Decision ID: 46308c20-a11c-46a0-9ef1-5466e3dcff81
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war seit 30. Oktober 2018 bei der B._ tätig und
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva)
insbesondere gegen die Folgen von Berufsunfällen versichert. Am 1. März 2021 stürzte
die Versicherte während ihrer Arbeit beim Putzen eine Treppe hinunter und zog sich
dabei eine Prellung des Steissbeins zu (vgl. Unfallmeldung vom 5. März 2021, Suva-
act. 1).
A.a.
Die Versicherte wurde am Unfalltag per Sanität in die Klinik C._ gebracht. Dort
diagnostizierten die behandelnden Ärzte eine Rücken- und linksseitige
Beckenkontusion. Die am Unfalltag durchgeführte CT-Polytraumaspirale ergab
unauffällige Befunde entlang der Wirbelsäule und im Bereich des Schädels. Es wurden
keine Frakturen oder sonstigen Traumafolgen festgestellt. Hingegen waren
hyperostotische Spondylosen ventral und rechts lateral entlang der unteren BWS sowie
Osteochondrosen L4/5 und L5/S1 ersichtlich (Suva-act. 22 und 23). Die Versicherte
wurde noch am gleichen Tag nach Hause entlassen (Suva-act 41). Am 4. März 2021
suchte sie ihren Hausarzt, Dr. med. univ. D._, Praktischer Arzt, auf. Die Versicherte
gab Schmerzen in der linken Schulter, der linken Hüfte und dem linken Knie an. Dr.
D._ erhob das morphologische sowie funktionelle Schadensbild und diagnostizierte
sodann eine aktivierte Bursitis subacromialis der Schulter links, Status nach
Treppensturz mit Hüft- und Beckenkontusion (vgl. Arztzeugnis UVG vom 21. Juni 2021,
Suva-act. 45). In seiner Verordnung zur Physiotherapie vom 4. März 2021 hielt Dr.
D._ die Diagnose einer Kontusion der Schulter links und der Hüfte links fest (Suva-
A.b.
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act. 13). Im Spital E._, Klinik für Orthopädie und Traumatologie (nachfolgend: Spital
E._), wurde am 12. März 2021 ein Röntgenuntersuch der linken Schulter
durchgeführt. Es zeigte sich ein dezenter Humeruskopfhochstand bei Acromion Bigliani
II und ein kritischer Schulterwinkel mit 36° pathologisch. Hingegen wurden keine
knöchernen Läsionen festgestellt (Suva-act. 28). Am 19. März 2021 fand ausserdem
eine Sonographie des linken Schultergelenks statt. Infolge eingeschränkter
Beurteilbarkeit, entschloss man sich für die Durchführung eines MRI-Untersuchs (Suva-
act. 29). Überdies wurde im F._ am 19. März 2021 eine Röntgenuntersuchung der
Lendenwirbelsäule (LWS) durchgeführt. Diese ergab eine moderate Osteochondrosis
intervertebralis im Segment LWK4/5 und LWK5/SWK1 sowie bilaterale
Spondylarthrosen lumbosakral. Ausserdem wurden eine Subluxation im distalen
Coccygealgelenk, eine kortikale Konturirregularität am proximalen coccygealen
Segment (differentialdiagnostisch: Fraktur) sowie eine moderate Arthrose der
Symphysis pubica festgestellt (Suva-act. 32). Am 26. März 2021 wurde im Spital E._
mit der Versicherten der am 12. März 2021 durchgeführte MRI-Untersuch der linken
Schulter (Suva-act. 31) besprochen, in welchem jedoch keine pathologischen Befunde
erhoben worden waren. Aufgrund der persistierenden Kribbelgefühle das linke Bein
hinab, riet der behandelnde Arzt zudem zu einem MRI der LWS, um eine Affektion der
L5-Nervenwurzel auszuschliessen (Suva-act. 30). Dieses erfolgte am 8. April 2021 im
F._. Dabei wurden als Befunde moderate Osteochondrosen LWK4/5, LWK5/SWK1
mit geringem Knochenmarksödem und moderate Bandscheibenhernien LWK4/5,
LWK5/SWK1, je mit rezessalem Kontakt zur Nervenwurzel S1 beidseits und ohne
eindeutigen Nachweis einer Kompression nervaler Strukturen, geringe muldenförmige
Deck- und Grundplattenirregularitäten im posterioren Wirbelkörperdrittel BWK11-
LWK3, vereinbar mit Chordarückbildungsstörungen, sowie eine geringe ISG-Arthrose
beidseits festgestellt (Suva-act. 38).
Aufgrund der Verlängerung der mit Arztzeugnissen ausgewiesenen
Arbeitsunfähigkeit erfolgte am 23. April 2021 eine weitere Unfallmeldung bezogen auf
das Unfallereignis vom 1. März 2021. Darin gab die Arbeitgeberin als Verletzung einen
Bruch des Steissbeins an (Suva-act. 12).
A.c.
Am 30. Juni 2021 erfolgte eine telefonische Konsultation des behandelnden Arztes
des Spitals E._, Klinik für Innere Medizin. Dieser hielt im entsprechenden Bericht fest,
A.d.
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dass sich die initial bestehenden Schulterschmerzen zurückgebildet hätten. Hingegen
würden die linksseitigen Beinschmerzen nach nunmehr mehreren Monaten persistieren
(Suva-act. 53).
Am 6. Juli holte die Suva eine Beurteilung der medizinischen Situation durch den
Kreisarzt Dr. med. G._, Facharzt für Chirurgie, speziell Allgemeinchirurgie und
Traumatologie, ein. Dieser ging in Bezug auf die festgestellten Pathologien im Bereich
des Rückens von einem Vorzustand aus und verneinte überwiegend wahrscheinliche
strukturelle Traumafolgen. Die erlittene Prellung sei zwei Monate nach dem
Unfallereignis als abgeheilt zu betrachten (Suva-act. 49).
A.e.
Am 12. Juli 2021 wurde im Spital E._ eine weitere Untersuchung durchgeführt.
Der untersuchende Arzt stellte in Bezug auf die anhaltenden Rückenbeschwerden die
Diagnose eines chronischen lumboradikulären Schmerzsyndroms L5/S1 links (Suva-
act. 57).
A.f.
Kreisarzt Dr. G._ nahm am 12. August 2021 zusätzlich zu den im Arztzeugnis
UVG erwähnten Schulter-, Hüft- und Kniebeschwerden Stellung. Bezüglich Knie und
Hüfte links würden sich ausser im Arztzeugnis UVG keine Angaben mehr in den
medizinischen Akten finden. Einzig die Schulter sei mittels MRI weiter abgeklärt
worden. Dabei hätten keine unfallkausalen strukturellen Läsionen nachgewiesen
werden können, so dass an Schulter links, Hüfte links und Knie links maximal von
Kontusionen ausgegangen werden könne. Diese seien nach acht Wochen als abgeheilt
zu beurteilen (Suva-act. 58).
A.g.
Mit Schreiben vom 12. August 2021 (versehentlich datiert auf den 9. Juli 2021, vgl.
Suva-act. 65) teilte die Suva der Versicherten mit, dass sie ihre Leistungspflicht
aufgrund des Heilverlaufs neu geprüft habe. Gemäss der Beurteilung des Kreisarztes
seien die heute bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt. Der Zustand, wie
er sich auch ohne den Unfall vom 1. März 2021 eingestellt hätte, sei gemäss
medizinischer Beurteilung spätestens nach zwei Monaten erreicht gewesen. Diese
Sachlage würde die Suva dazu verpflichten, den Fall per 31. August 2021
abzuschliessen und den Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen abzulehnen.
Die Versicherungsleistungen würden auf diesen Zeitpunkt eingestellt werden (Suva-act.
A.h.
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59). Am 19. August 2021 teilte die Versicherte der Suva telefonisch mit, dass sie mit
der geplanten Leistungseinstellung nicht einverstanden sei (Suva-act. 66).
Im Bericht zu einer Abklärung im Spital E._ vom 25. August 2021 stellten die
untersuchenden Ärzte die Diagnose einer aktivierten Bursitis subacromialis der
Schulter links, posttraumatisch mit Partialläsion der Supraspinatussehne bursaseitig
(Suva-act. 69). Im Bericht des Kantonsspitals St. Gallen, Ostschweizer
Wirbelsäulenzentrum (nachfolgend: KSSG) zur Untersuchung vom 1. September 2021,
wird festgehalten, dass sich ein deutlich protrahierter Verlauf der lumboradikulären
Schmerzen links zeige. Klinisch würden sich sowohl das Dermatom L5 mit der
Fussheberparese sowie das Dermatom S1 mit der Schmerzsymptomatik und
Hyposensibilität betroffen zeigen. Dazu passend würden sich in der externen
Bildgebung breitbasige Bandscheibenprotrusionen LWK4/5 und LWK5/SWK1 finden
(Suva-act. 73). Am 15. September 2021 wurde im F._ nochmals ein MRI der
Wirbelsäule durchgeführt. Dieses ergab im Bereich der BWK11-LWK4 unverändert
normale Segmente mit teils vorbestehenden Endplattenhernierungen. Im Bereich
LWK4/5 wurden ein vorbestehend dehydrierter Diskus mit breitbasiger, zentral betonter
Protrusion und geringer rezessaler Enge beidseits ohne neurale Kompression, ein
peripherer Einriss des Anulus fibrosus, ein gering zunehmendes subkortikales Ödem
der angrenzenden Endplatten von LWK4 und LWK5 sowie neu ein kleines
Facettengelenksganglion rechts dorsal bei vorbestehender Spondylarthrose beidseits
festgestellt. Im Bereich LWK5/SWK1 wurde ebenfalls ein vorbestehend dehydrierter
Diskus mit breitbasiger zentral betonter Protrusion und rezessaler Enge beidseits, links
betont, mit Kontakt zur Radix S1 beidseits ohne sichere neurale Kompression, ein
persistierendes gering regredientes subkortikales Ödem der Deckplatte SWK1, ein
peripherer Einriss des Anulus fibrosus sowie ein gering grössenprogredientes
periartikuläres Ganglion des Facettengelenks LWK5/SWK1 rechts dorsal festgestellt.
Die perivertebralen Weichteile stellten sich normal dar (Suva-act. 74).
A.i.
Am 29. September 2021 beurteilte Kreisarzt Dr. G._ die medizinische Situation
erneut. Dabei hielt er insbesondere fest, dass gemäss den bildgebenden
Untersuchungen deutliche degenerative Vorbefunde im Rückenbereich vorliegen
würden. Unfallbedingte strukturelle Läsionen liessen sich nicht nachweisen. Durch den
Unfall sei es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des degenerativen
A.j.
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B.
C.
Vorzustandes an der Lendenwirbelsäule gekommen, weshalb an den früheren
Beurteilungen festgehalten werden könne (Suva- act. 77).
Gestützt auf diese Beurteilung stellte die Suva mit Verfügung vom 29. September
2021 ihre Versicherungsleistungen per 31. August 2021 ein, da der Zustand, wie er sich
auch ohne den Unfall vom 1. März 2021 eingestellt hätte, spätestens nach zwei
Monaten erreicht worden sei (Suva- act. 79).
A.k.
Mit Schreiben vom 7. Oktober 2021 erhob die Versicherte Einsprache gegen die
Verfügung vom 29. September 2021 (Suva-act. 86).
B.a.
Am 17. November 2021 ersuchte Hausarzt Dr. D._ die Suva um
Wiederaufnahme der Zahlungen, da die Versicherte seit dem Treppensturz am 1. März
2021 unter ausgeprägten Wirbelsäulenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Beine
leide. Diese Beschwerden seien unfallereignisassoziiert (Suva-act. 94 S. 1). Seinem
Schreiben legte er die Berichte der behandelnden Ärzte des KSSG, betreffend
Konsultationen vom 1. und 20. September sowie 27. Oktober 2021 bei (beim Bericht
zur Sprechstunde vom 1. September 2021 handelt es sich um Suva-act. 73; im
Telefonkonsil vom 20. September 2021 besprachen die behandelnden Ärzte des KSSG
mit der Versicherten die Befunde des MRI vom 15. September 2021 [Suva-act. 94 S. 5
f.]; in der Sprechstunde vom 27. Oktober 2021 erörterten sie das weitere Vorgehen,
wobei man sich für eine operative Sanierung der Bandscheibenhernien entschied
[Suva-act. 94 S. 7 f.]).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 24. Januar 2022 hiess die Suva die Einsprache der
Versicherten dahingehend gut, dass sie ihr die Taggeldleistungen aus Kulanz für einen
weiteren Monat, d.h. bis zum 30. September 2021 ausrichtete. Im Übrigen wies sie die
Einsprache ab (Suva-act. 106).
B.c.
Die Versicherte erhob mit E-Mail vom 18. Februar 2022 (act. G 1.1) sowie inhaltlich
gleichlautender schriftlicher Eingabe datierend vom 24. Januar 2022 (Postaufgabe am
19. Februar 2022 [act. G 2.1 und 2.2]) "Widerspruch" gegen den Einspracheentscheid
C.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/21
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vom 24. Januar 2022. Die Gründe für ihren Einspruch seien der Suva bereits bekannt.
Sie erwarte die Zahlung für die Monate Oktober bis Dezember 2021, dies entspreche
dem Zeitraum, in welchem sie auf die Entscheidung der Suva gewartet habe (act. G 1.1
und 2.1). Mit Schreiben vom 21. und 22. Februar 2022 (act. G 1 und 2) liess die Suva
dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen zuständigkeitshalber die
vorerwähnten Eingaben der Versicherten zukommen. Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen nahm die beiden Eingaben der Versicherten (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) vom 24. Januar 2022 bzw. 18. Februar 2022 als Beschwerde
entgegen und eröffnete entsprechend ein Verfahren.
Die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte mit Schreiben vom 9.
März 2022 die Abweisung der Beschwerde. Sie verzichte auf die Einreichung einer
umfassenden Beschwerdeantwort zufolge fehlender neuer Gesichtspunkte in der
Beschwerde und verweise stattdessen auf die sachbezügliche und zutreffende
Begründung im Einspracheentscheid (act. G 4).
C.b.
Mit Schreiben vom 24. März 2022 liess das Bundesverwaltungsgericht dem
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen zuständigkeitshalber eine Eingabe der
Beschwerdeführerin vom 23. Februar 2022 zukommen. Darin führte die
Beschwerdeführerin (unter Beilage des Einspracheentscheids vom 24. Januar 2022)
aus, dass sie mit dem Entscheid der Suva nicht einverstanden sei und diesen daher vor
Gericht anfechten wolle. Sie bitte um einen Anwalt, da sie nicht über die finanziellen
Mittel verfüge, um einen solchen zu bezahlen (act. G 6).
C.c.
Am 29. März 2022 teilte das Versicherungsgericht der Beschwerdeführerin mit,
dass aufgrund ihrer Eingabe vom 23. Februar 2022 an das Bundesverwaltungsgericht
kein weiteres Verfahren eröffnet werde, da diese inhaltlich weitgehend den von der
Beschwerdegegnerin überwiesenen und bereits als Beschwerde
entgegengenommenen Eingaben entspreche. Zudem wurde ihr ein Antragsformular für
die unentgeltliche Rechtspflege zugestellt und Frist zur Einreichung desselben
angesetzt, wobei ihr mitgeteilt wurde, dass bei fehlender Einreichung von einem
Verzicht am Festhalten des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege ausgegangen
werde (act. G 7).
C.d.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre
Taggeldleistungen für das Unfallereignis vom 1. März 2021 zu Recht per 30. September
2021 eingestellt hat.
2.
Nach unbenutztem Fristablauf zur Einreichung des Antragsformulars für die
unentgeltliche Rechtspflege wurde der Beschwerdeführerin am 10. Mai 2022 Frist zur
Einsicht in die Vorakten sowie zur Einreichung einer allfälligen Stellungnahme angesetzt
(act. G 8). Die Beschwerdeführerin verzichtete auf diese Möglichkeit.
C.e.
Der Unfallversicherer hat bei Vorliegen eines Unfalls gemäss Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser
in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis
steht (vgl. Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR
832.20]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Ursachen im
Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren
Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht oder nicht in gleicher Weise
oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die Schädigung verantwortlich, d.h.
zumindest teilkausal ist, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann,
ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E.
3.1 und 117 V 376 E. 3a; SVR 2007 UV Nr. 28 S. 96 f., E. 4.1 mit Hinweisen; Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 53). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen
natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel
auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (André Nabold,
N 53 und 59 zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die
2.1.
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Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 65 f. und N 74 zu Art. 6, in: Ghislaine
Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54
und 58). Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinne von
nachweisbaren strukturellen Veränderungen spielt die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit
der natürlichen Kausalität deckt (vgl. BGE 134 V 111 E. 2.1 und 127 V 103 E. 5b/bb je
mit Hinweisen; SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45; BSK UVG-Hofer, N 80 zu Art. 6; Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 58 f.).
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen bzw. hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht für einen
Gesundheitsschaden einmal anerkannt, so entfällt seine Leistungspflicht erst dann,
wenn der Unfall nicht (mehr) die natürliche oder adäquate Ursache des
Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur noch und ausschliesslich auf
unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft zu, wenn entweder der (krankhafte)
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo
ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte
(Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich
fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht (vgl. zum Ganzen Urteil
des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2 mit Hinweisen; RKUV
1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; vgl. auch Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54).
2.2.
Der Beweis des Dahinfallens jeder kausalen Bedeutung kann durchaus unter
Bezugnahme auf statistische Grundlagen und medizinische Erfahrungswerte geführt
werden, sofern sie der herrschenden Lehrmeinung entsprechen (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. September 2002, U 60/02, E.
2.2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 126 V 189 E. 4c). Dies hat insbesondere für den
Nachweis des Status quo sine zu gelten, bei dem es sich um einen hypothetischen
Zustand handelt, der sich häufig nur mit Erfahrungswerten bestimmen lässt (Urteil des
EVG vom 18. September 2002, U 60/02, E. 2.2).
2.3.
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3.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder die Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Auch
Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen bzw. beratenden Ärzten und Ärztinnen
einholen, können beweistauglich sein. An die Beweiswürdigung der Beurteilungen
dieser Ärzte und Ärztinnen sind indes strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch
nur geringe Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit, sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 469 f. E. 4.4. mit Hinweis; bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Die Rechtsprechung
erachtet sodann reine Aktengutachten als beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung
mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom
24. März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1).
2.4.
Die Beschwerdegegnerin hat unbestrittenermassen anerkannt, dass die
Beschwerdeführerin am 1. März 2021 einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG mit einer
schädigen Einwirkung auf den Körper erlitten hat. Ebenso hat sie ihre Leistungspflicht –
für einen gewissen Zeitraum nach dem Unfallereignis – anerkannt und der
Beschwerdeführerin dementsprechend zumindest vorläufig Heilkosten vergütet und
Taggeldleistungen ausgerichtet. Mit Einspracheentscheid vom 24. Januar 2022 (Suva-
act. 106) hat die Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsleistungen per 30. September
2021 eingestellt. Die Beschwerdeführerin beantragt jedoch die Ausrichtung von
Taggeldern auch für die Monate Oktober bis Dezember 2021 (act. G 1.1 und 2.1) und
3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/21
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macht damit sinngemäss über das Datum der Leistungseinstellung, d.h. über den 30.
September 2021, hinaus unfallkausale Beschwerden geltend, welche zu einer
Arbeitsunfähigkeit geführt hätten.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen werden grundsätzlich eine
unfallkausale strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als
objektivierbares Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar
und von der untersuchenden Person und den Angaben des Patienten bzw. der
Patientin unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-
strukturellen Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit –
wissenschaftlich anerkannten – apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen,
MRI, CT, Arthroskopie) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2 mit Hinweisen).
3.2.
Ein massgebender Ausgangspunkt für die Beurteilung traumatischer Folgeschäden
bzw. der Ursächlichkeit einer Gesundheitsschädigung bildet der gesundheitliche
Zustand einer versicherten Person vor dem Unfall. Ist es durch letzteren zu keinen
neuen strukturellen Schäden gekommen, trifft er aber auf einen vorgeschädigten
Körper, kommt eine unfallkausale Gesundheitsschädigung höchstens als
vorübergehende oder richtungsgebende Verschlimmerung des Vorzustandes in
Betracht. Eine richtungsgebende Verschlimmerung liegt nach der Rechtsprechung vor,
wenn medizinischerseits feststeht, dass weder der Status quo ante noch der Status
quo sine je wieder erreicht werden können (KOSS UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O, S. 54 mit Hinweis; Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2015, 8C_484/2014, E. 2.1). Von einer vorübergehenden
unfallbedingten Verschlimmerung eines Vorzustandes wird dann gesprochen, wenn
Unfallfolgen bzw. deren Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des
posttraumatischen Verlaufs nie konkret beschrieben bzw. radiologisch als strukturelle
Verletzung der Gelenke oder Knochen sichtbar gemacht werden können. In solchen
Fällen wird bei einem geeigneten bzw. adäquaten Ereignis in einer ersten Phase davon
ausgegangen, dass dieses eine schädigende Wirkung auf den Körper habe. Die
aufgetretenen bzw. ausgelösten Beeinträchtigungen werden, obwohl sie
möglicherweise weiterbestehen, nach einer gewissen Zeit gestützt auf medizinische
Erfahrung aber nicht mehr dem Unfall angelastet. Die Unfallversicherung übernimmt in
diesen Fällen nur Leistungen für den durch das Unfallereignis ausgelösten
Beschwerdeschub, d.h. sie hat bis zum Erreichen des Status quo sine oder ante
Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende
Schmerzsyndrom zu erbringen. Als Beispiel dafür gelten insbesondere auch
3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/21
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4.
Wie sich aus dem Sachverhalt ergibt, traten im Anschluss an das Unfallereignis vom 1.
März 2021 Beschwerden im Bereich des linken Knies, der linken Schulter, dem Rücken
und der Hüfte/des Beckens auf (vgl. insbesondere oben Sachenverhalt A.b, A.f und
A.i).
Kontusionsfolgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012,
E. 5.3; vgl. auch KOSS UVG-Nabold, N 57 zu Art. 6, und BSK UVG-Hofer, N 72 zu Art.
6). Bei einer Kontusion handelt es sich um eine Weichteilverletzung, die namentlich
anhand klinischer Befunde – wie Hämatome, Schwellungen, Schürfungen, Prellmarken,
Druckdolenzen, Bewegungseinschränkungen, Muskelverhärtungen – objektiviert wird
(vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2002, S.
412; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 357; vgl. auch Pschyrembel, Klinisches
Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 420). Die Unfallversicherung übernimmt die Leistungen
bis zur Heilung der spezifischen Kontusionsfolgen und/oder – wie oben erwähnt – für
den durch ein Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub. Demnach ist zunächst zu
prüfen, ob per 1. Oktober 2021 noch organisch objektivierbare Unfallfolgen vorhanden
waren, welche die fortdauernd geklagten Beschwerden verursachen konnten.
Im Austrittsbericht der Klinik C._ betreffend die Erstbehandlung vom 1. März
2022 wurden keine Pathologien oder auch nur Beschwerden im Bereich des linken
Knies festgehalten (Suva-act. 41). Bei den im Arztzeugnis UVG (betreffend die
Untersuchung vom 4. März 2021) erwähnten Schmerzen am linken Knie handelte es
sich um eine subjektive Angabe der Beschwerdeführerin (Suva-act. 45). Eine Diagnose
in Bezug auf das linke Knie hat Dr. D._ hingegen nicht im erwähnten Arztzeugnis
UVG und auch nicht in der noch am Untersuchungstag verfassten Verordnung zur
Physiotherapie (Suva-act. 13) gestellt. Den übrigen medizinischen Unterlagen können
keinerlei Beschwerden, Befunde oder Diagnosen im Bereich des linken Knies
entnommen werden. Nach Gesagtem ist überwiegend wahrscheinlich davon
auszugehen, dass es im Bereich des linken Knies in Übereinstimmung mit der
Beurteilung von Dr. G._ vom 12. August 2021 (Suva-act. 58) zu keiner unfallkausalen
strukturellen Gesundheitsschädigung, sondern – wenn überhaupt – nur zu einer
vorübergehenden Beeinträchtigung infolge einer blossen Prellung des Knies kam.
Diese war im kurzzeitigen Verlauf, spätestens jedoch im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung, wieder abgeheilt.
4.1.
In den radiologischen Untersuchungen der Schulter, des Hüft-/Beckenbereichs
und der Wirbelsäule zeigten sich als strukturelle Gesundheitsschäden eine Bursitis
4.2.
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5.
subacromialis (Suva-act. 45), eine Partialläsion der Supraspinatussehne bursaseitig an
der linken Schulter (Suva-act. 69), Arthrosen im Hüft-/Beckenbereich (Suva-act. 32 und
38) sowie diverse Veränderungen entlang der Wirbelsäule (namentlich die
Osteochondrosen mit Bandscheibenhernien an den LWK4/5 und LWK5/SWK1; Suva-
act. 38). Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob zwischen den vorerwähnten
Gesundheitsschäden sowie dem Unfallereignis vom 1. März 2021 ein (indirekter)
natürlicher Kausalzusammenhang besteht (vgl. nachfolgend E. 5 betreffend die
Schulter, E. 6 betreffend den Hüft-/Beckenbereich und E. 8 betreffend die Wirbelsäule).
Im Austrittsbericht der Klinik C._ zur Erstuntersuchung vom 1. März 2021
wurden keine Beschwerden im Bereich der linken Schulter erwähnt (Suva-act. 41). Dr.
D._ hielt im Arztzeugnis UVG vom 21. Juni 2021 betreffend die Erstuntersuchung
vom 4. März 2021 fest, es habe eine leichte Schwellung der Bursa subacromialis
bestanden. Sonographisch habe er keine Ruptur der Rotatorenmanschette festgestellt.
Knöcherne Läsionen seien in der durchgeführten Röntgenuntersuchung vom 4. März
2021 nicht ersichtlich gewesen. Gestützt auf seine Befunde stellte Dr. D._ im
Arztzeugnis UVG die Diagnose einer Bursitis subacromialis (Suva-act. 45). In seiner
Verordnung zur Physiotherapie vom 4. März 2021 hielt Dr. D._ als Diagnose zudem
eine Kontusion der linken Schulter fest (Suva-act. 13). In der Röntgenuntersuchung der
linken Schulter vom 12. März 2021, durchgeführt im F._, wurden keine auffälligen
Befunde erhoben (Suva-act. 31). Auch das im F._ durchgeführte MRI vom 24. März
2021 wurde als normales MR-Arthrogramm des linken Schultergelenks beurteilt.
Insbesondere wurde im entsprechenden Untersuchungsbericht festgehalten, dass die
Sehnen der Rotatorenmanschette intakt seien (Suva-act. 33). Mithin hielt auch der
leitende Arzt der Schulterorthopädie des Spitals E._ in seinem Bericht zur
Untersuchung vom 26. März 2021 fest, dass im MRI vom Schultergelenk keinerlei
Pathologie ersichtlich sei (Suva-act. 30). Am 30. Juni 2021 teilte die
Beschwerdeführerin dem leitenden Arzt Rheumatologie der Klinik für Innere Medizin,
Spital E._, telefonisch mit (bzw. liess sie durch eine übersetzende Verwandte
mitteilen), dass sich die initial bestehenden Schulterschmerzen zurückgebildet hätten
(Suva-act. 53). Überdies liess Dr. D._ der Beschwerdegegnerin am 9. Juli 2021
melden, dass die linke Schulter "wieder in Ordnung" sei (Suva-act. 52). Im Widerspruch
zu den vorerwähnten Angaben betreffend Heilung der Schulter gab die
Beschwerdeführerin gegenüber dem leitenden Arzt der Schulterorthopädie anlässlich
der Untersuchung vom 25. August 2021 im Spital E._ an, dass sich die
persistierenden Schulterbeschwerden linksseitig seit dem Sturz nur geringgradig
5.1.
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gebessert hätten. Dieser hielt in seinem anderntags erstellten Untersuchungsbericht
sodann die Diagnose einer aktivierten Bursitis subacromialis der Schulter links,
posttraumatisch mit Partialläsion der Supraspinatussehne bursaseitig, fest (Suva- act.
69).
In Bezug auf die durch Dr. D._ am 4. März 2021 diagnostizierte
Schleimbeutelentzündung (Bursitis subacromialis) in der Schulter bezeichnete dieser
selbst die erhobenen Befunde als nicht mit dem Unfallereignis vom 1. März 2021
vereinbar bzw. plausibel erscheinend (Suva-act. 45). Zudem gab Dr. D._ in seinen
Arbeitsunfähigkeitszeugnissen betreffend den April sowie die zweite Hälfte des Mai
2021 als Grund für die Arbeitsunfähigkeit "Krankheit" an (Suva-act. 16 S. 4, 17 S. 4 und
40). Mithin erscheint es fraglich, ob dieser Gesundheitsschaden unfallkausal ist. Da die
Schleimbeutelentzündung in den bildgebenden Untersuchungen, insbesondere im
MRI-Befund vom 24. März 2021 (Suva-act. 33), nicht mehr erwähnt wird, kann aber –
selbst wenn sie unfallkausal gewesen sein sollte – ohnehin davon ausgegangen
werden, dass sie zu diesem Zeitpunkt abgeheilt war. Auch gestützt auf die Aussage der
Beschwerdeführerin (Suva-act. 53) bzw. diejenige des Hausarztes (Suva-act. 52) ist von
einer Heilung der Schulter bzw. Schleimbeutelentzündung spätestens per anfangs Juli
2021 auszugehen. Vor diesem Hintergrund ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt, dass die Schleimbeutelentzündung einer Leistungseinstellung per Ende
September 2021 – unabhängig von ihrer Ursache – nicht entgegenstand.
5.2.
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die im Bericht zur Untersuchung vom 25.
August 2021 durch den Schulterorthopäden gestellte Diagnose einer Partialruptur der
Supraspinatussehne offenbar nicht auf einer bildgebenden Untersuchung beruhte, da
eine solche im Bericht (Suva-act. 69) nicht erwähnt wird. Den medizinischen Akten sind
schliesslich auch keine weiteren Abklärungen und/oder Behandlungen in Bezug auf die
linke Schulter zu entnehmen. Solche wären bei Vorliegen einer Partialläsion der
Supraspinatussehne jedoch zu erwarten gewesen. Bezeichnenderweise erwähnte auch
Dr. D._ in seinem Schreiben vom 17. November 2021 an die Beschwerdegegnerin in
Bezug auf die Wiederaufnahme (bzw. weitere Erbringung) der Versicherungsleistungen
lediglich noch die Rückenbeschwerden der Beschwerdeführerin (und keine
Schulterbeschwerden mehr; Suva-act. 94). In Übereinstimmung mit der Beurteilung
von Dr. G._ vom 29. September 2021 (Suva-act. 78) kann die Diagnose einer
(Partial-)Läsion der Supraspinatussehne nach Gesagtem nicht nachvollzogen werden
und damit nicht als überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen gelten.
5.3.
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6.
Am Beckenskelett wurden im CT-Untersuch vom Unfalltag keine auffälligen
Befunde festgestellt (Suva-act. 22). Die behandelnden Ärzte der Klinik C._
diagnostizierten im Austrittsbericht zur Untersuchung am Unfalltag entsprechend eine
Hüft- bzw. Beckenkontusion links (Suva-act. 41). Dieselbe Diagnose hielt der Hausarzt
Dr. D._ im Arztzeugnis UVG betreffend die Erstbehandlung vom 4. März 2021 sowie
in der Verordnung zur Physiotherapie vom 4. März 2021 fest (Suva-act. 45 und 13). Im
Bericht zur Röntgenuntersuchung im F._ vom 19. März 2021 wurden eine
Subluxation im distalen Coccygealgelenk und eine Arthrose der Symphysis pubica
genannt (Suva-act. 32). Im MRI vom 8. April 2021 wurde ausserdem eine ISG-Arthrose
beidseits aufgeführt (Suva-act. 38). Im Bericht vom 12. Juli 2021 hielt der
untersuchende Orthopäde des Spitals E._ sodann fest, das linke IS-Gelenk und die
Bursa trochanterica seien leicht druckdolent. Diese Beschwerden seien am ehesten
durch eine Fehlbelastung bei verändertem Gangbild zu interpretieren (Suva-act. 57).
6.1.
Der in der zweiten Unfallmeldung vom 23. April 2021 erwähnte Bruch des
Steissbeins (Suva-act. 12) liess sich nach Gesagtem bildgebend nicht bestätigen und
ist damit nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt. Gleiches gilt für die im Bericht zur
Röntgenuntersuchung vom 19. März 2021 festgehaltene Subluxation im distalen
Coccygealgelenk (Suva-act. 32). Diese konnte durch die nachfolgenden MRI-
Untersuchungen (Suva-act. 38 und 74) nicht bildgebend nachgewiesen werden, zumal
auch der vorhergehende CT-Untersuch vom Unfalltag unauffällige Befunde am
Beckenskelett ergeben hatte (Suva-act. 22). Eine unterschiedliche Befundsituation von
Röntgen, CT und MRI kann insbesondere damit erklärt werden, dass das MRI-Bild
gegenüber dem Röntgen- und auch dem CT-Bild in vielen Fällen eine nochmals feinere
diagnostische Differenzierung zulässt, weil auf dem MRI-Bild bestimmte
Körpergewebe, insbesondere die Weichteile, besser zur Darstellung gelangen (vgl.
Debrunner, a.a.O. S. 225 f., Pschyrembel, a.a.O., S. 1101).
6.2.
Vorliegend kann offenbleiben, ob in Bezug auf die im Röntgenuntersuch vom 19.
März 2021 festgestellte Arthrose der Symphysis pubica (Suva-act. 32) aufgrund des
MRI vom 8. April 2021 nicht vielmehr von einer Arthrose des IS-Gelenks auszugehen ist
(Suva-act. 38). Eine Arthrose kann definitionsgemäss keine primäre Unfallverletzung,
sondern einzig eine degenerative Erkrankung sein. Im Regelfall entsteht sie im Rahmen
des normalen Alterungsprozesses oder durch Überbeanspruchung und tritt nur im
Einzelfall als sekundärer unfallkausaler Gesundheitsschaden in Form einer Spätfolge
einer primären Verletzung – hauptsächlich nach einer schlecht verheilten
intraartikulären Fraktur; nach Verletzungen von Gelenkweichteilstrukturen oder des
6.3.
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7.
Als Zwischenfazit kann festgehalten werden, dass im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung per 30. September 2021 überwiegend wahrscheinlich keine
Gelenkknorpels – auf (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 579 ff. und 700 f., Pschyrembel, a.a.O.,
S. 152 f.; Roche Lexikon, a.a.O., S. 134). In der hier zu beurteilenden Angelegenheit
fehlt ein überwiegend wahrscheinlicher Beleg dafür, dass die festgestellte Arthrose auf
eine unfallkausale Primärverletzung zurückzuführen ist, zumal insbesondere ein Bruch
des Steissbeins nicht nachgewiesen werden konnte (vgl. oben E. 6.1 f.). Ein
traumatischer Ursprung der Arthrose würde auch in zeitlicher Hinsicht – angesichts
deren bildgebenden Darstellung innerhalb bloss eines Monats nach dem Unfallereignis
– nicht plausibel erscheinen.
Nachdem im Arztzeugnis UVG betreffend die Erstbehandlung vom 4. März 2021
durch Dr. D._ Schmerzen an der Hüfte festgehalten wurden (Suva-act. 45), wurden
Beschwerden im Hüftbereich im Übrigen erst wieder im Bericht zur Untersuchung vom
12. Juli 2021 in der Orthopädie des Spitals E._, im Sinne einer Druckdolenz, erwähnt
(Suva-act. 57). Ein damit zusammenhängender objektivierbarer, struktureller
Gesundheitsschaden wird jedoch nicht aufgeführt und ist auch nicht nachgewiesen.
Die vorliegende Entwicklung der Hüftbeschwerden (plötzliches Wiederauftauchen von
Beschwerden nach mehreren Monaten) ist für eine traumatische Genese untypisch (vgl.
Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. April 2022, UV
2021/54, E. 4.7.4, und 2. November 2022, UV 2021/74, E. 3.2) und kann nicht mehr mit
dem Unfall vom 1. März 2021 erklärt werden, hingegen namentlich mit der im Bericht
genannten Fehlbelastung (Suva-act. 57) oder aber den festgestellten Arthrosen (Suva-
act. 32 und 38).
6.4.
Ein struktureller unfallkausaler Gesundheitsschaden im Hüft-Beckenbereich ist
nach Gesagtem nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen und es ist
von einer vorübergehenden Beeinträchtigung im Sinne einer Prellung auszugehen, was
im Übrigen auch der Einschätzung von Kreisarzt Dr. G._ entspricht (Suva-act. 58).
6.5.
Nach dem 12. Juli 2021 (Bericht zur Untersuchung vom 12. Juli 2021 in der
Orthopädie des Spitals E._; Suva-act. 57) sind den medizinischen Akten keine
Beschwerden im Hüftbereich mehr zu entnehmen. Insbesondere werden solche auch
nicht von Dr. D._ in seinem Schreiben vom 17. November 2021 (Suva-act. 94)
geltend gemacht. Entsprechend ist aufgrund der fehlenden weiteren Erwähnung von
Beschwerden davon auszugehen, dass die Hüftprellung spätestens im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung wieder abgeheilt war.
6.6.
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unfallkausalen Beschwerden im Bereich des Knies, der Schulter und der Hüfte mehr
vorlagen (vgl. dazu oben E. 4.1, E. 5.2 und E. 6.6). Demnach kann der Vollständigkeit
halber auch ein allfälliger Zusammenhang der geklagten Beschwerden mit dem in den
Akten erwähnten – vorliegend aber nicht streitgegenständlichen – Unfallereignis vom
15. April 2021 (vgl. insbesondere Suva-act. 20), welches gemäss der in den Berichten
der behandelnden Ärzte des KSSG festgehaltenen Statusdiagnose insbesondere zu
Gesäss- und Beinbeschwerden geführt hatte, ausgeschlossen werden. Diese
Beschwerden waren gemäss den Berichten selbstlimitierend und im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung somit nicht mehr von Relevanz (Suva-act. 73 und 94 S. 5 f. sowie
7 f.).
8.
Es bleibt somit zu prüfen, ob es sich bei den in den bildgebenden Untersuchungen
vom 1. März 2021 (CT [Suva-act. 22]), 19. März 2021 (Röntge [Suva-act. 32]), 8. April
2021 (MRI [Suva-act. 38]) und 15. September 2021 (MRI [Suva-act. 74]) festgestellten
Pathologien im Bereich des Rückens bzw. der Wirbelsäule um strukturelle unfallkausale
Gesundheitsschäden handelt.
Osteochondrosen, wie im Übrigen auch Spondylosen und Arthrosen (vgl. zur
Arthrose oben E. 6.3), stellen definitionsgemäss degenerative Veränderungen dar und
können – wie erwähnt – keine primäre Unfallverletzung sein. Nur im Einzelfall können
sie unfallkausal als Spätfolge einer primären Verletzung auftreten (vgl. Debrunner,
a.a.O., S. 579 ff, 700 f., Pschyrembel, a.a.O., S. 152 f.; Roche Lexikon, a.a.O., S. 134).
Eine solche Primärverletzung ist im vorliegenden Fall jedoch auch im Rückenbereich
nicht nachgewiesen. Es liegen demnach auch keine Hinweise für einen traumatisch
bedingten Ursprung der festgestellten Degenerationen im Bereich der Wirbelsäule vor.
8.1.
Im Bereich des Unfallversicherungsrechts entspricht es sodann einer
medizinischen Erfahrungstatsache, dass auch praktisch alle Bandscheibenhernien und
Bandscheibenprotrusionen degenerativ entstehen. Ein Unfall im Rechtssinne (Art. 4
ATSG) kann nur ausnahmsweise als eigentliche Ursache in Betracht fallen (Urteil des
EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, E. 3.1, mit Hinweis auf Günter G. Mollowitz
[Hrsg.], Der Unfallmann, 1993, S. 164 ff.; vgl. auch Debrunner, a.a.O., S. 878 ff.;
Pschyrembel, a.a.O., S. 210; Roche Lexikon, a.a.O., S. 182; Leitlinie der Orthopädie,
Hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
dem Berufsverband der Ärzte für Orthopädie, 2. erweiterte Aufl. 2002, S. 5 f.).
Voraussetzung dafür ist in der Regel, dass das fragliche Ereignis von besonderer
Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die
8.2.
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Symptome der Bandscheibenhernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom)
unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftreten (RKUV 2000 Nr. U 379 S.
193, E. 2a mit Hinweisen; Urteil des EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, E. 3.; Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 f.). Das gleiche gilt grundsätzlich für eine richtungsgebende
Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustandes, wenn und soweit also durch den
Unfall eine Bandscheibenhernie oder Bandscheibenprotrusion früher bzw. beschleunigt
zur Entwicklung gebracht wurde. Eine solche ist ausserdem grundsätzlich nur dann
bewiesen, wenn die Radioskopie ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel nach
einem Trauma aufzeigt. Eine allfällige richtungsgebende Verschlimmerung muss
radiologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben
(RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 f. E. 3a mit Hinweisen; Urteil des EVG vom 25. November
2004, U 107/04, E. 4.1; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 f.). Die vorerwähnten
Kriterien sind im vorliegenden Fall nicht erfüllt bzw. es konnten keine entsprechenden
bildgebenden Befunde, welche für einen traumatischen Ursprung der
Bandscheibenhernien bzw. -protrusionen sprechen würden, erhoben werden.
Ausserdem lässt auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin in
verschiedenen Segmenten unterschiedliche degenerative Gesundheitsschäden
aufweist, eher auf eine umfassende degenerative und nicht traumatisch bedingte
Situation schliessen. Diesbezüglich ist auch auf die Definition einer Osteochondrosis
intervertebralis ("Degenerative, überlastungsbedingte Veränderungen der Bandscheibe
mit Abnahme der Bandscheibenhöhe durch Flüssigkeitsverlust, fibröser Degeneration
und Rissbildungen im Faserring. Verändert sind zusätzlich die benachbarten
hyalinknorpeligen Deck-und Grundplatten der Wirbelkörper mit Ödem, reaktiver
Osteosklerose der angrenzenden Spongiosa, Abstützreaktionen (Spondylophyten) und
anderes", vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 1320) hinzuweisen. Mithin sind die vorliegend
festgestellten Veränderungen (Osteochondrosen, Bandscheibenhernien und -
protrusionen, Knochenmarksödem, Deck- und Grundplattenirregularitäten bzw. die
Höhenminderung im LWK 5) als gegenseitige Begleiterscheinungen und demnach als
ein einziger zusammengehöriger, degenerativer Gesundheitsschaden zu beurteilen.
Vorliegend macht keine bzw. keiner der behandelnden Spezialistinnen und Spezialisten
geltend, dass es sich bei den im Rahmen der bildgebenden Untersuchungen
festgestellten Veränderungen an der Wirbelsäule der Beschwerdeführerin um
Traumafolgen handelt. Der Hausarzt, Dr. D._, macht in seinem Schreiben vom 17.
November 2021 zwar geltend, dass die fortdauernden Beschwerden
unfallereignisassoziiert seien. Aus dieser Aussage lässt sich jedoch nicht ableiten, dass
die den Beschwerden zugrundeliegenden Gesundheitsschäden unfallkausal sein sollen.
Vielmehr ist wohl davon auszugehen, dass er damit bloss die Heilungsdauer eines
8.3.
https://www.pschyrembel.de/Osteosklerose/K0G00
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/21
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9.
Die im MRI vom 8. April 2021 festgestellten degenerativen Veränderungen an der
Wirbelsäule (Osteochondrose mit Bandscheibenhernien) waren bloss moderat (Suva-
act. 38) und sind demnach ohne Weiteres als degenerativer Prozess erklärbar. Bei
Vorliegen einer unfallbedingten richtungsgebenden Verschlimmerung wäre zu erwarten,
dass die entsprechenden Veränderungen (unfallbedingt) gerade einen höheren
Schweregrad aufweisen würden. Entsprechend kann nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es im
Zusammenhang mit den degenerativen Vorzuständen an der Wirbelsäule durch das
Unfallereignis zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung gekommen ist.
10.
Mithin ist lediglich von einem vorübergehend verschlimmerten Gesundheitszustand im
Bereich der Wirbelsäule nach erlittener Kontusion auszugehen (vgl. dazu oben E. 3.3).
Einen solchen anerkannte auch die Beschwerdegegnerin, insbesondere gestützt auf
die Beurteilungen von Dr. G._, und erbrachte dementsprechend vorübergehend die
gesetzlichen Versicherungsleistungen.
durch den Unfall hervorgerufenen Beschwerdeschubes meint (vgl. zur Heilungsdauer
unten E. 10.1 ff.).
In Übereinstimmung mit Kreisarzt Dr. G._ (Suva-act. 49 und 77) ist nach
Gesagtem in Bezug auf die festgestellten Pathologien im Bereich der Wirbelsäule von
einem degenerativen Vorzustand auszugehen und kam es durch das Unfallereignis
vom 1. März 2021 nicht überwiegend wahrscheinlich zu neuen strukturellen
Gesundheitsschäden.
8.4.
Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass im Allgemeinen
Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen der Wirbelsäule bzw. des Rückens ohne
neue strukturelle Läsionen bei Vorliegen eines degenerativen Vorzustands nach sechs
bis neun Monaten, bzw. bei erheblichem Vorzustand spätestens nach einem Jahr
abheilen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 16. Dezember 2020, 8C_552/2020, E.
3.2, 3. September 2020, 8C_319/2020, 8C_346/2020, E. 6.6, und 26. August 2019,
8C_408/2019, E. 3.3; vgl. dazu auch KOSS UVG-Nabold, N 57 zu Art. 6, und BSK
UVG-Hofer, N 72 zu Art. 6). Eine Ausnahme von der Regel ist grundsätzlich nicht
ausgeschlossen, doch muss sie sich eben als solche präsentieren. Insofern sind die
Besonderheiten des Einzelfalls zu berücksichtigen.
10.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/21
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Da Kreisarzt Dr. G._ in seinen Beurteilungen vom 6. Juli und vom 29.
September 2021 die Heilungsdauer für den Rücken auf zwei Monate – und damit unter
der vom Bundesgericht für den Regelfall festgelegten Heilungsdauer von sechs bis
neun Monaten – einschätzt, geht er offensichtlich von einem solchen Ausnahmefall aus.
Er begründet in seinen Beurteilungen jedoch nicht, weshalb vorliegend eine kürzere
Heilungsdauer ausreichend sein sollte (Suva-act. 49 und 77).
10.2.
Angesichts des Umstandes, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen erst
per 30. September 2021, d.h. sieben Monate nach dem Unfallereignis vom 1. März
2021, eingestellt hat, kann vorliegend offenbleiben, ob allenfalls aufgrund der bloss
moderaten degenerativen Vorzustände (vgl. insbesondere die MRI-Befunde vom 8.
April 2021 [Suva-act. 38]) ein Ausnahmefall vorgelegen hat bzw. ob die Rückenprellung
tatsächlich bereits nach zwei Monaten abgeheilt gewesen war. Die von der
Beschwerdegegnerin letztlich angenommene Heilungsdauer von sieben Monaten liegt
innerhalb des vorerwähnten vom Bundesgericht definierten Zeitrahmens und ist
entsprechend nicht zu beanstanden. Im vorliegenden Fall sind nämlich keine konkreten
Gründe ersichtlich, derentwegen eine längere Heilungsdauer anzunehmen wäre. Eine
vom Regelfall abweichende, folgenschwere Kontusion kann ebenfalls nicht
angenommen werden. Insbesondere sind den unfallnahen medizinischen Akten keine
auf eine schwerere Kontusion hinweisenden Befunde – wie z.B. Hämatome,
Schürfungen, Muskelverhärtungen etc., welche zumindest typische Kontusionsfolgen
dargestellt hätten – zu entnehmen. Zwar wird eine Aktivierung der moderaten
Osteochondrose im Bericht zum MRI vom 8. April 2021, wenn auch nur
differentialdiagnostisch, als Unfallfolge in Erwägung gezogen (Suva-act. 38). Im Bericht
zum MRI vom 15. September 2021 wird jedoch festgehalten, dass sich die aktivierte
Osteochondrose gegenüber der vorherigen Untersuchung gering zunehmend zeigte
(Suva-act. 74). Angesichts dieses für eine Traumafolge untypischen progredienten
Verlaufs (vgl. Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5.
April 2022, UV 2021/54, E. 4.7.4, und 2. November 2022, UV 2021/74, E. 3.2) ist die
Aktivierung der Osteochondrose nicht überwiegend wahrscheinlich auf das
Unfallereignis vom 1. März 2021 zurückzuführen und steht diese mithin einer
Leistungseinstellung auch nicht im Wege. Wie bereits erwähnt, machte Dr. D._ in
seinem Schreiben vom 17. November 2021 zwar geltend, dass die fortdauernden
Beschwerden unfallereignisassoziiert seien (Suva-act. 94 S. 1) und geht somit
(zumindest implizit) von einer längeren Heilungsdauer aus. Er begründet diese
Einschätzung jedoch nicht weiter, weshalb diese pauschale Aussage eine längere
Heilungsdauer nicht überwiegend wahrscheinlich nachzuweisen vermag. Allgemein
bleibt anzufügen, dass die Heilung eines traumatisch bedingten Beschwerdeschubs bei
10.3.
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11.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 24. Januar 2022 (act.
G 2.1) abzuweisen. Gerichtskosten sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine
zu erheben (vgl. dazu Art. 61 lit. f ATSG).