Decision ID: eb4f0b35-6469-51b7-b595-ef82261f9e94
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Hardy Landolt, Schweizerhofstrasse 14,
Postfach 568, 8750 Glarus,
gegen
CSS Versicherung AG, Recht & Compliance, Tribschenstrasse 21,
Postfach 2568, 6002 Luzern,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Rettungssanitäter beim Kanton St. Gallen tätig und bei der CSS
Versicherung AG (nachfolgend CSS) unfallversichert, als er sich während der Arbeit am
20. Dezember 2009 am Rücken verletzte. Beim Heben eines schweren Patienten habe
es ihm einen Zwick in den Rücken gegeben (UV-act. 1). In der Mitteilung des Arztes
vom 16. April 2010 an die Unfallversicherung nannte dieser als Diagnose ein subakutes
Lumbovertebralsyndrom bei Status nach Verhebetrauma mit Myogelose (UV-act. 3).
A.b Mit Verfügung vom 26. April 2010 lehnte die CSS eine Leistungspflicht ab, da kein
Unfall bzw. keine unfallähnliche Körperschädigung vorliege (UV-act. 7).
B.
B.a Am 14. Mai 2010 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom
26. April 2010. Er machte geltend, dass es sich beim fraglichen Ereignis um einen
Unfall gehandelt habe. Das Verhebetrauma sei durch den witterungsbedingt glitschigen
Untergrund verursacht worden (UV-act. 8).
B.b Im Einspracheentscheid vom 25. August 2010 hielt die CSS an ihrer Ablehnung
fest. Der vom Versicherten geltend gemachte "witterungsbedingte glitschige
Untergrund" sei nicht aktenkundig (act. G 1.1.2).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Prof. Dr. iur. Hardy Landolt, Glarus, am 22. September 2010 Beschwerde. Er beantragt,
der Einspracheentscheid der CSS vom 25. August 2010 sei aufzuheben und die
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Angelegenheit im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Er rügt im
Wesentlichen eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und ersucht um eine
ergänzende Zeugenbefragung. Das Ereignis vom 20. Dezember 2009 stelle einen Unfall
dar. Eventuell handle es sich beim fraglichen Ereignis bzw. beim Verhebetrauma um
eine stark überwiegend wahrscheinliche Berufskrankheit eines Rettungssanitäters,
weshalb die Beschwerdegegnerin in jedem Fall leistungspflichtig sei. Sollte das Gericht
den Sachverhalt als umfassend erstellt qualifizieren, sei die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten, die im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 20. Dezember 2009 gemäss
UVG versicherten Leistungen zu gewähren (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 5. Januar 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Beschwerde sei abzuweisen. Der Einspracheentscheid sei zu bestätigen; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers. Die
vorgenommene antizipierte Beweiswürdigung sei zulässig. Die Verlagerung der
Sachverhaltsdarstellung vom reinen Verhebetrauma hin zum witterungsbedingten
glitschigen Untergrund als äusserem Faktor sei erst nach der negativen Verfügung
erfolgt. In der Einsprache sei nicht geltend gemacht oder auch nur annähernd
beschrieben worden, dass der Beschwerdeführer beim Heben und Tragen auf dem
glitschigen Untergrund ausgeglitten sei. Der Beschwerdeführer wolle das ursprüngliche
Ereignis in einen für ihn anspruchsbegründenden Sachverhalt umwandeln. Eine
Berufskrankheit sei auszuschliessen (act. G 7).
C.c Mit Replik vom 26. Januar 2011 bestreitet der Beschwerdeführer sämtliche
tatsächlichen und rechtlichen Ausführungen der Beschwerdeantwort sofern und soweit
nicht ausdrücklich das Gegenteil als zutreffend und richtig anerkannt werde. Der
Beschwerdeführer habe im Vertrauen auf die Richtigkeit und Vollständigkeit der vom
Personaldienst seiner damaligen Arbeitgeberin ausgefüllten Unfallmeldung die
Unterschrift hinzugefügt. Im Unfallzeitpunkt habe garstiges Winterwetter geherrscht.
Die Voraussetzungen des äusseren Faktors wie auch die Programmwidrigkeit und
Aussergewöhnlichkeit des Geschehens seien gegeben. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin liege ein Unfall vor und diese sei zu verpflichten, die gemäss UVG
versicherten Unfallleistungen zu erbringen (act. G 9).
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C.d Mit Duplik vom 11. Februar 2011 hält die Beschwerdegegnerin daran fest, dass in
der UVG-Schadenmeldung lediglich ein Zwick im Rücken beim Hochheben eines
Patienten erwähnt worden sei. Erst in der Beschwerde habe der Beschwerdeführer den
glitschigen, feuchten Untergrund bzw. ein Ausrutschen erstmals erwähnt. Der
Sachverhalt des Ereignisses vom 20. Dezember 2009 ergebe sich schlüssig und
vollständig aus den Akten. Es seien weder die Voraussetzungen für einen Unfall noch
für eine Berufskrankheit erfüllt (act. G 11).
C.e Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt
der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin als Unfallversicherer für die
Folgen des Vorfalls vom 20. Dezember 2009 leistungspflichtig ist. Um dies zu
beurteilen, ist zunächst zu klären, ob die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt
genügend und vollständig abgeklärt hat.
1.1 Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) prüft der Versicherungsträger die
Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die
erforderlichen Auskünfte ein. Im Sozialversicherungsrecht, worunter auch das
Unfallversicherungsrecht fällt, herrscht somit der Untersuchungsgrundsatz. Der
Versicherungsträger und im Streitfall das Gericht haben den Sachverhalt von Amtes
wegen zu ermitteln. Indessen ist die leistungsansprechende Person gesetzlich
verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die Umstände des Unfalls glaubhaft machen.
Kommt sie dieser Aufforderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder
widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens
als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des
Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen
Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime
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entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann
zu diesem Zweck auch die Parteien heranziehen (RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel kommt zur
Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kein wahrscheinlicher
Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 298 E. 5b). Wird also auf dem Weg der
Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit
Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht (Th. Locher, Grundriss
des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., 2003, S. 451 f.) -, so hat dieses als unbewiesen
zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person auswirkt (BGE 116
V 136 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Gelangt die Verwaltung oder das Gericht bei
pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, der Sachverhalt, den eine Partei
beweisen will, sei nicht rechtserheblich oder der angebotene Beweis vermöge keine
Abklärungen herbeizuführen, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden.
In der damit verbundenen antizipierten Beweiswürdigung kann kein Verstoss gegen
das rechtliche Gehör (...) erblickt werden (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d; SVR 1996 UV Nr.
62 E. 3).
1.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Die
Beschwerdegegnerin wäre gehalten gewesen, den rechtserheblichen Sachverhalt von
Amtes wegen vollständig abzuklären. Sie habe jedoch ihre Abklärungen in Bezug auf
die geltend gemachten schlechten Witterungsverhältnisse unterlassen (act. G 1 Ziffer II/
14). Gemäss der Schadenmeldung UVG verletzte sich der Beschwerdeführer am
19. Dezember 2009 (in den folgenden Berichten wird jeweils der 20. Dezember 2009
als Ereignisdatum genannt, was darauf schliessen lässt, dass es sich hier wohl um
einen Fehler handelt). Der Patient habe auf dem Boden gelegen. Beim Heben des
schweren Patienten habe es einen Zwick im Rücken gegeben (UV-act. 1). Die
Beschwerdegegnerin ging gestützt auf diese Angaben davon aus, dass weder ein
Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung vorliege und verfügte die Ablehnung
von Versicherungsleistungen (UV-act. 7). Mit Einsprache vom 14. Mai 2010 machte der
Versicherte geltend, dass es sich bei dem Vorfall um einen Unfall gehandelt habe.
Unfallursache bzw. äusserer Faktor, der das Verhebetrauma verursacht habe, stelle der
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witterungsbedingte glitschige Untergrund dar (UV-act. 8). Dagegen brachte die
Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom 25. August 2010 im Wesentlichen
vor, dass diese Unfallursache bzw. dieser äussere Faktor nicht aktenkundig sei. Der
Beschwerdeführer selber habe diese angebliche Ursache in seinen Eingaben nicht
erwähnt. Der glitschige Untergrund als anspruchsbegründendes Begriffsmerkmal
werde zudem nicht weiter ausgeführt. Es handle sich um eine unbewiesene
Behauptung (act. G 1.1.2).
1.3 Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführte, hat der Beschwerdeführer die
Unfallursache bzw. den äusseren Faktor des witterungsbedingten glitschigen
Untergrunds vor dem Erlass der leistungsablehnenden Verfügung durch die
Beschwerdegegnerin nie erwähnt. So geht auch aus der Unfallmeldung sowie dem
Begleitbrief vom 20. März 2010 an die zuständige Krankenversicherung weder hervor,
dass der Beschwerdeführer auf dem witterungsbedingt glitschigen Untergrund
ausgerutscht sei noch dass der Boden überhaupt witterungsbedingt glitschig gewesen
sei (vgl. UV-act. 2 und 4). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei sich
widersprechenden Angaben des Versicherten über den Unfallhergang die
Beweismaxime zu beachten, wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der
ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere
Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn der
Versicherte seine Darstellung im Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die er
kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens grösseres Gewicht zu als jenen nach
Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (vgl. BGE 121 V 45 E. 2a; BGE
115 V 133 E. 8c; Urteil des Bundesgerichts 8C_546/2010 vom 22. Februar 2011 E. 3.3).
Der Grundsatz, wonach die ersten Aussagen nach einem schädigenden Ereignis in der
Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, stellt eine im
Rahmen freier Beweiswürdigung zu berücksichtigende Entscheidungshilfe dar. Sie
kann nur zur Anwendung gelangen, wenn von zusätzlichen Abklärungen keine neuen
Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_126/2009 vom 10. Juni
2009 E. 4.1.1). Gemäss der Schadenmeldung UVG und dem Unfallbericht an die
Krankenversicherung ereignete sich der Vorfall in der Wohnung des Patienten bzw.
beim Patienten zu Hause (UV-act. 1 und 4). Ein witterungsbedingt glitschiger
Untergrund ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auszuschliessen. Sodann
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ist im Arztbericht an die Unfallversicherung vom 16. April 2010 von einem "Subakuten
LVS bei Status nach Verhebetrauma mit Myogelose" die Rede. Demzufolge ist davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer auch gegenüber dem Arzt nicht von einem
Sturz, Ausrutschen oder dergleichen gesprochen hat bzw. dass sich ein derartiger
Vorfall nicht ereignet hat (vgl. UV-act. 3). Im Rahmen der antizipierten Beweiswürdigung
durfte die Beschwerdegegnerin auf das Erheben weiterer Beweise verzichten, sofern
sie der Meinung war, der Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu
betrachten und weitere Beweismassnahmen könnten keine zusätzlichen Erkenntnisse
liefern. Es mag zwar sein, dass im Zeitpunkt des fraglichen Ereignisses schlechte
Witterungsverhältnisse vorgeherrscht hatten und der Boden (im Treppenhaus)
deswegen glitschig war. Jedoch geht aus den massgeblichen Akten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit hervor, dass es dem Beschwerdeführer den "Zwick in den Rücken"
anlässlich des Hebens des Patienten in der Wohnung gegeben hat und er entgegen
seiner Darstellung in der Beschwerde nicht auf dem Boden ausgerutscht ist.
1.4 Unter diesen Umständen erübrigt sich im Sinn der antizipierten Beweiswürdigung
auch eine Zeugenbefragung. Gesamthaft betrachtet hat die Beschwerdegegnerin den
Sachverhalt genügend und vollständig abgeklärt. Es liegt keine Verletzung von Art. 43
Abs. 1 ATSG vor.
2.
Als Nächstes ist zu prüfen, ob das vom Beschwerdeführer erlittene Verhebetrauma
einen Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG darstellt.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen
und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Als Unfall
gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen
äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). Das
Begriffsmerkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors bezieht sich nach der Definition
des Unfalls nicht auf die Wirkung dieses Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne
Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor
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allenfalls schwerwiegende Folgen nach sich zieht. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich,
wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen
überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die
objektiven Umstände in Betracht fallen (SVR 2001 KV Nr. 50 S. 145 E. 3a; BGE 122 V
233 E. 1 = Pra 1997 Nr. 823 S. 415 f.). Nach Lehre und Rechtsprechung kann das
Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors auch in einer unkoordinierten
Bewegung (RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b, S. 176 f.)
oder in einer ausserordentlichen Überanstrengung (vgl. BGE 116 V 136 E. 3b; RKUV
1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2) bestehen.
2.2 Da der witterungsbedingte glitschige Untergrund nicht zum festgestellten
Sachverhalt gehört, ist dieser als ungewöhnlicher äusserer Faktor auszuschliessen.
Hingegen stellt sich die Frage, ob der ungewöhnliche äussere Faktor allenfalls in Form
einer unkoordinierten Bewegung bzw. einer ausserordentlichen Überanstrengung
vorliegt und daher das Verhebetrauma dennoch als Unfall zu qualifizieren wäre.
2.3 Bei Körperbewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in
der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten
Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn dieser -
Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten
Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; Urteil
des Bundesgerichts U 322/02 vom 7. Oktober 2003 E. 2.2; RKUV 1996 Nr. U 253 S.
204 E. 4c und 1994 Nr. U 180 S. 380 E. 2 mit Hinweisen). Von einer programmwidrigen
Störung der körperlichen Bewegung ist beispielsweise dann auszugehen, wenn die
versicherte Person stolpert, ausgleitet oder sich an einem Gegenstand anstösst oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt
oder auszuführen versucht (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 422 E. 2b; A. Rumo-Jungo,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 3. Aufl. 2003, S. 27 mit Hinweisen). Sodann bejaht die
Rechtsprechung das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auch dann,
wenn beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher
Kraftaufwand erfolgt und zu einer, gelegentlich als Verhebetrauma bezeichneten,
Schädigung führt. Es muss jedoch von Fall zu Fall geprüft werden, ob die Anstrengung
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im Hinblick auf Konstitution und berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der
betreffenden Person ausserordentlich war (BGE 116 V 139 E. 3b, mit Hinweisen; RKUV
1994 Nr. U 180 S. 38). So, wie die Aussergewöhnlichkeit bei einer Körperbewegung
erst dann gegeben ist, wenn diese unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt
wurde, erfüllt auch der Tatbestand der Überanstrengung den Unfallbegriff nur dann,
wenn ihm eine besondere Sinnfälligkeit zukommt. Das Heben von Gewichten bedingt
zwar ebenfalls eine Körperbewegung. Trotz allem handelt es sich bei den Tatbeständen
"Körperbewegung" und "Überanstrengung" um zwei verschiedene Tatbestände. Bei
demjenigen der "Überanstrengung" steht nicht die Körperbewegung an sich, sondern
die übermässige Belastung im Zentrum. Damit ist hier auch keine Programmwidrigkeit
im Bewegungsablauf vorausgesetzt (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen UV 2010/28 vom 1. März 2011 E. 3.4.1).
2.4 Aufgrund der Aktenlage lässt sich das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren
Faktors sowohl in Form einer unkoordinierten Bewegung als auch einer
Überanstrengung ausschliessen. Gemäss dem festgestellten Sachverhalt wurde der
natürliche Ablauf der Körperbewegung nicht durch etwas Programmwidriges oder
Sinnfälliges wie Ausgleiten, Stolpern oder reflexartiges Abwehren eines Sturzes
beeinträchtigt. Eine unkoordinierte Bewegung hat daher nicht stattgefunden. Der
Beschwerdeführer war zum Zeitpunkt des in Frage stehenden Ereignisses als
Rettungssanitäter angestellt. Der Transport bzw. die Bergung von Patienten gehört bei
einem derartigen Beruf zum Alltag, wie dies der Beschwerdeführer in der
Unfallmeldung an die Krankenkasse zutreffend bemerkte (vgl. UV-act. 4). Gemäss den
Angaben des Beschwerdeführers wog der Patient, den er am Tag des Vorfalls
zusammen mit einem Kollegen bergen musste, über 120 Kilogramm. Der
Beschwerdeführer bringt vor, dass die Rettungssanitäter in Fällen mit derart schweren
Patienten normalerweise eine zusätzliche Tragehilfe – wie Feuerwehr oder
Kantonspolizei – anfordern könnten. Der Abtransport sei aber dringlich gewesen,
weshalb auf die Traghilfe verzichtet wurde (act. G 1 Ziffer II/13). Dass die Bergung einer
Person mit einem derartig schweren Körpergewicht eine grosse Anstrengung seitens
der Rettungssanitäter erforderte, steht ausser Frage. Dennoch ist zu berücksichtigen,
dass der Beschwerdeführer einerseits aufgrund seiner Tätigkeit gewohnt ist, Lasten zu
tragen. Andererseits hat er den Patienten zusammen mit einem Teamkollegen
gehoben. Somit lastete kaum das gesamte Gewicht des Patienten auf dem
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Beschwerdeführer. Das Bundesgericht hat in Fällen, in welchen die zu hebenden
Lasten zwischen 60 und 100 kg schwer waren, eine Überanstrengung verneint (vgl.
Urteile des Bundesgerichts U 144/06 vom 23. Mai 2006 E. 2.2; U 360/02 vom 9.
Oktober 2003 mit Hinweisen). Auch die Tatsache, dass der Abtransport dringlich war
und daher nicht auf eine zusätzliche Tragehilfe gewartet werden konnte, lässt nicht
darauf schliessen, dass der Vorfall vom 20. Dezember 2009 als ungewöhnlich
einzustufen ist. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Rettungssanitäter in Ausübung
ihrer beruflichen Tätigkeit immer wieder auf Situationen treffen, in denen ein dringlicher
Abtransport nötig ist. Dass dabei auch schwere Patienten zu transportieren sind, liegt
auf der Hand. In Anlehnung an die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist das
Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors zu verneinen. Es liegt kein Unfall
gemäss Art. 4 ATSG und daher keine Leistungspflicht im Sinn von Art. 6 Abs. 1 UVG
vor.
3.
Weiter ist zu prüfen, ob allenfalls eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegt und die
Beschwerdegegnerin daher leistungspflichtig ist.
3.1 Gemäss Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV;
SR 832.202) sind folgende Körperschädigungen auch ohne ungewöhnliche äussere
Einwirkung den Unfällen gleichgestellt, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung
oder eine Degeneration zurückzuführen sind: Knochenbrüche, Verrenkungen von
Gelenken, Meniskusrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen und
Trommelfellverletzungen. Diese Liste ist abschliessend (vgl. BGE 116 V 136 E. 4a). Aus
Art. 9 Abs. 2 ergibt sich e contrario, dass auch bei diesen Verletzungen – mit
Ausnahme der ungewöhnlichen äusseren Einwirkung – sämtliche
Unfallbegriffsmerkmale erfüllt sein müssen. Damit eine Leistungspflicht der
Unfallversicherung entsteht, muss somit ein plötzliches, schädigendes und nicht
beabsichtigtes Ereignis vorliegen (vgl. BGE 114 V 298 E. 3b).
3.2 Dem provisorischen Bericht des Universitätsspitals Zürich vom 10. März 2010 ist
zu entnehmen, dass die Ärzte einen Bandscheibenvorfall LWK 5/SWK 1 rechts mit
epiduralen Veränderungen bei inkomplettem Cauda Equina Syndrom diagnostizierten.
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Zudem ist diesem Bericht zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer gegenüber den
Ärzten geäussert hat, seine Beschwerden hätten bereits im Jahre 2007 begonnen (act.
G 1.1.3). Der behandelnde Arzt, med. prakt. B._, stellte am 16. April 2010 die
Diagnose eines subakuten LVS bei Status nach Verhebetrauma mit Myogelose (UV-
act. 3). Eine Diagnose früheren Datums liegt nicht vor. Da die ärztlich festgestellten
Beschwerden keine unfallähnliche Körperschädigung darstellen, ist auch eine
Leistungspflicht aufgrund von Art. 9 Abs. 2 UVV zu verneinen. Im Übrigen ist darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer schon seit dem Jahr 2007 an Beschwerden
leidet, wie er selbst gegenüber den Ärzten des Universitätsspitals Zürich sowie
gegenüber dem Suva-Mitarbeiter geäussert hat (act. G 1.1.3 und UV-act. 13). Dies
weist auf eine Erkrankung bzw. Degeneration hin, wodurch selbst bei Vorliegen einer
unfallähnlichen Körperschädigung eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nicht
klar erstellt wäre.
4.
Schliesslich macht der Beschwerdeführer eventualiter geltend, dass es sich beim
fraglichen Ereignis bzw. bei dem erfolgten Verhebetrauma um eine stark überwiegend
wahrscheinliche Berufskrankheit eines Rettungssanitäters handle.
4.1 Als Berufskrankheiten gelten Krankheiten (Art. 3 ATSG), die bei der beruflichen
Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte
Arbeiten verursacht worden sind (Art. 9 Abs. 1 Satz 1 UVG). Sodann gelten als
Berufskrankheiten auch andere Krankheiten, von denen nachgewiesen wird, dass sie
ausschliesslich oder stark überwiegend durch berufliche Tätigkeit verursacht worden
sind (Art. 9 Abs. 2 UVG). Krankheit im Sinn von Art. 3 ATSG ist jede Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines
Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder
eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.
4.2 Eine Berufskrankheit im Sinn von Art. 9 Abs. 1 UVG ist auszuschliessen, da der
Beschwerdeführer keinem in der Liste im Anhang 1 zur UVV eingetragenen
schädigenden Stoff ausgesetzt war bzw. keine der darin aufgeführten arbeitsbedingten
Erkrankungen ausweist. Als Berufskrankheit in Frage kommt daher einzig eine
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Krankheit die ausschliesslich oder stark überwiegend durch berufliche Tätigkeit
verursacht wurde (Art. 9 Abs. 2 UVG). Die Voraussetzung des ausschliesslichen oder
stark überwiegenden Zusammenhangs ist nach ständiger Rechtsprechung erfüllt, wenn
die Berufskrankheit mindestens zu 75% durch die berufliche Tätigkeit verursacht
worden ist (vgl. BGE 114 V 109). Die Anerkennung von Beschwerden im Rahmen dieser
von der Rechtsprechung als "Generalklausel" bezeichneten Anspruchsgrundlage ist,
entsprechend der in BGE 114 V 109 E. 3c auf Grund der Materialien eingehend
dargelegten legislatorischen Absicht, die Grenze zwischen
krankenversicherungsrechtlicher Krankheit und unfallversicherungsrechtlicher
Berufskrankheit nicht zu verwässern, an relativ strenge Beweisanforderungen
gebunden. Verlangt wird, dass der Versicherte für eine gewisse Dauer einem typischen
Berufsrisiko ausgesetzt ist. Die einmalige gesundheitliche Schädigung, die gleichzeitig
mit der Berufsausübung eintritt, genügt nicht (vgl. BGE 116 V 136 E. 5d). Für die
Beurteilung der Exposition (oder Arbeitsdauer) ist die gesamte ausgeübte
Berufstätigkeit zu berücksichtigen (vgl. BGE 119 V 200).
4.3 Gemäss der kreisärztlichen Stellungnahme vom 23. November 2010 sind
Rückenbeschwerden in der Allgemeinbevölkerung häufig und das Leiden mit der
progredienten Dehydratation der Bandscheiben ist naturgemäss krankhafter Genese.
Es sei medizinisch nicht wahrscheinlich, dass bei der seit 1992 ausgeübten Tätigkeit
als Rettungssanitäter der berufliche Verursachungsanteil von mindestens 75% erreicht
werde, um eine Berufskrankheit nach Art. 9 Abs. 2 UVG zu begründen (UV-act. 14).
Aufgrund dieser einleuchtenden und überzeugenden Beurteilung ist daher davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer nicht an einer Berufskrankheit im Sinn von
Art. 9 UVG leidet. Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aufgrund einer
Berufskrankheit lässt sich demnach nicht begründen.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt
genügend und vollständig abgeklärt hat. Sodann ist gemäss vorstehenden Erwägungen
der Vorfall vom 20. Dezember 2009 mangels Einwirkung eines ungewöhnlichen
äusseren Faktors nicht als Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG zu qualifizieren. Ebenso
wenig liegt ein unfallähnliches Ereignis (Art. 9 Abs. 2 UVV) vor. Auch eine
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© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Berufskrankheit gemäss Art. 9 UVG ist zu verneinen. Eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin ist daher nicht begründet. Die Beschwerde ist abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP