Decision ID: 6b3e4fa0-9c76-5667-9de3-92aa1e8a6ec8
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angaben zufolge Äthiopien im Dezember 2005 und reiste nach Libyen, wo sie neun Monate als Haushälterin gearbeitet habe. Von da sei sie über Frankreich am 21. September 2006 in die Schweiz gelangt, wo sie gleichentags ein Asylgesuch stellte.
Zur Begründung ihres Gesuches machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie habe beim Pressezentrum B._ gearbeitet und sei beschuldigt worden, Informationen an die KINIJIT (CUDP [Coalition for Unity and Democracy Party]) weitergegeben zu haben. Deswegen sei sie für ein paar Tage inhaftiert, gefoltert und aus ihrer Arbeitsstelle entlassen worden. Als man sie ein zweites Mal habe verhaften wollen, sei ihr die Flucht gelungen.
B. Mit Verfügung vom 28. April 2008 trat das BFM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht ein und ordnete die Wegweisung sowie deren Vollzug an.
C. Die Beschwerdeführerin erhob am 8. Mai 2008 gegen diesen  beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, welche am 20. Mai 2008 abgewiesen wurde.
D. Am 18. Juni 2008 gelangte die Beschwerdeführerin mit einer als „ eventuell zweites Asylgesuch“ bezeichneten  ans BFM, welches dieses als zweites Asylgesuch . Infolgedessen wurde die Beschwerdeführerin am 27.  2008 erneut vom BFM befragt.
Zur Begründung ihrer Eingabe machte die Beschwerdeführerin  geltend, die mit dem Gesuch eingereichten, neuen Beweismittel belegten den von ihr während des Asylverfahrens geltend gemachten Sachverhalt, wobei eine Beibringung vor Abschluss des ersten  nicht möglich gewesen sei.
Seite 2
D-6287/2008
Andererseits machte sie geltend, seit dem Abschluss des ersten Asyl - verfahrens hätten sich neue Tatsachen ergeben, welche geeignet , ihre Flüchtlingseigenschaft durch Nachfluchtgründe . Wie das eingereichte Bestätigungsschreiben des Präsidenten der KINIJIT(CUDP)-Unterstützungsgruppe in der Schweiz belege, sei sie inzwischen aktives Mitglied dieser Organisation geworden. Aus dem Schreiben gehe hervor, dass sie im Rahmen ihrer Mitgliedschaft an zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen gegen die äthiopische  teilgenommen und bei einer Demonstration in Z._ am 16. Mai 2008 eine entscheidende Rolle in der Koordination und  übernommen habe. Sie habe dort Parolen geschrien und Mundharmonika gespielt. Ansonsten mache sie auch Propaganda für die Partei, indem sie Flugblätter verteile und die Leute über Sitzungen informiere, an welchen sie dann auch teilnehme. Es könne als  bekannt vorausgesetzt werden und werde auch in einem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) bestätigt, dass die äthiopi - schen Behörden ihre Staatsangehörigen und die von exilpolitischen Organisationen veranstalteten Demonstrationen in Europa sehr genau überwachen würden. Das äthiopische Aussenministerium habe in einer Weisung vom 31. Juli 2006 sämtliche äthiopischen  aufgefordert, Informationen über sogenannte „extreme Elemente“ im Ausland zu sammeln und deren Namen an die Zentrale in Addis Abeba weiterzuleiten, damit von diesen Personen Dossiers eröffnet und ihnen der Prozess wegen Genozids, Landesverrats und  gemacht werden könnte. Gemäss dem erwähnten Bericht der SFH sei davon auszugehen, dass die äthiopischen  über äusserst umfangreiche elektronische Datenbanken mit umfangreichen Angaben zu Tausenden, wenn nicht sogar  Personen der Diaspora verfügten und dass darin auch einfache Mitglieder und Sympathisanten der Oppositionsparteien und sogar auch Personen erfasst würden, die nur zum Zweck der Information auf politische Veranstaltungen der Opposition gingen. Ihre exilpolitischen Aktivitäten hätten bei einer Rückkehr mit höchster Wahrscheinlichkeit politische Verfolgung zur Folge. Es müsse davon ausgegangen , dass sie ein hervorgehobenes politisches Profil besitze und  vom Radar der äthiopischen Regierung erfasst worden sei. Doch selbst wenn dies bis anhin noch nicht erfolgt sei, würde sie als  der Auslands-KINIJIT(CUDP), wie dies auch aus dem erwähnten Bericht der SFH, dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. November 2007 (D-5060/2007) und einer Stellungnahme der  Sektion von Amnesty International hervorgehe, spätestens bei
Seite 3
D-6287/2008
einer allfälligen Rückkehr erfasst werden. Im Lichte des Vorgesagten müsse eine objektive Betrachtungsweise zum Schluss gelangen, dass ihre Aktivitäten durchaus ein Ausmass erreicht hätten, welches  sei, ein ernsthaftes Vorgehen der äthiopischen Behörden zu , beziehungsweise eine konkrete Gefährdung im Falle einer  zu begründen.
Zum Beweis ihrer exilpolitischen Aktivitäten reichte die  neben dem erwähnten Bestätigungsschreiben zahlreiche  von Demonstrationen gegen das äthiopische Regime in Y._, X._ und Z._ ein, auf welchen sie klar erkennbar und zum Teil an der Seite von wichtigen Persönlichkeiten der äthiopischen Exilgemeinschaft abgebildet sei.
E. Das BFM wies das zweite Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1. September 2008 – eröffnet am 2. September 2008 – ab und ordnete deren Wegweisung sowie den Vollzug an.
F. Die Beschwerdeführerin erhob am 2. Oktober 2008 gegen diesen  beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der Verfügung, die Feststellung der  und die Asylgewährung sowie eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit oder zumindest  des Wegweisungsvollzuges. In formeller Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das  (VwVG, SR 172.021) und Verzicht auf die Erhebung  Kostenvorschusses.
G. Mit Verfügung vom 16. Oktober 2008 trennte die zuständige  das Verfahren in das vorliegende Beschwerdeverfahren – soweit exilpolitische Aktivitäten geltend gemacht wurden – und in ein Revisionsverfahren (D-6459/2008) – soweit die ursprüngliche  des BFM-Entscheides geltend gemacht wurde – auf.  wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im  Beschwerdeverfahren gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet.
Seite 4
D-6287/2008
H. Mit schriftlicher Erklärung vom 30. Oktober 2008 zog die  das Revisionsgesuch zurück, weshalb das Revisionsverfahren mit Urteil vom 4. November 2008 als durch Rückzug gegenstandslos geworden abgeschrieben wurde.
I. In seiner Vernehmlassung vom 4. November 2008 hielt das BFM an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
J. Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 10.  2008 zur Kenntnis gebracht.
K. Mit Eingabe vom 28. Dezember 2008 reichte die Beschwerdeführerin vier, angeblich von ihr verfasste, regimekritische Internetartikel vom 7., 14., 15. und 20. September 2008 zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17.  2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet im Bereich des Asyls endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
Seite 5
D-6287/2008
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG, Art. 105 AsylG, Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG). Die Beschwerdeführerin ist durch die  Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie ist  zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person , wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen  ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder  sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender  für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4. 4.1 In seiner Verfügung bemerkte das BFM einleitend, es bestehe kein Anlass zur Annahme, die Beschwerdeführerin sei vor dem Verlassen
Seite 6
D-6287/2008
ihres Heimatstaates als regimefeindliche Person registriert worden, da aufgrund der Unglaubhaftigkeit ihrer Vorbringen nicht von einer  motivierten Verfolgungsabsicht durch die äthiopischen Behörden auszugehen sei. Demzufolge sei auch nicht davon auszugehen, dass sie nach ihrer Ankunft in der Schweiz unter spezieller Beobachtung seitens der äthiopischen Behörden gestanden habe. Zudem könne den Akten kein Hinweis entnommen werden, dass die äthiopischen  von ihrer Mitgliedschaft in der KINIJIT (CUDP) Schweiz erfahren oder gar gestützt darauf irgendwelche Massnahmen eingeleitet hätten. Sie habe sich zwar erwiesenermassen exilpolitisch betätigt. Die  Beweismittel – wie auch zahlreiche weitere, ähnlich  Eingaben in anderen Verfahren – zeigten aber, dass allein in der Schweiz innert weniger Monate viele exilpolitische Anlässe , von denen anschliessend oftmals gestellte Gruppenaufnahmen von nicht selten Hunderten von Teilnehmern in einschlägigen Medien publiziert würden. Vor diesem Hintergrund erscheine es aber , dass die äthiopischen Behörden all diesen Gesichtern  Namen zuordnen könnten. Selbst wenn die äthiopischen  über die politischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im  informiert wären, könnten sie angesichts der hohen Zahl der im Ausland lebenden äthiopischen Staatsangehörigen nicht jede einzelne Person überwachen und identifizieren. Zudem dürfte es den  Behörden bekannt sein, dass viele äthiopische Emigranten aus vorwiegend wirtschaftlichen Gründen versuchten, sich in Europa und speziell auch in der Schweiz vor oder nach Abschluss ihres  ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zu erwirken, indem sie  Aktivitäten nachgingen.
4.2 In ihrer Beschwerde hielt die Beschwerdeführerin dem Argument der Vorinstanz, es sei aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Verfolgung im Heimatland nicht davon auszugehen, sie stehe unter einer  Beobachtung durch die äthiopischen Behörden, entgegen, dass der Bekanntheitsgrad der asylsuchenden Person nur ein Kriterium  vielen sei. Als weiteres Kriterium sei insbesondere der Grad der Überwachung zu nennen. Ferner bedeute die Tatsache, dass sie im  Verfahren keine asylrelevante Verfolgung habe glaubhaft machen können, nicht, dass sie nicht bereits vor ihrer Ausreise als  oder unbequeme Person bekannt gewesen sei. Im  mit der Kenntnisnahme ihrer exilpolitischen Aktivi täten durch die äthiopischen Behörden gelte es zu beachten, dass sie neben den  erwähnten Aktivitäten im Rahmen der KINIJIT (CUDP) Schweiz
Seite 7
D-6287/2008
auch in der Finanzbeschaffung tätig gewesen sei. Zudem habe sie sich in besonderem Masse exponiert, indem sie an Veranstaltungen teilgenommen habe, welche durch die Präsenz hochrangiger Vertreter der KINIJIT (CUDP) Schweiz die Aufmerksamkeit der äthiopischen  auf sich gezogen haben dürften. Ein Gutachten des  Schröder widerlege die Auffassung des BFM, es sei den äthiopischen Behörden unmöglich, sämtliche Teilnehmer dieser  zu registrieren. Auch im Urteil des  vom 30. November 2007 (D-5060/2007) werde festgehalten, dass auch einfache Mitglieder und blosse Sympathisanten von  Organisationen bei einer allfälligen Rückkehr gefährdet seien. Ihre Motivation zur exilpolitischen Aktivität sei entgegen der Meinung der Vorinstanz aufrichtig. Die politische Exilaktivität habe zudem  von ihrer Motivation – politisch oder wirtschaftlich – immer eine Schädigung des Ansehens der äthiopischen Regierung zur Folge. Im Übrigen würde mit dieser Argumentation des BFM ein  eingebracht, obschon die Schweizerische  (ARK) und auch die Botschaft zum Asylgesetz festhielten, die  sei letztlich irrelevant.
5. 5.1 Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere unerwünschte exilpolitische , illegales Verlassen das Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder Einreichung eines Asylgesuches im Ausland, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl,  jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl.  und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10 mit weiteren Hinweisen). Der  von Art. 54 AsylG ist unabhängig davon , ob Nachfluchtgründe missbräuchlich gesetzt worden sind oder nicht (vgl. EMARK 1995 Nr. 7 E. 7 S. 66 ff.; Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes vom 4. Dezember 1995, BBl 1996 II 73). Wie von der Beschwerdeführerin richtigerweise geltend gemacht, ist es daher nicht entscheidend, welchen mutmasslichen Zweck die asylsuchende  durch ihre exilpolitischen Tätigkeiten zu erreichen versucht hat.
Seite 8
D-6287/2008
5.2 Den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts zufolge ist davon auszugehen, dass die äthiopischen Sicherheitsbehörden die Aktivitäten der jeweiligen Exilgemeinschaften relativ intensiv  und diese ausserdem in elektronischen Datenbanken . Angesichts der 2007 in Äthiopien erfolgten Amnestie von einigen Mitgliedern der CUDP und der nicht unerschöpflichen Ressourcen des äthiopischen Nachrichtendienstes mag sich zwar die Frage nach der aktuellen Überwachungsdichte in der Schweiz stellen, welche indes in casu offenbleiben kann. Denn der Umstand einer allfälligen  exilpolitischer Tätigkeiten durch das äthiopische Regime reicht für sich allein genommen nicht aus, um eine begründete  glaubhaft zu machen. Vielmehr müssen zusätzliche, konkrete Anhaltspunkte – nicht lediglich die abstrakte oder rein theoretische Möglichkeit – dafür vorliegen, dass ein exilpolitisch aktiver Äthiopier tatsächlich das Interesse der äthiopischen Behörden auf sich gezogen hat respektive als regimefeindliche Person namentlich identifiziert und registriert wurde. Wie nachfolgend dargelegt, bestehen derartige  Hinweise vorliegend nicht, weshalb der Verweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5060/2007 vom 30. November 2007 unerheblich ist.
5.3 Wie bereits in der Verfügung des BFM vom 28. April 2008  und im Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 20. Mai 2008 bestätigt, konnte die Beschwerdeführerin keine Verfolgung durch die heimatlichen Behörden glaubhaft machen. Vor diesem Hintergrund schloss das BFM – entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin – zu Recht aus, dass sie bereits vor dem Verlassen ihres Heimatlandes als regimefeindliche Person beim äthiopischen Regime registriert war und überwacht wurde.
5.4 5.4.1 Zu den politischen Aktivitäten in der Schweiz ist zunächst , dass die Tatsache, wonach sich die Beschwerdeführerin durch die Teilnahme an Kundgebungen politisch engagierte,  und durch Fotografien dokumentiert ist, auf welchen sie deutlich zu erkennen ist. Auch ist der Beschwerdeführerin zunächst zu Gute zu halten, dass sie dieses politische Engagement bald nach ihrer Ankunft in der Schweiz aufnahm. Allerdings geht aus den Aussagen der  nicht hervor, dass sie im Zusammenhang mit den Fotografien namentlich erwähnt wurde. Auch ist den Bildern nicht zu entnehmen, dass sie sich bei diesen Kundgebungen besonders und
Seite 9
D-6287/2008
über das Mass der anderen Kundgebungsteilnehmer exponiert oder  Führungsposition inne gehabt habe. Dies gilt auch für die , an denen „hochrangige“ Mitglieder der KINIJIT (CUDP)  gewesen und mit ihr fotografiert worden sein sollen. An dieser Tatsache ändert auch das Schreiben der KINIJIT (CUDP) Schweiz nichts, welches nur sehr vage und ohne weitere Ausführungen festhält, die Beschwerdeführerin habe bei einer Demonstration in Z._ eine entscheidende Rolle in der Koordination und Organisation . Die Beschwerdeführerin selbst gab an der Anhörung vom 27. August 2008 demgegenüber zu Protokoll, sie habe am besagten Tag in Z._ Parolen gerufen und Mundharmonika gespielt (B9 S. 4), was nicht als entscheidende Rolle gewertet werden kann. Des Weiteren liegen keine gesicherten Anhaltspunkte dafür vor, dass sie von allenfalls an den Kundgebungen beziehungsweise den Versammlungen anwesenden Spitzeln des äthiopischen Regimes identifiziert und in der Folge registriert wurde. Daran vermag auch das vorerwähnte Schreiben des Präsidenten der KINIJIT (CUDP) Schweiz, wonach davon auszugehen sei, dass an der Demonstration in Z._ Spitzel des äthiopischen Regimes Fotos von den Demonstrierenden gemacht und andere Daten gesammelt und weitergeleitet hätten, aus den oben genannten Gründen nichts zu ändern. Der Einwand in der Beschwerde, wonach sich die  auch an der Finanzbeschaffung beteiligt haben soll, wirkt nachgeschoben. Zudem wird er ohnehin nicht weiter konkretisiert und es wird somit nicht ersichtlich, wieso sie sich damit in besonderem Masse exponiert haben soll. Im Allgemeinen fällt auf, dass die  an der Anhörung am 27. August 2008 zu ihren Aktivitäten im Rahmen der KINIJIT (CUDP) Schweiz nur sehr vage und allgemeine Auskünfte geben konnte, sodass nicht davon  ist, ihr Engagement für diese Organisation gehe sehr weit. Zuletzt gilt es anzumerken, dass die letzte aktenkundige Teilnahme der Beschwerdeführerin an einer exilpolitischen Veranstaltung nun bereits zwei Jahre her ist.
5.4.2 Die eingereichten Internetartikel vermögen die regimekritischen journalistischen Aktivitäten der Beschwerdeführerin nicht glaubhaft zu machen. Erste Zweifel entstehen durch die Tatsache, dass die vier  kurz nach der Einreichung ihres zweiten Asylgesuches und  nach der Anhörung beim BFM vom 27. August 2008  wurden. Zudem beschränkte sich ihre journalistische Betätigung auf einen sehr kurzen Zeitraum (7. - 20. September 2008) und seither
Seite 10
D-6287/2008
ist mehr als ein Jahr vergangen, ohne dass sie weitere derartige  geltend gemacht hätte. Sodann fällt auf, dass die , die im Heimatstaat keine höhere Schulbildung genossen habe, Autorin von Artikeln sein will, die in Englisch verfasst sind und zum Teil ein hohes wissenschaftliches Niveau aufweisen. Auffallend ist zudem der stark unterschiedliche Stil der einzelnen Artikel.  des Bundesverwaltungsgerichts haben denn auch ergeben, dass sich die gleichen Artikel auch unter anderer Autorenschaft im Internet finden lassen. Die angebliche journalistische Tätigkeit der  ist damit nicht glaubhaft und damit auch nicht die Gefahr, die heimatlichen Behörden könnten sie deshalb als Regimegegnerin einstufen.
5.4.3 Insgesamt erscheint es daher entgegen der Auffassung der  – ungeachtet möglicher Überwachungsaktivitäten der äthiopischen Behörden – überwiegend unwahrscheinlich, dass  von ihrer exilpolitischen Aktivität Kenntnis erlangt und sie  identifiziert und registriert haben, was sie im Falle einer Rückkehr nach Äthiopien einer erhöhten Verfolgungsgefahr aussetzen würde. Es fehlen denn auch jegliche Hinweise dafür, dass gegen sie aufgrund  exilpolitischen Tätigkeit in Äthiopien ein Strafverfahren oder andere behördliche Massnahmen eingeleitet worden wären. Selbst wenn die exilpolitische Aktivität der Beschwerdeführerin den äthiopischen  zu einem späteren Zeitpunkt bekannt werden sollte, so  es angesichts der eher bescheidenen Quantität und Qualität ihres Engagements als unwahrscheinlich, dass sie deswegen bei einer Rückkehr nach Äthiopien eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu gewärtigen hätte.
6. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsfurcht zu begründen. Das Bundesamt hat die Flüchtlingseigenschaft demnach zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
Seite 11
D-6287/2008
7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine  Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).
8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das  nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige  von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).
Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt  ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner  ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat  (Art. 83 Abs. 3 AuG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des  vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere , unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
Seite 12
D-6287/2008
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der  nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der  noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei - ner Ausschaffung nach Äthiopien dort mit beachtlicher  einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen  für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti- müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen; EGMR,  gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die allgemeine  in Äthiopien lässt den Wegweisungsvollzug zum heuti - gen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder  auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
8.4.1 In Äthiopien herrscht zurzeit keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb in konstanter Praxis von der generellen Zumutbarkeit des
Seite 13
D-6287/2008
Wegweisungsvollzugs nach Äthiopien ausgegangen wird (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-7416/2007 vom 27. November 2009, D-5356/2006 vom 8. Juni 2009, D-3894/2006 vom 25.  2008). Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen Äthiopien und Eritrea am 12. Dezember 2000 kam es zwar zu  Wiederaufflackern des Grenzkonfliktes; immerhin scheinen aber sowohl Äthiopien als auch Eritrea den Schiedsspruch der hierfür eingesetzten internationalen Kommission, welcher am 13. April 2002 ergangen ist, grundsätzlich zu akzeptieren, und ein erneuter offener Ausbruch des Konflikts konnte bis heute erfolgreich verhindert werden. Aufgrund der aktuellen Situation in Äthiopien kann im Falle einer  der Beschwerdeführerin nicht von einer konkreten Gefährdung ausgegangen werden.
8.4.2 In den Akten finden sich auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin aus individuellen Gründen  und sozialer Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. Es ist ihr, die gemäss eigenen Angaben über eine  Schulbildung, eine Ausbildung als Coiffeuse und über Berufserfahrung im administrativen Bereich verfügt (A1 S. 2, A14 S. 6), zuzumuten, sich erneut in Äthiopien niederzulassen und dort eine  aufzubauen. Zudem gab sie an, dass ihre Mutter und vier  sowie ein Halbbruder in Addis Abeba leben (A1 S. 3, A14 S.4), weshalb sie bei einer Rückkehr dorthin nicht allein auf sich  ist.
8.4.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der  Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr  Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
9. Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu . Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig,  und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).
Seite 14
D-6287/2008
10. Die Beschwerdeführerin stellte mit ihrem zweiten Asylgesuch  ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Das BFM behandelte dieses Gesuch in seiner Verfügung vom 1. September 2008 fälschlicherweise nicht und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–. Vorliegend gilt es festzuhalten, dass die Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Einreichung des zweiten Asylgesuches beim BFM nicht als  bezeichnet werden konnten. Dem mit dem zweiten Asylgesuch  Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche  hätte somit entsprochen werden müssen (Art. 17b Abs. 2 AsylG). Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin deshalb zu Unrecht die Verfahrenskosten von Fr. 600.– auferlegt.
11. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit darin die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, die Asylgewährung und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragt wird. Hinsichtlich des Gesuches um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG vor der Vorinstanz ist sie jedoch . Die Dispositivziffer 6 der angefochtenen Verfügung vom 1.  2008 ist aufzuheben.
12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären der Beschwerdeführerin reduzierte Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgelt  Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 16. Oktober 2008 gutgeheissen wurde, sind keine  aufzuerlegen.
13. Teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine reduzierte Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen und  hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die  der Beschwerdeführerin hat es bisher unterlassen, eine  einzureichen. Der Aufwand lässt sich jedoch hinreichend  abschätzen. Die von der Vorinstanz zu entrichtende reduzierte Parteientschädigung ist auf Fr. 100.– (inkl. Auslagen und ) festzusetzen (Art. 14 des Reglements vom 21. Februar 2008
Seite 15
D-6287/2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem  [VGKE, SR 173.320.2]) .
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 16
D-6287/2008