Decision ID: 8f71bc0f-f300-48af-a98c-3f0be3a34df6
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Berichtigung Zivilstandsregister
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im summarischen Verfahren des Bezirksgerichtes Winterthur vom 30. Juli 2015 (EP140001)
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Rechtsbegehren: (act. 1 sinngemäss)
Klage zur Bereinigung der schweizerischen Personenstandsregister gemäss Art. 42 ZGB (Löschung der Anerkennung für das Kind B._) von A._, geb. tt. Februar 1946, Staatsangehöriger von Österreich und B._, geb. tt.mm.2011, Staatsangehöriger von .
Urteil und Verfügung des Bezirksgerichtes Winterthur: (act. 46 = act. 49)
Verfügung:
1. Dem Gesuchsgegner 2 wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt.
2. Schriftliche Mitteilung an die Parteien mit nachfolgendem Urteil.
Erkenntnis:
1. Die durch den Gesuchsgegner 1, A._, geb. tt. Februar 1946, wohnhaft
in E._, ...str. ..., erklärte Kindsanerkennung des Gesuchsgegners 2
(Kind), B._, geb. tt.mm.2011, wohnhaft in F._, ...strasse ..., wird
aus dem Zivilstandsregister gelöscht.
2. Das Zivilstandsamt G._ wird angewiesen, die Registereinträge der Ge-
suchsgegner 1 und 2 im Schweizerischen Zivilstandsregister (Infostar) ent-
sprechend zu berichtigen.
3. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 500.–.
4. Die Kosten werden den Gesuchsgegnern 1 und 2 je zur Hälfte auferlegt, der
Anteil des Gesuchsgegners 2 jedoch infolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachfor-
derung nach Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.
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5. [Mitteilung]
6. [Rechtsmittelbelehrung]
Berufungsanträge: (act. 50 S. 1-2)
Der Gerichtsbeschluss sei vollumfänglich aufzuheben und das am  verhandelte Verfahren sei wegen groben  zurückzuweisen.
Die auferlegten Kosten seien ebenfalls aufzuheben und anfallende Prozesskosten bei der Anrufung Ihres Gerichtes seien dem  aufzuerlegen.
Für den Prozess sei dem Klagegegner (Beschwerdeführer) eine  Prozessentschädigung auszurichten.
Für den Fall, das es sich als notwendig erweisen würde, dass auch dem Beschwerdeführer ein prozessualer Anteil der Kosten entstehen würde, wird gleichzeitig der Antrag auf eine kostenlose Prozessführung sowie die Stellung eines kostenfreien Anwalts gestellt. Auf eine Vorleistung für diesen Prozess sei abzusehen.
Allfällige Fristenstillstände oder Aufhebung einer aufschiebenden  seien nicht anzuwenden.

Erwägungen:
1. Einleitung, Prozessgeschichte
Am tt.mm.2011 kam B._ (im Folgenden: Berufungsbeklagter 2) zur Welt. Die
Mutter, H._, ist mit A._ (im Folgenden: Berufungskläger) verheiratet. Auf
Klage des Berufungsklägers hin stellte das Bezirksgericht Bülach mit Urteil vom
29. Februar 2012 fest, dass der Berufungskläger nicht der Vater des Berufungs-
beklagten 2 ist (act. 3/5). Dieser Entscheid ist gemäss nicht gerügter Feststellung
der Vorinstanz rechtskräftig (act. 49 S. 9).
Am 5. April 2013 wandte sich der Berufungskläger an das Zivilstandsamt F._
und bat um Auskunft, ob er die Vaterschaft des Berufungsbeklagten 2 anerken-
nen könne. Am gleichen Tag erhielt er die Antwort, dies sei nach bundesgerichtli-
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cher Rechtsprechung nicht möglich, weil die Vaterschaft gerichtlich aufgehoben
worden sei (act. 3/6). Am 8. April 2013 gab der Berufungskläger gegenüber dem
Zivilstandsamt der Stadt G._ eine Anerkennungserklärung ab (act. 3/7). Der
Berufungskläger wurde als Vater des Berufungsbeklagten 2 im Zivilstandsregister
eingetragen.
Mit Eingabe vom 7. Januar 2014 stellte das Zivilstandsamt G._ beim Be-
zirksgericht Winterthur ein Gesuch um Bereinigung des Personenstandsregisters.
Zur Begründung wurde vorgetragen, die Eintragung sei irrtümlich erfolgt und
müsse gemäss Art. 42 ZGB berichtigt werden (act. 1). Dem Gesuch wurde eine
Vollmacht des Gemeindeamtes des Kantons Zürich (im Folgenden: Berufungsbe-
klagter 1) zugunsten des Zivilstandsamtes G._ beigelegt (act. 2). Mit Eingabe
vom 22. Januar 2014 reichte das Zivilstandsamt G._ eine Stellungnahme des
Berufungsklägers vom 18. Januar 2014 nach (act. 4 und 5). Am 10. Februar 2014
setzte die Vorinstanz dem Zivilstandsamt G._ Frist an, um verschiedene
Fragen zu beantworten (act. 6). Nachdem keine Stellungnahme eingegangen war,
setzte die Vorinstanz die Frist am 6. März 2014 unter der Androhung des Nicht-
eintretens bei Säumnis nochmals an (act. 7). Die Stellungnahme des Zivilstands-
amtes G._ wurde am 11. März 2014 erstattet (act. 8).
Mit Verfügung vom 31. März 2014 ersuchte das Bezirksgericht Winterthur die
Kesb Bülach Süd um Bestellung eines Beistandes für den Berufungsbeklagten 2
(act. 10). Mit Entscheid vom 22. April 2014 bestellte die Kesb Bülach Süd
D._ als Beistand (act. 15). Dagegen erhob der Berufungskläger mit Eingabe
vom 28. Mai 2014 beim Bezirksrat Bülach Beschwerde (act. 24 S. 2). Mit Eingabe
vom 4. Juni 2014 teilte D._ der Vorinstanz mit, gegen den Entscheid der
Kesb Bülach Süd vom 22. April 2014 sei Beschwerde erhoben worden. Er stellte
Antrag um Sistierung des Verfahrens vor Bezirksgericht Winterthur (act. 19). Mit
Verfügung vom 24. Juni 2014 sistierte die Vorinstanz das Verfahren (act. 22). Im
Entscheid vom 18. November 2014 erwog die Kesb Bülach Süd, der Bezirksrat
Bülach habe mit Schreiben vom 4. August 2014 das Verfahren bis zum Wieder-
erwägungsentscheid der Kesb sistiert. Nach erneuter Prüfung bestätigte die Kesb
Bülach Süd ihren Entscheid vom 22. April 2014 auf Errichtung einer Verfahrens-
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beistandschaft für den Berufungsbeklagten 2 (act. 24). Eine dagegen erhobene
Beschwerde wies der Bezirksrat Bülach mit Urteil vom 25. Februar 2015 ab (act.
29). Mit Eingabe vom 8. April 2015 stellte der Berufungskläger beim Bezirksrat
Bülach ein Gesuch um Wiedererwägung. Darauf trat der Bezirksrat Bülach mit
Beschluss vom 20. Mai 2015 nicht ein (act. 37).
Am 26. Juni 2015 fand vor Bezirksgericht Winterthur die Verhandlung statt. Der
Berufungskläger erschien persönlich, die Berufungsbeklagten 1 und 2 wurden
vertreten (act. 42). Mit Verfügung vom 15. Juli 2015 erwog die Vorinstanz, eine
Partei könne im Prozess nur durch eine natürliche Person vertreten werden, wes-
halb der Berufungsbeklagte 1 durch das Zivilstandsamt G._ bzw. die Stadt
G._ nicht gültig vertreten sei. Sie setzte dem Berufungsbeklagten 1 Frist an,
um die bisherigen Handlungen des unzulässigen Vertreters zu genehmigen und
gegebenenfalls einen neuen Vertreter zu bezeichnen (act. 43). Mit Eingabe vom
17. Juli 2015 genehmigte der Berufungsbeklagte 1 die bisherigen in seinem Na-
men vorgenommenen Handlungen und bezeichnete C._ als Vertreter (act.
45). Mit Urteil vom 30. Juli 2015 hiess die Vorinstanz das Gesuch des Berufungs-
beklagten 2 gut und löschte die Anerkennung der Vaterschaft aus dem Zivil-
standsregister (act. 46). Dieser Entscheid wurde dem Berufungskläger am 10.
August 2015 zugestellt (act. 47). Mit Eingabe vom 19. August 2015 (Datum Post-
stempel) erhob der Berufungskläger fristgerecht Berufung und stellte die Ein-
gangs erwähnten Anträge (act. 50). Da das Urteil auch Wirkung gegenüber dem
Kind hat, muss dieses Partei im Berufungsverfahren sein. Da in seinem Namen
keine Berufung erhoben wurde, ist es als Berufungsbeklagter 2 im Rubrum aufzu-
nehmen. Die Akten der Vorinstanz wurden beigezogen. Das Verfahren ist spruch-
reif.
2. Begründung der Vorinstanz
2.1. Die Vorinstanz hielt zunächst fest, dass sich der Berufungsbeklagte 1 durch
die Stadt G._ bzw. das Zivilstandsamt G._ habe vertreten lassen. Da im
Prozess nur eine Vertretung durch natürliche Personen zulässig sei, sei dem Be-
rufungsbeklagten 1 am 15. Juli 2015 Frist angesetzt worden, um die bisher in sei-
nem Namen vorgenommenen Handlungen zu genehmigen und gegebenenfalls
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einen neuen, zulässigen Vertreter zu bestellen. Der Berufungsbeklagte 1 habe mit
Eingabe vom 17. Juli 2015 die bisherigen Handlungen genehmigt und mit
C._ einen zulässigen Vertreter bestellt.
2.2. Weiter führte die Vorinstanz aus, gemäss Art. 42 Abs. 1 ZGB könne auf Lö-
schung einer Eintragung im Zivilstandsregister klagen, wer ein schützenswertes
persönliches Interesse glaubhaft mache. Die kantonalen Aufsichtsbehörden seien
gemäss Absatz 2 dieser Bestimmung klageberechtigt. § 12 Abs. 1 ZVO (Zivil-
standsverordnung) bestimme das kantonale Gemeindeamt als zuständige Behör-
de.
2.3. Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts sei eine Anerkennung der Va-
terschaft durch Erklärung vor dem Zivilstandsbeamten ausgeschlossen, wenn
durch rechtskräftiges Gerichtsurteil festgestellt sei, dass der Erklärende nicht der
Vater des Kindes sei. Denn die Begründung einer rechtlichen Verwandtschaftsbe-
ziehung durch blosse Anerkennungserklärung vor dem Zivilstandsbeamten ge-
mäss Art. 260 Abs. 3 ZGB sei nach Systematik und Sinn des Gesetzes aus-
schliesslich für den Fall der erstmaligen rechtlichen Bekräftigung der bis dahin le-
diglich natürlichen Verwandtschaft gedacht. Die Anerkennung der Vaterschaft vor
dem Zivilstandsbeamten könne nicht dazu dienen, dem Erklärenden die Beseiti-
gung der von ihm selbst erwirkten Aufhebung dieser rechtlichen Beziehung zu
ermöglichen, ungeachtet der Gründe, die einem solchen Bestreben zugrunde lie-
gen könnten (BGE 122 III 99). Wenn durch rechtskräftiges Urteil festgestellt sei,
dass der Erklärende nicht der Vater sei, so sei eine Anerkennungserklärung nicht
im Register einzutragen. Dies nicht deshalb, weil der Zivilstandsbeamte die Ein-
tragung auch bei einer erstmaligen rechtlichen Bekräftigung der behaupteten na-
türlichen Verwandtschaft ablehnen müsse, wenn er wisse, dass der Anerkennen-
de nicht der Vater sei (ZR 109/2010 S. 240), sondern weil die Nichtvaterschaft ge-
richtlich festgestellt sei. In diesem Fall komme es weder darauf an, ob die Vater-
schaft biologisch bestehe oder ob die Vaterschaft gelebt werde.
Das Bezirksgericht Bülach habe mit Urteil vom 29. Februar 2012 rechtskräftig
festgestellt, dass der Berufungskläger nicht der Vater des Berufungsbeklagten 2
sei. Die nach dem Urteil erfolgte Eintragung der Vaterschaft aufgrund der Aner-
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kennungserklärung des Berufungsklägers sei deshalb nichtig. Im vorliegenden
Verfahren sei das Urteil des Bezirksgerichts Bülach nicht zu überprüfen und es
sei auch nicht die Frage zu beantworten, ob dieser Entscheid durch Revision ab-
geändert werden könnte. Das Argument des Berufungsklägers, das Bezirksge-
richt Bülach habe den Nichtbestand der Vaterschaft ohne Abstützung auf ein
DNA-Gutachten festgestellt, sei nicht stichhaltig. Ebenso wenig komme es darauf
an, ob der Berufungskläger die Vaterschaft faktisch lebe oder nicht. Das Zivil-
standsamt G._ habe in Unkenntnis der Rechtsprechung des Bundesgerichts
die Anerkennung der Vaterschaft im Register eingetragen und damit irrtümlich
gehandelt. Dies ändere an der Nichtigkeit der Anerkennung indes nichts, weshalb
die Eintragung gemäss Art. 42 ZGB zu korrigieren sei.
Daran vermöge die Behauptung des Berufungsklägers, er gelte nach österreichi-
schem und weissrussischem Recht aufgrund der Ehe zwischen ihm und der Mut-
ter als Vater der Berufungsbeklagten 2, nichts ändern. Ob eine Anerkennung ei-
ner in einem anderen Staat anerkannten Vaterschaft gemäss Art. 25 IPRG mög-
lich wäre, sei im dafür vorgesehen Verfahren zu prüfen. Zuständig wäre gemäss
Art. 32 IPRG in Verbindung mit Art. 23 ZStV und § 12 Abs. 1 ZVO das Gemein-
deamt.
3. Argumente des Berufungsklägers
In formeller Hinsicht bringt der Berufungskläger vor, der Berufungsbeklagte 1 sei
nicht berechtigt gewesen, das Verfahren zu führen. Dies habe auch die Vor-
instanz zu Recht erkannt. Mit Schreiben vom 10. Februar 2014 habe die Vor-
instanz Frist zur Verbesserung angesetzt, den Berufungskläger darüber aber nicht
orientiert, was zu einem prozessualen Nachteil für den Berufungskläger geführt
habe. Es sei fraglich, ob es Sache des Gerichts sei, einen solchen Hinweis zu
machen, insbesondere dann, wenn die Gegenpartei darunter zu leiden habe. Die
Vorinstanz hätte auf das Gesuch nicht eintreten sollen und habe den Fehler
dadurch zu heilen versucht, dass C._ als Antragsteller betrachtet worden sei.
Dennoch sei im Urteil das Gemeindeamt als Prozesspartei aufgeführt worden,
was nicht nachvollziehbar sei. Das Gericht hätte den Berufungskläger darüber in-
formieren müssen, dass mit C._ eine Privatperson als Antragsteller auftrete.
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Die Eingabe des Berufungsbeklagten 1 vom 17. Juli 2015 (act. 45) sei dem Beru-
fungskläger nicht zugestellt worden, er habe davon erst durch das Urteil vom 30.
Juli 2015 Kenntnis bekommen. Aufgrund des wissentlichen Zurückbehaltens des
genannten Aktenstückes sei eine mögliche Befangenheit des Richters nicht aus-
geschlossen. Zu Unrecht habe die Vorinstanz dem Berufungskläger vorgeworfen,
er habe durch die Anfechtung der Bestellung von D._ zum Beistand des Be-
rufungsbeklagten 2 das Verfahren verzögert. Der Berufungskläger habe sich nicht
gegen die Einrichtung einer Beistandschaft an sich gewehrt, sondern nur gegen
eine Beistandschaft, die über das Verfahren hinaus gewirkt hätte, so wie dies im
ersten Entscheid angeordnet worden sei.
In der Sache führt der Berufungskläger aus, das Bezirksgericht Winterthur habe
zu Unrecht festgestellt, dass er nicht der leibliche Vater des Berufungsbeklagten 2
sein könne und es habe ihm – dem Berufungskläger – unterstellt, dies gewusst zu
haben. Zu diesem Schluss sei die Vorinstanz ohne DNA-Vergleich gekommen,
obwohl dieser Beweis offeriert worden sei. Das vorliegende Verfahren sei auf-
grund von dubiosen Informationen des Migrationsamtes eingeleitet worden. Wenn
das Zivilstandsamt die Anerkennung im Register aufgenommen habe, so sei dies
zu Recht erfolgt. Als grober Irrtum erweise sich nicht diese Eintragung, sondern
das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, mit dem festgestellt worden sei, dass er
nicht der Vater des Berufungsbeklagten 2 sei. Er werde die Revision des Bülacher
Urteils anstreben.
4. Würdigung
4.1. Gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO ist die Berufung schriftlich und begründet ein-
zureichen. Es obliegt dem Berufungskläger, konkrete Rügen anzubringen, sich
mit dem angefochtenen Entscheid auseinanderzusetzen und genau aufzuzeigen,
welchen Teil des Urteils er für falsch hält und gegebenenfalls auf welche Doku-
mente er seine Argumentation stützt. Geprüft wird somit nur, was gerügt worden
ist. Soweit jedoch eine Rüge vorgebracht wurde, wendet die Berufungsinstanz
das Recht von Amtes wegen an (Art. 57 ZPO). Sie ist weder an die Argumente
der Parteien noch an die Begründung des vorinstanzlichen Entscheides gebun-
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den (BGE 138 III 374, 133 II 249 und 130 III 136; OGer ZH, II. ZK, Entscheid vom
9. August 2011, ZR 110 Nr. 80).
4.2. Jede Person, deren Sache in einem gerichtlichen Verfahren beurteilt werden
muss, hat Anspruch auf ein durch Gesetz geschaffenes, zuständiges, unab-
hängiges und unparteiisches Gericht (Art. 30 Abs. 1 BV). Die Garantie des ver-
fassungsmässigen Richters wird bereits verletzt, wenn bei objektiver Betrachtung
Gegebenheiten vorliegen, die den Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der
Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Voreingenommenheit und Befan-
genheit in diesem Sinne werden nach der Rechtsprechung angenommen, wenn
im Einzelfall anhand aller tatsächlichen und verfahrensrechtlichen Umstände Ge-
gebenheiten aufscheinen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit
des Richters zu erwecken. Dabei ist nicht auf das subjektive Empfinden einer Par-
tei abzustellen. Das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss vielmehr in
objektiver Weise begründet erscheinen. Es genügt, wenn Umstände vorliegen, die
bei objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit und Voreingenom-
menheit hervorrufen (BGE 140 III 221). Nicht jeder geltend gemachte Fehler eines
Richters lässt ihn als Befangen erscheinen. Rechts- und Verfahrensfehler sind mit
den Rechtsmitteln gegen den Sachentscheid geltend zu machen. Nur wenn die
Fehler wiederholt erfolgen und qualitativ so schwerwiegend sind, dass daraus auf
die Befangenheit des Richters geschlossen werden muss, ist die Garantie des
verfassungsmässigen Richters verletzt (Kuko ZPO-Kiener, 2. Auflage, Art. 47 N
19).
Der Berufungskläger rügt die Befangenheit der Vorinstanz nicht direkt, stellt sie
aber als möglich in den Raum. Er begründet dies damit, ihm sei act. 45 der vor-
instanzlichen Akten vor der Urteilsfällung nicht zugestellt worden. Damit macht er
sinngemäss die Verletzung des rechtlichen Gehörs und damit einen Verfahrens-
fehler geltend. Dies allein genügt für den Anschein der Befangenheit indes nicht.
4.3. Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Ge-
hör. Diese Garantie umfasst auch das Recht, von den beim Gericht eingereichten
Stellungnahmen Kenntnis zu erhalten und sich dazu äussern zu können (sog.
Replikrecht). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs führt in der Regel zur Auf-
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hebung des Entscheides und zur Rückweisung an die Vorinstanz. Eine Heilung
der Verletzung im zweitinstanzlichen Verfahren ist jedoch – auch bei schwerwie-
genden Verletzungen – möglich, wenn die Rückweisung einem formalistischen
Leerlauf gleichkäme und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde (BGE
137 I 195).
Der Berufungskläger bringt vor, ihm sei das Schreiben der Vorinstanz an das Zi-
vilstandsamt G._ (act. 6) nicht zugestellt worden und macht sinngemäss die
Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Dem ist nicht zu folgen. Denn das ge-
nannte Schreiben hatte unter anderem gerade die Frage zum Gegenstand, wer
überhaupt Gegenpartei sein soll. Solange eine Gegenpartei noch nicht bekannt
ist, kann an sie keine Zustellung erfolgen. Die Vorinstanz musste zur Wahrung
des rechtlichen Gehörs später, nachdem der Berufungskläger als Gegenpartei
feststand, diesem die bisherigen Akten nicht zustellen. Dem Berufungskläger
stand es indes frei, im Rahmen des Akteneinsichtsrecht Einblick zu nehmen.
Der Berufungskläger rügt weiter, ihm sei das Schreiben des Berufungsbeklagten
1 vom 17. Juli 2015 (act. 45) vor Abschluss des vorinstanzlichen Urteils nicht zu-
gestellt worden. Ob die Vorinstanz damit den Anspruch des Berufungsklägers ver-
letzt hat, scheint fraglich, da die genannte Eingabe keine Stellungnahme im Sinne
eines Schriftenwechsels darstellt, sondern ausschliesslich die Vertretung des Be-
rufungsbeklagten 1 zum Gegenstand hat.
Die Frage, ob die Vorinstanz das rechtliche Gehör verletzt hat, kann indes sowohl
bezüglich des Schreibens des Bezirksgerichts Winterthur (act. 6) als auch desje-
nigen des Berufungsbeklagten 1 (act. 45) offen gelassen werden, da der Beru-
fungskläger nunmehr Gelegenheit hatte, sich zu äussern und auch entsprechende
Rügen angebracht hat. Die Rückweisung an die Vorinstanz wäre ein formalisti-
scher Leerlauf, weshalb eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs im Beru-
fungsverfahren geheilt würde.
4.4. Der Berufungsbeklagte 1 liess sich im Verfahren vor Vorinstanz zunächst
durch das Zivilstandsamt G._ vertreten, was unzulässig war. Darauf hat die
Vorinstanz zu Recht hingewiesen. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden,
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ist auf die entsprechenden Erwägungen zu verweisen. Mit Eingabe vom 17. Juli
2015 hat der Berufungsbeklagte 1 die bisherigen Handlungen genehmigt und
C._ als Vertreter bezeichnet (act. 45). Zu Unrecht behauptet der Berufungs-
kläger, C._ sei in der Folge als Partei betrachtet worden. Die Vorinstanz hat
C._ zutreffend als Vertreter betrachtet und entsprechend in das Rubrum auf-
genommen. Sinngemäss macht der Berufungskläger geltend, C._ sei ein un-
zulässiger Vertreter; auch dies zu Unrecht. Jeder Partei – und damit auch eine
Behörde – kann sich im Prozess durch eine natürliche Person vertreten lassen
(Art. 68 Abs. 1 ZPO, OGer ZH PS110143). Mit Schreiben vom 17. Juli 2015 hat
der Berufungsbeklagte 1 C._ gültig bevollmächtigt. Der Umstand, dass
C._ beim Zivilstandsamt G._ und damit in einer Behörde arbeitet, die
vom Berufungsbeklagten 1 beaufsichtigt wird, ändert daran nichts, zumal kein In-
teressenkonflikt zwischen dem Berufungsbeklagten 1 und dem Zivilstandsamt
G._ bzw. C._ erkennbar ist. Der vorliegende Fall ist bezüglich der Stel-
lung von C._ als Vertreter im Prozess singulär. Er ist nicht als berufungs-
mässiger Vertreter zu betrachten, weshalb C._ den Berufungsbeklagten 1
vertreten kann, ohne Anwalt zu sein (Art. 68 Abs. 2 lit. a ZPO).
4.5. Fehler im Zivilstandsregister können von Amtes wegen durch das Zivil-
standsamt oder auf Gesuch hin durch die Gerichte korrigiert werden. Gemäss Art.
43 ZGB können die Zivilstandsbehörden Fehler von Amtes wegen beheben, die
auf einem offensichtlichen Versehen oder Irrtum beruhen. Zuständig für die Be-
richtigung ist die kantonale Aufsichtsbehörde. Wären diese Voraussetzungen von
Art. 43 ZGB erfüllt, wäre auf das Gesuch des Berufungsbeklagten 1 nicht einzu-
treten. Der Anwendungsbereich von Art. 43 ZGB ist indes auf Fälle der sogenann-
ten administrativen Bereinigung beschränkt. Ein solcher Fall liegt schon dann
nicht mehr vor, wenn von irgend einer Seite mit Widerspruch zu rechnen ist (BSK
ZGB-Lardelli, 5. Auflage, Art. 43 N 1). Da im vorliegenden Fall die Berichtigung
umstritten ist, liegt kein Fall von Art. 43 ZGB vor und der Berufungsbeklagte 1 hat
zu Recht den Weg des gerichtlichen Gesuches gewählt.
Gemäss Art. 42 Abs. 1 und 2 ZGB kann derjenige, der ein schützenswertes per-
sönliches Interesse glaubhaft macht, beim Gericht auf Eintragung von streitigen
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Angaben über den Personenstand, auf Berichtigung oder auf Löschung einer Ein-
tragung klagen; klageberechtigt ist auch die kantonale Aufsichtsbehörde. Bei der
Klage der Aufsichtsbehörde tritt das öffentliches Interesse an der Vollständigkeit
und Richtigkeit der Eintragungen im Zivilstandsregister an die Stelle des persönli-
chen Interesses (BSK ZGB-Lardelli, 5. Auflage, Art. 42 N 6). Um unnötige Wie-
derholungen zu vermeiden, ist im Übrigen auf die vorinstanzliche Begründung zu
verweisen.
Unbestrittenermassen hat das Bezirksgericht Bülach mit Urteil vom 29. Februar
2012 rechtskräftig festgestellt, dass der Berufungskläger nicht Vater des Beru-
fungsbeklagten 2 ist. Das Urteil ist nicht nur formell, sondern auch materiell
rechtskräftig und damit inhaltlich auch für nachfolgende Verfahren verbindlich
(BGE 139 III 126 E. 3.1.). Das Institut der Rechtskraft bringt es mit sich, dass –
mit Ausnahme eines auf Abänderung des Urteils eingeleiteten Revisionsverfah-
rens – der Entscheid auf seine Richtigkeit hin nicht mehr überprüft werden kann.
Die Frage, ob im Verfahren vor Bezirksgericht Bülach ein DNA-Gutachten hätte
eingeholt werden müssen, darf im vorliegenden Verfahren deshalb entgegen der
Ansicht der Berufungsklägers nicht aufgeworfen werden. Der Berufungskläger
wirft in diesem Zusammenhang der Vorinstanz vor, sie habe festgestellt, dass er
nicht der leibliche Vater des Berufungsbeklagten 2 sein könne. Eine solche Fest-
stellung hat das Bezirksgericht Winterthur indes nicht gemacht.
Da die Nichtvaterschaft des Berufungsklägers rechtskräftig festgestellt ist, erweist
sich die auf Anerkennung des Berufungsklägers basierende Eintragung der Va-
terschaft im Zivilstandsregister erwiesenermassen als falsch, und sie ist im Sinne
von Art. 42 Abs. 1 ZGB zu korrigieren. Die vom Berufungskläger vorgebrachten
Rügen sind nicht stichhaltig. Die Berufung ist abzuweisen, und der vorinstanzliche
Entscheid ist zu bestätigen.
5. Unentgeltliche Rechtspflege, Prozesskosten
Der Berufungskläger stellte ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege. Diese wird bewilligt, wenn der Gesuchsteller nicht über die erforder-
lichen Mittel für die Prozessführung verfügt und sein Rechtsbegehren nicht aus-
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sichtslos erscheint (Art. 117 ZPO). Als aussichtslos gelten Begehren, bei denen
die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren (BGE
138 III 217). Von hier nicht zutreffenden Ausnahmen abgesehen kann die unent-
geltliche Rechtspflege nicht rückwirkend erteilt werden. Das Gesuch wirkt nur für
die betreffende Instanz und kann nach Eröffnung des Entscheides nicht mehr ge-
stellt werden (Art. 119 Abs. 4 ZPO, Kuko ZPO- Jent-Sørensen, 2. Auflage, Art.
119 N 7-8). Sofern der Berufungsbeklagte mit seinem Antrag in der Berufungs-
schrift auch die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das erstinstanz-
liche Verfahren hätte beantragen wollen, wäre das Gesuch verspätet.
Aufgrund der von der Vorinstanz zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts
(BGE 122 III 99) musste dem Berufungskläger klar sein, dass die von ihm erwirkte
Eintragung der Vaterschaft im Zivilstandsregister keinen Bestand haben kann,
nachdem die Vaterschaft durch Gerichtsurteil rechtskräftig aufgehoben worden
war. Hinzu kommt, dass der Berufungskläger auf seine erste Anfrage beim Zivil-
standsamt F._ hin bereits die zutreffende Antwort erhielt, dass die Eintra-
gung der Vaterschaft aufgrund einer Anerkennungserklärung wegen des rechts-
kräftigen Entscheides des Bezirksgerichts Bülach nicht möglich sei. Die Verlust-
gefahren im Berufungsverfahren überwiegen somit auch in für den Berufungsklä-
ger klar erkennbarer Weise deutlich, so dass die Berufung als aussichtslos zu be-
zeichnen ist. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist
abzuweisen.
Ausgangsgemäss sind die Kosten dieses Verfahrens dem Berufungskläger auf-
zuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Parteientschädigungen sind nicht zuzusprechen,
dem Berufungskläger nicht wegen Unterliegens, den Berufungsbeklagten nicht
mangels erheblicher Aufwendungen in diesem Verfahren.