Decision ID: cd92cbec-cfe8-400b-848f-165e6a39a35f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache versuchte schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 31. Oktober 2013 (DG130149)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 25. April
2013 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 27).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Auf die Anklage betreffend Hausfriedensbruch wird nicht eingetreten.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 589 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden
sind.
4. Es wird vorgemerkt, dass die Privatkläger und der Beschuldigte bezüglich
Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren Vereinbarungen abgeschlossen
haben.
5. Die von der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich mit Verfügung vom
25. April 2012 beschlagnahmte Wodkaflasche (SK 9483) wird dem Geschä-
digten B._ nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausge-
geben und ansonsten nach Ablauf einer Frist von drei Monaten durch die
Lagerbehörde vernichtet.
6. Die von der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich mit Verfügung vom
18. April 2012 beschlagnahmten Gegenstände (Jacke und diverse Ausweis-
karten, SK 9480) werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft
auf erstes Verlangen herausgegeben und ansonsten nach Ablauf einer Frist
von drei Monaten durch die Lagerbehörde vernichtet.
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7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 19'417.– Auslagen Vorverfahren;
Fr. 420.– Kosten Kantonspolizei;
Fr. 7'000.– Gebühr Anklagebehörde.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt, aber zur Hälfte abgeschrieben.
9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Prot. II S. 14 f., sinngemäss)
1. Es sei auf die Anschlussberufung nicht einzutreten.
2. Eventualiter sei die Anschlussberufung abzuweisen.
3. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen versuchten schwe-
ren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
freizusprechen.
4. Der Beschuldigte sei für die von ihm zu Unrecht erstanden Haft ange-
messen zu entschädigen.
5. Eventualiter – im Falle eines Schuldspruchs – sei der Beschuldigte mit
einer bedingten Strafe von maximal 2 1⁄2 Jahren zu bestrafen, wobei
der aufzuschiebende Teil 1 1⁄2 Jahre betragen soll, wobei die Probezeit
für den aufzuschiebenden Teil auf 3 Jahre festzusetzen und die bereits
erstandene Haft anzurechnen sei.
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6. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass sich der Beschuldigte seit dem
26.10.2012 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
7. Die beschlagnahmte schwarze Jacke sowie die verschiedenen diver-
sen beschlagnahmten Ausweiskarten seien dem Beschuldigten her-
auszugeben.
8. Die Kosten für Untersuchung, Verfahren und Verteidigung seien auf die
Staatskasse zu nehmen, eventualiter – im Fall eines Schuldspruchs –
dem Beschuldigten nur teilweise aufzuerlegen, wobei die Gebühr für
das Vorverfahren von CHF 26'837.– auf maximal CHF 2'500.– zu redu-
zieren sei.
9. Der Beschuldigte sei mit dem heutigen Tag aus der Haft zu entlassen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 87 S. 1)
1. Ziffer 3 des Dispositivs des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und
der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren zu bestra-
fen.
2. Die erstandene Haft sei auf die ausgefällte Freiheitsstrafe anzurechnen
und es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Beschuldigte sich seit
dem 26.10.2012 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
3. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Der Beschuldigte A._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
4. Abteilung, vom 31. Oktober 2013 der mehrfach versuchten schweren Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig gesprochen. Auf die Anklage betreffend Hausfriedensbruch wurde nicht
eingetreten. Er wurde mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren, abzüglich 589 Tage,
welche durch Haft und vorzeitigen Strafvollzug erstanden waren, bestraft. Aus-
serdem wurde vorgemerkt, dass die Privatkläger und der Beschuldigte bezüglich
Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren Vereinbarungen abgeschlossen ha-
ben. Sodann wurde die Herausgabe, allenfalls Vernichtung der beschlagnahmten
Wodka-Flasche des Geschädigten B._ sowie der beschlagnahmten Gegen-
stände (Jacke und diverse Ausweiskarten) des Beschuldigten angeordnet (Urk.
73). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz festhielt, dass die
Geschädigten aufgrund ihrer Desinteressementserklärungen und der Einigung mit
dem Beschuldigten über ihre Zivilansprüche ihre Stellung als Privatkläger und
somit ihre Rechte als Partei im Verfahren verloren haben (Urk. 73 S. 4 f.).
Das vorinstanzliche Urteil wurde dem Beschuldigten und der Staatsanwalt-
schaft am 31. Oktober 2013 mündlich eröffnet und im Dispositiv übergeben
(Prot. I S. 24, Urk. 59). Mit Eingabe vom 6. November 2013 meldete der Beschul-
digte fristgerecht die Berufung an (Urk. 65). Das begründete Urteil wurde der
Staatsanwaltschaft am 14. Februar 2014 und dem Beschuldigten am 18. Februar
2014 zugestellt (Urk. 71/1-2).
Mit Eingabe vom 5. März 2014 reichte die Verteidigung des Beschuldigten
fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 75/1). Die Staatsanwaltschaft erhob
mit Schreiben vom 27. März 2014 Anschlussberufung (Urk. 82). Beweisergän-
zungen wurden keine beantragt.
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2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO).
Der Beschuldigte beantragte in seiner Berufungserklärung einen Freispruch
vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung und dass auf die Ankla-
ge im Übrigen nicht einzutreten sei. Aus seinen Anträgen geht weiter hervor, dass
die Dispositivziffern 2, 4, 5 und 6 nicht angefochten sind (Urk. 75/1 S. 1). Die
Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Anschlussberufung auf die Strafzumessung
(Dispositivziffer 3) (Urk. 82). Damit ist festzustellen, dass das Urteil des Bezirks-
gerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 31. Oktober 2013 bezüglich der Dispositivziffern
2 (Nichteintreten), 4 (Vormerknahme bezüglich Vereinbarung mit Privatklägern), 5
und 6 (Herausgabe bzw. Vernichtung beschlagnahmter Gegenstände) in Rechts-
kraft erwachsen ist.
3. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die
eingangs erwähnten Anträge stellen.
4. Die Verteidigung beantragte, auf die Anschlussberufung der Staatsan-
waltschaft nicht einzutreten, da sie in der Anklageschrift bzw. vor Vorinstanz die
Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und nun mit
einer solchen von 4 1⁄2 Jahren beantrage (Prot. II S. 14 f.). Gemäss Art. 379 StPO
in Verbindung mit Art. 337 Abs. 2 StPO ist die Staatsanwaltschaft auch im Beru-
fungsverfahren nicht an die in der Anklage gestellten Anträge gebunden. Deshalb
führt die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft im Berufungsverfahren von ihren
in der Anklageschrift gestellten Anträgen abweicht, nicht dazu, dass auf die An-
schlussberufung nicht eingetreten werden könnte.
Eine Verletzung des Anklageprinzips wurde von der Verteidigung im Beru-
fungsverfahren nicht mehr gerügt. Eine solche ist ohnehin nicht ersichtlich, wie die
Vorinstanz in ihren Erwägungen zutreffend ausgeführt hat (vgl. Urk. 73 S. 5 f.).
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II. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird im Hauptdossier (HD) zusammengefasst vor-
geworfen, am 30. Januar 2012, ca. 21.10 Uhr die Wohnung des Geschädigten
B._ betreten und diesem die Faust ins Gesicht geschlagen zu haben, sodass
dieser nach hinten getorkelt und im Korridor zu Boden gegangen sei. Dadurch
habe er dem Geschädigten an der Schulter eine Prellung und eine Rötung zuge-
fügt. Dann habe der Beschuldigte eine grosse Champagnerschale nach dem Ge-
schädigten geworfen, wobei er ihn aber nicht richtig getroffen habe. Sodann habe
der Beschuldigte eine massive Wodka-Flasche behändigt und sie dem Geschä-
digten mehrere Male heftig gegen den Kopf geschlagen, sodass der Geschädigte
zwei Beulen an der Stirn und zwei Beulen über dem linken Ohr erlitten habe, die
mehrere Wochen sichtbar geblieben seien. Der Geschädigte habe versucht, sich
zu schützen und sich zu wehren, wobei der Beschuldigte ihn mit der Wodka-
Flasche am Knie getroffen habe. Durch diesen und im Wissen um die Folgen des
durchgeführten Angriffs habe der Beschuldigte dem Geschädigten erhebliche
Schmerzen zugefügt, dies vor allem am Jochbein und am Kopf bei den erwähnten
Beulen, am stärksten jedoch am Knie. Der Geschädigte habe wegen der Schmer-
zen 2 bis 3 Tage Schmerztabletten einnehmen müssen. Der Beschuldigte habe
bei seinem Vorgehen dem Geschädigten erhebliche Schmerzen zufügen wollen,
ihn verletzen wollen und habe in Kauf genommen, dass die massiven Schläge mit
der Wodka-Flasche gegen den Kopf zu lebensgefährlichen Verletzungen führen
könnten, welche Gefahr gross gewesen und was ihm egal gewesen sei. Tatsäch-
lich seien die Verletzungen des Geschädigten nicht lebensgefährlich gewesen.
Im Nebendossier 3 (ND3) wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am 3. März
2012, ca. 20.00 Uhr aus dem McDonald's herausgetreten zu sein und dem unbe-
teiligten und darauf überhaupt nicht vorbereiteten Geschädigten C._ mit vol-
ler Wucht die Faust ins Gesicht geschlagen zu haben, sodass dieser eine bluten-
de Rissquetschwunde an der Oberlippe links erlitten habe, zu Boden gegangen
und mit dem Kopf auf dem Boden aufgetroffen sei, sodass er bewusstlos liegen
geblieben sei und eine Gehirnerschütterung erlitten habe. Der Geschädigte habe
ambulant im Spital behandelt werden müssen und habe eine Amnesie für die Tat-
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zeit erlitten. Sodann sei er eine Woche arbeitsunfähig gewesen. Als der Beschul-
digte den Geschädigten mit voller Wucht mit der Faust ins Gesicht geschlagen
habe, seien ihm die Folgen bewusst gewesen und er habe ihn verletzen wollen.
Sodann habe er in Kauf genommen, dass der Geschädigte zu Boden gehe, mit
dem Kopf auf der Strasse aufschlage und eine lebensgefährliche Kopfverletzung
erleide, welche Gefahr gross gewesen sei. Tatsächlich seien keine lebensgefähr-
lichen Hirnblutungen aufgetreten.
2. Der Beschuldigte hat den äusseren Sachverhalt des HD, d.h. den An-
klagevorwurf in objektiver Hinsicht im Wesentlichen eingestanden (HD 6/6 S. 2 f.,
Urk. 53 S. 11 f., Prot. II S. 12 f.). Einzig die Heftigkeit des Schlages mit der Wod-
kaflasche anerkannte er nicht (HD 6/6 S. 7). Auch die Verteidigung bestritt anläss-
lich der Berufungsverhandlung, dass aufgrund der Lage des Opfers mit einer
grösseren Wucht zu rechnen gewesen sei. Sodann gebe es Beulen am Kopf rela-
tiv bald, also nicht nur, wenn mit grosser Wucht zugeschlagen werde. Dass der
Beschuldigte trainiert sei, bedeute ebenfalls nicht, dass fest zugeschlagen worden
sei (Prot. II S. 17). Den äusseren Sachverhalt bezüglich ND3 hat der Beschuldigte
vollumfänglich eingestanden (HD 6/3 S. 12 f., HD 6/6 S. 4 und S. 8, HD 53 S. 7,
Prot. II S. 12). Die Verteidigung machte vor Vorinstanz jedoch geltend, der ange-
trunkene Geschädigte habe sich unkontrolliert bewegt, als der Beschuldigte an
ihm vorbei gegangen sei, weshalb dieser einen vermeintlichen Angriff befürchtet
habe (Urk. 55 S. 10). Sodann zog sie die Intensität des Schlages in Zweifel (Urk.
55 S. 10 i.V.m. Prot. I S. 12 Ergänzung 11). In subjektiver Hinsicht bestreitet der
Beschuldigte bezüglich beider Sachverhalte hingegen, eine schwere Körperver-
letzung in Kauf genommen zu haben (HD 6/6 S. 7 f., HD 6/8, HD 53 S. 7, S. 9 und
S. 12).
3. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass der eingeklagte Sachver-
halt erstellt sei. Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen kann vorab auf diese
zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO; Urk. 73 S. 9 ff.). Die nachfolgenden Ausführungen stellen in erster
Linie Hervorhebungen und Präzisierungen dar.
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4. Der eingeklagte Sachverhalt bzw. die Erkenntnisse der Vorinstanz be-
treffend das Hauptdossier beruhen insbesondere auf den Aussagen des Beschul-
digten und des Geschädigten B._, welche im vorinstanzlichen Urteil wieder-
gegeben wurden (vgl. Urk. 73 S. 9 f.). Als weitere Beweismittel liegen eine Foto-
dokumentation der Verletzungen des Geschädigten (HD 3), ein ärztlicher Kurzbe-
richt (HD 8/1) und ein ärztlicher Befund (HD 8/6) vor. Zusammenfassend und teil-
weise ergänzend kann Folgendes festgehalten werden:
4.1. Was die Heftigkeit des Schlages mit der Wodka-Flasche betrifft, so
führte der Beschuldigte vor Vorinstanz aus, er habe den Geschädigten nicht
schwer verletzen wollen. Er habe nicht mit voller Wucht zugeschlagen (Urk. 53
S. 12).
4.2. Der Geschädigte beschrieb die Bewegung des Beschuldigten, als die-
ser mit der Wodka-Flasche schlug, folgendermassen: "Er holte mit dem Arm, in
dessen Hand er die Flasche hielt, nach oben aus und schlug sie schwungvoll
nach unten auf mich." (HD 5/2 S. 9).
4.3. Auf den Fotos des Geschädigten sind die Beulen an seinem Kopf er-
sichtlich, welche er durch die Schläge mit der Flasche erlitt (HD 3). Aus dem ärzt-
lichen Kurzbericht vom 31. Januar 2013 geht sodann hervor, dass der Geschädig-
te mehrere Prellmarken am Schädel (zwei Beulen frontal links am Haaransatz und
zwei Beulen über dem rechten Ohr) sowie am Jochbogen erlitt (HD 8/1). Im ärztli-
chen Befund vom 15. Juni 2012 wurde ausgeführt, dass beim Geschädigten unter
anderem eine Prellung des Schädels diagnostiziert worden sei. Auffällig seien
mehrere Prellmarken am Schädel gewesen sowie Prellmarken am Jochbogen.
Diese Verletzungen seien unfallkausal zu den Angaben des Geschädigten, mittels
einer Wodka-Flasche attackiert worden zu sein (HD 8/6).
4.4. Aufgrund der glaubhaften Beschreibung des Geschädigten und dem
Verletzungsbild muss davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte die
Wodka-Flasche heftig gegen den Kopf des Geschädigten schlug. Entgegen der
Auffassung der Verteidigung vor Vorinstanz kann aufgrund der Verletzungen nicht
darauf geschlossen werden, dass die Schläge nicht heftig waren, weil die Verlet-
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zungen sonst deutlich ernsthafter ausgefallen wären (vgl. Urk. 55 S. 7). Vielmehr
zeugen diese doch deutlich sichtbaren und für den Geschädigten schmerzhaften
Prellungen am Kopf von einer Heftigkeit der Schläge. Dies ist bei Schlägen mit ei-
ner massiven 1-Liter Wodka-Glasflasche (HD 1 S. 3) auch ohne Weiteres nach-
vollziehbar. Der Sachverhalt ist auch diesbezüglich erstellt.
4.5. Unter Hinweis auf die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 73 S. 12),
wonach der subjektive Sachverhalt fast untrennbar mit dessen rechtlichen Würdi-
gung verknüpft ist, macht es vorliegend Sinn, den inneren Vorgang des Beschul-
digten bzw. das Vorliegen des - bestrittenen - Eventualvorsatzes unter dem Titel
der rechtlichen Würdigung zu prüfen.
5. Der eingeklagte Sachverhalt bzw. die Erkenntnisse der Vorinstanz be-
treffend das Nebendossier beruhen insbesondere auf den Aussagen des Be-
schuldigten, des Zeugen D._ und der Zeugin E._ sowie des Geschädig-
ten C._, welche im vorinstanzlichen Urteil wiedergegeben wurden (vgl.
Urk. 73 S. 13 ff.). Als weitere Beweismittel liegen ein ärztlicher Kurzbericht (ND
3/11/1), ein ärztlicher Befund (ND 3/11/7) und eine Aufzeichnung der Videoüber-
wachung des Restaurants McDonald's (ND 3/5 und ND 3/6), auf welcher die Tat
allerdings nicht zu sehen ist, vor. Zusammenfassend und teilweise ergänzend
kann Folgendes festgehalten werden:
5.1. Der Beschuldigte führte aus, sich nicht mehr genau an den Vorfall vom
3. März 2012 erinnern zu können, da er ziemlich angetrunken gewesen sei. Er
bestätigte jedoch, den Geschädigten mit der Faust an den Kopf geschlagen zu
haben (HD 6/3 S. 13). Er konnte nicht erklären, wieso er das getan hatte (HD 6/3
S. 12). Als Grund nannte er später den Alkoholeinfluss (HD 6/6 S. 5, HD 6/7 S. 2
f.). Erst in der Einvernahme vom 18. April 2013, also über ein Jahr nach dem Vor-
fall, führte er aus, die Mimik und Gestik des Geschädigten fälschlicherweise als
bedrohlich betrachtet zu haben (HD 6/7 S. 3). Vor Vorinstanz und anlässlich der
Berufungsverhandlung wiederholte er, dass er an jenem Abend viel getrunken
habe und er sich nicht mehr genau erinnern könne (Urk. 53 S. 7, Prot. II S. 12).
Dass er eine Bewegung des Geschädigten falsch verstanden hätte, machte er
nicht mehr geltend.
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5.2. Der Geschädigte erlitt eine Amnesie für die Tatzeit und konnte sich nur
noch daran erinnern, wie er vor dem McDonald's wartete und wie dann die Polizei
und andere Leute bei ihm standen. Er sei erst im Krankenhaus wieder richtig zu
sich gekommen. Er sei am betreffenden Abend angetrunken, aber nicht betrunken
gewesen (HD 9/1 S. 1 f., HD 9/2 S. 3 f.).
5.3. Der Zeuge D._ führte bei der Polizei aus, der Beschuldigte habe
den McDonald's verlassen und einfach den Geschädigten im Freien runterge-
schlagen. Er habe die Tat einfach "so im Fluss" während des Laufens begangen.
Der Beschuldigte habe mit einer enormen Wucht zugeschlagen. Dabei habe er
stark zum Schlag ausgeholt. Der Geschädigte sei durch die Luft gefallen, auf den
Boden geknallt und habe sich nicht mehr bewegt. Es habe keinen Grund für den
Schlag gegeben (ND 3/10/1 S. 2 f.). Bei der Staatsanwaltschaft wiederholte der
Zeuge D._, dass der Beschuldigte den Geschädigten niedergeschlagen habe
und zwar heftig (HD 3/10/3 S. 4).
5.4. Die Zeugin E._ war dem Beschuldigten im McDonald's, wo sich
dieser aggressiv verhielt, begegnet, konnte aber nichts über den Vorfall vor dem
McDonald's aussagen (ND 3/10/4-5).
5.5. Aus dem ärztlichen Kurzbericht vom 4. März 2012 ergibt sich, dass der
Geschädigte bewusstlos wurde und an einer Amnesie bezüglich des Vorfalls so-
wie einer Gehirnerschütterung litt sowie eine Rissquetschwunde im Bereich der
Oberlippe aufwies (ND 3/11/1). Im ärztlichen Befund vom 2. Juli 2012 wurde
ebenfalls ausgeführt, dass der Geschädigte eine Gehirnerschütterung und eine
Rissquetschwunde an der Oberlippe erlitt (ND 3/11/7).
5.6. Gestützt auf die Aussagen der Zeugen und des Geschädigten liegen
keine Hinweise vor, dass sich der Geschädigte vor dem McDonald's dahingehend
bewegt oder verhalten hätte, dass der Beschuldigte Anlass gehabt hätte, mit ei-
nem Angriff zu rechnen. Selbst der Beschuldigte erwähnte dies nur einmal und
erst über ein Jahr nach dem Vorfall. Er führte wiederholt aus, dass er sich kaum
an den Vorfall erinnere, weshalb es unglaubhaft ist, dass er sich plötzlich an eine
Mimik oder Gestik zu erinnern vermag, welche er falsch interpretiert haben könn-
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te. Diese Aussage ist vielmehr als Schutzbehauptung oder Erklärungsversuch für
sein Verhalten zu erachten und kann nicht als erstellt gelten.
Was die Heftigkeit des Faustschlags betrifft, so spricht allein die Tatsache,
dass der Geschädigte zu Boden fiel und dabei das Bewusstsein verlor und eine
Gehirnerschütterung erlitt, für eine solche. Dies wird auch durch die dem Geschä-
digten entstandene Rissquetschwunde an der Oberlippe untermauert. D._
konnte bezeugen, dass der Beschuldigte zum Schlag ausgeholt und mit einer
enormen Wucht zugeschlagen hatte. Unter diesen Umständen ist erstellt, dass
der Beschuldigte mit voller Wucht zuschlug.
Unter Hinweis auf die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 73 S. 17) macht es
vorliegend Sinn, den inneren Vorgang des Beschuldigten bzw. das Vorliegen des
- bestrittenen - Eventualvorsatzes unter dem Titel der rechtlichen Würdigung zu
prüfen.
III. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten als mehrfach
versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Die Verteidigung bestreitet die rechtliche Würdigung durch die Vor-
instanz. Sie führte in der Berufungserklärung aus, die Pauschalisierung durch die
Vorinstanz, wonach der Täter, welcher dem Opfer mit einer Glasflasche auf den
Kopf schlage respektive einen Faustschlag an den Kopf verpasse, immer damit
rechnen müsse, es könne eine schwere Körperverletzung eintreten, sei es durch
den Schlag, sei es, dass das Opfer in unkontrollierter Weise umfalle und sich
durch den Aufprall eine solche zuziehe, greife zu kurz. Vielmehr gelte es, dem
Einzelfall Beachtung zu schenken (Urk. 75/1 S. 4). Anlässlich der Berufungsver-
handlung ergänzte die Verteidigung, die Folgerung der Vorinstanz, dass der Be-
schuldigte die Wirkung des Schlages nicht hätte dosieren können, sei eine willkür-
liche Annahme (Prot. II S. 17).
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3. Die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz erweist sich als zutref-
fend. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab auf die ausführlichen vor-
instanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StGB; Urk. 73 S. 18
ff.). Die nachfolgenden Ausführungen stellen in erster Linie Hervorhebungen und
Präzisierungen dar.
Der Beschuldigte fügte dem Geschädigten B._ eine Prellung des rech-
ten Knies sowie eine Prellung des Schädels zu. Davon geriet der Geschädigte
nicht in unmittelbare Lebensgefahr und es gab keine bleibende Schäden (vgl. HD
8/6). Deshalb wurde Art. 122 StGB nicht als vollendetes Delikt erfüllt. Der Ge-
schädigte C._ erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Rissquetschwunde an
der Oberlippe. Aufgrund der Verletzungen mit Gehirnerschütterung bestand zu
keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Lebensgefahr, bei einer Gehirnerschütterung
liegt aber grundsätzlich eine nahe lebenswichtige Struktur am Verletzungsort.
Hinweise auf bleibende Schäden liegen keine vor (vgl. ND 3/11/7). Daher wurde
auch diesbezüglich Art. 122 StGB nicht als vollendetes Delikt erfüllt.
In subjektiver Hinsicht ist die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu beach-
ten, wonach die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als Folge von
Faustschlägen von den konkreten Tatumständen abhängt. Massgeblich sind ins-
besondere die Heftigkeit des Faustschlags und die Verfassung des Opfers (vgl.
BGer 6B_388/2012 vom 12. November 2012 E. 2.4.2). Dies muss auch für den
Schlag mit einer Flasche gelten.
Was einen Schlag bzw. mehrere Schläge mit einer Flasche gegen den Kopf
des Opfers betrifft, so ist allgemein bekannt, dass dies zu lebensgefährlichen Ver-
letzungen (so insbesondere schweren Hirnverletzungen) führen kann. Dies muss-
te auch dem Beschuldigten ohne Weiteres bewusst sein. Sodann erscheint der
Grad der Pflichtwidrigkeit des Handelns des Beschuldigten sowie des Risikos der
Verwirklichung schwerer Verletzungsfolgen im Vergleich zu einem Faustschlag
deutlich erhöht, schlug er doch mit einer massiven Wodka-Flasche auf den Kopf
des Geschädigten B._. Der Geschädigte, für welchen der erste Faustschlag
unvorbereitet kam, lag bereits mit einer geprellten Schulter am Boden, als ihm der
ihm körperlich überlegene Beschuldigte mit der Wodka-Flasche heftige Schläge
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auf den Kopf verpasste. In dieser Situation konnte der Geschädigte die Schläge
kaum abwehren. Da die Schläge mit einer Wodka-Flasche erfolgten, war das Ri-
siko, dabei eine Kopfverletzung zu erleiden, erhöht. Die inneren und äusseren
Umstände erweisen sich vorliegend dergestalt, dass nur ein Schluss auf ein wil-
lentliches Handeln des Beschuldigten unter Inkaufnahme schwerer Verletzungs-
folgen für den Geschädigten B._ gezogen werden kann (vgl. BGer
6B_388/2012 vom 12. November 2012 E. 2.2.2).
Es ist sodann nicht nur allgemein bekannt, sondern war es auch dem Be-
schuldigten bewusst, dass ein kräftiger Schlag ins Gesicht eines Kontrahenten zu
einem unkontrollierten Sturz auf einen harten Boden und damit zu lebensgefährli-
chen Verletzungen (so insbesondere schweren Hirnverletzungen) führen kann,
wie sich aus seinen eigenen Aussagen ergibt (Urk. 53 S. 9 f.). Sodann erscheinen
der Grad der Pflichtwidrigkeit des Handelns des Beschuldigten sowie des Risikos
der Verwirklichung schwerer Verletzungsfolgen vorliegend deutlich erhöht. Zwar
ist nicht erstellt, dass der angetrunkene Zustand des Geschädigten C._ für
den Beschuldigten erkennbar war, aber der vermeidbare und ohne Anlass erfolgte
heftige Faustschlag traf den Geschädigten völlig unvorbereitet, so dass ihm keine
Reaktion oder Abwehrhandlung möglich war. Ausserdem war aufgrund des Tat-
orts die Gefahr, im Falle eines Sturzes auf dem harten Untergrund (Kopfstein-
pflaster) aufzuschlagen und dabei eine Kopfverletzung zu erleiden, erhöht. Bei
dem mit voller Wucht vom kräftigen Beschuldigten ausgeführten Faustschlag auf
den darauf unvorbereiteten Geschädigten waren ein unkontrollierter Sturz dessel-
ben und ein Aufschlagen des Kopfs auf dem harten Boden keineswegs ausser-
gewöhnlich. Die inneren und äusseren Umstände erweisen sich vorliegend der-
gestalt, dass nur ein Schluss auf ein willentliches Handeln des Beschuldigten un-
ter Inkaufnahme schwerer Verletzungsfolgen für den Geschädigten C._ ge-
zogen werden kann (vgl. BGer 6B_388/2012 vom 12. November 2012 E. 2.2.2).
Kommt hinzu, dass es gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung unter sol-
chen Umständen keine Rolle spielt, dass ein einziger kräftiger Faustschlag nur ei-
ne geringe statistische Wahrscheinlichkeit für lebensgefährliche oder gar tödliche
Verletzungen mit sich bringt (BGer 6B_388/2012 vom 12. November 2012 E.
2.2.2).
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Der Beschuldigte hat den subjektiven Tatbestand der schweren Körperver-
letzung sowohl betreffend Hauptdossier als auch bezüglich Nebendossier 3 erfüllt.
Der Beschuldigte tat alles, was für die Erfüllung des Tatbestandes von Art. 122
StGB nötig war, und es war nur dem Zufall zu verdanken, dass der Erfolg, d.h. die
Lebensgefahr, nicht eintrat.
Zusammenfassend ist der Beschuldigte der mehrfachen versuchten schwe-
ren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung und Vollzug
1. Die Staatsanwaltschaft beantragte vor Vorinstanz die Bestrafung mit
einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren (Urk. 27 S. 4, Urk. 54 S. 1). Mit ihrer An-
schlussberufung beantragte sie, dass der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe
von 4 1⁄2 Jahren zu bestrafen sei (Urk. 82 S. 1, Urk. 87 S. 1). Die Verteidigung
stellte hingegen den Eventualantrag, den Beschuldigten - im Falle eines Schuld-
spruchs - mit einer Freiheitsstrafe von 2 1⁄2 Jahren zu bestrafen (Urk. 75/1 S. 2,
Prot. II S. 14).
2. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt und die gesetz-
lichen Zumessungsregeln wie auch die hier massgeblichen belastenden und ent-
lastenden Faktoren zutreffend dargelegt. Um unnötige Wiederholungen zu ver-
meiden, kann vorab auf diese Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwie-
sen werden (Urk. 73 S. 27 ff.).
3. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzun-
gen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der
Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das
Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei
ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1
StGB). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei der Bildung einer Ge-
samtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB vorab der Strafrahmen für die schwerste
Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat inner-
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halb dieses Strafrahmens festzusetzen. Schliesslich ist die Einsatzstrafe unter
Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips ange-
messen zu erhöhen. Das Gericht hat mithin in einem ersten Schritt gedanklich die
Einsatzstrafe des schwersten Delikts festzulegen, indem es alle diesbezüglichen
straferhöhenden und strafmindernden Umstände einbezieht. In einem zweiten
Schritt hat es die Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu sanktionieren.
Auch dort muss es den jeweiligen Umständen Rechnung tragen (BGE
6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.2.2). Als schwerste Tat gilt jene, die ge-
mäss abstrakter Strafdrohung des Gesetzes mit der höchsten Strafe bedroht ist
(BGE 6B_885/2010 vom 7. März 2011 E. 4.4.1).
Der psychiatrische Gutachter, PD Dr. med. F._, gelangte im Gutachten
vom 19. März 2013 zum Schluss, dass die Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten
bei der Begehung der ihm vorgeworfenen Taten nicht eingeschränkt gewesen sei.
Zum Zeitpunkt des ihm im HD vorgeworfenen Delikts könne auch keine Beein-
trächtigung der Steuerungsfähigkeit nachvollzogen werden. Dagegen spreche die
Befundlage dafür, dass zum Zeitpunkt des ihm im ND3 vorgeworfene Delikts die
Alkoholintoxikation zu einer forensisch relevanten Verminderung der Steuerungs-
fähigkeit beigetragen habe. Für diesen Zeitraum werde eine mittelgradige Minde-
rung der Schuldfähigkeit angenommen (HD 16/14 S. 66 f.). Diese gutachterlichen
Schlussfolgerungen, die auf einer eingehenden und fundierten Beurteilung beru-
hen, sind ohne Weiteres nachvollziehbar und plausibel. Ausgehend von der ob-
jektiven Tatschwere hat das Gericht das subjektive Tatverschulden zu bewerten.
Dabei hat es (auch) die verminderte Schuldfähigkeit zu berücksichtigen (BGE 136
IV 55 E. 5.5 und 5.6). Liegt eine Verminderung der Schuldfähigkeit vor, hat das
Gericht im Sinne einer nachvollziehbaren Strafzumessung in einem ersten Schritt
aufgrund der tatsächlichen Feststellungen des Gutachters zu entscheiden, in wel-
chem Umfang die Schuldfähigkeit des Täters in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt
ist und wie sich dies insgesamt auf die Einschätzung des Tatverschuldens aus-
wirkt. Das Gesamtverschulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB
im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufun-
gen nach Schweregraden auszugehen ist. Hierauf ist in einem zweiten Schritt in-
nerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu
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bestimmen, die diesem Verschulden entspricht. Die so ermittelte Strafe kann
dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Täterkompo-
nenten (sowie wegen eines allfälligen blossen Versuchs im Sinne von Art. 22 Abs.
1 StGB) verändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7).
4. Für die schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB sieht
das Gesetz eine abstrakte Strafdrohung einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren
oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen vor. Bei den vorliegenden Delikten
steht die versuchte schwere Körperverletzung gegenüber dem Geschädigten
C._ (ND3) im Vordergrund.
5. Innerhalb des festgelegten Strafrahmens misst das Gericht die Strafe
nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben (Art. 47
Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den
Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter
nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder
Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt bei der Strafzu-
messung ist die objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts bzw. der schuldhaft verursachte Erfolg.
Ebenso massgeblich ist die subjektive Tatschwere, die sich aus der Intensität des
deliktischen Willens sowie den Beweggründen für die Tat ergibt. Mit zu berück-
sichtigen sind schliesslich das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Täters.
5.1. Betreffend die objektive Tatschwere ist hervorzuheben, dass aufgrund
der vom Beschuldigten dem Geschädigten C._ zugefügten Verletzungen ei-
ne ambulante Behandlung des Geschädigten im Spital notwendig war und dieser
während einer Woche arbeitsunfähig war (ND 3/11/7). Die Verletzungen führten
zu starken Schmerzen, insbesondere Kopfschmerzen, die selbst ein halbes Jahr
nach der Tat noch andauerten (ND 3/9/2 S. 4). Zwar waren die Verletzungen nicht
lebensgefährlich, durch den Aufprall des Kopfes auf den harten Boden hätte aber
Lebensgefahr oder eine bleibende Schädigung eintreten können. Das Vorgehen
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des Beschuldigten zeugt angesichts der Wucht des Schlages, welcher auf eine
hohe Kraftanwendung hinweist, von einer erheblichen kriminellen Energie. Aller-
dings blieb es bei einem Faustschlag. Sein Verschulden wiegt in objektiver Hin-
sicht beträchtlich.
Was die subjektive Tatschwere betrifft, so handelte der Beschuldigte direkt-
vorsätzlich, was den Faustschlag betrifft, aber bezüglich der schweren Körperver-
letzung eventualvorsätzlich. Er kannte den Geschädigte C._ nicht, sondern
trat einfach auf ihn, der vor dem McDonald's auf seine Freundin wartete, zu und
schlug ihn ohne jeglichen Anlass. Ein solches Handeln ist besonders verwerflich.
Wie bereits erwähnt, ist von einer mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit des
Beschuldigten auszugehen. Durch diese wird das subjektive Verschulden relati-
viert. Damit ist das subjektive Verschulden insgesamt als mittelschwer zu qualifi-
zieren.
Insgesamt erweist sich eine hypothetische Einsatzstrafe für das vollendete
Delikt von 3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe als dem Verschulden angemessen.
Beim Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB in der Ausformung des
vormals als vollendeter Versuch bezeichneten Tathandlung, bei welcher der zur
Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt, handelt es sich um eine Tat-
komponente, die verschuldensunabhängig ist. Deshalb ist sie bei der Gesamtein-
schätzung des Verschuldens nicht einzubeziehen. Sie hat sich indessen im Sinne
einer Reduzierung der (hypothetischen) verschuldensangemessenen Strafe aus-
zuwirken. Das Mass dieser Minderung hängt u.a. von der Nähe des tatbestand-
mässigen Erfolges und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion
der Strafe wird umso geringer sein, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je
schwerwiegender die tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 127 IV 92 und
BGE 136 IV 55; BSK StGB I-Wiprächtiger/Keller, 3. Auflage 2013, Art. 48a N 24;
Mathys, SJZ 2004, 173 f.).
Die hypothetische Einsatzstrafe ist wegen der versuchten Tatbegehung zu
mindern. Vorliegend ist bezüglich der schweren Körperverletzung von einem voll-
endeten Versuch auszugehen. Beim Aufprall des Kopfes auf den harten Boden
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hätten ohne Weiteres auch lebensgefährliche Verletzungen entstehen können.
Dass es nicht dazu kam, ist nicht dem Zutun des Beschuldigten, sondern allein
dem Zufall zu verdanken. Wie bereits ausgeführt, bestand für den Geschädigten
C._ aber zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Lebensgefahr. Die Verlet-
zungen waren denn auch nicht gravierend. Angesichts dieser Umstände ist die
hypothetische Einsatzstrafe aufgrund der versuchten Tatbegehung um 1 1⁄2 Jahre
zu reduzieren.
Es resultiert damit eine Einsatzstrafe von 2 Jahren Freiheitsstrafe.
5.2. Straferhöhend wirkt sich die versuchte schwere Körperverletzung ge-
genüber dem Geschädigten B._ (HD) aus.
In objektiver Hinsicht ist hervorzuheben, dass der Geschädigte B._ auf-
grund der ihm vom Beschuldigten zugefügten Verletzungen während zwei bis drei
Tagen Schmerzmittel einnehmen musste und während fünf Tagen arbeitsunfähig
war (HD 8/6). Die Verletzungen führten zu starken Schmerzen, insbesondere am
Kopf und am Knie (HD 5/2 S. 9). Zwar waren die Verletzungen nicht lebensge-
fährlich, durch die Schläge mit der Wodka-Flasche auf den Kopf des Geschädig-
ten hätte aber Lebensgefahr oder eine bleibende Schädigung eintreten können.
Die Schläge mit der Flasche auf den Kopf des Geschädigten waren heftig, was
auf eine hohe Kraftanwendung hinweist. Sodann malträtierte er den Geschädigten
nicht nur mit den Schlägen mit der Flasche gegen den Kopf, sondern verpasste
ihm auch einen Faustschlag, versuchte einen Schale gegen ihn zu werfen und
schlug ihm mit der Wodka-Flasche gegen das Knie. Dieses Vorgehen zeugt von
einer erheblichen kriminellen Energie. Sein Verschulden wiegt in objektiver Hin-
sicht erheblich.
Was die subjektive Tatschwere betrifft, so handelte der Beschuldigte direkt-
vorsätzlich, was die Schläge betrifft, aber eventualvorsätzlich hinsichtlich der
schweren Körperverletzung. Er tauchte in der Wohnung des Geschädigten auf,
nur um diesem eine Abreibung zu verpassen, dies ausserdem aus nichtigem An-
lass. Ein solches Handeln ist verwerflich. Auch das subjektive Verschulden ist als
erheblich zu qualifizieren.
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Dass es bei dieser Tat beim Versuch blieb, wirkt sich auch hier strafmin-
dernd aus.
Zusammenfassend rechtfertigt es sich, die Strafe von 2 Jahren für die ver-
suchte schwere Körperverletzung betreffend ND3 unter Berücksichtigung des As-
perationsprinzips um 1 1⁄2 Jahre, mithin auf 3 1⁄2 Jahre, zu erhöhen.
5.3. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
kann auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 73
S. 31). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte ergänzend
aus, er habe die Primar- und die Realschule besucht und die Lehre als Service-
fachangestellter abgeschlossen. Er habe im Gastgewerbe, als Chauffeur, auf dem
Bau und in einer Zeltvermietungsfirma gearbeitet. Der Beschuldigte ist ledig und
immer noch in einer Beziehung mit seiner Freundin. Nach der Entlassung aus
dem Strafvollzug wolle er gänzlich aufhören, Alkohol zu trinken (Prot. II S. 7 ff.).
Aus der Biographie und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
ergeben sich keine Anhaltspunkte, die für die Strafzumessung von wesentlicher
Bedeutung wären.
Deutlich straferhöhend wirken sich die Vorstrafen des Beschuldigten, so der
Strafbefehl vom 9. Dezember 2004 wegen SVG-Delikten und Vergehens gegen
das Waffengesetz, der Strafbefehl vom 4. November 2005 wegen Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte und Hausfriedensbruch sowie das Urteil
vom 6. Juli 2007 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, Hehlerei, Vergehens ge-
gen das Waffengesetz und Übertretungen des Waffengesetzes und des Betäu-
bungsmittelgesetzes aus (Urk. 76).
Straferhöhend fällt zudem ins Gewicht, dass der Beschuldigte, welcher im
Oktober 2010 aus dem Strafvollzug entlassen wurde (Urk. 53 S. 6), nur ein Jahr
und drei Monate später erneut delinquierte und die Tat vom 3. März 2012 (ND3)
während laufender Strafuntersuchung beging.
Strafmindernd ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die von ihm
verursachten Körperverletzungen eingestand. Das Geständnis bezog sich jedoch
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nur auf die objektive Tatkomponente. Dies fällt deshalb nicht allzu stark strafmin-
dernd ins Gewicht. Leicht strafmindernd ist schliesslich die vom Beschuldigten
gezeigte Reue und Einsicht zu berücksichtigen (Urk. 53 S. 7, Prot. I S. 20 f.).
Ebenso von strafmindernder Bedeutung ist die Einigung des Beschuldigten mit
den Geschädigten über deren Zivilansprüche.
Sonstige Straferhöhungs- oder -minderungsgründe sind nicht ersichtlich.
Im Ergebnis überwiegen die straferhöhenden die strafmindernden Umstän-
den, weshalb die Strafe um 1⁄2 Jahr zu erhöhen ist.
5.4. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist
sich eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren als angemessen. An die Freiheitsstrafe sind
803 Tage erstandene Untersuchungshaft sowie vorzeitiger Strafvollzug bis und
mit heute anzurechnen (Art. 51 StGB).
5.5. Ein bedingter oder teilbedingter Vollzug der ausgefällten Freiheitsstra-
fe ist bereits aus objektiven Gründen nicht möglich, da der Beschuldigte zu einer
Freiheitsstrafe von mehr als 3 Jahren zu verurteilen ist (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43
Abs.1 StGB). Die Freiheitsstrafe ist daher zu vollziehen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 7 - 9)
zu bestätigen.
2. In Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seiner Berufung in allen Punkten. Die Staatsanwaltschaft unterliegt mit
ihrer Anschlussberufung betreffend Erhöhung des Strafmasses ebenfalls. Daher
sind die Kosten des Berufungsverfahrens zu drei Vierteln dem Beschuldigten auf-
zuerlegen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche auf Fr. 4'242.80 (inkl. 8 %
MWST) festzusetzen sind, sind - unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss
- 22 -
Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von drei Vierteln - auf die Gerichtskasse zu
nehmen.