Decision ID: 592b0302-1073-423e-92c7-124474ff43bb
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. A._ kaufte am 26. November 2010 in C._ eine
Liegenschaft für CHF 1'000'000.-- und verkaufte diese mit öffentlich
beurkundetem Kaufvertrag vom 17. Juni 2019 (Datum der Handänderung:
3. Juli 2019) nach Sanierungsarbeiten für CHF 2'250'000.--. Mit Eingabe
vom 13. bzw. 20. Mai 2019 stellte sie ein Gesuch an die Steuerverwaltung
des Kantons Graubünden (nachfolgend Steuerverwaltung) um
Übertragung der Grundstückgewinnsteuer auf die aus der Erbschaft ihrer
Mutter erworbenen Liegenschaft an der D._ in E._.
2. Mit Verfügung vom 13. Juli 2020 veranlagte die Steuerverwaltung des
Kantons Graubünden einen steuerbaren Gewinn von CHF 1'072'327.--
sowie daraus resultierend Grundstückgewinnsteuern von CHF 321'698.10
(Kanton und Gemeinde).
3. Dagegen erhob A._ am 11. August 2020 Einsprache und
beantragte die Gewährung von Abzügen für wertvermehrende
Aufwendungen gemäss Steuererklärung. Zudem verlangte sie den
gesetzlich vorgesehenen Vortritt und beanspruchte vorsorglich die
Ersatzbeschaffung, da es sich bei der Liegenschaft in C._ um
eine am Wohnsitz dauernd selbstbewohnte Erstliegenschaft handle. Am
24. August 2020 zog sie die Einsprache bezüglich der eigentlichen
Veranlagung zurück, anerkannte den steuerbaren Gewinn von CHF
1'072'327.-- mit Grundstückgewinnsteuern von insgesamt CHF
321'698.10, nicht jedoch bezüglich der verweigerten Ersatzbeschaffung.
Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass sie Wohnsitz in
C._ hatte, auch wenn sie sich da versehentlich nicht an- und in
E._ nicht abgemeldet habe.
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4. Mit Schreiben vom 29. September 2020 informierte die Steuerverwaltung
A._, die Ersatzbeschaffung könne nur für die am Erstwohnsitz
dauernd selbstbewohnte Erstliegenschaft gewährt werden, die
Steuerpflichtige habe ihren Erstwohnsitz jedoch immer in E._
gehabt. Ihre Begründung sei als reine Schutzbehauptung zu betrachten,
worauf nicht eingegangen werde.
5. Am 21. Januar 2021 fand der beantragte Vortritt vor der Steuerverwaltung
des Kantons Graubünden statt.
6. Am 22. März 2021 reichte A._ eine Stellungnahme ein, in der sie
weiterhin an ihrem Lebensmittelpunkt und damit am steuerrechtlichen
Wohnsitz in C._ festhielt. An der Geltendmachung der
Ersatzbeschaffung hielt sie ebenfalls weiterhin fest.
7. Mit Einspracheentscheid vom 21. April 2021 wies die Steuerverwaltung
die Einsprache von A._ vom 11. August 2021 ab. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass A._ zu keinem Zeitpunkt
ihren steuerrechtlichen Wohnsitz in C._ (heute Gemeinde
F._) gehabt habe, sondern in E._. Auch ihre beiden
Töchter sowie ihre von ihr während rund zwei Jahren gepflegte Mutter
(Anm. des Gerichts: verstorben am 27. Januar 2017) seien in E._
wohnhaft. Es würden handfeste Hinweise fehlen, dass sie jemals ihren
Erstwohnsitz in E._ zugunsten eines solchen in C._
aufgegeben hätte. Daran vermöge auch nichts zu ändern, dass sie in
einzelnen Korrespondenzunterlagen ihre Bündner Verbundenheit
hervorgehoben und auch die entsprechende Wohnadresse verwendet hat.
Es bestehe aber kein sachlicher Anlass, den erheblichen Gewinn mit einer
Ersatzbeschaffung zu privilegieren. Sie habe ihre Zweitliegenschaft
lediglich an einen Dritten mit erheblichem Gewinn verkauft.
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8. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
21. Mai 2021 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit dem Antrag, der Einspracheentscheid vom 21. April 2021
sei aufzuheben und die Angelegenheit zur Ermittlung der Höhe der
Ersatzbeschaffung an die Steuerverwaltung Graubünden (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zudem sei ein zweiter
Schriftenwechsel durchzuführen. Zur Begründung führte die
Beschwerdeführerin im Wesentlichen ihre Argumentation betreffend
Lebensmittelpunkt und steuerrechtlichem Wohnsitz in C._ aus.
So habe sie ab dem Kauf bis zum Verkauf der Liegenschaft in C._
(Anm. des Gerichts: Kaufvertrag unterzeichnet am 17. Juni 2019, Datum
der Handänderungsanzeige 3. Juli 2019) bzw. der Verlegung des
Wohnsitzes zurück nach E._ ihren persönlichen und beruflichen
Lebensmittelpunkt und damit ihren steuerrechtlichen Wohnsitz in
C._ gehabt, auch wenn sie versehentlich in E._
angemeldet geblieben sei. Bei der veräusserten Liegenschaft in
C._ handle es sich um die am Wohnsitz dauernd selbstbewohnte
Erstliegenschaft, welche zur Ersatzbeschaffung berechtige. Nach der
Scheidung von ihrem Ehemann im Jahr 2011 habe sie die
Familienwohnung in E._ – wo sie später ihre Mutter betreut und
gepflegt habe – verlassen und sei nach C._ gezogen, wo sie
anschliessend mit ihrem Konkubinatspartner gelebt habe. Dessen
Bestätigung bleibe von der Vorinstanz unerwähnt, womit eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs vorliege. Sie habe in C._ gearbeitet, ihre
sozialen Beziehungen gepflegt und kulturelle Veranstaltungen
durchgeführt.
9. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 22. Juni
2021 auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wiederholt und
bekräftigt sie im Wesentlichen die im Einspracheentscheid vom 21. April
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2021 ausgeführte Argumentation. Der steuerliche Erstwohnsitz der
Beschwerdeführerin habe sich stets in E._ befunden. Das
eminente Interesse, den erzielten Gewinn auf das aus der Erbschaft
gekaufte Haus in E._ zu transferieren, sei kein Grund, eine
Ersatzbeschaffung zuzulassen. Zudem bringt sie vor, die
Beschwerdeführerin habe die Liegenschaft relativ günstig für CHF
1'000'000.-- erworben und bescheidene CHF 94'412.-- investiert, welche
sie auch als effektiven Gebäudeunterhalt fast vollständig bei den
ordentlichen Steuern habe beanspruchen können. Die Bestätigung des
Konkubinatspartners vermöge in keiner Weise einen Erstwohnsitz zu
begründen, weshalb sich die von der Beschwerdeführerin vorgeworfene
Gehörsverweigerung als unbegründet erweise.
10. Am 12. Juli 2021 hielt die Beschwerdeführerin replicando an ihren
Anträgen fest und verweist auf die Begründung in ihrer Beschwerde.
Zudem habe sie wegen des Stresses infolge Scheidung und Umzug von
E._ nach C._ schlicht vergessen, sich in E._
abzumelden und in C._ anzumelden. Alleine schon mit der
Bestätigung des Konkubinatspartners, auf welche nicht genügend
eingegangen worden sei, sei der Nachweis des Wohnsitzes in
C._ erbracht. Häufig werde gerade bei interkommunalen und -
kantonalen Verhältnissen ein Konkubinat als Anlass für die Besteuerung
am gemeinsamen Ort genommen. Graubünden und C._ hätten
ab dem Jahre 2011 gegenüber E._ geltend machen können, die
Beschwerdeführerin habe ihren Wohnsitz nicht mehr in E._,
sondern C._. Im Zusammenhang mit der Pflege ihrer Mutter und
den damit zusammenhängenden Aufenthalten in E._ habe die
Absicht des dauernden Verbleibens in E._ damals noch gefehlt,
hinsichtlich C._ jedoch bestanden.
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11. Mit Eingabe vom 15. Juli 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren
Anträgen fest.
12. Am 7. Oktober 2021 forderte der Instruktionsrichter die
Beschwerdeführerin auf, verschiedene Unterlagen (Steuererklärungen
und -veranlagungen für die Kantone Graubünden und E._ sowie
detaillierte Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen der Jahre 2011
bis 2019) einzureichen. Am 1. sowie 17. November 2021 reichte die
Beschwerdeführerin die angeforderten Unterlagen ein. Unter anderem
hielt sie fest, dass sie in C._ und Umgebung oft Bargeld bezogen
und Einkäufe getätigt habe. Die regelmässigen Bezüge und Einkäufe in
E._ würden mit der Pflege ihrer Mutter zusammenhängen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
im angefochtenen Einspracheentscheid vom 21. April 2021 sowie auf die
eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahrens bildet der Einspracheentscheid vom 21. April 2021
betreffend Grundstückgewinnsteuer/Ersatzbeschaffung, mit welchem die
Beschwerdegegnerin die Einsprache der heutigen Beschwerdeführerin
vom 11. August 2020 abwies. Solche Entscheide können gemäss Art. 139
Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR
720.000) mit Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden angefochten werden. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 49 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100), wonach das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Dienststellen der
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kantonalen Verwaltung und von unselbständigen Anstalten des
kantonalen Rechts beurteilt, soweit das kantonale Recht den direkten
Weiterzug vorsieht, was hier wie gesehen (vgl. Art. 139 Abs. 1 StG)
der Fall ist. Demzufolge fällt die Beurteilung der vorliegenden Streitsache
in die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden.
Die Beschwerdeführerin ist als formelle und materielle Adressatin des
angefochtenen Einspracheentscheids beschwert und damit ohne
Weiteres zur Beschwerdeerhebung befugt (vgl. Art. 50 Abs. 1 VRG). Auf
die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten.
2.1. Der Grundstückgewinnsteuer unterliegen laut Art. 41 Abs. 1 lit. a StG
Gewinne aus der Veräusserung von Grundstücken des Privatvermögens.
Gemäss Art. 44 Abs. 1 lit. a StG wird die Grundstückgewinnsteuer auf
Gesuch hin ohne Zins zurückerstattet, soweit der Erlös aus der
Veräusserung der am Wohnsitz dauernd selbstbewohnten
Erstliegenschaft innert zwei Jahren zum Erwerb eines in der Schweiz
liegenden Ersatzgrundstücks mit gleicher Verwendung benützt wird.
Harmonisierungsrechtlich wird die Besteuerung eines realisierten
Grundstückgewinns insbesondere aufgeschoben bei einer Veräusserung
einer dauernd und ausschliesslich selbstgenutzten Wohnliegenschaft
(Einfamilienhaus oder Eigentumswohnung), soweit der dabei erzielte Erlös
innert angemessener Frist zum Erwerb oder zum Bau einer
gleichgenutzten Ersatzliegenschaft in der Schweiz verwendet wird (Art. 12
Abs. 3 lit. e des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten
Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG; SR 642.14]).
2.2. Art. 12 Abs. 3 lit. e StHG regelt den Begriff des "dauernd und
ausschliesslich selbstgenutzten Wohneigentums" abschliessend, ohne
den Kantonen einen Spielraum zu belassen (vgl. BGE 143 II 233 E.3).
Unter diesen Begriff fällt einzig der Hauptwohnsitz, während ein
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sekundäres Domizil (so etwa ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung)
den Tatbestand nicht erfüllt. Demgegenüber sind die Kantone befugt, die
Dauer der angemessenen Frist für den Erwerb oder Bau einer
gleichgenutzten Ersatzliegenschaft eigenständig festzulegen (vgl. BGE
143 II 233 E.2.3). Grundsätzlich muss das Eigenheim im Zeitpunkt der
Handänderung bzw. im Zeitpunkt, in dem der Entschluss zur
Ersatzbeschaffung gefasst wird, selbstbewohnt sein. Für das dauernde
Selbstbewohnen genügt dabei, dass die steuerpflichtige Person ihr
ausschliesslich selbstbewohntes Eigenheim in der Zeit vor der
Handänderung ohne erhebliche Unterbrechung bewohnte, mithin am
fraglichen Ort ihren zivil- bzw. steuerrechtlichen Wohnsitz gehabt hat.
Damit das Kriterium der Dauerhaftigkeit erfüllt ist, muss sich der Wohnsitz
am Schluss der Besitzesdauer im veräusserten Grundstück befunden
haben. Nicht erforderlich ist hingegen, dass das veräusserte Grundstück
während der ganzen Besitzesdauer ununterbrochen ausschliesslich
selbstbewohnt wurde. Es darf sich aber nicht bloss um eine gelegentliche
oder vorübergehende Bleibe handeln. Mit einer Ersatzbeschaffung ist
immerhin ein Wechsel der Wohnstätte verbunden, wobei normalerweise
die neue Wohnstätte im Ersatzobjekt der alten Wohnstätte im
veräusserten Grundstück folgt (vgl. BGE 143 II 233 E.2.4 m.w.H.).
3. Zwischen den Parteien unbestritten ist der steuerbare Gewinn von
CHF 1'072'327.-- sowie die daraus resultierenden
Grundstückgewinnsteuern von insgesamt CHF 321'698.10. Strittig und zu
prüfen ist einzig die Frage, ob es sich bei der am 3. Juli 2019 (vgl. Bf-act.
3) veräusserten Liegenschaft in C._ um eine dauernd
selbstbewohnte Erstliegenschaft im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a StG
handelt, welche im Rahmen einer Ersatzbeschaffung zu einer
Rückerstattung der Grundstückgewinnsteuer berechtigen würde. Dazu ist
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vorliegend der steuerrechtliche Wohnsitz der Beschwerdeführerin zu
ermitteln.
4.1. Steuerlichen Wohnsitz hat eine Person dort, wo sie sich mit der Absicht
dauernden Verbleibens aufhält oder wo ihr das Bundesrecht einen
gesetzlichen Wohnsitz zuweist (vgl. Art. 6 Abs. 2 StG, Art. 3 Abs. 2 StHG,
Art. 3 Abs. 2 DBG). Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung
ist das Kriterium der Absicht dauernden Verbleibens nicht so zu verstehen,
als es auf den inneren Willen des Steuerpflichtigen ankäme (vgl. statt
vieler die Urteile des Bundesgerichts 2C_41/2021 vom 5. August 2021,
E.6.2.2 und 2C_211/2021, 2C_212/2021 vom 8. Juni 2021 E.5.2.2 mit
Verweis auf BGE 143 II 233 E.2.5.2). Der steuerrechtliche Wohnsitz (das
Hauptsteuerdomizil) bestimmt sich vielmehr alleine nach der Gesamtheit
der objektiven, für Dritte erkennbaren Tatsachen, in denen sich eine
Absicht dauernden Verbleibens der betroffenen Person manifestiert (vgl.
grundlegend BGE 97 II 1 E.3). Der Wohnsitz liegt demnach dort, wo sich
im Lichte dieser Tatsachen objektiv betrachtet der Mittelpunkt der
Lebensinteressen – also der ideelle und materielle Schwerpunkt des
Lebens – der betroffenen Person befindet. Er richtet sich nach der
Gesamtheit der objektiven, äusseren Umstände und nicht nach den bloss
erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person oder deren
gefühlsmässiger Verbundenheit mit einem bestimmten Ort; der
steuerrechtliche Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar (vgl. BGE 138 II
300 E.3.2, 132 I 29 E.4.1). Ob sich die relevanten äusseren Tatsachen
verwirklicht haben, ist eine Tatfrage; die Bestimmung des
Lebensmittelpunkts und damit des Wohnsitzes auf Basis der festgestellten
Tatsachen ist hingegen eine Rechtsfrage (BGE 136 II 405 E.4.3). Dem
polizeilichen Domizil, wo die Schriften hinterlegt sind oder wo die
politischen Rechte ausgeübt werden, kommt für sich alleine keine
entscheidende Bedeutung zu. Es handelt sich dabei bloss um ein
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äusseres Merkmal, das gemeinsam mit dem übrigen Verhalten der
steuerpflichtigen Person ein Indiz für das Steuerdomizil bilden kann (vgl.
BGE 132 I 29 E.4.1).
4.2. Pflegt eine Person Kontakte zu mehreren Orten, ist für die Bestimmung
des steuerrechtlichen Wohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort sie
die stärkeren Beziehungen unterhält (vgl. BGE 138 II 300 E.3.2).
Ausgangspunkt ist der gewöhnliche Aufenthaltsort der betroffenen Person.
Die persönlichen, familiären, beruflichen und gesellschaftlichen Interessen
einer Person können sie aber so eng mit einem anderen Ort verbinden,
dass dieser als Lebensmittelpunkt erscheint, obschon die betroffene
Person dort weniger Zeit verbringt. Relevant sind in diesem
Zusammenhang etwa der gewöhnliche Aufenthaltsort der
Familienmitglieder (Ehegatten, Kinder, Eltern und Geschwister), die
ausserfamiliären sozialen Beziehungen (z.B. Teilnahme am
Vereinsleben), die berufliche Stellung des Steuerpflichtigen und die
Wohnverhältnisse an den verschiedenen Orten. Auf diese Kriterien ist
auch abzustellen, wenn sich eine Person gleich oder annähernd gleich oft
an mehreren Orten aufhält. Die verschiedenen Kriterien sind in
Abhängigkeit der persönlichen Situation der betroffenen Person (z.B.
Alter) zu gewichten und im Rahmen der gebotenen Gesamtbetrachtung
gegeneinander abzuwägen, um den steuerrechtlichen Wohnsitz per
Jahresende zu bestimmen. Die tatsächlichen Verhältnisse zu einem
früheren oder späteren Zeitpunkt sind zwar nicht unmittelbar relevant,
können aber als Indizien berücksichtigt werden (vgl. statt vieler die Urteile
des Bundesgerichts 2C_41/2021 vom 5. August 2021 E.6.2.3 und
2C_211/2021, 2C_212/2021 vom 8. Juni 2021 E.5.2.3 m.w.H.). Über den
Lebensmittelpunkt und damit den steuerrechtlichen Wohnsitz kann
gemeinhin kein klarer Beweis geführt werden, sondern es ist aufgrund von
Indizien eine Gewichtung vorzunehmen, wobei sämtliche Berufs-,
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Familien- und Lebensumstände zu berücksichtigen sind (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 2C_1267/2012 vom 1. Juli 2013 E.3.2, 2C_397/2010 vom
6. Dezember 2010 E.2.4.2).
5. In Bezug auf die Beweislast ist sodann festzuhalten, dass der Nachweis
für steuerbegründende Tatsachen der Steuerbehörde, der Beweis für
steuermindernde Tatsachen grundsätzlich dem Steuerpflichtigen obliegt;
er hat steuermindernde Tatsachen nicht nur zu behaupten, sondern auch
zu belegen (BGE 140 II 248 E.3.5 m.w.H.). Da die Beschwerdeführerin
vorliegend eine steuermindernde Tatsache – nämlich die Veräusserung
einer am Wohnsitz dauernd selbstbewohnten Erstliegenschaft und damit
der steuerrechtliche Wohnsitz in C._, was zur Rückerstattung der
Grundstückgewinnsteuer i.S.v. Art. 44 Abs. 1 lit. a StG berechtigen würde
– geltend macht, trägt diese vorliegend die Beweislast.
6.1. Vorerst ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin unbestritten
weder in C._ angemeldet noch bei der Stadt E._
abgemeldet hat. Obschon – wie oben ausgeführt (vgl. E.4.1) – dem
polizeilichen Domizil, wo die Schriften hinterlegt sind, für sich alleine keine
entscheidende Bedeutung zu kommt, handelt sich dabei um ein äusseres
Merkmal, das ein Indiz für das Steuerdomizil in E._ bildet. Die
Beschwerdeführerin hält dem lediglich entgegen, sie habe dies aufgrund
von Stress infolge der Scheidung vergessen. Dieses Vorbringen der
Beschwerdeführerin ist allerdings als reine Schutzbehauptung und daher
als unerheblich zu qualifizieren, zumal sie geltend macht, dass sie über
mehrere Jahre (von 2011 bis 2018 [Bf-act. 11]) – und somit beinahe
während der gesamten Zeit, in der sie angeblich ihren Lebensmittelpunkt
in C._ gehabt haben will – zusammen mit ihrem neuen Partner in
einem Konkubinat lebte.
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6.2. Sodann reichte die Beschwerdeführerin in E._ jährlich die
Steuererklärung ein mit der Bestätigung des Wohnsitzes E._ und
deklarierte dabei auch ihre Einkommen aus selbständiger resp.
unselbständiger Tätigkeit – sofern in den Jahren 2011 und 2012 sowie
2016-2018 generiert – als unbeschränkt steuerpflichtige Person in
E._. Die Beschwerdeführerin macht dazu geltend, aus den
bündnerischen Veranlagungen ergebe sich, dass Einkommen und
Vermögen jeweils ausschliesslich oder fast ausschliesslich mit den beiden
Liegenschaften in Chur und C._ zusammenhingen. Kanton und
Stadt E._ hätten entweder gar keine Steuern oder nur sehr wenig
Steuern erhalten. Sie verkennt dabei jedoch, dass sie bezüglich der
Liegenschaften in J._ und C._ in Graubünden als
beschränkt steuerpflichtig gemäss Art. 7 StG zu betrachten ist, während
sie hinsichtlich des Einkommens aus selbst- bzw. unselbständigen
Erwerbstätigkeit im Kanton E._ (unbeschränkt steuerpflichtig)
veranlagt wurde. Dabei ist unbedeutend, dass das Einkommen nur in
geringem Umfang generiert worden ist. Die jährliche Bestätigung des
Wohnsitzes in E._ mit dem Einreichen der Steuererklärung in
E._ und das Ausfüllen der Steuererklärung in Graubünden als
beschränkt steuerpflichtige Person stellen folglich ebenfalls gewichtige
Indizien für den Wohnsitz in E._ dar.
7.1. Die Beschwerdeführerin reichte sodann vorliegend im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens auf Anordnung des Instruktionsrichters
verschiedene Steuer- und Bankunterlagen ein. Für die
Beschwerdeführerin lassen sich aufgrund von Bargeldbezügen an
Bancomaten sowie Bankkartenabrechnungen der UBS, GKB und ZKB der
betroffenen Jahre insgesamt mehr Aufenthalte in E._ als in
C._ feststellen. Für die einzelnen Jahre zeichnet sich bezüglich
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der Gesamtanzahl Transaktionen bzw. Bargeldbezüge an Bancomaten
folgendes Bild ab:
7.2. Während die Beschwerdeführerin noch in den Jahren 2011 und 2012 mehr
Transaktionen bzw. Bargeldbezüge in Graubünden als in E._
tätigte (zusammen etwa um den Faktor 1.4), überwiegte die Anzahl in
E._ in den Jahren 2013 bis 2016 leicht (zusammen etwa um den
Faktor 1.14). In den Jahren 2017 bis 2019 überwiegte die Anzahl in
E._ sodann diejenige in Graubünden deutlich (um die Faktoren
5.3, 3.4 und 2.3). Damit ergibt sich mit einer Anzahl von 932 in E._
und einer solchen von 526 in Graubünden im Zeitraum von 2011 bis 2019
ein Faktor von ca. 1.77. Die Beschwerdeführerin hält fest, die Anzahl der
Bezüge und Transaktionen in E._ hinge damit zusammen, dass
sie während rund zwei Jahren ihre – am 27. Januar 2017 verstorbene –
Mutter in E._ gepflegt und dabei "aus dem Koffer gelebt" habe
(vgl. Beschwerde S. 6). Der durchschnittliche Faktor der Jahre 2015 und
2016 weicht sodann nicht von demjenigen der Jahre 2013 bis 2016 (Faktor
1.14) ab. Auch die überwiegende Anzahl an Transaktionen bzw.
Bargeldbezüge in E._ während der Jahren 2017 bis und mit
Verkauf der Liegenschaft im Jahr 2019 können mit dieser Argumentation
nicht mehr begründet werden, zeigte sich diese Mehrheit in E._
denn auch in den Jahren, in denen die Beschwerdeführerin ihre Mutter
Jahr Graubünden E._ 2011 19 5 2012 71 59 2013 81 87 2014 81 100 2015 67 70 2016 46 57 2017 36 192 2018 64 217 2019 61 140
2011-2019 526 932
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noch nicht bzw. nicht mehr pflegte. Die überwiegende Anzahl in
E._ ist – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – folglich
nicht alleine auf diesen Umstand zurückzuführen ist und stellt im Sinne der
Gesamtbetrachtung ebenfalls ein Indiz für einen Lebensmittelpunkt in
E._ dar. Im Begleitschreiben der Beschwerdeführerin vom 26.
Oktober 2021 zu den edierten Akten bringt sie sodann neu vor, sie habe
auch nach dem Tod ihrer Mutter regelmässig in E._ sein müssen,
da sie die Beistandschaft für ihren Neffen (100% IV) übernommen habe,
welcher seit 2002 bei ihrer Mutter gelebt habe.
7.3. Sofern die Beschwerdeführerin vorbringt, auch die Staatsanwaltschaft und
die Steuerverwaltung Graubünden seien vom Wohnsitz in C._
ausgegangen, ist festzuhalten, dass es sich dabei bloss um die
Zustelladresse handelt, was jedoch nicht automatisch einen
steuerrechtlichen Wohnsitz begründet. So ist die Beschwerdeführerin in
sämtlichen Unterlagen der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden,
der Steuerverwaltung der Stadt J._ sowie des
Gemeindesteueramts C._ bzw. F._ der Jahre 2011 bis
2019 mit dem Betreff "A._, G._, E._" vermerkt
(vgl. Bf-act. 19-27). Zudem beinhalten auch sämtliche Korrespondenzen
zwischen der Beschwerdeführerin und den Steuerbehörden von
E._ sowohl den Betreff als auch die Zustelladresse "G._,
E._".
7.4. Auch der Wohnsitz der beiden Töchter der Beschwerdeführerin blieb
offenkundig E._. Obschon zuerst im September 2010 noch
geplant war, mit der ganzen Familie ins H._ zu ziehen und dass
die Zwillingstöchter am K._ I._ zur Schule gehen (Bf-act.
8), kam es nicht dazu, da die Töchter die Aufnahmeprüfung für einen
Vorkurs, nicht aber die FMS-Prüfung als Voraussetzung für die Aufnahme
am K._ in I._ bestanden hätten. Nach der Scheidung
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(Urteil vom 24. Oktober 2011) verblieb der Vater mit den Kindern in der
Familienwohnung an der G._ in E._ und die
Zwillingstöchter starteten eine Ausbildung an der Schule für Gestaltung in
E._ (Bf-act. 9 und 10).
7.5. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie habe in C._
gearbeitet, ihre sozialen Beziehungen gepflegt und kulturelle
Veranstaltungen durchgeführt, vermögen diesbezüglich die beiden ins
Recht gelegten Zeitungsartikel einen Lebensmittelpunkt in C._
nicht zu begründen (vgl. Bf-act. 12 und 13). Auch aus ihrer Mitteilung vom
7. April 2011 an ihr in L._ im Kanton E._ ansässiges (vgl.
z.B. Steuererklärung des Jahres 2016 des Kantons E._) Treuhandbüro, sie beabsichtigte, in C._ Wohnsitz zu beantragen,
kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten, zumal dies
als blosse Absichtserklärung zu qualifizieren ist, welche für sich alleine
noch keinen genügenden Beweis erbringt, tatsächlich Wohnsitz in
C._ begründet zu haben. Weiter seien sie und ihr damaliger
Konkubinatspartner auch sonst gemeinsam in Erscheinung getreten. In
einem Brief vom 15. April 2015 an die Nachbarn war sodann aber bloss
von "regelmässigen Anwesenheiten in C._ von Freitag bis
Montag" die Rede (vgl. Beschwerde S.4 mit Verweis auf Bf-act. 15-19).
Bei dem dabei ins Recht gelegten Beweismittel handelt es sich um ein
Schreiben betreffend Instandstellung einer Gartenstützmauer und
Grenzbereinigung, welches lediglich die Namen sowie die Postanschrift in
C._ aufweisen. Auch mit dieser Ausführung widerspricht sich die
Beschwerdeführerin, verweist sie doch selbst auf die Praxisfestlegung der
Beschwerdegegnerin, welche besagt, dass dem polizeilichen Domizil, wo
die Schriften hinterlegt sind, keine entscheidende Bedeutung zukommt
und dass es sich dabei lediglich um ein äusseres Merkmal handelt, das
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ein Indiz für den steuerrechtlichen Wohnsitz bilden kann, wenn auch das
übrige Verhalten der Person dafürspricht.
8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin nie
in C._/F._ bei der Gemeinde angemeldet und sich
ebenfalls nicht in E._ abgemeldet hat. Ferner hat sie über die
Jahre hinweg mit der jährlichen Einreichung der Steuererklärung in
E._ ihren Wohnsitz in E._ bestätigt, während sie mit der
Ausfüllung der Steuererklärung im Kanton Graubünden lediglich als
beschränkt steuerpflichtige Person galt bzw. gilt. Dies, sowie die
überwiegende Anzahl Kontobezüge im Kanton E._ (E.7.1 und
E.7.2), die Betreffbezeichnung in Abweichung der Zustelladresse in
sämtlichen Unterlagen der Steuerbehörden des Kantons Graubünden
sowie E._ (E.7.3.), die familiäre Situation mit – trotz
Konkubinatspartner in C._ – der Pflege der Mutter in E._,
der Beistandschaft des Neffen in E._ sowie dem Wohnsitz der
Töchter in E._ (E.7.4. und E. 7.2.) spricht somit im Sinne einer
Gesamtbetrachtung für einen Lebensmittelpunkt in E._. Der
Beschwerdeführerin misslingt der Nachweis eines Lebensmittelpunktes
und somit eines (steuerrechtlichen) Wohnsitzes in C._. Folglich
handelt es sich bei der im Jahr 2019 veräusserten Liegenschaft in
C._ nicht um eine dauernd selbstbewohnte Erstliegenschaft im
Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a StG, welche zur Erstattung der
Grundstückgewinnsteuer im Sinne einer Ersatzbeschaffung berechtigen
würde.
9. Nach dem vorstehend Gesagten erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 21. April 2021
betreffend Grundstückgewinnsteuer/Ersatzbeschaffung als rechtens, was
zur vollumfänglichen Bestätigung desselben und zur Abweisung der
dagegen erhobenen Beschwerde vom 21. Mai 2021 führt.
- 17 -
10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel
keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht vorliegend kein
Anlass.