Decision ID: 1f232ee6-ff27-4d8c-8f6f-16237aff7cef
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 195
2
,
arbeitete als selbständiger Wirt eines Re
staurant
betriebs (
Urk.
7/1/4), als er sich am 2
5.
Mai 2001 bei einem Sturz eine Schulterluxation mit Fraktur des
Tuberculum
majus
und (passagerer) Arm-p
lexus- sowie
Axillaris
parese
rechts zuzog, woraufhin sich ein
subacromiales
Im
pi
n
gement
entwickelte. Am 12. August 2002 wurde eine
arthroskopische
Acro
mio
plastik
durchgeführt (Urk. 7/5/6-7, Urk. 7/5/22, Urk. 7/15/3). In der Folge litt er an rechtsseitigen Schulter- und Arm- sowie Handbeschwerden (Urk. 7/5/12
-13
) mit reduzierter Arbeitsfähigkeit von 50
%
als Wirt (Urk. 7/5/17, Urk. 7/10/4).
Am 25. Feb
ruar 2004 meldete sich die Versicherte bei der Eidge
nössischen In
va
li
denver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Die
Sozial
versicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle (nach
folgend: IV-Stelle), klärte die erwerb
li
ch
en und medizinischen Verhältnisse ab.
Per Ende April 2004 gab der Versicherte seine Tätigkeit als Wirt und den Restaurantbetrieb auf (Urk. 7/12, Urk. 7/30/3). Mit Verfügung vom 6. Dezember 2004 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch des Versicherten auf eine Invaliden
rente bei einem
Invali
ditätsgrad
von unter 40
%
(
Urk.
7/17). Dieser Entscheid
wurde nicht
angefochten
.
1.2
Ab
Juli 2009
arbeitete der Versicherte
als Serviceangestellter bei der
Y._
GmbH in einem 100%igen Pensum
(Urk. 7/33). Am 23. Mai 2010 erlitt er einen weiteren Unfall
(Urk. 7/28/12)
, bei dem er sich erneut eine
Schulter
lu
xa
tion
mit
Abriss
fraktur
des
Tuberculum
majus
auf der rechten Seite zuzog. In stationärer Be
handlung in der Chirurgischen Klinik des
Z._
wurde die Schulter
repositioniert
und hernach kon
servativ be
handelt.
Am 30. März 2011 wurde eine
Schulter
arthro
skopie
mit
Te
no
tomie der langen
Bicepssehne
,
Acromio
plas
tik
und
Acromi
o
c
lavikular
-(AC-)
Ge
lenks
resek
tion
rechts durchgeführt (
Urk. 7/31/6-11,
Urk.
7/36/6-7,
Urk. 7/40/34
-41
)
.
W
egen Konkurs der Arbeitgeberin
wurde
das Arbeitsver
hält
nis p
er
31.
März 2011
gekündigt
(Urk. 7/40/29).
Die Unfall
versicherung, die SWICA Ver
sicherungen AG, erbrachte die gesetzlichen Leistun
gen
für die Fol
gen des Unfalls vom 23. Mai 201
0.
Sie stellte die Taggeldleistungen per 3
1.
Juli 2011 ein und schloss den Fall im Übrigen per Ende 2011 ab (Verfügung vom
7.
Oktober 2013,
Urk.
7/126/2-5).
Dies bestätigte sie im
Einspracheentscheid
vom 31. Juli 2
01
4.
Die hiergegen erhobene Beschwerde wurde vom
Sozial
ver
si
cherungsgericht
des Kantons Zürich
im Verfahren Nr.
UV.2014.00213 mit Urteil heutigen Datums abge
wiesen.
Nebst den anhaltenden rechtsseitigen Schulter-, Arm- und Handbeschwerden leidet der Versicherte an Blasenkrebs. Am 25. Januar 2011 und - aufgrund eines
multi
loku
t
ären
Rezidivs - am 18. Mai 2012
(Urk. 7/105/9)
, am 12. August 2013 (
Urk.
7/118/5
),
am 17. April 2014 (Urk.
7
/143)
und am 30. Juli 2015 (Urk. 10)
waren endoskopische Resek
tionen der Blasenkarzinome vorge
nom
men worden. Ausserdem leidet der Ver
si
cherte
insbesondere
an Rücken
- und
Kopfb
e
schwerden
sowie seit einem Unfall im Jahr 1980 mit Rippenbrüchen an Be
schwer
den im Bereich der rechten
Thoraxhälfte
(Urk.
7/
115/26-27, Urk. 7/115/36
,
Urk.
7/115/42-43
)
.
1.3
Am 23. November 2010 hatte sich der Versicherte erneut bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 7/24). Nach Abklärung des erwerblichen und medizinischen Sachverhalts kündigte die IV-Stelle mit Vor
bescheid vom 13. September 2011 die Abweisung des Begehrens um beruf
liche Massnahmen an (Urk. 7/4
7
) und mit Vorbescheid vom 1
4.
September 2011 die
Zusprache
einer vom
1.
Mai bis 3
1.
Oktober 2011 bef
risteten ganzen Rente (Urk. 7/45
). Der Versicherte erhob mit Schreiben vom 12. Ok
tober 2011 gegen beide Vorbescheide Einwände (
Urk.
7/56). Am
3.
Januar 2012 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Begehrens um be
rufliche Mass
nah
men (Urk. 7/70). Mit Verfügung vom 14. März 2012 sprach sie dem Ver
sicher
ten
wie angekündigt
eine vom
1.
Mai bis 3
1.
Oktober 2011 be
fristete ganze Rente bei
einem
Invali
ditätsgrad
von 100
%
zu (Urk.
7/71, Urk. 7/76
).
Die dagegen mit Eingabe vom 18. April 2012 erhobene Beschwerde
(Urk. 7/84/3-20)
wies das
Sozialversiche
rungsgericht
des Kantons Zürich mit Urteil
IV.2012.00409
vom 26. Feb
ruar 2014
ab (Urk. 7/134/21).
Am 10. Oktober 2011 hatte sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung des Weiteren wegen Schwerhörigkeit auf der linken Seite zum Bezug eines Hör
gerätes ange
meldet (Urk. 7/54). Die IV-Stelle übernahm gestützt auf den Bericht von Dr. med.
A._
, Facharzt für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
, vom 25. No
vember 2011 (Urk. 7/63 S. 2) mit Mitteilung vom 1. Dezember 2011 eine Pauschale für eine einseitige Hörgerätversorgung (Urk. 7/64).
1.4
Während des
hängigen
Gerichtsverfahrens hatte m
it Schreiben vom 29.
August 2012 der Beschwerdeführer
eine
mit
Berichte
n
von Dr. med.
B._
,
Fach
ärztin
für Neurologie, vom
C._
vom 19. April und 7. Mai 2012 (Urk. 7/102/1-8)
und des
Spitals D._
vom 22. Mai 2012 (Urk. 7/102/9)
dokumentierte
Verschlech
terung seines Gesundheitszustandes geltend gemacht
(Urk. 7/103
).
Die IV-Stelle sistierte das Revisionsverfahren mit Schreiben vom 20. September 2012 bis zum Ab
schluss des laufenden Verfah
rens Nr. IV.2012.00409 vor dem
Sozialversiche
rung
sg
ericht
(Urk.
7/108).
Mit Vorbescheid vom 15.
Juli 2014 kündigte s
ie die Abweisung des
Leistungsbe
gehrens
an (Urk. 7/140).
Der Beschwerdeführer brachte dagegen mit Schreiben
vom 12. September 2014 (Urk. 7/144)
, ergänzt mit Schreiben vom 21. Oktober 2014 (Urk. 7/150) und
unter Beilage de
r Bericht
e
des
Spitals D._
vom 22. Mai 2012 (Urk. 7/143)
und der Klinik
E._
v
om 23.
September 2014 (Urk. 7/148)
sowie von Dr. med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Medi
zin, vom 10.
Oktober 2014 (Urk. 7/149), Einwände vor. Die IV-Stelle
holte daraufhin zusätzlich die Berichte der Klinik
E._
vom 31. Oktober 2014 (Urk. 7/154/8-9) und den Bericht
der Klinik für Urologie des
Spitals D._
vom 19. Februar 2015 (Urk. 7/161) ein.
Mit Verfügung vom 7.
April 2015
wies die IV-Stelle das
Leistungs
begehren
wie angekündigt ab (Urk. 2).
2.
Dagegen
erhob der Versicherte
unter Beilage des Arztzeugnisses von
Dr.
F._
vom 30. April 2015 (Urk. 3/3) und des Berichtes der Klinik
E._
vom 24. April 2015 (Urk. 3/4)
am 6. Mai 2015
Be
schwerde und beantragte,
die Ver
fügung vom 7. April 2015 sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm
zufolge Verschlechterung des Ge
sund
heitszustandes eine gan
ze Invalidenrente auszurichten; eventualiter sei die Streitsache in Gutheis
sung der Beschwerde an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, damit diese eine interdisziplinäre Begutachtung initiiere
(
Urk. 1 S. 2)
.
Die
Beschwerdegeg
nerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom
11. Juni 2015
auf Abweisung (Urk. 6).
Mit Eingabe vom 11.
August 2015
(Urk. 9)
reichte der Be
schwerde
füh
rer den Bericht der Klinik
E._
vom
31. Juli 2015 bezüglich eines
Bla
sentumorrezidivs
(Urk. 10)
und
a
m 1
5.
September 2015 (Urk. 14) die Berichte der Klinik
E._
vom 23. Juni 2015 (Urk. 15/1) und vom 28. Juli 2015 (Urk. 15/2) betreffend Hüftbeschwerden
ein. Die
Beschwerde
gegnerin
nahm dazu
a
m 1
.
Sep
tember 2015 (Urk. 12
) und
a
m 9. Oktober 2015 (Urk. 17) Stel
lung.
Dazu äusserte sich der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 19. Oktober 2015 (Urk. 19).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die In
validität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsun
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
glie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er
werbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Er
werbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Be
ein
träch
tigung zu berück
sich
tigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.2
Die massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem
Invaliditäts
grad
von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1
.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Ein
kom
mens
ver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen
Invaliditäts
grades
verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 4 IVV in der bis Ende 2011 gültig gewese
nen Fassung; ab 2012: Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Renten
anspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades erfolgt ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Än
derung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V
343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Inten
sität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beur
teilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Ge
sund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi-si
onsgrund
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche
Ver
gleichs
basis
für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des
In
validitäts
grades
bilden die letzte rechtskräftige Verfügung
,
welche auf einer materiellen Prüfung des Ren
ten
anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswür
digung
und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.5
Der Rentenanspruch entsteht
gemäss
Art.
29 Abs. 1 IVG
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 ATSG
, jedoch frühestens im Monat,
der auf die Vollendung des 18.
Al
ters
jahres folgt.
Ausbezahlt wird die Rente nach
Art.
29 Abs. 3 IVG
vom Beginn des Monats an, in dem der Rentenanspruch entsteht.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
s
eit Erlass der Verfügung vom 14. März 2012 sei keine Verschlech
terung (des Gesundheitszustandes) eingetreten.
Aufgrund des Rezidivs des
Bla
sen
tumors
bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die lumbalen Rückenbeschwerden würden seit mindestens 30 Jahren bestehen. Das chro
ni
sche rezidivierende
lumbospondylogene
Schmerzsyndrom mit aktuell akuter Phase sei mit einer Infiltration einmalig behandelt worden, weshalb davon auszugehen sei, dass die Behandlung abgeschlossen sei. Die angestammte Tätig
keit sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar. In einer
leidensange
pass
ten
Tätigkeit sei er zu 100
%
arbeitsfähig, weshalb bei einem
Invaliditäts
grad
von 32
%
kein Anspruch auf eine Rente bestehe
(Urk. 2
S. 2 f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein,
sein Gesundheitszustand habe sich seit der Verfügung vom 14.
März 2012 nachweislich verschlechtert. Damals sei davon ausgegangen worden, dass der Blasenkrebs erfolgreich entfernt und die An
gelegenheit damit abgeschlossen sei.
Inzwischen sei die Diagnose auf rezidi
vierendes
Urothelkarzinom
der Harnblase geändert. Die wiederholten
Krebs
er
krankungen
und Operationen seien mittlerweile mit erheblichen Schmer
zen insbesondere beim Sitzen verbunden, was in jeglicher Tätigkeit zu einer voll
stän
digen Arbeitsunfähigkeit führe.
Auch seien die Rückenleiden im dama
ligen V
er
fahren kaum beachtet worden, da er solche Beschwerden erstmals an
läss
lich der MEDAS-Begutachtung, mithin in einem damals nicht relevanten Zeitraum, geäussert habe. I
m Zentrum seien die unfallbedingten
Schulterbe
schwerden
gestanden.
Der Bericht der Klinik
E._
weise eine erheblich progrediente und akute Symptomatik aus, welche mit den erhobenen Befunden einer
ero
si
ven
Osteochondrose
L5/S1 und beginnender Diskusdegeneration L3/4 und L4/5 ausreichend erklärt seien.
Dr.
F._
gehe aufgrund der Rückenbeschwerden von einer 50%igen Arbeitsun
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit aus.
Zudem seien
in der Klinik
E._
neu Abklärungen wegen eines Hüft
leidens eingeleitet und der Verdacht auf eine
Coxarthrose
bestätigt
worden. Die
Beschwerdegegnerin
hätte eine Rente zusprechen oder zumindest weitere medi
zi
nische Abklärungen treffen müssen
(Urk. 1 S. 4
ff.
,
Urk.
9,
Urk.
14
).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom
29
. August 2012 (
Urk.
7/103
) eingetreten. Das Gericht hat daher in materiell
-
rechtlicher Hinsicht zu prüfe
n, ob sich der Invaliditätsgrad, der mit Urteil vom
26. Februar 2014 auf 32
%
festgelegt
wurde (Urk. 7/
134/22
),
seit de
r
Verfügung
vom
14. März 2012
(Urk.
7/
71, Urk. 7/76
)
bis
zum Erlass der angefochtenen Ver
fügung vom
7. April
201
5
(Urk. 2) in leistungs
begründendem
Ausmass ver
ändert hat. Die ange
foch
tene Verfügung bildet da
bei recht
sp
re
chungsgemäss die zeitliche Grenze der richter
lichen Über
prüfungs
be
fugnis (BGE 132 V 220 E. 3.1.1,
122 V 77 E. 2b, Urteil des Bundes
ge
richts 8C_76/2009 vom 19.
Mai 2009 E. 2, je mit Hin
weis).
Dabei
sind nach dem 7. April 2015 erstellte ärztli
che Berichte
nur insofern zu be
rücksichtigen, als daraus Rückschlüsse auf den Sach
verhalt
im massgeblichen Zeitraum bis zur
angefochtenen
Verfügung zu
lässig er
scheinen.
Der
frühestmögliche Beginn einer allfälligen Rente bildet
aufgrund von Art. 29
Abs.
1
und
Abs.
3
IVG
der
1. Februar 2013
(Art. 29 Abs. 3 IVG).
3.
3.1
Im Urteil des hiesigen
Gerichts vom 26.
Februar 2014
im Verfahren
IV.2012.00409
(Urk. 7/134)
wurde fest
gehalten, dass
im
(
damals
)
zu beurteilen
den,
massgeb
lichen Zeitraum vom 1. August 2011 bis zum 1
4.
März 2012 eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit allein zufolge der Be
schwerden
an der obe
ren rechten Extremität und Schul
ter
ausgewiesen gewesen sei (E.
5.1.1).
Diesbe
züglich sei
angesichts der teil
weise schweren körper
lichen Arbeiten, welche der Be
schwerde
führer in seiner Tätig
keit im Res
taurant
Y._
nebst dem Ser
vice zu verrichten
gehabt habe,
wei
terhin von einer 100%igen Arbeits
unfähig
keit
in der angestammten Tätigkeit
auch nach dem 1. August 2011 aus
zugehen
(E. 5.2.1)
. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer arm- und handschonenden, kör
perlich leichten Tätigkeit ab August 2011 habe mindestens eine 80%ige Arbeits
fähigkeit bestand
en
, wobei offen gelassen werden könne, ob aufgrund des Gutachtens der MEDAS
G._
vom 2
5.
Januar 2013 (
Urk.
7/115/39-40
) eine voll
stän
dige Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepass
ten
Tätigkeit bestehe (E. 5.2.2).
Die
Krebserkrankung
an der Blase sei zwar bereits
Anfang 2011 auf
getreten, indes sei der Beschwerdeführer
nach der ers
ten Resektion des
Blasen
tumors
vom 25. Januar 2011
ohne
Hinweis
auf
ein Rezidiv des Blasentumors „absolut be
schwerdefrei“
gewesen, weshalb diesbe
züglich
in der
massgeblichen
Zeit von August 2011 bis Mitte März 2012
nicht von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Ein Rezidiv sei
erst im Mai 2012, mithin nach dem relevanten Überprüfungszeitraum bis zum 1
4.
März 2012, festgestellt und wiederum endoskopisch mittels
transurethraler
Blasentumorresektion (TUR-B) am 18.
Mai 2012 entfernt worden
(E. 4.1).
Auch in Bezug auf die geltend ge
machten
Rückenbeschwerden
sei
für die Zeit bis zum 1
4.
März 2012 nicht von einer zusätzlichen Einschränkung der Arbeits
fähigkeit auszugehen, da
der Be
schwerde
führer
solche Beschwerden
(
starke linksseitige Kreuzschmerzen, jeweils ausgelöst durch Staubsaugen oder durch das Tragen von zu grossen Gewichten,
mit Ausstrahlung
über das linke Gesäss der Aus
senseite des Ober
schenkels entlang bis zum Knie)
erstmals gegenüber den Gut
achtern der MEDAS
G._
in der Untersuchung Ende Sep
tember 2012
angegeben habe.
Ob die Beurteilung der MEDAS-Gutachter, welche die dies
be
zügliche Diagnose eines chronisch rezidivierenden
Panvertebralsyn
droms
mit
thorako
-lumbaler
Hal
tungs
insuffizienz
als Diagnose ohne wesent
liche Einschrän
kung d
er Arbeits
fähigkeit beurteilt hätten
,
zutreffe
,
könne offen blei
ben
.
In der Zeit bis zum 14.
März 2012
sei
eine die Arbeits
fähigkeit einschrän
kende Rückenproblematik
jedenfalls nicht ausge
wiesen
(E. 4.2).
Dasselbe
treffe
auch auf die medizinisch erstmals im MEDAS-Gutachten vom 25. Januar 2013 (respektive in den
Teil
gutachten
vom 25.
November und 21. Dezember 2012)
festgehaltenen
Kopf
beschwerden
, auf die alle paar Wochen auf
tretenden Beschwerden an der
linken Schulter
und auf die Schmerzepisode in den Zehen am linken Fuss, welche nach Angaben des Beschwerdeführers als Gicht behan
delt worden sei
,
zu
.
Denn dabei handle es sich
lediglich um intermittierend
auf
tretende Beschwerden
, welche von den
MEDAS-
Gutachtern nachvollziehbar als Krankheits
bilder ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt
worden seien
(
E.
4.3
).
Auch be
züglich der
seit
einem
1980 erlittenen Arbeits
unfall bewegu
ngsabhängig inter
mittierend auftretenden
Schmerzen im Bereich der Rippen rechts
und be
treffend
eine arte
rielle
Hyper
tonie
sowie
Be
einträch
tigung der Hörfähigkeit
habe
keine zur rechts
seiti
gen Hand-/Arm- und
Schul
ter
prob
lematik
zusätzliche Einschränkung der Arbeits
fähigkeit im Zeit
raum
vom 1. August 2011 bis zum 14.
März 2012
gegeben
(E. 4.4-5).
Von dieser Sachlage ist als Vergleichsbasis auszugehen.
3.2
3.2.1
In Bezug auf die Rückenbeschwerden wurde gemäss dem Berich
t der Klinik
E._
vom 23.
September 2014
(
Urk.
7/148)
zwar festgehalten, dass laut dem Beschwerdeführer dieser bereits seit mindestens 30 Jahren an rezidivierenden lumbalen Rückenschmerzen leide, welche unter Physiotherapie und
Schmerz
therapie
jeweils gut behandelt gewesen seien.
Jedoch ist dem Bericht
weiter
zu entnehmen, dass s
eit Juli 2014 erneut starke Schmerzen mit einem
Schmerz
niv
eau
auf der
visuelle
n
Analogskala
(VAS) von acht mit deutlicher Ein
schrän
kung der Sitz- und Liegedauer sowie zeitweiliger Ausstrahlung in den linken lateralen Oberschenkel aufgetreten seien (
Urk.
7/148/1).
Der Hausarzt Dr.
F._
hielt im Bericht vom 1
0.
Oktober 2014
ebenfalls
fest, dass
in den letzten zwei Jahren rezidivierende Rücken
schmerzen aufgetreten seien,
die
seit März 2014 zunehmend
seien. Es seien
wiederholt antirheumatische und physio
thera
peuti
sche Behandlungen erfolgt
(Urk. 7/149)
.
Die
Magnet
resonanz
tomo
graphie
vom 19. September 2014
ergab gemäss dem Bericht der Klinik
E._
vom 23. September 2014
eine
erosive
Osteo
chon
dro
se
mit
Modicverän
derungen
L5/S1, beidseitige m
ä
ssige
foraminale
Stenosen und beginnende
Dis
kus
degene
rationen
L3/4 und L4/5, mit welchen die geklagten Be
schwerden ausreichend erklärt seien (Urk. 7/148/2).
Die Ärzte der Klinik
E._
stellten die Diag
nose eines chronisch rezidivierenden
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms mit/bei
erosiver
Osteochondrose
L5/S1 und beginnender Diskusdegeneration L3/4 sowie L4/5
(Urk. 7/148/1).
Damit liegen Beschwerden und eine Diagnose mit organischem Substrat vor, welche
im
Urteil vom 2
6.
Februar 2014 noch nicht
behandelt worden sind
und bei der Invaliditätsbestimmung nicht berück
sichtigt wurden
.
Auf die
Ein
schätzung zur Arbeitsfähigkeit der
MEDAS-
Gutachter
gemäss dem Gutachten vom
25. Januar 2013
(Urk. 7/115/
36, Urk. 7/115/39-40
) kann hierzu insbe
sondere deshalb nicht abgestellt werden, da den MEDAS-Gutachter die
bild
geben
den
Befunde der LWS nicht vorlagen.
Aus dem Bericht der Klinik
E._
vom 24. April 2015 geht sodann hervor, dass die Behandlung der
Rücken
beschwerden
mittels Infiltration
vom 3
1.
Oktober 2014 nur eine 50%ige und keine anhaltende Besserung brachte. Die zweite Infiltration vom 2
4.
März 2015 habe keine Linderung der Schmerzen
mehr
gebracht (Urk. 3/4).
Damit ist eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen und es kann entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht ohne Weiteres ausge
schlossen werden, dass die Rückenbeschwerden nebst den rechtsseitigen Schul
ter
und Arm-/Handbeschwerden (Urk. 7/115/36)
eine
massgebliche
zusätz
liche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bedeuten.
3.
2.2
Hinzu kommt, dass
nach
der Verfügung vom 1
4.
März 2012
alljährlich r
ezi
div
ierte
Blasenkarzinome
festgestellt wurden
, und zwar
nach dem 25. Januar 2011
am 18. Mai 2012 (Urk. 7/105/9), am 12. August 2013 (
Urk.
7/118/5
),
am 17. April 2014 (Urk. 7/143)
und am 30. Juli 2015 (Urk. 10 S. 1)
, welche jeweils
operativ
mittels endoskopische
r
Resek
tionen
entfernt wer
den mussten. Dagegen war
im Urteil vom 26. Februar 2014 für die Zeit bis Mitte März 2012 noch von einer abgeschlossenen Erkrankung und Be
handlung aus
gegangen worden (Urk. 7/134/11). Diesbezüglich wurde
im Bericht der Klinik für Urologie des
Spitals D._
vom 19. Februar 2015 zwar „ab sofort“ eine 100%ige Arbeits
fähigkeit in Bezug auf die
Blasen
problematik
attestiert
(
Urk.
7/161/3)
. Jedoch ist dem Bericht, gemäss welchem die letzte Kontrolle am 17. Juli 2014 statt
gefunden habe
(
Urk.
7/161/1)
, nicht zu entnehmen, ab wann diese Arbeits
fähigkeit g
a
lt.
3.2.3
Sodann
wurde
n
im Bericht der Klinik
E._
vom 24. April 2015
der Ver
dacht auf eine
Coxarthrose
beidseits und ein aktueller Gichtanfall aufgeführt (Urk. 3/4). Da dieser Bericht lediglich zwanzig Tage nach der Verfügung vom 7. April 2015 (
Urk.
2) erstellt wurde und sich der Verdacht auf eine
Coxarthrose
gemäss dem Bericht der Klinik
E._
vom 23. Juni 2015 radiologisch am 23.
Juni 2015
mit linksbetonten Befunden
bestätigt hat (
Urk.
15/1
), kann
in
s
be
sondere in der Gesamtbetrachtung der multiplen körperlichen Beschwer
den
nicht ohne Weiteres angenommen werden, die Hüftproblematik sei
erst nach dem 7.
April 2015 entstanden
und habe die Arbeitsfähigkeit davor nicht
beeinträchtigt
.
3.3
Die
abschliessende
Bestimmung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit des Beschwer
deführers in der hier massgeblichen Zeit
ab Mitte März 2012 ist bei
gege
bener Aktenlage
nach dem Gesagten
nicht möglich.
Aufgrund der multip
len verschiedenartigen somatischen Beschwerden ist von der
Beschwerde
geg
ne
rin
daher
ein inter
disziplinäres Gutachten einzuholen
, das sich über die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung des chronolo
gischen Verlaufs sämt
licher Beschwerden seit März 2012 aus
spricht
. Die an
gefochtene Verfügung vom 7.
April 2015 ist daher aufzu
heben und die Sache an die
Beschwerde
gegnerin
zur ergänzenden medizini
schen Abklärung im Sinne der Erwägungen zurückzuweisen.
4
.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensauf
wand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG),
ermessens
weise
auf Fr. 700.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das
Sozialversi
cherungs
gericht
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen auf
Fr.
2‘500.
-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) fest
zusetzen ist.