Decision ID: b68a8983-7603-4bda-9f3e-78a0bc2edbda
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) war als Hilfsfensterbauer bei der B._
GmbH angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(Suva; nachfolgend: Beschwerdegegnerin) gegen die Folgen von Unfällen versichert,
als er am 17. Oktober 2016 durch seine Arbeitgeberin melden liess, er sei am 21.
September 2016 auf einer Treppe gestolpert und habe sich am rechten Fussgelenk
verletzt (Suva-act. 1). Die Erstbehandlung hatte am Unfalltag in der Zentralen
Notfallaufnahme (nachfolgend: ZNA) des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend:
KSSG) stattgefunden, wo röntgenologisch keine Frakturen hatten nachgewiesen
werden können (Suva-act. 6-2).
A.a.
Weitere radiologische Abklärungen am 18. Oktober 2016 im Röntgeninstitut C._
(Suva-act. 14), und auf der ZNA des KSSG (Suva-act. 6-3) ergaben eine undislozierte
mediale Malleolarfraktur rechts (vgl. auch Suva-act. 6-2), worauf dem
Beschwerdeführer ab 18. Oktober 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
wurde (Suva-act. 6-3, 7).
A.b.
Mit Schreiben vom 19. Oktober 2016 sicherte die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) zu (Suva-
act. 4).
A.c.
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Weil der Beschwerdeführer auch nach der knöchernen Konsolidierung der Fraktur
über Schmerzen im Bereich des oberen Sprunggelenks (nachfolgend: OSG)
rechtsseitig, vor allem aber auch über Schmerzen im ganzen rechten Bein dorsalseitig,
ausstrahlend von gluteal rechts bis in den Unterschenkel rechts, klagte (Suva-act. 10),
legte die Beschwerdegegnerin den Schadenfall am 30. Januar 2017 ihrem Kreisarzt Dr.
med. D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, zur Beurteilung der Kausalität in Bezug auf die Beschwerden im
Bereich des OSG sowie der ebenfalls beklagten Rückenbeschwerden vor (Suva-act.
32).
A.d.
Mit Schreiben vom 6. Februar 2017 teilte die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer die Herabsetzung der Taggeldleistungen entsprechend einer
50%igen Arbeitsfähigkeit ab 9. Februar 2017 und die Leistungsablehnung bezüglich
der Rückenbeschwerden mit (Suva-act. 34).
A.e.
Gestützt auf eine weitere Beurteilung durch Kreisarzt Dr. D._ vom 9. März 2017
eröffnete die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer, dass ab 1. April 2017 kein
Taggeld mehr ausgerichtet werde, die unfallbedingten Behandlungskosten betreffend
den rechten Fuss aber weiterhin übernommen würden (Suva-act. 41).
A.f.
Am 30. März 2017 fand in der Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG die Reevaluation hinsichtlich der
weiterhin bestehenden Beschwerden im Bereich der rechten unteren Extremität statt.
Eine Röntgenuntersuchung zeigte eine in anatomischer Position vollständig
konsolidierte Malleolarfraktur rechts. Aufgrund der klinischen Untersuchung
diagnostizierten die untersuchenden Ärzte indessen eine Plantarfasziitis Fuss rechts
mit verkürzter Gastrocnemius-Muskulatur mit/bei konservativer Therapie einer initial
verspätet diagnostizierten undislozierten medialen Malleolarfraktur rechts vom 21.
September 2016. Der Versicherte sei durch die Plantarfasziitis so sehr gestört, dass er
nicht arbeitsfähig sei (Untersuchungsbericht vom 3. April 2017, Suva-act. 45; vgl. auch
Suva-act. 48).
A.g.
Über eine Untersuchung des Beschwerdeführers vom 27. April 2017 berichteten
die Ärzte des KSSG am 2. Mai 2017, dass ihn die Schmerzen mittlerweile stark
A.h.
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B.
Die gegen den Einspracheentscheid vom 28. September 2017 geführte Beschwerde
hiess das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 14. Juni 2019 (UV 2017/87) gut und
verpflichtete die Beschwerdegegnerin, auch nach dem 1. April respektive 12. Mai 2017

die gesetzlichen Leistungen im Sinne der Erwägungen zu erbringen (act. G 3.2-1). Im
Rahmen des Beschwerdeverfahrens vor Versicherungsgericht hatte der
Beschwerdeführer in Ergänzung zur Beschwerde einen Sprechstundenbericht von Dr.
med. E._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Orthopädie F._, vom 30. November 2017 (Suva-act. 80), und
die Beschwerdegegnerin mit der Beschwerdeantwort eine Beurteilung von Dr. med.
G._, Facharzt Chirurgie und Unfallchirurgie, Abteilung Versicherungsmedizin der
Beschwerdegegnerin, vom 4. Januar 2018 (Suva-act. 85) eingereicht.
C.
Die von der Beschwerdegegnerin gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts am
30. Juli 2019 erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hiess das
Bundesgericht mit Urteil vom 9. Oktober 2019 (8C_487/2019) teilweise gut. Es hob den
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 14. Juni 2019 auf und wies die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Im Übrigen wies sie die Beschwerde ab.
In seinen Erwägungen hielt das Bundesgericht fest, dass noch nicht von
Beweislosigkeit auszugehen sei und das Versicherungsgericht zu prüfen habe, ob die
letztinstanzlich nachgereichten Dokumente der Beschwerdegegnerin - der
Untersuchungsbericht des KSSG vom 27. März 2018 (act. G 3.2-3) sowie das von der
Invalidenversicherung veranlasste interdisziplinäre Gutachten des Zentrums für
Medizinische Begutachtung (ZMB) vom 21. Dezember 2018 (act. G 3.2-4) -
psychisch belasten würden. Bis zur Beurteilung der Schmerzen im Schmerzzentrum sei
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit sinnvoll (Suva-act. 51).
Mit Beurteilung vom 10. Mai 2017 verneinte Dr. D._ eine Unfallkausalität der
Plantarfasziitis rechts (Suva-act. 52), woraufhin die Beschwerdegegnerin am 12. Mai
2017 die sofortige Einstellung der Versicherungsleistungen verfügte (Suva-act. 54).
Dagegen erhob der Versicherte Einsprache. Die Beschwerdegegnerin hielt - nach
Einholung einer neuerlichen Stellungnahme ihre Kreisarztes Dr. D._ (Suva-act. 69) -
mit Einspracheentscheid vom 28. September 2017 an der Leistungseinstellung fest
(Suva-act. 70).
A.i.
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hinreichende Grundlage bilden würden, um die vom Versicherungsgericht an der
versicherungsinternen Einschätzung geäusserten Zweifel zu zerstreuen oder ob ein
Gerichtsgutachten anzuordnen sei.
D.
Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2016 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
Mit Schreiben vom 6. November 2019 räumte das Versicherungsgericht den
Verfahrensparteien die Gelegenheit ein, allfällige Ergänzungen zu den von der
Beschwerdegegnerin mit der Beschwerde ans Bundesgericht eingereichten
medizinischen Unterlagen vorzubringen (act. G 4).
D.a.
Die Verfahrensparteien nahmen am 20. bzw. 26. November 2019 Stellung (act. G 5
f.). Der Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Zahner, St.
Gallen, hielt unter anderem fest, dass er ab 7. Oktober 2019 wieder eine (temporäre)
Anstellung angetreten habe, weshalb der streitige Zeitraum relativ überschaubar sei
und er sich folglich einer vergleichsweisen Prozesserledigung nicht grundsätzlich
verschliessen würde (act. G 5).
D.b.
Mit Schreiben vom 3. Dezember 2019 liess die Beschwerdegegnerin ausführen,
dass ihres Erachtens die bestehende Aktenlage keinen Spielraum für die Aufnahme von
Vergleichsverhandlungen biete (act. G 9).
D.c.
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2.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat
zudem Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt also zunächst einen Unfall im Sinne
von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) voraus. Als solcher gilt eine plötzliche,
nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Als weitere Voraussetzung der
Leistungspflicht des Unfallversicherers ist sodann die natürliche und adäquate
Kausalität zwischen dem Unfall und der festgestellten Gesundheitsschädigung verlangt
(vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen; Alexandra Rumo-Jungo/
André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Bejahung der natürlichen Unfallkausalität genügt
eine Teilursächlichkeit (BGE 134 V 125 E. 9.5), wobei sich die Leistungspflicht des
obligatorischen Unfallversicherers auch auf mittelbare bzw. indirekte Unfallfolgen
erstreckt (SVR 2016 UV Nr. 21 S. 66 E. 5.2.2 mit Hinweis [8C_134/2015]). Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 123 III 110, 112 V 30, 107 V 173, Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Bei physischen Unfallfolgen spielt indessen die
Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang
sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die
adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 127
V 103 E. 5b/bb). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich
nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die
Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen;
Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl.
Bern 2014, § 70 Rz. 58 f.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4). Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
2.1.
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dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54).
2.2.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a je mit
Hinweisen; vgl. BGE 130 I 183 E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die
Beweislast im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Während bei der
Frage, ob ein Kausalzusammenhang überhaupt jemals gegeben ist, demzufolge die
versicherte Person beweisbelastet ist, trägt die Beweislast für einen behaupteten
Wegfall der vom Unfallversicherer zunächst anerkannten Kausalität die
Unfallversicherung (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen, 1994 Nr. U 206 S.
326; Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; BGE 117 V
264 E. 3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Die Beweislastverteilung bezüglich
Wegfall der Unfallkausalität gilt allerdings nur für Schädigungen, welche bei der
Anerkennung einer Leistungspflicht des Unfallversicherers auch wirklich zur Diskussion
standen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2009, 8C_363/2009, E. 1; Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 27. April 2005, U 6/05,
auszugsweise publiziert in: AJP 2006 S. 1290 ff.). Allerdings tragen die Parteien im
Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
indessen erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O, S. 4, 55).
2.2.1.
Die Beschwerdegegnerin hat unbestrittenermassen anerkannt, dass der
Beschwerdeführer am 21. September 2016 einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG mit
einer schädigenden Einwirkung auf den rechten Fuss erlitten und sich dabei eine
Malleolarfraktur zugezogen hat. Mit Schreiben vom 19. Oktober 2018 teilte sie dem
2.2.2.
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Beschwerdeführer die Übernahme der Heilbehandlungskosten sowie die Ausrichtung
von Taggeldern für die mit der Schadenmeldung UVG vom 17. Oktober 2016 ab 21.
September 2016 gemeldete Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 1) mit (Suva-act. 4). Dies
geschah zunächst offensichtlich nur basierend auf der in der Schadenmeldung UVG
angegebenen Schwellung und in Bezug auf eine OSG-Distorsion ohne Kenntnis
allfälliger struktureller Gesundheitsschädigungen. Von der verzögert diagnostizierten
nicht dislozierten medialen Malleolarfraktur OSG rechts erhielt die Beschwerdegegnerin
erst am 26. Oktober 2016 mit Eingang des Untersuchungsberichts des KSSG vom 19.
Oktober 2016 Kenntnis (Suva-act. 6). Doch ist unbestritten, dass die
Beschwerdegegnerin in der Folge ihre Leistungspflicht auch für die Malleolarfraktur
anerkannt und für diese die gesetzlichen Leistungen erbracht hat. Aus den
medizinischen Akten geht sodann unstreitig hervor, dass die Malleolarfraktur bis zur
Einstellung der Versicherungsleistungen (1. April 2017 Taggeld; 13. Mai 2017
Heilbehandlung) verheilt war und radiologisch auf diese Verletzung bezogen auch keine
sekundären strukturellen Unfallrestfolgen erhoben worden sind, welche eine
fortdauernde Leistungspflicht begründen würden. So ergab eine Röntgenuntersuchung
im KSSG vom 30. März 2017 im Vergleich zu den Voraufnahmen (vgl. Suva-act. 21)
keinen Hinweis für sekundäre Degenerationen oder gar Dislokationen der Fraktur.
Diese zeigte sich in anatomischer Position vollständig konsolidiert (Suva-act. 45, vgl.
auch Suva-act. 80). Im Leistungseinstellungszeitpunkt werden die Beschwerden des
Beschwerdeführers von den Ärzten des KSSG (Suva-act. 45) und auch von Dr. E._
(Suva-act. 80) auf eine Plantarfasziitis Fuss rechts bei verkürzter Gastrocnemius-
Muskulatur zurückgeführt. Diese Diagnose wurde erstmals von den Ärzten des KSSG
anlässlich einer Untersuchung vom 30. März 2017 bzw. im entsprechenden
Untersuchungsbericht vom 3. April 2017 gestellt und hatte demnach im Zeitpunkt der
mit Schreiben vom 19. Oktober 2016 mitgeteilten Leistungsanerkennung und der
nachfolgenden Leistungsanerkennung für die unfallbedingte Malleolarfraktur noch nicht
zur Diskussion gestanden. Mit der Diagnose einer Plantarfasziitis stand ein neues
Krankheitsbild im Sinne einer Spätfolge der Malleolarfraktur im Raum (vgl. dazu Rumo-
Jungo, a.a.O., S. 78) und nicht ein bestimmter, zu erwartender Symptomkreis als Folge
der beim Unfall erlittenen Verletzung (vgl. dazu das vom Beschwerdeführer in der im
Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht eingereichten Vernehmlassung vom 4.
September 2019 angeführte Urteil des EVG vom 27. April 2005, U 6/05, E. 3.2). Wie
bereits erwähnt, trägt der Unfallversicherer in Bezug auf Beschwerden und
Verletzungen, welche ursprünglich nicht thematisiert worden waren, keine Beweislast,
was auch im vorgenannten Urteil bestätigt worden ist. Die Beschwerdegegnerin stellte
demzufolge in der Beschwerde an das Bundesgericht vom 30. Juli 2019 zutreffend
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fest, dass die Plantarfasziitis von ihrer ursprünglichen Anerkennung der Leistungspflicht
nicht erfasst war. Nach Kenntnisnahme der erwähnten neuen Diagnose legte sie die
medizinischen Akten ihrem Kreisarzt Dr. D._ zur Beurteilung der Unfallkausalität der
geklagten Fussbeschwerden rechts vor und stellte gestützt auf dessen Beurteilung
vom 10. Mai 2017 (Suva-act. 52) mit Verfügung vom 12. Mai 2017 ihre Leistungen per
sofort ein (Suva-act. 54). Aufgrund dieser Sachlage liegt - obwohl eine
Leistungseinstellung streitig ist - die Beweislast hinsichtlich der Frage, ob die
Beschwerdegegnerin über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus für eine
Plantarfasziitis leistungspflichtig ist, beim Beschwerdeführer. Er hat die Folgen einer
allfälligen Beweislosigkeit zu tragen (vgl. dazu auch Rumo-Jungo, a.a.O., S. 79).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Nach der
Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im
Wesentlichen gestützt auf versicherungsinterne medizinische Beurteilungen zu
entscheiden. Ein Anspruch auf eine versicherungsexterne Begutachtung besteht nicht.
In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem
Sinn zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind
(BGE 135 V 465). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass reine Beurteilungen
aufgrund der Akten beweiskräftig sein können, sofern ein lückenloser Befund vorliegt
und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung
mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom
18. Juni 2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1).
2.3.
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3.
Vorliegend steht unstreitig fest, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht
für das Unfallereignis vom 21. September 2016 ursprünglich anerkannt und für
ausgewiesene Arbeitsunfähigkeiten und durchgeführte Heilbehandlungen Taggeld-
bzw. Heilkostenleistungen gewährt, die Versicherungsleistungen jedoch per 1. April
2017 eingestellt hat. Fest steht, dass die Malleolarfraktur am rechten OSG zu diesem
Zeitpunkt verheilt war und diesbezüglich keine Versicherungsleistungen mehr
geschuldet waren (Suva-act. 45, vgl. auch Suva-act. 80). Die beim Beschwerdeführer
bestehenden Fussbeschwerden rechts werden im Leistungseinstellungszeitpunkt von
den Ärzten des KSSG (Suva-act. 45) und auch von Dr. E._ (Suva-act. 80) auf eine
Plantarfasziitis bei verkürzter Gastrocnemius-Muskulatur zurückgeführt. Zu prüfen ist
vorab, ob im Einstellungszeitpunkt überhaupt eine Plantarfasziitis und damit ein allfällig
unfallkausaler Gesundheitsschaden vorlag. Nur wenn dies mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden kann, steht eine
Leistungspflicht über den Einstellungszeitpunkt zur Diskussion.
3.1.
Fest steht, dass die Plantarfaszie nicht direkt traumatisiert wurde. Laut den Ärzten
des KSSG sowie Dr. E._ ist jedoch der fragliche Gesundheitsschaden die Folge einer
konsekutiven Fehlbelastung der rechten unteren Extremität im Rahmen der verpassten
und verspätet therapierten medialen Malleolarfraktur (Suva-act. 45) bzw. einer im
Anschluss an diese Verletzung eingenommenen Fehlhaltung (Suva-act. 80). Ein
möglicher Zusammenhang zwischen der Unfallverletzung und einer
Fehlbelastungsfolge (Plantarfasziitis) wird als solcher auch von den Kreisärzten der
Beschwerdegegnerin - Dr. D._ und Dr. G._ (Suva-act. 69, 85) - nicht in Frage
gestellt (vgl. zu Fehlbelastungsfolgen auch Urteile des EVG vom 5. Juni 2003, U 38/01,
E. 5.2.2, und 25. November 2002, U 380/00, E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts vom 5.
Januar 2009, 8C_684/2008, E. 5), doch betrachtet Dr. D._ in seiner Beurteilung vom
19. September 2017 (Suva-act. 69-6) bereits die Diagnose einer Plantarfasziitis bzw.
die Beschwerden des Beschwerdeführers aufgrund einer Plantarfasziitis als mit
erheblichen Zweifeln behaftet (Suva-act. 69-6). Entsprechend brachte auch die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerde vom 30. Juli 2019 an das Bundesgericht vor,
eine Plantarfasziitis sei nicht überwiegend wahrscheinlich belegt. Dieser Beurteilung
folgend würde eine Plantarfasziitis selbstredend auch als indirekte Folge des Unfalls
vom 21. September 2016 bzw. der dabei erlittenen Malleolarfraktur am rechten Fuss
ausser Betracht fallen. Die Frage, ob beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung überhaupt eine Plantarfasziitis vorlag, wurde im Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 14. Juni 2019 (UV 2017/87) nicht geklärt. Angesichts der im
3.2.
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Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht eingereichten neuen Beweismittel - dem
Untersuchungsbericht des KSSG vom 27. März 2018 (act. G 3.2-3) und dem von der
Invalidenversicherung veranlassten interdisziplinären Gutachten des ZMB vom 21.
Dezember 2018 (act. G 3.2-4) - erscheint eine Beurteilung dieser Frage nun aber
durchaus möglich und die Antwort begründbar.
3.3.
In Bezug auf das von der Invalidenversicherung veranlasste interdisziplinäre
Gutachten des ZMB vom 21. Dezember 2018 (act. G 3.2-4) weist der
Beschwerdeführer in seinen vor Bundesgericht und im vorliegenden
Beschwerdeverfahren dem Versicherungsgericht eingereichten Stellungnahmen vom 4.
September und 20. November 2019 (act. G 5) darauf hin, dass die
Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung erst ab Gutachtenszeitpunkt gelte, die
Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin jedoch bereits per 1. April 2017, also
rund 21 Monate früher, erfolgt sei. Sofern überhaupt auf das ZMB-Gutachten abgestellt
werden könnte, betreffe dies mithin erst den Zeitraum ab Gutachtenszeitpunkt.
3.3.1.
Wie in den Erwägungen 3.1 und 3.2 ausgeführt, ist vorliegend
unbestrittenermassen die Frage zu prüfen, ob beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung ein Gesundheitsschaden vorlag, der zumindest in einem
teilkausalen Zusammenhang zum Unfallereignis vom 21. September 2016 stand. Die
Bejahung der Frage hätte eine weiterdauernde Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin zur Folge. Im Regelfall ist davon auszugehen, dass rein unter
dem zeitlichen Gesichtspunkt ärztliche Beurteilungen, welche zeitnah zum
Leistungseinstellungszeitpunkt erstellt worden sind, überzeugender sein dürften als
retrospektive Beurteilungen. Allein dieser Aspekt spricht jedoch nicht in jedem Fall
gegen die Beweiskraft einer späteren ärztlichen Beurteilung. Soweit auf einen späteren
Zeitpunkt datierende ärztliche Beurteilungen Rückschlüsse auf den Zeitpunkt der
Leistungseinstellung zulassen, können sie durchaus Berücksichtigung finden. Die
Beweiskraft ist insbesondere auch von den zu prüfenden Rechtsfragen abhängig. So
ist einzuwenden, dass der im ZMB-Gutachten vorgenommenen und vom
Beschwerdeführer angesprochenen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ohnehin keine
wesentliche Aussagekraft hinsichtlich der Beurteilung des Vorliegens von
unfallbedingten Gesundheitsschädigungen zukommt. Dem Beschwerdeführer ist
sodann zwar darin zuzustimmen, dass im Verfahren der Invalidenversicherung (IV)
Kausalitätsfragen nicht Gegenstand des gutachterlichen Fragenkatalogs bilden. Doch
auch daraus lässt sich nur für diejenigen Feststellungen im Gutachten eine
3.3.2.
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4.
Beweisuntauglichkeit ableiten, bei denen die Nichtberücksichtigung dieses Aspekts für
die unfallversicherungsrechtliche Frage von Bedeutung ist. Äussert sich das ZMB-
Gutachten explizit zur Frage des Vorliegens einer Plantarfasziitis, stellt der Umstand,
dass sich die IV im Grundsatz nicht mit der Frage der Unfallkausalität befasst, kein
Hinderungsgrund für die Berücksichtigung der entsprechenden Beurteilung dar.
Selbstverständlich gilt es nachfolgend das ZMB-Gutachten vor dem Hintergrund des
oben Gesagten zu würdigen.
Im Rahmen der Beweiswürdigung der neuen Beweismittel ist sodann
miteinzubeziehen, dass eine Fasziitis eine Entzündung des Fasziengewebes ist und
grundsätzlich eine heilbare und damit vorübergehende Gesundheitsstörung darstellt
(Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin/Boston 2017, S. 506, 564;
Roche Lexion, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 536). Aus dem Umstand, dass eine
Entzündungsdiagnose in späteren, nach der Leistungseinstellung durchgeführten
Untersuchungen nicht (mehr) gestellt worden ist, kann jedoch nicht ohne Weiteres
abgeleitet werden, es habe auch bereits im Zeitpunkt der Leistungseinstellung keine
Entzündung (mehr) bestanden.
3.3.3.
Wie die Beschwerdegegnerin in der Beschwerde ans Bundesgericht vom 30. Juli
2019 zutreffend festgestellt hat, kann aufgrund anhaltender Schmerzen im Bereich der
Plantarfaszie nicht automatisch auf eine Plantarfasziitis als indirekte physische
Unfallfolge geschlossen werden. Für die Annahme unfallkausaler somatischer
Restfolgen werden grundsätzlich eine strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte
strukturelle Läsion als objektivierbares Korrelat verlangt. Objektivierbar sind
Ergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den
Angaben des Patienten bzw. der Patientin unabhängig sind. Folglich kann von objektiv
ausgewiesenen organisch-strukturellen Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn
die erhobenen Befunde mit - wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden
Abklärungen (wie Röntgen, MRT, CT) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V
232 E. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009,
8C_216/2009, E. 2; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]). Eine
Fasziitis ist mittels bildgebender Diagnostik (z.B. mittels Sonographie und/oder MRI)
objektivierbar (vgl. dazu Suva-act. 85-10; Alfred M. Debrunner, Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 1172; https://www. msdmanuals.com/
de/ heim/knochen-,-gelenk-und-muskelerkrankungen/ erkrankungen-der-f%C3%BC
%C3%9Fe/plantare-fasziitis; https://www.schulthess-klinik.ch/ sites/default/files/
4.1.
http://www.msdmanuals.com/de/heim/knochen-,-gelenk-und-muskelerkrankungen/ http://www.msdmanuals.com/de/heim/knochen-,-gelenk-und-muskelerkrankungen/ https://www.schulthess-klinik.ch/%20sites/
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documents/2019-02/rheuma_fersenschmerz.pdf; beide abgerufen am 21. Januar
2020).
Der Beschwerdeführer wurde am 30. März 2017 für eine Reevaluation bei weiterhin
bestehenden Beschwerden im Bereich der rechten unteren Extremität durch die Ärzte
des KSSG untersucht. Er beschrieb nun auch Beschwerden im Bereich der plantaren
Ferse. Wie bereits erwähnt, wurde erstmals anlässlich der vorgenannten Untersuchung
bzw. im Untersuchungsbericht vom 3. April 2017 die Diagnose einer Plantarfasziitis
Fuss rechts mit verkürzter Gastrocnemiusmuskulatur gestellt. Es war eine
Röntgenuntersuchung durchgeführt worden, die keinen Hinweis für sekundäre
Degenerationen oder gar Dislokationen der Fraktur gezeigt hatte (Suva-act. 45),
allerdings keine MRT-Untersuchung. Die Diagnose einer Plantarfasziitis mit verkürzter
Gastrocnemiusmuskulatur wurde lediglich klinisch anhand einer deutlichen
Druckdolenz über dem medialen Anteil der calcanearen Plantarfaszie und einer mit
positivem Silfverskjöld-Test angezeigten Verkürzung der Gastrocnemiusmuskulatur
gestellt. Zur Diagnose der Plantarfasziitis führte sodann insbesondere die Verbindung
der beiden vorgenannten Befunde. So hielt auch Dr. G._ in seiner chirurgischen
Beurteilung vom 4. Januar 2018 (Suva-act. 85-11) fest, dass - wenn auch nicht mit
ausreichender Evidenz belegt - die Plantarfaszie und die Achillessehne anatomische
Verbindungen aufweisen würden. Die Achillessehne stelle die sehnige Verbindung des
Musculus gastrocnemius und Musculus soleus zum Fersenbein dar, welche die
stärksten Beuger am Unterschenkel seien. Es gebe Hinweise darauf, dass eine
Plantarfasziitis oft mit einer Verkürzung/Verspannung dieser Muskulatur einhergehe.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Diagnose der Ärzte des KSSG nicht auf
einem bildgebenden Nachweis einer Plantarfasziitis basiert. Auch solche für eine
Fasziitis typischen Befunde - wie eine Rötung, Schwellung oder Überwärmung des
gesamten Fusses inklusive des Sprunggelenks (vgl. Pschyrembel, Klinisches
Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin/Boston 2017, S. 564 f.) -, welche in der klinischen
Untersuchung zumindest visuell sichtbar und - anders als die Angabe von
Druckdolenzen - vom Patienten unbeeinflussbar sind, konnten nicht festgestellt
werden. Hinzu kommt, dass dem Untersuchungsbericht des KSSG Hinweise auf
gesundheitliche Probleme des Beschwerdeführers zu entnehmen sind, welche als
Ursache für eine Schmerzproblematik gesehen werden können. Der Beschwerdeführer
bezeichnete die Schmerzen als zunehmend psychisch störend, worauf die Ärzte ein
weiteres Problem im Sinne eines drohenden chronischen Schmerzsyndroms festhielten
und eine Beurteilung durch das Schmerzzentrum des KSSG als notwendig erachteten
(Suva-act. 45). Vorerst erfolgte jedoch eine gezielte Behandlung der mutmasslichen
Plantarfasziitis rechts bei verkürzter Gastrocnemiusmuskulatur mittels Physiotherapie,
4.2.
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einer Einlagenversorgung und einer Nachtlagerungsschine zur Dorsalextension (vgl.
Suva-act. 45-3, 49, 50, 56). Der Umstand, dass sich den Ärzten des KSSG in der
anschliessenden Untersuchung vom 27. April 2017 (Suva-act. 51) im Vergleich zur
Untersuchung vom 30. März 2017 keine Befundverbesserung, d.h. weiterhin
Druckschmerzen proximal des Malleolus medialis und des Weiteren am medialen Anteil
der calcanearen Plantarfaszie sowie eine verkürzte Gastrocnemiusmuskulatur mit
positivem Silfverskjöld-Test zeigten, stützt die Diagnose einer Plantarfasziitis ebenfalls
nicht. So wäre vielmehr zu erwarten gewesen, dass durch eine gezielte Heilbehandlung
ein Heilungserfolg eintritt. Stattdessen wurde im Untersuchungsbericht vom 2. Mai
2017 weiterhin festgestellt, dass die Schmerzen dem Beschwerdeführer mittlerweile
stark auf die Psyche schlagen würden. Am 4. Oktober 2017 wurde der
Beschwerdeführer im Schmerzzentrum des KSSG untersucht, dessen Ärzte ein
chronifiziertes nozizeptives Schmerzsyndrom im Bereich des rechten Fusses,
insbesondere des OSG und der Plantarfaszie, diagnostizierten. Die Ärzte bestätigten im
Untersuchungsbericht vom 5. Oktober 2017, dass sich bildgebend kein Korrelat für die
beschriebene Symptomatik zeige und die bisherige Therapie mit Ruhigstellung,
Physiotherapie und Analgesie nicht zu einer signifikanten Linderung der Beschwerden
geführt habe. Im Bericht wurde ausserdem auf eine massive Zuspitzung der
psychosozialen Belastungssituation hingewiesen (Suva-act. 71). Am 16. November
2017 wurde der Beschwerdeführer durch Dr. E._ untersucht. Dieser berichtete über
belastungsabhängige Schmerzen, vor allem für den Ansatz der Faszia plantaris und
auch der Gastrocnemiusmuskulatur. Im Rahmen der klinischen Untersuchung erhob
Dr. E._ wieder sehr starke Druckschmerzen punktuell im Ansatzgebiet der Fascia
plantaris und starke Schmerzen mit starker Verhärtung im Bereich der
Gastrocnemiusmuskulatur. Er diagnostizierte ohne Bildgebung eine Fasziitis plantaris
rechts und sah im Untersuchungsbericht vom 30. November 2017 (Suva-act. 80) einen
klaren Zusammenhang der Beschwerden zur posttraumatisch eingenommenen
Fehlhaltung des Beschwerdeführers. Damit ergibt sich jedoch keine andere Beweislage
als sie sich mit den Untersuchungsberichten der Ärzte des KSSG (Suva-act. 45, 51)
sowie des Schmerzzentrums (Suva-act. 71) ergab, zumal auch Dr. E._ als
Hauptdiagnose ein chronifiziertes nozizeptives Schmerzsyndrom stellte.
4.3.
Neu liegt, wie bereits erwähnt, der Untersuchungsbericht der Ärzte des KSSG
vom 27. März 2018 vor (act. G 3.2-3). Der Beschwerdeführer hatte sich am 22. März
2018 bei persistierenden Beschwerden im Bereich des rechten Rückfusses vorgestellt.
Die Schmerzen waren überwiegend im Bereich der dorso-plantaren rechten Ferse
4.3.1.
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beklagt worden und strahlten über die Achillessehne in die Unterschenkelmuskulatur
nach dorso-kranial aus. Indem sich diese Schmerzsituation nicht von derjenigen
unterscheidet, welche sich beim Beschwerdeführer anlässlich der früheren
Untersuchungen im KSSG und durch Dr. E._ gezeigt hatte, erweisen sich die
Ergebnisse der obgenannten Untersuchung als bedeutsam. Bei gleicher
Schmerzsituation ist davon auszugehen, dass die Erkenntnisse aus der Untersuchung
vom 22. März 2018 durchaus auch in Bezug auf den Leistungseinstellungszeitpunkt
vom 12. Mai 2017 und dabei für die Frage des Bestandes einer Plantarfasziitis
klärende, beweiswertige Hinweise liefern.
In der Untersuchung vom 22. März 2018 hat sich die bereits vordiagnostizierte
Verkürzung der dorsalen Kette mit einem positiven Silverskjöld-Test gezeigt. Im
Bereich des Ursprungs der Plantaraponeurose plantar-medial hat jedoch aktuell kein
höhergradiger Druckschmerz bestanden. Inspektorisch fanden die Ärzte keinen
Hinweis auf ein morphologisches Korrelat der beklagten Beschwerden. Auch die als
Verlaufskontrolle durchgeführte Röntgenuntersuchung hat kein morphologisches
Korrelat für die beklagten Beschwerden hervorgebracht. Im Bereich des dorsalen
Calcaneus präsentierte sich ein winziger Fersensporn. Hier zeigte sich jedoch bei der
klinischen Untersuchung kein korrespondierender höhergradiger Druckschmerz. Die
Ärzte des KSSG diagnostizierten zwar im Untersuchungsbericht vom 27. März 2018
erneut eine Verkürzung der dorsalen Kette/ischiocruralen Muskulatur rechts > links mit
einer begleitenden Plantarfasziitis rechtsseitig, jedoch - in Überstimmung mit den
klinischen Befunden - auch ein chronifiziertes nozizeptives Schmerzsyndrom mit
Lokalisation im Bereich des rechten OSG. Des Weiteren wurde die Diagnose einer
depressiven Verstimmung mit/bei Schlafstörung, Arbeitslosigkeit, Ohnmacht, erhöhter
Aufmerksamkeit für körperliche Symptome gestellt und unter der Rubrik "Procedere"
festgehalten, dass bei der Vorstellung und Untersuchung eher der Eindruck entstanden
sei, dass die beklagten Beschwerden auf psycho-sozialen und weniger auf akut
fussorthopädischen Problemen beruhen würden. Insgesamt belegt der
Untersuchungsbericht der Ärzte des KSSG vom 27. März 2018 mithin keine
Plantarfasziitis. Wie bereits erwähnt, wurde zwar die Plantarfasziitis immer noch als
Diagnose aufgeführt, doch erklärt sie sich letztlich aus dem Untersuchungsbericht nicht
mehr, zumal - wie festgehalten - ein morphologisches Korrelat der beklagten
Beschwerden nicht gesichtet und kein spezifischer Druckschmerz erhoben werden
konnte. Vielmehr lassen die übrigen Feststellungen der Ärzte davon ausgehen, dass
diese die Ursache der Fussbeschwerden in einer unfallfremden Ätiologie sahen und sie
4.3.2.
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damit - wie von der Beschwerdegegnerin in der Stellungnahme vom 26. November
2019 festgestellt (act. G 6) - von ihrem Standpunkt einer Plantarfasziitis abgerückt sind.
Auch die beim Beschwerdeführer diagnostizierte verkürzte
Gastrocnemiusmuskulatur führt nicht ohne weiteres zu einer Plantarfasziitis. Wie
bereits erwähnt, gibt es zwar laut Dr. G._ Hinweise darauf, dass eine Plantarfasziitis
oft mit einer Verkürzung/Verspannung dieser Muskulatur einhergeht (Suva-act. 85-11)
und wurde beim Beschwerdeführer eine Verkürzung der dorsalen Kette/ischiocruralen
Muskulatur rechts positiv getestet. Wie dem Untersuchungsbericht der Ärzte des KSSG
vom 3. April 2017 ausserdem zu entnehmen ist, wäre eine allfällige Plantarfasziitis als
Folge der verkürzten Unterschenkelmuskulatur aufgrund einer konsekutiven
Fehlbelastung nach verpasster und verspätet gestellter Diagnose einer
Innenknöchelfraktur zu interpretieren (Suva-act. 45-3). Die Plantarfasziitis wäre damit
eine Folgekrankheit, d.h. eine neu hinzugetretene Krankheit, die durch eine andere,
schon bestehende Erkrankung ausgelöst worden wäre (Roche Lexikon, a.a.O., S. 633,
1685 "Sekundärkrankheit"). Erfahrungsgemäss können bestimmte Folgekrankheiten bei
gewissen Grunderkrankungen oder Verletzungen gehäuft vorkommen bzw. letztere ein
erhöhtes Risiko für bestimmte Folgekrankheiten darstellen, doch sind Folgekrankheiten
damit keinesfalls die Regel oder gar zwingend. Allein anhand einer positiv getesteten
Muskelverkürzung kann jedenfalls der überwiegend wahrscheinliche Beweis für eine
Plantarfasziitis nicht erbracht werden. Zumindest erscheint ein Sachverhalt mit einer
sekundären traumatischen Entstehung einer Plantarfasziitis nicht wahrscheinlicher als
ein solcher mit Fussbeschwerden mit einer unfallfremden Ätiologie, womit dem im
Sozialversicherungsrechts geltenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nicht genüge getan ist (vgl. Thomas Locher/Thomas Gächter,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N 58).
4.3.3.
4.4.
Auch das ZMB-Gutachten vom 21. Dezember 2018 liefert keine Anhaltspunkte
für das Vorliegen einer Plantarfasziitis. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer
Stellungnahme vom 26. September 2019 (act. G 6) zutreffend fest, dass die
Plantarfasziitis im Gutachten gar kein Thema gewesen sei.
4.4.1.
Im Gutachten finden sich Untersuchungsergebnisse, Ausführungen und
Schlussfolgerungen, welche darauf hinweisen, dass vielmehr unfallfremde psychische
Komponenten für die anhaltenden Fussbeschwerden ursächlich sind. Der
orthopädische Teilgutachter erhob in Bezug auf das Sprunggelenk - abgesehen von
einer (nur) "diffusen" (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 413), nicht signifikanten
4.4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/18
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Druckschmerzangabe am Tuber calcanei innen und aussen - vollständig unauffällige
Befunde. Der Beschwerdeführer zeigte insbesondere auch keine Druckschmerzangabe
am plantaren Fersensporn; der Fersengang war problemlos und ohne Schmerzangabe
möglich (S. 29). Selbst für die von den Ärzten des KSSG für die Plantarfasziitis als
Ursache betrachteten Muskelverkürzungen, speziell der Wadenmuskulatur, ergaben
sich dem orthopädische Teilgutachter in der Untersuchung keine Hinweise. Anzeichen
für eine Fasziitis an der Fusssohle rechts oder einer sonstigen Insertionstendopathie an
der rechten unteren Extremität verneinte er. Schliesslich stellte er eine unauffällige
Funktion sämtlicher Gelenke der rechten unteren Extremität fest (S. 33). Auch das
Untersuchungsergebnis des neurologischen Teilgutachters war unauffällig (S. 40). Der
psychiatrische Teilgutachter hielt zum Status fest, dass der Beschwerdeführer einen
schweren, ständig vorhandenen Fussschmerz angebe, das Ausmass der Schmerzen
jedoch durch die objektivierbaren Befunde nicht vollständig erklärbar sei. Durch den
Unfall sei es zu einer psychosozialen Belastungssituation gekommen, welche der
Beschwerdeführer fehlverarbeitet habe. Er habe die Verletzung inadäquat verarbeitet
und zusätzlich seien Probleme in Bezug auf die Versicherungsgelder hinzugekommen.
Bei fehlenden Sprachkenntnissen habe möglicherweise auch die Aufklärung über seine
Symptome bzw. das weitere Vorgehen zu Schwierigkeiten geführt. Hinzu sei die
Arbeitslosigkeit der Ehefrau gekommen. Der Beschwerdeführer habe die
Gesamtsituation als ungerecht empfunden und sei überfordert gewesen. Er habe
depressiv reagiert. In einer Untersuchung durch Dipl. psych. H._ und Dr. med. I._,
Klinik für Psychosomatik, St. Gallen, vom 13. Oktober 2017 bzw. im entsprechenden
Untersuchungsbericht vom 23. November 2017 sei eine mittelgradig depressive
Episode (ICD-10 F32.1) diagnostiziert worden. Aufgrund des Befundes - thematisch sei
der Beschwerdeführer auf seine Fussproblematik und die ungerechte Behandlung bzw.
das Nichterkennen seiner Verletzung eingeengt gewesen - sei jedoch eher von einer
Anpassungsstörung auszugehen. Belastungen hätten die Schmerzen mit Ausstrahlung
in den Rücken, der Arbeitsplatzverlust und das unverschuldete Hineingeraten in diese
Situation dargestellt. Die Alltagsstruktur sei verloren gegangen (S. 52). In der
interdisziplinären Gesamtbeurteilung (Konsensbeurteilung) wurde sodann zum Verlauf
der bisherigen Arbeitsunfähigkeit - also explizit nicht (nur) in Bezug auf den
Gutachtenszeitpunkt - festgehalten, dass bei konsekutiver Therapie der medialen
Malleolarfraktur die knöcherne Ausheilung nach sechs Wochen zu erwarten sei und der
weitere Verlauf durch die somatoforme Schmerzstörung und unspezifische Myosen/
Tendomyosen gekennzeichnet sei (S. 5). Als Diagnosen wurden ein chronisches
Schmerzsyndrom des rechten Sprunggelenks ohne objektivierbare morphologische
oder funktionelle Veränderung bei Status nach konservativ versorgter undislozierter
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5.
Aufgrund des in Erwägung 4 Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass in
Beachtung der vorliegenden medizinischen Akten, insbesondere auch der vor
Bundesgericht neu eingereichten Dokumente - dem Untersuchungsbericht der Ärzte
des KSSG vom 27. März 2018 (act. G 3.2-3) und dem ZMB-Gutachten vom 21.
Dezember 2018 (act. G 3.2-4) -, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen ist, dass beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Einstellung der
Versicherungsleistungen keine Plantarfasziitis bestand, welche für seine fortdauernden
Fussbeschwerden rechts ursächlich war. Eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin für eine Plantarfasziitis als indirekte Folge des Unfalls vom 21.
September 2016 bzw. der dabei erlittenen Malleolarfraktur am rechten Fuss ist damit
über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus zu verneinen.
6.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 28. September 2017 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).