Decision ID: bf9267c9-44b6-47d2-a2df-ae105f29aa25
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist Eigentümerin der in der Landwirtschaftszone gelegenen Grundstücke
Nrn. 001, 002
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und 003, K, in der politischen Gemeinde G. Das Wohnhaus Vers.-Nr. 008 und der
Pferdestall Vers.-Nr. 009 auf dem Grundstück Nr. 001 liegen innerhalb des Bereiches
der öffentlichen Kanalisation. Gemäss Schätzung vom 23. Februar 2004 beträgt der
Zeitwert des Wohnhauses Fr. 616'000.-- und jener des Pferdestalls Fr. 120'000.--.
Mit Verfügung vom 28. Januar 2010 verpflichtete der Gemeinderat G X, diese Gebäude
an die öffentliche Kanalisation anzuschliessen (Ziff. 1) und legte – im Rahmen der
Regelung der Beteiligung von X an den Erstellungskosten – gestützt auf das
Kanalisationsreglement den Anschlussbeitrag für das Wohnhaus auf Fr. 15'892.80 und
jenen für den Pferdestall auf Fr. 3'096.-- (Ziff. 4a und b; jeweils 2,58% des gültigen
Zeitwertes, nämlich 2,4% von Fr. 616'000.-- und Fr. 120'000.--, zusammen
Fr. 736'000.--, zuzüglich 7,6% Mehrwertsteuer) fest.
Das Baudepartement des Kantons St. Gallen hiess den gegen diese Verfügung
erhobenen Rekurs am 6. Dezember 2010 teilweise gut. In Ziff. 2d des Dispositivs
wurden die verfügten Anschlussbeiträge – als Ziff. 4c und d der Verfügung vom
28. Januar 2010 – bestätigt. X zog am 10. März 2011 – nachdem sie mit der Gemeinde
G am 9. März 2011 einen Vergleich in der Angelegenheit geschlossen hatte – eine beim
Verwaltungsgericht erhobene Beschwerde zurück.
B.- Die Finanzverwaltung der Gemeinde G veranlagte X mit Rechnung vom
24. November 2011 mit einer "Anschlusstaxe Kanalisation" in der Höhe von
Fr. 21'015.25 (2,59% von Fr. 811'400.--, 8%, d.h. Fr. 1'484.35 Mehrwertsteuer
inbegriffen). X beanstandete mit Rekurs vom 5. Dezember 2011 die
Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Abgabe und machte geltend, die
Summe der Zeitwerte von Wohnhaus (Fr. 616'000.--) und Pferdestall (Fr. 120'000.--)
belaufe sich gemäss Schätzung vom 23. Februar 2004 auf Fr. 736'000.--, so dass sich
eine Anschlusstaxe von Fr. 19'062.40 (2,59% inkl. Mehrwertsteuer) ergebe. Der
Gemeinderat G wies das Rechtsmittel am 23. März 2012 mit der Begründung ab, in
Ziff. 2 der am 9. März 2011 abgeschlossenen Vereinbarung sei festgestellt worden, X
bezahle die Anschlussbeiträge für die Gebäude Nr. 008 und 009 (Wohnhaus und
Pferdestall) gemäss dem Kanalisationsreglement. Danach sei für die Berechnung der
Beiträge der durch die Gebäudeversicherung auf den 1. Januar des
Veranlagungsjahres ermittelte Zeitwert massgebend.
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C.- Gegen den Einspracheentscheid vom 23. März 2012 erhob X mit Eingabe vom
5. April 2012 (Postaufgabe: 07.04.12) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit
dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene
Entscheid aufzuheben und die Kanalisationsanschlusstaxe vom Zeitwert des
Wohnhauses Vers.-Nr. 008 und des Pferdestalls Vers.-Nr. 009 gemäss der amtlichen
Schätzung aus dem Jahr 2004 von total Fr. 736'000.-- zu berechnen.
Die Vorinstanz liess sich am 11. Mai 2012 zum Rekurs vernehmen, ohne einen Antrag
zu stellen. Die Rekurrentin nahm dazu am 23. Mai 2012 Stellung und reichte weitere
Beweismittel ein. Die Vorinstanz äusserte sich am 30. Mai 2012 zu diesen
Ausführungen und teilte mit, das Abwasserreglement vom 22. Dezember 1980 sei vom
29. Dezember 1980 bis 28. Januar 1981 öffentlich aufgelegt und am 16. November
1981 durch den Kanton genehmigt worden.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in

den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 7. April 2012 (Postaufgabe) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. h Ziff. 5, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gegenstand des Rekurses ist die Veranlagung der Rekurrentin mit einem Beitrag für
den im Jahr 2011 erstellten Anschluss ihrer Gebäude Vers.-Nr. 008 (Wohnhaus) und
Vers.-Nr. 009 (Pferdestall) an die Abwasserversorgung. Die Erhebung einer solchen
öffentlichen Abgabe bedarf der Grundlage in einem formellen Gesetz, d.h.
normalerweise in einem dem Referendum unterstehenden Erlass, der zumindest den
Kreis der Abgabepflichtigen sowie Gegenstand und Bemessungsgrundlage der Abgabe
selber festlegt (vgl. BGE 126 I 180 E. 2a/aa, 120 Ia 265 E. 2a).
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Die Vorinstanz beruft sich für die Erhebung des Anschlussbeitrages auf das von ihr,
d.h. der Gemeindeexekutive, am 22. Dezember 1980 erlassene Abwasserreglement der
politischen Gemeinde G (nachfolgend: Abwasserreglement), das vom 29. Dezember
1980 bis 28. Januar 1981 öffentlich auflag, aber als solches nicht dem fakultativen
Referendum unterstand (vgl. act. 7/1 und 12) und dementsprechend die Anforderungen
an die Grundlage der Abgabeerhebung in einem formellen Gesetz nicht erfüllt (vgl. BGE
120 Ia 265 E. 2b). Indessen stützt sich die umstrittene Veranlagungsverfügung vorab
auf Art. 57 Abs. 1 des Abwasserreglements in der Fassung vom 17. August 1989, der
vom 17. März bis 16. April 1990 dem fakultativen Referendum unterstellt worden war
(vgl. act. 2/1). Danach haben die Grundeigentümer an die Kosten der Erstellung,
Erweiterung und Erneuerung der öffentlichen Gewässerschutzanlagen einen einmaligen
Beitrag von 2,4% vom Zeitwert sämtlicher Haupt- und Nebengebäude zu leisten. Diese
Bestimmung genügt in formeller Hinsicht den Anforderungen an die gesetzliche
Grundlage der Abgabeerhebung. Sie legt sowohl den Kreis der Abgabepflichtigen
(Grundeigentümer) als auch den Gegenstand (Beitrag an die Kosten der öffentlichen
Gewässerschutzanlagen) und die Bemessungsgrundlage (Zeitwert sämtlicher Haupt-
und Nebengebäude) und den Abgabesatz (2,4%) fest. Dass weder diese Bestimmung
noch das Reglement den Zeitpunkt, in welchem die Pflicht zur Leistung des einmaligen
Beitrags entsteht, ausdrücklich regelt, schadet nicht. Die einmalig zu entrichtende
Abgabe kann als Vorzugslast an die Anschlussmöglichkeit oder als einmalige
Benützungsgebühr an den tatsächlichen Anschluss anknüpfen. Die Abgabepflicht
entsteht damit spätestens im Zeitpunkt des tatsächlichen Anschlusses, der für die
Gebäude der Rekurrentin unbestrittenermassen im Jahr 2011 erfolgt ist.
Auch der Zuschlag von 8% für die Mehrwertsteuer kann sich auf eine ausreichende
formelle Grundlage stützen. Zwar wurde Art. 57 des Abwasserreglements, der diesen
Zuschlag regelt, von der Vorinstanz am 29. Dezember 1994 erlassen, ohne dem
fakultativen Referendum unterstellt worden zu sein. Indessen ergibt sich der Zuschlag
für die Mehrwertsteuer aus der Bundesverfassung und der dazu ergangenen
Bundesgesetzgebung mit dem besonderen System von Steuerpflicht und
Steuerbelastung, so dass es für die Überwälzung der Mehrwertsteuer ohnehin keiner
Regelung im kommunalen Recht bedarf (vgl. VerwGE vom 3. Dezember 1998 E. 2c;
VRKE I/2-2010/57 vom 1. April 2011 E. 2c/dd, veröffentlicht auf www.gerichte.sg.ch).
Der Steuersatz wurde per 1. Januar 2011 von 7,6% auf 8% angehoben.
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Die Verfahrensbeteiligten sind sich über die Anwendung von Art. 57 Abs. 4 des
Abwasserreglements nicht einig. Die Bestimmung sieht vor, dass für die Berechnung
der Beiträge der gemäss Gesetz über die Gebäudeversicherung (sGS 873.1, abgekürzt:
GVG) auf den 1. Januar des Veranlagungsjahres ermittelte Zeitwert massgebend ist.
Die Vorinstanz hat die Zeitwerte der Schätzung aus dem Jahr 2004 auf Fr. 811'400.--
(10,25% von Fr. 736'000.--) erhöht. Das Ausmass der Erhöhung ergibt sich aus der
Anpassung der Versicherungswerte an die Bauteuerung durch die
Gebäudeversicherungsanstalt (abgekürzt: GVA) gestützt auf Art. 16 Abs. 1 GVG um
jeweils 5% per 1. Januar 2007 (vgl. ABl 2006 S. 3432) und per 1. Januar 2009
(vgl. Jahresbericht GVA/AFS 2009 S. 9). Art. 57 Abs. 4 des Abwasserreglements ist ein
wesentlicher Teil der Umschreibung der Bemessungsgrundlage der Anschlussbeiträge,
ohne dass er dem fakultativen Referendum unterstellt wurde. Deshalb liegt für die
Anpassung der Bemessungsgrundlage an die Bauteuerung keine ausreichende
Grundlage in einem formellen Gesetz vor. Bereits aus diesem Grund erweist sich der
Rekurs im Ergebnis als begründet.
3.- Im Rekurs wird der Erhöhung der Bemessungsgrundlage der Grundsatz von Treu
und Glauben entgegen gehalten.
a) Die Rekurrentin beruft sich auf verschiedene Besprechungen mit dem Präsidenten
der Vorinstanz sowie auf Schreiben und einen Entscheid der Vorinstanz, in denen die
Beiträge auf der Grundlage der nicht aufgewerteten Zeitwerte gemäss Schätzung aus
dem Jahr 2004 berechnet wurden. Die Vorinstanz rechtfertigt demgegenüber die
Anpassung mit dem Wortlaut der Vereinbarung, die sie mit der Rekurrentin am 9. März
2011 getroffen hat. Danach bezahle die Rekurrentin die Anschlussbeiträge für die
Gebäude Nr. 008 und 009 (Wohnhaus und Pferdestall) gemäss dem
Kanalisationsreglement der Gemeinde G. Die Rekurrentin macht geltend, sie sei im
guten Glauben davon ausgegangen, das Kanalisationsreglement werde von der
Gemeinde so angewendet, wie es in allen Zuschriften, Verfügungen und Entscheiden
festgehalten worden sei. Auch Art. 61, der Ausnahmefälle regle, gehöre zum
Reglement.
b) aa) Die Vorinstanz hat in verschiedenen Schreiben die von der Rekurrentin zu
bezahlenden Anschlussbeiträge insbesondere für das Wohnhaus unter Angabe der
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Bemessungsgrundlage, nämlich des nicht aufgewerteten Zeitwertes gemäss der
Schätzung aus dem Jahr 2004, konkret festgelegt, obwohl auch in jenen Zeitpunkten
Art. 57 Abs. 4 des Abwasserreglements anwendbar war und die
Gebäudeversicherungsanstalt die entsprechenden Anpassungen an die Bauteuerung
bereits beschlossen hatte (vgl. die Schreiben vom 26. März 2009, act. 2/3; Schreiben
vom 28. August 2009, act. 2/4; Entwurf der Anschlussverfügung vom 28. September
2009, act. 2/5). Die Höhe des Anschlussbeitrages für das Wohnhaus (inkl.
Mehrwertsteuer) wurde vom damaligen Präsidenten der Vorinstanz auch mündlich
präzis festgehalten (vgl. Telefonnotiz vom 23. November 2009, act. 2/6). Auch soweit
die Höhe des Anschlussbeitrages für das Wohnhaus lediglich auf hundert Franken
gerundet, nämlich mit Fr. 15'800.--, angegeben wurde, beruhte die Angabe
offensichtlich auf dem Zeitwert, wie er in der Schätzung im Jahr 2004 festgesetzt
worden war (vgl. Telefonnotiz vom 10. Dezember 2009, act. 2/7).
Gegenstand der Verfügung der Vorinstanz vom 28. Januar 2010 (act. 2/9) war nicht
bloss die Verpflichtung der Rekurrentin, das Wohnhaus (Vers.-Nr. 008) und den
Pferdestall (Vers.-Nr. 009) bis 30. April 2010 an die öffentliche Kanalisation
anzuschliessen (Ziff. 1a und b), sondern unter dem Titel der Kostenbeteiligung auch die
Festsetzung der Anschlussbeiträge (Ziff. 4a und b). Dabei wurden die Beträge von
Fr. 15'892.80 (Anschlussbeitrag Wohnhaus) und Fr. 3'096.-- (Anschlussbeitrag
Pferdestall) ausdrücklich auf das Kanalisationsreglement vom 22. Dezember 1980
gestützt. Zur Ermittlung der Höhe wurde jeweils festgehalten: "2,58% vom gültigen
Zeitwert". Die Festsetzung der Anschlussbeiträge lag in der Kompetenz der Vorinstanz
(vgl. dazu Art. 58 ff. des Abwasserreglements). Ob eine allfällige Rechtskraft der
Verfügung vom 28. Januar 2010 auch die Anschlussbeiträge umfassen würde, obwohl
der Anschluss an die Kanalisation in diesem Zeitpunkt erst verfügt, aber noch nicht
realisiert war, kann offen bleiben, da sie Gegenstand eines Rechtsmittelverfahrens
bildete und schliesslich durch eine Vereinbarung zwischen der Gemeinde G und der
Rekurrentin abgelöst wurde (vgl. dazu nachfolgend E. 3b/bb).
bb) Die Rekurrentin hat die Verfügung vom 28. Januar 2010 – entsprechend der