sich der Beschwerdeführer bei
m
Aus
leeren des Bioabfalls die Sehne in der Hand verletzt habe. Er habe die Arbeit ab 31. März 2015 ausgesetzt (
Urk.
8/1).
Dieselbe Schilderung
findet sich in einem Dokument „Vorlage Unfallprotokoll“ der Arbeitgeberin
(
Urk.
8/4).
Dr.
A._
, welchen der Beschwerdeführer am 30. März 2015 aufsuchte, notierte anamnestisch, letzterer habe ihn aufgesucht, nachdem die Beschwer
den zugenommen hätten. Seine Diagnose lautete auf Beschwerden im rechten Hand-/Daumengrundgelenk, Unterarm rechts, seit zirka 20. März 2015 nach schwerem Heben einer Tonne/Unfall
. Weitere Angaben zum
Geschehens
ablauf
finden sich in dessen Bericht nicht
(
Urk.
8/7).
Im vom Beschwerdeführer am 17. April 2015 unterzeichneten Fragebogen der Beschwerde
gegnerin wird der Sachverhalt dahingehend geschildert, dass
d
er
B
eschwerdeführer
um 11.00 Uhr den Bio-Abfalleimer habe leeren wollen. Dieser Eimer wiege zirka 25 Kilogramm. Beim Leeren habe er gemerkt, dass
etwas kaputt gegangen sei. Die Frage, ob sich dabei etwas Besonderes wie ein Ausgleiten, ein Sturz, ein Anschlagen, usw. ereignet habe, wurde verneint. Bemerkt habe er die Beschwerden erstmals in der Nacht auf den 21. März 2015 (
Urk.
8/13).
Gemäss Anamnese von
Dr.
A._
in seinem
Bericht vom 16. April 2015 hat
der Beschwerdeführer am 20. März 2015 beim Heben von schweren Las
ten beziehungsweise eines vollen Korbes eine falsche Drehbewegung im Handbereich gemacht und sofort ein Knacken im Daumenbereich gespürt. Im Verlauf sei
en
eine Schwellung aufgetreten und zunächst erträgliche Schmer
zen. Den Hausarzt habe er erst nach zirka 1
0 Tagen aufgesucht (
Urk.
8/14). Intraoperativ erkannte
Dr.
A._
einen traumatischen Längssplit der Extensor-
pollicis
-
brevis
-Sehne mit degenerativen Veränderungen in der Sehne (
Urk.
8/19).
Der Kreisarzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, sprach sich am 24. Juni 2015 gegen einen traumatischen Befund aus, da es sich um einen Längsriss handle (
Urk.
8/33)
. In seiner Beurteilung vom 2
2.
September 2015 führte er aus, dass es sehr ungewöhnlich sei, dass sich eine t
raumatische Ruptur der Extensor-
pollicis
-
longus
-
Sehne in einem Längsriss darstelle. Der beschriebene Unfallhergang mit Heben und Leeren eines 25 Kilogramm schweren Behältnisses
könne aus medizinischer Sicht nicht mit einer traumatischen Ruptur der Sehne in Zusammenhan
g gebracht werden. Man würde eher eine
Rotatorenma
nschettenruptur
oder eine Ruptur der distalen
Bizepssehne
erwarten. Die Extensor-
pollicis
-
longus
-Sehne werde bei dem zugrunde gelegten Hergan
g
ohne vernünftigen Zweifel nicht ausser
ordentlich stark belastet, sodass eine Ruptur medizinisch unwahrscheinlich sei (
Urk.
8/46).
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Handchirurgie,
B._
,
stellte im Rahmen einer vom Beschwerdeführer einge
holten Zweitmeinung anamnestisch das Ereignis
dahingehen
d dar, dass letzterer
am 20. März 2015 eine
n
Unfall mit Verletzung der rechten Hand durch einen umstürzenden Container erlitten habe. Er habe den schweren Müllcontainer leeren wollen. Da dieser mit Öl verschmiert gewesen sei, sei er ihm aus den Händen geglitten und habe im Fallen eine Distorsion im
Hand
gelenksbereich
„verdreht“. Der Beschwerdeführer habe während dieses Vor
gangs einen scharfen Schmerz im radiodorsalen Bereich der rechten Hand verspürt. Die dadurch entstandenen Beschwerden seien eindeutig Unfallfol
gen. Offensichtlich sei der Beschwerdeführer nie genau befragt worden oder der
behandelnde Arzt habe den Italienisch sprechenden Patienten nicht rich
tig verstanden (
Urk.
8/48)
.
4.
4.1
Es steht fest, dass der Beschwerdeführer mit dem Sehnenriss im rechten Hand
gelenk eine Listenverletzung gemäss Art. 9
Abs.
2 UVV in der bis 3
1.
Dezember 2016 gültig gewesenen Fassung erlitten h
at. Entsprechend gilt es in der Folge zu prüfen, ob von einem sinnfälligen Ereignis nach Lehre und Praxis ausgegangen werden kann. Nicht erfüllt sein muss dagegen die Unge
wöhnlichkeit des äusseren Faktors, ein Begriffsmerkmal des Unfalls
, nicht aber des unfallähnlichen
Ereignisses im Sinne der oben zitierten Bestim
mung.
4.2
Die Würdigung der oben zitierten Akten und Fakten nach dem im
Sozialver
sicherungsrecht generell herrschenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen) führt zunächst zur Feststellung, dass die Beschwerdegegnerin ihrer Abklärungspflicht mit der Einholung des Fragebogens vom
1
7.
April 2015 (
Urk.
8/13)
im Nachgang zur Unfallmeldung
vom
9.
April 2015 (
Urk.
8/1) in
rechtsgenüglicher
Weise nachgekommen ist. Weder der Unfallmeldung vom
9.
April 2015 (
Urk.
8/1) noch dem Dokument „Vorlage Unfallprotokoll“ der Arbeitgeberin vom
8.
April 2015 (
Urk.
8/4) oder dem Bericht von
Dr.
A._
vom 1
5.
April 2015 zur Erstbehandlung des Beschwerdeführers vom 3
0.
März 2015 sind irgendwelche Hinweise auf ein sinnfälliges Ereignis in Form eines Weg
rutschens, Verdrehens der Hand oder Au
sgleitens des Mülleimers zu entneh
men
. Im Fragebogen vom 1
7.
April 2015, welcher zwar offensichtlich nicht vom B
eschwerdeführer ausgefüllt, jedoch
unterzeichnet wurde, wird
ein b
esonderes Ereignis in diesem Sinne gar ausdrücklich verneint (
Urk.
8/13).
Auch aufgrund der später eingegangenen Berichte bestand für die
Beschwer
degegnerin
, wie sich aus dem Nachfolgenden ergibt, keine ergänzende Abklärungspflicht.
Zwar kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer
– wie behauptet -
infolge seiner beschränkten Deutschkenntnisse
beim Aus
füllen des Fragebogens
falsch verstanden wurde. Jedoch lässt der Umstand, dass er offensichtlich in der Lage war,
sowohl
den genauen Zeitpunkt des Ereignisses darzulegen, als auch zu erklären, dass er unmittelbar beim Leeren
des Eimers
gespürt habe, dass etwas kaputt gegangen sei
und die Schmerzen in der anschliessenden Nacht aufgetreten seien
(vgl.
Urk.
8/13 S. 1)
, Zweifel daran aufkommen, dass die Verständigung derart erschwert war.
Schwer
nachvollziehbar ist denn auch, aus welchem Grund der Beschwerdeführer erst
10 Tage nach dem Ereignis
Dr.
A._
aufsuchte, obwohl er gemäss seiner Aussage gespürt hatte, dass beim Ausleeren etwas kaputt gegangen sei.
Dass die Beschwerdegegnerin
d
en
sogenannten „Aussagen der ersten Stunde“
mehr Beweiskraft beimass, als den späteren
Darstellungen des Sachverhalts durch den Beschwerdeführer, ist unter Berücksichtigung des Umstandes, dass
letztere
bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen ver
sicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis),
nicht zu beanstanden.
Dies gilt umso mehr, als die späteren Darstellungen des Hergangs unverkenn
bar eine
Steigerungs
tendenz
aufweisen. So beschränkt
e
sich im Bericht von
Dr.
A._
vom 1
6.
April 2015 die Darstellung des Sachverhalts noch darauf, dass der Beschwerdeführer beim Ausleeren eine falsche Drehbewe
gung im Handbereich gemacht habe und ein Knacken
im Daumenbereich gespürt habe (
Urk.
8/14/1).
Der Hinweis,
dass der Container mit Öl ver
schmiert gewesen sei und aus diesem Grund eine besondere Belastung auf der Hand gelegen habe
, findet sich
dann aber
erstmals in der Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 1
4.
September 2015
(
Urk.
8/44). Im Bericht von
Dr.
D._
vom 1
6.
Oktober 2015 wurde
der Sachverhalt gar
dahingehend gesteigert, dass dem Beschwerdeführer der ölverschmierte Container aus den Händen geglitten sei und beim Fallen eine Distorsion im Handgelenkbereich verursacht habe (
Urk.
8/48).
Diese
Dramatisierungen
des Geschehensablauf
nehmen den Präzisierungen und Ergänzungen desselben ihre Glaub
haft
igkeit.
Unter diesen Umständen hat die Beschwerdegegnerin bei der Feststellung des Sachverhalts zu Recht auf die anfänglichen Darstellungen desselben abge
stellt und hat dem Ereignis vom 2
0.
März 2015 richtigerweise
den
für die Annahme eines Unfalls oder einer unfallähnlichen Körperverletzung erfor
derlichen äusseren Faktor abgesprochen.
Auf weitere Abklärungen hierzu hat sie in antizipierter Beweiswürdigung zulässigerweise verzichtet (BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).
An diesem Ergebnis vermögen die weiteren Ausführungen in der Beschwerde nichts zu ändern. Namentlich kann o
ffen bleiben
,
ob die Kausalität der erlit
tenen Verletzung zum Ereignis
rechtsgenüglich
erstellt ist,
gebricht ein
Leis
tungsanspruch
doch
bereits
an der Voraussetzung des Vorliegens eines Unfalls im Rechtssinne respektive eines unfallähnlichen Ereignisses.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.