Decision ID: 8702fb97-866e-56af-aef3-e237de9f9872
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
Der 197
1 geborene
X._
, gelernter Koch (Fähigkeitsausweis 1991, Urk. 8/31/5) sowie diplomierter Kaufmann BVS (Diplom 1995, Urk. 8/31/9),
absolvierte von 1995 bis 1997 die Landwirtschaftsschule
Y._
(Berufsma
tura) und von 1997 bis 2000 die Fachhochschule
Z._
(Diplom als Lebens
mittelingenieur FH in Lebensmitteltechnologie, Urk. 8/31/6-7). Von 2000 bis 2005 war er als technisch-kommerzieller Mitarbeiter im Bereich Food Ingre
dients bei der
A._
AG und von 2005 bis 2008 als Verkaufsleiter Bereich Lebensmittel in der
B._
AG tätig (Urk. 8/33/3-6). Seit Juli 2008 war er bei der
C._
AG als Produkt Manager angestellt, wobei er ab dem 5. Mai 2014 krank geschrieben war (Urk. 8/43/8). Ab dem 25. Mai 2014 liess er sich auf eigene Initiative durch das Laufbahnzentrum der Stadt Zürich beraten (Bericht des Laufbahnzentrums der Stadt Zürich betreffend den Beratungsverlauf vom 26. Mai bis 15. Oktober 2014, Urk. 8/27). Vom 23. Juni bis 1. August 2014 hielt er sich in der
D._
auf (Urk.
8/14/1)
. Am 27. August
2014 (Eingangsdatum) meldete er sich
unter Hinweis auf psychische Probleme
bei
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von
Leis
tungen
der Invalidenversicherung
(berufliche Massnahmen)
an (Urk. 8/6
-7
).
D
ie IV-Stelle
zog
die Akten des Krankentaggeldversicherers
bei
(Urk. 8/12)
. Am
18.
September 2014 führte sie mit dem Versicherten ein Standortgespräch durch,
wobei d
ies
er erklärte, dass er eine Umschulung (Vorpraktikum ab Januar 2015, anschliessend Praktikum und Ausbildung zum Sozialarbeiter) anstrebe (Urk. 8/13). Die IV-Stelle nahm eine Zusammenfassung des Beschwerdeführers be
tref
fend gesundheitliche Beeinträchtigungen (Urk. 8/15) und den Austritts
be
richt der
D._
vom 18. August 2014 (Urk. 8/14/1-6) sowie weitere Arztberichte zu den Akten (Urk. 8/14/7-10). Am 10. Oktober 2014 liess der Versicherte der IV-Stelle einen „Vorpraktikumsvertrag im Verein Läbes
ruum“ vom 9. Oktober 2014 sowie die Anmeldebestätigung der
Z._
vom 3. Oktober 2014 be
treffend Bachelorstudiengang Soziale Arbeit zugehen (Urk. 8/16-20). Sodann teilte er ihr am 15. Oktober 2014 mit, dass er den Arbeitsvertrag mit der
C._
AG per Ende Januar 2015 gekündigt habe (Urk. 7/21-22). Die IV-Stelle zog die Stellungnahme von pract. med.
E._
, Facharzt für Arbeits
medizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 25. November 2011 bei (Urk. 8/45/1).
Am
11. Dezember 2014 wurde
ein Erstgespräch zur Abklärung der beruflichen Situation
durchgeführt
(Urk. 8/46
/
3).
Mit Vorbescheid vom 17.
Dezember 2014 wurde dem Versicherten sodann in Aussicht gestellt, dass sein
Begehren um berufliche Massnahmen
abgewiesen werde
. Die IV-Stelle be
gründete dies damit, dass sich der Versicherte gemäss seinen Abklärungen selbständig für eine Weiterbildung in eine neue Tätigkeit entschieden und sich für ein Fachhochschulstudium angemeldet habe. Eine solche längere Weiterbil
dung sei
nicht notwendig, um die Erwerbsfähigkeit zu verbessern. Es wäre ihm
zumutbar, sich ohne ein neues Studium in eine angemessene Tätigkeit in seinem
angestammten Arbeitsbereich einzugliedern
(Urk.
8/30). Am 23. Januar
2015 liess der Versicherte dagegen Einwand erheben (Urk.
8/34) und diesen mit Ein
gabe vom 5. März 2015 ergänzend begründen (Urk.
8/41).
Daraufhin holte die IV-Stelle den Bericht von Dr. med.
F._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. April
2015 (Urk.
7/43) sowie die Stellungnahme von RAD-Arzt
E._
vom 19. Mai 2015 (Urk. 8/45/2) ein und tätigte weite
re
berufliche Abklärungen (vgl.
Verlaufsprotokoll Berufsberatung vom 20.
Juli 2015,
Urk. 8/46/5-6). Nachdem die IV-Stelle dem Versicherten Gelegenheit ge
boten hatte, um zu diesen weiteren Abklärungen Stellung zu nehmen (Urk. 7/44 und Urk. 7/46), verfügte sie am 27. August 2015 wie vorbeschieden
(Urk. 2 [=
Urk.
8/50]).
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 28. September 2015 Beschwerde erheben und beantragen, es seien ihm berufliche Eingliederungsmassnahmen, namentlich eine Umschulung, zuzusprechen und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, danach einen Einkommensvergleich vorzunehmen
sowie
die Ren
ten
frage zu prüfen. Eventuell sei die Sache zur Vornahme ergänzender Abklä
rungen und anschliessender Neuverfügung an die Verwaltung zurückzuweisen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 26. Oktober 2015 beantragte die IV-Stelle Abwei
sung der Beschwerde (Urk.
7). Am 28. Oktober 2015 wurde das Doppel der Be
schwerdeantwort dem Beschwerdeführer zugestellt (Urk. 9). Nachdem der Be
schwerdeführer geltend
ge
macht
hatte
, den ihm zugestellten Akten würden die Aktenstücke Urk. 8/45 sowie 8/46 fehlen, wurden ihm diese durch das hiesige Gericht zugestellt, worauf dieser mitteilte, keine weiteren Vo
rbringen zu haben (Urk. 10-
12).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem
n
ur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG)
.
1.
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der ver
si
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hinweisen).
1.
1.
3
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
krankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar,
das (fach
)
ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychoso
zi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in
Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Be
funde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitssc
haden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wir
ken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28.
Juni
2012 E.
3.2 mit Hin
weisen).
1.
2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
3
1.3.1
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mass
nahmen (lit. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (lit.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit.
d).
1.
3.2
Gemäss Art. 17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Abs. 1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (Abs. 2). Als Umschu
lung gelten gemäss Art.
6 Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenver
siche
rung [IVV]
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erst
maligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.3.3
Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zu
mut
baren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbs
ein
busse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 488 E. 4.2; AH
I 2000 S. 27 E. 2b und S. 62 E.
1 je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
IV-Stelle
erwog im
angefochtenen Entscheid
,
gemäss RAD-Stellungnahmen scheine
der Beschwerdeführer in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Produkt
Manager zwar überfordert
zu sein. Ein Grossteil der beschriebenen Einschrän
kungen müsse allerdings als psychosozial angesehen werden.
I
n einer a
nge
passten Tätigkeit
in seinem
angestammten
Ausbildungs
bereich
sei
aus medi
zinisch-theoretischer Sicht von eine
r
vollen Arbeitsfähigkeit
und d
aher aus arbeitsmedizinischer Sicht nicht von einem Umschulungsbedarf auszugehen. Gemäss ihren Abklärungen verfüge der Beschwerdeführer über ausreichende beruf
liche Ressourcen und Qualifikationen, um eine angepasste und nahezu gleich
wertige Tätigkeit ausüben zu können.
(Urk. 2)
.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde dagegen vor,
d
ie depressive Störung sowie die Panikstörung seien als Ursachen der Arbeitsunfähigkeit in der bisher ausgeübten Tätigkeit zu sehen. Es liege eine eigenständige psychia
trische Erkrankung
und nicht lediglich eine berufliche Überlastung
vor, was
sich
auch
aus
dem Bericht der Klinik für Ohren-Nasen-, Hals und Gesichtschirurgie vom 8. Oktober 2014
ergebe
(Urk. 1 S. 7-8)
. Die Beschwerdegegnerin habe sich weder
auf der Basis der
Überwindbarkeitspraxis noch
der
geänderten Praxis des Bundesgerichts gemäss BGE 141 V 281
darüber
geäussert
, weshalb sie
ohne wei
teres davon aus
gehe
, dass die diagnostizierten Störungen nach ICD-10
, namentlich F32.1 und F41.0,
mit zumutbarer Willensanstrengung überwindbar seien.
Es sei nicht erstellt, dass ihm Tätigkeiten zumutbar sein sollen, in denen er eine Lohneinbusse von lediglich 10 % bis 20 % seines bisherigen Ein
kommens von Fr.
146‘885.-- solle erzielen können, noch dazu ohne berufliche Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung. Würde er eine Stelle in seiner angestammten Branche antreten wollen, wären gemäss den vorliegenden fachärztlichen Beurteilungen Leistungsanpassungen notwendig, die nur in einer einfacheren Tätigkeit im unteren bis höchstens durchschnittlichen
Lohnsegment bis vielleicht Fr.
80‘000.-- pro Jahr realisierbar wären.
E
r habe somit klarerweise Anspruch auf eine Umschulung (Urk. 1
/
10-11).
3.
3.1
Dr.
med.
G._
, FMH für Allgemeine Medizin, diagnostizierte in seinem Be
richt an den Krankenversicherer vom
18. August 2014 eine depressive
Störung und Angststörung gemischt (ICD-10 F32.1 und ICD-10 F41.0), bei Belastung am Arbeitsplatz (Z56), ein Erschöpfungssyndrom (Z73), eine akzentuierte Persön
lich
keit (ängstlich, vermeidend) sowie Belastungsfaktoren im engeren Kreis (Z63).
Nach seinen Beobachtungen und Verlaufsbeobachtungen finde die depressive
Störung auf
dem Boden von akzentuierten Persönlichkeitszügen, getriggert durch
berufliche Belastung, statt. Insofern erachte er den Krankheitsverlauf als prog
nos
tisch mässig und erwarte auf lange Sicht Rezidive. Durch die bereits geplan
te berufliche Neuorientierung könnte diese allenfalls in Frequenz und Heftigkeit gemildert werden (Urk. 8/12/5-6).
3.2
Dem
Austrittsb
ericht von Dr. med.
H._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherap
ie FMH und
Oberarzt der
D._
, vom 18.
August 2014 (Urk. 8/14), können folgende Diag
nosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit entnommen werden (Urk. 8/14
/
1):
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) bei kom
p
lexer psycho
sozialer Belastungssituation (ICD-10 Z56, Z63) mit Ausbildung eines Erschöpfungsyndroms (ICD-10 Z73) auf dem Boden ängstlich-vermei
den
der Persönlichkeitszüge
Panikstörung (ICD-10 F41.0) mit sozial-phobischen Zügen
Rückenschmerzen: Okzipito-Atlanto-Axialbereich (ICD-10 M54.91)
Rückenschmerzen: Zervikalbereich (ICD-10 M54.92)
Unter dem Titel Schutz- und Belastungsfaktoren wurde festgehalten, der Be
schwerdeführer verspüre als Verkaufsleiter und Produkt
Manager sehr viel Druck
am Arbeitsplatz, das Arbeitsklima und die Unternehmensstruktur bezeichne er als sehr schlecht. Die Kommunikationsflüsse würden sehr schlecht ablaufen, was seine Arbeit immer wieder behindere. Es herrsche kaum Wertschätzung vor, ebenso habe er oft das Gefühl, nur Feuerwehraktionen ausführen zu können, da die Planbarkeit und Strukturierbarkeit auf Grund des mangelhaften Manage
ments sehr eingeschränkt sei. Dazu komme, dass er pro Tag etwa drei Stunden mit Hin- und Rückfahrt
verbringe und er somit um 5.00
Uhr aufstehe und erst um 19.00 Uhr wieder zu Hause sei. Nach der Arbeit sei er sehr erschöpft und es bleibe kaum Zeit für die Familie und eigene Aktivitäten. Als Verkaufsleiter sei er für den Raum Asien zuständig, wodurch er beruflich rund drei Monate im Jahr im Ausland sei und viel fliegen müsse. Seit
ca.
sieben Jahren leide er an Flugangst, die
für
ihn bis dato eine grosse Belastung darstelle. Ebenso bezeichne er sich als schüchternen und introvertierten Menschen, dem es schwer falle, mit anderen Menschen in Kontakt zu gehen. Gerade jedoch in seiner aktuellen beruflichen Situation im Verkauf werde von ihm eine gewisse Extrovertiertheit verlangt, was für ihn einen grossen Druck und
eine
Belastung darstellen würde.
Mit seinem Sohn habe es immer schon grosse Schwierigkeiten gegeben, bis nun
ein
ADHS bei ihm diagnostiziert worden sei und er seither psychotherapeutisch und medikamentös behandelt werde. Auch die Tochter sei in psycho
thera
peu
ti
scher Behandlung, da auch bei ihr ADHS vermutet werde.
Der Beschwerdeführer berichte, dass bei ihm im Schulalter ein POS diagnostiziert, aber
nicht behandelt worden sei.
Die Paarbeziehung funktioniere im Alltag gut. Der Beschwerde
führer habe seine Partnerin als harmoniebedürftig und kommunikations- und konfliktscheu bezeichnet, was auch immer wieder zu Missverständnissen und Konflikten führen würde. Sie hätten bereits eine Paartherapie
absolviert
, welche geholfen habe
. Insgesamt habe er sich vor allem in letzter Zeit sehr zurück
gezogen
(Urk.
8/14
/
2)
.
Zum Therapiev
erlauf hielt Dr.
H._
fest, bei der Aufnahme habe der Patient
grosse Traurigkeit, Verzweiflung, Hilflosigkeit, grosse Existenz- und Todes
ängste,
Insuffizienz- und Schuldgefühle, starke psychovegetative Anspannung und auch innere Unruhe, Schlafstörungen, diverse somatische Symptome (
beispiels
weise
Rückenschmerzen) sowie einen ausgeprägten sozialen Rückzug ausge
wiesen. In der ersten Phase habe er sehr stark um Kontrolle bemüht gewirkt und habe eine extreme Erschöpfung und Antriebslosigkeit gezeigt, wodurch der affek
tive Zugang nur sehr eingeschränkt bis gar nicht möglich gewesen sei. Gegen Ende der zweiten, anfangs der dritten Behandlungswoche hätten sich erste Anzeichen einer Selbstöffnung und förderlichen Reflexion eigener Verhal
tensweisen gezeigt, wobei der Beschwerdeführer zunehmend selbstkritisch bereit gewesen sei, Selbst- wie auch Fremdanforderungen zu überprüfen
(Urk. 8/14
/
4)
.
Unter dem Titel Prozedere und Empfehlungen wurde ausgeführt, der Be
schwer
deführer trete in deutlich gebessertem psychophysischen Zustand mit Verbesse
rung der Stimmungslage, der Schlafstörungen und der psychovegetativen Symp
to
matik aus der Klinik aus. Die starken Todes-, Zukunfts- und Existenz
ängste sowie die panikartigen Angstattacken hätten während der Behandlungs
dauer deutlich minimiert werden können. Eine Fortsetzung der ambulanten Psychotherapie und psychiatrischen Behandlung bei Dr.
F._
sei zu emp
fehlen sowie auch die Fortsetzung der übenden Verfahren bezüglich Bewegung und Entspannung. Bezüglich der beruflichen Tätigkeit habe der Beschwerde
führer in Erwägung gezogen, sich aus der Firma und dem Berufsfeld als Produ
k
t Manager zurückzuziehen und zukünftig eine Tätigkeit zu suchen, welche seinem Naturell eher entspreche. Konkret genannt worden sei eine Weiterbildung in sozialer Arbeit (Urk. 8/14/1). Der Beschwerdeführer sei bis Ende August
2014
von seinem Hausarzt Dr.
G._
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (Urk.
8/14/2).
3.
3
Dr.
F._
stellte im Bericht
an die Beschwerdegegnerin
vom 26. April 2015 (Urk. 8/43
/6-10
) folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit als
Produkt
Manager
/ Verkaufsleiter (Urk. 8/43/
6):
Mai
2014, mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit Erschöp
fungssyndrom (ICD-10 Z73), ggw. leichte Episode
Seit 1999, Panikstörung (ICD-10 F41.0) mit sozial-phobischen Zügen
Seit 2009, Flugangst (bis 30 Geschäftsreisen pro Jahr)
St
atus
n
ach
Frühgeburt (Brutkasten), spät
er POS, heute bestehe ein ADS des Erwachsenenalters (ICD-10 F90.0)
Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) mit zwang
haften Zügen
Eine erste depressive Episode habe der Beschwerdeführer bereits 1999 zur Zeit des Diplomstudiums zum Lebensmittelingenieur erlitten. In den nächsten Jahren seien mehrere Behandlungsepisoden bei ihm wegen gravierender Erschöpfung, zeitweise auch schweren funktionellen Beschwerden, erfolgt. Im Mai 2014 sei es zu einer Exazerbation gekommen. Er habe im Anschluss an einen Fehler, der ihm unterlaufen sei, eine massive Anpassungsstörung und einen Tinnitus ent
wickelt. Dies habe ihm keine andere Wahl mehr gelassen als „Flucht nach vorne“. Die auch in der Persönlichkeitsstörung fundierte Überanpassung an die Erwartungen der Umgebung habe nun nicht mehr fortgesetzt werden können,
die daraus resultierenden Krankheitssymptome seien zu gravierend gewesen. Der
Beschwerdeführer könne
nicht mehr in seinen angestammten Beruf zurück
kehren, für diesen habe er ihn zu 100 % arbeitsunfähig schreiben müssen. Im Sozialbereich, wo er diverse Praktika plane, sei er im Januar 2015 zu 40 % und ab Februar 2015 zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 8/43
/
8). Hinsichtlich der Prognose gab Dr.
F._
an, diese sei gut. Der Beschwerdeführer gehe seinen neuen Berufsweg engagiert an. An Problemen würde allerdings seine Angst, eigene Wünsche wahrzunehmen, anzubringen und durchzusetzen
,
bleiben. Das zwang
haft-ängstliche sei auch im aktuellen Praktikum ein Problem, das ihm aber bewusst sei und das er angehe.
Es werde darauf zu achten sein, wie es ihm im zwischenmenschlichen Kontakt gehe, ob er eher für menschliche Aufgaben geeignet
sei
oder eher für verwaltende Aufgaben im Sozialbereich (Urk. 8/43
/
9).
Zur Frage der Beschwerdegegnerin nach dem Belastungsprofil einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit (zum Beispiel hinsichtlich psychischer Belastbarkeit, nationaler und internationaler Reisetätigkeit, Führungs-/Kaderverantwortung,
Lebensmittel/Pharmabranche, unregelmässige Arbeitszeiten; vgl. Urk. 8/46/6) hielt
Dr.
F._
fest,
dass der Beschwerdeführer fähig sei, in einem 100 %-Pen
sum in einer
behinderungsangepassten Tätigkeit zu arbeiten. Die
psychische Belastbarkeit sei besser geworden; das Erleben einer beruflichen Tätigkeit, die aus seinem eigenen Streben hervorgehe, verleihe ihm Kräfte. Zu bedenken sei, dass er es nun jahrelang mit Willensanstrengung geschafft habe
, täglich die Hin- und Rückfahrt nach Zug (Dauer je über eine Stunde) sowie ein 100 %-Pen
sum zu bewältigen. Früher sei der Beschwerdeführer oft mit einem Benzo
dia
zepin,
zum Beispiel
Temesta,
als Schutz
geflogen. Die Flugangst habe in letzter Zeit etwas abgenommen, so dass er phasenweise ohne Medikamente habe fliegen können. Sicher sei, dass der Beschwerdeführer nicht den Wunsch hege, berufsbedingt grosse Reise
n
zu unternehmen. Das habe er zu Genüge erlebt. Sein Wunsch sei, endlich mehr für seine Familie zur Verfügung stehen zu können. Von da her sei von regelmässigem Reisen abzuraten
.
Was eine all
fällige Führungs-/Kaderverantwortung betreffe, so habe der Beschwerdeführer die
Ten
denz, in autoritären Beziehungsfeldern mit Distanz, Vorsicht und Unsicherheit zu reagieren. Wenn er sich aber sicher und aufgehoben fühle, kämen diese Konflikte weniger zum Tragen. Er sei in der Therapie daran, sich hier zu stärken und solche Situationen von sich aus zu klären. Wenn unregelmässige Arbeits
zeiten zum neuen Arbeitsprofil gehörten und er sich damit identifizieren könne, so könne er durchaus verschiedene Schichten arbeiten (Urk. 8/43/9-10; vgl. auch die vom Beschwerdeführer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens einge
reichten Berichte von Dr.
F._
an den Krankentaggeldversicherer vom 13.
November 2014, an den TCS Rechtsschutz vom 7. Januar 2015 sowie an die EGK Gesundheitskasse vom 24. April 2015 [
U
rk. 8/52/4-9]).
3.4
In seiner Stellungnahme vom 19. Mai 2015 hielt RAD-Arzt
E._
fest, die Ausübung der bisherigen Tätigkeit sei nicht mehr möglich. Die derzeitige Stelle scheine den Beschwerdeführer zu überfordern. Eine angepasste Tätigkeit sei mög
lich. Eine Umstellung des Arbeitsumfeldes (im Sinne einer beruflichen Neu
orientierung) sei sinnvoll. Der Beschwerdeführer habe eine Ausbildung zum Koch,
eine kaufmännische Weiterbildung sowie ein Studium. Aufgrund der bisherigen Ausbildungen sei aus arbeitsmedizinischer Sicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seinem beruflichen Umfeld eine angepasste Tätigkeit aus
üben könne. In einer angepassten Tätigkeit in seinem Ausbildungsbereich sei aus medizinisch-theoretischer Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen. Aufgrund der im Bericht von Dr.
F._
vom 26. April 2015 genannten Diagnosen sei eine Tätigkeit mit häufiger Reisetätigkeit eher nicht geeignet (Urk.
8/45/2; vgl. auch Stellungnahme von RAD-Arzt Dr.
E._
vom 25.
Novem
ber 2014, Urk. 8/45
/1).
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Um
schu
lung hat.
4.2
Vorauszuschicken ist, dass nach der Rechtsprechung die Aufgaben von Rechts
anwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt ver
teilt sind: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschrei
ben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersu
chung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Diese ist durch die
rechts
anwendenden Behörden im Rahmen der rechtlichen Vorgaben zu würdi
gen
(BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.3
4.3.1
Die mit dem Beschwerdeführer befassten Fachärzte gehen übereinstimmend davon aus, dass bei ihm im Mai 2014 eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit einem Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73) auftrat, laut Dr.
H._
von der
D._
auf dem Boden ängstlich-ver
meidender Persönlichkeitszüge, laut Dr.
F._
auf dem Boden einer ängstlich-
vermeidenden Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6). Zudem leidet der Beschwer
deführer laut den Angaben von Dr.
H._
und Dr.
F._
seit 1999 unter einer Panikstörung (F41.0) mit sozial-phobischen Zügen. Gemäss Dr.
F._
be
steh
en bei ihm ausserdem eine Flugangst (seit 2009) sowie ein ADS im Er
wachs
enenalter (
ICD-10
F90.0).
4.3.2
Vorab ist auf BGE 130 V 352 E.
2.2.2
resp. BGE 141 V 281 E.
2.1.1 hinzu
weisen
, wonach im Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen Leistungs
prü
f
ung in jedem Fall verlangt wird, dass ein diagnostiziertes Beschwerdebild durch
korrelierende, fachärztlich feststellbare Befunde erklärbar ist. Dies ist hinsicht
lich der – einzig – von Dr.
F._
gestellten Diagnosen einer ängstlich-ver
meidenden Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) mit zwanghaften Zügen sowie eines ADS im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) nicht der Fall. Die Diagnose
kriterien dieser Störungen liegen, wenn überhaupt, jedenfalls nicht in ausge
prägter Form vor, war der Beschwerdeführer doch in der Lage, eine höhere Aus
bildung zu absolvieren, sich beruflich zu etablieren und – sowohl von der Position als auch
vo
m Einkommen her -
weiterzuentwickeln (vgl. Sachverhalt Ziffer 1 und Urk. 8/25 [Auszug aus dem Individuellen Konto]).
4.3.3
Depressive „Episoden“ sind definitionsgemäss vorübergehender Natur und habe
n deshalb, zumindest wenn sie leicht bis mittelschwer sind, gemäss der bundes
gerichtlichen Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wirkung. Die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven „Störung“ ist nach der Rechtsprechung nicht schlechthin auszuschliessen. Deren Annahme bedingt indessen insbesondere,
dass es sich um ein von allfälligen psychosozialen Be
las
tungsfaktoren losgelöstes depressives Leiden handelt (Urteil des Bundes
ge
richtes 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E.
5.2 mit Hinweis; vgl. E.
1.1
.2) und
dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 und 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1).
Bei den Z-Kodierungen handelt es sich um Faktoren, die den Gesundheits
zu
stand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen. Die Diagnosen Z00-Z999 sind für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als „Diagnosen“ oder „Probleme“ angegeben sind,
die nicht als Krankheit, Verlet
zung oder äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind.
„Burn-out“ (Z73.0) sowie a
kzentuierte Persönlichkeitszüge
(Z73.1)
als solche fallen somit nicht unter den Begriff des rechts
erheblichen Gesundheitsschadens
(vgl. Urteil
e
des Bundesgerichtes
9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E.
3.1 und
8C_302/201
1 vom 20. September 2011 E. 2.3, je
mit Hinweisen).
Panikstörungen gemäss ICD-10 F41.0 treten definitionsgemäss – ebenfalls – bloss episodisch auf; zwischen den Attacken müssen weitgehend angstfreie Zeit
räume liegen. Panikattacken können besonders bei Männern im Zusammen
hang mit depressiven Störungen auftreten (vgl. Weltgesundheitsorganisation [WHO], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 9. Auflage 2014, S. 196 f.).
4.3.4
Den Berichten der behandelnden Fachärzte (vgl. E. 3.2 und E. 3.3) ist bezüglich der Krankheitsentwicklung zu entnehmen, dass beim Beschwerdeführer erstmals im Jahr 1999 eine depressive Episode sowie ein Tinnitus auftraten, wobei sich letzterer offenbar chronifizierte. Im gleichen Jahr wurde eine Panikstörung diag
nostiziert. 2007 traten unter Stresssituationen erneut Panikattacken (mit Extra
systolen) auf. Im Mai 2014 kam es zu einer psychischen Dekompensation
mit depressiven Symptomen und Panikattacken (ohne Extrasystolen), wobei Aus
löser dieser Dekompensation offenbar letztlich ein sehr unangenehmer Vorfall am Arbeitsplatz war. Dem vorausgegangen waren jahrelange belastende und überfordernde Faktoren im
familiären und insbesondere auch im beruflichen Bereich (sehr viel Druck, schlechtes Arbeitsklima, mangelhaftes Management, sehr langer Arbeitsweg, langer Arbeitstag, viele Auslandreisen [Urk. 8/14/2, Urk.
8/43/8; vgl. auch Urk. 8/12/6-7]). Der Beschwerdeführer selbst führt die Überforderung im beruflichen Bereich insbesondere auch auf eine ungünstige
Berufswahl zurück (Urk. 8/15/1). Aus seiner Sicht bestand denn der Fokus seines
Aufenthaltes in der
D._
(23. Juni bis 1. August 2014) offenbar auch darin, seine Persön
lichkeitsstruktur besser kennen
zulernen, um mehr Klarheit zu gewinnen, welchen (beruflichen) Weg er nach Klinikaustritt einschlagen soll (Urk. 8/14/3).
Laut dem Bericht der
D._
vom 18. August 2014 haben sich die depressive Symptomatik und die Panikattacken bereits durch den dor
ti
g
en stationären Aufenthalt deutlich gebessert (Urk. 8/14/1). Zur Besserung scheint sodann insbesondere auch die dort gewonnene Erkenntnis des Beschwer
deführers, sich beruflich neu orientieren und zukünftig einer Tätigkeit nach
gehen zu müssen, die seinem Naturell eher entspricht, beigetragen zu haben (Urk. 8/14/4). Dementsprechend erhob Dr.
F._
in seinem Bericht vom
26.
April
2015 nur noch eine gegenwärtig leichte depressive Episode (Urk. 8/43/1)
. Ausserdem wies Dr.
F._
darin ausdrücklich darauf hin, dass die psychische Belastbarkeit besser geworden sei; das Erleben einer beruflichen Tätigkeit, die aus seinem eigenen Streben hervorgehe, verleihe ihm Kräfte (Urk. 8/43/9).
Die von den behandelnden Ärzten und dem Beschwerdeführer selbst geschil
derte Krankheitsentwicklung (Urk. 8/15) deutet klar darauf hin, dass das Krank
heitsbild massgeblich durch invaliditätsfremde psychosoziale Faktoren geprägt und therapierbar ist. Dies ergibt sich nicht zuletzt auch daraus, dass der Be
schwerdeführer – nach dem Klinikaufenthalt und nach Wegfall der belastenden beruflichen Faktoren – in der Lage war, im Hinblick auf den angestrebten Berufswechsel psychische Ressourcen zu mobilisieren und wieder ein hohes Aktivitätsniveau zu erreichen (Urk. 8/15/3). Die depressive Symptomatik wie auch die Panikattacken können daher - infolge ihrer soziogenen resp. reaktiven Natur und Behandelbarkeit - nicht als invalidisierende (andauernde) Beein
träch
tigungen anerkannt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_468/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.3). Gleiches gilt nach dem Gesagten für die genannten Z-Diagnosen.
4.3.5
Was die laut Dr.
F._
seit 2009 bestehende Flugangst betrifft, so hinderte diese den Beschwerdeführer gemäss Aktenlage, zumindest bei Einnahme von Benzodiazepinen, nicht daran, die mit seiner (inzwischen aufgegebenen) Tätig
keit als Produkt Manager verbundenen Flugreisen gleichwohl zu unternehmen. Im Übrigen hat die Flugangst laut den Angaben von Dr.
F._
im Bericht vom 26. April 2015
in letzter Zeit etwas abgenommen und war es dem Beschwer
deführer möglich, phasenweise ohne ein Medikament fliegen.
4.3.6
Die vorliegenden Berichte der behandelnden Fachärzte enthalten demnach keine Angaben, welche darauf schliessen lassen würden, dass ein invalidenversiche
rungsrechtlich relevantes - von den genannten prägnanten psychosozialen Be
las
tungsfaktoren losgelöstes, therapieresistentes - (andauerndes) psychisches Leiden
besteht resp. der Eintritt eines solchen droht.
4.3.7
Da die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers in den vorliegenden Berichten der behandelnden Fachärzte ausführlich und klar beschrieben wurde, bedurfte es keiner weiteren Abklärungen medizinischer Art. Soweit sich der Beschwerdeführer hinsichtlich seiner Rüge, wonach keine hinreichende medi
zi
ni
sche Entscheidungsgrundlage vorliege, auf die Rechtsprechung gemäss BGE 130 V 352 resp. BGE 141 V 281 beruft, verkennt er, dass kein unter diese Rechtsprechung fallendes Leiden im Raum steht. Im Übrigen hat das Bundes
gericht in BGE 141 V 281 E. 4.3.1 bestätigt, dass
psychische Störungen grund
sätzlich nur als invalidisierend gelten, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr) angehbar sind
(
Urteil des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5 unter Hinweis auf
BGE 141 V 281 E. 4.3.1
.2
)
. Solche Störungen sind beim Beschwerdeführer nach dem Gesagten klar nicht gegeben. Hinweise auf sonstige Erkrankungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehen nicht. Namentlich sind auch im vom Beschwerdeführer im Rahmen des Be
schwerdeverfahrens eingereichten Bericht der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des Universitätsspitals Zürich vom 8. Oktober 2014 keine solchen enthalten (Urk. 8/52/2-3).
4.3.8
Mangels Vorliegens eines invalidisierenden Leidens ist daher – mit der Be
schwerdegegnerin – ein Leistungsanspruch des Beschwerdeführers ohne Wei
te
res zu verneinen.
5.
5.1
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass ein Anspruch auf Umschulung auch dann nicht bestehen würde, wenn mit Dr.
F._
angenommen würde, dass dem Beschwerdeführer die bisherigen Tätigkeiten als Produkt Manager und Verkaufsleiter – auch bei einer Arbeitgeberin, welche ihm besse
r entspricht als die
C._
AG –
aus psychischen Gründen nicht mehr zumutbar sind.
5.2
Wie eingangs erwähnt, würde ein Anspruch des Beschwerdeführers auf Um
schu
lung unter anderem voraussetzen, dass er in den für ihn
ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 % erleidet
(vgl. E. 1.3.3).
5.3
Rechtsprechungsgemäss ist für die Beurteilung der Frage, ob es der versicherten Person zuzumuten ist, eine - bestimmte - Arbeitsleistung zu erbringen, insofern eine objektivierte Betrachtungsweise massgeblich, als es nicht auf ihr subjek
tives Empfinden ankommen kann (BGE 141 V 281 E. 3.7.1 mit Hinweisen).
Dr.
F._
hat dem Beschwerdeführer in seinem Bericht vom 26. April 2015 ausdrücklich nur für eine angepasste Tätigkeit „im Sozialbereich“ eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert (Urk. 8/43/8-9). Diese – von ihm medizinisch-theo
retisch nicht untermauerte – Beurteilung entspricht zwar der Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers. Bei objektivierter Betrachtungsweise ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb es ihm nicht ebenso zuzumuten sein sollte, in einem anderen Bereich, namentlich in seinem angestammten Ausbildungsbereich als Lebensmittelingenieur F
H
, eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zu verrichten.
Gemäss der von der Berufsberatung der Beschwerdegegnerin eingeholten Aus
kunft von Herrn
I._
, Dozent für allgemeine Lebensmitteltechnologie und Studienberater am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation an der
Z._
, vom 29. Juni 2015 ist der Salesbereich erfahrungsgemäss ver
bunden mit viel Druck, Belastung und Reisetätigkeit. Deshalb sei es nicht ganz selten, dass nach längerer Tätigkeit ein Wunsch nach Veränderung aufkomme. Grundsätzlich handle es sich bei der Ausbildung als Lebensmittelingenieur um eine breite und vielfältige Ausbildung. Eine Neuorientierung in einen Bereich mit etwas weniger Druck und Belastung, nach längjähriger Arbeit im Sales Bereich, sei nicht ganz einfach, aber möglich, eventuell auch verbunden mit gewissen Lohneinbussen im Bereich von 10 % bis 20 %. Denkbare Möglich
keiten mit weniger Reisetätigkeit und allenfalls auch weniger Druck seien die Bereiche Qualitätsmanagement, Produktmanagement (Office), Einkauf, Arbeits
stellen beim Bund (Bundesamt für Gesundheit, Bundesamt für Landwirtschaft), und beim Kanton (kantonales Labor, Vollzugsbehörde, Lebensmittelkontrolleur, Lebensmittelinspektor [Urk. 8/46/6]).
Aufgrund dieser plausiblen Angaben von Herrn
I._
ist davon auszugehen, dass es im angestammten Ausbildungsbereich des Beschwerdeführers diverse Be
schäftigungsmöglichkeiten gibt, welche dem von Dr.
F._
formulierten Be
lastungsprofil (Urk.
8/43/9-10) entsprechen. Diese Tätigkeiten wären laut Herrn
I._
zwar mit einer möglichen Erwerbseinbusse von durchschnittlich 15 % verbunden. Damit wäre aber die besagte quantitative Erheblichkeits
schwelle von 20 % (vgl. E. 1.3.3) noch nicht erreicht.
5.4
Der Wunsch des Beschwerdeführers, in den sozialen Bereich zu wechseln, erscheint aufgrund seines Vorbringens zwar verständlich. Invaliditätsbedingt notwendig ist der angestrebte Berufswechsel nach dem Gesagten aber nicht. Hinzu kommt, dass die Verdienstaussichten mit der angestrebten Ausbildung als Sozialarbeiter FH eher schlechter sein dürften als diejenigen im bisherigen Aus
bildungsbereich als Lebensmittelingenieur FH,
weshalb der voraussichtliche Erfolg
der beantragten - viereinhalb Jahre dauernden - Umschulung
jedenfalls auch nicht in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten steht
. Abgesehen davon ist bei objektivierter Betrachtung auch nicht ersichtlich, inwiefern eine Tätigkeit als Sozialarbeiter FH weniger belastend sein soll als eine angepasste Tätigkeit als Lebensmittelingenieur F
H
.
6.
Die Beschwerdegegnerin hat demnach einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Umschulung jedenfalls zu Recht verneint, weshalb die Beschwerde insoweit abzuweisen ist.
Soweit der Beschwerdeführer beantragte, die Beschwerde
geg
ne
rin sei anzuweisen, die Rentenfrage zu prüfen, ist auf die Beschwerde nicht ein
zutreten, da ein
allfälliger Rentenanspruch nicht Gegenstand der angefoch
tenen Verfügung
bildete.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleis
tungen geht, ist das Verfahren k
ostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.--
anzusetzen
und ausgangsgemäss
de
m Beschwerdeführer
aufzuerlegen
.