Decision ID: 03e0108d-7472-5a90-8628-4595570f1edb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 4. November 2020 in der Schweiz
um Asyl nach und gab an, er sei am (...) geboren worden.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-
dac) ergab, dass der Beschwerdeführer am (...) 2019 in Bulgarien und am
(...) 2020 in Österreich um Asyl ersucht hatte.
A.c Gestützt darauf ersuchte das SEM die bulgarischen Behörden am
6. November 2020 um zusätzliche Informationen im Sinne von Art. 34 der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufassung) (ABl. L 180/31
vom 29.6.2013; nachfolgend: Dublin-III-VO). Die bulgarischen Behörden
teilten mit, gestützt auf seine eigenen Angaben sei der Beschwerdeführer
bei ihnen mit dem Geburtsdatum (...) registriert worden.
B.
Am 23. November 2020 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer eine
Erstbefragung durch. Dabei wurde er unter anderem zu seinem Alter und
seinem Aufenthalt in Europa befragt und darüber informiert, dass er zu ei-
ner Altersabklärung eingeladen werde. Gleichzeitig wurde ihm das rechtli-
che Gehör zur Zuständigkeit Österreichs zur Durchführung des Asyl- und
Wegweisungsverfahrens gemäss Dublin-III-VO gewährt.
C.
Das Altersgutachten vom B._ datiert vom 2. Dezember 2020. Am
26. November 2020 wurden eine Röntgenuntersuchung der (linken) Hand,
eine Computertomografie der Schlüsselbein-/Brustbeingelenke, eine Pa-
noramaröntgenuntersuchung des Ober- und Unterkiefers sowie eine kör-
perliche Untersuchung durchgeführt. In der zusammenfassenden Beurtei-
lung wurde festgestellt, die erhobenen Befunde ergäben ein durchschnitt-
liches Lebensalter von (...) bis (...) Jahren. Basierend auf dem Medianwert
der radiologischen Untersuchung der Schlüsselbein-/Brustbeingelenke
liege das wahrscheinlichste Alter (...) Jahren. In einer Gesamtwürdigung
aller Untersuchungsbefunde lasse sich beim Beschwerdeführer im Zeit-
punkt der Untersuchung am 26. November 2020 ein Mindestalter von
(...) Jahren ermitteln. Das vom Betroffenen angegebene Geburtsdatum
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(chronologisches Lebensalter von (...) Jahren und (...) Monaten) könne
somit aufgrund der Ergebnisse der forensischen Altersschätzung nicht zu-
treffen.
D.
D.a Am 10. Dezember 2020 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdefüh-
rer das rechtliche Gehör zur Anpassung seines Alters auf den (...). Das
SEM informierte ihn darüber, dass es beabsichtige, sein Alter im Zentralen
Migrationsinformationssystem (ZEMIS) von Amtes wegen auf den (...) an-
zupassen.
D.b Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers nahm mit Eingabe vom
17. Dezember 2020 Stellung dazu.
D.c Die Vorinstanz passte das Geburtsdatum des Beschwerdeführers am
23. Dezember 2020 an, erfasste den (...) als sein Geburtsdatum im ZEMIS
(mit Bestreitungsvermerk) und erachtete ihn für das weitere Verfahren als
volljährig.
E.
Am 23. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie eines
Duplikats seiner Tazkira zu den Akten.
F.
F.a Am 23. Dezember 2020 ersuchte die Vorinstanz die österreichischen
Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 18
Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO.
F.b Da der Beschwerdeführer bei den österreichischen Behörden als Min-
derjähriger registriert worden war, lehnten diese das Übernahmeersuchen
zunächst ab und baten um Übermittlung des Altersgutachtens.
F.c Am 30. Dezember 2020 ersuchte die Vorinstanz die österreichischen
Behörden unter Beilage des Altersgutachtens erneut um Übernahme des
Beschwerdeführers und teilte mit, der Beschwerdeführer werde im schwei-
zerischen Asylverfahren als volljährig betrachtet.
F.d Am 11. Januar 2021 hiessen die österreichischen Behörden das Über-
nahmeersuchen gut.
G.
Mit Verfügung vom 11. Januar 2021, eröffnet am 12. Januar 2021, trat die
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Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn
aus der Schweiz in den für ihn zuständigen Dublin Mitgliedstaat Österreich
weg, hielt fest, er müsse die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwer-
defrist verlassen, und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug
der Wegweisung. Weiter stellte die Vorinstanz fest, das Geburtsdatum im
ZEMIS laute auf den (...) (mit Bestreitungsvermerk) und einer allfälligen
Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. Dem Beschwerde-
führer wurden zudem die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeich-
nis ausgehändigt.
H.
Dagegen liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin mit
Eingabe vom 19. Januar 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erheben und beantragen, die Vorinstanz und die Vollzugsbehör-
den seien einstweilig und superprovisorisch anzuweisen, bis zum Ent-
scheid über das vorliegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlun-
gen abzusehen; die angefochtene Verfügung sei aufzuheben; die Vor-
instanz sei anzuweisen, das im ZEMIS geänderte Geburtsdatum des Be-
schwerdeführers auf den (...) zu berichtigen und auf sein Asylgesuch ein-
zutreten. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Sachverhaltsabklä-
rung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der vorliegenden Beschwerde sei
die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Dem Beschwerdeführer sei die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Insbesondere sei von der Er-
hebung eines Kostenvorschusses abzusehen.
I.
Die Instruktionsrichterin ordnete am 21. Januar 2021 einen Vollzugsstopp
an.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Das Verfahren
richtet sich nach dem VwVG, dem VGG, dem BGG und dem AsylG (Art. 37
VGG und Art. 6 AsylG).
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1.2 Hinsichtlich des Nichteintretenseintscheids entscheidet das Gericht
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Die Beschwerde vom 19. Januar 2021 (gleichentags der Post überge-
ben) ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am
Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene
Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung
der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1,
Art. 50 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Bezüglich der ZEMIS-Beschwerde ist die Beschwerdefrist noch nicht
abgelaufen. Über ein Rechtsmittel kann jedoch vor Ablauf der Beschwer-
defrist befunden werden, wenn die Rechtsmitteleingabe eindeutig als ab-
schliessend zu verstehen und der Sachverhalt vollständig erstellt ist (vgl.
D-8083/2016 vom 18. Januar 2017 sowie bereits EMARK 1997 Nr. 13 E. 1;
EMARK 1996 Nr. 19 E. 3a und b). Diese Voraussetzungen sind vorliegend
erfüllt.
2.
2.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichtein-
tretensentscheid betreffend das Asylgesuch als auch gegen die ZEMIS-
Eintragung.
2.2 Mit asylrechtlicher Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.3 Hinsichtlich der ZEMIS-Berichtigung entscheidet das Bundesverwal-
tungsgericht grundsätzlich mit uneingeschränkter Kognition. Es überprüft
die angefochtene Verfügung auf Rechtsverletzungen – einschliesslich un-
richtiger oder unvollständiger Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts und Rechtsfehler bei der Ermessensausübung – sowie auf Angemes-
senheit hin (Art. 49 VwVG).
3.
In Anwendung von Art. 37 VGG i.V.m. Art. 57 Abs. 1 VwVG sowie Art. 111a
AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.).
4.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein.
4.3 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO; vgl. BVGE
2012/4 E. 3.2; FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 2014, K4
zu Art. 7). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back)
findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung
nach Kapitel III statt (vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2.1 m.w.H.).
Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
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(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-
dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat
zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.4 Gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO ist bei unbegleiteten Minderjährigen
derjenige Staat zuständig, in welchem der Antrag auf internationalen
Schutz gestellt worden ist, sofern es dem Wohl des Minderjährigen dient.
4.5 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge-
stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin-III-VO aufzuneh-
men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO).
Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen
bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten An-
trag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser
Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). Sowohl der
Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen Schutz gestellt worden
ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates
durchführt, als auch der zuständige Mitgliedstaat kann vor der Erstent-
scheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mitgliedstaat ersuchen,
den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum Zweck der Zusam-
menführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei die betroffenen
Personen diesem Vorgehen schriftlich zustimmen müssen (Art. 17 Abs. 2
Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel).
5.
5.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes
über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom
20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-
rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (ZEMIS-Verord-
nung, SR 142.513) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-
nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Aus-
kunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informa-
tionen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten,
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nach dem Bundesgesetz vom 19. Juni 1992 über den Datenschutz (DSG,
SR 235.1) und dem VwVG.
5.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass
unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25
Abs. 3 Bst. a DSG). Ist die Unrichtigkeit erstellt, besteht auf Berichtigung
ein uneingeschränkter Anspruch (vgl. statt vieler Urteil des BVGer
A-7615/2016 vom 30. Januar 2018 E. 3.2, m.w.H.). Die ZEMIS-Verordnung
sieht in Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor, dass unrichtige Daten von Amtes
wegen zu berichtigen sind.
5.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die
Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung, die Bundesbehörde im Be-
streitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personen-
daten zu beweisen (vgl. Urteil des BGer 1C_240/2012 vom 13. August
2012 E. 3.1; BVGE 2013/30 E. 4.1). Nach den massgeblichen Beweisre-
geln des VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung
sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen
Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich.
Die mit dem Berichtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach
dem Untersuchungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes
wegen abzuklären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist jedoch
gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung
mitzuwirken (vgl. Urteile des BVGer A-7588/2015 vom 26. Februar 2016
E. 3.3, A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.3 und A-2291/2015 vom
17. August 2015 E. 4.3).
5.4 Kann bei einer verlangten beziehungsweise von Amtes wegen beab-
sichtigten Berichtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige
der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder
die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1
DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Per-
sonendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger-
weise bearbeitet werden. Dies gilt namentlich auch für die im ZEMIS er-
fassten Namen und Geburtsdaten. In solchen Fällen überwiegt das öffent-
liche Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzutreffender Daten
das Interesse an deren Richtigkeit. Unter diesen Umständen sieht Art. 25
Abs. 2 DSG deshalb die Anbringung eines Vermerks vor, in dem darauf
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hingewiesen wird, dass die Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten be-
stritten ist. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die
bisherigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten an-
schliessend mit einem derartigen Vermerk zu versehen. Ob die vormals
eingetragenen Angaben weiterhin abrufbar bleiben sollen oder ganz zu lö-
schen sind, bleibt grundsätzlich der Vorinstanz überlassen. Verhält es sich
umgekehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher eingetragenen Daten
als wahrscheinlicher oder zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind
diese zu belassen und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über
dessen Anbringung ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig davon zu
entscheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl. zum
Ganzen statt vieler Urteil des BVGer A-7615/2016 vom 30. Januar 2018
E. 3.5; vgl. ferner Urteil des BGer 1C_240/2012 vom 13. August 2012
E. 3.2.; JAN BANGERT, in: Maurer-Lambrou/Blechta [Hrsg.], Datenschutz-
gesetz, Basler Kommentar, 3. Aufl., 2014, Art. 25/25bis N. 53 ff.).
6.
6.1 Die Vorinstanz hielt zur Begründung der angefochtenen Verfügung im
Wesentlichen fest, sie erachte es als erstellt, dass der Beschwerdeführer
die schweizerischen Behörden über seine Identität habe täuschen wollen.
Bei der Einreichung seines Asylgesuchs habe er geltend gemacht, am (...)
geboren worden zu sein. Bei der Erstbefragung habe er angegeben, sei-
nen Geburtstag im afghanischen Kalender nicht zu kennen. Seine Eltern
hätten ihm gesagt, er habe im Jahr (...) Geburtstag. Danach gefragt, bei
welcher Gelegenheit seine Eltern ihm sein Geburtsdatum genannt hätten,
habe er ausgeführt, er wisse nicht, wie alt er gewesen sei. Zudem seien
nebst seinem Alter und seinem Geburtsdatum auch seine Angaben zu sei-
ner Schulbildung vage und ungenau gewesen. Ferner sei er in Bulgarien
mit einem anderen Geburtsdatum registriert worden als in der Schweiz.
Darauf angesprochen, habe er behauptet, er sei dort mit einem Alter von
(...) Jahren registriert worden, wobei aber eine andere Person die Angaben
für ihn gemacht habe. Diese Aussage bleibe unbelegt, zumal die bulgari-
schen Behörden ausgeführt hätten, das Geburtsdatum des Beschwerde-
führers sei gestützt auf seine Angaben registriert worden. Das SEM gehe
davon aus, dass er in Bulgarien persönlich nach seinem Geburtsdatum o-
der Alter gefragt und auch verlangt worden sei, dass er diese relevanten
Identitätsangaben den zuständigen Behörden persönlich habe angeben
müssen.
In Österreich sei er zudem mit unterschiedlichen Alias registriert worden.
Die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend den Verlust seiner
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Tazkira seien unbelegt geblieben. Der eingereichten Kopie des Duplikats
seiner Tazkira komme keine genügende Beweiskraft zu, da in Afghanistan
viele amtliche und nicht amtliche Dokumente beliebigen Inhalts ohne Mühe
entgeltlich erworben werden könnten.
Soweit von der Rechtsvertretung darauf hingewiesen worden sei, das Ver-
halten des Beschwerdeführers entspreche nicht demjenigen einer volljäh-
rigen Person, sei dieses Indiz – mit Verweis auf die Rechtsprechung (Urteil
des BVGer E-3013/2020) – schwacher Natur. Zwar könnten das Verhalten
und das Erscheinungsbild Hinweise für oder gegen eine Minderjährigkeit
darstellen, im vorliegenden Fall sei aber gestützt auf eine Gesamtwürdi-
gung und dem Vorliegen von sehr starken Indizien für die Volljährigkeit von
dieser auszugehen.
Das vom SEM in Auftrag gegebene Altersgutachten habe ein Mindestalter
des Beschwerdeführers von (...) Jahren und ein durchschnittliches Le-
bensalter von (...) bis (...) Jahren ergeben. Basierend auf der radiologi-
schen Untersuchung der Schlüsselbein-Brustbeingelenke liege das wahr-
scheinlichste Alter bei (...) Jahren. Gemäss dem Altersgutachten sei daher
beim Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer
Volljährigkeit auszugehen. Das von ihm angegebene chronologische Le-
bensalter von (...) Jahren (bzw. inzwischen (...) Jahren) könne aufgrund
der Ergebnisse der forensischen Altersschätzung jedenfalls eindeutig nicht
zutreffen.
Die Ausführungen der Rechtsvertretung im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs vermöchten am Standpunkt, dass die Minderjährigkeit weder belegt
noch glaubhaft habe gemacht werden können, nichts zu ändern. Es sei
erstellt, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Einreichung des Asyl-
gesuchs volljährig gewesen sei. Gestützt darauf sei das Geburtsdatum des
Beschwerdeführers im ZEMIS auf den (...) geändert und mit einem Bestrei-
tungsvermerk versehen worden.
6.2 Da die österreichischen Behörden das Übernahmeersuchen gestützt
auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dulin-III-VO gutgeheissen hätten, liege die Zustän-
digkeit für das weitere Verfahren bei Österreich. Der indirekt geäusserte
Wunsch des Beschwerdeführers nach einem Verbleib in der Schweiz habe
keinen Einfluss auf die Zuständigkeit. Es lägen keine Hinweise dafür vor,
dass Österreich seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nach-
komme. Ebenso wenig lägen Gründe für die Annahme gemäss Art. 3
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Abs. 2 Dublin-III-VO vor, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-
gungen für Asylsuchende in Österreich Schwachstellen aufweise, die eine
Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne
von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 der Europäischen Men-
schenrechtskonvention (EMRK) mit sich bringen würden. Das Land habe
die Richtlinien 2013/32/EU (Verfahrensrichtlinie), 2011/95/EU (Qualifikati-
onsrichtlinie) und 2013/33/EU (Aufnahmerichtlinie) ohne Beanstandungen
von Seiten der Europäischen Kommission umgesetzt. Es sei sowohl Sig-
natarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention) als auch der EMRK. Es lägen keine
konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich nicht an seine völkerrecht-
lichen Verpflichtungen halten und die Asyl- und Wegweisungsverfahren
nicht korrekt durchführen würde. Es lägen keine systemischen Mängel in
Österreichs Asyl- und Aufnahmesystem vor. Es sei nicht davon auszuge-
hen, der Beschwerdeführer würde bei einer Überstellung dorthin gravieren-
den Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 VO Dublin
und Art. 3 EMRK ausgesetzt werden, geriete in eine existenzielle Notlage
oder würde ohne Prüfung seines Asylgesuchs und unter Verletzung des
Non-Refoulement-Gebots in seinen Heimat- oder Herkunftsstaat überstellt.
Weiter lägen auch keine Gründe nach Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vor, wel-
che die Schweiz verpflichten würden, sein Asylgesuch zu prüfen.
Der Beschwerdeführer habe angegeben, an (...) und (...) zu leiden, woge-
gen er Medikamente erhalten habe. Gemäss Abklärung bei der Unterkunft
seien keine Arztberichte vorhanden und es seien keine Arzttermine ge-
plant.
Ferner sei darauf hinzuweisen, dass Österreich über eine ausreichende
medizinische Infrastruktur verfüge und gemäss Art. 19 Abs. 1 der Richtlinie
2013/33/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 (sogenannte Aufnahmerichtlinie) verpflichtet sei, dem Beschwerde-
führer die erforderliche medizinische Versorgung, welche zumindest die
Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankhei-
ten und schweren psychischen Störungen umfasse, zu gewähren. Es sei
im Rahmen des Dublin-Systems davon auszugehen, dass der zuständige
Dublin-Staat angemessene medizinische Versorgungsleistungen erbrin-
gen könne und den Zugang zu notwendiger medizinischer Behandlung ge-
währleiste. Es lägen keine Hinweise vor, wonach Österreich dem Be-
schwerdeführer eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder zu-
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künftig verweigern würde. Der Beschwerdeführer habe in der Erstbefra-
gung auch explizit angegeben, in Österreich Medikamente erhalten zu ha-
ben. Somit sei er dort medizinisch betreut worden.
Für das weitere Dublin-Verfahren sei einzig die Reisefähigkeit ausschlag-
gebend. Diese werde erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt. Zu-
dem trage das SEM dem aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerde-
führers bei der Organisation der Überstellung nach Österreich Rechnung,
indem es die österreichischen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32
Dublin-III-VO vor der Überstellung über seinen Gesundheitszustand und
die notwendige medizinische Behandlung informiere.
In Würdigung der Akten und der vom Beschwerdeführer geäusserten Um-
stände ergäben sich somit keine Gründe für die Anwendung der Souverä-
nitätsklausel im Sinne von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO.
7.
7.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Frage, ob das
SEM zu Recht von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen
ist respektive zu Recht das Geburtsdatum (...) im ZEMIS eingetragen hat.
Die Beschwerde, die auch gegen den Nichteintretensentscheid – mithin die
Wegweisung nach Österreich gerichtet ist – wurde einzig damit begründet,
dass das SEM zu Unrecht von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers
ausgehe.
7.2 Im Asylverfahren ist die Minderjährigkeit – der allgemeinen asylrechtli-
chen Beweisregel folgend – von der beschwerdeführenden Person zumin-
dest glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und 4.2.3). Über die
Glaubhaftigkeit ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu befinden.
7.3 Gegen die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers spricht vorliegend
insbesondere die forensische Altersschätzung, welche zu einem eindeuti-
gen Fazit gelangt, wonach das wahrscheinlichste Alter des Beschwerde-
führers bei (...) Jahren und sein Mindestalter bei (...) Jahren liege. Das Al-
tersgutachten weist keinerlei Mängel auf und ist demnach ein starkes Indiz
für das von der Vorinstanz festgelegte Alter.
In Bulgarien hat der Beschwerdeführer ein anderes Geburtsdatum ange-
geben, weshalb Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Aussagen beste-
hen. Sein Einwand, eine andere Person habe damals diese Angaben für
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ihn gemacht, mag, wie bereits von der Vorinstanz festgestellt, nicht zu
überzeugen.
Soweit von der Vorinstanz gegen den Beschwerdeführer angeführt wurde,
er sei in Österreich mit verschiedenen Alias-Namen registriert worden, wird
in der Beschwerde dargetan, diese entsprächen einer unterschiedlichen
Abfolge der Namen des Beschwerdeführers (Vor- und Nachnamen, Name
des Vaters). Dies erscheint plausibel. Die verschiedenen Namensangaben
sind daher nicht als irreführende Angaben des Beschwerdeführers zu be-
urteilen.
Ein weiteres Indiz gegen die Minderjährigkeit bildet das Aussehen des Be-
schwerdeführers. Zwar ist das Aussehen grundsätzlich als schwaches In-
diz zu beurteilen (vgl. Urteil des BVGer E-3013/2020 vom 8. Juli 2020 E. 4).
Aus den Akten geht aber hervor, dass der Beschwerdeführer offenbar
selbst davon ausgeht, er sehe älter aus, als er angegeben hat. So wurde
bereits an der Erstbefragung angedeutet, er habe nicht das Aussehen ei-
nes (...)-Jährigen. Woraufhin er entgegnete, wer warmes Blut habe, habe
frühen Bartwuchs. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe, der Be-
schwerdeführer sehe deutlich jünger aus, als das im Gutachten ermittelte
Mindestalter, vermag nach dem Gesagten nicht zu überzeugen.
Der Beschwerdeführer konnte keine originalen Identitätsausweise vorle-
gen, um sein Alter beziehungsweise sein Geburtsdatum zu belegen. Seine
Schilderungen wie er die Tazkira verloren habe und schliesslich doch noch
eine Fotografie eines Duplikats habe erhältlich machen können, vermögen
nicht zu überzeugen. Er konnte denn auch nicht angeben, wann bezie-
hungsweise in welchem Zusammenhang seine Tazkira ausgestellt worden
sei (SEM-Akten 1080296 A17/14 Ziff. 4.03). An der Erstbefragung konnte
er – abgesehen davon, dass er behauptete, im Jahr 2005 geboren worden
zu sein – keinerlei Aussagen zu seinem Alter, zum Zeitpunkt als er sein
Geburtsdatum erfahren habe und zu seiner Schulbildung machen. Seine
schlichte Behauptung seine Eltern hätten ihm gesagt, er sei im Jahr 2005
geboren (a.a.O. Ziff. 1.06), kann vor dem Hintergrund, dass er sein Ge-
burtsdatum im afghanischen Kalender nicht kennt und auch sonst keinerlei
chronologische Angaben machen konnte, nicht geglaubt werden. In der
Beschwerde wird angeführt, im afghanischen Kontext sei es nicht unüblich,
dass der Beschwerdeführer nur wenig Angaben zu seinem Alter machen
könne, da dem Geburtsdatum keine grosse Bedeutung beigemessen
werde. Gerade darum erstaunt es aber umso mehr, dass er angeblich
weiss, dass er nach gregorianischem Kalender im Jahr 2005 geboren sei,
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er aber keinerlei weitere Ausführungen dazu machen kann. Beispielsweise,
weshalb er dann gerade weiss, wann er geboren wurde, und in welchem
Zusammenhang ihm dies erklärt wurde. Entgegen der in der Beschwerde
vertretenen Ansicht hat der Beschwerdeführer nämlich keine konstanten,
sondern nur knappe Angaben gemacht. Dass er in Österreich – im Gegen-
satz zu seiner Registrierung in Bulgarien – ebenfalls angegeben hat, er sei
im Jahr 2005 geboren, vermag daran nichts zu ändern.
In der Beschwerde wird eingewendet, der Beschwerdeführer verhalte sich
nicht wie eine volljährige Person. Er wirke vielmehr wie ein Kind, welchem
alles in altersgerechter Sprache erklärt werden müsse. So habe er die Fra-
gen in den Erstbefragung oft nicht verstanden und habe gedacht, die Dol-
metscherin beziehungsweise die Befragerin sei böse auf ihn. Dass der Be-
schwerdeführer das Weltbild eines Kindes habe, habe sich auch an der
Besprechung mit der Rechtsvertretung gezeigt. Er habe mit Unverständnis
und trotzigem Verhalten reagiert. Dazu ist festzuhalten, dass ein solches
Verhalten nicht alleine auf eine Minderjährigkeit deutet, können doch auch
Erwachsene aus verschiedenen Gründen durchaus ein kindliches, unselb-
ständiges Verhalten aufweisen. Eine Volljährigkeit ist aufgrund dieses Ver-
haltens des Beschwerdeführers jedenfalls nicht auszuschliessen.
7.4 Es ist unzweifelhaft, dass der Beschwerdeführer nicht, wie angegeben,
aktuell (...) Jahre alt ist. Sodann ergibt eine Würdigung, dass die Argu-
mente, die gegen die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers sprechen,
jene, die dafür sprechen, deutlich überwiegen. Es ist dem Beschwerdefüh-
rer nicht gelungen, seine Minderjährigkeit glaubhaft zu machen. Ein Zwei-
felsfall, wie in der Beschwerde vorgebracht, der die Annahme der Minder-
jährigkeit des Beschwerdeführers aufdrängen würde, liegt gerade nicht vor.
8.
8.1 Die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers wird als einziges Argu-
ment gegen die Überstellung nach Österreich angeführt. Aus den Akten
sind keine anderen Gründe ersichtlich, welche eine Zuständigkeit der
Schweiz begründen könnten, wobei auf die zutreffenden Erwägungen in
der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann (oben E. 6). Da dem
SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen zukommt
(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine geset-
zeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch
die Vorinstanz zu entnehmen sind, enthält sich das Gericht weiterer Aus-
führungen zur Frage eines Selbsteintritts.
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8.2 Die Vorinstanz ist nach dem Gesagten zu Recht in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers
nicht eingetreten und hat – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer
gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung
von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Österreich angeordnet (Art. 32
Bst. a AsylV 1).
9.
9.1 Zum gleichen Ergebnis gelangt das Gericht bei Berücksichtigung der
datenschutzrechtlichen Grundsätze. Vorliegend lässt sich das exakte Ge-
burtsdatum des Beschwerdeführers nicht beweisen. Somit sind diejenigen
Daten einzutragen, welche am wahrscheinlichsten – also überwiegend
wahrscheinlich – sind.
9.2 Aufgrund des Gutachtens, welches festhält, dass das wahrschein-
lichste Alter des Beschwerdeführers bei (...) Jahren und sein Mindestalter
bei (...) Jahren liege, und welches zudem festhält, dass sich das von ihm
angegebene Alter mit den erhobenen Befunden nicht vereinbaren lasse,
sowie dem Umstand, dass der Beschwerdeführer keine geeigneten Doku-
mente betreffend sein Alter einreichte, ohne dies nachvollziehbar erklären
zu können, erscheint das vom SEM erfasste Geburtsdatum insgesamt
wahrscheinlicher als das vom Beschwerdeführer angegebene, welches le-
diglich auf seinen nicht glaubhaften Angaben basiert und ansonsten keine
Stütze findet.
9.3 Zusammenfassend ist zwar weder die Richtigkeit des im ZEMIS einge-
tragenen Geburtsdatums noch die des vom Beschwerdeführer behaupte-
ten Geburtsdatums bewiesen. Aufgrund aller Beweismittel und Indizien
steht aber fest, dass die Volljährigkeit des Beschwerdeführers wahrschein-
licher ist als die behauptete Minderjährigkeit. Das im ZEMIS eingetragene
Geburtsdatum mit (...) ist daher unverändert zu belassen und weiterhin mit
einem Bestreitungsvermerk zu versehen.
10.
10.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweist sich der Sachverhalt
als hinreichend abgeklärt, womit das Eventualbegehren um Rückweisung
der Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts abzuweisen ist.
10.2 Die angefochtene Verfügung verletzt Bundesrecht nicht und ist auch
sonst nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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11.
11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der vorstehenden Erwä-
gungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtlos zu gelten haben.
Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gege-
ben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
11.3 Mit dem vorliegenden Urteil sind die Anträge auf Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses und auf Gewährung der aufschiebenden
Wirkung gegenstandlos geworden.
12.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt
zu geben.
(Dispositiv nächste Seite)
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