Decision ID: 1e2ad37f-6dde-4560-b1b1-23edbc4bbe93
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
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St.Galler Gerichte
S._ (Jg. 1960) meldete sich im Mai 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie war
geschieden und hatte zwei Kinder. Sie hatte den Beruf einer Damencoiffeuse erlernt.
Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am 6. Februar 2007, er habe folgende
Diagnosen gestellt: chronisches lumbovertebrales Syndrom, schwere Osteochondrose
L5/S1 mit Retrolisthesis, St. n. Spondylodese L4/5 und zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom. Weiter gab er an, die Versicherte sei seit dem 16. April 2002 bis auf
weiteres zu 50% arbeitsunfähig. Die seit Jahren progredienten Rückenschmerzen
hätten vor drei Jahren exazerbiert, worauf die Versicherte in der Schulthessklinik
operiert worden sei. Nach der Implantation eines Dynesissystems lumbal habe sich die
Situation im lumbalen Bereich gebessert. Dann habe das zervikale Syndrom
zugenommen. Es habe zu Schmerzen beim Anheben der Arme geführt. Am 10. Juli
2006 sei eine Facettengelenksinfiltration C5/6 und C6/7 erfolgt. Damit seien die
Schmerzen auf ein erträgliches Niveau abgesenkt worden. Die Versicherte klage über
starke Rückenschmerzen bei stehender Arbeit und über extreme Schmerzen in den
Armen mit Dysaesthesien bis in die Hände. Deshalb sei sie gezwungen, sich immer
wieder kurz hinzulegen. Nach einer halben Stunde Arbeit müsse sie eine Viertelstunde
liegen. Dr. med. A._ hielt abschliessend fest, dass eine adaptierte Tätigkeit
wechselnd sitzend und stehend ausgeübt werden müsse und dass sie nicht stereotyp
sein dürfe. Eine solche Tätigkeit sei zweimal zwei Stunden täglich mit genügend
Pausen zumutbar. Die attestierte Arbeitsfähigkeit sei in Teilzeit mit reduzierter Leistung
realisierbar. Die Arbeiten im Haushalt seien weitgehend zumutbar. Dr. med. B._ vom
RAD empfahl am 16. März 2007 eine orthopädische, nötigenfalls auch eine
psychiatrische Abklärung.
B.
Am 24. Mai 2007 erfolgte eine Haushaltabklärung. Gemäss dem entsprechenden
Bericht gab die Versicherte dabei an, sie arbeite stundenweise im Coiffeursalon ihrer
Schwester auf eigene Rechnung. Sie könnte wesentlich mehr Kunden betreuen, aber
aus gesundheitlichen Gründen sei das nicht möglich. Nach der Scheidung habe sie
eigentlich zu 80% einer Erwerbstätigkeit als Coiffeuse nachgehen wollen. Das habe sie
aufgrund der Gesundheitsbeeinträchtigung nie erreicht. Als seit 2001 alleinerziehende
Mutter sei sie auf einen Erwerb angewiesen. Die Kinder seien selbständig, so dass das
Pensum von 80% möglich wäre. Die Tochter absolviere eine Lehre als Coiffeuse. Der
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Sohn sei behindert und arbeite tagsüber in einer geschützten Werkstätte. Er sei jedoch
selbständig und brauche keine Betreuung bei den alltäglichen Verrichtungen. Kunden
für ein Pensum von 80% wären vorhanden. Sie könne an sich alle täglichen
Hausarbeiten in allen Bereichen selber erledigen. Für einige Tätigkeiten brauche sie
allerdings krankheitsbedingt mehr Zeit. Ausserdem komme die Spitex ein- bis zweimal
im Monat für zwei Stunden. Die Schwester und auch die Kinder könnten mithelfen. Die
Abklärungsperson der IV-Stelle hielt im Bericht abschliessend fest, den im selben
Haushalt wohnenden Personen sei praxisgemäss eine tägliche Mithilfe von 45 Min.
zumutbar. Dadurch könne die Einschränkung vollständig ausgeglichen werden. Die
Versicherte sei also im Haushalt nicht eingeschränkt.
C.
Dr. med. C._ berichtete in seinem psychiatrischen Gutachten vom 7. Dezember
2007, die Versicherte leide an einer chronischen depressiven Verstimmung (Dysthymie)
mit rezidivierend verstärkten depressiven Episoden, an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung, an einem chronischen LWS-Schmerzsyndrom mit
Zustand nach Spondylodese L4/L5/S1 und an einem chronischen HWS-
Schmerzsyndrom. Die Schmerzen träten verstärkt in Verbindung mit emotionalen
Konflikten und psychosozialen Problemen auf und es komme im Rahmen der
zugrundeliegenden depressiven Verstimmung zu gestörter Schmerzverarbeitung und
verstärkter Schmerzwahrnehmung. Bei einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung handle es sich um eine psychisch entlastende Konfliktbewältigung mit
zunehmender Beeinträchtigung in allen Belangen des Lebens, nachdem bereits seit
Jahrzehnten ein chronifizierter Krankheitsverlauf mit chronischen LWS-Beschwerden
bestehe. Aufgrund der seit Jahren bestehenden chronisch depressiven Verstimmungen
mit verstärkt depressiven Episoden in Belastungssituationen verfüge die Versicherte
nicht mehr über die notwendigen Ressourcen im Umgang mit den Schmerzen, so dass
die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung stark eingeschränkt seien.
Aus rein psychiatrischer Sicht sei die Arbeit als Coiffeuse an acht Stunden pro Tag
zumutbar, wobei die Leistung zu 40% vermindert sei. In einer adaptierten Tätigkeit
ohne erhöhte psychische Belastung, ohne erhöhte Konzentration und ohne Zeitdruck
betrage die Arbeitsfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht 70%. Aufgrund der
depressiven Erkrankung seien die Ressourcen für den Umgang mit den Schmerzen
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und für die Schmerzbewältigung eingeschränkt, so dass die Voraussetzungen für eine
zumutbare Willensanstrengung reduziert seien.
D.
Der Orthopäde Dr. med. D._ berichtete in seinem Hauptgutachten vom
14. September 2007, gemäss den Angaben der Versicherten hätten die lumbalen
Schmerzen im Vergleich zum voroperativen Zustand seit 2003 an Intensität
abgenommen, aber sie strahlten dafür vermehrt in den Oberschenkel lateral rechts und
links aus. Sie störten den Schlaf. Das Sitzen sei eingeschränkt. Das Gehen sei auf eine
Stunde beschränkt. Die Versicherte brauche täglich Analgetika. Bei ergonomisch
korrektem Bücken und Heben/Tragen von Lasten sei die Versicherte schmerzfrei. Im
Bereich der Grosszehe rechts und links und am lateralen Fussrand rechts bestehe eine
Gefühllosigkeit. Seit dem Sturz im Jahr 2004 manifestierten sich zunehmende
drückende Nackenschmerzen mit Ausstrahlungen in die linke Schulter, die den Schlaf
beeinträchtigten. Das Sitzen und das Gehen seien primär durch die lumbalen
Schmerzen eingeschränkt. Das Bücken und das Heben/Tragen von Lasten seien
dolent. Die Versicherte verwende regelmässig Schmerzmittel. Sie habe eine
Hyposensibilität des linken Daumens und eine Kraftminderung der linken Hand
angegeben. Dr. med. D._ gab folgende Diagnosen an: Schmerzpersistenz bei St. n.
transpedikulärer semirigider Dynesysspondylodese L4 bis S1 (01/03), mässige
Osteochondrose nach Spondylose C5 bis C7 ohne neurale Kompression, kleine
mediane subligamentäre Diskushernie C3/4 ohne neurale Kompression, Adipositas,
chronische depressive Verstimmung (Dysthymie) mit rezidivierend verstärkt
auftretenden depressiven Episoden und anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Er
führte dazu aus, die Ursache der lumbalen Schmerzen sei bei einem regelrechten
postoperativen radiologischen Befund nicht vollumfänglich zu erklären. Allerdings
persistiere nicht selten nach Wirbelsäuleneingriffen ein Schmerzsyndrom, für das keine
objektiven Gründe erhoben werden könnten. Die Nackenschmerzen seien grösstenteils
durch die im Röntgenbild sichtbaren degenerativen Veränderungen der HWS zu
erklären. Die gemeinsame orthopädisch-psychiatrische Beurteilung vom 23. Januar
2008 habe eine Arbeitsfähigkeit der Versicherten als Coiffeuse bei voller
Stundenpräsenz seit 2002 von 60% und als Hausfrau von 90% ergeben, weil
vorwiegend stehende Tätigkeiten mit häufigem inklinierten, reklinierten oder rotierten
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Körperhaltungen nicht mehr voll zumutbar seien. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe
bei voller Stundenpräsenz eine Arbeitsfähigkeit von 70%. Es müsse sich um eine
leichte Tätigkeit ohne erhöhte psychische Belastung, ohne Konzentration und ohne
Zeitdruck handeln. Die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung seien
stark eingeschränkt.
E.
Dr. med. B._ vom RAD hielt dazu am 11. Februar 2008 fest, es liege ein
widerspruchsfreies, konsistentes und nachvollziehbares bidisziplinäres Gutachten vor.
In körperlich leichten Tätigkeiten, die in temperierten Räumen abwechslungsweise
sitzend und stehend ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei regelmässig
inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände
über 10 kg gehoben oder getragen werden müssten, und die nicht mit einer erhöhten
psychischen Belastung, mit erhöhter Konzentration oder mit erhöhtem Zeitdruck
verbunden seien, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70%. Als Coiffeuse sei die
Versicherte seit 2002 zu 60% arbeitsfähig. In ihrem Schlussbericht vom 17. Mai 2008
hielt die Eingliederungsberaterin fest, die Versicherte könne gemäss eigenen Angaben
nur stundenweise im Coiffeursalon der Schwester arbeiten. Dort sei sie flexibel, d.h. sie
könne die Kundschaft ihrem momentanen Schmerzzustand entsprechend einteilen und
sie könne wechselnd sitzen oder stehen. Sie wolle keinen anderen Beruf ausüben.
F.
Bei der Invaliditätsbemessung ging die IV-Stelle von einer Aufteilung ohne den
Gesundheitsschaden von 80% Erwerbstätigkeit und 20% Haushaltsbesorgung aus. Für
die Arbeit im Haushalt stellte sie auf eine Arbeitsunfähigkeit von 10% ab. Daraus
resultierte ein anteilsmässiger Invaliditätsgrad von 2%. Beim Einkommensvergleich zur
Ermittlung der Invalidität im Erwerb berücksichtigte die IV-Stelle gestützt auf einen
Durchschnittslohn (Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2008, persönliche
Dienstleistungen, Anforderungsniveau 3) ein Valideneinkommen von Fr. 34'901.60. Das
entsprach 80% dieses Durchschnittslohns. Diesem Valideneinkommen stellte sie ein
zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 28'493.- gegenüber. Der daraus resultierende
anteilige Invaliditätsgrad belief sich auf 18,36%. Dem Erwerbsanteil von 80%
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entsprechend berücksichtigte die IV-Stelle aber nur 14,7%. Zusammen mit dem
anteiligen Invaliditätsgrad im Haushalt von 2% resultierte ein Gesamtinvaliditätsgrad
von 17%.
G.
Mit einem Vorbescheid vom 31. Juli 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
sie beabsichtige, das Rentengesuch abzuweisen. Die Versicherte wandte am 15.
September 2008 ein, sämtliche Beurteilungen der Untersuchung entsprächen nicht
ihrem effektiven Gesundheitszustand. Sie beantrage eine neue Untersuchung ihres
Invaliditätsgrades. Die neuen Untersuchungen sollten nur im Beisein ihrer
behandelnden Ärzte ausgeführt werden. Dr. med. A._ hatte am 5. September 2008
angegeben, bei einem Arbeitspensum von 50% sei die Versicherte schmerzbedingt
knapp kompensiert. Arbeiten von mehr als 5 Std. pro Tag müssten am folgenden Tag
durch eine verminderte Arbeitszeit zufolge Schmerzexazerbation kompensiert werden.
Als Arbeitszeit seien auch die Haushaltsarbeiten zu berücksichtigen. Mit einer
Verfügung vom 18. September 2008 wies die IV-Stelle das Rentengesuch der
Versicherten ab. Zur Begründung machte sie insbesondere geltend, es seien keine
medizinisch objektivierbaren wesentlichen Änderungen des Befundes oder der
Symptome mitgeteilt worden. Deshalb sei auf das Gutachten abzustellen.
H.
Die Versicherte erhob am 1. Oktober 2008 Beschwerde gegen diese Verfügung. Am
5. November 2008 machte sie geltend, bei der Prüfung ihres Rentenanspruchs sei die
gegebene Situation nicht einbezogen worden. Es sei nicht möglich gewesen, innerhalb
einer Stunde ihren effektiven Gesundheitszustand zu diagnostizieren. Da ihre Ärzte zu
einer anderen Diagnose gekommen seien, sei eine neue Prüfung der Sachlage
notwendig. Gemäss dem beiliegenden Bericht von Dr. med. E._ und von Dr. A._
vom 3. November 2008 war die Versicherte unter regelmässiger Behandlung mit
schulmedizinischen Analgetika, Phytotherapie und Akupunktur nur mit Mühe in der
Lage, ein ca. 50%iges Pensum als Coiffeuse zu erfüllen. Allfällige Mehrbelastungen
führten unmittelbar zu einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden und damit
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zu einer zusätzlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Abschliessend wurde
festgehalten, die Versicherte vermöge kein Pensum von 80% zu erfüllen.
I.
Die IV-Stelle beantragte am 7. Januar 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie
begründete diesen Antrag damit, dass der Meinung neutraler Experten ein grösserer
Stellenwert beizumessen sei als derjenigen der behandelnden Ärzte. Das Gutachten sei
widerspruchsfrei, konsistent und nachvollziehbar. Es gehe nicht an, eine neue
Untersuchung zu verlangen, weil die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen nicht
wie erhofft ausgefallen seien. Die Versicherte könne nichts daraus ableiten, dass sie
ihre Restarbeitsfähigkeit nicht voll ausschöpfe.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 IVG bestimmt sich die Invalidität
einer erwachsenen Person nach der Unmöglichkeit, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen, wenn dieser Person nicht zugemutet werden kann, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies gilt auch für Personen, die nur zum Teil
erwerbstätig und daneben in einem Aufgabenbereich tätig sind (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Gemäss Art. 27bis IVV erfolgt nur ein Einkommensvergleich, wenn anzunehmen ist,
dass die teilerwerbstätige Person ohne den Gesundheitsschaden ganztägig
erwerbstätig wäre. In ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob
und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den
Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen
Verhaltensweise der versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dabei
abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamte Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren
berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen ausschlaggebend sein.
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Abzustellen sei auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie
sich bis zum massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V
150). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hält sich seit dem
Bundesgerichtsurteil vom 6. August 2007 (I 126/07) an diese Methode, dies entgegen
einer früheren Praxis, die auf eine objektive Zumutbarkeit im fiktiven "Gesundheitsfall"
abstellte (vgl. statt vieler das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 26. November 2008, IV 2007/332).
1.2 Käme weiterhin die frühere Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen zur Anwendung, wäre die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall"
objektiv in der Lage, vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, so dass die
Invalidität anhand eines reinen Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG zu ermitteln
wäre. In der massgebenden Zeit ab Juni 2005 (nach der auf den vorliegenden Fall
anwendbaren Übergangsregelung zur 5. IV-Revision wäre der Rentenanspruch für die
zwölf der Anmeldung vorangegangenen Monate zu prüfen) waren die beiden Kinder
nämlich nicht mehr darauf angewiesen, von der Mutter tagsüber, während der üblichen
Arbeitszeiten, betreut zu werden. Ausserdem wäre es der Beschwerdeführerin
weitgehend möglich gewesen, ihre Kunden zu jenen Zeiten zu frisieren, in denen die
Kinder in der Schule oder am Arbeitsplatz gewesen wären. Die Haushaltsarbeit hätte
bei voller Gesundheit ausserhalb der Arbeitszeit erledigt werden können, ohne eine
unzumutbare Belastung der – fiktiv gesunden – Beschwerdeführerin zu bewirken, denn
die Kinder hätten mithelfen können.
Da die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu dieser Frage Anwendung findet, muss
von einer Erwerbsquote im fiktiven "Gesundheitsfall" von lediglich 80% ausgegangen
werden. Die Beschwerdeführerin hat diese Quote nicht nur für die erste Zeit nach der
Scheidung, sondern auch für den hier relevanten Zeitraum ab Juni 2005 angegeben
und nichts deutet darauf hin, dass sie nicht in der Lage gewesen wäre, sich in die
Situation bei fiktiv vollständig erhaltener Gesundheit zu versetzen. Es liegt deshalb eine
überzeugende Aussage der Beschwerdeführerin vor, auf die abzustellen ist. Das
bedeutet, dass die sogenannte "gemischte Methode" der Invaliditätsbemessung zur
Anwendung gelangen muss, wobei der Erwerbsteil 80% und der Haushaltteil 20%
ausmachen.
2.
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2.1 Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach der in der Lehre (vgl. Franz
Schlauri, Das Rechnen mit Arbeitsunfähigkeiten in Beruf und Haushalt in der
gemischten Methode der Invaliditätsbemessung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.],
Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 307 ff.) und früher auch von
kantonalen Versicherungsgerichten (vgl. etwa das Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 9. August 2005, IV 2005/21) vertretenen Auffassung bemisst
sich der anteilige Invaliditätsgrad für den erwerblichen Teil der gemischten Methode
anhand eines Einkommensvergleichs, der sich auf eine fiktive Vollbeschäftigung
bezieht und dessen Ergebnis dann um die Erwerbsquote reduziert wird. Demnach wäre
im vorliegenden Fall das Einkommen, das die Beschwerdeführerin ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung bei einem Beschäftigungsgrad von 100% erzielen könnte
(Valideneinkommen), demjenigen Einkommen gegenüberzustellen, das sie aufgrund
ihrer verbliebenen Arbeitsfähigkeit noch erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen). Der daraus resultierende Invaliditätsgrad wäre dann auf die
Erwerbsquote der Beschwerdeführerin herabzusetzen. Nun kommt auf den
vorliegenden Fall aber die bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. etwa das Urteil
vom 14. August 2008, 9C_213/2009) zur Anwendung. Nach dieser Rechtsprechung ist
das Erwerbseinkommen, das die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" bei
einem Beschäftigungsgrad von 80% erzielen würde (Valideneinkommen), jenem
Erwerbseinkommen gegenüberzustellen, das die Beschwerdeführerin bei Ausnützung
der ihr verbliebenen Restarbeitsfähigkeit realisieren könnte (Invalideneinkommen).
2.2 Die Beschwerdeführerin ist gemäss den Angaben im Gutachten D._/C._ im
erlernten Beruf einer Damencoiffeuse zu 60% arbeitsfähig. In einer den körperlichen
und den psychischen Beeinträchtigungen angepassten Erwerbstätigkeit beträgt die
Arbeitsfähigkeit nach der Auffassung dieser beiden Sachverständigen 70%. Die
Beschwerdeführerin behauptet, diese Schätzungen seien viel zu optimistisch
ausgefallen. In bezug auf die Arbeitsfähigkeit als Coiffeuse beträgt die Differenz
zwischen der von der Sachverständigen ermittelten Arbeitsfähigkeit (60%) und der von
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Dr. med. A._ angegebenen Arbeitsfähigkeit (50%) nur 10% einer vollen
Arbeitsfähigkeit. Für die von den Sachverständigen definierte behinderungsadaptierte
Erwerbstätigkeit fehlt eine klare Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. A._. Die
Sachverständigen haben hier eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 70%
angenommen. Auf diese Arbeitsfähigkeit kann bei der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens allerdings nicht abgestellt werden, denn damit würde im
Ergebnis von der Beschwerdeführerin verlangt, zu 70% einer
behinderungsangepassten Hilfsarbeit nachzugehen. Das wäre der Beschwerdeführerin
nicht zumutbar, denn als qualifizierte und erfahrene Berufsfrau hätte sie in einen
gleichwertigen Beruf umgeschult werden müssen. Das zumutbare Invalideneinkommen
müsste dann anhand des bei einem Beschäftigungsgrad von 70% im neuen Beruf zu
erzielenden Lohnes ermittelt werden. Die Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit könnte also nur dann die Grundlage der
Berechnung des zumutbaren Invalideneinkommens sein, wenn die Beschwerdeführerin
zuvor umgeschult worden wäre. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht darauf
verzichtet, auf einer Umschulung in einen behinderungsadaptierten Beruf zu beharren,
denn der "Eingliederungsgewinn" hätte als Folge der kleinen Differenz in der
Arbeitsfähigkeit nur sehr bescheiden ausfallen können. Ausserdem wäre es nicht leicht
gewesen, einen den Neigungen und Fähigkeiten der Beschwerdeführerin Rechnung
tragenden und sowohl den somatischen als insbesondere auch den psychischen (kein
Zeitdruck, kein erhöhter Konzentrationsbedarf, keine erhöhte psychische Belastung)
Beeinträchtigungen gerecht werdenden Beruf zu finden und dann die
Beschwerdeführerin zu bewegen, trotz der Freude am erlernten Beruf engagiert diesen
neuen Beruf zu erlernen. Diese Umstände sind von der Beschwerdegegnerin zu Recht
so gewürdigt worden, dass keine Umschulungspflicht bestehe. Da die Ausübung einer
Hilfsarbeit nicht zumutbar (und wohl aufgrund des dort tieferen Lohnniveaus auch nicht
ausreichend eingliederungswirksam) ist, besteht die Invalidenkarriere der
Beschwerdeführerin in der effektiven erwerblichen Situation im erlernten Beruf am
effektiven Arbeitsplatz. Da auch die Validenkarriere durch die bestehende erwerbliche
Situation definiert wird, weil die Beschwerdeführerin gemäss ihren überzeugenden
Angaben im fiktiven "Gesundheitsfall" zu 80% im Coiffeursalon ihrer Schwester tätig
wäre, kann der Einkommensvergleich auf einen sogenannten Prozentvergleich
reduziert werden.
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2.3 Zu prüfen bleibt, ob die Arbeitsfähigkeitsschätzung der beiden Sachverständigen
als überwiegend wahrscheinlich richtig zu qualifizieren ist. In bezug auf die
psychiatrische Abklärung ist diese Frage zu bejahen. Die Behauptung der
Beschwerdeführerin, die Untersuchung habe nur ganz kurz gedauert, vermag nicht zu
überzeugen. Dr. med. C._ hat ausführlich und überzeugend dargelegt, weshalb die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation nicht in der Lage ist,
mittels einer zumutbaren Willensanstrengung wieder mit voller Leistung einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die orthopädische Abklärung hat in einem äusserst
knapp begründeten Gutachten ihren Niederschlag gefunden. Insbesondere fehlt eine
vertiefte Auseinandersetzung mit dem anlässlich der Haushaltabklärung geklagten
Einschlafgefühl in den Armen und Händen, das bei einer Damencoiffeuse
nachvollziehbar eine erhebliche Behinderung darstellen kann. Allerdings hat die
Beschwerdeführerin diese Beschwerden anlässlich der orthopädischen Untersuchung
nicht mehr angegeben. Wie es sich mit dem Einschlafen der Arme und der Hände bei
der Arbeit verhält, hat im Ergebnis wohl offen bleiben können, denn die durch das
Rückenleiden bedingte Notwendigkeit, immer wieder Pausen einzulegen, dient auch
dazu, allfällige Einschlafgefühle in den Armen und den Beinen wieder abklingen zu
lassen. Diesem regelmässigen Pausenbedarf kann die Beschwerdeführerin an ihrem
Arbeitsplatz ohne weiteres Rechnung tragen, da sie nicht wie eine Angestellte in eine
feste Betriebsstruktur eingebunden ist, sondern ihre Arbeit frei einteilen kann. Sie kann
die Termine mit ihren Kundinnen so vereinbaren, dass sie jeweils eine Pause machen
kann, bis die nächste Kundin eintrifft. Ein grosser Teil der Arbeit kann im Sitzen
erfolgen und es besteht immer wieder einmal die Möglichkeit, die Arme einige Zeit
hängen zu lassen oder zur Lockerung auszuschütteln und sich damit zu erholen. Unter
diesen Umständen kann auch das somatische Gutachten als überzeugend qualifiziert
werden. Daran vermag die abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med.
A._ nichts zu ändern, denn die geringe Differenz in der Arbeitsfähigkeit lässt sich
ohne weiteres damit erklären, dass behandelnde Ärzte erfahrungsgemäss die
Arbeitsfähigkeit ihrer Patienten pessimistischer einschätzen als unabhängige
medizinische Sachverständige. Das beruht einerseits auf dem Therapieverhältnis, das
den Arzt dazu neigen lässt, die Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten ernst zu
nehmen, und andererseits auf dem Umstand, dass sich die langjährigen
Therapiebemühungen als erfolglos erwiesen haben, so dass es naheliegt, die
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Leistungseinbusse auf der Grundlage der vom Patienten dauernd demonstrierten
Arbeitsunfähigkeit einzuschätzen. Medizinische Sachverständige haben keinen
Therapieauftrag und sie stehen zum Exploranden nicht in einem Vertrags- und
Vertrauensverhältnis, d.h. sie arbeiten unabhängig. Praxisgemäss ist ihren Gutachten
deshalb in Fällen wie dem vorliegenden, in denen weder Zweifel an der gutachterlichen
Unabhängigkeit geweckt worden sind noch eine besonders objektive Berichterstattung
eines behandelnden Arztes vorliegt, eine höhere beweisrechtliche Überzeugungskraft
beizumessen als den Arbeitsfähigkeitsschätzungen behandelnder Ärzte. Die
Beschwerdeführerin ist somit als Damencoiffeuse nicht zu 50%, sondern mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 60% arbeitsfähig.
2.4 Nach der bundesgerichtlichen Praxis kann die Beschwerdeführerin von den im
fiktiven "Gesundheitsfall" zu erfüllenden 80% noch 60% leisten. Die
behinderungsbedingte Einbusse von 25% entspricht bei einem Erwerbsanteil von 80%
einem anteiligen Invaliditätsgrad von 20%. Ein indirekt behinderungsbedingter Nachteil
(in der Verwaltungspraxis fälschlicherweise als "Leidensabzug" bezeichnet),
beispielsweise aufgrund der durch die zusätzlichen Pausen bedingten Verlangsamung
bei der Arbeit oder aufgrund des Umstands, dass der Arbeitsplatz mit den
entsprechenden laufenden Fixkosten nicht voll genutzt werden kann, mag zwar
bestehen, erreicht aber keinen relevanten Umfang, denn die Arbeit wird im
Coiffeursalon der Schwester ausgeübt. Für den erwerblichen Teil der
Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode resultiert also eine Invalidität von
20%. Im Rahmen des Berichts über die Haushaltabklärung ist noch davon
ausgegangen worden, dass die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin durch die
Mithilfe der Kinder und allenfalls der Schwester kompensiert werde. Diese Auffassung
beruht auf einer – zu Recht – kritisierten Bundesgerichtspraxis (vgl. Hardy Landolt,
Hauswirtschaftliche Schadenminderungspflicht von Angehörigen bei der
Invaliditätsbemessung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.],
Sozialversicherungsrechtstagung 2007, S. 115 ff.), die nicht die Invalidität der
versicherten Person, sondern die Leistungsfähigkeit der versicherten Person und der
Familienangehörigen als Team bemisst. Diese Gesamtleistungsfähigkeit hat
offenkundig nichts mit der verbliebenen Leistungsfähigkeit, d.h. mit der Invalidität der
versicherten Person zu tun (vgl. etwa das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 2. November 2009, IV 2008/221). Im vorliegenden Fall hat die
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Beschwerdegegnerin auf eine Berücksichtigung der Mithilfe der beiden Kinder der
Beschwerdeführerin verzichtet. Sie hat nämlich – der Arbeitsunfähigkeitsschätzung im
Gutachten (90%) entsprechend – einen Zehntel des Haushaltsanteils von 20%, also
2% als anteilige Invalidität ermittelt. Zusammen mit der anteiligen erwerblichen
Invalidität von 20% resultiert also nach der vom Bundesgericht als korrekt erachteten
Version der gemischten Methode ein Gesamtinvaliditätsgrad von 22%. Selbst bei
einem zusätzlichen Abzug von höchstens 15% zufolge der sogenannten
Wechselwirkung (vgl. BGE 134 V 9 ff.) würde ein Gesamtinvaliditätsgrad von weit
weniger als 40% resultieren. Da damit die untere Grenze gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG
nicht erreicht ist, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin verneint.
3.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die vollumfänglich unterliegende
Beschwerdeführerin hat die Verfahrenskosten zu tragen. Massgebend für die Höhe der
Gerichtsgebühr ist der Verfahrensaufwand (Art. 29 Abs. 1 IVG). Da es sich um ein
durchschnittliches Beschwerdeverfahren handelt, wird die Gerichtsgebühr
praxisgemäss auf Fr. 600.- festgesetzt. Sie ist durch den in gleicher Höhe geleisteten
Vorschuss gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG