Decision ID: 96df71f8-8d0e-43e5-ac49-ad66604f5e1f
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. im Zustand der 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 29. November 2018 (GG180195)
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Antrag:
Der Antrag der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 6. September 2018
auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person (Urk. 23) ist
diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte folgende Tatbestände in nicht
selbstverschuldeter Schuldunfähigkeit erfüllt hat:
− versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
− mehrfache Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Zurechnungsunfähigkeit wird von
einer Strafe abgesehen.
3. Es wird eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB (Be-
handlung psychische Störung) angeordnet.
4. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im
Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes angeordnet. Der Kantonspolizei
Zürich wird der entsprechende Vollzugsauftrag erteilt und die Beschuldigte
wird verpflichtet, sich innert 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft des Urteils
bei der Kantonspolizei Zürich, Erkennungsdienst, Zeughausstrasse 11,
8021 Zürich, zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit Wangenschleim-
hautabnahme zu melden.
5. Die Zivilansprüche der Privatklägerin 2 werden abgewiesen.
6. Der amtliche Verteidiger lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen aus
der Gerichtskasse wie folgt entschädigt:
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Leistungen bis Ende Dezember 2017 mit 8.0 % MwSt. :
Honorar CHF 3'817.00
Barauslagen CHF 66.00
Zwischentotal CHF 3'883.00 MwSt. CHF 310.65
Zwischentotal Entschädigung inkl. MwSt. CHF 4'193.65
Leistungen bis ab Januar 2018 mit 7.7 % MwSt. :
Honorar CHF 4'754.20 Barauslagen CHF 68.00
Zwischentotal CHF 4'822.20 MwSt. CHF 371.30
Zwischentotal Entschädigung inkl. MwSt. CHF 5'193.50
Entschädigung Total inkl. MwSt. CHF 9'387.15
7. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 5'913.00 Auslagen Gutachten
Fr. 9'387.15 amtliche Verteidigung
Fr. 4'456.65 unentgeltlicher Rechtsbeistand Privatklägerin 2
8. Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerin 2 wird mit Fr. 4'456.65
(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-
lich diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertre-
tung der Privatklägerin 2, werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
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Berufungsanträge
Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 56 S. 1)
"1. Es sei festzustellen, dass die Beschuldigte keine Straftaten begangen hat.
2. Von der Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63
StGB sie abzusehen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien ausgangsgemäss auf die
Staatskasse zu nehmen, im Falle der Abweisung der Berufung jedoch im
Sinne von Art. 419 StPO nicht aufzuerlegen."
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Erwägungen:
1. Prozessverlauf
1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom
29. November 2018 wurde festgestellt, dass die Antragsgegnerin die Tatbestände
der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB in nicht selbstverschuldeter Schuldunfähigkeit erfüllt hat.
Aufgrund der nicht selbstverschuldeten Zurechnungsunfähigkeit wurde von einer
Strafe abgesehen, und es wurde eine ambulante Massnahme im Sinne von
Art. 63 Abs. 1 StGB angeordnet. Weiter wurde die Abnahme einer DNA-Probe
und Erstellung eines DNA-Profils angeordnet und die Zivilansprüche der Privat-
klägerin C._ abgewiesen (Urk. 46).
1.2. Gegen dieses Urteil meldete die Antragsgegnerin am 10. Dezember 2018
rechtzeitig Berufung an (Urk. 36). Das begründete Urteil wurde der Antragsgegne-
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rin am 13. März 2019 zugestellt (Urk. 45/2). Die Berufungserklärung ging am
2. April 2019 innert Frist ein (Urk. 48). Mit Verfügung vom 3. April 2019 wurde der
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (nachfolgend Staatsanwaltschaft) so-
wie den Privatklägerinnen Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung
erhoben wird oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantra-
gen (Urk. 49 und 50/1-3). Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerinnen lies-
sen sich nicht vernehmen. Zur Berufungsverhandlung vom 20. September 2019
erschien der amtliche Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. X._ ohne die An-
tragsgegnerin. Da der amtliche Verteidiger gemäss eigenen Angaben von der An-
tragsgegnerin genügend instruiert worden sei, beantragte er die Durchführung der
Berufungsverhandlung in deren Abwesenheit. Dieser Antrag wurde durch das Ge-
richt gutgeheissen und die Berufungsverhandlung in Abwesenheit der Beschuldig-
ten durchgeführt (Prot. II S. 4 f.). Das Verfahren ist spruchreif.
2. Berufungserklärung
2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erstin-
stanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Gemäss
Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wir-
kung.
2.2. Mit der Berufungserklärung vom 1. April 2019 beschränkte die Antrags-
gegnerin die Berufung auf den Schuldpunkt, die Anordnung einer ambulanten
Massnahme und die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils
(Urk. 48).
2.3. Nachdem die Dispositivziffern 5 (Zivilansprüche), 6 (Entschädigung amtli-
che Verteidigung), 7 (Kostenfestsetzung), 8 (Entschädigung unentgeltlicher
Rechtsbeistand der Privatklägerin 2) und 9 (Kostenauflage) nicht angefochten
sind, ist festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in
Rechtskraft erwachsen ist.
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3. Strafantrag
Der Antragsgegnerin wird im Antrag der Staatsanwaltschaft vom 6. September
2018 u.a. die Begehung von Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB zum
Nachteil der Privatklägerin C._ vorgeworfen. So soll sie Letztere unvermittelt
und ruckartig von hinten an den Haaren gerissen haben (Urk. 23 S. 2). Beim Tat-
bestand der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB handelt es sich um ein
Antragsdelikt. Im Strafantragsformular vom 14. März 2017 wird als Grund für den
Strafantrag lediglich ein "Schlag mit Glas ins Gesicht" genannt (Urk. 2). Dass die
Privatklägerin C._ zudem die Bestrafung der Beschuldigten wegen Haare-
reissens beantragt, kann dem Formular nicht entnommen werden. Dementspre-
chend ist das Strafverfahren in Bezug auf den Vorwurf der Tätlichkeiten zum
Nachteil der Privatklägerin C._ zufolge fehlenden Strafantrags einzustellen
(Art. 329 Abs. 1 und 4 StPO i.V.m. mit Art. 379 StPO).
4. Sachverhalt
4.1. Tatvorwürfe
4.1.1. Die Tatvorwürfe ergeben sich aus dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf
Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person vom 6. September
2018 (nachfolgend Antrag; Urk. 23). Der Antragsgegnerin wird zusammengefasst
vorgeworfen, einerseits die Privatklägerinnen am 12. März 2017 ca. 14.30 resp.
15.30 Uhr von hinten an den Haaren gerissen zu haben und andererseits der Pri-
vatklägerin C._ ein Whiskyglas gegen das Gesicht geworfen oder geschla-
gen zu haben, wobei das Whiskyglas im Gesicht der Privatklägerin C._ zer-
splitterte. Die Privatklägerin C._ erlitt dadurch über der linken Augenbraue
eine Rissquetschwunde.
4.1.2. Die Antragsgegnerin bestritt sowohl in der Untersuchung als auch vor Vor-
instanz den ihr vorgeworfenen Sachverhalt (Urk. 1 S. 4, Urk. 4/1 S. 1 ff., Urk. 4/2
S. 4 ff.; Prot. I S. 15 ff.). Es ist daher anhand der aktenkundigen Beweismittel zu
prüfen, ob der dem Antrag zugrunde liegende Sachverhalt erstellt werden kann.
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4.2. Sachverhaltserstellung
4.2.1. Als Beweismittel liegen nebst den Aussagen der Antragsgegnerin (Urk. 4/1-
2) und der Privatklägerinnen C._ und B._ (Urk. 5/1-2 und Urk. 6/1-2) die
Aussagen des Zeugen D._ (Urk. 7), eine Fotodokumentation der Stadtpolizei
Zürich (Urk. 8) und der ärztliche Befund des Stadtspitals E._ betreffend die
Privatklägerin C._ vom 4. August 2017 (Urk. 9/5-6) vor.
4.2.2. Die Vorinstanz hat sich ausführlich und soweit korrekt mit der Glaubwürdig-
keit der Antragsgegnerin, der Privatklägerinnen B._ und C._ und des
Zeugen sowie der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen befasst, so dass grundsätzlich
darauf verwiesen werden kann (Urk. 46 S. 12 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Vorbehalte
sind bezüglich der Aussagen der Privatklägerin B._ anzubringen. Auf die
konkreten Aussagen der verschiedenen Personen zu den einzelnen Vorfällen und
deren Würdigung wird nachfolgend eingegangen.
4.2.3. Anerkannt wird seitens der Antragsgegnerin, dass die Privatklägerin
C._ am Auge verletzt wurde (Urk. 32 S. 2). Dies wird denn auch vom ärztli-
chen Befund des Stadtspitals E._ betreffend die Privatklägerin C._ vom
4. August 2017 bestätigt (Urk. 9/5-6). Gemäss diesem Befund erlitt die Privatklä-
gerin C._ eine Rissquetschwunde von ca. 1.5 cm über der linken [recte:
rechten] Augenbraue, klaffend (Urk. 9/5-6). Sodann lässt sich die Verletzung der
Privatklägerin C._ auch der Fotodokumentation der Stadtpolizei Zürich ent-
nehmen (Urk. 8 S. 2 f.). Die Aufnahmen auf Seite 3 erfolgten unmittelbar nach
dem Vorfall und zeigen bei der Augenbraue eine blutende, ca. 1.5 cm lange Wun-
de (Urk. 8 S. 3).
4.2.4. Weiter gesteht die Antragsgegnerin zu, dass es zu einer Konfrontation zwi-
schen ihr und der Privatklägerin C._ gekommen war und dabei der Gegen-
stand, den sie in der Hand hielt – nach ihrer Darstellung eine Bierflasche (Urk. 4/1
S. 7, S. 10; Prot. I S. 17) – an den Kopf der Privatklägerin C._ geriet (Urk. 4/1
S. 7; Prot. I S. 17).
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4.2.4.1. Die Antragsgegnerin führte hierzu an, dass sie zum Ausgang gegangen
sei. Hinter der Bar sei die blonde Frau auf sie zugelaufen gekommen. Sie habe
gesagt, sie solle sowieso gehen. Sie habe sich bedroht gefühlt und habe eine
Abwehrhaltung eingenommen, indem sie ihre Arme nach vorne ausgestreckt ha-
be. Dabei sei diese Flasche an ihren Kopf gekommen. Sie habe eine Bierflasche
in der Hand gehabt; die Flasche, die ihr ihr Begleiter gekauft gehabt habe. Sie
würde sagen, dass es eindeutig von ihrer (Privatklägerin C._) Geschwindig-
keit gekommen sei, denn sie sei stehen geblieben. Der Türsteher draussen habe
aufgrund der Schreie der blonden Frau reagiert. Er habe sie – die Antragsgegne-
rin – von hinten um die Arme herum gepackt, sie gehoben und umgedreht. Dabei
sei die Bierflasche vermutlich auf den Boden gefallen (Urk. 4/1 S. 2). Sie sei auf
der Schwelle zur Türe gewesen, als sie hinausgehen wollte, als die blonde Frau
von der Seite auf sie zugekommen sei und gesagt habe, sie solle sowieso gehen.
Als sie beim Ausgang gewesen sei, sei die blonde Frau auf sie zugelaufen. Sie
habe nicht gewusst, was sie erwarte. Dann habe sie einfach so (beide Arme ge-
streckt, zum Schutz erhoben vor sich) gemacht (Urk. 4/1 S. 6 f.). Die Privatkläge-
rin C._ sei auf sie zugelaufen gekommen. Sie habe sich einfach schützen
wollen. Sie habe nicht gewusst, ob die Privatklägerin C._ sie auch noch
stossen wolle. Wie gesagt, habe sie ihre Hände schützend nach vorne gehalten.
Sie hätten schon zu Protokoll genommen, dass die Bierflasche dabei an den Kopf
geraten sei (Urk. 4/1 S. 7). Die Privatklägerin C._ habe sie nicht heraus be-
gleitet. Sie sei von der Bar gekommen (Urk. 4/1 S. 8). Zur Herkunft der Bierfla-
sche führte sie an, dass ihr ein junger, hübscher Mann nachdem die blonde Frau
ihr Glas ausgeleert gehabt habe, dann ein Bier gekauft habe. Sie habe diesem
vom Vorfall mit der blonden Frau erzählt. Er habe dann Mitleid gehabt und ihr ein
Bier gekauft (Urk. 4/1 S. 2). Die Flasche habe der Mann ihr erst gerade gekauft.
Sie sei ziemlich voll gewesen. Ihr sei nicht bewusst gewesen, dass sie die Fla-
sche in der Hand halte. Sie sei einfach gestresst gewesen. Sie habe ihren Körper
mit den Händen schützen wollen. Das mit der Bierflasche habe sie nicht realisiert.
Es sei so schnell gegangen. Die Privatklägerin C._ sei aggressiv auf sie zu-
gekommen (Urk. 4/1 S. 9).
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4.2.4.2. Die Privatklägerin C._ führte aus, sie sei plötzlich von der Antrags-
gegnerin angesprochen worden. Was sie ihr gesagt habe, wisse sie nicht mehr.
Sie – die Privatklägerin – habe gesagt, es wäre besser, wenn sie – die Antrags-
gegnerin – sie in Ruhe lasse. Sie wisse nicht, was sie ihr angetan habe und es
wäre besser, wenn sie an die frische Luft ginge. Sie arbeite im Gastgewerbe. Aus
ihrer Erfahrung wisse sie, wie man mit Personen umzugehen habe, die alkoholi-
siert oder aggressiv seien. Man müsse ruhig bleiben. Das habe sie auch in dieser
Situation getan und habe die Frau nach draussen begleitet. Sie habe ihren Arm
um sie gelegt, und habe sie in Richtung Ausgang gewiesen, wohin sie sie auch
begleitet habe (Urk. 5/2 S. 5, S. 8). Sie sei mit Herrn F._ an der Bar gewe-
sen, als die Antragsgegnerin auf sie zugekommen sei. Sie habe aus Instinkt ge-
handelt. Sie habe gedacht, sie brauche frische Luft. Sie seien von der Bar in Rich-
tung Ausgang gegangen. Auf der rechten Seite des Ein-/Ausgangsbereichs sei
ein Securitymitarbeiter gestanden. An viel könne sie sich nicht mehr erinnern, es
sei sehr schnell gegangen. Die Frau sei gegenüber von ihr gestanden, mit einer
Distanz von ca. 1-2 Meter. Das einzige, was sie wahrgenommen habe, sei eine
Handbewegung gewesen. Nach dieser kurzen Handbewegung, die sie gesehen
gehabt habe, habe sie einen dumpfen Schlag im Gesicht gespürt. Sie sei zu Bo-
den gegangen. Sie habe einen Schlag erhalten, den sie nicht näher definieren
könne. Vielleicht sei sie aus Schock gefallen, vielleicht habe sie das Gleichge-
wicht verloren. Sie sei aber nicht aus Ohnmacht gefallen (Urk. 5/2 S. 8 f.). Der
Vorfall habe sich im Eingangsbereich abgespielt (Urk. 5/2 S. 10).
4.2.4.3. Die Privatklägerin B._ hatte diesen Vorfall nicht direkt mitbekommen
(Urk. 6/2 S. 7). Sie gab aber an, die Privatklägerin C._ draussen gesehen zu
haben. Deren Gesicht sei blutüberströmt gewesen (Urk. 6/2 S. 5).
4.2.4.4. Der Zeuge D._ gab an, dass die Security einen betrunkenen Gast,
der eingeschlafen gewesen sei, nach draussen gebracht habe. Genau in diesem
Moment, als die Security draussen gewesen sei, sei die Situation ausgeartet. Er
habe gesehen, dass die Antragsgegnerin und die beiden Privatklägerinnen mitei-
nander gestritten hätten. Es sei zu Handgreiflichkeiten gekommen. Mehr oder
weniger direkt vor der Bar. In diesem Moment sei er nach draussen gerannt, um
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die Security zu holen. Als er zurückgekommen sei, habe er gesehen, wie an der
Türe die Antragsgegnerin der anderen Dame ein Whiskyglas aus nächster Entfer-
nung voll über den Kopf gezogen habe. Sie sei blutüberströmt nach draussen ge-
rannt. Die Security sei wenige Sekunden später gekommen. Dann habe die
Security eingegriffen. Ein Securitymitarbeiter habe die verletzte Person zu sich
genommen und der andere Securitymitarbeiter habe die Antragsgegnerin zur Sei-
te genommen. Jemand habe die Polizei gerufen (Urk. 7 S. 4, S. 6). Als er zurück-
gekommen sei, hätten die Privatklägerin C._ und die Antragsgegnerin am
Eingang miteinander gesprochen. Er habe zuerst gedacht, dass das Ganze abge-
flacht sei. Die Person, die verletzt worden sei, habe sich extrem ruhig verhalten.
Genau als die Security gekommen sei, sei dann das mit dem Whiskyglas passiert.
Die Antragsgegnerin sei ca. einen halben Meter von der Privatklägerin C._
entfernt gestanden und habe dieser das Whiskyglas angeworfen. Er sei daneben
gestanden und es sei so schnell passiert, dass niemand habe reagieren können
(Urk. 7 S. 6). Die Antragsgegnerin habe das Glas direkt ins Gesicht geschlagen.
Man könne nicht von einem Wurf sprechen. Die Antragsgegnerin habe direkt auf
das Gesicht gezielt (Urk. 7 S. 8).
4.2.4.5. Die Aussagen der Privatklägerin C._ sind nicht nur in sich stimmig
sondern sie decken sich auch mit den Aussagen des Zeugen D._. Der Zeuge
D._ bestätigte die Aussagen der Antragsgegnerin, dass sie eine Bierflasche
in der Hand gehabt habe und die Privatklägerin C._ in ihre Arme gelaufen
sei, nicht. Er sprach von einem gezielten Schlag der Antragsgegnerin ins Gesicht
der Privatklägerin C._ ("Als ich zurückkam, sah ich, wie an der Türe die Be-
schuldigte der anderen Dame ein Whiskyglas aus nächster Entfernung voll über
den Kopf zog.", Urk. 7 S. 4; "Sie [die Antragsgegnerin] hat es direkt ins Gesicht
geschlagen. Man kann nicht von einem Wurf sprechen.", Urk. 7 S. 8; "Für mich
kann man das nicht mehr als Wurf bezeichnen, weil dafür die Distanz nicht da
war.", Urk. 7 S. 11). Zudem bestätigte er mehrmals, dass die Antragsgegnerin ein
Whiskyglas in der Hand gehalten habe (Urk. 7 S. 4, S. 6 ff.). Es ist nicht ersicht-
lich, warum er diesbezüglich falsch aussagen sollte, insbesondere da er weder
die Antragsgegnerin noch die Privatklägerin C._ kennt (Urk. 7 S. 2). Die
Glaubhaftigkeit der Aussagen des Zeugen D._ wird schliesslich auch von der
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Verteidigung nicht in Frage gestellt, bezeichnete sie ihn doch als einzigen verläss-
lichen Zeugen (Urk. 56 S. 4). Wie die Vorinstanz sodann zutreffend erwog
(Urk. 46 S. 16), erscheint es lebensfremd, dass die Privatklägerin C._ mit ei-
ner so schnellen Geschwindigkeit in eine von der Antragsgegnerin in der Hand
gehaltene Bierflasche gelaufen sein soll und sich dadurch die doch nicht unerheb-
liche Verletzung oberhalb des linken Auges zugezogen haben soll. Die Antrags-
gegnerin gab sodann an, dass die Privatklägerin C._ auf sie zugekommen
sei, als sie – die Antragsgegnerin – den Klub habe verlassen wollen. Sodann be-
stätigte der Zeuge D._, dass sich die Situation in diesem Zeitpunkt beruhigt
gehabt habe. Es ist weiter auch nicht nachvollziehbar, warum die Privatklägerin
C._ die Antragsgegnerin beim Verlassen des Klubs von sich aus hätte an-
sprechen sollen. Anhaltspunkte für die von der Antragsgegnerin geltend gemach-
te Intrige (Urk. 4/1 S. 5) sind nicht ersichtlich. Sodann fehlen auch bei den Aussa-
gen der Privatklägerin C._ bezüglich dieses Vorfalls Dramatisierungen, was
in Verbindung mit ihren stimmigen Aussagen ebenfalls für deren Glaubhaftigkeit
spricht. So stellte sie klar, dass sie zwar zu Boden gegangen sei, aber nicht, weil
sie ohnmächtig geworden sei (Urk. 5/1 S. 9). Auf die erlittenen Verletzungen an-
gesprochen gab sie an, das zum Glück nichts Schlimmeres passiert sei. Die Nar-
be sei sehr gut verheilt. Sie habe auch keine Schmerzen mehr (Urk. 5/1 S. 14).
Schliesslich vermag der Umstand, dass der Zeuge D._ ausgesagt hatte, die
Privatklägerin C._ sei ca. einen halben Meter von der Beschuldigten entfernt
gestanden, die Privatklägerin C._ aber von 1,5 bis 2 Metern sprach, keine
Zweifel an den sonst stimmigen und bezüglich des Ablaufs übereinstimmenden
Aussagen des Zeugen D._ und der Privatklägerin C._ zu wecken. Dass
die Privatklägerin C._ die Distanz grösser einschätzte, kann mit deren Alko-
holkonsum und dem Umstand, dass der Schlag sie völlig unvorbereitet getroffen
hatte und sie die Distanz daher nicht bewusst wahrgenommen hatte, plausibel er-
klärt werden.
4.2.4.6. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass aufgrund der plausib-
len, in sich stimmigen und übereinstimmenden Aussagen der Privatklägerin
C._ und des Zeugen D._ und in Würdigung des ärztlichen Befundes des
Stadtspitals E._ vom 4. August 2017 erstellt ist, dass die Antragsgegnerin
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der Privatklägerin C._ ein Whiskyglas gezielt ins Gesicht geschlagen hat,
wodurch die Privatklägerin über der linken Augenbraue eine etwa 1,5 cm grosse
Rissquetschwunde erlitten hat. Dagegen kann es nicht als erstellt gelten, dass
das Whiskyglas im Gesicht der Privatklägerin C._ zersplitterte. Die Privatklä-
gerin C._ konnte hierzu keine Angaben machen. Der Zeuge D._ sagte
lediglich aus, dass das Glas kaputt gegangen sei (Urk. 7 S. 8). Wie die Vorinstanz
zutreffend erwog (Urk. 46 S. 17), kann aus dieser Aussage nicht unmissverständ-
lich darauf geschlossen werden, dass das Glas im Gesicht der Privatklägerin
C._ zersplitterte. Schliesslich äussert sich auch der ärztliche Befund des
Stadtspitals E._ nicht eindeutig zu dieser Frage (Urk. 9/6). Es ist deshalb zu-
gunsten der Antragsgegnerin davon auszugehen, dass das Glas erst am Boden
zerbrach.
4.2.5. Die Antragsgegnerin bestreitet schliesslich, auf die Privatklägerin B._
zugegangen zu sein, und diese von hinten an den Haaren gerissen zu haben
(Urk. 4/1 S. 11; Urk. 4/2 S. 4; Prot. I S. 17).
4.2.5.1. Die Privatklägerin B._ führte aus, die sei nach ein paar Stunden an
der Bar gestanden. Sie sei müde gewesen und habe gehen wollen. Sie sei dort
gestanden und habe auf eine Kollegin gewartet. Plötzlich habe sie die Antrags-
gegnerin an den Haaren gepackt. Es sei alles sehr schnell gegangen. Sie habe
einen Rossschwanz getragen. Sie habe hohe Schuhe getragen und sei ausge-
rutscht. Sie habe dann realisiert, dass es die Antragsgegnerin gewesen sei. Da
seien schon Leute gekommen und hätten sie getrennt. Sie sei völlig schockiert
gewesen. Dann sei von der Bar einer gekommen und habe gefragt, ob sie hinaus
möchte. Sie sei völlig verwirrt gewesen. Er habe den Vorfall besser gesehen als
sie. Sie habe dann gesehen, wie die Antragsgegnerin am Eingang um sich ge-
schlagen habe. Der Security habe sie zurückhalten müssen. Der Security habe
gesagt, sie sollen nach unten gehen, so seien sie zum Ausgang gekommen. Sie
sei hinunter gegangen und habe die Privatklägerin C._ gesehen. Deren Ge-
sicht sei blutüberströmt gewesen. Wieso man die Antragsgegnerin nicht schon
gehalten habe, als sie das Glas geworfen habe, sei ihr nicht bekannt. Sie habe ja
zuerst die Privatklägerin C._ mit dem Glas angegriffen, nehme sie an, und
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danach habe sie sie an den Haaren gezogen. Sie nehme es an, sie sei ja am
träumen gewesen (Urk. 6/2 S. 5). Der Vorfall am Stehtisch sei mitten in der Nacht
gewesen, ob es nun vier oder fünf Uhr gewesen sei, wisse sie nicht. Am Mittag
habe die Antragsgegnerin sie an den Haaren gepackt (Urk. 6/2 S. 6). Woher die
Antragsgegnerin gekommen sei, habe sie nicht gesehen. Sie sei plötzlich da ge-
wesen. Sie – die Privatklägerin B._ – habe hohe Schuhe getragen und sie
sei gerutscht, sodass sich ihr Knie verdreht habe. Sie wisse nur noch, dass sie sie
am oberen Teil ihres Rossschwanzes nahe Haargummi gepackt habe. Sie – die
Antragsgegnerin – habe stark an ihrem Rossschwanz gezogen. Es seien einige
Männer gekommen und hätten die Antragsgegnerin dann weggerissen (Urk. 6/2
S. 6). Sie nehme an, dass das mit dem Glas kurze Zeit vorher passiert sei. Sie sei
ja hinaus gegangen und habe die Privatklägerin C._ mit Blut im Gesicht ge-
sehen (Urk. 6/2 S. 7).
4.2.5.2. Bei der Polizei führte die Privatklägerin B._ aus, dass die Privatklä-
gerin C._ und die anderen dann nach vorne gegangen seien um zu tanzen.
Sie sei sitzen geblieben, da sie sehr müde gewesen sei. Sie sei aufgestanden
und sei etwas nach vorne gegangen, um auf die Tanzfläche zu sehen. Da sei die-
se Frau zu ihr gekommen und habe sie an ihrem Rossschwanz gepackt. Sie habe
versucht sich zu wehren. Dabei sei sie irgendwie ausgerutscht und habe sich da-
bei ihr Knie verdreht. Es seien dann einige Leute gekommen und hätten diese
Frau von ihr weggezogen. Der Sicherheitsangestellte sei dann mit dieser Frau
nach draussen gegangen. Sie sei ebenfalls nach draussen gegangen, da sie die
Frau habe fragen wollen, was das solle. Aber der Sicherheitsangestellte habe sie
nicht zu ihr gelassen, was sie auch verstanden habe. Da habe sie die Privatkläge-
rin C._ draussen auf einem Stuhl sitzen gesehen und deren Gesicht sei blut-
überströmt gewesen. Sie wisse nicht, wie viel nach dem Reissen ihrer Haare sie
nach draussen gegangen sei (Urk. 6/1 S. 1 f.).
4.2.5.3. Die Privatklägerin C._ konnte zu diesem Vorfall keine Angaben ma-
chen (Urk. 5/2 S. 14). Sie gab jedoch an, dass sie mit dem Organisator der Party
an der Bar gestanden sei und mit ihm noch einen Tequillashot getrunken habe.
Plötzlich sei sie wieder von dieser Frau angesprochen worden. Sie habe dann die
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Frau nach draussen begleitet (Urk. 5/2 S. 5). Auch in der polizeilichen Einver-
nahme hatte sie ausgeführt, dass diese Person wieder auf sie zugekommen sei
und sie zu ihr gesagt habe, dass es besser sei, dass sie sie nach draussen be-
gleiten würde. Sie habe sie auch nach draussen begleitet (Urk. 5/1 S. 1).
4.2.5.4. Bezüglich der Aussagen des Zeugen D._ kann vorab auf obige Aus-
führungen verwiesen werden (vgl. Ziff.4.2.5.4.). Auf die Frage, ob er sich daran
erinnern könne, dass er angegeben gehabt habe, gesehen zu haben, wie die An-
tragsgegnerin die Privatklägerin B._ an den Haaren gerissen habe, gab er
an, nicht mehr im Detail nein. Er wisse, dass es vor dem Wurf des Whiskyglases
zu Handgreiflichkeiten gekommen sei. Aber im Detail könne er nichts mehr sagen.
Zu den Handgreiflichkeiten sei es mehr oder weniger direkt vor der Bar gekom-
men. Er habe gesehen, dass sie aufeinander losgingen und sei sofort die Security
holen gegangen. Wer auf wen losgegangen sei, könne er nicht sagen. Die An-
tragsgegnerin und die beiden Privatklägerinnen seien beteiligt gewesen. Man
müsse vielleicht noch ergänzen, diese Gruppe sei eine grosse Gruppe gewesen.
Es habe auch Personen gegeben, die probiert hätten zu schlichten, aber diese
drei seien involviert gewesen (Urk. 7 S. 5 f.). Nachdem die Antragsgegnerin der
Privatklägerin C._ das Glas ins Gesicht geschlagen gehabt habe, sei die
Security gekommen. Sie seien vielleicht zwei Sekunden zu spät gewesen. Ein
Security habe die Antragsgegnerin geschnappt und der andere die Antragsgegne-
rin [recte: Privatklägerin C._]. Die Verletzte sei im Hof gepflegt worden und
die Antragsgegnerin sei festgehalten worden (Urk. 7 S. 8).
4.2.5.5. Die Aussagen der Privatklägerin B._ sind nicht stimmig. Das kann
damit erklärt werden, dass sie gemäss eigenen Angaben erheblich Alkohol ge-
trunken hatte (Urk. 6/2 S. 8). Weder die Privatklägerin C._ noch der Zeuge
D._ konnten den von der Privatklägerin B._ geschilderten Sachverhalt
bestätigen. Der Zeuge D._ gab lediglich an, Handgreiflichkeiten zwischen
den beiden Privatklägerinnen und der Antragsgegnerin beobachtet zu haben,
konnte aber nicht bestätigen, dass die Antragsgegnerin bei diesem Zusammen-
treffen die Privatklägerin B._ an den Haaren gezogen hatte. Die Privatkläge-
rin B._ behauptete denn auch nicht, dass ihr die Privatklägerin C._ zu
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Hilfe geeilt sei. Ebenso wenig gab dies die Privatklägerin C._ an. Diese führ-
te aus, dass die Antragsgegnerin erneut auf sie zugekommen sei, als sie mit dem
Gastgeber an der Bar gestanden sei. Weiter gab der Zeuge D._ an, die Pri-
vatklägerin C._ und die Antragsgegnerin kurz darauf im Eingangsbereich ge-
sehen zu haben. Der Zeuge D._ sagte sodann glaubhaft aus, dass die An-
tragsgegnerin nach dem Vorfall mit dem Glas von einem Securitymitarbeiter fest-
gehalten worden sei. Es erschiene denn auch sehr ungewöhnlich, wenn die An-
tragsgegnerin nach diesem Vorfall nochmals in die Lounge gelassen worden wä-
re. Demnach kann sich aber der von der Privatklägerin B._ geschilderte Vor-
fall nicht nach dem Vorfall mit dem Glas abgespielt haben. In der polizeilichen
Einvernahme gab die Privatklägerin B._ an, dass Leute gekommen seien
und die Frau von ihr weggezogen hätten. Der Sicherheitsangestellte sei dann mit
dieser Frau nach draussen gegangen. Draussen habe sie dann die Privatklägerin
C._ auf einem Stuhl sitzen gesehen und deren Gesicht sei blutüberströmt
gewesen (Urk. 6/1 S. 1 f.). Auch wenn sie angab, dass sie nicht wisse, wie viel
nach dem Reissen ihrer Haare sie nach draussen gegangen sei (Urk. 6/1 S. 2),
und somit in ihrer Darstellung durchaus Raum dafür bleibt, dass sie von der An-
tragsgegnerin vor dem Vorfall mit dem Glas angegangen worden war, fehlt den
Aussagen der Privatklägerin B._ ein nachvollziehbarer, mit den übrigen Ge-
schehnisse in Übereinstimmung zu bringender Ablauf. Wie ausgeführt, müsste die
Antragsgegnerin die Privatklägerin B._ vor dem Vorfall mit dem Glas ange-
gangen haben. Wurde aber die Antragsgegnerin nach Darstellung der Privatklä-
gerin B._ von einem Sicherheitsmitarbeiter nach draussen begleitet, er-
scheint äusserst fraglich, wie es dann unmittelbar danach zum Zusammenstoss
der Antragsgegnerin mit der Privatklägerin C._ vor der Bar kommen konnte.
Soweit der Zeuge D._ gegenüber der Polizei ausgesagt hatte, dass er gese-
hen habe, wie die Antragsgegnerin die Privatklägerin B._ an den Haaren ge-
rissen habe (Urk. 1 S. 4 f.), ist festzuhalten, dass diese Aussage, die er in seiner
Zeugeneinvernahme nicht bestätigt hatte, nicht verwertbar ist. Sodann gab er
auch dort an, dass die Privatklägerin C._ der Privatklägerin B._ zur Hilfe
geeilt sei (Urk. 1 S. 4), was mit der Darstellung der Privatklägerin B._ nicht
übereinstimmt. Schliesslich kann noch angemerkt werden, dass die Antragsgeg-
- 16 -
nerin die Zusammenstösse mit der Privatklägerin C._ nicht per se bestritten
sondern diese lediglich anders dargestellt hatte. Bezüglich des von der Privatklä-
gerin B._ beschriebenen Vorfalls beschreitet die Antragsgegnerin jedoch
diese angegangen zu haben.
4.2.5.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass – ohne der Privatklägerin
B._ falsche Angaben unterstellen zu wollen – gewisse, nicht überwindbare
Zweifel bleiben, ob die Antragsgegnerin die Privatklägerin B._ tatsächlich
von hinten an deren Haaren gerissen hatte. Die Antragsgegnerin ist deshalb in
dubio pro reo von diesem Vorwurf freizusprechen.
5. Rechtliche Würdigung
5.1. Versuchte schwere Körperverletzung
Die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz würdigten das Verhalten der Antrags-
gegnerin bezüglich des Vorfalls im Eingangsbereich mit dem Glas als versuchte
schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB (Urk. 23; Urk. 46 S. 18 ff., S. 30). Die Verteidigung stellt sich im Be-
rufungsverfahren dagegen auf den Standpunkt, dass aufgrund des Verletzungs-
bildes der Privatklägerin 2 eine Tätlichkeit gegeben sei, welche von der Antrags-
gegnerin lediglich fahrlässig begangen worden und damit nicht strafbar sei
(Urk. 56 S. 8).
5.1.1. Objektiver Tatbestand
5.1.1.1. Objektiv setzt der Tatbestand der schweren Körperverletzung voraus,
dass der Täter ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder
ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend ar-
beitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht oder das Gesicht eines Men-
schen arg und bleibend entstellt (Art. 122 Abs. 2 StGB).
5.1.1.2. Die Privatklägerin C._ erlitt eine Rissquetschwunde mit einer Grösse
von ca. 1,5 cm über der linken Augenbraue. Das Auge wurde nicht beeinträchtigt.
Die Privatklägerin C._ hat keine bleibenden Schäden erlitten und es kam zu
- 17 -
keiner argen und bleibenden Entstellung des Gesichts. Die über der Augenbraue
verbleibende Narbe stellt keine arge Entstellung des Gesichts im Sinne von Art.
122 Abs. 2 StGB dar. Der Tatbestand der schweren Körperverletzung kann daher
vorliegend nur im Sinne einer versuchten Tatbegehung erfüllt sein. Ein Versuch
im Sinne von Art. 22 StGB liegt vor, wenn der Täter sämtliche subjektiven Tatbe-
standselemente erfüllt und seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass
jedoch alle objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind. Mit dem gezielten
Schlag mit dem Whiskyglas in den oberen Bereich des Gesichts der Privatkläge-
rin C._ hat die Antragsgegnerin zur Verwirklichung des Tatbestands der
schweren Körperverletzung unmittelbar angesetzt und damit die Grenze zum Ver-
such überschritten. Der Schlag mit dem Whiskyglas in den oberen Bereich des
Gesichts der Privatklägerin C._ war geeignet, eine bleibende Beeinträchti-
gung des Auges und eine arge und bleibende Entstellung des Gesichts herbeizu-
führen.
5.1.1.3. Während bei der versuchten Tatbegehung die objektiven Tatbestands-
merkmale ganz oder teilweise ausbleiben können, müssen die subjektiven Tatbe-
standsmerkmale vollständig erfüllt sein (BGE 122 IV 246 = Pra 86 Nr. 27;
BGE 120 IV 199 E. 3e S. 206 = Pra 84 Nr. 154).
5.1.2. Subjektiver Tatbestand
5.1.2.1. Hinsichtlich des Tatbestands der schweren Körperverletzung ist subjektiv
Vorsatz erforderlich, der sich auf die Herbeiführung einer Verstümmelung oder
unbrauchbar machen eines wichtigen Organs oder Glieds eines Menschen oder
eine arge und bleibende Entstellung des Gesichts eines Menschen beziehen
muss, wobei Eventualvorsatz genügt (BSK Strafrecht I-Niggli/Maeder, Art. 122
N 25).
5.1.2.2. Eventualvorsätzlich handelt, wer die Verwirklichung der Tat für möglich
hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Der Täter strebt also den Er-
folg nicht an, sondern weiss lediglich, dass dieser möglicherweise mit der willent-
lich vollzogenen Handlung verbunden ist. Eventualvorsatz wird angenommen,
wenn sich dem Täter der Erfolg seines Verhaltens als so wahrscheinlich auf-
- 18 -
drängt, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolges
ausgelegt werden kann (BSK Strafrecht I-Niggli/Maeder, Art. 12 N 53 m.w.H.).
Soweit der Täter nicht geständig ist, muss aus den äusseren Umständen auf den
inneren Willen des Täters geschlossen werden. Zu den äusseren Umständen, aus
denen der Schluss gezogen werden kann, der Täter habe die Tatbestandsver-
wirklichung in Kauf genommen, zählen die Grösse des dem Täter bekannten Risi-
kos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung,
die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser das Risiko
ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert
werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE
134 IV 26 E. 3.2.2; BGE 133 IV 9 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.4; je mit Hinweisen).
5.1.2.3. Die Privatklägerin C._ erlitt eine Rissquetschwunde von 1.5 cm
oberhalb der Augenbraue durch einen von der Antragsgegnerin gezielt ausgeführ-
ten Schlag mit einem Whiskyglas in ihr Gesicht. Ein solcher Schlag setzt eine ak-
tive Bewegung gegen das Gesicht der Privatklägerin C._ voraus. Es ist des-
halb von einem gewollten Schlag auszugehen. Der Schlag erfolgte sodann mit ei-
nem Whiskyglas in der Hand. Es ist allgemein bekannt, dass ein Schlag ins Ge-
sicht, insbesondere mit einem Gegenstand, schwere Verletzungen im Gesicht
hervorrufen kann. Ebenfalls allgemein bekannt ist, dass ein Glas bei einem Auf-
schlag im Gesicht zerbrechen kann und Scherben zu schweren Schnittverletzun-
gen führen können, die bleibende Narben hinterlassen können. Erfolgt ein Schlag
mit einem Glas sodann auf Höhe der Augen, drängt sich auch eine daraus resul-
tierende mögliche Verletzung der Augen ohne weiteres auf. Mit ihrem Vorgehen
hat sich deshalb für die Antragsgegnerin eine schwere Verletzung der Privatklä-
gerin C._ im Gesicht als so wahrscheinlich aufdrängen müssen, dass ihr
Handeln als Billigung dieses möglichen Erfolgs auszulegen ist. Aufgrund der von
der Privatklägerin C._ erlittenen Verletzung ist es denn auch purer Zufall,
dass das Auge der Privatklägerin C._ nicht verletzt worden ist und keine
schwereren Gesichtsverletzungen resultierten.
5.1.3. Dementsprechend hat sich die Beschuldigte der versuchten schweren Kör-
perverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
- 19 -
StGB schuldig gemacht. Der Tatbestand der einfachen Körperverletzung wird
durch den Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung konsumiert
(BGer-Urteil 6B_954/2010 vom 10. März 2010 E. 3.4.).
5.1.4. Rechtfertigungsgrund
5.1.4.1. Wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 32 S. 9), liess die Antragsgegnerin auch
im Berufungsverfahren geltend machen, dass sie sich auf den Rechtfertigungs-
grund der Notwehr berufen könne (Urk. 56 S. 9). Habe sie sich über die Notwehr-
situation in einem Irrtum befunden, so sei von einem Sachverhaltsirrtum im Sinne
von Art. 13 StGB auszugehen, was zum gleichen Ergebnis führe, wie wenn eine
echte Notwehrsituation vorgelegen hätte (Urk. 56 S. 9).
5.1.4.2. Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff
bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer
den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB).
5.1.4.3. Aufgrund des erstellten Sachverhalts bestand keine Bedrohungssituation.
Die Privatklägerin C._ begleitete die Antragsgegnerin nach draussen und
wirkte dabei gemäss Aussagen des Zeugen D._ ruhig. Sodann ist widerlegt,
dass die Antragsgegnerin lediglich die Arme nach vorne gehalten haben soll. Ein
Angriff oder eine von der Privatklägerin C._ ausgehende Bedrohungssituati-
on gegenüber der Antragsgegnerin bestand nicht.
5.1.4.4. Lag keine Notwehrsituation vor, so handelt der Täter rechtswidrig. Nimmt
der Täter jedoch irrig eine Notwehrsituation an (sog. Putativnotwehr), so ändert
sich zwar an der Rechtswidrigkeit seines Verhaltens nichts, er wird aber gemäss
Art. 13 Abs. 1 StGB so gestellt, als ob die Notwehrlage vorgelegen hätte, sofern
der Irrtum nicht vermeidbar war (BSK Strafrecht I-Seelmann, Art. 15 N 8). Der
vermeintlich Angegriffene muss aber Umstände nachweisen können, die bei ihm
den Glauben erwecken konnten, er befinde sich in einer Notwehrlage. Die blosse
Vorstellung von der Möglichkeit eines Angriffs genügt nicht für die Annahme von
Putativnotwehr (BGer-Urteil 6B_676/2016 vom 16. Februar 2017; BGer-Urteil
6B_114/2011 vom 30. Juni 2011, E. 3.3.1).
- 20 -
5.1.4.5. Aufgrund des erstellten Sachverhalts ist auch eine Putativnotwehr zu ver-
neinen. Die Darstellung der Antragsgegnerin, wonach die Privatklägerin C._
auf sie zugestürmt sei, wurde widerlegt. Wie ausgeführt, ist erstellt, dass die Pri-
vatklägerin C._ die Antragsgegnerin ruhig nach draussen geführt hat, als
diese unvermittelt zum Schlag bzw. Wurf ausgeholt hatte, ohne dass die Privat-
klägerin C._ hierfür einen Anlass gegeben hätte.
5.1.4.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Notwehrsituation vorlag
und sich die Antragsgegnerin auch nicht auf eine Putativnotwehr zu berufen ver-
mag.
6. Schuldunfähigkeit
6.1. War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzuse-
hen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar (Art. 19
Abs. 1 StGB).
6.2. In Übereinstimmung mit dem Antrag der Staatsanwaltschaft hat die Vor-
instanz aufgrund der nicht selbstverschuldeten Zurechnungsunfähigkeit von einer
Strafe abgesehen (Urk. 23; Urk. 46 S. 21 ff., S. 30). Dies wird von der Verteidi-
gung (für den Fall eines Schuldspruchs) nicht beanstandet.
6.3. Es kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 46 S. 21 ff.). Wie die Vorinstanz zu Recht festhält, besteht keinerlei An-
lass, bezüglich der Schuldunfähigkeit der Antragsgegnerin von den Feststellun-
gen des im Rahmen der Strafuntersuchung eingeholten Gutachtens (Urk. 18/8)
abzuweichen. Demnach ist festzustellen, dass die Antragsgegnerin den Tatbe-
stand der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB im Zustand der nicht selbst verschuldeten
Schuldunfähigkeit erfüllt hat.
7. Anordnung einer Massnahme
7.1. Die Vorinstanz hat in Übereinstimmung mit dem Antrag der Staatsanwalt-
schaft eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB angeordnet
- 21 -
(Urk. 23; Urk. 46 S. 24 ff., S. 30). Die Verteidigung beantrag wie schon vor Vor-
instanz (Urk. 32 S. 12), es sei von der Anordnung einer Massnahme abzusehen
(Urk. 56 S. 1). Sie begründet dies damit, dass die Antragsgegnerin nicht mass-
nahmewillig sei und eine ambulante Massnahme nicht gegen ihren Willen ange-
ordnet werden könne (Urk. 56 S. 9 f.).
7.2. War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzuse-
hen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar. Es können
indessen Massnahmen nach den Artikeln 59–61, 63, 64, 67, 67b und 67e StGB
getroffen werden (Art. 19 Abs. 1 und 3 StGB).
7.3. Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er von Suchtstoffen oder in an-
derer Weise abhängig, so kann das Gericht anordnen, dass er nicht stationär,
sondern ambulant behandelt wird, wenn der Täter eine mit Strafe bedrohte Tat
verübt, die mit seinem Zustand in Zusammenhang steht und zu erwarten ist,
dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters in Zusam-
menhang stehender Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB). Das Gericht muss
sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer Massnahme nach Art. 63
StGB auf eine sachverständige Begutachtung stützen. Das Gutachten hat sich
über sämtliche tatsächliche Voraussetzungen der Massnahme, d.h. zur Notwen-
digkeit und den Erfolgsaussichten einer Behandlung des Täters, Art und Wahr-
scheinlichkeit weiterer möglicher Straftaten und zu den Möglichkeiten des Voll-
zugs der Massnahme zu äussern (Art. 56 Abs. 3 StGB). Die Anordnung einer
Massnahme setzt sodann voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in die Per-
sönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere
weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB).
7.4. Bei der Anordnung einer Massnahme ist somit der Verhältnismässigkeits-
grundsatz zu wahren (Art. 56 Abs. 2 StGB). Insbesondere sind daher die Mass-
nahmebedürftigkeit, die Massnahmefähigkeit und die Massnahmewilligkeit der
Beschuldigten sowie die Verhältnismässigkeit im engeren Sinn zu prüfen.
- 22 -
7.4.1. Massnahmebedürftigkeit
7.4.1.1. Das (Akten)Gutachten kam zum Schluss, dass die Antragsgegnerin sehr
wahrscheinlich zur Zeit ihrer Taten an einer Erkrankung aus dem schizophrenen
Formenkreis (ICD-10: F2) gelitten hatte. Zudem gebe es Hinweise für eine beste-
hende Substanzgebrauchsstörung im Sinne einer Intoxikation/eines schädlichen
Gebrauchs bzw. einem Abhängigkeitssyndrom tatzeitnah von Benzodiazepinen
bzw. Kokain. Hinsichtlich der Symptomatik mit insbesondere einem aufgehobenen
Realitätsbezug sei von einer schweren Ausprägung auszugehen (Urk. 18/8
S. 17 f.). Weiter hält das Gutachten fest, unbehandelt bzw. bei exazerbiertem
Substanzkonsum bestehe, solange die genannten Störungen vorliegen, die Ge-
fahr erneut irrationaler Handlungen mit Situationsverkennung und der Gefährdung
Unbeteiligter (Urk. 18/8 S. 18).
7.4.1.2. Die Diagnosen des Gutachtens werden von der Antragsgegnerin nicht in
Frage gestellt. Sie gab selber an, dass sie seit dem Jahr 2009 in ärztlicher Be-
handlung sei, da sie an einer Persönlichkeitsstörung und damit zusammenhän-
gend an Schizophrenie leide (Urk. 4/1 S. 13; Urk. 32 S. 11).
7.4.1.3. Die vom Gutachten attestierte Erkrankung aus dem schizophrenen For-
menkreis (ICD-10: F2) und Substanzgebrauchtsstörung stellen eine schwere psy-
chische Störung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB dar. Es kann auf die zutreffen-
den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 25 E. V. 4.2.).
7.4.1.4. Soweit die Verteidigung einwendet, dass das Gutachten einen zwiespälti-
gen Eindruck hinterlasse (Urk. 32 S. 10), ist festzuhalten, dass die Antragsgegne-
rin die Mitwirkung bei Erstellung des Gutachtens verweigert hatte und demnach
keine andere Möglichkeit blieb, als ein Aktengutachten zu erstellen. Es ist deshalb
nicht zu beanstanden, wenn die Gutachterin diesbezüglich Vorbehalte anbringt.
Wie die Vorinstanz sodann zutreffend festhält, ist die Umschreibung der Rückfall-
gefahr spezifisch genug, zumal ausdrücklich festgehalten wird, dass bei der Er-
krankung der Antragsgegnerin die Gefahr der Begehung von Delikten wie die An-
lasstaten gehäuft seien (Urk. 18/8 S. 19). Das Vorherzusagende kann naturge-
- 23 -
mäss nicht zweifelsfrei feststehen und wird noch schwieriger zu beurteilen, wenn
die Antragsgegnerin die Mitwirkung verweigert.
7.4.1.5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine Massnahmebe-
dürftigkeit der Antragsgegnerin vorliegt.
7.4.2. Massnahmefähigkeit
7.4.2.1. Das Gutachten hält fest, dass die Störung pharmakologisch und psycho-
therapeutisch effektiv behandelt werden und so die Gefahr neuerlicher Straftaten
reduziert werden könne. Dabei sei insbesondere Wert auf regelmässige psychiat-
rische Kontrollen, Medikamenteneinnahme und Substanzmittelabstinenz zu legen.
Genaue Behandlungsempfehlungen könnten derzeit mangels persönlicher Unter-
suchung nicht gegeben werden (Urk. 18/8 S. 19). Weiter führt das Gutachten aus,
dass aus hiesiger Sicht jedoch, nach entsprechender Überprüfung zur praktischen
Durchführbarkeit der Massnahme, mindestens die erwähnten regelmässigen psy-
chiatrischen Kontrollen im ambulanten Rahmen durchgeführt werden sollten
(Urk. 18/8 S. 20).
7.4.2.2. Entgegen der Ansicht der Verteidigung müssen die Ausführungen der
Gutachterin so verstanden werden, dass sie eine ambulante Massnahme mit den
aufgeführten Kontrollen als erforderlich erachtet. Das hat sie denn gegenüber der
Staatsanwaltschaft auch nochmals ausdrücklich bestätigt (Urk. 18/9). Sie äussert
sich denn auch im Rahmen ihrer Möglichkeit dazu, wie eine Behandlung ausse-
hen sollte.
7.4.2.3. Wie die Vorinstanz sodann zutreffend erwägt, kann dem Argument der
Verteidigung, dass die Anordnung einer Massnahme nicht notwendig sei, da sich
die Antragsgegnerin seit langem freiwillig einer Behandlung unterziehe, nicht ge-
folgt werden, wurde die Antragsgegnerin doch trotz dieser freiwilligen Behandlun-
gen straffällig. Dabei muss davon ausgegangen werden, dass die Taten im Zu-
sammenhang mit der psychischen Störung der Antragsgegnerin stehen.
7.4.2.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Massnahmefähigkeit zu be-
jahen ist.
- 24 -
7.4.3. Massnahmewilligkeit
7.4.3.1. Das Gutachten führt aus, die Tatsache, dass sich die Antragsgegnerin
der gutachterlichen Untersuchung entzogen habe, lege nahe, dass sie mit einer
Behandlung abseits der bereits bestehenden Behandlungsmodalitäten nicht ein-
verstanden sein könnte. Eine Behandlung könnte dabei grundsätzlich auch gegen
den Willen der beschuldigten Person durchgeführt werden, dies wäre jedoch nur
in stationärem Rahmen möglich (Urk. 18/8 S. 20).
7.4.3.2. Die Antragsgegnerin gab vor Vorinstanz auf die Frage, ob sie bereit sei,
sich einer ambulanten Massnahme ausserhalb der bereits bestehenden Betreu-
ungsmodalitäten zu unterziehen, an, dass sie seit Jahren ins Spital gehe und es
nicht nötig finde (Prot. I S. 21).
7.4.3.3. Zutreffend führt die Vorinstanz aus, dass die Behandlungsbereitschaft im
Rahmen einer angeordneten ambulanten Massnahme als fragil zu bewerten, je-
doch nicht gänzlich zu verneinen ist (Urk. 46 S. 27 E. V. 4.5.). Nur weil die An-
tragsgegnerin die Anordnung einer Massnahme durch das Gericht nicht für erfor-
derlich hält, kann ihr nicht eine Massnahmewilligkeit abgesprochen werden, ins-
besondere sie seit Jahren freiwillig die ihr erforderlich erscheinenden Behandlun-
gen in Anspruch nimmt. Damit ist die für die Anordnung einer Massnahme erfor-
derliche minimale Behandlungseinsicht zu bejahen.
7.4.4. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Voraussetzungen
für die Anordnung einer ambulanten Massnahme gegeben sind. Mit einer ambu-
lanten Massnahme kann der Gefahr weiterer Straftaten begegnet werden. Der mit
der Massnahme verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Beschuldig-
ten ist überdies im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit weiterer Taten verhältnis-
mässig. Eine mildere Massnahme ist nicht ersichtlich. Es ist deshalb eine ambu-
lante Massnahme anzuordnen.
8. Erstellung eines DNA-Profils
8.1. Die Vorinstanz hat die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines
DNA-Profils im Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes angeordnet (Urk. 46
- 25 -
S. 30 f.). Davon ausgehend, dass von der Anordnung einer ambulanten Mass-
nahme im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB abzusehen sei, macht die Verteidigung
im Berufungsverfahren geltend, dass folglich auch die Abnahme einer DNA-Probe
gesetzlich nicht möglich sei (Urk. 56 S. 10).
8.2. Gemäss Art. 5 lic. c DNA-Profil-Gesetz kann unmittelbar nach Rechtskraft
des Urteils eine Probe genommen und ein DNA-Profil erstellt werden von Perso-
nen, gegenüber denen eine therapeutische Massnahme (Art. 59–63 des Strafge-
setzbuches, StGB9) angeordnet worden ist. Art. 257 StPO bestimmt, dass das
Gericht in seinem Urteil anordnen kann, dass eine Probe genommen und ein
DNA-Profil erstellt wird von Personen, die wegen eines vorsätzlich begangenen
Verbrechens oder Vergehens gegen Leib und Leben oder gegen die sexuelle In-
tegrität verurteilt worden sind und gegenüber denen eine therapeutische Mass-
nahme oder die Verwahrung angeordnet worden ist (Art. 257 lit. b und c StPO).
8.2.1. Die Bestimmung der Strafprozessordnung entspricht Art. 5 DNA-Profil-
Gesetz und stellt sicher, dass in gewissen Fällen dem Verurteilten nach Rechts-
kraft des Urteils auch dann noch eine DNA-Probe abgenommen und ein Profil er-
stellt werden darf, wenn im Rahmen der Untersuchung eine solche Probe nicht
gestützt auf Art. 255 StPO abgenommen wurde. In der Praxis handelt es sich
meistens um Verfahren, bei denen der Beschuldigte nie festgenommen und des-
halb auch nie erkennungsdienstlich behandelt wurde. Es geht bei der Abnahme
von DNA-Proben verurteilter Personen einerseits darum, in solchen Fällen künfti-
ge Straftaten des als potenziell gefährlich eingeschätzten Verurteilten zu erken-
nen, andererseits kann die Auswertung des Profils aber auch dazu führen, dass
früher begangene Delikte nachträglich noch abgeklärt werden können. Schliess-
lich hat die DNA-Abnahme auch eine spezialpräventive Wirkung, weil dem Be-
troffenen klar sein muss, dass künftige Straftaten auch ohne Tatzeugen leichter
aufgeklärt werden können (Hansjakob in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommen-
tar zur Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), 2. Aufl., 2014, Art. 257
N 1).
8.2.2. Eine DNA-Abnahme ist bei Personen möglich, die wegen eines vorsätzlich
begangenen Verbrechens oder Vergehens gegen Leib und Leben oder gegen die
- 26 -
sexuelle Integrität verurteilt worden sind. Auf das Strafmass kommt es nicht an,
was dazu führt, dass die DNA-Abnahme gestützt auf diese Bestimmung auch bei
eigentlichen Bagatelldelikten infrage kommt, solange es sich nicht um Übertretun-
gen handelt (Hansjakob, a.a.O., Art. 257 N 3).
8.2.3. Eine DNA-Abnahme ist ebenfalls bei Personen möglich, die mit einer thera-
peutischen Massnahme (Art. 59, 60, 61 und 63 StGB) oder einer Verwahrung (Art. 64 StGB) belegt wurden. Auch in diesem Zusammenhang geht es vorwie-
gend darum, bei gefährlichen Tätern Rückfälle zu erkennen. Die meisten Perso-
nen, die unter lit. c fallen, erfüllen allerdings auch die Kriterien von lit. a oder b;
der Anwendungsbereich beschränkt sich in der Praxis wohl vorwiegend auf Be-
schuldigte, die wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen werden (Hansjakob,
a.a.O, Art. 257 N 4).
8.2.4. Das Gericht hat nach dem Wortlaut der Bestimmung einen Ermessensspiel-
raum bei der Beantwortung der Frage, ob es die Abnahme der DNA anordnet
oder nicht. Es wird sich bei der Ausübung dieses Spielraums an der Rechtspre-
chung des Bundesgerichtes orientieren müssen, wonach sich die DNA-Abnahme
rechtfertigt, wenn bei der verurteilten Person gegenüber dem Durchschnittsbürger
eine (nur) leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie in ein Delikt verwi-
ckelt werden könnte. Massgeblich darf auch die Zweckmässigkeit sein; eine DNA-
Abnahme rechtfertigt sich eher, wenn es um die Rückfallgefahr in Bezug auf De-
likte geht, die häufig anhand von DNA-Spuren aufgeklärt werden können, was
insbesondere für Sexualdelikte und für Delikte gegen Leib und Leben, aber auch
für Diebstahl, Raub und Betäubungsmitteldelikte gilt (Hansjakob, a.a.O, Art. 257
N 5).
8.3. Erkennungsdienstliche Massnahmen und die Aufbewahrung der Daten
stellen einen Eingriff dar in das Recht auf persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV),
auf informationelle Selbstbestimmung (Art. 13 Abs. 2 BV) und auf Familienleben
(Art. 8 EMRK; BGE 136 I 87 E. 5.1 S. 101; 128 II 259 E. 3.2 S. 268; je mit Hinwei-
sen). Es handelt sich allerdings lediglich um einen leichten Eingriff in diese Grund-
rechte. Einschränkungen von Grundrechten müssen nach Art. 36 Abs. 2 und 3 BV
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durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sein (BGer-
Urteil 1B_284/2018 vom 13. Dezember 2018 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
8.4. Das öffentliche Interesse der Erstellung eines DNA-Profils liegt in der er-
leichterten Aufklärung von Straftaten. Vorliegend hat sich die Antragsgegnerin ei-
nes Delikts gegen Leib und Leben schuldig gemacht. Zwar weist die Antragsgeg-
nerin keine Vorstrafen auf. Jedoch hat das Gutachten eine Rückfallgefahr für De-
likten wie die Anlasstaten, und damit Delikte gegen Leib und Leben, bejaht
(Urk. 18/8 S. 19). Nachdem es sich bei der Abnahme einer DNA-Probe und der
Erstellung eines DNA-Profils nur um einen leichten Eingriff in die Grundrechte der
Beschuldigten handelt, erscheint die Anordnung bei dieser Ausgangslage als an-
gemessen. Vor dem Hintergrund, dass von der Antragsgegnerin bereits eine
DNA-Probe genommen wurde (vgl. Urk. 16/6, Urk. 16/7 und Urk. 54) ist folglich
nur noch deren Auswertung und die Erstellung eines DNA-Profils anzuordnen.
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Gemäss Art. 419 StPO können einer schuldunfähigen Person die Kosten
auferlegt werden, wenn das Verfahren wegen Schuldunfähigkeit eingestellt oder
sie aus diesem Grund freigesprochen wurde. Zusätzlich muss die Kostenauferle-
gung nach den gesamten Umständen billig erscheinen. Art. 419 StPO gilt entge-
gen seinem Wortlaut auch, wenn kein Freispruch ergeht, sondern eine Massnah-
me angeordnet wird (BSK Strafprozessrecht II-Bommer, N 24 zu Art. 375 StPO).
Angesichts der knappen finanziellen Verhältnisse der Antragsgegnerin – sie ist
von einer IV-Rente und Ergänzungsleistungen abhängig (Prot. I S. 8) – sind die
Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich der Kosten der amtlichen Vertei-
digung und der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerin C._, defini-
tiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
9.2. Die amtliche Verteidigung ist für ihre Aufwendungen im Berufungsverfah-
ren gemäss ihrer Honorarnote (vgl. Urk. 52 S. 2 und Urk. 56 S. 10) und unter zu-
sätzlicher Berücksichtigung der Dauer der Berufungsverhandlung von 30 Minuten
mit Fr. 3'320.– aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
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9.3. Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerin C._ ist für seine
Aufwendungen im Berufungsverfahren mit Fr. 800.– aus der Gerichtskasse zu
entschädigen (vgl. Urk. 53/2).