Decision ID: 7d85064b-1f89-5918-9cc2-a04f2791898e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren
1962,
meldete sich am
12. September 2001
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an
und gab dabei die folgende Be
hin
derung an
: «
Wenn ich meinen gelernten Beruf als Kellner ausüben muss, baut
sich in mir ein extremes Aggressionsverhalten auf, welches zum übermäs
sigen Kon
sum von Alkohol und Drogen führen kann und zudem noch besorg
nis
erreg
en
de Schlafstörungen auslöst
.
»
(Urk. 7/3 Ziff. 6.2). Die Sozialversiche
rungs
an
stalt
des Kanto
ns Zürich, IV-Stelle, liess den Versicherten psychiatrisch begutachten
(Urk. 7/17). Mit Verfügungen vom 3. Oktober 2002 (Urk. 7/26) und 12. Juni 2003
(Urk. 7/41) sprach sie ihm berufliche Massnahmen im Sinne einer Umschulung zum kaufmännischen Angestellten zu. Mit Verfügung vom 3. November 2004 (Urk. 7/53) stellte die IV-Stelle fest, dass der Versicherte die Umschulung zum kaufmännischen Angestellten aus gesund
heitlichen Grün
den abgebrochen habe und hob die Verfügung vom 12. Juni 2003 wiederer
wä
gungsweise auf. Die IV-Stelle liess den Versicherten erneut psychiatrisch begut
achten (Urk. 7/55/3-13) und sprach ihm mit Verfügung vom 26. Mai 2005 (Urk. 7/62) mit Wirkung ab 1. September 2004 bei
einem Invalidi
tätsgrad von
100 %
eine
ganze Rente
zu.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Im Rahmen einer von Amtes wegen durchgeführten Rentenrevision
gab
der
Versi
cherte im Revisi
onsfragebogen vom 26. Juni 2007 (Urk. 7/74/1-2 Ziff. 4)
folgende Beeinträchtigungen an
:
«
Ich leide nach wie vor unter den
selben
Stress
ymptomen
, welche sich bei jeglicher physischer und vor allem psy
chischer Belastung als Na
cken-,
Rückenmuskulaturverkrampfungen
und danach in Form
von unerträgli
chen Kopf
schmerzen in Erscheinung treten»
. Die IV-Stelle holte einen Bericht beim Hausarzt des Versicherten (Urk. 7/75) ein und
teilte
letzterem
am 9. August 2007 (Urk. 7/79) mit, dass er auf Grund des
bisherigen In
validi
täts
grads von 70 % (rich
tig: 100 %) weiterhin Anspruch auf die bisherige (ganze) In
va
lidenrente habe.
1.3
Im Rahmen einer erneut von Amtes wegen durchgeführten Rentenrevision führte
der Versicherte im Revisionsfragebogen vom 8. Oktober 2009 (Urk. 7/85 Ziff. 5) aus:
«
Da meine Kopfschmerzen stärker werden, musste
ich mir von meinem Arzt stärkere Medikamente geben lassen
»
. Die IV-Stelle liess
den Versicherten psychi
atrisch begutachten (Urk.
7/91). Mit
Vorbe
scheid vom 3. Januar 2011 (Urk. 7/95)
stellte sie
einen Invaliditäts
grad von 58 %
fest und stellte dem Versicherten die Herabsetzung
seiner ihm
bisher ausgerichteten gan
zen
auf eine halbe Rente in Aussicht.
Nachdem der Versicherte a
m 4. März 2011 dagegen Einwendungen
er
hoben hatte
(Urk. 7/101/2),
liess ihn die
IV-Stelle
polydisziplinär (rheumatolo
gisch, neurologisch, psy
chiatrisch) begutach
ten (Urk. 7/106).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/120
,
Urk. 7/124)
stellte die IV-Stelle mit
Verfügung vom 22. Januar 2013 (Urk. 7/132)
eine uneingeschränkte Arbeits
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit fest und hob die dem Versicherten bisher ausgerichtete ganze Rente revisionsweise per Ende des auf die Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. Die vom Versicherten am
1
8.
Februar 2013 dagegen erhobene Beschwerde
(
Urk.
7/134)
wies das hiesige Gericht mit Entscheid vom 2
8.
August 2014 (Prozess Nr. IV.2013.00
182;
Urk.
7/148) ab.
Das Bundesge
richt trat auf die vom Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde nicht ein
(Prozess Nr. 8C_774/2014;
Urk.
7/151)
.
1.4
Am
7.
November 2016
meldete
der Versicherte
sich unter Hinweis auf
Stress, Druck im Hinterkopf und Kopfschmerzen
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/156
Ziff.
6.
1
), worauf die IV-Stelle
dem Versi
cherten mit Vorbescheid vom 1
0.
Januar 2017 (
Urk.
6/168) ein Nichteintreten auf die Neuanmeldung in Aussicht
stellte. Nachdem der Versicherte am 2
7.
Januar 2017 dagegen Einwendungen erhoben hatte (Urk. 6/170),
trat die IV-Stelle mit Mitteilung vom 2
8.
Februar 2017 (
Urk.
6/172) auf die Neuanmeldung vom
7.
No
vember 2016 ein und liess den Versicherten polydisziplinär begutachten (Gutach
ten vom 1
1.
Dezember 2017; Urk. 6/192/2
36). Mit Verfügung vom 1
1.
Septem
ber 2018 (
Urk.
6/204 =
Urk.
2)
verneinte
die IV-Stelle
einen Rentenanspruch des Versicherten
.
2.
Gegen die Verfügung vom 1
1.
September 2018 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 1
2.
Oktober 2018 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Rente zuzusprechen; eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und zur Neube
urteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
November 2018
(
Urk.
6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (S. 1). Mit Eingabe vom
7.
Dezember 2018 (Urk. 8) reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen (
Urk.
9/1-3)
ein. Am
3.
Januar 2019
verzichtete die Beschwerdegegnerin
auf eine Stellungnahme dazu
(
Urk.
11)
.
Am 2
9.
Mai 2019 wurde
n
dem Beschwerdeführer die Eingaben der Beschwerde
gegnerin
vom 1
5.
November 2018
und vom
3.
Januar 2019 zur Kenntnis gebracht
(
Urk.
12)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente
,
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
,
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die In
validenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist von Amtes wegen zu prüfen
, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretens
verfü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ers
ten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemach
ten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachverhaltsabklä
rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs (bei An
haltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesund
heitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsanspre
chende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wiederer
wägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgege
nhalten lassen (BGE 130 V 71 E.
3.2.3
; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.
).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.7
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Ar
beitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfäl
ligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409
E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als chronifiziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.
8
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art.
8 des Zivilgesetzbuches, ZGB) obliegt es bei erstmaliger Rentenprüfung (sowie bei einer Neuanmeldung zum Leistungsbe
zug) der versicherten Person, die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungs
anspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt (BGE 140 V 290
E. 4.1; 139 V 547 E. 8.1). Bleiben die Auswirkungen eines objektivierbaren wie auch eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Arbeitsfähigkeit trotz in Nach
achtung des Untersuchungsgrundsatzes sorgfältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt, ist der Beweis für die Anspruchsgrundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen (BGE 140 V 290 E. 4.1 mit Hinweisen auf die Literatur).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
1
1.
Septem
ber 2018
(
Urk.
2
) davon aus, dass
dem Beschwerdeführer auf Grund der medizi
nischen Aktenlage die Ausübung einer körperlich leichten bis mittelschweren Tä
tigkeit, unter Einschluss der bisherigen Tätigkeit als Kellner unverändert im Um
fang eines vollzeitlichen Arbeitspensums zuzumuten sei (S. 1),
und verneinte ei
nen
Rentenanspruch (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt
hiegegen
vor,
dass
auf Grund der
Beurteilung
en
durch die ihn behandelnde psychiatrische Fachärztin
davon auszugehen sei, dass er neu an einer komplexen Belastungsstörung (KPTBS) und unter einer
Aufmerk
samkeitsdefizit-
und
Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
leide (
Urk.
1 S. 9)
,
weshalb sich sein Gesundheitszustand
in
einer
für den Rentenanspruch relevanten Weise verändert habe. Zudem sei sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden, da er sich nicht zum vorgesehen Entscheid habe äussern könne (
Urk.
1 S. 10), und da er
vor Erlass der angefochtenen Verfügung
keine Einsicht
in eine das administrative Gutachten
vom
1
1.
Dezember 2017
ergänzende Stellungnahme
der Ärzte des
I
nstituts
Y._
vom 2
0.
August 2018 habe nehmen können (
Urk.
1 S. 11).
2.3
Nach Erlass der
rentenaufhebenden
Verfügung vom 2
2.
Januar 2013 (
Urk.
7/132)
m
eldete sich der Beschwerdeführer am
7.
November 2016 erneut bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/156
Ziff.
6.1
). Die Beschwerde
gegnerin
liess den
Beschwerdeführer
begutachten (Urk. 6/192/2
36)
, prüfte des
sen Rentenanspruch in materieller Hinsicht neu
und verneinte mit
Verfügung vom 1
1.
September 2018 (
Urk.
2)
erneut
einen Rentenanspruch des
Beschwerde
führers
.
2.4
Streitig und zu prüfen ist daher, ob sich der anspruchsrelevante Sachverhalt im Vergleichszeitraum seit Erlass der Verfügung vom
2
2.
Januar 2013
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
1
1.
September 2018
erheblich beziehungs
weise
in einer für den Rentenanspruch massgeblichen Weise verändert hat.
3.
3.1
Vorerst ist von Amtes wegen zu prüfen, ob im Verwalt
ungsverfahren
dem An
spruch
des Beschwerdeführers
auf rechtliche
s
Gehör hinreichend nachgekommen wurde.
3.
2
Die Parteien haben nach
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfassung (BV) und
Art.
42 Satz 1 ATSG Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind, nicht angehört werden müssen (
Art.
42 Satz 2 ATSG; BGE 134 V 97 E. 2.8.1). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist von Amtes wegen zu überprüfen (
Art.
29
Abs.
2 BV; Urteil des Bundesgerichts H 4/05 vom 1
9.
April 2005 E. 2).
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Ver
letzung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Be
schwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E. 3d/
aa
).
3.
3
Vorbehalten sind
rechtsprechungsgemäss diejenigen
Fälle, in denen diese Verlet
zung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Die Heilung eines - allfälligen - Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 125 V 368
E. 4c/
aa
, 124 V 183 E. 4a). Von einer Rückweisung der Sache ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Ver
zögerungen führen würde, die mit dem (der
Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundes
gerichts 9C_1/2013 vom 2
0.
Juni 2013 E. 2.1).
3.
4
Nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Aus
künfte ein (Satz 1). Das Gesetz weist dem Durchführungsorgan die Aufgabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungsgrundsatz abzuklä
ren, so dass gestützt darauf die Verfügung über die in Frage stehende Leistung ergehen kann (
Art.
49 ATSG). Das Akteneinsichtsrecht als Teilaspekt des Gehörs
anspruchs wird in
Art.
47 ATSG separat geregelt. Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich auf sämtliche verfahrensbezogene Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu bilden. Die Akteneinsicht ist demnach auch zu gewähren, wenn die Ausübung des Akteneinsichtsrechts den Entscheid in der Sache nicht zu beein
flussen vermag. Die Einsicht in die Akten, die für ein bestimmtes Verfahren er
stellt oder beigezogen wurden, kann demnach nicht mit der Begründung verwei
gert werden, die fraglichen Akten seien für den Verfahrensausgang belanglos (BGE 132 V 387 E. 3).
3.
5
Im ATSG nicht abschliessend geregelte Verfahrensbereiche bestimmen sich nach dem Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG;
Art.
55
Abs.
1 ATSG).
Art.
19 VwVG verweist für das Beweisverfahren, soweit hier interessierend, auf die
Art.
57 ff. des Bundesgesetzes über den Bundeszivilprozess (BZP) weiter. Nach
Art.
57
Abs.
2 BZP gibt der Richter den Parteien Gelegenheit, sich zu den Fragen an zur Aufklärung des Sachverhalts beigezogene Sachverständige zu äussern und Abänderungs- und Ergänzungsanträge zu stellen. Nach Erstattung des Gutach
tens erhalten die Parteien Gelegenheit, Erläuterung und Ergänzung oder eine neue Begutachtung zu beantragen (
Art.
60
Abs.
1 in
fine
BZP; vgl. BGE 137 V 210
E. 3.4). Nach der Rechtsprechung ist die Regelung von
Art.
44 ATSG mit Bezug auf die Parteirechte bei der Gutachtensanordnung zwar grundsätzlich abschliessend (BGE 137 V 210 E. 3.4.1.5 in
fine
),
Art.
44 ATSG ist
aber
über die Verweisungs
norm des
Art.
55
Abs.
1 ATSG mit
Art.
57
Abs.
2 BZP
konkretisierend bezie
hungsweise harmonisierend auszulegen (BGE 137 V 210
E. 3.4.2 und E.
3.4.2.9), weshalb die versicherte Person
rechtsprechungsgemäss
gestützt auf
Art.
44 ATSG
einen Anspruch hat, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern, dagegen Einwände zu erheben sowie Ergänzungs- und Zusatzfragen zu stellen (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9 und BGE 139 V 349 E.
5.2.3). Der versicherten Person steht im Rahmen des rechtlichen Gehörs zudem das Recht zu, sich nach Erstattung des Gutachtens zum Beweisergebnis zu äussern, Erläuterung, Ergänzung des Gutach
tens oder eine neue Begutachtung zu beantragen sowie weitere Beweisanträge vorzubringen (BGE 137 V 210 E. 3.41.5 in
fine
; vgl. Art.
60
Abs.
1 BZP).
4.
4.1
Nachdem der Beschwerdeführer gegen den Vorbescheid
vom 1
0.
Januar 2017 (
Urk.
7
/168)
, worin ihm ein
Nichteintreten auf die Neuanmeldung
vom
7.
No
vember 2016
in Aussicht
gestellt wurde,
Einwendungen erhoben hatte (Urk.
7
/170),
teilte
die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Mitteilung vom 2
8.
Juli 2017 (
Urk.
7
/185)
mit
,
dass sie die Durchführung einer
polydiszipli
nären medizinische
n
Begutachtung angeordnet habe und gab
ihm
die Gelegen
heit, Zusatz- und Ergänzungsfragen zu stellen. Am
2
8.
August 2017
(Urk.
7
/190
) gab die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer
zudem die Gutachterstelle und
die Namen
der begutachtenden Ärzte bekannt.
Diesbezüglich
wurde
n
die
Anforderungen an eine korrekte Gutachtensvergabe
daher
grundsätzlich
erfüllt.
4.2
Nach Eingang des Gutachtens der Ärzte des
Y._
vom 1
1.
Dezember 2017 (Urk.
7
/192/2-36)
erliess die
Beschwerdegegnerin am
1.
März 2018
erneut einen Vorbescheid
(
Urk.
7/194), womit sie den
Vorbescheid vom 1
0.
Januar 2017
wie
dererwägungsweise auf
hob
und dem Beschwerdeführer eine Verneinung
s
eines Rentenanspru
chs in Aussicht
stellte
. In der Folge ersuchte
der
Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin
am
6.
März 2018
um Zustellung der gesamten Akten
an
seine ihn behandelnden
Ärzte
der Klinik
Z._
(
Urk.
7
/195)
. Diesem Ersuchen kam die Beschwerdegegnerin am
9.
März 2018 nach und stellte den
Ärzten der Klinik
Z._
sämtliche IV-Akten, Akten
Nr. 1 bis 164 (rich
tig:
194), mithin auch das Gutachten
der Ärzte des
Y._
vom 1
1.
Dezember 2017
(Akte Nr. 192)
,
zu. Am 1
0.
April 2018 erhob der Beschwerdeführer Einwendungen (
Urk.
7
/197) gegen den erneuten Vorbescheid vom
1.
März 2018
, worauf die Ärzte der Klinik
Z._
mit Stellungnahme vom 2
7.
April 2018 (
Urk.
7
/199) zu den IV-Akten betreffend den Beschwerdeführer Stellung nahmen. In der Folge holte die Beschwerdegegnerin eine ergänzende Stellungnahme der Ärzte des
Y._
(Stellungnahme vom 2
0.
August 2018;
Urk.
7
/202) ein.
4.3
Die
Beschwerdegegnerin
hat
dem Beschwerdeführer
beziehungsweise den von ihm beauftragten Ärzten der Klinik
Z._
daher
am
9.
März 2018
Ak
teneinsicht gewährt sowie die Gelegenheit eingeräumt, sich
zu den IV-Akten
und insbesondere
zum Gutachten
der Ärzte des
Y._
vom 1
1.
Dezember 2017
zu äus
sern
sowie
allenfalls eine
Erläuterung, eine Ergänzung des
Gutachten
s
oder eine neue Begutachtung zu beantragen sowie weitere Beweisanträge zu stellen.
Nach Eingang der
Stellungnahme der Ärzte des
Y._
vom 2
0.
August 2018 (
Urk.
7
/202) unterliess es die Beschwerdegegnerin
jedoch
, dem Beschwerdeführer
die Gelegen
heit einzuräumen, vor Erlass der angefochtenen Verfügung dazu
Stellung zu neh
men.
Diese Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin stellt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdeführers dar.
Angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführer beziehungsweise
in seiner Vertretung
die
von ihm beauf
tragten
Ärzte zu den
übrigen
IV-Akten und insbesondere
auch
zum Gutachten
der Ärzte des
Y._
vom 1
1.
Dezember 2017
Stellung nehmen konnte
n
,
ist
m
it Blick auf die Verfahrensdauer und das Interesse des Beschwerdeführers an einem ra
schen Abschluss des Verfahrens von einer nicht besonders schwerwiegenden Ver
letzung des rechtlichen Gehörs auszugehen. Des Weiteren konnte der Beschwer
deführer
im vorliegenden
Beschwerdeverfahren vor einem den Sachverhalt und die Rechtslage frei prüfenden Gericht (vgl.
Art.
61
lit
. c und d ATSG; BGE 132 V 387 E. 5.1) umfassend zu den
Akten Stellung nehmen (Urk.
1)
,
sich zu allen As
pekten des Verfahrens äussern
(
Urk.
1 S. 10 f.) und
neue Beweismittel ein
bringen
(
Urk.
9/1-3).
Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass der festgestellte Gehörsmangel im vorliegenden Rechtsmittelverfahren geheilt wurde (vgl. vorste
hend E.
3.3
).
5.
5
.1
Bei Erlass der
rentenaufhebenden
Verfügung vom 2
2.
Januar 2013
(
Urk.
7/132)
stellte sich der massgebende medizinische Sachverhalt folgendermassen dar:
5.2
Die Ärzte des Zentrums
A._
erwähnten in ihrem Gut
achten vom 7. Dezember 2011 (Urk.
7
/106/1-46), dass der Beschwerdeführer am 29. August und am 7. September 2011 polydisziplinär (rheumatologisch, neuro
logisch und psychiatrisch) untersucht worden sei und stellten die folgen
den Di
agnosen (S. 39):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
anamnestisch chronische Kopfschmerzen wahrscheinlich vom
Mischtyp
mit/bei:
-
möglicher zervikaler Komponente
-
neurologisch Spannungskopfschmerzen mit
migräniformen
Exazerba
tionen
-
Status nach Commotio cerebri ungefähr im Jahre 1974
-
anamnestisch
zervikothorakales
und
lumbospondylogenes
Syndrom
-
chronischer Spannungskopfschmerz
-
Störung durch Cannabinoide, fortgesetzter schädlicher Gebrauch
-
Status nach schädlichem Gebrauch von Alkohol
-
Störung durch Kokain, Status nach schädlichem Gebrauch
-
Hypercholesterinämie
-
arterielle Hypertonie
Die rheumatologische Untersuchung habe ausser einer segmental nachweisbaren Bewegungsstörung des
kraniozervikalen
Übergangs einen weitgehend unauffäl
ligen Status ergeben. Aus rheumatologischer Sicht bestehe weder in den bishe
ri
gen Tätigkeiten des Beschwerdeführers noch in anderen Tätigkeiten eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 23).
Die Gutachter erwähnten, dass die neurologische Untersuchung keine die
Ar
beits
- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführe
r
s beeinträchtigende Erkran
kung
o
der funktionelle Störung ergeben habe
.
Unabhängig von der Ursache und Patho
genese der Kopf
schmer
ze
n seien die Kopfschmerzen von ihrer Intensität her nicht geeignet, die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers zu beein
trächtigen. Auch die vom Beschwerdeführer angegebenen Nackenschmer
zen und lumbalen Rückenschmerzen seien in ihrem Ausmass nicht geeignet, eine anhal
tende Leis
tungsminderung im Sinne einer Arbeitsunfähigkeit zu be
gründen
(S. 30).
Im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung stellten die Gutachter einen un
auffälligen psychischen Befund fest und erwähnten, dass aus versicherungspsy
chiatrischer Sicht keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Ar
beits
fähigkeit gestellt werden könne (S. 32). Symptome einer Depression oder einer affektiven Störung bestünden
beim Beschwerdeführer gegenwärtig nicht. Der Be
schwerdeführer leide insbesondere weder an einer anhaltenden depressi
ven Af
fektivität, einer Antriebsminderung, einer Einschränkung der kognitiven Fähig
keiten oder an einer Einschränkung der Freud- oder Interessensfähigkeit. Der Be
schwerdeführer sei in der Lage verschiedenen Freizeitinteressen, wie beispiels
wiese regelmässigen Dartspiel-Treffen und Schwimmbadgängen nach
zugehen und sei in der Lage, die Verantwortung und die Erziehung von drei Kindern zu übernehmen. Eine eigenständige depressive Störung sei gegenwärtig nicht zu di
agnostizieren (S. 34).
Die Gutachter führten aus, dass eine Persönlichkeitsstörung beim Beschwer
de
führer nicht zu diagnostizieren sei. Denn einerseits fehle es dem Beschwer
de
füh
rer an einer deutlichen Unausgeglichenheit in der Beziehung zu anderen Per
so
nen. Andererseits sei der Beschwerdeführer in der Lage gewesen, jahrelang qua
lifizierte Berufe auszuüben, eine Familie zu gründen und eine stabile Ehe zu füh
ren. Es sei eher unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer dazu mit einer ma
nifesten Persönlichkeitsstörung in der Lage gewesen wäre (S. 36). Sodann sei der Umstand, dass der Beschwerdeführer Cannabis und sporadisch Alkohol und Ko
kain konsumiere, nicht auf eine Persönlichkeitsstörung zurückzuführen. Da
bei handle es sich vielmehr um das Ergebnis eines persönlichen, individuellen Ent
scheidungsprozesses. Es sei indes nicht auszuschliessen, dass sich das Zu
stands
bild, welches in der Vergangenheit den Eindruck einer Persönlichkeits
störung er
weckt habe, sich weitgehend verbessert, oder dass sich eine allfällige diesbezüg
liche Symptomatologie zurückgebildet haben könnte (S. 37). Gegen
wärtig sei eine Persönlichkeitsstörung oder eine andere, die Arbeitsfähigkeit be
einträchtigende psychische Störung nicht zu diagnostizieren. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit sei ein zu diagnostizierender Status nach schädlichem Ge
brauch von Alkohol und Kokain, wobei
der Alkohol- und
Drogenabusus
keine Folge einer psychischen Störung darstelle (S. 38).
Am 20. Juni 2012 (Urk.
7
/117)
hielten
die Ärzte des
A._
an ihrer Beurteilung vom 7. Dezember 2011 fest.
5.3
Dr. med.
B._
und Dr. med.
C._
, Fachärzte für Psychiat
ri
e und Psychotherapie, nahmen am 16. Mai 2012 (Urk. 7/115) zum Gutachten der Ärzte des
A._
Stellung und erwähnten, dass der Beschwerdeführer an einer Per
sönlichkeitsstörung und zumindest an einem leichten depressiven Zustands
bild leide, und dass auf Grund eines hohen Stresswertes mit starker Schmerz
exa
zer
bation bei geringster körperlicher oder psychischer Betätigung eine Ar
beits
fähig
keit nicht rea
listisch sei (S. 2).
In ihrem Bericht vom 29. Mai 2012 (Urk. 7/113/1-9) führten Dr.
B._
und Dr.
C._
aus, dass der Beschwerdeführer
unter
einer komplexen posttraumati
schen Belastungsstörung bei wiederholten traumatisierenden Erfahrungen in der
Kindheit und in der Jugend sowie
unter
einer emotional-instabilen, impulsiven und
narzisstischen Persönlichkeitsstörung leide. Die Persönlichkeitsstörung sei in der Kindheit und Jugend entstanden und habe nach dem Überschreiten einer „Tole
ranzschwelle“ durch negative Erfahrung zu einer Dekompensation geführt (Ziff. 1.11). Dem Beschwerdeführer sei die Ausübung der bisherigen Tätigkeit nicht mehr zuzumuten (Ziff. 1.7).
5.4
Prof. Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostizierte in seinem Bericht vom 12. Februar 2013 (Urk.
7
/139/5/6
) chroni
sche okzipitale Kopfschmerzen mit Exazerbationen beim geringsten Stress oder kör
perlicher Anstrengung, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, eine
Auf
merk
samkeits
- und Hyperaktivitätsstörung
(ADHS)
seit dem Kindesalter, eine re
zidivie
rende
Depression
(S. 1)
und eine posttraumatische Belastungsstörung
durch ein strenges elterliches Umfeld
und erwähnte, dass
keine Tätig
keit denkbar sei, welche der Beschwerdeführer länger als eine bis zwei Stunden am Stück ausüben könne. Zudem falle es dem Beschwerdeführer auf
Grund der Per
sönlichkeitsstö
rung schwer, unselbständig und mit Anweisung zu arbeiten (S. 2).
6.
6.1
Bei der Würdigung der erwähnten medizinischen Akten betreffend den Gesund
heitszustand bei Erlass der
leistungsverneinenden Verfügung vom 2
2.
Januar 2013 gilt es zu beachten, dass das
hiesige Gericht in dem in Rechtskraft erwach
senen Urteil in Sachen der Parteien vom
2
9.
August 2014
(Prozess Nr. IV.2013.00182
; Urk.
6/148
) erwog, dass
gestützt auf das
polydisziplinäre Gutach
ten der Ärzte des
A._
vom 7. Dezember 2012 (
vors
tehend E.
5.2
)
davon auszu
gehen sei, dass der Beschwerdeführer
zum Zeitpunkt des Erlasses der angefoch
tenen Verfügung vom 22. Januar 2013 weder aus psychischen noch aus somati
schen Gründen in seiner Ar
beits
fähigkeit beeinträchtigt
gewesen sei
, und dass ihm die Ausübung einer Erwerbs
tätigkeit im Umfang eines vollzeitlichen Arbeits
pen
sums zuzumuten
gewesen sei (E. 8.10)
.
Der Beschwerdeführer habe insbeson
dere weder
unter einer depressiven Störung noch unter einer Persön
lichkeitsstö
rung
gelitten (E. 8.4). Das hiesige Gericht erwog sodann, dass
auf
die Arbeitsfä
higkeitsbeurteilungen durch
Dr.
B._
und
Dr.
C._
nicht abgestellt werden
könne
, weil es
diesen an nachvollziehbaren Be
gründungen für die darin postu
lierte Arb
eitsunfähigkeit von 100
%
gefehlt habe (E. 8.6), und dass auch
auf den Bericht von
Prof.
D._
vom 1
2.
Februar 2013, worin dieser
eine kombi
nierte Per
sönlichkeitsstörung, eine Aufmerksamkeits- und Hyper
akti
vi
täts
stö
rung seit dem Kindesalter, eine rez
idivierende Depression und eine posttrau
matische
Belas
tungsstörung
diagnostiziert
habe
(E. 7.8), nicht abgestellt werden könne, weil
da
rin
keine
nachvollziehbare Begründung der gestellten Diagnosen
und
der postu
lierten Arbeits
un
fähigkeit
enthalte
n sei
(E. 8.7).
6.2
Demzufolge
ist gemäss dem
rechtskräftigen
Urteil
des hiesigen Gerichts
vom
2
8.
August 2014
(
vorstehend E.
6.1
)
davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh
rer
zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 22. Januar 2013 weder aus psychischen noch aus somatischen Gründen in seiner Ar
beits
fähigkeit beein
trächtigt war, und dass
er in psychischer Hinsicht insbesondere weder unter einer
Persönlichkeitsstörung, eine
r
ADHS
,
eine
r
rezidivie
rende
n
Depression
noch unter einer
posttraumatische
n
Belastungsstörung
litt.
7.
7.1
Im Folgenden gilt es
zu prüfen, ob sich die gesundheitlichen Verhältnisse seither
beziehungsweise
während des massgeblichen
Vergleichszeitraum
s
vom 2
2.
Ja
nuar 2013 bis 1
1.
September 2018
erheblich verändert haben.
7.2
Die Ärzte des Rehazentrums
E._
erwähnten im Austrittsbericht vom
9.
September 2015 (
Urk.
7
/176/10-12), dass der Beschwerdeführer vom 2
9.
Au
gust bis
9.
September 2015 hospitalisiert gewesen sei und stellten die folgenden Diagnosen
(S. 1)
:
-
Faz
ettensyndrom
C2/3 mit
myogelotische
n
und
faz
ettären
Schmerzen und
migränoid
en
Schmerzspitze
n
-
B
andsche
i
benvorfall L5/S1
bei freien
Neuroforamen
mit
Radi
kulopathie
S1
rechts
-
psychovegetati
ver Erschöpfungszustand und Depression
(Differential
di
agnose:
posttraumatische Belastungsstörung
)
-
Schla
f
apnoe unter CPAP Therapie
-
Hypercholesterinämie
-
Verdacht auf Lactoseintoleranz
-
Zustand nach
perianalem
Abszess
Die Ärzte führten aus, dass
die durchgeführten
Assessmen
ts
sign
ifi
kant
erhöhte Werte für
Angst, Depression und angstbedingtes Verme
i
dungsverhalten
beim Be
schwerdeführer
ergeben hätten (S. 2).
7.3
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
, Klinik
Z._
, stellte in ihrem Bericht vom 2
8.
Oktober 2016 (
Urk.
7
/155/1-2) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
vordiagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung
-
Verdacht auf Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung seit dem Kin
desalter, aktuell in diagnostischer Abklärung
-
Fazettendyndrom
C2/3 mit
myogelo
t
ischen
und
fa
z
ettären
Schmerzen und
migränoiden
Schmerzspitzen
-
Bandscheibenvorfall L5/S1
-
Schlafapnoe unter CPAP Therapie
-
Hypercholesterinämie
Sie erwähnte, dass
der Beschwerdeführer psychopathologi
sch
unter einem deut
lich eingeschränkten
Affekt
, einem reduzierten
Antrieb,
einem sozialen
Rückzug, Konzentrations-, und Schlafstörungen, Grübeln, sowie
unter
Gefühle
n
von Hoff
nungslosigkeit
leide. Es zeigten
sich
sodann
immer wieder passive Suizidgedan
ken. Daneben
bestünden
posttraumatische Symptome mit intrusiv
en Erlebnissen über erlebte emo
tionale, physische und sexuelle Gewalt in der Kindheit und eine verstärkte Wahrnehmung der chroni
schen Schmerzen im Kopf
, und Nackenbe
reich.
Auf Grund des
chronifizierten Krankheitsverlaufes und der immer noch bestehenden schweren Psychopathologie
sei davon auszugehen, dass
eine Ar
beitsfähigkeit in
der angestammten
Tätigkeit
nicht bestehe
sowie in einem ange
passten
Rahmen
auch
langfristig nicht gegeben
sein werde
.
Der Beschwerdeführer sei
physisch
und
psychisch nicht in der Lage, den Anforderungen einer Arbeits
tätigkeit Stand zu halten.
Seit dem Jahre 2011 hätten sich sowohl der
psychische als auch
der
physische
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
deutlich ver
schlechtert
. Zur Verschlechterung der Beschwerden hätten insbesondere der ge
scheiterte Arbeitsversuch vom
Herbst 2012 bis Frühling 2013, sowie neu
aufge
tretene
psychosoziale Belastungsfaktoren
, insbesondere die
Geburt einer Tochter mit Apert-Syndrom,
die
Trennung
von
der
Ehegattin und
finanzielle Probleme
,
beigetragen (S. 2).
7.4
Mit Bericht vom 2
8.
Februar 2017 (
Urk.
6/176/1-9) stellte
Dr.
F._
die folgen
den Diagnosen (
Ziff.
1.1):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung nach emotionaler, physi
scher und sexueller Gewalt in der Kindheit
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
vordiagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung
-
Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung seit dem Kindesalter
-
Status nach zweimaligem Autounfall mit HWS-Distorsionstrauma im jun
gen Erwachsenenalter
-
Fazettendyndrom
C2/3 mit
myogelo
t
ischen
und
fazettären
Schmerzen und
migränoiden
Schmerzspitzen
-
Bandscheibenvorfall L5/S1
-
Schlafapnoe unter CPAP Therapie
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Hypercholesterinämie
Die Ärztin erwähnte, dass der Beschwerdeführer eine schwierige Kindheit gehabt habe. Es sei
zu emotionaler und physischer Gewalt sowohl durch
die
Mutter, als auch durch den Stiefvater gekommen
. Anlässlich einer
Berufslehre
in der Gast
ronomie habe er unter
massive
r körperlicher
Gewalt
durch den Lehrmeister gelit
ten. Gleichzeitig
sei
es
zu wiederholten sexuellen Übergriffen durch einen
Mitar
beiter gekommen
(
Ziff.
1.4 S. 4)
.
Die Kumulation mehrerer Psycho
pathologien (mittelgradige bis schwere depressive Episode, posttraumatische Belastungsstö
rung, Kopfschmerzen, ADHS)
habe
zu einer verminderten psychischen Leistungs
fähigkeit und Belastbarkeit
geführt
, welche sich auch auf die Arbeitsfähigkeit
ausgewirkt habe
.
Der Beschwerdeführer sei
psychisch und physisch
deutlich ver
mindert belastbar. Insbesondere fehle es ihm
an Konzentrationsfähigkeit, Aus
dauer und Stresstoleranz.
Eine
Arbeitsfähigkeit in
der angestammten
Tätigkeit und in angepasstem Rahmen
sei
gegenwärtig
und langfristig nicht gegeben
(
Ziff.
1.4 S. 5)
.
7.5
Die Ärzte des
Y._
erwähnten in ihrem polydisziplinären Gutachten vom 1
1.
De
zember 2017 (
Urk.
6/192/2-36), dass der Beschwerdeführer am 3
1.
Oktober und
7.
November 2017 internistisch, neurologisch, psychiatrisch und rheumatologisch untersucht worden sei (S. 1) und stellten die folgenden Diagnosen (S. 31):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei:
-
Dysbalancen der Schultergürtelmuskulatur
-
klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik
-
radiologisch
Osteochondrose
C5/6 und C6/7
-
kein Nachweis einer Diskushernie
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts betont mit/bei:
-
Beckentiefstand rechts von 1 cm mit rechtskonvexer Lumbalskoliose
-
ISG-Funktionsstörung rechts
-
klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik
-
radiologisch Fehlstatik und beginnende
Osteochondrose
L5/S1
-
kleine mediane Diskushernie L5/S1 ohne Neurokompression
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
leichte depressive Episode
-
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (aktenanamnestisch)
-
Status nach Störung durch multiplen Substanzgebrauch
-
chronische Spannungstyp-Kopfschmerzen mit
migräniformen
Exazer
ba
tionen
mit/bei:
-
psychosomatische
r
Überlagerung
-
Ptosis rechts, intermittierend auch links
-
arteriell
e Hypertonie
mit/bei:
-
aktuell unzureichend kompensiert unter
Olmesartan
-
D
yslipidämie
mit/bei:
-
unter
Statintherapie
-
c
hronischer Nikotinabusus
-
a
namnestisch obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
mit/bei:
-
aktuell ohne Therapie bei Maskenintoleranz
Die rheumatologische Untersuchung habe
ein chronisches
zervikospondylog
enes
Schmerzsyndrom mit
Zervikoz
ephalgien
und
gelegentlichen
Zervikobrachialgi
en
bei Dysbalancen der Schultergürtelmuskulatur sowie ein chronisches
lumbospon
dylogenes
Schmerzsyndrom rechts betont
ergeben
. Hinweise
auf
eine radikuläre- oder Wurzelkompressionssymptomatik
hätten sich weder
im
Bereich der Halswir
belsäule (HWS) noch
im Bereich
der Lendenwirbelsäule (LWS) gezeigt
. Aufgrund der Lumbalskoliose und de
r
degenerativen Veränderungen im
Zervikalbereich
seien dem Beschwerdeführer
aus rheumatologischer Sicht schwere und überwie
gend mittelschwere Tätigkeiten grundsätzlich nicht mehr
zuzumuten
. Für leichte bis gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, ohne länger dau
ernde Einnahme von
w
irbelsäulenbelastenden Zwangshaltungen und ohne regel
mässige Arbeiten über Kopf
bestehe
eine volle Arbeitsfähigkeit, wobei d
ie ange
stammte Tätigkeit
als Kellner
dem zumutbaren Leistungsprofil
entspreche.
Die neurologische
Untersuchung
habe chronische
Spannungstypkopfschmerz
en
mit
migräniformen
Exazerbationen sowie
den
Verdacht auf eine psychosomati
sche Überlagerung
ergeben
(S. 32)
.
Obwohl eine
Migräne nicht sicher diagnosti
ziert werden
könne
,
wiesen die
Exazerbationen
migräniforme
Elemente
auf
.
Es sei von
einem massgeblichen Einfluss psychischer Faktoren auszugeben
.
Aus neurologischer Sicht
bestehe
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
. Auch a
us allgemeininternistischer Sicht
bestehe
keine
Beeinträchtigung
der
Arbeits- und Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers
.
Die psychiatrische Untersuchung
habe
eine leichte depressive Episode, gekenn
zeichnet durch depressive Verstimmungen, erhöhte Ermüdbarkeit, Schlafstörun
gen und negative Zukunftsperspektiven bezüglich der gesundheitlichen und be
ruflichen Situation,
eine einfache
Akti
vitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
sowie
einen
Status nach Störung durch multiplen Substanzgebrauch
ergeben.
Psychi
atrische
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
könnten nicht ge
stellt werden
(S. 33).
Es bestünden
indes
Hinweise auf ein ADHS
in der Kindheit
, eventuell mit
einer
Störung des Sozialverhaltens.
Anlässlich der Begutachtung hätten sich
jedoch
keine deutlichen Hinweise auf diese Störung
ergeben
.
Gegen die Annahme eines ADHS in der Kindheit spreche insbesondere der Umstand, dass es dem Beschwerdeführer
möglich
gewesen
sei
, eine Berufslehre in der Gastrono
mie zu absolvieren und mehrere Jahre im Gastronomiebereich selbständig tätig zu sein
(S. 17)
.
Für den Verlauf vor der gegenwärtigen psychiatrischen Untersu
chung könne auf die nachvollziehbare Beurteilung durch die
Ärzte des
A._
in ihrem Gutachten
vom
7.
Dezember 2011 (
vorstehend E.
5.2
) abgestellt werden. Den Ärzten der Klinik
Z._
beziehungsweise
Dr.
F._
könn
e
in
soweit nicht gefolgt werden, als diese
eine komplexe posttraumatische Belas
tungsstörung, eine rezidivierende depressive
Störung,
gegenwärtig
mittel- bis
schwergradig
e
Episode, und eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
festgestellt hätten
.
Insbesondere sei eine posttrauma
tische
Belastungsstörung
als eigenständige Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit
nicht zu stellen
. Denn in diagnostischer Hinsicht
werde
nach ICD-10 vorausgesetzt, dass sich e
ine
solche Störung
innerhalb von höchstens sechs Mo
naten na
ch einem traumatischen Ereignis entwickle. Zudem müsse es zu
sich auf
drängenden traumatischen Erinnerungen
kommen
und zwar so, als ob das trau
matische Erlebnis unmittelbar
stattfinde
, zum Beispiel in Träumen oder
Tagträ
u
men.
Obwohl der Beschwerdeführer angegeben habe
, in der Nacht unter solchen trau
matischen Erlebnissen zu leiden, fehlten
weitere
erforderliche
diagnostische Kriterien, wie
ein deutlicher emotionaler Rückzug oder Phasen von deutlicher Erregtheit
oder
ein typisches Vermeidungsverhalten.
Der
Beschwerdeführer
habe
anlässlich der gutach
t
erlichen
Untersuchung
sehr gut und detailliert über die er
lebten Traumatisierungen reden
können
, ohne dass er dabei
abgestumpft
oder
erregt
gewirkt
hätte
. Gegen eine posttraumatische Belastungsstörung spreche so
dann der
U
mstand
, dass es dem Beschwerdeführer tr
otz der erlebten früh
en Trau
matisierungen möglich
gewesen sei
, während mehrerer Jahre
mit voller Leistung zu arbeiten.
Sodann sei von einer nur leichtgradigen Depression ohne
rezidivie
renden
Verlauf
auszugehen
. Des Weiteren
könnten
weder
die Diagnose
eine
r
Schmerzstörung
(S. 18) noch
diejenige
eine
r
Persönlichkeits
störung mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt werden. Denn e
ine Per
sönlichkeitsstörung
müsse sich früh
mani
festieren. Es hätte daher
auf Grund
einer durch die Persönlichkeits
störung bedingten verminderten Konfliktfähigkeit bereits in der beruflichen Aus
bildung
zu
Problemen
kommen müssen. Dazu sei es indes nicht gekommen. Der
Beschwerdeführer
habe vielmehr
einen Berufsabschluss absolviert
und
danach mehrere
Jahre
im erlernten Beruf
gearbeitet
. Dabei habe er
ein lebenserhaltendes Einkommen erwirtschaften
könne
n.
Die
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
könne daher
nicht gestellt werden (S. 19).
Es
sei
vielmehr
davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer in psychischer Hinsicht
seit
der
Begutachtung durch die Ärzte des
A._
uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen sei
(S. 18).
Insgesamt bestehe a
us polydisziplinärer Sicht eine
vollständige
Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
in der
angestammte
n
Tätigkeit im Gastro
nomiebereich sowie
in behinderungsangepassten,
körperl
ich leichten bis gele
gentlich mi
ttelsch
weren,
wechselbelastenden
Tätigkeiten (S. 34).
7.6
Dr.
med.
G._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates
, Regionaler Ärztlicher Dienst der Beschwer
degegnerin (RAD), erwähnte in seiner Stellungnahme vom 2
2.
Januar 2018 (
Urk.
7
/193/5-6), dass auf das Gutachten der Ärzte des
Y._
vom 1
1.
Dezember 2017 abgestellt werden könne (S. 1)
, und dass
gestützt darauf davon auszugehen sei, dass
f
ür leichte bis gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, ohne länger dauernde Einnahme von
wirbelsäulen
belastenden Zwangshaltungen und ohne regelmässige Arbeiten über Kopf
eine
volle Arbeitsfähigkeit
bestehe.
Demzufolge sei dem
Beschwerdeführer die
Ausübung
angepasster, dem
Belas
tungsprofil entsprechen
de
r
Tätigkeiten
,
sowie
insbesondere
auch die Ausübung der
angestammten Tätigkeit als Kellner
im vollzeitlichen Umfang und ohne Leis
tungseinbusse zuzumuten (S. 2).
7.7
Dr.
F._
nahm
in ihrer Stellungnahme vom 2
7.
April 2018 (
Urk.
7
/199)
zum Gutachten der Ärzte des
Y._
vom 1
1.
Dezember 2017
Stellung und hielt an ihrer Beurteilung vom
2
8.
Februar 2017
fest, wonach in diagnostischer Hinsicht von
einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (KPTBS)
,
einer
Aufmerk
samkeits
- und Hyperaktivitätsstörung
,
depressiven Beschwerden und chronischen
Schmerzen
auszugehen sei. Sie attestierte dem Beschwerdeführer erneut eine voll
umfängliche Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf jegliche Tätigkeit.
7.8
Die Ärzte des
Y._
stellten
in ihrer das Gutachten
vom 1
1.
Dezember 2017
ergän
zenden Stellungnahme vom 2
0.
August 2018 (
Urk.
7
/
202)
fest, dass keine neuen Befunde vorlägen und hielten an ihrer Beurteilung vom 1
1.
Dezember 2017 fest. Sie führten
aus, dass
die Diagnose
eine
r
komplexe
n
posttraumatische
n
Belas
tungsstörung (KPTBS)
nicht
gestellt werden
könne, weil
diese nicht der Klassifi
kation
ICD-10
entspreche
.
Zu diagnostizieren seien
lediglich
eine einfache
Akti
vitäts
- und Aufmerksamkeitsstörun
g,
eine leichte depressive
Episode und
ein
Sta
tus nach Störung durch multiplen Substanzgebrauch
.
Eine Arbeitsunfähigkeit
könne
damit nicht begründet werden
. Diesbezüglich gelte es zudem zu berück
sichtigen, dass
der Beschwerdeführer
selbst
in seiner Stellungnahme (vom 1
0.
Ap
ril 2028 zum Vorbescheid vom
1.
März 2028) angegeben
habe
, dass
er
selbständig in einer 1-Zimmerwohung im Parterre
wohne
,
dass er die öffentlichen Verkehrs
mittel benütze,
dass
er
gerne koche
und
mit seinem E-Bike an Sonnenplätze
fahre
,
und dass er
auch
selbst
einen Personenwagen lenke
.
Gegen eine schwere Depres
sion spreche zudem, dass
der Beschwerdeführer lediglich g
elegentlich
Ritalin
ein
nehme, und dass er nicht
medikamentös antidepressiv behandelt werde
.
8.
8.1
Den erwähnten medizinischen Akten
zum Vergleichszeitraum vom
2
2.
Januar 2013 bis 1
1.
September 2018
ist zu entnehmen, dass
die beteiligten
Ärzte in
so
matischer Hinsicht
einerseits zwar eine
im Vergleich zur Situation bei Erlass der Verfügung vom 2
2.
Januar 2013
Verschlechterung des
Gesundheitszustand
es feststellten. Denn sie gingen
davon aus, dass der Beschwerdeführer
neu durch ein chronisches
zervikospondylogenes
und
ein chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndroms
in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt werde.
Andererseits gingen di
e Gutachter des
Y._
davon aus, dass dem Beschwerdeführer die Aus
übung behinderungsangepasster, körperlich
leichte
r
bis gelegentlich mittelschwe
re
r
, wechselbelastende
r
Tätigkeiten, ohne w
irbelsäulenbelastende
Zwangshaltun
gen und ohne regelmässige
Überkopfarbeiten und insbesondere auch die Aus
übung der bisherigen
Tätigkeit als Kellner
trotz
der festgestellten
Verschlechte
rung des somatischen Gesundheitszustandes
weiterhin unverändert
im vollzeitli
chen Umfang, ohne Einschränkungen zuzumuten sei
(vgl. vorstehend E. 7.5)
.
8.2
In psychischer Hinsicht ging
Dr.
F._
davon aus,
dass der Beschwerdeführer unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (vorstehend E
. 7.3
) beziehungs
weise unter einer
komplexe
n
posttraumatische
n
Belastungsstörung nach emotio
naler, physischer und sexueller Gewalt in der Kindheit
(vorstehend E.
7.4
), einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig mittelgradige
(vorstehend
E.
7.3
) beziehungsweise mittelgradige bis schwere Episode
(vorstehend E.
7.4
), einer
chronische
n
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
sowie unter einer (
vordiagnostizierte
n) kombinierten
Persönlichkeits
störung
leide, und dass ihm
sowohl
die Ausübung der bisherigen Tätigkeit
als auch die Ausübung
von angepassten Tätigkeiten nicht mehr zuzumuten sei
(vorstehend
E.
7.4
). Dem
gegenüber gingen die
Ärzte des
Y._
in ihrem
Gutachten vom 1
1.
Dezember 2017 (
vorstehend E.
7.5
)
davon aus
, dass der Beschwerdeführer
in psychischer Hinsicht
lediglich
unter einer
leichte
n
depressive
n
Episode
, einer
einfache
n
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
und unter einem
Status nach Störung durch multiplen Substanzgebrauch
leide,
und
dass er
dadurch
weder
in Bezug auf die bisherige Tätigkeit
noch hinsichtlich
angepasste
r
Tätigkeiten in seiner Arbeitsfähigkeit
be
einträchtigt
werde.
8.3
8.3.1
Das Gutachten der
Ärzte des
Y._
vom 1
1.
Dezember 2017 (vorstehend E.
7.5
)
und die dieses ergänzenden Stellungnah
men der Gutachter vom
2
0.
August 2018
(vorstehend E.
7.8
) erfüllen die praxisgemässen Anfor
derungen für eine beweis
kräf
tige medizinische Ent
schei
dung
sgrundlage (vgl. vor
ste
hend E.
1.9
). Denn die
Gutachter verfügten als Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie,
für Allge
meine Innere Medizin, für Neurologie und für Rheumatologie
über die für die Be
ur
teilung des Gesundheitsschadens des Be
schwer
de
führers angezeigten fachärzt
lichen Aus- und Weiter
bildungen. Sie hatten
zudem Kennt
nis sämtlicher medi
zi
nischer Vorak
ten, setzten sich in ange
messe
ner Weise mit den geäusser
ten Be
schwerden
aus
einan
der und begründeten
die gezo
genen Schlüsse in nachvoll
zieh
barer Weise
.
8.3.2
Insbesondere vermag zu über
zeugen, dass
dem
Beschwerdeführer
in somatischer Hinsicht
aufgrund
des
chronischen
zervikospondylo
g
enen
Schmerzsyndrom
s
mit
Zervikoz
ephalgien
und
gelegentlichen
Zerviko
brachialgi
en
bei Dysbalancen der Schultergürtel
muskulatur sowie
des
chronischen
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom
s
rechts
die Ausübung körperlich
schwere
r
und überwiegend mittelschwere
r
Tätigkeiten nicht mehr
zuzumuten, dass ihm hingegen die Aus
übung
leichte
r
bis gelegentlich mittelschwere
r
, wechselbelastende
r Tätigkeiten, ohne wirbelsäulenbelastende
Zwangshaltungen und ohne
Überkopfarbeiten im vollzeitlichen Umfang und ohne Leistungseinschränkung zuzumuten
ist
.
8.3.2
In psychischer Hinsicht vermag
sodann
zu überzeugen, dass die Gutachter ledig
lich eine leichte depressive Episode, eine
einfache Aktivitäts- und Aufmerksam
keitsstörung und
einen
Status nach Störung durch multiplen Substanzgebrauch
feststellten
und davon ausgingen,
dass die psychische Gesundheitsbeeinträchti
gung keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe. Insbesondere vermag zu überzeugen, dass die Gutachter in diagnostischer
Hinsicht eine posttraumatische
Belastungsstörung
verneinten. D
enn die Gutachter setzten sich eingehend
mit den k
linisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorgani
sation, ICD-10 Kapitel V
(vgl.
Dil
ling
/
Mombour
/
Schmidt
,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V, Klin
isch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Aufl., Bern 201
5
)
ausei
nander
. Gemäss dieser Klassifikation stellten
typische Merkmale einer posttrau
matischen Belastungsstörung (
ICD-10:
F43.1) das wiederholte Erleben des Trau
mas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhall
erinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Albträumen dar, die vor dem Hintergrund eines andauernden Ge
fühls von
Betäubtsein
und emotionaler Stumpfheit auftreten. Weitere typische Merkmale
dieses psychischen Leidens sind
Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt zudem auch ein Zustand von vegetativer Überer
regtheit mit
Vigilanzsteigerung
, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlaf
störung auf (
Dilling
/
Mom
bour
/
Schmidt
, a.a.O., S. 207).
Die Gutachter führten überzeugend aus, dass
eine solche Diagnose nicht gestellt werden könne, da der Beschwerdeführer einerseits
sehr gut und detailliert über
die erlebten Traumati
sierungen habe sprechen
können
,
und
da er
dabei weder abgestumpft noch erregt gewirkt
habe
. Zudem habe
er
trotz der erlebten früheren Traumatisierungen wäh
rend mehrerer Jahre mit voller Leistung
gearbeitet.
Des Weiteren
fehle es ihm auch
an einem
deutlichen emotionalen
Rückzug
,
an
Phasen deutlicher Erregtheit
und
an einem
typischen
Vermeidungsverhalten
. Die Gutachter begründeten
so
dann
in nachvollziehbarer Weise, dass der Beschwerdeführer lediglich unter einer
leichtgradigen Depression
ohne rezidivierenden Verlauf
leide
. Ihre Beurteilung vermag auch insofern zu überzeugen, als sie sowohl
die Diagnose
einer Schmerz
störung
als auch diejenige
einer Persönlichkeits
störung
ausschlossen
.
Denn Per
sönlichkeitsstörungen beginnen
bereits
in der Kindheit oder Adoleszenz und dau
ern bis ins Erwachsenenalter an (ICD-10 F60-F62;
Dilling
/
Mom
bour
/
Schmidt
, a.a.O., S. 207).
Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Gut
achter davon ausgingen, dass
beim Beschwerdeführer, welcher eine Berufsausbil
dung ohne die typischen, bei einer Persönlichkeitsstörung zu erwartenden Schwierigkeiten erfolgreich abschloss, welcher anschliessend während
mehrere
r
Jahre
im gelernten Beruf
arbeitete und
sich ein lebenserhaltendes Einkommen
hat
erwirtschaften könne
n
,
die
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht gestellt werden
könne.
Schliesslich führten die Gutachter überzeugend aus, dass der
Be
schwerdeführer
, welcher in psychischer Hinsicht
unter einer leichten depressiven Episode, einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung und unter ei
nem Status nach Störung durch multiplen Substanzgebrauch leide, dadurch
in der Ausübung sowohl der bisherigen Tätigkeit als Kellner als auch in der Aus
übung angepasster Tätigkeiten nicht beeinträchtigt sei.
8.3.3
Auf die nachvollzieh
bare und überzeugende Beurteilung durch die Ärzte
des
Y._
in ihrem Gut
ach
ten
vom 1
1.
Dezember 2017
(vorstehend E.
7.5
)
sowie auf
die das Gutachten ergänzende Stellungnahme
vom 2
0.
August 2018
(vorstehend E.
7.8
)
kann vorliegend daher abgestellt werden.
8
.4
8.4.1
Nicht abgestellt werden kann demgegenüber auf die Beurteilung durch
Dr.
F._
vom
2
8.
Oktober 2016 (
vorstehend E.
7.3
)
und vom
2
8.
Februar 2017
(vorstehend E.
7.4
).
De
nn einerseits lässt sich diesen
Beurteilung
en
keine nach
vollziehbare Begrün
dung der postulierten Arbeitsun
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
und in
behinderungsangepassten Tätigkeit
en entnehmen. Andererseits
vermögen
aus den erwähnten Gründen
(vorstehend E.
8.3.2
)
die Diagnosen
einer posttraumatischen
Belastungsstörung (vorstehend E
. 7.3
) einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige (vorstehend E.
7.3
) beziehungs
weise mittelgradige bis schwere Episode (vorstehend E.
7.4
), einer chronischen Schmerzstörung sowie
einer
Persönlichkeits
störung
nicht zu überzeugen
. Nicht zu überzeugen vermag sodann, dass
Dr.
F._
in ihrem Bericht vom 2
8.
Feb
ruar 2017 (vorstehend E.
7.4
) eine
komplexe posttraumatische Belastungsstörung nach emotionaler, physischer und sexueller Gewalt in der Kindheit
diagnosti
zierte. Denn einerseits ist eine solche Diagnose in der Klassifikation ICD-10 nicht enthalten (vgl.
Dilling
/
Mombour
/
Schmidt
,
a.a.O
).
Daran ändert nichts, dass diese
Diagnose in der Klassifikation ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation aufge
führt
ist
(icd.who.int/
browse11/l-m/en#
/).
Denn d
ie
Mitgliedstaaten der
Weltge
sundheitsorganisation
haben am 2
5.
Mai 2019 beschlossen, das die
Klassifikation ICD-11
erst am
1.
Januar 2022 in Kraft treten wird (
www.who.int/news-room/de
tail/25-05-2019-world-health-assembly-update
).
Andererseits
müss
t
en bei einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung gemäss ICD-11 sämtliche diag
nostischen Voraussetzungen für eine posttraumatische Belastungsstörung
und darüber hinaus
weitere diagnostische Kriterien, wie
schwere und anhaltende Probleme
in der Affektregulation, vermindertes Selbstvertrauen, Schamgefühle
, Schuldgefühle
,
Schwierigkeiten, Beziehungen aufrechtzuerhalten und sich ande
ren nahe zu fühlen
, erfüllt sein. Da
indes
, wie bereits erwähnt (vorstehend
E.
8.3.2
),
davon auszugehen ist, dass
beim Beschwerdeführer die diagnostischen Kri
terien für
die Diagnose
eine
r
posttraumatische
n
Belastungsstörung nicht erfüllt sind,
könnte beim Beschwerdeführer
die Diagnose einer
komplexen posttrauma
tischen Belastungsstörung
selbst dann nicht gestellt werden, wenn
die Klassifi
kation ICD-11
bereits in Kraft getreten wäre.
Die Diagnose einer
komplexen post
traumatischen Belastungsstörung vermag
vorliegend daher
nicht zu überzeugen.
8.4.2
Ergänzend gilt
es in Bezug auf die Beurteilung
en durch
Dr.
F._
zu berück
sichtigen, dass es nach der Rechtsprechung wegen der unterschiedlichen Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen Fachärzte und Fachärztinnen und des Begutachtungsauftrags der amtlich bestellten medizinischen Experten (BGE 124 I 170 E. 4) nicht geboten ist, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderen Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei
ben Fälle, in denen sich eine klärende Ergänzung des medizinischen Dossiers oder direkt eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige, nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblie
ben sind (Urteile des Bundesgerichts 9C_252/2012 vom
7.
September 2012 E. 8.4 und 8C_784/2011 vom 1
5.
Dezember 2011 E. 3.2). Solche Aspekte sind vorlie
gend nicht gegeben.
8.4.3
Demzufolge kann auf
die Arbeits
fähigkeitsbeurteilung
en
durch
Dr.
F._
v
orlie
gend nicht abgestellt werden.
9
.
9
.1
Gestützt auf
die nachvollziehbare Beurteilung durch die Ärzte
des
Y._
vom
1
1.
Dezember 2017
(
vorstehend E.
7.5
)
und
vom
2
0.
August 2018
(vor
stehend E.
7.8
)
sowie auf die damit übereinstimmende Beurteilung durch Dr.
G._
vom
2
2.
Januar 2018
(vorstehend E.
7.6
)
ist demzufolge
davon auszugehen, dass dem
Beschwerdeführer in somatischer Hinsicht
zu
m
Zeitpunkt bei Erlass der ange
fochtenen Verfügung vom 1
1.
September 2018 (
Urk.
2) die Ausübung der bishe
rigen Tätigkeit als Kellner sowie die Ausübung angepasster, körperlich
leichte
r
bis gelegentlich
mittelschwere
r
, wechselbelastende
r Tätigkeiten, ohne länger
dau
ernde wirbelsäulen
belastende
Zwangshaltungen und ohne
regelmässige Über
kopfarbeiten
im vollzeitlichen Umfang und
ohne Einschränkungen zuzumuten war
, und dass
der
Beschwerdeführer
in psychischer Hinsicht unter keinem die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Gesundheitsschaden litt. Dem Beschwerde
führer war in gesundheitlicher Hinsicht
zum Zeitpunkt bei Erlass der angefoch
tenen Verfügung vom 1
1.
September 2018
daher die Ausübung seiner bisherigen Tätigkeit als
Kellner
sowie die Ausübung einer seiner Ausbildung und seinen be
ruflichen Erfahrungen entsprechenden, leidensangepassten,
körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren
, wechselbelastenden Erwerbs
tätigkeit uneinge
schränkt und in vollzeitlichem Umfang zuzumuten.
9.2
Da ergänzende Beweismassnahmen an diesem Ergebnis nichts mehr änderten, besteht für weitere Abklärungen keine Notwendigkeit und es ist von einer Rück
weisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung solcher abzu
sehen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
9.3
Da in psychischer Hinsicht unverändert von einem lediglich geringfügig ausge
prägten, die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigenden, psychopatho
logischen Be
fund auszu
gehen ist, kann vorliegend gemäss der erwähnten Rechtsprechung (vorstehend E.
1.7
) aus Gründen der
Verhältnismässigkeit
von einem struktu
rier
ten Be
weis
ver
fahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden.
10.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers seit Erlass der rentenaufhebenden Verfügung vom 2
2.
Januar 2013 (
Urk.
7/132) bis zum Erlass der
vorliegend zu beurteilenden
Verfügung vom
1
1.
September 2018 (
Urk.
2) nicht
rechts
erheblich verändert hat. Damals wie heute ist die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Kellner nicht ein
geschränkt. Die Beschwerde ist entsprechend abzuweisen.
11.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf
Fr.
7
00.-- fest
zusetzen und dem
unt
erlie
genden Beschwerde
führer
aufzuerlegen
.