Decision ID: 717d16eb-f794-5bf3-b5ac-e4b8834525c4
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich nach einem Verkehrsunfall, bei dem sie einen Bruch der Elle,
der Speiche und der Gelenkskugel im Ellbogen erlitten hatte, am 18. Dezember 1986
erstmals zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (vgl. IV-act. 1, 2-1
und 10-1). Die IV-Stelle sprach ihr am 8. Juni 1989 ab 1. April 1987 eine ganze und am
7. Juni 1990 ab 1. Oktober 1987 eine halbe Invalidenrente zu (IV-act. 39 und 63).
A.a.
Zwischen 1991 und 2011 wurden sechs Rentenrevisionen durchgeführt, wobei
jeweils keine rentenbeeinflussenden Änderungen festgestellt wurden (IV-act. 66, 70, 72,
80, 82, 88, 92, 96, 103, 111, 112 und 118).
A.b.
Aufgrund einer anonymen Meldung, wonach die Versicherte seit Oktober 2011 zu
100% wirte (IV-act. 120; vgl. auch IV-act. 122) liess die IV-Stelle die Versicherte
observieren und leitete ein Revisionsverfahren ein (vgl. IV-act. 125 und 128). Mit
medizinischer Stellungnahme vom 22. Mai 2012 kam Dr. med. B._ von der IV-Stelle
gestützt auf den Observationsbericht vom 16. Mai 2012 (IV-act. 137) zum Schluss, die
Versicherte könne insbesondere Tätigkeiten mit öffentlicher Exponierung wie z.B. Wirtin
in einem grösseren Betrieb oder in der Rezeption eines Hotels vollschichtig ausüben
(IV-act. 138). Im November 2012 kündigte die Versicherte den Pachtvertrag für ihr
Lokal, da sie sich seit der Observation nicht mehr sicher fühle und wegen der
anonymen Meldung zu ihren Gästen kein Vertrauen mehr habe (IV-act. 151). Mit
Verfügung vom 3. Juni 2013 stellte die IV-Stelle die Invalidenrente per 31. Juli 2013 ein.
Die IV-Stelle anerkenne die Einschränkungen und Schmerzen der Versicherten. Es sei
aber offensichtlich, dass sie gelernt habe, viele Einschränkungen zu kompensieren (IV-
act. 160). Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft (vgl. IV-act. 164).
A.c.
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B.
Mit Sprechstundenbericht vom 3. März 2014 berichtete Prof. Dr. med. C._,
Schulterchirurgie der Klinik D._, das Röntgen habe eine offensichtlich massive
fortgeschrittene Arthrose des Ellbogens mit Fusion proximal radioulnar nach
Radiusköpfchenresektion ergeben. Die Versicherte habe erstaunlicherweise fast keine
Beschwerden am Ellbogen. Sie müsse aufwendige Ausweichbewegungen machen, um
die fehlende Pro-/Supination zu kompensieren. Sie habe zwar eine 80%-Stelle in einer
Cafeteria in einem Altersheim gefunden, es sei aber nachvollziehbar, dass sie damit
Schwierigkeiten habe, wenngleich nicht im Ellbogen so aber in den anschliessenden
Gelenken (IV-act. 161).
A.d.
Am 27. Juni 2016 meldete die Versicherte sich wegen Einschränkungen des
rechten Arms und Rückenschmerzen erneut zum Bezug von Leistungen bei der IV-
Stelle an (IV-act. 165). Sie war am 17. Februar 2016 am Rücken operiert worden (vgl.
act. G4.2/3-3).
B.a.
Mit Brief vom 24. Juni 2016 bzw. 1 Juli 2016 beschrieb der Arbeitgeber der
Versicherten, das Alters- und Pflegeheim E._, die Versicherte, welche seit dem 1. Mai
2014 zu 60%, seit 1. Januar 2015 zu 70% als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft
angestellt sei, als sehr einsatzfreudig, fröhlich, engagiert und äusserst arbeitswillig. Sie
leide aber immer wieder an Schmerzen, seit ca. Oktober 2015 immer mehr auch im
Rücken. Schliesslich habe sie sich wegen ihres Rückens in ärztliche Behandlung
begeben und sei im Februar 2016 operiert worden. Zwar arbeite sie seit dem 1. April
2016 wieder, jedoch nur halbtags mit eingeschränkter Leistung (vgl. IV-act. 166, 168
und 171).
B.b.
Am 4. Juli 2016 berichtete Dr. med. F._, Facharzt Neurochirurgie /
Schmerztherapie, in zwei verschiedenen Berichten, bei eindeutig bestehendem
radikulärem Reizsyndrom S1 rechtsseitig bei bestehender Diskushernie L5/S1
rechtsseitig sei die Indikation zur operativen Sanierung gestellt worden. Zusätzlich
bestehe eine fortgeschrittene Facettengelenksarthrose mit Gelenkserguss in den
Segmenten L3/4 und L4/5. Vorherrschend sei aktuell nicht der radikuläre Schmerz,
sondern der tieflumbale Rückenschmerz. Aktuell sei die Versicherte zu 50%
B.c.
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arbeitsunfähig bei einer deutlich reduzierten Arbeitsleistung. Eine Tätigkeit in der
Hauswirtschaft sei nicht realistisch (IV-act. 173 und 187-25).
Im Strategieprotokoll vom 12. September 2016 wurde vermerkt, beim Arbeitgeber
bestehe die Möglichkeit einer Umplatzierung in den Bereich "Aktivierung". Dies würde
einer optimal adaptierten Tätigkeit entsprechen (IV-act. 184). Als Massnahme zum
Arbeitsplatzerhalt übernahm die IV-Stelle die Kosten für einen Kurs des
Schweizerischen Roten Kreuzes (IV-act. 191 ff., insbesondere IV-act. 194).
B.d.
Mit Stellungnahme vom 20. Oktober 2016 äusserte RAD-Ärztin Dr. med. H._,
radiologisch zeige sich keine Befundänderung in den Segmenten L1-L5 im Vergleich
zur Voruntersuchung 11/15, keine Nervenwurzelkompressionen. Im Segment L5/S1
seien postoperativ narbige Veränderungen sichtbar, jedoch ohne sichere
Beeinträchtigung der Nervenwurzel S1 rechts. Es handle sich um eine Problematik des
Bewegungsapparates, wobei nicht allein die lokalen LWS-Beschwerden zu
berücksichtigen seien, sondern auch die Ausweichbewegungen des Oberkörpers bei
posttraumatischer Ellbogenarthrose und -versteifung rechts. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht sei daher eine monodisziplinäre orthopädische
Begutachtung angezeigt (IV-act. 197).
B.e.
Nachdem der Kollektiv-Krankenversicherer des Arbeitgebers der Versicherten eine
medizinische Untersuchung veranlasst hatte (act. G4.2/3-17), stellten Dr. med. I._,
MAS BA, MAS VM, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, Sportmedizin
SGSM, Manuelle Medizin SAMM, und PD Dr. med. J._, MSc, FMH Physikalische
Medizin und Rehabilitation / Rheumatologie, von der Zentrum für Arbeitsmedizin,
Ergonomie und Hygiene AG (nachfolgend: AEH) mit Bericht vom 7. November 2016 als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein lumbospondylogenes Syndrom
bds. fest. Die Versicherte habe bezüglich ihrer Arm-Unfallfolgen rechts ohne Ausfälle
gearbeitet (act. G4.2/4-2). Es fehle der Versicherten an muskulärer
Stabilisierungsfähigkeit und Belastbarkeit der Wirbelsäule. Die derzeit ausgeführte
angepasste Tätigkeit (35% Leistung) im E._ sei zumutbar. Zumutbar wäre in dieser
Tätigkeit auch eine Leistung von 50% bezogen auf eine 100%ige Tätigkeit. Auch für
eine anderweitige adaptierte Tätigkeit sei die Versicherte als arbeitsfähig zu erachten.
Anlässlich der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) sei die
B.f.
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Leistungsbereitschaft nicht zuverlässig und die Konsistenz schlecht gewesen. Es habe
ein schmerzbedingtes Schonverhalten und eine erhebliche Selbstlimitierung
beobachtet werden können (vgl. act. G4.2/4).
Am 16. November 2016 informierte die IV-Stelle die Versicherte, dass sie zur
Klärung der Leistungsansprüche eine medizinische Untersuchung (Orthopädie) als
notwendig erachte und Dr. med. K._, Facharzt für Orthopädie FMH, beauftragen
werde (IV-act. 199).
B.g.
Mit Gutachten vom 17. Januar 2017 stellte Dr. K._ von der Medizinisches
Gutachtenzentrum Region St. Gallen GmbH (nachfolgend: MGSG) folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Pseudocervicobrachialgie rechts bei
Osteochondrose C5/6 mit Spondylarthrose und Diskusprotrusion sowie mässiger
foraminaler Einengung rechts mehr als links ohne sichere Nervenwurzelkompression;
Bewegungseinschränkung des rechten Ellbogens mit Arthrose und Synostose
zwischen Radius und Ulna proximal nach mehrfacher Operation 1986/1987;
Pseudolumboischialgie beidseits bei Narbenbildung im Bereich der Nervenwurzel S1
rechts nach Interlaminotomien L5/S1 rechts mit Flavektomie, Recessotomie,
Sequestrektomie und Teildiskektomie 02/2016 (IV-act. 204-9 f.). Das Ausmass der
Nackenschmerzen und der subjektiven Einschränkung der körperlichen
Leistungsfähigkeit könne aufgrund der abnormen Untersuchungsbefunde der HWS und
dem MRI-Befund, wo lediglich eine Osteochondrose mit Spondylarthrose und
Diskusprotrusion mit leichten foraminalen Engen sichtbar sei, nicht vollumfänglich
objektiviert werden. Bei unsicherer Nervenwurzelkompression C5/6 könne die bei der
Untersuchung angegebene Hyposensibilität des gesamten rechten Arms nicht erklärt
werden, ebenso wie die beklagten wechselnden Dysästhesien sämtlicher Finger. Die
Bewegungseinschränkung des rechten Ellbogens sei anlässlich der körperlichen
Untersuchung bestätigt und mit der radiologisch nachgewiesenen Synostose proximal
zwischen Radius und Ulna mit Arthrose nachvollziehbar. Die lumbalen Schmerzen und
die pathologischen objektiven Befunde der LWS könnten nur teilweise auf die im MRI
nachgewiesene Narbenbildung im Bereich der Nervenwurzel S1 nach
Interlaminotomien L5/S1 rechts mit Flavektomie, Recessotomie, Sequestrektomie und
Teildiskektomie zurückgeführt werden. Die Ausstrahlung der Schmerzen könne nicht
plausibilisiert werden (IV-act. 204-11). In der angestammten Tätigkeit bzw. als
B.h.
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Hauswirtschaftsangestellte bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50% bei voller
Stundenpräsenz (IV-act. 204-12 f.). Eine leidensadaptierte, mithin körperlich leichte
Tätigkeit in temperierten Räumen, abwechslungsweise sitzend und stehend, ohne
häufig inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen und ohne Beanspruchung des
rechten Arms, könne seit 05/2012 bei voller Stundenpräsenz zu 100% zugemutet
werden (Arbeitsunfähigkeit 0%; IV-act. 204-13).
Am 27. März 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass kein Anspruch auf
weitere berufliche Massnahmen bestehe, da sie in einer adaptierten Tätigkeit 100%
arbeitsfähig sei, sie sich selbst aber nicht als mehr als 35% arbeitsfähig einschätze (IV-
act. 215). Mit Vorbescheid vom 7. April 2017 stellte sie ihr die Ablehnung des
Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 220).
B.i.
Gegen diesen Vorbescheid sowie gegen die Mitteilung vom 27. März 2017 erhob
die Versicherte, nun vertreten durch Rechtsanwalt Fritz Dahinden, am 30. Mai 2017
Einwand. Sie leide an einem komplexen Beschwerdebild und hätte zwingend
polydisziplinär begutachtet werden müssen. Für die aktuell ausgeübte und jede andere
angepasste Tätigkeit bestehe nur noch eine Arbeitsfähigkeit von 35%. Unter
Berücksichtigung der grundsätzlich unbestrittenen Valideneinkommen von Fr. 59'024.--
und Invalideneinkommen von Fr. 18'827.60 (35% von Fr. 53'793.--) resultiere damit ein
Invaliditätsgrad von 68%. Gleichzeitig stellte die Versicherte ein Gesuch um
Wiedererwägung der Verfügung vom 3. Juni 2013. Die Observation im Jahre 2012 sei
in Verletzung von Art. 8 Abs. 1 EMRK erfolgt. Die Videoaufnahmen würden die von ihr
geschilderten Beschwerden und Einschränkungen in keiner Weise widerlegen. Bei
korrekter medizinischer Beurteilung wäre ohne Weiteres erkennbar gewesen, dass die
massiven Armverletzungen, die fortgeschrittene Arthrose sowie die durch
Fehlbelastungen entstandenen cervikalen Beschwerden noch immer erhebliche
Einschränkungen bewirkten (IV-act. 227-1 ff.).
B.j.
Ihrem Einwand legte die Versicherte unter anderem den definitiven Austrittsbericht
des RehaZentrums L._ vom 10. Mai 2017 bei. Darin wird festgehalten, dass die
Versicherte vom behandelnden Neurochirurgen Dr. F._ zur Schmerztherapie
zugewiesen wurde. Sie habe mit deutlich verbesserter Belastbarkeit entlassen werden
B.k.
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C.
können. Die Anforderungen ihres Arbeitsplatzes müssten den aktuell noch reduzierten
Fähigkeiten und Belastbarkeit angepasst werden (IV-act. 227-18 ff.).
Zudem reichte die Versicherte eine Stellungnahme Dr. F._s vom 26. Mai 2017
zum Gutachten Dr. K._s ein. Dr. F._ hielt fest, sämtliche Befunde bezüglich der
durch den Ellbogen hervorgerufenen Einschränkungen inklusive der von der
Versicherten beklagten neurologischen Störung würden aus dem Jahre 2012 datieren.
Es handle sich um degenerative Erkrankungen, welche durch die Problematik im
Ellbogen beschleunigt würden. Um eine adäquate Einschätzung des aktuellen
Gesundheitszustands überhaupt angeben zu können, müsste man die Bildgebung
aktualisieren und bei bestehenden neurologischen Störungen eine neurologische
Begutachtung inklusive Elektrophysiologie durchführen. Aus seiner Sicht sei die
Versicherte nur zu 35% arbeitsfähig (IV-act. 227-30 f.).
B.l.
Mit Verfügung vom 12. Juni 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch um Invalidenrente
und berufliche Massnahmen ab. Zur Begründung führte sie aus, das Gutachten der
AEH vom 20./21. Oktober 2016 bestätige eine volle Arbeitsfähigkeit in
leidensadaptierter Tätigkeit. Dabei habe die EFL-Abklärung nicht verwertet werden
können, weil die Versicherte schmerzbedingtes Schonverhalten sowie Selbstlimitierung
gezeigt habe. Das MGSG-Gutachten vom 17. Januar 2017 attestiere eine volle
Arbeitsfähigkeit. Dies sei vom RAD als schlüssig befunden worden. In der
Gesamtschau sei der Gesundheitszustand umfassend geprüft worden, weshalb sich
weitere Abklärungen erübrigten. Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit sei die Versicherte
in der Stellensuche nicht beeinträchtigt, sodass kein Anspruch auf berufliche
Massnahmen bestehe (IV-act. 229). Mit Schreiben vom 4. Juli 2017 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, auf ihr Wiedererwägungsgesuch werde nicht eingetreten (IV-
act. 235).
B.m.
Gegen die Verfügung vom 12. Juni 2017 erhob A._ am 13. Juli 2017
Beschwerde und beantragt deren Aufhebung. Ihr sei mindestens eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei die Streitsache zur Durchführung einer
polydisziplinären Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Subeventuell sei die Beschwerdegegnerin, soweit für angepasste Tätigkeiten eine
C.a.
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höhere Arbeitsfähigkeit als 35% bestehen sollte, zu verpflichten, berufliche
Massnahmen zu gewähren. Ihr sei für die Kosten der Rechtsvertretung eine
angemessene ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen. Die über Jahre hinweg
erfolgten Ausweichbewegungen und Fehlbelastungen wegen der Armbeschwerden
hätten zu Folgeerscheinungen im HWS-, Nacken- und Schulterbereich geführt. Auch
die Rückenbeschwerden dürften zumindest teilweise darauf zurückzuführen sein. Im
MGSG-Gutachten und in der AEH-Beurteilung seien die Armbeschwerden nur am
Rande gewürdigt worden. Im Ergebnis sei einfach die Folgerung des RAD aus der
Observation übernommen worden. Dabei sei übersehen worden, dass schon kurze Zeit
nach der Observation vom Teamleiter Schulterchirurgie der Klinik D._ (Prof. C._)
erhebliche Arm- und Ellbogenbefunde erhoben und auch entsprechende
Einschränkungen festgestellt worden seien. Für die 2012 durchgeführte Observation
habe keine Rechtsgrundlage bestanden. Die Beschwerdegegnerin wäre deshalb
verpflichtet gewesen, die Observationsdokumente aus den Akten zu entfernen, damit
eine rechtskonforme Begutachtung möglich gewesen wäre. Die Observations-
Aufnahmen seien ohnehin weitgehend belanglos. Daraus zu schliessen, die
Beschwerdeführerin habe die Tätigkeit als Wirtin oder auch eine andere Tätigkeit fast
uneingeschränkt ausüben können, gehe nicht an. Bei korrekter medizinischer
Beurteilung wäre jedenfalls ohne Weiteres erkennbar gewesen, dass noch immer
erhebliche Einschränkungen vorhanden gewesen seien. Dem MGSG-Gutachten und
der AEH-Beurteilung müsse aber auch deshalb der Beweiswert abgesprochen werden,
weil massgebliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden seien, nämlich der im
Dezember 2016 / Januar 2017 durchgeführte Arbeitsversuch, der wegen
exazerbierender Beschwerden habe abgebrochen werden müssen, und die
Behandlung im RehaZentrum L._ vom 16. Februar bis 15. März 2017, wo trotz
umfassender Therapie die Arbeitsfähigkeit nicht habe gesteigert werden können. Auch
hätte ein Arm- und Schulterspezialist beigezogen werden und eine polydisziplinäre
(zusätzlich neurologische und psychiatrische) Begutachtung stattfinden müssen. Die
Buckelfehlstellung des Nackens habe sich zwischenzeitlich stark ausgeweitet. Die im
MGSG-Gutachten getroffene Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit stehe auch in
einem unauflösbaren Widerspruch zu den Beurteilungen der behandelnden Ärzte.
Insgesamt sei ausgewiesen, dass für eine angepasste Tätigkeit lediglich noch eine
Arbeitsfähigkeit von 35% bestehe. Damit resultiere ein Invaliditätsgrad von 68%. Der
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Antrag auf Zusprechung einer Teilrente sei damit ausgewiesen. Die AEH-Beurteilung
sei im Auftrag eines privaten Krankentaggeldversicherers erfolgt und enthalte keine
Begutachtung. Die in ihr erhobenen Vorwürfe betreffend fraglicher
Leistungsbereitschaft und ungenügender Konsistenz würden der Grundlage entbehren.
Offenbar hätten die Therapeuten des AEH die Komplexität des Beschwerdebildes
verkannt (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 26. Oktober 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der RAD habe die
Ellbogenproblematik erkannt und es als medizinisch genügend erachtet, dies durch
einen Orthopäden abklären zu lassen. Ein Orthopäde beschäftige sich gerade mit der
Erkrankung des Bewegungsapparates. Der Ellbogenproblematik werde im MGSG-
Gutachten genug Raum eingeräumt. Sie sei auch in die Schlussfolgerungen und
Arbeitsfähigkeitsschätzung eingeflossen. Der Fokus im RehaZentrum L._ sei auf die
Schmerztherapie gerichtet gewesen, deshalb könne auf deren
Arbeitsfähigkeitsschätzung zum Vornherein nicht abgestellt werden. Beim
"Arbeitsversuch" von Dezember 2016 bis Januar 2017 habe es sich um eine freiwillige
Umplatzierung durch den Arbeitgeber in seinem Betrieb gehandelt. Ein solcher Versuch
werde wesentlich durch subjektive Faktoren der Beschwerdeführerin (Schmerzen,
Motivation, Willenskraft) mitbestimmt. Die Beschwerdeführerin sei neurologisch nicht
auffällig gewesen. Eine psychische Einschränkung der Beschwerdeführerin sei aus den
Akten nicht ersichtlich. Nur das RehaZentrum L._ bringe psychosoziale Belastungen
vor. Der MGSG-Gutachter habe sich nicht von den Unterlagen aus der Observation
beeinflussen lassen. Er habe sich streng an den ihm zur Verfügung gestellten
medizinischen Akten und an der persönlichen Untersuchung orientiert. Nur ein
Behandler habe eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von 35% attestiert. Diese Schätzung
beziehe sich auf die für die Beschwerdeführerin nicht geeignete Stelle als
Hauswirtschaftsangestellte. In einer angepassten Stelle könne sie ein Pensum von
100% erreichen (act. G4).
C.b.
Mit Replik vom 22. Januar 2018 macht die Beschwerdeführerin geltend, die
Ellbogenproblematik hätte von einem spezialisierten Facharzt beurteilt werden müssen,
da sie auf einer schweren Armverletzung mit offener Ellbogenfraktur basiere und
bereits kurze Zeit nach der Renteneinstellung wieder schwerwiegende Diagnosen
C.c.
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erhoben und erhebliche Einschränkungen, namentlich eine massive posttraumatische
Arthrose am Ellbogen, aufwendige Ausweichbewegungen, Hals- und
Nackenbeschwerden und Buckel-Fehlstellung des Nackens festgestellt worden seien.
Die Beurteilung sei dabei vom ausgewiesenen Spezialisten Prof. C._ vorgenommen
worden. Für die Begutachtung hätte zumindest ein vergleichbarer Spezialist
beigezogen werden müssen. Zudem hätte sich auch eine polydisziplinäre
Begutachtung aufgedrängt. Die Arbeitsfähigkeit habe trotz Reha und Arbeitsversuch
nicht gesteigert werden können. Solche Fakten hätten im Rahmen der Begutachtung
gewürdigt werden müssen. Die Befunde "degenerative LWS-Veränderungen in den
Segmenten L3/5, L4/5 und L5/1" sowie "fluktuierendes radikuläres Reizsyndrom S1
rechts" seien von einem Neurochirurgen erhoben worden. Schon das RehaZentrum
L._ habe auf die psychische Belastung hingewiesen. Die Beschwerdeführerin habe
sich in psychiatrische Behandlung begeben. Dabei sei eine reaktive depressive
Episode, zu Beginn der Behandlung mittelschwer, mit berichteter Suizidalität
diagnostiziert worden. Auch sei festgestellt worden, dass die Beschwerdeführerin nicht
mehr in der Lage sei, ein höheres Arbeitspensum als 35% zu erfüllen. Schon der
Schulter- und Ellbogenspezialist habe Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
beschrieben. Vom Rückenspezialisten sowie auch von der Psychiaterin sei festgestellt
worden, dass die Beschwerdeführerin nur noch ein Arbeitspensum von 35% zu erfüllen
vermöge. Dies betreffe auch eine adaptierte Tätigkeit. Die Arbeitsfähigkeit von 35% sei
damit ausgewiesen (act. G8). Ihrer Replik legte die Beschwerdeführerin insbesondere
den Bericht von Dr. med. M._, Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
und N._ M.Sc, Psychologin, vom 16. Januar 2018 bei. Aus diesem Bericht geht
hervor, dass die Beschwerdeführerin seit 3. August 2017 bei der delegiert arbeitenden
Psychologin N._ in der Praxis von Dr. M._ in Behandlung ist.
Die Beschwerdegegnerin reicht keine Duplik ein (vgl. act. G9 und G10).C.d.
In Ergänzung zur Replik reicht die Beschwerdeführerin am 17. Oktober 2018 zwei
Verlaufsberichte des behandelnden Neurochirurgen Dr. F._ vom 6. August und
26. September 2018 sowie ein Arztzeugnis vom 28. Mai 2018 ein. Aus diesen Berichten
gehe hervor, dass sie mit dem Arbeitspensum von 35% an der Grenze der
Belastbarkeit angelangt sei. Ein höheres Pensum wäre auch für jede andere den
Beschwerden angepasste Tätigkeit nicht realistisch. Psychiatrisch habe sich keine
C.e.
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Erwägungen
1.
Verbesserung des Gesundheitszustands ergeben. Es würden weiterhin wöchentliche
Einzeltherapien stattfinden (act. G11 mit Beilagen). Am 27. November 2018 reichte die
Beschwerdeführerin einen Befundbericht über ein MRT der HWS und den
Verlaufsbericht des behandelnden Neurochirurgen ein. Der Neurochirurg habe auf eine
foraminale Diskushernie C5/6 links mit deutlicher Kompression der Nervenwurzel C6
foraminal hingewiesen. Die nun festgestellten HWS-Befunde würden mit dem
Sprechstundenbericht der Schulterchirurgie der Klinik D._ aus dem Jahr 2014
übereinstimmen (act. G13).
Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2.
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2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.3.
Zwischen den Parteien streitig ist die Entfernung der Unterlagen betreffend
Observation aus dem Jahr 2012 aus den Akten. Die Verfügung vom 3. Juni 2013 ist,
das ist den Parteien bewusst, in Rechtskraft erwachsen. Auf diese ist nicht
zurückzukommen. Das Bundesgericht befürwortet in Revisionsverfahren indes eine in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassende ("allseitige") Prüfung, wobei keine
Bindung an frühere Beurteilungen besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Oktober
2014, 9C_378/2014, E. 4.2 mit Hinweisen). Der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin hat sich mit Eintritt des Rückenleidens dergestalt verändert, dass
auf die Wiederanmeldung eingetreten wurde (vgl. IV-act. 176-2). Wegen der vom
Bundesgericht vorgegebenen allseitigen Prüfungspflicht ist damit auch zu beurteilen,
ob das Observationsmaterial für das am 27. Juni 2016 wieder angemeldete Verfahren
verwertet werden darf.
2.1.
Für die von der Beschwerdegegnerin veranlasste Observation fehlte die
gesetzliche Grundlage, womit die Observationsergebnisse unrechtmässig erhoben
worden sind (siehe bezüglich der Konventionswidrigkeit das Urteil des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte in Sachen Vukota-Bojic gegen Schweiz, Urteil
no. 61838/10, vom 18. Oktober 2016, und zur Verfassungswidrigkeit den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 6. Dezember 2016, IV 2016/145, E. 3, insoweit bestätigt im
Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2017, 8C_69/2017, E. 5). Was die
Verwertbarkeit illegal beschaffter Beweismittel anbelangt, so ist das Bundesgericht im
Wesentlichen zur Auffassung gelangt, dass von der IV-Stelle in Auftrag gegebenes,
illegal beschafftes Observationsmaterial grundsätzlich verwertbar sei, sofern die
Überwachung aufgrund ausgewiesener Zweifel eingeleitet sowie im öffentlich
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/23
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einsehbaren Raum erfolgt sei und die versicherte Person keiner systematischen oder
ständigen Überwachung ausgesetzt gewesen sei. Von einem absoluten
Verwertungsverbot sei insoweit auszugehen, als es sich um Beweismaterial handelt,
das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen wurde (BGE 143 I
377 E. 5.1 ff. mit Hinweisen; bestätigt etwa im Urteil des Bundesgerichts vom
9. November 2017, 9C_328/2017). Das Bundesgericht räumt dem Interesse des
Sozialversicherers und der Versichertengemeinschaft an der Verhinderung
unrechtmässiger Leistungsbezüge eine vorrangige Stellung in der Interessenabwägung
ein (BGE 143 I 377 E. 5.1.2; Thomas Gächter/Michael E. Meier, Rechtswidrige
Observationen in der IV - Verwertbarkeit der Observationserkenntnisse, Bemerkungen
zum Leitentscheid 9C_806/2016 vom 14. Juli 2017, in: Jusletter vom 14. August 2017,
Rz 104). Diese Rechtsprechung wird in der Lehre mit überzeugenden Argumenten in
Frage gestellt (Gächter/Meier, a.a.O., insbesondere Rz 96 ff.). Wie in der Lehre für die
Prüfung der Verwertbarkeit illegal beschafften Beweismaterials gefordert, ist im
Rahmen einer ergebnisoffenen, umfassenden Interessenabwägung auch den
Schutzinteressen der verletzten Rechtsgüter gebührend Rechnung zu tragen. Die
verletzten Rechtsgüter sind einerseits die Privatsphäre der versicherten Person (Art. 13
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]; Art. 8 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK; SR 0.101])
und andererseits auch das Legalitätsprinzip (Art. 5 Abs. 1 BV) als solches (Gächter/
Meier, a.a.O., Rz 104; siehe zum Ganzen beispielhaft den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 14. Dezember 2018, IV 2017/5, E. 2.1 ff.).
Die Observation muss gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung objektiv
geboten sein. Damit ist gemeint, dass konkrete Anhaltspunkte vorliegen müssen, die
Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend
gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen. Solche Anhaltspunkte können
beispielsweise gegeben sein bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person,
oder wenn Zweifel an der Redlichkeit derselben bestehen (eventuell durch Angaben
und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung. Diese Elemente
können einzeln oder in Kombination zureichende Hinweise liefern, die zur objektiven
Gebotenheit der Observation führen (vgl. BGE 143 I 377 E. 5.1 i.V.m. BGE 137 I 327
E. 5.4.2.1). Vorliegend hatte die Beschwerdegegnerin am 16. Dezember 2011 einen
schriftlichen anonymen Hinweis erhalten, wonach die Beschwerdeführerin seit Oktober
2011 ein Lokal gepachtet habe und selber wirte (IV-act. 120). Die Gemeindekanzlei
O._ bestätigte der Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin per
1. Oktober 2011 das Café P._ gepachtet habe (IV-act. 122). Die anonyme Meldung
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/23
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wirkte daher grundsätzlich verlässlich. Die Beschwerdeführerin hatte die Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit als Wirtin der Beschwerdegegnerin nicht gemeldet, obschon sie
anlässlich der letzten Rentenrevision am 27. Juni 2011 explizit auf ihre Meldepflicht,
insbesondere bezüglich Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, hingewiesen worden war (IV-
act. 118). Gemäss der anonymen Meldung war sie den ganzen Tag über (von 8:30 bis
mindestens 22:00 Uhr) im Café anwesend und wirtete (IV-act. 120). Der RAD-Arzt
Dr. B._ ging zwar von erheblichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin in der
Arbeitsfähigkeit aus, da sie aber immer motiviert gewesen sei, könne sie als Wirtin
unter Umständen voll aktiv sein. Die Auswirkungen einer Einhändigkeit auf die manuelle
Arbeitsfähigkeit seien schwer zu bestimmen. Oft resultiere eine etwas willkürliche
"medizinisch-theoretische" Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 123). Es bestanden somit Zweifel
an der tatsächlichen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin. Die
Beschwerdegegnerin durfte davon ausgehen, dass eine unauffällige Beobachtung der
alltäglichen Verrichtungen der Beschwerdeführerin im Restaurantbetrieb eine
zuverlässigere Einschätzung der bestehenden Leistungsbeeinträchtigungen
ermöglichen würde als eine angekündigte Abklärung innerhalb des
sozialversicherungsrechtlichen Kontexts.
Die Observation erfolgte lediglich an einzelnen Tagen innerhalb relativ kurzer
Zeiträume (vgl. Observationsbericht vom 16. Mai 2012, IV-act. 137). Sie erfasste das
Verhalten der Beschwerdeführerin im öffentlichen Raum im Sinne der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung, nachdem das Bundesgericht alles zum
öffentlichen Raum zählt, was allgemein zugänglich ist, namentlich auch Restaurants.
Massgeblich ist, dass sich die versicherte Person an einem Ort aufhält, welcher für die
breite Öffentlichkeit zugänglich ist. Demgegenüber bildet beispielsweise der
Innenbereich des Hauses, in dem die versicherte Person wohnt (auch dessen
Treppenhaus oder Waschküche), keinen ohne Weiteres öffentlich frei einsehbaren
Raum. Eine darin erfolgte Observation wäre deshalb unzulässig (Urteile des
Bundesgerichts vom 15. Mai 2019, 8C_837/2018, E. 5.1 und vom 9. März 2012,
8C_830/2011, E. 6.4). Demnach ist derjenige Teil des Lokals der Beschwerdeführerin,
welcher den Gästen zugänglich und für sie offen einsehbar war, als öffentlicher Raum
zu qualifizieren. Nur in diesem Bereich wurde die Beschwerdeführerin gefilmt. Sie
wurde weder in ihrer eigenen Wohnung noch bei einer dem Geheimbereich
zuzuordnenden Tätigkeit im öffentlichen Raum überwacht. Auf ihr Verhalten nahmen
die Abklärungspersonen sodann keinen Einfluss. Unter diesen Umständen war die
Observation verhältnismässig (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Januar 2019,
8C_689/2018, E. 4.1 f.).
2.4.
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3.
Im Rahmen der Prüfung des neuen Leistungsgesuchs ist damit kein
überzeugender Grund ersichtlich, weshalb die in die frühere Leistungsprüfung
eingeflossenen Observationserkenntnisse nunmehr aus den Akten zu entfernen und bei
späteren Leistungsprüfungen gänzlich ausser Acht zu lassen wären. Die
Observationsunterlagen und damit zusammenhängenden Aktenstücke sind
insbesondere deshalb für die Beschwerdegegnerin und die medizinischen
Fachpersonen relevant, als sie erklären, weshalb die Invalidenrente der
Beschwerdeführerin 2013 aufgehoben wurde. Ein überwiegendes privates Interesse an
der vollständigen Entfernung des Beweismittels ist nicht auszumachen.
2.5.
Es ist anzumerken, dass weder der Observationsbericht noch die Stellungnahme
Dr. B._s in der AEH-Beurteilung erwähnt werden. Insbesondere erscheint nichts
davon in der Anamnese (act. G4.2/4-6). Dennoch kamen die beurteilenden ärztlichen
Fachpersonen zum Ergebnis, dass die Beschwerdeführerin nach einer
gesamtheitlichen, multimodalen Schmerztherapie in einem stationären Kontext durch
Auftrainieren der Rückenmuskulatur wieder ihre Arbeitsfähigkeit von 70% in der
ursprünglichen Tätigkeit in der Hauswirtschaft des E._s erreichen könnte und in einer
adaptierten Tätigkeit arbeitsfähig sei (vgl. act. G4.2/4-4 f.). Auch Dr. K._ nimmt
keinen Bezug auf den Observationsbericht. Er hat die Stellungnahme Dr. B._s zwar
im Aktenauszug zusammengefasst (IV-act. 204-3), bezieht sich aber in der Folge nicht
explizit darauf. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin übernimmt er
jedenfalls nicht einfach Dr. B._s Einschätzung.
2.6.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Ellbogenproblematik hätte von einem
Schulterspezialisten wie Prof. C._ beurteilt werden müssen.
3.1.
Gemäss dem Medizinalberuferegister (einsehbar unter www.medregom.admin.ch)
verfügt Prof. C._ über den Weiterbildungstitel "Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates". Über denselben Weiterbildungstitel verfügt
auch der MGSG-Gutachter Dr. K._. Er ist somit mit Blick auf seine Aus- und
Weiterbildung ebenso wie Prof. C._ qualifiziert, sowohl das Wirbelsäulen- wie auch
das Ellbogenleiden der Beschwerdeführerin in orthopädischer Hinsicht umfassend zu
beurteilen. Anhaltspunkte, welche seine Fachqualifikation in Frage stellen würden,
ergeben sich keine. Die Beschwerdeführerin legt denn auch nicht substantiiert dar,
weshalb Dr. K._ aus fachlicher Sicht generell nicht in der Lage wäre, die in das
Fachgebiet der Orthopädie fallenden Ellbogen- und Folgeschäden lege artis zu
beurteilen. Ein Anspruch, von einem innerhalb seines Fachgebiets weiter spezialisierten
3.2.
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4.
Arzt begutachtet zu werden, besteht grundsätzlich nicht. Keiner der behandelnden
ärztlichen Fachpersonen brachte überzeugende Argumente vor, weshalb für die
Beurteilung der Ellbogen- und Schulterproblematik eine Person mit zusätzlichen
Qualifikationen oder Erfahrungen erforderlich wäre. Insofern ist das MGSG-Gutachten
deshalb nicht zu beanstanden.
Die Beschwerdeführerin rügt, sie hätte polydisziplinär begutachtet werden müssen,
namentlich auch psychiatrisch und neurologisch.
4.1.
Dr. B._ ging in seiner Stellungnahme vom 22. Mai 2012 davon aus, dass die
Beschwerdeführerin "psychisch völlig normal" sei (IV-act. 138). Eine Beeinträchtigung
der psychischen Gesundheit bis zu jenem Zeitpunkt wird denn auch nicht geltend
gemacht. Erstmals mit dem psychiatrischen Bericht vom 16. Januar 2018 (act. G8.2)
wird vorgebracht, die Beschwerdeführerin habe wegen der Observation durch die
Beschwerdegegnerin "einen schweren psychischen Zusammenbruch" erlitten
(act. G8.2-4). Die Beschwerdeführerin hatte schon im Jahr 2012 gegenüber der
Beschwerdegegnerin geäussert, seit der anonymen Meldung und der Observation
habe sie kein Vertrauen mehr zu den Gästen, fühle sich nicht mehr sicher und werde
deshalb das Lokal aufgeben (vgl. IV-act. 146 und IV-act. 151). Dass sie deshalb einen
schweren psychischen Zusammenbruch erlitten hätte, kann jedoch anhand der
vorliegenden Unterlagen nicht nachvollzogen werden. Einerseits liegen diesbezüglich
keine Arztberichte, Arztzeugnisse oder Nachweise über eine medikamentöse
Behandlung bei den Akten, und bezüglich einer Therapie hält der psychiatrische
Bericht fest, die Beschwerdeführerin sei zuvor noch nie in psychotherapeutischer
Behandlung gewesen. Diese begann sie erst am 3. August 2017, mithin kurz nach
Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung (act. G8.2-3). Andererseits ergibt sich
aus den Akten, dass die Beschwerdeführerin 2014 zu mindestens 80% arbeitsfähig war
(vgl. Sprechstundenbericht Prof. C._ vom 3. März 2014, wonach die
Beschwerdeführerin eine Anstellung mit einem Pensum von 80% in einer Cafeteria in
einem Altersheim hatte, sowie den Lebenslauf der Beschwerdeführerin, wonach sie
2013 Saison-Aushilfe bei Q._ war, IV-act. 161 und 207), was ebenfalls gegen einen
schweren psychischen Zusammenbruch von rentenrelevanter Dauer spricht. Auch
schilderte das E._ die Beschwerdeführerin als fröhlich (IV-act. 171) und im
RehaZentrum L._ wurde im Jahr 2017 festgehalten, es sei kein Rückzug aus sozialen
Kontakten ersichtlich. Die Beschwerdeführerin habe gute Kontakte innerhalb der
Familie und dem Freundeskreis. Sie würde sich "vom Gemüt nicht gehen lassen" (IV-
act. 227-19 und 227-23).
4.2.
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Eine psychiatrische Begutachtung wegen eines allfälligen Schmerzsyndroms (der
MGSG-Gutachter schrieb, die Schmerzen könnten nur teilweise plausibilisiert werden,
IV-act. 204-11; Dr. F._ diagnostizierte unter anderem ein sekundäres
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei beginnender Segmentdegeneration L4/5
und L5/S1 mit diskreter Facettengelenksarthrose und Gelenkserguss, IV-act. 173)
drängte sich ebenfalls nicht auf. Die Beschwerdeführerin nahm bezüglich der
Schmerzen keine Medikamente, jedenfalls nicht auf regelmässiger Basis (siehe hierzu
IV-act. 145-4, 204-5 und 204-7 sowie act. G1.16 und G4.2/4-4). Zudem wurde in der
AEH-Beurteilung zum Ausdruck gebracht, dass mit einer Schmerztherapie und dem
Training der Muskulatur eine deutliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit bewirkt
werden könnte. Die Schmerzen wurden mithin (noch) nicht als chronisch eingestuft
(vgl. act. G4.2/4-4). Tatsächlich wird denn auch im definitiven Austrittsbericht des
RehaZentrums L._ festgehalten, das Schmerzerleben der Beschwerdeführerin habe
während des Aufenthalts von VAS 8/10 auf VAS 2/10 verbessert werden können (IV-
act. 227-20). Auch wenn vorliegend nur der Sachverhalt bis zum Verfügungszeitpunkt
zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. November 2018,
8C_562/2018, E. 3.2), fällt auf, dass im psychiatrischen Bericht vom 16. Januar 2018
einzig die Diagnose einer depressiven Episode, nicht aber jene eines
Schmerzsyndroms gestellt und die Schmerzen der Beschwerdeführerin kaum
thematisiert wurden (vgl. act. G8.2).
4.3.
Somit bestand für die Beschwerdegegnerin kein Anlass, die Beschwerdeführerin
psychiatrisch begutachten zu lassen. Sollte sich der psychische Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin seit der Verfügung vom 12. Juni 2017 verschlechtert haben,
steht es ihr frei, sich diesbezüglich bei der Beschwerdegegnerin neu anzumelden.
4.4.
Hinweise auf eine neurologische Problematik bei der Beschwerdeführerin finden
sich in den Akten nur am Rande. So berichtete die Beschwerdeführerin beispielsweise
über ein Kribbeln in den Fingern und beklagte Schmerzen, die sich nicht vollständig
objektivieren liessen (vgl. IV-act. 204-11). Dr. F._ attestierte ihr zudem ein radikuläres
Reizsyndrom S1 rechts (IV-act. 173). Gegen eine Notwendigkeit einer neurologischen
Begutachtung spricht, dass neurologische Ausfälle betreffend Ellbogen infolge des
Verkehrsunfalls von 1986 nicht festgestellt wurden und anlässlich der Begutachtung
1988 ebenfalls nicht nachweisbar waren (IV-act. 32-5). Zudem hielt Dr. F._ am 4. Juli
2016 fest, vorherrschend sei nicht der radikuläre Schmerz, sondern der tieflumbale
Rückenschmerz (IV-act. 187-25). Gemäss AEH-Beurteilung vom 7. November 2016 lag
bei der Beschwerdeführerin sodann klinisch keine radikuläre Problematik vor, weder
eine sensible noch eine motorische Ausfallproblematik (act. G4.2/4-4). Eine Verlaufs-
4.5.
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5.
MRI am 7. Juli 2016 habe keine Hinweise für eine neue Nervenkompression gezeigt
(act. G4.4-2) Auch die behandelnden ärztlichen Fachpersonen, insbesondere Dr. F._,
haben keine Unterlagen ins Recht gelegt, welche eine neurologisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit und damit eine entsprechende Begutachtung nahelegen würden.
Hinzu kommt, dass offenbar weder die an der AEH-Beurteilung beteiligten Fachleute
noch der MGSG-Gutachter oder die RAD-Ärztin den Beizug eines Neurologen für
erforderlich hielten. Dr. H._ hielt gestützt auf den Bericht des MRI LWS und ISG vom
7. Juli 2016 fest, es zeigten sich keine Nervenwurzelkompressionen und keine sichere
Beeinträchtigung der Nervenwurzel S1 rechts (IV-act. 197). Auch Dr. K._ sprach
lediglich von einer mässigen foraminalen Einengung rechts mehr als links ohne sichere
Nervenwurzelkompression (IV-act. 204-9). Zudem äusserte er sich auch zum Kribbeln
in den Fingern und erklärte, dieses könne bei unsicherer Nervenwurzelkompression
nicht erklärt werden (IV-act. 204-11). Somit war eine Begutachtung durch einen
Neurologen nicht erforderlich. Daran vermag auch die Stellungnahme Dr. F._s vom
26. Mai 2017 (IV-act. 227-30 f.) nichts zu ändern.
Nach dem Gesagten reichte es aus, dass die Beschwerdegegnerin ein
monodisziplinäres Gutachten in Auftrag gab. Eine polydisziplinäre Begutachtung war
nicht zwingend erforderlich.
4.6.
Die Beschwerdeführerin rügt, ihre Armbeschwerden seien in der AEH-Beurteilung
und im MGSG-Gutachten nur am Rande gewürdigt worden. Dem kann nicht
zugestimmt werden. Es ist unstreitig, dass die Unfallverletzung von 1986 zu
Folgeschäden auch im Schulterbereich geführt hat. Schon Dr. B._ hielt mit
Stellungnahme vom 16. Januar 2012 fest, dass sich der Zustand des Ellbogengelenks
wegen der Sekundärarthrose funktionell verschlechtert und sich ein sekundäres,
somatisch abstützbares Schulterarmsyndrom entwickelt haben dürfte (IV-act. 123-2).
Die Beschwerdegegnerin war sich dessen denn auch bewusst, stellte aber im Juni
2013 dennoch fest, dass sich die Beschwerdeführerin an ihre Leiden angepasst habe
und in einer adaptierten Tätigkeit weitgehend arbeitsfähig sei (IV-act. 160).
5.1.
Dr. B._ regte auch an, die Möglichkeit einer Prothese nochmals zu prüfen (IV-
act. 123-2). Der von der Beschwerdeführerin als Spezialist genannte Prof. C._ prüfte
wohl auch deshalb die Option einer Ellbogenprothetik, kam aber in seinem Bericht vom
3. März 2014 zum Schluss, dies sei kein sicherer Weg, die Beschwerden zu
verbessern. Insofern sah er keine Indikation für ein chirurgisches Vorgehen am
Ellbogen. Prof. C._ hat also nicht unerwartete neue Befunde erhoben, wie die
5.2.
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6.
Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde impliziert. Er stellte im Übrigen ebenfalls fest,
die Beschwerdeführerin komme erstaunlich gut zurecht und habe erstaunlicherweise
fast keine Beschwerden am Ellbogen (IV-act. 161).
Die Beschwerdeführerin arbeitete ab Mai 2014 zu 60% und ab Januar 2015 zu
70% als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft im E._ (IV-act. 171-1), mithin in einer
schlecht adaptierten Tätigkeit (Reinigungsarbeiten, Tätigkeiten in der Wäscherei und im
Speisesaal, wobei die Beschwerdeführerin oft stehend arbeiten und Gewichte,
teilweise mit beiden Händen, heben musste; vgl. IV-act. 186-4 und 171 sowie
act. G4.2/4-12). Auch das zeigt, dass sie durch die gesundheitliche Beeinträchtigung
am Arm in einer adaptierten Tätigkeit nicht oder jedenfalls kaum eingeschränkt
gewesen wäre. Ursache für den Eintritt der späteren Arbeitsunfähigkeit waren die seit
Oktober 2015 zunehmenden Rückenschmerzen und eine entsprechende
Rückenoperation (vgl. IV-act. 171-1). Die Armbeschwerden standen nach wie vor im
Hintergrund. Auch Dr. F._ legte am 4. Juli 2016 den Fokus auf den tieflumbalen
Rückenschmerz (IV-act. 187-25). Anlässlich der AEH-Beurteilung gab die
Beschwerdeführerin ebenfalls an, bezüglich der Unfallfolgen sei nichts Neues
eingetreten. Derzeit sei sie wegen der Rückenbeschwerden arbeitsunfähig
(act. G4.2/4-2).
5.3.
Der MGSG-Gutachter hatte den rechten Ellbogen sodann untersucht und auch die
diesbezüglichen Akten berücksichtigt. Dementsprechend schrieb er in seinem
Gutachten, die Bewegungseinschränkung des Ellbogens sei bestätigt und
nachvollziehbar (IV-act. 204-11). Er äusserte auch, die Prognose sei eher ungünstig (IV-
act. 204-13), was der degenerativen Erkrankung der Beschwerdeführerin Rechnung
trägt. Zudem hielt er fest, eigentliche Schmerzen im rechten Ellbogen seien verneint
worden (IV-act. 204-4. Später griff er die Thematik wieder auf, indem er zu den
subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin schrieb: "(...) einfach alles führe zu
Schmerzen in der Wirbelsäule sowie im rechten Ellbogen, obwohl sie in der Anamnese
explizit angab, keine Schmerzen im rechten Ellbogen zu haben."; IV-act. 204-6).
5.4.
Nach dem Gesagten wurden die Armbeschwerden der Beschwerdeführerin im
MGSG-Gutachten hinreichend berücksichtigt. Weitere Abklärungen bezüglich Ellbogen
waren nicht erforderlich.
5.5.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, die MGSG-Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
stehe im Widerspruch mit jener der behandelnden Ärzte und dem Ergebnis des
6.1.
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Arbeitsversuchs. Sie sei auch in einer adaptierten Tätigkeit zu nicht mehr als 35%
arbeitsfähig. Dies ist nachfolgend zu prüfen.
Die Beschwerdeführerin hat ihre Arbeitsfähigkeit bereits in der Vergangenheit
tendenziell zu tief eingeschätzt. So gab sie beispielsweise anlässlich des Gesprächs
mit der Beschwerdegegnerin vom 21. August 2012 an, sie schätze ihre
Leistungsfähigkeit auf 50%, war jedoch deutlich länger in ihrem Lokal präsent (vgl. IV-
act. 145-8; die Beschwerdeführerin gab an, "praktisch rund um die Uhr" im Restaurant
zu sein, aber nicht immer zu arbeiten) und arbeitete spätestens ab 2014 80% (vgl. IV-
act. 161 und 207), dann 60% bzw. 70% in der schlecht adaptierten Tätigkeit in der
Hauswirtschaft des E._s.
6.2.
Anlässlich der AEH-Beurteilung wurde eine EFL durchgeführt, konnte aber nicht
zuverlässig ausgewertet werden, weil die Fachleute eine erhebliche Selbstlimitierung
beobachteten (vgl. act. G4.2/4). Zwar bestreitet die Beschwerdeführerin dies (act. G1),
dennoch ist diese Einschätzung der AEH-Fachleute als gewichtiges Indiz dafür zu
werten, dass die Beschwerdeführerin ihre Belastbarkeit eher zu tief einschätzt.
6.3.
Die Behauptung der Beschwerdeführerin, die behandelnden Ärzte würden ihr eine
Arbeitsfähigkeit von höchstens 35% attestieren, stimmt in dieser Form nicht, wie
nachfolgend zu zeigen sein wird.
6.4.
Die Konsultation bei Prof. C._ im Frühjahr 2014 fand nicht in erster Linie zur
Feststellung der Arbeitsfähigkeit statt (sondern wohl zur Abklärung der Option einer
Ellbogenprothetik). Prof. C._ beschreibt, die Beschwerdeführerin fühle sich durch ihr
Arbeitspensum von 80% überfordert, gibt mithin eine subjektive Wahrnehmung der
Beschwerdeführerin wieder. Er selbst äussert lediglich, die Schwierigkeiten der
Beschwerdeführerin in einem 80%-Pensum in einer Cafeteria in einem Altersheim seien
nachvollziehbar, macht jedoch keine Ausführungen über ihre konkrete Arbeitsfähigkeit.
Ohnehin ist fraglich, inwiefern die damalige Tätigkeit der Beschwerdeführerin adaptiert
war.
6.4.1.
Das RehaZentrum L._ hatte ebenfalls nicht den Auftrag, die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin einzuschätzen, sondern ihr Schmerzempfinden zu verbessern
und ein Auftrainieren der Rückenmuskulatur zu ermöglichen. Hinzu kommt, dass das
RehaZentrum nicht einfach eine tiefe Arbeitsfähigkeit attestierte. Vielmehr heisst es im
definitiven Austrittsbericht, aktuell seien die Fähigkeiten und Belastbarkeit noch
reduziert. Dies impliziert, dass beides noch gesteigert werden konnte (vgl. zum Ganzen
IV-act. 227-18 ff. und act. G4.2/4-4 f.). Gemäss der bundesgerichtlichen
6.4.2.
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Rechtsprechung sind Berichte behandelnder Ärzte sodann ohnehin mit Vorbehalt zu
würdigen, was auch für den schmerztherapeutisch tätigen Arzt mit seinem besonderen
Vertrauensverhältnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz zunächst
bedingungslos zu akzeptieren, gelte (Urteil des Bundesgerichts vom 13. April 2006, I
645/05, E. 2.3).
Dr. F._ schrieb am 3. April 2016, die Beschwerdeführerin werde noch bis Ende
April in einem 50% Pensum ihres ursprünglichen Tätigkeitspensums arbeiten (mithin in
einem 35%-Pensum; IV-act. 187-16). Am 4. Juli 2016 erachtete Dr. F._ die
Beschwerdeführerin als 50% arbeitsunfähig bei einer deutlich reduzierten
Arbeitsleistung (bzw. "50% arbeitsunfähig mit zusätzlichem, deutlich reduziertem
Pensum", IV-act. 173 bzw. IV-act. 187-26). Nach dem Wortlaut ist dies so auszulegen,
dass die Beschwerdeführerin in ihrer ursprünglichen Tätigkeit in der Hauswirtschaft
50% hätte anwesend sein können, wobei sie während dieser Zeit eine deutlich
geringere Arbeitsleistung erbracht hätte. Dr. F._ präzisierte seine Einschätzung auf
Nachfrage dahingehend, er habe eine Arbeitsfähigkeit von 50% für das 70%-Pensum
der Beschwerdeführerin gemeint (Bericht vom 26. Mai 2017, IV-act. 227-31). Er sprach
aber – zumindest ursprünglich – von der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit im Altersheim E._ (vgl. IV-act. 187-18, 187-16 und 187-26). Bei dieser
Tätigkeit handelt es sich unter Berücksichtigung des ursprünglichen Pflichtenheftes
nicht um eine adaptierte Tätigkeit. Auch der MGSG-Gutachter erachtet die
Beschwerdeführerin in dieser Funktion als eingeschränkt arbeitsfähig
(Arbeitsunfähigkeit 50%, IV-act. 204-13). Wenn Dr. F._ zu einem späteren Zeitpunkt
ohne Nachweis einer Verschlechterung des Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 35% für jedwede Tätigkeit
attestiert (also auch für solche, die den Einschränkungen der Beschwerdeführerin
besser angepasst sind), kann das nicht nachvollzogen werden. Das Bundesgericht
erachtet es als Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5). Da es sich auch bei Dr. E._ um einen
behandelnden Arzt mit einem besonderen Vertrauensverhältnis zur Beschwerdeführerin
handelt, ist seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zwar zu berücksichtigen, vermag
aber keine Zweifel an der AEH-Beurteilung und der Einschätzung gemäss MGSG-
Gutachten zu wecken.
6.4.3.
Die Beschwerdeführerin zweifelt den Beweiswert des MGSG-Gutachtens an, da
dieses ihre Buckel-Fehlstellung nicht berücksichtige. Die Beschwerdeführerin erwähnte
schon im April 2012, es habe sich ein Buckel ergeben (IV-act. 128-8). Prof. C._
6.5.
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sprach in diesem Zusammenhang von einer subjektiv sich bildenden Buckelfehlstellung
des Nackens (IV-act. 161), was nahelegt, dass diese Fehlstellung (noch) nicht
objektivierbar war. Dr. K._ erwähnt im MGSG-Gutachten eine physiologische
Kyphose der BWS, aktiv redressierbar (IV-act. 204-8). Er nahm die zum Zeitpunkt der
Begutachtung vorliegende Form der BWS somit wahr und setzte sich mit ihr auch
auseinander. Es ist deshalb nicht auszumachen, inwiefern die
Arbeitsfähigkeitsschätzung in dieser Hinsicht unzutreffend sein sollte.
Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, es sei auch anhand des
gescheiterten Arbeitsversuchs erwiesen, dass ihre Arbeitsfähigkeit nicht über 35%
gesteigert werden könne. Dabei wurde die Beschwerdeführerin von ihrem Arbeitgeber
im selben Betrieb anders eingesetzt. Neutrale Berichte über den Verlauf und Abschluss
dieses Versuchs (wie sie von speziell dafür geschaffenen Institutionen verfasst würden)
liegen nicht vor. Auch wurde der Versuch, das Arbeitspensum der Beschwerdeführerin
zu steigern, offenbar erst im März 2017 und somit nach Erstellung der AEH-Beurteilung
und des MGSG-Gutachtens aufgegeben (vgl. IV-act. 227-16). Hinzuzufügen ist, dass
die von der Beschwerdeführerin im Rahmen der MGSG-Begutachtung geklagten
lumbalen Schmerzen nicht vollumfänglich objektivierbar waren, wohl aber Einfluss auf
das von ihr erreichte Arbeitspensum gehabt haben dürften. Dass eine Steigerung des
Arbeitspensums nicht erfolgte, vermag somit keine Zweifel am MGSG-Gutachten zu
wecken.
6.6.
Die Arbeitsfähigkeitsschätzung im psychiatrischen Bericht vom 16. Januar 2018
(act. G8.2) ist schliesslich mit Blick auf die Aktenlage betreffend psychischem
Gesundheitszustand nicht nachvollziehbar (vgl. E. 4.2 ff. vorstehend) und nicht
beachtlich, sofern und soweit sie lediglich die Einschätzung eines anderen Behandlers
wiedergibt. Nach Erlass der angefochtenen Verfügung verfasste Arztberichte Dr. F._s
sind insofern unbehelflich, als sie mit seinen echtzeitlichen Berichten im Widerspruch
stehen oder sich auf den Zeitraum nach Erlass der Verfügung beziehen.
6.7.
Nach dem Gesagten beruht das MGSG-Gutachten auf allseitigen Untersuchungen
und hat sich mit den geklagten Beschwerden sowie den Vorakten auseinandergesetzt.
Der Gutachter hat die medizinischen Zusammenhänge dargelegt und seine Beurteilung
begründet. Das Gutachten ist somit beweiswert (vgl. E. 1.3 vorstehend). Die
Beschwerdeführerin ist folglich als zu 100% arbeitsfähig in einer adaptierten Tätigkeit
anzusehen.
6.8.
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7.