Decision ID: 7dc2afa8-bee6-447f-90dd-7055af390a95
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht in Strafsachen, vom 23. September 2020 (GG200020)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 25. Mai 2020
(Urk. 21) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 51 S. 29 ff.)
1. Der Beschuldigte, B._, ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in
Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 5 StGB;
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b StGB;
− des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG;
− der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis
und mit heute 19 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe
von 20 Tagessätzen zu Fr. 80.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sowie der Geldstrafe wird aufgeschoben und
die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 12. Juni 2019 beschlagnahm-
te Damenunterhose mit Tiermuster (Asservaten-Nr. A012'254'352) ist nach
Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids zu vernichten.
5. Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Geschäfts-Nr. K190124-049
/ 74584193 gelagerten Spuren und Spurenträger sind nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Entscheids zu vernichten.
6. Die Privatklägerin 1 (A._) wird mit ihren Zivilansprüchen auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'800.–.
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Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Entscheidgebühr um einen Drittel.
8. Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'304.05 Auslagen Untersuchung
Fr. 3'000.– Gebühr gemäss § 4 Abs. 1 lit. d GebV StrV
9. Die Entscheidgebühr und die weiteren Kosten werden dem Beschuldigten
auferlegt.
10. Rechtsanwalt lic. iur. Y._ wird für seine Bemühungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten mit Fr. 16'643.95 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung beim Beschuldigten
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
11. Rechtsanwältin lic. iur. X._ wird für ihre Bemühungen als unentgeltliche
Geschädigtenvertreterin der Privatklägerin mit Fr. 12'394.35 (inklusive Bar-
auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Die Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung werden auf die Ge-
richtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung beim
Beschuldigten gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 135
Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin:
(Urk. 68 S. 2 i.V.m. Urk. 78 S. 2)
Prozessuale Anträge:
1. Auf die Anschlussberufung sei nicht einzutreten.
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2. Es sei vom Obergericht zu prüfen, ob für eine amtliche (notwendige)
Verteidigung noch eine rechtliche Grundlage besteht.
Materielle Anträge:
1. Es sei die Berufung der Privatklägerin gutzuheissen und in Abänderung
von Dispositivziffer 6 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom
23. September 2020 sei
a. der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 3'000.–, zuzüglich
5 % Zins seit dem 24. Januar 2019, zuzusprechen sowie
b. der Beschuldigte sei dem Grundsatz nach zu verpflichten, der
Privatklägerin für bereits entstandenen wie auch für einen allfällig
zukünftigen Schaden, der im Zusammenhang mit dem eingeklag-
ten Ereignis vom 24. Januar 2019 steht, Schadenersatz zu leis-
ten.
2. Die Anschlussberufung des Beschuldigten sei abzuweisen.
3. Die Kosten des gesamten Berufungsverfahrens (inkl. Anschlussberu-
fung) sowie die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Pri-
vatklägerin seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 71 S. 2 f.)
Es sei Ziff. 6 des Urteils des Bezirksgerichts Uster aufzuheben.
Die Zivilansprüche der Berufungsklägerin seien abzuweisen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Berufungskläge-
rin.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Berufungsumfang
1. Gegen das eingangs wiedergegebene mündlich eröffnete Urteil des Be-
zirksgerichts Uster, Einzelgericht in Strafsachen, vom 23. September 2020
(Urk. 51; Prot. I S. 35) meldete die Privatklägerin 1 (nachfolgend: Privatklägerin)
fristgerecht Berufung an (Urk. 47) und erstattete mit Eingabe vom 4. Januar 2021
rechtzeitig ihre (begründete) Berufungserklärung, worin sie unter anderem (ein-
malig) beantragte, die Vorinstanz sei anzuweisen über ihren Genugtuungsan-
spruch zu entscheiden sowie die Schadenersatzansprüche dem Grundsatz nach
gutzuheissen (Urk. 52).
2. In der Folge wurde der Privatklägerin mit Präsidialverfügung vom 21. Januar
2021 Frist angesetzt, um eine Prozesskaution zu leisten (Urk. 54). Nach Eingang
des Gesuchs der Privatklägerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
und Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin (Urk. 57; 58/1-8) wurde mit
Präsidialverfügung vom 26. Februar 2021, unter Hinweis darauf, dass dieser be-
reits mit Verfügung der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich vom
29. Januar 2019 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und ihr eine unentgeltli-
che Rechtsbeiständin bestellt wurde, die Auflage einer Prozesskaution aufgeho-
ben und dem Beschuldigten Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären
oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 59). Mit
Eingabe vom 23. März 2021 erklärte der Beschuldigte Anschlussberufung, was
den übrigen Parteien zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 62).
3. Mit Beschluss vom 12. April 2021 wurde die Durchführung des schriftlichen
Verfahrens angeordnet und der Privatklägerin Frist angesetzt, um Berufungsan-
träge zu stellen und zu begründen (Urk. 64). Nach zweimalig erstreckter Frist (vgl.
Urk. 66 f.) erstattete sie unter dem Datum vom 23. Juni 2021 fristgerecht ihre Be-
rufungsbegründung (Urk. 68), woraufhin der Beschuldigte mit Eingabe vom
14. Juli 2021 rechtzeitig (vgl. Urk. 69) seine Berufungsantwort und begründete
Anschlussberufung folgen liess (Urk. 71).
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4. Innert mit Präsidialverfügung vom 22. Juli 2021 (Urk. 72) angesetzter und
mehrfach erstreckter Frist (Urk. 74 ff.) nahm die Privatklägerin schliesslich mit
Eingabe vom 21. Oktober 2021 zur Berufungsantwort des Beschuldigten Stellung
und erstattete ihre Anschlussberufungsantwort, in deren Rahmen – wie bereits
zuvor im Fristerstreckungsgesuch vom 29. September 2021 (Urk. 77) – sie erst-
mals die eingangs zitierten prozessualen Anträge stellte (Urk. 78). Mit Präsidial-
verfügung vom 15. November 2021 wurde dem Beschuldigten aufgrund der neu-
en prozessualen Anträge der Privatklägerin deren Eingaben vom 29. September
2021 bzw. 21. Oktober 2021 zur freigestellten Vernehmlassung zugestellt
(Urk. 79). Die Vernehmlassungsantwort des Beschuldigten datiert vom
6. Dezember 2021 (Urk. 81). Die Privatklägerin liess sich dazu innert Frist nicht
vernehmen (vgl. Urk. 82). Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
5. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft
des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Sowohl die Be-
rufung der Privatklägerin als auch die Anschlussberufung des Beschuldigten rich-
ten sich gegen Dispositivziffer 6 (Verweis der Zivilansprüche auf den Zivilweg).
Der Berufungsumfang beschränkt sich damit auf den Zivilpunkt. Das Urteil des
Bezirksgerichts Uster, Einzelgericht in Strafsachen, vom 23. September 2020
bleibt somit bezüglich der Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2-3 (Strafe), 4-5
(Entscheid über Sicherstellungen) sowie 7-11 (Kosten- und Entschädigungsdis-
positiv) unangefochten. Es ist insoweit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mit-
tels Beschluss festzustellen ist.
II. Prozessuales
1. Anfechtbarkeit der Verweisung auf den Zivilweg
1.1. Die Vorinstanz verwies die Privatklägerin mit ihren Zivilansprüchen auf den
Weg des Zivilprozesses (Urk. 51 S. 30). Das Bundesgericht hat sich – soweit er-
sichtlich – noch nicht ausdrücklich mit der Frage beschäftigt, ob es für eine Beru-
fung gegen ein erstinstanzliches Urteil im Zivilpunkt genügt, dass die Ansprüche
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im Sinne von Art. 126 Abs. 2 StPO auf den Zivilweg verwiesen wurden (offenge-
lassen in Urteil des Bundesgerichts 6B_1117/2013 vom 6. Mai 2014 E. 4).
1.2. In Nachachtung des Grundsatzes, dass adhäsionsweise geltend gemachte
Zivilklagen soweit wie möglich auch adhäsionsweise zu erledigen sind (Art. 122
StPO i.V.m. Art. 126 StPO) sowie vor dem Hintergrund, dass der Entscheid be-
treffend Zivilklagen mittels Urteil erfolgt (Art. 81 Abs. 4 lit. b StPO, Art. 398 Abs. 1
StPO), muss sich das Rechtsmittel der Berufung als zulässig erweisen. Dies nicht
zuletzt auch unter Berücksichtigung, dass gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung die von einem obersten kantonalen Gericht vorgenommene Verwei-
sung einer anhängig gemachten Zivilklage auf den Zivilweg bei der Rüge einer
Verletzung von Art. 126 Abs. 1 StPO an sich Gegenstand einer Beschwerde in
Strafsachen bilden kann (Urteile des Bundesgerichts 6B_1401/2017 vom 19. Sep-
tember 2018 E. 2; 6B_129/2018 vom 23. November 2018 E. 2.2; BSK BGG-
THOMMEN/FAGA, 3. Aufl. 2018, N 32 zu Art. 78 BGG).
2. Überprüfungskognition
2.1. Beschränkt sich der Berufungsgegenstand nur noch auf den Zivilpunkt, ist
Art. 398 Abs. 5 StPO zu beachten, wonach das Berufungsgericht das erstinstanz-
liche Urteil nur so weit überprüft, als es das am Gerichtsstand anwendbare Zivil-
prozessrecht vorsehen würde (ZR 111 [2012] Nr. 18). Vorliegend handelt es sich
um eine Genugtuungs- sowie ausservertragliche Schadenersatzforderung der
Privatklägerin, mithin um eine vermögensrechtliche Streitigkeit, bezüglich welcher
die eidgenössische Zivilprozessordnung für die Berufung eine Streitwertgrenze
von Fr. 10'000.– vorsieht (Art. 308 Abs. 2 ZPO; BSK ZPO-SPÜHLER, 3. Auflage
2017, N 8 f. zu Art. 308 ZPO; vgl. auch SUTTER-SOMM/SEILER, Handkommentar
ZPO, Zürich 2021, N 13 zu Art. 308 ZPO). Der Streitwert wird durch das Rechts-
begehren bestimmt. Geltend gemachte Zinsen fallen bei der Streitwertberechnung
ausser Betracht (Art. 91 Abs. 1 ZPO).
2.2. Vor Vorinstanz beantragte die Privatklägerin eine Genugtuung in der Höhe
von Fr. 5'000.–, in ihrer Berufungsbegründung eine solche von Fr. 3'000.–, je zu-
züglich 5 % Zins seit dem 24. Januar 2019 sowie die Zusprechung von Schaden-
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ersatz dem Grundsatz nach (Urk. 41; Urk. 68). Da von der Privatklägerin Scha-
denersatz lediglich dem Grundsatz nach – was im Strafrecht anders als im Zivil-
recht explizit vorgesehen und ein entsprechender Antrag aufgrund der geltenden
Dispositionsmaxime zu respektieren ist (vgl. Art. 126 Abs. 3 StPO; vgl.
Erw. III.1.3.) – verlangt wurde, fehlt es im Gegensatz zur Genugtuungsforderung
an einer Bezifferung des Schadenersatzes. Die Privatklägerin macht zusammen-
gefasst psychische Probleme als kausale Folge der durch den Beschuldigten ver-
übten Taten geltend. Der daraus resultierende Schaden lasse sich derzeit nicht
beziffern. Es sei unklar, ob die Privatklägerin das Vorgefallene allenfalls alleine
werde verarbeiten können. Andernfalls müsse ihr aber die Möglichkeit offenste-
hen, zu einem späteren Zeitpunkt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und
den Schaden überwälzen zu können (Urk. 68 S. 8 f.). Demzufolge kann der
Schadenersatzforderung der Privatklägerin dem Grundsatz nach zum jetzigen
Zeitpunkt kein Streitwert beigemessen werden; eine zukünftige Realisation des
Schadens ist – nach der eigenen Darstellung der Privatklägerin – ungewiss. Folg-
lich ist von einem Streitwert in der Höhe der beantragten Genugtuung auszuge-
hen.
2.3. Der Streitwert von Fr. 10'000.– im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZPO ist folglich
nicht erreicht, weshalb die einschränkenden Voraussetzungen der Beschwerde
gemäss Zivilprozessordnung zur Anwendung gelangen. Entsprechend prüft das
Obergericht den vorinstanzlichen Entscheid – was Rügen betreffend die Feststel-
lung des Sachverhaltes anbelangt – nur mit eingeschränkter Kognition (Willkür-
prüfung). Soweit unrichtige Rechtsanwendung geltend gemacht wird, ist die Kog-
nition dagegen nicht beschränkt (vgl. Art. 320 ZPO i.V.m. Art. 398 Abs. 5 StPO).
Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass neue Anträge, neue Tatsachenbehauptun-
gen und neue Beweismittel ausgeschlossen sind (Art. 326 ZPO i.V.m. Art. 398
Abs. 5 StPO).
3. Eintreten auf die (Anschluss-)Berufung
3.1. Die Privatklägerin beantragt ein Nichteintreten auf die Anschlussberufung
mit der Begründung, dass es im Sinne von Art. 2 Abs. 2 ZGB rechtsmissbräuch-
lich sei, wenn vom Beschuldigten nicht nur die Berufung bestritten, sondern zu-
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sätzlich Anschlussberufung erhoben werde, obwohl dieser einerseits rechtskräftig
verurteilt worden sei und andererseits aufgrund dieser strafrechtlichen Verurtei-
lung die damit als bewiesen geltenden rechtlichen Voraussetzungen (Scha-
den/immaterielle Unbill, widerrechtliches Verhalten, adäquater Kausalzusammen-
hang sowie Verschulden) erfüllt habe. Weiter bringt sie vor, dass auch ein An-
schlussappellant zur Sicherstellung allfälliger Kosten- und Entschädigungsan-
sprüche verpflichtet sei (Urk. 77 S. 2 f.; Urk. 78 S. 2 ff., 17).
3.2. Die Anschlussberufung kann unabhängig von den mit der Hauptberufung
angefochtenen Punkten ergriffen werden. Einzige Ausnahme bildet die Beschrän-
kung auf die Beurteilung des Zivilpunktes, wenn dieser allein den Gegenstand der
Hauptberufung bildet (Art. 401 Abs. 2 StPO; vgl. BSK StPO-EUGSTER, a.a.O., N 3
zu Art. 401 StPO), was in casu der Fall ist. Die Anschlussberufung des Beschul-
digten richtet sich ausschliesslich auf den Zivilpunkt; er beantragt, es sei die Dis-
positivziffer 6 des vorinstanzlichen Urteils aufzuheben, und die Zivilansprüche der
Privatklägerin seien abzuweisen (Urk. 71 S. 3). Die Anschlussberufung ist daher
zulässig. Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass sich die verschiedenen Arten
von Entscheiden, mit denen das Strafgericht die Zivilklage erledigen kann, aus
Art. 124 Abs. 3 und Art. 126 StPO ergeben. Dazu gehört namentlich das Sachur-
teil (Art. 126 Abs. 1 StPO), das auch auf Abweisung der Klage lauten kann. Ent-
sprechend ist eine adhäsionsweise geltend gemachte Zivilforderung gegebenen-
falls abzuweisen, sofern aufgrund ausreichend substantiierten Behauptungen und
bei Spruchreife hinsichtlich der von der Privatklägerschaft behaupteten Zivilforde-
rung der geltend gemachte Rechtsanspruch als nicht gegeben erachtet wird.
Auch bei einer rechtskräftigen Verurteilung ist eine Abweisung der Zivilforderung
nicht ausgeschlossen. Die Anschlussberufung des Beschuldigten mit dem Antrag
auf Abweisung der Zivilansprüche der Privatklägerin ist deshalb rechtens, und ein
Rechtsmissbrauch liegt nicht vor.
3.3. Insoweit die Privatklägerin geltend macht, dass auch der Anschlussappellant
zur Sicherstellung allfälliger Kosten- und Entschädigungsansprüche verpflichtet
sei, ist festzuhalten, dass bei einer Berufung der Privatklägerschaft Art. 383 StPO
auch für einen Anschlussappellanten Geltung beanspruchen kann (BSK StPO-
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EUGSTER, a.a.O., N 3 zu Art. 401 StPO). Indes handelt es sich bei Art. 383 StPO
um eine Kann-Vorschrift, mithin steht der Verfahrensleitung ein Ermessensspiel-
raum zu (BSK StPO-ZIEGLER/KELLER, a.a.O., N 1 zu Art. 383 StPO). Der Einwand
der Privatklägerin ist deshalb – nachdem bei ihr die Auflage einer Prozesskaution
aufgehoben wurde (Urk. 59) und sich der Beschuldigte ebenfalls in nicht sehr
günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet (Prot. I S. 8) – nicht zu hören.
3.4. Die Privatklägerin beantragte anfänglich, die Vorinstanz sei anzuweisen,
über die Zivilforderungen zu entscheiden (Urk. 52 S. 2; vgl. auch Urk. 78 S. 6),
wobei sich dieser prozessuale Antrag in ihren späteren Eingaben nicht mehr fin-
den liess. Diesbezüglich ist ohnehin zu erkennen, dass die Vorinstanz, indem sie
die Zivilansprüche der Privatklägerin im Urteilsdispositiv im Sinne von Art. 126
Abs. 2 StPO auf den Weg des Zivilprozesses verwies, einen formellen Entscheid
über deren Zivilansprüche fällte (vgl. BSK StPO-DOLGE, a.a.O., N 7 zu Art. 126
StPO). Entsprechend ist die Sache nicht an die Vorinstanz zurückzuweisen, son-
dern im Rahmen des Berufungsverfahrens zu beurteilen.
3.5. Aufgrund des Erwogenen ist auf die Anschlussberufung des Beschuldigten
einzutreten und sind die Zivilansprüche der Privatklägerin nachfolgend zu prüfen.
4. Amtliche Verteidigung
4.1. Die Privatklägerin beantragt ferner die Überprüfung, ob für eine amtliche
(notwendige) Verteidigung noch eine rechtliche Grundlage bestehe, da sich im
Berufungsverfahren einzig Fragen im Zusammenhang mit der Genugtuung stellen
würden, wofür keine amtliche Verteidigung notwendig sei. Es bestehe hierfür kei-
ne gesetzliche Grundlage, weshalb der amtliche Verteidiger – nicht zuletzt auf-
grund des tiefen Streitwerts – aus dem Mandat zu entlassen sei (Urk. 77 S. 2, 4;
Urk. 78 S. 2, 4 f.).
4.2. Gemäss Art. 134 Abs. 1 StPO widerruft die Verfahrensleitung das Mandat,
wenn der Grund für die amtliche Verteidigung dahin fällt, soweit nicht ein anderer
Grund für die amtliche Verteidigung besteht (BSK StPO-RUCKSTUHL, a.a.O., N 1
zu Art. 134 StPO). Ein Widerruf der amtlichen Verteidigung darf nicht rückwirkend
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erfolgen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1B_632/2012 vom 19. Dezember 2012
E. 2.3; 6B_698/2013 vom 27. Januar 2014 E. 5.2.2).
4.3. Die amtliche Verteidigung wurde mit Verfügung vom 29. Januar 2019 ge-
stützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit Art. 130 Abs. 1 lit. b StPO
genehmigt (Urk. 1/12/3). Auch wenn bereits eine rechtskräftige Verurteilung des
Beschuldigten vorliegt, sind die Voraussetzungen für eine amtliche Verteidigung
aus Gründen der Waffengleichheit – die Privatklägerin ist wie erwähnt unentgelt-
lich vertreten (Urk. 1/11/2; Urk. 59 mit Verweis auf Urk. 58/1-8) – erfüllt. Im Übri-
gen ist zu berücksichtigen, dass die Privatklägerin erstmals mit Eingabe vom
29. September 2021 beantragte, dass die rechtlichen Grundlagen der amtlichen
Verteidigung zu überprüfen seien (Urk. 77), mithin kurz bevor sich das Verfahren
als spruchreif erwies. Angesichts des Verfahrensstandes und unter Berücksichti-
gung, dass die amtliche Verteidigung nicht rückwirkend widerrufen werden kann,
wäre ein Widerruf auch bei Vorliegen der Voraussetzungen nicht angezeigt. Nach
dem Erwogenen hat kein Widerruf der amtlichen Verteidigung (im Sinne von
Art. 134 Abs. 1 StPO) zu erfolgen.
III. Zivilforderung
1. Rechtsgrundlagen
1.1. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass soweit sich die Privatklägerin auf das
Opferhilfegesetz beruft, die von ihr zitierten Bestimmungen im Rahmen der Total-
revision des Opferhilfegesetzes und im Hinblick auf die Einführung der Schweize-
rischen Strafprozessordnung am 1. Januar 2011 aufgehoben wurden (vgl. BBI
2005 7165 ff., 7190). Die entsprechenden Regelungen finden sich heute in der
Schweizerischen Strafprozessordnung (Art. 122-126 StPO).
1.2. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann in Bezug auf die rechtli-
chen Grundlagen für die adhäsionsweise geltend zu machende Zivilklage im
Strafverfahren gemäss Art. 122 ff. StPO bzw. die rechtlichen Grundlagen im ma-
teriellen Privatrecht, namentlich Art. 41 OR und Art. 49 OR, vorab auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 51 S. 24 ff., 28). Er-
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neut zu betonen ist die Substantiierungspflicht der Privatklägerschaft hinsichtlich
ihres Zivilanspruchs und das Primat der Dispositionsmaxime für den Adhäsions-
prozess. Entsprechend darf daher die Rechtsmittelinstanz der Privatklägerschaft
im Rahmen der Zivilklage nicht mehr und nichts anderes zusprechen, als diese
verlangt, was zudem in Art. 391 Abs. 1 lit. b StPO ausdrücklich festgehalten wird
(BSK StPO-DOLGE, a.a.O., N 5 ff. und N 22 ff. zu Art. 122 StPO;
SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, a.a.O., N 2 zu Art. 391 StPO). Die Be-
hauptungs-, Substantiierungs- und Beweisführungslast der Privatklägerschaft ist
allerdings insofern gemindert, als dass sie auf die Ergebnisse der Strafuntersu-
chung verweisen kann, bzw. das Strafgericht sich im Zivilpunkt auch auf die im
Strafverfahren getroffenen tatsächlichen Feststellungen zu stützen hat. Sachver-
halte, welche für die Straftat nicht wesentlich sind und deshalb nicht durch die
Strafbehörden ermittelt werden, hat die Privatklägerschaft hingegen zu substanti-
ieren und zu beweisen. Dies gilt insbesondere für die genaue Höhe des erlittenen
Schadens. Mit anderen Worten hat die Privatklägerschaft vor allem die privat-
rechtlichen Haftungsgrundlagen in tatsächlicher Hinsicht, soweit diese durch das
Strafverfahren noch nicht offenkundig sind, detailliert darzulegen, ansonsten die
Zivilforderung auf den Zivilweg zu verweisen ist. Dabei sind die Anforderungen an
die Substantiierung umso höher, je grösser der Schaden und je komplexer der
Sachverhalt ist (BSK StPO-DOLGE, a.a.O., N 22 f. zu Art. 122 StPO und N 8 zu
Art. 123 StPO).
1.3. Aufgrund der geltenden Dispositionsmaxime ist auch ein entsprechender
Antrag der Zivilklägerschaft auf einen blossen Grundsatzentscheid im Sinne von
Art. 126 Abs. 3 StPO zu respektieren. Eine vollständige Beurteilung des Zivilan-
spruchs gilt unter anderem als unverhältnismässig aufwendig, wenn allfällige
Spätfolgen abzuwarten sind. Diesfalls kann das Gericht die Zivilklage nur dem
Grundsatz nach entscheiden und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen, wo-
bei Ansprüche von geringer Höhe das Gericht nach Möglichkeit selbst (abschlies-
send) beurteilen soll. Genugtuungsansprüche können und sollen in der Regel so-
fort entschieden werden (BSK StPO-DOLGE, a.a.O., N 44 f. zu Art. 126 StPO; vgl.
auch SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, a.a.O., N 15 zu Art. 126 StPO).
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1.4. Schliesslich bleibt gegenüber der Darstellung der Vorinstanz die Rechtspre-
chung zur ermessensweisen Festsetzung der Genugtuung im Einzelfall zu ergän-
zen. Massgebend ist das subjektive Empfinden der geschädigten Person und die
konkrete immaterielle Unbill, welche sie durch das schädigende Ereignis erlitten
hat (Urteile des Bundesgerichts 6B_531/2017 vom 11. Juli 2017 E. 3.3.2 m.w.H.;
6B_768/2014 vom 24. März 2015 E. 3.3 [nicht publ. in BGE 141 IV 97]).
2. Genugtuung
2.1. Die Vorinstanz verwies das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin auf
den Zivilweg. Sie erwog zusammengefasst, dass die festgestellten Verletzungen
der Privatklägerin anlässlich der ärztlichen Untersuchung – mit Ausnahme der
Hirnerschütterung, des stumpfen Thorako-Abdominaltraumas und des Würge-
traumas – zwar aktenkundig seien, die Privatklägerin es jedoch unterlassen habe,
die von ihr behaupteten schwerwiegenden, psychischen Folgen aus dem Vorfall
vom 24. Januar 2019 genügend substantiiert darzutun, insbesondere bezüglich
einer genauen (aktuellen) Diagnose, deren Auswirkung auf die gegenwärtige Le-
benssituation und Behandlungsnotwendigkeit. Einzig gestützt auf die zwar nach-
vollziehbaren, aber nicht belegten Behauptungen der Privatklägerin könne keine
Genugtuungssumme zugesprochen werden (Urk. 51 S. 27).
2.2. Hinsichtlich des Parteistandpunkts der Privatklägerin im erstinstanzlichen
Verfahren kann auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden (Urk. 51 S. 26 f.).
2.2.1. Im Berufungsverfahren rügt die Vertreterin der Privatklägerin zum einen die
vorinstanzliche Sachverhaltserstellung, wonach die Hirnerschütterung, das stump-
fe Thorako-Abdominaltrauma sowie das Würgetrauma der Privatklägerin nicht er-
stellt sein sollten. Die Vorinstanz sei trotz der Diagnose des Spitals Uster sowie
der mündlichen Erklärung des Assistenzarztes des IRM Zürich vom 24. Januar
2021 gegenüber der Staatsanwältin (und somit aktenwidrig) zu diesem Schluss
gelangt. Das Gericht dürfe von einem eingeholten Spitalbericht/Gutachten ge-
mäss ständiger Rechtsprechung in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe abrü-
cken und müsse Abweichungen begründen bzw. bei Unklarheiten gegebenenfalls
Beweisergänzungen veranlassen. Indes seien auch ohne die Annahme einer Ge-
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hirnerschütterung nach wie vor genügend weitere körperliche Verletzungen er-
stellt, die eine Genugtuung im beantragten Rahmen rechtfertigen würden (Urk. 52
S. 6 f.; Urk. 68 S. 5; Urk. 78 S. 10 f.).
2.2.2. In rechtlicher Hinsicht macht die Vertreterin der Privatklägerin im Beru-
fungsverfahren geltend, dass die Vorinstanz den Beschuldigten unter anderem
der einfachen Körperverletzung zum Nachteil der Privatklägerin – inzwischen
rechtskräftig – schuldig gesprochen habe. Eine Genugtuung sei sowohl bei psy-
chischen, als auch bei physischen/körperlichen Verletzungen zuzusprechen. Die
von der Vorinstanz als erstellt erachteten Verletzungen sowie die durch das IRM
wie auch durch das Spital Uster festgehaltenen Verletzungen würden zwingend
einen Entscheid der Vorinstanz über den Genugtuungsanspruch der Privatkläge-
rin als Opfer erfordern. Die Privatklägerin sei ihrer Substantiierungspflicht genü-
gend nachgekommen und Beweismittel, namentlich die bei den Akten liegenden
Arztzeugnisse, die Aussagen der Privatklägerin sowie die Aussagen des (gestän-
digen) Beschuldigten, würden vorliegen. Es sei zudem gerichtsnotorisch und ba-
siere auf allgemeiner Lebenserfahrung, dass körperliche Übergriffe im häuslichen
Rahmen psychische Probleme und einen Vertrauensverlust hervorrufen könnten
(Urk. 52 S. 6; Urk. 68 S. 4 f.; Urk. 78 S. 5 ff.).
2.3. Die Verteidigung beantragt im Berufungsverfahren die Abweisung der Zi-
vilansprüche der Privatklägerin, da keine Beweismittel vorliegen würden, mit wel-
chen deren Ansprüche zu beweisen wären (Urk. 61 S. 2 f.). Zusammengefasst
bleibt die Verteidigung im Berufungsverfahren bei ihren Depositionen vor Vor-
instanz (vgl. Urk. 44 S. 19 i.V.m. Prot. I S. 24 ff.) und stellt sich im Wesentlichen
auf den Standpunkt, dass die Privatklägerin nebst mangelnder Substantiierung
die zivilrechtlichen Grundlagen und Voraussetzungen für die Zusprechung einer
Genugtuung weder behauptet noch rechtsgenügend bewiesen habe, insbesonde-
re hinsichtlich der Kausalität. Betreffend die Verletzungen der Privatklägerin sei
auf das Gutachten zur körperlichen Untersuchung abzustellen, weitere Verletzun-
gen seien nicht erstellt. Hinsichtlich der geltend gemachten Persönlichkeitsverlet-
zung habe die Privatklägerin durch ihre Aussage, dass sie sich trotz der vorge-
nannten (und bestrittenen) psychischen Folgen nicht in einer Therapie befinde,
- 15 -
beinahe selbst den Beweis erbracht, dass die bestrittenen Lebenseinschränkun-
gen nicht vorliegen würden. Ebenfalls sei der in diesem Zusammenhang neu vor-
gebrachte Vertrauensverlust nicht substantiiert dargetan, mit Nichtwissen bestrit-
ten und aufgrund der Novenschranke nicht mehr zu hören (Urk. 71 S. 6 ff.).
2.4. Soweit die Vertreterin der Privatklägerin die vorinstanzliche Sachverhaltser-
stellung in Bezug auf die vom Beschuldigten bei der Privatklägerin verursachten
körperlichen Verletzungen rügt (vgl. vorstehend Erw. III.2.2.1.), stellt sich im Falle
einer auf den Zivilpunkt beschränkten Berufung die Frage, ob die Sachverhaltser-
stellung, sofern diese für die Beurteilung des Genugtuungsbegehrens von Rele-
vanz ist, vom Berufungsgericht überhaupt erneut überprüft werden kann, oder ob
dieses an die vorinstanzlichen Erwägungen zum Schuldpunkt gebunden ist. Die
Frage kann indes insofern offenbleiben, als dass für Sachverhaltsfragen die Will-
kürprüfung gilt (vgl. Erw. II.2.) und die Feststellung der Vorinstanz, dass sich eine
Hirnerschütterung, das stumpfe Thorako-Abdominaltrauma sowie das Würge-
trauma nicht erstellen liessen, nicht willkürlich erscheint, nachdem diese Befunde
trotz Aktenkenntnis der Gutachter – der Notfallbericht ambulante Chirurgie des
Spitals Uster vom 26. Januar 2019 sowie der Befund der Computertomographie
des Gesichtsschädels der Privatklägerin vom 24. Januar 2019 bilden nebst der
rechtsmedizinischen Untersuchung und weiteren Unterlagen die Grundlagen des
Gutachtens, mithin waren die Gutachter in Kenntnis der vom Spital Uster gestell-
ten Diagnosen (Urk. 1/5/6 f.; vgl. Urk. 1/5/8 S. 1 f. inkl. Anhang) – keinen Eingang
ins Gutachten fanden (vgl. Urk. 51 S. 19 f.). Entsprechend ist für die Beurteilung
des Genugtuungsanspruchs der Privatklägerin vom von der Vorinstanz erstellten
Sachverhalt auszugehen.
2.5. Mit vorinstanzlichem Urteil wurde der Beschuldigte unter anderem wegen
einfacher Körperverletzung zum Nachteil seiner damaligen Lebenspartnerin, der
Privatklägerin, im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziffer 2
Abs. 5 StGB rechtskräftig verurteilt (Urk. 51 S. 29). Gestützt auf das vorinstanzli-
che Urteil ist erstellt, dass der Beschuldigte im Rahmen einer häuslichen Ausei-
nandersetzung die Privatklägerin mehrfach mit offenen Händen und der Faust
gegen den Kopf und den Körper schlug, ihr Fusstritte gegen ihr Gesäss verpass-
- 16 -
te, sie mehrfach zu Boden warf, ihr mehrfach an den Haaren riss und im Verlaufe
der Auseinandersetzung eine Kopfnuss versetzte, ihren Kopf gegen die Wand
schlug, diesen mit beiden Händen packte und verdrehte sowie dass er sie mit ei-
ner Hand am Hals packte und ihr mit der anderen Hand den Mund und die Nase
zuhielt. Ferner kniete er während der Auseinandersetzung auf der Privatklägerin
und spuckte dieser ins Gesicht (Urk. 51 S. 17 f., 20 i.V.m. Urk. 21 S. 2 f.). Dabei
erlitt die Privatklägerin – mit Ausnahme der Tritte gegen den Oberkörper und die
Rippengegend, der Bewusstlosigkeit, der Hirnerschütterung, des stumpfen Thora-
ko-Abdominaltraumas sowie des Würgetraumas, welche sich gemäss Vorinstanz
nicht erstellen liessen – die in der Anklageschrift aufgeführten Verletzungen
(Urk. 51 S. 20 i.V.m. Urk. 21 S. 3 f.).
2.6. Der Beschuldigte griff gemäss erstelltem Sachverhalt widerrechtlich und
schuldhaft in die physische Integrität der Privatklägerin ein. Mit der Vorinstanz ist
festzuhalten, dass die Fotos, welche direkt nach dem Vorfall aufgenommen wur-
den, deutlich zeigen, dass die Verletzungen der Privatklägerin über blosse harm-
lose Verletzungen hinausgehen (Urk. 1/1/2; Urk. 51 S. 21). Mit anderen Worten ist
aufgrund des erstellten Sachverhalts davon auszugehen, dass die Privatklägerin
Opfer eines Übergriffs wurde, der aufgrund seiner Schwere im Grundsatz geeig-
net ist, einen Genugtuungsanspruch zu begründen. Entscheidend ist indes – wie
einleitend dargetan – die aus der Tat konkret resultierende Belastung für das Op-
fer. Die Festlegung der Höhe der Genugtuung beruht dabei auf der Würdigung
sämtlicher Umstände und richterlichem Ermessen (Art. 4 ZGB); für die Festset-
zung von Genugtuungssummen kann kein Tarif festgesetzt werden. Das bedeutet
allerdings nicht, dass Präjudizien in einem konkreten Fall nicht herangezogen
werden dürfen. Neben allgemeinen Richtwerten, die aus solchen Vergleichen ge-
zogen werden, müssen aber die konkreten Umstände des Einzelfalls schwerge-
wichtig in die Betragsfestsetzung einfliessen. Einschlägige Präjudizien dienen als
Richtschnur oder Anhaltspunkt für den Vergleich von neuen Fällen (BK OR-
BREHM, 5. Aufl. 2021, N 62 ff. zu Art. 47 OR). In diesem Sinne ist festzuhalten,
dass die Rechtsprechung in Fällen von häuslicher Gewalt mehrheitlich Genugtu-
ungen von zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 2'500.– als angemessen erachtete, wobei
die Zeitspanne, über welche hinweg die häusliche Gewalt stattfand, jeweils Be-
- 17 -
rücksichtigung fand (LANDOLT, Genugtuungsrecht, Grundlagen zur Bestimmung
der Genugtuung, Band 2, Zürich/St. Gallen 2013).
2.6.1. Die Gewaltanwendung des Beschuldigten führte zu nicht unerheblichen
Verletzungen der Privatklägerin, welche nach der allgemeinen Lebenserfahrung
mit Schmerzen verbunden und auch geeignet sind, eine seelische Unbill zu verur-
sachen. Die durch das strafrechtlich relevante Verhalten des Beschuldigten zuge-
fügten Verletzungen und die damit einhergehenden, erstellten Schmerzen sind
jedoch – ohne das Leiden der Privatklägerin abwerten zu wollen – eher im unte-
ren Bereich anzusiedeln und es handelte sich um einen einzelnen Vorfall von
häuslicher Gewalt. Die Privatklägerin erlitt keine länger andauernden Schmerzen.
Bleibende physische Schäden oder Funktionsstörungen hat die Privatklägerin
keine belegt. Die Privatklägerin konnte nach durchgeführten Untersuchungen
gleichentags aus dem Spital Uster entlassen werden, mithin war ein stationärer
Spitalaufenthalt nicht erforderlich.
2.6.2. Es ist der Privatklägerin weiter zu glauben, dass sie der Vorfall nebst ihren
erlittenen physischen Verletzungen auch psychisch belastet. Einem Arztzeugnis
von Frau Dr. med. C._, FMH Psychiatrie / Psychotherapie, datierend vom
12. März 2020, ist zu entnehmen, dass sich die Privatklägerin von Februar 2019
bis Mai 2019 und hernach erneut am 10. März 2020 bei dieser in Behandlung be-
fand. Weiter geht daraus hervor, dass bei der Privatklägerin gemäss einer psy-
chologischen Testung im Frühjahr 2019 ein hohes Risiko in Bezug auf die Gefahr
von Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung bestanden habe
bzw. bestehe, weshalb dieser eine intensivere Psychotherapie bei einer Trauma-
therapeutin angeraten worden sei. Das Arztzeugnis wurde im Hinblick auf die Ge-
richtsverhandlung ausgestellt und hielt fest, dass jedes andere, nicht therapeu-
tisch untermauerte Ansprechen/Besprechen des der Privatklägerin zugefügten
massiven Gewalterlebens wegen der Gefahr der Retraumatisierung absolut kont-
raindiziert sei (Urk. 1/5/9). Das hohe Risiko in Bezug auf die Gefahr einer Entwick-
lung einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie der Umstand, dass im
Arztzeugnis von Retraumatisierung die Rede ist, belegen die psychischen Verlet-
zungen der Privatklägerin. Aufgrund des Inhalts des Arztzeugnisses, mithin dem
- 18 -
Verweis auf die anstehende Hauptverhandlung und der Erwähnung, dass die Be-
handlung ab Februar 2019 und damit kurz nach dem eingeklagten Ereignis be-
gonnen wurde, sowie der Aussagen der Privatklägerin über ihre psychische Be-
lastung aufgrund des Vorfalls (vgl. Urk. 1/3/3 S. 5), sind die psychischen Leiden
der Privatklägerin zweifelsohne dem Vorfall vom 24. Januar 2019 zuzuordnen und
damit kausal. Die Privatklägerin hat überdies im Berufungsverfahren – wie auch
vor Vorinstanz (Urk. 41 S. 6 f.) – dargetan, dass sie nach wie vor unter Angstzu-
ständen, Albträumen sowie Unsicherheiten leidet und mit Vertrauensproblemen
zu kämpfen hat, was nach dem Vorgefallenen und dem Ergebnis der Strafunter-
suchung, das im Adhäsionsverfahren zu berücksichtigen ist, nachvollziehbar er-
scheint.
2.6.3. Insgesamt ist die Genugtuung, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der
eher geringfügigen Forderung, damit sowohl hinsichtlich der physischen als auch
der psychischen Verletzungen als genügend substantiiert zu erachten.
2.7. Nach dem Erwogenen und unter Berücksichtigung, dass die Genugtuung für
einen einzelnen Fall im Rahmen von häuslicher Gewalt zuzusprechen ist, er-
scheint eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'500.– angemessen. Die Genugtu-
ung ist ab dem Zeitpunkt des Ereignisses zu verzinsen. Somit ist der Beschuldigte
zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'500.–
zuzüglich 5 % Zins ab 24. Januar 2019 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist die Ge-
nugtuungsforderung abzuweisen.
3. Schadenersatz
3.1. Die Vorinstanz verwies das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin mit
der Begründung auf den Zivilweg, dass es diese unterlassen habe, genau anzu-
geben, welche Voraussetzungen für Schadenersatzansprüche erfüllt sein sollten.
Insbesondere aufgrund der Bestreitung durch den Beschuldigten sei die Privat-
klägerin ihrer Substantiierungspflicht nicht nachgekommen, weshalb bezüglich be-
reits entstandener oder allfällig zukünftiger Schäden keine Beurteilung vorge-
nommen werden könne (Urk. 51 S. 28).
- 19 -
3.2. Hinsichtlich des Parteistandpunkts der Privatklägerin im erstinstanzlichen
Verfahren kann auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden (Urk. 51 S. 26 f.).
Im Berufungsverfahren vertritt die Vertreterin der Privatklägerin den Standpunkt,
dass eine genügende Substantiierung des Schadenersatzanspruchs vorliege. Die
Traumatisierung der Privatklägerin sei durch eine Fachärztin festgestellt worden.
Diese habe ferner festgehalten, dass die Privatklägerin eine entsprechende Be-
handlung brauche. Es sei seitens der Privatklägerin unverschuldet, dass deren
bisherige Psychotherapeutin wegen Pensionierung ihre Tätigkeit eingestellt habe
und sie bis heute noch keine geeignete Psychotherapeutin in der Schweiz habe
finden können. Es sei durchaus möglich, dass die Privatklägerin das Vorgefallene
alleine verarbeiten könne. Sollte diese dazu jedoch nicht in der Lage sein, so
müsse sie die Möglichkeit haben, zu einem späteren Zeitpunkt professionelle Hilfe
beizuziehen. Es sei erwiesen, dass die psychischen Probleme, welche die Privat-
klägerin seit dem Vorfall habe, eine kausale Folge der durch den Beschuldigten
verübten Tat darstelle. Diese könnten zur Zeit nicht beziffert werden, weshalb der
Beschuldigte dem Grundsatz nach zu verpflichten sei, der Privatklägerin Scha-
denersatz zu leisten. Auch wenn die Therapiekosten grundsätzlich von der Kran-
kenkasse zu tragen wären, könnte der Privatklägerin ein Selbstbehaltsschaden
anfallen (Urk. 68 S. 8 f.; Urk. 78 S. 15 ff.).
3.3. Im Berufungsverfahren liess der Beschuldigte – wie bereits vor Vorinstanz
(vgl. Urk. 44 S. 19 i.V.m. Prot. I S. 26 f.) – zusammengefasst geltend machen,
dass die Privatklägerin es versäumt habe, auf die Voraussetzungen des Scha-
denersatzes einzugehen, namentlich die Kausalität zu behaupten, weshalb es an
den Voraussetzungen für die Zusprechung von Schadenersatz fehle und die For-
derung abzuweisen sei. Im Übrigen sei der Privatklägerin kein Schaden entstan-
den, da die bisherigen Kosten vollumfänglich von der Unfallversicherung getragen
worden seien und eine Therapie ohnehin – wie diese selber sage – durch die
Krankenversicherung gedeckt sein würde. Der von der Privatklägerin eingereichte
Bericht der Fachärztin sage nichts aus in Bezug auf den Gesundheitszustand und
eine allfällige Traumatisierung im Urteilszeitpunkt. Da die Privatklägerin denn
auch – trotz entsprechender Empfehlung der Fachärztin – keine Therapie absol-
viert habe, wäre sie für einen Schaden, wenn ein solcher überhaupt eintreten
- 20 -
könnte, selbst verantwortlich. Die Privatklägerin habe entsprechend nicht darge-
legt und auch nicht substantiiert behauptet, dass sie eine Psychotherapie brau-
che. Wenn die Privatklägerin selbst einräume, dass es gut sein könne, dass keine
Therapie gebraucht werde, dann räume sie damit auch ein, dass es wohl keinen
Schaden gebe, was zwangsläufig zu einer Abweisung der Klage führen müsse.
Schliesslich habe die Privatklägerin nicht ansatzweise dargelegt, wie ein Schaden
in der Zukunft anfallen könnte. Die ganzen Behauptungen zum Schaden seien
reine Spekulation (Urk. 71 S. 12 ff.).
3.4. Betreffend allfälligen zukünftigen Schaden ist vorab in Erinnerung zu rufen,
dass sich aus dem Arztzeugnis vom 12. März 2020 ergibt, dass die Privatklägerin
nach dem eingeklagten Ereignis bei Frau Dr. med. C._, FMH Psychiat-
rie/Psychotherapie, mehrere Beratungstermine wahrnahm. Der Privatklägerin
wurde von der Fachperson ein hohes Risiko in Bezug auf die Gefahr von Entwick-
lung einer posttraumatischen Belastungsstörung attestiert und eine intensivere
Psychotherapie bei einer Traumatherapeutin angeraten (Urk. 1/5/9), was als kau-
sale Folge der Geschehnisse vom 24. Januar 2019 anzusehen ist und die Be-
hauptung der Privatklägerin, dass bei ihr eine Persönlichkeitsverletzung vorliege,
untermauert (vgl. Erw. III.2.6.2.).
3.4.1. Demzufolge handelt es sich entgegen der Ansicht des Beschuldigten um
keine Selbstdiagnose, sondern um eine fachärztliche Empfehlung zur Therapie.
Auch wenn es bis heute bei der Privatklägerin erfreulicherweise (soweit erkenn-
bar) zu keiner posttraumatischen Belastungsstörung gekommen ist, ist gestützt
auf die fachärztliche Einschätzung nicht ausgeschlossen, dass die Tat des Be-
schuldigten noch Spätfolgen zeitigen und die Privatklägerin zukünftig wieder auf
therapeutische Hilfe angewiesen sein wird, was naturgemäss mit finanziellen Fol-
gen verbunden sein kann. Dass diesfalls der Schaden in einem allfälligen von der
Privatklägerin zu tragenden Selbstbehalt der Krankenkasse besteht, wurde von
deren Vertreterin ausgeführt.
3.4.2. Damit sind die Voraussetzungen eines Entscheides dem Grundsatz nach
im Sinne von Art. 126 Abs. 3 StPO erfüllt, ist ein unverhältnismässiger Aufwand
doch wie dargelegt namentlich anzunehmen, wenn allfällige Spätfolgen abzuwar-
- 21 -
ten sind. Anders formuliert: Die grundsätzliche Schadenersatzpflicht des Beschul-
digten ist die Konsequenz dessen Verurteilung, der durch dessen Tat kausal ver-
ursachten Persönlichkeitsverletzung der Privatklägerin sowie der (derzeitigen)
fehlenden Liquidität eines allfälligen zu einem späteren Zeitpunkt eintretenden
Schadens. Es ist folglich festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Pri-
vatklägerin aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist. Anzumerken bleibt allerdings, dass dieser Entscheid insofern von be-
schränkter Tragweite ist, als der Zusammenhang zwischen der Tat vom
24. Januar 2019 und einem allfälligen Schaden, also der Umstand, dass es sich
um eine Spätfolge der Tat handelt, gegebenenfalls von der Privatklägerin nach-
zuweisen sein wird.
3.5. Für die Vergangenheit ist zu berücksichtigen, dass die Privatklägerin selbst
vorbringen liess, dass ihre (bisherigen) Rechnungen von der Unfallversicherung
beglichen worden seien, ohne geltend zu machen, dass allfällige Rückforderun-
gen zu erwarten wären (Urk. 41 S. 8 f.), weshalb ihr kein Schaden erwachsen ist,
was indes an der obigen Feststellung, dass der Beschuldigte gegenüber der Pri-
vatklägerin aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist, nichts ändert.
4. Fazit
Im Ergebnis ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine Ge-
nugtuung von Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab dem 24. Januar 2019 zu bezah-
len sowie festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus
dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens
Im Berufungsverfahren war einzig der Zivilpunkt angefochten. Im Strafpunkt
ist das vorinstanzliche Urteil bereits in Rechtskraft erwachsen. Gleiches gilt hin-
sichtlich der vorinstanzlichen Kostenregelung (vgl. Erw. I.5.).
- 22 -
2. Kosten des Berufungsverfahrens
2.1. Für Straffälle, in denen einzig die Privatklägerschaft Berufung erklärt und
diese auf die Zivilansprüche beschränkt hat, verweist § 16 Abs. 2 der Gebühren-
verordnung des Obergerichts (GebV OG) diesbezüglich auf die Regeln des Zivil-
prozesses (§ 12 GebV OG i.V.m. § 4 GebV OG). In Anbetracht des Streitwertes
(Fr. 3'000.–) beträgt die Grundgebühr somit Fr. 650.– (§ 4 Abs. 1 GebV OG), wel-
che allerdings aufgrund des – vor allem auch im Verhältnis zum sehr niedrigen
Streitwert – doch respektablen Aufwandes um 1/3 zu erhöhen ist (§ 4 Abs. 2
GebV OG). Die Gerichtsgebühr ist deshalb auf Fr. 865.– festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Privatklägerin ob-
siegt mit ihrer auf den Zivilpunkt beschränkten Berufung weitestgehend, einzig
hinsichtlich der Höhe der Genugtuung dringt sie nicht vollständig durch. Ein Kla-
gerückzug seitens der Privatklägerin, wie in die amtliche Verteidigung annimmt
(vgl. Urk. 71 S. 4, 16; Urk. 81 S. 3), liegt nicht vor. Die Privatklägerin beantragte in
ihrer Berufungserklärung die Aufhebung von Dispositivziffer 6 des vorinstanzli-
chen Urteils, die Rückweisung an die Vorinstanz sowie eventualiter einen Ent-
scheid über die Zivilforderungen durch das Obergericht (Urk. 52 S. 2), und bezif-
ferte in der Folge ihre Genugtuungsforderung im Rahmen ihrer Berufungsbegrün-
dung auf Fr. 3'000.– (Urk. 68 S. 2), was dem ordentlichen Vorgehen nach Art. 399
Abs. 3 und 4 bzw. Art. 406 Abs. 3 StPO entspricht. Allein aufgrund des Umstands,
dass die Privatklägerin vor Vorinstanz noch eine Genugtuung von Fr. 5'000.– ver-
langte (Urk. 41 S. 2), ist im Rahmen des Berufungsverfahrens kein Rückzug zu
erkennen, weshalb es bei einem überwiegenden Obsiegen der Privatklägerin
bleibt. Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen hingegen gänzlich. Aus-
gangsgemäss sind deshalb die Kosten im Umfang von 4/5 dem Beschuldigten
aufzuerlegen. Entsprechend wären die verbleibenden 1/5 der Kosten der Privat-
klägerin aufzuerlegen. In Nachachtung der besonderen Umstände dieses Straf-
verfahrens, in dessen Rahmen die Privatklägerin als Opfer einer Gewalttat beim
Obergericht um die Zusprechung von Schadenersatz und Genugtuung ersuchte
sowie des Umstands, dass die der Privatklägerin gewährte unentgeltliche Rechts-
- 23 -
pflege die Befreiung von Verfahrenskosten umfasst (Art. 136 Abs. 2 lit. b StPO),
ist indes auf eine Kostenauflage an die Privatklägerin zu verzichten. Im Umfang
von 1/5 sind die Kosten des Berufungsverfahrens folglich auf die Gerichtskasse
zu nehmen.
3. Amtliche Verteidigung und unentgeltliche Rechtsvertretung
3.1. Der amtliche Verteidiger ist aus der Gerichtskasse zu entschädigen (Art. 135
StPO i.V.m. Art. 426 StPO). Er machte mit Kostennote vom 20. April 2022 für das
obergerichtliche Verfahren einen Zeitaufwand von 23.8 Stunden, entsprechend
Fr. 5'639.20 (inkl. MwSt.), geltend (Urk. 84). In dieser Kostennote sind indes die
Positionen "Finalisierung Plädoyer (geschätzt)" sowie "Verhandlung. Hin- und
Rückweg. Nachbesprechung mit Mandant (geschätzt)", datierend vom 22. und
23. September 2020, enthalten (vgl. Urk. 84 S. 3), welche offenkundig dem erstin-
stanzlichen Verfahren zuzuordnen sind und bereits in dessen Rahmen entschä-
digt wurden (vgl. Urk. 39 S. 5 f.; Urk. 51 S. 30). Entsprechend ist die Kostennote
um 6 Stunden zu kürzen. Im Übrigen erscheint der von der amtlichen Verteidi-
gung geltend gemachte Aufwand für seine Berufung und Berufungsantwort von
insgesamt 12.2 Stunden (2. bis 14. Juli 2021) in Anbetracht des nur noch auf den
Zivilpunkt beschränkten Berufungsverfahrens mit überdies doch recht beschränk-
tem Streitwert als überhöht. Der Aufwand für die Ausarbeitung dieser Eingabe ist
entsprechend auf 7 Stunden zu kürzen. Entsprechend ist die amtliche Verteidi-
gung mit pauschal Fr. 3'000.– (inkl. Auslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse
zu entschädigen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang der Kos-
tenauflage ist vorzubehalten.
3.2. Die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin ist ebenfalls aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen (Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 1 StPO).
Sie machte mit Kostennote vom 28. April 2022 für das obergerichtliche Verfahren
einen Zeitaufwand in Höhe von rund 27 Stunden, entsprechend Fr. 6'734.70 (inkl.
Auslagen und MwSt.), geltend (Urk. 85). Dieser Aufwand erscheint teilweise
überhöht. So macht die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin für ihre Stel-
lungnahme zur Berufungsantwort des Beschuldigten und ihre Anschlussberu-
fungsantwort insgesamt 9 Stunden geltend (Urk. 85). Dies erscheint in Anbetracht
- 24 -
des einzig noch auf den Zivilpunkt beschränkten Berufungsverfahrens mit über-
dies doch recht beschränktem Streitwert nicht mehr angemessen. Der Aufwand
für die Ausarbeitung dieser Eingabe ist entsprechend auch auf 7 Stunden – ana-
log zur amtlichen Verteidigung – zu kürzen. Hinzukommen diverse (meist sehr
kurze) Fristerstreckungsgesuche (Urk. 66 f.; Urk. 74 f.; Urk. 77), für welche sie
insgesamt mehr als 5 Stunden verrechnet (Urk. 85). Auch wenn in ihrer Eingabe
vom 29. September 2021 unter anderem prozessuale Anträge enthalten sind
(Urk. 77), welche in der Folge jedoch nochmals gestellt wurden (Urk. 78), er-
scheint der geltend gemachte Aufwand hierfür als wesentlich überhöht und ist um
3 Stunden, und ihr Aufwand damit insgesamt um 5 Stunden zu kürzen. Abschlies-
send ist darauf hinzuweisen, dass Anwälten und Anwältinnen mit Kenntnis selte-
ner Sprachen ein Stundenansatz von Fr. 240.– (statt Fr. 220.–) – und nicht
Fr. 250.– wie geltend gemacht – für Bemühungen gewährt wird, bei denen Über-
setzungskosten eingespart werden (vgl. Leitfaden "Amtliche Mandate" der Ober-
staatsanwaltschaft Kanton Zürich, 3. Aufl., S. 55 i.V.m. S. 59), was in der Kosten-
note entsprechend anzupassen ist. Rechtsanwältin lic. iur. X._ ist entspre-
chend mit pauschal Fr. 5'500.– (inkl. MwSt. und Auslagen) aus der Gerichtskasse
zu entschädigen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten ist im Umfang der
Kostenauflage vorzubehalten.
3.3. Die Entschädigungen der amtlichen Verteidigung und unentgeltlichen
Rechtsvertretung erfolgen auch unter Hinweis darauf, dass in Berufungsverfah-
ren, in denen nur adhäsionsweise geltend gemachte privatrechtliche Ansprüche
strittig sind, die Gebühr in der Regel auf zwei Drittel bis einen Fünftel zu ermässi-
gen ist (§ 18 Abs. 2 AnwGebV i.V.m. § 9 AnwGebV) und die Obergrenze (ohne
Reduktion) für ordentliche Einzelrichterfälle im Berufungsverfahren in der Regel
bei Fr. 8'000.– liegt (§ 18 Abs. 1 AnwGebV i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV).
V. Rechtsmittel
Ist nur noch der Zivilpunkt Gegenstand des Berufungsverfahrens, ist nicht
die strafrechtliche Beschwerde, sondern nur die zivilrechtliche Beschwerde ans
Bundesgericht zulässig (BGE 133 III 701), wobei die Streitwertgrenze von Art. 74
- 25 -
BGG zu beachten ist. Liegt der Streitwert mithin unter Fr. 30'000.–, ist in der Re-
gel nur die subsidiäre Verfassungsbeschwerde zulässig (Art. 113 ff. BGG). Der
Streitwert (Art. 51 Abs. 1 lit. a BGG) liegt vorliegend unter Fr. 30'000.–.