Decision ID: 44c86fc6-be32-4d4a-9d4c-6f91f0f43ec9
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966,
war seit
1.
September 1995 bei der
Y._
, als Hörgeräte-Facharbeiterin tätig (
Urk.
7/19/10).
Am
7.
Juli 2008 (
Urk.
7/9) meldete sie sich wegen eines
Mammakarzinoms
bei der Invaliden
ver
sicherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
. Am
4.
Mai 2009 erliess die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) eine
Nichteignungs
ver
fügung
für Arbeiten mit Exposition zu
Acrylaten
und Lötdämpfen (
Urk.
7/31). Daraufhin verlor die Versicherte ihre Arbeitsstelle bei der
Y._
(vgl.
Urk.
7/39/1 unten).
Ab
1.
September 2009 trat die Versicherte eine neue Stelle
als Verkäuferin bei der
Z._
in einem Pensum von 50
%
an (
Urk.
7/47). Nach
durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/63;
Urk.
7/69;
Urk.
7/87;
Urk.
7/100) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 1
8.
Juli 2012 bei einem Invaliditätsgrad von 61
%
ab 2
5.
Juni 2008 eine halbe und ab
1.
August 2009 eine
Dreiviertelsrente
zu (
Urk.
7/103).
1.2
Am 2
1.
August 2013 machte die Beschwerdeführerin eine Verschlechterung geltend (
Urk.
7/109). Die SUVA erliess am 2
7.
September 2013 eine
Nichteig
nungs
verfügung
für Arbeiten mit Kontakt zu Nickel (
Urk.
7/114). Die IV-Stelle tätigte die notwendigen Abklärungen
und veranlasste eine interdisziplinäre Begutachtung der Versicherten am
A._
(Gutachten vom 2
5.
August 2015;
Urk.
7/157).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/162;
Urk.
7/166) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
0.
Februar 2016 die bisherige Rente auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats auf (
Urk.
7/171 =
Urk.
2).
Sodann forderte sie m
it Verfügung vom 1
1.
Mai 2016 (
Urk.
2 im Verfahren Nr. IV.2016.00631) zu viel bezahlte Rentenleistungen im Betrag von
Fr.
3‘074.--
von der Versi
cherten
zurück.
2.
2.1
Gegen die rentenaufhebende Verfügung vom 1
0.
Februar 2016 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
4.
März 2016 Beschwerde mit dem Antrag auf
Weiteraus
richtung
der bisherigen
Dreiviertelsrente
, eventuell
Zusprache
einer halben Rente oder Rückweisung der Sache zur dermatologischen Begutachtung (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
April 2016 (
Urk.
6) beantragte die
Beschwer
degegnerin
die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführe
rin am 2
9.
September 2016 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
2.2
Gegen die Rückforderungsverfügung vom 1
1.
Mai 2016 erhob die Versicherte am
1.
Juni 2016 Beschwerde mit dem Antrag auf
deren Aufhebung (
Urk.
1
im Verfahren Nr. IV.2016.00631
). Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Juni 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Ver
einigung mit dem vorliegenden Verfahren (
Urk.
5 im
Verfahren Nr.
IV.2016.00631
), was der Beschwerdeführerin am
5.
Juli 2016 mitgeteilt wurde (
Urk.
6
im Verfahren Nr. IV.2016.00631).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
D
ie Verfahrensbeteiligen
sind
identisch und e
s geht in beiden Verfahren um den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin, denn davon hängt auch die Zulässig
keit der Rückforderung ab.
Der Prozess Nr.
IV.2016.00631
ist daher mit dem vorliegenden Prozess Nr.
IV.2016.00337
zu vereinigen und unter dieser
Pro
zessnummer
weiterzu
führen. Das Verfahren Nr.
IV.2016.00631
ist als dadurch erledigt abzuschreiben; dessen Akten werden im
vorliegenden Prozess als
Urk.
9
/
0-6
geführt.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin seit Erlass der Verfügung vom
1
8.
Juli 2012
(
Urk.
7/103) in anspruchsrelevanter Weise verändert haben. Damit steht die Frage in Zusammenhang, ob die Rückforderungsverfügung vom
1
1.
Mai 2016 (
Urk.
9/
2
) rechtens ist.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete die rentenaufhebende Verfügung vom 1
0.
Februar 2016 wie folgt (
Urk.
2 S. 2 f.): Es sei gestützt auf das eingeholte polydisziplinäre Gutachten von einer Verbesserung des Gesundheitsschadens auszugehen, dieser sei remittiert.
Nach einer Operation seien subjektive Beschwerden häufig und begründeten bei der Beschwerdeführerin eine Arbeits
unfähigkeit von 30
%
.
In der angestammten Tätigkeit als
Hörgerätfachmitar
beiterin
bestehe seit Juli 2015 eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
unter Berücksich
tigung der Kontaktallergie.
Es seien keine weiteren Abklärungen notwendig, und der Einkommensvergleich sei korrekt erstellt worden.
Die Rückforderungsverfügung sei erlassen worden, da die Rente per Ende März 2016 eingestellt, jedoch von der Ausgleichskasse noch für die Monate April und Mai 2016 ausbezahlt worden sei (
Urk.
9/2 S. 1).
2.3
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen (
Urk.
1 S. 6 f.), es sei ihr aufgrund der verschiedenen Kontaktallergien aus dermatologischer Sicht und
aufgrund ihrer Armbeschwerden
keine 70%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar, sie könne die angestammte Tätigkeit nicht mehr ausführen. Es sei zudem kein dermatologi
sches Gutachten eingeholt worden.
Die Nichteignungsverfügungen seien im Gutachten
wie auch von der Beschwerdegegnerin
zu wenig berücksichtigt wor
den.
Weiter müsse beim Einkommensvergleich von der aktuellen Tätigkeit als Haushaltangestellte ausgegangen werden.
Hinsichtlich der Rückforderungsverfügung verwies die Beschwerdeführerin auf das Verfahren betreffend Renteneinstellung und hielt zudem fest, es sei nicht ihre Schuld, wenn die Ausgleichskasse zu spät von der Rentenaufhebung erfahre; es treffe sie keine Meldepflicht (
Urk.
9/1 S. 3 f.).
3.
3.1
Der rentenzusprechenden Verfügung vom
1
8.
Juli 2012 (
Urk.
7/103)
lagen
die
folgende
n
medizinischen Akten zugrunde:
Dr.
med. B._
, Oberärztin Gynäkologie und Geburtshilfe, diagnostizierte mit Bericht vom 1
6.
Juli 2008 (
Urk.
7/18/1-6) ein
Mammakarzinom
rechts (
Ziff.
1.1). Die Beschwerdeführerin sei in der angestammten Tätigkeit seit
1.
August 2008 auf unbestimmte Zeit zu 30
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
2). Sie leide bei Rechtshändigkeit an einer fortbestehenden Verminderung der Kraft im rechten Arm (
Ziff.
5.1). Die angestammte Tätigkeit sei ab August 2008 zu 25
Stunden pro Woche, zunehmend, zumutbar (
Ziff.
5.2).
3.2
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Dermatologie, diagnostizierte mit Bericht vom 2
8.
Mai 2009 (
Urk.
7/43/7-8) ein
dyshidrosiformes
sowie
hyperkeratotisch
rhagadiformes
, streuendes Handekzem, eine
epikutane
Sensibilisierung vom
Spättyp
gegenüber
Nickelsulfat,
Kaliumdichromat
und
Ethylacrylat
sowie eine Sensibilisierung gegenüber diversen Pollen. Bei Exposition gegenüber den
aller
gieauslösenden
Substanzen sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig.
3.3
Dr.
med. D._
, Oberärztin Gynäkologie und Geburtshilfe, hielt mit Bericht vom
9.
Juli 2010 (
Urk.
7/70) fest, dass die aktuelle Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Verkäuferin zu etwa 50
%
zumutbar sei (
Ziff.
1.6).
3.4
Dr.
med.
E._
, Praktische Ärztin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), untersuchte die Beschwerdeführerin am 2
6.
August 2010 und berichtete am 2
7.
August 2010 (
Urk.
7/73-74).
Sie stellte folgende Diagnosen (
Urk.
7/73 S. 3):
Status nach
Mammakarzinom
rechts
Status nach
Mammateilresektion
, Achselausräumung, Chemotherapie und Bestrahlung, Funktionseinschränkung und Sensibilitätsstörung rechter Arm
Tamoxifentherapie
Panvertebralsyndrom
bei
Dekonditionierung
Angstzustände, Ein- und Durchschlafstörungen mit nachfolgender
Tages
müdigkeit
In der Funktion als Verkäuferin und Kassiererin müsse die Versicherte in der Lage sein, sowohl über lange Zeit sehr konzentriert zu arbeiten als auch mental belastbar zu sein. Aufgrund der Grunderkrankung und der Auswirkungen der durchgeführten und laufenden Therapie sei dies nur zu einem reduzierten Aus
mass möglich. Es sei anhand der aktuellen Befunde nachvollziehbar, dass ab Juni 2007 eine volle Arbeitsunfähigkeit bezogen auf ein 100
%
-Pensum in der damals ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Hörgeräteproduktion und
auch für jede andere Tätigkeit bestanden habe. Ab April 2008 könne von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit als Mitarbeiterin in der Hörgeräteproduktion wie auch in jeder anderen Tätigkeit ausgegangen werden. Die Reduktion
der Arbeitsfä
higkeit in der bisherigen Tätigkeit begründe sich mit der verminderten physi
schen und psychischen Belastbarkeit bei teils abgeschlossener, teils fortlaufen
der Therapie und der reduzierten Einsetzbarkeit des rechten Armes (S.
3 f.).
Im Rahmen der Wiedereingliederung nach der Nichteignungsverfügung habe die Beschwerdeführerin eine Stelle in einem Modehaus gefunden, wo sie seit September 2009 entsprechend ihrer Arbeitsfähigkeit in einem Pensum von 50
%
arbeite. Diese Beschäftigung sei optimal angepasst. Unter einer angepassten Tätigkeit seien solche zu verstehen, die in sehr leichter Wechselbelastung zu verrichten seien, mit der Möglichkeit zu Pausen und unter Vermeidung von Zwangshaltungen, einseitigen Belastungen und Heben, Tragen und Halten von Lasten von über 1-2 kg (S. 4).
3.5
Dr.
D._
hielt mit Bericht vom 1
6.
Mai 2011 (
Urk.
7/88) fest, es bestünden bei der Beschwerdeführerin seit der brusterhaltenden Therapie belastungsabhängige Schmerzen rechts. Zusätzlich leide sie an Schulter- und Rückenschmerzen. Belastungen des rechten Arms seien auch vier Jahre nach der Operation mit rascher Ermüdung gekoppelt und sollten auf ein Minimum reduziert werden. Durch die starke Belastung des gesunden linken Arms kämen nun ziehende Schmerzen auf dieser Seite dazu.
Die Arbeitsfähigkeit sei seit Oktober 2008 wiederholt auf 50
%
festgelegt worden. Die Schmerzen nähmen bei stärkerer Belastung rasch zu, womit eine höhere Arbeitsunfähigkeit zu befürchten sei. Eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu empfehlen.
3.6
Gestützt auf diese
Aktenlage
ging die Beschwerdegegnerin von einer
Rest
arbeits
fähigkeit
von 50
%
aus und ermittelte einen Invaliditätsgrad von 61
%
(vgl.
Urk.
7/103 Verfügungsteil 2).
4.
4.1
Dem Revisionsgesuch vom
2
1.
August 2013
(
Urk.
7/109)
lagen folgende
Arztbe
richte
zugrunde:
Dr.
med. F._
, Fachärztin für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, SUVA, hielt mit Bericht vom 2
2.
Juli 2013 (
Urk.
7/112/13-15) fest, dass die Beschwerdeführerin bis Dezember 2012 im Modegeschäft beschwerdefrei gewe
sen sei. Seither habe sich wieder ein
dyshidrosiformes
Handekzem ausgebildet. Hinsichtlich der durchgemachten Tumorerkrankung seien die bisherigen Routi
nekontrollen unauffällig verlaufen (S. 2). Es sei bei der jetzigen Tätigkeit als Verkaufsassistentin insbesondere im Umgang mit nickelhaltigen Münzen, aber auch beim Kontakt mit andere
n
nickelhaltigen Materialien zum Auftreten eines berufsbedingten kontaktallergischen Ekzems gekommen. Auch wenn bislang keine Arbeitsunfähigkeiten aus dem Verlauf des Kontaktekzems resultiert hät
ten, sei doch eine erhebliche Verschlimmerung mit dem Risiko einer
Chronifi
zierung
zu befürchten (S. 3).
4.2
Dr.
C._
stellte mit Bericht vom
3.
April 2014 (
Urk.
7/130/6-8) folgende Diagno
sen (S. 1):
chronisches, zum Teil
dyshidrosiformes
, zum Teil
hyperkaratotisch-rhagadiformes
streuendes Handekzem bei
epikutaner
Sensibilisierung vom
Spättyp
gegenüber Nickelsulfat, Kobaltchlorid und
Ethylacrylat
Handekzeme seit ca. 1990 bekannt
Rhinoconjunctivitis
pollinosa
und Proteinkontakt-Dermatitis gegenüber Kartoffeln und Äpfeln
Nahrungsmittelallergie gegenüber Sellerie
Als Detailhandelsangestellte (Modeverkäuferin) mit Nickelkontakt sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig; die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (S.
2). Für Arbeiten ohne Kontakt mit den
allergenen
Substan
zen und für Tätigkeiten, die die Hände nicht belasteten (keine Feuchtarbeiten), bestehe volle Arbeitsfähigkeit (S. 3).
4.3
Dr.
med. G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am
4.
April 2014 (
Urk.
7/129) und stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei ein Status nach Anpassungsstörung nach Behandlung eines
Mammakarzinoms
(
Ziff.
1.1). Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.4,
Ziff.
1.6
; vgl. auch
Urk.
7/131
).
4.4
Dr.
D._
hielt mit Bericht vom 2
2.
Mai 2014 (
Urk.
7/133) fest, sie habe keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die Beschwerdeführerin leide an persistierenden links
- (richtig wohl: rechts-)
seitigen Armschmerzen mit leichter Schwäche. Arbeiten in verschiedenen Haltungen seien überaus wichtig, um eine Verstär
kung der Sch
merzen möglichst zu verhindern (
Ziff.
1.1, 1.6, 1.7).
Ergänzend hielt
Dr.
D._
am
7.
Januar 2015 (
Urk.
7/144) fest, es könne sicher
lich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angestrebt werden, ohne dass von einer Exazerbation der Schmerzen im operierten Arm ausgegangen werden müsse.
4.5
Die Gutachterinnen und Gutachter des
A._
stellten in ihrem am 2
5.
August 2015 nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durch
führung einer internistischen, orthopädischen, gynäkologischen und psychi
atrischen Untersuchung erstatteten Gutachten (
Urk.
7/157) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 40):
wenig differenziertes invasiv
ductales
Mammakarzinom
rechts
Erstdiagnose Mai 2007
Status nach Segmentresektion rechts und
Sentinel-Lymphonodekto
mie
rechts Juni 2007
Status nach
axillärer
Lymphonodektomie
rechts Juli 2007
Status nach
adjuvanter
Chemotherapie August bis November 2007
Status nach Radiotherapie Januar bis März 2008
Status nach Therapie mit Tamoxifen Januar 2008 bis Ende 2013
Minderbelastbarkeit des rechten Armes durch Narbenbeschwerden
Verdacht auf Karpaltunnelsyndrom rechts
Allergie auf Nickelsulfat, Kobaltchlorid,
Ethylacrylat
Handekzeme seit 1990, Gesichtsekzeme seit 2006
Dezember 2007 Anerkennung als berufsbedingtes, gemischt toxisch-allergisches Ekzem
Besserung der Hautsymptomatik an nicht-exponiertem Arbeitsplatz
April 2009 Rezidiv des Ekzems nach Wiederaufnahme der Tätigkeit am bisherigen Arbeitsplatz
Mai 2009 Nicht-Eignungsverfügung der SUVA für Arbeiten mit Kon
takt zu
Acrylaten
und Lötdämpfen
August 2013 Nicht-Eignungsverfügung der SUVA für Arbeiten mit Kontakt zu Nickel, Proteinkontaktdermatitis auf Kartoffeln und Äpfel
rezidivierend
e
depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
akzentuierte neurotische Persönlichkeitszüge
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
Im Vordergrund
stünden Beschwerden von Seiten des rechten Armes mit
Min
derbelastbarkeit
und
endgradiger
Bewegungseinschränkung, bedingt durch die stattgehabte Operation des
Mammakarzinoms
rechts mit
Lymphknotenausräu
mung
in
der
Axilla
und dadurch bedingtem
Narbenzug. Diese Beschwerden führten zu einer Minderbelastbarkeit des rechten Armes; entsprechend sollte die Versicherte nicht repetitiv Lasten über Augenhöhe heben müssen. Ansonsten sei das Tragen schwerer Lasten über 5 kg mit dem rechten Arm ungünstig. Die kli
nische
Thenaratrophie
bei Verdacht auf Karpaltunnelsyndrom (CTS) sollte neu
rologisch abgeklärt werden; bei Vorliegen eines CTS könne die Kraftlosigkeit in der Hand durch eine Operation gebessert werden. Von Seiten des chronischen
Lumbovertebralsyndroms
seien Tätigkeiten in Zwangspositionen ebenfalls ungünstig. Des Weiteren sei auf die diversen Allergien verwiesen; entspre
chende Nichteignungsverfügungen der SUVA lägen vor. Zudem bestehe eine gewisse Minderbelastbarkeit aus psychischen Gründen, welche auf 10
%
einzu
schätzen sei bei gesamtmedizinischer Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 70
%
(S. 41).
Die angestammten Tätigkeiten als Hörgerätefacharbeiterin und Verkäuferin mit Kontakt zu Münzen
sei aufgrund der Allergien nicht mehr zumutbar. In adap
tierter Tätigkeit bestünden neben den Einschränkungen aufgrund der Allergien die Einschränkungen aufgrund der Minderbelastbarkeit des rechten Armes. Weiter könne die Beschwerdeführerin aufgrund des gynäkologischen, orthopä
dischen und psychiatrischen Leidens nur mit einem Rendement von 70
%
ein
gesetzt werden. Diese Beurteilung gelte ab dem Datum des Gutachtens. Der Verlauf sei in den Akten derart schlecht dokumentiert und widersprüchlich, dass der eigentliche Verlauf der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollzogen werden könne (S. 42).
Aktuell sei die Beschwerdeführerin mit ihrer Tätigkeit als Haushälterin in einem Pensum von 40
%
gut eingegliedert. Diese Tätigkeit sei ihr grundsätzlich in einem Pensum von 70
%
zumutbar (S. 42).
Worauf der Entscheid einer
Dreiviertelsrente
beruht habe, sei nicht klar.
Letzt
lich sei davon auszugehen, dass es sich heute um einen im Wesentlichen unver
änderten Gesundheitszustand handle, dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit gutachterlich nur anders beurteilt werde (andere Beurteilung des glei
chen Sachverhalts).
Von psychiatrischer Seite her habe sich die Situation ver
bessert
; derzeit sei die Depression remittiert. Von orthopädischer Seite her sei die Minderbelastbarkeit des rechten Armes gleichgeblieben wie auch eine gewisse Einschränkung durch das chronische
Lumbovertebralsyndrom
. Aus gynäkologischer Sicht bestehe eine Einschränkung des Rendements von 30
%
. Von Seiten der Allergien sollte weiterhin auf eine Nicht-Exposition bezüglich der bekannten Allergene geachtet werden (S. 43). Aus somatischer Sicht könne die von
Dr.
D._
in ihrer Beurteilung vom Januar 2015 festgehaltene Arbeits
unfähigkeit von 50
%
nicht nachvollzogen werden; eine Begründung dafür fehle (S. 44 oben).
4.6
Dr.
D._
führte mit Stellungnahme vom
3.
November 2015 (
Urk.
7/165/3) aus, dass in Bezug auf die Schmerzen im betroffenen Arm Arbeiten in verschiedenen Haltungen überaus wichtig seien, um eine Verstärkung der Schmerzen mög
lichst zu minimieren. Aufgrund der jedoch stärkeren körperlichen Anstrengung sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
gegeben.
4.7
Dr.
med. H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte mit Bericht vom
8.
November 2015 (
Urk.
7/165/2) folgende Diagnosen:
vermehrte Müdigkeit
Rückenschmerzen
Knieschmerzen rechts
Schulterschmerzen
Die Beschwerdeführerin leide an chronischen
skelettalen
Schmerzen, welche nur durch regelmässiges Training kontrolliert werden könnten. Die momentane Arbeits
belastung in einem 40
%
-Pensum sei knapp möglich. Eine Steigerung sei sicher mit vermehrten Beschwerden und dann vermehrter Arbeitsunfähigkeit ver
bunden. Sinnvoll wäre, die Rente wie bisher zu belassen.
4.8
Dr.
C._
hielt mit Bericht vom 1
3.
November 2015 (
Urk.
7/165/1) fest, sie habe Bedenken, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als
Hör
gerätefachmitarbeiterin
zu 70
%
arbeitsfähig sein solle, da die SUVA diesbezüg
lich eine Nichteignungsverfügung erlassen habe.
5.
5.1
Die Annahme einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit und
Zusprache
einer
Drei
viertels
rente
erfolgte im Jahr 2012 gestützt auf die Untersuchung und Beur
tei
lung durch RAD-Ärztin
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.4; vgl. auch
Urk.
7/98/4 f.), wonach die Reduktion in der bisherigen Tätigkeit auf die verminderte phy
sische und psychische Belastbarkeit bei teils abgeschlossener, teils andauer
nder Krebstherapie sowie auf die reduzierte Einsetzbarkeit des rechten Arms zurück
zuführen sei. Die neue Tätigkeit im Modehaus zu 50
%
sei optimal angepasst. Als Diagnosen nannte
Dr.
E._
einen Status nach
Mammakar
zinom
rechts mit entsprechender Behandlung (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung)
und verbleibender Funktionseinschränkung und
Sensibilitäts
störung
im rechten Arm
, die
Tamoxifentherapie
, ein
Panvertebralsyndrom
bei
Dekonditionierung
und Angstzustände mit Ein- und Durchschlafstörungen. Die Arbeitsunfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit bezifferte sie mit 50
%
. Diese Ein
schätzung erfolgte in Übereinstimmung mit den Beurteilungen der behandeln
den Ärztinnen (vgl. vorstehend E. 3).
5.2
In der Folge konnte die Beschwerdeführerin die bislang als optimal angepasst geltende Arbeit im Modehaus aufgrund der Nickelallergie
nicht mehr ausüben, was
Dr.
F._
und
Dr.
C._
bestätigten (vgl. vorstehend E. 4.1- 4.2).
Dr.
C._
hielt fest, dass für Arbeiten ohne Kontakt mit Allergenen oder Feuchtigkeit aus dermatologischer Sicht volle Arbeitsfähigkeit gegeben sei (vorstehend E. 4.2).
Psychiaterin
Dr.
G._
(vorstehend E. 4.3) stellte keine Diagnose mit Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit.
Gynäkologin
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.4) ging weiterhin von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus. Diese Berichte belegen somit
keine Verschlechterung, sondern weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bei
grundsätzlich
unveränderten Diagnosen.
5.3
Die
Gutachterinnen und Gutachter des
A._
(vorstehend E.
4.5) stellten im Wesentlichen die gleichen Diagnosen
wie
Dr.
E._
im Jahr 2010
, nämlich diejenigen eines
Status nach Behandlung des
Mammakarzinoms
rechts mit Minderbelastbarkeit des rechten Arms und
einer
Allergie auf Nickelsulfat, Kobaltchlorid und
Ethylacrylat
. Das zusätzlich diagnostizierte
lumbovertebrale
Schmerzsyndrom entspricht den Rückenschmerzen, die
Dr.
D._
bereits 2011 fes
tstellte (vgl. vorstehend E. 3.5
). Neu kam
lediglich
ein Verdacht auf ein
Kar
paltunnelsyndrom
hinzu. Hinsichtlich der zur Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit massgeblichen Auswirkungen dieser Diagnosen hielten die Gutachter fest, dass die Beschwerden des rechten Armes mit Minderbelastbarkeit und
endgradiger
Bewegungseinschränkung im Vordergrund stünden. Zudem bestehe eine gewisse Minderbelastbarkeit aus psychischen Gründen, welche auf 10
%
einzu
schätzen sei. Das Karpaltunnelsyndrom müsse abgeklärt werden. Von Seiten des
lumbovertebralen
Schmer
z
syndroms seien Tätigkeiten in Zwangspositionen ungünstig.
Die Gutachter stellten somit die gleichen Einschränkungen wie bisher fest, kamen aber dennoch zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin aus
poly
diszi
plinärer
Sicht in adaptierten Tätigkeiten
nun
zu 70
%
(statt wie bisher zu 50
%
) arbeitsfähig sei.
Dabei betonten die Gutachter ausdrücklich, es handle sich heute um einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand, dessen Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sie gutachterlich anders beurteil
ten, somit nähmen sie eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalt
s vor (vgl. vor
stehend E. 4.5).
Dies ist revisionsrechtlich
jedoch
unbe
achtlich
;
d
ie bloss unterschiedliche Beur
teilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit stellt für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar (vgl. vorstehend E. 1.4). Damit ist weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer
behin
derungsangepassten
Tätigkeit auszugehen.
Dies wurde hinsichtlich der im Vor
dergrund stehenden Armbeschwerden von
Dr.
D._
ausdrücklich bestätigt (vgl.
vorstehend E. 4.4).
Die angestammte Tätigkeit als Hörgeräte-Facharbeiterin ist
entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin
aufgrund der Allergien weiter
hin nicht zumutbar
, auch nicht in einem reduzierten Pensum (vgl. vor
stehend E. 4.5 und S. 42 des
A._
-Gutachtens)
.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Ein
kommensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin im
Gesund
heitsfall
weiterhin zu 100
%
bei der
Y._
tätig gewesen wäre, und errechnete gestützt auf das bei der
Y._
letztmals erzielte Einkommen ein hypothetisches
Valideneinkommen
von
Fr.
66‘218.25 für das Jahr 2015 (vgl.
Urk.
7/160 sowie
Urk.
2 S. 2). Dies ist nicht zu beanstanden.
6.3
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b/
aa
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 850/05 vom 21. August 2006 E. 4.2).
Die Beschwerdeführerin übt seit 1
7.
Februar 2014 in einem Pensum von 40
%
eine behinderungsangepasste Tätigkeit als Haushälterin aus (vgl.
Urk.
7/128).
Ob es sich dabei um ein besonders stabiles Arbeitsverhältnis handelt, kann offen bleiben, denn das kumulativ zu erfüllende Erfordernis der zumutbaren vollen Ausschöpfung der Restarbeitsfähigkeit von 50
%
ist nicht erfüllt. Damit ist die Berechnung des hypothetischen Invalideneinkommens nicht anhand des tat
sächlich in dieser Tätigkeit erzielten Lohns, sondern anhand der statistischen Werte zu ermitteln.
6.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40
Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
6.5
Angesichts der Zumutbarkeit einer 50%igen behinderungsangepassten Tätigkeit steht der Beschwerdeführerin
unter Berücksichtigung der Beeinträchtigung des rechten Arms und der Allergien
eine
breite
Palette von Tätigkeiten offen. Es rechtfertigt sich daher, für die Bemessung des Invalideneinkommens auf den standardisierten Durchschnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszweigen des Privaten Sektors
gemäss
LSE
abzustellen.
Das im Jahr 201
4
von
Frauen
im Durchschnitt aller einfachen Tätigkeiten kör
perlicher oder handwerklicher Art erzielte Einkommen betrug pro Monat Fr. 4‘300.-- (
LSE
2014, Tabellengruppe TA1
_tirage_skill_level
, Total,
Komp
e
tenz
niveau
1, www.bfs.admin.ch
), mithin Fr. 51‘600.-- pro Jahr (Fr. 4‘300.-- x
12). Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohnentwicklung für
Frauen
im Jahr 2015 in der Höhe von 0.5 % (www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, Lohnentwicklung
2015
) sowie der durchschnittli
chen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2015 von 41.7 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total, www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit) ergibt dies ein Invalideneinkommen von rund Fr. 54‘062.-- für das Jahr 2015 (Fr. 51‘600.-- x 1.005 : 40 x 41.7). Bei einem Arbeitspensum von 50 % ergibt dies ein Inval
ideneinkommen von
rund
Fr. 27‘031.--.
6.6
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Aus
wirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
6.7
Obwohl sich Teilzeitarbeit bei Frauen in der Regel lohnerhöhend
auswirkt
(
vgl. dazu das
Urteil des Bundesgerichts 8C_712/2012 vom 3
0.
Novemb
er 2012 E. 4.2.2 mit Hinweisen)
und deshalb nur selten einen zusätzlichen Abzug recht
fertigt
, ist vorliegend dem Umstand Rechnung zu tragen, dass der Beschwerde
führerin zweimal aufgrund ihrer Allergien eine Nichteignungsverfügung der SUVA ausgestellt wurde. Dies
erschwert
auch bei Annahme eines ausgegliche
nen Arbeitsmarktes, der gewisse Nischenarbeitsplätze bereithält, die Verwert
barkeit der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, da
sie nicht für alle einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art einsetzbar ist. Es
ist
des
halb ein Abzug von 5
%
zu
gewähren
, womit ein hypothetisches
Invaliden
ein
kommen
von
rund
Fr.
25‘679.
-
-
resultiert (
Fr.
27‘031.-- x 0.95).
6.8
Der Vergleich des hypothetischen
Valideneinkommens
von
rund
Fr.
66‘218.
--
mit dem hypothetischen Invalideneinkommen von
Fr.
25‘679.
--
ergibt eine Ein
busse von
Fr.
40‘53
9
.
--
und damit einen Invaliditätsgrad von 61.21
%
und
gerundet 61
%
.
Damit hat die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine
Dreiviertels
rente
. Mit dieser Feststellung ist die Beschwerde gutzuheissen und die ange
fochtene Verfügung vom
1
0.
Februar 2016 aufzuheben.
7.
Nachdem der Beschwerdeführerin weiterhin die bisherige
Dreiviertelsrente
zusteht, erweist sich auch die Rückforderungsverfügung vom 1
1.
Mai 2016 als nicht rechtens. Dies führt zur Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde.
8.
8.1
Da es um die Bewilligung oder die Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 1‘
00
0
.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der
Beschwerde
geg
nerin
aufzuerlegen.
8.2
Ausgangsgemäss
hat die
vertretene Beschwerde
führe
r
in
Anspruch auf eine
Pro
zess
entschädigung
, welche beim
praxisgemässen
Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich
MWSt
) auf Fr.
2‘700
.-
- (inkl.
MWSt
und Barauslagen) festzusetzen ist.
Das Gericht
beschliesst
:
Der Prozess
Nr. IV.2016.00631
in Sachen
X._
gegen die
Sozialver
siche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, wird mit dem vorliegenden Prozess
Nr. IV.2016.00337
vereinigt
und als dadurch erledigt abgeschrieben,
und erkennt:
1.
1.1
In Gutheissung der Beschwerde
vom 1
4.
März 2016
wird
die Verfügung der
Sozial
versi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
0.
Februar 2016
auf
gehoben, und es wird fe
stgestellt, dass die Beschwerde
führerin
weiterhin Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
hat.
1.2
In
Gutheissung
der Beschwerde vom
1.
Juni 2016 wird die
Rückforderungsv
erfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, vom 1
1.
Mai
2016 auf
gehoben
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
1'000
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozess
ent
schä
digung
von
Fr.
2'700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwalt Ervin
Deplazes
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.