Decision ID: 09641b20-cee7-4504-9ec8-748d9b8e7f38
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 1. Mai 2013 bei der B._ AG als
Bohrergehilfe Erdsonden angestellt und dadurch bei der Schweizerischen
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Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen
versichert. Am 3. Juli 2013 meldete die Arbeitgeberin, der Versicherte habe am 21. Juni
2013 auf einer Baustelle beim Anheben von Gegenständen (Bohrgestängen) einen Riss
am Hals erlitten (Suva-act. 1). Nachdem der Versicherte am 15. Juli 2013 einen
Fragebogen der Suva zum Ereignis vom 21. Juni 2013 beantwortet (Suva-act. 6) und
Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, als erstbehandelnder Arzt am
24. Juni 2013 das Arztzeugnis UVG eingereicht hatte (Suva-act. 7), teilte die Suva dem
Versicherten mit Schreiben vom 23. Juli 2013 mit, es habe sich weder ein Unfallereignis
zugetragen noch seien die Voraussetzungen zur Übernahme des Schadenfalls als
unfallähnliche Körperschädigung beziehungsweise Berufskrankheit erfüllt. Es werde
empfohlen, den Fall dem Krankenversicherer zu melden (Suva-act. 8).
A.b Mit Schreiben vom 1. Oktober 2014 kündigte der Krankenversicherer des
Versicherten, die Sansan Versicherung AG (nachfolgend: Sansan), der Suva die
Rückforderung der von ihr für Heilbehandlungen des Versicherten vom 24. Juni 2013
bis 28. Juni 2014 erbrachten Versicherungsleistungen im Gesamtbetrag von Fr.
7'155.95 an. Die Sansan forderte die Suva zur Bestätigung der Übernahme der
Heilbehandlungskosten auf. Danach erhalte diese die definitive Abrechnung (Suva-act.
9).
A.c Am 6. Oktober 2014 setzte die Suva die Sansan telefonisch und per Fax davon in
Kenntnis, dass sie keine Versicherungsleistungen für die Nackenbeschwerden des
Versicherten erbringen könne (Suva-act. 10).
A.d Der von der Sansan beauftragte Case Manager der D._ beantragte am 28.
November 2014 für den Versicherten eine Wiedererwägung des Ablehnungsentscheids
wegen möglicher falscher Ereignisklassifizierung, machte unter Hinweis auf einen
Bericht von E._, Praxis für Wirbelsäulentherapie, einen Rückfall geltend und ersuchte
die Suva um eine erneute Prüfung der Leistungspflicht (Suva-act. 13). Mit Schreiben
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vom 1. Dezember 2014 teilte diese dem Case Manager mit, sie könne nach wie vor
keine Versicherungsleistungen erbringen (Suva-act. 15). Nach einer weiteren
Korrespondenz zwischen Suva und Case Manager (Suva-act. 16 f.) ersuchte der
inzwischen durch Rechtsanwältin lic. iur. Christa Rempfler, St. Gallen, vertretene
Versicherte um Erlass einer anfechtbaren Verfügung und kündigte an, im
Unterbleibungsfall eine Rechtsverweigerungsbeschwerde an das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen zu erheben (Suva-act. 22).
A.e Mit Schreiben vom 14. Oktober 2015 teilte die Suva der Rechtsvertreterin des
Versicherten mit, die formlose Ablehnung der Versicherungsleistungen vom 23. Juli
2013 stelle eine faktische Verfügung dar und sei, nachdem von Seiten des Versicherten
kein Einwand innert Jahresfrist erhoben worden sei, in Rechtskraft erwachsen. Auf ein
allfälliges Wiedererwägungsgesuch trete die Suva nicht ein. Somit bestehe kein Grund
zur Neubeurteilung bzw. neuen Überprüfung der Stellungnahme (Suva-act. 25).
A.f Nachdem der Versicherte durch seine Rechtsvertreterin am 18. März 2016 beim
Versicherungsgericht eine Rechtsverweigerungsbeschwerde mit dem Antrag erhoben
hatte, die Suva sei anzuweisen, innert nützlicher Frist eine anfechtbare Verfügung zu
erlassen, zur Begründung insbesondere vorgebracht hatte, der Beschwerdeführer
könne sich nicht erinnern, das formlose Schreiben vom 23. Juli 2013 je in Empfang
genommen zu haben (Suva-act. 28), und verschiedene Akten hatte einreichen lassen
(Suva-act. 29 f.), erliess die Suva am 12. April 2016 eine anfechtbare Verfügung (Suva-
act. 31) und ersuchte darauf mit Schreiben vom 14. April 2016 um Abschreibung des
Prozesses wegen Gegenstandslosigkeit (Suva-act. 32). Mit Entscheid vom 9. Mai 2016
schrieb das Versicherungsgericht das Verfahren ab (Suva-act. 33).
B.
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Mit Eingabe vom 13. Mai 2016 liess der Versicherte durch seine Rechtsvertreterin
gegen die Verfügung vom 12. April 2016 Einsprache erheben (Suva-act. 34). Mit
Entscheid vom 21. Juni 2017 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act. 55).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 24. August 2017
Beschwerde erheben. Darin wurde beantragt, der angefochtene Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es seien dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen
zuzusprechen. Eventualiter seien der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben,
das Vorliegen eines Unfalls zu bejahen und die Sache für weitere Abklärungen zur
Bezifferung der UVG-Leistungen an die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Ausserdem wurden verschiedene Beweisanträge gestellt: Es
seien die IV-Akten des Beschwerdeführers bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen beizuziehen, es seien die Akten der Prozedur betreffend
Rechtsverweigerungsbeschwerde beizuziehen, es sei der Beschwerdeführer als Partei
zum Ereignis vom 21. Juni 2013 zu befragen und es sei F._ als Zeuge zum Ereignis
vom 21. Juni 2013 zu befragen. Schliesslich ersuchte der Beschwerdeführer um
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 27. September 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 21. Juni 2017 (act. G 6).
C.c Am 17. Oktober 2017 bewilligte das Versicherungsgericht das Gesuch betreffend
Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. G 8).
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C.d Mit Replik vom 30. Oktober 2017 hielt die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers unverändert an den Beschwerdeanträgen fest (act. G 11).
C.e Mit Duplik vom 30. November 2017 erneuerte die Beschwerdegegnerin ihren
Antrag auf Abweisung der Beschwerde (G 13).

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin in Bezug auf das Ereignis vom
21. Juni 2013 zu Recht ihre Leistungspflicht verneint hat.
2.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2013 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
3.
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3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Ein äusserer Faktor auf den Körper ist z.B.
gegeben, wenn mechanische, chemische, thermische und elektrische Kräfte oder
Strahlen auf den Körper wirken. Das Ereignis muss sich in der Aussenwelt zutragen.
Die Folgen können sich aber mit einer äusserlichen Verletzung (Wunde, Hämatom,
offene Fraktur usw.) oder ausschliesslich im Körperinnern (Hirnerschütterung,
Perforation eines Organs, Sehnen- oder Bandruptur usw.) zeigen (ALFRED MAURER,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 165 f.; GABRIELA
RIEMER-KAFKA, Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, 6. Aufl. Bern 2018, 2.41).
Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit bezieht sich sodann nicht auf die Wirkung
des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der
Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende,
unerwartete Folgen nach sich zog (BGE 112 V 202 f. E. 1). Der äussere Faktor ist
ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder
Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich
nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit
Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen). Die Rechtsprechung
bejaht das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors unter anderem dann,
wenn beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher
Kraftaufwand erfolgt und zu einer, gelegentlich als Verhebetrauma bezeichneten,
Schädigung führt (Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, [Hrsg.:
MARC HÜRZELER/UELI KIESER], UVG Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
Bern 2018, Art. 6 N 33 [nachfolgend: UVG-Kommentar]; MAURER, a.a.O., S. 177 f.).
Die Fallgruppe der ausserordentlichen Überanstrengung bzw. deren
Aussergewöhnlichkeit beurteilt sich nach dem Gewicht der geschobenen oder
getragenen Last, der Konstitution des Betroffenen sowie seiner beruflichen und
ausserberuflichen Gewöhnung (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober
2009, 8C_319/2009, E. 3.3 mit Hinweis auf Urteil des Eidgenössischen
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Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. Mai 2002, U 477/00, E. 3b, 27. Juli 2001, U 7/00,
E. 4b/dd; BGE 116 V 136 ff.; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 39 E. 3b und c; Suva-
Jahresbericht 1988 Nr. 8 S. 15; vgl. auch MAURER, a.a.O., S. 178 Anm. 359; RIEMER-
KAFKA, a.a.O., 2.48). Beim Bewegen von Lasten durch menschliche Kraft kann also
nicht generell und einzig deshalb, weil der Gegenstand ein bestimmtes Gewicht
überschreitet, auf eine Überanstrengung geschlossen werden. Ob ein ganz
ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgte, ist mit Blick auf die gesamten Verhältnisse
des Einzelfalls, einschliesslich der kräftemässigen Möglichkeiten der betroffenen
Person, zu beurteilen. Von Bedeutung ist auch, ob und gegebenenfalls wie eine Last
getragen, geschoben oder weggewälzt werden musste (UVG-Kommentar, a.a.O., Art. 6
N 33; Urteil des EVG vom 6. Mai 2002, U 477/00, E. 3b; BGE 116 V 139 E. 3b mit
Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2).
3.2 Der Bundesrat kann sodann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls
ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Art. 6 Abs. 2 UVG). In Art. 9 Abs. 2 lit. a -
h UVV hat er von dieser Kompetenz in einer abschliessenden Aufzählung (vgl. dazu
BGE 114 V 302 E. 3d; RKUV 1990 Nr. U 112 S. 374 E. 2b) Gebrauch gemacht. Als so
genannte unfallähnliche Körperschädigungen gelten Knochenbrüche, Verrenkungen
von Gelenken, Meniskusrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen und
Trommelfellverletzungen.
3.3 Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren,
nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen
Auskünfte ein. Im Sozialversicherungsrecht herrscht somit der
Untersuchungsgrundsatz. Indessen ist die leistungsansprechende Person gesetzlich
verpflichtet, bei den Abklärungen mitzuwirken (vgl. Art. 43 Abs. 3 ATSG). So sind
praxisgemäss die einzelnen Umstände des Unfalls vom Leistungsansprecher glaubhaft
zu machen. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, indem er unvollständige,
ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines
unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine
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Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu
beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind (RKUV 1990
Nr. U 86 S. 50). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 298 E. 5b). Wird
also auf dem Weg der Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht
wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht
(THOMAS LOCHER/THOMAS GÄCHTER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4.
Aufl. Bern 2014, § 70 N. 56 f.; BGE 114 V 305 f. E. 5b) -, so hat dieses als unbewiesen
zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person auswirkt (BGE 116
V 136 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Gelangt die Verwaltung oder das Gericht bei
pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, der Sachverhalt, den eine Partei
beweisen will, sei nicht rechtserheblich oder der angebotene Beweis vermöge keine
Abklärungen herbeizuführen, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden.
In der damit verbundenen antizipierten Beweiswürdigung kann kein Verstoss gegen
das rechtliche Gehör erblickt werden (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d; SVR 1996 UV Nr. 62 E.
3).
4.
Als Erstes ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer am 21. Juni 2013 einen Unfall im
Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat. Dazu ist zu untersuchen, was am 21. Juni 2013 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit passiert ist bzw. ob mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als nachgewiesen gelten kann, dass ein
ungewöhnlicher äusserer Faktor auf den Körper des Beschwerdeführers, konkret auf
seinen Nacken, eingewirkt hat.
5.
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5.1 Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den
Ereignishergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime abgestellt werden, wonach
die so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener
und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von
nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst
sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit wechselt,
kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grösseres
Gewicht zu, als jenen, die sie nach einer Ablehnungsverfügung des Versicherers getan
hat. Dabei handelt es sich indessen nicht um eine förmliche Beweisregel, sondern
lediglich um eine im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) zu
berücksichtigende Entscheidungshilfe. Sie kann zudem nur dann zur Anwendung
gelangen, wenn von zusätzlichen Beweismassnahmen keine neuen Erkenntnisse mehr
zu erwarten sind (Urteile des Bundesgerichts vom 22. September 2088, 8C_827/2007,
E. 5, und 23. Oktober 2009, 8C_319/2009, E. 2; Urteil des EVG vom 26. Februar 2004,
U 64/02, E. 1.2; BGE 121 V 47 E. 1a mit Hinweisen; RKUV 1988 Nr. U 55 S. 363 E. 3b/
aa; ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf, S. 29 f.). Präzisierend ist zu ergänzen,
dass auch ein im Nachhinein dargelegter Sachverhalt als ausgewiesen gelten und
berücksichtigt werden kann, wenn spätere Aussagen auf früheren Aussagen aufbauen
bzw. sich die späteren einzig durch einen höheren Detaillierungsgrad auszeichnen. Die
verschiedenen Aussagen müssen kongruent miteinander vereinbar sein, damit nicht
von widersprüchlichen Aussagen gesprochen werden kann. Wird dagegen zu einem
späteren Zeitpunkt ein neuer, mit der bisherigen Schilderung nicht zu vereinbarender
Sachverhalt hinzugefügt, ist er überwiegend wahrscheinlich als zweifelhaft und damit
lediglich als möglich zu betrachten.
5.2 Unter Berufung auf die Beweismaxime "Aussage der ersten Stunde" macht die
Beschwerdegegnerin geltend, dass angesichts der übereinstimmenden
Ereignisschilderung "Anheben von Gegenständen" in der Schadenmeldung UVG vom
3. Juli 2013 (Suva-act. 1) sowie im Fragebogen vom 15. Juli 2013 (Suva-act. 6) und
dem in der Schadenmeldung UVG sowie im Arztzeugnis UVG von Dr. C._ vom 16.
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Juli 2013 (Suva-act. 7) genannten "Riss" bzw. "Zwick" davon auszugehen sei, dass
sich kein Unfallereignis zugetragen habe, das als Ursache der Nackenbeschwerden in
Frage kommen könnte. Die Beschwerdegegnerin verneint damit offensichtlich in
Anlehnung an die in Erwägung 3.1 angeführte höchstrichterliche Rechtsprechung ein
Unfallereignis im Sinne eines Verhebetraumas.
5.3 Laut einer E-Mail des Case Managers des Krankenversicherers an die Suva vom
23. Februar 2015 hat jedoch der Beschwerdeführer diesem gegenüber berichtet, er sei
von einer Bohrstange auf der rechten Nackenseite getroffen worden. Der Case
Manager erwähnt ausserdem ein Telefongespräch mit F._, der laut Aussage der
Arbeitgeberin am 21. Juni 2013 zusammen mit dem Beschwerdeführer auf der
Baustelle gewesen ist (Suva-act. 16 in Verbindung mit Suva-act. 30-10). Danach soll
eine Bohrstange von ca. 35 kg Gewicht und 2 Metern Länge weggerutscht sein und
den Beschwerdeführer am Nacken getroffen haben (Suva-act. 16). Ein - abgesehen
vom Gewicht der Bohrstange und getroffenen Körperteil - deckungsgleicher
Sachverhalt lässt sich einer Telefonnotiz der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
über ein am 11. Dezember 2015 mit F._ geführtes Gespräch entnehmen (Suva-act.
30-10). Die Rechtsvertreterin macht sowohl in der Einsprache vom 13. Mai 2016 (Suva-
act. 34) als auch beschwerdeweise (act. G 1) geltend, der Beschwerdeführer sei von
einer Bohrstange getroffen worden. In diesem Fall wäre der Unfalltatbestand von Art. 4
ATSG unstreitig erfüllt und die Beschwerdegegnerin leistungspflichtig (vgl. Erwägung
3.1).
6.
6.1 Nachfolgend ist mithin zu prüfen, ob der in Erwägung 5.3 dargelegte Sachverhalt
als überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen betrachtet werden kann.
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6.2 Unbestrittenermassen erfolgten die Schilderungen eines Schlags von einer
Bohrstange seitens des Beschwerdeführers und von F._ erst nach der Mitteilung der
Leistungsablehnung durch die Suva (vgl. Suva-act. 8, 16, 30-10). Dennoch ist
angesichts der nachfolgenden Erwägungen (Ziff. 6.2.1 f.) deren Glaubwürdigkeit nicht
in Frage gestellt.
6.2.1 Festzuhalten ist zunächst, dass sich ein Schlag von einer Bohrstange mit dem
in den echtzeitlichen Akten - in der Schadenmeldung UVG vom 3. Juli 2017 (Suva-act.
1) sowie im Fragebogen vom 15. Juli 2013 (Suva-act. 6) - formulierten Sachverhalt
("Anheben von Gegenständen") grundsätzlich in Einklang bringen lässt. So können die
Nackenbeschwerden des Beschwerdeführers insofern beim "Anheben von
Gegenständen" bzw. von Bohrstangen aufgetreten sein, als eine Bohrstange mit einem
Kran in die Höhe gezogen worden ist und der Beschwerdeführer von ihr getroffen
wurde, als sie beim Schlupf durchgerutscht ist (vgl. nachfolgende Erwägung 6.2.2). Den
Angaben im Fragebogen des Unfallversicherers kommt zwar eine massgebende
Bedeutung bei der Sachverhaltsabklärung zu. Er dient dem Unfallversicherer zur
detaillierten Erhebung der tatsächlichen Verhältnisse bei der leistungsansprechenden
Person (vgl. dazu Urteile des EVG vom 26. Februar 2004, U 64/2002, E. 2.3, und 27.
Juni 2002, U 148/01, E. 2b). Der Beschwerdeführer hat den Fragebogen (Suva-act. 6)
zudem unterzeichnet und damit die darin gemachten Angaben grundsätzlich bestätigt.
Unabhängig davon, wer den Fragebogen ausgefüllt hat (laut Replik vom 30. Oktober
2017 stammen die Angaben nicht vom Beschwerdeführer selbst [act. G 11]), fällt
allerdings auf, dass die Angabe "Anheben von Gegenständen" sehr allgemein und
knapp ist und damit den Anforderungen an eine detaillierte Sachverhaltsschilderung
nicht gerecht wird. Ausserdem ist offensichtlich, dass die Schilderung des Vorfalls im
Fragebogen lediglich aus der Schadenmeldung UVG übernommen wurde, letztere
jedoch unbestrittenermassen von der Arbeitgeberin und nicht vom Beschwerdeführer
stammt, was deren Beweiswert zusätzlich massgebend mindert. Zwar ist der
Beschwerdeführer mit dem Fragebogen ausdrücklich zu einer detaillierten
Ereignisschilderung aufgefordert worden, womit er grundsätzlich die Konsequenzen
einer Vernachlässigung der Aufforderung zu tragen hätte. Dennoch kann nicht einfach
gesagt werden, die Angaben im Fragebogen seien umfassend und richtig. Jedenfalls
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ist nicht sichergestellt, dass der Fragebogen tatsächlich das Ereignis so wiedergibt, wie
es der Beschwerdeführer spontan schilderte bzw. geschildert hätte. Diese
Unzulänglichkeit wirkt sich auch auf die Verneinung der Frage, ob sich etwas
Besonderes (Ausgleiten, Sturz usw.) ereignet habe (Frage 4), aus. Das Arztzeugnis UVG
vom 16. Juli 2013 betreffend die Erstbehandlung vom 24. Juni 2013 wurde sodann von
Dr. C._ und damit unstreitig von einer Drittperson ausgefüllt. Darin wird unter der
Rubrik "Angaben des Patienten" nur die für den behandelnden Arzt zentrale
Beschwerdesymptomatik beschrieben, nicht aber ein Ereignis. Die Angaben können
demnach ebenfalls nicht als vollständig bzw. als Hinweis gegen die Glaubwürdigkeit
des geschilderten Schlags von einer Bohrstange bezeichnet werden. Vor dem
Hintergrund dieser Ausführungen erweist sich die Sachverhaltsabklärung der
Beschwerdegegnerin als ungenügend. Der Beschwerdeführer selbst hinterfragte die
Leistungspflichten der verschiedenen Versicherer offensichtlich erst, nachdem sein
Krankenversicherer tätig geworden ist (vgl. Sachverhalt A.a bis A.d). Persönlich
schilderte er das Ereignis vom 21. Juni 2013 erstmals anlässlich der Erstkonsultation
im Kantonsspitals St. Gallen vom 15. Mai 2015. Er berichtete den Ärzten, dass er
während der Arbeit am 21. Juni 2013 einen Schlag in die rechte Hals- und Nackenseite
beim Halten eines in eine Maschine eingespannten Eisenstabes bekommen habe
(Suva-act. 18). Insgesamt kann dem Beschwerdeführer damit nicht entgegengehalten
werden, er sei bei der späten Erwähnung eines Schlages von einer Bohrstange von
versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst gewesen bzw. er habe
versicherungsrechtlich motiviert einen neuen Sachverhalt nachgeschoben.
6.2.2 Einen Schlag von einer Bohrstange schilderte schliesslich, wie bereits
erwähnt, auch der beim Ereignis vom 21. Juni 2013 zugegen gewesene F._
anlässlich von Telefongesprächen mit dem Case Manager des Krankenversicherers im
Februar 2015 (Suva-act. 16) und mit der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am
11. Dezember 2015 (Suva-act. 30-10). Besonders auch die Glaubwürdigkeit seiner
Ereignisschilderung kann nicht mit der Begründung in Frage gestellt werden, beim
Schlag von einer Bohrstange handle es sich gegenüber dem "Anheben von
Gegenständen" um ein widersprüchliches Sachverhaltselement, welches - von
versicherungsrechtlichen Überlegungen des Beschwerdeführers beeinflusst -
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nachgeschoben worden sei. F._ erzählte der Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers, er habe damals die Maschine bedient. Sie seien am Verrohren
bzw. mit einer Erdsondenbohrung beschäftigt gewesen. Ein Rohr habe ein Gewicht von
bis zu 70 kg. Das Rohr werde dann mit einem Seilzug bzw. einer Kette mit dem Kran
heraufgezogen. Es sei "grusiges" Wetter gewesen, alles sei dreckig und glitschig
gewesen. Der Beschwerdeführer sei relativ nah am Rohr gestanden. Man habe ihn
zwar instruiert, doch sei er noch nicht lange dabei gewesen. Das Rohr sei dann beim
Schlupf (ca. 4 cm dick, runder doppelter Ring) durchgerutscht und habe den
Beschwerdeführer am Bein getroffen (Suva-act. 30-10). Die Sachverhaltsschilderung
von F._ erscheint absolut sachlich und plausibel und damit glaubwürdig. Der von ihm
im Zusammenhang mit einer Erdsondenbohrung beschriebene Arbeitsvorgang
erscheint realistisch. Die Bohrstangen werden - wie von F._ beschrieben - mit einem
Kran und nicht von Hand hochgezogen. Zweifel sind damit vielmehr in Bezug auf den
von der Beschwerdegegnerin angenommenen Sachverhalt angebracht. So ist nicht
erkennbar, in welcher Situation eine Bohrstange vom Beschwerdeführer mit eigener
Körperkraft hätte gehoben werden müssen und auf welche Weise dabei der Nacken
hätte beschädigt werden können. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 21. Juni
2017 (Suva-act. 55) und die Beschwerdeantwort vom 27. September 2017 (act. G 6)
enthalten jedenfalls keine überzeugende Erklärung, wie sich die Beschwerdegegnerin
ihren Sachverhalt (Heben von Gegenständen bzw. Bohrstangen) konkret vorstellt.
Unbestritten ist ausserdem, dass beim Beschwerdeführer der Schmerz beim "Anheben
von Gegenständen" bzw. von Bohrgestängen (vgl. Suva-act. 1) eingetreten ist. Wird
jedoch ein Gegenstand mit eigener Kraft angehoben, erfolgt in der Regel kein Zwick
bzw. Riss im Nacken, sondern im Rücken. Auch dieser Aspekt spricht für ein Ereignis,
wie es F._ beschrieben hat. Der Umstand allein, dass F._ nicht mehr wusste, wo
genau der Beschwerdeführer von der Bohrstange getroffen worden ist, vermag noch
keine wesentlichen Zweifel an seiner Sachverhaltsdarstellung zu begründen. Dessen
ungeachtet überzeugt seine Beschreibung des Arbeitsvorgangs. Im Übrigen ist weniger
die Einzelheit, wo genau der Beschwerdeführer am Körper getroffen worden ist, als
vielmehr der Arbeitsvorgang an sich für die Erfüllung des Unfallbegriffs entscheidend.
Insofern ist von Bedeutung, dass sich F._ daran erinnerte, dass die Bohrstange nicht
vom Beschwerdeführer, sondern von einem Hilfskran gehoben worden ist, andernfalls
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er kaum von einer solchen im Nacken hätte getroffen werden können, weil er ungünstig
stand.
6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein Anlass besteht, den
Sachverhaltsschilderungen des Beschwerdeführers und von F._, wonach der
Beschwerdeführer von einer Bohrstange getroffen wurde, die Glaubwürdigkeit
abzusprechen. Der Unfallbegriff gemäss Art. 4 ATSG ist damit mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfüllt.
7.
Nachdem beim Beschwerdeführer infolge des Ereignisses vom 21. Juni 2013
behandlungsbedürftige und eine Arbeitsunfähigkeit verursachte Beschwerden im
Bereich des Nackens aufgetreten sind (Suva-act. 7), ist grundsätzlich davon
auszugehen, dass das Unfallereignis eine kausale Beeinträchtigung der Gesundheit
des Beschwerdeführers bzw. eine Schädigung im Bereich des Nackens zur Folge
gehabt hat. Mit der Begründung, es liege kein Unfallereignis vor, hat jedoch die
Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht bezüglich des Ereignisses vom 21. Juni
2013 von Grund auf abgelehnt und daher zum Vorliegen der kausalen Unfallfolgen (vgl.
dazu BGE 129 V 181 E. 3.1 ff. mit Hinweisen), der im gegebenen Fall dadurch
notwendig gewordenen Heilbehandlungen und eingetretenen Arbeitsunfähigkeiten
nicht verfügt. Dies wird sie nun angesichts des Vorliegens eines Unfallereignisses
nachzuholen haben.
8.
8.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 24. August 2017
unter Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 21. Juni 2017
gutzuheissen und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, für das Ereignis vom 21.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/16
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St.Galler Gerichte
Juni 2013 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Die Streitsache ist zur Prüfung des
Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers und zum Erlass einer entsprechenden
anfechtbaren Verfügung an die Beschwerdegegnerin zu überweisen.
8.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
hingegen Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Angesichts der Schwierigkeit des
Falles sowie der Art und des Umfangs der Bemühungen erscheint eine
Parteientschädigung, wie in vergleichbaren Fällen üblich, von pauschal Fr. 4'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.