Decision ID: 5942e407-7264-55be-b4d4-1cc5b55073c7
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich nach erfolgter Früherfassung (Gesprächsprotokoll
Früherfassung vom 30. Mai 2012, IV-act. 9) am 31. Mai 2012 erstmals bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Als gesundheitliche
Beeinträchtigung wurden Einschränkungen beim Heben und Tragen, der Beweglichkeit
und Schmerzen nach dreimaliger Schulteroperation angegeben (IV-act. 11).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 29. Januar 2014 durch die
Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) polydisziplinär (allgemeininternistisch,
psychiatrisch, rheumatologisch, neurologisch) begutachtet (Gutachten vom 18. März
2014). Die Gutachter diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein
Funktions- und Belastungsdefizit der linken Schulter (ICD-10: M75.8; mit/bei Status
nach arthroskopischer Bursektomie, Acromioplastik, AC-Gelenksresektion,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bizepstenotomie und Débridement Tuberculum minus und SSC am 21.08.2006, Status
nach offener Rotatorenmanschettenrekonstruktion [SSC], AC-Gelenksresektion und
Bursektomie am 25.08.20011, Status nach arthroskopischer Refixation
Subscapularissehne links am 16.02.2012, Impingement-Test positiv, klinisch keine
Hinweise für Rotatorenmanschettenläsion, sonographisch 04/13 Tendinopathie der
Subscapularis- und Supraspinatussehne), ein chronisches zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10: M53.1; mit/bei Dysbalancen der Schultergürtelmuskulatur,
klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik, radiologisch Osteochondrose und
Unkovertebralarthrose C5/6, mehrsegmentale moderate zervikale osteodiskale
Degenerationen mit pansegmentalen Diskushernien und konsekutiv höhergradiger
Spinalkanastenose C5/6 sowie osteodiskal bedingter foraminaler Kompression der
Nervenwurzel C4 rechts, C6 und C7 links [MRI 05/2013]) sowie belastungsabhängige
Coxalgien bds. (ICD-10: M16.9; moderate Hüftdysplasie mit leichter sekundärer
Coxarthrose bds. [MRI 04/2013]; IV-act. 71-21). Für eine körperlich mittelschwere oder
schwere Tätigkeit bestehe aufgrund der objektivierbaren Befunde eine
Arbeitsunfähigkeit. Für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten, ohne Arbeiten über dem
Kopf, ohne Tätigkeiten mit dem linken Arm über der Horizontalen, ohne
ausschliessliche Geh- oder Stehbelastung und ohne regelmässige Tätigkeiten in
kniender oder hockender Haltung bestehe hingegen eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 71-22 f.).
A.c Am 11. April 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, das Leistungsbegehren
auf berufliche Massnahmen werde abgewiesen (IV-act. 75). Mit Verfügung vom 26. Juni
2014 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab (Invaliditätsgrad 0 %, IV-act. 82).
B.
B.a Der Versicherte meldete sich am 8. Juni 2015 unter Hinweis auf verschiedene
degenerative Veränderungen am Skelettapparat erneut bei der IV zum Leistungsbezug
an (IV-act. 87). Mit Vorbescheid vom 10. Juli 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
die Absicht mit, auf das neue Leistungsbegehren nicht einzutreten (IV-act. 93).
B.b Gemäss Bericht von Dr.med. B._, Orthopädie C._, vom 9. September 2015,
war der Versicherte am 5. August 2015 gestürzt; es wurde eine frische
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Subscapularisfraktur rechts, Instabilität lange Bicepssehne bei Pulley-Defekt und eine
Partialläsion Supraspinatus rechts, diagnostiziert (IV-act. 97-15 f.). Am 11. September
2015 wurde die Verletzung operativ versorgt (Arthroskopie, arthroskopisch
subacrominale Dekompression, offene Revision, Tenodese Bizeps und Rekonstruktion
Subscapularis rechts [Operationsbericht, IV-act. 97-17; Austrittsbericht Orthopädie
C._ vom 15. September 2015, IV-act. 97-19]).
B.c Der Versicherte liess am 30. September 2015 gegen den Vorbescheid vom 10. Juli
2015 Einwand erheben. Die letzte materielle Prüfung des Sachverhalts sei mit der
polydisziplinären Untersuchung im ABI am 29. Januar 2014 erfolgt. Dabei sei jedoch
keine orthopädische Begutachtung vorgenommen worden. Die Neuanmeldung sei rund
2,5 Jahre nach der letzten orthopädischen Untersuchung (Bericht vom 8. Januar 2013)
erfolgt. Aufgrund der neuen Problematik der rechten Schulter und der geänderten
Rechtsprechung (des Bundesgerichts; Aufgabe der Überwindbarkeitspraxis) sei auf die
Wiederanmeldung einzutreten (IV-act. 97-1 ff.).
B.d Dr. B._ berichtete am 14. Januar 2016 zuhanden Dr.med. D._, Praktische
Ärztin FMH, im rechten (Schulter-) Bereich erfolge nochmals eine Serie Physiotherapie.
Im Moment sei eine schwere manuelle Tätigkeit, wie sie der Versicherte als Schreiner
ausgeübt habe, noch nicht möglich. Eine leichte Arbeit dürfte spätestens ab Ende
Februar machbar sein (IV-act. 102). RAD-Ärztin Dr.med. E._, Praktische Ärztin FMH,
nahm am 29. Februar 2016 Stellung, ab März 2016 könne von einem abgeschlossenen
Heilungsverlauf und einem stabilen Gesundheitszustand ausgegangen werden. Es liege
wieder eine volle adaptierte Arbeitsfähigkeit vor (IV-act. 103).
B.e Mit Mitteilung vom 8. März 2016 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen ab. Mangels gesundheitsbedingter Einschränkung bei der
Stellensuche sei das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig (IV-act.
106). Mit Vorbescheid vom 9. März 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (Invaliditätsgrad 0 %; IV-act. 110).
B.f Mit Einwand vom 14. April 2016 betreffend Mitteilung vom 8. März 2016 und
Vorbescheid vom 9. März 2016 liess der Versicherte vorbringen, das ABI-Gutachten
vom 18. März 2014 enthalte (noch) kein strukturiertes Beweisverfahren. Das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
funktionelle Leistungsvermögen sei nicht umfassend abgeklärt worden. Dazu habe sich
die Schmerzproblematik nach dem Sturz des Versicherten auf die rechte Schulter
verschärft. Das ABI-Gutachten sei demnach im Sinne der neuen Rechtsprechung zu
ergänzen. Der Invaliditätsgrad betrage 27 %, womit auch eine Umschulung in Betracht
falle. Der Versicherte habe Anspruch auf Berufsberatung, Umschulung,
Arbeitsvermittlung und Arbeitsversuch (IV-act. 111).
B.g Mit Verfügung vom 11. Juni 2016 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab.
Bezüglich des Valideneinkommens werde auf das vor Eintritt eines
Gesundheitsschadens erzielte Einkommen abgestellt. Aufgrund der medizinischen
Stellungnahme (des RAD vom 27. Mai 2016, IV-act. 112) sei weiterhin "angestammt
und adaptiert" von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Damit sei das RAV für die
Arbeitsvermittlung zuständig. Auf die abweisende Mitteilung bezüglich beruflicher
Massnahmen sei nicht reagiert worden (IV-act. 113). Mit Eingabe vom 14. Juni 2016
ersuchte der Versicherte (nochmals) um Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung
betreffend berufliche Massnahmen (IV-act. 114).
B.h Mit Verfügung vom 21. Juni 2016 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen ab. Auf aktive Stellenvermittlung bestehe Anspruch, wenn
gesundheitsbedingte Einschränkungen die Stellensuche (z.B. Führen eines
Vorstellungsgesprächs) beeinträchtigten. Eine solche gesundheitsbedingte
Einschränkung liege nicht vor. Deshalb sei für die Unterstützung bei der Stellensuche
das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig (IV-act. 115).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 21. Juni 2016 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwältin MLaw HSG M. Benz, am 23. August 2016 Beschwerde erheben. Die
angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und
es seien ihm berufliche Massnahmen zu gewähren. Eventualiter sei die Angelegenheit
zur Prüfung beruflicher Massnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Unter Berücksichtigung einer Parallelisierung im Umfang von 7 % und eines
Leidensabzugs von 20 % resultierten ein Valideneinkommen von Fr. 62'400.--, ein
Invalideneinkommen von Fr. 45'434.-- und ein Invaliditätsgrad von 27 %. Der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer habe somit Anspruch auf verschiedene berufliche Massnahmen,
und auch eine Umschulung falle nicht ausser Betracht (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. November 2016 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Vorliegend sei lediglich die
Verfügung betreffend berufliche Massnahmen angefochten, nicht jedoch die
abweisende Rentenverfügung. Der Einkommensvergleich sei in der Rentenverfügung
vom 11. Juni 2016 rechtskräftig festgesetzt worden. Daher könne er nicht
Streitgegenstand dieses Verfahrens bilden. Zur Begründung des Anspruchs auf
Arbeitsvermittlung bedürfe es gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zusätzlich
einer spezifischen Einschränkung gesundheitlicher Art, wenn die Arbeitsfähigkeit einzig
insoweit betroffen sei, als der versicherten Person nur leichte Tätigkeiten voll zumutbar
seien. Die leistungsspezifische Invalidität liege vor, wenn die Behinderung Probleme bei
der Stellensuche verursache. Eine solche spezifische Einschränkung liege beim
Beschwerdeführer nicht vor. Er habe somit keinen Anspruch auf Arbeitsvermittlung.
Gemäss Einkommensvergleich in der Verfügung vom 11. Juni 2016 erleide der
Beschwerdeführer keine Erwerbseinbusse und somit liege ein Invaliditätsgrad von 0 %
vor. Er erreiche die 20 %ige Erwerbseinbusse nicht, welche eine Voraussetzung zur
Gewährung der Umschulung wäre. Zudem sei er als Hilfsarbeiter zu qualifizieren,
weshalb eine Umschulung unverhältnismässig wäre (act. G 7).
C.c In seiner Replik vom 31. Januar 2017 lässt der Beschwerdeführer ausführen, die
Rechtskraft der Verfügung über die Rentenleistungen habe keine bindende Wirkung auf
die Verfügung über die beruflichen Massnahmen; in Bezug auf die Verfügung über die
beruflichen Massnahmen könne der Einkommensvergleich der Rentenverfügung vom
Gericht korrigiert werden. Die besonderen Probleme bei der Stellensuche lägen
vorliegend darin, dass der Beschwerdeführer für eine neue und leichtere Arbeit die
Branche wechseln müsse. Anspruch auf Arbeitsvermittlung durch die IV hätten auch
Hilfsarbeiter, die in einer angepassten Hilfstätigkeit noch voll arbeitsfähig seien. Zudem
sei die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht nur insoweit betroffen, als ihm nur
leichte Tätigkeiten voll zumutbar seien. Bei ihm bestehe grundsätzlich eine verminderte
Leistungsfähigkeit mit vielerlei Einschränkungen. Er sei beim RAV schon lange
ausgesteuert und erhalte vom RAV auch keine Unterstützung in Form eines
Arbeitstrainings. Die Verhältnismässigkeit einer beruflichen Massnahme sei ebenfalls
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gegeben. Es handle sich nicht um eine jahrelange Umschulung, welche die IV zu
übernehmen habe. Er benötige jedoch tatkräftige Unterstützung in Form eines
Arbeitstrainings oder eines Arbeitsversuchs, um in einem neuen Tätigkeitsgebiet Fuss
zu fassen (act. G 13).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 15).

Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer leidet unter den Folgen beidseitiger Schulterverletzungen sowie
unter Hüftbeschwerden (Coxalgien zufolge Hüftdysplasie mit sekundärer Coxarthrose).
Er verfügt nach eigenen Angaben über keine berufliche Ausbildung (IV-act. 11-4) und
arbeitete von April 1991 bis 23. August 2011 als Schreinereimitarbeiter (IV-act. 22-2).
Nachdem ein Umplatzierungsversuch bei der bisherigen Arbeitgeberin scheiterte,
kündigte diese das Arbeitsverhältnis auf den 30. September 2012 (Ergebnisprotokoll
nach Assessmentgespräch vom 29. November 2012, IV-act. 38; IV-act. 22-6).
Umstritten ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen,
insbesondere auf Berufsberatung, Umschulung, Arbeitsvermittlung und Arbeitsversuch.
In Bezug auf die Umschulung sind sich die Parteien uneins, ob der in der rechtskräftig
gewordenen Rentenverfügung vom 11. Juni 2016 (IV-act. 113) ermittelte
Invaliditätsgrad von 0 % für den im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden Anspruch
bindende Wirkung entfaltet.
2.
Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) bedrohte Versicherte Anspruch
auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a), und die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen u.a. in Massnahmen beruflicher Art:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
sowie Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG). Der Begriff der Invalidität im
eingliederungsrechtlichen Sinne lässt sich nicht allgemein definieren, sondern nur unter
dem Gesichtswinkel des zur Beurteilung anstehenden Leistungsanspruchs von Art. 12
ff. IVG (U. MEYER / M. REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl.,
Zürich 2014, Art. 8 N 13). Geeignet kann eine Eingliederungsmassnahme nur sein,
wenn die betroffene Person - bezogen auf die jeweilige Massnahme - selber
wenigstens teilweise objektiv eingliederungsfähig und subjektiv eingliederungsbereit ist
(objektive und subjektive Eingliederungsfähigkeit [S. BUCHER, Eingliederungsrecht der
Invalidenversicherung, Bern 2011, N 124, mit Verweisen auf die Rechtsprechung]). Die
Massnahme als solche muss erforderlich und notwendig sein (BUCHER, a.a.O., N 127).
3.
3.1 Die versicherte Person hat Anspruch auf Umschulung auf eine neue
Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch
die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs.
1 IVG). Zunächst setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte
Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten
und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von
etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 139 V 403
E. 5.3; BGE 130 V 489 f., E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2015,
9C_511/2015, E. 3). Abweichungen rechtfertigen sich namentlich, wenn mit der
Umschulung günstigere erwerbliche Aussichten bestehen als ohne bzw. in einer
Hilfsarbeitertätigkeit; die voraussichtlich künftige Entwicklung der
Erwerbsmöglichkeiten ist somit von Bedeutung (vgl. dazu BUCHER, a.a.O., N 726 f.,
mit Beispielen). Besteht im Grundsatz ein Anspruch auf Umschulung, richtet sich die
Bestimmung der konkreten Umschulungsmassnahmen nach dem Erfordernis der
annähernden Gleichwertigkeit (BUCHER, a.a.O., N 728). Die konkrete
Umschulungsmassnahme muss notwendig und geeignet sein, dem vor Eintritt der
Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen Versicherten eine seiner früheren annähernd
gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
"annähernden Gleichwertigkeit" nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als
solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende
Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen
Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die
nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Dies deshalb, weil die
Eingliederung nach dem Willen des Gesetzgebers lediglich so weit sicherzustellen ist,
als dies im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 489 f., E. 4.2). Die
Umschulung hat die versicherte Person in die Lage zu versetzen, eine ihrer früheren
Tätigkeit möglichst gleichwertige Erwerbstätigkeit auszuüben (BUCHER, a.a.O., N 729).
Dabei kann mit Blick auf Art. 6 Abs. 1 IVV, welcher ausdrücklich auch Versicherte
umfasst, die ohne vorgängige Ausbildung eine Erwerbstätigkeit aufgenommen haben,
ein Anspruch auf Umschulung nicht einzig mit der Begründung verneint werden, die
betroffene Person verfüge über keine (abgeschlossene) Berufsausbildung (vgl.
BUCHER, a.a.O., N 732). Als Ausdruck des Verhältnismässigkeitsprinzips soll das
Erfordernis der annähernden Gleichheit indes eine wirtschaftliche Besserstellung der
versicherten Person verglichen mit ihrer ökonomischen Lage vor dem Invaliditätseintritt
verhindern. Die Übernahme einer gegenüber der früheren Berufstätigkeit höherwertigen
Ausbildung bleibt vorbehalten, wenn Art und Schwere der Invalidität und ihre
beruflichen Auswirkungen derart ins Gewicht fallen, dass nur eine verglichen mit der
vor Eintritt der Erwerbstätigkeit ausgeübten Erwerbstätigkeit anspruchsvollere
Ausbildung zu einer optimalen Verwertung der Arbeitsleistung bzw. Arbeitsfähigkeit auf
einer höheren Berufsstufe führt; dabei setzt ein Anspruch auf eine höherwertige
Ausbildung voraus, dass sich die erwerblichen Auswirkungen des
Gesundheitsschadens nur auf diese Weise hinreichend beheben lassen (BUCHER,
a.a.O., N 729, 739).
3.2 Vorab ist festzuhalten, dass die Invalidität leistungsspezifisch zu bestimmen ist
(vgl. E. 2; BGE 130 V 348 E. 3.3.2), und dass der Rentenanspruch nicht
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet (vgl. BGE 125 V 415 f., E. 2a und
2b; BGE 130 V 502, E. 1.1). Zudem ist die Rentenverfügung vom 11. Juni 2016 nur
bezüglich ihres Dispositivs, welches die Abweisung des Rentenanspruchs beinhaltet, in
Rechtskraft erwachsen. Der Beschwerdeführer hätte kein schutzwürdiges
Feststellungsinteresse daran gehabt, betreffend Rentenverfügung einen unter 40 %
liegenden Invaliditätsgrad gerichtlich festgestellt zu bekommen. Aus diesen Gründen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entfaltet der in der in der Rentenverfügung festgelegte Invaliditätsgrad keine
Bindungswirkung für das vorliegende Verfahren.
3.3 Nach Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin hätte der Beschwerdeführer im Jahr
2012 ohne Gesundheitsschaden monatlich ein Einkommen von Fr. 63'050.-- (13 x Fr.
4'850.--) erzielt (Angaben Arbeitgeberin vom 27. Juni 2012, IV-act. 22-3, 7). Dies
entspricht der Entwicklung gemäss Auszug aus dem individuellen Konto (IK) des
Beschwerdeführers, wo für das Jahr 2008 ein Jahreseinkommen von Fr. 60'872.--, für
2009 von Fr. 60'869.-- und für 2010 von Fr. 61'640.-- verzeichnet sind (IV-act. 100-1).
Der Tabellenlohn gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 des Bundesamtes für
Statistik (BFS) beträgt Fr. 5'307.-- (T1, Ziff. 31-33, Herstellung von Möbeln und
sonstigen Waren, Reparatur und Installation von Maschinen, Kompetenzniveau 1,
Männer). Bei einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,5 Std. (BFS, betriebsübliche
Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [BUA]) resultiert ein Jahrestabellenlohn von Fr.
66'072.-- (Fr. 5'307.-- : 40 x 41,5 x 12). Damit entspricht das im Gesundheitsfall
erzielbare Einkommen des Beschwerdeführers 95 % des Tabellenlohnes (Fr. 63'050.-- :
Fr. 66'072.-- x 100) und ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zu
parallelisieren (vgl. BGE 135 V 297, E. 5.1 und E. 6.1.2). Das Valideneinkommen beläuft
sich somit auf Fr. 63'050.--. Für das Invalideneinkommen ist vom
Durchschnittstabellenlohn gemäss LSE 2012 des BFS, Kompetenzniveau 1, von Fr.
65'177.-- auszugehen (Informationsstelle AHV/IV, Invalidenversicherung Ausgabe 2015,
Bern 2015, Anhang 2). Dem Beschwerdeführer sind mittelschwere bis schwere
Arbeiten nicht mehr zumutbar, was in Berücksichtigung der Anpassung der
Tabellenlöhne an die internationale Berufsnomenklatur ISCO (vgl. Bundesamt für
Sozialversicherungen [BSV], IV-Rundschreiben Nr. 328 vom 22. Oktober 2014) einen
Tabellenlohnabzug von jedenfalls nicht mehr als 10 % rechtfertigt (vgl. J. KALTSUNIS-
APELTSOTOU, Invaliditätsgrad - Parallelität der Vergleichseinkommen, in: U. KIESER
[Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2015, Zürich/St. Gallen 2016, S. 155 ff. und
164 ff.). Weitere Gründe für einen Tabellenlohnabzug sind nicht ersichtlich.
Insbesondere besteht keine nur teilzeitlich verwertbare Restarbeitsfähigkeit, und es ist
medizinisch nicht ausgewiesen, dass beim Beschwerdeführer ein erhöhtes Risiko für
künftige krankheitsbedingte Ausfälle besteht. Somit beträgt das Invalideneinkommen
Fr. 58'659.-- (0,9 x Fr. 65'177.--), und es resultiert ein Invaliditätsgrad von gerundet 7
%. Damit ist ein Anspruch auf Umschulung nicht gegeben. Im Übrigen könnte auch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
das Erfordernis der annähernden Gleichwertigkeit kaum bejaht werden, nachdem
weder substantiiert dargetan wird noch ersichtlich ist, dass die erwerblichen
Auswirkungen der Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers nur durch eine
höherwertige Ausbildung behoben werden könnten.
4.
4.1 Arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben
Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (Art.
18 Abs. 1 lit. a IVG). Durch die mit der 5. IV-Revision erfolgte Änderung des die
Arbeitsvermittlung betreffenden Art. 18 IVG wurde der anspruchsberechtigte
Personenkreis von "eingliederungsfähigen invaliden Versicherten" auf "arbeitsunfähige
(Art. 6 IVG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind" ausgeweitet. Die Botschaft
zur 5. IV-Revision führt dazu aus, die Anspruchsvoraussetzungen würden gegenüber
dem bisherigen Art. 18 Abs. 1 IVG offener gefasst, sodass neu jede arbeitsunfähige
eingliederungsfähige Person von der Arbeitsvermittlung profitieren könne. Neu hätten
somit alle in ihrer bisherigen Tätigkeit ganz oder teilweise arbeitsunfähigen
Versicherten, die eingliederungsfähig seien, Anspruch auf Arbeitsvermittlung durch die
IV, somit auch Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter, die in einer angepassten
Hilfstätigkeit noch voll arbeitsfähig seien (BBl 2005 4459, S. 4524). Der Bundesrat
bezeichnete in der Botschaft das frühere System in Bezug auf Arbeitsvermittlung als
unzureichend. Ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung sei nur gegeben gewesen, wenn die
versicherte Person bei der Suche einer geeigneten Arbeitsstelle wegen ihres
Gesundheitszustands Schwierigkeiten gehabt oder invaliditätsbedingt spezielle
Anforderungen an den Arbeitsplatz oder den Arbeitgeber gestellt habe. Die IV sei
bisher nicht für andere Gründe der erschwerten Stellensuche, wie Stellenmangel auf
dem Arbeitsmarkt, eingetreten. Angesichts des angespannten Arbeitsmarktes fänden
jedoch gesundheitlich eingeschränkte Hilfskräfte nur schwer eine neue, der
Behinderung angepasste Stelle, was oft zur Aussteuerung bei der
Arbeitslosenversicherung und durch die lange Arbeitslosigkeit zu einer Verstärkung der
ursprünglichen gesundheitlichen Probleme bzw. zu zusätzlichen psychischen
Schwierigkeiten führe (vgl. BBl 2005 S. 4522). Durch die Ausweitung des Anspruchs
auf Arbeitsvermittlung der IV, welche auf die Vermittlung von gesundheitlich
eingeschränkten Personen spezialisiert ist, sollten daher die Eingliederungsinstrumente
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
für unqualifizierte Versicherte verbessert werden. Dazu war eine enge Zusammenarbeit
mit dem RAV vorgesehen (BBl 2005 4459, S. 4524 und 4565). Art. 18 Abs. 1 IVG wurde
vom Parlament unverändert angenommen (vgl. auch Protokoll der Nationalratssitzung
vom 21. März 2006 S. 28 sowie Protokoll der Ständeratssitzung vom 25. September
2006 S. 3, Amtliches Bulletin 05.052). Gemäss der mit der 5. IV-Revision in Kraft
getretenen Norm ist die erforderliche leistungsspezifische Invalidität damit schon bei
Vorliegen einer bleibenden oder längere Zeit dauernden Arbeitslosigkeit gegeben
(BUCHER, a.a.O., N 837). Demgegenüber hält die bundesgerichtliche Rechtsprechung
offenbar nach wie vor daran fest, dass die Invalidität im Sinne von Art. 18 IVG nur
vorliege, wenn wegen der Behinderung Probleme bei der Stellensuche selbst bestehen
oder spezielle Anforderungen an den Arbeitsplatz gestellt werden müssen und
demzufolge die betroffene Person aus invaliditätsbedingten Gründen für das Finden
einer Stelle auf das Fachwissen und entsprechende Hilfe der Vermittlungsbehörden
angewiesen ist (vgl. BUCHER, a.a.O., N 829, N 843). Nachdem der Gesetzgeber die
Ausweitung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung bewusst anstrebte, ist diesem
Umstand durch die Rechtsprechung Rechnung zu tragen (vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts vom 20. Oktober 2010, 9C_839/2010, E. 2.2.3, wonach die
leistungsspezifische Invalidität nach Art. 18 IVG schon aufgrund einer relativ
geringfügig erschwerten Suche nach einer Arbeitsstelle gegeben sei, solange diese
Erschwernis auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen sei).
4.2 Der Beschwerdeführer hat seine bisherige Arbeitsstelle aus gesundheitlichen
Gründen verloren. Das interdisziplinär massgebliche rheumatologische
Zumutbarkeitsprofil des Beschwerdeführers umfasst nicht nur körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten, sondern schliesst zusätzlich Arbeiten über dem Kopf,
Tätigkeiten mit dem linken Arm über der Horizontalen, ausschliessliche Geh- und
Stehbelastung sowie regelmässige Tätigkeiten in kniender oder hockender Haltung aus
(IV-act. 71-22). Zudem erlitt der Beschwerdeführer durch den Sturz am 5. August 2015,
mithin nach der Begutachtung, eine Verletzung auch der rechten Schulter (IV-act.
97-15 f., 17, 19). Der Beschwerdeführer verfügt über berufliche Erfahrung
ausschliesslich in einem Bereich, in welchem ihm die Arbeit gesundheitsbedingt nicht
mehr zumutbar ist. Dass er nicht ohne weiteres eine geeignete Stelle finden kann, zeigt
auch das Scheitern des Arbeitsversuchs bei der bisherigen Arbeitgeberin (E. 1).
Inzwischen ist der Beschwerdeführer offenbar auch bei der Arbeitslosenversicherung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausgesteuert. Mithin handelt es sich um einen Fall, für den der Gesetzgeber die
Ausweitung des Anspruchs gemäss Art. 18 IVG vorgesehen hat.
5.
Gemäss Art. 15 IVG haben Versicherte, die infolge Invalidität in der Berufswahl oder in
der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit behindert sind, Anspruch auf Berufsberatung.
Der Anspruch setzt voraus, dass die versicherte Person an sich zur Berufswahl (oder
zur beruflichen Neuorientierung) fähig, infolge seines Gesundheitsschadens aber darin
behindert ist, weil die Kenntnisse über Neigungen, berufliche Fähigkeiten und
Möglichkeiten nicht ausreichen, um eine der Behinderung angepassten Beruf zu
wählen. Ein Mindestinvaliditätsgrad ist nicht vorausgesetzt (U. MEYER / M.
REICHMUTH, a.a.O., Art. 15 N 2; Urteile des Bundesgerichts vom 10. Februar 2011,
9C_534/2010, E. 3.2, und vom 15. Februar 2013, 9C_236/2012, E. 3.5). Eine
Berufsberatung zulasten der IV entfällt (grundsätzlich), wenn für eine notwendige
berufliche Neuorientierung keine besonderen Kenntnisse über die Möglichkeiten
behinderungsangepasster Tätigkeiten erforderlich sind, weil der betroffenen Person
eine Vielzahl solcher Beschäftigungen offen steht, bzw. wenn die versicherte Person
ohne Massnahmen wie Berufswahlgespräche, Neigungs- und Begabungstests in der
Lage ist, einen ihren Verhältnissen angepassten Beruf zu wählen (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Februar 2011, 9C_534/2010, E. 4.3; BUCHER, a.a.O., N 605).
Im Bereich der keine Ausbildung erfordernden Arbeiten geht die Rechtsprechung
allerdings davon aus, dass eine Berufsberatung nicht erforderlich ist, soweit der
versicherten Person ein ausreichend breiter Fächer an adaptierten Tätigkeiten offen
steht, so dass den Problemen bei der Wahl einer geeigneten Arbeitsstelle im Rahmen
der Arbeitsvermittlung begegnet werden kann (Urteile des Bundesgerichts vom 10.
Februar 2011, 9C_534/2010, E. 4.3, und des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[ab 1. Januar 2007: sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts] vom 18. November
2003, I 361/03, E. 2.4). Der Beschwerdeführer verfügt wohl über eine langjährige
Erfahrung als Schreinereimitarbeiter, jedoch nicht über eine spezifische Ausbildung in
einem Beruf, den er gesundheitsbedingt nicht mehr ausüben kann. Er hat sodann
keinen Anspruch auf Umschulung (E. 3.2). Damit ist die notwendige Unterstützung im
Rahmen der Arbeitsvermittlung, auf die er Anspruch hat, ausreichend gewährleistet.
6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Invalidenversicherung kann einer versicherten Person versuchsweise einen
Arbeitsplatz für längstens 180 Tage zuweisen (Arbeitsversuch), um die tatsächliche
Leistungsfähigkeit der versicherten Person im Arbeitsmarkt abzuklären (Art. 18a IVG).
Diese Norm räumt keinen selbständigen Anspruch auf Durchführung eines
Arbeitsversuchs ein. Gegebenenfalls ist ein Arbeitsversuch jedoch im Rahmen der
beruflichen Abklärung bzw. im Vorfeld der Arbeitsvermittlung anzuordnen
(Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] vom 1. Januar 2014
über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE], Stand 1. Januar 2016, N
5001 und N 5003).
7.
Hat eine versicherte Person im Rahmen der Arbeitsvermittlung einen Arbeitsplatz
gefunden und entspricht ihre Leistungsfähigkeit noch nicht dem vereinbarten Lohn, so
hat sie während der erforderlichen Einarbeitungszeit, längstens jedoch während 180
Tagen, Anspruch auf einen Einarbeitungszuschuss (Art. 18b IVG). Entgegen N 5027
KSBE, wonach ein Einarbeitungszuschuss gewährt werden "kann", räumt der
Gesetzeswortlaut einen Anspruch ein. Diesen hat die Beschwerdegegnerin zu prüfen,
wenn die Arbeitsvermittlung erfolgreich verläuft.
8.
8.1 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Arbeitsvermittlung und
gegebenenfalls auf Einarbeitungszuschuss. Die Beschwerde vom 23. August 2016 ist
daher teilweise gutzuheissen und die angefochtene Verfügung insoweit aufzuheben.
Die Angelegenheit ist zur Durchführung der beruflichen Eingliederung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Zusammenhang mit der dem
Beschwerdeführer zustehenden Arbeitsvermittlung wird die
eingliederungsverantwortliche Person ein Profil des Beschwerdeführers (Fähigkeiten,
Neigungen, Behinderung, Motivation) zu erheben und falls notwendig einen
Arbeitsversuch in die Wege zu leiten haben (N 5001 und N 5003 KSBE).
8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
Beschwerdeführer verlangt in erster Linie berufliche Massnahmen in Form von
Arbeitsvermittlung und Arbeitsversuch und ausdrücklich nicht eine mehrjährige
Umschulung (act. G 13-4). Die beantragte Unterstützung wird ihm in Form der
Arbeitsvermittlung zugesprochen, womit von seinem Obsiegen auszugehen ist. Die
Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
zu bezahlen. Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
ihm zurückzuerstatten.
8.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist. Mit Blick auf die eingeschränkte Fragestellung erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3‘000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.