Decision ID: 4e37e9cf-2070-4b23-9a68-5b47ccbadd2f
Year: 2010
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Was den medizinischen Sachverhalt betreffe, so hätten zum Zeitpunkt der
Leistungseinstellung keine objektivierbaren Funktionsausfälle bestanden.
Namentlich seien keine Läsionen oder neurologische Auffälligkeiten und auch
keine Verletzung der Hirnstrukturen festgestellt worden. Die Innenbandläsion
am rechten Knie sei folgenlos abgeheilt. Nach dem Unfall sei keine
Bewusstlosigkeit nachgewiesen, wie dies der Beschwerdeführer erstmals im
Mai 2000 gegenüber Dr. ... behauptet habe. Die Aussagen vom 10.04.2001
gegenüber Dr. ..., wonach er 10 Minuten lang bewusstlos gewesen sei, seien
deshalb nicht glaubhaft. Die Unfallschilderung und deren Folgen würden im
Laufe der Zeit vom Beschwerdeführer immer dramatischer beschrieben. Im
Verlaufe der Jahre habe indes eine erhebliche Symptomausweitung
stattgefunden, weshalb die Verschlimmerung ab dem 2003 und die erstmalige
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen fünf Jahre nach dem Unfall
(1998) nicht erstaunlich sei. Bis auf die Nackenverspannungen,
Druckdolenzen und geringfügigen Einschränkungen der HWS seien keine
nennenswerten Befunde erhoben worden. Solche Befindlichkeitsstörungen
seien somatisch nicht objektivierbar. Unfallfremd seien sodann die
Chondrose, Spondylose, Hypertonie und Polyneuropathie. Vorbestehend sei
die Hochtonschwerhörigkeit. Fraglich unfallkausal sei der nicht objektivierbare
Tinnitus rechts, wobei er ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers sei. Der rechtliche Kausalzusammenhang (Adäquanz) sei
nach den Kriterien laut BGE 115 V 133 (U 380/06) zu prüfen, wonach die
psychische Problematik eine selbständige sekundäre
Gesundheitsschädigung darstelle. Dr. ... habe am 18.11.2003 – also fast fünf
Jahre nach dem Skiunfall – erstmals eine depressive Verstimmung beim
Beschwerdeführer diagnostiziert. Die psychische Problematik könne daher
nicht ein Symptom der beim Skiunfall erlittenen HWS-Verletzung sein (vgl.
RKUV 2001 Nr. 8 S. 412). Die psychische Störung sei vielmehr
unfallunabhängig und stehe mit dem Untergang der Arbeitgeberin in
Verbindung. Zu dieser Erkenntnis seien auch Dr. ... am 29.08.2004 und Dr.
... am 08.02.2006 gelangt. Im Übrigen sei es schwer zu glauben, dass der
Beschwerdeführer unfallbedingt ab 2004 nicht mehr in der Lage gewesen sei,
seine Leistung am Arbeitsplatz zur Zufriedenheit der Arbeitgeberin zu
erbringen, habe er doch im 2003 das Nebenamt des Gemeindepräsidenten
wieder aufgenommen. Beim Unfall selbst habe es sich bloss um einen
leichten, höchstens einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu einem
leichten gehandelt. Auch wenn man die Adäquanz nach den Kriterien laut
BGE 117 V 359 bzw. neu BGE 134 V 109 prüfen würde, wäre kein einziges
Kriterium erfüllt worden. Eine privilegierte Behandlung stehe dem
Beschwerdeführer nicht zu, weil er trotz Kopf- und Nackenschmerzen noch
während fünf Jahren voll bzw. uneingeschränkt (100% AF) gearbeitet habe.
4. Zusammen mit der Replik reichte der Beschwerdeführer noch ein
unfalltechnisches Gutachten vom 01.07.2002 beim Gericht ein. Danach sei
der Skiunfall nicht harmlos und geeignet gewesen, die angegebenen
körperlichen Beschwerden und Symptome hervorzurufen. Die Symptome -
insbesondere die Kopf- und Nackenschmerzen - seien seit Beginn jeweils in
unterschiedlicher Intensität vorhanden gewesen. Die Darstellung der
Vorinstanz, wonach die psychische Problematik nicht unfallbedingt und nicht
die Ursache für die Arbeitsunfähigkeit sei, sei falsch. Wie die Dres. ..., ... und
... bestätigt hätten, seien die psychischen Probleme erst durch die
unerträglichen Kopf- und Nackenschmerzen entstanden. Der bevorstehende
Verlust der Arbeitsstelle sei auch nicht die primäre Ursache für die psychische
Störung gewesen, sondern habe die bereits bestehende kritische Situation
einzig noch verschlimmert, was Dr. ... im Attest vom 29.08.2004 so bestätigt
habe. Unzutreffend sei auch, dass die psychische Störung im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung keinen Krankheitswert erreicht habe. Schliesslich sei
ihm mit der Übernahme des Gemeindepräsidentenamtes keine zusätzliche
Belastung entstanden, da ihm die Aufgaben und Verpflichtungen dieses
Amtes bereits aus der Vergangenheit bekannt gewesen seien.
5. In der Duplik hielt der Unfallversicherer dem entgegen, dass das
unfalltechnische Gutachten vom 01.07.2002 keine neuen Erkenntnisse
hervorgebracht habe. Die psychische Störung des Beschwerdeführers habe
sich erst aufgrund der privaten, beruflich und versicherungsrechtlich
unbefriedigenden und belastenden Umstände gebildet. Aus medizinischer
Warte sei diese Störung nicht einmal teilweise als Unfallfolge zu werten. Der
Beschwerdeführer habe nicht nur – zusätzlich zur vollzeitlichen Tätigkeit im
IT-Bereich – das Amt des Gemeindepräsidenten übernommen, sondern sei
auch in seiner sportlichen Betätigung nicht eingeschränkt gewesen. In den
medizinischen Akten gäbe es keine Hinweise auf eine Überforderung.
6. Auf Verlangen der Instruktionsrichterin wurden noch die IV-Akten ediert.
7. Mit Stellungnahme vom 02.07.2010 äusserte sich die Vorinstanz auch noch
zu den edierten IV-Akten. Nach diesen Unterlagen sei der Aufwand für die
Funktion des Gemeindepräsidenten höher einzuschätzen als vom
Beschwerdeführer geltend gemacht. Gemäss den IV-Akten sei von einem
jährlichen Beschäftigungsgrad von 20-25% und einer Entschädigung von Fr.
26'000.-- pro Jahr auszugehen. Auch seien daraus keine Hinweise ersichtlich,
dass der Beschwerdeführer, wie behauptet, unfallbedingt an der
Belastungsgrenze angelangt sei, als er 2004 arbeitsunfähig geworden sei.
8. Mit Stellungnahme vom 14.07.2010 bekräftigte der Beschwerdeführer noch
einmal, dass er das Amt des Gemeindepräsidenten im Jahre 2003 – nach 7-
jähriger Pause – wieder aufgenommen habe und ihm deshalb die Abläufe und
der Arbeitsaufwand aus den früheren Amtsperioden bekannt gewesen seien.
Es hätten dort insbesondere keine fixen Arbeitszeiten bestanden. Was die
Zahlenangaben in den IV-Akten betreffe, so habe die Invalidenversicherung
vermutlich auf das Jahr 2005 abgestellt. In den vor-angegangenen Jahren
2003 und 2004 sei die Arbeitsbelastung jedoch deutlich geringer gewesen.
9. Am 30.08.2010 führte das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (2.
Kammer) auf Begehren des Beschwerdeführers noch eine Parteiverhandlung
durch, wobei die zuständige Instruktionsrichterin infolge Todesfalles in der
Familien durch Verwaltungsrichter ... als Vorsitzenden und durch Präsident
Schmid als Mitrichter ersetzt wurde. Mit dieser Änderung in der
Zusammensetzung des Gerichts konnten sich die Parteien vor Ort
einverstanden erklären. Der Beschwerdeführer war persönlich in Begleitung
seines Rechtsvertreters (RA ...) anwesend. Die Beschwerdegegnerin war
ebenfalls durch einen Rechtsvertreter präsent. In der Folge wurde allen
Anwesenden die Gelegenheit geboten, sich auch noch mündlich zur
Streitsache zu äussern, wovon allseits Gebrauch gemacht wurde.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Zunächst gilt es in formeller Hinsicht festzuhalten, dass Thema einer
Beschwerde einzig der Regelungsgegenstand in der angefochtenen
Verfügung sein kann. Die Integritätsentschädigung war indes weder Inhalt der
Einstellungsverfügung noch des Einspracheentscheids, weshalb das Gericht
auf diese Rüge mangels Anfechtungsobjekts nicht eintreten kann.
2. a) Strittig und zu prüfen ist, ob der Unfallversicherer die gesetzlichen
Versicherungsleistungen für die vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Kopf-, Nacken- und Wirbelschmerzen samt Bewegungseinschränkungen,
sowie für die psychischen Probleme (Depressionen) und die
Gehörsproblematik (Hochton-
/Innenohrschwerhörigkeit/Tinnitus/Ohrensausen) – nach dem Skisturzunfall
vom 21.11.1998 – zu Recht zusätzliche Leistungen mit Verfügung vom
20.10.2008 (Einstellung per 28.02.2007) bzw. mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid vom 26.10.2009 verneint hat.
b) Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt nach den Bundesgesetzen
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sowie der
Spezialgesetzgebung im Unfallversicherungsrecht (UVG) zunächst voraus,
dass zwischen dem Unfallereignis und dem geklagten Gesundheitsschaden
ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im
Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als verwirklicht gedacht
werden kann. Ob zwischen dem schädigenden Ereignis und einer
gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist
eine Tatfrage, worüber die Verwaltung und im Beschwerdefall der Richter
nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit
eines Sachzusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs noch nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 129 V 181 E.
3.1, 126 V 353 E. 5b S. 360; 123 V 138 E. 3a, 119 V 138 E. 1, 118 V 289 E.
1b; Pra 3/2004 Nr. 45 E. 2.2.2 S. 235; SVR-Rechtsprechung [SVR] 8-9/2003
UV Nr. 11 E. 3.1 S. 32 Nr. 12 UV E. 3.1.1 S. 35; PVG 2000 Nr. 26, 1994 Nr.
65). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung
der medizinischen Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlagend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a). Den im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist in der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 104 V 211 f.
E. c). In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick
auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu
Gunsten ihrer Patienten aussagen. Was Parteigutachten anbelangt,
rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer
Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem
Beweiswert (BGE 125 V 351 E. 3b; sowie BG-Urteil 8C_281/2007 vom 18.
Januar 2008 E. 3).
c) Als adäquate oder rechtserhebliche Ursache eines Erfolges hat ein Ereignis
dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach
der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der
Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch
das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 125
V 461 E. 5a, 123 V 141 E. 3d, 122 V 416 E. 2a, 121 V 49 E. 3a; SVR 8-9/2003
UV Nr. 11 E. 3.2 S. 32). Der Voraussetzung des adäquaten
Kausalzusammenhanges kommt die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu
(BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b). Sie hat bei allen
Gesundheitsschädigungen, die aus ärztlicher Sicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit als natürliche Unfallfolgen gelten, Platz zu greifen. Die
Frage der Adäquanz ist eine Rechtsfrage, sie ist nicht von medizinischen
Sachverständigen, sondern vom Richter zu beurteilen (SVR 8-9/2003 UV Nr.
12 E. 3.2.1 S. 36, 9/2002 UV Nr. 11 E. 2b S. 31). Zu ergänzen bleibt hier einzig
noch, dass für die Fortsetzung der beantragten Versicherungsleistungen über
das angefochtene Einstelldatum (per 28.02.2007) hinaus beide Erfordernisse
eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs kumulativ erfüllt
sein müssen. Scheitert der geltend gemachte Anspruch auch nur an einer
dieser zwei Voraussetzungen, entfällt die Leistungspflicht aus UVG schon
ohne die Prüfung des anderen Kriteriums.
d) Laut Art. 18 Abs. 1 UVG hat eine versicherte Person Anspruch auf eine
Invalidenrente, wenn sie wegen eines Unfalls zu mindestens 10% invalid
geworden ist (Art. 8 ATSG). Auf diese Vorgabe beruft sich der
Beschwerdeführer für die fortgesetzte Ausrichtung von
Versicherungsleistungen.
3. a) Im konkreten Fall hält der Beschwerdeführer speziell die ärztlichen
Beurteilungen des Neurologen Dr. ... (Juni 2004), der Vertrauensärzte der
Vorinstanz Dres. ... (August/September 2004; Mai 2006, April 2007) sowie
des Psychiaters Dr. ... (Juli 2004) für unzutreffend und unvollständig und er
weist auf verschiedene Details und Widersprüche zu den anderen Arzt- und
Klinikberichten hin. Das MEDAS-Gutachten vom 28.02.2007 mit den darin
enthaltenen Diagnosen, ärztlichen Feststellungen und überzeugenden
Schlussfolgerungen betreffend Unfallkausalität und Restarbeitsfähigkeit (70%
AF bzw. 30% AUF) wurde jedoch nicht angezweifelt, geschweige entkräftet
oder gar widerlegt. Auf die darin enthaltene Beurteilung der natürlichen
Kausalität zwischen den beim Skiunfall erlittenen Verletzungen (RQW am
Kopf; HWS-Distorsion; Hirnerschütterung; Innenbandläsion II. Grades am
rechten Knie; Schwindel; Benommenheit; Kopf- und Nackenschmerzen;
Brechreiz) und den aktuell geklagten Beschwerden (Depressionen;
Gehörsprobleme; Kopf-, Hals- und Wirbelschmerzen samt Mobilitätsdefizite
im Nacken) kann hier grundsätzlich verwiesen werden (vgl. vorne Sachverhalt
Ziff. 1 m). Die zentrale Frage ist indes vorerst nicht, ob diese oder jene
medizinische Beurteilung korrekt oder mangelhaft ist, sondern ob im
vorliegenden Falle organische Befunde objektivierbar sind. Jene Frage ist mit
Entschiedenheit aufgrund der vorhandenen Akten zu verneinen. Selbst dem
Beschwerdeführer gelingt es nicht, Anhaltspunkte für eine gegenteilige
Annahme zu liefern. Auch die von ihm selber zitierten medizinischen Berichte
lassen keine organischen Befunde bzw. kein organisches Substrat erkennen.
Aufgrund der Erkenntnisse des Vertrauensarztes der Vorinstanz Dr. ... im
Bericht vom 19.04.2007 steht zudem fest, dass von weiteren medizinischen
Behandlungen des Beschwerdeführers keine namhafte Verbesserung seiner
gesundheitlichen Verhältnisse mehr zu erwarten ist. Diesbezüglich gibt es bei
sämtlichen Medizinalakten keine anderslautende Stellungnahme. Die
Vorinstanz war deshalb auch berechtigt, den Fallabschluss vorzunehmen,
ohne noch weitere Fachmeinungen oder multifunktionale Untersuchungen
aus medizinischer Sicht einzuholen (vgl. zur verfrühten Adäquanzprüfung und
zur namhaften Gesundheitsverbesserung: BGE 134 V 113 E. 3.2 und E. 4.3
mit zahlreichen Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung).
b) Zu prüfen bleibt noch, ob allenfalls ein Leistungsanspruch unter dem Titel
HWS-Distorsionstrauma (sog. „Schleudertrauma“) besteht. Mangels
Vorliegens eines organisch nachweisbaren Körperschadens im Zeitpunkt des
Fallabschlusses (im Oktober 2008) wandte die Vorinstanz demnach aber zu
Recht die vom Bundesgericht für solche Fälle eigens entwickelte und für die
Versicherten – im Vergleich zur sog. „Psychopraxis“ nach BGE 115 V 133 ff.
– in der Regel vorteilhafteren Schleudertraumapraxis nach den Kriterien im
Leitentscheid BGE 117 V 359 ff. bzw. dessen Fortentwicklung in BGE 134 V
118 E. 7 und 130 E. 10.3 an (vgl. BG-Urteile 8C_43/2010 vom 08.06.2010 E.
9.1-9.7 und 8C_51/2010 vom 21.05.2010 E. 8.1-8.7).
c) Die Vorinstanz hielt weiter fest, dass es sich beim erlittenen Skiunfall vom
21.11.1998 anhand der ärztlichen Erstbeurteilungen höchstens um einen
„mittelschweren Unfall“ (im Grenzbereich zu einem leichten Fall) und sicher
noch nicht – wie vom Beschwerdeführer gefordert – um einem mittleren (im
Grenzbereich zu einem schweren Unfall) handle. Bezüglich der graduellen
Qualifikation des Unfallereignisses kann dabei ohne weiteres auf mehrere
vergleichbare Skiunfälle verwiesen werden, worin das Bundesgericht bei
ähnlicher Sachlage entweder auf die „Kategorie eines mittelschweren Unfalls
im Grenzbereich zu einem leichten Fall“ (BG-Urteile 8C_744/2009 vom
08.01.2010 E. 10, 8C_69/2009 vom 03.09.2009 E. 4.3.1; U 196/06 vom
23.02.2007 E. 6.3; U 369/05 vom 23.11.2006 und U 393/05 E. 8) oder sonst
auf einen „mittleren Unfall im knapp mittleren Bereich“ (BG-Urteil
8C_987/2008 vom 31.03.2009 E. 5.2) erkannte. Von einem mittelschweren
Unfall im Grenzbereich zu einem schweren Unfall ging es nur bei einer
direkten Kollision mit einem anderen Skifahrer oder mit einem Baum aus (BG-
Urteil 8C_42/2009 vom 01.10. 2009 E. 5.2), weil in diesen Fällen von einer
gewaltigen Krafteinwirkung auszugehen sei. Vorliegend ist aber keine
Kollision mit einem andern Skifahrer oder einem Baum aktenkundig, weshalb
höchstens von einem mittelschweren Unfall im knapp mittleren Bereich
gesprochen werden kann. Die Frage, ob tatsächlich eine Baumkollision
stattgefunden hat, kann letztlich offen gelassen werden, da der Anspruch am
Erfordernis der Adäquanz scheitert. Ein adäquater (versicherungsrelevanter)
Kausalzusammenhangs ist bei mittelschweren Unfällen nach gefestigter
Praxis nämlich höchstens dann zu bejahen, wenn ein einziges der für die
Beurteilung bei gesundheitlichen Fehlentwicklungen nach einem Unfall mit
einem Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (inkl. hier klar verneintem
Schädel-Hirn-Trauma) aufgestellten Kriterien in ganz besonders
ausgeprägter Weise erfüllt worden wäre oder die massgebenden Kriterien
effektiv in gehäufter und auffallender Weise vorgelegen hätten. Dies gilt es
hier im Detail noch zu klären:
 Laut (Bagatell-) Unfallmeldung vom 08.12.1998 stürzte der Versicherte am Morgen des 21.11.1998, um ca. 11.00 Uhr, im Skigebiet ... beim Skifahren, weil die Skibindung gerissen ist. Der Versicherte vermute einen Materialfehler der Bindung. Eine besondere Eindrücklichkeit oder gar dramatische Begleitumstände sind indes bei einem derart geschilderten Unfallhergang ohne Zweifel zu verneinen (nicht anders: Vergleichsfall U 393/05).
 Richtig ist auch, dass alleine die Diagnose einer HWS-Distorsion für sich betrachtet noch nicht die besondere Schwere (Intensität) oder die besondere Art der erlittenen Verletzungen zu begründen vermag. Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers ist aus den Akten auch nicht ersichtlich, dass er besonders schwer oder ganz ausgeprägt an den typischen Beschwerden des erlittenen Schleudertraumas (zwar über Benommenheit und Übelkeit geklagt; aber keine Bewusstlosigkeit und keine Amnesie [Gedächtnisverlust] eingetreten) zu leiden hatte. Unbestrittermassen konnte der Beschwerdeführer vielmehr nach dem Skiunfall – das heisst nach dem ersten Schock über den unerwarteten Sturz [mit/ohne Baumkollision] und die gerissene Skibindung – auf einem Ski noch selbst ins Tal hinunterfahren, wo er sich dann unverzüglich im Ski-Sportgeschäft über die kaputte Skibindung beschwerte. Allein dieser Sachverhalt zeigt, dass die Verletzungen des Beschwerdeführers objektiv effektiv nicht lebensgefährlich (wie z.B. Schädelbrüche oder innere Blutungen) oder allzu schwer gewesen sein können.
 Ferner kann von einer spezifischen, besonders belastenden ärztlichen Behandlung ebenfalls nicht ernsthaft gesprochen werden. Zu den Behandlungen gehörten die befohlene Ruhigstellung des Körpers (wegen der Hirnerschütterung und Rissquetschwunde am Kopf), die Einnahme
von Medikamenten (Mittel gegen die Kopf-/Rückenschmerzen) und die Inanspruchnahme von physikalischen Therapien (zur Behandlung der Bandläsion II. Grads am rechten Knie und der Verspannungen im Nackenbereich). Solche Massnahmen zu einer möglichst raschen Genesung des Patienten sind gemäss Praxis des Bundesgerichts (U 56/04) aber nicht als belastend zu betrachten. Als belastend sind danach vor allem längere und häufige Klinikaufenthalte zu werten. Dabei müssen die Behandlungen mit einer erheblichen zusätzlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität verbunden sein (vgl. BG-Urteil 8C_402/2007). Nur periodische Verlaufskontrollen bedeuten jedoch noch keine erhebliche Mehrbelastung. Die Behandlungen in den ersten 5 Jahren nach dem Unfall (1998-2003) hielten sich eindeutig noch in überschaubaren und zumutbaren Grenzen, weshalb dieses Kriterium hier nicht erfüllt ist.
 Soweit der Beschwerdeführer das Kriterium der erheblichen Schmerzen als erfüllt ansah, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Die Erheblichkeit beurteilt sich nämlich ausschliesslich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, die eine versicherte Person durch Beschwerden im Alltag erfährt (BGE 134 V 109). Die Leiden müssen zudem ohne wesentlichen Unterbruch bestanden haben. Im konkreten Fall ist dazu nun aber gerade erstellt, dass der Beschwerdeführer trotz des Skiunfalls im November 1998 danach ohne wesentlichen Unterbruch während über fünf Jahren (bis Ende 2003) zu 100% arbeitsfähig war bzw. nie als arbeitsunfähig taxiert werden musste. Er hat also nach dem Skiunfall stets gearbeitet; dies war möglich, weil er bei der Schmerzexazerbation gut auf die Therapie angesprochen hat. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer ab dem Jahre 2003 (freiwillig) erneut das Nebenamt des Gemeindepräsidenten bekleidete, was gleichfalls dafür spricht, dass er bestimmt nicht dauernd und in ausgeprägtem Masse an beträchtlichen Schmerzen gelitten haben kann.
 Eine ärztliche Fehlbehandlung – speziell von den erstbehandelnden Ärzten Dres. ..., ... oder ... (2000-2003) – ist ebenfalls mitnichten nachgewiesen. Vielmehr muss sich der Beschwerdeführer unter diesem Gesichtspunkt entgegenhalten lassen, dass er sich selber stets als „zäher Bursche“ einstufte und es daher vielleicht aus eigenem Antrieb verpasste, rechtzeitig ärztliche Hilfe zu beanspruchen.
 Von einem schwierigen Heilungsverlauf kann ferner ebenfalls nicht die Rede sein. Der Hinweis auf die Komplexität des Beschwerdebildes ab Beginn des Jahres 2004 und die Zahl der seither (erfolglos) beigezogenen Spezialisten (Psychiater/Psychotherapeuten; Neurologen sowie Unfallversicherungsärzte) genügt hier sicherlich noch nicht. Anzufügen bleibt einzig noch, dass den verschiedenen Abklärungsmassnahmen und den blossen Kontrollen beim Hausarzt nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zukommt (Urteil U 61/03).
 Schliesslich liegt auch keine lange andauernde Arbeitslosigkeit infolge Skiunfalls im November 1998 vor. Vielmehr bestand während beinahe fünf Jahren nach diesem Unfall keine Arbeitsunfähigkeit. Seit Januar 2004 wurde er vom Psychiater und Psychotherapeuten Dr. ... zuerst zu 30%,
danach zu 50% und ab April 2004 zu 100% arbeitsunfähig taxiert. Bereits im neurologischen Gutachten vom 02.06.2004 (Dr. ...) ist aber wieder von einer 40-50% Arbeitsfähigkeit als Informatiker die Rede. Im  vom 28.02.2007 wird dem Beschwerdeführer sodann wieder eine Arbeitsfähigkeit von 70% bzw. eine Arbeitsunfähigkeit von lediglich noch 30% attestiert, womit offensichtlich nicht von einer lange andauernden Arbeitslosigkeit infolge Skiunfalls gesprochen werden kann. Die Behauptung des Beschwerdeführers, dass er nach dem besagten Unfall tatsächlich nicht zu 100% arbeitsfähig gewesen wäre, aus Angst vor dem Stellenverlust aber in einem Vollzeitpensum weiter gearbeitet habe, ist in diesem Zusammenhang unerheblich, da subjektive Sachzwänge irrelevant sind.
d) Daraus ergibt sich, dass im konkreten Fall kein einziges Kriterium für die
Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs bei mittelschweren
Unfällen (mangels Einzigartigkeit oder Häufigkeit der dafür von der
Gerichtspraxis verlangten Leistungsvoraussetzungen) als erfüllt betrachtet
werden kann. Infolge fehlender unfallrelevanter Kausalität zwischen dem
Skiunfall vom 21.11.1998 (RQW am Kopf; HWS-Distorsion;
Hirnerschütterung; Innenbandläsion II. Grades am rechten Knie; Schwindel;
Benommenheit; Kopf- und Nackenschmerzen; Brechreiz) und den über acht
Jahre später (Einstelldatum 28.02.2007) stets noch geklagten
Gesundheitsbeeinträchtigungen (Depressionen; Gehörsprobleme; Kopfweh,
Hals- und Rückenwirbelschmerzen samt Bewegungsdefizite im Nacken) hat
die Vorinstanz somit aber zu Recht auf jede weitere Leistungspflicht aus UVG
ab dem angefochtenen Einstelldatum verzichtet.
4. a) Der angefochtene Einspracheentscheid vom 26.10.2009 erweist sich damit
als rechtmässig, was zur Abweisung der Beschwerde vom 30.11.2009 führt,
soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann (vgl. vorne E. 1).
b) Gerichtskosten werden nicht erhoben, da das kantonale
Beschwerdeverfahren laut Art. 61 lit. a ATSG – ausser hier nicht zutreffender
Ausnahmen – grundsätzlich kostenlos ist. Eine aussergerichtliche
Entschädigung steht der Vorinstanz nicht zu (Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g
ATSG).