Decision ID: 8531bbb0-a8f2-5e17-8af9-3ab6d19de40e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Spitalzentrum Biel AG (nachfolgend: Spitalzentrum Biel oder Be-
schwerdeführerin) war auf der Spitalliste Akutsomatik 2014 des Kantons
Bern mit einem Leistungsauftrag für verschiedene Leistungsbereiche auf-
geführt. Im Leistungsbereich Gynäkologie verfügte sie über einen (unbe-
fristeten) Leistungsauftrag für die Leistungsgruppen GYN1, mit den Unter-
gruppen GYN1.1 (Maligne Neoplasien der Vulva und Vagina), GYN1.2
(Maligne Neoplasien der Zervix), GYN1.3 (Maligne Neoplasien des Corpus
uteri) und GYN1.4 (Maligne Neoplasien des Ovars) sowie GYN2 (Maligne
Neoplasien der Mamma).
B.
B.a Der Regierungsrat des Kantons Bern (nachfolgend: Regierungsrat
oder Vorinstanz) erliess nach Anhörung der Leistungserbringer an seiner
Sitzung vom 8. Mai 2019 gestützt auf die Versorgungsplanung 2016 die ab
1. Juli 2019 anwendbare neue Spitalliste Akutsomatik für den Kanton Bern
(Spitalliste Akutsomatik 2019). Im Anhang zur neuen Spitalliste wurden auf
der Basis der Spitalplanungs-Leistungsgruppensystematik (SPLG) Akutso-
matik verschiedene Leistungsgruppen mit leistungsspezifischen Anforde-
rungen, insbesondere bezüglich Personal und Infrastruktur, definiert. Für
26 Leistungsgruppen wurden Mindestfallzahlen pro Spital festgelegt
(SPLG-Systematik Akutsomatik BE, Version 2017_02.00). Die bisherigen
Leistungsgruppen GYN1.1, GYN1.2, GYN1.3 und GYN1.4 wurden zur
neuen Leistungsgruppe GYNT (Gynäkologische Tumore) zusammenge-
fasst, wobei auch die Erteilung eines auf die bisherigen Leistungsgruppen
GYN1.3 und GYN1.4 eingeschränkten Teilleistungsauftrags GYNT ermög-
licht wurde (Anforderungen und Erläuterungen SPLG Akutsomatik BE des
Kantons Bern zuhanden der Listenspitäler und Listengeburtshäuser zu den
Leistungsaufträgen gemäss den Spitalplanungsleistungsgruppen [Version
2017_02.00], S. 17).
B.b Mit Beschluss Nr. 433/2019 vom 8. Mai 2019 erteilte der Regierungsrat
dem Spitalzentrum Biel auf der Spitalliste Akutsomatik 2019 einen Leis-
tungsauftrag für diverse Leistungsbereiche gemäss der SPLG-Systematik
Akutsomatik BE. Das Gesuch des Spitalzentrums Biel um Erteilung eines
Leistungsauftrags GYNT wies er jedoch ab. Zur Begründung hielt er im
Wesentlich fest, dass das Spitalzentrum Biel die in den leistungsspezifi-
schen Anforderungen festgelegte Mindestfallzahl von 20 Fällen pro Jahr im
C-2887/2019
Seite 3
Durchschnitt der Jahre 2014-2016, die auch für einen Teilleistungsauftrag
GYNT gelte, nicht erfüllt habe.
C.
Gegen den RRB Nr. 433/2019 vom 8. Mai 2019 erhob das Spitalzentrum
Biel durch seine Rechtsvertreter mit Eingabe vom 7. Juni 2019 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht (BVGer-act. 1). Es stellt die fol-
genden Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung der Vorinstanz vom 8. Mai 2019 (RRB Nr. 433/2019) sei auf-
zuheben, soweit der Beschwerdeführerin darin kein am 1. Juli 2019 in Kraft
tretender unbefristeter Leistungsauftrag «GYNT Gynäkologische Tumore»
erteilt wird.
2.1 Es sei der Beschwerdeführerin ein am 1. Juli 2019 in Kraft tretender unbefris-
teter Leistungsauftrag «GYNT Gynäkologische Tumore» umfassend «Ma-
ligne Neoplasien des Corpus uteri» (bisher GYN1.3) und «Maligne Neopla-
sien des Ovars» (bisher GYN1.4) zu erteilen.
2.2 Eventualiter sei der Beschwerdeführerin ein am 1. Juli 2019 in Kraft tretender
und bis 31. Dezember 2021 befristeter (provisorischer) Leistungsauftrag
«GYNT Gynäkologische Tumore» umfassend «Maligne Neoplasien des Cor-
pus uteri» (bisher GYN1.3) und «Maligne Neoplasien des Ovars» (bisher
GYN1.4) zu erteilen, der ab dem 1. Januar 2022 und unter der Bedingung des
Erreichens der Mindestfallzahl von je zwanzig Eingriffen pro Jahr (pro rata)
während der Befristung als unbefristeter Leistungsauftrag fortgeführt wird.
2.3 Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
2.4 Sub-subeventualiter sei die Verfügung der Vorinstanz vom 8. Mai 2019 (RRB
Nr. 433/2019) insofern abzuändern, als der Beschwerdeführerin eine Über-
gangsfrist von mindestens sechs Monaten ab Rechtskraft des Urteils des
Bundesverwaltungsgerichts gewährt wird, um die Tätigkeiten gemäss den
bisherigen Leistungsaufträgen in der Spitalliste Akutsomatik 2014 des Kan-
tons Bern (gültig ab 1. Mai 2014, Version 1. Februar 2019) in den Leistungs-
bereichen «Maligne Neoplasien des Corpus uteri» (GYN1.3) und «Maligne
Neoplasien des Ovars» (GYN1.4) einzustellen.
3. Es sei die Verfügung der Vorinstanz vom 8. Mai 2019 (RRB Nr. 433/2019)
insofern abzuändern, als dass der Beschwerdeführerin eine Übergangsfrist
mindestens bis zum 31. Dezember 2019 gewährt wird, um die Tätigkeiten
C-2887/2019
Seite 4
gemäss den bisherigen Leistungsaufträgen in der Spitalliste Akutsomatik
2014 des Kantons Bern (gültig ab 1. Mai 2014; Version 1. Februar 2019) in
den Leistungsbereichen «Maligne Neoplasien der Vulva und Vagina»
(GYN1.1) und «Maligne Neoplasien der Zervix» (GYN1.2) einzustellen.
Zudem stellte die Beschwerdeführerin den folgenden Verfahrensantrag:
Es sei der Beschwerdeführerin Einsicht in die Akten des vorinstanzlichen Ver-
fahrens zu gewähren, und es sei ihr nach erfolgter Akteneinsicht Frist zur er-
gänzenden Stellungnahme anzusetzen.
Die Beschwerdeführerin bringt zur Begründung ihrer Rechtsbegehren im
Wesentlichen vor, dass die Nichterteilung des (Teil-)Leistungsauftrages
GYNT allein wegen des Nichterreichens der Mindestfallzahl die gesetzli-
chen Planungsgrundsätze der Wirtschaftlichkeit und der Erreichbarkeit ver-
letze. Zudem habe die Vorinstanz und das Kriterium der Mindestfallzahlen
gesetzwidrig angewendet, indem sie eine rein vergangenheitsbezogene
Betrachtung vorgenommen habe.
D.
Der mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2019 bei der Beschwerdeführerin
eingeforderte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 5‘000.– (BVGer-act. 2)
wurde am 25. Juni 2019 geleistet (BVGer-act. 5).
E.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 14. August 2019 die
Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 8).
F.
Auf entsprechende Einladung des Instruktionsrichters vom 21. August
2019 (BVGer-act. 9) nahm das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am
19. September 2019 als Fachbehörde Stellung. Es äusserte sich dahinge-
hend, dass die Beschwerde abzuweisen sei (BVGer-act. 10).
G.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführe-
rin antragsgemäss Einsicht in die Vorakten gewährt (BVGer-act. 16).
H.
Am 11. November 2019 reichte die Beschwerdeführerin ihre Schlussbe-
merkungen ein (BVGer-act. 18). Die Vorinstanz hat keine Schlussstellung-
nahme eingereicht.
C-2887/2019
Seite 5
I.
Mit Instruktionsverfügung vom 13. November 2019 wurde der Schriften-
wechsel abgeschlossen (BVGer-act. 20).
J.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereichten Akten
wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Nach Art. 53 Abs. 1 KVG kann gegen Beschlüsse der Kantonsregierungen
nach Art. 39 KVG beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde geführt
werden. Der angefochtene Beschluss Nr. 433/2019 vom 8. Mai 2019 wurde
gestützt auf Art. 39 KVG erlassen. Das Bundesverwaltungsgericht ist des-
halb zur Beurteilung der Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 90a Abs. 2
KVG). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilge-
nommen, ist als Adressatin durch den angefochtenen Regierungsratsbe-
schluss besonders berührt und hat insoweit an dessen Aufhebung bezie-
hungsweise Abänderung ein schutzwürdiges Interesse (Art. 48 Abs. 1
VwVG). Sie ist daher zur Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und formge-
recht erhobene Beschwerde ist, nachdem auch der Kostenvorschuss
rechtzeitig geleistet wurde, einzutreten (Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und
Art. 63 Abs. 4 VwVG).
2.
2.1 Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechts-
pflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen des durch die Ver-
fügung bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den auf Grund der Be-
schwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet.
Nach dieser Begriffsumschreibung sind Anfechtungsgegenstand und
Streitgegenstand identisch, wenn die Verfügung insgesamt angefochten
wird. Bezieht sich demgegenüber die Beschwerde nur auf einen Teil des
durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisses, gehören die nicht
beanstandeten Teilaspekte des verfügungsweise festgelegten Rechtsver-
hältnisses zwar wohl zum Anfechtungs-, nicht aber zum Streitgegenstand
(BGE 125 V 413 E. 1b). Solche Teilaspekte hat das angerufene Gericht nur
zu überprüfen, wenn sie in einem engen Sachzusammenhang mit dem
C-2887/2019
Seite 6
Streitgegenstand stehen; im Übrigen gilt der Dispositionsgrundsatz (ZI-
BUNG/HOFSTETTER, in: Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz,
2. Aufl. 2016, N 51 zu Art. 49 VwVG).
2.2 Nach der Rechtsprechung ist die Spitalliste als Rechtsinstitut sui gene-
ris zu qualifizieren. Für die Bestimmung des Anfechtungsgegenstandes ist
wesentlich, dass die Spitalliste aus einem Bündel von Individualverfügun-
gen besteht (BVGE 2013/45 E. 1.1.1; 2012/9 E. 3.2.6). Anfechtungsgegen-
stand im vorliegenden Beschwerdeverfahren – und damit Begrenzung des
Streitgegenstands – bildet nur die Verfügung, welche das die Beschwerde-
führerin betreffende Rechtsverhältnis regelt. Die nicht angefochtenen Ver-
fügungen der Spitalliste erwachsen in Rechtskraft (BVGE 2012/9 E. 3.3;
Urteil des BVGer C-4302/2011 vom 15. Juli 2015 E. 2.2.1).
2.3 Die Beschwerdeführerin hat die sie betreffende Verfügung des
vorinstanzlichen Spitallistenbeschlusses nicht insgesamt angefochten. Sie
hat die Aufhebung beziehungsweise Abänderung des angefochtenen Be-
schlusses nur in Bezug auf die verweigerte Zuteilung eines Leistungsauf-
trags GYNT verlangt. Die Beschwerdeführerin beantragt beschwerdeweise
die Erteilung eines Teil-Leistungsauftrags für die bisherigen Leistungsgrup-
pen GYN1.3 und GYN1.4 gemäss der Spitalliste Akutsomatik 2014. Pro-
zessthema bildet damit die Nichterteilung des Leistungsauftrags GYNT mit
den genannten Einschränkungen.
3.
3.1 Mit Beschwerde gegen einen Spitallistenentscheid im Sinne von Art. 39
Abs. 1 KVG kann die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des
Missbrauchs oder der Überschreitung des Ermessens und die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-
rügt werden. Nicht zulässig ist hingegen die Rüge der Unangemessenheit
(Art. 53 Abs. 2 Bst. e KVG i.V.m. Art. 49 VwVG). Bei der Spitalplanung und
beim Erlass der Spitalliste verfügt der Kanton über einen erheblichen Er-
messensspielraum (BVGE 2018 V/3 E. 4.1 mit Hinweisen).
3.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist nach dem Grundsatz der Rechtsan-
wendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
C-2887/2019
Seite 7
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungs-
rechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 212; THOMAS HÄBERLI, in: Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, N 48 zu Art. 62).
3.3 Mit Blick auf Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG, wonach echte tatsächliche No-
ven unzulässig sind, hat das Bundesverwaltungsgericht bei der Beurteilung
der Rechtmässigkeit eines Spitallistenbeschlusses in der Regel auf den bis
zum Beschlusszeitpunkt eingetretenen Sachverhalt abzustellen (zum Ver-
hältnis von Novenverbot und Untersuchungsgrundsatz vgl. BVGE 2014/3
E. 1.5.3 f.; 2014/36 E. 1.5.2). Dieser Grundsatz gilt allgemein in der Sozi-
alversicherungsrechtspflege (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 138),
nicht aber für übrige Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 117 Rz. 2.204 ff.; SEETHALER/PORT-
MANN, in: Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016,
N 78 zu Art. 52). In Beschwerdeverfahren nach Art. 53 Abs. 1 KVG soll das
Bundesverwaltungsgericht nicht mit neuen Tatsachen oder Beweismitteln
konfrontiert werden, welche der vorinstanzlichen Beurteilung nicht zu-
grunde lagen; ein Ausnahmefall im Sinne von Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG
liegt vor, wenn erst der angefochtene Beschluss dazu Anlass gibt (vgl.
BVGE 2014/36 E. 1.5.2; Urteil des BVGer C-195/2012 vom 24. September
2012 E. 5.1.2).
4.
Streitig und – unter dem Blickwinkel der eingeschränkten Kognition des
Bundesverwaltungsgerichts in Beschwerdeverfahren betreffend Spitallis-
ten – zu prüfen ist, ob die Vorinstanz der Beschwerdeführerin einen Teil-
leistungsauftrag für die Leistungsgruppe GYNT (GYN1.3 und GYN1.4)
hätte erteilen müssen. Für diese Beurteilung sind namentlich die nachfol-
gend aufgeführten bundesrechtlichen Bestimmungen massgebend.
4.1 Art. 39 Abs. 1 KVG bestimmt in Verbindung mit Art. 35 Abs. 1 KVG,
unter welchen Voraussetzungen Spitäler zur Tätigkeit zu Lasten der obli-
gatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) zugelassen werden. Dem-
nach muss ein Spital eine ausreichende ärztliche Betreuung gewährleisten
(Bst. a), über das erforderliche Fachpersonal (Bst. b) und zweckentspre-
chende medizinische Einrichtungen verfügen und eine zweckentspre-
chende pharmazeutische Versorgung gewährleisten (Bst. c). Im Weiteren
muss ein Spital für die Zulassung der von einem oder mehreren Kantonen
gemeinsam aufgestellten Planung für eine bedarfsgerechte Spitalversor-
C-2887/2019
Seite 8
gung entsprechen, wobei private Trägerschaften angemessen in die Pla-
nung einzubeziehen sind (Bst. d). Bst. e setzt schliesslich voraus, dass die
Spitäler oder die einzelnen Abteilungen in der nach Leistungsaufträgen in
Kategorien gegliederten Spitalliste des Kantons aufgeführt sind.
4.2 Art. 39 Abs. 1 Bst. a-c KVG regeln die Dienstleistungs- und Infrastruk-
turvoraussetzungen, welche in erster Linie durch die Behörden des Stand-
ortkantons zu prüfen sind. Bst. d statuiert eine Bedarfsdeckungs- und Ko-
ordinationsvoraussetzung und Bst. e eine Publizitäts- und Transparenzvo-
raussetzung (an welche Rechtswirkungen geknüpft werden). Die Voraus-
setzungen gemäss Bst. d und e sollen eine Koordination der Leistungser-
bringer, eine optimale Ressourcennutzung und eine Eindämmung der Kos-
ten bewirken (BVGE 2010/15 E. 4.1; C-401/2012 E. 6.1; Urteil des BVGer
C-6266/2013 vom 29. September 2015 E. 3.2, je m.w.H.).
4.3 Die Kantone sind nach Art. 39 KVG zudem verpflichtet, ihre Planung zu
koordinieren (Abs. 2) und im Bereich der hochspezialisierten Medizin ge-
meinsam eine gesamtschweizerische Planung zu beschliessen (Abs. 2bis).
Weiter hat der Bundesrat einheitliche Planungskriterien auf der Grundlage
von Qualität und Wirtschaftlichkeit zu erlassen, wobei er zuvor die Kantone,
die Leistungserbringer und die Versicherer anzuhören hat (Abs. 2ter). Die-
sem Auftrag ist der Bundesrat mit dem Erlass der Art. 58a ff. KVV (SR
832.102; in Kraft seit 1. Januar 2009) nachgekommen.
4.4 Die Spitalplanung für eine bedarfsgerechte Versorgung im Sinne von
Art. 39 Abs. 1 Bst. d KVG umfasst die Sicherstellung der stationären Be-
handlung im Spital für Einwohnerinnen und Einwohner der Kantone, die die
Planung erstellen. Die Kantone haben ihre Planung periodisch zu überprü-
fen (Art. 58a KVV).
4.5 Gemäss Art. 58b KVV ermitteln die Kantone den Bedarf in nachvoll-
ziehbaren Schritten. Sie stützen sich namentlich auf statistisch ausgewie-
sene Daten und Vergleiche (Abs. 1). Sie ermitteln das Angebot, das in Ein-
richtungen beansprucht wird, die nicht auf der von ihnen erlassenen Liste
aufgeführt sind (Abs. 2). Sie bestimmen das Angebot, das durch die Auf-
führung von inner- und ausserkantonalen Einrichtungen auf der Spitalliste
gemäss Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG zu sichern ist, damit die Versorgung ge-
währleistet ist. Dieses Angebot entspricht dem nach Art. 58b Abs. 1 KVV
ermittelten Versorgungsbedarf abzüglich des nach Art. 58b Abs. 2 KVV er-
mittelten Angebots (Abs. 3). Bei der Beurteilung und Auswahl des auf der
Liste zu sichernden Angebotes berücksichtigen die Kantone insbesondere
C-2887/2019
Seite 9
die Wirtschaftlichkeit und Qualität der Leistungserbringung, den Zugang
der Patientinnen und Patienten zur Behandlung innert nützlicher Frist so-
wie die Bereitschaft und Fähigkeit der Einrichtung zur Erfüllung des Leis-
tungsauftrages (Abs. 4). Weiter werden die Kriterien festgelegt, welche bei
der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit und Qualität zu beachten sind, näm-
lich die Effizienz der Leistungserbringung, der Nachweis der notwendigen
Qualität und im Spitalbereich die Mindestfallzahlen und die Nutzung von
Synergien (Abs. 5).
4.6 Für die Versorgung der versicherten Personen in Spitälern zur Behand-
lung von akutsomatischen Krankheiten sowie in Geburtshäusern schreibt
Art. 58c Bst. a KVV eine leistungsorientierte Planung vor.
4.7 Nach Art. 58d KVV müssen die Kantone im Rahmen der Verpflichtung
zur interkantonalen Koordination der Planungen nach Art. 39 Abs. 2 KVG
insbesondere die nötigen Informationen über die Patientenströme auswer-
ten und diese mit den betroffenen Kantonen austauschen (Bst. a) und die
Planungsmassnahmen mit den davon in ihrer Versorgungssituation be-
troffenen Kantonen koordinieren (Bst. b).
4.8 Art. 58e KVV sieht vor, dass die Kantone auf ihrer Liste nach Art. 39
Abs. 1 Bst. e KVG die inner- und ausserkantonalen Einrichtungen auffüh-
ren, die notwendig sind, um das nach Art. 58b Abs. 3 KVV bestimmte An-
gebot sicherzustellen (Abs. 1). Auf den Listen wird für jedes Spital das dem
Leistungsauftrag entsprechende Leistungsspektrum aufgeführt (Abs. 2).
Die Kantone erteilen jeder Einrichtung auf ihrer Liste einen Leistungsauf-
trag nach Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG. Dieser kann insbesondere die Pflicht
zum Notfalldienst beinhalten (Abs. 3).
4.9 Gemäss Abs. 3 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des KVG
vom 21. Dezember 2007 (Spitalfinanzierung [nachfolgend: UeB KVG])
müssen die kantonalen Spitalplanungen spätestens drei Jahre nach dem
Einführungszeitpunkt der Regelungen gemäss Abs. 1 UeB KVG (d.h. spä-
testens auf den 1. Januar 2015) den Anforderungen von Art. 39 KVG ent-
sprechen. Dabei müssen sie auf Betriebsvergleiche zu Qualität und Wirt-
schaftlichkeit abgestützt sein.
5.
Bei der Spitalplanung lassen sich zwei Etappen unterscheiden: die Be-
darfsermittlung und die Bedarfsdeckung. Zuerst hat der planende Kanton
C-2887/2019
Seite 10
für seine Einwohnerinnen und Einwohner den Bedarf an stationärer Be-
handlung zu ermitteln. Nach der Bedarfsermittlung erfolgt die Phase der
Bedarfsdeckung mit der Auswahl der Leistungserbringer (vgl. Urteil des
BVGer C-6266/2013 vom 29. September 2015 E. 4.2).
5.1 Im vorliegenden Fall ist die erste Stufe der vorinstanzlichen Spitalpla-
nung, das heisst die Bedarfsermittlung, nicht umstritten.
5.1.1 Grundlage für die neue Spitalliste 2019 des Kantons Bern bildet ge-
mäss angefochtenem Beschluss die Versorgungsplanung 2016, die zum
Ziel habe, im Kanton Bern für eine ausreichende und wirtschaftlich tragbare
medizinische und pflegerische Versorgung der Bevölkerung und die Bereit-
stellung der dafür notwendigen Einrichtungen zu sorgen. Der gegenwärtige
und künftige Bedarf der Berner Bevölkerung an stationären Leistungen im
Bereich der Akutsomatik wurde in der Versorgungsplanung 2016 anhand
die sieben geografischen Versorgungsräume Bern, Berner Jura, Berner
Oberland Ost, Berner Oberland West, Biel, Emmental und Oberaargau er-
mittelt (Versorgungsplanung 2016, S. 52 f.). Zur Erreichung des Ziels einer
stufengerechten Gesundheitsversorgung der Kantonsbevölkerung wurde
das stationäre Angebot in die drei Versorgungsregionen regional, überre-
gional und kantonal gegliedert (abgestuftes Versorgungsmodell). Diesen
Versorgungsregionen wurden die stationären Leistungen der Akutsomatik
(Leistungsgruppen bzw. Leistungsbereiche der kantonalen SPLG-Syste-
matik) zugeordnet. Je allgemeiner eine stationäre Leistung sei und damit
auch häufiger in Anspruch genommen werde, desto wohnortnäher könne
sie in der Regel durch Spitäler erbracht werden. Je seltener eine stationäre
Leistung erbracht werde, desto höher sei in der Regel der Spezialisierungs-
grad. Bei spezialisierten Leistungen, aber auch bei Leistungen, deren Vor-
haltekosten vergleichsweise hoch seien, könne und solle die Leistungser-
bringung nicht in jedem Fall wohnortnah erfolgen (Versorgungsplanung
2016 S. 68 ff.).
5.1.2 Für den Kanton Bern ist ein Leistungserbringer aufgrund seines Leis-
tungsvolumens versorgungsrelevant, wenn er (Versorgungsplanung 2016,
S. 80):
– im Bereich der stationären Leistungen mit einer regionalen Versor-
gungsstufe in zwei von drei aufeinanderfolgenden Referenzjahren min-
destens 10 Berner Fälle aufweist,
C-2887/2019
Seite 11
– im Bereich der stationären Leistungen mit einer überregionalen Versor-
gungsstufe in zwei von drei aufeinanderfolgenden Referenzjahren min-
destens 10 Berner Fälle und mindestens 2 Prozent aller Berner Fälle
aufweist,
– im Bereich der stationären Leistungen mit einer kantonalen Versor-
gungsstufe in zwei von drei aufeinanderfolgenden Referenzjahren min-
destens 10 Berner Fälle und mindestens 5 Prozent aller Berner Fälle
aufweist.
Bei einer fehlenden Versorgungsrelevanz für den Beitrag zur Deckung des
gegenwärtigen Bedarfs erteile der Kanton Bern in der Regel keinen Leis-
tungsauftrag.
5.2 Strittig ist die Auswahl der Leistungserbringer, die den ermittelten Be-
darf decken sollen, namentlich die Nichterteilung eines Teil-Leistungsauf-
trags für die Leistungsgruppe GYNT an die Beschwerdeführerin.
5.2.1 Die Vorinstanz hielt im angefochtenen Beschluss fest, dass für die
Auswahl der Leistungserbringer, denen ein Leistungsauftrag erteilt werde,
die Kriterien Fähigkeit (Eignung), Bedarf (an KVG-relevanten stationären
Leistungen, Versorgungsrelevanz), Qualität (insbesondere Struktur und
Prozessanforderungen sowie konsequente Einhaltung der Vorgaben zu
Mindestfallzahlen), Wirtschaftlichkeit (schweregradbereinigte Fallkosten
pro Spitalstandort) und Zugang (regionale Erreichbarkeit der stationären
Leistungen) massgebend seien. Die Leistungserbringer für die neue Spi-
talliste seien in einem zweistufigen Verfahren ausgewählt worden. Dabei
sei zunächst anhand der generellen und leistungsspezifischen Anforderun-
gen gemäss der «SPLG-Systematik Akutsomatik BE» (Version
2017_02.00) und den «Anforderungen und Erläuterungen SPLG Akutsom-
atik BE» (Version 2017_02.00) die Eignung eines Spitals zur Leistungser-
bringung geprüft worden. Das Eignungskriterium der Mindestfallzahlen
stelle sicher, dass das Spital nach objektiven medizinischen Kriterien zur
Deckung des tatsächlich vorhandenen und daher zu versorgenden Bedarfs
beitragen könne. Aus der Eignung eines Spitals allein entstehe aber kein
Anspruch auf einen kantonalen Leistungsauftrag. Sofern die angebotenen
Leistungen aller interessierten und geeigneten Spitäler aber dem ermittel-
ten Bedarf entsprechen würden, erhielten alle interessierten und geeigne-
ten Spitäler einen kantonalen Leistungsauftrag. Sofern jedoch die Gesamt-
heit der zur Leistungserbringung geeigneten Spitäler insgesamt zu einem
Überangebot führen würden, müsse der Kanton eine Auswahl treffen. In
C-2887/2019
Seite 12
diesem Fall werde das Auswahlverfahren auf einer zweiten Stufe fortge-
setzt. Auf dieser zweiten Stufe würden insbesondere die Kriterien der Wirt-
schaftlichkeit, Qualität und Zugang zur Anwendung kommen. Zudem prüfe
der Kanton, welches Spital den Versorgungszielen insgesamt und den Pla-
nungsgrundsätzen am besten gerecht werde.
5.2.2 Weiter führte die Vorinstanz aus, die Beurteilung, ob ein Leistungser-
bringer wirtschaftlich arbeite, erfolge anhand der Rangfolge der Bewerber
innerhalb einer Vergleichsgruppe, die sich aus der Krankenhaustypologie
des Bundesamtes für Statistik (BFS) ergebe. Innerhalb einer Vergleichs-
gruppe würden die schweregradbereinigten Fallkosten aller Bewerber der
Grösse nach geordnet. Leistungserbringer, die gleiche oder tiefere schwe-
regradbereinigte Fallkosten wie der Leistungserbringer auf dem mittleren
Rang aufwiesen, würden als wirtschaftlich, Bewerber mit höheren Fallkos-
ten als der mittlere Rang, als unwirtschaftlich beurteilt. Bezüglich der Be-
schwerdeführerin habe die Wirtschaftlichkeitsprüfung ergeben, dass sie in-
nerhalb der Vergleichsgruppe der sich bewerbenden 26 Allgemeinspitäler
auf dem 19. Platz rangiere und damit unwirtschaftlich sei. Der Bedarf der
Berner Bevölkerung an stationärer Versorgung sei jedoch nach Abzug der
nicht geeigneten und der nicht versorgungsrelevanten Leistungserbringer
durch die auf der Spitalliste Akutsomatik 2019 berücksichtigten Angebote
gedeckt. Daher sei kein Leistungsauftrag wegen fehlender Wirtschaftlich-
keit der Leistungserbringung verweigert worden. Die Nichterteilungen von
Leistungsaufträgen stützten sich alle auf andere Gründe. Die Beschwerde-
führerin erfülle bereits andere Voraussetzungen zur Erteilung eines Leis-
tungsauftrags GYNT nicht, so dass die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeits-
prüfung keine Rolle gespielt hätten. Keinem Spital sei ein Leistungsauftrag
wegen fehlender Wirtschaftlichkeit verweigert worden.
5.2.3 Hinsichtlich des abgewiesenen Gesuchs der Beschwerdeführerin um
Erteilung eines Leistungsauftrags für die neu aus den bisherigen Leis-
tungsgruppen GYN1.1, GYN1.2, GYN1.3 und GYN1.4 gebildeten Leis-
tungsgruppe GYNT hielt die Vorinstanz im angefochtenen Beschluss fest,
dass zur Beurteilung, ob die Beschwerdeführerin die geforderten Mindest-
fallzahlen erreicht habe, die in den Jahren 2014-2016 in den ehemaligen
Leistungsgruppen GYN1.1, GYN1.2, GYN1.3 und GYN1.4 erreichten Fall-
zahlen herangezogen worden seien. Mit dem Betrachtungszeitraum von
drei Jahren (2014-2016) sei sichergestellt, dass keine zufälligen Schwan-
kungen die Anzahl der erbrachten Mindestfallzahlen verfälschen würden.
Die ehemaligen Leistungsgruppen GYN1.1 und GYN1.2 würden aufgrund
C-2887/2019
Seite 13
ihrer hohen Spezialisierung dem Zentrumsspital, das heisst dem Universi-
tätsspital Insel, zugewiesen. Die gemäss SPLG-Systematik Akutsomatik
BE geforderten Mindestfallzahlen (20 MFZ) für den Leistungsauftrag GYNT
würden wie folgt angewendet: Für die ehemaligen Leistungsgruppen
GYN1.1 und GYN1.2 seien gesamthaft 20 MFZ und auch für die ehemali-
gen Leistungsgruppen GYN1.3 und GYN1.4 seien gesamthaft 20 MFZ er-
forderlich, um den ganzen Leistungsauftrag GYNT zu erteilen. Die Be-
schwerdeführerin habe die geforderten Mindestfallzahlen im Bereich
GYNT im Durchschnitt der Jahre 2014-2016 nicht erreicht (GYN1.1 und
GYN1.2: 2014-2016: je 0 Fälle; GYN1.3 und GYN1.4: 2014: 16 Fälle; 2015:
18 Fälle; 2016: 17 Fälle [= Mittelwert 17 Fälle]). Sie erfülle deshalb die An-
forderungen zur Erbringung dieser Leistung zu Lasten der OKP nicht. Der
Leistungsauftrag GYNT werde daher nicht erteilt. Die für den Teil-Leis-
tungsauftrag GYNT mit der Einschränkung zur ausschliesslichen Erbrin-
gung von Leistungen im Bereich der ehemaligen Leistungsgruppen
GYN1.3 und GYN1.4 gemäss der SPLG-Systematik Akutsomatik BE eben-
falls erforderliche Mindestfallzahl von 20 Fällen pro Jahr sei von der Be-
schwerdeführerin im Zeitraum 2014-2016 ebenfalls nicht erreicht worden.
Sie erfülle deshalb auch die Anforderungen zur Erbringung von Leistungen
für den Teilbereich GYNT zu Lasten der OKP nicht, weshalb ihr auch kein
Teil-Leistungsauftrag GYNT erteilt werden könne. Da die Anforderungen an
die Leistungsaufträge, und damit auch die Mindestfallzahlen der Sicherheit
der Patientinnen dienten, könne auch kein befristeter Teil-Leistungsauftrag
GYNT erteilt werden.
6.
Die Beschwerdeführerin rügt, dass das Vorgehen der Vorinstanz bei der
Auswahl der Leistungserbringer für die Leistungsgruppe GYNT Art. 58b
Abs. 4 Bst. a KVV verletze, weil mit dem einseitigen Abstellen auf die Min-
destfallzahlen das zwingenden Kriterium der Wirtschaftlichkeit und Qualität
nicht berücksichtigt worden sei.
6.1 In ihrer Beschwerde bringt die Beschwerdeführerin vor, dass die
Vorinstanz das Kriterium der Mindestfallzahlen als Ausschlusskriterium
verwendet habe. Es sei unzulässig ihr allein aufgrund des Nichterfüllens
der Mindestfallzahl keinen Leistungsauftrag zu erteilen, ohne dabei zu prü-
fen, ob sie allenfalls wirtschaftlicher sei, als Leistungserbringer, die den
Leistungsauftrag GYNT erhalten hätten. Die Vorinstanz habe die Ergeb-
nisse der Wirtschaftlichkeitsprüfung bei der Zuteilung gar nicht berücksich-
tigt. Sie habe weder die Angebote der berücksichtigten Leistungserbringer
C-2887/2019
Seite 14
noch die Angebote der nicht berücksichtigten Bewerber hinsichtlich der Kri-
terien Wirtschaftlichkeit und Qualität umfassend miteinander verglichen.
Mindestfallzahlen könnten die zwingende Prüfung der Wirtschaftlichkeit
nicht ersetzen. Das Zuteilungskonzept der Vorinstanz ermögliche es, dass
Spitälern, die im Quervergleich mit anderen Spitälern weniger wirtschaftlich
arbeiteten, ein Leistungsauftrag erteilt werde, während wirtschaftlich arbei-
tende Spitäler (die das Kriterium der Mindestfallzahl nicht erfüllten) der
Leistungsauftrag verweigert werde. Die Anwendung von Mindestfallzahlen
dürfe nicht dazu führen, dass die umfassende Prüfung der übergeordneten
Kriterien von Art. 58b Abs. 4 Bst. a-c KVV unterbleibe. Weiter kritisiert die
Beschwerdeführerin die vorinstanzliche Wirtschaftlichkeitsprüfung. Sie be-
streitet, dass sie ihre Leistungen «unwirtschaftlich» erbringe. Die durchge-
führte Wirtschaftlichkeitsprüfung sei nicht sachgerecht, da in den Betriebs-
vergleich nicht bloss jene Spitäler, die sich für die Leistungsgruppe GYNT
beworben hätten, sondern alle (Allgemein-)Spitäler miteinbezogen worden
seien. Relevant für die Erteilung eines Leistungsauftrags für eine be-
stimmte Leistungsgruppe könne aber nur ein Vergleich zwischen den sich
tatsächlich um diese Leistungsgruppe bewerbenden Spitäler sein. Weiter
sei nicht ersichtlich, wie die Vorinstanz bei der Herleitung der Kostenträ-
gerdaten vorgegangen sei, die sie in ihrem Betriebsvergleich verglichen
habe.
6.2 Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung zur Kritik an der Wirtschaft-
lichkeitsprüfung fest, dass die verwendete Datenbasis sowie die ange-
wandte Methodik für alle Bewerber gleich gewesen seien. Die Beschwer-
deführerin habe innerhalb der Kategorie «Allgemeinspitälern» eher unwirt-
schaftlich abgeschnitten. Dass die Wirtschaftlichkeit unter Umständen
auch nach anderen Vorgaben (z.B. andere Vergleichsgruppe) hätte beur-
teilt werden können und dass die Beschwerdeführerin die gewählte Prüf-
weise als unzweckmässig bezeichne, bedeute noch keine Rechtsverlet-
zung. Die Vorinstanz wies zudem darauf hin, dass sie sich bei der Wirt-
schaftlichkeitsprüfung, bei der sie ein grosses Ermessen habe, an die
GDK-Empfehlungen gehalten habe. Sie habe der Beschwerdeführerin den
Teilleistungsauftrag aber ohnehin nicht wegen fehlender Wirtschaftlichkeit
verweigert, sondern weil diese die Mindestfallzahlen nicht erreicht habe.
Sie habe bei allen Bewerbern zuerst die Mindestfallzahlen und danach die
Fallzahlen im Rahmen der Versorgungsrelevanz geprüft. Erst wenn diese
beiden Kriterien erfüllt gewesen seien, seien die nächsten Schritte gemäss
dem im angefochtenen Beschluss festgelegten Prüfschema erfolgt. Die
festgelegten Mindestfallahlen seien für die Beurteilung der Eignung eines
C-2887/2019
Seite 15
Leistungserbringers zentral. Mindestfallzahlen würden in erster Linie ver-
hindern, dass Patientinnen und Patienten an Spitalstandorten behandelt
würden, bei denen eine spezialisierte stationäre Behandlung nur selten er-
bracht werde. Mit diesem (harten) Eignungskriterium werde sichergestellt,
dass ein Listenspital geeignet sei, um nach objektiven medizinischen Kri-
terien zur Deckung des tatsächlich vorhandenen und daher zu versorgen-
den Bedarfs der Berner Bevölkerung beizutragen. Listenspitäler, die die
Kriterien der SPLG-Systematik nicht erfüllten, würden für die Erteilung ei-
nes Leistungsauftrags ausser Betracht fallen. Da die Beschwerdeführerin
die Mindestfallzahlen nicht erreicht habe, sei es nicht nötig gewesen, wei-
tere Zuteilungskriterien zu berücksichtigen. Weiter hält die Vorinstanz fest,
dass es in ihrem weiten Ermessen liege und der Empfehlung der GDK ent-
spreche, dass sie die Mindestfallzahlen als Eignungskriterium konsequent
umsetze. Es sei sachlich begründet, dass Spitäler, welche die Eignungs-
kriterien nicht erfüllten, keinen Leistungsauftrag erhielten. Die Vorinstanz
weist darauf hin, dass sie eine Interessenabwägung vorgenommen und
hierbei das Kriterium der Mindestfallzahlen an erste Stelle gesetzt habe.
Die geforderte Mindestfallzahl garantierten ein Minimum an Routine und
sichere minimale Behandlungsqualität in einem bestimmten Bereich. Das
Nichterteilen eines (Teil-)Leistungsauftrags GYNT an die Beschwerdefüh-
rerin diene daher auch dem Schutz der Patientinnen. Falls aus dem ersten
Prüfschritt mehrere geeignete Leistungserbringer resultiert hätten, die ins-
gesamt ein Überangebot erzeugt hätten – was jedoch nicht der Fall gewe-
sen sei – so wäre eine Auswahl zu treffen gewesen, bei welcher auch der
Rang des Spitalstandorts in der Wirtschaftlichkeitsprüfung massgebend
geworden wäre.
6.3 Das BAG führt in seiner Stellungnahme aus, dass die Vorinstanz eine
Wirtschaftlichkeitsprüfung vorgenommen habe. Ob diese bundesrechtkon-
form durchgeführt worden sei, könne im vorliegenden Fall offengelassen
werden, da der Beschwerdeführerin der Leistungsauftrag nicht aufgrund
der Wirtschaftlichkeitsprüfung verweigert worden sei, sondern wegen des
Nichterreichens der Mindestfallzahlen. Es wäre daher nicht sachgerecht,
den vorinstanzlichen Beschluss allein deshalb aufzuheben, falls der Be-
triebsvergleich betreffend Kosten den Anforderungen nicht entsprechen
würde. Mindestfallzahlen seien vor allem zur Qualitätssicherung, also zu
einer Absicherung eines minimalen Qualitätsstandards, vorgesehen. Da-
her könnten sie als Ausschlusskriterium angewendet werden. Dass die
Vorinstanz der Beschwerdeführerin aufgrund des Verfehlens der Mindest-
fallzahlen keinen Leistungsauftrag GYNT erteilt habe, verstosse demzu-
folge nicht gegen Art. 58b Abs. 4 Bst. a KVV.
C-2887/2019
Seite 16
6.4 Für die Auswahl der Spitäler, welchen ein Leistungsauftrag erteilt wer-
den soll, muss in der Phase der Bedarfsdeckung zwingend eine Wirtschaft-
lichkeitsprüfung durch Betriebsvergleiche vorgenommen werden (vgl. Ur-
teile des BVGer C-6266/2013 vom 29. September 2015 E. 4.3.3;
C-4302/2011 vom 15. Juli 2015 E. 5.2 f.; C-5647/2011 vom 16. Juli 2013
E. 5.3.1). Die im Zusammenhang mit der Spitalfinanzierung entwickelten
Grundsätze der Wirtschaftlichkeitsprüfung (grundlegend betreffend Akut-
somatik BVGE 2014/36 E. 4 ff.; zur Zusammenfassung wichtiger Grunds-
ätze vgl. bspw. Urteil des BVGer C-4310/2013 vom 20. April 2015 E. 3 ff.)
sind auch bei der Spitalplanung zu berücksichtigen (vgl. Urteile des BVGer
C-4302/2011 vom 15. Juli 2015 E. 5.2; C-6266/2013 vom 29. September
2015 E. 4.3.3). Für die Spitalplanung können an (Fall-)Kosten-Betriebsver-
gleiche aber nicht höhere Anforderungen gestellt werden als für Tariffestle-
gungen. Zu berücksichtigen ist, dass der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit
bei der Spitalplanung durch weitere Kriterien konkretisiert und ergänzt wird
(vgl. Art. 58b Abs. 5 KVV, vgl. oben E. 4.5) und die Spitalplanung somit
auch auf Betriebsvergleiche zu Qualität abgestützt sein sollte. Bei Tariffest-
legungen ist hingegen primär die Preisfindungsregel von Art. 49 Abs. 1
Satz 5 KVG, die einen Fallkosten-Betriebsvergleich gebietet, massgebend;
die erforderliche Qualität wird bei der Preisfindung – aufgrund der Spital-
planung – vorausgesetzt (Urteil des BVGer C-4232/2014 vom 26. April
2016 E. 5.3 mit Hinweis auf BVGE 2014/36 E. 3.5, E. 6.8.5 E. 11.3 sowie
Urteile des BVGer C-4479/2013 vom 12. November 2015 E. 5.4 und C-
2273/2013 vom 8. Juni 2015 E. 6.5). Weiter ist zu beachten, dass – wie
bereits erwähnt – das Bundesverwaltungsgericht eine Spitalplanung nicht
auf ihre Angemessenheit hin überprüfen darf (siehe oben E. 3.1; zur Kog-
nition bei Tarifstreitigkeiten vgl. BVGE 2014/3 E. 1.4 [Akutsomatik]; Urteil
BVGer C-4479/2013 vom 12. November 2015 E. 1.4 [Rehabilitation]).
6.5 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz eine Wirtschaftlichkeitsprüfung
vorgenommen, indem sie ein Benchmarking anhand schweregradbereinig-
ter OKP-Fallkosten (ohne Zusatzversicherung) der Bewerber durchgeführt
hat, was grundsätzlich im Sinn der Preisfindungsregel des neuen Spitalfi-
nanzierungsrechts ist (Art. 49 Abs. 1 Satz 5 KVG). Die Vorinstanz hat dabei
die Beschwerdeführerin im Gesamtvergleich aller Allgemeinspitäler zwar
als unwirtschaftlich (bzw. als «eher unwirtschaftlich» [vgl. Vernehmlassung
S. 9]) eingestuft, hat sie aber dennoch auf die Spitalliste 2019 aufgenom-
men und ihr einen Leistungsauftrag für diverse Leistungsbereiche erteilt.
Da der Beschwerdeführerin allein wegen des Nichterfüllens der Mindest-
fallzahlen der Teilleistungsauftrag GYNT verweigert wurde, erübrigen sich
vorliegend bereits aus diesem Grund Weiterungen zur vorinstanzlichen
C-2887/2019
Seite 17
Wirtschaftlichkeitsprüfung (vgl. auch Urteil des BVGer C-4232/2014 vom
26. April 2016 E. 5.3.1).
6.6 Zu prüfen ist nachfolgend, ob das Kriterium der Mindestfallzahlen im
vorliegenden Fall als Ausschlusskriterium verwendet werden durfte.
6.6.1 Mindestfallzahlen pro Spital gemäss Art. 58b Abs. 5 KVV sind aner-
kannte Qualitätsindikatoren (BVGE 2018 V/3 E. 7.6.6; Urteil des BVGer C-
5573/2017 vom 21. November 2018 E. 11.3). Durch die Behandlung einer
Mindestzahl von Fällen erhält ein Spital bzw. das Behandlungsteam Rou-
tine und Erfahrung, wodurch die Behandlungsqualität sichergestellt werden
soll (vgl. Urteil des BVGer C-3413/2014 vom 11. Mai 2017 E. 11.7.4). In der
Schweiz werden zunehmend Mindestfallzahlen für Spitalbehandlungen ge-
fordert. Verschiedene Studien belegen grundsätzlich einen Zusammen-
hang zwischen Fallzahlen und Qualität. Je mehr Fälle, desto höher die
Qualität. Allerdings lässt sich bei den meisten Behandlungen kein exakter
Schwellenwert ableiten, das heisst es können keine Aussagen darüber ge-
macht werden, ab welcher Fallzahl die Qualität deutlich steigt bzw. unter-
halb welcher Fallzahl die Qualität eines bestimmten Eingriffs mit hoher
Wahrscheinlichkeit nicht mehr genügt (BGE 145 V 170 E. 6.4). Die Vorgabe
von Mindestfallzahlen soll aber nicht nur die Qualität, sondern auch die Ef-
fizienz und Wirtschaftlichkeit fördern (Urteile des BVGer C-6266/2013 vom
29. September 2015 E. 4.3.4; C-401/2012 vom 28. Januar 2014 E. 9.2 und
E. 14; vgl. BGE 138 II 398 E. 7.2.2).
6.6.2 Ein Kanton kann für bestimmte Leistungsgruppen im Rahmen der
leistungsspezifische Anforderungen Mindestfallzahlen festsetzen (BVGE
2018 V/3 E. 7.6.6.2; vgl. Empfehlungen der GDK zur Spitalplanung, Emp-
fehlung 6, S. 14). Gemäss der Rechtsprechung ist die Mindestfallzahl ein
zulässiges Kriterium für den Ausschluss bestimmter Leistungserbringer,
zumal die damit verbundene Konzentration des Leistungsangebots zur
Steigerung der Qualität beiträgt und auch der Wirtschaftlichkeit der Leis-
tungserbringung förderlich ist (Urteil des BVGer C-401/2012 vom 28. Ja-
nuar 2014 E. 9.2). Die Einhaltung von Mindestfallzahlen kann daher als
Voraussetzung für die Zuteilung bestimmter Leistungen vorgesehen wer-
den (vgl. auch BERNHARD RÜTSCHE, Rechtsgutachten vom 20. Juni 2011
zuhanden des Kantons Bern: Steuerung der Leistungsmenge im Spitalbe-
reich, S. 53 f.; vgl. auch Empfehlungen der GDK zur Spitalplanung 2018,
Empfehlung 7, S. 14 f.). Mit dem Kriterium der Mindestfallzahlen haben die
Kantone zudem einen Hebel, um auf eine Konzentration des Angebots hin-
zuwirken (vgl. RÜTSCHE/PICECCHI, a.a.O., N 44 zu Art. 39).
C-2887/2019
Seite 18
6.6.3 Im vorliegenden Fall sehen die von der Vorinstanz definierten leis-
tungsspezifischen Anforderungen (SPLG-Systematik Akutsomatik BE; Ver-
sion 2017_02.00) für die Leistungsgruppe GYNT unter anderem eine Min-
destfallzahl pro Spital und Jahr von 20 Fällen vor, wobei diese Mindestfall-
zahl auch für einen Teilleistungsauftrag GYNT zu erfüllen ist. Bei der Fest-
legung von Mindestfallzahlen stünden stationäre Behandlungen mit einem
hohen Spezialisierungsgrad im Vordergrund. Diese Mindestfallzahlen stell-
ten für die betroffenen Leistungsgruppen eine zusätzliche qualitätsorien-
tierte Mindestanforderung dar. Sie sollen in erster Linie verhindern, dass
Patientinnen und Patienten in einem Spital behandelt würden, in welchem
diese spezialisierten stationären Behandlungen nur alle drei bis vier Mo-
nate oder noch seltener erbracht würden. Spitalstandorte, welche die Min-
destfallzahl nicht oder nicht mehr erreichen, sollen die entsprechenden
Eingriffe nicht (mehr) zu Lasten der Obligatorischen Krankenpflegeversi-
cherung (OKP) abrechnen dürfen. Der Regierungsrat könne den entspre-
chenden Leistungsauftrag mit einer Übergangsfrist von in der Regel 6 Mo-
naten aufheben, wenn der Leistungserbringer die Mindestfallzahlen nicht
oder nicht mehr erfülle (vgl. Anforderungen und Erläuterungen SPLG Akut-
somatik BE» Version 2017_02.00, S. 36).
Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin die Mindestfallzahl in den
Jahren 2014-2016 nicht erreicht hat (act. 100):
Fallzahlen Spitalzentrum Biel 2014 2015 2016
GYN1.1 und GYN1.2 0 0 1
GYN1.3 und GYN1.4 17 18 16
6.6.4 Die Beschwerdeführerin weist zwar zu Recht darauf hin, dass das
Erreichen von Mindestfallzahlen keine rechtskonforme Wirtschaftlichkeits-
prüfung mittels Betriebsvergleichen ersetzen kann (vgl. Urteil des BVGer
C-5647/2011 vom 16. Juli 2013 E. 5.4.3; C-4232/2014 vom 26. April 2016
E. 5.4.3). Aus dem Erreichen von festgesetzten Mindestfallzahlen darf da-
her nicht ohne Weiteres geschlossen werden, ein Leistungserbringer sei
wirtschaftlich im Sinne des KVG. Diesen Schluss hat die Vorinstanz im vor-
liegenden Fall aber nicht gezogen, weshalb die Beschwerdeführerin dar-
aus nichts zu ihren Gunsten ableiten kann. Vielmehr hat sie der Beschwer-
deführerin die Erteilung eines Leistungsauftrags infolge Nichterreichens
der Mindestfallzahlen verweigert. Wie sich aus der dargelegten Rechtspre-
C-2887/2019
Seite 19
chung ergibt, ist es zulässig, Leistungserbringer, welche die Mindestfall-
zahlen nicht erfüllen, aus der Evaluation auszuschliessen, und damit der
Versorgungsqualität bei der Auswahl der Leistungserbringer ein hohes Ge-
wicht beizumessen (vgl. auch EUGSTER, a.a.O., S. 656 Rz. 806). Zu beach-
ten ist zudem, dass kein Rechtsanspruch auf Aufnahme in die Spitalliste
besteht (BGE 133 V 123 E. 3.3; Urteil des BVGer C-4232/2014 vom 26. Ap-
ril 2016 E. 5.4.2) und den Kantonen bei der Auswahl der Leistungserbringer
ein erheblicher Ermessensspielraum zukommt, welcher in Bezug auf die
Angemessenheit der Entscheidung vom Bundesverwaltungsgericht nicht
überprüft werden kann (Art. 53 Abs. 2 Bst. 3 KVG; BVGE 2018 V/3 E. 16.5).
6.6.5 Erreicht die Beschwerdeführerin die im Rahmen der leistungsspezifi-
schen Anforderungen festgelegten Mindestfallzahlen nicht, verletzt die
Vorinstanz Art. 58b Abs. 4 Bst. a KVV (Wirtschaftlichkeit und Qualität) nicht,
wenn sie ihr aus diesem Grund keinen Leistungsauftrag für die Leistungs-
gruppe GYNT erteilt (vgl. Urteile des BVGer C-4232/2014 vom 26. April
2016 E. 5.4.6; C-3413/2014 vom 11. Mai 2017 E. 10.4.1). Damit will die
Vorinstanz verhindern, dass Patientinnen in einem Spital behandelt wer-
den, welche Leistungen im Bereich GYNT nur selten erbringen, was nach-
vollziehbar ist und der Versorgungsqualität dient. Es ist damit aufgrund des
dargestellten Rechts nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die festge-
legten Mindestfallzahlen als Ausschlusskriterium angewendet hat. Mithin
ist es im vorliegenden Zusammenhang nicht entscheidend, ob die Be-
schwerdeführerin allenfalls wirtschaftlich effizienter ist als die übrigen Be-
werber für die Leistungsgruppe GYNT.
6.7 Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Mindestfallzahl auch eine
Schwelle darstellt, ab welcher ein Angebot für die Spitalplanung wesentlich
und deshalb in das Evaluationsverfahren einzubeziehen ist (Urteil des
BVGer C-401/2012 vom 28. Januar 2014 E. 9.2; vgl. auch GEBHARD EUG-
STER, Krankenversicherung, in: Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 657
Rz. 811). Neben dem Aspekt der Qualitätssicherung ist auch zu beachten,
dass die Beschwerdeführerin in der Referenzperiode 2014-2016 in den
Leistungsgruppen GYN1.3 und GYN1.4 nur 4.7 % der Berner Fälle behan-
delt hat (vgl. act. 100). Gemäss den kantonalen Vorgaben liegt das in der
überregionalen Versorgungsstufe zwar über der Schwelle der Versor-
gungsrelevanz (2 % und 10 Berner Fälle [vgl. Versorgungsplanung S. 80]),
laut den Empfehlungen der GKD ist ein innerkantonales Spital zur Deckung
des Bedarfs in einer Leistungsgruppe jedoch nicht als versorgungsrelevant
zu betrachten, wenn der Anteil dieses Spitals in der betroffenen Leistungs-
gruppe während der Referenzperiode nicht mindestens 5 % (und zugleich
C-2887/2019
Seite 20
mindestens 10 Fälle) der stationären Behandlungen von Kantonseinwoh-
nerinnen und Kantonseinwohnern liegt (vgl. GDK-Empfehlungen zur Spi-
talplanung, Empfehlung 2, S. 8). Die Beschwerdeführerin spielte damit für
die Versorgung in der Leistungsgruppe GYNT im Kanton Bern eine eher
untergeordnete Rolle, weshalb durch die Nichterteilung des entsprechen-
den Leistungsauftrags die Gefahr von Schaffung bzw. Aufrechterhaltung
von Überkapazitäten vermindert werden kann, was einem Ziel der Spital-
planung entspricht.
7.
Weiter rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung des Kriteriums «Zu-
gänglichkeit der Leistung» gemäss Art. 58b Abs. 4 Bst. b KVV.
7.1 Die Beschwerdeführerin weist in ihrer Beschwerde darauf hin, dass sie
gemäss der Spitalliste 2014 als einziges Listenspital im Versorgungsraum
Biel berechtigt gewesen sei, die im neuen Leistungsauftrag GYNT zusam-
mengefassten Leistungen zu erbringen. Im nördlich angrenzenden Versor-
gungsraum Berner Jura finde sich auf der neuen Spitalliste kein Listenspi-
tal mit einem entsprechenden Leistungsauftrag. Die Beschwerdeführerin
sei damit das einzige Listenspital im französischsprachigen Raum des
Kantons Bern, das entsprechende Leistungen für Kantonsbewohnerinnen
mit französischer Muttersprache anbiete. Daher habe die Vorinstanz das
zwingende Zuteilungskriterium der Zugänglichkeit für die Versorgungsre-
gion Berner Jura verletzt, da Leistungen aus der Leistungsgruppe GYNT
künftig weder in der eigenen noch in der Nachbarregion Biel angeboten
würden. Gemäss der Versorgungsplanung 2016 sei bei Leistungsgruppen
mit Mindestfallzahlen, wozu auch die Leistungsgruppe GYNT gehöre, ein
Leistungsbezug in der Nachbarregion noch zumutbar. Das Kriterium der
Zugänglichkeit könne in den Leistungsgruppen GYN1.1-GYN.1.4 für die
Versorgungsregion Berner Jura daher nur erfüllt werden, wenn zumindest
die Beschwerdeführerin einen Leistungsauftrag GYNT erhalte. Indem die
Vorinstanz aber das Kriterium der Mindestfallzahlen einseitig priorisiert
habe, verletze sie das von ihr selbst definierte Zugänglichkeitskriterium für
die Versorgungsregion Berner Jura. Die Beschwerdeführerin macht zudem
geltend, dass durch die Nichterteilung des Teilleistungsauftrags GYNT
auch die Zugänglichkeit zur Leistungsgruppe GYN1 eingeschränkt werde.
In der neuen GYNT-Systematik gebe es Unklarheiten. Nicht alle aus medi-
zinischer Sicht den bisherigen Leistungsgruppen GYN1.3 und GYN1.4 zu-
ordenbaren Fälle, passten in die neue GYNT-Systematik. Teilorganentnah-
men würden häufig in GYN1 groupiert, Vollentnahmen dagegen in GYNT.
C-2887/2019
Seite 21
Für Leistungserbringer sei die vollständige Systematik kaum fassbar. Auf-
grund der fehlenden Planungs- und Rechtssicherheit bestehe vor diesem
Hintergrund ein nicht zu unterschätzendes Risiko, das einzelne Chirurgen
bestimmte Leistungen gar nicht mehr erbringen würden, obwohl diese un-
ter GYN1 fallen würden, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Der
Versorgungssicherheit sei dies nicht dienlich. Die Erteilung des beantrag-
ten Leistungsauftrags GYNT würde dieses Problem lösen und garantiere
die Versorgungssicherheit des nördlichen Kantons Bern, unter Einschluss
der französischsprachigen Minderheit.
7.2 Die Vorinstanz weist auch unter dem Aspekt der Zugänglichkeit und
des französischsprachigen Angebots darauf hin, dass der Beschwerdefüh-
rerin aufgrund des Nichterreichens der Mindestfallzahl kein Leistungsauf-
trag für die Leistungsgruppe GYNT erteilt werden könne. Für den franzö-
sischsprachigen Raum könnten nicht weniger hohe Eignungsanforderun-
gen gestellt werden. Dies würde zu einer Zweiklassenmedizin führen. Mit
dem gewählten Vorgehen sei die gleich hohe Behandlungsqualität für die
französisch- und die deutschsprachige Bevölkerung sichergestellt. Das In-
selspital (eines der vier Berner Listenspitäler mit einem Leistungsauftrag
GYNT) liege keine 40 Kilometer bzw. 32 Fahrminuten vom Spitalstandort
Biel entfernt und biete stationäre Leistungen in der Regel auch in französi-
scher Sprache an. Ein zusätzlicher Teilleistungsauftrag GYNT sei daher
weder nötig noch gerechtfertigt. Die Vorinstanz hält weiter fest, dass sie die
Zugänglichkeit aller Spitäler geprüft habe. Aufgrund der fehlenden Eignung
zur Leistungserbringung könne die Zugänglichkeit im vorliegenden Fall
aber nicht berücksichtigt werden. Der Versorgung sei nicht gedient, wenn
ein Leistungserbringer zwar innert vernünftiger Frist erreichbar sei, er je-
doch nicht zur Leistungserbringung geeignet sei. Die Konzentration und
Erreichbarkeit spezialisierter Leistungen stünden in einem Spannungsver-
hältnis zueinander. Bei spezialisierten Leistungen, aber auch bei Leistun-
gen, deren Vorhaltekosten vergleichbar hoch seien, könne und solle die
Leistungserbringung nicht in jedem Fall wohnortnah erfolgen. Die Erbrin-
gung gewisser Leistungen müsse konzentriert werden. Im Interesse der
betroffenen Patientinnen sei entschieden worden, dass bei den speziali-
sierten Behandlungen aus der Leistungsgruppe GYNT der Behandlungs-
qualität und Patientensicherheit höheres Gewicht beizumessen sei, als ei-
ner ubiquitären Versorgung. Die Konzentration der Leistungsgruppe GYNT
(ggf. auch zu Lasten einer wohnortnahen Erreichbarkeit) auf Leistungser-
bringer, welche die Mindestfallzahl erreicht haben, sei für die Qualität der
stationären Behandlung angezeigt, weil durch allfällige zusätzliche Leis-
tungsaufträge Fälle an den Spitälern mit einem Leistungsauftrag GYNT
C-2887/2019
Seite 22
verloren gingen und wegen der sehr geringen Fallzahlen schliesslich kein
Leistungserbringer mehr die Mindestfallzahl erreichen würde. Eine Aus-
dehnung der Leistungsaufträge auf zusätzliche Listenspitäler würde des-
halb nicht zu einer verbesserten Behandlungsqualität durch eine bessere
Erreichbarkeit führen, vielmehr zu einer Ausdünnung der Erfahrung für
diese komplexen Fälle und zu einer erhöhten Gefahr von nicht medizinisch
indizierten Mengenausweitungen. Mit der Konzentration dieser schwieri-
gen und seltenen Eingriffe auf wenige Leistungserbringer werde den in Art.
58b Abs. 5 Bst. b und c KVV geforderten Mindestfallzahlen sowie der Qua-
lität Rechnung getragen. Bezüglich der Zugänglichkeit zu Leistungen der
Leistungsgruppe GYN1 hält die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung fest,
dass die Leistungsgruppe GYNT zu einem erheblichen Teil auch Tumore
umfasse, bei denen technisch anspruchsvolle operative Eingriffe indiziert
sein könnten. Dafür sei eine entsprechende Erfahrung notwendig. Auf der
Berner Spitalliste 2019 erbringe eine grosse Mehrheit nur Leistungen aus
der Leistungsgruppe GYN1 und verfüge über keinen spezialisierten Leis-
tungsauftrag für die Leistungsgruppe GYNT. Es sei kein Grund ersichtlich,
weshalb die Beschwerdeführerin anders zu behandeln sei. Nicht jeder re-
gionale Spitalstandort solle ein volles Angebotsportfolio vorhalten.
7.3 Das BAG führt dazu aus, dass die Vorgabe des Zugangs innert nützli-
cher Frist nach Art. 58b Abs. 4 Bst. b KVV in Bezug auf die zu erbringende
Leistung zu bewerten sei. Der Leistungsauftrag GYNT gehöre nicht zur sta-
tionären Grund- und Notfallversorgung. Eine Vorgabe zur geografischen
Erreichbarkeit gebe es im Kanton Bern bisher ausschliesslich für den Be-
reich der stationären Grundversorgung (Art. 11d Abs. 1 SpVV BE), wozu
die Leistungsgruppe GYNT nicht gehöre. Zusätzlich werde laut der Versor-
gungsplanung 2016 eine weitere Differenzierung der Leistungsbereiche im
Rahmen der Zugänglichkeit als sinnvoll erachtet. Demnach sei die Leis-
tungsgruppe GYNT der überregionalen Versorgungsstufe zugeordnet und
eine Inanspruchnahme der Leistung in einem angrenzenden Versorgungs-
raum werde als möglich und zumutbar erachtet. Die Leistungsgruppe
GYNT enthalte einen erheblichen Anteil Tumore, bei denen technisch an-
spruchsvolle operative Eingriffe indiziert sein könnten, wofür eine entspre-
chende operative Erfahrung in der aktuellen Anwendung notwendig sei.
Die Einhaltung der Mindestfallzahlen solle die minimale Qualitätssicherung
garantieren und überwiege das Interesse an einer wohnortnahen Versor-
gung. Aufgrund der teilweise sehr spezialisierten Eingriffe und der elektiven
Natur der Behandlung liege vorliegend keine Verletzung des bundesrecht-
lichen Kriteriums der Zugänglichkeit der Patientinnen zur Behandlung in-
nert nützlicher Frist vor. Die bundesrechtlichen Vorgaben sähen auch keine
C-2887/2019
Seite 23
Bestimmung zur Beachtung der sprachlichen Unterschiede vor. Jedenfalls
würde es gegen die bundesrechtlichen Planungsvorgaben verstossen,
wenn man bei der Beurteilung der Qualität und Wirtschaftlichkeit zusätzlich
Anforderung an die Bewerber hinsichtlich sprachlicher Zugehörigkeit stel-
len würde. Der Zugang der Patientinnen des Versorgungsraums Berner
Jura innert nützlicher Frist in der Leistungsgruppe GYNT sei nicht verletzt.
7.4 Mit der kantonalen Spitalplanung soll nicht nur die bedarfsgerechte Spi-
talversorgung der Bevölkerung gewährleistet werden, sondern auch eine
Kosteneindämmung und namentlich der Abbau von Überkapazitäten ange-
strebt werden. Insbesondere hat sich die Spitalplanung nicht auf die Ver-
hinderung einer Unterversorgung zu beschränken. Zur Leistungserbrin-
gung zulasten der OKP sind daher grundsätzlich nur so viele Spitäler zu-
zulassen, als für die Deckung des Bedarfs erforderlich sind. (Urteil des
BVGer C-4232/2014 vom 26. April 2016 E. 5.4.2 mit Hinweisen). Im vorlie-
genden Fall führt die Einführung der Mindestfallzahlen pro Spital in der
Leistungsgruppe GYNT im Kanton Bern im Vergleich zur Spitalliste 2014
zu einer Konzentration des Angebots, was grundsätzlich nicht KVG-widrig
ist (vgl. BVGE 2018 V/3 E. 7.6.6.3 E. 9.6; Urteil des BVGer C-4232/2014
vom 26. April 2016 E. 5.4.3 mit Hinweisen). Dass diese Angebotskonzent-
ration bei jenen Spitälern mit der grösseren Erfahrung im Bereich GYNT
stattfindet und zulasten der Beschwerdeführerin mit dem geringeren Leis-
tungsvolumen geht, ist nicht zu beanstanden (vgl. Urteil des BVGer
C-3413/2014 vom 11. Mai 2017 E. 11.4.4). Bei Leistungen aus der Leis-
tungsgruppe GYNT handelt es sich unbestrittenermassen nicht um Leis-
tungen der Grund- und Notfallversorgung, sondern um spezialisierte Leis-
tungen, weshalb eine Konzentration des Leistungsangebots unter dem As-
pekt der Qualitätssicherung umso mehr gerechtfertigt erscheint. Bei einem
auf der Spitalliste 2019 aufgeführten Angebot von vier Listenspitälern in der
Leistungsgruppe GYNT ist nicht davon auszugehen, dass im Kanton Bern
eine Unterversorgung in dieser Leistungsgruppe droht (vgl. dazu auch
C-6007/2016 E. 8.7), was von der Beschwerdeführerin denn auch nicht
geltend gemacht wird.
7.5 Die Konzentration des Angebots im Kanton Bern in der Leistungs-
gruppe GYNT auf vier Listenspitäler kann dazu führen, dass gewisse im
Kanton wohnhafte Patientinnen für eine stationäre Behandlung in dieser
Leistungsgruppe einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen müssen. Die
Vorinstanz hat bei der Evaluation des Leistungsangebots die Erreichbar-
keiten der Spitäler von mehreren Siedlungsschwerpunkten im Kanton Bern
ermittelt (act. 123 h, act. 123 i). Daraus wird ersichtlich, dass durch die
C-2887/2019
Seite 24
Angebotskonzentration für Patientinnen aus der Versorgungsregion Biel
der Zugang zu den spezialisierten Behandlungen in der Leistungsgruppe
GYNT innert nützlicher Frist zweifellos nicht beeinträchtigt wird, steht doch
in der benachbarten Versorgungsregion Bern das Inselspital als Leistungs-
erbringer für die entsprechenden Leistungen zur Verfügung. Was die Pati-
entinnen in der Versorgungsregion Berner Jura anbelangt, so werden die
Leistungen aus der Leistungsgruppe GYNT künftig weder in der eigenen
Versorgungsregion noch in der (einzigen innerkantonalen) Nachbarregion
Biel angeboten. Für Patientinnen aus der Versorgungsregion Berner Jura
ist das Inselspital in rund 40 Minuten (Basse Suze) bis rund 65 Minuten
(Erguel) erreichbar (act. 123 h). Das erscheint – auch für französischspra-
chige Patientinnen – zumutbar. Im Rahmen der Planung besteht kein An-
spruch der Patientinnen, sich am Wohnort oder in der Region behandeln
zu lassen, wenn die Hospitalisation – wie hier – an weiter entfernten Orten
zumutbar und innert vernünftiger Frist möglich ist (vgl. EUGSTER, a.a.O.,
S. 658 Rz. 814; vgl. dazu auch Urteil C-6007/2016 E. 8.8). Aus der Versor-
gungsplanung 2016, wonach bei Leistungsgruppen mit Mindestfallzahlen
eine Versorgung in angrenzenden Versorgungsräumen möglich und zu-
mutbar sei (Versorgungsplanung 2016 S. 69), lässt sich ebenfalls kein
durchsetzbarer Anspruch auf eine Behandlung in der eigenen oder Nach-
barregion ableiten.
7.6 Das Kriterium «Zugang der Patientinnen und Patienten zur Behandlung
innert nützlicher Frist», das es den Kantonen erlaubt, bei der Auswahl der
Leistungserbringer deren geographische Nähe zur Bevölkerung zu berück-
sichtigen, steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zur Qualitätssi-
cherung, das mit dem Kriterium der Mindestfallzahlen erreicht werden soll
(vgl. RÜTSCHE/PICECCHI, in: Basler Kommentar zum Krankenversiche-
rungsgesetz und zum Krankenversicherungsaufsichtsgesetz, 2020, N 39
zur Art. 39 KVG). Bei der vorzunehmenden Abwägung darf dem Kriterium
der Erreichbarkeit bei spezialisierten Leistungen weniger Gewicht beige-
messen werden, als bei Leistungen der Grund- und Notfallversorgung
(GDK-Empfehlung zur Spitalplanung, Empfehlung 6, S. 14; vgl. auch EUG-
STER, a.a.O., S. 658 Rz. 814). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz in der spezialisierten Leistungsgruppe GYNT den für diese Leis-
tungen gesetzten Qualitätsstandard auch im Interesse eines möglichst ra-
schen Zugangs zu einem Spital nicht unterschreitet (vgl. RÜT-
SCHE/PICECCHI, a.a.O., N 39 zur Art. 39 KVG).
C-2887/2019
Seite 25
7.7 Was die geltend gemachte Einschränkung des Zugangs zu Leistungen
aus der Leistungsgruppe GYN1 anbelangt, ist festzuhalten, dass das Bun-
desverwaltungsgericht aufgrund der eingeschränkten Kognition nicht zu
beurteilen hat (vgl. Art. 53 Abs. 2 Bst. e KVG), ob die Leistungsgruppen-
systematik bezüglich der Aufteilung der stationären Leistungen im Bereich
der Gynäkologie in die Leistungsgruppen GYN1, GYNT und GYN2 zweck-
mässig ist. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass diese Aufteilung dem
Spitalplanungs-Leistungsgruppen-Konzept (SPLG) entspricht, das von der
GDK den Kantonen zur Anwendung empfohlen wird (GDK-Empfehlungen
zur Spitalplanung, Empfehlung 3, S. 10). Ein Anspruch auf Erteilung eines
Leistungsauftrags GYNT kann die Beschwerdeführer aus den geltend ge-
machtem Unklarheiten in der neuen GYNT-Systematik jedenfalls nicht ab-
leiten.
7.8 Insgesamt ist in der Nichterteilung des Leistungsauftrags für die Leis-
tungsgruppe GYNT an die Beschwerdeführerin keine Verletzung des Krite-
riums «Zugänglichkeit der Leistung» gemäss Art. 58b Abs. 4 Bst. b KVV zu
erblicken.
8.
Weiter rügt die Beschwerdeführerin, dass die Vorinstanz das Kriterium der
Mindestfallzahlen gesetzwidrig angewendet habe, weil sie eine rein ver-
gangenheitsbezogene Betrachtung vorgenommen habe.
8.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, die rein vergangenheitsbezogene
Betrachtung der Fallzahlen führe dazu, dass der Konzentrationseffekt, der
direkt aufgrund der Spitalplanung 2019 in der Leistungsgruppe GYNT zu
erwarten sei, unberücksichtigt bleibe. Auf der Spitalliste 2019 sei im Be-
reich GYNT in der Versorgungsregion Berner Jura kein Leistungsangebot
mehr vorgesehen. Aufgrund der aktenkundigen Patientenbewegungen sei
davon auszugehen, dass sich die Patientinnen aus dieser Region künftig
bevorzugt im Spitalzentrum Biel behandeln lassen würden. Die Fallzahlen
aus der Vergangenheit seien in der vorliegenden Konstellation daher nicht
geeignet, Aussagen über die künftigen Fallzahlen und damit implizit über
die künftige Qualität und Wirtschaftlichkeit der Behandlungen zu machen.
Eine retrospektive Sichtweise sei auch deshalb unbefriedigend, weil die
Fälle im Jahr 2019 wieder stark zugenommen hätten. Ihre Frauenklinik
habe nach dem Wechsel des Chefarztes im Jahr 2013/2014 eine personell
schwierige Zeit durchlaufen. Der Stellenschlüssel habe mit Ausnahme des
Jahres 2016 nie vollständig besetzt werden können. Entsprechend hätten
C-2887/2019
Seite 26
die Sprechstunden nicht im erforderlichen Umfang angeboten werden kön-
nen, wodurch auch die Zahl der Tumordiagnosen vorübergehend abge-
nommen habe. In der Folge seien auch die Zuweisungen der niedergelas-
senen Gynäkologen ausgeblieben. Dennoch sei die Mindestfallzahl im
Zeitraum 2014 bis 2016 nur knapp verfehlt worden. Mit den neuen Kader-
ärzten unter dem Chefarzt Dr. med. A._, der seine Tätigkeit im Ok-
tober 2018 aufgenommen habe, habe sich der Trend gekehrt. Das Kader
sei nun vollständig, die Zuweisungen erfolgten inzwischen überregional
(Berner Jura, Solothurn, Neuenburg) und die Hochrechnung zeige wieder
eine Fallzahl in der Grössenordnung von vor 2013/2014. Unter dem neuen
Chefarzt seien auch die Leistungsgruppen GYN1.1 und GYN1.2 wieder
angeboten worden. In ihren Schlussbemerkungen hielt die Beschwerde-
führerin fest, dass sie im ersten Halbjahr 2019 in den Leistungsgruppen
GYN1.3 neun Fälle und GYN1.4 drei Fälle behandelt habe, was hochge-
rechnet auf das ganze Jahre 2019 eine Fallzahl von 24 ergebe. Das Nicht-
erreichen der Mindestfallzahlen in der Referenzperiode sei einzig auf eine
unglücklich verlaufene personelle Änderung zur falschen Zeit zurückzufüh-
ren. Diese Sondersituation habe aufgrund der von der Vorinstanz gewähl-
ten Beurteilungsperiode zu unverhältnismässigen Folgen geführt, nämlich
zu einem faktischen Entzug der bisherigen Leistungsaufträge GYN1.1,
GYN1.2, GYN1.3 und GYN1.4. Unverhältnismässig sei dieser faktische
Entzug deshalb, weil vor dem Chefarztwechsel 2013/2014 wie auch heute
die Mindestfallzahl ohne Probleme und bei Erfüllung aller notwendigen
Voraussetzungen erreicht werde. Schliesslich weist die Beschwerdeführe-
rin darauf hin, dass der neue Chefarzt Dr. med. A._ per Ende 2019
den Schwerpunkttitel «Gynäkologische Onkologie» erlangen sollte, obwohl
dieser im Kanton Bern für die Zuteilung des beantragten Teilleistungsauf-
trags explizit und im Gegensatz etwa zum Kanton Zürich nicht
Voraussetzung sei. Es mache wenig Sinn, dieses wertvolle Know-how
durch Nichterteilung des Teilleistungsauftrags GYNT brach zu legen.
8.2 Dem hält die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung entgegen, dass für
die Beurteilung der Mindestfallzahlen die Referenzjahre 2014 bis 2016
massgebend seien. Dies sei allen Leistungserbringern bereits im Bewer-
bungsverfahren bekannt gewesen und gelte für alle gleich. Die Erteilung
eines (Teil-)Leistungsauftrags an die Beschwerdeführerin trotz fehlender
Eignung würde zu einer Ungleichbehandlung gegenüber jenen Spitälern
führen, die den Leistungsauftrag ebenfalls aufgrund des Nichterfüllens der
Mindestfallzahlen nicht erhalten hätten. Die Vorinstanz weist darauf hin,
dass sie zur Trendbeurteilung auch die Fallzahlen aus dem Jahr 2017 be-
C-2887/2019
Seite 27
trachtet habe. Bei der Beschwerdeführerin habe das Jahr 2017 jedoch kei-
nen Trend zu ihren Gunsten gezeigt. Vielmehr sei der Trend mit acht Be-
handlungen im Jahr 2017 abnehmend. Auch die Behandlungszahlen des
Jahres 2018, die im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Beschlus-
ses noch nicht vorgelegen hätten, bestätigten den abnehmenden Trend,
seien in diesem Jahr doch nur noch sieben Behandlungen durchgeführt
worden. Es sei daher nicht erkennbar, dass dank des neuen Chefarztes die
Mindestfallzahlen künftig erreicht würden. Alleine gestützt auf die Hoffnun-
gen der Beschwerdeführerin, die Mindestfallzahlen künftig zu erreichen,
könne aufgrund der Gefahr der Schaffung eines Überangebots kein Leis-
tungsauftrag erteilt werden. Aus den gleichen Überlegungen sei auch kein
befristeter Leistungsauftrag zu erteilen.
8.3 Das BAG führt aus, dass Mindestfallzahlen für ausgewählte Eingriffe
der Sicherstellung der Patientensicherung und der Behandlungsqualität
dienten. Aufgrund des Konzentrationseffekts wäre eine Prognose der künf-
tigen Fallzahlentwicklung an einzelnen Institutionen mit Unsicherheiten
und viel Aufwand verbunden und daher nicht zweckmässig. Mit den Min-
destfallzahlen als minimales Qualitätskriterium solle erreicht werden, dass
nur diejenigen Spitäler einen Leistungsauftrag erhielten, die heute schon
genügend Fallzahlen aufweisen würden und demnach aktuell schon ein
erfahrenes Behandlungsteam stellten. Dafür seien vergangenheitsbezo-
gene Fallzahlen besser geeignet. Die berücksichtigten Leistungserbringer
hätten bereits in der Referenzperiode durchschnittlich mindestens 20 Be-
handlungen pro Jahr durchgeführt. Die Art und Weise der Anwendung des
Kriteriums der Mindestfallzahlen sei daher nicht zu beanstanden. Bei künf-
tigen Zuteilungsentscheiden dürfe das Kriterium der Mindestfallzahlen für
Neubewerber aber nicht gelten, damit diese nicht von vorneherein ausge-
schlossen würden. In Anbetracht dessen, dass die Beschwerdeführerin in
den Referenzjahren einen Leistungsauftrag bereits innegehabt habe,
könne das Abstellen auf Fallzahlen aus der Vergangenheit aus Sicht der
Qualitätssicherung nicht als ungeeignet angesehen werden.
8.4 Die Evaluation des Angebots der Leistungserbringer kann systembe-
dingt nur retrospektiv erfolgen, wobei in der Regel auf die aktuellsten offi-
ziellen Zahlen abzustellen ist. Es ist zwar denkbar, dass nach Abschluss
eines Spitalplanungsverfahrens die der Spitalplanung zugrundeliegenden
Zahlen bereits überholt sind, zumal die Durchführung eines solchen Ver-
fahrens erfahrungsgemäss oft länger als ein Jahr dauern kann. In Fällen,
bei denen die Spitalplanung aufgrund von zwischenzeitlich eingetretenen
C-2887/2019
Seite 28
erheblichen Änderungen innert kurzer Zeit nach deren Erlass revidiert wer-
den müsste, erscheint es aus verfahrensökonomischen Gründen an sich
sinnvoll, diese Änderungen in die laufende Planung einzubeziehen bzw.
die Spitalplanung entsprechend zu überarbeiten (Urteil des BVGer C-
2907/2008 vom 26. Mai 2011 E. 8.3.5.1; C-3413/2014 vom 11. Mai 2017
E. 10.4.1).
8.5 Durch die Behandlung einer Mindestzahl von Fällen erhält ein Spital
bzw. das Behandlungsteam Routine und Erfahrung, wodurch die Behand-
lungsqualität sichergestellt werden soll (vgl. Urteil des BVGer C-3413/2014
vom 11. Mai 2017 E. 11.7.4). Die Anzahl behandelter Fälle respektive
durchgeführter ausgewählter Eingriffe gilt somit als ein allgemeiner Indika-
tor für die bestehende Expertise in einem Spital. Dementsprechend ist es
nachvollziehbar, dass die Vorinstanz gestützt auf die in der Vergangenheit
erbrachten Leistungen prüft, ob ein Leistungserbringer die massgebenden
Mindestfallzahlen erreicht (vgl. GDK-Empfehlungen zur Spitalplanung,
Empfehlung 7, S. 15). Mit der retrospektiven Beurteilung der Fallzahlen
kann entsprechend sichergestellt werden, dass ein Spital bzw. deren Be-
handlungsteam über ausreichende Erfahrung in einem Leistungsbereich
verfügt, weshalb sich das Vorgehen nicht bloss als systembedingt, sondern
auch als sachgerecht erweist. Indem die Vorinstanz überdies die Fallzah-
len 2017 betrachtete, die jedoch einen klar negativen Trend aufzeigten
(was sich auch anhand der Fallzahlen des Jahres 2018 bestätigte), erweist
sich das Abstellen auf die Beurteilungsperiode 2014-2016 auch nicht als
unhaltbar.
8.6 Auf der Spitalliste 2014 verfügten in der Versorgungsregion Berner
Jura noch zwei Leistungserbringer (Hôpital du Jura bernois und Hôpital de
Moutier) über einen Leistungsauftrag für die Leistungsgruppe GYN1.3.
Diese beiden Leistungserbringer haben gemäss der Spitalliste 2019 seit
1. Juni 2019 keinen entsprechenden Leistungsauftrag mehr. Dadurch ist
zwar eine Verschiebung der Fallzahlen auf die verbleibenden Leistungser-
bringer zu erwarten, was allenfalls auch bei der Beschwerdeführerin in Zu-
kunft zu einer Erhöhung der Fallzahlen geführt hätte. Eine diesbezügliche
Prognose dürfte aber schwierig sein, worauf das BAG zu Recht hinweist.
Eine grössere Verschiebung von Patientenströmen aus der Versorgungs-
region Berner Jura ist durch die Angebotskonzentration indes nicht zu er-
warten, ist doch gemäss der Bedarfsprognose zum 31.12.2020 in dieser
Versorgungsregion jährlich mit lediglich 12 Behandlungen in der Leistungs-
gruppe GYN1.3 und 3 Behandlungen in der Leistungsgruppe GYN1.4 zu
rechnen (Versorgungsplanung 2016, S. 141), weshalb die Gefahr einer
C-2887/2019
Seite 29
Aufrechterhaltung von Überkapazitäten bestünde. Schliesslich betrifft die
Frage, welcher Beurteilungszeitraum für die Ermittlung der Mindestfallzah-
len heranziehen bzw. ob es zweckmässiger wäre, einen anderen Beurtei-
lungszeitraum zu betrachten, die Angemessenheit des angefochtenen Be-
schlusses, wozu sich das Bundesverwaltungsgericht nicht zu äussern hat
(Art. 53 Abs. 2 Bst. e KVG; vgl. Urteil des BVGer C-5573/2018 vom 21.
November 2018 E. 10.4). Es ist daher nicht Sache des Gerichts zu ent-
scheiden, ob es zweckmässiger wäre, auch eine Prognose der künftigen
Fallzahlen in die Beurteilung miteinzubeziehen, weil in diesem Zusammen-
hang keine Rechtsverletzung ersichtlich ist.
8.7 Was die von der Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Schlussbemer-
kungen eingebrachten Fallzahlen aus den Jahr 2019 anbelangt, ist darauf
hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungsgericht in Beschwerdeverfah-
ren gemäss Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG nicht mit neuen Tatsachen oder Be-
weismitteln konfrontiert werden soll, welche der vorinstanzlichen Beurtei-
lung nicht zugrunde lagen, ausser es liege eine Ausnahmesituation im Sinn
der genannten Bestimmung vor (vgl. BVGE 2014/36 E. 1.5.2). Die von der
Beschwerdeführerin ins Verfahren eingebrachten Fallzahlen des ersten
Halbjahres 2019 können vorliegend nicht berücksichtigt werden, da sie der
Vorinstanz bei Erlass des angefochtenen Beschlusses nicht bekannt sein
konnten und auch keine Ausnahmesituation im Sinn von Art. 53 Abs. 2
Bst. a KVG ersichtlich ist. Im Übrigen könnte die Beschwerdeführerin aber
selbst aus den Fallzahlen des ersten Halbjahres 2019 nichts zu ihren
Gunsten ableiten, zumal die Beschwerdeführerin selbst bei Berücksichti-
gung einer Beurteilungsperiode von 2017-2019 (wobei für das Jahr 2019
wie erwähnt nur eine hochgerechnete Fallzahl zur Verfügung steht) die
Mindestfallzahl von 20 im Durchschnitt dieser Jahre nicht erreicht (2017:
8 Fälle; 2018: 15 Fälle; 2019 [hochgerechnet]: 24 Fälle). Es ist zudem da-
rauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin auch bei Einhaltung der
Mindestfallzahlen keinen Rechtsanspruch auf Erteilung eines Leistungs-
auftrags GYNT hätte (vgl. Urteil des BVGer C-3413/2014 vom 11. Mai 2017
E. 10.4.1).
8.8 Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich darauf hinweist, dass ihr
Chefarzt Dr. med. A._ ein ausgewiesener Fachmann sei und durch
die Nichterteilung des Leistungsauftrags für die Leistungsgruppe GYNT
wertvolles Wissen brachgelegt werde, vermag dies die vorliegende Nich-
terteilung eines entsprechenden Leistungsauftrags nicht als unverhältnis-
mässig erscheinen lassen (vgl. Urteil des BVGer C-3413/2014 vom 11. Mai
C-2887/2019
Seite 30
2017 E. 12). Es besteht kein Anspruch darauf, zu Lasten der obligatori-
schen Krankenversicherung Leistungen zu erbringen (vgl. BGE 132 V 6 E.
2.5.2). Anzufügen bleibt, dass es der Beschwerdeführerin offensteht, im
Rahmen einer neuen Spitalplanung ein Gesuch um Neuerteilung eines ent-
sprechenden Leistungsauftrags zu stellen (vgl. dazu auch die Ausführun-
gen des BAG und oben E. 8.3).
9.
Zusammenfassend steht damit fest, dass es aufgrund des anwendbaren
Rechts nicht bundesrechtswidrig ist, dass die Vorinstanz der Beschwerde-
führerin infolge Nichterreichens der Mindestfallzahl auf der Spitalliste 2019
keinen (Teil-)Leistungsauftrag für die Leistungsgruppe GYNT erteilt hat. Es
ist nicht entscheidend, ob die Beschwerdeführerin die leistungsspezifi-
schen Anforderungen hinsichtlich Infrastruktur und erforderlichem Fach-
personal erfüllt und künftig in der Lage wäre, die Mindestfallzahlen zu er-
reichen sowie, ob sie die von der Vorinstanz festgesetzte Schwelle für die
Versorgungsrelevanz überschreitet. Das Gesetz gibt den einzelnen Spitä-
lern keinen Rechtsanspruch auf Aufnahme in die Spitalliste. Die Kantone
haben wie bereits erwähnt auch bei der Auswahl der Leistungserbringer
einen erheblichen Ermessensspielraum, welcher in Bezug auf die Ange-
messenheit der Entscheidung vom Bundesverwaltungsgericht nicht über-
prüft werden kann (Art. 53 Abs. 2 Bst. e KVG; C-5603/2017 E. 16.5 mit
Hinweisen; Urteil des BVGer C-5573/2017 vom 21. November 2018
E. 12.8). Aufgrund ihres erheblichen Ermessensspielraums ist es auch
nicht zu beanstanden, dass sie der Beschwerdeführerin keinen vorsorgli-
chen (befristeten) Leistungsauftrags für die Leistungsgruppe GYNT erteilt
hat (C-3413/2014 vom 11. Mai 2017 E. 10.4.2). Die Anträge der Beschwer-
deführerin um Erteilung eines unbefristeten, eventualiter befristeten Leis-
tungsauftrags für die Leistungsgruppe GYNT durch das Bundesverwal-
tungsgericht sind daher abzuweisen. Die Beschwerde erweist sich diesbe-
züglich als unbegründet.
10.
Zu entscheiden bleibt die Frage, auf welchen Zeitpunkt die Nichterteilung
bzw. Streichung des Leistungsauftrags für die Leistungsgruppe GYNT in
Kraft treten und damit Rechtswirkungen entfalten soll.
10.1 Da die vorliegende Beschwerde für die Beschwerdeführerin aufschie-
bende Wirkung hat, wurde die Nichterteilung bzw. Streichung der fraglichen
Leistungsaufträge von der Liste des Kantons Bern einstweilen nicht wirk-
sam und jene blieb bis zum Entscheid über die Beschwerde im bisherigen
C-2887/2019
Seite 31
Umfang als Leistungserbringerin zugelassen (vgl. BVGE 2010/15 E. 8.1;
Urteil des BVGer C-3413/2014 vom 11. Mai 2017 E. 15.1; vgl. hierzu auch
Urteil des BVGer C-2907/2008 vom 26. Mai 2011). Da die Streichung von
Leistungsaufträgen aufgrund der auf dem Spiel stehenden Interessen (Be-
schwerdeführer, Kanton, Versicherer, Versicherte, Spitalpersonal) praxis-
gemäss nicht rückwirkend erfolgen soll (vgl. Urteil des BVGer C-3413/2014
vom 11. Mai 2017 E. 15.2; C-2907/2008 E. 10.3), verfügt die Beschwerde-
führerin bis zum Tag des vorliegenden Entscheides gestützt auf die Spital-
liste 2014 über einen Leistungsauftrag für die (bisherigen) Leistungsgrup-
pen GYN1.1, GYN1.2, GYN1.3 und GYN1.4. Sie war somit nicht nur be-
rechtigt, sondern auch verpflichtet, die entsprechenden Behandlungen
durchzuführen und musste daher weiterhin die hierfür benötigte Infrastruk-
tur aufrechterhalten und das entsprechende Personal weiterbeschäftigen.
Damit die Beschwerdeführerin die Behandlungen bereits aufgenommener
Patientinnen und Patienten abschliessen und allenfalls erforderliche An-
passungen in betrieblicher Hinsicht (z.B. betreffend Infrastruktur und Per-
sonal) vornehmen kann, ist ihr eine Übergangsfrist einzuräumen. Die
Dauer dieser Übergangsfrist ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der
konkreten Umstände festzusetzen, wobei sechs Monate das Maximum
darstellen. Bei der Übergangsfrist handelt es sich um eine Frist, die erst
nach Abschluss des Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht ihre
rechtlichen Wirkungen entfaltet. Die Vorschrift über den Stillstand der Fris-
ten (Art. 22a VwVG) ist darauf nicht anwendbar (BVGE 2010/15 E. 8.2;
Urteil des BVGer C-3413/2014 vom 11. Mai 2017 E. 15.3).
10.2 Im vorliegenden Fall ist diese Frist im Sinne des Sub-Subeventualan-
trags der Beschwerdeführerin auf sechs Monate festzusetzen. Die Be-
schwerdeführerin ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, während der ge-
nannten sechs Monate im bisherigen Rahmen Leistungen in den Leis-
tungsgruppen GYN1.1 (Maligne Neoplasien der Vulva und Vagina),
GYN1.2 (Maligne Neoplasien der Zervix), GYN1.3 (Maligne Neoplasien
des Corpus uteri) und GYN1.4 (Maligne Neoplasien des Ovars) zu Lasten
der OKP abzurechnen. Soweit andere Vorschriften und Verpflichtungen
nicht entgegenstehen, ist es ihr unbenommen, die entsprechenden Leis-
tungen auch vor Ablauf der Frist einzustellen (vgl. Urteil des BVGer
C-3413/2014 vom 11. Mai 2017 E. 15.4).
10.3 Soweit die Vorinstanz der Beschwerdeführerin im Rahmen des ange-
fochtenen Beschlusses keine Übergangsfrist eingeräumt hat, erweist er
sich als bundesrechtswidrig und ist dementsprechend abzuändern.
C-2887/2019
Seite 32
11.
11.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der
Regel der unterliegenden Partei. Unterliegt diese nur teilweise, so werden
die Verfahrenskosten ermässigt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das für die Kosten-
verteilung massgebende Ausmass des Unterliegens ist aufgrund der ge-
stellten Rechtsbegehren zu beurteilen (MICHAEL BEUSCH, in: Kommentar
zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2008, Rz. 13
zu Art. 63). Dabei ist auf das materiell wirklich Gewollte abzustellen (MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 256 Rz. 4.43).
11.2 Die Beschwerdeführerinnen unterliegen fast vollständig; sie sind nur
hinsichtlich des Sub-Subeventualantrags als obsiegend zu betrachten.
sind als überwiegend unterliegend zu betrachten. Unter Berücksichtigung
des Umfangs und der Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessfüh-
rung und finanzieller Lage der Parteien (vgl. Art. 63 Abs. 4bis VwVG; zur
Qualifikation als vermögensrechtliche Streitigkeit vgl. BVGE 2010/14
E. 8.1.3) sind die Verfahrenskosten auf Fr. 5'000.– festzusetzen. Diese
sind entsprechend dem Verfahrensausgang im Umfang von Fr. 4‘500.– der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der einbezahlte Kostenvorschuss ist
zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. Der Restbetrag von
Fr. 500.– ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. Der Vorinstanz
sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
11.3 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG hat die obsiegende Partei Anspruch auf
eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und ver-
hältnismässig hohen Kosten (vgl. auch Art. 7 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Obsiegt die Partei nur teil-
weise, so ist die Parteientschädigung entsprechend zu kürzen (Art. 7
Abs. 2 VGKE). Die Entschädigung wird der Körperschaft oder autonomen
Anstalt auferlegt, in deren Namen die Vorinstanz verfügt hat, soweit sie
nicht einer unterliegenden Gegenpartei auferlegt werden kann (Art. 64
Abs. 2 VwVG).
11.4 Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die anwaltlich vertretene
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine reduzierte Parteientschädigung zu
Lasten der Vorinstanz. Die Rechtsvertreter haben keine Kostennoten ein-
gereicht, weshalb die Parteientschädigungen aufgrund der Akten zu be-
stimmen ist (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berücksichtigung des Ver-
fahrensausgangs (vgl. oben E. 11.2), des gebotenen und aktenkundigen
C-2887/2019
Seite 33
Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des vor-
liegend zu beurteilenden Verfahrens erscheint eine Parteientschädigung
von pauschal Fr. 800.– als angemessen. Die Vorinstanz hat keinen An-
spruch auf Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
12.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-
gericht gegen Entscheide auf dem Gebiet der Krankenversicherung, die
das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 33 Bst. i VGG in Verbin-
dung mit Art. 53 Abs. 1 KVG getroffen hat, ist gemäss Art. 83 Bst. r BGG
unzulässig. Das vorliegende Urteil ist somit endgültig (vgl. auch BGE 141
V 361).