Decision ID: 3b40d127-ad58-5c2d-8cff-4eb310d319e4
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1996, wurde im N
ovember 2001 wegen einer Sprach
störung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
-Stelle
, ange
meldet (Urk. 7/1). Diese leistete Kostengutsprache für Sonderschulmassnahmen respektive die Sprachheilbehandlung (Urk. 7/6,
Urk.
7/9-10,
Urk.
7/14,
Urk.
7/34,
Urk.
7/36,
Urk.
7/38). Nach der Neuanmeldung des Versicherten
am 24. März 20
05
infolge einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS; Urk. 7/28) übernahm die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Mai 2005 zudem die Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens gemäss Ziffer 404 des Anhanges zur Ver
ordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
; Urk. 7/31). In diesem Zusammenhang erstattete sie ab Oktober 2007 auch die Kosten für die ambulante Psychotherapie des Versicherten (Urk. 7/48).
1.2
Im Februar 2012 beantragte
n die Eltern
de
s
Versicherte
n
der IV-Stelle Hilfe bei der Lehrstellensuche (Urk. 7/57). Zudem ersuchte der ihn behandelnde Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med.
Y._
, im April 2012 um Verlän
gerung der Kostengutsprache für die ambulante Psychotherapie (Urk. 7/60). Dazu reichte er einen Formularbericht sowie ein ergänzendes Schreiben ein (Urk. 7/62). In diesem Kontext nahm die IV-Stelle diverse Schnupperlehr-Berichte zu den Akten (Urk. 7/61 und 7/64). Sodann leistete sie Kostengutsprache für die Weiter
führung der Psychotherapie bis Januar 2014 (Urk. 7/66) und übernahm mit Ver
fügung vom 27. August 2012 die Mehrkosten der erstmaligen Ausbildun
g zum
Mechanikpraktiker
EBA bei
Z._
von August 2012 bis 2014 (Urk. 7/67; zum Verlauf vgl. Urk. 7/70,
Urk.
7/72,
Urk.
7/75 und
Urk.
7/77). Nach erfolgrei
chem Abschluss der
Anlehre
(Urk. 7/80/1) trat der Versicherte am 20. August 2014 einen Arbeitsversuch bei der
A._
AG auf dem ersten Arbeitsmarkt an, begleitet durch einen Coach des
Z._
(Urk. 7/78-82 und 7/90). Per Februar 2015 erhielt er im selben Betrieb eine auf sechs Monate befristete, später aber nicht verlängerte Festanstellung (Urk. 7/94 und 7/103). Die IV-Stelle leistete Kostengutsprache für die vorübergehende Fortführung des Coachings (Urk. 7/92) und teilte dem Versicherten alsdann am 2. März 2015 den erfolgreichen Abschluss der beruflichen Massnahmen mit (Urk. 7/94)
1.3
Mit Blick auf die Rentenprüfung holte die IV-Stelle
in der Folge
den Bericht des Hausarztes Dr. med.
B._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, vom 23.
März 2015 ein (Urk. 7/98/5). Gestützt auf die Stellungnahmen
von Dr. med.
C._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin,
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD
;
Urk. 7/100/2-4) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Ver
fügung vom 8. September 2015 rückwirkend ab 1. Februar 2015 eine
Viertelsrente
zu (Urk. 7/
105,
Urk.
7/
109). Dagegen erhob der Versicherte am 7. Oktober 2015 Beschwerde an das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich (Urk. 7/115). Nachdem dieses den
Versicherten
auf eine mögliche Schlechterstellung zufolge Rückweisung
der Angelegenheit
an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts aufmerksam gemacht hatte (Urk. 7/118), zog er die Beschwerde
am 27. April 2017 zurück
(Urk. 7/119/4)
, worauf das Verfahren mit Verfügung vom 28. April 2017 als durch Rückzug der Beschwerde erledigt abge
schrieben wurde (Urk. 7/119
/1-3; Prozess IV.2015.01048
).
1.4
Im Rahmen des im Juli 2017
von Amtes wegen
eingeleiteten Revisionsverfahren
s
(vgl. Urk. 7/124)
zog
die IV-Stelle Berichte der
behandelnden Ärzte
bei
(Urk. 7/1
30
, Urk. 7/132) und holte ein psychiatrisch-neuropsychologisches Gutachten beim
Institut
D._
ein (Urk. 7/135 f.), das am 18. Juni 2018 erstattet wurde (Urk. 7/138).
In der Folge legte die IV-Stelle die Sache dem RAD zur Beurteilung vor (Urk. 7/139/3 f.) und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 13. September 2018 die wie
dererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 8. September 2015 in Aus
sicht (Urk. 7/140). Nachdem der Beschwerdeführer dagegen am 10. Oktober 2018 Einwand erhoben (Urk. 7/141) und diesen am 21. November 2018 ergänzend be
gründet hatte (Urk. 7/144)
,
stellte die IV-Stelle am 20.
Februar 2018 eine Rück
frage an die neuropsychologische Gutachterin
(Urk. 7/145), die am 10. April 2019 beantwortet wurde (Urk. 7/148).
Dazu
holte sie eine Stellungnahme des Ver
si
cherten ein (Urk.
7/149, Urk. 7/150) und entschied mit Verfügung vom 29. Mai 2019 im angekündigten Sinne
(Urk. 7/152 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 27. Juni 2019 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung vom 29. Mai 2019 sei teilweise aufzuheben und es sei ihm min
destens während der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen weiterhin eine
Viertelsrente
zuzusprechen. In formeller Hinsicht stellte er sodann ein Ge
such um unentgeltliche
Prozessführung
(Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 5. August 2019 auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6). Nachdem zunächst trotz entsprechender Aufforderung innert Frist keine Unterlagen zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit eingegangen waren, wurde das Gesuc
h um unentgeltliche Prozessführung
mit Verfügung vom 17.
September 2019 abgewiesen (Urk. 8). Da in der Folge am 20. September 2019 die
eingeforderten
Unterlagen eingingen (Urk. 10 und Urk. 11/1-9) und Abklä
rungen ergaben, dass diese vor Ablauf der Frist der Schweizerischen Post über
geben worden waren (Urk. 12/1-2)
,
wurde die Dispositiv-Ziffer 1 der Verfügung vom 17. September 2019 am 26. September 2019 in Wiedererwägung gezogen
und das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mangels Bedürftigkeit wiede
rum abgewiesen (Urk. 13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung; IVG
).
1.3
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher
Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (B
GE
119
V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwä
gung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrich
tigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne
der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121
/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG setzt voraus, dass kein ver
nünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Ver
fügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise
ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zuge
sprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches
gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wen
n die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht
mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE
141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom 2. August 2018 E.
3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beur
teilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (BGE
141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
läs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass die rentenzusprechende Verfügung vom 8. September 2015 auf einer unvollständigen
Sachverhaltsabklärung beruhe und damit in Verletzung des Untersuchungs
grund
satzes ergangen sei. Daher sei sie zweifellos unrichtig, weshalb sie in Wieder
erwägung zu ziehen sei (Urk. 2 S. 2).
Zur Klärung des aktuellen Gesundheitszust
andes sei ein Gutachten beim
D._
in Auftrag gegeben worden, wobei die Gutachter keine Diag
nose einer krankheitswertigen Störung hätten stellen können, sondern festhielten, bei anhaltender Besserungstendenz sei heute in der angestammten Tätigkeit als
Mechanikpraktiker
von einer 90%
igen Leistungsfähigkeit auszugehen. Nach einer Einarbeitungszeit von dr
e
i Monaten liege keine Leistungseinschränkung mehr vor. Damit
sei
neben einem Wiedererwägungsg
rund auch ein Revisionsgrund gegeben
und die Rente sei einzustellen (Urk. 2 S. 2).
Zu d
en anlässlich der
Einwandbegrün
dung
dargelegten Argumenten nahm die Beschwerdegegnerin
dahingehend Stellung, dass keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprächen und dieses somit beweiswert sei. Für weitere Abklärungen bestehe kein Grund (Urk. 2 S. 3). Da der für die Durchfüh
rung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen vorausgesetzte Eingliederungs
wille jedoch als gegeben erachtet werde, werde der Beschwerdeführer im Sinne einer drohenden Invalidität bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz unterstützt (Urk.
2
S. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, er sei entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin nicht in der Lage, im ersten Arbeitsmarkt ein rentenaus
schliessendes Einkommen zu erzielen. Um auf dem freien Arbeitsmarkt bestehen
zu können benötige er eine überdurchschnittlich hohe Betreuung, Anleitung, Kon
trolle und Führung im A
rbeitsprozess. Leider sei es dem
durchschnittlichen
Be
trieb
nicht möglich, ihm eine solche Unterstützung zukommen zu lassen (Urk. 1 S.
2).
Er sei motiviert, im Rahmen der
von
der Beschwerdegegnerin
verfügten beruf
lichen
Eingliederungsmassnahmen
nach einem geeigneten Arbeitsplatz zu suchen
, sei jedoch stark auf deren Unterstützung, zum Beispiel in Form eines Coachings, angewiesen
. Da er während dieser Zeit kein Einkommen erziele, sei die bisherige
Viertelsrente
während der Durchführung der beruflichen Massnahmen zur Exi
stenzsicherung weiterzuführen (Urk. 1 S. 2).
2.3
Umstritten und zu prüfen ist einerseits, ob die Beschwerdegegnerin die mit Ver
fügung vom 8.
September
2015 gewährte
Viertelsrente
zu Recht
wiedererwä
gungsweise
aufgehoben hat
sowie allenfalls auf welchen Zeitpunkt die Aufhe
bung zu erfolgen hat
.
3.
3.1
3.1.1
Die
rentenzusprechende
Verfügung vom 31. August 2015 (Urk. 7/10
5, Urk. 7/110
) basierte auf
der folgenden medizinischen Aktenlage
:
3.
1.
2
Dr.
Y._
diagnostizierte in
seinem Bericht vom 3. April 2012
eine hyper
ki
netische Störung (ICD-10 F90.0).
Der Gesundheitszustand s
ei besserungsfähig
(Urk. 7/62/1)
. D
er Beschwerdeführer sei
regelmässig beim delegiert arbeitenden Psychotherapeuten
lic
. phil.
E._
in Behandlung. Er sei ein ruhiger Schüler geworden, der mit dem Lehrer gut kooperiere und sich anleiten und korrigieren lasse. Seine schulische Entwicklung verlaufe positiv aber im Vergleich zu den mathematischen Fähigkeiten habe er in der sprachlich-kommunikativen K
ompe
tenz noch viel aufzuholen. D
ies wirke sich in den Schnupperlehren (Le
hrstel
len
suche) nachteilig aus. Die Entwicklung des Beschwerdeführers sei altersgemäss, die Intelligenz normal. Seine Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit seien normal. Er sei jedoch unsicher und habe Insuffizienzgefühle durch den Rückstand in der Umgangssprache. In der psychotherapeutischen Beziehung, die vor allem eine Stärkung seines Selbstwertgefühls zum Ziel habe, habe der Be
schwerdeführer gute Fortschritte gemacht, diese sollte fortgeführt werden, so dass nach der Aufarbeitung seiner sprachlichen Rückstände in der Schule eine Berufs
lehre möglich sein werde
(Urk. 7/62/2)
.
Am 14. Mai 2012 ergänzte Dr.
Y._
, die ehemals ausgeprägte hyperkinetische Störung sei heute weitgehend remittiert. Der derzeitige Befund sei eine emotio
nale Unsicherheit, die sich vor allem im sprachlich-kommunikativen Bereich zeige
. Im Vergleich mit Jugendlichen seines Alters habe der Bes
chwerdeführer deutlich mehr Mühe
, etwas präzise zu sagen beziehungsweise die Bedeutung einer münd
lichen und schriftlichen Aussage zu erfassen. Dies sei laut den bisherigen Schnup
perlehr-Berichten das grösste Hindernis im Berufsalltag. Überall dort
,
wo beruf
liche Kompetenzen vorwiegend sprachlich vermittelt würden, sei der Be
schwerde
führer im Vergleich mit seinen Mitbewerbern um die Lehrstellen im Nachteil, den er mit seinen normalen bis guten Fähigkeiten im mathematisch-logischen und im manuellen Bereich nicht wettmachen könne (Urk. 7/62/3).
3.1.3
Dr. med.
B._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
, stellte in seinem Bericht
vom 23. März 2015 in somatischer
Hinsicht die Diagnosen
inha
lativer
Polyallergien mit diskretem Asthma und seit etwa drei bi
s
vier Jahren bestehende chronische Rückenschmerzen im Lumb
albereich
, wobei eine eigent
liche Pathologie n
ie
eruier
bar
gewesen sei. Um Aussagen zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu machen
,
sei er zu wenig erfahren. Über dessen kognitive Ressourcen sei er zu wenig informiert, er schätze den Intelligenzquotienten im
Bereich von 70-85 (90
?
) ein. Sein Tempo bei der sprachlichen
Verarbeitung
erscheine langsam und insgesamt wirke er im kognitiven und sozialen Bereich wenig agil (Urk. 7/98).
3.1.4
Dr. med.
C._
vom RAD
diagnostizierte in ihrer Aktenbeurteilung vom 2. Juni 2015 eine Restsymptomatik einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksam
keitsstörung (ICD-10 F90.0). Die in einem Arbeitsversuch von
sechs
Monaten bescheinigte Arbeitsfähigkeit im erlernten Beruf als
Mechanikpraktiker
EBA von durchschnittlich 60 % sei plausibel und vereinbar mit der früher kinderpsy
chiatrisch diagnostizierten hyperkinetischen Störung. Sie müsse als realistisch und
in der Praxis erprobt angesehen werden und gelte ab dem Ende der Aus
bil
dung bis auf Weiteres (Urk. 7/100/3).
3.2
3.2.1
Im Rahmen des aktuellen Revisionsverfahren
s
wurden die folgenden ärztlichen Stellungnahmen zu den Akten genommen:
3.2.2
Dr. med.
F._
, Facharzt für Rheumatologie, führte am 23. Oktober 2017 aus, der Beschwerdeführer sei in den Jahren 2013 und 2014 bei ihm in Be
hand
lung gewesen
(Urk. 7/130/6)
. Er
verwies auf den Bericht
vom 5. Juni 2013 in dem er einen Status nach
Supinationstrauma
im linken oberen Sprunggelenk
Anfang März 2013
, Senkfüsse, ein panvertebrales Schmerzsyndrom vorwiegend muskulär bei
Dysbalance
und Flachrücken und eine diskrete Einschränkung der kognitiven Lernfähigkeit diagnostizierte (Urk. 7/130/
7
). Es hätten Belastungsschmerzen und Instabilität im linken Sprunggelenk persistiert, diesbezüglich habe er eine vor
sichtige Wiederaufnahme der sportlichen Aktivitäten empfohlen. Bezüglich der lumbalen Schmerzsymptomatik
fänden
sich eine verkürzte
ischiocrurale
Musku
latur, eine leicht verminderte Beweglichkeit und eine Streckstellung im Sinne einer Fehlhaltung. Aufgrund der Anamnese und der Befunde bestehe
zur Zeit
keine Behandlungsbedürftigkeit, vor allem keine Indikation für Physiotherapie (Urk. 7/130/8).
3.2
.3
Dr.
B._
verwies in seinem Bericht vom 17. November 2017 auf den Bericht vom 23. Mai
(richtig wohl: März; vorstehend E.
3.1.3)
2015 und legte dar, die Situation habe sich aus seiner Sicht seither nicht massgeblich verändert.
Im Jahr 2017 sei der Beschwerdeführer aufgrund einer
Pilonidalsinusoperation
lange arbeitslos gewesen, dies sei nun folgenlos verheilt
. Die Rückenschmerzen seien in den letzten zwei Jahren kein grosses Thema gewesen
(Urk. 7/132).
3.2.4
Im psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten vom 18. Juni 2018 kamen PD Dr. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und Dr.
phil.
H._
, Psychologin und Neuropsychologin,
vom
D._
zum Schluss, dass aktuell keine
Diagnose einer krankheitswertigen Störung nach den Kriterien der
ICD-10 gestellt werden könne. D
ie Symptome einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung träten gegenwärtig zurück, was im langen Zeitverlauf und auch unter dem Einfluss von Medikamen
ten nicht untypisch sei. Eine Intelligenzminderung bestehe nicht. Es
liege
allen
falls eine leichte neuropsychologische Störung
vor
(Urk. 7/138/30).
In der neuropsychologischen Untersuchung habe der Beschwerdeführer die meisten
Aufgaben mit durchschnittlichen Leistungen bearbeitet. Die Intelligenzabklärung habe eine im Durchschnitt liegende verbale und no
n
verbale Intelligenz ergeben und liefere somit keine Hinweise auf eine alltagsrelevante Einschränkung der intellektuellen Leistungsfähigkeit.
Der Be
such einer Sonderklasse und der Sekun
darschule C lasse an das Vorliegen einer entwicklungsbedingten Störung schuli
scher Fähigkeiten (ICD-10 F81.8) denken. Im Gespräch hätten sich Spon
tan
spra
che und Sprachverständnis weitestgehend regelrecht gezeigt, die Leistun
gen in den allermeisten entsprechenden Tests seien jedoch unterdurchschnittlich gewe
sen. Hinweise auf eine krankheitswertige hyperkinetische Störung hätten sich im
Rahmen der aktuellen neuropsychologischen Untersuchungen nicht ge
funden. Di
e aktuellen Leistungseinbussen entsprächen einer leichten neuropsy
cho
lo
gischen Störung. Die Funktionsfähigkeit dürfte im Alltag und unter den meisten beruf
lichen Anforderungen nicht, bei hohen kognitiven Anforderungen allenfalls leicht eingeschränkt sein. Die Einschränkung betr
effe
vorwiegend die Leistungs
komponente, also das sogenannte «Rendement» und - bei guter zeit
licher Belastbarkeit während der neuropsychologischen Untersuchung - weniger die Kom
po
nente der zeitlichen Präsenz beziehungsweise das Arbeitspensum.
In einer zukünftigen Arbeitstätigkeit sollten keine hohen Anforderungen an die Schrift
spra
che gefordert sein,
sprachlastige
Arbeitsfelder seien zu vermeiden. In eher prak
tisch orientierten Tätigkeiten sollten hingegen keine qualitativen oder quan
ti
ta
tiven Einschränkungen zu erwarten sein. Handwerkliche Tätigkeiten so
wie Arbeitstätigkeiten mit sich wiederholenden routinierten Aufgaben seien zu prio
risieren (Urk. 7/138/29).
Die Gutachter führten aus, der Beschwerdeführer habe nach eigenen Angaben im Bereich Maschinenbau auf dem Anspruchsniveau seiner EBA-Ausbildung als
Mechanikpraktiker
erfolgreich gearbeitet. In einer solchen Arbeitssituation ver
möge er ein volles Pensum
(42 Wochenstunden) zu erbringen
(Urk. 7/138/33).
Dabei bestehe zu Beginn der Wiedereingliederung ein Rendement von 90 %, binnen drei Monaten sollte eine 100%ige Leistung möglich sein. Klinisch psy
chiatrisch lägen keine Gründe vor, welche gegen eine solche Einschätzung sprächen. Bis auf eine anfangs der Wiedereingliederung sinnvolle liber
al
e Rege
lung bezüglich Pausen und der Möglichkeit, bei Auftreten von Zeichen einer
Über
forderung für kurze Zeit einen Unterbruch zu ermöglichen, seien keine Be
sonder
heiten anzumerken (Urk. 7/138/34). Die Einschätzung gelte ab dem Unter
su
chungs
zeitpunkt (Urk. 7/138/36).
3.2.5
Dr. med.
I._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
,
vom RAD
legte in ihrer Stellungnahme
vom 6. August 2018 dar, eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung liege nicht mehr vor, in diesem Punkt sei dem Gutachten zu folgen. In der neuropsychologischen Untersuchung s
e
i eine leichte neuropsychol
o
gische Störung, die keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe, diagnostiziert worden. Gemäss Leitlinien (Kriterien zur Bestimmung des Schweregrads einer neuropsychologischen Störung, Zuord
nungen zur Funktionsfähigkeit und orientierende Richtwerte bezüglich der Arbeits
unfähigkeit SVNP) ergebe sich jedoch eine Arbeitsunfähigkeit von 10-30 %.
Im
neuropsychologischen Gutachten seien die sprachlichen beziehungsweise die text
sprachlichen Fähigkeiten nicht umfassend untersucht worden. Es seien ledig
lich die spontane Sprache kommentiert und der Saarbrücker
Lesetest
durch
ge
führt worden, der bereits auffällig gewesen sei. Dies habe jedoch nicht zu weiteren sachgerechten formalen Prüfungen geführt, was bedauerlich sei, insbesondere bei der Vorgeschichte und den Hinweisen in den Ausbildungsberichten auf ein man
gelndes Instruktionsverständnis. Das Überprüfen der rechnerischen Fähigkeiten bleibe im Gutachten vage. Ein Intelligenztest mit einem validen Verfahren sei nicht durchgeführt worden. Ihres Erachte
n
s bestehe Eingliederungspotential. Die Tätigkeit solle überwiegend manuell und repetitiv sei, so dass zügig eine Routine entstehen könne. Anforderungen an Text und mündliches Übermitteln von Informationen sollten gering ausfallen. Der Beschwerdeführer benötige Hilfe bei der Stellesuche und der Einarbeitung
(Urk. 7/139/3 f.).
3.2.6
Auf Ergänzungsfrage der Beschwerdegegnerin
(Urk. 7/145)
kam
die Sach
ver
ständige
Dr.
H._
am 10. April 2019 zum Schluss, dass weitere Untersuchungen im Gebiet der sprachlichen Funktionen zu keinen relevanten neuen Befunden geführt hätten, welche an der Einschätzung im Gutachten etwas geändert hätten. Die sprachlichen und auch die rechnerischen Fähigkeiten des Beschwerdeführers könnten nicht in einem Mas
se eingeschränkt sein, welche ihm
eine Arbeits
tätig
keit im ersten Arbeitsmarkt verunmögliche, da er erfolgreich eine EBA Lehre (mit bekanntermassen Schulbesuch im regulären Rahmen) absolviert habe. In der neu
ropsychologischen Untersuchung habe sich kein Hinweis auf eine Aphasie oder eine andere kommunikative Störung gefunden. Die gemessenen leichten ortho
graphischen Unsicherheiten und eine fehlerhafte Leseleistung würden den Be
schwerdeführer keineswegs in einer handwerklich orientierten Arbeitstätigkeit einschränken (Urk. 7/148/1 f.).
Ergänzend hielt sie fest, dass die kognitiven Leistungen des Beschwerdeführers ausführlich und anhand
standardisierter
, gut normierter Verfahren überprüft worden seien
. Weiter hätten zwei normierte und standardisierte Verfahren zur Einschätzung des intellektuellen Niveaus ebenfalls
durchschnittliche
intellek
tuelle
Leistungen ergeben. Korrekterweise betrage die Arbeitsfähigkeit bei einer
leichten
neuropsychologischen Störung in einer kognitiv wenig anspruchsvollen Arbeit 90 % und nicht 70 % (Urk. 7/148/2).
4.
4.1
Zu prüfen ist zunächst, ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der rechtskräftigen
Verfügung vom 8. September 2015 mit der dem Beschwerdeführer rückwirkend ab 1. Februar 2015 eine
Viertelsrente
zugesprochen worden war,
wegen einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes erfüllt sind.
Vorab ist festzuhalten, dass eine Wiedererwägung trotz der gegen die Verfügung vom 8. September 2015 erhobenen Beschwerde
nicht von
v
ornherein ausgeschlossen
ist, da dieses Verfahren durch Rückzug der Beschwerde erledigt und damit der Sachverhalt in materieller Hinsicht nicht
gerichtlich
beurteilt wurde
, so dass die Verfügung lediglich in Rechtskraft erwachsen ist
(
Art. 53 Abs. 2 ATSG
;
Urk. 7/119).
4.2
Die
rentenzusprechende
Verfügung vom
8. September 2015
erging
zur
Haupt
sache
gestützt
auf die
Aktenbeurteilung von RAD-Ärztin Dr.
C._
vom 2. Juni 2015
(
Urk. 7/105/2
).
Darin kam Dr.
C._
zum Schluss, die während eine
s
Arbeitsversuch
s
bei der
A._
AG tatsächlich gezeigte Leistungs
fähigkeit von durchschnittlich 60 % sei plausibel und vereinbar mit der früher kinderpsychiatrisch diagnostizierten hyperkinetischen Störung (Urk. 7/100/3).
Dies
e Einschätzung ohne Untersuchung des Beschwerdeführers
genügt jedoch für die Festlegung des Invaliditätsgrades nicht, ist doch nach der Rechtsprechung die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Mass
gabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_396/2014 vom 15. April
2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November 2014 E. 4.2.2; je mit Hinweis).
Eine solche ärztliche Beurteilung findet sich jedoch nicht in den Akten
. So
schilderte
der behandelnde Kinderarzt Dr.
B._
in seinem Bericht vom 23. März 2015
zwar eine gewisse Langsamkeit in der Auffassungsgabe und rezidivierende Ängste, im Arbeitsmarkt nicht zu be
stehen,
äusserte
sich ansonsten jedoch
nicht zu einer
allfälligen Arbeits
unfähig
keit
,
sondern hielt ausdrücklich fest, er sei dazu zu wenig erfahren (Urk.
7/98).
Zur Beurteilung eines ADHS und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Erwachsenenalter verfügt der Kinderarzt auch nicht über die geeignete Fach
kenntnis.
Auch aus dem
- immerhin drei Jahre vor der Verfügung datierenden - letzten
Bericht von Dr.
Y._
sind keine Aussagen zu einer all
fälligen Arbeits
unfähigke
it nach der Lehre zu entnehmen.
Vielmehr
wies er da
rauf hin, die ehemals ausgeprägte hyperkinetische Störung sei weitgehend remit
tiert
und stellte lediglich noch eine emotionale Unsicherheit fest, die sich vor allem im sprachlich-kommunikativen Bereich zeige (Urk. 7/62/3)
.
4.3
Vor diesem Hintergrund kann nicht gesagt werden, dass der
interne RAD-Bericht
einen
zeitnah erhobenen
medizinischen Sachverhalt würdigte.
I
n Anbetracht der
von der RAD-Ärztin angenommenen psychiatrischen Störung eines ADHS wäre bei der geschilderten medizinischen Aktenlage eine persönliche Untersuchung des Beschwerdeführers unabdingbar gewesen, um zu einer beweiswertigen Beur
tei
lung zu gelangen.
Allein aus der RAD-Beurteilung liess
sich keine
rechtsge
nüglich
nachweisbare A
rbeitsunfähigkeit ableiten
.
Nach dem Gesagten entbehrt
die von der Beschwerdegegnerin
angenommene
Ar
beits
fähigkeit
von 60 %
einer nachvollziehbaren medizinischen Grundlage. Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die entsp
rechende Verfügung vom 8.
September 2015
demnach zweifellos un
richtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne (Urteil des Bundesgerichts 8C_947/2010 vom 1. April 2011 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen
)
.
Deren Be
richtigung ist, da es sich um eine periodische Dauerleistung handelt, von erheb
licher Bedeutung (E. 1.3).
Die Verfügung vom 8. September 2015 ist daher zufolge zweifelloser Unrichtigkeit aufzuheben und nachfolgend ist
rechtsprechungs
ge
mäss
in freier Beurteilung die Anspruchsberechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs des Beschwerdeführers pro
futuro
zu prüfen (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_868/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 2.2 mit Hinweisen).
5.
5.1
Den aktuellen Gesundheitszustand beurteilte die Beschwerdegegnerin gestützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten des
D._
vom 18. Juni 2018
(Urk. 7/138)
,
worin PD Dr.
G._
und Dr.
H._
dem Beschwerdeführer
eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in der bisherigen Tätigkeit als
Mechanikpraktiker
attestierten
(Urk. 7/138
/33
). Es ist daher zu prüfen, ob dieses die rechtspre
chungs
gemässen Voraussetzungen an eine beweiswerte Expertise erfüllt (E. 1.
4).
Fraglich ist insbesondere, ob das neuropsychologische Teilgutachten auf umfas
senden Untersuchungen beruht, da Dr.
I._
vom RAD in ihrer Stel
lung
nahme darauf hinwies, dass
die neuropsychologische Gutachterin
Dr.
H._
die sprachlichen beziehungsweise textsprachlichen Fähigkeiten nicht umfassend untersucht habe, das
Ü
berprüfen der rechnerischen Fähigkeiten vage geblieben sei und
k
ein Intelligenztest mit einem validen Verfahren durchgeführt worden sei (Urk. 7/139/3 f.).
Dazu
nahm Dr.
H._
dahingehend Stellung, dass der Be
schwerdeführer im Rahmen der Lehre regulär die Schule besucht habe und daher seine sprachlichen und rechnerischen Fähigkeiten nicht in einem Masse ein
geschränkt sein könnten, dass ihm eine Arbeitstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt unmöglich sei
(Urk. 7/148/1)
.
O
b die Schule
im Rahmen der geschützten Aus
bildung tatsächlich
einer regulären Berufsschule entspricht
, ergibt sich aus den Akten nicht
. D
ies und ob dieses Kriterium für einen Ausschluss einer Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit genügt
,
kann jedoch
offen bleiben
, da Dr.
H._
weiter
darlegte, dass sich keine Hinweise auf eine Aphasie oder eine andere kommunikative Störung ergeben hätten, g
emessen worden seie
n
sodann lediglich
leichte orthographische Unsicherheiten und eine fehlerhafte Leseleistung, die den Beschwerdeführer in einer handwerklich orientierten Tätigkeit keineswegs ein
schränken würden
(Urk. 7/148/1 f.)
.
Dies
erscheint insbesondere auch aufgrund des Umstandes, dass während der Untersuchung das sprachliche Verständnis auf Deutsch stets gegeben war (Urk. 7/138/42) und der Beschwerdeführer offen
sicht
lich die Instruktionen für die neuropsychologischen Tests nachvollziehen konnte, einleuchten
d.
Die
Einschätzung von Dr.
H._
, dass weitere
Untersu
chungen im Gebiet der sprachlichen Funktionen zu keinen relevanten neuen Befunden geführt hätten (Urk. 7/148/1)
ist somit nachvollziehbar
.
Abweichende ärztliche Einschät
zungen, welche gestützt auf eigene Untersuchungen weitergehende neuropsy
cho
logische Einschränkungen postulieren, liegen im Übrigen nicht vor.
Zur
gemäss Dr.
I._
fehlende
n
Prüfung der Intelligenz mittels eines validen Verfahrens erläuterte Dr.
H._
, zwei normierte und standardisierte Ver
fahren zur Einschätzung des intellektuellen Niveaus hätten durchschnittliche intellektuelle Leistungen ergeben (Urk. 7/148/2).
Vertiefte
Hinweise für eine ver
min
derte Intelligenz ergeben sich denn auch aus den Berichten der behandelnden Ärzte nicht. Dr.
Y._
erklärte
in seinem Bericht vom 3. April 2012 ausdrücklich, der Beschwerdef
ührer sei von normaler Intelligenz
(Urk. 7/62/2)
und Dr.
B._
schätzte den Intelligenzquotienten des Beschwerdeführers in seinem Bericht vom 23. März 2015 zwar auf 70-85 (90) ein, legte aber gleichzeitig dar, er sei zu wenig genau über dessen kognitive Ressourcen informiert (Urk. 7/98/5).
Rechtspre
chungsgemäss w
ird
im Weiteren
bei einem IQ von 70 und mehr ein invali
den
versicherungsrechtlich massgeblicher Gesundheitsschaden verneint
(Urteil des
Bundesgerichts
9C_601/2019 vom 7.
Januar
2020 E. 3.5.2
).
Es bestand somit kein Anlass dafür, die Intelligenz des Beschwerdeführers (noch) vertiefter abzuklären.
Insgesamt
beruht das neuropsychologische Teilgutachten damit auf umfassenden
Untersuchungen. Dies gilt auch für das psychiatrische Teilgutachten.
Ferner wurde
das Gutachten in Kenntnis der
Vorakten
erstellt (Urk. 6/57/5 ff.). Der Beschwer
deführer
wurde soweit fachspezifisch erforderlich umfassend befragt und
konnte gegenüber den einzelnen Sachverständigen seine aktuellen Beschwerden schil
dern (Urk. 7
/138/16
, Urk. 7/138/41)
und
sich auch zu weiteren Themen wie
seiner Vorgeschichte
und seinem gewöhnlichen Tagesablauf
äussern
(Urk. 7/138/16, Urk. 7/138/40 f.). Seine
Angaben
wurden
sodann im Rahmen der
Diagnose
stel
lung und Würdigung berücksichtigt
(Urk.
7/138/30
f.
). Zudem erfolgte eine Aus
einandersetzung mit vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen (Urk.
7/138/32
). Gesamthaft erfüllt das Gutachten somit die formellen Kriterien für eine be
weiswertige med
izinische Expertise (vgl. E. 1.4
vorstehend).
5.2
Der psychiatrische Gutachter Dr.
G._
stellte auf seinem Fachgebiet keine Diagnose
n
(Urk. 7/138/30). Dies blieb unbestritten und
stimmt
mit der Ein
schät
zung von Dr.
Y._
überein
, der
bereits
am 14. Mai 2012 ausführte, die vormals diagnostizierte hyperkinetische Störung sei weitgehend remittiert (Urk. 7/62/3).
5.3
In neuropsych
ologischer Hinsicht stellte Dr.
H._
die
Diagnose einer leichten neuropsychologischen
Störung und attestierte dem Beschwerdeführer
gestützt darauf eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit mit einem Rendement von 90 % während den ersten drei Monaten und darauffolgend von 100 % (Urk. 7/138/
30 und
33).
Dies zweifelte Dr.
I._
vom RAD ge
stützt auf die Leitlinien (
Kriterien zur Bestimmung des Schweregrades einer neu
ropsychologischen Störung sowie Zuordnungen zur Funktions- und Arbeits
fähig
keit,
SVNP
)
an, da sich aus diesen
eine Arbeitsunfähigkeit von 10 % bis 30
% ergebe (Urk. 7/139/3).
Zunächst ist festzuhalten, dass Dr.
H._
entgegen der Stellungnahme von Dr.
I._
der leichten neuropsychologischen Störung durchaus Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumass, indem sie
festhielt, die Einschränkung beträfe vor allem die Leistungskomponente und weniger die Komponente des Arbeits
pen
sums (Urk. 7/138/29). Gestützt darauf formulierte sie
ein den Einschränkungen entsprechendes
Zumutbarkeitsprofil
- das
insbesondere den sprachlichen Schwie
rig
keiten angemessen Rechnung trug
- und kam zum Schluss
,
die
bisherige Tätig
keit stelle eine diesen Einschränkungen entsprechende Tätigkeit dar (Urk.
7/138/29
und 33).
Dies ist nicht zu beanstanden
, zumal sie bei der Zumutbarkeits
beur
tei
lung auch die
bei den
durchgeführten Tests gezeigten Verdeutlichungs
ten
denzen berücksichtigte
.
Abgesehen davon dien
en
die erwähnten Leitlinien
vorab
als
Hilfestel
lung bei der Einschätzung der
aus einer neuropsycholog
ischen Störung resultierenden
Arbeitsunfähigkeit. Sie zeigen
orientierende Richtwerte auf, wobei der Grad der Arbeitsunfähigkeit erheblich von diesen
Pro
zentwerten abweichen
kann
(Zeitschrift für Neuropsychologie [2016], S.
109, aufgerufen unter
www.neuro
psy.ch
unter
dem Stich
wort «Leitlinien Kriterien zur Bestim
mung des Schweregrades einer neuro
psy
chologischen Störung sowie Zuord
nun
gen zur Funktions- und Arbeitsfähig
keit»
)
. Bereits daraus folgt, dass das Gut
achten nicht automatisch seine Beweis
kraft verlöre, wenn es nicht in allen Teilen den Leitlinien entspräche
.
Auf den konkreten Fall bezogene Ausführungen, wieso auf die Arbeits
fähig
keits
beurteilung von Dr.
H._
nicht abgestellt werden sollte, machte Dr.
I._
keine (vgl. Urk. 7/139/3).
Andere Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit ergeben sich auch nicht aus den medizinischen
Vorakten
(vgl. Urk. 7/62, Urk. 7/98).
Eine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit
ergibt sich lediglich aus der tatsächlich erbrachten Leistung des Beschwerdeführers während des Arbeitsversuchs bei der
A._
AG, dies
ist für sich jedoch nicht geeignet, das Ergebnis der medizinischen Begutach
tung in Zweifel zu ziehen, da
- wie bereits erwähnt (vgl. E. 4
.2
)
- die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleis
tungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte zu beantworten ist (Urteile des Bundesgerichts
9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4 und 9C_401/2014
vom 26. November 2014
E. 4.2.2
je mit Hinweis).
Es ist somit auf die im Gutachten attestierte Arbeits
fähigkeit von 100 % in der bisherigen, den Einschränkungen angepassten
Tätig
keit abzustellen.
Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein invalidi
sie
render Gesundheitsschaden ausgewiesen.
5.4
Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei nicht in der Lage, im ersten Arbeits
markt ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen, da es dem durch
schnitt
lichen Arbeitgeber nicht möglich sei, ihm die nötige Unterstützung zukommen zu lassen (Urk. 1 S. 2).
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 des Bundes
ge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) ist ein theoretischer und abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt und dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Er umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von Stellen und der Nach
frage nach solchen. Andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen
wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (Urteil des Bundesgerichts 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.1 mit Hinweisen). Das heisst, für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgeblich, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch soge
nannte Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen und Arbeitsangebote, bei wel
chen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeit
gebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann nicht mehr ge
spro
chen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit
nurmehr
in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeit
gebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts 8C_1050
/
2009 vom 28. April 2010 E. 3.3 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer ist gemäss beweiskräftigem Gutachten zu 100 % arbeits
fähig
. Eine zukünftige Arbeitstätigkeit sollte keine hohen Anforderungen an die sprachlichen Fähigkeite
n stellen
. In einer praktisch orientierten Tätigkeit
sind keine qualitativen und quantitativen Einschränkungen zu erwarten. Handwerk
liche Tätigkeiten sowie Arbeitstätigkeiten mit sich wiederholenden routinierten Aufgaben sind zu priorisieren
(Urk. 7/138/33).
Angesichts dieses Tätigkeitsprofils sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass
d
er
Beschwerdeführer
die atte
stierte
Arbeitsfähigkeit nicht verwerten können sollte,
zumal auch sein erlernter Beruf als
Mechanikpraktiker
diesen Anforderungen entspricht (Urk. 7/138/33)
.
I
nsbesondere
k
önnen aus
seinen bisherigen
erfolglosen
Bemühungen um
eine Stelle keine Schlüsse gezogen werden, da
in invalidenversicherungsrechtlicher Hin
sicht nicht die tatsächliche Arbeitsmarktlage massgeblich ist, sondern die Situation auf dem abstrakten ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
Da dieser Arbeits
markt insbesondere auch sogenannte Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegen
kom
men von Seiten des Arbeitgebers rechnen können und der Beschwerdeführer auch
gemäss
Ergebnis der beruflichen
Massnahmen
vor allem für komplexe Tätigkeiten Begleitung benötigt und wiederkehrende Serientätigkeiten selbstständig ausfüh
ren kann (Urk. 7/93/1), lässt sich aus dem erhöhten Betreuungsbedarf des Be
schwerdeführers keine Unverwertbarkeit seiner Arbeitsfähigkeit ableiten.
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer im Rahmen von beruflichen Massnahmen Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz zugesichert (Urk. 2 S. 4). Der Beschwerdeführer erklärte sich motiviert, daran teil
zunehmen, beantragte jedoch, die
Viertelsrente
sei ihm während der Durchfüh
rung dieser Massnahmen weiterhin auszurichten (Urk. 1 S. 2).
6.2
Auszugehen ist vom Grundsatz, dass aus einer medizinisch attestierten Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit in der Regel unmittelbar auf eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit
, die auf dem Weg der Selbsteingliederung sofort
zur Erzielung eines entsprechend höheren Einkommens zu verwerten ist
,
geschlos
sen werden kann
.
Eine rentenbestimmende Invaliditätsbemessung setzt aber auch im Revi
sions
fall (Art. 17 ATSG) voraus, dass angezeigte Eingliederungsmassnahmen
durchgeführt worden sind. Dementsprechend ist der Eingliederungsbedarf im Falle
einer Revision oder Wiedererwägung in gleicher Weise wie im Rahmen einer erstmaligen Invaliditätsbemessung abzuklären.
Diese
Praxis
ist
jedoch auf Sach
verhalte zu beschränken, in denen die revisions- oder wiedererwägungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, die das 55. Altersjahr zurückgelegt hat oder die Rente mehr a
ls 15 Jahre bezogen hat (Urteil des Bundesgerichts
9C_367/2011
vom 10. August 2011
E.3.2
).
6.3
Da der Beschwerdeführer weder über 55 Jahre alt ist, noch die Rente seit mehr als 15 Jahren bezieht, ist die Rechtsprechung,
dass die Rente erst nach der Durch
führung oder Prüfung von
Eingliederungsmassnahmen
eingestellt werden darf
, nicht anwendbar. Es ist ihm zumutbar,
die ärztlich attestierte Erwerbsfähigkeit
von 100 % in der angestammten Tätigkeit im Rahmen der Selbsteingliederung und
mit der durch die Beschwerdegegnerin zugesicherten Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz zu verwerten.
Dafür, dass diese Erwerbs
fähig
keit erst nach Abschluss der beruflichen Massnahmen verwertbar ist, be
stehen keine Anhaltspunkte.
Die
Aufhebung der
Viertelsrente
erfolgte
daher
zu Recht auf das Ende des auf die Zustellung der Verfügung folgenden Monates (Art.
88
bis
Abs. 2
lit
. a
der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV)
)
.
6.4
Nach dem Gesagten ist die mit Verfügung vom 29. Mai 2019 erfolgte Einstellung der
Viertelsrente
nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen.
7
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG) und ermessensweise auf Fr. 6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem
u
nterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen
.