Decision ID: c3b6d798-5b08-47fa-8bd7-1ff0ed441444
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Die B._ GmbH war vom 1. Juni 2012 bis zur Konkurseröffnung am 2. Mai 2019
bei der Ausgleichskasse Gewerbe St. Gallen (nachfolgend: Ausgleichskasse) als
beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen. A._ war von der Eintragung der
Gesellschaft in das Handelsregister des Kantons St. Gallen am 24. Mai 2012 bis zu
deren Löschung am 4. November 2019 als Geschäftsführer mit Einzelunterschrift im
Handelsregister eingetragen (online-Handelsregisterauszug, abgerufen am 26. August
2022). Mit Verfügung vom 3. August 2020 (polizeiliche Zustellung am 3. September
2020) forderte die Ausgleichskasse von A._ Schadenersatz für entgangene
Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 24'347.-- betreffend die Jahre 2017 bis
2019, da er als zuständiges Organ der Gesellschaft rechtswidrig und schuldhaft der
Beitragsablieferungspflicht nicht nachgekommen sei (act. G 9.1/3).
A.a.
Mit mündlicher Einsprache vom 24. September 2020 beantragte A._ die
Aufhebung der Verfügung. Die Höhe des Schadens werde nicht bestritten, er habe aber
nicht grobfahrlässig gehandelt. Der Betrieb habe bis 2015 funktioniert, auch bei der
AHV seien die Zahlungen auf Kurs gewesen. Dann seien mit der Eurokrise auf einen
Schlag 30 % des Umsatzes verloren gegangen. Im Herbst 2018 habe er einen
Herzinfarkt erlitten und die ambulante Reha durchlaufen. Im März/April 2019 habe er
zudem wegen Mietrückständen die Kündigung für das Ladenlokal erhalten. Er habe
trotz gesundheitlicher Probleme immer versucht zu überleben, habe aber zum Schluss
A.b.
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B.
trotzdem Konkurs anmelden müssen (act. G 9.1/7). Mit einer weiteren Eingabe an die
Ausgleichskasse vom 31. Oktober 2020 führte er aus, vor allem die Mietzinsrückstände
bei der Vermieterin hätten zum Konkurs geführt, da diese auf Grund seiner
gesundheitlichen Probleme nicht bereit gewesen sei, weiterzumachen (act. G 9.1/8).
Mit Entscheid vom 22. Juli 2021 wies die Ausgleichskasse die Einsprache ab. Es
liege kein Exkulpationsgrund vor, da die strukturellen Probleme bereits seit Jahren,
zuerst in den Sommermonaten, dann zunehmend ganzjährig, bestanden und die
Illiquidität sowie die Beitragsausstände erhöht hätten. Die Krankheit des Einsprechers
wirke sich nicht verschuldensmindernd aus, da er seine Tätigkeit nach kurzer Zeit
wieder aufgenommen habe. Er sei seiner Pflicht, Massnahmen zur Bezahlung der
ausstehenden Beiträge einzuleiten, nicht nachgekommen und habe nach dem Konkurs
seiner GmbH sogleich ein neues Unternehmen in derselben Branche gegründet. Dies
sei ihm als schuldhaftes Verhalten im Sinn von Art. 52 AHVG anzurechnen (act. G 1.1).
A.c.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 23. August
2021 (Datum Postaufgabe) mit dem sinngemässen Antrag auf dessen Aufhebung. Seit
der Eurokrise sei der Umsatz ab 2015 zurückgegangen. Trotzdem seien die einzigen
Posten, die länger offengeblieben seien, die Mieten und Versicherungen gewesen. Im
Sommer 2017 habe ein externer Berater der C._ im Auftrag der Vermieterin den
Betrieb begutachtet und ein Konzept ausgearbeitet. Dieses Konzept sei ihm dann zur
Umsetzung unterbreitet worden mit der Verpflichtung einer Mietverlängerung um
weitere zwei Jahre. Zudem seien die offenen Mietrückstände unter der Bedingung
erlassen worden, dass die Mieten ab Sommer 2018 wieder regelmässig bezahlt
würden. Die Vermieterin und die finanzierende Bank hätten somit die Probleme nicht
als strukturell eingeschätzt. Um die Abmachung einzuhalten, habe er nach seinem
Herzinfarkt Ende August 2018 so schnell wie möglich wieder zu arbeiten begonnen.
Nachdem es aber zu weiteren gesundheitlichen Problemen gekommen sei und die
ambulante Reha nicht habe abgeschlossen werden können, habe die Vermieterin das
Mietverhältnis auf Ende März 2019 gekündigt. Um alle offenen Rechnungen zu
begleichen, habe er eine Offerte für sein Inventar eingeholt. Nach seinen Erfahrungen
hätte er damit einen Erlös von über Fr. 40'000.-- erzielen können. Durch eine Retention
B.a.
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der Bank sei schliesslich das ganze Inventar für lediglich Fr. 500.-- verkauft worden. Er
habe alles versucht, um die Schulden der Gesellschaft zu begleichen. In der kurzen Zeit
sei es aber nicht mehr möglich gewesen etwas zu bewirken. Auch habe er nicht mit der
Kündigung gerechnet, da das Geschäft durch den Refresh wieder sauber und neu
aufgestellt gewesen sei. Nach dem Konkurs sei er arbeitslos gewesen und habe trotz
intensiver Arbeitssuche in seinem erlernten Beruf keine Stelle mehr gefunden. Deshalb
habe er sich entschlossen, eine selbstständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Im Juli
2019 habe er die Auszahlung seines Pensionskassengeldes beantragt, womit er neu
habe anfangen können. Nach wenigen Monaten sei er durch den Corona-Lockdown
erneut vor eine harte Probe gestellt worden (act. G 1).
Nachdem der Beschwerdeführer am 28. September 2021 mitgeteilt hatte, dass er
den verlangten Kostenvorschuss von Fr. 500.-- nicht bezahlen könne, wurde ihm das
Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" zugestellt (act. G 4 f.). Am
2. November 2021 (Datum Postaufgabe) reichte er das entsprechende Gesuch ein (act.
G 6). Mit formloser Mitteilung vom 8. November 2021 wurde der Beschwerdeführer im
Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege von der Bezahlung der Gerichtskosten
befreit (irrtümlich als Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung bezeichnet
[act. G 8]).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 17. November 2021 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Beitragspflicht sei nur
schleppend erfüllt worden. Selbst die Bezahlung der ersten Rate eines verfügten
Zahlungsaufschubs habe gemahnt werden müssen. Die Gesellschaft bzw. der
Beschwerdeführer als deren damaliges Organ hätten damit die Beitragszahlungspflicht
betreffend die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Ausstände mehrfach
verletzt. Ein Rechtfertigungsgrund für die Missachtung der Vorschriften sei nicht
ersichtlich. Zudem liege auf Grund des über Jahre andauernden Normverstosses ein
qualifiziertes Verschulden bereits vor den gesundheitlichen Problemen des
Beschwerdeführers vor. Diesem würden nicht die wirtschaftlichen Probleme der B._
GmbH vorgehalten, sondern einzig die nicht (pünktliche) Bezahlung der
Sozialversicherungsbeiträge. Hätte der Beschwerdeführer dafür gesorgt, dass das
Unternehmen den Beitragspflichten nachkommt und nur so viel Lohn ausbezahlt, dass
B.c.
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die darauf anfallenden Beitragsforderungen gedeckt gewesen wären, wäre der
Schaden nicht entstanden (act. G 9).
Mit Replik vom 6. Januar 2022 macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen
geltend, er habe Prioritäten setzen müssen, da seine Frau im Jahr 2012 die Diagnose
Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium erhalten und er damals zwei
schulpflichtige Kinder zu betreuen gehabt habe. Im Weiteren habe er sehr wohl die
Lohnsumme reduziert, habe diese im Jahr 2015 noch Fr. 149'583.-- betragen, ein Jahr
später - dem reduzierten Umsatz entsprechend - nur noch Fr. 126'622.--. Schliesslich
habe er der SVA (St. Gallen) Ausgaben erspart, indem er verschiedenen Personen eine
Wiedereingliederung der IV ermöglicht habe. Er habe seine Miete und die
Krankenkasse nicht mehr bezahlen können. Um aus diesem Kreislauf auszubrechen,
habe er sich dann seine Pensionskasse auszahlen lassen und im Herbst 2019 eine
neue Existenz aufgebaut. Dass er dann, nach nur ein paar Monaten durch den
Lockdown und die diskriminierenden Regeln der SVA (St. Gallen) keine
Härtefallentschädigung erhalten habe, habe ihn wieder finanziell in den Ruin gebracht.
Er lebe momentan auf einem Existenzminimum von Fr. 2'000.--. Er habe immer
versucht, Schäden zu vermeiden und habe sich nie irgendwelche Vorteile zu
verschaffen versucht (act. G 11). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik
(act. G 13).
B.d.
Auf seine Bemerkung hin, sich keinen Rechtsvertreter leisten zu können, klärte das
Gericht ihn am 21. Januar 2022 über die Möglichkeit der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung auf (act. G 14).
B.e.
Am 18. Februar 2022 liess der Beschwerdeführer durch seine damalige
Rechtsvertreterin ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung einreichen, das
mit Schreiben des Versicherungsgerichts vom 21. März 2022 nach Einholung aktueller
Einkommensbelege formlos abgewiesen wurde (act. G 17 und 22). Am 28. März 2022
stellte der Beschwerdeführer ein "Wiedererwägungsgesuch" betreffend unentgeltliche
Rechtsverbeiständung. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung wurde
mit förmlichem Entscheid vom 21. April 2022 erneut abgewiesen (act. G 25 und 28).
Am 17. Juni 2022 teilte die Rechtsvertreterin mit, dass sie den Beschwerdeführer per
sofort nicht mehr vertrete (act. G 30).
B.f.
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Erwägungen
1.
Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen. Handelt
es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder
der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten
Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften
sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über
die Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVG, SR 831.10). Die Arbeitgeber sind
verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVV, SR 831.101). Die Missachtung dieser
Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art. 52
Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine
Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben
sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches und
schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem muss
zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden ein
adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Diese Haftungsordnung gilt
sinngemäss auch für die Beitragsforderungen der Invalidenversicherung (Art. 66 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]), der
Erwerbsersatzordnung (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Erwerbsersatzordnung [EOG; SR 834.1]), der Arbeitslosenversicherung (Art. 6 des
Bundesgesetzes über die Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
[AVIG; SR 837.0]) und der Familienausgleichskasse (Art. 25 lit. c des Bundesgesetzes
über die Familienzulagen [FamZG; SR 836.2]). Die Schadenersatzforderung verjährt
zwei Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten
hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können
Auf Grund des Privatkonkurses des Beschwerdeführers war das vorliegende
Beschwerdeverfahren gemäss Mitteilungen des Konkursamtes vom 18. Februar 2022
sowie 16. März 2022 vom 22. Februar 2022 bis 31. März 2022 sistiert (vgl. act. G 18,
20, 21 und 24).
B.g.
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unterbrochen werden. Der Arbeitgeber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten.
Sieht das Strafrecht eine längere Frist vor, so gilt diese (Art. 52 Abs. 3 AHVG in der
vorliegend massgebenden, bis 31. Dezember 2019 gültig gewesenen Fassung).
2.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer vom 24. Mai 2012 bis zur
Löschung der Gesellschaft am 4. November 2019 als Geschäftsführer der B._ GmbH
mit Einzelunterschrift im Handelsregister eingetragen war und damit eine (formelle)
Organstellung innehatte (online-Handelsregisterauszug, abgerufen am 26. August
2022). Weiter sind weder das Bestehen offener Beitragsforderungen sowie deren Höhe
und Zusammensetzung noch die Rechtzeitigkeit der Schadenersatzverfügung
umstritten, sodass darauf nur - aber immerhin - summarisch einzugehen ist. Bestritten
wird vom Beschwerdeführer hingegen ein Verschulden seinerseits.
2.1.
2.2.
Die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers bzw. des verantwortlichen Organs
setzt zunächst den Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Nach der
Rechtsprechung gilt der Schadeneintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen
Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren erhoben
werden können, beispielsweise bei Erhalt von definitiven Pfändungsverlustscheinen
(Art. 115 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs [SR 281.1;
abgekürzt: SchKG] in Verbindung mit Art. 149 SchKG) oder bei Konkurseröffnung über
eine juristische Person (BGE 136 V 268 E. 2.6). Der Schaden kann unbezahlt
gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge, Verwaltungskostenbeiträge,
Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten sowie Verzugszinsen für
rückständige Beiträge umfassen (Thomas Nussbaumer, Das Schadenersatzverfahren
nach Art. 52 AHVG, in Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem
Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 100). Die schadenersatzpflichtige Person
hat auf Grund ihrer Mitwirkungspflichten den Schadensbetrag substantiiert zu
bestreiten, soweit die Forderung nicht auf rechtskräftigen Verfügungen beruht (ZAK
1991 S. 125, AHI-Praxis 1993 S. 172, SVR 2001 AHV S. 51 Nr. 15).
2.2.1.
Vorliegend macht die Beschwerdegegnerin einen Schaden von insgesamt
Fr. 24'347.-- (bundes- und kantonalrechtliche Beiträge, samt Verwaltungs- und
Nebenkosten) geltend. Dabei handelt es sich um die Pauschale für das 4. Quartal 2017
(Fr. 4'137.85 [bundes- und kantonalrechtliche Beiträge, inkl. Verwaltungskosten] -
Fr. 320.-- [FZ-Leistungen netto] - Fr. 2'957.85 [Zahlungen] + Fr. 20.-- [Mahngebühr] +
2.2.2.
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Fr. 33.15 [Verzugszins] = Fr. 913.15), alle vier Quartalspauschalen für das Jahr 2018 ([3
x Fr. 4'024.35 + Fr. 4'025.65 bundes- und kantonalrechtliche Beiträge, inkl.
Verwaltungskosten] - Fr. 2'400.-- [FZ-Leistungen] - Fr. 3'100.-- [Zahlungen] + Fr. 100.--
[Mahngebühren] + Fr. 441.45 [Verzugszins] - Fr. 186.75 [CO -Rückvergütung] =
Fr. 10'953.40), die Jahresabrechnung 2018 (Fr. 4'481.10 [bundes- und
kantonalrechtliche Beiträge, inkl. Verwaltungskosten] + Fr. 20.-- [Mahngebühr] +
Fr. 76.30 [Verzugszins] = Fr. 4'577.40), die Pauschale für das 1. Quartal 2019
(Fr. 4'024.35 [bundes- und kantonalrechtliche Beiträge, inkl. Verwaltungskosten] +
Fr. 50.-- [Mahngebühren] + Fr. 18.-- [Verzugszins] = Fr. 4'092.35), die April-2019-
Pauschale (Fr. 502.35 [bundes- und kantonalrechtliche Beiträge, inkl.
Verwaltungskosten]) sowie die Jahresabrechnung 2019 (Fr. 3'463.-- [bundes- und
kantonalrechtliche Beiträge, inkl. Verwaltungskosten] - Fr. 154.65 [CO -Rückvergütung]
= Fr. 3'308.35), total somit Fr. 24'347.-- (act. G 9.1/1 und 3). Der geltend gemachte
Schaden erscheint damit genügend substantiiert und wird vom Beschwerdeführer wie
gesagt nicht bestritten. Daran ändert nichts, dass ein Teil der nun Gegenstand des
Schadens bildenden offenen Beiträge (April-2019-Pauschale sowie die
Jahresabrechnung 2019 und die Verzugszinsen auf den Beiträgen) erst nach der
Konkurseröffnung vom 2. Mai 2019 (nämlich gemäss Kontokorrent-Auszug vom 8. Juli
2020 am 11. Juni 2019, am 30. März 2020 bzw. am 4. September 2019 [act. G 9.1/1])
in Rechnung gestellt wurde, entstehen doch die Beitragsforderungen ex lege im
Zeitpunkt der Lohnauszahlung (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Januar 2016, 9C_851/2015, E. 4.3). Nachdem wie gesagt am
2. Mai 2019 der Konkurs über die Gesellschaft eröffnet wurde, können die
ausstehenden Beiträge nicht mehr im ordentlichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG bei
der Arbeitgeberin erhoben werden. Der Schaden gilt damit als eingetreten (vgl.
Entscheid des Bundesgerichts H 37/02 vom 3. September 2003 E. 3.2 mit Hinweisen).
2
2
2.3.
Weitere Haftungsvoraussetzung für die Schadenersatzforderung ist die
Widerrechtlichkeit. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV schreibt vor,
dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu
bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu
entrichten hat. Bei einer Lohnsumme ab Fr. 200‘000.-- hat der Arbeitgeber die Beiträge
monatlich zu zahlen (Art. 34 Abs. 1 lit. a AHVV). Gemäss Art. 35 Abs. 2 AHVV in
Verbindung mit Rz 2057 (bis Version 14, Stand am 1. Januar 2020: Rz 2048) der
Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über den Bezug der Beiträge in
der AHV, IV und EO (WBB) sind Änderungen der ursprünglichen voraussichtlichen
2.3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/16
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Lohnsumme von mindestens 10 Prozent während des laufenden Jahres zu melden,
sofern diese Änderung mindestens Fr. 20'000.-- ausmacht. Die Beitragszahlungs- und
Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlich-
rechtliche Aufgabe. Dazu hat das Bundesgericht wiederholt erklärt, dass die
Nichterfüllung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe eine Missachtung von Vorschriften
im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG bedeute und grundsätzlich die volle
Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 118 V 195 E. 2a mit Hinweisen).
Gemäss Aktenlage musste die B._ GmbH praktisch seit deren Anschluss an
die Beschwerdegegnerin im Juni 2012 häufig gemahnt und betrieben werden. So
musste bereits die erste Jahreslohnmeldung betreffend das Jahr 2012 gemahnt
werden. In den Folgejahren mussten des Öfteren die Bezahlung der
Beitragspauschalen und Jahresabrechnungen gemahnt werden, so die Akontobeiträge
für das 2. und 4. Quartal 2015 sowie die Jahresabrechnung 2015, das 1. und 2. Quartal
2016 sowie von Juli bis Januar 2017 sämtliche Monatspauschalen; die Pauschalen
August bis Oktober 2016 mussten zudem betrieben werden. Ab Februar 2017 wurde
wieder auf Quartalspauschalen umgestellt, deren erste (Februar - März 2017) sowie
jene für das 4. Quartal 2017 wiederum gemahnt werden mussten. Im Jahr 2018
mussten sämtliche Quartalspauschalen sowie die Jahreslohnmeldung und die
Jahresabrechnung gemahnt werden. Ebenso verliefen die Zahlungen spätestens ab
dem 4. Quartal 2015 schleppend, wurden ab da jeweils nicht mehr die gesamten in
Rechnung gestellten Beiträge beglichen, sondern nur noch - wenn überhaupt - kleinere
Abschlagszahlungen geleistet. Dementsprechend stiegen die Ausstände zunächst ab
dem 2. Quartal 2016 immer weiter an (weshalb wohl per Ende Juli 2016 eine
Differenzabrechnung durchgeführt und ab August 2016 auf monatliche
Pauschalbeträge umgestellt wurde [act. G 9.1 S. 12]). Zudem wurden für 2015 und ab
2018 jeweils deutlich zu tiefe (mehr als 10 % Differenz) Akontobeiträge bezahlt, was zu
entsprechend hohen auszugleichenden Beiträgen in den Jahresabrechnungen und ab
2018 schliesslich - nebst den ebenfalls weitgehend offengebliebenen Pauschalen - zu
einem erheblichen Anstieg der Ausstände führte. Im Weiteren hielt die B._ GmbH die
Abzahlungsvereinbarung vom 15. Mai 2018 betreffend die Akontobeiträge Januar bis
März 2018 (Buchungsdatum 9. März 2018) nicht ein, konnten doch keine
entsprechenden Eingänge verbucht werden. Die letzte Zahlung der B._ GmbH
erfolgte am 3. Januar 2019 (act. G 9.1/1 und 2). Unter diesen Umständen kann nicht
zweifelhaft sein, dass die Gesellschaft ihrer Beitragsabrechnungs- und -
ablieferungspflicht während langer Zeit nicht ordnungsgemäss nachgekommen war.
Damit ist die Haftungsvoraussetzung der Widerrechtlichkeit erfüllt.
2.3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/16
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2.4.
Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorschriften absichtlich oder grobfahrlässig
missachtet wurden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sowohl ein Verschulden der
Arbeitgeberin wie des verantwortlichen Organs vorliegen muss. Nach der
Rechtsprechung ist nicht jede Verletzung der öffentlich-rechtlichen Aufgaben durch die
Arbeitgeberin ohne Weiteres einem qualifizierten Verschulden ihrer Organe
gleichzusetzen. Vorausgesetzt ist vielmehr ein Normverstoss von einer gewissen
Schwere. Eine Nichtabrechnung oder Nichtbezahlung der Beiträge genügt noch nicht,
um ein qualifiziertes Verschulden anzunehmen. Vielmehr sind die gesamten Umstände
zu würdigen. Die Frage der Dauer des Normverstosses ist dabei ein
Beurteilungskriterium, das im Rahmen der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen ist
und im Sinne der Rechtsprechung zu den Entlastungsgründen zur Verneinung der
Schadenersatzpflicht führen kann (BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Von einem
qualifizierten Verschulden ist in der Regel auszugehen, wenn etwa eine Arbeitgeberin
über längere Zeit ihre Abrechnungs- und/oder Ablieferungspflichten nur schleppend
oder bloss teilweise erfüllt. Gegen ein qualifiziertes Verschulden kann beispielsweise
eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstands sprechen oder der Umstand, dass eine
Arbeitgeberin bei ungenügender Liquidität zunächst für das Überleben des
Unternehmens wesentliche andere Forderungen (insbesondere solche der
Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, sofern sie auf Grund der objektiven
Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen darf, sie werde die
geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen können (BGE 121 V 244 E. 4b
mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2011, 9C_330/2010, E. 3.4). Bei
der Verschuldensbeurteilung gilt ein objektiver Verschuldensmassstab, weshalb
subjektive Entschuldbarkeit oder die Gründe für die Mandatsübernahme unbeachtlich
sind (Ueli Kieser, Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.],
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage,
G 460 mit Hinweisen). Das Mass der gebotenen Sorgfalt hängt immer von den
Umständen ab, wozu auch die Grösse der Firma und die Anzahl Verwaltungsräte
gehören. Bei einem einzigen Verwaltungsrat bzw. Geschäftsführer gilt ein strengerer
Massstab (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Dezember 2010, 9C_325/2010, E. 5.1).
2.4.1.
Wie unter vorstehender Erwägung 2.3.2 ausgeführt, kam die B._ GmbH ihrer
Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflicht während längerer Zeit nur schleppend
oder überhaupt nicht nach und verstiess damit gegen Gesetzesvorschriften. Es wird
weder konkret geltend gemacht noch ist ersichtlich, dass es für dieses Verhalten einen
entschuldbaren Grund gibt. Insbesondere ist nicht erkennbar, dass ein tragfähiges
2.4.2.
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Sanierungskonzept bestanden hätte, das realistischerweise und prospektiv gesehen
eine nachhaltige Sanierung der Gesellschaft innert nützlicher Frist, das heisst
praxisgemäss innerhalb eines Jahres, hätte erwarten lassen. Diesbezüglich ist
auszuführen, dass die vom Beschwerdeführer ins Recht gelegte "Analyse" des Z._-
Bistros im Auftrag der Vermieterin und der finanzierenden Bank (nach eigenen Angaben
des Beschwerdeführers) zwar von einem Verbesserungspotential ausging, indem etwa
angeregt wurde, den Kaffee- und den Aussenbereich sowie das Bretzelangebot zu
verbessern bzw. zu erweitern. Indessen handelt es sich bei dieser Analyse lediglich um
Verbesserungsvorschläge aus gastronomischer Sicht. Ob und inwiefern der
Beschwerdeführer diese umgesetzt hat, ist nicht ersichtlich und wird vom
Beschwerdeführer auch nicht näher ausgeführt. Im Weiteren ging die
Abklärungsperson offenbar implizit davon aus, dass eine Neupositionierung zwar
möglich, auf Grund der starken Konkurrenz in der Umgebung aber wohl nicht einfach
zu realisieren sei, weshalb sie eine stärkere Konzentration auf margenstärkere
Eigenprodukte vorschlug. Es erscheint allerdings fraglich, ob die gewünschte
Verbesserung der Margen mit den vorgeschlagenen Massnahmen überhaupt zu
bewerkstelligen gewesen wäre, wurden die Probleme doch teilweise durch wenig
beeinflussbare (standortbedingte) Faktoren verursacht (Schwache Frequenzen im
Sommer, Abhängigkeit von tendenziell preissensibler Kundschaft [Kantonsschülerinnen
und -schüler; vgl. "Öffnungszeiten" und "Angebot und Zielpublikum", act. G 1.2
S. 4 f.]). Zudem erachtete die Abklärungsperson eine intensive Schulung (Workshop)
inklusive Coaching als notwendig, was - auch aus prospektiver Sicht - eine weitere
Hürde für eine erfolgreiche Umsetzung der Massnahmen darstellte. Da die
Abklärungsperson nach eigenem Bekunden nicht über genügend buchhalterische
Angaben verfügte, konnte sie schliesslich keine Wirtschaftlichkeitsrechnung oder einen
detaillierten Businessplan erstellen. Ebenso fehlen Ausführungen zur vorgesehenen
Schuldentilgung. Es bleibt daher offen, wie sich die vorgeschlagenen Massnahmen
voraussichtlich auf den Umsatz und den Gewinn ausgewirkt hätten und in welchem
Zeitraum die offenen Beitragsforderungen der Beschwerdegegnerin hätten abgetragen
werden können (welche Frage denn gar nicht Gegenstand der Analyse war [act. G 1.2]).
Die Abklärungsperson ging selber davon aus, dass für den definitiven Entscheid über
die Strategie, das Konzept der Umsetzung und deren Finanzierung sinnvollerweise
noch ein Businessplan zu erstellen wäre (act. G 1.2 S. 10). Mithin betrachtete auch sie
ihre Analyse noch nicht als endgültiges, valides Konzept zur Betriebssanierung,
sondern eher als eine Bestandesaufnahme oder Diskussionsgrundlage. Das fragliche
Papier, bei welchem im Übrigen der Urheber nicht klar ersichtlich ist und das lediglich
die Belange der Vermieterin, nicht aber von weiteren Gläubigern wie der
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Beschwerdegegnerin berücksichtigte, eignet sich damit nicht zur begründeten,
prospektiven Annahme, dass die bestehenden Ausstände bei der Sozialversicherung
realistischerweise innert eines Jahres hätten beglichen werden können. Jedenfalls kann
der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass die Vermieterin der
Geschäftsräumlichkeiten offenbar bereit war, der B._ GmbH eine weitere Chance zu
geben und sogar auf substantielle Mieteinnahmen zu verzichten, im vorliegenden
Zusammenhang nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die Betreiberin eines
Einkaufszentrums hat normalerweise ein Interesse daran, geschäftsschädigende
Leerstände und einen damit verbundenen (weiteren) Rückgang der
Besucherfrequenzen zu vermeiden und dürfte deshalb zu weitergehenden
Kompromissen bereit sein als es der Sozialversicherung möglich ist. Wie sich weiter
aus dem Kontokorrent-Auszug vom 8. April 2020 ergibt, hat die Gesellschaft die
Lohnsumme in den Jahren 2016 und 2017 zwar - analog zu den Umsatzrückgängen
(vgl. act. G 9.8) - reduziert, 2018 aber wieder erhöht. So lag diese im Jahr 2015 bei
rund Fr. 150'000.-- (AHV/IV/EO-Beiträge: 12 x Fr. 1'072.90 [Pauschalen] + 2'532.05
[Ausgleich] = Fr. 15'406.85: 10.3 % [Beitragssatz bis 2015] x 100 % [vgl. auch act.
G 11 und G 11.1]), 2016 bei rund Fr. 127'000.-- (12 x Fr. 1'195.80 - Fr. 1'371.25 =
Fr. 12'978.35: 10.25 % [Beitragssatz 2016 - 2019] x 100 % [vgl. auch act. G 11 und
G 11.2]), 2017 bei rund Fr. 118'000.-- (12 x Fr. 1'009.45 - Fr. 40.45 = Fr. 12'072.95:
10.25 % x 100 %), 2018 wiederum bei rund Fr. 147'000.-- (12 x Fr. 982.-- +
Fr. 3'280.20 = Fr. 15'064.20 : 10.25 % x 100 %) und 2019 (bis 2. Mai 2019) bei rund
Fr. 39'000.-- (4 x Fr. 367.80 + Fr. 2'534.65 = Fr. 4'005.85 : 10.25 % x 100 % [act.
G 9.1/1]). Der Beschwerdeführer macht lediglich geltend, er habe die Lohnsumme im
Jahr 2016 an den Umsatz(rückgang) angepasst. Zum vorliegend vor allem
problematischen Verlauf ab dem 4. Quartal 2017 macht er keine diesbezüglichen
Ausführungen (act. G 11). Gemäss der vorgenannten Analyse der C._ bestanden im
August 2017 330 Stellenprozente (inkl. Beschwerdeführer). Es ist nicht ersichtlich und
wird auch nicht geltend gemacht, dass die Gesellschaft vor 2019 Personal abgebaut
bzw. die Lohnsumme reduziert hätte. Bei der vorliegend langen Dauer der
Beitragsausstände ohne entschuldbaren Grund und der Höhe der ausstehenden
Beiträge von Fr. 24'347.--, die mehr als einem ganzen Jahresbeitrag oder einem Anteil
von rund 85 % der im Zeitraum vom 1. Oktober 2017 bis zum 2. Mai 2019 zu
zahlenden Beiträge (rund Fr. 28'400.--) entsprachen, kann nicht mehr von einem
leichten Verschulden ausgegangen werden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die
B._ GmbH den Betrieb während gut anderthalb Jahren (Oktober 2017 bis Mai 2019)
unter anderem auf Kosten der AHV führte, was zur Annahme eines groben
Verschuldens der Arbeitgeberin führt.
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Der Beschwerdeführer war sodann unbestrittenermassen vom 24. Mai 2012 bis
zur Löschung der Gesellschaft im Handelsregister am 4. November 2019 als
Geschäftsführer mit Einzelunterschrift der B._ GmbH im Handelsregister des Kantons
St. Gallen eingetragen (online-Handelsregisterauszug, abgerufen am 26. August 2022).
Somit gehörten die Festlegung der Organisation der Gesellschaft im Rahmen von
Gesetz und Statuten, die Ausgestaltung des Rechnungswesens und der
Finanzkontrolle sowie die Aufsicht über die Personen, denen Teile der
Geschäftsführung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der
Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen, zu seinen unübertragbaren und
unentziehbaren Aufgaben (Art. 810 Abs. 2 Ziff. 2 - 4 des Bundesgesetzes betreffend die
Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht [SR
220; abgekürzt: OR]]). Dies beinhaltet auch die Überwachung und Einhaltung der
Beitragsabrechnungs- und -ablieferungspflicht betreffend Sozialversicherungsbeiträge.
Der Beschwerdeführer war mithin als zuständiges Gesellschaftsorgan verpflichtet, für
eine korrekte und pünktliche Abrechnung und Ablieferung dieser Beiträge zu sorgen.
Dieser Pflicht ist er offensichtlich nicht vollumfänglich nachgekommen. Zur
Entschuldigung bringt er sowohl im vorinstanzlichen Einspracheverfahren als auch im
hier zu beurteilenden Beschwerdeverfahren vor, er sei aus gesundheitlichen Gründen
nicht in der Lage gewesen, seinen Pflichten ordnungsgemäss nachzukommen. So
habe er im August 2018 einen Herzinfarkt erlitten. Die ambulante Reha habe bis zum
Dezember 2018 gedauert und habe wegen einer arteriellen Verschlusskrankheit nicht
beendet werden können. Da er aus diesen Gründen nicht habe weiterarbeiten können,
habe die Vermieterin das Mietverhältnis des Ladenlokals per Ende März 2019 aufgelöst
(act. G 1 und G 9.8). Gemäss ärztlichem Zeugnis von Dr. med. D._, Innere Medizin
FMH, vom 22. Oktober 2020 war der Beschwerdeführer nach Abschluss der kardialen
Rehabilitation nach der Diagnose eines Herzinfarkts im August 2018 ab 21. Januar
2019 wieder voll arbeitsfähig. Am 21. Februar 2019 sei eine arterielle
Verschlusskrankheit vom Aorten- und Beckentyp beidseits diagnostiziert worden,
welche die Arbeitsfähigkeit danach wieder eingeschränkt habe (Beilage zu act. G 9.8).
Diesen Ausführungen des Beschwerdeführers ist entgegenzuhalten, dass die
Beschwerdegegnerin die Beiträge bereits ab Frühjahr 2015 vermehrt mahnen musste
und die Ausstände bei der Sozialversicherung spätestens ab den Pauschalbeiträgen für
das 4. Quartal 2017 bzw. ab dem 6. November 2017, als der Kontosaldo letztmals
ausgeglichen war, - und damit geraume Zeit vor dem Herzinfarkt vom August 2018 -
immer grösser wurden (vgl. vorstehende Erwägung 2.3.2). Die noch vor dem
Herzinfarkt fällig gewordenen Quartalspauschalen für das 1. und 2. Quartal 2018
(Rechnungen vom 9. März 2018 und vom 11. Juni 2018) blieben ebenso unbezahlt wie
2.4.3.
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die mit Zahlungsvereinbarung vom 15. Mai 2018 festgelegten Abschlagszahlungen
betreffend die Pauschalbeiträge für das 1. Quartal 2018, wovon ebenfalls mindestens
die ersten zwei Raten noch vor dem August 2018 zu bezahlen waren (act. G 9.1 f.).
Dem Beschwerdeführer ist damit vorzuwerfen, dass er sich nach eigenen Angaben
einzig mit der Vermieterin als grösster Gläubigerin über das weitere Vorgehen geeinigt
hatte, während er der Beitragsablieferungspflicht offensichtlich keine Priorität
eingeräumt und mit der Beschwerdegegnerin - entgegen seinen Ausführungen in der
Beschwerde (S. 3) - auch nicht das Gespräch gesucht hat. Diesbezüglich liegt den
Akten lediglich ein Schreiben des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin vom
8. April 2019 bei, worin er kurz vor der Konkurseröffnung erklärte, den Verpflichtungen
nicht (mehr) nachkommen zu können (Beilage zu act. G 9.8). Er äusserte sich denn
auch weder im vorinstanzlichen Einspracheverfahren noch im jetzigen
Beschwerdeverfahren konkret zu der Frage, wie er sich die Abtragung der Schulden bei
der Beschwerdegegnerin prospektiv vorgestellt hatte. Vielmehr scheinen
diesbezügliche Überlegungen gar nicht stattgefunden zu haben. Schliesslich attestierte
Dr. D._ implizit erst ab dem August 2018 eine nicht näher spezifizierte
Arbeitsunfähigkeit, sodass im davorliegenden Zeitraum ab Sommer (August) 2017
keine gesundheitlichen Umstände als Exkulpationsgründe geltend gemacht werden
können. Zusammenfassend ist auf Grund des geschilderten Geschehensablaufs davon
auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer während längerer Zeit nicht mit der
erforderlichen Dringlichkeit um die Beitragsablieferung gekümmert hat, ohne dass ein
Exkulpationsgrund vorgelegen hätte. Dies führt zur Annahme eines groben
Verschuldens auch auf Seiten des Beschwerdeführers als zuständigem Organ. Daran
ändert nichts, dass die Vermieterin nach eigenen Angaben des Beschwerdeführers ihr
Retentionsrecht an den in den Mieträumlichkeiten befindlichen Gegenständen
ausgeübt hat (Art. 268 OR), hätte auch ein höherer Verwertungserlös wohl
vollumfänglich der Vermieterin zugestanden und hätte der Beschwerdeführer wie
ausgeführt bereits zu einem viel früheren Zeitpunkt für die rechtzeitige
Beitragsablieferung oder aber für die Reduzierung der Lohnsumme sorgen müssen.
2.5.
Schliesslich muss zwischen der schuldhaften Verletzung von Vorschriften und
dem Eintritt des Schadens ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ein Ereignis
hat dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebenserfahrung an sich geeignet
ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs
2.5.1.
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3.
durch das Ereignis also allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 E. 5a und
119 V 406 E. 4a, je mit Hinweisen).
Vorliegend ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den
Unterlassungen des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden gegeben.
Hätte der Beschwerdeführer rechtzeitig dafür gesorgt, dass die Gesellschaft ihren
Beitragsablieferungspflichten nachkommt, oder aber dafür, dass die Gesellschaft nur
noch so viele Löhne ausbezahlt wie Beiträge darauf entrichtet werden konnten, wäre
kein Schaden in dieser Höhe entstanden. Indem die Beiträge nach der
Konkurseröffnung nicht mehr im ordentlichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG bei der
Arbeitgeberin eingefordert werden konnten, ist der Schaden entstanden (vgl. Entscheid
des Bundesgerichts H 37/02 vom 3. September 2003 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.5.2.
Schliesslich ist unbestritten, dass die Schadenersatzverfügung vom 3. August
2020 rechtzeitig ergangen ist, nachdem am 2. Mai 2019 der Konkurs über die B._
GmbH eröffnet und am 19. Juli 2019 mangels Aktiven wieder eingestellt worden war.
Die Beschwerdegegnerin hatte damit ab dem 19. Juli 2019 Kenntnis darüber, dass sie
aus dem Konkurs keine Befriedigung mehr erwarten konnte (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 8. August 2017 [9C_166/2017] E. 4.2.1 mit Hinweisen). Die
zweijährige relative Verwirkungsfrist ab Schadenskenntnis dauerte somit bis zum
19. Juli 2021, die fünfjährige absolute Verwirkungsfrist ab Schadenseintritt
(Konkurseröffnung) bis zum 2. Mai 2024 (vgl. Art. 52 Abs. 3 AHVG in der bis
31. Dezember 2019 gültig gewesenen, vorliegend anwendbaren Fassung). Die
Geltendmachung von Schadenersatz ist auch nicht während des Einsprache- oder
Beschwerdeverfahrens verjährt, nachdem diese Verfahren die Verjährung unterbrechen
und die Verjährungsfrist nach Abschluss des Gerichtsverfahrens von Neuem zu laufen
beginnt (Art. 138 Abs. 1 OR, BGE 141 V 487 E. 2.3 S. 489 f. mit Hinweisen).
2.6.
Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des
Beschwerdeführers als schadenersatzpflichtiges Organ erfüllt. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach den Beschwerdeführer zu Recht verpflichtet,
Schadenersatz für entgangene bundes- und kantonalrechtliche Beiträge (inkl.
Nebenkosten) in Höhe von Fr. 24'347.-- zu bezahlen. Die Beschwerde ist demzufolge
abzuweisen.
2.7.
Vorliegendes Verfahren betrifft keine Leistungsstreitigkeit (vgl. Art. 61 lit. f ATSG),
weshalb es kostenpflichtig ist (vgl. dazu Botschaft zur Änderung des ATSG vom
2. März 2018, BBl 2018 1624 ff.). Bei diesem Verfahrensausgang hat gemäss Art. 95
3.1. bis
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