Decision ID: 0e29ba51-3467-48c8-a129-e33bc3c8cf1b
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1963, Mutter einer erwachsenen Tochter, arbeitete im Dezember 2013 sowie Januar 2014 kurzzeitig in einem Pensum von 20 % als Reinigungsangestellte (Urk. 6/1 Ziff. 5.4) und ist ansonsten als Hausfrau tätig (Urk. 6/1 Ziff. 5.5). Am 24. Februar 2014 meldete sich die Versicherte unter Hin
weis auf ein Karzinom der Ovarien bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 6/1 Ziff. 6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte
in der Folge erwerbliche
und medizinische
Auskünfte ein
und verneinte mit Verfügung vom 23. Februar 2015 einen Rentenanspruch der Versi
cherten (Urk. 6/27).
Die dagegen am 25. März 2015 beim hiesigen Gericht erho
bene Beschwerde wurde mit Urteil vom 12. Oktober 2015 abgewiesen (Urk. 6/34
; Prozess Nr. IV.2015.00373)
.
1.2
Am 15. Mai 2018 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(Urk. 6/38), worauf diese erwerbliche
(Urk. 6/36, Urk. 6/47
)
und medizinische Abklärungen
(Urk. 6/43-44, Urk. 6/48, Urk. 6/51
, Urk. 6/55-57
)
tätigte. Nach
ergangenem
Vorbescheid
(Urk. 6/60) wies die IV-Stelle das Lei
s
tungsbegehren mit unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 7. Mai 2019 ab (Urk. 6/61).
1.3
Mit Neuanmeldung vom 13. Februar 2020 beantragte die Versicherte unter Hin
weis auf diverse Erkrankungen wiederum die
Zusprache
einer Rente (Urk. 6/66 Ziff. 7.2, Ziff. 7.8).
Mit Vorbescheid vom 9. April 2020 stellte
die IV
Stelle zunächst in Aussicht, auf die Neuanmeldung werde nicht eingetreten
(Urk. 6/74).
Nach
dem die Versicherte dagegen am 19. Mai 2020
Einwände erhoben hatte
(Urk. 6/79)
, tätigte die IV-Stelle
weitere medizinische Abklärungen (Urk.
6/70, Urk. 6/72,
Urk. 6/
84
)
und veranlasste eine
bidisziplinäre
Begutachtung (Gutach
ten vom 25. Januar 2021, Urk. 6/99). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk.
6/101, Urk. 6/105) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. Juli 2021 einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invaliden
versicherung (Urk. 6/112 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 14. September 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. Juli 20
21
(Urk. 2) und beantragte, es sei festzustellen, dass sie Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung habe, und die Sache sei zur Abklärung des Umfangs der Leistungen an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. I.2
3). Mit Beschwerdeantwort vom 21. Oktober 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), worauf mit Gerichtsverfügung vom 9. November 2021 antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. I.4) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Ein
ordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus, am 7. Mai 2019 sei die letzte Anmeldung abgewiesen worden (S. 1).
Gemäss
dem Gutachten vom 4. Februar 2021 liege weiterhin keine gesundheitliche Beein
trächtigung vor, welche die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit erheb
lich und langandauernd einschränke. Dabei seien alle
geäusserten
Beschwerden und Befunde berücksichtigt worden. Hinweise auf eine eigenständige neurologi
sche Erkrankung hätten sich nicht ergeben.
Die von Dr.
Y._
im Dezember 2019 aufgeführten Beschwerden seien durch die orthopädische Untersuchung im Rahmen der Begutachtung vollumfänglich abgedeckt und objektiv beurteilt worden. Es bestehe kein Leistungsanspruch (S. 2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein (Urk. 1),
trotz über sechsjähriger intensiver Therapie und medikamentöser Behandlung sei keine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes eingetreten, sondern eine Verschlechterung. Es könnten auch keine psychosozialen Gegebenheiten dafür verantwortlich gemacht werden, da sie mittlerweile geschieden sei. Weiter bestehe ein erhebli
cher Unterschied in der neurologischen Diagnose
, aus Sicht des Neurologen Dr.
Y._
bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund der Beschwerden im Zusammenhang
mit der Halswirbelsäule
bestehe auch eine neue somatische Diagnose
(S. 5 f. Ziff. 2.3).
Das Gutachten der
Gutachtenstelle Z._
erweise sich zudem aus verschiedenen Gründen als unvollständig, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne (S. 6 Ziff. 2.4). Es sei nicht nachvollziehbar, inwiefern der psychiatri
sche Gutachter aufgrund einer einmaligen Konsultation zu einer präzi
seren Diagnose kommen könne als die behandelnde Fachperson. Umso mehr, als die Konsultation gerade einmal eine halbe Stunde gedauert habe und die Über
setzung mit einer Mazedonisch-Dolmetscherin ungenügend verlaufen sei (S. 6 f. Ziff. 2.5). Im Gutachten fehle sodann eine vertiefte Auseinandersetzung mit den neurologischen Befunden. Obschon nach Einschätzung des neurologischen Fach
arztes eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe, sei eine entsprechende Prüfung unterblieben (S. 7 f. Ziff. 2.6). Die Depression habe sich zudem zu einem selbständigen Krankheitsbild entwickelt, sei
komorbid
und bisher therapie
resistent (S. 8 Ziff. 2.7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwer
de
führerin seit der letzten Anspruchsprüfung im
Mai 2019
(Urk.
6
/
61
) verschlech
tert hat und nun ein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung besteht.
3.
3.
1
Für ihren Entscheid im Rahmen der Rentenprüfung im Mai 2019 stützte sich die Beschwerdegegnerin insbesondere auf den Bericht des Medizinischen Zentrums
A._
vom 2. September 2018 (Urk. 6/51/6-8). Darin hatten die Ärzte
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, einen Status nach Tumordiagnose
2011
sowie ein
lumbover
tebrales
Syndrom diagnostiziert (S. 2 Ziff. 2.5).
E
s liege eine depressive Sympto
matik
mit
Rückzug, Kraftlosigkeit, Lust- und Interesselosigkeit, Müdigkeit, Gedankenkreisen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Vergesslichkeit,
Thermodysregulation, Stimmungslabilität, erhöhter Ermüdbarkeit sowie negati
ven Zukunftsperspektiven vor. Die Beschwerdeführerin sei aktuell vollständig arbeitsunfähig auch für angepasste Tätigkeiten (S. 1).
Die gegenwärtige Behand
lung umfasse eine medikamentöse Therapie sowie Psychotherapie (S. 2 Ziff. 2.8).
3.2
RAD-Arzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt am 4. Januar 2019 fest, im Oktober 2015 sei ein Anspruch auf Leistungen ver
neint worden, da kein langanhaltender Gesundheitsschaden gegeben gewesen sei, welcher die Arbeitsfähigkeit für leichte und mittelschwere Tätigkeiten ein
schränke. Als Diagnosen seien damals ein Status nach serös-
papillärem
Ovarial-Karzinom beidseits ohne Hinweis auf ein Rezidiv, ein Lipom am Rücken rechts, eine
Lumboischialgie
links mit
breitbasiger
Diskushernie LWK5/S1 sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, festgestellt worden. Neu sei im November 2017 ein Aneur
y
sma
der Aorta
ascende
n
s
gefun
den worden.
Da
ein beobachtendes Vorgehen mit jährlichen Kontrollen gewählt worden sei, verursache dieses Aneurysma keine Arbeitsunfähigkeit. Auch der bekannte Diabetes mellitus II verursache keine Arbeitsunfähigkeit. Gemäss Bericht der Frauenklinik des
Spitals C._
vom 17. Juli 2018 bestehe sodann keine Arbeitsunfähigkeit aus gynäkologischer Sicht (Urk. 6/59 S. 3). Die Skelettbefunde seien unverändert und die Depression werde von den Ärzten des
A._
im Ausmass gleich wie im Jahre 2014 eingeschätzt. Daher seien aus versi
cherungsmedizinischer Sicht auch diesbezüglich keine Änderungen der Ein
schätzung festzustellen.
Insgesamt könne damit eine unveränderte Beurteilung der Arbeitsfähigkeit festgehalten werden (S. 4).
4.
4.1
Im Rahmen der Neuanmeldung im Februar 2020 liegen folgende Berichte vor.
4.2
Die Ärzte des
A._
führten in ihrem Bericht vom 5. August 2019 (Urk. 6/70/4-5) aus, die Beschwerdeführerin leide seit der Tumordiagnose im Jahre 2011 und der anschliessenden sechsmonatigen Chemotherapie unter Depressionen. Sie
klage
über Thermodysregulation, Rückzug, Kraftlosigkeit, Lust- und Interesselosigkeit, Müdigkeit, Gedankenkreisen, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie Ver
gesslichkeit. Somatisch würden ansonsten gemäss den Angaben der Beschwerde
führerin keine Befunde vorliegen. Nach der Trennung vom Ehemann im März 2019 müsse sie den Haushalt jetzt alleine verlangsamt machen (Ziff. 1.1). Die Beschwerdeführerin benötige langfristig psychotherapeutische Behandlung, eine solche finde aktuell bereits regelmässig statt (Ziff. 1.2-3). Seit dem Jahre 2010 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Bei schlechter Prognose und deutlich
chronifiziertem
Zustandsbild sowie gescheitertem Beschäftigungs
programm sei nicht von einer
Wiedererlangung der Arbeits
fähigkeit auszugehen (Ziff. 1.7). Derzeit sei eine Verschlechterung der Depression erkennbar. Die Beschwerdeführerin sei sehr motiviert, wieder arbeiten zu können, aber die Prognose sei aufgrund der
Chronifizierung
und der Progredienz schlecht (Ziff. 1.8).
4.3
In ihrem Bericht vom 17. Dezember 2019 nannten die Ärzte des
A._
folgende interdisziplinären Diagnosen (Urk. 6/72 S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Status nach Tumordiagnose 2011
-
zervikozephales
Syndrom
-
lumbovertebrales
Syndrom
Seit Jahren leide die Beschwerdeführerin an einem zervikal und lumbal betonten
Panvertebralsyndrom
. Wegen eines
ovaren
Tumors habe sie eine grössere abdominelle Operation durchgemacht und sei nun generell sehr geschwächt. Sie könne insbesondere keine mittel- bis schweren Arbeiten mehr durchführen. Die Arbeitsfähigkeit beschränke sich auf angepasste Tätigkeiten mit leichter Arbeit (S. 1). Seit der Tumordiagnose im Jahre 2011 leide sie unter Depressionen sowie damit einhergehend unter Thermodysregulation, Kraftlosigkeit
Lust- und Interesse
losigkeit, Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit (S. 2). Es werde empfohlen, die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung zur Stabili
sierung und Prävention fortzusetzen. Sowohl in der angestammten Tätigkeit als Schneiderin als auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe insgesamt eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit (S. 8).
4.4
Am 29. Mai 2020 führten die Ärzte des
A._
aus,
die Beschwerdeführerin habe sich Ende Mai 2019 von ihrem Ehemann getrennt, was zu einer Erleichterung geführt habe. Die Depression persistiere jedoch trotzdem, nun bestehe auch die Notwendigkeit einer medikamentösen
, antidepressiven Behandlung. Die Beschwerdeführerin sei ständig müde, habe immer Schmerzen. Sie fühle sich ängstlich, sei hyperaktiv und leide unter Gedankenkreisen bezüglich einer möglichen Wiederkehr der Krebserkrankung. Ausserdem leide sie unter Schlaf
störungen
, Schreckhaftigkeit, Nervosität, Thermodysregulation, Kraft
losigkeit, Lust- und Interesselosigkeit, Konzentrationsstörungen und Vergesslich
keit
. Nach der Chemotherapie habe sie sich nie mehr richtig erholen können, die Depression erweise sich trotz Antidepressivum als bisher therapieresistent (
Urk. 6/84
S. 2). Insgesamt sei im Gegensatz zur Einschätzung durch Dr.
B._
eine deutliche Auswirkung der Störungen auf die Arbeitsfähigkeit gegeben. Der Haushalt sei verlangsamt noch machbar
, eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aber nicht mehr möglich. Die Beschwerdeführerin sei auch für angepasste Tätigkeiten voll
ständig arbeitsunfähig (S. 4).
4.5
Am 25. November 2020 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der Beschwer
de
gegnerin orthopädisch sowie psychiatrisch begutachtet.
In ihrem
Gutachten vom 25. Januar 2021
(Urk. 6/99 S. 7 Ziff. 4.2.a)
stellten
die Begutachtungsinstituts
Z._
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen
ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte sodann folgende (S. 7 Ziff. 4.2.b):
-
leichtgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung, Belastung, nicht andernorts klassifizierbar
-
in der Eigenanamnese bösartige Neubildungen
-
chronisches unspezifisches
multilokuläres
Schmerzsyndrom
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
radiologisch mehrsegmentale lumbale Degeneration ohne klaren Hin
weis für eine Neurokompression
-
klinisch kein
höhergradiges
funktionelles Defizit
Im Rahmen der Konsensbeurteilung führten die Gutachter zusammenfassend aus, b
ei der psychiatrischen Untersuchung habe eine depressive Episode in leichtgra
diger Ausprägung festgestellt werden können. Die Beschwerdeführerin habe Angst, erneut an einem Tumor zu erkranken. Die psychiatrischen Diagnosen bedingten jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und aus psychiatri
scher Sicht bestehe eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit in einer Aushilfs
tätigkeit wie zuletzt ausgeübt. Bei der orthopädischen Untersuchung zeige sich eine weitgehend freie Beweglichkeit in sämtlichen Abschnitten, desgleichen an allen Extremitäten mit Ausnahme der verminderten Innenrotation der rechten Hüfte. Es hätten Inkonsistenzen in unterschiedlichen Untersuchungssituationen bestanden und drei von fünf
Waddell
-Zeichen seien positiv gewesen. Radiolo
gisch seien mehrsegmentale degenerative Veränderungen der zervikalen und lumbalen Wirbelsäule einschliesslich einer leicht- bis
mässiggradigen
lumbo
sakralen
Spinalkanalstenose, nicht aber
radikuläre
Affektionen festgehal
ten. Aus orthopädischer Sicht bestehe für körperlich leicht bis selten mittel
schwere Tätigkeiten, einschliesslich der als angestammt anzusehenden Tätigkeit im Haushalt, eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Das wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 10 kg bis selten 15 kg sei zu vermeiden (S. 8 Ziff. 4.3).
Für die als angestammt anzusehende Tätigkeit im Haus
halt
und für andere körperlich leichte bis selten mittelschwere Aushilfstätigkeit, ohne wiederholtes Heben und Tragen von Lasten über 10 kg bis selten 15 kg, bestehe eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit und die Beschwerdeführerin könne in einer solchen Tätigkeit während acht Stunden pro Tag
ohne Einschrän
kung der Leistungsfähigkeit
anwesend sein (S. 8 Ziff.
4.6.1-2). Es bestehe eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit (S. 8 Ziff. 4.6.3). Auch retrospektiv habe für derartige Tätigkeiten keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit im Sinne einer invalidisierenden Erkrankung bestanden (S. 9 Ziff. 4.6.4). Aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin, der nur schlechten deutschen Sprachkenntnisse, der fehlen
den Ausbildung und auch der Krankheitsüberzeugung seien berufliche Mass
nahm
en nicht sinnvoll durchführbar (S. 9 Ziff. 4.10).
In seinem Teilgutachten hielt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, fest, die Beschwerdeführerin stamme aus
E._
, sie habe keine Berufsausbildung absolviert.
Ihren Angaben nach spreche sie kaum Deutsch
und
es bestünden
nur wenige psychosoziale Kontakte. Zwei Beziehungen seien gescheitert, die 34-jährige Tochter lebe in
E._
. Als für die Beschwerde
führerin sehr belastend sei die im Jahre 2010 aufgetretene Tumorerkrankung anzusehen. Sie gehe seit Jahren keiner beruflichen Tätigkeit mehr nach und beziehe Sozialhilfe. Aus den genannten Belastungsfaktoren, welche zum grossen Teil jedoch als invaliditätsfremd anzusehen seien, habe sich eine zumindest leichtgradige Depression entwickelt
, welche sich jedoch in der aktuellen Untersu
chung in allenfalls leichtgradiger Ausprägung zeige
(S. 24 Ziff. 7.1
, S. 26 Ziff. 7.4
).
Seit sechs Jahren finde eine ambulante psychiatrisch-psychothera
peutische Behandlung statt. Die Therapiegespräche fänden jedoch auf Deutsch statt, was angesichts des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin kaum Deutsch spreche, verwundere. Es bestehe zudem eine antidepressive Behandlung mit 20 mg
Cipralex
und
Relaxane
. Die Beschwerdeführerin nehme die Medikamente regelmässig ein und verspüre hierunter eine Stabilisierung (S. 25 Ziff. 7.2).
Sie
schildere ihre Beschwerden äusserst detailliert, unterstrichen mit einer lebhaften Gestik und Mimik. Es bestünden deutliche Tendenzen zu Aggravation und Ver
deutlichung der Beschwerde. Sie habe zudem durchgehend Insuffizienzgedanken angegeben, sowohl bezüglich der aktuellen Situation als auch der Zukunft, es zeigten sich hier erhebliche selbstlimitierende Tendenzen (S. 25 Ziff. 7.3.1). Es bestehe keine von sinnvollen Aktivitäten angefüllte Freizeitgestaltung, vor allem durch den Umstand, dass die Beschwerdeführerin als einer Risikogruppe angehö
rig
wegen der Corona-Krise das Haus kaum noch verlasse (S. 25 Ziff. 7.3.2). Aus den vorliegenden Berichten des
A._
ergebe sich, dass bereits im Jahr 2018 eine Medikation mit damals noch 10 mg
Escitalopram
beschrieben worden sei, im Jahre 2019 sei die Medikation auf 20 mg erhöht worden. Auffallend sei zudem, dass sich die erhobenen Befunde in den Berichten vom Juni 2014, Januar 2015 und September 2018 bis auf den Wortlaut gleichen würden. Im Bericht vom 5. August 2019 werde zwar von einer Verschlechterung der Depression berichtet, ein psychopathologischer Befund sei jedoch nicht erhoben worden. Aus dem Arztbericht vom 29. Mai 2020 gehe sodann hervor, dass die Stimmungslage depressiv-resigniert und die Beschwerdeführerin in Aufmerksamkeit, Konzentra
tion, Merkfähigkeit und Gedächtnis verlangsamt und eingeschränkt sei. Derartige Symptome hätten jedoch in der aktuellen Unter
suchung nicht festgestellt werden können
(S. 25 Ziff. 7.3.3). Die Beschwerde
führerin sei in der Lage, in Aushilfs
tätigkeiten mit einem Pensum von acht Stunden pro Tag an fünf Tagen in der Woche tätig zu sein (S. 26 Ziff. 8.1.1). Sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit (S. 26 Ziff. 8.1.3 und 8.2.4). Es würden sich keine Hinweise auf eine in den letzten Jahren eingeschränkte Arbeitsfähigkeit ergeben (S. 26 Ziff. 8.1.4 und 8.2.5)
.
Der orthopädische Teilgutachter
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Ortho
pä
dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
führte aus, die Beschwerdeführerin
klage
über rund um die Uhr auftretende, unablässig zunehmende Beschwerden unter anderem sämtlicher Abschnitte des Bewegungs
apparates ohne klares
Punctum
maximum
. Die Symptomatik habe vor mehreren Jahren aufgrund einer Chemotherapie
eingesetzt
und führe zu massiven Ein
schränkungen im Alltag. Sie könne keine klar lindernden Faktoren nennen, nehme aber dennoch in unklar bleibender, womöglich hoher Dosierung Analge
tika ein. Seitens des Bewegungsapparates werde sie zweimal monatlich durch den Allgemeinchirurgen Dr.
G._
betreut (S. 34 Ziff. 7.1). Anamnestisch scheine es, dass auf Ebene des Bewegungsapparates seit längerer Zeit keine spezifischen Massnahmen erfolgt seien (S. 35 Ziff. 7.2). Auf orthopädischer Ebene sei das Gangbild auf Treppe und ebenem Terrain mitsamt den geprüften Varianten weit
gehend unauffällig. Bei der Untersuchung der Wirbelsäule zeige sich eine weit
gehend freie Beweglichkeit sämtlicher Abschnitte, desgleichen an allen Extremi
täten mit Ausnahme der verminderten Innenrotation der rechten Hüfte. Die Beschwerdeführerin berichte äusserst diffus und sprunghaft über ihre generali
sierten Beschwerden, wobei trotz wiederholter Nachfrage kaum Einzelheiten in Erfahrung zu bringen seien. Die gesamte ausführliche Untersuchung im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen könne bei ausreichender Kooperation soweit problem
los durchgeführt werden. Bei der Prüfung der unteren Extremitäten in Rückenlage komme es zur Angabe zeitweise
massivst
ausgeprägter
lumbosakraler
Schmerzen, während die forcierte Vornahme derselben Manöver in sitzender Position ohne jeglichen ersichtlichen Leidensdruck gelinge. Auch das Aus- und Anziehen erfolge sehr flüssig und trotz ihres Übergewichts stemme die Beschwerdeführerin im
Langsitz
den Oberkörper mit beiden Armen spontan und zügig hoch, um ihre Position zu verändern, was mit einer
höhergradigen
funktionellen Einschränkung der oberen Extremitäten kaum vereinbar sei. Während das spontane Bücken ohne ersichtlichen Leidensdruck gelinge, bereite es im Rahmen der gezielten Prüfung offenbar erhebliche Beschwerden. Drei von fünf
Waddell
-Zeichen seien positiv.
Auf radiologischer Ebene seien mehrsegmentale degenerative Veränderungen der zervikalen und lumbalen Wirbelsäule einschliesslich einer leicht- bis
mässiggra
dige
n
lumbosakralen
Spinalkanalstenose, nicht aber
radikuläre
Affektionen festgehalten worden. In Anbetracht des klinisch objektiv weitgehend
blanden
Befun
des werde auf die Anfertigung neuer Bilddokumente verzichtet. Zusammen
fassend könne festgestellt werden, dass sich das anamnestisch und klinisch äusserst diffus und widersprüchlich präsentierte Geschehen durch die klinischen und radiologischen Befunde keinesfalls klar begründen lasse. Grundsätzlich nachvollziehbar seien
lumbosakrale
Rückenschmerzen bei hoher körperlicher Belastung, doch würden die ausgeprägten Inkonsistenzen während der körperli
chen Untersuchung und insbesondere die anamnestische Präsentation an eine dezidiert im Vordergrund stehende nicht-organische Beschwerdekomponente denken lassen (S. 35 Ziff. 7.3.1). Die im Alltag bezüglich des Bewegens hoher Lasten geltend gemachten Einschränkungen könnten soweit nachvollzogen werden (S. 35 Ziff. 7.3.2).
Für körperlich leichte bis selten mittelschwere Verrich
tungen einschliesslich der wahrscheinlich als angestammt anzusehenden Tätig
keit im
Haushalt
könne auf Ebene des Bewegungsapparates von einer uneinge
schränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Das wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 10 kg bis selten 15 kg sei dabei zu vermeiden (S. 36 f. Ziff. 7.4 und 8.1.1). Für derartige Verrichtungen habe auch in der Vergangenheit keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit im Sinne einer invalidisierenden Erkrankung bestanden (S. 37 Ziff. 8.1.4).
4.6
Am 25. Juni 2021 hielt Dr.
B._
fest, der orthopädischen Gutachter habe keine Hinweise auf eine eigenständige neurologische E
rkrankung gefunden. Die von Dr.
Y._
im Dezember 2019 aufgeführten Beschwerden eines chroni
schen Schmerzsyndroms, einer chronischen
Radik
ul
opathie
L4/S1 beidseits bei Spinalkanalstenose, von Beckenschmerzen sowie einer
Periarthropathie
seien keine spezifischen, eigenständigen neurologischen Beschwerden und Einschrän
kungen. Diese Befunde seien durch die orthopädische Begutachtung voll abge
deckt und objektiv beurteilt worden. Es sei daher keine erneute oder zusätzliche Begutachtung notwendig (Urk. 6/1
1
1 S. 2).
4.7
Am 11. September 2021 nahmen die Ärzte des
A._
Stellung zum psychiatrischen Teil des
Z._
-Gutachtens und führten aus, abgesehen von der deutlich mangel
haften Übersetzung würden als Symptome ohne Einschränkung der Arbeitsfähig
keit Panik, Angst vor erneuter Erkrankung, Vergesslichkeit, Suizidideen und Schlafstörungen genannt (Urk. 3/2 S. 1 Ziff. 2). Obschon die Depression seit dem Jahre 2014 vordiagnostiziert und im Verlauf der Behandlung verifiziert
worden sei, werde in den psychiatrischen Untersuchungsbefunden als Eindruck in der Exploration kein ausgeprägter depressiver Affekt und keine Angst festgestellt, was sich dann auch in den Diagnosen auswirke. Offenbar habe die festgestellte leichte depressive Episode sowie die vorgebrachten Probleme mit der Lebensbe
wältigung keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 f. Ziff. 3).
Gegen
stand der begründeten Verschlechterung des Zustandes der Beschwerdeführerin sei eine zunehmende und deutliche Auswirkung der bestehenden psychiatrischen und somatischen Störungen auf die Arbeitsfähigkeit. Dabei sei unerheblich, ob sich die Diagnosen
geändert hätten oder nicht und ob sich die Problem
beschreibungen ähnelten (S. 2 Ziff. 4). Es sei ein Fakt, dass der Haushalt nur noch sehr verlangsamt machbar sei
. Nach 30 Minuten müsse sie absitzen, sie koche nur Fertiggerichte. Eine Nachbarin helfe ihr. Dazu kämen von psychischer Seite Ängste, Nervosität und Rückzug
. Die Beschwerdeführerin sei ständig müde, habe immer Schmerzen. Auch leide sie an starken Hand- und Fussschmerzen, Gedan
kenkreisen, Nervosität, Antriebslosigkeit, Lust- und Interesselosigkeit, vollständi
gem Verlust von Selbstvertrauen, Schuldgefühlen, Kon
zentrationsstörungen und Vergesslichkeit. Damit seien die Kriterien für eine mittelgradige Depression erfüllt (S. 2 Ziff. 5). Der letzte Arbeitsversuch im März 2014 habe wegen Schmerzen und Schwindel, massiven Ängste
n
wegen der Tumorerkrankung, deutlichem Verlust von Aufmerksamkeit sowie deutlicher Vergesslichkeit abgebrochen werden müssen (S. 2 Ziff. 6). Dazu finde sich eine Therapieresistenz, die Beschwerde
führerin könne im Rahmen der Depression und der damit verbundenen Krank
heitsbefürchtungen nicht stationär psychiatrisch behandelt werden
(S. 2 Ziff. 7). Die vorgebrachten invaliditätsfremden Gründe (Tumorerkrankung, keine berufli
che Tätigkeit seit zwei Jahren, Sozialhilfebezug, Tochter lebe
in
E._
, fehlende Berufsausbildung, zwei gescheiterte Beziehungen) seien nicht ursächlich für die mittelgradige depressive Episode und deren deutlich zunehmende Auswir
kung auf den Alltag und die Arbeitsfähigkeit. Die Depression habe sich inzwi
schen zu einem selbständigen Krankheitsbild entwickelt, sei
komorbid
und bisher leider therapieresistent. Hauptsymptom sei die Antriebslosigkeit, die Lust- und Interesselosigkeit sowie das deutliche Stimmungstief. Insgesamt sei bei genauer Prüfung der Symptomatik daher eine Verschlechterung ausgewiesen, die mittel
gradige Depression habe immer mehr Auswirkungen auf den Alltag und die Arbeitsfähigkeit (S. 2 unten).
5
.
5
.1
Für die Beurteilung des Leistungsanspruches ging die Beschwerdegegnerin insbe
sondere gestützt auf das
Z._
-Gutachten davon aus, dass keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegen
und
die
Beschwerdeführerin damit
in ihrer Arbeitsfähigkeit weder erheblich noch langandauernd eingeschränkt ist (E. 2.1).
Das Gutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien vollumfänglich und die
Beurteilung erweist sich, wie nachfolgend zu zeigen ist, insgesamt als zutreffend.
5
.2
Soweit d
ie Beschwerdeführerin gegen das Gutachten zunächst in formeller Hin
sicht vor
brachte
, die Begutachtung sei in Anwesenheit einer Mazedonisch-Dolmetscherin erfolgt und die Übersetzung damit
mangelhaft verlaufen (E. 2.2)
,
ist einerseits darauf zu verweisen, dass
sowohl
die bulgarische
als
auch
die mazedonische Sprache
zur
Gruppe der südslawischen Sprachen gerechnet
werden und sich sehr nahe sind
.
Die beiden Sprachen
stimmen im Lautstand, in der Flexion und in der Syntax durchaus überein, so dass einige Wissenschaftler die
mazedonische
Sprache, obwohl im früheren Jugoslawien gelegen, als Bulgarisch charakterisieren und zum Schluss gelangen, dass die mazedonische Schrift
spra
che keine neue Sprache ist, sondern eine bulgarische Mundart
. In
Bulgarien
ist diese Betrachtungsweise für die Klassifikation der Sprache noch heute allgemein üblich. Die Autoren eines im Februar 2021 veröffentlichten Buches zum Sprachenstreit zwischen
Bulgarien
und der Republik
Nord
mazedonien
ermittelten den Anteil der Wörter in der mazedonischen Sprache, die sich von denen in der bulgarischen Sprache unterscheidet, zwischen 7 und 10 %, nur 10 % sind Dialektwörter, die in
Bulagrien
nicht verwendet werden.
Auch wenn d
as Maze
donische heute eine voll ausgebaute, für Äusserungen in allen Lebensbereiche gerüstete Standardsprache
ist und mittlerweile beide Idiome als eigenständige Sprachen angesehen werden, ist
eine Verständigung mit den Sprechern des Bulgarischen problemlos möglich. Der Unterschied zwischen Mazedonisch und Bulgarisch ist sodann in der Schriftsprache grösser als in der gesprochenen Sprache (vgl. Eintrag Wikipedia zur Mazedonischen Sprache).
Insgesamt ist somit ohne Weiteres davon auszugehen, dass
von der
Anwesenheit einer Dolmetscherin
für Mazedonisch anstatt für Bulgarisch
nicht
grundsätzlich auf schwerwiegende Probleme bei der Übersetzung geschlossen werden kann.
Zu den
konkreten Umstände
n
a
nlässlich der Begutachtung
hielt der psychiatri
sche Fachgutachter fest, die Untersuchung habe mit Hilfe einer Dolmetscherin für Mazedonisch stattgefunden
, da die Beschwerdeführerin angebe, kaum Deutsch zu sprechen oder verstehen (Urk. 6/99 S. 23 Ziff. 4.2). Der orthopädische Gutachter sodann
berichtete, die Untersuchung sei auf Wunsch der Beschwerdeführerin mit Hilfe einer Mazedonisch-Dolmetscherin erfolgt, die Beschwerdeführerin spreche jedoch nur bulgarisch. Letztlich sei die Konversation ebenso gut in deutscher Sprache erfolgt (Urk. 6/99 S. 31 Ziff. 4.2).
Bezüglich der Sprachkenntnisse der Beschwerdeführerin ist
weiter
darauf hinzu
weisen, dass diese seit Jahren durch die Ärzte des
A._
ohne
Beizug
eines Dolmetschers behandelt wird und sich aus keinem der vorliegenden Berichte Hin
weise auf Verständigungsprobleme ergeben (vgl. Urk. 6/51, Urk. 6/70/4-5, Urk. 6/72, Urk. 6/84
). Letztmals erwähnten die Ärzte der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals
H._
in einem Bericht vom 16. Mai 2017,
dass die Kommunikation
trotz Übersetzer
erschwert sei (Urk. 6/43/5).
Insgesamt
ist damit
davon
auszugehen
, dass die Verständigung anlässlich der Begutachtung in ausreichendem Masse möglich war.
Dies hat umso mehr zu gelten, als dass die Beschwerdeführerin keine konkreten Angaben dazu machte, welche Aspekte und Bereiche der Anamnese und Befunde zufolge der Verständi
gungsprobleme nicht korrekt erhoben
worden seien
(vgl.
Urk.
1 S. 7 oben, S. 8 oben).
5
.
3
Betreffend die somatischen Beschwerden brachte die Beschwerdeführerin vor,
sie
hätte
auch neurologisch begutachtet werden sollen
,
und stützte
sich dabei insbe
sondere auf den Bericht des
A._
-
Arztes
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Neurologie. Dieser hatte im Bericht
vom 17. Dezember 2019 (Urk. 6/72) seit dem Jahre 2011 bestehende Rücken- und Gelenkschmerzen, Ganzkörperschmerzen, Angstzustände, Schlafprobleme, eine Tagesmüdigkeit, Unruhezustände und Depressionen beschrieben (S. 2), wobei davon lediglich die Rücken-, Gelenk- und Ganzkörperschmerzen den neurologischen Fachbereich betreffen. Bei den interdisziplinären Gesamtdiagnosen wurden
in der Folge
ein
zervikozephales
sowie ein
lumbovertebrales
Syndrom genannt, welche
jedoch
ausführlich durch Dr. med.
G._
, Facharzt für Chirurgie,
diskutiert wurden (S. 1). Die aufgenommenen neurologischen Befunde
fielen
denn auch
durchgehend
unauffällig und normal
aus
(vgl. S. 6-7)
und Dr.
Y._
empfahl lediglich die Weiterführung der
konservative
n
Schmerztherapie (S. 8).
Weitere neurologische Fachberichte liegen keine vor. Dass die Gutachter des
Z._
keine spezifisch neurologische Teilbegutachtung veranlassten, ist demnach nicht zu beanstanden.
Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten neuen Beschwerden im Zusammenhang mit der Halswirbelsäule wurden sodann von den
Z._
-Gutachtern untersucht und bei der Beurteilung berücksichtigt (
vgl. orthopädisches Teilgut
achten, Urk. 6/99 S. 32 ff
).
Insgesamt ist damit
gestützt auf das
Z._
-Gutachten
aus somatischer Sicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
zwar an einem chronischen
lumbo
vertebralen
Schmerzsyndrom leidet, sie jedoch in der als angestammt anzusehen
den Tätigkeit im Haushalt sowie für jede andere körperlich leichte bis selten mit
telschwere Aushilfstätigkeit ohne wiederholtes Heben und Tragen von Lasten über 10 kg bis selten 15 kg uneingeschränkt arbeits- und leistungsfähig ist (vgl.
E.
4.5
).
5
.
4
Was sodann den psychischen Gesundheitszustand betrifft,
ging der psychiatrische
Z._
-Gutachter davon aus, dass sich aus den vorliegenden Belastungsfaktoren, welche jedoch
zum grossen Teil als invaliditätsfremd anzusehen seien, eine zumindest leichtgradige Depression entwickelt habe (Urk. 6/99 S. 24 Ziff. 7.1). Diese führe jedoch nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/99 S. 24 Ziff. 6.1-2).
Soweit
die Beschwerdeführerin
unter Hinweis auf die Berichte des
A._
geltend
macht
, es sei entgegen de
r
Ausführungen im Gutachten trotz intensiver Therapie und medikamentöser Behandlung zu einer Verschlechterung des Gesundheitszu
standes gekommen (E. 2.2)
, kann dieser Argumentation nicht gefolgt werden
.
Nachdem sowohl im September 2018 als auch im Dezember 2019 die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressi
ven Episode, gestellt worden war
(E. 3.1, E. 4.3)
und die Ärzte
bereits im Septem
ber 2018 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen waren (E. 3.1), sind auch di
e
in den Berichten
des
A._
genannten Befunde
seit dem Jahre 2018 im Wesentlichen unverändert
. B
ereits damals beschrieben die Ärzte Thermodysregu
lation, Rückzug, Kraftlosigkeit, Lust- und Interesselosigkeit, Müdigkeit, Gedanken
kreisen, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie Vergesslichkeit (E. 3.1). Ebenso unverändert ist der Behandlungsplan
mit dem Ziel der Akti
vierung der Beschwerdeführerin, dem Erkennen des Selbstanteils an den inter
personellen Konflikten, der Verbesserung der Beziehungsfähigkeit, dem Erlernen von Stressbewältigungsstrategien und der Reduktion der Depression (vgl.
Urk. 6/51/8, Urk. 6/70/3)
und auch die medikamentöse Therapie wurde bereits im September 2018 initiiert (vgl. E. 3.1, E. 4.2
-4
, E.
4.7)
.
Die von den Ärzten des
A._
geltend gemachte Verschlechterung kann
damit
insgesamt nicht nachvollzogen werden.
Dass die Beschwerdeführerin bei den Haushaltstätigkeiten vermehrt Pausen einlegt, vermag daran nichts zu ändern.
In diesem Zusammen
hang ist sodann auch auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass die behandelnden Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Zu berücksichtigen ist
weiter
, dass mit der fehlenden Berufsausbildung, dem Bezug von Sozialhilfe, der Trennung vom zweiten Ehemann und der grossen Distanz zur Tochter mehrere psychosoziale Faktoren vorliegen
,
und
beide Gut
achter
deutliche Tendenzen zur Aggravation und Verdeutlichung der Beschwer
den feststellte
n
(E. 4.5).
Soweit die Beschwerdeführerin
von einer
ungenügende
n
Dauer der Untersuchung
durch den Teilgutachter Dr.
D._
ausging (E. 2.2), so ist vorweg festzuhalten, dass das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung der Dauer einer psychiatrischen Ex
ploration keinen bedeutenden Stellenwert zumisst, solange der zeitliche Auf
wand der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen ist
und
die Expertise den praxisgemässen Kriterien entspricht (Urteile des Bun
desgerichts 8C_437/2011 vom 13.7.2011, E. 3.2.1, und 8C_485/2010 vom 21. September 2010, E. 2.4.3). Der Detaillierungsgrad des Teilgutachtens von Dr.
D._
spricht nicht gegen den Beweiswert und es ist nicht ersichtlich, dass die Expertise unsorgfältig erstellt worden wäre.
5.
5
Insgesamt erweist sich die Beurteilung durch die Ärzte des
Z._
als überzeugend und nachvollziehbar, weshalb darauf abgestellt werden kann. Es ist somit davon auszugehen, dass es seit der letzten Rentenprüfung im Mai 2019 weder zu einer wesentlichen Veränderung der gestellten Diagnosen noch zu einer wesentlichen Veränderung der Arbeitsfähigkeit gekommen ist. Ein Revisionsgrund ist somit zu verneinen. Fehlt es daran, so ist
k
eine Prüfung der Standardindikatoren (vgl. BGE 141 V 281) vorzunehmen.
Die angefochtene Verfügung vom 22. Juli 2021 erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Beschwerdeführerin ist auf
§ 16 Ab. 4 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
)
hinzuweisen.
6.2
Für das Beschwerdeverfahren wurde mit Verfügung vom
9
.
November
2021 das Gesuch de
r
Beschwerdeführer
in
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechts
ver
tretung gutgeheissen, wobei d
er
Rechtsvertreter ausdrücklich darauf hinge
wiesen wurde, dass
er
die Möglichkeit zur Einreichung einer Honorarnote habe, hierzu jedoch keine Fristansetzung erfolge (Urk.
9
). Nachdem keine Honorarnote einge
gangen ist, ist die Prozessentschädigung gemäss § 34 Abs. 3
GSVGer
ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen. Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 2’300.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Baraus
lagen) als angemessen.