Decision ID: 5ce7aacd-15d1-588e-aefe-74ad27d2aeb2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
Am 11. Dezember 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Am
25. November 2016 wurde er vom SEM zu seinen Asylgründen einlässlich
angehört.
A.b Zur Begründung seines Gesuchs brachte der aus B._, Provinz
C._ stammende Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er habe
die Schule bis zur zweiten Klasse der Sekundarschule besucht und danach
als (Nennung Tätigkeiten) gearbeitet. Im Jahr (...) habe er seine (Nennung
Verwandte) geheiratet. Ungefähr seit dem Jahr (...) habe er in D._
gelebt.
Als er (...) Jahre alt gewesen sei, sei er von einem ein Jahr älteren Mitschü-
ler vergewaltigt respektive sexuell missbraucht worden. Es sei ihm dann
bewusst geworden, dass er homosexuell sei. In der Folge habe er begon-
nen, freiwillig gleichgeschlechtlichen Sex zu haben. Seine Familie habe
ihm immer wieder Frauen vorgeschlagen, die er heiraten könnte. Da er
aber nicht habe heiraten wollen, hätten ihn seine Angehörigen gefragt, ob
er ein Problem habe. Er habe ihnen jedoch nicht sagen können, was mit
ihm gewesen sei. Schliesslich habe er dann seine (Nennung Verwandte)
geheiratet. Dies habe er jedoch nur getan, weil seine Eltern dies gewollt
hätten. Aus dieser Ehe seien (...) gemeinsame Kinder entsprungen. Er
habe seiner Frau nichts von seiner sexuellen Ausrichtung gesagt, weil er
sonst Probleme bekommen hätte. Vor seiner Ausreise habe er in
D._ heimlich eine Liebesbeziehung mit einem Mann namens
E._ geführt, den er etwa (Nennung Dauer) gekannt und in dieser
Zeit ein paar Mal getroffen habe. Eines Tages hätten seine Frau und die
Kinder den (Nennung Veranstaltung) besucht, worauf er sich mit
E._ verabredet und diesen ausnahmsweise mit nach Hause ge-
nommen habe. Dort sei es dann zum Akt gekommen, bei welchem ihn
seine Frau und die Kinder überrascht hätten, da diese viel früher als ge-
dacht von ihrem Ausflug zurückgekehrt seien. Während er durch das Fens-
ter habe fliehen können, sei E._ von seiner Familie festgehalten
und wahrscheinlich den Beamten übergeben worden. In der Folge habe er
mit seiner Kreditkarte Geld abgehoben, sich zum Busterminal begeben und
sei danach über F._ in die G._ gereist. Er wisse nicht, ob die
Behörden über diesen Vorfall Bescheid wüssten. Sein Sohn habe ihm am
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Telefon nichts darüber sagen wollen, sondern ihn aufgefordert nach Hause
zu kommen.
Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätsdokumente oder andere Be-
weismittel ein.
B.
Mit Verfügung vom 10. Oktober 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein Asylge-
such ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
C.
Mit Eingabe vom 11. November 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlings-
eigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die
Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und seine vorläufige Aufnahme anzuordnen. In formeller Hinsicht
ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um amtliche Verbei-
ständung. Diesbezüglich stellte er die Nachreichung einer Fürsorgebestä-
tigung in Aussicht.
Seiner Eingabe legte er (Aufzählung Beweismittel) bei.
D.
Am 14. November 2019 reichte der Beschwerdeführer Übersetzungen der
mit der Rechtsmitteleingabe eingereichten fremdsprachigen Beweismittel
nach.
E.
Mit Eingabe vom 20. November 2019 legte der Beschwerdeführer (Nen-
nung Beweismittel) ins Recht.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Begehren um
Einsetzung von lic. iur. LL.M. Susanne Sadri als amtliche Rechtsbeiständin
wies sie ab.
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G.
Mit – an das Präsidium der Abteilung IV des Bundesverwaltungsgerichts
adressierter – Eingabe vom 27. Januar 2020 machte der Präsident der
Asylhilfe geltend, Frau lic. iur. LL.M. Susanne Sadri erfülle entgegen der
getroffenen Annahme in der Zwischenverfügung vom 20. Januar 2020 (vgl.
Bst. F. hievor) die Voraussetzungen für eine amtliche Verbeiständung ge-
mäss Art. 102m Abs. 3 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 53 Bst. a - d AsylV1.
Dabei verwies er auf die beigelegten Dokumente zum beruflichen Werde-
gang und zur Tätigkeit von Susanne Sadri für die Asylhilfe Bern. Gleichzei-
tig ersuchte er um Klärung dieser Angelegenheit.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen (Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör, unvollständige und unrichtige Abklärung des rechts-
erheblichen Sachverhalts) erhoben. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie
allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung
zu bewirken.
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3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege
des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.2.1 Der Beschwerdeführer begründet seine Rügen damit, dass der bei
der Anhörung befragende Mitarbeiter des SEM voreingenommen gewesen
sei, ihn in die Enge zu treiben versucht und schlussendlich zum Weinen
gebracht habe. Zudem hätte die Vorinstanz eine(n) Übersetzer(in) enga-
gieren sollen, welcher/e die (...) Sprache beherrsche, die im Iran und nicht
in der G._ gesprochen werde. Anstatt die Anhörung abzubrechen
und einen neuen iranischen Übersetzer einzusetzen, habe ihm das SEM
vorgeworfen, in der BzP als Muttersprache H._ angegeben zu ha-
ben, weshalb er die (...) Sprache aus der G._ verstehen müsse.
Dem betreffenden Mitarbeiter des SEM sei jedoch offenbar weder bewusst,
dass sich die (...) Ethnie im Iran als H._ benenne, noch habe dieser
seine logische Erklärung verstehen wollen.
Ferner sei aus dem Anhörungsprotokoll klar zu ersehen, dass er manche
Fragen nicht klar verstanden habe und seine Antworten nicht zu den Fra-
gen passen würden. Es sei zu Verständnisschwierigkeiten mit dem Über-
setzer gekommen, weshalb er bei diesem wiederholt habe nachfragen
müssen. Auch habe er nicht realisiert, dass er teilweise auf Fragen falsch
geantwortet habe. Zu erwähnen sei zudem, dass auf dem Unterschriften-
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blatt der Hilfswerkvertretung protokolliert worden sei, dass während der An-
hörung eine gereizte Atmosphäre geherrscht habe. Es bleibe dahingestellt,
ob die Notiz beziehungsweise die Abkürzung des Hilfswerkvertreters "ff un-
ter Anreg f- Sachverh." als fataler Fehler bei der Feststellung des Sachver-
halts zu verstehen sei. Aus dem Anhörungsprotokoll sei zu ersehen, dass
der Befrager von Anfang an seine Muttersprache, seine Staatsangehörig-
keit und später seine Asylgründe von vornherein bezweifelt und ihn mit der
Art und Weise der Fragestellung zu verunsichern versucht habe. Hinzu
komme, dass der Befrager seine sozio-kulturellen Gepflogenheiten und
Sprachgewohnheiten nicht nachvollziehen könne, diese nicht gewohnt sei
und sich dann darüber ärgere. Die Iraner würden oft den Ausdruck "Ich
glaube nicht; ich glaube es war so, usw." anstelle des Ausdrucks "Ich denke
nicht" benutzen (s. A11, F.155-156, S. 15). Insgesamt habe das SEM die
allgemeine Situation von Homosexuellen im Iran, deren Stellung in der ira-
nischen Gesellschaft "tabu" sei, und sein Schamgefühl nicht verstehen wol-
len oder können und damit den Sachverhalt nicht korrekt festgestellt.
3.2.2 Zu der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Kritik an der Arbeit und
der fachlichen Kompetenz des SEM-Mitarbeiters, welcher die Anhörung
durchführte, ist zunächst festzuhalten, dass der angefochtene Entscheid
nicht durch den für die Anhörung zuständigen Befrager, sondern durch ei-
nen anderen Mitarbeiter des SEM abgefasst wurde. Dem Anhörungsproto-
koll sind ferner keine Hinweise zu entnehmen, welche die Behauptung des
Beschwerdeführers, der SEM-Mitarbeiter sei voreingenommen gewesen,
habe ihn in die Enge zu treiben versucht und schlussendlich zum Weinen
gebracht, stützen könnten. Offenbar sah sich der Beschwerdeführer weder
veranlasst, während der Anhörung einen solchen Einwand zur Sprache zu
bringen, noch lassen sich aus seinen Antworten Hinweise entnehmen, wel-
che darauf hindeuteten, dass er sich während der Anhörung auf die ge-
schilderte Weise unangemessen behandelt gefühlt hätte. In der Beschwer-
deschrift werden bezeichnenderweise denn auch keine konkreten Bei-
spiele genannt, welche seine pauschal gehaltene Kritik verdeutlichen wür-
den. Im Anhörungsprotokoll wird an zwei Stellen vermerkt, dass der Be-
schwerdeführer während der Befragung habe weinen müssen: So erst-
mals, als er nach der Beziehung, die er sich für seine Zukunft wünsche,
gefragt wurde. Dabei kam er in seiner allgemein gehaltenen Antwort an
deren Ende auf seine Flucht über den Seeweg zu sprechen, in deren Ver-
lauf er fast ertrunken wäre (vgl. act. A11, F219). Diesbezüglich sind für das
Gericht keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Beschwerde-
führer wegen der ihm gestellten Frage weinen musste, sondern dass die-
ser Umstand vielmehr der Erinnerung an die offenbar lebensbedrohliche
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Flucht über das Meer geschuldet sein dürfte. Zum gleichen Schluss gelangt
das Gericht auch bei der zweiten Protokollstelle, wo der Beschwerdeführer
– im Zusammenhang mit der Kontaktaufnahme zu seiner Mutter im Iran –
nach der telefonischen Vorwahl respektive nach der Telefonnummer seines
Sohnes (...) gefragt wurde (vgl. act. A11, F229). Dass er sich deswegen
vom Befrager in die Ecke gedrängt gefühlt hätte, erschliesst sich dem Ge-
richt aus dem protokollierten Kontext in keiner Weise. Eher dürfte der Be-
schwerdeführer aufgrund der bei ihm aufgekommenen Gefühle bei der Er-
innerung an das einzige seiner Kinder, mit dem er noch in Kontakt steht
(vgl. act. A11, F21), in Tränen ausgebrochen sein. Wohl enthalten im Wei-
teren die Fragen 4 und 8 (hinsichtlich der in der BzP vom Beschwerdefüh-
rer angegebenen Sprachkenntnisse), 15 und 18 (bezüglich der Beibrin-
gung von Identitätsdokumenten) sowie die Fragen 79, 87, 96, 98, 118, 131,
133 ff., 139, 141, 151, 158-161, 168, 171, 182, 189, 194, 198-205 (zu den
eigentlichen Asylgründen) kritische Nachfragen, ohne dass aber daraus
auf eine Voreingenommenheit des Befragers geschlossen werden könnte.
Ebenso wenig lässt sich aus der Frage 118 im Zusammenhang mit der Er-
kenntnis des Beschwerdeführers, dass er homosexuell sei, eine Ungläu-
bigkeit gegenüber seinen Schilderungen herleiten. Diesbezüglich ist fest-
zuhalten, dass der Befrager die Anhörung leitet, welche das Ziel hat, alle
wesentlichen Fakten für die Beurteilung des Asylgesuchs zu sammeln (vgl.
act. A11, S. 1, 1. Abschnitt). Demzufolge obliegt es ihm auch, die Anhörung
entsprechend zu gliedern sowie zu lenken und dabei den Asylgesuchsteller
bei abschweifenden Weiterungen zu belehren oder bei unzusammenhän-
genden Ausführungen oder thematisch abweichenden oder unwesentli-
chen Äusserungen zu unterbrechen. Auf diese Möglichkeit wurde der Be-
schwerdeführer denn auch zu Beginn der Anhörung explizit aufmerksam
gemacht (vgl. act. A11, S. 1, 1. Abschnitt letzter Satz). Im Umstand, dass
der Befrager den Beschwerdeführer im Rahmen der Darlegung seiner
Asylgründe wiederholt zur weiteren Erläuterung einer Antwort, der Klärung
einer Frage oder auch bei abschweifendem Aussageverhalten zu genaue-
ren Aussagen aufforderte, manifestiert sich noch keine Voreingenommen-
heit des Befragers. Dass der Befrager bei einzelnen der oben aufgelisteten
Fragen sein Erstaunen bezüglich spezifischer Vorbringen des Beschwer-
deführers kundtat – so beispielsweise bei Fragen 87, 88, 96, 98, 133 oder
auch 139 – lässt nicht bereits auf dessen fehlende Objektivität schliessen.
Zudem erhielt der Beschwerdeführer dadurch unter Umständen auch die
Möglichkeit, Aussagen zu verdeutlichen oder allfällige Missverständnisse
auszuräumen. Deshalb vermag auch die Behauptung, der Befrager habe
seine Sprachgewohnheiten nicht nachvollziehen können, und sich geär-
gert, weil er anstelle des Ausdrucks "Ich denke nicht" mit "Ich glaube nicht"
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geantwortet habe (vgl. act. A11, F155-156), nicht zu überzeugen. Überdies
forderte ihn der Befrager in diesem Zusammenhang lediglich auf, vor sei-
ner Antwort nochmals zu überlegen. Die diesbezügliche Rüge erweist sich
somit als unbegründet.
3.2.3 Weiter bleibt die Kritik am in der Anhörung eingesetzten Dolmetscher
unbehelflich. Entscheidend bleibt in diesem Zusammenhang nämlich der
Umstand, dass der Beschwerdeführer zu Beginn der Anhörung wiederholt
erklärte, er verstehe den Dolmetscher (vgl. act. A11, F1 und F5). Er bat
lediglich darum, keine komplizierten Sätze zu bilden und nicht schnell zu
reden (vgl. act. A11, F6). Der Befrager führte sodann an, dass mit der An-
hörung begonnen und sich zeigen werde, wie das mit der Verständigung
klappe. Dabei forderte er den Beschwerdeführer auf, sich zu melden, wenn
er etwas nicht verstehe. Der Beschwerdeführer gab dabei zur Antwort, es
sei für ihn kein Problem; er verstehe ihn, wenn er selber auch verstanden
werde (vgl. act. A11, F7). Der Beschwerdeführer war im Folgenden in der
Lage, der Anhörung zu folgen und die ihm gestellten Fragen zu beantwor-
ten, ohne dass er im weiteren Verlauf der Anhörung an irgendeiner Stelle
reklamierte und Probleme bei der Übersetzung respektive Verständigungs-
schwierigkeiten geltend machte. Alleine der Umstand, dass der Befrager
diverse Nachfragen stellte, stellt noch keinen Hinweis auf Unsicherheiten
in der Verständigung dar, die an der Verwertbarkeit des Anhörungsproto-
kolls Zweifel aufkommen liessen. Diesbezüglich ist nochmals auf die oben
bereits dargelegte Aufgabe des Befragers im Rahmen der Sachverhaltser-
mittlung hinzuweisen. Jedenfalls ergeben sich aus dem Protokoll keine
Hinweise, welche die Behauptung des Beschwerdeführers stützen könn-
ten, er habe wegen Problemen mit dem Übersetzer mehrmals nachfragen
müssen. Sodann bestätigte der Beschwerdeführer am Schluss der Anhö-
rung nach Rückübersetzung in einer ihm verständlichen Sprache die Voll-
ständigkeit und Korrektheit seiner Aussagen (vgl. act. A11, S. 24), weshalb
er sich bei diesen behaften lassen muss. Unter diesen Umständen kann
das Vorbringen, er habe nicht realisiert, dass er teilweise auf Fragen falsch
geantwortet habe, nicht gehört werden.
3.2.4 Weiter zeigt eine Durchsicht des Anhörungsprotokolls, dass die an-
wesende Hilfswerksvertretung am Schluss der Anhörung einige Fragen
stellen liess und an derselben keine grundsätzlichen Einwände anzumel-
den hatte. Wohl hielt die Hilfswerkvertretung in ihrer persönlichen Be-
obachtung der Anhörung fest, dass die Stimmung gereizt gewesen sei. Da-
raus kann jedoch angesichts der offensichtlich umfassend protokollierten
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Aussagen des Beschwerdeführers nicht auf eine zum Nachteil des Be-
schwerdeführers ausgefallene Sachverhaltserhebung geschlossen wer-
den. Das Gleiche ist auch hinsichtlich des subjektiven Eindrucks, wonach
der Beschwerdeführer mit "durchdringendem Blick" gesprochen und eine
"vielsagende" Körperhaltung eingenommen habe, festzustellen. Hinsicht-
lich der wiederholten Hinweise auf die "häufigen Hinterfragungen" des
Sachbearbeiters ist auf die obigen Erörterungen in E. 3.2.3 zu verweisen.
Soweit der Beschwerdeführer bemerkt, es könne dahingestellt bleiben, ob
die Notiz des Hilfswerkvertreters "ff unter Anreg f- Sachverh." als "fataler
Fehler" bei der Feststellung des Sachverhalts zu verstehen sei, ist klarzu-
stellen, dass die Abkürzung "ff." für "folgend" beziehungsweise "auf den
nächsten Seiten" steht und dadurch im Text auf mehrere aufeinanderfol-
gende Seiten verwiesen beziehungsweise Bezug genommen werden
kann. Es ist unschwer erkennbar, dass die Hilfswerkvertretung mit dieser
Notiz und dem entsprechenden Pfeil darauf hinweisen will, dass sie ihre
unter "Beobachtung der Anhörung" begonnenen Ausführungen aus Platz-
mangel unter "Anregung für weitere Sachverhaltsabklärung" fortsetzte. Ins-
gesamt ergeben sich aus dem Anhörungsprotokoll inklusive den Bemer-
kungen der Hilfswerkvertretung – entgegen der in der Beschwerde vertre-
tenen Ansicht – keine konkreten und glaubhaften Hinweise, dass der Be-
frager von Anfang an seine Muttersprache, seine Staatsangehörigkeit und
später seine Asylgründe bezweifelt und ihn im Rahmen der Anhörung mit
seinen Fragen zu verunsichern versucht habe. Sodann kann auch in der
Rüge, es seien ihm anlässlich der Anhörung zum geltend gemachten Ver-
schwinden seiner Ehefrau keine näheren Fragen gestellt worden, obwohl
er von Beginn weg darüber gesprochen habe, kein Versäumnis des SEM
erblickt werden. Wohl gab er wiederholt an, dass seine Frau nicht mehr zu
Hause sei (vgl. act. A11, F23 und F194). Gleichzeitig führte er aber auch
aus, dass er nicht wisse, wo sich diese aufhalte und ob diese noch lebe.
Nachdem er dieses Vorbringen während der gesamten Anhörung in keinen
Zusammenhang zu seinen Asylgründen stellte, bestand auch keine Veran-
lassung, dieses Sachverhaltselement weiter zu vertiefen.
3.2.5 Im Weiteren spricht alleine die Tatsache, dass die Vorinstanz in ihrer
Länderpraxis zum Iran einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdefüh-
rer vertreten, und sie aus sachlichen Gründen auch zu einer anderen Wür-
digung der Vorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer gewünscht,
nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung. Es ergeben sich
denn auch nach Prüfung der Akten keine hinreichenden Anhaltspunkte,
welche den Schluss zulassen würden, das SEM habe den Sachverhalt un-
vollständig oder unrichtig abgeklärt. Soweit der Beschwerdeführer rügt,
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das SEM habe die allgemeine Situation von Homosexuellen im Iran und
sein Schamgefühl nicht verstehen wollen, vermengt er die Frage der Fest-
stellung des Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sa-
che.
3.2.6 Zusammenfassend erweisen sich die Rügen, die Vorinstanz habe
das rechtliche Gehör verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt un-
vollständig und unrichtig abgeklärt, als unbegründet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.).
5.
5.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Voraussetzungen an
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.
Der Beschwerdeführer sei in der Anhörung ausführlich über seine Homo-
sexualität befragt worden, so über seinen Weg, wie er die Gewissheit dar-
über erlangt und wie sich dabei seine innere, gedankliche und gefühlsmäs-
sige Auseinandersetzung gestaltet habe. Seine Antworten dazu seien je-
doch ausnahmslos sehr oberflächlich und stereotyp sowie des Öfteren
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nicht nachvollziehbar und zum Teil widersprüchlich ausgefallen. Auf kon-
krete Fragen zum auslösenden Ereignis, wonach ihm ein Mann in der Kind-
heit etwas angetan habe, weshalb er homosexuell geworden sei, habe er
zunächst geantwortet, es habe sich dabei doch um einen um ein Jahr älte-
ren Mitschüler gehandelt und dieser habe ihn sexuell missbraucht. Wenig
später habe er erklärt, dass er mit diesem Freund gespielt habe, als es
plötzlich passiert sei und es sei ihm sogleich bewusst geworden, dass er
homosexuell sei. Bei diesem ersten Mal habe es geschmerzt und er habe
weinen müssen. Sein Freund habe ihm jedoch gesagt, dass dies beim ers-
ten Mal so sei und es danach nicht mehr weh tun würde, was zutreffend
gewesen sei. Diese Abfolge von Fragen und Antworten verdeutliche, dass
der Beschwerdeführer die Version des vermeintlichen Vorfalls ständig ab-
geändert habe. Zudem sei es – entgegen der von ihm angeführten Behaup-
tung – im vorpubertären Alter fast unmöglich, die eigene Homosexualität
zu bemerken und diese gleich zu akzeptieren. Diese Angaben seien umso
unglaubhafter, weil er diesen Prozess in einem sehr religiösen und konser-
vativen Land wie dem Iran innerhalb einer kurzen Zeit in einem so jungen
Alter durchlaufen haben wolle. Doch selbst wenn er dazu fähig gewesen
wäre, sich vor der Pubertät mit der eigenen Homosexualität auseinander-
zusetzen und sie ohne Schwierigkeiten zu akzeptieren, wäre zu erwarten,
dass er in seinem jetzigen Alter fähig wäre, dies auch in Worten auszudrü-
cken. Er sei jedoch dazu nicht in der Lage gewesen und habe auf die Fra-
gen zu seiner Gefühlslage stereotyp und ausweichend geantwortet. Zu kei-
nem Zeitpunkt habe er von Schwierigkeiten wie Identitätskonfusion, Leug-
nung oder Ablehnung von homosexuellen Tendenzen oder Versuchen, ein
heterosexuelles Selbstbild aufrechtzuerhalten, allesamt Problematiken mit
welchen sich Homosexuelle auch in offenen Gesellschaften auseinander-
setzen müssten, berichtet. Auf erneute Aufforderung in der Anhörung zu
erzählen, wie er psychisch mit seiner Sexualität umgegangen sei, habe er
geantwortet, dass er lediglich beim ersten Mal Mühe gehabt und sich spä-
ter seine Partner selber ausgesucht habe. Bekanntlich würden Selbstwert-
probleme und Depressivität mit der Missbrauchserfahrung in einer Wech-
selbeziehung stehen, was er jedoch mit keinem Wort erwähnt und auch
nicht einen solchen Eindruck vermittelt habe.
Nebst den erwähnten oberflächlichen und stereotypen Angaben zu seiner
Homosexualität habe sich der Beschwerdeführer auch widersprüchlich ge-
äussert. So habe er in der Anhörung vorgebracht, seinen Partner
E._ seit (Nennung Dauer) gekannt zu haben, als dieser zu ihm nach
Hause gekommen sei und er habe sich mit ihm in dieser Zeit drei Mal in
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einem Wald getroffen. Das vierte Treffen habe bei ihm zu Hause stattge-
funden, als er von seinen Angehörigen überrascht worden sei. In der BzP
hingegen habe er erklärt, mit E._ davor bereits (Nennung Anzahl)
geschlafen zu haben. Auch seien die Angaben darüber, ob E._
nach ihrer Entdeckung verhaftet worden sei, unstimmig ausgefallen. Im
Rahmen der Anhörung wolle er keine Kenntnis darüber gehabt haben, um
in der BzP anzuführen, er habe gesehen, dass seine Familie E._
habe verhaften lassen. Diese letztere Aussage sei überdies auch logisch
nicht nachvollziehbar, zumal es konstruiert erscheine, dass ein erwachse-
ner Mann von einem (...)-jährigen Jungen und der Frau des Beschwerde-
führers hätte festgehalten werden können.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmitteleingabe in
materieller Hinsicht, aus seinen Aussagen sei klar ersichtlich, dass er seine
Sexualität, auch wenn dies für das SEM nicht vorstellbar sei, mit etwa
(Nennung Alter) entdeckt und aufgrund der geschilderten Vorkommnisse in
der Folge nur sexuelle Fantasien mit Männern entwickelt habe. Im Iran sei
eine aussereheliche sexuelle Beziehung mit einem Mädchen nicht möglich.
Im Alter von (...) Jahren sei er von seinen Eltern zur Heirat mit seiner (Nen-
nung Verwandte) gezwungen worden. Er habe lediglich aufgrund des Ge-
redes der Leute und wegen den gesellschaftlichen Regeln geheiratet und
Kinder erzeugt. Wegen seiner Enthaltsamkeit sei es mit seiner Ehefrau viel
zu Streitereien gekommen und er habe während (Nennung Dauer) seine
Homosexualität seiner Familie gegenüber verheimlicht. Er habe seinen
Freund mit nach Hause genommen, weil seine Ehefrau und die Kinder aus-
wärts gewesen seien und nicht derart früh hätten zurückkehren sollen.
Seine Erzählungen würden insgesamt durchaus Realkennzeichen aufwei-
sen, seien schlüssig und nachvollziehbar. Im Weiteren habe er sich einmal
getraut, seine Ehefrau aus der Schweiz anzurufen. Diese sei aufgeregt und
vom ihm enttäuscht gewesen und habe gesagt, er solle zurückkehren und
sie werde ihn nicht bei den Behörden anzeigen. Sie habe dann aber ein
Foto von ihm gewollt und nach seiner genauen Adresse verlangt, worauf
er Zweifel bekommen habe, dass ihm seine Ehefrau verzeihen wolle. Bei
einem späteren Telefonat habe eine ihm fremde Frau das Telefon abge-
nommen und sich als Freundin seiner Ehefrau ausgegeben. Diese habe
ungewöhnlich lieb zu ihm gesprochen und ein Foto von ihm verlangt. Da-
nach habe er seine Frau nicht mehr angerufen, bis ihm sein Sohn vom
Weggang seiner Ehefrau berichtet habe. Ferner habe er es im Rahmen
eines Instruktionsgesprächs bei seiner Rechtsvertreterin gewagt, seinen
Sohn zu kontaktieren und diesen um die Zustellung von Dokumenten zum
Schicksal seiner Ehefrau sowie seiner Identitätskarte zu bitten. In der Folge
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habe er handschriftliche Unterlagen (...) und behördliche Dokumente über
durchgeführte Untersuchungen erhalten. Die Dokumente seien mit staatli-
chen Stempeln beglaubigt worden. Das erste Dokument sei (Nennung Be-
weismittel). Diese Meldung sei an verschiedene (Nennung Behörden) ge-
schickt worden. Da in der Nähe seines Wohnortes ein Wasserkanal fliesse
und einige Sachen seiner Ehefrau (...) dort aufgefunden worden seien, hät-
ten die Behörden eine gründliche Suchaktion durchgeführt, jedoch ohne
Erfolg. Ein weiteres Dokument belege die Überwachung und Untersuchung
des Handys seiner Ehefrau, welche aber auch keine Resultate geliefert
habe. Seine Ehefrau sei mittlerweile seit (Nennung Dauer) verschwunden.
Er sei aber überzeugt, dass seine Ehefrau noch am Leben sei und ihn für
sein Verhalten bestrafen und ihn mit ihrem Verschwinden belasten wolle.
Gemäss öffentlichen Quellen sei Homosexualität im Iran ein Tabu. Er habe
daher seine homosexuellen Neigungen nicht frei, sondern nur im Gehei-
men ausüben können. Er habe in ständiger Angst gelebt und sich den ge-
sellschaftlichen und sozio-kulturellen Gegebenheiten unterwerfen müssen.
Homosexuelle seien im Iran gezielt staatlichen Verfolgungen ausgesetzt,
würden von der Gesellschaft als Schande betrachtet und von eigenen Fa-
milienmitgliedern oder Bekannten zur Wiederherstellung der Ehre umge-
bracht. Er sei von seinen eigenen Angehörigen in flagranti ertappt und sein
Partner E._ von ihnen festgehalten worden. Er habe keine Kennt-
nisse über dessen Schicksal oder Befinden. In Anbetracht der vorgefalle-
nen Ereignisse, der allgemeinen Einstellung der iranischen Gesellschaft
gegenüber Homosexuellen sowie der unmenschlichen Behandlungen der-
selben im Iran gehöre er zu einer bestimmten sozialen Gruppe, welche be-
gründete Furcht habe, ernsthaften und gezielten Nachteilen in der Zukunft
ausgesetzt zu werden. Er erfülle demnach gestützt auf Art. 3 AsylG die
Flüchtlingseigenschaft und es sei ihm Asyl zu gewähren.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Abwägung der Argu-
mente, die für und gegen die Glaubhaftigkeit sprechen, zum Schluss, dass
die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt
hat, da die Wahrscheinlichkeit, die zu beurteilende Verfolgungsgeschichte
entspreche in den wesentlichen Punkten nicht den Tatsachen, als höher zu
erachten ist. Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Entgegnungen auf
Beschwerdestufe die vom SEM getroffene Einschätzung nicht umzustos-
sen.
D-5950/2019
Seite 14
6.1.1 Zunächst ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht ge-
lingt, den Prozess der Selbstfindung als Homosexueller glaubhaft und
nachvollziehbar darzulegen. Seine diesbezüglich als oberflächlich, sub-
stanzarm und trivial zu erachtenden Angaben zu seiner Homosexualität
vermögen – wie die Vorinstanz zu Recht erkannte – nicht zu überzeugen.
Zudem legte der Beschwerdeführer bei entsprechenden Nachfragen teil-
weise ein ausweichendes Aussageverhalten an den Tag (vgl. act. A11,
F105-107, F109, F116-119, F128). Wohl besteht bezüglich des erwähnten
Prozesses der Selbstfindung beim Beschwerdeführer seinen Schilderun-
gen zufolge die Gewissheit und auch die Akzeptanz der eigenen sexuellen
Orientierung (vgl. act. A11, F90, F91, F108, F113, F115, F128, F129). Je-
doch fehlt seinen Ausführungen jeglicher Bezug zu einer aktiven Auseinan-
dersetzung mit dem Thema der eigenen sexuellen Orientierung sowie den
damit unzweifelhaft verbundenen Gefühlen, Ängsten, inneren Spannun-
gen, Zweifeln und einer allfälligen Zerrissenheit. Diese offensichtlich man-
gelnde Beschäftigung bei der Entwicklung der sexuellen Identität als Teil
des Prozesses der Selbstfindung lässt an der Glaubhaftigkeit der geltend
gemachten homosexuellen Ausrichtung des Beschwerdeführers ernsthaft
zweifeln. Nachdem sich die Entgegnungen in der Rechtsmitteleingabe zu
diesem Punkt auf eine Wiederholung des Sachverhalts und auf die Be-
hauptung, seine Erzählungen enthielten Realkennzeichen, seien schlüssig
und nachvollziehbar – ohne dies näher zu substanziieren – beschränken,
vermögen sie nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen. Zudem ver-
mögen diese Entgegnungen auf Beschwerdeebene auch die vom SEM in
zutreffender Weise aufgezeigten Unstimmigkeiten zum auslösenden Ereig-
nis in seinem Kindheitsalter, das zu seiner Homosexualität geführt haben
soll, nicht zu erklären, da sich diese mit den vorinstanzlichen Argumenten
nicht konkret auseinandersetzen. Es kann daher zur Vermeidung einer
neuerlichen Aufzählung dieser Argumente auf die vorinstanzlichen Erörte-
rungen verwiesen werden, welche zu bestätigen sind.
6.1.2 Zu den vom SEM angeführten Widersprüchen betreffend die Um-
stände der Liebschaft mit E._ und seine Kenntnis, ob dieser verhaf-
tet worden sei, nachdem ihn seine Angehörigen in flagranti mit E._
ertappt hätten, ist Folgendes anzuführen: Trotz des summarischen Cha-
rakters der BzP ist es gemäss ständiger Rechtsprechung zulässig, Wider-
sprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare
Aussagen in der BzP in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den
späteren Aussagen in der Anhörung diametral abweichen, oder wenn be-
stimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asyl-
gründe genannt werden, nicht bereits im Empfangszentrum respektive in
D-5950/2019
Seite 15
der BzP zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des
BVGer D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H; Entscheidungen und
Mitteilungen der ARK [EMARK] 1993 Nr. 3). In der angefochtenen Verfü-
gung hat sich das SEM nicht in unzulässiger Weise auf das Protokoll der
BzP abgestützt und zu Recht angeführt, dass sich der Beschwerdeführer
– im Gegensatz zur späteren Anhörung – zum Stand der Beziehung mit
E._ respektive zur Häufigkeit ihrer Treffen sowie zum Umstand, ob
E._ von den Behörden verhaftet worden sei, gänzlich anders ge-
äussert und sich daher in zentralen Punkten widersprochen hat. Nachdem
der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe zu diesem Punkt le-
diglich vorbringt, er sei von seinen eigenen Angehörigen in flagranti ertappt
und sein Partner E._ von ihnen festgehalten worden, und er damit
seine in der Anhörung angeführte Sachverhaltsschilderung wiederholt (vgl.
act. A11, F186 ff.), vermögen seine Ausführungen die diesbezüglich in den
Erwägungen des SEM geäusserten Zweifel an der Glaubhaftigkeit nicht zu
entkräften.
6.1.3 Im Weiteren hat der Beschwerdeführer verschiedene Unterlagen aus
seiner Heimat eingereicht, welche das Verschwinden seiner Ehefrau doku-
mentieren und letztlich belegen sollen, dass ihn diese für sein Verhalten
bestrafen wolle, zumal er glaube, dass sie noch lebe. Die Unterlagen ent-
halten (Nennung Inhalt der Unterlagen). Aus den Dokumenten lassen sich
jedoch keinerlei Verbindungen zu den Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers herstellen. Weder ist aus deren Inhalt ein Hinweis ersichtlich, der in
den Zusammenhang mit seiner Flucht gestellt werden könnte, noch deuten
die zeitlichen Umstände des Verschwindens seiner Ehefrau – welche im
(...), mithin über (Nennung Dauer) nach seiner Flucht, verschwunden sei –
auf einen solchen Zusammenhang hin. Den eingereichten Unterlagen kann
daher keinerlei Beweiskraft zum Beleg der Fluchtgeschichte des Be-
schwerdeführers oder seiner Überzeugung, dass seine Ehefrau noch am
Leben sei und ihn mit ihrem Verschwinden für sein Verhalten bestrafen und
ihn belasten wolle, zuerkannt werden.
6.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten Ver-
folgungsgründe ersichtlich sind, weshalb das SEM zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
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Seite 16
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG und Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) verankerte Grundsatz
der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung fin-
den. Eine Rückschaffung des Beschwerdeführers in den Iran ist demnach
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass ihm im Fall einer Ausschaf-
fung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Folter oder eine
unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK drohen würde. Insbesondere
vermag der Beschwerdeführer kein „real risk“ im Sinne der massgeblichen
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Seite 17
Rechtsprechung darzutun, zumal die blosse Möglichkeit einer menschen-
rechtswidrigen Behandlung nicht ausreicht (vgl. Urteil des EGMR Saadi
gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124 ff.
m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-
nen.
8.2.2 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Die allgemeine Situation im Heimatstaat des Beschwerdeführers ist
nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge-
meiner Gewalt geprägt. Die allgemein schwierigen Lebensbedingungen al-
lein vermögen ebenfalls keine konkrete Gefährdung zu begründen. Auch
in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche eine Weg-
weisung als unzumutbar erscheinen liessen. So verfügt der Beschwerde-
führer über Berufserfahrungen als (Nennung Erwerbstätigkeiten), wobei
sein Verdienst den Angaben nach für den Unterhalt seiner Familie ausge-
reicht hat (vgl. act. A11, F70), und ein familiäres Beziehungsnetz, das ihm
bei der Reintegration behilflich sein kann, sowie über eine gesicherte
Wohnsituation (vgl. act. A3, S. 4 f.; A11, S. 4 ff.). Zudem steht er mit einem
Teil seiner Angehörigen in Kontakt (vgl. act. A11, F20 f. und F215). Sodann
lebte er bis zu seiner Ausreise immer im Iran und ist daher mit den dortigen
Lebensumständen bestens vertraut. Es ist davon auszugehen, dass ihm
der erneute Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz möglich sein wird.
Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansäs-
sige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, genügen nicht, um eine kon-
krete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darzustellen (vgl. BVGE
2008/34 E. 11.2.2).
8.3.2 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
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Seite 18
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit
Instruktionsverfügung vom 20. Januar 2020 das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen, womit auf die Erhebung
von Verfahrenskosten zu verzichten ist.
10.2 Nachdem dem Gericht mit Eingabe vom 27. Januar 2020 (vgl. Bst. G.
hievor) die zum Nachweis für die Erfüllung der Voraussetzungen von
Art. 102m Abs. 3 AsylG erforderlichen Dokumente eingereicht worden sind
und demnach Susanne Sadri die Voraussetzungen als amtliche Verbei-
ständung erfüllt (vgl. dazu auch Urteil des BVGer D-6908/2019 vom
18. September 2020 Bst. F.), ist sie dem Beschwerdeführer rückwirkend ab
27. Januar 2020 als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen. Ihr ist ein amt-
liches Honorar für die notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfah-
ren auszurichten. Seitens der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote
eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indes verzichtet
werden, da der Aufwand für die Rechtsvertreterin (Aktenstudium, Nachbe-
sprechung dieses Urteils) zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14
Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der massgeblichen Bemessungsfak-
toren (vgl. Art. 8–11 VGKE) ist das Honorar auf Fr. 200.– (inkl. Auslagen)
festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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