Decision ID: 6ff1e6e1-b105-462b-aa20-e96770979dfd
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte), damals wohnhaft in B._, meldete sich am
6. September 1998 unter ihrem Ledigennamen C._ erstmals bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Grund war ein therapieresistentes
lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung ins
rechte Bein (IV-act. 1; Arztbericht des Inselspitals Bern, neurologisch-/chirurgische
Poliklinik vom 28. Dezember 1998, IV-act. 9). Die Versicherte trat am 1. Juni 1999 eine
Stelle beim Spitexverein D._ an (Hauswirtschaft, Grundpflege und Betreuung,
Arbeitszeugnis vom 14. März 2007, IV-act. 23, 58), worauf das Gesuch am 22. Februar
2000 abgewiesen wurde, da sie ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne
(IV-act. 15).
A.a.
Am 8. August 2002 stellte die Versicherte ein weiteres Leistungsgesuch wegen
einer doppelten Diskushernie (IV-act. 16). Nach medizinischen Abklärungen,
insbesondere der Einholung eines Gutachtens bei Dr. med. E._, Fachärztin für
Neurochirurgie, welche bei der Versicherten ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom
diagnostizierte und ihr eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
attestierte, sprach die IV-Stelle des Kantons F._ der Versicherten mit Verfügung vom
25. September 2003 mit Wirkung ab 1. Juni 2003 bei einem Invaliditätsgrad von 56 %
eine halbe Rente zu (IV-act. 33).
A.b.
Die Versicherte stellte am 10. August 2006 ein Erhöhungsgesuch, da eine weitere
Diskushernie aufgetreten und sie am 17. Juli 2006 operiert worden sei (IV-act. 37). Mit
Verfügung vom 3. August 2007 sprach die IV-Stelle des Kantons F._ der Versicherten
A.c.
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mit Wirkung vom 1. September 2006 bis 31. Januar 2007 befristet eine ganze Rente
und ab 1. Februar 2007 wiederum eine halbe Rente zu (IV-act. 62 f.).
Mit Eingabe vom 8. April 2009 machte die Versicherte bei der aufgrund eines
Wohnortwechsels nun zuständigen IV-Stelle G._ geltend, ihr Gesundheitszustand
habe sich verschlechtert (IV-act. 95). Dieses Gesuch wurde am 4. Mai 2009 mit
abweisender Verfügung abgeschlossen (IV-act. 97). Das Verwaltungsgericht des
Kantons G._ wies eine dagegen gerichtete Beschwerde am 9. September 2009 ab
(IV-act. 101). Die Versicherte liess am 6. Dezember 2010 gegen den
verwaltungsgerichtlichen Entscheid ein Revisionsgesuch stellen (IV-act. 110-2 ff.) und
ersuchte am 9. Dezember 2010 bei der IV-Stelle um Revision/Wiedererwägung ihrer
Verfügung (IV-act. 111). Sie machte geltend, ihr physischer und psychischer
Gesundheitszustand habe sich spätestens seit der Verfügung vom 4. Mai 2009 bzw. in
Folge eines Autounfalls im März 2009 verschlechtert (IV-act. 111; IV-act. 116-1 ff.). Das
Verwaltungsgericht des Kantons G._ trat auf das Revisionsgesuch mit Entscheid vom
23. März 2011 nicht ein (IV-act. 131).
A.d.
Die IV-Stelle des Kantons G._ hingegen holte verschiedene medizinische Akten
ein (u.a. Austrittsbericht des Spitals Einsiedeln vom 1. Oktober 2010, wo eine
Kniearthroskopie rechts mit medialer und lateraler Teilmeniskektomie durchgeführt
worden war, IV-act. 143-53 ff.; Arztbericht des Sozialpsychiatrischen Dienstes H._
vom 26. Januar 2011 [Posteingang], IV-act. 120; Arztbericht von Dr. med. I._,
Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 10. Februar 2011, IV-
act. 124) und veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung durch das Medizinische
Zentrum U._ (MZR; Gutachten vom 22. August 2011; med. pract. V._, Fachärztin
für Chirurgie; Dr. med. W._, Facharzt für Rheumatologie; Dr. med. X._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie: IV-act. 143; Untersuchungen vom 31. Mai 2011; IV-
act. 143). Die Gutachter diagnostizierten im Wesentlichen als die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigend ein lumbospondylogenes Syndrom rechts bei mehrsegmentalen
degenerativen Veränderungen der unteren BWS und der LWS, eine mediale und
femoropatelläre Gonarthrose beidseits (IV-act. 143-36) sowie eine Agoraphobie mit
Panikstörung (ICD-10: F40.01; IV-act. 143-44). In ihrer angestammten Tätigkeit in der
Spitex oder als Fabrikmitarbeiterin sei die Versicherte aus rheumatologischer Sicht zu
100 % arbeitsunfähig. In einer optimal angepassten - körperlich leichten,
A.e.
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wechselbelastenden Tätigkeit ohne Zwangshaltungen der Wirbelsäule - bestehe eine
50%ige Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund der Agoraphobie
und Depression für das Jahr 2009 eine vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit
und seit Anfang 2010 bei Beachtung der Einschränkung durch die Agoraphobie keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr (IV-act. 143-50). Nach Vorbescheidverfahren
mit Einwand (IV-act. 148, IV-act. 153) wies die IV-Stelle das Erhöhungsgesuch mit
Verfügung vom 6. März 2012 ab (IV-act. 155).
Mit Verfügung vom 17. Juni 2014 trat die IV-Stelle auf ein erneutes Renten
erhöhungsgesuch vom 3. März 2014 nicht ein (IV-act. 181; IV-act. 190). Die dagegen
erhobene Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons G._ wurde als
gegenstandslos abgeschrieben, nachdem die IV-Stelle die angefochtene Verfügung am
7. Oktober 2014 widerrufen hatte (IV-act. 191-2; IV-act. 200 f.).
A.f.
Nach Prüfung der eingeholten medizinischen Berichte (u.a. Arztbericht von
Dr. I._ vom 7. November 2014, IV-act. 204; Arztbericht des Sozialpsychiatrischen
Dienstes (SPD) des Kantons G._ vom 22. Dezember 2014 [Posteingang], IV-
act. 205-1 ff.; Attest von Dr. I._ vom 12. November 2015, IV-act. 217), veranlasste sie
ein Gutachten beim Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB; Gutachten vom
7. Januar 2016; Dr. med. L._, Facharzt für Allgemeine Medizin; Dr. med. K._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie; Dr. med. Q._, Facharzt für Neurologie;
Dr. med. N._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; lic. phil. R._,
Fachpsychologe Neuropsychologie; Untersuchungen vom 2. bis 5. November 2015; IV-
act. 221). Die Experten diagnostizierten unter anderem (verkürzt wiedergegeben) ein
chronisches lumbovertebrogenes Syndrom mit eingeschränkter Beweglichkeit und
aktivierten Facettenarthrosen und interspinösen Nearthrosen, ein chronisches
cervicovertebrogenes Syndrom, eine mediale und femoropatelläre Gonarthrose
beidseits (IV-act. 221-39 f.), eine Agoraphobie (ICD-10: F40.01), akzentuierte
Persönlichkeitszüge bei Verdacht auf Persönlichkeitsstörung (ICD-10: Z73.1) sowie
eine Lese- und Rechtschreibstörung (ICD-10: F81.0; IV-act. 221-55). Aus
orthopädischer Sicht könnten leichte Tätigkeiten ohne häufiges Bücken und
regelmässiges Heben und Tragen von Lasten über 5 kg durchgeführt werden. Die
leidensangepasste Restarbeitsfähigkeit betrage aus orthopädischer Sicht 50 %. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Diese
A.g.
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Einschränkungen seien nicht zu kumulieren, es bestehe somit eine
Gesamtarbeitsfähigkeit von 50 % (IV-act. 221-55). Daraufhin beschied die IV-Stelle des
Kantons G._ der Versicherten mit Mitteilung vom 29. Dezember 2016 eine
unveränderte IV-Rente (IV-act. 238) und trat die Akten am 2. Juni 2017 an die aufgrund
eines Wohnortwechsels der Versicherten zuständig gewordene IV-Stelle des Kantons
St. Gallen ab (IV-act. 244).
Die Versicherte reichte am 7. Dezember 2017 bei der IV-Stelle St. Gallen ein
Gesuch um Erhöhung ihrer Rente ein. Sie brachte vor, ihr Gesundheitszustand habe
sich in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert. Ihre Arthrose habe sich
verschlimmert und zusätzlich sei eine Diskushernie aufgetreten (IV-act. 251; ärztliches
Attest von Dr. I._ vom 25. September 2017, IV-act. 252).
A.h.
Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen holte verschiedene medizinische Berichte ein
(u.a. des Psychiatrie-Zentrums J._ vom 20. Juli 2017, IV-act. 263-13 ff., und vom
15. Oktober 2018, IV-act. 271; Attest von Dr. I._ vom 25. September 2017, IV-
act. 252; Bericht der funktionellen Untersuchung Schultern bds. vom 28. Februar 2018,
IV-act. 253; Verlaufsbericht von Dr. I._ vom 8. Juni 2018, IV-act. 266) und liess in der
Folge durch die ZMB ein Verlaufsgutachten erstellen (Gutachten vom 11. Juli 2019,
Dr. med. K._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie; Dr. L._, Facharzt für
Allgemeine Medizin; PD Dr. med. M._, Facharzt für Neurologie; Dr. med. N._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie; Dipl. Psych. O._, Fachpsychologin
Neuropsychologie FSP/GNP, M. Sc. P._, Psychologin für Neuropsychologie;
Untersuchungen vom 13. bis 29. Mai 2019, IV-act. 286). Die Gutachter stellten unter
anderem (verkürzt) folgende Diagnosen: chronisches lumbovertebrogenes Syndrom mit
eingeschränkter Beweglichkeit und symptomatischen Facettenarthrosen und
interspinösen Nearthrosen beziehungsweise perisakralen Ligamentopathien bei
residualer sensomotorischer L4 - Ausfallsymptomatik ohne aktuelle radikuläre
Reizsymptome, ein chronisches cervikospondylogenes Schmerzsyndrom mit cephaler
Komponente mit lokalen Tendomyosen, Gonarthrosen medial und femoropatellär
beidseits, eine Agoraphobie mit/bei Persönlichkeitsstörung sowie einen Zustand nach
verschiedenen bariatrischen Eingriffen (IV-act. 286-10 f.). Sie befanden, aus
somatischer Sicht ergäben sich gegenüber der Aktenlage zur Zeit der Mitteilung vom
29. Dezember 2016 keine wesentlichen Veränderungen des Gesundheitszustandes (IV-
A.i.
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B.
act. 286-14). Leichte Tätigkeiten überwiegend im Sitzen ohne Zwangshaltungen und
häufiges Bücken, Knien und Kauern könnten zu 50 % durchgeführt werden (IV-
act. 286-13). Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-
act. 286-13). Im psychiatrischen Bereich werde aufgrund des Verlaufes und aufgrund
des mässigen Erfolges der Therapie die Beurteilung verändert. Es werde nunmehr von
einer Persönlichkeitsstörung ausgegangen. Der Aspekt der Agoraphobie mit
Panikstörung sei weniger gewichtet beziehungsweise werde unter der
Persönlichkeitsstörung subsumiert (IV-act. 286-15). Die Einschätzung gelte ab
Gutachtenszeitpunkt. Die Arbeitsunfähigkeiten addierten sich nicht, die Versicherte sei
gesamthaft 50% arbeitsfähig (IV-act. 286-13).
Der RAD-Arzt Dr. med. S._, Facharzt für Prävention und Gesundheitswesen,
nahm am 17. Juli 2019 Stellung, das Gutachten zeige plausibel auf, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten gegenüber der medizinischen Aktenlage, die der
massgeblichen Mitteilung vom 29. Dezember 2016 zugrunde gelegen habe, nicht
dauerhaft und objektivierbar mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verändert habe (IV-
act. 289).
A.j.
Mit Vorbescheid vom 29. August 2019 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Revisionsgesuchs (IV-act. 290) und
wies mit Verfügung vom 8. November 2019 das Erhöhungsgesuch ab. Zur Begründung
führte sie an, gemäss den erneuten Abklärungen bestehe in einer adaptierten Tätigkeit
weiterhin eine verwertbare Arbeitsfähigkeit von 50 %. Den eingereichten Arztberichten
könnten keine neuen relevanten Diagnosen entnommen werden, welche eine neue
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ermöglichen würden (IV-act. 295).
A.k.
Mit Beschwerde vom 30. November 2019 lässt A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. R. Walker, gegen die
Verfügung vom 8. November 2019 Beschwerde erheben. Sie beantragt, die
angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und
es sei ihr die halbe auf eine ganze Rente zu erhöhen. Weiter sei ihr die unentgeltliche
Rechtsvertretung zu bewilligen. Zur Begründung wird ausgeführt, es sei schlicht nicht
nachvollziehbar, weshalb sich die diagnostizierten Beschwerden in den ersten vier
B.a.
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Jahren (nach ihrem Auftreten) derart verschlimmert haben sollten, dass ihr eine halbe
IV-Rente zugesprochen worden sei, während sich der Gesundheitszustand in den
nachfolgenden 16 Jahren nicht mehr weiter verschlechtert haben solle. Sie leide unter
massiven Rückenschmerzen. Ein geregelter Tagesablauf sei nur noch unter sehr
grossen Einschränkungen möglich. Sie könne Aktivitäten wie Handarbeiten nur noch
während einer halben Stunde ohne Unterbruch ausführen und habe im rechten Bein
überhaupt kein Gefühl mehr, so dass sie grosse Angst habe, zu stürzen. Dr. I._
bestätige gestützt auf bildgebende Befunde eine Zunahme der degenerativen LWS-
Veränderungen, eine Spinalkanalstenose, eine ausgeprägte ACG-Arthrose und
insbesondere eine intensive Zunahme der Schmerzintensität in den letzten Jahren. Zu
den rein körperlichen Beschwerden, welche im Jahr 2002 zur Zusprechung einer
halben IV-Rente geführt hätten, seien in den vergangenen Jahren neue psychiatrische
Diagnosen sowie ausgeprägte neuropsychologische Befunde im Bereich der
Aufmerksamkeit und der Gedächtnisleistung hinzugekommen, welche die
Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränkten. Zu Unrecht sei vom psychiatrischen
Gutachter das Vorliegen einer depressiven Störung verneint bzw. nicht abgeklärt
worden. Es werde bestritten, dass die neuropsychologischen Testergebnisse nicht
validierbar seien und dass sie anlässlich der neuropsychologischen Begutachtung eine
verminderte Motivations- und Leistungsbereitschaft gezeigt hätte. Die diesbezüglichen
Ausführungen seien widersprüchlich und nicht substanziiert begründet. Mindestens
wäre ihr das rechtliche Gehör zu dieser Einschätzung zu gewähren. Da sie keine
Kenntnis davon habe, auf welche Antworten und Aussagen sich die Gutachterin
beziehe, sei es ihr nicht möglich, Stellung zu nehmen. Nicht nachvollziehbar sei zudem,
weshalb in der Konsensbeurteilung die von der Neuropsychologin erhobenen Befunde
mit keinem Wort gewürdigt und überhaupt nicht in die Gesamtbeurteilung
miteinbezogen worden seien. Es bestehe eine ausgesprochene Multimorbidität,
weshalb die somatische und die psychiatrische / neuropsychologische
Arbeitsunfähigkeit addiert werden müssten. Die Verfügung sei mit dem pauschalen
Verweis auf das ZMB-Gutachten unzureichend begründet (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 17. Januar 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen. Zum Gutachten führt sie aus, es zeigten sich keine
Hinweise, dass die Beschwerdeführerin nicht umfassend und kompetent untersucht
B.b.
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worden sei. Die medizinischen Vorakten hätten den Gutachtern zur Verfügung
gestanden und diese hätten die Anamnese berücksichtigt. Eine detaillierte
Auseinandersetzung mit sämtlichen Einschätzungen der behandelnden Ärzte sei nicht
Voraussetzung für die Vollständigkeit eines Gutachtens. Die von der
Beschwerdeführerin angegebenen Einschränkungen seien umfassend diskutiert
worden. Das Vorliegen einer depressiven Störung sei bereits im Gutachten vom Januar
2016 verneint worden. In somatischer Hinsicht habe eine entscheidende Veränderung
des Gesundheitszustandes mit relevanter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht
erkannt werden können. Es sei üblich, dass die einzelnen Tests im
neuropsychologischen, nicht aber im psychiatrischen Gutachten aufgeführt würden.
Gemäss einer Stellungnahme der RAD-Ärzte Dres. S._ und T._, Facharzt für
Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Januar 2020 (act. G 3.3) habe der
psychiatrische Gutachter wohlwollend darauf verzichtet, den in der
Beschwerdevalidierung festgestellten Kooperationsmangel nachteilig für die
Beschwerdeführerin zu diskutieren und die festgestellten Einschränkungen trotzdem für
valide erachtet. Auch bei der orthopädischen und neurologischen Untersuchung habe
es deutliche Hinweise auf Unstimmigkeiten gegeben. Dass die somatisch und die
psychiatrisch begründeten Arbeitsfähigkeiten nicht zu addieren seien, entspreche der
Rechtsprechung und dem Zweck interdisziplinärer Gutachten. Der RAD-Arzt Dr. S._
halte sodann fest, dass das Gutachten des ZMB plausibel aufzeige, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gegenüber der der Mitteilung vom
29. Dezember 2016 zugrundeliegenden Aktenlage nicht dauerhaft und objektivierbar
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verändert habe. Zudem räumten therapeutisch
behandelnde Ärzte dem subjektiven Erleben des Patienten einen höheren Stellenwert
ein. Die behandelnden Ärzte benennten keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte,
welche im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet wären, zu
einer von den Gutachtern abweichenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu führen.
Der Verweis auf die neuen medizinischen Abklärungen genüge den Anforderungen der
Rechtsprechung an die Begründungspflicht (act. G 3).
Die Präsidentin bewilligt der Beschwerdeführerin am 20. Januar 2020 die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung; act. G 4).
B.c.
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Mit Replik vom 17. März 2020 legt die Beschwerdeführerin ein Attest von Dr. I._
vom 3. März 2020 (act. G 8.1) und einen Befundbericht MRI LWS/ISG vom 3. März
2020 (act. G 8.2) ins Recht. Sie lässt vorbringen, gemäss dieser Berichte sei erwiesen,
dass sie unter einer fortschreitenden Gelenkserkrankung leide, die sich im Verlauf von
2016 bis 2019 in mehreren Bereichen massiv verschlechtert habe, wobei auch neue
Arthrosen aufgetreten sein. Im Rahmen der Begutachtung sei keine aktuelle MRI-
Untersuchung durchgeführt worden, die einen Vergleich mit der MRI-Untersuchung
vom 27. Oktober 2016 erlaube, was gegen das Untersuchungsprinzip verstosse.
Nichtsdestoweniger hätten auch die erhobenen Röntgenbefunde einen progredienten
Krankheitsverlauf und neu auftretende, beginnende Arthrosen dokumentiert, weshalb
der gutachterliche Schluss, es ergebe sich im somatischen Bereich keine wesentliche
Veränderung des Gesundheitszustandes, willkürlich sei. Der in der
neuropsychologischen Beurteilung unterstellte Kooperationsmangel sei nicht
nachvollziehbar. Sie leide zunehmend an Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen
mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Die Verhaltensbeobachtung
belegten ihre Mühe, sich über einen längeren Zeitraum hinweg zu konzentrieren und
hätten keine Hinweise auf bewusste Selbstlimitierung bzw. Symptomverdeutlichung
ergeben. Die Ausführungen der Gutachterin, wonach eine definitive Simulation nicht
vorhanden sei und dennoch eine Antwortverzerrung vorliege, seien widersprüchlich.
Formulierungen der Gutachterin wie "am ehesten" und dergleichen liessen auf eine
Voreingenommenheit schliessen. Die Gutachterin anerkenne zwar eine
neuropsychologische Störung, die jedoch nicht quantifizierbar sei. Dennoch postuliere
sie den Einsatz von Hilfsmitteln, die nur an geschützten Arbeitsplätzen angewandt
würden. Das neuropsychologische Gutachten sei lückenhaft, widersprüchlich und die
erhobenen Befunde würden nicht bezüglich ihrer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ausgewertet. Dass sich die somatischer- und psychiatrischerseits attestierten
Arbeitsunfähigkeiten nicht addierten, treffe nicht zu. Während sie bei guter psychischer
Gesundheit wohl in der Lage wäre, trotz ihrer objektiv festgestellten somatischen
Einschränkungen und der chronischen Schmerzen 50 % zu arbeiten, sei das aufgrund
ihrer neuropsychologischen Einschränkungen und der Agoraphobie gerade nicht der
Fall. Insgesamt zeige sich im neuropsychologischen Bereich eine massive
Verschlechterung seit dem Gutachten vom 7. Januar 2016. Die neuropsychologische
Gutachterin stelle auf "gewisse Aussagen" der Beschwerdeführerin ab, ohne diese zu
B.d.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
substantiieren und ihr somit eine Stellungnahme zu ermöglichen. Das
neuropsychologische Gutachten sei widersprüchlich und stelle nicht auf die objektiv
erhobenen Befunde ab (act. 8).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 10).B.e.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 289 E. 3.2).
Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden objektiviert werden
können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 427
E. 6). Für somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen) und psychische Erkrankungen (wie namentlich
Depressionen und Abhängigkeitserkrankungen) ist der Beweis nach dem strukturierten
Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429
E. 7.2; BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S. 298, E. 4.2). Der Beweis für eine lang
andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als
geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im
Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer
1.2.
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Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer
Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
1.4.
Die Rechtsanwender prüfen insbesondere, ob die Ärzte ausschliesslich funktionelle
Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung
sind (Art. 7 Abs. 1 erster Satz ATSG), sowie, ob die versicherungsmedizinische
1.5.
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2.
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektiver Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz
ATSG). Recht und Medizin tragen je nach ihren fachlichen und funktionellen
Zuständigkeiten zur Festlegung ein und derselben Arbeitsunfähigkeit bei. Es soll keine
losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten
Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft
werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren
widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung
tragen (BGE 141 V 307, E. 5.2.2 f., BGE 144 V 54, E. 4.3). Berücksichtigen die Experten
die in BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend, hat ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung auch aus Sicht des Rechtsanwenders Bestand. Andernfalls
liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (BGE 145 V
368 f., E. 4.3).
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 Rz. 107).
1.6.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.7.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes revidierbar. Dagegen stellt die unterschiedliche
2.1.
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3.
Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit allein keinen Revisionsgrund im Sinne
von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 144 I 105 E. 2.1).
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung
des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der Rente wie
auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108; BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Juli 2020, 9C_235/2020, E. 3.1). Eine Verschlechterung der
Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist zu
berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
(Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Bei
gegebenem Revisionsgrund ist der Rentenanspruch gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 und E. 6.1; Urteil vom
5. Dezember 2012, 9C_427/2012, E. 3.4).
2.2.
Die Beschwerdeführerin bemängelt eine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs,
indem die Beschwerdegegnerin insbesondere in Bezug auf das Verhältnis zwischen der
somatisch und der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit lediglich auf das Gutachten
verweise, und sie macht geltend, die neuropsychologische Gutachterin beziehe sich
auf Aussagen, aus der sie eine ungenügende Kooperation ableite, ohne diese zu
benennen und ihr damit Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben.
3.1.
Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101), in Art. 42 sowie in Art. 49 Abs. 3 ATSG
festgeschriebene Anspruch auf rechtliches Gehör bzw. auf eine diesem genügende
Begründung der Verfügung ist gewahrt, wenn die Begründung eine sachgerechte
Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Verwaltung vorgängig mit
jedem einzelnen Parteivorbringen einlässlich befasst (vgl. BGE 136 I 188 E. 2.2.1; Urteil
des Bundesgerichts vom 10. Februar 2017, 8C_785/2016, E. 5.2; Kieser, a.a.O., Art. 42
Rz. 4 ff., Art. 49 Rz. 66).
3.2.
In der angefochtenen Verfügung wird festgehalten, dass gemäss erneuten
medizinischen Abklärungen in einer adaptierten Tätigkeit weiterhin eine verwertbare
Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe. Dies entspricht dem gutachterlichen Konsens (IV-
act. 286-13) und bereits aus der Angabe der Höhe der gesamten Arbeitsunfähigkeit
3.3.
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4.
ergibt sich, dass die somatische und psychiatrische Arbeitsunfähigkeit von je 50 %
nach der von der Beschwerdegegnerin übernommenen Meinung der Gutachter nicht
addiert wurden. Ausdrücklich bestritten wurde diese Ansicht erst im
Beschwerdeverfahren, weshalb die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung noch nicht gehalten war, näher auf diese Frage einzugehen. Diese betrifft
somit die Nachvollziehbarkeit und Schlüssigkeit des gutachterlichen Konsenses und ist
in diesem Zusammenhang näher zu erörtern. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
liegt diesbezüglich nicht vor. Zu den im Vorbescheidverfahren eingereichten Berichten
äussert sich die angefochtene Verfügung dahingehend, dass diesen keine neuen
Diagnosen entnommen werden könnten, welche eine neue Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit nahelegen würden. Diese Feststellung lässt eine sachgerechte
Anfechtung zu. Ähnliches wie für die Addition der Arbeitsunfähigkeit gilt auch für das
Vorbringen, die neuropsychologische Gutachterin habe nicht dargelegt, aus welchen
Aussagen sie den Schluss auf mangelnde Kooperation und Motivation ziehe, so dass
sie dazu nicht Stellung nehmen könne. Letztlich geht es hier um die
Nachvollziehbarkeit der Argumentation des neuropsychologischen Gutachtens. Dies
stellt allerdings eine Frage der korrekten Beweiswürdigung dar und keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs. Damit kam die Beschwerdegegnerin ihrer Begründungspflicht
nach und der Gehörsanspruch der Beschwerdeführerin wurde nicht verletzt.
Aus den von der Beschwerdeführerin zitierten Formulierungen der
neuropsychologischen Gutachterin (Duplik, S. 5) lässt sich sodann nicht auf eine
Voreingenommenheit dieser schliessen; hierzu bedürfte es weiterer, die konkrete
Begutachtung betreffende Umstände (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. April
2020, 9C_25/2020, E. 5.1.2.2).
3.4.
Vorab ist zu prüfen, ob ein Revisionsgrund vorliegt. Während die Beschwerde
gegnerin davon ausgeht, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
nicht wesentlich verändert habe, bringt jene vor, ihr Gesundheitszustand habe sich in
verschiedener Hinsicht bedeutend verschlechtert.
4.1.
Gestützt auf das ZMB-Gutachten vom 7. Januar 2016 (IV-act. 221) erliess die IV-
Stelle des Kantons G._ am 29. Dezember 2016 die Mitteilung, die
Beschwerdeführerin habe unverändert Anspruch auf eine halbe IV-Rente (IV-act. 238).
Diese Mitteilung beruhte auf einer vollständigen Sachverhaltsabklärung und bildet
somit revisionsrechtlich den Referenzsachverhalt. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin ist damit nicht der Gesundheitszustand seit der Rentenzusprache
4.2.
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5.
vor 16 Jahren massgebend. Am 7. Dezember 2017 teilte die Beschwerdeführerin der
Beschwerdegegnerin mit, ihr Gesundheitszustand habe sich verschlechtert (IV-
act. 251). Diese erachtete die Eintretensvoraussetzungen gemäss Art. 87 Abs. 2 IVV als
gegeben und gab zur Klärung dieser Frage das Verlaufsgutachten vom 11. Juli 2019
(IV-act. 286) in Auftrag. Die Gutachter verneinten eine massgebliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes (vgl. IV-act. 286-14 f., sowie Sachverhalt A.i.). Somit ist im
Folgenden zu prüfen, ob das Gutachten (diesbezüglich) beweistauglich ist.
Die Erhebung und Beurteilung der Beschwerden und Befunde erfolgte umfassend.
Insoweit genügt das Gutachten den Anforderungen der Rechtsprechung grundsätzlich.
5.1.
Im orthopädischen und neurologischen Gutachten wurden hinsichtlich der LWS im
Verlaufsgutachten ein chronisches lumbovertebrogenes Syndrom mit eingeschränkter
Beweglichkeit, symptomatischen Facettenarthrosen und interspinösen Nerarthrosen
diagnostiziert bei u.a. Osteochondrosen und Spondylarthrosen höheren Grades
mehrsegmental, neuroforaminalen Stenosen unterschiedlichen Grades zwischen L3
und S1 bei Diskopathien und Spondylarthrosen speziell bei L5/S1 (IV-act. 286-38).
Klinisch wurde bereits bei der Erstbegutachtung im 2016 eine ausgeprägte lumbale
Hyperlordosierung festgestellt und ein Schober 10/13 cm sowie ein FBA von minimal
ca. 30 cm bei endgradiger Schmerzäusserung und Druckschmerz über den lumbalen
unteren Segmenten sowie eine Reklinationsschmerzangabe erhoben (IV-act. 221-38).
Im Verlaufsbefund erhob der orthopädische Gutachter einen FBA von minimal ca. 40
cm bei endgradigen Schmerzen und Druckschmerzen über den unteren beiden
lumbalen Segmenten und Schmerzangabe bei Reklination, Torsion sowie Palpation. Im
Langsitz betrage der Finger-Zehen-Abstand 15 cm (IV-act. 286-35). Bildgebend
gelangten in der MRI-Untersuchung vom 1. September 2017 wie bereits in der
Voruntersuchungen vom 22. Juli 2013 und vom 11. Oktober 2016 Osteochondrosen
sowie Diskushernien bzw. -protrusionen in den Segmenten LWK 3 bis SWK 1 zur
Darstellung, wobei aktuell eine Kompression der Wurzeln L3 rechts, S1 und L5 links
sowie eine enge Lagebeziehung zur Wurzel L4 rechts vorlagen, während die
Voruntersuchungen Kompressionen der Wurzeln L5 links und L4 rechts (IV-
act. 186-4 f.) und zusätzlich eine mögliche Reizung der L3-Wurzel rechts sowie leichte
bzw. leicht aktivierte Facettengelenksarthrosen in den Segmenten L3 bis S1 (IV-
act. 234) aufgezeigt hatten. Elektromyographisch liessen sich geringe chronisch
neurogene Veränderungen mit Schwerpunkt im Myotom L4 rechts erheben (IV-
act. 286-53, 54). Gemeinsam folgerten der orthopädische und der neurologische
Gutachter, es bestehe ein fortgeschrittenes degeneratives Leiden der LWS mit
5.2.
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eingeschränkter Beweglichkeit und mit residualen sensomotorischen
Ausfallkomponenten L4 rechts, jedoch ohne Hinweise auf aktuelle radikuläre
Reizerscheinungen (IV-act. 286-39 f.). Die beklagten belastungsabhängigen lumbalen
Schmerzen seien mit den durch die Bildgebung dokumentierten degenerativen
Veränderungen vereinbar. Hingegen ergäben sich nach dem Charakter und dem
Verteilungsmuster keine radikulären Reizsymptome bzw. Hinweise auf ein radikuläres
Schmerzsyndrom an den unteren Extremitäten (IV-act. 286-53). Die erwähnte L4-
Symptomatik war im Vorgutachten auf die Operation von 1988 zurückgeführt worden
(vgl. IV-act. 221-48); sie bestand demnach schon im Referenzzeitpunkt. Der neu
eingereichte MRI-Befund vom 3. März 2020 dokumentiert im Wesentlichen aktivierte
Facettengelenksarthrosen LWK 2 bis LWK 4 sowie mögliche Reizungen bzw. Kompres
sionen der Wurzeln L3, L4 und L5 rechts sowie L5 und S1 links (act. G 8.2). Weiter
berichtet Dr. I._ im Attest vom 3. März 2020 unter anderem von einer ISG-Arthrose
links (act. G 8.1). Der MRI-Befund vom 3. März 2020 verzeichnet eine leicht
progrediente Arthrose des linken ISG (vgl. act. G 8.2), während die ISG im der
Verlaufsbegutachtung zugrundeliegenden MRI-Befund vom 1. September 2017 noch
unauffällig waren (IV-act. 258-2). Insgesamt ist festzuhalten, dass die
Facettengelenksarthrosen der LWS schon im Zeitpunkt der Verlaufsbegutachtung
symptomatisch waren und sich aus dem Attest von Dr. I._ vom 3. März 2020 nicht
ergibt, dass zu diesem Zeitpunkt eine massgebliche ISG-Symptomatik bestanden
hätte. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass grundsätzlich der
Sachverhalt massgebend ist, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses
(hier am 8. November 2019) präsentiert hat. (vgl. BGE 131 V 243 E. 2.1; BGE 129 V 4 E.
1.2 und Urteil des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.1, mit
Verweisen). Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach diesem Zeitpunkt
wäre allenfalls Anlass für ein neues Revisionsgesuch. Vorliegend ist nachvollziehbar,
dass sich mit Bezug auf die LWS der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
massgeblichen Zeitraum nicht beträchtlich verschlechtert hat.
Weiter diagnostizierten die Gutachter ein cervikovertebrogenes Syndrom ohne
radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik bei u.a. symptomatischen Facettenarthrosen,
oligosegmentaler Osteochondrose und Unkovertebralarthrose, linksmediolateraler
Diskusprotrusion HWK 6/7 mit Einengung des linken Neuroforamens sowie eine
Diskusprotrusion HWK 5/6 rechts (IV-act. 286-38, 52). Im der Verlaufsbegutachtung
zugrunde gelegenen MRI vom 27. Oktober 2016 waren in den Segmenten C5 bis C7
Osteochondrosen, eine initiale Spondylosis, Unkovertebralarthrosen und
Diskusprotrusionen mit möglicher Irritation der Wurzeln C7 links und C6 rechts
ersichtlich. Im Befundbericht wurde festgehalten, im Vergleich zur Voruntersuchung
5.3.
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(vom 6. November 2014, IV-act. 204-6; vgl. auch IV-act. 221-40, 47) bestehe keine
wesentliche Progredienz (IV-act. 259). Im klinischen Befund erhob der Gutachter keine
Einschränkung der Beweglichkeit und Druckschmerzen an den cervikothorakalen
Facetten und Dornfortsätzen (IV-act. 286-35). Er führte aus, die cervikale Symptomatik
sei leichtgradig und wäre einer adäquaten Therapie zugänglich (IV-act. 286-40). Die
degenerativen Veränderungen führten auch hier ausschliesslich zu einer qualitativen
Einschränkung er Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 286-54). Im Zusammenhang mit den
HWS-Befunden stehe auch die diffuse tendomyotische Schmerzhaftigkeit im
Schulterbereich bei Verkürzung des Musculus pectoralis, Schulterprotraktion und ACG-
Irritation, die ihre Entsprechung finde in den funktionellen Ultraschall-Untersuchungen
vom 28. Februar 2018. Diese hätten lediglich eine ACG-Arthrose beidseits ergeben.
Somit sei der Schmerzkomplex im HWS-/Schulterbereich in erster Linie durch die
muskuläre Dysbalance bei Haltungsinsuffizienz und Adipositas geprägt (IV-
act. 286-40). Im klinischen Befund des Referenzgutachtens wurden Druckschmerzen
suboccipital an den Muskelansätzen, an den cervicothoracalen Facetten und den
Dornfortsätzen erhoben (IV-act. 221-38). Ebenfalls schon im Referenzgutachten von
2016 beschrieben wurden damals seit eineinhalb Jahren bestehende, für eine
Haltungsinsuffizienz charakteristische Schulterbeschwerden mit entsprechenden
Druckdolenzen und bei uneingeschränkter Funktion der Schultergelenke (IV-
act. 221-42). Es wurde festgehalten, radiologisch lasse sich eine radikuläre Irritation
und sensible Symptomatik in C6 vermuten, nennenswerte radikuläre Ausfälle seien
(jedoch) nicht objektivierbar (IV-act. 221-48 f.). Im Attest vom 3. März 2020 zitierte
Dr. I._ einen weiteren MRI-Befund vom 25. Februar 2020, wonach progrediente
Veränderungen mit Kompression C6 rechts und C7 beidseits vorliegen würden
(act. G 8.1). Dass sich die Kompression der Wurzel C7 neu auch rechts auf die
Beschwerdesymptomatik und damit auf die Arbeitsfähigkeit in einer im
Verlaufsgutachten nicht berücksichtigten Weise auswirken würde, wird nicht dargetan.
Somit ist auch für den Bereich HWS/Schultern keine massgebliche Verschlechterung
anzunehmen.
Die Beschwerdeführerin schilderte bei der Verlaufsbegutachtung Schmerzen an
der Aussenseite beider Hüften, die sich nach der zweiten Bandscheibenoperation
entwickelt und sich seither stetig verstärkt hätten (IV-act. 286-33). Es fand sich eine
Trochanterdynie beidseits bei initialer Coxarthrose beidseits, ohne dass die
Beweglichkeit der Hüfte relevant eingeschränkt war (IV-act. 286-38, 41). Bei der
Vorbegutachtung wurde eine damals symptomfreie Coxarthrose rechts mit
Osteophyten an Hüftkopf und -pfanne erhoben (IV-act. 221-41, 43). Bezüglich der
Kniegelenke beklagte die Beschwerdeführerin Schmerzen nach Belastung. Im
5.4.
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Röntgenbefund vom 15. Mai 2019 wurde eine Gonarthrose medial und femoropatellär
festgestellt, jedoch wurden wie in der Vorbegutachtung lediglich geringe Symptome
geschildert (IV-act. 286-33, 38, 41). Insoweit nachvollziehbar hielten die Gutachter fest,
im somatischen Bereich ergebe sich im Vergleich zu der der Mitteilung vom
29. Dezember 2016 zugrunde liegenden Aktenlage keine wesentlichen Veränderungen
des Gesundheitszustandes. Es handle sich weitgehend um Verschleissprozesse,
welche naturgemäss langsam progredient seien. Entscheidende Veränderungen mit
relevanter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten jedoch nicht erkannt werden
können (IV-act. 286-14 f.). Insgesamt lässt sich somit in somatischer Hinsicht seit 2016
keine wesentliche Verschlechterung ausmachen (vgl. auch IV-act. 286-14, 41). Vielmehr
stellten die Gutachter Inkonsistenzen fest: So liessen sich die angegebenen extrem
starken Schmerzen bei den Untersuchungen nicht feststellen. Die Waddellzeichen
fielen teilweise positiv aus (IV-act. 286-13). Aus neurologischer Sicht waren die
geklagten Beschwerden nur teilweise objektivierbar (IV-act. 286-7).
Die psychiatrische Gutachterin diagnostizierte in der Verlaufsbegutachtung eine
Agoraphobie mit/bei abhängiger Persönlichkeitsstörung sowie eine Lese- und
Rechtsschreibestörung (IV-act. 286-66). Im Referenzgutachten hatte sie nebst der
Lese- und Rechtschreibstörung eine Agoraphobie und akzentuierte
Persönlichkeitszüge bei Verdacht auf Persönlichkeitsstörung (ICD-10: Z73.1) gesondert
diagnostiziert (IV-act. 221-55) und festgehalten, es bestehe der Verdacht, dass die
Beschwerdeführerin eine Persönlichkeitsstörung habe. Wegen fehlender
entsprechender Vorberichte könne keine definitive Diagnose gestellt werden (IV-
act. 221-67). Im Verlaufsgutachten begründete sie die Änderung der Diagnose mit dem
Verlauf und dem mässigen Therapieerfolg (IV-act. 286-15). Zusätzlich zu den
Diagnosen der Gutachterin diagnostizierten die behandelnden Fachärzte eine
rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leichter bis mittelgradiger
(Arztbericht SPD vom 22. Dezember 2014 [Posteingang], IV-act. 205-2 f.) bzw.
mittelgradiger Episode (Arztbericht des Psychiatrie-Zentrums J._ vom 15. Oktober
2018, IV-act. 271). Die Gutachterin hielt im Verlaufsgutachten fest, im Vergleich zur
Vorbegutachtung habe sich der Befund verbessert (IV-act. 286-69). Während sie im
Referenzgutachten noch eine abnehmende Konzentration feststellte, war dies in der
Verlaufsbegutachtung - entgegen der neuropsycholgische Testergebnisse und der
Schilderung der Beschwerdeführerin - nicht mehr der Fall; unverändert bestanden
keine Hinweise auf Aufmerksamkeits- oder Merkfähigkeitsstörungen (IV-act. 286-66;
IV-act. 224-54). Hinweise auf eine depressive Symptomatik oder eine
Somatisierungsstörung fand die Gutachterin nicht (IV-act. 286-68). Sie hielt fest, die
Stimmungslage sei ausgeglichen und lediglich bei belastenden Themen bedrückt,
5.5.
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dazwischen könne die Beschwerdeführerin auch Freude zeigen. Ein affektiver Rapport
sei herstellbar und unauffällig. Es würden Zukunftsängste und finanzielle Ängste
angegeben. Ob ein sozialer Rückzug vorliege, sei unklar, da die Beschwerdeführerin
immer mit ihrem Ehemann unterwegs sei (IV-act. 286-66). Das Psychiatrie-Zentrum
berichtete im Befund vom 29. August 2018 über mittelgradige Konzentrations- und
Merkfähigkeitsstörungen, das Gedächtnis sei intakt, das Denken leicht verlangsamt
und stark eingeengt auf die aktuell belastende Situation und die körperlichen
Beschwerden. Es bestünden starke existentielle Ängste und Angst, zu stürzen und sich
dabei zu verletzen mit gekoppeltem Vermeidungsverhalten. Der affektive Rapport sei
herstellbar, die Schwingungsfähigkeit sei leicht eingeschränkt, die Vitalgefühle seien
gestört. Die Beschwerdeführerin sei mittelgradig deprimiert, ängstlich, dysphorisch,
gereizt, innerlich unruhig und klagsam. Es finde sich eine leichte Affektlabilität und der
Antrieb sei reduziert (IV-act. 271-3). In Anbetracht der im Verlaufsgutachten und durch
die behandelnden Ärzte dokumentierten Befunde ist nachvollziehbar, dass die
psychiatrische Gutachterin insgesamt von einem gebesserten psychischen Zustand
ausgeht (IV-act. 286, 10, 64) und es ist davon auszugehen, dass sich im Zeitraum
zwischen der Referenz- und der Verlaufsbegutachtung zwar vorübergehend eine
leichte bis mittelgradige Depression einstellte, jedoch nicht mit andauernder
wesentlicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und mit Remission bis zur
Verlaufsbegutachtung. Soweit die Beschwerdeführerin die Schlüssigkeit des
Verlaufsgutachtens mit dem Argument anzweifelt, die Dauer der Explorationsgespräche
sei zu kurz gewesen, ist ihm entgegenzuhalten, dass es nicht auf die Dauer der
Untersuchung ankommt; massgebend ist in erster Linie, ob die Expertise inhaltlich
vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai
2020, 8C_767/2019, E. 3.4, mit weiteren Hinweisen).
5.6.
Die neuropsychologische Gutachterin kam zum Ergebnis, gemessen an den
objektivierbaren testpsychologischen Befunden liege eine mittel- bis schwergradige
neuropsychologische Störung vor. In der Verhaltensbeobachtung hätten sich keine
Hinweise auf eine bewusste Selbstlimitierung bzw. Symptomverdeutlichung ergeben.
Im Symptomvalidierungsverfahren hätten sich jedoch Auffälligkeiten gezeigt, mit
Testleistungen im Bereich einer Ratewahrscheinlichkeit. Diese belegten zwar keine
definitive Simulation, gäben aber dennoch Hinweis auf eine Antwortverzerrung.
Ausserdem scheine der Beschwerdeführerin nicht bewusst gewesen zu sein, dass sie
durch bestimmte Aussagen bei der Untersucherin den Eindruck einer verminderten
Leistungsbereitschaft hinterlassen habe. Unter Berücksichtigung der Auffälligkeiten im
5.6.1.
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Symptomvalidierungsverfahren mit einem Resultat im Bereich der
Ratewahrscheinlichkeit und der massiven Inkonsistenzen zwischen der 2015 mit einem
Gesamtintelligenzquotienten von 98 stattgefundenen und der aktuellen
Intelligenztestung mit einem IQ von 65 sei die Validität der Befunde nicht gegeben und
das tatsächliche kognitive Leistungsniveau somit nicht abschätzbar (IV-act. 286-80 f.).
Die Beschwerdeführerin bemängelt die fehlende Kohärenz dieser Aussagen und
die nicht erfolgte Substantiierung der auf eine verminderte Leistungsbereitschaft
hindeutenden Aussagen. Dies dürfte im Zusammenhang mit dem als teilweise
willkürlichen Antwortverhalten gesehen werden, das die Gutachterin einleitend
beschrieb (IV-act. 286-76). Insgesamt lassen sich die Aussagen der
neuropsychologischen Gutachterin dahingehend verstehen, dass sie nicht den
Eindruck hatte, die Beschwerdeführerin wolle Ergebnisse verfälschen, sondern dass
diese die Aufgaben zu wenig ernst nahm beziehungsweise dazu motiviert werden
musste. So betrachtet erscheint die Unterscheidung zwischen Simulation und
Antwortverzerrung schlüssig. Nachvollziehbar ist auch, dass eine quantitative
Einschätzung neurokognitiver Einschränkungen nicht möglich war, auch wenn die
aufgezeigten Inkonsistenzen nicht bewusst oder absichtlich hervorgerufen wurden.
Folglich konnte die geltend gemachte verstärkte neuropsychologische Einschränkung
der Arbeitsunfähigkeit durch die psychiatrische Gutachterin nicht berücksichtigt
werden.
5.6.2.
Die psychiatrische Gutachterin führte aus, die Beschwerdeführerin sei in der Lage,
sich an alltägliche Regeln und Routine anzupassen. Manchmal reagiere sie impulsiv,
dies vor allem wenn sie sich ungerecht behandelt fühle. Trotz der Schwierigkeiten beim
Schreiben und Lesen sei sie in der Lage, die Administration zu erledigen und sich
entsprechend Hilfe zu suchen. In Begleitung könne sie sich frei bewegen und alle Dinge
des täglichen Bedarfs erledigen. Das soziale Leben sei auf den Partner zentriert. Die
Beschwerdeführerin habe selbständig Portugiesisch gelernt und lebe in einer stabilen
Partnerschaft. Wie aus den Akten hervorgehe, sei sie zuverlässig und pünktlich, zeige
Einsatzbereitschaft und erfasse die Aufgaben schnell (IV-act. 286-69). Sie attestierte
unverändert zum Vorgutachten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (IV-act. 286-69). Die
behandelnde psychiatrische Fachärztin des SPD begründete ihre Einschätzung einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit mit Einschränkungen der kognitiven Funktionen,
verminderter Belastbarkeit, Müdigkeit, starken Schmerzen und Immobilität (IV-
act. 205-4 f.). Im Arztbericht des Psychiatrie-Zentrums J._ vom 15. Oktober 2018
wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin werde seit dem 12. Juli 2017 (aufgrund
des Wohnortwechsels) in monatlichem Rhythmus mit bedarfsweise zusätzlichen
5.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/24
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ärztlichen Konsultationen ambulant behandelt. Der chronische Verlauf, die körperlichen
Beeinträchtigungen sowie das aktuelle klinische Bild und die Rückmeldungen der
Verantwortlichen auf dem zweiten Arbeitsmarkt sprächen für Einschränkungen
hinsichtlich der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, der Fähigkeit zur
Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit,
der Durchhaltefähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit und der Kontaktfähigkeit zu
Dritten. Aus diesen Gründen sei die Prognose für den ersten Arbeitsmarkt eher
ungünstig. Eine Tätigkeit im geschützten Rahmen scheine eher möglich (IV-act. 271).
Gegenüber dem Gutachten vom 7. Januar 2017 hatten sie sich insoweit kritisch
geäussert, als die psychischen und körperlichen Defizite nicht kumuliert und die
Persönlichkeitsstörung sowie die ca. zehnjährige Abhängigkeitserkrankung durch
Alkohol zuwenig beachtet worden seien (Schlussbericht Behandlung vom 29.2017
[richtig wohl: 29. Juni 2017], IV-act. 263-16 f.).
Zusammenfassend macht die Beschwerdeführerin eine Zunahme der
Einschränkungen geltend, die sich jedoch nicht durch Befunde objektivieren lässt.
Entgegen der Angaben der Beschwerdeführerin konnte die psychiatrische Gutachterin
keine Aufmerksamkeits-, Konzentrations- oder Merkstörungen während der
zweistündigen Untersuchung feststellen (siehe auch E. 5.4.1). Im Übrigen würde die
von der Beschwerdeführerin angebotene Befragung an den von der Fachperson
erhobenen Befunden nichts ändern. Die psychiatrische Gutachterin schildert
verständlich die dysfunktionalen Auswirkungen des Verhaltens des Ehemannes,
welcher die Selbstlimitierung und das Vermeidungsverhalten der Beschwerdeführerin
unterstütze (IV-act. 286-67 f.). Der Vergleich der Angaben zum Tagesablauf im
Vorgutachten (IV-act. 221-51 f.) und im Verlaufsgutachten (IV-act. 286-27, 61 f.) lassen
ebenfalls nicht auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes schliessen.
Sodann fällt auf, dass im Verlaufsgutachten im Gegensatz zum Vorgutachten mehr
Inkonsistenzen aufgeführt wurden. Die neuropsychologische Testung vom
2. November 2015 ergab eine durchschnittliche Intelligenz, eine deutliche
Leseschwäche, Schreiben sei nicht möglich, die selektive Aufmerksamkeit und die
Merkfähigkeit von Wörtern seien deutlich vermindert. Die Validitätsprüfung war
dannzumal unauffällig (IV-act. 221-62). Die psychiatrische Gutachterin begründete die
damalige Einschätzung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit mit der Agoraphobie und der
Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin (IV-act. 221-56), nicht aber mit
kognitiven Einschränkungen. Nachdem die neuropsychologische Testung im Rahmen
der Verlaufsbegutachtung nicht mehr valide war, ist diesbezüglich nicht von einer
Änderung auszugehen. Allerdings wurden die im neuropsychologischen Gutachten
festgestellten Beeinträchtigungen (Adaptionskriterien, IV-act. 286-83) in den Bereichen
5.8.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/24
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Lesen und Rechtschreibung auch im psychiatrischen Gutachten erhoben und fanden
Eingang in die Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Inkonsistenzen
wurden auch in der orthopädischen und neurologischen Verlaufsbegutachtung
festgestellt (vgl. E. 5.3). Sodann gab die Beschwerdeführerin an, dass sie aufgrund des
niedrigen Lohnes nicht bereit wäre, im zweiten Arbeitsmarkt tätig zu sein (IV-act. 286-9,
63), und die psychiatrische Gutachterin konstatierte keinen grossen Leidensdruck (IV-
act. 286-9).
5.9.
Im Konsens kamen die Gutachter überein, die somatisch und die psychiatrisch
begründeten Arbeitsunfähigkeiten würden sich nicht addieren (IV-act. 286-13). Die
Beschwerdeführerin lässt diesbezüglich vorbringen, die Arbeitsunfähigkeiten im
somatischen und im neuropsychologisch/psychiatrischen Bereich seien zu addieren,
weil die zunehmende Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit auch die
Fähigkeit herabsetze, die aus somatischer Sicht vorhandene 50%ige Leistungsfähigkeit
auszunutzen (act. G 8-8). Der abschliessenden, gesamthaften Beurteilung von
Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit kommt dann grosses Gewicht zu, wenn sie
auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der an der Begutachtung mitwirkenden
Fachärzte erfolgt. Häufig besteht kein Anlass, unter verschiedenen medizinischen Titeln
ausgewiesene Teilarbeitsunfähigkeiten zu kumulieren, da der Umfang der grössten
Teileinschränkung auch die weiteren Entlastungserfordernisse abdeckt. Selbst wenn
sich beispielsweise neben einer aus psychiatrischer Sicht eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit zusätzlich noch eine somatisch begründbare "quantitative"
Arbeitsunfähigkeit isoliert darstellen liesse, könnte daraus nicht ohne weiteres auf eine
Erhöhung der insgesamt, aus sämtlichen Beschwerden resultierenden
Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden. Ob sich die einzelnen aus mehreren
Behinderungen resultierenden Einschränkungsgrade summieren und in welchem
Masse, betrifft eine spezifisch medizinische Problematik und Einschätzung, von der
das Gericht grundsätzlich nicht abrückt (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Oktober
2020, 8C_483/2020, E. 4.1, mit weiteren Hinweisen).
5.9.1.
Bereits im Referenzgutachten wurde festgehalten, die somatisch und die
psychiatrisch begründeten Arbeitsunfähigkeiten seien nicht zu addieren (IV-
act. 221-68). Gegenüber diesem ist nach dem Gesagten keine massgebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten. Im Schlussbericht des SPD
vom 29.2017 (richtig wohl: 29. Juni 2017, IV-act. 263-16 f.) wird zwar moniert, dass die
Arbeitsunfähigkeiten nicht zusammengezählt worden seien; eine Begründung hierfür
5.9.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/24
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St.Galler Gerichte
6.
lässt sich dem Bericht jedoch nicht entnehmen. In diesem Zusammenhang ist
festzuhalten, dass im Revisionsverfahren nach Art. 17 ATSG nur seit dem
Referenzzeitpunkt eingetretene Änderungen massgeblich sind. Dass sich seit der
Referenzbegutachtung in objektiver Hinsicht neue Befunde ergeben hätten, welche
nunmehr eine Kumulation der Arbeitsunfähigkeiten begründen würden, ist nach dem
Gesagten weder den Berichten der behandelnden Ärzte noch dem Verlaufsgutachten
zu entnehmen. Insgesamt ist daher mit den Gutachtern von einer nach wie vor
50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Zusammenfassend lässt sich gegenüber
2016 weder im somatischen noch im psychischen Gesundheitszustand eine relevante
Veränderung erheben. Die Beschwerdeführerin hat unverändert Anspruch auf eine
halbe Rente.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten vollumfänglich
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
6.2.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung des Kantons St.
Gallen (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Die Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. In der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 4‘000.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 3‘200.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
6.3.
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
6.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 24/24
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