Decision ID: f2b39a77-5a22-45ea-b1c1-134162a94686
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ist 1945 in der Schweiz geboren und schweizeri-
sche Staatsbürgerin. Der Beschwerdeführer ist 1949 in C._ gebo-
ren und ist Staatsangehöriger der Schweiz und Israels. Das Ehepaar lebt
seit (...) 2005 in Thailand.
B.
Die Konsularische Direktion des EDA (KD) hiess das Gesuch der Be-
schwerdeführenden vom 6. März 2020 um Unterstützung gemäss Bundes-
gesetz vom 26. September 2014 über Schweizer Personen und Institutio-
nen im Ausland (ASG; SR 195.1) am 17. April 2020 teilweise gut und
sprach ihnen vom 1. April 2020 bis zum 31. Mai 2020 eine wiederkehrende
Leistung von monatlich THB 34'425.– zu. Diese Unterstützung wurde mit
der Auflage (Bezeichnung gemäss Verfügung) verbunden, den bestehen-
den Mietvertrag zu kündigen. Ab Juni 2020 würde nur noch ein Mietzins
von höchstens THB 20'000 (anstatt bisher THB 40'000) berücksichtigt wer-
den.
C.
Zwischen 2020 und 2021 richtete die Vorinstanz einmalige Unterstützungs-
leistungen für die Begleichung medizinischer Kosten des Beschwerdefüh-
rers aus.
D.
Das Folgegesuch um Ausrichtung einer wiederkehrenden Leistung vom
19. Mai 2020 hiess die Vorinstanz am 14. Dezember 2020 gut und ge-
währte den Beschwerdeführenden vom 1. Juni 2020 bis zum 31. März
2021 eine wiederkehrende Leistung von monatlich THB 14'425.–. Sie be-
rücksichtigte dabei androhungsgemäss lediglich einen Mietzins von THB
20'000.– und hielt fest, sollten die Beschwerdeführenden nicht in eine Woh-
nung mit einem Mietzins von maximal THB 20'000.– umziehen, würde
ihnen bei einem Fortsetzungsgesuch die Sozialhilfe verweigert werden.
E.
Am 19. April 2021 wies die KD das Folgegesuch der Beschwerdeführenden
um Ausrichtung einer wiederkehrenden Leistung vom 8. März 2021 ab.
F.
Mit am 25. Mai 2021 bei der Schweizerischen Botschaft in Thailand einge-
reichter Rechtmitteleingabe (Eingang Bundesverwaltungsgericht am
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2. Juni 2021) beantragten die Beschwerdeführenden sinngemäss die Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer wieder-
kehrenden Leistung.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 2. November 2021 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde.
H.
In ihrer Replik vom 1. Dezember 2021 hielten die Beschwerdeführenden
an ihren Anträgen und deren Begründung fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen der KD betreffend Sozialhilfeleistungen an Schweizer
Staatsangehörige im Ausland nach Art. 33 Abs. 1 ASG unterliegen der Be-
schwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 62 ASG i.V.m. Art. 31 ff.
VGG).
1.2 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesver-
waltungsgericht nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz, soweit das VGG
nichts anderes bestimmt.
1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten, die ein
schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung der angefoch-
tenen Verfügung haben, zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist [Art. 50
Abs. 1 VwVG] und Form der Beschwerde [Art. 52 VwVG]) sind erfüllt. Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art.
49 VwVG). Ein Entscheid ist unangemessen, wenn er zwar innerhalb des
Ermessensspielraums liegt und die Verfassungsprinzipien sowie Sinn und
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Zweck der gesetzlichen Ordnung beachtet, das Ermessen aber unzweck-
mässig gehandhabt und keine den Umständen des Einzelfalls angepasste
Lösung getroffen wurde (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar VwVG,
2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 33 ff.).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das
Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an
die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde
auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder
abweisen.
3.
Geht es – wie hier – um wiederkehrende Leistungen, ist analog zum Sozi-
alversicherungsrecht auf dem Gebiet der Sozialhilfe an Schweizer Staats-
angehörige im Ausland grundsätzlich auf die tatsächlichen Verhältnisse ab-
zustellen, wie sie sich zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung darge-
stellt haben (vgl. Urteil des BVGer C-4103/2013 vom 30. April 2015 E. 2).
4.
4.1 Gemäss Art. 22 ASG gewährt der Bund im Rahmen dieses Gesetzes
Auslandschweizerinnen und -schweizern, die bedürftig sind, Sozialhilfe.
Auslandschweizerinnen und -schweizer im Sinne dieses Gesetzes sind
nach Art. 3 Bst. a ASG Schweizerinnen und Schweizer, die in der Schweiz
keinen Wohnsitz haben und im Auslandschweizerregister eingetragen
sind. Gemäss Art. 24 ASG wird Auslandschweizerinnen und -schweizern
nur dann Sozialhilfe gewährt, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht hinrei-
chend aus eigenen Kräften und Mitteln, aus Beiträgen von privater Seite
oder aus Hilfeleistungen des Empfangsstaates bestreiten können. Aus-
landschweizerinnen und -schweizern mit mehrfacher Staatsangehörigkeit
wird in der Regel keine Sozialhilfe gewährt, wenn die ausländische Staats-
angehörigkeit vorherrscht (Art. 25 ASG).
4.2 Art und Umfang der Sozialhilfe richten sich nach den besonderen Ver-
hältnissen des Empfangsstaates, unter Berücksichtigung der notwendigen
Lebensbedürfnisse einer oder eines sich dort aufhaltenden Schweizer
Staatsangehörigen (Art. 27 Abs. 1 ASG). Je nach Situation kann die So-
zialhilfe in Form von wiederkehrenden oder einmaligen Leistungen gewährt
werden (vgl. Art. 18 Abs. 1 der Verordnung vom 7. Oktober 2015 über
Schweizer Personen und Institutionen im Ausland [V-ASG; SR 195.11]).
Anspruch auf wiederkehrende Leistungen hat eine Person, wenn ihre an-
rechenbaren Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen und ihr
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liquidierbares Vermögen bis auf den Vermögensfreibetrag verwertet wor-
den ist (Art. 19 Abs. 1 Bst. a und Bst. b V-ASG). Zudem muss ihr Verbleib
im Empfangsstaat aufgrund der gesamten Umstände gerechtfertigt sein
(Art. 19 Abs. 1 Bst. c V-ASG), was namentlich dann der Fall ist, wenn sich
die betreffende Person schon seit mehreren Jahren im Empfangsstaat auf-
hält (Ziff. 1), wenn sie mit grosser Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit im
Empfangsstaat wirtschaftlich selbständig wird (Ziff. 2) oder wenn sie nach-
weist, dass ihr wegen enger familiärer Bande oder anderer Beziehungen
die Rückkehr in die Schweiz nicht zugemutet werden kann (Ziff. 3). Dabei
ist unerheblich, ob die entsprechenden Leistungen im Ausland oder in der
Schweiz kostengünstiger wären (Art. 19 Abs. 2 V-ASG).
4.3 Die allfällige Bedürftigkeit einer Person wird – um dem Gleichbehand-
lungsgebot Rechnung zu tragen – in jedem Unterstützungsfall auf der
Grundlage eines Haushaltsbudgets festgestellt. Bei der Berechnung des
Budgets stützen sich die zuständigen Behörden auf die allgemeinen sozi-
alhilferechtlichen Grundsätze, welche in der Weisung über die Sozialhilfe
für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer (nachfolgend: Wei-
sung), gültig seit 1. Januar 2020 oder in den Empfehlungen der Schweize-
rischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) niedergelegt sind.
4.4 Die Sozialhilfe kann mit Bedingungen und Auflagen verbunden werden
(Art. 28 ASG), wobei diese verhältnismässig sein müssen und nicht sach-
fremd sein dürfen (Ziff 6.4.2 der Weisung). Eine Bedingung liegt vor, wenn
die Rechtswirksamkeit einer Verfügung von einem künftigen, ungewissen
Ereignis abhängig gemacht wird (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 913). Eine Auflage ist die mit einer
Verfügung verbundene zusätzliche Verpflichtung zu einem Tun, Dulden o-
der Unterlassen. Von der Bedingung unterscheidet sie sich dadurch, dass
die Rechtswirksamkeit der Verfügung nicht davon abhängt, ob die Auflage
erfüllt wird oder nicht. Die Verfügung ist auch gültig, wenn die Auflage nicht
erfüllt wird (HÄFELIN MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 919 f.). Während die Er-
füllung der Bedingung durch die Behörde nicht beeinflusst werden kann,
ist die Auflage selbständig durchsetzbar (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
a.a.O., RZ. 920; TSCHANNEN/MÜLLER/KERN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
5 Aufl. 2022, Rz. 730).
4.5 Gemäss Art. 26 Bst. d ASG kann die Sozialhilfe verweigert oder entzo-
gen werden, wenn die gesuchstellende Person die ihr gestellten Bedingun-
gen oder Auflagen nicht erfüllt oder wesentliche Änderungen ihrer Verhält-
nisse nicht meldet. Der Wortlaut von Art. 38 Abs. 1 V-ASG geht über den
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Inhalt von Art. 26 ASG hinaus, indem darin festgehalten wird, dass bei ei-
nem fehlbaren Verhalten nach Art. 26 ASG die Sozialhilfe «auch lediglich
gekürzt» werden kann. Art. 38 Abs. 1 V-ASG findet in Art. 26 ASG eine hin-
reichende formell-gesetzliche Grundlage: Wenn die Sozialhilfe verweigert
oder entzogen werden kann, dann ist es a maiore ad minus auch zulässig,
sie lediglich zu kürzen. Zudem wirkt sich die Verordnungsbestimmung zu
Gunsten der gesuchstellenden Person aus. Auch in der Weisung wird in
Bezug auf die Wohnkosten explizit festgehalten, dass diese entsprechend
reduziert werden, wenn die «Auflage» nicht «befolgt» wird (zur Terminolo-
gie vgl. E. 4.6 hiernach), in eine günstigere Wohnung umzuziehen (Ziff.
2.3.1 der Weisung).
4.6 An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass die Anweisung, eine
günstigere Wohnung zu suchen, keine Auflage, sondern eine Bedingung
darstellt. Zwar ist die befristete Gewährung der Sozialhilfe nicht davon ab-
hängig, dass die Bedingung erfüllt wird. Indessen handelt es sich hier um
ein Dauerschuldverhältnis, dessen Fortsetzung von der Erfüllung der Be-
dingung abhängig gemacht wurde (vgl. Sachverhalt Bst. B., D. und E.). So-
wohl die Reduktion der Unterstützung (vgl. Verfügung vom 14. Dezember
2020) als auch deren Einstellung mit Wirkung ab 1. April 2021 (vgl. streitige
Verfügung vom 19. April 2021) wurde im Wesentlichen damit begründet,
die Beschwerdeführenden hätten zwei Mal die «Auflage» nicht erfüllt, in
eine günstigere Wohnung umzuziehen. Die Nichteinhaltung der Aufforde-
rung wirkte sich somit direkt auf den Ausgang des jeweiligen Verfahrens
aus, weshalb hier nicht eine Auflage, sondern eine Bedingung vorliegt. Die
Qualifikation als Bedingung ergibt sich auch daraus, dass die Behörde den
Umzug in eine günstigere Wohnung nicht durchsetzen kann (vgl. E. 4.4 am
Ende).
5.
5.1 Die Vorinstanz verweigert die Ausrichtung einer wiederkehrenden Leis-
tung mit der Begründung, die Beschwerdeführenden hätten die in der Ver-
fügung vom 14. Dezember 2020 formulierte Auflage (gemeint: Bedingung),
eine Wohnung zu suchen, mit einem Mietzins, der im ortsüblichen Rahmen
für eine bescheidene Unterkunft dieser Grösse liege (max. THB 20'000),
nicht erfüllt. Ferner hätten sie kein Arztzeugnis eingereicht, welches bestä-
tigen würde, dass ein Umzug für den Beschwerdeführer aus gesundheitli-
chen Gründen nicht möglich sei.
5.2 Die Beschwerdeführenden stellen sich dagegen auf den Standpunkt,
die ortsüblichen Mieten für eine vergleichbare Wohnung würden zwischen
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THB 65'000 und THB 80'000 betragen. Der Beschwerdeführer benötige
aufgrund seines Gesundheitszustandes eine ständige Betreuung durch die
Beschwerdeführerin. Diese sei wiederum auf die Unterstützung des Si-
cherheitsdienstes im Gebäude angewiesen, wenn Arztbesuche erforder-
lich würden. Ihre Wohnung sei rollstuhlgerecht, was bei den meisten Woh-
nungen in Thailand nicht der Fall sei. Zudem biete die Wohnung die Mög-
lichkeit, eine Pflegerin unterzubringen. Der Beschwerdeführer sei nicht in
der Lage, einen Umzug ohne die Gefahr fataler gesundheitlicher Schäden
durchzustehen. Dieser Zustand sei durch medizinische Unterlagen belegt.
5.3 In ihrer Vernehmlassung ergänzt die Vorinstanz, die Beschwerdefüh-
renden würden sich weigern, über ihre finanziellen Verhältnisse Auskunft
zu geben, indem sie keine Belege zum bei der D._ investierten Ka-
pital eingereicht hätten. Ferner hätten sie es unterlassen, ihre Zusatzversi-
cherungen zu kündigen, obwohl sie mehrmals auf die hohen Kosten hin-
gewiesen worden seien. Sie hätten folglich das ihnen Zumutbare, um ihre
Lage zu verbessern, unterlassen.
5.4 In ihrer Replik entgegnen die Beschwerdeführenden, sie hätten ihre
persönlichen Verhältnisse von Anfang an offengelegt. Von der D._
seien ihnen USD 10'000 als Geschäftseinlage für ihre Vorarbeiten gutge-
schrieben worden. Dafür sei ihnen ein Anteil von 7.86% und darauf basie-
rend eine monatliche Auszahlung gewährt worden. Ihre finanzielle Situa-
tion habe sich nach dem plötzlichen Tod des Direktors der D._ im
(...) 2021 grundlegend geändert. Das Unternehmen in E._ sei ge-
schlossen worden. Damit sei kein zukünftiges Einkommen mehr in Aus-
sicht. Wohnungen für THB 20'000 hätten jeweils eine Grösse von ca. 35
m2, was für den Beschwerdeführer, der nicht mehr auf die Strasse gehen
könne, einer Zelle gleichkomme. Die Beschwerdeführerin könne ihn nicht
lange alleine lassen, weshalb es wichtig sei, Einkaufsmöglichkeiten in der
Nähe zu haben. Die Entlassungspapiere aus dem Krankenhaus habe die
Beschwerdeführerin der schweizerischen Botschaft im Original abgege-
ben.
6.
Zu prüfen ist zunächst, ob die Bedingung der Vorinstanz, wonach die Be-
schwerdeführenden in eine Wohnung mit einem Mietzins von max. THB
20'000 hätten umziehen sollen, verhältnismässig und sachgerecht war.
6.1 Die Wohnkosten (Miet- bzw. Hypothekarzins) stellen einen Teil der ma-
teriellen Grundsicherung dar. Gemäss Ziff. 2.3.1 der Weisung sind sie voll
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anzurechnen, sofern die Wohnungsgrösse den Umständen angemessen
ist und der Mietzins im ortsüblichen Rahmen für eine bescheidene Woh-
nung dieser Grösse liegt. Überhöhte Wohnkosten werden so lange ange-
rechnet, bis eine zumutbare Lösung möglich ist. Die unterstützte Person
kann zur Wohnungssuche oder zur Untervermietung verpflichtet (gemeint:
angehalten) werden. Die Berücksichtigung der gegenwärtigen Mietkosten
kann befristet werden. Wird die Auflage (gemeint: Bedingung) nicht befolgt
(gemeint: erfüllt), werden die anrechenbaren Wohnkosten entsprechend
reduziert.
Im Hinblick auf den Umzug in eine günstigere Wohnung ist die Situation im
Einzelfall genau zu prüfen und die Grösse und die Zusammensetzung der
Familie, eine allfällige Verwurzelung an einem bestimmten Ort, das Alter
und die Gesundheit der betroffenen Personen sowie der Grad der sozialen
Integration sind zu berücksichtigen. Der Umstand, dass eine Person im be-
treffenden Quartier seit vielen Jahren verwurzelt ist, verleiht für sich allein
genommen keinen Anspruch auf den Verbleib in einer Wohnung, die das
Mietzinsmaximum überschreitet (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Zürich VB.2012.00158 vom 12. April 2012 E. 3.3). Sozialhilfesu-
chende Personen, die in solchen Wohnungen leben, müssen unter Um-
ständen gewisse Härten – z. B. ein Herausreissen aus der gewohnten Um-
gebung – sowie gewisse Einschränkungen in der Lebensqualität in Kauf
nehmen (Urteil des BGer 2P.207/2004 vom 7. September 2004 E. 3.2).
Weigert sich die betroffene Person, eine günstigere Wohnung zu suchen
oder in eine effektiv verfügbare und zumutbare günstigere Wohnung um-
zuziehen, können die anrechenbaren Wohnkosten auf jenen Betrag redu-
ziert werden, der durch die günstigere Wohnung entstanden wäre (vgl.
dazu CLAUDIA HÄNZI, Leistungen der Sozialhilfe in den Kantonen, in: Das
Schweizerische Sozialhilferecht, 2008, S. 120 ff.).
6.2 Die Beschwerdeführenden haben für ihren Standpunkt, wonach ein
Umzug in eine günstigere Wohnung aufgrund des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers nicht möglich sei, keine Belege eingereicht. Ent-
sprechend ist davon auszugehen, dass der Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers einem Umzug nicht entgegensteht. Die Vorinstanz konnte
aufzeigen, dass Wohnungen in Bangkok für THB 20'000 gemietet werden
können, welche den sich aus der Erkrankung des Beschwerdeführers (Epi-
lepsie und mehrere Schlaganfälle) ergebenden Bedürfnissen, wie die Nähe
zu öffentlichen Verkehrsmitteln (konkret der BTS/MRT-Linie), Sicherheits-
dienst im Gebäude, etc. entsprechen. Auch hatten die Beschwerdeführen-
den genügend Zeit gehabt, eine günstigere Wohnung zu finden, wurden
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sie doch bereits im April 2020 hierzu aufgefordert. Es wäre ihnen somit
möglich und zumutbar gewesen, in eine günstigere Wohnung umzuziehen.
Die entsprechende Bedingung erweist sich somit als sachgerecht und ver-
hältnismässig.
7.
Zu prüfen bleibt, welche Konsequenzen sich aus der Nichterfüllung der Be-
dingung ergeben.
7.1 Wie bereits dargelegt, sieht die Weisung explizit eine Reduktion der
Wohnkosten im Budget und damit eine Kürzung der Sozialhilfeleistungen
vor, wenn die Auflage (gemeint: Bedingung) nicht befolgt (gemeint: erfüllt)
wird, in eine günstigere Wohnung umzuziehen (Ziff. 2.3.1 der Weisung).
Dies deckt sich mit Art. 38 Abs. 1 V-ASG, der die Möglichkeit einer Kürzung
der Leistungen enthält, wenn Auflagen oder Bedingungen nicht erfüllt wer-
den. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführenden, auch wenn sie in ei-
ner Wohnung für THB 20’000 leben würden, ihren Lebensunterhalt den-
noch nicht aus eigener Kraft bestreiten könnten. Zudem ist der betagte Be-
schwerdeführer schwer krank und auf permanente Unterstützung durch die
ebenfalls betagte Beschwerdeführerin und auf Medikamente angewiesen.
Die gänzliche Streichung von Unterstützungsleistungen könnte die Be-
schwerdeführenden in eine existentielle Notlage bringen. Vor diesem Hin-
tergrund erscheint diese Massnahme nicht angemessen, zumal die Mög-
lichkeiten der Kürzung von Leistungen besteht. Die Berücksichtigung eines
angemessenen Mietzinses im Budget der Beschwerdeführenden und ge-
stützt darauf die Ausrichtung einer entsprechenden Unterstützungsleistung
erscheint vorliegend geboten und steht im Einklang mit der Aufgabe der
Sozialhilfe, eine einfache, den Anforderungen der Menschenwürde genü-
gende Lebensführung zu gewährleisten. Weshalb die Vorinstanz von
Art. 38 Abs. 1 V-ASG bzw. von Ziff. 2.3.1 der Weisung abweicht, legt sie
nicht dar (vgl. zur Unangemessenheit im Zusammenhang mit dem Abwei-
chen von Verwaltungsverordnungen SCHINDLER, a.a.O., Art. 49 N. 40) und
ist auch nicht nachvollziehbar. Die gänzliche Verweigerung der Unterstüt-
zungsleistungen steht zwar im Einklang mit Art. 26 Bst. d ASG, erscheint
aber unangemessen im Sinne von Art. 49 Bst. c VwVG.
7.2 Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, mit der Auf-
forderung, im Budget der Beschwerdeführenden einen angemessenen
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Mietzinsanteil anzurechnen und gestützt darauf eine wiederkehrende Leis-
tung ab dem 1. April 2021 gemäss den gesetzlichen Bestimmungen fest-
zusetzen.
7.3 Bei diesem Ergebnis ist auf das Vorbringen der Beschwerdeführenden,
sie hätten nach dem Tod des Direktors der D._, Herrn F._,
im (...) 2021 und der Schliessung der D._ in E_, keine Aus-
sicht auf ein künftiges Einkommen mehr, nicht einzugehen. Die Vorinstanz
wird diesen Umstand im Budget der Beschwerdeführenden beziehungs-
weise bei der Festsetzung der Höhe der Anspruchsberechtigung zu be-
rücksichtigen haben.
8.
8.1 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind keine Kosten zu er-
heben (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
8.2 Die Beschwerdeführenden wären für die ihnen erwachsenen notwen-
digen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Es ist jedoch
nicht davon auszugehen, dass ihnen – die nicht anwaltlich vertreten sind –
aus dem vorliegenden Verfahren Kosten im Sinne der massgeblichen Best-
immungen entstanden sind. Deshalb ist ihnen keine Parteientschädigung
zuzusprechen.
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