Decision ID: e65f26d5-7b85-5628-87fb-30938e0af70e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit 1998. Er wurde wegen eines
Geschwindigkeitsdelikts am 18. Oktober 2000 verwarnt. Der Führerausweis, der am
24. Juni 2004 wegen eines nicht unerheblichen Suchtmittelmischkonsums von Alkohol
und Cannabis mit der Auflage einer Drogenabstinenz verknüpft worden war, wurde ihm
am 24. März 2006 wegen Missachtung der Auflage vorsorglich entzogen. Die
Massnahmen wurden am 31. Juli 2006 nach einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung aufgehoben.
B.- Am Dienstag, 15. Juni 2010, wurde X um 20.30 Uhr als Lenker des
Personenwagens "BMW 325i" mit dem amtlichen Kontrollschild AR 000 auf der R-
Strasse in G kontrolliert. Wegen Marihuanageruchs und eines in der Mittelkonsole
liegenden angerauchten Joints wurde ein Drogenschnelltest durchgeführt, der für
Cannabis (THC) positiv verlief. Ein Atemlufttest ergab umgerechnet eine
Blutalkoholkonzentration von 0,08 Gew.-‰. Der Führerausweis wurde X auf der Stelle
abgenommen. X gab an, er habe am Samstag, 12. Juni 2010, zwischen 21.00 und
21.30 Uhr zwei Joints geraucht. Er konsumiere seit vier Jahren regelmässig, d.h. ab
und zu an den Wochenenden, Marihuana. Die Analyse der abgenommenen Blutprobe
ergab Konzentrationen von 19 μg/l THC und 89 μg/l THC-Carbonsäure. Weil Letztere
für einen regelmässigen bzw. gewohnheitsmässigen Cannabis-Konsum spricht,
empfahl das Institut für Rechtsmedizin, welches die Blutprobe analysiert hatte, am
28. Juni 2010 die Abklärung der Fahreignung. Ein militärstrafrechtliches Verfahren – X
befand sich zurzeit des Vorfalls im Militärdienst – ist noch hängig.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen eröffnete am
2. Juli 2010 ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung und entzog X vorsorglich den
Führerausweis. Die am 13. Juli 2010 angeordnete spezialärztliche Untersuchung wurde
am 3. August 2010 an der verkehrsmedizinischen Abteilung des Instituts für
Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen durchgeführt. Im Gutachten vom
15. September 2010 wird festgestellt, konkrete Anhaltspunkte für eine Abhängigkeit
gemäss ICD-10 lägen nicht vor, jedoch könne die Fahreignung wegen eines
verkehrsrelevanten Drogenmissbrauchs mit Suchtgefährdung nicht befürwortet
werden.
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Mit Verfügung vom 22. Oktober 2010 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis wegen einer Drogenproblematik gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG
auf unbestimmte Zeit. Als Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs wurden eine
kontrollierte und fachlich betreute Drogenabstinenz (Arzt und Beratungsstelle) von
mindestens 6 Monaten (gemäss Info-Blatt) und eine verkehrsmedizinische
Kontrolluntersuchung genannt. Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende
Wirkung entzogen.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
4. November 2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem
Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und der Führerausweis, allenfalls unter Auflagen,
wiederzuerteilen. Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 3. Dezember
2010 die Abweisung des Rekurses. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur
Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gesuch des Rekurrenten, dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung
wiederzuerteilen, wies der Abteilungspräsident am 18. Januar 2011 ab. Die Kosten
dieser Zwischenverfügung blieben bei der Hauptsache. Am 29. März 2011 erhielt die
Verwaltungsrekurskommission Kenntnis vom unauffälligen Ergebnis der Analyse einer
dem Rekurrenten am 17. Februar 2011 am Institut für Rechtsmedizin des
Kantonsspitals St. Gallen abgenommenen Haarprobe.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 4. November 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs wird geltend gemacht, aus dem verkehrsmedizinischen Gutachten vom
15. September 2010 könne nicht auf eine mangelnde Fahreignung geschlossen
werden.
bis
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a) aa) Führerausweise dürfen nicht erteilt werden, wenn der Bewerber an einer die
Fahreignung ausschliessenden Sucht leidet (Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG). Sie sind zu
entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung
nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Wegen fehlender Fahreignung
wird einer Person der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer
Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG), wie
beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit (Botschaft zur
Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491).
Für die Trunksucht hat das Bundesgericht ausgeführt, diese sei gegeben, wenn der
Betroffene regelmässig so viel Alkohol konsumiere, dass seine Fahrfähigkeit vermindert
werde und er diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen
Willen nicht zu überwinden vermöge (BGE 104 Ib 46 E. 3a). Vergleichbares gilt auch für
die Drogensucht: Die Abhängigkeit von der Droge muss derart sein, dass der
Betroffene mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich ans Steuer
eines Fahrzeugs in einem – dauernden oder zeitweiligen – Zustand zu setzen, der das
sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Der Sicherungsentzug setzt den Nachweis
einer derartigen Abhängigkeit voraus; der Verdacht einer Drogensucht rechtfertigt
lediglich die vorsorgliche Aberkennung des Führerausweises während der Dauer der
Abklärungen (BGE 124 II 559 E. 2b).
Mit der Feststellung einer Drogensucht ist generell eine Unsicherheit verbunden.
Solange keine manifesten Folgeschäden vorliegen, ist es sehr schwierig, aus einer ein-
oder sogar mehrmaligen Untersuchung des Betroffenen zuverlässige Schlüsse zu
ziehen. Den Angaben des Betroffenen, der um den Erhalt seines Führerausweises
bangt, kann nicht ohne Weiteres Glauben geschenkt werden. Besondere
Schwierigkeiten ergeben sich bei der Feststellung einer Abhängigkeit von Cannabis.
Grundsätzlich gibt es bei Cannabis keine physische Abhängigkeit; der regelmässige
Konsum kann allerdings zu einer gewissen psychischen Abhängigkeit führen. Die für
eine Cannabis-Abhängigkeit typischen Symptome (Teilnahmslosigkeit,
Problemverdrängung, allgemeiner Aktivitätsverlust; sog. "amotivationales Syndrom")
können jedoch auch auf andere Ursachen zurückzuführen sein. Zwar kann es bei einem
länger andauernden Konsum von Haschisch zu einer chronischen Schädigung der
Atemwege, Beeinträchtigungen der Lungenfunktion, Herz-Kreislauf-Störungen und
Leberschädigungen kommen; derartige Schäden sind jedoch ebenfalls nicht cannabis-
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spezifisch und können z.B. auch die Folge eines übermässigen Tabakkonsums sein.
Der Nachweis von THC (bzw. seiner Metaboliten) im Urin ist noch lange nach dem
Konsum möglich und lässt für sich allein keinen Rückschluss auf Zeitpunkt, Häufigkeit
und Dosis des Haschischkonsums zu. So wertete das Bundesgericht den Umstand,
dass alle Urinuntersuchungen des Betroffenen THC-positiv ausfielen, zwar als Indiz
dafür, dass der Beschwerdeführer auf den Drogenkonsum aus eigener Willenskraft
nicht verzichten könne; mangels zusätzlicher, für eine Drogenabhängigkeit sprechender
Indizien könne jedoch das Vorliegen einer Sucht nicht schlüssig beurteilt werden (vgl.
BGE 124 II 559 E. 3c/aa).
bb) Angesichts der Schwierigkeiten, eine Drogenabhängigkeit mit der gebotenen
Sicherheit nachzuweisen, ist im Interesse der Verkehrssicherheit der regelmässige
Konsum von Drogen der Drogenabhängigkeit gleichzustellen, sofern dieser seiner
Häufigkeit und Menge nach geeignet ist, die Fahreignung zu beeinträchtigen. Auch in
diesem Fall scheint der Betroffene mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt,
sich ans Steuer eines Fahrzeugs in einem – dauernden oder zeitweiligen – Zustand zu
setzen, der das sichere Fahren nicht mehr gewährleistet (vgl. BGE 127 II 122 E. 3c, 124
II 559 E. 3d mit zahlreichen Hinweisen und E. 4).
Selbst bei der Einnahme grösserer Cannabismengen, welche geeignet sind, die
Fahrfähigkeit zu beeinträchtigen, kann nicht ohne Weiteres auf eine fehlende
Fahreignung geschlossen werden. Dies hängt vielmehr davon ab, ob der Betroffene in
der Lage ist, Haschischkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder ob
die naheliegende Gefahr besteht, dass er im akuten Rauschzustand am motorisierten
Strassenverkehr teilnimmt. Hierfür sind u.a. seine Konsumgewohnheiten (Ort und Zeit
des Haschischkonsums; kombinierte Einnahme weiterer Drogen) und seine
Persönlichkeit von Bedeutung: Erkennt der Betroffene die Gefährlichkeit von Cannabis
für den Strassenverkehr und kann ihm zugetraut werden, nach dem Haschischkonsum
auf das Autofahren zu verzichten? Es ist einzuräumen, dass derartige Feststellungen
und Prognosen schwierig sind. Jedoch ist der Sicherungsentzug ein schwerwiegender
Eingriff in den Persönlichkeitsbereich des Betroffenen und setzt deshalb umfassende
Abklärungen voraus (vgl. BGE 129 II 82 E. 2.2 mit Hinweisen; 124 II 559 E. 4e; Urteil
1C_98/2007 vom 13. September 2007, E. 2.1-3). Abklärungen sind insbesondere
hinsichtlich der Persönlichkeit des Betroffenen, seiner Vorgeschichte (früherer
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Drogenmissbrauch? Straffälligkeit im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln?) und
seinem bisherigen Verhalten im Strassenverkehr (insbesondere zu einem möglichen
Zusammenhang von SVG-Vorfällen und Drogenkonsum) zu treffen. Weiter sind soweit
möglich Feststellungen zu treffen zu Menge, Häufigkeit und Umständen des
Cannabiskonsums sowie zur Frage, ob neben Cannabis regelmässig weitere Drogen
und/oder Alkohol konsumiert werden (vgl. BGE 124 II 559 E. 5).
Kann in der verkehrsmedizinischen Untersuchung – trotz einem für die Vergangenheit
belegten Drogenkonsum – kein Drogennachweis geführt werden, ist beim Cannabis zu
klären, ob ein gelegentlicher oder ein gewohnheitsmässiger Konsum vorliegt. Die im
Vergleich mit anderen Betäubungsmitteln "tolerante" Auffassung zum gelegentlichen
Konsum von Cannabis findet ihre Grenzen dort, wo der Konsum anderer psychoaktiver
Stoffe hinzukommt. So wird bei Personen, die sowohl Cannabis wie Alkohol
konsumieren, ebenso von Nichteignung ausgegangen wie bei Personen, die
Tranquilizer konsumieren oder an einer Persönlichkeitsstörung leiden. Wer gelegentlich
Cannabis konsumiert, ist in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von
Motorfahrzeugen gerecht zu werden, wenn er Konsum und Fahren trennen kann, wenn
kein zusätzlicher Gebrauch von Alkohol oder anderen psychoaktiv wirkenden Stoffen
und wenn keine Störung der Persönlichkeit und kein Kontrollverlust vorliegen (vgl. E.
Stephan, in: Verkehrsmedizin, Köln 2007, S. 511 ff.).
b) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 15. September 2010 stützt sich einerseits
auf die Vorgeschichte und den Untersuchungsgrund sowie die Angaben des
Rekurrenten insbesondere zu seinem Alkohol- und Drogenkonsum und zum Ereignis
vom 15. Juni 2010, anderseits auf die Befunde der körperlichen Untersuchung und die
Ergebnisse der Analysen von Blut-, Urin- und Haarproben. Die Vorgeschichte und der
Untersuchungsgrund werden – soweit anhand der vorliegenden Akten überprüfbar –
zutreffend wiedergegeben. Weder die Laboranalysen noch die körperliche
Untersuchung ergaben verkehrsmedizinisch relevante Besonderheiten.
In der Beurteilung wird die Diagnose eines verkehrsrelevanten Drogenmissbrauchs mit
Suchtgefährdung damit begründet, der Rekurrent habe zunächst einen über den
Militärdienst hinausgehenden Cannabiskonsum negiert, später aber eingeräumt,
zwischendurch alle 2-3 Monate einen Joint geraucht zu haben. Der fortgesetzte
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Konsum deute auf einen nicht unerheblichen Stellenwert des Cannabis hin. Unter
Berücksichtigung der früheren Cannabisproblematik müsse der teils regelmässige (im
Militärdienst tägliche) und durch äussere Faktoren belastete Konsum kritisch gesehen
werden. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem problematischen Konsumverhalten
bestehe nicht. Der am 15. Juni 2010 festgestellte THC-Gehalt im Blut (19 μg/l)
widerlege die Behauptung des Rekurrenten, letztmals am 12. Juni 2010 Cannabis
konsumiert zu haben. Die Konzentration spreche für einen aktiven Konsum wenige
Stunden vor der Kontrolle. Die geltend gemachte Abstinenz seit Mitte Juni 2010 lasse
sich nicht widerlegen. In Anbetracht der Vorgeschichte mit früher erheblicher
Cannabisproblematik und dem letztlich wieder aufgenommenen Konsum stelle sich die
Frage der Prognose. Eine nachvollziehbare Motivation zur dauerhaften
Verhaltensänderung im Umgang mit Cannabis sei beim Rekurrenten nicht zu erkennen.
Die eingeleitete aktuelle Abstinenz sei an sich positiv zu bewerten, jedoch sei derzeit
keine Abgrenzung gegenüber einem zweckorientierten Konsumunterbruch möglich.
Eine zweckbedingte Veränderung des Konsummusters sei erfahrungsgemäss von
geringer Stabilität.
c) aa) Die dem Rekurrenten anlässlich der Kontrolle vom 15. Juni 2010 abgenommene
Blutprobe wies einen THC-Gehalt von 19 μg/l und einen THC-Carbonsäure-Gehalt von
89 μg/l auf. Letzterer deutet auf einen regelmässigen bzw. gewohnheitsmässigen
Cannabis-Konsum hin und warf die Frage nach der Fahreignung auf. Zu seinem
Cannabiskonsum gab der Rekurrent in der Befragung durch die Kantonspolizei St.
Gallen an, er konsumiere seit vier Jahren regelmässig, d.h. ab und zu an den
Wochenenden, Marihuana und habe letztmals am Samstag, 12. Juni 2006, zwei Joints
geraucht. In vier Jahren habe er etwa Fr. 400.-- dafür ausgegeben. In der
militärpolizeilichen Befragung hielt er daran fest, er habe am Tag der Kontrolle kein
Betäubungsmittel konsumiert. In der verkehrsmedizinischen Untersuchung gab der
Rekurrent an, vor 2004 habe ein Drogenproblem bestanden. Von 2004 bis 2006 habe
er – im Rahmen einer strassenverkehrsrechtlichen Auflage – eine Drogenabstinenz
eingehalten und auch nachher nicht mehr konsumiert. Einzige Ausnahme seien zwei
Militärdienste, nämlich 2008 und im Juni 2010, in denen er während je dreier Wochen
abends zwei bis drei Joints geraucht habe, um schlafen zu können. Im Rekurs wird
eingestanden, der Rekurrent konsumiere seit längerem immer wieder Cannabis,
allerdings nur an Wochenenden und in der Regel höchstens einmal im Monat.
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bb) Die vom Rekurrenten geltend gemachte Drogenabstinenz wurde durch die
verkehrsmedizinische Untersuchung nicht widerlegt. Sämtliche Analysen von Urin-,
Blut- und Haarproben verliefen unauffällig. Da sich die über den Urin ausgeschiedene
THC-Carbonsäure als Abbauprodukt von Cannabis noch nach einem Zeitraum von
etwa bis zu vier Wochen nach dem Konsum nachweisen lässt, deutet das unauffällige
Ergebnis darauf hin, dass der Rekurrent die geltend gemachte Cannabisabstinenz seit
rund vier Wochen vor der Untersuchung vom 3. August 2010 eingehalten hat und nicht
als chronischer, sondern als Gelegenheitskonsument bezeichnet werden kann (vgl.
dazu I. Thiele, Neue Aspekte in der Fahreignungsbegutachtung beim Drogenkonsum,
in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2005, S. 114 und 118). Wie im Gutachten
ausdrücklich festgehalten wird, ist der Rekurrent in der Lage, zweckorientiert – d.h. zur
Beibehaltung der Fahrberechtigung – den Konsum von Betäubungsmitteln einzustellen.
Die Fahreignung ist als nicht gegeben anzusehen, wenn der Gehalt an THC-
Carbonsäure im Blut 75 ng/ml (dies entspricht 75 μg/l) überschreitet, da eine solche
Konzentration auf einen regelmässigen, chronischen Konsum hinweist (vgl. Thiele,
a.a.O., S. 118 f.). Urin- und Blutproben verliefen indessen beim Rekurrenten unauffällig.
Insbesondere wird aus dem verkehrsmedizinischen Gutachten nicht ersichtlich, dass
der Gehalt von THC-Carbonsäure im Blut diesen Wert erreicht oder überschritten hätte.
Vielmehr fehlen dazu Angaben, so dass davon auszugehen ist, dass überhaupt keine
THC-Carbonsäure im Blut nachgewiesen wurde.
Die Angabe des Rekurrenten, sein Betäubungsmittelkonsum beschränke sich auf
Cannabis und umfasse keine harten Drogen, steht nicht im Widerspruch zu den Akten.
Insbesondere verlief die Analyse der dem Rekurrenten anlässlich der
verkehrsmedizinischen Untersuchung am 3. August 2010 abgenommenen Haarprobe
für Opiate, Kokain, Amphetamine und Methadon negativ. Die Analysen der dem
Rekurrenten gleichzeitig abgenommenen Blut- und Urinproben verliefen ebenfalls
durchwegs negativ. Hinweise auf einen Mischkonsum liegen deshalb nicht vor. Im
Gutachten wird denn auch auf die Problematik eines Mischkonsums nicht
eingegangen. Die Angaben des Rekurrenten, er trinke bei einem speziellen Anlass – ein
bis zweimal jährlich – ein oder zwei Glas Wein, der Alkoholkonsum sei immer in diesem
Rahmen und nicht belastungsbeeinflusst gewesen, bleiben unkommentiert. Der
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Gutachter hat die Umstände des gelegentlichen Cannabiskonsums – insbesondere
einen möglichen Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol – nicht geklärt.
cc) Liegt wie beim Rekurrenten lediglich ein gelegentlicher und nicht mit anderen
Suchtmitteln kombinierter Cannabiskonsum vor, stellt sich die Frage nach der
Verkehrsrelevanz, namentlich nach der Fähigkeit des Betroffenen, Cannabiskonsum
und Fahren hinreichend konsequent trennen zu können. Ein bereits wiederholt
vorgekommenes Fahren unter dem Einfluss von Drogen legt dann – zusammen mit
einem Drogenmissbrauch – jedenfalls den Schluss nahe, dass ein verkehrsrelevanter
Drogenmissbrauch bzw. eine verkehrsrelevante Drogenproblematik im Sinn einer
Unfähigkeit, Trinken und Fahren strikte trennen zu können, vorliegt; dies vor allem
dann, wenn das Problembewusstsein der betroffenen Person auch im
Begutachtungszeitpunkt noch als keineswegs ausreichend und stabil günstig zu
beurteilen ist. In diesem Fall ist die Fahreignung auch ohne Suchtnachweis abzulehnen
(vgl. zur Alkoholproblematik B. Liniger, Verkehrsmedizin: Bericht über den Stand der
Wissenschaft, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 112).
Aktenkundig wurde bisher lediglich ein Fall, in welchem der Rekurrent nach dem
Konsum von Cannabis ein Motorfahrzeug lenkte. Insbesondere ergibt sich aus den
wenigen und aktenmässig nicht belegten Angaben zur Vorgeschichte nicht, dass die
Abklärungen zur Fahreignung im Jahr 2004 und der vorsorgliche Entzug im Jahr 2006
Folge einer Auffälligkeit des Rekurrenten im Strassenverkehr waren. Vielmehr geht aus
der Schilderung im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 15. September 2010 hervor,
dass der vorsorgliche Entzug des Führerausweises Folge einer Missachtung der
Abstinenzauflage war. Bei der Abklärung der Konsumgewohnheiten ist der Gutachter
im Anschluss an die Ausführungen des Rekurrenten, er hätte sehr selten, d.h. nur alle
zwei bis drei Monate konsumiert, den für die Beurteilung der Verkehrsrelevanz
bedeutsamen Fragen nach dem Ort und den Umständen dieses Konsums und nach
einem möglichen Zusammenhang mit dem Führen eines Motorfahrzeugs nicht
nachgegangen. Damit wurden über das einmalige, im Zusammenhang mit dem
ausnahmsweise täglichen Konsum von Cannabis während des Militärdienstes
stehende Ereignis vom 15. Juni 2010 hinaus keine weitergehenden Hinweise für die
Verkehrsrelevanz des Cannabiskonsums des Rekurrenten erhoben.
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In der Befragung durch den Gutachter zum erneuten Cannabiskonsum trotz früherer
Massnahmen und Auflagen gab der Rekurrent an, er sei "nicht gescheiter gewesen".
Darin und im Umstand, dass er mittlerweile angeblich eine kontrollierte und fachlich
betreute Drogenabstinenz einhält, die mit dem unauffälligen Ergebnis der Analyse einer
am 17. Februar 2011 entnommenen Haarprobe belegt wird (vgl. act. 13), wird ein –
immerhin zweckorientiertes – Problembewusstsein erkennbar.
dd) Da bei der verkehrsmedizinischen Begutachtung neben allen unauffälligen
Analyseergebnissen hinsichtlich Alkohol- und Drogenkonsum auch keine THC-
Carbonsäure im Blut nachgewiesen, auf die Gefahr eines Mischkonsums von Cannabis
und Alkohol nicht eingegangen und auch die konkreten Umstände des gelegentlichen
Konsums (Ort, Umstände, Benutzung eines Motorfahrzeugs) nicht abgeklärt wurden,
erweist sich die Schlussfolgerung des Gutachters auf einen die Fahreignung des
Rekurrenten ausschliessenden Cannabiskonsum mit Blick auf die
verkehrsmedizinische Fachliteratur und die bundesgerichtliche Rechtsprechung als
nicht ausreichend nachvollziehbar.
Hinzu kommt, dass es nicht Aufgabe des ärztlichen Gutachtens ist, Aussagen zur
zukünftigen Entwicklung des Drogenproblems und seinen Auswirkungen auf die
allgemeine Verkehrssicherheit zu machen. Die Aufgabe des ärztlichen Gutachtens ist
es also nicht, zur Verhaltensprognose Stellung zu nehmen oder Aussagen zur
zukünftigen Stabilität einer eventuell aktuell vorliegenden Abstinenz zu machen. Dies ist
Aufgabe einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (vgl. Stephan, a.a.O., S.
514). Die Vorinstanz hat im Übrigen beim Gutachter auch keine Nachfragen gestellt.
Dies wäre angezeigt gewesen, zumal bei durchwegs völlig normalen Laborbefunden
die Fahreignung klar abgelehnt wurde (vgl. dazu B. Liniger, Fahreignungsdiagnostik, in:
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht, St. Gallen 2009, S. 21).
d) Ist die mangelnde Fahreignung des Rekurrenten zufolge gewohnheitsmässigen oder
gelegentlichen, jedoch verkehrsrelevanten Cannabiskonsums durch das
verkehrsmedizinische Gutachten nicht schlüssig dargetan, ist zu prüfen, ob zur
Sicherstellung seiner Fahreignung und damit der Verkehrssicherheit die Auflage einer
kontrollierten und fachlich betreuten Drogenabstinenz erforderlich ist.
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Im Rahmen der Verhältnismässigkeit ist es nach den allgemeinen
verwaltungsrechtlichen Grundsätzen stets zulässig, aus besonderen Gründen den
Führerausweis mit Auflagen zu versehen, wenn diese der Sicherstellung der
Fahreignung und damit der Verkehrssicherheit dienen sowie mit dem Wesen der
Fahrerlaubnis im Einklang stehen. Erforderlich ist zudem, dass sich die Fahreignung
nur mit dieser Massnahme aufrechterhalten lässt und die Auflagen erfüll- und
kontrollierbar sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.11/2006 vom 13. April 2006 mit
Hinweis auf BGE 131 II 248). Der Führerausweis kann deshalb mit
Nebenbestimmungen versehen werden, wenn sich die Fahreignung nur mit dieser
Massnahme aufrechterhalten lässt (vgl. BGE 130 II 25 E. 4).
Der Rekurrent, der einerseits eingesteht, seit längerem immer wieder Cannabis,
allerdings nur an Wochenenden und in der Regel höchstens einmal im Monat, zu
konsumieren und anderseits geltend macht, problemlos auf diesen Konsum verzichten
zu können, ist bereit, eine mindestens sechsmonatige Drogenabstinenz im Sinn einer
Auflage zum Führerausweis einzuhalten. Er habe in den letzten Monaten kein Cannabis
mehr konsumiert und sich inzwischen auch bei der Suchtberatungsstelle Gossau und
bei einem Arzt in Herisau zur regelmässigen Kontrolle gemeldet. Im Rekurs wird
geltend gemacht, der verkehrsmedizinische Bericht spreche nicht gegen eine solche
Lösung. Sollte der Rekurrent die Auflage nicht einhalten, gewährleisteten die
monatlichen Berichte die Möglichkeit, dem Rekurrenten den Führerausweis zu
entziehen.
Die frühere Cannabisproblematik, welche die Anordnung von Auflagen und – nach
deren Missachtung – einen vorsorglichen Entzug des Führerausweises nach sich
gezogen hat, die Cannabisauffälligkeit anlässlich der Fahrt des Rekurrenten am
15. Juni 2010 sowie der eingestandene gelegentliche Konsum rechtfertigen die
Annahme einer erhöhten Suchtgefährdung und damit die Anordnung einer
kontrollierten und fachlich betreuten Drogenabstinenz von mindestens sechs Monaten
Dauer.
3.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Unrecht auf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 15. September 2010 abgestellt und die
Fahreignung des Rekurrenten gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG verneint hat. Der
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angefochtene Sicherungsentzug ist dementsprechend aufzuheben und der
Führerausweis dem Rekurrenten wieder auszuhändigen. Die Angelegenheit ist zur
Anordnung eines Warnungsentzugs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Da im
verkehrsmedizinischen Gutachten indessen nachvollziehbar festgehalten wird, der
Rekurrent sei lediglich zweckorientiert in der Lage, den Cannabiskonsum einzustellen,
ist es gerechtfertigt, den Führerausweis mit der Auflage einer kontrollierten und fachlich
betreuten Drogenabstinenz von mindestens sechs Monaten Dauer, wie sie in Ziff. 6 der
angefochtenen Verfügung umschrieben wird, zu verknüpfen. Ob der Rekurrent bereits
jetzt in der Lage ist, eine sechsmonatige Abstinenz anhand der Ergebnisse der
Laboruntersuchungen im Rahmen der verkehrsmedizinischen Begutachtung und der
Analyse der Haarprobe vom 17. Februar 2001 sowie der geltend gemachten ärztlichen
Kontrolle und fachlichen Betreuung nachzuweisen, wird die Vorinstanz zu beurteilen
haben. Über die Aufhebung der Auflage ist jedenfalls aber erst nach einer weiteren
verkehrsmedizinischen und –psychologischen Untersuchung zu befinden.
4.- Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung ist
aufzuheben und die Angelegenheit gestützt auf Art. 56 Abs. 2 VRP zur Anordnung
eines Warnungsentzugs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der Führerausweis ist mit
der Auflage einer kontrollierten und fachlich betreuten Drogenabstinenz (Arzt und
Beratungsstelle) von mindestens sechs Monaten (gemäss Infoblatt) zu verknüpfen.
5.- Mit den Auflagen soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum Schutz der
Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer nur in fahrfähigem Zustand ein
Motorfahrzeug lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, müsste der Rekurrent diese
Auflagen nicht einhalten. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz
vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51
VRP).
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'800.-- – darin enthalten die
Kosten der Verfügung vom 18. Januar 2011 – ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem
Rekurrenten den Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- zurückzuerstatten.
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Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent Anspruch auf volle Entschädigung
der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP; GVP 1983 Nr. 56),
soweit diese aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen
erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Im Rekursverfahren war der Beizug eines
Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Im
Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet, und zwar liegt der Rahmen zwischen Fr. 1'000.-- und Fr. 12'000.--
(Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS
963.75; abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO). Umstritten war die Würdigung eines verkehrsmedizinischen
Gutachtens zur Frage einer verkehrsrelevanten Cannabissucht bei bescheidenem
Aktenumfang. Unter diesen Umständen erscheint ein Honorar von Fr. 2'000.--
(Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen, Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO) als
angemessen. Entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt).