Decision ID: b58696c4-9306-4192-a854-de4a75144347
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y. und B.Y. sind nach eigenen Angaben Eigentümer des Grundstücks
Nr. 0000 (ehemals: Parzelle Nr. 0001), Grundbuch Q., welches mit dem Wohnhaus
Assek.-Nr. 0002 und der Scheune Assek.-Nr. 0003 überbaut ist. Nach dem
rechtskräftigen Zonenplan der Politischen Gemeinde Q. ist dieses Grundstück der
Landwirtschaftszone zugewiesen. überdies befindet es sich in der Moorlandschaft X.,
welche gemäss Anhang 1 der Verordnung über den Schutz der Moorlandschaften von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung (Moorlandschaftsverordnung; SR
451.35, MoorLV) im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit
und von nationaler Bedeutung als Objekt Nr. 04 verzeichnet ist. Sodann liegt es
gemäss dem kantonalen Richtplan in einem Lebensraum bedrohter Arten (Schongebiet
R.-S., vgl. Koordinationsblatt V 31, Vorranggebiete Natur und Landschaft) sowie in
einem Streusiedlungsgebiet (vgl. Koordinationsblatt IV 15, Siedlungsgliedernde
Freiräume). Im Weiteren ist es nach der kommunalen Schutzverordnung der Politischen
Gemeinde Q. (SchutzV) dem Moorlandschafts- sowie dem Landschaftsschutzgebiet
und dessen Nordostecke dem übergangsbereich (Pufferzone) zugeordnet (act. 5, S. 4
Ziff. III./1, act. 10/11/1 und 8, act. 10/17 und 10/17/27, www.bafu.admin.ch,
www.sg.ch, www.geoportal.ch).
B. Mit raumplanungsrechtlicher Teilverfügung vom 10. Juni 2004 stellte das Amt
für Raumentwicklung und Geoinformation (AREG, ehemals: Amt für Raumentwicklung)
fest, das Wohnhaus Assek.-Nr. 0002 werde rechtmässig zu nichtlandwirtschaftlichen
Zwecken genutzt. Gleichzeitig stimmte es der Umnutzung der Scheune Assek.-Nr.
0003 zu nichtlandwirtschaftlichen Zwecken zu. Gestützt auf diese Verfügung sowie
diejenige des Amtes für Umweltschutz und Energie (AFU, ehemals: Amt für
Umweltschutz) vom 8. Juni 2004 bewilligte die Politische Gemeinde Q. am 24. Juni
2004 ein Baugesuch von A.Y. vom 1. März 2004 für die Umnutzung der Scheune
Assek.-Nr. 0003 von landwirtschaftlicher in eine zonenfremde Nutzung ohne bauliche
Massnahmen. In der Folge bewilligte das Landwirtschaftsamt mit Gesamtverfügung
vom 21. September 2004 unter anderem die Aufteilung des landwirtschaftlichen
Grundstücks Nr. 0001 in einen landwirtschaftlichen und einen nichtlandwirtschaftlichen
(Parzelle Nr. 0000) Teil (act. 10/17/1-3, act. 6/3).
C.
Am 12. September 2011 reichten A.Y. und B.Y. ein Baugesuch für den Abbruch des
Wohnhauses Assek.-Nr. 0002 und den Neubau eines Einfamilienhauses auf Parzelle Nr.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
0000 ein. Während der öffentlichen Auflage vom 26. September 2011 bis 9. Oktober
2011 ging eine Einsprache der Stiftung WWF Schweiz (www.zefix.ch) ein. Am 9.
Januar 2012 führte die Politische Gemeinde Q. mit Vertretern des AREG und des
Amtes für Jagd und Fischerei (ANJF) einen Augenschein durch. Am 2. Februar 2012
berichtigte der Vertreter des ANJF per E-Mail die Aktennotiz zum Augenschein
(expediert am 31. Januar 2012). Mit E-Mails vom 19., 20. und 27. Januar 2012 listete
der zuständige Sachbearbeiter des AREG zuhanden der Projektverfasserin (K. AG, St.
Gallen) mehrere gestalterische, gewässerschutz- und erschliessungsrechtliche Mängel
des Bauvorhabens auf. Daraufhin reichten A.Y. und B.Y. am 12. Februar 2012 revidierte
Baupläne („Ansicht Nord + Ost“ sowie „Ansicht Süd + West“) ein, welche offenbar im
vereinfachten Verfahren beurteilt wurden. Mit Vorbescheid vom 7. Mai 2012 stellte das
AREG gestützt auf die Stellungnahme des ANJF vom 19. April 2012 in Aussicht, die
Zustimmung zur Baubewilligung zu verweigern. Mit raumplanungsrechtlicher
Teilverfügung vom 30. April 2013 verweigerte das AREG die Zustimmung zur
Baubewilligung. Am 11. Juli 2013 hiess die Politische Gemeinde Q. die Einsprache der
Stiftung WWF Schweiz gut und verweigerte die Baubewilligung. Gleichzeitig widerrief
sie ihre Verfügungen vom 30. Mai und 1. Juli 2013, mit welchen sie die Baubewilligung
verweigert hatte (act. 10/11/1-5 und 9, act. 10/17/4/3-7, 43-52, 57 und 64, act. 6/8, 9
und 14).
D.
Gegen die Verfügung der Politischen Gemeinde Q. vom 11. Juli 2013 rekurrierten A.Y.
und B.Y. durch ihren Rechtsvertreter am 18. Juli 2013 beim Baudepartement. Am 19.
Juli 2013 schrieb das Baudepartement die gegen die Verfügungen der Politischen
Gemeinde Q. vom 30. Mai und 1. Juli 2013 von A.Y. und B.Y. am 17. Juni resp. 10. Juli
2013 erhobenen Rekurse zufolge Gegenstandslosigkeit ab. Mit Entscheid vom
28. März 2014 wies das Baudepartement den Rekurs vom 18. Juli 2013 ab (act. 2/2
und act. 10/1 und 6, Beilage 15).
E.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gegen den Rekursentscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 28. März 2014
liessen A.Y. und B.Y. (Beschwerdeführer) durch ihren Rechtsvertreter am 9. April 2014
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren erheben, der
angefochtene Entscheid sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Stiftung WWF Schweiz (Beschwerdegegnerin) aufzuheben, die Einsprache der
Beschwerdegegnerin abzuweisen und die Baubewilligung zu erteilen (act. 1). Am
15. Mai 2014 ergänzten die Beschwerdeführer ihre Beschwerde mit einer Begründung
(act. 5). Mit Vernehmlassung vom 11. Juni 2014 schloss die Vorinstanz auf Abweisung
der Beschwerde (act. 9). Am 1. September 2014 liess sich die Beschwerdegegnerin mit
dem Antrag vernehmen, die Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen, soweit
darauf einzutreten sei. Zusätzlich beantragte sie, es sei bei der Eidgenössischen Natur-
und Heimatschutzkommission (ENHK) ein Gutachten einzuholen (act. 18). Am 17.
September 2014 wies sie das Bundesamt für Umwelt BAFU und dasjenige für
Raumentwicklung ARE auf das vorliegende Beschwerdeverfahren hin (act. 22). Mit
Replik vom 14. November 2014 bestätigten die Beschwerdeführer ihre Anträge und
Ausführungen (act. 28). Am 21. November 2014 duplizierte die Beschwerdegegnerin
unter Festhalten an ihren Anträgen (act. 31).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als
Adressaten des Rekursentscheids sind die Beschwerdeführer zur Ergreifung des
Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 9. April 2014 (act. 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt zusammen
mit der Ergänzung vom 15. Mai 2014 (act. 5) die formellen und inhaltlichen
Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf
die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführer beantragen, die Einsprache der
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin sei – in Aufhebung der Verfügung der Beschwerdebeteiligten vom
11. Juli 2013 – abzuweisen. Die erstinstanzliche Verfügung vom 11. Juli 2013 ist durch
den angefochtenen Entscheid ersetzt worden bzw. gilt inhaltlich als mitangefochten
(sogenannter Devolutiveffekt, vgl. BGer 2C_249/2014 vom 27. März 2015 E. 1.3 mit
Hinweis auf BGE 138 II 169 E. 3.3). Ebenfalls nicht einzutreten ist auf die Beschwerde,
soweit die Beschwerdeführer sinngemäss beantragen, die Vorinstanz müsse im Falle
einer Abweisung der Beschwerde für den ihnen entstandenen Schaden in der Höhe
von Fr. 44‘214.00 aufkommen (act. 28, S. 11 Ziff. 3). Zum einen erfolgte dieser Antrag
offensichtlich verspätet (vgl. Art. 61 Abs. 3 VRP und verfahrensleitende Verfügung vom
11. April 2014, act. 4). Zum anderen sind die Beschwerdeführer diesbezüglich auf den
Zivilrechtsweg zu verweisen (vgl. Art. 72 lit. a VRP und Art. 13 des Gesetzes über die
Haftung der öffentlich-rechtlichen Körperschaften und Anstalten und die
Verantwortlichkeit der Behörden und öffentlichen Angestellten,
Verantwortlichkeitsgesetz; sGS 161.1, VG, siehe auch BGer 4A_483/2012 vom
7. März 2013 E. 4.1 mit Hinweisen).
2.
Soweit die Beschwerdeführer einen Augenschein verlangen (act. 5, S. 4 und 24), ist
festzuhalten, dass sich die vorliegend entscheidenden tatsächlichen Verhältnisse aus
den Verfahrensakten, insbesondere der Aktennotiz und der Fotodokumentation zum
Augenschein vom 9. Januar 2012 (act. 10/11/3, act. 10/17/4/52-54), und dem öffentlich
zugänglichen Geoportal (www.geoportal.ch) ergeben. Im Übrigen ergibt sich aus
Erwägung 7.5 hiernach, dass der aktuelle Zustand des Wohnhauses Assek.-Nr. 0002
nicht entscheidrelevant ist. Auf die Durchführung eines Augenscheins durch das
Gericht kann verzichtet werden. Aus demselben Grund kann von der von den
Beschwerdeführern beantragten Zeugeneinvernahme (act. 5, S. 5) abgesehen werden.
3.
Soweit die Beschwerdeführer der Vorinstanz in Bezug auf das Baugesuch vom 12.
September 2011 und den Augenschein vom 9. Januar 2012 hinsichtlich der
aufgeführten Jahreszahl eine falsche Sachverhaltsfeststellung vorhalten (act. 5, S. 5 f,
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ziff. 6 und 8), sind ihre Einwände berechtigt. Diese Einwände bleiben jedoch ohne
Einfluss auf den Rechtsspruch des angefochtenen Entscheids.
4.
Soweit sich die Beschwerdegegnerin am 17. September 2014 bemüssigt sah, das
BAFU und das ARE auf das vorliegende Beschwerdeverfahren hinzuweisen (act. 22), ist
anzumerken, dass der vorliegende Beschwerdeentscheid ohnehin dem ARE und dem
BAFU zu eröffnen ist (vgl. Art. 1 lit. c der Verordnung über die Eröffnung
letztinstanzlicher kantonaler Entscheide in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, SR
173.110.47, in Verbindung mit Art. 89 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes über das
Bundesgericht, Bundesgerichtsgesetz; SR 173.110, BGG, und Art. 48 Abs. 4 der
Raumplanungsverordnung, SR 700.1, RPV, sowie Art. 27 Abs. 2 lit. e der Verordnung
über den Natur- und Heimatschutz; SR 451.1, NHV).
5.
Weiter beantragt die Beschwerdegegnerin (act. 18, S. 2 und 4), es sei ein Gutachten
der ENHK einzuholen.
5.1.
Gemäss Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (SR 451,
NHG) obliegt die Beurteilung, ob ein Gutachten einer eidgenössischen Kommission im
Sinne von Art. 25 Abs. 1 NHG einzuholen ist, der kantonalen Fachstelle gemäss Art. 25
Abs. 1 NHG, wenn für die Erfüllung einer Bundesaufgabe der Kanton zuständig ist
(siehe auch Art. 2 Abs. 3 und 4 NHG). Die Begutachtung ist nach Art. 7 Abs. 2 NHG
obligatorisch, wenn bei der Erfüllung der Bundesaufgabe ein Objekt, das in einem
Inventar des Bundes nach Art. 5 NHG aufgeführt ist, erheblich beeinträchtigt werden
kann oder sich in diesem Zusammenhang grundsätzliche Fragen stellen (vgl. BGer
1C_361/2008 vom 27. April 2009 E. 7.4 sowie BGE 138 II 281 E. 4.3 und N. Dajcar,
Natur- und Heimatschutz-Inventare des Bundes, Zürich 2011, S. 127). Ob das
Moorlandschaftsschutzinventar neben dem Bundesinventar der Landschaften und
Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN), dem Bundesinventar der
schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung (ISOS) sowie dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) ein Inventarobjekt im
Sinne von Art. 5 und 7 NHG ist, hat das Bundesgericht bisher offen gelassen (zuletzt in:
BGE 138 II 281 E. 4.3.2 unter anderem mit Hinweis auf Seitz/Zimmermann,
Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz NHG: Bundesgerichtliche
Rechtsprechung 1997-2007, in: URP 2008, S. 103 ff., S. 124 f.). Gemäss der Botschaft
des Bundesrates zu einem Bundesgesetz über die Koordination und Vereinfachung der
Plangenehmigungsverfahren (BBl 1998, S. 2591 ff., S. 2609) werden von Art. 5
und 7 NHG nur das BLN und das ISOS erfasst. Demzufolge fällt das
Moorlandschaftsinventar nach dem Willen des Verordnungsgebers nicht unter Art. 5
und 7 NHG (gleicher Meinung: J. Leimbacher, in: Keller/Zufferey/Fahrländer [Hrsg.],
Kommentar NHG, Zürich 1997, Art. 7 N 2), auch wenn sich dies aus dem Wortlaut von
Art. 5 NHG nicht ohne weiteres ergibt. Diese Auslegung in der bundesrätlichen
Botschaft blieb im Rahmen der parlamentarischen Beratungen vom 6. Oktober 1998
bis 18. Juni 1999 (Geschäftsnummer 98.017) unbestritten (AB 1998, S. 1062 ff.,
AB 1999 S. 53 ff, 440 ff., 599, 1007 f., 1405 f., www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch),
weshalb sich das Verwaltungsgericht dieser Interpretation des Bundesrates
anschliesst.
5.2.
Der vorliegend strittige Wiederaufbau des nicht landwirtschaftlich genutzten
Wohnhauses Assek.-Nr. 0002 auf dem Grundstück Nr. 0000 entspricht nicht dem
Zonenzweck und bedarf daher einer Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. des
Bundesgesetzes über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz; SR 700, RPG), weshalb
eine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 Abs. 1 lit. b NHG vorliegt (vgl. BGE 136 II 214
E. 3 mit Hinweisen). Das Baugrundstück Nr. 0000 gehört zwar zur Moorlandschaft X.,
welche im Anhang 1 MoorLV als Inventarobjekt Nr. 04 figuriert, befindet sich jedoch
nicht im Perimeter eines BLN- (etwa dem E.-Gebiet Nr. 0005, www.bafu.admin.ch),
ISOS- (www.bak.admin.ch) oder IVS-Gebietes (www.ivs.admin.ch). Die Begutachtung
durch die ENHK (vgl. Art. 23 Abs. 1 lit. a und Abs. 4 NHV) ist somit gemäss Art. 7 Abs.
2 NHG nicht obligatorisch. Folglich ist davon abzusehen.
6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Beschwerdeführer halten sodann dafür (act. 5, S. 15 f.), das Baugrundstück
Nr. 0000 habe sich bereits im Jahr 2004 im nationalen Moorschutzgebiet X. befunden.
In seiner Verfügung vom 10. Juni 2004 sei das AREG zum Schluss gekommen, dass
einem künftigen Ersatzneubau keine überwiegenden Interessen entgegenstünden und
die Zustimmung zu einem künftigen Ersatzbau in Aussicht gestellt werden könne. Das
AREG habe in der Folge verkannt, dass diese im Jahr 2004 erfolgte
Interessenabwägung im Rahmen der Baubewilligung nicht erneut durchzuführen sei.
Vielmehr sei in einem ordentlichen Bewilligungsverfahren bereits rechtskräftig
entschieden worden, dass einem Wiederaufbau keine Interessen entgegenstehen
würden und daher der Moorlandschaftsschutz ihre Interessen nicht überwiege. Indem
das AREG in seiner raumplanungsrechtlichen Teilverfügung vom 30. April 2013 erneut
eine Interessenabwägung durchgeführt und dabei gar zu einem anderen Ergebnis
gekommen sei, begehe es eine Ermessensüberschreitung.
6.1.
Im Zivilprozess verbietet die materielle Rechtskraft in negativer Hinsicht jedem Gericht,
auf eine spätere Klage einzutreten, deren Streitgegenstand mit dem rechtskräftig
beurteilten (res iudicata, d.h. abgeurteilte Sache im Sinne von Art. 59 Abs. 2 lit. e der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO) identisch ist,
sofern der Kläger nicht ein schutzwürdiges Interesse an der Wiederholung des früheren
Entscheides geltend machen kann (vgl. BGE 139 III 126 E. 3.1 mit Hinweisen).
Demgegenüber wird die Baubewilligung nicht materiell rechtskräftig. Als
Verwaltungsverfügung erlangt sie lediglich formelle Rechtskraft (vgl. BGE 91 I 94 E. 3a
mit Hinweisen und Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen –
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, St. Gallen 2003, N 1077 ff.
unter anderem mit Hinweis auf GVP 1998 Nr. 1 sowie A. Baumann, Kommentar zum
Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013, § 59 N 52). Dies zeigt sich daran, dass die
Baubewilligung, sofern davon nicht fristgerecht Gebrauch gemacht wird, erlischt (vgl.
Art. 88 des Gesetzes über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht, Baugesetz;
sGS 731.1, BauG, und VerwGE B 2014/181 vom 24. März 2016 E. 2.1 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch) und sie von der erlassenden Behörde oder der Aufsichtsbehörde
unter Umständen widerrufen werden kann (vgl. Art. 28 VRP sowie VerwGE B 2012/245
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 9. Oktober 2013 E. 4.1 und BGer 1C_673/2013 vom 7. März 2014 E. 5.2 mit
Hinweisen).
6.2.
Bei dieser Rechtslage ist es von vornherein nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz
in Erwägung 3.5 des angefochtenen Entscheides (act. 2/2, S. 12) das Vorliegen einer
res iudicata verneint hat. Sodann reichten die Beschwerdeführer im konkreten Fall zwar
bereits am 1. März 2004 (act. 6/3) ein Baugesuch ein, welches indessen einzig die
Nutzungsänderung der Scheune Assek.-Nr. 0003 und nicht etwa einen Ersatzbau für
das Wohnhaus Assek.-Nr. 0002 auf Parzelle Nr. 0000 umfasste. Ferner lautet das
Dispositiv der Verfügung des AREG vom 10. Juni 2004 (act. 10/17/2/2-4), soweit hier
von Interesse, wie folgt:
„1. Es wird festgestellt, dass das Wohnhaus Assek.-Nr. 0002 im Sinne der
Erwägungen rechtmässig zu nichtlandwirtschaftlichen Zwecken genutzt wird.
2. Die Zustimmung zur Umnutzung der Scheune Assek.-Nr. 0003 wird im Sinne
der Erwägungen erteilt. [...]“.
Unter Erwägung A., welche aufgrund des Verweises im Dispositiv („im Sinne der
Erwägungen“) zu berücksichtigen ist, wird zum Wohnhaus Assek.-Nr. 0002
festgehalten, Überprüfungen im Rahmen eines Augenscheins hätten ergeben, dass im
vorliegenden Fall die bestimmungsgemässe Nutzbarkeit der Baute noch gegeben sei.
Nach Art. 42 Abs. 4 RPV könne folglich eine Zustimmung zu einem künftigen Ersatzbau
in Aussicht gestellt werden. Art. 42 Abs. 4 Satz 1 RPV setzt für den Wiederaufbau einer
Baute oder Anlage voraus, dass sie im Zeitpunkt der Zerstörung oder des Abbruchs
noch bestimmungsgemäss nutzbar war und an ihrer Nutzung ein ununterbrochenes
Interesse besteht. Die Voraussetzung der Vereinbarkeit mit wichtigen Anliegen der
Raumplanung ergibt sich hingegen nicht aus Art. 42 Abs. 4 Satz 1 RPV. Entgegen der
Darstellung der Beschwerdeführer lässt sich demnach weder aus dem Dispositiv noch
aus den Erwägungen zum Wohnhaus Assek.-Nr. 0002 in der Verfügung des AREG vom
10. Juni 2004 ableiten, dass das AREG den Wiederaufbau dieses Wohnhauses
hinsichtlich der Frage, ob einem solchen überwiegende Interessen (Art. 43a lit. e RPV)
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
resp. wichtige Anliegen der Raumplanung (Art. 24c Abs. 5 RPG) entgegenstehen,
bereits beurteilt hat. Wie aus Erwägung B. Ziff. 8 und C. Ziff. 10 hervorgeht, bezog sich
der Satz „Entgegenstehende wichtige Anliegen der Raumplanung sind nicht
ersichtlich.“ vielmehr auf die Umnutzung der Remise Assek.-Nr. 0003. Der Vorinstanz
kann nicht vorgeworfen werden, sie hätte die Verfügung des AREG vom 30. April 2013
wegen rechtsfehlerhafter Ermessensüberschreitung aufheben müssen.
7.
Die Beschwerdeführer vertreten zudem die Auffassung (act. 5, S. 9-15), ein
Wiederaufbau sei nicht von vornherein ausgeschlossen. Das strittige Bauprojekt
beeinträchtige keine Schutzziele. Der Moorschutz werde durch die Bewilligung des
Baugesuchs in keiner Weise tangiert. Ursprünglich sei das Wohnhaus Assek.-Nr. 0002
kein Ferienhaus, sondern ein traditionelles Toggenburger Bauernhaus gewesen. Dieses
habe zusammen mit dem dazugehörigen ökonomiegebäude Assek.-Nr. 0003 bis 1963
der Bewirtschaftung des umliegenden Landes gedient. Dementsprechend weise das
Wohnhaus einen Zusammenhang zur ursprünglichen traditionellen landwirtschaftlichen
Nutzung des Moorgebietes X. auf. Die im Toggenburg typische Streusiedlung trage
massgebend zur Identität der Landschaft bei und sei als Siedlungsstruktur gemäss Art.
4 Abs. 1 lit. b MoorLV zu erhalten. Da sich das Wohnhaus in einem bauhygienisch
schlechten Zustand befinde, müsse es abgebrochen und wiederaufgebaut werden.
Dieses Vorhaben stehe mit der Absicht des Gesetzgebers, in Moorlandschaften eine
angepasste, nachhaltige Weiterentwicklung zu ermöglichen, in Einklang. Die
Moorlandschaften sollten gerade nicht als reines Natur-Biotop, sondern als von
Menschen geprägte Kulturlandschaft geschützt werden. Diesbezüglich habe die
Vorinstanz den Entscheid des Bundesgerichts BGE 138 II 281 E. 6.2 unvollständig
zitiert. Wenn das Baugesuch verweigert werde, hätte dies nicht etwa zur Folge, dass
das bestehende Wohnhaus abgerissen werden müsste. Die Fläche und Qualität der
Moorlandschaft X. mit ihrer typischen Flora und Fauna bliebe in beiden Fällen
unverändert. Dementsprechend habe das AREG in seiner Verfügung vom 30. April
2013 anerkannt, dass mit dem Wiederaufbau die Identität der Landschaft gewahrt sei.
Art. 5 Abs. 2 lit. d MoorLV schliesse die Bewilligungsfähigkeit des Baugesuchs nicht
aus und sei ohnehin nicht direkt anwendbar, sondern halte die Kantone lediglich an, die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zum Erreichen der Schutzziele erforderlichen Schutz- und Unterhaltsmassnahmen zu
treffen.
7.1.
Soweit das positive Verfassungs- und Gesetzesrecht einzelne Aspekte der allgemeinen
Interessenabwägung nach Art. 24c Abs. 5 RPG und Art. 43a lit. e RPV konkreter regelt,
ist das Bauvorhaben im Baubewilligungsverfahren vorweg nach diesen Sondernormen
zu prüfen (vgl. BGer 1C_415/2014 vom 1. Oktober 2015, in ZBl 6/2016 S. 323 ff. nicht
publizierte E. 2.4 mit Hinweisen). Art. 78 Abs. 5 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) sieht ein grundsätzliches
Veränderungsverbot sowohl für Moore als auch für Moorlandschaften vor. Zulässig
sind nur Einrichtungen, wenn sie dem Schutzziel dienen (sog. Schutzzieldienlichkeit).
Im Gegensatz dazu treffen das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (SR
451, NHG) und das darauf gestützte Verordnungsrecht eine Unterscheidung zwischen
Mooren (d.h. Moorbiotopen; Art. 23a NHG) und Moorlandschaften (Art. 23b ff. NHG).
Gemäss Art. 23d Abs. 1 NHG sind die Gestaltung und die Nutzung der
Moorlandschaften zulässig, soweit sie der Erhaltung der für die Moorlandschaft
typischen Eigenheiten nicht widersprechen. Insofern gilt in Moorlandschaften kein
absolutes Veränderungsverbot, sondern es ist jeweils zu prüfen, ob ein Vorhaben mit
den Schutzzielen vereinbar ist (sog. Schutzzielverträglichkeit, vgl. zur Vereinbarkeit von
Art. 23d Abs. 1 NHG mit Art. 78 Abs. 5 BV: Dajcar, a.a.O., S. 143 f.). Dabei ist eine
Interessenabwägung nicht zulässig. Ist ein Eingriff mit den Schutzzielen nicht vereinbar,
ist er unzulässig, und zwar – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer (vgl.
act. 1, S. 6) – unabhängig von den anderen auf dem Spiel stehenden Interessen (vgl.
BGE 138 II 281 E. 6.2). Unter diesen Voraussetzungen sind nach Art. 23d Abs. 2 NHG
insbesondere die land- und forstwirtschaftliche Nutzung (lit. a), der Unterhalt und die
Erneuerung rechtmässig erstellter Bauten und Anlagen (lit. b), Massnahmen zum
Schutz von Menschen vor Naturereignissen (lit. c) sowie die für die Anwendung der lit.
a bis c notwendigen Infrastrukturanlagen (lit. d) zulässig. Die Aufzählung in
Art. 23d NHG ist nicht abschliessend. Neben den ausdrücklich genannten Nutzungen
sollen auch militärische Nutzungen und eine sanfte touristische Nutzung möglich sein
(vgl. BGE 138 II 281 E. 6.2 und Art. 5 Abs. 2 lit. e MoorLV). Als sanfter Tourismus ist die
Nutzung als Wanderweg oder Rastplatz, nicht aber diejenige als Ferienhaus zu werten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts Bern VGE 100.2012.463 vom 7. Juli 2014 E. 6.6 mit
Hinweisen, in: URP 2014 S. 668 ff., S. 680). Darüber hinaus bleibt für weitere als die in
Art. 23d Abs. 2 NHG umschriebenen Nutzungen nur ein sehr enger Raum (vgl. BGE
138 II 281 E. 6.3). Art. 5 Abs. 2 lit. d MoorLV schreibt vor, dass Bauten und Anlagen,
die weder mit der Gestaltung und Nutzung nach Art. 5 Abs. 2 lit. c MoorLV (vgl. zur
deklaratorischen Wirkung von Art. 5 Abs. 2 lit. c MoorLV: Dajcar, a.a.O., S. 144 f.) in
Zusammenhang stehen noch der Biotoppflege oder der Aufrechterhaltung der
typischen Besiedlung im Sinne von Art. 4 Abs. 1 lit. b MoorLV dienen, nur ausgebaut
oder neu errichtet werden dürfen, wenn sie nationale Bedeutung haben, unmittelbar
standortgebunden sind und den Schutzzielen nicht widersprechen (kritisch hinsichtlich
der Kriterien der Standortgebundenheit und der nationalen Bedeutung: Dajcar, a.a.O.,
S. 145 f.).
7.2.
Eine Moorlandschaft ist eine in besonderem Mass durch Moore geprägte, naturnahe
Landschaft. Ihr moorfreier Teil steht zu den Mooren in enger ökologischer, visueller,
kultureller oder geschichtlicher Beziehung (Art. 23b Abs. 1 NHG). Die Moorlandschaft
X. beeindruckt gemäss der Beschreibung im Moorlandschaftsinventar (Art. 2 in
Verbindung mit Anhang 2 MoorLV, www.bafu.admin.ch) durch ihren ungewöhnlichen
Reichtum an Hoch- und Flachmooren mit einer Vielzahl unterschiedlicher Moortypen, -
ausbildungsformen und -elementen. Der südlichste Teil der Moorlandschaft, in
welchem die Parzelle Nr. 0000 liegt, ist durch langgezogene Moormulden und mächtige
Schichtrippen stark gegliedert. Über die nassen Mulden und trockenen Molasserippen
breitet sich ein Mosaik von Streuewiesen, extensiv genutzten Weiden, Dornhecken,
Gehölzen und Adlerfarnfluren aus. Eine Vielzahl von Streuehütten, vereinzelte
Torfhütten, Feldscheunen und Höfen im Toggenburger Stil bildet die für die Region
typische Streusiedlung.
7.3.
Beim Schutz der Moorlandschaft steht – anders als bei den Mooren – nicht der
Biotopschutz im Vordergrund, sondern der landschaftliche Aspekt (vgl. BGE 127 II 184
E. 5c). Dabei ist ein strenger Massstab anzulegen und grundsätzlich jede zusätzliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beeinträchtigung des Landschaftsbilds zu verhindern (vgl. BGer 1A.124/2003 vom 23.
September 2003 E. 5.7, in: URP 2003 S. 731 ff., S. 745). In den Moorlandschaften gilt
als allgemeines Schutzziel die Erhaltung jener natürlichen und kulturellen Eigenheiten
der Moorlandschaften, die ihre besondere Schönheit und nationale Bedeutung
ausmachen. Der Bundesrat legt Schutzziele fest, die der Eigenart der
Moorlandschaften angepasst sind (Art. 23c Abs. 1 NHG). Die Einzelheiten zu den
Schutzzielen regelt Art. 4 Abs. 1 MoorLV. Danach ist in allen Objekten die Landschaft
vor Veränderungen zu schützen, welche die Schönheit oder die nationale Bedeutung
der Moorlandschaft beeinträchtigen (lit. a). Zudem sind die für Moorlandschaften
charakteristischen Elemente und Strukturen zu erhalten, namentlich
geomorphologische Elemente, Biotope, Kulturelemente sowie die vorhandenen
traditionellen Bauten und Siedlungsmuster (lit. b). Auf die nach Art. 20 NHV
geschützten Pflanzen- und Tierarten sowie die in den vom Bundesamt erlassenen oder
genehmigten Roten Listen aufgeführten, gefährdeten und seltenen Pflanzen- und
Tierarten ist besonders Rücksicht zu nehmen (lit. c). Die nachhaltige moor- und
moorlandschaftstypische Nutzung ist zu unterstützen, damit sie so weit als möglich
erhalten bleibt (lit. d). Die Kantone konkretisieren die Schutzziele aufgrund der
Objektbeschreibungen in Anhang 2 zur MoorLV (Art. 4 Abs. 2 MoorLV und Art. 23c
Abs. 2 NHG). Die Vorschriften der MoorLV, durch welche die Nutzung der
ausgeschiedenen Schutzgebiete eingeschränkt wird, und die dazugehörigen
Schutzpläne bilden einen Nutzungsplan im Sinne von Art. 14 RPG (vgl. BGer 1A.
129/2002 vom 9. April 2003 E. 1.1). Dementsprechend hat die Beschwerdebeteiligte
gestützt auf Art. 99 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 101 Abs. 1 BauG die Moorlandschaft
X. in der kommunalen SchutzV als Moorlandschaftsschutzgebiet ausgeschieden
(www.geoportal.ch). Der Vorwurf der Beschwerdeführer, das Grundstück Nr. 0000
werde von keiner kommunalen Schutzzone erfasst (act. 5, S. 10), trifft damit nicht zu.
Nach Art. 8 Abs. 1 Satz 2 SchutzV sind die Eigenart und Vielfalt der Moorlandschaft
ungeschmälert zu erhalten. Innerhalb des Moorlandschaftsschutzperimeters sind nur
Tätigkeiten erlaubt, soweit sie mit den Schutzzielen gemäss Art. 4 MoorLV vereinbar
sind. Untersagt sind insbesondere das Erstellen von Bauten und Anlagen, soweit sie
nicht für eine angepasste Nutzung notwendig sind (Abs. 2). Das Erstellen von neuen
sowie der Wiederaufbau oder die Erweiterung von bestehenden Bauten und Anlagen
sind zulässig, wenn diese für eine dem Gebiet angepasste land- oder
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
forstwirtschaftliche Nutzung notwendig sind oder Massnahmen zum Schutz von
Menschen vor Naturereignissen betreffen. Die angestammte touristische Nutzung
bleibt gewährleistet, soweit sie nicht im Widerspruch zu den Schutzzielen steht (Abs. 3,
vgl. hierzu Art. 5 Abs. 2 lit. e MoorLV sowie zum Begriff „sanfte touristische Nutzung“ E.
7.1 hiervor). In Anhang 2 SchutzV werden unter „Landschaftsschutz“ folgende
besonderen Schutzziele für das Gebiet X. festgelegt:
· Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaft mit überwiegender Streue- und
Extensivweidenutzung.
· Erhaltung der moortypischen Kulturelemente wie Torfstiche, Torf- und
Riedhütten. Aufrechterhaltung und Förderung der angestammten Funktionen der
Riedhütten. Verhinderung der Zweckentfremdung, allenfalls Verlagerung der Funktion
auf andere (moorschonende) Landwirtschaftszwecke, beispielsweise zur
Geräteaufbewahrung.
· Erhaltung der landschaftstypischen Kulturelemente wie Stauteiche, Sägereien
(bei ... und ...) und Feldställe.
· Keine neuen Umnutzungen von Ried- und Torfhütten und Ferienhäusern. Keine
(kritischen) touristischen Nutzungen im Moorbereich.
7.4.
Nach Angaben der Beschwerdeführer diente das bestehende Wohnhaus Assek.-
Nr. 0002 als traditionelles Toggenburger Bauernhaus zusammen mit der Scheune
Assek.-Nr. 0003 auf Parzelle Nr. 0000 bis 1963 der Bewirtschaftung des umliegenden
Landes (vgl. act. 5, S. 12, act. 10/17/2/12). Seither wird es sporadisch zu Erholungs-
oder Wohnzwecken genutzt und soll nach dem Willen der Beschwerdeführer auch
nach dem Wiederaufbau weiterhin in gleicher Weise genutzt werden (vgl. Schreiben
vom 30. Mai 2012, act. 10/17/4/96, und Aktennotiz zum Augenschein vom 9. Januar
2012, act. 10/17/4/52). Selbst wenn das bestehende Wohnhaus nach Einschätzung
des AREG vor 1920 als landschaftstypischer Hof im Toggenburger Stil erbaut wurde
(vgl. raumplanungsrechtliche Teilverfügung vom 30. April 2013, act. 10/11/8 E. A7, S. 5
f., sowie Fotos zum Augenschein vom 9. Januar 2012, act. 10/11/3) und einst der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
landwirtschaftlichen Nutzung der Moore diente, dient der geplante Abbruch und
Wiederaufbau des Ferienhauses nicht mehr im Sinne von Art. 78 Abs. 5 Satz 3 BV
direkt oder indirekt dem Schutz der Moorlandschaft, zumal keine Rede davon sein
kann, dass durch den Wiederaufbau eine bestehende, die Moorlandschaft stärker
beeinträchtigende Baute ersetzt werden soll und daraus eine für den
Moorlandschaftsschutz positive Gesamtbilanz resultierte (vgl. BGer 1A.124/2003 vom
23. September 2003 E. 4.4 mit Hinweis auf B. Waldmann, Der Schutz von Mooren und
Moorlandschaften, Freiburg 1997, S. 289-291).
Sodann fällt der strittige Wiederaufbau nicht unter die zulässigen Nutzungen gemäss
Art. 23d Abs. 2 NHG: Er weist keinen Zusammenhang mit der land- oder
forstwirtschaftlichen Nutzung der Moorlandschaft X. im Sinne von Art. 23d Abs. 2
lit. a NHG und Art. 8 Abs. 3 SchutzV oder mit Massnahmen zum Schutz von Menschen
vor Naturereignissen im Sinne von Art. 23d Abs. 2 lit. c NHG und Art. 8 Abs. 3 SchutzV
auf. Zudem kann die touristische Nutzung als Ferienhaus nach dem Gesagten (vgl. E.
7.1 hiervor) – trotz der gegenteiligen Auffassung der Beschwerdeführer (act. 28, S. 4
Ziff. III./1) – offensichtlich nicht als „sanft“ bezeichnet werden. Bei einer
gesetzeskonformen Auslegung von Art. 8 Abs. 3 Satz 2 SchutzV kann es sich dabei
folglich auch nicht um eine „angestammte touristische Nutzung“ handeln. Überdies ist
nach Art. 23d Abs. 2 lit. b NHG bei rechtmässig erstellten Bauten und Anlagen der
Unterhalt und die Erneuerung, nicht aber eine Erweiterung zulässig. Die Unzulässigkeit
von Erweiterungen schliesst erst recht den Wiederaufbau aus (vgl. BGE 138 II 23 E. 3.3
mit Hinweisen und BGer 1C_515/2012; 1C_517/2012 vom 17. September 2013 E. 5.6
und 6.1, in: URP 2013 S. 707 ff., S. 717 und 719, unter anderem mit Hinweis auf
Waldmann, a.a.O., S. 260, und P. M. Keller, Kommentar NHG, Zürich 1997, Art. 23d N
14, siehe auch Art. 8 MoorLV, wonach die Kantone dafür sorgen, dass bestehende
Beeinträchtigungen von Objekten bei jeder sich bietenden Gelegenheit soweit als
möglich behoben werden). Schliesslich gehört das bestehende Wohnhaus Assek.-
Nr. 0002, welches abgebrochen werden soll, selbst als ursprünglich
landschaftstypische Baute aufgrund seiner langjährigen Nutzung als Ferienhaus ohne
Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung der Moore nicht mehr zu den
charakteristischen Elementen der Moorlandschaft X. und stellt deshalb keine
moorlandschaftstypische Besiedlung im Sinne von Art. 4 Abs. 1 lit. b und Art. 5 Abs. 2
lit. d MoorLV (typische Streusiedlung) mehr dar, zu deren Erhaltung unter Umständen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auch neue Bauten und Anlagen (z.B. zur Lückenschliessung) bewilligt werden dürfen
(vgl. BGer 1C_515/2012; 1C_517/2012 vom 17. September 2013 E. 5.5, in: URP 2013
S. 707 ff., S. 716 f.). Entgegen der Meinung der Beschwerdeführer (act. 5, S. 12) weicht
der vorliegende Sachverhalt insoweit nicht von demjenigen im Entscheid BGer
1C_515/2012; 1C_517/2012 vom 17. September 2013 ab.
Im Weiteren verstösst der strittige Wiederaufbau angesichts dessen, dass ein strenger
Massstab anzulegen ist und grundsätzlich jede zusätzliche Beeinträchtigung des
Moorlandschaftsbilds zu verhindern ist (vgl. BGer 1A.40/2005 vom 7. September 2005
vom E. 4.3), gegen die Schutzziele gemäss Art. 23c Abs. 1 NHG und Art. 4 Abs. 1
MoorLV sowie Art. 8 Abs. 1 Satz 2 und Anhang 2 SchutzV, zumal die Beeinträchtigung
einer Landschaft in ihrem Gesamtwert in aller Regel nicht durch einen einzigen Eingriff,
sondern durch die Kumulation vieler, für sich allein nicht allzu gravierender Eingriffe
bewirkt wird. Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 1. September
2014 (act. 18, S. 4 Ziff. 9 Abs. 2) zutreffend ausgeführt hat, verträgt sich der geplante
Neubau hinsichtlich des Baustils, der Materialien, der Form und Farbe nicht mit dem
Schutzgebot der Moorlandschaft X. resp. beeinträchtigt die für die Moorlandschaft X.
typische Besiedlung (vgl. Pläne „Ansicht Nord + Ost“ und „Ansicht Süd + West“ je vom
10. Februar 2012, act. 10/11/1, und Stellungnahme des ANJF vom 19. April 2012, act.
10/11/4). Mehrere solcher Neubauten würden sich auf die Moorlandschaft X. in ihrer
Gesamtheit störend auswirken. Wie die Vorinstanz in Erwägung 2.3.2 des
angefochtenen Entscheids (act. 2/2, S. 10) überdies mit Recht erwog, würde durch den
Wiederaufbau eine vollständig neue Baute entstehen, wodurch die
Schutzzielbeeinträchtigung in zeitlicher Hinsicht massgeblich verlängert würde. Soweit
die Beschwerdeführer ihre Argumentation darauf aufbauen (act. 5, S. 9 und 11 f.), das
AREG habe festgestellt, die Identität im Sinne von Art. 24c Abs. 2 RPG und Art. 42
Abs. 1 bis 3 RPV sei gewahrt (act. 10/11/8, S. 6, und act. 5, S. 11), geht ihr Einwand an
der Sache vorbei bzw. bleibt ohne Einfluss auf die fehlende Schutzzielverträglichkeit.
Dasselbe gilt, soweit sie einwenden, die Vorinstanz habe den Entscheid BGE 138 II 281
E. 6.2 insofern unvollständig zitiert, als gemäss diesem unter anderem die traditionelle
Besiedlung und Nutzung der Moorlandschaften beibehalten und deren angepasste und
nachhaltige Weiterentwicklung ermöglicht werden solle. Folglich kann der Vorinstanz in
diesem Zusammenhang (vgl. act. 5, S. 9) auch keine mangelhafte Begründungsdichte
vorgeworfen werden (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 58 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 24
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abs. 1 lit. a VRP und BGE 140 II 262 E. 6.2 mit Hinweis). Ebenfalls ohne Einfluss auf die
fehlende Schutzzielverträglichkeit bleiben ihre Einwände, das Bauvorhaben befinde
sich in einem Streusiedlungsgebiet (vgl. Art. 39 und Art. 43a lit. e RPV) und Art. 5
Abs. 2 lit. d MoorLV sei nicht grundeigentümerverbindlich. Dementsprechend kann
offen bleiben, ob Art. 5 Abs. 2 lit. d MoorLV grundeigentümerverbindlich ist und den
verbleibenden Spielraum mit den Kriterien der nationalen Bedeutung und der
Standortgebundenheit korrekt umschreibt.
Abgesehen davon, dass der Wiederaufbau von vornherein unzulässig ist und die
Erhaltung und Modernisierung einer bestehenden Baute nur Massnahmen im Rahmen
der normalen Lebensdauer umfassen dürfen (vgl. BGer 1C_515/2012; 1C_517/2012
vom 17. September 2013 E. 6.1), würde sich das Wiederaufbauverbot im Übrigen auch
nicht als unverhältnismässig erweisen. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass
die Altbaute nicht mehr zeitweilig bewohnt oder touristisch genutzt werden kann (vgl.
Aktennotiz zum Augenschein vom 9. Januar 2012, act. 10/17/4/52 ff.). Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführer (act. 5, S. 4 und 12) ändert daran nichts, dass die Baute
den heutigen Anforderungen an ein Wohnhaus (Raumhöhe etc.) sowie den aktuellen
energetischen Standards nicht genügt und sie teilweise (Bereich des Schweinestalls)
baufällig ist. Wie die Beschwerdeführer selbst einräumen (vgl. Schreiben der
Projektverfasserin vom 3. November 2011, act. 10/11/2), sind die Wohnräume in gutem
Zustand und werden auch nach wie vor benutzt. Überdies ist die Küche mit Stube in
sehr gutem Zustand. Die elektrische Beleuchtung funktioniert und der Herd und der
Kachelofen sind voll funktionstüchtig.
Wie die Vorinstanz in Erwägung 2.4 des angefochtenen Entscheides (act. 2/2, S. 10)
zutreffend festgehalten hat, kann dem Bauvorhaben aus diesen Gründen keine
Baubewilligung erteilt werden.
8. Die Beschwerdeführer machen weiter geltend, die nachgesuchte
Baubewilligung müsse zufolge des Vertrauensschutzes (act. 5, S. 16 ff., act. 28, S. 5 ff.)
zugestanden werden. Das Verhalten und die Äusserungen der kantonalen Amtsstellen
stellten eine ausreichende Vertrauensgrundlage dar. In der Verfügung des in der Sache
zuständigen AREG vom 10. Juni 2004 sei eine Zustimmung zu einem künftigen
Ersatzneubau in Aussicht gestellt worden. Insbesondere sei darin festgehalten worden,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dass dem Bauvorhaben keine wichtigen Anliegen der Raumplanung entgegenstünden.
Zudem seien sie anlässlich der Zwischeninformationen und Besprechungen, welche
vor Einreichung des Baugesuchs zwischen Vertretern der Projektverfasserin und des
AREG stattgefunden hätten, zu keinem Zeitpunkt darauf aufmerksam gemacht worden,
dass ihr Bauprojekt aufgrund des Moorschutzes aussichtslos sei. Die Vorbehalte des
AREG hätten lediglich gestalterische Vorschriften und Anforderungen an die
Erschliessung betroffen. Sodann habe der Vertreter des AREG anlässlich des
Augenscheins vom 9. Januar 2012 den Moorschutz mit keinem Wort erwähnt. Der
Vertreter des ANJF habe ihnen bezüglich des Moorschutzes versichert, die
Bestandesgarantie sei gewahrt und ein Wiederaufbau möglich. Im
Augenscheinprotokoll werde festgehalten, dass ein Wiederaufbau des Wohnhauses
sicher möglich sei. Sowohl die E-Mails vom 19. und 20. Januar 2012, worin der
Mitarbeiter des AREG die noch zu klärenden Punkte aufgelistet habe, als auch die
Summe der behördlichen Auskünfte und Verhaltensweisen seit 2004 seien geeignet
gewesen, bei ihnen Vertrauen in die Bewilligungsfähigkeit zu begründen. Im Weiteren
hätten sie zunächst keine Kenntnis davon gehabt, dass sich ihr Baugrundstück in einer
Moorlandschaft von nationaler Bedeutung befinde. Später seien sie zwar über diesen
Sachverhalt informiert worden, gleichzeitig sei ihnen von den Behörden aber versichert
worden, die Bestandesgarantie sei gewahrt, was sie in ihrem Vertrauen in die
Bewilligungsfähigkeit des Bauprojekts bestärkt habe. Sie hätten das vorliegende
Baugesuch, für dessen Projektierung und Planung ihnen Kosten in der Höhe von rund
Fr. 44‘000.-- entstanden seien, nicht gestellt, wenn ihnen das AREG im Jahr 2004
mitgeteilt hätte, dass ein Wiederaufbau aufgrund des Moorschutzes nicht zulässig sei.
Die Sach- und Rechtslage habe sich seit 2004 nicht geändert. Die Aussage des
Bundesgerichts im Entscheid BGE 138 II 281 E. 6.2, wonach keine
Interessenabwägung zulässig sei, beziehe sich auf die Bewilligungsfähigkeit eines
Bauvorhabens und nicht auf die Gewährung des Vertrauensschutzes. Ein allfälliger
Eingriff in den Moorlandschaftsschutz liege höchstens in der Veränderung des
bestehenden Zustands durch den Wiederaufbau. Der Eingriff wiege nur sehr leicht.
Demgegenüber hätten sie während über einem Jahr viel Zeit und Geld in ihr Vorhaben
investiert, ohne dass ihnen seitens der zuständigen Behörden jemals mitgeteilt worden
wäre, dass ein Wiederaufbau aufgrund des Moorlandschaftsschutzes gar nicht möglich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sei. Die Ablehnung des Baugesuchs sei für sie mit schwerwiegenden Konsequenzen
verbunden.
8.1. Nach dem in Art. 9 BV verankerten Grundsatz von Treu und Glauben kann eine
(selbst unrichtige) Auskunft, welche eine Behörde dem Bürger erteilt, unter gewissen
Umständen Rechtswirkungen entfalten. Kumulative Voraussetzungen dafür sind, dass:
- es sich um eine vorbehaltlose Auskunft der Behörden handelt;
- die Auskunft sich auf eine konkrete, den Bürger berührende Angelegenheit
bezieht;
- die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, hierfür zuständig war oder der
Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte;
- der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres hat erkennen
können;
- der Bürger im Vertrauen hierauf nicht ohne Nachteil rückgängig zu machende
Dispositionen getroffen hat;
- die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie im Zeitpunkt
der Auskunftserteilung;
- das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige des
Vertrauensschutzes nicht überwiegt
(vgl. BGE 137 II 182 E. 3.6.2 mit Hinweisen, VerwGE B 2014/16 vom 30. Juni 2015 E.
3.1 mit Hinweisen auf BGer 1C_378/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 3.2 und VerwGE
B 2013/193 vom 11. November 2014 E. 2.2.1, www.gerichte.sg.ch, sowie Wiederkehr/
Richli, Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band I, Bern 2012, N 1971). Für
Zusicherungen gelten die gleichen Voraussetzungen wie für Auskünfte (vgl. Tschannen/
Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, Bern 2014, § 22 N 19).
http://www.gerichte.sg.ch/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
8.2. Zunächst sind keine vorbehaltlosen Auskünfte oder Zusicherungen der
zuständigen Behörden erkennbar, welche geeignet gewesen wären, bei den
Beschwerdeführern das Vertrauen in die Bewilligungsfähigkeit des Wiederaufbaus zu
begründen. Das AREG hat im Jahr 2004 zwar offensichtlich übersehen, dass die
Liegenschaft Nr. 0000 im Perimeter der Moorlandschaft X. liegt. Wie bereits hiervor
unter E. 6 ausgeführt, bezog sich die Verfügung des AREG vom 10. Juni 2004 (act.
6/4), soweit darin unter Erwägung B. Ziff. 8 und C. Ziff. 10 festgestellt wurde, dass
keine entgegenstehenden wichtigen Anliegen der Raumplanung ersichtlich seien,
indessen einzig auf das Baugesuch vom 1. März 2004 (act. 6/3) für die Umnutzung der
Remise Assek.-Nr. 0003 von landwirtschaftlicher in eine zonenfremde Nutzung ohne
bauliche Massnahmen. Dieses Baugesuch sowie die Feststellung in der Verfügung vom
10. Juni 2004, das Wohnhaus Assek.-Nr. 0002 werde rechtmässig zu
nichtlandwirtschaftlichen Zwecken genutzt, dienten als Grundlage für die
Gesamtverfügung des Landwirtschaftsamtes vom 21. September 2004 (act. 10/17/3),
mit welcher das Grundstück Nr. 0000 abparzelliert wurde. Ein Baugesuch der
Beschwerdeführer für den Abbruch und den Wiederaufbau des Wohnhauses Assek.-
Nr. 0002 lag im Jahr 2004 nicht vor. Die Beschwerdeführer reichten ein solches erst am
12. September 2011 (act. 6/6) ein. Auch war für das AREG im Jahr 2004 noch nicht
absehbar, dass die Beschwerdeführer ein solches Gesuch einreichen werden.
Schliesslich hielten diese in ihrem beim AREG am 15. Dezember 2003 eingegangenen
Schreiben (act. 10/17/2/12) lediglich fest, dass Wohnhaus Assek.-Nr. 0002 müsse
gelegentlich saniert oder allenfalls ersetzt werden. Überdies ergeben sich aus den
Akten keine Hinweise auf angebliche Zwischeninformationen und Besprechungen.
Diesbezüglich beschränken sich die Beschwerdeführer auf blosse Behauptungen.
Sodann wird in der Aktennotiz zum Augenschein vom 9. Januar 2012, welche vom
Leiter der Bau- und Liegenschaftsverwaltung der Beschwerdebeteiligten (vgl.
act. 10/17/4/53 f.) verfasst wurde, als Fazit festgehalten: „Aufgrund dieser
Besprechung kann abschliessend sicher gesagt werden, dass ein Abbruch und ein
Neubau möglich sind. Jedoch müssen einzelne Punkte noch besprochen werden“.
Offenbar stützte sich der Verfasser dabei insbesondere auf die Ausführungen des
Vertreters des ANJF. Danach steht das Wohnhaus Assek.-Nr. 0002 zwar in der
Moorlandschaft X. von nationaler Bedeutung, weshalb ein Ausbau oder eine
Erweiterung nicht zulässig sei und das Vorhaben standortgebunden sein müsse. In
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
konkreten Fall sei die Bestandesgarantie indes gewahrt. Das Gebäude könne
abgebrochen werden. Der Neubau erfolge in der ursprünglichen Grösse. Diese mit
Blick auf die massgeblichen Moorlandschaftsschutzbestimmungen (vgl. E. 7.4 Abs. 2
hiervor) in sich widersprüchliche Darstellung in der Aktennotiz des Leiters der Bau- und
Liegenschaftsverwaltung der Beschwerdebeteiligten präzisierte der Vertreter des ANJF
gegenüber dem Verfasser der Aktennotiz per E-Mail vom 2. Februar 2012 (act.
10/17/4/57) mit dem Vorbehalt, dass der Ausbau und die Neuerrichtung von
zonenfremden Bauten und Anlagen nur möglich seien, wenn das Vorhaben nationale
Bedeutung habe, unmittelbar standortgebunden sei und den Schutzzielen nicht
widerspreche. Selbst wenn der Leiter der Bau- und Liegenschaftsverwaltung der
Beschwerdebeteiligten diesen Vorbehalt im Rahmen der Protokollberichtigung den
Beschwerdeführer nicht zur Kenntnis gebracht haben sollte und sich der zuständige
Sachbearbeiter des AREG (vgl. zur Zuständigkeit des AREG bei Ausnahmen ausserhalb
der Bauzonen: Art. 87 Abs. 2 BauG und Regierungsbeschluss über den Vollzug von
Art. 77 Abs. 2 und Art. 87bis des Baugesetzes, sGS 731.10) zum
Moorlandschaftsschutz nicht äusserte, kann der zuständigen kantonalen Fachbehörde
daher keine vorbehaltlose Auskunft oder Zusicherung unterstellt werden, zumal es sich
dabei lediglich um vorläufige Meinungsäusserungen der involvierten Sachbearbeiter
handelte. Daran vermögen weder die E-Mails vom 19., 20. und 27. Januar 2012 des
zuständigen Sachbearbeiters des AREG (act. 10/17/4/43-45 und 48, act. 6/9), worin er
sich zu gestalterischen sowie zu abwasser- resp. erschliessungsrechtlichen Belangen
äusserte, noch diejenigen des Vertreters des ANJF vom 27. Januar 2012 und 20. März
2012 (act. 10/17/4/50 und 70), in welchen dieser bestätigte, dass die Anforderungen an
den Landschaftsschutz eingehalten seien, d.h. das Vorhaben den Schutzzielen nicht
widerspreche, etwas zu ändern. Dies umso mehr, als die Beschwerdeführer ihr
Baugesuch schon vor dem Augenschein vom 9. Januar 2012 eingereicht hatten. Im
Weiteren waren die Beschwerdeführer bereits im Jahr 1983 Eigentümer des
Grundstücks Nr. 0001 mitsamt dem zwischenzeitlich abparzellierten Teil
(Baugrundstück Nr. 0000, vgl. act. 10/17/4/31). Damit erscheinen ihre Beteuerungen,
sie hätten bis zum Augenschein vom 9. Januar 2012 keine Kenntnis davon gehabt,
dass sich das Baugrundstück Nr. 0000 in der Moorlandschaft X. von nationaler
Bedeutung befinde, wenig glaubhaft. Schliesslich waren der Kanton resp. die
Beschwerdebeteiligte gestützt auf Art. 23b Abs. 3 Satz 2 NHG bzw. Art. 3 Abs. 1
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
lit. a MoorLV verpflichtet, die betroffenen Grundeigentümer und damit auch die
Beschwerdeführer anlässlich der Bezeichnung der Landschaft X. als schützenswerte
Moorlandschaft von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung durch den
Bundesrat im Jahr 1996 (vgl. Anhang 1 MoorLV) resp. anlässlich der Abgrenzung der
Moorlandschaft X. mittels der kommunalen Schutzverordnung (vom Baudepartement
am 19. März 2001 genehmigt, www.geoportal.ch) anzuhören. Ferner haben die
Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem strittigen Baugesuch erst im Jahr 2011
Dispositionen (act. 6/19) getätigt. Soweit sie sich diesbezüglich auf die bereits
erstellten neuen Erschliessungsanlagen berufen, hat die Vorinstanz in ihrer
Vernehmlassung vom 11. Juni 2014 (act. 9, S. 3 Ziff. 3) zutreffend festgehalten, dass
sie dafür vorgängig keine Bewilligung eingeholt haben. Folglich kann es sich dabei
nicht um Dispositionen gestützt auf eine behördliche Auskunft handeln, die nicht ohne
Schaden rückgängig gemacht werden können. Darüber hinaus ist der Schluss der
Vorinstanz in Erwägung E. 3.6.2 des angefochtenen Entscheids (act. 2/2, S. 12 f.),
wonach das öffentliche Interesse am Schutz der Moorlandschaft X. von nationaler
Bedeutung den geltend gemachten finanziellen Interessen der Beschwerdeführer klar
vorgeht, selbst dann nicht zu beanstanden, wenn – gemäss der Darstellung der
Beschwerdeführer – im Rahmen der Prüfung des Vertrauensschutzes im
Zusammenhang mit einem Bauvorhaben in einer Moorlandschaft von nationaler
Bedeutung eine Interessenabwägung vorzunehmen ist. Die Beschwerdeführer können
sich nicht auf den Vertrauensschutz berufen.
9. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen,
soweit darauf eingetreten wird. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die
amtlichen Kosten des Verfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 3000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Diese ist mit dem Kostenvorschuss in
gleicher Höhe zu verrechnen.
Die Beschwerdegegnerin, welche sich nicht vertreten lässt, macht keine Angaben über
den getätigten (erheblichen) Aufwand. Auch sind die übrigen Voraussetzungen für eine
Umtriebsentschädigung nicht erfüllt (vgl. VerwGE B 2013/263; 2014/75 vom 28.
April 2015 E. 5 mit Hinweis auf VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 E. 4.4,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
www.gerichte.sg.ch). Trotz ihres Obsiegens kann ihr daher keine ausseramtliche
Entschädigung zugesprochen werden.