Decision ID: 59e12385-0026-5ecc-a149-769afad05530
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._, geboren am (...) 1957 (nachfolgend: Versicherter oder Be-
schwerdeführer), ist Schweizer Staatsangehöriger, seit 1996 verheiratet
und hat zwei Kinder (geb. 1999). Von Januar 1975 bis Mai 2007 leistete er
während 385 Monaten Beiträge an die Schweizerische Alters- und Invali-
denversicherung. Seit Mitte 2007 lebt er in Finnland und war dort, zuletzt
seit 30. Juli 2012, als Malermeister (Maler-, Verputz- und Gipserarbeiten in
Gebäuden und im Aussenbereich von Gebäuden) in einem vollen Pensum
arbeitstätig (Akten der Vorinstanz [IV] 1.7-8, 6, 10, 44).
B.
B.a Am 1. Februar 2016 stürzte der Versicherte auf dem Arbeitsweg bei
Glätte und verletzte dabei die rechte Schulter. In der Folge war er ab
23. Februar 2016 in seiner Tätigkeit als Maler arbeitsunfähig (IV 3.25-26,
36). Nachdem die konservative Behandlung erfolglos blieb, erfolgte am
1. September 2016 die Operation des rechten Schultergelenks (Wieder-
herstellung der Rotatorenmanschette bei Luxation der Bizepssehne mit
partieller Ruptur und kompletter Ruptur der Supraspinatussehne (IV 3.13-
14, 30). Im Rahmen der Rehabilitation unter Physiotherapie verbesserte
sich die Beweglichkeit der Schulter und die Schmerzhaftigkeit, es verblieb
jedoch ein massgeblicher Kraftmangel in der rechten Schulter, weshalb der
Versicherte seine Arbeitstätigkeit nicht wieder aufnehmen konnte (vgl. z.B.
IV 14.46-48, 24). Zusätzlich wurden Abklärungen hinsichtlich der Lenden-
wirbelsäule (mit allfälligen Auswirkungen auf die unteren Extremitäten) so-
wie des linken Knies durchgeführt (IV 14.21, 14.23 ff.).
B.b Am 30. August 2017 stellte der Versicherte mittels zwischenstaatlichen
Verfahrens bei der IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend
auch: Vorinstanz) ein Leistungsbegehren für eine Schweizer Invalidenrente
(IV 1.9).
B.c Nach Konsultation ihres medizinischen Dienstes stellte die Vorinstanz
dem Beschwerdeführer mit Vorbescheid vom 22. März 2018 die Abweisung
des Rentenbegehrens in Aussicht mit der Begründung, bei Vorliegen eines
IV-Grades von 33 % bestehe kein Rentenanspruch (IV 47). Nachdem der
Versicherte am 20. April 2018 via seine finnische Rechtsvertreterin seinen
Einwand eingereicht hatte (IV 50, 56), wies die Vorinstanz – nach Einholen
einer weiteren Beurteilung ihres medizinischen Dienstes vom 26. Mai 2018
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(IV 59) – das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 11. Juni 2018 wie an-
gekündigt ab (IV 60).
C.
C.a Am 13. Juli 2018 (Poststempel) reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung
der Verfügung vom 11. Juni 2018. Er begründete dies damit, dass die ge-
sundheitlichen Abklärungen in Finnland noch nicht abgeschlossen seien
und im Krankenhaus in der Abteilung «Fysiatrie» die Abklärungen hinsicht-
lich Rücken, Nerven, Knie und Handgelenken weitergeführt würden. Er ver-
wies weiter darauf, dass er in Finnland als (dauerhaft) arbeitsunfähig und
dadurch frühpensioniert eingestuft worden sei (Beschwerdeakten
[B-act.] 1). Am 22. August und am 6. Oktober 2018 reichte er weitere me-
dizinische Akten («Fysio-» und «Lymfaterapia» sowie Spitalabklärungen in
der Abteilung «Fysiatrie») vom 19. Februar, 3. Juli, 25. Juli und vom 1. Ok-
tober 2018 nach und verwies darauf, dass die Abklärungen nunmehr bis
auf Weiteres abgeschlossen seien (B-act. 6, 9).
C.b Am 14. August 2018 ging der Kostenvorschuss von Fr. 800.– aufforde-
rungsgemäss bei der Gerichtskasse des Bundesverwaltungsgerichts ein
(B-act. 4).
C.c In ihrer Vernehmlassung vom 9. November 2018 beantragte die Vor-
instanz die Abweisung der Beschwerde. Sie verwies in ihrer Begründung
auf die eingeholten Beurteilungen von Dr. B._, FMH Allgemeine
Medizin, ihres medizinischen Dienstes, wonach der Beschwerdeführer in
seiner bisherigen Tätigkeit als Baumaler zwar nicht mehr arbeitsfähig sei,
ihm indes gemäss anwendbarem Schweizer Sozialversicherungsrecht die
Tätigkeit in einer leichten bis mittelschweren Verweistätigkeit auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt im vollen Umfang zu-
mutbar sei. Bei der Bestimmung des Invalidenlohnes seien die persönli-
chen und beruflichen Umstände (insbesondere das Alter des Beschwerde-
führers) berücksichtigt und deshalb ein maximaler Abzug von 25 % ge-
währt worden. Die ermittelte Erwerbseinbusse von 33 % ergebe keinen An-
spruch auf eine Invalidenrente.
C.d In seiner Replik vom 2. Januar 2019 hielt der Beschwerdeführer an
seinem Antrag fest und begründete dies damit, dass er mehr als 33 % in
seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, wie seine Ärzte in Finnland in
einer ganzheitlichen Betrachtung bestätigen würden. Er finde keinen Ar-
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Seite 4
beitgeber mehr, der ihn anstelle, da er nicht mehr Gewichte in regelmässi-
gen Abständen heben könne und die noch vorhandene Kraft im rechten
Arm eingeschränkt sei. Dazu komme das Problem mit dem Rücken und
dem linken Bein, was sich als unsicheres Gehen auf die Belastung des
Körpers und des rechten Oberarms auswirke. Diese Beeinträchtigung be-
stehe erst seit dem Unfall, bei welchem er beim Aufsperren einer Tür we-
gen den vereisten Treppenstufen eine Treppe zurück auf den Gehsteig hin-
untergestürzt sei. Es stimme zwar, dass er Gartenarbeiten verrichte und
Sport (wie z.B. Yoga) betreibe, das gehöre zur Bewegungstherapie, aus
diesen Angaben könnten jedoch keine abschliessenden Schlussfolgerun-
gen zu seiner Arbeitsunfähigkeit gezogen werden (B-act. 15).
C.e Duplikweise hielt die Vorinstanz am 6. Februar 2019 an ihrem Antrag
auf Abweisung der Beschwerde fest (B-act. 17).
C.f Mit prozessleitender Verfügung vom 12. Februar 2019 schloss das
Bundesverwaltungsgericht den Schriftenwechsel ab (B-act. 18).
D.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG (SR 831.20) sowie Art. 5 VwVG beurteilt das Bundesver-
waltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügun-
gen der IVSTA. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Indes findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das ATSG (SR 830.1) anwend-
bar ist. Nach den allgemeinen intertemporalen Regeln finden diejenigen
Verfahrensregeln Anwendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeur-
teilung in Kraft stehen (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; er ist durch die angefochtene Verfügung vom 11. Juni 2018 berührt
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Seite 5
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59 ATSG).
Er ist daher zur Beschwerde legitimiert.
1.4 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 i.V.m.
Art. 38 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, nachdem auch
der auferlegte Kostenvorschuss innert der auferlegten Frist geleistet wurde
(Art. 63 Abs. 4 VwVG), einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE 2013/46 E. 3.2).
2.3 Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der erstinstanzliche Sozi-
alversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
(vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; Art. 61 Bst. c ATSG; Art. 12 VwVG). Danach hat
die Verwaltung und im Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes we-
gen für die richtige und vollständige Abklärung des erheblichen Sachver-
halts zu sorgen (vgl. BGE 136 V 376 E. 4.1.1). Sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, gilt im Sozialversicherungsrecht der Be-
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 143 V 168 E. 2;
138 V 218 E. 6).
3.
3.1 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 11. Juni 2018 in Kraft standen; weiter aber auch Vor-
schriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
C-4133/2018
Seite 6
3.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 11. Juni 2018) eingetretenen Sachverhalt ab
(BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verän-
dert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsver-
fügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
3.3 Der Beschwerdeführer ist Schweizer Staatsbürger. Aufgrund seines
Wohnsitzes in Finnland besteht in räumlicher Hinsicht ein internationaler
Sachverhalt mit Bezug zur EU, weshalb das am 1. Juni 2002 in Kraft ge-
tretene Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eid-
genossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR
0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung
der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des FZA, insbeson-
dere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verordnungen
(EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zu beachten sind. Seit dem 1. Januar 2015 sind
auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4).
4.
Angefochten ist die Verfügung der IVSTA vom 11. Juni 2018, in welcher die
Vorinstanz das Leistungsgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen hat.
4.1 Es ist unbestritten und aktenkundig, dass der Beschwerdeführer wäh-
rend mehr als drei Jahren Beiträge im Sinn von Art. 36 Abs. 1 IVG geleistet
hat (vgl. Bst. A. hiervor). Die Anspruchsvoraussetzung der Mindestbei-
tragsdauer ist demnach erfüllt.
4.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
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Seite 7
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
4.3 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c).
4.4 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindes-
tens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine
ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als
50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbe-
zahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG)
in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschränkung gilt jedoch
nicht für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der
Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (Art. 7
VO [EG] 883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1).
4.5 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-
spruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die
Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (zum Verhältnis zwischen Art. 28
Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 IVG vgl. BGE 142 V 547 E. 3.2).
C-4133/2018
Seite 8
4.6
4.6.1 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwal-
tung und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztli-
chen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stel-
len sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.6.2 Zwar gilt für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsver-
fahren der Grundsatz der freien Beweiswürdigung, doch hat die Rechtspre-
chung in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gut-
achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufgestellt (vgl. BGE 125 V 351
E. 3b). Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be-
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in
einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht
schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es be-
darf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar-
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen
(BGE 135 V 465 E. 4.4 m.H. auf 125 V 351 E. 3b/ee).
4.6.3 Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht
nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf Berichte versiche-
rungsinterner medizinischer Fachpersonen zu entscheiden. In solchen Fäl-
len sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem
Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässig-
keit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärun-
gen vorzunehmen sind (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465; 122 V 157
E. 1d). Die Stellungnahmen des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) und
des medizinischen Dienstes der IVSTA sind als versicherungsinterne Be-
richte zu würdigen (vgl. betreffend RAD Urteile des BGer 9C_159/2016
C-4133/2018
Seite 9
vom 2. November 2016 E. 2.2 f.; 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4).
Solche Stellungnahmen, welche nicht auf eigenen Untersuchungen des
RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA beruhen, können wie Ak-
tengutachten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und
es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest-
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche
Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Ur-
teile des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht
insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe-
stellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizi-
nisch zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 mit
Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie
haben die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen,
wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten
eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die an-
dere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu-
nehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen
Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme
einer versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschlies-
sende Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Ab-
klärungen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März
2011 E. 3.3).
5.
5.1 In den Akten finden sich folgende massgebenden Beurteilungen der
behandelnden Ärzte zuhanden der finnischen Sozialversicherung (alle ge-
nannten Diagnosen klassifiziert nach ICD-10; vgl. zu den einzelnen Beur-
teilungen hiernach [auch] E. 5.4):
 C._, Bericht vom 29. September 2013, Diagnose M54.5 (Kreuz-
schmerz, Lumbago); Röntgenbild vom 3. Oktober 2013, und Arztbericht
D._, Radiologe (IV 8.1-2, 14.44-45)
 Journal der Verlaufskontrollen vom 23. Februar – 2. Mai 2016, datiert vom
9. Mai 2016 (IV 14.38-42)
o E._, E-Bericht (Anmerkung Gericht: elektronisch erstellter Arzt-
bericht): Stellungnahme zum Arbeitsunfall vom 23. Februar 2016
C-4133/2018
Seite 10
(IV 3.25-26, 14.111-112, 36 [Übersetzung {Ü}]) und Konsultation vom
29. Februar 2016 (IV 14.38-39); Diagnose: S 46.1 (Verletzung von
Muskel und Sehne des Caput longum des M. biceps brachii)
o E._, E-Bericht vom 15. März 2016 (IV 3.23-24, 14.39 f., 14.113-
114, 35 [Ü]); Diagnose: S46.0 "Verletzung der Muskeln und Sehnen
der Rotatorenmanschette"; weitere Diagnose: B35.1 "Tinea Unguium"
(Mykose der Nägel)
o F._, Orthopäde und Traumatologe, E-Stellungnahme vom
28. April 2016; Diagnose: M75.1 "Verdacht auf Ruptur der Rotatoren-
manschette rechts" (IV 3.21-22, 14.115-116, 34 [Ü])
o G._, Bericht vom 29. April 2016 zur Diagnose M75.1 "Läsion
der Rotatorenmanschette" (IV 14.41-42)
 H._, Radiologiebericht (Schulter MRI vom 4.5.2017) vom 7. Mai
2016 (IV 14.37, 14.117-118, 33 [Ü])
 F._, Orthopäde und Traumatologe, E-Bericht vom 12. Mai 2016,
Diagnose: S46.0 "Ruptur Rotatorenmanschette rechts" (IV 14.119-120,
32 [Ü])
 F._, Orthopäde und Traumatologe, Kurzbericht zum Schulter-MRI
vom 13. Mai 2016; Diagnose: M75.1 "Läsion der Rotatorenmanschette"
(IV 14.33)
 I._, Physiotherapie-Bericht nach 10 Therapie-Sitzungen vom
27. Mai 2016 (IV 3.28, 14.80, 38 [Ü])
 J._, Arztbericht, vom 13. Juli 2016; Diagnose: S46.0 Ruptur Rota-
torenmanschette rechts. Äussere Ursache W19: nicht spezifisches Kippen
oder Fallen. Art des Unfalls: Y96.0: Arbeitsunfall oder arbeitsbedingte ex-
terne Faktoren (IV 14.32)
 K._, Facharzt Orthopädie, E-Bericht vom 17. August 2016; Konsul-
tation vom selben Tag. Diagnose: S46.0 Ruptur der Rotatorenmanschette
rechts. Operation rechte Schulter geplant (IV 3.15-16, 14.121-122, 31 [Ü])
 K._, Facharzt Orthopädie, E-Bericht, Operationsbericht: Schul-
teroperation vom 1. September 2019 (IV 3.13-14, 7, 14.123-124, 30 [Ü])
 K._, Facharzt Orthopädie, E-Bericht vom 23. November 2016. Ge-
plante Massnahme: weitere Physiotherapie (IV 14.125-126, 41 [Ü])
 K._, Facharzt Orthopädie, E-Bericht vom 11. Januar 2017. Kon-
trolle der Schulter. Physiotherapie fortsetzen (IV 14.127-128, 39 [Ü])
C-4133/2018
Seite 11
 L._, Neurophysiologe, ärztlicher Bericht mit ENMG vom 19. Januar
2017 und Messung des Nervenwegs der unteren Extremitäten auf beiden
Seiten. Diagnose M54.1 (Radikulopathie). Beurteilung: leichte chronische
Schädigung des Segmentes L4 (IV 14.23-25)
 M._, Physiotherapie-Bericht vom 23. Februar 2017 (IV 14.76-77,
42 [Ü])
 Röntgenberichte Knie links und MRI LWS vom 28. Februar/1. März 2017
Diagnosen: M48.0: Spinalkanalstenose; M17.1: primäre Gonarthrose links
(IV 14.16 f., B-act. 11 Bl. 5 S. 3-4 [Ü])
 F._, Facharzt Orthopädie und Traumatologie, E-Bericht vom
2. März 2017. Schulter-Funktionsprüfung. Beurteilung: weiterhin Physio-
therapie notwendig, um Kraft aufzubauen. Arbeit besteht aus Verputz- und
hauptsächlich Malerarbeiten mit vielem Heben und Tragen. Krankenstand
wird bis 15. April 2017 verlängert (IV 3.31-32, 14.129-130, 40 [Ü])
 N._, Verlaufsbericht vom 16. März 2017 zu den verschiedenen Un-
tersuchungen und zum weiteren Vorgehen. Diagnosen: M48.0 Spinalka-
nalstenose, M17.1 primäre Gonarthrose beidseitig (IV 14.16, 14.18, B-act.
11 Bl. 7 S. 1-2 [Ü])
 K._, Facharzt Orthopädie und Traumatologie, Versicherungs-Gut-
achten-B1 vom 5. April 2017 (IV 3.8-12, 14.63-67, 28-29 [Ü])
 K._, Facharzt Orthopädie und Traumatologie, Versicherungs-Gut-
achten-A und B1 vom 26. April 2017. Diagnose: S46.0 Verletzung der Mus-
keln und Sehnen der Rotatorenmanschette (IV 14.34-35, 14.59-62, 27 [Ü])
 K._, Facharzt Orthopädie und Traumatologie, Versicherungs-Gut-
achten-A und B1 vom 15. Juni 2017 (IV 3.4-5, 14.56-58, 26 [Ü])
 N._, Bericht vom 5. Juli 2017; Diagnose: S46.0 Verletzung der
Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette (IV 14.11, B-act. 11 Bl. 7
S. 2-3 [Ü])
 J._, E-Bericht vom 21. Juli 2017; Krankenstand vom 13. bis 31. Juli
2016. Diagnose: S 46.0 Ruptur Rotatorenmanschette rechts. Äussere Ur-
sache W19: nicht spezifisches Kippen oder Fallen. Art des Unfalls: Y96.0:
Arbeitsunfall oder arbeitsbedingte externe Faktoren. (IV 14.54-55)
 O._/ P._, MRT und Bericht Schulter und Oberarm rechts
vom 25./26. Juli 2017 (B-act. 11 Bl. 5 S. 2 [Ü])
 N._, Versicherungs-Gutachten B1 vom 28. Juli 2017; Diagnose:
S46.0 "Verletzung der Muskeln und der Sehnen der Rotatorenmanschette"
(IV 14.51-53, 25 [Ü], vgl. auch IV 14.7)
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 Q._, Versicherungs-Gutachten B1 vom 22. August 2017; Diag-
nose: S46.0 "Verletzung der Muskeln und der Sehnen der Rotatorenman-
schette" (IV 3.37-38 14.49-50, 43 [Ü])
 K._, Facharzt Orthopädie und Traumatologie, Versicherungs-Gut-
achten-B1 vom 15. November 2017; Diagnose: S46.0 "Verletzung der
Muskeln und der Sehnen der Rotatorenmanschette" (IV 14.46-48, 22,
24 [Ü], 50.4-6)
 R._, Kontrolluntersuchung vom 21. November 2017; Diagnose:
S46.0 "Verletzung der Muskeln und der Sehnen der Rotatorenmanschette"
(IV 14.1, B-act. 11 Bl. 7 S. 4 [Ü])
 S._, Physio- und Lymphtherapeutin, Bericht vom 19. Februar 2018
(B-act. 11 Bl. 9 [Ü])
 L._, Facharzt für klinische Neurophysiologie, ENMG des rechten
Armes vom 13. Juni 2018 (B-act. 11 Bl. 5 S. 1 [Ü])
 T._, Fachärztin Physiatrie, Abteilung für physikalische und rehabi-
litative Medizin, Versicherungs-Gutachten B1 vom 3. Juli 2018 (B-act. 11
Bl. 6 [Ü])
 S._, Physio- und Lymphtherapeutin, Bericht Physiotherapie vom
25. Juli 2018 (B-act. 11 Bl. 8 [Ü]).
5.2 In seiner medizinischen Stellungnahme vom 13. März 2018 stellte
Dr. B._, FMH allgemeine Medizin, gestützt auf das Versicherungs-
Gutachten-B1 von Dr. N._ vom 5. Juli 2017 (IV 14.11, 25) und das
Versicherungs-Gutachten-B1 des Orthopäden Dr. K._ vom 15. No-
vember 2017 (IV 14.46-48, 24) eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab
1. September 2016 in der bisherigen Tätigkeit als Malermeister wie auch
in angepassten Tätigkeiten fest. In angepassten Tätigkeiten bestehe ab
5. Juli 2017 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit. Eine zumutbare Verweistä-
tigkeit sei ab diesem Zeitpunkt ganztags möglich, in sitzender, stehender
und abwechselnder Position, mittelschwer, ohne Überkopfarbeit (ohne He-
ben des rechten Armes bis über Schulterhöhe), bis zu einem Maximum von
10 bis 15 kg. In der angestammten Tätigkeit als Malermeister bleibe der
Versicherte arbeitsunfähig. Am 26. Mai 2018 hielt Dr. B._ im Rah-
men des Einwandverfahrens an seiner Stellungnahme vom 13. März 2018
fest.
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens äusserte sich Dr. B._ am
9. Oktober 2018 zu den eingereichten Akten vom 30. April 2018, 16. Juni
2018, 5. Juli 2018, sowie verschiedenen Radiologie-Befunden vom
15. Februar – bis 1. März 2017 (linkes Knie, Lendenwirbelsäule) und vom
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26. Juli 2017 (Schulter, Oberarm). Zusammenfassend führte
Dr. B._ aus, in den Akten werde ausschliesslich zur Arbeitsfähigkeit
als Maler Stellung genommen. Die aktive Schulterbeweglichkeit habe sich
weiterhin verbessert mit aktivem Armheben über die Horizontale allseitig.
Die Degeneration an der Lendenwirbelsäule verursache einzig Hyposensi-
bilitäten am Bein ohne radikuläre Schmerzen oder muskuläre Ausfälle an
den Beinen, die Wirbelsäulenbeweglichkeit sei ausgezeichnet. Der Versi-
cherte betreibe Sport und übe Gartenarbeiten aus. Die Beurteilung der vol-
len Zumutbarkeit einer angepassten mittelschweren Verweistätigkeit ab
5. Juli 2017 müsse nicht geändert werden (B-act. 11 Bl. 1). Am 30. Oktober
2018 ergänzte er zum eingereichten Versicherungs-Gutachten B1 der Phy-
siaterin Dr. T._ betreffend die Lendenwirbelsäule, die Schultersitu-
ation (AC-Gelenk und Glenohumeralgelenk) sowie zum IMG (Elektromyo-
graphie, ENMG) des Handgelenks vom 16. Juni 2018, auch in diesem Be-
richt werde nur die Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als Bauma-
ler attestiert und eine angepasste vollzeitige Verweistätigkeit sei zumutbar.
Die leichte Kompression des Nervus medianus im Karpaltunnel bedürfe
keiner Operation (B-act. 11 Bl. 3).
5.3 Im Fragebogen für den Versicherten, der auch Angaben zur Hausarbeit
erfasst, gab der Beschwerdeführer am 18. Dezember 2017 an, er habe
seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit in seinem Beruf sehr gerne ausgeübt,
und würde sie auch weiter ausüben, wenn er dazu gesundheitlich in der
Lage wäre. Er habe mit Physiotherapie eine Besserung zu erreichen ver-
sucht, was aber bis Ende 2017 nicht funktioniert habe. Sein Tagesablauf
habe sich seit dem Unfall insofern verändert, als er nicht mehr arbeiten
gehen könne. Er beschäftige sich mit Lesen, Laufen, Einkaufen u.s.w. Das
Einfamilienhaus, in welchem er mit seiner Familie wohne, habe einen Gar-
ten mit Blumen, Zierkräutern und Beerensträuchern, und sei mit Haushalt-
geräten ausgestattet (Waschmaschine, Trockner, Tiefkühltruhe, Staubsau-
ger und Nähmaschine). Es stehe ein Auto zur Verfügung. Die Entfernung
zu den Einkaufsläden betrage zirka 0.4 km. Zum Haushalt gab der Be-
schwerdeführer sinngemäss an, die ganze Familie helfe bei der Haushalts-
führung, der Ernährung inkl. Gemüse schälen, Essenszubereitung, Tisch
decken/abräumen, Küche aufräumen und putzen, Geschirr spülen und
grösseren Putzarbeiten, Wohnungspflege wie Aufräumen, Staubwischen
und Staubsaugen, wobei beim Betten machen, Böden aufziehen und grös-
seren Putzarbeiten von der Ehefrau geholfen werde. Beim Einkaufen wür-
den die Kinder bei den täglichen Einkäufen und die Ehefrau und die Kinder
bei den grösseren Einkäufen helfen, bei der Wäsche und der Kleiderpflege
würde die ganze Familie helfen. Beim Gärtnern helfe die ganze Familie,
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Nähen/Stricken/Basteln und künstlerische Tätigkeiten würden durch ihn
und seine Ehefrau ausgeübt. Zudem habe er während 2 1⁄2 Stunden pro
Woche einen Sprachkurs in Finnisch und Italienisch (IV 10).
5.4 Im Hinblick auf den grossen Umfang der vorhandenen medizinischen
Versicherungsakten aus Finnland in orthopädischer und neurologischer
Hinsicht (oben E. 5.1) ist festzuhalten, dass Dr. B._ vom medizini-
schen Dienst sich im Verwaltungsverfahren im Wesentlichen nur zu zwei
B1-Gutachtensformularen der finnischen Sozialversicherung geäussert hat
(vgl. IV 45). Im Rahmen der Vernehmlassung im Beschwerdeverfahren hat
er sich weiter ansatzweise zum Zusammenwirken der verschiedenen Ein-
schränkungen des Bewegungsapparats in Rücken (mit Auswirkungen auf
die Beine), linkem Knie und rechter Schulter (mit Auswirkungen auf den
rechten Arm) geäussert (B-act. 11 Beilagen 1 und 3), soweit er anhand der
vorhandenen reinen Versicherungsakten (resp. E-Formularen, Verlaufsbe-
richten oder B1-Gutachten) der finnischen Sozialversicherung und der Un-
übersichtlichkeit des vorinstanzlichen Dossiers (ohne ersichtliches Ablage-
system und mehrfach abgelegte medizinische Akten [mit und ohne Über-
setzung ins Deutsche], oben E. 5.1), überhaupt dazu in der Lage war. Ge-
stützt auf die von ihm beurteilten Akten hat Dr. B._ zu Recht festge-
halten, dass aus den finnischen Versicherungsakten soweit ersichtlich nur
auf die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in seiner angestammten
Tätigkeit eingegangen wird. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich
der Beurteilung der finnischen (Versicherungs-)Ärzte und des medizini-
schen Dienstes der IVSTA insofern an, dass dem Beschwerdeführer die
Ausübung seiner angestammten Tätigkeit als Maler/Gipser in und an Ge-
bäuden (Aussenfassade, inklusive Arbeiten auf Gerüsten etc.) nicht mehr
zugemutet werden kann (vgl. IV 14.34-35 [Übersetzung: 27], 14.51-53
[Übersetzung: 25], 14.46-48 [Übersetzung: 24], B-act. 11 Bl. 7 S. 6 [mit
Übersetzung]).
Der Umkehrschluss des medizinischen Dienstes hingegen, mittelschwere
Verweistätigkeiten (mit Heben von Gewichten von 10-15 kg regelmässig,
bis Schulterhöhe mit dem rechten Arm; vgl. IV 45.1-2) seien dem Be-
schwerdeführer ab 5. Juli 2017 wieder in einem Pensum von 100 % zumut-
bar, lässt sich aus den Akten nicht nachvollziehen. Entgegen dieser Beur-
teilung gab Dr. K._ in seinem «Gutachten» am 15. November 2017
(d.h. gut 4 Monate nach dem vom medizinischen Dienst festgelegten Zeit-
punkt für eine Verbesserung) bezüglich der rechten Schulter an, bei der
vorderen/seitlichen Elevation sei die Kraft schwach, in dieser Weise könne
der Patient gerade noch zwei Kilo heben. Die Schulter scheine auch keine
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länger ausdauernde Arbeitsbelastung auszuhalten, sie beginne dann zu
schmerzen. Die Hauptursache der Funktionsinsuffizienz der Schulter sei
eine eindeutige Schwächung der Kraft. Im Status sei sowohl im Bereich
der «Supraspinatus» als auch der «Infraspinatus» eine signifikante Mus-
kelatrophie rechtsseitig festzustellen. Beim freien Anheben seien die Be-
wegungsbahnen vollständig offen, aber bei der vorderen/seitlichen Eleva-
tion sei die Kraft wesentlich schwächer, auch beim Anheben von vorne mit
Unterstützung bestehe eine deutliche Asymmetrie im Vergleich mit der ge-
sunden Seite (vgl. IV 24). Da die Beurteilung des behandelnden Orthopä-
den im «Versicherungs-Gutachten» Formular B1 vom 15. November 2017
und die reine Aktenbeurteilung des medizinischen Dienstes vom 13. März
2018 bereits bei der Hauptbeeinträchtigung des Beschwerdeführers – der
rechten (dominanten) Schulter – in relevantem Mass differieren, erweist
sich die Beurteilung des internen medizinischen Dienstes nicht als schlüs-
sig. Dazu kommt, dass die gesundheitliche Situation des Beschwerdefüh-
rers im Zusammenspiel zwischen Stabilität des Bewegungsapparates und
festgestellten Nervenwurzelkompressionen sowie Spinalkanalkompres-
sion der Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung in die Beine, nicht nachvoll-
ziehbar abgeklärt wurde. Beispielsweise ist die Beurteilung von
Dr. L._ zur neurophysiologischen Situation der Lendenwirbelsäule
und den unteren Extremitäten (ENMG; IV 14.23 ff.) nicht ersichtlich einge-
flossen, und die Auswirkungen der am 28. Februar/1. März 2017 durchge-
führten MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule mit einer diagnostizier-
ten Nervenwurzelkompression beidseits auf Höhe von L3/4 und L4/5 links
foraminal und einer wahrscheinlichen Nervenkompression L3 bei vorbeste-
henden Schmerzen (Untersuchungen im Herbst 2013: IV 8.1-2, 14.44 f.)
an der Lendenwirbelsäule, die ins linke Knie ausstrahlten (vgl. IV 14.21
sowie B-act. 11 Bl. 5 S. 4), wurden nicht im Rahmen einer Gesamtwürdi-
gung beurteilt. Demnach erweist sich der Sachverhalt für den Beurteilungs-
zeitraum bis Juni 2018 (Verfügung vom 11. Juni 2018) in medizinischer
Hinsicht nicht als genügend abgeklärt.
Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Mög-
lichkeiten und als Bewegungstherapie unbestritten Sport betreibt, in einem
(von der Vorinstanz nicht weiter abgeklärten) Umfang den Haushalt führt
und im Garten arbeitet und dabei bemüht ist, seinen verbleibenden Ge-
sundheitszustand zu erhalten, respektive zu verbessern (vgl. auch IV 10
S. 11). Es wurde vorinstanzlich auch nicht der Frage nachgegangen, wel-
che (sportlichen) Tätigkeiten der Beschwerdeführer dabei konkret und in
welchem Umfang ausüben kann, und inwieweit sich dies mit einer allenfalls
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verbleibenden zumutbaren Arbeitsfähigkeit deckt, wie der Beschwerdefüh-
rer zu Recht beanstandet. Wie dargelegt, ist es dem Sozialversicherungs-
gericht (und auch der zuvor abklärenden IV-Stelle) zwar nicht verwehrt, bei
klarer und übersichtlicher Sachlage einzig oder im Wesentlichen gestützt
auf Berichte versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen (allenfalls
auch von Allgemeinmedizinern) zu entscheiden. Allerdings sind bei nur ge-
ringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (oben E. 4.7.2 f.
m.H.). Vorliegend erweist sich der tatsächliche Umfang einer der dem Be-
schwerdeführer noch zumutbaren Tätigkeit aufgrund der nicht vollständig
abgeklärten Gesundheitssituation und dem Zusammenspiel der verschie-
denen Einschränkungen als unklar. Ebenfalls ist vorliegend im Zeitablauf
weder nachvollziehbar noch hat Dr. B._ ansatzweise begründet,
weshalb er hier von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ab 1. September 2016
(Datum der Schulteroperation) ausgeht, obwohl der Beschwerdeführer ge-
mäss den Akten ohne Zweifel nach dem Unfall vom 1. Februar 2016 spä-
testens seit 23. Februar 2016 im vollen Umfang arbeitsunfähig geschrieben
war (IV 3.25-26 = 14.111-112 [Übersetzung: IV 36]).
5.5 Die angefochtene Verfügung ist demnach gestützt auf eine unvollstän-
dige Sachverhaltsabklärung ergangen, weshalb die Sache in Anwendung
von Art. 61 Abs. 1 VwVG zur Vornahme der notwendigen medizinischen
Abklärungen und hernach neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzu-
weisen ist. Diese Rückweisung an die Vorinstanz erfolgt in Übereinstim-
mung mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, gemäss welcher eine
Rückweisung an die IV-Stelle im Falle einer notwendigen Erhebung einer
bisher vollständig ungeklärten Frage möglich ist (vgl. BGE 139 V 99 E. 1.1;
137 V 210 E. 4.4.1.4). Die gesundheitliche Situation mit dem Zusammen-
spiel der verschiedenen Einschränkungen im Bewegungsapparat des Be-
schwerdeführers (Einsatz der rechten Schulter und des rechten dominan-
ten Arms, Einschränkungen in der Lendenwirbelsäule [Kompression Fora-
mina und mögliche Kompressionen L3, L3/4 und L4/5] mit Auswirkungen
auf Knie und Beine inkl. Stabilität des Bewegungsapparats sowie Gonarth-
rose links und Einschränkungen beim rechten Handgelenk [ENMG vom
13.6.2018]) wurde von der Vorinstanz im Hinblick auf die zumutbare ver-
bleibende Arbeitsfähigkeit bisher ungenügend abgeklärt. Die Beschwerde
erweist sich demnach als begründet und die angefochtene Verfügung ist
aufzuheben. Die Vorinstanz wird vorliegend den Sachverhalt in orthopä-
disch-neurologischer (oder gegebenenfalls in rheumatologisch-neurologi-
scher) Hinsicht (entsprechend der Bestimmung durch den medizinischen
Dienst) mittels Einholung eines bidisziplinären Gutachtens in der Schweiz
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abzuklären haben. Zu Handen der Gutachter wird die Vorinstanz vorab die
mehrfach und nicht in einem ersichtlichen System abgelegten medizini-
schen Akten (siehe oben E. 5.1 und 5.4) zu sortieren, sachgerecht zu über-
setzen und mit einem Aktenverzeichnis zu versehen haben, da die Gutach-
ter darauf angewiesen sind, die Untersuchung anhand vollständiger und
(chronologisch) geordneter Akten durchzuführen (vgl. Urteil des BVGer
C-6444/2017 E. 7 sowie Referat DR. J. JEGER, Themenarbeit Recht: Fra-
gestellungen beim Gutachten; Tagung «Gutachten – affaire à suivre»,
Bern, vom 21. März 2019). Nach Einholung des Administrativgutachens
hat die Vorinstanz erneut über den Leistungsanspruch des Beschwerde-
führers zu entscheiden.
6.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG
die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Eine Rück-
weisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der beschwerdeführenden Partei
(BGE 132 V 215 E. 6), sodass vorliegend keine Verfahrenskosten zu erhe-
ben sind. Der am 14. August 2018 geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 800.– ist dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils auf ein von ihm anzugebendes Konto zurückzuerstatten.
Der unterliegenden Vorinstanz werden keine Verfahrenskosten auferlegt
(Art. 63 Abs. 2 VwVG).
6.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1, 2 und 4 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE], SR 173.320.2). Da der bei diesem Ausgang des Ver-
fahrens praxisgemäss obsiegende Beschwerdeführer nicht anwaltlich ver-
treten ist und ihm aufgrund der Aktenlage auch keine notwendigen, verhält-
nismässig hohen Kosten entstanden sind, wird ihm keine Parteientschädi-
gung zugesprochen.
(Dispositiv: siehe nächste Seite)
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