Decision ID: d2c508f7-b853-5272-98c6-acc76984de9e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss vom 22. Oktober 2018 erteilte der Bauausschuss X den D.
und E. R. H. unter Auflagen die teilweise nachträgliche baurechtliche Bewil-
ligung für einen Hühnerstall mit gedecktem Auslauf für rund zehn Hühner
und einen Hahn auf dem Grundstück Kat. Nr. 1 [...] in X.
B.
Gegen diesen Entscheid erhoben K. und U.S., A. und M.Z. sowie D. und
C.S. mit Eingabe vom 26. November 2018 Rekurs beim Baurekursgericht
des Kantons Zürich und beantragten Folgendes:
" 1. Es sei die Baubewilligung (Nr. 16/18) der Vorinstanz vom 22.  2018 aufzuheben und die Haltung von Hähnen auf der  mit der Kat. Nr. 1 gänzlich zu untersagen.
2. Alles unter ordentlicher und ausserordentlicher Kostenfolge  der Rekursgegner."
C.
Mit Verfügung vom 27. November 2018 wurde vom Rekurs Vormerk ge-
nommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
Mit Verfügung vom 30. November 2018 wurde den Rekurrierenden der mit
der Rekursschrift eingereichte USB-Stick retourniert und sie wurden aufge-
fordert, die darauf befindlichen Daten dreifach auf CD-ROM einzureichen.
Die Rekurrierenden kamen dieser Aufforderung zwar nach, doch stellten
sich die eingereichten CD-ROMs als fehlerhaft heraus (Protokoll S. 3), wo-
rauf ein zweiter Satz eingereicht wurde (act. 11), welcher mit Verfügung
vom 13. Dezember 2018 der Vorinstanz und der privaten Rekursgegner-
schaft zur Stellungnahme zugestellt wurde. Beide äusserten sich in ihrer
Vernehmlassung dazu.
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D.
Mit Eingabe vom 20. und 21. Dezember 2018 beantragten sowohl die Vor-
instanz als auch die private Rekursgegnerschaft die Abweisung des Rekur-
ses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrierenden,
wobei die private Rekursgegnerschaft die Entschädigungsfolgen zuzüglich
Mehrwertsteuer einzeln und solidarisch zulasten der Rekurrierenden 1–3
beantragten.
E.
Mit Repliken vom 30. Januar 2019 bzw. Dupliken vom 6. und 13. Februar
2019 hielten alle Parteien an ihren Anträgen fest.
F.
Am 19. März 2019 führte eine Delegation der 3. Abteilung des Baurekurs-
gerichts im Beisein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch.
Im Anschluss wurde das Verfahren im gegenseitigen Einvernehmen sistiert
(Protokoll S. 7), bis die Rekurrierenden mit Eingaben vom 4. und 5. April
2019 die Fortsetzung verlangten.

Es kommt in Betracht:
1.
Das Baugrundstück liegt gemäss geltender Bau- und Zonenordnung der
Gemeinde X in der Wohnzone W1.4 mit Empfindlichkeitsstufe ES II in einer
von Einfamilienhäusern mit grosszügigem Umschwung geprägten Umge-
bung. In nördlicher und nordwestlicher Richtung wird das Baugrundstück
lediglich durch die rekurrentischen Liegenschaften und die Stichstrasse B.
vom anschliessenden Wald abgegrenzt. In südlicher Richtung wird es
ebenfalls durch nur eine Bautiefe und die das Baugebiet abschliessende
G.-Strasse von der Landwirtschaftszone getrennt.
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Das Baugrundstück selber ist im nordöstlichen Teil mit einem Einfamilien-
haus überbaut. Westlich davon liegt das freistehende Garagengebäude
Vers.-Nr. 1, in welchem der Hühnerstall untergebracht ist und in dessen
Westfassade der Zugang zum Freilaufgehege für die zehn Hühner und den
Hahn angebracht wurde.
Mit der angefochtenen Bewilligung wurde unter anderem die nachträgliche
Bewilligung für das Hühnerhaus und die damit verbundene Hühnerhaltung
erteilt. Nebenbestimmungsweise wurden in Ziffer 3 die folgenden Auflagen
statuiert:
3.2 Der Hahn darf von werktags ab 08:00 Uhr und sonntags ab 09:00 Uhr bis jeweils 22:00 Uhr ins Freie gelassen werden. In der übrigen Zeit ist er in einem abgedunkelten Stall zu halten.
3.3 Der Stall muss genügend schallisoliert sein.
2.
Die Rekurrierenden 1–3 sind direkte Anstösser und Eigentümer der in west-
licher und nördlicher Richtung direkt an das Baugrundstück angrenzenden
Grundstücke Kat.-Nrn. 2, 3 und 4. Angesichts dieser nachbarlichen Bezie-
hungen und der vorgebrachten Rügen (insbesondere Lärmimmissionen)
sind die Rekurrierenden mehr als beliebige Dritte von der angefochtenen
Baubewilligung betroffen, so dass sie zur Rekurserhebung im Sinne von
§ 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) ohne Weiteres legitimiert
sind. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den
Rekurs einzutreten.
3.
Zusammengefasst stören sich die Rekurrierenden am Lärm, der insbeson-
dere durch den Hahn verursacht werde. Bei sämtlichen Rekurrierenden
seien die Gartensitzplätze gegen Süden und damit gegen das Freigehege
ausgerichtet. Die Rekurrierenden haben selbständig Lärmmessungen,
Stichproben und Videoaufnahmen getätigt. Gemäss der Rekurrentschaft 2
habe der Hahn im Zeitraum vom 6.–11. September 2018 im Durchschnitt
ca. zehnmal pro Stunde gekräht, an manchen Tagen bis zu 14,5-mal pro
Stunde. Es scheine, dass der Hahn die neunte Stunde am Morgen zum
Krähen bevorzuge. Diese Frequenz, auf die Minute heruntergerechnet, be-
deute, dass der Hahn in etwa alle fünf bis zehn Minuten krähe. Dies möge
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auf den ersten Blick als wenig erscheinen. Berücksichtige man die Tatsa-
che, dass der Hahn in manchen Stunden bis zu 44-mal gekräht habe, somit
alle 1,5 Minuten, sei verständlich, dass das Ohr der Rekurrierenden sensi-
bilisiert werde und jedes weitere Krähen nerve.
Der Rekurrent 1 hat mit einer App die Dezibel durch sein Küchenfenster
gemessen, welches in einer Distanz von ca. 15 m zum Hühnergehege lie-
ge. Dabei seien Messwerte bis zu 84 dB(A) festgehalten worden. Auch auf
den Videoaufnahmen der Rekurrentschaft 3 sei das Krähen des Hahns gut
hörbar.
Mit diesen Lärmimmissionen könnten sich die Rekurrierenden nicht abfin-
den. Das Krähen des Hahns sei objektiv erheblich störend im Sinne von
Art. 15 des Umweltschutzgesetzes (USG) und eine erhebliche Belästigung
im Sinne von Art. 20 Abs. 1 der kommunalen Polizeiverordnung (PolVO).
Das Hühnergehege befinde sich in Lauflinie [vermutlich Luftlinie] ihrer Sitz-
plätze und störe erheblich. Eine Verlegung des Geheges in südöstlicher
Richtung sei durchaus realisierbar. Es sei zwar verständlich, dass die pri-
vate Rekursgegnerschaft eine hobbymässige Hühnerhaltung zu betreiben
wünsche. Ob sie aber dieselbe Hühnerhaltung betreiben würde, wenn das
Hühnergehege auf deren Liegenschaft und Sitzplatz hin ausgerichtet wäre,
werde bezweifelt.
Zu ergänzen sei, dass der Hahn auch nachts zu hören sei, auch wenn dies
bisher nur am Rande thematisiert und/oder das Gegenteil verstanden wor-
den sei. Das Krähen in der Nacht, wenn auch nur vereinzelt, wirke sich stö-
rend aus, weil der Hahn bereits tagsüber krähe und das nicht selten, wie
die Stichproben gezeigt hätten. Mit der Auflage einer gehörigen Isolation
gemäss Dispositivziffer 3.3 der Baubewilligung werde diesem Umstand
Rechnung getragen. Die Rekurrierenden würden sich allerdings ausdrück-
lich vorbehalten, bei der Vorinstanz Anzeige zu erstatten, sofern sich die
Schallisolierung als ungenügend erweisen sollte.
4.
In der Wohnzone sind Bauten, die Wohnraum enthalten, ohne Weiteres zo-
nenkonform. Dies gilt zudem für Bauten, die zum Wohnen zusätzlich nötig
sind, wie Garagen oder Gartenhäuser. Ebenso fällt die Hobbynutzung unter
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den Begriff der Wohnnutzung im Sinne von § 52 Abs. 1 PBG (vgl.
BEZ 1998 Nr. 32).
Hobbynutzung ist grundsätzlich als Teil der Wohnnutzung anzusehen. Das
Wohnen in einer dafür bestimmten Zone wird unter anderem gerade
dadurch charakterisiert, dass deren Bewohner im allgemeinen die Möglich-
keit haben, in ihren Gärten verschiedenen Freizeitbeschäftigungen nach-
gehen zu können. Dies verhält sich auch dann nicht anders, wenn Nutztiere
Gegenstand der hobbymässigen Beschäftigung bilden. Eine hobbymässige
Hühnerhaltung fällt ebenso unter den Begriff der Wohnnutzung im Sinne
von § 52 Abs. 1 PBG wie das Halten von Haustieren oder die Ausübung
sportlicher oder kreativer Tätigkeiten und erweist sich daher als zonenkon-
form.
Wann eine Tierhaltung noch als hobbymässig bezeichnet werden kann,
hängt von der Zweckbestimmung der Tiere ab. Nur diejenige Tierhaltung ist
zonenkonform, die rein privaten Zwecken, also der eigenen Freizeitbetäti-
gung dient (vgl. dazu Carmen Walker Späh in pbg-aktuell, 1/2004).
Vorliegend ist die hobbymässige Hühnerhaltung unbestritten. Der Vollstän-
digkeit halber ist festzuhalten, dass der privaten Rekursgegnerschaft mit
dem bewilligten Hühnerstall die Möglichkeit fehlt, eine für ein Gewerbe nö-
tige Anzahl Tiere zu halten. Es ist deshalb von einer in der Wohnzone ohne
Weiteres zonenkonformen Hobbytierhaltung auszugehen. Zu beachten ist
jedoch, dass neben der Zonenkonformität stets auch die baupolizeilichen
und insbesondere aufgrund der zu erwartenden Immissionen bei Tierhal-
tungen auch die umweltschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein
müssen, damit eine Bewilligung gesprochen werden kann. Dies ist im Fol-
genden zu prüfen.
5.1.
Die Haltung von Hühnern und insbesondere von Hähnen führt naturgemäss
zu Immissionen. Die Tiere erzeugen durch Gackern und Krähen Lärm und
produzieren Mist, der auch bei regelmässiger Abfuhr für eine gewisse Zeit
gelagert werden muss. Die Frage, ob eine konkrete Hobbytierhaltung auf-
grund der durch sie verursachten Immissionen durch Lärm und Geruch
nicht oder nur unter Nebenbestimmungen zulässig ist, betrifft nicht die Zo-
nenkonformität, sondern ist für sich anhand der einschlägigen Vorschriften
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der Umweltschutzgesetzgebung zu überprüfen und führt zu grossen Ein-
schränkungen.
Vorliegend geben die Lärmimmissionen Anlass zu Streitigkeiten. Gemäss
Art. 7 Abs. 1 der Lärmschutzverordnung (LSV) ist der aus dem Betrieb
neuer ortsfester Anlagen resultierende Lärm so weit zu begrenzen, als dies
technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (lit. a); zu-
dem dürfen die von der Anlage allein erzeugten Lärmimmissionen die Pla-
nungswerte nicht überschreiten (lit. b). Fehlen Belastungsgrenzwerte, so
beurteilt die Vollzugsbehörde die Lärmimmissionen nach Art. 15 USG und
unter Berücksichtigung der Art. 19 und 23 USG (Art. 40 Abs. 3 LSV). Im
Rahmen einer solchen Einzelfallbeurteilung sind der Charakter des Lärms,
Zeitpunkt und Häufigkeit seines Auftretens sowie die Lärmbelastung zu be-
rücksichtigen. Dabei ist nicht auf das subjektive Lärmempfinden einzelner
Personen abzustellen, sondern es ist eine objektivierte Betrachtung unter
Berücksichtigung von Personen mit erhöhter Empfindlichkeit vorzunehmen
(vgl. Art. 13 Abs. 2 USG).
5.2.
Die Anzahl der gehaltenen Tiere ist vorliegend bereits durch die geringe
Grösse des Hühnerhauses von 0,8 m x 2 m beschränkt.
Neben quantitativen Einschränkungen durch Bestimmungen der maximal
zulässigen Anzahl Tiere können die Baubehörden jedoch im Rahmen des
Umweltrechts auch weitere konkrete Massnahmen anordnen, um die Im-
missionen in Grenzen zu halten.
Das Gackern von Hühnern ist als von geringer Intensität zu bezeichnen,
weshalb das Halten von wenigen Hühnern ohne Hahn von vornherein als
unproblematisch erscheint. Das Krähen eines Hahnes indessen wird vom
menschlichen Ohr als relativ intensiv empfunden. Insbesondere die früh-
morgendlichen Rufe wecken die Nachbarn zu unerwünschter Stunde. Häh-
ne sollten deshalb ihre Lautäusserungen in Wohngebieten nicht uneinge-
schränkt verbreiten können. Bei geeigneten baulichen Massnahmen und
unter Berücksichtigung des konkreten Umfeldes bedeutet dies jedoch nicht,
dass das Halten von Hähnen in der Wohnzone gänzlich zu untersagen ist.
Als wichtigste Massnahme ist die Beschränkung der Zeit, in der sich die
Tiere im Freien aufhalten – insbesondere der frühen Morgenstunden – zu
betrachten. Verbringen Hühner und Hähne die Nacht in einem Gebäude, ist
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dies mit einer Haustierhaltung vergleichbar, etwa jener eines Hundes, der
sich tagsüber regelmässig im Garten aufhält und dabei zeitweise bellt. Da
die Hühner jedoch nicht ins Wohnhaus geholt werden, sind auch gewisse
Anforderungen an das Hühnerhaus zu stellen, damit der Schall der krähen-
den Hähne in den Ruhezeiten entscheidend gedämmt wird.
5.3.1.
Beim streitbetroffenen Hühnerhaus handelt es sich um eine Kleinbaute ein-
facher Ausführung, die mit Schalungsplatten und Plexiglas gebaut und mit
einer Luftpolsterfolie bedeckt wurde (Protokoll S. 6, 17 f. Fotos 20–22). Das
Hühnerhaus liegt im "Dachgeschoss" des Garagengebäudes, welches zwar
nicht besonders isoliert ist (das Dach besteht nur aus auf den Dachlatten
aufliegenden Ziegeln), dennoch ist durch das geschlossene Haus um den
Stall von einer positiven Beeinflussung des Geräuschpegels auszugehen.
Der Ausgang vom Hühnerhaus ins Aussengehege ist durch ein einfaches
Holztürchen verschliessbar, dessen schallisolierende Eigenschaften be-
zweifelt werden dürfen. Dies bestätigte sich auch anlässlich des Augen-
scheins, da der Hahn noch bevor er aus dem Stall gelassen wurde, zu hö-
ren war. Die Rekurrierenden anerkennen, dass die Vorinstanz sich dieser
Problematik auflageweise angenommen hat. Die private Rekursgegner-
schaft ist entsprechend darauf hinzuweisen, dass die vorliegende Konstruk-
tion diesem Erfordernis bei weitem nicht genügend Rechnung trägt. Als ge-
nügend erachtet wurde beispielsweise das im von der Vorinstanz in der
Bewilligung herangezogenen Entscheid BRKE I Nr. 0108 und 0109/2007
vom 25. Mai 2007 (BEZ 2007 Nr. 36) streitbetroffene Hühnerhaus, welches
über eine doppelte Holzwand mit 8 cm starker Isolationsschicht aus Stein-
wolle sowie über eine Doppelverglasung verfügte.
Wird der bestehende Stall zusätzlich isoliert, wird möglicherweise eine zu-
sätzliche Öffnung zur Luftversorgung der Tiere notwendig. Zu deren Wohl
kann vermutlich nicht auf ein Fenster oder eine sonstige Öffnung verzichtet
werden. Dieses kann den Stall jedoch beispielsweise ins Innere der Garage
entlüften und damit von den Rekurrierenden weg. Die von der Vorinstanz
verfügte Auflage, der Stall müsse "genügend schallisoliert" sein, ist damit
‒ wie dies auch die Rekurrierenden anerkennen – genügend.
5.3.2.
Was die Ruhezeiten betrifft, so genügen die gemäss der Polizeiverordnung
in Art. 14 Abs. 2 festgelegten Nachtruhezeiten von 22:00 Uhr bis 7:00 Uhr
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bei einer regelmässigen Lärmbelastung durch das Halten eines Hahns im
Garten nicht, weshalb die Vorinstanz bereits anordnete, der Hahn dürfe
werktags erst ab 8:00 Uhr und sonntags ab 9:00 Uhr ins Freie gelassen
werden.
Bei der Festlegung der verbindlich einzuhaltenden Nachtruhezeiten sind die
Interessen der Nachbarn zu berücksichtigen. Im Rahmen einer Interessen-
abwägung ist aber auch das Wohl der Tiere ist zu beachten, wobei festzu-
halten ist, dass das Tierschutzgesetz (TSchG) keine Grundlage bietet,
Nachbarn zum Zwecke einer artgerechten Tierhaltung belästigen zu dürfen.
Kann eine Tierhaltung unter den lärmschutzrechtlichen Auflagen nicht art-
gerecht eingerichtet werden, kann sie nicht aufrechterhalten werden.
Bei der Festlegung der Stallzeiten empfehlen die im August 2012 durch die
Baudirektion Kanton Zürich zur Stellungnahme zur Haltung von Hühnern
und Hähnen im Wohngebiet eingeladenen relevanten Organisationen einen
Auslauf von 7:00 Uhr bzw. 8:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr abends
(http://www.laerm.ch/dokumente/laermsorgen/Tierlaerm_Huehner_Stellung
nahmen_Organisationen.pdf). Besonders in den heissen Sommermonaten
seien die frühen und späten Stunden des Tages am wertvollsten für die
Tiere. Dabei ist für das menschliche Wohlbefinden das Augenmerk insbe-
sondere auf die Morgenstunden zu richten, zumal sich die Zeiten, in denen
die die Tiere in den Stall treibende Dämmerung erst zu späterer Stunde
einsetzt, in unseren Breitengraden sehr in Grenzen halten und entspre-
chend eine Festlegung vor 22 Uhr unnötig erscheint, zumal insbesondere in
den kälteren Jahreszeiten aufgrund der früh einsetzenden Dämmerung die
Tiere den selbständigen Rückzug frühzeitig antreten. Dies auch wenn die
II. Zivilabteilung des Bundesgerichts im Rahmen einer zivilrechtlichen Strei-
tigkeit im Jahre 1996 ein Verbot, einen Hahn zwischen 20 Uhr und 7 Uhr
ins Freie zu lassen, als innerhalb des richterlichen Ermessensspielraums
gelegen bestätigt hat, handelte es sich doch in jenem Fall um eine Tierhal-
tung in einem städtisch geprägten Wohnquartier (BGr 5C.249/1994 vom
5. Januar 1996). Hingegen erweist sich ein für Menschen längeres Ruhe-
bedürfnis als dasjenige eines Hahns in den Morgenstunden als durchaus
plausibel, wie auch eine starke Störung der schlafenden Nachbarn, wenn
derselbe frühmorgens seine Präsenz durch Krähen markiert. Vorliegend
wurde den nachbarlichen Interessen mit einem späteren Freilauf des
Hahns, nämlich ab 8:00 Uhr bzw. sonntags ab 9:00 Uhr, genügend Rech-
nung getragen.
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5.4.
Zu prüfen ist, ob mit einer allfälligen Verlegung des Stalls oder des Auslaufs
ein besserer Immissionsschutz erreicht werden könnte, was jedoch aus den
folgenden Gründen zu verneinen ist: Würde der Auslauf an die Nordfassa-
de der Garage verlegt, würde dies allenfalls lediglich zu einer geringen Ver-
schiebung zugunsten der Liegenschaft der Rekurrentschaft 1 und zulasten
der Liegenschaften der Rekurrentschaften 2 und 3 führen. Eine Verlegung
an die Südfassade erweist sich als nicht praktikabel, da dort die Zufahrt
zum Garagengebäude liegt, und an der Ostfassade müsste das Gelände
zuerst renaturiert werden (Protokoll S. 19 Fotos 23–24). Dies erscheint ins-
besondere unter dem Aspekt, dass damit höchstens eine geringfügige Än-
derung der Immissionen erreicht werden könnte, als nicht verhältnismässig.
Zum einen ist nicht davon auszugehen, dass sich der Schall eines im
Freien krähenden Hahns durch die Verschiebung seines Aufenthaltsortes
um wenige Meter wesentlich abschwächen würde. Zum anderen würde
durch diese Massnahme der Abstand zur Rekurrentschaft 3 und zu ande-
ren Nachbarn gegenüber dem heutigen Standort verkleinert. Noch weniger
sinnvoll wäre es, das Hühnerhaus irgendwo sonst im Garten der privaten
Rekursgegnerschaft aufzustellen, zumal hier mit dem Garagengebäude ein
optimales Gebäude, das zudem für einen zusätzlichen Schallschutz sorgt,
genutzt werden kann.
Die Rekurrierenden monieren, dass der Hahn bis zu 47-mal pro Stunde ge-
kräht habe, wie sie in ihren Stichproben behaupten (act. 4.13). Anzumerken
ist, dass es sich dabei – wie die Rekurrierenden selber festhalten – um
Stichproben handelt, die im Übrigen von der Rekursgegnerschaft bestritten
werden. Bemerkungsweise ist festzuhalten, dass der Augenschein mit Ab-
sicht auf die neunte Stunde des Tages, gemäss den Rekurrierenden die
"aktivste" Stunde des Hahns, gelegt wurde, mit dem Hinweis an die private
Rekursgegnerschaft, den Hahn erst nach Beginn des Augenscheins aus
dem Stall zu lassen (act. 22). Anlässlich des Lokaltermins konnte entspre-
chend festgestellt werden, dass der Hahn im Stall hörbar krähte. Diesem
Umstand wurde mit der verfügten Isolation Rechnung getragen. Sobald der
Hahn um 8:10 Uhr ins Freie gelassen wurde, krähte er bis zum Schluss des
Augenscheins um 8:50 Uhr lediglich zweimal. Auch hierbei handelt es sich
selbstverständlich nur um eine Stichprobe. Gleiches gilt für die von den Re-
kurrierenden eingereichten Videoaufnahmen (act. 11): Einzig beim Katzen-
video ist das Krähen des Hahns gut zu hören, jedoch nur einmal. Bei den
anderen Videos ist es in den Umgebungsgeräuschen kaum wahrnehmbar.
R3.2018.00180 Seite 11
Wie die Vorinstanz richtigerweise festhält, sind sie damit nicht geeignet, ei-
ne das Wohlbefinden störende Lärmbelastung zu dokumentieren. Auch die
gemachten Lärmmessungen der Rekurrierenden sind nur bedingt tauglich:
Fraglich ist zum einen die Genauigkeit von mit Mobiltelefonen durchgeführ-
ten Lärmmessungen. Zum anderen handelt es sich auch hier nur um nicht
aussagekräftige Stichproben.
In die Beurteilung mit einzubeziehen ist alsdann auch die konkrete Umge-
bung des Baugrundstücks. Wie bereits aufgezeigt, wird dieses gegen Sü-
den wie auch gegen Norden nur gerade durch je eine Bautiefe vom Nicht-
baugebiet getrennt. Der Augenschein zeigte eine äusserst ländliche Umge-
bung mit Wald und landwirtschaftlicher Nutzung im nächster Nachbar-
schaft. In einem solchen Umfeld erweist sich das Krähen eines tagsüber
freilaufenden und nachts in einem isolierten Hühnerhaus untergebrachten
Hahns in Übereinstimmung mit der geltenden Rechtsprechung als mit dem
Zonencharakter durchaus verträglich ist; es wird vom durchschnittlich emp-
findlichen Menschen noch als jenes Mass an Belärmung erlebt wird, wel-
ches allgemein zu ertragen ist (Entscheid BRKE I Nr. 0108 und 0109/2007
vom 25. Mai 2007 in BEZ 2007 Nr. 36, E. 7.4).
Entsprechend ist festzuhalten, dass sich die streitbetroffene Hühnerhaltung
mit Hahn mit den von der Vorinstanz statuierten Auflagen als bewilligungs-
fähig erweist. Weitere Massnahmen erscheinen weder zweck- noch ver-
hältnismässig.
5.5.
Geruchsimmissionen wurden von den Rekurrierenden nicht substanziiert
vorgebracht und waren anlässlich des Augenscheins auch nicht feststell-
bar.
6.