Decision ID: 1e76a71f-2b60-414e-9e0b-2bb6b344819b
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 08.12.2017 Art. 45 Abs. 3 ATSG. Kostenauferlegung bei Erschwerung oder Verhinderung einer notwendigen Sachverhaltsabklärungsmassnahme in unentschuldbarer Weise (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. Dezember 2017, IV 2015/356).
Entscheid vom 8. Dezember 2017
Besetzung
Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-
Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt
Geschäftsnr.
IV 2015/356
Parteien
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jakob Ackermann,
Ris & Ackermann Rechtsanwälte, St. Gallerstrasse 161,
Postfach 2044, 8645 Jona,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
medizinische Begutachtung (Kostenauferlegung)
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im November 2005 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe eine kaufmännische Lehre
absolviert und zuletzt als Sachbearbeiterin gearbeitet. Das Zentrum für Schlafmedizin
der Klinik B._ hatte im Februar 2005 ein restless legs syndrome mittelschweren
Grades diagnostiziert (IV-act. 10–7 ff.). Der Psychiater Dr. med. C._ berichtete im
Dezember 2005 (IV-act. 10–1 ff.), die Versicherte leide zusätzlich an einer Bulimia
nervosa mit einer Borderline-Symptomatik. Sie sei nur zu 60 Prozent arbeitsfähig. Die
Psychotherapeutin D._ wies im Juni 2006 darauf hin, dass die Versicherte mit einem
Pensum von mehr als drei Tagen pro Woche überfordert wäre und „überall
anecken“würde (IV-act. 25). Im Juni 2006 notierte Dr. med. E._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD), gestützt auf die Angaben von Dr. C._ sei von
einer Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent seit Oktober 2005 auszugehen (IV-act. 27). Mit
einer Verfügung vom 24. November 2006 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit
Wirkung ab dem 1. Oktober 2006 eine Viertelsrente der Invalidenversicherung zu (IV-
act. 44).
A.b Im Juli 2012 ersuchte die Versicherte um eine Rentenerhöhung (IV-act. 73). Im
November 2012 empfahl die RAD-Ärztin Dr. med. F._ eine bidisziplinäre
neurologisch-psychiatrische Begutachtung (IV-act. 89). Im Auftrag der IV-Stelle
erstattete der Neurologe und Psychiater Dr. med. G._ im Dezember 2012 ein
entsprechendes Gutachten (IV-act. 93). Er hielt fest, die Versicherte leide an einer
Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung, an einer andauernden
Persönlichkeitsänderung nach einer psychischen Krankheit, an einer chronifizierten
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depressiven Störung schweren Grades sowie an einem atypischen Syndrom mit einer
Bewegungsunruhe. Eine kaufmännische Tätigkeit könne der Versicherten nicht mehr
zugemutet werden. Für die von der Versicherten zwischenzeitlich aufgenommene
Tätigkeit auf dem Hundeübungsplatz könne eine Arbeitsfähigkeit von 20 Prozent
attestiert werden. Die RAD-Ärztin Dr. F._ erachtete das Gutachten als überzeugend
(IV-act. 94 und 133), empfahl aber auf eine entsprechende Anfrage einer
Sachbearbeiterin der IV-Stelle hin eine Meldung ans Strassenverkehrsamt wegen der
Gefahr einer situativ eingeschränkten Fahrtauglichkeit (IV-act. 138). Im November 2013
meldete die IV-Stelle dem Strassenverkehrsamt einen Verdacht auf eine Einschränkung
der Fahrtauglichkeit der Versicherten (IV-act. 140). Dieses liess in der Folge eine
verkehrsmedizinische Untersuchung durchführen. Im Juni 2014 erstattete das Institut
für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen im Auftrag des Strassenverkehrsamtes
ein entsprechendes Gutachten (Fremdakten). Die Sachverständigen führten darin aus,
die Versicherte habe bei den Untersuchungen in psychischer Hinsicht einen
unauffälligen Eindruck hinterlassen. Eine vermehrte Müdigkeit sei nicht aufgefallen.
Eine verkehrspsychologische Leistungsdiagnostik habe eine Fahreignung für die 3. FA-
Gruppe ergeben. Die RAD-Ärztin Dr. H._ erachtete die Aktenlage nun als
widersprüchlich und empfahl deshalb eine psychiatrische Oberbegutachtung (IV-act.
165).
A.c Am 25. August 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass eine
medizinische Abklärung notwendig sei (IV-act. 166). Am Folgetag wies der
Rechtsvertreter der Versicherten die IV-Stelle darauf hin (IV-act. 170), dass seine
Mandantin den von der IV-Stelle beauftragten Sachverständigen Dr. med. I._
ablehne. Er könne dafür keine Begründung liefern, da er damit das Anwaltsgeheimnis
verletzen würde. Die IV-Stelle hielt an der vorgesehenen Begutachtung durch Dr. I._
fest (IV-act. 171), woraufhin die Versicherte geltend machen liess, der medizinische
Sachverhalt sei bereits hinreichend abgeklärt, weshalb sie sich nicht erneut werde
begutachten lassen (IV-act. 175). Am 7. November 2014 ordnete die IV-Stelle die
psychiatrische Begutachtung mit einer verfahrensleitenden Verfügung an (IV-act. 177).
Die von der Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde (vgl. IV-act.
181) wurde vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit einem Entscheid vom
27. Januar 2015 abgewiesen (IV 2014/555; vgl. IV-act. 188).
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A.d Mit einer Mitteilung vom 31. März 2015 wies die IV-Stelle die Versicherte darauf
hin (IV-act. 191), dass diese sich von Dr. I._ psychiatrisch begutachten lassen müsse.
Bis zum 10. April 2015 könne die Versicherte triftige Einwendungen gegen die Person
des Sachverständigen geltend machen. Falls der Untersuchungstermin in
unentschuldbarer Weise nicht eingehalten werde, würden die daraus entstehenden
Kosten der Versicherten auferlegt. Am 16. April 2015 teilte Dr. I._ der Versicherten
mit, dass die Untersuchung am 6. Mai 2015, ab 9 Uhr, erfolgen werde (IV-act. 195). Am
5. Mai 2015 erklärte die Versicherte gegenüber der IV-Stelle und (per Telefax) Dr. I._,
dass sie den Untersuchungstermin nicht wahrnehmen werde, weil sie nicht an einer
psychischen Erkrankung, sondern an einer neurologischen Stoffwechselkrankheit
wegen des restless legs syndrome leide (IV-act. 197). Mit einem Schreiben vom 27. Mai
2015, das die Überschrift „Mahn- und Bedenkzeitverfahren“ trug (IV-act. 204), wies die
IV-Stelle die Versicherte darauf hin, dass diese sich der vorgesehenen psychiatrischen
Begutachtung und (neu) einer neurologischen Begutachtung unterziehen müsse. Falls
sie den Untersuchungstermin in unentschuldbarer Weise nicht wahrnehme, würden ihr
die daraus entstehenden Kosten auferlegt. Bis spätestens am 19. Juni 2015 müsse die
Versicherte einen Begutachtungstermin mit Dr. I._ und mit der Neurologin Dr. med.
J._ vereinbart haben. Andernfalls werde die Rente vorsorglich eingestellt. Die
Versicherte erklärte am 12. Juni 2015, dass sie sich nicht erneut untersuchen lassen
werde, da bereits ein Gutachten von Dr. G._ bei den Akten liege, auf das sie sich
berufe (IV-act. 205). Mit einer Verfügung vom 25. Juni 2015 stellte die IV-Stelle die
laufende Rente per sofort vorsorglich ein (IV-act. 211).
A.e Am 30. Juni 2015 stellte Dr. I._ der IV-Stelle seinen Aufwand in Rechnung (IV-
act. 219). Er machte geltend, er habe 9,75 Stunden für das Aktenstudium und für die
Vorbereitung der Untersuchung aufgewendet. Der Stundenansatz betrage 240 Franken.
Der Rechnungsbetrag belaufe sich folglich auf 2'340 Franken. Mit einem Vorbescheid
vom 23. Juli 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 212), dass sie
vorsehe, dieser in Anwendung des Art. 45 Abs. 3 ATSG, auf den bereits in der
Mitteilung vom 31. März 2015 hingewiesen worden sei, die Kosten „für das
Nichterscheinen zu den Gutachterterminen vom 6. Mai 2015“ aufzuerlegen. Dagegen
liess die Versicherte am 4. August 2015 einwenden (IV-act. 213), der von Dr. I._
angegebene Aufwand sei übersetzt, denn es handle sich um eine „einfache Sache“.
Zudem hätte Dr. I._ auch ein Aktengutachten erstellen können. Ihm hätten
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schliesslich die Gutachten von Dr. G._ und dem Institut für Rechtsmedizin des
Kantonsspitals St. Gallen vorgelegen. Mit einer Verfügung vom 5. Oktober 2015
verpflichtete die IV-Stelle die Versicherte, die von Dr. I._ geltend gemachten Kosten
von 2'340 Franken zu bezahlen (IV-act. 214).
B.
B.a Am 28. Oktober 2015 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 5. Oktober 2015 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die ersatzlose Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
Zur Begründung führte er an, die Beschwerdeführerin habe schon am 4. November
2014 erklärt, dass sie sich nicht erneut psychiatrisch begutachten lassen werde. Der
Sachverständige Dr. I._ habe deshalb „in guten Treuen“ davon ausgehen müssen,
dass die Beschwerdeführerin nicht zur Untersuchung erscheinen werde. Sein
Arbeitsaufwand sei folglich unnötig gewesen. Zudem habe er wohl hauptsächlich „800
Aktenstücke betreffend Rechnungslegung bzw. Buchhaltung“ studiert, was unnötig
und daher nicht zu entschädigen sei. Schliesslich verstosse es gegen das
Gleichheitsgebot, wenn im Beschwerdeverfahren vom Versicherungsgericht
„höchstens Prozessentschädigungen im Betrag von 3'500 Franken bezahlt werden und
IV-Gutachter mit einem Stundenansatz von 240 Franken für das Aktenstudium
entschädigt werden“. Diese ungleiche Behandlung verstosse „krass“ gegen das
Gleichbehandlungsgebot und sei nicht zu schützen.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 30. November
2015 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie aus, Dr.
I._ habe keinen unnötigen Aufwand betrieben und auch keine Veranlassung zur
Annahme gehabt, die Beschwerdeführerin werde nicht zur Untersuchung erscheinen.
Die Beschwerdeführerin sei rechtzeitig auf die Kostenfolgen gemäss dem Art. 45 Abs. 3
ATSG hingewiesen worden. Die angefochtene Verfügung sei folglich rechtmässig.
B.c Am 22. Januar 2016 liess die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag festhalten (act.
G 5). Ihr Rechtsvertreter führte aus, Dr. I._ sei von ihr rechtzeitig als Sachverständiger
abgelehnt worden, da er in einer – nicht die Beschwerdeführerin betreffenden –
Strafsache bei einer Begutachtung offensichtlich wahrheitswidrige Ausführungen
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gemacht habe. Die Beschwerdeführerin habe an der öffentlichen Verhandlung in jener
Strafsache teilgenommen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 6 f.).
B.e Am 30. August 2016 liess die Beschwerdeführerin darauf hinweisen (act. G 8),
dass das Bundesamt für Sozialversicherungen mit einer Begutachtungsstelle eine
Pauschale von 1'500 Franken bei einem unentschuldigten Nichterscheinen vereinbart
habe. Bei einem entschuldigten Nichterscheinen werde nur eine abgestufte Pauschale
von 500–750 Franken erhoben. Der Aufwand von Dr. I._ sei auch vor diesem
Hintergrund als unverhältnismässig hoch zu qualifizieren. Die Beschwerdegegnerin
machte am 9. September 2016 geltend (act. G 10), diese Vereinbarung habe für das
vorliegende Beschwerdeverfahren keine Relevanz.

Erwägungen
1.
Die angefochtene Verfügung hat das Verwaltungsverfahren, das eine Rentenrevision
zum Gegenstand gehabt hat, nicht abgeschlossen. Es handelt sich dabei folglich um
eine sogenannt verfahrensleitende Verfügung. Hinsichtlich einer gegen eine solche
verfahrensleitende Verfügung erhobenen Beschwerde sehen weder der Art. 61 ATSG
noch das kantonale VRP besondere Eintretensvoraussetzungen vor. Allerdings ist die
selbständige Anfechtung von Zwischenverfügungen kantonalrechtlich auf wenige Fälle
beschränkt; die Mehrheit der Zwischenverfügungen ist gar nicht selbständig anfechtbar
(vgl. URS PETER CAVELTI/THOMAS VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 564 f.). Diese Regelung wird vom Verwaltungsgericht und
von der Lehre als unbefriedigend qualifiziert, weshalb lückenfüllend eine selbständige
Anfechtung von Zwischenverfügungen in analoger Anwendung der Art. 45 f. VwVG
bejaht wird (vgl. CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., Rz. 566, mit Hinweisen). Auch das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen tritt gemäss seiner ständigen Praxis unter
den Voraussetzungen der Art. 45 f. VwVG auf Beschwerden gegen
Zwischenverfügungen ein (vgl. etwa den Entscheid IV 2016/189 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 21. Oktober 2016, E. 1.1). Mit der Auferlegung der Kosten
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für die letztlich nicht zustande gekommene Begutachtung erwächst der
Beschwerdeführerin offensichtlich ein nicht wieder gutzumachender Nachteil im Sinne
des Art. 46 Abs. 1 lit. a VwVG, weshalb auf ihre Beschwerde gegen die
verfahrensleitende Verfügung vom 5. Oktober 2015 einzutreten ist.
2.
2.1 Laut dem Art. 45 Abs. 1 ATSG übernimmt grundsätzlich der Versicherungsträger
die Kosten für jene Abklärungsmassnahmen, die er angeordnet hat. Die Kosten können
gemäss dem Art. 45 Abs. 3 ATSG allerdings auch der versicherten Person auferlegt
werden, wenn diese trotz einer entsprechenden Aufforderung und Androhung der
Folgen die Abklärung in einer unentschuldbaren Weise verhindert oder erschwert hat.
2.2 Die Beschwerdeführerin hat sich zwar tatsächlich schon früh, nämlich im Herbst
2014, gegen die von der Beschwerdegegnerin angeordnete Begutachtung durch Dr.
I._ gewehrt. Mit einer verfahrensleitenden Verfügung vom 7. November 2014 hat die
Beschwerdegegnerin dann aber angeordnet, dass eine psychiatrische Begutachtung
durchgeführt werde. Die von der Beschwerdeführerin gegen jene Verfügung erhobene
Beschwerde ist vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit dem Entscheid
IV 2014/555 vom 27. Januar 2015 abgewiesen worden. Diesen Entscheid hat die
Beschwerdeführerin nicht angefochten, weshalb er formell rechtskräftig und damit für
die Parteien und das Gericht verbindlich geworden ist. Die Notwendigkeit der
Begutachtung kann folglich in diesem Verfahren nicht erneut geprüft werden, denn es
handelt sich dabei um eine res iudicata. Nach dem Abschluss des
Beschwerdeverfahrens IV 2014/555 hat die Beschwerdegegnerin am 31. März 2015
erneut die vorgesehene Begutachtung durch Dr. I._ angekündigt und der
Beschwerdeführerin nochmals die Gelegenheit gegeben, bis spätestens am 10. April
2015 triftige Einwände gegen die Begutachtung vorzubringen. Der Inhalt dieser
Anordnung hat sich angesichts des formell rechtskräftigen Entscheides IV 2014/55 nur
noch auf die Wahl des Sachverständigen beschränken können, da ja verbindlich
festgestanden hat, dass eine psychiatrische Begutachtung durchzuführen sei. Folglich
hätte die Beschwerdeführerin bei richtiger Betrachtung auch nur noch triftige Einwände
gegen die Person des Sachverständigen geltend machen können. Von dieser
Möglichkeit hat die Beschwerdeführerin aber keinen Gebrauch gemacht. Auch auf die
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Einladung von Dr. I._ zur Untersuchung vom 16. April 2015 hat die
Beschwerdeführerin zunächst nicht reagiert. Vor diesem Hintergrund verfängt das
Argument, Dr. I._ habe angesichts des im November 2014 erhobenen Einwandes
gegen die Begutachtung davon ausgehen müssen, dass diese nicht stattfinden werde,
offensichtlich nicht. Die für dieses Verfahren massgebende Ankündigung, dass die
Beschwerdeführerin nicht zum Untersuchungstermin erscheinen werde, ist erst am 5.
Mai 2015, also am Vortag der auf den frühen Vormittag angesetzten Untersuchung
erfolgt. So kurz vor der persönlichen Untersuchung muss ein gewissenhaft
vorgehender Sachverständiger die massgebenden Akten bereits eingehend studiert
und die Untersuchung vorbereitet haben, denn ansonsten könnte er bei der
persönlichen Untersuchung nur eine „Momentaufnahme“ erstellen, mit der sich der
relevante Sachverhalt nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellen liesse. Tatsächlich hat Dr. I._ bereits vor der
Ankündigung vom 5. Mai 2015 die Akten studiert und die Untersuchung vorbereitet
gehabt. Jene Ankündigung ist also augenscheinlich (viel) zu spät erfolgt.
2.3 Das bedeutet allerdings für sich allein noch nicht, dass der Aufwand von Dr. I._
unnötig gewesen wäre. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin nämlich
am 27. Mai 2015 nochmals zur Erfüllung ihrer Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung angehalten. Wenn die Beschwerdeführerin dieser Aufforderung
nachgekommen wäre, hätte Dr. I._ die Akten selbstverständlich nicht nochmals
eingehend studieren müssen. Sein (erneuter) Vorbereitungsaufwand wäre also
vernachlässigbar gering gewesen, was einer Auferlegung der Kosten für den – in
diesem Fall eben nicht unnötigen – Aufwand für die Vorbereitung der Untersuchung
vom 6. Mai 2015 zulasten der Beschwerdeführerin entgegengestanden hätte. Mit ihrer
Erklärung vom 12. Juni 2015 hat sich die Beschwerdeführerin dann aber definitiv
geweigert, sich nochmals psychiatrisch begutachten zu lassen. Damit ist der von Dr.
I._ vor dem 6. Mai 2015 betriebene Aufwand also doch noch unnötig geworden. Die
Weigerung der Beschwerdeführerin ist nicht entschuldbar, weil sie aufgrund des formell
rechtskräftigen und damit verbindlichen Entscheides IV 2014/555 des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 27. Januar 2015 verpflichtet
gewesen ist, sich psychiatrisch begutachten zu lassen, und weil sie keinen
überzeugenden Grund für die Ablehnung von Dr. I._ hat vorbringen können.
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2.4 Trotzdem können ihr die Kosten des unnötigen Abklärungsaufwandes nicht ohne
weiteres auferlegt werden. Der Art. 45 Abs. 3 ATSG verlangt nämlich zusätzlich, dass
die versicherte Person vorgängig zur Mitwirkung bei der Abklärung aufgefordert
worden ist und dass ihr die Kostenfolgen bei einer Verhinderung oder Erschwerung der
Abklärung in einer unentschuldbaren Weise angedroht worden sind. Die
Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin vorliegend am 31. März 2015 und am
27. Mai 2015 aufgefordert, sich von Dr. I._ untersuchen zu lassen. Zudem hat sie ihr
beide Male angedroht, dass die Beschwerdeführerin die allfälligen Kosten tragen
müsse, wenn sie den Untersuchungstermin nicht wahre. Dabei hat sie jeweils auch
explizit auf den Art. 45 Abs. 3 ATSG verwiesen. Der anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführerin hat folglich bewusst sein müssen, dass sie die Kosten für einen
unnötigen Abklärungsaufwand tragen müsse, wenn sie nicht zur Untersuchung
erscheinen oder den angesetzten Termin nicht frühzeitig verschieben würde. Die
Voraussetzungen für die Überwälzung der unnötigen Abklärungskosten auf die
Beschwerdeführerin sind also erfüllt gewesen.
2.5 Der von Dr. I._ angegebene unnötige Aufwand kann weder in zeitlicher noch in
betraglicher Hinsicht als übersetzt qualifiziert werden. Die Behauptung der
Beschwerdeführerin, Dr. I._ habe während eines wesentlichen Teils der von ihm
angegebenen Zeit Buchhaltungsunterlagen studiert, entbehrt offenkundig jeglicher
Grundlage. Erstens hat für die psychiatrische Untersuchung eine rasche Durchsicht der
Buchhaltungsunterlagen ausgereicht und zweitens hätte Dr. I._ wesentlich mehr Zeit
aufwenden müssen, wenn er diese Unterlagen eingehend studiert hätte. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin handelt es sich hier nämlich nicht um eine „einfache
Sache“, denn die medizinische Aktenlage erweist sich gemäss dem Entscheid IV
2014/555 vom 27. Januar 2015 als widersprüchlich, was massgebend darauf
zurückzuführen ist, dass die Beschwerdeführerin sich anlässlich der im Auftrag der
Beschwerdegegnerin durchgeführten psychiatrischen Begutachtung durch Dr. G._
völlig anders verhalten hat als bei jener Begutachtung, die im Auftrag des
Strassenverkehrsamtes vom Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen
durchgeführt worden ist. Die in den Akten teilweise angegebenen psychischen und
somatoformen respektive „pseudo-neurologischen“ Störungen haben sich aus
psychiatrischer Sicht wohl als komplex dargestellt und folglich einen wesentlichen
Aufwand beim Aktenstudium verursacht. Zudem hat sich Dr. I._ eingehend auf die
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persönliche Untersuchung vorbereiten müssen, denn anders wäre es ihm nicht möglich
gewesen, innerhalb der erfahrungsgemäss relativ kurzen Dauer einer persönlichen
Untersuchung (maximal einige Stunden) all jene Angaben zu erfragen und Befunde zu
erheben, die für die Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung erforderlich
gewesen wären. Vor diesem Hintergrund besteht kein ernsthafter Zweifel daran, dass
Dr. I._ einen erforderlichen Aufwand von knapp zehn Stunden betrieben hat. Der von
ihm geltend gemachte Stundenansatz ist moderat und entspricht im Übrigen jenem,
der praxisgemäss bei der Festsetzung der durchschnittlichen (nicht maximalen)
Parteientschädigung berücksichtigt wird (250 Franken). Der Vorwurf einer
Ungleichbehandlung ist aber ohnehin absurd.
2.6 Der vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eingereichte Vertrag zwischen
dem Bundesamt für Sozialversicherungen und einer medizinischen Abklärungsstelle ist
für das vorliegende Verfahren irrelevant, denn Dr. I._ ist offensichtlich nicht Partei
jenes Vertrages gewesen, weshalb er nicht an jene Vereinbarungen gebunden gewesen
ist. Ebenso irrelevant ist das Vorbringen, die Beschwerdeführerin habe als eine
unbeteiligte Person an einer öffentlichen Strafverhandlung teilgenommen, bei der sich
angeblich ergeben habe, dass Dr. I._ in jenem Verfahren „tatsachenwidrige Angaben“
gemacht haben soll.
3.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Die Beschwerdeführerin hat die unnötigen
Abklärungskosten von 2'340 Franken zu bezahlen. Praxisgemäss sind für dieses
Verfahren keine Gerichtskosten zu erheben. Die unterliegende Beschwerdeführerin hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.