Decision ID: 96612233-a116-5022-9d10-5c513d8e079c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 3. Dezember 2019 ein Asylgesuch. Er
gab an, am (...) in Kinshasa/Demokratische Republik Kongo (fortan:
Kongo) geboren worden und kongolesischer Staatsangehörigkeit zu sein
(Akten der Vorinstanz [vi-act.] 01, Personalienblatt).
B.
Am 5. Februar 2020 fand die Erstbefragung des Beschwerdeführers statt
(vi-act. 18, EB); in diesem Zusammenhang wurden gesondert Antworten
zu «medizinischen Zusatzfragen zur Altersabklärung» erhoben (vi-act. 13).
Zu seinen persönlichen Verhältnissen gab er an, der Ethnie der Hutu an-
zugehören. Seine Eltern stammten aus dem Kongo, die Grosseltern noch
aus Ruanda. Er sei 15 Jahre alt; es sei normal, sein Geburtsdatum zu ken-
nen. Er selbst kenne seines – den (...) – seit ca. neun oder zehn Jahren,
seitdem sich ein Kind überlegen könne, wann es Geburtstag habe. Gebo-
ren sei er in Kinshasa, das wisse er, denn seit Geburt bis zum Alter von
neun Jahren habe er dort gelebt. Er sei Protestant, der Vater sei Pfarrer
gewesen. Sein Vater sei wohl 1960 geboren, die Mutter 1969. Seine Mut-
tersprache sei Französisch, daneben spreche er Portugiesisch und Spa-
nisch. Die zweite Amtssprache des Kongo sei Lingala. Seine Eltern seien
während des Krieges an die Grenze zu Angola gezogen und hätten dort
Portugiesisch gelernt. Er selber habe es durch den Vater gelernt und meis-
tens Portugiesisch mit der Mutter gesprochen. Er habe die Schule von
sechs bis 14 Jahren besucht (also bis zum Verlassen des Kongo). Von
sechs bis neun habe er die Schule B._ in C._/Kinshasa be-
sucht. Dann sei sein Vater nach D._ gezogen, um im Krieg verge-
waltigten Frauen und Kindern zu helfen. Von neun bis 13 Jahren (also ab
2014) sei die Familie in D._ geblieben. Sein Vater sei viel gereist –
in die Dörfer, um Hilfe zu leisten – sein Bruder und er seien bei der Mutter
geblieben, die Schule sei im Dorf gewesen. Nach der Rückkehr nach
Kinshasa sei er zur alten Schule zurückgekehrt. Im Februar 2019 habe er
– wenige Tage vor der Ausreise – mit der Schule aufgehört. Er sei immer
Schüler gewesen, habe nie gearbeitet. In Kinshasa hätten sie sowohl in
den ersten Kindheitsjahren wie auch nach der Rückkehr aus D._ im
Haus des Vaters gelebt – der Beschwerdeführer, seine Eltern, sein Bruder
und für kurze Zeit auch dessen Frau und Kinder. Der Bruder sei bereits
2018 mit 25 Jahren verstorben. Im Haus wohne nun ein Cousin, der die
Familie vertrieben habe.
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Im Januar 2019 habe sich ein Attentat auf den Vater ereignet, bei dem die
Mutter und die Nichte verletzt worden seien. Er sei damals 14 Jahre alt
gewesen. Sie seien informiert worden, dass der Cousin mit der Armee auf
dem Weg sei, sie hätten nur mit den Kleidern am Leib fliehen können. Das
sei wenige Tage nach dem Attentat gewesen. Der Beschwerdeführer sei
am 5. Februar 2019 mit dem Vater zusammen ausgereist. Die Mutter sei
zu schwer verletzt gewesen. Die Reise sei nicht organisiert gewesen, sie
seien über Zentralafrika, Tschad, Libyen, Algerien, Marokko, Spanien und
Frankreich gereist. Auf der Überfahrt von Marokko sei das Boot gekentert
– der Vater sei im Nachbarboot gewesen – aber Fischer hätten einige der
Insassen retten können. Man habe – trotz finanzieller Möglichkeiten – eine
längere Reiseroute gewählt, weil man die Papiere nicht habe mitnehmen
können und die Zeit nicht ausreichte, neue zu beantragen. Am 15. Juni
2019 seien sie in Spanien angekommen, am 18. Juni 2019 in Frankreich.
Sie hätten sich vier bis fünf Monate in Frankreich aufgehalten, sein Vater
habe jemanden dafür bezahlt, dass er sie (illegal) bei sich wohnen liess.
Sie hätten nicht in Frankreich ein Asylgesuch gestellt, weil es dort eine
grosse kongolesische Diaspora gebe und der Vater als recht bekannte Per-
son gefürchtet habe, verraten zu werden. Der Vater sei am 20. November
2019 zurückgereist, nachdem sich der Zustand der im Heimatland zurück-
gebliebenen Mutter stark verschlechtert habe. Am 27. November 2019 sei
er (der Beschwerdeführer) mit dem Bus Richtung Lyon nach Annemasse
gefahren und habe bei Genf die Grenze passiert. Dort hätte ihn eine dem
Vater bekannte Person aufnehmen sollen, bis der Vater die Mutter hätte
bringen können.
Die Mutter sei an der Schussverletzung im Dezember 2019 verstorben, das
habe ihm ein Landsmann berichtet. Seine Grosseltern seien verstorben,
die anderen Verwandten nach Angola geflohen. Der Vater sei aus politi-
schen Gründen im Gefängnis, er sei gegen die Diktatur im Kongo. An Iden-
titätsdokumenten habe er nur eine Geburtsurkunde, die habe der Vater
noch erstellen lassen können. Ob ein Pass vorhanden sei, sei ihm unbe-
kannt; die Identitätskarte sei im Haus in Kinshasa verblieben.
Als Fluchtgrund gab der Beschwerdeführer die politische Verfolgung der
Familie, insbesondere des Vaters an und die Angst vor dem Tod. Er habe
niemanden mehr in der Heimat, was mit dem Vater sei, wisse er nicht. Auf
seine Gesundheit angesprochen, bezeichnete er sich als psychisch belas-
tet. Er erklärte sich, Vorbehalten seiner Rechtsvertretung zum Trotz, mit
einer Altersabklärung einverstanden.
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C.
Am 6. Februar 2020 gab das SEM beim Institut für Rechtsmedizin (IRM)
Basel ein Altersgutachten in Auftrag (vi-act. 14). Auf eine Eingabe der
Rechtsvertretung vom 13. Februar 2020 hin, es sei auf die Altersabklärung
zu verzichten, weil einzig das Fehlen rechtsgenüglicher Identitätsdoku-
mente eine solche nicht rechtfertige, hielt der Sachbearbeiter des SEM an
der Abklärung fest (vi-act. 19).
D.
Mit Eingabe vom 19. Februar 2020 rügte die Rechtsvertretung die EB als
betreffend Umfang und Befragungsklima nicht kindsgerecht, voreingenom-
men und nicht neutral. Weiter wurde geltend gemacht, das Fehlen rechts-
genüglicher Identitätsdokumente alleine rechtfertige die Anordnung einer
Altersuntersuchung nicht. Bezüglich der Haltung des SEM zur eingereich-
ten Geburtsurkunde bleibe unklar, ob diese als gefälscht angesehen werde
respektive ob sie dahingehend untersucht worden sei, womit das rechtliche
Gehör verletzt werde. Schliesslich sei der Beschwerdeführer durch den
Sachbearbeiter ungenügend über den Ablauf der Altersuntersuchung un-
terrichtet worden.
E.
Mit Datum vom 18. Februar 2020 legte das Institut für Rechtsmedizin der
Universität Basel sein Gutachten vor (vi-act. 22 f., Gutachten).
Es hielt in der zusammenfassenden Beurteilung fest, aus rechtsmedizini-
scher Sicht lägen keine Hinweise auf eine krankhafte Entwicklungsstörung
des Betroffenen vor, eine forensische Altersschätzung sei damit ohne Ein-
schränkungen möglich. Die körperliche Untersuchung zeige voll entwi-
ckelte Reifezeichen, die auf ein Mindestalter von 14.1 Jahren schliessen
liessen. Die radiologische Untersuchung des linken Handskelettes ergebe
einen Befund, der dem Referenzbild eines 19-Jährigen entspreche; indes
sei eine Altersschätzung aufgrund des Handskelettes nur bis zur vollstän-
digen Ossifikation möglich, welche bei Knaben in der Regel mit 16.1 Jahre
erreicht werde. Die in der radiologischen Befundung erhobene Ossifikation
der medialen Schlüsselbeinepiphysen weise ein Erreichen eines Stadiums
aus, das gemäss der Studienlage auf ein mittleres Alter von 29.63 (+/- 4.16)
hindeute und in einem minimalen Alter von 21.6 Jahren beschrieben sei.
Der zahnmedizinische Befund könne angesichts der vollständigen Wurzel-
mineralisation nur mit einem Mindestalter von 17 Jahren – in einer
schwarzafrikanischen Population in Botswana mit 15.7 Jahren beschrieben
– angegeben werden. In der Zusammenschau der Befunde sei von einem
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Mindestalter von 21.6 Jahren auszugehen. Die Volljährigkeit sei mit an Si-
cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erreicht, das angegebene Lebens-
alter von 15 Jahren mit den erhobenen Befunden nicht zu vereinbaren.
F.
Am 5. März 2020 orientierte das SEM die Rechtsvertretung des Beschwer-
deführers, dass es gestützt auf das Gutachten die geltend gemachte Min-
derjährigkeit weder als glaubhaft gemacht noch belegt ansehe. Es beab-
sichtige, den Beschwerdeführer für das weitere Verfahren als volljährig zu
behandeln und das Geburtsdatum im ZEMIS auf den 1. Januar 1999 an-
zupassen, allenfalls mit Bestreitungsvermerk. Die bisherigen Angaben wür-
den als Zweitidentität geführt. Es eröffnete der Rechtsvertretung das recht-
liche Gehör hierzu (vi-act. 24).
G.
Die Rechtsvertretung nahm am 10. März 2020 Stellung (vi-act. 26).
Sie teilte mit, mit der Anpassung nicht einverstanden zu sein. Die Altersbe-
stimmung im Asylverfahren habe aufgrund einer Gesamtwürdigung aller
Anhaltspunkte, die für oder gegen eine Minderjährigkeit sprächen, zu erfol-
gen. Eine solche sei vorliegend nicht erfolgt. Insbesondere sei nach wie
vor unklar, wie das SEM die eingereichte Geburtsurkunde beurteile. Sämt-
liche Indizien, die für eine Minderjährigkeit sprächen, würden ausgeblendet
und einseitig auf das Gutachten abgestellt. Das Gutachten werde ange-
sichts des Gesamteindruckes, den der Beschwerdeführer mache, in Frage
gestellt und Einsicht in die detaillierten Befundberichte verlangt. Beim
neuen Geburtsdatum werde ein Bestreitungsvermerk verlangt, ebenso sei
betreffend die Altersanpassung eine beschwerdefähige Verfügung zu er-
lassen. Im Sinne einer superprovisorischen Massnahme sei bis zu deren
Erlass und Anfechtung auf den Transfer des Beschwerdeführers in eine
Erwachsenenunterkunft zuzuwarten.
H.
Mit Schreiben vom 18. März 2020 teilte das SEM der Rechtsvertretung mit,
es werde den Beschwerdeführer inskünftig unter dem Geburtsdatum des
1. Januar 1999 im ZEMIS führen. Es begründete, beim Gutachten handle
es sich um eine aufgrund wissenschaftlicher Kriterien erstellte Beurteilung
des wirklichen Alters des Beschwerdeführers mit dem eindeutigen Fazit
dass dieser mit einem Mindestalter von 21.6 Jahren jedenfalls die Volljäh-
rigkeit erreicht habe. Die Geburtsurkunde habe geringeren Beweiswert; de-
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ren Echtheit sei nach interner Analyse anzuzweifeln. Sie weise Fäl-
schungsmerkmale und inhaltliche Fehler auf. Zudem sei der Vater, der die
Urkunde besorgt haben solle, gemäss Angaben des Beschwerdeführers
am 5. Februar 2019 aus dem Kongo ausgereist und erst im November
2019 zurückgereist, die Urkunde datiere aber vom 19. Oktober 2019. Es
erfolge zeitnah ein Transfer in eine Erwachsenenunterkunft.
I.
Am 14. April 2020 fand eine «Befragung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG / Anhö-
rung nach Art. 29 AsylG» statt (vi-act. 34, «Anhörung»).
Mit dem Vater habe er in Frankreich, am 10. November 2019, letztmals
Kontakt gehabt; dieser sei nun wohl im Kongo im Gefängnis. Er, der Be-
schwerdeführer, sei ohne Nachricht von ihm. Mit den nach Angola geflohe-
nen Verwandten habe er keinen Kontakt; er wisse von deren Flucht nur aus
Erzählungen des Vaters. Es sei schwierig, Kontakt mit Menschen zu halten,
die man nicht kenne. Er habe einzig Kontakt zu einer Person gehabt, die
in Frankreich gewesen sei und Auskunft über den Vater habe geben kön-
nen; das sei aber ein Bekannter, kein Verwandter, gewesen.
Im Zuge der Befragung zu seinen bisherigen Aufenthaltsadressen wurde
der Beschwerdeführer mit einem Facebook-Account «E._» kon-
frontiert. Er räumte ein, dies sei der Name, den er benutze. Darauf ange-
sprochen, dass er gemäss diesem Account in den Jahren 2014/15 in
Frankreich gewesen wäre, relativierte er, es sei ein Freund, der dieses
Konto eröffnet habe, er selber habe es nur «benutzt», als er im «Camp»
gewesen sei. Der Freund – er habe ihn in Frankreich kennen gelernt –
nutze das Konto nicht mehr und er selbst habe keine Möglichkeit gehabt,
eines zu eröffnen. Sein Vater habe es auch genutzt, um mit dem Messen-
ger Leute anzurufen. Auf Fotografien angesprochen, die nach Beurteilung
des Sachbearbeiters in den Jahren 2014/15 gemacht worden seien, erwi-
derte er, diese gehörten zu Alben aus jenen Jahren, doch könne man auch
jüngere Fotografien an diese anhängen. Zu Kommentaren zum französi-
schen Stil sei zu bemerken, dass es Unternehmungen gebe, die Kleider
aus Frankreich in den Kongo exportierten.
Seine Flucht begründete der Beschwerdeführer einleitend damit, dass sein
Vater verfolgt worden sei. Man habe ihn bedroht und es habe ein Attentat
gegeben. Der Bruder sei anlässlich einer Demonstration gegen den Präsi-
denten Josef Kabila angeschossen worden und sei verstorben (vgl. zu An-
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hörung F52 die Bemerkung bei Rückübersetzung). Sein Vater habe die Po-
lizei aufgesucht, um ein Verfahren gegen die Polizisten anzustrengen, die
geschossen hätten. Seither habe es Drohungen gegeben – telefonisch,
über Mitteilungen im Internet und in sozialen Netzen, aber auch in der Kir-
che. Kirchenmitglieder seien bedroht worden. Beim Attentat seien die Mut-
ter, die Nichte und Kirchenmitglieder verletzt worden. Die Polizisten, wel-
che auf das Auto geschossen hätten, seien verhaftet worden. Sie hätten
ausgesagt, auf Anweisung gehandelt zu haben – konkret sei der Cousin
verantwortlich, zusammen mit Polizisten und Armeeangehörigen. Mutter
und Nichte seien ins Spital verbracht worden. Er, der Beschwerdeführer,
und sein Vater hätten nicht ins Spital gehen können. Sie hätten sich ent-
schieden, die Mutter solle heimkommen. Sie seien dann gewarnt worden,
dass Militärangehörige kämen, den Vater zu verhaften. Sie seien unmittel-
bar geflohen, hätten nur ein paar Dokumente mitzunehmen vermocht. Sie
hätten sich einige Tage in der Kirche aufgehalten; dann habe der Vater ent-
schieden, den Kongo zu verlassen. Die Mutter sei zu schwer verletzt ge-
wesen, Kirchenmitglieder hätten ein Spital für sie gefunden. Die Nichte sei
von ihrer Mutter abgeholt worden. Sein Vater und er seien sodann nach
Europa gereist. Er legte mehrere Fotografien zu den Akten, die etwa das
Auto, die Attentäter, den Cousin, den ermordeten Chauffeur und den Vater
bei seiner Tätigkeit zeigen sollten. Auf der Reise hätten sie erfahren, dass
das kongolesische Regime von ihrem Aufenthalt in Frankreich wisse. Bei
einer Rückkehr rechne er damit, verhaftet zu werden oder zu sterben. Er
selber habe vor den geschilderten Problemen, die ab 2018 begonnen hät-
ten, keine Probleme mit Behörden gehabt.
Bei der Kirche des Vaters handle es sich um die «F._». Der Vater
sei Pfarrer und einer der Gründer. Er habe auch zusammen mit Kirchenan-
gehörigen einen Verein gegründet, der vom Regime Verfolgten helfen
sollte. Im Wahlkampf des Jahres 2018 – Präsident Kabila habe die Macht
nicht aufgeben wollen – habe sich sein Vater engagiert; er habe versucht,
zusammen mit Dritten eine Bewegung zu gründen, um die Demokratie ein-
zuführen. Nach D._ sei sein Vater geschickt worden, um zusammen
mit einem holländischen Verein einen Verein zu gründen. Es seien wäh-
rend des Krieges viele Häuser zerstört und Frauen vergewaltigt worden, es
habe auch viele Waisenkinder gehabt. Sein Vater als Missionar und Pfar-
rer, der auch mal Medizin studiert habe, habe sich für diese Leute einge-
setzt. Der Verein habe etwa Häuser gebaut oder Aufnahmezentren ge-
schaffen. Der Cousin sei nicht in D._ dabei gewesen; nach der
Rückkehr der Familie nach Kinshasa sei dieser General geworden. Bei ei-
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ner Rückkehr fürchte er zu sterben. Er habe niemanden mehr in der Hei-
mat. Er werde dort, wie seine ganze Familie, als Verräter betrachtet. Die
Behörden seien über im Ausland gestellte Asylanträge informiert, man
habe keine Rechte mehr, Papiere zu bekommen oder dort zu leben, aber
auch nicht, in ein anderes Land zu gehen. Nicht zu vergessen sei, dass sie
Augenzeugen des Attentates gewesen seien. Die Polizisten, die geschos-
sen hätten, seien sicher schon wieder auf freiem Fuss, sein Cousin sei
unantastbar.
J.
Mit Entscheidentwurf vom 17. April 2020 stellte das SEM im Wesentlichen
in Aussicht, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu vernei-
nen, sein Asylgesuch abzulehnen, ihn aus der Schweiz wegzuweisen und
den Vollzug der Wegweisung anzuordnen (vi-act. 36).
K.
Die Rechtsvertretung teilte mit Stellungnahme vom 22. April 2020 mit, mit
dem Entwurf nicht einverstanden zu sein. Der im Entwurf erhobene Vorwurf
der Identitätstäuschung werde bestritten. Daneben rügte die Rechtsvertre-
tung mehrere Verstösse gegen das rechtliche Gehör (verweigerte Akten-
einsicht, unterlassene zweite Anhörung, verletzte Begründungspflicht) und
die Sachverhaltserhebung als unvollständig (vi-act. 37).
L.
Mit am 23. April 2020 eröffnetem Asylentscheid vom selben Tag stellte das
SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
fülle (Dispositiv Ziff. 1) und lehnte sein Asylgesuch ab (Ziff. 2). Es wies ihn
aus der Schweiz weg (Ziff. 3), setzte – unter Androhung des Vollzuges un-
ter Zwang – eine Ausreisefrist an (Ziff. 4) und beauftragte den Kanton
G._ mit dem Vollzug der Wegweisung (Ziff. 5). Weiter legte das
SEM die künftig im ZEMIS geführten Personendaten fest (Ziff. 6) und hän-
digte die «editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis» aus (Ziff. 7).
M.
Mit Eingabe vom 25. Mai 2020 erhebt der Beschwerdeführer Beschwerde
gegen diesen Entscheid. Er beantragt die Aufhebung des angefochtenen
Entscheides in den Dispositiv-Ziffern 3 bis 6 und seine vorläufige Aufnahme
in der Schweiz (Rechtsbegehren Ziff. 1). Eventualiter beantragt er die Auf-
hebung des angefochtenen Entscheides in den Dispositiv-Ziffern 1 bis 6
unter Rückweisung zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung (na-
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mentlich zur Durchführung einer ergänzenden Anhörung) und Neubeurtei-
lung (Ziff. 2). Er beantragt die Einsicht in die detaillierte Befundaufnahme
der forensischen Lebensalterschätzung und in zwei einzeln genannte Ak-
tenstücke (Ziff. 3). Weiter seien die Personendaten in Bezug auf das Ge-
burtsdatum zu berichtigen und anzupassen (Ziff. 4). In prozessualer Hin-
sicht wurde die unentgeltliche Prozessführung beantragt, insbesondere
das Absehen von der Erhebung eines Kostenvorschusses (Ziff. 5).
N.
Mit Zwischenverfügungen vom 27. Mai 2020 und 10. September 2020
wurde festgestellt, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfah-
rens in der Schweiz abwarten dürfe. Das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung wurde gutgeheissen und auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses verzichtet.
O.
Die Vorinstanz verweist in ihrer Vernehmlassung vom 24. September 2020
im Wesentlichen auf den angefochtenen Entscheid und beantragt sinnge-
mäss die Abweisung der Beschwerde.
P.
Der Beschwerdeführer hält in seiner Replik vom 14. Oktober 2020 an der
Beschwerde fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Es entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das SEM führt zur Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben ein Informa-
tionssystem, zur Bearbeitung von Personendaten im Ausländer und Asyl-
bereich (Art. 1 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über das Informations-
system für den Ausländer- und den Asylbereich (BGIAA, SR 142.51). In
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diesem Rahmen bearbeitet es auch Bergehren um Berichtigung von Per-
sonendaten im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Da-
tenschutz (DSG, SR 235.1). Das diesbezügliche Verfahren richtet sich
nach dem VwVG (Art. 25 Abs. 4 DSG; vgl. auch Art. 19 Abs. 1 der Verord-
nung über das Zentrale Migrationsinformationssystem [ZEMIS-Verord-
nung, SR 142.513). Das Bundesverwaltungsgericht ist damit gestützt auf
Art. 47 Abs. 1 Bst. b VwVG i.V.m. Art. 31 VGG zuständige Beschwer-
deinstanz, zumal wiederum keine die Materie betreffende Ausnahme ge-
mäss Art. 32 VGG vorliegt.
1.3 Die Vorinstanz verfügte die Berichtigung des Geburtsdatums des Be-
schwerdeführers in der angefochtenen Verfügung explizit. Diese Frage
kann damit als zum Streitgegenstand gehörig angesehen werden.
Mit Blick auf das Schreiben der Vorinstanz vom 18. März 2020 an die
Rechtsvertretung (vi-act. 29) ist daran zu erinnern, dass bei der Bestim-
mung des Anfechtungsobjekts im Sinne von Art. 5 VwVG von einem mate-
riellen und nicht einem formellen Verfügungsbegriff ausgegangen wird; die
Erwartungen, die an die Form der Verfügung gestellt werden, sind nicht
Voraussetzung des Verfügungsbegriffs, sondern dessen Folge. Zentral ist,
ob es sich um einen individuellen, an den Einzelnen gerichteten Hoheitsakt
handelt, durch den eine konkrete verwaltungsrechtliche Rechtsbeziehung
rechtsgestaltend oder feststellend in verbindlicher und erzwingbarer Weise
geregelt wird (vgl. statt Vieler zum Datenschutzrecht BVGE 2016/28
E. 1.4.1 m.w.H.). In der Folge des genannten Schreibens – das nach Ge-
währung des rechtlichen Gehörs erlassen wurde – änderte die Vorinstanz
den den Beschwerdeführer betreffenden Datensatz unmittelbar, mit kon-
kreten Folgen für den Beschwerdeführer (Verlust des Status als unbeglei-
tete minderjährige asylsuchende Person, Transfer in eine Erwachsenenun-
terkunft); es war auch die ausgesprochene Absicht, das Alter des Be-
schwerdeführers (zumindest) mit Blick auf das weitere Verfahren «rechts-
kräftig» festzustellen (vgl. Email vom 13. Februar 2020 14:03h, vi-act. 19).
Die Frage, ob dieses Schreiben als (wenn auch formell mangelhafte; vgl.
aber Art. 38 VwVG) Verfügung anzusehen und auf eine Beschwerde dage-
gen einzutreten gewesen wäre, ist an dieser Stelle nicht zu entscheiden,
kann aber für künftige Vorgehensweisen dieser Art als durchaus erwägens-
wert offengelassen werden.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
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durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung über Massnahmen im Asylbe-
reich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verordnung Asyl,
SR. 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5), ebenso im Be-
reich des Datenschutzrechts.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE
2015/3 E. 6.5.1, vgl. auch das Urteil des BVGer D-2282/2018 vom 5. April
2019 E. 5.1).
E-2680/2020
Seite 12
4.
4.1 Die Vorinstanz führt im angefochtenen Entscheid zum Asylpunkt aus,
einer asylsuchenden Person werde, wenn sie die Behörden über die Iden-
tität täusche und diese Täuschung aufgrund der Ergebnisse der erken-
nungsdienstlichen Behandlung oder anderer Beweismittel feststehe, ge-
mäss Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG nur das rechtliche Gehör gewährt. Bei der
Erstbefragung habe der Beschwerdeführer angegeben, sein Geburtsda-
tum zu kennen, denn das sei etwas Normales. Er habe die Wohn- und
Schulorte Kinshasa und D._ mit seinem Lebensalter angeben kön-
nen, aber nicht Fragen zum Alter des verstorbenen Bruders. Das erstaune
angesichts der präzisen Angaben zum eigenen Alter und angesichts des-
sen, dass der gewaltsame Tod des Bruders sicher ein einschneidendes Er-
lebnis gewesen sein müsste. Weiter habe er keine genügenden Identitäts-
dokumente vorlegen können; schon bei der EB habe man ihm wegen der
nicht nachgewiesenen Minderjährigkeit das rechtliche Gehör gewährt. Die
gestellten Fragen seien «nicht realitätskonform» beantwortet worden. Die
in der Folge angeordnete forensische Lebensalterschätzung habe erge-
ben, dass der Beschwerdeführer nicht wie behauptet 15 Jahre alt sei, son-
dern zumindest 21.6 Jahre. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs habe
man mitgeteilt, dass die Daten im ZEMIS angepasst würden und die ein-
gereichte Geburtsurkunde Fälschungsmerkmale aufweise. Die Datierung
der Urkunde (19. Oktober 2019) sei zudem mit der Reisehistorie (Ausreise
aus dem Kongo am 5. Februar 2019 und Rückreise des Vaters am 20. No-
vember 2019 nicht plausibel. Insgesamt gelinge nicht, das Ergebnis der
Lebensalterschätzung umzustossen. Gestützt auf die Rechtsprechung
stehe eine Identitätstäuschung fest, ebenso eine Verletzung der Mitwir-
kungspflicht. Auch vermöge er den Bedarf an Schutz vor Verfolgung im
Sinne des Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht zu beweisen.
Daneben bestünden erhebliche Zweifel an der angegebenen Herkunft aus
Kinshasa. So habe der Beschwerdeführer angegeben, seine Verwandten
(Onkel und Grosseltern väterlicherseits, Vater, Grosseltern mütterlicher-
seits) seien nach Angola geflohen; er habe aber keinen Kontakt zu ihnen.
Die angebliche Flucht des Vaters sei fragwürdig und es sei nicht plausibel,
dass der Beschwerdeführer zwar ganz genau wisse, wer in Angola lebe,
aber zu diesen Verwandten keinerlei Kontakt habe. Die Aussagen liessen
die «Vermutung aufkommen», dass er «möglicherweise aus Angola»
stamme. Dahinzu komme seine Angabe, dass er neben Französisch und
Lingala auch Portugiesisch spreche, obwohl er mehrheitlich in Kinshasa –
wo Französisch und Lingala gesprochen werde – gelebt haben wolle. Die
Erklärung, die Eltern des Beschwerdeführers seien im Krieg an die Grenze
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Seite 13
zu Angola geflüchtet und hätten dort Portugiesisch gelernt, und die Mutter
habe meistens mit ihm Portugiesisch gesprochen, erschienen der Vo-
rinstanz nicht nachvollziehbar, zumal Muttersprache der Mutter Franzö-
sisch sein solle. Die portugiesische Sprachkompetenz sei ein weiterer Hin-
weis für eine vermutliche Herkunft aus Angola. Die Einwände der Rechts-
vertretung – die Eltern seien in Angola aufgewachsen und hätten dort Por-
tugiesisch gelernt, auch sei etwa in der Schweiz nicht ungewöhnlich, Kin-
dern eine polyglotte Erziehung angedeihen zu lassen – beantwortete das
SEM mit einem Verweis auf die vorstehenden Erwägungen.
Aus einer Konfrontation des Beschwerdeführers mit ihm zuzuordnenden
Fotografien aus der Sozialen Plattform Facebook ergebe sich zudem, dass
er sich im Jahre 2014, wenn nicht schon früher, in Frankreich aufgehalten
haben müsse. Eine Umdatierung von Beiträgen auf jener Plattform sei nur
insofern möglich, als ein früheres Datum gewählt werden könne – was aber
in seinem Fall keinen Sinn mache. Er habe sich somit zu der Zeit, da er
behauptete, im Heimatland Probleme gehabt zu haben, in Frankreich auf-
gehalten. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Fotografien hätten ei-
nen nur tiefen Beweiswert.
Folglich stehe auch fest, dass er das SEM über die Vorfluchtgründe ge-
täuscht habe.
Zu den Einwänden der Rechtsvertretung betreffend die Facebook-Recher-
chen verwies die Vorinstanz darauf, dass diese anonym und über eine si-
chere Netzwerkverbindung vorgenommen worden seien. Die frei zugängli-
chen Informationen belegten, dass der Beschwerdeführer «sehr offensicht-
lich und in hohem Masse missbräuchlich» über seine Biographie getäuscht
habe. Zusammen mit der Alterstäuschung liege eine grobe Verletzung der
Mitwirkungspflichten vor. Eine weitere Prüfung der Identität und Asylgründe
sei verunmöglicht. Ob der Beschwerdeführer aus Angola oder Kongo
stamme, sei letztlich zweitrangig und werde «im Entscheid nur bezweifelt»,
weil der Beschwerdeführer offenkundig über seine Biographie täusche.
4.2 Der Beschwerdeführer befasst sich in der Beschwerdeschrift vorab mit
der Frage der Altersanpassung (Beschwerde, Ziff. 11 ff.). Er rügt, dass sich
die Vorinstanz schwergewichtig auf die forensische Lebensalterschätzung
abstütze und es unterlasse, weitere Hinweise zu würdigen, die für die Al-
tersangaben des Beschwerdeführers sprechen. Das Unterlassen einer kor-
rekten Gesamtwürdigung stelle eine Verletzung der Untersuchungspflicht
E-2680/2020
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gemäss Art. 12 AsylG dar. Gestützt auf die Rechtsprechung sei im Zwei-
felsfall von der Minderjährigkeit eines Gesuchstellers auszugehen. Festzu-
halten sei, dass die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Biographie
– insbesondere zu den Wohn- und Schulorten – widerspruchsfrei seien.
Auch sei plausibel erklärt worden, woher er sein Alter kenne. Bemängelt
werde seitens der Vorinstanz, dass er das (theoretische) Alter des verstor-
benen Bruders nicht kenne Die «repetitive Fragerei» anlässlich der EB sei
aber «nachvollziehbar verwirrend» gewesen. Mit der Geburtsurkunde habe
der Beschwerdeführer sodann sehr wohl ein Identitätsdokument vorgelegt.
Überdies stelle das Fehlen von rechtsgenüglichen Identitätsdokumenten
gemäss der Rechtsprechung keinen Beleg für die angebliche Volljährigkeit
dar. Zum Gutachten sei zu bemerken, dass die Einsichtnahme in die de-
taillierten Befundergebnisse verweigert werde. Zudem falle auf, dass die
radiologische Untersuchung ein mittleres Alter von 29.63 Jahren (+/- 4.16
Jahre) und die zahnärztliche ein Mindestalter von 17 Jahren ergebe. Diese
unterschiedlichen Angaben seien nicht nachvollziehbar. Es fehle insge-
samt eine korrekte Gesamtwürdigung des Alters und damit sei die Unter-
suchungspflicht verletzt. Mit der Weigerung, die kongruenten und mit Ge-
burtsurkunde belegten Altersangaben zu akzeptieren, greife die Vorinstanz
in das Recht auf Identität des Kindes ein (Art. 8 Kinderrechtskonvention).
Auch verletze sie das rechtliche Gehör mit der Weigerung, Einblick in die
genaue Befundaufnahme zu geben. Schliesslich sei der Beschwerdeführer
auch bereit, mittels Kontaktnahme bei der kongolesischen Botschaft sein
Alter zu verifizieren. Die von der Vorinstanz getroffene Altersannahme sei
insgesamt willkürlich und das Geburtsdatum auf den (...) festzusetzen.
In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, dass die Einsicht in die
Aktenstücke A27 und A28 nicht gewährt worden sei. Soweit ein Aktenstück
objektiv Bedeutung für den zu beurteilenden Fall habe, sei die Einsicht (ggf.
anonymisiert) zu gewähren. Weiter falle auf, dass die Vorinstanz im ange-
fochtenen Entscheid keine wirkliche Auseinandersetzung mit der Stellung-
nahme der Rechtsvertretung vornehme. Damit verletze sie das rechtliche
Gehör. Es stehe ihr auch frei, eine weitere Anhörung durchzuführen. Eben-
falls unterlasse sie, die angebliche Identitätstäuschung näher zu begrün-
den respektive sich mit den Argumenten der Stellungnahme auseinander-
zusetzen. Ferner habe die Vorinstanz, auch wenn sie ein Asylgesuch ohne
weitere Abklärungen ablehne, die Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft
summarisch zu begründen.
4.3 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, die Vorbringen des
Beschwerdeführers entsprächen jenen der Stellungnahme vom 22. April
E-2680/2020
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2020; zu diesen sei im angefochtenen Entscheid Stellung bezogen wor-
den, weshalb darauf verwiesen werde. Tatsächlich sei indessen versäumt
worden, die Altersanpassung im ZEMIS mittels anfechtbarer Zwischenver-
fügung zu beschliessen respektive ausdrücklich auf die Endverfügung zu
verweisen. Die Unterlassung sei unbeabsichtigt erfolgt, es sei jedoch
durchaus Praxis des SEM, solche Anträge in der Endverfügung zu beant-
worten. Aufgrund der groben Verletzung der Mitwirkungs- und Wahrheits-
pflicht – welche die weitere Prüfung der Identität und Asylgründe verun-
möglich habe – habe indessen die Altersanpassung letztlich keinen Ein-
fluss auf die Entscheidfindung.
4.4 Die Beschwerdeführerin rügt in der Replik, dass die Vorinstanz wiede-
rum nicht auf die gestellten Anträge, insbesondere jene bezüglich Einsicht-
nahme in die Befundaufnahme der forensischen Lebensalterschätzung
und die Aktenstücke A27 und A28, eingehe. Auch äussere sich die Vor-
instanz nicht zu den materiellen Rügen in der Beschwerde. Selbst unter
der Annahme, dass der Beschwerdeführer sich im Jahr 2014/2015 schon
einmal in Frankreich aufgehalten hätte, sei nicht ausgeschlossen, dass er
vor seiner Ausreise 2019 im Heimatland ernsthaften Nachteilen im Sinn
des Asylgesetzes ausgesetzt gewesen sei. Nach wie vor fehle eine zumin-
dest summarische Begründung, wieso die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
füllt sei.
5.
Der Beschwerdeführer erhebt diverse Rügen betreffend die Verletzung sei-
nes Gehörsanspruchs. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen (statt
Vieler: Urteil des BGer 2C_257/2018, 2C_308/2018 vom 11. November
2019 E. 2 Ingress m.w.H.).
5.1 Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits
stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines
Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei-
nes solchen Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizu-
bringen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Der Anspruch auf rechtliches
Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei
einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam
zur Geltung bringen kann. Voraussetzung des Äusserungsrechts sind ge-
nügende Kenntnisse über den Verfahrensverlauf, was auf das Recht hin-
ausläuft, in geeigneter Weise über die entscheidwesentlichen Vorgänge
und Grundlagen vorweg orientiert zu werden. Wie weit dieses Recht geht,
E-2680/2020
Seite 16
lässt sich nicht generell, sondern nur unter Würdigung der konkreten Um-
stände beurteilen. Entscheidend ist, ob dem Betroffenen ermöglicht wurde,
seinen Standpunkt wirksam zur Geltung zu bringen (statt Vieler BGE 144 i
11 E. 5.3 m.w.H.)
5.1.1 Das dem rechtlichen Gehör zugeordnete Akteneinsichtsrecht bezieht
sich auf sämtliche Akten eines Verfahrens, die für dieses erstellt oder bei-
gezogen wurden, ohne dass ein besonderes Interesse geltend gemacht
werden müsste und unabhängig davon, ob aus Sicht der Behörde die frag-
lichen Akten für den Ausgang des Verfahrens bedeutsam sind. Der An-
spruch gilt nicht absolut; er kann aus überwiegenden Interessen durch Ab-
deckung und nötigenfalls Aussonderung eingeschränkt werden; auf sol-
chermassen geheim gehaltene Akten darf nur insoweit abgestellt werden,
als deren wesentlicher Inhalt unter Wahrung der Äusserungsmöglichkeit
bekannt gegeben wird (statt Vieler BGE 144 I 35 E. 3.1.1).
5.1.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt weiter von Verfassungs
wegen (Art. 29 Abs. 2 BV), dass die Behörde die Vorbringen der Parteien
auch tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt; da-
raus folgt insbesondere die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid
ausreichend und nachvollziehbar zu begründen. Um den Vorgaben von
Art. 29 Abs. 2 BV zu genügen, muss die Begründung so abgefasst sein,
dass sich die betroffene Person über die Tragweite des angefochtenen Ent-
scheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die
höhere Instanz weiterziehen kann. Zu begründen ist das Ergebnis des Ent-
scheides, das im Urteilsspruch zum Ausdruck kommt und das allein die
Rechtsstellung der betroffenen Person berührt. Die Begründung ist also
nicht an sich selbst, sondern am Rechtsspruch zu messen (BGE 145 III
324 E. 6.1 m.w.H.). Dabei ist es nicht erforderlich, dass sich die Behörde
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein-
zelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für
den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (Statt vieler BGE 143 III
65 E. 5.2). Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nur diejenigen Argu-
mente stillschweigend übergangen werden können, die für den Entscheid
erkennbar unbehelflich sind (SUTTER, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.),
Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2018, Rz. 2 a.E. zu Art. 32 VwVG). Weiter ist
die verfassungsmässige Begründungsdichte abhängig von der Entschei-
dungsfreiheit der Behörde und der Eingriffsintensität des Entscheides. Je
grösser der Spielraum, welcher der Behörde infolge Ermessen und unbe-
stimmter Rechtsbegriffe eingeräumt ist, und je stärker ein Entscheid in die
E-2680/2020
Seite 17
individuellen Rechte eingreift, desto höhere Anforderungen sind an die Be-
gründung eines Entscheides zu stellen (BGE 112 Ia 107 E. 2b m.w.H.; ein-
gehend SUTTER, Kommentar VwVG, Rz. 2 zu Art. 32 VwVG, Rz. 9 ff. zu
Art. 34 VwVG). Angesichts der Bedeutung der im Asylverfahren zu beurtei-
lenden Interessen der Betroffenen gelten hohe Anforderungen an die Be-
gründungsdichte (Urteil des BVGer E-2479/2018 vom 31. Mai 2018 E. 6.1
Abs. 1).
Falls sich in einem hängigen Verfahren entscheiderhebliche, neue tatsäch-
liche oder rechtliche Gesichtspunkte ergeben, denen die mit der Sache be-
fasste Behörde Rechnung tragen will, kann der Anspruch auf rechtliches
Gehör in begründeten Fällen auch gebieten, die Parteien auf diese neuen
Prüfungsgesichtspunkte rechtzeitig aufmerksam zu machen und ihnen Ge-
legenheit zu geben, sich dazu zu äussern. Das rechtliche Gehör ist jeden-
falls zu gewähren, wenn eine Behörde ihren Entscheid mit einer Rechts-
norm oder einem Rechtsgrund zu begründen beabsichtigt, die im bisheri-
gen Verfahren nicht beigezogen wurden, auf die sich die beteiligten Par-
teien nicht berufen haben und mit deren Erheblichkeit sie im konkreten Fall
nicht rechnen konnten (BGE 145 IV 99 E. 3.1 m.w.H.).
5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Die
Sachverhaltsfeststellung ist unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und
aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch ge-
würdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid
rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (Urteil des
BVGer E-2479/2018 E. 6.1 Abs. 2).
5.3 Die seit dem 1. Februar 2014 in Kraft stehende Fassung des Asylge-
setzes sieht bei feststehender Identitätstäuschung seitens der asylsuchen-
den Person kein Nichteintreten mehr vor (vgl. aArt. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG),
erlaubt es der Vorinstanz in einem solchen Fall aber, auf eine Anhörung im
Sinne von Art. 29 AsylG zu verzichten (vgl. Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG). Für
die Auslegung des Begriffs der "feststehenden Identitätstäuschung" nach
Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG ist auf die Praxis zum entsprechenden, aufge-
hobenen Nichteintretensgrund gemäss aArt. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG zu ver-
weisen. Gemäss dieser Praxis ist der Nachweis der Identitätstäuschung
von den schweizerischen Asylbehörden zu erbringen (vgl. Entscheidungen
und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2003 Nr. 27 E. 4a). Die gesetzliche
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Seite 18
Regelung sieht neben der erkennungsdienstlichen Behandlung (Daktylo-
analyse) auch „andere Beweismittel“ vor, aufgrund derer die Identitätstäu-
schung feststehen kann (vgl. Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG; identisch formu-
liert waren die Voraussetzungen gemäss aArt. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG). Der
Begriff der Identität ist in Art. 1a Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) geregelt und schliesst den Namen und
den Vornamen, die Staatsangehörigkeit, die Ethnie, das Geburtsdatum,
den Geburtsort und das Geschlecht einer asylsuchenden Person ein.
Diese Aufzählung der Begriffsmerkmale der Identität ist abschliessend
(zum Ganzen: Urteil des BVGer E-5177/2015 vom 12. Mai 2016 E. 3.2).
5.4 Gestützt auf Art. 40 Abs. 1 AsylG kann das SEM, wenn aufgrund der
Anhörung offenkundig wird, dass die asylsuchende Person ihre Flücht-
lingseigenschaft weder beweisen noch glaubhaft machen kann, und ihrer
Wegweisung keine Gründe entgegenstehen, das Gesuch ohne weitere Ab-
klärungen ablehnen. Die verfassungsmässigen Anforderungen an die Be-
gründungspflicht bestehen indessen auch in diesen Fällen, jedoch kann
sich das SEM mit einer (zumindest) summarischen Begründung beschei-
den (Art. 40 Abs. 2 AsylG).
5.5 Die Verfahrensführung der Vorinstanz und daraus hervorgegangene
Verfügung vermögen diesen verfassungsrechtlich gesicherten Ansprüchen
(vorne E. 5.1) und der Untersuchungspflicht (vorne, E. 5.2) in mehrfacher
Hinsicht nicht zu genügen:
5.5.1 Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers ersuchte die Vor-
instanz mehrfach um Einsicht in konkret bezeichnete Dokumente, insbe-
sondere allfällige Abklärungen betreffend die Echtheit der vorgelegten Ge-
burtsurkunde, die dem forensischen Gutachten zugrundeliegenden Be-
funde und die zugehörigen Ergänzungsfragen (vi-act. 13) sowie die Akten-
stücke A27/A28 (vi-act. 21, 26, 37). Die Vorinstanz verweigerte diese Ak-
teneinsicht stillschweigend, ohne je zu begründen, weshalb. Damit wurde
dem Beschwerdeführer die Möglichkeit abgeschnitten, die medizinischen
Befunde zu überprüfen (etwa durch Einholen einer Zweitmeinung) oder zu
den festgestellten Fälschungsmerkmalen der Geburtsurkunde Stellung zu
nehmen. Die Entscheidrelevanz zumindest dieser beiden Themenkreise
liegt auf der Hand. Das gilt insbesondere auch für die Frage der Fäl-
schungsmerkmale, die sowohl in der angefochtenen Verfügung als auch in
der Anordnung der Datenänderung vom 18. März 2020 (vi-act. 29), ange-
führt werden; in dieser Anordnung mit ausdrücklichem Verweis auf eine in-
E-2680/2020
Seite 19
terne Analyse des Dokumentes. Es liegt grundsätzlich nicht an der Vor-
instanz, über die Wirksamkeit der beantragten Akteneinsicht zu urteilen.
Tut sie es doch, hat sie darüber zu entscheiden, ob sie die Akteneinsicht
ganz oder teilweise verweigert, und dies zu begründen und – soweit ent-
scheidwesentlich – den Inhalt unter Wahrung der Äusserungsmöglichkeit
bekannt zu geben (vorne, E. 5.1.1).
5.5.2 Das Bundesverwaltungsgericht und die Schweizerische Asylrekurs-
kommission (ARK) als Vorgängerorganisation von dessen Asylabteilungen
haben sich wiederholt mit der Beweiskraft von medizinischen Altersabklä-
rungen befasst. Neben – und nach – dem von der Vorinstanz zitierten Ent-
scheid EMARK (Entscheidungen und Mitteilungen der Asylrekurskommis-
sion) 2001 Nr. 23 tat es dies insbesondere im Grundsatzurteil BVGE 2018
VI/3 (vgl. auch die darin verwiesene Rechtsprechung der ARK: E. 4.2.3).
Es ist nicht ersichtlich, weshalb sich die Vorinstanz auf die Rechtsprechung
der ARK zur Handknochenanalye abstützt. Das minimale Alter von 21.6
Jahren, auf welches sich der angefochtene Entscheid abstützt, gründet in
der radiologischen Untersuchung nicht des Handskelettes, sondern der
medialen Schlüsselbeinepiphysen. Deren Ossifikation entspreche gemäss
der Studie Kellinghaus et al. (Quelle siehe Gutachten, Endnote 11) der
Stufe 4, was bei einem Knaben einem mittleren Alter 29.63 +/- 4.16 res-
pektive gemäss der Studie Wittschieber et al. (Quelle siehe Gutachten
Endnote 12) einem Minimalalter von 21.6 Jahren (Gutachten, S. 4). Dieser
Befund wäre als starkes bis sehr starkes Indiz für die Volljährigkeit gemäss
dem genannten Grundsatzurteil zu diskutieren; dabei ist eine Gesamtwür-
digung vorzunehmen – angesichts der Stärke des Indizes des radiologi-
schen Befundes (dessen Richtigkeit vorausgesetzt) mögen weitere Ele-
mente in den Hintergrund treten, sind aber nicht gänzlich zu vernachlässi-
gen (BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). Zu beurteilen sind in diesem Rahmen auch
die angegebenen Gründe, weshalb die asylsuchende Person keine Identi-
tätspapiere vorlegte (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.1). Die Vorinstanz be-
schränkt sich hier auf Ausführungen zum Ausstellungsdatum der vorgeleg-
ten Geburtsurkunde. Hierzu ist – neben der unterlassenen Konfrontation
mit den geltend gemachten Fälschungsmerkmalen – festzustellen, dass
die Vorinstanz den Beschwerdeführer ungenau zitiert, wenn sie ausführt,
der Vater habe die Urkunde im Februar 2019 «ausstellen lassen» (ange-
fochtener Entscheid, S. 5). In der EB (Ziff. 4.04) sagte der Beschwerdefüh-
rer lediglich, der Vater habe nach dem behaupteten Attentat einen «An-
trag» auf Ausstellen der Papiere – neben der Geburtsurkunde auch Identi-
tätskarten und Pässe – gestellt, aber man habe keine Zeit mehr gehabt,
E-2680/2020
Seite 20
man habe den Kongo so schnell wie möglich verlassen müssen. Es er-
scheint zwar tatsächlich nicht plausibel, warum die Urkunde (gerade) im
Oktober 2019 ausgestellt worden sein soll, wenn der Vater (der sich darum
gekümmert haben soll) bis zum Februar und dann erst wieder im Novem-
ber 2019 im Heimatland gewesen sein soll. Indessen lässt sich in den Aus-
sagen des Beschwerdeführers nicht ablesen, dass sie im Februar bereits
vorgelegen hätte.
5.5.3 Der Beschwerdeführer wurde im Verlaufe des Verfahrens bis zur Vor-
lage des Entscheidentwurfs nicht mit der These konfrontiert, er sei in Tat
und Wahrheit nicht kongolesischer, sondern angolanischer Staatsangehö-
riger. Er hatte damit nicht die Möglichkeit, sich im Rahmen der Darstellung
seiner Herkunft in der Anhörung dazu zu äussern. Daran ändert nichts,
dass die Vorinstanz zum Ende der angefochtenen Verfügung – in Beant-
wortung der Stellungnahme des Beschwerdeführers – diese Frage als
«zweitrangig» bezeichnet und schreibt, die Staatsangehörigkeit werde nur
«bezweifelt» (angefochtener Entscheid, S. 7), denn im vorherigen Verlauf
der Entscheidbegründung (die wörtlich dem Entscheidentwurf entspricht;
S. 5) wird die Frage der Herkunft als Element der Herkunftstäuschung ab-
gehandelt und werden nicht nur «erhebliche Zweifel» geäussert, sondern
die angolanische Herkunft auch als «vermutlich» bezeichnet. Eine Kon-
frontation mit der These anlässlich der Anhörung wäre geboten gewesen,
weil sie – vorgeblich (dazu unten E. 5.5.8) – auf einer persönlichen Angabe
des Beschwerdeführers gründet (vgl. dazu E. 5.5.4)
5.5.4 Die vorgebliche Grundlage für diese Vermutung ist in einer Weise er-
hoben worden, die den Ansprüchen an die Sachverhaltsfeststellung von
Amtes wegen nicht genügt. Die Vorinstanz begründet ihre Auffassung da-
mit, dass der Beschwerdeführer portugiesisch spreche, was er nicht zu er-
klären vermöge. Dazu ist festzustellen, dass die Vorinstanz sich hier einzig
auf die Angabe des Beschwerdeführers in der EB, er spreche neben Fran-
zösisch als Muttersprache und Lingala auch Portugiesisch (EB
Ziff. 1.17.03) und zwar so gut, dass auch die Anhörung in dieser Sprache
geführt werden könne, abstützt. Ob dies zutrifft oder doch eher zu hoch
gegriffen ist, überprüfte die Vorinstanz nicht. Die Anhörung wurde wiede-
rum in Französisch geführt und beschränkte sich zu dieser Frage auf die
Konfrontation mit einigen banalen Facebook-Kommentaren (Anhörung,
F48 und Anmerkungen bei der Rückübersetzung zu F38). Gleichzeitig
wurde die muttersprachliche Kenntnis des Französischen nicht in Frage
gestellt. Es bleibt damit offen, ob die Portugiesischkenntnisse des Be-
schwerdeführers neben dem Französischen ebenfalls muttersprachliches
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Seite 21
Niveau aufweisen oder, wie vom Beschwerdeführer dargestellt, sich auf ei-
nem Niveau bewegen, dass einem Erwerb in einem polyglotten Haushalt
entspricht.
5.5.5 Die Begründung der Vorinstanz, weshalb letztgenannte These nicht
zutreffen soll, genügt der verfassungsmässigen Begründungspflicht nicht.
Der Beschwerdeführer führte anlässlich der EB aus, seine Eltern seien
«während des Krieges an die Grenze zu Angola» geflüchtet, wo man Por-
tugiesisch spreche. Weiter habe er Portugiesisch durch seinen Vater ge-
lernt, auch die Mutter habe meistens Portugiesisch mit ihm gesprochen (EB
Ziff. 1.17.03). Anlässlich der Anhörung wurde das Thema nicht weiter ver-
tieft, der Befrager beschränkte sich Angola betreffend auf die angeblich
dorthin geflohenen Angehörigen (Anhörung, F16 ff.). Im Entscheidentwurf
wird dargelegt, der Beschwerdeführer bringe nur «unplausible Erläuterun-
gen» vor, weshalb er wisse, welche Angehörigen in Angola leben, aber zu
diesen kein Kontakt bestehe; die Angabe, dass auch der Vater nach Angola
geflohen sei, sei «äusserst fragwürdig». Die Aussagen des Beschwerde-
führers liessen deshalb die «Vermutung aufkommen, dass [er] möglicher-
weise aus Angola stammen» würde (vi-act. 36, S. 5). Die Rechtsvertretung
brachte in ihrer Stellungnahme (vi-act. 37) vor, dass es sich bei dem zitier-
ten Krieg um die kriegerischen Auseinandersetzungen der 1960er Jahre
gehandelt habe und beide Eltern des Beschwerdeführers mit ihren Eltern
nach Angola geflohen und dort bis zu den 1990er Jahren geblieben seien.
Der Beschwerdeführer wie auch sein Bruder seien im Kongo geboren, es
sei aber nicht verwunderlich, dass die Eltern des Portugiesischen mächtig
seien und es sei auch keineswegs unplausibel, dass eine beherrschte Dritt-
sprache im Familienkreis gesprochen werde, damit die Kinder polyglott auf-
wüchsen. Im angefochtenen Entscheid werden die Erwägungen des Ent-
wurfs wörtlich wiederholt (S. 5). Die Ausführungen der Stellungnahme wer-
den zusammengefasst und zu ihrer Beurteilung «auf die Erwägungen ver-
wiesen (S. 5)» (S. 6).
Der Versuch einer Einordnung in der Stellungnahme der Rechtsvertretung
verhält sich zur Darstellung durch den Beschwerdeführer in der EB weitge-
hend widerspruchsfrei (es bleibt einzig fraglich, ob die gemäss Angaben
des Beschwerdeführers 1969 geborene Mutter schon mit den Eltern geflo-
hen oder in Angola geboren worden wäre) und erscheint in keinem Punkt
unplausibel. Die Vorinstanz bleibt in Entwurf und Entscheid jede nähere
Begründung schuldig, warum eine Flucht des Vaters, respektive eine
Flucht der Grosseltern mit deren Kindern in den Bürgerkriegswirren der
Kongo-Krise «äusserst fragwürdig» sein soll. Diese Fragwürdigkeit wie
E-2680/2020
Seite 22
auch die nicht gelebten Kontakte zu in Angola aufhältigen (nach den Anga-
ben des Beschwerdeführers aber teils verstorbenen [vgl. Anhörung F17])
Angehörigen stehen in keinem logischen Zusammenhang zu einer angola-
nischen (oder zumindest nicht kongolesischen) Staatsangehörigkeit.
Schliesslich schildert der Beschwerdeführer – soweit erfragt – ein tenden-
ziell akademisch geprägtes respektive gebildetes Elternhaus (der Vater sei
Pastor, habe mal Medizin studiert gehabt, sei auch politisch aktiv). Es ist
zumindest nicht abwegig, dass in einem solchen Elternhaus eine in der
Kindheit erworbene und über lange Zeit geübte Drittsprache den Kindern
weitergegeben wird.
Indem die Vorinstanz die Ausführungen der Rechtsvertretung durch einen
Rückverweis auf die substanzarme, sich in nicht greifbare und nicht schlüs-
sige Wertungen erschöpfende Erwägung des Entwurfes beantwortet, legt
sie (entgegen ihrer Auffassung in der Vernehmlassung auf Beschwerde-
ebene) keine Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Einwänden vor,
die die verfassungsmässigen Anforderungen an die Begründungspflichten
erfüllte.
5.5.6 Nach seit dem 1. Februar 2014 geltenden Recht kann die Vorinstanz
bei feststehender Identitätstäuschung auf eine Anhörung verzichten und
sich mit dem Einräumen rechtlichen Gehörs begnügen (Art. 36 Abs. 1 Bst.
a i.V.m. Abs. 2 AsylG, vgl. vorne E. 5.3) – davor konnte sie in einem sol-
chen Fall nicht eintreten. Zumal es sich nun um einen materiellen Ent-
scheid handelt, ist er auch materiell zu begründen, wobei sich die Vor-
instanz bei offenkundiger Unmöglichkeit des Nachweises oder der Glaub-
haftmachung von Asylgründen ohne weitere Abklärungen mit einer sum-
marischen Begründung begnügen kann – aber eine solche auch vorneh-
men muss (Art. 40 Abs. 2 AsylG, vorne E. 5.4) und in diesem Zusammen-
hang natürlich auch an die verfassungsrechtlichen Vorgaben gebunden ist.
Die von der Vorinstanz gewählte Vorgehensweise ist damit wie folgt einzu-
ordnen: Sie führte – entgegen ihrer offenbaren Auffassung (angefochtene
Verfügung, S. 4 Abs. 3) eine Anhörung durch, begnügte sich also nicht mit
der Gewährung rechtlichen Gehörs. Im Anschluss an die Anhörung scheint
sie zum Schluss gekommen zu sein, der Nachweis oder die Glaubhaftma-
chung der Fluchtgründe sei unmöglich, weshalb auf weitere Abklärungen
(namentlich die mit der Rechtsvertretung diskutierte Durchführung einer
zweiten Anhörung) zu verzichten sei. Sie konnte so das Gesuch ohne wei-
tere Abklärungen ablehnen, muss dies aber summarisch begründen.
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Seite 23
5.5.7 Die Begründung darf summarisch sein, muss sich aber mit den ent-
scheidwesentlichen Fragen auseinandersetzen. Der Duktus der Entscheid-
begründung legt nun aber nahe, dass für die Vorinstanz bereits mit der
festgestellten Identitätstäuschung betreffend das Geburtsdatum feststand,
dass der Nachweis oder das Glaubhaftmachen nicht möglich sei (ange-
fochtener Entscheid, S. 5 Mitte). Sie prüft in der Folge zwar doch noch wei-
tere Fragen (die – abschliessend dann doch als zweitrangig erklärte –
Frage der angolanischen Nationalität und die Unklarheiten um einen Auf-
enthalt in Frankreich im Jahr 2014); es ist indessen festzustellen, dass es
im Resultat für die asylsuchende Person im Asylpunkt keinen Unterschied
macht, ob aufgrund der festgestellten Identitätstäuschung nicht auf ihr Ge-
such eingetreten wird oder ob dieses als direkte Folge der Identitätstäu-
schung abgewiesen wird. Die Begründung des Entscheides hinterlässt den
Eindruck, dass sich die Vorinstanz damit begnügen wollte, die Identitäts-
täuschung mit dem forensischen Gutachten als erstellt anzusehen und die
weiteren Unklarheiten offen zu lassen.
5.5.8 Nach einer Durchsicht der Akten, insbesondere jenen, die dem Be-
schwerdeführer nicht vorgelegt wurden, ist die Vermutung nicht von der
Hand zu weisen, dass die Vorinstanz ihre Vermutung einer angolanischen
Staatsangehörigkeit respektive Zweifel an der biographischen Schilderung
unausgesprochen (auch) auf Überlegungen, Erkenntnisse und Informatio-
nen aus dem Internet abstützt, mit denen der Beschwerdeführer nicht kon-
frontiert wurde und zu denen er sich folglich nicht äussern konnte; nament-
lich auf hinterfragte Kenntnisse zur Situation in D._, auf den Face-
book-Auftritt des mutmasslichen Vaters und auf fragliche Kenntnisse zu
den Schulstandorten. Zumal die Rechtsvertretung bereits vorgängig der
Anhörung mehrfach geltend gemacht hatte, die Aussagen zum Lebenslauf
seien «stimmig», (EB Ziff. 8.01 Ergänzungsfragen, vi-act. 19, 26, 37) ist im
Lichte der Pflicht zur Sachverhaltsabklärung unklar, warum die Vorinstanz
den Beschwerdeführer mit im Zeitpunkt der Anhörung bereits vorliegenden
Zweifeln nicht konfrontierte. Insbesondere gilt dies zu offenbar bestehen-
den Zweifeln zur Zeit in D._. Diese werden nur indirekt oder unbe-
wusst angesprochen, indem die Erklärungsversuche des Beschwerdefüh-
rers zu einem Facebook-Eintrag aus dem Jahr 2014 (als die Familie eben
eigentlich nach D._ gezogen wäre) in Frage gestellt werden – zu-
mal die geltend gemachten Schwierigkeiten nach Darstellung des Be-
schwerdeführers nicht in der (mutmasslichen) Zeit um die Entstehung des
Facebookeintrages (2014, so aber die angefochtene Verfügung, S. 7) ein-
setzten, sondern nach der Rückkehr aus D._, steht die Glaubhaf-
tigkeit dieses Aufenthaltes im Zentrum des Interesses.
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Mit Blick auf die Pflicht zur Sachverhaltsabklärung und Begründungspflicht
erscheint als zumindest kritikwürdig, dass die Vorinstanz zwar eine Anhö-
rung als notwendig erachtet, wesentliche bestehende Zweifel aber nicht
vorhält und als zentrale Erkenntnisse aus der mehrstündigen Anhörung nur
zwei Fragmente in die Begründung einfliessen lässt, die über den Erkennt-
nisstand von vor der Anhörung hinausgehen (die Fragen um die Kontakte
zu Angehörigen in Angola und um den Facebook-Account).
5.5.9 Das Bundesverwaltungsgericht äusserte sich im genannten Grund-
satzurteil BVGE 2018 VI/3 (E. 3 vgl. auch E. 6) auch zur Beweislastvertei-
lung und Würdigung aus datenschutzrechtlicher Sicht, was den Eintrag des
konkreten Geburtsdatums ins ZEMIS angeht. Der angefochtene Entscheid
begründet die konkrete Datenänderung nicht weiter, sondern verweist pau-
schal auf die Mitteilung vom 18. März 2020, die die Vorinstanz selber – so
ihre Vernehmlassung auf Beschwerdeebene – aber nicht als rechtsgültige
Verfügung verstanden wissen will (vgl. aber hiervor, E. 1.3). Versteht man
den Verweis so, dass die Begründung jener Mitteilung zum Bestandteil der
angefochtenen Verfügung erklärt wird, so weist diese die in E. 5.5.1 f. dar-
gestellten Mängel auf.
5.6 Zusammengefasst verletzte die Vorinstanz mehrfach das rechtliche
Gehör des Beschwerdeführers, indem sie ihm die Einsicht in wesentliche
Akten ohne nähere Begründung vorenthielt (E. 5.5.1, E. 5.5.9) und betref-
fend die Feststellung der Volljährigkeit eine Gesamtwürdigung unterliess,
wie sie die Rechtsprechung gemäss BVGE 2018 VI/3 vorsieht (E. 5.5.2,
E. 5.5.9). Die Feststellungen zur angeblichen – oder möglichen – angola-
nischen Staatsangehörigkeit erfolgten ohne Vorhalt in der Anhörung
(E. 5.5.3), was zumindest aus der Optik der Pflicht zur Sachverhaltsstel-
lung angesichts der angeblichen Grundlage (Kenntnisse des Portugiesi-
schen) geboten gewesen wäre (E. 5.5.4) und ohne ausreichende Ausei-
nandersetzung mit den Ausführungen des Beschwerdeführers begründet
wurde (E. 5.5.5). Die Entscheidbegründung ist in sich zu knapp, da sie sich
nicht mit den wesentlichen Punkten auseinandersetzt (E. 5.5.7 f.).
5.7 Das rechtliche Gehör ist formeller Natur, dessen Verletzung führt in der
Regel zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides. Gemäss Art. 61
Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Sache
selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an
die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz
ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden
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müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist (WEIS-
SENBERGER/HIRZEL, in: Waldmann/Weissenberger, Praxiskommentar
VwVG, 2. Aufl. 2016, Rz. 16 zu Art. 61 VwVG). Die in diesen Fällen feh-
lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-
schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus
prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber
nicht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 38
E. 7.1). Insbesondere rechtfertigt sich ein Rückweisungsentscheid, wenn
die Vorinstanz zu Unrecht keinen Beweis abgenommen hat und die be-
troffene Partei ohne Rückweisung um die Möglichkeit gebracht würde, die
Tatsache vor einer Instanz mit uneingeschränkter Kognition geltend zu ma-
chen oder ihr der Rechtsmittelweg unzulässig verkürzt würde. Schliesslich
ist die Sache bei schwerer Verletzung von Verfahrensrechten, die nicht vor
der Rechtsmittelinstanz geheilt werden kann, zurückzuweisen. Im Regelfall
gilt dies aufgrund dessen formellen Charakters für Verletzungen des recht-
lichen Gehörs (WEISSENBERGER/HIRZEL, Praxiskommentar VwVG, Rz. 17
f. zu Art. 61 VwVG; CAMPRUBI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommen-
tar VwVG, Rz. 11 zu Art. 61 VwVG).
Angesichts der Schwere der Verletzung kommt eine Heilung im (das Ver-
fahren andernfalls endgültig abschliessenden) Rechtsmittelverfahren nicht
in Frage (vgl. statt Vieler BGE 144 IV 302 E. 3.1 m.w.H; SUTTER, Kommen-
tar VwVG, Rz. 23 zu Art. 29 VwVG).
Im vorliegenden Fall ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die
Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer Akteneinsicht nach den einschlägi-
gen Vorschriften zu gewähren, das entsprechende Äusserungsrecht einzu-
räumen und ihren Entscheid nach Massgabe der Rechtsprechung und zu
den entscheidwesentlichen Punkten zu begründen.
5.8 Infolge der Rückweisung der Sache erübrigt sich eine Auseinanderset-
zung mit den weiteren Vorbringen auf Beschwerdeebene.
6.
Die Beschwerde ist somit insoweit gutzuheissen, als die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung beantragt wird. Diese ist aufzuheben und die
Sache ist zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das SEM zu-
rückzuweisen.
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7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der
Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 Satz 1 VwVG). In der Ver-
waltungsrechtspflege des Bundes gilt die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid (mit noch offe-
nem Ausgang) praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden
Partei (Urteil des BVGer A-3763/2011 vom 3. Juli 2012 E. 14.1, m.w.H.).
Den Vorinstanzen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2
VwVG).
7.2 Der Beschwerdeführer ist infolge der Rückweisung an die Vorinstanz
als obsiegend anzusehen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erhe-
ben.
7.3 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung aus-
zurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche
Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen
vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl.
Art. 111ater AsylG)
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