Decision ID: 78b2f4f3-1ccc-45d4-bdb8-04ea8c78e87f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1972,
war
ab
1. März 200
1
bei der
Y._
AG als
Fass
a
denisolierer
tätig (
Urk. 7/8
).
Unter Hinweis auf
bei
einem
Unfall vom
9. Mai 2017 zugezogene Beschwerden
der rechten Hand und des linken Fusses
meldete sich der Versicherte am
10. Oktober 2017
bei der
Eidgenössischen
Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/2 Ziff. 6
). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerb
lich
e Situation ab.
Nach durchgeführten Eingliederungsmassnahmen (Frühinter
vention mit Anpassungen am Arbeitsplatz und Ausbildungskurse) und der Ge
währung eines Einarbeitungszuschusses
nahm
der Versicherte eine neue Tätigkeit bei der
Y._
als Assistent der Projektleitung auf (
vgl.
Urk. 7/16-18,
Urk. 7/26,
Urk. 7/36,
Urk.
7/45 S. 2 unten
). Am 28. Januar 2019
(Urk. 7/43)
teilte die IV-Stelle
dem Versicherten mit
, er
sei erfolgreich und rentenausschliessend einge
gliedert. Ein Rentenanspruch bestehe nicht. Ein solcher könne erst nach Beendi
gung der Eingliederungsmassnahmen entstehen und zusätzlich seien
seine
Erwerbs
ein
bussen zu gering.
Am
3
0
. Oktober
201
9
kündigte die
Y._
dem Versicherten seine Arbeitsstelle als Assistent Projektleitung per 29. Februar
2020 (
vgl.
Urk.
7
/
55
).
Mit Schreiben vom
14. November 2019 (Urk. 7/56) machte der Versicherte gegenüber der IV-Stelle mit Hinweis auf die Kündigung seiner Arbeitsstelle einen Revisionsgrund geltend und ersuchte um erneute Prüfung seines Leistungsanspruches.
Die IV-Stelle klärte in der Folge erneut die medizinische und erwerbliche Situation ab.
Mit Verfügung vom 11. Juni 2020 (Urk. 7/76) verneinte
sie
einen Leistungs
an
spruch
.
1.2
Mit Schreiben vom 24. Dezember 2020 (Urk. 7/83) ersuchte der Versicherte mit Hinweis auf seine Kündigung bei der
Y._
um
Gewährung
einer
Umschulung.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk
.
7
/92, Urk. 7/94) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
21. Mai 2021
(Urk. 2)
einen Leistungsanspruch
.
2.
Der Versicherte erhob am
22
.
Juni 2021
Beschwerde (Urk. 1) gegen die Verfügung vom
21. Mai 2021
und beantragte, dies
e sei aufzuheben und es
sei
die Be
schwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die gesetzl
ichen Leistungen basierend auf
einem Invaliditätsgrad von 29 % zuzusprechen und auszurichten
(S.
3
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
27. August 2021 (Urk. 6
) Abweisung der Beschwerde
, was
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
30. August 2021
zur Kenntnis gebracht
wurde
(Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Für die Umschreibung des Prozessthemas ist nach den Regeln über den
Anfech
tungs
- und Streitgegenstand zu verfahren. Streitgegenstand im System der nach
träglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rah
me
n des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den aufgrund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegen
stand bildet.
An
fechtungsgegenstand und Streitgegenstand sind identisch, wenn die Verfü
gung
insgesamt angefochten wird. Bezieht sich demgegenüber die Beschwerde nur auf einzelne der durch die Verfügung bestimmten Rechtsver
hältnisse, gehören die nicht beanstandeten Rechtsverhältnisse zwar wohl zum Anfechtungs-, nicht aber zum Streitgegenstand (BGE 130 V 501 E. 1.1).
Hauptsächlich aus
dem
dem
vorliegenden Verfahren als Neuanmeldung zugrun
de
liegenden Schreiben vom 24. Dezember 2020 (Urk. 7/83; «möchte ich die IV-Stelle hiermit bitten, meinem Klienten nach erfolgter Kündigung seitens seines Arbeitgebers berufliche Massnahmen - namentlich eine Umschulung
–
zuzu
spre
chen»)
,
dem
Antrag
in der Beschwerde vom 2
2.
Juni 2021
«
[...] die Beschwer
de
gegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistun
gen basierend auf einem Invaliditätsgrad von
29 % zuzusprechen» (Urk. 1 S. 3
)
-
ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht ab einem Inva
liditätsgrad von 40 %
-
und der
en
Begründung (
insbesondere
S. 17 f
.) ergibt sich, dass der B
eschwerde
führer die leistungsab
weisende Ver
fügung vom
21
.
Mai
2021
(Urk. 2) dahin
ge
hend anficht, dass er eine Umschulung verlangt. F
olglich ist im vorliegenden Ver
fahren nur die Umschulung Streitgegenstand u
nd auch nur diese Frage Pro
zess
thema.
2.
2.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige beruf
liche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
2.2
Gemäss Art. 17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf
eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Abs. 1). Als Umschulung gelten gemäss Art. 6 Abs. 1
der
Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV)
Ausbildungsmassnahmen, die Versi
cherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Auf
nahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benöti
gen.
Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumut
baren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbs
ein
busse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b, je mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_266/2021 vom 13. Juli 2021 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
3.
3
.1
Die Beschwerdege
gnerin
begründete
i
hre
leistungsabweisende
Verfügung
vom 21. Mai 2021
(Urk. 2)
damit
,
das
Leistungsbegehren
des Beschwerdeführers sei
am 11.
Juni 2020 abgewiesen
worden.
Die Prüfung der Aktenlage zeige keine Veränderung (S. 1).
Medizin
isch
-theoretisch könne der Beschwerdeführer eine einfache, gut strukturierte und körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbe
lastende Tätigkeit zu einem Pensum von 100
% wahrnehmen. Es sei davon auszu
gehen, dass für die Entlassung arbeitsplatzspezifische Umstände verantwortlich gewesen seien.
Damit bestehe auch kein Grund, da
s
Invalideneinkommen analog
der Suva auf Basis des Hilfsarbeitereinkommens gemäss Lohnstrukturtabelle zu berechnen.
Für die Erstellung des Einkommensvergleiches habe sie berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit unterschiedlich hohe Einkommen erzielt habe. Sie habe deshalb die abgerechneten Einkommen der Jahre 2012 bis 2016 per 2021 kaufkraftbereinigt und davon das arithmetische Mittel gebildet, was ein
Valideneinkommen
von Fr. 97'241.
--
ergebe. Das Invali
deneinkommen habe sie auf der Grundlage des Einkommens, das der Beschwer
deführer als Projektleitungsassistent erhalten habe, berechnet. Das habe für die Monate Januar bis Oktober 2019 Fr. 63'560.
--
betragen. Aufgerechnet auf ein ganzes Jahr und kaufkraftbereinigt per 2021 entspreche dies Fr. 76'272.
--
. Daraus ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 22 %.
Dadurch ändere sich nichts am Um
stand, dass nach den Massnahmen der beruflichen Eingliederung ein rentenaus
schliessendes Einkommen erzielt werden könne.
Der Vollständigkeit halber habe sie auch unter der Prämisse, dass
der
Beschwerdeführer als Hilfsarbeiter arbeiten müsste, einen Einkommensvergleich erstellt. Dadurch sei ein tieferes Invaliden
einkommen von Fr. 69'475.
--
für das Jahr 2021 anzuwenden. Daraus ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 29 %. Auch in diesem Fall könne ein rentenaus
schlies
sendes Einkommen erzielt werden. Eine Umschulung auf Hilfsarbeiten sei nicht möglich, da für diese per Definition keine Ausbildung notwendig sei.
Auch nach erneuter Prüfung könne keine gesundheitliche Verschlechterung
festgestellt
wer
den, die
Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung begründe (S. 2 f.).
3
.2
Der Beschwerdeführer
machte
in seiner Beschwerde
vom 22. Juni 2021 (Urk. 1)
geltend
, dass
zufolge der invaliditätsbedingten Kündigung seiner Anstellung als
Projektleitungsassistent bei der
Y._
ein Revisionsgrund gemäss Art. 17 ATS
G vorliege
(S. 4, S. 5-10)
.
Im
Rahmen eines Einkommensvergleichs gemäss Art. 16 ATSG
könne
zur Ermittlung des massgebenden Invalideneinkommens nicht mehr auf das bei der
Y._
vorübergehend tatsächlich erzielte Einkommen von Fr. 76'272.-- als Projektleitungsassistent abgestellt werden. Stattdessen sei ab Kündigungszeitpunkt und Verlust des Einkommens bei der
Y._
das Invali
den
einkommen neu auf Basis der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
zu ermitteln. In Anwendung der LSE 2018 TA1 im Totalwert für das Kompetenzniveau 1
müsse
neu ein tieferes Invalideneinkommen von
Fr.
69'475.
--
angenommen
werden und hieraus
ergebe sich
eine Erhöhung des Invaliditätsgrads von bisher
22
%
auf neu 29
%
(S. 4, S. 10-16)
. Jedenfalls seien ihm
unabhängig vom Invalidi
t
ätsgrad (22
%
oder
29
%
) berufliche Massnahmen
insbesondere in Form einer Umschulung
zuzu
sprechen
(S.
4, S. 16-
18
).
3.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
der
Beschwerdeführer Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
in Form einer Umschulung
hat
.
Zu Recht u
nbestritten ist
dabei
, dass der Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht
seit seinem Unfall am 9.
Mai 2017
dauerhaft
in seiner angestammten Tätigkeit als Fassadenisolierer
nicht mehr
, jedoch in einer angepassten einfachen, gut strukturierten und körperlich leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit zu einem Pensum von 100 %
arbeitsfähig ist
(vgl. E. 3.1
, Urk.
1 S. 3 Mitte
, Urk. 7/94 S. 1 Mitte
,
Urk. 7/91 S. 3-6
,
insbesondere S. 6 Mitte).
Ebenso
ausgewiesen und
unbestritten
ist, dass der Beschwerdeführer
mindestens zu
22
% invalid ist und damit die für einen Umschulungsanspruch notwendige Schwelle eines 20%igen Invaliditätsgrades überschritten
ist
(vgl.
E. 2.2,
E.
3
.
1-2
,
Urk. 7/
99
)
.
F
ür die Beurteilung des Umschulung
sanspruches
spielt es
keine Rolle, ob der Invaliditätsgrad 22 % oder 29 % beträgt.
Die
se
Frage braucht daher nicht abschliessend beantwortet zu werden.
4.
4.1
Die sich aus
Art.
8
Abs.
1 IVG ergebenden Teilgehalte des Verhältnis
mässig
keits
grundsatzes werd
en bei der Umschulung nach Art.
17 IVG voll wirksam. Die Invalidenversicherung hat nur umzuschulen, soweit dies zur Wiedereinglie
de
rung, begrenzt durch das vor dem Invaliditätseintritt innegehabte Erwerbsniveau
,
notwendig (erforderlich) ist. Weiter verlangt ist die Eignung der Massnahme, aber auch Eignung der versicherten Person, das heisst, diese muss objektiv und sub
jektiv eingliederungsfähig sein.
Dabei ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (vgl. E. 2.1-2,
Meyer/Reichmuth, Bundes
gesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
45 zu Art. 17).
Der Beschwerdeführer ist in seiner ursprünglichen Tätigkeit als Fassadenisolierer auf Dauer nicht mehr arbeitsfähig, woraus
ohne zusätzliche berufliche Ausbil
dung eine
für einen Umschulungsanspruch
wesentliche Erwerbseinbusse von min
destens
20
%
resultiert
(
vgl.
E. 2.2, E. 3.3
vorstehend
)
.
Um die durch die Inva
li
dität erlittene Erwerbseinbusse dauerhaft
auszugleichen
, ist eine Umschulung not
wendig.
Diese
ist
weiter
geeignet,
die
wegen des Eintritts der Invalidität
ver
lor
en gegangenen Erwerbsfähigkeit so weit
als möglich
zu verbessern
.
Nach
erfol
g
ter Umschulung
ist
ein höheres - dem Verdienst als Fassadenisolierer an
nähernd gleichwertiges - Einkommen zu erwarten
, wogegen ohne eine Umschulung lediglich der
Verdienst entsprechend einem ungelernten Hilfsarbeiter
zu erwarten ist
. Objektiv ist der Beschwerdeführer eingliederungsfähig, ist er doch
in einer angepassten einfachen,
gut strukturierten und körperlich leichten bis mittel
schweren, wechselbelastenden Tätigkeit zu 100
% arbeitsfähig
(
vgl.
E. 3.3
vorste
hend
). Hinweise auf eine subjektive Eingliederungsunfähigkeit im Sinne einer Ein
gliederungsunwilligkeit sind keine aktenkundig. Vielmehr
bekräftige
der Be
schwerdeführer
mit seiner Anmeldung vom 24. Dezember 2020 den Willen zur Durchführung einer Umschulung
(Urk. 7/
83
).
Der Beschwerdeführer hat Jahrgang
1972 (Urk. 7/2 Ziff. 1.1)
. D
emnach ist auch die Dauer des zu erwartenden Erwer
bs
lebens
erheblich.
Nach dem Gesagten besteht grundsätzlich ein Anspruch auf eine Umschulung.
4.2
4.2.1
Die Beschwerdegegnerin verwies für die Verneinung eines Anspruches auf Um
schulung unter anderem auch auf die Tatsache, dass es dem Beschwerdeführer möglich sei, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Diesbezüglich ist klarzustellen,
dass
alleine
der
Umstand, dass der Beschwerdeführer ein rentenaus
schliessendes Einkommen erzielen könnte, nichts über den Anspruch auf eine Umschulung
aus
sagt, unterscheiden sich doch die gesetzlichen Voraussetzungen
für einen Umschulungsanspruch
von denjenigen eines Rentenanspruches mass
geblich
(vgl. E. 2.1-2 für die Voraussetzungen der Umschulung und
Art.
28 IVG für die Voraussetzungen für eine Invalidenrente)
.
Die Beschwerdegegnerin verneinte
den
Anspruch
auf Umschulung
weiter
im Wes
entlichen mit zwei Argumenten.
Einerseits sah
sie
den Anspruch beim Beschwer
deführer als Hilfsarbeiter als grundsätzlich nicht gegeben an, ander
er
seits begrün
dete sie
den
fehlenden Anspruch auch mit der
mangelnden
gesundheitlichen Verschlechterung seit der letzten Prüfung (E. 3.1).
4.2.2
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist bei Hilfsarbeitern nicht per se ein Umschulungsanspruch ausgeschlossen.
So differenziert der Invaliditäts
be
griff nach Art 17 IVG nicht nach dem Vorhandensein oder dem Fehlen einer beruflichen Ausbildung. Bei der Prüfung des Umschulungsanspruches ist auch eine anderer Weise erfolgende generelle Unterscheidung zwischen Versicherten mit und ohne Berufsausbildung nicht zulässig. Daher sind grundsätzlich auch Un
gelernte umschulungsberechtigt, wenn erst der andauernde und erhebliche Gesundheitsschaden ihnen die Ausübung der bisherigen Hilfsarbeit - wie vorlie
gend dem Beschwerdeführer die Tätigkeit als Fassadenisolierer (E. 3.3)
–
verun
möglicht (Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auf
l
age 2014,
Rn
5 zu Art. 17). Entscheidendes Kriterium ist einzig die Erwerbs
einbusse von mindestens 20 %, welches der Beschwerdeführer erfüllt (vgl. E. 2.2, E. 3.3, Meyer/Reichmuth, a.a.O.
,
Rn
4 zu Ar
t.
17).
4.2.3
Was das Argument betreffend
die mangelnde
gesundheitliche Verschlechterung angeht, ist
zwar
richtig, dass das Bundesgericht
in
BGE 105 V 173 entschieden
hat
, dass Eingliederungsleistungen gleich wie Renten zu behandeln sind und dem
zufolge Art. 17 ATSG sowie die dazugehörigen Verordnungsbestimmungen in analoger Weise auch auf die Revision von Eingliederungsleistungen angewendet werden
, vorliegend ist jedoch eine solche Überprüfung nicht angezeigt
, denn
e
ine inhaltliche Prüfung
des Anspruches auf eine Umschulung
hat
nie
stattgefunden
.
Mit Mitteilung vom 28. Januar 2019 (Urk. 7/43) verzichtete die Beschwerde
geg
nerin nach durchgeführten Frühinterventionsmassnahmen
(Anpassungen am Arbeitsplatz und Ausbildungskurse) und der Gewährung von Einarbeitungs
zu
schüssen
(
vgl. Urk. 7/16-18, Urk. 7/26, Urk. 7/36, Urk. 7/45 S. 2 unten
)
unter Hin
weis auf eine
rentenausschliessende Eingliederung
auf weitere Massnahmen.
Bei
den Frühinterventionsmassnahm
en
,
im IVG unter dem Kapitel «B. Massnah
men de
r Frühintervention» abgehandelt
,
steht im Gegensatz zu den beruflichen Mass
nahmen
,
im IVG unter im Kapitel «C. Eingliederungsmassnahmen und Tag
gelder»
geführt
, zu welchen auch die Umschulung zählt, der Erhalt des Arbeits
platzes innerhalb oder ausserhalb des bisherigen Betriebes im
Vordergrund
(Art.
7d Abs.
1
IVG).
Massnahmen der Frühintervention stellen keine Eingliede
rungs
massnahmen dar (Urteil des Bundesgerichts 8C_374/
2021 vom 13.
August 2021 E. 4.3.3).
Die Voraussetzungen
für die
Gewährung von Frühinterventions
mass
nahmen und
auf eine
Umschulung unterscheiden sich denn auch wesentlich. Bei
den gewährten Ausbildungskursen
als Frühinterventionsmassnahmen
nach Art.
7d
Abs.
2
lit
.
b IVG geht es darum mit verhältnismässigem Ausbildungsauf
wand die Eingliederungschancen zu erhöhen (vgl. Kreisschreiben über die Früh
erfassung
und die Frühintervention [KSFEFI], Stand 1. Januar 2018,
Rz
3012.2.). Eine
eigent
liche Abklärung, ob der Beschwerdeführer
über die notwendigen (
kauf
männischen,
sprachlichen und intellektuellen)
Fähigkeiten für die bei der ehe
maligen Arbeit
geberin vorgesehene Aufgabe als Assistent Projektleitung
über
haupt verfügt und damit für diese Stelle geeignet sein würde, wurde nicht durch
geführt (
vgl. Das Formular zur Arbeitsplatzabklärung für CARE vom 27. Juni
2018 [
Urk.
7/33] betreffend die
Anpassung
smassnahmen am
Arbeitsplatz
und das
Protokoll
über die Eingliederungsberatung vom 28. Januar 2019
[
Urk. 7/44
]
).
Es zeigte sich dann in der Folge auch, dass er
aufgrund seiner Fähigkeiten
der Aufgabe nicht gewa
chsen war (vgl.
Urk. 3/11 S. 1 unten und S. 2 oben,
Urk.
7/
55, Urk. 7/87/3-4 S. 2 oben
).
Im Gegensatz dazu wird bei der Prüfung eines Anspruches auf Umschulung im Speziellen auch die Geeignetheit einer versicherten Person für die in Aussicht genommene Ausbildung geprüft (vgl. Kreisschreiben über die Eingliederungs
massnahmen b
eruflicher Art [KSBE], Stand 1.
Januar 2020,
Rz
4010).
Zudem gilt
selbst bei einer erfolgten Umschulung, dass wenn eine versicherte Person eine Ausbildung auf einen bestimmten Arbeitsplatz erhalten hat, die sich in Berück
sichtigung der langfristigen Bewegungen des Arbeitsmarktes als eine zu schmale Basis für die Vermittelbarkeit erweist und sie deshalb den Arbeitsplatz verloren hat, sie eine erneute Umschulung beanspruchen kann (KSBE
Rz
4019). Darum gilt umso mehr, wenn noch überhaupt keine Umschulung geprüft wurde und lediglich Ausbildungskurse im Rahmen einer Frühintervention zugesprochen wurden, dass bei der Erfüllung der Voraussetzungen für eine
n
Umschulungsanspruch - was wie vorliegend aufgezeigt der Fall ist (E. 4.1 vorstehend) - ein solcher anzuerkennen ist.
Mit Verfügung vom 11. Juni 2020 (Urk. 7/76) verneinte die Beschwerdege
g
nerin einen Leistungsanspruch
im Wesentlichen mit der Begründung, dass der Be
schwerdeführer ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne und k
ein medizinischer Bericht vorlie
ge, der eine lang andauernde Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen attestieren würde (S. 2)
.
Auch damals wurden die Voraussetzungen für eine Umschulung nicht geprüft
(vgl. ver
sicherungsinterne Feststellungsbl
ätter vom 8. April und 11. Juni 2020 [Urk. 7/68, Urk. 7/75]
)
.
Nach dem Gesagten
verfängt
das Argument der Beschwerdegegnerin für die Ver
neinung eines Umschulungsanspruches mit
dem
Verweis auf den gesundheitlich unveränderten Zustand nicht.
4.3
Zusammenfassend erfüllt der Beschwerdeführer die Voraussetzungen
für eine
Um
schulung (E. 4.1) und die von der Beschwerdegegnerin angeführten Argu
mente für die Verneinung eines Umschulungsanspruches verfangen nicht (E. 4.2)
.
Dies führt zur Gutheissung der
Beschwerde
. Die
Verfügung vom 21.
Mai 20
2
1
ist
daher
aufzuheben mit der Feststellung
, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Umschulung hat, soweit die übrigen Voraussetzungen für eine solche erfüllt sind.
5
.
5
.1
Im vorliegenden Verfahren geht es um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen, weshalb das Verfahren kostenpflichtig ist. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
7
00.--
fest
zusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie von der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu tragen.
5
.2
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat grundsätzlich die obsiegende Beschwer
de führende Person, die erhebliche Auslagen im Rahmen des Prozesses gehabt hat (vgl.
Art. 61
lit
. g ATSG). Nach § 34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialver
si
cherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Die Entschädigung ist unter Berücksichtigung der genannten Kriterien nach Ermessen auf Fr. 2’200.-- (ink
lusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die Beschwerdegegnerin ist in der Folge zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigun
g in diesem Umfang zu bezahlen.