Decision ID: e0916707-f89a-4f05-adc2-f849a058254d
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Kategorien B und BE seit 12. September 1989.
Zudem ist er für die Kategorien C und C1E (seit 1996), A (seit 2003) sowie D und DE
(seit 2008) fahrberechtigt. Am 3. Oktober 2012 verursachte er in Wil mit einem
Motorfahrzeug wegen ungenügender Aufmerksamkeit einen Auffahrunfall. Das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog ihm deswegen
mit Verfügung vom 19. November 2012 den Führerausweis für die Dauer eines Monats;
die Massnahme wurde vom 21. November 2012 bis 20. Dezember 2012 vollzogen.
B.- Am Sonntag, 23. November 2014, 14 Uhr, fuhr X auf der Autobahn A1 nach dem
Anschlusswerk St. Gallen-Winkeln in Fahrtrichtung Kreuzbleiche gemäss den
Beobachtungen von zwei Polizisten rechts an einem zivilen Polizeiauto und einem
weiteren Fahrzeug – beide befanden sich auf der zweiten Überholspur – vorbei. Danach
wechselte er die Fahrspur nach links und fuhr in Richtung St. Gallen weiter. Auf der
Höhe von St. Gallen-St. Fiden wurde er von der Polizei mittels Matrixleuchte "Polizei,
Bitte Folgen" von der Autobahn weggeleitet und kontrolliert. Der Führerausweis wurde
ihm auf der Stelle abgenommen.
C.- Am 26. November 2014 eröffnete das Strassenverkehrsamt ein
Administrativverfahren gegen X und bestätigte die vorläufige Abnahme des
Führerausweises durch die Polizei. Dem in der Folge gestellten Antrag auf
Wiederaushändigung des Führerausweises wurde mit Schreiben vom 5. Dezember
2014 nicht entsprochen; gleichzeitig wurde ihm das rechtliche Gehör zum geplanten
Warnungsentzug gewährt. Mit Verfügung vom 30. Dezember 2014 (eröffnet am
5. Januar 2015) entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis wegen
schwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von
sechs Monaten.
Mit Verfügung vom 12. Januar 2015 trat das Untersuchungsamt St. Gallen auf die
Strafsache gegen X im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 23. November 2014
wegen offensichtlicher Nichterfüllung des Tatbestandes der groben
Verkehrsregelverletzung nicht ein. Am 13. Januar 2015 stellte X aufgrund der
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Nichtanhandnahmeverfügung beim Strassenverkehrsamt ein Wiedererwägungsgesuch,
auf welches mit Verfügung vom 20. Januar 2015 nicht eingetreten wurde.
D.- Gegen die Verfügung vom 30. Dezember 2014 erhob X mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 19. Januar 2015 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
mit den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene
Verfügung der Vorinstanz aufzuheben, dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung zu
erteilen, die Vorinstanz sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzuweisen, dem
Rekurrenten den bereits abgegebenen Führerausweis unverzüglich wieder
auszuhändigen, dem Rekurrenten sei für den unrechtmässig angeordneten
Führerausweisentzug eine angemessene Entschädigung und Genugtuung
zuzusprechen und ihm sei das Replikrecht einzuräumen.
Am 20. Januar 2015 wies der Abteilungspräsident die Verfahrensbeteiligten darauf hin,
dass der Rekurs aufschiebende Wirkung habe; die Vorinstanz habe dem Rekurrenten
deshalb den Führerausweis für die Dauer des Rekursverfahrens herauszugeben. Mit
Vernehmlassung vom 4. Februar 2015 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des
Rekurses. Der Rekurrent nahm dazu am 13. Februar 2015 schriftlich Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid hinsichtlich des verfügten
Führerausweisentzugs zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 19. Januar 2015 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist diesbezüglich einzutreten. Im Gegensatz dazu ist auf den Rekurs nicht
einzutreten, soweit der Rekurrent damit Entschädigungs- und Genugtuungsansprüche
geltend macht. Gemäss Art. 72 lit. a VRP bzw. Art. 13 des
Verantwortlichkeitsgesetzes (sGS 161.1) beurteilt der Zivilrichter öffentlich-rechtliche
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Entschädigungsansprüche gegenüber Staat, öffentlich-rechtlichen Körperschaften oder
Anstalten (vgl. auch Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen –
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 483).
Schliesslich ist im vorliegenden Verfahren auch nicht mehr darüber zu befinden, ob die
vorläufige Abnahme des Führerausweises durch die Polizei gerechtfertigt war oder
nicht. Die entsprechende Verfügung wurde nicht angefochten und fiel mit der
Verfügung in der Hauptsache (Warnungsentzug) dahin.
2.- Der Rekurrent bestreitet, dass die Voraussetzungen für einen Führerausweisentzug
erfüllt seien. Er macht insbesondere geltend, die Abklärung des Sachverhalts obliege
klarerweise den Strafbehörden. Er sei deshalb auch von der Polizei und nicht von der
Vorinstanz einvernommen worden. Die Vorinstanz sei an die Feststellungen des
Untersuchungsamtes gebunden und hätte folglich das Administrativverfahren
zwingend einstellen müssen. Die angefochtene Verfügung sei rechtswidrig und sei
aufzuheben.
a) Die Verwaltungsbehörde ist an die tatsächlichen Feststellungen im Strafverfahren
grundsätzlich gebunden. Nach ständiger Rechtsprechung darf sie vom Strafurteil nur
abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren, wenn sich die Erhebung zusätzlicher Beweise aufdrängt,
wenn die Beweiswürdigung des Strafrichters eindeutig im Widerspruch zur
Tatsachenlage stand oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere jene nicht,
welche die Verletzung der Verkehrsregeln betreffen (BGE 124 II 103 E. 1c/aa).
Bei der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde
grundsätzlich nicht an das Strafurteil gebunden. Eine Ausnahme besteht dann, wenn
die Rechtsanwendung sehr stark von der Würdigung von Tatsachen abhängt, welche
die Strafbehörde besser kennt als die Verwaltungsbehörde (Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 1C_249/2012 vom 27. März 2013 E. 2.2.1 mit Hinweis auf BGE 102 Ib 193
E. 3c).
b) Das Untersuchungsamt St. Gallen trat auf die Strafanzeige wegen grober Verletzung
der Verkehrsregeln mit Nichtanhandnahmeverfügung vom 12. Januar 2015 mangels
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subjektiven Tatbestands nicht ein. Zur Begründung wurde ausgeführt, beim fraglichen
Autobahnteilstück handle es sich um einen Bereich mit drei Fahrstreifen; für die
einzelnen Fahrstreifen seien unterschiedliche Fahrziele signalisiert. Das Bundesgericht
habe in BGE 115 IV 244 zur Abgrenzung zwischen Rechtsvorbeifahren,
Rechtsüberholen und Spurwechsel Stellung genommen: Ein Überholen liege demnach
vor, wenn ein schnelleres Fahrzeug ein in gleicher Richtung langsamer
vorausfahrendes Fahrzeug einhole, an diesem vorbeifahre und vor ihm die Fahrt
fortsetze; weder das Ausschwenken noch das Wiedereinbiegen würden eine
notwendige Voraussetzung des Überholens bilden. Ein Ausschwenken für sich allein
oder ein Einbiegen für sich allein sei hingegen wiederum gestattet, wenn die
Fahrstreifen für den Verkehr in gleicher Richtung in mehrere Fahrstreifen unterteilt seien
und der übrige Verkehr dadurch nicht gefährdet werde (act. 9/34 f.).
Vorliegend erging die Nichtanhandnahmeverfügung ohne besondere Beweisführung.
Das strafrechtliche Verfahren wurde vom Untersuchungsamt St. Gallen aufgrund der
Akten und damit vollumfänglich aufgrund des Polizeirapports der Kantonspolizei
St. Gallen erledigt (act. 9/35; act. 7). Der zuständige Sachbearbeiter mit
staatsanwaltlichen Befugnissen setzte sich weder mit dem Sachverhalt noch mit der
rechtlichen Subsumtion näher auseinander. Er kannte folglich die Tatsachen nicht
besser als die Administrativbehörde. Letztere war daher frei in der rechtlichen
Beurteilung des Sachverhalts (vgl. BGer 1C_280/2012 vom 28. März 2013 E. 2.2).
3.- Strittig ist, ob es sich beim Vorfall vom 23. November 2014 um ein unerlaubtes
Rechtsüberholen oder ein erlaubtes Rechtsvorbeifahren handelt.
a) Nach Art. 35 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) ist
links zu überholen, woraus ein Verbot des Rechtsüberholens folgt. Ein Überholen liegt
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vor, wenn ein schnelleres Fahrzeug ein
in gleicher Richtung langsamer vorausfahrendes einholt, an ihm vorbeifährt und vor ihm
die Fahrt fortsetzt, wobei weder das Ausschwenken noch das Wiedereinbiegen eine
notwendige Voraussetzung des Überholens bildet. Ausnahmen vom Verbot des
Rechtsüberholens sehen Art. 8 Abs. 2 Satz 1 der Verkehrsregelnverordnung
(SR 741.11, abgekürzt: VRV) allgemein und Art. 36 Abs. 5 lit. a VRV im Besonderen auf
Autobahnen "beim Fahren in parallelen Kolonnen" vor, jedoch lediglich in der Weise,
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dass bloss das Rechtsvorbeifahren an anderen Fahrzeugen gestattet ist. Das
Rechtsüberholen durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen ist gemäss Art. 8 Abs. 3
Satz 2 VRV ausdrücklich untersagt. Ein Ausschwenken für sich allein oder ein
Einbiegen für sich allein sind hingegen gemäss Art. 44 Abs. 1 SVG wiederum gestattet;
danach darf der Fahrzeugführer auf Strassen, die für den Verkehr in gleicher Richtung
in mehrere Fahrstreifen unterteilt sind, seinen Streifen verlassen, allerdings nur, wenn er
dadurch den übrigen Verkehr nicht gefährdet. Beim Fahren in parallelen Kolonnen auf
Autobahnen darf deshalb in keinem Fall durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen
rechts überholt werden. Ein Überholen durch Ausschwenken nach rechts und
Wiedereinbiegen nach links liegt jedenfalls dann vor, wenn das Ausschwenken, das
Vorbeifahren an einem oder wenigen Fahrzeugen und das anschliessende
Wiedereinbiegen in einem Zuge erfolgten; also etwa dann, wenn ein Fahrzeuglenker die
Lücken in den parallelen Kolonnen zum Vorfahren so ausnützt, dass er kurz auf die
rechte Fahrbahn wechselt und gleich wieder nach links einbiegt (BGE 126 IV 192 E. 2a
mit weiteren Hinweisen, insbesondere auf BGE 115 IV 244; BGE 128 II 285 E. 1.3).
Kolonnenverkehr, der auf der Autobahn das Rechtsvorbeifahren erlaubt, liegt nur dann
vor, wenn links und rechts geschlossene Kolonnen über längere Zeit parallel fahren.
Dass sich auf der linken Seite ein "Handorgeleffekt" einstellt, genügt nicht (BGer
1C_274/2012 vom 11. März 2013 E. 4.2).
b) In der Einvernahme vom 23. November 2014 hielt die Polizei dem Rekurrenten vor,
auf der Autobahn A1 von St. Gallen-Winkeln in Richtung St. Gallen-Kreuzbleiche auf
dem ersten Überholstreifen gefahren zu sein. Die Polizei selbst und ein weiteres
Fahrzeug seien auf dem zweiten Überholstreifen gefahren. Auf der Höhe des
Sitterviadukts habe der Rekurrent sie und das andere Fahrzeug rechts überholt und
anschliessend nach links auf den zweiten Überholstreifen gewechselt. Der Rekurrent
erklärte auf diesen Vorhalt hin, dass dies in seinen Augen kein Rechtsüberholen
gewesen sei, da er längere Zeit auf seiner Fahrspur geblieben sei. Er habe nicht
unmittelbar danach auf den zweiten Überholstreifen gewechselt; es sei vielmehr ein
Rechtsvorbeifahren gewesen. Er habe gesehen, dass die rechte Spur frei sei, deshalb
sei er rechts vorbeigefahren (act. 9/23). In seiner Stellungnahme vom 15. Dezember
2014 an das Strassenverkehrsamt erklärte er hingegen, er sei entgegen des
Polizeirapports auf der blau signalisierten Ausfahrtspur St. Gallen-Kreuzbleiche rechts
an der Polizei vorbeigefahren. Die Ehefrau des Rekurrenten, welche zusammen mit
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dem gemeinsamen Kind ebenfalls im Auto gewesen seien, habe dies gegenüber der
Polizei bestätigt, was aber nicht protokolliert worden sei. Die Ehefrau habe den
Rekurrenten darauf aufmerksam gemacht, dass er falsch fahre, da man das Patenkind
in Heiden besuchen und nicht – wie Monate zuvor – in ein sri-lankisches Geschäft
einkaufen wolle. Deshalb habe der Rekurrent auf den zweiten Überholstreifen
gewechselt, welcher später zum ersten Überholstreifen werde (act. 9/29).
Zwischen der Aussage vor der Polizei und der schriftlichen Stellungnahme gegenüber
der Vorinstanz vergingen drei Wochen, weshalb er seine Aussagen und die
entsprechenden Konsequenzen nochmals überdenken und mit seiner damaligen
Rechtsvertretung absprechen konnte. Dementsprechend ist der späteren Aussage weit
weniger Gewicht beizumessen (vgl. auch Entscheid der Verwaltungsrekurskommission
VRKE IV-2012/13 vom 28. Februar 2013 E. 3b/aa, in: www.gerichte.sg.ch). Die spätere
Schilderung des Ablaufs weicht erheblich von den ursprünglichen Aussagen des
Rekurrenten ab. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb er die für ihn günstigere Variante
nicht bereits vor der Polizei zu Protokoll gab. Damals begründete er den Spurwechsel
nach dem Überholen der beiden Fahrzeuge nicht damit, dass er falsch gefahren sei,
weil er nicht wie Monate zuvor ein sri-lankisches Geschäft in St. Gallen aufsuchen,
sondern sein Patenkind im Spital Heiden habe besuchen wollen. Anders als die
Vorinstanz ist daher vom Sachverhalt, welcher sich aufgrund der polizeilichen
Einvernahme vom 23. November 2014 ergibt, auszugehen. Immerhin unterzeichnete
der Rekurrent jede Seite des Einvernahmeprotokolls mit "gelesen und
bestätigt" (act. 9/22 ff.). Zweifel an deren Richtigkeit bestehen auch deshalb nicht, weil
nicht ersichtlich ist, weshalb die beiden Polizisten den Rekurrenten bewusst falsch
belastet haben sollten; darauf gibt es keinerlei Hinweise.
c) Der Rekurrent gab am 23. November 2014 zu Protokoll, rechts an zwei Fahrzeugen
vorbeigefahren zu sein. Dies ist jedoch nur beim Fahren in parallelen Kolonnen
gestattet. Gemäss Polizeirapport vom 29. November 2014 herrschte am Ereignistag
normaler Nachmittagsverkehr. Es kann daher nicht die Rede davon sein, dass die
Fahrzeuge links und rechts über längere Zeit parallel in geschlossenen Kolonnen
gefahren sind. Entsprechend gab der Rekurrent in der polizeilichen Befragung selbst
an, die rechte Spur sei frei gewesen, weshalb er rechts vorbeigefahren sei (act. 9/23).
Die Behauptung im Rekurs, es habe relativ dichter Verkehr bzw. Kolonnenverkehr
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geherrscht (act. 1 Rz. 37), erscheint deshalb als nachgeschobene Schutzbehauptung.
Damit überholte der Rekurrent zwei Fahrzeuge rechts, indem er an diesen vorbeifuhr
und anschliessend auf den linken Fahrstreifen wechselte, auf welchem sich auch die
überholten Fahrzeuge fortbewegten. Unter diesen Umständen ist nicht leicht
verständlich, weshalb das Untersuchungsamt St. Gallen auf die Strafsache nicht
eintrat. Entgegen den zum Teil aktenwidrigen Vorbringen im Rekurs beschrieben die
beiden Polizisten den Vorgang des Rechtsüberholens korrekt und hielten ihm in der
Befragung auch den Vorwurf des Rechtsüberholens vor.
4.- Die Vorinstanz stufte das Rechtsüberholen als eine schwere Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften ein und entzog dem Rekurrenten den Führerausweis
für die Dauer von sechs Monaten.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung liegt vor, wenn
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorgerufen oder in Kauf genommen wird (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer
mittelschweren Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle
privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren
Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
Das Verbot des Rechtsüberholens ist eine für die Verkehrssicherheit objektiv wichtige
Vorschrift, deren Missachtung eine erhebliche Gefährdung der Verkehrssicherheit mit
beträchtlicher Unfallgefahr nach sich zieht und daher objektiv schwer wiegt (BGE 128 II
285 E. 1.3). Die Vorinstanz ist dementsprechend zu Recht von einer schweren
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Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a
SVG ausgegangen. Das verbotene Rechtsüberholen war umso gefährlicher, weil die
beiden Fahrzeuge mit ca. 100 km/h (vgl. act. 9/20) relativ schnell unterwegs waren. Die
rechtsüberholten Fahrzeuge hätten durch das Manöver des Rekurrenten insbesondere
leicht erschreckt werden können.
b) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen (Art. 16 Abs. 3 SVG). Die
Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Diese beträgt gemäss
Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG nach einer schweren Widerhandlung mindestens sechs
Monate, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis einmal wegen einer
mittelschweren Widerhandlung entzogen war.
Dem Rekurrenten war der Führerausweis wegen einer mittelschweren Widerhandlung
vom 21. November bis 20. Dezember 2012 für einen Monat entzogen (act. 9/3, 12), da
er am 3. Oktober 2012 wegen ungenügender Aufmerksamkeit eine Auffahrkollision
verursacht hatte (act. 9/4). Die vorliegend zu beurteilende schwere Widerhandlung
geschah am 23. November 2014 und damit innerhalb der fünfjährigen Frist gemäss
Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG. Die Vorinstanz hat den Führerausweis für sechs Monate, das
heisst für die Mindestdauer entzogen. Letztere darf nicht unterschritten werden; bei der
Mindestentzugsdauer gibt es keinen Spielraum (Art. 16 Abs. 3 SVG; BGE 132 II 234
E. 3.2; BGer 1C_129/2010 vom 3. Juni 2010 E. 3.3), und zwar auch dann nicht, wenn
der Betroffene beruflich auf den Führerausweis angewiesen ist.
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist, soweit darauf
einzutreten ist. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.