Decision ID: c22ec8fe-329e-440c-91a6-9018f45efa4f
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Urteil IV.2012.00995 vom 12. Juni 2013 hob das hiesige Gericht die
renten
ablehnende Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV
Stelle, vom 16. August 2012 auf und wies die Sache an die Ver
waltung zur weiteren medizinischen Abklärung und
zum
Entscheid über den An
spruch des Versi
cherten
X._
auf Leistungen der In
validenversiche
rung, insbesondere au
f
berufliche Massnahmen, zurück
(Urk. 6/60)
. Daraufhin erteilte die IV-Stelle zunächst Kostengutsprache für eine Umschulung des Versicherten zum Master
of
Business Studies (Mittei
lungen vom 27. Februar, 4. März und 14. Mai 2014, Urk.
6
/72 f., Urk.
6
/79; Verfügung vom 23. Mai 2014, Urk.
6
/80). Mit Verfügung vom 11. August 2014 hob sie die Umschulungsmassnahme wiedererwägungsweise auf und kündigte die Durchführung medizinischer Abklärun
gen an (Urk.
6
/84).
1.2
Mit Verfügung vom 7. November 2014 beauftragte
die IV-Stelle
die ü
ber
Suis
seMED@P
zugeteilte
MEDAS
Y._
,
mit einer polydisziplinären Begutachtung des Versicherten
(
Urk. 6/112;
vgl. ferner Urk. 6/98 ff.
).
Die vom Versicherten dagegen erhobene Be
schwerde
wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil IV.2014.01283 vom 23. Februar 2015 abgewiesen
(Urk. 6/118)
.
Gestützt auf d
as
MEDAS-Gutachten vom 17. September 2015 (Urk. 6/126) stellte die Verwaltung mit Vorbescheid vom 17. März 2016 die Ablehnung von Leistungen der Invalidenversicherung in Aussicht
(Urk. 6/132)
. In seiner Stellungnahme vom 2. Mai 2016 machte der Versicherte unter anderem eine im Januar 2016 eingetretene Verschlechterung seiner Beschwerden
geltend
, welche eine Spitalbehandlung erforderte (Urk. 6/133)
,
und legte auf Auffor
derung der IV-Stelle zwei a
ktuelle
medizinische Berichte
vor (Urk. 6/134 ff.). Da
raufhin
holte
die Verwaltung
Auskünfte
vo
m behandeln
den Spital
ei
n
(Urk. 6/143) und liess den Versicherten dazu Stellung nehmen (Urk. 6/145)
. Mit Verfügung vom 30. August 2016 verneinte sie dessen Anspruch auf Leis
tungen der Invalidenversicherung (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 3. Oktober 2016 Be
schwerde mit folgendem Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
Die Verfügung vom 30. August 2016 sei aufzuheben, und die Beschwerdegeg
nerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer mit Wir
kung ab Mai 2010 eine ganze Rente der Invalidenversicherung, eventualiter gemäss den gesetzlichen Bestimmungen, auszurichten.
Eventualiter sei die Sache zwecks weiteren Abklärungen an die Beschwer
de
gegnerin zurückzuweisen.
Subeventualiter
sei die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Be
schwerdeführer eine Umschulung zu gewähren, sofern dessen Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit nachgewiesen ist.
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge
n
zu Lasten der Beschwerde
geg
nerin, die Entschädigung zuzüglich Mehrwertsteuer“
Mit Beschwerdeantwort vom 28. Oktober 2016 schloss die Verwaltung auf
Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 5), worüber der Beschwerdeführer am 1. Novem
ber 2016 orientiert wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und ge
gebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die Leistungsablehnung damit, dass die im MEDAS-Gutachten vom 17. September 2015 attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 20 % nicht nachvoll
ziehbar sei. Weiter handle es sich bei der bisherigen Tätigkeit des Beschwer
deführers
um eine rein administrative und wechselbelastende Tätigkeit. Aus somatischer Sicht sei ihm die bisherige Tätigkeit weiterhin zu 100 % zumut
bar
. Die neuen medizinischen Berichte verm
ö
chten nichts daran zu ändern
(Urk.
2 S. 2 f.).
Dem Beschwerdeführer sei
es
weiterhin zumutbar
,
die Arbeitsfähigkeit von 100 % sofort zu verwerten, weshalb er zu deren Erhaltung keine Umschu
lungsmassnahmen benötige.
Es
sei
zwar nachvollziehbar, dass ein Wieder
einstieg in den bisherigen B
e
reich wenig aussichtsreich sei
, dies jedoch nicht aufgrund seiner mangelnden Fachkenntnisse und der fehlenden Berufs
erfahrung, sondern aufgrund iv-fremder Gründe. Da dem Beschwerdeführer gemäss den Gutachtern in sämt
lichen administrativen Tätigkeiten lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
zumutbar
sei
, könnte die Erwerbsfähigkeit auch mit einer Massnahme nicht
verbessert werden, denn dabei müsste der Beschwerdeführer im Rahmen eines
80 %-Pensums einen Verdienst erzielen, welcher seinem bisherigen Verdienst in einem 100 %-Pensum entsprechen würde. Eine solche Umschulungs
mass
nahme würde
hingegen
gestützt
auf seine
n
Aus
bildungsstatus dem
Verhält
nismässigkeitsprinzip widersprechen
. Des Weiteren sei unklar, in welchem Umfang der von ihm anvisierte Master-Abschluss
of
Bu
si
ness
Studie
s die Erwerbsfähigkeit tatsächlich verbessern würde
(Urk. 2 S. 4).
2.2
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
auf dem Standpunkt, dass
der
Regionale Ärztliche Dienst (
RAD
)
bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit einzig sein Ermessen an Stelle desjenigen der Gutachter gesetzt habe. Er habe die entscheidenden Feststellungen der Gutachter ausser Acht gelassen oder diese unzutreffend wiedergegeben, weshalb seine Aus
führungen nicht nachvollziehbar seien.
Weiter hätten sich die Gutachter
weder mit der Arbeitsfähigkeitseinschätzung von Dr. med.
Z._
, Fa
ch
arzt für Orthopädische Chirurgie,
noch
mit den klar geschilderten Beschwer
den auseinander
gesetzt
, weshalb die
Zubilligung einer 80
%igen Arbeits
fähigkeit nicht nachvollziehbar sei
(Urk. 1 S. 10)
. Da seine Schmerzproble
matik nun acht Jahre dauere, sei nach der neuen Schmerzrechtsprechung
vorzuge
hen. Solche Erhebungen fehlten. Ab Januar 2016 werde ihm auf
gru
nd einer Beschwerdezunahme eine etwa 40%ige Arbeitsfähigkeit für angepasste Tä
tigkeiten attestiert. Es sei zu einer Anschlussdegeneration
gekommen
, mit welcher sich laut Dr. med.
A._
,
Leitender Arzt an der Klinik für Neu
rochirurgie im
B._
, die klinischen Beschwerden ohne weiteres verein
baren liessen. Damit lägen wesentliche neue Umstände vor, welche die Be
schwerdegegnerin verpflichtet hätten, weitere Abklärungen zu
tätigen (Urk. 1 S. 11 f.)
.
Das MEDAS-Gutachten äussere sich zur
Arbeits
fähi
g
keit erst ab Mai 201
2.
Die Zeit davor hätten die Gutachter als postoperative Rehabilitations
phase nach dem Eingriff vom November 2011 erachtet. Seit dem Auftreten des Leidens Anfang 2008 habe bis Ende Februar 2009 eine volle Arbeitsun
fähigkeit
bestanden
und anschliessend wieder ab Mai 2010 bis April 201
2.
Daraus schliesst der Beschwerdeführer auf den Anspruch auf eine Rente ab 1. Mai 201
0.
Mit Bezug auf die Zeit ab Mai 2012 könne auf die
Arbeitsfähig
keitseinschätzung im MEDAS-Gutachten vom 17. September 2015
nicht ab
gestellt werden. Seit der Verschlechterung im Januar 2016 beste
he eine Ar
beitsfähigkeit von 40 % bis
50 % für eine adaptierte Tätigkeit
(Urk. 1 S. 12 f.).
Abschliessend verneinte der
B
eschwerdeführer eine
(auf dem Arbeitsmarkt realisierbare) Arbeitsfähigkeit
,
wies auf die bereits vom hiesigen Gericht im Urteil IV.2012.00995 vom 12. Juni 2013
(E. 5.3)
angesprochene
,
zu erwar
tende Einkommenseinbusse bei der beruflichen Wiedereingliederung
hin
und leitete daraus seinen Anspruch auf Umschulung
ab
(Urk. 1 S. 14 ff.).
3.
3.1
3.1.1
Zur Zeit der ersten
Leistungs
ablehnung
im August 2012
lagen bei den Akten hauptsächlich die
Stellungnahmen von Dr.
Z._
und des Operateurs PD Dr. med.
C._
, damals Leitender Arzt an der Klinik für Neurochirurgie
des
B._
. D
ie
s
em
konnte entnommen
werden, dass sich der Beschwer
deführer am 1. November 2011 einer Rückenoperation unterzog (instrumentierte
interkorporelle
Fusion L3-L5 von rechts, dynamische Stabi
lisierung L2/L3 und rigide Stabilisierung L3
L5; vgl. Austrittsbericht des
B._
vom 18. November 2011, Urk. 6/50/8-10). Trotz der erfolgreichen Operation und der vom Beschwerdeführer angegebenen deutlichen Reduktion der Schmerzintensität attestierte ihm Dr.
Z._
infolge der persistierenden Schmerzen selbst in leidensangepasster Tätigkeit eine entgegen den anfänglichen Erwartunge
n fortdauernde hohe Arbeitsun
fä
higkeit (Berichte vom 12. April sowie 12. Juli
2012, Urk. 6/52 und Urk. 6
/58/15-16).
3.1.2
Daher
forderte das hiesige Gericht die
Beschwerdegegnerin im Rückwei
sungsurteil
IV.2012.00995 vom 12. Juni 2013
auf, die medizinischen Abklä
rungen
mit Blick auf das Restleistungs
vermögen des Beschwerdeführers
bezüglich e
iner leidensangepassten, rücken
schonenden Tätigkeit nach Ab
schl
uss einer angemessenen Rehabilitationszeit nach der am 1. November 2011 erfolgten Rückenoperation zu ergänzen (E. 4.3
; Urk. 6/60
).
3.2
3.2.1
Vor Einleitung
der MEDAS-
Begutachtung zog die Beschwerdegegnerin aktu
elle Auskünfte der
behandelnden Ärzte
bei.
Dr.
C._
berichtete am 18. Oktober 2012 nach einer kli
nischen und bild
geben
den Untersuchung zwar, dass die Ursache für die nach wie vor ge
klagte
lumbosakrale
Schmerzsymptomatik nicht ganz klar sei. Jedoch ging er von einer wahrscheinlichen Schmerzursache im Segment L5/S1 aus (Urk.
6
/91/10-11).
Im Bericht vom 10. September 2013 diagnostizierte
Dr.
C._
neu eine begin
nende Segmentdegeneration L1/2 (Kernspintomo
graphie vom 3. Juli 2013). Er empfahl primär eine Behandlung mit konser
vati
ven Massnahmen und äusserte Zurückhaltung
in
Bezug auf erneute in
ter
operative Interventionen (Urk.
6
/91/8-9).
Laut Bericht vom 20. Mai 2014 klagte der Be
schwerdeführer über etwas zuneh
mende Schmerzen im Bereich der mittleren Lendenwirbelsäule (Urk.
6
/91/6-7).
In einem undatierten
wohl im August 2014 verfassten
Bericht
attestierte
Dr.
Z._
dem Be
schwerdeführer weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Sportlehrer
(Urk.
6
/91/1-5)
. Dr.
C._
dagegen äusserte sich im Bericht vom 7. Oktober 2014 nicht zur aktuellen Arbeitsfähigkeit
(
Urk. 6
/102)
.
3.2.2
Im Rahmen einer
vorläufigen
Würdigung kam das hiesige Gericht
im Urteil IV.2014.01283 vom 23. Februar 2015 zum Schluss, dass
diesen Stellung
nah
men
keine
befriedigende Antwort
auf die
Frage
des Restleistungsver
mögens des Beschwerdeführers bezüglich einer leidensangepassten Tätigkeit nach der Rückenoperation
entnommen werden
könne
(E. 4.2.2
; Urk. 6/118
).
4.
4.1
Im MEDAS-Gutachten
(
Y._
Begutachtung)
vom 17. September 2015 wurde folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit gestellt (Urk.
6/
126 S. 22):
1.
Chronisches
lumboverte
brales
Schmerzsyndrom ohne Zeichen von Wurzel
reizsymptomatik, Erstbeschwerden 2008
-
St. n. instrumentierter
interkorporeller
rigider Fusion L3 bis L5 und dyna
mischer Stabilisation L2/3 am 01.11.2011 bei diskogen-degenerativer Schmerzsymptomatik L2 bis L5
-
klinisch allseitige deutliche, aber schmerzarme Bewegungseinschränkung der LWS ohne
radikuläre
Zeichen
-
konventionell-radiologisch intakter OSM-Sitz, minime Anschlussde
gene
ra
tion L1/2 und L5/S1 nicht auszuschliessen,
lum
bosakrale
Übergangs
ano
malie mit Spina
bifida
S1/2 und
Spondylolyse
L5 links (Röntgen 10.06.2015, 10.04.2012, CT 22.04.2008)
Folgenden weiteren Diagnosen massen die Gutachter keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bei (Urk. 6/126 S. 22):
1.
Deutliche
Valgus
-Knick-Senk-Spreizfussdeformität beidseits, minim symp
to
matisch im Fersenbereich
2.
St. n. Commotio cerebri nach
Angefahrenwerden
im Verkehr ca. 1988 ge
mäss Anamnese mit längerem Bewusstseinsverlust, ohne Beschwerdefolgen
3.
St. n. Melanom-Entfernung an der Beinhaut anamnestisch (keine Unterla
gen)
Weiter
gaben
die Gutachter
an
, aus internistischer Sicht liessen sich in der aktuellen Exploration keine die Arbeitsfähigkeit relevant einschränkende Erkrankungen nachweise
n
. Gemäss dem psychosomatischen Fachgutachten hätten weder Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit noch solche ohne festgestellt werden
können
(Urk. 6/126 S. 24)
.
Anlässlich der
rheumatologische
n
Untersuchung
habe
der Beschwerdeführer
über
seit der Operation gebesserte lumbale Beschwerden mit Ausstrahlung flächig in den Beckenkammbereich
beidseits, mit Schmerzpunkten t
i
e
ftho
rakal median und im Bereich d
er
Sak
rumoberkante
median
berichtet
. Früher in der Mitte der Lendenwirbelsäule verspürte Beschwerden seien nach der Ope
ration verschwunden. Intermittierend bestünden Schmerzausstrahlungen in den rechten Oberschenkel, gelegentlich bis in den Unterschenkel rechts, nicht zunehmend. Die Beckenkammbeschwerden seien anhaltend da, aber im Hin
tergrund. Die anderen lumbalen Schmerzlokalisationen hätten an Inten
sität wieder zugenommen und seien etwa gleich stark wie sechs Monate vor dem operativen Eingriff. In der aktuellen Quantifizierung machten sie etwa 50 % der unmittelbar präoperativ vorhanden gewesenen Schmerzintensität aus, als sich der Beschwerdeführer aber
"
nicht mehr habe bewegen können
"
. Schmerz
verschlimmernd wirkten sich Oberkörperinklination und -
r
otation aus. Zu
dem sei ein Sitzen über mehrere Stunden nicht möglich. Ein tägliches Sich-Hinlegen helfe gegen die Schmerzen (Urk.
6/125/15-26 S.
10
).
Weiter führte der rheumatologische Konsiliararzt aus, i
nsgesamt liege ein deutliches degeneratives Wirbelsäulenleiden vor, mit radiologisch vor Jahren schon festgestellten mehrsegmentalen
Bandscheibenprotrusionen
, spinalchi
rurgisch au
s
gedehnt operiert mit rigider Segmentfixation L3 bis L5 und dy
namisch L
2/
3.
Konventionell-radiologisch
liessen sich keine sicheren dege
ne
ra
tiven Entwicklungen der Nachbarsegmente nachweisen, was aber ent
spre
chende Überlastungsbeschwerden
diskogener
oder
facettogener
Ursache nicht
ausschliess
e
.
Grobe radiologische, die Beschwerden erklärende Auffäl
ligkeit
en fänden sich aber nicht. Das klinische Motilitätsbild sei recht frei mit Aus
nahme einer schmerzhaft eingeschränkten Beweglichkeit der Lendenwir
bel
säule vor allem für
die
Rotation und
die
Seitneigung, weniger für
die
In
klination. Eindrucksmässig bestünden wenige Motilitätseinschränkungen in
der Untersuchungssituation, aber wohl eine Beschwerdeverschlimmerung du
rch längeres Sitzen. Das Gesamtbild lasse früher attestierte Einschränkun
gen der spinalen Belastbarkeit nachvollziehen, für biomechanisch angepasste Tätigkeiten
jedoch
höchstens eine geringe Leistungsminderung attestieren. Indem das Profil der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in den Unterlagen nicht genügend nachvollziehbar und umfassend dokumentiert sei, könne gut
ach
terlich zur Zumutbarkeit der letztgenannten Erwerbstätigkeit nicht Stel
lung genommen werden. Es könne nur das Profil einer entsprechend zumut
baren Verweistätigkeit gutachterlich formuliert werden. Es fänden sich keine An
haltspunkte aus aktueller Perspektive dafür, dass die attestierten Arbeits
un
fähigkeiten, wie sie von den behandelnden Ärzten formuliert worden seien, retrospektiv gutachterlich in Frage zu stellen wären. Die Angaben über die Schmerzentwicklung, wie sie vom Exploranden derzeit erhältlich seien, deckten sich mit den Angaben der behandelnden Ärzte. Auch betreffs der entsprechenden Zeiträume fänden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die erfolgten Attestierungen zu hinterfragen wären. Diskrepanzen fänden sich in den Akten betreffs Charakteristik in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit,
in dem der Explorand
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Fitnessinstruktor
ein „Hands-on“ mit somit wohl auch
muskuloskelettär
belastenden Tätigkeits
anteilen schildere, die Akten aber von einer rein Management-artigen Bürotätigkeit ausgingen. Diese Diskrepanz könne gutachterlich nicht aufge
löst werden
(Urk. 6/125/15-26 S.
11
)
.
Aus rheumatologischer Sicht
seien körperlich leichte Tätigkeiten mit der Mög
lichkeit zum selbständigen Wechseln der Körperposition, nicht aus
schliesslich sitzend, stehend oder gehend, ohne Notwendigkeit zu wieder
holten Rotationen des Oberkörpers, ohne Notwendigkeit zum Sich-Bücken-Müssen, ohne Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten mehr als 2-3 kg
zumutbar
. Für derartige Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%, dies ab dem Gutachtenszeitp
unkt. Die Reduktion gegenüber einer Vollzeit
tätigkeit berücksichtige einen etwas vermehrten Pausenbedarf und das Ein
nehmen-
Müssen von gelegentlichen Entlastungsstellungen, wie es vom Exploranden auch derzeit im Alltag praktiziert werde. Allenfalls könne dies im zeitlichen Umfang im Rahmen einer Erwerbstätigkeit gegenüber der aktu
ellen Praxis wohl etwas angepasster und reduzierter gehandhabt werden
(Urk. 6/125/15-26 S.
11
)
.
Die
Einschätzung des rheumatologischen Gutachters wurde
so
im MEDAS-
Gutachten vom 17. September 2015 übernommen. Ergänzend führten die Gut
achter hinzu, für den gelernten Beruf als Sportlehrer/
Fitnessi
nstruktor
im klassischen Sinn mit vor allem körperlicher Tätigkeit, Instruktion
etc.
sei auf
grund der somatischen Einschränkungen wohl keine Arbeitsfä
higkeit anzu
neh
men. Sofern in der an
gestammten Tätigkeit die angege
benen Einschrän
kungen berücksichtigt und eingehalten werden könnten, d
.
h
.
vor allem Bürotätigkeit ausgeübt worden sei, so wäre der Explorand im an
gestammten Beruf zu 80 % arbeitsfähig
(Urk. 6/126 S. 25).
Aus aktuell gutachterlicher Sicht bestehe für eine angepasste Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit vermutlich schon seit Mai 201
2.
Der Zeitraum Mai 2012 bis April 2014 scheine einen medizinisch weitgehend stabilen Gesund
heitszustand
umfasst zu haben, mit zwar
signifikanten Restbeschwerden
, welche sich aber nicht wesentlich vom aktuellen Zustand unterschieden
. Eine bedeutende
Zä
sur
sei für die Zeit nach Mai 2012 aus jetziger Perspektive retrospektiv nicht auszumachen. Der Zeitraum vor Mai 2012 sei als postope
rative Rehabilitationsphase nach dem Eingriff vom November 2011 einzu
stufen
. Der Eingriff vom November 2011 habe nachweislich und dokumen
tiert zu einer Verbesserung der Beschwerden geführt. Nach dem Mai 2012 sei eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes nicht doku
mentiert. Die intermittierend wi
ederholt attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit sei gut
achterlich retrospektiv nicht näher überprüfbar. Jedoch hätten sich die objektiven Befunde nicht in na
chvollziehbarer Weise verändert beziehungs
weise
verschlechtert, sondern es zeige sich insgesamt ein in etwa stabiler Verlauf. Es gebe also keinen belegten Grund, ab Mai 2012 nicht von einer grundsätzlichen Arbeitsfähigkeit in entsprechend angepasstem Tätigkeitsbe
reich wie oben ausgeführt auszugehen
(Urk.
6
/126 S. 25
f.
).
4
.2
Dr. med.
A._
stellte im Bericht vom 13. Mai 2016 (Urk.
6
/135) fol
gen
de
Diagnosen:
-
Chronische Lumbalgien mit Anschlussdegeneration L1/2
-
Status nach i
nstrumentierter
interkorporeller
Fusion L3 bis L5 mit PEEK-Cages und Fixateur interne sowie dynamischer Stabilisierung L2/3 am 01.11.2011 bei
Diskusdegenerationen L2 bis L5 bei Status nach mehreren lumbalen Diskushernien
Dazu führte er aus, beim Beschwerdeführer sei es Ende Januar zu einer
Schmerzexazerbation
seiner bekannten Rückenschmerzen gekommen. Die Computertomographie der Lendenwirbelsäule vom 31. März 2016 zeige
eine
Spondylarthrose
L1/
2.
Die Magnetresonanztomographie der Lendenwirbel
säule
vom 27. März
2016 zeige
neu im Vergleich zu den Voraufnahmen eine deutliche Bandscheibendegeneration L1/
2.
Hier habe sich linksseitig eine Diskushernie gebildet, die
recessal
Kontakt zur Wurzel L2 habe. Es bestehe eine deutliche
Spondylarthrose
. Hier sei es offensichtlich im Verlauf zu einer Anschlussdegeneration gekommen.
Die klini
schen Beschwerden liessen sich
zwangslos mit der kernspintomographisch nachgewiesenen Anschlussde
gene
ration L1/2 erklären. Klinisch sei es unklar, ob die Schmerzen eher von der Bandscheibe oder den
Fazettengelenken
herrührten. Da sich aktuell keine
radikuläre
Symptomatik zeige, und die Rückenbeschwerden gut kontrolliert seien, möchte der Beschwerdeführer keine weiteren invasiveren Abklärungen.
4.3
Der nunmehr a
ls freiberufliche
r
Neurochirurg tätige
Dr.
C._
bestätigte im Bericht vom 31. Mai 2016
(Urk.
6
/137)
die progrediente Segmentdegenera
tion L1/
2.
Zur Computertomographie vom 31. März 2016 gab er an, diese zeige eine beginnende
epifusionelle
Degeneration L1/
2.
Abschliessend stellte er fest, aus seiner Sicht sei es medizinisch nicht möglich, eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit abzuwenden.
4.4
In einem undatierten
wohl
Anfang August verfassten (vgl. Urk.
6
/
146 S. 4
)
–
Bericht
(Urk.
6/143)
wiederholte Dr.
A._
die bereits im Mai 2016 (E. 4.
2) gestell
ten Diagnosen. Ergänzend gab er an, die deutliche Bandschei
bende
generation L1/2 sei im Vergleich zu den Voraufnahmen mit einer links
seitigen Diskushernie neu. Die langjährigen
lumbalgieformen
Beschwer
den
mit rezidivierenden
ischialgieformen
Ausstrahlungen würden sicherlich pers
i
stieren. Die vorübergehende linksseitige Schmerzausstrahlung sei durch die
Bandscheibenprotrusion
L1/2 durchaus erklärbar. Aufgrund der Rücken
erkran
kung bestünden Einschränkungen hinsichtlich der körperlichen Leis
tungsfähigkeit bei längerem Stehen, Heben und Tragen von Lasten über 3 kg, sowie
bei
Arbeiten in Zwangspositionen oder Büc
ken, Heben und über Kopf
Tä
tigkeiten. I
n einer angepassten Tätigkeit sollte zumindest eine halbschich
tige oder knapp unter halbschichtige Arbeitsfähigkeit gegeben sein. Gegen eine leichte körperli
che Tätigkeit mit der Möglichkei
t zum selbständigen Wechseln der Körperposition ohne häufige Rotationsbewegungen des Ober
körpers so
wie
ohne Bü
c
ken, Heben, Stossen und Ziehen von Lasten über 3 kg ohne Zeitdruck und flexible Arbeitseinteilung spreche nichts. Die Beschwer
den des Patienten liessen sich mit dem Aktivitätsniveau beim Spazierengehen
und leichten häuslichen Tätigkeiten problemlos vereinbaren. Schliesslich handle
es sich hierbei um leichteste
Tätigkeiten, die zudem mit einer deut
lichen Lin
derung der Symptomatik (Laufen) einherg
ing
en, ohne jeglichen
Zeit
druck und
jederzeitlicher
Möglichkeit der Pausen und Unterstützung
durch
die Familie
.
4.5
In
ihrer
Stellungnahme vom 29. August 2016
(Urk. 7/146 S. 4 f.)
führte
die RAD-Ärztin
med.
pract
.
D._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie sowie medizinische Gutachterin SIM und Vertrauensärz
tin SGV
, aus, der neue Bericht von Dr.
A._
vom 13. Mai 2016 enthalte keine wesentlichen neuen Informationen. Die berichtete Anschlusssegment
degeneration stelle keinen wesentlichen neuen Sachverhalt dar. Diese sei eine häufige Folge von
Spondylodesen
und begründe keine weite
re
Einschrän
kung der Belastbarkeit für eine adaptierte Tätigkeit
.
In seinem Bericht vom 9. August 2016 berichte Dr.
A._
ebenfalls keine neuen medizinischen Sachverhalte. Die klinischen Befunde seien weitgehend unauffällig. Eine
radi
kuläre
Symptomatik werde nicht berichtet.
Auch Dr.
C._
berichte am 31. Mai 2016 die bereits bekannten Diagnosen und teile mit, eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit sei nicht abzuwenden. Auf welche Tätigkeit sich diese Einschränkung beziehe, teile er nicht mit. Die mitgeteilten Befunde unter
schieden sich nicht wesentlich von den bereits bekannten Befunden. Damit seien keine neuen medizinischen Sachverhalte ausgewiesen.
5.
5.1
5.1.1
Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 17. September 2015 (E. 4.1) entspricht grundsätzlich den praxisgemässen Anf
or
derungen an den Beweis
wert einer Expertise (E. 1.4). So beantwortet
das Gutachten
die Frage nach den
gesundheitlichen Beeinträchtigungen
und der Arbeitsfähigkeit des Be
schwerdeführers
sowie deren Verlauf seit Auftreten der Rückenproblematik im Jahr 200
8.
Es berücksichtigt sodann die geklagten Beschwerden und be
ruht auf den notwendigen allseitigen Untersuchungen in rheumatologischer sowie internistischer und psychiatrischer Hinsicht. Die Gutac
hter schil
derten die vom Beschwerdeführer erwähnten Leiden und Einschränkungen und setzten sich damit auseinander. Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegeben und leuchtet in der Darlegung der medizini
schen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. In diesem Sinne erscheinen die Schlussfolgerungen als begründet.
5.1.2
Die Gutachter
wiesen
namentlich
mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit bis zum Abschluss der postoperativen Rehabilitationsphase im Mai 2012 auf die
echt
zeitlichen und
aus fachärztlich rheumatologischer Sicht
als nachvollziehbar
bewerteten
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen der behandelnden Ärzte
hin
.
Für die
Zeit danach stellten sie auf den
vom Beschwerdeführer angegebenen
Be
schwerderückgang
nach dem Eingriff vom 1. November 2011
ab und beur
teilten d
en weiteren Verlauf
ausgehend von den
damaligen ärztlichen Stel
lungnahmen (E. 3.1-2)
sowie aufgrund der gutachterlichen
Untersuchung
als medizinisch weitgehend stabil
, weshalb sie die
für den Gutachtenszeitpunkt auf 80 %
eingeschätzte Arbeitsfähigkeit
in leidensangepasster Tätigkeit bis
Mai 2012 zurückdatierten. Dadurch beantwortet das Gutachten die zur Zeit der Urteile des hiesigen Gerichts vom 12. Juni 2013 und 23. Februar 2015 noch offene Frage der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer ange
passten Tätigkeit
aus ärztlicher Sicht
. Darüber hinaus beschreibt es
präzis
und
schlüssig
das medizinische Anforderungsprofil einer solchen Tätigkeit.
5.1.3
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 1 S. 11) nahmen
die Gutachter
zu Recht
zu den Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 nicht Stellung.
B
eim psychisch gesunden Beschwerdeführer steht die Anwendbar
keit der Schmerzrechtsprechung nicht in Frage
, d
enn die
se
erstreckt sich
(lediglich)
auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Störungen (BGE 141 V 281 E. 4.2).
5.1.4
Gegen die Zumutbarkeit einer Arbeitstätigkeit von 80 % beziehungsweise sogar 100 % (Urk. 2) wendet der Beschwerdeführer ein, ein solcher Arbeitstag zuzüglich Arbeitsweg stelle eine acht- bis zehnstündige Belastung für den Rücken ohne Möglichkeit längerer entspannender Pausen dar, was zu starken
Beschwerden führe (Urk.
1 S. 9
). Dem ist zu entgegnen, dass
sich die MEDAS-Gutachter der Notwendigkeit regelmässiger längerer Pausen wäh
rend der Arbeit bewusst waren und dies mit einer Einschränkung von 20
% berücksichtigt hatt
en. Dadurch sollte
es
dem Beschwerdeführer möglich sein, bei einer Arbeitswoche von fünf Tagen genügend, teilweise auch längere
Pausen zur Entlastung des Rückens einzuplanen.
Darüber hinaus steht dem i
n
E._
wohnenden Beschwerdeführer der Arbeitsmarkt des Grossrau
mes
F._
zur Verfügung. Dieser ist mit dem Auto oder mit den öffent
lichen Verkehrsmitteln in etwa 30 Minuten erreichbar, weshalb kein über
mässig langer, eine Erwerbstätigkeit verunmöglichender Arbeitsweg zu er
warten ist.
5.2
5.2.1
Mit Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit macht der Beschwerdeführer zu Recht geltend, dass
die Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit nicht plausibel sei (Urk. 1 S. 9
).
5.2.2
Nach der Rechtsprechung ist es in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beein
trächtigungen keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Einzelfall (gutachtlich) befassten Arztpersonen, selber ab
schliessend und für die rechts
anwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) ver
bindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer (an
dauernden oder vorüber
gehen
den) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gegeben
heiten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sa
che des (begutachtenden) Medi
ziners ist es erstens, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu be
schreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjek
tiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Ver
waltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgen
abschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beur
tei
lungskompetenz zu.
Vielmehr nimmt die Arzt
person zur Arbeitsunfähig
keit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung ab, wel
che sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Be
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Perso
n noch zugemutet werden können
. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterla
gen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen
Integration und Berufsberatung einzuschalten
(BGE 140 V 193 E.
3.1 und 3.2
)
.
5.2.3
Bei der Einschätzung der
damaligen
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit berücksichtigten die Gutachter den vermehrten Pausenbedarf und die Not
wendigkeit der Einnahme von
Entlastungsstellungen
. Hinsichtlich des Ver
laufs der Arbeitsfähigkeit
stellten sie
wie in E. 5.1.2 bereits erwähnt
auf d
i
e
echtzeitlichen und aus fachärztlich rheumatologischer Sicht als nach
vollziehbar
bewerteten Arbeitsfähigkeitseinschätzungen der behandelnden Ärzte
ab
(Urk. 6/126 S. 25).
Demgegenüber gab die Beschwerdegegnerin zu bedenken, dass die Gutachter zwar ein deutliches degeneratives Wirbelsäulenleiden beschrieben
hätten
,
konventionell radiologisch jedoch keine weiteren sicheren degenerativen Ver
änderungen der Nachbarsegmente
hätten
nachweisen
können
.
Grobe ra
dio
lo
gische Auffälligkeiten hätten ebenfalls nicht gefunden werden können, welch
e die aktuellen
Beschwerden erklären würden
. Des Weiteren
habe
sich während der internistischen wie auch der rheumatologischen Untersuchung bei einem athletischen Körperbau mit unauffälliger Muskulatur (198
cm, bei 90
kg, Puls 60/min) eine weitgehend
unauffällige Befundlage gezeigt
. Ein
drucksmässig
bestünden
wenig
e
Motilitätseinschränkungen in der Untersu
chungssituation, aber wohl
eine
Beschwerdeverschlimmerung durch längeres Sitzen. Bei der bisherigen Tätigkeit
handle
es sich um eine rein administra
tive und wechsel
belastende Tätigkeit ohne rück
en
belastende A
ufgaben.
Es
sei
zwar nach
vol
l
ziehbar, dass nach läng
erem Sitzen Beschwerden aufträte
n. Daraus hingegen eine dauerhafte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 20
% für sämtliche
administrative Tätigkeiten
abzuleiten,
sei
aus iv-rechtli
cher Sicht nicht plau
sibel. Des Weiteren
sei
ein vermehrter Pausenbedarf ebenfalls nicht nach
voll
ziehbar. Ein solcher
lasse sich im Übrigen auch nicht aus dem aktiven Tages
ablauf des
Beschwerdeführers
ableiten (
Urk. 2 S. 2 f.;
Urk. 6/131 S. 2 f.).
5.2.4
Der von den Gutachtern als nötig erachtete vermehrte Pausenbedarf ent
spricht entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin dem vom Be
schwer
deführer bei der Begutachtung beschriebenen Tagesablauf.
D
er
Alltag
des
Beschwerdeführer
s
beinhaltet
Betreuungspflichten, Haushaltsfüh
rung und
den Rücken entlastende -
Hundespaziergänge.
Wiederholt
legt er
ausserdem
Ruhepausen ein, während welchen er sich hinlegt
(Urk. 6/126 S. 14)
.
Zur Erhaltung seiner Arbeitsfähigkeit benötigt der Beschwerdeführer wieder
holte Entlastungen des Rückens durch längeres Liegen oder Gehen.
Selbst b
ei der Ausübung einer optimal leidensangepassten Tätigkeit
würde
dies
die im Arbeitsalltag üblichen Pausenzeiten überschreiten,
denn eine rein administ
rative Tätigkeit
muss
in der Regel eher sitzend, allenfalls
stehend ausgeübt werden und
bietet
wohl
selten die vom Beschwerdeführer benötigte Wechsel
belastung
mit
längerem Liegen und Gehen. Aus diesem Grund erscheint
eine Reduktion der Arbeitszeit um
etwas mehr als
anderthalb Stunden pro Tag
(20 % der bei 41.7 Wochenstunden liegenden betriebsüblichen Arbeits
zeit)
auch
aus juristischer Sicht nachvol
lziehbar
. Aus diesem Grund
ist
die gut
achterliche
Arbeitsfähigkeitseinschätzung
von 80 %
bei der Invaliditäts
be
messung
zu
über
nehmen.
5.2.5
Darüber hinaus
äussert sich die Beschwerdegegnerin nicht
darüber, weshalb sie dem Beschwerdeführer keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor der Rückenoperation im November 2011 und während der sowohl von den be
handelnden Ärzten als auch von den Gutachtern anerkannten sechsmona
tigen postoperativen Rehabilitationsphase
zuerkennt
.
Der Beschwerdeführer meldete sich im September 2010 zum Leistungsbezug an (Urk. 6/8). Ein allfälliger Rentenanspruch
würde
somit frühestens ab dem 1. März 2011
entstehen
, falls zuvor während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch eine Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40 % bestand (Art. 29 in Verbindung mit Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG).
In
Bezug auf die Zeit vor Mai 2012 erachtete der rheumatologische Gutachter die echt
zeitlich attestierten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit als retrospektiv nachvollziehbar (Urk. 6/126/15-26 S. 11). Es ist demzufolge
während der ein
jährigen Wartezeit
von
dies
en Arbeits
un
fähigkeit
en
(siehe Urk. 6/126/3
ff
.
)
auszugehen
,
w
eshalb die IV-Stelle bei der weiteren Prüfung des
leistungs
anspruchs
des Beschwerdeführers (siehe nachfolgend E. 5.3) auch denjenigen auf eine - zumindest befristete –
Rente zu prüfen hat.
5
.
3
Weiter
gilt es zu beachten, dass sich der Beschwerdeführer
im Januar 2016
wegen
einer
Schmerzexazerbation
notfallmässig in ärztliche Behand
lung be
geben musste
. Dr.
A._
, an welchen der Beschwerdeführer vom behan
delnden Arzt
Dr.
Z._
überwiesen worden war, schilderte in der Folge
am
13. Mai 2016 und wiederum
(wohl)
Anfang August 2016
(Urk.
7/135, Urk. 7/143
)
,
somit
einige
Monate nach der Gutachtenserstellung
,
über
eine neue
Pathologie
im Sinne einer
neuen
Bandschei
benprotrusion
auf der Ebene L1/2
, dies basierend auf einer von ihm
am 27. April 2016
veranlassten MRI-Untersuchung. Der Facharzt befand
,
diese Befunde
seien die
hinreichende
Erklärung für die
vom Beschwerdeführer geklagten
, veränderten
Beschwer
den (
statt linksbetonte nunmehr beidseitige bezie
hungsweise mittige Schmer
zen im mittleren Bereich der Lendenwirbelsäule, Urk. 7/135).
Entscheidend ist
, dass
der
rheumatologische
Gutachter
der
MEDAS
die Situa
tion auf der Höhe L1/2
als
minime
chondrotische
Veränderungen bei weit
gehend erhaltener Bandscheibenhöhe und somit identisch zum Vorbefund
inter
pretierte (
Urk. 125/5-26 S. 8
).
Dabei stellte er auf nicht mehr aktuelle computertomographische, MRI- und Röntgenbilder aus den Jahren 2008 bis 2012 sowie auf eigene
,
am 10. Juni 2015 aufgenommene
allerdings etwas
unscharfe
Röntgenbilder der Lendenwirbelsäule ab
(Urk. 6/125/5-26 S. 7).
Diese Einschätzung
erweist
si
ch durch die bildgebenden Unter
suchungsbe
funde vom
Frühjahr 2016
als überholt, ergab sich doch
auf der Höhe L1/2
nicht bloss eine
minime
Chondrose
, sondern eine Diskushernie mit Wurzel
kontakt
, welche vorgäng
ig nicht vorgelegen hatte.
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass die berichtete Anschlussseg
mentdegenerati
on keinen wesentlichen neuen
Sachverhalt darstelle
(Urk. 2 S. 3)
. Die
vom RAD vorgebrachte
Begründung, dass diese häufige Folge von
Spondylodesen
keine weitere Einschränkung der Belastbarkeit für eine ange
passte Tätigkeit
begründe
(Urk. 6/146 S. 4), vermag nicht zu überzeugen, zumal sich durch diese neue Pathologie Schmerzlokalisation und
i
ntensität
offenbar
deutlich
verändert haben
.
Der
von Dr.
A._
auf etwa 50 % einge
schätzte
n
Arbeitsfähigkeit für eine leidensangepasste Tätigkeit
lässt sich da
gegen nicht entnehmen, ob beziehungsweise welcher Anteil der Einschrän
kung auf diese Veränderung zurückzuführen ist
. Unter diesen Umständen lässt sich
auch
nicht
eruieren,
ob
Dr.
A._
die Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tä
tigkeit vorsichtiger einschätzt
als es die MEDAS-Gutachter getan haben, oder ob die neue Diskushernie L1/2 zu einer weiteren Reduktion der gut
achterlich auf
80 %
angesetzten Arbeitsfähigkeit geführt hat.
Demgemäss fehlt
eine rechtsgenügende
medizinische Grundlage zum Ent
scheid
über den Leis
tungsanspruch des Beschwerdeführers ab der Verän
de
rung im Januar 201
6.
Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, da
mit
sie ergän
zende Abklärungen über die Auswirkung der neuen Pathologie auf die Arbeits
fähigkeit veran
lasse und hernach über den Anspruch des Beschwerde
führers
auf
L
eistungen
der Invalidenversicherung
unter Berücksichtigung der Erwägungen 5.2.4 und 5.2.5
neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.--
festzulegen und, da die Rück
wei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsp
rechung als vollständiges Obsie
gen gilt (vgl. etwa Urteil des damaligen Eidgenössischen Versiche
rungs
gerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S.
28 E.
3),
ausgangsgemäss
von der Be
schwer
degegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1bis IVG).
Dem
Beschwerdeführer steht sodann eine Prozessentschädigung zu, welche in Anwendung von Art. 61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der
Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
2
‘
7
00.
(in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.