Decision ID: f133f957-ae32-468f-b952-ad4591648c43
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1966 geborene, im eigenen Reinigungsunternehmen selbständig erwerbstätig gewesene
X._
meldete sich am
5.
S
eptember 2012 unter Hinweis auf
ge
sundheitli
che Beschwerden
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/7). Mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2014 verneinte die IV-Stelle den Anspruch
auf Leistungen der Invalidenversiche
rung (
Urk.
7/56). Mit Urteil vom 3
1.
August 2015 hob das hiesige Gericht die leistungsablehnende Verfügung auf und wie die Sache zur ergänzenden Abklä
rung und neuem Entscheid an die Verwaltung zurück (
Proz
. Nr. IV.2014.00290;
Urk.
7/71).
1.2
In der Zeit vom 1
1.
Januar bis 3
1.
März 2016 hielt sich der Versicherte auf der Spezialstation für
Traumafolgestörungen
der
Y._
zur stationären Behandlung auf (
Urk.
7/89). Nach Kli
nikaustritt
und im Nachgang zum Urteil des hiesigen Gerichts vom 3
1.
August 2015
beauftragte die IV-Stelle die
Z._
mit
einer psychiat
rischen Abklärung (Gutachten des
Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
6.
August 2016 [
Urk.
7/97)]. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/104 ff.) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
3.
Mai 2017 erneut ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am
2.
Juni 2017 Beschwerde erheben mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Zusprechung einer halben In
validenrente; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
August 2017 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Am
6.
Sep
tember 2017 nahm der Beschwerdeführer dazu Stellung, worüber die Beschwer
degegnerin am 1
2.
September 2017 orientiert wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das hiesige Gericht hat mit Urteil
vom 3
1.
August 2015 (
Proz
. Nr. IV
. 2014.00290;
Urk.
7/71)
die Bestimmungen und Grundlagen zu den Begriffen der Invalidität (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts [ATSG] und
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung [IVG
]) und der
Erwer
bsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG) sowie
zum Umfang des Rentenanspruchs (
Art.
28
Abs.
1 IVG) wiedergegeben
(E. 1.1 und 1.3)
. Darauf wird verwiesen.
1.2
Mit BGE 141 V 281 (vom
3.
Juni 20
15) wurde die
Rechtsprechung zu den Vor
aussetzungen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und ver
gleichbare psychosomatische Leiden eine rentenbegründende Invalidität zu be
wirken vermögen, grundlegend überdacht und teilweise geändert. Weiterhin kann eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchti
gung ist (BGE 130 V 396). Auch künftig wird der Rentenanspruch - in Nachach
tung der verfassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von
Art.
8 und 29 BV (Rechtsgleichheit) und
Art.
7
Abs.
2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurtei
lung) – anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt (vgl. BGE 130 V 352
E. 2.2.2 und 139 V 547 E. 5.9), und es braucht medizinische Evidenz, dass die Er
werbsunfähigkeit aus objektiver Sic
ht eingeschränkt ist. Indes hielt
das Bundes
gericht an der Überwindbarkeitsvermutung nicht länger fest (BGE 141 V 281
E. 3.5). Anstelle des bisheri
gen Regel/Ausnahme-Modells trat
ein strukturierter, nor
mativer Prüfraster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf de
n funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich er
reichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressour
cen Rechnung getragen wird (Urteile des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom
1.
März 2016 E. 2.2 und 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 3.1, in: SVR IV
Nr. 38 S. 121).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfäh
igkeit erwähnten Indikatoren systemati
sierte
das Bundesg
ericht wie folgt (
BGE 141 V 281
E. 4.1.3
) : Kategorie "funktio
ne
ller Schweregrad" (E. 4.3
) mit den Komplexen "Gesundh
eitsschädigung"
(E. 4.3.1
; Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptom
e
[E. 4.3.1.1
]; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
-resistenz [E. 4.3.1.2
]; Komor
bidi
täten [E. 4.3.1.3
]), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychi
sche Funktionen [E. 4.3.2
]) und "So
zialer Kontext"
(E. 4.3.3
) sowie Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunk
te des Verhaltens [E. 4.4
]) mit den Faktoren
gleichmässige
Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Leb
ensbereichen (E. 4.4.1
) und behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesen
er Leidensdruck (E. 4.4.2
). Sie erlauben - unter Berücksichti
gung leistungshindernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensa
tionspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare L
eistungs
vermögen einzuschätzen
(BGE 141 V 281
E. 3.4-3.6 und E. 4.1
). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrsc
heinlichkeit nachgewiesen sind (BGE 141 V 281
E. 6 am Ende).
1.3
Mit BGE 143 V 418 (vom 3
0.
November 2017) änderte das Bundesgericht seine bisheri
ge Praxis insofern ab, als es er
kannte, dass grundsätzlich sämtliche psy
chischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141
V 281 zu unterziehen sind (E. 6 f.). Weiter stellte es klar, dass sich ein Leiden nicht einfach deshalb als leicht und invalidenversicherungsrechtlich bedeutungslos einstufen lässt, weil diagnostisch kein Bezug zu dessen Schweregrad gefordert ist (E. 5.2). Sodann soll E. 4.3.1.3 von BGE 141 V 281 fortan so verstanden werden, dass
Störungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeut
same Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung zukommt (E. 8.1). Folgerichtig entschied das Bundesgericht gleichentags mit BGE 143 V 409
– ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung -, dass die depressiven Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur grundsätzlich ebenfalls einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterzie
hen sind (E. 4.5).
1.4
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderungs
änderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Viel
mehr gilt es im Einzelfall mit seinen je eigenen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen gesamthaft zu prüfen, ob in bundesrechtskonformer Weise abschliessend auf die vorhandenen Beweisgrundlagen abgestellt werden kann (vgl. etwa Bun
desgerichtsurteil 8C_300/2017 vom
1.
Februar 2018 E. 4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
2.1.1
In ihrer
leistungsabweisenden Verfügung vom
3.
Mai 2017
(
Urk.
2)
hielt die Be
schwerdegegnerin
fest, dass der
Beschwerdeführer
, wie sich dem
Gutachten des Prof.
Dr.
A._
vom 2
6.
August 2016 (
Urk.
7/97)
entnehmen lasse, über einen normalen Tagesablauf und ein Aktivitätsniveau verfüge. Es seien
genügend Res
sourcen
vorhanden
, um die depre
ssive Störung zu
«
überwinden
»
. Auch
deute
d
ie nur einmal im Monat stattfindend
e
ambulante
psychiatrische Therapie
nicht au
f einen hohen Leidensdruck hin.
Die Schmerzproblematik werde
durch belastende Umstände
und Erinnerungen i
n erheblicher Weise verstärkt; e
s bestünden
psychosoziale Belastungsfaktoren, die invalidenversicherungsrechtlich nicht zu berücksichtigen seien. Die Lebensge
schichte des Beschwerdeführers zeige
auf
, dass die in
früheren Jahren erlebten traumatischen Ereignisse keine
negativen
Folgen gezeitigt
und seinen beruflichen und privat
en Werdegang nicht beeinträchtigt
hätten. Die psychisch
en Beschwer
den
seien höchstens leicht ausgeprä
gt und damit
nicht relevant.
A
us rechtlicher Sicht
könne
damit
von der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Prof.
Dr.
A._
abgewichen werden
, ohne dass dessen Gutachten dadurch
an Be
weiskraft verlöre
.
2.1.2
Im Rah
men der
Vernehmlassung vom 1
4.
August 2017 (
Urk.
6)
wies die Be
schwerdegegnerin darauf hin, dass
mehrere der für die Diag
n
ose einer
posttrau
matischen Belastungsstörung (
PTBS
)
nach ICD-10, F43.1 erforderlichen
Kriterien n
icht gegeben
seien, weshalb eine solche
von Prof.
Dr.
A._
richtigerweise auch nicht gestellt worden sei.
Bei der
stattdessen
diagnostizierte
n
DESNOS
nach DSM-5
seien die Kriterien für eine PTBS nicht vollständig erfüllt, weshalb DESNOS
nicht mit einer PTBS gleichgesetzt werden
könne.
Bezüglich der
rezid
ivierenden depressiven Störung
sei festzuhalten
, dass leichte bis mittelgradige depressive Störungen im Allgemeinen therapeutisch gut ange
hbar seien und praxisgemäss
einzig dann als invalidisierend
in Betracht fielen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sei
en, was vorliegend
nicht der Fall sei. Die
«
Unüberwindbarkeit
»
könne nicht bejaht werden.
Auch
hinsichtlich der
diagnostizierten
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10
, F45.4) sei
die Therapieresiste
nz nicht ausgewiesen und
der Leidensdruck nicht als hoch ein
zustufen.
2.2
2.2.1
Der Beschwerdeführer liess dagegen im Wesentlichen vorbringen
(
Urk.
1)
, es sei auf das mustergültige Gu
tachten des Prof.
Dr.
A._
vom 2
6.
August 2016
abzustellen, der
-
wie zuvor die behandelnden Ärzte sowie RAD-Arzt
Dr.
med.
B._
-
zum Schluss gekommen sei, dass eine lediglich 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Auch RAD-Ärztin
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, habe am
8.
September 2016 empfohlen, auf die nachvollziehbar hergeleiteten Schl
ussfolgerungen des
Prof.
Dr.
A._
abzustellen. Damit hätte eigentlich alles k
lar sein müssen. S
tattdessen habe die Verwaltung eine eigene Kon
sistenzprüfung
durch eine unbekannte Person,
beziehungsweise mutmasslich durch
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Innere Medizin
,
vorgenommen
, welche fach
lich
nicht qualifiziert sei,
um
ein psychiatrisches Gutachten in Frage zu stellen.
2.2.2
Davon abgesehen habe die eigentliche
Indikatorenprüfung
rechtsprechungsge
mäss
durch den medizinischen Sachverständigen zu erfolg
en; erst danach sei sie
vom
Rechtsanwender rechtlich zu würdigen. Es gehe nicht an, dass die Verwal
tung sämtliche Arztberichte
– respektive das Guta
chten von Prof.
Dr.
A._
sowie
die medizinischen Berichte von zwei RAD-Psychiatern – ignoriere
und
dann
aufgrund einer eigenen
,
zudem
inhaltlich mangelhaften Konsistenzprüfung
abweichend
entscheide. Die Beschwerdegegne
rin habe das psychiatrische Gut
achten des Prof.
Dr.
A._
nicht umfassend gewürdi
gt, sondern einseitig jene
Aspekte hervorgehoben, di
e gegen den Beschwerdeführer sprechen
könnten. E
ine seriöse Ressourcenprüfung habe
nicht stattgefunden.
Dass der Gesundheitszustand des B
eschwerdeführers alles ande
re als gut sei, zeige sich im Übrigen auch
dar
in, dass ein am
1.
März 2017 angetretener Arbeitsver
such (50%-Stelle in einem Restaurant) habe abgebrochen werden müssen. S
ollte das
Gericht
der Auffassung sein, dass Prof.
Dr.
A._
nicht sämtliche Fragen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit beantwortet habe, wären ihm ent
sprechende Ergänzungsfragen zu stellen.
3
.
Mit
vorerwähntem
Urteil
vom 3
1.
August 2015
(
Urk.
7/71)
befand das hiesige Gericht, dass
zwar verschiedene Hinweise auf negative, teilweise traumatische Erlebnisse in Kindheit, Jugend
und im
jungen Erwachsenenalter
bestünden
. I
n der Schweiz angekommen
habe
der Beschwerdeführer jedoch
einen auf Reinigung und Hauswartung
spezialisierten
Betrieb
aufbauen und
sich beruflich
etablieren
können
(E. 6.2.1)
.
Vor diesem Hinte
rgrund fehle
es
an einer Auseinandersetzung
der involvierten Psychiater
(
Dr.
E._
sowie
Dr.
F._
von der
Y._
)
mit der
Frage, weshalb trotz langer zeitlicher Latenz und hohem Funktionsniveau
die
Diagnose
einer PTBS
zu stellen sei
(E. 6.2.2)
. Abgesehen
vom
Fehlen einer hinreichend transparent dargelegten Diagnose einer PTBS liessen sich den Akten zwar gewisse Hinweise, aber nicht genügend Angaben entnehmen, um die Zu
verlässigkeit der von
der behandelnden
Dr.
med.
E._
attestierten und
vom RAD-Arzt
Dr.
med.
B._
bestätigten 50%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit aus rechtlicher Sicht beurteilen zu können (E. 6.3). Entspre
chend
wurde die Sache zur umfassenden (externen) psychiatrischen Begutach
tung und zu neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
4.
4.1
4.1.1
Im von der Verwaltung daraufhin eingeholten psychiatrischen Gutachten vom 2
6.
August 2016 (
Urk.
7/97) stellte Prof.
Dr.
A._
folgende Diagnosen (S. 88):
-
Rezidivierende depressive Störung (
chronifiziert
);
ggw
. mittelgradig, ICD-10 F33.8
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung; ICD-10 F45.4
-
DESNOS (komplexe posttraumatische Belastungsstörung -
disorders
of
extreme stress not
otherwise
specified
)
Das psychiatrische
Störungsbild
sei sehr komplex (S. 80). Aus klinisch psychiat
rischer Sicht sei davon auszugehen, dass das A
uftreten der Symptomatik einer PTBS
erst nach jahrelanger Latenz -
abweichend von den diag
nostischen Kriterien der ICD-10 -
dennoch bestanden haben könne (S. 83). Der Versicherte habe es durch intensive Arbeit und kä
mpferische Einstellung
ge
schafft, die Symptome einer PTBS
erfolgreich zu verdrängen. Sein berufliches Erfolgsstreben, seine Kor
rektheit und seine Leistungsorientierung hätten unbewusst der Aufrechterhaltung einer psychischen Resilienz ge
dient, die den Ausbruch der PTBS
verhindert habe
. Damit sei er
in der Lage gewesen, sich von den im Gehirn verankerten traumati
sierenden Erlebnissen abzulenken, die im Unt
erbewusstsein dennoch weiter
ge
wirkt hätten (
vgl.
Berichte der Ehefrau ü
ber um sich schlagen
im Schlaf und
ge
störte Nachtruhe). Diese bisher ausreichende Resilienz sei durch die jahrelang an
haltenden psychosozialen Belastungen (insbesondere Kampfscheidung von seiner ersten Ehefrau) gebrochen worden. Nach jahrzehntelanger Verd
rängung der
trau
matisierenden Ereignisse sei es
schliesslich durch das Erleben
chronischer
Schmerzen zu einer Aktivierung der traumatisierenden Ereignisse und zum Zu
sammenbruch der psychischen
Widerstandsfähigkeit mit Auftreten der S
ymptome einer PTBS
sowie von
depressiven Symptomen gekommen. Psychodynamisch und psychopathologisch
sei damit die Diagnose einer PTBS
aus
gutachterlicher
Sicht
medizinisch-theo
retisch erklärbar. Sie
beruhe
zwar
ausschliesslich auf den subje
ktiven Angaben des Versicherten, während o
bjektivierende Beri
chte fehlten; d
ies sei bei den genannten Diagnosen jedoch häufig der Fall. Der Blick auf die Erkrankung sei im wissenschaftlichen Wandel
,
und insbesondere das zeitliche Kriterium
, die Latenz
zwischen Auftreten einer posttraumatischen Belastungsstö
rung und dem traumatisierenden Ereignis
,
werde in neueren Klassifikationen
(DSM-5)
zu
den
Traumafolgestörungen
aufgeweicht (S. 84).
4.1.2
Mit Bezug auf die aktuelle
psy
chopathologische
Symptomatik
befand
Prof.
Dr.
A._
,
dass sich
keine Hinweise auf Aggravation oder Simulation ergeben
hätten
. Das
im Rahmen der Untersuchung beobachtete
Verhalten sei konsistent
zu d
en Beschwerden
gewesen. Nach
zweimaliger störungsspezifischer stationärer Behandlung hätten nur noch leicht- bis
mässiggradige
Symptome einer «PTBS
/ DESNOS /
Traumafolgestörung
»
festgestellt werden können, die sich insbesondere in der Konfrontation mit dem Thema gestellt hätten. Bei Ablenkung und aus
serhalb dieses Themas sei es zu einer Reduktion des
Hyperarousals
gekommen. Sich aufdrängende Intrusionen und Flashbacks seien offensichtlich nicht
mehr vorhanden. Der Explorand
habe angegeben, dass er keine Albträume mehr habe, während fremdanamnestisch von der Ehefrau zu erfahren gewesen sei,
dass er weiterhin se
hr unruhig schlafe. Gemäss DSM-5
seien die Kriterien für ein
e
DESNOS erfüllt (S. 85).
Im Vordergru
nd des klinischen Bildes stünden
chroni
sche Schmerzen
, di
e diag
nostisch die Kriterien
eine
r
anhaltende
n
somatoforme
n
Schmerzstörung gemäss ICD-10 F45.4 erfüllten. Das gemeinsame Auftreten einer
Traumafolgestörung
und einer somatoformen Schmerzstörung sei klinisch
häufig.
Es liege ein hoher Schmerzlevel vor
,
mit nur unzureichender Wirksamkeit therapeutischer Massnah
men (S. 86).
Zudem bestehe
eine rezidivierende mitt
elgradige depressive Episode
mit den Symptomen
einer gedrückten
Stimmung, einer Störung der Freudfähig
keit und
mit
Einschränkung der Interessen und des Antriebes (S. 86).
4.1.3
Der Versicherte habe durchaus persönliche R
essourcen, die er jedoch aktuell
krankheitsbedingt nicht einsetzen könne. Die zuvor beschriebenen Persönlich
keitseige
nschaften, die gute Vorbildung und die Berufsabschlüsse (Ausbildung in Technik und Feinmechanik in der Türkei, türkisches Kapitänspatent und engli
sches Hochseepatent, Hauswartkurs in der Schweiz)
die Berufserfahrungen, die unterstützenden Aktivitäten seiner Ehefrau sowie die Motivation zur beruflichen Wiedereingliederung s
tellten gute Ressourcen dar, welche
prognostisch eine
Wie
dereingliederung nach
fortschreitender Genesung in zwei bis drei Jahren ermög
lichen könnten. Die zu den Foltererfahrungen zählenden Schmerzen könnten als Körperintrusionen gesehen werden, die von einer weiteren
traumaspezifischen
Behandlung nicht profitierten
.
Jedoch könnte eine multimodale Schmerztherapie dazu beitragen, die Schmerzen innerpsychisch besser zu überwinden, so dass die vorhandenen Ressourcen wieder Oberhand gewinnen könnten, wie vor Ausbruch der
Traumafolgestörung
(S. 87).
Aus gutachterlicher Sicht liege ein deut
lich
er Gesundheitsschaden vor. D
ie Ar
beitsfähigke
it werde durch
Störung
en
des Selbstwertempfindens, der Selbstwirk
samkeitserwartung, des Durchha
ltevermögens, der Flexibilität und
der Umstell
fähigkeit,
ferner
durch
Störungen
in der Planung und Strukturierung von Aufga
ben sowie in de
r Selbstbehauptungsfähigkeit
beeinträchtigt
. Bei
der Abgrenzung der Funktionseinschränkungen, welche auf Gesundheitsstörungen beruhten
,
von
solchen, die nicht versicherte Faktoren beträfen, seien krankheitsimmanente Fak
toren dominierend (S. 87 f.).
Zusammenfassend kam der Gutachter
zum Schluss,
dass
beim Exploranden
ein komplexes psychiatrisches Störungsbild mit
handicapierende
n
S
törungen
hin
sichtlich der
kurz- und mittelfristige
n
Arbeitsfähigkeit
bestehe
. Aufgrund der ge
schilderten Fähigkeitsstörungen infolge der psychi
schen Problematik
hielt er die vom RAD-Arzt Dr.
B._
am 18. Juli 2013
festgehaltene 50%ige
Arbeitsunfä
higkeit, welche seither anhalt
end bestehe, für nachvollziehbar. Diese
beziehe si
ch auf die zuletzt ausgeübte wie auch
auf eine
adaptierte Tätigkeit
(S. 89).
4.2
RAD-Ärztin Dr. med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera
pie, er
achtete das Gutachten des
Prof. Dr.
A._
in ihrer Stellungnahme vom
8.
Sep
tember 2016 (Urk. 7/103 S. 3-7) als beweiskräftig und empfahl, auf dessen Beur
teilungen vollumfänglich abzustellen.
D
ie Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit
sei
seit dem 15.
April 2013 um 50 % reduziert
.
Die behandelnde Psychiaterin Dr.
E._
ging
im Schreiben vom 19. Januar 2
017 (Urk. 7/108)
grundsätzlich mit den gestellten Diagnosen und der Festsetzung d
er Arbeitsunfähigkeit durch
Gutachter
Prof.
Dr.
A._
einig.
Am 29. Mai 2017 (Urk. 3/6) berichtete Dr.
E._
, dass der Beschwer
deführer am 1. März 2017 eine Arbeitsstelle in einem Café mit einem Pensum von 50 % angetreten habe. Bereits nach einigen Tagen hätten die Schmerzen, die schweren Schlafstörungen und die grosse Ermüdbarkeit erneut ein Ausmass er
reicht, das ihm lediglich ein Pensum von zirka einer Stunde pro Tag
,
und
das auch nur sehr unregelmässig
,
erlaube. Die Schlafstörungen zeichneten sich durch Albträume mit Todesängsten aus. Vermehrt erfahre der Beschwerdeführer leider auch wieder Flashbacks mit der entsprechenden vegetativen Begleitsymptomatik. Seit 8. März 2017 sei er erneut zu 100 % arbeitsunfähig
.
5.
5.1
5.1.1
Laut
Gutachten des Prof.
Dr.
A._
vom 2
6.
August 2016
liegen
beim Be
schwerdeführe
r
eine rezidivierende
«
chronifizierte
», gegenwärtig mittelgradige depressive Störung
(ICD-10 F33.8), eine anhaltende somat
oforme Schmerzstö
rung (ICD-10 F
45.4
)
sowie eine
DESNOS (komplexe posttraumatische Belastungs
störung –
disorders
of
extreme stress not
otherwise
specified
)
– mi
t Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit -
vor (
Urk.
7/97 S. 88).
D
ie
Beschwerdegegnerin unterzog die
genannte mittelgradige depressive Störung
einer separaten Prüfung
und verneinte
deren
versi
cherungsrechtliche Relevanz
mit
dem
Hinweis auf die
«Überwindbarkeit» respektive
auf die
allgemein
gute
Therapierbarkeit
solcher Stö
rungen
und die Therapieresistenz
.
D
er Rechtsanwen
der
hat
die funktionell
en Folgen mehrerer psychischer L
eiden
– wie sie hier vor
liegen
–
jedoch
rechtsprechungsgemä
ss
gesamthaft zu würdi
gen
; d
as Vorgehen, eine einzelne
Störung
der
Indikatorenprü
fung
vorgelagert zu beurteilen und
sie
gleich
sam vom übrigen Krankheitsbild abzuspalten
,
läuft dem Ziel von BGE 141 V 281
entgegen
, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen unter Berück
sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kom
pensationspotentialen (Ressourcen) anderseits zu beurteilen
(
vgl. etwa Bundesge
richtsurteile
9C_596/2016 vom 2
6.
September 2017 E. 5.1 und 9C_194/2017 vom 2
9.
Januar 2
018 E. 6.2.3 mit Hinweisen).
5.1.2
Nach Aufgabe der
«
Überwindbarkeitsvermutung
» (vgl. E. 1.2
hievor
) hat das Bun
desgericht
inzwischen
auch
die
von der Beschwerdegegnerin herangezogene
bis
herige
Rechtsprechung
betreffend
Voraussetzungen, unter denen leichten bis mit
telschweren Depressionen invalidisierende Wirkung zukommen kann (BGE
140
V
193 E. 3.3)
geändert
.
Neu sind gemäss
BGE
143 V 41 (E. 7)
sä
mtliche psychischen Leiden -
laut BGE 143 V 409 (E. 4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere
Depressionen -
einem strukturierten Beweisverfahren nac
h BGE 141 V 281 zu unterziehen (vgl. E. 1.3
hievor
).
Fü
r den vorliegend
en Fall bedeutet dies, dass bezü
glich der
mittelgradigen rezidivierenden
depressiven Stö
rung nicht bereits mit dem Argument
der «Überwindbarkeit»
respektive der fehlenden
Therapiere
sistenz eine invalidenversicherungsrechtlich rele
vante psychische Gesundheits
schä
digung ausgeschlossen werden kann
. Vielmehr sind systematisierte Indika
toren (vgl. E. 1.2
hievor
) beacht
lich, die es erlauben, das tatsä
c
hlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschä
t
zen.
5.2
5.2.1
G
emäss ICD-10 F.43.1
entsteht eine PTBS,
wie sie von der behandelnden Psy
chiaterin
Dr.
E._
sowie von
Dr.
F._
von der
Y._
diagnostiziert worden war,
als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder k
atastrophen
artigen Ausmasses
, die bei fast jedem eine tiefe
Verzweiflun
g hervorrufen würde. E
ine solche Störung soll nur dann diagnostiziert werden, wenn sie innerhalb von 6 Monaten nach einem traumatisierenden Ereignis von aussergewöhn
licher Schwere aufgetreten ist. Vor diesem Hintergrund
sah
Gutachter
Prof.
Dr.
A._
unter dem Titel «Psychiatrische Diagnosen» (
Urk.
7/97 S. 88
) von der
Nen
nung einer
PTBS
ab
und diagnostizierte
stattdessen e
ine DESNOS gemäss DSM-5
,
wobei er bemerkte
, dass dieses Klassifikationssystem
, welches das geforderte klinische Bild weiter fasst und namentlich auch einen verzögerten Beginn in Be
tracht zieht
, dem Störungsbild Betroffener
im
Unterschied zur
klinisch und wis
senschaftlich n
icht mehr korrekten
ICD-10
(F43.1)
gerechter werde.
5.2.2
Damit ist die im
Rückweisungsentscheid des hiesigen Gerichts vom 3
1.
August 2015
aufgeworfene
Frage, weshalb trotz langer zeitlicher Latenz und hohem Funktionsniveau die Dia
g
nose einer PTBS
gemäss ICD-10 zu stellen sei, nach
vollziehbar beantwortet.
Die
vom Gutachter angesprochenen
konzeptionelle
n
Un
terschiede zwischen DSM-5 und ICD-10
sind
vorliegend
insofern von unterge
ordneter Bedeutung, als das Bundesgericht in
E. 8.1 von
BGE 143 V 418
seine bisherige Rechtsprechung (E.
4.3.1.3 von BGE 141 V 281)
wie erwähnt
dahinge
hend präzisiert
hat
, dass
eine Störung
unabhängig von ihrer Diagnose
bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität
in Betracht fällt, wenn ihr
im kon
kreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung zukommt
. Auch dieser neuen Praxis wird
die Beschwerdegegnerin
– unter gesamthafter Würdigung sämtlicher Leiden
(vgl. E. 8.1 von BGE 143 V 418
; E. 1.2 und 1.3
hievor
)
– Rechnung tragen.
6.
6.1
Hinsichtlich der einzelnen Indikatoren ergibt sich beim derzeitigen (unvollstän
digen) Aktenstand Folgendes:
Was die
Kategorie
«funktioneller Schweregrad», Komplex «G
e
sundheitsschädigung» betrifft,
sprach der psychiatrische Gutachter Prof.
Dr.
A._
angesichts der
noch leich
t bis mittelgradig ausgeprägten
DESNOS,
der damit verg
esellschafteten
somatoformen Schmerzstörung
mit ho
hem Schmerzlevel
und
der
mittelgradig
en Depression
(
Urk.
7/97 S. 86;
Bestäti
gung der
Vordiagnosen des
Dr.
F._
vom
Y._
) von einer insgesamt deutliche
n
Gesundhei
tsschädigung (
Urk.
7/97 S. 87). Dabei verneinte
er Hinweise auf Ag
gravation oder Si
mulation
,
erachtete das
Verhalten des Beschwerdeführers an
lässlich
der Beg
utachtung
als konsistent zu den Beschwerden
(
Urk.
7/97 S. 85) und erklärte,
das
s
soziokulturelle respektive psychosoziale Faktoren
bei
seiner
Beurteilung ausgeschieden
worden
seien
(
Urk.
7/97 S. 88).
Demgegenüber ging die
Bes
ch
werdegegnerin
von
h
öchstens leicht ausgeprägten,
invalidenversiche
rungsrechtlich nicht relevanten psychischen Beschwe
rden aus. Damit wich sie
hinsichtlich Ausmass und Schwere
von den gutachterlich festgestellten
Sympto
men und Befunden ab, was
-
zumindest
ohne vorgängige
,
nun
nachzuholende
Rückfragen bei Prof.
Dr.
A._
-
nicht angezeigt
war.
6.2
Unter
dem Indikator «Komorbidität» wird
unter Einbezug der
ausgewiesenen be
gleitenden Oberschen
kelschmerzen (
vgl.
Urk.
7/71/7)
eine Gesamtbetrachtung der Wechselwir
kungen und sonstigen Bezüge der
diagnostizierten mi
ttelgradigen De
pression
, der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sowie der DESNOS
vor
zunehmen sein
,
soweit den Störungen
ressourcenh
e
mmende Wirkung zukommt
(vgl. E. 5.2
i.f
.
hievor
).
6.3
Bezogen auf den Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönli
che Res
sourcen) fiel aus Sicht der
Beschwerdegegnerin
ressourcenmässig
positiv ins Gewicht
, dass der aus der Türkei stammende Beschwerdeführer zusammen mit seiner Frau
in der Schweiz
ein Geschäft im Bereich Hausverwaltung und Reini
gung mit bis zu sechs Angestellten au
fbauen konn
te.
Laut
Beurteilung
des
Prof.
Dr.
A._
kam es jedoch – nach jahrzehntelanger Verdrängung - m
it dem Auftreten von chronischen
Schmerzen
zu einer Aktivierung der traumatisieren
den Ereignisse und zur Aufweichung der
bisher ausreichenden
Resilienz
,
mit Stö
rungen in der Selbst- und Fremdwahrnehmung,
in
der Affektsteuerung und im Antrieb (vgl.
Urk.
7/97 S. 8
7.
Z
u
Konzept
und Bedeutung
der sogenannten
«
kom
plexen Ich-Funktionen
»
vgl. Thomas
Gächter
/Michael E. Meier, Schmerzrecht
sprechung 2.0, in:
Jusletter
2
9.
Juni 2015 S. 14 f.).
Anlässlich der Begutachtung wurde der Beschwerdeführer
als leistungsorienti
ert,
korrekt sowie
im Umgang freundlich
und
zur
beruflichen
Wiedereingliederung motiviert
wahrgenommen
, während jegliche Hinweise auf Verdeutlichung, Ag
gravation oder Simulation fehlten (
Urk.
7/97 S. 87). Diese
-
bereits von den Fach
personen der
Y._
festgestellten (vgl.
Urk.
7/97 S. 35)
-
Zü
ge
deuten
auf eine
grundsätzlich
(
ressourcen
)starke Persönlichkeit
hin, können allerdings
ein Stück weit auch von der Validität der gu
tachterlichen Einschätzung
zeugen
(
vgl.
dazu
Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
1
1.
Juli 2016, S. 31
Rz
77)
,
wonach
der Beschwerdeführer die
an sich guten Ressourcen
(beschriebene Persönlichkeitseigen
schaften; ferner
gute Vorbildung, Berufserfah
rung so
wie unterstützende Aktivitäten der
Ehefrau)
krankheits
bedingt nicht ein
zusetzen
vermag
(
Urk.
7/97 S.
87).
6.4
Was den Komplex «Sozialer Kontext» angeht, ist ein merklicher Rückzug aus so
zialen Aktivitäten auszumach
en. Eigenen Angaben zufolge gab
der Beschwerde
führer sein Hobby (Segeln auf dem Greifensee) aus gesundheitlichen
Gründen auf
und
zog
sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren
zurück
; früher hatte er viele Seglerkollegen, heute nur noch wenige Freunde und Kollegen (
Urk.
7/97
S. 60 f.). Er pflegt aber guten Kontakt zu allen fünf Geschwistern (
Urk.
7/97
S. 59) und zu seiner Tochter aus erster Ehe (
Urk.
7/97 S. 60).
6.5
6.5.1
Zum b
eweisrechtlich entscheidend
en
,
verhaltensbezogene
n
Gesichtspunkt der
«Konsistenz
»
ist dem Gutachten des Prof.
Dr.
A._
hinsichtlich des Indikators «gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Le
bensbereichen»
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seine erwerbstätige Ehefrau am Morgen mit dem Auto zum Bahnhof fährt, den Haushalt besorgt und sich an der gemeinsamen Zubereitung des Nachtessens beteiligt. Er hört Nach
richten, liest Bücher in seiner Muttersprache und schaut am Computer Spielfilme (
Urk.
7/97 S. 71). Kurz vor der Begutachtung weil
te er für sechs Wochen in seiner Heimat
und
besuchte Thermalbäder (
Urk.
7/97 S. 70).
Ob diese
Aktivitäten mit den geltend gemachten beruflichen
Einschränkungen und
der schliesslich attesti
erten 50%igen Arbeitsunfähigkeit - auch in angepass
ten Tätigkeiten -
in Einklang stehen
oder nicht
, ist interpretationsbedürfti
g und erfordert
angesichts des
komplex
en
Beschwerdebilde
s eine ergänzende
Einord
nung
durch den Gutachter
(vgl. zum Ganzen
Andreas Traub, BGE 141 V 281 – Auswirkungen des Urteils auf weitere Fragestellungen,
Sozialversicherungs
rechtstagung 2016,
S. 129).
6.5.2
Wie sich aus dem Zeugnis der behandelnden
Psychiaterin
Dr.
E._
vom 1
8.
Dezember 2015 ergibt, fanden seit 2013 regelmässig Therapiesitzunge
n
mit variierend vierzehntäglichen, auch mal wöchentlichen und seit 2015 im Durchschnitt monatlichen Abständen
statt
(
Urk.
7/81/2-4).
Der Beschwerdeführer selber berichtete anlässlich der Beguta
chtung
von einer monatlichen Behand
lungsfr
equenz; zweimal im Monat besuche
er zudem eine Bewegu
ngstherapie (
Urk.
7/97 S. 72).
Einerseits ist
mit Blick auf den Indikator «behandlungsanamnestisch ausgewiese
ner Leidensdruck»
fraglich, o
b eine solche
Frequenz
ambulanter
psychiatrischer Behandlung
en
den rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an eine konse
quente Therapie genügt
(vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 8C_793/2016 vom 1
5.
September 2017 E. 8.2
[betreffend Depression]
)
.
Andererseits
fehlen
Anhalts
punkte für mangel
n
de Compliance
; n
amentlich zeigten die von Prof.
Dr.
A._
veranlassten Laboruntersuchungen Medikamentenspiegel oberhalb des therapeu
tischen (Antidepress
ivum) oder im therapeutischen (
M
ood
stabilizer
) Bereich (
Urk.
7/97 S. 72 und S. 86).
Auch
stand
der Beschwerdeführer vom 1
5.
Mai bis 1
2.
August und vom 1
1.
Januar bis 3
1.
März 2016 in
der Spezialstation für
Traumafolgestörungen
d
er
Y._
in stationärer Behandlung
(Berichte vom 2
5.
Sep
tember 2014 [
Urk.
7/69/5-12] und 1
2.
April 2016 [
Urk.
7/89/1-6
]), wo z
uletzt
eine leichte Verminderung des
Hyperarousals
(vgl.
Urk.
7/97 S. 49 und S. 53)
, nicht aber
die vom
Beschwerdeführer erhofft
e
Besserung hinsichtlich
des
Schmerzerle
bens
erreicht werden konnte
. B
ei
ch
ro
ni
fiziertem
Zustandsbild persistierten
nach wie vor
erhebliche Einschränkungen auf Funkt
ionsebene (Mini-ICF
Rating
;
Urk.
7/97 S. 49 f.).
Vor diesem Hintergrund wir
d gutachterlich zu klären
sein,
ob der Umstand, d
ass sich
der Beschwerdeführer nicht häufiger oder mit anderem therapeutischem An
satz
be
handeln liess,
auf
- von ihm nicht zu verantwortende -
mangelnde Auf
klärung
über
angezeigte
adäquate
Therapien zurückzuführen
ist
,
oder
als
Aus
druck
eines
nur
geringen
Leidensdruck
e
s respektive
einer unzureichenden
Kon
sistenz
zu gelten hat
.
7.
Unter Rückgriff auf Elemente der ICF (vgl.
dazu etwa
Andreas
Traub,
a.a.O
,
S. 143 ff.;
zur
rechtlichen Akzeptanz der ICF vgl.
Kaspar Gerber, Testgütekriterien im Rahmen der medizinischen Begutachtung am Beispiel der ICF, in: SZS
2018 S. 134 f.) erhob Gutachter Prof.
Dr.
A._
auf Funktionsebene deutlich ein
schränkende Störungen
,
insbesondere der Durchhaltefähigkeit, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben sowie der Selbstbehauptungsfähigkeit.
Dass er daraus auf
erhebliche Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung von Führungsaufgaben respektive auf
ei
nen
deutlich erschwerten Umgang mit Mitarbeitenden und Kunden
und damit auf volle Arbeitsunfähigkeit in bisheriger
Tätigkeit schloss, erscheint durchaus plau
sibel. Hingegen bl
ieb offen
, weshalb dem Beschwerdeführer eine seinem Leiden angepasste Tätigkeit
-
mit entsprechen
d geringerem Anforderungsprofil -
objek
tiv
nur zu 50% zumutbar sein soll
.
8.
Nach dem Gesagten
ist die Sache zum weiteren Vorgehen
im Sinne der Erwägun
gen
und zu neuem Entscheid
über den Leistungsanspruch
an die Beschwerdegeg
nerin zurüc
kzuweisen. I
m Rahmen seiner ergänzenden Ausführungen
(vgl. E. 6 und 7
hievor
)
wird Prof.
Dr.
A._
auch zur Bedeutung des
vom Beschwerde
führer
am
1.
März 2017 angetretenen, offenbar
aber
gescheiterten Arbe
itsversuch
(E. 2.2
i.f
.
hievor
)
Stellung nehmen, soweit
dies Rückschlüsse auf die hier
mass
gebende Situation erlaubt.
9.
Zur
beschwerdeweise angesprochenen Aufgabenteilung
zwischen medizinischen Sachverständigen und Organen der Rechtsanwendung bleibt Folgendes anzumer
ken:
Rechtsprechungsgemäss obliegt es dem Rechtsanwender zu prüfen, ob aus
schliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksich
tigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektiven Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 2.2.2,
Art.
7
Abs.
2 ATSG). Eine (rentenbegründende) Invalidität ist nur dann ausgewiesen, wenn die funktionellen Auswirkungen me
dizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt sind (vgl. BGE 141 V 281 E. 6).
Liegt
eine vollständige, korrekte, den
versicherungsmedizinischen Vorgaben Rechnung tragende gutachterliche Stellungnahme vo
r,
so
soll
sie – ohne Vor
nahme einer freien Para
llelprüfung
–
vom Rechtsanwender
respektiert werden
(so etwa
Andreas Traub
, a
.
a.O., S
. 151
; vgl. allerdings das zur Publikation bestimmte Bundesgerichtsurteil 8C_409/2017 vom 2
1.
März 2018).
).
10
.
Die Kosten des
Verfahrens sind auf
Fr.
900.--
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Zudem ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von
Fr.
2'900.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).