Decision ID: 201f1399-11df-46f1-bb63-20d383f9965f
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Karl Gehler, LL.M., Hanfländerstrasse 67,
Postfach 1539, 8640 Rapperswil SG,
gegen
Helsana Unfall AG, Postfach, 8081 Zürich Helsana,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Leistungspflicht
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war durch seine Tätigkeiten beim B._, und der
C._, bei der Helsana Versicherungen AG (nachfolgend: Helsana) unfallversichert, als
er laut Unfallmeldungen seiner Arbeitgeber am 14. April 2010 auf einer Treppe im B._
über einen Karton springen wollte, dabei stolperte und sich das rechte Fussgelenk
verdrehte/ verstauchte (Unfallmeldung der C._ vom 10. Mai 2010 [act. K1]) bzw. mit
dem rechten Fuss zuerst über den Karton sprang und diesen mit dem linken Fuss
verschob, worauf der Karton hinten auf den rechten Fuss, unterhalb des Schenkels, fiel
(undatierte Unfallmeldung des B._ [act. K2]). Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine
Medizin, bestätigte im Arztzeugnis vom 1. Juli 2010 eine Erstbehandlung am 16. April
2010 und diagnostizierte ein Hyperextensionstrauma am rechten Fuss mit
Achillessehnen- und Wadenmuskelzerrung. Er attestierte dem Versicherten zunächst
vom 15. bis 25. April 2010 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit, vom 26. April bis 15. Juni
2010 Arbeitsunfähigkeiten zwischen 70 und 50% und ab 16. Juni bis auf weiteres eine
40%-ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.1/4).
A.b In der Folge holte die Helsana eine Beurteilung ihres beratenden Arztes,
Dr. med. E._, Praktischer Arzt FMH, FA manuelle Medizin FMH, FA Vertrauensarzt
FMH (act. M5, M6), sowie Zwischenberichte des behandelnden Orthopäden, Dr. med.
F._, Orthopädische Chirurgie FMH, und von Dr. D._ ein (act. M7, M8). Dr. F._
legte zusätzlich das Ergebnis einer am 30. August 2010 im Rodiag Diagnostic Center
Fürstenland/Linth (nachfolgend: Rodiag Center), Rapperswil-Jona, durchgeführten
MRI-Untersuchung der rechten Achillessehne mit der Diagnose einer Tendinopathie/
Tendinitis der distalen Achillessehne ohne Hinweis auf eine Partialruptur bei (act. G
1.1/7 und 9). Im Weiteren hatte auch der Schadeninspektor der Helsana einen Bericht
über solche, am 1. und 5. Juli 2010 mit dem Vorgesetzten des B._ und dem
Versicherten geführte Gespräche eingereicht (act. K10). Am 21. Oktober 2010 lud die
Helsana den Versicherten zu einer konsiliarischen Untersuchung bei ihrem beratenden
Arzt Dr. med. G._, Spezialarzt für Orthopädie und Traumatologie, ein (act. K18). Die
Untersuchung erfolgte am 25. November 2010 und wurde durch eine am 3. Dezember
2010 ebenfalls im Rodiag Center durchgeführte MRI-Untersuchung des rechten
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Unterschenkels ergänzt (act. M9). Auf Ersuchen der Helsana nahm Dr. D._ am 29.
Januar 2011 zu den Ergebnissen der konsiliarischen und der MRI-Untersuchung
Stellung (act. K25, M12).
A.c Inzwischen hatte die Helsana den Schadenfall auch ihrem beratenden Arzt, Prof.
Dr. med. H._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, unterbreitet. Gestützt auf
dessen Beurteilung vom 27. Januar 2011 (act. M11) eröffnete sie dem Versicherten mit
Verfügung vom 9. Februar 2011, dass sie die gesetzlichen Leistungen nur noch bis 30.
November 2010 übernehme, da Behandlungen ab diesem Datum nicht mehr mit dem
Ereignis vom 14. April 2010 in Zusammenhang stünden. Nach dem 30. November 2010
bestehe kein Anspruch mehr auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung.
Auf eine Rückforderung der über dieses Datum hinaus erbrachten Leistungen werde
vorläufig verzichtet (act. K31).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertreten durch die CAP
Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: CAP), St. Gallen, am 8.
März 2011 Einsprache mit dem Antrag, die Verfügung sei aufzuheben und es seien ihm
bis auf weiteres Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung zu erbringen
(act. K43). Am 25. März 2011 reichte die CAP die Einsprachebegründung, zusammen
mit einem weiteren Bericht von Dr. D._ vom 11. März 2011, ein (K45).
B.b Im Einspracheentscheid vom 1. Juli 2011 hiess die Helsana die Einsprache in dem
Sinn gut, als der Zeitpunkt der Leistungseinstellung neu auf den 3. Dezember 2010
festgelegt wurde. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab (act. K47).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 1. Juli 2011 richtet sich die Beschwerde vom
5. September 2011. Der Beschwerdeführer beantragt darin, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. iur. K. Gehler LL.M., Rapperswil, dessen Aufhebung. Es seien ihm die
gesetzlichen Leistungen aus UVG (inklusive Taggelder) auf der Basis einer
Arbeitsunfähigkeit von 40% weiterhin, d.h. auch über den 30. November 2010 hinaus,
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zu erbringen. Die Beschwerdegegnerin sei sodann zu verpflichten, ihm MBT-Schuhe zu
finanzieren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 6. Oktober
2011 die Beschwerdeabweisung, soweit darauf einzutreten sei (act. G 3).
C.c In der Replik vom 15. November 2011 hält der Beschwerdeführer unverändert an
seinen Anträgen fest (act. G 8). Mit Duplik vom 5. Dezember 2011 bestätigt die
Beschwerdegegnerin ihrerseits den Antrag auf Abweisung der Beschwerde (act. G 10).
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die
rechtliche Voraussetzung des für eine Leistungspflicht des Unfallversicherers
erforderlichen Kausalszusammenhangs zwischen Unfall und in dessen Folge
eingetretener Gesundheitsschädigungen (Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]) zutreffend dar. Darauf ist zu verweisen. Im
weiteren ist festzuhalten, dass bei einmal gegebener Unfallkausalität die
Leistungspflicht des Unfallversicherers erst entfällt, wenn der Unfall nicht mehr die
Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur noch auf
unfallfremden Tatsachen beruht. Das Dahinfallen der kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender Auswirkungen des
Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage
handelt, liegt die Beweislast beim Unfallversicherer. Dabei muss nicht der Beweis für
unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes
Leiden hat, ob es Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder degenerative
Veränderung sind, ist unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der Unfallversicherer bei
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einmal bejahter Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde Ursachen nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag. Entscheidend ist allein, ob
unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahingefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b). Ebenso wenig
geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein
Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller
Gesundheit sei (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar
2007 sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. Dezember 2003, U
258/02, und vom 31. August 2001, U 285/00).
1.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten oder der Expertin begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder dessen Herkunft noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den Berichten
versicherungsinterner Ärzte kann rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert
beigemessen werden, sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311).
2.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin grundsätzlich ihre Leistungspflicht
bezüglich des Unfalls vom 14. April 2010 und erbrachte entsprechende
Versicherungsleistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen). Laut
Einspracheentscheid vom 1. Juli 2011 erachtet sie jedoch die Kausalität zwischen den
fortdauernd geklagten Beschwerden im Bereich der rechten Achillessehne und der
rechten Wade (vgl. dazu act. K45) und dem erlittenen Unfall lediglich bis 3. Dezember
2010 als gegeben und stellte demnach ihre Leistungen per diesem Datum ein. Streitig
ist, ob die vorgenannte Leistungseinstellung zu Recht erfolgte. Diese Frage wird von
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der Beschwerdegegnerin hauptsächlich gestützt auf die Beurteilung ihres beratenden
Arztes Prof. H._ bejaht (act. M11). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht
demgegenüber geltend, aufgrund der Berichte von Dr. D._ sei von einer über den
Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinausgehenden Unfallkausalität auszugehen. Im
Folgenden sind deshalb die verschiedenen ärztlichen Beurteilungen zu würdigen.
3.
3.1 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion als objektvierbares Korrelat verlangt. Als objektiviert gilt eine solche
Läsion, wenn sie durch einen entsprechenden radiologischen Untersuchungsbefund
erhoben wird. Weder im Rahmen der im Rodiag Center am 30. August 2010
durchgeführten MRI-Untersuchung der rechten Achillessehne noch im MRI des rechten
Unterschenkels auf Höhe des Schmerzareals im mittleren Unterschenkelbereich rechts
vom 3. Dezember 2010 ergaben sich Hinweise auf eine Partialruptur der Sehne oder
einen Status nach Muskelriss. Die Darstellungen waren diesbezüglich regelrecht.
Hingegen zeigte sich im Bereich der distalen Achillessehne als eindeutiges organisches
Substrat eine Tendinopathie/Tendinitis (act. G 1.1/3 und 9, act. M9, act. M10). Die
Ärzte sowie die Verfahrensparteien setzten sich insofern im Wesentlichen mit der Frage
auseinander, ob die Tendinitis mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit durch den Unfall vom 14. April 2010 verursacht wurde, diskutierten
aber auch das Vorliegen fortdauernder Unfallrestfolgen im Bereich der rechten Wade.
3.2 Prof. H._ spricht im Zusammenhang mit der Tendinitis von einer Achillodynie -
einem Schmerzsyndrom bzw. -zustand im Bereich der Achillessehne infolge der
Tendinitis (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch 2011, 262. Aufl., Berlin 2010, S.
14). Eine Kausalität der Achillodynie sowie der Beschwerden im Bereich der rechten
Wade zum Unfallereignis erachtet er lediglich als möglich, womit den
Beweisanforderungen im Sozialversicherungsrecht nicht Genüge getan wäre (vgl. dazu
Th. Locher, a.a.O., S. 451 f.). Laut Prof. H._ konnte zu keinem Zeitpunkt eine
Traumadiagnose bzw. ein eindeutiger posttraumatischer Befund gestellt werden; auch
nicht im MRI des rechten Unterschenkels vom 3. Dezember 2010. Für eine banale
Kontusion der Wade müsste der Heilungsverlauf längst abgeschlossen sein, ohne
persistierende Beschwerden. Während die Achillodynie allgemein keine
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Traumadiagnose, sondern einen unfallfremden Faktor darstelle, sei in Bezug auf die
rechte Wade von einer vorübergehenden Verschlimmerung auszugehen. Der Status
quo sine bzw. ante sei jedoch spätestens per 3. Dezember 2010 erreicht worden. Das
MRI des rechten Unterschenkels weise keine pathologischen Befunde mehr auf.
Ansonsten, d.h. auch was den Unfallhergang betreffe, verweise er auf den
Konsiliarbericht von Dr. G._ vom 20. Dezember 2010. Dr. G._ hält anamnestisch
fest, dass der Beschwerdeführer im November 2006 eine Distorsion (Hyperextension)
am rechten oberen Sprunggelenk [OSG] durch Ausrutschen in einem Tiefkühlraum mit
nachfolgender konservativer Behandlung mit Physiotherapie und mühsamem Verlauf
erlitten habe. Anfänglich habe die Arbeit nur zu 50% aufgenommen werden können. Ab
2008 sei die Arbeit im Restaurant zu 70% und bei einem Pizzakurier zu 30% möglich
gewesen. Am 14. April 2010 sei der Beschwerdeführer beim Überspringen eines
Stapels von mit Siruptüten gefüllten Kartonschachteln gestolpert, worauf einer davon
gestürzt sei und den rechten Unterschenkel von lateral-hinten getroffen habe. Nach
eigenen Angaben sei er aber nicht gestürzt. Leichte, vorbestehende Schmerzen (2-3
auf einer Schmerz-Analog-Skala von 0-10) hätten sich auf 5-6 verstärkt. Als Befunde
erhob Dr. G._ anlässlich der Untersuchung vom 25. November 2010 insbesondere
eine deutliche Druckdolenz und eine leichte Verhärtung im Bereich des medialen
Gastrocnemius an der Wade rechts. Links waren die Weichteile in diesem Bereich
weicher. Die Achillessehne inklusive Ansatz am Calcaneus beidseits war palpatorisch
unauffällig, rechts ca. 4 cm oberhalb des Ansatzes druckdolent. Krepitationen zeigten
sich bei Bewegungen oder bei Palpation keine. Die Bewegungen im OSG und unteren
Sprunggelenk (USG) sowie im Mittel- und Vorfuss waren symmetrisch gut. Die
Durchblutung und Sensibilität war beidseits erhalten. Die Reflexe waren gut auslösbar,
die Kraft symmetrisch gut, rechts jedoch bei Plantarflexion gegen Widerstand im
Wadenbereich schmerzhaft. Dr. G._ hielt sodann in der Beurteilung anhaltende,
chronifizierte Wadenschmerzen trotz ausgiebiger Therapie bei Status nach Trauma im
Jahr 2006 und im April 2010 fest. Der Unfallmechanismus passe nicht zu einem
Problem an der distalen Achillessehne, wohl aber zu den Muskelbeschwerden bei
klinisch nachvollziehbarer Verspannung im medialen Gastrocnemius. Andererseits
seien das MRI des rechten Unterschenkels vom 3. Dezember 2010 und dasjenige vom
24. Oktober 2009 bis auf minime Reizerscheinungen an der Achillessehne unmittelbar
am Ansatz am Calcaneus unauffällig. Es bestehe somit eine Diskrepanz zwischen den
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starken subjektiven Beschwerden und den bescheidenen Befunden. Mit den
subjektiven Beschwerden sei eine volle Arbeitsfähigkeit aus Sicht des
Beschwerdeführers verständlicherweise kaum realisierbar, bei fehlendem Korrelat im
MRI und bei geringen klinischen Befunden allerdings schwer nachvollziehbar. Die
Arbeitsfähigkeit sollte schrittweise gesteigert werden mit dem Ziel der vollen
Arbeitsfähigkeit bis Ende März 2011 (act. M10).
3.3 Prof. H._ und Dr. G._ stellen in ihren Beurteilungen auf die medizinischen
Akten sowie die Erkenntnisse in der medizinischen Literatur ab, aber insbesondere
auch auf Beurteilungskriterien für die Bestimmung der Ursächlichkeit eines
Gesundheitsschadens, d.h. den Unfallmechanismus, die Unfalldiagnosen und
erhobenen Befunde sowie das Bestehen von Vorzuständen. Ihre Beurteilungen stehen
zudem mit derjenigen von Dr. E._ im Einklang. Die Einschätzung von Dr. D._, auf
welche sich der Beschwerdeführer beruft, vermag hingegen nicht mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu überzeugen.
3.4 Richtungweisend ist zunächst, dass sowohl Prof. H._ als auch Dr. G._ die
Tendinitis bzw. Achillodynie - als einzige im konkreten Fall radiologisch objektivierte
Gesundheitsschädigung - offensichtlich nicht als Traumadiagnose betrachten. Dr.
G._ bekundet dies damit, dass er den Unfallmechanismus als unpassend für ein
Problem an der distalen Achillessehne bezeichnet. Auch in der medizinischen Literatur
wird als Ursache für eine Tendinitis der Achillessehne bzw. Achillodynie
übereinstimmend eine chronische Überbeanspruchung, beispielsweise durch
sportliche Aktivitäten, angeführt. Die Achillodynie als Folge eines Traumas wird nicht
beschrieben (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 14, S. 2042 ["Tendopathie"]; Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 751; Das MSD
Manual, 6. Aufl. München 2000, S. 615; Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl. Müchen 2003,
S. 13, 1808; http://gelenk-doktor.de/sprung-gelenk/achillodynie, Abfrage vom 26. April
2012; M. Wünnemann, D. Rosenbaum: Chronische Tendinopathie der Achillessehne -
ein multifaktorielles Beschwerdebild in: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, Jahrgang
60, Nr. 11 [2009]). Wenn demgegenüber Dr. D._ die chronischen Beschwerden im
Bereich der distalen Achillessehne - im MRI als Tendinopathie resp. Tendinitis
dargestellt - insofern als Unfallfolge deutet, als diese im fraglichen Bereich auch
tatsächlich nach dem Unfall aufgetreten seien (act. K45), argumentiert er mit dem
http://gelenk-doktor.de/sprung-gelenk/achillodynie
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zeitlichen Aspekt. Dieser allein besitzt jedoch keine wissenschaftlich genügende
Erklärungskraft. Andernfalls würde man sich mit dem blossen Anschein des Beweises
bzw. mit der blossen Möglichkeit begnügen und davon ausgehen, dass eine
gesundheitliche Schädigung schon dann eine Unfallfolge oder unfallähnliche
Körperschädigung wäre, wenn sie nach einem Unfall bzw. einem unfallähnlichen
Ereignis auftrat. Der von Dr. F._ verwendete Begriff "postkontusionelle Achillodynie"
vermag juristisch gesehen ebenfalls nichts über eine allfällige Unfallkausalität
auszusagen, sondern drückt ebenso nur aus, dass gewisse Beschwerden nach einem
Unfall aufgetreten sind (Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2.
Aufl. Bern 1989, S. 460 N 1205; BGE 119 V 340 E. 2b/bb).
3.5 Die Argumentation von Dr. D._, die chronischen Beschwerden seien unfallkausal,
weil sie unmittelbar nach dem Unfall aufgetreten seien, lässt sodann ausser Acht, dass
es sich bei der Tendinitis - wie in Erwägung 3.4 dargelegt - wenn überhaupt nur um
eine indirekte bzw. sekundäre Unfallfolge handeln kann. Nachdem eine Achillodynie
unter anderem auch als Folge einer Fehlstellung des Fusses auftreten kann, erscheint
die Annahme einer indirekten Unfallkausalität, d.h. Fehlbelastung/Überbelastung als
Folge einer traumatischen Läsion zumindest nicht abwegig. Daraus folgt jedoch, dass
unmittelbar nach dem Unfall beim Beschwerdeführer noch keine im Zusammenhang
mit einer Tendinitis stehenden Beschwerden vorliegen konnten. Die weiteren
Ausführungen von Dr. D._ in Bezug auf die chronischen Beschwerden im Bereich der
Achillessehne lassen denn auch einen sekundären Gesundheitsschaden annehmen. So
hält er weiter fest, dass es durch die ungünstige Belastung immer wieder zu Irritationen
komme, weshalb sich der Befund hartnäckig chronifiziert habe.
Für die Kausalitätsbeurteilung nachfolgend aufgetretener Gesundheitsschäden bildet
die bei einem Unfall erlittene Verletzung mit ihren Beschwerden den massgebenden
Ausgangspunkt. So hängt die Entwicklung einer sekundären Unfallfolge häufig von der
Schwere oder Heilungsdauer der primären Unfallverletzung ab. Laut Ausführungen in
Erwägung 3.1 sind jedoch im konkreten Fall primäre unfallspezifische strukturelle
Gesundheitsschäden auszuschliessen. Weder die MRI-Untersuchung der rechten
Achillessehne noch diejenige der rechten Wade haben ergeben, dass der
Beschwerdeführer am 14. April 2010 eine schwerere Sehnen- oder Muskelverletzung
erlitten hätte. Verbunden mit dieser Sachlage erscheint jedoch auch eine indirekte
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Unfallfolge in Form einer Tendinitis bzw. Achillodynie nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Gleichermassen muss auch, was die klinisch
feststellbaren Verspannungen der Wadenmuskulatur angeht - von Dr. D._ in seinem
Bericht vom 29. Januar 2011 (act. M12) als konsekutiv auftretendes Beschwerdebild
unter der alltäglichen Belastung und damit ebenfalls im Sinne einer Überbelastung bei
Fehlbelastung erfolgt bezeichnet -, eine indirekte Unfallkausalität verneint werden.
Verhärtungen und Verspannungen der Wadenmuskulatur sind für sich allein nicht als
organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen zu betrachten (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008, 8C_124/08, sowie vom 7. Februar 2008, U
13/07, E. 3.2 und 3.3).
3.6
3.6.1 Die von Dr. D._ echtzeitlich gestellten Diagnosen eines Status nach
Hyperextensionstrauma des OSG rechts und einer Achillessehnenzerrung (act. M8)
sowie die von Prof. Engelhard erwähnte Kontusionsverletzung der rechten Wade (act.
M11) vermögen - wie von Prof. H._ in seiner Beurteilung vom 27. Januar 2011
angenommen - keine fortdauernde bzw. über den 3. Dezember 2010 (Zeitpunkt der
Leistungseinstellung; rund siebeneinhalt Monate nach dem Unfall) hinaus gehende
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zu begründen. Mit dem an diesem Tag
vorliegenden Ergebnis der MRI-Untersuchung des rechten Unterschenkels stand
objektiv fest, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Unfalls vom 14. April 2010
keine strukturelle Verletzung erlitten hatte (act. G 1.1/3, M9). Es entspricht einer
medizinischen Erfahrungstatsache, dass Prellungen (Kontusionen), Verstauchungen
oder Zerrungen (Distorsionen) ohne strukturelle Läsionen normalerweise innert kurzer
Zeit, in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens nach einem Jahr abheilen
und sich die damit verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbilden. Dieser
medizinische Erfahrungssatz darf im Rahmen des Wahrscheinlichkeitsbeweises
berücksichtigt werden. Medizinische Erfahrungssätze beziehen sich auf den Regelfall,
d.h. auf medizinische Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich dargestellt haben.
Eine Ausnahme von der Regel ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie
sich eben als solche präsentieren. Entsprechend den vorstehenden Ausführungen
erklärte Dr. G._ eine Arbeitsunfähigkeit dann als ausgewiesen, wenn sich anlässlich
der MRI-Untersuchung der rechten Wade ein Muskelriss zeigen würde (act. K24). Ein
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solcher konnte, wie bereits erwähnt, nicht erhoben werden. Im vorliegenden Fall liegen
demnach keine Hinweise für einen Ausnahmefall vor. So bezeichnete auch Dr. D._
die Verletzungen infolge des Unfalls vom 14. April 2010 als leicht, höchstens
mittelschwer (act. K45). Dr. G._ benannte die von ihm erhobenen Befunde (vgl.
Erwägung 3.2; act. M10) als bescheiden und von den starken subjektiven
Beschwerden divergierend. Seine Aussage, der Unfallmechanismus passe zu den
Muskelbeschwerden bei klinisch nachvollziehbarer Verspannung im medialen
Gastrocnemius (act. M10), ist sodann als blosser Hinweis auf eine anfängliche
Kausalität der fraglichen Beschwerden im Zusammenhang mit der beim Unfall erfolgten
Wadenkontusion zu betrachten, nicht jedoch als solcher für eine fortdauernde
Unfallkausalität. In Bezug auf den vorliegenden Fall ist im Übrigen zu beachten, dass
der Beschwerdeführer gemäss MRI-Untersuchung vom 24. Oktober 2009 bereits vor
dem Unfall vom 14. April 2010 Reizzeichen medial am Ansatz der Achillessehne und
am muskulo-tendinösen Übergang und damit einen identischen Gesundheitsschaden
gezeigt hat (act. M10). Der Beschwerdeführer litt also unter einem Vorzustand, der
bereits für sich allein betrachtet und ohne zusätzliche Unfalleinwirkung die heutigen
Beschwerden zu erklären vermag.
3.6.2 Die Stellungnahme von Dr. E._ vom 6. September 2010 festigt diese
Beurteilung (act. M6). Seine Einschätzung erfolgte ohne Einbezug radiologischer Unter
suchungsergebnisse, weshalb er sie unter dem Vorbehalt formulierte, dass der
Beschwerdeführer keine schwerere Verletzung erlitten habe. In Bezug auf eine
Distorsion resp. Muskelzerrung hielt er jedoch fest, dass der Heilverlauf als sehr stark
prothrahiert bezeichnet werden müsse. Unterdessen seien fast fünf Monate seit dem
Unfallereignis vergangen und der Beschwerdeführer sei offensichtlich immer noch nicht
voll arbeitsfähig. Eine solche Arbeitsfähigkeitsdauer wegen einer Distorsion resp.
Muskelzerrung im Bereich der Wade sei aussergewöhnlich lang. Die Frage, ob die
objektiven Befunde und subjektiven Angaben des Beschwerdeführers übereinstimmen
würden, beantwortete Dr. E._ aufgrund des protrahierten Verlaufs mit eher nein. Er
habe Schwierigkeiten sich vorzustellen, dass der Beschwerdeführer immer noch
wesentliche Beschwerden im Fuss haben könne. Es sei denn, dass die Diagnose nicht
stimmen würde oder dass zusätzliche Verletzungen, welche vom Hausarzt bisher noch
nicht diagnostiziert worden seien, vorliegen würden. Dem Beschwerdeführer könne rein
von der Zeit her seit dem Unfallereignis die volle Arbeitsfähigkeit zugemutet werden. Es
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stelle sich aber die Frage, ob die vom Hausarzt gestellte Diagnose ausreichend sei.
Vorstellbar wären z.B. ein Knorpelschaden oder eine effektive Läsion der
Achillessehne. Aus der Entfernung betrachtet, sei die jetzt noch attestierte
Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar. Entweder sei die Diagnose nicht vollständig
oder es handle sich um unfallfremde psychosoziale Faktoren, welche die
Arbeitsunfähigkeit verlängern würden.
Nachdem der von Dr. E._ angeführte Vorbehalt bzw. die Eventualtät einer
schwereren Verletzung, beispielsweise eines Muskel- oder Sehnenrisses, mit der MRI-
Untersuchung des rechten Unterschenkels und zuvor mit der MRI-Untersuchung der
rechten Achillessehne ausgeschlossen werden konnte, ist auch gestützt auf seine
Beurteilung vom Erreichen des Status quo sine auszugehen. Die von Dr. G._
gemachten Ausführungen stimmen schliesslich mit denjenigen von Dr. E._ insofern
überein, als auch er auf die Diskrepanz zwischen den starken subjektiven Beschwerden
und den bescheidenen Befunden verweist. Mit den subjektiven Beschwerden sei eine
volle Arbeitsfähigkeit aus Sicht des Beschwerdeführers verständlicherweise kaum
realisierbar, bei fehlendem Korrelat im MRI und bei geringen klinischen Befunden
allerdings schwer nachvollziehbar (act. M10).
3.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Nachweis für das Dahinfallen der
Kausalität zwischen dem Unfall vom 14. April 2010 und den im Bereich der rechten
Achillessehne und der rechten Wade geklagten Beschwerden ab 3. Dezember 2010 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan ist. Die Einstellung der Leistungen erweist
sich damit als gerechtfertigt.
4.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers lässt in der Beschwerdeeingabe vom
5. September 2011 die Finanzierung von MBT-Schuhen bzw. die Kostenbeteiligung der
Beschwerdegegnerin an einem Hilfsmittel beantragten (Art. 11 UVG). Die
Beschwerdegegnerin macht in der Beschwerdeantwort vom 6. Oktober 2011 zu Recht
geltend, dass die Finanzierung von MBT-Schuhen nicht Gegenstand der Verfügung
vom 9. Februar 2011 und auch nicht Gegenstand des Einspracheverfahrens gewesen
sei. Die damalige Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers habe diesbezüglich keinen
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Antrag gestellt. Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 1. Juli 2011, mit dem die Beschwerdegegnerin einzig über
die Einstellung der ursprünglich ausgerichteten Leistungen, d.h. Heilkosten- und
Taggeldleistungen, per 3. Dezember 2010 entschied. Die Frage der Übernahme von
Hilfsmittelkosten wurde - wie bereits erwähnt - in der Beschwerdeeingabe erstmals
angesprochen. Auf diese Frage kann demnach auch im vorliegenden Verfahren nicht
eingetreten werden, da im Beschwerdeverfahren lediglich Leistungsansprüche geprüft
werden können, zu welchen die Vorinstanz im Einspracheentscheid und in der
vorangehenden Verfügung Stellung genommen hat (BGE 125 V 413). In der Duplik vom
5. Dezember 2011 merkte die Beschwerdegegnerin indessen an, dass es dem
Beschwerdeführer anheimgestellt sei, in der fraglichen Angelegenheit ein
entsprechendes Gesuch zu stellen. Der Umstand, dass eine Therapie mittels MBT-
Schuhen bereits früher von den Ärzten empfohlen worden ist, vermag an obgenannter
Beurteilung nichts zu ändern, sondern ist allenfalls in die konkrete Beurteilung einer
allfälligen Kostenübernahmepflicht von der Beschwerdegegnerin miteinzubeziehen.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 1. Juli 2011 abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
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