Decision ID: c14e45e6-175b-57aa-a7be-27bd0fdf9c44
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer (geb. [...], Eritrea) ersuchte am 7. Dezember 2016
in der Schweiz um Asyl. Mit Verfügung der Vorinstanz vom 20. Juni 2019
wurde seine Flüchtlingseigenschaft anerkannt, sein Asylgesuch jedoch ab-
gelehnt und die Wegweisung aus der Schweiz angeordnet. Zufolge der Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs wurde er vorläufig aufgenommen.
Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
B.
Am 22. Januar 2019 wurde das Portemonnaie des Beschwerdeführers auf
der Strasse gefunden und der Kantonspolizei B._ abgegeben. Da-
rin befand sich die Summe von Fr. 1'204.25. Die Kantonspolizei B._
stellte das Geld nach Einvernahme des Beschwerdeführers am 24. Januar
2019 sicher.
C.
Mit Entscheid vom 9. September 2019 verfügte die Vorinstanz die Ab-
nahme des sichergestellten Geldbetrags in der Höhe von Fr. 600.– und
dessen Anrechnung an die vom Beschwerdeführer zu leistende Sonderab-
gabe.
D.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
6. Oktober 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Als Beweismittel
reichte er eine Liste mit Namen und Unterschriften von Personen ein, die
ihm Geld anvertraut hätten.
E.
Mit Vernehmlassung vom 14. November 2019 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer verzichtete auf
eine Replik.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
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entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Sozialhilfe-, Nothilfe-, Ausreise- und Vollzugskosten sowie die Kosten
des Rechtsmittelverfahrens sind – soweit zumutbar – mittels Sonderab-
gabe zurückzuerstatten (Art. 85 Abs. 1 AsylG). Der Sonderabgabe unter-
liegen Asylsuchende, Schutzbedürftige ohne Aufenthaltsbewilligung und
Personen mit einem rechtskräftigen Wegweisungsentscheid, die über Ver-
mögenswerte verfügen (Art. 86 Abs. 1 AsylG). Die Unterstellung unter die
Sonderabgabe auf Vermögenswerte endet, wenn eine asylsuchende Per-
son Asyl erhält oder als Flüchtling vorläufig aufgenommen wird (Art. 10
Abs. 2 Bst. c der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2,
SR 142.312]).
3.2 Das Portemonnaie des Beschwerdeführers wurde am 22. Januar 2019
aufgefunden und die polizeiliche Einvernahme und Sicherstellung des Be-
trags in der Höhe von Fr. 600.– erfolgte am 24. Januar 2019. Zu diesem
Zeitpunkt war das Asylgesuch des Beschwerdeführers noch hängig und er
unterlag der Sonderabgabe nach Art. 86 Abs. 1 AsylG. Mit Entscheid vom
20. Juni 2019 (eröffnet am 24. Juni 2019) wurde sein Asylgesuch abgelehnt
und als Folge davon die Wegweisung aus der Schweiz angeordnet. Hinge-
gen wurde seine Flüchtlingseigenschaft anerkannt und zufolge der Unzu-
lässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme angeordnet.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer innert 30 Tagen
keine Beschwerde, weshalb die vorinstanzliche Verfügung am 24. Juli
2019 in Rechtkraft erwuchs. Damit endete seine Unterstellung unter die
Sonderabgabe auf Vermögenswerte gemäss Art. 10 Abs. 2 Bst. c AsylV 2.
Mit Verfügung vom 9. September 2019 nahm die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer den sichergestellten Geldbetrag ab und rechnete diesen
an die zu leistende Sonderabgabe an. Dabei ging sie von der falschen An-
nahme aus, dass er immer noch der Sonderabgabe unterstehe. Entschei-
dend für die Beurteilung der Voraussetzungen für die Unterstellung unter
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die Sonderabgabe ist der Entscheid über die definitive Einziehung der Ver-
mögenswerte als solcher und nicht die faktische Sicherstellung. Bei der
faktischen Sicherstellung des Geldbetrags durch die Polizei unterlag der
Beschwerdeführer zwar noch der Sonderabgabe, die massgebliche vor-
instanzliche Verfügung datiert hingegen vom 9. September 2019 und
wurde damit erlassen, nachdem er rechtskräftig als Flüchtling vorläufig auf-
genommen worden war. Zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung unterlag er damit nicht mehr der Sonderabgabe auf Vermögens-
werte. Die Vermögenswertabnahme und Anrechnung an die Sonderab-
gabe erfolgten deshalb zu Unrecht.
4.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist gutzu-
heissen. Die vorinstanzliche Verfügung ist aufzuheben und die Vorinstanz
anzuweisen, dem Beschwerdeführer die zu Unrecht erfolgte Vermögens-
wertabgabe zurückzuerstatten.
5.
5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der am 29. Oktober 2019 geleistete Kosten-
vorschuss von Fr. 600.– ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
5.2 Der Beschwerdeführer wäre zufolge seines Obsiegens für die ihm er-
wachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG;
Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Der nicht vertretene Beschwerdeführer macht für das Beschwerdeverfah-
ren keine Aufwendungen im Sinne der massgeblichen Bestimmungen gel-
ten und es sind auch keine ersichtlich. Es ist ihm deshalb keine Parteient-
schädigung zuzusprechen.
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