Decision ID: c8f55f39-3c0c-4971-b02e-2194ede33a5b
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X überschritt am Samstag, 9. März 2012, 9.32 Uhr, auf der Autobahn A1, Höhe O,
als Lenker des Lieferwagens "L" (amtliches Kennzeichen VD 0000) die allgemeine
Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen von 120 km/h um 40 km/h (nach Abzug der
Messtoleranz). Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen
entzog ihm deswegen mit Verfügung vom 21. Juni 2012 den Führerausweis für die
Dauer von neun Monaten.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X am 4. Juli 2012 (Datum der Postaufgabe) Rekurs
bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die Dauer des Entzuges des
Führerausweises sei auf acht Monate zu reduzieren, wobei der Beginn der Massnahme
auf den Samstag, 15. Dezember 2012, anzusetzen sei. Die Vorinstanz verzichtete auf
eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid (Dauer des
Führerausweisentzugs) zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 4. Juli 2012 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist insoweit einzutreten.
Im Rekurs wird unter anderem beantragt, der Führerausweis sei erst ab dem
15. Dezember 2012 zu entziehen. Der Zeitraum des Vollzugs einer Massnahme ergibt
sich aus dem Verfahrensablauf. Wann der Führerausweis abzugeben ist, ist eine
Vollzugsfrage, zu welcher sich das Gericht nicht äussert (Art. 102 VRP). Vielmehr ist die
Festlegung dieses Zeitpunkts Aufgabe der Vorinstanz nach Eintritt der Rechtskraft
dieses Entscheids. Da die Verwaltungsrekurskommission zum Entscheid über
Vollzugsfragen im Hauptverfahren nicht zuständig ist, ist in diesem Punkt auf den
Rekurs nicht einzutreten.
bis
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2.- Im Rekurs bestreitet der Rekurrent in tatsächlicher Hinsicht nicht, am 9. März 2012
auf der Autobahn A1, Höhe O, mit einer rechtlich relevanten Geschwindigkeit von 160
km/h unterwegs gewesen zu sein und damit die dort geltende allgemeine
Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um 40 km/h überschritten zu haben.
Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung liegt vor, wenn
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorgerufen oder in Kauf genommen wird (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die
Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine
solch schwere Widerhandlung gegeben, wenn die Geschwindigkeitsüberschreitung auf
Autobahnen 35 km/h oder mehr beträgt (BGE 124 II 259 E. 2b/bb; Heimgartner/
Schönknecht, Administrativmassnahmen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen nach
bisherigem und neuem Recht – eine Übersicht, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2005, St. Gallen 2005, S. 234). Die Vorinstanz ist
dementsprechend unbestrittenermassen zu Recht von einer schweren Widerhandlung
im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ausgegangen.
3.- Der Rekurrent macht geltend, es sei bei der Bemessung der Entzugsdauer zu
berücksichtigen, dass er beruflich auf seinen Führerausweis angewiesen sei. Er arbeite
als Heizungsmonteur und müsse die Anlagen bei den Kunden in der ganzen Schweiz
warten. Dabei führe er jeweils Wärmepumpenservicematerial sowie Ersatzteile mit sich.
Im Rahmen eines Spezialauftrages sei er für diese Einsätze als einziger Mitarbeiter
geschult worden; weitere Kapazitäten in der Unternehmung würden nicht bestehen. Ein
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Ausweichen auf öffentliche Verkehrsmittel sei nicht möglich. Die Dauer des Entzuges
des Führerausweises sei deshalb um einen Monat auf acht Monate zu reduzieren.
a) Nach einer schweren Widerhandlung wird der Führerausweis gemäss Art. 16c Abs. 2
lit. a SVG für mindestens drei Monate entzogen. Die Mindestentzugsdauer beträgt
sechs Monate, wenn der Ausweis in den vorangegangenen fünf Jahren einmal wegen
einer mittelschweren Widerhandlung entzogen war (lit. b). Bei der Festsetzung der
Dauer des Entzuges sind die Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen, wie die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen;
die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden (Art. 16 Abs. 3 SVG).
Im Rahmen der Beurteilung der beruflichen Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu
führen, ist dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen und zu
berücksichtigen, in welchem Masse der Fahrzeugführer aus beruflichen Gründen auf
seinen Führerausweis angewiesen ist und stärker als der normale Fahrer vom Entzug
betroffen ist (BGE 128 II 173 E. 4e; BGE 123 II 572 E. 2c; BGer 1C_135/2008 E. 2.3.5).
Dabei ist bei der Gesamtbeurteilung aller wesentlichen Elemente zu prüfen, ob die
berufliche Angewiesenheit auf den Führerausweis für sich allein oder allenfalls
zusammen mit andern Beurteilungsmerkmalen (z.B. einem günstigen
automobilistischen Leumund) eine Herabsetzung der "Einsatzmassnahme" rechtfertigt
(vgl. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III, N.
2441 ff., insbes. N. 2447; BGE 123 II 572 E. 2c).
b) Mit Verfügung vom 21. September 2011 wurde dem Rekurrenten der Führerausweis
für einen Monat entzogen, da er am 4. Mai 2011 einen ungenügenden Abstand zu
einem vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten und deshalb einen Auffahrunfall
verursacht hatte. Die entsprechende Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft
und die fünfjährige Bewährungsfrist begann am Tag, nach dem die Massnahme
geendet hatte (19. Januar 2012), zu laufen. Da die neuerliche Widerhandlung vom
9. März 2012 in diese Bewährungsfrist fällt, ist dem Rekurrenten der Führerausweis
zwingend mindestens für sechs Monate zu entziehen (Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG). Im
Rekurs wird einzig die Entzugsdauer angefochten, weil die Massnahmeempfindlichkeit
darin keinen Niederschlag gefunden habe. Ansonsten wird die Bemessung der
Entzugsdauer durch die Vorinstanz zu Recht nicht beanstandet.
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2012&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-II-572%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page572
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c) Es ist demnach zu prüfen, ob die Entzugsdauer aufgrund einer allfälligen
Massnahmeempfindlichkeit zu kürzen ist. Der Arbeitgeber bestätigte im Fragebogen
zur beruflichen Angewiesenheit (act. 4/1) und im Schreiben vom 3. Juli 2012 (act. 4/2),
dass der Rekurrent seine Arbeit vorwiegend bei den Kunden vor Ort erledige. Im
Unterschied zu einem Berufschauffeur oder einem Taxifahrer führt der
Führerausweisentzug nicht zu einem vorübergehenden Berufsverbot. Die Tätigkeit des
Rekurrenten als Heizungsmonteur setzt nicht zwingend voraus, dass er berechtigt ist,
Motorfahrzeuge zu lenken. Da er das Fahrzeug bei den Wartungsarbeiten in der ganzen
Schweiz indessen nicht nur als Fortbewegungs-, sondern für das Werkzeug und die
Ersatzteile (Wärmepumpen) auch als Transportmittel benötigt, ist er gleichwohl mehr
betroffen, als es bei den Nachteilen, die ein Führerausweisentzug mit sich bringt,
gewöhnlich der Fall ist. Es ist deshalb von einer erhöhten Massnahmeempfindlichkeit
auszugehen, welche die beantragte Reduktion der Massnahmedauer um einen Monat
auf acht Monate rechtfertigt.
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann. Die Verfügung der Vorinstanz vom 21. Juni 2012 ist mit
Ausnahme des Kostenspruchs aufzuheben. Der Führerausweis ist dem Rekurrenten für
die Dauer von acht Monaten zu entziehen.
5.- Die amtlichen Kosten werden nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens
verlegt (Art. 95 Abs. 1 VRP). Von diesem Grundsatz abweichend hat gemäss Art. 95
Abs. 2 VRP jener Beteiligte die Kosten zu übernehmen, die durch nachträgliches
Vorbringen von Begehren, Tatsachen oder Beweismitteln entstehen, deren rechtzeitige
Geltendmachung ihm möglich und zumutbar gewesen wäre.
Der Rekurrent obsiegt mit seinem Begehren um Reduktion der Entzugsdauer. Auf das
Begehren um Festsetzung des Entzugsdatums ist mangels funktionaler Zuständigkeit
nicht einzutreten, weshalb der Rekurrent insofern unterliegt. Bei der Kostenverlegung
zu berücksichtigen ist, dass der Rekurrent bereits im vorinstanzlichen Verfahren
anwaltlich vertreten war (Vollmachtzustellung vom 21. März 2012; act. 10/10-11) und
der Hinweis auf die berufliche Angewiesenheit auch ohne Aufforderung im Rahmen des
rechtlichen Gehörs bereits damals hätte erfolgen können. Damit hätten die Kosten des
Rechtsmittelverfahrens vermieden werden können. Entsprechend sind die amtlichen
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Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.--
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.
Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten hat der Rekurrent keinen Anspruch
auf Entschädigung der Anwaltskosten.