Decision ID: 015debcb-8262-455d-a6ea-c1c1f0207bea
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
D._ (geb. 1986) wohnt in Z._. Sie bezieht eine IV-Rente und eine Rente aus der
2. Säule sowie Ergänzungsleistungen (act. 6/7/1-2). Mit Verfügung vom 2. Oktober
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2019 veranlagte das Steueramt der Gemeinde Z._ D._ für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2018 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 17'800
(Steuerbetrag: CHF 970.45), ohne steuerbares Vermögen, sowie für die direkte
Bundessteuer 2018 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 18'300 (Steuerbetrag:
CHF 29.10; act. 6/7/6, 7).
B.
Am 3. Dezember 2019 ersuchte D._ um Erlass der Kantons- und Gemeindesteuern
2018 von CHF 970.45 sowie der direkten Bundessteuer 2018 von CHF 29.10. Das
Steueramt der Gemeinde Z._ wies das Erlassgesuch am 20. Januar 2020 ab mit der
Begründung, bei einer Gegenüberstellung der Einkünfte und Ausgaben ergebe sich
eine freie Quote von CHF 322 pro Monat, weshalb es ihr objektiv möglich und
zumutbar sei, die offenen Steuern in absehbarer Zeit zu bezahlen (vgl. act. 6/3).
Dagegen gelangte D._ mit Eingabe vom 11. Februar 2020 an das Steueramt Z._
(act. 6/2), welches die Eingabe zuständigkeitshalber der Verwaltungsrekurskommission
übermittelte (act. 6/1). In der Vernehmlassung vom 14. April 2020 ermittelte das
kantonale Steueramt aufgrund einer Änderung der Wohnkosten eine freie Quote von
CHF 197 und beantragte die Abweisung der Rechtsmittel, da die Bezahlung der
Steuern nach wie vor möglich und zumutbar sei (act. 6/6). Mit Entscheid vom 18. Juni
2020 wies die Verwaltungsrekurskommission den Rekurs und die Beschwerde ab
(act. 9).
C.
D._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe vom 15. Juli 2020 (Datum der
Postaufgabe: 16. Juli 2020) Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei ihrem Gesuch um Erlass der
Kantons- und Gemeindesteuern 2018 sowie der direkten Bundessteuer 2018 zu
entsprechen. Gleichzeitig ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (act. 1), weshalb seitens des Gerichts kein Kostenvorschuss erhoben
wurde (act. 4). Mit Eingabe vom 21. Juli 2020 verzichtete die Vorinstanz auf eine
Vernehmlassung (act. 5). Am 30. Juli 2020 (Eingang beim Gericht) reichte die
Beschwerdeführerin unter anderem den angefochtenen Entscheid ein (act. 8, 9). Das
kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) liess sich mit Eingabe vom 10. August 2020
vernehmen und beantragte die Abweisung der Beschwerde (act. 11); die
Eidgenössische Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte) verzichtete stillschweigend
auf eine Vernehmlassung. Die Beschwerdeführerin erhielt Gelegenheit, sich zu den
Vernehmlassungen der Verfahrensbeteiligten zu äussern, wovon sie mit Eingaben vom
3. und 5. September 2020 (act. 14, 16) Gebrauch machte. Dazu äusserte sich der
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Beschwerdegegner mit Eingabe vom 17. September 2020 (act. 20). Mit Eingabe vom
5. Oktober 2020 behielt die Beschwerdeführerin das letzte Wort (act. 23).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Da die steuerrechtlichen Vorschriften des Bundes und des Kantons St. Gallen zum
Erlass der Steuer identisch sind, hat die Vorinstanz den Rekurs betreffend Erlass der
Kantons- und Gemeindesteuern 2018 einerseits und die Beschwerde betreffend Erlass
der direkten Bundessteuer 2018 anderseits zu Recht im gleichen Entscheid, aber mit
getrennten Dispositivziffern erledigt; unter diesen Umständen durfte auch die
Beschwerdeführerin die Beschwerden in einer gemeinsamen Rechtsschrift erheben
(BGE 142 II 293, 135 II 260 E. 1.3). Ebenso ist es zulässig, dass das Verwaltungsgericht
über die Beschwerden im gleichen Akt entscheidet (vgl. BGer 2C_440 und 441/2014
vom 10. Oktober 2014 E. 1.2).
2.
(...)
3.
Umstritten ist, ob der Beschwerdeführerin die Steuerschuld für die Steuerperiode 2018
in der Höhe von insgesamt CHF 999.55 zu erlassen sind.
Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zum Erlass der Steuer gemäss 224 Abs. 1
StG bzw. Art. 167 ff. DBG (E. 2a des angefochtenen Entscheids) sind korrekt, weshalb
– anstelle von Wiederholungen – darauf verwiesen werden kann. Voraussetzung für
einen Steuererlass ist demnach, dass die steuerpflichtige Person in Not geraten ist
oder die Bezahlung der Steuern für sie eine grosse Härte bedeutet. Eine Notlage liegt
vor, wenn der geschuldete Steuerbetrag in einem Missverhältnis zur finanziellen
Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person steht. Bei natürlichen Personen ist ein
Missverhältnis insbesondere gegeben, wenn die Steuerschuld trotz Einschränkung der
Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum in "absehbarer Zeit" nicht
vollumfänglich beglichen werden kann. Als "absehbar" gelten praxisgemäss zwei bis
drei Jahre. Massgebend ist das betreibungsrechtliche Existenzminimum (vgl. Art. 2
Abs. 3 der Verordnung des Eidgenössischen Finanzdepartements über die Behandlung
3.1.
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IV-Rente CHF 1'185
BVG-Rente CHF 416
von Gesuchen um Erlass der direkten Bundessteuer [Steuererlassverordnung],
SR 642.121). Ergänzungsleistungen sind zwar von der Besteuerung ausgenommen,
stehen dem Empfänger jedoch zur Bestreitung seines Lebensunterhalts zur Verfügung
und sind deshalb in die Berechnung der verfügbaren Mittel einzubeziehen. Zu
berücksichtigen ist die gesamte wirtschaftliche Lage der gesuchstellenden Person im
Zeitpunkt der Behandlung des Gesuchs, wobei auch der zukünftigen Entwicklung
Rechnung zu tragen ist (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl.
2014, S. 425 f.; vgl. auch Erläuterungen zur Revision der Steuererlassverordnung vom
29. Mai 2015, S. 4 [nachfolgend: Erläuterungen], abrufbar unter: www.admin.ch/gov/
de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-57680.html; VerwGE ZH SB.
2020.00019 vom 20. Mai 2020 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen).
Ziel und Zweck des Steuererlasses ist eine langfristige und dauernde Sanierung der
wirtschaftlichen Lage der steuerpflichtigen Person. Bestimmungsgemäss hat der Erlass
demzufolge der steuerpflichtigen Person selbst und nicht ihren Gläubigern zugute zu
kommen (Art. 167 Abs. 2 DBG). Dies bedeutet, dass auch bei Vorliegen einer Notlage
von einem Erlass abgesehen werden muss, wenn die Mittel der steuerpflichtigen
Person in absehbarer Zeit nicht zur Befriedigung der Gläubiger ausreichen werden. Bei
einem Verzicht der Steuerbehörden würde in so einem Fall nämlich nicht die
steuerpflichtige Person selbst profitieren, sondern primär ihre übrigen Gläubiger,
welche beim Zugriff auf das pfändbare Einkommen und Vermögen einen Konkurrenten
verlieren würden. Dies widerspräche Ziel und Zweck des Steuererlasses (vgl. BVGer
A-6903/2015 vom 25. April 2016 E. 5.4 mit weiteren Hinweisen).
Zu prüfen ist zunächst, ob der Beschwerdeführerin die Steuerschuld von knapp
CHF 1'000 bei Einschränkung ihrer Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum in
absehbarer Zeit aus eigenen Mitteln vollständig tilgen kann. Das betreibungsrechtliche
Existenzminium berücksichtigt einen monatlichen Grundbetrag, die Wohnkosten,
Sozialbeiträge, unumgängliche Berufsauslagen, Unterstützungsleistungen sowie
nötigenfalls einen Zuschlag für verschiedene Aufwendungen (vgl. zum Ganzen
Kreisschreiben des Kantonsgerichts über die Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums [Notbedarf] vom 1. Mai 2020, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch,
nachfolgend: KS Notbedarf). Gestützt darauf berechnete die Vorinstanz die freie Quote
von CHF 197 wie folgt:
3.2.
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Ergänzungsleistungen CHF 1'243
Total Einkünfte CHF 2'844
Grundbedarf CHF 1'050
Wohnkosten CHF 789
Krankenkassenprämien CHF 465
Sozialbeiträge CHF 43
Arztkosten CHF 15
Hausrat-/Haftpflichtversicherung CHF 35
Zuschlag für IV-Rentner CHF 250
Total anrechenbare Aufwendungen CHF 2'647
Die von der Vorinstanz berücksichtigten Einkünfte erweisen sich gestützt auf das
Berechnungsblatt für Ergänzungsleistungen der AHV/IV, dem Hilfsblatt "Berechnung
Existenzminimum (freie Quote)" für IV- und AHV-Rentnerinnen sowie die Prämien- und
Kostenübersicht für das Steuerjahr 2018 der Krankenkasse (vgl. act. 6/7/1, 2 und 4) als
richtig. Die Beschwerdeführerin verkennt zunächst, dass Ergänzungsleistungen in die
Berechnung der verfügbaren Mittel einzubeziehen sind, auch wenn sie von der
Besteuerung ausgenommen sind. Soweit die Beschwerdeführerin weiter geltend
macht, die Ergänzungsleistungen betrügen lediglich CHF 778, übersieht sie, dass der
bei der Berechnung der Ergänzungsleistungen von CHF 1'243 berücksichtigte
Pauschalbetrag an die Krankenkasse von CHF 465 bei den anrechenbaren
Aufwendungen zum Abzug zugelassen wurde. Ginge man dagegen von
Ergänzungsleistungen in der Höhe von CHF 778 aus, könnten bei den Aufwendungen
die Krankenkassenprämien von CHF 465 nicht berücksichtigt werden. Das Ergebnis
wäre das gleiche.
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Da die Beschwerdeführerin in einer Wohngemeinschaft mit einer erwachsenen Person
lebt, beträgt der Grundbetrag entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht
CHF 1'200, sondern CHF 1'050 (vgl. KS Notbedarf Ziff. 3.2.1). Daran ändert auch
nichts, dass die Mitbewohnerin der Beschwerdeführerin ebenfalls eine IV-Rente und
Ergänzungsleistungen bezieht. Im monatlichen Grundbetrag sind sodann
Aufwendungen für Nahrung, Kleidung und Wäsche, Körper- und Gesundheitspflege,
Unterhalt der Wohnungseinrichtung, Privatversicherungen, Auslagen für Beleuchtung,
Kochenergie, Radio-, TV- und Telefongebühren sowie für kulturelle Bedürfnisse und
Freizeitgestaltung enthalten (vgl. KS Notbedarf Ziff. 3.1). Die im von der
Beschwerdeführerin erstellten Budget (vgl. act. 2.1) berücksichtigten Beträge für
"allgemeiner Unterhalt", "Festnetz/Internet/TV/Billag", "Strom Stadtwerke" und
"Diverses" sind folglich vom Grundbetrag erfasst. Des Weiteren hielt die Vorinstanz zu
Recht fest, dass Aufwendungen für Haustiere und Ferien unter die allgemeinen
Lebenshaltungskosten fallen. Hinzu kommt, dass die Steuern bei der Berechnung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums nicht zu berücksichtigten sind (vgl. KS
Notbedarf Ziff. 8.1). Schliesslich können in das Existenzminimum nur tatsächlich
bezahlte Zuschläge eingerechnet werden, wobei die Schuldnerin den Nachweis der
effektiven Bezahlung zu erbringen hat (vgl. KS Notbedarf Ziff. 4.1). Ein ärztliches
Rezept für eine Brille genügt diesen Anforderungen nicht, weshalb die für eine neue
Brille allenfalls anfallenden Kosten nicht zu berücksichtigen sind. Soweit in der
Steuerperiode 2017 lediglich die IV-Rente berücksichtigt worden war, obwohl die
Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2017 die Rente der Pensionskasse erhalten hat,
kann die Beschwerdeführerin daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Die früher
getroffenen Veranlagungsverfügungen entfalten grundsätzlich keine Rechtskraft für
spätere Veranlagungen. Die Steuerbehörde kann im Rahmen jeder neuen Veranlagung
sowohl die tatsächliche als auch die rechtliche Ausgangslage vollumfänglich
überprüfen und soweit erforderlich, abweichend würdigen. Dies ist Ausdruck der
Gesetzmässigkeit im Steuerrecht und kein widersprüchliches Verhalten (Zigerlig/Oertli/
Hofmann, a.a.O., S. 397). Kommt hinzu, dass sich die fehlende Berücksichtigung der
Rente der Pensionskasse im Jahr 2017 zu ihren Gunsten ausgewirkt hat.
Die Berechnung der anrechenbaren Aufwendungen von insgesamt CHF 2'647 ist damit
nicht zu beanstanden. Im Vergleich zu den monatlichen Einkünften von CHF 2'844
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ergibt sich folglich ein Überschuss von CHF 197. Der Beschwerdeführerin ist es somit
grundsätzlich möglich und zumutbar, innerhalb von fünf bis sechs Monaten die
Steuerschuld von CHF 999.55 zu bezahlen. An diesem Ergebnis ändert auch nichts,
dass die Beschwerdeführerin seit dem Bezug der Invalidenrente und der Rente aus der
2. Säule seit 2016 nie Steuern habe bezahlen müssen. Der Beschwerdegegner weist
diesbezüglich zu Recht darauf hin, dass vorliegend lediglich der Erlass der Steuern für
das Jahr 2018 zu beurteilen ist.
3.3.
Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, sie sei für das Jahr 2019 mit fünf
Monatsmieten im Verzug, welche sie abzahlen müsse (vgl. act. 1 S. 3). Gemäss
Schreiben der Vermieterin vom 13. Juli 2020 bezahlte die Beschwerdeführerin im Jahr
2019 vier Monatsmieten zeitgerecht. Anfangs 2020 beglich sie drei Mieten für das Jahr
2019, weshalb sie für das Jahr 2019 nach wie vor Mietrückstände im Umfang von fünf
Monatsmieten aufweist (vgl. act. 2.4). Aus den von der Beschwerdeführerin im
vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Unterlagen geht entsprechend hervor, dass
sie im Februar 2020 eine Zahlung von insgesamt CHF 2'856 – was vier Monatsmieten à
CHF 714 entspricht – an ihre Vermieterin leistete (vgl. act. 6/14). Damit hat die
Beschwerdeführerin nach Eintritt der Fälligkeit der Steuern für die Steuerperiode 2018
gleichrangige Forderungen von privaten Gläubigern beglichen und diese Forderungen
gegenüber den streitbetroffenen Steuerschulden bevorzugt behandelt. Dabei spielt es
keine Rolle, ob es sich um Mietausstände aus dem Jahr 2019 oder 2020 handelt.
Massgebend ist einzig, dass die Steuern für die Steuerperiode 2018 bei der
Begleichung der Mietausstände bereits fällig waren. Eine derartige Vorzugsbehandlung
dritter Gläubiger stellt gemäss Art. 167a lit. e DBG ein Ablehnungsgrund des Gesuchs
um Steuererlass dar. Denn unter den gegebenen Umständen lässt sich nicht von der
Hand weisen, dass es die Beschwerdeführerin mit dieser bevorzugten Behandlung von
Forderungen privater Gläubiger verunmöglicht hat, dass mit dem Steuererlass ein
einzig ihr zugutekommender Sanierungsbeitrag geleistet bzw. eine Sanierung unter
Einbezug sämtlicher Gläubigerinnen und Gläubiger durchgeführt wird. Ein solches
Verhalten rechtfertigt, den nachgesuchten Steuererlass im konkreten Fall selbst bei
ausgewiesener Notlage oder grosser Härte zu verweigern (Zigerlig/Oertli/Hofmann,
a.a.O., S. 425; Beusch/Raas, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Bundesgesetz über die direkte
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Bundessteuer [DBG], 3. Aufl. 2017, N 7 zu Art. 167a DBG mit Hinweis auf BVGer
A-6903 vom 25. April 2016 E. 7.2.3; VerwGE B 2015/316 vom 30. Mai 2017 E. 3.3).
3.4.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Ermittlung von Einnahmen und Auslagen durch
die Vorinstanz korrekt vorgenommen wurde und dementsprechend eine freie Quote
von knapp CHF 200 pro Monat besteht. Unter diesen Umständen ist der Schluss der
Vorinstanz, wonach die Beschwerdeführerin in der Lage sei, die offenen Steuern von
knapp CHF 1'000 für die Steuerperiode 2018 in absehbarer Zeit zu begleichen, nicht zu
beanstanden. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin mit der Tilgung von
Mietzinsschulden nach Fälligkeit der geschuldeten Steuern für die Steuerperiode 2018
andere Gläubiger bevorzugt behandelt hat, weshalb bei einem Verzicht der
Steuerbehörden nicht die Beschwerdeführerin selbst profitieren würde, sondern primär
ihre übrigen Gläubiger. Die Voraussetzungen für einen Steuererlass sind daher nicht
gegeben, weshalb die Vorinstanz den Rekurs und die Beschwerde zu Recht
abgewiesen hat. Die beiden angehobenen Beschwerden erweisen sich als unbegründet
und sind daher sowohl hinsichtlich Erlass der Kantons- und Gemeindesteuern 2018 als
auch Erlass der direkten Bundessteuer 2018 abzuweisen.
4.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeverfahren der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP;
Art. 145 in Verbindung mit Art. 144 Abs. 1 DBG). Entscheidgebühren von CHF 1'500 für
das Verfahren betreffend Erlass der Kantons- und Gemeindesteuern und von
CHF 1'000 für das Verfahren betreffend Erlass der direkten Bundessteuer, insgesamt
also CHF 2'500, sind angemessen (Art. 145 in Verbindung mit Art. 144 Abs. 5 DBG;
Art. 7 Ziff. 222 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung der
amtlichen Kosten ist in Anwendung von Art. 97 VRP ausnahmsweise zu verzichten. Das
von der Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren gestellte Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird damit gegenstandslos und ist als
erledigt abzuschreiben.