Decision ID: 0c04bea2-66f8-42ae-8376-eac06ad240bc
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 24.08.2009 Art. 28 Abs. 2ter IVG (seit 1. Jan. 2008 Art. 28a Abs. 3 IVG). Gemischte Methode der Invaliditätsbemessung bei Personen, die teilerwerbstätig und daneben im Haushalt tätig sind. Die Aussage der versicherten Person zum Ausmass ihrer Erwerbstätigkeit im fiktiven Fall ihrer vollen Gesundheit anlässlich der Haushaltabklärung hat nur dann ausreichenden Beweiswert, wenn sowohl die Fragestellung als auch die Antwort so protokolliert worden sind, dass überprüft werden kann, ob die versicherte Person die Frage nach einem fiktiven Sachverhalt verstanden und die für eine überzeugende Antwort notwendige Abstraktionsleistung erbracht hat. Fehlt im Bericht über die Haushaltabklärung eine korrekte Protokollierung der Frage und der Antwort, entfaltet dieser Bericht diesbezüglich keinen oder nur einen unzureichenden Beweiswert. In diesem Fall ist die fiktive Situation im "Gesundheitsfall" anhand der Lebensumstände der versicherten Person zu ermitteln. Spätere Angaben der versicherten Person können darauf beruhen, dass inzwischen die nachteiligen Konsequenzen einer Anwendung der diskriminierenden gemischten Methode nach der bundesgerichtlichen Praxis erkannt worden sind. Art. 6 ATSG, Art. 16 ATSG. Arbeitsunfähigkeit als Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens. Somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche Erkrankungen. Entgegen der von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erweckten Eindruck gibt es nicht nur ein Alles oder Nichts, d.h. eine durch eine zumutbare Willensanstrengung vollumfänglich überwindbare oder dann eine trotz zumutbarer Willensanstrengung überhaupt nicht überwindbare Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung, sondern auch eine teilweise Überwindbarkeit, die zu einer Teilarbeitsfähigkeit im Ausmass des nicht überwindbaren Teils der durch eine somatoforme Schmerzstörung bedingten Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung führt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. August 2009, IV 2008/100).
Präsident Franz Schlauri, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Lisbeth
Mattle Frei; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl
Entscheid vom 24. August 2009
in Sachen
P._,
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Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
P._ meldete sich am 7. Februar 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie gab u.a.
an, sie sei gelernte Damenschneiderin (Lehrmeisterin). Die Psychiaterin und
Psychotherapeutin Dr. med. a._ berichtete der IV-Stelle am 22. Februar 2006, die
Versicherte leide seit November 2004 an einer Belastungs- und Angststörung mit
gemischten Symptomen Angst und starke körperliche Reaktionen. Bis auf weiteres sei
die Versicherte zu 100% arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand würde aber einen
Arbeitsversuch von ca. drei Stunden pro Tag erlauben. Damit wäre sogar eine
therapeutische Wirkung verbunden. Der Hausarzt Dr. med. B._ teilte der IV-Stelle am
27. Februar 2006 mit, die Versicherte leide an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung mit psychophysischer Erschöpfung und an einem chronischen
zervikovertebralen und thorakovertebralen Schmerzsyndrom (Osteochondrose C6/7).
Seit dem 16. November 2004 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Er legte
einen Bericht der Klinik Gais vom 17. November 2005 über einen
Rehabilitationsaufenthalt vom 3. bis 29. Oktober 2005 bei. Laut diesem Bericht litt die
Versicherte an einer somatoformen Schmerzstörung, die sich in multiplen
Beschwerden auf der muskulären Ebene sowie in Kopfschmerzen und Schwindel
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manifestierte. Die C._ AG teilte der IV-Stelle am 14. März 2006 mit, sie habe die
Versicherte vom 1. Mai 2004 bis 30. April 2005 als Verkäuferin beschäftigt. Im Jahr
2005 habe der Stundenlohn Fr. 21.10 betragen. Die Versicherte habe an fünf
Wochentagen jeweils vier Stunden gearbeitet. Die normale Wochenarbeitszeit im
Betrieb habe 41 Std. betragen.
B.
Am 27. Juni 2006 erfolgte eine Abklärung im Haushalt der Versicherten. Gemäss dem
entsprechenden Bericht gab die Versicherte dabei an, sie wäre weiterhin im bisherigen
Ausmass von rund 50% erwerbstätig, wenn sie gesund wäre. Im Bereich der
Haushaltführung sei sie nicht eingeschränkt. Bei der Ernährung bestehe die einzige
Einschränkung darin, dass sie etwas mehr als Zeit für die Vorbereitungen benötige. Die
Abklärungsperson schätzte das Ausmass dieser Einschränkung auf 10%. Für den
Bereich der Wohnungspflege gab die Versicherte an, ihr Ehemann sei ihr behilflich. Sie
benötige für die Arbeiten, die sie noch selber mache, einen Drittel bis hälftig mehr Zeit
als früher. Die Abklärungsperson betrachtete die Mithilfe des Ehemannes als durch die
sogenannte Schadenminderungspflicht abgedeckt. Deshalb bezifferte sie die
Einschränkung der Versicherten mit lediglich 20%. Für den Bereich des Einkaufens und
der weiteren Besorgungen gab die Versicherte keine Einschränkungen an. Im Bereich
der Wäsche und Kleiderpflege gab sie an, sie benötige einen Drittel bis die Hälfte mehr
Zeit. Ihr Ehemann trage die Wäsche in den Keller. Die Abklärungsperson qualifizierte
letzteres als zumutbar und ging von einer Einschränkung der Versicherten von 20%
aus. Im Bereich Verschiedenes (Hauspflanzen, Garten, Nähen, Abändern und Flicken
von Kleidern, Weiterbildung Homöopathie, Führen der Gaststube des Schützenvereins)
ging die Abklärungsperson von einer Einschränkung der Versicherten von 70% aus.
Insgesamt resultierte aus den Einschätzungen der Abklärungsperson eine
Einschränkung der Versicherten im Haushalt von 29%. Ohne den Gesundheitsschaden
hätte die Versicherte gemäss ihren eigenen Angaben 7,78 Std. täglich für den Haushalt
aufgewendet, davon 28,72% für den Bereich Verschiedenes.
C.
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C.a Das Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG, AEH, berichtete der
IV-Stelle in seinem Gutachten vom 21. September 2006, die Versicherte leide nach
einem Sturz auf das Gesäss seit ca. 2000 unter lumbalen Rückenschmerzen, die trotz
Analgetikaeinnahme und Physiotherapie persistiert hätten. Nach einer Blasenoperation
im Jahr 2004 sei eine psychische Symptomatik mit Schmerzen im Nacken und im
Schultergürtel sowie mit Kopfschmerzen aufgetreten. Unter Behandlung sei es zu
keiner Besserung der körperlichen Symptome gekommen. Anlässlich der
Untersuchung habe die Versicherte dauernde Schmerzen lumbal ohne Ausstrahlung in
die Extremitäten und ohne sensomotorische Störungen angegeben. Weiter habe sie
über dauernde Schmerzen im Nacken- und Schultergürtel mit ausstrahlenden
Kopfschmerzen von okzipital nach bifrontal und mit Ausstrahlung in die Weichteile
beider oberer Extremitäten, nicht dermatombezogen, geklagt. Der rheumatologische
Sachverständige führte dazu aus, objektiv zeige sich eine Wirbelsäulenfehlhaltung bei
Haltungsinsuffizienz mit Hyperkyphosierung der BWS und Kopfprotraktion. Im Nacken
bestehe eine Allodynie, lumbal eine diffuse Druckdolenz über sämtlichen
Dornfortsätzen. Auch die Weichteile beider oberen Extremitäten seien diffus
druckdolent. Radiologisch gesehen bestünden degenerative HWS-Veränderungen
(Chondrose C5/6, Osteochondrose C6/7) sowie multisegmentale Unkarthrosen. Zudem
zeigten sich am rechten Knie diskrete degenerative Veränderungen im Sinne einer
beginnenden Gonarthrose. In der EFL hätten sich bei zuverlässiger
Leistungsbereitschaft und grosser Testkonsistenz als arbeitsbezogen relevantes
Problem eine verminderte Belastungstoleranz der HWS beim Hantieren von Gewichten
mit verminderter muskulärer Stabilisationsfähigkeit der HWS und der BWS und eine
verminderte Kraftausdauer der Arm- und Beinmuskulatur gezeigt. Die Belastbarkeit
habe allgemein im Bereich einer leichten Arbeit gelegen. Aus rein rheumatologischer
Sicht könnten die objektivierbaren Befunde das Beschwerdemass allein nicht erklären.
Aufgrund der dokumentierten Komorbidität, die für die Versicherte im subjektiven
Beschwerdeerleben im Vordergrund stehe, sei eine psychische Komponente bei der
Ausprägung der Beschwerden wahrscheinlich. Deshalb bestehe der Verdacht einer
Schmerzverarbeitungsstörung. In der EFL hätten sich allerdings keine Anhaltspunkte
für eine Symptomausweitung oder für ein suboptimales Leistungsverhalten ergeben.
Die sich in der EFL manifestierende erhöhte Ermüdbarkeit sei am ehesten im Rahmen
der psychischen Komorbidität zu werten. Aus rheumatologischer Sicht sei der
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Versicherten eine angepasste, körperlich leichte Tätigkeit ganztags, jedoch mit
vermehrten Pausen zumutbar. Im Haushalt betrage die Arbeitsunfähigkeit maximal
20%, da die Tätigkeiten mit vermehrter statischer Belastung auf mehrere Tage
aufgeteilt werden könnten, was aber einen erhöhten Zeitbedarf zur Folge habe. Die
Diagnose laute: generalisiertes myofasziales Schmerzsyndrom mit/bei
Panvertebralsyndrom mit beidseitiger zervikospondylogener und lumbovertebraler
Schmerzkomponente, degenerativen HWS-Veränderungen (Chondrose C5/6,
Osteochondrose C6/7), Fehlhaltung bei Haltungsinsuffizienz, muskulärer Dysbalance
panvertebral, segmentalen Funktionsstörungen tiefzervikal und
Schmerzverarbeitungsstörung.
C.b Dr. med. D._ von der Klinik Gais führte in seinem psychiatrischen Gutachten aus,
die Versicherte habe von Ein- und Durchschlafstörungen, aber insgesamt
befriedigendem Schlaf berichtet. Die Versicherte empfinde die Tätigkeit im Haushalt
oder die Arbeit als Schneiderin als mühsam, denn sie ermüde sehr schnell, so dass sie
nur 45 Min. arbeiten könne und dann eine Viertelstunde Pause machen müsse.
Trotzdem fühle sich die Versicherte ausgeglichen und habe das Gefühl, ihr Leben
aufgearbeitet zu haben und psychisch weitgehend unbelastet zu sein. In seiner
Beurteilung führte Dr. med. D._ aus, die von der Versicherten beschriebenen und in
den früheren Arztberichten angegebenen Symptome sowie der bei der Exploration
bestehende psychopathologische Zustand entsprächen aus psychiatrischer Sicht am
ehesten einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion. Auf dem Boden
einer – trotz nicht auszuschliessender Traumatisierung in der Kindheit – unauffällig
ausgebildeten Persönlichkeit mit einer entsprechenden Lebensgestaltung sei es der
Versicherten möglich gewesen, das tiefgreifende Lebensereignis durch den
gewaltsamen Tod der Tochter psychisch weitgehend unbeschadet zu überstehen,
wobei es durchaus möglich sei, dass aufgrund der psychischen Erkrankung des
Ehemannes eine adäquate Trauerarbeit nur eingeschränkt möglich gewesen sei. Nach
dem kränkenden Stellenverlust und einer Operation sei es zur Ausbildung eines leicht-
bis mittelschweren depressiven Syndroms, zu sozialen und Platzängsten und zeitweise
zu Panikattacken gekommen. Neben der somatoformen Schmerzstörung bestehe mit
der Anpassungsstörung mit Angst und Depression zwar eine psychische Komorbidität
und mit den degenerativen Veränderungen des Bewegungsapparates auch eine
somatische Komorbidität mit jedoch nur leichter bis mittelschwerer Ausprägung und
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einem aus psychiatrischer Sicht zumindest teilweise positivem Verlauf. Prognostisch
sei der Verlauf sowohl der Anpassungsstörung als auch der somatoformen
Schmerzstörung bei Fortführung der bestehenden medizinischen Massnahmen mittel-
bis langfristig günstig. Die Diagnose laute: Anpassungsstörung mit Angst und
depressiver Reaktion gemischt (F 43.22) seit 2004 und anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (F 45.4) seit 2001. Im Zeitpunkt der Exploration habe für jedwede
Tätigkeit und für den Haushalt aufgrund der psychischen Störungen eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% bestanden. Aus psychiatrischer Sicht seien ein ruhiges
Arbeitsklima mit wechselnden Tätigkeiten unter leichter bis normaler Belastung sowie
die Möglichkeit regelmässiger kurzer Pausen erforderlich. Die Schwere und die
Chronifizierung der psychiatrischen und der somatischen Komorbidität entsprächen
nicht dem geforderten Ausmass. Ebensowenig bestünden ein verfestigter
innerseelischer Verlauf, ein sozialer Rückzug in allen Bereichen des täglichen Lebens
oder eine unüberwindbare psychische Verfestigung des Krankheitserlebens. Somit sei
davon auszugehen, dass die Schmerzüberwindung teilweise möglich sei. Die
Versicherte sei aufgrund der psychischen Störungen zu 50% arbeitsunfähig.
C.c Am 16. März 2007 teilten die beiden Sachverständigen des AEH mit, gemäss der
interdisziplinären Konsensbesprechung betrage die Arbeitsfähigkeit des Versicherten
für die angestammte Tätigkeit 50%, falls die im rheumatologischen Gutachten
detailliert aufgeführten Belastungslimiten eingehalten würden und es sich um einen
Arbeitsplatz mit ruhigem Klima, mit der Möglichkeit regelmässiger kurzer Pausen und
intellektuell leichten bis mittleren Anforderungen handle. Dr. med. E._ vom RAD
betrachtete diese Abklärungsergebnisse am 27. März 2007 als überzeugend. Auch das
Resultat der Haushaltabklärung war ihrer Ansicht nach plausibel.
D.
Am 6. und 27. März 2007 wurde die Versicherten an den Knien operiert. Mit einer
Mitteilung vom 12. Juli 2007 bewilligte die IV-Stelle der Versicherten eine dreimonatige
berufliche Abklärung bei der Firma F._. Die Versicherte sollte dort Näharbeiten
ausführen, Stoffmuster und Vorhänge versenden und Inventurarbeiten ausführen.
Zudem sollte sie die drei Lehrtöchter mitbetreuen. Diese Abklärungsmassnahme wurde
am 31. August 2007 abgebrochen, weil die Versicherte nicht ausreichend präzis
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arbeitete. Sie war ausserdem seit dem 7. August 2007 zu 100% arbeitsunfähig.
Gemäss einer Gesprächsnotiz der Berufsberaterin vom 28. August 2007 zog die
Versicherte aus dem Abbruch dieser Abklärungsmassnahme den Schluss, dass eine
ausserhäusliche Tätigkeit zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Frage komme. Der neue
Hausarzt Dr. med. G._ berichtete der IV-Stelle am 24. Oktober 2007, der
Gesundheitszustand sei stationär, es liege eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vor. Dr.
med. H._ vom RAD erklärte am 15. November 2007, in bezug auf die Arbeitsfähigkeit
sei am Ergebnis der Begutachtung festzuhalten. Mit einem Vorbescheid vom 5.
Dezember 2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das
Rentenbegehren abzuweisen, da der Invaliditätsgrad nur 20% betrage, nämlich 5% im
Erwerb und 14,5% im Haushalt. Die Versicherte ersuchte am 18. Januar 2008 um eine
neue ärztliche Beurteilung. Am 18. Januar 2008 liess sie ausführen, es dürfe nicht die
gemischte Methode der Invaliditätsbemessung angewendet werden. Ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung wäre es ihr nämlich ohne weiteres zumutbar, vollzeitlich
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie würde das auch tatsächlich wollen. Sie habe
keine Kinder mehr zu betreuen und ihr Ehemann helfe viel im Haushalt, so dass die
Arbeit auch dann bewältigt werden könnte, wenn sie beide einer vollzeitlichen
Erwerbstätigkeit nachgingen. Ab 1987 habe sie ein Pensum von ca. 80% gehabt und
zwar neben der Betreuung der beiden Kinder. Ab 1991 habe sie als Verkäuferin in einer
Bäckerei gearbeitet und daneben eine Ausbildung als Lehrmeisterin im Verkauf
absolviert. 1994 habe sie eine 100%-Stelle in einem Nähzentrum angetreten. Nach
dem gewaltsamen Tod der Tochter habe sie eine Pause im Erwerbsleben eingelegt.
Schon damals sei ihr aber klar gewesen, dass sie zu 100% ins Berufsleben
zurückkehren werde. Ab 1999 habe sie einen Vertrag mit einem 100%-Pensum gehabt.
Aufgrund eines Steissbeinrisses im August 2000 habe sie dann nicht mehr vollzeitlich
arbeiten können. Später sei kein 100%-Pensum mehr verfügbar gewesen. Nach der
Blasenoperation habe sie sich nicht mehr richtig erholt. Mit einer Verfügung vom 23.
Januar 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab. Sie führte
aus, die Versicherte habe anlässlich der Abklärung im Haushalt klar und glaubhaft
angegeben, sie wäre ohne die Behinderung zu 50% erwerbstätig. Die IV-Stelle machte
weiter geltend, für die Bewältigung des Haushalts wären ohne die Behinderung 7 3⁄4
Std. notwendig. Der Aussage der ersten Stunde sei ein höherer Stellenwert
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zuzumessen, da solche Aussagen i.d.R. zuverlässiger seien als spätere Angaben, denn
sie seien noch weniger von versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst.
E.
Die Versicherte liess am 19. Februar 2008 Beschwerde erheben und beantragen, es sei
ihr eine Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer
medizinischer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur Begründung liess die
Versicherte geltend machen, die Ermittlung ihres Invaliditätsgrades beruhe
fälschlicherweise auf der gemischten Methode. Wäre sie nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt, ginge sie nämlich zu 100% einer Erwerbstätigkeit nach. Die
diesbezügliche Argumentation entsprach derjenigen in der Stellungnahme vom 18.
Januar 2008 zum Vorbescheid. Die Versicherte liess weiter ausführen, es sei eine
Unterstellung, dass ihr Rechtsvertreter ihr aus versicherungsrechtlichen Überlegungen
falsche Aussagen in den Mund gelegt habe. Eine sorgfältige Beantwortung der
Statusfrage durch die IV-Stelle hätte sich nicht auf eine einmalige Aussage beschränkt.
Vielmehr wären die Berufsausbildung, der berufliche Werdegang, die Rollenverteilung
der Ehegatten usw. einzubeziehen gewesen. Im übrigen sei im Bericht über die
Haushaltabklärung festgehalten worden, dass sich die Begründung zur zeitlichen
Aufteilung nach dem letzten Arbeitsverhältnis richte. Sie habe diese vermeintliche
versicherungstechnische Vorgabe so zur Kenntnis genommen, ohne damit eine
Aussage darüber machen wollen, zu welchem Pensum sie ohne Behinderung
tatsächlich arbeiten würde. Im Übrigen habe die IV-Stelle übersehen, dass es darauf
ankomme, ob eine volle Erwerbstätigkeit zumutbar wäre.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 18. März 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte
aus, die somatoforme Schmerzstörung, an der die Versicherte leide, bewirke keine
Arbeitsunfähigkeit von 50%, denn aus juristischer Sicht sei die vollständige
Schmerzüberwindung zumutbar. Demnach könne offen bleiben, ob die Versicherte als
zu 50% oder zu 100% erwerbstätig zu qualifizieren sei. Im übrigen sei gestützt auf von
der Versicherten erzielten Einkommen davon auszugehen, dass sie jeweils einem
kleinen Pensum nachgegangen sei. Eine allfällige Vollerwerbstätigkeit im Jahr 1999
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ändere nichts daran, dass die Versicherte gemäss ihren eigenen Angaben als gesunde
nicht voll erwerbstätig wäre. Die Versicherte sei deshalb zu Recht als zu 50%
erwerbstätig qualifiziert worden. Gemäss dem rheumatologischen Gutachten sei die
Versicherte bei der Haushaltbesorgung nicht eingeschränkt. Die bei der
Haushaltabklärung angegebenen Einschränkungen beträfen denn auch nicht den
Haushalt, sondern die Hobbies.
G.
Die Versicherte liess am 21. April 2008 einwenden, die IV-Stelle sei darauf zu behaften,
dass sie in der angefochtenen Verfügung noch von einer Arbeitsfähigkeit von lediglich
50% ausgegangen sei. dem Zumutbarkeitskriterium sei ganz offensichtlich Rechnung
getragen worden. Die psychische Komorbidität könne keineswegs bagatellisiert
werden.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 7. Mai 2008 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter
anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV).
Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität
diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in
einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
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entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet. Gemäss Art. 27 IVV ist nur der Einkommensvergleich anzustellen, wenn
anzunehmen ist, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In
ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls
in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im
Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen Verhaltensweise der
versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu abzuklären, ob die
versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten
Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren berufliche Fähigkeiten,
Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei auf die hypothetischen
Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt
entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150). Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen hält sich seit dem Bundesgerichtsurteil vom 6. August 2007 (I
126/07) an diese Methode, obwohl die Interpretation des Art. 8 Abs. 3 ATSG, laut der
eine Invaliditätsbemessung anhand der behinderungsbedingten Einschränkung im
Aufgabenbereich (Haushalt) nur zulässig ist, wenn und soweit einer versicherte Person
die Ausübung einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit im hypothetischen "Gesundheitsfall"
objektiv nicht zumutbar ist, nach wie vor überzeugt (vgl. etwa die Urteile des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 30. Nov. 2007, IV 2006/175, vom
22. April 2008, IV 2006/257, vom 16. Juli 2008, IV 2007/85, vom 13. August 2008, IV
2007/40, und vom 26. November 2008, IV 2007/332). Wie nachfolgend zu zeigen sein
wird, führen im vorliegenden Fall beide Varianten zum selben Ergebnis.
1.2 Die Beschwerdegegnerin macht sinngemäss geltend, bei einer objektiven
Betrachtung wäre es der Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall nicht
zumutbar, zu 100% einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, denn die Haushaltarbeit
erfordere einen Zeitaufwand von 7 3⁄4 Std. täglich, wenn sie von einer gesunden Person
ausgeübt werde. Die Beschwerdegegnerin nimmt also an, dass die
Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall mit der Ausübung einer vollzeitlichen
bis
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Erwerbstätigkeit und der gleichzeitigen Besorgung ihres Haushalts überfordert wäre.
Dabei lässt die Beschwerdegegnerin ausser Acht, dass annähernd 30% der
Haushaltarbeit aus Tätigkeiten besteht, die nicht der eigentlichen Haushaltsbesorgung
dienen (neue Kleider nähen, weiterbilden im Bereich Homöopathie, Mithilfe im
Schützenverein). Der Haushalt im eigentlichen Sinn würde also von einer gesunden
Person in 5 1⁄2 Std. pro Tag erledigt. Im fiktiven Gesundheitsfall würde der Ehemann der
Beschwerdeführerin zudem einen erheblichen Teil der Haushaltarbeit übernehmen. Der
tägliche Aufwand für die Beschwerdeführerin würde sich damit nochmals erheblich
reduzieren. Zudem wäre es möglich, im Haushalt Zeit einzusparen, beispielsweise
indem weniger Zeit für die Zubereitung der Mahlzeiten verwendet oder über Mittag
ausser Haus gegessen würde. Es ist durchaus üblich, dass vollerwerbstätige Frauen
(umgerechnet auf eine Fünftagewoche) zusätzlich mehrere Stunden täglich für die
Haushaltbesorgung aufwenden, ohne damit überfordert zu sein. Es wäre der
Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall also objektiv zumutbar, neben dem ihr
obliegenden Teil der Haushaltarbeit vollzeitlich erwerbstätig zu sein. Die objektivierte
Prüfung der Kriterien, nach denen zwischen dem reinen Einkommensvergleich und der
sogenannten gemischten Methode ausgewählt wird, hätte also zur Folge, dass der
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin gestützt auf einen reinen
Einkommensvergleich gemäss Art. 16 ATSG zu ermitteln wäre.
1.3 Dasselbe Ergebnis liefert die Anwendung der vom Bundesgericht entwickelten
Kriterien. Im Bericht über die Haushaltabklärung findet sich zwar der Satz, die
Beschwerdeführerin "wäre weiterhin im bisherigen Ausmass von rund 50%
erwerbstätig, wenn sie gesund wäre" (Bericht S. 3 oben). Es fehlt aber jeder Hinweis
darauf, wie die Abklärungsperson die entsprechende Frage formuliert hat, ob sie darauf
geachtet hat, dass die Beschwerdeführerin die Notwendigkeit erkannt hat, sich in eine
fiktive Situation uneingeschränkter Leistungsfähigkeit bei voller Gesundheit zu
versetzen, und ob sie zu kontrollieren versucht hat, dass die Beschwerdeführerin die
geforderte hohe Abstraktionsleistung auch tatsächlich erbracht und sich objektiv mit
den Konsequenzen einer solchen fiktiven Situation für ihre Erwerbsquote
auseinandergesetzt hat. Da die Abklärungsperson nichts über ihre Fragestellung, nichts
über die Reaktion der Beschwerdeführerin auf diese Frage und nichts über die
Fähigkeit und den Willen der Beschwerdeführerin, sich in eine solche fiktive Situation
zu versetzen, festgehalten hat, kann dem entsprechenden Teil des Berichts über die
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Haushaltabklärung nur ein geringer Beweiswert beigemessen werden. Selbst wenn
einer Aussage über die Erwerbsquote im fiktiven Gesundheitsfall anlässlich der
Haushaltabklärung als einer Aussage der ersten Stunde jene überragende, praktisch
absolute Beweiskraft zukäme, von der die Beschwerdegegnerin ausgeht, könnte unter
diesen Umständen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Erwerbsquote
der Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall von 50% ausgegangen werden. Auf
der anderen Seite kann auch der späteren Aussage der Beschwerdeführerin, sie wäre
im fiktiven Gesundheitsfall zu 100% erwerbstätig, kein ausreichender Beweiswert
beigemessen werden. Die Beschwerdegegnerin hat nicht behauptet, der
Rechtsvertreter habe der Beschwerdeführerin eine falsche Aussage in den Mund
gelegt. Sie hat nur darauf hingewiesen, dass das nachträglich erlangte Wissen um die
Bedeutung der Erwerbsquote im fiktiven Gesundheitsfall in bezug auf nachteiligen und
diskriminierenden Auswirkungen der Praxis des Bundesgerichts zur gemischten
Methode häufig zu einer späteren Korrektur auf eine Erwerbsquote von 100% Anlass
gebe. Es ist möglich, dass das auch im vorliegenden Fall der Grund für eine spätere
Angabe einer Erwerbsquote im fiktiven Gesundheitsfall von 100% gewesen ist. Daher
kann der späteren Aussage nicht die erforderliche Beweiskraft zukommen. Das
bedeutet, dass weder die Aussage der ersten Stunde (Erwerbsquote im fiktiven
Gesundheitsfall 50%) noch die spätere, korrigierte Aussage (Erwerbsquote im fiktiven
Gesundheitsfall 100%) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit richtig ist. Kann nicht auf
die divergierenden Aussagen einer versicherten Person zu diesem Punkt abgestellt
werden, muss die Erwerbsquote im fiktiven Gesundheitsfall anhand der relevanten
äusseren Umstände bestimmt werden. Im vorliegenden Fall ist davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin nicht aus finanziellen Gründen gezwungen wäre,
vollzeitlich erwerbstätig zu sein. Andererseits wäre sie weder durch familiäre
Belastungen noch durch die Besorgung des Haushalts daran gehindert, einer
ganztägigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Schon angesichts der qualifizierten
Ausbildung, des mehrfach dokumentierten Bedürfnisses nach beruflicher Weiterbildung
und Vertiefung und der Fähigkeit, Leute auszubilden und zu führen, ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin keinen Gefallen daran gefunden hätte, nur
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, um damit jene Zeit zu füllen, die ihr neben der
Haushaltsbesorgung noch zur Verfügung stand. Vielmehr hätte die Beschwerdeführerin
ihren beruflichen Ehrgeiz in einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit umzusetzen gesucht,
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um so all ihre Fähigkeiten bestmöglich zum Tragen zu bringen. Das zeigt sich auch
darin, dass die Beschwerdeführerin nach der Familienphase und nach dem Tod der
Tochter versucht hat, eine passende Vollzeittätigkeit zu finden. Im fiktiven
Gesundheitsfall wäre sie also zu 100% einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Daraus
folgt, dass die rentenspezifische Invalidität nicht anhand der gemischten Methode,
sondern mittels eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln ist.
2.
2.1 Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
Ausschlaggebendes Element der Bemessung des Invalideneinkommens bildet in aller
Regel die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Bei ihrem als Teil der gemischten Methode der
Invaliditätsbemessung angestellten Einkommensvergleich ist die Beschwerdegegnerin
von einer Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Erwerbstätigkeit
von 50% ausgegangen. In ihrer Beschwerdeantwort hat sie dann aber behauptet, die
Beschwerdeführerin sei gar nicht zu 50% arbeitsunfähig, weil sie die somatoforme
Schmerzstörung mit einer zumutbaren Willensanstrengung vollständig überwinden
könne. Die Beschwerdegegnerin hat sich dabei auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung (BGE 130 V 352 ff.) berufen, die von den Sachverständigen des AEH
nicht zur Anwendung gebracht worden sei. Tatsächlich hat der psychiatrische
Sachverständige aber den von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vorgegebenen
Kriterien betreffend die Überwindbarkeit der aus einer somatoformen Schmerzstörung
resultierenden vollständigen Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung korrekt Rechnung
getragen. Er hat in seinem Teilgutachten abschliessend festgehalten, dass die
Umstände, die nach der Bundesgerichtspraxis geeignet seien, die Überwindung der
durch eine somatoforme Schmerzstörung bewirkten vollständigen
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu verhindern, nicht oder nicht im erforderlichen
Ausmass (psychiatrische und somatische Komorbidität) vorhanden seien. "Somit ist
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davon auszugehen, dass Frau P._ eine Schmerzüberwindung, zumindest teilweise,
möglich ist" (psychiatrisches Teilgutachten vom 5. März 2007, S. 7). Der psychiatrische
Sachverständige ist also gestützt auf das Ergebnis seiner sorgfältigen Untersuchung
zum Schluss gekommen, dass es der Beschwerdeführerin nur im Umfang von 50%
möglich und zumutbar sei, die vollständige Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung durch eine
zumutbare Willensanstrengung zu überwinden und einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen, so dass die Arbeitsunfähigkeit 50% betrage. Die Beschwerdegegnerin
scheint die Auffassung zu vertreten, dass die bundesgerichtliche Rechtsprechung nur
zwei Möglichkeiten kenne, nämlich entweder die überhaupt nicht überwindbare durch
eine somatoforme Schmerzstörung bewirkte Überzeugung, vollständig arbeitsunfähig
zu sein, und die vollumfänglich überwindbare derartige Überzeugung. Die
Beschwerdegegnerin liefert allerdings keine Begründung für diese Alles-oder-Nichts-
Auffassung. Diese lässt sich auch nicht begründen, denn jede
Arbeitsfähigkeitsschätzung enthält unabhängig von der Art der zugrunde liegenden
Krankheit die Komponente der zumutbaren Willensanstrengung zur Überwindung der
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung. Wenn die unter Aufbietung der gesamten Willenskraft
zumutbare Arbeitsfähigkeit bei anderen Krankheiten irgendwo zwischen 0% und 100%
liegen kann, dann ist nicht einzusehen, weshalb dies nicht auch für die aus der
somatoformen Schmerzstörung resultierende Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung gelten
soll. Das psychiatrische Teilgutachten erfüllt alle Anforderungen an eine beweiskräftige
medizinische Begutachtung (vgl. etwa Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von
Ulrich Meyer-Blaser, S. 230). Dasselbe gilt für das rheumatologische Teilgutachten. Die
abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Arztes (100%
arbeitsunfähig, aber Arbeitsversuch an 3 Std. täglich möglich), vermag daran keine
Zweifel zu wecken, denn es handelt sich offenkundig um eine in erheblichem Ausmass
therapeutisch ausgerichtete Einschätzung. Es steht deshalb mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit zu 50% arbeitsfähig ist.
2.2 Eine adaptierte Erwerbstätigkeit beinhaltet kein Heben oder Tragen von Lasten
über 10 kg (bis Kopfhöhe von über 7,5 kg), keine Arbeiten über Kopf und keine sitzend
oder stehend vornüber geneigte Arbeit von mehr als drei Stunden täglich. Bei einer
Tätigkeit als Stoffverkäuferin, die vom rheumatologischen Sachverständigen als
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mittelschwer qualifiziert worden ist, müsste die Beschwerdeführerin die Möglichkeit
haben, vermehrt Pausen zu machen (2 Std. täglich). Aus psychiatrischer Sicht ist ein
ruhiges Arbeitsklima mit wechselnden Tätigkeiten unter leichter bis normaler Belastung
und mit intellektuell und kognitiv leichten bis mittelschweren Anforderungen
entsprechend der Ausbildung und der früheren Tätigkeiten der Beschwerdeführerin
erforderlich. Die Beschwerdegegnerin hat einem (hälftigen) Valideneinkommen von Fr.
26'694.- als Stoffverkäuferin ein anhand eines durchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohns ermitteltes (hälftiges) Invalideneinkommen von Fr. 24'018.-
gegenüber gestellt. Die Beschwerdegegnerin ist also davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin ihre verbliebene 50%ige Arbeitsfähigkeit nur noch als
Hilfsarbeiterin verwerten, also die beruflichen Kenntnisse als Damenschneiderin und
diejenigen aus dem Verkauf nicht mehr verwerten könne. Diese Annahme der
Beschwerdegegnerin lässt sich nicht erklären. Die Einschränkungen insbesondere
kognitiver und intellektueller Art sind nicht so ausgeprägt, dass sie nur noch einfache
und repetitive Arbeiten zulassen würden. Der psychiatrische Sachverständige hat die
Tätigkeit im angestammten Beruf ausdrücklich als möglich und zumutbar bezeichnet.
Auch die körperlichen Einschränkungen verunmöglichen die Verwertung der
beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen nicht, denn es gibt auf dem allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus Arbeitsplätze, an denen alle Anforderungen an
eine körperlich adaptierte Erwerbstätigkeit erfüllt werden können. Die Validen- und die
Invalidenkarriere der Beschwerdeführerin ist also in qualitativer Hinsicht identisch.
Unter diesen Umständen kann sich der Einkommensvergleich gemäss Art. 16 ATSG
auf einen Prozentvergleich beschränken. Auch dabei ist aber jenem möglichen
Konkurrenznachteil Rechnung zu tragen, den eine versicherte Person gegenüber
gesunden Konkurrenten für einen adaptierten Arbeitsplatz hätte und den sie dadurch
kompensieren müsste, dass sie ihre Arbeitskraft billiger als die gesunden Konkurrenten
anbieten würde. Dies zwingt dazu, auch bei einem Prozentvergleich einen –
fälschlicherweise so genannten – "Leidensabzug" zu berücksichtigen. Die Tatsache,
dass die Beschwerdeführerin nur noch teilzeitlich arbeiten kann, bildet zwar keinen
derartigen Konkurrenznachteil, denn auch im Anforderungsniveau 3 nehmen Frauen bei
einem Beschäftigungsgrad von 50% einen unterproportionalen Lohnnachteil in Kauf,
erzielen also einen um weniger als 50% reduzierten Lohn (vgl. die
Lohnstrukturerhebung 2006 des Bundesamtes für Statistik, Tabelle T2* S. 16).
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Gesundheitlich beeinträchtigte Arbeitnehmerinnen haben aber für einen potentiellen,
rein ökonomisch denkenden Arbeitgeber u.a. dadurch einen Nachteil gegenüber
gesunden Arbeitnehmerinnen, dass sie ein höheres Risiko von Krankheitsabsenzen
erwarten lassen, dass sie weniger flexibel einsetzbar sind (z.B. keine vorübergehende
Erhöhung des Beschäftigungsgrades oder kein vorübergehender Wechsel an einen
nicht adaptierten Arbeitsplatz) oder dass sie mehr Rücksichtnahme auf ihre
schwankende tägliche Leistungsfähigkeit erfordern und deshalb schlechter "planbar"
sind. Im vorliegenden Fall rechtfertigen diese auch bei der Beschwerdeführerin
vorhandenen Nachteile einen zusätzlichen Abzug von 10%, d.h. der Prozentvergleich
ergibt einen Invaliditätsgrad von 55%. Grundsätzlich besteht also ein Anspruch auf
eine halbe Rente.
2.3 Nach dem Grundsatz der 'Eingliederung vor Rente' (vgl. etwa Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. A., Vorbemerkungen Rz 47) kann nur oder erst dann eine Invalidenrente
zugesprochen werden, wenn die versicherte Person zum vornherein nicht besser
eingegliedert werden kann oder wenn der bestmögliche Eingliederungserfolg erreicht
ist. Bevor der Beschwerdeführerin eine halbe Invalidenrente zugesprochen werden
kann, muss also geprüft werden, ob der oben ermittelte Invaliditätsgrad von 55%
mittels einer beruflichen Eingliederungsmassnahme auf unter 50% oder sogar auf unter
40% abgesenkt werden könnte. Bestünde eine Chance auf eine in diesem Sinn
erfolgreiche berufliche Eingliederung, hätte die Rentenzusprache zu unterbleiben und
die Sache müsste zur Prüfung und allfälligen Durchführung der beruflichen
Eingliederung und zur anschliessenden Prüfung eines Rentenanspruchs an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden. Mit einer Umschulung der
Beschwerdeführerin könnte keine höhere Arbeitsfähigkeit als 50% erreicht werden.
Erfolgsversprechend wäre also nur eine sogenannt "höherwertige" berufliche
Eingliederung, also eine Umschulung in einen Beruf, in dem die Beschwerdeführerin bei
einem Arbeitsfähigkeitsgrad von weiterhin 50% ein Einkommen erzielen könnte, das
weniger als 50% oder sogar weniger als 60% unter jenem Einkommen läge, das sie als
gesunde Damenschneider/Verkäuferin erzielen könnte. Die 1952 geborene
Beschwerdeführerin ist inzwischen 57-jährig, sie ist in ihrer kognitiven und
intellektuellen Leistungsfähigkeit eingeschränkt und angesichts der Natur der
verschiedenen gesundheitlichen Einschränkungen verständlicherweise nicht (ernsthaft)
motiviert für eine Umschulung in einen Beruf, der erheblich anspruchsvoller ist als der
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erlernte. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass keine Möglichkeit
besteht, den Invaliditätsgrad von 55% durch eine berufliche Eingliederung unter 50%
oder sogar unter 40% zu senken. Dies erlaubt es, der Beschwerdeführerin ausgehend
von einem Invaliditätsgrad von 55% eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Das
bedeutet trotz des Alters der Beschwerdeführerin nicht, dass die Möglichkeit einer
rentenrelevanten beruflichen Eingliederung ein für allemal ausgeschlossen wäre. Sollte
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in der Zukunft ausreichend
verbessern (womit angesichts der von den Sachverständigen des AEH
vorgeschlagenen Reevaluation nach etwa einem Jahr zu rechnen ist), wird die
Beschwerdegegnerin also ein Revisionsverfahren eröffnen müssen.
2.4 Der Rentenanspruch entsteht gemäss dem auf den vorliegenden Fall aus
Gleichbehandlungsgründen weiterhin anwendbaren, an sich mit der 5. IV-Revision
ausser Kraft gesetzten Art. 29 Abs. 1 lit. b aIVG mit dem Ablauf des sogenannten
Wartejahres. Dr. med. A._ und Dr. med. B._ haben als Beginn der
Arbeitsunfähigkeit übereinstimmend den 16. November 2004 angegeben. Die
Sachverständigen des AEH haben dies bestätigt. Es besteht aber die Möglichkeit, dass
die Beschwerdeführerin schon vor dem 16. November 2004 (Blasenoperation) im
Ausmass von mindestens 20% arbeitsunfähig gewesen sein könnte. Damit würde der
Rentenanspruch allenfalls vor dem 1. November 2005 entstehen. Die Sache ist deshalb
zur weiteren Abklärung in bezug auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird auch prüfen, ob
allenfalls ab dem Rentenbeginn ein Anspruch auf eine höhere, nach einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit bemessene Invalidenrente besteht. Schliesslich wird die
Beschwerdegegnerin die Berechnung des Rentenbetrages anzuordnen und
anschliessend neu zu verfügen haben.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die angefochtene Verfügung vom
23. Januar 2008 aufzuheben und die Beschwerde ist teilweise gutzuheissen. Die Sache
ist zur weiteren Abklärung und zur neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Dabei wird die Beschwerdegegnerin an die entsprechenden Vorgaben
gemäss den urteilsrelevanten Urteilserwägungen gebunden sein. Bei diesem Ausgang
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des Beschwerdeverfahrens ist in bezug auf den Anspruch auf eine Parteientschädigung
von einem vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Sie hat
deshalb gegenüber der Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine ungekürzte
Parteientschädigung. Diese Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter
Berücksichtigung dieser Kriterien erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3500.-
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die dementsprechend
vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin hat die Gerichtsgebühr zu
übernehmen. Diese bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Sie wird auf Fr. 600.- festgesetzt. Der geleistete Vorschuss in gleicher Höhe ist der
Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG