Decision ID: 2f240234-8b44-474e-badf-56783a30b8a3
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Fernmeldetechniker bei der B._ AG
tätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend:
Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 23. Januar 2017 meldete die
Arbeitgeberin der Suva einen Unfall. Der Versicherte sei am 23. Oktober 2016 in Z._
beim Spazieren ausgerutscht (Suva-act. 1). Am 8. November 2016 hatte der
Versicherte seinen Hausarzt Dr. med. pract. C._, Facharzt für Allgemeine Medizin
und Pneumologie FMH, konsultiert und ihm gegenüber angegeben, er sei am 23.
Oktober 2016 gestolpert und aufs Knie gestürzt. Dr. C._ hatte klinisch einen
Druckschmerz im medialen Gelenkspalt und einen leichten Erguss erhoben und sodann
die Verdachtsdiagnosen Meniskopathie und Meniskusriss gestellt (Suva-act. 15).
A.b Wegen anhaltender Knieschmerzen links hatte sich der Versicherte auf Zuweisung
von Dr. C._ am 14. November 2016 einer MRI-Untersuchung in der Klinik D._
unterzogen. Bei dieser hatten sich eine ausgeprägte Imbibierung des medialen
Seitenbandes, vereinbar mit einem Status nach Zerrung, eine Degeneration des
Innenmeniskushinterhorns, verdachtsweise ein kleines, in den medialen Recessus
disloziertes Meniskusfragment und ein deutlicher Erguss im Recessus suprapatellaris
gezeigt (Suva-act. 20).
A.c Am 1. Dezember 2016 hatte eine Konsultation bei Dr. med. E._, Facharzt FMH
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Orthopädie
F._, stattgefunden. Dieser diagnostizierte im Untersuchungsbericht vom 24. Januar
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2017 eine mediale Meniskopathie Knie links und stellte die Indikation zur
Kniearthroskopie mit Überprüfung der Meniskusverhältnisse und Meniskussanierung
evtl. Knorpelglättung (Suva-act. 3). Am selben Tag wurde die Suva um eine
entsprechende Kostengutsprache ersucht (Suva-act. 4). Der arthroskopische Eingriff
wurde am 25. Januar 2017 in der Klinik G._ durchgeführt (Suva-act. 6). Gleichentags
erteilte die Suva Dr. C._ Kostengutsprache für die ärztliche Behandlung nach
aktuellem UVG-Tarif (Suva-act. 5).
A.d Zur Überprüfung ihrer Leistungspflicht in Bezug auf die Operation vom 25. Januar
2017 legte die Suva den Schadenfall ihrer Kreisärztin Dr. med. H._, Fachärztin für
Allgemeinchirurgie und Traumatologie, vor. Diese erklärte in einer Stellungnahme vom
9. März 2017, dass die Meniskusläsion des Versicherten degenerativer Genese sei und
deshalb auch die Operation nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kausal zum
Unfallereignis vom 23. Oktober 2016 sei. Frisch sei allerdings eine Seitenbandzerrung,
die aber nach maximal 6 Wochen abgeheilt sei und auch keine Operation brauche
(Suva-act. 21).
A.e Gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung verfügte die Suva am 14. März 2017 die
Einstellung ihrer Versicherungsleistungen per 24. Januar 2017. Der Zustand, wie er sich
auch ohne Unfall vom 23. Oktober 2016 eingestellt hätte, sei zwar spätestens am 4.
November 2016 erreicht gewesen. Aufgrund der andauernden Abklärungen und der
schwierigen Trennung der beiden unterschiedlichen Diagnosen am linken Knie würden
jedoch bis zum 24. Januar 2017 Versicherungsleistungen erbracht und werde keine
Trennung vorgenommen (Suva-act. 23).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 14. März 2017 erhob der Versicherte am 29. März 2017
mündlich Einsprache (Suva-act. 28, 30).
B.b Nach Einholung einer Beurteilung von Dr. H._ vom 10. April 2017, worin diese
eine überwiegend wahrscheinliche Kausalität zwischen den arthroskopisch
behandelten Beschwerden und dem Unfall vom 23. Oktober 2016 erneut verneinte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Suva-act. 34), wies die Suva die Einsprache vom 29. März 2017 mit
Einspracheentscheid vom 28. Juli 2017 ab (Suva-act. 37).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 28. Juli 2017 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 24. August 2017 Beschwerde mit
dem sinngemässen Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und
es seien ihm die gesetzlichen Leistungen über den 24. Januar 2017 hinaus zu
gewähren. DerBeschwerdeführer stellte ausserdem ein Gutachten von Dr. med. I._ in
Aussicht (act. G 1), reichte dann aber am 31. August 2017 einen Bericht von Dr. E._
vom 4. April 2017 ein (act. G 3.2).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 28. September 2017 beantragte die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.c Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 7).

Erwägungen
1.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich des
Unfalls vom 23. Oktober 2016 und erbrachte Heilkostenleistungen für die ärztliche
Behandlung durch Dr. C._ (Suva-act. 5). Taggeldleistungen wurden von der
Beschwerdegegnerin nie erbracht (vgl. Suva-act. 19-1). Am 25. Januar 2017 erfolgte
eine Kniearthroskopie links mit medialer Teilmeniskektomie (Suva-act. 6). Die
Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die Beurteilungen ihrer Kreisärztin Dr. H._
vom 9. März 2017 (Suva-act. 21) und 10. April 2017 (Suva-act. 34) davon aus, der
operative Eingriff habe keine unfallkausalen Gesundheitsschäden umfasst. Sie stellte
die bisherigen Versicherungsleistungen per 24. Januar 2017 ein und verneinte einen
Anspruch auf weitere Leistungen (Suva-act. 24). Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob die
Leistungseinstellung bzw. Verneinung weiterer Leistungsansprüche des
Beschwerdeführers per vorgenanntem Datum zu Recht erfolgt ist.
2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem der Streitigkeit ein Unfall aus dem Jahr 2016 zu Grunde liegt, die bis
31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
3.
3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (ALEXANDRA
RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181
E. 3.1; RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 55 ff.). Bei physischen Unfallfolgen hat
indessen die Adäquanz gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch
keine selbständige Bedeutung (BGE 118 V 291 f. E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb; SVR 2000
UV Nr. 14 S. 45). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich
nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die
Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen;
RUMO-JUNGO/ HOLZER, a.a.O., S. 4; THOMAS LOCHER/THOMAS GÄCHTER,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N. 58). Ebenso wie
der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es
sich bei der Einstellung von Versicherungsleistungen um eine anspruchsaufhebende
Tatfrage handelt, liegt die Beweislast für den Wegfall der vom Unfallversicherer
zunächst anerkannten natürlichen Kausalität - anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründender Kausalzusammenhang überhaupt je gegeben war - nicht bei
der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (BGE 117 V 263 ff. E. 3b;
RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 54 f.). Dieser Grundsatz gilt aber nur für
Verletzungen, welche Gegenstand der Anerkennung bildeten (Urteil des
Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006 Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG]
vom 20. August 2009, 8C_363/2009, E. 1; Urteil des EVG vom 27. April 2005, U 6/05,
auszugsweise publiziert in: AJP 2006 S. 1290 ff.). Allerdings tragen die Parteien im
Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Beweislosigkeit ist
anzunehmen, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 4,
55).
3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss, zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hinweis). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Auf das Ergebnis
versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen - zu denen die Beurteilungen der Suva-
Kreisärzte bzw. -ärztinnen gehören - kann nicht abgestellt werden, wenn auch nur
geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 229 E.
5.2, 135 V 469 f. E. 4.4 und 471 E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts vom 16. September
2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2; SVR 2018 IV Nr. 4 S. 12 E. 3.2). Die Rechtsprechung
erachtet sodann Aktengutachten als zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild
über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten
unbestritten sind. Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der
Experte bzw. die Expertin imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein
lückenloses Bild zu verschaffen (vgl. PVG 1996 Nr. 89 265 E. 3b; RKUV 1993 Nr. U 167
S. 95). Angesichts der obigen Darlegungen sprechen keine formellrechtlichen Gründe
gegen den Einbezug der kreisärztlichen Aktenbeurteilungen von Dr. H._ vom 9. März
2017 (Suva-act. 21) und 10. April 2017 (Suva-act. 34). Ob letztlich auf die
Aktenbeurteilungen abgestellt werden kann, ist im Rahmen der nachfolgenden
materiellrechtlichen Beurteilung bzw. Beweiswürdigung zu prüfen.
4.
4.1 Im Zeitpunkt der Einstellung der Heilbehandlungsleistungen (24. Januar 2017) litt
der Beschwerdeführer unbestrittenermassen unter Kniebeschwerden links. Ein
natürlicher Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlichen Beschwerden
hat in der Regel als gegeben zu gelten, wenn sich mittels apparativer
Untersuchungsmethoden (wie Röntgen, Computertomogramm, Kernspintomographie,
Arthroskopie) ein unfallkausaler organischer Befund im Sinn eines strukturellen
Gesundheitsschadens erheben lässt (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit
Hinweisen, 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen; Urteil
des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen
Hinweisen).
4.2 Dr. C._ erhob beim Beschwerdeführer anlässlich seiner klinischen Untersuchung
vom 8. November 2016 Symptome einer Meniskusläsion, worauf er die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verdachtsdiagnosen Meniskopathie und Meniskusriss stellte (Suva-act. 15). Bei
anhaltenden Knieschmerzen wies er den Beschwerdeführer einer MRI-Untersuchung
der Klinik D._ zu. Bei der am 14. November 2016 durchgeführten Untersuchung
wurden im medialen Kompartiment insbesondere eine ausgeprägte ödematöse
Imbibierung des medialen Seitenbandes, eine Degeneration des Innenmeniskus mit
verdachtsweise kleinem, in den medialen Recessus disloziertem Meniskusfragment,
und ein deutlicher Erguss im Recessus suprapatellaris festgestellt (Suva-act. 20). Bei
der am 25. Januar 2017 vorgenommenen Kniegelenksarthroskopie links liess sich
schliesslich im Hinterhorn des medialen Kompartiments ein horizontaler Lappenriss,
welcher nach unten eingeschlagen war, bestätigen und mühelos luxieren. Der
Lappenriss wurde arthroskopisch mit einer Teilmeniskektomie behandelt (Suva-act. 6).
4.3 Es ist unbestritten, dass beim Beschwerdeführer angesichts der in Erwägung 4.2
dargelegten Untersuchungsergebnisse eine Meniskusläsion als strukturelle Läsion
objektiviert werden konnte, wobei Dr. H._ in ihren Beurteilungen nicht von einer
traumatisch verursachten Meniskusläsion, sondern von einem degenerativen
Vorzustand ausging. Als direkte Folge des Unfalls vom 23. Oktober 2016 beurteilte sie
hingegen die gestützt auf das MRI-Untersuchungsergebnis vom 14. November 2016
ebenfalls erhobene Seitenbandzerrung (Suva-act. 21, 34). Mit Schreiben vom 25.
Januar 2017 anerkannte die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht für
Heilbehandlungen offenbar ohne Kenntnis der genauen Gesundheitsschädigungen nur
gegenüber Dr. C._ (Suva-act. 5), während sie nach Kenntnisnahme des Vorliegens
einer Meniskusläsion bzw. deren operativer Behandlung die Durchführung weiterer
Abklärungen anzeigte (Suva-act. 12 f.). Die Einstellung der Heilbehandlungsleistungen
der Beschwerdegegnerin per 24. Januar 2017 erfolgte demnach zum einen vor dem
Hintergrund, dass sie die Seitenbandzerrung als vorübergehende unfallkausale
Gesundheitsschädigung anerkannte, die Verletzung jedoch per vorgenanntem
Leistungseinstellungsdatum mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als abgeheilt betrachtete. Zum anderen nahm sie die
Leistungseinstellung vor, weil sie die Ursache für die Meniskusläsion mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit überhaupt nie im Unfall vom 23.
Oktober 2016 gegeben sah (Suva-act. 24, act. G 5/II.2.). Bei Beweislosigkeit hätte
mithin hinsichtlich der Frage, ob eine Unfallkausalität in Bezug auf die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Seitendbandzerrung besteht, die Beschwerdegegnerin die Beweislast zu tragen, in
Bezug auf die Meniskusläsion hingegen der Beschwerdeführer (vgl. Erwägung 3.1).
5.
5.1 Bei einer Meniskusläsion gilt es zu beachten, dass Kniegelenksmenisken zur
Degeneration neigen, Meniskusläsionen aber auch als Folge eines Traumas auftreten
können, indem die Menisken bei akuten schweren Knieverletzungen ein- oder
abreissen (vgl. ALFRED M. DEBRUNNER, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4.
Aufl. Bern 2005, S. 1056 ff.; ALFRED BÜHLER, die unfallähnliche Körperschädigung, in:
SZS 1996, S. 85 und 88). Grundsätzlich sind beide Kausalitäten (Krankheits- und
Unfallkausalität) denkbar. Tritt bereits im Rahmen einer - was hinsichtlich der MRI-
Untersuchung vom 14. November 2016 zutrifft - in zeitlicher Nähe zum Unfall
durchgeführten radiologischen Untersuchung eine strukturelle Läsion zutage, kann
diese somit sowohl eine traumatische Läsion als auch einen degenerativen Vorzustand
darstellen.
5.2 In Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin ist aufgrund einer
Gesamtbetrachtung der vorliegenden Akten und gestützt auf die Beurteilungen von Dr.
H._ vom 9. März 2017 (Suva-act. 21) und 10. April 2017 (Suva-act. 34) mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht von einer traumatisch
verursachten Meniskusläsion, sondern von einem degenerativen Vorzustand
auszugehen.
5.3 Eine massgebende Komponente für die Kausalitätsbeurteilung stellt zunächst der
Unfallmechanismus bzw. die Art und Weise der Einwirkung auf den betroffenen
Körperteil dar. Aus den Angaben des Beschwerdeführers gegenüber seinem Hausarzt
Dr. C._ - er sei am 23. Oktober 2016 gestolpert und auf das Knie gefallen (vgl. Suva-
act. 15) - wäre an sich, wie von Dr. H._ angenommen, eine Kontusion zu folgern.
Laut der Kreisärztin ist eine Kontusion nicht geeignet, einen Meniskusriss zu
verursachen (vgl. Suva-act. 34), dies in Übereinstimmung mit der medizinischen
Literatur, wonach insbesondere eine Distorsion bzw. ein Rotationstrauma eine
Meniskusläsion hervorzurufen vermag (vgl. dazu DEBRUNNER, a.a.O., S. 1057;
ROCHE LEXIKON, Medizin, 5. Aufl. S. 1204; PSCHYREMBEL, Klinisches Wörterbuch,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
267. Aufl. Berlin/Boston 2017, S. 1146; LEITLINIE DER ORTHOPÄDIE, Hrsg. von der
Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und dem
Berufsverband der Ärzte für Orthopädie, 2. erweiterte Aufl. Köln 2002, S. 141). Der
Umstand, dass Dr. H._ gestützt auf das Ergebnis der MRI-Untersuchung vom 14.
November 2016 (Suva-act. 20) von einer beim Unfall erlittenen Seitenbandzerrung
ausging (Suva-act. 21, 34), lässt allerdings einen Unfallhergang mit Kontusion
einschliesslich Distorsion, d.h. ein Unfallmechanismus, der am 23. Oktober 2016 neben
der Bandverletzung auch zu einem traumatisch bedingten Meniskusriss hätte führen
können, nicht vollkommen ausschliessen.
5.4 Ein massgebender Ausgangspunkt für die Beurteilung traumatischer Folgeschäden
bzw. der Ursächlichkeit einer Gesundheitsschädigung bildet jedoch vor allem auch der
gesundheitliche Zustand einer versicherten Person vor dem Unfall. In diesem Sinne
weist Dr. H._ auf die bedeutsame Anamnese in den Berichten von Dr. E._ vom 24.
Januar 2017 (Suva-act. 3) und 4. April 2017 (Suva-act. 31) hin, wonach der
Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall seit ca. drei Jahren nach einem
einschiessenden Schmerzereignis bei der Arbeit in Knieflexion unter wechselhaften
Kniebeschwerden gelitten habe.
5.5 Ein weiterer wichtiger Hinweis für die Beurteilung, ob der Meniskusriss traumatisch
oder degenerativ bedingt ist, stellt laut Dr. H._ die Rissform bzw. Rissmorphologie
dar. Ein - wie im konkreten Fall arthroskopisch erhobener - horizontaler Meniskusriss
sei, wie übereinstimmend in der Literatur nachgewiesen, in den überwiegenden Fällen
degenerativer Genese (Suva-act. 34). Die kreisärztliche Feststellung stimmt mit der
Beurteilung des MRI des linken Knies vom 14. November 2016 der Radiologin der
Klinik D._ überein. Diese hielt ausdrücklich eine Degeneration des
Innenmeniskushinterhorns fest und erhob in diesem Zusammenhang den Verdacht auf
ein disloziertes Meniskusfragment, worauf arthroskopisch der fragliche horizontale
Lappenriss diagnostiziert wurde (vgl. Suva-act. 20). Angesichts des Gesagten
überzeugt mithin die Schlussfolgerung von Dr. H._, im konkreten Fall sei von einem
vorbestehenden degenerativen Meniskusschaden und nicht von einer traumatischen
Meniskusläsion auszugehen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine traumatische Verursachung des
beim Beschwerdeführer am 25. Januar 2017 operierten medialen Meniskusrisses nicht
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt ist. Gestützt wird
diese Beurteilung durch die Feststellungen von Dr. E._ in dessen Bericht vom 4. April
2017, es könne bei länger dauernder Anamnese nicht definitiv unterschieden werden,
ob ein Schaden durch einen Unfall oder krankheitsbedingt entstanden sei, und
Meniskusrisse könnten ebenfalls auf der Basis von Abnutzungserscheinungen
entstehen (Suva-act. 31). Im vorliegenden Fall ist gerade von einer ca. dreijährigen
Anamnese auszugehen und Dr. E._ hält in keiner Weise fest, dass dessen ungeachtet
von einer traumatischen Genese auszugehen sei. Seine Bemerkung - massgeblich für
die Beurteilung der Kostenübernahme seitens der Beschwerdegegnerin sei das vom
Beschwerdeführer geschilderte Unfallereignis respektive, ob dieses Ereignis der
Definition eines Unfalls entspreche (dieses sei entscheidend für die Beurteilung
hinsichtlich Kostenübernahme seitens der Suva) - vermag zur Beantwortung der Frage,
ob der Meniskusriss traumatisch oder degenerativ entstanden ist, nichts beizutragen.
Die Beschwerdegegnerin hat das Ereignis vom 23. Oktober 2016 als Unfall anerkannt.
Die Beantwortung der vorgenannten Frage hängt jedoch von zusätzlichen
Überlegungen ab, welche insgesamt gegen einen überwiegend wahrscheinlich
traumatisch verursachten Meniskusriss sprechen.
5.7 Auszuschliessen ist sodann mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit auch eine richtungsgebende Verschlimmerung des fraglichen
Meniskusrisses (siehe dazu RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 54). Genauso wie ein
unfallbedingter Meniskusriss als objektiviert gilt, wenn er durch einen entsprechenden
apparativen/bildgebenden Untersuchungsbefund (mittels Röntgen,
Computertomogramm, Kernspintomographie, Arthroskopie) erhoben wird bzw.
bestätigt werden kann (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen, 117 V
363 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen),
trifft dies grundsätzlich auf eine richtungsgebende Verschlimmerung eines
vorbestehenden Meniskusrisses, beispielsweise in Form der Vergrösserung eines
ersten Risses zu einem Lappenriss (vgl. dazu DEBRUNNER, a.a.O., S. 1057), zu. Eine
richtungsgebende Verschlimmerung wird weder von Dr. H._ noch von Dr. E._
explizit diskutiert. Es erscheint naheliegend, dass sich eine solche wahrnehmbar vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorzustand bzw. der altersüblichen Degeneration abheben müsste. Weder der MRI-
Untersuchungsbericht noch der Operationsbericht beinhalten offensichtlich solche von
den Ärzten in den Zusammenhang mit einer richtungsgebenden Verschlimmerung
gebrachte Hinweise (vgl. Suva-act. 6, 20). Der Feststellung von Dr. E._ in seinem
Bericht vom 4. April 2017 - bei länger andauernder Anamnese könne nicht definitiv
unterschieden werden, ob ein Schaden durch einen Unfall oder krankheitsbedingt
entstanden sei (vgl. Suva-act. 31) - kommt auch im Zusammenhang mit der
Untersuchung einer richtunggebenden Verschlimmerung Bedeutung zu. Angesichts
des Gesagten ist eine unfallbedingte Genese nicht überwiegend wahrscheinlich
nachgewiesen.
6.
6.1 Demnach bleibt die Leistungseinstellung in Bezug auf die unfallbedingte
Seitenbandzerrung zu prüfen. Beim Nachweis des Zeitpunkts des Dahinfallens von
Unfallfolgen handelt es sich um einen hypothetischen Zustand, der sich häufig anhand
der medizinischen Erfahrung bestimmen lässt. Diese bezieht sich auf den Regelfall, d.h.
auf medizinische Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich dargestellt haben. Eine
Ausnahme von der Regel ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie sich
eben als solche präsentieren. In diesem Sinn ist die Bezugnahme auf medizinische
Erfahrungssätze dann ungenügend, wenn sie im konkreten Fall keine Grundlage findet.
Dr. H._ geht in ihren Beurteilungen von einer Heilung der Seitenbandzerrung nach
maximal sechs Wochen aus (Suva-act. 21, 34). Die Leistungseinstellung durch die
Beschwerdegegnerin erfolgte aufgrund der länger dauernden Abklärungen und der
schwierigen Trennung der unterschiedlichen Diagnosen am linken Knie - Meniskusriss,
Seitenbandzerrung - erst per 24. Januar 2017, d.h. rund 13 Wochen nach dem Unfall.
6.2 Bei einer Bänderzerrung, die nicht von einer strukturellen Läsion begleitet ist,
handelt es sich um eine einfache Weichteilverletzung, welche nach der medizinischen
Erfahrung auch ohne spezifische Behandlung innert kurzer Zeit folgenlos abheilt und
bei der sich die damit verbundenen Beschwerden demzufolge gänzlich zurückbilden
(vgl. DEBRUNNER, a.a.O., S. 412, 1096 f.). Im konkreten Fall ist gegen eine
Leistungseinstellung spätestens per 24. Januar 2017 nichts einzuwenden. So weist in
den Akten nichts auf einen Ausnahmefall mit einer längeren Heilungsdauer der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Seitenbandzerrung hin. Als Unfallereignis ist ein Ausrutschen bzw. Stolpern mit Sturz
auf das linke Knie aktenkundig (Suva-act. 1, 15). Hinweise auf besondere Umstände,
welche auf einen Sturz von besonderer Schwere hindeuten könnten, sind weder
aktenkundig noch werden solche vom Beschwerdeführer geltend gemacht. Die
Beschwerdegegnerin weist in der Beschwerdeantwort vom 28. September 2017
einleuchtend darauf hin, dass offenbar von Anfang an kein grosser Leidensdruck
bestanden habe. Aktenkundig ist echtzeitlich nur die Konsultation bei Dr. C._ am 8.
November 2016 (Suva-act. 15). Zudem wurde der Beschwerdegegnerin der Unfall erst
am 23. Januar 2017 gemeldet (Suva-act. 1). Von Bedeutung ist jedoch insbesondere
auch, dass Dr. E._ im Untersuchungsbericht vom 24. Januar 2017 über seine
Untersuchung vom 1. Dezember 2016 in Kenntnis des MRI-Untersuchungsbefundes
vom 14. November 2016, und damit auch der Seitenbandzerrung, nichts zu dieser
notierte, sondern sich einzig zur kernspintomographisch nachgewiesenen
Meniskopathie mit Zusatzfragment im Korpusbereich und entsprechender
Beschwerdesymptomatik und zum diesbezüglich geplanten Eingriff äusserte (Suva-act.
3). Hinsichtlich des Schmerzereignisses vom 23. Oktober 2016 mit anschliessender
Schwellung des Kniegelenks hielt Dr. E._ anamnestisch fest, dass sich die -
möglicherweise für unfallbedingt erachtete - Situation zwischenzeitlich wieder etwas
beruhigt habe. Unbestritten ist schliesslich, dass die Operation vom 25. Januar 2017
ausschliesslich den Meniskusschaden und nicht einen Gesundheitsschaden im Bereich
des Seitenbandes betraf.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Schlussfolgerungen von Dr. H._ in ihren
Beurteilungen vom 9. März 2017 (Suva-act. 21) und 10. April 2017 (Suva-act. 34) - der
Beschwerdeführer habe sich beim Unfall vom 23. Oktober 2016 keine Meniskusläsion
im linken Knie zugezogen, bezüglich der Meniskusläsion sei von einem degenerativen
Vorzustand auszugehen, der bei der Operation vom 25. Januar 2017 behoben worden
sei, und die beim Unfall erlittene Seitenbandzerrung im linken Knie sei mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nach maximal 6 Wochen,
vorliegend jedenfalls aber nach 13 Wochen, ausgeheilt - nachvollziehbar und schlüssig
begründet sind. Aus rechtlichen Gründen besteht kein Anlass, von ihren
Einschätzungen abzuweichen. Es liegt insbesondere keine widersprechende ärztliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beurteilung vor. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 28. Juli 2017 (Suva-act.
37), mit welchem die Beschwerdegegnerin ihre Heilbehandlungsleistungen per 24.
Januar 2017 eingestellt und damit sowohl eine weitergehende Leistungspflicht für die
Seitenbandzerrung verneint als auch ihre Leistungspflicht für die am 25. Januar 2017
durchgeführte mediale Teilmeniskektomie am linken Knie (Suva-act. 6) abgelehnt hat,
lässt sich damit nicht beanstanden.
8.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 28. Juli 2017 abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).