Decision ID: 5a8c2800-4477-58df-8aa4-6c0b40c8fa10
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 2. Mai 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an. Wegen Gleichgewichtsstörungen sei es ihr nicht mehr
möglich, jeden Morgen aufzustehen. Die Gleichgewichtsstörungen und der
Kopfschmerz kämen ohne Vorahnung, sodass sie nicht wisse, wie lange und
andauernd sie arbeiten könne. Wenn der Schwindel oder die Kopfschmerzen kämen,
dann müsse sie sich zurückziehen und brauche über längere Zeit Ruhe. Die Krankheit
habe bei ihr eine tiefe Trauer und Hoffnungslosigkeit ausgelöst. Seit 14. März 2006 sei
sie daher arbeitsunfähig (IV-act. 1).
A.b Die Arbeitgeberin, die B._, berichtete der IV-Stelle des Kantons St. Gallen am
28. Mai 2007, die Versicherte sei vom 1. Februar 2001 bis 16. Juni 2006 bei ihr als
Nachseherin eingestellt gewesen. Das Arbeitsverhältnis habe aufgrund der schwierigen
wirtschaftlichen Situation aufgelöst werden müssen. Die Versicherte habe 43.75
Stunden pro Woche gearbeitet und zuletzt im Jahr 2005 Fr. 35'262.25 verdient (IV-act.
16).
A.c Der zuständige Arzt der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen gab der IV-
Stelle am 7. Januar 2008 an, die Versicherte leide an einem Schwindel ohne okuläre
Ursache sowie einem frühkindlichen Schielsyndrom mit hochgradiger Amblyopie links
(IV-act. 32). Dr. med. D._, Facharzt für Anästhesie und Schmerztherapie FMH,
berichtete am 9. Januar 2008, die 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die bisherige sowie
für leidensangepasste Tätigkeiten sei begründet durch Gleichgewichtsstörungen,
Konzentrationsstörungen und Müdigkeit. Als Diagnosen gab der Arzt chronische
Schmerzzustände, Persönlichkeitsveränderungen bei chronischem Schmerz, reaktive
Depressionen, berufliche und häusliche Belastungssituation, Kopfschmerz vom
Spannungstyp, chronische Halswirbelsäulenbeschwerden,
Ileosacralgelenksdysfunktion sowie ein Schwindelsyndrom an (IV-act. 33).
A.d Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz hielt in seiner Stellungnahme
vom 25. Januar 2008 fest, die medizinische Situation sei unklar. Eine polydisziplinäre
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Begutachtung sei daher angezeigt (IV-act. 34). Die IV-Stelle beauftragte am 22. Februar
2008 die MEDAS Ostschweiz mit der Begutachtung (IV-act. 37). Am 25. Juni 2008
erstattete die MEDAS das Gutachten. Die Versicherte war rheumatologisch,
neurologisch und psychiatrisch untersucht worden. Die Ärzte gaben als Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische undifferenzierte
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1) mit/bei akzentuierten histrionischen Zügen
(ICD-10: Z73.1), Mischkopfschmerz: chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp
(ICD-10: G44.2), chronische Kopfschmerzen vom Migränetyp (ICD-10: G43.8),
Verdacht auf analgetikainduzierten Dauerkopfschmerz bei chronischem
Schmerzmittelabusus (ICD-10: G44.4); einem rechtsbetonten generalisierten diffusen
Schmerzsyndrom, einem chronischen Schwindel ohne Hinweise für eine neurologische
Funktionsstörung sowie einem Hemisyndrom links an. Aus psychiatrischer Sicht
betrage die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 30%, wobei viele nicht invalidisierende
Faktoren vorlägen. Die Willensanstrengung beziehungsweise Verarbeitung der
multiplen psychosomatischen Beschwerden sei zumutbar. Die Schielamblyopie bringe
funktionelle Einschränkungen bei der Tätigkeit (kein stereoskopisches Sehen,
eingeschränktes Gesichtsfeld) mit sich. Aus neurologischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit aufgrund der funktionellen Beschwerden um etwa 30% gemildert. Die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht werde aufgrund der
vielen funktionellen Begleitbeschwerden auf 20 bis 30% gemindert eingeschätzt.
Aufgrund des chronischen weichteilrheumatischen Schmerzsyndroms entfielen
körperlich schwere Tätigkeiten oder solche, die mit besonderen Stressbelastungen
oder Zwangshaltungen verbunden seien. Insgesamt sei das Krankheitsbild durch
funktionelle beziehungsweise psychosomatische Beschwerden dominiert.
Polydisziplinär betrage die Arbeitsunfähigkeit 30% (IV-act. 42). Der RAD erachtete das
Gutachten in seiner Stellungnahme vom 18. Juli 2008 als schlüssig und die
medizinischen Schlussfolgerungen als nachvollziehbar (IV-act. 45).
A.e Die Versicherte gab am 8. September 2008 gegenüber der IV-Stelle an, sie leide
seit drei Jahren an einer chronischen Erkrankung ohne eine Aussicht auf eine Heilung,
weshalb sie die Fragen zur Arbeitsvermittlung nicht beantworten könne (IV-act. 47). Die
IV-Stelle teilte der Versicherten deshalb am 31. Oktober 2008 mit, die
Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen (IV-act. 51).
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A.f Mit Vorbescheid vom 31. Oktober 2008 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das Leistungsbegehren auf eine Invalidenrente abzuweisen (IV-act. 53).
Dagegen liess die Versicherte einwenden, sie sei damit nicht einverstanden. Sie
beantrage die Zusprache mindestens einer halben Rente ab März 2007. Der
Sachverhalt sei zu wenig abgeklärt. Im MEDAS-Gutachten seien Akten erwähnt
worden, die im IV-Dossier fehlten. Die Versicherte sei spezialärztlich weiter abzuklären,
da die bereits früher objektivierte Schwindelsymptomatik nicht untersucht worden sei
(IV-act. 59). Der RAD nahm am 12. Dezember 2008 zu den Einwänden der Versicherten
aus medizinischer Sicht Stellung. Es erscheine sinnvoll, die betroffenen Experten selber
um eine Stellungnahme zu bitten (IV-act. 61).
A.g Der Chefarzt der MEDAS Ostschweiz, Dr.med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, für Allgemeine Medizin und für Neurologie FMH, gab in seinem Bericht
vom 21. Januar 2009 an, der Schwindelsystematik sei man gezielt nachgegangen,
weshalb die Versicherte auch durch den neurologischen Gutachter als Hauptgutachter
untersucht worden sei. Man verweise auf den ausführlichen klinischen
Untersuchungsbefund und die neurologischen Zusatzuntersuchungen im Gutachten.
Der Untersuchungsbericht von Dr.med. C._, Facharzt für Otorhinolaryngologie, Hals-
und Gesichtschirurgie FMH, vom 3. April 2006 habe ihnen vorgelegen. Man habe
gezielt auch an eine vestibuläre Funktionsstörung gedacht, habe eine solche hier aber
nicht verifizieren können (IV-act. 64). Der RAD schloss sich gemäss seiner
Stellungnahme vom 26. Januar 2009 vollumfänglich den Ausführungen der MEDAS
vom 21. Januar 2009 an (IV-act. 65).
A.h Mit Verfügung vom 28. Januar 2009 wies die IV-Stelle den Leistungsanspruch auf
eine Invalidenrente ab. Zu den Einwänden der Versicherten gab die IV-Stelle an, man
habe diese überprüft und auch die MEDAS um eine Stellungnahme gebeten. Diese
Überprüfung habe ergeben, dass man sich nach wie vor auf die Einschätzung der
MEDAS abstütze, weshalb bei einem Invaliditätsgrad von 30% kein Rentenanspruch
bestehe (IV-act. 66).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 27. Februar 2009 Beschwerde
erheben. Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 28. Januar 2009 und die
Zusprache mindestens einer halben IV-Rente mit Wirkung ab März 2007. Eventualiter
sei die Verfügung aufzuheben und die Sache im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Das MEDAS-Gutachten sei ungenügend, weil
insbesondere keine Spezialärzte für die vestibuläre Funktionsstörung beigezogen
worden seien, obwohl entsprechende Diagnosen schon vor Jahren gestellt worden
seien. Zudem sei anlässlich der Begutachtung ein leicht unsicheres Gangbild mit
ungerichteter Fallneigung festgestellt worden. Dennoch habe die MEDAS angegeben,
man sei der Frage gezielt nachgegangen. Inwiefern sei jedoch aus dem Gutachten
nicht ersichtlich. Die Diagnose Fibromyalgie sei vom begutachtenden Rheumatologen
gestellt worden, ohne dass Angaben darüber vorhanden seien, ob die typischen
Erkennungszeichen (tender points) untersucht und gefunden worden seien.
Diesbezüglich sei das Gutachten mangelhaft. Weiter würden im IV-Dossier zahlreiche
Akten fehlen, welche die MEDAS in ihre Beurteilung miteinbezogen habe. Bisher habe
man in diese Akten nicht Einsicht nehmen können. Schliesslich lägen Anzeichen einer
atypischen Depression vor, da entsprechende Medikamente eingenommen würden
und ein sekundärer Krankheitsgewinn sowie ein sozialer Rückzug vorlägen. Die
psychosozialen Belastungsfaktoren seien entgegen der gutachterlichen Einschätzung
ein erheblicher Grund für das Vorliegen von depressiven Episoden und deshalb IV-
rechtlich von Belang. Für den Einkommensvergleich sei zu beachten, dass die
Beschwerdeführerin zuletzt 43.75 Stunden pro Woche gearbeitet habe. Wenn das
Valideneinkommen zur Ausgangsbasis des Invalideneinkommens genommen werde,
was grundsätzlich hier richtig sei, so seien die üblichen 40.5 Stunden aktuell eben nur
93% des normalen früheren Pensums, womit beim Invalideneinkommen von Fr.
36'120.-- auszugehen sei. Nun gehe es aber nicht an, lediglich 70% davon zu nehmen,
sondern es sei zusätzlich ein Leidensabzug von 25% vorzunehmen, was zu einem
Invaliditätsgrad von 51.25% führe. Der RAD habe geschrieben, die Augen
beanspruchende Tätigkeiten würden nicht mehr gross in Frage kommen, was eine
erhebliche Einschränkung der denkbaren Stellen bedeute. Dazu kämen die rasche
Ermüdbarkeit, die Schwächezustände, das Unfallrisiko, das erhöhte Krankheitsrisiko,
die Teilzeitarbeit, das Alter und die fehlende Erfahrung (act. G 1).
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 29. April
2009 die Abweisung der Beschwerde. Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts
bestehe die Vermutung, dass eine somatoforme Schmerzstörung oder eine
Fibromyalgie in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirke. Nur im Ausnahmefall sei eine Invalidität
anzunehmen, wobei verschiedene Kriterien erfüllt sein müssten. Vorliegend fehle es
bereits am wichtigsten Kriterium, der psychischen Komorbidität von erheblicher
Schwere, Ausprägung und Dauer. Die Beschwerdeführerin sei seit Jahren von
verschiedenen Spezialärzten untersucht und behandelt worden. Bisher habe man die
von der Beschwerdegegnerin angegebene Schwindelsymptomatik nicht erklären
können. Es gehe nicht an, immer wieder neue medizinische Akten zu verlangen, weil
man mit dem Ergebnis der bisherigen Abklärungen nicht einverstanden sei. Das
MEDAS-Gutachten sei in sich schlüssig und gut nachvollziehbar. Darauf könne
abgestellt werden. Polydisziplinär sei eine Arbeitsunfähigkeit von 30% aufgrund einer
Somatisierungsstörung ausgewiesen. Aus juristischer Sicht sei die
Somatisierungsstörung allerdings nicht invalidisierend. Aus dem Umstand, dass keine
praktische Arbeitsfähigkeit (von 70%) vorliege, könne nicht der Schluss gezogen
werden, die Einschätzung der MEDAS sei falsch. Die Beschwerdeführerin sei auf ihre
Krankheitsrolle fixiert. Es lägen IV-fremde Faktoren vor. Mangels Invalidität im IV-
rechtlichen Sinn habe die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine IV-Rente. Die
angefochtene Verfügung sei im Ergebnis richtig (act. G 6).
B.c Am 15. Juli 2009 und am 7. September 2009 reichte die Beschwerdegegnerin die
im IV-Dossier bisher fehlenden ärztlichen Berichte ein (act. G 10 und 11).
B.d Die zuständige Verfahrensleitung des Gerichts bewilligte am 11. September 2009
das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (act. G
13).
B.e In der Replik vom 27. Oktober 2009 liess die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen festhalten. Wie aus dem Bericht von Dr. C._ vom 3. April 2006 hervorgehe,
liege ein multi-sensorisches Vertigo-Defizit-Syndrom mit periphär-zentraler vestibulärer
Funktionsstörung rechts und visuo-oculomotorischer Schwindelkomponente vor. Eine
neue Abklärung sei daher notwendig, um diese Diagnose zu prüfen, da sich die
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Schwindelbeschwerden seit der Untersuchung durch Dr. C._ verstärkt hätten. Zudem
habe Dr. C._ keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Sodann gehe aus dem
MEDAS-Gutachten hervor, dass die Augenproblematik bei der 30%igen
Arbeitsunfähigkeit nicht berücksichtigt worden sei. Die von der MEDAS geschätzte
Einschränkung von 30% sei bedingt durch das psychosomatische Beschwerdebild.
Das Augenleiden sei bei der Invaliditätsbemessung zusätzlich zu berücksichtigen (act
G.16).
B.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 4. November 2009 auf eine Duplik (act.
G 18).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiell-rechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche
Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei
Erlass des angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben,
als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl.
BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung
ist 28. Januar 2009 ergangen. Dennoch ist ein Sachverhalt zu beurteilen, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Zu beurteilen ist im vorliegenden Verfahren eine im Mai 2007 erfolgte
Anmeldung für den Rentenbezug. Gemäss den allgemeinen intertemporalrechtlichen
Regeln ist für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen
und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur
4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006
[I 428/04] E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine materiell-
rechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung
der Invalidität keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig
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gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008
geltenden Bestimmungen wiedergegeben.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente. Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die
Invalidität grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und
nach der Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre.
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und das gerichtliche Beschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
2.3 Die Höhe der behinderungsbedingten Erwerbseinbusse hängt vor allem von der
ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung ab, d.h. davon, in welchem Umfang für die
versicherte Person noch eine Tätigkeit in Betracht fällt (BGE 125 V 261 E. 4). Die
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Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 28. Januar 2009 auf die Beurteilung
der Fachärzte der MEDAS abgestellt, wonach die Beschwerdeführerin zu 30%
arbeitsunfähig sei. In der Beschwerdeantwort vom 29. April 2009 argumentiert die
Beschwerdegegnerin, die 30%ige Arbeitsunfähigkeit sei IV-rechtlich nicht zu beachten.
Damit bei einer somatoformen Schmerzstörung oder Fibromyalgie eine invalidisierende
Arbeitsunfähigkeit anerkannt werde, müsse als wichtigstes Kriterium eine psychische
Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer erfüllt sein, was
vorliegend nicht der Fall sei. Ansonsten sei das MEDAS-Gutachten schlüssig und
nachvollziehbar; es sei darauf abzustellen.
2.4 Wie dem MEDAs-Gutachten vom 26. Juni 2008 zu entnehmen ist, hat die
Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung im Mai 2008 angegeben, sie habe
seit rund 20 Jahren eine anhaltende Schwindelsymptomatik. Diese sei zu Beginn nur
phasenweise bestehend gewesen. Seit drei Jahren leide sie bei jeglicher Bewegung
des Körpers oder ihrer Umwelt unter Schwindel. Dieser sei begleitet durch
Gangunsicherheit, Übelkeit und gelegentliches Erbrechen. Sie schlafe schlecht. Das
vorbestehende Schielen habe sich verstärkt, gelegentlich habe sie wechselnde
Doppelbilder. Insgesamt hätte sich das Sehen deutlich verschlechtert. Begleitend
bestünden praktisch täglich Kopfschmerzen. Auch diese hätten sich in den letzten drei
Jahren deutlich verstärkt und seien von Übelkeit und Erbrechen begleitet (IV-act.
42-3/18). Die MEDAS-Ärzte haben verschiedene Tests durchgeführt. Der PACT-Test
vom 5. Mai 2008 hat mit 18 von 200 möglichen Punkten eine sehr tiefe
Selbsteinschätzung der körperlichen Fähigkeiten ergeben, die auch nicht einer leichten
sitzenden Tätigkeit (100-110 Punkte) entspricht (IV-act. 42-9/18). Die (neurologische)
Dopplersonographie vom 27. Mai 2008 hat altersentsprechende unauffällige Doppler-/
Duplex-sonographische Befunde der untersuchten extracraniellen und intra-craniellen,
hirnzuführenden Gefässen gezeigt. Im (neurologischen) EMG-Befund vom 30. Mai 2008
haben sich elektroneurographisch und -myographisch keine Hinweise auf eine
periphere Neuropathie oder eine Radikulopathie L5/S1 rechts ergeben (IV-act.
42-9/18). In der zusammenfassenden Beurteilung haben die Gutachter angegeben, in
der internistischen Untersuchung habe sich ein unauffälliger Befund ergeben.
Neurologisch habe sich im Wesentlichen eine median begrenzte Hemihypästhesie der
rechten Körperhälfte gezeigt. Ophtalmologisch habe das bereits vorbekannte,
frühkindliche Schielsyndrom mit Strabismus convergens bis divergens links und eine
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hochgradige Amblyopie linksseitig bestätigt werden können; es hätten sich allerdings
keine Hinweise für eine vorliegende zentrale oder periphere vestibuläre Störung,
respektive eine andere relevante neurologische Funktionsstörung ergeben. Darüber
hinaus leide die Beschwerdeführerin an chronischen Kopfschmerzen, die gemäss der
aktuellen gültigen Klassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) zum
Teil als migräniform, zum Teil als Spannungskopfschmerz klassifiziert werden müssten.
Weiterhin bestehe gemäss der anamnestischen Angaben mit regelmässigem Konsum
hoher Dosen von Analgetika und dauerhaft vorhandenen Kopfschmerzen der Verdacht
auf einen medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz. In der rheumatologischen
konsiliarischen Begutachtung habe sich die Diagnose eines rechtbetonten
generalisierten chronischen Schmerzsyndroms ergeben, das anhand von
anamnestischen, bildgebenden oder Laborbefunden kaum erklärbar sei. Es fänden sich
viele Zeichen für ein nichtorganisches Krankheitsverhalten. In der psychiatrischen
konsiliarischen Begutachtung habe sich die Diagnose einer undifferenzierten
Somatisierungsstörung mit akzentuierten histrionischen Zügen, fixierter Krankenrolle
und sekundärem Krankheitsgewinn ergeben. Zusammenfassend lasse sich die
Diagnose einer chronischen undifferenzierten Somatisierungsstörung stellen. Zur
Arbeitsfähigkeit haben die Gutachter ausgeführt, aus psychiatrischer Sicht betrage die
Arbeitsunfähigkeit 30%, wobei viele nicht invalidisierende Faktoren vorlägen. Die
Willensanstrengung zur Überwindung beziehungsweise adäquaten Verarbeitung der
multiplen psychosomatischen Beschwerden sei zumutbar. Die Schielamblyopie bringe
funktionelle Einschränkungen bei der Tätigkeit (kein stereoskopisches Sehen,
eingeschränktes Gesichtsfeld) mit sich, die allerdings während der mehrjährigen
beruflichen Tätigkeit der Beschwerdeführerin offensichtlich keine relevante Rolle
gespielt hätten. Aus neurologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit aufgrund der
funktionellen Beschwerden um etwa 30% gemindert. Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht werde aufgrund der vielen funktionellen
Beschwerden auf 20 bis 30% eingeschätzt. Aufgrund des chronischen
weichteilrheumatischen Schmerzsyndroms entfielen körperlich schwere Tätigkeiten
oder solche, die mit besonderen Stressbelastungen oder Zwangshaltungen verbunden
seien. Insgesamt sei das Krankheitsbild durch funktionelle beziehungsweise
psychosomatische Beschwerden dominiert. Polydisziplinär betrage die
Arbeitsunfähigkeit 30% (IV-act. 42-13/18 f.).
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2.5 Daraus folgt, dass der Beschwerdeführerin aus polydisziplinärer Sicht eine
leidensadaptierte Tätigkeit nur zu 70% zumutbar ist. Sowohl aus neurologischer, wie
aus rheumatologischer und psychiatrischer Hinsicht ist eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 30% attestiert worden. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung
zur somatoformen Schmerzstörung und Fibromyalgie ist den Gutachtern bekannt
gewesen. Zudem sind sie ausdrücklich von der Beschwerdegegnerin danach befragt
worden, inwiefern die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung bei
Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung oder Fibromyalgie gemäss den
bundesgerichtlichen Kriterien erfüllt seien. Die Gutachter haben dazu angegeben, eine
psychische Komorbidität von erheblicher Schwere und Dauer liege nicht vor. Die
Voraussetzungen für die zumutbare Willensanstrengung seien aus psychiatrischer
Hinsicht gegeben. Aufgrund der Chronifizierung des multiplen psychosomatischen
Beschwerdebildes wie auch der unbefriedigenden Behandlungsergebnisse sei von
einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht von 30% auszugehen.
Da ein langjährig chronifizierter Krankheitsverlauf, ein sekundärer Krankheitsgewinn
und eine Fixierung der Beschwerdeführerin auf ihre Krankheit vorlägen, sei nicht mit
einer Besserung des Gesundheitszustandes zu rechnen (IV-act. 42-15/18f.). Damit
haben die Gutachter ausgedrückt, dass entgegen der Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin, die sich nicht als arbeitsfähig erachtet, eine teilweise
Arbeitstätigkeit von 70% zumutbar ist, beziehungsweise die Willensanstrengung, trotz
der Beschwerden einer Arbeitstätigkeit nachzugehen, zu 70% zumutbar ist. Eine
100%ige Arbeitsfähigkeit ist jedoch aufgrund des Gesamtbildes nicht gegeben und
zwar sowohl aus psychiatrischen, neurologischen wie rheumatologischen Gründen.
Diese polydisziplinäre Arbeitsfähigkeitsschätzung ist objektiv erfolgt. Eine Korrektur
durch das Gericht drängt sich daher nicht auf. Auch der RAD hat in seiner
Stellungnahme vom 18. Juli 2008 die Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS als
schlüssig und nachvollziehbar bezeichnet (IV-act. 45). Daher ist von einer 70%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen.
2.6 Die Beschwerdeführerin erachtet das MEDAS-Gutachten vom 26. Juni 2008 als
mangelhaft, weil eine fachärztliche Untersuchung der Schwindelbeschwerden
unterblieben sei. Die Beschwerdeführerin ist anlässlich der Begutachtung durch die
MEDAS insbesondere neurologisch untersucht worden. Zusätzlich zur klinischen
Untersuchung ist am 15. Mai 2008 zur Abklärung der chronischen Kopfschmerzen und
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Schwindel eine cranio-cerebrale Kernspintomographie durchgeführt worden. Bis auf
eine leichtgradige Mucusansammlung im Sinus sphenoidalis hat sich ein
altersentsprechend normales MRI gezeigt (IV-act. 40). Dieser Befund ist von der
MEDAS am 21. Januar 2009 ausdrücklich als nicht hochgradig pathologisch beurteilt
worden; der Gleichgewichtssinn werde dadurch nicht beeinträchtigt (IV-act. 64). Darauf
kann abgestellt werden. Auch die zusätzlich durchgeführte Dopplersonographie sowie
ein EMG haben die noch im Jahr 2006 von Dr. C._ gestellte Diagnose einer
vestibulären Funktionsstörung nicht (mehr) bestätigen können. Der entsprechende
Arztbericht von Dr. C._ lag den Gutachtern vor. Sie haben die Beschwerdeführerin
somit in Kenntnis dieser Diagnose untersucht. Die Beschwerdeführerin hat denn auch
hauptsächlich Schwindelbeschwerden beklagt. Die Gutachter haben nach der
Untersuchung ausdrücklich Hinweise für das Vorliegen einer peripheren vestibulären
Störung beziehungsweise einer anderen relevanten neurologischen Funktionsstörung
verneint (IV-act. 42-13/18). Als Fachärzte für Neurologie haben sie die
Schwindelbeschwerden zureichend untersuchen und beurteilen können. Bereits in
einer früheren augenärztlichen Untersuchung waren okuläre Ursachen für den
Schwindel verneint worden. Hätten Hinweise für den Bedarf auf weitere fachärztliche
Abklärungen bestanden, hätten die Gutachter eine solche veranlasst. Eine leichte
Gangunsicherheit belegt noch nicht, dass eine Funktionsstörung vorhanden ist. Bei der
Untersuchung der Hirnnerven konnte jedenfalls weder ein Nystagmus noch eine
Oculomotorikstörung nachgewiesen werden (IV-act. 42-8/18). Eine erneute
Untersuchung im Hinblick auf eine Funktionsstörung ist daher nicht nötig.
2.7 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die rheumatologische Diagnose
könne nicht nachvollzogen werden, weil Angaben über typische Erkennungszeichen
(tender points) fehlten. Der begutachtende Rheumatologe hat im Konsiliargutachten
vom 15. Mai 2008 ausgeführt, das generalisierte rechtsbetonte chronische
Schmerzsyndrom sei anhand von anamnestischen, bildgebenden oder Laborbefunden
kaum erklärbar. Zu betonen seien die vielen Zeichen für nichtorganisches
Krankheitsverhalten, so nebst der diffusen Symptombeschreibung und den
präsentierten generalisierten Schmerzbefunden die hohe Schmerzbewertung, die
weitgehende Erfolglosigkeit bisheriger Behandlungen, das nicht plausible Ausmass der
demonstrierten Behinderung im Vergleich zu den objektivierbaren Befunde sowie die
im Status aufgeführten Inkonsistenzen (Waddell-Zeichen, Griffkraft). Die aktuell
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festzustellenden generalisierten rechtsbetonten Schmerzen gingen weit über ein
klassisches Fibromyalgie Syndrom mit seinen typischen Tender points hinaus (IV-act.
43-3/4). Damit hat der Rheumatologe nachvollziehbar begründet, dass eben gerade
keine Fibromyalgie vorliegt, sondern ein generalisiertes chronisches Schmerzsyndrom.
Auf die rheumatologische Beurteilung kann abgestellt werden.
2.8 Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, die psychosozialen Belastungsfaktoren
seien erhebliche Gründe für das Vorliegen von depressiven Episoden und daher IV-
rechtlich von Belang. Gemäss dem psychiatrischen Konsiliargutachten vom 14. Mai
2008 leidet die Beschwerdeführerin an einer Somatisierungsstörung, zum Teil
undifferenzierten Charakters (ICD-10: F45.0/F45.1), bei einer zugrundeliegenden
akzentuierten Persönlichkeit mit histrionischen Zügen (ICD-10: Z73.1). Dazu hat der
begutachtende Psychiater ausgeführt, wie so häufig bei Somatisierungsstörungen
träten auch bei der Beschwerdeführerin Bilder depressiver Natur auf. Hierbei handle es
sich um wechselnde Mischbilder depressiver Symptome, vor allem somatischer Art mit
diagnostisch weniger bedeutsamen Symptomen wie Spannung, Sorgen,
Existenzängste, verbunden mit anhaltenden multiplen körperlichen Beschwerden. Es
handle sich hierbei um eine atypische Depression (ICD-10: F32.8), also um leichte,
kurze depressive Episoden, die nicht länger als einige Tage anhielten, nicht
kontinuierlich vorhanden seien und nicht im Vordergrund stünden. Von ihrer
Ausprägung her sei das atypische depressive Zustandsbild der Beschwerdeführerin
nicht invalidisierend und stelle somit keine Komorbidität von Bedeutung dar (IV-act.
44-5/6). Damit hat der begutachtende Psychiater klar eine depressive Problematik
erkannt und gewürdigt und auch nachvollziehbar begründet, weshalb sie vorliegend
nicht arbeitsfähigkeitsmindernd zu berücksichtigen sei.
2.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf das umfassende und schlüssige
MEDAS-Gutachten vom 25. Juni 2008 abgestellt werden kann. Die Beschwerdeführerin
bringt denn auch keine Befunde vor, die anlässlich der Begutachtung von den
verschiedenen Fachärzten nicht berücksichtigt worden wären und deren Kenntnis zu
einer anderen Beurteilung geführt hätte. Das MEDAS-Gutachten erfüllt die vom
Bundesgericht aufgestellten Kriterien an ein beweiskräftiges Gutachten (BGE 125 V 352
E. 3a), weshalb darauf abgestellt werden kann.
3.
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3.1 Auf der Basis des gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeitsgrades für eine
leidensadaptierte Tätigkeit ist im Folgenden der Invaliditätsgrad zu bemessen. Die
Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 28. Januar 2009 auf ein
Valideneinkommen von Fr. 38'839.-- abgestellt, indem sie das im Jahr 2005 zuletzt
erzielte Einkommen von Fr. 37'400.-- der Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2008
angepasst hat (IV-act. 66 f.). Dabei hat sie auf das zunächst im Jahr 2005 gegenüber
der Ausgleichskasse deklarierte Einkommen abgestellt. Gemäss Angaben der
Arbeitgeberin vom 28. Mai 2007 hat die Beschwerdeführerin im Jahr 2005 aber
tatsächlich ein Einkommen von Fr. 35'262.25 erzielt (IV-act. 16: vgl. Korrektur im IK-
Auszug, IV-act. 7). Dieses Valideneinkommen ist an die Nominallohnentwicklung bis ins
Jahr 2008 anzupassen. Gemäss der schweizerischen Lohnentwicklung beträgt die
Nominallohnentwicklung im Jahr 2006 1.2%, im Jahr 2007 1.6% und im Jahr 2008 2%,
so dass sich das Valideneinkommen im Jahr 2008 auf Fr. 36'982.-- erhöht. Bei der
Bestimmung des Invalideneinkommens ist die Beschwerdegegnerin davon
ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin immer noch an ihrer bisherigen
Arbeitsstelle beschäftigt wäre. Denn die Beschwerdeführerin hat im Vergleich zum
durchschnittlichen Jahreseinkommen von Frauen im privaten Sektor, Niveau 4,
unterdurchschnittlich verdient. Gemäss der schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(LSE) 2008 verdienten Frauen im Durchschnitt im Jahr 2008 Fr. 51'032.-- (Fr. 4'198.-- x
12). Wird das Invalideneinkommen auf der Basis des bisherigen Verdiensts ermittelt, ist
keine Anpassung an die höhere Anzahl Arbeitsstunden pro Woche erforderlich, wie
dies die Beschwerdeführerin verlangt. Angepasst an eine 70%ige Beschäftigung
beträgt das Einkommen Fr. 25'887.-- (Fr. 36'872.-- x 0.7).
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat beim Invaliditätseinkommen keinen sogenannten
"Leidensabzug" anerkannt. Die Beschwerdeführerin verlangt einen Abzug von 25%.
Die Augenproblematik habe eine erhebliche Einschränkung der denkbaren Stellen zur
Folge. Dazu kämen die rasche Ermüdbarkeit, die Schwächezustände, das Unfallrisiko,
das erhöhte Krankheitsrisiko, die Teilzeitarbeit, das Alter und die fehlende Erfahrung.
Der als "Leidensabzug" bezeichnete Abzug hat nichts mit dem Leiden an sich zu tun.
Vielmehr sollen damit jene Nachteile ausgeglichen werden, welche die versicherte
Person bei der Anwendung statistischer Daten für das Invalideneinkommen erleidet.
Die Invalidität bewirkt - neben der Arbeitsunfähigkeit - auf den realen Arbeitsmarkt
bezogen eine zusätzliche Lohneinbusse. Denn die statistischen Tabellenlöhne werden
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auf der Grundlage von Daten gesunder Arbeitnehmer erhoben. Solche Werte erreicht
der invalide Arbeitnehmer im Allgemeinen nicht. Vielmehr muss er in der Entwicklung
des Invaliditätseinkommens beziehungsweise der Invalidenkarriere mannigfaltige
Nachteile gewärtigen (vgl. BGE 126 V 75 neues Fenster zum "Leidensabzug"). Der
Beschwerdeführerin sind keine körperlich schweren Tätigkeiten oder solche, die mit
besonderer Stressbelastung oder Zwangshaltung verbunden sind, zumutbar. Sodann
schränkt die Augenproblematik die Beschwerdeführerin dahingehend ein, dass sie
keine Tätigkeiten ausüben kann, die ein stereoskopisches Sehen oder ein ganzes
Gesichtsfeld erfordern. Arbeiten, die diesen Einschränkungen angepasst sind, kann sie
noch zu 70% ausüben. Die Beschwerdeführerin ist zudem gegenüber einer gesunden
Konkurrentin aus ökonomischer Sicht benachteiligt, weil ein grösseres Risiko besteht,
dass sie mehr Krankheitsabwesenheiten haben könnte und weniger flexibel sei (z.B. in
Bezug auf Überstunden; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 25. November 2008
[9C_650/2008] E. 5.4). Sie wird deshalb ihre Arbeitskraft zu einem
unterdurchschnittlichen Lohn anbieten müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
9. Dezember 2009 [9C_68/2009]). Dies ist in der ärztlichen Schätzung der
Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt. Es rechtfertigt sich daher ein Abzug von 10%. Für
den Umstand, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr vollzeitlich arbeiten kann, ist
kein weiterer Abzug zu gewähren. Denn Frauen, die einfache und repetitive Tätigkeiten
in Teilzeit verrichten, werden im Vergleich zu Vollzeitbeschäftigten überproportional
entlöhnt (vgl. LSE 2006, TZ*). Wird das Valideneinkommen von Fr. 36'982.-- dem
Invalideneinkommen von Fr. 23'299.-- gegenübergestellt, resultiert ein Invaliditätsgrad
von 37%. Da dieser unter 40% liegt, besteht kein Rentenanspruch.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in
der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge der am 11. September 2009 bewilligten
unentgeltlichen Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien. Der Staat ist
zufolge der am 11. September 2009 bewilligten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
bis
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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zu verpflichten, für die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin
aufzukommen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dem unentgeltlichen Rechtsbeistand
lediglich ein um 20% reduziertes Honorar zusteht (vgl. Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Die Entschädigung bemisst sich gemäss Art. 61 lit. g
ATSG nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich eine Entschädigung von Fr.
3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Gekürzt um 20%
beträgt sie Fr. 2'800.--. Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, ist die
Beschwerdeführerin jedoch zur Nachzahlung der vom Staat entschädigten Gerichts-
und Parteikosten verpflichtet (Art. 123 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP