Decision ID: fc7fdeb1-0185-47bf-8cca-fd9cdd48f006
Year: 2015
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

ging es dabei um folgenden Sachverhalt:
„Am 6. Dezember 2012, in der Zeit zwischen 13:30 Uhr und 15:30 Uhr, kontaktierte der Be-
schuldigte telefonisch die Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft in Binningen, um sich
nach seinen Ergänzungsleistungen zu erkundigen. Als A._ dem Beschuldigten versuchte zu
erklären, weshalb die Ergänzungsleistungen eingestellt wurden, verlor dieser die Beherrschung
und drohte der Mitarbeiterin mit den Worten: „...Frau A._, wenn ich das Geld nicht bis am
Montag auf dem Konto habe, dann können Sie sicher sein, dass ich am Montag vorbei komme
und sie heraus hole...“. In der Folge wurde er mit B._ vom Krankheitskostenteam weiterver-
bunden. Nach einer weiteren Diskussion betreffend Vergütung von Fahrtkosten verlor der Be-
schuldigte erneut die Beherrschung und drohte B._, dass er am Montag vorbei komme und
ein paar erschiesse.
Mit diesen Drohungen wollte sich der Beschuldigte gegen die Einstellung der Ergänzungsleis-
tungen sowie den Entscheid betreffend Vergütung von Fahrtkosten wehren und so diese ange-
ordneten Amtshandlungen verhindern. Da die Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft an
ihren Entscheidungen festhielt, blieb es beim Versuch.“
Gegen diesen Strafbefehl erhob der Beschuldigte am 18. November 2013 fristgerecht Einspra-
che. Die Staatsanwaltschaft überwies daraufhin den Strafbefehl am 25. April 2014 an das Straf-
gericht Basel-Landschaft, wobei sie den angeklagten Sachverhalt mit einem weiteren Passus
ergänzte, und die Bestätigung des Strafbefehls beantragte.
B. Das Strafgerichtsvizepräsidium Basel-Landschaft erliess daraufhin am 18. November
2014 folgendes Urteil:
„1. C._ wird in teilweiser Abänderung des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Basel-
Landschaft, Hauptabteilung Arlesheim, vom 5. November 2013 der mehrfachen versuchten
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte schuldig erklärt und verurteilt
zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, unter An-
rechnung der vom 7. Dezember 2012 bis zum 7. Januar 2013 ausgestandenen Untersu-
chungshaft von 31 Tagen, womit die Strafe als vollzogen gilt,
in Anwendung von Art. 285 Ziff. 1 StGB, Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 34 Abs. 1 und Abs. 2
StGB sowie Art. 51 StGB.
2. Die strafrechtliche Beschlagnahme der folgenden beschlagnahmten Waffen und Munition
wird aufgehoben:
- Pistole Walther PP 9mm kurz, Nr. 57261, mit Magazin inkl. 7 Patronen
- Pistole Union Cal. 6,35, Nr. 43117, mit leerem Magazin
- 1 Magazin inkl. 7 Patronen für Pistole Walther kurz
- 1 Magazin leer, für Pistole Union
- 3 Schachteln mit insgesamt 140 Stück 9x19mm-Patronen, Brügger + Thomet AG
- 1 Schachtel mit insgesamt 46 Stück 9mm-Patronen kurz, Remington
- 1 Schachtel Munition mit insgesamt 45 Stück 6,35mm-Patronen, Dynamit Nobel
-
Über eine allfällige Rückgabe entscheidet die Polizei Basel-Landschaft, als die gemäss
Waffengesetz zuständige Behörde.
3. Der Beurteilte trägt die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens in
Höhe von Fr. 12‘402.20 und der Gerichtsgebühr von Fr. 1‘000.--, in Anwendung von Art.
426 Abs. 1 StPO.
4. Für 1 Tag Überhaft wird gestützt auf Art. 431 Abs. 3 lit. a StPO keine Entschädigung aus-
gerichtet.
5. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insgesamt Fr. 9‘093.25 (inkl. Ausla-
gen und 8% Mehrwertsteuer) wird aus der Gerichtskasse entrichtet.
6. ...“
Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte durch seine Vertreterin, Advokatin Sandra Sutter-
Jeker, mit Eingabe vom 26. November 2014 die Berufung anmelden. Mit Berufungsbegründung
vom 13. Januar 2015 stellte der Berufungskläger folgende Rechtsbegehren: Das Urteil des
Strafgerichtspräsidiums vom 18. November 2014 sei in den Ziffern 1 und 3 aufzuheben und er
sei vom Vorwurf der mehrfachen versuchten Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
freizusprechen (Ziffer 1). Es sei sodann das Gutachten von Herrn Dr. med. D._ vom 4. März
2013 aus den Akten zu entfernen und zu vernichten und es sei auf dem Stammblatt der Sicher-
heitsdirektion Basel-Landschaft, Gefängnis Liestal, der Eintrag „gemeingefährlich“ zu entfernen
(Ziffer 2). Die Kosten und Entschädigungen seien dem Staat aufzuerlegen und es sei ihm die
unentgeltliche Verteidigung zu gewähren (Ziffer 3 und 4).
C. Die Staatsanwaltschaft nahm mit Eingabe vom 21. Januar 2015 von der Berufung
Kenntnis und verzichtete darauf, einen Antrag auf Nichteintreten resp. eine Anschlussberufung
zu erheben. Mit Berufungsantwort vom 12. März 2015 beantragte die Staatsanwaltschaft die
vollumfängliche Abweisung der Berufung und Bestätigung des angefochtenen Urteils. Der Ver-
fahrensantrag gemäss Ziffer 2 der Berufungsbegründung vom 13. Januar 2015 sei ebenfalls
abzuweisen.
D. Mit Eingabe vom 7. April 2015 teilte der Berufungskläger dem Kantonsgericht, Abteilung
Strafrecht, mit, dass er an seinen Berufungsanträgen festhalte.
E. Anlässlich der zweitinstanzlichen Hauptverhandlung, zu welcher der Berufungskläger
zusammen mit seiner Vertreterin, sowie Staatsanwalt Arnold Büehler für die Staatsanwaltschaft
erscheinen, halten beide Seiten an ihren Anträgen fest.

Erwägungen
I. Formelles
1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher
Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können
Rechtsverletzungen, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie
Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochte-
nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Die Berufung ist
zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich
oder mündlich anzumelden. Danach muss dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zu-
stellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung eingereicht werden
(Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO). Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil
nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist
schliesslich jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände-
rung eines Entscheides hat, zur Berufung legitimiert.
2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidenten Basel-Landschaft vom
18. November 2014 angefochten. Dieses Urteil stellt ein taugliches Anfechtungsobjekt dar. Der
Berufungskläger, der zweifelsohne ein berechtigtes Interesse an der Überprüfung des besagten
Urteils geltend machen kann, hat mit Eingabe vom 18. November 2014 fristgerecht Berufung
angemeldet. Das begründete Urteil wurde ihm am 24. Dezember 2014 zugestellt (act. 1239).
Die Berufungserklärung vom 13. Januar 2015, die an diesem Tag auch bei der Post zum Ver-
sand aufgegeben wurde, ist ebenfalls rechtzeitig erfolgt. Die Zuständigkeit der Dreierkammer
des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorliegen-
den Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Auf
die Berufung kann somit eingetreten werden.
II. Materielles
1. Sachverhalt
1.1 Der angeklagte Sachverhalt ergibt sich aus dem zuvor bereits wiedergegebenen Straf-
befehl vom 5. November 2013. Die anlässlich der Überweisung des Strafbefehls an das Straf-
gericht Basel-Landschaft erfolgte Ergänzung des Sachverhalts durch die Staatsanwaltschaft
wurde von der Vorinstanz nicht berücksichtigt. Sie erklärte vielmehr, dass nur der Sachverhalt
gemäss Strafbefehl vom 5. November 2013 massgebend sei (vgl. Strafgerichtsurteil S. 3). Die-
ser Entscheid ist nicht bestritten, so dass auch für das zweitinstanzliche Verfahren vom Sach-
verhalt gemäss Strafbefehl vom 5. November 2013 auszugehen ist.
1.2 Die Vorinstanz wies in tatsächlicher Hinsicht darauf hin, dass sich der angeklagte Tat-
vorwurf auf die Aussagen von B._ und A._ stütze. Es sei nicht anzunehmen, dass die
Privatklägerinnen wahrheitswidrige Aussagen gemacht hätten. Wenn es ihre Absicht gewesen
wäre, den Beschuldigten unbegründet zu belasten, hätten sie wohl nicht ausgesagt, dass sie
nicht verängstigt gewesen seien und hätten die angeblichen Beschimpfungen des Beschuldig-
ten sicherlich ebenfalls erwähnt. Die Aussagen des Beschuldigten seien zudem widersprüch-
lich. Er habe zu keiner Zeit angeben können, was er am Telefon genau gesagt hatte. Er habe
vorwiegend nur allgemein von Beschimpfungen gesprochen und sogar davon, einer Mitarbeite-
rin eventuell damit gedroht zu haben, das Büro auseinanderzunehmen oder ihr einen „Klepper“
zu geben. Der Beschuldigte habe sich laut Polizeibericht während der Durchsuchung seiner
Wohnung zudem dahingehend geäussert, dass er mit einem Baseballschläger bei der Sozial-
versicherungsanstalt auftauchen und die Mitarbeiter am „Grind“ packen werde. Während der
Festnahme auf der Polizeistation X._ habe er dann offenbar mehrmals erwähnt, dass er
diesen Mitarbeitern das Maul „verschlagen“ werde. Diese Äusserungen würden die Wut des
Beschuldigten, die dieser auf die Mitarbeiterinnen der Sozialversicherungsanstalt hatte, bele-
gen, was den inkriminierten Sachverhalt zusätzlich plausibel erscheinen lasse. Der Beschuldig-
te habe mit seinen Aussagen gegenüber B._ und A._ ohne Zweifel bewirken wollen,
dass ihm Ergänzungsleistungen ausbezahlt und eingesparte Fahrtkosten vergütet werden. Ge-
stützt auf diese Überlegungen erachtete die Vorinstanz den angeklagten Sachverhalt als erstellt
(vgl. Strafgerichtsurteil S. 8 f.).
1.3 Der Berufungskläger bestreitet - wie bereits im erstinstanzlichen Verfahren - auch vor
Kantonsgericht, die beiden Mitarbeiterinnen der Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft
(nachfolgend: SVA) bedroht zu haben. Er habe diese lediglich beschimpft. In der Berufungsbe-
gründung weist er zunächst auf seine schlechte gesundheitliche Verfassung sowie auf den
Grund für das Telefonat vom 6. Dezember 2012 hin und macht diesbezüglich insbesondere
geltend, er sei damals auf Ergänzungsleistungen angewiesen gewesen und habe sich daher
aufgrund der Einstellung derselben in einem unverschuldeten finanziellen Engpass befunden.
Aus diesem Grund sei er auch aufgebracht gewesen und habe vorübergehend die Contenance
verloren. Am Telefon sei er in der Tat ungehalten gewesen und habe darauf bestanden, die
Bestätigung betreffend Übernahme der Taxikosten am Montag abzuholen (vgl. Berufungsbe-
gründung S. 3 ff.).
In der zweitinstanzlichen Hauptverhandlung gibt der Berufungskläger zu Protokoll, dass er den
Mitarbeiterinnen der SVA sicher „dumme Kuh“ oder „Waggiskuh“ gesagt habe und diese auch
noch mit weit massiveren Ausdrücken beschimpft zu haben. Die beiden seien „stinkhässig“ auf
ihn gewesen, ein Wort habe das andere ergeben (vgl. Hauptverhandlung-Protokoll S. 2 f.).
In Anbetracht der Bestreitung durch den Berufungskläger sind nachfolgend vorab die Aussagen
der Privatklägerinnen hinsichtlich ihrer Glaubhaftigkeit zu überprüfen.
1.4 Anlässlich der Einvernahme vom 10. Dezember 2012 schilderte B._ als Zeugin zu-
nächst, dass es beim Telefonat mit dem Berufungskläger vom 6. Dezember 2012 um die Rück-
erstattung von Fahrkosten gegangen sei. Sie habe eine Kostenübernahme verweigert, worauf
der Berufungskläger etwas ungehalten geworden sei und gemeint habe, sie solle den „Finger
aus dem Arsch nehmen“ (act. 963 RN 121) und dass er die Angelegenheit an die Öffentlichkeit
bringen werde. In der Folge habe er dann gesagt, dass er vorbeikommen werde und „ein paar
erschiesse“ (act. 965 RN 124). Auf die Frage nach dem genauen Wortlaut erklärte B._, dass
sie diesen nicht mehr wiedergeben könne, seine Aussage habe aber in etwa „Dann komme ich
halt mal vorbei und erschiesse ein paar“ gelautet und das Wort „erschiessen“ sei gefallen. Sie
habe 20 Minuten mit dem Berufungskläger telefoniert. Da sei es schwer, alles wortwörtlich wie-
derzugeben (act. 965 RN 136 ff.). B._ gab ausserdem zu Protokoll, dass der Berufungsklä-
ger diese Äusserungen ganz ruhig und in einem gleichbleibenden Ton gemacht habe (act. 967
RN 187 ff.). Der Berufungskläger habe nicht gesagt, dass er sie persönlich erschiessen werde.
Aus diesem Grund habe sie sich auch nicht persönlich angegriffen gefühlt. Die Aussage „Finger
zum Arsch rausnehmen“ habe sie nicht beeindruckt. Als dann aber auch das „mit dem ein paar
erschiessen“ (act. 965 RN 159) gefallen sei, habe sie reagieren müssen. Das dürfe nicht stil l-
schweigend unter den Tisch geschaufelt werden. Darum habe sie es weiter geleitet (act. 965
RN 141 ff.).
In der Einvernahme vom 18. Dezember 2012 gab A._ ebenfalls als Zeugin zu Protokoll, der
Berufungskläger sei anlässlich des Telefonats vom 6. Dezember 2012 sehr aufgebracht und
massiv unfreundlich gewesen. Sie habe ihm erklären wollen, warum er keine Ergänzungsleis-
tungen mehr erhalte, sei aber nie zu Wort gekommen, weil er so wutentbrannt gewesen sei. Sie
habe dann angekündigt, dass sie das Telefonat beenden und später, wenn sich die Gemüter
beruhigt hätten, zurückrufen werde. Daraufhin habe der Berufungskläger in lauter, „verrückter“
(act. 975 RN 65) Tonlage gesagt, dass er am Montag vorbeikomme und sie herausholen werde,
wenn das Geld bis dann nicht auf seinem Konto sei. 5 Minuten später habe er nochmals ange-
rufen und wiederum ganz klar gesagt, sie könne sicher sein, dass er sie am Montag herausho-
le, wenn er das Geld bis dahin nicht auf seinem Konto habe. In diesem Moment sei ihr bewusst
geworden, dass er dies auch so gemeint habe (act. 975 RN 56 ff.). Auf die Frage, was diese
Aussage bei ihr ausgelöst habe, gab A._ wörtlich zu Protokoll: „So ein innerliches Zittern im
ersten Moment. So ein Unbehagen, vor allem weil er das beim zweiten Anruf so sachlich gesagt
und mich bewusst mit dem Namen angesprochen hat. Es ist mir schon nahe gegangen. Es war
mir klar, dass ich das melden musste.“ (act. 977 RN 78 ff.).
1.5 Die Aussagen der Privatklägerinnen sind glaubhaft. Sie schildern schlüssig, um was es
beim besagten Telefonat gegangen ist, wie sich der Berufungskläger verhalten hat und was die
Äusserungen bei ihnen ausgelöst resp. wie sie sich damals gefühlt haben. Sie belasten den
Berufungskläger nicht übermässig und erklären auch genau, weshalb sie sich zur Weiterleitung
des Vorfalls entschieden haben. Im Kerngeschehen, nämlich der verbalen Drohung mit Gewalt,
stimmen die Angaben der beiden Privatklägerinnen zudem überein.
Die Aussagen des Berufungsklägers sind demgegenüber vage und widersprüchlich. Er behaup-
tet, dass er die Mitarbeiterinnen der SVA nur beschimpft habe, konnte jedoch - abgesehen von
den allgemein bekannten Schimpfwörtern „Dumme Kuh“ resp. „Waggiskuh“ - weder anlässlich
der untersuchungsrichterlichen Einvernahmen noch im gerichtlichen Verfahren genau angeben,
was er zu den Privatklägerinnen konkret gesagt hat. Sein aufgebrachtes Verhalten während des
Telefonats, das von beiden Zeuginnen bestätigt wird, und ganz besonders seine Depositionen
anlässlich der Hausdurchsuchung, sprechen sodann ebenfalls für die Darstellung der Privatklä-
gerinnen. Aus dem Polizeibericht vom 7. Dezember 2012 ergibt sich nämlich, dass der Beru-
fungskläger auch der Polizei gegenüber erklärte, er werde mit einem Baseballschläger bei der
Sozialversicherungsanstalt auftauchen und die Mitarbeiter am „Grind“ packen (vgl. dazu auch
act. 609). Während der Festnahme auf der Polizeistation X._ erwähnte er sodann mehr-
mals, dass er diesen Mitarbeitern das Maul „verschlagen“ werde (act. 985). Im Widerspruch zu
seiner Bestreitung räumt der Berufungskläger schliesslich - zumindest implizit - selber immer
wieder ein, dass die Vorbringen der Privatklägerinnen zutreffen. So erklärte er z.B. anlässlich
der Hafteröffnungsverhandlung vom 8. Dezember 2012, dass manchmal irgendwie alles etwas
viel sei und man dann halt mal ausflippe (act. 613). In der Einvernahme vom 19. Dezember
2012 räumte der Berufungskläger ebenfalls ein, dass er eine der Mitarbeiterinnen „zusammen-
geschissen“ (act. 937 RN 41) habe und sagte sogar wörtlich „irgendwas war mit erschiessen“
(act. 939 RN 91 f.), wobei er dazu anfügte, dass er mit Waffen zu tun habe und die Frauen wohl
Angst bekommen und dann irgendwas zusammengedichtet hätten (act. 939 RN 92 f.).
Der angeklagte Sachverhalt ist gestützt auf die überzeugenden Angaben der Privatklägerinnen
als erstellt zu erachten.
2. Rechtliche Würdigung
2.1 Der Berufungskläger macht in rechtlicher Hinsicht geltend, dass der Tatbestand von Art.
285 StGB nicht erfüllt sei. Konkret führt er aus, das Tatbestandsmerkmal der Drohung sei auf
die gleiche Art und Weise auszulegen, wie die Androhung eines ernstlichen Nachteils bei der
Nötigung gemäss Art. 181 StGB. Die Drohung müsse schwer genug sein, um auch eine ver-
ständige Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen. Die Androhung müsse zudem
geeignet sein, einen besonnen Beamten in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen. Zu
beachten sei, dass exponierte Amtsträger im Umgang mit renitenten Personen besonders ge-
schult seien. Demgemäss seien auch die Anforderungen an die Intensität der Drohungen vor-
liegend relativ hoch. Aus der Einvernahme von B._ gehe klar hervor, dass sie bezüglich der
angeblichen Drohung nicht sonderlich beeindruckt gewesen sei und ausdrücklich verneint habe,
verängstigt gewesen zu sein. Dasselbe gelte für A._. Es gehe nicht an, in Fällen, in denen
es an der Intensität der Drohung fehle, einen Versuch anzunehmen.
2.2 Gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer eine Behörde, ein Mitglied einer
Behörde oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer Handlung, die innerhalb der
Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer Amtshandlung nötigt oder während einer Amtshandlung
tätlich angreift.
Der Hinweis des Berufungsklägers, wonach das Tatbestandsmerkmal der Drohung wie bei der
Nötigung gemäss Art. 181 StGB im Sinne einer Androhung eines ernstlichen Nachteils auszu-
legen ist, trifft durchaus zu und wurde von der Vorinstanz auch gar nie in Abrede gestellt. Ir-
gendeine Drohung, insbesondere die Drohung mit einer Beschwerde, reicht also nicht aus, um
den Tatbestand von Art. 285 Ziff. 1 StGB zu bejahen. Verlangt wird vielmehr die Androhung
eines ernstlichen Nachteils. Die bedrohte Person muss indessen keineswegs in Angst und
Schrecken versetzt werden (vgl. dazu STEFAN HEIMGARTNER, Basler Kommentar StPO, 2013,
Art. 285 N 10 f.). Der Berufungskläger weist ebenfalls zu Recht darauf hin, dass bei fehlender
Intensität einer Drohung nicht einfach von einem Versuch ausgegangen werden darf. Hand-
kehrum kann aber auch nicht jedes Mal, wenn eine Drohung nicht zum Erfolg führt, behauptet
werden, dass diese nicht intensiv oder schwer genug gewesen sei. Zu prüfen ist somit, ob die
Äusserungen des Berufungsklägers die Anforderungen an eine Drohung gemäss Art. 285 Ziff. 1
StGB tatsächlich erfüllen.
2.3 Im vorliegenden Fall drohte der Berufungskläger erwiesenermassen mit „Erschiessen“
resp. A._ gegenüber, dass er vorbeikomme und „sie herausholen werde“, wenn das Geld
bis Montag nicht auf seinem Konto sei. Wie die Vorinstanz bereits richtig dargelegt hat, kann mit
dem Ausdruck „Herausholen“ entweder die gewaltsame Abholung des Geldes oder aber ein
Delikt gegen die Freiheit zum Nachteil der Beamtin gemeint sein. Die Äusserung könnte auch
„aus dem Leben herausnehmen“ und somit eine Todesdrohung darstellen. Jede dieser Interpre-
tationen stellt jedenfalls eine klare Androhung eines schweren Nachteils dar. Entgegen der Auf-
fassung des Berufungsklägers wird - wie bereits erwähnt - nicht verlangt, dass die betroffene
Person durch die Drohung in Angst und Schrecken versetzt wird resp. wegen der Drohung tat-
sächlich eine Amtshandlung vornimmt oder unterlässt. Es ist also nicht relevant, dass die bei-
den Privatklägerinnen durch die Äusserungen des Berufungsklägers nicht schwer verängstigt
wurden (act. 965 RN 163 ff. und 977 RN 82 f.) resp. sich dadurch nicht sofort persönlich ange-
griffen fühlten (act. 965 RN 141 f.). Massgebend ist nur, dass die ausgesprochene Drohung
geeignet war, einen besonnen Beamten in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen
(STEFAN HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 N 11). Dies ist vorliegend zweifellos in Anbetracht der
Intensität der Drohung zu bejahen. So bedrohte der Berufungskläger am 6. Dezember 2012
früh nachmittags, gleich zwei Mitarbeiterinnen der SVA, indem er B._ gegenüber in Aussicht
stellte, er „werde ein paar erschiessen“ und A._ gegenüber gleich zweimal androhte, er
werde sie „herausholen“ (vgl. dazu oben Ziffer 1.4). Seine Ankündigungen waren sehr bestimmt
- der Berufungskläger nannte beiden Privatklägerinnen gegenüber nämlich explizit den kom-
menden Montag als Datum für die Umsetzung seiner Drohung (act. 965 RN 130 und 975 RN 64
ff.) - und schliesslich auch aufgrund der Art und Weise der erfolgten Übermittlung sehr wohl
geeignet, Angst einzuflössen und die verlangte Amtshandlung so durchzusetzen. So gab
A._ zu Protokoll, dass der Berufungskläger seine Äusserungen in einem ganz klaren und
bestimmten Tonfall von sich gegeben habe (act. 975 RN 69 und 977 RN 100) und sie deshalb
innerlich gezittert resp. sich unbehaglich gefühlt habe. Beim zweiten Anruf habe sie dann auch
geglaubt, dass der Berufungskläger im Stande wäre, die Tat umzusetzen (act. 977 RN 93 ff.).
Für beide Mitarbeiterinnen war sodann klar, dass sie - namentlich auch zum Schutz anderer
exponierteren Arbeitskollegen (vgl. act. 965 RN 167 f.) - die Angelegenheit „nicht einfach still-
schweigend unter den Tisch schaufeln“ (act. 965 RN 160 ff.) konnten, sondern an ihren Vorge-
setzten weiterleiten mussten (act. 965 RN 160 ff. und 977 RN 81). Die in Frage stehenden Dro-
hungen waren demnach derart schwerwiegend, dass der Tatbestand von Art. 285 Ziff. 1 StGB
ohne weiteres als erfüllt zu betrachten ist. Da der Berufungskläger sich trotz Androhung eines
ernstlichen Nachteils nicht durchsetzen konnte, die Privatklägerinnen sich also weigerten, die
verlangten Amtshandlungen - nämlich die Zahlung von Ergänzungsleistungen trotz Einstellung
derselben resp. die Rückerstattung von eingesparten Fahrtkosten trotz fehlender Vorausset-
zungen für eine Übernahme derselben - vorzunehmen bzw. sich nicht daran hindern liessen,
die verfügte Einstellung der Ergänzungsleistung und Verweigerung der Fahrtkostenübernahme
zu vollziehen, hat sich der Berufungskläger lediglich der versuchten Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte schuldig gemacht.
3. Strafzumessung
3.1 Gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB wird Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet. Im vorliegenden Fall ist die
Strafe aufgrund der Deliktsmehrheit in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB zu schärfen. Eine
Milderung der Strafe gestützt auf Art. 22 Abs. 1 StGB ist in casu - wie bereits die
Vorinstanz festgehalten hat - nicht angezeigt, weil das Ausbleiben des Taterfolges ausschliess-
lich dem professionellen Verhalten der Privatklägerinnen zuzuschreiben ist.
3.2 Die Vorinstanz wies im Hinblick auf die konkrete Strafzumessung zunächst mit Bezug
auf die Tatkomponenten darauf hin, dass der Beschuldigte mit dem Tode gedroht habe, was
eine sehr schwere Drohung darstelle und straferhöhend zu gewichten sei. Bei der objektiven
Tatschwere wirke sich hingegen strafmindernd aus, dass die beiden Mitarbeiterinnen der Sozi-
alversicherungsanstalt faktisch nicht eingeschüchtert und verängstigt worden seien. Bei der
subjektiven Tatschwere wirke sich sodann strafmindernd aus, dass der Beschuldigte aus einer
finanziellen Bedrängnis heraus gehandelt habe. Im Rahmen der Täterkomponenten berücksich-
tigte die Vorinstanz die nicht einschlägige Vorstrafe des Beschuldigten - dieser war am
9. November 2009 vom Bezirksstatthalteramt Arlesheim wegen Nichtabgabe von Ausweisen
und/oder Kontrollschildern zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 3 Tagessätzen zu je
Fr. 50.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren sowie zu einer Busse von Fr. 200.--, verurteilt worden
(act. 15) - leicht straferhöhend. Die Vorinstanz erwähnte sodann mit Bezug auf die aktuellen
Lebensverhältnisse des Beschuldigten, dass dieser gemäss eingereichtem Erhebungsformular
vom 30. Juli 2014 Sozialleistungen von monatlich Fr. 3‘097.-- (brutto) erhalte und Schulden in
Höhe von Fr. 280‘000.-- habe (act. 422.1). Die Verfügung der Eidgenössischen Invalidenversi-
cherung vom 24. April 2013 bescheinige dem Beschuldigten einen Invaliditätsgrad von hundert
Prozent (act. 422.3), unter anderem aufgrund von Rückenbeschwerden und Gleichgewichtsstö-
rungen (vgl. act. 93 ff.).
Unter Berücksichtigung aller Tat- und Täterkomponenten kam die Vorinstanz zum Schluss,
dass innerhalb des relevanten Strafrahmens von einem leichten Verschulden des Beschuldig-
ten auszugehen sei, was eine Strafansetzung im unteren Drittel des Strafrahmens ohne weite-
res zulasse. Eine dem Strafbefehl entsprechende Geldstrafe von 30 Tagessätzen sei tat- und
schuldangemessen. Die Tagessatzhöhe betrage – unter Berücksichtigung eines Pauschalab-
zugs von 30% und eines Korrekturbetrags von Fr. 40.-- angesichts der Schuldensituation –
Fr. 30.--. Da der Beschuldigte nicht einschlägig vorbestraft sei und sich seit seiner Entlassung
aus der Untersuchungshaft wohlverhalten habe und deshalb nicht zu erwarten sei, dass er wei-
tere Verbrechen oder Vergehen begehen werde, könne ihm der bedingte Vollzug der Strafe
gewährt werden (Art. 42 Abs. 1 StGB). Von einer Verbindungsbusse gemäss Art. 42 Abs. 4
StGB sei abzusehen. Die bereits abgesessene Untersuchungshaft von 31 Tagen sei an die
Strafe anzurechnen, womit diese als vollzogen zu gelten habe (act. 595; act. 789; Art. 51
StGB). Allerdings werde für den Tag Überhaft gestützt auf Art. 431 Abs. 3 lit. a StPO keine Ent-
schädigung ausgerichtet (vgl. Strafgerichtsurteil S. 12 f.).
Die Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung werden vom Berufungskläger nicht be-
anstandet. Das Berufungsgericht fällt ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil er-
setzt (Art. 408 StPO). Die erstinstanzlichen Erwägungen zur Bemessung der Strafe decken sich
vollends mit der vom Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, vorgenommenen Strafzumessung.
Es kann daher vollumfänglich darauf verwiesen werden.
4. Anträge betreffend Gutachten und Stammblatt
4.1 Der Berufungskläger beantragt mit Bezug auf das Gutachten vom 4. März 2013, dass
dieses aus den Akten zu entfernen und zu vernichten sei. Zur Begründung macht er - wie be-
reits vor Strafgericht - im Wesentlichen geltend, bei der Begutachtung sei es nur um die Abklä-
rung einer allfälligen Ausführungsgefahr im Hinblick auf die Anordnung von Untersuchungshaft
gegangen. Da er dann aber am 7. Januar 2013 aus der Haft entlassen worden sei, habe die
Begutachtung keinen Sinn mehr gemacht. Aus diesem Grund habe seine Vertreterin am 6. Feb-
ruar 2013 den Antrag gestellt, von der Begutachtung abzusehen. Die Staatsanwaltschaft habe
in der Folge am 26. Februar 2013 mitgeteilt, dass sie auf eine Begutachtung verzichte, indes-
sen offensichtlich vergessen, den Gutachter darüber zu informieren. Das besagte Gutachten
hätte also gar nicht verfasst werden dürfen. Es sei auch unter höchst unseriösen Umständen
zustande gekommen und schliesslich sei der Gutachter kein zertifiziertes Mitglied der Schwei-
zerischen Gesellschaft für Forensische Psychiatrie.
4.2 Mit Schreiben vom 13. Dezember 2012 teilte die Staatsanwaltschaft der Vertreterin des
Berufungsklägers mit, dass eine Begutachtung ihres Mandanten beabsichtigt sei und dass Dr.
med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, als sachverständige Person zur
Erstellung des Gutachtens ernannt werden solle. Der Vertreterin wurde sodann eine Frist bis
27. Dezember 2012 eingeräumt, um sich zur sachverständigen Person und zu den Fragen, die
dem Gutachter gestellt werden sollten, zu äussern und allfällige eigene Anträge zu stellen (act.
445). Der Berufungskläger hatte demnach - wie gemäss Art. 184 Abs. 3 StPO vorgesehen - die
Gelegenheit, zur Frage der Begutachtung sowie zum vorgesehenen Gutachter Stellung zu
nehmen. Das rechtliche Gehör ist damit zweifelsohne gewahrt. Im Übrigen ist mit Bezug auf die
Rüge betreffend die Qualifikation des Gutachters darauf hinzuweisen, dass nach bundesge-
richtlicher Rechtsprechung als sachverständige Person, die gestützt auf Art. 20 StGB oder Art.
56 Abs. 3 StGB eine Begutachtung vornimmt, in der Regel nur ein Facharzt beziehungsweise
eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Betracht kommt, wobei weitergehende
Anforderungen, wie namentlich forensische Weiterbildungen oder Zugehörigkeiten zu einem
Verband, Sache der einzelnen Kantone sind (BGE 140 IV 49 ff. insb. E. 2.8). Der Kanton Basel-
Landschaft kennt diesbezüglich keine weitergehende Regelung.
Die Staatsanwaltschaft gab dann ebenfalls am 13. Dezember 2012 die psychiatrische Begut-
achtung des Berufungsklägers in Auftrag (act. 425 ff.). Entgegen der Darstellung des Beru-
fungsklägers ging es dabei, wie sich aus dem Fragenkatalog zweifelsfrei ergibt, nicht nur um
eine allfällige Ausführungsgefahr, sondern in erster Linie um die psychische Gesundheit, um die
Schuldfähigkeit, um die Rückfallgefahr sowie die Frage, ob eine Massnahme angezeigt sei (act.
429 ff.). Dieser Auftrag zur Begutachtung wurde der Verteidigerin zugestellt (act. 435). In der