Decision ID: 4d333116-be98-51c7-bfbe-d7e4d50edfe4
Year: 2015
Language: de
Court: CH_WBK
Chamber: CH_WBK_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: civil_law

A Sachverhalt
1. Am 10. August 2015 hat die Wettbewerbskommission (nachfolgend: WEKO) die Mel-
dung über ein Zusammenschlussvorhaben erhalten.1 Demnach beabsichtigen die Schweize-
rische Radio- und Fernsehgesellschaft (nachfolgend: SRG), die Swisscom AG (nachfolgend:
Swisscom) und die Ringier AG (nachfolgend: Ringier) ein gemeinsam zu kontrollierendes Voll-
funktions-Joint Venture (nachfolgend: JV) zu gründen. Das JV solle in der Schweiz das Wer-
beinventar der drei Unternehmensgruppen und von Dritten vermarkten. Bestehen solle das JV
aus einer [...], an welcher die Parteien je zu einem Drittel direkt beteiligt sind. [...]. In diese
würden Aktiven, Passiven, Verträge, Personal und gegebenenfalls weitere Rechte (z.B. Im-
materialgüterrechte) von Swisscom und von Ringier eingebracht werden.
A.1 Beteiligte Unternehmen
A.1.1 Swisscom2
2. Die Swisscom ist eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft gemäss dem Bundesgesetz
über die Organisation der Telekommunikationsunternehmung des Bundes vom 30. April 1997
(TUG; SR 784.11) mit Sitz in Ittigen und der Firmenadresse Alte Tiefenaustrasse 6, Worblau-
fen, 3050, Bern.3
3. Die Swisscom ist eine Konzernmuttergesellschaft von Gruppengesellschaften, die in der
Schweiz in den Bereichen Festnetz, Mobiltelefonie, IT, Internet und TV tätig sind.
4. Swisscom betreibt als Telekommunikationsanbieterin in der ganzen Schweiz ein mobiles
Funknetz und als Grundversorgungskonzessionärin ein im Anschlussnetz auf dem Kupferka-
bel basierendes Festnetz. Im Transit- und Regionalnetz verfügt Swisscom über ein glasfaser-
basiertes Netz. Im Anschlussbereich baut Swisscom derzeit mit verschiedenen Elektrizitäts-
versorgungsunternehmen ein Glasfasernetz auf. Zudem bietet Swisscom weitere
telekommunikationsnahe Dienstleistungen an.
5. Sämtliche elektronischen Medienplattformen der Konzerngesellschaft Swisscom
(Schweiz) AG werden von Swisscom Advertising Unit vermarktet. Dazu gehören bluewin.ch
Online, bluewin.ch Mobile, Swisscom TV air und Swisscom TV. Dabei werden zielgerichtete
(„targeted“) Werbeformate unter Beachtung von Zielgruppeninteresse („behavioral targeting“
aufgrund Surf- und Konsumverhalten von Medienuser kombiniert mit Onsite-Befragungen) und
demografischen Eigenschaften der Zielgruppe [...] angeboten.4
1 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10).
2 Vgl. zum Ganzen auch Unternehmensbeschrieb der Swisscom zur vorläufigen Prüfung vom 18. No-
vember 2014 betreffend das Zusammenschlussvorhaben 41-0751 Swisscom Directories AG / Se-
arch.ch AG.
3 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 20.
4 Meldung vom 10. August 2015, Beilage 23 (act. 11), Swisscom Advertising Portfolio 2015, S. 10.
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6. Swisscom verfügt über eine grosse Datenbasis ihrer Nutzer und deren Nutzungsverhal-
ten.5
A.1.2 SRG6
7. Unter der Firma SRG besteht ein Verein nach Schweizer Recht mit Sitz in Bern. Die
SRG bildet die Trägerschaft für die unternehmerische Tätigkeit der SRG-Gruppe und besteht
aus vier Regionalgesellschaften:
- Verein SRG.D: Radio- und Fernsehgesellschaft der deutschen und rätoromanischen
Schweiz
- Verein RTSR: Société de radiodiffusion et de télévision de la Suisse romande
- Genossenschaft Corsi: Società cooperativa per la Radiotelevisione svizzera di lingua
italiana
- Verein SRG.R: SRG SSR Svizra Rumantscha
8. Die Regionalgesellschaften SRG.D und RTSR setzen sich wiederum aus sieben Mit-
gliedsgesellschaften zusammen, wobei auch die SRG.R eines der Mitglieder der SRG.D dar-
stellt. Sie gewährleisten die Verankerung der SRG in der Gesellschaft und sorgen dafür, dass
die Anliegen der jeweiligen Regionen in die SRG eingebracht werden.
9. Der Auftrag der SRG basiert auf der Bundesverfassung (BV; SR 101), dem Bundesge-
setz über Radio und Fernsehen vom 24. März 2006 (RTVG; SR 784.40) sowie auf der Kon-
zession des Bundesrats.
10. In der Schweiz veranstaltet der Verein SRG mit den Regionalgesellschaften Radio- und
Fernsehprogramme und andere publizistische Angebote (Online-Angebot, Teletext und publi-
zistische Angebote für das Ausland [swissinfo.ch oder tvsvizzera.it]) gemäss RTVG und der
Konzession des Bundesrates, namentlich 17 Radio- und Fernsehprogramme inkl. Sendungen
rätoromanischer Sprache. Mit ihren Programm- und anderen publizistischen Angeboten erfüllt
die SRG die ihr übertragenen Aufgaben gemäss RTVG sowie geltender Konzession des Bun-
desrats und bringt damit mitunter die Identität des Landes und die Vielfalt der Regionen zum
Ausdruck. Die Angebote dienen gemäss Art. 24 Abs. 4 RTVG der freien Meinungsbildung,
fördern die kulturelle Entfaltung und tragen zur Bildung des Publikums sowie zu dessen Un-
terhaltung bei. Die Gesellschaft kann weitere mit ihrem Unternehmenszweck direkt oder indi-
rekt in Zusammenhang stehende Tätigkeiten ausüben. Sie kann im Rahmen der Unterneh-
menspolitik andere Gesellschaften gründen oder sich an solchen beteiligen. Die Gesellschaft
steht im Dienste der Allgemeinheit. Sie verfolgt keinen Gewinnzweck und finanziert sich zu
rund 75% über Gebühren und zu rund 25% aus kommerzieller Tätigkeit.
11. Zum Verein der SRG gehören die folgenden fünf Unternehmenseinheiten (Zweignieder-
lassungen): Radiotelevisione svizzera (RSI), Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR), Ra-
dio Télévision Suisse (RTS), Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) und swissinfo.ch (SWI).
5 Meldung vom 10. August 2015, Beilage 2 (act. 11), Transaktionsvereinbarung (finalisierter Entwurf),
S. 2.
6 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 26 ff.
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12. Daneben hält die SRG Beteiligungen von über 50% an sechs Tochtergesellschaften,
namentlich der Technology and Production Center Switzerland AG (TPC), der Schweizeri-
schen Teletext AG (Swiss TXT), der Publisuisse, der Televetia S.A., der Mxlab AG und der
MCDT AG.
13. TPC, mit Sitz in Zürich (100%-Beteiligung, vollkonsolidiert), ist verantwortlich für die Her-
stellung von Radio- und Fernsehsendungen sowie Video-, Audio und Multimediaangeboten
jeder Art und deren Verbreitung (sogenannte „broadcast and beyond“-Produkte) und trägt da-
mit zur Erbringung des Service Public bei. Im Weiteren bezweckt sie die Herstellung, die Be-
reitstellung und den Betrieb der entsprechenden technischen Infrastruktur und kann Bera-
tungsdienstleistungen erbringen. Im Auftrag ihrer Kunden realisiert sie zudem Broadcast-
Lösungen.
14. Swiss TXT, mit Sitz in Biel (100%-Beteiligung, vollkonsolidiert), erbringt Dienstleistungen
im Bereich der elektronischen Informations- und Nachrichtenvermittlung über Rundfunk- und
Fernmeldenetze, namentlich im Bereich des Teletext und Data Broadcast. Sie ist heute in den
vier Geschäftsfeldern Swiss TXT Interactive, Media Consulting, Multimedia Solutions und Ac-
cess Services tätig und betreibt namentlich die Plattformen TELETEXT, teletext.ch und
TELETEXT Mobile.
15. Publisuisse, mit Sitz in Bern (99,8%-Beteiligung7, vollkonsolidiert), bezweckt den Erwerb
und die Ausführung von Fernsehwerbung. Sie vermarktet elektronische Medien in der
Schweiz, namentlich exklusiv die kommerziellen Angebote der SRG respektive ihrer konzes-
sionierten Fernseh- und Radioprogramme. Sie bietet im Werbeplatz Schweiz kommerzielle
Angebote in den Bereichen Fernsehwerbung, Fernseh- und Radiosponsoring sowie Teletext
an. Weiter vermarktet sie in vernachlässigbarem Umfang statische Online-Werbeflächen der
nicht konzessionierten Plattformen der SRG wie mx3.ch und teletext.ch sowie crossmediale
Möglichkeiten über die verschiedenen Produkte hinweg. Ihre Medienlogistikdienstleistungen
stellt die Publisuisse gegen Entgelt auch Dritten zur Verfügung. Mit der Vermarktung von kom-
merziellen Inhalten der SRG erzielt die Publisuisse rund ein Sechstel der Gesamteinnahmen
der SRG und ist daneben zur Erschliessung weiterer finanzieller Mittel zugunsten der SRG-
Gruppe berechtigt. Es ist vorgesehen, [...].
16. Telvetia S.A., mit Sitz in Bern (100%-Beteiligung, vollkonsolidiert), hält Beteiligungen an
Gesellschaften, die mit der SRG-Gruppe in Verbindung stehen, namentlich eine 51%-Beteili-
gung an der Mxlab AG in Bern und eine 26%-Beteiligung an der Telepool GmbH in München.
Darüber hinaus kann sie Tätigkeiten im Bereich der elektronischen Medien und der übrigen
Kommunikations- und Informationsmittel vornehmen.
17. Mxlab AG, mit Sitz in Bern (51%-Beteiligung via Telvetia, vollkonsolidiert), entwickelt,
betreibt, wartet und vermarktet eine Plattform im Bereich der Schweizerischen Unterhaltungs-
musik und bezweckt auf diesem Weg die Förderung der Schweizer Musik.
18. MCDT AG, mit Sitz in Zürich (100%-Beteiligung via Telvetia, vollkonsolidiert), betreibt
insbesondere Marketing-, PR-, Kommunikations- und Verkaufsmassnahmen zum Zweck der
Einführung neuer audiovisuellen Technologien, namentlich im Bereich des Digitalradios
(DAB/DAB+). Diese Leistungen bietet sie sowohl in der Schweiz wie auch im benachbarten
Ausland an.
7 0.2% gehören dem Schweizerischen Gewerbeverband, Stand: 31. Dezember 2014 (Geschäftsbe-
richt der Publisuisse 2014, S. 26).
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A.1.3 Ringier8
19. Ringier ist eine international agierende Mediengruppe und nach dem schweizerischen
Recht konstituierte Gesellschaft mit Sitz in Zofingen. Ringier ist eine Tochtergesellschaft der
Ringier Holding AG, einer nach dem schweizerischen Recht konstituierten Gesellschaft mit
Sitz in Zofingen.
20. Die Gesellschaft beteiligt sich an diversen Unternehmen, hauptsächlich in den Bereichen
Entertainment (Aktivitäten rund um Fernsehen, Radio, Events oder Unterhaltungsservice) und
Digital Business (Online-Marktplätzen und Online-Content-Plattformen, integrale Vermark-
tungslösungen sowie Digital Marketing). Dazu ist Ringier im Publishing tätig. Dieser Bereich
steht für das klassische Stammgeschäft der Informationsvermittlung in Zeitungen und Zeit-
schriften, erweitert um digitale und mobile Informationsplattformen und Applikationen. Dazu
gehören auch die in mehreren Ländern domizilierten Druckereien. Ringier beabsichtigt die Ak-
tivitäten im Bereich Zeitschriften (ohne Blick) in ein Joint-Venture mit Axel Springer überführen.
Die Transaktion mit Axel Springer bildete Gegenstand einer selbständigen Zusammenschluss-
kontrollanmeldung.
A.2 Gründe für das Zusammenschlussvorhaben
21. Die Digitalisierung habe gemäss Parteien dazu geführt, dass neue Akteure auf dem
Schweizer Werbemarkt agierten. Es seien primär globale Unternehmen, die dank Kontrolle
über die gesamte Wertschöpfungskette über das Potenzial verfügten, Einnahmen aus dem
Schweizer Werbemarkt zu generieren. Auf den TV-Märkten seien dies etwa Youtube und Fa-
cebook sowie Zattoo, Wilmaa oder Teleboy. Internationale Player wie Google oder Facebook
würden die Werbemärkte immer stärker dominieren, indem sie effektivere Targeting-Möglich-
keiten (d.h. Möglichkeiten zur Abstimmung des Werbeinhalts auf spezifische Nutzerprofile)
anbieten könnten als herkömmliche Mediengattungen (wie TV, Radio oder Print). Diese Ent-
wicklung berge das Risiko, dass der Schweizer Publizistik Mittel verloren gehen würden.9
22. Die Medien hätten sich im Rahmen der Digitalisierung transformiert. Die Mediennutzer
seien dabei nicht mehr nur direkt mit den Medien „verbunden“, sondern es seien zunehmend
die Intermediäre (Plattformen und Weiterverbreiter der Inhalte), welche die Nutzerdaten res-
pektive den Zugang zum Nutzer kontrollierten und kommerzialisierten. Der Mediennutzer
agiere selbstbestimmter, was eine Verschiebung der Nachfrage im Werbemarkt von der klas-
sischen Medienvermittlung hin zur Mediennutzungsvermarktung bewirke.10
23. Namentlich das Targeted Advertising würde wichtiger und ohne diese Funktionalität
seien die Werbetreibenden nicht mehr bereit, attraktive Preise zu bezahlen. Anstelle eines
Kontaktnachweises würde vom Werbetreibenden auch ein regelmässiger Return of Invest-
ment-Nachweis verlangt – dies neben der Reichweite, Einfachheit in der Planung, in der Bu-
chung, in der Abwicklung und im Reporting.11
24. [...]12
8 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 41 ff.
9 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 98.
10 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 99.
11 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 100.
12 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 102.
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A.3 Geplante Transaktionen13
25. Die Zusammenschlussparteien umschreiben die Art und den Umfang der Zusammenar-
beit über die neu zu gründende Joint Venture-Gesellschaft in der Transaktionsvereinbarung
und der Meldung. Diese Beschreibung der einzubringenden Geschäftstätigkeiten sowie der
geplanten Zusammenarbeit bilden die Grundlage und den Rahmen für die Beurteilung des
vorliegenden Zusammenschlussvorhabens.
A.3.1 Transaktionsvereinbarung
26. Swisscom, Ringier und SRG beabsichtigen das JV als Aktiengesellschaft [...] zu grün-
den, an welcher jede Partei stimmen- und kapitalmässig zu 33 1/3% beteiligt sein werde. [...]
27. In der Transaktionsvereinbarung14 seien die wichtigsten Eckpunkte verbindlich festge-
legt. Auf deren Basis würden die Parteien die Details ihrer Zusammenarbeit in den detaillierten
Verträgen, insb. dem detaillierten Transaktionsrahmenvertrag über die Einbringung der As-
sets, Aktionärsbindungsverträge, Einigung über die Startorganisation, organisatorische Wei-
terentwicklung, die Roadmap für die ersten 24 Monate, Verträge zwischen den JV-
Gesellschaften und den Parteien (Satellitenverträge) sowie konstituierende Dokumente der
JV-Gesellschaften (gesamthaft als detaillierte Verträge bezeichnet) festlegen.
A.3.2 Umfang der Zusammenarbeit
28. Die Zielstruktur und der Ablauf der Errichtung der JV-Gruppe werden von den Parteien
noch im Detail festgelegt. Dabei seien insbesondere folgende Punkte zu berücksichtigen:
- [...]
- [...]
- [...]
- [...]
- [...]
- [...]
29. Im Zusammenhang mit der Errichtung der JV-Gruppe sollen die Parteien die folgenden
Geschäftsbereiche einbringen:
- SRG: Sämtliche im Eigentum der SRG [...] insbesondere die folgenden Vermögens-
werte und Rechte beinhaltet:
o [...]
o [...]
o [...]
o [...]
13 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 80 in Verbindung mit Beilage 2 (act. 11), Transaktions-
vereinbarung (finalisierter Entwurf), Bst. F (S.3), S.6 ff. und S. 21 f.
14 Meldung vom 10. August 2015, Beilage 2 (act. 11), Transaktionsvereinbarung (finalisierter Entwurf).
41-00042/COO.2101.111.7.130294 10
o [...]
o [...]
o [...]
- Swisscom: Sämtliche Aktiven und Passiven im Zusammenhang mit der Swisscom Ad-
vertising Unit einschliesslich:
o [...]
o [...]
o [...]
o [...]
o [...]
o [...]
o [...]
- Ringier: Sämtliche Vermarktungsrechte sowie Aktiven und Passiven der Vermark-
tungsrechte der folgenden Inventare (Ringier Werbeinventar):
o [...]
o [...]
o [...]
o [...]
o [...]
o [...]
o [...]
Zur Vermeidung von Missverständnissen halten die Parteien fest, dass Geschäftsaktivitäten
im Zusammenhang mit der Lizenzierung von publizistischen Inhalten an Dritte nicht einge-
bracht würden.
30. Einbringen von Assets zum Targeted Advertising: [...] Anwendbare Bestimmungen des
Datenschutzes seien in jedem Fall zu beachten.
31. [...]15:
 [...].
 [...].
 [...]:
o [...]
15 Vgl. zur ganzen Rz Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 404 und Antworten zu Zusatzfragen
vom 21. August 2015 (act. 27).
41-00042/COO.2101.111.7.130294 11
o [...]
o [...]
[...]
o [...]
o In den Bereichen Print und Radio sei derzeit nicht vorgesehen, dass Daten von
Swisscom für Werbezwecke zum Einsatz gelangen würden.
o [...]
32. Die Zusammenschlussparteien halten zudem fest [...]16
33. Zu den von Swisscom aufbereiteten und in das JV eingebrachten Targeting Insights ver-
einbaren die Zusammenschlussparteien insbesondere folgende Punkte:
 [...].
 [...].
 [...].
34. Die Parteien seien sich einig, dass die JV-Gruppe eine Service-Public-gerechte, öffent-
lich vermittelbare, mit den Parteien abgestimmte Datenkultur leben würde.
35. Zur weiteren Klarstellung halten die Parteien fest, dass folgende Punkte nicht in das JV
eingebracht würden:
- Swisscom: [...].
- Ringier: [...].
36. Im Zuge der Anhörung haben die Zusammenschlussparteien zudem bekräftigt, [...]17
A.4 Ziele des Zusammenschlussvorhabens
37. Mit dem JV beabsichtigten die Parteien gegenüber der stets wachsenden Konkurrenz
neuer Werbeformen und gegenüber internationalen Wettbewerbern konkurrenzfähig zu blei-
ben. Mit dem Zusammenschlussvorhaben werde das Ziel verfolgt, die neuen Werbeformen
und Werbekanäle durch Synergien besser nutzen und bedienen zu können.18
38. Gemeinsam sollten auch neue Werbemöglichkeiten und -technologien entwickelt wer-
den, um im globalisierten Wettbewerb bestehen zu können.19 Dabei ginge es den Parteien um
den Schweizer Werbemarkt, auf welchem neue, primär globale Unternehmen, agierten und
welche dank Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette über das Potenzial verfügten,
16 Stellungnahme der Zusammenschlussparteien zur Begründung des vorläufigen Beschlusses (act.
286), Rz 106.
17 Protokoll Anhörung, S. 6.
18 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 2.
19 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 2.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 12
Einnahmen aus dem Schweizer Werbemarkt zu generieren. Gegenüber dieser neuen interna-
tionalen Konkurrenz verspreche man sich durch Kooperation im Heimmarkt erfolgreich zu be-
haupten.20
39. Konkret werden folgende strategischen Ziele genannt:21
- [...];
- [...];
- [...];
- [...].
- [...].
40. Die Ziele widerspiegeln sich im Zweck des JV, welcher in der Bereitstellung möglichst
grosser Reichweiten in bestehenden und neuen Werbekanälen zu Gunsten des Medienplat-
zes Schweiz (Schweizer Inhalte und Schweizer Plattformen) bestehe.22
41. Dazu gehöre auch die [...]. Das JV solle nach marktwirtschaftlichen Kriterien und ge-
winnstrebend geführt werden.
42. Vom Zusammenschlussvorhaben nicht erfasst würden die eigentlichen Kernaktivitäten
der beteiligten Unternehmen. So werde beispielsweise die redaktionelle Tätigkeit der Blick-
Gruppe oder der SRG nicht in das JV verlagert. [...]. Das JV würde auf Provisionsbasis wie
ein Vermittler arbeiten.23
43. Die Inventar-Elemente, die durch das JV vermarktet würden, sind in Rz 29 beschrieben.
A.5 Verfahren
44. Am 7. Juli 2015 ging beim Sekretariat der WEKO (nachfolgend: Sekretariat) der Mel-
dungsentwurf per E-Mail betreffend eines Zusammenschlussvorhabens zwischen Swisscom /
SRG / Ringier ein.24
45. Mit Schreiben vom 9. Juli 2015 bestätigte das Sekretariat den Eingang des Meldungs-
entwurfs.25
20 Transaktionsvereinbarung (finalisierter Entwurf) (act. 2), S. 2.
21 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 103 in Verbindung mit der Beilage 2 Transaktionsver-
einbarung (finalisierter Entwurf) (act. 11), S. 3 f.
22 Meldung vom 10. August 2015, Beilage 2 (act. 11), Transaktionsvereinbarung (finalisierter Entwurf),
S. 4.
23 Vgl. zum Ganzen Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 3 und 6.
24 Meldungsentwurf vom 7. Juli 2015 (act. 3-7).
25 Eingangsbestätigung vom 9. Juli 2015 (act. 8).
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46. Mit Schreiben vom 22. Juli 2015 nahm das Sekretariat zum Meldungsentwurf vom 7. Juli
2015 Stellung und unterrichtete die Parteien über die Unvollständigkeit der Meldung und die
notwendigen Ergänzungen bzw. Anpassungen.26
47. Mit Schreiben vom 10. August 2015 reichten die Parteien die Meldung des Zusammen-
schlussvorhabens ein, welche beim Sekretariat gleichentags einging.27
48. Mit Schreiben vom 11. August 2015 bestätigte das Sekretariat den Eingang der Mel-
dung.28
49. Am 13. August 2015 stellte das Sekretariat Zusatzfragen an die Zusammenschlusspar-
teien mit der Frist um Beantwortung derselben bis am 21. August 2015.29 Die Stellungnahme
erfolgte am 21. August 2015.30 Am 19. August 2015 versendete das Sekretariat ein Auskunfts-
begehren an Werbevermittler und -vermarkter mit der Frist zur Beantwortung desselben bis
am 28. August 2015 zustellte. Befragt wurden die Goldbach Media (Schweiz) AG (nachfol-
gend: Goldbach Media), die Publicitas AG (nachfolgend: Publicitas), die Belcom AG (nachfol-
gend: Belcom) und die Google GmbH (nachfolgend: Google).31
50. Daraufhin fragte die AZ Medien AG am 21. August 2015, als Muttergesellschaft der Bel-
com, nach, den Fragebogen für Werbevermittler und -vermarkter beantworten zu dürfen, wo-
raufhin das Sekretariat ihr diesen per E-Mail und mit der Frist zur Beantwortung bis am 28.
August 2015 zustellte.32 Die vom Sekretariat begehrte Auskunft an Belcom ist darin konsoli-
diert.
51. Am 24. August 2015 ersuchten die TV Veranstalterin 3 Plus Group AG und die NZZ
Mediengruppe das Sekretariat um Stellungnahme zum Zusammenschlussvorhaben. Darauf-
hin versendete das Sekretariat per E-Mail einen spezifisch auf Werbeplattformen ausgerichte-
ten Fragebogen an 3 Plus Group AG (nachfolgend: 3 Plus Group) und die NZZ Mediengruppe.
Die Frist zur Beantwortung des Fragebogens wurde auf den 31. August 2015 gesetzt.33
52. Am 25. August 2015 versendete das Sekretariat ein Auskunftsbegehren an die UPC
Cablecom GmbH (nachfolgend: UPC Cablecom).34
26 Unvollständigkeitsmeldung vom 22. Juli 2015 (act. 9).
27 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10-12).
28 Eingangsbestätigung vom 11. August 2015 (act. 13).
29 Auskunftsbegehren an die Zusammenschlussparteien vom 13. August 2015 (act. 15).
30 Stellungnahme der Zusammenschlussparteien (act. 31).
31 Auskunftsbegehren an Werbevermittler bzw. -vermarkter (act. 19 - 23).
32 Fragebogen für die AZ Medien AG (act. 29).
33 Fragebogen für Werbeplattformen an die 3 Plus Group und die NZZ Mediengruppe (act. 32 bzw.
33).
34 Auskunftsbegehren an UPC Cablecom (act. 38).
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53. Nach Fristerstreckungen erfolgten am 28. August 2015 die Stellungnahmen von Google,
am 31. August 2015 jene von Publicitas und der AZ Medien AG und am 1. September 2015
jene von Goldbach Media zu den Auskunftsbegehren an Werbevermittler und –vermarkter.35
54. Am 28. August 2015 richtete das Sekretariat ein weiteres Auskunftsbegehren an die Zu-
sammenschlussparteien mit einer Antwortfrist bis am 1. September 2015.36 Am 1. September
2015 erreichte das Sekretariat die entsprechende Stellungnahme per Fax und Einschreiben.37
55. Am 31. August 2015 reichte die 3 Plus Group die Antworten zum Fragebogen an Wer-
beplattformen ein.38
56. Ebenfalls am 31. August 2015 erreichte eine Stellungnahme der SevenOne Media
(Schweiz) AG (nachfolgend: SevenOne Media (Schweiz)) bzw. der Sendergruppe ProSieben-
Sat.1 das Sekretariat.39
57. Am 2. September 2015 ging beim Sekretariat eine Stellungnahme des Verbands Schwei-
zer Medien (nachfolgend: VSM) zum Zusammenschlussvorhaben ein.40 Darin sei auch die
Stellungnahme der NZZ Mediengruppe (vgl. Rz 51) konsolidiert zu sehen.41
58. Am 3. September 2015 erreichte nach einer Fristerstreckung die Stellungnahme der
UPC Cablecom das Sekretariat.42
59. Am 9. September 2015 entschied das Präsidium der Wettbewerbskommission eine ver-
tiefte Prüfung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 KG des Zusammenschlussvorhabens durchzuführen
und unterrichtete gleichentags die Zusammenschlussparteien über dieses Vorhaben.43 Die Öf-
fentlichkeit wurde diesbezüglich am 10. September 2015 mit einer Pressemitteilung orien-
tiert.44
60. Am 14. September 2015 übersendete das Sekretariat den Zusammenschlussparteien
die Beschlussbegründung für die Einleitung einer vertieften Prüfung mit der Bitte dazu bis spä-
testens am 25. September 2015 Stellung zu nehmen.45
35 Stellungnahme von Google (act. 47), Stellungnahme von Publicitas (act. 46), Stellungnahme der AZ
Medien AG (act. 56), Stellungnahmen von Goldbach Media und Goldbach Group AG (act. 53 bzw. act.
55).
36 Auskunftsbegehren an die Zusammenschlussparteien (act. 44).
37 Stellungnahme der Zusammenschlussparteien (act. 59 bzw. 60).
38 Stellungnahme von 3 Plus Group (act. 52 und 54).
39 Stellungnahme der SevenOne Media (Schweiz) AG (act. 57).
40 Stellungnahme des VSM (act. 61).
41 Vgl. Orientierung der NZZ Mediengruppe bzgl. Beantwortung des Fragebogens an Werbeplattfor-
men im Rahmen einer Stellungnahme vom VSM (act. 62).
42 Stellungnahme UPC Cablecom (act. 67 und 68).
43 Schreiben betr. Einleitung einer Prüfung an die Zusammenschlussparteien (act. 71).
44 Pressemitteilung vom 10. September 2015 (act. 70).
45 Beschlussbegründung (act. 73).
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61. Am 15. September 2015 stellten die Zusammenschlussparteien ein Gesuch um Akten-
einsicht.46 Die Akten wurden daraufhin am 17. September 2015 vom Sekretariat den Parteien
zugesandt47, wobei einige Aktenstücke ausgeklammert wurden, da diese sich zu diesem Zeit-
punkt noch in der Geschäftsgeheimnisbereinigung befanden. Diese wurden am 28. September
2015 und am 30. September 2015 den Zusammenschlussparteien nachgereicht.48
62. Mit Schreiben vom 22. September 2015 ersuchten die Zusammenschlussparteien das
Sekretariat um eine Fristerstreckung zur Stellungnahme zur Beschlussbegründung bis am 6.
Oktober 2015.49 Diesem wurde vom Sekretariat am 23. September 2015 teilweise entsprochen
und die Frist auf den 2. Oktober 2015 gesetzt.50
63. Drei Fragebögen, einen für 11 TV-Sender, einen für 30 Media- und Werbeagenturen und
einen für 27 Werbetreibende, wurden am 24. September 2015 mit Einreichfrist am 2. Oktober
2015 an die Marktteilnehmer versandt.51 Der Fragebogen für TV-Sender wurde am 28. Sep-
tember 2015 zudem auf Anfrage an den Verband Schweizer Medien (nachfolgend: VSM) ge-
sendet.52 Ebenfalls auf Anfrage wurde der Fragebogen für Werbe- und Mediaagenturen am
28. September 2015 der Goldbach Media und der Goldbach Group AG (nachfolgend: Gold-
bach Group) zugestellt.53 Des Weiteren erhielt Publicitas am 2. Oktober 2015 sowohl den Fra-
gebogen für TV-Sender als auch jenen für Media- und Werbeagenturen zugestellt.54 Der Fra-
gebogen für Media- und Werbeagenturen wurde am 29. September 2015 an 14 zusätzliche
Mediaagenturen des bsw leading swiss agencies geschickt.55
64. Zu weiteren Erläuterungen des Zusammenschlussvorhabens fragten die Zusammen-
schlussparteien am 21. September 2015 per Telefon ein direktes Gespräch nach. Diese An-
frage wurde mit Schreiben vom 24. September 2015 vom Sekretariat dahingehend beantwor-
tet, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt das Verfahren noch ausschliesslich schriftlich geführt
wird.56
65. Am 6. Oktober 2015 wurden diverse befragte Marktteilnehmer mit einem Mahnungsbrief
zur Einreichung der Antworten auf die an sie am 24. September 2015 gesendeten Fragebögen
46 Gesuch um Akteneinsicht (act. 74).
47 Akteneinsicht für die Zusammenschlussparteien (act. 76).
48 Akteneinsicht für die Zusammenschlussparteien (act. 130 und act. 159).
49 Gesuch um Fristerstreckung zur Stellungnahme (act. 86).
50 Fristerstreckung zur Stellungnahme (act. 89).
51 Fragebogen an Werbetreibende (act. 95), an Media- und Werbeagenturen (act. 96) und an TV-
Sender (act. 97).
52 Zustellung Fragebogen an den VSM (act. 118).
53 Zustellung Fragebogen Goldbach Media und Goldbach Group AG (act. 114).
54 Zustellung Fragebogen an Publicitas (act. 198).
55 Zustellung Fragebogen an zusätzliche Mediaagenturen (act. 150).
56 Antwort betreffend eines Gesprächstermins (act. 108).
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aufgefordert.57 Bis zum 13. Oktober 2015 war das Sekretariat im Besitz von allen Antworten;
mit Ausnahme von 4 Media- und Werbeagenturen und 1 Werbetreibenden.
66. Auf Anfrage der Zusammenschlussparteien stellte das Sekretariat diesen am 5. Oktober
2015 ein aktualisiertes Aktenverzeichnis zu.58
67. Am 7. Oktober 2015 sendeten die Zusammenschlussparteien die Stellungnahme zur
Beschlussbegründung dem Sekretariat vorab per E-Mail zu, welche das Sekretariat am 9. Ok-
tober 2015 erreichte.59
68. Mit E-Mail vom 13. Oktober 2015 ersuchten die Zusammenschlussparteien das Sekre-
tariat um Akteneinsicht gemäss dem ihnen am 5. Oktober 2015 zugestellten Aktenverzeich-
nis.60 Das Sekretariat stellte den Zusammenschlussparteien am 23. Oktober 2015 ein aktuali-
siertes Aktenverzeichnis mit den Aktenstücken zu.61
69. Am 20. Oktober 2015 fragte die Pink Box AG ob sie als Werbetreibende im Online-Be-
reich ebenfalls an der Marktumfrage teilnehmen könne. Das Sekretariat stellte dieser am 22.
Oktober 2015 den Fragebogen für Werbetreibende zu mit (erstreckter) Frist bis am 6. Novem-
ber 2015.62
70. Am 22. Oktober 2015 stellte das Sekretariat dem Bundesamt für Kommunikation (nach-
folgend: BAKOM) ein Amtshilfegesuch bzgl. der Durchleitungspflicht von zielgerichteten TV-
Programmen (inkl. Werbung) gestützt auf das Bundesgesetz über Radio und Fernsehen
(RTVG; SR 784.40) zu.63
71. Am 30. Oktober 2015 stellte das Sekretariat den Zusammenschlussparteien weitere bis
dahin sich noch in einer Geschäftsgeheimniskonsultation befindende Aktenstücke zu.64
72. Mit Ablauf des 6. Novembers 2015 sind sämtliche Fristen zur Einreichung der Auskunfts-
begehren an die Marktteilnehmer abgelaufen. Damit stehen dem Sekretariat 37 auswertbare
Fragbogen für Media- und Werbeagenturen (inkl. jenen der Goldbach Media, der Goldbach
Group und der Publicitas), 12 auswertbare Fragebogen für TV-Sender (inkl. jenem des VSM)
und 27 auswertbare Fragebogen für Werbetreibende zur Verfügung.
73. Am 2. November 2015 verabschiedete die WEKO die vorläufige Beurteilung, in welcher
sie zum Schluss kommt, dass das Zusammenschlussvorhaben in der gemeldeten Form auf
den Märkten für die Vermittlung bzw. Vermarktung von zielgerichteter TV-Werbezeit zu einer
marktbeherrschenden Stellung führt, durch welche wirksamer Wettbewerb beseitigt werden
kann und wonach der Zusammenschluss nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht in der
gemeldeten Form zugelassen werden kann.
57 Mahnung zur Einreichung der Antworten auf Fragebögen (act. 225).
58 Zustellung Aktenverzeichnis an Zusammenschlussparteien (act. 215).
59 Stellungnahme zur Beschlussbegründung von Kellerhals Carrard (act. 286).
60 Gesuch um Akteneinsicht per Stichdatum 5. Oktober 2015 (act. 351).
61 Zustellung der Akten per 23. Oktober 2015 an die Zusammenschlussparteien (act. 364).
62 Zustellung Fragebogen an Pink Box AG (act. 362) und Fristerstreckung (act. 379).
63 Amtshilfegesuch an das BAKOM (act. 363).
64 Zustellung weiterer Aktenstücke an die Zusammenschlussparteien (act. 381).
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74. Die vorläufige Beurteilung wurde am 4. November 2015 den Zusammenschlussparteien
zugestellt. Im Begleitschreiben wurden die Zusammenschlussparteien angefragt, ob sie mit
einer Weitergabe der Information bzgl. der geplanten Segmentierung der Ausstrahlung von
zielgerichteter TV-Werbung an das BAKOM einverstanden seien.65
75. Die Zusammenschlussparteien baten die WEKO am 6. November 2015 um einen Be-
sprechungstermin zwecks näherer Erläuterung des Zusammenschlussvorhabens durch Mit-
glieder der Geschäftsleitungen der beteiligten Parteien.66
76. Mit E-Mail vom 9. November 2015 erklärten sich die Zusammenschlussparteien mit der
Weitergabe von weiteren Information (vgl. Rz 74) einverstanden.67 Am 9. November 2015 in-
formierte das Sekretariat die Zusammenschlussparteien in Bezug auf die Anfrage eines Be-
sprechungstermins (vgl. Rz 75), dass das Präsidium der WEKO eine Diskussion zwischen den
Zusammenschlussparteien und dem Sekretariat im Hinblick auf mögliche Auflagen und Bedin-
gungen wünscht.68
77. Mit Schreiben vom 10. November 2015 ersuchten die Zusammenschlussparteien eine
Fristerstreckung zur Stellungnahme zur vorläufigen Beurteilung, welche vom Sekretariat am
11. November 2015 gewährt wurde.69
78. Am 12. November 2015 erreichte das Antwortschreiben des BAKOM zum Amtshilfege-
such (vgl. Rz 70) das Sekretariat.70
79. Mit E-Mail vom 12. November 2015 wurde der Diskussionstermin zu Auflagen und Be-
dingungen zwischen den Zusammenschlussparteien und dem Sekretariat auf den 26. Novem-
ber 2015 festgelegt.71
80. Die Zusammenschlussparteien nahmen am 23. November 2015 Stellung zur vorläufigen
Beurteilung.
81. Die Zusammenschlussparteien und das BAKOM wurden am 23. November 2015 für die
Anhörung vom 30. November 2015 vorgeladen.
82. Im Auftrag der KE Media GmbH wurde der WEKO am 23. November 2015 ein Gutachten
im Sinne einer Würdigung des Zusammenschlussvorhabens im Lichte der deutschen Ent-
scheidungspraxis von Herrn Prof. Dr. Rupprecht Podszun zugestellt.
83. Ein weiteres Gutachten von E.CA Economics im Auftrag der Zusammenschlussparteien
erreichte die WEKO am 25. November 2015.
65 Zustellung der vorläufigen Beurteilung an die Zusammenschlussparteien (act. 386).
66 Anfrage Besprechungstermin der Zusammenschlussparteien (act. 389).
67 Antwort der Zusammenschlussparteien bzgl. Weitergabe von weiteren Informationen an das
BAKOM (act. 392).
68 Besprechungstermin zur Diskussion möglicher Auflagen und Bedingungen (act. 393).
69 Fristerstreckungsgesuch betreffend Stellungnahme zur vorläufigen Beurteilung (act. 395 und act.
400).
70 Stellungnahme des BAKOM zum Amtshilfegesuch (act. 398).
71 Einladung an die Zusammenschlussparteien betr. Diskussion von Auflagen und Bedingungen (act.
399).
41-00042/COO.2101.111.7.130294 18
84. Am 26. November 2015 fand zwischen den Zusammenschlussparteien und dem Sekre-
tariat eine Diskussion betreffend möglicher Auflagen und Bedingungen statt.
85. Die Zusammenschlussparteien stellten dem Sekretariat am 27. November 2015 einen
neuen Vorschlag mit möglichen Auflagen und Bedingungen zu.72
86. Am 30. November 2015 fand die Anhörung der Zusammenschlussparteien und des
BAKOM in den Räumlichkeiten der WEKO statt.
87. Am 14. Dezember 2015 fasste die WEKO den Entscheid zur vorliegenden Stellung-
nahme.

B Erwägungen
B.1 Geltungsbereich
88. Das Bundesgesetz vom 6. Oktober 1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbe-
schränkungen (Kartellgesetz, KG; SR 251) gilt für Unternehmen des privaten und öffentlichen
Rechts, die Kartell- oder andere Wettbewerbsabreden treffen, Marktmacht ausüben oder sich
an Unternehmenszusammenschlüssen beteiligen (Art. 2 KG).
B.1.1 Unternehmen
89. Als Unternehmen gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleis-
tungen im Wirtschaftsprozess, unabhängig von ihrer Rechts- oder Organisationsform (Art. 2
Abs. 1bis KG). Die am Zusammenschluss beteiligten Unternehmen sind als solche Unterneh-
men zu qualifizieren.
B.1.2 Unternehmenszusammenschluss
90. Swisscom, Ringier und SRG beabsichtigen, ein gemeinsam zu kontrollierendes Vollfunk-
tions-JV zu gründen. Diese Gesellschaft soll in der Schweiz Vermarktungs-Dienstleistungen
gegenüber Swisscom, Ringier, SRG und Dritten anbieten und auf Dauer alle Funktionen einer
selbständigen wirtschaftlichen Einheit erfüllen. In das JV werden Geschäftstätigkeiten von min-
destens einem der kontrollierenden Unternehmen einfliessen (siehe insbesondere Rz 29).
91. Es ist im vorliegenden Fall zu prüfen, ob im Sinne von Art. 2 Abs. 1 VKU die gemeinsame
Kontrolle und die Anforderungen an ein Vollfunktionsunternehmen vorliegen. Weiter ist im
Sinne von Art. 2 Abs. 2 VKU zu prüfen, ob von mindestens einem der kontrollierenden Unter-
nehmen Geschäftstätigkeiten in das Gemeinschaftsunternehmen einfliessen.
B.1.2.1 Gemeinsame Kontrolle
92. Eine gemeinsame Kontrolle besteht, wenn zwei oder mehr Unternehmen gemeinsam
die Möglichkeit haben, einen bestimmenden Einfluss auf die Tätigkeit des Gemeinschaftsun-
ternehmens auszuüben. Gemeinsame Kontrolle liegt somit vor, wenn die kontrollierenden Un-
ternehmen strategische geschäftspolitische Entscheidungen, d.h. Entscheidungen über
Budget, Geschäftsplan, grössere Investitionen und Besetzung der Unternehmensleitung ge-
meinsam treffen, wobei nicht unbedingt eine einstimmige Beschlussfassung für alle diese
72 Neuer Vorschlag für Auflagen und Bedingungen der Zusammenschlussparteien (act. 415).
41-00042/COO.2101.111.7.130294 19
Rechte gleichzeitig bestehen muss. Die Praxis der WEKO nimmt dabei Bezug auf die entspre-
chende Praxis der EU-Kommission. Eine gemeinsame Kontrolle liegt insofern dann vor, wenn
die Muttergesellschaften bei allen wichtigen Entscheidungen, die das Gemeinschaftsunterneh-
men betreffen, Übereinstimmung erzielen müssen.73
93. Nach Vollzug des Zusammenschlusses würden Swisscom, Ringier und SRG stimmen-
und kapitalmässig je eine Beteiligung von 33 1/3% an der JV [...] halten. [...]. Aufgrund dieser
Struktur würden Swisscom, Ringier und SRG gleichermassen entscheidenden Einfluss auf
das JV haben.74
94. Gemäss Transaktionsvereinbarung solle der Verwaltungsrat der JV[...] aus [...] Perso-
nen bestehen, wobei jede Partei je [...] Vertreter nominieren würde. Zu Beginn des JVs sollen
zusätzlich [...]. Die nominierten Mitglieder seien von der Generalversammlung zu wählen. [...]
95. Die Transaktionsvereinbarung sieht vor, dass der Verwaltungsrat seine Beschlüsse mit
[...]. Dabei sei für die im Anhang 7 der Transaktionsvereinbarung aufgeführten Fälle ein qua-
lifiziertes Quorum erforderlich, welches im Ergebnis die Zustimmung aller drei Mutterunterneh-
men erfordert: [...]. Die Beschlüsse gemäss Anhang 7 der Transaktionsvereinbarung umfas-
sen die massgebenden strategischen geschäftspolitischen Entscheidungen, [...].
96. [...]. Demnach können sämtliche strategischen und geschäftspolitischen Entscheidun-
gen nur durch Kooperation der drei Unternehmen erfolgen.75 Es ist daher von gemeinsamer
Kontrolle durch die drei Gesellschaften auszugehen.
B.1.2.2 Vollfunktionsunternehmen76
97. Ein Vollfunktions-Gemeinschaftsunternehmen i.S.v. Art. 2 Abs. 1 VKU liegt gemäss Pra-
xis der WEKO unter folgenden Voraussetzungen vor:
- Das Gemeinschaftsunternehmen hat eine eigene Marktpräsenz, d.h. es tritt als Anbie-
ter oder Nachfrager auf dem Markt auf, wobei es dabei mehr als eine spezifische Funk-
tion in der Geschäftstätigkeit der Muttergesellschaften übernehmen muss.
- Das Gemeinschaftsunternehmen tritt als selbständige wirtschaftliche Einheit auf. Es
muss somit in der Lage sein, eine eigene Geschäftspolitik verfolgen zu können.
- Das Gemeinschaftsunternehmen ist auf Dauer angelegt, d.h. es ist dazu bestimmt und
in der Lage, seine Tätigkeiten zeitlich unbegrenzt, zumindest aber langfristig auszu-
üben.
- Das Gemeinschaftsunternehmen muss über ein sich dem Tagesgeschäft widmendes
Management und ausreichende Ressourcen wie finanzielle Mittel, Personal, materielle
und immaterielle Vermögenswerte verfügen.
73 Vgl. zum Ganzen Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 79 in Verbindung mit RPW 2012/1,
Rz 32 ff., S. 146 ff.
74 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 80.
75 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 84.
76 Vgl. zum Ganzen Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 85 in Verbindung mit RPW 2013/4,
Rz 21., S. 662 ff.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 20
98. Eigene Marktpräsenz: Das JV würde als selbständige wirtschaftliche Einheit unter eige-
nem Namen als Vermittler und Vermarkter von Werbung im digitalen und elektronischen Wer-
bemarkt (TV, Radio und Online) fungieren. Der Zweck des JV sei es, möglichst grosse Reich-
weiten in bestehenden und neuen Werbekanälen zu Gunsten des Medienplatzes Schweiz,
insbesondere durch eine gemeinsame professionelle Vermarktungsorganisation mit attraktiver
Marktstellung in der Schweiz, insb. für die crossmediale Vermarktung über alle Werbeformen
bereitzustellen.
99. Im Wirtschaftskreislauf wird das JV in seiner Funktion als Werbevermittler sowohl ge-
genüber Werbetreibenden als auch gegenüber Bereitstellern von Werberaum gegenüber den
Parteien und Dritten tätig. Das JV wird daher über eine eigene Marktpräsenz verfügen.
100. Selbständige wirtschaftliche Einheit: Das JV würde in erster Linie die ihm von den Mut-
tergesellschaften und von Dritten übertragenen Inventare gegenüber Werbetreibenden ver-
markten. Die professionellen Vermarktungsorganisationen der drei Muttergesellschaften wür-
den in das JV eingebracht werden. Neben der Vermarktung der Inventare würde das JV
weitere Produkte und Dienstleistungen anbieten. Es würde bspw. Buchungs-, Planungs- und
Abwicklungssysteme für den Werbemarkt entwickeln und vermarkten. Diese Leistungen würde
das JV gegenüber Werbetreibenden auf dem Markt in eigenem Namen anbieten und eine
eigenständige Geschäftspolitik verfolgen. Die JV-Gruppe würde ihre Umsätze mit Leistungen
gegenüber Drittkunden erzielen und dabei entsprechende Kundenverträge selbst und in eige-
nem Namen abschliessen. Das JV wäre daher als selbständige wirtschaftliche Einheit zu qua-
lifizieren
101. Dauerhaftigkeit: Das JV sei auf Dauer angelegt. Es bestünden keine allgemeinen Kün-
digungsmöglichkeiten. Nur im Falle vertraglich definierter Exit-Szenarien [...] sei vorgesehen,
dass die [...].Die Auflösung des JV als solches sei aber nicht vorgesehen, weshalb die Rechts-
einheit grundsätzlich auf Dauer angelegt ist.
102. Zugang zu ausreichenden Mitteln: Die JV-Gruppe würde über ein eigenes Personal von
ca. 300 Vollzeitstellen verfügen. Gemäss dem Finanzierungs-Grundsatz der Transaktionsver-
einbarung solle das JV dauernd eigenständig und auf finanziell gesunder Basis operieren, [...].
Damit kann davon ausgegangen werden, dass das JV über einen Zugang zu ausreichenden
Mitteln verfügt, um seine Geschäftstätigkeit zu tragen.
B.1.2.3 Einzubringende Geschäftstätigkeiten von mindestens einem der
kontrollierenden Unternehmen77
103. Nach der Praxis der WEKO ist dieses Tatbestandsmerkmal von Art. 2 Abs. 2 VKU übli-
cherweise weit auszulegen. Danach genügt zu dessen Erfüllung bereits die Einbringung von
Vertriebsorganisation, Produktionsanlagen oder wesentlichem Know-how.78
104. Swisscom, SRG und Ringier beabsichtigten, eigenes qualifiziertes Personal in das JV
zu überführen. SRG würde [...] Publisuisse einbringen. Auch Swisscom und Ringier würden
Geschäftsbereiche eingliedern: Swisscom wird Aktiven, Passiven Verträge und Mitarbeiter im
Zusammenhang mit dem Online und Multi-Screen Geschäftsbereich einschliesslich der
Swisscom Advertising Unit einbringen. Ringier würde ihre Publishing Inventare sowie die zu-
gehörige Vermarktungsorganisation (Aktiven, Passiven, Verträge und Mitarbeiter) einbringen.
77 Vgl. zum Ganzen Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 94 ff.
78 Vgl. RPW 2012/1, Rz. 56, S. 146 ff.
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105. Zudem würde die für die Erbringung der Vermarktungsdienstleistungen notwendige
technische Infrastruktur in das geplante Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden.
B.1.2.4 Fazit
106. Die Voraussetzungen gemäss Art. 2 Abs. 2 VKU sind vorliegend erfüllt. Damit handelt
es sich bei dem gemeldeten Vorhaben um einen Unternehmenszusammenschluss im Sinne
von Art. 4 Abs. 3 KG i. V. m. Art. 2 Abs. 2 VKU.
B.1.3 Vorbehaltene Vorschriften
107. In den hier zu beurteilenden Märkten gibt es keine gesetzlich vorbehaltenen Vorschriften
im Sinne von Art. 3 Abs. 1 KG, die Wettbewerb nicht zulassen. Der Vorbehalt von Art. 3 Abs.
1 KG wurde von den Parteien auch nicht geltend gemacht.
B.2 Meldepflicht
108. Vorhaben über Zusammenschlüsse von Unternehmen sind vor ihrem Vollzug der WEKO
zu melden, sofern im letzten Geschäftsjahr vor dem Zusammenschluss die beteiligten Unter-
nehmen einen Umsatz von insgesamt mindestens CHF 2 Mrd. oder einen auf die Schweiz
entfallenden Umsatz von insgesamt mindestens CHF 500 Mio. erzielten (Art. 9 Abs. 1 lit. a
KG) und mindestens zwei der beteiligten Unternehmen einen Umsatz in der Schweiz von je
mindestens CHF 100 Mio. erzielten (Art. 9 Abs. 1 lit. b KG).
Swisscom SRG Ringier insgesamt
Schweiz 9‘586 Mio.79 1.65 Mrd.80 [...] [...]
Weltweit 11‘703 Mio.81 1.65 Mrd.82 988.5 Mio.83 14‘341.5 Mio.
Tabelle 1: Umsätze der beteiligten Unternehmen im Geschäftsjahr 2014 (in CHF).
109. Die Umsatzschwellen von Art. 9 Abs. 1 KG sind damit klar erreicht. Das Zusammen-
schlussvorhaben ist meldepflichtig. Für die Zwecke des vorliegenden Zusammenschlussvor-
habens wird daher nicht zusätzlich geprüft, ob ungeachtet des Erreichens der Meldeschwellen
eine Meldepflicht gemäss Art. 9 Abs. 4 KG besteht.
B.3 Beurteilung des Zusammenschlussvorhabens
110. Gemäss Art. 10 Abs. 2 KG kann die Wettbewerbskommission den Zusammenschluss
untersagen oder ihn mit Bedingungen und Auflagen zulassen, wenn die Prüfung ergibt, dass
der Zusammenschluss:
79 Meldung vom 10. August 2015 (act. 11), Beilage 7, Geschäftsbericht 2014 der Swisscom AG, S.60.
80 Meldung vom 10. August 2015 (act. 11), Beilage 9, Geschäftsbericht 2014 der SRG SSR, S. 10.
81 Meldung vom 10. August 2015 (act. 11), Beilage 7, Geschäftsbericht 2014 der Swisscom AG, S.73.
82 Meldung vom 10. August 2015 (act. 11), Beilage 9, Geschäftsbericht 2014 der SRG SSR, S. 10.
83 Meldung vom 10. August 2015 (act. 11), Beilage 20, Jahresbericht 2014 der Ringier, S. 9.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 22
a) eine marktbeherrschende Stellung, durch die wirksamer Wettbewerb beseitigt werden
kann, begründet oder verstärkt; und
b) keine Verbesserung der Wettbewerbsverhältnisse in einem anderen Markt bewirkt, welche
die Nachteile der marktbeherrschenden Stellung überwiegt.
111. Gemäss Art. 4 Abs. 2 KG gelten einzelne oder mehrere Unternehmen als marktbeherr-
schend, wenn sie auf einem Markt als Anbieter oder Nachfrager in der Lage sind, sich von
anderen Marktteilnehmern in wesentlichem Umfang unabhängig zu verhalten.
112. Unternehmen sehen sich in ihren Verhaltensspielräumen durch ihre aktuellen und po-
tenziellen Konkurrenten beschränkt. Die voraussichtliche Marktstellung der Parteien nach dem
Zusammenschluss ergibt sich folglich daraus, ob nach Realisierung ihres Vorhabens genü-
gend aktuelle und potenzielle Konkurrenten verbleiben, die das Verhalten der Parteien nach
dem Zusammenschluss disziplinieren werden.
113. Damit auf einem Markt der wirksame Wettbewerb beseitigt werden kann, muss gemäss
Bundesgericht ein marktbeherrschendes Unternehmen über die Möglichkeit verfügen, bereits
bestehende Konkurrenten aus dem Wettbewerb zu drängen oder zu verhindern, dass sich
solche ihm gegenüber weiterhin als Konkurrenten verhalten oder dass neue Wettbewerber
auftreten.84 Die entstandene oder verstärkte marktbeherrschende Stellung muss somit die Ge-
fahr der Beseitigung wirksamen Wettbewerbs mit sich bringen. Ein wettbewerbsrechtliches
Eingreifen bei der Zusammenschlusskontrolle setzt in diesem Sinne eine mögliche Wettbe-
werbsbeseitigung durch das Fusionsprojekt voraus.
114. Hierzu sind vorab die relevanten Märkte in sachlicher und räumlicher Hinsicht abzugren-
zen.
B.3.1 Relevante Märkte
115. Zur Beurteilung, ob Anhaltspunkte dafür bestehen, dass durch einen meldepflichtigen
Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung begründet oder verstärkt wird, sind ge-
mäss Art. 11 Abs. 3 VKU die sachlichen und räumlichen Märkte zu bestimmen, wobei der
sachlich relevante Markt alle Waren und Leistungen umfasst, die von der Marktgegenseite
hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres vorgesehenen Verwendungszweckes als substitu-
ierbar angesehen werden (Art. 11 Abs. 3 lit. a VKU) und der räumlich relevante Markt das
Gebiet umfasst, in welchem die Marktgegenseite die den sachlichen Markt umfassenden Wa-
ren oder Leistungen nachfragt oder anbietet (vgl. Art. 11 Abs. 3 lit. b VKU).
116. Ausgangspunkt der Bestimmung der sachlich und räumlich relevanten Märkte ist die Ge-
schäftstätigkeit der am Zusammenschluss beteiligten Unternehmen. Für die Zwecke des vor-
liegenden Zusammenschlussvorhabens werden für die Abgrenzung der sachlich und räumlich
relevanten Märkte nur diejenigen Geschäftstätigkeiten herangezogen, die über das geplante
Joint-Venture gemeinsam im Markt angeboten werden. Die Geschäftstätigkeiten, in welchen
die am Zusammenschluss beteiligten Unternehmen weiterhin eigenständig Produkte und
Dienstleistungen anbieten und auf welche das Zusammenschlussvorhaben keine Auswirkun-
gen hat, werden vorliegend nicht geprüft.
117. Gemäss Bundesverwaltungsgericht erfolgt die Abgrenzung des sachlich relevanten
Marktes aus Sicht der Nachfrager als Marktgegenseite, d. h. der Abnehmer eines abgesetzten
84 Urteil des BGer in Sachen Wettbewerbskommission gegen Berner Zeitung AG und Tamedia AG,
2A.327/2006, E. 6.4.
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Produktes.85 Massgebend ist dabei, welche Waren und Dienstleistungen mit dem in Frage
stehenden Produkt in Wettbewerb stehen. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Austausch-
barkeit der verschiedenen Produkte gegeben ist, weil sie aufgrund ihrer Eigenschaften, Preise
und den vorgesehenen Verwendungszweck von den Nachfragern als gleichwertig angesehen
werden. Massgebend ist demzufolge, welche Produkte aus Sicht eines objektiven Nachfragers
von bestimmten Leistungen diesen Bedarf in akzeptabler Weise zufriedenstellend erfüllen. Für
eine zufriedenstellende Erfüllung ist es dabei einerseits nicht erforderlich, dass die Leistung in
identischer Weise erbracht wird, andererseits ist eine bloss teilweise gegebene Austauschbar-
keit nicht ausreichend. Zudem sind für die Abgrenzung des sachlich relevanten Marktes auch
die Art und der Inhalt des jeweiligen wettbewerbsbeschränkenden Verhaltens zu berücksich-
tigen.86
B.3.1.1 Vorbemerkungen zur Geschäftstätigkeit der Joint Venture-Gesellschaft
118. Ziel der Joint Venture-Gesellschaft besteht darin, die Werbeinventare von Swisscom,
SRG, Ringer und von Dritten gegenüber Werbetreibenden zu vermarkten.87 Vom Zusammen-
schlussvorhaben nicht erfasst sind die eigentlichen Kernaktivitäten der beteiligten Unterneh-
men. Daher werden nur die Vermarktungsaktivitäten in die Joint Venture-Gesellschaft einge-
bracht, wobei die Joint Venture-Gesellschaft auf Provisionsbasis arbeiten wird. Gemäss
Meldung werden künftig durch die Joint Venture-Gesellschaft die folgenden Inventar-Elemente
vermarktet:
a. TV Werbung SRG
b. TV Sponsoring SRG
c. Radio Sponsoring SRG
d. Werbevermarktungsrechte (Displaywerbung) [...]
e. Werbeinventar TV-Plattformen Swisscom
f. [...]
g. Werbeinventar von Ringier: [...].
119. Neben der Vermarktung der Inventare stellt die Joint Venture-Gesellschaft dem Werbe-
markt weitere Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung.88 Sie wird bspw. Buchungs-, Pla-
nungs- und Abwicklungssysteme für den Werbemarkt entwickeln und anbieten.
120. Zudem planen die Zusammenschlussparteien der Joint Venture-Gesellschaft den Zu-
gang zu den Daten, [...], [...] zur Verfügung zu stellen.89
85 Urteil des Bundesverwaltungsgericht vom 14. September 2015 in Sachen Sanktionsverfügung –
Preispolitik Swisscom ADSL, B-7633/2009, E. V.1.3.a.
86 Urteil des Bundesverwaltungsgericht vom 14. September 2015 in Sachen Sanktionsverfügung –
Preispolitik Swisscom ADSL, B-7633/2009, E. V.1.3.d.
87 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 3.
88 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 4.
89 Schreiben der Zusammenschlussparteien vom 1. September 2015 (act. 58), S. 1 f.
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121. Im Rahmen der dem Meldungsentwurf beigelegten Transaktionsvereinbarung vereinba-
ren die Partien, dass sie soweit zulässig und technisch möglich, der Joint Venture-Gruppe [...]
(nachfolgend: „Targeting Insights“) [...].
B.3.1.2 Vorbemerkungen zu den einzelnen Werbemärkten
122. Ausgehend von den geplanten Geschäftstätigkeiten wird die Joint Venture-Gesellschaft
insbesondere auf den nachfolgenden Märkten tätig sein:
a. Märkte für die Vermarktung und Vermittlung von TV-Werbezeit.
b. Märkte für die Vermarktung und Vermittlung von Radio-Werbezeit.
c. Märkte für die Vermarktung und Vermittlung von Online-Werbeflächen.
d. Märkte für die Vermarktung und Vermittlung von Werberaum in Print-Erzeug-
nissen.
123. Die WEKO bezeichnet die Märkte unter Buchstaben a-d bewusst als Vermarktungs- und
Vermittlungs-Märkte. Die Grenzen zwischen Vermarktung, also dem Platzieren der Werbezeit
bzw. -fläche am Markt, und der Vermittlung der Werbezeit bzw. -fläche zwischen dem Anbieter
und einem spezifischen Nachfrager ist fliessend und erfolgt aus einer Hand. Im Rahmen einer
Erleichterung der Meldung wird auf eine Abgrenzung derjenigen Märkte verzichtet, auf wel-
chen die an der Joint Venture-Gesellschaft beteiligten Unternehmen tätig sind, deren Tätigkeit
allerdings nicht in die Joint Venture-Gesellschaft eingebracht oder die durch die Tätigkeit der
Joint Venture-Gesellschaft nicht direkt tangiert werden. Dies sind insbesondere die Telekom-
munikationsmärkte, die Nutzer- und Lesermärkte für Print- und Online-Erzeugnisse etc.
B.3.1.2.1. Nachfrage nach zielgruppenspezifischer Werbung
124. Die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere die
Digitalisierung von Medienkanälen, sowie ein wachsender Umfang an Mediennutzer- und Me-
diennutzungsdaten ermöglicht eine immer zielpersonenspezifischere Ausrichtung bzw. Perso-
nalisierung der Werbung („Targeted Advertising“) über die einzelnen Kanäle (TV, Print, On-
line/Digital, Radio). Um zu eruieren, wie sich die Nachfrage nach zielgruppenspezifischer
Werbung entwickeln wird, hat das Sekretariat in der Umfrage bei den Marktteilnehmern Fragen
zur Relevanz von zielgruppenspezifischer Werbung und dem eingeschätzten Verlauf deren
Nachfrage gestellt.
Relevanz von zielgruppenspezifischer Werbung
125. Bezüglich der Relevanz von zielgruppenspezifischer Werbung geben Werbetreibende
an, dass diese grundsätzlich wichtig ist und dies vor allem im TV- und Onlinebereich.90
126. Im Rahmen der Befragung der Werbevermarkter wurde festgestellt, dass die Möglichkeit
besteht, dass sich die Märkte für die Vermittlung und Vermarktung von TV-Werbezeiten durch
die neu aufkommenden Möglichkeiten der zielgerichteten Werbung verändern werden. So
geht beispielsweise Goldbach Media davon aus, dass der Anteil an zielpersonenspezifischer
90 So gibt bspw. die Kuoni Reisen AG im Fragebogen als Antwort auf Frage 8 an, dass sie grundsätz-
lich bei jeder Aktion oder Kampagne auf den gewünschten Medienplattformen immer zielgruppenspe-
zifische Werbung nachfragt (Antworten zum Fragebogen der Kuoni Reisen AG, act. 137.02). ALDI
SUISSE antwortet, dass zielgruppenspezifische TV- und Online-Werbung schon jetzt möglich und da-
her wichtig sei. Bei den restlichen Medien wäre diese sehr wünschenswert, sei jedoch noch bedingt
möglich (Antworten zum Fragebogen von ALDI SUISSE, act. 178.01).
41-00042/COO.2101.111.7.130294 25
Werbung am stagnierenden Gesamtwerbeumsatz in der Schweiz zunehmen wird, wobei von
dieser Zunahme indes nur der von der WEKO zu beurteilende Zusammenschluss profitieren
werde.91
127. Aus Sicht der Dienstleister für Werbetreibende, der Media- und Werbeagenturen, ist
ebenso festzustellen, dass die zielgruppenspezifische Werbung wichtig ist, wie die untenste-
hende Tabelle, basierend auf 37 verwertbaren Antworten, verdeutlicht:
Medienplattform Zielgruppenspezifische Werbung über die links-
stehende Plattform ist für uns
Wir fragen zielgruppen-
spezifische Werbung
nach Wichtig Unwichtig
TV 1
11 Anga-
ben
2
8 Anga-
ben
3
3 Anga-
ben
4
4 Anga-
ben
5
2 Anga-
ben
9 Angaben
Online 1
24 Anga-
ben
2
5 Anga-
ben
3
2 Anga-
ben
4
2 Anga-
ben
5 13 Angaben
Print 1
12 Anga-
ben
2
5 Anga-
ben
3
7 Anga-
ben
4
7 Anga-
ben
5
1 An-
gabe
10 Angaben
Radio 1
9 Anga-
ben
2
6 Anga-
ben
3
9 Anga-
ben
4
3 Anga-
ben
5
2 Anga-
ben
7 Angaben
Tabelle 2: Wichtigkeit der Werbekanäle
Entwicklung der Nachfrage nach zielgruppenspezifischer Werbung
Werbetreibende (basierend auf 27 verwertbaren Antworten)
128. Bezüglich der Entwicklung von zielgruppenspezifischer Werbung gehen die meisten der
befragten Werbetreibenden davon aus, dass der Anteil an zielgruppenspezifischer Werbung
am schweizweit erzielten Werbeumsatz in den Bereichen TV und Online/Digital („x“) in den
nächsten zwei bis drei Jahren zunehmen wird, wie die nachfolgende Tabelle zeigt.
Zielgruppen-
spez. Wer-
bung in den
Bereichen
Stark abneh-
mend
x≤-10%
Abnehmend
-10%<x≤-2%
Gleich blei-
bend
-2%<x≤2%
Zunehmend
2%<x≤10%
Stark zuneh-
mend
x>10%
TV: 1 Angabe 6 Angaben 10 Angaben
9 Angaben
Print: 1 Angabe 6 Angaben 15 Angaben 1 Angabe
2 Angaben
91 Eingabe Goldbach Media vom 31. August 2015 (act. 50), Antwort auf Frage 3.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 26
Online/Digi-
tal: 2 Angaben 24 Angaben
Radio: 1 Angabe 17 Angaben 4 Angaben
2 Angaben
Tabelle 3: Entwicklung der zielgerichteten Werbung allgemein aus Sicht der Werbetreiben-
den
129. Ebenso gehen die Werbetreibenden davon aus, dass der Anteil an zielgruppenspezifi-
scher Werbung an der von ihnen nachgefragten Menge an Werberaum bzw. -zeit in den Be-
reichen TV sowie Online/Digital („x“) in den nächsten zwei bis drei Jahren zunehmen wird.
Dies zeigt die nachfolgende Tabelle.
Stark abneh-
mend
x≤-10%
Abnehmend
-10%<x≤-2%
Gleich blei-
bend
-2%<x≤2%
Zunehmend
2%<x≤10%
Stark zuneh-
mend
x>10%
TV: 1 Angabe 8 Angaben 8 Angaben
7 Angaben
Print: 7 Angaben 14 Angaben 1 Angabe
2 Angaben
Online/Digi-
tal: 1 Angabe 4 Angaben 19 Angaben
Radio: 1 Angabe 3 Angaben 12 Angaben 3 Angaben
2 Angaben
Tabelle 4: Entwicklung der eigenen zielgerichteten Werbung aus Sicht der Werbetreibenden
Media- und Werbeagenturen (basierend auf 37 verwertbaren Antworten)
130. Analog zu den Werbetreibenden, gehen die Media- und Werbeagenturen davon aus,
dass der Anteil an zielgruppenspezifischer Werbung am schweizweit erzielten Werbeumsatz
(„x“) in den nächsten zwei bis drei Jahren zunehmen wird:
Stark abneh-
mend
x≤-10%
Abnehmend
-10%<x≤-2%
Gleich blei-
bend
-2%<x≤2%
Zunehmend
2%<x≤10%
Stark zuneh-
mend
x>10%
TV: 2 Angabe 9 Angaben 11 Angaben 12 Angaben
Print: 1 Angabe 13 Angaben 10 Angaben 6 Angaben 5 Angaben
Online/Digital: 1 Angabe 1 Angabe 7 Angaben 26 Angaben
Radio: 1 Angabe 7 Angaben 13 Angaben 8 Angaben 5 Angaben
Tabelle 5: Entwicklung der zielgerichteten Werbung allgemein aus Sicht der Media- und Wer-
beagenturen
131. Dasselbe gilt, nach Einschätzung der Media- und Werbeagenturen, für den Anteil an
zielgruppenspezifischer Werbung an der von diesen für ihre Kunden nachgefragten Menge an
Werberaum bzw. –zeit („x“):
41-00042/COO.2101.111.7.130294 27
Stark abneh-
mend
x≤-10%
Abnehmen
-10%<x≤-2%
Gleich blei-
ben
-2%<x≤2%
Zunehmen
2%<x≤10%
Stark zuneh-
men
x>10%
TV: 3 Angaben 6 Angaben 10 Angaben 9 Angaben
Print: 1 Angabe 9 Angaben 11 Angaben 3 Angaben 6 Angaben
Online/Digital: 1 Angabe 1 Angabe 5 Angaben 22 Angaben
Radio: 1 Angabe 4 Angaben 13 Angaben 5 Angaben 5 Angaben
Tabelle 6: Entwicklung der für Kunden nachgefragten zielgerichteten Werbung aus Sicht der
Media- und Werbeagenturen
TV-Sender (basierend auf 12 verwertbaren Antworten)
132. Aus Sicht der TV-Sender zeigt sich, dass auch diese davon ausgehen, dass der Anteil
an zielgruppenspezifischer Werbung am schweizweit erzielten Werbeumsatz („x“) in den
nächsten zwei bis drei Jahren zunehmen wird:
Stark abneh-
mend
x≤-10%
Abnehmend
-10%<x≤-2%
Gleich blei-
bend
-2%<x≤2%
Zunehmend
2%<x≤10%
Stark zuneh-
mend
x>10%
TV: 5 Angaben 5 Angaben
5 Angaben
Print: 4 Angaben 2 Angabe
4 Angaben
Online/Digi-
tal: 1 Angabe 11 Angaben
Radio: 4 Angaben 2 Angabe
4 Angaben
Tabelle 7: Entwicklung der zielgerichteten Werbung allgemein aus Sicht der TV-Sender
133. Dasselbe gilt für die Einschätzung der TV-Sender bzgl. der Entwicklung des Anteils an
zielgruppenspezifischer Werbung an dem von ihnen erzielten Werbeumsatz („x“) in den nächs-
ten zwei bis drei Jahren über verschiedene Medienkanäle:
Stark abneh-
men
x≤-10%
Abnehmen
-10%<x≤-2%
Gleich blei-
ben
-2%<x≤2%
Zunehmen
2%<x≤10%
Stark zuneh-
men
x>10%
TV: 5 Angaben 5 Angaben
5 Angaben
Print: 3 Angabe 3 Angaben
4 Angaben
Online/Digi-
tal: 4 Angaben 8 Angaben
Radio: 4 Angaben 2 Angabe
4 Angaben
41-00042/COO.2101.111.7.130294 28
Tabelle 8: Entwicklung des von den TV-Sendern eigenen erzielten Umsatzes mit zielgerich-
teter Werbung
134. Zusammenfassend zeigen die Umfrageergebnisse, dass die Möglichkeit zielgruppen-
spezifischer Werbung sowohl ein aktuelles als auch ein in Zukunft bestehendes Bedürfnis ist
bzw. sein wird und dieses vor allem im TV- und Online-Bereich besteht bzw. bestehen wird.
B.3.1.2.2. Substitution von Werbekanälen aus der Sicht von Werbetreibenden und
Media-Agenturen
135. Gemäss Praxis der WEKO stellen Print-, Radio- und TV-Werbung sowie auch Online-
Werbung eigene sachlich relevante Märkte dar92, wobei die WEKO im Fall Publigroupe/S1TV
einen Markt für die Vermittlung audiovisueller Werbung, bestehend aus der Vermittlung von
Kino-, Radio- und TV-Werbung abgegrenzt hat.93
136. Auch wenn es durch die zunehmende Digitalisierung zu einer zunehmenden Konver-
genz der einzelnen Medien kommt, geht die WEKO in ihrer Praxis davon aus, dass die einzel-
nen Werbeformen, welche auf den einzelnen Werbeträgern möglich sind, gemäss der bisheri-
gen Praxis noch nicht vollständig austauschbar sind, so dass sich eine Unterscheidung nach
Werbeträgern nach wie vor rechtfertigt, auch wenn es gewisse Wechselwirkungen zwischen
einzelnen Werbeträgern geben kann. In ihrer jüngsten bis jetzt noch unveröffentlichten Praxis
hat die WEKO auch den Markt für Vermarktung bzw. Vermittlung von audiovisueller Werbung
in einen Markt für die Vermarktung und Vermittlung von TV-Werbezeit sowie einen Markt für
die Vermittlung und Vermarktung von Radiowerbezeit unterteilt.
137. Im Hinblick auf die Austauschbarkeit der einzelnen Werbeträger untereinander hat die
Befragung der Werbetreibenden kein einheitliches Bild ergeben. Tendenziell scheint zielge-
richtete Online-Werbung eine immer stärkere Bedeutung zu erreichen. Die wenigsten Teilneh-
mer gehen davon aus, dass Online-Werbung bzw. zielgerichtete Online-Werbung durch einen
anderen Werbeträger ersetzt werden kann. Dies veranschaulicht die nachfolgende Tabelle,
welche die von den Werbetreibenden94 angegebenen Austauschbeziehungen ausweist:
... kann der Werbekanal durch den nachfolgenden Werbekanal ersetzt wer-
den
TV TV (zielge-
richtet)
Online/Digital Online/Digital
(zielgerichtet)
Print Radio
W e
n n
d e
r P
re is
f ü
r
d e
n r
e c
h ts
s te
h e
n -
d e
n W
e rb
e k
a n
a l
u m
5 -1
0 %
e rh
ö h
t
w ir
d ,...
TV 14 Angaben 10 Angaben 11 Angaben 4 Angaben 2 Angaben
TV (zielgerich-
tet)
5 Angaben 5 Angaben 16 Angaben 1 Angabe
Online/Digital 2 Angaben 7 Angaben 18 Angaben 1 Angabe 1 Angabe
Online/Digital
(zielgerichtet)
1 Angabe 9 Angaben 5 Angaben 1 Angabe
92 RPW 2009/3, 327 Rz 399, Tamedia/PPSR; RPW 2013/3, 395 Rz 44 f., Publigroupe/S1TV
93 RPW 2013/3, 395 Rz 44 f., Publigroupe/S1TV; mit Hinweisen auf RPW 2007/1, 113 f., Tamedia
AG/Radio Basel 1 Werbe AG/Radio Regenbogen; RPW 2007/4, 615 Rz 104, Tamedia AG/Espace
Media Groupe; RPW 2009/3, 268 Rz 183, Tamedia/PPSR.
94 Basierend auf 27 verwertbaren Fragebogenantworten.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 29
Print 5 Angaben 9 Angaben 14 Angaben 11 Angaben 3 Angaben
Radio 6 Angaben 7 Angaben 10 Angaben 11 Angaben 3 Angaben
Tabelle 9: Substitutionsmöglichkeiten aus Sicht der Werbetreibenden
138. Die entsprechenden Einschätzungen der Media- und Werbeagenturen95 als Dienstleister
der Werbetreibenden sind in der nachfolgenden Tabelle enthalten:
... kann der Werbekanal durch den nachfolgenden Werbekanal ersetzt wer-
den
TV TV (zielge-
richtet)
Online/Digital Online/Digital
(zielgerichtet)
Print Radio
W e
n n
d e
r P
re is
f ü
r d
e n
r e c
h ts
-
s te
h e
n d
e n
W e
rb e
k a n
a l
u m
5 -
1 0
% e
rh ö
h t
w ir
d ,...
TV 11 Angaben 10 Angaben 10 Angaben 1 Angabe 3 Angaben
TV (zielgerich-
tet)
7 Angaben 3 Angaben 13 Angaben 1 Angabe
Online/Digital 2 Angaben 8 Angaben 13 Angaben 4 Angaben 2 Angabe
Online/Digital
(zielgerichtet)
1 Angabe 8 Angaben 10 Angaben 3 Angaben 3 Angaben
Print 5 Angaben 2 Angabe 13 Angaben 9 Angaben 3 Angaben
Radio 5 Angaben 5 Angaben 11 Angaben 10 Angaben 4 Angaben
Tabelle 10: Substitutionsmöglichkeiten aus Sicht der Media- und Werbeagenturen
139. Im Vordergrund steht für die Werbetreibenden allerdings, in Abhängigkeit der Zielset-
zung einer Kampagne (breite Bekanntmachungskampagne oder Imagekampagne), die Mög-
lichkeit die jeweilige Zielgruppe zu erreichen. Diese Parameter sind, neben den Produkteigen-
schaften, der Marke, der Kernbotschaft und dem Budget, die hauptsächlichen
Bestimmungsfaktoren des Medienmixes, also der Kombination der verschiedenen Medienka-
näle für eine bestimmte Werbebotschaft.96 Während ein Teil der Werbetreibenden TV-
Werbung aufgrund der Reichweite als fast nicht ersetzbar ansehen, geht ein anderer Teil der
Werbetreibenden davon aus, dass grundsätzlich zielgerichtete Werbekanäle am ehesten un-
tereinander austauschbar sind.97
95 Basierend auf 37 verwertbaren Fragebogenantworten
96 So gibt bspw. die Zweifel Pomy-Chips AG für die Bestimmungskriterien des Medienmixes an: „Mas-
sgeblich für den Mediamix ist das Mediakonsumverhalten unserer Zielgruppen, die wir erreichen wol-
len, die Kampagnenzielsetzung (z.B. Reichweite, Performance) sowie die inhaltliche Ausgestaltung
der Kampagne. Hinzu kommen Kosten-Nutzen sowie Verfügbarkeiten der Angebote.“ Stellungnahme
Fragebogen der Zweifel Pomy-Chips AG, Zürich (act. 339), Antwort auf Frage 6.
97 So geht bspw. die Weleda AG davon aus, dass „Im Moment [...], bei entsprechendem Budget, TV
aufgrund der Reichweite fast nicht ersetzbar [...]“ ist und dass „Zielgerichtete Kanäle [...] prinzipiell
durch andere zielgerichtete Kanäle ersetzt werden [...]“ können. Antworten Fragebogen Weleda AG
(act. 211.01), Antwort auf Frage 10. Arosa Tourismus wiederum gibt an: „Aufgrund der Konvergenz
der Medien sind Mediengattungen über weite Strecken miteinander substituierbar. Es ist aber eher
41-00042/COO.2101.111.7.130294 30
140. Aus der Sicht eines Werbetreibenden ist davon auszugehen, dass sich die Zusammen-
stellung des Mixes der einzelnen Werbeträger für die Planung von Werbekampagnen am Ver-
halten der Beworbenen ausrichtet.98 Eine Zielgruppe, die vermehrt über den Online-Kanal er-
reicht werden kann, wird beispielsweise vorwiegend über diesen Kanal angesprochen. Am
ehesten scheint für die befragten Werbetreibenden die zielgerichtete Online-Werbung als
möglicher Ersatz für die zielgerichtete TV-Werbung in Frage zu kommen.
141. Aus den aus ihrer Sicht relevanten Umfrageresultaten schliessen die Zusammen-
schlussparteien, dass die einzelnen Mediengattungen hinsichtlich der Werbesendung weitge-
hend austauschbar seien.99 In diesem Zusammenhang geben sie auch an, dass 80.85% der
verwertbaren Antworten die Frage, ob die zielgerichtete TV-Werbung durch die zielgerichtete
Online-Werbung substituierbar sei, bejahen würden. Zudem haben die Zusammenschlusspar-
teien ein ökonomisches Gutachten eingereicht, wonach wiederum basierend auf den verwert-
baren Antworten des Fragebogens 75% der Befragten von einer Substituierbarkeit zwischen
zielgerichteter TV-Werbung und zielgerichteter Online-Werbung ausgehen würden.100 Das
Sekretariat errechnet im Gegensatz dazu einen Anteil von 45.31% (29 entsprechende Anga-
ben aus 64 verwertbaren Fragebögen von Werbetreibenden und Media- und Werbeagenturen;
siehe dazu die letzten beiden Tabellen). 101
B.3.1.2.3. Substitutionsmöglichkeiten aus der Sicht von Werbetreibenden und Media-
Agenturen im TV-Bereich
142. Innerhalb des TV-Konsums muss im Hinblick auf die Möglichkeiten der zielgruppenspe-
zifischen Werbung zudem weiter zwischen drei Dimensionen unterschieden werden. Die erste
Dimension beinhaltet die Art des TV-Konsums: Unterschieden wird zwischen dem linearen
eine einseitige Bewegung: Zielgruppenspezifische Werbung ist von Anfang an medienübergreifend
austauschbar. Wenn ,nicht-zielgruppenspezifische Werbung‘ teurer wird, wird sie mit ,zielgruppenspe-
zifischer Werbung‘ substituiert. Hingegen wird kaum ein Werbetreibender seine bestehende ,zielgrup-
penspezifische Werbung' substituieren. Er wird zuerst versuchen ,zielgruppenspezifische Werbung‘ in
anderen Medien zu steigern. Vermutlich wird man dann eher auf Werbung verzichten, als grosse
Streuverluste in Kauf zu nehmen.“ Antworten Fragebogen Arosa Tourismus (act. 200.01), Antwort auf
Frage 10.
98 So gibt bspw. [...] hier zu Frage 10 als Antwort: „Wegen unterschiedlicher Charakteristika lassen
sich Kanäle nicht wegen 5-10 % Konditionenänderung gegeneinander austauschen. Bei der Wahl des
Kanals ist nicht der Preis das primäre Kriterium sondern die Zielgruppe sowie die jeweiligen Stärken
eines Mediums (z.B. TV -> Emotionalisierung über Bewegtbild). Sofern eine Zielgruppe über einen Ka-
nal nicht erreicht werden kann, so wird dieser auch nicht genutzt – unabhängig vom Preis.“ ALDI
SUISSE sagt aus: „Wir achten auf einen ausgewogenen Mix, welcher sich aus den Faktoren Reich-
weite, Affinität, Zeit (Tageszeit/Jahreszeit) und Preis des Mediums zusammensetzt. Wenn sich ein
Medium bei diesen Faktoren nicht mehr eignet, kann es durch ein geeigneteres ersetzt werden.“ Ant-
worten Fragebogen für Werbetreibende von ALDI SUISSE (act. 178.01).
99 Stellungnahme der Zusammenschlussparteien zu den Akten (act. 385, Rz 1-3 und Rz 9).
100 Eingabe der Parteien vom 25. November 2015 (act. 413), S. 10.
101 Es gibt verwertbare Fragebögen, in denen diese Tabelle nicht ausgefüllt wurde und bei denen
auch im Text eine Substituierbarkeit nicht erkennbar ist. Das sind bei den Media- und Werbeagentu-
ren deren 11 und bei den Werbetreibenden deren 3, also 14 an der Zahl. Subtrahiert man diese von
den 64 verwertbaren Fragebögen, erhält man als Basis für diese spezifische Fragestellung 50 Frage-
bögen und damit einen Anteil der Bejahung einer Substituierbarkeit zwischen zielgerichteter TV- und
zielgerichteter Online-Werbung von 29/50 bzw. 58.00%.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 31
TV-Konsum, also dem klassischen Konsum von TV-Sendungen (Live-TV) und dem nicht-line-
aren Replay- oder Video-on-Demand-TV. Die zweite Dimension beinhaltet die Übermittlungs-
art des linearen und nicht-linearen Signals: Unterschieden wird hier zwischen der direkten
Übermittlung über eine Kabelnetzwerkinfrastruktur und der digitalen Übermittlung, meist über
das Internet Protocol (IP), sowie der sogenannten Over-the-top-TV-Nutzung (OTT-TV-
Nutzung). Die Besonderheit bei der OTT-TV-Nutzung liegt darin, dass kein Netzbetreiber direkt
in die Kontrolle oder Verbreitung der Inhalte involviert ist.102 Über beide Übermittlungsarten
können sowohl lineare als auch nicht-lineare Inhalte verbreitet werden, wobei OTT-Inhalte
über das Internet übermittelt werden. OTT beinhaltet damit auch lineare und nicht-lineare TV-
Angebote, wie sie bspw. über Wilmaa, Zattoo, Teleboy oder Netflix verbreitet werden. Diese
Angebote können prinzipiell über jedes mit dem Internet verbindbare Endgerät, also auch in-
ternetfähige Fernsehgeräte (SmartTV), konsumiert werden. Dies führt zur dritten Dimension:
Der Typ des Endgeräts (Fernsehgerät, Mobile, Tablet, oder PC), über welches lineare oder
nicht-lineare Inhalte konsumiert werden.
143. Heute ist das Einspeisen zielgruppenspezifischer TV-Werbeinhalte über OTT-Angebote
und deren IP-basierte Verbreitung relativ einfach umzusetzen. Die vom Joint Venture-Gemein-
schaftsunternehmen geplante zielgruppenspezifische Werbung im Bereich des TV über ein
IP-Netz (IPTV) stellt dahingegen in der Schweiz eine Innovation dar.103 Sie erlaubt, im Gegen-
satz zum linearen OTT-Live-TV-Konsum, eine zielgruppenspezifische Werbung innerhalb von
TV-Programmen der einzelnen Sender. Live-TV über Zattoo oder Wilmaa erlauben „nur“ die
zielgruppenspezifische Werbung auf der OTT-Plattform selbst (also bspw. im Webfenster von
Zattoo oder Wilmaa) oder als Zwischenschaltung beim Wechseln des TV-Kanals. Hierbei er-
folgt allerdings die Vermarktung des zwischengeschalteten Werbespots nicht durch den Pro-
grammveranstalter, sondern durch den Betreiber der Plattform. Das TV-Signal bleibt durch
das Zwischenschalten von Werbung beim Programmwechsel unbeeinflusst.
144. Im Hinblick auf die Effektivität bzw. Wirksamkeit von zielgruppenspezifischer TV-
Werbung, unabhängig davon ob linear oder nicht-linear (1. Dimension) oder OTT bzw. über
ein Kabelnetz bzw. IPTV (2. Dimension), spielt auch die 3. Dimension, der Typ des Endgeräts,
eine wichtige Rolle: Es kann davon ausgegangen werden, dass diesbezüglich ein Fernsehge-
rät einen besonderen Stellenwert einnimmt. Praktisch jeder Schweizer Haushalt verfügt über
ein Fernsehgerät und über 90% der Schweizer Bevölkerung nutzen das Fernsehprogramm
auf digitalem Weg.104 TV-Konsum über ein Fernsehgerät ist multisensorisch und besonders
emotional; Informationen können bild- und tonhaft transportiert werden und dadurch Menschen
bewegen.105 Die hohe Reichweite und die multisensorische, emotionale Wirkung werden er-
gänzt durch die Ansprache in gewohnter häuslicher und relativ entspannter Umgebung.
Dadurch werden sowohl eine hohe Akzeptanz und Aufmerksamkeit als auch eine relativ hohe
Erinnerung an die Inhalte erreicht.106 Es ist davon auszugehen, dass sowohl der Inhalt des
(linearen oder nicht-linearen) TV-Programms als auch das persönliche „Setting“ bzw. die Ge-
mütslage beim TV-Konsum über ein Fernsehgerät anders ausfällt, als über ein anderes End-
gerät. Eine weitere zu beachtende Dimension (4. Dimension) wäre hier auch die Zielgruppe,
die TV konsumiert: Währendem ein möglicher Zuschauer im Rentenalter sich beispielsweise
102 https://de.wikipedia.org/wiki/Over-the-top_content, aufgerufen am 1. Dezember 2015.
103 Auch über ein Kabelnetz gibt es in der Schweiz noch kein bestehendes Angebot zur zielgerichteten
TV-Werbung.
104 Media Guide 2015 von Publisuisse, S. 20.
105 Media Guide 2015 von Publisuisse, S. 20.
106 Media Guide 2015 von Publisuisse, S. 24.
https://de.wikipedia.org/wiki/Over-the-top_content
41-00042/COO.2101.111.7.130294 32
eher für lineare Tiersendungen über einen Kabel- oder IP-Netzbetreiber interessiert, interes-
siert sich ein 30-jähriger Berufstätiger eher für das nicht-lineare OTT-Streaming einer
Newssendung über sein Mobile auf den Nachhauseweg im Zug.
145. Die Zusammenschlussparteien zitieren in diesem Zusammenhang eine repräsentative
Online-Studie des Marktforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag des Internet-TV-Anbieters
Zattoo, die 800 Schweizerinnen und Schweizer ab 15 Jahren im Frühjahr 2015 befragte. Nach
dieser sehen gut 75% der Fernsehzuschauer gelegentlich Fernsehen über das Internet. Mehr
als 25% nutzt überwiegend Internet-Angebote. Knapp 14% der Befragten schauen aus-
schliesslich über das Internet fern. Dabei ist zu bemerken, dass gemäss dieser Studie vor
allem das jüngere Publikum zwischen 15 und 29 Jahren - mit einem Anteil von 34% an über-
wiegend über das Internet fernsehenden Nutzern - überdurchschnittlich viel Online-TV konsu-
miert. Dagegen nutzen 31% der 50 bis 69-Jährigen nie Internet-TV-Angebote. 45% der Be-
fragten würden sich derweil vorstellen können, künftig gänzlich auf einen Kabel- oder
Satellitenanschluss zu verzichten und nur noch via Internet TV zu konsumieren.107 Zudem
würden Erhebungen der Swisscom zeigen, dass gratis Internet-TV von ihren Abonnenten wie
ein zweiter Fernseher im Haushalt genutzt würde.108
146. Schlussendlich lässt sich feststellen, dass die Wirksamkeit von zielgruppenspezifischer
TV-Werbung von (mindestens) vier Dimensionen abhängt, wobei deren Kombinationen bzw.
Kreuzungen nicht gleichverteilt im Universum der einzelnen TV-Zielgruppen sein dürften.
147. Damit ist derzeit noch unklar ob und inwiefern die heute existierende zielgruppenspezi-
fische Werbung auf OTT-TV-Plattformen ein Substitut zu der von Swisscom geplanten ziel-
gruppenspezifischen TV-Werbung, welche Teil des TV-Programms sein wird, darstellen wird.
Als unsicher muss zudem dabei gelten, inwiefern eine Zielgruppe auch über das Fernsehgerät,
und damit im entsprechenden „Setting“ bzw. der entsprechenden Empfänglichkeit für die je-
weilige Werbung, via OTT-TV erreicht werden kann.
148. Nachfolgend wird, wo nicht anders definiert, unter TV-Werbung die Ausstrahlung von
Werbung innerhalb von TV-Programmen der einzelnen Sender über ein Netz (IPTV oder Ka-
belnetz) verstanden.
B.3.1.2.4. Substitutionsmöglichkeiten aus der Sicht von TV-Sendern
149. Betrachtet man die Perspektive der TV-Sender, so möchten 9 von 11 befragten TV-
Sender ihren Werbekunden in der Zukunft zielgerichtete Werbung anbieten.109 3 Plus Group
geht davon aus, dass im Bereich der Werbung der Print-Bereich zu Gunsten von TV und On-
107 Stellungnahme der Zusammenschlussparteien zu den Akten (act. 385, Beilage 1).
108 Stellungnahme der Zusammenschlussparteien zu den Akten (act. 385, Rz 32).
109 Vgl. Eingabe 3 Plus Group vom 12. Oktober 2015 (act. 310), Antwort auf Frage 7 und 8; Eingabe
Mediengruppe RTL Deutschland GmbH vom 7. Oktober 2015 (act. 262.01), Antwort auf Frage 7 und
8; Eingabe der ProSiebenSat.1 Media SE vom 12. Oktober 2015 (act. 324.01), Antwort auf Frage 8;
Eingabe NZZ Mediengruppe vom 8. Oktober 2015 für Tele Ostschweiz und Tele 1 (act. 253.02), Ant-
wort auf Frage 8, Eingabe Schärer Rechtsanwälte vom 7. Oktober 2015 für Tele M1, TeleZüri und Te-
leBärn (act. 256.01), Antwort auf Fragen 7 und 8; Eingabe Somedia AG vom 8. Oktober 2015 (act.
257.01), Antworten auf Fragen 7 und 8.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 33
line verlieren wird, wobei grundsätzlich von einem für die nächsten zwei bis drei Jahre stag-
nierenden Werbemarkt über alle Medien ausgegangen wird.110 Der Markt wird sich aber ge-
mäss 3 Plus Group inhaltlich verändern, so dass zukünftig zielgerichtete TV-Werbung als
neuer Markt die herkömmliche TV-Werbung ablösen wird.111 Auch die SevenOne Media
(Schweiz) geht davon aus, dass sich das Produkt für zielgerichtete Werbung signifikant entwi-
ckeln wird.112
150. Damit gehen die befragten Anbieter von TV-Programmen davon aus, dass die zielge-
richtete und nicht-zielgerichtete Ausstrahlung von TV-Programmen und TV-Werbung nicht als
gleichwertig anzusehen sind und Werbetreibende diese Leistungen zusätzlich nachfragen.
Folglich ist davon auszugehen, dass TV-Sender in Zukunft sowohl zielgerichtete als auch
nicht-zielgerichtete Vermittlung von TV-Werbung als separate Produkte bei TV-Vermittlern
nachfragen werden. Dies bedeutet aber auch, dass die Nachfrage nach Vermittlungsdienst-
leistungen für zielgerichtete und nicht-zielgerichtete TV-Werbung aus Sicht der TV-Sender un-
terschiedliche Bedürfnisse der Werbetreibenden abbilden und für TV-Sender nicht austausch-
bar sind.
151. Erste Erfahrungen von Sky Media mit zielgerichteter TV-Werbung (Sky AdSmart) im Ver-
einigten Königreich und Irland zeigen, dass zielgerichtete TV-Werbung seit der Lancierung
dieses Produkts im Januar 2014 Einfluss im Bereich der TV-Werbung hat: In einem Jahr wur-
den 1‘000 Kampagnen von 357 Werbetreibenden durchgeführt. Der Vorquartalsvergleich im
Oktober 2014 zeigte ein Wachstum bei der zielgerichteten Werbung von 48%. Die absoluten
Umsatzzahlen sind, soweit ersichtlich, nur indirekt zu eruieren und lassen dieses starke
Wachstum im Vergleich zum Vorquartal etwas verhaltener aussehen: So betrugen die Ge-
samtwerbeeinnahmen von Sky Media im entsprechenden Quartal 108 Mio. britische Pfund
und im Vorjahresquartal 102 Mio. britische Pfund (+ 5.88%). Dies sei auf einen höheren Markt-
anteil und den erstmaligen Beitrag von AdSmart zurückzuführen. Im Oktober 2015, also 1 Jahr
später, zählte Sky Media 500 Werbetreibende und 3200 Kampagnen, wobei die Gesamtwer-
beeinnahmen um 5% im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen sind.113
152. Im Verhältnis zu den gesamt Umsatzzahlen in der TV-Werbung im vereinigten König-
reich, welcher im Jahr 2014 ca. 3.84 Mrd.114 erreichte, machte die mutmassliche zielgerichtete
TV-Werbung von Sky allerdings nur einen Marktanteil von ca. 1%115 des Gesamtwerbeumsat-
zes im Vereinigten Königreich aus.
153. Mit der Einführung von AdSmart wurden auch neue Werbekunden, die zuvor keine klas-
sische TV-Werbung tätigten, akquiriert. Dies kann dahingehend gedeutet werden, dass ziel-
110 Eingabe 3 Plus Group vom 31. August 2015 (act. 52), Antwort auf Frage 7.
111 Eingabe 3 Plus Group vom 31. August 2015 (act. 52), Antwort auf Frage 11.
112 Eingabe SevenOne Media (Schweiz) vom 31. August 2015 (act. 55), S. 2.
113 Siehe https://corporate.sky.com/media-centre/our-blog/2015/sky-adsmart-1000-campaigns-later
(aufgerufen am 24. November 2015) und https://corporate.sky.com/investors/latest-results (aufgerufen
am 15. Dezember 2015).
114 http://www.statista.com/statistics/236916/tv-net-advertising-revenue-in-the-uk/ (aufgerufen am 18.
Dezember 2015).
115 Quartalsumsatz in Höhe von CHF 108 Mio. aufgerechnet auf das Jahr, was CHF 432 Mio. ergibt.
Hiervon geschätzt 10% des Werbeumsatzes mit zielgerichteter TV-Werbung ergibt einen Umsatz von
4.3 Mio. CHF.
https://corporate.sky.com/media-centre/our-blog/2015/sky-adsmart-1000-campaigns-later https://corporate.sky.com/investors/latest-results http://www.statista.com/statistics/236916/tv-net-advertising-revenue-in-the-uk/
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gerichtete TV-Werbung für Werbetreibende, gerade auch für kleinere und mittlere Unterneh-
men, neue Werbemöglichkeiten über das TV-Medium eröffnet und daher eine andere Nach-
frage bedient als klassische TV-Werbung. Eine wichtige Rolle mag hier wohl gerade auch die
Kombination von Zielgerichtetheit in Kombination mit der relativ grossen Reichweite sein. Sky
Media expandiert die zielgerichtete TV-Werbung auch in das On Demand-Geschäft und ist
bestrebt mehr Kanäle durch Kooperation mit Medienpartner anzubieten und die Technologie
weiterzuentwickeln.116 Dies lässt das innovative Potenzial dieser neuen Werbeform erkennen,
wobei die Entwicklung von AdSmart in absoluten Zahlen anhand des veröffentlichten Daten-
materials schwierig bzw. eher verhaltener einzuschätzen ist. [...].
154. Die Zusammenschlussparteien machen geltend, dass die Marktabgrenzungspraxis der
WEKO aufgrund der technischen Entwicklungen in den vergangen Jahren sowie des Auftre-
tens von internationalen Playern wie Google oder Facebook gemeinhin als überholt gelte.117
So sei eine Unterscheidung zwischen Verkauf und Vermittlung von Werbeflächen kaum noch
möglich, da die Grenzen wegen der zunehmenden Digitalisierung nicht mehr gezogen werden
könnten. Die beiden Trends – Analogabschaltung und Zuwachs des IPTV-Konsums – würden
eine Zunahme des CH-Signalanteils bewirken. Zudem würden Substitutionsprodukte SVOD
(Subscription Video-on-Demand) und TVOD (Transactional Video-on-Demand) in den Markt
eintreten. Folglich sei eine scharfe Trennung zwischen Vermittlungstätigkeit sowie der direkten
Vermarktung des Werberaums in Eigenregie nicht mehr möglich.
155. Die WEKO hat in ihrer jüngsten Praxis anerkannt, dass eine Unterscheidung zwischen
Vermittlung und Vermarktung von Werberaum aufgrund der Marktgegebenheiten kaum mög-
lich ist und grenzt Märkte für die Vermittlung und Vermarktung von Werberaum ab. Dennoch
muss zwischen der Vermittlung und Vermarktung von Werberaum und dem Vertrieb von wer-
befreien aber kostenpflichtigen Inhalten unterschieden werden. Hierzu gehören z.B. SVOD
und TVOD. Der über den Verkauf solcher Inhalte erzielte Umsatz wird in keinem Fall den
Märkten für die Vermittlung und Vermarktung von Werberaum zugeordnet.
B.3.1.2.5. Schlussfolgerungen aus den Vorbemerkungen zu den einzelnen
Werbemärkten
156. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sowohl Media- und Werbeagenturen als
auch Werbetreibende gewisse Substitutionsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Werbeka-
nälen, insbesondere zwischen zielgerichteter TV-Werbung und zielgerichteter Online-Wer-
bung sehen. Zudem kann eine gewisse Substituierbarkeit von zielgerichteter TV-Werbung
über ein Kabel- oder IPTV-Netz mit zielgerichteter TV-Werbung auf OTT-Plattformen, die vom
TV-Programm unabhängig ist, nicht ausgeschlossen werden. Am wenigsten wird gemäss Um-
frage eine Substituierbarkeit von zielgruppenspezifischer TV-Werbung seitens der TV-Sender
gesehen. Sie haben ein Interesse daran, den Werbetreibenden bzw. Media- und Werbeagen-
turen die Möglichkeit der zielgruppenspezifischen TV-Werbung über ihre Sender zusätzlich zu
ermöglichen. Ob und inwiefern eine solche Substituierbarkeit besteht, wird sich allerdings erst
im Verhalten der Werbetreibenden bzw. Media- und Werbeagenturen zeigen. Die WEKO
schliesst aus den Antworten der Marktteilnehmer, dass die geplante zielgruppenspezifische
TV-Werbung über das Swisscom TV-Netz, wenn auch nicht vollständig, so doch einen gewis-
sen Wettbewerbsdruck durch andere Werbekanäle erfahren könnte, insbesondere durch die
zielgruppenspezifische Online-Werbung und die zielgruppenspezifische OTT-TV-Werbung.
116 Siehe http://www.iptv-news.com/2015/01/ces-2015-sky-shows-off-adsmart-success/ (aufgerufen
am 24. November 2015) und https://corporate.sky.com/media-centre/our-blog/2015/sky-adsmart-1000-
campaigns-later (aufgerufen am 24. November 2015).
117 Meldung vom 10. August 2015 (act. 10), Rz 122.
http://www.iptv-news.com/2015/01/ces-2015-sky-shows-off-adsmart-success/ https://corporate.sky.com/media-centre/our-blog/2015/sky-adsmart-1000-campaigns-later https://corporate.sky.com/media-centre/our-blog/2015/sky-adsmart-1000-campaigns-later
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Bei der Analyse der Auswirkungen auf den wirksamen Wettbewerb wird in Zukunft auch die
konvergente Nutzung einzelner Medienkanäle zu berücksichtigen sein. Für den Bereich der
neuen zielgruppenspezifischen TV-Werbung über ein IP- oder Kabelnetz kann die Marktab-
grenzung aber für die Zwecke des vorliegenden Zusammenschlussvorhabens offengelassen
werden.
B.3.1.3 Vorbemerkungen zu den Märkten für die Vermittlung und Vermarktung
Werberaum und -zeit als Plattformmärkte
157. Die Vermittlungs- und Vermarktungsmärkte von Werberaum und -zeit sind zwei- oder
mehrseitige Märkte.118 Die WEKO hat sich schon verschiedentlich mit Fragestellungen im Zu-
sammenhang mit Plattformmärkten auseinandergesetzt.119
158. Plattformmärkte haben das grundsätzliche Charakteristikum, dass die auf ihnen agieren-
den Plattformen, wie im vorliegenden Fall die Werbevermittler bzw. -vermarkter, verschiedene
Nachfrage- bzw. Anbietergruppen, hier die Werbetreibenden und die Anbieter von Werberaum
und -zeit, zusammenbringen und eine beobachtbare oder nicht-beobachtbare Transaktion zwi-
schen diesen Gruppen ermöglichen.
159. Eine Plattform generiert durch die Internalisierung von so genannten indirekten Netzwer-
keffekten einen ökonomischen Mehrwert: Die Nachfrage- bzw. Angebotsgruppen profitieren
davon, dass andere Gruppen auf der Plattform anzutreffen sind, mit welchen eine ökonomi-
sche Austauschbeziehung eingegangen werden kann. Je grösser dabei eine einzelne Gruppe
ist (also je mehr potenzielle Austauschpartner für die anderen Gruppen vorhanden sind), desto
attraktiver erscheint die Plattform für die anderen Gruppen, die an einer Austauschbeziehung
mit dieser interessiert sind.
160. Die Plattform hat damit ein Interesse, die Gruppengrössen optimal aufeinander abzu-
stimmen. In den meisten Fällen sollten diese maximiert werden. Es kann aber auch der Fall
sein, dass die Gruppengrösse eine kritische Grenze nicht erreichen sollte, da dann die indi-
rekten Netzwerkeffekte negativ werden.120
161. Auf Plattformmärkten, auf welchen starke indirekte Netzwerkeffekte auftreten, kann
durch ebendiese ein stärkerer Konzentrierungsgrad auf wenige darauf agierende Plattformen
volkswirtschaftlich gerechtfertigt sein.
162. Über die Gestaltung der Preishöhe und der Preisstruktur beeinflusst die Plattform die
Zusammensetzung und Grössen der auf ihr agierenden Gruppen. So kann sie einerseits für
den Zutritt auf die Plattform eine Gebühr verlangen und diese gruppen- bzw. teilnehmerspezi-
fisch festlegen. Andererseits kann sie, sofern möglich bzw. beobachtbar, die Transaktionen,
die zwischen den Gruppen stattfinden, „besteuern“ und damit bei beiden oder einer der an der
Transaktion beteiligten Seiten eine, ebenfalls gruppen- bzw. teilnehmerspezifisch ausgestal-
tete, Kommissionsgebühr erheben.
118 JEAN-CHARLES ROCHET UND JEAN TIROLE, Platform Competition in Two-Sided Markets, 2003, Jour-
nal of the European Economic Association, 1(4), 990-1029.
119 Vgl. RPW 2007/2, 283 ff., Terminierung Mobilfunk; RPW 2005/2, 312 ff., Tamedia AG/Edipresse
SA/Homegate AG; RPW 2006/1, 65 ff., Kreditkarten-Interchange Fee; RPW 2011/1, 96 ff., Six/Ter-
minals mit Dynamic Currency Conversion (DCC).
120 So bspw. auf Partyveranstaltungen für Singles, die typischerweise überschaubar sein sollten und
auf welchen beide Geschlechter in einem angemessenen Verhältnis auftreten sollten.
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163. Die Preisstruktur nimmt sodann auch die Rolle des Kernelements bei mehrseitigen Märk-
ten an. Sie ist bei Plattformen typischerweise nicht-neutral: Das Transaktionsvolumen wird
durch die Preisstruktur beeinflusst. Das Nachfrage- bzw. Angebotsverhalten der einzelnen
Gruppen wird dabei von der Plattform simultan und unter der Gewinnmaximierungsprämisse
berücksichtigt. Dabei wird, bspw. bei zweiseitigen Plattformmärkten, oftmals nur eine Seite mit
einer Kommissions- und/oder Zutrittsgebühr belastet und die andere Seite gar nicht oder nur
geringfügig belastet. Zu beobachten ist dann eine „schiefe“ Preisstruktur. Diese gewährleistet
in diesem Fall, dass die subventionierte Seite ausreichend gross ist und damit für die weniger
preissensitive und/oder durch das Budget restringierte Seite attraktiv ist, womit diese wiede-
rum selbst auf der Plattform präsent ist.
164. Bei einer isolierten Betrachtung der Marktseiten könnte dabei der Fehlschluss gezogen
werden, dass die Preise exzessiv zu hoch bzw. zu tief angesetzt werden (excessive oder pre-
datory pricing), obwohl dies eine unter Gewinnmaximierungsaspekten logische Folge der
Zweiseitigkeit des Marktes ist.
165. Die Nicht-Neutralität der Preisstruktur ist damit auch die hinreichende Bedingung dafür,
dass der Markt zwei- bzw. mehrseitig ist. Sie ist typischerweise bei zwei- oder mehrseitigen
Nicht-Transaktionsmärkten gegeben, auf welchen die beiden Seiten nicht direkt und/oder un-
mittelbar in ein Austauschverhältnis eintreten und Verhandlungen zu Ausgleichszahlungen,
die die Preisstruktur „neutralisieren“, weniger wahrscheinlich sind.121
166. Bei mehrseitigen Märkten gilt es die Marktseiten sowohl separat zu analysieren als auch
ihre Interdependenzen zu berücksichtigen. Dies wird im Rahmen der Analyse des vorliegen-
den Zusammenschlussvorhabens gemacht.
167. Hier fungieren die Vermittler- bzw. Vermarkter als Plattformen, die die Interaktion zwi-
schen den Werbetreibenden und den Anbietern von Werberaum und -zeit (nachfolgend: Wer-
beinventar) vereinfachen. Letztere sind Medien (TV, Radio, Websites, Print), die ihrerseits Zu-
schauerinnen und Zuschauer, Zuhörerinnen und Zuhörer sowie Leserinnen und Leser als
Konsumentinnen bzw. Konsumenten (nachfolgend: Nutzer) bedienen.
168. Die Nutzer sind die eigentlichen Adressaten des Werbeinhalts von Werbetreibenden.
169. Zweck der Werbung ist es, dass die Nutzer den Werbeinhalt beachten und sich damit
die Kaufwahrscheinlichkeit des beworbenen Produkts durch einen Nutzer erhöht.
170. Daraus resultiert ein den Vermittlungsmarkt umfassender mehrseitiger Markt für Werbe-
konsum auf welchem die Nutzer (und damit die Werbeadressaten) und Werbetreibende über
Vermittler bzw. Medien zusammengebracht werden. Die nachfolgende Abbildung illustriert
diese Zusammenhänge.
121 So definieren Jean-Charles Rochet und Jean Tirole zweiseitige Märkte als Märkte, auf welchen
eine Plattform das Transaktionsvolumen variieren kann, indem sie die eine Marktseite mehr und die
andere Marktseite um den gleichen Betrag weniger belastet. Mit anderen Worten ist ein Markt dann
zweiseitig, wenn die Preisstruktur relevant ist und die Plattformen sie so gestalten müssen, damit sie
beide Seiten „on Board“ kriegen (JEAN-CHARLES ROCHET UND JEAN TIROLE, Two-Sided Markets: A Pro-
gress Report, 2006, The RAND Journal of Economics, 664 f.).
41-00042/COO.2101.111.7.130294 37
Abbildung 1: Schematische Darstellung des Zusammenspiels auf dem Markt für Werbever-
mittlung und -vermarktung.
171. Der Mehrwert aus Werbetätigkeit, den die Werbevermittler bzw. -vermarkter und die Me-
dien generieren, entsteht durch das Zusammenbringen von Werbetreibenden und für den je-
weiligen Werbeinhalt möglichst empfängliche Nutzern, sodass diese interagieren können,
ohne sich vorher lange suchen zu müssen (Reduktion der Transaktionskosten).
172. Die Werbetreibenden erhalten die Möglichkeit, ihre Werbung beim Nutzer zu platzieren
und damit eine erhöhte Kaufbereitschaft zu realisieren. Die Nutzer werden über potenzielle
Kaufmöglichkeiten informiert.
173. Die Werbetreibenden haben dabei ein Interesse daran, dass der Nutzerkreis möglichst
umfassend und für die Werbebotschaft möglichst empfänglich ist. Je mehr Nutzer als potenzi-
elle Käuferinnen bzw. Käufer des Produkts durch die Werbung erreicht werden können, desto
höher der Nutzen für Werbetreibende aus ihrer Werbung. M.a.W.: Es resultiert ein positiver
indirekter Netzwerkeffekt für die Werbetreibenden aus der Grösse des Netzwerks von Nutzern
bzw. von potenziellen Käufern.
174. Sowohl die Weite des Nutzerkreises als auch das Wissen um dessen Empfänglichkeit
für die Werbebotschaft werden durch die Werbevermittler bzw. Medien beeinflusst. Einerseits
bieten diese Zugang zu einem Pool an Nutzern (Leserschaft, Zuhörerinnen und Zuhörer, Zu-
schauerinnen und Zuschauer), andererseits ermöglichen die Kernaktivitäten der Medien im
audiovisuellen, im Online- und im Printmedienbereich die Akkumulation von umfangreichen
und inhaltlich diversen Daten zu Personen, die deren Nutzungsverhalten und/oder Hinter-
grundinformationen zu deren Merkmalen (Wohnort, Haushaltgrösse, Alter, Geschlecht, Ein-
kommen etc.) abbilden. Nachfolgend werden diese Nutzer- und Nutzungsdaten mit „Nutzungs-
daten“ bezeichnet. Durch die Nutzungsdaten können die Bedürfnisse der einzelnen Nutzer
besser eruiert und die Werbung damit gezielter platziert werden.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 38
175. Konkret: Durch die Kombination dieser Nutzungsdaten können Werberaum und -zeit ef-
fektiver genutzt werden – es resultiert ein attraktiveres Angebot von Werberaum und -zeit.
Werbeinhalte können inhaltlich und zeitlich zielgerichteter nach den einzelnen Nutzer bzw.
Nutzergruppen ausgerichtet werden (Targeted Advertising). Dies betrifft auch die Auswahl
und/oder die Kombination der jeweiligen Plattformen (TV, Radio, Online oder Print), die für
eine bestimmte Kampagne eines Werbetreibenden zum Einsatz kommen sollen. Dazu bedarf
es entsprechender Technologien und Expertise – für das Sammeln, Aufbereiten, Kombinieren,
Analysieren und den zielgerichteten Einsatz im spezifischen Werbeprozess.
176. Es sind somit das Volumen und die Qualität der Nutzungsdaten als auch die Verarbei-
tungs-, Analyse- und Einsatztechnologien sowie die Expertise (nachfolgend: Technologien),
die den Mehrwert im Targeted Advertising und damit auch die relative Attraktivität des Werbe-
vermittlers bzw. der Medien bestimmen.
177. Es sei angemerkt, dass für die Nutzer durch die Werbebotschaft bzw. deren Informati-
onsgehalt nicht unbedingt ein positiver Mehrwert entstehen muss. Man kann sogar argumen-
tieren, dass der Konsum von Werbung netto einen negativen Nutzen stiftet (Nutzer von Medien
mögen Werbung oftmals nicht bzw. deren Schaden überwiegt den Nutzen von Information).
Zudem ist es nicht unwahrscheinlich, dass einige Nutzer einer extensiven Weiterverwendung
ihrer Nutzerdaten zu Werbezwecken eher ablehnend gegenüberstehen (Datenschutz, Persön-
lichkeitsschutz). Damit müsste man auch von negativen indirekten Netzwerkeffekten spre-
chen, die durch das Zusammenbringen von Werbetreibenden und Nutzern auf der Nutzerseite
resultiert.
178. Diese negativen Effekte werden aber typischerweise durch die positiven Effekte auf Sei-
ten der Werbetreibenden kompensiert. Die Werbeinnahmen der Werbevermittler bzw. –ver-
markter und der Medien können letztendlich auch dazu verwendet werden, die Nutzer für diese
negativen Effekte zu entschädigen (bspw. freie Nutzung der Medien [Gratiszeitungen etc.]
bzw. tieferer Medienpreis, der durch Werbeeinnahmen ermöglicht wird).
179. Die folgende Abbildung gibt einen erweiterten Überblick über die Beziehungen der invol-
vierten Marktteilnehmer auf dem beschriebenen Markt.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 39
Abbildung 2: Schematische Darstellung der Marktteilnehmer im Bereich Werbevermittlung
und -vermarktung inkl. weiterer Zahlungsströme
180. Aus dem vorgängig Festgehaltenen ist auch zu schliessen, dass der Umfang und die
Qualität von Werbeinventar, von Nutzungsdaten und von Technologien, wichtige Determinan-
ten in der relativen Marktstellung von Werbevermittler bzw. -vermarkter und Medien sind. In-
sofern ist beim Antizipieren der voraussichtlichen Stellung des JV auf den relevanten Werbe-
märkten auch die Beachtung der nicht gelb umrahmten Nutzerseite in der vorangehenden
Abbildung von Bedeutung.
181. Dies sollte bei den nachfolgenden Ausführungen zu den einzelnen Märkten für die Ver-
mittlung und Vermarktung von Werberaum und -zeit (im engeren Sinne nur der gelb umrahmte
Bereich in der vorangehenden Abbildung) beachtet werden: Die drei Parteien verfügen über
einen sehr umfassenden Zugang zu Nutzungsdaten sowie zu Technologien aus ihren Kernak-
tivitäten, der eine bestimmte bestehende Marktstellung auf den einzelnen betroffenen Märkten
über starke (indirekte) Netzwerkeffekte aufgrund umfassender und breiter Nutzerdaten, markt-
übergreifender Verbundeffekte (bspw. Koppelungs- bzw. Bündelungsstrategien) und/oder an-
derer nicht genauer identifizierten Synergieeffekten multiplizieren könnte.
B.3.1.3.1. Funktionsweise zielgerichteter TV-Werbung
182. Die Zusammenschlussparteien bringen vor, dass zielgerichtete TV-Werbung nicht mit
zielgerichteter Online-Werbung eins zu eins vergleichbar sei, da der Granularitätsgrad bei TV-
Werbung viel gröber sei.122 So könne online quasi personenbezogen individualisierte Werbung
ausgeliefert werden. Dies sei für TV-Werbung technisch nicht realisierbar. [...]. Demzufolge
könne auf einer Online-Plattform theoretisch eine unbegrenzte Anzahl an individualisierter
122 Eingabe Zusammenschlussparteien vom 7. Oktober 2015 (act. 286), Rz 47 ff.
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Werbung in Echtzeit ausgeliefert werden. Entsprechend seien die Anforderungen an die Gra-
nularität der Daten bzw. Insights bei der zielgerichteten TV-Werbung weniger hoch als bei der
dynamischen Online-Werbung.
183. Die Zusammenschlussparteien geben daher an, dass es zahlreiche alternative Bezugs-
quellen für vergleichbare Nutzungsdaten mit einer ähnlichen Datentiefe und Datenqualität
gebe.123 [...]. Es sei zudem zu erwarten, dass andere Netzbetreiber wie UPC Cablecom in den
Markt einsteigen würden, wenn es eine entsprechende Nachfrage gäbe.124
184. Hierzu ist festzuhalten, dass die Aufbereitung von entsprechenden Kundendaten zur
Segmentierung der Kunden in einzelne Kundengruppen aus technischer Sicht durch verschie-
dene Akteure, die einen Zugang zum Kunden haben, bewerkstelligt werden kann. So kann
beispielsweise jeder Betreiber einer Internetplattform Kundendaten sammeln und diese dazu
verwenden, dem Kunden entsprechende individualisierte Werbung auf der Webseite anzuzei-
gen. Dabei verfügt der Betreiber der Website hierbei nicht nur über die Zusatzinformationen
zum Kunden, die es ihm erlauben, diesen in bestimmte Kategorien einzuordnen, sondern er
kann den Kunden (z.B. über ein Login oder ein Cookie) auch identifizieren, so dass beim
nächsten Aufruf die entsprechende Werbung ausgeliefert wird. Daher ist der Aufbau von ver-
schiedenen Markmalen, die eine Unterscheidung von Zielgruppen ermöglichen, nur dann sinn-
voll, wenn zum Zeitpunkt der Aussendung der Werbung die der Zielgruppe zugeordnete Per-
son wieder identifiziert werden kann. Im Online-Bereich erfolgt dies oft über Cookies oder über
Zugangsdaten.
185. Beim TV-Konsum kann solche Werbung nur dann erfolgen, wenn der Werbetreibende
den der Zielgruppe zugeordneten Kunden auf irgendeine Art und Weise identifizieren kann.
Dies ist nach derzeitigem Kenntnisstand – im Gegensatz zur Online-Werbung – nur dem Netz-
betreiber möglich, weshalb der Aufbau von ähnlichen Nutzerdaten im Hinblick auf die Aus-
strahlung von zielgerichteter TV-Werbung nutzlos ist, solange die TV-Werbung danach nicht
zielgerichtet ausgeliefert werden kann. Darin liegt auch der entscheidende Unterschied zur
Online-Werbung, bei welcher jeder Betreiber einer Internetseite unabhängig vom Internetpro-
vider den Zugang zum Endkunden hat und diesen individualisiert ansprechen kann, solange
er über die entsprechenden Nutzerdaten verfügt. Ein TV-Sender kann allerdings ohne die Hilfe
des Netzbetreibers den Fernsehzuschauer nicht identifizieren und ihm daher auch keine ziel-
gerichtete Werbung zustellen. Daher sind die Vorbringen der Zusammenschlussparteien im
Hinblick auf den Aufbau eines Kundendatensatzes für die Beurteilung des vorliegenden Sach-
verhalts nicht zielführend.
B.3.1.4 Schlussfolgerungen aus den Vorbemerkungen
186. Die Nutzerseite bzw. das Kerngeschäft der Parteien bleibt durch das Zusammenschluss-
vorhaben unberührt. Daher werden auch keine Nutzermärkte abgegrenzt. Vorbehalten bleiben
indirekte Verbundeffekte von der Nutzerseite (Nutzungsdaten) auf die Vermittlungs- bzw. Ver-
marktungstätigkeit des geplanten Joint Venture-Gemeinschaftsunternehmens.
187. Die Zusammenschlussparteien agieren vor dem Zusammenschluss im Online-, Print-,
Radio- und nicht-zielgerichteten TV-Werbebereich nicht als Vermittlungsplattformen: Sie ver-
markten ihr Inventar selbst oder über Dritte. Der Zusammenschluss bewirkt daher auf diesen
Märkten nur auf der Seite der Werbetreibenden unmittelbar Marktanteilsadditionen.
123 Eingabe Zusammenschlussparteien vom 7. Oktober 2015 (act. 286), Rz 48.
124 Eingabe Zusammenschlussparteien vom 7. Oktober 2015 (act. 286), Rz 49 ff.
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188. Im Bereich der nicht-zielgerichteten TV-Werbung fungiert Swisscom mit der Swisscom
TV-Plattform zudem als Fernmeldedienstanbieter, der zur Verbreitung von nicht-zielgerichte-
ten TV-Programmen (inkl. nicht-zielgerichteter TV-Werbung) verpflichtet ist.125
189. Mit der Innovation der zielgerichteten TV-Werbung entsteht potenziell ein neuer zweisei-
tiger Markt, auf welchem, nebst dem geplanten Joint Venture-Gemeinschaftsunternehmen als
Plattform, sowohl Werbetreibende als auch Werbekanäle (TV-Sender) agieren werden.
B.3.1.5 Zugang zu den Endkunden von Swisscom für die zielgerichtete Übertragung
von TV-Programmen und TV-Werbung
190. Betreffend den Zugang zu Endkunden von Swisscom für die zielgerichtete Übertragung
von TV-Programmen und TV-Werbung bestehen soweit ersichtlich keine spezialgesetzlichen
Vorschriften, welche Swisscom zur zielgerichteten Verbreitung von TV-Programmen und TV-
Werbung auf ihrem Netz verpflichten würden.
191. Beim Zugang zu den Endkunden von Swisscom für die zielgerichtete Übertragung von
TV-Programmen und TV-Werbung bietet Swisscom als Betreiber einer Netzwerkinfrastruktur
Dienstleistungen an, welche die zielgerichtete Übertragung von Fernsehsignalen inklusive TV-
Werbung zu Fernsehzuschauern, welche nach bestimmten Zielgruppen kategorisiert werden,
ermöglicht.
192. In der Vergangenheit wurde ein Markt für die Übertragung bzw. Verteilung von Fernseh-
signalen abgegrenzt und es wurde nicht zwischen zielgerichteter und nicht-zielgerichteter Ver-
breitung unterschieden.126 Durch die geplante Innovation von Swisscom, den Veranstaltern
von TV-Programmen eine zielgerichtete Feinverteilung des TV-Signals und der damit verbun-
denen TV-Werbung zu ermöglichen, werden neben der reinen Verteilung des TV-Signals auch
die Identifikation der TV-Nutzer über die Set-Top-Boxen seitens Swisscom sowie die Lieferung
von Zusatzinformationen zum TV-Nutzer (mittels durch sog. Targeting Insights konzipierter
zielgerichteter Werbung [Targeted Advertising] und interaktiver, zusätzlich abrufbarer Werbe-
inhalte [...]) ermöglicht. Diese Zusatzdienstleistung, die zielgerichtete Feinverteilung des TV-
Signals und die damit verbundene Ermöglichung einer zielgenaueren TV-Werbung, fällt nach
derzeitigem Kenntnisstand nicht unter die Verbreitungspflicht gemäss RTVG. Allerdings ist es
erst über diese Zusatzdienstleistung möglich innerhalb eines Netzes die zielgerichtete Fein-
verteilung eines TV-Programms inklusive Werbung zu realisieren.
193. Neben Swisscom bieten auch andere Netzwerkbetreiber (insbesondere die Kabelnetz-
werkbetreiber) die Übertragung bzw. Verbreitung von Fernsehsignalen über ihr Netz an. Da
125 Gemäss Art. 59 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 24. März 2006 über Radio und Fernsehen
(RTVG; SR 784.40) ist in erster Linie diejenige Fernmeldedienstanbieterin, die im Versorgungsgebiet
bereits Programme verbreitet und dabei am meisten Haushalte erreicht zur Verbreitung verpflichtet.
Das Bundesamt kann im gleichen Versorgungsgebiet mehr als eine Fernmeldedienstanbieterin ver-
pflichten, wenn dies erforderlich ist, um sicherzustellen, dass ein Programm von der Allgemeinheit
empfangen werden kann. Gemäss Art. 8a der Verordnung des UVEK vom 5. Oktober 2007 über Ra-
dio und Fernsehen (SR 784.401.11) muss eine Fernmeldedienstanbieterin alle Fernsehprogramme
nach Art. 59 und 60 RTVG digital anbieten, wenn sie Programme über Leitungen digital verbreitet. Zu-
dem sind diejenigen programmverbreitenden Fernmeldedienstanbieterinnen gemäss Art. 54 der Ra-
dio- und Fernsehverordnung vom 9. März 2007 (RTVV; SR 784.401) zur Verbreitung verpflichtet, die
mindestens 100 Haushalte erreichen. Swisscom ist eine Fernmeldedienstanbieterin, die Programme
über ihr Netz verbreitet und mehr als 100 Haushalte erreicht. Somit ist Swisscom zur Verbreitung ver-
pflichtet.
126 Vgl. RPW 2002/4, 575 Rz 36 ff., Teleclub AG vs. Cablecom GmbH.
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allerdings die Endkunden in der Regel nicht über mehrere Netze gleichzeitig ein Fernsehpro-
gramm konsumieren, stellt sich die Frage, ob die verschiedenen Netze hinsichtlich der zielge-
richteten Übertragung von TV-Programmen (inkl. Werbung) untereinander austauschbar sind
oder nicht. In den Umfragen im Rahmen der Prüfung wurden die TV-Sender, die Werbetrei-
benden und die Media- und Werbeagenturen gefragt, ob die einzelnen TV-Anbieter für die
Ausstrahlung von zielgerichteter TV-Werbung aus der Sicht der Werbetreibenden Alternativen
darstellen würden, oder ob zielgerichtete TV-Werbung über alle TV-Anbieter ausgestrahlt wer-
den müsste, um das Werbeziel zu erreichen:127
194. Die Antworten der Media- und Werbeagenturen ergeben folgende tabellarische Zusam-
menfassung:
Substitut (Ersatz) Komplement (Ergänzung)
1
1 Angabe
2
1 Angabe
3
1 Angabe
4
6 Angaben
5
8 Angaben
6
12 Angaben
Tabelle 11: Austauschbarkeit der Netze für zielgerichtete TV-Werbung aus Sicht der Media-
und Werbeagenturen
195. Für die Werbetreibenden zeigt eine analoge tabellarische Übersicht folgendes Resultat:
Substitut (Ersatz) Komplement (Ergänzung)
1
1 Angabe
2
0 Angaben
3
3 Angaben
4
2 Angaben
5
12 Angaben
6
5 Angaben
127 Der genaue Wortlaut der Frage lautet für TV-Sender: Gehen Sie davon aus, dass die einzelnen
TV-Anbieter (Swisscom-TV, Cablecom etc.) für die Ausstrahlung von zielgerichteter TV-Werbung aus
Sicht der Werbetreibenden Alternativen darstellen (Substitut) oder sind Sie der Meinung, dass zielge-
richtete TV-Werbung über alle TV-Anbieter (Swisscom-TV, Cablecom etc.) ausgestrahlt werden
müsste (Komplement), um das Werbeziel zu erreichen? Veranschaulichen Sie Ihre Einschätzung bitte
anhand der untenstehenden Tabelle, wobei „1“ am ehesten ein Substitut und „6“ am ehesten ein Kom-
plement bedeuten. Mit den Ziffern „2“ bis „5“ kann entsprechend zwischen Substitut und Komplement
abgestuft werden.
Der genaue Wortlaut der Frage lautet für Werbetreibende und Media- und Werbeagenturen: TV-
Zuschauerinnen und TV-Zuschauer, welche mit zielgruppenspezifischer Werbung über eine geeignete
Vorrichtung ihres TV-Anbieters erreicht werden können, haben typischerweise nur einen TV-Anbieter
(z.B: konsumiert ein Kunde von Swisscom-TV typischerweise nicht gleichzeitig auch ein TV-Angebot
eines Kabelnetzbetreibers). Gehen Sie davon aus, dass dies grundsätzlich gilt. (Anmerkung: Einige
Befragte haben diesen Satz als Frage interpretiert, woraufhin die meisten dieser Befragten diese Fest-
stellung bejaht haben).
Gehen Sie davon aus, dass die einzelnen TV-Anbieter (Swisscom-TV, Cablecom etc.) für die Aus-
strahlung von zielgerichteter TV-Werbung Alternativen darstellen (Substitut) oder sind Sie der Mei-
nung, dass zielgerichtete TV-Werbung über alle TV-Anbieter (Swisscom-TV, Cablecom etc.) ausge-
strahlt werden müsste (Komplement), um das Werbeziel zu erreichen? Veranschaulichen Sie Ihre
Einschätzung bitte anhand der untenstehenden Tabelle, wobei „1“ am ehesten ein Substitut und „6“
am ehesten ein Komplement bedeuten. Mit den Ziffern „2“ bis „5“ kann entsprechend zwischen Substi-
tut und Komplement abgestuft werden.
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Tabelle 12: Austauschbarkeit der Netze für zielgerichtete TV-Werbung aus Sicht der Werbe-
treibenden
196. Aus der Sicht der TV-Sender128 ergibt sich folgendes Resultat:
Substitut (Ersatz) Komplement (Ergänzung)
1
2 Angaben
2
0 Angaben
3
0 Angaben
4
1 Angabe
5
3 Angaben
6
3 Angaben
Tabelle 13: Austauschbarkeit der Netze für zielgerichtete TV-Werbung aus Sicht der TV-
Sender
197. Aus diesen Angaben der Marktteilnehmer kann zumindest gefolgert werden, dass die
Swisscom TV-Kunden hinsichtlich der Verbreitung von zielgruppenspezifischer TV-Werbung
nicht vollständig durch andere Netzendkunden ersetzbar sind. Die Mehrheit der Befragten hat
daher eine Substitutionsbeziehung abgelehnt oder eher abgelehnt. Damit wäre allenfalls von
imperfekten Substituten auszugehen.
198. Die Zusammenschlussparteien machen zu diesem Teil der Umfragen geltend, dass es
aus diesen Antworten nicht möglich sei, zu beurteilen, ob zielgerichtete TV-Werbung über TV-
Plattformen der Kabelnetzbetreiber ein Substitut oder ein Komplement zur zielgerichteten TV-
Werbung über Swisscom-TV darstellt.129 Dies einerseits, [...], weil ein Komplement mit „Er-
gänzung“ gleichgesetzt würde. Dem ist zu entgegnen, dass die Frage implizit davon ausgeht,
dass zielgerichtete TV-Werbung über einzelne Netze möglich wäre und ob in diesem Fall das
Werbeziel nur bei gleichzeitiger Ausstrahlung von zielgerichteter TV-Werbung über alle Netze
erreicht werden könne. Die Fragestellung spricht auch nicht von vollkommenen Substituten
bzw. Komplementen, sondern davon, ob die TV-Anbieter am „ehesten“ ein Substitut bzw. ein
Komplement darstellen würden. Mit der Skalierung wird die Möglichkeit gegeben, dem Grad
der Unvollkommenheit der Substituierbarkeit Rechnung zu tragen. Unabhängig davon, ob mit
der tabellarischen Klammerbemerkung „Ergänzung“ das Komplement nun als unvollkomme-
nes Komplement oder „am ehesten“ als Komplement zur Geltung kommt, zeigen die Resultate,
dass die vollkommene Substitution zwischen den einzelnen TV-Anbietern nicht bejaht werden
kann.
199. Die Antworten der Marktteilnehmer sind vielmehr dahingehend zu interpretieren, dass
sie den Kundenstamm von Swisscom TV als wichtigen Adressaten für eine effektive zielge-
richtete TV-Werbekampagne betrachten. Dies dürfte im Wesentlichen auf dessen relativ
grosse Reichweite zurückzuführen sein – einem Kriterium, das die Substituierbarkeit bzw. die
Wahl von Werbekanälen wesentlich beeinflusst (vgl. Rz 139). Die Austauschbarkeit von Wer-
bekanälen hängt aus Sicht der Werbetreibenden insbesondere auch von der erzielten Reich-
weite ab.130
128 Basierend auf 11 verwertbaren Angaben; der Fragebogen für den VSM enthält diese Frage nicht.
129 Stellungnahme der Zusammenschlussparteien zu den Akten (act. 385, Rz 17, 20 und 24).
130 Die Reichweite einer Mediengattung spielt auch in der Marktabgrenzungspraxis der Bundeskartell-
behörde eine wichtige Rolle (vgl. Gutachten Prof. Dr. R. Podszun im Auftrag der KE Media GmbH, S.
6 und 7, act. 405).
41-00042/COO.2101.111.7.130294 44
200. Die Zusammenschlussparteien machen diesbezüglich geltend, dass kein auf die
Swisscom TV-Abonnenten beschränkter Markt für zielgerichtete TV-Werbung abgegrenzt wer-
den sollte, da aus Sicht der Werbetreibenden die TV-Zuschauer austauschbar seien. Wenn
ein Werbetreibender für eine bestimmte Kampagne bspw. Eltern mit kleinen Kindern anspre-
chen möchte, will er eine Gruppe ansprechen und nicht spezifische TV-Zuschauer bzw.
Swisscom TV-Abonnenten. Die Austauschbarkeit resp. Substituierbarkeit aus Sicht der Nach-
frager auf einem „Markt“ für den Zugang zu Endkunden für zielgerichtete Werbung unter-
scheide sich damit wesentlich von demjenigen für die Terminierung im Bereich Mobilfunk.
201. Im Hinblick auf die mögliche Abgrenzung eines Marktes für den Zugang zu den Endkun-
den von Swisscom für die zielgerichtete Übertragung von TV-Programmen und TV-Werbung
machen die Parteien weiter geltend, dass jeder TV-Plattformanbieter in Bezug auf das von ihm
betriebene Netz über eine besondere Position verfüge.131 Das gelte für die Kabelnetzbetreiber
wie UPC Cablecom, Sunrise oder Quickline sowie für Wilmaa, Zattoo, Teleboy in gleicher
Weise wie für Swisscom. Eine derart enge Marktabgrenzung würde dazu führen, dass selbst
kleinste lokale Kabelnetzbetreiber als marktbeherrschende Unternehmen zu qualifizieren wä-
ren.
202. Hierzu ist anzufügen, dass auch bei kleinsten lokalen Kabelnetzbetreibern der Zugang
zum Endkunden nur über den Kabelnetzbetreiber erfolgen kann. Zwar können TV-Sender
eventuell auf die zielgerichtete Durchleitung ihres TV-Signals bei kleinsten Kabelnetzbetrei-
bern verzichten, wenn sie nur einen kleinen Bruchteil ihrer Zielgruppe auf diese Weise errei-
chen. Daher dürfte die nachfrageseitige Verhandlungsmacht der TV-Sender gegenüber den
kleinsten lokalen Kabelnetzbetreibern entsprechend gross sein und ihre Möglichkeiten, sich
unabhängig zu verhalten, eingeschränkt sein. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass
sie über den exklusiven Zugang zu ihren Endkunden verfügen und es sich daher – je nach
abzuklärendem Sachverhalt – die Abgrenzung eines eigenständigen Marktes rechtfertigen
kann. Anders stellt sich die Situation allerdings bei Swisscom dar, die über die mit Abstand
grösste Anzahl Endkunden verfügt, die aufgrund der heutigen Technologie und Ausstattung
potenziell mit zielgruppenspezifischer TV-Werbung erreicht werden kann.
203. Die Zusammenschlussparteien machen zur möglichen Abgrenzung eines Marktes für
den Zugang zu den Endkunden von Swisscom für die zielgerichtete Übertragung von TV-
Werbung weiter geltend, dass dieser Markt noch gar nicht entstanden sei und das Zusammen-
schlussvorhaben an den Wettbewerbsverhältnissen ohnehin nichts ändere.132 Hierbei muss
aber bedacht werden, dass bei der Prüfung von Zusammenschlüssen zu prüfen ist, ob der
Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung, durch die wirksamer Wettbewerb be-
seitigt werden kann, begründet oder verstärkt. Die Prüfung erfolgt im Gegensatz zu Untersu-
chungen gemäss Art. 7 KG prospektiv für einen Zeitraum von ca. zwei bis drei Jahren. In
diesem Fall ist die Begründung einer marktbeherrschenden Stellung zu prüfen. Irrelevant ist
dabei, ob diese Begründung auf einem schon existierenden Markt oder auf einem sich mit dem
Zusammenschlussvorhaben ergebenden Markt eintreffen kann (siehe auch Rz 113).
204. In diesem Zusammenhang sind auch ausreichende Hinweise gegeben, dass sich ein
Angebot und eine Nachfrage für zielgruppenspezifische TV-Werbung auch tatsächlich materi-
alisieren können: Wie vorangehend in Abschnitt B.3.1.2.1 aufgezeigt wird, besteht seitens der
Werbetreibenden und TV-Sender das Bedürfnis und die Nachfrage, zielgerichtete TV-
Werbung zu tätigen bzw. zu verbreiten. Zudem geben die Zusammenschlussparteien in der
Meldung des Zusammenschlusses an, [...].Unsicher ist der genaue Zeitpunkt der Einführung
131 Stellungnahme der Parteien vom 7. Oktober 2015 (act. 286), Rz. 61 (II)
132 Stellungnahme zur Beschlussbegründung von Kellerhals Carrard (act. 286), Rz 61 f.
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der Möglichkeit, zielgerichtete TV-Werbung über das Netz von Swisscom ausstrahlen zu kön-
nen. [...].
205. Aufgrund der vorangehenden Ausführungen hinsichtlich der möglicherweise bestehen-
den, wenn auch unvollkommenen, Substituierbarkeit des Zugangs zu Swisscom TV-
Endkunden mit zielgruppenspezifischer Werbung über andere Kanäle bzw. Netze [...] ist zum
jetzigen Zeitpunkt noch nicht im Detail abschätzbar, wie ein allfälliger Markt abzugrenzen wäre.
Wenn eine allfällige enge Marktabgrenzung vorgenommen würde, ist heute nicht auszu-
schliessen, dass der Wettbewerb auf den anderen Werbevermittlungsmärkten (insb. im Be-
reich Online/Digital) zumindest in der Angangsphase auch in einem eng abgegrenzten Markt
disziplinierend auf das geplante Joint Venture-Gemeinschaftsunternehmen wirken würde.
Eine zukünftige Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs in diesem Bereich [...] erscheint da-
her unwahrscheinlich. Aus diesen Gründen kann die Marktabgrenzung für die Zwecke des
vorliegenden Zusammenschlussvorhabens offengelassen werden.
B.3.1.6 Märkte für die Vermittlung und Vermarktung von nicht-zielgerichteter TV-
Werbezeit
206. Auf den Märkten für die Vermittlung und Vermarktung von TV-Werbezeit gegenüber TV-
Sendern stehen sich auf der Angebotsseite Werbevermittler und auf der Nachfrageseite TV-
Sender, die ihre TV-Werbeblöcke vermarkten wollen, gegenüber.
207. In der Schweiz kann grundsätzlich zwischen drei Typen von Anbietern von TV-Werbezeit
unterschieden werden: den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern der SRG, den privaten Schwei-
zer TV-Sendern und den privaten ausländischen TV-Sendern mit einem Werbefenster für die
Schweiz. Auf der Nachfrageseite fragen die Werbetreibenden TV-Werbezeit nach, die mehr-
heitlich für die Ausstrahlung von klassischen TV-Werbespots aber auch für andere Werbefor-
men, wie z.B. das Sponsoring von TV-Sendungen, genutzt werden.
208. Ein Schweizer Werbefenster entsteht dadurch, dass in einem in der Schweiz verbreite-
ten TV-Programm gezielt auf das Schweizer Publikum ausgerichtete Werbung eingesetzt wird.
Dies geschieht bei einem in der Schweiz verbreiteten TV-Programm aus dem Ausland durch
den gezielten Ersatz der Original-Werbung durch auf das Schweizer Publikum ausgerichtete
Werbung.
209. In der Regel lassen sich TV-Sender exklusiv vermarkten, so dass nur ein einziger Ver-
markter für die Vertretung des TV-Senders genutzt wird. Im Rahmen der Befragung durch die
WEKO gaben die einzelnen TV-Sender an, dass dies insbesondere auf Effizienzgründe zu-
rückzuführen sei und die Vermarktung eines TV-Senders durch mehrere Vermittler wirtschaft-
lich nicht lohnenswert und damit keine zufriedenstellende Alternative darstelle. Der Vermarkter
bzw. Vermittler vertritt die bei ihm unter Vertrag stehenden TV-Sender gegenüber Werbekun-
den und verkauft TV-Werbezeit. Vom Vermarkter bzw. Vermittler abzugrenzen sind die Wer-
beagenturen, welche einzelne Werbekampagnen definieren und produzieren sowie die Medi-
aagenturen, welche Werbekampagnen planen, den für den Kunden optimalen Mix an
Werbeträgern erarbeiten sowie mit den verschiedenen Medien bzw. mit deren Vermarkter Ver-
handlungen führen und entsprechende Buchungen vornehmen.
210. Beim Markt für Vermarktung und Vermittlung von TV-Werbezeit handelt es sich somit
um einen zweiseitigen Markt. Die Werbetreibenden bzw. ihre beauftragten Mediaagenturen
fragen beim Vermarkter bzw. Vermittler die TV-Werbezeit nach. Die TV-Sender bieten die TV-
Werbezeit über den Vermarkter bzw. Vermittler an. Daher ist zwischen den beiden Marktge-
genseiten TV-Sender und Werbetreibende zu unterscheiden.
211. Die Preisfestsetzungshoheit für TV-Werbezeit liegt grundsätzlich beim jeweiligen TV-
Sender. Der Preis für die Ausstrahlung eines TV-Werbespots hängt von mehreren Faktoren
41-00042/COO.2101.111.7.130294 46
ab. Massgebend sind die Spotdauer, die Anzahl Zuschauer, die den Werbeblock voraussicht-
lich sehen werden, der Tausend-Kontakt-Preis, die Zeitschiene sowie saisonale Faktoren.133
212. Die Vermarkter bzw. Vermittler, die nicht zum gleichen Unternehmen wie die beauftra-
genden TV-Sender gehören, werden für ihre Vermarktungsdienstleistung mittels Kommission
entschädigt.134
213. Bei TV-Programmen sowie der darin gezeigten Werbung kann grundsätzlich zwischen
den einzelnen Sprachregionen unterschieden werden, auch wenn die meisten TV-Programme
schweizweit empfangen werden können. Es entspricht ebenfalls der Praxis der WEKO die
entsprechenden Märkte sprachregional abzugrenzen, weshalb für die Zwecke des vorliegen-
den Zusammenschlussvorhabens von sprachregionalen Märkten auszugehen ist.
B.3.1.7 Märkte für die Vermittlung und Vermarktung von Radio-Werbezeit
214. Radiowerbezeit wird sowohl für die Ausstrahlung klassischer Radiowerbespots als auch
für andere Werbeformen wie z.B. das Sponsoring von Radiosendungen genutzt. In der
Schweiz können rund 50 Privatradios terrestrisch empfangen werden, in denen Werbung ge-
schaltet werden kann.135 Den öffentlich-rechtlichen Radioprogrammen der SRG ist die Aus-
strahlung von klassischen Radiowerbspots verboten, das Sponsoring von Radiowerbung ist
hingegen erlaubt (Art. 14 RTVG). Zudem existieren verschiedene über das Internet ausge-
strahlte Radiosender, wobei bei diesen nicht ersichtlich ist, ob und inwieweit ausländische über
das Internet in der Schweiz empfangene Radiosender ein Schweizer Werbefenster anbieten.
Unter Radiowerbung wird nachfolgend sowohl die Ausstrahlung klassischer Radiowerbespots
als auch andere Werbeformen wie z.B. das Sponsoring von Radiosendungen verstanden.
215. Neben den öffentlich-rechtlichen Sendern der SRG erreicht kein in der Schweiz über das
terrestrische Signal empfangbarer Radiosender eine nationale Abdeckung. Da die Sendege-
biete der einzelnen Privatradios durch die jeweilige Konzession klar vorgegeben sind, kann
mit Werbung in einem einzelnen Privatradio immer nur eine lokal begrenzte Reichweite erzielt
werden.136 Durch den Zusammenschluss zu sogenannten Radiowerbepools erreichen die ein-
zelnen Privatradios eine bessere Abdeckung bzw. höhere Hörerreichweite, die das Medium
Radio für die Schaltung von Werbung insgesamt attraktiver macht. Für die einzelnen Radio-
sender erhöht sich damit die Chance, für überregionale und nationale Werbekampagnen ein-
gesetzt zu werden. Aktuell gibt es in der Schweiz insgesamt 32 regionale bzw. sprachregionale
Radiopools.137
133 Schlussbericht 32-0246: Goldbach Group TV-/Radiovermarktung, Rz 24 (mit Verweis darin auf Me-
dia Guide Publisuisse (Fn 18, S. 31.).
134 Schlussbericht 32-0246: Goldbach Group TV-/Radiovermarktung, Rz 23.
135 Vgl. <www.swissradioworld.ch> unter Radio -> Privatradiomarkt Schweiz (zuletzt besucht am 20.
Juli 2015).
136 Dies gilt nicht für den Webradiokonsum der jeweiligen Sender. Gemäss der Sonderpublikation
„Webradiostudie 2011“ zeigte sich, dass der Radiokonsum über das Internet erst wenig genutzt wird.
Hauptsächlich jüngere Radiohörer verwendeten zu diesem Zeitpunkt Webradio. Dies meistens um
Sender zu hören, die sie sonst nicht empfangen konnten. Über das Mobiltelefon wurde nur wenig
Webradio gehört (https://www.mediapulse.ch/de/radio/publikationen.html, zuletzt besucht am 4. Sep-
tember 2015).
137 Vgl. <www.swissradioworld.ch> unter Radio -> Privatradiomarkt Schweiz (zuletzt besucht am 20.
Juli 2015).
http://www.swissradioworld.ch/ https://www.mediapulse.ch/de/radio/publikationen.html http://www.swissradioworld.ch/
41-00042/COO.2101.111.7.130294 47
216. Werbezeit in dem Programm eines bestimmten Radiosenders oder bei einem Radiower-
bepool kann entweder direkt beim Sender oder Werbepool bzw. der entsprechenden Vermark-
tungsorganisation oder aber über einen Vermarkter bzw. Vermittler von Radiowerbezeit ge-
bucht werden. Vermarkter bzw. Vermittler von Radiowerbezeit fungieren hierbei als Mittler
zwischen den Werbekunden bzw. deren Mediaagenturen auf der einen Seite und den Radio-
sendern bzw. Radiowerbepools auf der anderen Seite. Anders als TV-Vermarkter bzw. -Ver-
mittler besitzen Radiowerbe-Vermarkter bzw. -Vermittler in der Regel keine Exklusivität; der
Radiosender kann also noch andere Vermarkter bzw. -Vermittler beauftragen.
217. Beim Markt für Vermarktung und Vermittlung von Radiowerbezeit handelt es sich um
einen zweiseitigen Markt. Die Werbetreibenden bzw. ihre beauftragten Mediaagenturen fragen
beim Vermarkter bzw. Vermittler die Radiowerbezeit nach. Die Radio-Sender bzw. die Radio-
werbepools bieten die Radiowerbezeit über den Vermarkter bzw. Vermittler an.
218. Die Vermarkter bzw. Vermittler erhalten für ihre Dienstleistung von den Radiosendern
einen prozentualen Anteil des von ihnen generierten Werbeumsatzes in Form einer Kommis-
sion.138
219. Die Preisfestsetzungshoheit für Radiowerbezeit liegt bei den einzelnen Sendern, wobei
sich die Tarife für die Schaltung von Radiowerbespots insbesondere nach den Hörerzahlen
und der Spotdauer sowie dem Ausstrahlungszeitpunkt richten.139
B.3.1.8 Märkte für die Vermittlung und Vermarktung von Online-Werbeflächen
220. Gemäss Praxis der WEKO ist zwischen einem Markt für die Bereitstellung von Online-
Firmenwerbung und einem Markt für die Vermittlung von Online-Firmenwerbung zu unter-
scheiden. Bei beiden Märkten wird wiederum zwischen Märkten für die Bereitstellung von sta-
tischen sowie von dynamischen Online-Werbeflächen resp. Märkten für die Vermittlung von
statischen sowie von dynamischen Online-Werbeflächen unterschieden.140
221. Auf dem Markt für die Vermittlung von Online-Werbeflächen stehen gemäss Praxis der
WEKO auf der Anbieterseite die Vermittler von Online-Werbeflächen, die mit ihren Dienstleis-
tungen versuchen, Anbieter (Betreiber von Websites) von Online-Werbeflächen und Nachfra-
ger (Werbetreibende) nach Online-Werbeflächen zusammen zu bringen. Auf der Nachfra-
geseite befinden sich einerseits Werbetreibende und andererseits Betreiber von Websites und
damit Anbieter von Online-Werbeflächen, die miteinander ins Geschäft kommen wollen. Da
beide Nachfragegruppen nicht in einem Substitutionsverhältnis zueinander stehen, sondern
komplementär sind, muss der Anbieter der Vermittlungsdienstleistung beide Nachfragegrup-
pen separat bedienen und einen Austausch zwischen den beiden Nachfragegruppen vermit-
teln. Damit ist der Markt für die Vermittlung von Online-Werbeflächen ein typischer zweiseitiger
Markt und kann in die beiden Teilmärkte Markt für die Vermittlung von Online-Werbeflächen
gegenüber Werbetreibenden und Markt für die Vermittlung von Online-Werbeflächen gegen-
über Betreibern von Websites unterteilt werden.
222. Gemäss Praxis der WEKO wurde der Markt für die Bereitstellung von Online-Werbeflä-
chen in die beiden Teilbereiche Markt für die Bereitstellung von Online-Werbeflächen für sta-
tische Werbeformen und Markt für die Bereitstellung von Online-Werbeflächen für dynamische
138 Schlussbericht 32-0246: Goldbach Group TV-/Radiovermarktung, Rz 30.
139 Schlussbericht 32-0246: Goldbach Group TV-/Radiovermarktung, Rz 31.
140 RPW 2012/1, 153 Rz 89 ff., NZZ/Ringier/Tamedis/CXense/PPN. RPW 2014/3, 523 Rz 61 ff.,
Swisscom/Publigroupe.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 48
Werbeformen unterteilt.141 Auf dem Markt für die Bereitstellung von Online-Werbeflächen für
statische Werbeformen stehen sich auf der Anbieterseite Betreiber von Online-Plattformen,
die auf ihrer Webseite Online-Werbeflächen direkt an Werbetreibende verkaufen wollen und
auf der Nachfrageseite Werbetreibende, die entsprechenden Werberaum nachfragen, gegen-
über. Statische Werbeformen sind häufig Gegenstand einer direkten und meist längerfristigen
Vertragsbeziehung mit den Werbetreibenden. Auf dem Markt für die Bereitstellung von Online-
Werbeflächen für dynamische Werbeformen stehen sich auf der Anbieterseite Betreiber von
Online-Plattformen, die auf ihrer Webseite Online-Werbeflächen punktuell und oft über einen
Vermittler verkaufen wollen, und auf der Nachfrageseite Werbetreibende, die entsprechenden
Werberaum nachfragen, gegenüber. Im Vergleich zur Bereitstellung von Online-Werbung für
statische Werbeformen wird bei dynamischen Werbeformen die Auslieferung der Werbean-
zeige oft über ein Netzwerk und automatisiert koordiniert.
223. Da die Definition des sachlich relevanten Marktes als Teil der Sachverhaltsabklärung
aus Sicht der Marktgegenseite erfolgt, ist massgebend, ob aus deren Optik Waren oder Dienst-
leistungen miteinander im Wettbewerb stehen. Dies hängt davon ab, ob sie vom Nachfrager
hinsichtlich ihrer Eigenschaften und des vorgesehenen Verwendungszwecks als substituierbar
erachtet werden, also in sachlicher, örtlicher und zeitlicher Hinsicht austauschbar sind. Ent-
scheidend sind die funktionelle Austauschbarkeit (Bedarfsmarktkonzept) von Waren und
Dienstleistungen aus Sicht der Marktgegenseite sowie weitere Methoden zur Bestimmung der
Austauschbarkeit der Waren und Dienstleistungen aus Nachfragesicht. Dabei ist stets vom
Untersuchungsgegenstand auszugehen.142
224. Im Rahmen des vorliegenden Zusammenschlussvorhabens ist zu prüfen ob durch die
Gründung der Joint Venture-Gesellschaft und der von den Zusammenschlussparteien einzu-
bringenden Werbevermittlungstätigkeit eine marktbeherrschende Stellung begründet werden
kann. Nachfrager nach dem von der Joint Venture-Gesellschaft vermittelten Werberaum sind
Werbetreibende bzw. deren Mediaagenturen, die im Online-Bereich Werbung schalten möch-
ten. Für diese sind grundsätzlich vermittelte oder direkt verkaufte Online-Werbeflächen als
austauschbar anzusehen, weshalb für die Zwecke des vorliegenden Zusammenschlussvorha-
bens im Rahmen der Marktabgrenzung auf die Unterscheidung zwischen der direkten Ver-
marktungstätigkeit der Webseitenbetreiber und der Vermittlungstätigkeit von Online-Werbe-
raum verzichtet wird.
225. Hingegen wird zwischen statischen und dynamischen Werbeformen sowie Suchmaschi-
nenwerbung unterschieden, da für die Zwecke des vorliegenden Zusammenschlussvorhabens
und im Einklang mit der bisherigen Praxis der WEKO nicht davon ausgegangen wird, dass
zwischen diesen Werbeformen eine Substitutionsbeziehung besteht.143 Da die Joint Venture-
Gesellschaft nicht im Bereich Suchmaschinenwerbung tätig sein wird, werden für die Zwecke
des vorliegenden Zusammenschlussvorhabens die beiden Märkte für die Vermittlung und Ver-
marktung von statischen Online-Werbeflächen und die Vermittlung und Vermarktung von dy-
namischen Online-Werbeflächen unterschieden.
141 RPW 2013/4 354 Rz. 33 f., Tamedia AG/PPN AG; RPW 2013/1 98 Rz. 43, Publigroupe/ImproveDi-
gital; RPW 2012/1 156 Rz. 121, NZZ/Ringier/Tamedia/cXense/PPN; RPW 2012/1, 153 Rz 89 ff.,
NZZ/Ringier/Tamedis/CXense/PPN. RPW 2014/3, 523 Rz 64 ff., Swisscom/Publigroupe.
142 BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (=RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO.
143 RPW 2012/1, 153 Rz 98, NZZ/Ringier/Tamedia/cXense/PPN.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 49
B.3.1.8.1. Markt für die Vermittlung und Vermarktung von statischen Online-
Werbeflächen
226. Auf dem Markt für die Vermittlung und Vermarktung von statischen Online-Werbeflächen
stehen sich auf der Angebotsseite Betreiber von Websites oder Vermittler, die auf Webseiten
Werberaum zur Verfügung stellen, ohne dass das Aufschalten dieses Werberaums an Bedin-
gungen gebunden wäre, und auf der Nachfrageseite Werbetreibende gegenüber. Oftmals wird
diese Werbeform mit der Methode CPM („cost-per-mille“ bzw. „pay-per-1000-page-impressi-
ons“) abgerechnet. Gewisse Unternehmen assoziieren mit diesen Werbeformen tendenziell
eine Breitenwirkung bzw. ein sogenanntes „Branding“.144
B.3.1.8.2. Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von dynamischen Online-
Werbeflächen
227. Auf dem Markt für die Vermittlung und Vermarktung von dynamischen Online-Werbeflä-
chen stehen sich auf der Angebotsseite Betreiber von Websites oder Vermittler, die auf Web-
seiten Werberaum zur Verfügung stellen, wobei die Aufschaltung der Werbung aufgrund ge-
wisser Bedingungen und eines vorher durchlaufenen Evaluationsprozesses erfolgt, und auf
der Nachfrageseite Werbetreibende gegenüber. Der Evaluationsprozess kann sowohl perso-
nenbezogen als auch kontextbezogen durchgeführt werden. Üblicherweise werden diese Wer-
beformen mit der Methode PPC („pay-per-click“) abgerechnet und es wird mit dieser Werbe-
form eher eine Tiefenwirkung bzw. sogenannte „Performance“ angestrebt.145
228. In räumlicher Hinsicht ist die WEKO in ihrer Praxis bisher von einem schweizweiten
Markt ausgegangen, auch wenn dieser grundsätzlich eine internationale Dimension anneh-
men kann. Dennoch ist davon auszugehen, dass nur in einer Minderzahl ausländische Wer-
betreibende in der Schweiz lebende Internetnutzer ansprechen wollen, so dass durchaus von
einer schweizweiten oder sprachregionalen räumlichen Dimension ausgegangen werden
kann. Für die Zwecke des vorliegenden Zusammenschlussvorhabens wird von einem schweiz-
weiten Markt ausgegangen.
B.3.1.8.3. Märkte für die Vermittlung und den Verkauf von Inserate- und Werberaum in
Printmedien
229. Auf dem Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von Werberaum in Print-Erzeug-
nissen stehen sich auf der Anbieterseite Verleger von Printmedien und auf der Nachfrageseite
Werbetreibende, die entsprechende Werbeanzeigen in Printmedien schalten möchten. In ihrer
bisherigen Praxis hat die WEKO die einzelnen Lesermärkte und die damit korrespondierenden
Märkte für die Vermittlung bzw. Vermarktung von Inserate- und Werberaum themenspezifisch
abgegrenzt.146
230. Gemäss konstanter Praxis unterscheidet die WEKO im Medienbereich u. a. zwischen
Lesermärkten (bzw. Hörer-, Zuschauer-, Nutzermärkten) und Werbemärkten (Bereitstellung
und Vermittlung von Werbung). Lesermärkte lassen sich anhand der Charakteristika der ein-
zelnen Printerzeugnisse bestimmen. Dabei sind nebst den eigentlichen Zeitungen (insb. Ta-
geszeitungen, Pendlerzeitungen und Sonntagszeitungen) auch die sogenannten Special-Inte-
rest-Titel zu betrachten. Letztere bilden je eigene Lesermärkte, da sie sich an ein spezielles
144 RPW 2012/1, 153 Rz 98, NZZ/Ringier/Tamedia/cXense/PPN.
145 RPW 2012/1, 153 Rz 98, NZZ/Ringier/Tamedia/cXense/PPN.
146 Vgl. RPW 2009/3, 266 Rz 162 ff., Tamedia/PPSR; RPW 20012/1, 146 Rz 44 ff.,
NZZ/Ringier/Tamedia/cXense/PPN.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 50
Publikum mit dem vom Titel abgedeckten Interesse richten. Die nach Praxis der WEKO abzu-
grenzenden Werbemärkte lassen sich grundsätzlich ebenfalls anhand der Charakteristika der
einzelnen Printerzeugnisse bestimmen. Dies führt nebst verschiedenen Werbemärkten in ei-
gentlichen Zeitungen auch zur Abgrenzung von Werbemärkten in Special-Interest-Titeln. Auf-
grund des spezifischen Interesses der Leserschaft kann mit Werbung in Special-Interest-Titeln
ein enger eingegrenztes Publikum erreicht werden, womit sich Streuverluste für Werbetrei-
bende reduzieren lassen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, für die verschiedenen Gruppen
von Special-Interest-Titeln eigene Werbemärkte abzugrenzen. Bei der Marktabgrenzung für
Special-Interest-Titel wird praxisgemäss von den Titelgruppen der sogenannten WEMF-
Klassifikation ausgegangen.147
231. Die Zusammenschlussparteien sind in den Print-Erzeugnissen gemäss Meldung auf den
nachfolgenden Märkten tätig:
Lesermärkte Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in Printmedien
Lesermarkt für Frauen und Peoplepresse Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in der
Frauen- und Peoplepresse
Lesermarkt für Modemagazine für weibli-
ches Publikum mit vierzehntäglicher oder
monatlicher Erscheinungsweise
Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in Modemaga-
zinen für weibliches Publikum mit vierzehn-
täglicher oder monatlicher Erscheinungs-
weise
Lesermarkt für Konsumthemen Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in Presseer-
zeugnisse zu Konsumthemen
Lesermarkt für Land und Heimat Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in Presser-
zeugnissen für Land und Heimat
Lesermarkt für Programmpresse Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in Presseer-
zeugnisse für Programmpresse
Lesermarkt für Finanz- und Wirtschafts-
presse
Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in Presseer-
zeugnisse für Finanz- und Wirtschaftspresse
Lesermarkt für News- und Themenpresse Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in News- und
Themenpresse
Lesermarkt für Tageszeitungen Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in Tageszei-
tungen
147 RPW 2012/1, 117 Rz 53 f., Tamedia/Bilan/Tribune des Arts.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 51
Lesermarkt für Pendlerzeitungen Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in Pendlerzei-
tungen
Lesermarkt für Sonntagszeitungen Märkte für die Vermittlung und den Verkauf
von Inserate- und Werberaum in Sonntags-
zeitungen
Tabelle 14: Märkte im Bereich Print
232. Da sich die Marktbeschreibungen der einzelnen Märkte für die Vermittlung und den Ver-
kauf von Inserate- und Werberaum in Printmedien im Hinblick auf die Anbieter und Nachfrager
in den einzelnen Kategorien ähneln wird für die Zwecke des vorliegenden Zusammenschluss-
vorhabens auf eine sachliche Beschreibung der einzelnen Märkte verzichtet.
233. In räumlicher Hinsicht hat die WEKO in ihrer Praxis diese Märkte grundsätzlich nach
Sprachregionen abgegrenzt. Für die Zwecke des vorliegenden Zusammenschlussvorhabens
wird im Einklang mit der Praxis der WEKO von je sprachregionalen Märkten für die Deutsch-
schweiz, die französischsprachige Schweiz und die italienischsprachige Schweiz ausgegan-
gen.
B.3.2 Voraussichtliche Stellung in den betroffenen Märkten
234. Es werden nur diejenigen sachlichen und räumlichen Märkte einer eingehenden Analyse
unterzogen, in welchen der gemeinsame Marktanteil in der Schweiz von zwei oder mehr der
beteiligten Unternehmen 20% oder mehr beträgt oder der Marktanteil in der Schweiz von ei-
nem der beteiligten Unternehmen 30% oder mehr beträgt (vgl. Art. 11 Abs. 1 lit. d VKU, diese
Märkte werden hier als „vom Zusammenschluss betroffene Märkte“ bezeichnet). Wo diese
Schwellen nicht erreicht werden, kann von der Unbedenklichkeit des Zusammenschlusses
ausgegangen werden. In der Regel erübrigt sich dann eine nähere Prüfung.
235. Nach Angaben der Zusammenschlussparteien ergeben sich die nachfolgenden Markt-
anteile für das Jahr 2014:
Markt
Marktanteil betrof-
fen
Marktan-
teils-addi-
tion Swisscom Ringier SRG
Markt für die Vermittlung
bzw. Vermarktung von
TV-Werbezeit in der
Deutschschweiz
[0-10]% [0-10]% [20-30]% Ja gering
Markt für die Vermittlung
bzw. Vermarktung von
TV-Werbezeit in der fran-
zösischsprachigen
Schweiz
[0-10]% [10-20]% [40-50]% Ja Ja
Markt für die Vermittlung
bzw. Vermarktung von [0-10]% [0-10]% [90-100]% Ja gering
41-00042/COO.2101.111.7.130294 52
TV-Werbezeit in der itali-
enischsprachigen
Schweiz
Markt für die Vermittlung
und den Vertrieb von Ra-
dio-Werbezeit in der Ge-
samtschweiz
0% [10-20]% [0-10]% Nein Ja
Markt für die Vermittlung
und den Vertrieb von Ra-
dio-Werbezeit in der
Deutschschweiz
0% [10-20]% [0-10]% Ja Ja
Markt für die Vermittlung
und den Vertrieb von Ra-
dio-Werbezeit in der fran-
zösischsprachigen
Schweiz
0% 0% [10-20]% Nein Nein
Markt für die Vermittlung
und den Vertrieb von Ra-
dio-Werbezeit in der itali-
enischsprachigen
Schweiz
0% 0% [0-20]% Nein Nein
Markt für die Vermittlung
bzw. Vermarktung von
statischen Online-Werbe-
flächen
[10-20]% [0-10]% 0% Nein Ja
Markt für die Vermittlung
bzw. Vermarktung von
dynamischen Online-
Werbeflächen
[0-10]% [0-10]% 0% Nein Ja
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in der
deutschsprachigen
Frauen- und People-
presse
0% [50-60]% 0% Ja Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in der fran-
zösischsprachigen
Frauen- und People-
presse
0% [60-70]% 0% Ja Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in deutsch-
sprachigen Modemagazi-
nen für ein weibliches
Publikum mit vierzehn-
täglicher oder monatli-
cher Erscheinungsweise
0% [90-100]% 0% Ja Nein
41-00042/COO.2101.111.7.130294 53
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in franzö-
sischsprachigen Mode-
magazinen für ein
weibliches Publikum mit
vierzehntäglicher oder
monatlicher Erschei-
nungsweise
0% [90-100]% 0% Ja Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in der
deutschsprachigen Publi-
kumspresse für Konsum-
themen
0% [80-90]% 0% Ja Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in der
deutschsprachigen
Presse für Land und Hei-
mat
0% [90-100]% 0% Ja Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in der
deutschsprachigen Pro-
grammpresse
0% [90-100]% 0% Ja Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in der fran-
zösischsprachigen Pro-
grammpresse
0% [90-100]% 0% Ja Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in der
deutschsprachigen Fi-
nanz- und Wirtschafts-
presse
0% [60-70]% 0% Ja Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in der fran-
zösischsprachigen Fi-
nanz- und
Wirtschaftspresse
0% [20-30]% 0% Nein Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in der fran-
zösischsprachigen News-
und Themenpresse
0% [90-100]% 0% Ja Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in deutsch-
sprachigen Tageszeitun-
gen
0% [0-10]% 0% Nein Nein
41-00042/COO.2101.111.7.130294 54
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in franzö-
sischsprachigen Tages-
zeitungen
0% [10-20]% 0% Nein Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in deutsch-
sprachigen Pendlerzei-
tungen
0% [10-20]% 0% Nein Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in deutsch-
sprachigen Sonntagszei-
tungen
0% [20-30]% 0% Nein Nein
Werbemärkte Print-Fir-
menwerbung in italie-
nischsprachigen Sonn-
tagszeitungen
0% [90-100]% 0% Ja Nein
Tabelle 15: Marktanteile der Zusammenschlussparteien
236. Meldepflichtige Zusammenschlüsse werden in der vertieften Prüfung dahingehend ge-
prüft, ob der Zusammenschluss auf den relevanten Märkten zu einer Begründung oder Ver-
stärkung einer alleinigen oder kollektiven marktbeherrschenden Stellung führt (Art. 10 Abs. 2
KG).
237. Damit werden gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. d VKU und Rz 235 die Märkte für die Vermittlung
bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in der Deutschschweiz, für die Vermittlung bzw. Ver-
marktung von TV-Werbezeit in der französischsprachigen Schweiz, für die Vermittlung bzw.
Vermarktung von TV-Werbezeit in der italienischsprachigen Schweiz sowie für die Vermittlung
und den Vertrieb von Radio-Werbezeit in der Deutschschweiz einer genaueren Prüfung unter-
zogen.
238. Da die Geschäftstätigkeit der Joint Venture-Gesellschaft allerdings eine neuartige Form
der Vermittlung von TV-Werberaum implementieren möchte, wird zudem auf die spezifischen
Eigenschaften der zielgerichteten Vermarktung von TV-Werbung eingegangen und es wird im
Rahmen der vertieften Prüfung die Auswirkung des Zusammenschlussvorhabens auf allfällige
zukünftige Märkte für die zielgerichtete Übertragung von TV-Programmen und TV-Werbung,
für die Vermittlung und Vermarktung von zielgerichteter TV-Werbezeit gegenüber TV-Sendern
und Werbetreibenden untersucht.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 55
B.3.2.1 Vorbemerkungen zur potenziellen Wirkung der Kooperation von Ringier, SRG
und Swisscom im Rahmen der Joint Venture-Gesellschaft auf die
Marktverhältnisse148
239. Bevor die in Rz 235 identifizierten betroffenen Märkte einzeln einer Prüfung unterzogen
werden, sind in diesem Abschnitt Vorbemerkungen zur allgemeinen potenziellen Wirkung der
JV-Gesellschaft aufgeführt.
240. Die Joint Venture-Gesellschaft hat die beiden strategischen Ziele, (a) im Bereich Tar-
geted Advertising wettbewerbsfähige Angebote zu lancieren und (b) mit konvergenten Werbe-
produkten im TV-, Print- und Online-Bereich eine grösstmögliche Reichweite bereitzustellen.
241. Das Erreichen beider Ziele fördert die Erlangung einer „kritischen Masse“ an Kunden,
welche gerade für Werbevermittler bzw. Werbevermarkter als zweiseitige Plattformen essen-
ziell ist. Die Stärke der dabei auftretenden indirekten Netzwerkeffekte hängt von der Grösse
des Kundenstamms sowohl auf der Seite der Werbetreibenden als auch auf der Seite der
Werbekonsumenten ab. Diese indirekten Netzwerkeffekte tragen per se, nebst anderen Fak-
toren wie bspw. spezifischen Targeting-Möglichkeiten, positiv zur Attraktivität eines Werbever-
mittlers bzw. Werbevermarkters bei.149
242. Zur Erreichung des Ziels (a) [...]. Dabei dürften, auch bedingt durch die Digitalisierung
in den Medienmärkten, hohe Investitionskosten und Unsicherheiten zu bewältigen sein: Der
Zugang zu entsprechend Technologie, Expertise und Daten erscheint essenziell. Die von den
Zusammenschlussparteien dazu eingebrachten Assets sind in Abschnitt A.3, Rz 30 ff., genau
umschrieben. [...].
243. Das Erreichen einer grösstmöglichen Reichweite (b) wird auch durch Verbund- und Sy-
nergieeffekte mittels Bereitstellung von Werbeprodukten über die verschiedenen Werbekanäle
getrieben sein. Die Attraktivität dieses Angebots hängt auch von der Preisgestaltung und damit
auch von möglichen Koppelungs- und Bündelgeschäften ab. [...].
244. Im Hinblick auf die simultane Erreichung der Ziele (a) und (b), also der Erhalt qualitativ
hochstehender und umfangreicher Targeting Insights und dem möglichst attraktiven Angebot
an Werbeprodukten über verschiedene Werbekanäle, ist deshalb auch die Frage zentral, ob
sich das JV auch durch einen sehr breiten Pool an Nutzungsdaten, umfangreiches technisches
Know-how, bereits vorhandene Systeme, noch nicht scharf abzugrenzende Synergie- und Ver-
bundeffekte sowie dem Auftreten von indirekten Netzwerkeffekten eine marktbeherrschende
Stellung verschaffen kann, durch die wirksamer Wettbewerb beseitigt werden könnte (siehe
Rz 181). Diese Frage wird bei der Beurteilung der Stellung auf den einzelnen Werbevermark-
tungs- bzw. Vermittlungsmärkten nachfolgend mitberücksichtigt.
148 Vergleich zum Ganzen, Antworten zum Auskunftsbegehren an Kellerhals Anwälte (gestellt am 13.
August 2015) (act. 31).
149 Vgl. DAVID S. EVANS, How Catalysts Ignite: The Economics of Platform-Based Start-Ups, in Plat-
form Economics: Essays on Multi-Sided Businesses, Evans, Competition Policy International (CPI)
(Hrsg.), 2011, 48-71.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 56
B.3.2.2 Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von nicht-zielgerichteter TV-
Werbezeit in der Deutschschweiz
B.3.2.2.1. Aktueller Wettbewerb
245. In der Schweiz betrugen die Bruttowerbeausgaben im Jahr 2014 insgesamt CHF 4‘886
Mio., wovon auf TV-Werbeausgaben CHF 1‘606 Mio. entfielen. Davon entfielen CHF 1‘196
Mio. auf die deutsche Schweiz, CHF 380 Mio. auf die französischsprachige Schweiz und CHF
31 Mio. auf die italienischsprachige Schweiz.150 Neben Publisuisse welche den TV-Werberaum
der öffentlich-rechtlichen TV-Sender vertreibt, sind Goldbach Media, Publicitas und Belcom
weitere Vermarkter von TV-Werberaum in der Schweiz.
246. Goldbach Media ist der wichtigste Mitwettbewerber in der Vermarktung von Schweizer
Werbefenstern von privaten ausländischen TV-Sendern151 sowie von Schweizer Privatsen-
dern.152
Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in der Deutschschweiz
Zeit-
raum
Wert Gesamtmarkt Ringier Swisscom SRG Goldbach Dritte
2 0 1 4
Umsatz
in Mio.
CHF
1‘196 0 [0-10] 358 784 [50-60]
In % 100% 0% [0-10]% 29.91% 65.5% [0-10]%
2 0 1 3
Umsatz
in Mio.
CHF
1‘182 0 [...] 319 808 [50-60]
In % 100% 0% [0-10]% 26.99% 68.36% [0-10]%
2 0 1 2
Umsatz
in Mio.
CHF
1‘211 0 [...] 333 824 [50-60]
In % 100% 0% [...] 27.5% 68.1% [0-10]%
Tabelle 16: Marktanteile und Umsätze im Markt für die nicht-zielgerichtete Vermittlung bzw.
Vermarktung von TV-Werbezeit in der Deutschschweiz153
150 Meldung vom 10. August 2015 (act. 11), Beilage 14, Geschäftsbericht 2014 der Publisuisse, S.10
(angegebene Quelle: MediaFocus, exklusive Medieneigenwerbung, alle Medien gemäss aktuellem
Stand).
151 Namentlich 6ter, Cartoon Network, DMAX, kabel eins, M6, N24, n-tv, ProSieben, ProSieben MAXX,
RTL, RTL9, RTL II, RTL NITRO, SAT.1, SAT.1 GOLD, sixx, SUPER RTL, VOX und W9 (Schlussbe-
richt 32-0246: Goldbach Group TV-/Radiovermarktung, Fn 8).
152 Namentlich 3+, 4+, 5+, Comedy Central, MTV, Nickelodeon, Rouge TV, Teleclub Sport, TVM3 und
VIVA CH sowie (ab 1.1.2015) TV24 (Schlussbericht 32-0246: Goldbach Group TV-/Radiovermarktung,
Fn 9).
153 Geschäftsberichte 2014 und 2013 der Publisuisse, jeweils S. 7.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 57
247. Auf dem Markt für die nicht-zielgerichtete Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-
Werbezeit in der Deutschschweiz sind vor allem SRG und Goldbach Media die dominierenden
beiden Wettbewerber, wobei derzeit Goldbach Media mit einem Marktanteil von über 65% (vgl.
Tabelle 16) der stärkere Marktteilnehmer zu sein scheint. Vergleicht man hingegen die
schweizweiten Zahlen, welche die Stiftung Werbestatistik Schweiz veröffentlicht, so scheint
SRG gerechnet auf die Netto-Werbeumsätze mit einem Marktanteil von ca. 49.9% der etwas
stärkere Marktteilnehmer zu sein.154 Somit stehen sich auf diesem Markt SRG und Goldbach
Media als aktuelle Wettbewerber gegenüber.
248. Durch das Zusammenschlussvorhaben kommt es zudem kaum zu Marktanteiladditio-
nen. Die von Swisscom im Markt vermarkteten Werbefenster generieren nach Angaben der
Zusammenschlussparteien lediglich einen Umsatz in Höhe von CHF [0-10] Mio., was einem
Marktanteil von [0-10]% entspricht. Rein aufgrund der Veränderung der Marktanteile kommt
es durch das Zusammenschlussvorhaben kaum zu Veränderungen der Marktkonzentration.
249. Somit führt das Zusammenschlussvorhaben aufgrund des Einbringens der einzelnen
Geschäftstätigkeiten der an der Joint Venture-Gesellschaft beteiligten Zusammenschlusspar-
teien zu keinen massgeblichen Veränderungen der Wettbewerbsverhältnisse in diesem Markt.
B.3.2.2.2. Berücksichtigung der Zuschauermärkte
250. Bei den Zuschauermärkten wird gemäss Praxis der WEKO zwischen Pay-TV und Free-
TV unterschieden, wobei für die Reichweite der ausgestrahlten Werbung in der Regel nur
Free-TV-relevant ist, da im Pay-TV meist keine Werbung gezeigt wird. Daher wird für die Zwe-
cke des vorliegenden Zusammenschlussvorhabens der Markt für Free-TV in der Deutsch-
schweiz als zum Markt für Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in der Deutsch-
schweiz korrespondierender Zuschauermarkt für die Analysen herangezogen.
251. Ringier ist auf dem Markt für Free-TV lediglich mit den beiden Sendern Energy TV und
LandLiebe TV tätig, deren Marktanteil allerdings kleiner als [0-10]% sind. SRG ist mit den Sen-
dern SRF 1, SRF zwei, SRF info, RTS Un, Rts Deux sowie RSA LA 1 und RSI LA 2 tätig. Die
Sender der SRG in der Deutschschweiz vereinigen einen Marktanteil von insgesamt 24.4%
auf sich, wobei die beiden Sender SRF 1 und SRF zwei die Nummer 1 und Nummer 2 im Markt
für Free-TV in der Deutschschweiz sind. Da es durch das Zusammenschlussvorhaben aber
auf dem Markt für Free-TV nicht zu Veränderungen der Marktverhältnisse kommt und aufgrund
der Sendervielfalt auch nicht davon auszugehen ist, dass die Zusammenschlussparteien im
Markt für Free-TV eine marktbeherrschende Stellung innehaben, scheinen die für zweiseitige
Märkte typischen Wechselwirkungen zwischen beiden Marktgegenseiten durch das Zusam-
menschlussvorhaben nicht wesentlich verändert zu werden.
B.3.2.2.3. Potenzieller Wettbewerb
252. Die Zusammenschlussparteien machen geltend, dass in den Statistiken zum TV-
Werbemarkt Schweiz verschiedene internationale Player wie Google inkl. Youtube und Face-
book nicht berücksichtigt würden, obwohl diese mit audiovisueller Werbung erhebliche Um-
sätze generieren würden. Die Zusammenschlussparteien sind sogar der Meinung, dass diese
richtigerweise bei der Marktabgrenzung berücksichtigt werden müssten.
253. Für die Zwecke des vorliegenden Zusammenschlussvorhabens kann offen gelassen
werden, ob verschiedene Streamingdienste wie Youtube ebenfalls zum relevanten Markt hin-
zugezählt werden müssten, da das Zusammenschlussvorhaben auf dem Markt für die nicht-
154 Stiftung Werbestatistik, Werbeaufwand Schweiz 2015, S. 19 f.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 58
zielgerichtete Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbung in der Deutschschweiz nicht zu
einer wesentlichen Veränderung der Wettbewerbsverhältnisse führt.
B.3.2.2.4. Mögliche Begründung oder Verstärkung einer kollektiven
Marktbeherrschung
254. Auf dem Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von nicht-zielgerichteter TV-
Werbezeit in der Deutschschweiz sind fast ausschliesslich Publisuisse (bzw. zukünftig die
Joint Venture-Gesellschaft) sowie Goldbach Media tätig. Gemeinsam vermitteln bzw. vermark-
ten sie mehr als 90% der TV-Werbezeit in der Schweiz. Zudem lassen TV-Programmanbieter
ihre TV-Werbung in der Regel exklusiv von einem Werbevermittler vermittelt bzw. vermarktet.
255. Da allerdings durch das Zusammenschlussvorhaben die Marktverhältnisse zwischen
Publisuisse [...] sowie Goldbach Media nicht verändert werden, kommt es vorderhand zu kei-
ner Veränderung einer möglicherweise bereits heute bestehenden kollektiven Marktbeherr-
schung. Allerdings ist es möglich, dass sich die beiden Wettbewerber durch die Innovation der
zielgerichteten Wertung unterschiedlich entwickeln und sich so eine Veränderung einer allfäl-
ligen kollektiven Marktbeherrschung ergeben könnte.
B.3.2.2.5. Mögliche Übertragung einer marktbeherrschenden Stellung aus dem
exklusiven Zugang zu den Endkunden von Swisscom für die nicht-
zielgerichtete Übertragung von TV-Programmen und TV-Werbung auf andere
Märkte
256. Swisscom verfügt aufgrund ihrer Netzwerkinfrastruktur über die vollständige Kontrolle
betreffend den Zugang zu den Endkunden für die nicht-zielgerichtete Übertragung von TV-
Werbung. Daher könnte Swisscom durch die exklusive Vergabe von Übertragungsrechten für
TV-Programmen und TV-Werbung ihre marktbeherrschende Stellung auf nachgelagerte
Märkte ausweiten, indem sie durch vertikale Integration ihre Geschäftstätigkeit auf den Markt
für die Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbung ausweitet und den TV-Sendern die
Durchleitung ihrer TV-Signale verweigern könnte, wenn diese ihre Werbeinventare nicht durch
die vertikal integrierte Geschäftstätigkeit vermitteln bzw. vermarkten würden. Gemäss Art. 59
Abs. 4 und 5 RTVG ist allerdings die Durchleitung reguliert, so dass einem allfälligen Miss-
brauch einer marktbeherrschenden Stellung durch eine Fernmeldedienstanbieterin, die TV-
Programme in ihrem Versorgungsgebiet verbreitet, vorgebeugt werden kann.
257. Vor dem Hintergrund der Regulierung ist daher von keiner Übertragung einer marktbe-
herrschenden Stellung aus dem Markt für den Zugang zu den Endkunden von Swisscom für
die nicht-zielgerichtete Übertragung von TV-Programmen und TV-Werbung auf den Markt für
die nicht-zielgerichtete Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in der Deutsch-
schweiz auszugehen.
B.3.2.2.6. Mögliche Verbund- und Synergieeffekte aus dem exklusiven Zugang zu den
Endkunden von Swisscom für die zielgerichtete Übertragung von TV-
Programmen und TV-Werbung und aus dem Fundus an Targeting Insights
258. Sowohl einzelne befragte Werbetreibende als auch die meisten befragten Media- und
Werbeagenturen und TV-Sender würden es aufgrund der Exklusivität des zielgerichteten TV-
Werbezugangs zu Swisscom-Kunden als sehr wahrscheinlich erachten, dass von der Joint
Venture-Gesellschaft Bündelangebote (Vermarktung ihres gesamten Werbeinventars in den
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Bereichen TV, Print, Online/Digital und Radio und/oder Planung der gesamten Werbekam-
pagne über die Joint Venture-Gesellschaft) nachgefragt werden.155
259. Die Zusammenschlussparteien machen bezüglich der Fragen 19 und 20 im Fragebogen
für Media- und Werbeagenturen und der Frage III.2 in jenem für TV-Sender geltend, dass
diese die unzulässige Annahme treffen, dass Swisscom TV-Kunden ausschliesslich über das
geplante Joint Venture-Gemeinschaftsunternehmen mit TV-Werbung (zielgerichtete und kon-
ventionelle TV-Werbung) erreicht werden können. Dies treffe nicht für die konventionelle TV-
Werbung zu. Aus diesem Grund seien die Antworten verzerrt und nicht verwertbar.156 Diese
Annahme trifft in der Realität tatsächlich nicht für die konventionelle TV-Werbung zu. Mit der
dazugehörigen Anschlussfrage, welche Rolle dabei die exklusive Möglichkeit zielgerichtete
TV-Werbung schalten zu können spielt, wird jedoch versucht, den „isolierten“ Sogeffekt von
zielgerichteter TV-Werbung abschätzen zu können. In der Tat betrachten viele Befragte diese
Möglichkeit als den entscheidenden Faktor, der sie, ausgehend vom Angebot TV-Werbung
buchen zu können, dazu veranlassen würde bei der Joint Venture-Gesellschaft Bündelange-
bote nachzufragen.157
260. Aus der Einschätzung der relativen Attraktivität des voraussichtlichen Fundus‘ an Nut-
zer- und Nutzungsdaten sowie der Werbetechnologien und der Expertise der Joint Venture-
Gesellschaft gegenüber anderen Werbevermittlern bzw. -vermarktern resultiert, dass der
Grossteil der befragten TV-Sender, Werbetreibenden und Media- und Werbeagenturen diese
als sehr bzw. überdurchschnittlich attraktiv erachten und auch aus diesem Grund bereit wäre,
Bündelangebote bei der Joint Venture-Gesellschaft nachzufragen bzw. ihre gesamten Werbe-
kampagnen über die Joint Venture-Gesellschaft zu tätigen.158
261. Wenngleich sich durch diese Sogwirkungen ausgehend von der Möglichkeit zielgrup-
penspezifische TV-Werbung und der Einschätzung der relativen Attraktivität des voraussicht-
lichen Fundus‘ an Nutzer- und Nutzungsdaten sowie der Werbetechnologien und der Expertise
der Joint Venture-Gesellschaft gegenüber anderen Werbevermittlern bzw. -vermarktern al-
leine keine marktbeherrschende Stellung auf den dadurch gebundenen Vermarktungs- und
Vermittlungsmärkten für Werberaum und -zeit auf den Print-, Online/Digital- und Radioplattfor-
men ableiten lassen, kann davon ausgegangen werden, dass diese Nachfrage nach Bündel-
angeboten die Marktstellung der Joint Venture-Gesellschaft auf dem Markt für die nicht-ziel-
gerichtete Übertragung von TV-Programmen und TV-Werbung verstärkt. Diese Verstärkung
ist mit Unsicherheit zu quantifizieren und wird von der WEKO hinsichtlich ihrer Wirkung auf die
Marktverhältnisse dementsprechend defensiv eingeschätzt.
155 Siehe dazu bspw. die Antworten auf die Fragen 19 und 20 im Fragebogen für Media- und Werbe-
agenturen der Havas Media AG (act. 293.01) oder von Dentsu Aegis Network (act. 295.02). Für TV-
Sender siehe bspw. die Antworten auf die Frage III.2 von 3 Plus Group AG (act. 52) oder der [...] (act.
243.02). Für Werbetreibende siehe bspw. die Antworten auf die Frage 15 der Kuoni Reisen AG (act.
137.01) oder der Cornèr Bank AG (act. 188.02).
156 Stellungnahme der Zusammenschlussparteien zu den Akten (act. 385, Rz 18, 21f. und 37).
157 Siehe als Beispiele die entsprechenden Antworten in act. 311 oder act. 237 für TV-Sender und act.
330, act. 338 oder act. 336.
158 Siehe dazu bspw. die Antworten auf die Frage 21 im Fragebogen für Media- und Werbeagenturen
der Havas Media AG (act. 293.01) oder von Dentsu Aegis Network (act. 295.02). Für TV-Sender siehe
bspw. die Antworten auf die Frage III.3 von 3 Plus Group AG (act. 52) oder [...] (act. 243.02). Für Wer-
betreibende siehe bspw. die Antworten auf die Frage 16 der Kuoni Reisen AG (act. 137.01) oder der
Cornèr Bank AG (act. 188.02).
41-00042/COO.2101.111.7.130294 60
262. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass sämtliche TV-Sender aufgrund der exklusiven
Möglichkeiten der zielgerichteten TV-Werbung, auch die Vermarktung der nicht-zielgerichteten
TV-Werbung auf die Joint Venture-Gesellschaft übertragen. In dieser Hinsicht ist zwar auch
auf dem Markt für nicht-zielgerichtete TV-Werbung mit einer Verstärkung einer allenfalls be-
reits bestehenden marktbeherrschenden Stellung der Joint Venture-Gesellschaft [...] bzw. der
Begründung einer solchen marktbeherrschenden Stellung zu rechnen, wobei aufgrund der
Auskünfte der befragten Marktteilnehmer allerdings die Möglichkeiten der Beseitigung des
wirksamen Wettbewerbs als nicht gegeben angesehen werden.
263. Die Zusammenschlussparteien machen geltend, dass es auf den einzelnen Märkten
kaum zu Marktanteilsadditionen komme und daher das Zusammenschlussvorhaben auch
keine marktübergreifenden Synergie- und Verbundeffekte haben werde, die den Wettbewerb
beseitigen könnten.159 In Bezug auf Synergie- und Verbundeffekte müsse berücksichtigt wer-
den, dass Ringer, SRG und Swisscom mit einem konsolidierten Gesamtumsatz in Höhe von
CHF [...] kombiniert derzeit bloss etwa [10-20]% des brutto Gesamtwerbeumsatzes Schweiz
in Höhe von CHF 4‘893‘872‘000.- ausmacht, wobei die tatsächlichen Umsatzzahlen auf den
Online-Märkten deutlich höher sein dürften.160
264. Das Verhältnis zwischen dem konsolidierten Gesamtwerbeumsatz der Zusammen-
schlussparteien und des Brutto-Gesamtwerbeumsatzes in der Schweiz ist nicht aussagekräf-
tig, da es auf der einen Seite nicht zwischen den einzelnen und spezifischen Werbeformen,
die für die Zwecke des vorliegenden Zusammenschlussvorhabens in separaten Märkten ab-
gegrenzt werden, unterscheidet und auf der anderen Seite die Prozentzahl zu niedrig sein
dürfte, da konsolidierte Umsätze zu Bruttoumsätzen ins Verhältnis gesetzt werden.
B.3.2.2.7. Mögliche Begründung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden
Stellung
265. Gemäss dem oben Ausgeführten ist das Zusammenschlussvorhabens nicht geeignet
auf dem Markt für die nicht-zielgerichtete Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in
der Deutschschweiz eine marktbeherrschende Stellung zu begründen oder eine bereits beste-
hende allenfalls kollektiv marktbeherrschende Stellung zu verstärken, durch die auf diesem
Markt wirksamer Wettbewerb beseitigt werden kann.
B.3.2.3 Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von nicht-zielgerichteter TV-
Werbezeit in der französischsprachigen Schweiz
B.3.2.3.1. Aktueller Wettbewerb
266. Die Ausgaben für TV-Werbung lagen in der französischsprachigen Schweiz im Jahr
2014 bei CHF 380 Mio. und im Jahr 2013 bei CHF 334 Mio. Hiervon entfielen ca. [10-20]% der
Werbeausgaben auf Ringier mit der Vermarktung der Werbung auf TF1. Die restlichen [80-
90]% des Marktvolumens teilten sich SRG und Goldbach Media im Wesentlichen auf, wobei
TF1 bisher über Goldbach Media vermarktet wurde.
Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in der französischsprachi-
gen Schweiz161
159 Stellungnahme Parteien vom 7. Oktober 2015 (act. 286), Rz 79 f.
160 Stellungnahme Parteien vom 7. Oktober 2015 (act. 286), Rz 82.
161 Geschäftsberichte 2014 und 2013 der Publisuisse, jeweils S. 7.
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Zeit-
raum
Wert Gesamtmarkt Ringier
(TF1)
Swisscom SRG Goldbach Dritte
2 0 1 4
Umsatz
in Mio.
380 [50-60] [0-10] [150-
200]
[150-200] [0-10]
In % 100% [10-20]% [0-10]% [40-
50]%
[40-50]% [0-10]%
2 0 1 3
Umsatz
in Mio.
334 [50-60] [...] [150-
200]
[100-150] [0-10]
In % 100% [10-20]% [0-10]% [40-
50]%
[30-40]% [0-10]%
2 0 1 2
Umsatz
in Mio.
282 [10-20] [...] [150-
200]
[100-150] [0-10]
In % 100% [0-10]% [0-10]% [40-
50]%
[30-40]% [0-10]%
Tabelle 17: Marktanteile und Umsätze im Markt für die nicht-zielgerichtete Vermittlung bzw.
Vermarktung von TV-Werbezeit in der französischsprachigen Schweiz
267. Durch das Zusammenschlussvorhaben kann es grundsätzlich zu erheblichen Marktan-
teilsadditionen zugunsten der Joint Venture-Gesellschaft kommen, wenn TF1 neu über die
Joint Venture-Gesellschaft vermarktet werden sollte. Ein Wechsel erscheint von TF1 zur Joint
Venture-Gesellschaft aufgrund der Beteiligungsverhältnisse als wahrscheinlich.
Konzentrationsmass Vermarktung von TF1
durch Ringier
HHI vor dem Zusammenschluss
und Wechsel von TF1 [3000-4000]
HHI nach dem Zusammenschluss
und Wechsel von TF1
[5000-6000]
HHI [1000-2000]
Tabelle 18: Veränderung HHI-Index auf dem Markt für die nicht-zielgerichtete Vermittlung
bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in der französischsprachigen Schweiz
268. Würde TF1 neu durch die Joint Venture-Gesellschaft vermarktet, würde es durch das
Zusammenschlussvorhaben zu erheblichen Marktanteilsadditionen seitens der Joint Venture-
Gesellschaft kommen. Dennoch bleibt mit Goldbach Media weiterhin ein starker Wettbewerber
im Markt, so dass weiterhin von einer gewissen aktuellen Konkurrenz ausgegangen werden
kann.
B.3.2.3.2. Berücksichtigung der Zuschauermärkte
269. Auf dem Markt für Free-TV in der französischsprachigen Schweiz ist die SRG mit dem
grössten (RTS Un) und viertgrössten (RTS Deux) TV-Sendern vertreten, die einen Marktanteil
von 25.5% auf sich vereinigen. Daneben ist die Nummer zwei, der Fernsehsender TF1, mit
41-00042/COO.2101.111.7.130294 62
einem Marktanteil von 12.2% vertreten. Würde TF1 durch die Joint Venture-Gesellschaft ver-
marktet, so könnte über diese ein Zuschaueranteil von 37.7% in der französischsprachigen
Schweiz erreicht werden. Demgegenüber käme Goldbach Media auf einen Zuschaueranteil
von ca. 25% wobei diejenigen von Goldbach Media vermarkteten TV-Sender, die einen Zu-
schaueranteil von mehr als 1% habe zusammen einen Marktanteil von 23.3% ausmachen
würden.
270. Damit könnte durch das Zusammenschlussvorhaben die Reichweite an TV-Zuschauern
von ca. 25.5 % auf ca. 37.7% erhöht werden.
B.3.2.3.3. Potenzieller Wettbewerb
271. Betreffend potenzieller Wettbewerb kann auf die Ausführungen in Rz 252 ff. verwiesen
werden, die analog für den Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in
der französischsprachigen Schweiz anwendbar ist.
B.3.2.3.4. Kollektive Marktbeherrschung
272. Auf dem Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in der franzö-
sischsprachigen Schweiz sind fast ausschliesslich Publisuisse [...] sowie Goldbach Media tä-
tig. Gemeinsam vermitteln bzw. vermarkten sie [90-100]% der TV-Werbezeit in der franzö-
sischsprachigen Schweiz. Zudem wird TV-Werbung in der Regel exklusiv vermittelt bzw.
vermarktet.
B.3.2.3.5. Mögliche Begründung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden
Stellung
273. Durch das Einbringen der TV-Vermarktung von TF1 in die Joint Venture-Gesellschaft
würde es zu Marktanteilsadditionen im Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-
Werbezeit in der französischsprachigen Schweiz kommen. Dennoch bestünde mit Goldbach
Media nach wie vor ein weiterer Marktteilnehmer mit einem Marktanteil von mehr als 40%.
274. Das Zusammenschlussvorhaben ist für eine Begründung einer kollektiv marktbeherr-
schenden Stellung bzw. die Verstärkung einer möglicherweise bereits bestehenden kollektiv
marktbeherrschenden Stellung zwischen Publisuisse und Goldbach Media nicht kausal.
275. Im Hinblick auf eine mögliche Übertragung einer marktbeherrschenden Stellung aus
dem Markt für den Zugang zu den Endkunden von Swisscom für die nicht-zielgerichtete Über-
tragung von TV-Programmen kann auf die Ausführungen in Kapitel B.3.2.2.5 sowie für die
möglichen Verbund- und Synergieeffekte kann auf die Ausführungen in Kapitel B.3.2.2.6 ver-
wiesen werden, die für diesen Markt ebenso gelten.
276. Zusammenfassend ist das Zusammenschlussvorhabens nicht geeignet auf dem Markt
für die nicht-zielgerichtete Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbezeit in der französisch-
sprachigen Schweiz eine marktbeherrschende Stellung zu begründen oder eine bereits beste-
hende allenfalls kollektive marktbeherrschende Stellung zu verstärken, durch die auf diesem
Markt wirksamer Wettbewerb beseitigt werden kann.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 63
B.3.2.4 Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von nicht-zielgerichteter TV-
Werbezeit in der italienischsprachigen Schweiz
B.3.2.4.1. Aktueller Wettbewerb
277. In der italienischsprachigen Schweiz wird neben den beiden Sendern der SRG RSI LA
1 und RSI LA der regionale TV-Sender Teleticino ausgestrahlt, der ein eigenes Werbefenster
für das Tessin vermarktet. Gemäss Aussagen der Zusammenschlussparteien werden keine
weiteren ausländischen Werbefenster für die italienischsprachige Schweiz vermarktet. Daher
sind auf dem Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-Werbezeiten in der italie-
nischsprachigen Schweiz lediglich SRG, die Umsätze in Höhe von CHF [30-40] Mio. im Jahr
2014, CHF [30-40] Mio. im Jahr 2013 und CHF [20-30] Mio. im Jahr 2012 erzielt hat, und
Teleticino, der einen Umsatz mit TV-Werbung in Höhe von ca. CHF [0-10] Mio. pro Jahr erzielt,
tätig.162 Somit beläuft sich der Marktanteil der SRG auf ca. [80-90]% während derjenige von
Teleticino gemäss Schätzungen der Zusammenschlussparteien ca. [10-20]% beträgt.
278. Durch das Zusammenschlussvorhaben kommt es auf dem Markt für die Vermittlung bzw.
Vermarktung von TV-Werbezeiten in der italienischsprachigen Schweiz zu keinen Marktan-
teilsadditionen, so dass es rein durch das Einbringen der Geschäftstätigkeit in die Joint Ven-
ture-Gesellschaft zu keinen massgeblichen Veränderungen der aktuellen Wettbewerbsverhält-
nisse auf diesem Markt kommt.
B.3.2.4.2. Berücksichtigung der Zuschauermärkte
279. Die Fernsehsender der SRG haben auf dem Markt für Free-TV in der italienischsprachi-
gen Schweiz einen Marktanteil von ca. 36.8%. Der Rest verteilt sich auf verschiedene vorwie-
gend italienische TV-Sender. Der lokale TV-Sender Teleticino erreicht einen Marktanteil von
ca. 1%. Damit ist SRG auch auf dem Zuschauermarkt in der italienischsprachigen Schweiz
recht stark. Dennoch ist nicht zu erwarten, dass das Zusammenschlussvorhaben einen Ein-
fluss die Marktverhältnisse auf dem Markt für Free-TV in der italienischsprachigen Schweiz
haben wird.
B.3.2.4.3. Potenzieller Wettbewerb
280. Grundsätzlich wäre es denkbar, dass die ausländischen italienischsprachigen Sender im
Tessin ein spezifisches Werbefenster einführen, wodurch mehr Wettbewerbsdruck entstehen
könnte. Derzeit ist dies wohl aus wirtschaftlichen Überlegungen noch nicht der Fall, weshalb
der potenzielle Wettbewerb auf dem Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von TV-
Werbezeit in der italienischsprachigen Schweiz eher als gering eingestuft wird.
B.3.2.4.4. Kollektive Marktbeherrschung
281. Der derzeit dominante Akteur ist Publisuisse, welcher einen Marktanteil von ca. [80-90]%
erzielt. Daneben ist Teleticino mit [10-20]% Marktanteil eher auf den Lokalbereich ausgerich-
tet. Eine kollektive Marktbeherrschung zwischen den einzigen beiden im Markt tätigen Akteu-
ren erscheint aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung unwahrscheinlich.
162 Geschäftsberichte 2014 und 2013 der Publisuisse, jeweils S. 7.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 64
B.3.2.4.5. Mögliche Begründung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden
Stellung
282. Aufgrund des oben Ausgeführten kann davon ausgegangen werden, dass durch das
Einbringen der Geschäftstätigkeiten der am Zusammenschluss beteiligten Unternehmen keine
marktbeherrschende Stellung begründet wird, bzw. dass eine allenfalls bereits bestehende
marktbeherrschende Stellung auf dem Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von nicht-
zielgerichteter TV-Werbezeit in der italienischsprachigen Schweiz nicht verstärkt wird.
283. Im Hinblick auf eine mögliche Übertragung einer marktbeherrschenden Stellung aus
dem Markt für den Zugang zu den Endkunden von Swisscom für die nicht-zielgerichtete Über-
tragung von TV-Programmen kann auf die Ausführungen in Kapitel B.3.2.2.5 sowie für die
möglichen Verbund- und Synergieeffekte auf die Ausführungen in Kapitel B.3.2.2.6 verwiesen
werden, die für diesen Markt ebenso gelten.
284. Zusammenfassend kann daher festgehalten werden, dass das Zusammenschlussvor-
habens nicht geeignet ist, um auf dem Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von nicht-
zielgerichteter TV-Werbezeit in der italienischsprachigen Schweiz eine marktbeherrschende
Stellung zu begründen oder eine bereits bestehende allenfalls kollektive marktbeherrschende
Stellung zu verstärken, durch die auf diesem Markt wirksamer Wettbewerb beseitigt werden
kann.
B.3.2.5 Vermittlung bzw. Vermarktung von zielgerichteter TV-Werbezeit
285. Die Vermittlung bzw. Vermarktung von zielgerichteter TV-Werbezeit ist derzeit im Ent-
stehen begriffen und es existieren in der Schweiz noch keine Angebote, die sich mit den von
den Zusammenschlussparteien geplanten Angeboten in diesem Bereich vergleichen lassen.
Daher kann über den bestehenden Wettbewerb im Bereich der Vermittlung bzw. Vermarktung
von zielgerichteter TV-Werbezeit noch keine Aussage gemacht werden.
286. Als Anbieter von zielgerichteter TV-Werbezeit kommen derzeit nur Vermarkter von TV-
Werbezeit in Frage, die Zugang zu den entsprechenden Nutzerinformationen haben und die
Feinverteilung der zielgerichteten TV-Werbung über den Fernmeldedienstanbieter durchfüh-
ren lassen können.
287. [...]. Vor diesem Hintergrund kommt derzeit als Anbieter von Vermarktungs- bzw. Ver-
mittlungsdienstleistungen von zielgerichteter TV-Werbezeit gegenüber den Endkunden von
Swisscom nur die Joint Venture-Gesellschaft in Frage.
288. Die Zusammenschlussparteien machen geltend, dass es auch anderen Unternehmen
offen stehe, zielgerichtete Formen der TV-Werbung anzubieten und in diesen Markt einzutre-
ten. So könne der Stellungnahme von UPC Cablecom entnommen werden, dass UPC
Cablecom zurzeit nicht von einer genügenden Nachfrage nach zielgerichteter TV-Werbung
ausgehe.163 So könnte UPC Cablecom alleine oder über den Branchenverband
SUISSEDIGITAL versuchen, zusammen mit Goldbach Media oder direkt mit in- und ausländi-
schen Privatsendern ein Konkurrenzangebot aufzubauen.
289. Die Befragung hat ergeben, dass die meisten Werbetreibenden und TV-Sender die Aus-
strahlung von Werbung über die unterschiedlichen Netzbetreiber nicht als vollständige Substi-
tute ansehen (vgl. Rz 193 f.). Vor diesem Hintergrund könnte nicht notwendigerweise von ei-
nem gleichwertigen Konkurrenzangebot gesprochen werden. Dies wäre auch nur dann der
Fall, wenn eine für die Werbetreibenden relevante Zielgruppe in einem für sie austauschbaren
41-00042/COO.2101.111.7.130294 65
Masse sowohl über die Kabelnetzbetreiber als auch über die Infrastruktur von Swisscom er-
reicht werden könnte. Ob dies in Zukunft der Fall sein wird oder ob zwischen den beiden An-
geboten keine Substitutionsmöglichkeiten vorhanden sind, kann heute noch nicht abschlies-
send beurteilt werden.
290. Die Parteien gehen von einem langsam wachsenden Markt für zielgerichtete Werbung
aus und schätzen, dass im Jahr [...] zielgerichtet ausgeliefert wird. Bei [...] entsprechen. [...].
291. Weiter bringen die Zusammenschlussparteien vor, dass es sich hierbei um einen poten-
ziellen Markt handelt, den es derzeit in der Schweiz noch gar nicht gibt und der erst noch
entstehen soll.164 So sehe der grobe Zeitplan vor, dass [...]. Gleichzeitig mahnen die Zusam-
menschlussparteien an, dass im Hinblick auf die Einführung neuer Produkte und Dienstleis-
tungen auf neuen und dynamischen Märkten Zurückhaltung geübt werden sollte und nicht
schon im Vornherein neue Produkte und Dienstleistungen bereits als separate Produktmärkte
qualifiziert werden sollten.165 So sollten Unternehmen, die in die Entwicklung neuer Produkte
und Dienste investieren, nicht vor Lancierung dieser mit der Marktbeherrschungsqualifikation
bedroht werden.
292. In Zusammenschlussvorhaben ist grundsätzlich die Frage der Begründung oder Verstär-
kung einer marktbeherrschenden Stellung, durch die wirksamer Wettbewerb beseitigt werden
kann vorausschauend, abzuklären. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich um einen im Ent-
stehen befindlichen oder bereits etablierten Markt handelt. Zwar ist bei der Prüfung von Zu-
sammenschlussvorhaben, welche die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen be-
zwecken, besondere Vorsicht geboten. Dennoch können solche
Unternehmenszusammenschlüsse nicht a priori von einer Prüfung ausgeschlossen werden
(siehe dazu auch Rz 113 und 203). Doch selbst wenn die Prüfung eines Zusammenschluss-
vorhabens zum Schluss kommt, dass keine marktbeherrschende Stellung begründet oder ver-
stärkt wird, durch die wirksamen Wettbewerb beseitigt werden kann, so bleibt die Möglichkeit
eines späteren Eingriffs basierend auf Art. 7 KG und die Verfügung vorsorglicher Massnahmen
nach wie vor offen.
B.3.2.5.1. Vermittlung bzw. Vermarktung von zielgerichteter TV-Werbezeit gegenüber
Werbetreibenden
293. Im Rahmen der Befragung gaben die meisten Werbetreibenden an, dass in Zukunft ziel-
gerichtete Werbung immer wichtiger werde, da auf diese Weise Werbung effizienter gestaltet
werden könne. Dies gelte auch für TV-Werbung. Allerdings sind die meisten Werbetreibenden
im Hinblick auf die Nachfrage nach zielgerichteter TV-Werbung noch abwartend. Die meisten
sind bereit diese neue Werbeform zu testen, um zu einem späteren Zeitpunkt über Art und
Umfang des Einsatzes zu entscheiden. Dennoch scheint eine gewisse konstante Nachfrage
nach nicht-zielgerichteter TV-Werbezeit seitens der Werbetreibenden weiterhin zu bestehen.
294. Die Erläuterungen in den Abschnitten B.3.1.2.2 und B.3.1.2.4 zu den Substitutionsmög-
lichkeiten zwischen Werbekanälen bzw. innerhalb des TV-Bereichs aus der Sicht der Werbe-
treibenden und Media-Agenturen zeigen auch, dass die einzelnen Werbekanäle grundsätzlich
disziplinierende Wettbewerbseffekte aufeinander ausüben können (insbesondere innerhalb
der zielgruppenspezifischen Werbekanäle Online und TV) und dass die zielgerichtete OTT-
41-00042/COO.2101.111.7.130294 66
TV-Werbung ebenfalls in einem gewissen (unvollständigen) Substitutionsverhältnis zur zielge-
richteten TV-Werbung über ein Kabel- bzw. IP-Netz stehen, so dass nicht ausgeschlossen
werden kann, dass diese eine gewisse disziplinierende Wirkung ausübt.
295. Im Hinblick auf die Frage, ob die Werbetreibenden zielgerichtete TV-Werbung gegen-
über den Kunden von Swisscom und den Kabelnetzbetreibern als Substitut oder als Komple-
ment (im Sinne einer Ergänzung) ansehen, entschieden sich die Meisten gegen ein Substitut.
Wichtig sei es für die Werbetreibenden eine gewisse Zielgruppe zu erreichen. Wenn diese nur
dann erreicht werden kann, wenn über mehrere Netze Werbung ausgestrahlt wird, dann seien
diese nicht gegenseitig ersetzbar.
296. In der Schweiz existiert im Moment nur die Joint-Venture-Gesellschaft, die in Zukunft
zielgerichtete TV-Werbung im Markt vermitteln bzw. vermarkten wird. Als möglicher direkter
Wettbewerber käme wie auf den Märkten für die Vermittlung bzw. Vermarktung von nicht-ziel-
gerichteter TV-Werbezeit auch Goldbach Media in Frage. Hierzu müsste allerdings Goldbach
Media entsprechende Dienstleistungen aufbauen und einen Zugang zu den Targeting Insights
von Swisscom sowie die Feinverteilungsdienstleistungen oder eine Möglichkeit erhalten ba-
sierend auf eigenen Kundeninformationen entsprechende Feinverteilungsdienstleistungen er-
halten.
297. Zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings noch völlig unklar, wie sich ein möglicher Markt für
die Vermittlung bzw. Vermarktung von zielgerichteter TV-Werbezeit gegenüber Werbetreiben-
den entwickeln wird. Insbesondere ist unklar, welchen Stellenwert diese Werbung in Zukunft
haben wird und wie gut sich diese Werbeform gegenüber den anderen, insbesondere zielge-
richteten, Werbemöglichkeiten abgrenzen und durchsetzen wird. Vor diesem Hintergrund kann
nicht mit ausreichender Wahrscheinlichkeit beurteilt werden, ob das Zusammenschlussvorha-
ben in einem solchen möglichen Markt zur Begründung oder Verstärkung einer marktbeherr-
schenden Stellung führt, durch die eine Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs droht.
B.3.2.5.2. Vermittlung bzw. Vermarktung von zielgerichteter TV-Werbezeit gegenüber
TV-Programmanbietern
298. Auch gegenüber TV-Programmanbietern bestehen zum jetzigen Zeitpunkt in der
Schweiz noch keine Angebote zur Ausstrahlung von zielgerichteten TV-Sendern bzw. zielge-
richteter TV-Werbung. Daher wird im Moment diese Art der TV-Werbung noch nicht vermittelt.
[...].
299. Die einzelnen TV-Sender geben an, dass sie ihren Kunden in der Zukunft allesamt ziel-
gerichtet TV-Werbung ermöglichen möchten. Hierzu benötigen sie allerdings einen entspre-
chenden Datensatz, der es ihnen bzw. ihrem Werbevermarkter bzw. -vermittler ermöglicht, die
Interessen der Zuschauerinnen und Zuschauer zu kennen und gleichzeitig die Werbung ent-
sprechend den Interessen an die Zuschauerinnen und Zuschauer auszuliefern.
300. Die Vermarktung von zielgerichteter Werbung an Fernsehzuschauer, die über das Netz-
werk von Swisscom TV-Programme konsumieren, soll über die Joint Venture-Gesellschaft er-
folgen. [...]. Somit hat die Joint Venture-Gesellschaft über die exklusive Zusammenarbeit mit
Swisscom einen exklusiven Zugang zu den Übermittlungskapazitäten des Netzes von
Swisscom zur zielgerichteten Übertragung von TV-Werbung, wodurch sie vorerst als einziger
Anbieter dieser Werbeform auftreten kann.
301. Dies wird allerdings auch zur Folge haben, dass TV-Sender, welche ihren Kunden ziel-
gerichtete TV-Werbung anbieten möchten (die Mehrzahl der befragten TV-Sender möchte
dies, siehe Rz 149), diese zwingend bei der Joint Venture-Gesellschaft nachfragen müssen,
da sie dies beim bisherigen Wettbewerber Goldbach Media mangels Angebot nicht nachfragen
können. Zwar könnte Goldbach Media zusammen mit den Kabelnetzbetreibern eine ähnliche
Dienstleistung auf die Beine stellen. Deren Einführungszeitpunkt und wettbewerbliche Wirkung
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auf das Angebot des Joint Venture-Gemeinschaftsunternehmens ist derzeit allerdings noch
ungewiss. Zudem kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob
ein vergleichbares Angebot von Goldbach Media zusammen mit den Kabelnetzbetreibern als
Substitut zu dem Angebot der Joint Venture-Gesellschaft angesehen werden würde.
B.3.2.5.3. Mögliche Begründung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden
Stellung
302. Aufgrund des oben Ausgeführten kommt die Wettbewerbskommission zum Schluss,
dass durch das Zusammenschlussvorhaben kaum Prognosen über eine Marktentwicklung im
Bereich zielgerichteter TV-Werbung möglich sind. Da zielgerichtete TV-Werbung ein zusätzli-
ches Angebot zu den bestehenden TV-Werbeangeboten darstellt, ist grundsätzlich noch offen,
ob es dem TV-Werbemarkt zuzuordnen wäre. Die durchgeführten Erhebungen deuten aller-
dings auch darauf hin, dass zielgerichtete TV-Werbung in einem gewissen Masse mit zielge-
richteter Online-Werbung substituiert werden könnte, so dass auch eine Zuordnung zu einem
Markt für zielgerichtete Online-Werbung möglich wäre. Vor diesem Hintergrund wird die Markt-
abgrenzung offen gelassen.
303. Aufgrund der möglicherweise bestehenden Substituierbarkeit bzw. teilweisen Substitu-
ierbarkeit zielgerichteter TV-Werbung mit zielgerichteter Online-Werbung und der Tatsache,
dass mit der zielgerichteten TV-Werbung ein neues Produkt eingeführt wird, ist zum jetzigen
Zeitpunkt noch nicht absehbar, ob dies zu einer Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs füh-
ren kann. Auch wenn eine solche Möglichkeit theoretisch besteht, so erscheint sie bei einer
auf einen Zeitraum von ca. 3 Jahren vorausschauenden Betrachtung unwahrscheinlich.
304. Aufgrund der somit bestehenden Unsicherheiten betreffend die Wettbewerbswirkung
durch die Einführung von zielgerichteter TV-Werbung rechtfertigt sich kein Eingriff der WEKO
aufgrund von Art. 10 Abs. 2 KG. Vielmehr drängt sich eine laufende Beobachtung der Wettbe-
werbsverhältnisse im Bereich der zielgerichteten TV-Werbung im Sinne von Art. 45 Abs. 1 KG
auf, um im Falle von Anhaltspunkten eines Missbrauchs einer allfällig marktbeherrschenden
Stellung im Sinne von Art. 7 KG ein Verfahren zu eröffnen.
B.3.2.6 Markt für die Vermittlung und Vermarktung von Radio-Werbezeit in der
Deutschschweiz
B.3.2.6.1. Aktueller Wettbewerb
305. Gestützt auf die Angaben der Zusammenschlussparteien entfällt auf den Markt für die
Vermittlung bzw. Vermarktung von Radio-Werbezeiten in der Deutschschweiz ein Umsatz von
CHF 196 Mio. Der SRG ist es gemäss Konzession nicht erlaubt Radiowerbung zu schalten.
Hingegen erzielte sie im Jahr 2014 mittels Radiosponsoring einen Gesamtertrag von CHF [5-
15] Mio. in der Deutschschweiz, was einem Marktanteil von ca. [0-10]% entspricht. Ringier
erzielte in der Deutschschweiz mit Radiowerbung einen Umsatz in Höhe von CHF [30-40] Mio.,
was einen Marktanteil von ca. [10-20]% entspricht. Damit erreichen die Zusammenschlusspar-
teien knapp [10-20]% Marktanteil.
306. Durch das Zusammenschlussvorhaben kommt es auf diesem Markt nur zu geringen
Marktanteilsadditionen. Zudem muss berücksichtigt werden, dass es der SRG durch die Kon-
zession nicht erlaubt ist, klassische Radiowerbung zu verkaufen. Sie kann lediglich in gerin-
gem Ausmass durch Radiosponsoring Einnahmen erzielen. Damit hat das Zusammenschluss-
vorhaben kaum Auswirkungen auf die aktuellen Wettbewerbsverhältnisse in diesem Markt.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 68
B.3.2.6.2. Berücksichtigung der Hörermärkte
307. Auf dem Hörermarkt nimmt die SRG in der Deutschschweiz mit einem Marktanteil von
[60-70]% eine sehr starke Stellung ein. Ringer kommt zudem auf einen Marktanteil in Höhe
von [0-10]%, so dass sich ein gemeinsamer Marktanteil in Höhe von [60-70]% ergeben würde,
der über die gemeinsame Werbevermarktung erreicht werden könnte. Diese Zahlen sind al-
lerdings dahingehend zu relativieren, da die SRG keine Radiowerbung im klassischen Sinn
schalten darf. Damit sind auch die Marktanteile der SRG bei der Vermittlung bzw. Vermarktung
von Radio-Werbezeit kaum relevant.
B.3.2.6.3. Potenzieller Wettbewerb
308. Da die Radiofrequenzen in der Schweiz limitiert sind und zum Betrieb eines Radios über
das terrestrische Signal eine entsprechende Konzession vorausgesetzt wird, sind die Möglich-
keiten von Marktzutritten und damit neuem Radio-Werberaum relativ überschaubar. Es ist da-
her davon auszugehen, dass kaum potenzieller Wettbewerb im Markt herrscht, der auf die
bisherigen Vermarktungsstrukturen einen starken Einfluss hätte.
B.3.2.6.4. Kollektive Marktbeherrschung
309. Radiowerbung wird in der Regel nicht exklusiv vertrieben. So können grundsätzlich so-
wohl Goldbach Media als auch Publisuisse bzw. andere Dritte die Vermarktung von Radio-
Werberaum des jeweils gleichen Senders vornehmen. Aufgrund dieser Tatsache erscheint
eine kollektive Marktbeherrschung eher unwahrscheinlich.
B.3.2.6.5. Mögliche Begründung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden
Stellung
310. Zusammenfassend kann daher festgehalten werden, dass keine Anhaltspunkte beste-
hen, dass auf dem Markt für die Vermittlung bzw. Vermarktung von Radio-Werbezeiten in der
Deutschschweiz eine marktbeherrschende Stellung begründet oder verstärkt wird.
B.3.2.7 Zwischenergebnis
311. Gemäss den obigen Erwägungen kommt die Wettbewerbskommission zum Schluss,
dass durch das Zusammenschlussvorhaben in der gemeldeten Form keine marktbeherr-
schende Stellung entsteht, durch die wirksamer Wettbewerb beseitigt werden kann.
312. Dies begründet sich durch die Unsicherheit bzgl. der Entwicklungen und Substituierbar-
keit der neuen Möglichkeit der zielgruppenspezifischen TV-Werbung und der von dieser, den
Targeting Insights und der crossmedialen Vermarktungstätigkeit ausgehenden möglichen Ver-
bund- und Synergieeffekte.
313. Die Wettbewerbsverhältnisse in den sich digitalisierenden und konvergierenden Medien-
bzw. Werbevermarktungs- und -vermittlungsmärkten sind sehr dynamisch und verlangen an-
gesichts des erst zukünftigen Angebots von zielgruppenspezifischer Werbung Zurückhaltung
bei möglichen Eingriffen zum jetzigen Zeitpunkt. Vorbehalten bleiben allerdings Eingriffe im
Sinne von Art. 7 KG, falls sich dereinst herausstellen sollte, dass die Joint Venture-Gesell-
schaft eine allfällig marktbeherrschende Stellung missbrauchen sollte.
41-00042/COO.2101.111.7.130294 69
B.4 Schlussfolgerungen
314. Die WEKO kommt nach vertiefter Prüfung des Zusammenschlussvorhabens 41-0772
Swisscom/SRG/Ringier zum Schluss, dass das Zusammenschlussvorhaben in der gemelde-
ten Form mit grosser Wahrscheinlichkeit in einem Betrachtungshorizont von zwei bis drei Jah-
ren zu keiner marktbeherrschenden Stellung führen wird, durch welche wirksamer Wettbewerb
beseitigt werden kann.
315. Die Prüfung des Zusammenschlussvorhabens Swisscom/SRG/Ringier hat nach der ver-
tieften Prüfung ergeben, dass der Zusammenschluss in der gemeldeten Form ohne Auflagen
und Bedingungen zugelassen werden kann.