Decision ID: aa2e87f8-b945-4eb3-85d0-1d75eb1f7c8e
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
W._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch lic. iur. Titus Gunzenreiner, c/o Glaus Jacober & Partner,
Oberer Graben 44, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
W._ (Jg. 1963) meldete sich am 26. Juni 2007 zum Bezug von IV-Leistungen (Rente)
an. Sie ist seit dem 30. November 1999 geschieden. Im Anmeldeformular gab sie u.a.
an, sie habe in A._ die Primarschule besucht; einen Beruf habe sie nicht erlernt. Dr.
med. B._ berichtete der IV-Stelle am 17. Juli 2007, es bestehe ein mittelgradiges
depressives Zustandsbild. Zudem leide die Versicherte an einem chronischen
Panvertebralsyndrom mit lumbospondylogener Komponente bei degenerativen
Veränderungen L5/S1, Fehlform und Dysbalance, an einer Fibromyalgie und an einer
Hyperthyreose. Seit dem 26. März 2007 sei die Versicherte in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit zu 50% arbeitsunfähig. Die Versicherte klage über Schmerzen lumbal, über
Anlaufbeschwerden, über Mühe beim Anziehen und dass es ihr zeitweise nicht möglich
sei, den Haushalt zu erledigen. Die Hyperthyreose werde zur Zeit abgeklärt. Zumutbar
sei eine leichte Arbeit an vier Stunden pro Tag. Der Rheumatologe Dr. med. C._
berichtete der IV-Stelle am 25. Juli 2007, die Versicherte leide an einem chronischen
Panvertebralsyndrom mit lumbospondylogener Komponente bds. bei degenerativen
Veränderungen L5/S1, Fehlform (Hyperlordose der LWS, leichte degenerative
Veränderungen der BWS), an einer muskulären Dysbalance mit muskulär bedingtem
Thoracic-outlet-Syndrom bds., an Fibromyalgie, an Hyperthyreose und an einer
Depression. Ausserdem bestehe ein Verdacht auf eine Somatisierungsstörung. Die
Versicherte sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig. Diese Tätigkeit
(Tagesmutter, Kinderkrippe) beinhalte häufiges Bücken und Tragen von Kleinkindern,
was zu vermehrten Schmerzen führe. Auch die chronische Depression sei hier
ungünstig. Diese Tätigkeit sei deshalb an maximal vier Stunden pro Tag zumutbar. Eine
leichte Arbeit in Wechselhaltung ohne regelmässiges Bücken und ohne regelmässiges
Heben von Lasten sei zu 50% zumutbar. Dabei seien aber weder die Depression noch
die in Abklärung stehende Hyperthyreose berücksichtigt.
B.
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Dr. med. D._ vom RAD hielt am 6. August 2007 fest, eine Hyperthyreose könne zu
Schmerzen am Bewegungsapparat und zu psychiatrischen Störungen führen. Deshalb
sei eine Begutachtung des Schmerzleidens erst sinnvoll, wenn die Hyperthyreose
ausreichend behandelt sei. Dr. med. B._ teilte am 14. August 2007 mit, er habe eine
Therapie begonnen. In ein bis zwei Monaten könne mit einer normothyreoten
Stoffwechsellage gerechnet werden. Die Psychiaterin Dr. med. E._ berichtete der IV-
Stelle am 5. September 2007, die Versicherte leide an einer Depression mit
Somatisierungstendenz und an Fibromyalgie. Seit dem 4. Oktober 2006 bestehe eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit. Unter Cymbalta habe sich das depressive Zustandsbild
aufgehellt. Allerdings klage die Versicherte immer noch über Schmerzen im Bereich des
Rückens, der Arme und der Hände, weswegen sie sich arbeitsunfähig fühle. Die
Abklärung der Hyperthyreose sei für den weiteren Heilungsverlauf von grosser
Wichtigkeit. Die Versicherte sollte in ein Arbeitsprogramm eingegliedert werden, um ihr
eine Tagesstruktur zu geben und sie von den verschiedenen Beschwerden abzulenken.
Die IV-Stelle erfuhr am 9. November 2007, dass die Versicherte beim Endokrinologen
Dr. med. F._ in Behandlung war. Dieser berichtete am 26. November 2007, die
Versicherte leide an einem M. Basedow. Sie werde seit drei Monaten konsequent mit
Medikamenten behandelt. Diese Therapie dauere bei günstigem Verlauf i.d.R. 18
Monate. Bei der Versicherten liege ein günstiger Verlauf vor. Die von der
Schilddrüsenüberfunktion herrührenden Beschwerden seien in der Zwischenzeit
verschwunden. Die Schilddrüsenfunktion habe sich normalisiert. Aus rein
endokrinologischer Sicht sei die Versicherte zu 100% arbeitsfähig. Dr. med. D._ vom
RAD bestätigte am 6. Dezember 2007, dass der Gesundheitszustand nun stabil sei. Er
empfahl eine psychiatrisch-rheumatologische Beurteilung.
C.
C.a Dr. med. G._ führte in ihrem internistisch-rheumatologischen Teilgutachten vom
19. März 2008 aus, die Versicherte leide an einem Panvertebralsyndrom mit
degenerativen Veränderungen der LWS (mit einer mässiggradigen Kompression der
L5-Nervenwurzel links mehr als rechts, klinisch ohne radikuläre Zeichen, und mit einer
leichten LWS-Hyperlordose und leicht eingeschränkter Beweglichkeit der LWS in der
Lateralflexion bds.) und – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an einer
Autoimmunhyperthyreose vom Typ M. Basedow (mit normalem TSH-Wert und aktuell
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normaler Schilddrüsenfunktion unter medikamentöser Therapie), an einer starken
Adipositas (BMI 30,5), an rezidivierend erniedrigten Ferritinwerten (z.Zt. im normalen
Bereich) und an Hypercholesterinämie. Die Gutachterin gab weiter an, die Versicherte
sei eine kräftige 44-jährige Frau. Sie klage über starke Schmerzen am ganzen Körper.
Die objektivierbaren Befunde seien aber gering. Es fänden sich degenerative
Veränderungen der LWS mit einer mässiggradigen Kompression der L5-Nervenwurzel
links mehr als rechts. Klinisch seien keine radikulären Zeichen vorhanden. Aufgrund der
Schmerzangaben und der radiologischen Befunde seien stark rückenbelastende
Tätigkeiten nicht mehr möglich. In einer Tätigkeit mit einer geringen Rückenbelastung
sei die Versicherte zu 100% arbeitsfähig mit normaler Leistungsfähigkeit. Die Tatsache,
dass die Versicherte bei Aufenthalten in A._ keine Beschwerden habe, weise auf eine
wesentliche nicht-rheumatologische Ursache der Beschwerden hin. Dennoch
überrasche, dass die Versicherte trotz ständiger Schmerzen keine Schmerzmittel oder
NSAR verwende. Hier bestehe offenbar eine ungenügende Behandlung. Die
Versicherte habe falsche Angaben zu ihrem Medikamentenkonsum gemacht. Der
Wirkstoff von Cymbalta sei nämlich im Blut nicht nachweisbar gewesen. Das erschwere
die Arbeit der behandelnden Ärzte und vermindere die Glaubwürdigkeit der
Versicherten. Als Tagesmutter sei die Versicherte zu 100% arbeitsfähig. Ungünstig
seien ein häufiges Lastenheben über 10 kg, repetitive Rotationsbewegungen des
Oberkörpers, längeres Verharren in vornübergeneigter Haltung stehend oder sitzend
und unerwartete, asymmetrische Lasteinwirkungen. Aus rheumatologischer Sicht sei
die Versicherte nie langandauernd arbeitsunfähig gewesen.
C.b Der fallführende psychiatrische Gutachter Dr. med. H._ berichtete im Gutachten
vom 30. Juni 2008, die Versicherte leide an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung, an einer Dysthymia und an einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode. Schon in den 80er Jahren habe eine
Dysthymia bestanden. Auf deren Boden sei es zu einer depressiven Episode
gekommen, die erste nach der Scheidung im Jahr 1999, die zweite vor zwei bis drei
Jahren. Die vermutlich mittelgradige depressive Episode erscheine derzeit als
teilremittiert im Sinne einer leichten depressiven Episode. Die von Dr. med. E._
diagnostizierte Depression mit Somatisierungstendenz und Fibromyalgie seit 1999 sei
nur zum Teil nachvollziehbar. Mit dieser Diagnose sei der langjährige Störungsverlauf
nämlich nicht berücksichtigt. Schon in den 80er Jahren habe sich die Versicherte
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aufgrund der subjektiven Beschwerden entschlossen, ihre berufliche Tätigkeit auf ca.
50% zu reduzieren. Die Diagnose der Fibromyalgie entspreche weitgehend der
psychosomatischen Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Bei
der Versicherten seien die diagnostischen Kriterien dieser Störung zweifelsohne erfüllt.
Eine Persönlichkeitsstörung könne ausgeschlossen werden, aber es lägen akzentuierte
Persönlichkeitszüge in der Form von histrionischen Persönlichkeitsanteilen vor, welche
die Behandelbarkeit der depressiven und Schmerzsymptomatik erschwerten. Unter
Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bzw. der qualifizierenden
Kriterien nach Förster liege eine leichtgradige Einschränkung der Arbeits- und der
Leistungsfähigkeit vor. Diese Einschränkung sei bedingt durch eine mangelnde Stress-
und Frustrationstoleranz, durch eine eingeschränkte Abgrenzungs- und
Konfliktfähigkeit, durch eine eingeschränkte Ausdauer und durch eine allenfalls
leichtgradig eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit. Als Ressourcen seien eine recht
gute soziale Kompetenz (Einfühlungsvermögen und Teamfähigkeit) und eine ebenfalls
recht gute Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit zu nennen. Als Tagesmutter sei die
Versicherte zu ca. 50% arbeitsfähig (Beginn Oktober 2006). In einer adaptierten
Erwerbstätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von ca. 80%. Adaptiert sei eine Tätigkeit,
die keine erhöhten Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz, an die
Ausdauer und die Abgrenzungs- und Konfliktfähigkeit stelle. Es handle sich um
einfache, angelernte Tätigkeiten ohne besondere Anforderungen an die kognitiven
Fähigkeiten oder an die emotionale Belastbarkeit. Es sei aber kein geschützter Rahmen
erforderlich, eine einfache, adaptierte Erwerbstätigkeit sei in der freien Wirtschaft
realisierbar. Es sollte allerdings eine Einarbeitungszeit von zwei bis drei Monaten
möglich sein, während der die Arbeitsfähigkeit nur 50% betrage. Die pessimistische
Selbsteinschätzung der Versicherten lasse sich durch die depressive Symptomatik mit
gewissen Selbstzweifeln, mit Zweifeln an der eigenen Leistungsfähigkeit und mit einem
schlechten Selbst- bzw. Körperbild erklären. Zudem denke die Versicherte an eine
Wiedereingliederung am bisherigen statt an einem adaptierten Arbeitsplatz.
C.c Die fachübergreifende Beurteilung ergab, dass die Versicherte in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit zu ca. 80% arbeitsfähig war. Bei leichten Einschränkungen durch die
seelischen Störungen war es ihr nach der Auffassung der Gutachter zumutbar, die
Willensanstrengung zu erbringen, die nötig war, um trotz dieser Störungen wieder zu
arbeiten. Zu den abweichenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte
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Dr. med. B._ und Dr. med. E._ hielten die Gutachter fest, diese Schätzungen
stützten sich vorrangig auf die subjektiven Angaben der Versicherten, insbesondere auf
deren Angaben in Bezug auf die unverändert bestehende Schmerzsymptomatik. Aus
dem Bericht von Dr. med. E._ gehe zudem nicht klar hervor, ob es sich um eine
Selbsteinschätzung der Versicherten oder um eine psychiatrische Beurteilung handle.
D.
Am 12. Juni 2008 erfolgte eine Haushaltabklärung. Gemäss dem entsprechenden
Bericht vom 17. Juli 2008 gab die Versicherte dabei an, sie würde heute im selben
Pensum in der bisherigen Tätigkeit arbeiten, wenn sie noch könnte. Dabei habe es sich
um eine Tätigkeit als Tagesmutter mit einem 100%-Pensum gehandelt. Die
Abklärungsperson hielt dazu fest, diesen Beschäftigungsgrad könnten weder die
Versicherte noch der Arbeitgeber bestätigen. Die Tätigkeit als Tagesmutter sei an
mindestens 200 Tagen pro Jahr ausgeübt worden. Das ergebe eine bisherige
Erwerbstätigkeit als Tagesmutter von 54%. Da die Versicherte aber alleinstehend sei
und vom Sozialamt unterstützt werde, sei eine Qualifikation als zu 80% erwerbstätig
und zu 20% im Haushalt tätig vertretbar. Zur Befragung der Versicherten betreffend die
Haushaltsbesorgung hielt die Abklärungsperson fest, die angegebenen massiven
Einschränkungen seien weder glaubhaft noch nachvollziehbar. Deshalb könne die
Arbeitsfähigkeit im Haushalt nicht beurteilt werden. Dr. med. I._ vom RAD schätzte
die Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Haushalt auf mindestens 80%. Die IV-Stelle
ermittelte einen Invaliditätsgrad von 4% (Erwerb 0%, Haushalt 20% von 20%, also
4%). Mit einem Vorbescheid vom 5. August 2008 teilte sie der Versicherten mit, dass
sie beabsichtige, das Rentenbegehren abzuweisen. Der Rechtsvertreter der
Versicherten beantragte am 12. September 2008 die Durchführung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen, eventualiter die Zusprache einer ganzen Rente und
subeventualiter die Einholung eines interdisziplinären Gutachtens. Ausserdem ersuchte
er um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das
Vernehmlassungsverfahren. In der ergänzenden Stellungnahme vom 24. Oktober 2008
machte der Rechtsvertreter der Versicherten insbesondere geltend, diese sei durch die
komplexe Sach- und Rechtslage überfordert und sie sei bedürftig, wie der Umstand
belege, dass sie Sozialhilfeleistungen beziehe. Die Versicherte würde zu 100% einer
Erwerbstätigkeit nachgehen, wenn sie nicht körperlich beeinträchtigt wäre. Die IV-Stelle
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hätte nicht auf das bidisziplinäre Gutachten abstellen dürfen, da es den Beurteilungen
durch Dr. med. B._, Dr. med. C._ und Dr. med. E._ widerspreche. Im Erwerb
müsste auch bei der Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung
von einer Invalidität von mindestens 20% ausgegangen werden. Die Eingliederung sei
nötig und es liege eine entsprechende Motivation vor. Da in sämtlichen Arztberichten
mit Ausnahme des Gutachtens von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% ausgegangen
worden sei, müsse eine halbe Rente zugesprochen werden, wenn keine
Oberbegutachtung angeordnet werde. Mit einer Verfügung vom 13. November 2008
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Invalidenrente, da der Invaliditätsgrad
nur 4% betrage. Die IV-Stelle machte in der Verfügungsbegründung geltend, die
Versicherte habe schriftlich bestätigt, dass sie keine Arbeitsvermittlung benötige.
E.
Die Versicherte liess am 30. Dezember 2008 Beschwerde gegen diese
Abweisungsverfügung erheben. Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur Abklärung und
Neubeurteilung durch die IV-Stelle, die Durchführung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen, eventualiter die Einholung eines interdisziplinären
Gutachtens und subeventualiter die Zusprache mindestens einer halben Invalidenrente.
Er stellte ausserdem den Antrag, die IV-Stelle sei anzuweisen, über das Gesuch um die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung [im Verwaltungsverfahren] zu befinden.
Ausserdem ersuchte er um die unentgeltliche Prozessführung für das
Beschwerdeverfahren. Zur Begründung machte er sinngemäss geltend, die IV-Stelle
habe sich in der angefochtenen Verfügung nicht mit der Stellungnahme zum
Vorbescheid auseinandergesetzt und damit den Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt. Da die Versicherte zu 100% einer Erwerbstätigkeit nachginge, wenn sie
gesund wäre, sei zu Unrecht die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung
angewendet worden. Das bidisziplinäre Gutachten überzeuge nicht, weshalb ein
neutrales Obergutachten einzuholen sei. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 20%
bestünde auf jeden Fall ein Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen. Weil
der Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen nicht geprüft worden sei, liege
eine weitere Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor. Die Versicherte sei
genügend motiviert, um sich beruflichen Eingliederungsmassnahmen zu unterziehen.
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Eventualiter sei der Versicherten gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärzte eine
Rente bei einem Invaliditätsgrad von 55-60% zuzusprechen. Vom Invalideneinkommen
müsse ein Abzug von mindestens 10-20% gemacht werden. An der angefochtenen
Verfügung sei zu bemängeln, dass nicht über den Antrag auf eine unentgeltliche
Rechtverbeiständung entschieden worden sei.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 26. Februar 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, die Versicherte habe sich in der Vergangenheit stets mit sehr tiefen
Einkommen begnügt. Deshalb liege die Annahme, sie wäre heute als Gesunde
vollerwerbstätig, nicht nahe. Die Frage könne aber offen bleiben, da auch bei der
Annahme einer Vollerwerbstätigkeit kein Rentenanspruch bestünde. Die Versicherte
habe das Gutachten nicht substantiiert beanstandet, so dass ihm der volle Beweiswert
zukomme. Damit sei erstellt, dass die Versicherte in einer adaptierten Erwerbstätigkeit
eine Leistung von mindestens 80% erbringen könne. Als Hilfsarbeiterin habe die
Versicherte keinen Anspruch auf eine Umschulung. Im übrigen habe sich die
Versicherte als subjektiv eingliederungsunfähig gezeigt. Da keine Nachteile gegenüber
gesunden Hilfsarbeiterinnen erkennbar seien, könne bei der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens kein "Leidensabzug" berücksichtigt werden.
G.
Der Rechtsvertreter der Versicherten führte in seiner Replik vom 13. März 2009 aus, die
Frage der unentgeltlichen Rechtverbeiständung im Verwaltungsverfahren sei zwar
gegenstandslos geworden, aber trotzdem sei die Versicherte für die diesbezüglich
eingeleitete Beschwerde unabhängig vom restlichen Ausgang des
Beschwerdeverfahrens zu entschädigen. Die IV-Stelle habe es nämlich unterlassen,
innert einer angemessenen Frist eine Verfügung zu erlassen. Da das bidisziplinäre
Gutachten den Beurteilungen der behandelnden Ärzte widerspreche, dränge sich eine
erneute Begutachtung auf, denn damit könnten die Widersprüche beseitigt werden.
Angesichts der Abweichungen in den Arbeitsfähigkeitsschätzungen sei eine
substantiierte Beanstandung des bidisziplinären Gutachtens gar nicht nötig gewesen.
Die Versicherte habe im Vorbescheidsverfahren unmissverständlich mitgeteilt, dass sie
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Eingliederungsmassnahmen, insbesondere eine Arbeitsvermittlung wünsche. Diese
Massnahmen seien daher ohne neues Begehren durchzuführen.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 25. März 2009 auf eine materielle Stellungnahme zur
Replik.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin ist in der angefochtenen Verfügung ausserordentlich kurz,
aber doch für die – anwaltlich vertretene – Beschwerdeführerin nachvollziehbar auf die
Vorbringen in der Stellungnahme zum Vorbescheid eingegangen. Ausreichend ist eine
Verfügungsbegründung nämlich nicht erst dann, wenn sie umfangmässig den
Ausführungen in der Stellungnahme zum Vorbescheid entspricht. Es genügt, wenn
klargestellt wird, dass und warum die Verwaltung anderer Meinung ist als die
versicherte Person.
2.
Gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 IVG bestimmt sich die Invalidität einer
erwachsenen Person nach der Unmöglichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu
betätigen, wenn dieser Person nicht zugemutet werden kann, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Dies gilt auch für Personen, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben
in einem Aufgabenbereich tätig sind (Art. 28a Abs. 3 IVG). Gemäss Art. 27bis IVV
erfolgt nur ein Einkommensvergleich, wenn anzunehmen ist, dass die teilerwerbstätige
Person ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In ständiger
Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem
Ausmass eine versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im
Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen Verhaltensweise der
versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dabei abzuklären, ob die
versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamte
Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
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Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren berufliche Fähigkeiten,
Neigungen und Begabungen ausschlaggebend sein. Abzustellen sei auf die
hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum
massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hält sich seit dem Bundesgerichtsurteil
vom 6. August 2007 (I 126/07) an diese Methode, dies entgegen einer früheren Praxis,
die auf eine objektive Zumutbarkeit im fiktiven "Gesundheitsfall" abstellte (vgl. statt
vieler das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. November
2008, IV 2007/332). Käme weiterhin die frühere Praxis des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen zur Anwendung, wäre die Beschwerdeführerin im fiktiven
"Gesundheitsfall" objektiv in der Lage, vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachzugehen,
so dass die Invalidität anhand eines reinen Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG
zu ermitteln wäre. Die Beschwerdeführerin wäre nämlich durch nichts objektiv daran
gehindert, ganztags zu arbeiten. Dasselbe muss entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin auch bei einer Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis gelten.
Der Bericht über die Haushaltabklärung enthält zwar kein korrektes Protokoll der
Fragen und Antworten im Zusammenhang mit der Ermittlung des wahrscheinlichsten
Verhaltens der Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall", aber
immerhin doch eine konkrete Aussage, nämlich dass die Beschwerdeführerin im
hypothetischen "Gesundheitsfall" wie früher zu 100% als Tagesmutter arbeiten würde.
Tatsächlich besteht aber spätestens seit 1999, also seit der Scheidung, eine erhebliche
Gesundheitsbeeinträchtigung. Die Beschwerdeführerin hätte gefragt werden müssen,
wie und in welchem Umfang sie unmittelbar nach der Scheidung einer Erwerbstätigkeit
nachgegangen wäre, wenn sie gesund geblieben wäre. Die Aussage im
Abklärungsbericht ist deshalb selbst dann unbrauchbar, wenn sie korrekt protokolliert
worden sein sollte, denn damit ist keine Aussage über die Invalidenkarriere i.w.S.
gemacht worden. Vielmehr hat die Beschwerdeführerin angegeben, wie sie sich
verhalten hätte, wenn sich die Gesundheitsbeeinträchtigung nicht verschlimmert hätte.
Demnach ist auch die Berechnung der Erwerbsquote anhand der als Tagesmutter in
den Jahren 2003 bis 2005 geleisteten Arbeitsstunden (54%) ohne jeden Beweiswert.
Erst recht gilt das natürlich für die völlig aus der Luft gegriffene Behauptung der
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Abklärungsperson, die Beschwerdeführerin ginge im hypothetischen "Gesundheitsfall"
zu 80% einer Erwerbstätigkeit nach. Zur Beantwortung der Frage nach der
Validenkarriere der Beschwerdeführerin bzw. nach der Erwerbsquote im
hypothetischen "Gesundheitsfall" kann deshalb nicht auf den Abklärungsbericht
abgestellt werden. Gemäss dem Standortbericht der Eingliederungsberatung vom 23.
Juli 2007 hat die Beschwerdeführerin dort angegeben, ihr Wunschpensum bei guter
Gesundheit sei 100%. Eine Befragung der Beschwerdeführerin durch das Gericht oder
eine Rückweisung zur diesbezüglichen weiteren Abklärung würde die Beweislage nicht
verbessern, denn die - anwaltlich vertretene - Beschwerdeführerin würde im Hinblick
auf die fatalen Konsequenzen der bundesgerichtlichen Praxis zur sogenannten
gemischten Methode für "gemischt tätige" Personen mit grosser Wahrscheinlichkeit
angeben, sie wäre im hypothetischen "Gesundheitsfall" selbstverständlich zu 100%
erwerbstätig gewesen. In antizipierender Beweiswürdigung ist deshalb davon
auszugehen, dass weitere Sachverhaltsabklärungen nicht geeignet sind, den
massgebenden Sachverhalt, d.h. die wahrscheinlichste hypothetische Verhaltensweise
der Beschwerdeführerin weiter zu erhellen. Deshalb muss auf die für die
Beschwerdeführerin objektiv vernünftigste Validenkarriere i.w.S. abgestellt werden.
Angesichts der Sozialhilfebedürftigkeit der Beschwerdeführerin kann nur eine
vollzeitliche Erwerbstätigkeit als die objektiv wahrscheinlichste Variante des Verhaltens
im hypothetischen "Gesundheitsfall" betrachtet werden. Die Beschwerdeführerin wäre
nämlich im hypothetischen "Gesundheitsfall" zur Bestreitung ihres Lebensbedarfs auf
ein volles Erwerbseinkommen angewiesen, zumal es sich dabei angesichts der
fehlenden beruflichen Ausbildung um ein eher tiefes Einkommen handeln würde. Die
Invalidität der Beschwerdeführerin ist deshalb mittels eines reinen
Einkommensvergleichs zu ermitteln.
3.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
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3.1 Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren Invalideneinkommens setzt die
vorgängige Definition der Validen- und der Invalidenkarriere voraus. Die Validenkarriere
der Beschwerdeführerin ist aufgrund des Fehlens jeder beruflichen Ausbildung
notwendigerweise diejenige einer Hilfsarbeiterin, die alle Arbeiten, von der körperlich
leichten bis zur körperlich schweren, ausüben kann, selbst wenn dabei psychisch
belastende Situationen wie Stress u.ä. auftreten. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin ist die – nach dem Beginn der Gesundheitsbeeinträchtigung
aufgenommene - Tätigkeit als Tagesmutter oder als Mitarbeiterin in einer Kinderkrippe
also nicht die Validenkarriere, so dass das Valideneinkommen nicht nach dem
Einkommen in einer solchen Tätigkeit bemessen werden kann. Da die
Beschwerdeführerin als Valide jede Hilfsarbeit ausüben könnte, entspricht das
Valideneinkommen dem Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiterinnen aller
Branchen. Die Invalidenkarriere richtet sich einerseits nach den beruflichen
Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen einer versicherten Person und andererseits
nach den medizinischen Vorgaben an eine behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit.
Die Beschwerdeführerin hat keinen Beruf erlernt. Es gibt auch keinen Hinweis darauf,
dass sie sich bei ihrer Tätigkeit mit Kindern besondere berufliche Fähigkeiten
angeeignet hätte. Die Invalidenkarriere der Beschwerdeführerin besteht deshalb in
einer Hilfsarbeit. Diese Hilfsarbeit darf keine erhöhten Anforderungen an die Stress-
und Frustrationstoleranz, an die Ausdauer, an die Abgrenzungs- und Konfliktfähigkeit,
an die kognitiven Fähigkeiten und an die emotionale Belastbarkeit stellen und sie darf
weder häufiges Heben und Tragen von Lasten noch repetitive Rotationsbewegungen
des Oberkörpers, vornüber geneigtes Arbeiten oder unerwartete, asymmetrische
Lasteinwirkungen beinhalten. Solche Hilfsarbeiten werden in den meisten Branchen
geleistet. Es gibt keine Branche, die deutlich häufiger als andere Branchen derartige
Hilfsarbeiten nachfragt. Deshalb muss auch das zumutbare Invalideneinkommen
anhand der Durchschnittslohns der Hilfsarbeiterinnen aller Branchen ermittelt werden.
Es gibt nämlich keinen statistisch ausgewiesenen Lohnnachteil bei der Ausübung einer
körperlich leichten, keine unphysiologischen Körperhaltungen und Bewegungen und
keine besonderen psychischen Belastungen umfassenden Hilfsarbeit im Vergleich zu
einer körperlich und/oder psychisch belastenden Hilfsarbeit.
3.2 Die Höhe des zumutbaren Invalideneinkommens hängt natürlich nicht nur von der
Invalidenkarriere ab. Vielmehr ist in einem zweiten Schritt zu prüfen, mit welchem
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Arbeitsfähigkeitsgrad die versicherte Person in der Invalidenkarriere tätig sein kann
oder könnte, wobei der Arbeitsfähigkeitsgrad praxisgemäss als Beschäftigungsgrad
betrachtet wird. Dr. med. G._ und Dr. med. H._ haben in ihrem bidisziplinären
Gutachten eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von mindestens 80%
angegeben. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung beruht auf einer Begutachtung durch
unabhängige Sachverständige, die sich ausschliesslich aus
versicherungsmedizinischer und nicht aus therapeutischer Sicht mit dem
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin befasst haben. Demgegenüber handelt
es sich bei den Angaben der behandelnden Ärzte Dr. med. B._, Dr. med. C._ und
Dr. med. E._ um die Aussagen medizinischer Fachpersonen, die als befangen zu
qualifizieren sind, da sie zur Beschwerdeführerin in einem Auftragsverhältnis stehen
oder gestanden haben. Zudem haben sie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin,
wie die Gutachter in der Auseinandersetzung mit abweichenden Meinungen festgestellt
haben, aus therapeutischer und nicht aus versicherungsmedizinischer Sicht
eingeschätzt. Zusätzlich ist der Erfahrung Rechnung zu tragen, dass behandelnde
Ärzte dazu neigen, die über lange Zeit konsequent geklagte und im Alltagsleben auch
umgesetzte subjektive Krankheits- und Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung ihrer Patienten
als objektiv gerechtfertigt zu betrachten und in ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung zu
übernehmen. All diesen Umständen ist auch im vorliegenden Fall Rechnung zu tragen.
Das bedeutet, dass die Überzeugungskraft des bidisziplinären Gutachtens in Bezug auf
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin weit höher einzuschätzen ist als diejenige
der Arbeitsfähigkeitsschätzungen in den Berichten der behandelnden Ärzte. Entgegen
der Auffassung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin liegt deshalb nicht die
Situation vor, dass die sich widersprechenden ärztlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit
sich in ihrem Beweiswert gegenseitig aufheben, so dass eine Oberbegutachtung
notwendig wäre. Vielmehr vermögen die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der
behandelnden Ärzte keine ernsthaften Zweifel an der Richtigkeit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter zu wecken. Damit besteht kein Bedarf nach
der von der Beschwerdeführerin beantragten Oberbegutachtung. Gestützt auf das
bidisziplinäre Gutachten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit überwiegend wahrscheinlich zu mindestens 80%
arbeitsfähig ist. Nur für die insbesondere aus psychiatrischer Sicht eher ungeeignete
Tätigkeit als Tagesmutter oder Kinderbetreuerin besteht eine Arbeitsfähigkeit von
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lediglich 50%. Das zumutbare Invalideneinkommen ist deshalb unter Berücksichtigung
eines Arbeitsfähigkeitsgrades von 80% zu ermitteln.
3.3 Damit bleibt die bei der Bemessung des Invalideneinkommens anhand
statistischer Durchschnittslöhne immer aufzuwerfende Frage zu beantworten, ob ein
zusätzlicher Abzug notwendig sei. Ursache dieser Fragestellung ist der Umstand, dass
die statistischen Durchschnittslöhne auf der Grundlage der Löhne gesunder
Arbeitnehmerinnen berechnet worden sind. In ihrer Gesundheit beeinträchtigte
Arbeitnehmerinnen weisen aber aus der Sicht rein ökonomisch denkender Arbeitgeber
Nachteile (und damit zusätzliche Lohnkosten bzw. Ertragseinbussen) auf, die bei
gesunden Arbeitnehmerinnen nicht vorhanden sind. Diese Nachteile schlagen sich
nicht in der Arbeitsunfähigkeit nieder, sondern treten zusätzlich auf. Dazu gehören etwa
die Unfähigkeit, bei Bedarf Überstunden (bzw. hier mehr als 80% eines
Normalpensums) zu leisten, die Unfähigkeit, bei Bedarf vorübergehend an einem
anderen, nicht adaptierten Arbeitsplatz eingesetzt zu werden, die Gefahr,
überdurchschnittlich oft krank zu sein usw. All diesen Nachteilen muss
betriebswirtschaftlich betrachtet durch einen angemessenen Minderlohn Rechnung
getragen werden. Statistische Angaben dazu existieren soweit ersichtlich nicht. Der
Nachteil muss also geschätzt werden, wobei ein Massstab (mit Ausnahme der
- vom Bundesgericht nie begründeten - Beschränkung auf maximal 25%) fehlt. Die
Beschwerdeführerin weist einige Ressourcen (recht gute soziale Kompetenz, recht gute
Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit) auf, die wenigstens teilweise geeignet sind, die
indirekt behinderungsbedingten Nachteile zu kompensieren, weil sie die
Beschwerdeführerin im entsprechenden Bereich leicht aus dem Durchschnitt der
Hilfsarbeiterinnen herausragen lassen. Unter diesen Umständen erscheint es zwar als
gerechtfertigt, einen zusätzlichen Abzug (in der Verwaltungspraxis leider
missverständlich als "Leidensabzug" bezeichnet, obwohl der leidensbedingte Abzug
die Arbeitsunfähigkeit ist) vorzunehmen, aber dieser Abzug ist am unteren Ende der
Skala einzureihen. Ein Abzug von 5% erscheint als gerechtfertigt. Da das
Valideneinkommen und das Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens identisch sind, kann sich der Einkommensvergleich
praxisgemäss auf einen sogenannten Prozentvergleich beschränken. Bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20% und einem zusätzlichen Abzug von 5% resultiert ein
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Invaliditätsgrad von 24%. Die Beschwerdegegnerin hat also zu Recht einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint.
4.
Die Beschwerdeführerin hat am 15. Februar 2008 angegeben, sie fühle sich subjektiv
nicht arbeitsfähig und sie werde sich bei der Stellensuche selbst organisieren. In der
Folge hat die Beschwerdegegnerin keine Arbeitsvermittlungsbemühungen mehr
unternommen. Der Vorbescheid vom 5. August 2008 hat nur einen Hinweis auf den
früher
- formlos - erfolgten Abschluss der Arbeitsvermittlungsbemühungen beinhaltet, d.h. er
hat keinen entsprechenden Entscheid der Beschwerdegegnerin angekündigt. In der
Stellungnahme vom 12. September/24. Oktober 2008 zum Vorbescheid hat die
Beschwerdeführerin das Begehren gestellt, es seien berufliche
Eingliederungsmassnahmen durchzuführen. Dieses Begehren hat auch die
Arbeitsvermittlung umfasst. Damit hat sich die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die
Arbeitsvermittlung nicht mehr auf die Erklärung der Beschwerdeführerin vom 15.
Februar 2008 berufen können, denn beim entsprechenden Begehren in der
Stellungnahme zum Vorbescheid kann es sich nur um ein neues Gesuch um
Arbeitsvermittlung und nicht um eine Stellungnahme zum Vorbescheid gehandelt
haben, weil die Arbeitsvermittlungsbemühungen ja früher - formwidrig, aber doch
verbindlich – eingestellt worden waren. Die Beschwerdegegnerin hätte auf das neue
Gesuch um Arbeitsvermittlung entweder mit einer formlosen Wiederaufnahme der
Bemühungen oder aber mit der Ankündigung der Ablehnung des neuen
Leistungsgesuchs in einem Vorbescheid reagieren müssen. Stattdessen hat sie in der
hier angefochtenen Verfügung geltend gemacht, anlässlich des Gesprächs mit der
Eingliederungsberatung sei mündlich und schriftlich bestätigt worden, dass keine
Unterstützung bei der Stellensuche gewünscht sei. Diese Aussage sei anlässlich der
Abklärung vor Ort wiederholt worden. Dieser Teil der angefochtenen Verfügung kann
nur so interpretiert werden, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen
Verfügung auch das neue Gesuch um Arbeitsvermittlung abgewiesen hat.
Grundsätzlich wäre der entsprechende Teil der angefochtenen Verfügung wegen einer
Verletzung der Vorbescheidspflicht aufzuheben und die Sache wäre zur Durchführung
eines korrekten Vorbescheidsverfahrens betreffend das neue Gesuch um
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Arbeitsvermittlung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Aufgrund des damit
höchstwahrscheinlich verbundenen Verfahrensleerlaufs (die Beschwerdegegnerin
würde wieder gleich wie in der hier angefochtenen Verfügung entscheiden) rechtfertigt
es der Grundsatz der Verfahrensbeschleunigung, die Verletzung der
Vorbescheidspflicht zu ignorieren und die Sache materiell zu beurteilen. Die
Beschwerdegegnerin hat die Abweisung des neuen Gesuchs um Arbeitsvermittlung nur
mit dem Verweis auf die frühere Erklärung der Beschwerdeführerin begründet. Das
kann nur so verstanden werden, dass die Beschwerdegegnerin angenommen hat, es
liege ein aus rein verfahrenstaktischen Gründen gestelltes neues
Arbeitsvermittlungsgesuch vor, d.h. die Beschwerdeführerin wolle eigentlich gar keine
Arbeitsvermittlung. Der Ablauf des Verwaltungsverfahrens mag zwar tatsächlich diesen
Verdacht erwecken, aber das reicht nicht aus, um das entsprechende Gesuch
abzuweisen (zumal bei fehlendem Interesse an einer beantragten Leistung das
Verfahren eigentlich eingestellt werden müsste). Die Beschwerdegegnerin hätte das
neue Gesuch um Arbeitsvermittlung also vorgängig auf seine Ernsthaftigkeit prüfen
müssen. Die verfügte Abweisung des neuen Gesuchs um Arbeitsvermittlung ist deshalb
aufzuheben und die Sache ist zur Prüfung der Eintretensfrage und gegebenenfalls zur
Prüfung eines Anspruchs auf Arbeitsvermittlung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.
Auch für die weiteren beruflichen Eingliederungsmassnahmen (in erster Linie wohl
Berufsberatung und Umschulung) gilt, dass die Beschwerdegegnerin mit dem
Vorbescheid noch nicht beabsichtigt hat, die Abweisung eines entsprechenden
Leistungsgesuchs anzukündigen. Die Akten enthalten nämlich keinen Hinweis darauf,
dass die Beschwerdegegnerin bis dorthin je daran gedacht hätte, weitere berufliche
Eingliederungsmassnahmen zum Gegenstand des Verwaltungsverfahrens zu machen.
Nun hat die Beschwerdeführerin aber in der Stellungnahme zum Vorbescheid auch die
Durchführung weiterer beruflicher Eingliederungsmassnahmen, also nicht nur die
Durchführung einer Arbeitsvermittlung, beantragen lassen. Die angefochtene Verfügung
äussert sich nicht zum Begehren um weitere berufliche Eingliederungsmassnahmen.
Grundsätzlich wäre das richtig, denn es handelte sich beim entsprechenden Begehren
in der Stellungnahme zum Vorbescheid um ein (bezogen auf den Inhalt des bis dahin
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abgelaufenen Verwaltungsverfahrens) neues Leistungsgesuch, auf das die
Beschwerdegegnerin zumindest mit einem eigenständigen Vorbescheid hätte reagieren
müssen, wenn sie es ohne jede Sachverhaltsabklärung hätte abweisen wollen.
Tatsächlich hat die Beschwerdegegnerin keinerlei Anstalten getroffen, entweder
weitere berufliche Eingliederungsmassnahmen zu prüfen oder das entsprechende neue
Leistungsgesuch mit einem (abschlägigen) Vorbescheid zu beantworten. Das kann nur
so verstanden werden, dass die Beschwerdegegnerin entgegen dem Wortlaut der
angefochtenen Verfügung auch über das neue Gesuch um weitere berufliche
Eingliederungsmassnahmen hat entscheiden wollen. Damit hat die
Beschwerdegegnerin unterstellt, dass weitere berufliche Eingliederungsmassnahmen
ganz offenkundig nicht in Frage kämen, weshalb das entsprechende neue Begehren
ohne jede Sachverhaltsabklärung ohne weiteres abgewiesen werden könne. Eine
Begründung für diese Einschätzung fehlt. Tatsächlich käme aufgrund eines
Arbeitsunfähigkeitsgrades von 20% in einer adaptierten Erwerbstätigkeit grundsätzlich
eine sogenannt höherwertige Umschulung in Frage. Ob die Beschwerdeführerin dazu
imstande wäre, erfolgreich eine solche Umschulung zu absolvieren, muss
berufsberaterisch geklärt werden. Es kann nicht unterstellt werden, dass eine solche
Umschulung sowieso scheitern würde. Da die berufsberaterische Abklärung im
Hinblick auf eine höherwertige Umschulung unterblieben ist, erweist sich die
angefochtene Verfügung in Bezug auf die Verneinung eines Anspruchs auf weitere
berufliche Eingliederungsmassnahmen (zufolge einer Verletzung der
Untersuchungspflicht) als rechtswidrig. Die Frage, ob die Verletzung der
Vorbescheidspflicht zu heilen sei, kann somit offen gelassen werden, denn es kommt
sowieso zu einer Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin. Die
Beschwerdegegnerin wird also noch zu prüfen haben, ob die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf eine Umschulung hat.
6.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in der Stellungnahme vom 12.
September / 24. Oktober 2008 zum Vorbescheid das Gesuch um die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren gestellt. In der
angefochtenen Verfügung vom 13. November 2008 hat die Beschwerdegegnerin
dieses Gesuch nicht behandelt. Deshalb hat der Rechtsvertreter der
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Beschwerdeführerin in der Beschwerde den Antrag gestellt, die Beschwerdegegnerin
sei anzuweisen, über das Gesuch vom 12. September / 24. Oktober 2008 zu befinden.
Bei diesem Teil des Beschwerdebegehrens handelt es sich um eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde gemäss Art. 56 Abs. 2 ATSG. Die dem Gericht
vorliegenden Akten enthalten keinen Hinweis darauf, dass die Beschwerdegegnerin
später über dieses Gesuch hätte entscheiden wollen, d.h. es muss davon ausgegangen
werden, dass die Beschwerdegegnerin vergessen hat, über das Gesuch zu befinden.
Dies wird im Übrigen durch die Beschwerdeantwort bestätigt, denn dort hat die
Beschwerdegegnerin angegeben, sie habe das entsprechende Gesuch übersehen.
Damit liegt aber noch keine Rechtsverweigerung vor. Nach dem Grundsatz von Treu
und Glauben, der auch den Bürger bindet, wäre der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin nämlich verpflichtet gewesen, die Beschwerdegegnerin auf ihren
Fehler hinzuweisen und einen Entscheid über sein Begehren um die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren zu verlangen (vgl. BGE
125 V 373 ff. Erw. 2b). Erst wenn die Beschwerdegegnerin nicht auf diesen Hinweis
reagiert hätte, wäre der Tatbestand der Rechtsverweigerung erfüllt gewesen. Die
behauptete telefonische Anfrage des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin ist nicht
überzeugend nachgewiesen. Da der Beschwerdegegnerin also keine
Rechtsverweigerung vorzuwerfen ist, wäre der entsprechende Teil des
Beschwerdebegehrens abzuweisen gewesen, wenn er nicht durch die am 26. Februar
2009 nachträglich erteilte Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
gegenstandslos geworden wäre.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerde in Bezug auf die Verneinung
eines Rentenanspruchs abzuweisen und in Bezug auf die beruflichen
Eingliederungsmassnahmen (inklusive Arbeitsvermittlung) teilweise gutzuheissen ist. In
Bezug auf die beruflichen Eingliederungsmassnahmen ist die Sache zur weiteren
Abklärung und zum anschliessenden Entscheid über das entsprechende
Leistungsgesuch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Beim Rententeil und
beim Eingliederungsteil der angefochtenen Verfügung hat es sich um jeweils
selbständige Entscheidungen gehandelt, da der Grundsatz der Eingliederung vor Rente
nicht anwendbar gewesen ist und damit keinen untrennbaren Konnex zwischen
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Rentenanspruch und Erfüllung der Schadenminderungspflicht mittels beruflicher
Eingliederung geschaffen hat. Das bedeutet, dass das vorliegende Urteil eigentlich
zwei selbständige Beschwerdeverfahren betrifft, den Rentenstreit und den Streit um die
berufliche Eingliederung. Dementsprechend muss auch über die Kostenfolge getrennt
entschieden werden. In Bezug auf die Beschwerde betreffend den Rentenanspruch ist
die Beschwerdeführerin vollumfänglich unterlegen, so dass ihr Gesuch um eine
Parteientschädigung abzuweisen und ihr die Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist. Das (de
facto vereinte) Beschwerdeverfahren hat insgesamt aufgrund der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG) Parteikosten von
pauschal Fr. 3500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) verursacht. Der
gesamte Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1bis IVG) rechtfertigt eine Gerichtsgebühr
von Fr. 600.-. Diese Kosten können entsprechend den genannten Kriterien hälftig auf
die Renten- und auf die Eingliederungsfrage aufgeteilt werden. Im Rententeil würde die
Parteientschädigung also Fr. 1750.- betragen, wenn die Beschwerdeführerin nicht
unterliegen würde. Da der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Verbeiständung
bewilligt worden ist, hat der Staat den Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin zu
entschädigen. Diese Entschädigung beträgt aber nur 80% (Art. 31 Abs. 3 des st.
gallischen Anwaltsgesetzes), also Fr. 1400.-. Da der Beschwerdeführerin auch die
unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, wird sie von der Bezahlung der
Gerichtsgebühr von Fr. 300.- befreit. Sollten es die wirtschaftlichen Verhältnisse der
Beschwerdeführerin in der Zukunft einmal gestatten, diese Kosten selbst zu tragen,
würde sie verpflichtet, nachträglich für die Kosten der Rechtsvertretung und für die
Gerichtskosten im Rententeil des Beschwerdeverfahrens aufzukommen (Art. 99 Abs. 2
VRP/SG i.V.m. Art. 288 Abs. 1 ZPG/SG). Im Streit um die berufliche Eingliederung ist
aufgrund der Rückweisung in Bezug auf die Kosten von einem vollumfänglichen
Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Sie hat deshalb gegenüber der
Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine Parteientschädigung von Fr. 1750.-. Die
vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin trägt die Gerichtskosten von Fr.
300.-.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht