Decision ID: a4794a52-8ddd-5485-9970-ab08c1ffa18b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein in B._ geborener Kurde mit letztem
Wohnsitz in C._, Provinz D._ (Nordirak), ersuchte am (...)
um Asyl in der Schweiz. Am 17. November 2015 fand die Befragung zur
Person (BzP) statt und am 18. Juli 2017 wurde er vom SEM einlässlich zu
seinen Asylgründen angehört.
A.b Dabei brachte er im Wesentlichen vor, er sei kurz nach seiner Geburt
mit seiner Familie nach E._ in die Provinz F._ umgezogen,
wo sie bis zum (...) gelebt hätten. Eine Schule habe er nicht besucht; er sei
als (Nennung Tätigkeit) tätig gewesen. Als ihre Ortschaft vom Islamischen
Staat (IS) angegriffen worden sei, seien sie nach C._ (Provinz
D._) geflüchtet. Dort sei ihr Leben schwierig gewesen. Sie hätten
fast jeden Tag von einem Rohgebäude in ein anderes umziehen müssen.
Deshalb hätten sie bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Verle-
gung in eines der neu gebauten Flüchtlingslager gestellt. Sie seien jedoch
während (Nennung Dauer) immer wieder vertröstet worden. Aus diesem
Grund sei es eines Tages mit einem Staatsangestellten, der eine der zu-
ständigen Personen für die Migranten in C._ gewesen sei, zu einem
Streit gekommen. Der Angestellte habe ihm mit einem Verfahren gedroht
und ihn aus dem Büro werfen lassen. (Nennung Zeitpunkt) später sei er
abends bei seinem (Nennung Verwandter) gewesen, als er von seinem
(Nennung Verwandter) telefonisch darüber informiert worden sei, dass er
von Angehörigen des (Nennung Behörde) gesucht werde, weil er vom er-
wähnten Staatsangestellten beschuldigt worden sei, diesen angegriffen zu
haben. Da er befürchtet habe, vom (Nennung Behörde) verhaftet und
schlecht behandelt zu werden, habe er sich daraufhin während (Nennung
Dauer) im leerstehenden Haus eines Kollegen im – wenige Kilometer von
C._ entfernten – Dorf G._ versteckt, wo er unbehelligt ge-
blieben sei. Während dieser Zeit habe der (Nennung Behörde) mehrmals
seine Familie aufgesucht und einmal seinen (Nennung Verwandter) (Nen-
nung Dauer) in Untersuchungshaft genommen. Nach diesem Vorfall habe
seine Familie definitiv keinen Platz mehr in einem Flüchtlingslager und
auch keine anderweitige Hilfe mehr erhalten, weshalb sich seine (Nennung
Verwandte) – bis auf zwei (Nennung Verwandte) – alle in die H._
begeben hätten. Da er sich nicht ewig habe verstecken können, habe er
sich schliesslich zur Ausreise entschlossen. Nach Auskunft seiner Fami-
lienangehörigen sei er etwa (Nennung Zeitpunkt) nach seiner Ausreise
zwei Mal von den Behörden gesucht worden. Die Behörden würden zudem
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seine Angehörigen regelmässig belästigen. Ferner halte sich seine (Nen-
nung Verwandte), mit welcher er verlobt sei, ebenfalls in der Schweiz auf.
(Nennung Verwandte) sei ungefähr zur gleichen Zeit wie er in die Schweiz
eingereist.
Zum Nachweis seiner Identität legte der Beschwerdeführer (Nennung Iden-
titätsdokumente) ins Recht.
B.
Mit Verfügung vom 24. Juli 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
29. August 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragte, es sei die angefochtene Verfügung in den Dispositivziffern 3 bis 5
aufzuheben, es sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht
ersuchte er, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und
ihm seine Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin beizuord-
nen.
Seiner Eingabe lagen (Aufzählung Beweismittel) bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 4. September 2018 forderte die Instruktions-
richterin den Beschwerdeführer auf, innert sieben Tagen ab Erhalt der Ver-
fügung eine Beschwerdeverbesserung (Klarstellung der Rechtsbegehren)
nachzureichen, wobei bei ungenutzter Frist davon ausgegangen werde,
dass er sich hinsichtlich der angefochtenen Verfügung auf die Geltendma-
chung von Wegweisungsvollzugshindernissen beschränke.
E.
Mit Eingabe vom 5. September 2018 reichte der Beschwerdeführer (Nen-
nung Beweismittel) nach.
F.
Der Beschwerdeführer legte am 12. September 2018 seine Beschwerde-
verbesserung ins Recht. Darin beantragte er – mit entsprechender Begrün-
dung –, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu
gewähren.
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G.
Mit Zwischenverfügung vom 14. September 2018 hiess die Instruktions-
richterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und um amtliche Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer eine amtli-
che Rechtsbeiständin in der Person von MLaw Géraldine Kronig bei. Fer-
ner lud sie die Vorinstanz ein, bis zum 1. Oktober 2018 eine Vernehmlas-
sung einzureichen.
H.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 24. September 2018 – nach
einigen ergänzenden Bemerkungen – an seinen Erwägungen im angefoch-
tenen Entscheid vollumfänglich fest.
I.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 17. Oktober 2018 unter
Beilage (Nennung Beweismittel).
J.
In ihrem Schreiben vom 9. Januar 2019 erklärte die amtliche Rechtsbei-
ständin, dass sie ihre berufliche Tätigkeit bei Caritas Schweiz auf (Nen-
nung Zeitpunkt) beenden werde und ersuchte um Entbindung von ihrem
Mandat. Gleichzeitig schlug sie (Nennung Person) als neue Mandatsträge-
rin vor.
K.
Die Instruktionsrichterin wies mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2019
das Gesuch von MLaw Géraldine Kronig um Entlassung aus dem Mandat
als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers ab.
L.
In seinem Schreiben vom 24. April 2019 brachte der Beschwerdeführer vor,
dass derzeit ein Ehevorbereitungsverfahren im Gange sei und gab die Per-
sonalien seiner künftigen Ehefrau, welche in der Schweiz als Flüchtling an-
erkannt und im Besitze des Asylstatus sei, bekannt. Gleichzeitig ersuchte
er um gebührende Berücksichtigung dieser künftigen, schützenswerten fa-
miliären Beziehung bei der Beurteilung der Zulässigkeit und Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs.
M.
Mit Eingabe vom 16. Dezember 2019 teilte der Beschwerdeführer mit, dass
seine Ehe am (...) rechtsgültig geschlossen worden sei und er dem SEM
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ein Gesuch um Kantonswechsel unterbreitet habe. Dazu legte er (Aufzäh-
lung Beweismittel) bei.
N.
Die Instruktionsrichterin hielt mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2020
fest, dass der Beschwerdeführer infolge seiner Heirat am (...) grundsätzlich
über einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung verfüge,
und forderte diesen auf, bis zum 30. Januar 2020 Belege über das Einrei-
chen eines Gesuchs um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung bei der zu-
ständigen kantonalen Ausländerbehörde respektive über die allenfalls be-
reits erfolgte Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu den Akten zu rei-
chen. Im Unterlassungsfall werde davon ausgegangen, dass er auf das
Geltendmachen eines allfälligen Wegweisungshindernisses verzichte. Im
Weiteren habe er innert nämlicher Frist mitzuteilen, ob er die Beschwerde
vom 29. August 2018 zurückziehe. Bei ungenutzter Frist werde von einem
vollumfänglichen Festhalten an seinen Rechtsbegehren ausgegangen.
O.
Mit Eingabe vom 23. Januar 2020 ersuchte der Beschwerdeführer, es sei
das Beschwerdeverfahren bis zum Entscheid des zuständigen Migrations-
dienstes zu sistieren, oder es sei im Ablehnungsfall die ihm angesetzte
Frist aus organisatorischen Gründen bis zum 28. Februar 2020 zu erstre-
cken.
P.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Januar 2020 wies die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Sistierung des Beschwerdeverfahrens ab, hiess das Fris-
terstreckungsgesuch vom 23. Januar 2020 gut und forderte den Beschwer-
deführer auf, bis zum 28. Februar 2020 die in der Zwischenverfügung vom
16. Januar 2020 angeführten Belege und Erklärungen einzureichen. Im
Unterlassungsfall werde davon ausgegangen, dass er auf das Geltendma-
chen eines allfälligen Wegweisungshindernisses verzichte beziehungs-
weise an seinen Rechtsbegehren vollumfänglich festhalte.
Q.
In seinem Schreiben vom 26. Februar 2020 teilte der Beschwerdeführer
mit, dass er an der Beschwerde festhalte. Aufgrund des Eheschlusses mit
einer als Flüchtling anerkannten Frau sei nun auch der Anspruch auf Ein-
bezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau zu prüfen.
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R.
Mit Eingabe vom 31. März 2020 legte der Beschwerdeführer eine Bestäti-
gung betreffend das beim Kanton anhängig gemachte Gesuch um Famili-
ennachzug gemäss Art. 44 AIG ins Recht. Im Weiteren verwies er neuerlich
auf seine Ausführungen in seinem Schreiben vom 26. Februar 2020 betref-
fend Festhalten an der Beschwerde und der Prüfung eines Einbezugs in
die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Der mit der angefochtenen Verfügung umschriebene Anfechtungsgegen-
stand bildet nicht nur den Ausgangspunkt, sondern auch den Rahmen und
die Begrenzung des Streitgegenstandes im Verfahren. Über diejenigen
Punkte, welche vom SEM nicht verfügungsweise entschieden wurden (vgl.
E. 7.2 f.), kann das Gericht daher nicht urteilen (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1
m.w.H.). In seinem Asylentscheid vom 24. Juli 2018 hielt das SEM fest, der
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG
nicht. Insoweit der Beschwerdeführer in seinen Eingaben vom 25. Februar
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2020 und vom 31. März 2020 anführt, es sei aufgrund seiner Heirat nun
auch sein Anspruch auf Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehe-
frau gemäss Art. 51 AsylG zu prüfen, fällt dieses Ansinnen vorliegend nicht
unter den zulässigen Streitgegenstand, weshalb nicht weiter darauf einzu-
gehen ist.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
5.
5.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung in materieller Hinsicht
zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforde-
rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.
Zur Begründung führte es an, der Beschwerdeführer habe den für seine
Asylbegründung zentralen Sachverhalt (Zwischenfall mit dem Staatsange-
stellten; Bedrohung durch den (Nennung Behörde)) in der BzP nicht an-
satzweise angeführt, was den eindeutigen Schluss zulasse, dass er ihn in
der Anhörung nachgeschoben habe, um seinem Asylgesuch mehr Gewicht
zu verleihen. Seine auf Vorhalt abgegebene Erklärung, er habe Angst ge-
habt, dass diese Information genutzt werden könnte, um Druck auf seine
Familie auszuüben, ihm jedoch später nach Diskussionen mit anderen
Flüchtlingen klar geworden sei, dass alle Aussagen vertraulich behandelt
würden, vermöge nicht zu überzeugen. Er sei bei der Einleitung zur BzP
klar darauf hingewiesen worden, dass alle während der Befragung Anwe-
senden der Verschwiegenheitspflicht unterstünden. Er habe in der Folge
bestätigt, alle Punkte der Einleitung und den Dolmetscher verstanden zu
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haben, weshalb ihm die Rahmenbedingungen der BzP bekannt gewesen
seien. Auch das Vorbringen bezüglich seiner Verlobung sei zweifelhaft, zu-
mal er dieses in der BzP mit keinem Wort erwähnt habe. In der BzP sei er
explizit nach seinem Zivilstand und seinen Beziehungen gefragt worden.
Dabei habe er die (Nennung Verwandte) seiner Verlobten, die (Nennung
Verwandte) seines (Nennung Verwandter), explizit angegeben. Es sei da-
her wenig glaubhaft, dass er dabei vergessen habe, seine Verlobte zu er-
wähnen. Ferner erstaune, dass der Beschwerdeführer als Analphabet da-
für zuständig gewesen sei, bei den zuständigen Behörden wiederholt einen
Antrag für einen Platz in einem der Flüchtlingscamps zu stellen, obwohl
alle seine (Nennung Verwandte) die Schule besucht hätten und somit deut-
lich besser für die Erledigung administrativer Arbeiten geeignet gewesen
sein müssten. Trotz der fehlenden Schulbildung sei sodann nicht nachvoll-
ziehbar, dass er sich bezüglich der Monate, während denen er sich im Dorf
G._ versteckt gehalten haben wolle, derart unterschiedlich geäus-
sert habe. Dies umso mehr, als er sich an andere relevante Daten genau-
estens habe erinnern können. Es sei ebenfalls nicht ersichtlich, warum sich
der befreundete (Nennung Person) während all dieser Monate um ihn ge-
kümmert und ihm sein leerstehendes Haus zur Verfügung gestellt haben
sollte. Zwar habe der Beschwerdeführer angeführt, "wirklich sein Stamm-
kunde" gewesen zu sein und dass sich ihre Beziehung erweitert habe.
Trotzdem sei wenig nachvollziehbar, weshalb sich der (Nennung Person)
seinetwegen hätte in Gefahr begeben sollen. Auch dass der (Nennung Be-
hörde) während all der Monate seine Familie aufgesucht und seinen (Nen-
nung Verwandter) inhaftiert, ihn jedoch nicht gefunden habe, sei wenig
glaubhaft. Hinzu komme, dass ein eigentliches Verfolgungsinteresse sei-
tens des (Nennung Behörde) an seiner Person nicht plausibel sei. Auch sei
es nicht nachvollziehbar, wie er die Grenze zur H._ hätte legal über-
queren können, da der (Nennung Behörde) in den Monaten, in denen er
sich versteckt gehalten habe, über genügend Zeit verfügt hätte, um sich
mit den Grenzposten auszutauschen. Ebenso wenig habe er plausibel zu
erklären vermocht, weshalb der (Nennung Behörde) lediglich aufgrund ei-
ner verbalen Streitigkeit mit dem Staatsangestellten so viel Aufwand für die
Suche nach ihm betrieben haben sollte. Zudem habe er hinsichtlich des
Staatsangestellten unterschiedliche Ausführungen gemacht. Einmal habe
es sich angeblich um einen Beamten, dann um die zuständige Person für
die Migranten in C._ und schliesslich um den Präsidenten des Rat-
hauses von C._ gehandelt. Auf Vorhalt habe er sich nicht erklären
können, sondern lediglich angegeben, dass es sich immer um dieselbe
Person handle. Auch die Tatsache, dass er sich seinen Pass bereits im (...),
also nur (Nennung Dauer) nach seiner Ankunft in C._, habe neu
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ausstellen lassen, spreche nicht für eine angeblich erzwungene Ausreise
(Nennung Zeitpunkt). Im Weiteren seien sowohl seine Angaben zur Aus-
reise aus dem Irak äusserst unsubstanziiert ausgefallen, so bezüglich de-
ren Organisation und seiner Tätigkeit im Versteck, wie auch diejenigen hin-
sichtlich der geltend gemachten Auseinandersetzung mit dem Staatsange-
stellten. So habe er auch auf Nachfrage nicht detailliert erzählen können,
wie genau sich der Vorfall zwischen ihnen abgespielt und wie sich die Su-
che des (Nennung Behörde) nach ihm genau zugetragen habe oder wie er
nach G._ gelangt sei. Seine Erläuterungen würden insgesamt eine
persönliche, handlungsbezogene Färbung in der Beschreibung der angeb-
lichen Drohungen durch den (Nennung Behörde) vermissen lassen.
5.2 Der Beschwerdeführer verweist zum Vorhalt nachgeschobener Aussa-
gen auf die diesbezügliche Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts (vgl. Urteil des BVGer D-2358/2016 vom 12. Oktober 2017 E. 6.3
m.H. auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3). Er habe sodann bereits im Rahmen
der BzP implizit ausgesagt, dass die Situation in C._ mit Problemen
behaftet gewesen sei. Angesichts des summarischen Charakters der BzP
erscheine es vermessen anzunehmen, er habe den Streit mit dem Staats-
angestellten nachgeschoben; vielmehr handle es sich dabei um eine "Er-
gänzung" zu der in der BzP bereits ausgeführten schwierigen Situation in
C._. Im Weiteren habe er in der Anhörung versucht zu erklären,
dass er ein gewisses Misstrauen gegenüber den Schweizer Behörden ge-
habt habe. Dies erscheine angesichts der hohen Korruption in seiner Hei-
mat und aufgrund der kulturellen Unterschiede, welche es für ihn schwierig
gemacht hätten, vor fremden Leuten über persönliche Dinge zu sprechen,
durchaus plausibel. Ferner sei er im Zeitpunkt der BzP noch gar nicht ver-
lobt gewesen, sondern erst später. Weiter seien die administrativen Aufga-
ben, die er für die Familie erledigt habe, alle mündlicher Natur gewesen,
weshalb er diese auch als Analphabet habe meistern können. Sodann
seien seine Ausführungen, warum gerade er die Schule nicht besucht
habe, plausibel ausgefallen. Diesbezüglich habe er darauf hingewiesen,
dass auch seine Geschwister die Schule nur während kurzer Zeit respek-
tive nur bis zur Primar- oder Sekundarschule besucht hätten. Es habe über
ein Fünftel der irakischen Bevölkerung keine Schule besucht, weshalb
seine Erzählungen durchaus schlüssig und logisch seien. Zum Vorhalt un-
terschiedlicher Angaben hinsichtlich der Dauer seines Aufenthalts im Ver-
steck sei anzuführen, dass er wiederholt auf seine Unsicherheit bei der
Zeitangabe hingewiesen habe. Dies sei vom SEM nicht berücksichtigt wor-
den. Zudem gehe es nicht an, dass sich das SEM bei der Würdigung der
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Glaubhaftigkeit in massgeblicher Weise auf diese Angaben stütze. Zur
Hilfsbereitschaft des (Nennung Person)s sei anzuführen, dass man als gu-
ter Muslim die Pflicht habe, in Not geratenen Mitmenschen zu helfen, vor
allem wenn es sich dabei – wie in seinem Fall – um gute Bekannte handle.
Da das Haus, in welchem er Unterschlupf gefunden habe, leer gestanden
und der (Nennung Person) dort nicht zuhause gewesen sei, habe sich die-
ser – entgegen der vorinstanzlichen Ansicht – nicht übermässig in Gefahr
gebracht. Zum Verfolgungsinteresse des (Nennung Behörde) sei zu be-
merken, dass die Autonome Region Kurdistan (ARK) auch im Jahr 2018
noch immer enorm viele Flüchtlinge beherberge. Aufgrund des gegen die
Flüchtlinge gehegten Misstrauens sei ein gewisses Verfolgungsinteresse
ihm gegenüber nicht unplausibel, zumal er sich gegenüber der Regierung
Kurdistans kritisch geäussert habe. Da er sich aus Angst vor allfälligen be-
hördlichen Konsequenzen versteckt habe, sei es erklärbar, weshalb er die
Besuche des (Nennung Behörde) sowie die Untersuchungshaft seines
(Nennung Verwandter) nicht genauer habe erzählen können. Weiter sei es
überspitzter Formalismus, ihm die verschiedenen Unterschiede in den Be-
zeichnungen des Staatsangestellten vorzuhalten. Da er die genaue Funk-
tion dieser Person nicht kenne, habe er auf Nachfrage versucht, eine so
genaue Bezeichnung wie möglich anzugeben. Es handle sich daher nicht
um Widersprüche, sondern um Präzisierungen. Zur legalen Ausreise sei
anzuführen, dass sich die ARK-Region bereit erklärt habe, Pässe für Kur-
den auszustellen. Dies erkläre, warum sein Pass in D._ ausgestellt
worden sei. Da seine Probleme erst später angefangen hätten, sei es nicht
unwahrscheinlich, dass er im (...) habe legal in H._ einreisen kön-
nen, da er dannzumal "fast keine Probleme" gehabt habe. Er könne sich
jedoch auch nicht erklären, weshalb er die Grenze problemlos habe über-
queren können, zumal er vermute, dass sein Name registriert sei. Entge-
gen der vorinstanzlichen Ansicht habe er nicht jegliche Ausreiseplanung
unterlassen, zumal er sich seinen Pass für eine Ausreise frühzeitig organi-
siert habe. Ausserdem würden seine Schilderungen zur geltend gemach-
ten Auseinandersetzung mit dem Staatsangestellten Realkennzeichen ent-
halten.
Er sei wegen Beleidigung eines Beamten in den Fokus des (Nennung Be-
hörde) geraten. Da dieser bekannt sei für sein gnadenloses Vorgehen und
seine willkürlichen Methoden, habe er als einzige Lösung die Flucht aus
der ARK gesehen. Eine innerstaatliche Fluchtalternative sei nicht gegeben.
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5.3 Das SEM hielt in der Vernehmlassung fest, der Umstand, dass der Be-
schwerdeführer die angebliche Auseinandersetzung mit dem Staatsange-
stellten und die darauffolgende Bedrohung durch den (Nennung Behörde)
erst anlässlich der Anhörung vorgebracht habe, sei trotz des summari-
schen Charakters der BzP als gravierend zu erachten. Die Aussagen in der
Beschwerdeschrift vermöchten nicht zu überzeugen. Zwar seien die ge-
schilderten schwierigen Lebensumstände für Leute aus E._ in
C._ durchaus plausibel, vermöchten aber in keiner Weise auf asyl-
relevante Ausreisegründe hinzudeuten. Auch das mutmassliche Miss-
trauen gegenüber den Schweizer Behörden sei unwahrscheinlich, zumal
der Beschwerdeführer bereits in der BzP auf die vertrauliche Behandlung
seiner Aussagen hingewiesen worden sei. Zudem sei nicht ersichtlich,
weshalb er ein allfälliges Misstrauen nicht geäussert haben sollte. Für das
SEM sei das Verfolgungsinteresse des (Nennung Behörde) nach wie vor
nicht ersichtlich. Laut Beschwerdeführer bestünden Spannungen zwischen
Binnenvertriebenen und Einheimischen in C._, nicht zuletzt auf-
grund der Unterbringungsmodalitäten. Diesbezüglich kritische Äusserun-
gen dürften keine Seltenheit darstellen. Dass solche jedoch bereits bei
erstmaligem Vorkommen direkt mit Verfolgung durch den (Nennung Be-
hörde) geahndet werden sollten, sei unplausibel. Schliesslich sei eine
Wegweisung selbst unter Berücksichtigung seiner Herkunft aus E._
als zumutbar zu erachten.
5.4 In der Replik führte der Beschwerdeführer an, aus seinen Aussagen
anlässlich der BzP könne der Kern seiner Vorbringen, die besonders
schwierige Situation in C._, bereits eruiert werden. Hinsichtlich des
Hinweises auf die Verschwiegenheitspflicht sei auf den kulturellen Aspekt,
der besonders beim Vertrauen in die Behörden eine sehr grosse Rolle
spiele, hinzuweisen. Dieser Umstand müsse besonders berücksichtigt wer-
den. Ferner erscheine es im Rahmen der hier vorzunehmenden Einzelfall-
prüfung nicht unlogisch, dass der Staatsangestellte nach der Auseinander-
setzung zur Abschreckung für andere Binnenvertriebene ein Exempel an
ihm habe statuieren wollen. Zudem sei dem eingereichten (Nennung Be-
weismittel) zu entnehmen, dass sein (Nennung Verwandter) ihn dem (Nen-
nung Behörde) in D._ zuführen müsse, ansonsten sich der (Nen-
nung Verwandter) strafbar mache. Das Dokument sei über seinen (Nen-
nung Verwandter) und einen (Nennung Verwandter), der zu Besuch in Kur-
distan gewesen sei, in die Schweiz gelangt. Dieses (Nennung Beweismit-
tel) zeige, dass ein Gerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet worden sei, und
stelle einen Beleg für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen dar.
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Seite 12
6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt in der Rechtsmitteleingabe, die Vorinstanz
habe insbesondere Art. 7 AsylG, mithin Bundesrecht verletzt.
6.2 Das Gericht erachtet die Ausführungen des Beschwerdeführers auf Be-
schwerdeebene, weshalb gerade er als Analphabet und nicht seine älteren
und beschulten Geschwister bei den Behörden um einen Platz in einem
der Flüchtlingscamps ersucht und wiederholt bei der zuständigen Stelle re-
klamiert haben will, als plausibel und überzeugend. Dies umso mehr, als
der Beschwerdeführer nicht nur alleine, sondern ab und an auch zusam-
men mit weiteren Familienangehörigen beim zuständigen Beamten im Rat-
haus gewesen sein will, um sich nach dem Stand seiner Anfrage zu erkun-
digen (vgl. act. A19/22, F83). Auch der Umstand, dass er im Verlauf der
Anhörung den in Frage stehenden Beamten unterschiedlich bezeichnete
(Nennung Bezeichnungen), vermag ihm nicht zum Nachteil zu gereichen.
So stellen sich diese Angaben in der Tat nicht als Widerspruch, sondern
als Präzisierung seiner Ausführungen in einem blossen Nebenpunkt dar.
Der Begriff des Beamten, einer Person, die einem öffentlich-rechtlichen An-
stellungsverhältnis steht, lässt durchaus Raum für verschiedene Bezeich-
nungen zu. Da die für die Migranten zuständige Person in C._ im
Rathaus ihr Büro gehabt haben soll (vgl. act. A19/22, F84), erscheint es
naheliegend, dass es sich bei dieser Person aus der Sicht des Beschwer-
deführers auch um einen Beamten gehandelt haben muss, weshalb der
vorinstanzlichen Auffassung in diesem Punkt nicht beigepflichtet werden
kann. Sodann bleibt der Vorhalt des SEM, der Beschwerdeführer habe
seine Verlobte in der BzP vergessen zu erwähnen, was wenig glaubhaft
sei, unbeachtlich, zumal es sich dabei bezüglich der Asylbegründung um
einen unwesentlichen und nicht mit der Flucht des Beschwerdeführers zu-
sammenhängenden Punkt handelt.
6.3 Demgegenüber sind zentrale Teile der Asylvorbringen als nachgescho-
ben, widersprüchlich und unlogisch zu qualifizieren. Insbesondere brachte
der Beschwerdeführer in der BzP – nebst der Angst vor dem IS – lediglich
die schwierigen Lebensumstände und die fehlenden Zukunftsperspektiven
als Ausreisegrund vor. Hingegen führte er in der Anhörung erstmals an,
infolge eines Streits mit einem Staatsangestellten vom (Nennung Behörde)
verfolgt worden zu sein. Gemäss ständiger Rechtsprechung ist es zulässig,
Widersprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn
klare Aussagen im Empfangszentrum – respektive in der BzP – in wesent-
lichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der An-
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hörung bei der Vorinstanz diametral abweichen, oder wenn bestimmte Er-
eignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe ge-
nannt werden, nicht bereits anlässlich der Erstbefragung zumindest an-
satzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-3114/2018
vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H; EMARK 1993 Nr. 3). In der angefochtenen
Verfügung hat sich das SEM nicht in unzulässiger Weise auf das Protokoll
der BzP abgestützt und zu Recht angeführt, dass sich der Beschwerdefüh-
rer im Gegensatz zu der späteren Anhörung zur im Irak befürchteten Ver-
folgung durch (Nennung Behörde) auch nicht ansatzweise geäussert hat
(vgl. act. A6/12, S. 7 f., Ziff. 7.01). Der Beschwerdeführer vermag in der
Rechtsmitteleingabe mit Blick auf dieses Aussageverhalten keine einleuch-
tenden Erklärungen zu seiner Entlastung vorzubringen. Sein Hinweis, der
erstmals in der Anhörung vorgebrachte Streit mit dem Staatsangestellten
stelle eine "Ergänzung" zu der in der BzP bereits ausgeführten schwierigen
Situation in C._ dar, vermag nicht zu überzeugen. Seinen Aussagen
in der BzP, als E._-Leute seien er und seine Familie in C._
nicht willkommen gewesen und "In C._ hatten wir nichts. Also keine
Zukunft" (vgl. act. A6/12, S. 7), sind keinerlei Anhaltspunkte auf den in der
Anhörung dargelegten Streit mit dem Staatsangestellten zu entnehmen.
Bezeichnenderweise hat der Beschwerdeführer auf explizite Nachfrage
auch verneint, jemals Probleme mit Behörden in seinem Heimatstaat ge-
habt zu haben (vgl. act. A6/12, S. 8, Ziff. 7.02). Ferner lässt sich das vor-
gebrachte Misstrauen gegenüber den Schweizer Behörden, welches er in
der Anhörung versucht habe zu erklären, durch das fragliche Protokoll nicht
erhärten. Sodann überzeugt nicht, dass er infolge der hohen Korruption in
seiner Heimat und aufgrund der kulturellen Unterschiede Mühe bekundet
habe, vor fremden Leuten über persönliche Dinge zu sprechen. Der Be-
schwerdeführer hat sich in die Schweiz begeben, um sich unter den Schutz
der hiesigen Behörden zu stellen, weshalb es nicht plausibel erscheint,
dass er während der BzP oder insbesondere der Anhörung solche Schwie-
rigkeiten hätte haben sollen. Bezeichnenderweise lassen sich den Befra-
gungsprotokollen solche Probleme auch nicht entnehmen. Weiter hat die
Vorinstanz mit zutreffender Begründung festgehalten, dass seine Erklä-
rung, er habe Angst gehabt, die Behörden würden Druck auf seine Familie
ausüben, weshalb er den Zwischenfall verschwiegen habe, angesichts der
ihm zu Beginn der BzP erläuterten und ihm somit bekannten Verschwie-
genheitspflicht aller am Verfahren Beteiligten nicht zu überzeugen.
6.4 Sodann ist der Vorinstanz beizupflichten, dass sich gewichtige Diskre-
panzen in den Aussagen des Beschwerdeführers zur Dauer seines Aufent-
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Seite 14
halts im Versteck in G._ ergeben. Diese grossen Unterschiede las-
sen sich auch nicht durch seine fehlende Schulbildung erklären, schwan-
ken die entsprechenden Angaben doch zwischen (Nennung Schwankun-
gen) (vgl. act. A19/22, F70, F78, F99 und F114). Nachdem der Beschwer-
deführer durchaus in der Lage war, sich an andere Daten genau zu erin-
nern (vgl. act. A19/22, F40, F76, F149), vermag sein Einwand, dass er wie-
derholt auf seine Unsicherheit bei Zeitangaben hingewiesen habe, nicht zu
überzeugen. Dies auch deshalb nicht, weil er anführte, er sei direkt aus
seinem Versteck ausgereist und in diesem Zusammenhang bei der Schil-
derung seiner Flucht teilweise exakte Zeitangaben zu geben vermochte
(vgl. act. A19/22, F115, F149 und F152 f.). Soweit er einwendet, es gehe
nicht an, dass sich das SEM bei der Würdigung der Glaubhaftigkeit in mas-
sgeblicher Weise auf diese Angaben stütze und dabei auf die Abhandlung
von KNEER/SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein
Überblick über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl
2/15 S. 3, verweist, vermag er daraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
Entgegen seiner Ansicht hat sich das SEM nicht massgeblich auf diesen
kleineren Widerspruch in einer Zeitangabe abgestützt, sondern dieser stellt
sich als ein Argument unter mehreren, auch erheblich schwerwiegenderen
(so bspw. E. 6.1.2 oben oder E. 6.1.6) für die Verneinung der Glaubhaf-
tigkeit seiner Vorbringen dar. Im oben erwähnten Zitat wird denn auch da-
rauf hingewiesen, dass solche kleineren, marginaleren Widersprüche
durchaus in die Gesamtbetrachtung einfliessen können, was vorliegend die
Vorinstanz denn auch zu Recht getan hat.
6.5 Nicht nachvollziehbar und deshalb unglaubhaft erscheint ebenso die
Aussage, dass ihm ein (Nennung Person), bei dem er Stammkunde gewe-
sen sei, aus reiner Hilfsbereitschaft dessen leerstehendes Haus im Dorf
G._ während (Nennung Dauer) als Unterschlupf zur Verfügung ge-
stellt und ihm in dieser Zeit auch noch jeweils das Essen gebracht habe,
und dass das ganze restliche Dorf über ihn Bescheid gewusst haben soll
sowie auf ihn hätte aufpassen sollen (vgl. act. A19/22, F70). Auch wenn die
meisten Einwohner miteinander verwandt gewesen sein sollen, dürfte
trotzdem das nicht unerhebliche Risiko einer Denunziation bestanden ha-
ben, was sowohl für den Beschwerdeführer als auch für den (Nennung Per-
son) entsprechende Konsequenzen gehabt hätte. Es ist insgesamt als re-
alitätsfremd zu erachten, dass sich der (Nennung Person) wegen des Be-
schwerdeführers einer solchen Gefahr hätte aussetzen sollen.
6.6 Sodann äusserte sich der Beschwerdeführer zu den Umständen, wie
es zu einer Auseinandersetzung mit dem Staatsangestellten gekommen
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Seite 15
sein soll, widersprüchlich. In der Anhörung gab er zunächst an, der Beamte
habe ihm mit den Worten: "Jetzt ist es wirklich soweit, ihr bekommt einen
Platz" eine Unterbringung in einem Flüchtlingscamp in Aussicht gestellt
(vgl. act. A19/22, S. 8, F70). Etwas später führte er hingegen aus, der Be-
amte habe ihm wieder das Gleiche gesagt, wie die Male zuvor, nämlich
dass er durchhalten soll (vgl. act. A19/22, S. 10, F78). Angesichts der ers-
teren Aussage respektive der Zusicherung des Beamten ist ferner nicht
einsichtig, weshalb der Beschwerdeführer überhaupt hätte wütend werden
sollen. So lässt diese vielmehr den Schluss zu, dass es gar keinen Anlass
für einen Streit gab, was ebenfalls gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aus-
führungen spricht.
6.7 Im Weiteren erachtet auch das Gericht ein Verfolgungsinteresse des
(Nennung Behörde) am Beschwerdeführer als nicht glaubhaft gemacht.
Die diesbezüglichen Einwände vermögen nicht zu überzeugen. Die pau-
schale Begründung, ein gewisses Verfolgungsinteresse an seiner Person
sei aufgrund des Misstrauens gegenüber den sich in der ARK aufhaltenden
Flüchtlingen durchaus realistisch, zumal er sich gegenüber der Regierung
Kurdistans kritisch geäussert habe, ist unbehelflich. Zunächst einmal legt
der Beschwerdeführer nicht konkret dar, in welcher Weise und wem gegen-
über er sich kritisch geäussert haben will. Soweit er mit diesem Einwand
auf seine Auseinandersetzung mit dem Staatsangestellten anspielt, ist ent-
gegenzuhalten, dass die Person des Beschwerdeführers den Behörden
der ARK bekannt war, da er seinen Angaben zufolge bei diesen zur Klärung
der Unterbringungsmöglichkeiten wiederholt vorstellig geworden ist. Da
man ihn regelmässig vertröstet habe, stellt eine emotionale Reaktion sei-
nerseits nichts Ungewöhnliches dar, wie auch kritische Äusserungen zu
den Unterbringungsmöglichkeiten angesichts der angeführten Spannun-
gen zwischen den Vertriebenen und der einheimischen Bevölkerung regel-
mässig vorkommen dürften.
6.8 Sodann erweisen sich seine Schilderungen in verschiedenen Punkten
als stereotyp und unsubstanziiert. Obwohl er sich (Nennung Dauer) ver-
steckt haben soll, soll er keinen Plan für seine Ausreise geschmiedet haben
(vgl. act. A19/22, F101 und F153). Sein Einwand, dass er nicht jegliche
Ausreiseplanung unterlassen habe, zumal er sich seinen Pass für eine
Ausreise frühzeitig organisiert habe, vermag nicht zu überzeugen. Im Zeit-
punkt der Beantragung seines Passes, den er bereits im (...) erhielt, hatte
er offensichtlich keine konkreten Ausreisepläne, zumal er sich lediglich be-
suchsweise im (...) einen Tag in der H._ aufhielt und er überdies
den Pass "wie die anderen beantragt" haben will (vgl. act. A19/22, F106,
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F116 ff.). Ausserdem vermag er hinsichtlich des Zeitpunktes seiner Ankunft
in C._, des Streits mit dem Staatsangestellten sowie seines Aufent-
haltes in G._ nicht einmal eine Monatsangabe anzugeben, obwohl
er sich – wie bereits in E. 6.1.3 dargelegt – an Daten anderer einschnei-
dender Erlebnisse genau zu erinnern vermochte. Auch die Schilderung der
geltend gemachten Auseinandersetzung weist kaum Realkennzeichen auf
(so insbesondere Detailreichtum der Schilderung, freies assoziatives Er-
zählen, Interaktionsschilderung sowie inhaltliche Besonderheiten), welche
auf einen tatsächlich erlebten Sachverhalt hindeuteten, zumal sie in ihrer
Einfachheit auch von einem am Geschehen unbeteiligten Dritten problem-
los nacherzählt werden könnten.
6.9 Der Beschwerdeführer reichte mit seiner Replik ein (Nennung Beweis-
mittel) ein, worin sein (Nennung Verwandter) unter Strafandrohung aufge-
fordert wird, ihn (Beschwerdeführer) dem (Nennung Behörde) in
D._ zuzuführen. Dieses Dokument sei von einem (Nennung Ver-
wandter) anlässlich eines Besuchs in Kurdistan in die Schweiz gebracht
worden und belege seine Aussage, dass ein Gerichtsverfahren gegen ihn
eingeleitet worden sei, was für die Glaubhaftigkeit seiner Fluchtgründe
spreche. Diesem Beweismittel kann jedoch zum Nachweis der geltend ge-
machten Verfolgung keinerlei Beweiskraft beigemessen werden. Zunächst
erweist sich das eingereichte "Original" dieses (Nennung Beweismittel) als
ein wiederholt kopiertes Formular schlechter Qualität, auf welchem mit Ku-
gelschreiber Einträge von Hand vorgenommen wurden und sich ein
schwach erkennbarer Stempel befindet. Sodann ist erstaunlich, dass – ob-
wohl (Nennung Behörde) ein Verfahren gegen ihn eröffnet haben soll – das
Dokument von einem einfachen (Nennung Behörde) stammt. Darauf befin-
den sich überdies weder die Personalien des Beschwerdeführers noch
sind diejenigen des darauf vermerkten "Garantiegebers" vollständig. Der
Beschwerdeführer wird ferner als "Angeklagter" bezeichnet. Daher wäre
anzunehmen, dass ihm oder allenfalls anderen Familienangehörigen direkt
durch das Gericht – und nicht über einen (Nennung Behörde) – Mitteilun-
gen und Dokumente zugestellt worden wären, und dass er solchermassen
gerichtliche Unterlagen (so insbesondere eine Anklageschrift o.ä.) hätte
beibringen können, zumal er mit einer (Nennung Verwandte) in regelmäs-
sigem Kontakt steht (vgl. act. A19/22, F68). Angesichts dieses Kontakts ist
überdies nicht einsichtig, weshalb er von einem solchen Verfahren erst
durch das eingereichte (Nennung Beweismittel) im Jahr (...) erfahren ha-
ben sollte.
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Seite 17
6.10 Eine Abwägung der für und gegen die Glaubhaftigkeit der geltend ge-
machten Verfolgung durch (Nennung Behörde) sprechenden Elemente
führt zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, für die
Zeit vor dem Verlassen seines Heimatlandes eine solche Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft darzulegen.
6.11 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. Es erübrigt
sich daher, auf die weiteren Ausführungen und Beweismittel näher einzu-
gehen, da sie an obiger Erkenntnis nichts zu ändern vermögen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksich-
tigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer ersuchte das zuständige kantonale Migrations-
amt im März 2020 um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehe-
frau (vgl. Sachverhalt Bst. R). Wie dem Zentralen Migrationsinformations-
system (ZEMIS) zu entnehmen ist, verfügt er seit (...) über eine gültige
fremdenpolizeiliche Aufenthaltsbewilligung. Die Anordnung der Wegwei-
sung durch die Vorinstanz ist daher gegenstandslos geworden (vgl. E-
MARK 2001 Nr. 21). Die Beschwerde ist somit hinsichtlich der gestellten
Rechtsbegehren betreffend Aufhebung der Dispositivziffern 3 bis 5, Fest-
stellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und Anordnung
der vorläufigen Aufnahme gegenstandslos geworden.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Der Beschwerdeführer ist im vorliegenden Verfahren unterlegen, so-
weit er im Hauptbegehren seiner Eingabe vom 12. September 2018 bean-
tragt, es sei die Verfügung des SEM vom 7. August 2018 aufzuheben und
ihm Asyl zu gewähren sowie die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen,
weshalb er insoweit kostenpflichtig wird (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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9.2 Wird das Verfahren ohne Zutun der Parteien gegenstandslos, sind die
Kosten auf Grund der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrundes fest-
zulegen (Art. 5 zweiter Satz des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Vorliegend ist aufgrund der Aktenlage vor Eintritt
der Gegenstandslosigkeit davon auszugehen, dass – als Folge des nega-
tiven Asylentscheides (vgl. Art. 44 Abs. 1 AsylG) – auch die verfügte Weg-
weisung und deren Vollzug zu bestätigen gewesen wären. Dem Beschwer-
deführer wären demnach die vollen Kosten des Verfahrens in der Höhe von
Fr. 750.– aufzuerlegen. Da ihm indes mit Zwischenverfügung vom 14. Sep-
tember 2018 die unentgeltliche Prozessführung gewährt worden und wei-
terhin von der prozessualen Bedürftigkeit auszugehen ist, werden keine
Verfahrenskosten erhoben (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
9.3 Aus den in E. 9.2 angeführten Gründen ist auch in Bezug auf die ge-
genstandslos gewordene Wegweisung und deren Vollzug keine Parteient-
schädigung zu entrichten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 5 und 15 VGKE).
9.4 Mit Zwischenverfügung vom 14. September 2018 wurde auch das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutgeheis-
sen und dem Beschwerdeführer MLaw Géraldine Kronig, Caritas Schweiz,
als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Mit Zwischenverfügung vom
18. Januar 2019 wurde deren Gesuch um Entlassung aus dem Mandat als
amtliche Rechtsbeiständin abgewiesen. Es ist MLaw Géraldine Kronig folg-
lich ein amtliches Honorar zulasten der Gerichtskasse auszurichten. Bei
amtlicher Vertretung wird in der Regel von einem Stundenansatz von
Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter
ausgegangen (Art. 8 Abs. 2, Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), wobei nur
der notwendige Aufwand zu entschädigen ist. Mit der Rechtsmitteleingabe
wurde eine Kostennote ins Recht gelegt. In dieser wird ein Aufwand von
570 Minuten respektive neuneinhalb Stunden – ohne die Erwähnung von
Auslagen – geltend gemacht. Dieser Aufwand ist als nicht vollumfänglich
angemessen beziehungsweise notwendig im Sinne von Art. 64 Abs. 1
VwVG (Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) zu erachten, zumal sich eine
derart einlässliche Darlegung der dem Bundesverwaltungsgericht bekann-
ten Sicherheitslage sowie der allgemeinen Situation in der ARK (S. 16-20
der Rechtsmitteleingabe) als nicht erforderlich erweist. Der ausgewiesene
Aufwand ist demnach um zwei Stunden zu kürzen.
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In der Kostennote nicht berücksichtigt ist der Aufwand für die Eingaben
vom 5. September 2018 (Nachreichung Beweismittel), der auf 0.25 Stun-
den veranschlagt wird, vom 12. September 2018 (Beschwerdeverbesse-
rung), der auf 1.5 Stunden veranschlagt wird, vom 17. Oktober 2018 (Rep-
lik), der auf 2 Stunden veranschlagt wird, vom 9. Januar 2019 (Gesuch um
Entlassung aus dem amtlichen Mandat), der auf 0.5 Stunden veranschlagt
wird, sowie der Korrespondenz im Zusammenhang mit den Heiratsbemü-
hungen des Beschwerdeführers vom 24. April 2019, 16. Dezember 2019,
23. Januar 2020, 26. Februar 2020 und vom 31. März 2020, der insgesamt
auf 2.25 Stunden veranschlagt wird. Es ergibt sich ein Gesamtaufwand von
14 Stunden. Der unentgeltlichen Rechtsbeiständin ist demnach zulasten
des Bundesverwaltungsgerichts ein amtliches Honorar von gerundet
Fr. 2'262.– (14 Stunden zu einem Ansatz von Fr. 150.– inkl. Mehrwertsteu-
erzuschlag im Sinne von Art 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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