Decision ID: 95d60497-9988-4185-907f-d4f9f23173a3
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren, 1967, ist seit dem 1. August 2015 als Geschäfts
führerin bei der Y._ GmbH angestellt und über diese bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von Unfällen versichert (Urk. 11/A1). Am 31. März 2017 wurde der AXA gemeldet, dass die Versicherte sich am 16. November 2016 in einem Flugzeug die Schulter verdreht habe (Urk. 11/A1 unten).
Mit Verfügung vom 23. Juni 2017 (Urk. 11/A12) lehnte die AXA eine Leistungs
pflicht für die Folgen des Ereignisses ab. Die von der Versicherten am 21. Juli 2017 (Urk. 11/A14) dagegen erhobene Einsprache wies die AXA mit Entscheid vom 15. November 2017 (Urk. 11/A22 = Urk. 2) ab.
2.
Die Versicherte erhob am 18. Dezember 2018 (richtig: 2017) Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 15. November 2017 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es sei die AXA zu verpflichten, für das Ereignis vom 16. November 2016 die Leistungen als obligatorische Unfallversicherung auszu
richten, und insbesondere die Kosten der Heilbehandlung zu übernehmen. Even
tuell sei die Angelegenheit an die AXA zurückzuweisen, damit sie nach Vor
nahme weiterer Abklärungen neu entscheide (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-3 oben).
Die AXA beantragte mit Beschwerdeantwort vom 5. April 2018 (Urk. 10) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfügung vom 17. April 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
Mit Gerichtsverfügung vom 24. April 2018 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 14 Dispositiv Ziff. 1). Mit Verfügung vom 10. Juli 2018 wurde Verzicht auf einen weiteren Schriftenwechsel angenommen, nachdem dem Ge
richt innert Frist keine Replik eingereicht worden war (Urk. 17). Die Beschwer
de
führerin reichte am 3. September 2018 (Urk. 19) eine Stellungnahme und weitere Akten (Urk. 20/1-3) ein, die der Gegenpartei am 17. September 2018 zur Kenntnis gebracht wurden (Urk. 21).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am
9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes
über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirk
licht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich
vor dem 1. Januar 2017
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt.
1.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG), hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.4
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicheru
ngsrechts in der Regel auf die «
Aussagen der ersten Stunde
»
ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbe
wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) fest, auf
grund des langen Zeitraumes zwischen dem Ereignis vom 16. November 2016 und
der Unfallmeldung vom 31. März 2017 sei es de facto ausgeschlossen, eine natür
liche Kausalität zwischen den heute geklagten Beschwerden und dem be
sagten Vorfall nachzuweisen. Die Beschwerdeführerin habe sich am 17. Februar 2017 erstmals in ärztliche Behandlung begeben. Für die Zeit direkt im Anschluss an das Ereignis fehlten entsprechende medizinische Befunde. Bereits aus diesem Grund mangle es am Nachweis einer unfallkausalen, primären Gesundheits
schä
digung, auf welche die heutigen Befunde und Beschwerden zurückgeführt werden könnten. Weder sei hinreichend geklärt, wann genau sich die Beschwerdeführerin die geltend gemachten Verletzungen zugezogen habe, noch seien die genauen Umstände rechtsgenüglich erstellt. Ein allfälliger Kausalzusammenhang könne deshalb nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht geforderten Beweismass der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden (S. 4 E. 4.1.6). Bei dieser
Ausgangslage liessen sich auch Brückensymptome nicht rechtsgenüglich nach
wei
sen (S. 4 E. 4.1.7). Es sei weder ein Unfallereignis noch ein Kausalzu
sammen
hang zwischen dem Ereignis und den am 17. Februar 2017 dokumentierten Be
schwerden mit gefordertem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen (S. 5 E. 4.1.8).
Die von der Beschwerdeführerin erstmals in der Einsprache angegebenen Sach
verhaltselemente des Ausweichens und Anstossens im Flugzeug seien weder in der Schadensmeldung noch in den Antworten zu den zuvor gestellten Fragen erwähnt worden. Es müsse daher davon ausgegangen werden, dass die nachträg
lichen Ausführungen der Beschwerdeführerin durch versicherungstechnische Über
legungen geprägt gewesen seien (S. 6 E. 4.2.5 Mitte).
Beim zu prüfenden Vorgang könne kein ungewöhnlicher äusserer Faktor, welcher schädigend auf die rechte Schulter eingewirkt habe, erkannt werden. Der geschil
derte Vorfall erfülle den Unfallbegriff nicht (S. 7 E. 4.3.3). Auch eine unfall
ähn
liche Körperschädigung liege nicht vor (S. 8 E. 4.4.4 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor, sie habe am 16. November 2017 an Bord eines Flugzeuges vor dem Aussteigen unter anderem eine Teilruptur der Supra
spinatussehne erlitten. Zwar habe sie nach dem Ereignis Schmerzen verspürt, sie habe sich aber nicht in ärztliche Behandlung begeben, da sie nicht realisiert habe, dass eine behandlungsbedürftige Verletzung vorgelegen habe. Sie habe die Schmerzen zunächst mit einer Sportsalbe behandelt (Urk. 1 S. 2 Ziff. II.1).
Die Praxis zu allfälligen Brückensymptomen beziehe sich regelmässig auf Fälle, in den der Unfallversicherer zunächst vorübergehend Leistungen erbracht habe und in einem späteren Zeitpunkt abermals Leistungen für Unfallfolgen geltend gemacht würden (S. 3 Ziff. 5). Praxisgemäss könne unter Umständen schon der medizinische Befund einen zureichenden Beweis für das Unfallgeschehen bilden (S. 4 Ziff. 7). Im konkreten Fall sei hinreichend belegt, dass die bestehende Ver
letzung traumatisch bedingt sei. Eine Verletzung der rechten Schulter mit einer Teilruptur der Supraspinatussehne sei bildgebend belegt (S. 4 Ziff. 9).
Die Beschwerdeführerin habe mehrere Male versucht, von der Beschwerdegeg
nerin oder von anderer Seite Unterstützung bei der Abwicklung des Schadens
falles zu erhalten. Die Unfallmeldung habe sie in Abstimmung mit einem deut
schen Versicherungsmakler verfasst. Ihr in einer Filiale der Beschwerdegegnerin tätiger Versicherungsberater, Z._, habe ihr mittels E-Mail mitgeteilt, dass er mit der Schadenabteilung der Beschwerdegegnerin gesprochen habe und die Sache für sie erledigt sei (S. 5 Ziff. 12). Aufgrund der Rückmeldungen ihres Versicherungsmaklers habe sie davon abgesehen, die ausführliche Schilderung des Unfallgeschehens auch schriftlich einzureichen. Sie habe das E-Mail des Ver
sicherungsmaklers als Übermittlung einer Auskunft der Schadenabteilung der Beschwerdegegnerin an sie verstanden und habe die Mitteilung auch so verstehen dürfen (S. 6 Ziff. 13).
2.3
Die Beschwerdeführerin führte in der Stellungnahme vom 3. September 2018 ergänzend aus, ihre E-Mails an den Schadendienst der Beschwerdegegnerin seien nicht in den Akten enthalten (Urk. 19 S. 2 Ziff. 1). Der Beschwerdegegnerin sei vorzuwerfen, dass sich als Folge der Art und Weise, wie sie den Fall zu erledigen versuche, vor der Ablehnung ihrer Leistungspflicht selbst nicht genügend um die Abklärung des medizinischen Sachverhaltes bemüht habe. Soweit sie nun vor
gebracht habe, dass das Ereignis nicht zu der Verletzung geführt habe, sei dies nicht nur unrichtig, sondern verletze auch den Untersuchungsgrundsatz (Urk. 19 S. 2 f. Ziff. 3).
2.4
Unklar ist zunächst, wie sich das Ereignis vom 16. November 2016 genau zuge
tragen hat.
In der Sache ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht für die Folgen des Ereignisses vom 16. November 2016 zu Recht verneint hat. Dabei ist zu klären, ob das Ereignis die Voraussetzungen eines Unfalles oder einer unfall
ähnlichen Körperschädigung erfüllt und ob zwischen den geklagten Beschwerden und dem Ereignis ein natürlicher Kausalzusammenhang als erstellt gelten kann.
3.
3.1
In der Unfallmeldung vom 31. März 2017 (Urk. 11/A1) wurde angegeben, die Be
schwerdeführerin habe sich am 16. November 2017 um 20 Uhr an Bord eines Fluges nach Göteborg befunden.
Zum genauen Hergang gab sie an: «Mein Flug war in Göteborg gelandet und das De-Boarding hatte begonnen. Ich sass auf der linken Seite am Fenster und musste in den Gang gelangen. Beim Aufstehen aus dem Sitz und Vorbeiquetschen am mittleren Sitz stützte ich mich mit dem rechten Arm ab, da ein vollständiges Aufstehen und seitliches Gehen aufgrund der eng platzierten Sitzreihen nicht möglich war. Dabei habe ich mir die Schulter nach ... verdreht, als ich am Sitz
polster abstützte. Zunächst hatte ich nur leichte Schmerzen, die ich selbst mit Sportsalbe behandelte, da ich davon ausging, dass ich mir eventuell die Muskeln etwas gezerrt hatte. Ich suchte auch keinen Arzt auf. Leider nahmen die Schmerzen dann insbesondere nach Neujahr soweit zu, dass ich am 17.02.2017 meinen Orthopäden aufsuchte. Ich war nicht arbeitsunfähig».
3.2
Die Beschwerdegegnerin forderte die Beschwerdeführerin daraufhin im Schreiben vom 4. April 2017 auf, einen beiliegenden Fragebogen zum Ereignis vom 16. November 2016 auszufüllen (Urk. 11/A1b).
Die Beschwerdeführerin wandte sich in einem E-Mai vom 6. April 2017 an die Beschwerdegegnerin. Sie führte aus, sie habe die Schadensmeldung bereits online vollständig eingegeben. Man solle ihr mitteilen, weshalb sie diese wiederholen solle (Urk. 11/A2). Die Beschwerdegegnerin antwortete ihr in einem E-Mail vom 11. April 2017, um den Unfallhergang beurteilen zu können, werde ein ausführ
licher Beschrieb des Herganges benötigt, wie genau sie sich ihre Schulter verdreht habe (Urk. 11/A3). Die Beschwerdeführerin bat daraufhin um einen Rückruf der Beschwerdegegnerin (Urk. 11/A4).
3.3
Der Versicherungsmakler Z._ führte in einem E-Mail vom 13. April 2017 an die Beschwerdeführerin aus, er habe mit der Schadenabteilung der Be
schwerdegegnerin gesprochen und die Sache sei für sie erledigt. Es müsse nichts mehr unternommen werden (Urk. 3 oben).
3.4
In einem internen E-Mail der Beschwerdegegnerin vom 12. Juni 2017 wurde mit Verweis auf eine Mitteilung von Z._ unter anderem ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe vergessen zu erwähnen, dass im Flugzeug jemandem etwas aus den «Gepäckaufbewahrungs-Dingern» herausgefallen sei. Sie sei des
halb erschrocken und habe schnell ausweichen müssen (Urk. 11/A8 oben). Dem E-Mail angehängt ist ein E-Mail vom Z._ an die Beschwerdegegnerin vom gleichen Tag ohne Text (Urk. 11/A8 oben).
3.5
In der Einsprache vom 21. Juli 2017 (Urk. 11/A14) wurde ausgeführt, die Scha
den
s
meldung sei nach Rücksprache mit dem Versicherungsmakler Dr. A._ be
wusst auf das Kernelement des Unfalles reduziert worden. Nach Erhalt des Frage
bogens sei die Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 6. bis 11. April 2017 mehr
fach telefonisch und schriftlich an die Beschwerdegegnerin herangetreten, ohne eine Antwort zu erhalten (S. 1 Abs. 3). Z._ habe sich dann anerboten, Kontakt mit der Schadenabteilung der Beschwerdegegnerin aufzunehmen und die Angelegenheit zu klären. In einem E-Mail vom 13. April 2017 habe er der Be
schwerdeführerin bestätigt, dass von ihrer Seite keine weiteren Erläuterungen nötig seien und die Sache für sie erledigt sei (S. 1 Abs. 4).
Die Beschwerdeführerin habe den Unfall vom 16. November 2016 nochmals in voller Länge geschildert. Er habe sich beim Aussteigen aus dem Flugzeug etwa um 20.30 Uhr ereignet. Nachdem das Flugzeug an der Brücke angelegt habe, hätten sich alle Passagiere auf das Aussteigen vorbereitet. Es sei November ge
wesen. Demzufolge hätten alle Passagiere Wintermäntel beziehungsweise Jacken dabeigehabt (S. 2 Abs. 5 oben).
Ihre Sitzreihe habe aus drei Sitzen bestanden. Sie habe ungefähr auf der Höhe des mittleren Sitzes gestanden, der ebenso wie der Gangplatz nicht besetzt gewesen sei, als der Unfall passiert sei. Bedingt durch die knappen Sitzabstände und die Gepäckfächer habe man dort nicht aufrecht stehen können. Sie sei gekrümmt und mit gebeugten Knien gestanden. Ihr Notebook habe sie in der linken Hand gehal
ten. Ein mitreisender Passagier habe derweil sein Gepäck aus dem Gepäckfach über ihr genommen und seine Jacke sei ihm entglitten. Die Jacke habe Bänder mit Metallenden daran gehabt. Der Passagier habe eine intuitive Bewegung gemacht, um die Jacke noch zu fassen zu bekommen, welche einen Schwung in ihre Richtung bekommen habe. Es habe gedroht, dass die Jacke mit den Metall
enden schwungvoll in ihrem Gesicht landen werde. Instinktiv sei sie nach hinten ausgewichen und habe die Balance verloren. Um nicht nach hinten zu fallen, habe sie ebenso instinktiv versucht, sich mit dem rechten Arm nach hinten an der Lehne ihrer Sitzreihe abzustützen. Bei der Bewegung habe es sich um eine instinktive und nicht gesteuerte Reaktion gehandelt. Sie habe ihren Arm kräftig an der Lehne angestossen. Der Anstoss sei in ihre Schulter gekracht und sie sei dabei noch abgerutscht. Dabei habe sie ein Knacken und einen stechenden Schmerz in der Schulter verspürt (S. 2 Mitte).
Sie sei nicht zum Arzt gegangen, da sie zunächst davon ausgegangen sei, dass sie sich den Muskel gezerrt habe und dass eine Eigenbehandlung mit Sportsalbe und ein wenig Ruhe ausreichen würde. Dies sei leider nicht der Fall gewesen (S. 2 unten).
3.6
In einem Bericht vom 21. Februar 2017 (Urk. 11/M2/3) über ein MRT der rechten Schulter nativ vom 21. Februar 2017 wurde ausgeführt, klinisch bestehe der Ver
dacht auf eine Supraspinatustendinitis und einen Zustand nach Teilruptur.
Als Befund bestehe eine deutliche peritendinöse Flüssigkeitsansammlung um die Supraspinatussehne, insbesondere gelenkseitig und ansatznah, ohne Hinweise auf eine Ruptur der Fasern. Die übrigen Sehnen der Rotatorenmanschette seien intakt.
Es bestünden eine deutliche Tendinitis der Supraspinatussehne, eine Bursitis suba
cromialis und ein Gelenkerguss. Weiter bestünden eine Einengung des Suba
cromialraumes durch eine AC-Arthrose sowie ein hakenförmiges Akromion.
3.7
Dr. med. B._, Orthopäde und Unfallchirurg, antwortete in einem Bericht vom 9. Mai 2017 (Urk. 11/M2/2) auf die Fragen der Beschwer
degegnerin. Er gab an, die Patientin habe ihm am 17. Februar 2017 berichtet, dass sie sich im November 2016 beim Verlassen eines Flugzeuges ein Distor
sions
trauma des rechten Schultergelenkes zugezogen habe (S. 1 Ziff. 2a). Äussere Ver
letzungszeichen am rechten Schultergelenk hätten nicht bestanden. Die Abduktion
und Elevation des rechten Armes im Schultergelenk lösten Schmerzen aus. Der Nacken- und Schürzengriff sei schmerzhaft (S.1 Ziff. 4).
Kernspintomographisch bestehe der Verdacht auf eine Tendinitis der Supraspina
tus
sehne mit Bursitis subacromials. Weiter bestehe eine Einengung des Suba
cro
mialraumes durch eine AC-Gelenksarthrose sowie ein Acromion nach Bigliani-Typ 3 (S. 2 Ziff. 5).
3.8
Dr. med. C._, Orthopädie/Unfallchirurgie, führte in einem Bericht vom 17. Juli 2017 (Urk. 11/M3) aus, die Patientin habe sich am 17. Juli 2017 in der Sprechstunde vorgestellt. Anamnestisch habe die Patientin nach einem Wegunfall vom 16. November 2016 nach wie vor Beschwerden im rechten Schultergelenk. In einem Kontroll-MRT vom 17. Juli 2017 habe sich eine trau
matisch bedingte Teilruptur der SSP-Sehne noch ohne Retraktion jedoch mit einer begleitenden Kapsulitis adhäsiva gezeigt.
Im Verlauf der Supraspintussehne finde sich zirka 1.6 cm proximal des Ansatzes eine deutliche Ausdünnung der Sehne intratendinös über eine Breite von zirka 1.5 cm. Hier bestehe der Verdacht auf eine Teilruptur ohne Sehnentraktion. Ein höhergrades subacromials Impingementsyndrom sei nicht nachgewiesen. Kaudal des Acromions Typ II könne ein geringgrad subacromiales Impingement-Syn
drom vorliegen. Weiter seien Anzeichen einer verplumpten und verdickten Gelenk
kapsel im Recessus axillaris wie bei der Kapsulitis adhäsiva zu beobachten.
Dr. C._ nannte als Diagnosen eine traumatisch bedingte Teilruptur SSP rechts und eine Kapsulitis adhäsiva rechts (unten).
4.
4.1
Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Mündlich erteilte Auskünfte sind schriftlich festzuhalten.
4.2
Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichts
be
schwer
de
verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, indem Verwal
tung und Sozialversicherungsgericht von sich aus für die richtige und voll
stän
dige Abklärung des Sachverhaltes zu sorgen haben. Dieser Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, sondern wird in zweifacher Hinsicht ergänzt: durch die Mitwirkungspflicht der versicherten Person sowie durch die im Anspruch auf rechtliches Gehör enthaltenen Parteirechte auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der Entscheidfindung. In diesem Sinne dient das rechtliche Gehör einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persön
lichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört auch das Recht, an der Erhebung wesentlicher Beweise mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweiser
gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Im Verwaltungsverfahren gilt dieses Mitwirkungs- oder Äusserungsrecht der betrof
fe
nen Person namentlich im Zusammenhang mit der Durchführung eines Augen
scheins, der Befragung von Zeugen sowie bezüglich eines Expertengutachtens. Infolgedessen darf auf diese Beweismittel bei der Entscheidung nicht abgestellt werden, ohne der betroffenen Person Gelegenheit zu geben, an der Beweisab
nah
me mitzuwirken oder wenigstens nachträglich zum Beweisergebnis Stellung zu
nehmen (BGE 120 V 357 E. 1a mit zahlreichen Hinweisen = RKUV 1995 Nr. U 20
9 S. 27 f. E. 1a).
4.3
Die Beschwerdeführerin hat dem Gericht mit der Stellungnahme vom 3. Septem
ber 2018 (Urk. 19) zusätzlich die Kopie ihres E-Mails an die Beschwerdegegnerin vom 31. Mai 2017 betreffend Arztrechnungen (Urk. 20/1) und zwei von Z._ an die Beschwerdegegnerin gesandte E-Mails vom 10. April 2018 mit Be
legen (Urk. 20/2-3) eingereicht. Die Beschwerdeführerin reichte sodann das E-Mai
l von Z._ an sie vom 13. April 2017 (vorstehend E. 3.3) ein. Die Akten erweisen sich mit den neu eingereichten Belegen grundsätzlich als voll
ständig.
4.4
Den vorinstanzlichen Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin nach Eingang der Schadensmeldung am 4. April 2017 aufge
for
dert hat, einen Fragebogen zum Hergang des Ereignisses vom 16. November 2016 auszufüllen und ihr zurückzusenden (Urk. 11/A1b). Die Beschwerdeführerin wandte sich daraufhin im E-Mail vom 6. April 2017 an die Beschwerdegegnerin und fragte nach, warum dies nötig sei. Im E-Mail vom 11. April wurde die Be
schwerdeführerin darauf hingewiesen, dass es notwendig sei, den Fragebogen auszufüllen, damit der genaue Hergang des Ereignisses geklärt werde könne (vor
stehend E. 3.2). Die Beschwerdegegnerin ist mit der Aufforderung an die Be
schwer
deführerin, einen Fragebogen zum Hergang des Ereignisses auszufüllen, ihrer Abklärungspflicht nachgekommen. Zudem hat sie der Beschwerdeführerin auf deren Rückfrage im E-Mail vom 11. April 2017 geantwortet. Damit kommt die Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin bei der Feststellung des Sachver
haltes zum Tragen.
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es für die Beschwerdeführerin ein Leichtes gewesen wäre, den Fragebogen auszufüllen. Es ist nicht einzusehen, weshalb sie der diesbezüglichen Aufforderung nicht nachgekommen ist und versucht hat, die Angelegenheit telefonisch zu klären. Ob es zwischen dem Versicherungsmakler und der Beschwerdegegnerin allenfalls zu einem Missverständnis gekommen ist,
kann offenbleiben. Bei den erstmals in einem E-Mail der Beschwerdegegnerin vo
m 12. Juni 2017 neu angegebenen Sachverhaltselementen ist nicht auszu
schliessen, dass die Angaben der Beschwerdeführerin von Überlegungen versicherungs
recht
licher Art geprägt waren (vorstehend E. 1.4). Zudem erfolgte das E-Mail über ein halbes Jahr nach dem Ereignis. Dies betrifft insbesondere auch die Darstellung des Ereignisses in der Einsprache vom 21. Juli 2017. Die neuen Angaben zum Sachverhalt wurden zudem erst vorgebracht, als die Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 7. Juni 2017 die Ablehnung von Leistungsansprüchen in Aussicht stellte (Urk. 11/A9). Die späteren Angaben zum Sachverhalt vermögen der Recht
sprechung zur «Aussage der ersten Stunde» nicht zu genügen. Praxisgemäss ist auf die «Aussagen der ersten Stunde» in der Schadensmeldung vom 31. März 2017 abzustellen. Die späteren Angaben können daher vorliegend nicht berück
sichtigt werden.
Eine Verletzung der Abklärungspflicht durch die Beschwerdegegnerin liegt nicht vor, nachdem die Beschwerdeführerin der von ihr geforderten Mitwirkungspflicht bei der Feststellung des Sachverhaltens selbst nicht ausreichend nachgekommen ist.
5.
5.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper
, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
5.2
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Unge
wöhn
lichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
5.3
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 UVV Gebrauch gemacht und folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
5.4
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
6.
6.1
Wie erwähnt, ist auf die Angaben der Beschwerdeführerin in der Unfallmeldung vom 31. März 2017 abzustellen. Darin wurde angegeben, dass sie am 16. Novem
ber 2016 beim Aussteigen aus dem Flugzeug mit dem rechten Arm an der Lehne eines Flugsitzes abgestützt habe und sie sich die Schulter verdreht habe (vor
stehend E. 3.1). Mit diesen Angaben der Beschwerdeführerin fehlt es an einem
ungewöhnlichen äusseren Faktor wie etwa bei einer programmwidrigen Bewe
gung
eines plötzlichen Ausgleitens. Ein Unfall im Rechtssinne liegt daher nicht vor.
Nach dem Bericht von Dr. C._ vom 17. Juli 2017 besteht lediglich der Verdacht auf eine Teilruptur der Supraspinatussehne. Auch wenn er eine traumatisch be
dingte Teilruptur als Diagnose stellte, fällt auf, dass er im selben Bericht als Befund lediglich einen Verdacht auf eine Teilruptur beschrieb (vorstehend E. 3.8). Auch im Bericht vom 21. Februar 2017 über ein MRT der rechten Schulter von diesem Tag wurde keine Läsion der Supraspinatussehne beschrieben (E. 3.6). Eine Teilruptur der Supraspintussehne ist daher nicht mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit erstellt. Soweit Dr.
C._
eine Teilruptur als traumatisch bedingt beschrie
b, vermag seine Einschätzung aufgrund des zeitlichen Abstandes von über einem halben Jahr zum Ereignis nicht zu überzeugen. Da es bereits an der Voraus
setzung einer Listenverletzung gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. f UVV fehlt, ist auch das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperverletzung zu verneinen.
6.2
Die Beschwerdeführerin hat sich nach dem Ereignis vom 16. November 2016 erst rund drei Monate später am 17. Februar 2017 bei Dr. B._ in ärztliche Behandlung begeben. Erstmals erwähnte Dr. C._ im Bericht vom 17. Juli 2017 eine traumatisch bedingte Teilruptur der Supraspintussehne (E. 3.8). Aufgrund des langen Zeitablaufes zwischen dem Ereignis und dem Beginn der medizi
ni
schen Behandlung können die aktuell geklagten Beschwerden nicht mit dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das zu prüfende Ereignis zurückgeführt werden. Namentlich fehlt es an entsprechenden Befunden gleich nach dem Ereignis vom 16. November 2016. Trotz der Angaben von Dr. C._ lässt sich die Kausalität nicht rechtsgenügend nachweisen.
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass sich weitere Abklärungen der Beschwer
de
gegnerin hierzu erübrigten, da die Kausalität mit zunehmendem zeitlichen Ab
stand erfahrungsgemäss immer schwieriger nachzuweisen ist. Rückfragen der Beschwerdegegnerin bei Dr. C._ hätten daran nichts zu ändern vermocht. Es fehlt daher auch an einem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 16. November 2016 und den heute geklagten Beschwerden.
6.3
Zusammenfassend fehlt es sowohl an einem Unfall im Rechtssinn als auch an
einer unfallähnlichen Körperschädigung. Des Weiteren ist auch die Voraus
setzung
der natürlichen Kausalität nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit rechtsge
nügend erstellt.
Die Beschwerdegegnerin hat eine Leistungspflicht für die Folgen des Ereignisses vom 16. November 2016 daher zu Recht verneint. Der angefochtene Einsprache
ent
scheid vom 15. November 2017 erweist sich demzufolge als rechtens. Die Be
schwerde ist daher abzuweisen.