Decision ID: 40b551cf-0334-5c2f-89ad-3cb1a6596428
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, meldete sich am
1.
November 2005
zum Bezug einer Invalidenrente an (
Urk.
6/2). Die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach ihr mit Wirkung ab dem
1.
November 2004 eine
Viertelsrente
zu (Urk. 6/68-69). Anlässlich des im Dezember 2010 einge
leiteten Revisionsverfahrens (Urk. 6/72 ff.)
ergaben sich keine
rentenrele
vanten
Veränderungen, was die IV-Stelle der Versicherten am 18.
Januar 2011 mitteilte (Urk. 6/76).
1.2
Im Oktober 2013 leitete die IV-Stelle mit Blick auf die Schlussbestimmungen der
IV-Revision 6a erneut ein Revisionsverfahren ein (Urk. 6/
79).
I
n dessen Rahmen
stellte
sie der Versicherten Fragen (Urk. 6/80) und
holte
einen Bericht des be
han
delnden Arztes
Dr.
med.
Y._
(Urk. 6/81) ein. Nachdem die Ver
sicherte angegeben hatte,
sich
bei keinen weiteren Fachärzten in Be
handlung zu
befinden
(Urk. 6/83), teilte die IV-Stelle ihr am 2
4.
März 2014 mit, dass sie die
Kosten für eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung über
nehme (Urk. 6/86).
Via
SuisseMED@P
wurde der Begutachtungsauftrag
am 30. April 2014
dem
Z._
zugeteilt (Urk. 6/91
). Am
2.
Mai 2014 teilte die IV-Stelle der Versi
cherten
die
Namen der begutachtenden Ärzte des beauftrag
t
en
Z._
für
die
polydiszi
pli
näre
(allgemein-
internistische, neurologische, psychiatrische und rheumatologische)
Untersuchung
mit
(
Urk.
6/92
). Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom
5.
Mai 2014 (Urk. 6/94)
sowie vom 1
5.
Mai 2014 (Urk. 6/97/1)
Einwendungen
. Mit
Zwischenverfügung vom
1
1.
Juni 2014
hielt die IV-Stelle
an der
poly
dis
zi
plinären
Begutachtung durch
die MEDAS
Z._
,
A._
,
und damit
sinngemäss
auch an den mitgeteilten Gutachtern
fest, und teilte mit, der Zeitpunkt der Ab
klärung werde direkt mit der Versicherten ver
einbart (Urk. 6/98 = Urk. 2).
2.
Gegen die Zwischenverfügung vom
1
1.
Juni 2014
(
Urk.
2) erhob die Versicherte am
8.
Juli 2014
Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Ablehnung der vorgeschlagenen Gutachter
stelle
und die An
wei
sung der Beschwerdegegnerin zur
Durchführung eines Einigungsverfahrens zur Bestellung der Gutachterstelle, wobei die geographische Beschränkung bei der
Gutachterwahl einzuhalten sei (Urk. 1 S. 1
Ziff.
1-4
). Des Weiteren sei zu prüfen
, ob das Rentenrevisionsverfahren den Bedingungen von
Art.
6 der
Euro
päischen Menschenrechtskonvention (
EMRK
)
genüge. In prozessualer Hinsicht beantragte sie
zudem, bis zur rechtskräftigen
gerichtlichen Klärung der vorlie
genden Be
schwer
de sei die Beschwerdegegnerin im Sinne einer vorsorglichen Massnahme zu verpflichten, keine Vorkehren nach
Art.
43
Abs.
3
des Bundes
gesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
zum Nachteil der Be
schwerdeführerin zu treffen (Urk. 1 S. 2
Ziff.
5 und 6
).
Ferner reichte sie dem Gericht diverse Unterlagen (
Urk.
3/
2
-1
8
) ein. Mit
Beschwerde
antwort
vom
1
1.
September 2014
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5
), was der Beschwerdeführerin am 1
5. September 2014
zu
r Kenntnis ge
bracht wurde (Urk.
7
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Anfechtungsgegenstand ist vorliegend die Verfügung vom
11. Juni 2014 (Urk.
2),
mit welcher die Beschwerdegegnerin an der Begutachtung der Be
schwer
defüh
rerin durch das
Z._
gemäss ihrer Mitteilung vom
2. Mai 2014
(
Urk.
6/92
) festgehalten hat. Hierbei handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von
Art.
55
Abs.
1
ATSG
in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bun
desgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei Beja
hung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
1
.2
In BGE 137 V 210 hat das Bundesgericht zur i
n einem Rechtsgutachten vom 11.
Februar 2010 (Gutachten Müller/Reich) erhobenen Kritik an der Rechtspre
chung zum Beweiswert von Expertisen der Medizinischen Abklärungsstellen
(MEDAS - dazu gehört auch das
Z._
;
Art.
72
bis
Abs.
1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung, IVV) unter konventions- und verfassungsrechtlichen Ge
sichts
punkten Stellung genommen. Dabei gelangte es zum Schluss, dass die Be
schaffung medizinischer Entscheidungsgrundlagen durch externe
Gutachten
sins
titute
wie die MEDAS in der schweizerischen Invalidenversicherung sowie deren
Verwendung im Gerichtsverfahren an sich verfassungs- und
konventi
onskon
form
ist (E. 2.1-2.3). Ander
er
seits erachtete das Bundesgericht die
Ver
fahrensgaran
tien
aufgrund des Ertragspotentials der Tätigkeit der MEDAS zu
handen der In
validenversicherung und der damit gegebenen wirtschaftlichen Abhängigkeit als
latent gefährdet (E.
2.4). Es bejahte daher die Notwendigkeit von Korrektiven.
Auf administrativer Ebene sollen eine Vergabe von MEDAS-Gutachten nach dem
Zufallsprinzip erfolgen (E.
3.1), eine
Mindestdifferenzie
rung
des
Gutachtens
ta
rifs
Platz greifen (E.
3.2), die Qualitätsanforderungen und -kontrolle verbessert und vereinheitlicht (E.
3.3) sowie die Partizipationsrechte gestärkt werden (E. 3.4). Zunächst sollen IV-Stelle und versicherte Person ins
künftig bestrebt sein, sich über die Vergabe des Auftrags zur Begutachtung zu einigen (E.
3.1.3.3 und E.
3.4.2.6). Hinsichtlich der Fälle, in denen eine Einigung nicht zustande kommt, kann nach Auffassung des Bundesgerichtes nicht länger an der Rechtsprechung festgehalten werden, wonach für die Anordnung einer Expertise eine blosse Mit
teilung genügt (BGE 132 V 93). Vielmehr sei die (bei fehlendem Konsens zu treffende) Anordnung, eine Expertise einzuholen, in die Form einer Verfügung zu kleiden (
Art.
49 ATSG), welche dem
Verfügungsbe
griff
gemäss
Art.
5
VwVG
entspricht. Da sie das Administrativverfahren nicht abschliesse, handle es sich um
eine Zwischenverfügung (
Art.
55 ATSG
i.V.m
.
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46
VwVG
),
welche bei Bejahung des nicht wieder gutzu
machenden Nachteils (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93
E. 6.1) unter Erhebung aller gesetzlich vorgeseh
e
nen Rügen rechtlicher und tatsächlicher Natur angefochten werden könne. Die
Ein
tretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils sei im Rahmen einer verfassungs- und
konventions
konformen
Auslegung für das erst
in
stanzliche Verfahren zu bejahen, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in
der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewir
ken werde. Beschwerdeweise geltend gemacht werden könnten materielle Einwen
dung
en beispielsweise des Inhalts, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil sie - mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten
Sach
verhalt - bloss einer „
second
opinion
" entspreche. Nach wie vor gerügt wer
den
könnten (personenbezogene)
Aus
standsgründe
. Nicht gehört werden könne
indessen das Vorbringen, die Abgel
tung der Gutachten aus Mitteln der Inva
li
den
versicherung führe zu einer Befan
genheit der MEDAS (E.
3.4.2.7). Im Weiteren führte es aus, dass sinngemäss aus den bisher dargelegten Gründen der ver
si
cherten Person - unter Aufgabe der bisherigen Rechtsprechung (BGE 133 V 446) - ein Anspruch einzuräumen sei, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern. Mithin hätten die IV-Stellen der versicherten Person künftig mit der
verfügungsmässigen Anordnung der Begutachtung den vorgesehenen Katalog der
Expertenfragen zur Stellungnahme zu unterbreiten (E. 3.4.2.9).
1
.3
In Nachachtung dieser bundesgerichtlichen Forderungen setzte der Bundesrat auf den 1. März 2012 den neuen Artikel 72
bis
IVV
in Kraft, der sicherstellt, dass
nur noch Gutachterstellen polydisziplinäre (Beteiligung von drei oder mehr
Fach
disziplinen
) medizinische Gutachten für die Invalidenversicherung erstellen dür
fe
n, welche die Qualitätsanforderungen erfüllen, die in einer Vereinbarung mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) vorgesehen sind. Zudem wurde
bun
desrechtlich verankert, dass die Invalidenversicherung Aufträge für
polydis
ziplinäre
Gutachten nach dem Zufallsprinzip zuzuweisen hat (Art. 72bis Abs. 2 IVV).
Die Vergabe der polydisziplinären Gutachten erfolgt über die von der IV-Stel
len-
Konferenz Luzern betriebene webbasierte Plattform "
SuisseMED@P
" (vgl. www.suissemedap.ch; vgl. Pressemeldung des BSV vom 5. April 2012 be
treffend Medizinische Gutachten in der IV: Qualitätssicherung und faire Ver
fahren, unter: www.bsv.admin.ch, mit aufgeschalteten Hintergrundinformatio
nen,
wobei auch die Vereinbarung, die Kriterien, der Tarif und die Handhabung der Plattform
SuisseMED@P
aufgeschaltet sind).
1
.4
Im neu überarbeiteten Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversi
cherung (KSVI) ist das Verfahren der IV-Begutachtung bei polydisziplinären Gut
achten unter Randziffer 20
75
ff., Stand
1.
Januar 2014
, nun wie folgt be
schrie
ben:
Kommt die IV-Stelle zum Schluss, dass eine polydisziplinäre Begutachtung not
wendig ist, erlässt sie eine Mitteilung an die versicherte Person mit folgendem Inhalt:
- polydisziplinäre Begutachtung
- Fachdisziplinen
- Fragenkatalog
- Möglichkeit, Zusatzfragen zu stellen.
Die versicherte Person hat die Möglichkeit, innert zehn Tagen ab Mitteilung Einwände gegen die Begutachtung
sowie die vorgesehenen Fachdisziplinen
vor
zubringen und Zusatzfragen zu stellen. Wird den Einwänden nicht oder nur teil
weise entsprochen, so erlässt die IV-Stelle eine Zwischenverfügung, worin sie begründet, weshalb den Einwänden nicht Rechnung getragen wurde, und worin sie die Art der Begutachtung festhält. Bei einer Anfechtung der
Zwi
schen
ver
fü
gung
wird der Auftrag zur Begutachtung grundsätzlich nicht erteilt, bis rechts
kräftig entschieden ist.
Wurden keine Einwände erhoben oder sind diese rechtskräftig erledigt, so wird der Auftrag bei
SuisseMED@P
deponiert. Nach erfolgter Zuteilung teilt die IV-Stelle der versicherten Person die Namen der Gutachter mit entsprechendem Facharzttitel
mit und weist
darauf hin, dass die Mitteilung des Ortes und des
Ter
mins durch die Gutachterstelle erfolgt.
Erneut besteht eine zehntägige Frist zur
Erhebung von personenbezogenen Einwänden. Wird den Einwänden nicht oder nur teilweise stattgegeben, hat wiederum ein
e Zwischenverfügung zu erge
hen.
1.5
Gemäss Art. 44 ATSG kann die versicherte Person einen Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und Gegenvorschläge machen. Zum einen werden von den
triftigen Gründen die eigentlichen gesetzlichen
Ausstandsgründe
(vgl. Art. 10
VwVG
und Art. 36 Abs. 1 ATSG) erfasst; zum andern zählen auch weitere Aspekte - etwa die fehlende Sachkenntnis - zu den triftigen Gründen (
Kieser
,
ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009,
Rz
17 zu Art. 44; vgl. auch BGE 132
V 93 E. 6.4-5).
Die Anforderungen an die Unbefangenheit eines medizinischen Sachverständi
gen
ergeben sich aus dem Anspruch auf ein faires Verfahren gemäss
Art.
29
Abs.
1 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft
und
Art.
6
Ziff.
1
EMRK
(Urteil des Bundesgerichts 6B_299/2007 vom 11. Oktober 2007
,
E.
5.1.1). Nach der Rechtsprechung ist Befangenheit anzunehmen, wenn Um
stän
de vor
liegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu er
wecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zu
stand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nach
gewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangen
heit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Um
stände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet er
schei
nen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E.
7.1 mit Hinweis). Deshalb ist ein triftiger Grund auch etwa gegeben, wenn es dem Gutachter an der im konkreten Fall erforderlichen Kompetenz fehlt oder er aus persönlichen Grün
den nicht als geeignet erscheint (
Kieser
, a.a.O.,
Rz
18 zu Art. 44 mit Verweis auf
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000
,
Rz
12 zu Art. 93).
2
.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Zwischenverfügung auf den Standpunkt, gegen eine Gutachterstelle als solche könnten keine
Aus
standsgründe
geltend gemacht werden. Ferner vertrat sie die Auffassung, gegen die begutachtenden Personen lägen keine schützenswerten Ausstands- oder
Ab
lehnungsgründe
vor, weshalb an der vorgesehenen Begutachtung festzuhal
ten
sei (Urk. 2 S. 1-2). In der Beschwerdeantwort fügte sie an, es sei nicht er
sicht
lich
, inwiefern ein lange zurückliegendes Strafverfahren für den vorliegen
den Fall
Be
fangenheit begründen könne. Im Übrigen sei
Dr.
med.
B._
, Fach
arzt
für Allgemeine Innere Medizin, vom Vorwurf der Urkundenfäl
schung freige
spro
chen worden (Urk. 5).
2
.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, da Dr.
B._
die MEDAS
Z._
als Gründer, Leiter und Chefarzt betreibe, bestün
den
begründete Zweifel an der Unabhängigkeit dieser Gutachterstelle. Hinzu komme,
dass sie einen formellen Anspruch auf eine Begutachtung innerhalb des
Wohn
kantons
habe. Ferner sei die Zufallsvergabe über die
SuisseMED@P
mit gravie
renden Mängeln sowohl struktureller als auch rechtlicher Art behaftet und ent
spreche den Vorgaben an ein rechtsstaatliches Verfahren nicht. Im Übri
gen sei es denkbar, dass die IV-Stelle mehrere Aufträge pro versicherte Person an die
SuisseMED@P
richte und anschliessend die MEDAS als ausgewählt be
kannt gebe, welche ihrem Wunsche entspreche (Urk. 1 S. 3).
3.
3.1
3.1.1
D
ie Beschwerdegegnerin
teilte
der Beschwerdeführerin am 24. März 2014 mit, dass eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung (Allgemeine/Innere Medi
zin, Rheumatologie, Neurologie, Psychiatrie, eventuell Neuropsychologie) not
wendig sei. Sie legte den Fragenkatalog bei und setzte ihr eine am
7.
April 2014 ablaufende Frist an, um Einwände gegen die Begutachtung vorzubringen und
Zu
satzfragen
zu stellen (Urk. 6/86). Innert der um 14 Tage erstreckten Frist (vgl. Urk. 6/89) erhob die Beschwerdeführerin weder Einwände noch stellte sie
Zu
satz
fragen
. Dem Mail der Plattform
SwissMED@P
vom
3
0.
April 2014
ist zu entnehmen, dass der Gutachtensauftrag dem
Z._
zugeteilt wurde (
Urk.
6/
91
).
Aus dem Bestätigungsmail der
SuisseMED@P
vom
1.
Mai 2014
ergibt sich so
dann
, dass das
Z._
den Auftrag bestätigt hat; gleichzeitig wurden Termine für
die einzelnen Un
tersuchungen angegeben (
Urk.
6/93
). Angesichts dessen teilte die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin am
2.
Mai 2014
mit, dass die
poly
disziplinäre
Begutachtung durch das
Z._
durchgeführt werde, und gab ihr die medizinischen Disziplinen sowie die Namen der Gutachter bekannt (Urk. 6/
92
).
Innert der eingeräumten Frist erhob die Beschwerdeführerin Ein
wendungen gegen
die v
orgesehene Begutachtung im
Z._
und
im Besonderen gegen
Dr.
B._
. Des Weiteren lehnte sie eine Begutachtung durch mehrere Ärzte ab und erklärte sich stattdessen bereit, sich von einer Vertrauensärztin in ihrer Nähe unter
su
chen zu lassen
(Urk. 6/
97/1
)
. Daraufhin erliess
die
Beschwer
degegnerin
die vor
liegend
angefochtene Zwischenverfügung
(Urk. 6/98 =
Urk. 2).
3.1.2
Damit erfolgte die Vergabe des Auftrags zur Begutachtung der Beschwerdefüh
rerin in Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen und in Nachachtung des i
m KSVI beschriebenen Verfahrens
(vgl. vorstehende E.
1.3 und 1.4)
. D
as Vorgehen der Beschwerdegegnerin
ist daher
nicht zu beanstanden.
3.1.3
Soweit die Beschwerdeführerin
beantragt
,
die Beschwerdegegnerin sei anzuwei
sen,
mit ihr ein Einigungsverfahren zur Bestellung der Gutachterstelle durch
zu
führen
(
Urk.
1
S. 1
Ziff.
4
), ist festzuhalten, dass bei polydisziplinären Gut
ach
ten eine Vergabe mittels Zufallsprinzip explizit vorgeschrieben ist (Art. 72
bis
Abs.
2 IVV). Daher besteht
kein Raum für eine einvernehmliche Festlegung in Bezug auf die Gutachterstelle als solche (vgl. auch
die
Urteil
e
des
Sozialversi
che
rungsgerichts
IV.2013.00040 vom 2
8.
März 2013
,
E. 5.2
; IV.2013.00553
vom 3
0.
August 2013
, E. 3.1
).
3.1.4
Infolge der Geltung des Zufallsprinzips ist es auch nicht möglich, dass die Be
schwerdeführerin nur eine Begutachtung in ihrem Wohnsitzkanton akzeptieren muss, wie sie geltend macht (vgl. Urk. 1 S. 3).
Anspruch auf einen Gutachter
im
Wohnsitzkanton oder in möglichst unmittelbarer Nähe zum Wohnort besteht nicht.
3.1.5
Die Beschwerdeführerin wandte weiter ein
,
grundsätzlich sei denkbar,
dass
die IV-Stelle mehrere Aufträge pro versicherte Person an die
SuisseMED@P
richte und so
mehrmals
auslose, bis ihr das Resultat passe (Urk. 1 S. 3). Hierfür
beste
hen keinerlei Anhaltspunkte. Im Übrigen
würde die IV-Stelle bei einem solchen Vorgehen riskieren, mehrere Gutachterstellen entschädigen zu müssen, da das
SuisseMED@P-Team
die ausgeloste Gutachterstelle unmittelbar nach der Zu
tei
lung über die Auftragsvergabe an sie informiert (vgl. Urk. 6/91).
3.1.6
Weiter zweifelt
die Beschwerdeführerin die
Rechtstaatlichkeit
des Vorgehens der
Beschwerdegegnerin
beziehungsweise die Rechtsstaatlichkeit der Vergabe der Auf
träge für polydisziplinäre Begutachtungen an die
MEDAS-Begutachtungs
stellen
nach dem Zufallsprinzip
an (Urk. 1 S.
3). Dem
ist entgegenzuhalten, dass
das Bundesgericht
die Vergabe solcher Gutachten an die
MEDAS-Begutach
tungsstellen
als EMRK-konform beurteilt hat
(vgl. vorstehende E. 1.2)
. Dem
ent
sprechend
müssen
m
edizinische Gutachten, an denen drei und mehr
F
achdis
ziplinen
beteiligt sind, gemäss
Art.
72
bis
Abs.
1 IVV
bei einer Gutachterstelle er
folgen, mit welcher das Bundesamt eine Vereinbarung getroffen hat. D
as von der
Beschwerdegegnerin durchgeführte Verfahren
entspricht
somit
den
gesetzli
chen
Vorgaben
.
Demnach steht fest, dass sich die Beschwerdeführerin grundsätzlich im
Z._
polydisziplinär begutachten zu lassen hat.
3.2
3.2.1
Zu prüfen bleibt das Vorliegen von Ablehnungsgründen gegen
Dr.
B._
, wel
cher
gemäss Mitteilung vom
2.
Mai 2014 (
Urk.
6/92
) für die
allgemeinmedizi
ni
sche
/internistische Untersuchung vorgesehen
ist
.
D
enn d
ie Beschwerdeführe
rin machte gegen eine Begutachtung durch
ihn
geltend, er habe in einem an
deren Fall
ein Gutachten zum Nachteil der versicherten Person abgeändert
.
Eine unab
hängige Begutachtung sei deshalb nicht gewährleistet
(Urk. 1, Urk. 3/12-18).
3.2.2
Das Bundesgericht hatte sich bereits mit der Frage der Befangenheit von
Dr.
B._
zu befassen und äusserte sich im Entscheid 9C_970/2012 vom 23. April 2013 wie folgt (E. 4.3.2): „Vorweg kann es nicht auf das subjektive Em
p
fin
den der Person ankommen, die Befangenheit des oder der Sachverstän
di
gen behauptet (BGE 132 V 93 E.
7.1 S.
109 f.; Urteil 8C_781/2010 vom 1
5.
März
2011 E.
3; vgl. auch BGE 137 II 431 E.
5.2 S.
453). Ebenso wenig kann der Aus
gang des Strafverfahrens für die Frage der Voreingenommenheit von Bedeutung
sein.
Ausstandsrechtlich
für die Beurteilung der Sache entscheidend ist hinge
gen
das Folgende: Das
Dr.
med.
B._
strafrechtlich zur Last gelegte Verhalten be
trifft eine Begutachtung, die 2007 stattgefunden hatte, somit fast fünf Jahre zu
rückliegt und überdies eine andere versicherte Person betraf. Vor
liegend ist der Beschwerdegegnerin die Notwendigkeit einer Begutachtung mit Schreiben vom
5.
April 2012 mitgeteilt worden. Selbst wenn
Dr.
med.
B._
einmal Jahre zu
vor, entgegen seinen Angaben im Hauptgutachten, seine
Ge
samtbeurteilung
ohne
vorherige Rücksprache und ausdrückliches Einverständnis mit einem
Teilgut
achter
, der keine pathologischen Befunde erhoben hatte, vor
genommen haben sollte, vermöchte dies nicht rund fünf Jahre später noch ob
jektiv den Anschein von Befangenheit - im Falle der Beschwerdegegnerin als Experte zu amten - zu wecken.“
3.2.3
Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung des Freispruchs
von
Dr.
B._
(Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich SB120296
vom 5.
Februa
r 2013
, bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 6B_416/2013 und 6B_417/2013 vom
5.
November 2013
)
stellt das beschwerdeweise ins Feld ge
führte bekannte Strafverfahren gegen
Dr.
B._
auch im vorliegenden Fall kei
nen
Ausstands
grund
dar.
3.3
Hinreichend fassbare weitere, die konkrete Begutachtung betreffende Umstände, welche objektiv den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreinge
nommenheit begründen würden, wurden nicht angeführt. Dies gilt auch für die Fr
age einer Befangenheit von
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Neurologie,
med.
pract
.
D._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
und
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Rheumatologie
.
Zusammenfassend steht
nach dem Gesagten
fest, dass weder das
Z._
als Gut
achtenstelle noch Dr.
B._
oder eine der übrigen begutachtenden Personen
als
befangen gelten beziehungsweise der Anschein der Befangenheit besteht.
Ebenso
lief das Verfahren der Auftragsvergabe korrekt ab.
Damit erweist sich die an
gefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass im Rahmen des vorliegenden Verfahrens kein Raum für die
allgemeine Prüfung der EMRK-Konformität des
Rentenrevisionsverfahrens
, wie von der Beschwerdeführerin beantragt (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
5
), besteht.
4.
Mit dem Entscheid in der Sache selbst wird das beschwerdeweise gestellte Ge
such der Beschwerdeführerin um vorsorgliche Massnahmen (
Urk.
1 S. 2 Ziff. 6) gegenstandslos.
5
.
Gegenstand dieses Prozesses ist weder die Zusprechung noch die Verweigerung von Versicherungsleistungen, weswegen
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG keine Anwendung findet. Das Verfahren ist demnach kostenlos.