Decision ID: 67801360-48cd-57d9-bcd5-2ad14caa4f96
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Die B._ AG war vom 1. November 2012 bis zum 30. September 2013 als
beitragspflichtige Arbeitgeberin bei der Ausgleichskasse des Kantons Schwyz
angeschlossen, nachdem sie vom 11. Oktober 2012 bis zum 17. September 2013 in
C._ domiziliert war. A._ war während dieser Zeit als Präsident des Verwaltungsrats
mit Einzelunterschrift im Handelsregister eingetragen (vgl. Online-Handelsregister des
Kantons Schwyz).
A.a.
Die Gesellschaft hatte die Akontobeiträge für die Sozialversicherungen
quartalsweise abzuliefern. Dabei mussten die Quartalsrechnungen ab Januar 2013
sowie die auszugleichenden Beiträge 2012 jeweils gemahnt und betrieben werden.
Demgegenüber resultierten aus der Schlussabrechnung 2013 noch zwei Gutschriften
(vgl. Kontoauszug vom 12. November 2018 [act. G 4.2/Z5]). Am 30. Dezember 2016
stellte das Betreibungsamt D._ der Ausgleichskasse Schwyz zwei definitive
Pfändungsverlustscheine zu in Höhe von Fr. 6'673.80, betreffend den Posten
2013/0003 (Akontobeiträge April - Juni 2013), sowie Fr. 3'865.50, betreffend den
Posten 2013/0004 (nachzuzahlende Beiträge November - Dezember 2012, jeweils inkl.
Nebenkosten [act. G 4.1/4]).
A.b.
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Mit Verfügung vom 29. Mai 2018 forderte die Ausgleichskasse Schwyz von A._
Schadenersatz für unbezahlt gebliebene Sozialversicherungsbeiträge samt
Verwaltungskosten und Einzugsspesen betreffend die Jahre 2012 und 2013 von
insgesamt Fr. 11'298.80. A._ sei als Verwaltungsrat mit Einzelunterschrift im
Handelsregister eingetragen und habe sich als solcher zu wenig für eine
ordnungsgemässe Bezahlung der AHV-Beiträge eingesetzt (act. G 4.1/8).
A.c.
Mit dagegen gerichteter Einsprache vom 29. Juni 2018 machte A._ geltend, die
Gesellschaft habe den grössten Teil der Beiträge für 2012 und 2013 bereits abbezahlt.
Sie sei mit den Zahlungen lediglich ein wenig in Verzug geraten. Da die Gesellschaft
ihren Verpflichtungen noch nachkommen werde, könne kein Schadenersatz gefordert
werden. Zudem habe die B._ AG die Sorgfaltspflicht nicht absichtlich oder
grobfahrlässig verletzt (act. G 4.1/9).
A.d.
Mit Entscheid vom 31. August 2018 wies die Ausgleichskasse Schwyz die
Einsprache ab. Die B._ AG habe seit Jahren Probleme, die
Sozialversicherungsbeiträge überhaupt, geschweige denn rechtzeitig, abzuliefern.
Bereits die erste Rechnung habe gemahnt und betrieben werden müssen. Dies lege
den Schluss nahe, dass sich die AG in dauerhaften finanziellen Schwierigkeiten
befinde. Fehlende finanzielle Mittel stellten rechtsprechungsgemäss keinen
Rechtfertigungsgrund dar. Vielmehr hätte der Einsprecher darauf achten müssen, dass
nur soviel Lohn ausbezahlt werde, als die darauf unmittelbar anfallenden
Beitragsforderungen gedeckt seien. Diesen elementaren Grundsatz habe der
Einsprecher offensichtlich nicht befolgt, was ihm als Verschulden anzulasten sei. Der
Gesellschaft seien zwei Ratenpläne bewilligt worden, die beide nicht eingehalten
worden seien. Schliesslich könne nicht von einem vorübergehenden Liquiditätsengpass
gesprochen werden, der das vorsätzliche Zurückbehalten von ausstehenden Beiträgen
ausnahmsweise als nicht schuldhaft oder widerrechtlich erscheinen lassen könnte. Die
genannten Beiträge seien seit über fünf Jahren ausstehend, sodass die Ankündigung,
die Gesellschaft werde die offenen Forderungen begleichen, als reine
Schutzbehauptung erscheine. Der Einsprecher habe damit den der Ausgleichskasse
entstandenen Schaden durch mindestens grobfahrlässige Missachtung der
Vorschriften verursacht (act. G 4.1/).
A.e.
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B.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 5. Oktober
2018 mit dem Antrag auf Aufhebung der Schadenersatzverfügung. Der
Beschwerdeführer bringt einerseits vor, ihn treffe kein Verschulden, da die Gesellschaft
seit sieben Jahren mit der E._ in einem Rechtsstreit liege, weil diese zu Unrecht
Vermögenswerte der Gesellschaft gesperrt habe. Vorliegend sei nicht von einem
vorsätzlichen oder grobfahrlässigen Verschulden der Gesellschaftsorgane auszugehen,
da diese am Rechtsstreit mit der Bank kein Verschulden treffe. Der Zahlungsausfall sei
durch unvorhergesehene Umstände eingetreten, die bei grösster Sorgfalt und
Überprüfung nicht hätten vermieden werden können. Der Rechtsstreit sei nach wie vor
aktuell, da sich die Bank nicht an die Schlussverfügung der Staatsanwaltschaft des
Kantons F._ vom 28. März 2012 halte und damit widerrechtlich das Vermögen der
Gesellschaft sperre. Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, das
Unternehmen habe in den vergangenen Jahren immer wieder Zahlungen an die
Beschwerdegegnerin geleistet. Von Fr. 7'477.60 für 2012 seien bereits Fr. 3'612.10 und
von Fr. 25'892.25 für 2013 seien Fr. 18'458.95 abbezahlt worden. Mit insgesamt
Fr. 22'071.05 seien bereits rund zwei Drittel der Beitragsforderungen von Fr. 33'369.85
ausgeglichen, und auch der Rest werde bis Ende 2018 befriedigt werden (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 16. November 2018 beantragt die Verwaltung die
Abweisung der Beschwerde. Das Argument, die Gesellschaft tätige laufend Zahlungen
und werde auch für die Ausstände aufkommen, beschlage die Subsidiarität der
Organhaftung. Nachdem der Beschwerdegegnerin am 30. Dezember 2016 in zwei
Betreibungsverfahren definitive Pfändungsverlustscheine ausgestellt worden seien,
könne der Beschwerdeführer als subsidiär haftbares Organ direkt und unmittelbar für
den entstandenen Schaden belangt werden, sofern die übrigen
Haftungsvoraussetzungen erfüllt seien. Die Pfändungsverlustscheine manifestierten,
dass die B._ AG ihre Beitragspflicht als Arbeitgeberin nicht erfüllt habe und damit
realistischerweise auch der Schadenersatzpflicht nicht nachkommen könne. Das
Argument, die Vermögenswerte der Gesellschaft seien von der Bank blockiert, sei neu.
Es sei zudem widersprüchlich, wenn der Beschwerdeführer gleichzeitig vorbringe, die
Gesellschaft habe immer wieder Zahlungen an die Ausgleichskasse geleistet. Dies
treffe zwar zu, zeige aber auch, dass offenbar nicht sämtliche Vermögenswerte
B.b.
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Erwägungen
1.
Gemäss Art. 52 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) ist in Abweichung von Art. 58 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1; und in Abweichung von Art. 84 AHVG) für die Beschwerde das
Versicherungsgericht des Kantons zuständig, in welchem der Arbeitgeber (zur Zeit der
Beschwerdeerhebung) seinen Wohnsitz bzw. Sitz hat. Nachdem die B._ AG am
17. September 2013 ihren Sitz in den Kanton St. Gallen verlegt hat (vgl. Online-
Handelsregisterauszug), ist das hiesige Versicherungsgericht für die Behandlung der
vorliegenden Beschwerde örtlich und sachlich zuständig. Die Beschwerde vom
5. Oktober 2018 ist zudem rechtzeitig erhoben worden, so dass darauf einzutreten ist.
2.
Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen. Handelt
es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder
der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten
Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften
sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über
die Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVG, SR 831.10). Die Arbeitgeber sind
verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVV, SR 831.101). Die Missachtung dieser
gesperrt seien. Im Übrigen habe die behauptete Vermögenssperre die B._ AG auch
nicht davon abgehalten, in den Jahren 2012 und 2013 (und vermutungsweise auch
später) Löhne auszurichten. Schliesslich handle es sich vorliegend auch nicht nur um
einen kurzfristigen Liquiditätsengpass, so dass in einer solchen Konstellation - mit
vorangegangenen Mahnungen und Betreibungen - Rechtfertigungs- und
Exkulpationsgründe von vornherein nicht in Betracht fielen (act. G 4). Ein weiterer
Schriftenwechsel fand nicht statt.
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Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art. 52
Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine
Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben
sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches und
schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem muss
zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden ein
adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Diese Haftungsordnung gilt auch für
die Beitragsforderungen der Familienausgleichskasse Schwyz (Art. 25 lit. c des
Bundesgesetzes über die Familienzulagen; SR 836.2). Die Schadenersatzforderung
verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis
erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen
können unterbrochen werden. Der Arbeitgeber kann auf die Einrede der Verjährung
verzichten. Sieht das Strafrecht eine längere Frist vor, so gilt diese (Art. 52 Abs. 3
AHVG).
3.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer seit dem 15. Oktober 2008
bis zum Konkurs der B._ AG am 22. Februar 2019 als deren
Verwaltungsratspräsident mit Einzelunterschrift im Handelsregister eingetragen war
und damit eine Organstellung innehatte (vgl. auch Online-Handelsregister der Kantone
Zürich, Schwyz und St. Gallen). Weiter sind weder das Bestehen offener
Beitragsforderungen sowie deren Höhe und Zusammensetzung noch die
Rechtzeitigkeit der Schadenersatzverfügung umstritten. Der Beschwerdeführer
bestreitet hingegen implizit - mangels definitiver Einstellung der Zahlungen durch die
Arbeitgeberin - das Vorliegen eines der subsidiären Organhaftung unterliegenden
Schadens sowie explizit das Vorliegen eines qualifizierten Verschuldens seinerseits.
3.1.
3.2.
Die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers bzw. des verantwortlichen Organs
setzt zunächst den Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Nach der
Rechtsprechung gilt der Schadeneintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen
Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren erhoben
werden können, beispielsweise bei Erhalt von Pfändungsverlustscheinen oder bei
Konkurseröffnung über eine juristische Person (BGE 112 V 256 E. 3c; 123 V 16 E. 5b).
Der Schaden kann unbezahlt gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge,
Verwaltungskostenbeiträge, Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten
sowie Verzugszinsen für rückständige Beiträge umfassen (Thomas Nussbaumer, Das
3.2.1.
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Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle
Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 100). Die
schadenersatzpflichtige Person hat auf Grund ihrer Mitwirkungspflichten den
Schadensbetrag substantiiert zu bestreiten, soweit die Forderung nicht auf
rechtskräftigen Verfügungen beruht (ZAK 1991 S. 125, AHI-Praxis 1993 S. 172, SVR
2001 AHV S. 51 Nr. 15).
Die Beschwerdegegnerin macht einen Schaden von Fr. 11'298.80 geltend.
Dieser setzt sich zusammen aus den teilweise offen gebliebenen Akontobeiträgen für
November und Dezember 2012 (Fr. 3'865.50 [Kontoauszug vom 12. November 2018
[act. G 4.2/Z5; Posten 2013/0004]]) sowie den Akontobeiträgen für den Zeitraum von
Januar bis Juni 2013 (Fr.5'584.65 und Fr. 5'378.80 [Posten 2013/0001 und 0003]),
zuzüglich einer "Mahnung Unterlagen" vom 10. März 2014 von Fr. 80.-- (Posten
2014/0001), abzüglich einer Gutschrift aus dem Posten 2013/0005 (Akontobeiträge Juli
bis September 2013) von Fr. 476.60, abzüglich zweier weiterer Gutschriften im Umfang
von Fr. 2'904.70 und Fr. 228.85 für die auszugleichenden Beiträge Januar bis
September 2013 (Posten 2014/0002 und 0004). Der offen gebliebene Betrag von
Fr. 11'298.80 ist grundsätzlich korrekt ausgewiesen (vgl. auch Posten 2013/1000
[Sammelposten Abschreibung] und Posten 2013/1001 [Schadenersatzrechnung]) und
wird vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten. Indessen können vorliegend -
nachdem die Arbeitgeberin zum Verfügungszeitpunkt bzw. zum Zeitpunkt des Erlasses
des Einspracheentscheids vom 31. August 2018 noch nicht in Konkurs gefallen war -
nicht alle zu diesem Zeitpunkt offenen Beiträge samt Nebenkosten, sondern nur
diejenigen berücksichtigt werden, deren Ausfall durch einen definitiven
Pfändungsverlustschein bereits als Schaden dokumentiert ist. Davon geht
grundsätzlich auch die Beschwerdegegnerin aus (vgl. auch vorstehende Erwägung
3.2.1). Dies betrifft die Akontorechnung April - Juni 2013 sowie die nachzuzahlenden
Beiträge November - Dezember 2012 (Posten 2013/0003 und 0004), die durch die
Pfändungsverlustscheine vom 30. Dezember 2016 belegt sind (act. G 4.1/4). Dabei ist
zu beachten, dass die Zahlung vom 27. Mai 2014 von Fr. 1'295.-- im
Pfändungsverlustschein vom 30. Dezember 2016 noch nicht angerechnet wurde
(angerechnete Zahlungen: Fr. 3'316.35), wodurch sich der im Pfändungsverlustschein
dokumentierte ungedeckt gebliebene Betrag von Fr. 6'673.80 entsprechend auf
Fr. 5'378.80 reduziert (wie sich auch aus dem Kontoauszug vom 12. November 2018,
Posten 2013/0003, ergibt). Demnach ist im vorliegenden Zusammenhang ein Schaden
von Fr. 9'244.30 ausgewiesen (Fr. 5'378.80 + Fr. 3'865.50). Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers ist durch das Vorliegen der Pfändungsverlustscheine belegt, dass
3.2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
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die Arbeitgeberin ihrer Beitragsablieferungspflicht nicht nachgekommen ist und
realistischerweise auch der Schadenersatzpflicht nicht nachkommen kann (vgl. BGE
113 V 256 E. 3c S. 258). So sind die fraglichen Beiträge (inkl. Nebenkosten) - trotz der
erneuten Zahlungsversprechen des Beschwerdeführers in diesem Verfahren - bis zur
Konkurseröffnung nicht bei der Beschwerdegegnerin eingegangen. Der
Beschwerdeführer kann somit als subsidiär haftendes Organ in Anspruch genommen
werden.
3.3.
Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorschriften absichtlich oder grobfahrlässig
missachtet wurden. Nach der Rechtsprechung ist nicht jede Verletzung der öffentlich-
rechtlichen Aufgaben durch die Arbeitgeberin ohne weiteres einem qualifizierten
Verschulden ihrer Organe gleichzusetzen. Vorausgesetzt ist vielmehr ein Normverstoss
von einer gewissen Schwere. Eine Nichtabrechnung oder Nichtbezahlung der Beiträge
genügt noch nicht, um ein qualifiziertes Verschulden anzunehmen. Vielmehr sind die
gesamten Umstände zu würdigen. Die Frage der Dauer des Normverstosses ist dabei
ein Beurteilungskriterium, das im Rahmen der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen ist
und im Sinne der Rechtsprechung zu den Entlastungsgründen zur Verneinung der
Schadenersatzpflicht führen kann (BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Von einem
qualifizierten Verschulden ist in der Regel auszugehen, wenn etwa eine Arbeitgeberin
über längere Zeit ihre Abrechnungs- und/oder Ablieferungspflichten nur schleppend
oder bloss teilweise erfüllt. Gegen ein qualifiziertes Verschulden kann beispielsweise
eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstands sprechen oder der Umstand, dass eine
Arbeitgeberin bei ungenügender Liquidität zunächst für das Überleben des
Unternehmens wesentliche andere Forderungen (insbesondere solche der
Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, sofern sie auf Grund der objektiven
Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen darf, sie werde die
geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen können (BGE 121 V 244 E. 4b
mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2011, 9C_330/2010, E. 3.4). Bei
der Verschuldensbeurteilung gilt ein objektiver Verschuldensmassstab, weshalb
subjektive Entschuldbarkeit oder die Gründe für die Mandatsübernahme unbeachtlich
sind (Ueli Kieser, Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.],
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage,
G 460 mit Hinweisen). Das Mass der gebotenen Sorgfalt hängt immer von den
Umständen ab, wozu auch die Grösse der Firma und die Anzahl Verwaltungsräte
gehören. Bei einem einzigen Verwaltungsrat gilt ein strengerer Massstab (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Dezember 2010, 9C_325/2010, E. 5.1).
3.3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
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Vorliegend ist die B._ AG ihrer Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflicht
nur schleppend nachgekommen. So musste die B._ AG während der freilich nur
kurzen Zeit des Anschlusses an die Beschwerdegegnerin mehrmals gemahnt und
betrieben werden, nämlich für die drei Quartalsrechnungen Januar - März 2013, April -
Juni 2013 und Juli - September 2013 (wenn auch hier schliesslich keine Beiträge offen
blieben), sowie für die nachzuzahlenden Beiträge für den Zeitraum November -
Dezember 2012 (vgl. Kontoauszug vom 12. November 2018 [act. G 4.1/Z5]). Ein
Abzahlungsplan vom 16./23. September 2016 wurde nur teilweise eingehalten (act.
G 4.2/Z2 ff.). Ebenso mussten (wohl) die Jahresabrechnungen 2012 und 2013 gemahnt
werden (vgl. Kontoauszug, "Mahnung Unterlagen" vom 14. Mai 2013 (Posten
2013/0002) und vom 10. März 2014 (Posten 2014/0001). Die Jahresabrechnungen
gingen am 28. August 2013 und am 27. März 2014 bei der Beschwerdegegnerin ein
(act. G 4.1/1 und 2). Zwar hat die Gesellschaft immer wieder Zahlungen geleistet,
trotzdem blieb am Ende rund ein Drittel der Forderungen der Beschwerdegegnerin
unbezahlt. Angesichts der Tatsache, dass die Gesellschaft am 17. September 2013
ihren Sitz in den Kanton St. Gallen verlegte und auch dort ihre Pflichten nicht
ordnungsgemäss erfüllte (vgl. Verfahren AHV 2018/10), kann nicht von einer bloss
kurzzeitigen Pflichtverletzung ausgegangen werden, was allenfalls einen
Exkulpationsgrund hätte darstellen können. Wie schliesslich die Betreibungen und
vorliegend zur Diskussion stehenden Pfändungsverlustscheine bzw. Abschreibungen
im Kontoauszug zeigen, hat die Gesellschaft den Betrieb insgesamt jahrelang unter
anderem auf Kosten der AHV geführt, wenn auch nur ein relativ kurzer Zeitraum davon
auf den Kanton Schwyz entfällt. Unter diesen Umständen muss von einem groben
Verschulden der Arbeitgeberin ausgegangen werden.
3.3.2.
Der Beschwerdeführer war vom 15. Oktober 2008 bis zum Konkurs der
Gesellschaft am 22. Februar 2019 als Präsident des Verwaltungsrats mit
Einzelunterschrift im Handelsregister eingetragen. Somit gehörten die Festlegung der
Organisation der Gesellschaft im Rahmen von Gesetz und Statuten, die Ausgestaltung
des Rechnungswesens und der Finanzkontrolle sowie die Aufsicht über die Personen,
denen Teile der Geschäftsführung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die
Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen zu seinen
unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 2, 3 und 5 des
Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
[Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR, SR 220]]). Dies beinhaltet grundsätzlich auch die
Überwachung und Einhaltung der Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflicht
betreffend Sozialversicherungsbeiträge, zumal weder geltend gemacht noch ersichtlich
3.3.3.
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ist, dass diese Aufgabe dem Delegierten des Verwaltungsrats H._ zugekommen
wäre. Der Beschwerdeführer führt denn auch selber aus, dass er als
Verwaltungsratspräsident die Verantwortung über das Unternehmen habe (Beschwerde
S. 2 [act. G 1]). Zudem war er es, der gegenüber der Beschwerdegegnerin - etwa bei
den Verhandlungen um Zahlungspläne - jeweils als Ansprechpartner in Erscheinung
trat (act. G 4.2/Z1 und Z3). Der Beschwerdeführer war mithin als zuständiges
Gesellschaftsorgan verpflichtet, für eine korrekte und pünktliche Abrechnung und
Ablieferung dieser Beiträge zu sorgen. Dieser Pflicht ist er offensichtlich nicht
vollumfänglich nachgekommen. Zur Entschuldigung bringt er im Wesentlichen vor, die
Gesellschaft habe unter einem Liquiditätsengpass gelitten, da die E._ widerrechtlich
Vermögenswerte blockiert habe (act. G 1, G 1.2 und 1.3). Dem ist zunächst entgegen
zu halten, dass dieses Vorbringen unbelegt geblieben ist. So ergibt sich aus den
vorliegenden Akten weder, dass bei der E._ tatsächlich ein Guthaben von
umgerechnet rund 2,7 Millionen Franken existiert (vgl. Zahlungsbefehl vom 2. Oktober
2017 [act. G 1.3]), noch aus welchen Gründen die E._ trotz der Verfügung der
Staatsanwaltschaft F._ vom 28. März 2012, wonach einem Gesuch der britischen
Strafverfolgungsbehörde (act. G 1.2) auf Aufhebung der Kontosperre stattgegeben
wurde, an dieser festhalten sollte. Im Weiteren ist völlig schleierhaft, weshalb ein
Bankguthaben von rund 2,7 Millionen Franken, welches gemäss der genannten
Verfügung der Staatsanwaltschaft F._ aus einem Stahlvermittlungsgeschäft unter
Drittparteien stammte und im Zuge eines Strafverfahrens in Grossbritannien gegen
einen deutschen Staatsangehörigen gesperrt worden war, auf dem Geschäftskonto der
B._ AG eingegangen sein sollte. Fraglich ist auch der Betrag selber, ist doch in der
Verfügung der Staatsanwaltschaft F._ von einem Betrag von GBP 2'225'000.-- die
Rede, welcher nach Angaben des dort Beschuldigten auf das Konto der B._ AG
überwiesen worden sein soll, während diese in der von ihr angestrengten Betreibung
vom 2. Oktober 2017 gegen die E._ AG von einem Betrag von EUR 2'224'975.--
spricht (was bei einem Eurokurs von Fr. 1.20 besagten Betrag von rund 2,7 Mio.
Franken ergibt [act. G 1.2 f.]). Am 22. Februar 2019 wurde sodann der Konkurs über die
Gesellschaft eröffnet und bereits am 20. Juni 2019 mangels Aktiven wieder eingestellt,
was jedenfalls nicht für das Vorhandensein von Vermögenswerten in Millionenhöhe
spricht (vgl. online-Handelsregisterauszug St. Gallen). Merkwürdig ist schliesslich die
Tatsache, dass die Belegschaft eines Unternehmens, das gemäss - immer noch
aufgeschalteter - Website Uhren und Uhrwerke im Luxussegment entwickelt und
herstellt, lediglich aus drei Familienmitgliedern des Beschwerdeführers bestehen soll
(wobei der Beschwerdeführer selber angeblich keinen Lohn bezogen hat). Diese Fragen
können indessen sämtlich offenbleiben. Selbst wenn tatsächlich ein Millionenbetrag auf
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dem Geschäftskonto der B._ AG vorhanden gewesen und die behauptete
Kontosperre von der E._ AG tatsächlich widerrechtlich aufrechterhalten worden wäre,
würde dies nicht zu einer Entlastung des Beschwerdeführers in Bezug auf die
Beitragsablieferungspflicht führen. Wie er selber ausführt, dauert der (behauptete)
Rechtsstreit mit der E._ seit nunmehr über sieben Jahren an. Die fragliche Verfügung
der Staatsanwaltschaft F._ datiert vom 28. März 2012 und damit aus einer Zeit vor
dem im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden Zeitraum von November 2012 bis
September 2013. Der Beschwerdeführer hätte nach einem derart langen Zeitraum nicht
mehr damit rechnen dürfen, die offenen Beiträge innert nützlicher Frist, d.h. innerhalb
eines Jahres, aus den behaupteten blockierten Vermögenswerten bezahlen zu können,
zumal er keinerlei Angaben zum Stand des Verfahrens oder zu den von der E._
genannten Gründen für die Aufrechterhaltung der Kontosperre macht. Mit der
Beschwerdegegnerin ist sodann festzustellen, dass die Gesellschaft in den Jahren
2012 und 2013 (und auch danach) Löhne und immerhin einen Teil der darauf
entfallenden Sozialversicherungsbeiträge entrichtet hat, sodass offenbar eine gewisse
Liquidität vorhanden war. Nachdem aus dem laufenden Geschäftsbetrieb aber
offensichtlich nicht genügend Einnahmen resultiert haben, um die
Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen, hätte die Gesellschaft jedenfalls nicht einfach
weiterhin Löhne in nur unwesentlich gekürzter Höhe ausrichten dürfen (Immerhin war
I._ ab Januar 2013 nicht mehr bei der Arbeitgeberin beschäftigt [act. G 4.1/1 und 2].).
Vielmehr hätte der Beschwerdeführer als verantwortliches Organ - gerade auch
angesichts der offensichtlich angespannten finanziellen Lage - dafür sorgen müssen,
dass nur noch so viele Löhne ausgerichtet werden, als die unmittelbar darauf
anfallenden Sozialversicherungsbeiträge hätten bezahlt werden können. Dabei ist zu
beachten, dass die Arbeitgeberin ihrer Beitragsabrechnungs- und -ablieferungspflicht
über den gesamten Zeitraum von (spätestens) November 2012 (Sitzverlegung von J._
nach C._ und damit Anschluss an die Beschwerdegegnerin) bis zum Konkurs im
Februar 2019 (aber vermutlich bereits im Kanton Zürich [nach eigener Darstellung im
Schreiben vom 8. Dezember 2014 bestanden zu diesem Zeitpunkt gegenüber der SVA
Zürich offene Forderungen von Fr. 20'630.55 [act. G 4.2/Z1]]) nicht ordnungsgemäss
nachgekommen ist. Es kann somit nicht verschuldensmindernd berücksichtigt werden,
dass der Zeitraum, in welchem die Gesellschaft bei der Beschwerdegegnerin als
beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen war (November 2012 bis September
2013), infolge der erneuten Sitzverlegung am 17. September 2013 in den Kanton St.
Gallen mit elf Monaten nur verhältnismässig kurz war und damit die Ausstände bei der
Beschwerdegegnerin, d.h. im Kanton Schwyz, naturgemäss nicht mehr weiter
anstiegen. Vielmehr rechtfertigt es sich, von einer Gesamtschau des Verhaltens
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auszugehen, welche eben zeigt, dass die Arbeitgeberin ihre Verpflichtungen auch am
neuen Domizil in gleicher Weise vernachlässigt hat (vgl. Verfahren AHV 2018/10).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers handelte es sich dabei nicht um einen
vorübergehenden Liquiditätsengpass, der - prospektiv gesehen - innert nützlicher Frist
zu beheben gewesen wäre. Es kann ihm somit unter diesem Titel keine Exkulpation
gewährt werden. Zwar hat die Gesellschaft noch bis Mai 2017 diverse
Abschlagszahlungen geleistet und damit einen noch grösseren Schaden verhindert
(vgl. Kontoauszug vom 12. November 2018 [act. G 4.2/Z5]). Trotzdem blieb schliesslich
- allein bei der Beschwerdegegnerin - rund ein Drittel der Beiträge (inkl. Nebenkosten
und Zinsen) unbezahlt. Angesichts des sehr langen Zeitraums der Beitragsausstände
(mindestens seit November 2012) und der Tatsache, dass sich die wiederholten
Zahlungsversprechen des Beschwerdeführers, zuletzt noch in der vorliegenden
Beschwerde vom 5. Oktober 2018, S. 4, letztlich als leer erwiesen (vgl. Ratenpläne vom
8. Dezember 2014 und 23. September 2016 [act. G 4.2/Z1 und Z3]) und offenbar
lediglich auf der Hoffnung beruhten, die Schulden aus (wohl) betriebsfremden Mitteln
unklarer Herkunft und Rechtmässigkeit begleichen zu können, kann nicht mehr von
leichter Fahrlässigkeit ausgegangen werden. Vielmehr ist dem Beschwerdeführer
vorzuwerfen, dass er während insgesamt mehr als 5 1/2 Jahren (November 2012 bis
Erlass Einspracheentscheid, wenn auch bei der Beschwerdegegnerin nur von
November 2012 bis September 2013) nicht dafür gesorgt hat, die Lohnsumme an die
finanziellen Möglichkeiten der Arbeitgeberin anzupassen, wodurch der
Beschwerdegegnerin der vorliegend zu beurteilende Schaden entstanden ist. Dies trifft
auch auf die Beitragsabrechnungspflicht zu, würden die geltend gemachten Umstände
den Beschwerdeführer doch selbst bei Zutreffen nicht entlasten. Indem er sich als
verantwortliches Organ der Gesellschaft nicht um diese grundlegenden Pflichten
gekümmert hat, ist dem Beschwerdeführer zumindest ein grobfahrlässiges Verhalten
vorzuwerfen.
Auch die weiteren Voraussetzungen für die Geltendmachung von Schadenersatz sind
erfüllt. So musste die Beschwerdegegnerin bereits die erste Quartalsrechnung (Januar
bis März 2013 [Posten 2013/0001]), die Jahresabrechnung 2012 sowie die
nachzuzahlenden Beiträge für den Zeitraum November bis Dezember 2012 (Posten
2013/0002 und 0004) mahnen und die Geldforderungen in Betreibung setzen. Auch die
weiteren Quartalsrechnungen sowie die Jahresabrechnung 2013 mussten gemahnt und
betrieben werden (vgl. Kontoauszug vom 12. November 2018 [act. G 4.2/Z5]).
Insgesamt hat die B._ AG von zu entrichtenden Beiträgen (inkl. Verwaltungskosten) in
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Schliesslich ist unbestritten, dass die Schadenersatzverfügung vom 29. Mai 2018
rechtzeitig ergangen ist, nachdem die massgebenden definitiven
Pfändungsverlustscheine vom 30. Dezember 2016 datieren (act. G 4.1/4). Damit hat die
Beschwerdegegnerin die zweijährige relative Verwirkungsfrist ab Kenntnis sowie die
fünfjährige absolute Verwirkungsfrist nach Eintritt des Schadens gewahrt (vgl. Art. 52
Abs. 3 AHVG). Die Geltendmachung von Schadenersatz ist auch nicht während des
Einsprache- oder Beschwerdeverfahrens verjährt, nachdem diese Verfahren die
Verjährung unterbrechen und die Verjährungsfrist nach Abschluss des
Gerichtsverfahrens von Neuem zu laufen beginnt (Art. 138 Abs. 1 OR, BGE 141 V 487
E. 2.3 S. 489 f. mit Hinweisen).
5.
Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des
Beschwerdeführers als schadenersatzpflichtiges Organ erfüllt.
gutzuheissenGerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG, SR 830.1).