Decision ID: 48767c7d-d0bf-4809-bb9c-2c70394b778f
Year: 2020
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

dessen seien zwei strafrechtlich relevante Sachverhalte, begangen durch C._, nicht unter-
sucht worden. Mit Schreiben vom 23. Oktober 2019 nahm die Staatsanwaltschaft Stellung zur
Eingabe vom 15. Oktober 2019, wobei sie die Auffassung vertrat, dass seitens der Ehegatten
A._ und B._ kein Strafantrag gestellt worden sei. Daraufhin ersuchten A._ und
B._, vertreten durch Advokat Georg Ranert, mit Schreiben vom 2. Dezember 2019 um Er-
lass einer rechtsmittelfähigen Verfügung.
C. Nachdem weitere Korrespondenz zwischen A._ und B._, vertreten durch Advo-
kat Georg Ranert, und der Staatsanwaltschaft stattgefunden hatte, nahm diese das Verfahren
gegen C._ (nachfolgend Beschuldigter) wegen Beschimpfung sowie Verletzung des Ge-
heim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte mit Verfügung vom 10. März 2020 in Anwen-
dung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an Hand und auferlegte die Kosten dem Staat.
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D. Mit Eingabe vom 23. März 2020 erhoben A._ und B._ (nachfolgend einzeln: die
Beschwerdeführerin resp. der Beschwerdeführer; gemeinsam: die Beschwerdeführenden), ver-
treten durch Advokat Georg Ranert, Beschwerde beim Kantonsgericht, und beantragten, die
Nichtanhandnahmeverfügung vom 10. März 2020 sei aufzuheben (I. Ziff. 1), die Angelegenheit
sei hinsichtlich der Vorwürfe der Beschimpfung zum Nachteil der Beschwerdeführerin sowie der
Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte zum Nachteil der Be-
schwerdeführenden zur Untersuchung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen (I. Ziff. 2);
unter o/e-Kostenfolge (I. Ziff. 3). In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten die Beschwerde-
führenden, es seien die Akten des staatsanwaltschaftlichen Verfahrens MU1 19 4055 etc. von
Amtes wegen beizuziehen (II. Ziff. 1), es seien die Akten des staatsanwaltschaftlichen Verfah-
rens MU1 18 3200 von Amtes wegen beizuziehen (II. Ziff. 2), und es seien die Akten des Be-
schwerdeverfahrens 470 19 126 am Kantonsgericht von Amtes wegen beizuziehen (II. Ziff. 3).
E. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts vom 26. März 2020 wurde vor-
erst auf den Beizug der Akten des Verfahrens MU1 18 3200 der Staatsanwaltschaft sowie des
Beschwerdeverfahrens 470 19 126 verzichtet.
F. Mit Eingabe vom 6. April 2020 beantragte die Staatsanwaltschaft, die Beschwerde
vollumfänglich abzuweisen und die Kosten des Verfahrens den Beschwerdeführenden aufzuer-
legen.
G. Mittels verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts vom 15. April 2020 wurde
festgestellt, dass die Staatsanwaltschaft dem Kantonsgericht im Rahmen der Eingabe vom
6. April 2020 die vollständigen Verfahrensakten MU1 19 4055 etc. im Original sowie die voll-
ständigen Verfahrensakten MU1 18 3200, welche das Beschwerdeverfahren 470 19 126 bein-
halten, in Kopie eingereicht hat. Ferner wurde mit derselben Verfügung der Schriftenwechsel
geschlossen.
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Erwägungen
1. Eine Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft kann innert 10 Tagen
schriftlich und begründet mittels Beschwerde bei der Dreierkammer des Kantongerichts ange-
fochten werden (Art. 310 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO, Art. 396 Abs. 1 StPO und
§ 15 Abs. 2 EG StPO). Verlangt das Gesetz – wie vorliegend – die Begründung des Rechtsmit-
tels, so hat gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO die Person oder die Behörde, welche das Rechtsmit-
tel ergreift, genau anzugeben, welche Punkte des Entscheides sie anficht (lit. a), welche Grün-
de einen anderen Entscheid nahelegen (lit. b) und welche Beweismittel sie anruft (lit. c). In der
schriftlichen Beschwerdebegründung hat die beschwerdeführende Partei mittels eindeutiger
Verweisungen auf die vorinstanzlichen Erwägungen schlüssig darzulegen, weshalb sie den an-
gefochtenen Entscheid als fehlerhaft erachtet und die tatsächlichen bzw. rechtlichen Gründe zu
nennen, die einen anderen Entscheid nahelegen (PATRICK GUIDON, Basler Kommentar StPO,
2. Auflage 2014, Art. 396 N 9c; RICHARD CALAME, Commentaire Romand CPP, 2. Auflage 2019,
Art. 385 N 21; BGer 6B_1273/2019 vom 11. März 2020 E. 2.4.3; 6B_552/2018 vom
27. Dezember 2018 E. 1.3; BGer 6B_1404/2016 vom 13. Juni 2017 E. 1.2.3; 6B_1162/2016
vom 27. April 2017 E. 2.3). Nach Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich ge-
schütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids hat, ein Rechtsmittel
ergreifen. Da sämtliche formellen Voraussetzungen zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass
geben, ist auf die Beschwerde vom 23. März 2020 einzutreten.
2. Die Staatsanwaltschaft verfügt die Nichtanhandnahme, sobald aufgrund der Strafan-
zeige oder des Polizeirapports feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozess-
voraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind (Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO). Ein gültig gestellter
Strafantrag bildet Prozessvoraussetzung (BGE 136 III 502 E. 6.3.2; 128 IV 81 E. 2a; BGer
6B_1275/2019 vom 12. Februar 2020 E. 2.1). Die Frage, ob die Strafverfolgungsbehörde ein
Strafverfahren durch Nichtanhandnahme erledigen kann, beurteilt sich nach dem aus dem
strafprozessualen Legalitätsprinzip abgeleiteten Grundsatz „in dubio pro duriore“ (Art. 5 Abs. 1
BV und Art. 2 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 319 Abs. 1 StPO und Art. 324 Abs. 1 StPO; BGE 138 IV
86 E. 4.2). Danach darf die Nichtanhandnahme gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nur in
sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fällen ergehen, so bei offensichtlicher Straflosigkeit,
wenn der Sachverhalt mit Sicherheit nicht unter einen Straftatbestand fällt oder bei eindeutig
fehlenden Prozessvoraussetzungen. Im Zweifelsfall, wenn die Nichtanhandnahmegründe nicht
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mit absoluter Sicherheit gegeben sind, muss das Verfahren eröffnet werden (BGE 143 IV 241
E. 2.2.1; 137 IV 219 E. 7; BGer 6B_274/2019 vom 28. Februar 2020 E. 2.3).
3.1 Die Staatsanwaltschaft begründet ihre Nichtanhandnahmeverfügung vom 10. März
2020 im Wesentlichen damit, dem Beschuldigten werde von den Beschwerdeführenden vorge-
worfen, am 24. Januar 2019, ab 09.00 Uhr, die Beschwerdeführerin im Rahmen einer Ver-
gleichsverhandlung in den Räumlichkeiten der Staatsanwaltschaft in Liestal im Beisein der Un-
tersuchungsbeauftragten D._ mit den Worten "du bist der verdammte Teufel" beschimpft zu
haben. Bei der Beschimpfung handle es sich um ein Antragsdelikt, weshalb als Prozessvoraus-
setzung innert drei Monaten, in casu somit bis spätestens am 24. April 2019, Strafantrag ge-
stellt werden müsse. Mangels Vorliegens eines rechtsgültigen Strafantrags der Geschädigten
innert der genannten Frist sei eine Prozessvoraussetzung eindeutig nicht erfüllt, weshalb das
Verfahren nicht an Hand genommen werde. Des Weiteren werde dem Beschuldigten von den
Beschwerdeführenden vorgeworfen, diese am Abend des 5. Februar 2019 in deren Schlafzim-
mer an der X._strasse 58 in Y._ abgehört resp. überwacht zu haben. Bei der Verletzung
des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte handle es sich ebenfalls um ein An-
tragsdelikt, weshalb als Prozessvoraussetzung innert drei Monaten, in casu somit bis spätes-
tens am 5. Mai 2019, Strafantrag gestellt werden müsse. Mangels Vorliegens eines rechtsgülti-
gen Strafantrags der geschädigten Personen innert der genannten Frist sei eine Prozessvo-
raussetzung offensichtlich nicht erfüllt, weshalb das Verfahren nicht an Hand genommen werde.
3.2 Die Beschwerdeführenden wenden demgegenüber in ihrer Beschwerde vom 23. März
2020 zusammengefasst ein, dass die Staatsanwaltschaft nicht erläutere, weshalb die Eingabe
vom 25. Februar 2019 nicht als Strafantrag geeignet sein solle. Das Schreiben sei zwar nur
vom Beschwerdeführer unterschrieben, aus den Formulierungen gehe jedoch klarerweise her-
vor, dass es sich auch um den wiedergegebenen Willen der Beschwerdeführerin handle. Eine
Unterschrift sei nicht notwendig, wenn die übrigen Umstände nahelegen würden, dass es sich
auch um die Willensmitteilung einer anderen Person handle. In der Eingabe werde der Be-
schuldigte benannt und das Verhalten am 24. Januar 2019 sowie am 5. Februar 2019 geschil-
dert, welches von der Staatsanwaltschaft beurteilt werden solle. Auch hinsichtlich der dreimona-
tigen Frist für einen Strafantrag gebe es keine Bedenken. Das Schreiben enthalte zudem meh-
rere Anhaltspunkte, die für einen bedingungslosen Willen der Beschwerdeführenden nach einer
Strafverfolgung des Beschuldigten sprächen. Das klarste Indiz sei der laienhaft formulierte Be-
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weisantrag, wonach das Haus des Beschuldigten ohne Voranmeldung auf Abhörkameras und
Überwachung kontrolliert werden müsse. Weiter würden die Beschwerdeführenden der Staats-
anwaltschaft mögliche strafrechtlich relevante Verhaltensweisen einer Person mitteilen, womit
wohl immer ein Zweck verbunden sei. Ausserdem wäre es an der Staatsanwaltschaft gewesen,
nach Zustellung der Eingabe im Zweifel bei den Beschwerdeführenden nachzufragen, was sie
mit dieser bewirken möchten.
3.3 Mit Stellungnahme vom 6. April 2020 führt die Staatsanwaltschaft im Wesentlichen
aus, sie habe im Schreiben der Beschwerdeführenden vom 25. Februar 2019 zu keinem Zeit-
punkt eine von Gesetz und Rechtsprechung geforderte, unbedingte Willenserklärung der Ge-
schädigten zur eigenständigen Strafverfolgung der genannten Vorfälle gesehen. Sie habe das
Schreiben in Bezug auf das Verfahren MU1 18 3200 zur Kenntnis genommen und folgerichtig
auch keine eigenständigen Untersuchungen zu diesen Vorfällen unternommen. Aus Sicht der
Staatsanwaltschaft sei das Schreiben wohl sogar von den Beschwerdeführenden bis zum
15. Oktober 2019 nicht als eigenständiger Strafantrag, sondern lediglich als ein Indiz für das
Verfahren MU1 18 3200 angesehen worden. Namentlich hätten die Beschwerdeführenden be-
reits nach Erlass der Einstellungsverfügung vom 15. April 2019 diesbezüglich nachfragen kön-
nen resp. müssen. Im Beschwerdeverfahren 470 19 126 habe Advokat Georg Ranert das
Schreiben vom 25. Februar 2019 mehrfach in seinen Stellungnahmen erwähnt und dabei ledig-
lich beanstandet, dass dieses Schreiben nicht als "stärkstes Indiz" für die beanzeigten Überwa-
chungen im Sommer 2018 herangezogen worden sei. Ausserdem habe sich Advokat Georg
Ranert dahingehend geäussert, dass das Schreiben keinen Strafantrag darstelle, indem er von
der Staatsanwaltschaft erwartet hätte, dass diese die Beschwerdeführenden auf den Umstand
aufmerksam machen würde, dass die Eingabe solch eines Sachverhaltes keine vollständige
Strafanzeige inklusive Strafantrag darstelle. Während laufenden Verfahren gingen bei der
Staatsanwaltschaft Dutzende solcher Schreiben ein, nicht selten mit dem Ziel, das jeweilige
Verfahren voranzutreiben. Es könne nicht erwartet werden, dass die Staatsanwaltschaft bei all
diesen Schreiben die Personen jeweils anfrage, was mit diesen bezweckt werden solle. In Be-
zug auf die Beschimpfung zum Nachteil der Beschwerdeführerin sei festzuhalten, dass aus der
Beschreibung, wonach der Beschuldigte ganz laut und mit rotem Kopf "du bist der verdammte
Teufel" geschrien habe, kein Verlangen zur Strafverfolgung wegen Beschimpfung hervorgehe.
Ausserdem hätte die Beschwerdeführerin selbst einen allfälligen Strafantrag einreichen müs-
sen, da das Recht, einen Strafantrag zu stellen, grundsätzlich höchstpersönlicher Natur und
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unübertragbar sei. In Bezug auf die Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Auf-
nahmegeräte sei bereits das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West nach einem erfolgten Au-
genschein klar zur Ansicht gelangt, dass die Gerätschaften des Beschuldigten nicht geeignet
seien, Personen zu überwachen. Das Kantonsgericht habe ausserdem die diesbezügliche Ein-
stellung des Verfahrens mit rechtskräftigem Beschluss vom 30. Juli 2019 gestützt.
4. Vorliegend ist folglich die Frage zu prüfen, ob die Staatsanwaltschaft das Verfahren
gegen den Beschuldigten wegen Beschimpfung sowie wegen Verletzung des Geheim- oder
Privatbereichs durch Aufnahmegeräte mit Verfügung vom 10. März 2020 zu Recht mangels
Vorliegens eines gültigen Strafantrages nicht an Hand genommen hat.
Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar, so kann jede Person, die durch sie verletzt worden ist, die
Bestrafung des Täters beantragen (Art. 30 Abs. 1 StGB). Das Antragsrecht erlischt nach Ablauf
von drei Monaten. Die Frist beginnt mit dem Tag, an welchem der antragsberechtigten Person
der Täter bekannt wird (Art. 31 StGB). "Verletzt" nach Abs. 1 von Art. 30 StGB ist ausschliess-
lich der Träger des unmittelbar angegriffenen Rechtsguts, nicht aber die durch die Tat bloss
mittelbar betroffene Person. Der Begriff der verletzten Person ist demnach identisch mit dem
Begriff der geschädigten Person gemäss Art. 115 Abs. 1 StPO. Bei höchstpersönlichen Rechts-
gütern (Leib und Leben, Ehre, persönliche Freiheit sowie Eheschliessung, Kindesverhältnis) ist
ausschliesslich der Träger des unmittelbar betroffenen Rechtsguts verletzt (ANDREAS
DONATSCH, Orell Füssli Kommentar StGB, 20. Auflage 2018, Art. 30 N 6).
Ein gültiger Strafantrag liegt vor, wenn die antragsberechtigte Person innert Frist bei der zu-
ständigen Behörde ihren bedingungslosen Willen zur Strafverfolgung des Täters so erklärt,
dass das Strafverfahren ohne weitere Willenserklärung weiterläuft. Verlangt wird eine Willens-
erklärung, welche die Strafverfolgung tatsächlich in Gang bringt und das Verfahren ohne weite-
re Erklärung der antragstellenden Person seinen Lauf nehmen lässt (NIKLAUS OBERHOLZER,
Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Auflage 2020, S. 239 N 767 mit weiteren Hinweisen). Es
genügt, wenn aus der Erklärung des Geschädigten hervorgeht, dass er die Verfolgung und Be-
strafung einer Person verlangt, wobei die infrage stehende Straftat ersichtlich sein muss. Der
Antragsteller ist von der Behörde auf eine mögliche Ungültigkeit des Strafantrages (z.B. fehlen-
de Unterschrift) aufmerksam zu machen, wenn der Mangel sofort erkennbar ist und die noch
zur Verfügung stehende Zeit für die Behebung des Mangels ausreicht (NATHAN
LANDSHUT/THOMAS BOSSHARD, Zürcher Kommentar StPO, 2. Auflage 2014, Art. 304 N 1 und 3).
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Der auf die Strafverfolgung gerichtete Wille muss nicht explizit geäussert werden. Bestehen
hinsichtlich des Verfolgungswillens Zweifel, wird es sich empfehlen, beim Antragsteller nachzu-
fragen (CHRISTOF RIEDO/BARBARA BONER, Basler Kommentar StPO, 2. Auflage 2014, Art. 304
N 7). Der Grundsatz von Treu und Glauben gebietet es, dass der Antragsteller von den zustän-
digen Behörden über eine allfällige Ungültigkeit seiner Eingabe informiert wird. Solange die Frist
nach Art. 31 StGB noch läuft, hat der Betreffende alsdann die Möglichkeit, einen formgültigen
Strafantrag nachzureichen (CHRISTOF RIEDO/BARBARA BONER, Basler Kommentar StPO, 2. Auf-
lage 2014, Art. 304 N 19).
5.1 Umstritten ist, ob mit der Eingabe des Beschwerdeführers vom 25. Februar 2019,
fälschlicherweise datierend vom 25. Februar 2018, eingegangen bei der Staatsanwaltschaft am
26. Februar 2019 (Akten S. 145 und 147), ein gültiger Strafantrag vorliegt oder nicht. In der be-
sagten Eingabe hat der Beschwerdeführer im Wesentlichen verschiedene Vorkommnisse ge-
schildert, die das nachbarschaftliche Leben zwischen den Beschwerdeführenden und dem Be-
schuldigten sowie dessen Ehefrau betreffen. Namentlich hätten die Beschwerdeführenden in
ihrem Schlafzimmer über das Thema "Kuscheln" gesprochen, woraufhin der Beschuldigte am
nächsten Tag ein Plakat mit der Aufschrift "Kuschelmomente" (Akten S. 165) an seiner Haustü-
re angebracht habe. Weiter habe der Beschuldigte die Beschwerdeführerin anlässlich einer
Vergleichsverhandlung mit den Worten "du bist der verdammte Teufel" angeschrien, und aus-
serdem Abfall in den Garten der Beschwerdeführenden geworfen. Die Ehefrau des Beschuldig-
ten pfeife, klatsche, singe und klopfe zudem den ganzen Tag, manchmal sogar bis 22.00 Uhr.
Mit der besagten Eingabe vom 25. Februar 2019 hat der Beschwerdeführer zudem einige Fotos
als Beweismittel eingereicht (Akten S. 149 ff.). Abschliessend hat der Beschwerdeführer insbe-
sondere ausgeführt, dass das Haus des Beschuldigten ohne Voranmeldung auf Abhörkameras
und Überwachung kontrolliert werden müsste. Für die Beschwerdeführenden sei es kein schö-
nes Dasein; sie hätten ein Leben lang schwer gearbeitet und könnten ihren Alltag nun nicht ge-
niessen, da sich der Nachbar immer etwas Neues ausdenke, um sie zu belästigen. Der Be-
schuldigte solle endlich damit aufhören, denn sie möchten gerne in Ruhe leben.
Zunächst ist mit der Staatsanwaltschaft festzuhalten, dass der von den Beschwerdeführenden
vorgebrachte Bundesgerichtsentscheid 1B_734/2012 vom 7. März 2013 nicht mit dem vorlie-
genden Fall vergleichbar ist. Im vor Bundesgericht behandelten Fall lag ein Schreiben der Be-
schwerdeführerin vor, welches folgenden Wortlaut hatte: "Hiermit stelle ich Strafantrag gegen
A._ wegen Ehrverletzung/Verleumdung, da sie u.a. Herrn B._ (xxx/xxx'xx'xx) wider bes-
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seres Wissen gesagt hat, ich habe sie überfahren, der Wagen sei über ihre Beine gerollt und
habe dabei ihre Beine gebrochen. Ich möchte an allen Beweismassnahmen im Rahmen dieses
Strafverfahrens gegen A._ teilnehmen." (BGer 1B_734/2012 vom 7. März 2013 E. A.). Das
Bundesgericht hat unter anderem erwogen, dass der Strafantrag weder Angaben zur Einhal-
tung der Antragsfrist noch zu den näheren Umständen des angeblich strafbaren Verhaltens der
Beschwerdegegnerin noch zum konkreten Hintergrund des Vorfalls enthalte. Das Bundesge-
richt hat im besagten Entscheid die Einschätzung der Staatsanwaltschaft geschützt, wonach
sich aus diesem Strafantrag kein "deutlicher Tatverdacht" ergebe. Ferner hat das Bundesgericht
ausgeführt, da aus der Eingabe immerhin der bedingungslose Wille der Beschwerdeführerin
resultiere, die Beschwerdegegnerin verfolgen zu lassen, sei das Vorgehen der Staatsanwalt-
schaft, der Beschwerdeführerin Gelegenheit zu geben, ihren Strafantrag im Zuge eines polizei-
lichen Ermittlungsverfahrens zu ergänzen, auch unter dem Gesichtspunkt von Art. 303 Abs. 1
StPO, wonach die Einleitung eines Vorverfahrens bei Antragsdelikten das Vorliegen eines (gül-
tigen) Strafantrags voraussetzt, nicht zu beanstanden (BGer 1B_734/2012 vom 7. März 2013
E. 2.3).
In casu ist aus der Eingabe vom 25. Februar 2019 jedoch keine klare Willenskundgebung er-
sichtlich, wonach zusätzlich zu dem zum damaligen Zeitpunkt bereits hängigen Strafverfahren
(MU1 18 3200) ein weiteres Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen der Vorfälle vom
24. Januar 2019 und vom 5. resp. 6. Februar 2019 eingeleitet werden soll. Selbst Advokat
Georg Ranert führt in der Beschwerde vom 23. März 2020 auf S. 6 unter anderem aus, als juris-
tische Laien hätten die Beschwerdeführenden auf keinen Fall wissen können oder müssen,
dass die Mitteilung vom 25. Februar 2019 für einen Strafantrag nicht ausreiche. Den Beschwer-
deführenden ist immerhin insofern zuzustimmen, als die Staatsanwaltschaft im Zweifel angehal-
ten ist, bei den betreffenden Personen nachzufragen, welchen Zweck eine unklare Eingabe
verfolgt. Im vorliegenden Fall handelt es sich jedoch um ein langwieriges nachbarschaftliches
Verfahren zwischen den Beschwerdeführenden einerseits und dem Beschuldigten sowie des-
sen Ehefrau andererseits mit diversen Anzeigen und Gegenanzeigen. Wie die Staatsanwalt-
schaft weiter zu Recht vorbringt, gehen bei ihr jeweils etliche Eingaben im Rahmen von solcher-
lei hängigen Verfahren ein, mit denen die Parteien ihren Standpunkt erneut bekräftigen, Druck
machen, das Verfahren vorantreiben oder die Gegenpartei schlechtmachen wollen. Es er-
scheint weder effizient noch pragmatisch, bei jeder einzelnen Eingabe bei den betreffenden
Personen nachzufragen, was sie genau zum Ausdruck bringen möchten, oder ob es sich bei
der Eingabe um einen Strafantrag handelt. In casu hat die Staatsanwaltschaft die besagte Ein-
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gabe im damals bereits hängigen Verfahren MU1 18 3200 zur Kenntnis genommen und daher
keine eigenständigen Untersuchungen zu diesen Vorfällen unternommen. Dieses Vorgehen
erscheint der Beschwerdeinstanz nachvollziehbar und angebracht.
Aus den bisherigen Erwägungen folgt, dass das Schreiben des Beschwerdeführers vom
25. Februar 2019 keinen rechtsgültigen Strafantrag darstellt, womit eine Prozessvoraussetzung
fehlt, und die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Beschuldigten wegen Beschimpfung
sowie Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte mit Verfügung vom
10. März 2020 zu Recht nicht an Hand genommen hat.
5.2 Selbst wenn man allerdings davon ausginge, dass das Schreiben vom 25. Februar
2019 inhaltlich einen rechtsgültigen Strafantrag darstellt, so ist hinsichtlich des Straftatbestan-
des der Beschimpfung nach Art. 177 Abs. 1 StGB festzuhalten, dass die verletzte resp. ge-
schädigte Beschwerdeführerin das besagte Schreiben nicht unterzeichnet hat. Ein Strafantrag
bedarf jedoch zu seiner Gültigkeit der Unterschrift der antragsberechtigen Person, wobei bei
höchstpersönlichen Rechtsgütern, worunter auch die Ehre zu subsumieren ist, ausschliesslich
der Träger des unmittelbar betroffenen Rechtsguts verletzt, geschädigt und damit berechtigt ist,
Strafantrag zu stellen.
Hinsichtlich des Straftatbestandes der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Auf-
nahmegeräte nach Art. 179quater StGB ist zu konstatieren, dass dieser bereits im rechtskräftigen
Beschluss des Kantonsgerichts vom 30. Juli 2019 abgehandelt worden ist, wobei das Kantons-
gericht die diesbezügliche Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft im Ergebnis
bestätigt hat. Gemäss dem besagten Beschluss vom 30. Juli 2019 stellt der Vorfall vom
5. Februar 2019 resp. 6. Februar 2019, als der Beschuldigte ein Plakat mit der Aufschrift „Ku-
schelmomente“ an seine Eingangstür in Sichtrichtung der Beschwerdeführenden gehängt hat,
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden kein Indiz für die Verwendung der Kameras
zur Tonaufnahme dar. Dieses Argument und ein lediglich oberflächlicher Hinweis im Schreiben
vom 22. September 2018 erweisen sich als nicht substantiiert und damit unzureichend, um ei-
nen relevanten Tatverdacht gegenüber dem Beschuldigten gemäss Art. 179quater StGB zu be-
gründen. Ebenfalls bereits im Beschluss vom 30. Juli 2019 erwogen wurde der Umstand, dass
in diesem Zusammenhang am 4. Juni 2018 ein gerichtlicher Augenschein durchgeführt worden
ist, und der Präsident des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West am 7. Juni 2018 entschie-
den hat, dass dem Beschuldigten kein vorwerfbares Verhalten angelastet werden kann, wes-
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halb das Vollstreckungsgesuch der Beschwerdeführenden auf Entfernung der fraglichen Kame-
ras entsprechend abgewiesen worden ist (vgl. insbesondere E. 5.3.2 des Beschlusses vom
30. Juli 2019 [470 19 126]). Selbst wenn also das Schreiben vom 25. Februar 2019 einem in-
haltlich sowie formell rechtsgültigen Strafantrag entspräche, wäre das Strafverfahren mangels
Erfüllens des Straftatbestandes nicht an Hand zu nehmen gewesen.
5.3 Zusammenfassend folgt aus dem bisher Gesagten, dass das Schreiben des Be-
schwerdeführers vom 25. Februar 2019 keinen rechtsgültigen Strafantrag darstellt, womit eine
Prozessvoraussetzung fehlt, und die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Beschuldig-
ten wegen Beschimpfung sowie Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahme-
geräte mit Verfügung vom 10. März 2020 zu Recht nicht an Hand genommen hat. Selbst wenn
man davon ausginge, dass das Schreiben vom 25. Februar 2019 inhaltlich einen rechtsgültigen
Strafantrag darstellt, ist hinsichtlich des Straftatbestandes der Beschimpfung nach Art. 177
Abs. 1 StGB festzuhalten, dass der Strafantrag mangels Unterschrift der Geschädigten formell
ungültig ist. In Bezug auf den Straftatbestand der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs
durch Aufnahmegeräte ist zu konstatieren, dass, selbst wenn das Schreiben vom 25. Februar
2019 einem inhaltlich sowie formell rechtsgültigen Strafantrag entspräche, das Strafverfahren
mangels Erfüllens des Straftatbestandes nicht an Hand zu nehmen gewesen wäre. Demzufolge
ist die Beschwerde vom 23. März 2020 abzuweisen, und die Nichtanhandnahmeverfügung der
Staatsanwaltschaft vom 10. März 2020 zu bestätigen.
6.1 Nachdem die Beschwerdeführenden vollumfänglich unterliegen, sind ihnen die Kosten
des Beschwerdeverfahrens von total Fr. 1'050.-- (bestehend aus einer Gerichtsgebühr von
Fr. 1'000.-- und Auslagen von pauschal Fr. 50.--) in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO auf-
zuerlegen.
6.2 Den Beschwerdeführenden ist keine Parteientschädigung auszurichten.
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