Decision ID: 30410f95-8d6f-45a3-840f-ce5c24830fc3
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die am 11. April 2013 neu gegründete X. Genossenschaft mit Sitz in Y. übernahm laut
Vermögensübertragungsvertrag vom 12. April 2013 nach Art. 69 des Fusionsgesetzes
(FusG; SR 221.301; act. G 8/2/4) von der X.-Gruppe Genossenschaft unter anderen die
in der Stadt St. Gallen, Grundbuchkreis St. Fiden, gelegenen Grundstücke Nr. 0001
und 0002 zu Eigentum. Der Eintrag der Handänderung im Tagebuch des
Grundbuchamtes St. Gallen erfolgte am 9. Juli 2013. Das Grundbuchamt veranlagte die
X. Genossenschaft am 19. Juli 2013 mit einer Eintragungsgebühr von Fr. 5‘000.--,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem Zuschlag für weitere Grundstücke von Fr. 10.-- und einer Gebühr für die
Änderung der Firma von Fr. 50.-- (act. G 8/2/1). Den gegen diese Rechnung erhobenen
Rekurs (act. G 8/1) wies die Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit
Entscheid vom 8. Juli 2014 ab (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Claude Monnier, Bern, für die X.
Genossenschaft mit Eingabe vom 24. Juli 2014 Beschwerde mit den Rechtsbegehren,
der Entscheid sei aufzuheben (Ziff. 1); die Angelegenheit sei an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, und diese sei anzuweisen, die
Grundbuchgebühren in Koordination mit sämtlichen von der Vermögensübertragung
betroffenen Grundbuchämtern des Kantons St. Gallen neu einheitlich festzulegen (Ziff.
2); sofern notwendig seien sämtliche weiteren, infolge der Vermögensübertragung
ergangenen Verfügungen betreffend die Grundbuchgebühren der Grundbuchämter des
Kantons St. Gallen von Amtes wegen aufzuheben (Ziff. 3), unter Kostenfolgen (act. G
1).
b. In der Vernehmlassung vom 13. August 2014 beantragte die Vorinstanz Abweisung

der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids (act. G 7). Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Vernehmlassung vom
27. August 2014 Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie unter
anderem auf die Darlegungen im angefochtenen Entscheid und nahm ergänzend zu
Vorbringen in der Beschwerde Stellung (act. G 10).
c. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
ist zur Beschwerde legitimiert, und die Beschwerdeeingabe vom 24. Juli 2014
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich - mit dem nachstehend in E.
3.1 angeführten Vorbehalt - einzutreten.
2. Nach Art. 46 Abs. 1 der Grundbuchverordnung (SR 211.432.1, GBV) nimmt das
Grundbuchamt Eintragungen nur auf Antrag hin vor. Es gilt das strikte Anmeldeprinzip
(Urs Fasel, Grundbuchverordnung [GBV], 2. Aufl. 2011, Rz. 57 zu Art. 46 GBV). Der
Grundbuchverwalter darf grundsätzlich nur aufgrund einer Anmeldung tätig werden
(Art. 963 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB; SR 210; J. Schmid, in: Basler
Kommentar, Zivilgesetzbuch II, 5. Aufl. 2015, Rz. 3 zu Art. 963 ZGB). Nach Art. 47 Abs.
2 GBV ist in der Anmeldung jede Eintragung einzeln aufzuführen. Örtlich zuständig ist
der Grundbuchverwalter der Gemeinde, in deren Gebiet das Grundstück liegt (Art. 50
der Einführungsverordnung zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, in der bis 28.
Februar 2014 gültig gewesenen Fassung; EV zum ZGB, sGS 911.11). Nach der
Rechtsprechung kann eine im Tagebuch eingeschriebene Anmeldung, mit welcher über
das Grundeigentum verfügt worden ist, nicht mehr einseitig zurückgezogen werden;
der weitere Verlauf bleibt dem Einfluss der verfügenden Person entzogen (Fasel, a.a.O.,
Rz. 21 f. zu Art. 46 GBV). Bezieht sich die Anmeldung auf mehrere Grundstücke, die
getrennt in zwei oder mehreren Grundbuchkreisen liegen, so finden in Bezug auf die
Zuständigkeit des Grundbuchverwalters zur Entgegennahme der Anmeldung und zur
Vornahme der ersten Eintragung die Vorschriften über die örtliche Zuständigkeit zur
Vornahme der öffentlichen Beurkundung Anwendung (Art. 72 EV zum ZGB). Im Fall von
Miteintragungen nach Art. 72 EV zum ZGB hat das zur Entgegennahme der Anmeldung
und zur ersten Eintragung zuständige Grundbuchamt den übrigen Grundbuchämtern
unverzüglich die erforderlichen Mitteilungen zu machen unter Beilage einer Abschrift
des Rechtsgrundgeschäfts (Art. 73 EV zum ZGB; vgl. auch die aktuelle Regelung in Art.
9 und 10 der Verordnung über das Grundbuch vom 7. Januar 2014, sGS 914.13).
Nr. 10.03.02 des Gebührentarifs für die Grundbuchämter und für die Durchführung der
Grundstückschätzung (sGS 914.5, GebTG, in der von 1. Januar 2012 bis 27. Oktober
2014 in Vollzug gewesenen Fassung) sieht für Eintragungen des Erwerbs von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Grundeigentum infolge von Fusion, Spaltung und Vermögensübertragung nach FusG
eine Gebühr von 1 Promille des Erwerbspreises oder des allfällig höheren Steuerwerts
vor, wobei der Mindestbetrag Fr. 100.-- und der Maximalbetrag Fr. 5‘000.-- beträgt.
Gemäss Nr. 40.01 GebTG bezieht im Fall der Miteintragung (einschliesslich
Bestätigung) von Eigentum oder eines Pfandrechts an Grundstücken, die getrennt in
verschiedenen Grundbuchkreisen liegen, jene Gemeinde die Gebühr für die öffentliche
Beurkundung, deren Grundbuchverwalter dafür zuständig ist. Die Eintragungsgebühr
wird im Verhältnis der Steuerwerte aufgeteilt. Insgesamt darf der jeweilige
Höchstansatz nicht überschritten werden.
3.
3.1. Materiell umstritten ist vorliegend, ob bzw. inwiefern die Beschwerdeführerin die
Gebühr von Fr. 5‘000.-- allein für die Eigentums-Übertragung der Grundstücke Nr.
0001 und 0002, Grundbuch St. Gallen-St. Fiden, zu entrichten hat. Die Gebühren für
die weiteren, im Rahmen des Vermögensübertragungsvertrages vom 12. April 2013
erfolgten Handänderungen von Grundstücken sind in diesem Verfahren, da sie nicht
Gegenstand des angefochtenen Entscheids bilden bzw. in weiteren
Rechtsmittelverfahren angefochten sind (vgl. Schreiben der betroffenen Gemeinden
vom 8., 9. und 14. August 2013 betreffend Sistierung jener Verfahren; act. G 3.1 bis
3.3; vgl. auch act. G 8/5), an sich nicht zu überprüfen. Dementsprechend ist auf Ziff. 3
des Rechtsbegehrens der Beschwerdeführerin (act. G 1 S. 2) an sich nicht einzutreten.
Ziff. 3 des Rechtsbegehrens weist nun allerdings sowohl einen formellen als auch einen
materiellen Hintergrund auf: Sollte nämlich die nachstehende materielle Prüfung
ergeben, dass sämtliche im Rahmen des Vermögensübertragungsvertrages erfolgten
Handänderungen von den beteiligten Grundbuchämtern (Au, Bad Ragaz, Balgach,
Buchs, Flawil, Gossau, Rorschach, Sennwald, St. Gallen, Uzwil, Wattwil; act. G 1 S. 2
unten) in einem Miteintragungsverfahren (Art. 72 f. EV zum ZGB; Art. 40.01 GebTG) zu
behandeln gewesen wären, müsste das angerufene Verwaltungsgericht darüber
materiell entscheiden.
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2.1. Vorliegend ging die Grundbuchanmeldung für die Umfirmierung sowie
Eigentumsübertragung betreffend die Grundstücke Nr. 0001 und 0002 am 9. Juli 2013
beim Grundbuchamt der Beschwerdegegnerin ein (act. G 8/9/1). Dem Grundbuchamt
sowie den weiteren in E. 3.1 erwähnten Grundbuchämtern wurde überdies (mit Eingang
am 9. Juli 2013) - als Beilage zu den Anmeldungen - je eine Ausfertigung der
Feststellungsurkunde vom 19. Juni 2013 zugestellt, in welcher alle von der
Vermögensübertragung betroffenen Grundstücke aufgeführt wurden (act. G 8/2/7,
8/2/8). - Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid unter anderem zum Schluss,
die öffentliche Urkunde über die Feststellung der Vermögensübertragung diverser
Grundstücke vom 19. Juni 2013 (act. G 8/2/8; eingegangen beim Grundbuch St. Fiden
am 9. Juli 2013) könne die Anmeldung einer Eintragung nicht ersetzen. Der
Grundbuchverwalter der Beschwerdegegnerin sei gesetzlich verpflichtet gewesen, die
Anmeldung, welche sich einzig auf die zwei in seinem Zuständigkeitsbereich liegenden
Grundstücke bezogen habe, in das Tagebuch und später in das Hauptbuch
einzuschreiben, was er auch getan habe. Diese Verrichtungen würden die Grundlage
für die gestützt auf Nr. 10.03.02 GebTG geschuldete Gebühr bilden. Bei Anwendung
des Miteintragungsverfahrens hätte der Grundbuchverwalter die Eintragung nicht
gestützt auf die Anmeldung des Eigentümers, sondern auf Anweisung des für das
Miteintragungsverfahren zuständigen Grundbuchamtes vorgenommen. Aus dem E-Mail
eines Mitarbeiters des Grundbuchamtes Uzwil vom 10. Juli 2013, worin dieser die
Vertreterin der Beschwerdeführerin um eine Personendatenergänzung ersuchte (act. G
8/2/9), gehe in keiner Art und Weise hervor, dass jenes Grundbuchamt stellvertretend
für die übrigen Grundbuchämter tätig geworden sei und diese davon gewusst hätten.
Ein rechtsmissbräuchliches oder treuwidriges Verhalten der Beschwerdegegnerin und
überspitzter Formalismus lägen nicht vor. Die Gebühr für die Eigentumsübertragung
der Grundstücke Nr. 0001 und 0002 stütze sich zu Recht auf Nr. 10.03.02 GebTG (act.
G 2 S. 6 f.).
3.2.2. Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Notwendigkeit der einmaligen Erhebung
der Gebühr zeige sich anhand der Bestimmungen über die Miteintragung nach Nr.
40.01 GebTG. Der angefochtene Entscheid missachte die anteilmässige Verteilung der
Gebühr. Die für die gesamte Vermögensübertragung geschuldete Eintragungsgebühr
von Fr. 5‘000.-- sei auf alle beteiligten Gemeinden anteilmässig zu verteilen. Den
betroffenen Grundbuchämtern sei aufgrund der Zustellung der Feststellungsurkunde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 19. Juni 2013 bewusst gewesen, dass es sich bei der Vermögensübertragung um
einen Erwerb im Sinn von Nr. 10.03.02 des GebTG handle. Aus der Rückfrage des
Grundbuchamtes Uzwil, welches stellvertretend für alle übrigen Grundbuchämter eine
Nachbesserung hinsichtlich der Gesellschaftsidentifikationsnummer verlangt habe,
gehe hervor, dass die Vermögensübertragung im Innenverhältnis wie ein
Miteintragungsverfahren im Sinn von Nr. 40.01 GebTG gehandhabt worden sei. Die
Grundbuchämter hätten somit vor der Erhebung der Eintragungsgebühr Kenntnis
gehabt von der Übertragung mehrerer Grundstücke in verschiedenen
Grundbuchkreisen und somit von der Notwendigkeit einer einheitlichen
Gebührenerhebung. Es verstosse gegen Treu und Glauben und zeuge von
überspitztem Formalismus, die Eintragungsgebühr nur deshalb mehrfach zu erheben,
weil vorgängig keine einheitliche Anmeldung erfolgt sei. Es habe klarerweise ein
Mitwirkungsverfahren im Sinn von Nr. 40.01 GebTG vorgelegen (act. G 1 S. 6 f.).
3.3.
3.3.1. Anwendbar für die Gebührenbemessung ist vorliegend unbestritten Nr. 10.03.02
GebTG. Dem Wortlaut dieser Bestimmung lässt sich - für sich allein - nicht entnehmen,
dass für alle im Rahmen eines Vermögensübergangs gemäss FusG übertragenen
Grundstücke unabhängig von ihrem Standort die Maximalgebühr von Fr. 5‘000.--
lediglich einmal geschuldet ist. In der am 9. Juli 2013 eingegangenen und ins Tagebuch
eingetragenen Grundbuchanmeldung (act. G 8/8 und 8/9/1) findet sich sodann ein
ausdrücklicher Hinweis auf das zugrundeliegende Rechtsgeschäft
(Vermögensübertragungsvertrag gemäss Art. 69 ff. FusG), welches die kantonale
Steuerverwaltung als steuerneutrale Umstrukturierung eingestuft hatte (act. G 8/2/6).
Die Anmeldung weiterer Grundstücke bei anderen Grundbuchämtern im Kanton
St. Gallen im Rahmen dieses Rechtsgeschäfts lässt sich der Anmeldung - für sich allein
(unter Ausserachtlassung der Beilagen) betrachtet - jedoch nicht entnehmen (act. G
8/9/1). Zu klären ist, ob diese formalen Gegebenheiten für die Beurteilung der
Streitsache den Ausschlag zu geben vermögen oder nicht.
3.3.2. Nach Art. 51 Abs. 1 EV zum ZGB werden Rechtsgeschäfte über dingliche Rechte
an einem Grundstück, das in zwei oder mehreren Gemeinden liegt, oder an mehreren
Grundstücken, die getrennt in zwei oder mehreren Gemeinden liegen, durch den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Grundbuchverwalter derjenigen Gemeinde öffentlich beurkundet, in deren Gebiet der
grössere Teil der Gesamtfläche des oder der beteiligten Grundstücke liegt. Das
angegangene Grundbuchamt muss also auch beim Miteintragungsverfahren prüfen, ob
es selbst oder ein anderes Grundbuchamt zuständig ist. Die Prüfungspflicht erstreckt
sich auch auf den Rechtsgrundausweis (vgl. Art. 83 Abs. 2 lit. g GBV). - Die
Grundbuchanmeldung ist ein kausal mit dem Grundgeschäft bzw. dem Rechtsgrund
verknüpftes Rechtsgeschäft. Der Rechtsgrund muss daher im Zeitpunkt der
Anmeldung in materieller wie auch in formeller Hinsicht gültig vorliegen (Schmid, a.a.O.,
Rz. 37 zu Art. 963 ZGB und Rz. 9 zu Art. 965 ZGB). Die Anmeldungsbelege, worunter
auch der Beleg über den Rechtsgrund, müssen im Original oder in amtlich beglaubigter
Kopie vorliegen (vgl. Schmid a.a.O., Rz. 30 und 30a zu Art. 965 ZGB).
Konkret ergibt sich aus der - als Beilage zu den Anmeldungen - an elf Grundbuchämter
versandten Feststellungsurkunde betreffend Vermögensübertragung diverser
Grundstücke vom 19. Juni 2013 (eingegangen beim Grundbuchamt St. Fiden am 9. Juli
2013) eindeutig, dass es sich bei der Vermögensübertragung um eine solche nach
Nr. 10.03.02 des GebTG handelte. Die erwähnte Feststellungsurkunde wurde denn
auch vom Grundbuchamt der Beschwerdegegnerin am gleichen Tag und unter
derselben Nummer (768) wie die Anmeldung selbst, d.h. mit ihrem Eingang (9. Juli
2013), im Tagebuch eingetragen (act. G 8/2/8). Für das Grundbuchamt (sowie die
weiteren Grundbuchämter) lag angesichts dieser Gegebenheiten klar zu Tage, dass die
Anmeldung in Zusammenhang mit weiteren Grundstücken stand, welche gleichzeitig in
anderen Grundbuchkreisen aus demselben Rechtsgrund zur Eintragung angemeldet
worden waren. Dies hätte für das erstangegangene Grundbuchamt an sich zureichend
Veranlassung gebildet, die eingereichte Anmeldung zurückzuweisen mit dem Vermerk,
dass diese mit den weiteren aus der Vermögensübertragung resultierenden
Anmeldungen zu ergänzen bzw. die Eintragungen - im Sinn des
Miteintragungsverfahrens - einzeln in derselben Anmeldung aufzuführen seien (vgl.
Fasel, a.a.O., Rz. 11 zu Art. 47 GBV). Vor diesem Hintergrund lässt sich die
Feststellung der Vorinstanz, wonach die öffentliche Urkunde (act. G 8/2/8) die
einheitliche Anmeldung einer Eintragung nicht ersetzen könne, nicht aufrechterhalten.
Zwar kann das E-Mail eines Mitarbeiters des Grundbuchamtes Uzwil vom 10. Juli 2013
(act. G 8/2/9) - wie im vorinstanzlichen Entscheid zutreffend festgehalten - nicht
dahingehend interpretiert werden, dass jenes Grundbuchamt im Rahmen eines
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Miteintragungsverfahrens für die anderen Grundbuchämter und mit Kenntnis derselben
tätig geworden wäre. Jedoch lässt sich der Umstand, dass dem Grundbuchamt der
Beschwerdegegnerin wie auch den weiteren Grundbuchämtern die
Feststellungsurkunde mit der Anmeldung zugegangen und diese zusammen mit der
Anmeldung ins Tagebuch eingetragen worden war (act. G 8/2/8), bei der Würdigung
nicht einfach ausklammern, zumal sich aus der Feststellungsurkunde nicht nur der
Rechtsgrund für die Eintragung, sondern auch die Notwendigkeit eines
Miteintragungsverfahrens ohne Weiteres ergibt.
3.3.3. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach die Anmeldung einer Miteintragung
eine einzige Anmeldung voraussetze, auf welcher sämtliche betroffenen Grundstücke
aufzuführen seien und eine solche vom Eigentümer bzw. dessen Bevollmächtigten
ausgehen bzw. vom Grundbuchamt nicht von sich aus vorgenommen werden dürfe,
auch wenn die Voraussetzungen der Miteintragung erfüllt wären (act. G 2 S. 6), erweist
sich mit Blick auf die vorstehend geschilderten Gegebenheiten als nicht überzeugend.
Die Berufung der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin auf die Formbindung des
Anmeldeverfahrens im Sinn einer strikten „Formularpflicht“ ohne Berücksichtigung der
Beilagen zur Anmeldung stellt vor dem dargelegten Hintergrund einen nicht durch
sachliche Gründe gerechtfertigten Formalismus dar; an einer gesetzlichen Anordnung
einer Formbindung im erwähnten Sinn fehlt es zum vornherein. Hieran vermag der
Umstand nichts zu ändern, dass dem von der Beschwerdeführerin beauftragten
Rechtsanwalt das Miteintragungsverfahren im Kanton St. Gallen von einer anderen
Grundbuchanmeldung vom Juni 2013 bekannt war (vgl. act. G 8/8 S. 1 unten, act. G 10
S. 2 unten), denn die hier streitige Anmeldung bezog sich in Verbindung mit der ihr
beigelegten Feststellungsurkunde (act. G 8/2/8) - im Sinn von Art. 72 EV zum ZGB - wie
dargelegt offensichtlich auf mehrere, in verschiedenen Grundbuchkreisen liegende
Grundstücke. Dementsprechend wäre von einem Miteintragungsverfahren auszugehen
und die Gebühren gestützt auf Nr. 40.01 GebTG festzulegen gewesen.
Auf die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach es sich beim erhobenen
Betrag von insgesamt Fr. 55‘000.-- nicht um eine Gebühr, sondern eine mit Blick auf
Art. 103 FusG unzulässige Gemengsteuer handle und sowohl das Kostendeckungs- als
auch das Äquivalenzprinzip verletzt seien (act. G 1 S. 7-10), braucht unter den
dargelegten Umständen nicht eingegangen zu werden. Dies gilt auch für das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorbringen, das erstangegangene Grundbuchamt habe vorgeschlagen, dass die
anderen Grundbuchämter separat angegangen werden sollten (act. G 1 S. 9 f., G 10 S.
2).
4.
4.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids gutzuheissen. Die Angelegenheit ist an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen mit der Anweisung, im Rahmen eines
Miteintragungsverfahrens für die Grundstücke gemäss Feststellungsurkunde vom 19.
Juni 2013 (act. G 8/2/8) die Grundbuchgebühr in Anwendung Nr. 40.01 GebTG unter
Berücksichtigung der Zuständigkeitsregelung von Art. 72 Abs. 1 in Verbindung mit Art.
51 Abs. 1 EV ZGB bzw. in Koordination mit allen an der Vermögensübertragung
beteiligten Grundbuchämtern neu festzusetzen.
4.2. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist für das vorliegende Verfahren angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung wird nicht
verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- wird
der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
In gleicher Weise sind auch die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens (Fr. 1‘500.--)
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen; der von der Beschwerdeführerin im
Rekursverfahren geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.-- ist ihr zurückzuerstatten.
4.3. Die Beschwerdeführerin hat sodann Anspruch auf eine Parteientschädigung für
das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis VRP). Ihr
Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die Entschädigung nach
Ermessen festzusetzen ist (Art. 6 und 19 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, HonO). Eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- zuzüglich Fr.
120.-- Barauslagen (4%) erweist sich als angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b und c HonO).
Die Beschwerdeführerin ist mehrwertsteuerpflichtig, weshalb sie die der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Honorarrechnung ihres Anwalts belastete Mehrwertsteuer als Vorsteuer in Abzug
bringen kann. Dementsprechend muss die Mehrwertsteuer bei der Bemessung der
ausseramtlichen Entschädigung nicht zusätzlich berücksichtigt werden (vgl. statt vieler
VerwGE B 2015/270 vom 22. Januar 2016, E. 7 mit Hinweis).