Decision ID: ca2e21b3-9704-513d-8588-5c873b6471a8
Year: 2004
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Gemeindeverband C._ hat gegenüber Herrn A._, Gampelen,
am 3. Dezember 2004 (richtig wohl: 3. September 2004) Folgendes verfügt: „1. Die Kanalisationsleitung der C._ quert Ihre Parzelle Nr. D._. Die Querung wurde am 19.
Mai 1983 z. L. ihres Grundstückes im Grundbuch eingetragen (Beleg Nr. E._).
2. Eine allfällige Umlegung der Leitung bedarf einer Bewilligung des Leitungseigentümers. Dafür ist frühzeitig ein begründetes Gesuch beim Vorstand des Gemeindeverbandes C._ einzureichen. Das Gesuch hat ein detailliertes Projekt über die neue Leitungsführung zu enthalten.
3. Im Falle einer Bewilligung für die Leitungsverlegung, müssten Sie als Verursacher sämtliche anfallenden Kosten tragen.
4. [Rechtsmittelbelehrung: Beschwerde nach Art. 49 Abs. 1 des Baugesetzes vom 9. Juni 1985 (BauG, BSG 721) bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE)].“
2. Herr A._ beantragt mit Beschwerde vom 2. Oktober 2004, falls tatsächlich
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der Rechtsmittelweg nach Art. 49 Abs. 1 BauG in Betracht falle, die Verfügung vom 3.
Dezember 2004 des Gemeindeverbandes C._ kostenfällig aufzuheben. Als
Begründung bringt er im Wesentlichen vor: Er beabsichtige auf seiner Parzelle Gbbl. Nr.
D._ gestützt auf eine rechtskräftige Baubewilligung einen Schweinestall zu bauen.
Im Rahmen der Vorbereitung der Bauarbeiten sei zutage getreten, dass die C._
die Leitung nicht am richtigen Ort verlegt habe. Dadurch werde durch die Leitung das
Bauprojekt tangiert und es könne das Fundament für das bewilligte Gebäude nicht erstellt
werden. Er habe die C._ aufgefordert, die ARA-Leitung in die korrekte
Linienführung zu verlegen, worauf die C._ die Verfügung vom 3. Dezember 2004
erlassen habe. Gegenüber der C._ habe er die Auffassung vertreten, die
Angelegenheit betreffe einen zivilrechtlichen Vorgang, womit die Verfügung der
C._ unbeachtlich wäre. Für den Fall, dass dem nicht so sein sollte, habe er auch
dem Regierungsstatthalter eine Beschwerde unterbreitet.
Der C._ beantragt, die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung vom 3.
Dezember 2004 zu schützen. Der Regierungsstatthalter des Amtsbezirks Erlach hat erklärt,
dass er sich nicht als zuständig erachtet.

II. Erwägungen
1. Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) prüft die
Eintretensvoraussetzungen von Amtes wegen.
Der Gemeindeverband C._ hat die angefochtene Verfügung gestützt auf Art. 45 ff.
BauG erlassen (vgl. dazu Sachverhalt Ziffer 1). Die BVE ist somit zum Entscheid über die
dagegen eingereichte Beschwerde zuständig (Art 49 Abs. 1 BauG). Die übrigen
Prozessvoraussetzungen sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Zu prüfen ist, ob der Gemeindeverband C._ überhaupt zuständig ist, eine Verfügung gestützt auf Art. 45 ff. BauG zu erlassen.
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a) Die streitige Leitungsführung ist am 24. Februar 1982 von der ehemaligen Direktion
für Verkehr, Energie- und Wasserwirtschaft gestützt auf Art. 130a des alten Gesetzes über
die Nutzung des Wassers vom 3. Dezember 1950 (WNG alt, BAG 1951, S. 158 ff.) in der
Fassung vom 6. Dezember 1964 (BAG 1964, S. 345) genehmigt worden. Nach geltendem
Recht richtet sich die Sicherung von öffentlichen Abwasserleitungen nach den Vorschriften
über die kommunalen Überbauungsordnungen (Art. 28 Abs. 1 KGSchG i.V.m. Art. 22 Abs.
1 des Wasserversorgungsgesetzes vom 11. November 1996; WVG, BSG 752.32). Deshalb
gelten seit der Inkraftsetzung dieses Rechts am 1. Januar 1997 auch die entsprechenden
Bestimmungen über die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes. Die Vorschriften
über die kommunalen Überbauungsvorschriften sind Bestandteil des Baurechts. Ein
rechtlicher Zustand, der nach diesen Vorschriften verfügt worden ist, ist somit von der
zuständigen Baupolizeibehörde im Verfahren nach Art. 46 BauG wiederherzustellen. Die
entsprechende Verfügung kann bei der BVE angefochten werden (Art. 49 BauG). Gegen
diese Lösung spricht nicht, dass gemäss KGSchG die zuständige Stelle der BVE, d.h. das
Amt für Gewässerschutz und Abfallwirtschaft (GSA), die Überbauungsordnung genehmigt
(Art. 28 Abs. 1 KGSchG i.V.m. Art. 22 Abs. 4 WVG). Auch in der baurechtlichen Ordnung
ist die Genehmigungsinstanz (Amt für Gemeinden und Raumordnung, AGR) nicht zugleich
zuständig für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes (vgl. dazu Art. 61 und
45 ff. BauG). Zudem wäre es nicht sachgerecht, wenn der Eigentümer der Leitung und die
Genehmigungsinstanz, die zugleich die kantonale Fachinstanz ist, über die Frage urteilen
würde, ob ein rechtswidriger Zustand vorliegt und ob der rechtmässige Zustand
wiederherzustellen ist.
Die verfahrensmässige Regelung nach neuem Recht gilt auch dann, wenn der heute noch
geltende rechtliche Zustand gestützt auf altes Recht verfügt worden ist. Dieser Zustand ist
von der heute zuständigen Instanz wiederherzustellen unabhängig davon, in welchem
Verfahren er geschaffen worden ist.
b) Über die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes in Bezug auf
Abwasserleitungen, deren Verlauf gestützt auf öffentliches Recht gesichert ist, entscheidet
somit die Baupolizeibehörde derjenigen Gemeinde, auf deren Gemeindegebiet die
tatsächliche Leitungsführung umstritten ist. Umstritten ist der tatsächliche Verlauf auf dem
Gebiet der Gemeinde Gampelen. Baupolizeibehörde dieser Gemeinde ist nicht der
Gemeindeverband C._, sondern die zuständige Behörde der Gemeinde
Gampelen. Die angefochtene Verfügung ist deshalb wegen mangelnder Zuständigkeit
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aufzuheben. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass der C._ im Rahmen eines
Beschlusses über die Überbauungsordnung zur Sicherung oder Abänderung eines
bestimmten Durchleitungsrechts nach Art. 28 KGSchG i.V.m. Art. 21 f. WVG auch die
Frage regelt, wer die Kosten der Verlegung der Leitung gestützt auf einen solchen
Beschluss trägt. Im vorliegenden Fall hat er jedoch (noch) keinen solchen Beschluss
gefasst, sondern nur festgestellt, was seiner Auffassung nach rechtens ist, wenn die
Leitungsführung auf Gesuch hin neu festgelegt werden soll.
c) Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, die Leitung des Gemeindeverbandes sei
nicht entsprechend dem Genehmigungsbeschluss vom 24. Februar 1982 verlegt worden.
Streitig ist somit eine Frage der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes. Zu deren
Beurteilung ist - wie bereits festgestellt (E. 2) - in erster Instanz die Baupolizeibehörde der
Gemeinde Gampelen zuständig. Eine Kopie dieses Entscheides geht deshalb zur
Kenntnisnahme an diese Behörde. Sie wird von Amtes wegen ein entsprechendes
baupolizeiliches Verfahren einzuleiten und dieses Verfahren mit einer anfechtbaren
Verfügung abzuschliessen haben. Dabei wird die Behörde insbesondere abzuklären
haben, ob im Bereich der Parzelle Gbbl. Nr. D._ des Beschwerdeführers eine
Differenz zwischen der genehmigten und der tatsächlichen Leitungsführung besteht. Sie
wird dazu entsprechend den Bestimmungen von Art. 18 ff. VRPG die notwendigen und
tauglichen Beweise erheben (z.B. Augenschein unter Beizug der betroffenen Personen und
von Fachleuten). Die Einleitung dieses baupolizeilichen Verfahrens präjudiziert nicht die
Frage, ob der Beschwerdeführer – wie er dies bereits gemacht hat – gegen den
Eigentümer der Leitung auch auf dem zivilrechtlichen Weg vorgehen kann.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten wie folgt zu verlegen: Der Beschwerdeführer obsiegt. Der Gemeindeverband ist nicht in seinen Vermögensinteressen
betroffen. Es können ihm deshalb keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs.
2 VRPG). Dagegen hat er dem Beschwerdeführer die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108
Abs. 3 VRPG). Diese belaufen sich gemäss Rechnung vom 24. November 2004 auf Fr.
528.10 (inkl. Mehrwertsteuer).
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