Decision ID: 99ca8516-b0da-4dd6-b4c6-e4949aeee269
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a M._, Jahrgang 1973, meldete sich im April 2008 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (EL) zur Invalidenrente an (EL-act. 15). Mit Schreiben vom 6. Juni
2008 teilte die EL-Durchführungsstelle der Versicherten mit, sie habe zu prüfen, ob und
wenn ja, in welchem Umfang für den Ehemann ein Erwerbseinkommen in der EL-
Berechnung zu berücksichtigen sei. In diesem Zusammenhang habe der Ehemann
einen Fragebogen auszufüllen (EL-act. A10).
A.b Im Fragebogen vom 16. Juni 2008 hielt der Ehemann der Versicherten fest, er
habe seit 1995 keine berufliche Tätigkeit mehr ausgeübt. Er habe weiterhin starke
Schmerzen und sei auch psychisch angeschlagen (EL-act. A9-2). Dr. med. A._,
Facharzt FMH für Innere Medizin, verwies im Arztbericht vom 16. Juni 2008 auf
chronische Schulterschmerzen des Ehemanns sowie ein chronisches
lumbospondylogenes Syndrom mit kleiner medianer Diskushernie. Der Ehemann sei
voll arbeitsunfähig (EL-act. A9-4).
A.c Mit Verfügung vom 5. September 2008 wies die EL-Durchführungsstelle den
Anspruch der Versicherten bei einem Einnahmenüberschuss von Fr. 2'185.- ab. Sie
rechnete für den Ehemann ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 46'802.-
brutto an (EL-act. A8).
A.d In Vertretung der Versicherten erhob Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh am
2. Oktober 2008 Einsprache gegen diese Verfügung, die er am 17. November 2008
ergänzend begründete. Er beantragte sinngemäss deren Aufhebung und den Verzicht
auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens für den Ehemann. Die
Versicherte sei aufgrund ihrer Erkrankung bei der Betreuung der Kinder vollumfänglich
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auf die Hilfe Dritter resp. ihres Ehemanns angewiesen, weshalb dieser keiner
ausserhäuslichen Arbeit nachgehen könne. Zudem sei betreffend den Ehemann ein IV-
Verfahren hängig (EL-act. A5; A2). Die EL-Durchführungsstelle fragte den
Rechtsvertreter der Versicherten mit Schreiben vom 15. Januar 2009, ob Abklärungen
betreffend Kindesschutzmassnahmen stattgefunden hätten (EL-act. A17). Dieser
antwortete am 3. Februar 2009, dass das Vormundschaftsamt das Verfahren betreffend
Kindesschutzmassnahmen eingestellt habe, dies nachdem insbesondere habe
festgestellt werden können, dass sich der Ehemann der Versicherten intensiv um die
Ehefrau und die Kinder kümmere (EL-act. A18).
A.e Mit Einspracheentscheid vom 23. Februar 2009 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) in Vertretung der EL-
Durchführungsstelle die Einsprache ab. Die Abklärungen des Vormundschaftsamts
hätten ergeben, dass die Kinder wohlauf zu sein schienen. Die Versicherte lasse sich
helfen. Sie sei in der Lage, den Vater der Kinder in Notsituationen zu aktivieren und
jener könne sich offensichtlich so einsetzen, dass sich die Situation beruhige. Der
Ehemann der Versicherten sei am 15. Februar 2008 wieder in die Familienwohnung
eingezogen. Dieser Umstand sei im Antrag der Vormundschaftsbehörde vom
21. Februar 2008 nicht erwähnt worden, weshalb davon auszugehen sei, dass sie keine
Kenntnis davon gehabt habe. Gemäss der vom Vormundschaftsamt beschriebenen
Situation sei nicht ersichtlich, dass der Ehemann die Kinder permanent überwachen
müsse. Nichts spreche gegen eine Erwerbsaufnahme des Ehemanns (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde des
Rechtsvertreters der Versicherten vom 23. März 2009. Er beantragt dessen Aufhebung.
Von der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für den Ehemann sei
abzusehen. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die Situation der Familie und insbesondere
der Kinder habe sich merklich verbessert, seit der Ehemann wieder zuhause wohne
und sich intensiv um die Kinder kümmere. Notsituationen würden gerade deshalb nicht
eintreten, weil der Beschwerdeführer zuhause wohne und sich intensivst um Kinder
und Ehefrau kümmere (act. G 1). In der ergänzenden Begründung vom 15. Juni 2009
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betont der Rechtsvertreter, es gründe einzig und allein in der Anwesenheit des
Ehemanns, dass die Vormundschaftsbehörde keine Massnahmen ergreifen und
insbesondere die Kinder nicht habe fremdplatzieren müssen. Auf die Feststellungen der
Vormundschaftsbehörde könne nicht unbesehen abgestellt werden. Einerseits handle
es sich bei Vormundschaftsbehörden nicht um Fachärzte, die wie Dr. med. B._,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ganz klar ein stark gefährdetes
Kindeswohl erkannt hätten, andererseits liege es im relativ weiten Ermessen der
Vormundschaftsbehörde, Massnahmen anzuordnen. Nicht nur die Kinder, sondern
auch die Beschwerdeführerin selbst sei auf die Anwesenheit des Ehemanns
angewiesen. Ihre gesundheitliche Situation sei alles andere als stabil. Sollten Zweifel an
der Erkrankung der Beschwerdeführerin und der daraus resultierenden
Hilfsbedürftigkeit bestehen, so werde ausdrücklich die Einholung eines psychiatrischen
Gutachtens betreffend die Frage, inwieweit die Beschwerdeführerin auf die
Unterstützung ihres Ehemanns angewiesen sei, beantragt (act. G 8.1). Mit dieser
Eingabe liess die Beschwerdeführerin ein ausgefülltes Gesuchsformular für die
unentgeltliche Prozessführung samt Beilagen einreichen (act. G 8.2).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 27. August 2009 die Abweisung der

Beschwerde und verweist zu Begründung auf die Erwägungen im Einspracheentscheid
(act. G 10).
B.c Der zuständige Verfahrensleiter des Versicherungsgerichts ordnete mit Schreiben
vom 22. September 2009 formlos die Sistierung des Verfahrens an, bis das IV-
Verfahren des Ehemanns der Beschwerdeführerin zu einem rechtskräftigen Abschluss
gekommen sei (act. G 12).
B.d Mit Schreiben vom 28. September 2009 wies der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin darauf hin, dass betreffend die Frage, ob für den Ehemann ein
hypothetisches Einkommen anzurechnen sei, ein Entscheid unabhängig von seiner IV-
Streitsache getroffen werden könne. Das IV-Verfahren ziehe sich seit Jahren in die
Länge, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es noch längere Zeit,
gegebenenfalls sogar mehr als zwei Jahre, dauern werde (act. G 13). Die
Verfahrensleitung verzichtete daraufhin auf die Sistierung (act. G 14).
Erwägungen:
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1.
1.1 Die jährliche EL entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [ELG;
SR 831.30]). Die anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in
bestimmtem Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in Art. 10
und 11 ELG sowie Art. 11 bis 18 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) festgelegten
Bestimmungen ermittelt. Als Einnahmen anzurechnen sind nach Art. 11 Abs. 1 ELG
unter anderem Einkünfte, auf die verzichtet worden ist (lit. g). Eine Verzichtshandlung
liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung auf Vermögen
verzichtet hat, wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und
Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte nicht
durchsetzt oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung
einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (EVGE P 18/02 vom 9. Juli
2002; BGE 121 V 205 Erw. 4a; AHI 2001 S. 133 Erw. 1b).
1.2 Auch Personen, die in die Anspruchsberechnung der versicherten Person
einbezogen sind, partizipieren an der EL, da diese den Existenzbedarf der ganzen
Familie sicherstellt. So ist auch der Ehegatte der EL-anspruchsberechtigten Person
Leistungsempfänger. Verzichtet er auf die mögliche und zumutbare Erzielung eines
Erwerbseinkommens, so ist die Geltendmachung eines EL-Anspruchs zur Deckung
jenes Teils der anerkannten Ausgaben, der durch das Erwerbseinkommen des
Ehegatten gedeckt werden könnte, missbräuchlich (Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen
zur AHV/IV, in: SBVR XIV, Soziale Sicherheit, Basel 2007, S. 1759, Rz. 179). Deswegen
ist bei der EL-Berechnung der versicherten Person ein hypothetisches
Erwerbseinkommen für deren Ehegatten anzurechnen, sofern dieser auf die mögliche
und zumutbare Erzielung eines Einkommens verzichtet. Um bei der Ermittlung des
anrechenbaren Einkommens ein hypothetisches Erwerbseinkommen im Sinn von
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG berücksichtigen zu können, muss in jedem Einzelfall geprüft
werden, ob vom Ehepartner des EL-Ansprechers unter den gegebenen Umständen
verlangt werden kann, von nun an einem Arbeitserwerb nachzugehen, und wie hoch
der Lohn wäre, den dieser bei gutem Willen erzielen könnte. Anhaltspunkte dafür sind
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familiäre Verpflichtungen, Alter, Gesundheitszustand, Ausbildung und gegebenenfalls
die Zeitdauer, während der er nicht (mehr) im Berufsleben gestanden ist (BGE
117 V 290 Erw. 3a mit Hinweisen; Urteil I 920/06 vom 16. Januar 2007, Erw. 3.3).
2.
2.1 Zu prüfen bleibt vorliegend somit vorab, ob dem Ehemann der
Beschwerdeführerin aus invaliditätsfremden Gründen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit verunmöglicht wird. Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, ihr
Ehemann könne wegen seiner familiären Verpflichtungen (Betreuung der Kinder und
Unterstützung ihrer selbst) keiner ausserhäuslichen Arbeit nachgehen.
2.2 Im die Beschwerdeführerin betreffenden Gutachten von Dr. B._ vom 21. Januar
2007 äusserte die Psychiaterin den Verdacht auf paranoide Schizophrenie (ICD-10
F 20.00). Die Ich-Funktionen sowie die eigene Autonomie seien bei der
Beschwerdeführerin sehr schwach ausgeprägt. So komme es zu einer Abhängigkeit
vom Ehemann, obwohl diese Beziehung stark belastet und mehrfach beendet worden
sei. Auch bestehe eine sehr bedenkliche Abhängigkeit von der noch nicht fünfjährigen
Tochter. Hier bestünden Hierarchieumkehrung und Parentifizierung. Die Tochter fühle
sich offensichtlich gezwungen, die optischen und akkustischen Halluzinationen der
Mutter zu bestätigen, lerne dadurch ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr zu trauen,
übernehme Verantwortung für die Mutter. Psychopathologisch bestehe bei der
Beschwerdeführerin eine schizophrene Störung, bei der Ängste, optische und
akkustische Halluzinationen sowie Verfolgungswahn im Vordergrund ständen. Im
Verhalten beständen Zwangshandlungen. Obwohl die Beschwerdeführerin es immer
wieder schaffe, sich mit ihrem Familiensystem zu stabilisieren, drohe der zwölfjährige
Sohn zu verwahrlosen und die fünfjährige Tochter sei akut in ihrer Entwicklung
gefährdet. Dr. B._ veranlasste beim Vormundschaftsamt eine Abklärung der Kinder in
ihrer Entwicklung und der Erziehungsfähigkeit der Mutter (EL-act. B2).
2.3 Das Vormundschaftsamt beantragte am 21. Februar 2008 die
Verfahrenseinstellung. Im Rahmen der vorangegangenen Abklärungen hatte es mit dem
Hausarzt der Beschwerdeführerin und dem Lehrer des Sohnes sowie der
Kindergärtnerin der Tochter Kontakt aufgenommen. Demnach seien die Kinder in
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Schule und Kindergarten nicht negativ aufgefallen. Die Zusammenarbeit mit der Mutter
sei mit wenigen Ausnahmen als sehr gut beschrieben worden. Die Tochter habe zu
Beginn des Kindergartens Mühe gehabt, die Mutter loszulassen, jetzt gehe das aber
gut. Sie komme regelmässig und sei gut gepflegt. Am 5. Februar 2007 sei es zu einem
ersten Gespräch mit der Beschwerdeführerin gekommen. Sie habe unumwunden
mitgeteilt, dass sie die Aufgabe als Mutter ohne ihren Exmann nicht schaffen würde. Er
komme sofort, wenn sie Hilfe brauche, helfe in der Erziehung wie im Haushalt und
komme auch so vorbei oder rufe an, mindestens jeden zweiten Tag. Sie habe engen
Kontakt mit ihrer Familie in ihrer Heimat. Wenn sie ein Problem habe, könne sie ihre
Mutter oder Schwester anrufen. Mit der Mutter habe sie vereinbart, dass sie keine
unüberlegten Handlungen vornehme, bevor sie sich nicht Hilfe geholt habe. Ein
weiteres Gespräch mit dem Vormundschaftsamt fand am 12. Februar 2007 im Beisein
des Ehemanns der Beschwerdeführerin statt. Ende Februar 2007 besuchten Vertreter
des Vormundschaftsamts die Beschwerdeführerin zuhause. Die Beschwerdeführerin
habe gesagt, sie versuche betreffend Erziehung des Sohnes zuerst allein
klarzukommen. Gelinge ihr dies nicht, rufe sie den Ehemann an. Betreffend die Tochter
habe man den Eindruck gewonnen, diese könne sich geschickt gegen die Mutter
durchsetzen. Man sei insgesamt zum Schluss gekommen, dass keine sofortigen
Kindesschutzmassnahmen nötig seien. Das nächste Gespräch habe am 4. Dezember
2007 stattgefunden. Die Beschwerdeführerin habe erzählt, es gehe ihr wie immer. Der
Sohn habe den Sprung in die Sekundarschule geschafft und die Probezeit bestanden.
Grosse erzieherische Probleme habe sie nicht. Es sei aber zu erfahren gewesen, dass
die Tochter die Beschwerdeführerin schlage, wenn sie nicht erhalte, was sie wolle. Die
Beschwerdeführerin ignoriere dieses Verhalten. Nach wie vor kümmere sich der
Ehemann intensiv um die Kinder, aber auch um die Beschwerdeführerin. In der
Beurteilung wurde seitens des Vormundschaftsamts festgehalten, die psychische
Befindlichkeit der Beschwerdeführerin sei stark wechselhaft. Das gravierende Bild, das
von Dr. B._ geschildert worden sei, habe man aber nicht angetroffen. Die Kinder
schienen wohlauf zu sein. Die Beschwerdeführerin lasse sich helfen. Sie sei in der
Lage, den Vater der Kinder in Notsituationen zu aktivieren und jener scheine
offensichtlich in der Lage, sich so einzusetzen, dass die Situation wieder beruhigt
werden könne (EL-act. A 19). Von Kindesschutzmassnahmen wurde schliesslich
abgesehen.
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2.4 Der Ehemann der Beschwerdeführerin zog nach Angaben der
Beschwerdegegnerin am 15. Februar 2008 wieder in die Familienwohnung ein; am
28. März 2008 heiratete er die Beschwerdeführerin offenbar erneut (EL-act. A15-1).
Darüber hatte das Vormundschaftsamt bei Berichterstattung am 21. Februar
offensichtlich keine Kenntnis. Nach Einschätzung der Vormundschaftsbehörde nimmt
der Ehemann der Beschwerdeführerin zweifellos eine wichtige Rolle in der Familie ein
und leistet wertvolle Unterstützung sowohl der Beschwerdeführerin als auch den
Kindern. Die Akten erlauben jedoch nicht den Schluss, dass diese Unterstützung
durchgehend und in einem derart erheblichen Ausmass notwendig wäre, dass er gar
keine Erwerbstätigkeit ausüben könnte. Am 7. Mai 2007 hatte Dr. med. C._,
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, im Auftrag der IV ein umfassendes
psychiatrisches Gutachten über den Ehemann der Beschwerdeführerin erstellt. Er hielt
fest, der Ehemann lebe seit einem Jahr in einem Hotelzimmer ohne Kochgelegenheit.
Er esse im Restaurant oder bei der Beschwerdeführerin, der er die Wohnung
überlassen habe. Jeweils gegen sechs, sieben oder acht Uhr wache er auf, stehe auf,
dusche gelegentlich, ziehe sich an und gehe an die frische Luft, um in der Stadt Kaffee
zu trinken. Er bleibe ein oder zwei Stunden im Café und fülle Sporttipps aus, bevor er
zum Mittagessen gehe. Auf die Frage des Psychiaters, was er sonst noch mache, habe
er geantwortet "keine Ahnung" – "nicht viel". Das Mittagessen nehme er "je nach Lust"
bei seinen Kindern oder im Restaurant ein, gelegentlich kaufe er sich auch etwas und
esse es im Zimmer. Seine hauptsächliche Beschäftigung im Hotel sei Fernsehen.
Gelegentlich spiele er an Automaten. Richtig gut fühle er sich, wenn er mit den Kindern
zusammen sei. Er sehe sie jeden oder jeden zweiten Tag. Auf die Frage, was er mit
ihnen unternehme, habe er geantwortet, viel mache er auch nicht, ein wenig reden.
Und gelegentlich gingen sie in den McDonald's, wenn er Geld habe (IV-act. 161-25 ff.
im Verfahren IV 2008/343). Das Gutachten stützt sich auf eine 51⁄4 Stunden dauernde
Exploration und umfasst 56 Seiten. Die Angaben des Ehemanns zu seinem
gewöhnlichen Tagesablauf sind ausführlich widergegeben. Die Untersuchung fand nur
zwei Monate nach jener der Beschwerdeführerin durch Dr. B._ statt. Der Ehemann
erwähnte nicht, dass er seine Frau betreuen müsse; solches berichtete auch Dr. B._
nicht. Bei den Kindern hat der Ehemann zwar sicherlich eine wichtige Stellung. Auch
dies steht der Aufnahme mindestens einer Teilerwerbstätigkeit allerdings nicht
entgegen. Die Kinder verbringen nicht unwesentliche Zeiten des Tages in der Schule
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bzw. im Kindergarten. In der übrigen Zeit ist die Beschwerdeführerin grundsätzlich in
der Lage, sich um sie zu kümmern; dies konnte sie sogar schon vor dem Wiedereinzug
des Ehemanns weitgehend alleine bewältigen. Der Ehemann sah seine Familie vor
seiner Rückkehr in die Familienwohnung im Februar 2008 nicht täglich. Unterdessen
wohnt er wieder mit seiner Familie zusammen; die Akten lassen jedoch den Schluss
nicht zu, dass er in zeitlich dermassen grossem Ausmass mit der Betreuung der Familie
beschäftigt wäre, dass die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit dadurch verhindert würde.
Die Behauptung in der Beschwerdeergänzung, das Vormundschaftsamt habe einzig
und allein wegen der Anwesenheit des Ehemanns keine Kindesschutzmassnahmen
ergriffen, ist gemäss den vorstehenden Ausführungen unzutreffend, insbesondere falls
sie unterstellen wollte, dass eine Erwerbstätigkeit des Ehemanns durch die Betreuung
gänzlich verunmöglicht würde. Von den von der Beschwerdeführerin eventualiter
beantragten weiteren medizinischen Abklärungen sind keine neuen Erkenntnisse zu
erwarten, weshalb darauf im Rahmen der antizipierten Beweiswürdigung verzichtet
werden kann (m.w.H. Bundesgerichtsentscheid 8C_77/2008 vom 5. Juni 2008,
Erw. 3.2.1).
3.
3.1 Im IV-Verfahren des Ehemanns erliess das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen am 2. Juni 2009 aus formellen Gründen einen gutheissenden Entscheid und
wies die Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs und zur anschliessenden
Neuverfügung an die IV-Stelle zurück (Entscheid IV 2008/343). Diese neue Verfügung
ist noch nicht ergangen. Grundsätzlich hat die EL-Durchführungsstelle die von der IV-
Stelle ermittelte, im Invaliditätsgrad zum Ausdruck kommende Resterwerbsfähigkeit
eines EL-Bezügers bzw. von dessen in die Anspruchsberechtigung mit einbezogenem
Ehegatten bei der Festsetzung des zumutbaren hypothetischen Erwerbseinkommens
zu beachten (vgl. Urs Müller, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozial
versicherungsrecht, Bundesgesetz über die Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Aufl.,
2006, S. 152, Rz. 489). Voraussetzung ist, dass eine verbindliche
Invaliditätsbemessung der IV-Stelle vorliegt (vgl. den im Internet publizierten Entscheid
EL 2008/10 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Januar 2009,
Erw. 3.4).
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3.2 Es ist zu erwarten, dass bis zur rechtskräftigen Erledigung des IV-Verfahrens
betreffend den Ehemann der Beschwerdeführerin noch einige Zeit vergehen wird.
Zurzeit liegt also keine verbindliche Invaliditätsbemessung der IV-Stelle vor. Die
Beschwerdeführerin wünscht keine Verfahrenssistierung. Die Argumentation ihres
Rechtsvertreters konzentriert sich auf die Frage, ob der Ehemann aufgrund seiner
familiären Verpflichtungen an der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gehindert wird.
Damit dringt er wie erläutert nicht durch. Obwohl er im Übrigen nicht substantiiert
geltend macht, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen
Gründen nicht mehr arbeiten könne, sind die diesbezüglichen Akten zu prüfen.
3.2.1 Im dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bekannten IV-Dossier des
Ehemanns findet sich wie bereits erläutert das Gutachten des Psychiaters Dr. C._
vom 7. Mai 2007. Dieser konnte keine krankheitswertige psychische Störung
diagnostizieren. Er berichtete von defizitärer Entwicklung des Ehemanns, von
mangelnder sozialer Integration, vom Fehlen einer Ausbildung und zukunftsweisenden
Vorstellungen, von mangelhafter Schulbildung und jahrelangem Fehlen einer
geeigneten erzieherischen Führung im sozialen Bereich. Eine medizinisch begründete
Arbeitsunfähigkeit liege deswegen nicht vor (IV-act. 161-53 im Verfahren IV 2008/343).
Bereits 1996 und 2002 war der Ehemann der Beschwerdeführerin von der MEDAS
Ostschweiz begutachtet worden. Für eine körperlich leichte Tätigkeit ohne
Schulterbelastung wurde keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit bescheinigt (IV-
act. 52; 74 im Verfahren IV 2008/343). Das den Ehemann der Beschwerdeführerin im
Jahr 2006 begutachtende Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG,
Zürich (AEH), erkannte für dem Leiden angepasste Tätigkeiten ebenfalls keine
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 155 im Verfahren IV 2008/343). Der
behandelnde Arzt Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin, berichtete am
4. Februar 2008 zwar von einer subjektiven Verschlechterung des
Gesundheitszustands, lieferte dafür aber keine objektiven Grundlagen (IV-act. 180 des
Verfahrens IV 2008/343).
3.2.2 Bei dieser Aktenlage ist in antizipierter Beweiswürdigung (8C_77/2008 vom
5. Juni 2008, Erw. 3.2.1) davon auszugehen, dass der Ehemann der
Beschwerdeführerin in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit ein Einkommen in der
Grössenordnung des von der Beschwerdegegnerin angenommenen (Fr. 46'802.-
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brutto) erzielen könnte. Dieser Ansatz liegt über 20% unter dem statistischen
Durchschnittseinkommen eines Hilfsarbeiters und kann daher als angemessen gelten.
Die Anrechnung des hypothetischen Einkommens erscheint insgesamt also als
statthaft und ist entsprechend nicht zu beanstanden.
3.3 Die vorliegende Beurteilung steht unter der Resolutivbedingung, dass die im IV-
Verfahren des Ehemanns noch ausstehende eingehende Überprüfung des
medizinischen Sachverhalts keine relevante Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten ergibt. Diesfalls wäre eine Neuprüfung
der Frage der Anrechenbarkeit eines hypothetischen Erwerbseinkommens mit Wirkung
ex tunc angezeigt.
4.
4.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin für ihren Ehemann zu Recht ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet hat und auch dessen Höhe nicht zu beanstanden ist.
Entsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Die Beschwerdeführerin liess ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung stellen und reichte im Juni 2009 die dazugehörigen Unterlagen
ein. Daraus ist zu entnehmen, dass sich die Einnahmen des Ehepaars auf gut
Fr. 3'600.- im Monat beschränken. Über Vermögenswerte verfügen die Ehegatten nicht
(act. G 8.2). Unter diesen Voraussetzungen ist die prozessrechtliche Bedürftigkeit der
Familie ausgewiesen. Da auch die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind, die Sache
insbesondere nicht von vornherein aussichtslos ist und der Beizug eines
Rechtsvertreters aufgrund der nicht einfachen Fragestellungen als notwendig erscheint,
ist die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Wenn die wirtschaftlichen
Verhältnisse der Beschwerdeführerin es gestatten, kann sie jedoch zur Nachzahlung
der vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG
i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG). Die Höhe der Parteientschädigung ist vom Gericht ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
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Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff.
VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen ist ein Honorar von pauschal Fr. 3'000.- inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer. Im Rahmen der unentgeltlichen Prozessführung wird
dieses Honorar um 20% reduziert (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist somit mit Fr. 2'400.- zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG