Decision ID: aa3399a1-00d5-4de9-b371-c0f38dbfaff7
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Die B._ GmbH wurde am 6. Oktober 2010 gegründet und war seit 1. Oktober 2010
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) als beitragspflichtige
Arbeitgeberin erfasst. A._ war von der Gründung bis zur Löschung der Gesellschaft
am 8. Dezember 2014 als deren Gesellschafter und Geschäftsführer mit
Einzelunterschrift im Handelsregister eingetragen. Über die Gesellschaft wurde am 24.
März 2014 der Konkurs eröffnet. Nachdem die SVA bereits mit
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Schadenersatzverfügung vom 2. April 2014 (nicht bei den Akten) Schadenersatz in
Höhe von Fr. 50'887.10 betreffend abgeschriebene Sozialversicherungsbeiträge für
den Zeitraum von Juni 2011 bis August 2012 bei A._ geltend gemacht hatte, erliess
sie am 18. Mai 2016 eine weitere Schadenersatzverfügung für entgangene Beiträge im
Zeitraum von Juli 2012 bis Februar 2014 in Höhe von Fr. 74'442.60 (bundesrechtliche
Beiträge) und Fr. 3'171.75 (kantonalrechtliche Beiträge), total somit Fr. 77'614.35. A._
hätte als Gesellschafter und Geschäftsführer der GmbH dafür sorgen müssen, dass die
Gesellschaft die ihr übertragenen öffentlich-rechtlichen Aufgaben korrekt erfülle. Dies
habe er offensichtlich unterlassen, weshalb er für den entstandenen Schaden
aufzukommen habe (act. G 8.2/24). Die dagegen erhobene Einsprache vom 17. Juni
2016/30. August 2016 - die Lohnbeiträge seien im Wesentlichen bezahlt worden - wies
die SVA mit Entscheid vom 2. Dezember 2016 ab (act. G 8.2/25, 34 und 37).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 16.
Dezember 2016 samt Zusatzbegründung vom 23. Januar 2017 mit dem Antrag auf
Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Ausserdem sei dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das vorliegende
Verfahren zu bewilligen. Der Beschwerdeführer sei durch einen Steuerberater als
Fachperson und eine Treuhandfirma beraten worden. Er sei nie darauf aufmerksam
gemacht worden, dass ausstehende Lohnbeiträge nicht bezahlt worden seien,
insbesondere auch nicht über die rechtlichen Konsequenzen einer solchen
Nichtbezahlung. Dass er sich auf Auskünfte von Steuerberater und Treuhandfirma
abgestützt habe, stehe nicht im Widerspruch zur Unübertragbarkeit von Aufgaben
gemäss Art. 810 Abs. 2 Ziff. 4 OR. Der Beschwerdeführer habe damit weder absichtlich
noch grobfahrlässig gehandelt, zumal er alles unternommen habe, um die Firma zu
retten. Er habe praktisch Tag und Nacht gearbeitet, um insbesondere die Löhne, aber
auch die Leasingraten und die Treibstoffkosten für die Fahrzeuge bezahlen zu können.
Im Konkurs der Gesellschaft hätten dementsprechend keine offenen Lohnforderungen
und keine wesentlichen Forderungen für Leasingraten und Benzinrechnungen kolloziert
werden müssen. Auf Grund dieser immensen Belastung habe er sich den notwendigen
Überblick nicht verschaffen können. Des Weiteren werde auch der geltend gemachte
Schaden in Höhe von Fr. 77'614.35 bestritten. In der angefochtenen Verfügung würden
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Lohnbeiträge in Höhe von Fr. 74'472.60 (richtig: 74'442.60) geltend gemacht. Dagegen
bestehe eine Verlustscheinforderung über Fr. 51'685.85 für angeblich ausstehende
Lohnbeiträge und mit Schreiben der SVA vom 13. April 2016 seien angeblich offene
Sozialversicherungsbeiträge von Fr. 83'517.45 geltend gemacht worden. Die
Schadenersatzforderung sei somit völlig widersprüchlich und nicht genügend
substantiiert. Zur effektiven Ermittlung der Lohnbeiträge seien die Jahresabrechnungen
2011 bis 2014 zu berücksichtigen. Davon seien die Zahlungen der B._ GmbH in
Abzug zu bringen. Diese Zahlungen seien nur teilweise berücksichtigt worden (act. G 1
und 3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. März 2017 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Es treffe nicht zu, dass die Einzahlungen des Beschwerdeführers in
der Schadensberechnung nicht berücksichtigt worden seien. Vielmehr seien diese an
die Posten 2011/0002, 0003 und 0006 angerechnet worden (act. G 8). Ein weiterer
Schriftenwechsel fand nicht statt.
B.c Mit Eingaben vom 24. April 2017 und 31. August 2017 reicht der
Beschwerdeführer weitere Unterlagen zu seinen Einkommens- und
Vermögensverhältnissen ein (act. G 13 und 15).

Erwägungen
1.
Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen. Handelt
es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder
der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten
Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften
sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über
die Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVG, SR 831.10). Die Arbeitgeber sind
verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
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Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVV, SR 831.101). Die Missachtung dieser
Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art. 52
Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine
Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben
sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches und
schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem muss
zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden ein
adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Diese Haftungsordnung gilt auch für
die Beitragsforderungen der Familienausgleichskasse (Art. 47 des bis Ende 2017 in
Kraft gewesenen Kinderzulagengesetzes [KZG SG; nGS 44-47], Art. 1 Abs. 2 des
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Familienzulagen [sGS 371.1],
Art. 25 lit. c des Bundes¬gesetzes über die Familienzulagen [SR 836.2]). Die
Schadenersatzforderung verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse
vom Schaden Kenntnis erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des
Schadens (Art. 52 Abs. 3 AHVG).
2.
2.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer ab Eintragung der B._
GmbH in das Handelsregister im Oktober 2010 bis zu deren Löschung im Dezember
2014 als einziger Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift eingetragen
war und damit eine Organstellung innehatte. Der Beschwerdeführer bestreitet jedoch
im Wesentlichen die Berechnung des Schadens sowie das Verschulden, während die
übrigen Haftungsvoraussetzungen sowie die Rechtzeitigkeit der
Schadenersatzverfügung nicht umstritten sind.
2.2
2.2.1 Die Schadenersatzpflicht des verantwortlichen Organs setzt zunächst den
Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Der Schaden kann unbezahlt
gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge, Familienzulagen-Beiträge,
Verwaltungskostenbeiträge, Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten
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sowie Verzugszinsen für rückständige Beiträge umfassen (THOMAS NUSSBAUMER,
Das Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in: SCHAFFHAUSER/KIESER [Hrsg.],
Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 100). Zeitliche
Grenze des zu berücksichtigenden Schadens bildet grundsätzlich die
Konkurseröffnung. Die schadenersatzpflichtige Person hat auf Grund ihrer
Mitwirkungspflichten den Schadensbetrag substantiiert zu bestreiten, soweit die
Forderung nicht auf rechtskräftigen Verfügungen beruht (ZAK 1991 S. 125, AHI-Praxis
1993 S. 172, SVR 2001 AHV S. 51 Nr. 15).
2.2.2 In Bezug auf den Schaden macht der Beschwerdeführer geltend, die
Schadenersatzforderung sei nicht genügend substantiiert. So würden in der
angefochtenen Verfügung vom 18. Mai 2016 ausstehende Lohnbeiträge in Höhe von
Fr. 74'472.60 (richtig: 74'442.60) geltend gemacht. Dagegen bestehe eine
Verlustscheinforderung über Fr. 51'685.85 für angeblich ausstehende Lohnbeiträge,
und mit Schreiben der SVA vom 13. April 2016 seien angeblich offene
Sozialversicherungsbeiträge von Fr. 83'517.45 geltend gemacht worden. Dem ist
zunächst entgegen zu halten, dass die Beitragsberechnungen auf den durch die
Gesellschaft deklarierten Lohnsummen basieren (Jahresabrechnung 2012: Fr.
374'940.-- x 10,3 % = AHV/IV/EO-Beiträge in Höhe von Fr. 38'618.80 [act. G 8.1/96
und G 8.4 Posten 2013/0003]; Jahresabrechnung 2013: Fr. 378'943.-- x 10,3 % = AHV/
IV/EO-Beiträge in Höhe von Fr. 39'031.15 [act. G 8.1/198 und 201, G 8.4 Posten
2014/0003]; Jahresabrechnung 2014; Fr. 74'070.-- x 10,3 % = AHV/IV/EO-Beiträge in
Höhe von Fr. 7'629.20 [act. G 8.1/230 und 233, G 8.4 Posten 2014/0009]). Der konkrete
Schaden ergibt sich sodann aus den Schadensberechnungsblättern. Darin wird der
Schaden betreffend die in der Verfügung vom 18. Mai 2016 und im angefochtenen
Einsprtacheentscheid vom 2. Dezember 2016 genannten Posten 2012/0010, 0012 -
0014, 0017, 2013/0001 - 0002, 0005 - 0014, 2014/0001 - 0002 detailliert dargestellt.
Dabei handelt es sich um offen gebliebene Beitragspauschalen samt Nebenkosten für
die Monate Juli 2012, September bis November 2012, abzüglich einer Gutschrift aus
der Jahresabrechnung 2012 in Höhe von Fr. 5'219.95 (Posten 2013/0003), sämtliche
Pauschalen inkl. Nebenkosten für das Jahr 2013 sowie die Pauschalen inkl.
Nebenkosten für die Monate Januar und Februar 2014. Demgegenüber wurden die
auszugleichenden Beiträge aus der Jahresabrechnung 2013 in Höhe von Fr. 2'725.20
sowie der aus der offen gebliebenen März 2014-Pauschale resultierende Schaden in
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Höhe von Fr. 3'177.90, welche Rechnungen vom 4. bzw. 13. März 2014 erst nach
Konkurseröffnung fällig wurden (Posten 2014/0003 und 0005), zu Recht nicht mehr in
die Schadensberechnung einbezogen (daher auch die Differenz zu dem im Schreiben
vom 13. April 2016 genannten Betrag von Fr. 83'517.45 [act. G 1.4]). Ebenfalls wurden
die bereits mit Schadenersatzverfügung vom 2. April 2014 geltend gemachten
Betreffnisse (Posten 2011/0004 - 0005, 2012/0001, 0004 - 0005, 0008 - 0009 und 0011
[vgl. act. G 8.2/37 S. 2]) in Höhe von Fr. 50'887.10 (Verlustschein infolge Pfändung vom
15. Januar 2016 [act. G 1.5]; vgl. auch Verlustscheine vom 26. April 2013, 21. Juni
2013, 10. September 2013, 8. Oktober 2013 und 19. Februar 2014 in Höhe von
insgesamt Fr. 50'838.20 [act. G 8.1/109, 124, 148, 150 - 152, 196 und 197]) vorliegend
nicht erneut berücksichtigt (act. G 8.2/2 - 5 und 7 - 10; vgl. auch Kontoauszug [act. G
8.4] und act. G 8.1/239 - 285). Schliesslich wurden auch die vom Beschwerdeführer im
Einspracheverfahren (Fr. 15'629.90 und Fr. 1'090.-- [Einzahlungen vom 19. April 2011,
16. März 2012, 17. April 2012, 13. Juli 2012 sowie Überweisung durch das
Betreibungsamt Au ["Zahlung Post"]; vgl. act. G 8.2/28]) sowie im vorliegenden
Beschwerdeverfahren geltend gemachten Einzahlungen (Fr. 4'651.45, Fr. 4'770.75
[korrekt: Fr. 119.30] sowie Fr. 5'128.20 [Einzahlungen vom 16. Dezember 2011; act G
1.7 und act. G 8.2/35.11 ff.]) ordnungsgemäss verbucht, nämlich in den Posten
2011/0001 - 0003, 0005 - 0008, 2012/0002 - 0003, sodass auch diese Einzahlungen
bei der Schadensberechnung bereits berücksichtigt sind (act. G 8.4). Entgegen den
Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid wurde auch die Teilzahlung des
Betreibungsamtes Au in Höhe von insgesamt Fr. 1'090.-- verbucht (Fr. 595.-- + Fr.
495.-- ["Zahlung Post" vom 25. Juni 2012 und vom 4. Oktober 2012]; hinzu kommt eine
weitere Teilzahlung des Betreibungsamtes in Höhe von Fr. 495.-- ["Zahlung Post" vom
25. Februar 2013 [alle Posten 2011/0005]], act. G 8.4; vgl. auch act. G 8.2/28.5]).
Schliesslich liegt ein Konkursverlustschein in Höhe von Fr. 136'284.10 bei den Akten
(act. G 8.1/236), wobei die Beschwerdegegnerin für den Betrag von Fr. 50'887.10
bereits früher Schadenersatz beim Beschwerdeführer geltend gemacht hat. Nachdem
der Beschwerdeführer gegen die detaillierte und nachvollziehbare Schadensaufstellung
der Beschwerdegegnerin keine substantiierten Einwände vorbringen kann, ist der
Schaden (mindestens) in der verfügten Höhe von Fr. 77'614.35 (davon Fr. 74'442.60
bundesrechtliche Beiträge und Fr. 3'171.75 kantonalrechtliche Beiträge) ausgewiesen.
2.3
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2.3.1 Bei der Prüfung der Verschuldensfrage ist zu berücksichtigen, dass sowohl ein
Verschulden der Arbeitgeberin wie des verantwortlichen Organs vorliegen muss. Nach
der Rechtsprechung ist nicht jede Verletzung der öffentlich-rechtlichen Aufgaben durch
die Arbeitgeberin ohne weiteres einem qualifizierten Verschulden ihrer Organe
gleichzusetzen. Vorausgesetzt ist vielmehr ein Normverstoss von einer gewissen
Schwere. Eine Nichtabrechnung oder Nichtbezahlung der Beiträge genügt noch nicht,
um ein qualifiziertes Verschulden anzunehmen. Vielmehr sind die gesamten Umstände
zu würdigen. Die Frage der Dauer des Normverstosses ist dabei ein
Beurteilungskriterium, das im Rahmen der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen ist
und im Sinne der Rechtsprechung zu den Entlastungsgründen zur Verneinung der
Schadenersatzpflicht führen kann (BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Von einem
qualifizierten Verschulden ist in der Regel auszugehen, wenn etwa eine Arbeitgeberin
über längere Zeit ihre Abrechnungs- und/oder Ablieferungspflichten nur schleppend
oder bloss teilweise erfüllt. Gegen ein qualifiziertes Verschulden kann beispielsweise
eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstands sprechen oder der Umstand, dass eine
Arbeitgeberin bei ungenügender Liquidität zunächst für das Überleben des
Unternehmens wesentliche andere Forderungen (insbesondere solche der
Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, sofern sie auf Grund der objektiven
Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen darf, sie werde die
geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen können (BGE 121 V 244 E. 4b
mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2011, 9C_330/2010, E. 3.4). Bei
der Verschuldensbeurteilung gilt ein objektiver Verschuldensmassstab, weshalb
subjektive Entschuldbarkeit oder die Gründe für die Mandatsübernahme unbeachtlich
sind (UELI KIESER, Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: ULRICH MEYER
[Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3.
Auflage, G 460 mit Hinweisen). Das Mass der gebotenen Sorgfalt hängt immer von den
Umständen ab, wozu auch die Grösse der Firma und die Anzahl Verwaltungsräte
gehören. Bei einem einzigen Verwaltungsrat gilt ein strengerer Massstab (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Dezember 2010, 9C_325/2010, E. 5.1).
2.3.2 Vorliegend ist die B._ GmbH ihrer Beitragsabrechnungs- und
Ablieferungspflicht während längerer Zeit nur schleppend bzw. überhaupt nicht
nachgekommen. So bestanden die Zahlungsschwierigkeiten bereits seit September
2011, als für den Zeitraum von Juni bis September 2011 infolge erheblich zu geringer
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Beitragspauschalen eine Nachbelastung von Sozialversicherungsbeiträgen in Höhe von
Fr. 14'617.05 anfiel (Rechnung vom 29. September 2011 [Posten 2011/0004]).
Anschliessend erhöhte die Beschwerdegegnerin die Beitragspauschalen ab Oktober
2011 massiv, nämlich von Fr. 4'631.45 pro Quartal auf Fr. 5'128.20 pro Monat (Posten
2011/0005 ff. [act. G 8.4]). Während die Beitragspauschalen November und Dezember
2011 sowie Februar 2012 wiederum bezahlt wurden, mussten ab März 2012 bis zum
Konkurs im März 2014 praktisch sämtliche Pauschalen sowie die auszugleichenden
Beiträge (Ausnahme 2012, als eine anrechenbare Gutschrift in Höhe von Fr. 5'219.95
resultierte [Posten 2013/0003]) gemahnt, betrieben und schliesslich abgeschrieben
werden (act. G 8.4). Ebenso mussten sämtliche Jahresabrechnungen 2010 bis 2013
jeweils gemahnt werden (act. G 8.1/6, 29, 91 und 194). Die Gesellschaft hat sich somit
praktisch während der gesamten Zeit ihres Bestehens nur sehr ungenügend um ihre
Beitragsabrechnungs- und -ablieferungspflichten gekümmert. Wie schliesslich die
Betreibungen und Pfändungsverlustscheine bzw. Abschreibungen im Kontoauszug
zeigen, hat die Gesellschaft den Betrieb während rund zweieinhalb Jahren unter
anderem auf Kosten der AHV geführt, ohne dass Aussicht auf eine Sanierung
bestanden hätte. Unter diesen Umständen kann ein grobes Verschulden der
Arbeitgeberin nicht zweifelhaft sein.
2.3.3 Der Beschwerdeführer selber macht geltend, er sei von einem Steuerberater
und einer Treuhandfirma betreut worden. Er sei von diesen Personen nie darauf
aufmerksam gemacht worden, dass ausstehende Lohnbeiträge nicht bezahlt worden
seien, insbesondere auch nicht auf die rechtlichen Folgen unbezahlter Lohnbeiträge. Er
habe damit weder fahrlässig noch grobfahrlässig gehandelt. Er habe vielmehr alles
unternommen, um die B._ GmbH zu retten. Er habe versucht, die Löhne der Fahrer
und die Betriebskosten der Fahrzeuge (Leasing, Treibstoff) zu bezahlen. Dass ersteres
nicht zutrifft, ergibt sich bereits aus dem Umstand, dass die Zahlungsbefehle jeweils an
den Beschwerdeführer selber oder an seine Ehefrau (die bis am 30. September 2013
als Direktorin mit Einzelunterschrift im Handelsregister eingetragen war [act. G
8.2/11.2]) ausgehändigt wurden (z.B. act. G 8.1/76.1 [Posten 2012/10], 88.1 [Posten
2012/12], 89.1 [Posten 2012/13] usw.), so dass ihm die offenen Beitragsforderungen
der Beschwerdegegnerin bekannt sein mussten. Im Übrigen ging der
Beschwerdeführer nach eigenen Angaben selber davon aus, dass die Firma "gerettet"
werden müsse, was ebenfalls impliziert, dass ihm die angespannte finanzielle Lage
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bewusst war. Selbst wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, würde ihn dies nicht
entlasten, hat er sich doch als einziger Gesellschafter und Geschäftsführer mit
Einzelunterschrift einer überschaubaren GmbH über die Belange des Unternehmens -
namentlich über potentiell existenzbedrohende Schulden - zu informieren. So gehören
die Festlegung der Organisation der Gesellschaft im Rahmen von Gesetz und Statuten,
die Ausgestaltung des Rechnungswesens und der Finanzkontrolle sowie die Aufsicht
über die Personen, denen Teile der Geschäftsführung übertragen sind, namentlich im
Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen zu den
unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben eines Geschäftsführers einer GmbH
(Art. 810 Abs. 2 Ziff. 2 - 4 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR, SR 220]]).
Mithin vermag ihn der Beizug eines Steuerberaters und einer Treuhandfirma nicht zu
entlasten. Vielmehr haftet er für unerlaubte Handlungen oder Unterlassungen dieser
Hilfspersonen (Art. 55 OR). Ob der Beschwerdeführer gegenüber diesen Personen
allenfalls einen zivilrechtlichen Regressanspruch aus unsorgfältiger Auftragserfüllung
geltend machen kann, ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens und braucht
hier nicht geklärt zu werden. Erst recht stellt die blosse Unkenntnis der Haftungsfolgen
nach Art. 52 AHVG keinen Exkulpationsgrund dar. Schliesslich vermag den
Beschwerdeführer nicht zu entlasten, dass er zunächst andere, für das Überleben der
Unternehmung wichtiger erscheinende Forderungen bezahlt hat. So ist weder
ersichtlich noch wird geltend gemacht, dass für die Sanierung des Unternehmens ein
Konzept bestanden hat. Im Weiteren kann bei der fortgesetzten Dauer der
Beitragsausstände nicht mehr von einem bloss kurzfristigen, d.h. unterjährigen
Liquiditätsengpass, ausgegangen werden, der zur Hoffnung berechtigt hätte, die Firma
könne die ausstehenden Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 17. September 2007, 9C_111/2007, E. 3.1). Mit der
Beschwerdegegnerin ist somit festzustellen, dass der Beschwerdeführer als
Geschäftsführer und Inhaber der Gesellschaft - gerade auch angesichts der
offensichtlich angespannten finanziellen Lage - verpflichtet gewesen wäre, jeweils nur
so viele Löhne auszuzahlen, als die unmittelbar darauf anfallenden
Sozialversicherungsbeiträge hätten bezahlt werden können. Indem er sich als
verantwortliches Organ der Gesellschaft nicht um diese grundlegenden Pflichten
gekümmert hat, ist ihm zumindest ein grobfahrlässiges Verhalten vorzuwerfen.
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2.4
Schliesslich sind auch die weiteren Voraussetzungen für die Geltendmachung von
Schadenersatz erfüllt. So musste die Beschwerdegegnerin ab September 2011, also
bereits ein knappes Jahr nach Anschluss der Gesellschaft, die Monatspauschalen
sowie die auszugleichenden Beiträge in der Regel mahnen und betreiben (vgl.
Kontokorrentauszug [act. G 8.4]). Insgesamt hat die B._ GmbH von zu entrichtenden
Beiträgen (inkl. Verwaltungskosten) in Höhe von rund Fr. 166'000.-- lediglich rund Fr.
33'000.-- bezahlt, wobei die letzte Beitragszahlung am 17. April 2012 - knapp zwei
Jahre vor Konkurseröffnung - erfolgte (auszugleichende Beiträge 2011 [act. G. 8.4,
Posten 2012/0003]). Danach hat sie keine Beiträge mehr geleistet. Damit hat die
Gesellschaft gegen die in Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV
statuierte Beitragsablieferungspflicht verstossen, womit die Widerrechtlichkeit als
Haftungsvoraussetzung gegeben ist. Zwischen dem schuldhaften Verhalten des
Beschwerdeführers und dem Schadenseintritt besteht sodann ein adäquater
Kausalzusammenhang. Hätte der Beschwerdeführer ordnungsgemäss für die
Beitragsabrechnung und -ablieferung gesorgt, wäre der Beschwerdegegnerin kein
Schaden in der genannten Höhe entstanden.
3.
Schliesslich ist unbestritten, dass die Schadenersatzverfügung vom 18. Mai 2016
rechtzeitig ergangen ist, nachdem am 24. März 2014 der Konkurs über die B._
GmbH eröffnet worden war und der Beschwerdegegnerin am 5. August 2014 mitgeteilt
wurde, dass die Gläubiger der 2. und 3. Klasse voraussichtlich mit einem vollständigen
Verlust ihrer Forderung rechnen müssen (act. G 8.1/226.2). Die Geltendmachung von
Schadenersatz ist auch nicht während des Einsprache- oder Beschwerdeverfahrens
verjährt, nachdem diese Verfahren die Verjährung unterbrechen und die
Verjährungsfrist nach Abschluss des Gerichtsverfahrens von Neuem zu laufen beginnt
(Art. 138 Abs. 1 OR, BGE 141 V 487 E. 2.3 S. 489 f. mit Hinweisen).
4.
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Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des
Beschwerdeführers als schadenersatzpflichtiges Organ erfüllt. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach den Beschwerdeführer zu Recht verpflichtet,
Schadenersatz für entgangene bundes- und kantonalrechtliche Beiträge in Höhe von
Fr. 74'442.60 bzw. Fr. 3'171.75, total somit Fr. 77'614.35 (inkl. Nebenkosten), zu
bezahlen. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG, SR 830.1).
5.
5.1 Mit Gesuch vom 20. Februar 2017 beantragte der Beschwerdeführer die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt lic. iur.
Adrian Fiechter. Dabei deklarierte er ein monatliches Einkommen für sich von Fr.
4'000.-- sowie ein solches für seine Ehefrau in Höhe von Fr. 1'500.--. Demgegenüber
machte er monatliche Ausgaben in Höhe von insgesamt Fr. 4'981.-- geltend (act. G
7.1). In der Steuererklärung 2015 deklarierte er ein steuerbares Einkommen von Fr.
4'168.-- sowie ein steuerbares Vermögen von Fr. 0.-- (act. G 7.5). Mit Schreiben vom 6.
März 2017 forderte die Verfahrensleitung den Beschwerdeführer auf, weitere
Unterlagen zum Beweis der prozessualen Bedürftigkeit einzureichen (Erfolgsrechnung
2016 betreffend die geltend gemachte selbstständige Erwerbstätigkeit [act. G 10]). Mit
Eingabe vom 24. April 2017 reichte der Beschwerdeführer sodann eine
"Erfolgsrechnung" einer Firma "C._" für das Jahr 2015 ein, da jene für 2016 noch
nicht erstellt sei. Zudem machte er nun geltend, seine Ehefrau sei seit Mai 2016 nicht
mehr erwerbstätig (act. G 13). Mit einem weiteren Schreiben der Verfahrensleitung vom
26. April 2017 wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, den Widerspruch betreffend
das Erwerbseinkommen der Ehefrau aufzuklären sowie die Erfolgsrechnung 2016 und
die Steuerveranlagung 2015 einzureichen (act. G 14). Am 31. August 2017 reichte der
Beschwerdeführer die verlangten Unterlagen ein und führte aus, beim angegebenen
monatlichen Einkommen der Ehefrau von Fr. 1'500.-- handle es sich um ein Versehen
(act. G 15).
5.2 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer den Widerspruch betreffend
die Erwerbseinkünfte der Ehefrau nicht plausibel erklären kann. Auch seine eigenen
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Einkünfte kann der Beschwerdeführer nicht schlüssig darlegen. Bei den nachträglich
eingereichten "Bilanzen" und "Erfolgsrechnungen" der Firma "C._" der Jahre 2015
und 2016 handelt es sich lediglich um rudimentäre Auflistungen angeblicher Aktiven
und Passiven bzw. Erträge und Aufwände. Ein Erstellungsdatum dieser Dokumente ist
ebenso wenig erkennbar wie deren Urheberschaft. Angeblich stammen sie von einer
Bekannten, welche diesen Freundschaftsdienst neben ihren Familienpflichten
wahrnimmt (act. G 13.2). Beim "Abschluss" 2016 fehlen die Bilanzsummen und die
Summe der Aufwände; das Blatt mit den Erträgen fehlt gar vollständig. Aus dem
"Dokument" geht noch nicht einmal hervor, ob es überhaupt das genannte Jahr betrifft
(act. G 13.1 und 15.2). Insbesondere die Angaben betreffend das Jahr 2016 stellen
damit blosse, nicht überprüfbare Parteibehauptungen dar und sind für die Bestimmung
der Prozessarmut nicht geeignet. Die einzig brauchbaren Angaben stammen aus der
Steuerveranlagung 2015. Daraus geht hervor, dass der Beschwerdeführer Einkünfte
aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit in Höhe von insgesamt Fr.
95'412.-- erzielt hat, davon Fr. 46'665.-- aus selbstständiger Erwerbstätigkeit.
Diesbezüglich stellte die Steuerverwaltung auf die Erfolgsrechnung 2015 ab, wobei sie
zum ausgewiesenen Gewinn von Fr. 4'665.08 den geltend gemachten Lohnaufwand
(Eigenlohn) von Fr. 42'000.-- addierte. Für die Ehefrau veranlagte die Steuerbehörde
kein Einkommen (act. G 13.1 und 15.3). Nach Abzug der Berufskosten sowie der nicht
unerheblichen Schuldzinsen und Krankheitskosten sowie der Sozialabzüge verbleibt
ein steuerbares Einkommen von Fr. 52'100.--; steuerbares Vermögen ist keines
vorhanden (act. G 15.3). Auf Grund dieser Angaben ist eine Prozessarmut nicht
ausgewiesen. Bei den im Formular geltend gemachten - und bei den Steuerabzügen
noch nicht berücksichtigten - Ausgaben von jährlich rund Fr. 25'000.--
(Wohnungsmiete Fr. 1'621.-- x 12 = Fr. 19'452.--, Steuern von Fr. 3'582.-- [gemäss
vorliegender Veranlagung 2015; act. G 15.3] sowie Kosten für auswärtige Verpflegung
von Fr. 200.-- x 12 = Fr. 2'400.--), ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in
der Lage ist, die anfallenden Anwaltskosten selber zu übernehmen. Mithin rechtfertigen
die vorliegenden Verhältnisse nicht die Bewilligung eines unentgeltlichen
Rechtsbeistandes (vgl. Art. 61 lit. f ATSG). Das entsprechende Gesuch ist folglich
abzuweisen.