Decision ID: c768db61-8793-5039-87d0-3dc1e2832b3d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsbürger tamilischer Ethnie
aus B._ (Nordprovinz, Distrikt Jaffna) verliess seinen Heimatstaat
gemäss eigenen Angaben am 5. November 2015 und flog von Colombo
via Doha in den Iran. Vom Iran reiste er auf dem Land- und Seeweg via
Türkei, Griechenland, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich unge-
fähr am 25. November 2015 in die Schweiz ein. Er hielt sich zwölf Tage in
einem Haus auf, bis ihn der Schlepper nach C._ schickte, wo er am
7. Dezember 2015 ein Asylgesuch stellte.
B.
Am 14. Dezember 2015 erhob das SEM im Empfangs- und Verfahrens-
zentrum (EVZ) C._ die Personalien des Beschwerdeführers und
befragte ihn zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das Ver-
lassen seines Heimatlandes (stark verkürzte Befragung zur Person [BzP]).
Am 25. September 2017 hörte das SEM den Beschwerdeführer einlässlich
zu den Asylgründen an.
Zur Begründung seines Asylgesuches führte er aus, er sei zwischen Juni
2011 und März 2014 vier Mal auf der Strasse festgenommen und an einem
unbekannten Ort festgehalten worden. Man habe ihn jeweils verhört und
geschlagen. Bei den Freilassungen seien ihm keine Auflagen verhängt
worden. Das erste Mal sei er im Juni 2011 von Leuten des Criminal Inves-
tigation Department (CID) festgenommen und neun Tage lang inhaftiert
worden, weil im März 2010 sich sein Onkel namens D._, der im
Vanni lebte und bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen
sei, und drei weitere Personen, die bei den LTTE gewesen seien, bei ihnen
während zehn Tagen aufgehalten hätten. Er sei gefragt worden, ob er diese
Leute kenne und Verbindungen zu ihnen habe, was er verneint habe. Im
August 2012 sei er erneut vom CID auf der Strasse in B._ festge-
nommen worden, weil er im Juli 2012 an einer Demonstration gegen die
Festnahme von E._ in F._ teilgenommen habe, bei der etwa
1000 Personen anwesend gewesen seien. Nach drei Tagen sei er entlas-
sen worden. Im Jahr 2013 habe sein Fussballverein im Vorfeld der Wahlen
für den Provincial-Council Propaganda für die Partei Tamil National Alliance
(TNA) gemacht. Er habe wie andere Clubkameraden Plakate aufgehängt
und Flugblätter verteilt und mehrere Personen aufgefordert, die TNA zu
wählen. Er sei im Oktober oder November 2013 vom CID festgenommen
worden und acht Tage lang in Haft gewesen. Im März 2014 habe er an
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einer Demonstration in G._ teilgenommen, woraufhin er im April
2014 wieder vom CID festgenommen und drei Tage festgehalten worden
sei. Trotz dieser vier Inhaftierungen habe er Sri Lanka nicht verlassen, son-
dern dort ein normales Leben weiterführen wollen. Die Lage habe sich für
ihn geändert, als ihm Ende Oktober 2014 ein Schulkollege telefoniert habe,
der im Oktober 2014 vom CID festgenommen worden sei. Dieser habe ihm
nach seiner Freilassung mitgeteilt, dass das CID nach ihm und allfälligen
LTTE-Verbindungen gefragt habe. Dann sei er (der Beschwerdeführer)
vom CID im November 2014 bei ihm zu Hause gesucht worden, er habe
sich jedoch im Wald versteckt gehabt. Im Februar 2015 sei er ständig zu-
hause vom CID gesucht worden. Im Mai 2015 sei er deshalb ins Vanni-
Gebiet zu seiner Schwester gegangen, wo er sich bis zur Ausreise ver-
steckt habe. Er sei schliesslich sogar dort gesucht worden, weshalb seine
Mutter seine Ausreise mit einem Schlepper organisiert habe.
Sein Bruder (...) habe sich nach der Rückkehr aus dem Vanni im Jahr 2009
auch verstecken müssen, weil er enge Beziehungen zu wichtigen LTTE-
Leuten gehabt und der Partei geholfen habe. Sein Bruder habe mehr Prob-
leme gehabt als er, weshalb auch seine Ausreise komplizierter gewesen
und der Bruder deshalb später in die Schweiz geflüchtet sei.
Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte, eine temporäre Identi-
tätskarte, eine Umsiedlungskarte seiner Familie, eine Wahlteilnahmekarte,
eine Lebensmittelrationskarte und ein Schreiben von H._ vom
19. Februar 2016 ein.
C.
Mit Verfügung vom 12. Dezember 2017 – eröffnet am 16. Dezember 2017
– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch vom 7. Dezember 2015 ab. Gleichzei-
tig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegwei-
sungsvollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 15. Januar 2018 liess der Beschwerdeführer durch sei-
nen Rechtsvertreter gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde erheben und beantragen, es sei die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu
gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zu-
rückzuweisen. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit oder die Unzumut-
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barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Auf-
nahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde weiter bean-
tragt, es sei das Protokoll der BzP aus den Akten zuweisen, dem Be-
schwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeistän-
dung unter Beiordnung des Rechtsvertreters zu gewähren und auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
Mit der Beschwerde wurden eine Auskunft der Schweizerischen Flücht-
lingshilfe (SFH) vom 16. Juni 2015 zur Gefährdung rückkehrender tamili-
scher Personen (Urkunde 4) und eine Kopie eines Zeitungsberichts vom
29. Oktober 2017 (Urkunde 5) eingereicht.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 26. Januar 2018 stellte der zuständige In-
struktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts fest, der Beschwerdefüh-
rer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung hiess er unter der
Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung sowie unter
Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers
gut.
F.
Am 12. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-
vertreter eine Fürsorgebestätigung vom 1. Februar 2018 ein.
G.
Mit Verfügung vom 28. Februar 2018 hiess der Instruktionsrichter das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gut und
ordnete dem Beschwerdeführer den rubrizierten Rechtsvertreter als amtli-
chen Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig forderte er den Beschwerdeführer
auf, den fremdsprachigen Zeitungsartikel in eine schweizerische Amtsspra-
che übersetzt einzureichen.
H.
Am 5. April 2018 wurden eine Übersetzung des Zeitungsartikels (Urkunde
8) und je ein Bericht des Komitees gegen Folter (CAT) vom 27. Januar
2017 (Urkunde 9) und des UN-Menschenrechtsrats vom 28. August 2017
(Urkunde 10) betreffend Sri Lanka eingereicht.
I.
Mit Verfügung vom 11. April 2018 lud der Instruktionsrichter das SEM zur
Einreichung einer Vernehmlassung ein.
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Seite 5
J.
In der Vernehmlassung vom 25. April 2018 hielt das SEM an den Erwägun-
gen in der angefochtenen Verfügung fest. Der Instruktionsrichter gab dem
Beschwerdeführer mit Verfügung vom 27. April 2018 die Gelegenheit, eine
Replik einzureichen.
K.
Mit Verfügung vom 8. Mai 2018 fragte der Instruktionsrichter den Be-
schwerdeführer an, ob er seine Beschwerde zurückziehen möchte, zumal
er gemäss einer Mitteilung des Zivilstandsamtes eine Person mit einer Nie-
derlassungsbewilligung geheiratet habe und er grundsätzlich über einen
Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung verfüge.
L.
In seiner Replik vom 20. Juni 2018 nahm der Rechtsvertreter zur Vernehm-
lassung des SEM Stellung und teilte mit, dass nicht der Beschwerdeführer
geheiratet habe, sondern dessen Bruder, weshalb an der Beschwerde wei-
ter festhalten werde. Er reichte eine Kostennote ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
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Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins AIG über-
nommen worden.
1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde werden verschiedene Verletzungen des rechtlichen
Gehörs geltend gemacht, welche vorab zu prüfen sind, da sie allenfalls zur
Kassation der angefochtenen Verfügung führen können.
3.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Gemäss Art. 8
AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht an der Fest-
stellung des Sachverhaltes mitzuwirken (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3 mit wei-
teren Hinweisen).
Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör, wel-
cher in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert wird, dient einerseits der Aufklä-
rung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ver-
langt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tat-
sächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung be-
rücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-
schlagen muss (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
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Seite 7
3.3
3.3.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Sachverhalt sei nicht
richtig und unzureichend festgestellt worden, indem die nur knapp mehr als
eine Stunde dauernde BzP nicht exakt übersetzt worden sei, weil Zeitdruck
geherrscht habe. Mithin sei das BzP-Protokoll nicht zu verwerten sowie
dessen Beweiskraft abzusprechen.
3.3.2 Das SEM hält in seiner Vernehmlassung fest, bei der BzP handle es
sich im Gegensatz zur Anhörung nicht um ein wortgetreues Protokoll. Auch
könne eine Befragungsdauer von einer Stunde und 15 Minuten nicht per
se als Indiz für einen Zeitdruck gewertet werden. Aus diesen Umständen
ableiten zu wollen, dass die Befragung und die Protokollierung in der BzP
knapp und unsorgfältig ausgefallen seien, weshalb das BzP-Protokoll nicht
zu verwerten und ihm die Beweiskraft abzusprechen sei, sei daher nicht
haltbar. Was aufgrund der damaligen hohen Belegungszahlen in den EVZ
hingegen tatsächlich in der BzP nicht habe gemacht werden können, seien
einzelne Sachverhalte, wie beispielsweise die Angaben zu den Verwand-
ten oder einzelne Aspekte der Asylbegründung, eingehender zu erfragen.
Der Beschwerdeführer habe bei der Rückübersetzung bei seiner Asylbe-
gründung eine Korrektur angebracht (vgl. Akte A6/12 S. 7). Diese Tatsache
unterstreiche, dass die BzP korrekt und weisungskonform durchgeführt
worden und der Beschwerdeführer mit der Protokollierung seiner Aussa-
gen einverstanden gewesen sei. Vor diesem Hintergrund müsse sich der
Beschwerdeführer auf seine Darlegungen in der BzP behaften lassen.
3.3.3 In der Replik wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer, die befra-
gende Person sowie der Dolmetscher hätten anlässlich der Befragung un-
ter massiven Zeitdruck gestanden. Der Beschwerdeführer könne sich noch
sehr gut erinnern, wie er mehrmals «gebremst» worden sei, als er begon-
nen habe, ausführlich zu erzählen. Man habe ihm immer wieder eingere-
det, dass er die Gründe später genauer erzählen könne. Das SEM bringe
nun aber vor, es seien lediglich Angaben zu den Verwandten oder einzelne
Aspekte der Asylbegründung, aufgrund der hohen Belegungszahlen, nicht
tiefer befragt worden. Dies treffe nicht zu und es gehe sogar aus dem Pro-
tokoll der BzP selbst hervor, dass auch die Gründe nur summarisch befragt
worden seien. Unter der Rubrik «Begrüssung» des erwähnten Protokolls
sei Folgendes zu entnehmen: «summarisch das Wichtige – eine Vertiefung
kann später in einer weiteren Befragung erfolgen». Infolgedessen könne
das SEM nicht behaupten, dass nur die Angaben zu Verwandten sowie
einzelne Aspekte der Gründe ausgelassen worden seien. Auch auf die
Frage, ob der Beschwerdeführer den Dolmetscher gut verstehe, sei die
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Seite 8
Bemerkung aufgeführt worden, dass aufgrund der angespannten Unter-
bringungssituation die verkürzte BzP durchgeführt werde. Daraus sei zu
schliessen, dass auch die Übersetzung beziehungsweise Rücküberset-
zung nicht genau vorgenommen worden sei. Vor diesem Hintergrund
könne dies nicht zum Nachteil des Beschwerdeführers ausgelegt werden.
3.3.4 Aus dem Umstand allein, dass es sich am 14. Dezember 2015 um
eine verkürzte BzP gehandelt hatte, kann nicht abgeleitet werden, dass die
BzP nicht korrekt durchgeführt worden ist. Bei der BzP geht es in erster
Linie um die Erfassung der Personalien und des Reisewegs und um eine
summarische Begründung, warum in der Schweiz um Asyl ersucht wird. All
dies wurde in vorliegendem BzP-Protokoll festgehalten. Es wurden sodann
alle Fragen gestellt, bis auf die Herkunfts- und Länderfragen, welche es
jedoch nicht zu stellen gilt, wenn es hinsichtlich der Herkunft keine Zweifel
gibt. Zudem ergeben sich aus dem Protokoll keine Hinweise, welche darauf
hindeuten würden, es sei aufgrund von Zeitdruck zu Fehlern gekommen.
Der Beschwerdeführer wurde zwar darauf hingewiesen, sich zu seinen
Asylgründen kurz zu fassen, er konnte diese aber summarisch darlegen.
Die Befragung wurde sodann rückübersetzt, was aus einer Korrektur einer
Jahreszahl bei den Asylgründen hervorgeht. Unter diesen Umständen gibt
es keine Anhaltspunkte, dass die BzP nicht korrekt durchgeführt worden
wäre. Der Beschwerdeführer bestätigte sodann mit seiner Unterschrift,
dass das Protokoll seinen Aussagen und der Wahrheit entspreche und ihm
auf Tamilisch rückübersetzt worden sei. Die Tatsache, dass die Vorinstanz
die anlässlich der BzP gemachten Angaben den Aussagen anlässlich der
Anhörung gegenüberstellt, und aufgrund von Widersprüchen die Vorbrin-
gen für unglaubhaft erachtet, ist vorliegend nicht auf eine unrichtige oder
ungenügende Abklärung des Sachverhaltes zurückzuführen, sondern be-
schlägt die der angefochtenen Verfügung zugrundeliegende rechtliche
Würdigung der Vorbringen. Der Antrag, das Protokoll der BzP sei aus den
Akten zu weisen, ist vor diesem Hintergrund abzuweisen.
3.4
3.4.1 Ferner wird in der Beschwerde geltend gemacht, es sei das rechtliche
Gehör verletzt worden, weil die Akten des Bruders nicht beigezogen wor-
den seien, obwohl aktenkundig gewesen sei, dass dieser in der Schweiz
auch ein Asylgesuch gestellt habe. Dadurch sei eine Gesamtwürdigung
des Sachverhaltes unterblieben und der Sachverhalt sowie die Glaubhaf-
tigkeitsprüfung unvollständig durchgeführt worden.
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Seite 9
3.4.2 Das SEM führt in der Vernehmlassung hierzu aus, es liege keine Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs vor, weil die Akten des Bruders des Be-
schwerdeführers nicht beigezogen worden seien, da aus den Darlegungen
des Beschwerdeführers keine Hinweise hervorgehen würden, welche eine
derartige Abgleichung der Akten notwendig gemacht hätten. Die einzige
Aussage, in welcher der Beschwerdeführer einen direkten Bezug zu sei-
nem Bruder in der Anhörung hergestellt habe, sei gewesen, als er ange-
führt habe, im Juni 2011 festgenommen worden zu sein und sich sein Bru-
der danach versteckt habe (vgl. Akte A28/25 F74). Dieses Vorbringen habe
indessen zum Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers bereits Jahre
zurückgelegen. Dennoch würden im Sinne der Beschwerdeschrift im Fol-
genden einige zentrale Aussagen aus den Anhörungsprotokollen des Bru-
ders und des Beschwerdeführers aufgenommen und miteinander vergli-
chen. Der Beschwerdeführer mache geltend, sich ab November 2014 zu
Hause und im Dorf versteckt gehalten zu haben und ab Februar oder Mai
2015, als er intensiv gesucht worden sei, im Vanni Gebiet (vgl. Akte A6/12
S. 8, A28/25 S. 11). Der Bruder habe demgegenüber in der Anhörung vom
16. Januar 2018 vorgebracht, der Beschwerdeführer habe sich seit 2013
versteckt ([...] A34/22 S. 16). Als der Bruder in der Anhörung auf die Flucht-
gründe des Beschwerdeführers angesprochen worden sei, habe er keine
konkrete Antwort zu geben vermocht, sondern habe ausweichend und
nichtssagend geäussert, dass der Beschwerdeführer Schwierigkeiten wie
er selber bekommen habe, weil er diesen Leuten geholfen habe. Auf Nach-
frage, was der Beschwerdeführer konkret für Probleme im Heimatstaat ge-
habt habe, habe der Bruder vorgebracht, er habe Probleme mit CID-Ange-
hörigen gehabt, sei dann zur Schwester gegangen und danach wisse er es
nicht ([...] A34/22 S. 19). Auf Vorhalt, weshalb ihm nicht bekannt sei, was
der Beschwerdeführer für Probleme in Sri Lanka gehabt habe, obwohl er
hier in der Schweiz in Kontakt mit dem Beschwerdeführer stehe, habe der
Bruder keine Begründung anzugeben vermocht. Er habe lediglich ange-
führt, nicht genau nachgefragt zu haben. Der Beschwerdeführer wohne
auch weit weg von ihm. Er lebe in I._ und der Beschwerdeführer in
J._. Er sei noch nie nach J._ gegangen ([...] A34/22 S. 20).
Massive Widersprüche in den Darlegungen des Beschwerdeführers und
seines Bruders fänden sich auch in den Äusserungen des Beschwerdefüh-
rers über die Probleme seines Bruders in Sri Lanka: Der Beschwerdeführer
habe angeführt, sein Bruder sei nie inhaftiert worden (vgl. Akte A28/25
S. 15). Der Bruder hingegen habe anlässlich der Anhörung erklärt, er sei
dreimal inhaftiert worden ([...] A34/22 S. 16). Die Aussagen des Bruders
des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung seien daher entgegen
den Ausführungen in der Beschwerdeschrift keineswegs dazu geeignet,
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Seite 10
die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers zu stützen. Sie
würden im Gegenteil bewirken, dass sie die Ausführungen in seinem Asyl-
entscheid zur Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers
aufs Deutlichste unterstreichen.
3.4.3 In der Replik wird geltend gemacht, dass das SEM in der Vernehm-
lassung ausführe, im vorliegenden Verfahren bestehe keine Notwendigkeit
die Akten des Bruders beizuziehen. Im Rahmen der Vernehmlassung ziehe
es dennoch die Befragungsprotokolle bei, wobei dem Beschwerdeführer
diese Protokolle nicht zur Einsicht zugestellt worden seien. Unter diesen
Umständen sei es dem Beschwerdeführer nicht möglich, zu den Äusserun-
gen des SEM betreffend die Aussagen des Bruders des Beschwerdefüh-
rers Stellung zu beziehen. Damit bleibe der Vorwurf der Verletzung des
rechtlichen Gehörs aufrechterhalten und im Rahmen der Vernehmlassung
verletze das SEM zudem das Gebot der Waffengleichheit. Der Beschwer-
deführer sei vorliegend gar nicht in der Lage, zu den angeblichen Wider-
sprüchen Stellung zu beziehen.
3.4.4 Die protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers lassen nicht
darauf schliessen, die von ihm geltend gemachten Probleme in Sri Lanka
würden in einem Zusammenhang mit denjenigen des Bruders stehen. Er
erwähnte zwar, dass sein Bruder zwischenzeitlich auch in die Schweiz ein-
gereist sei (vgl. Akte A28/25 F44 ff.) und selber auch Probleme in Sri Lanka
gehabt habe. Jedoch machte er nicht geltend, dass die angeblich behörd-
liche Verfolgung des Bruders Konsequenzen für ihn selber gehabt habe.
Sie reisten auch nicht zusammen aus (vgl. Akte A28/25 F49, F74, F148 ff.,
F195 ff.). Vor diesem Hintergrund bestand für das SEM kein Anlass, mit
dem Erlass der Verfügung vom 12. Dezember 2017 zuzuwarten, bis die
Anhörung des Bruders zu den Asylgründen erfolgt war. Aufgrund der noch
nicht durchgeführten Anhörung des Bruders ergab ein Beizug der Akten
des Bruders zum Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung auch
keinen Sinn. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdefüh-
rers kann insofern nicht festgestellt werden.
In der Vernehmlassung vom 25. April 2018 äussert sich das SEM zu den
Angaben des Bruders, welche dieser anlässlich dessen Anhörung vom
16. Januar 2018 gemacht hatte, und kam zum Schluss, dass divergierende
Angaben die bereits festgestellte Unglaubhaftigkeit der Asylgründe des Be-
schwerdeführers untermauern würden. Das SEM zitierte in der Vernehm-
lassung die Aussagen des Bruders und stellte diese denjenigen des Be-
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Seite 11
schwerdeführers so gegenüber, dass es dem Beschwerdeführer im Zu-
sammenhang mit der Replik sehr wohl möglich gewesen wäre, Stellung zu
den festgestellten Divergenzen zu nehmen. Die Einsicht in das Anhörungs-
protokoll des Bruders war deshalb nicht notwendig. Hätte der Beschwer-
deführer Einsicht in das Protokoll seines Bruders gewünscht, wäre es an
ihm gelegen, dessen Einverständnis einzuholen und Akteneinsicht beim
SEM zu verlangen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt jedoch
aufgrund der klaren Darlegung der Aussagen des Bruders in der Vernehm-
lassung des SEM nicht vor.
3.5 In der Beschwerde wird dem SEM ferner vorgeworfen, es habe die Ver-
fügung ungenügend begründet. Die Widersprüche seien nicht genügend
geprüft und nur vage begründet worden.
Dem ist nicht so. Das SEM zeigte die von ihm festgestellten Widersprüche
in den Vorbringen des Beschwerdeführers hinreichend auf, indem es diese
genau bezeichnet und die jeweiligen Protokollstellen angibt. Dem Be-
schwerdeführer war es sodann in der Beschwerde möglich, darauf einzu-
gehen. Ferner begründete das SEM die Unglaubhaftigkeit der Asylvorbrin-
gen nicht nur mit Widersprüchen, sondern legte auch dar, dass das Verhal-
ten des Beschwerdeführers nach dem Telefonanruf seines Schulkamera-
den jeglicher Plausibilität entbehre und das eingereichte Beweismittel wei-
tere Diskrepanzen zum von ihm geltend gemachten Sachverhalt aufzeige
und nicht geeignet sei, seine Vorbringen zu belegen. Insofern hat das SEM
hinreichend begründet, warum es die Vorbringen des Beschwerdeführers
insgesamt als unglaubhaft erachtet.
3.6 Ferner wird in der Beschwerde gerügt, eine Risikoeinschätzung hin-
sichtlich einer allfälligen Gefährdung bei einer Rückkehr fehle vollständig
und das SEM habe es unterlassen, die aktuellen Länderinformationen (ins-
besondere SFH-Länderanalyse vom 14. Oktober 2016) im Entscheid ein-
zubeziehen. Es sei darauf hinzuweisen, dass sich das SEM bei der Beur-
teilung der asylrelevanten Verfolgungsgefahr, die sich aus der tamilischen
Ethnie und einer langjährigen Landesabwesenheit stütze, nicht auf aktuelle
Länderinformationen der anerkannten Organisation stütze.
Dies trifft nicht zu. Die Prüfung allfälliger Risikofaktoren fehlt nicht vollstän-
dig, wurde aber auf das Wesentlichste beschränkt. Das SEM verweist nicht
auf den erwähnten Bericht der SFH, jedoch auf die Rechtsprechung des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), wonach nicht ge-
nerell davon auszugehen sei, zurückkehrende Tamilinnen und Tamilen
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Seite 12
würden in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung drohen, und im Ein-
zelfall eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden müsse. Das SEM
stellt sodann fest, dass sich weder aus seinen Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte ergeben würden, dass ihm im
Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe.
Nachdem das SEM in der angefochtenen Verfügung bereits darlegt hat,
weshalb es die Vorbringen des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft er-
achtet, konnte es sich ohne weiteres mit dieser kurz gehaltenen Feststel-
lung begnügen, aus der implizit hervorgeht, dass es keine Risikofaktoren
erkennen kann, welche eine Gefährdung des Beschwerdeführers bei einer
Rückkehr begründen könnten.
3.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs des Beschwerdeführers im erstinstanzlichen Verfahren nicht
festgestellt werden kann. Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz ist abzuweisen. In der Beschwerde wird ferner beantragt, bei
einer allfälligen Infragestellung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen sei dem
Beschwerdeführer eine Frist anzusetzen, um die Glaubhaftigkeit zusätzlich
belegen und sich zu den Vorwürfen äussern zu können. Dieser Antrag ist
unter Hinweis darauf, dass dem Beschwerdeführer Gelegenheit gegeben
wurde, eine Replik einzureichen und sich darin zur Frage der Glaubhaf-
tigkeit seiner Vorbringen zu äussern, abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Seite 13
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung seiner Verfügung hält das SEM im Wesentlichen fest,
der Beschwerdeführer habe anlässlich der BzP angegeben, von Februar
2015 bis zur Ausreise im November 2015 in K._ im Vanni-Gebiet
gelebt zu haben (vgl. Akte A6/12 S. 4, 8). In der Anhörung habe er hinge-
gen erklärt, er habe sich erst seit Mai 2015 in K._ aufgehalten (vgl.
Akte A28/25 S. 3). In der BzP habe er ferner dargelegt, nach dem Anruf
seines Schulkameraden bis zu seiner Reise nach K._ einmal im
November 2014 und einmal im Februar 2015 zu Hause gesucht worden zu
sein. Er habe keine weiteren Suchen erwähnt (vgl. Akte A6/12 S. 8). Im
Rahmen der Anhörung habe er hierzu zunächst ebenfalls angeführt, zwei-
mal gesucht worden zu sein (vgl. A28/25 S. 7). Im späteren Verlauf der
Anhörung habe er im Gegensatz dazu jedoch vorgebracht, man habe nach
der Haftentlassung seines Schulkameraden bis zum Februar 2015 zu-
nächst zweimal, dann mehrere weitere Male nach ihm gesucht. Im Februar
2015 sei die Suche schliesslich sehr intensiv geworden, da zwei Hauskon-
trollen stattgefunden hätten (vgl. Akte A28/25 S. 14). Anlässlich der BzP
habe er überdies verschiedene Male zu Protokoll gegeben, dass ihn der
CID gesucht und inhaftiert habe (vgl. Akte A6/12 S. 7 f.). Demgegenüber
habe er in der Anhörung auf die Frage, wer ihn inhaftiert und gesucht habe,
zu Protokoll gegeben, er wisse nicht, wer dahinterstecke, er glaube, dass
es sich um den CID handle (vgl. Akte A28/25 S. 7, 10, 14). Zu den ange-
führten Widersprüchen sei ihm das rechtliche Gehör gewährt worden. Er
habe dabei die Widersprüche nicht aufzulösen vermocht, sondern haupt-
sächlich darauf verwiesen, dass seine Angaben in der Anhörung richtig
seien (vgl. Akte A28/25 S. 16, 21 f.). Die angeführten Widersprüche zu
zentralen Punkten seiner Sachverhaltsdarstellung würden bewirken, dass
sich erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ergäben.
Wie aus seinen Aussagen hervorgehe, handle es sich bei diesem Anruf
seines Schulkameraden somit um das Ereignis, welches indirekt ein Jahr
später zur Ausreise aus Sri Lanka geführt habe. Er sei deshalb in der An-
hörung ausführlich über diesen Telefonanruf und seine Reaktion darauf be-
fragt worden. Er hätte darüber Auskunft geben sollen, was für Anstrengun-
gen er unternommen habe, um sich ein genaues Bild über seine damalige
Situation zu verschaffen. Er habe berichtet, der Schulkamerad habe ihm
bei seinem Anruf nur erzählt, dass man nach ihm (dem Beschwerdeführer)
D-333/2018
Seite 14
gefragt habe, als er verhört worden sei, und von ihm habe wissen wollen,
ob er (der Beschwerdeführer) Verbindungen zu den LTTE gehabt habe.
Mehr habe er nicht gesagt. Er habe seinerseits nicht versucht, weitere In-
formationen von ihm zu erhalten, indem er oder jemand aus seiner Familie
den Kameraden telefonisch kontaktiert oder besucht habe, obwohl er in
seiner Nähe gewohnt habe. Es sei ihm weder der Grund für die Inhaftierung
seines Schulkameraden bekannt, noch wo und wie lange er festgehalten
worden sei. Das sei alles nicht nötig gewesen, denn er habe keine weiteren
Informationen von ihm benötigt (vgl. Akte A28/25 S. 11 ff.). Sein Verhalten
in dieser Angelegenheit könne indessen nicht nachvollzogen werden, ent-
behre es doch jeglicher Plausibilität. Spätestens nach der ersten Suche im
November 2014 hätte jemand in seiner Situation erfahrungsgemäss alle
möglichen Anstrengungen unternommen, um sich über die Hintergründe
dieser Suche Kenntnis zu verschaffen. In seinem Fall komme hinzu, dass
es ihm ein Leichtes gewesen wäre, diese Informationen zu erhalten, habe
er doch nicht nur über seine Telefonnummer verfügt, sondern auch ge-
wusst, wo er gelebt habe. Hinzu komme, dass der CID nach der Haftent-
lassung seines Freundes kaum Interesse an ihm gehabt hätte. Ansonsten
hätten ihm die Behörden mit seiner Entlassung bestimmt nicht die Möglich-
keit bieten wollen, ihn vorab zu warnen. Sein unplausibles Verhalten bei
diesem für sein Asylgesuch zentralen Ereignis erhärte die Zweifel der
Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen.
Er schildere in der Anhörung, der unmittelbare Anlass für seine Ausreise im
November 2015 sei gewesen, dass er nicht nur im Heimatdorf, sondern
auch im Vanni-Gebiet intensiv gesucht worden sei (vgl. Akte A28/25 S. 16).
Er habe in der BzP jedoch die Suche nach ihm im Vanni-Gebiet mit keinem
Wort erwähnt (vgl. Akte A6/12 S. 8). Auf den entsprechenden Vorhalt hin
habe er in der Anhörung angegeben, er sei in der BzP unter Stress gestan-
den, weil er in Sri Lanka versteckt gelebt und eine schwierige Reise durch-
gemacht habe. Er habe sich deshalb in der BzP nicht richtig konzentrieren
können (vgl. Akte A28/25 S. 22). Dieser Rechtfertigungsversuch vermöge
angesichts des Umstandes, dass er in der BzP ohne weiteres in der Lage
gewesen sei, seine zahlreichen Aufenthaltsorte und Adressen in Sri Lanka
chronologisch anzugeben, sowie angesichts seiner präzisen Schilderun-
gen seiner übrigen Asylgründe nicht zu überzeugen und sei deshalb als
blosse Schutzbehauptung zurückzuweisen (vgl. Akte A6/12 S. 4 f.). Die
ohne zwingenden Grund erst im Rahmen der Anhörung geltend gemachten
Suchen nach ihm im Vanni-Gebiet würden die Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit seiner Vorbringen bestätigen.
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Seite 15
Er habe in der Anhörung ein vom 19. Februar 2016 datiertes Schreiben des
Provinzabgeordneten S. als Beweismittel eingereicht und dazu erklärt,
seine Mutter habe den Politiker nach seiner Ausreise kontaktiert und da-
raufhin dieses Schreiben erhalten. Das Beweismittel enthalte indessen
mehrere Aussagen, die in Widerspruch zu seinen Darlegungen stünden.
Es falle insbesondere auf, dass in dem Dokument festgehalten werde, er
sei sowohl vom CID als auch vom Geheimdienst gesucht worden, während
er in den Befragungen nie vom Geheimdienst gesprochen habe. Darüber
hinaus sei entgegen seinen Äusserungen nur von einer einwöchigen Inhaf-
tierung die Rede. Ebenso werde erwähnt, er sei wegen seines Engage-
ments für die TNA mehrmals befragt worden. Er selber habe nie einen der-
artigen Sachverhalt geltend gemacht. Die zahlreichen Abweichungen in
dem Schreiben würden deswegen besonders ins Gewicht fallen, weil er
geäussert habe, dass S. Kenntnis von seinen Problemen habe und wisse,
dass er mitgenommen und verhört worden sei. Zudem stamme er aus dem
Nachbardorf und er habe ihn, als er Fussball gespielt habe, gekannt (vgl.
Akte A28/25 S. 20). Es sei ihm im Rahmen des rechtlichen Gehörs nicht
möglich gewesen, die abweichenden Aussagen in dem Schreiben zu er-
klären (vgl. Akte A28/25 S. 21). Das eingereichte Beweismittel sei demzu-
folge ungeeignet, seine Vorbringen zu stützen, und müsse daher als un-
tauglich eingestuft werden. Angesichts dieser Ausführungen erübrige es
sich, auf weitere Unglaubhaftigkeitselemente in seinen Darlegungen ein-
zugehen. Seine Vorbringen würden somit den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, so dass deren Asyl-
relevanz gemäss Art. 3 AsylG nicht geprüft werden müsse.
5.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass der
Beschwerdeführer anlässlich der BzP zum Protokoll gegeben habe, dass
er ab Februar 2015 im Vanni-Gebiet gelebt habe. Die BzP sei kurz nach
seiner langen (mit Strapazen verbundenen) Reise in die Schweiz durchge-
führt worden. Vor diesem Hintergrund sei es nachvollziehbar, dass sich die
Personen nicht exakt an alle Daten erinnern könnten. Aufgrund dessen
habe er auch die Zeitspanne nicht genau vorbringen können und angege-
ben, dass er sich im Vanni ab Februar 2015 versteckt habe. Offensichtlich
sei seine Aussage nicht exakt übersetzt worden. Auch die Tatsache, dass
die Befragung unter Zeitdruck stattgefunden habe, spreche dafür, dass die
Aussagen des Beschwerdeführers nicht exakt, sondern nur summarisch
und nicht wortgetreu übernommen worden seien. Abgesehen davon,
handle es sich vorliegend nicht um einen Widerspruch, welcher die Glaub-
haftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG umzustossen vermöge. Der Be-
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schwerdeführer habe anlässlich der BzP (kurz nach seiner Ankunft) einer-
seits erwähnt, dass er ab Februar 2015 in Vanni gelebt habe, und ander-
seits sei es auch nachvollziehbar, dass er zu diesem Zeitpunkt die Daten
nicht habe eingrenzen können.
Die Suche einer verdächtigen Person erfolge in Sri Lanka sehr unter-
schiedlich. Eine intensive Suche liege dann vor, wenn mehrere Beamte
auftauchen, das Haus durchsuchen und die anwesenden Personen befra-
gen würden. Eine solche Suche werde in Sri Lanka bei der dortigen Bevöl-
kerung umgangssprachlich als eine «offizielle» Suche bezeichnet. Dane-
ben sei es in Sri Lanka verbreitete Praxis, dass in unregelmässigen Ab-
ständen unbekannte Personen (mutmasslich CID-Agenten) am Wohnort
des Verdächtigen auftauchen und bei Anwesenden über den Verbleib des
Verdächtigen nachfragen würden. Solche Aktionen des Staatsapparates
würden bei der Bevölkerung als geheime beziehungsweise «inoffizielle»
Suche betitelt. Der Beschwerdeführer sei insbesondere vor Mai 2015 zwei
Mal in B._ sowie zwei Mal während seines Aufenthalts im Vanni of-
fiziell (mit Hausdurchsuchung) gesucht worden. Schliesslich seien in die-
sem Zeitraum (2014/2015) mehrere inoffizielle Suchen erfolgt. Vor diesem
Hintergrund sei es nachvollziehbar, dass sich der Beschwerdeführer nicht
genau an die Anzahl habe erinnern können.
Abgesehen davon, dass die BzP nicht verwertbar sei, seien die Aussagen
des Beschwerdeführers diesbezüglich nicht widersprüchlich. In Sri Lanka
seien mehrere Akteure für die Verfolgung und Suche von Verdächtigen zu-
ständig, unter anderem die CID, die SLA und der Geheimdienst. Unter dem
Deckmantel der «Terrorfahndung» seien durch alle Apparate willkürliche
Verhaftung, Verschwindenlassen oder Folter von verdächtigen Personen
an der Tagesordnung. Für einen unbescholtenen Bürger sei es meistens
nicht nachvollziehbar, vor allem wenn die Beamten in Zivil auftauchen wür-
den, um welche Behörde es sich konkret handle, zumal die Identität der
Beamten ohnehin nicht offengelegt werde. Unter diesen Umständen sei es
glaubhaft, wenn der Beschwerdeführer nicht genau habe identifizieren kön-
nen, um welche Behörde es sich gehandelt habe. Grundsätzlich sei bei
einer solchen Fahndung immer die CID involviert. Daher würden die Be-
troffenen zuerst immer davon ausgehen, dass die CID dahinterstecke.
Ganz auszuschliessen seien die anderen Behörden jedoch nicht. Aufgrund
dessen habe der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung vorsichtig
sein und seine Angaben präzisieren wollen. Damit liege keine Wider-
sprüchlichkeit vor, sondern es sei vielmehr ein Indiz dafür, dass die Aussa-
gen des Beschwerdeführers glaubhaft und schlüssig seien. Falls er sich
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Seite 17
die Geschichte nur ausgedacht hätte, hätte er die CID konkret belastet und
nicht eine Vermutung aufgestellt.
Inwiefern es unplausibel sei, dass er keine Vorkehrungen getroffen habe,
um sich über die Hintergründe der Informationen seines Schulkameraden
Kenntnis zu verschaffen, sei dem Entscheid nicht zu entnehmen. Erstens
habe der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt gewusst, dass der Staats-
apparat ihn beziehungsweise seine Familie als Unterstützer einer mut-
masslichen Unabhängigkeitsbewegung verdächtigt habe. Zweitens sei der
Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt bereits mehrmals festgenommen
worden. Vor diesem Hintergrund sei eine weitere Abklärung durch den Be-
schwerdeführer nicht notwendig gewesen. Die Gründe, weshalb er auf den
Radar des Staatsapparates geraten sei, sei ihm zu diesem Zeitpunkt be-
wusst gewesen. Der Vorwurf des SEM, dass er nicht nachgeforscht habe,
weshalb der Staatsapparat nach ihm gefragt habe, sei nicht plausibel, zu-
mal der Beschwerdeführer die Gründe bereits gewusst habe, nämlich die
angebliche Verbindung zu Unabhängigkeitsgruppen. Eine weitere Nachfor-
schung sei daher nicht notwendig gewesen. Demzufolge gehe die Argu-
mentation des SEM, dass er beim Schulkameraden nicht nochmals telefo-
nisch (oder durch persönlicher Vorsprache) nachgefragt habe und daher
die Aussagen nicht plausibel seien, vollumfänglich fehl. Dem Beschwerde-
führer sei zudem bewusst gewesen, dass verdächtigte Personen (auch
nach der Entlassung) weiterhin überwacht und die Telefongespräche ab-
gehört würden. Unter diesen Umständen sei es überzeugend, dass der Be-
schwerdeführer den Schulkameraden nicht wieder kontaktiert gehabt und
seine Ausreise (mit Hilfe der Mutter) organisiert habe. Bei einer Kontakt-
aufnahme habe er alle involvierten Personen in Gefahr gebracht.
Bezüglich der Suche nach dem Beschwerdeführer im Vanni habe das SEM
die Akten beziehungsweise das erwähnte Protokoll nicht richtig konsultiert.
Die BzP sei kurz und knapp gehalten worden. Dem erwähnten Protokoll
könne entnommen werden, dass der Beschwerdeführer in der Einleitung
darauf hingewiesen worden sei, dass nur eine summarische Befragung
durchgeführt werde und bezüglich der Gründe eine Vertiefung in einer wei-
teren Befragung erfolgen werde. Aufgrund dessen habe der Beschwerde-
führer – wie durch die Verfahrensleitung angeordnet – die Angaben zur
Personen so präzise wie möglich gemacht und die Asylgründe lediglich
summarisch dargestellt. Der Beschwerdeführer sei sogar ausdrücklich auf-
gefordert worden, die Gründe kurz zu halten (vgl. Akte A6/12 Ziff. 7.01).
Demzufolge habe der Beschwerdeführer die Gesuchsgründe nur summa-
risch zusammengefasst. Der Vorwurf des SEM diesbezüglich sei nicht
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Seite 18
nachvollziehbar, wenn die Befragerin den Beschwerdeführer auffordert,
sich knapp zu halten und nun im Entscheid genau dieser Umstand zum
Nachteil des Beschwerdeführers ausgelegt werde.
Schliesslich werde vorgebracht, dass das Schreiben des Provinzabgeord-
neten S._ untauglich sei. Begründet werde diese Ansicht damit,
dass in diesem Schreiben vom CID und dem Geheimdienst die Rede sei.
Wie bereits oben ausgeführt, würden CID-Beamte oft auch mit dem Ge-
heimdienst gleichgesetzt, da sie meistens in Zivil und verdeckt fahnden
würden. Ein normaler Bürger sei daher nicht in der Lage, die einzelnen
Behörden richtig einzuordnen, da die Identität nicht offengelegt werde. Ge-
rade bei Ermittlungen gegen Tamilen, welche der Unabhängigkeitsbewe-
gung verdächtigt würden, würden der CID und der Geheimdienst meist zu-
sammen operieren. Demzufolge sei die Aussage des Abgeordneten nicht
unplausibel, wenn die Rede vom CID und Geheimdienst sei. Mithin gelte
das Vorbringen des SEM, dass darin ein Widerspruch zu sehen sei, nicht.
Nachdem Ausgeführten sei ersichtlich, dass die Begründung des SEM
nicht stichhaltig sei. Die vorgebrachten angeblichen Widersprüche – wel-
che aber vorliegend als unzutreffend widerlegt worden seien – vermöchten
die Glaubhaftigkeit des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 7 AsylG nicht
umzustossen.
Der Beschwerdeführer habe alles Zumutbare unternommen, die Vorfälle
nachzuweisen. Insbesondere würden die Ausführungen bezüglich der In-
haftierung, Hausdurchsuchung durch den sri-lankischen Sicherheitsappa-
rat unzählige Realkennzeichnen enthalten: Beispielsweise, dass der Bru-
der des Beschwerdeführers nach der ersten Festnahme sich versteckt ge-
habt habe, sowie dass die zweite Festnahme aufgrund der Protestaktion
erfolgt sei. Zudem erzähle er die Umstände der dritten Festnahme absolut
frei, dass er auf der Strasse aufgegriffen worden sei, als er mit dem Bus
nach M._ habe fahren wollen. Ein weiteres Realkennzeichnen sei
die Tatsache, dass der Beschwerdeführer die Erzählung für den Zeitraum
nach der Inhaftierung sowie nach dem Telefonanruf in der „wir"-Form er-
zähle (vgl. Akte A28/25 F149) und den Bruder miteinbeziehe. Für Personen
ohne Erlebnisgrundlagen sei es unmöglich, eine solche detailreiche Schil-
derung von sich aus zu erfinden und in sich stimmig zu präsentieren. Die
entsprechenden Handlungsabläufe, respektive die Interaktionen zwischen
den verschiedenen Orten (B._, K._) und Handlungen (Anruf
des Schulkameraden), schildere der Beschwerdeführer widerspruchsfrei.
Es sei für einen Unbeteiligten nahezu unmöglich, solche lnteraktionsketten
D-333/2018
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zu erfinden. Insgesamt sei deshalb von der Glaubhaftigkeit des Vorbrin-
gens des Beschwerdeführers auszugehen. Der Beschwerdeführer sowie
seine Familie würden seitens der sri-lankischen Sicherheitskräfte bezich-
tig, der LTTE nahezustehen und (politische) Gruppierungen, welche die
Unabhängigkeit anstreben, zu unterstützen. Dies nachdem der Onkel, wel-
cher LTTE-Mitglied gewesen sei, kurz vor der ersten Inhaftierung des Be-
schwerdeführers bei ihnen übernachtet habe, und der Beschwerdeführer
die TNA im Wahlkampf unterstützt habe. Der Beschwerdeführer sei insge-
samt vier Mal verhaftet und eingeschüchtert worden. Schliesslich gehöre
der Beschwerdeführer zur bestimmten sozialen Gruppe der abgewiesenen
tamilischen Asylgesuchsteller, welche bei der Rückkehr nach Sri Lanka mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit systematisch aufgrund eines General-
verdachtes der Unterstützung der LTTE durch die sri-lankischen Behörden
verhaftet, unter Anwendung von schwerer Folter und auch auf unbe-
stimmte Zeit inhaftiert bleiben würden. Zusammenfassend weise der Be-
schwerdeführer also ein Profil auf, welches ihn gemäss der aktuellen
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und den Präjudizen des
SEM bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in asylrelevanter Weise in Gefahr
bringen würde. Der Beschwerdeführer halte sich mittlerweile seit mehr als
drei Jahren in der Schweiz und somit in einem tamilischen Diasporazent-
rum auf. Alleine dieser Umstand würde ihn, als Tamilen aus dem Norden
Sri Lankas gegenüber den sri-lankischen Behörden verdächtig machen.
Dies insbesondere, weil diese den Verdacht gegen ihn hegen würden, dass
dieser sich in der Schweiz, ein Land welches bekannt ist für den tamili-
schen exilpolitischen Aktivismus, gegen die sri-lankische Regierung poli-
tisch engagiert habe. Diesbezüglich werde auf mehrere Fälle von Inhaftie-
rungen von Rückkehrern hingewiesen, welche im Flughafen inhaftiert wor-
den seien.
5.3 In der Vernehmlassung führt das SEM aus, es könne nicht nachvollzo-
gen werden, weshalb sich der Beschwerdeführer während der BzP auf-
grund der Strapazen der zurückgelegten Reise nicht exakt an die Daten
habe erinnern können, habe er sich doch gemäss seinen Aussagen zehn
bis zwölf Tage lang in einem Haus aufgehalten, ehe er das Asylgesuch ein-
reicht habe (vgl. Akte A6/12 Ziff. 5.02). Es könne nicht Sache des SEM
sein, die Darlegungen eines Asylbewerbers dahingehend zu hinterfragen,
was er allenfalls damit gemeint haben könnte. Es liege in der Verantwor-
tung des Beschwerdeführers, sich zwar bei den Asylgründen in der BzP
summarisch zu äussern, doch alle für seine Asylbegründung wichtigen
Sachverhaltselemente anzuführen. Dazu würden natürlich auch die diver-
sen Suchen nach ihm in den letzten Monaten vor seiner Ausreise gehören,
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Seite 20
zumal diese, folge man seinen Aussagen, letztlich dazu geführt hätten, den
Heimatstaat zu verlassen. Es sei am Ende der Erwägungen im Asylent-
scheid angeführt worden, dass es weitere Unglaubhaftigkeitselemente
gebe, auf die jedoch angesichts der bisherigen Ausführungen nicht im Ein-
zelnen eingegangen werde. Eines dieser Elemente sei der Umstand, dass
es dem Beschwerdeführer, obwohl er gemäss seinen Erörterungen im Fo-
kus der sri-lankischen Behörden gestanden habe, im Jahr 2014 ohne wei-
teres möglich gewesen sei, sich einen Reisepass ausstellen zu lassen (vgl.
Akte A28/25 S. 19). Seine Äusserung, den Pass nicht zu den Akten einrei-
chen zu können, weil er ihn dem Schlepper habe übergeben müssen, sei
wenig überzeugend und stereotyp, zumal er seine Identitätskarte auf sich
getragen habe, als er sich in C._ eingefunden habe (vgl. Akte A5/12
S. 2). In der Verfügung sei die Zumutbarkeit der Wegweisung individuell
geprüft worden, wie dies die SEM-Praxis zwingend vorsehe. Da es dem
Beschwerdeführer, wie erwähnt, nicht gelungen sei, die Erwägungen des
SEM in seinem Asylentscheid zur fehlenden Unglaubhaftigkeit zu entkräf-
ten, liege die Schlussfolgerung nahe, dass der Beschwerdeführer seinen
Heimatstaat entgegen seiner Behauptung legal mit seinem eigenen Pass
verlassen habe und ihm bei einer Rückkehr keine ernsthaften Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Zudem befinde er sich im Besitz
einer gültigen sri-lankischen Identitätskarte. Angesichts dessen erübrige es
sich, im Rahmen dieser Vernehmlassung auf die eingereichten Urkunden
4, 5, 8, 9, 10 der Beschwerdeschrift einzugehen.
5.4 In der Replik wird geltend gemacht, dass bekannt sei, dass es die
menschlichen kognitiven Fähigkeiten grundsätzlich nicht gestatten würden,
sich an präzise Daten weitzurückliegender Ereignisse zu erinnern. Zudem
habe der Beschwerdeführer zum damaligen Zeitpunkt eine turbulente
Reise hinter sich gehabt. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Beschwerde-
führer sich einige Tage habe ausruhen können oder nicht. Weiter seien die
Ausführungen des Beschwerdeführers, dass er den Reisepass dem
Schlepper habe übergeben müssen – entgegen der Ansicht des SEM –
glaubhaft. Die Schlepper würden in vielen Fällen versuchen, die Reise-
pässe abzunehmen, damit sie diese Pässe für weitere Schmuggelge-
schäfte benutzen können. Demzufolge sei das Vorbringen des Beschwer-
deführers diesbezüglich absolut glaubhaft. Die Schlepper würden den
Flüchtlingen erzählen, dass sie die Pässe unbedingt ihnen aushändigen
sollten, damit sie bei einer allfälligen Festnahme in den Durchreiseländern
nicht direkt nach Sri Lanka ausgeschafft werden können, wenn der Pass
nicht vorhanden sei. Viele würden diese Geschichte glauben und gäben
die Pässe den Schleppern ab. In der Wahrheit würden aber die Schlepper
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Seite 21
diese für neue Fälle benutzen. Nichtdestotrotz gehe aber aus der Vernehm-
lassung des SEM hervor, dass auch der Bruder des Beschwerdeführers in
den Anhörungen eine Verfolgung sowie das Verstecken des Beschwerde-
führers bestätigt habe. Die angeblichen Widersprüche bezüglich der Jah-
reszahlen – welche aber vorliegend nicht beurteilt werden könnten, weil die
entsprechenden Protokolle nicht zugestellt worden seien – seien im
Grunde gar keine. Wie bereits oben festgehalten, sei eine Person gar nicht
in der Lage, länger zurückliegende Ereignisse exakt einzugrenzen. Zudem
handle es sich um Vorfälle, welche eine andere Person beträfen. Daher sei
es nachvollziehbar, wenn der Beschwerdeführer und sein Bruder angeblich
nicht deckungsgleich ausgesagt hätten. Ebenfalls spreche der Umstand,
dass der Bruder des Beschwerdeführers angeblich nicht über die Probleme
des Beschwerdeführers vollumfänglich Informationen gegeben habe, für
die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. Es sei aktenkundig, dass der
Kontakt der Brüder in Sri Lanka abgebrochen sei. Daher sei es nahelie-
gend, dass der Bruder über die Probleme des Beschwerdeführers keine
Auskunft habe geben wollen beziehungsweise können. Auch die Aussage
des Bruders, dass er nicht konkret über die Probleme des Bruders in der
Schweiz kommuniziert habe, sei glaubhaft. Falls beide die Vorfälle und
Asylgründe nur erfunden hätten, hätten sie sich mit Bestimmtheit abge-
sprochen und die Aussagen zusammen koordiniert.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht im Ein-
klang mit dem SEM zum Schluss, dass die vier Mitnahmen zwischen 2011
und 2014 durch die CID sowie die behördlichen Suchen nach ihm nach
einem Telefonanruf eines Schulkameraden nicht glaubhaft sind.
6.2 Insofern das SEM mehrere Widersprüche zwischen den Aussagen an-
lässlich der BzP und der Anhörung festgestellt hat und die Suche im Vanni,
welche der Beschwerdeführer erst anlässlich der Anhörung geltend
machte, als nachgeschoben erachtete, berücksichtigte das SEM zwar zu
wenig, dass der Beschwerdeführer anlässlich der BzP dazu angehalten
worden ist, sich kurz zu fassen. Dies wurde sowohl im Protokoll der BzP
mehrmals und auf der separaten Akte «Post-It: Verkürzte BzP» sogar noch
explizit festgehalten (vgl. Akten A6/12 S. 1, S. 2 Bst. h, S. 7 Ziff. 7.01,
A8/1). Der Beschwerdeführer erwähnte anlässlich der BzP die vier Mitnah-
men, den Telefonanruf seines Schulkameraden und die darauffolgenden
Suchen nach ihm und hat damit das Wesentlichste dargelegt. Zusätzliche
Fragen zu seinen Vorbringen wurden ihm keine gestellt. Dass er die ein-
zelnen Suchen nach ihm nicht nach den verschiedenen Aufenthaltsorten
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Seite 22
aufgeteilt hat, kann dem Beschwerdeführer unter diesen Umständen nicht
vorgeworfen werden. Die Abweichung betreffend den Zeitpunkt des Weg-
gangs ins Vanni-Gebiet führt als einzelner Widerspruch nicht zur Unglaub-
haftigkeit der Vorbringen. Im Übrigen sind in den Kernvorbringen keine we-
sentlichen Unstimmigkeiten festzustellen.
6.3 Gleichwohl sind die Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaub-
haft zu erachten. Die Asylgründe erzählt er anlässlich der Anhörung bei der
freien Schilderung substanzlos in zehn kurzen Sätzen. Entgegen den Aus-
führungen in der Beschwerde handelt es sich vorliegend um einfache
Handlungsabläufe ohne viele Interaktionsketten. Die vier Mitnahmen durch
die sri-lankischen Behörden und deren Grund zählt er auf, als hätte er dies
chronologisch auswendig gelernt und ohne jegliche Realkennzeichen (vgl.
Akte A28/25 F71). Seine Schilderungen enthalten zudem keine Details und
erwecken nicht den Eindruck, als hätte er das, was er berichtet, selber er-
lebt. Er machte geltend, nach der ersten Mitnahme sei er neun Tage fest-
gehalten und befragt worden. Er erzählte zwar, was er gefragt worden sei,
was aber sonst während diesen neun Tagen in Haft passiert ist, schildert
er nicht. Auch die anderen Inhaftierungen, werden teilnahmslos beschrie-
ben. Der Beschwerdeführer konnte auch nicht angeben, wie sich diese Mit-
nahmen abgespielt hatten (vgl. Akte A28/25 F82 f., F94 ff.). Auf die Frage,
ob nebst den Befragungen sonst noch was bei den Verhaftungen vorgefal-
len sei, antwortete der Beschwerdeführer nur, er sei normalerweise ge-
schlagen worden. Wo und wie oder von wem er geschlagen oder ob er
auch erniedrigt worden sei, ob er danach Schmerzen gehabt habe, erzählte
er nicht (vgl. Akte A28/25 F108). Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum
nur er und nicht auch die anderen Mitglieder des Fussballvereins Probleme
bekommen haben, weil sie Plakate für die TNA aufgehängt und Leute Kon-
taktiert haben, zumal den sri-lankischen Behörden sicher bekannt war, wer
alles dem Fussballverein angehörte (vgl. Akte A28/25 F109 ff.). Erstaunlich
ist auch, dass er von den sri-lankischen Behörden nie zu Hause aufgegrif-
fen worden ist, sondern immer auf der Strasse, obwohl er angegeben hat,
normalerweise zu Hause gesucht worden zu sein (vgl. Akte A28/25
F112 ff.). Sodann hat das SEM zutreffend festgestellt, dass sein Verhalten
nach dem Telefonanruf seines Schulkameraden der allgemeinen Erfahrung
widerspreche. Aus den Ausführungen wird nicht ersichtlich, inwiefern zwi-
schen dem Beschwerdeführer und dem ehemaligen Schulkameraden seit
dem Ende der Schulzeit überhaupt noch eine Verbindung bestand. Der Be-
schwerdeführer gab einerseits an, sie hätten immer nur telefonischen Kon-
takt gehabt und er kenne "seinen Hintergrund nicht" (vgl. Akte A28/25
F121 f., F127, F132 f.). Andererseits gab er später anlässlich der Anhörung
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Seite 23
an, die sri-lankischen Behörden wüssten, dass sie befreundet gewesen
seien (vgl. Akte A28/25 F131). Der Beschwerdeführer konnte auch nicht
erklären, wie er sich im Haus im Vanni jeweils vor den Behörden versteckt
habe und wie er vorgewarnt worden sei (vgl. Akte A28/15 F185 ff.).
Schliesslich hat das SEM zutreffend festgestellt, dass das Schreiben des
Provinzabgeordneten im mehrfacher Hinsicht von seinen Aussagen abwei-
che. Insbesondere ist nicht nachvollziehbar, warum der Provinzabgeord-
nete im Schreiben erwähnt, dass die Mutter den Beschwerdeführer seit Mai
2015 vermisse, wenn diese gemäss dem Beschwerdeführer die Ausreise
aus Sri Lanka organisiert haben will, oder dass der Beschwerdeführer ge-
foltert worden sein soll, obwohl er dies nie erwähnte (vgl. Akte A28/25
F176). Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass aufgrund der un-
substantiierten und nicht nachvollziehbaren Angaben sowie des mit Zweifel
behafteten Schreibens des Provinzabgeordneten nicht glaubhaft ist, dass
der Beschwerdeführer von den sri-lankischen Behörden asylrechtlich rele-
vanter Weise verfolgt worden ist.
6.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri
Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus Europa res-
pektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht gene-
rell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt
seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung
des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Ver-
haftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei
handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint-
lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, Teilnahme
an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und Vorliegen früherer
Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam-
menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE
(sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.1 - 8.4.3). Einem
gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden unterliegen
ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach
Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt
werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM)
nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben
(sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und
8.4.5). Es ist im Einzelfall abzuwägen, ob die konkret glaubhaft gemachten
Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden
Person ergeben. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass insbesondere jene
Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinn von
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Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zuge-
schrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wie-
deraufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
6.5 Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, ist es unglaubhaft,
dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka von den sri-lankischen Behörden
verfolgt worden ist, weil ein Onkel bei den LTTE war, er politische Parteien
unterstützt beziehungsweise an Demonstrationen teilgenommen hat. Er
selber hatte keine Verbindungen zu den LTTE. Der Bruder, der in der
Schweiz um Asyl ersucht hat, machte zwar geltend, er sei von den LTTE
zwangsrekrutiert und von den sri-lankischen Behörden inhaftiert worden.
Das SEM glaubte ihm dies jedoch nicht und lehnte dessen Asylgesuch ab.
Jene Verfügung wuchs unangefochten in Rechtskraft. Angesichts dessen,
dass noch viele Verwandte in Sri Lanka leben, ist nicht davon auszugehen,
dass der Umstand, dass ein Onkel bei den LTTE gewesen ist, für den Be-
schwerdeführer eine Gefahr bei einer Rückkehr begründen könnte. Zudem
ist der Beschwerdeführer im Besitz seiner Identitätskarte. Es besteht des-
halb kein Anlass zur Annahme, der Beschwerdeführer würde im Falle der
Rückkehr die Aufmerksamkeit der heimatlichen Behörden in einem flücht-
lingsrechtlich relevanten Mass auf sich ziehen. Auch der Umstand, dass
der Beschwerdeführer tamilischer Ethnie ist und von der Schweiz aus nach
Sri Lanka zurückkehren wird, führt nach konstanter Praxis für sich allein
gesehen nicht zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine asylrele-
vante Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden nachgewiesen oder
zumindest glaubhaft gemacht hat. Das SEM hat somit die Flüchtlingsei-
genschaft zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. An dieser
Feststellung vermögen auch die eingereichten Beweismittel nichts zu än-
dern.
8.
8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
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8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
D-333/2018
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keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwer-
deführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall
einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des
UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete
Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall
einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse
Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihm unter Hinweis auf die
Erwägungen zum Asylpunkt nicht gelungen. Auch die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist demnach sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner
Gewalt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung
und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Bereits mit Urteil
BVGE 2008/2 hat das Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass für sri-
lankische Asylsuchende tamilischer Ethnie, die aus dem Grossraum Co-
lombo oder dessen Umgebung stammen von der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs in dieses Gebiet auszugehen sei. Mit dem Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesverwaltungsgericht seine
bisherige Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/24) und die gegenwärtige Pra-
xis des SEM bestätigt, wonach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und
Nordprovinz zumutbar ist. Im Weiteren hat das Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 (als Referenzurteil publiziert)
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festgestellt, dass der Wegweisungsvollzug ins Vanni-Gebiet ebenfalls zu-
mutbar ist. An dieser Einschätzung hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt
nichts geändert.
9.3.3 Der Beschwerdeführer lebte hauptsächlich im Distrikt Jaffna (Nord-
provinz). Ein Vollzug in diese Provinz ist im Lichte der Rechtsprechung zu-
mutbar. In vorliegendem Fall sprechen sodann keine individuellen Gründe
gegen einen Wegweisungsvollzug. Der Beschwerdeführer besuchte die
Schule bis zum A-Level und half danach seinem Vater als Fischer (vgl. Akte
A28/25 F59 f.). Der Beschwerdeführer verfügt mit seinen Eltern und drei
Geschwistern und weiteren Verwandten in Sri Lanka über ein Beziehungs-
netz. Seiner Familie geht es gemäss seinen Angaben finanziell gut. Sein
Vater verkauft Fische an Grosshändler und hat zehn Arbeiter und sein Bru-
der besitzt einen Laden (vgl. Akte A28/25 F37 ff., F58). Aufgrund seiner
schulischen Ausbildung und dem finanziell gut dastehenden Beziehungs-
netz wird es ihm möglich sein, sich im Heimatland eine Existenz aufzu-
bauen. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka in eine existenzbedrohende, ihn konkret gefährdende Situ-
ation geraten wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Weg-
weisung nicht als unzumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch
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Seite 28
das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh-
rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 26. Januar
2018 gutgeheissen wurde, sind keine Kosten aufzuerlegen.
11.2 Das Gesuch um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes wurde
mit Verfügung vom 28. Februar 2018 gutgeheissen und dem Beschwerde-
führer Rechtsanwalt Rajeevan Linganathan als amtlicher Rechtsbeistand
beigeordnet. Die notwendigerweise erwachsenen Parteikosten sind des-
halb durch das Bundesverwaltungsgericht zu übernehmen (vgl. Art. 110a
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9–14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Nach Praxis des Gerichts werden amtlich bestellte
Rechtsvertreter mit Anwaltspatent mit einem Stundensatz von Fr. 200.– bis
220.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Seitens der
Rechtsvertretung wurde mit der Replik am 20. Juni 2018 eine Kostennote
eingereicht, worin der zeitliche Aufwand von 14 Stunden 08 Minuten und
Auslagen von Fr. 140.50 aufgeführt sind. Der geltend gemachte zeitliche
Aufwand erscheint indessen im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen als
überhöht und ist auf zehneinhalb Stunden zu kürzen. Gestützt auf die in
Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem
Rechtsbeistand zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts deshalb ein Ho-
norar von insgesamt Fr. 2650.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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