Decision ID: e59b0467-d826-5ef1-b071-aea28e082f24
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der tamilische Beschwerdeführer verliess sein Heimatland eigenen Anga-
ben gemäss am 11. Mai 2015 auf dem Luftweg nach China und gelangte
über weitere Länder am 26. Mai 2015 in die Schweiz, wo er am nächsten
Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in B._ ein Asylge-
such stellte.
Die Befragung zur Person (BzP) erfolgte am 2. Juni 2015, die Anhörung zu
den Asylgründen am 7. Januar 2016. Zur Begründung seines Asylgesu-
ches brachte der Beschwerdeführer vor, er habe überwiegend in der Ort-
schaft C._ (Distrikt D._, Nordprovinz) gelebt und die Schule
bis zur zehnten Klasse besucht. Nach der Schule habe er zuerst als Bauer,
dann im Sicherheitsdienst für eine Bank gearbeitet. Sein Vater sei Fahrer
bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen und im Juli 2008
bei einer Fahrt für die LTTE nach E._ getötet worden.
Am Ende des Bürgerkrieges seien er und seine Familienmitglieder vom
Militär in der Nähe von F._ festgenommen und in ein Flüchtlingsla-
ger bei G._ gebracht worden, wo sie bis im Jahr 2011 etwa 15, 16
Monate geblieben seien. Im Flüchtlingslager sei er zu seinem Vater und
dessen Tätigkeiten für die LTTE befragt worden. Er sei auch zu seiner ei-
genen Verbindung zu den LTTE befragt worden, wobei er angegeben habe,
dass er kein Interesse an den LTTE gehabt hätte und sich diesen immer
habe entziehen können. Er habe nachfolgend im Flüchtlingslager im Zu-
sammenhang mit den Befragungen keine Schwierigkeiten gehabt.
Als er am Abend des 10. Februar 2015 auf einer Geburtstagsfeier eines
Freundes gewesen sei, hätten unbekannte Personen in zivil, die gebro-
chen Tamilisch gesprochen hätten, nach ihm verlangt. Später habe er er-
fahren, dass sie vom Criminal Investigation Department (CID) gewesen
seien. Er sei zu diesen gegangen und gleich darauf zu einem nahe gele-
genen Militärlager mitgenommen worden. Er sei etwa zwei Stunden einge-
sperrt gewesen und habe bei der anschliessenden Befragung die ganze
Zeit knien müssen. Bis zum nächsten Morgen sei er festgehalten worden.
Es seien ihm zahlreiche Fragen zu seinem Vater und dessen Aufgaben bei
den LTTE gestellt worden, auch zu seinen Verwandten und deren Verbin-
dung zu den LTTE. Er habe wahrheitsgetreu Auskunft gegeben, dass sein
Vater nicht mehr am Leben sei. Er sei nicht geschlagen, aber bedroht wor-
den.
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Am 16. Februar 2015 sei er erneut vom CID festgenommen worden bezie-
hungsweise sei auf Vorladung im Militärlager erschienen und etwa drei
Stunden im gleichen Zimmer wie bei der ersten Festnahme festgehalten,
befragt, geschlagen und getreten worden, wobei er die ganze Zeit habe
knien müssen. Er sei über seine Angehörigen, die bei den LTTE gewesen
seien, befragt worden und sei persönlich beschuldigt worden, bei den LTTE
gewesen zu sein. Es sei ihm unterstellt worden, sein Vater habe entgegen
seinen Aussagen viel für die LTTE gemacht.
Am 13. März 2015 sei er ein drittes und letztes Mal von Angehörigen des
CID mitgenommen worden beziehungsweise sei nach Vorladung im Camp
erschienen. Er sei wieder im gleichen Zimmer eingesperrt worden, habe
wieder knien müssen und sei geschlagen und bedroht worden. Er sei er-
neut zu seiner vermeintlichen LTTE-Tätigkeit befragt worden und sei den
ganzen Tag festgehalten worden.
Da er Angst vor weiteren Konsequenzen gehabt habe, habe er nach der
Freilassung seiner Mutter von den Vorfällen erzählt. Diese habe ihn darauf-
hin am 24. März 2015 zu seinem Onkel nach H._ gebracht, wo er
einige Wochen geblieben sei. Zwei Schlepper hätten ihn am 18. April 2015
nach Colombo begleitet. Von dort aus sei er am 11. Mai 2015 legal (mit
dem eigenen Reisepass) per Flugzeug via China nach Europa gereist und
auf dem Landweg in die Schweiz eingereist. Nach seiner Ausreise aus Sri
Lanka und dem Wegzug seiner Familienmitglieder zum Onkel hätten sich
die Behörden Ende 2015 am alten Wohnort bei Nachbarn und seiner Ver-
lobten nach ihm erkundigt.
Der Beschwerdeführer reichte folgende Dokumente und Beweismittel bei
der Vorinstanz ein: Kopie seines Geburtsscheines, Kopie der sri-lanki-
schen Identitätskarte, temporäre Identitätskarte, Kopie des Familienregis-
terauszuges, Bestätigung des Arbeitsgebers, Kopie der Todesurkunde des
Vaters, «Diagnosis Card» des «(...) Hospital of Sri Lanka, (...)», 27. Juni
2007, Bestätigungsschreiben vom Februar 2015, Fotos des Vaters und des
Beschwerdeführers bei der Arbeit in Sri Lanka.
B.
Mit Verfügung vom 28. April 2017 – eröffnet am 2. Mai 2017 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
und lehnte das Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es die Wegweisung des
Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegwei-
sung an.
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C.
Mit Beschwerde vom 1. Juni 2017 beantragte der Beschwerdeführer durch
seine Rechtsvertreterin, der Entscheid der Vorinstanz sei vollumfänglich
aufzuheben und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit,
allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und
als Folge davon die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege sowie Beiordnung der Rechtsvertreterin als unentgeltliche
Rechtsbeiständin ersuchen. Zudem beantragte er, es sei festzustellen,
dass die Beschwerde aufschiebende Wirkung habe.
D.
Mit Schreiben vom 2. Juni 2017 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.
E.
Mit Schreiben vom 6. Juni 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsor-
gebestätigung vom 1. Juni 2017 nach.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2017 hielt die damals zuständige In-
struktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten. Zudem hiess sie das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und gab dem Beschwerde-
führer in der Person von MLaw Cora Dubach eine amtliche Rechtsbeistän-
din bei.
G.
Mit Schreiben vom 27. September 2017 informierte das Migrationsamt des
Kantons I._ das Bundesverwaltungsgericht darüber, dass der Be-
schwerdeführer in der Schweiz strafrechtlich in Erscheinung getreten sei,
was einem beiliegenden Strafbefehl vom 30. August 2017 (Strassenver-
kehrsdelikte) entnommen werden könne. Es werde daher um eine priori-
täre Behandlung der Beschwerde ersucht.
H.
Am 30. August 2019 reichte die Rechtsvertreterin einen Austrittsbericht des
Universitätsspitals J._ vom 8. Juli 2019 ein.
I.
Mit Schreiben vom 18. Februar 2020 informierte das Migrationsamt des
Kantons I._ erneut unter Beilage einzelner Polizeiberichte über
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strafrechtliche Auffälligkeiten des Beschwerdeführers und ersuchte um um-
gehende Urteilsfällung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter nachstehendem Vorbehalt (vgl. E. 4) – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Hinsichtlich des Verfahrensantrages, die aufschiebende Wirkung sei fest-
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zustellen, ist anzumerken, dass die Beschwerde von Gesetzes wegen auf-
schiebende Wirkung hat (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM einer allfälli-
gen Beschwerde diese aufschiebende Wirkung nicht entzogen hat (Art. 55
Abs. 2 VwVG). Auf den Antrag ist daher mangels Rechtsschutzinteresses
nicht einzutreten.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, dass es die Vorbringen
als unglaubhaft erachtete, da sie in wesentlichen Punkten widersprüchlich,
unstimmig und zu wenig nachvollziehbar dargelegt seien. So seien Wider-
sprüchlichkeiten vorhanden hinsichtlich der Umstände der zweiten Fest-
nahme im Februar 2015 und der Art und Weise der Schikanen, denen der
Beschwerdeführer ausgesetzt gewesen sei, insbesondere in Bezug auf er-
lebte Misshandlungen und auferlegte Reinigungsarbeiten. Unterschiedli-
che Aussagen habe der Beschwerdeführer auch dazu gemacht, ob er zwei
Stunden auf der Strasse habe knien müssen. Über die Umstände der drit-
ten Festnahme würden ebenfalls voneinander abweichende Aussagen in
der BzP und Anhörung vorliegen. Die eingereichten Beweismittel würden
daran nichts ändern, weil sie nicht geeignet seien, die Verfolgungsvorbrin-
gen zu stützen. Auch sei der Beschwerdeführer in der Anhörung noch auf
weitere Unstimmigkeiten angesprochen worden, die im Entscheid nicht
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thematisiert würden. Zudem fehle es den Schilderungen des Beschwerde-
führers an der erforderlichen Substanz. Er habe beispielsweise trotz kon-
kreter Fragen nicht genauer schildern können, wie er bedroht worden sei.
Auch sei es erstaunlich, dass er in der BZP mit keinem Wort erwähnt habe,
dass ihm selber die Nähe zu den LTTE unterstellt worden sei, verändere
dies doch die geltend gemachte Bedrohungslage in starkem Masse. Zu-
dem sei es merkwürdig, dass der Beschwerdeführer das Militärlager, in
dem er drei Mal festgehalten worden sei, nicht näher bezeichnen könne.
Ebenso sei es nicht logisch, dass er mehrere Jahre nach der Befragung im
Flüchtlingslager plötzlich zu einer angeblichen persönlichen LTTE-Verbin-
dung befragt worden sei. Auch passe die legale Ausreise des Beschwer-
deführers nicht zu der geschilderten Bedrohungslage.
Weiter prüfte das SEM das Vorliegen von Nachfluchtgründen. Es gelangte
zum Schluss, es sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht davon auszu-
gehen, dass der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der gemäss
bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung geltenden Risikofakto-
ren-Prüfung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit oder in absehbarer Zu-
kunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Den
Wegweisungsvollzug erachtete das SEM für zulässig, angesichts des Vor-
liegens individueller Zumutbarkeitskriterien als zumutbar und möglich.
6.2 In der Beschwerde wurde demgegenüber vorgebracht, entgegen der
Auffassung der Vorinstanz sei die Schilderung der wesentlichen asylrele-
vanten Punkte nicht widersprüchlich und es ergäbe sich vielmehr ein plau-
sibles Bild der Verfolgungsvorbringen.
Der Beschwerdeführer habe sich hinsichtlich der Umstände der Fest-
nahme bei der zweiten und dritten Befragung im Militärlager nicht wider-
sprochen, sondern in der Anhörung lediglich seine Aussagen zur Formulie-
rung «mitgenommen» konkretisiert. Vielmehr habe das SEM die vermeint-
lichen Widersprüche der Aussagen aus BzP und Anhörung zu stark ge-
wichtet. Auch habe er sich hinsichtlich des Ablaufs der Verhöre nicht wider-
sprochen. Zudem sei hinsichtlich der auferlegten Reinigungsarbeiten da-
rauf hinzuweisen, dass er nur ausgesagt habe, er sei nie für derartige Ar-
beiten vorgeladen worden, was aber nicht bedeute, dass er keine Reini-
gungsarbeiten durchgeführt habe. Auch hinsichtlich seiner Äusserungen
zum Knien auf der Strasse liege kein Widerspruch vor. Dass er in der BzP
nicht erwähnt habe, dass ihm beim Verhör unterstellt worden sei, für die
LTTE tätig gewesen zu sein, liege daran, dass er sich in der BzP nur auf
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die Fakten beschränkt habe. Es sei auch nachvollziehbar, dass er den Na-
men des Militärlagers nicht kennen würde, da sich dort viele Militärcamps
aneinanderreihen würden und das Gebäude nicht genau auszumachen ge-
wesen sei. Entgegen der Auffassung des SEM habe der Beschwerdeführer
die drei Verhöre substantiiert beschreiben.
Der Beschwerdeführer erfülle mehrere risikobegründende Faktoren, wo-
nach er nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes einer
erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sei, da er zu dem Personenkreis-
gehöre, der auch nach Beendigung des Bürgerkrieges in Verdacht stehe,
mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben. Er erfülle
das Kriterium der Verwandtschaft mit LTTE-Mitgliedern, da sein Vater Fah-
rer für die Bewegung gewesen und bei einem Einsatz getötet worden sei,
zudem seien zwei seiner Onkel und zwei seiner Cousins bei den LTTE ge-
wesen und als Märtyrer gestorben. Er selber sei dreimal gezielt von Beam-
ten des CID gesucht und verhört worden. Ihm seien Tätigkeiten für die
LTTE unterstellt und er sei mit dem Tod bedroht worden. Durch seinen Aus-
landaufenthalt habe er sich sodann aus Sicht der Behörden weiterhin ver-
dächtig gemacht. Das SEM schätze die aktuelle Lage in Sri Lanka unzu-
treffend ein, wenn es als unwahrscheinlich erachte, der Beschwerdeführer
würde bei der Rückkehr mit Problemen konfrontiert. Bereits aufgrund der
Tatsache, dass er Tamile aus dem Norden sei, würde er ins Visier der Si-
cherheitskräfte geraten. Es bestehe ein grosses Risiko der Verhaftung und
Folter durch die Sicherheitsbehörden.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt
und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
7.2 In der angefochtenen Verfügung erwog das SEM zu Recht, dass sich
in den bei den Befragungen gemachten Aussagen des Beschwerdeführers
zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten finden.
7.2.1 So hat der Beschwerdeführer verschiedene Versionen vorgebracht,
wie er vom CID am 16. Februar 2015 festgenommen worden sei. Nach den
Schilderungen der BzP sei er auf dem Weg von der Arbeit nach Hause
gewesen, als er von den Sicherheitskräften mitgenommen worden sei (vgl.
act. A4, S. 7). Gemäss den Schilderungen der Anhörung ist der Beschwer-
deführer selber ins Camp gegangen, nachdem eine unbekannte Person in
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seiner Abwesenheit zu ihm nach Hause gekommen sei und ihm über seine
Schwester habe ausrichten lassen, er solle beim Camp vorbeikommen,
(vgl. act. A23, S. 11, F82). Er sei erst von der Arbeit nach Hause gegangen
und dann von zu Hause am Abend ins Camp gegangen (vgl. act. A23,
S. 11, F81-83, S. 17, F128). Soweit in der Beschwerde behauptet wird, es
handle sich quasi um ein Missverständnis, der Beschwerdeführer habe
seine Aussage nur konkretisiert, da er mitgenommen worden wäre, wenn
er zu Hause gewesen wäre, tatsächlich sei er aber freiwillig zum Militär-
camp gegangen (siehe Beschwerde, S. 7), kann der Argumentation nicht
gefolgt werden. Schliesslich betrifft es gänzlich unterschiedliche, stark von-
einander abweichende Sachverhalte, ob der Beschwerdeführer auf dem
Nachhauseweg mitgenommen wurde oder aber ob er von zu Hause aus
auf eine Vorladung hin "freiwillig" ins Militärlager ging.
7.2.2 Auch die Aussagen zu den Umständen der dritten Festnahme am
13. März 2015 variieren. In der BzP gibt er zu Protokoll, er sei mitgenom-
men worden, als er mit Freunden in D._ unterwegs gewesen sei
(vgl. act. A4, S. 7). In der Anhörung spricht er aber davon, zwei Personen
seien mit dem Motorrad gekommen und hätten ihn mitgenommen (vgl. act.
A23, S. 13, F99). Die Behauptung in der Beschwerde, die Mitnahme mit
dem Motorrad bezöge sich auf das erste Mal, als er nach der Geburtstags-
feier mitgenommen worden sei (vgl. Beschwerde, S. 7), könnte zwar durch
die Aussage in der Anhörung, in der er von der Mitnahme vom Geburts-
tagsfest spricht, gestützt werden, wonach ihn zwei Personen in zivil mit
dem Motorrad mitgenommen hätten (vgl. act. A23, S. 8, F57, 58). Allerdings
weicht dies klar von den Aussagen der Anhörung ab, die sich eindeutig
nicht auf die erste Mitnahme von der Feier beziehen, sondern auf die Ge-
schehnisse der dritten Mitnahme beziehungsweise Vorladung (vgl. act.
A23, S. 13, F97, F98). Er sagt aus, das dritte Mal hätten sie ihn mitgenom-
men (vgl. act. A23, S. 13, F98). Auf die Frage, ob er genauer beschreiben
könne, wie er mitgenommen worden sei, antwortet er, er sei zu Hause ge-
wesen (vgl. act. A23, S. 13, F99; mithin nicht bei einer Geburtstagsfeier wie
beim ersten Mal), sie seien zu ihm nach Hause mit dem Motorrad gekom-
men, seine Mutter sei auch zu Hause gewesen (vgl. act. A23, S. 13, F99,
F100). In der Anhörung auf die abweichende Aussage der BzP zur Mit-
nahme angesprochen, ändert der Beschwerdeführer seine Aussagen dann
zu einer dritten Version, er sei in einem Malergeschäft gewesen, wo er Ma-
lerarbeiten gemacht habe. Seine Mutter habe ihn angerufen und über den
Besuch der Sicherheitsbeamten benachrichtigt, so dass er nach Hause
und anschliessend ins Militärlager gegangen sei (vgl. act. A23, S. 17,
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F133). Eine nochmals abweichende Version ist die Erklärung in der Be-
schwerde, der Beschwerdeführer sei mit seinen Freunden in D._
gewesen, sei also nicht zu Hause gewesen, als ihn die Sicherheitsbeamten
von zu Hause hätten abführen wollen, weshalb er sich, wie beim zweiten
Mal, dann freiwillig ins Militärlager begeben habe (vgl. Beschwerde, S. 7).
7.2.3 Dem SEM ist auch zuzustimmen, dass die Angaben zum Ausmass
der Schikanen im Camp in den Schilderungen von BzP und Anhörung un-
terschiedlich ausfallen. So hat der Beschwerdeführer in der BzP ausge-
sagt, er sei nur bei der ersten Festnahme über seine Angehörigen bei den
LTTE befragt worden (vgl. act. A4, S. 7, 8). Danach habe er nur diverse
Arbeiten für sie machen müssen (vgl. act. A4, S. 8) und sei bei der zweiten
und dritten Festnahme schikaniert worden (vgl. act. A4, S. 7). Soweit in der
Beschwerde nun behauptet wird, die Formulierung «danach» beziehe sich
nicht auf die weiteren Festnahmen, sondern könne sich auch auf die erste
Befragung beziehen (vgl. Beschwerde, S. 8), der Beschwerdeführer habe
nicht angegeben, beim zweiten und dritten Mal nicht befragt worden zu
sein, kann dem vom Zusammenhang der Fragen her betrachtet (vgl. act.
A4, S. 8) nicht gefolgt werden. In der Anhörung sagte er nämlich im Wider-
spruch zur BzP, er sei beim zweiten Mal im Militärlager auch befragt wor-
den (vgl. act. A23, S. 17, 18, F134), zudem geschlagen und getreten und
bei der Befragung beschuldigt worden, selber bei den LTTE gewesen zu
sein (vgl. act. A23, S. 12, F85, F86). Auch beim dritten Mal sei er befragt,
geschlagen und bedroht worden (vgl. act. A23, S. 13, 14, F102-104). Dem-
nach hätten alle drei Male Befragungen stattgefunden.
7.2.4 In Bezug auf die dem Beschwerdeführer von den Sicherheitskräften
auferlegten Reinigungsarbeiten finden sich weitere Widersprüche in des-
sen Äusserungen. In der Anhörung darauf angesprochen, dass er in der
Erstbefragung angegeben habe, er habe bei der zweiten und dritten Fest-
nahme diverse Reinigungsarbeiten für den CID ausführen müssen (vgl.
act. A4, S. 7, 8), aber in der Anhörung von keinen Reinigungsarbeiten be-
richtet habe (vgl. act. A23, S. 7, F53), sondern vielmehr auf Nachfrage aus-
gesagt habe, nie derartige Arbeiten verrichtet haben zu müssen (vgl. act.
A23, S. 14, F108), antwortete er wenig überzeugend, es sei nicht von ihm
verlangt worden, derartige Arbeiten auszuführen, aber er habe einem
Freund bei dessen Arbeiten geholfen (vgl. act. A23, S. 17, F129). Soweit in
der Beschwerde nun argumentiert wird, der Beschwerdeführer sei nicht für
derartige Arbeiten vorgeladen worden, er habe aber nie gesagt, dass er
keine solchen habe ausführen müssen, entspricht das angesichts der kla-
ren Aussage des Beschwerdeführers, es sei nicht von ihm verlangt worden,
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diese Arbeiten auszuführen, nicht den protokollierten Aussagen (vgl. Be-
schwerde, S. 9, act. A23, S. 17, F129).
7.2.5 Zu Recht weist das SEM auch darauf hin, dass der Beschwerdefüh-
rer gemäss den Aussagen der BzP bei der dritten Befragung gegenüber
den Sicherheitskräften ausgesagt hat, er würde bei der Polizei eine An-
zeige machen, woraufhin ihn die Beamten zusammengeschlagen hätten
(vgl. act. A4, S. 7). Dass er in der Anhörung vergessen habe, dies zu er-
wähnen, überzeugt nicht (vgl. act. A23, S. 17, F131, F132).
7.2.6 Erstaunlich ist zudem, dass der Beschwerdeführer in der BzP nicht
erwähnt hat, dass ihm selbst der Vorwurf der LTTE-Mitgliedschaft gemacht
worden sein soll; dort spricht er nur von einer Befragung im Zusammen-
hang mit seinen Angehörigen und deren LTTE-Verbindung (vgl. act. A4,
S. 7, 8). Schliesslich stellt die persönliche Beschuldigung einer LTTE-Zu-
gehörigkeit doch eine erheblich stärkere Gefährdung dar als die «blosse»
Verwandtschaft mit LTTE-Anhängern. Die Erklärung in der Beschwerde,
der Beschwerdeführer habe sich in der BzP kurz fassen wollen (vgl. Be-
schwerde, S. 9, 10), vermag sodann auch nicht zu überzeugen.
7.2.7 Auch mutet es unrealistisch an, dass der Beschwerdeführer wegen
der niedrigschwelligen Tätigkeit seines Vaters, der lediglich Fahrer für die
LTTE gewesen sei (vgl. act. A23, S. 5, F37, F39-F41), die geschilderten
Schikanen (vgl. act. A23, S.7, F53) erlebt haben soll, vor allem angesichts
dessen, dass der Vater bereits im Juli 2008 gestorben ist, weshalb die
plötzlichen Unterstellungen der Sicherheitsbehörden bei den Befragungen
im Jahr 2015, wonach der Vater noch am Leben sei, wenig überzeugend
sind (vgl. act. A23, S. 9, F66, S. 11, F78). Auch erscheinen die plötzlichen
Anschuldigungen einer persönlichen LTTE-Verbindung im Februar 2015
angesichts dessen, dass diese so viele Jahre nach Kriegsende erfolgt sein
sollen, wenig realistisch (vgl. act. A23, S. 12, F88). Zudem hatte er nach
eigenen Aussagen nach der persönlichen Befragung im Flüchtlingslager
2011 nach etwaigen LTTE-Tätigkeiten, die er verneint habe, keine Prob-
leme (vgl. act. A23, S. 7, F49, F50). Auch ist der Beschwerdeführer nie
Mitglied der LTTE gewesen (vgl. act. A4, S. 7) und hat abgesehen davon,
dass er lediglich einmal seiner Mutter beim Kochen für LTTE-Angehörige
geholfen haben soll (vgl. act. A23, S. 15, F118), keine Tätigkeiten für die
LTTE ausgeführt. Die geschilderte legale Ausreise des Beschwerdeführers
auf dem Luftweg mit seinem eigenen Reisepass (vgl. act. A23, S. 15, F111)
verstärkt die Unglaubhaftigkeit der geschilderten Bedrohung durch die sri-
lankischen Behörden.
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7.2.8 Die eingereichten Beweismittel, die sich auf Identitätsangaben, fami-
liäre- und Arbeitsumstände beziehen, sind mangels Bezugs zu den Verfol-
gungsvorbringen nicht geeignet, den Sachverhalt glaubhaft zu machen. Zu
Recht weist das SEM zudem darauf hin, dass der im Bestätigungsschrei-
ben aufgeführte Sachverhalt, wonach zwei Personen bei der Geburtstags-
feier mitgenommen worden seien, nicht dem des Beschwerdeführers ent-
spricht (vgl. act. A24, Beweismittel Nr. 2).
7.2.9 Insgesamt fehlt es den Schilderungen des Beschwerdeführers an
Substanz. So kann er die Bedrohungen und Befragungen nicht konkreter
schildern, ebenso wenig wie das Zimmer in dem Camp, in dem er stunden-
lang festgehalten worden sei (vgl. act. A23, S. 9-14). Auch kennt er erstaun-
licherweise nicht den Namen des Militärlagers, in dem er drei Mal festge-
halten worden sei (vgl. act. A23, S. 9, F67). Die Argumentation in der Be-
schwerde, es sei schwer auszumachen, welches Gebäude welchen Na-
men trage, verfängt nicht (vgl. Beschwerde, S. 10).
7.2.10 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer keine asylrechtlich
relevanten, im Zeitpunkt der Ausreise aktuell bestehenden, Verfolgungs-
gründe glaubhaft machen können.
7.3 Nachdem nicht von einer aktuellen Vorverfolgung des Beschwerdefüh-
rers auszugehen ist, bleibt zu prüfen, ob er bei einer Rückkehr in seinen
Heimatstaat dennoch – aufgrund von Nachfluchtgründen – ernsthafte
Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hat.
7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der "Stop List" und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung
einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Feh-
len ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, gut
sichtbare Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen
Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden,
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die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene
kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte
Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-
lankischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wieder
aufleben zu lassen und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit
Blick auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkeh-
rer gefährdet, deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren
"Stop List" vermerkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung
beziehungsweise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer
tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entspre-
chendes gelte für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland re-
gimekritisch betätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
7.3.2 Der Beschwerdeführer hat gemäss seinen Angaben lediglich einmal
seiner Mutter beim Kochen für LTTE-Angehörige geholfen (vgl. act. A23,
S. 15, F117, F118). Er ist im Flüchtlingslager in G._, in dem die Fa-
milie etwa 15, 16 Monate gewesen sei, befragt worden, ob er für die LTTE
tätig gewesen sei, was er verneint habe. Danach habe er im Flüchtlingsla-
ger keine Probleme im Zusammenhang mit diesen Befragungen gehabt
(vgl. act. A23, S. 7, F49, F50). Er ist bis zur Ausreise im Norden wohnhaft
geblieben. Weiter ist der Beschwerdeführer gemäss seinen protokollierten
Angaben nie Mitglied der LTTE gewesen (vgl. act. A4, S. 7). Allerdings sei
sein Vater Chauffeur für die LTTE gewesen und als Märtyrer gestorben,
ebenso wie andere Verwandte bei den LTTE gewesen seien (vgl. act. A23,
S. 5, 6, F37-F43).
Angesichts dessen, dass die Bedrohungen und Verhöre des CID, die im
Zusammenhang mit dem Tod des Vaters und der Mitgliedschaft des Vaters
sowie der engsten Verwandten bei den LTTE gestanden haben, als un-
glaubhaft erachtet wurden, vermag die vermeintliche Zugehörigkeit der
Verwandtschaft zur LTTE keine besondere Risikosituation für den Be-
schwerdeführer, der überdies problemlos legal mit seinem eigenen Reise-
pass ausgereist ist, zu schaffen. Auch wurde der Beschwerdeführer zu kei-
nem Zeitpunkt einer Straftat bezichtigt. Allein aus der tamilischen Ethnie
und der mittlerweile fünfjährigen Landesabwesenheit kann keine Gefähr-
dung abgeleitet werden. Dass er in einer "Stop List" aufgeführt sein soll,
erscheint aufgrund des Gesagten als unwahrscheinlich. Unter Würdigung
aller Umstände ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von der
sri-lankischen Regierung nicht zu jener Gruppe gezählt wird, die bestrebt
ist, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen, und so eine
D-3128/2017
Seite 14
Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist nicht davon aus-
zugehen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
7.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, so verfügt es in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt da-
bei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
D-3128/2017
Seite 15
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Das SEM wies in seiner angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.3 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen
weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig
erscheinen (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 f. [als Refe-
renzurteil publiziert]). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen-
rechte (EGMR) hat – wie vom SEM zutreffend erwähnt – wiederholt fest-
gestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Ta-
milen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoein-
schätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des
EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff.
37). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, der
Beschwerdeführer hätte bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten, die über einen
sogenannten «Backgroundcheck» (Befragung und Überprüfung von Tätig-
keiten im In- und Ausland) hinausgehen würden oder dass er dadurch per-
sönlich gefährdet wäre. Nach neuesten Erkenntnissen des Bundesverwal-
tungsgerichts lässt auch der Vorfall rund um die Mitarbeiterin der Schwei-
zerischen Botschaft in Sri Lanka im vorliegenden Fall keine andere Ein-
schätzung zu, da kein konkreter Grund zur Annahme besteht, die allgemei-
nen politischen Entwicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeit-
punkt auf den Beschwerdeführer auswirken (vgl. Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts D-1466/2020 vom 23. März 2020). Der Vollzug der Wegwei-
sung ist zulässig.
D-3128/2017
Seite 16
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Das SEM hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bejaht.
Seine Schlussfolgerungen sind im Ergebnis nicht zu beanstanden. Der be-
waffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist
im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt. An dieser Einschätzung vermögen
auch die am Ostersonntag 2019 erfolgten Anschläge auf Kirchen und Lu-
xushotels nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer E-868/2020 vom
25. März 2020). Auch unter Berücksichtigung des Vorfalls im Zusammen-
hang mit der Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft und der aktuellen
politischen Situation rund um Präsident Gotabaya Rajapaksa, dessen Auf-
lösung des Parlaments sowie den beabsichtigten Neuwahlen sieht das
Bundesverwaltungsgericht keine Veranlassung, den Wegweisungsvollzug
sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie als generell unzumut-
bar einzustufen (vgl. Urteil des BVGer E-1128/2020 vom 17. März 2020).
9.3.3 Gemäss Rechtsprechung ist der Vollzug von Wegweisungen in die
Nord- und Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zu-
mutbarkeitskriterien – insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären
oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Ein-
kommens- und Wohnsituation – bejaht werden kann (vgl. Urteil des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). In seinem als Referenzurteil publi-
zierten Entscheid qualifizierte das Bundesverwaltungsgericht auch den
Vollzug von Wegweisungen ins "Vanni-Gebiet" als grundsätzlich zumutbar
(vgl. Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5).
Der Beschwerdeführer lebte bis vor seiner Ausreise mit seiner Mutter und
Geschwistern im Distrikt D._ (Nordprovinz; vgl. act. A4, S. 4), wo
zudem Tanten und Onkel mütterlicherseits leben (vgl. act. A23, S. 3, F12).
Ein Vollzug in dieses Gebiet ist, wie erwähnt, grundsätzlich zumutbar. Der
Beschwerdeführer steht in regelmässigem telefonischen Kontakt zu seiner
Mutter (vgl. act. A23, S. 3). Damit verfügt er in seiner Heimat über ein Be-
ziehungsnetz, auf dessen Unterstützung er nach einer Rückkehr – sofern
notwendig – bei der Suche nach einem Arbeitsplatz und der Reintegration
D-3128/2017
Seite 17
zurückgreifen kann. Seinen Angaben gemäss lebte seine Familie haupt-
sächlich von der Landwirtschaft mit eigenen Feldern (vgl. act. A23, S. 5,
F33), so dass er nicht befürchten muss, in eine existenzielle Notlage zu
geraten, zumal er notfalls sicherlich auf die Unterstützung seiner Verwand-
ten aus dem europäischen Ausland (vgl. act. A23, S. 3, F14) wird zurück-
greifen können.
Der Beschwerdeführer besitzt sodann neben der Arbeitserfahrung in der
Landwirtschaft auch solche als Sicherheitskraft bei einer Bank (vgl. act.
A23, S. 5, F33) und Maler in einem Geschäft (vgl. act. A23, S. 17, F133).
Es ist daher davon auszugehen, dass seine Familie ihn bei der Wiederein-
gliederung unterstützen wird und er eine neue Existenz wird aufbauen kön-
nen.
9.3.4 Der Beschwerdeführer macht gesundheitliche Probleme geltend. Ge-
mäss dem Schreiben der Rechtsvertreterin vom 30. August 2019 sei das
Leben des Beschwerdeführers bei einer allfälligen Rückschaffung ange-
sichts seiner (...) in Gefahr, da er in Sri Lanka sicherlich gewaltsamen Re-
pressalien ausgesetzt wäre, und angesichts der (...) bereits leichte (...) le-
bensgefährlich für ihn seien. Auch wenn sich der Beschwerdeführer in der
BzP als gesund bezeichnet hat (vgl. act. A4, S. 8), so hat er in der Anhörung
auf seine (...) hingewiesen (vgl. act. A23, S. 2, 3, F4, F5), wobei er bei der
Vorinstanz einen Kurzbericht des «(...) Hospital of Sri Lanka, (...)» vom 27.
Juni 2007 (vgl. act. A24, Beweismittel 6) eingereicht hat mit der Diagnose
(...). Er hat mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 30. August 2019 ei-
nen Austrittsbericht des Universitätsspitals J._ ([...]) vom 8. Juli
2019 eingereicht. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass er vom 25. Juni
2019 bis zum 8. Juli 2019 im Universitätsspital J._ hospitalisiert war.
Diagnostiziert wurden hierbei erstens ein (...) («[...]») (...) mit (...) («[...]»).
Zweitens wurde eine (...) diagnostiziert. Der Beschwerdeführer sei nach
einem Messerangriff am 8. Mai 2019 in Zürich zuerst im (...) am 8. Mai
2019 erstversorgt worden, wo auch die (...) bei einem stationären Aufent-
halt vom 28. Mai 2019 bis zum 3. Juni 2019 erfolgte. Der stationäre Aufent-
halt im Universitätsspital J._ (vom 25. Juni 2019 bis zum 8. Juli
2019) erfolgte zur Operation ([...]).
9.3.5 Bei der (...) handelt es sich um eine Störung der (...). (...). Bisher ist
der Beschwerdeführer, bei dem gemäss Austrittsbericht vor zwei Jahren in
der Schweiz die (...) diagnostiziert wurde, in der Schweiz nicht (...) betreut
worden. Von der (...) ([...] gemäss Austrittsbericht) dürfte es sich bei der
(...) des (...) um eine milde Form der (...) handeln. Nur die schwere (...)
D-3128/2017
Seite 18
erfordert eine lebenslange Therapie in erfahrenen Zentren, leichte (...)
muss (lediglich) bei (...) und Verletzungen behandelt werden ([...]). Auch
dem Beschwerdeführer wurden nach der Operation nur Schmerzmittel
([...], [...]) als Austrittsmedizin (bei Bedarf) verschrieben.
9.3.6 Praxisgemäss ist bei einer Rückweisung von Personen mit gesund-
heitlichen Problemen nur dann von einer medizinisch bedingten Unzumut-
barkeit auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit einer Weiterbe-
handlung eine drastische und lebensbedrohliche Verschlechterung des
Gesundheitszustands nach sich zöge (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3). Diese
Schwelle ist vorliegend nicht erreicht. Vielmehr ist davon auszugehen, dass
die medizinische Versorgung in Sri Lanka für den Beschwerdeführer grund-
sätzlich gewährleistet ist, zumal er bei seiner leichten Form der (...)krank-
heit nicht auf eine spezielle lebenslange Therapie angewiesen ist (siehe
soeben) und sich bereits im Heimatland fachärztlich behandeln lassen
konnte (vgl. act. A24, Beweismittel 6, «Diagnosis Card» des «[...] Hospital
of Sri Lanka, [...], [...]», 27. Juni 2007). In staatlichen Gesundheitseinrich-
tungen in Sri Lanka wird für alle Personen mit sri-lankischer Staatsbürger-
schaft eine kostenlose medizinische Behandlung geboten (vgl. Australian
Department of Foreign Affairs and Trade [DFAT], DFAT Country Information
Report - Sri Lanka, 04.11.2019, https://www.dfat.gov.au/sites/default/fi-
les/country-information-report-sri-lanka.pdf, besucht am 15. Mai 2020). Es
liegt in der zumutbaren Verantwortung des Beschwerdeführers, bei Bedarf
eine adäquate fachärztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen, so wie er
dies bereits in der Vergangenheit in Sri Lanka 2007 (vgl. act. A24, Beweis-
mittel 6) getan hat. Es liegen damit keine Gründe für die Annahme vor, der
Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine exis-
tenzielle Notlage geraten, die als konkrete Gefährdung im Sinne des Ge-
setzes und der Rechtsprechung zu werten wäre.
9.3.7 Bezüglich der sich derzeit in zahlreichen Ländern ausbreitenden
Corona-Pandemie ist festzuhalten, dass in Sri Lanka gemäss öffentlich zu-
gänglichen Quellen der erste Fall einer Covid-19-Erkrankung Ende Januar
2020 und somit rund einen Monat bevor in der Schweiz der erste Fall ge-
meldet wurde, diagnostiziert wurde. Die Krankheit hat sich in Sri Lanka weit
weniger als in der Schweiz ausgebreitet, wobei unter Hinweis auf die Dun-
kelziffer in beiden Ländern nicht alle Fälle bekannt sein dürften. Jedenfalls
führt die Tatsache, dass auch Sri Lanka von Covid-19-Erkrankungen be-
troffen ist, nicht zur Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/50
D-3128/2017
Seite 19
9.3.8 Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl in genereller als auch in in-
dividueller Hinsicht nicht als unzumutbar einzuschätzen.
9.4
9.4.1 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.4.2 Hinsichtlich der allfälligen, aufgrund der Corona-Pandemie derzeit
gegebenen Unmöglichkeit des Vollzugs ist Folgendes festzuhalten: Ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts, ist die Unmöglichkeit des
Vollzugs dann festzustellen, wenn sich sowohl eine freiwillige Ausreise als
auch ein zwangsweiser Vollzug klarerweise und aller Wahrscheinlichkeit
nach für die Dauer von mindestens einem Jahr als undurchführbar erwei-
sen (vgl. Urteil des BVGer E-7575/2016 vom 28. Juli 2017 E. 6.2). Dies ist
in Anbetracht der derzeitigen Entwicklung der Pandemie nicht anzuneh-
men. Der aktuellen Situation kann indessen im Rahmen der Ansetzung der
Ausreisefrist Rechnung getragen werden.
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf
diese einzutreten ist (vgl. E. 4).
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfü-
gung vom 14. Juni 2017 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65
Abs. 1 VwVG gewährt wurde und sich an den Voraussetzungen dazu nichts
geändert hat, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
12.
12.1 Nachdem dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 14.
Juni 2017 die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt und seine
D-3128/2017
Seite 20
Rechtsvertreterin MLaw Cora Dubach als amtliche Rechtsbeiständin ein-
gesetzt wurde, ist jener ein amtliches Honorar auszurichten
12.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung im Asyl-
bereich in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.–
für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltli-
che Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m Art. 10 Abs. 2
VGKE). Es wird nur der notwendige Aufwand entschädigt. Die Rechtsver-
treterin reichte mit der Beschwerdeeingabe vom 1. Juni 2017 eine Hono-
rarnote ein. Darin wurde der Aufwand insgesamt mit Fr. 2'537. – (beste-
hend aus dem Aufwand der Rechtsvertretung, Dolmetscherkosten, Ausla-
gen und der Dossiereröffnungspauschale) beziffert, wobei von einem Stun-
denansatz von Fr. 200. – ausgegangen und ein Vertretungsaufwand von
insgesamt 12 Stunden geltend gemacht wurde, der in zeitlicher Hinsicht
als angemessen zu erachten ist. Für das amtliche Honorar ist der Stunden-
satz unter Berücksichtigung der genannten massgeblichen Faktoren ent-
sprechend auf Fr. 150.– zu kürzen. Im Weiteren ist die in der Kostennote
geltend gemachte Dossiereröffnungspauschale in der Höhe von Fr. 50.–
abzuziehen, die Kosten für die Übersetzung und die geltend gemachten
Auslagen sind hingegen zu ersetzen. Das amtliche Honorar beträgt somit
insgesamt Fr.1'887.– (inklusive Auslagen) und geht zulasten der Gerichts-
kasse des Bundesverwaltungsgerichts.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 21