Decision ID: bfb8d49e-b692-4b50-9fc8-30411659536a
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Hagmann, Obere Bahnhofstrasse 11,
Postfach, 9501 Wil SG 1,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (medizinische Abklärung)
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Sachverhalt:
A.
A.a B._ stürzte am 10. Juli 2000 bei der Arbeit als gastronomische Mitarbeiterin zu
Boden (act. G 4.8). Am 24. November 2005 meldete sie sich zum Bezug von IV-
Rentenleistungen an. Sie berichtete, seit dem Sturzereignis vom 10. Juli 2000 an
Schmerzen in der linken Körperhälfte und im Rücken zu leiden (act. G 4.1).
A.b Der behandelnde Dr. med. A._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
diagnostizierte im Bericht vom 13. Februar 2006 mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine andauernde Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F62), ein
mittelgradig depressives Zustandsbild bei rez. depressiven Episoden (ICD-10: F33.1),
ein lumboradikuläres Reizsyndrom L4/5 links und eine funktionelle Dysbalance links.
Die bisherige Tätigkeit und auch andere Tätigkeiten seien der Versicherten nicht mehr
zumutbar. Im Nachtrag vom 17. Februar 2006 beantragte er eine "100%ige
Berentung" (act. G 4.10-5 ff. und G 4.11).
A.c Am 25. Juni 2007 wurde die Versicherte von der ABI Aerztliches Begutachtungs-
institut GmbH interdisziplinär (psychiatrisch und orthopädisch) untersucht. Die
Experten diagnostizierten im Gutachten vom 21. August 2007 mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre
Symptomatik (ICD-10: M54.5) und beginnende degenerative Veränderungen im unteren
Lendenwirbelsäulenbereich (ICD-10: M47/M51.3). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden ein linksbetontes multilokuläres Schmerzsyndrom im
Rahmen einer Schmerzverarbeitungsstörung, weitestgehend ohne klinisches Korrelat
(ICD-10: R52.1/F54) sowie ein Hallux valgus links, derzeit im Alltagsleben
beschwerdearm (ICD-10: M20.1). Für die bisherige, körperlich zumindest
intermittierend schwere Arbeit sei die Beschwerdeführerin voll arbeitsunfähig; für
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit einer Hebe- und Traglimite von
10 kg, die in wechselnder Körperposition und ohne länger dauernde Zwangshaltungen
der unteren Wirbelsäule durchgeführt werden könnten, sei die Versicherte zeitlich und
leistungsmässig uneingeschränkt arbeitsfähig (act. G 4.32-19 ff.).
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A.d Mit Vorbescheid vom 7. Dezember 2007 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen. Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades
von 1,5% bewertete sie die Versicherte als zu 15% im Haushalt tätig und zu 85%
erwerbstätig (act. G 4.37).
B.
B.a Im dagegen am 22. Februar 2008 erhobenen Einwand macht die Versicherte
geltend, es liege ein Invaliditätsgrad von 100% vor. Zur Begründung verweist sie auf
Arztberichte des behandelnden Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 23. Januar 2006 und 17. Januar 2008 (act. G 4.42.16 ff.). Für den
Fall, dass die IV-Stelle dieser Auffassung nicht folgen würde, beantragte die
Versicherte die Vornahme weiterer Abklärungen, da das ABI-Gutachten nicht
beweistauglich sei (act. G 4.42).
B.b Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz (vgl.
die RAD-Stellungnahme vom 30. April 2008; act. G 4.43) verfügte die IV-Stelle am
6. Mai 2008 im Sinn des Vorbescheids vom 7. Dezember 2007 (act. G 4.44).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 6. Mai 2008 richtet sich die Beschwerde vom 9. Juni
2008. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge
deren Aufhebung und die Zusprache einer ganzen Rente. Eventualiter sei die Sache zu
ergänzenden medizinischen Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Zur Begründung führt sie an, dass das ABI-Gutachten nicht beweistauglich und
gestützt auf die Einschätzungen des behandelnden Psychiaters von einer vollständigen
Invalidität auszugehen sei (act. G 1). Mit der Beschwerde reicht die Beschwerdeführerin
einen Bericht der behandelnden Masseuse vom 17. Mai 2008 ein (act. G 1.4).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit der Beschwerdeantwort vom 1. September
2008 die Beschwerdeabweisung. Im Wesentlichen stellt sie sich auf den Standpunkt,
dass das ABI-Gutachten beweistauglich und die Ablehnung eines Rentenanspruchs
gestützt darauf zu Recht ergangen sei. Die von der gutachterlichen Beurteilung
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abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte und Masseuse vermöchten
daran nichts zu ändern (act. G 4).
C.c Die Beschwerdeführerin hält in der Replik vom 16. Oktober 2008 unverändert
an ihren gestellten Begehren fest (act. G 6).
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Rentenleistungen
streitig.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 6. Mai
2008 (act. G 4.44) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
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der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
1.2 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität im Sinn Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a Abs. 2 IVG: Es ist darauf abzustellen, in welchem
Mass die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche
Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische
Tätigkeiten (Art. 27 IVV). Die Bestimmung von Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die so
genannte gemischte Methode der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil
erwerbstätig und zum Teil im Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen
"gemischten" Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ist entsprechend der
Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens
zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine
Viertelsrente.
2.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
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Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3.
Die Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung vom 6. Mai 2008 in
medizinischer Hinsicht auf das ABI-Gutachten vom 21. August 2007 gestützt (act.
G 4.32). Die Beschwerdeführerin bringt gegen diese medizinische Grundlage
verschiedene Einwände vor.
3.1 Gegen den Beweiswert des ABI-Gutachtens führt die Beschwerdeführerin die
Berichte des behandelnden Psychiaters vom 23. Januar 2006 und vom 17. Januar
2008 ins Feld (act. G 4.42-16 ff.).
3.1.1 Was den Bericht vom 23. Januar 2006 (act. G 4.42-19 ff.) anbelangt, so ist zu
bemerken, dass dieser mehr als ein Jahr vor der ABI-Begutachtung vom 25. Juni 2007
ergangen ist und deshalb nicht geeignet ist, Mängel an der gutachterlichen
Einschätzung darzulegen. Des Weiteren hat sich der psychiatrische ABI-Gutachter mit
den Erkenntnissen des behandelnden Psychiaters auseinandergesetzt und fassbar die
davon abweichende Auffassung begründet. Zwar diskutierte er dabei nicht den Bericht
vom 23. Januar 2006, sondern den etwas später ergangenen vom 26. Juli 2006 (act.
G 4.32-14). Im Umstand, dass der Gutachter lediglich den im Zeitpunkt der
Begutachtung aktuelleren Bericht des behandelnden Psychiaters diskutierte, kann aber
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kein Mangel erblickt werden, zumal dieser inhaltlich mit demjenigen vom 23. Januar
2006 übereinstimmte und sämtliche medizinisch wesentlichen Punkte enthielt; offenbar
versehentlich nannte der Psychiater als Behandlungszeitraum das Jahr 2005 (Januar
bis Februar) statt 2006, wie dem ersten Bericht vom 23. Januar 2006 zu entnehmen ist
(vgl. zum Bericht vom 26. Juli 2006 act. G 4.22).
3.1.2 Im Bericht vom 17. Januar 2008 setzt sich Dr. C._ eingehend mit dem
psychiatrischen Teil des ABI-Gutachtens auseinander und gelangt zur Erkenntnis, dass
es sich dabei bloss um eine Momentaufnahme handle, aus der völlig falsche Schlüsse
gezogen worden seien. Er kritisiert an der gutachterlichen Befunderhebung, dass
fast alle Fakten fehlen würden, die auf eine depressive Erkrankung hindeuten (wie etwa
Konzentrationsstörungen, Schlaf- und Appetitstörungen, negative
Zukunftsperspektiven, Gefühl der Wertlosigkeit; act. G 4.42-17). Dem ist zu entgegnen,
dass der psychiatrische Gutachter Kenntnisse über die Schlafstörungen hatte, keine
Konzentrationsdefizite feststellen konnte ("bei klarem Bewusstsein", "voll orientiert";
"die Explorandin ist in der Lage ihre Konzentration und Aufmerksamkeit während der
50min. Untersuchung zu halten"), keine Hinweise auf eine psychotische Störung fand
und die Stimmung der Beschwerdeführerin ausführlich beschrieb (act. G 4.32-12 f.). Es
ergeben sich somit aus der genannten Rüge sowie aus dem übrigen Bericht vom
17. Januar 2008 keine objektiv fassbaren Punkte, die vom psychiatrischen Gutachter
bei seiner Beurteilung nicht berücksichtigt worden wären. Insbesondere beschrieb
auch der Gutachter ein auffälliges Verhalten der Beschwerdeführerin, das aber nach
seiner Beobachtung nur sehr diskret war, weshalb er zur Zeit keinen Bedarf für
weitergehende Abklärungen sah. Wenn der Gutachter in dieser Situation keine
Rückfragen bei Dr. C._ vornahm, kann das nicht als fehlerhaft bezeichnet werden.
Schliesslich musste der Gesuchsteller aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin
annehmen, dass sie nicht mehr in Behandlung bei Dr. C._ stand (act. G 4.32-12). Im
Arztbericht vom 26. Juli 2006 führte auch Dr. C._ aus, dass die Beschwerdeführerin
sich bei ihm "im Januar bis Februar 2005" (richtig 2006) in Behandlung befunden habe
(act. G 4.22-1). Die vom Gutachten abweichende Auffassung von Dr. C._ scheint
ärztlicher Interpretation zu entspringen. Ein den Beweisanforderungen grundsätzlich
genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a und b) - wie das
vorliegende ABI-Gutachten - kann jedoch rechtsprechungsgemäss nicht in Frage
gestellt werden, wenn und sobald die behandelnden Ärzte nachher zu einer
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unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden
Auffassungen festhalten, sofern keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte
vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und
die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 13. März 2006, I 676/05, E. 2.4). Nach dem Gesagten ist die
Beurteilung von Dr. C._ nicht geeignet, den Beweiswert des ABI-Gutachtens zu
erschüttern und einen weiteren Abklärungsbedarf zu begründen. Ergänzend ist darauf
hinzuweisen, dass eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht
ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher
praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind,
sofern der Experte - wie vorliegend - lege artis vorgegangen ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 16. Mai 2008, 8C_809/2007, E. 4.1).
3.2 Die Stellungnahme der behandelnden Masseuse vom 17. Mai 2008 (act. G 4.4) ist
offensichtlich nicht geeignet, die Aussagekraft des ABI-Gutachtens zu schmälern. Die
Masseuse verfügt über keine umfassende (fach-)ärztliche Ausbildung; sie erklärt im
Wesentlichen denn auch lediglich den Behandlungsbedarf für Massagen.
3.3 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die Gutachter hätten eine vorgefasste
Meinung gehabt (act. G 4.42-1), so kann ihr nicht gefolgt werden. Es ergeben sich aus
dem ABI-Gutachten keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin unter
Berücksichtigung sachfremder Gesichtspunkte beurteilt worden wäre.
3.4 Bezüglich der übrigen vom Gutachten abweichenden Einschätzungen der
behandelnden Ärzte (vgl. act. G 4.42-5 ff.) ist anzumerken, dass diese alle vor der
Begutachtung ergangen und bei der Erstellung des ABI-Gutachtens berücksichtigt
worden sind. Ferner setzte sich der orthopädische Gutachter mit ihnen auseinander
und begründete die von ihm gemachten Erkenntnisse, sofern sie von den
Einschätzungen der behandelnden Mediziner abwichen (act. G 4.32-6 ff. und
4.32-18 f.).
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3.5 Bei der Würdigung des ABI-Gutachtens fällt weiter ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die
medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Die Attestierung einer
100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten leuchtet in der Darlegung
der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen
nicht berücksichtigt worden wären. Die Beschwerdegegnerin hat damit der
Bestimmung des Invaliditätsgrades zu Recht die Leistungsfähigkeitsbeurteilung des
ABI-Gutachtens zugrunde gelegt. Die von den ABI-Gutachtern beschriebene
medizinische Grundlage ist naturgemäss nur solange einschlägig, als sich die
gesundheitlichen Verhältnisse nicht wesentlich ändern. Sollte sich das vom
psychiatrischen Gutachter umschriebene, auffällige Verhalten der Beschwerdeführerin
verstärken, könnte sich ein neuer Abklärungsbedarf zeigen, wie der Gutachter
festgehalten hat (act. G 4.32-13). Das wäre gegebenenfalls in einem
Neuanmeldungsverfahren zu prüfen.
4.
Abgesehen von der medizinischen Beurteilung der Leistungsfähigkeit blieb die
Invaliditätsbemessung zwischen den Parteien unbestritten. Es ergeben sich aus den
Akten auch keine Hinweise dafür, dass der von der Beschwerdegegnerin im Rahmen
der sogenannten gemischten Methode ermittelte nicht rentenbegründende
Invaliditätsgrad unzutreffend wäre.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr geleistete
bis
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Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht