Decision ID: f2002274-a2d1-525a-b8f1-187526f61dec
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Am 9. August 2016 reichte die Beschwerdegegnerin ein Baugesuch ein für die
Aufstockung eines bestehenden Geschäftshauses mit einem Ärztezentrum und sechs
Wohnungen sowie für eine energietechnische Sanierung des Gebäudes. Die Liegenschaft
befindet sich zusammen mit zwei Wohnhäusern auf der Parzelle Mühleberg
Grundbuchblatt Nr. D._ und liegt in der Dorfkernzone. Gegen das Bauvorhaben
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erhob der Beschwerdeführer, welcher im aufzustockenden Gebäude eine F._
betreibt, Einsprache.
2. Mit Gesamtentscheid vom 21. März 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Gesamtbaubewilligung. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 25. April
2017 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE)
ein mit folgenden Anträgen:
«a. Die Bauherrschaft sei zu verpflichten, ein funktionstüchtiges Verkehrs- und
Parkkonzept vorzulegen. Dies beinhaltet die Ein- und Ausfahrt, das Parkangebot für die
bestehenden Mieter sowie angemessenen Raum für die neuen Mieter, insbesondere für
Notfälle (Ambulanz).
b. Die Bauherrschaft sei zu verpflichten, den bisherigen Mietern konkrete Massnahmen
für die Bauphase vorzulegen, die das Arbeiten erleichtern. Wir Mieter erwarten eine
angemessene Mietzinsreduktion für die Bauphase.
c. Die Bauherrschaft sei zu einer frühzeitigen und ausführlichen Bekanntgabe der Bau-
Etappen gegenüber der Mieterschaft und der Öffentlichkeit zu verpflichten.
d. Die Bauherrschaft solle mit der Post und der H._ Bank eine verbindliche
Vereinbarung treffen, um den Verbleib dieser zentralen Anlaufstellen im Dorfkern während
und nach dem Umbau zu erhalten.»
Zur Begründung bringt der Beschwerdeführer insbesondere vor, das Grundstück sei dem
zu erwartenden Mehrverkehr nicht gewachsen. Insbesondere habe es nicht genügend
Parkplätze und die Ambulanz könne nicht manövrieren. Im bestehenden Gebäude würden
sich neben seiner F._ zudem auch eine Bankfiliale und die Post befinden. Es sei
zu befürchten, dass diese für Dorfbewohner wichtigen Bank- und Poststellen schliessen
müssten, weil mit dem Bauvorhaben der verkehrsmässige Zugang erschwert werde.
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3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Anschliessend gab es den Beteiligten
Gelegenheit, Schlussbemerkungen einzureichen.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen,
die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Einsprecher, dessen
Einsprache abgewiesen wurde, ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert
und daher zur Beschwerdeführung legitimiert.
b) Verfügungen und Entscheide werden grundsätzlich durch die Post zugestellt. Eine
Mitteilung, die nur gegen Unterschrift der Adressatin oder des Adressaten oder einer
anderen berechtigten Person überbracht wird, gilt spätestens am siebten Tag nach dem
ersten erfolglosen Zustellversuch als erfolgt (Art. 44 Abs. 3 VRPG4). Die Beschwerdefrist,
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Gesetz vom 23 Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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welche vorliegend 30 Tage beträgt, beginnt am Tag nach der Zustellung des Entscheides
bzw. der Verfügung zu laufen (vgl. Art. 41 Abs. 1 VRPG).
Der vorinstanzliche Entscheid wurde am 22. März 2017 eingeschrieben an den
Beschwerdeführer versendet und die Abholungseinladung traf bei ihm am 23. März 2017
ein.5 Weil der Beschwerdeführer den Entscheid bis zum Ende der Abholfrist nicht in
Empfang nahm, wurde ihm der Entscheid Anfang April zusätzlich per A-Post zugestellt.6
Der Entscheid der Vorinstanz gilt damit frühestens sieben Tage nach dem erfolgslosen
Zustellversuch vom 23. März 2017, d.h. am 30. März 2017, als dem Beschwerdeführer
eröffnet.7 Mit der Beschwerde vom 25. April 2017 hat der Beschwerdeführer die 30-tägige
Beschwerdefrist gewahrt. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Abstellplätze für Motorfahrzeuge
a) Der Beschwerdeführer bringt vor, für das Bauvorhaben bestünden nicht genügend
Autoparkplätze. Die Bauherrschaft sehe lediglich zwei zusätzliche Parkplätze für
Motorfahrzeuge vor, was angesichts der Dimension des Bauvorhabens nicht genüge. Der
Beschwerdeführer verlangt deshalb ein Parkkonzept von der Bauherrschaft.
b) Wird durch die Erstellung von Bauten ein Parkplatzbedarf verursacht, so ist dafür auf
dem Grundstück oder in seiner Nähe eine ausreichende Anzahl von Abstellplätzen für
Motorfahrzeuge zu errichten (Art. 16 Abs. 1 BauG). Die Anzahl der Abstellplätze ist in der
Bauverordnung näher umschrieben und wird durch eine Bandbreite begrenzt. Innerhalb
dieser Bandbreite kann die Gesuchstellerin die erforderliche Anzahl Parkplätze festlegen
(vgl. Art. 50 Abs. 1 BauV8). Bei der Wohnnutzung beträgt die Bandbreite ab 4 Wohnungen
0.5 bis 2 Abstellplätze pro Wohnung (Art. 51 Abs. 2 BauV). Die Bandbreite an
Abstellplätzen für die übrigen Nutzungen bestimmt sich danach, ob sich das Bauvorhaben
in einer Stadt bzw. deren Agglomeration oder im übrigen Kanton befindet und hängt davon
ab, welcher Art von Nutzung die Parkplätze dienen. Befindet es sich im übrigen
5 Vorakten, pag. 235 (Briefumschlag mit Sendungsnummer) 6 Vorakten, pag. 337 7 Vgl. dazu auch BGer 1C_85/2010 vom 4. Juni 2010 E. 1.4, m.w.H. 8 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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Kantonsgebiet, wozu Mühleberg gehört, berechnet sich die Bandbreite nach den folgenden
Formeln: Maximal (0.80 x Geschossfläche / n) + 5, minimal (0.6 x Geschossfläche / n) - 3.
Die Zahl "n" hat je nach Art der Nutzung einen unterschiedlichen Wert. Für "Arbeiten,
Gewerbe, Dienstleistungen" beträgt der Wert 50 (Art. 52 Abs. 1 bis 3 BauV).
c) Es sollen sechs neue Wohnungen gebaut werden. Bei einer gesetzlichen Bandbreite
zwischen 0.5 bis 2 Motorfahrzeugabstellplätzen pro Wohnung ergibt dies einen
Parkplatzbedarf zwischen 3 und 12 Autoabstellplätzen für die sechs Wohnungen. Zudem
wird ein neues Ärztezentrum gebaut. Dieses weist eine Fläche von 296 m2 auf und benötigt
in Anwendung der oben erwähnten Formeln zwischen 1 und 10 Parkplätze für
Motorfahrzeuge. Die Bandbreite an Abstellplätzen für Motorfahrzeuge für das Bauvorhaben
beträgt demnach insgesamt 4 bis 22 Autoparkplätze. Dies stimmt mit den
nachvollziehbaren und unbestritten gebliebenen Abstellplatzberechnungen der
Beschwerdegegnerin überein.9 Der durch das Bauvorhaben verursachte Mehrbedarf
beläuft sich somit auf mindestens vier Autoabstellplätze. Mit der vorgesehenen Schaffung
von zwei neuen Parkplätzen sowie der Neuzuteilung von zwei bestehenden Parkplätzen ist
dieser Bedarf gedeckt.
d) Die gesetzlichen Vorgaben sind aber nicht nur für das Bauprojekt an sich erfüllt.
Vielmehr stehen auch nach dem Umbau der gesamten Liegenschaft ausreichend
Abstellplätze für Motorfahrzeuge zur Verfügung: Momentan befinden sich im Gebäude eine
Poststelle, eine Bankfiliale der H._, die F._ des Beschwerdeführers sowie
zwei oder drei weitere kleinere Betriebe. Nach der Aufstockung weist das Gebäude unter
Berücksichtigung des neuen Ärztezentrums gemäss den unbestrittenen Angaben der
Beschwerdegegnerin eine übrige Nutzfläche von insgesamt rund 1128 m2 auf. Dies ergibt
für die übrige Nutzung eine neue Bandbreite zwischen 11 und 23 Autoabstellplätzen. Hinzu
kommen die bereits erwähnten 3 bis 12 Autoabstellplätze für die sechs Wohnungen. Für
das Gebäude in der aufgestockten Form ergibt dies insgesamt einen Parkplatzbedarf
zwischen 14 und 35 Abstellplätzen für Motorfahrzeuge. Gemäss dem von der
Bauherrschaft erstellten Plan "Abstellplätze" sind dem umgebauten Gebäude insgesamt
28 Parkplätze zugewiesen. Von diesen 28 Parkplätzen dienen 6 der Wohnnutzung und 22
der übrigen Nutzung. Sämtliche gesetzliche Bandbreiten sind damit eingehalten.
9 Vorakten, pag. 57 ff.
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e) Auf der Parzelle Mühleberg Grundbuchblatt Nr. D._ befinden sich neben der
strittigen Liegenschaft zwei Wohnhäuser mit insgesamt zehn Wohnungen. Diesen
Wohnungen stehen nach der Neuzuteilung noch zehn Abstellplätze für Motorfahrzeuge auf
der Parzelle zur Verfügung. Die gesetzlichen Bestimmungen sind damit auch bezüglich der
übrigen Wohnhäuser bzw. der gesamten Parzelle nach wie vor erfüllt. Die geplante
Neuzuteilung der Parkplätze ist daher zulässig.
f) Wenn besondere Verhältnisse vorliegen, kann gemäss Art. 54 BauV von der
Bandbreite abgewichen werden. Besondere Verhältnisse sind gegeben, wenn das
Vorhaben deutlich über- oder unterdurchschnittlich ist. Von der gesetzlichen Bandbreite
soll aber nicht leichthin abgewichen werden, da gewisse Abweichungen vom
Durchschnittlichen bereits durch die Bandbreiten aufgefangen werden.10 Nur deutliche
Abweichungen rechtfertigen eine Korrektur.11
Die – aus Sicht des Beschwerdeführers – ungenügenden Parkplatzverhältnisse haben
keinen Einfluss auf die Frage, ob das Vorhaben deutlich über- oder unterdurchschnittlich ist
und genügen für sich genommen nicht, um gestützt auf Art. 54 BauV mehr Parkplätze
anzuordnen. Das bestehende Gebäude enthält mit einer Bankfiliale und insbesondere der
Poststelle zwar lokale Anlaufstellen, vermag in einer Gemeinde mit 2'849 Einwohnern12
aber kein deutlich überdurchschnittliches Verkehrsaufkommen zu generieren. Daran ändert
auch die geplante Aufstockung mit sechs Wohnungen und einem Ärztezentrum, das im
Übrigen auf vier Arztzimmer beschränkt ist, nichts. Der den gesetzlichen Bandbreiten
inhärente Spielraum für Abstellplätze trägt dem Vorhaben bereits genügend Rechnung. Die
Bauherrschaft hat die vorliegend massgebende Bandbreite für die v.a. strittige übrige
Nutzung zudem weitgehend ausgeschöpft (22 vorgesehene Parkplätze bei einer
Bandbreite zwischen 11 und 23 Autoabstellplätzen). Ausserdem befindet sich eine
Bushaltestelle in unmittelbarer Gebäudenähe. Besondere Verhältnisse im Sinne von
„deutlich“ überdurchschnittlichen Verhältnissen liegen damit nicht vor.
10 Vortrag der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern an den Regierungsrat betreffend Änderung der Bestimmungen der Bauverordnung über die Abstellplätze für Fahrzeuge vom 8. November 1999, Art. 51, S. 13 11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 4. Aufl. 2013, Art. 16-18 N. 16; VGE 100.2008.23231 vom 2. Juli 2008, E. 4.4. 12 Stand per 1. Januar 2017 (Quelle: http://www.muehleberg.ch/de/1_Ueberblick/portrait.php, besucht am 29. Juni 2017)
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g) Zusammengefasst sind die Bandbreiten für Autoabstellplätze sowohl für das
Bauprojekt an sich als auch für die gesamte Liegenschaft in der aufgestockten Form
eingehalten. Die Parkplatzsituation als Ganzes auf der Parzelle Mühleberg Grundbuchblatt
Nr. D._ entspricht ebenfalls den gesetzlichen Vorgaben. Aus dem Plan
"Abstellplätze" der Bauherrschaft gehen zudem alle notwendigen Angaben zu den
Parkplätzen für Motorfahrzeuge hervor. Die Bauherrschaft kann nicht zu mehr verpflichtet
werden, als das Gesetz von ihr verlangt. Es besteht demnach weder Raum noch
Veranlassung, von der Bauherrschaft ein weitergehendes Parkkonzept zu verlangen. Es
entspricht im Gegenteil dem ausdrücklichen gesetzgeberischen Willen, dass die
gesuchstellende Partei innerhalb der vorgeschriebenen Bandbreite die Anzahl der
Parkplätze selbst festlegen kann (Art. 50 Abs. 1 zweiter Halbsatz BauV).
3. Verkehrskonzept, Zufahrt für Notfalldienste
a) Der Beschwerdeführer bringt vor, bereits heute würden Bank und Post zu
Spitzenzeiten mehr Verkehr generieren, als das Grundstück verkraften könne. Es bestehe
die Gefahr, dass durch den Umbau der Liegenschaft der Dorfkern in chaotische Zustände
gerate. Zudem müsse sichergestellt sein, dass Notfälle rasch parken und dass
Ambulanzen manövrieren bzw. zum Eingang gelangen könnten. Es sei daher ein
Verkehrskonzept vorzulegen.
b) Der Beschwerdeführer rügt sinngemäss eine ungenügende Erschliessung.
Bauvorhaben dürfen nur bewilligt werden, wenn sichergestellt ist, dass das Baugrundstück
auf den Zeitpunkt der Fertigstellung des Baus oder der Anlage, wenn nötig bereits bei
Baubeginn, genügend erschlossen sein wird (Art. 7 Abs. 1 BauG). Die Erschliessung ist
genügend, wenn die Zufahrtsstrasse hinreichend nahe an Bauten und Anlagen heran führt
und diese für Wehrdienste und Sanität gut erreichbar sind (Art. 7 Abs. 2 Bst. a BauG). Das
Wegstück soll deshalb in der Regel nicht länger als 100 m sein (Art. 6 Abs. 2 BauV).
c) Es liegen keine Anhaltspunkte vor, wonach die Erschliessungsanlagen den
gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen würden. Die notwendigen Einrichtungen
sind bereits erstellt und gemäss strassenbaupolizeilicher Einschätzung der vorliegend
zuständigen Fachbehörde des Kantons Bern, dem Tiefbauamt Oberingenieurkreis II (TBA
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OIK II), kann die Bewilligung erteilt werden.13 Die Fachstelle erachtet die Erschliessung
damit als genügend. Die BVE sieht keine Veranlassung, von dieser Beurteilung
abzuweichen. Das Grundstück kann südöstlich von der E._ her über eine mehr als
6 m breite Ein- und Ausfahrt befahren werden. An diese Grundstückseinmündung schliesst
sich eine ca. 40 m lange Fahrgasse an, welche an Parkplätzen vorbei bis direkt an das
Gebäude heran führt. Diese Fahrgasse ist rund 7 m breit, in Gebäudenähe teilweise sogar
über 9 m. Eine allfällige Hin- und Wegfahrt von Notfalldiensten ist damit gewährleistet und
auch die gesetzliche Fahrbahnbreite gemäss Art. 7 Abs. 2 BauV ist eingehalten. Für die
Frage der Erschliessung des Baugrundstücks ist ein Verkehrskonzept nicht notwendig. Wie
vorstehend in Erwägung 2 ausgeführt, ist durch das Ärztezentrum und die sechs
Wohnungen keine überdurchschnittliche Verkehrszunahme zu erwarten. Soweit der
Beschwerdeführer "chaotische Zustände" im Dorfkern befürchtet, hat bereits die Vorinstanz
zutreffend darauf hingewiesen, dass Beanstandungen der Verkehrsführung oder der
Signalisation bei der Gemeinde vorzutragen sind.
4. Übrige Anträge des Beschwerdeführers
a) Der Beschwerdeführer beantragt weiter, die Bauherrschaft sei zu verpflichten, den
bisherigen Mietern konkrete Massnahmen für die Bauphase vorzulegen, welche das
Arbeiten erleichtern würden. Er erwarte zudem eine Mietzinsreduktion.
Baulärm und weitere mit der Erstellung von Bauten und Anlagen verbundene Immissionen
müssen in der Regel in Kauf genommen werden. Ausnahmen gelten für Einwirkungen, die
nach ihrer Art, Stärke oder Dauer aussergewöhnlich sind und zu einer beträchtlichen
Schädigung von Nachbarn führen würden.14 Es wird vom Beschwerdeführer nicht näher
begründet, weshalb beim vorliegenden Bauvorhaben in der Bauphase mit derart
aussergewöhnlichen Immissionen zu rechnen ist, dass diese von ihm nicht in Kauf zu
nehmen sind. Die Vorschriften des Umweltschutzrechts über den Baulärm und die
Sicherheitsvorschriften beim Bauen nach BauG und BauV sowie die Normen, auf die die
BauV verweist, gelten für jedes Bauvorhaben. Diese müssen nicht im Bauentscheid
aufgeführt werden, da sie von Gesetzes wegen gelten. Die Mietzinsreduktion ist
schliesslich eine privatrechtliche Angelegenheit, welche nicht im Baubewilligungs- bzw.
13 Vorakten, pag. 165 - 167 14 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 24 N 31, mit weiteren Hinweisen
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Beschwerdeverfahren zu behandeln ist. Für dieses Anliegen steht dem Beschwerdeführer
der Zivilweg offen. Insoweit kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden.
Privatrechtliche Einwände und Ansprüche im Zusammenhang mit einem Bauvorhaben
können im Baubewilligungsverfahren aber als Rechtsverwahrung angemeldet werden (vgl.
Art. 32 Abs. 1 BewD15). Von dieser Möglichkeit hat der Beschwerdeführer Gebrauch
gemacht und die Vorinstanz hat die Rechtsverwahrungen aufgenommen.
b) Der Beschwerdeführer verlangt weiter, die Bauherrschaft sei zu einer frühzeitigen
und ausführlichen Bekanntgabe der Bauetappen gegenüber der Mieterschaft und der
Öffentlichkeit zu verpflichten.
Das Baubewilligungsverfahren soll sicherstellen, dass allfällige, von einem Bauvorhaben
berührte öffentliche oder private Interessen gewahrt werden können (Art. 35 Abs. 1 BauG).
Aus diesem Grund sind Bau- und Ausnahmegesuche nach den Bestimmungen des
Baubewilligungsdekrets zu veröffentlichen oder den Anstössern sowie weiteren Personen,
die davon betroffen sein könnten, mitzuteilen. Der Bekanntmachung ist der Hinweis auf das
Recht zur Einsprache beizufügen. Das vorliegende Bauvorhaben wurde am 29. September
2016 und am 6. Oktober 2016 im Anzeiger G._ publiziert.16 Die
Publikationsbestimmungen sind damit eingehalten; weitergehende Informationspflichten
sieht das Baubewilligungsverfahren nicht vor. Der Beschwerdeführer war denn auch
hinreichend über das Projekt informiert und entsprechend in der Lage, sich im
vorinstanzlichen Verfahren als Einsprecher zu beteiligen. Ob ein weitergehender
mietrechtlicher Informationsanspruch besteht, ist eine Frage des Zivilrechts und nicht im
Baubewilligungsverfahren zu prüfen.
c) Der Beschwerdeführer beantragt schliesslich, die Bauherrschaft solle mit der Post
und der H._ Bank eine verbindliche Vereinbarung treffen, um den Verbleib dieser
zentralen Anlaufstellen im Dorfkern während und nach dem Umbau zu erhalten. Die Gefahr
sei real, dass die beiden wichtigsten Anlaufstellen des Dorfes (Post und Bank) für die
Bewohner verloren gehen könnten. Es brauche eine konkrete Sicherheit, dass die
Bauherrschaft alles unternehme, um die Attraktivität (Zugang, Parkplätze, Öffnungszeiten,
usw.) während und nach dem Umbau zu erhalten.
15 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 16 Vorakten, pag. 85
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Die vom Beschwerdeführer befürchteten Auswirkungen auf Bank und Post haben keinen
Einfluss auf die Frage, ob das umstrittene Bauvorhaben die öffentlich-rechtlichen
Baubewilligungsvoraussetzungen erfüllt. Weil die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht
baurechtlicher Natur sind, kann auf den Antrag im Beschwerdeverfahren nicht eingetreten
werden. Es ist dem Beschwerdeführer aber unbenommen, seine diesbezüglichen Anliegen
im Rahmen des politischen Diskurses bei der Gemeinde vorzubringen.
5. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend ergibt sich, dass keine Verletzung der gerügten öffentlich-
rechtlichen Vorschriften vorliegt. Die übrigen Anträge des Beschwerdeführers inklusive
seiner zivilrechtlichen Anliegen sind nicht im Baubewilligungs- bzw. im
Beschwerdeverfahren zu beurteilen. Die Beschwerde ist damit abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden kann.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 900.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV17).
c) Laut Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei
grundsätzlich die Parteikosten zu ersetzen. Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Da die
Beschwerdegegnerin nicht anwaltlich vertreten war, sind keine Parteikosten angefallen. Die
Voraussetzungen für die Ausrichtung einer Parteientschädigung nach Art. 104 Abs. 2
VRPG sind nicht erfüllt, weil das Verfahren nicht besonders aufwändig war.
17 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. «D_DNI»/«D_DNJ»/«D_DNN» 11