Decision ID: 7d75eb8a-4f24-47fd-9bf4-593cf3d55cfe
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten führt eine Strafuntersuchung ge-
gen A. (nachfolgend Beschwerdeführer) wegen mehrfacher versuchter Tö-
tung, mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfacher Dro-
hung, mehrfacher einfacher Körperverletzung, mehrfacher sexueller Nöti-
gung, mehrfacher Vergewaltigung, mehrfacher Beschimpfung, mehrfachen
Tätlichkeiten, mehrfacher Nötigung, mehrfacher versuchter Nötigung,
Sachbeschädigung und mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz
Entzugs.
1.2.
Der Beschwerdeführer wurde am 15. August 2021 von der Kantonspolizei
Zürich vorläufig festgenommen. Die vorläufige Festnahme stand im Zusam-
menhang mit dem beschädigten, mit C. als Halterin verzeichneten Perso-
nenwagen Skoda Octavia, [...], welcher am Morgen desselben Tages in Q.
mitten auf der Fahrbahn aufgefunden worden war.
Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten eröffnete ihrerseits dem Be-
schwerdeführer am 16. August 2021 die Festnahme wegen des Tatver-
dachts der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil von C. so-
wie der Drohung zum Nachteil ihres Ex-Ehemanns D.. Das Verfahren
wurde schliesslich auf die obgenannten Delikte ausgedehnt.
1.3.
Mit Verfügung vom 19. August 2021 ordnete das Zwangsmassnahmenge-
richt des Kantons Aargau über den Beschwerdeführer Untersuchungshaft
bis einstweilen am 15. September 2021 an. Die dagegen gerichtete Be-
schwerde des Beschwerdeführers wurde mit Entscheid der Beschwerde-
kammer in Strafsachen des Obergerichts vom 3. September 2021
(SBK.2021.248) abgewiesen.
Mit Verfügung vom 22. September 2021 wies das Zwangsmassnahmenge-
richt des Kantons Aargau das Haftverlängerungsgesuch der Staatsanwalt-
schaft Muri-Bremgarten ab und verfügte die umgehende Entlassung des
Beschwerdeführers aus der Haft. Die Beschwerdekammer in Strafsachen
des Obergerichts hiess die dagegen gerichtete Beschwerde der Staatsan-
waltschaft Muri-Bremgarten mit Entscheid vom 30. September 2021 gut
(SBK.2021.279) und verlängerte die Untersuchungshaft für die einstweilige
Dauer von drei Monaten bis zum 15. Dezember 2021.
Am 20. Dezember 2022 verfügte das Zwangsmassnahmengericht des Kan-
tons Aargau die Verlängerung der Untersuchungshaft bis zum 15. März
2022.
- 3 -
2.
2.1.
Am 10. März 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten die
Verlängerung der Untersuchungshaft um weitere drei Monate bis am
15. Juni 2022.
2.2.
Mit Eingabe vom 11. März 2022 ordnete das Zwangsmassnahmengericht
des Kantons Aargau die provisorische Fortdauer der Haft bis zum Ent-
scheid des Gerichts an.
2.3.
Mit Eingabe vom 17. März 2022 nahm der Beschwerdeführer zum Antrag
der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten Stellung und beantragte seine
umgehende Entlassung aus der Untersuchungshaft, eventualiter die Ent-
lassung unter Anordnung eines Kontaktverbots mit C., einer Ausweis- und
Schriftensperre sowie einer Meldepflicht. Weiter beantragte er, die Staats-
anwaltschaft Muri-Bremgarten sei anzuweisen, die gemäss Seiten 16-18
der Eingabe verlangten Untersuchungshandlungen vorzunehmen.
2.4.
Am 21. März 2022 verfügte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons
Aargau die Verlängerung der Untersuchungshaft um weitere drei Monate
bis zum 15. Juni 2022.
3.
3.1.
Mit Eingabe vom 5. April 2022 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde
gegen diese ihm am 28. März 2022 zugestellte Verfügung und beantragte:
" 1.
a)
Es sei vom Obergericht die Verfügung des ZMG vom 21.03.2022 auf-
zuheben und es sei Herr A. umgehend – ohne Auflagen und / oder Be-
dingungen – aus der seit dem 19.08.2021 bestehenden Untersu-
chungshaft zu entlassen.
b)
Es sei dem Antrag der Staatsanwaltschaft vom 10.03.2022 (Verlänge-
rung der Untersuchungshaft für den Beschuldigten bis 15.06.2022)
nicht zu entsprechen. Herr A. sei umgehend aus der Untersuchungshaft
zu entlassen.
2.
Eventualiter sei Herr A. unter Androhung folgender Ersatzmassnahmen
unverzüglich aus der Untersuchungshaft zu entlassen:
- Verbot, mit C. und allenfalls weiteren Personen persönlich, schrift-
lich, telefonisch oder sonst wie in Kontakt zu treten;
- 4 -
- Ausweis- und Schriftensperre;
- Auflage, sich regelmässig bei einer Amtsstelle zu melden.
3.
Das Obergericht des Kantons Aargau habe – in Aufhebung der Verfü-
gung des ZMG vom 21.03.2022 – die Staatsanwaltschaft i.S.v. Art. 227
Abs. 5 StPO anzuweisen, die gemäss den Seiten 18-20 (mithin gemäss
Ziffer 5.) der vorliegenden Beschwerde vom 05.04.2022 verlangten Un-
tersuchungshandlungen (endlich!) vorzunehmen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen bzw. die Kosten des vorlie-
genden Beschwerdeverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen
und der amtliche Verteidiger sei im Rahmen des Hauptverfahrens zu
entschädigen."
3.2.
Mit Eingabe vom 12. April 2022 erstattete die Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten die Beschwerdeantwort mit Antrag auf Abweisung der Be-
schwerde.
3.3.
Am 25. April 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein und hielt
an seinen Anträgen fest.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
Nach Art. 222 i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO kann die inhaftierte Person
Entscheide über die Anordnung, die Verlängerung und die Aufhebung der
Untersuchungs- oder Sicherheitshaft bei der Beschwerdeinstanz anfech-
ten.
Mit der angefochtenen Verfügung verlängerte das Zwangsmassnahmen-
gericht des Kantons Aargau die über den Beschwerdeführer angeordnete
Untersuchungshaft. Die Voraussetzungen für das Eintreten auf die gegen
diese Verfügung gerichtete Beschwerde sind erfüllt und geben zu keinen
Bemerkungen Anlass, so dass auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) einzutreten
ist.
2.
Grundsätzlich bleibt eine beschuldigte Person in Freiheit. Sie darf nur im
Rahmen der Bestimmungen der StPO freiheitsentziehenden Zwangs-
massnahmen unterworfen werden (Art. 212 Abs. 1 StPO). Untersu-
- 5 -
chungshaft (vgl. zum Begriff Art. 220 Abs. 1 StPO) - als eine der von Ge-
setzes wegen ausdrücklich vorgesehenen Zwangsmassnahmen (Art. 197
Abs. 1 lit. a StPO) - ist gemäss Art. 221 Abs. 1 StPO nur zulässig und darf
mithin lediglich dann angeordnet oder aufrechterhalten werden, wenn die
beschuldigte Person eines Verbrechens oder Vergehens dringend ver-
dächtigt ist (Tatverdacht) und (ausserdem) ernsthaft zu befürchten ist, dass
sie sich durch Flucht dem Strafverfahren oder der zu erwartenden Sanktion
entzieht (Fluchtgefahr; lit. a), Personen beeinflusst oder auf Beweismittel
einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigten (Kollusionsge-
fahr; lit. b), oder durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit
anderer erheblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straf-
taten verübt hat (Fortsetzungsgefahr; lit. c). Haft ist ferner zulässig, wenn
ernsthaft zu befürchten ist, eine Person werde ihre Drohung, ein schweres
Verbrechen auszuführen, wahrmachen (Ausführungsgefahr; Art. 221
Abs. 2 StPO). Freiheitsentziehende Zwangsmassnahmen sind aufzuhe-
ben, sobald ihre Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind (Art. 212 Abs. 2
lit. a StPO), die von der StPO vorgesehene oder von einem Gericht bewil-
ligte Dauer abgelaufen ist (Art. 212 Abs. 2 lit. b StPO) oder Ersatzmass-
nahmen zum gleichen Ziel führen (Art. 212 Abs. 2 lit. c und Art. 237 ff.
StPO). Untersuchungshaft darf nicht länger dauern als die zu erwartende
Freiheitsstrafe (Art. 212 Abs. 3 StPO).
3.
3.1.
3.1.1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau bejahte das Vorlie-
gen eines dringenden Tatverdachts gestützt auf die Ausführungen im Ent-
scheid der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts vom
30. September 2021 und führte aus, dass sich der Tatverdacht mit den de-
taillierten und den Beschwerdeführer belastenden Aussagen von C. vom
18. November 2021 und 20. Dezember 2021 zu den Vorfällen vom 12./13.
August 2021, 14./15. August 2021, 24./25. April 2021 und 29./30. Juni 2021
weiter erhärtet habe. Hingegen seien keine entlastenden Beweise dazuge-
kommen (E. 4.2.4).
3.1.2.
Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen eines dringenden Tatver-
dachts. Er bringt in der Beschwerde im Wesentlichen vor, dass C. mit ihren
wankelmütigen Aussagen nicht glaubwürdig sei. Ein anfänglicher Autoun-
fall werde nun plötzlich als körperlicher Angriff geschildert. Hinsichtlich der
Antragsdelikte einfache Körperverletzung, Tätlichkeiten, Beschimpfungen,
Drohungen und Sachbeschädigung fehle es am Strafantrag. In der Nacht
vom 14./15. August 2021 müsse etwas passiert sein. Die Frage sei nur,
was. Bis zum 9. November 2021 habe C. den Beschwerdeführer in keiner
Weise belastet. Sie habe angegeben, dass sie alleine in der Wohnung ge-
wesen und gestürzt sei. Auf dem Weg ins Spital sei sie schwer verunfallt.
- 6 -
Nun habe C. ihre Meinung zu 100% gekehrt und den Beschwerdeführer
wegen diverser schlimmer Delikte belastet. Zeugen, Beweismittel etc. seien
für diese Anschuldigungen indessen bis heute keine vorgelegt worden. Der
Ex-Mann, D., wohne in nur etwa 500 Metern Entfernung von C. und habe
kein Alibi für den 14. August 2021. Er stehe im Verdacht, C. Schlaftabletten
in ein Sandwich getan zu haben, die Reifen des Personenwagens zersto-
chen und C. gestalkt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten
kläre diese Umstände jedoch nicht genauer ab, obwohl sie entlastende und
belastende Elemente gleich sorgfältig zu untersuchen habe. D. habe im
Übrigen klar ausgesagt, keine Angst gehabt zu haben, womit kein Ansatz
für eine strafbare Handlung bestehe. Er sei durch die Polizei zum Strafan-
trag wegen Drohung motiviert worden, was unseriös sei. Es lägen keine
Beweise für die behaupteten massiven Verletzungen von C. wie etwa Spu-
ren oder Gutachten vor. Wer bis zur Ohnmacht gewürgt werde, habe mas-
sive Spuren am Hals und Schwellungen. Es stelle sich auch die Frage, wo
die Auswertungen der Mobiltelefone seien. Die Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten bleibe passiv, nehme entlastende Beweise nicht ab und ver-
letze damit das Beschleunigungsgebot. Die Aussagen von C. seien un-
glaubwürdig. Sie habe nach ihren eigenen Angaben drei Monate lang ge-
logen, habe sich zunächst aktiv für den Beschwerdeführer eingesetzt und
wisse nun plötzlich alles wieder. Sie habe angegeben, dass der Beschwer-
deführer am 14./15. August 2021 2/3 einer Flasche Wodka und eine halbe
Flasche Amaretto getrunken habe. Die Polizei habe jedoch im E. beim Be-
schwerdeführer 0.0 Promille festgestellt. Der Polizeibericht sei aber nicht in
den Akten. Es gebe auch keine Beweise aus dem Maisfeld (Steine, Mais-
kolben, Kordel) bzw. zu den Kleidern von C. (Urinabgang, DNA des Be-
schwerdeführers) oder des Beschwerdeführers (Blut, Dreck). Wenn der Be-
schwerdeführer C. im Maisfeld mehrfach mit einem Maiskolben "anal
drangsaliert" hätte, müsste diese massive Verletzungen am Anus aufwei-
sen. Im Übrigen lasse kein Bauer Steine auf einem Maisfeld liegen. Der
Beschwerdeführer habe 15 Jahre Kampfsporterfahrung und hätte C. bei
vollem Zuschlagen stärker verletzt. C. habe jedoch am 14. August 2021
noch einen Coupe Dänemark essen gehen können. Dies, obwohl der Be-
schwerdeführer sie am 12./13. August 2021 bis zur Bewusstlosigkeit ge-
würgt haben solle. Es sei auf die Schluckproblematik zu verweisen. Das
Servicepersonal sei nicht befragt worden. Es stelle sich auch die Frage,
warum C. am 13. August 2021 nicht die Polizei gerufen habe, obwohl sie
alleine gewesen sei. Der Beschwerdeführer sei Rechtshänder, weise aber
an der rechten Hand keine Verletzungen auf. Am 24./25. April 2021 sei der
Beschwerdeführer in R. (Land) und gar nicht bei C. gewesen. Im Übrigen
habe die Beziehung erst Anfang April angefangen, weshalb zu erwarten
gewesen wäre, dass C. die Polizei gerufen hätte. Es sei weiter nicht glaub-
würdig, dass C. trotz der geschilderten erheblichen Verletzungen und Be-
schwerden nie habe Schmerzmittel einnehmen müssen. Die Staatsanwalt-
schaft Muri-Bremgarten sei anzuweisen, folgende Beweise zu erheben: Be-
- 7 -
fragung Servicepersonal Restaurant F. in S., DNA-Analysen des Kleider-
ständers, des Gürtels sowie des beschlagnahmten Messers, ärztliches
Fach-Gutachten betreffend zweimaligen Würgevorgang, Auswertungen
Mobiltelefone und Laptop, Abklärungen i.S. D., Auswertung der Matratze,
Abklärungen beim Hausarzt Dr. G., Auswertung des Alkoholpegels des Be-
schwerdeführers sowie der Kleider von C. und des Beschwerdeführers,
Einholung Arztbericht Spital E., Analyse der Steine im Maisfeld, Einver-
nahme von Alibi-Zeugen betreffend Samstag 14. August 2021, Befragun-
gen des Bruders des Beschwerdeführers und des Fahrers des PW Dacia
Duster, Recherchen Flughafen Zürich betreffend Flug nach T. am 23. April
2021.
3.1.3.
Mit Beschwerdeantwort verweist die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten
auf die bereits in den früheren Haftverfahren beigelegten Fotos der Verlet-
zungen von C.. Dem Verteidiger sei bekannt gewesen, dass ein Gutachten
in Auftrag gegeben worden sei. Dieses liege unterdessen vor und sei dem
Verteidiger am 7. April 2022 zugestellt worden. Die Mobiltelefone seien
längst ausgewertet worden und der Beschwerdeführer sei anlässlich der
Einvernahmen mit den ihn belastenden Auswertungsergebnissen konfron-
tiert worden. Weitere Einvernahmen und die Konfrontation des Beschwer-
deführers mit weiteren Untersuchungsergebnissen seien geplant. Der Be-
schwerdeführer werde durch die Umstände der Spitaleinlieferung, sein Ver-
halten, die Aussagen von C., deren Verletzungen, das Gutachten zur fo-
rensisch-klinischen Untersuchung von C. und die Ergebnisse der Auswer-
tung der Mobiltelefone schwer belastet.
Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten legte der Beschwerdeantwort das
rechtsmedizinische Gutachten des IRM vom 17. März 2022, die Einvernah-
men des Beschwerdeführers vom 25. Januar 2022 sowie eine E-Mail der
Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten an den amtlichen Verteidiger betref-
fend hängige Ermittlungen vom 15. Februar 2022 bei.
3.1.4.
In seiner Stellungnahme führt der Beschwerdeführer zusammengefasst er-
neut aus, dass es an Beweisen für einen dringenden Tatverdacht fehle.
Zudem bringt er vor, dass das Gutachten des IRM nicht lege artis erstellt
worden sei, da der Gutachter C. gar nie untersucht habe. Die von der
Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erwähnte Nachricht stamme nicht
vom Beschwerdeführer. Das Mobiltelefon des Beschwerdeführers habe
sich in der Wohnung von C. befunden, womit jemand ohne Problem von
diesem Gerät aus Nachrichten an C. habe versenden können. C. habe im
Übrigen Angst, ihren Sohn zu verlieren, worin ein Motiv bestehe, den Be-
schwerdeführer zu belasten.
- 8 -
3.2.
Zum allgemeinen Haftgrund des dringenden Tatverdachts kann im Rahmen
des Haftverfahrens im Gegensatz zum erkennenden Sachrichter keine er-
schöpfende Abwägung sämtlicher belastender und entlastender Beweiser-
gebnisse vorgenommen werden. Macht ein Inhaftierter - wie hier - geltend,
er befinde sich ohne ausreichenden Tatverdacht in strafprozessualer Haft,
ist daher zu prüfen, ob aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse
genügend konkrete Anhaltspunkte für ein Verbrechen oder Vergehen und
eine Beteiligung des Beschwerdeführers an dieser Tat vorliegen, die Straf-
behörden somit das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit vertret-
baren Gründen bejahen durften. Im Haftprüfungsverfahren genügt dabei
der Nachweis von konkreten Verdachtsmomenten, wonach das unter-
suchte Verhalten mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbe-
standsmerkmale erfüllen könnte. Zur Frage des dringenden Tatverdachts
bzw. zur Schuldfrage ist damit weder ein eigentliches Beweisverfahren
durchzuführen, noch dem erkennenden Strafrichter vorzugreifen (BGE 143
IV 316 E. 3.1; 143 IV 330 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 1B_235/2018
vom 30. Mai 2018 E. 4.1).
Der dringende Tatverdacht muss sich im Verlauf des Strafverfahrens
grundsätzlich verdichten (bzw. ausreichend hoch verbleiben). Dabei kommt
es nach der Praxis des Bundesgerichtes auch auf die Art und Intensität der
bereits vorbestehenden konkreten Verdachtsgründe an (Urteil des Bundes-
gerichts 1B_197/2019 vom 27. Mai 2019 E. 2.1). Falls schon in einem frü-
hen Verfahrensstadium konkrete belastende Beweisergebnisse vorlagen,
kann es für die Fortdauer der notwendigen Zwangsmassnahmen durchaus
genügen, wenn der erhebliche Tatverdacht im Laufe der Untersuchung we-
der ausgeräumt noch deutlich abgeschwächt wird (MARC FORSTER, in: Bas-
ler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 3
zu Art. 221 StPO, insbesondere Fn. 14; Urteil des Bundesgerichts
1B_139/2007 vom 17. Dezember 2007 E. 4.3). Nach Durchführung der in
Betracht kommenden Untersuchungshandlungen muss eine Verurteilung
als wahrscheinlich erscheinen (BGE 143 IV 316 E. 3.2 m.w.H.).
3.3.
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer beantragten Weisungen an die
Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten betreffend von dieser zu erhebende
Beweise kann auf die (vom Beschwerdeführer lediglich zitierten und ohne
weitere Begründung als "grob oberflächlich und falsch" bezeichneten; Be-
schwerde S. 20) zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den, wonach über Beweisanträge die jeweilige Verfahrensleitung zu befin-
den hat und es nicht dem Sinn und Zweck von Art. 227 Abs. 5 StPO ent-
spricht, die Bestimmung von Art. 394 lit. b StPO betreffend Zulässigkeit von
Rechtsmitteln gegen die Ablehnung von Beweisanträgen zu umgehen (E.
5.2 f.). Empfehlungen, Ermahnungen und Anweisungen mit dem Ziel, dem
- 9 -
Beschleunigungsgebot Rechnung zu tragen bzw. haftrelevanten Beweis-
verlust zu verhindern, sind zwar grundsätzlich möglich (MARC FORSTER,
a.a.O., N. 11 zu Art. 226 StPO). Der blosse Umstand, dass (noch) nicht
sämtliche vom Beschwerdeführer geforderten Beweiserhebungen vorge-
nommen wurden, kann jedoch nicht mit einer Verletzung des Beschleuni-
gungsgebots gleichgesetzt werden. Inwiefern Beweisverlust drohen
könnte, ist ebenfalls nicht ersichtlich. Die Beweisanträge sind damit gegen-
über der Verfahrensleitung zu stellen und allenfalls zu wiederholen. Im Üb-
rigen stehen - wie etwa der E-Mail der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten
an den amtlichen Verteidiger vom 15. Februar 2022 zu entnehmen ist - di-
verse Ermittlungsergebnisse noch aus bzw. sind weitere Beweiserhebun-
gen geplant. Das Gutachten des IRM liegt mittlerweile vor, wobei darauf
hinzuweisen ist, dass sich in den Haftakten bereits im Verfahren auf Anord-
nung der Untersuchungshaft eine Fotodokumentation der Verletzungen so-
wie erste Untersuchungsbefunde des IRM befanden (vgl. Entscheid der
Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts vom 3. September
2021 E. 3.6.3). Es besteht damit keine Veranlassung für eine Erteilung von
Weisungen.
Anhaltspunkte für die vom Beschwerdeführer behaupteten einseitigen Be-
weiserhebungen bestehen im Übrigen nach wie vor nicht (vgl. Entscheid
der Beschwerdekammer SBK.2021.248 vom 3. September 2021 E. 3.6.1).
3.4.
3.4.1.
Wie bereits im Entscheid der Beschwerdekammer in Strafsachen des
Obergerichts SBK.2021.248 vom 3. September 2021 festgehalten, suchte
C. am 15. August 2021 das Krankenhaus auf. Sie wies diverse, fotografisch
festgehaltene Verletzungen auf, u.a. schwere Blutergüsse insbesondere im
Gesicht und Würgemale am Hals, welche gemäss Untersuchungsbefunden
des IRM in der Gesamtschau durch stumpfe Gewalt durch Drittenwirkung
entstanden bzw. mit einem Würgevorgang vereinbar seien. Die Beschwer-
dekammer in Strafsachen des Obergerichts gewichtete diese Indizien auf
einen tätlichen Übergriff durch den Beschwerdeführer höher als die Aussa-
gen von C., welche den Beschwerdeführer damals noch nicht belastete und
ihre Verletzungen auf Stürze bzw. den Autounfall zurückführte, und bejahte
das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts (E. 3.6.3).
Im Entscheid der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts
SBK.2021.279 vom 30. September 2021 wurde auf diese Ausführungen
verwiesen und in Bejahung des dringenden Tatverdachts ausgeführt, dass
die von C. erlittenen Verletzungen, insbesondere die schweren Blutergüsse
im Gesicht und die Würgemale, nicht mit einem Autounfall zu erklären
seien. Es dränge sich der Schluss auf, dass C. mit ihren Aussagen versu-
- 10 -
che, von einer anderen Verletzungsursache abzulenken und den Be-
schwerdeführer (sogar mit Telefonanrufen aus dem Spital) zu entlasten (E.
2.5).
3.4.2.
3.4.2.1.
Anlässlich der Einvernahmen vom 18. November 2021 und 20. Dezember
2021 revidierte C. ihre Aussagen, dass ihre Verletzungen bei einem Auto-
unfall entstanden seien, und schilderte detailliert schwere Gewalttaten, wel-
che der Beschwerdeführer am 24./25. April 2021, 29./30. Juni 2021, 12./13
August 2021 und 14./15. August 2021 ihr gegenüber verübt habe. Ihre Aus-
sagen führten zu einer Ausdehnung des zunächst wegen versuchter
schwerer Körperverletzung zu ihrem Nachteil und Drohung zum Nachteil
ihres Ex-Mannes D. geführten Strafverfahrens auf weitere schwere Delikte
wie mehrfache versuchte Tötung, mehrfache versuchte schwere Körper-
verletzung, mehrfache Vergewaltigung, mehrfache sexuelle Nötigung,
mehrfache Drohung, mehrfache einfache Körperverletzung, mehrfache Nö-
tigung etc.
3.4.2.2.
Mittlerweile liegt das rechtsmedizinische Gutachten des IRM vom 17. März
2022 vor.
C. wurde drei Tage nach Spitaleintritt forensisch-klinisch untersucht. Es
wurden zahlreiche in Abheilung befindliche Blutergüsse und Hauptabschür-
fungen an Kopf, Hals, Rumpf und Extremitäten festgestellt. Gemäss Gut-
achten verweigerte C. mehrfach die forensisch-klinische Untersuchung von
einem grossen Teil des Brustkorbs, Brüsten, Schulterregionen, Oberarmen
inkl. Ellbogen, Schrittbereich, Gesäss und Oberschenkel inkl. Knie, wes-
halb keine Angaben zu über die vom Spital E. dokumentierten Befunde hin-
ausgehenden Verletzungen an diesen Lokalisationen möglich seien (Gut-
achten S. 11).
Es wird festgehalten, dass die festgestellten Verletzungen durch massive
stumpfe, teils tangential einwirkende Gewalt gegen den ganzen Körper,
insbesondere gegen das Gesicht, entstanden seien und sich durch Schläge
und Tritte sowie festes Packen erklären liessen (S. 12). Die Hautabschür-
fungen an den Unterarmen sowie die abgebrochenen Fingernägel liessen
sich als passive Abwehrverletzungen interpretieren. Die Schilderung, dass
C. mehrfach mit einem Stein auf die Hände geschlagen worden sei, sei mit
den deutlichen Schwellungen, flächenhaften Blutergüssen und kleinflecki-
gen Hautabschürfungen vereinbar. Ein Kriechen auf allen Vieren im Mais-
feld könne zudem die Hautabschürfungen an den Unterschenkeln erklären.
Die geschilderte Einwirkung von Steinen sei weiter geeignet, die am Kopf
festgestellten kleinfleckigen Hautabschürfungen zu verursachen. Die run-
- 11 -
den Hautläsionen am rechten Handgelenk und an der linken Schulteraus-
senseite seien als Bissverletzung zu interpretieren. Die runde Hautläsion
an der linken Unterschenkelaussenseite könne ebenfalls durch den Biss
einer Drittperson oder auch durch eine andersartige Einwirkung stumpfer
Gewalt entstanden sein (S. 13). An der Stelle am Oberschenkel, an welcher
C. einen Stich mit einem Klappmesser geschildert habe, sei auf der foto-
grafischen Dokumentation des Spitals E. eine Hautläsion sichtbar. C. habe
jedoch die rechtsmedizinische Untersuchung dieser Region verweigert,
womit nicht sicher beurteilt werden könne, ob es sich um eine Verletzung
infolge scharfer oder tangential-schürfender Gewalt handle. Die bandförmi-
gen und kratzerartigen Hautabschürfungen sowie der fleckenförmige Blut-
erguss am Hals seien durch stumpfe Gewalt entstanden. Der Bluterguss
sowie die vom Spital E. am 15. August 2021 aufgenommene Rötung an der
linken Halsseite seien mit der Einwirkung eines Fingers, die Läsionen an
der Halshaut mit der Einwirkung von Fingernägeln beim Würgen vereinbar.
Die bandförmigen Läsionen mit auffallend scharfer Begrenzung liessen auf
die Einwirkung eines entsprechend geformten Gegenstands schliessen
und seien mit dem geschilderten Um-den-Hals-wickeln und Zuziehen einer
Kordel vereinbar. Hingegen sei eine Interpretation der Verletzungen am
Hals mit einer Einwirkung des Sicherheitsgurts eines Personenwagens
nicht plausibel. Einzelne Verletzungen könnten zwar für sich alleine be-
trachtet bei einem Autounfall, durch einen Sturz, beim Anschlagen etc. ent-
standen sein. In der Zusammenschau bestünden angesichts der Vielzahl
der festgestellten Verletzungen, der unterschiedlichen, teils schlagtypi-
schen Lokalisationen, der Bissverletzungen an für die Betroffene nicht er-
reichbaren Stellen sowie der Würge- und Drosselmarken keine Zweifel an
einer wiederholten stumpfen Gewalteinwirkung durch eine Drittperson (S.
14/15).
Die genaue Entstehungszeit der Verletzungen sei rechtsmedizinisch nicht
feststellbar, da die Betroffene bei der Untersuchung bereits drei Tage im
Spital gewesen sei. Die Hautabschürfungen und Blutergüsse seien auf-
grund ihrer Morphologie zeitnah (im Bereich von wenigen Tagen bis maxi-
mal Wochen) entstanden und wiesen weiter ein unterschiedliches Wundal-
ter auf, weshalb sie nicht zeitgleich entstanden sein könnten. Es müsse von
einem mehrzeitigen Geschehen bzw. von wiederholter Gewaltanwendung
gegen C. ausgegangen werden, wobei der von ihr angegebene Zeitraum
vom 12. bis 15. August 2021 sowie auch kurz davor möglich sei (S. 15).
Die bandförmigen Verletzungen am Hals seien indessen kurz bzw. wenige
Stunden vor der klinischen Dokumentation am 15. August 2021 entstanden
(S. 16).
Es habe keine forensisch-gynäkologische Untersuchung stattgefunden,
weshalb zu den geschilderten sexuellen Übergriffen keine Angaben ge-
macht werden könnten. Beim durch das Spital E. dokumentierten fingerför-
migen Bluterguss an der rechten Oberschenkelinnenseite könne es sich
- 12 -
jedoch um eine Griffverletzung durch eine andere Person, möglicherweise
im Rahmen eines sexuellen Übergriffs, handeln (S. 16).
Objektive Zeichen einer kreislaufbedingten Halskompression (Stauungs-
blutungen im Gesichtsbereich) seien nicht festgestellt worden. Allenfalls
vorhanden gewesene Stauungsblutungen hätten jedoch durch die ausge-
dehnten Blutergüsse der Gesichtshaut und Unterblutungen der Augenbin-
dehäute überlagert werden bzw. aufgrund der Zeitspanne zwischen Ereig-
nis und Untersuchung bereits nicht mehr sichtbar sein können. Die Schil-
derungen des Würgens bzw. Drosselns am 12./13. und 14./15. August
2021 von C. würden jedoch auf Symptome einer sauerstoffmangelbeding-
ten Hirnfunktionsstörung und damit auf eine konkrete Lebensgefahr in die-
sem Zeitpunkt hindeuten. Die im Zusammenhang mit dem Angriff gegen
den Hals geschilderte beginnende Bewusstlosigkeit könne auch durch die
zusätzlich angegebenen Schläge gegen den Kopf, also ein Schädel-Hirn-
Trauma, verlängert oder intensiviert worden sein. Die Bewusstlosigkeit
gehe mit dem Verlust der Schutzreflexe (u.a. Hustenreflex) einher, weshalb
sich C. während der Bewusstlosigkeit in einem lebensbedrohlichen Zu-
stand befunden habe. Hinweise auf innere Verletzungen hätten keine ge-
funden werden können, wobei massive Schläge und Tritte gegen Kopf und
Rumpf grundsätzlich zu lebensgefährlichen Verletzungen führen könnten
(S. 16/17).
3.4.2.3.
Anlässlich der Einvernahme vom 25. Januar 2022 wurden dem Beschwer-
deführer zudem weitere Ermittlungsergebnisse vorgehalten:
So habe C. etwa in ihrer (kurz nach dem geschilderten Vorfall vom 24./25.
April 2021 [Samstag/Sonntag] versandten) Nachricht vom 26. April 2021
gegenüber dem Beschwerdeführer Schläge vom Samstag erwähnt und ihre
Angst vor ihm geäussert, worauf sich der Beschwerdeführer bei ihr ent-
schuldigt habe (Nachrichten gemäss Vorhalt anlässlich der Einvernahme
vom 25. Januar 2022 S. 4).
Weiter habe D. bei C. am 5. Juli 2021 ein blaues Auge (rechts) sowie Hä-
matome am linken Unterarm gesehen (Einvernahme vom 25. Januar 2022
S. 5).
Der Matratzenbezug, auf welchen der Beschwerdeführer gemäss Angaben
von C. anlässlich des Vorfalls vom 12./13. August 2021 uriniert habe, habe
zwischenzeitlich durch die Polizei festgestellt werden können und weise ei-
nen gut sichtbaren gelben Fleck auf (Einvernahme vom 25. Januar 2022 S.
7).
Entsprechend der Aussage von C., dass der Beschwerdeführer sie auf dem
Weg nach U. aufgefordert habe, den Kapuzenpulli auszuziehen und in ein
- 13 -
Toi Toi zu werfen, sei dort gemäss Angaben der Firma I. ein Pullover an-
gesaugt worden, welcher schliesslich den Schlauch verstopft habe (Einver-
nahme vom 25. Januar 2022 S. 10).
3.4.3.
Die eingehende Überprüfung der Aussagen von C. auf ihre Glaubhaftigkeit
sowie die Würdigung des Gutachtens und der weiteren Beweise wird das
Sachgericht vorzunehmen haben.
Die genannten Ausführungen im rechtsmedizinischen Gutachten können
im heutigen Zeitpunkt jedoch als erhebliche Anhaltspunkte dafür gewertet
werden, dass sich die Übergriffe gemäss den Schilderungen von C. ereig-
net haben könnten. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers wurde
bei C. eine forensisch-klinische Untersuchung durchgeführt und das Gut-
achten gestützt darauf erstellt (Untersuchungsprotokoll vom 17. März
2022).
Gleiches gilt hinsichtlich der erwähnten, dem Beschwerdeführer anlässlich
der Einvernahme vom 25. Januar 2022 vorgehaltenen Umstände. Auch
wenn sich die dazugehörigen Unterlagen nicht in den Haftakten befinden,
sind sie als weitere, den Tatverdacht stützende Hinweise zu werten. Es
bestehen derzeit keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die genannte Nach-
richt nicht vom Beschwerdeführer selbst verfasst worden sein könnte.
3.4.4.
Damit hat sich der (bereits von Anfang an gegebene) dringende Tatver-
dacht gegen den Beschwerdeführer auf schwere Gewalttaten zum Nachteil
von C. erheblich weiter verdichtet. Die allgemeine Haftvoraussetzung des
dringenden Tatverdachts ist entsprechend nach wie vor erfüllt und besteht
auch hinsichtlich der weiteren schweren Gewaltdelikte, auf welche das
Strafverfahren mittlerweile ausgedehnt worden ist.
4.
4.1.
4.1.1.
Als besonderen Haftgrund hat die Vorinstanz Fluchtgefahr bejaht.
4.1.2.
Beim Haftgrund der Fluchtgefahr gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO geht
es um die Sicherung der Anwesenheit der beschuldigten Person im Ver-
fahren. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts braucht es für die
Annahme von Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich die
beschuldigte Person, wenn sie in Freiheit wäre, dem Vollzug der Strafe
durch Flucht entziehen würde. Im Vordergrund steht dabei eine mögliche
Flucht ins Ausland, denkbar ist jedoch auch ein Untertauchen im Inland.
Bei der Bewertung, ob Fluchtgefahr besteht, sind die gesamten konkreten
- 14 -
Verhältnisse zu berücksichtigen. Es müssen Gründe bestehen, die eine
Flucht nicht nur als möglich, sondern als wahrscheinlich erscheinen lassen.
Die Schwere der drohenden Strafe darf als Indiz für Fluchtgefahr gewertet
werden, genügt jedoch für sich allein nicht, um den Haftgrund zu bejahen.
Miteinzubeziehen sind die familiären und sozialen Bindungen, die berufli-
che und finanzielle Situation und die Kontakte zum Ausland. Selbst bei ei-
ner befürchteten Reise in ein Land, welches die beschuldigte Person
grundsätzlich an die Schweiz ausliefern bzw. stellvertretend verfolgen
könnte, ist die Annahme von Fluchtgefahr nicht ausgeschlossen (vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts 1B_32/2019 vom 8. Februar 2019 E. 4.1 mit Ver-
weis auf BGE 143 IV 160 E. 4.3.).
4.1.3.
Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen von Fluchtgefahr und ver-
weist darauf, dass er Schweizer Bürger sei, alle seine Verwandten in der
Schweiz leben würden und er als selbständig erwerbender Storenbauer in
der Deutschschweiz tätig gewesen sei. Im Übrigen könne eine Fluchtgefahr
mit Ersatzmassnahmen (Ausweis- und Schriftensperre sowie regelmässige
Meldepflicht bei einer Amtsstelle) bereinigt werden.
4.1.4.
Es kann auf die Ausführungen in den Entscheiden der Beschwerdekammer
in Strafsachen des Obergerichts SBK.2021.248 vom 3. September 2021
(E. 4.7) bzw. SBK.2021.279 vom 30. September 2021 (E. 3) verwiesen
werden. An den dort dargelegten Umständen hat sich nichts geändert. Der
Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers befindet sich in R. (Land) und
er hat keinen eigenen Wohnsitz in der Schweiz. Zudem droht ihm eine emp-
findliche Freiheitsstrafe. Es besteht damit nach wie vor Fluchtgefahr.
Auch hinsichtlich der vom Beschwerdeführer beantragten Ersatzmassnah-
men zur Begegnung der Fluchtgefahr (Ausweis- und Schriftensperre sowie
Meldepflicht) kann auf die Ausführungen im Entscheid SBK.2021.279 vom
30. September 2021 (E. 3) verwiesen werden, dass hierdurch eine mögli-
che Ausreise insbesondere in den europäischen Raum nicht verhindert
werden kann und die beantragten Ersatzmassnahmen damit wirkungslos
sind.
4.2.
Weitere Haftgründe, wie etwa die im Haftverlängerungsantrag von der
Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten ausserdem geltend gemachte Kollu-
sions- und Wiederholungsgefahr, brauchen nicht geprüft zu werden, nach-
dem vorliegend Fluchtgefahr besteht und das Vorliegen eines besonderen
Haftgrundes im Sinne von Art. 221 StPO ausreichend ist (Urteil des Bun-
desgerichts 1B_569/2012 vom 31. Oktober 2012 E. 3).
- 15 -
5.
Die bisherige Haftdauer und die beantragte Verlängerung der Untersu-
chungshaft um weitere drei Monate steht immer noch im Verhältnis zu den
dem Beschwerdeführer zur Last gelegten Taten. Dies umso mehr, als das
Strafverfahren mittlerweile auf weitere schwerwiegende Verbrechen und
Vergehen ausgedehnt wurde.
6.
Zusammengefasst sind die Voraussetzungen für die Verlängerung der Un-
tersuchungshaft um weitere drei Monate erfüllt, womit die Beschwerde ab-
zuweisen ist.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahren hat der Beschwerdeführer die Kosten
des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Über die der
amtlichen Verteidigung auszurichtende Entschädigung entscheidet die am
Ende des Verfahrens zuständige Instanz (Art. 135 Abs. 2 StPO).