Decision ID: 7faf7b26-7a19-4f9e-9d1c-ac15547db481
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
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a. Mit Baueingabe vom 28. April/18. Mai 2009 reichte die L. + K. AG ein Gesuch um die
Bewilligung für den Abbruch der bestehenden Bauten (Assek. Nrn. 000, 001, 002, 003
und 004) und für die Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit neun Wohneinheiten und
einer Tiefgarage auf den Grundstücken Nrn. 05 und 006 Grundbuch Q. (Projekt „X.“)
ein. Die Bauparzellen befinden sich in der Kernzone Vorstadt und im
Ortsbildschutzgebiet Altstadt und Vorstadt (www.geoportal.ch). In der Kernzone
Vorstadt haben sich bauliche Änderungen der gewachsenen Baustruktur anzupassen
(Art. 14 Abs. 2 des Baureglements der Gemeinde Q. vom 27. September 1993 bzw. 30.
Mai 1994 [BauR]). In Ortsbildschutzgebieten müssen sich Neubauten, Umbauten und
Renovationen in die bestehende, wertvolle Bausubstanz einfügen (Art. 4 Abs. 2 der
Schutzverordnung der Gemeinde Q. vom 27. September 1993 und 25. Oktober 1993
bzw. 30. Mai 1994 [SchutzV]).
Gegen das Baugesuch vom 28. April/18. Mai 2009 wurden elf Einsprachen erhoben
(act. 11/8/Gemeindeakten Ordner 1, Protokoll Stadtrat vom 25. Mai 2010 Nr. 682). In
der Folge zog die Gesuchstellerin das Baugesuch zur Überarbeitung zurück.
b. Mit Baueingabe vom 9. Juni/13. Juli 2010 ersuchte die K. AG (vormals L. + K. AG)
um die Bewilligung für das überarbeitete Projekt. Gegen das neue Baugesuch wurden
vier Einsprachen erhoben. Mit Gesamtentscheid vom 18. Oktober 2010 erteilte der
Stadtrat von Q. die Baubewilligung, wobei die Einsprachen abgeschrieben bzw.
abgewiesen wurden (act. 11/8/Gemeindeakten Ordner 2, Protokoll Stadtrat vom
18. Oktober 2010 Nr. 902). Dagegen erhoben drei Einsprecher Rekurs beim
Baudepartement des Kantons St. Gallen. Nachdem das Baudepartement in einer
vorläufigen Beurteilung des Rekurses unter anderem darauf hinwies, dass die vom
Stadtrat angeführte Begründung des Baubewilligungsentscheids vom 18. Oktober
2010 hinsichtlich der Einordnung des Projekts in das Ortsbild ungenügend sei und
keine hinreichende Erschliessung bestehe, widerrief der Stadtrat am 26. April 2011 die
Einspracheentscheide und die Baubewilligung (act. 11/8/Gemeindeakten Ordner 2,
Protokoll Stadtrat vom 26. April 2011 Nr. 1158).
c. In der Folge lud die Baukommission der Stadt Q. (BauK) die Ortsbildkommission
(OBK) ein, die Begründung des Entscheides über die Einordnung des Bauprojekts in
das Ortsbild zu verbessern (act. 11/8/Gemeindeakten Ordner 3, "X. / Protokollauszüge
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Ortsbildkommission 2006-2012, Protokollauszüge Baukommission
2006-2012" [Protokollauszüge OBK/BauK X.] S. 33). Daraufhin beauftragte die OBK
den Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Prof. em. Dr. P.P., Zürich, mit der Erstellung
einer "generelle(n), auch grundsätzliche(n) Stellungnahme zum Bauvorhaben aus
stadtgeschichtlicher, denkmalpflegerischer und vor allem stadtplanerischer
Perspektive" (act. 11/8/Gemeindeakten Ordner 2, Bericht Q., Bauprojekt X. [Bericht
P.P.] S. 1). Der Bericht P.P. lag der OBK im Juni 2011 vor (Protokollauszüge OBK/BauK
X. S. 34).
Am 8. August 2011 erliess der Stadtrat den Teilstrassenplan Z.-weg zur Sicherstellung
einer hinreichenden Erschliessung. Am 1. Dezember 2011 reichte die K. AG ein neues
Baugesuch mit einem überarbeiteten Konzept zur Baustellenerschliessung ein, welches
zusammen mit dem Baugesuch öffentlich aufgelegt wurde. Mit Beschlüssen vom
18. März 2013 hiess der Stadtrat den Teilstrassenplan Z.-weg (Beschluss Nr. 68) und
das Baugesuch (Beschluss Nr. 71) gut und wies die dagegen erhobenen Einsprachen
ab (act. 8/B4 und B5). Während die Beschwerdeführer der gegenständlichen
Beschwerde (Gruppe Süd) auf die Rekurserhebung verzichteten, liess ein anderer Teil
der Einsprecher (Gruppe Nord) durch Rechtsanwalt X.Y. beim Baudepartement Rekurs
gegen die Entscheide des Stadtrats vom 18. März 2013 erheben. Die Rechtsabteilung
des Baudepartements setzte die Einsprecher mit Schreiben vom 22. April 2013 darüber
in Kenntnis, dass der Rekurs verspätet eingebracht worden sei (act. 11/8/
Gemeindeakten Ordner 3, Schreiben des Baudepartementes vom 22. April 2013 an
Rechtsanwalt X.Y.). Ein vom Rechtsvertreter der Gruppe Nord eingereichtes Gesuch
um Wiederherstellung der Rekursfrist wurde vom Baudepartement mit Entscheid vom
3. Juni 2013 abgewiesen und auf den Rekurs wurde nicht eingetreten (act. 11/8/
Gemeindeakten Ordner 3, Entscheid des Baudepartementes Nr. 30/2013 vom 3. Juni
2013). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht mit Urteil B
2013/124 vom 8. November 2013 ab (www.gerichte.sg.ch). Die gegen dieses Urteil
erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil BGer 1C_878/2013 vom
16. Mai 2014 ab (www.bger.ch).
d. Bei der Einsichtnahme in die Unterlagen des Bauverfahrens am 14. Mai 2013 nahm
der neu eingesetzte Rechtsvertreter der Gruppe Nord, Rechtsanwalt Z.K. Kenntnis vom
Bericht P.P. Gleichentags wurde Rechtsanwalt lic. iur. A.A., Mitglied und
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Rechtsvertreter der Gruppe Süd, über das Bestehen des Berichts P.P. informiert
(act. 8/B3). Am 12. August 2013 reichte Rechtsanwalt A.A. im Namen der Gruppe Süd
beim Stadtrat Q. ein Begehren um Wiederaufnahme des Verfahrens ein, womit er die
Wiedererwägung und Aufhebung der Beschlüsse des Stadtrats Nrn. 68 und 71 vom
18. März 2013 beantragte (act. 11/8/Gemeindeakten Ordner 3, Begehren um
Wiederaufnahme vom 12. August 2013). Zur Begründung wurde insbesondere
angeführt, der Bericht P.P. sei den Einsprechern unter krasser Verletzung des
rechtlichen Gehörs vorenthalten worden. Zudem lägen Anhaltspunkte vor, wonach der
Stadtrat bei seiner Beschlussfassung vom 18. März 2013 keine Kenntnis vom Bericht
P.P. gehabt habe, weshalb er wesentliche Tatsachen oder Beweismittel nicht gekannt
habe. Am 16. August 2013 liess die Gruppe Süd beim Baudepartement zusätzlich eine
aufsichtsrechtliche Anzeige gegen den Stadtrat Q. einreichen (act. 11/8/
Gemeindeakten Ordner 3, Aufsichtsbeschwerde vom 13. August 2013). Mit Entscheid
vom 23. September 2013 trat das Baudepartement auf die aufsichtsrechtliche Anzeige
mit der Begründung nicht ein, dass der Aufsichtsanzeige gegenüber dem hängigen
Wiederaufnahmebegehren subsidiärer Charakter zukomme (act. 11/8/Gemeindeakten
Ordner 3, Schreiben des Baudepartements vom 23. September 2013 an Rechtsanwalt
A.A.).
e. Mit Beschluss vom 4. November 2013 wies der Stadtrat das Begehren der Gruppe
Süd um Wiederaufnahme des Verfahrens ab (act. 8/B2). Ein dagegen gerichteter
Rekurs wurde vom Baudepartement mit Entscheid Nr. 21/2014 vom 25. April 2014
(act. 2) abgewiesen. Dabei wurde im Wesentlichen erwogen, dass auf ein
Wiederaufnahmebegehren gemäss Art. 81 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, VRP) nur dann eingetreten werden könne, wenn
die Gründe mit einem ordentlichen Rechtsmittel nicht haben geltend gemacht werden
können und dies auch bei zumutbarer Sorgfalt unmöglich war. Nachdem allein der
Stadtrat Bewilligungsbehörde sei und sich aus der Begründung seiner Entscheide vom
18. März 2013 klar und ausführlich ergebe, dass und weshalb der Stadtrat die gute
Einfügung des Bauvorhabens ins Ortsbild als gegeben betrachtet habe, wäre es den
Einsprechern der Gruppe Süd ohne Weiteres zumutbar gewesen, gegen die
Beschlüsse Rekurs zu erheben und die gute Einfügung des Bauprojekts im
ordentlichen Rechtsmittelverfahren überprüfen zu lassen.
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B. Mit Eingaben vom 12. Mai und 14. Juni 2014 (act. 1 und 7) erhob die Gruppe
Süd, bestehend aus B.B. und A.A., C.C. und D.D., F.F. und E.E. sowie H.H. und G.G.
(Beschwerdeführer), alle vertreten durch den im Anwaltsregister nicht eingetragenen
Rechtsanwalt A.A., Beschwerde beim Verwaltungsgericht gegen den Entscheid
Nr. 21/2014 des Baudepartements vom 25. April 2014 (act. 2). Sie beantragen, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen (act. 1,
Anträge Ziff. 1; act. 7, Anträge Ziff. 1). Eventualiter sei die Unrechtmässigkeit der
Verfahrensführung der Stadtbehörden festzustellen und die Beschlüsse der Stadt Q.
vom 18. März 2013 als Folge davon von Amtes wegen aufzuheben (act. 7, Anträge
Ziff. 2); unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Stadtbehörden (act. 1,
Anträge Ziff. 2) bzw. der Vorinstanzen (act. 7, Anträge Ziff. 3).
Das Baudepartement (Vorinstanz) schloss in seiner Vernehmlassung vom 18. Juni 2014
(act. 10) auf Abweisung der Beschwerde, wobei zur Begründung vollumfänglich auf
den angefochtenen Entscheid verwiesen wird.
Die K. AG (Beschwerdegegnerin) und die Politische Gemeinde Q.
(Beschwerdebeteiligte) verzichteten durch Stillschweigen auf eine Vernehmlassung.
C. In seiner nicht öffentlichen Sitzung vom 23. September 2015 wurde die
Beschwerdesache vom Verwaltungsgericht ein erstes Mal beraten. Dabei erachtete das
Verwaltungsgericht unter anderem die Frage nach dem aktuellen Stand des Projekts
„X.“ als entscheidrelevant. In der Folge forderte das Verwaltungsgericht den
Beschwerdeführer, die Beschwerdegegnerin und die Beschwerdebeteiligte mit
Schreiben vom 24. September 2015 (act. 14) dazu auf, Auskünfte über den aktuellen
Baufortschritt sowie bereits vereinbarte Verkäufe bzw. Vermietungen der
Wohneinheiten zu erteilen.
Mit Schreiben vom 25. September 2015 (act. 15) teilte die Beschwerdegegnerin mit,
dass aufgrund der rechtskräftig erteilten Baubewilligung am 14. November 2014 mit
dem Bau begonnen worden sei. Mittlerweile seien sechs der insgesamt zehn
Wohnungen und die dazugehörigen Tiefgaragenplätze grundbuchamtlich verkauft
worden, wobei die Verschreibung einer weiteren Wohnung kurz bevorstehe. Zurzeit
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befinde sich der Rohbau in Ausführung, mit dessen Vollendung bis Ende November
2015 gerechnet werde.
Unter Verweis auf das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 25. September 2015
verzichtete die Beschwerdebeteiligte per E-Mail vom 14. Oktober 2015 (act. 16) auf die
Erteilung weiterer Auskünfte.
Die Beschwerdeführer hielten in ihrem Schreiben vom 15. Oktober 2015 (act. 17.1 und
17.2) fest, dass der Bau weit vorangeschritten und für die Anwohner in dieser
Dimension sicht- und spürbar sei. Im Weiteren gingen sie davon aus, dass die
Beschlüsse der Stadt Q. vom 18. März 2013 aus Gründen der Verhältnismässigkeit
nicht aufgehoben würden, weshalb sie die entsprechenden Anträge zurückzögen. Im
Übrigen wiesen sie darauf hin, dass ihre Sachverhaltsdarstellungen weder von der
Beschwerdegegnerin noch von der Beschwerdebeteiligten bestritten worden seien.
Auf die Begründungen der Beschwerdeführer sowie auf die Ausführungen im

angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 12. Mai 2014 (act. 1) mit Ergänzung vom 16.
Juni 2014 (act. 7) entspricht zeitlich, formal und inhaltlich grundsätzlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Die Beschwerdeführer sind als Nachbarn zur Beschwerdeführung
legitimiert (Art. 86 und 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Ob A.A. und B.B., die
unterdessen nicht mehr in der Nachbarschaft des streitgegenständlichen Grundstücks
wohnen, nach wie vor zur Beschwerde befugt sind, kann angesichts der gegebenen
Beschwerdelegitimation der übrigen Beschwerdeführer offen gelassen werden. Auf die
Beschwerde ist somit unter Vorbehalt der Erwägungen 1.1 und 1.2 einzutreten.
bis
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1.1. Auf den verspäteten Eventualantrag der Beschwerdeführer, wonach die
Unrechtmässigkeit der Verfahrensführung der Stadtbehörden festzustellen sei und die
Beschlüsse der Beschwerdebeteiligten vom 18. März 2013 als Folge davon von Amtes
wegen aufzuheben seien, wäre nicht einzutreten. Den Beschwerdeführern wurde mit
Schreiben vom 13. Mai 2014 (act. 4) vom Verwaltungsgericht eine Nachfrist für die
Beschwerdebegründung, nicht aber für die Stellung neuer Anträge gewährt. Nachdem
der Eventualantrag von den Beschwerdeführern erstmals in der nachgereichten
Beschwerdebegründung vom 14. Juni 2014 (act. 7), d.h. nach Ablauf der ordentlichen
Beschwerdefrist vorgebracht wurde, gilt er als verspätet (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 919). Insofern entfaltet der im Schreiben vom 15. Oktober 2015 (act. 17.1 und 17.2)
erklärte nachträgliche Rückzug des Begehrens um Aufhebung der Beschlüsse vom 18.
März 2013 keine Wirkung. Hinsichtlich des ebenfalls eventualiter gestellten Begehrens
um Feststellung der Unrechtmässigkeit der Verfahrensführung ist indes zu bemerken,
dass die Frage der Rechtsmässigkeit der Verfahrensführung durch die
Beschwerdebeteiligte ohnehin im Rahmen des Hauptbegehrens um Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids zu beurteilen sein wird, zumal das Hauptbegehren im
Wesentlichen mit dem Vorliegen wesentlicher Verfahrensfehler begründet wird.
Insoweit zeitigt die verspätete Antragstellung keine Folgen.
1.2. Die Beschwerdeführer begründen nicht, weshalb der angefochtene Entscheid
insofern fehlerhaft sei, als darin auf das Begehren um Wiederaufnahme des
Teilstrassenplanverfahrens nicht eingetreten wurde. Auf das Hauptbegehren ist damit
nur in der Hinsicht einzutreten, als darin die Wiederaufnahme des Verfahrens zum
Erlass der umstrittenen Baubewilligung an die Beschwerdegegnerin verlangt wird.
2. Verfügungen und Entscheide von Verwaltungsbehörden resp.
Verwaltungsjustizbehörden, die nicht oder nicht mehr mit einem ordentlichen
Rechtsmittel angefochten werden können, erwachsen in formelle Rechtskraft. Dies hat
zur Folge, dass die Verfügung resp. der Entscheid nur noch mit einem
ausserordentlichen Rechtsmittel anfechtbar und damit grundsätzlich vollstreckbar ist
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz.
1077 ff.). Vorliegend entschied die Beschwerdebeteiligte mit den Beschlüssen Nrn. 71
und 68 vom 18. März 2013 formell rechtskräftig über die Baubewilligung bzw. den
Teilstrassenplan Z.-weg, da kein ordentliches Rechtsmittel mehr dagegen möglich ist.
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Mit dem Eintritt der formellen Rechtskraft wird ein Entscheid in der Regel zugleich
materiell rechtskräftig, d.h. grundsätzlich unabänderlich und verbindlich. Unter
bestimmten Voraussetzungen ist es aber möglich, dass die Rechtskraftwirkung eines
Entscheids beseitigt wird und die beurteilte Sache erneut Gegenstand eines Verfahrens
ist.
Gegen formell rechtskräftige Verfügungen und Entscheide kann die Wiederaufnahme
des Verfahrens mit der Begründung verlangt werden, die Verfügung oder der Entscheid
sei durch Arglist oder strafbare Handlung beeinflusst gewesen (Art. 81 Abs. 1 lit. a
VRP), die Behörde habe sich in einem offenkundigen Irrtum über entscheidende
Tatsachen befunden (lit. b) oder wesentliche Tatsachen oder Beweismittel, die zur Zeit
des Erlasses der Verfügung oder des Entscheides bestanden hätten, nicht gekannt (lit.
c). Neben diesen im VRP ausdrücklich genannten Wiederaufnahmetatbeständen
besteht nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts aufgrund von Art. 29 Abs. 1 und
2 BV insbesondere auch dann ein Rechtsanspruch auf neuerliche Befassung mit einer
Angelegenheit, wenn der Gesuchsteller erhebliche Tatsachen oder Beweismittel
namhaft macht, die ihm im früheren Verfahren nicht bekannt waren oder die schon
damals geltend zu machen für ihn unmöglich war oder keine Veranlassung bestand
(BGE 136 II 177 E. 2.1, VerwGer B 2011/216 vom 18. September 2012 E. 2.1.3, Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, Rz. 1042). Auf
Wiederaufnahmebegehren wird allerdings nur eingetreten, wenn die Gründe mit einem
ordentlichen Rechtsmittel nicht geltend gemacht werden können und das auch bei
zumutbarer Sorgfalt unmöglich war (Art. 81 Abs. 2 VRP, Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1182
ff.). Das Institut der Wiederaufnahme dient nicht dazu, prozessuale Versäumnisse zu
korrigieren.
Liegt ein Wiederaufnahmegrund vor, so führt dies nach der st. gallischen
Verwaltungsrechtspflegeordnung noch nicht zwingend zu einer Aufhebung oder
Änderung des angefochtenen Entscheids. Art. 85 VRP fordert eine Abwägung der
Interessen, sofern ein Betroffener ein schutzwürdiges Interesse an der
Aufrechterhaltung der Verfügung oder des Entscheids hat. Die Revisionsinstanz darf
eine Änderung oder Aufhebung somit nur anordnen, wenn schutzwürdigere Interessen
es erfordern (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1198).
3.
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3.1. Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, das Verfahren zur Erteilung der
Baubewilligung vom 18. März 2013 sei unter anderem deshalb wieder aufzunehmen,
weil ihnen der Bericht P.P. vorenthalten worden sei. Sie werfen der
Beschwerdebeteiligten konkret vor, diese habe den Bericht erst nach Ablauf der
Rekursfrist zu den Akten gelegt. Die Beschwerdeführer hätten daher keine Möglichkeit
gehabt, während der laufenden Rekursfrist vom Bericht Kenntnis zu erlangen. Darin,
dass die Vorinstanz die Beweislast für diese Behauptung den Beschwerdeführern
auferlegt und diese als nicht erwiesen betrachtet habe, liege eine Verletzung des
Grundsatzes des fairen Verfahrens.
3.1.1. Das VRP enthält keine Bestimmung zur Beweislast. Soweit sich – wie
vorliegend – auch aus den übrigen anzuwendenden gesetzlichen Bestimmungen keine
bestimmte Zuordnung der Beweislast ergibt, ist der in Art. 8 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) enthaltene Grundsatz, wonach "derjenige das
Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, der aus ihr Rechte
ableitet", sachgemäss heranzuziehen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 629). Unter diesen
Umständen ging die Vorinstanz grundsätzlich zu Recht davon aus, dass der Beweis der
Behauptung, der Bericht P.P. sei den Akten erst nach Ablauf der Rekursfrist beigelegt
worden, den Beschwerdeführern obliegt, weil diese daraus einen Anspruch auf
Wiederaufnahme des Verfahrens ableiten wollen. Spezielle Gründe, die im konkreten
Fall für ein Abweichen von der allgemeinen Beweislastregel sprechen, sind weder aus
den Vorbringen der Beschwerdeführer noch sonstwie ersichtlich. Insbesondere gelingt
es den Beschwerdeführern mit ihrer nicht weiter präzisierten und unbelegten
Bemerkung, wonach die von ihnen aufgeworfene Frage nach den Umständen der
Hinzufügung des Berichts P.P. zu den Akten typischerweise unbeantwortet geblieben
sei, nicht, eine Umkehr der Beweislast zu herbeizuführen. Ebenso wenig gelingt ihnen
dies aus dem Hinweis auf das fehlende Aktenverzeichnis im erstinstanzlichen
Verfahren, zumal die Beschwerdeführer nicht dargelegt haben, dass sie bei der
Beschwerdebeteiligten überhaupt um ein Aktenverzeichnis nachgesucht haben.
3.1.2. Nach dem Gesagten kann der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, sie habe
zu Unrecht angenommen, dass der Bericht P.P. den Beschwerdeführern vor Ablauf der
Rekursfrist (objektiv) zugänglich war. Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, die
gegenteilige Behauptung habe von den Beschwerdeführern mit dem blossen Verweis
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auf nicht weiter belegte Aussagen von Rechtsanwalt X.Y. nicht bewiesen werden
können. Es sprechen im Gegenteil mehrere Indizien dafür, dass der Bericht P.P. zwar
erst nach den Beschlüssen vom 18. März 2013, jedoch vor Ablauf der Rekursfrist zu
den Akten gelegt wurde. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass sich das Original
des Berichts P.P. nunmehr im Ordner der zwischen dem 26. Mai 2010 und dem 31.
Dezember 2011 angelegten und dem Verwaltungsgericht vorliegenden Gemeindeakten
befindet (act. 11/8/Gemeindeakten Ordner 2). Sodann wird der Bericht P.P. in der in
den Akten liegenden Zusammenstellung vom 26. Februar 2013 von Protokollauszügen
zu Sitzungen der BauK und der OBK an mehreren Stellen ausdrücklich erwähnt
(Protokollauszüge X. S. 33 ff.). In der ebenfalls in den Akten liegenden Notiz zur Sitzung
des Hochbauamtes vom 7. März 2013, an welcher Vertreter der Stadt Q. und Vertreter
der Bauherrschaft teilnahmen, wird festgehalten, dass der Bericht P.P. in einem zu
erwartenden Rekursverfahren allen Parteien zugänglich würde (act. 11/8/
Gemeindeakten Ordner 3, Aktennotiz zur Sitzung vom 7. März 2013 über das Thema X.
[Aktennotiz vom 7. März 2013], S. 2). Es sind damit weder Anhaltspunkte für eine
Absicht der Beschwerdebeteiligten erkennbar, den Bericht P.P. den
Beschwerdeführern für die Dauer der Rekursfrist zu verschweigen bzw. vorzuenthalten,
noch dafür, dass die Beschwerdebeteiligte dies tatsächlich getan haben sollte. Es ist
daher davon auszugehen, dass der Bericht P.P. den Beschwerdeführern zumindest
während der laufenden Rekursfrist zugänglich gewesen wäre und hätte einverlangt
werden können.
Der Vorinstanz kann folglich weder hinsichtlich ihrer Zuordnung der Beweislast noch
hinsichtlich ihrer Annahme, dass der Bericht P.P. den Beschwerdeführern während des
Laufs der Rekursfrist zumindest objektiv zugänglich war, eine Verletzung des
Grundsatzes des fairen Verfahrens vorgeworfen werden.
3.1.3. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass die Beschwerdeführer mit ihrer
Bemerkung, dass die Akten zum erstinstanzlichen Bauverfahren kein Aktenverzeichnis
enthielten, zu Recht auf einen Mangel hinweisen. Die wirksame Wahrnehmung des
Akteneinsichtsrechts (Art. 16 VRP) durch die Verfahrensbeteiligten setzt voraus, dass
eine vollständige, geordnete und übersichtliche Aktenführung gewährleistet wird (G.
Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische
Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 55 zu Art. 29 BV). Es wird
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insbesondere verlangt, dass die Akten in einem chronologischen, vollständigen und im
Zeitpunkt des Entscheids in sich geschlossenen Dossier zusammengefasst werden
(Cavelti/Vögeli a.a.O., Rz. 1136). Auch wenn das Bundesgericht aus der
verfassungsmässigen Vorgabe von Art. 29 Abs. 2 BV keine allgemeine Pflicht zur
Erstellung eines Aktenverzeichnisses herleitet (BGer 5A_341/2009 vom 30. Juni 2009 E.
5.2), ist in komplexeren Verfahren das Vorhandensein eines Aktenverzeichnis
Voraussetzung dafür, dass die Verfahrensbeteiligten ihr Akteneinsichtsrecht wirksam
wahrnehmen und sich insbesondere über die Vollständigkeit der Akten Rechenschaft
geben können. Im streitigen Verwaltungsverfahren hat die Vorinstanz zudem sämtliche
Akten, die ihr zum Entscheid zur Verfügung gestanden haben, einzureichen (Art. 52
VRP). Diese Akten sind zu nummerieren und mit einem Aktenverzeichnis zu versehen
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 943 f. und 1136). Das Aktenverzeichnis dient damit auch der
Sicherstellung der Vollständigkeit der Akten über mehrere Instanzen hinweg und der
besseren Auffindbarkeit einzelner Belege im Rechtsmittelverfahren. – Auf Aufforderung
des Verwaltungsgerichts reichte die Vorinstanz unter anderem die dem angefochtenen
Entscheid zugrunde liegenden Akten der Beschwerdebeteiligten (act. 11/8/
Gemeindeakten) ein, wobei letztere zwar chronologisch geordnet sind, aber kein
Aktenverzeichnis enthalten. Für künftige Verfahren erfolgt daher der Hinweis an die
Vorinstanz und die Beschwerdebeteiligten, dass zusammen mit den nummerierten
Akten jeweils ein entsprechendes Verzeichnis einzureichen ist (VerwGE B 2014/48 vom
28. Juli 2015 E. 2.1.1, VerwGE B 2014/71 vom 24. März 2015 E. 2,
www.gerichte.sg.ch).
3.2. Die Beschwerdeführer kritisieren im Weiteren, dass sie über das Bestehen des
Berichts P.P. vor der Erteilung der Baubewilligung am 18. März 2013 hätten orientiert
werden müssen. Weil dies nicht geschehen sei, liege eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs vor. Für das Begehren um Wiederaufnahme sei entscheidend, dass der
Bauherrschaft der Bericht vor Beschlussfassung vorgelegt worden sei, den anderen
Parteien hingegen nicht.
3.2.1. Der Bericht P.P. wurde von der OBK in Auftrag gegeben, nachdem und weil
der Stadtrat die am 18. Oktober 2010 erteilte Baubewilligung widerrufen hatte
(Protokollauszüge X., S. 33). Anlass dafür war, dass die Vorinstanz im Rahmen einer
vorläufigen Beurteilung des Rekurses gegen den Baubewilligungsentscheid eine
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ungenügende Begründung hinsichtlich der Einfügung des Bauprojekts in das Ortsbild
bemängelt hatte (vgl. act. 11/8/Gemeindeakten Ordner 2, Protokoll Stadtrat vom
26. April 2011 Nr. 1158). Inhaltlich befasst sich der Bericht P.P. sowohl mit allgemeinen
stadtgeschichtlichen und stadtplanerischen Aspekten als auch mit den konkreten
Auswirkungen des Bauprojekts X. auf das Ortsbild. Aus dem Entstehungskontext und
dem Inhalt des Berichts P.P. erhellt damit, dass mit diesem eine verwaltungsexterne
Fachmeinung eingeholt werden sollte zur Frage, wie sich die projektierte Baute – wie
von Art. 4 Abs. 2 SchutzV und Art. 14 Abs. 2 BauR verlangt – in die bestehende
wertvolle Baustruktur einfüge bzw. der gewachsenen Baustruktur anpasse. Der Bericht
P.P. ist damit als Sachverständigengutachten zu qualifizieren, d.h. als Befund zu
Tatsachen, erteilt durch Personen, die darüber besonders sachkundig sind (Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 974 ff.).
3.2.2. Die Verfahrensbeteiligten haben aufgrund ihres Anspruchs auf rechtliches
Gehör ein Recht darauf, in derartige Äusserungen von beigezogenen Sachverständigen
Einblick zu erhalten und dazu vor dem Beschluss über das Baugesuch Stellung zu
nehmen (BGer 1C_159/2014 E. 4.4; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 977; Plüss, Kommentar
VRG, §7, Rz. 75). Voraussetzung dafür ist, dass ihnen das Bestehen eines solchen
Sachverständigengutachtens vor Erlass der Entscheidung zur Kenntnis gebracht wird.
Dass dies im vorliegenden Fall nicht geschah, wird von keiner Partei bestritten. Zudem
liegt dieser Schluss auch angesichts der aktenkundigen Aussage der
Beschwerdebeteiligten, wonach der Bericht (erst) in einem zu erwartenden
Rekursverfahren allen Parteien zugänglich würde (Aktennotiz vom 7. März 2013, S. 2),
nahe und kann damit als erstellt gelten. Die Beschwerdeführer kritisieren daher zu
Recht, dass ihnen der Bericht P.P. vor Erlass der zweiten, nunmehr rechtskräftigen
Baubewilligung vom 18. März 2013 nicht zur Kenntnis gebracht worden ist, zumal sie
sich nach dem Widerruf der ersten Baubewilligung und nach Eingabe des neuerlichen
Baugesuchs erneut als Einsprecher am Verfahren beteiligt haben.
3.2.3. Was die Beschwerdebeteiligte in ihrem Beschluss vom 4. November 2013 (act.
8/B2) dagegen vorgebracht hat, vermag nicht zu überzeugen. Vorab ist festzuhalten,
dass es sich beim Bericht P.P. offensichtlich nicht um ein verwaltungsinternes
Aktenstück handeln kann. Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdebeteiligte
den Bericht vor der neuerlichen Erteilung der Baubewilligung vom 18. März 2013 der
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Beschwerdegegnerin vorgelegt hatte (Aktennotiz vom 7. März 2013, S. 2). Der Bericht
P.P. war damit offenbar nicht bloss für die interne Meinungsbildung der Behörde
bestimmt. Eine Qualifikation als internes Aktenstück fällt damit ausser Betracht, zumal
es nicht auf die Klassierung als "verwaltungsintern" ankommt, sondern auf die
objektive Bedeutung der Akte für den verfügungswesentlichen Sachverhalt. So gehören
verfahrensbezogene Berichte und Gutachten zu Sachverhaltsfragen, selbst wenn sie
verwaltungsintern erstellt worden sind, nicht zu den verwaltungsinternen Akten,
sondern unterliegen grundsätzlich der Akteneinsicht (BGer 1C_159/2014 E. 4.3).
Als nicht nachvollziehbar erweist sich sodann die Behauptung der
Beschwerdebeteiligten, dass der einzige Zweck der Auftragserteilung durch die OBK
an den Sachverständigen P.P. (nur) in der redaktionellen Verbesserung der
Begründung gelegen habe. Es ist nicht ersichtlich, weshalb ein externer
Sachverständiger im Bereich der Denkmalpflege bzw. des Ortsbildschutzes mit dem
alleinigen Zweck beigezogen werden sollte, die Motive einer von der zuständigen
Behörde bereits beurteilten Einordnungsfrage zu erläutern. Letztlich spielen die
Modalitäten der Auftragserteilung hinsichtlich des Anspruchs auf Akteneinsicht aber
keine Rolle, da nach Vorliegen des Berichts P.P. diesbezüglich einzig ausschlaggebend
war, ob der Bericht geeignet war, Grundlage des Entscheids zu bilden (BGer
1C_159/2014 E. 4.3), was vorliegend nach dem Gesagten zweifelsohne gegeben war.
Soweit die Beschwerdebeteiligte sinngemäss erklärt, der Bericht sei nicht geeignet
gewesen, den Entscheid über die Frage, ob sich das Bauvorhaben in das Ortsbild
einfüge, zu beeinflussen, weshalb gar nicht von einer Verfahrensakte gesprochen
werden könne, verkennt sie offensichtlich dessen Inhalt. Auch die in Erwägung 2.7 des
Entscheids über das Wiederaufnahmebegehren vom 4. November 2013 (act. 8/B2) von
der Beschwerdebeteiligten geäusserte Kritik am Bericht P.P., wonach dieser mit seinen
pauschalen und widersprüchlichen Aussagen, seiner emotionalen Betrachtungsweise
und persönlichem Gutdünken den Anforderungen an eine qualifizierte Fachmeinung
nicht genüge, erweist sich als offensichtlich unbegründet. Mit Blick auf die Gewährung
der Einsicht in den Bericht P.P. ist schliesslich unerheblich, dass nicht der Stadtrat,
welcher für die Erteilung der Baubewilligung zuständig ist, sondern die OBK den
Bericht in Auftrag gegeben hat. Denn soweit letztere wie vorliegend als vorbereitende
Kommission i.S.v. Art. 3 Abs. 2 BauR zuhanden des Stadtrats
Entscheidungsgrundlagen erarbeitet, gelten auch diese Akten als verfahrensbezogen
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und sind den Parteien im Rahmen ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör zugänglich zu
machen bzw. zur Kenntnis zu bringen. Es sei denn, es lägen überwiegende Interessen
an der Geheimhaltung vor, was vorliegend aber weder geltend gemacht wurde noch
ersichtlich ist.
3.2.4. Somit ist festzustellen, dass die Beschwerdeführer in ihrem rechtlichen Gehör
verletzt wurden, weil sie über das Bestehen des Berichts P.P. vor dem Beschluss über
die Baubewilligung vom 18. März 2013 nicht orientiert wurden. Angesichts der
aktenkundigen Tatsache, dass der Bericht P.P. der Beschwerdegegnerin vor dem
Beschluss ausgehändigt wurde, wäre eine im Wesentlichen gleichzeitige Orientierung
der Beschwerdeführer überdies auch zur Wahrung des aus Art. 29 Abs. 1 BV
fliessenden Gebots der prozessualen Gleichbehandlung der Verfahrensbeteiligten
erforderlich gewesen.
3.3. Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob das umstrittene Baubewilligungsverfahren
aufgrund der festgestellten Verletzungen des rechtlichen Gehörs bzw. des Anspruchs
auf prozessuale Gleichbehandlung hätte wiederaufgenommen werden müssen.
3.3.1. Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang erwogen, dass es den
Beschwerdeführern ohne Weiteres möglich gewesen wäre, den ordentlichen
Rechtsweg zu beschreiten, ungeachtet der Frage, ob diesen der Bericht P.P. im
erstinstanzlichen Verfahren hätte zugestellt werden müssen. Nachdem allein der
Stadtrat Bewilligungsbehörde sei und sich aus der Begründung seiner Entscheide vom
18. März 2013 klar und ausführlich ergebe, dass und weshalb der Stadtrat die gute
Einfügung des Bauvorhabens ins Ortsbild als gegeben betrachtete, wäre es den
Einsprechern zumutbar gewesen, gegen die Beschlüsse Rekurs zu erheben und die
gute Einfügung des Bauprojekts im Rechtsmittelverfahren überprüfen zu lassen. Im
Übrigen sei es in der Praxis des Rechtsmittelverfahrens üblich und den Einsprechern
ohne Weiteres zumutbar, vor der Rekurserhebung, zumindest aber vor der
Rekursbegründung, die vorinstanzlichen Akten einzusehen. Nachdem die
Beschwerdeführer auf diese Einsichtnahme und die Rekurserhebung freiwillig
verzichtet hätten, könne nicht davon gesprochen werden, der Bericht P.P. stelle eine
Tatsache oder ein Beweismittel dar, welches schon während der laufenden Rekursfrist
geltend zu machen für die Beschwerdeführer unmöglich war oder für sie keine
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Veranlassung dazu bestand. Weil die von den Beschwerdeführern erhobenen Gründe
mit einem ordentlichen Rechtsmittel hätten geltend gemacht werden können und ihnen
dies bei zumutbarer Sorgfalt auch betreffend der Rüge der Gehörsverletzung möglich
gewesen wäre, sei die Beschwerdebeteiligte zu Recht auf das
Wiederaufnahmebegehren nicht eingetreten.
3.3.2. Nach dem in obenstehender Erwägung 3.1.3 Gesagten ist davon auszugehen,
dass der Bericht P.P. während der laufenden Rekursfrist, d.h. nach Ergehen des
erstinstanzlichen Beschlusses den Parteien grundsätzlich zugänglich war. Die
Vorinstanz geht insofern zu Recht davon aus, dass es den Beschwerdeführern objektiv
möglich gewesen wäre, darin Einsicht zu nehmen und beim Entscheid über die
Rekurserhebung zu berücksichtigen. Sie übersieht in ihrer Argumentation allerdings,
dass für die Beschwerdeführer nach deren während des Einspracheverfahrens
erfolgten Einsichtnahme in die Akten nach den Beschlüssen vom 18. März 2013 keine
Veranlassung mehr bestand, die Akten erneut einzusehen. Angesichts der gebotenen,
aber nicht erfolgten Orientierung der Beschwerdeführer über das Bestehen des
Berichts P.P. durften diese nämlich davon ausgehen, dass kein solcher Bericht in den
Akten lag. Sie mussten mit anderen Worten nicht damit rechnen, dass unter
Missachtung der Orientierungspflicht weitere für das Verfahren wesentliche
Aktenstücke nach ihrer Einsichtnahme zu den Akten gelegt würden. Unter diesen
Umständen kann den Beschwerdeführern nicht entgegengehalten werden, dass sie
freiwillig auf eine weitere Einsichtnahme in die Akten verzichtet hätten, und es kann
nicht davon ausgegangen werden, dass es den Beschwerdeführern bei zumutbarer
Sorgfalt möglich gewesen wäre, die im Bericht festgehaltenen Erkenntnisse des
Sachverständigen P.P. über die Auswirkungen des Bauprojekts auf das Ortsbild im
ordentlichen Rechtsmittelverfahren geltend zu machen.
3.3.3. Weiters stellt sich somit die Frage, ob es sich beim Bericht P.P. um ein
wesentliches Beweismittel im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. c VRP handelt. Ein solches
muss geeignet sein, einen für den Beschwerdeführer vorteilhafteren Entscheid
herbeizuführen. Ob das Beweismittel im Ergebnis wirklich zu einem anderen Entscheid
führen würde, ist nicht bei der Prüfung der Revisionsvoraussetzungen zu beurteilen,
sondern beim Erlass des neuen Sachentscheids (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1193).
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Der Sachverständige P.P. gelangt in seinem Bericht unter anderem zu folgender
Einschätzung: „Angesichts des völligen volumetrischen und funktionalen
Massstabsbruchs des projektierten Neubaus in seiner näheren und weiteren
Umgebung erscheint seine Genehmigungsfähigkeit äusserst problematisch. Jede
qualitative Prüfung seiner Verträglichkeit mit seiner Umgebung muss angesichts seiner
Verstösse gegen die städtebaulichen und architektonischen Massstäbe in dieser
Umgebung gegen die Realisierung dieses Projekts sprechen“ (Bericht P.P., S. 4). Vor
diesem Hintergrund und angesichts dessen, dass die Bewilligungsfähigkeit des
Projekts davon abhängig zu machen war, ob sich das Neubauprojekt der gewachsenen
Baustruktur anpasst (Art. 14 Abs. 2 BauR) bzw. ob es sich in die bestehende, wertvolle
Bausubstanz einfügt (Art. 4 Abs. 2 der SchutzV), erscheint offensichtlich, dass der
Bericht P.P. grundsätzlich geeignet war, einen für die Beschwerdeführer vorteilhafteren
Entscheid herbeizuführen. Die Auffassung der Beschwerdebeteiligten, dass der Bericht
P.P. für das umstrittene Baubewilligungsverfahren allein deshalb nicht relevant
gewesen sei, weil er die Option eines Landkaufs durch die Beschwerdebeteiligte ins
Spiel brachte, ist nicht nachvollziehbar. Sodann bleibt die Beschwerdebeteiligte
hinsichtlich ihrer im Entscheid vom 4. November 2013 geäusserten Auffassung,
wonach der Bericht des Sachverständigen P.P. schwerwiegende fachliche Mängel
aufweise, jede Begründung schuldig.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es sich beim Bericht P.P. – zumindest
teilweise – um ein Beweismittel zu Tatsachen, welche für die Beurteilung der
Bewilligungsfähigkeit des umstrittenen Bauprojekts von wesentlicher Bedeutung
waren, handelt. Damit ist der Wiederaufnahmetatbestand von Art. 81 Abs. 1 lit. c VRP
erfüllt. Bei diesem Ergebnis kann offenbleiben, ob – wie von den Beschwerdeführern
vorgebracht – weitere Wiederaufnahmetatbestände gegeben sind.
3.4. Als Fazit ergibt sich, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu
Unrecht keinen Wiederaufnahmegrund angenommen hat. Dementsprechend hätte sie
auf das Wiederaufnahmebegehren eintreten bzw. eine Interessenabwägung gemäss
Art. 85 VRP vornehmen müssen. Grundsätzlich wäre die Angelegenheit daher zur
materiellen Prüfung des Wiederaufnahmebegehrens zurückzuverweisen. In Anbetracht
der nachfolgenden Erwägungen ist vorliegend jedoch auf eine Rückweisung zu
verzichten.
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4. Der Widerruf einer formell rechtskräftigen Baubewilligung ist grundsätzlich
nicht mehr möglich ist, soweit eine Person im berechtigten Vertrauen auf die
Beständigkeit der Baubewilligung Dispositionengetroffen hat, die sich nicht ohne
unzumutbare Einbussen rückgängig machen lassen (P. Hänni, Planungs-, Bau- und
besonderes Umweltschutzrecht, 5. Aufl. 2008, S. 337). Ein Widerruf kann in solchen
Konstellationen nur dann in Frage kommen, wenn er durch ein besonders gewichtiges
öffentliches Interesse geboten ist. Dies kann namentlich der Fall sein, wenn der
bewilligte Bau die öffentliche Sicherheit gefährdet (BGer 1C_64/2011 vom 9. Juni 2011,
E. 4.3). Die blosse Verletzung von Ästhetikvorschriften rechtfertigt den Widerruf einer
Baubewilligung im Allgemeinen hingegen nicht (Entscheid des BGer vom 1. Juni 1983,
in: ZBl 1984, S. 127 ff.).
4.1. Gemäss den übereinstimmenden Angaben der Beschwerdeführer und der
Beschwerdegegnerin (act. 15 und 17.1) ist der Bau bereits weit vorangeschritten bzw.
der Rohbau weitgehend fertiggestellt. Die Beschwerdegegnerin hat somit von der
formell rechtskräftigen Baubewilligung bereits in erheblichem Umfang Gebrauch
gemacht. Ein Widerruf der Baubewilligung wäre daher für die Beschwerdegegnerin
zweifellos mit erheblichen nachteiligen Dispositionen verbunden. Überdies sind
Anhaltspunkte für Umstände, welche die Beschwerdegegnerin zum Zeitpunkt des
Baubeginns an der Beständigkeit der Baubewilligung hätten zweifeln lassen müssen,
nicht erkennbar. Die Beschwerdegegnerin durfte sich damit in guten Treuen auf die
Beständigkeit der erteilten Baubewilligung verlassen.
4.2. Unter diesen Voraussetzungen erscheint ein Widerruf der Baubewilligung vom
18. März 2013 als unzulässig, zumal keine öffentlichen Interessen dargetan oder
erkennbar sind, welche das Interesse am Schutz des Vertrauens der
Beschwerdegegnerin überwiegen. Für eine Aufhebung der erteilten Baubewilligung im
Rahmen der nach Art. 85 VRP vorzunehmenden Interessenabwägung besteht
entsprechend kein Raum, weshalb auf eine Rückweisung des Entscheids zu verzichten
ist, da eine solche letztlich einem formalistischen Leerlauf gleichkäme.
5.
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5.1. Art. 95 Abs. 1 VRP regelt die Verlegung der amtlichen Kosten nach dem
Erfolgsprinzip, dem die Tatbestände nach Art. 95 Abs. 2 VRP, welche die
Kostenverlegung nach Verursacherprinzip vornehmen, vorbehalten sind (GVP 2008 Nr.
67 mit Verweis auf R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 86 ff.). Gemäss Art. 95 Abs. 2
VRP gehen die Kosten, die ein Beteiligter durch Trölerei oder anderes ungehöriges
Verhalten oder durch Verletzung wesentlicher Verfahrensvorschriften veranlasst hat, zu
dessen Lasten. Aus den Erwägungen 3.2.1 ff. geht hervor, dass die
Beschwerdebeteiligte die Beschwerdeführer unter Verletzung des rechtlichen Gehörs
zu Unrecht über das Vorliegen wesentlicher Beweismittel nicht orientiert hat. Dies stellt
eine Verletzung einer wesentlichen Verfahrensvorschrift im Sinn von Art. 95 Abs. 2 VRP
dar. Es ist deshalb gerechtfertigt, die amtlichen Kosten für das Beschwerdeverfahren
der Beschwerdebeteiligten aufzuerlegen, zumal die Beschwerdeführer die Verletzung
des rechtlichen Gehörs in keiner Weise zu verantworten haben und zumal der
vorinstanzliche Entscheid aufzuheben wäre (vgl. vorstehende E. 3.4.). Gleiches gilt für
die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 814). Offen
bleiben kann damit, ob die Kostenauflage des angefochtenen Entscheids – wie die
Beschwerdeführer meinen – das Fairnessgebot verletzt, weil die Vorinstanz keinen auf
Art. 97 VRP gestützten Verzicht auf Kostenerhebung erklärt hat.
Für das vorliegende Verfahren ist eine Entscheidgebühr von CHF 2'500 angemessen
(Art. 7 Ingress und Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Nachdem die
Beschwerdebeteiligte mit der Gehörsverletzung den wesentlichen Anlass zum
Verfahren gegeben hat und eine Kostenverlegung nach Art. 95 Abs. 2 VRP
vorzunehmen ist, ist vorliegend auf die Erhebung der Kosten nicht zu verzichten (vgl.
Hirt, a.a.O., S. 110). Die von den Beschwerdeführern geleisteten Kostenvorschüsse von
CHF 2'500 im Beschwerdeverfahren und von CHF 1'000 im Rekursverfahren sind
zurückzuerstatten.
5.2. Hinsichtlich des Antrags der Beschwerdeführer auf ausseramtliche
Entschädigung ist festzuhalten, dass einer Partei, welche nicht von einem
berufsmässigen Rechtsvertreter vertreten wird, der Zeitaufwand für das Erstellen von
Rechtsschriften in der Regel nicht entschädigt wird. Barauslagen werden nur ersetzt,
wenn sie erheblich und nachgewiesen sind. In begründeten Fällen kann
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ausnahmsweise eine angemessene Umtriebsentschädigung zugesprochen werden
(Art. 95 Abs. 3 lit. c der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, abgekürzt ZPO;
vgl. V. Rüegg, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Rz 21f zu
Art. 95 ZPO; GVP 1993 Nr. 52, 111). Nötig für eine Entschädigung ist regelmässig, dass
es sich um eine komplizierte Sache mit hohem Streitwert handelt und der getätigte
Aufwand erheblich ist (VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014;
www.gerichte.sg.ch).
Für die Grundlagen der geltend gemachten Entschädigung ist der Gesuchsteller
beweispflichtig (Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 841). Mangels hinreichender Angaben über
den getätigten (erheblichen) Aufwand und die übrigen Voraussetzungen für eine
Umtriebsentschädigung (vgl. VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014,
www.gerichte.sg.ch) kann den Beschwerdeführern keine ausseramtliche
Entschädigung zugesprochen werden.