Decision ID: e056e114-20ad-402b-bb2d-8e0a3a58b4ea
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Verletzung der Verkehrsregeln (Rückweisung der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts)
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Bülach, Einzelgericht, vom 2. September 2020 (GC190030)
Urteil der I. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 1. April 2021 (SU210001)
Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts vom 13. April 2022 (6B_540/2021)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl des Statthalteramtes des Bezirks Bülach vom 3. September 2019
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 2/23).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 35 S. 18 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sin-
ne von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 32 Abs. 2 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV (Über-
schreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit).
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 300.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 330.– Gebühren Statthalteramt
Fr. 60.– Auslagen Vorverfahren
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die Ent-
scheidgebühr um einen Drittel.
5. Die Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt.
6. (Mitteilungen)
7. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten (Urk. 37 sinngemäss):
1. Der Beschuldigte sei freizusprechen.
2. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Des Statthalteramts Bezirk Bülach (Urk. 61):
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Prozessuales
1.1 Zum Verfahrensgang bis zum Erlass des erstinstanzlichen Urteils kann auf
die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden
(Urk. 35 S. 2 ff.). Der Beschuldigte meldete im Anschluss an die
Hauptverhandlung Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom
2. September 2020 an (Prot. I S. 28). Noch vor Erhalt des begründeten Urteils
stellte er mit Eingabe vom 16. September 2020 an das Obergericht des Kantons
Zürich seine Berufungsanträge und verwies zur Begründung auf seine früheren
Schreiben (Urk. 29). Nach Zustellung des begründeten Urteils wiederholte er mit
Eingabe vom 14. Januar 2021 seine bereits gestellten Berufungsanträge und
begründete diese summarisch (Urk. 37). Da der Beschuldigte innert der ihm in der
Folge angesetzten Frist keine weitere schriftliche Eingabe einreichte, wurde das
Berufungsverfahren mit Beschluss vom 1. April 2021 – androhungsgemäss – als
durch Rückzug erledigt abgeschrieben (Urk. 44). Der Beschuldigte führte gegen
diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesgericht, welches den Beschluss vom
1. April 2021 mit Urteil vom 13. April 2022 aufhob und das Verfahren zur
Durchführung des Berufungsverfahrens an die hiesige Kammer zurückwies
(Urk. 54). Vom Bundesgericht wurde insbesondere verbindlich entschieden, dass
die – zwar rudimentäre – Berufungsbegründung des Beschuldigten vom
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14. Januar 2021 bzw. seine vorgängige Eingabe vom 16. September 2020
ausreichend seien und gestützt auf diese ein Urteil zu ergehen habe (Urk. 54
S. 5).
1.2 Das Statthalteramt erklärte nach Zustellung der Eingabe des Beschuldigten
vom 14. Januar 2021, auf eine Berufungsantwort zu verzichten, wobei die Bestä-
tigung des vorinstanzlichen Urteils beantragt werde (Urk. 61). Diese Eingabe
wurde dem Beschuldigten sodann zur Kenntnis zugestellt, welcher in der Folge
erneut bestätigte, dass er die Durchführung des Berufungsverfahrens wünsche
(Urk. 64). Das Verfahren ist damit spruchreif.
2. Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erst-
instanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise
abgeschlossen worden ist. Die Berufungsinstanz überprüft den vorinstanzlichen
Entscheid bezüglich sämtlicher Tat-, Rechts- und Ermessensfragen frei (Art. 398
Abs. 2 und 3 StPO). Bildeten jedoch ausschliesslich Übertretungen Gegenstand
des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so schränkt Art. 398 Abs. 4 StPO die
Kognition der Berufungsinstanz ein. In diesen Fällen wird das angefochtene Urteil
lediglich dahingehend überprüft, ob es rechtsfehlerhaft ist oder ob eine
offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz
gegeben ist. Relevant sind dabei klare Versehen bei der Sachverhaltsermittlung
wie namentlich Irrtümer oder offensichtliche Diskrepanzen zur Akten- und
Beweislage. Weiter in Betracht kommen insbesondere Fälle, in denen die
Sachverhaltsfeststellung auf einer Verletzung von Bundesrecht, in erster Linie von
Verfahrensvorschriften der StPO selbst, beruht. Gesamthaft gesehen dürften
regelmässig Konstellationen relevant sein, die als willkürliche
Sachverhaltserstellung zu qualifizieren sind (vgl. SCHMID/JOSITSCH, StPO
Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 398 N 12 f.; BSK StPO-EUGSTER, 2. Aufl.
2014, Art. 398 N 3a). Willkür bei der Beweiswürdigung liegt vor, wenn der
angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen
Situation in klarem Widerspruch steht. Dass eine andere Lösung oder Würdigung
ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erscheint, genügt für die Annahme von
Willkür nicht (BGE 138 I 305 E. 4.3 mit Hinweisen). Eine vertretbare
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Beweiswürdigung ist daher auch dann noch nicht willkürlich, wenn die Be-
rufungsinstanz anstelle der Vorinstanz allenfalls anders entschieden hätte. Es ist
somit zu überprüfen, ob das vorinstanzliche Urteil im Bereich der zulässigen
Kognition Fehler aufweist.
3. Der Beschuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch, weshalb das
vorinstanzliche Urteil als in allen Punkten angefochten gilt und – unter Berück-
sichtigung des Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO –
vollumfänglich zur Disposition steht.
II. Sachverhalt
1. Das Statthalteramt wirft dem Beschuldigten vor, am 30. Juli 2018 um
07:02 Uhr den PW ... (D) auf der B._-Strasse, im Gemeindegebiet C._,
ausserorts, in Richtung D._, die Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h
wissentlich und willentlich um 25 km/h überschritten zu haben (Toleranz bereits
abgezogen). Durch dieses Verhalten habe er sich der einfachen vorsätzlichen
Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 90 Abs. 1 SVG
und Art. 4a Abs. 1 lit. b strafbar gemacht (Urk. 2/23).
2.1 Unbestritten ist, dass der Beschuldigte am fraglichen Morgen im Fahrzeug
mit dem Kontrollschild ... (D) auf der besagten Strecke unterwegs war sowie dass
er anlässlich einer von den Polizisten E._ und F._ durchgeführten
Geschwindigkeitskontrolle angehalten wurde (Prot. I S. 16 ff. und S. 25; Urk. 2/1).
2.2 Der Beschuldigte stellt sich indessen auf den Standpunkt, er sei nicht so
schnell gefahren, wie ihm vorgeworfen werde. So führte er an der vorinstanzli-
chen Hauptverhandlung aus, er sei "schon etwas drüber" gewesen, "aber nicht so
viel" (Prot. I S. 18). Zudem seien die Aufnahmen rechtlich nicht zulässig, da das
Fahrzeug, das Kennzeichen und sein Gesicht nicht erkennbar seien. So ein
Beweismittel dürfe nicht verwendet werden. Alle Bilder seien verschwommen
(Urk. 37).
2.3.1 Die Vorinstanz sah den Sachverhalt gestützt auf den Polizeirapport vom
31. Juli 2018 (Urk. 2/1), die Videoaufzeichnung und das Standbild der Kantons-
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polizei Zürich (Urk. 2/9/1-2), die Aussagen des Beschuldigten (Prot. I S. 9 ff.), das
Eichzertifikat Nr. ... (Urk. 2/19), das Laser-Messprotokoll ProLaser 4, die
Ausbildungsbestätigungen des Polizisten E._ (Urk. 6/1–3) und das
Zulassungszertifikat ... mit Ergänzungen bzw. Beilage (Urk. 25A) als erstellt
(Urk. 35 S. 12 f.).
2.3.2 Die Vorinstanz hat insbesondere erwogen, dass die eingesetzten
Messmittel vorschriftsgemäss zugelassen waren und von berechtigten bzw.
entsprechend ausgebildeten Polizeibeamten bedient worden sind (Urk. 35
S. 6 ff.). Der Beschuldigte vermag mit seinem pauschalen Vorbringen, die Bilder
seien "rechtlich nicht zulässig", da sie verschwommen seien, in keiner Weise
darzulegen, dass die Vorinstanz in Willkür verfallen sei, wenn sie die
Geschwindigkeitsmessung als gültig und verwertbar erachtet hat, zumal der
Schärfe der Videobilder keine selbständige Bedeutung zukommt, wenn die
Messung gestützt auf die einschlägigen Vorschriften als gültig zu beurteilen ist. Es
ist daher auf die in allen Teilen überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz zu
verweisen (Urk. 35 S. 6 ff.). Die im Anklagesachverhalt festgehaltene
Geschwindigkeitsüberschreitung von – nach Abzug der Toleranz – 25 km/h bei
erlaubten 80 km/h ist entsprechend erstellt.
2.3.3 Auch mit der Frage, ob es sich beim fraglichen Fahrzeug um jenes des
Beschuldigten gehandelt hat bzw. ob er der Fahrer des fraglichen Fahrzeugs war,
hat sich die Vorinstanz bereits einlässlich auseinandergesetzt (Urk. 35 S. 10 ff.).
Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, führt der Umstand, dass auf den
aktenkundigen Videostandbildern die Identität des Fahrzeugführers nicht
eindeutig zu erkennen ist, keineswegs zur Unverwertbarkeit der Videobilder bzw.
der entsprechenden Radar-Geschwindigkeitsmessung. Der Beschuldigte
bestreitet hierbei gar nicht ausdrücklich, der Fahrer des fraglichen Fahrzeugs
gewesen zu sein. Vielmehr stellt er die Verwertbarkeit der Videoaufnahme bzw.
der Geschwindigkeitsmessung pauschal bloss deshalb in Frage, weil der
Fahrzeuginsasse und das Kennzeichen darauf nicht gut zu erkennen seien.
Vorliegend steht indessen gestützt auf die weiteren Beweismittel fest, dass es
sich beim gemessenen Fahrzeug um jenes des Beschuldigten gehandelt hat und
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er auch der Fahrer dieses Fahrzeugs war. Die Vorinstanz hat hierzu zutreffend
erwogen, der Beschuldigte habe selbst eingeräumt, zur fraglichen Zeit in einem
weissen VW D, "UP", mit dem Autokennzeichen "... (D)" unterwegs gewesen und
in C._ von der Polizei angehalten worden zu sein. Dem Polizeirapport könne
sodann entnommen werden, dass der Beschuldigte in demselben Fahrzeug –
einem weissen Fahrzeug der Marke VW D, Typ UP 1.0 BMT, 44kW, mit dem
Kennzeichen "..." – anlässlich einer Geschwindigkeitsmessung von 109 km/h
(ohne Toleranzabzug) angehalten worden sei. Weiter sei im Laser-Messprotokoll
der fraglichen Messperiode um 07:02 Uhr dasselbe Fahrzeug mit dem Auto-
kennzeichen "..." und einer Geschwindigkeitsmessung von 109 km/h (ohne
Toleranzabzug) aufgeführt. Auf der Videoaufnahme seien schliesslich die letzten
sechs Stellen des Autokennzeichens, nämlich "...", ersichtlich, welche mit
denjenigen des unbestrittenermassen vom Beschuldigten an diesem Morgen
gelenkten Fahrzeugs übereinstimmen würden. Da auf der Videoaufnahme zudem
ein weisser Kleinwagen mit eben jener Kennzeichenendung erkennbar sei,
könnten jegliche vernünftige Zweifel an der Identität des Fahrers bzw. des Fahr-
zeugs ausgeschlossen werden (Urk. 35 S. 11). Diese Erwägungen erweisen sich
in allen Teilen als zutreffend und sind zu übernehmen. Der Beschuldigte vermag
mit seinem einzig vorgetragenen Argument, die Bilder seien verschwommen und
daher "rechtlich nicht zulässig", keine Willkür in der vorinstanzlichen Beweis-
würdigung darzulegen, zumal der Schärfe der Videobilder – wie ausgeführt – für
sich allein keine entscheidende Bedeutung zukommt.
3. Zusammenfassend ist der Anklagesachverhalt mit der Vorinstanz demnach
erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz würdigte den erstellten Sachverhalt – wie bereits das Statthalter-
amt – als vorsätzliche einfache Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 2 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b
VRV (Urk. 35 S. 14). Diese rechtliche Würdigung wird vom Beschuldigten – zu
Recht – nicht in Abrede gestellt und ist zu übernehmen.
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IV. Sanktion
Die Vorinstanz hat die massgeblichen rechtlichen Grundlagen zur
Strafzumessung zutreffend dargelegt, weshalb darauf zu verweisen ist (Urk. 35
S. 14 ff.). Die Vorinstanz hat eine Busse in Höhe von Fr. 300.– ausgefällt, was der
Beschuldigte nicht konkret beanstandet. Da diese Sanktion angesichts des
Tatverschuldens und der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
angemessen erscheint, ist sie ebenso wie die für den Fall der schuldhaften
Nichtbezahlung der Busse praxisgemäss festgesetzte Ersatzfreiheitsstrafe von 3
Tagen zu übernehmen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungs-
regelung (Dispositivziffern 4 und 5) zu bestätigen.
2.1 Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14
GebV OG).
2.2 Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
unterliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich, weshalb die Kosten des Be-
rufungsverfahrens ihm aufzuerlegen sind. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
besteht zudem kein Anspruch auf eine Entschädigung.