Decision ID: 66d80f90-de15-59db-8115-20521f5ba612
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 14. März 2016 wegen einer Panikstörung (ICD-10: F41.0)
zum Bezug für IV-Leistungen für Erwachsene an (IV-act. 12). Der behandelnde Dr. med.
B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, nannte im Bericht vom 29. April
2016 die Diagnose einer Panikstörung (ICD-10: F41.0) und eines multiplen
Substanzgebrauchs. Er habe dem Versicherten keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt
(IV-act. 26). Am 13. Oktober 2016 berichtete der am Psychiatrie-Zentrum C._
behandelnde med. pract. D._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und
Psychotherapie, es bestehe ein Verdacht auf eine Autismusspektrumsstörung (ICD-10:
F84.0) und auf eine somatoforme Störung (ICD-10: 45.2). Des Weiteren diagnostizierte
er eine rezidivierende depressive Störung, aktuell teilremittiert, und eine Panikstörung
(ICD-10: F41.0). Aufgrund der Autismusspektrumsstörung sei der Versicherte im
Sozialverhalten massiv beeinträchtigt. Im Rahmen der Panikattacken und der
depressiven Erkrankung komme es phasenweise zu weiteren psychischen
Einschränkungen mit verminderter Konzentration, Belastbarkeit, erhöhter
Erschöpfbarkeit und Tagesmüdigkeit. Med. pract. D._ bescheinigte dem Versicherten
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 56). Die seit 9. November 2016 am
Psychiatrie-Zentrum C._ behandelnde med. pract. E._, Assistenzärztin, gelangte im
Bericht vom 19. Juni 2017 zu einer im Wesentlichen gleichlautenden Einschätzung (IV-
act. 62). Am 7. September 2017 berichtete sie, dass der Versicherte seit mehr als zwei
Jahren keine Drogen mehr konsumiere. Aufgrund der nicht erkennbaren Sucht- oder
Gefährdungssituation seien keine Drogenscreenings vorgenommen worden. Der
Versicherte sei zu allen Gesprächen stets nüchtern erschienen (IV-act. 69).
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A.b Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 27. November 2017 in der
Neurologie F._ durch Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
begutachtet. Der Experte sah keinen Anhalt für eine psychische Erkrankung, welche die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten beeinträchtige. Als Diagnosen, die zu keiner
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit führten, erhob er: eine Panikstörung (ICD-10:
F41.0); einen polyvalenten schädlichen Substanzgebrauch, derzeit überwiegend
wahrscheinlich abstinent (ICD-10: F19.20) und eine Persönlichkeitsakzentuierung mit
schizoiden und dissozialen Zügen (ICD-10: Z73; IV-act. 76-12). Deutlich werde eine
schizoide und dissoziale Züge aufweisende Persönlichkeitsakzentuierung. So richte der
Versicherte soziale Kontakte und Aktivitäten entsprechend seinen Interessen aus,
mache die Einhaltung von Normen und Regeln teilweise von seiner Motivation
abhängig. Das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung werde dabei nicht erreicht. Somit
sei der Versicherte für die angestammte Tätigkeit als Monteur sowie für jedwede
andere seinen Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit vonseiten des psychiatrischen
Fachgebiets 100%ig arbeitsfähig. Retrospektiv sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
für den Zeitraum von Dezember 2015 bis ca. März/April 2016 resultierend aus der
Panikstörung und einer möglicherwiese damals vorhandenen depressiven
Anpassungsstörung nachvollziehbar (Gutachten vom 27. November 2017, IV-act. 76,
insbesondere S. 12, S. 19 und S. 23). Der RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für
Prävention und Gesundheitswesen, hielt die gutachterliche Beurteilung für umfassend,
schlüssig und in sich widerspruchsfrei. Die abgeleiteten medizinischen
Schlussfolgerungen seien versicherungs-medizinisch nachvollziehbar (Stellungnahme
vom 3. Januar 2018, IV-act. 77).
A.c Mit Vorbescheid vom 4. Januar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, es
liege kein Gesundheitsschaden vor, der sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Deshalb
bestehe kein Anspruch auf berufliche Massnahmen oder eine Rente (IV-act. 80).
Daraufhin kontaktierte med. pract. E._ die IV-Stelle telefonisch und brachte vor, sie
könne nicht nachvollziehen, weshalb der Gutachter keine Rücksprache mit ihr
genommen habe. Ausserdem habe die Begutachtung gemäss Angaben des
Versicherten nur 31 Minuten gedauert. So könne eine seriöse Begutachtung nicht
durchgeführt und keine aussagekräftige Beurteilung gemacht werden. "So wie die
Begutachtung verlaufen sei, sei ein absolutes no-go" (ELAR-Notiz vom 9. Januar 2018,
IV-act. 81). Am 24. Januar 2018 erhob der Versicherte Einwand gegen den
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Vorbescheid. Er ersuchte um Zusprechung einer Invalidenrente. Im Wesentlichen
kritisierte er die gutachterliche Beurteilung (IV-act. 84). Im Schreiben vom 27. Februar
2018 machte med. pract. E._ verschiedene Mängel am psychiatrischen Gutachten
geltend (IV-act. 86). Hierzu nahm Dr. G._ am 22. März 2018 Stellung und hielt an
seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit unverändert fest (IV-act. 89). Der RAD-Arzt
Dr. H._ vertrat die Ansicht, der Gutachter habe darin sowohl die vom Versicherten
selbst vorgebrachten Einwände als auch die abweichenden Einschätzungen der
behandelnden medizinischen Fachpersonen überzeugend widerlegt.
Versicherungsmedizinisch bestehe daher kein Grund, von der bisherigen Einschätzung
abzuweichen (IV-act. 90). Am 12. April 2018 verfügte die IV-Stelle die Abweisung der
Gesuche um berufliche Massnahmen und Rente (IV-act. 92). Nachdem zwei
postalische Zustellungsversuche gescheitert waren (IV-act. 93, IV-act. 95 und IV-
act. 96), konnte die Verfügung am 3. Mai 2018 dem Versicherten zugestellt werden (IV-
act. 97; siehe zum Ganzen act. G 3.3).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 1. Juni 2018 beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung
der Verfügung vom 12. April 2018 und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen
zuzusprechen. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten anzuordnen und anschliessend
die gesetzlichen Leistungen auszurichten; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Im Wesentlichen bringt er vor, das Gutachten von Dr. G._ sei
mangelhaft. Deshalb sei zur Beurteilung des Rentenanspruchs auf die medizinische
Einschätzung der behandelnden medizinischen Fachpersonen abzustellen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 2. August 2018
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie aus, dass die gutachterliche
Beurteilung beweiskräftig sei und der Beschwerdeführer gestützt auf die darin
bescheinigte vollständige Arbeitsfähigkeit keinen Anspruch auf eine Rente habe.
Berufliche Massnahmen seien derzeit sicher nicht angezeigt, da sich der
Beschwerdeführer dazu subjektiv nicht in der Lage sehe (act. G 3).
B.c In der Replik vom 14. September 2018 hält der Beschwerdeführer unverändert an
den Beschwerdeanträgen fest (act. G 5).
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B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
Zunächst zu prüfen ist der Anspruch auf berufliche Massnahmen (Art. 15 ff. des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).
1.1 Die Beschwerdegegnerin wies in der Verfügung vom 12. April 2018 einen Anspruch
auf berufliche Massnahmen mit der Begründung ab, es liege kein Gesundheitsschaden
vor, der sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (IV-act. 92). In der Beschwerdeantwort
ergänzte sie, dass dem Beschwerdeführer zudem die Eingliederungsbereitschaft fehle
(act. G 3).
1.2 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide und von einer Invalidität bedrohte Versicherte
(Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]) unter anderem Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, wenn der
Eingliederungswille bzw. eine subjektive Eingliederungsfähigkeit gegeben ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2017, 9C_59/2017, E. 3.1 mit Hinweis).
1.3 Der Beschwerdeführer hält sich für vollständig arbeitsunfähig (siehe etwa Einwand
vom 24. Januar 2018, IV-act. 84-2). Gegenüber dem Gutachter betonte er, dass seine
Arbeitsfähigkeit vor allem durch die fehlende Motivation zum Arbeiten eingeschränkt
sei (IV-act. 76-8). Des Weiteren ergeben sich auch aus der ausführlichen
Stellungnahme des Beschwerdeführers zur gutachterlichen Beurteilung (act. G 1.4 f.)
keine Hinweise auf eine ernsthafte Eingliederungsmotivation. In damit zu
vereinbarender Weise äusserte sich der Beschwerdeführer sowohl im Einwand vom
24. Januar 2018 (IV-act. 84) als auch in den Rechtsschriften im Beschwerdeverfahren
ausschliesslich zum Rentenanspruch. Substantiierte Ausführungen zum Anspruch auf
berufliche Massnahmen fehlen jedenfalls gänzlich. In Anbetracht des fehlenden
Rentenanspruchs (siehe hierzu nachstehende E. 4) hatte die Beschwerdegegnerin den
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" nicht zu beachten. Es ist daher nicht zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin das Gesuch des Beschwerdeführers um
berufliche Massnahmen abwies.
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2. Zu prüfen bleibt der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente.
2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
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Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
3.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Frage, ob der
medizinische Sachverhalt spruchreif abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin
stützt sich in der angefochtenen Rentenverfügung vom 12. April 2018 auf die
Einschätzung von Dr. G._ (siehe zum psychiatrischen Gutachten vom 27. November
2017 IV-act. 76 und zur ergänzenden Stellungnahme vom 22. März 2018 IV-act. 89).
Nach Auffassung des Beschwerdeführers sind diese mit verschiedenen Mängeln
behaftet (act. G 1 und act. G 1.4 f.).
3.1 Gegen die gutachterliche Beurteilung führt der Beschwerdeführer zunächst die
davon abweichende Einschätzung der behandelnden med. pract. E._ ins Feld.
3.1.1 Ein den Beweisanforderungen grundsätzlich genügendes medizinisches
Gutachten (BGE 125 V 351 f. E. 3a und b) kann nicht in Frage gestellt werden und
Anlass zu weiteren Abklärungen bieten, wenn und sobald die behandelnden
medizinischen Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung gelangen
oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält
es sich nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer
anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008,
9C_830/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Ferner kann eine psychiatrische Exploration von
der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet einer
psychiatrischen Fachperson - sei sie nun in therapeutischer oder in begutachtender
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Funktion - daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen
verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu
respektieren sind, sofern die Beurteilung des Experten oder der Expertin die
Beweisanforderungen erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009,
8C_694/2008, E. 5.1.1).
3.1.2 Die Einschätzung eines psychischen Krankheitsbilds und dessen allfällige
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit muss sich - mangels zuverlässiger bzw.
bewährter Messmethodik - zwangsläufig zunächst auf die Angaben und das Verhalten
der versicherten Person stützen. Um Beweiskraft erlangen zu können, muss eine
objektive fachmedizinische Beurteilung insbesondere diesem Umstand Rechnung
tragen. Deshalb ist eine umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der
Leidensschilderung sowie -präsentation für die Gewährleistung einer möglichst
objektiven fachmedizinischen Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit von zentraler Bedeutung. Gemäss Qualitätsleitlinien für
versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für
Psychiatrie und Psychotherapie SGPP (3. vollständig überarbeitete und ergänzte
Auflage, 16. Juni 2016) ist eine Stellungnahme zur Authentizität von Beschwerden, von
präsentierten Symptomen und von Leistungseinschränkungen denn auch
obligatorischer Bestandteil eines versicherungspsychiatrischen Gutachtens. Das
beinhaltet eine Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und
präsentierten Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar
Widersprüche bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der
erhobenen Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge.
Diesbezüglich sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem
Anamneseverlauf relevant. Hierzu können z.B. eine auffallend diffuse
Beschwerdeschilderung, die fehlende Angabe von Details oder Beispielen zu den
Beschwerden auch auf Nachfrage, Widersprüchlichkeiten innerhalb der Anamnese,
zwischen Anamnese und Verhalten, zu Auskünften von Dritten, zwischen
Anamneseverlauf sowie zwischen Verhalten und Testsituation gehören (Leitlinien,
S. 29).
3.1.3 Bei der Stellungnahme von med. pract. E._ fällt zunächst auf, dass mehrere
Vorbringen aktenwidrig sind, so etwa bezüglich der Familienanamnese (IV-act. 86-1),
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die der Gutachter auch bezüglich des Vaters des Beschwerdeführers aussagekräftig
erhob (IV-act. 76-6, IV-act. 76-10 Mitte und IV-act. 76-14; siehe auch IV-act. 89-3), und
der Untersuchungsdauer (siehe hierzu nachstehende E. 3.3).
3.1.4 Unklar bleibt, weshalb med. pract. E._ die gutachterliche Beurteilung der
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit kritisiert, nachdem sowohl med.
pract. D._ die Aufmerksamkeit und Konzentration als "unauffällig" beschrieb (Bericht
vom 13. Oktober 2016, IV-act. 56-3) als auch sie selbst im Bericht vom 19. Juni 2017
festhielt, "seine Konzentrationsfähigkeit sowie Aufmerksamkeit ist unauffällig, seine
Merkfähigkeit brillant" (IV-act. 62-4). Bezüglich der als "brillant" bezeichneten
Merkfähigkeit bestehen im Übrigen insoweit Zweifel, als der Beschwerdeführer
gegenüber Dr. G._ angab, dass er den Namen der behandelnden Psychotherapeutin
nicht zu benennen vermöge (IV-act. 76-9).
3.2 Hinzu kommt, dass die Beurteilung von med. pract. E._ nicht auf einer
(erkennbaren) von den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers unabhängigen
Konsistenz- und Ressourcenprüfung beruht, sondern ausdrücklich "aus
therapeutischer Sicht" erfolgte (IV-act. 86-2 unten). In dieser steht die objektiv-kritische
Prüfung der Leidensschilderungen und -präsentation - wenn überhaupt - im
Hintergrund, da ein solches Hinterfragen mit der engen Vertrauensbeziehung zwischen
psychotherapeutisch behandelnder Fachperson und Patient oder Patientin im Konflikt
steht.
3.3 Die zunächst vom Beschwerdeführer im Einwand vom 24. Januar 2018
vorgebrachte - von med. pract. E._ in der Stellungnahme vom 27. Februar 2018
vorbehaltlos übernommene (IV-act. 86-1) - Behauptung, "der Gutachter hat mich
31 Minuten gesehen" (IV-act. 84), bestritt der Gutachter glaubhaft und wies auf die von
ihm dokumentierte Untersuchungsdauer von 9:00 bis 10:15 Uhr hin (IV-act. 93-18). Der
Beschwerdeführer relativierte denn auch seine Erstaussage zur Untersuchungsdauer
später im Sinn der gutachterlichen Zeitangabe (act. G 1.5). Die Kritik von med. pract.
E._ bezüglich der Untersuchungsdauer (IV-act. 86-1) erweist sich damit als
unzutreffend.
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3.4 Entgegen der Sichtweise des Beschwerdeführers ist auch nicht zu beanstanden,
dass die Beschwerdegegnerin Argumente gegen die Diagnose einer Autismusstörung
aufführt, welche die Zeit vor der IV-Anmeldung betreffen (act. G 5, S. 2 oben). Denn
med. pract. E._ geht gerade von einer seit der frühen Kindheit bestehenden
Autismus-Spektrum-Störung ("vor dem dritten Lebensjahr") aus (IV-act. 62-3).
3.5 Zu beachten ist ausserdem, dass Dr. G._ in ausführlicher Diskussion der
Angaben des Beschwerdeführers darlegte, dass keine autismusrelevanten
Auffälligkeiten vorliegen, die eine entsprechende Diagnose bzw. eine
krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit begründen würden (IV-act. 76-15 f. und IV-
act. 76-17 f.). So war der Beschwerdeführer in der Vergangenheit in der Lage
partnerschaftliche Beziehungen nicht nur aufzunehmen, sondern teilweise während
längerer Zeit aufrecht zu erhalten (IV-act. 76-7 oben; zu den Angaben des
Beschwerdeführers zum "Kollegenkreis" siehe IV-act. 76-9). Des Weiteren verneinte
der Gutachter eine geringe Flexibilität bei Abweichen von erwarteten Ereignissen oder
ungewöhnlich intensive und einseitige Interessen plausibel mit Hinweis auf die Lektüre
(Science-Fiction und Krimis, IV-act. 76-9) und die Beschäftigung mit Videospielen (zum
regelmässigen "Computer spielen" siehe etwa IV-act. 86-3). Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer offenbar "World of Warcraft" spielt (siehe zu den entsprechenden,
am 12. März 2018 getätigten Auslagen für "Digital Goods" für das Spiel "World of
Warcraft" act. G 5.3). World of Warcraft zählt zu den weltweit beliebtesten Multiplayer-
Online-Rollenspielen (<https://de.wikipedia.org/wiki/World_of_Warcraft>, abgerufen am
14. August 2019). Bei solchen Rollenspielen stehen soziale Interaktionen im
Vordergrund. Ein stimulierender Reiz besteht gerade in der Gestaltung von
Beziehungsmöglichkeiten zu anderen Figuren bzw. Mitspielern. Die Beschäftigung mit
diesem Spiel deutet ferner auf eine Neigung des Beschwerdeführers hin, Interessen
oder Tätigkeiten mit anderen Mitspielern zu teilen. Die Beschwerdegegnerin legte
überdies überzeugend dar und es ist gerichtsnotorisch, dass regelmässiges
mehrstündiges "Gamen" bei Jugendlichen und Erwachsenen weit verbreitet ist und
dass ein zentraler Spassfaktor gerade die Anpassungsfähigkeit und spontane Reaktion
auf unerwartete Situationen ist (act. G 3, III.B., Rz 3). Diese Beschäftigung spricht
zudem gegen das Verharren in repetitiven Verhaltensmustern. Nicht zu überzeugen
vermag die Ansicht von med. pract. E._, der Umstand, dass der Beschwerdeführer
im Kindesalter Schneckenhäuschen gesammelt und mit diesen über Stunden,
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manchmal auch den ganzen Tag gespielt habe, stelle ein autismusrelevantes
Spezialinteresse dar. Denn es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder ein reges Interesse
am Sammeln und Spielen mit Schneckenhäuschen oder vergleichbaren Gegenständen
(wie etwa Muscheln, Steine oder Kastanien) zeigen und sich während längerer Zeit,
auch wiederholt, damit zu beschäftigen vermögen. Im Übrigen hat Dr. G._ die
abweichende Auffassung von med. pract. E._ eingehend diskutiert und seine
Sichtweise einleuchtend dargelegt (IV-act. 89). Darauf kann verwiesen werden.
3.6 Bei der Würdigung der gutachterlichen Beurteilung fällt ausserdem ins Gewicht,
dass sie auf einer umfassenden persönlichen Untersuchung mit detaillierten Fragen
u.a. zur gegenwärtigen sowie früheren Alltags- und Beziehungsgestaltung beruht, darin
die ausführlichen Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Leiden
unvoreingenommen gewürdigt werden sowie dass sie eine gründliche objektive
Konsistenz- und Ressourcenprüfung (siehe etwa bezüglich der guten
Alltagsselbstständigkeit und dem ausreichend strukturieren Tagesablauf IV-act. 76-14;
vgl. zu den Ressourcen auch IV-act. 76-16 Mitte sowie zur Konsistenz IV-act. 76-16 f.)
mit Blick auf die Diagnose und die Arbeitsfähigkeit beinhaltet. Der Gutachter setzte sich
ausserdem schlüssig mit den abweichenden Beurteilungen der medizinischen
Fachpersonen auseinander (IV-act. 76-17 f. und IV-act. 89), denen keine objektiv
relevanten Gesichtspunkte zu entnehmen sind, die im Rahmen der gutachterlichen
Beurteilung ausser Acht geblieben wären. Ergänzend kann auf die zutreffenden
Ausführungen der Beschwerdegegnerin verwiesen werden (act. G 3, III.B., Rz 3).
Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer spätestens seit dem Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns
(1. September 2016; Art. 29 Abs. 1 IVG; zur Anmeldung vom 14. März 2016 siehe IV-
act. 12) über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfügt.
4.
Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für die angestammte sowie eine andere
leidensangepasste Tätigkeit kann die konkrete Ermittlung der Vergleichseinkommen
offenbleiben. Denn selbst wenn zugunsten des Beschwerdeführers ein
Prozentvergleich (siehe zum Prozentvergleich etwa Urteil des Bundesgerichts vom
6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen) und der nach der
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bundesgerichtlichen Praxis höchstzulässige Tabellenlohnabzug von 25% (BGE 126 V
75) gewährt würde, resultierte ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von
höchstens 25%.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Gerichtskosten von Fr. 600.-- erscheinen
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der vollständig
unterliegende Beschwerdeführer hat die gesamten Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu
tragen. Zufolge gewährter unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 6) ist er von der
Bezahlung zu befreien.
5.3 Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung
die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird
vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der damalige Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. In der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle (vgl. etwa den
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 22. März 2019, IV 2018/205, E. 3.3) eine
pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist um einen
Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der
Staat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'800.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
5.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
bis
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Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).