Decision ID: af1dbf89-dbc3-4a64-845c-e987cff3ea6f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967,
beantragte am 1
4.
Juli 2011 bei der
Gesundheits
direktion
des Kantons Zürich
die
Befreiung
von der
schweizerischen
Kranken
ver
sicherungspflicht
(
Urk.
6/7).
Mit Verfügung vom 3
1.
August 2011 wies die Gesundheitsdirektion des Kantons
Zürich das Gesuch ab
und
verpflichtete den Gesuchsteller bis spätestens 3
0.
Novem
ber 2011 eine Krankenpflegeversicherung bei einer anerkannten Schwei
zer Krankenversicherung abzuschliessen (
Urk.
6/6 Dispositiv
Ziff.
1-2). Dagegen erhob der Gesuchsteller
am
2.
September 2011 Einsprache (
Urk.
6/5),
die die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich mit Entscheid vom
2.
Oktober 2013
abwies (
Urk.
6/1 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
8.
Oktober 2013 Beschwerde
(
Urk.
1)
gegen den
Ein
spracheentscheid
vom
2.
Oktober 2013 (
Urk.
2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
November 2013 (
Urk.
5) beantragte die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 2
2.
November 2013 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Grundsätzlich muss sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei Monaten nach der
Wohnsitznahme
in der Schweiz für Krankenpflege versichern lassen (
Art.
3
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung, KVG), wobei sie gemäss
Art.
4
Abs.
1 KVG unter den Versicherern nach
Art.
11 KVG (Krankenkassen nach
lit
. a oder private Versicherungseinrichtungen mit ent
sprechender Bewilligung nach
lit
. b) frei wählen kann. Nach
Art.
5
Abs.
1 Satz 1 KVG beginnt die Versicherung bei rechtzeitigem Beitritt (
Art.
3
Abs.
1 KVG) im
Zeitpunkt der
Wohnsitznahme
in der Schweiz. Bei einem Wegzug aus der Schweiz
ins Ausland entfällt die Versicherungspflicht, sobald Wohnsitz im Aus
land begründet wird.
1.2
Der Wohnsitz im Sinne von
Art.
3
Abs.
1 KVG bestimmt sich gemäss
Art.
13
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(ATSG) in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 der Verordnung über die Kran
ken
versicherung (KVV) nach
den
Art.
23-26 des Zivilgesetzbuches (ZGB).
1.3
Der Bundesrat kann Ausnahmen von der Versicherungspflicht vorsehen (
Art.
3
Abs.
2 KVG). In
Art.
2
Abs.
1 KVV und in
Art.
6
Abs.
1 KVV hat er gestützt darauf verschiedene Personenkategorien von vorneherein
vom
Versiche
rungs
obligatorium
ausgenommen und in
Art.
2
Abs.
2-8 KVV die Möglichkeit für ver
schiedene Personenkategorien geregelt, auf Gesuch hin vom
Versiche
rungs
obligatorium
befreit zu werden.
1.4
1.4.1
Gemäss
Art.
2
Abs.
2 KVV werden Personen auf Gesuch hin von der Versiche
rungspflicht ausgenommen, wenn sie nach dem Recht eines Staates, mit dem keine Regelung über die Abgrenzung der Versicherungspflicht besteht, obl
iga
to
risch krankenversichert sind, sofern der Einbezug in die schweizerische Versi
che
rung für sie eine Doppelbelastung bedeuten würde und sofern sie für Be
hand
lungen in der Schweiz über einen gleichwertigen Versicherungsschutz verfügen.
1.4.2
Nach der Rechtsprechung sieht die Bestimmung von
Art.
2
Abs.
2 KVV nur die Befreiung jener Personen vom
Obligatorium
vor, die im Ausland über eine obli
gatorische Krankenversicherung verfügen, nicht jedoch derjenigen, die im Aus
land über eine nicht-obligatorische, freiwillige Krankenversicherung verfügen
(BGE 132 V 3
10 E.
8.5.1, 129 V 159
E.
3.1; RKUV 2000 Nr. KV 102 S.
21 E.
4d un
d
S.
22 E. 4e).
Gleichwertiger Versicherungsschutz im Sinne von
Art.
2
Abs.
2 KVV besteht, sofern die versicherte Person während der ganzen Geltungsdauer der Befreiung über
eine gleichwertige Versicherungsdeckung für die Behandlungen in der Schweiz
verfügt. Der gleichwertige Versicherungsschutz bezieht sich auf das schweizerische Gesetz. Die ausländische Versicherung muss mindestens die Kosten nach dem KVG übernehmen. Es dürfen beispielsweise bei der ausländi
schen Krankenversicherung keine Limitierungen wie maximale Kosten pro Tag oder maximale Versicherungsdeckung bestehen, da das KVG keine solchen Li
mi
tierungen kennt. Zudem müssen sämtliche Leistungen nach KVG auch von der ausländischen Versicherung übernommen werden (
BGE 134 V 34 E. 5; Ur
teil des Bundesgerichts 9C_313/2010 vom
5.
November 2010, E. 4.3).
1.5
Nach
Art.
2
Abs.
8 KVV sind Personen, für welche eine Unterstellung unter die schweizerische Versicherung eine klare Verschlechterung des bisherigen Versi
cherungsschutzes oder der bisherigen Kostendeckung zur Folge hätte und die sich auf Grund ihres Alters und/oder ihres Gesundheitszustandes nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen im bisherigen Umfang zusatzversichern könn
ten, auf Gesuch hin von der Versicherungspflicht ausgenommen.
Gemäss der Rechtsprechung kommt die Ausnahmeregelung von
Art.
2
Abs.
8 KVV nicht allen Personen zugute, für die eine Unterstellung unter die schwei
ze
rische Versicherung eine klare Verschlechterung des bisherigen Versiche
rungs
schutzes oder
der
bisherigen Kostendeckung zur Folge hätte und die sich nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen im bisherigen Umfang
zusatz
ver
sichern
könnten, sondern nur jenen, bei denen Letzteres auf ihr Alter und/oder ihren Gesundheitszustand zurückzuführen ist.
Die Norm schützt somit nicht all
gemein Personen, für die der Wechsel zum schweizerischen System zwar einen teureren und/oder weniger guten Versicherungsschutz bedeutet, die sich aber immer
hin - wenn auch möglicherweise nicht im bisherigen Umfang, aber doch insoweit im bisherigen Umfang, als diesen Umfang garantierende Versicherung
en in der Schweiz überhaupt angeboten werden - über das gesetz
liche Minimum
(obligatorische Krankenpflegeversicherung) hinaus
zusatzversi
chern
können (privat
rechtliche Versicherung nach dem Bundesgesetz über den
Versicherungs
vertrag
, VVG; vgl.
Art.
12
Abs.
2 und 3 KVG
). Sie kann nur von denjenigen Per
so
nen mit Erfolg angerufen werden, die sich im Rahmen des in der Schweiz nutz
baren Versicherungsangebots - nur deshalb nicht oder nur zu kaum tragbaren Be
dingungen im bisherigen Umfang zusatzversichern können, weil sie wegen ihres Alters und/oder ihres Gesundheitszustandes entsprechende Zusatzver
siche
rungen entweder überhaupt nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen ab
schliessen können (BGE 132 V 310 E. 8.5.6
)
.
2.
2.1
Der Beschwerdeführer ersuchte
um eine befristete Befreiung von der Versiche
rungspflicht in der Schweiz
für die Zeit
e
ines
Auslanda
ufen
thaltes in
Y._
(
Urk.
1).
Er brachte in der Beschwerde vor
, er sei bei der
Y._
Versi
che
rung
Z._
vollumfänglich krankenversichert. Er hoffe, die Deklaration der
Z._
genüge als
Beweismittel (
Urk.
1).
2.2
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich
dagegen
auf
den Standpunkt
, der Be
schwer
deführer habe es trotz Aufforderung unterlassen, mittels Einreichung ei
nes voll
ständig ausgefüllten und vom Versicherer gestempelten und unterzeich
neten Formulars D nachzuweisen, dass er in
Y._
obligatorisch versichert sei und
eine Versicherung bei der
Z._
im Verhältnis zu einer Versicherung nach KVG
gleichwertig sei. Eine Befreiung gest
ützt auf
Art.
2
Abs.
2 KVV falle des
halb ausser Betracht. Aus den Akten ergäben sich sodann keine Hinweise, die auf
das Vorliegen eines Befreiungstatbestandes deuten würden, weshalb sich diesbe
zügliche Weiterungen erübrigten (
Urk.
2 S.
3 E.
3b-4).
2.3
Da zwischen der Schweiz und
Y._
kein Abkommen über die Abgrenzung
der
Versicherungspflicht besteht, ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer ge
stützt
auf
Art.
2
Abs.
2 oder
Art.
2
Abs.
8 KVV von der schweizerischen Versi
che
rungs
pflicht befreit werden kann.
3.
3.1
Nach den Angaben des Beschwerdeführers auf dem
Formular D (
Urk.
6/2)
er
such
te er
für die Zeit
seines
Auslandaufenthaltes in
Y._
von
Dezember 2011 bis März 2012 um Befreiung von der Versicherungspflicht.
I
m vorinstanzlichen Verfahren
reichte er
eine Kopie des Versicherungsausweises der
Z._
(
Urk.
6/8)
und im
Beschwerdeverfahren eine Erklärung (
declaração
) der
Z._
vom
7.
Oktober 2013
(
Urk.
3/2)
in portugiesischer Sprache ein.
3.2
Der Beschwerdeführer wohnt in der Schweiz und untersteht grundsätzlich dem
schweizerischen
Versicherungsobligatorium
.
Trotz
der schriftlichen Aufforde
rung
der Beschwerdegegnerin vom
7.
Oktober 2011 (
Urk.
6/4) liess
er
das For
mular D
(
Befreiung von der Krankenversicherungspflicht
)
nicht von der auslän
dischen Ver
sicherung stempeln und unterzeichnen (
Urk.
6/2).
Damit fehlt es
am Nach
weis,
dass
die ausländische Versicherung dem Beschwerdeführer für Be
hand
lung
en in der Schweiz einen gleichwertigen Versicherungsschutz gewährt
.
Auch
der
Krankenversicherungsschein (
Urk.
6/8) und die Erklärung der
Z._
vom
7.
Okto
ber 2013 (
Urk.
3/2) lassen keine Rückschlüsse auf den Umfang der Ver
sicherungsdeckung zu.
Eine Befreiung von der Versicherungspflicht gestützt auf
Art.
2
Abs.
2 KVV scheidet daher aus.
Der Beschwerdeführer machte sodann nicht geltend und es ist nicht erstellt, dass
die Unterstellung unter die schweizerische Versicherung für ihn eine klare Ver
schlechterung des bisherigen Versicherungsschutzes oder der bisherigen Kosten
deckung nach
Art.
2
Abs.
8
KVV zur Folge hätte.
3.
3
Zusammenfassend ergibt sich, dass keine der Ausnahmetatbestände erfüllt sind.
Der Beschwerdeführer fällt sodann nicht unter eine der in
Art.
2
Abs.
1
und
Art.
6
Abs.
1
KVV genannten Personengruppen.
Eine (befristete) Befreiung von der
schweizerischen Versicherungspflicht
ist
demzufolge
nicht möglich
.
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
2.
Oktober 2013 als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.