Decision ID: ae0582d6-4288-4508-9f57-e6c99b178e1f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, arbeitete vom 15. Mai 2006 bis zum 30. November 2013 (letzter effektiver Arbeitstag: 23. August 2013) bei der
Y._
AG als Elektromonteur (Urk. 8/25). Das Arbeitsverhältnis wur
de von der Arbeit
geberin wegen langanhaltender krankheitsbedingter Absenzen aufgelöst (Urk. 8/23). Am 25. Juli 2013 (Datum des Posteingangs) meldete sich der Versi
cherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/12). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten der Krankentaggeldversicherung Allianz Suisse Versicherungs
gesell
schaft bei (Urk. 8/18/1-28). Ausserdem holte sie den Arbeit
geberbericht der
Y._
AG vom 4. Dezember 2013 (Urk. 8/25) sowie die Arztberichte von Dr.
Z._
,
Fachchiropraktor
SCG/ECU vom 19. November 2013 (Urk. 8/24) und von Dr. med.
A._
, Fachärztin für Neurologie FMH, vom 14. Januar 2014 (Urk. 8/26) ein. Am 22. Januar 2014 teilte die IV-Stelle
X._
mit, die Abklärungen hätten ergeben, dass keine beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen möglich seien. Es werde der Anspruch auf eine Rente geprüft (Urk. 8/28). In der Folge zog die IV-Stelle weitere Akten von der Alli
anz bei (Urk. 8/33/1-48, Urk. 8/34/1-22) und holte den Arztbericht von Dr. med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 20. Mai 2014 (Urk.
8
/36) ein. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er im Rahmen seiner Schaden
minderungspflicht gehalten sei, eine nach
haltige fachärztliche Psycho- und Pharmakotherapie durchzufüh
ren. Nehme er an den entsprechenden Mass
nahmen nicht teil, könne dies dazu führen, dass auf zukünftige Leistungs
gesuche nicht eingetreten
werde
oder diese abgewiesen würden (Urk.
8
/47). Mit Vorbescheid vom 1. Dezember 2014 stellte die IV-Stelle sodann die Abweisung des Anspruches auf IV-Leistungen in Aus
sicht, da der Invaliditäts
grad lediglich 11 % betrage (Urk.
8
/48).
Am
3.
Dezember 2014 ging bei der IV-Stelle der
Arztbericht von Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Allge
meinmedizin, vom 25. Novem
ber 2014 ein (Urk.
8
/50/1-4, unter Beilage diverser weiterer Arzt
berichte, Urk.
8
/50/5-74). Am 8. Dezember 2014 (Urk.
8
/52) bzw. am 6. Januar 2015 (Urk.
8
/55) erhob
X._
durch Rechtsanwalt Oskar
Gysler
gegen den Vorbescheid vom 1. Dezember 2014 Ein
wand. Mit neuem Vorbescheid vom 9. April 2015 teilte die IV-Stelle dem Versi
cherten abermals mit, sein Leistungs
begehren müsse abgewiesen werden, da der Invaliditätsgrad
nur
14 % betrage (Urk.
8
/61). Gegen diesen Vorbescheid erhob
X._
am 13. April 2015 (Urk.
8
/62) bzw. am 21. April 2015 (Urk.
8
/64) durch Rechtsanwalt
Gysler
Einwand. Mit Verfügung vom 10. Juni 2015
verneinte
die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk.
8
/67
).
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch Rechtsanwalt
Gysler
am
2
3.
Juni 2015 (
Urk.
8/70/1-9) Beschwerde, unter anderem unter Beilage des Arztberichts von
Dr.
B._
vom
3.
Juli 2015 (Urk. 8/70/15-16). Am 2
0.
Juli 2015 (
Urk.
8/71/1-4) reichte der Versicherte den Austrittsbericht des
Rehaz
entrums
D._
vom 1
3.
Juli 2015 (Urk. 8/71/5-8) über den stationären Aufenthalt vom 1
5.
Juni 2015 bis zum 3. Juli 2015 zu den Akten. Am 1
8.
Januar 2017 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/80). Die IV-Stelle bestätigte den Eingang des Gesuchs und sistierte es bis zum Vorliegen des rechtskräftigen Entscheids über die Beschwerde gegen die Ver
fügung vom 1
0.
Juni 2015 (
Urk.
8/84). Mit Urteil vom
7.
Februar 2017 hob das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich die Verfügung vom 1
0.
Juni 2015 auf und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit diese nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen,
über den Leistungsanspruch des Versi
cherten
neu verfüge (
Urk.
8/85).
1.2
Am 1
2.
April 2017 (
Urk.
8/90) reichte
X._
der IV-Stelle den Bericht von
Dr.
B._
vom 1
2.
Ap
ril 2017 (
Urk.
8/89) ein, in welchem dieser zu den im Urteil des Sozialversicherungsgerichts aufgeworfenen Fragen Stellung nahm.
Die IV-Stelle holte in der Fol
ge das
bidisziplinäre
(psychiat
risch/rheu
matologisch) Gutachten
von
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
und
Dr.
med.
F._
, Facharzt
FMH
für Innere Medizin
, spez.
Rheuma
tologie
, vom
1
3.
September 2017 ein (
Urk.
8/101).
Mit Schreiben vom 28. Oktober 2017 ersuchte der Hausarzt
Dr.
C._
die IV-Stelle darum, dem Versicherten möglichst bald fina
nzielle Leistungen zuzusprechen
, da er seine Rechnungen nicht mehr bezahlen könne und deshalb sehr verzweifelt sei
(Urk.
8/107).
Mit Vorbescheid vom 3
0.
Oktober 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sein Leistungs
begehren abgewiesen werde (
Urk.
8/105).
Am 1
2.
Dezember 2017 erhob
X._
unter Beilage der Stellungnahme von
Dr.
B._
vom
4.
Dezember 2017 (
Urk.
8/111) gegen den Vorbescheid vom 3
0.
Oktober 2017 Einwand (Urk. 8/11
2). Am 2
7.
Februar 2018 nahm
E._
zum Einwand Stellung (
Urk.
8/115). Der Versicherte äusserte sich dazu mit Eingabe vom 2
3.
März 2018 (
Urk.
8/118). Mit Verfügung vom
9.
Juli 2018 wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren des Versicherten ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch Rechtsanwalt
Gysler
am 11. September 2018 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
«
1.
Es sei dem Beschwerdeführer ab Februar 2014 eine volle IV-Rente zuzu
sprechen.
2.
Es sei festzustellen, dass das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers ver
letzt wurde.
3.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Kosten von CHF 2'400.- für die ausführlichen Berichte
von
Dr.
med.
B._
zu ersetzen.
4.
Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen a
n die Vorinstanz zurückzuweisen.
5.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zu Lasten der Beschwerdegegnerin.»
Die Beschwerdegegnerin ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
November 2018 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Der Beschwerdeführer verzichtete auf Replik (
Urk.
9-12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose
und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
143 V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.1.4
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschränkun
gen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141
V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E.
1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9
C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E.
4.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzufüh
ren wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2
; vgl. Urteile des Bundes
gerichts 8
C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29.
Juni 2015 E. 4.2).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durch
führung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/
2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.4).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
1.5.1
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.5.2
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom 11. Juni 2019 E. 2 mit Hinweisen).
1.
5.3
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschät
zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
1.
6
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen
gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und so
mit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE
145 V 361 E. 4.3 – 4.4,
144 V 50 E. 4.3
).
1.
7
Demnach besteht zum Einen das rechtsprechungsgemässe Verbot unzulässiger juristischer Parallelprüfung im Vergleich zur Arbeitsunfähigkeitsfestlegung durch die Gutachter. Zum Anderen umschreibt BGE 141 V 281 die Befugnis, im Rahmen der (freien) Überprüfung durch den Rechtsanwender von der ärztlichen Folgen
abschätzung abzuweichen. Diese beiden Argumentationslinien sind wie folgt abzugrenzen: In allen Fällen ist durch den Versicherungsträger und im Beschwer
defall durch das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also substanziiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen (BGE 143 V 418 E. 6). Am Beispiel rezidivierender depressiver Entwicklungen leichten bis mittleren Grades veranschaulicht, die in der IV-rechtlichen Invaliditätsprüfung sehr oft im Vordergrund stehen, bedeutet dies: Es
genügt nicht, dass der medizinisch-psychiatrische Sach
verständige vom diagnos
tizierten depressiven Geschehen direkt auf eine Arbeits
unfähigkeit, welchen Grades auch immer, schliesst; vielmehr hat er darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde (wie beispielsweide Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebsschwäche, Müdigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, verminderte Anpassungsfähig
keit) die beruflich-erwerb
liche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-,
Plausibilisie
rungs
- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenanspre
chenden Person. Kommen die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatri
sche Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durchführungsstelle oder Gericht - Bestand haben. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (BGE 145 V 361 E. 4.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom
9.
Juli 2018 damit, dass dem Beschwerdeführer laut medizinischem Gutachten seine bis
herige Tätigkeit als Elektromonteur seit 2013 nur noch zu 50
%
zumutbar sei. Eine den gesundheitlichen Einschränkungen angepasste Tätigkeit sei ihm dage
gen zu 100
%
zumutbar.
Der Einkommensvergleich ergebe eine Einkom
mensein
busse von 10
%
, womit kein Rentenanspruch bestehe (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer macht
e
dagegen
geltend, die Beschwerdegegnerin sei dem Urteil des Sozial
versicherungsgerichts des Kantons Zürich vom
7.
Februar 2017
nicht nachgekommen, wonach abzuklären gewesen wäre, ob und inwiefern sich bei objektiver Zumutbarkeitsbeurteilung anhand der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit ergebe.
Weder das eingeholte Gutachten noch die angefochtene Ver
fügung nähmen auf die Standardindikatoren Bezug. Mit deren Beurteilung durch
Dr.
B._
setze sich die Beschwerdegegnerin nicht auseinander, womit sie das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt habe. Im Gegensatz zu den von der Beschwerdegeg
nerin beauftragten Gutachtern und der Beschw
erdegegnerin selber habe
Dr.
B._
eine umfassende Beurteilung der S
tandardindi
katoren vorgenommen und sei nachvollziehbar zum Ergebnis gelangt, dass aus psychiatrisch-psychosoma
ti
schen Gründen beim Beschwerde
führer keine Ar
beitsfähigkeit mehr vorhanden sei. Insofern eine vollständige Arbeitsunfähig
keit nicht als ausgewiesen erachtet werde, sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerde
geg
nerin zurückzuweisen.
Angesichts der unge
nügenden Sachverhaltsab
klärungen durch die Beschwerdegegnerin seien die zwei ausführlichen Berichte von
Dr.
B._
für die Beurteilung de
r Arbeitsfähigkeit unerlässlich. Die Kosten für diese Berichte seien daher von der Beschwerde
gegnerin zu erstatten (
Urk.
1).
2.3
In der Beschwerdeantwort vom 2
0.
November 2018 (
Urk.
7) führte die Beschwer
degegnerin aus, rechtsprechungsgemäss liege kein versicherter Gesundheits
scha
den vor, wenn die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruhe. Soweit der Beschwerdeführer beanstande, die Beschwerde
gegnerin habe das rechtliche Gehör verletzt, indem sie keine Prüfung der Standardindikatoren vorgenommen habe, übersehe er, dass eine solche vorlie
gend obsolet sei.
3.
3.1
Zunächst ist — da formeller Natur (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1, 127 V 431
E. 3d/
aa
) — die Rüge des Beschwerdeführers zu prüfen, wonach die Beschwerde
gegnerin in der angefochtenen Verfügung vom
9.
Juli 2018 (
Urk.
2) nicht ansatz
weise auf die Standardindikatoren Bezug nehme. Mit der Beurteilung der Standardindikatoren durch
Dr.
B._
setze sich die Beschwerdegegnerin nicht auseinander. Damit habe sie den Anspruch
des Beschwerdeführers
auf rechtliches Gehör verletzt (Urk. 1 S.
5 f.)
.
3.2
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende – Ver
let
zung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhö
rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
3.3
Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs hat insoweit grundsätzlich ihre Berechtigung, al
s die angefochtene Verfügung
vom
9.
Juli 2018 (
Urk.
2)
nicht die zu erwartende Begründungsdichte aufweist. Zwar darf sich die Beschwerde
geg
nerin auf die für den Entscheid massgebenden Gesichtspunkte beschränken. Konkret wäre jedoch eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Stellungnahmen des
Beschwerdeführers vom 1
2.
Dezember 2017 (
Urk.
8/111) und vom 2
3.
März 2018 (
Urk.
8/118) zu erwarten gewesen.
Eine schwere, die Heilung des Verfahrensmangels ausschliessende Gehörsver
let
zung, welche von Amtes wegen zur Aufhebung der mit dem Verfahrensfehler behafteten Verfügung führen würde (vgl. BGE 124 V 180 E. 4a mit Hinweisen), liegt allerdings nicht vor.
Die
Beschwerdegegnerin
präzisierte
ausserdem
den angefochtenen Entscheid im Rahmen des Rechtsmittel
verfahrens (Urk.
7
),
indem sie sich auf den Standpunkt stellte, dass vorliegend gar keine Prüfung der Standardindikatoren vorzunehmen sei
, wozu der Beschwerdeführer wiederum Gelegenheit hatte, sich zu äussern.
Ob diese Annahme der Beschwerdegegnerin zutrifft,
wird nachfolgend
bei der materiellen Beurteilung
zu prüfen sein.
Im Weiteren
sprechen
verfahrensökonomische Gründe gegen die Aufhebung der angefochtenen Verfü
gung verbunden mit einer Rückweisung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs. In Anbetracht der konkreten Gegebenheiten würde ein solches Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und unnötigen Verzögerun
gen führen, was mit dem Interesse der versicherten Person an einer möglichst beförderlichen Beurtei
lung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren wäre (vgl. BGE
142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen). Eine Rückweisung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs wird vom Beschwerdeführer denn auch nicht verlangt
, eine solche beantragt er lediglich eventualiter zur Vornahme weiterer Abklärungen
(Urk. 1
S. 2
).
4
.
4
.1
Gemäss dem Bericht des
Fachchiropraktoren
Dr.
Z._
vom 19. November 2013 (Urk.
8
/24) bestehen beim Beschwerdeführ
er ein persistierendes
zervikos
pondy
logenes
Schmerzsyndrom links/
zervikoradikuläres
Schmerz
syndrom C6 links, bei ausge
prägter Segmentdegeneration C5/C6 mit foraminaler Stenose und möglicher Irritation C6 links, myofaszialer Befunde der Nacken-/Schulter
muskulatur und Insuffizienz der Nacken-/Schultermuskulatur sowie ein persis
tierendes
Costo
transversalsyndrom
links, bei leichter Spondylose T6-T9 sowie erosiver
Osteo
chondrose
T8/T9. In seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Elekt
riker sei der Beschwerdeführer vom 1. April bis zum 9. Juni 2013 zu 100 %, vom 10. Juni bis zum 23. August 2013 zu 50 % und ab dem 24. August 2013 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Es bestehe eine deutlich verminderte Belastbarkeit bei der Arbeit als Elektriker, bei Überkopf
arbeiten, Tragen und Heben von Lasten sowie Arbeiten in ungünstiger ergono
mischer Position. Ein 50%iger Arbeitsversuch sei vom
Beschwerdeführer nicht toleriert worden, es sei zu einer deutlichen Schmerz
exazerbation gekommen. Eine alternative Tätigkeit im Rahmen eines technischen Dienstes/Hausunterhalts bzw. im Verkauf von leichten Elektroartikeln sei in einem 50%-Pensum mög
lich. Es müsste dazu ein probatorischer Ansatz gewählt werden.
4
.2
Laut dem Arztbericht der Neurologin Dr.
A._
vom 14. Januar 2014 (Urk.
8
/26) bestehen beim Beschwerdeführer linksseitige
Zervikobrachialgien
, ohne sensomotorisches Defizit, eine hochgradige Spondylose bei
Osteochond
rose
auf Höhe HWK 5/6 und HWK 6/7 mit konsekutiver mittelgradiger Stenose foraminal auf Höhe HWK 5/6
bds
., weniger ausgeprägt auf Höhe HWK 6/7
bds
. und ein
cervikozephales
Schmerzsyndrom sowie als Nebendiagnosen ein persis
tierendes
Costotransversal
-Syndrom bei segmentalen Befunden mittthora
kal, eine
Lumboischialgie
links, eine leichte sensible Neuropathie des
Nervus
ulnaris
links, gelegentliche linkspektorale Beschwerden - Differential
diagnose:
coronare
Herz
krankheit bei formal grenzwertiger pathologischer ergometrischer Belas
tung, 64-Zeilen-MS-CT-Coronarunter
suchung mit 1,74
mSv
,
stenosefreien
Coronarien
,
fali
vaskuläre Risikofaktoren: Status nach langjährigem Nikotin
konsum von gegen 50
py
, behandelte Hypertonie, und verdickter Intima-Media beidseits ohne signi
fikante
Plugs
. In der Tätigkeit als Elektromonteur sei der Beschwerdeführer aktuell zu 100 % arbeitsunfähig. Es bestünden eine deutlich reduzierte psychische und physische Belastbarkeit und die Möglichkeit von unkon
zentriertem und fehlerhaftem Arbeiten. Nach entsprechenden Mass
nah
men zur Rekonditionierung und Mobilisierung und schrittweiser Steigerung des Arbeitspensums sei ein Arbeitspensum von 50 % wieder möglich. Eine defini
tive Prognose könne nicht abgegeben werden.
4
.3
Gemäss dem von der Krankentaggeldversicherung Allianz in Auftrag gegebenen Gutachten des Zentrums
G._
vom 6. März 2014 (Urk.
8
/33/15-33) bestehen beim Beschwerdeführer mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
zervikothorako
spondy
lo
genes
Syndrom linksbetont bei Wirbelsäulenfehlhaltung mit Flach
rücken und hochthorakaler
Gibbusbildung
, anamnestisch Status nach C8-Reizsyndrom, ohne strukturell zuzuordnende Veränderungen, Status nach thorakolumbalem Morbus Scheuer
mann, leichte degenerative Veränderungen der
unteren HWS, myofaszial betont,
sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
dys
funktionelles
Krankheits
verhalten, wahrscheinlich funktionelle abdominale Problematik sowie Kopf
schmer
zen, Differentialdiagnose: somatoforme Schmerzstörung, An
passungs
stö
rung. Im Rahmen der Evaluation der funktio
nellen Leistungs
fähigkeit habe der Beschwerdeführer ein ausgeprägtes
dysfunk
tionelles
Schmerzverhalten mit Schmerz- und Schonverhalten, vorzeitigem Abbruch verschiedener Tests vor Erreichen einer funktionellen Limite, Über
schreiten der
Zeitlimite
und schlechter Testkonsistenz gezeigt. Zum Teil sei das Verhalten ängstlich geprägt mit Angst vor Beschwerdeverstärkung gewesen, allerdings hätten die doch deutlichen Inkonsistenzen sowohl bei der Testsitua
tion als auch bei der klinischen Untersu
chung sich nicht erklären lassen. Es dürfte sich am ehesten um eine ungünstige Entwicklung aufgrund der unklaren beruflichen Perspektive handeln, welche vom Beschwerdeführer als belastend bezeichnet werde. Funktionelle Limiten oder Ein
schränkungen hätten nicht objektiviert werden können. Das Problem liege im ausgeprägten Schmerz- und Schon
verhalten. Die Leistungs
bereitschaft des Beschwerdeführers sei nicht zuverlässig. Die Beobachtungen bei den Tests wiesen auf eine deutliche Selbst
limitierung hin. Die Konsistenz sei schlecht und die demonstrierte Belastbarkeit nur minimal gewesen. Infolge erheb
licher Symptom
ausweitung, Selbstlimitie
rung und Inkonsistenz seien die Resulta
te der Belastbar
keitstests nicht verwert
bar. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei gutem
Effort
mehr leisten könnte. Unter Berücksichtigung der deutlichen Fehlstatik und der offen
sichtlichen Dekompensation sei davon auszugehen, dass die angestammte Tätigkeit rein leistungsmässig erheblich reduziert sei mit Gewichtsbelastungen von höchstens mittelschwer, vermehrten Pausen über den Tag verteilt und Ein
nehmen von Haltungen über den Kopf und in verdrehter Position lediglich sel
ten, entsprechend einer 50%igen Leistungs
fähigkeit ganz
tags (Arbeits
fähigkeit medizinisch-theoretisch 50 %). Angepasst sei eine wechselpositionierte (Ste
hen/Gehen und Sitzen) Tätigkeit mit Hantieren von Lasten bis mittelschwer (selten bis 20 kg ab Boden und horizontal, 15 kg über Schul
terhöhe, manchmal ab Boden und horizontal bis 12,5 kg, über Schulterhöhe 10 kg), seltenem Arbeiten über Schulterhöhe und in vorgeneigter und verdrehter Position. Eine solche Tätigkeit könne der Beschwerdeführer aus rheumatologisch-ortho
pädi
scher Sicht ganztags ausüben. Aufgrund des Verhaltens und der Symptome bestehe mit grösster Wahrscheinlichkeit eine Anpassungsstörung, welche aber aus dem rheumatologischen Fachbereich heraus eher nicht zu einer zusätzlichen Leistungsminderung führe.
4
.4
4
.4.1
Laut dem Arztbericht des Psychiaters Dr.
B._
vom 20. Mai 2014 (Urk.
8
/36) bestehen beim Beschwerdeführer ein chronisches
zervico
-thorakales Schmerz
syndrom mit progredienter Schmerzausweitung sowie eine zusätzliche An
pas
sungsstörung mit längerer depressiver Reaktion im Sinne einer mittel
schweren depressiven Episode (Differentialdiagnose: anhaltende somatoforme Schmerz
stö
rung). Aktuell sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig. Es bestehe eine starke Einschränkung der körperlichen und psychischen Leistungs
fähigkeit (schwere
Bewegungseinschränkung durch Schmerz, psychische Ein
schränkung von Ausdauer, Belastungs- und Konzentrations
fähigkeit).
4
.4.2
Im an die Taggeldversicherung Allianz gerichteten Bericht vom 15. Juli 2014 (Urk.
8
/41) hielt Dr.
B._
fest, der Versuch einer umfassenden Beurteilung einer begleitenden psychischen Dimension sei wegen der Schmerzfokussierung des Beschwerdeführers nicht ganz einfach. Diese Schmerzfokussierung könne auch als Hinweis darauf verstanden werden, dass der Beschwerdeführer sich von einer Reflexion seiner Krankheits- und Lebenssituation überfordert fühlen könnte, zu sehr und traumatisch in seinem Schmerz und seiner Angst darüber gefangen bleibend. Diagnostisch liege aus psychiatrischer Sicht eine mittel
schwere depres
sive Episode vor, wahrscheinlich ausgelöst oder verstärkt durch das schwere Schmerzsyndrom. Beide Syndrome agierten aktuell progressiv, sich verstärkend. Dem Auslöser der depressiven Symptomatik zugrunde liegen könnte eine persön
liche Vulnerabilität, möglicherweise durch kulturelle Normen verstärkt. Fasse man beide Syndrome zusammen, entspreche dies am ehesten einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Rein psychiatrisch liege die Arbeitsunfähigkeit - soweit getrennt beurteilbar - bei mindestens 50 %. Kombiniert mit der Schmerzstörung sei der Beschwerde
führer zu 100 % arbeits
unfähig. Mittel- bis langfristig scheine eine körperlich leichtere Tätigkeit im angestammten Beruf am sinnvollsten und am besten rea
lisierbar.
4
.4.3
Im zu Händen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers verfassten
Bericht vom 3. Juli 2015 (Urk. 8/70/15-16
) hielt Dr.
B._
fest, das Leiden des Beschwerde
füh
rers lasse sich aktuell als Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren (ICD-10: F.45.41) zusammenfassen. Die Arbeitsunfähigkeit aus psychiat
risch-psychosomatischer Sicht betrage 100 %.
4
.4.4
Am 1
2.
April 2017 (
Urk.
8/89)
nahm
Dr.
B._
zu Händen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers Stellung zu den Standardindikatoren
. Der Beschwerde
füh
rer stehe unter einem grossen chronischen Leidensdruck durch seine vor allem linksseitig wahrgenommenen Schmerzen, die sein körperliches Erleben besetzten, seine Körperbeweglichkeit massiv einschränkten und gemeinsam mit ausgelösten starken existentiellen Ängsten und zunehmenden depressiven Zuständen auch mental seinen Lebensalltag in einen Kampf ums Überleben verwandelt hätten. Die objektiv fassbaren psychiatrisch-psycho-somatischen Befunde – sein Schmerzerleben, seine Ängste und die depressive Verarbeitung und das dadurch bestimmte Verhalten – seien sehr ausgeprägt, interagierend und schwer. Sein als maladaptiv verstandener Umgang mit der Schmerzkrankheit habe seine Wurzeln in
persönlichkeitsgeprägten Bedingungen. Das Schmerzerleben des Beschwerde
führers führe zu ständiger körperlicher Vermeidung von schmerzauslösenden oder –verstärkenden Bewegungen, was eine Verlangsamung
und Versteifung seiner Haltungen und Bewegungen bewirke. Für diese Erlebnisse brauche der Beschwerdeführer viel Mitteilungsraum und er könne anderen Themen nur mit Mühe Raum geben. Sein Leiden und der Verlust seiner Arbeits-Persönlichkeit wirkten für ihn zu belastend, um sich mit anderen Themen beschäftigen zu können. Seine Hypersensibilität zeige sich sowohl auf körperlicher Ebene (Berüh
rungsempfindlichkeit) wie auch auf Beziehungsebene. Die Kontaktfähig
keit sei sehr begrenzt, was sich auch in der Familie zeige. Starke Einschränkungen bestünden auch hinsichtlich Konzentrationsfähigkeit, Belastbarkeit und Anpas
sungsfähigkeit. Invaliditätsfremde Funktionseinschränkungen würden nicht vor
liegen. Ebenso liege keine Aggravation vor.
Den Alltag verbringe der Beschwer
deführer meist zurückgezogen zu Hause, allenfalls mit Radio hören oder TV schauen. Haushaltstätigkeiten könne er schmerzbedingt nur sehr beschränkt ver
richten. Er unternehme Spaziergänge, bei denen er langsam und bewusst gehen müsse, um eine Schmerzzunahme zu vermeiden. Wenn es dort nicht zu viele Menschen habe, gehe er ab und zu in den Lidl. Kontakte suche er nicht. Ein soziales Netz sei nicht vorhanden. Seit 2006 habe er leistungsorientiert an der glei
chen Stelle gearbeitet, die Kündigung sei explizit wegen der Krankheit erfolgt. Er habe eine Familie, die ihn sehr unterstütze (Ehefrau, 3 erwachsene Kinder). Aus
serfamiliär sei kein Netzwerk bekannt. Erstmals sei beim Beschwerdeführer 1999 ein somatisches Leiden aufgetreten, welches zu einem depressiven Angstsyndrom geführt habe.
Demgegenüber sei der Beschwerdeführer durch eine übermässig hohe Leistungsbereitschaft, Selbstdisziplin und Gewissenhaftigkeit aufgefallen, welche ihn seine gesundheitlichen Belastungszustände hätten ignorieren lassen. Es sei aber auch deutlich geworden, dass es bei seiner Persönlichkeitsstruktur gar nicht möglich sei, seine inneren Belastungen und Gefühle zu reflektieren, zu ver
stehen und zu moderieren. Dies zeige sich nun, wenn er unter Schmerzen leide und seine Selbstdisziplin als Bewältigungs
strategie nicht greifen könne.
Der Beschwerdeführer werde durch seine Arbeits
unfähigkeit in seiner bisherigen Per
sönlichkeit und Identität existentiell getrof
fen. Auf der Ebene seiner Identität habe die Verunmöglichung der bisherigen leistungsorientierten Haltung durch das chronifizierte Schmerz
syndrom ab 2013 eine gravierende existentielle Ver
änderung der Persönlich
keitserfahrung bewirkt.
Stationäre therapeutische Auf
enthalte hätten keine wesentlichen Erfolge ge
bracht.
Trotz guter Kooperation des Beschwerdeführers habe der Leidensdruck durch die Therapien nicht vermindert werden können.
Weiterhin sei der Beschwerdeführer auch zur Teilnahme an
Therapien und Behandlungen bereit. Sein ausgeprägtes und chronifiziertes Leiden lasse keine (Selbst-)Ein
gliederungs
bemühungen zu. Der Beschwerdeführer zeige sich in seinem Verhalten und den geschilderten Symptomen konsistent. Sein Aktivitäts
niveau stehe gegenüber jenem vor Eintritt der Gesundheitsschädigung in einem deutlichen Gegensatz.
4
.5
4
.5.1
Laut dem Arztbericht des Hausarztes Dr.
C._
vom 25. November 2014 (Urk.
8
/50) bestehen beim Beschwerdeführer mit Auswirkung auf die Arbeits
fä
higkeit ein chronisches
zervikobrachiales
Syndrom links, rezidivierende
Panik
at
tacken, eine somatoforme Schmerzstörung, rezidivierende depressive Episoden und degenerative Veränderungen der Wirbelsäule. In der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als Hilfselektriker sei der Beschwerdeführer vom 25. Februar bis zum 17. März 2013 zu 50 % und seit dem 18. März 2013 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Mit einer psychischen Stabilisierung und einer Schmerz
therapie könnte der Beschwerdeführer eventuell einer leichteren Tätig
keit nachgehen, was auch für sein Selbstbewusstsein gut wäre. Wann mit der Wieder
aufnahme einer beruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne, sei derzeit kaum absehbar.
4
.5.2
Mit Schreiben vom
2
8.
Oktober 2017 (
Urk.
8/107) wandte sich
Dr.
C._
an die
Beschwerdegegnerin. Er führte aus, beim Beschwerdeführer
nehme die Ver
zweiflung durch seine Schmerzen auf der linken Körperseite mit messbarer Abnahme der
Extremitätenumfänge
links gefährliche Dimensionen an. Trotz medikamentöser und fachärztlicher Betreuung durch
Dr.
B._
würden dem Beschwerdeführer kontinuierlich Rechnungen und Mahnungen ins Haus flattern, was für ihn, der immer ein Perfektionist gewesen sei, eine Schande sei. Ohne entsprechende finanzielle Unterstützung sei es ihm nicht möglich, dieses gefähr
liche Problem zu lösen.
4
.6
4
.6.1
Dr. med.
H._
, Facharzt Allgemeinmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin hielt in seiner Stellungnahme vom 28. November 2014 (Urk.
8
/51/4) fest, die angestammte Tätigkeit bleibe dem Beschwerdeführer aus somatischen Gründen ab August 2013 unzumutbar. Die Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten liege bei 0 %, die Arbeitsfähigkeit sei aber aus psychiatrischen Gründen latent gefährdet. Angepasst sei eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne Lastenheben über 5 kg, ohne Zwangs
haltungen und ohne Überkopfarbeiten, ruhig und geordnet, ohne vorwiegenden Kunden
kontakt. Die Prognose sei vorsichtig optimistisch unter der Voraus
set
zung, dass eine nachhaltig fachärztliche Psycho- und Pharmakotherapie zur Erhaltung der Restarbeitsfähigkeit durchgeführt werde. Nach Eingliederung sei wohl noch ein plausibilisierendes
bidisziplinäres
psychiatrisch-rheumato
logi
sches Gutachten notwendig.
4
.6.2
Am 17. März 2015 (Urk.
8
/60/3) führte Dr.
H._
aus, es lägen seit der Stellung
nahme vom 28. November 2014 keine neuen Befunde vor. Ebenso gebe es keine
Hinweise für erfüllte
Foerstersche
Kriterien für eine ausnahmsweise Unüberwind
barkeit eines unklaren Beschwerdebildes. Es müsse somit ohne weitere medizi
ni
sche Abklärungen an der Stellungnahme vom 28. November 2014 fest
gehalten werden.
4
.7
Gemäss dem Austrittsbericht des
Rehaz
entrums
D._
vom 13. Juli 2015 (Urk. 8/4) bestehen beim Beschwerdeführer (1.)
eine
Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) bei
zervico
-thorakalem Schmerzsyndrom ohne spinales Korrelat mit progredienter Schmerzausweitung, (2.)
eine
Angst und Depression gemischt mit/bei maladaptiven Coping-Muster (Schm
erzfokussierung, Zukunftsängste
, Neigung zu Katastrophen-Szenarien) sowie (3.)
eine
arterielle Hypertonie. Das Schmerzsyndrom sei ausgeprägt und werde durch Angst sowie Gefühle von Ausweg-, Machtlosigkeit und Verzweif
lung verstärkt. Trotz Einsatz von Psychotherapeutika habe die Psyche nicht positiv beeinflusst werden können und es sei bei der Schmerzfokussierung geblieben. Es sei dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen, sein Krank
heits
konzept zu reflektieren und Strategien für den besseren Umgang mit chro
nischen Schmerzen zu entwickeln. Eine Anschlusspsychotherapie sei in Anbe
tracht der zunehmenden Suizidgedanken notwendig. Die Arbeitsun
fähigkeit werde voraus
sichtlich noch länger bestehen.
4
.8
Gemäss dem
bidisziplinären
Gutachten des Psychiaters
E._
und des Rheumatologen
Dr.
F._
vom 1
3.
Se
ptember 2017 (
Urk.
8/101
) besteht beim Beschwerdeführer keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie IV-fremde psychosoziale Faktoren: eine fehlende bzw. nicht anerkannte Berufsausbildung (ICD-10: Z55)
, Probleme in Verbindung mit Arbeitslosigkeit (Z56) und Probleme in Verbindung mit ökonomischen Verhältnissen (Z59), Differentialdiagnose: leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0).
A
us versicherungsmedizinischer Sicht
sei es
nicht mög
lich, beim Beschwerdeführer eine eigenständige psychische Erkrankung festzu
stellen, die seiner Symptomatik entspr
eche
. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die psychische Symptomatik auf eine Schm
erzver
arbeitungsstörung und iv-fremde ursächliche psychosoziale Faktoren zurückzu
führen sei. Es gebe deutliche Hinweise auf eine massive Aggravation der geklagten Beschwerden und Inkon
sistenzen bei der Beschwerde
schilderung. Der Beschwerdeführer verfüge prinzi
piell über mobili
sierbare Ressourcen (langjährige berufliche Integration, intakte Familie), auf die er derzeit (laufendes IV-Verfahren) offenkundig nicht zurück
greifen könne. Es gebe keine Hinweise auf eine Abhängigkeitserkrankung. Die bisherige Therapie sei als lege artis zu bezeichnen und entspreche auch der Therapie einer Schmerzverar
beitungs
störung. Eine krankheitsbedingte Unfähig
keit zur The
rapieadhärenz liege
nicht vor.
Aus versicherungsmedizinisch-psychiatrischer Sicht sei keine Beeinträchti
gung der Arbeitsfähigkeit begründbar. Es bestehe eine volle (100%ige) Arbeits
fähigkeit bezogen auf ein volles Pensum. Selbst wenn – abweichend von der Beurteilung des Gutachters – eine leichte depressive Episode vorliegen würde, begründete diese keine anhaltende Beein
trächtigung der Arbeitsfähigkeit. Diese Beurteilung gelte auch retrospektiv ab 2013
(Urk. 8/101/32-36)
.
Aus rheumatologischer Sicht stellte
Dr.
F._
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit die Diagnose eines anamnestisch bisher therapieresistenten chronifizier
ten
zervikovertebralen
und
lumbovertebralen
bewegungs- und be
lastungsabhän
gigen Schmerzsyndroms mit pan-/paravertebraler Ausdehnung im Rahmen der Symptomausweitung, beginnenden degenerativen Veränderungen betont HWK 5 – HWK 7, thorakal 7 – thorakal
9 und
Diskusprotrusion
LWK 5/SWK 1, ohne Hinweise weder für eine Facettengelenks- noch radikuläre Symptomatik
,
mit Fehlform der oberen BWS im Sinne einer mässigen Kyphose mit
Skoliosekompo
nente
und nicht näher spezifizierbaren Halbseiten-Miss
empfindung im Bereiche diffus der linken Körperhälfte ohne somatisches oder strukturelles Korrelat, DD deutliche Hinweise für eine Somatisierungsstörung im Rahmen einer Schmerz
verarbeitungsstörung.
Ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit bestünden ausserdem deutliche Hinweise für eine zusätzliche auch bewusstseinsnahe Schmerzverdeutlichung bei Selbstlimitierung mit Inkon
sistenzen und Diskrepan
zen. In der angestammten Tätigkeit sei der Beschwerde
führer praktisch aus
schliesslich stehend tätig gewesen, mit Überkopfarbeiten und Reklina
tion/Extension der HWS. Für diese Tätigkeit sei der Beschwerdeführer noch zu 50
%
arbeitsfähig. In einer Verweisungstätigkeit unter Berücksichtigung von Schonkriterien sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsfähig. Nicht mehr möglich seien repetitive grobmanuelle Tätigkeiten und Gewichtsbelastungen über 20 kg, repetitive oder monotone Tätigkeiten Überkop
f bzw. in HWS-Extensionsstellung und in vornüber gebückten Arbeitspositionen,
sowie Tätigkei
ten mit repetitiven
Erschütterungen oder
auf unebenem Boden. Ideal wäre dage
gen ein Wechsel zwischen sitzenden und stehenden Arbeiten. Die Arbeitsfähigkeit sei seit 2013 unverändert. Der Beschwerdeführer habe seine Schadenminderungs
pflicht erfüllt und sowohl an stationären Rehabilitations
massnahmen als auch an der Begutachtung mitgewirkt. Die Schmerz
verarbeitungsstörung mit offensicht
lich auch bewusstseinsnahen Elementen könne nicht als Verletzung der Schaden
minderungs
pflicht beurteilt werden
(Urk.
8/101/47-51)
.
In der Konsensbeurteilung führten die beiden Gutachter aus, dass die rheuma
to
logisch beobachteten Hinweise auf eine Somatisierungsstörung mit
der
psychi
atri
schen Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung umfassend
diagnostisch
abgebildet sei
en
. Beim Beschwerdeführer sei damit die rheumato
lo
gische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wegweisend. Aus rein psychiatrischer Sicht sei keine Arbeits
un
fähigkeit gegeben.
Aus rheumatolo
gischer Sicht sei der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Elektro
monteur zu 50
%
arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Medizinische Massnahmen seien nicht zwingend indiziert, die Weiterführung der bisherigen psychiatrischen Behandlung sei aber sinnvoll, um die Schmerzverar
beitungsstörung positiv zu beeinflussen. Eine rheumato
logische Behandlung durch einen Facharzt sei zu empfehlen, von somatisch ansetzenden Behand
lun
gen werde aber abgeraten
(
Urk.
8/101/52-53)
.
4
.9
Am 2
5.
September 2017 (
Urk.
8/104/3-4) nahm RAD-Arzt
pract
. med.
I._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, zum Gutachten Stellung. Es sei um
fas
send, beruhe auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtige die beklagten Beschwerden und sei in Kenntnis der
Vorakten
erstellt worden. Das Gutachten sei nachvollziehbar und plausibel in seinen Schlussfolgerungen. Es könne darauf abgestellt werden. Somit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der ange
stammten Tätigkeit als Elektromonteur und von 100
%
in angepasster Tätig
keit (leichte bis max. mittelschwere Tätigkeiten unter zusätzlicher Berück
sichtigung des Belastungs
profils) auszugehen.
4
.10
Am
4.
Dezember 2017 (
Urk.
8/111) nahm
Dr.
B._
zu Händen des Rechts
vertre
ters des Beschwerdeführers Stellung zum von der Beschwerdegegnerin eingehol
ten
bidisziplinären
Gutachten. Er führte aus, die Interpretationen des Gutachters, Diagnosen und funktionellen Schlussfolgerungen zeigten deutliche Diskrepanzen zu zahlreichen anderen ärztlichen Beurteilungen, z.B. zum Schweregrad der Depression und zu Persönlichkeits-Aspekten. Die von anderen Ärzten gestellten Diagnosen würden teilweise im Gutachten gar nicht erwähnt oder bei Bedarf in Frage gestellt. Die biopsychosoziale Erfassung der Schmerzstörung würde im Gutachten zu wenig berücksichtigt. Eine ursächliche Begründung einer Aggrava
tion sei nicht ersichtlich. Eine Aggravation oder eine therapeutische
Kooperati
ons
-Verweigerung als Absicht des Beschwerdeführers hätten im Dienst eines Vorteils stehen müssen, den er sich dazu erhoffe. Ein solcher ursächlicher Vorteil sei jedoch nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer komme seit 2014 alle zwei Wochen zu einer Behandlungssitzung. Der Verlauf entspreche nicht der Einschät
zung des Gutachters. Der Beschwerdeführer könne sich gar nicht anders mitteilen, er habe für dieses Leiden keine anderen psychischen Ausdrucksmöglichkeiten. Dies verweise auf eine tiefere psychische Ebene als die vordergründige Interpre
tation einer Aggravation. Das Verhalten des Beschwerde
führers sei besser zu ver
stehen als ein Versuch des Selbstschutzes gegen weitere demütigende Abweisun
gen und den Versuch eines Appells an das Gegenüber, sein Leiden endlich ernst zu nehmen. Dieses Schutz-
Verhalten habe den Aspekt, dass es oft das Gegenteil bewirke, da es einen histrionischen Eindruck vermittle. Der Beschwerdeführer spüre eine tiefe Verzweiflung über seine Lebenslage und eine Ohnmacht, die eigene gesundheitliche Situation nicht bewältigen zu können. Das Bedrohungsge
fühl habe sich im Verlauf der Schmerz
symptomatik immer mehr verstärkt. Wäh
rend er die anfänglichen Ent
täuschungen über die ausbleibenden ärztlichen Hilfestellungen immer mehr als erschreckende Abweisungen erlebt habe, fürchte er zunehmend bewusste körperliche Schädigungen durch die Ärzte. Das Schmerz
erleben des Beschwerde
führers sowie seine Unfähigkeit zu einem therapeutischen Prozess sei als wesentlicher Aspekt im Verlauf anzusehen. Trotzdem werde dies vom Gutachter mit mangelndem guten Willen sowie mobilisierbaren Ressourcen in einen Zusammenhang gebracht. Er beziehe ausserdem IV-fremde psycho
soziale Fak
toren ein, was deplatziert sei. Die Arbeitsunfähigkeit sei ein schwerer Belastungs
faktor für den Beschwerdeführer. Die Ressourcen («langjährige beruf
liche Integration, intakte Familie») könnten auch als Hinweis verstanden werden, dass der Beschwerde
führer eine langjährige Arbeitsunfähigkeit mit IV-Berentung kaum wählen würde. Der Beschwerdeführer könne sein Schmerzerleben nicht bewälti
gen. Sein oft auffälliges und für viele befremdliches Verhalten sei letztlich Ausdruck seiner Unfähigkeit, sich anders mitteilen zu können. Der Beschwerde
führer sei in seiner Identität auf eine Weise verletzt worden, die sich in einer hochempfindlichen psychosomatischen Unberührbarkeit als Schutzreflex aus
drücke. Ärzte könnten ihn kaum noch berühren, Dritten gehe er aus dem Weg. In der Gruppentherapie ziehe er sich an den Rand des Raumes zurück oder verlasse diesen teilweise sogar. Die vom Beschwerdeführer im Laufe der Zeit entwickelte Misstrauensstimmung habe zunehmend zu einer Überzeugung im Sinne einer überwertigen Idee geführt, dass die Ärzte ihm Schaden zufügen wollten. Dies könne kaum als Aggravation gesehen werden, sondern als Folge auf der Ebene der Persönlichkeit im Verlauf der chronischen Schmerzen. Eine vorbestehende Persönlichkeitsstörung liege nicht vor. Die beschriebene, vom Schmerz bestimmte Persönlichkeitsänderung zeige sich in seinen Wahrnehmungen, seinem Denken, in seinen Beziehungen, in seinem Selbstverständnis ebenso wie in seinem Verständnis der Umwelt. Sie zeige sich in einem unflexiblen und unangepassten Verhalten, das vor der Schmerz-Erkrankung nicht vorhanden gewesen sei. Sie sei weder Ausdruck einer anderen psychischen Störung noch Residualsyndrom einer vorangegangenen psychischen Störung. Dies entspreche der Diagnose einer Per
sönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.80). Die Persönlichkeitsänderung sei als Folge des funktionell stark beeinträchtigenden chronischen Schmerzsyndroms entstanden (ICC-10 F45.41).
4
.11
In der Stellungnahme vom 2
7.
Februar 2017
(richtig: 2018)
(
Urk.
8/115) hielt der Psychiater
E._
fest, die Ausführungen von
Dr.
B._
zum Gutachten wür
den nichts an seine
r
Beurteilung ändern. Es ergäben sich daraus keine neuen Aspekte. Es handle sich insgesamt um eine andere Beurteilung des behandelnden Arztes, die sich aus den unterschiedlichen Sichtweisen des behandelnden Arztes und des versicherungsmedizinischen Gutachters ergäben.
5
.
5
.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten des Psychiaters
E._
und des Rheumatologen
Dr.
F._
vom 1
3.
September 2017 (
Urk.
8/101)
basiert
auf einer umfassenden
psychiatrischen und rheumatologischen
Untersuchung und wurde in Kennt
nis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Anamnese) abgegeben.
Die begut
achtenden Ärzte haben detaillierte
Befunde erhoben
und nachvollziehbare Diagnosen
gestellt
und sich mi
t den von vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwer
den auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zusam
menhänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerun
gen nachvollziehbar begründet. Dem
bi
disziplinären
Gutach
ten kommt daher grundsätzlich volle Beweiskraft zu (vgl. E. 1.
5
.1 und 1.5.2
).
Wie bereits festgehalten (vgl. E. 1.
5.3
) ist in Bezug auf die Bericht
e
der behan
deln
den Ärzte die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen.
5
.2
Der Beschwerdeführer bringt gegen das Gutachten vor, dass es die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10, F45.4) zwar bestätige, dagegen jedoch die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10, F45.41) verwerfe, da diese in der Schweizer Ausgabe des ICD-10 nicht vorhanden sei. Hierzu ist festzuhalten, dass das Bundesgericht zwar nicht von einer «Schweizer Ausgabe» des ICD-10 spricht, die von den Gutachtern so bezeichnete
,
von
Dilling
/
Mombour
/Schmidt herausge
ge
bene Ausgabe abe
r in seinen Entscheiden
zitiert
(vgl. beispielhaft BGE 143 V 418 E.
4.1.2 und viele weitere).
Weiter hat das Bundesgericht in BGE 143 V 418 fest
gestellt, dass in der
deutschen Übersetzung der WHO-Klassifikation auf die bestehenden Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen
den beiden Unterkategorien
F45.40 und F45.41
gemäss
Ergänzu
ng der German
Modification
(GM)
verwiesen
werde, weshalb sie in die ICD-10-Klassifikation
der WHO
nicht eingefügt worden seien (E. 5.1).
Dass der Gutachter gestützt darauf den Code 45.41 nicht verwendet
hat,
ist
somit
nicht zu beanstanden. Es ist sodann zwar grundsätzlich die neuste
Ausgabe zu
verwenden, es
liegt aber
deshalb
k
ein gravierender Qualitäts
mangel vor, weil im Gutacht
en eine frühere Auflage zitiert
wird.
5
.3
Soweit der Beschwerdeführer
den Gutachtern die notwendige
fachliche
Kompe
tenz abspricht
(
Urk.
1 S. 7)
, verhält er sich insofern widersprüchlich, als
diese von der Beschwerdegegnerin aus zwei von ihm
selber
gemachten Vorschlägen ausge
wählt wurden
(
Urk.
8/92)
.
Zu beachten ist auch, dass
nicht zwingend
erforderlich ist, dass
die Gutachter selber
eine Prüfung der Standardindikatoren
vornehmen, sondern
sie müssen
lediglich
die erforderlichen Angaben
liefern
, damit die
Plausibilität ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anhand
der
Standardindikato
ren überprüft
werden kann.
Weiter ist zu berücksichtigen,
dass die Gutachter zum Ergebnis gelangt sind, dass aus psychiatrischer Sicht gar keine Einschränkun
g der Arbeitsfähigkeit besteht
5
.4
Die Rückweisung
der Sache im Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom 7. Februar 2017 (
Urk.
8/85)
erfolgte in erster Linie darum, weil
gar
keine psychi
atrische Begutachtung vorlag.
Die
Meinung des Gerichts war
es
, dass eine psychiatrische Begutachtung vorzunehmen ist, welche sich dazu zu äussern hat, ob
überhaupt
ein relevanter psychiatrischer Gesundheitsschaden besteht (Urk.
8/85/12 E. 4.3). Klar nicht der Intention der gerichtlichen Anordnung ent
sprach es dagegen, dass der behandelnde Psychiater seine
– bereits bekannte -
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit anhand der Standardindikatoren auf ihre Plausibilität überprüfen soll.
5
.5
Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 1.1.4),
erübrigt sich die Durchführung eines struk
turierten Beweisverfahrens
sodann gänzlich, wenn
fest
steht
, dass eine anspruchs
ausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtspre
chung gegeben ist
.
Ausserdem ist darauf hinzuweisen,
dass
unverändert
gilt
, dass ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokul
turellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unter
scheid
bare Befunde umfasst (
Urteil
des Bundesgerichts
9C_648/2017 E. 2.3.1 u
nd E. 3.2.4.1, mit Hinweisen).
5
.6
In der psychiatrischen Explorati
on durch den
psychiatrischen
Gutachter
E._
seien
viele Antworten des Beschwerde
führers im Vagen
geblieben
und es
seien
auch auf Nachfrage keine präzisierenden Antworten möglich
gewesen
. Das Ver
halten während des Gesprächs sei sehr auffallend gewesen. Zunächst habe der Beschwerdeführer erklärt, dass er nicht im Sessel sitzen könne, worauf er sich in einen Stuhl gesetzt habe. Dann habe er aber doch in den Sessel gewechselt, sei aufgestanden, im Zimmer umherge
gangen, habe sich auf die Couch gelegt und dann wiederum auf den Schreib
tischstuhl des Referenten gesetzt. Diese Wechsel seien
mehrmals und sehr demonstrativ erfolgt. Beim Gespräch über die Ehefrau habe der Beschwerdeführer eine kurze Weinattacke erlitten, welche er aber rasch wieder beendet habe, als der Referent nicht näher darauf eingegangen sei. Wiederholt und immer wieder ungefragt sei der Beschwerdeführer auf seine Schmerzzustände zu sprechen gekommen. Die exzessiven Schmerzschilderungen seien gänzlich undifferenziert gewesen, der Beschwerdeführer habe nur von schwersten Schmerzen gesprochen und die Schilderungen sei
e
n oft nicht nach
vollziehbar gewesen. Sie hätten bei weitem das Mass übertroffen, welches bei anderen Exploranden zu beobachten sei. Unter anderem habe der Beschwerde
führer seinen Bauch gezeigt, um seine abdominellen Verspannungen zu demons
trieren. Das Verhalten habe übertrieben grotesk gewirkt. Der Beschwerde
führer sei
in
einer durchgehenden emotional auffallend dramatisch wirkenden Stimmungslage ohne jegliche Modulation gewesen, wodurch ein affektiver Rapport nicht herstellbar gewesen sei
(Urk. 8/101/27-28)
.
Die vom Beschwerdeführer geklagte Stimmungslage («Scheisse») entspreche nicht der differenzierten Stimmungsschilderung anderer Menschen. Der Beschwerde
führer spreche permanent nur von seinen Schmerzen und deren Folgen und könne über sein inneres Erleben und seine Emotionen (abgesehen von einer spür
baren Aggressivität) keine Auskunft geben. Die rheumatologische Unter
suchung habe ergeben, dass ein Schmerz bestehe, der nur teilweise durch körperliche Störungen erklärt werden könne. Es gebe psychosoziale Probleme, die als ursäch
liche Einflüsse betrachtet werden könnten. Der Beschwerdeführer erfahre auch eine erhebliche persönliche und medizinische Zuwendung.
Als psychosoziale Faktoren seien die fehlende bzw. nicht anerkannte Berufsaus
bildung, Probleme in Verbindung mit Arbeitslosigkeit und mit den ökonomischen Verhältnissen zu nennen.
Es gebe deutliche Hinweise auf eine massive Aggrava
tion der geklagten Beschwerden und Inkonsistenzen bei der Beschwerde
schilderung. Der Beschwer
deführer verfüge prinzipiell über mobilisierbar
e
Ressourcen, könne auf diese aber während des laufenden IV-Verfahrens nicht zurückgreifen
(
Urk.
8/101/33-35)
.
5
.
7
In der rheumatologischen Untersuchung durch
Dr.
F._
sei das Sitzverhalten des Beschwerdeführers unauffällig gewesen. Ebenso sei das Aus- und Ankleiden ohne wahrnehmbare Schmerzperzeption mit unauffälligen Bewegungsabläufen vonstattengegangen. Die Beschreibung der Schmerzen sei verbunden mit immer wiederholter Angabe ausgeprägter Schmerzen, zeitweise angedeutetem Weinen, dann aber auch Fluchen mit Kraftwörtern und Herumwerfen einer beladenen Mappe. Unbeobachtet sei das spontane Bewegungsverhalten unauffällig, beobachtet verbunden mit demonstrativen Elementen wie Verdrehen des Ober
körpers, Gehen in vornüber gebückter Stellung, Abstützen an Gegenständen
und an
der Wand. Immer wieder halte
d
er
Beschwerdeführer
auch die Hände und den Oberkörper des Referenten fest. Bei sämtlichen Bewegungsprüfungen werde initial gegen
innerviert. Es hätten diverse Diskrepanzen festgestellt werden können. Bei Ablenkungen im Gespräch habe der Beschwerdeführer sich besser und ohne Schmerzantwort bewegen können. Bei gezielter Befragung habe er dagegen ausgeprägte Schmerzen angegeben. Zusammenfassend sei die ganze Untersuchung gekennzeichnet gewesen durch eine offensichtliche bewusstseins
nahe Schmerzverdeutlichung, Selbstlimitierung mit demonstrativen Elementen, Inkonsistenzen und Diskrepanzen (
Urk.
8/101/
43-46).
5
.8
Die Inkonsistenzen und auf Aggravation schliessen lassenden Auffälligkeiten sind in einer Vielfalt und Fülle vorhanden, die zum Schluss führen, dass vorlie
gend effektiv vom Vorliegen eigentlicher Ausschlussgründe im Sinne der Recht
sprechung auszugehen ist.
Der behandelnde
Psychiater
Dr.
B._
beanstandet in seiner Stellungnahme zum Gutachten vom 4. Dezember 2017 (
Urk.
8/111) unter anderem, dass die Begrün
dung einer
Aggravation
nicht
ersichtlich sei,
da kein Vorteil ersichtlich sei, welchen der Beschwerdeführer sich daraus erhoffe, weder beruflich, familiär noch finanziell. Dies
steht im Widerspruch zur Eingabe des Hausarztes
Dr.
C._
vom 2
8.
Oktober 2017 (
Urk.
8/107), aus welcher
hervorgeht, dass die Verzweif
lung des Beschwerdeführers vor allem wegen seiner finanziellen Probleme gross sei und die Beschwerdegegnerin ihm deshalb möglichst ba
ld Leistungen zuspre
chen solle, damit das gefährliche gesundheitliche Problem gelöst werden könne.
In sich nicht logisch erscheint sodann die Argumentation von
Dr.
B._
, dass es absurd sei, dass der Beschwerdeführer «durch Arbeitsunfähigkeit gegenüber einer angepassten Berufstätigkeit einen finan
ziellen Vorteil hätte finden sollen», selbst wenn ihm eine IV-Rente ausgerichtet würde. Vielmehr ist dies eine häufig vor
kommende Konstellation, dass es nach einem Stellenverlust – sei er krankheits
bedingt oder nicht – für gesundheitlich angeschlagene Personen schwierig ist, wieder eine neue Arbeitsstelle zu finde
n und die Lösung der damit verbundenen
finanziellen
Probleme nur dann möglich scheint, wenn sie eine
Invalidenrente
erhalten, was wiederum erfordert, dass
ihnen
auch in einer angepassten Tätigkeit
eine erhebliche Einschränkung attestiert wird
.
Gerade sich stark mit ihrer Arbeits
leistung und ihrer Leistungs
bereitschaft identifizierenden Personen fällt es zudem
oft
besonders schwer, eine reduzierte Leistungsfähigkeit zu akzeptieren und sich dementsprechend mit einer weniger anspruchsvollen und meist auch schlechter bezahlten beruflichen Tätigkeit zu arrangieren.
Es verhält sich auch ni
cht so, dass das aggravierende
Verhalten erst
im Verlauf der Jahre
aufgrund der Verzweiflung des Beschwerdeführers, weil er sich mit seinen Schmerzen nicht ernst genommen fühlt, entstanden ist. Vi
elmehr hat er bereits in der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit durch das
G._
im Jahr 2014
(Urk. 8/33/15-33)
eine Symptomausweitung, Selbstlimitierung und inkonsistentes Verhalten ge
zeigt und konnte ohne sichtbare
funktionellen Limiten praktisch keine verw
ertbaren Leistungen erbringen.
Nicht
zutreffend ist
sodann auch die Ansicht von
Dr.
B._
, dass psychosoziale Faktoren nur dann zu berücksichtigen seien, wenn sie
bereits
vor Eintritt des Gesundheitssc
hadens vorhanden gewesen seien und insbesondere durch die Erkrankung ausgelöste psychosoziale Probleme nicht als invaliditätsfremd gewer
tet werden dürfen.
5.9
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass gestützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten
davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit (keine repetitive grobmanuellen Tätigkeiten und Gewichtsbelastungen über 20 kg, keine repetitive
n
oder monotone
n
Tätigkeiten Überkopf bzw. in HWS-Extensionsstellung und in vornüber gebückten Arbeits
positionen, keine Tätigkeiten mit repetitiven Erschütterungen oder auf unebenem Boden, idealerweise Wechsel zwischen sitzenden und stehenden Arbeiten) zu 100
%
arbeitsfähig ist.
6.
6.1
Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne Eintritt des Gesund
heitsschadens weiterhin als Elektromonteur bei der
Y._
AG tätig gewesen wäre. Gemäss Arbeitgeberbericht der
Y._
AG vom
4.
Dezember 2013 hätte er mit dieser Tätigkeit im Jahr 2013 ein AHV-beitrags
pflichtiges Einkommen von
Fr.
67'600.-- (
Fr.
5'200.-- x 13) erzielt (Urk. 8/25/2).
Angepasst an die Nominal
lohnentwicklung für
Männer
(vgl. Bundesamt für Statistik,
Nominallohnindex
, Tabelle
1.1.10
: 20
13
=
102.5
, 20
14
=
103.2
) beträgt das hypothetische Einkom
men im Jahr 20
14 Fr. 68'061.65.
6.2
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statisti
schen Daten bei
Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbei
ten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durch
schnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechtsprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merk
male der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeits
markt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellen
lohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen mitver
antwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt
werden dürfen (BGE 134 V 322 E.
5.2).
6.3
Der Zentralwert für die mit einfachen
Tätigkeiten (Kompetenzniveau 1)
beschäf
tigten Männer betrug im Jahre 201
4
im privaten Sektor
Fr. 5’312
.-- pro Monat bei 40 Arbeitsstunden pro Woche (LSE 201
4
, Tabelle TA 1), was unter Berück
sichtigung einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,
7
Stunden pro Woche (Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilun
gen, Tabelle T 03.02.03.01.04.01) ein hypothetisches Einkommen von monatlich
Fr.
5‘
537.75
bzw.
Fr. 66'453.
10
pro Jahr ergibt. Der Beschwer
deführer kann ganz
tags arbei
ten und in
behinderungsangepasster Tätigkeit eine 100%ige Leistung erbringen. Es ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass kein Grund für die Vornahme eines behinderungsbedingten Abzugs gegeben ist. Verglichen mit den
Valideneinkommen
von Fr. 68'061.65 ergibt
sich damit eine Einkom
menseinbusse von
Fr. 1'608.
5
5
bzw. ein Invaliditätsgrad von rund
2 %. Auch
beim maximal zulässigen Abzug von 25
%
würde ein rentenaus
schliessender Invaliditätsgrad (
27
%
) resul
tieren.
6.4
Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG das Be
schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen vor dem kan
to
nalen Versicherungsgericht kosten
pflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von 200
1000 Franken festgelegt.
Die Gerichtskosten sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
7.2
Nach der Rechtsprechung sind unter dem Titel Parteientschädigung auch die Kosten privat eingeholter Gutachten zu vergüten, soweit die Parteiexpertise für die Entscheidfindung unerlässlich war (BGE 115 V 62 E. 5c S. 63; RKUV 2000 Nr. U 362 S. 44 E. 3b, U 360/98, Nr. U 395 S. 322 E. 7a, U 160/98; Urteil des ehema
ligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 591/06 vom 1
5.
Dezember 2006, E. 5.1). Dieser Grundsatz ist für das Verwaltungsverfahren ausdrücklich in
Art.
45
Abs.
1 ATSG bzw.
Art.
78
Abs.
2 IVV festgehalten.
Die vom Beschwerdeführer eingeholten Berichte von
Dr.
B._
erweisen
sich nach Gesagtem für die Entscheidfindung nicht als unerlässlich, weshalb das Gesuch um Übernahme der
Kosten für seine zwei Berichte von total
Fr.
2'400.-- (je Fr. 1'200.--, vgl.
Urk.
3/4 und
Urk.
3/5)
abzuweisen ist.