Decision ID: d41be64f-2054-579f-bf65-ec6d1202de4a
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Dezember 2012 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe eine Ausbildung zum
Pflegehelfer SRK absolviert; seit November 2009 arbeite er im Vollpensum als
Pflegehelfer. Die Arbeitgeberin, ein Pflegeheim, berichtete im Januar 2013 (IV-act. 11),
der Versicherte arbeite seit Mai 2009 als Pflegehelfer für sie. Seit August 2012 sei er
krankgeschrieben. Der Jahreslohn belaufe sich auf 53’300 Franken. Der Psychiater Dr.
med. B._ gab im März 2013 an (IV-act. 14), der Versicherte leide an einer schweren
depressiven Episode ohne psychotische Symptome. Die depressiven Symptome
hätten sich seit Juli 2012 entwickelt. Es liege eine familiäre Belastung vor: Die Ehefrau
leide an einer Schizophrenie und an einer akuten Leukämie. Zudem sei der Versicherte
am Arbeitsplatz belastet. Er leide an einer depressiven Stimmung und an
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen; er sei deshalb nur noch eingeschränkt
belastbar und anpassungsfähig. Die Prognose sei günstig. Innerhalb von zwei, drei
Monaten sei eine Teilremission zu erwarten, was die Wiederaufnahme der
Erwerbstätigkeit in einem Pensum von 50 Prozent ermöglichen würde. Im Juli 2013
berichtete Dr. B._ über einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand
des Versicherten (IV-act. 17). Er gab an, möglicherweise werde es in drei bis sechs
Monaten zu einer Teilremission der depressiven Störung kommen. Im April 2014
berichtete Dr. B._ wiederum über einen im Wesentlichen unveränderten
Gesundheitszustand des Versicherten (IV-act. 24). Er empfahl ein Belastungstraining.
Im August 2014 berichtete Dr. B._ erneut über einen im Wesentlichen unveränderten
Gesundheitszustand des Versicherten (IV-act. 44).
A.b Mit einer Mitteilung vom 11. September 2014 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten eine Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 49). Zur selben Zeit konnte der
Versicherte an einem vom regionalen Arbeitsvermittlungszentrum vermittelten
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Einsatzprogramm mit einem Pen¬sum von 20 Prozent teilnehmen. Im Januar 2015
notierte die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle (IV-act. 57), der Versicherte
habe sein Pensum nicht mehr weiter gesteigert, obwohl eine Steigerung auf 50 Prozent
aus medizinischer Sicht zumutbar gewesen wäre. Zudem habe er keine
Stellenbemühungen mehr getätigt. Von Dr. B._ sei er nach wie vor zu 80 Prozent
arbeitsunfähig geschrieben. Der Versicherte selbst fühle sich auch nicht arbeitsfähig.
Die berufliche Eingliederung werde deshalb abgeschlossen. Im Mai 2015 berichtete Dr.
B._ über einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand, wobei er
allerdings nebst der rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
schweren Episode ohne psychotische Symptome neu emotional impulsive
Persönlichkeitszüge (instabiler Typ) als Diagnose anführte (IV-act. 66). Mit einer
Mitteilung vom 28. August 2015 wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten um
weitere berufliche Massnahmen ab (IV-act. 71). Im Oktober 2015 notierte Dr. med.
C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 72), der Versicherte
befinde sich nun seit drei Jahren in einer psychiatrischen Behandlung, ohne dass sich
sein Gesundheitszustand verbessert hätte. Die von Dr. B._ in Aussicht gestellte
neuropsychologische Abklärung sei offenbar immer noch nicht durchgeführt worden.
Die neu gestellte Diagnose (emotional impulsive Persönlichkeitszüge) sei nicht
verständlich. Zudem stelle sich die Frage, warum jetzt derartige Züge nach drei Jahren
Behandlung eine Rolle spielen sollten. Vor diesem Hintergrund müsse nun zwingend
eine psychiatrische und neuropsychologische Begutachtung durchgeführt werden.
A.c Am 10. März 2016 erstattete der Neuropsychologe D._ ein
neuropsychologisches Teilgutachten (IV-act. 79). Er hielt fest, die Untersuchung habe
vier Stunden gedauert. Vom Verhalten her habe der Versicherte depressiv und fraglich
motiviert gewirkt. Die Symptomvalidierung habe ein teilweise auffälliges Ergebnis
gezeitigt. Die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung sei nicht sicher
interpretierbar gewesen. Die exekutiven Funktionen seien überwiegend nicht
beeinträchtigt gewesen. Die in den Tests gezeigte Gedächtnis- und Lernleistung könne
aufgrund erheblicher Inkonsistenzen und Implausibilitäten nicht interpretiert werden.
Die Wahrnehmung sei nicht beeinträchtigt. Am 14. März 2016 erstattete der Psychiater
Dr. med. E._ ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 80). Er führte aus, der Versicherte
habe seine persönliche Geschichte gut nachvollziehbar zum Ausdruck gebracht. Die
Beschwerdeschilderung sei nicht ausführlich gewesen, denn der Versicherte habe
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hauptsächlich über seine psychosoziale Situation und nicht wirklich über Symptome
geklagt. Aus fachärztlicher Sicht sei es zwar nachvollziehbar, dass der Versicherte
unter der sehr belastenden Situation leide, aber es sei nicht plausibel, dass er
deswegen an einer schweren depressiven Episode leide, wie Dr. B._ behauptet habe.
Bezüglich der Berichte von Dr. B._ falle auf, dass dieser zunächst eine rasche
Teilremission in Aussicht gestellt, anschliessend aber immer wieder weitgehend
identische Berichte verfasst habe, wobei der Befund sehr schematisch beschrieben
worden sei. Die Angaben des Versicherten bei der Untersuchung durch Dr. E._ seien
teilweise widersprüchlich gewesen. So habe der Versicherte beispielsweise in Bezug
auf die Medikation sehr viele verschiedene Varianten angeführt; schlussendlich habe
nicht einmal das Schmerzmedikament, das er angeblich einnehme, in seinem Blut
nachgewiesen werden können. Auch bei der neuropsychologischen Untersuchung
hätten sich Hinweise auf eine mangelnde Mitwirkung des Versicherten gezeigt. Vor
dem Hintergrund dieser Unsicherheiten könne keine zuverlässige Diagnose gestellt
werden. Auch eine zuverlässige Arbeitsfähigkeitsschätzung sei nicht möglich. Mit
einem Vorbescheid vom 24. März 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act.
83), dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung führte sie
an, Dr. E._ habe keine Diagnose gestellt, die sich auf die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten auswirken würde. Folglich sei von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit auszugehen. Dagegen wandte der Versicherte am 6. Mai 2016 ein
(Posteingang bei der IV-Stelle; IV-act. 86–1), er sei mit dem vorge¬sehenen Entscheid
nicht einverstanden. Er könne nicht nachvollziehen, wie man von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgehen könne, wo er sich doch seit Jahren in
einer antidepressiven Behandlung befinde. Am 24. April 2016 hatte Dr. B._
festgehalten (IV-act. 86–2), er habe den Versicherten mittlerweile mit knapp einem
Dutzend Psychopharmaka behandelt, ohne dass eine Teilremission der depressiven
Störung eingetreten sei. Im letzten Jahr habe sich der psychopathologische Befund
allerdings etwas verändert. Aktuell sei die depressive Symptomatik mittelgradig
ausgeprägt. Der Versicherte sei aber weiterhin kaum belastbar und auch nicht
anpassungsfähig. Das Gutachten von Dr. E._ überzeuge nicht. Der Versicherte sei zu
70 Prozent arbeitsunfähig. Der Psychiater med. pract. F._ hatte am 2. Mai 2016
angegeben (IV-act. 86–4), die Ehefrau des Versicherten leide an einer chronischen
Leukämie und unter einer schizophrenen Psychose. Sie werde zeitlebens keine
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Tätigkeit von wirtschaftlichem Wert mehr ausführen können. Die Klinik für
Rheumatologie des Kantonsspitals St. Gallen hatte am 16. März 2016 berichtet (IV-act.
86–5), die Ehefrau des Versicherten leide an einem adulten Morbus Still und an einer
Osteoporose. Am 8. Juni 2016 teilte Dr. B._ mit (IV-act. 90), der Versicherte sei zu
50–70 Prozent arbeitsunfähig. Sein aggressives Verhalten habe sich vermindert. Der
RAD-Arzt Dr. C._ notierte am 13. Juli 2016, die neu eingereichten Berichte weckten
keine Zweifel an der Überzeugungskraft des Gutachtens von Dr. E._ (IV-act. 92). Mit
einer Verfügung vom 14. Juli 2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab (IV-act. 93).
B.
B.a Am 25. Juli 2016 erhob der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 14. Juli 2016 (act. G 1). Er machte geltend, er
befinde sich nach wie vor in einer psychiatrischen Behandlung. Er könne den Entscheid
nicht verstehen und wisse nicht, wie es weitergehen solle. Seine Frau sei körperlich
und psychisch krank; er müsse sich um sie und um seine beiden Kinder kümmern.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 20.
September 2016 die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie
an, das Gutachten von Dr. E._ sei in jeder Hinsicht überzeugend. Der
Beschwerdeführer habe mit seiner mangelhaften Mitwirkung eine zuverlässige
Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung verunmöglicht. Diesbezüglich liege
nun eine objektive Beweislosigkeit vor, deren Folgen der Beschwerdeführer zu tragen
habe.
B.c Am 30. September 2016 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 6).
B.d Am 18. Mai 2017 liess der Beschwerdeführer dem Versicherungsgericht
(kommentarlos) einen Sprechstundenbericht des orthopädischen Chirurgen Dr. med.
G._ vom 16. März 2017 zugehen (act. G 9), laut dem er an einer Epicondylitis lateralis
beidseits litt. Am 5. Juli 2017 reichte der Beschwerdeführer dem Versicherungsgericht
(wiederum kommentarlos) einen Bericht des Kardiologen Dr. med. H._ ein (act. G 11),
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laut dem er an Palpitationen litt, die am ehesten durch harmlose Extrasystolen
ausgelöst wurden.

Erwägungen
1.
Laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss dem
Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach
der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem Einkommen
gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer hat keine berufliche Ausbildung absolviert.
Dementsprechend ist er in den ersten Jahren in der Schweiz als Hilfsarbeiter in
verschiedenen Branchen tätig gewesen. In den Jahren 2009/2010 hat er einen Kurs
des Schweizerischen Roten Kreuzes zum Pflegehelfer absolviert. Bereits in dieser Zeit
hat er begonnen, als Pflegehelfer in einem Pflegeheim zu arbeiten. Dieser Kurs kann
nicht mit einer Berufslehre verglichen werden, denn er dauert nur ein Jahr und er wird
nicht mit einer eidgenössischen Prüfung abgeschlossen. Ein Pflegehelfer mit einem
solchen Kursabschluss ist als ein „qualifizierter Hilfsarbeiter“ zu betrachten. In der
Terminologie der Schweizer Lohnstrukturerhebung ab dem Jahr 2012 verrichtet ein
Pflegehelfer nicht nur einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art
(Kompetenzniveau 1), sondern – etwas anspruchsvollere – praktische Tätigkeiten
(Kompetenzniveau 2). Die Akten enthalten keinen Hinweis darauf, dass die Tätigkeit als
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Pflegehelfer dem Beschwerdeführer nicht mehr zugemutet werden könnte respektive
dass er in einer anderen Tätigkeit in einem höheren Pensum als in der Tätigkeit als
Pflegehelfer arbeiten könnte. Mit anderen Worten leidet der Beschwerdeführer an
keiner Gesundheitsbeeinträchtigung, die ihn zu einem „Berufswechsel“ zwingen würde.
Folglich entspricht die Invalidenkarriere der Validenkarriere, weshalb der Ausgangswert
zur Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens mit dem
Valideneinkommen identisch ist, sodass der Invaliditätsgrad anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs berechnet werden kann. Er entspricht folglich dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen Tabellenlohnabzug.
2.2 Zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hat
die Beschwerdegegnerin den Psychiater Dr. med. E._ mit einer Begutachtung des
Beschwerdeführers beauftragt. Dieser hat seinerseits den Neuropsychologen D._ mit
einer neuropsychologischen Testung des Beschwerdeführers beauftragt. Diese
Testung hat wegen zahlreicher Inkonsistenzen und wegen eines fraglich validen
Antwort- und Testverhaltens des Beschwerdeführers keine verwertbaren Ergebnisse
gezeitigt. Auch Dr. E._ hat in seiner Untersuchung verschiedene
Widersprüchlichkeiten festgestellt. Jene objektiven klinischen Befunde, die er hat
erheben können, sind allerdings weitgehend unauffällig gewesen. Der
Beschwerdeführer hat denn auch in der Untersuchung vorwiegend über belastende
Umstände und eher nur am Rand über Beschwerden und Symptome einer psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigung geklagt. Das entspricht dem Bild, das auch die übrigen
Akten zeichnen: Als Hauptproblem des Beschwerdeführers stellt sich nicht etwa eine
(„echte“) psychische Gesundheitsbeeinträchtigung des Beschwerdeführers, sondern
vielmehr die schwere Erkrankung der Ehefrau mit all ihren sozialen Folgen dar. Zwar ist
ohne weiteres nachvollziehbar, dass die Erkrankung der Ehefrau den Beschwerdeführer
in eine schwierige und belastende Situation gebracht hat, aber in den Akten fehlt ein
eindeutiger Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer an einer eigenständigen
psychischen Erkrankung leiden würde, die selbst dann unverändert weiterbestehen
würde, wenn sich die Probleme im Zusammenhang mit der Erkrankung seiner Ehefrau
vollständig lösen würden. Allerdings ist auch das Gegenteil nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt, denn sowohl
Dr. E._ als auch der Neuropsychologe Dr. D._ haben eine psychische
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht sicher ausschliessen können. Die Berichte des seit
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mehreren Jahren behandelnden Psychiaters Dr. B._ sind nicht geeignet, den
Sachverhalt weiter zu erhellen, denn Dr. B._ hat weder seine Diagnosestellung noch
seine Arbeitsfähigkeitsschätzung je überzeugend begründet. Der RAD-Arzt Dr. C._
und auch der Sachverständige Dr. E._ haben – für einen medizinischen Laien
nachvollziehbar und überzeugend – auf verschiedene Mängel in den Berichten von Dr.
B._ hingewiesen, die den Beweiswert dieser Berichte deutlich schmälern. Zwar hat
Dr. B._ geltend gemacht, das Gutachten von Dr. E._ überzeuge ihn nicht, aber
diese Einschätzung hat er mit keinem Wort begründet. Gesamthaft enthalten die Akten
also keine überwiegend wahrscheinlich richtige Arbeitsfähigkeitsschätzung.
2.3 Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob von weiteren medizinischen
Abklärungen ein wesentlicher Erkenntnisgewinn erwartet werden kann. Diese Frage
kann angesichts des aktuellen Aktenstandes nicht eindeutig beantwortet werden. Zwar
sind bei der neuropsychologischen Testung zahlreiche Hinweise auf ein nicht valides
Test- und Aussageverhalten aufgefallen, aber der Beschwerdeführer hat in einigen der
Tests eine zuverlässige, verwertbare Leistung erbracht. Sowohl der Neuropsychologe
D._ als auch Dr. E._ haben festgehalten, dass der Beschwerdeführer grundsätzlich
authentisch gewirkt und glaubhafte Aussagen gemacht habe. Anders als in vielen
anderen Fällen hat vorliegend also kein durchwegs inkonsistentes oder
unglaubwürdiges Verhalten vorgelegen. Vor diesem Hintergrund kann mit einiger
Plausibilität davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in der Lage sein
dürfte, ein durchwegs konsistentes und zuverlässiges Verhalten an den Tag zu legen,
wenn ihm vorgängig genau erklärt würde, in welchen Bereichen er sich authentischer
verhalten müsse. Damit drängt sich folgendes Vorgehen in Anwendung des Art. 43
Abs. 3 ATSG auf: Die Beschwerdegegnerin wird den Beschwerdeführer mit einer
genauen Anleitung dazu anhalten, sich einer weiteren psychiatrischen (inkl.
neuropsychologischen) Begutachtung zu unterziehen und in jeder Hinsicht zuverlässige
Angaben zu machen respektive sich in jeder Hinsicht authentisch zu verhalten. Dabei
wird die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer für den Fall einer nicht
vollständigen Erfüllung der Mitwirkungspflicht die im Art. 43 Abs. 3 ATSG
vorgesehenen Rechtsfolgen androhen. Weil der Beschwerdeführer bei der
Begutachtung durch Dr. E._ und bei der neuropsychologischen Testung kein
durchwegs unzuverlässiges Verhalten gezeigt hat, darf er nicht nur unspezifisch zu
einem authentischen Verhalten bei einer weiteren Begutachtung angehalten werden.
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Ihm muss vielmehr ganz detailliert aufgezeigt werden, in welchen Tests, in welchen
Bereichen und in welcher Hinsicht sein Verhalten bei der ersten Begutachtung
unzuverlässig gewesen ist respektive wie genau er sich bei einer weiteren
Begutachtung anders als bei der ersten Begutachtung zu verhalten hat. Eine solche
präzise Anleitung kann nicht von einem medizinischen Laien verfasst werden, da sie
eine eingehende neuropsychologische und psychiatrische Sachkenntnis erfordert. Die
Beschwerdegegnerin wird deshalb ihren RAD mit der Abfassung einer präzisen,
verständlichen Anleitung bezüglich des vom Beschwerdeführer bei einer weiteren
Begutachtung erwarteten Verhaltens beauftragen. Diese Anleitung wird sie wortwörtlich
in ihre Abmahnung aufnehmen. Die Sache ist zur Durchführung dieser weiteren
Abklärungsmassnahmen – und damit zur vollständigen Erfüllung der
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) – an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.
Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen gilt eine Rückweisung zur weiteren
Abklärung rechtsprechungsgemäss als ein vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind folglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.