Decision ID: 17f74d94-ad35-5bfd-ac74-19575ca7b6cc
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 12. Dezember 2015 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 21. Dezember
2015 und der Anhörung zu den Asylgründen vom 30. August 2017 machte
er im Wesentlichen geltend, er sei iranischer Staatsangehöriger aus
B._; die letzten zwei Jahrzehnte habe er im Quartier C._ in
der Stadt D._, Provinz Khuzestan, gelebt. Er habe nach seiner
Schulzeit als Lehrling an verschiedenen Orten (u.a. als [...] und als Reini-
gungskraft in einer [...]) gearbeitet. Er sei auch als Musiker tätig gewesen
und sei sowohl in Grossstädten als auch kleineren Orten aufgetreten. Des-
halb habe er mit den Behörden Probleme bekommen. Diese hätten ihn
wiederholt verwarnt und bei einer Party im Jahre 1390 (2011) festgenom-
men. Er habe schriftlich versprechen müssen, mit dieser Tätigkeit aufzu-
hören. Er habe sich nicht an dieses Versprechen gehalten und sei mit in-
ternational bekannten iranischen Bands, die als Gegner der islamischen
Republik bezeichnet würden, in E._ und F._ aufgetreten.
Nachdem die iranischen Behörden davon erfahren hätten, sei er mitge-
nommen und während mehrerer Tage misshandelt sowie befragt worden.
Er habe verschiedene Dokumente unterschreiben müssen. In der Folge sei
er von einem Mann, den er während seiner Gefangenschaft kennengelernt
habe, angeworben worden, um eine Ausbildung an der Waffe zu machen
und dem Vaterland zu dienen. Aus Angst, als Spitzel arbeiten zu müssen,
habe er seine Heimatstadt verlassen und sei nach Teheran gegangen, wo
er sich zirka ein Jahr im Versteckten aufgehalten habe. Nachdem seine
Eltern eine Gerichtsvorladung für ihn erhalten hätten, habe er sich zur Aus-
reise entschlossen und sei über Urumiya in die Türkei gereist und von dort
über verschiedene Länder in die Schweiz gelangt.
Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er verschiedene Unterlagen
(Shenasnameh im Original, Melli-Karte in Kopie, USB-Stick mit Videos und
Fotos, Vorladung im Original) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 4. Januar 2017 (recte: 2018) stellte das SEM fest, der
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asyl-
gesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz und deren
Vollzug an. Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, die Vorbrin-
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gen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die Glaubhaf-
tigkeit nicht standhalten, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden
müsse.
C.
Mit Eingabe vom 8. Februar 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht durch seinen Rechtsvertreter dagegen Beschwerde
und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft, die Gewährung von Asyl, eventualiter die
vorläufige Aufnahme in der Schweiz.
In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und um Beiordnung des Unterzeichnenden als unentgeltlicher Rechtsbei-
stand ersucht.
Gleichzeitig wurden verschiedene Beweismittel (mehrere Fotos, Videoaus-
schnitte auf USB-Stick, Flyers) sowie eine Unterstützungsbestätigung ein-
gereicht.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Februar 2018 hiess die damals zuständige
Instruktionsrichterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gut und ordnete dem Beschwer-
deführer den unterzeichnenden Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbei-
stand bei. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Einreichung einer Ver-
nehmlassung ein.
E.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 28. Februar 2018
die Abweisung der Beschwerde.
F.
Der Beschwerdeführer nahm dazu in seiner Replik vom 19. März 2018
Stellung.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Nachdem die vormalige Instruktionsrichterin das Gericht verliess, über-
nahm Richterin Muriel Beck Kadima den Vorsitz im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.5 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1 - 4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden. Das Gericht verwendet nachfolgend die neue Gesetzesbe-
zeichnung.
1.6 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie BVGE 2013/11 E. 5.1; ANNE KNEER und LINUS
SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick
über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015
S. 5).
3.4 Gemäss Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen
kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder
Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge
im Sinne von Artikel 3 wurden. Personen mit subjektiven Nachfluchtgrün-
den werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Massgebend
ist dabei einzig, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsu-
chenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rück-
kehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürch-
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ten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer be-
gründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch
BVGE 2009/29 E. 5.1; 2009/28 E. 7.1).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, die Vorbringen des
Beschwerdeführers seien insgesamt unglaubhaft ausgefallen. So habe er
zur geltend gemachten Tätigkeit als Musiker – zum Ort seiner Auftritte –
respektive zu seinen Problemen in diesem Zusammenhang, welche zur
Ausreise geführt hätten, diffuse und unsubstanziierte Angaben gemacht.
Weiter hätten sich seine Vorbringen zu den Geschehnissen der Party, bei
der er festgenommen worden sei, substanzarm erwiesen. Auch auf Nach-
fragen habe er keine weiteren Details und persönliche Wahrnehmungen
beschreiben können. Überdies qualifizierte sie seine Antworten auf die
Frage, um was für einen Anlass es sich bei dieser Party gehandelt habe,
als unsubstanziiert und ausweichend. Dies erstaune, da es sich bei diesem
Vorfall um ein einschneidendes Erlebnis gehandelt haben soll, mit wel-
chem seine mutmasslichen Probleme mit den Behörden begonnen hätten.
Ebenso unsubstanziiert und ausweichend seien seine Schilderungen zur
Kontaktaufnahme mit einem international bekannten Musikern und der Zu-
sammenarbeit mit diesem ausgefallen. Auch seien seine Aussagen über
die Anwerbung durch diesen Mann, den er zum Zeitpunkt seiner Einver-
nahme bei der Polizei kennengelernt habe, substanzarm und widersprüch-
lich (Umstände und Anzahl der Treffen/Kontakte). Er habe keinerlei Anga-
ben über die Art der ihm angebotenen Arbeit oder über die Art und den
Zeitpunkt der Ausbildung machen können, welche er hätte absolvieren sol-
len. Dies verwundere, da er D._ aufgrund dieser Anwerbung ver-
lassen und sich in Teheran versteckt haben wolle. Im Weiteren bezeichnete
die Vorinstanz seine Vorbringen zu dieser Anwerbung und dem Verlassen
seiner Heimatstadt – ohne konkret zu wissen, was für eine Arbeit er habe
verrichten sollen, um was für eine Art Ausbildung es sich gehandelt hätte
und wann er diese hätte antreten sollen – als unglaubhaft, da sie in we-
sentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Han-
delns widersprechen würden. Weiter seien auch seine Angaben zu seiner
Biographie dürftig. So habe er diffuse und unsubstanziierte Aussagen über
die Pensionierung seines Vaters, seine eigene Ausbildung und über seine
Tätigkeit nach seinem Schulabschluss gemacht. Er habe beispielsweise
nicht plausibel erzählen können, wann und wo ungefähr er als Elektriker
gearbeitet habe. Auch bezüglich seiner Tätigkeit in Teheran habe er weder
die Arbeitsdauer, noch den Arbeitszeitpunkt und den Arbeitsort nennen
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28
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können. Ferner stellte die Vorinstanz in den Angaben des Beschwerdefüh-
rers zu seinen Aufenthalten und zu seinem Reiseweg (Zeitpunkt und Dauer
in Ahwaz, Teheran und in der Türkei) Widersprüche fest, die er auf Vorhalt
nicht habe auflösen können. Hinsichtlich der eingereichten Beweismittel
führte sie weiter aus, bei der eingereichten Vorladung der Staatsanwalt-
schaft handle es sich um ein leicht fälschbares und leicht käufliches Doku-
ment, weshalb ihm kaum Beweiswert zukomme. Das Video- und Fotoma-
terial zeige den Beschwerdeführer zusammen mit Musikern; es gehe je-
doch nicht hervor, wo dieses aufgenommen worden sei. Die Mehrheit der
Videoaufnahmen seien von einem Konzert in einer Lokalität, welches in
G._, nicht aber in Dubai existiere. Schliesslich habe er bezüglich
seines Reisepasses, wo sich dieser befinde, wiederholt widersprüchliche
Angaben gemacht. Bezeichnenderweise habe der Beschwerdeführer sei-
nen Reisepass, aus dem zumindest Reisen nach Dubai entnommen wer-
den könnten, nicht eingereicht.
4.2 Der Beschwerdeführer hält den vorinstanzlichen Argumenten entge-
gen, es habe anlässlich der Anhörung ein äusserst schlechtes Befragungs-
klima geherrscht. Die Befragerin habe sich nicht an die im Handbuch des
SEM vorgegebene Befragungstechnik gehalten und sei voreingenommen
gewesen. Sie habe ihn mehrfach unterbrochen, sei ihm ins Wort gefallen
und habe ihn zur Kürze angehalten. Insgesamt habe sie ihm nicht Gele-
genheit gegeben, sich zu den für sein Asylgesuch relevanten Punkten zu
äussern. Sie habe ihm suggestive Fragen gestellt. Zudem habe ein Prob-
lem mit der offenbar aus Afghanistan stammenden Dolmetscherin, welche
nicht dasselbe Persisch wie er gesprochen habe, bestanden. Entgegen der
Argumentation der Vorinstanz habe er in Bezug auf den Ort seiner Tätigkeit
als Musiker weder diffus noch hinsichtlich seiner Kontaktaufnahme mit den
internationalen Musikern ausweichend geantwortet. Einzelne Antworten
basierten auf Übersetzungsfehlern und Missverständnissen. Er habe ein-
zelne Fragen nicht verstanden oder es wurden nicht alle seine Angaben
protokolliert. Gegenüber dem unterzeichnenden Rechtsvertreter habe er
ohne weiteres Angaben zu seinem Freund H._, der unterdessen in
Grossbritannien als Flüchtling anerkannt worden sei, machen können.
Durch diesen sei er zu seinen Kontakten mit Musikern in den USA gelangt.
Es sei unverhältnismässig, aufgrund der Verwirrungen bei der Anhörung
seine Tätigkeit als Musiker als unglaubhaft zu bezeichnen, zumal er dies-
bezüglich weitere Angaben (Instrumente, Orte seiner Auftritte, Personen,
mit denen er aufgetreten sei, Ablauf der Konzerte) habe machen können.
Er gehe seiner Tätigkeit als Musiker in der Schweiz weiterhin nach und sei
schon mit international bekannten iranischen Musikern aufgetreten, die für
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ihre revolutionären, im Iran verbotenen Lieder bekannt seien. Er sei mit
I._, der in J._ als Flüchtling anerkannt worden sei, bereits
im Iran (privat) aufgetreten. Dies könne den eingereichten Fotos und Vi-
deoausschnitten entnommen werden. Er pflege weiterhin Kontakte zu Mu-
sikern, die aus dem Iran hätten fliehen müssen oder deren Musik im Iran
verboten sei. Im Weiteren habe die Vorinstanz hinsichtlich der von ihr als
unglaubhaft erachteten Verhaftung ausser Acht gelassen, dass er von der
Befragerin zur Kürze angehalten und unterbrochen worden sei, weshalb
seine knappen Antworten nicht zu seinem Nachteil ausgelegt werden dürf-
ten. Er habe zur Party ausgesagt, dass er dort als Musiker eingeladen wor-
den sei und daher den Grund für den Anlass nicht gekannt habe. Die Vor-
instanz sei zudem auf die ausführlichen Angaben in seinem freien Bericht
zu dieser Party (Auftauchen der Polizei, Fusstritt auf sein Instrument, seine
Schulterverletzung, Festnahme, Zerstören seines Instruments) nicht ein-
gegangen. Ferner habe sie ihm hinsichtlich seiner Biografie (Aufgaben und
Pensionierung seines Vaters, Ausbildung, Tätigkeit als [...]) zu Unrecht wi-
dersprüchliche, diffuse und unsubstanziierte Angaben vorgehalten. Die
fehlenden Erinnerungen dürften ihm nicht negativ angelastet werden.
Ebenso seien seine Angaben zur Arbeitsstelle in Teheran (Reinigungskraft
in einer [...]) nicht substanzarm ausgefallen. Weiter seien die festgestellten
Widersprüche zu seinem letzten Wohnort und seine Ausreise auf die stark
verkürzte BzP, welche unter Druck durchgeführt worden sei, sowie Über-
setzungsprobleme oder zumindest eine fehlerhafte Protokollierung zurück-
zuführen. Dies zeige sich in den Fragen "wann, wo und wie er aus Afgha-
nistan ausgereist sei" und "wann er Afghanistan verlassen habe", obwohl
er aus dem Iran stamme. Seine Erklärung zu seinem letzten Wohnort
könne als Frage nach seinem letzten "ordentlichen/offiziellen" Wohnsitz
verstanden werden. Im Weiteren seien seine Angaben zu seinem Reise-
pass kohärent und klar. Er habe diesen nicht einreichen können, da er ihn
den Schleppern abgegeben habe. Zum Vorwurf der Vorinstanz, wonach er
die Anwerbung durch einen Mann substanzarm geschildert habe, macht er
geltend, er sei von der Befragerin zur Straffung seiner Vorbringen aufge-
fordert worden. Diese habe ihn unterbrochen. Die Angaben zur Anzahl
Treffen mit dieser Person seien nicht widersprüchlich, sondern kohärent
ausgefallen. Diesbezüglich habe er sich zudem in einer Zwangslage be-
funden, so dass er die Treffen nicht habe ausschlagen können. Er sei für
eine Rekrutierung als Spion für das Regime die perfekte Zielperson gewe-
sen. Es sei ihm ein neues Leben mit gutem Einkommen versprochen wor-
den, nachdem er seine Tätigkeit als Musiker hätte aufgeben müssen und
auf die finanzielle Unterstützung seiner Familie angewiesen gewesen
wäre. Seine Flucht zeige auf, dass er in ständiger Furcht vor der Polizei
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respektive dem Sicherheitsapparat gelebt habe. Er sei wegen gesetzwidri-
gem Verhalten ständig auf deren Radar gestanden. Er habe mit Spionage-
arbeiten oder Ähnlichem rechnen müssen, zumal ihm eine Ausbildung im
militärischen Bereich und im Umgang mit Waffen in Aussicht gestellt wor-
den sei. Im Weiteren widerspreche die Argumentation der Vorinstanz, wo-
nach die eigereichte Vorladung der Staatsanwaltschaft vom (...) kein Be-
weiswert habe, der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts. Ins-
gesamt habe die Vorinstanz den Beweisanforderungen gemäss Art. 7
AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen. Seine glaubhaften Aussagen
würden allfällige Unstimmigkeiten überwiegen. Diese seien im Gesamtkon-
text und unter Würdigung des negativen Befragungsklimas in sich stimmig,
schlüssig und folgerichtig.
Im Weiteren weist der Beschwerdeführer auf die seit seiner Flucht im De-
zember 2014 verschlechterte Menschenrechtslage und die Massenpro-
teste Ende 2017 im Iran hin und erwähnt auch das Grundsatzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2009/28. Musiker würden stark über-
wacht und Verstösse würden hart bestraft. Es seien bereits Musiker ver-
haftet worden, denen aufgrund ihrer Musikstilrichtung Beleidigung islami-
scher Werte sowie regimekritische Propaganda vorgeworfen worden seien
und daher hohe Haftstrafen oder gar die Todesstrafe drohen würde. Auch
amnesty international habe über willkürliche Inhaftierungen von Musikern
berichtet, welche zum Teil deckungsgleich mit seinen Aussagen seien.
Gleichzeitig ersucht der Beschwerdeführer um Beizug der Akten eines ira-
nischen Musikers, der im November 2016 vom SEM als Flüchtling aner-
kannt worden sei.
Hinsichtlich der von der Vorinstanz negativ beurteilten subjektiven Nach-
fluchtgründe hält der Beschwerdeführer ferner fest, er setze sein Engage-
ment gegen die iranische Regierung in der Schweiz fort, sei auch bei sei-
nen musikalischen Auftritten zusammen mit Personen aufgetreten, bei de-
nen politische und kritische Lieder gespielt worden seien. Zudem beteilige
er sich regelmässig an Protestkundgebungen gegen die iranische Regie-
rung. Das CAT, der EGMR und das U.K. Upper Tribunal würden bei irani-
schen Asylsuchenden bereits bei einem niederrangigen, exilpolitischen
Profil von einer Gefährdung im Falle einer Rückkehr in den Iran ausgehen.
Ausserdem sei er wegen seiner illegalen Ausreise gefährdet.
4.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung an ihrem Standpunkt fest.
Insbesondere führte sie hinsichtlich des Befragungsklimas anlässlich der
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Anhörung aus, die vom Beschwerdeführer zitierten Stellen, wo Detailhaf-
tigkeit gefordert und er kurze Zeit darauf wieder unterbrochen worden sei,
seien aus dem Zusammenhang gerissen. Es sei nicht aussergewöhnlich,
dass ein Gesuchsteller unterbrochen werde, wenn sein ausschweifendes
Aussageverhalten lediglich eine Folge seiner Erklärungsnot darstelle. Hin-
sichtlich des Vorwurfs, die Befragerin habe sich eines passiv-aggressiven
und wertenden Fragestils bedient, habe die anlässlich der Anhörung anwe-
sende Hilfswerksvertretung den Befragungsstil nicht bemängelt. Es sei in
der Natur der Anhörung, dass die Antworten zu werten seien und der Ge-
suchsteller mit Ungereimtheiten konfrontiert werde. Der Vorwurf, es sei zu
Verständigungsproblemen zwischen der Dolmetscherin und dem Be-
schwerdeführer und daher zu Missverständnissen gekommen, sei als Aus-
flucht zu werten. Der Beschwerdeführer sei zu Beginn der Anhörung zwei-
mal angehalten worden, sich sogleich zu melden, sollte er etwas nicht ver-
stehen. Auch die Dolmetscherin sei gefragt worden, ob sie ihn verstehe. Er
habe offenbar keinen Anlass mehr gehabt, sich zu melden. Seine Anmer-
kungen zu bestimmten Fragen nach der Rückübersetzung des Anhörungs-
protokolls würden verdeutlichen, dass er diese verstanden und er Gele-
genheit gehabt habe, Korrekturen anzubringen. Hinsichtlich der einge-
reichten Fotos und Videoaufnahmen gebe es Ungereimtheiten betreffend
solcher in Dubai. Ohnehin gebe die Existenz solcher Beweismittel nicht
Aufschluss darüber, ob der Beschwerdeführer im Iran einer Verfolgung
ausgesetzt gewesen sei oder nicht. Schliesslich hielt die Vorinstanz zu den
geltend gemachten musikalischen Auftritten in der Schweiz sowie der exil-
politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers fest, diese würden keine
Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung bei einer Rückkehr in den Iran
begründen. Es gebe keine konkreten Hinweise darauf, dass er sich in qua-
lifizierter Weise politisch betätigt habe.
4.4 Der Beschwerdeführer führte in seiner Replik aus, die Verständigungs-
probleme seien wohl die Hauptursache für das schlechte Befragungsklima
gewesen. Er habe anlässlich der Rückübersetzung festgestellt, dass seine
Angaben zusammengefasst, reduziert und zuweilen unpräzise protokolliert
worden seien. Dies sei weder der Befragerin noch der Hilfswerksvertreterin
aufgefallen. Eine Tonaufnahme hätte dies belegen können. Zudem könne
aufgrund der Dauer der Rückübersetzung geschlossen werden, dass es in
vielen Punkten Anlass zu Diskussionen gegeben habe. Die Vorinstanz sei
über die iranischen Gegebenheiten nicht im Bild. Dies zeige sich aus der
von ihr zitierten Stelle zur Party. Eine seiner verkürzten Aussagen, wonach
von den Konzerten in Dubai Videos existieren würden, habe zum Missver-
ständnis geführt. Er sei sicher, dass er dabei auch von seinen anderen
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Konzertauftritten gesprochen habe. Überdies habe er in der Schweiz an
weiteren Veranstaltungen teilgenommen.
5.
In der Beschwerde werden einleitend Einwände zum Befragungsklima und
zur Befragungstechnik anlässlich der Anhörung – die Befragerin sei ihm ins
Wort gefallen und voreingenommen gewesen, habe suggestive Fragen ge-
stellt und ihn oft unterbrochen – sowie zur Dolmetschertätigkeit – Verstän-
digungsprobleme und Missverständnisse mit der nicht dasselbe Persisch
wie er sprechenden Dolmetscherin aus Afghanistan – vorgebracht. Betref-
fend das Befragungsklima habe sich die Befragerin nicht an die im Hand-
buch des SEM festgelegten Grundregeln gehalten und ausgesprochen
wertende Elemente einfliessen lassen. Das Bundesverwaltungsgericht
kann sich diesen nach Prüfung der Akten nicht anschliessen. Wie nachfol-
gend aufgezeigt wird, hatte der Beschwerdeführer nach Auffassung des
Gerichts anlässlich der Anhörung ausreichend die Möglichkeit, sich frei zu
seinen Asylgründen zu äussern.
Wie dem diesbezüglichen Protokoll entnommen werden kann, hat die Be-
fragerin von Beginn weg auf eine korrekte Übersetzung der Anhörung ge-
achtet, um Missverständnisse zu vermeiden. Dies zeigt sich unter anderem
darin, dass sie auf einer Übersetzung der Befragung durch die Dolmet-
scherin bestand, nachdem der Beschwerdeführer zu Beginn der Anhörung
Fragen auf Deutsch beantwortet hatte (vgl. A23 F1 ff.). Zwar hat der Be-
schwerdeführer anfangs darauf hingewiesen, dass die Dolmetscherin nicht
dasselbe Persisch wie er spreche und er sie nicht zu «hundert Prozent»
verstehe. Indes erhob er während der Anhörung keine Einwände gegen die
Übersetzungsleistungen oder die Protokollierungen, obwohl ihn die Befra-
gerin darauf hingewiesen hatte, sich sofort zu melden, sobald es Unklar-
heiten gebe (vgl. a.a.O. F2, F8). Er bat einmal um die Wiederholung der
Frage und die Umrechnung eines bestimmten Datums in den iranischen
Kalender (vgl. a.a.O. F220). Auch später musste eine Frage wiederholt
werden (vgl. a.a.O. F74). Ansonsten gab es seitens des Beschwerdefüh-
rers keine Anmerkungen zu Verständigungsproblemen. Der Umstand, dass
sich die Befragerin bei der Dolmetscherin erkundigt hatte, wie sie den Be-
schwerdeführer verstehe, spricht nicht gegen Verständigungsschwierigkei-
ten. Vielmehr wollte sie damit offensichtlich sicherstellen, dass die Verstän-
digung auf beiden Seiten bestehe, um allfällige Missverständnisse zu ver-
meiden oder rechtzeitig erkennen zu können (vgl. a.a.O. F25). Im Weiteren
muss auch der pauschale Einwand in der Replik, wonach aufgrund der
Dauer der Rückübersetzung von Unzulänglichkeiten ausgegangen werden
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müsse, zurückgewiesen werden. Schliesslich hat der Beschwerdeführer
das Protokoll nach der Rückübersetzung mit seiner Unterschrift als korrekt
bestätigt. Darauf muss er sich behaften lassen, zumal es auch seitens der
bei der Anhörung anwesenden Hilfswerksvertretung keinerlei Einwände in
diese Richtung gab.
Soweit der Beschwerdeführer die Übersetzungsqualität anlässlich der BzP
bemängelt, ist ihm beizupflichten, dass es dort tatsächlich eine fehlerhafte
Protokollierung gegeben hat, als er gefragt wurde, wann, wo und wie er
aus Afghanistan ausgereist sei (vgl. A7 S. 5). Diese offensichtlich falsche
Frage zum Herkunftsland lässt jedoch nicht den Schluss zu, dass die Über-
setzung insgesamt unzulänglich gewesen wäre. Im Übrigen betreffen die
von der Vorinstanz festgestellten Ungereimtheiten, bis auf den Wider-
spruch betreffend den Wohnort und Ausreisezeitpunkt, ohnehin die Aussa-
gen innerhalb der Anhörung.
Weiter sind die Befragungstechnik und das Befragungsklima anlässlich der
Anhörung nicht zu beanstanden. So kann dem diesbezüglichen Protokoll
entnommen werden, dass der Beschwerdeführer zu Beginn der Anhörung
eingehend auf seine Rechte und Pflichten aufmerksam gemacht worden
war. Die Befragerin erklärte ihm den Ablauf der Befragung und forderte ihn
auf, sich bei Unklarheiten und Fragen oder wenn er eine Pause benötige,
sofort zu melden (vgl. A23 F2, F8, F9). Weiter fällt auf, dass sie jeweils
klare Fragen gestellt und einzelne bei Bedarf anders formuliert hat. Dabei
war sie stets darum bemüht, mittels gezielter und teils kritischer Nachfra-
gen Klarheit in die oftmals kurzen und unstrukturierten Antworten des Be-
schwerdeführers zu bringen. Der Beschwerdeführer musste wiederholt da-
rauf hingewiesen werden, keine ausschweifenden Aussagen zu machen
und diese nicht unnötig zu wiederholen, weshalb die dortigen Unterbre-
chungen durch die Befragerin berechtigt waren (vgl. a.a.O. F123, F124,
F125, F132, F144, F145). Zwar enthält die Anhörung an einigen wenigen
Stellen Bemerkungen der Befragerin, welche auch anders hätten formuliert
werden können (Frage, ob ihre Fragen nicht "dumm" seien; Bemerkung,
es mache für sie den Anschein, er wolle am liebsten nicht antworten). Ge-
stützt darauf kann jedoch nicht, wie vom Beschwerdeführer moniert, auf
ein äusserst schlechtes Befragungsklima geschlossen werden. Zudem er-
hielt er von der Befragerin wiederholt Gelegenheit, seine Asylgründe um-
fassend vorzutragen, zu ergänzen oder seine Antworten, wo es wichtig er-
schien, auszuführen und mehr Details vorzutragen (vgl. a.a.O. F80). Dabei
unterschied sie zu Recht zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem so-
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wie genauen oder ungefähren Antworten (vgl. a.a.O. F80 ff.). Beispiels-
weise forderte sie den Beschwerdeführer wiederholt auf, ungefähre Anga-
ben bezüglich seiner beruflichen Tätigkeit zu machen (wann und wo unge-
fähr er als (...) gearbeitet habe und Angaben zu seiner Tätigkeit in Tehe-
ran). Bei der Durchsicht des Anhörungsprotokolls fällt weiter auf, dass die
Antworten des Beschwerdeführers häufig ausweichend ausfielen, sehr
kurzangebunden oder unpräzise waren. Auf einzelne Fragen erwähnte er,
dass er sich nicht erinnern könne, obwohl von ihm nicht genaue, sondern
nur ungefähre Angaben verlangt wurden. Es entstand dabei der Eindruck,
er möchte sich nicht festlegen (vgl. a.a.O. F64 ff. und F82 ff., F111, F113,
F119, F120). Auch auf die Frage, was auf dem von ihm eingereichten Zettel
stehe, bei dem es sich um eine gerichtliche Vorladung handeln solle, ant-
wortete er wiederholt, es stehe alles drauf respektive er habe es bereits
gesagt (vgl. a.a.O. F177). Dadurch entsteht der Eindruck, er kenne dessen
Inhalt gar nicht. Es kann zudem nicht der Schluss gezogen werden, die
Befragerin hätte ihn zu Antworten gedrängt. Überdies erwähnte der Be-
schwerdeführer am Schluss der Anhörung, er habe alles sagen können
und nichts vergessen (vgl. a.a.O. F249). Schliesslich ist der in der Be-
schwerde erhobene pauschale Einwand, wonach die falsche Protokollie-
rung weder der Befragerin noch der Hilfswerksvertreterin aufgefallen sei,
als nicht stichhaltig zurückzuweisen. Aufgrund der vorstehend gemachten
Feststellungen kann das Anhörungsprotokoll dem vorliegenden Entscheid
zugrunde gelegt werden.
6.
6.1 Vorliegend ist die Vorinstanz in ihren Erwägungen zur zutreffenden Er-
kenntnis gelangt, dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers
den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügen. Die Entgeg-
nungen in den Beschwerdeeingaben und die darin aufgerufenen Beweis-
mittel führen, soweit sie sich nicht ohnehin in blossen Wiederholungen, Be-
kräftigungen und Gegenbehauptungen erschöpfen, zu keiner anderen Be-
trachtungsweise.
6.2 Vorab ist festzustellen, dass weder von der Vorinstanz noch vom Ge-
richt in Zweifel gezogen wird, dass der Beschwerdeführer auch als Musiker
tätig war und weiterhin ist. Indessen hat die Vorinstanz insbesondere die
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Probleme im Zusammenhang
mit dieser Tätigkeit – Festnahme an Party, (implizit) die Schwierigkeiten
nach der Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit mit international bekann-
ten Musikern, Anwerbung für eine Ausbildung (gemäss ihm auch an den
E-809/2018
Seite 14
Waffen) – aufgrund von unsubstanziierter, ausweichender und nicht detail-
lierter Angaben als unglaubhaft erachtet. Die Erklärungsversuche des Be-
schwerdeführers, wonach seine Antworten zur Tätigkeit als Musiker auf
Übersetzungsfehlern und Missverständnissen sowie Falschprotokollierung
basieren würden, sind in der vorgelegten Form nicht stichhaltig und als
Schutzbehauptungen zu werten. Es kann diesbezüglich auf die Erwägun-
gen hiervor (E. 5) verwiesen werden.
Wie von der Vorinstanz zudem zutreffend ausgeführt worden ist, hätten
vom Beschwerdeführer detaillierte Angaben zu den Orten seiner Auftritte
erwartet werden können. Seine Erklärungsversuche, wonach er weitere
Angaben zu den Instrumenten, zu den Personen, mit denen er aufgetreten
sei, und zum Ablauf der Konzerte habe machen können, und sein Hinweis,
dass er auch in der Schweiz mit international bekannten iranischen Musi-
kern aufgetreten sei, die für ihre revolutionären Lieder bekannt seien, ver-
mögen die festgestellte Unglaubhaftigkeit der im Zusammenhang mit die-
ser Tätigkeit erfolgten behördlichen Nachstellungen nicht herzustellen.
Auch mit den auf Beschwerdeebene eingereichten Fotos (offenbar auch
älteren Datums), auf denen er zusammen mit angeblich bekannten irani-
schen Musikern – unter anderem als (...) – abgebildet ist, vermögen nicht
glaubhaft zu machen, dass es sich dabei um Aufnahmen von Konzerten
handelt, die zu Schwierigkeiten mit den Behörden geführt hätten. Sein Hin-
weis, wonach er mit verschiedenen politisch kritischen Personen bereits im
Iran aufgetreten sei, so auch I._, lässt keinen anderen Schluss zu,
zumal alleine daraus nicht auf Verfolgungsmassnahmen seitens der irani-
schen Behörden zu schliessen ist. Schliesslich hat die Vorinstanz zutref-
fend dargelegt, es gehe aus den im vorinstanzlichen Verfahren eingereich-
ten Foto-und Videoaufnahmen nicht hervor, wo diese entstanden sind.
Der weitere Einwand des Beschwerdeführers, er sei anlässlich der Anhö-
rung bei der Schilderung seiner Verhaftung zur Kürze angehalten und un-
terbrochen worden, muss mit Hinweis auf das hiervor Gesagte (vgl. E. 5)
zurückgewiesen werden, zumal auch die diesbezüglichen Angaben zur
Party, wo er festgenommen worden sei, äusserst knapp ausgefallen sind.
Es wären weitergehende Angaben zu erwarten gewesen, falls er tatsäch-
lich an diesem Anlass festgenommen worden wäre.
Schliesslich handelt es sich bei der von der Vorinstanz festgestellten Un-
gereimtheit hinsichtlich seines Wohnorts um eine klare Antwort des Be-
schwerdeführers auf die Frage, welches seine letzte Wohnadresse gewe-
E-809/2018
Seite 15
sen sei und bis wann er dort gelebt habe. Seine Antwort war der 4. Dezem-
ber 2015, dann ein Tag in der Türkei und danach Registrierung in Grie-
chenland (vgl. A7 S. 4 und 5), während dem er in der Anhörung ganz an-
dere Angaben zum Abreisedatum aus D._ (26.12.2013), seiner
Reise nach Teheran und die Türkei gemacht hat (vgl. A23 F216ff.).
Im Weiteren kann der Beschwerdeführer den von der Vorinstanz festge-
stellten Ungereimtheiten betreffend die angeblichen Kontakte und Anwer-
bungsversuche (Art und Anzahl) durch eine Person, die er anlässlich seiner
Festnahme kennengelernt habe, nichts Substanzielles entgegensetzen.
Die von ihm angeführten Erklärungen, wonach er sich in einer Zwangslage
befunden habe und er für eine Rekrutierung die perfekte Zielperson für das
iranische Regime gewesen sei, ändern nichts an dieser Einschätzung und
überzeugen auch inhaltlich nicht.
Schliesslich kommt der als Beweismittel eingereichten Vorladung der
Staatsanwaltschaft vom (...) – obwohl als Original eingereicht – nur ein
geringer Beweiswert zu, da solche Dokumente leicht zu fälschen und käuf-
lich erwerbbar sind. Jedenfalls vermag alleine dieses Dokument die hiervor
festgestellten zahlreichen Ungereimtheiten in den Vorbringen des Be-
schwerdeführers nicht zu beseitigen. Überdies machte dieser anlässlich
der Anhörung auf die Frage, was darin stehe, geltend, es stehe alles drin.
Indes hätte von ihm erwartet werden können, dass er diesbezüglich ge-
nauere Angaben (z.B. Umstände zum Erhalt durch seine Eltern) machen
könne und sich genauer zum Inhalt äussern würde, wenn er tatsächlich vor
Gericht vorgeladen worden wäre.
6.3 Insgesamt erweisen sich die Vorfluchtgründe somit als unglaubhaft.
6.4
6.4.1 Bezüglich der geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten des Be-
schwerdeführers hat die Vorinstanz sodann ebenfalls zu Recht eine be-
gründete Furcht vor künftiger Verfolgung verneint.
6.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Praxis grundsätz-
lich von einer unbefriedigenden Menschenrechtssituation im Iran aus. Auch
nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2013 steht es vor allem um die
Wahrung der politischen Rechte und insbesondere der Meinungsäusse-
rungsfreiheit schlecht. Jegliche Kritik am System der Islamischen Republik
und deren Würdenträgern ist tabu, ebenso die Berichterstattung über poli-
E-809/2018
Seite 16
tische Gefangene oder echte Oppositionsbewegungen. Die iranischen Be-
hörden unterdrücken in systematischer Weise die Meinungsäusserungs-
freiheit durch die Inhaftierung von Journalisten und Redakteuren, und die
Medien sind einer strengen Zensur – respektive einem Zwang zur Eigen-
zensur – unterworfen. Somit hat sich die Einschätzung des Bundesverwal-
tungsgerichts zur Lage im Iran (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.1) auch nach
den Präsidentschaftswahlen im Juni 2013 nicht geändert und behält nach
wie vor ihre Gültigkeit (vgl. beispielsweise das Urteil des BVGer E-
4282/2018 vom 4. März 2020 E. 7.3.1 m.w.H.).
6.4.3 Die politische Betätigung für staatsfeindliche Organisationen im Aus-
land ist seit der Neufassung des iranischen Strafrechts im Jahr 1996 unter
Strafe gestellt. Einschlägigen Berichten zufolge wurden in der Vergangen-
heit denn auch bereits Personen verhaftet, angeklagt und verurteilt, welche
sich unter anderem im Internet kritisch zum iranischen Staat äusserten (vgl.
SFH, „Iran: Illegale Ausreise / Situation von Mitgliedern der PDKI / Politi-
sche Aktivitäten im Exil“, 16. November 2010, S. 7 ff., m.w.H.). Es ist zwar
bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer
Staatsbürger im Ausland überwachen und erfassen (vgl. dazu beispiels-
weise das Urteil des BVGer E-4302/2020 vom 18. September 2020
E. 6.4.2 m.w.H.). Es bleibt jedoch im Einzelfall zu prüfen, ob die exilpoliti-
schen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegen-
der Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im flüchtlingsrechtlichen Sinne
nach sich ziehen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist dabei
davon auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfas-
sung von Personen konzentrieren, die über die massentypischen, niedrig-
profilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen
ausgeübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, welche die jeweilige
Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen
und als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen.
Dabei darf davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheits-
behörden zu unterscheiden vermögen zwischen tatsächlich politisch enga-
gierten Regimekritikern und Exil-Aktivisten, die mit ihren Aktionen in erster
Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.4.3). Diese Praxis widerspricht sich weder mit dem in
der Beschwerdeschrift zitierten Urteil des Europäischen Menschenrechts-
gerichtshofs noch mit jenem des U.K. Upper Tribunal (Beschwerde S. 25).
Auch die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts reduziert das Risiko von
Exil-Aktivisten weder auf Personen mit Führungspositionen in politischen
E-809/2018
Seite 17
Organisationen noch auf solche mit herausragendem Profil und berück-
sichtigt das Ausmass der Aktivitäten ("nature of level of the sur place acti-
vity").
6.4.4 Weder den vorinstanzlichen Akten noch den Darlegungen und einge-
reichten Beweismitteln auf Beschwerdeebene können Hinweise darauf
entnommen werden, dass sich der Beschwerdeführer durch seine Aktivitä-
ten in der Schweiz (vereinzelte Auftritte als Musiker/[...] sowie Treffen mit
missliebigen Personen mit politischen und kritischen Liedern, Teilnahme an
Protestkundgebungen mit organisatorischer Mitarbeit) in qualifizierter
Weise exilpolitisch betätigt hat. Sein Verhalten ist jedenfalls nicht geeignet,
ein ernsthaftes Vorgehen der iranischen Behörden zu bewirken. Zudem
bestehen keine glaubhaften Anhaltspunkte für die Annahme, im Iran wären
gegen ihn behördliche Massnahmen eingeleitet worden. Er vermag auch
mit dem Hinweis auf das Asylverfahren des iranischen Musikers
K._., der im Jahre 2016 vom SEM als Flüchtling vorläufig aufge-
nommen wurde, nichts für sich abzuleiten, zumal jenem Verfahren eine an-
dere Konstellation als dem vorliegenden zugrunde lag. Aus diesen Grün-
den ist auch das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe zu verneinen.
6.4.5 Aufgrund der gemachten Feststellungen, wonach nicht davon auszu-
gehen ist, dass der Beschwerdeführer vor dem Verlassen aus dem Iran als
regimefeindliche Person ins Blickfeld der Behörden geraten ist, ist auch im
heutigen Zeitpunkt nicht anzunehmen, dass die iranischen Behörden der-
art auf ihn aufmerksam geworden sind, um ihn als staatsgefährdend ein-
zustufen, und er deshalb flüchtlingsrechtlich relevante Massnahmen zu be-
fürchten hätte.
6.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine
Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und deshalb
nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Es kann seinen Vorbringen
auch kein unerträglicher psychischer Druck abgeleitet werden, der ihm den
weiteren Verbleib in seiner Heimat verunmöglicht hätte beziehungsweise
zukünftig verunmöglichen würde. Das SEM hat sein Asylgesuch somit zu
Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
E-809/2018
Seite 18
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
E-809/2018
Seite 19
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Die im Iran herrschende allgemeine Lage zeichnet sich nicht durch
eine Situation allgemeiner Gewalt aus, obwohl die Staatsordnung als tota-
litär zu bezeichnen ist und die allgemeine Situation in verschiedener Hin-
sicht problematisch sein kann. Selbst unter Berücksichtigung dieser Um-
stände wird der Vollzug von Wegweisungen in den Iran nach konstanter
Praxis als grundsätzlich zumutbar erachtet (vgl. u.a. Urteil E-4302/2020
vom 18. September 2020 E.8.4.1 m.w.H.)
8.3.3 Sodann handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen 35-jähri-
gen, gesunden Mann. Seinen Angaben zufolge verfügt er über zwölf Jahre
Schulbildung und verschiedene Berufserfahrungen als (...) und als Reini-
gungskraft (vgl. A23 F82 ff., F98). Zudem kann er in seiner Heimat mit sei-
nen Eltern und vier Geschwistern auf ein familiäres Beziehungsnetz und
eine gesicherte Wohnsituation zurückgreifen, was beim Aufbau einer
neuen Existenzgrundlage von Vorteil sein kann (vgl. A7 S. 5). Es bestehen
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insgesamt keine Anzeichen dafür, dass er bei einer Rückkehr in den Iran
in eine existenzielle Notlage geraten würde.
8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Diesbezüglich ist ergänzend festzuhal-
ten, dass die aktuelle Lage im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pan-
demie (COVID-19) grundsätzlich nicht geeignet ist, die Durchführbarkeit
des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Die Anordnung einer vorläu-
figen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorüber-
gehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der
Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt. Andernfalls ist dem tem-
porären Hindernis im Rahmen der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tra-
gen. Soweit derzeit feststellbar, handelt es sich bei der Coronavirus-Pan-
demie allenfalls um ein temporäres Vollzugshindernis. Es obliegt somit den
kantonalen Behörden, der Entwicklung der Situation bei der Wahl des Zeit-
punkts des Vollzugs in angemessener Weise Rechnung zu tragen (vgl.
statt vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit
Verfügung vom 14. Februar 2018 das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gutgeheissen und ist den Akten keine Änderung
seiner finanziellen Lage zu entnehmen, womit keine Verfahrenskosten zu
erheben sind.
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Seite 21
10.2 Mit derselben Verfügung wurde das Gesuch um amtliche Verbeistän-
dung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und dem Beschwerdeführer
sein Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Darin wurde auf den pra-
xisgemässen Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen
und Anwälte hingewiesen. Dem amtlichen Rechtsbeistand ist ein Honorar
zulasten des Gerichts auszurichten (Art. 65 Abs. 5 VwVG und Art. 12 i.V.m.
Art. 8 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Der in der Kostennote vom 19. März 2018 ausgewiesene Vertretungsauf-
wand erscheint als nicht ganz angemessen und wird angesichts zahlrei-
cher «Texbausteine» auf zwölf Stunden gekürzt. Die Auslagen von
Fr. 34.60 erscheinen als angemessen. Unter Anwendung eines Stunden-
ansatzes von Fr. 220.– ist das Honorar des amtlichen Rechtsbeistandes
somit auf insgesamt Fr. 2'878.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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