Decision ID: 7a7ee122-c0e7-44ad-b476-b868a62f1800
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X. ist Eigentümer des Grundstückes O., N. (Parz.-Nr. 0000, Grundbuch N.) mit
einem Wohnhaus (Vers.-Nr. 0000) und einer Scheune mit Wohnung (Vers.-Nr. 0000).
Mit Schreiben vom 26. Oktober 2010 teilte der Gemeinderat der politischen Gemeinde
N. (nachfolgend: Gemeinderat) X. mit, da sein Wohnhaus nicht an der Kanalisation
angeschlossen sei, erübrige sich die Bezahlung einer Mehrwerttaxe. Die derzeitige
Abwasserentsorgung - Sammeln des Abwassers in einer Grube und periodisches
Entsorgen mit dem landwirtschaftlichen Hofdünger - entspreche jedoch nicht mehr den
gesetzlichen Anforderungen. Die Abwasserentsorgung könne deshalb in dieser Form
nicht mehr toleriert werden. Das häusliche Abwasser vom Wohnhaus Nr. 000, O., N.,
sei deshalb an die öffentliche Kanalisation anzuschliessen. Falls dies nicht möglich sei
bzw. zu hohe Kosten entstünden, könne alternativ eine Kleinkläranlage erstellt werden.
X. wurde aufgefordert, bis zum 30. November 2010 mitzuteilen, ob er einen Anschluss
an die öffentliche Kanalisation wünsche oder eine Kläranlage erstellen werde.
Mit Verfügung vom 24. Februar 2011 erteilte der Gemeinderat X. die Bewilligung zum
Anschluss des Wohnhauses (Vers.-Nr. 0000) und der Scheune mit Wohnung (Vers.-Nr.
0000) an die öffentliche Kanalisation. Die Bewilligung sah den Bau einer rund 500 Meter
langen Druckleitung zu den Grundstücken von E. (Parz.-Nr. 0000) bzw. A. (Parz.-Nr.
0000) vor. Dort sollte diese Leitung an die von diesen beiden Grundbesitzern im Jahre
1984 erstellte Abwasserleitung angeschlossen werden. X. liess die notwendigen
Arbeiten vom 2. November bis 6. Dezember 2011 ausführen und bezahlte dafür
Fr. 52'296.45. Mit Verfügungen des Gemeinderats vom 22. Oktober 2012 wurden ihm
die Anschlusstaxen für die beiden Gebäude in Rechnung gestellt: Fr. 16'251.85 für das
Wohnhaus und Fr. 13'167.35 für die Scheune mit Wohnung, insgesamt Fr. 29'419.50.
Zur selben Zeit erhielt X. vom Grundbuchamt den Entwurf eines Dienstbarkeitsvertrags,
in dem er verpflichtet wurde, E. und A. für die Nutzung der von ihnen erstellten bzw.
finanzierten Abwasserleitung (rund 520 Meter bis zur Einleitung in den Hauptkanal)
einen Einkaufsbeitrag in der Höhe von Fr. 22'000.-- zu entrichten.
B.- Mit Eingabe vom 25. Oktober 2012 (Poststempel) erhob X. Rekurs gegen die
Verfügungen des Gemeinderats vom 22. Oktober 2012. Er beantragte, die Kosten der
Anschlusstaxen in der Höhe von Fr. 29'400.-- seien ihm gänzlich zu erlassen. Zur
Begründung führte er an, die Gesamtkosten für den Anschluss der beiden Gebäude an
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die öffentliche Kanalisation beliefen sich auf rund Fr. 103'700.--. Diese Kosten
überstiegen den Normwert bei weitem und seien nicht zumutbar.
Die Vorinstanz liess sich am 20. November 2012 vernehmen und beantragte, der
Rekurs sei unter Kostenfolge zu Lasten des Rekurrenten abzuweisen. Der Rekurrent
erhielt Gelegenheit, sich dazu zu äussern, wovon er mit Schreiben vom 27. November
2012 Gebrauch machte.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit

erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 25. Oktober 2012 (Poststempel) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. h Ziff. 5, 45 Abs. 1, 47 Abs. 1 und 48 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Der Rekurrent macht geltend, die gesamten Anschlusskosten in der Höhe von rund
Fr. 103'700.-- überstiegen den Normwert und seien nicht zumutbar. Die
Anschlusstaxen seien ihm deshalb gänzlich zu erlassen.
a) Gemäss Art. 20 Abs. 1 des Vollzugsgesetzes zur eidgenössischen
Gewässerschutzgesetzgebung (sGS 752.2, abgekürzt: GSchVG) kann die politische
Gemeinde für Erstellung und Betrieb öffentlicher Abwasseranlagen von den
Grundeigentümern des Einzugsgebietes Beiträge erheben. Diese Vorschrift ist mit Blick
auf Art. 51 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über die Raumplanung und das öffentliche
Baurecht (Baugesetz; sGS 731.1, abgekürzt: BauG) nicht nur als Ermächtigung,
sondern als Verpflichtung zu interpretieren (B. Heer, St. Gallisches Bau- und
Planungsrecht, Bern 2003, Rz 555). Das Abwasserreglement der Gemeinde N.
(nachfolgend: Reglement) wurde vom Gemeinderat am 13. Mai 2008 auf dieser
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Grundlage - insbesondere Art. 14 GSchVG - erlassen, unterstand vom 24. Mai bis
22. Juni 2008 dem fakultativen Referendum und wird seit dem 1. Januar 2009
angewendet. Die Veranlagungen der Beiträge mit Rechnungen vom 22. Oktober 2012
beruhen folglich auf einer in formeller Hinsicht genügenden gesetzlichen Grundlage. Zu
prüfen ist, ob die gesamten Anschlusskosten überhöht sind.
b) aa) Der Rekurrent bringt nicht vor, die Kanalisationsanschlussbeiträge seien zu hoch
bzw. falsch berechnet. Dies ist aus den Akten auch nicht ersichtlich. Sie entsprechen
dem Reglement, welches für Bauten und Anlagen auf einem Grundstück, das an die
öffentliche Kanalisation angeschlossen ist, einen einmaligen Beitrag von 24 ‰ des
Neuwerts vorsieht (Art. 32 Abs. 1). Die Neuwerte wurden für die beiden Gebäude -
ebenfalls reglementskonform - nach dem Gesetz über die Gebäudeversicherung
(sGS 873.1) mittels amtlicher Schätzungen vom 22. Juni 2010 (Fr. 508'000.-- bzw.
Fr. 627'000.--) bestimmt (vgl. Art. 32 Abs. 2).
bb) Gemäss Art. 11 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer
(SR 814.20, abgekürzt: GSchG) muss das verschmutzte Abwasser im Bereich der
öffentlichen Kanalisation in die Kanalisation eingeleitet werden. Dieser Bereich umfasst
nebst den Bauzonen unter anderem auch weitere Gebiete, in welchen der Anschluss
an die Kanalisation zweckmässig und zumutbar ist (Abs. 2 lit. c). Zweckmässig ist er
dann, wenn er sich einwandfrei und mit normalem baulichem Aufwand herstellen lässt
(Art. 12 Abs. 1 lit. a der Gewässerschutzverordnung, SR 814.201, abgekürzt: GSchV),
und zumutbar, wenn die Kosten des Anschlusses diejenigen für vergleichbare
Anschlüsse innerhalb der Bauzone nicht wesentlich überschreiten (Abs. 1 lit. b).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind dabei sämtliche vom
Grundeigentümer effektiv zu tragenden Kosten zu berücksichtigen, also auch die
Anschlusstaxe (BGE 132 II 515 E.4). Dabei gelten in Fällen, wo es um ein
alleinstehendes, nichtlandwirtschaftliches Gebäude geht, Kosten von bis zu Fr. 5'000.--
pro Zimmer oder Einwohnergleichwert (EGW) noch als zumutbar (BGE 115 Ib 28 E. 2b/
bb). Ob sie in dieser Grössenordnung auch für Bauten zumutbar wären, die im engeren
oder weiteren Sinne zu einem Landwirtschaftsbetrieb gehören und deren Abwässer
technisch einwandfrei zusammen mit der landwirtschaftlichen Jauche entsorgt werden
könnten, liess das Bundesgericht im zitierten Entscheid offen. Im Weiteren wurden in
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der höchstrichterlichen Rechtsprechung folgende Kosten als nicht unangemessen
beurteilt: Anschlusskosten in der Höhe von 2.5 % des Schätzwertes eines Gebäudes,
Gesamtkosten in der Höhe von Fr. 23'000.-- für eine Anschlussleitung von 92 m,
Gesamtkosten von Fr. 52'000.-- für eine Anschlussleitung in der Länge vom 96 m für
drei Wohnhäuser mit einem EGW von 11 sowie auch Kosten von Fr. 14'000.-- bei
einem EGW von 3. Im Jahre 2001 beurteilte das Bundesgericht sodann Kosten von
Fr. 6'700.-- pro EGW als angemessen (vgl. BGE 132 II 515 E. 5.1 mit weiteren
Hinweisen).
cc) Im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erscheinen die
Anschlusskosten im Betrag von rund Fr. 103'700.-- tatsächlich als eher hoch. Aus den
Akten ist zwar nicht ersichtlich, wie viele Zimmer die beiden Gebäude umfassen. Selbst
wenn man aber von einem EGW von 6 pro Gebäude ausgeht, ergeben sich
Anschlusskosten in der Höhe von Fr. 8'641.-- pro Zimmer. Die Vorinstanz zweifelte
offenbar an der Zumutbarkeit der Kosten. Sie teilte dem Rekurrenten deshalb am
26. Oktober 2010 mit, falls der Anschluss an die Kanalisation mit zu hohen Kosten
verbunden sei, könne auch eine Kleinkläranlage erstellt werden. Solche Klein-
Abwasserreinigungsanlagen entsprechen dem Stand der Technik gemäss Art. 13 Abs.
1 GSchG und sind für die Abwasserentsorgung ausserhalb des Bereichs der
öffentlichen Kanalisation zulässig (vgl. H. W. Stutz, Schweizerisches Abwasserrecht,
Zürich 2008, S. 133 f.). Der Rekurrent hat sich schliesslich dafür entschieden, kein
Rechtsmittel gegen die vom Gemeinderat verlangte Änderung der Entsorgungsart zu
ergreifen und die beiden Gebäude an die Kanalisation anzuschliessen. Wie es dazu
kam und welche Gespräche mit der Vorinstanz geführt wurden, ist aus den Akten nicht
ersichtlich (vgl. dazu act. 14). Fest steht lediglich, dass die Anschlussbewilligungen mit
Verfügungen vom 24. Februar 2011 gestützt auf die gesetzlichen Bestimmungen und
auf das Abwasserreglement vom 13. Mai 2008 der Gemeinde N. und gemäss
Planvorgabe erteilt wurden (act. 8/1, 8/2). In Ziffer 5 der Bewilligungen wurde unter
anderem festgehalten, die Anschlussgebühr betrage 2.4 % des Gebäudewertes der
anzuschliessenden Objekte. Die entsprechende Verfügung werde erlassen, sobald die
Hausanschlüsse erstellt werden könnten bzw. bei Neubauten nach der amtlichen
Schätzung. Weitere, die finanziellen Aspekte betreffende Regelungen wurden nicht
getroffen. Mangels anderslautender Abreden greift Art. 11 Abs. 2 des Reglements,
wonach der Anschluss eines Grundstückes an die öffentliche Kanalisation in der Regel
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durch eine eigene Anschlussleitung ohne Benützung fremder Grundstücke zu erfolgen
hat bzw. Rechte und Pflichten allfällig beteiligter Grundeigentümer vor Baubeginn
privatrechtlich zu regeln sind. Eine solche Vereinbarung ist offenbar mit E. und A.
getroffen worden bzw. vorgesehen (act. 2/4).
Der Gemeinderat orientierte den Rekurrenten, dass ein Anschluss an die öffentliche
Kanalisation oder die Erstellung einer Kleinkläranlage möglich sei. Der Rekurrent macht
keine Angaben, nach welchen Kriterien er diese beiden Möglichkeiten prüfte und sich
in der Folge für einen Anschluss an die öffentliche Kanalisationsleitung entschied. Auch
geht aus den Akten nicht hervor, ob sich der Rekurrent vor der Errichtung der
Abwasserleitung mit der politischen Gemeinde N. über eine allfällige Kostenbeteiligung
verständigte. Dies wäre in vorliegendem Fall jedoch angezeigt gewesen, denn ist die
Gemeinde nicht zur Erschliessung verpflichtet, ist es möglich, die Erschliessung mittels
verwaltungsrechtlichem Vertrag mit dem zur Abwasserbeseitigung verpflichteten
Bauherren zu regeln. Dabei kann sich die Gemeinde etwa verpflichten, Planung,
Bauleitung und Kostenabrechnung bzw. -verteilung und allenfalls auch einen Beitrag an
die Baukosten zu übernehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_61/2010 vom 2.
November 2010 E. 3.3). Der Rekurrent entschied sich für einen Anschluss an die
Kanalisationsleitung, wobei er aufgrund des Reglements damit rechnen musste, dass
neben den Baukosten auch Anschlussbeiträge anfallen.
Gegen die beiden Verfügungen der Anschlusstaxen der Vorinstanz vom 22. Oktober
2012 ist somit in rechtlicher Hinsicht nichts einzuwenden. Sie basieren auf einer
ausreichenden gesetzlichen Grundlage und entsprechen dem Abwasserreglement der
Gemeinde N. vom 13. Mai 2008. Dies wird vom Rekurrenten zu Recht nicht bestritten.
Die gesamten Anschlusskosten bewegen sich mit rund Fr. 103'700.-- jedoch in einer
Höhe, die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung an der oberen Grenze des
Zumutbaren liegen dürfte. Nach Lage der Akten erfolgte der Anschluss jedoch freiwillig,
so dass sich die Frage nach Zumutbarkeit und Zweckmässigkeit gemäss Art. 12 Abs. 1
lit. b GSchV gar nicht stellt. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass dem
Beschwerdeführer durch den Anschluss der ausserhalb der Bauzone gelegenen
Liegenschaften ein nicht zu unterschätzender Sondervorteil erwuchs. Zu prüfen ist, ob
nicht besondere Umstände vorliegen, welche die Reduktion der Gebäudebeiträge
rechtfertigten.
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c) Gemäss Art. 34 des Reglements kann der Gemeinderat in Ausnahmefällen
Gebäudebeiträge den besonderen Verhältnissen anpassen. Auch in diesen Fällen sind
die dem Grundeigentümer durch Abwasseranlagen entstehenden Vorteile und die
Aufwendungen für die Anlage zu berücksichtigen. Sonderfälle sind insbesondere
Gewerbe- und Industriebetriebe, die eine ausserordentlich hohe oder tiefe
Abwassermenge oder frachtmässige Belastung aufweisen, Kirchen und Kapellen und
landwirtschaftlich genutzte Oekonomiegebäude.
Unter diesem Artikel werden nur Gebäude erfasst, die die Abwasserinfrastruktur über-
bzw. unterdurchschnittlich beanspruchen. Die dem Grundeigentümer entstehenden
Vorteile sind aber auf jeden Fall abzugelten. Fälle, in denen besonders hohe
Anschlusskosten entstehen, fallen nicht darunter, denn der aus dem Anschluss
gewonnene Nutzen wird davon nicht betroffen. Somit hat die Vorinstanz zur Recht
festgestellt, eine Reduktion bzw. die Streichung der Anschlusstaxen würde zu einer
Ungleichbehandlung der an die Kanalisation angeschlossenen Grundstückeigentümer
führen (act. 7). Von einem Sonderfall gemäss Art. 34 des Reglements ist folglich nicht
auszugehen und eine entsprechende Reduktion bzw. ein Erlass der Gebäudebeiträge
deshalb nicht angezeigt. Der Rekurs ist deshalb abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 900.-- ist angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
von Fr. 900.-- ist zu verrechnen.