Decision ID: 9b4b60c1-f448-5cac-ac6e-7102116afddf
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für Fahrzeuge der Kategorie B seit dem 15. Juli 1988.
Sie ist im Informationssystem über die Verkehrszulassung nicht verzeichnet. Am
Sonntagnachmittag, 19. Juli 2020, war X mit ihrem Personenwagen von Flawil nach
St.Gallen unterwegs. Sie fiel dabei einem anderen Verkehrsteilnehmer aufgrund ihrer
Fahrweise (Schlangenlinie, Berührung des Trottoirs) auf und wurde von der Polizei um
15.15 Uhr an ihrem Wohnort kontrolliert. Aufgrund der festgestellten Fahrunfähigkeit
wurde X der Führerausweis auf der Stelle abgenommen. Die Auswertung der
angeordneten Blutprobe durch das Institut für Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital
St. Gallen ergab für den Ereigniszeitpunkt eine Blutalkoholkonzentration (BAK) von
mindestens 2,46 und höchstens 3,01 Gewichtspromille.
B.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung
Admini-strativmassnahmen, verbot X nach diesem Vorfall das Führen von
Motorfahrzeugen mit Verfügung vom 7. August 2020 vorsorglich ab sofort. Am 26.
August 2020 ordnete es eine verkehrsmedizinische Untersuchung beim IRM an. Mit
Strafbefehl des Untersuchungsamts St. Gallen vom 29. Oktober 2020 wurde X des
Führens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand (qualifizierte
Alkoholkonzentration) schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 120
Tagessätzen zu je Fr. 20.– und einer Busse von Fr. 600.– verurteilt. Der Strafbefehl
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Am 30. November 2020 liess sich X am IRM verkehrsmedizinisch untersuchen. Im
Bericht vom 19. Januar 2021 hielt die Gutachterin fest, konkrete Hinweise auf eine
Alkoholabhängigkeit hätten sich nicht ergeben, eine solche könne von
verkehrsmedizinischer Seite jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Unter
Berücksichtigung der Gesamtumstände mit verkehrsrelevantem Alkoholmissbrauch
und seit dem Ereignis offenbar persistierendem, haaranalytisch untermauertem,
erheblichem Alkoholüberkonsum könne die Fahreignung von X aus
verkehrsmedizinischer Sicht aktuell nicht befürwortet werden. Mit Verfügung vom
1. Februar 2021 entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis wegen einer
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Suchtproblematik auf unbestimmte Zeit mit einer Sperrfrist von drei Monaten (19. Juli
2020 bis 18. Oktober 2020). Die Wiedererteilung des Führerausweises machte es vom
Nachweis einer kontrollierten und fachlich betreuten Alkoholabstinenz von mindestens
sechs Monaten, dem Verzicht auf die Einnahme suchterzeugender, psychotroper
Medikamente, wie Benzodiazepinen und Hypnotika, und einer positiv lautenden
verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung frühestens ab Mai 2021 abhängig. X
wurde zudem darauf hingewiesen, dass die Abstinenz bis zur Neubeurteilung bzw.
Wiedererteilung des Führerausweises fortgesetzt werden sollte, zumal mit
entsprechenden Auflagen zu rechnen sei. Einem allfälligen Rekurs wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen.
D.- Mit Eingabe vom 16. Februar 2021 erhob X durch ihre Rechtsvertreterin Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Sie beantragte, die
Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 1. Februar 2021 sei vollumfänglich
aufzuheben, der Führerausweis sei unter Auferlegung eines Warnentzugs für drei
Monate, gerechnet ab dem 19. Juli 2020, zu entziehen und das Strassenverkehrsamt
sei anzuweisen, den Führerausweis umgehend auszuhändigen, und dem Rekurs sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten
der Vorinstanz. Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Strassenverkehrsamt verzichtete
am 2. März 2021 auf eine Vernehmlassung. Am 4. März 2021 wies der Verfahrensleiter
das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab (ZV-2021/14).

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 16. Februar 2021 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht einen Führerausweisentzug auf
unbestimmte Zeit verfügt hat.
bis
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a) Motorfahrzeugführer müssen über Fahreignung und Fahrkompetenz verfügen (Art. 14
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Über Fahreignung
verfügt, wer das Mindestalter erreicht hat (Art. 14 Abs. 2 lit. a SVG), die erforderliche
körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von
Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c), und nach seinem bisherigen Verhalten Gewähr
bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu beachten und auf die Mitmenschen
Rücksicht zu nehmen (lit. d). Über Fahrkompetenz verfügt, wer die Verkehrsregeln
kennt (Art. 14 Abs. 3 lit. a SVG) und Fahrzeuge der Kategorie, für die der Ausweis gilt,
sicher führen kann (lit. b). Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn
festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht
mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1, 1. Halbsatz SVG). Wegen fehlender Fahreignung wird
einer Person der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn ihre körperliche
und geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein Motorfahrzeug
sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG), sie an einer Sucht leidet, welche die
Fahreignung ausschliesst (lit. b) oder sie auf Grund ihres bisherigen Verhaltens nicht
Gewähr bietet, dass sie künftig beim Führen eines Motorfahrzeugs die Vorschriften
beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen wird (lit. c). Auf eine
Alkoholsucht wird geschlossen, wenn die Betroffene nicht mehr in der Lage ist,
Alkoholkonsum und Teilnahme am Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn
die nahe liegende Gefahr besteht, dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten
Strassenverkehr teilnimmt. Der Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht
mit dem medizinischen Begriff der Alkoholabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete
Personen, bei denen aber jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt, können demnach
vom Führen eines Motorfahrzeugs ferngehalten werden (Ph. Weissenberger,
Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16d SVG N 28).
b) Gemäss Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung
unterzogen, wenn Zweifel an deren Fahreignung bestehen, namentlich bei Fahren in
angetrunkenem Zustand mit einer BAK von 1,6 Gewichtspromille oder mehr oder mit
einer Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg Alkohol oder mehr pro Liter Atemluft. Die
ärztliche Einschätzung wird in Form eines Gutachtens mitgeteilt. Dieses muss
nachvollziehbar, belegt und begründet sein (Weissenberger, a.a.O., Art. 15d SVG N 9).
Für dessen Beweiswert ist entscheidend, ob es auf umfassenden
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verkehrsmedizinischen Abklärungen beruht, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben wurde, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten auf
einer schlüssigen, nachvollziehbaren und in sich geschlossenen Begründung beruhen
(Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_7/2017 vom 10. Mai 2017 E. 3.5 mit Hinweis auf
BGE 125 V 351 E. 3a).
Wie jedes Beweismittel unterliegen Gutachten der freien richterlichen
Beweiswürdigung. In Sachfragen weicht das Gericht aber nur aus triftigen Gründen von
einer gerichtlichen Expertise ab. Die Beweiswürdigung und die Beantwortung der sich
stellenden Rechtsfragen ist Aufgabe des Gerichts. Dieses hat zu prüfen, ob sich auf
Grund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände
gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm
die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat es
nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben. Das Abstellen
auf eine nicht schlüssige Expertise oder der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen
Beweiserhebungen kann gegen das aus Art. 9 BV abgeleitete Verbot willkürlicher
Beweiswürdigung verstossen (BGer 1C_101/2015 vom 8. Juli 2015 E. 4.3 mit
Hinweisen auf die Rechtsprechung).
c) Die Vorinstanz stützte die angefochtene Verfügung auf die für die Rekurrentin
belastend ausgefallenen Ergebnisse der verkehrsmedizinischen Untersuchung. Die
Abklärungen hätten gezeigt, dass die Beschwerdeführerin trotz der dringenden
Empfehlung angesichts der bevorstehenden Fahreignungsabklärung nicht in der Lage
gewesen sei, den Alkoholkonsum zu reduzieren bzw. einzustellen. Die Haaranalyse
lasse auf einen Alkoholmissbrauch mit persistierendem Alkoholüberkonsum schliessen.
Der vorliegend festgestellte verkehrsrelevante Alkoholmissbrauch erweise sich für
einen Sicherungsentzug des Führerausweises als ausreichend.
Die Rekurrentin lässt im Rekurs im Wesentlichen vorbringen, die Voraussetzungen für
einen Sicherungsentzug gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG wegen Sucht seien
offensichtlich nicht gegeben. Die körperliche Untersuchung anlässlich der
verkehrsmedizinischen Untersuchung sei unauffällig gewesen und habe keine Hinweise
auf eine Alkoholsucht ergeben. Auch die Urinuntersuchung sei unauffällig gewesen und
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es hätten sich daraus keinerlei Hinweise auf eine Alkoholabhängigkeit ergeben. Die
Haaranalyse bestätige zwar einen phasenweise übermässigen Konsum; sie bestätige
aber auch einen phasenweise deutlich moderaten Konsum. Die Verkehrsmedizinerin
bleibe denn auch in ihren Aussagen äusserst vage. In den Antworten zu den Fragen
des Strassenverkehrsamts führe sie aus, es würden sich keine Hinweise auf eine
Alkoholabhängigkeit ergeben. Der fachärztlich-pneumologische Bericht bestätige, dass
keine Hinweise auf eine eingeschränkte Fahrtauglichkeit bestünden. Auch aus dem
Hausarztzeugnis vom 24. November 2020 seien keinerlei Hinweise für eine
Suchtproblematik ersichtlich. Die alkoholrelevanten Blut-Laborparameter seien am 16.
November 2020 alle im Normbereich gewesen. Die Vorinstanz lasse alle medizinischen
Feststellungen ausser Acht und konstruiere anhand eigener Mutmassungen eine
verkehrsrelevante Alkoholproblematik der Rekurrentin. Die fachliche Einschätzung liege
anhand der drei ärztlichen Berichte vor und diese bestätigten, dass keine Alkoholsucht
vorliege. Die Rekurrentin sei in der Lage, ihren Konsum selbst zu beeinflussen und
kontrollieren. Da die Rekurrentin den Alkoholkonsum vom Strassenverkehr trennen
könne, gebe es keinen Grund für einen Sicherungsentzug. Ein solch einmaliger Vorfall
sei mit einem Warnungsentzug zu ahnden.
d) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 19. Januar 2021 stützt sich auf die
Vorgeschichte gemäss Akten, die verkehrsmedizinische Untersuchung,
Fremdauskünfte sowie die Resultate der Laboruntersuchungen. Die
verkehrsmedizinische Untersuchung vom 30. November 2020 umfasste eine Befragung
der Rekurrentin (zu ihrer Lebenssituation, zum aktuellen Untersuchungsanlass, zum
Alkoholkonsum und zu ihrem Gesundheitszustand), eine körperliche Untersuchung,
eine Beurteilung des Verhaltens und des psychischen Befunds sowie ein Urinscreening
auf gängige und weniger gängige Drogen und psychotrope Medikamente. Im
Gutachten wird ausgeführt, unter Berücksichtigung der erhobenen Befunde und
Feststellungen müsse bei der Rekurrentin aus verkehrsmedizinischer Sicht von einem
zumindest phasenweise erheblichen Alkoholüberkonsum bzw. Alkoholmissbrauch mit
persistierendem Alkoholüberkonsum ausgegangen werden, welcher mit dem FiaZ-
Ereignis klar Verkehrsrelevanz erlangt habe. Diese Schlussfolgerung stütze sich nicht
nur auf die Haaranalyse-Ergebnisse, welche konkret einen übermässigen
Alkoholkonsum belegten, sondern insbesondere auch auf die Angaben der Rekurrentin
über ihre Alkoholtrinkgewohnheiten und die anlässlich des FiaZ-Ereignisses
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festgestellte, vergleichsweise sehr hohe BAK von minimal 2,46 Gewichtspromille, deren
Verträglichkeit eine erhebliche Alkoholgewöhnung und von daher auch ein
entsprechend ungewöhnliches Trinkverhalten voraussetze. Unter Berücksichtigung der
Gesamtumstände mit verkehrsrelevantem Alkoholmissbrauch und seit dem FiaZ-
Ereignis offenbar persistierendem, haaranalytisch untermauertem, erheblichem
Alkoholüberkonsum könne die Fahreignung der Rekurrentin aus verkehrsmedizinscher
Sicht aktuell nicht befürwortet werden. Die Rekurrentin sei in überdurchschnittlich
hohem Masse gefährdet, nach einem Erst-FiaZ-Ereignis erneut ein Fahrzeug in
alkoholisiertem Zustand zu lenken. Konkrete Hinweise auf eine Alkoholabhängigkeit
hätten sich nicht ergeben, eine solche könne von verkehrsmedizinischer Seite jedoch
nicht gänzlich ausgeschlossen werden.
e) aa) Die wesentlichen Kritikpunkte der Rekurrentin betrafen die aus ihrer Sicht nicht
vorliegenden Hinweise auf eine Alkoholsucht, da die körperliche Untersuchung
anlässlich der verkehrsmedizinischen Untersuchung vom 30. November 2020 sowie die
Urinuntersuchung unauffällig gewesen seien. Auch die Haaranalyse ergebe keine
konkreten Hinweise auf eine Alkoholabhängigkeit. Die Verkehrsmedizinerin sei in ihren
Aussagen äusserst vage geblieben. Aus dem Hausarztzeugnis vom 24. November 2020
seien keinerlei Hinweise für eine Suchtproblematik ersichtlich. Die alkoholrelevanten
Blut-Laborparameter seien am 16. November 2020 alle im Normbereich gewesen. Die
Rekurrentin sei in der Lage, ihren Konsum selbst zu beeinflussen und zu kontrollieren.
Sie habe nie bestritten, zuweilen zu viel getrunken zu haben. Es sei aber nur ein
einziges Mal vorgekommen, dass sie sich in diesem Zustand ans Steuer gesetzt habe.
Die Haaranalyse wird vom Bundesgericht als geeignetes Mittel sowohl zum Nachweis
eines übermässigen Alkoholkonsums als auch der Einhaltung einer
Abstinenzverpflichtung anerkannt. Biochemische Analyseresultate von Haarproben
zum Trinkalkohol-Stoffwechselprodukt Ethylglucuronid (EtG) erlauben objektive
Rückschlüsse auf den Alkoholkonsum einer Probandin während einer bestimmten Zeit.
Die Haaranalyse gibt direkten Aufschluss über den Alkoholkonsum. Nach dem
Alkoholgenuss wird das Abbauprodukt EtG im Haar eingelagert und erlaubt über ein
grösseres Zeitfenster (als bei einer Blutuntersuchung) Aussagen über den erfolgten
Konsum. Die festgestellte EtG-Konzentration korreliert mit der aufgenommenen Menge
an Trinkalkohol. Aufgrund des Kopfhaarlängenwachstums von rund einem Zentimeter
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pro Monat lassen sich Aussagen über den Alkoholkonsum während der
entsprechenden Zeit vor der Haarentnahme machen. EtG-Werte ab 7 pg/mg, aber
unterhalb von 30 pg/mg sprechen für einen moderaten, darüber liegende Werte (> 30
pg/mg) für einen übermässigen Alkoholkonsum (vgl. BGer 1C_701/2017 vom 14. Mai
2018 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Im Gegensatz zu den Blutkontrollen, kommt der
forensisch-toxikologischen Haaranalytik Beweiskraft zu. Sie ist deshalb in der
Begutachtung von Suchtmittelproblemen mittlerweile zum Standard geworden (vgl.
B. Liniger, Alkohol-, Drogen- und Medikamenten-Problematik: Verkehrsmedizinische
Auflagen im Wandel, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2020, S. 197 f.).
bb) Bei der Rekurrentin wurde am 30. November 2020 eine forensisch-toxikologische
Haaranalyse auf das Trinkalkohol-Stoffwechselprodukt EtG durchgeführt. Die 5 cm
langen Haare wurden in zwei Segmente unterteilt. Aufgrund des gemessenen EtG-
Werts von 59 pg/mg im ersten Segment (0-3 cm ab Kopfhaut) ist von einem
übermässigen Alkoholkonsum in den drei Monaten vor der Probenahme (Ende August
2020 bis Ende November 2020) und aufgrund des gemessenen EtG-Werts von 13 pg/
mg im zweiten Segment (3-5 cm ab Kopfhaut) von einem moderaten Alkoholkonsum in
den zwei Monaten davor (Ende Juni 2020 bis Ende August 2020) auszugehen (vgl.
SGRM, Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von Ethylglucuronid [EtG] in
Haarproben, Version 2017, S. 8). Im ersten Haarsegment lässt sich im Vergleich zum
zweiten Haarsegment zudem eine sehr deutliche EtG-Konzentrationserhöhung bzw.
eine entsprechende Steigerung des Alkoholkonsums erkennen. Wie im
Untersuchungsbericht festgehalten sind Aussagen über die zeitliche Verteilung der
Konsumereignisse oder die Dosen nicht möglich (act. 8/50). Ein täglicher sehr hoher
Alkoholkonsum, insbesondere zwischen Ende August bis Ende November 2020, ist
daher ebenso denkbar wie ein noch höherer Alkoholkonsum mit Phasen ohne
Alkoholkonsum. Je länger die abstinenten Phasen jedoch gedauert haben, desto mehr
Alkohol muss in der anderen Zeit getrunken worden sein, um den gleichen EtG-Wert zu
erreichen wie bei einem permanenten, hinsichtlich der Menge gleichbleibenden
Trinkverhalten. Dem nicht entgegen stehen die von der Hausärztin dokumentierten
Laborwerte vom November 2020 (act. 2/5). Diese Werte haben Normalisierungsdauern
von einer bis ungefähr fünf Wochen; einzig die Rückbildung des MCV kann vier bis
zwölf Wochen dauern (vgl. Soyka/Küfner, Alkoholismus – Missbrauch und
Abhängigkeit, 6. Aufl. 2008, S. 294 f.). Folglich kann eine frühzeitige Reduktion des
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Konsums oder gar eine vollständige Abstinenz vor dem ärztlichen Untersuch die
Leberwerte positiv verändern. Während des mit dem Ergebnis der Haaranalyse
überblickbaren Zeitraums von Ende Juni bis Ende November 2020 reduzierte die
Rekurrentin den Alkoholkonsum auf ein sozialverträgliches Mass. Trotz entsprechender
Empfehlung des Strassenverkehrsamts vom 7. August 2020 (act. 8/31) hielt sie
indessen keine Abstinenz ein. Vielmehr steigerte sie in den nächsten drei Monaten trotz
laufenden Sicherungsentzugsverfahrens den Alkoholkonsum massiv. Von der Fähigkeit,
den Alkoholkonsum zu steuern und zu kontrollieren, kann deshalb keine Rede sein.
cc) Die Beurteilung der Gutachterin, bei der Rekurrentin müsse unter Berücksichtigung
der erhobenen Befunde und Feststellungen von einem zumindest phasenweise
erheblichen Alkoholüberkonsum bzw. Alkoholmissbrauch mit persistierendem
Alkoholüberkonsum ausgegangen werden, erscheint vor diesem Hintergrund plausibel.
Entgegen den Ausführungen der Rechtsvertreterin vermag der zwar relevante, aber
moderate Alkoholkonsum der Rekurrentin von Ende Juni bis Ende August 2020 diese
Schlussfolgerung nicht zu entkräften; insbesondere hat die Rekurrentin ihren
Alkoholkonsum mit zeitlicher Distanz zum Ereigniszeitpunkt und trotz bevorstehender
verkehrsmedizinischer Untersuchung offenbar erheblich gesteigert. Es ist zudem nicht
zu beanstanden, wenn die Gutachterin (bei einem mittleren Wert der gemessenen BAK
zum Tatzeitpunkt von 2,74 Gewichtspromille und einem Maximalwert von 3,01
Gewichtspromille) festhält, die Verträglichkeit einer so hohen BAK setze eine erhebliche
Alkoholgewöhnung und auch ein entsprechend ungewöhnliches Trinkverhalten voraus.
Da ein Sicherungsentzug nicht wegen eines schuldhaften Verhaltens der
Ausweisinhaberin verfügt wird, sondern im Interesse der Verkehrssicherheit, gilt die
Unschuldsvermutung nicht. Daraus ergibt sich, dass der Maximalwert der gemessenen
BAK durchaus Bedeutung erlangen kann. In diesem Sinne geht das Bundesgericht in
Entscheiden zum Sicherungsentzug wegen Trunksucht jedoch regelmässig von der
mittleren BAK aus (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 16d SVG N 33). Wer bei einem
Trunkenheitsgrad von durchschnittlich 2,74 Gewichtspromille und maximal 3,01
Gewichtspromille noch fähig ist, ein Motorfahrzeug zu lenken, weist eine sehr hohe
Alkoholtoleranz auf (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 16d SVG N 26 am Schluss). Bei
Personen, die mit einer BAK von 1,6 Gewichtspromille oder mehr (ein
durchschnittlicher Mann muss dazu innert zweier Stunden rund 2,5 Liter Bier oder
einen Liter Wein konsumieren) ein Motorfahrzeug geführt haben, ist eine
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Missbrauchsproblematik oder gar eine Suchterkrankung naheliegend (BBl 2010 8469 f.,
8500). Wie die Rechtsvertreterin zu Recht festhielt, wurde im verkehrsmedizinischen
Gutachten zwar eine Alkoholabhängigkeit im medizinischen Sinne nicht eindeutig
diagnostiziert. Die Gutachterin führte jedoch aus, eine solche könne von
verkehrsmedizinischer Seite auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Zu
berücksichtigen ist, dass sich der Suchtbegriff des Verkehrsrechts nicht mit dem
medizinischen Begriff der Alkoholabhängigkeit deckt; namentlich können auch bloss
suchtgefährdete Personen, bei denen aber jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt,
vom Führen eines Motorfahrzeugs ferngehalten werden (BGer 1C_384/2017 vom 7.
März 2018 E. 2.1); die Person muss mithin in einem Mass abhängig sein, dass sie mehr
als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem Zustand ans Steuer
eines Fahrzeugs zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet (BGer
1C_147/2017 vom 22. Juni 2017 E. 3.2.2). Zu prüfen bleibt somit die gutachterliche
Schlussfolgerung, der erhebliche Alkoholüberkonsum bzw. Alkoholmissbrauch mit
persistierendem Alkoholüberkonsum sei verkehrsrelevant, weshalb die Fahreignung der
Rekurrentin aus verkehrsmedizinischer Sicht aktuell nicht zu befürworten sei.
dd) Wer einen Lernfahr-, Führerausweis oder eine Bewilligung zum berufsmässigen
Personentransport erwerben will, muss die medizinischen Mindestanforderungen nach
Anhang 1 der VZV erfüllen (Art. 7 Abs.1 VZV). Gemäss Ziffer 3 dieses Anhangs darf
keine Abhängigkeit von Alkohol, Betäubungsmitteln oder psychotrop wirksamen
Medikamenten vorliegen; ebenso kein verkehrsrelevanter Missbrauch dieser
Substanzen. Mit der Einführung des Begriffs des verkehrsrelevanten Missbrauchs bei
den medizinischen Mindestanforderungen in der VZV einigten sich die Mitglieder der
Sektion Verkehrsmedizin der SGRM im Jahr 2018 auf eine alle Substanzen umfassende
Definition des verkehrsrelevanten Missbrauchs. Danach handelt es sich um ein
Substanzkonsumverhalten, aus dem sich ein erhöhtes Risiko für ein Fahren in nicht
fahrfähigem Zustand herleiten lässt (vgl. Wick/Keller, Alkohol im Strassenverkehr –
Anordnung einer Fahreignungsuntersuchung, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht
2019, S. 238; SGRM, Sektion Verkehrsmedizin, Fahreignung und Alkohol,
Betäubungsmittel und psychotrop wirksame Medikamente, verkehrsmedizinische
Untersuchung und Beurteilung [nachfolgend: Fahreignung], April 2018, Ziff. 2.6.4.1, im
Internet abrufbar unter: www.sgrm.ch/inhalte/Verkehrsmedizin; siehe auch Leitfaden
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Fahreignung der Vereinigung der Strassenverkehrsämter [asa], 27. November 2020,
S. 9, im Internet abrufbar unter: www.astra2.admin.ch/media).
Für die Beantwortung der Frage, ob für eine bestimmte Person ein erhöhtes Risiko
besteht, sich in einem fahrunfähigen Zustand hinter das Steuer eines Motorfahrzeugs
zu setzen, sind die konkreten Umstände des Einzelfalls massgebend. Auch wenn dem
Ergebnis der Haaranalyse aufgrund der Zuverlässigkeit der Methode eine erhebliche
Bedeutung zukommt und der festgestellte hohe EtG-Wert von 59 pg/mg, wie
vorstehend dargelegt, auf einen zumindest phasenweise erheblichen, missbräuchlichen
Alkoholüberkonsum der Rekurrentin schliessen lässt, wäre ein Schematismus
unzulässig, beispielsweise ab einem EtG-Wert von 30 pg/mg ohne Berücksichtigung
der übrigen Umstände von einem verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch auszugehen.
Ein Risiko ist dann erhöht, wenn es überdurchschnittlich ist, das heisst, die
Wahrscheinlichkeit einer Fahrt in einem nicht fahrfähigen Zustand mehr als 50 Prozent
beträgt. Obwohl eine Trunkenheitsfahrt als solche schon den Bezug zum
Strassenverkehr und somit die verkehrsrelevante Bedeutung des im Einzelfall zu
beurteilenden Alkoholproblems belegt, kommt den detaillierten FiaZ-Umständen sowie
dem FiaZ-Problembewusstsein zusätzlich sehr grosse Bedeutung zu (Liniger,
Verkehrsmedizin: Fahreignungsbegutachtung und Auflagen, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2004, S. 94).
Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang zunächst, dass der Alkoholkonsum
der Rekurrentin am 19. Juli 2020 verkehrsrelevant wurde und sie sich wegen einer
Trunkenheitsfahrt hat verkehrsmedizinisch untersuchen lassen müssen. Die
Rechtsvertreterin bringt in diesem Zusammenhang vor, die Rekurrentin sei zwar unter
erheblichem Alkoholeinfluss gefahren, jedoch alles andere als unauffällig. Anlässlich
der Kontrolle habe die Rekurrentin weder das Garagentor öffnen, noch das Fahrzeug
ausschalten oder den Sitz verstellen können. Es könne also in keiner Weise von
Gewöhnung gesprochen werden. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Rekurrentin es
immerhin schaffte, in sehr stark alkoholisiertem Zustand unfallfrei von Flawil nach
St.Gallen zu fahren. Ohne Alkoholgewöhnung wäre dies nicht möglich gewesen. Daran
ändern auch die Beobachtungen eines Augenzeugen (Schlangenlinie, Berühren des
Trottoirs) und die Schwierigkeiten beim Versuch, in die Tiefgarage zu fahren, nichts.
Aus den Ausführungen im verkehrsmedizinischen Gutachten geht zudem hervor, dass
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der Ehemann die Rekurrentin während der Fahrt am 19. Juli 2020 darauf hingewiesen
hat, dass sie nicht mehr fahren solle und sie sich ein Taxi nehmen sollten. Die
Rekurrentin lehnte ab, worauf der Ehemann auszusteigen verlangte. Die Rekurrentin
fuhr in der Folge alleine weiter bis an ihren Wohnort in St.Gallen. Die Rekurrentin fühlte
sich somit, wie die Fortsetzung ihrer Trunkenheitsfahrt trotz Intervention ihres
Ehemannes zeigt, fahrfähig. Die verkehrsmedizinische Gutachterin hielt insbesondere
fest, die Rekurrentin sei, nach einem Erst-FiaZ-Ereignis und bei einem offenbar
persistierenden, haaranalytisch untermauerten erheblichen Alkoholüberkonsum, in
überdurchschnittlich hohem Masse gefährdet, ein Fahrzeug in alkoholisiertem Zustand
zu lenken. Diese Schlussfolgerung stützte sie nicht nur auf die Haaranalyse-
Ergebnisse, sondern auch auf die Angaben der Untersuchten zu ihren
Alkoholtrinkgewohnheiten und die anlässlich des FiaZ-Ereignisses festgestellte, sehr
hohe BAK. Die Angaben der Betroffenen sind im Rahmen der Risikoanalyse ebenso zu
würdigen wie die Aussagen zum Gesundheitszustand und zur Lebenssituation. Die
Rekurrentin gab anlässlich der verkehrsmedizinischen Untersuchung an, derzeit trinke
sie ca. zehn Gläser Weisswein pro Woche, letztmals habe sie am Tag vor der
verkehrsmedizinischen Untersuchung zwei Deziliter zu einem Fondue getrunken. Vor
dem Vorfall vom 19. Juli 2020 habe sie viel mehr Weisswein getrunken. Vor allem im
Lockdown habe sie es aus Langeweile übertrieben mit Alkohol. Insgesamt habe sie vor
ca. einem Jahr angefangen, vermehrt Alkohol zu trinken, beispielsweise um sich
abends zu erholen, aber oft auch in Gesellschaft. Nach dem Ereignis im Juli 2020 habe
sie sich mit ihrem Alkoholkonsum auseinandergesetzt. Ein Alkoholproblem bestehe
jedoch nicht. Anlässlich des Todes und der Beerdigung ihres Vaters habe ihr Hausarzt
ihr am 16. November 2020 Temesta (Arzneimittel aus der Wirkstoffgruppe der
Benzodiazepine) verschrieben; sie habe letztmals am Tag vor der
verkehrsmedizinischen Untersuchung eine Tablette genommen. Die Rechtsvertreterin
führte aus, die Rekurrentin habe von Anfang an zugegeben, es mit dem Alkohol
zeitweise übertrieben zu haben. Es könne offenbleiben, ob der coronabedingte
Lockdown, berufliche Stresssituationen oder der schmerzliche Verlust ihres Vaters
dafür ursächlich seien. Sie könne ihren Konsum selbst beeinflussen und kontrollieren
und bei der Trunkenheitsfahrt habe es sich um ein einmaliges Ereignis gehandelt. Zu
bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass Benzodiazepine bekanntermassen
niemals zusammen mit Alkohol eingenommen werden sollten, da Alkohol die Wirkung
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verstärkt. Bei der Rekurrentin ist es offenbar zudem aus den unterschiedlichsten
Gründen immer wieder zu einem phasenweise erheblichen Alkoholüberkonsum
gekommen. Die Angaben und Aussagen der Rekurrentin vermögen die Annahme eines
verkehrsrelevanten missbräuchlichen Alkoholkonsums im verkehrsmedizinischen
Gutachten somit nicht zu entkräften. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die
Rekurrentin ihren Alkoholkonsum bagatellisiert und es ihr am entsprechenden
Problembewusstsein fehlt. Davon zeugen auch die uneinheitlichen Angaben der
Rekurrentin, wonach sie, trotz der nachgewiesenen sehr hohen BAK von mindestens
2,46 und höchstens 3,01 Gewichtspromille zum Ereigniszeitpunkt, vor der
Trunkenheitsfahrt lediglich "zwei Gläser Weisswein à 1 dl" (vgl. act. 8/19) oder "drei
Gläser Früchtebowle" (vgl. act. 8/41) getrunken habe. Sie war nach dem Vorfall vom
19. Juli 2020 nicht in der Lage, die Problematik ihres Alkoholverhaltens einzusehen und
dementsprechend über einen längeren Zeitraum zu handeln, wovon der gemessene
EtG-Wert von 59 pg/mg im ersten Segment (0-3 cm ab Kopfhaut), welcher einen
übermässigen Alkoholkonsum belegt, zeugt. Insgesamt lassen diese Umstände auf ein
erhöhtes Risiko für ein Fahren in nicht fahrfähigem Zustand – das sich am 19. Juli 2020
verwirklicht hat - schliessen, weshalb die gutachterliche Schlussfolgerung auf einen
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch als schlüssig erscheint. Liegt ein solcher im
Begutachtungszeitpunkt vor, kann die Fahreignung aus verkehrsmedizinischer (SGRM,
Fahreignung, Ziff. 2.6.4.1) und letztlich auch aus rechtlicher Sicht nicht bejaht werden.
Daran nichts zu ändern vermag der fachärztlich-pneumologische Bericht vom 20.
Januar 2021, welcher sich lediglich dazu äussert, dass aus pneumologischer Sicht bei
der Rekurrentin kein Hinweis auf eine eingeschränkte Fahrtauglichkeit bestehe
(act. 2/4); massgebend sind letztlich die verkehrsmedizinischen Ergebnisse. Ebenso
wenig vermag der von der Rekurrentin angeführte, bis anhin ungetrübte
automobilistische Leumund die Annahme eines verkehrsrelevanten missbräuchlichen
Alkoholkonsums aufgrund der Beweislage zu entkräften. Zwar begründet ist die Kritik,
die Vorinstanz habe sich unzulässigerweise zu verkehrsmedizinischen Fragen
geäussert, indem sie ausgeführt habe, es gebe Hinweise auf ein psychisches
Verlangen, in bestimmten Situationen "zur Erleichterung" Alkohol zu trinken. Die
Gutachterin hat sich so nicht geäussert. Dieser Umstand ändert aber weder an der
Schlüssigkeit des Gutachtens noch an der Rechtmässigkeit des Sicherungsentzugs
etwas.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
f) Der Sicherungsentzug nach Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG erweist sich als rechtmässig
und auch als verhältnismässig. Nach einer sechsmonatigen kontrollierten und fachlich
betreuten Alkoholabstinenz und positiv ausgefallener verkehrsmedizinischer
Kontrolluntersuchung kann die Rekurrentin um Wiedererteilung des Führerausweises
ersuchen. Sie hat zudem auf die Einnahme von suchterzeugenden, psychotropen
Medikamenten, wie Benzodiazepinen und Hypnotika, zu verzichten. Diese
Bedingungen für die Wiedererteilung des Führerausweises sind üblich und
angemessen. Der Rekurs ist damit abzuweisen.
4.- Die Massnahme des Sicherungsentzugs soll sicherstellen, dass die Rekurrentin zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn die Rekurrentin während eines
Rechtsmittelverfahrens als Motorfahrzeugführerin zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die gesetzlich vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 und Art. 51 VRP).
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von der
Rekurrentin zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.–,
worunter die Kosten der Zwischenverfügung zur aufschiebenden Wirkung vom 4. März
2021 von Fr. 200.–, erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziffn. 111 und 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist
damit zu verrechnen.