Decision ID: d650dc0d-f09a-4072-b32f-807f08b717b2
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom
7. Januar 2016 (DG150271)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat des Kantons Zürich
vom 22. September 2015 (Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
Art. 19 Abs. 1 lit. b und lit. c sowie lit. d BetmG in Verbindung mit
Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG sowie
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne
von Art. 19a Ziff. 1 BetmG, teilweise in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
BetmG.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten,
wovon 76 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von
Fr. 300.–.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt die
Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 1. Juni 2014 ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 6 Monaten wird wi-
derrufen.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 8. September
2015 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 3'119.20 (lagernd Bezirksgerichts-
kasse, Beleg Nr. ...) wird definitiv beschlagnahmt und zur Urteilsvollstre-
ckung verwendet.
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6. Die sichergestellten Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien ge-
mäss Sicherstellungslisten vom 31. Januar 2015 (lagernd Stadtpolizei Zürich
unter BM-Lagernummern ..., ... und ...) werden eingezogen und vernichtet.
7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 2'267.35 Auslagen Untersuchung
Fr. 406.85 ehemalige amtliche Verteidigung Rechtsanwalt X2._
Fr. 2'500.50 ehemalige amtliche Verteidigung Rechtsanwalt X3._
Fr. 7'342.60 amtliche Verteidigung Fürsprecher X1._
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten
auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichts-
kasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten
(Urk. 48 S. 1 f.)
1. Ziffer 1 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und durch
folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
Die Beschuldigte ist schuldig
- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne
von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c und d BetmG
- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-
setz im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG, teilweise i.V. mit Art. 19
Abs. 1 BetmG
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Vom Vorwurf des schweren Falls einer Widerhandlung gegen Art. 19
BetmG im Sinne von Abs. 2 lit. a dieser Bestimmung wird die Beschul-
digte freigesprochen.
2. Ziffer 2 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und
durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 240 Tagessät-
zen à Fr. 10.00 unter Anrechnung der erstandenen Haft von 76 Tagen
(total Fr. 1'640.00) und zu einer Busse von Fr. 200.00.
3. Ziffer 3 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und
durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
Die Geldstrafe wird vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt die
Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.
4. Ziffer 4 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und
durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
Auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der Freiheitsstrafe von 6 Mo-
naten abzüglich 1 Tag Haft gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl vom 1. Juni 2014 wird verzichtet. Die Probezeit wird um 1
Jahr verlängert.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich Limmat:
(Urk. 43, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Das Gericht erwägt:
I.
a) Der Beschuldigten wird vorgeworfen, am 28. Januar 2015 an der
B._-Strasse ... in C._ D._ 5,2 Gramm Kokaingemisch unbekannter
Qualität verkauft zu haben. Anlässlich einer polizeilichen Kontrolle an der
E._-Strasse ... in F._ habe sie sodann am 30. Januar 2015 insgesamt
38,4 Gramm Kokaingemisch (enthaltend 22,4 Gramm reines Kokain) in 53 Portio-
nen abgepackt auf sich getragen. An ihrem Wohnort habe sie weitere 85 Portio-
nen mit insgesamt 74 Gramm Kokaingemisch (enthaltend 40,3 Gramm reines Ko-
kain) und in der bereits erwähnten Wohnung in C._ nochmals sieben Portio-
nen mit insgesamt 35,6 Gramm Kokaingemisch (enthaltend 11,5 Gramm reines
Kokain) aufbewahrt. Das sichergestellte Kokain habe sie grösstenteils an Drittper-
sonen weitergeben wollen. Ein kleiner Teil davon sei für ihren Eigenkonsum be-
stimmt gewesen. Ausserdem habe sie in der Zeitspanne von anfangs Juni 2014
bis zu ihrer am 30. Januar 2015 erfolgten Verhaftung jeweils freitags bis sonntags
1-3 Gramm Kokain pro Tag konsumiert.
b) Das Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, sprach die Beschuldigte am
7. Januar 2016 der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-
setz (Art. 19 Abs. 1 lit. b, c und d in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG)
und der mehrfachen Übertretung dieses Gesetzes (Art. 19a Ziff. 1 BetmG) schul-
dig. Sie wurde zu 12 Monaten Freiheitsstrafe ohne Vollzugsaufschub und zu
Fr. 300.– Busse verurteilt. Ausserdem wurde der bedingte Vollzug der am 1. Juni
2014 von der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl ausgefällten Freiheitsstrafe von 6
Monaten widerrufen, die beschlagnahmte Barschaft von Fr. 3'119.20 zur Kosten-
deckung und das sichergestellte Kokain zur Vernichtung eingezogen (Urk. 39
S. 20/21).
c) Gegen dieses Urteil liess die Beschuldigte rechtzeitig die Berufung an-
melden (Urk. 34) und sodann auch fristgerecht die Berufungserklärung einreichen
(Urk. 40, vgl. Urk. 38/2). Sie beanstandet den Schuldspruch wegen qualifizierter
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Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und verlangt eine Reduktion
des Strafmasses auf eine Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu Fr. 30.– (ohne Voll-
zugsaufschub) und auf Fr. 200.– Busse. Ausserdem soll vom Widerruf der Vor-
strafe abgesehen und stattdessen die Probezeit um ein Jahr verlängert werden.
d) Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat teilte am 21. April 2016 mit, dass
sie auf eine Anschlussberufung verzichte und die Bestätigung des erstinstanzli-
chen Urteils beantrage (Urk. 43). Sie wurde in der Folge mit dem Einverständnis
der Verteidigung (Urk. 45) von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung dis-
pensiert (Urk. 43). Im Berufungsverfahren wurden keine Beweisanträge gestellt.
Nach der heutigen Berufungsverhandlung (Prot. II S. 3 ff.) erweist sich der Pro-
zess als spruchreif.
II.
Das vorinstanzliche Urteil blieb hinsichtlich der Dispositiv-Ziffern 1 teilweise
(Schuldspruch wegen mehrfachen Betäubungsmittelkonsums), 5 und 6 (Einzie-
hungen) sowie 7 (Kostenfestsetzung) unangefochten. Es ist insoweit in Rechts-
kraft erwachsen, was vorab festzustellen ist (Art. 402 StPO).
III.
1. a) Die Beschuldigte ist geständig, D._ 5,2 Gramm Kokaingemisch
verkauft zu haben (Urk. 3/4 S. 11, Urk. 26 S. 5, Prot. II S. 11). Sie hat ferner zu-
gegeben, dass die an der B._-Strasse ... sichergestellten 35,6 Gramm Koka-
ingemisch (Reinheitsgrad 32 %) zum Verkauf bestimmt waren (Urk. 3/4 S. 12,
Prot. II S. 11). Dieses Teilgeständnis deckt sich mit den übrigen in der Untersu-
chung gewonnenen Erkenntnissen (Urk. 1 S. 3, Urk. 5 S. 2, Urk. 7/3). Der einge-
klagte Sachverhalt ist insoweit erstellt.
b) Bezüglich des weiteren, bei der Verhaftung der Beschuldigten (Urk. 7/1)
und bei der nachfolgenden Hausdurchsuchung (Urk. 7/2) sichergestellten Kokains
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bestreitet die Beschuldigte zwar nicht, dass dieses ihr gehörte (Urk. 3/4 S. 11/12;
Prot. II S. 11). Sie macht aber geltend, dass sie das Kokain nicht habe verkaufen,
sondern es – allenfalls zusammen mit Kollegen und Freiern – selber habe kon-
sumieren wollen (Urk. 3/3 S. 2-4, Urk. 3/4 S. 2 ff., Urk. 26 S. 6-8, Prot. II S. 12).
Wie es sich damit verhält, ist nachfolgend zu prüfen.
c) Die Aussagen von G._ sind mangels Konfrontation mit der Beschul-
digten zu deren Lasten nicht verwertbar, vermögen sie aber auch nicht zu entlas-
ten. Entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 39 S. 6) ist – der bereits
vor Vorinstanz geäusserten Argumentation der Verteidigung folgend (Urk. 28
S. 2/3; Urk. 48 S. 2 f.) – sodann auch von der Unverwertbarkeit der von der Be-
schuldigten vor Bestellung der amtlichen Verteidigung am 2. Februar 2015
(Urk. 12/1/1) getätigten Aussagen auszugehen. Art. 131 Abs. 3 StPO bestimmt,
dass in Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, vor
der Bestellung einer Verteidigung vorgenommene Beweiserhebungen "nur gültig"
sind, wenn die beschuldigte Person auf ihre Wiederholung verzichtet. Im vorlie-
genden Fall war klar, dass aufgrund der sichergestellten Kokainmengen von Be-
ginn an der Verdacht auf eine qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz bestand, für welche das Gesetz als minimale Sanktion ein Jahr
Freiheitsstrafe vorsieht (Art. 19 Abs. 2 BetmG). Schon der Polizeirapport vom
31. Januar 2015 nannte diesen qualifizierten Straftatbestand ausdrücklich. Damit
war ein Fall notwendiger Verteidigung gegeben (Art. 130 lit. b StPO), was von An-
fang an erkannt wurde. Mangels Verzichts der Beschuldigten auf Wiederholung
erweisen sich die entsprechenden Aussagen der Beschuldigten vom 31. Januar
2015 (Urk. 3/1) und 1. Februar 2015 (Urk. 3/2) daher als unverwertbar. Die Proto-
kolle der entsprechenden Einvernahmen sind folglich aus den Akten zu entfernen,
bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens unter separatem Verschluss zu
halten und danach zu vernichten (Art. 141 Abs. 5 StPO).
d) Als verwertbare Beweismittel stehen somit einerseits die eigenen Aussa-
gen der Beschuldigten ab Bestellung der amtlichen Verteidigung – einschliesslich
derjenigen Aussagen, welche die Beschuldigte auf Vorhalt früherer Aussagen tä-
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tigte – sowie die polizeilichen Feststellungen bezüglich der näheren Umstände ih-
res Kokainbesitzes zur Verfügung.
2. a) In der delegierten Einvernahme vom 10. April 2015 brachte die Be-
schuldigte vor, dass sie bei ihrer Verhaftung soviel Kokain auf sich getragen habe,
weil sie Konsumentin sei und im Ausgang habe Party machen wollen. Sie habe
das Kokain nicht verkaufen, sondern zusammen mit Freunden konsumieren wol-
len. Sie habe es selber portioniert und so viele kleine Portionen hergestellt, um
nicht für jede Pfeife Kokain von einer grossen Menge wegnehmen zu müssen.
Kurz darauf korrigierte die Beschuldigte ihre Aussage dahingehend, dass sie das
Kokain vom Dealer schon portioniert erhalten habe. Die Kokainbase (36 Portio-
nen) habe sie unter Verwendung von Natron und Ammoniak selber hergestellt.
Auf weiteres Befragen erklärte die Beschuldigte, "Party machen" bedeute einen
bis zwei Tage lang fernzusehen und Drogen zu konsumieren, bis keine mehr vor-
handen seien. Manchmal seien auch Freier mit dabei, sie sei schliesslich Prostitu-
ierte. Die Freier kämen zu ihr, um Sex zu haben, und brächten manchmal auch
selber Drogen mit. Wenn einer keine habe und danach frage, gebe sie ihm wel-
che und konsumierten sie diese gemeinsam. Der Freier finanziere dann mit seiner
Bezahlung im Sinne eines Gesamtpaketes auch seinen Drogenkonsum. Sie hätte
also Kokain nur zum gemeinsamen Konsum weitergegeben und sei keine Deale-
rin. Das am H._ [Ort] sichergestellte Kokain sei nur für ihren Eigenkonsum
bestimmt gewesen, für einen oder zwei Monate, für Partys etc. (Urk. 3/3 S. 2-4).
b) Am 8. September 2015 fand die staatsanwaltliche Schlusseinvernahme
der Beschuldigten statt. Sie erklärte, dass das bei ihrer Festnahme und am
H._ sichergestellte Kokain ausschliesslich für ihren Eigenkonsum bestimmt
gewesen sei. Sie habe so viele Kokainportionen auf sich getragen, um nicht vor
dem Ausgang nochmals nach Hause gehen zu müssen. An einer Party konsumie-
re sie 10 Gramm, 20 Gramm oder noch mehr Kokain. Sie habe an eine Party und
danach noch an eine After-Party gehen wollen. Wenn Kollegen gefragt hätten,
dann hätten sie von ihr auch etwas Kokain zum gemeinsamen Konsum erhalten.
Das Vorhandensein weiterer 74 Gramm Kokain an ihrem Wohnort erklärte die
Beschuldigte damit, dass sie immer eine Reserve zuhause habe (Urk. 3/4 S. 2/3).
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Sie sagte weiter aus, dass ihre finanzielle Lage seit drei Jahren immer schlecht
sei. Sie habe in der Prostitution gearbeitet, könne nun aber nicht arbeiten, weil sie
einen Katheter trage. So könne sie nur noch ein bisschen arbeiten, indem sie
Massagen und Oralverkehr mache. Dabei habe sie Klienten, die mit ihr zusam-
men Kokain konsumierten und so das Kokain mitfinanzierten (a.a.O., S. 4).
c) Vor Bezirksgericht hielt die Beschuldigte daran fest, dass sie das sicher-
gestellte Kokain ausschliesslich selber bzw. gemeinsam mit Drittpersonen habe
konsumieren wollen. Gegenteilige Aussagen in den ersten Befragungen erklärte
sie damit, damals sehr auf Droge gewesen zu sein. Ihr sei vieles egal gewesen,
auch ob sie in Haft komme oder ob sie einen Anwalt habe. Sie habe auch Sero-
quel gegen Schlafstörungen und Depressionen genommen. Wenn man in der Ka-
serne sei, wolle man nur noch weg von dort. Zur grossen Zahl von Kokainportio-
nen, die sie bei der Verhaftung auf sich getragen hatte, führte die Beschuldigte
aus, dass sie an jenem Freitag in eine Diskothek gegangen sei und dann drei
oder vier Tage habe durchfeiern wollen (Urk. 26 S. 5-7).
d) In der heutigen Berufungsverhandlung blieb die Beschuldigte bei ihrer
Aussage, sie habe mit dem Kokain "Partys machen" wollen. Sie habe drei Tage
auf der Party bleiben wollen. Sie würde nicht sagen, dass sie das Kokain gröss-
tenteils habe weitergeben wollen. Sie habe selber geraucht und dabei immer gute
Qualität haben wollen. Solche zu finden, sei sonst schwer gewesen. Sie sei wäh-
rend der polizeilichen Befragung unter Drogeneinfluss gestanden und krank ge-
wesen. Das Kokain habe sie selber portioniert, da es so einfacher gewesen sei zu
wissen, wie viel man mische. Unter Drogeneinfluss sei es schwierig, die richtige
Menge zu bestimmen (Prot. II S. 11 ff.).
3. Anlässlich der Verhaftung der Beschuldigten fand die Polizei in ihrer
Handtasche und in ihren Leggins je eine Portion von 0,6 Gramm Kokain. 51 wei-
tere Kokainportionen (insgesamt 48,6 Gramm) führte sie an ihrem Fussgelenk be-
festigt mit sich (Urk. 7/1). Bei der anschliessenden Durchsuchung ihres Zimmers
am H._ ... wurden nebst drei offen herumliegenden Kokainsteinen (2,3
Gramm) nochmals 84 Portionen (insgesamt 95,3 Gramm) Kokain gefunden, fer-
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ner eine Feinwaage, diverse ungebrauchte Minigrips und eine Flasche Salmiak-
geist (Urk. 7/2).
4. a) Die Beschuldigte gab in der Schlusseinvernahme an, an einer zwei bis
drei Tage dauernden Party 30-50 Portionen zu konsumieren, also 10, 20 oder
mehr Gramm (Urk. 3/4 S. 2/3). Im weiteren Verlauf der Befragung erklärte sie
dann aber, ihre bei der Polizei gemachte Aussage, täglich 1-3 Gramm zu konsu-
mieren, sei "sehr wahrscheinlich" zutreffend. Einschränkend fügte sie hinzu, dass
sie in der Regel nur am Wochenende, also von Freitag bis Sonntag, Kokain kon-
sumiere (a.a.O., S. 8). Dass die Beschuldigte selber regelmässig Kokain raucht,
ist durchaus glaubhaft und jedenfalls nicht zu widerlegen. Ihre anfängliche und
von ihr später als sehr wahrscheinlich richtig bezeichnete Mengenangabe von 1-3
Gramm pro Tag ist dabei plausibel. Da die Beschuldigte aufgrund des Verdachts
auf Drogenhandel ein offensichtliches Interesse hat, einen möglichst starken Ei-
genkonsum zu behaupten, ist ihr auch zu glauben, wenn sie selber angibt, meis-
tens nur am Wochenende zu konsumieren. Aufgrund dieser Umstände ist zu ihren
Gunsten davon auszugehen, dass sie einen Teil des sichergestellten an sich ver-
kaufsfertig abgepackten Kokains letztlich nicht verkauft, sondern selber ver-
braucht hätte.
b) Die Beschuldigte führte in der Schlusseinvernahme aus, dass ihre wirt-
schaftliche Lage schlecht sei, weil sie krank sei, einen Katheter tragen müsse und
in diesem Zustand nicht mehr als Prostituierte arbeiten bzw. nur noch Massagen
und Oralverkehr anbieten könne (Urk. 3/4 S. 4). Dies ist nicht zu bezweifeln, denn
der prekäre Gesundheitszustand der Beschuldigten ist aufgrund der vorliegenden
Arztberichte (Urk. 24/1-2) erwiesen. Dass aber jemand unter solchen Umständen
nur für seinen Eigenkonsum einen Vorrat von mehr als 110 Gramm Kokain anlegt,
erscheint als lebensfremd. Die Beschuldigte gab an, ihrem Drogenlieferanten pro
Gramm Fr. 70.– bezahlen zu müssen und ihm noch Fr. 6'000.– zu schulden. Dies
bildet ein starkes Indiz dafür, dass sie das Kokain zumindest zum grössten Teil
auf Kommissionsbasis verkaufen sollte, denn als blosse Konsumentin hätte sie
kaum solche Mengen auf Kredit erhalten.
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c) Das gesamte bei der Verhaftung der Beschuldigten sichergestellte Kokain
war in zahlreiche Kleinstportionen von durchschnittlich weniger als einem Gramm
abgepackt (Urk. 7/1). Dasselbe gilt für den grössten Teil (mehr als 80 %) des her-
nach an ihrem Wohnort gefundenen Kokains. Dieser Umstand weist ebenfalls
deutlich darauf hin, dass sie das Kokain verkaufen wollte. Nicht einzusehen ist
nämlich, wieso ein Drogenkonsument sich die nicht unerhebliche Mühe nehmen
sollte, seinen Kokainvorrat so zu portionieren. Die Beschuldigte gab hierzu an,
dass sie eben immer "kleine Portionen für die Pfeife" vorbereite, um nicht bei je-
dem Konsum zuerst aus einem grösseren Vorrat die erforderliche Menge ent-
nehmen zu müssen. Wenn man unter Drogeneinfluss stehe, sei es schwierig, die
richtige Menge zu bestimmen (Urk. 3/3 S. 2; Prot. II S. 12). Diese Erklärung ver-
mag nicht zu überzeugen. Erst unmittelbar vor dem Konsum die jeweils benötigte
Kokainmenge bereit zu machen, ist für eine erfahrene Drogenkonsumentin wie
die Beschuldigte – auch unter Drogeneinfluss – weder aufwendig noch mit einem
erhöhten Risiko einer versehentlichen Überdosierung verbunden. Die Beschuldig-
te korrigierte ihre diesbezügliche Aussage denn auch sogleich dahingehend, dass
sie das Kokain schon fertig portioniert eingekauft habe (a.a.O.). Anlässlich der Be-
rufungsverhandlung änderte die Beschuldigte ihre Version jedoch erneut und gab
wiederum an, alles selber portioniert zu haben (Prot. II S. 13 f.). Dass die Be-
schuldigte das Kokain schon fertig portioniert kaufte, kann aber zumindest mit Be-
zug auf das in Form von Freebase vorliegende Kokain nicht stimmen, denn sie
gab auch an, diese Kokainbase selber hergestellt zu haben, was logischerweise
vor dem Portionieren geschehen musste. Anders als für den Eigenkonsum war
die Vorbereitung einer Vielzahl abgepackter Kleinportionen im Hinblick auf den
Verkauf sinnvoll, denn so konnte die Übergabe von Kokain gegen Geld rasch und
unauffällig erfolgen. Sie bildet deshalb ein weiteres starkes Indiz dafür, dass die
Beschuldigte das Kokain zumindest grösstenteils verkaufen wollte.
d) Die Beschuldigte bringt vor, dass sie manchmal an Freier, die nicht selber
Drogen mitbrächten, Kokain abgebe und dann gemeinsam mit ihnen konsumiere.
Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass nur die unentgeltliche Abgabe von Be-
täubungsmitteln zum gemeinsamen Konsum nach Art. 19b Abs. 1 BetmG straflos
bleibt. Die Beschuldigte sagte demgegenüber aus, dass ein Freier, der mit ihr zu-
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sammen Drogen konsumiere, mit seiner Bezahlung im Sinne eines "Gesamtpa-
ketes" (Sex und Drogen) auch seinen Drogenkonsum finanziere (Urk. 3/3 S. 3,
Frage 23). Viel Gewinn habe sie nicht erzielt, sagte die Beschuldigte anlässlich
der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 12). Sie habe aber den Mietzins bezahlen
und essen müssen (a.a.O.). Wenn die Beschuldigte einen Teil des sichergestell-
ten Kokains auf diese Weise an Freier abgegeben hätte, wäre dies also nicht un-
entgeltlich geschehen, sondern als Verkauf zu betrachten, der im Sinne von Art.
19 Abs. 1 BetmG strafbar ist.
e) Die angeführten Indizien lassen insgesamt keinen anderen vernünftigen
Schluss zu, als dass die Beschuldigte einen erheblichen Teil der sichergestellten
Drogenmenge verkaufen wollte. Wieviel vom sichergestellten Kokain zum Verkauf
gelangt wäre, wenn die Polizei dieses nicht sichergestellt hätte, lässt sich natur-
gemäss nicht exakt bestimmen. Bei einem Einkaufspreis von Fr. 70.– pro Gramm
(Urk. 3/3 S. 4, Frage 28) konnte die Beschuldigte aber kaum mehr eine grosse
Gewinnmarge erzielen. Es bestehen keine Hinweise darauf, dass sie den Stoff
vor der Weiterverarbeitung und Portionierung noch gestreckt hätte. Streckmittel
wurden bei ihr nicht gefunden, und gegen eine Streckung des Kokains seitens der
Beschuldigten spricht auch die Tatsache, dass ein Teil des sichergestellten, ver-
kaufsbereit abgepackten Kokains noch einen hohen Reinheitsgehalt von 69-75 %
aufwies (Urk. 6/1/3). Daraus lässt sich folgern, dass sie sicher mehr als die Hälfte
des Kokains verkaufen musste, um den gesamten Einkauf und damit auch ihren
Eigenkonsum zu finanzieren.
f) An der B._-Strasse ... wurden sieben Portionen Kokaingemisch ge-
funden, die 32 % oder 11,5 Gramm reines Kokain enthielten (Urk. 6/1/3 S. 4). Die
an D._ verkauften 5,2 Gramm Kokaingemisch stammten zweifellos aus dem-
selben Vorrat, weshalb diesbezüglich vom gleichen (auch gassenüblichen) Rein-
heitsgehalt und somit von einer Menge von 1,7 Gramm reinem Kokain auszuge-
hen ist. Das bei der Beschuldigten und an deren Wohnort sichergestellte Kokain-
gemisch enthielt insgesamt 62,7 Gramm reines Kokain (Urk. 6/1/3 S. 2-4). Die
Gesamtmenge des reinen Kokains, welches von ihr verkauft wurde oder noch hät-
te verkauft werden sollen, betrug somit mindestens 44 Gramm, womit die Schwel-
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le zum mengenmässig qualifizierten Fall im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG
(BGE 109 IV 145: 18 Gramm reines Kokain) deutlich überschritten wurde.
6. Die rechtliche Würdigung des Sachverhalts seitens der Vorinstanz ist
auch im übrigen zutreffend und die Beschuldigte demnach der qualifizierten Wi-
derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b,
c und d in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig zu sprechen.
IV.
1. a) Der Strafrahmen für schwere Fälle von Drogenhandel im Sinne von
Art. 19 Abs. 2 BetmG reicht von einem Jahr bis zu zwanzig Jahren Freiheitsstrafe.
Damit kann eine Geldstrafe verbunden werden. Für die mehrfache Übertretung
des Betäubungsmittelgesetzes ist zusätzlich eine Busse auszusprechen.
b) Die Strafe ist nach dem Verschulden der Täterin zu bemessen, wobei de-
ren Vorleben und persönliche Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf ihr
Leben zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden bemisst
sich nach der Schwere der Rechtsgutverletzung, nach der Verwerflichkeit der
Tathandlungen, den Beweggründen und Zielen der Täterin sowie danach, inwie-
weit sie nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Verlet-
zung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
c) Bei Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz im besonderen
spielt zunächst das Gefährdungspotenzial der in Frage stehenden Betäubungs-
mittel eine Rolle. Im weiteren kommt es darauf an, wie die Täterin mit der Droge
in Kontakt gekommen ist, was sie damit gemacht hat (Hug-Beeli, Betäubungsmit-
teldelikte 1983-1991, S. 429 f., 436 und 438) und ob sie im Ablauf des Drogen-
handels eine bestimmende oder nur eine untergeordnete Funktion innehatte. So
trifft denjenigen, welcher eine bestimmte Drogenmenge lediglich transportiert,
grundsätzlich ein geringeres Verschulden als denjenigen, der sie verkauft oder
zum Zwecke des Weiterverkaufs erwirbt (BGE 121 IV 206). Andauernde Delin-
quenz wiegt naturgemäss schwerer als eine einmalige Verfehlung. Ein wesentli-
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ches Strafzumessungskriterium ist sodann, ob die beschuldigte Person selbst
drogenabhängig ist oder ob sie im Drogenhandel den leicht verdienten Geldge-
winn suchte. Von Bedeutung sind ferner allfällige Vorstrafen und das Verhalten
nach der Tat, insbesondere ein umfassendes Geständnis, kooperatives Verhalten
in der Untersuchung, Reue und Einsicht. Alle diese Umstände können sich im ei-
nen Fall erheblich straferhöhend, im anderen stark strafreduzierend auswirken
(BGE 118 IV 348 f.). Bei schweren Fällen von Drogenhandel dürfen die Umstän-
de, die zur Anwendung des qualifizierten Straftatbestandes von Art. 19 Abs. 2
BetmG geführt haben, innerhalb des dadurch gegebenen Strafrahmens nicht
nochmals straferhöhend berücksichtigt werden. Bei der Strafzumessung mit in
Betracht zu ziehen ist aber das Ausmass des qualifizierenden Tatumstandes, ins-
besondere die Menge der umgesetzten Drogen (BGE 118 IV 347 f.).
2. Der Beschuldigten kann nur eine kurze Beteiligung am Drogenhandel
nachgewiesen werden. Ihre Verfehlungen bezogen sich auf eine im Rahmen von
Art. 19 Abs. 2 BetmG noch geringe Menge des allerdings sehr gefährlichen
Rauschgifts Kokain. Sie verkaufte die Drogen einerseits zur Bestreitung ihres Le-
bensunterhalts, anderseits aber auch, um ihren nicht unerheblichen Eigenkonsum
zu ermöglichen. Zugunsten der Beschuldigten ist davon auszugehen, dass bei ihr
schon eine gewisse Abhängigkeit vom Kokain entstanden war. Aufgrund der poli-
zeilichen Sicherstellungen erscheint sie als Dealerin auf der untersten Stufe in der
Verkaufskette, die das Kokain in Kleinstmengen an Konsumenten veräusserte. Ihr
Verschulden wiegt innerhalb der Kategorie der "schweren Fälle" von Drogenhan-
del insgesamt leicht.
3. a) A._ wurde 1971 in ... (Brasilien) geboren und ist brasilianische
Staatsbürgerin. In die Schweiz kam sie ca. 1995. Sie verfügt hier über die Nieder-
lassungsbewilligung C. Sie arbeitete zunächst als Cabaret-Tänzerin und dann im
I._-Quartier als Prostituierte. Die Beschuldigte ist seit ca. 2005 geschieden
und hat zwei Söhne (geb. 1989 und 2002), von denen der ältere ebenfalls in der
Schweiz lebt. Für den jüngeren erhält sie vom Kindsvater Unterhaltsbeiträge von
Fr. 800.– pro Monat. Er lebt in Brasilien bei der Mutter der Beschuldigten. Die Be-
schuldigte ist gesundheitlich schon seit etlichen Jahren angeschlagen und konnte
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längere Zeit nicht mehr arbeiten. Mittlerweile bezieht sie monatlich Fr. 1'100.– von
der Sozialhilfe, welche ihr zudem die Kosten der Wohnung und der Krankenkasse
bezahlt. Aktuell arbeitet die Beschuldigte in einem 80%-Pensum in der Mensa im
Schulhaus J._ auf dem ergänzenden Arbeitsmarkt. Sie hat kein Vermögen,
aber ca. Fr. 40'000.– Schulden (Urk. 3/2 S. 5, Urk. 3/4 S. 14/15, Urk. 24/1-2,
Urk. 26 S. 1-5, Urk. 44/2; Urk. 47/2; Prot. II S. 6 ff.).
b) Die Beschuldigte ist im Strafregister mit vier Verurteilungen verzeichnet.
Am 10. Juli 2007 bestrafte sie der Juge d'instruction von Genf wegen qualifizierter
einfacher Körperverletzung mit 60 Tagessätzen zu Fr. 150.– Geldstrafe, bedingt
vollziehbar mit drei Jahren Probezeit. Seitens des Ministère public du canton de
Genève wurden am 22. Oktober 2007 wegen Drohung eine weitere bedingt voll-
ziehbare Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 80.– sowie eine Busse von
Fr. 500.– ausgesprochen. Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich bestrafte
die Beschuldigte am 25. November 2010 wegen Betrugs und Pfändungsbetrugs
mit 90 Tagen Freiheitsstrafe, welche sie verbüssen musste. Am 1. Juni 2014
schliesslich erkannte die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl wegen Vergehens gegen
das Betäubungsmittelgesetz und mehrfacher Übertretung desselben auf 6 Monate
Freiheitsstrafe und Fr. 300.– Busse. Dabei wurde der Vollzug der Freiheitsstrafe
aufgeschoben und der Beschuldigten eine Probezeit von drei Jahren angesetzt
(Urk. 14/1).
4. a) Deutlich straferhöhend wirken sich die Vorstrafen aus, insbesondere
die einschlägige aus dem Jahre 2014. Ausserdem hat die Beschuldigte die nun zu
ahndenden Delikte während einer laufenden Probezeit begangen.
b) Eine erhebliche Strafminderung ist der Beschuldigten anderseits wegen
ihres Teilgeständnisses und vor allem auch wegen ihrer gesundheitsbedingt er-
höhten Strafempfindlichkeit zu gewähren.
c) Insgesamt erweist sich die erstinstanzlich ausgesprochene Sanktion von
12 Monaten Freiheitsstrafe und (für die Übertretungen) Fr. 300.– Busse als an-
gemessen und ist deshalb zu bestätigen.
- 16 -
5. a) Da die Beschuldigte innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tatbege-
hung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt wurde, könnte ihr der
bedingte Vollzug der nun auszufällenden Freiheitsstrafe nur noch gewährt wer-
den, wenn besonders günstige Umstände vorlägen. Dies ist in Anbetracht der
vorstehend (Erw. IV/3a) geschilderten persönlichen Verhältnisse der Beschuldig-
ten offensichtlich nicht der Fall. Die Strafe ist demnach zu vollziehen.
b) Auf diese Strafe sind der Beschuldigten 76 Tage bereits erstandene Haft
anzurechnen (Urk. 13/1-8; Art. 51 StGB).
V.
Die Beschuldigte wurde am 1. Juni 2014 wegen eines Vergehens gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Dabei wurde
der Strafvollzug aufgeschoben und eine Probezeit von drei Jahren festgesetzt.
Schon wenige Monate später verstiess die Beschuldigte – diesmal in qualifizierter
Weise – erneut gegen das Betäubungsmittelgesetz. Sie hat zudem, wie bereits
erörtert wurde (Erw. IV/3b), in den letzten Jahren auch Vorstrafen wegen Körper-
verletzung, Drohung und Betrugsdelikten erwirkt. Anlässlich der Berufungsver-
handlung konnte die Beschuldigte demgegenüber glaubhaft dartun, keine Drogen
mehr zu konsumieren und mittlerweile Abstand vom Milieu gewonnen zu haben.
Dass sie in einem 80%-Pensum in der Mensa des Schulhauses J._ tätig ist
und sich zudem freiwillig in ambulanter therapeutischer Behandlung befindet
(Prot. II S. 10), unterstreicht die ernstzunehmenden Bemühungen der Beschuldig-
ten, einen dauerhaften Lebenswandel zu vollziehen. Es ist zudem davon auszu-
gehen, dass die Beschuldigte durch die im vorliegenden Verfahren auszuspre-
chende unbedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten nachhaltig beeindruckt und
von einer erneuten Delinquenz abgehalten wird. Der Beschuldigten muss unter
diesen Umständen bezüglich ihrer Bewährungsaussichten keine schlechte Prog-
nose gestellt werden, weshalb der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl vom 1. Juni 2014 für eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten (abzüglich einen
- 17 -
Tag erstandene Haft, vgl. Urk. 14/1) gewährte bedingte Vollzug nicht widerrufen
werden muss. Die Probezeit ist jedoch um 1 1⁄2 Jahre zu verlängern.
VI.
Da die Beschuldigte mit ihren Anträgen im Wesentlichen unterliegt, sind ihr
ausgangsgemäss die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen (Art. 428
Abs. 1 StPO). In Anbetracht ihres prekären Gesundheitszustandes (Urk. 24/1-2,
Urk. 26 S. 2/3) und der damit wohl auf Dauer verbundenen Angewiesenheit auf
Sozialhilfe und/oder IV-Leistungen erscheint es indessen als angezeigt, die zweit-
instanzlichen Gerichtskosten sofort abzuschreiben und die entsprechenden Ver-
teidigungskosten definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 425 StPO).