Decision ID: c847d9c1-07a0-511f-9c17-11023fc1510b
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 28. September 2003 wegen Bewegungseinschränkungen
und Schmerzen seit November 2001 nach Operationen beider Schultern in Folge eines
Unfalls im November 2001 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Das Arbeitsverhältnis mit der B._ AG, bei der der Versicherte als Elektromonteur
tätig gewesen war, war von der Arbeitgeberin per 25. Februar 2003 gekündigt worden
(IV-act. 20).
A.c Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, diagnostizierte im
Arztbericht vom 27. November 2003 einen Status nach Acromioplastik und
Bursectomie Schulter links (29. Januar 2002 im Spital D._) wegen
Impingementsyndroms nach einem Unfall vom 2. Mai 2001 PHS links sowie einen
Status nach Capsular shift Schulter rechts (27. Juni 2002 an der Klinik E._) wegen
habitueller Instabilität mit einer Restinstabilität der rechten Schulter (vgl. bezüglich
Unfalldaten den Einspracheentscheid der Suva vom 6. Januar 2011, wonach der
Versicherte am 4. Mai 2001 auf der Treppe ausgerutscht und auf die linke Schulter
gefallen und am 16. Oktober 2001 wiederum auf der Treppe gestürzt und auf die rechte
Schulter gefallen war; Fremdakten). Sofern der Versicherte Tätigkeiten mit den oberen
Extremitäten unterhalb (richtig wohl über; vgl. IV-act. 13-2 und 103-2) der Horizontalen
der Schultergelenke und das Heben schwerer Lasten meiden könne, sei er in seiner
bisherigen Tätigkeit als Elektriker voll arbeitsfähig. Der Zustand sei aktuell stationär,
eventuell könne er sich verschlechtern. In letzterem Fall wäre eine zeitgerechte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Umschulung in der Elektrobranche mit entsprechenden Gegebenheiten anzustreben
(IV-act. 13).
A.d Der Versicherte war vom 24. bis 30. Juni 2004 im Spital F._ hospitalisiert, wo am
24. Juni 2004 aufgrund rezidivierender Luxationen bzw. Subluxationen nach der
Operation vom "Juli 2002" eine Reoperation der rechten Schulter (Kapselwulstbildung
am vorderen Glenoidrand, Kapselraffung, Raffung Subscapularissehne rechts)
durchgeführt wurde (Bericht vom 2. Juli 2004; IV-act. 49-20 f.). Der Hausarzt Dr. med.
G._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, hielt im Bericht vom 3. Januar 2005 fest,
es müsse damit gerechnet werden, dass die Arbeitsfähigkeit als Elektromonteur nicht
mehr erreicht werden könne. Es dürfte eine bleibende Einschränkung der Beweglichkeit
der rechten Schulter vorliegen (IV-act. 49-1 ff.).
A.e Mit Verfügung vom 8. November 2005 wurde als berufliche Massnahme eine
Umschulung zum Elektrotechniker TS ab 17. Oktober 2005 bis 30. April 2008 inkl.
Vorpraktikum und PC-Grundlagenkurs zugesprochen (IV-act. 65). Kurz nach Beginn
des ersten Semesters im August 2006 kam es beim Versicherten aufgrund
psychosozialer Probleme zu Schlafstörungen, Kopfschmerzen und dadurch zu einer
psychischen Dekompensation, weshalb er die Semesterprüfungen ausliess und nicht
für das nächste Semester zugelassen wurde, was zum Abbruch der beruflichen
Massnahme per 24. November 2006 führte (Zwischenbericht des Berufsberaters vom
28. November 2006; IV-act. 74).
A.f Im Auftrag der Suva wurde der Versicherte vom 24. April bis 5. Juni 2008 in der
Rehaklinik Bellikon behandelt. Als Diagnosen wurden angeführt der Unfall vom 16.
Oktober 2001: Sturz mit Ausrenkung der rechten Schulter bei habitueller Luxation und
Hyperlaxizität, eine deutliche Omarthrose rechts mit Bewegungseinschränkung der
rechten Schulter; der Unfall vom 4. Mai 2001: Treppensturz mit Kontusion der linken
Schulter sowie Adipositas Grad II (BMI 36.42kg/m2) bei Status nach laparoskopischem
Gastric-Banding 07/2000 und Status nach sekundärem laparoskopischem distalem
Magenbypass 11/2004. Trotz guter Leistungsbereitschaft und Kooperation habe keine
Verbesserung der Situation erreicht werden können. Wegen der anhaltenden
Schmerzsymptomatik habe keine Reduktion der Medikamente, insbesondere des MST,
erfolgen können. Es müsse in der gegebenen Situation eine erneute operative
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Intervention diskutiert werden. Die bisherige berufliche Tätigkeit als Elektromonteur sei
nicht mehr zumutbar. Leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, ohne Arbeit über
Schulterhöhe und ohne repetitiven Krafteinsatz des rechten Armes seien ganztags
zumutbar (IV-act. 103).
A.g RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Arbeitsmedizin FMH, führte am 22.
September 2008 eine arbeitsmedizinische Untersuchung durch. Im Bericht vom 24.
September 2008 kam er zum Schluss, dass der Versicherte in der angestammten
Tätigkeit als Elektromonteur seit 2001 100% arbeitsunfähig sei. Eine Verbesserung der
instabilen rechten Schulter sei mittels operativer Revision möglich. Derzeit sei der
Versicherte als funktionell einarmig zu bezeichnen und in entsprechenden
leidensadaptierten, einarmigen Tätigkeiten in der Leistungsfähigkeit um 25%
vermindert. Dies resultiere aus einer Verlangsamung der Arbeitsgeschwindigkeit und
den deutlich eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten in einer entsprechend körperlich
orientierten Hilfsarbeit. Mittels entsprechender beruflicher Qualifikation sei eine
uneingeschränkte Leistungsfähigkeit (auch einarmig) zu erwarten (IV-act. 113).
A.h PD Dr. med. I._, Teamleiter Schulter - Ellbogen der Universitätsklinik J._,
führte im Bericht vom 18. November 2008 aus, dass eine Schulterprothese theoretisch
möglich wäre, er diese beim jungen, adipösen Versicherten aber nicht durchführen
würde. Als einzige mögliche Alternative zur Verbesserung der Schmerzsymptomatik
und Schulterfunktion schlug er eine Schulterarthrodese vor (IV-act. 120). Im Bericht
vom 26. November 2008 der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St.
Gallen (KSSG) wurde ebenfalls als Verbesserungsmöglichkeit einzig eine Arthrodese
der rechten Schulter festgehalten. Vor diesem erheblichen Eingriff werde auf Wunsch
des Versicherten eine medikamentöse Einstellungsverbesserung im Rahmen der
anästhesiologischen Schmerzsprechstunde versucht (IV-act. 121). Da die Behandlung
in der anästhesiologischen Schmerzsprechstunde beim Versicherten lediglich einen
vorübergehenden positiven Effekt gezeigt habe und er nun wieder vermehrt unter
starken Schmerzen leide, wünsche er nun die Durchführung der Schulterarthrodese
(Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG vom 11. Februar 2009; IV-
act. 126). Am 10. März 2009 wurde die Schulterarthrodese rechts in der Klinik für
Orthopädische Chirurgie am KSSG durchgeführt (Operationsbericht vom 10. März
2009; IV-act. 140-3 f.). Im Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 17. September 2009 wurde festgehalten, dass eine durchgeführte
Computertomographie einen vollständigen Durchbau der Arthrodese sowie keine
Fehlplatzierung einer Schraube zeige. Damit bleibe die weiterhin bestehende
Schmerzsymptomatik des Versicherten unklar. Es würden keine operativen
Verbesserungsmöglichkeiten mehr bestehen. Im Rahmen der anästhesiologischen
Schmerzsprechstunde werde eine Anpassung der Schmerzmedikation vorgenommen
(IV-act. 154-4 f.).
A.i Vom 11. bis 27. November 2009 war der Versicherte zur stationären
arbeitsorientierten Rehabilitation in der Rehaklinik Bellikon. Gemäss Austrittsbericht
vom 9. Dezember 2009 konnte das Ziel einer Fortsetzung der unterbrochenen IV-
Umschulung nach dem stationären Aufenthalt nicht erreicht werden. Es sei auch keine
Verbesserung der Schmerzproblematik erfolgt. Während des Aufenthalts sei der
Verdacht auf eine Opioidabhängigkeit aufgetaucht. Der Versicherte habe die stationäre
Rehabilitation auf eigene Veranlassung abgebrochen, um die analgetische Medikation
wieder im Spital K._ einstellen zu lassen. Als arbeitsrelevantes Hauptproblem stehe
derzeit die Medikamenten¬abhängigkeit im Vordergrund (IV-act. 160).
A.j Vom 30. November bis 22. Dezember 2009 war der Versicherte auf der Palliativ-
station des Spitals K._ hospitalisiert. Im Bericht vom 4. März 2010 führten die Ärzte
aus, dass nach einer Verschlechterung der Schmerzsituation während des Aufenthalts
in der Rehaklinik Bellikon sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung Schmerzen bestehen
würden. Es bestünden eine deutlich eingeschränkte Schulterbeweglichkeit rechts und
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren bei
Verdacht auf eine dependente Persönlichkeitsstörung. Bei der lang andauernden
chronifizierten Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sei eine
Suchtmittelproblematik letztendlich nicht auszuschliessen (IV-act. 163).
A.k Der Suva-Kreisarzt Prof. Dr. med. L._, Facharzt für orthopädische Chirurgie
FMH, hielt im Bericht zur kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 18. Februar 2010
fest, dass die Arthrodese des rechten Schultergelenkes korrekt indiziert worden sei. Die
sich aktuell präsentierende nur geringe Störung der Schulter sei an sich ausgezeichnet
und könnte zu einer sehr anspruchsvollen Nutzung des Armes herangezogen werden,
wenn nicht die unerklärliche Schmerzsituation wäre. Es könne nicht von einem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
funktionellen Einhänder gesprochen werden. Es sei versucht worden, den
Schmerzgenerator am rechten Schultergelenk zu identifizieren, was nicht gelungen sei.
Hier scheine sich ein vorbestehendes chronisches Schmerzerleben verselbständigt zu
haben, was mit der objektivierbaren Situation nicht erklärt werden könne. Die
Schmerzproblematik könne nicht mehr als Unfallfolge angesehen werden. Aufgrund der
Schulterarthrodese könnten Arbeiten auf Tischhöhe und vom Boden bis auf Tischhöhe
verrichtet werden. Ein Anheben, Stossen, Verschieben, eine Manipulation von mittleren
und schweren Lasten sei jedoch zu vermeiden bzw. nicht möglich. Prof. L._ schätzte
den Integritätsschaden auf 25% (Fremdakten).
A.l RAD-Arzt Dr. H._ kam in der Stellungnahme vom 15. April 2010 zum Schluss,
dass die Schulterproblematik abgeschlossen sei und aus körperlicher Sicht in einer
adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 75% bestehe. Weiter sei eine ambulante
Psychotherapie bei einem Psychiater vorzunehmen, um eine depressive Entgleisung zu
verhindern. Falls ein Medikamentenabusus betrieben würde, sei eine
Entwöhnungsbehandlung anzustreben (IV-act. 164).
A.m Mit Schreiben vom 30. April 2010 forderte die IV-Stelle den Versicherten gestützt
auf die Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht zu einer sechsmonatigen
Abstinenz von Suchtmitteln und einer ambulanten Psychotherapie bei einem Psychiater
auf (IV-act. 166). Mit Schreiben vom 8. Juli 2010 wies die IV-Stelle den Versicherten
erneut an, die auferlegten Auflagen zu erfüllen, ansonsten sie ihre Erhebungen
einstellen werde (IV-act. 172).
A.n Mit Verfügung vom 13. August 2010 trat die IV-Stelle nicht auf das
Leistungsbegehren des Versicherten um berufliche Massnahmen/Rente ein, da dieser
den Auskunfts- und Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen sei (IV-act. 174). Mit
Schreiben vom 15. September 2010 erhob der Versicherte dagegen Beschwerde (IV-
act. 181).
A.o Vom 30. November bis 28. Dezember 2010 war der Versicherte im Spital D._
hospitalisiert, wo bei einem septischen Zustandsbild eine operative Sanierung einer
beginnenden Fournier-Gangrän durchgeführt wurde (Kurzaustrittsbericht vom 27.
Dezember 2010; IV-act. 216-26 f.). Aufgrund einer tiefen Drei-Etagen-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beinvenenthrombose beidseits war der Versicherte im März 2011 im Departement
Innere Medizin des KSSG hospitalisiert (vgl. IV-act. 216-11). Bei zusätzlich bestehender
nutritiver Malcompliance mit rezidivierenden schwer therapierbaren Hypoproteinämien
erfolgte eine Verlegung in die Klinik für Chirurgie des KSSG, wo der Versicherte vom
22. März bis 9. Mai 2011 in stationärer Behandlung war (Austrittsbericht vom 20. Mai
2011; IV-act. 216-36 ff.).
A.p Mit Schreiben vom 4. Mai 2011 reichten die Sozialen Dienste der Stadt N._ für
den Versicherten eine neue Anmeldung zum Bezug von Versicherungsleistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle ein und machten eine massive Verschlechterung
des Gesundheitszustandes geltend (IV-act. 190 f.).
A.q Aufgrund eines unklaren Verwirrtheitszustandes war der Versicherte vom 22. bis
30. Mai 2011 im Spital D._ hospitalisiert (Arztbericht vom 26. Mai 2011; IV-act.
216-28 ff.).
A.r Mit Eingabe vom 30. Mai 2011 reichte der Versicherte dem Gericht im
Beschwerdeverfahren gegen die Nichteintretensverfügung vom 13. August 2010
mehrere Arztberichte ein und machte geltend, dass es ihm aus gesundheitlichen
Gründen nicht möglich gewesen sei, den Anordnungen und Auflagen der IV-Stelle
nachzukommen (IV-act. 196 ff.). Gestützt auf die Stellungnahme des RAD vom 21. Juni
2011 (IV-act. 200) widerrief die IV-Stelle am 10. August 2011 die Verfügung vom 13.
August 2010 und kündigte weitere Abklärungen an (IV-act. 209), worauf das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen das Beschwerdeverfahren mit Entscheid
vom 17. August 2011 abschrieb (IV-act. 210).
A.s Zwischenzeitlich war der Versicherte am 3. Juni 2011 aufgrund einer seit zwei
Tagen anhaltenden Schwäche, Schlaflosigkeit und Diarrhoe ins Spital D._
eingewiesen worden. Die Symptome wurden als MST-Entzugssymptomatik gedeutet,
nachdem der Versicherte seine Medikamente seit zwei Tagen nicht mehr eingenommen
hatte. Er konnte am Folgetag in einem gebesserten Allgemeinzustand entlassen
werden (Bericht vom 6. Juni 2011, IV-act. 216-20 ff.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.t Aufgrund einer respiratorischen Globalinsuffizienz im Rahmen einer
Opiatintoxikation bei akuter Verschlechterung der Nierenfunktion war der Versicherte
vom 26. bis 29. August 2012 auf der neurovaskulären Intensivstation in St. Gallen
hospitalisiert. Anschliessend war er zur erneuten Schmerzeinstellung vom 29. August
bis 12. September 2012 im Palliativzentrum K._ hospitalisiert (Bericht des
Palliativzentrums K._ vom 17. September 2012; IV-act. 230).
A.u Der Versicherte wurde vom 11. bis 15. Februar 2013 im Zentrum für Medizinische
Begutachtung (ZMB) in Basel allgemeinmedizinisch, orthopädisch und psychiatrisch
untersucht. Im Gutachten vom 10. September 2013 wurden ein chronisches
Schultersyndrom rechts bei konstitutioneller Instabilität bei Status nach Capsular shift
Schulter rechts 07/02, Status nach Raffung der Supraspinatussehne rechts 26.06.2004,
Posterior-inferior Capuslar shift mit Anlage eines Beckenkammspans am Glenoid
rechts und Korrektur-Osteotomie des Glenoids 11.09.2007 rechts und
Schulterarthrodese 10.03.2008, ein Status nach 3-Etagen TVT beidseits 2011 und ein
Opioidabhängigkeitssyndrom diagnostiziert. Diese Diagnosen hätten Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit. Als weitere Diagnosen, welchen keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit zukommen, wurden ein chronisches Schultersyndrom links bei
konstitutioneller Instabilität bei Status nach Capsular shift Schulter links,
Acromioplastik, Bursektomie 01/02, eine sensomotorische Ulnarisparese rechts ab
11/04, eine Sulcus ulnaris-Dekompression 2005 rechts, in Remission, eine Gonalgie
beidseits mit Status nach operativer Versorgung, in Remission, ein Status nach
operativer Versorgung beider Sprunggelenke, symptomfrei, eine Adipositas per magna
(BMI 40.6) bei Status nach Magenbandoperation 07/00, nach laparoskopischer Magen-
Bypassoperation 11/04 und nach Darmverkürzungsoperation 2011, ein Status nach
Cholezystektomie, eine Persönlichkeitsakzentuierung und eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung genannt. Die Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich durch
die Problematik an der rechten Schulter geprägt. Der Versicherte sei nicht mehr in der
Lage, den rechten Arm handwerklich einzusetzen und Tätigkeiten über Tischhöhe
regelmässig durchzuführen, womit er für die Tätigkeit als Elektromonteur nicht mehr
geeignet sei. Es sei zu berücksichtigen, dass er Linkshänder sei. In Bezug auf seine
Opioidabhängigkeit sei es dem Versicherten bis zur Abstinenz nicht möglich,
gefährliche Arbeiten auszuführen. Er könne leichte Tätigkeiten, welche einhändig
durchgeführt werden könnten, zudem Tätigkeiten beidhändig auf Tischhöhe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
durchführen. Ein Wechsel von Sitzen, Stehen und Gehen bei der Tätigkeit sei
erforderlich, Zwangshaltungen seien zu vermeiden. Ansonsten bestehe eine volle
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 241). Mit Schreiben vom 5. Dezember 2013 nahm der
orthopädische ZMB-Gutachter zu den Zusatzfragen der IV-Stelle (vgl. Schreiben vom
4. November 2013; IV-act. 243) Stellung. Der ärztliche Bericht der RAD-Untersuchung
vom 24. September 2008 liege noch immer nicht vor, diese Einschätzung sei jedoch
vor der Arthrodese der rechten Schulter vorgenommen worden. Mittlerweile sei eine
knöcherne Durchbauung der Arthrodese der rechten Schulter eingetreten, insofern sei
von einer richtungsweisenden Verbesserung auszugehen. Bei der gutachterlichen
Untersuchung habe sich eine sehr gute Funktion der arthrodesierten Schulter ergeben.
Es seien keinerlei spezifische Schmerzen, weder in den benachbarten Gelenken noch
in der Muskulatur oder an den Sehnenansätzen, angegeben worden. Es bestehe
deshalb kein Anlass, von der Einschätzung einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit abzuweichen. Die Differenz zur Einschätzung der Vorgutachter
werde mit einer zwischenzeitlichen Besserung der Funktion, speziell durch eine
zunehmende kompensierende Funktionsverbesserung der scapulo-thoracalen
Gleitschicht, erklärt. Zum vollständigen Verlauf der Arbeitsfähigkeit adaptiert seit 2003
könne retrospektiv nicht detailliert Stellung bezogen werden. Zweifellos hätten die
Schulterverletzungen zunächst zu einer erheblich verminderten Belastbarkeit der
Schultergelenke geführt. Die Operation vom 10. April (richtig: März) 2009 mit
Versteifung des rechten Schultergelenks habe eine entscheidende Zäsur dargestellt.
Nach erfolgter knöcherner Durchbauung, etwa ab Mitte des Jahres 2009, könne von
einer zunehmend besseren Belastbarkeit der rechten Schulter ausgegangen werden.
Die weiterhin empfundene Schmerzhaftigkeit in der rechten Schulter sei nicht mehr
objektiv am Schultergelenk selbst zu begründen, hier habe sich ein chronisches
Schmerzerleben verselbständigt (IV-act. 247).
A.v Ab 18. August 2014 wurde eine berufliche Abklärung als Mechaniker im Bereich
Mechanik im O._ durchgeführt. Geplant war zu Beginn eine Präsenzzeit von 70%
und ab 22. August 2014 eine Steigerung auf 100%. Gemäss Schlussbericht vom 7.
Oktober 2014 meldete sich der Versicherte am 25. August 2014 mit Grippesymptomen
ab. Der gesundheitliche Verlauf habe sich nicht verbessert, weshalb er sich für weitere
Abklärungen ins Spital begeben habe, was schliesslich zum Abbruch der Massnahme
per 25. September 2014 geführt habe (IV-act. 267 f.). Im Schlussbericht der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Berufsberatung vom 23. Oktober 2014 wurde festgehalten, dass die berufliche
Eingliederung nicht zweck- und lösungsorientiert angegangen werden könne. Der
Versicherte verfüge nicht über die nötigen gesundheitlichen Ressourcen, um die an ihn
gestellten Leistungsanforderungen innerhalb einer Abklärung zu erfüllen. Aus Sicht der
Berufsberatung könne die medizintheoretische Arbeitsfähigkeit von 100% nicht
umgesetzt werden. Er sei zum aktuellen Zeitpunkt weder ausbildungs- noch
eingliederungsfähig (IV-act. 262). Zwischenzeitlich hatte der Versicherte am 1.
September 2014 aufgrund eines unklaren Verwirrtheitszustands mit Amnesie die
Notfallsprechstunde der Klinik für Neurologie des KSSG aufgesucht. Da der Versicherte
angegeben hatte, dass er keinerlei Opiate mehr einnehme, weil diese ihn „wirr im Kopf“
machen würden, wurde ein Opiatentzug als Erklärung für wahrscheinlich gehalten. Es
wurde um Evaluation der Medikation und gegebenenfalls um eine psychiatrische
Abklärung gebeten (IV-act. 274-5 ff.).
A.w In der Stellungnahme vom 8. Januar 2015 hielt RAD-Ärztin Dr. med. P._,
Fachärztin für Allgemeine Medizin, fest, nach der Beantwortung der Zusatzfragen (IV-
act. 247) könne auf das ZMB-Gutachten abgestützt werden. Im Hauptgutachten finde
sich eine Zusammenfassung der arbeitsmedizinischen RAD-Untersuchung, sodass
davon ausgegangen werden könne, der RAD-Bericht sei in den ursprünglichen Akten
enthalten gewesen. Leider sei es den Gutachtern retrospektiv nicht möglich zum
Verlauf der Arbeitsfähigkeit adaptiert seit 2003 Stellung zu nehmen (IV-act. 272). Im
Verlaufsbericht vom 15. Januar 2015 berichtete Dr. med. Q._, Facharzt für allgemeine
innere Medizin FMH, von einem unveränderten Verlauf und von unveränderten
Befunden. Er attestierte dem Versicherten sowohl in der angestammten als auch in
einer adaptierten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 274). RAD-Ärztin Dr.
P._ führte in der Stellungnahme vom 21. Januar 2015 aus, dass der Bericht von Dr.
Q._ nicht glaubhaft darzulegen vermöge, dass sich der Gesundheitszustand
gegenüber der Begutachtung verschlechtert habe. Somit sei auch die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit durch den Hausarzt nicht plausibel und nachvollziehbar. Weiter sei
nicht nachvollziehbar, weshalb der Versicherte nach zehn Tagen nicht mehr an den
beruflichen Abklärungen teilgenommen habe, da es keinen medizinischen Grund
gegeben habe, der eine langandaurende Arbeitsunfähigkeit hätte begründen können.
Es sei an der Beurteilung des ZMB-Gutachtens festzuhalten. Der Versicherte sei seit
Januar 2010 voll arbeitsfähig (IV-act. 276). Mit Schreiben vom 15. Mai 2015 teilte die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
IV-Stelle dem Versicherten mit, dass das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen abgewiesen werde, da er sich nicht in der Lage fühle, an
Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 282).
A.x Mit Vorbescheid vom 5. Juni 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Aus medizinischer Sicht bestehe in der
angestammten Tätigkeit als Elektromonteur nachvollziehbar eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit werde eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit attestiert. Die IV-Stelle ermittelte einen nicht rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von 4% (IV-act. 288).
A.y Mit Einwand vom 7. Juli 2015 beantragte der Versicherte die Zusprache einer
halben, eventualiter einer ganzen Rente. Eventualiter sei ein neues Gutachten in Auftrag
zu geben. Das ZMB-Gutachten sei widersprüchlich und enthalte „schwammige
Aussagen“, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne (IV-act. 292).
A.z Mit Verfügung vom 15. Juli 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab. Gestützt auf die Stellungnahme des RAD vom 9. Juli 2015 (IV-act.
293) sei der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt und im ZMB-Gutachten
umfassend dargelegt (IV-act. 294).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 14. September 2015. Der Beschwerdeführer beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer halben,
eventualiter einer ganzen Rente. Eventualiter sei ein neues Gutachten unter
Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung in Auftrag zu geben. In den Akten der
Beschwerdegegnerin würden aktuelle Berichte des Palliativzentrums K._ fehlen. Den
anderen ärztlichen Berichten sei zu entnehmen, dass er seine Schmerzen nicht in den
Griff bekomme und es in der Vergangenheit immer wieder zu Opiatintoxikationen oder
Entzugsproblematiken gekommen sei, die einen Spitalaufenthalt notwendig gemacht
hätten. Er leide unter einer MST-Abhängigkeit. Die von den Gutachtern monierte
zumutbare Reduktion der Opiate sei nicht möglich, da es sonst zu Entzugssymptomen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
komme und die Schmerzen ein unerträgliches Mass erreichen würden. Diese
gesundheitlichen Beschwerden hätten zwischenzeitlich auch psychische Beschwerden
ausgelöst, welche weder von der Beschwerdegegnerin noch von den Gutachtern
entsprechend gewürdigt worden seien. Aufgrund seiner starken Schmerzen sei er nicht
in der Lage einer regelmässigen Tätigkeit nachzugehen, weshalb auch sämtliche
Arbeitsversuche hätten abgebrochen werden müssen. Das ZMB-Gutachten enthalte
viele Widersprüche und nicht fundierte Aussagen. Die Arbeitsfähigkeit werde nicht
deutlich genug diskutiert und insbesondere die Feststellungen des Psychiaters seien
nicht nachvollziehbar, da eine Abstinenz aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden
gar nicht möglich sei. Zusammenfassend entspreche das ZMB-Gutachten nicht den
Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 20. November 2015 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Vervollständigung der Akten
wurden die Berichte des Palliativzentrums K._ beigezogen und zusammen mit den
vom Beschwerdeführer eingereichten Arztberichten dem RAD vorgelegt. Auf das ZMB-
Gutachten könne auch weiterhin abgestellt werden und es bestehe kein Anlass von der
gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung abzuweichen (act. G 4 und 4.1 ff.).
B.c Mit Replik vom 29. Februar 2016 hält der Beschwerdeführer unverändert an seiner
Beschwerde fest (act. G 8). Mit Schreiben vom 7. März 2016 verzichtete die
Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer Duplik (act. G 10).
C.
C.a Mit Schreiben vom 22. Februar 2018 informierte das Versicherungsgericht die
Parteien, dass die Einholung eines polydisziplinären Gerichtsgutachtens und die
Ausdehnung des Streitgegenstands aus verfahrensökonomischen Gründen auf die
gesamte Zeitspanne von der Anmeldung im Jahr 2003 bis zur Oberbegutachtung
vorgesehen seien (act. G 12).
C.b Mit Schreiben vom 13. März 2018 zeigte sich der Beschwerdeführer mit dem
vorgesehenen Vorgehen einverstanden und informierte weiter, dass er zuletzt wegen
eines komplizierten Bauchdurchbruchs fast drei Monate im Kantonsspital gewesen sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(21. Oktober 2017 bis 12. Januar 2018; vgl. provisorischer Austrittsbericht vom 11.
Januar 2018, act. G 13.3) und seither intensive Pflege der Spitex brauche (act. G 13).
C.c Mit Schreiben vom 21. März 2018 teilte das Versicherungsgericht den Parteien mit,
dass für das polydisziplinäre (internistische, orthopädische und psychiatrische)
Gutachten die MEDAS asim Begutachtung, Universitätsspital Basel, vorgesehen sei,
und gewährte ihnen das rechtliche Gehör (act. G 15). Mit Stellungnahme vom 22. März
2018 beantragte die Beschwerdegegnerin, dass der Gutachterstelle die aus BGE 141 V
281 abgeleiteten Fragen zu den Kategorien "funktioneller Schweregrad" und
"Konsistenz" zu unterbreiten seien (act. G 16). Wie bereits vorgängig telefonisch
mitgeteilt (vgl. Telefonnotiz vom 6. April 2018, act. G 18), liess der Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 19. April 2018 um die Berücksichtigung einer näher gelegenen
Begutachtungsstelle ersuchen, da eine weite Anreise in Anbetracht des nach wie vor
schlechten Gesundheitszustandes eher nicht möglich sei (act. G 19). In der Folge
schlug das Versicherungsgericht als Gutachtensstelle die medexperts ag, St. Gallen,
vor, womit sich beide Parteien einverstanden erklärten (act. G 21 ff.).
C.d Mit Schreiben vom 1. Mai 2018 beauftrage das Gericht die medexperts ag mit der
polydisziplinären Abklärung des Beschwerdeführers (act. G 24).
C.e Im medexperts-Gutachten vom 17. Juli 2018 hielten die Gutachter fest, dass
aktuell die Einschränkungen aufgrund der bestehenden Wundheilungsstörung am
Abdomen nach mehrfachen operativen Eingriffen 2017 in Folge eines
Darmverschlusses mit infektiösen Komplikationen im Vordergrund stehe. Da es sich
derzeit um einen instabilen Zustand handle, bestehe eine absolute Arbeitsunfähigkeit
und eine Beurteilung im Verlauf könne erst nach abgeschlossener Behandlung
erfolgen. Aus orthopädischer Sicht würden die chronischen Beschwerden an der
rechten Schulter nach mehrfachen operativen Eingriffen und einer zuletzt
durchgeführten Versteifung im Vordergrund stehen. In Folge der Schmerzsymptomatik
sei die ständige Einnahme von Schmerzmitteln der WHO Stufe 3 notwendig und es
bestehe eine schwere funktionelle Einschränkung. Zusätzlich bestehe eine
Muskelschwäche in Folge einer Nervenverletzung. Dies erkläre auch die vollständige
Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf des Elektromonteurs und eine Minderung der
Leistungsfähigkeit bei einer adaptierten Tätigkeit aufgrund der chronischen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schmerzsymptomatik. Diesbezüglich könne von einem Endzustand ausgegangen
werden und die laufenden Therapien würden dem Erhalt der aktuellen
Belastungsfähigkeit dienen. Das zusätzliche leichte Schulterengpasssyndrom auf der
linken Seite führe ausschliesslich bei spezifischen Belastungen des linken Arms zu
Einschränkungen. Aus psychiatrischer Sicht habe früher ein Opioid-
Abhängigkeitssyndrom bestanden, welches jedoch durch eine stationäre Therapie
habe überwunden werden können. In der aktuellen Begutachtung hätten sich keine
Anzeichen einer Depression gezeigt. Aus psychiatrischer Sicht könne keine Diagnose
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werden. Eine Wiederbegutachtung werde
nach abgeschlossener Behandlung der Wundheilstörung am Abdomen und im Falle
eines erneuten operativen Eingriffes am Abdomen frühestens sechs Monate
postoperativ empfohlen (act. G 30).
C.f Mit Schreiben vom 9. August 2018 bzw. 28. August 2018 verzichteten beide
Parteien auf eine Stellungnahme zum Gerichtsgutachten (act. G 33 f.).

Erwägungen
1.
1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
1.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
1.4 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
1.5 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb).
1.6 Bezüglich Gerichtsgutachten hat die Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht
weiche "nicht ohne zwingende Gründe" von den Einschätzungen des medizinischen
Experten ab (BGE 125 V 352 E. 3b/aa). Auch der Europäische Gerichtshof für
Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung eines von einem Gericht
ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung vermutungsweise hohes
Gewicht zu (BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen).
2.
2.1 Das vorliegende Gerichtsgutachten erfüllt die Anforderungen an eine
beweiskräftige Expertise. Mängel, welche dessen Beweiskraft erschüttern, sind weder
ersichtlich noch werden solche von den Parteien geltend gemacht.
2.2 Gemäss Gerichtsgutachten leidet der Beschwerdeführer an einer aktuell sekundär
heilenden Laparotomie-Wunde, respektive an einem Status nach Infekt mit erheblich
verzögerter und noch nicht abgeschlossener Wundheilung, einem Status nach
inkarzerierter Petersenhernie mit Dünndarmperforation am biliopankreatischen
Schenkel am 24. Oktober 2017, einer Versteifung der Schulter rechts aufgrund einer
nicht beherrschbaren posttraumatischen Instabilität mit Verschmächtigung der
Muskulatur bei Hinweis auf eine Nervenschädigung sowie einer Arthrose des
Schultergelenks links mit Anzeichen eines leichten Schulterengpasssyndroms (act. G
30, S. 5 f.). Diese Befunde beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit. Aus internistischer
Sicht bestehe ein instabiler Gesundheitszustand und somit eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten ab Herbst 2017 infolge der inkarzerierten
Petersenhernie und des immer noch bestehenden signifikanten Bauchwanddefekts
(act. G 30, S. 43 f.). Aus orthopädischer Sicht bestehe aufgrund der beidseitigen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schulterleiden eine volle Arbeitsunfähigkeit im angelernten Beruf als Elektromonteur
seit März 2009. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine 60%ige
Arbeitsfähigkeit. Die Einschränkung ergebe sich durch den erhöhten Pausenbedarf
aufgrund der nachvollziehbaren chronischen Schmerzen. Es bestehe keine
Einschränkung in Bezug auf die Anwesenheit. Bei einer optimal angepassten Tätigkeit
handle es sich um leichte körperliche Arbeit unter Vermeidung einer vermehrten
Belastung des rechten Arms. Die Möglichkeit zu vermehrten Ruhepausen aufgrund der
chronischen Schmerzen sollte gewährleistet sein (act. G 30, S. 34 f.). Aus
psychiatrischer Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit in der bisherigen sowie in
adaptierten Tätigkeiten. Auch retrospektiv liege keine Krankschreibung aus rein
psychischen Gründen vor (act. G 30, S. 20). Zusammenfassend liegt somit seit März
2009 eine Arbeitsfähigkeit von 60% in einer adaptierten Tätigkeit und seit Oktober
2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten vor.
3.
3.1 Im Gerichtsgutachten wurde nicht begründet, weshalb erst seit März 2009, also
dem Zeitpunkt der Schulter-Arthrodese, von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Elektromonteur ausgegangen wurde. Der RAD hatte in
seiner arbeitsmedizinischen Untersuchung vom 22. September 2008 dafürgehalten,
dass der Beschwerdeführer als Elektromonteur bereits seit 2001 nicht mehr
arbeitsfähig sei (IV-act. 113-3). Dies ist mit Blick auf den Verlauf mit mehreren Eingriffen
an der Schulter in den Jahren nach dem Arbeitsunfall von 2001 nachvollziehbar (vgl.
dazu zusammenfassend etwa act. G 30 S. 23 f.). Folglich ist davon auszugehen, dass
das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG – bei Eintritt der vollen Arbeitsunfähigkeit
auch in einer adaptierten Tätigkeit – im März 2009 bereits erfüllt war (vgl. dazu etwa
BGE 130 V 97 E. 3.2; Urteil 8C_376/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 4.1, 8C_41/2011
vom 17. Mai 2011 E. 2.2). Somit besteht ein allfälliger Rentenanspruch seit dem 1. März
2009.
3.2 Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1).
3.3 Vorliegend ist die Bestimmung des Valideneinkommens der Beschwerdegegnerin
anhand der Auskünfte der ehemaligen Arbeitgeberin (Einkommen im Jahr 2004 ohne
den Unfall: Fr. 61'100.--), analog zur Verfügung der Suva vom 29. Juli 2010, nicht zu
beanstanden (IV-act. 287, Fremdakten). Somit beträgt das Valideneinkommen für das
Jahr 2009 unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (Index 2004: 2'095;
Index 2009: 2'266) Fr. 66'087.--.
3.4 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht, sofern
kumulativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass die versicherte Person die ihr verbleibende Leistungsfähigkeit in zumutbarer
Weise voll ausschöpft und das Einkommen aus der Arbeitsleistung angemessen und
nicht als Soziallohn erscheint. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der
versicherten Person (nach zumutbarer Behandlung und allfälliger Eingliederung)
angesichts ihrer Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung
zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
3.5 Da kein tatsächliches Einkommen gegeben ist, sind vorliegend bei der
Bestimmung des Invalideneinkommens die LSE-Tabellenwerte heranzuziehen und es
ist auf den Totalwert für Männer bei Arbeiten im Anforderungsniveau 4 gemäss Tabelle
TA1 der LSE 2008 (Fr. 4'806.--) abzustellen, sowie von einer betriebsüblichen
Arbeitszeit von 41.6 Wochenstunden auszugehen. Daraus ergibt sich ein
Jahreseinkommen von Fr. 59'979.-- (Fr. 4'806.-- / 40 x 41.6 x 12). Unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (Index 2008: 2'219) ergibt dies für das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Jahr 2009 ein Einkommen von Fr. 61'249.--. Weiter ist zu prüfen ob ein
Tabellenlohnabzug vorzunehmen ist.
3.6 Mit einem Tabellenlohnabzug soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass
persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481 E.
4.2.3 mit Hinweisen). Im Gutachten wurde als optimal angepasste Arbeitstätigkeit eine
leichte körperliche Arbeit unter Vermeidung einer vermehrten Belastung des rechten
Arms festgehalten. Die Möglichkeit zu vermehrten Ruhepausen aufgrund der
chronischen Schmerzen sollte gewährleistet sein (act. G 30, S. 35). In der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 60% wurde der vermehrte Pausenbedarf bereits
berücksichtigt und die restlichen Einschränkungen vermögen es nicht, einen
Tabellenlohnabzug zu rechtfertigen. Auch sonst ergeben sich aus den Akten keine
Anhaltspunkte, die über die attestierten Einschränkungen hinausgehende
Konkurrenznachteile begründen würden, weshalb vorliegend kein Tabellenlohnabzug
vorzunehmen ist. Somit beträgt das Invalideneinkommen bei einer Arbeitsfähigkeit von
60% Fr. 36'749.-- (Fr. 61'249.-- x 0.6). Bei einem Valideneinkommen von Fr. 66'087.--
und einem Invalideneinkommen von Fr. 36'749.-- resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr. 29'338.-- (Fr. 66'087.-- – Fr. 36'749.--) bzw. ein Invaliditätsgrad von gerundet 44%
(29'338.-- / Fr. 66'087.--). Damit hat der Beschwerdeführer ab 1. März 2009 Anspruch
auf eine Viertelsrente.
4.
4.1 Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die
Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügung in der Regel nach dem Sachverhalt, der
zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war. Ausnahmsweise kann das Gericht aus
prozessökonomischen Gründen auch die Verhältnisse nach Erlass der Verfügung in die
richterliche Beurteilung mit einbeziehen und zu deren Rechtswirkungen über den
Verfügungszeitpunkt hinaus verbindlich Stellung beziehen, mithin den das
Prozessthema bildenden Streitgegenstand in zeitlicher Hinsicht ausdehnen. Eine
solche Ausdehnung des richterlichen Beurteilungszeitraums ist jedoch – analog zu den
Voraussetzungen einer sachlichen Ausdehnung des Verfahrens auf eine ausserhalb des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisses liegende spruchreife Frage – nur
zulässig, wenn der nach Erlass der Verfügung eingetretene, zu einer neuen rechtlichen
Beurteilung der Streitsache ab jenem Zeitpunkt führende Sachverhalt hinreichend
genau abgeklärt ist, die betreffende Frage mit dem bisherigen Streitgegenstand so eng
zusammenhängt, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann,
und die Verfahrensrechte der Parteien, insbesondere deren Anspruch auf rechtliches
Gehör, respektiert worden sind (siehe zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 15.
Oktober 2015, 9C_540/2015, E. 3.1 mit Hinweisen). Diese Voraussetzungen sind
vorliegend erfüllt, die Parteien wurden mit Schreiben vom 22. Februar 2018 über die
Ausdehnung des Streitgegenstands informiert (vgl. act. G 12) und hatten die
Möglichkeit diesbezüglich und auch zum Sachverhalt bis zum Zeitpunkt der
Begutachtung Stellung zu nehmen. Somit ist der Streitgegenstand in zeitlicher Hinsicht
bis zum Zeitpunkt des Gerichtsgutachtens vom 17. Juli 2018 auszudehnen. Der danach
eingetretene Sachverhalt bildet nicht Gegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens.
4.2 Ab Oktober 2017 bis zum Zeitpunkt des Gerichtsgutachtens (17. Juli 2018) ist eine
volle Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten ausgewiesen (vgl. E. 2.2). Somit hat
der Beschwerdeführer in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) ab 1. Januar 2018
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 15.
Juli 2015 aufzuheben. Dem Beschwerdeführer ist mit Wirkung ab 1. März 2009 eine
Viertelsrente und ab 1. Januar 2018 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung
der Rentenhöhe ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Aufgrund der Einholung eines
Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Zusatzaufwands erscheinen
Gerichtkosten von Fr. 1'000.-- in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
5.3 Erachtet das kantonale Versicherungsgericht eine fachärztliche Begutachtung als
notwendig, entfällt indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness eine
Rückweisung der Sache zu diesem Zweck an die IV-Stelle, können dieser die Kosten
der Abklärungsmassnahme auferlegt werden (BGE 137 V 201 E. 4.4.2). Voraussetzung
ist, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der
Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies trifft
namentlich zu bei einem manifesten Widerspruch zwischen den verschiedenen
ärztlichen Beurteilungen, ohne dass die IV-Stelle diesen durch objektiv begründete
Argumente entkräftet hat, oder wenn zur Klärung der medizinischen Situation
notwendige Aspekte unbeantwortet geblieben sind oder auf eine Expertise abgestellt
wurde, welche den Anforderungen an den Beweiswert ärztlicher Gutachter nicht
genügt (Urteil des Bundesgerichts vom 10. August 2017, 9C_348/2017, E. 2). Das
Versicherungsgericht erachtete die Beurteilung des ZMB-Gutachtens vom 10.
September 2013, auf welches sich die Beschwerdegegnerin stützte, als nicht
nachvollziehbar, was durch das vorliegende Gutachten der medexperts ag schliesslich
auch bestätigt wurde (vgl. act. G 30, S. 17 und 35 f.). Somit hat die
Beschwerdegegnerin die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 11'197.60 (vgl. act. G
31) zu tragen.
5.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu beurteilenden
Fall erscheint unter Berücksichtigung des durch die Einholung eines
Gerichtsgutachtens entstandenen Mehraufwands eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 4'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.