Decision ID: db7b1104-cfde-5410-abba-c6740bdbd29f
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war beim D._ als Sachbearbeiterin tätig und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von
Unfällen obligatorisch versichert, als sie am 28. August 2016 einen Autounfall erlitt
(Suva-act. 2). Sie befand sich als Beifahrerin in einem Personenwagen, als dieser mit
einem anderen Personenwagen kollidierte. In der Folge verlor der Lenker des
Personenwagens, in welchem die Versicherte sass, die Herrschaft über das Fahrzeug
und fuhr ungebremst gegen eine Hausecke sowie eine Signaltafel (vgl. Suva-act. 13).
Die Versicherte zog sich dabei eine Spinalfraktur des distalen Humerus rechts und eine
posttraumatische Radialisparese rechts zu. Gleichentags unterzog sie sich im
Kantonsspital St. Gallen (KSSG) einer Doppelplatten-Osteosynthese des distalen
Humerus rechts (Suva-act. 3, 14). Die behandelnden Ärzte attestierten ihr eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% (vgl. Suva-act. 19).
A.a.
Die Suva teilte der Versicherten am 13. September 2016 mit, sie übernehme die
Versicherungsleistungen für die Folgen des Unfalls (Suva-act. 5). Am 12. Oktober 2016
nahm sie ihre Zusage jedoch zurück, da noch weitere Abklärungen notwendig seien
(Suva-act. 15). Nachdem sie erfahren hatte, dass das Strafverfahren betreffend den
Unfall noch nicht abgeschlossen war und insbesondere auch ein allfälliges Urteil
betreffend das Nichttragen des Sicherheitsgurtes durch die Versicherte noch nicht
vorgelegen hatte (vgl. Suva-act. 22), teilte die Suva der Versicherten am 28. Oktober
A.b.
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2016 mit, sie kürze die Taggeldleistungen provisorisch um 10% (Suva-act. 23). Die
Versicherte erklärte sich mit der Kürzung nicht einverstanden (Suva-act. 33).
Die behandelnden Ärzte des KSSG berichteten am 2. Dezember 2016, die
Versicherte mache Fortschritte. Sie könne die Finger nun ansatzweise strecken. Im
rechten Handgelenk habe sie seit der vorhergehenden Woche eine leichte
Verbesserung der Extension erreicht. Es zeige sich eine langsame Erholung des Nervus
radialis. Die Physio- und Ergotherapie sowie das Tragen einer Hand- und
Fingergelenksschiene wirkten unterstützend. Die Beweglichkeit im Ellbogen sei
weiterhin gut erhalten. Die Versicherte sei als Sachbearbeiterin zu 100% arbeitsunfähig
(Suva-act. 42).
A.c.
Ein am 4. Januar 2017 in der Klinik für Neurologie des KSSG durchgeführter
Nervenultraschall erbrachte keinen sicheren Nachweis einer fokalen Schwellung des
Nervus radialis rechts (Suva-act. 57). Nach einer weiteren Untersuchung berichteten
die zuständigen Ärzte der Klinik für Neurologie des KSSG am 6. Februar 2017, es sei
weiterhin von einer Läsion des Nervus radialis rechts im Bereich des Oberarms
auszugehen. Bei Nachweis von Regenerationspotentialen sei eine weitere klinische
Verbesserung zu erwarten. Der klinische Verlauf sei erfreulich, weshalb aus
neurologischer Sicht keine weitere Verlaufskontrolle geplant sei (Suva-act. 76).
A.d.
Am 8. März 2017 hielten die behandelnden Ärzte der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG als Diagnosen einen
Status nach ORIF (Open Reduction and Internal Fixation) des Humerusschafts vom 28.
August 2016 und einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungssituation fest.
Aus rein orthopädischer Sicht bestehe bezüglich des Humerus und des Ellbogens ein
soweit erfreulicher Verlauf. Ebenfalls erhole sich der Nervus radialis zeitgerecht. Die
Versicherte störe sich durch die ästhetisch unschöne Narbe und habe eine deutliche
Phobie beim Autofahren als Beifahrerin (Suva-act. 84). In der Folge wurde die
Versicherte durch Dr. med. B._, Oberarzt mbF, Klinik für Psychosomatik am KSSG,
ambulant behandelt (vgl. Suva-act. 85, 96).
A.e.
Im Mai 2017 begann die Versicherte mit einem stundenweisen Arbeitsversuch bei
ihrer Arbeitgeberin (vgl. Suva-act. 101, 103, 111, 120, 124). Dr. med. C._, Oberarzt
A.f.
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mbF, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
des KSSG, berichtete am 30. August 2017, die Hauptbeschwerden der Versicherten
bestünden im Bereich der implantierten Platte über dem Epicondylus humeri. Die
Schädigung des Nervus radialis habe sich inzwischen deutlich erholt. Der
Arbeitsversuch sollte mit langsamer Steigerung des Arbeitspensums fortgeführt werden
(Suva-act. 122). Ab dem 1. November 2017 war die Versicherte in einem Pensum von
20% tätig (vgl. Suva-act. 129, 137, 154).
Am 12. Januar 2018 wurde im KSSG eine Metallentfernung am distalen Humerus
ulnar rechts durchgeführt (Suva-act. 155, 165). Dr. C._ berichtete am 29. Januar
2018 über einen zeitgerechten Heilungsverlauf (Suva-act. 158). Am 8, Februar 2018
attestierte er der Versicherten bis zum 6. März 2018 weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% (Suva-act. 160).
A.g.
Die IV-Stelle übernahm am 23. Februar 2018 die Kosten einer ergonomischen
Arbeitsplatzabklärung und -anpassung. Gleichentags hat sie Beratung und
Unterstützung beim Erhalt des derzeitigen Arbeitsplatzes gewährt (Suva-act. 161).
A.h.
Dr. C._ berichtete am 6. März 2018 über einen guten Heilungsverlauf. Die
Versicherte sei wieder zu 100% arbeitsfähig, die Behandlung bei ihm werde momentan
abgeschlossen (Suva-act. 164). Am 9. Mai 2018 hielt Dr. C._ fest, die Versicherte
habe sich wegen vermehrter Beschwerden im Ellbogenbereich zur erneuten
Verlaufskontrolle gemeldet. Diese hätten sich jedoch bereits wieder gebessert. Der
Arbeitsversuch sei durch Dr. B._ sistiert worden. Die psychosomatische Therapie sei
noch sehr wichtig. Die Prognose sei gut und mit physiotherapeutischer Mobilisation
könne auch die Flexion noch etwas verbessert werden. Bei ihm seien keine weiteren
Routinekontrollen geplant (Suva-act. 173).
A.i.
Dr. B._ hatte der Versicherten vom 30. April bis 13. Juli 2018 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert. Ab Mitte Juni 2018 hatte die Versicherte ihren
Arbeitsversuch jedoch in einem Pensum von 20% fortgesetzt (Suva-act. 169, 172, 175,
181).
A.j.
Am 20. Juni 2018 hatte die Versicherte mitteilen lassen, gegen ihren Ehemann und
den Unfallgegner seien Strafbefehle erlassen worden, nicht jedoch gegen sie selbst
A.k.
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(Suva-act. 185). Ein von der Zürich Versicherung, Haftpflichtversicherer des
Unfallgegners, beauftragter Unfallanalytiker war am 4. Juli 2018 davon ausgegangen,
dass die Versicherte beim Unfall den Sicherheitsgurt nicht getragen hatte (Suva-act.
188).
Anlässlich eines Gesprächs vom 10. Juli 2018 hatte Dr. B._ der Suva mitgeteilt,
die psychische Situation zeige sich nach der Metallentfernung deutlich schlechter. Der
Eingliederungsplan habe nicht eingehalten werden können (Suva-act. 191). Am 14.
August 2018 attestierte Dr. B._ der Versicherten vom 15. bis 31. August 2018 eine
Arbeitsunfähigkeit von 80% (Suva-act. 199-3). Die Arbeitgeberin löste das
Arbeitsverhältnis per Ende August 2018 auf (Suva-act. 199-2).
A.l.
Suva-G._ Dr. med. E._, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
hatte die Versicherte am 13. August 2018 untersucht. In seinem Bericht vom 16.
August 2018 hatte er als Diagnose eine geheilte distale Humerusschaftfraktur rechts
notiert. Er halte eine abschliessende neurologisch-neurografische Untersuchung für
sinnvoll. Die Beurteilung der Funktion sei bereits möglich, einzig zur Beurteilung eines
allfälligen Integritätsschadens werde er noch den neurologischen Bericht abwarten.
Zwei Jahre nach dem Unfall sei der Endzustand erreicht. Eine Weiterführung der
externen Narbenbehandlung sei ausreichend, eine physiotherapeutische Behandlung
sei - wenn überhaupt – nurmehr in reduzierter Frequenz sinnvoll. Rein unfallbedingt sei
die Arbeitsfähigkeit bezüglich einer Büroarbeit nicht eingeschränkt. Die Fragen, ob die
Humerusfraktur durch das Tragen eines Sicherheitsgurtes hätte vermieden werden
können und ob die Humerusfraktur durch den Airbag verursacht worden sei, liessen
sich aus medizinischer Sicht nicht mit der nötigen Sicherheit beantworten (Suva-act.
196).
A.m.
Die Suva hatte der Versicherten am 23. August 2018 mitgeteilt, sie spreche ihr die
ungekürzten Versicherungsleistungen zu. Die Taggeld-Nachzahlung sei erfolgt (Suva-
act. 201).
A.n.
Im Auftrag der Suva (vgl. Suva-act. 197) wurde die Versicherte am 14. September
2018 durch Dr. med. F._, Leitender Arzt an der Klinik für Neurologie des KSSG,
untersucht. Dieser hielt am 21. September 2018 als Diagnose eine Nervus radialis
A.o.
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B.
C.
Parese rechts und einen Status nach Humerusschaftspiralfraktur fest. Aus
neurologischer Sicht dürfte die Erholung weitgehend abgeschlossen sein, funktionell
werde die geringe Restsymptomatik gut kompensiert (Suva-act. 208).
G._Dr. E._ schätzte den Integritätsschaden am 24. September 2018 auf 8.5%
(Suva-act. 210).
A.p.
Die Suva teilte der Versicherten am 26. September 2018 mit, sie stelle die
Heilkosten- und Taggeldleistungen per 30. September 2018 ein (Suva-act. 211). Mit
Verfügung vom 12. Oktober 2018 verneinte die Suva einen Rentenanspruch und sprach
der Versicherten eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse
von 8.5% zu (Suva-act. 223).
A.q.
Gegen die Verfügung vom 12. Oktober 2018 erhob die Versicherte am 25. Oktober
2018 Einsprache (Suva-act. 228). Am 14. Februar 2019 begründete sie diese und
reichte Stellungnahmen von Dr. C._, Dr. F._ und Dr. B._ zu Fragen ihres
Rechtsvertreters ein (Suva-act. 239 f.).
B.a.
Die IV-Stelle hatte das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen mit einer
Mitteilung vom 7. Januar 2019 abgewiesen (Suva-act. 235).
B.b.
Mit Entscheid vom 17. Juli 2019 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act. 244).B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 17. Juli 2019 erhob die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 10. September 2019 die vorliegende
Beschwerde. Sie beantragte darin dessen Aufhebung und es seien ihr über den 30.
September 2018 hinaus und bis auf weiteres die gesetzlichen Leistungen zu erbringen,
insbesondere Taggeldleistungen auszurichten und die Kosten der Heilbehandlungen zu
bezahlen. Nach Abschluss der medizinischen Abklärungen und nach Beendigung der
Taggeldleistungen sei ihr eine Invalidenrente gestützt auf rechtsgenügliche
Abklärungen, zumindest aber eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad
von 25%, zuzusprechen und auszurichten. Eventualiter sei die Streitsache zur
Vornahme weiterer, insbesondere medizinischer, Abklärungen an die Suva
C.a.
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Erwägungen
1.
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen, damit diese danach neu über die
Leistungsansprüche entscheiden könne. Ausserdem sei ihr eine
Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von mindestens 20%
zuzusprechen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. Oktober 2019 die Abweisung der
Beschwerde. Sie führte aus, sowohl aus orthopädischer als auch aus neurologischer
Sicht sei der medizinische Endzustand im Zeitpunkt der Leistungseinstellung erreicht
gewesen. Die kreisärztliche Beurteilung sei beweiskräftig und weitere Abklärungen
seien nicht nötig (act. G3).
C.b.
Mit Replik vom 5. November 2019 bzw. Duplik vom 6. Dezember 2019 hielten die
Parteien an ihren Anträgen und Ausführungen fest (act. G6, G8).
C.c.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf vorübergehende Leistungen über den 30. September 2018
hinaus sowie der Anspruch auf eine Rente und die Höhe der Integritätsentschädigung.
Dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 17. Juli 2019 (Suva-act. 244) liegt die
Verfügung vom 12. Oktober 2018 zugrunde. In dieser entschied die
Beschwerdegegnerin über die Ansprüche auf eine Rente und eine
Integritätsentschädigung. Die Einstellung der vorübergehenden Leistungen wurde nicht
thematisiert. Die Beschwerdegegnerin verwies jedoch einleitend auf ihr Schreiben vom
26. September 2018 (Suva-act. 223). Mit diesem hatte sie die Leistungen formlos per
30. September 2018 eingestellt (Suva-act. 211). Betreffend dieses Schreiben liess die
Beschwerdeführerin am 23. Oktober 2018 eine Fristverlängerung zur Stellungnahme
oder alternativ die Eröffnung einer einsprachefähigen Verfügung beantragen (Suva-act.
226). Die Beschwerdegegnerin teilte darauf telefonisch mit, der Erlass einer weiteren
Verfügung, beispielsweise zur Taggeldeinstellung, sei nicht vorgesehen (Suva-act. 227).
Dementsprechend beantragte die Beschwerdeführerin in ihrer Einsprache gegen die
Verfügung vom 12. Oktober 2018 auch weitere vorübergehende Leistungen (Suva-act.
228) und die Beschwerdegegnerin machte in ihrem Einspracheentscheid Ausführungen
dazu (Suva-act. 244). Damit sind auch die vorübergehenden Leistungen bzw. deren
Einstellung vorliegend Teil des Streitgegenstands.
1.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/19
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Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Sie hat zudem
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Ist die
versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10% invalid, so hat sie Anspruch
auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Grad der für den Rentenanspruch
massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich
zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde
erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat
sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die
vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld) sind einzustellen und der
Anspruch auf eine Invalidenrente zu prüfen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen
der Invalidenversicherung abgeschlossen sind und von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten
Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung
wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der
Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). Das Erreichen
des medizinischen Endzustands bildet demgemäss in Nachachtung des
Eingliederungsgrundsatzes die Voraussetzung für die Prüfung der Rentenfrage und der
Integritätsentschädigung.
1.2.
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f.; André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2018,
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 66 zu Art. 6, in Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.).
1.3.
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Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht regelmäßig auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-
Nabold, N 53 und 59 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 55 und 58; BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht
publizierte E. 2 des Urteils 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009, je mit Hinweisen). Bei
physischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen
Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, BGE 127 V 103 E. 5b/bb; SVR 2000 UV Nr.
14 S. 45). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, bewirkt
die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung des
adäquaten Kausalzusammenhangs. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung nach der Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133, E. 6c/aa
vorzunehmen.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Um den Gesundheitszustand und insbesondere das Ausmass der
Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweisen). Den Berichten und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen oder von beratenden Ärzten und Ärztinnen
einholen, kann rechtsprechungsgemäss ebenfalls Beweiswert beigemessen werden
(BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In solchen
1.4.
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2.
Die Beschwerdegegnerin stellte die vorübergehenden Leistungen per 30. September
2018 ein (vgl. Suva-act. 211). Sie stützte sich dabei auf die Beurteilung von G._ Dr.
E._ vom 16. August 2018 (Suva-act. 196). Die Beschwerdeführerin spricht dieser
Beurteilung die Beweiskraft ab bzw. hält weitere Abklärungen für notwendig (act. G1,
G6).
Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen.
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U 281 E. 1a S. 281 f.).
Dr. E._ führte am 16. August 2018 aus, die Humerusschaftfraktur sei abgeheilt
mit guter Funktion der angrenzenden Gelenke. Als Residuum der Verletzung finde sich
eine leichte Hypotrophie der Schultergürtel- und Oberarmmuskulatur rechts. Die
normale Ausbildung der Muskulatur am Unterarm bei annähernd freier Beweglichkeit
von Schulter und Ellbogen zeige aber, dass funktionell keine erhebliche Einschränkung
bestehe. Gewisse Restbeschwerden mit notwendiger Bewegung/Dehnung bei längerer
gleichförmiger Armhaltung oder repetierter Arbeit mit der rechten Hand erschienen aus
medizinischer Sicht nachvollziehbar. Die Situation erscheine stabil, eine erhebliche
Verbesserung werde auch durch Fortsetzung der Behandlung nicht resultieren. Einzig
die physiotherapeutisch geleitete Narbenbehandlung habe allenfalls noch bis ein Jahr
nach dem letzten Eingriff eine Berechtigung. Eine externe Narbenbehandlung wäre
ausreichend, eine physiotherapeutische Behandlung - wenn überhaupt – nurmehr mit
reduzierter Frequenz sinnvoll (Suva-act. 196). Die Bejahung des medizinischen
Endzustandes überzeugt, zumal die Beschwerdeführerin selbst anlässlich der
Untersuchung durch Dr. E._ keine relevanten Beschwerden mehr geltend machte.
Die bis Januar 2019 (ein Jahr nach der Metallentfernung am 12. Januar 2018; vgl.
Suva-act. 155) noch empfohlene Narbenbehandlung bzw. die reduzierte Physiotherapie
stehen dem Fallabschluss nicht entgegen. Gemäss Schreiben vom 26. September
2018 hat die Beschwerdegegnerin die entsprechenden Behandlungskosten denn auch
noch übernommen (vgl. Suva-act. 211). Dr. C._ hatte die orthopädische Behandlung
bei sich bereits am 6. März 2018 abgeschlossen und die Beschwerdeführerin als zu
100% arbeitsfähig erachtet (vgl. Suva-act. 164). Die Beschwerdeführerin suchte Dr.
C._ am 8. Mai 2018 zwar erneut auf, dieser berichtete jedoch über einen klar
bessernden Verlauf. Für die Restbeschwerden im Bereich des medialen Epicondylus
und des Verlaufs des Nervus medialis habe er ihr eine Silikon-Bandage für die Arbeit
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/19
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am Computer verordnet. Betreffend die Verspannungsschmerzen und die
anamnestisch leichte Schwäche des Daumens mache die Beschwerdeführerin einmal
wöchentlich Thai-Massage, was ihr eine Besserung bringe. Er denke, dass die Flexion
mit physiotherapeutischer Mobilisation noch etwas verbessert werden könne und die
Ulnaris-Symptomatik durch die Silikon-Bandage beruhigt werden könne, so dass sie im
Verlauf weiter regredient sein werde. Bei ihm seien keine weiteren Routinekontrollen
geplant (Suva-act. 173). Somit sah auch Dr. C._ Anfang Mai 2018, mithin fünf Monate
vor der Leistungseinstellung, nur noch ein geringes Verbesserungspotential des
Gesundheitszustandes. Schliesslich beanstandet die Beschwerdeführerin den
Fallabschluss aus orthopädischer Sicht auch nur insofern, als sie es für möglich hält,
dass weitere neurologische Abklärungen neue medizinische Befunde zu Tage fördern
könnten (vgl. act. G6). Im Folgenden ist zu klären, ob weiterführende neurologische
Abklärungen nötig sind.
Dr. E._ hielt am 13. August 2018 fest, bei praktisch vollständig abgeheilter
Parese des Nervus radialis rechts und einem geäusserten Verdacht auf eine Irritation
des Nervus ulnaris rechts halte er eine abschliessende neurologisch-neurografische
Untersuchung für sinnvoll. Zwei Jahre nach dem Unfall sei diesbezüglich ein
Endzustand erreicht und nicht zuletzt aus versicherungs-juristischen Gründen sei es
sinnvoll, dies auch zu dokumentieren. Anhand der anamnestischen Angaben, der Klinik
und der Bildgebung sei die Beurteilung der Funktion jedoch bereits möglich. Trotz
ausstehender abschliessender neurologischer Untersuchung könne er beurteilen, dass
die medizinische Situation stabil erscheine. Einzig für die Beurteilung eines allfälligen
Integritätsschadens werde er den neurologischen Bericht abwarten (Suva-act. 196). Im
Auftrag der Beschwerdegegnerin untersuchte Dr. F._ die Beschwerdeführerin am 14.
September 2018 neurologisch. Er hielt in seinem Bericht vom 21. September 2018 fest,
im Vergleich zur Vorkonsultation vom 2. Februar 2017 zeige sich ein weitgehend
unveränderter Befund. Es sei weiterhin von einer stattgehabten Läsion des Nervus
radialis rechts im Bereich des Oberarmes auszugehen. Hierzu passend sei
elektrophysiologisch die motorische Neurographie des Nervus radialis rechts nicht
ableitbar. Der von diesem Nerv versorgte Musculus extensor digitorum communis
zeige Zeichen einer chronisch neurogenen Veränderung. Darüber hinaus fänden sich
klinisch Zeichen für ein Irritationssyndrom des Nervus ulnaris rechts. Es bestünden
jedoch keine Paresen oder Sensibilitätsstörungen bei unauffälligen Neurographien,
sodass weitere Abklärungen diesbezüglich derzeit nicht indiziert seien. Aus
neurologischer Sicht dürfte die Erholung weitgehend abgeschlossen sein, funktionell
werde die geringe Restsymptomatik kompensiert (Suva-act. 208). Dr. F._ war damit
der Ansicht, dass nur noch relativ geringfügige neurologische Einschränkungen
2.2.
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vorhanden waren. Da er die Erholung als weitgehend abgeschlossen bezeichnete, ist
davon auszugehen, dass er von einer weiteren Behandlung keine massgebliche
Verbesserung mehr erwartete. Zudem erachtete er weitere Abklärungen als nicht
notwendig. Nach Eingang der Beurteilung von Dr. F._ schätzte Dr. E._ den
Integritätsschaden (Suva-act. 210). Er war damit der Ansicht, der neurologische
Zustand sei nun genügend abgeklärt.
Während des Einspracheverfahrens liess die Beschwerdeführerin einen
Fragekatalog an Dr. C._, Dr. B._ und Dr. F._ schicken (vgl. Suva-act. 239-3 ff.).
Dr. C._ äusserte sich am 29. November 2018 dazu. Bei der Frage nach Beschwerden
zitierte er lediglich seinen Bericht vom 9. Mai 2018. Als Diagnosen hielt er
Restbeschwerden mit ulnarer Druckdolenz und Flexionseinschränkung des Ellbogens
rechts fest. Es bestehe unter anderem ein Status nach sensomotorischem
Radialisausfall, derzeit liege jedoch eine restitutio ad integrum vor (Suva-act. 239-1 f.,
vgl. Suva-act. 173). Die Antwort zur Frage 3 betreffend das Vorliegen eines
Endzustandes liegt nicht im Recht, es sind nur zwei von offenbar drei Seiten des
Schreibens von Dr. C._ vorhanden (vgl. Suva-act. 239-1 ff.). Die Beschwerdeführerin
führt diesbezüglich aus, Dr. C._ habe festgehalten, aus orthopädischer Sicht sei
durch eine weitere Behandlung keine wesentliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes mehr zu erwarten. Er habe jedoch eingeräumt, dass von
neurologischer Seite allenfalls eine Verbesserung des Gesundheitszustandes erreichbar
sei, dies müsste allerdings durch einen entsprechenden Fachspezialisten beurteilt
werden (act. G1). Dazu ist festzuhalten, dass Dr. C._ offenbar keine Kenntnis hatte
von der Beurteilung durch Dr. F._ vom 21. September 2018 (vgl. Suva-act. 208).
Jedenfalls war dieser Bericht im Gegensatz zu den kreisärztlichen Unterlagen nicht in
den Beilagen des Fragekatalogs aufgeführt (vgl. Suva-act. 239-3 ff.). Dementsprechend
ist davon auszugehen, dass Dr. C._ nicht wusste, dass bereits eine neurologische
Abschlussuntersuchung erfolgt war und welches Ergebnis diese hatte. Dr. F._
reagierte am 7. Dezember 2018 auf die Anfrage der Beschwerdeführerin. Er hielt fest,
die ersten beiden Fragen der Beschwerdeführerin seien in seinem Bericht vom 21.
September 2018 bereits beantwortet worden. Die Fragen drei bis sieben könne er nur
im Rahmen einer gutachterlichen Stellungnahme seriös beantworten. Diese würde das
von ihr vorgeschlagene Kostendach von Fr. 200.-- deutlich überschreiten. Falls sie eine
entsprechende gutachterliche Untersuchung wünsche, nehme er ihren Auftrag gerne
entgegen und könne ihr vorab auch einen Kostenvoranschlag zukommen lassen (Suva-
act. 239-6). Die Beschwerdeführerin bringt vor, Dr. F._ habe die an ihn gerichteten
Fragen betreffend Arbeitsunfähigkeit, Abschluss der ärztlichen Behandlung, weitere
medizinische Massnahmen und Abklärungen etc. offen bzw. unbeantwortet gelassen.
2.3.
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Wäre für Dr. F._ sofort feststellbar und eindeutig klar gewesen, dass in
neurologischer Hinsicht keinerlei Schädigungen mehr bestehen würden, in jedem Fall
eine vollständige Arbeitsfähigkeit gegeben sei, die ärztliche Behandlung in jedem Fall
abgeschlossen sei und weitere medizinischen Abklärungen und Massnahmen nichts
mehr bringen würden, dann hätte er dies so festgestellt und nicht eine gutachterliche
Untersuchung vorgeschlagen (act. G1). Entgegen diesen Ausführungen kann dies
jedoch aus dem Schreiben von Dr. F._ nicht geschlossen werden. Die
Beschwerdeführerin hatte ihm einen relativ umfangreichen Fragekatalog zukommen
lassen. Unter anderem nahm sie auch Bezug auf die Einschätzung von Dr. E._ und
bat um eine Stellungnahme dazu. Sie hielt ausserdem fest, falls der Bericht mehr als Fr.
200.-- verursachen sollte, sei eine Rücksprache notwendig (vgl. Suva-act. 239-3 ff.).
Eine seriöse Beantwortung dieser Fragen verursacht nachvollziehbarerweise einen
erheblichen Aufwand und eine Auseinandersetzung mit den relevanten Vorakten.
Selbst wenn die Antworten auf die Fragen für Dr. F._ "eindeutig klar" gewesen wären,
hätte er sich kaum damit begnügt, seine diesbezüglichen Ausführungen nur in sehr
knapper Form zu halten. Aus der Tatsache, dass Dr. F._ eine gutachterliche
Stellungnahme mit entsprechenden Kostenfolgen vorschlug, kann also nicht gefolgert
werden, dass die Fragen für ihn per se nicht klar zu beantworten gewesen wären oder
die Einschätzung der medizinischen Situation besonders schwierig gewesen wäre.
Schliesslich lassen sich aus den fehlenden Antworten auch keine Rückschlüsse ziehen,
die den Zeitpunkt des Fallabschlusses in Frage stellen würden. Dies insbesondere
auch deshalb nicht, weil Dr. F._ - wie erwähnt - am 21. September 2018 bereits
ausgeführt hatte, aus neurologischer Sicht dürfte die Erholung weitgehend
abgeschlossen sein und die geringe Restsymptomatik werde funktionell kompensiert
(vgl. Suva-act. 208, E. 2.2).
Zusammenfassend sind die Beurteilungen der behandelnden Ärzte nicht geeignet,
die überzeugende Einschätzung von Dr. E._ in Frage zu stellen. Der Zeitpunkt der
Leistungseinstellung per 30. September 2018 ist aus somatischer Sicht nicht zu
beanstanden. Die Beschwerdeführerin litt zwar unbestritten noch unter gewissen
Beschwerden, eine relevante Verbesserung derselben durch eine Fortsetzung der
Behandlung war jedoch nicht zu erwarten. Weitere neurologische Abklärungen
erweisen sich als nicht notwendig.
2.4.
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3.
Weiter ist zu prüfen, ob die Leistungseinstellung aufgrund der damals unbestritten noch
vorhandenen psychischen Beschwerden gerechtfertigt war.
Die Beschwerdeführerin hatte sich seit März 2018 in psychiatrischer Behandlung
bei Dr. B._ befunden (vgl. Suva-act. 84 f., 96). Am 13. August 2018 gab sie
gegenüber Dr. E._ an, die seit Mai 2018 bestehende Arbeitsunfähigkeit sei
überwiegend psychisch bedingt (Suva-act. 196). Dr. B._ hielt in seinem Bericht vom
14. Januar 2019 einen Zustand nach posttraumatischer Belastungsstörung (ICD-10:
F43.1) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, fest. Er
hatte der Beschwerdeführerin seit März 2018 bis zum Leistungseinstellungszeitpunkt
per 30. September 2018 phasenweise Arbeitsunfähigkeiten von 50% bis 100%
attestiert (Suva-act. 239). Die Beschwerdegegnerin hatte in ihrer Verfügung vom 12.
Oktober 2018 festgehalten, die psychischen Beschwerden stünden nicht in einem
adäquat-kausalen Zusammenhang mit dem mittelschweren Unfallereignis (Suva-act.
223). Nachdem sich die Beschwerdeführerin in ihrer Einsprachebegründung dagegen
gewehrt hatte (vgl. Suva-act. 240), nahm die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid vom 17. Juli 2019 ausführlich Stellung dazu (Suva-act. 244). Im
Beschwerdeverfahren äusserte sich die Beschwerdeführerin nicht mehr zu dieser
Thematik, insbesondere bestritt sie die fehlende Adäquanz nicht mehr (vgl. act. G1,
G6).
3.1.
Der Vollständigkeit halber ist jedoch festzuhalten, dass die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin zum adäquaten Kausalzusammenhang der im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung noch bestehenden psychischen Beschwerden und dem Unfall
vom 28. August 2016 überzeugend sind (vgl. Suva-act. 244). Bei der Beurteilung des
Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer anschliessend einsetzenden
psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist
nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 133) vom Unfallereignis auszugehen. Bei der
Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs hat im Hinblick auf die Gebote der
Rechtssicherheit und der rechtsgleichen Behandlung der Versicherten eine objektivierte
Betrachtungsweise Platz zu greifen (BGE 115 V 135 E. 4b). Ein adäquater
Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfall besteht, wenn dem
Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Beschwerden zukommt.
Wie die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid (Suva-act. 244, S. 9 f.) zutreffend
ausführte, ist davon auszugehen, dass es sich beim Ereignis vom 28. August 2016 um
einen mittelschweren Unfall im engeren Sinne gehandelt hat. Bei Unfällen im mittleren
3.2.
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4.
Weiter zu prüfen ist die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Dr. E._ befand am
16. August 2018 wie erwähnt, als Residuum der Verletzung finde sich eine leichte
Hypotrophie der Schultergürtel- und Oberarmmuskulatur rechts, die normale
Ausbildung der Muskulatur am Unterarm bei annähernd freier Beweglichkeit von
Schulter und Ellbogen zeige aber, dass funktionell keine erhebliche Einschränkung
bestehe. Gewisse Restbeschwerden mit notwendiger Bewegung/Dehnung bei längerer
Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und der psychisch bedingten
Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang besteht,
rechtsprechungsgemäss nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten.
Vielmehr sind weitere, objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall
im Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in
eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; eine
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; ein
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie der Grad und die
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 133 E. 6). Um die
adäquate Kausalität bejahen zu können, müssen nicht alle Umstände gegeben sein.
Kommt keinem Einzelkriterium ein besonders bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so
müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr,
je leichter der Unfall ist (SVR 1999 UV Nr. 10 S. 32). Mit Urteil vom 29. Januar 2010
(8C_897/2009, E. 4.5) hat das Bundesgericht die Rechtsprechung zur Anzahl der zu
erfüllenden Adäquanzkriterien bei mittelschweren Unfällen insofern präzisiert, als bei
mittelschweren Unfällen im engeren Sinn drei Adäquanzkriterien genügen, auch wenn
sie nicht in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise vorliegen. Wie die
Beschwerdegegnerin überzeugend dargelegt hat, ist vorliegend keines der genannten
Kriterien zu bejahen (vgl. Suva-act. 244, S. 10 f.). Folglich ist der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen den im Leistungseinstellungszeitpunkt noch
bestehenden psychischen Beschwerden und dem Unfallereignis zu verneinen.
Damit ist der Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 30. September 2018 auch
bezüglich der psychischen Beschwerden mangels Adäquanz derselben nicht zu
beanstanden. Damals waren auch die beruflichen Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung abgeschlossen (vgl. Suva-act. 161, 235).
3.3.
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gleichförmiger Armhaltung oder repetierter Arbeit mit der rechten Hand erschienen aus
medizinischer Sicht nachvollziehbar. Er könne aber rein bezogen auf die Unfallfolgen
keine Einschränkung zeitlicher oder funktioneller Art bezüglich einer Büroarbeit
erkennen. Dies insbesondere, weil die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben
auch den Haushalt ohne grössere Einschränkungen besorgen könne. Auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt wäre über die von der Natur gegebenen Grenzen der
Belastbarkeit hinaus höchstens eine geringe funktionelle Einschränkung anzunehmen,
beispielsweise für andauernde schwere Tätigkeiten mit dem dominanten rechten Arm/
der rechten Hand, insbesondere auch bezüglich länger dauernden Arbeiten über Kopf
(Suva-act. 196). Diese Beurteilung einer Arbeitsfähigkeit von 100% in der
angestammten Bürotätigkeit entspricht auch der Einschätzung von Dr. C._. Dieser
hatte der Beschwerdeführerin bereits mit Bericht vom 6. März 2018 eine
Arbeitsfähigkeit von 100% attestiert (vgl. Suva-act. 164). Die von Dr. F._ festgestellte
geringe neurologische Restsymptomatik, welche funktionell gut kompensiert werde
(vgl. Suva-act. 208), steht im Einklang mit einer Arbeitsfähigkeit von 100% aus
somatischer Sicht. Die Beschwerdeführerin war im Rahmen ihres Arbeitsversuchs bis
zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 30. September 2018 zwar nur in einem
Teilpensum arbeitstätig, die Arbeitsunfähigkeit war zuletzt jedoch ausschliesslich auf
die nicht unfallkausalen psychischen Beschwerden zurückzuführen (vgl. Suva-act. 169,
172, 175, 181, 239-11).
5.
Weiter ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente zu beurteilen. Sie ist
gelernte kaufmännische Angestellte und war vor Eintritt ihres Gesundheitsschadens als
Sachbearbeiterin tätig (vgl. Suva-act. 2, 58). Auch im Invalidenfall ist es ihr weiterhin
zumutbar ohne erhebliche qualitative Einschränkungen in einem Pensum von 100% als
Sachbearbeiterin zu arbeiten oder einer vergleichbaren Tätigkeit als kaufmännische
Angestellte nachzugehen. Es rechtfertigt sich damit die Vornahme eines
Prozentvergleichs. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 100% in der angestammten Tätigkeit
im Validen- sowie Invalidenfall resultiert kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Es
ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin ihren Antrag auf eine Rente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 25% nicht weiter substantiiert
hat. Ihren Eingaben ist einzig zu entnehmen, dass sie die medizinische Situation -
entgegen den vorstehenden Erwägungen - für noch nicht genügend abgeklärt hält (act.
G1, G6).
6.
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Schliesslich ist die Höhe des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf eine
Integritätsentschädigung zu beurteilen. Die Beschwerdegegnerin sprach ihr eine solche
basierend auf einem Integritätsschaden von 8.5% zu (Suva-act. 244).
Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 25 Abs. 1 UVG entsprechend der
Schwere des Integritätsschadens abgestuft. Bei gleichem medizinischem Befund ist
der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär
bemessen. Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei
unberücksichtigt (BGE 124 V 35 E. 3c, 113 V 221 E: 4b). Die Bemessung des
Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls
ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung
der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht
zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1). Nach Art. 36 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) wird die Integritätsentschädigung gemäss den
Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen. Dieser Anhang enthält eine als
gesetzmässig und nicht abschliessend anerkannte Skala. Die medizinische Abteilung
der Suva hat in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet.
Diese Tabellen enthalten Richtwerte, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten
gewährleistet werden soll; sie sind mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32
E. 1c mit Hinweis).
6.1.
Dr. E._ schätzte den Integritätsschaden auf 8.5%. Er verwies dabei auf die Suva-
Tabelle 1 "Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten",
gemäss welcher eine Radialislähmung proximal des Ellbogens einen Integritätsschaden
von 25% begründe. Dies setze aber eine Fallhand und ein fehlendes Strecken der
Finger voraus, was bei der Beschwerdeführerin nicht vorliege. Es zeige sich lediglich
eine Sensibilitätsstörung. Die reine Sensibilitätsstörung schätze er auf einen Drittel des
angegebenen Werts. Dies ergebe aufgerundet einen Integritätsschaden von 8.5%. Im
Quervergleich mit dem vollständigen Verlust oder der vollständigen
Gebrauchsunfähigkeit einer oberen Extremität (50%; vgl. Suva-Tabelle 1 bzw. Anhang
3 zur UVV) entspreche dies einem Sechstel. Er erachte dies als grosszügige Bewertung
(Suva-act. 210).
6.2.
Soweit die Beschwerdeführerin generell vorbringt, die Beurteilung von Dr. E._ sei
nicht objektiv (vgl. act. G1), bestehen dafür keine Anhaltspunkte. Entgegen den
Ausführungen der Beschwerdeführerin (act. G1), berücksichtigte Dr. E._ bei seiner
Beurteilung die Einschätzung von Dr. F._. Er hielt fest, es bestehe bei Zustand nach
Radialisparese eine weitgehende Erholung. Paresen oder funktionelle muskuläre
6.3.
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7.