Decision ID: 32958709-06fe-4563-b98a-8325b3698110
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961,
war seit dem
1.
Mai 2000
als B
e
triebsmitarbeiter
Extrusion
bei der
Y._
AG
angestellt
(
Urk.
11/
18/
1-
2
)
.
Am 2
7.
März 2018 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf Rückenbeschwerden
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/9).
Die IV-Stelle nahm beruflich-er
werbliche und medizinische Abklärungen vor und zog die Akten der Kr
anken
taggeldversic
herung AXA Versicherungen AG
(
Urk.
11/19
)
bei
. Am 4.
Juni 2018 teilte sie dem Versicherten mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustands
zurzeit
keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
11/25).
Am 3
0.
August 2018 wurde
der Versicherte in der Universitätsklinik
Z._
am Rücken operiert (
Urk.
11/48/19
).
Vom
4.
b
is zum 2
1.
September 2018 war
er
in der
Rehabilitationsklinik
A._
hospitalisiert (
Urk.
11/38)
. Am
2.
November 2018 teilte die IV-Stelle
dem Versicherten
mit, dass
ihm
Beratung und Unterstützung beim Erhalt des derzeitigen Arb
eitsplatzes gewährt werde (Urk.
11/45). Am 1
2.
Mä
rz
2019
er
klärte
die IV-Stelle
, dass die Massnahmen zum Arbeitsplatz
erhalt
abgeschlossen
würden. Aufgrund des
Gesundheitszustands
des Versicherten
sei es nicht gelun
gen, ihn beruflich einzugliedern (
Urk.
11/46).
In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorb
escheid vom 1
7.
Juni 2019, Urk.
11/54, und Einwand des Versicherten vom
2.
August
2019,
Urk.
11/61) verneinte
sie
mit Verfügung vom 1
1.
Dezember 2020 (
Urk.
2) einen Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem ermittelten Invalidi
tätsgrad von 15
%
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
7.
Januar 2021 Beschwerde
mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
-
Die Verfügung vom 11.12.2020 sei aufzuheben.
-
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten
,
beim Beschwerdeführer eine erneute
medizinische und berufliche Abklärung
vorzunehmen.
-
Sodann sei die Beschwerdegegnerin zu verpflic
hten, das Leistungsbegehren
erneut
zu prüfen.
-
Schliesslich sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine
angemessene Invalidenrente zu entrichten.
-
Allfällige Kosten dieses Verfahrens seien von der Beschwerdegegnerin zu
übernehmen.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
1.
April 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was dem Beschwerdeführer am
7.
April 2021 angezeigt wurde (
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumut
bar
ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 2
8a Abs. 1 IVG
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rung
s
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Be
zie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbs
einkommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
überge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad be
stimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Berichten des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD)
nach Art. 49 Abs. 2
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
kommt ebenfalls Beweiswert zu, sofern sie den von der Rechtsprechung umschriebenen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Selbst eine Aktenbeur
teilung ohne eigene Untersuchung kann beweiskräftig sein, sofern ein lücken
lo
ser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beur
teilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen der
RAD
(Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September
2015 E. 3.1 und 9C_196/2014 vom 18. Juni
2014 E. 5.1.1 mit Hinweisen). Nach der Recht
sprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wes
entlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu ent
schei
den. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforde
run
gen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Ab
klä
run
gen vorzunehmen sind (
BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.
6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten
oder der
Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes
über das
Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer
in der Tätigkeit als Betriebsmitarbeiter Extrusion
seit Januar 2018
(Beginn der Wartezeit) gesundheitsbedingt eingeschrä
nkt sei.
In
einer
sei
nem Leiden
angepassten Tätigkeit
sei er
ab September 2019
jedoch
zu 100
%
arbeitsfähig. Ohne gesundh
eitliche Einschränkung könnte der Beschwerdeführer
ein Einkommen von
Fr.
71'110.-- erzielen, mit gesundheitlicher Einschränkung ein solches von
Fr.
60'605.--. Demnach resultie
re eine Erwerbseinbusse von Fr.
10'505.-- und ein Invaliditätsgrad von 15
%
. Mit
Einwand vom
2.
August 2019 habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, dass er sich neu in psychia
tri
scher Behandlung befinde. Die Abklärungen hätten ergeben, dass eine leichte
depressive Episod
e ohne somatisches Syndrom und
eine Anpassungsstörung vor
liegen würden. Eine länger dauernde Einschränkung für das Erwerbsleben resul
tiere daraus nicht
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdef
ührer machte demgegenüber geltend, dass
die von der Beschwer
degegnerin attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
ab September 2018
nicht mit seinem Gesundheitszustand vereinbar sei. Er leide ins
besondere unter
Rückenbeschwerden, die postoperativ persistieren würden, Knie
beschwerden rechts und Schulterbeschwerden
links
.
Die Arbeitsfähigkeit
sei auf
grund der
Summe der
verschiedenen Erkrankungen
erheblich
eingeschränkt
.
Trotz vielfältiger
Massnahmen
hätten keine Verbesserungen erreicht werden kön
nen. Wegen des langwierigen Krankheitsverlaufs mit immer neuen Beschwerden habe sich
zudem
ein
e Anpassungsstörung entwickelt
(
Urk.
1
).
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, FMH
Allgemeinmedizin
, führte
im Bericht vom 15
.
Mai 2018
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (
Urk.
11/23/3):
-
Status nach
Sakrumque
r
fraktur
S3/4 2000
-
Morbus Basedow (Erstdiagnose: 2007)
-
Tinea
unguis
2012
Unguis
incarnatus
Operation links 2013
-
TUR Prostata 2016 bei Prostatahyperplasie
-
Morbus Bechterew (Erstdiagnose: 2013)
-
HLA B27 positiv, Brustwirbelsäule (BWS), Lendenwirbelsäule (LWS), ISG-Befall,
Status
nach
Uveitis
rechts
-
MRI Wirbelsäule 2013 mit ausgebrannter
Sakroilitis
,
Spondylodiszitis
,
typische
Andersson-Läsion L1/2, L3/4, Verdacht auf
Schwan
n
om
(2.5 cm)
-
Costovertebralarthrose
links Th11/12,
Chondrose
C5/6
ab Januar 2018
Simponi
alle vier Wochen
-
Gonarthrose rechts
-
starke
Amblyopie
rechts, Glaskörperabhebung rechts 2017
-
Gastritis,
Heliobacter
Pylori-Eradikation
2018
-
Laktosemalabsorption
(
Hypolacta
sie
der
Duodenalbiopsie
), Erstdiagnose 2018
-
Hämorrhoiden
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
B._
nicht. Er gab an, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als Hilfsarbeiter in der Fabrik vom 2
8.
Januar 2018 bis auf Weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig sei.
Für
körperlich schwere Arbeiten
sei er
nicht mehr arbeitsfähig (
Urk.
11/23/2-3).
3.2
Dr.
med.
C._
, FMH Rheumatologie, stellte im Bericht vom 3
0.
Mai 2018 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
11/24/8):
-
Spondylitis
ankylosans
mit postentzündlichem Befall der ganzen Wirbelsäule,
chronische ISG-Arthritis beidseits mit partieller An
k
ylose
-
tumoröse
Raumforderung L3/4 mit progredientem sensomotorischem Ausfall
syndrom
L3/4 rechts
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
C._
nicht. Er gab an, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit seit dem 2
8.
Januar 2018 zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Derzeit sei ihm auch keine dem Leiden ange
passte Tätigkeit zumutbar (
Urk.
11/24/7-8).
3.3
Die Ärzte der
Rehabilitationsklinik
A._
stell
ten im Austrittsbericht vom 26.
Sep
te
mber
2018 zuhanden der Universitätsklinik
Z._
– nebst den bereits ge
nannten – folgende Diagnosen (
Urk.
11/38/1):
-
Status nach
Hemilaminektomie
L3 rechts mit Entfernung eines
Schwannoms
L3/4
unter IOM, Verschluss eines
Liquorlecks
axillär
L3 rechts vom 3
0.
August
2018
mit/bei:
bei
Schwannom
3 cm (Lendenwirbelkörper
[LWK] 3/4 rechts
intraforaminal
)
-
Verdacht auf
Rotatorenmanschetteriss
beidseits
Die Ärzte der
Rehabilitationsklinik
A._
erklärten, dass
für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne stereotype oder repetitive Bewegungsabläufe oder Einnehmen von sogenannten Zwangspositionen keine Einschränkungen fest
zu
stellen seien. Dies auch unter Berücksichtigung der strukturellen Befunde in der Bildgebung
und
aufgrund des
aktuellen körperlichen Status
(
Urk.
11/38/3).
3.4
Dr.
B._
führte
im
Verlaufsbericht vom 1
3.
März 2019 -
nebst den bereits
genannten -
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
an
(
Urk.
11/48/1):
-
Morton Neurom
Dig
. III/IV rechts, Krallenzehe
Dig
. II – V,
Pes
planotransversus
-
R
otatorenmanschettenruptur
(kleine
transmurale
Ruptur der
posterioren
Supra
spinatussehne
, Partialläsion de
r kranialen
Infr
aspinatussehne
),
Tendinopathie
der
Subscapularissehne
Schulter links (
adominant
)
Der Beschwerdeführer habe zusätzlich auch Probleme mit der Gonarthrose rechts.
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte
Dr.
B._
nicht.
Er
erklärte, dass
in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit
keine Ar
beitsfähigkeit
mehr bestehe
(
Urk.
11/48/
1
).
3.5
Dr.
C._
gab
im Verlaufsbericht vom
2
5.
März 2019
an
, dass
aktuell die stö
renden Schulterschmerzen links im Vordergrund stünden. Der Beschwerdeführer sei deshalb im Schulterzentrum der Universitätsklinik
Z._
in Behandlung.
Eine
angepasste Tätigkeit mit l
eichter/mittlerer Belastung
sei ihm
noch
in einem Pens
um von zumindest 50
%
, allenfalls halbtags,
zumutbar
(Urk.
11/49/1).
3.6
Dr.
B._
führte im Bericht vom 3
1.
Juli 2019 aus, dass sich
wegen des
lang
wierigen Krankheitsverlauf
s
mit immer neuen Beschwerden eine Anpassungsstö
rung entwickelt
habe. Wegen
Panikattacken und einer Angststörung
sei der Be
schwerdeführer
mehrfach auf der Notfallstation
D._
gewesen. Erforderlich sei eine
Gesamtwürdigung der Situation
(
Urk.
11/63/2).
3.7
Dr.
med.
E._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
stellte im Bericht vom
4.
August
2020 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ICD
10 F32.11
(mittelschwere Depression mit somatischem Syndrom
), gegen
wärtig ICD-10 F32.00
(leichte depressive Episode
). Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
E._
nicht. Er gab an, dass der Beschwer
deführer seit dem
3.
September 2019 bei ihm in Behandlung sei
und sich die Symp
to
matik verbessert habe
. Die Sitzungen fänden ca. einmal pro Monat statt. Die Prognose zur Arbeitsfähigkeit sei in erster Linie von den somatischen Be
schwer
den abhän
gig (
Urk.
11/76/1-3).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
in der angefochtenen Verfügung
in medizi
nischer Hinsicht im Wesentlichen auf die Stellungnahme
n
von RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
vom 1
3.
Mai 2019 (
Urk.
11/5
3/5-7)
und vom 1
4.
August 2020 (
Urk.
11/78/4).
In der
Stellungnahme
vom 1
3.
Mai 2019
legte
Dr.
F._
gestützt auf die gege
bene medizinische Aktenlage
dar,
dass dem Beschwerdeführer eine
körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeit, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Trep
pensteigen, ohne häufige die Halswirbelsäule (HWS)
, die linke Schulter und das rechte Knie belastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten (Bücken, Hocken, Kauern, Knien, Überkopfarbeit, Arbeiten in weiter Armvorhalte, repetitive Schulter-Rotationsbewegungen), ohne häufige K
opfrotationen und
ohne
häuf
iges Gehen auf unebenem Gelände
zumutbar sei
.
Zusätzlich
zu vermei
den seien andauernde Vibrationsbelastungen und
eine
Nässe-/Kälteexposition. In
der bisherigen Tätigkeit als Fabrikmitarbeiter
sei der Beschwerdeführer
seit dem 2
8.
Januar
2018 zu 100
%
arbeitsunfähig.
In einer angepassten Tätigkeit
sei er vom 2
8.
Januar bis zum 2
6.
September 2018 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Ab dem 2
7.
September
2018 sei er in
einer angepassten Tätigkeit jedoch
nicht mehr arbeitsunfähig (
Urk.
11/53/6).
In der Stellungnahme vom 1
4.
August
2020 ergänzte
Dr.
F._
, dass eine An
pas
sungsstörung (ICD-10 F43.2) ein subjektives Leiden ohne längere Dauer be
schreibe.
Es bestehe somit keine IV-Relevanz.
Eine leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.00) weise keine ausgeprägten Symptome auf und sei gut therapierbar. Eine länger dauernde Einschränkung für das Er
werbsleben resultiere daraus nicht (
Urk.
11/78/4).
4.2
Diese
Aktenb
eurteilung von RAD-Arzt
Dr.
F._
vermag nur teilweise zu über
zeugen.
Dr.
F._
hat zwar ein detailliertes Belastungsprofil erstellt.
Seine Einschät
zung, wonach dem Beschwerdeführer
e
ine dem
Belastungsprofil entsprechende
behinderungsangepasste Tätigkeit in einem 100%-Pensum zumutbar sein soll, beruht aber
offenbar
in erster Linie auf der Einschätzung der Ärzte der
Rehabilitationsklinik
A._
vom 2
6.
September 2018 (vgl. E. 3.3)
. Nach der
stationären Rehabi
litation in
A._
vom
4.
bis zum 2
1.
September 2018 traten
indes noch
weitere somatische Beschwerden auf.
Zunächst
bestätigte sich der Verdacht auf
eine
Rotatorenmanschettenruptur
(vgl. E. 3.4
).
Im Weiteren
verschlechterte sich der Zustand des rechten Knie
s
.
Dr.
med.
G._
, Oberärztin Orthopädie des Spitals
D._
, stellte in diesem Zusammenhang im Bericht vom 1
9.
Novem
ber 2018 eine fortgeschrittene lateralbetonte Gonarthrose mit lateraler Meniskus
läsion rechts (MRI v
om 3
0.
Oktober 2018) fest (Urk.
11/48/8).
Überdies
kamen
auch
noch Beschwerden am rechten Fuss hinzu
(Morton Neurom
Dig
. III/IV rechts, Krallenzehe
Dig
. II – V,
Pes
planotransversus
; vgl. E. 3.4)
.
Aufgrund des
sen erachtete der
behandelnde Rheumatologe
Dr.
C._
in den Berichten vom 2
5.
März 2019 (vgl. E. 3.5)
und vom 1
9.
Juli 201
9
(Urk.
11
/60/8) eine leichte bis mittelschwere
Arbeit lediglich noch in
einem 50%-Pensum als zumutbar. Er wies dabei ausdrücklich auf den Einfluss der verschiedenen
Erkrankungen
auf die Arbeitsfähigkeit
und die Notwendigkeit einer Gesamtbeurteilung
hin
. Damit hat sich
RAD-Arzt
Dr.
F._
nicht auseinandergesetzt.
Bei s
eine
r
Einschätzung
, wo
nach der Beschwerdeführer in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei,
wich
er
von
derjenigen von Dr.
C._
ohne weitere Begründung
erhebli
ch ab
, obwohl er die vorliegenden Arztberichte inkl. Be
lastungsprofil als plausibel bezeichnete
(Urk. 11/53/7)
. Nachdem
Dr.
F._
keine eigenen Unter
suchungen durchgeführt hat, ist dies
nicht
nachvollziehbar
und schlüssig
.
Die Beurteilung von RAD-Arzt
Dr.
F._
, wonach
die
von
Dr.
E._
be
schriebenen psychischen Beschwerden keine länger dauernde Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
zur Folge hätten
, ist
demgegenüber nachvollziehbar
.
Dies
vor dem Hintergrund, dass
Dr.
E._
im Zusammenhang mit der
festgestellten
leichten depressiven
Episode
eher
unauffä
llige psychiatrische
Befunde
erhob
(
vgl.
Urk.
11/76/3) und
aus psychiatrischer Sicht auch keine Arbeitsunfähigkeit attestierte. Zudem
lässt
die
niedrige Therapi
e
frequenz
auf einen
geringen psychi
schen Leidensdruck schliessen.
4.3
Es ist somit festzuhalten, dass auf die Stellungnahme
von RAD-Arzt
Dr.
F._
vom
1
3.
Mai 2019
nicht abgestellt werden kann. Im Weiteren lässt sich der
so
matische
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
jedoch
auch nicht allein gestützt auf die Berichte
der behandelnden Ärzte
zuverlässig beurteilen. Der medizinische Sachverhalt erweist sich
daher
als ungenügend abgeklärt.
5.
Die Sache ist deshalb in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt in
somatischer
Hinsicht
selber
abklärt oder gutachterlich abklären lässt und danach über einen möglichen Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu verfügt.
Die Beschwerde ist deshalb gutzuheissen.
6.
6.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Der obsiegende vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Prozessent
schädigung
.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkei
t des Prozesses auf Fr. 1'100.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.