Decision ID: 756afdc7-a171-509e-acfd-36548101dca6
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
K._ meldete sich am 5. Dezember 2005 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie gab
an, sie habe drei 1990, 1991 und 1999 geborene Kinder. Sie habe keinen Beruf erlernt.
Die A._ teilte am 27. Januar 2006 mit, sie beschäftige die Versicherte als Mitarbeiterin
Reinigung mit einem Beschäftigungsgrad von 30%. Seit dem 1. Januar 2006 betrage
der Jahreslohn Fr. 13'845.-. Dr. med. B._ berichtete der IV-Stelle am 28. Februar
2006, die Versicherte leide an einem chronischen zervikobrachialen Schmerzsyndrom
rechts, an Epicondylitis humeri lateralis rechts und – ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit – an einer Refluxösophagitis bei gemischter Hiatushernie und
chronischem NSAR-Gebrauch und an Adipositas. Seit dem 1. November 2005 bestehe
bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. In der Tätigkeit als Mitarbeiterin
Reinigung sei die Versicherte zu 50% arbeitsfähig, in einer leichten bis mittelschweren
Arbeit mit Wechselbelastung sei sie höchstens für vier Stunden täglich arbeitsfähig.
Sämtliche bisherigen Therapiemassnahmen seien fehlgeschlagen. Auch ein
Rehabilitationsversuch in der Klinik Zurzach habe keinen Erfolg gezeigt. Allerdings sei
dieser Versuch wegen einer familiären Problematik vorzeitig abgebrochen worden. Die
Versicherte klage über chronische, zeitweise heftige Nacken-, Schulter- und
Armbeschwerden rechts mit Taubheitsgefühlen in den Fingern der rechten Hand und
mit Schwäche und Schwellungsgefühl im Bereich des gesamten rechten Arms. Die IV-
Stelle nahm am 9. Juni 2006 eine Haushaltsabklärung vor. Dabei gab die Versicherte
an, als Linkshänderin verwende sie im Alltag vor allem den gesunden linken Arm. Sie
habe eine frühere 100%ige Arbeitsstelle aus betrieblichen Gründen verloren. Seit
Januar 2004 gehe sie zu 30% einer Arbeit nach. Ohne die Behinderung wäre sie
weiterhin zu 100% erwerbstätig. Die Betreuung der jüngsten Tochter sei durch den
Ehemann und die beiden älteren Töchter gewährleistet. Der Ehemann sei als
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Schichtarbeiter tätig. Die Abklärungsperson betrachtete die Versicherte als im fiktiven
Gesundheitsfall Nur-Erwerbstätige und verzichtete deshalb auf weitere Abklärungen im
Haushalt.
B.
Dr. med. C._ vom RAD Ostschweiz wies am 31. August 2006 darauf hin, dass ein
erheblicher Verdacht auf eine psychiatrische Komorbidität bestehe. Er empfahl deshalb
eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung. Der Psychiater Dr. med. D._
berichtete in seinem Gutachten vom 6. November 2006, die Verständigung mit der
Versicherten sei schwierig gewesen, obwohl die 16-jährige Tochter als Dolmetscherin
geholfen habe. Er sei nicht sicher, ob alle gestellten Fragen richtig verstanden und
beantwortet worden seien. Die Versicherte leide aktuell an chronischen Schmerzen,
Magenproblemen, Schlafstörungen, Zukunftsängsten und
Bewegungseinschränkungen. Die mnestischen Funktionen seien intakt. Die Stimmung
sei gedrückt. Es bestehe ein Verlust an Lebensfreude und an Antrieb. Die Versicherte
isoliere sich sozial immer mehr. Nach den Angaben der Versicherten und der Tochter
seien die somatische und die psychiatrische Anamnese bis vor fünf Jahren, als die
geklagten Schmerzen begonnen hätten, relativ unauffällig gewesen. Allerdings habe
wegen der Sprach- und Verständigungsschwierigkeiten keine ganz korrekte Anamnese
erhoben werden können. Die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung und an
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Die therapeutischen Möglichkeiten
seien sowohl psychotherapeutisch als auch medikamentös noch nicht ausgeschöpft.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Bei weiteren
Therapiebemühungen sollte in frühestens zwölf Monaten eine Verlaufskontrolle
erfolgen. Dr. med. E._ führte in seinem rheumatologischen Gutachten vom 24.
November 2006 aus, gemäss den Angaben der Tochter werde die Versicherte durch
den Ehemann und die Töchter von allen Haushaltsarbeiten entlastet. In letzter Zeit
mache die Versicherte auch keine Spaziergänge mehr. Sie lege sich oft mehrere
Stunden hin, um weniger Schmerzen zu haben. Wenn die Versicherte ein einfaches
Mittagessen zubereite, schone sie den rechten Arm extrem und führe die Arbeiten
ausschliesslich mit dem linken Arm aus. Nach der Nabelhernienoperation am 4.
November 2006 sei die Arbeit bei der A._ noch nicht wieder aufgenommen worden.
Die Versicherte könne sich selber anziehen, waschen und duschen. Sie sitze bis zu
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einer halben Stunde. Das Stehen an Ort sei schmerzhaft, weshalb die Versicherte
ständig in der Wohnung umhergehe. Dr. med. E._ führte gestützt auf die klinische
Untersuchung, auf die Röntgenaufnahmen der BWS und der HWS sowie auf ein
Schädel-CT aus, es zeige sich ein organisch nicht begründbares
Hemiquadrantensyndrom rechts mit Hypästhesie, Cervicobrachialgie rechts und
extremer Schonung des rechten Arms ohne entsprechenden erklärenden organischen
Befund. Es liege ein anhaltendes oberes Quadrantenhemischmerz- und–
hypästhesiesyndrom rechts im Sinne einer Schmerzausweitung zur somatoformen
Schmerzstörung nach initial beobachteter Epicondylitis humeri rechts und
vorausgehend seit 1993 Hemicrani rechts anfallsartig nach vorangehender
Nackenlipomentfernung ohne neurologisch erklärenden Befund und ohne medizinisch
fassbaren Zusammenhang vor. Rein somatisch betrachtet bestehe für leichte Arbeiten,
eingeschränkt nicht auf oder über Schulterhöhe ausführbar, mit einer Lastgrenze von
10 kg bis Tischhöhe, nur den linken Arm zum Heben einsetzend, den rechten Arm nur
für einfache Haltefunktionen benutzend mit vermehrten Pausen eine Arbeitsfähigkeit
von 90% vor.
C.
Dr. med. C._ vom RAD betrachtete die Einschätzung von Dr. med. E._ als
ausführlich, widerspruchsfrei und nachvollziehbar. Das psychiatrische Gutachten von
Dr. med. D._ hingegen war seiner Auffassung nach nicht verwertbar. Er empfahl
deshalb eine Abklärung durch die MEDAS St. Gallen. Die IV-Stelle gab am 8. März
2007 eine entsprechende Abklärung in Auftrag. Die Sachverständigen der MEDAS
führten in ihrem Gutachten vom 31. Oktober 2007 aus, bei der aktuellen Untersuchung
habe die Versicherte über im Verlauf stetig progrediente Schmerzen im gesamten
rechten oberen Quadranten mit wechselnder Beeinträchtigung der Sensibilität geklagt.
Subjektiv seien im vorangegangenen Jahr infolge der Überlastung der linken
Körperseite linksseitige Cervicobrachialgien und Kopfschmerzen aufgetreten. In der
körperlichen Untersuchung hätten sich gegenüber der Vorbegutachtung 11/06 keine
neuen Gesichtspunkt ergeben. Die Diagnose laute: chronifiziertes oberes Quadranten-
Schmerzsyndrom rechts mit begleitender Hypästhesie bei leichter Osteochondrose
und Uncovertebralspondylose C5/6 mit flachbogiger, nicht komprimierender
Diskushernie der dorsalen Hemizirkumferenz mit minimaler ventraler
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Duralschlaucheindellung (MRI 14.6.06), Hyperkyphose des cervicothorakalen
Übergangs, Skoliose, lumbaler Hyperlordose, ventralem Überhang, muskulärer
Dysbalance und Adipositas II (BMI 38). Bezüglich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
aus somatischer Sicht stimme man mit der Vorbegutachtung überein: Arbeitsfähigkeit
90% unter Gewährung vermehrter Pausen für einfache leichte Arbeiten mit Heben von
Lasten bis 10 kg bis Tischhöhe (nur mit dem linken Arm) unter Vermeidung von
Tätigkeiten auf oder über Schulterhöhe rechts sowie unter Schonung des rechten Arms
auf einfache Haltefunktionen. Der psychiatrische Sachverständige hatte in seinem
Consiliargutachten vom 4. Oktober 2007 ausgeführt, die Exploration sei mit Hilfe einer
neutralen Dolmetscherin erfolgt. Der vorbegutachtende Psychiater habe vermutet, dass
psychosoziale Probleme und Konflikte bestanden hätten, aber aus sprachlichen
Gründen nicht klar zum Vorschein gekommen seien. Der Sachverständige der MEDAS
vermutete als weiteren Grund die Tatsache, dass ein durch den sekundären
Krankheitsgewinn betroffenes Familienmitglied bei der Untersuchung einbezogen
worden war. Er führte weiter aus, beim jetzigen Interview der Versicherten seien keine
Anhaltspunkte für eine solche Belastung zu finden gewesen. Bekanntermassen sei aber
die Emigration mit der Entwurzelung, mit den Kontaktschwierigkeiten, mit der
sprachlichen Isolierung, mit der sozialen Unterschichtung, mit der Generationenumkehr
usw. als psychische Belastung anzusehen. Auch dürfte die Erwerbstätigkeit ausser
Haus eine Überforderungssituation dargestellt haben. Aktuell habe die Versicherte über
einige depressionstypische Beschwerden geklagt. Diese hätten aber klar im
Widerspruch zum beobachteten Allgemeinzustand, den psychischen Funktionen im
Gespräch und den wenigen unwillkürlichen Schmerzäusserungen gestanden. Es liege
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung ohne erhebliche Komorbidität vor. Nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts dürfe aus psychosomatischen Schmerzen
allein keine Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden. Qualifizierte Kriterien, die einen
Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen würden, seien im Fall der
Versicherten nicht vorhanden. Namentlich seien nicht ausgewiesen: chronische
körperliche Begleiterkrankung, sozialer Rückzug in allen Belangen, therapeutisch nicht
mehr angehbarer innerseelischer Verlauf von primärem Krankheitsgewinn und
konsequent durchgeführte Behandlungsbemühungen. Die Motivation fehle nicht aus
Gewinnstreben, sondern aus Gründen des sekundären Krankheitsgewinns (normative
Krise des Familiensystems infolge anstehender Loslösung der Töchter) und aus
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Gründen der soziokulturellen Abstammung einhergehend mit einem mechanistischen
Krankheitskonzept und moralisierenden Ansichten betreffend psychische Leiden. Die
von allen Familienangehörigen akzeptierte Hilflosigkeit der Versicherten im Haushalt
habe eine stabilisierende Funktion, indem sie die Konfliktbereitschaft und die
Abgrenzung der Töchter hemme, von anderen Probleme ablenke und
Erklärungsmöglichkeiten für viel Ungemach liefere. Der psychiatrische Vorgutachter
habe eine depressive Anpassungsstörung diagnostiziert. Im Vergleich dazu sei die
psychische Funktionsfähigkeit zum Zeitpunkt der aktuellen Exploration deutlich besser
gewesen. Das entspreche der Einschätzung des Vorgutachters, denn eine
Anpassungsstörung sei eine durch aktuelle Belastungen verursachte vorübergehende
emotionale Reaktion. Demnach bestehe aus psychiatrischer Sicht keine
Arbeitsunfähigkeit. Insgesamt gingen die Sachverständigen der MEDAS von einer
Arbeitsfähigkeit der Versicherten von 90% in einer adaptierten Erwerbstätigkeit aus.
D.
Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen als Raumpflegerin von Fr. 41'806.- mit
einem zumutbaren Invalideneinkommen in einer adaptierten Hilfstätigkeit von Fr.
33'863.- und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 19%. Zur Berechnung des
zumutbaren Invalideneinkommens hatte sie neben der Arbeitsunfähigkeit von 10%
einen sogenannten "Leidensabzug" von 10% berücksichtigt. Mit einem Vorbescheid
vom 4. Dezember 2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige,
das Leistungsbegehren abzuweisen. Die Versicherte machte am 16. Januar 2008
geltend, seit Ende 2007 hätten sich ihre Schmerzen im Rücken, im Kopf, in der rechten
Schulter und im Nacken verstärkt. Auch die Hände seien stark betroffen. Sie legte eine
Stellungnahme von Dr. med. B._ vom 19. Dezember 2007 bei, laut der die
Beurteilung durch die MEDAS geradezu zynisch anmute, weil es natürlich vollkommen
klar sei, dass es keinen Arbeitsplatz gebe, der die Anforderungen auch nur im
Entferntesten erfüllen könnte. Deshalb bleibe er bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100%
für sämtliche Arbeiten. Mit einer Verfügung vom 28. Januar 2008 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren der Versicherten ab. Sie wies darauf hin, dass Dr. med. B._ keine
neuen Befunde mitgeteilt habe.
E.
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Die Versicherte liess am 29. Februar 2008 Beschwerde erheben und beantragen, es sei
ihr eine Invalidenrente zuzusprechen. Sie machte geltend, es werde von einer fiktiven
Arbeitsstelle ausgegangen, die es auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt gar nicht
gebe. Im übrigen sei in der angefochtenen Verfügung nur pauschal zur Kritik von Dr.
med. B._ Stellung genommen worden. Darin sei eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör zu erblicken. Von einer Nachfrist bis 5. Mai 2008 zur Ergänzung der
Beschwerde machte der Rechtsvertreter der Versicherten keinen Gebrauch.
F.
Die IV-Stelle beantragte in ihrer Beschwerdeantwort die Abweisung der Beschwerde.
Sie führte sinngemäss aus, die Versicherte habe nur vorgebracht, die verbliebene
Arbeitsfähigkeit könne mangels entsprechender Arbeitsstellen nicht verwertet werden.
Die Versicherte sei darauf zu behaften, dass sie die übrigen Komponenten der
Invaliditätsbemessung nicht beanstandet habe. Weiter machte sie geltend, auf das
Gutachten der MEDAS könne ohne weiteres abgestellt werden. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. B._ sei medizinisch nicht nachvollziehbar.
Es gebe durchaus geeignete Arbeitsstellen (z.B. Überwachungsaufgaben).
G.
Der Rechtsvertreter der Versicherten liess die ihm gewährte Frist bis 10. November
2008 zur Replik unbenützt verstreichen.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 61 lit. d ATSG ist das Versicherungsgericht nicht an die Begehren der
Parteien gebunden. Es kann eine Verfügung zu Ungunsten der Beschwerde führenden
Person ändern oder dieser mehr zusprechen, als sie verlangt hat. Diese Regelung
schliesst die Existenz eines Rügeprinzips - zumindest in der von der
Beschwerdegegnerin behaupteten extremen Form – aus. Der Sinn und Zweck des Art.
61 lit. d ATSG besteht nämlich darin, das materielle Recht ungeachtet der subjektiven
Interessen der Beschwerde führenden Partei durchzusetzen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-
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Kommentar, 2.A., N. 89 Zu Art. 61 ATSG). Wäre das Versicherungsgericht im
vorliegenden Fall tatsächlich gezwungen, sich bei der Überprüfung der
Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung auf die Beantwortung der Frage zu
beschränken, ob die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch verwertbar sei, müsste eine Überprüfung der
weiteren Komponenten der Invaliditätsbemessung ebenso unterbleiben wie eine
Beurteilung der übrigen Komponenten der Rentenberechtigung wie die Erfüllung der
Versicherungsklausel, der Zeitpunkt der Entstehung eines allfälligen Rentenanspruchs
usw. Dies wäre mit dem Zweck der erstinstanzlichen gerichtlichen Beurteilung der
Verfügung, nämlich der Durchsetzung des materiellen Rechts, d.h. der inhaltlich
korrekten Entscheidung über das Rentengesuch der Beschwerdeführerin, nicht in
Übereinstimmung zu bringen. Gegenstand der gerichtlichen Überprüfung bildet
deshalb – ungeachtet des konkreten Beschwerdebegehrens - immer das zur
Diskussion stehende Rechtsverhältnis als Ganzes. Die Beschwerdeführerin ist also
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht darauf zu behaften, dass sie
nur die Verwertbarkeit ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt bestritten hat. Das Versicherungsgericht prüft
insbesondere alle Komponenten der Invaliditätsbemessung.
2.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Nur bei nichterwerbstätigen Versicherten im
Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird für
die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine Behinderung
besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter anderem die
übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV). Bei einer
versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität
diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in
einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
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Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet. Gemäss Art. 27 IVV ist nur der Einkommensvergleich anzustellen, wenn
anzunehmen ist, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In
ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls
in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im
Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen Verhaltensweise der
versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu abzuklären, ob die
versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten
Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren berufliche Fähigkeiten,
Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei auf die hypothetischen
Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt
entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150). Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen hält sich seit dem Bundesgerichtsurteil vom 6. August 2007 (I
126/07) an diese Methode, obwohl es nach wie vor überzeugt ist, dass Art. 8 Abs. 3
ATSG eine Invaliditätsbemessung anhand der behinderungsbedingten Einschränkung
im Aufgabenbereich (Haushalt) nur zulässt, wenn und soweit einer versicherte Person
die Ausübung einer Erwerbstätigkeit im hypothetischen "Gesundheitsfall" objektiv nicht
zumutbar ist (vgl. etwa die Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 30. Nov. 2007, IV 2006/175, vom 22. April 2008, IV 2006/257, vom 16. Juli 2008,
IV 2007/85, vom 13. August 2008, IV 2007/40, und vom 26. November 2008, IV
2007/332). Im vorliegenden Fall führen beide Methoden zum selben Ergebnis, nämlich
zu einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im fiktiven
"Gesundheitsfall". Die beiden älteren Töchter bedurften im massgebenden Zeitraum
tagsüber keiner elterlichen Betreuung mehr. Die jüngere Tochter hätte durch ihre
beiden Schwestern bzw. durch den – als Schichtarbeiter tätigen – Vater betreut werden
können. Der Haushalt hätte von diesen drei Personen mit besorgt werden können. Die
verbleibenden Arbeiten hätten von der Beschwerdeführerin am Abend und
insbesondere am Wochenende erledigt werden können. Es wäre der
Beschwerdeführerin also objektiv zumutbar gewesen, vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit
bis
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nachzugehen. Dieselben Umstände sprechen für die Richtigkeit der entsprechenden
Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung. Diese Aussage
(und erst recht die dazugehörige Frage) ist zwar im Abklärungsbericht nicht korrekt
protokolliert worden. Sie ist aber von der Beschwerdeführerin im späteren Verlauf nicht
in Frage gestellt worden. Zudem ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
sich tatsächlich in den sogenannten fiktiven "Gesundheitsfall" hat versetzen können,
denn sie hat sich mit der entscheidenden Frage der Sicherstellung der Kinderbetreuung
auseinandergesetzt. Unter diesen Umständen kann trotz der fehlerhaften
Protokollierung dieses Punktes der Haushaltsabklärung davon ausgegangen werden,
dass die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" zu 100% einer
Erwerbstätigkeit nachginge. Ihre Invalidität ist deshalb anhand eines reinen
Einkommensvergleichs zu ermitteln.
3.
3.1 Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage der Ermittlung des
zumutbaren Invalideneinkommens ist die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person. Die
aus rein rheumatologischer Sicht von Dr. med. E._ und Dr. med. F._ abgegebenen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen stimmen überein: 90% (Reduktion um 10% als Folge
eines Bedarfs nach zusätzlichen Arbeitspausen) in einer einfachen, leichten Arbeit mit
Heben von Lasten bis 10 kg bis Tischhöhe (nur den linken Arm für das Heben
einsetzend) unter Vermeidung von Tätigkeiten auf oder über Schulterhöhe rechts sowie
unter Schonung des rechten Arms auf einfache Haltefunktionen. Beide
rheumatologischen Gutachten erfüllen die Voraussetzungen, die gemäss der in der
Beschwerdeantwort angegebenen höchstrichterlichen Rechtsprechung zu stellen sind.
Der Hausarzt Dr. med. B._ hat sich nicht gegen die – übereinstimmenden –
Ergebnisse der rheumatologischen Untersuchungen oder gegen die gestützt darauf
abgegebenen – übereinstimmenden – quantitativen und qualitativen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen, sondern gegen die Annahme der Beschwerdegegnerin
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gewendet, dass der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt geeignete
Arbeitsplätze aufweise. Seine Kritik ist also nicht medizinischer, sondern
ausschliesslich "arbeitsmarktlicher" Natur und deshalb – mangels entsprechender
fachlicher Qualifikation von Dr. med. B._ – zum vornherein ungeeignet, Zweifel an der
Richtigkeit der beiden rheumatologischen Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu wecken. Es
steht deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin
aus rein rheumatologischer Sicht in einer der Behinderung adaptierten Tätigkeit zu
90% arbeitsfähig ist.
3.2 Anders als die beiden rheumatologischen Abklärungen haben die beiden
psychiatrischen Explorationen unterschiedliche Ergebnisse geliefert. Dr. med. D._ hat
die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin auf 50% geschätzt, während Dr. med.
G._ angenommen hat, die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht nicht in
ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Die Beschwerdegegnerin hat das Gutachten von
Dr. med. D._ als unbrauchbar qualifiziert, ihm also jeden Beweiswert abgesprochen
und so den Widerspruch aus dem Weg geräumt. Zwar hat Dr. med. D._ tatsächlich
bei der Exploration Verständigungsschwierigkeiten gehabt und möglicherweise mehr
die subjektiven Ansichten der übersetzenden Tochter als diejenigen der
Beschwerdeführerin selbst zu hören bekommen. Trotzdem hat er das Verhalten der
Beschwerdeführerin in der Untersuchungssituation beobachten und auch die Angaben
der Versicherten selbst zur gesundheitlichen Situation würdigen können. Für sich allein
würde das Gutachten von Dr. med. D._ zwar tatsächlich keine ausreichende
Beweiskraft entfalten. Aber als Indiz neben dem Gutachten von Dr. med. G._ kann es
durchaus Beachtung finden. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. D._ hat
sich nicht auf einen stationären Gesundheitszustand bezogen. Die Angststörung
(soweit sie tatsächlich vorgelegen hat) ist nämlich eine durch aktuelle Belastungen
verursachte, vorübergehende emotionale Reaktion. Dementsprechend hat Dr. med.
D._ auch Therapiebemühungen und eine erneute Untersuchung nach zwölf Monaten
empfohlen. Dieses Abstellen auf eine aktuelle Situation, die so bei der Exploration
durch Dr. med. G._ nicht mehr bestanden hat, kann die Abweichung in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung erklären. Ob Dr. med. D._ bei seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung denselben objektiven Massstab der Zumutbarkeit der
Überwindung der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung angewendet hat wie später Dr. med.
G._, lässt sich seinem Gutachten nicht entnehmen. Da ein entsprechender Hinweis
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fehlt, dürfte das nicht der Fall gewesen sein. Immerhin ist festzuhalten, dass Dr. med.
D._ und Dr. med. G._ übereinstimmend eine somatoforme Schmerzstörung
diagnostiziert haben. Dr. med. G._ ist unter Bezugnahme auf die bereits genannte
Bundesgerichtspraxis zu den Kriterien bei der Prüfung der Zumutbarkeit der
Überwindung der durch die somatoformen Schmerzen bewirkten vollständigen
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin zur Auffassung gelangt, dass
eine vollzeitliche adaptierte Erwerbstätigkeit zumutbar sei. Er ist davon ausgegangen,
dass keines der qualifizierenden Kriterien erfüllt sei. Bei der Würdigung dieser
Einschätzung ist zunächst festzuhalten, dass ärztliche Gutachter nicht rechtliche,
sondern ausschliesslich medizinische Fragen zu beantworten haben. Es ist zudem
zweifelhaft, ob Schmerzzustände i.S. somatoformer Schmerzstörungen tatsächlich
psychiatrisch gewichtet werden können. Es wäre naheliegender, den Rheumatologen
als zuständig zu betrachten. Schmerzanalyse und Schmerztherapie sind nämlich nicht
die Kernaufgabe der Psychiatrie (vgl. Jörg Jeger, Somatoforme Schmerzstörung und
Arbeitsunfähigkeit: Differenzen oder Konsens zwischen Medizin und Recht, in: Medizin
und Sozialversicherung im Gespräch, 2006, S 155 ff.; derselbe, Die medizinische
Zumutbarkeit, in: Freiburger Sozialrechtstage 2008, S. 91 und 101). Schliesslich scheint
die bundesgerichtliche Praxis nur ein Entweder-Oder zu kennen: Entweder ist die durch
die somatoformen Schmerzen bewirkte Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung durch eine
zumutbare Willensanstrengung vollständig überwindbar oder sie ist überhaupt nicht
überwindbar. Das entspricht nicht der Realität, denn es ist davon auszugehen, dass die
Überzeugung, wegen der subjektiv empfundenen Schmerzen vollständig arbeitsunfähig
zu sein, durch eine zumutbare Willensanstrengung teilweise überwunden werden kann
(und zwar u.U. sogar dann, wenn ein qualifizierendes Kriterium erfüllt ist). Im
vorliegenden Fall ist Dr. med. G._ nicht von dieser Entweder-Oder-Praxis
ausgegangen. Er hat tatsächlich angenommen hat, es wäre der Beschwerdeführerin
zumutbar, ihre Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung vollständig zu überwinden und im
rheumatologisch zumutbaren Ausmass von 90% einer adaptierten Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Dr. med. G._ hat darauf hingewiesen, dass nur wenige
depressionstypische Symptome zu erkennen gewesen seien. Dies deutet darauf hin,
dass er die somatoforme Schmerzstörung als leichtgradig qualifiziert hat. Die
Hauptursachen der fehlenden Motivation hat er insbesondere im sekundären
Krankheitsgewinn, in den negativen Folgen der Emigration (Entwurzelung, sprachliche
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Isolation usw.) und einem mechanistischen Krankheitskonzept und nicht in einer
besonderen Schwere oder einer besonderen Qualifikation der somatoformen
Schmerzstörung gesehen. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass Dr.
med. G._ tatsächlich die vollständige Überwindung der subjektiven
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung als möglich und zumutbar betrachtet hat. Da auch aus
rheumatologischer Sicht keine unüberwindbaren Schmerzzustände vorgelegen haben,
kann auf das Gesamtergebnis der Begutachtung abgestellt werden. Dr. med. B._ hat
nichts vorgebracht, dass geeignet wäre, diese Arbeitsfähigkeitsschätzung zu
erschüttern. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit zu 90% arbeitsfähig ist.
3.3 Zu prüfen bleibt, ob die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin angesichts der
behinderungsbedingten Einschränkungen auf dem allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt verwertbar ist. Dabei ist zu beachten, dass es dazu nicht erforderlich ist,
eine adaptierte offene Stelle nachzuweisen, denn es geht nur um die Invalidität und
nicht um eine allfällige Arbeitslosigkeit der Beschwerdeführerin. Es genügt, wenn es
passende Stellen gibt, auch wenn diese besetzt sind. Die Beschwerdeführerin ist keine
funktionelle Einhänderin, denn sie kann den rechten Arm immer noch für einfache
Haltefunktionen (ohne erhebliche Gewichtsbelastung) einsetzen. Die
Beschwerdeführerin ist einseitig behindert, d.h. der stärkere Arm steht immer noch
uneingeschränkt zur Verfügung. Die Beschwerdeführerin kann nach wie vor erhebliche
Gewichte (bis 10 kg) heben, auch wenn dies nur noch bis auf Tischhöhe möglich ist.
Sie ist demnach nicht auf reine Überwachungsarbeiten beschränkt. Es kommen nach
wie vor körperlich leichte Hilfsarbeiten in Frage, bei denen nicht über Tischhöhe
hantiert werden und die keine volle Einsatzfähigkeit beider Hände erfordern. Dazu
gehören beispielsweise leichte Montagearbeiten, Arbeiten am Fliessband in der
Nahrungsmittelindustrie, leichte Maschinenbedienarbeiten usw. Derartige Hilfsarbeiten
werden nicht nur in der Industrie, sondern auch im Gewerbe oder der
Dienstleistungsbranche erbracht. Die verbliebene Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ist also auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
verwertbar, d.h. es wäre der Beschwerdeführerin möglich, ein entsprechendes
Invalideneinkommen zu erzielen.
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3.4 Da die Beschwerdeführerin nicht auf eine bestimmte Branche beschränkt ist,
adaptierte Arbeitsplätze vielmehr in praktisch allen Branchen existieren, ist zur
Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens praxisgemäss vom Zentralwert aller
Branchen von (umgerechnet von 40 auf 41,7 Wochenarbeitsstunden) von Fr. 4189.80
(Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2006 des Bundesamtes für
Statistik, einfache und repetitive Tätigkeiten) auszugehen. Das ergibt ein
Jahreseinkommen von Fr. 50'278.-. Bei einem Arbeitsfähigkeits- bzw.
Beschäftigungsgrad von 90% entspricht das einem Einkommen von Fr. 45'250.-. Mit
der Reduktion des Beschäftigungsgrades auf 90% ist keine statistisch ausgewiesene
überproportionale Lohnreduktion verbunden. Trotzdem ist ein - fälschlicherweise so
genannter – "Leidensabzug" zu berücksichtigen, denn die Beschwerdeführerin weist
gegenüber gesunden Arbeitnehmerinnen einen spürbaren Konkurrenznachteil auf, den
sie durch einen unterdurchschnittlichen Lohn kompensieren muss. Aufgrund der
Gesundheitsbeeinträchtigung wäre bei ihr die Gefahr überdurchschnittlicher
Krankheitsabsenzen gegeben. Sie wäre zudem nicht flexibel einsetzbar, d.h. sie könnte
nicht bei Bedarf Überstunden machen oder vorübergehend an einem anderen, nicht
adaptierten Arbeitsplatz arbeiten (z.B. um eine kranke Kollegin zu ersetzen). Ausserdem
würde sie aufgrund der Natur ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung phasenweise eine
besondere Rücksichtnahme seitens der anderen Arbeitnehmer und seitens der direkten
Vorgesetzten benötigen. Diese Nachteile rechtfertigen einen "Leidensabzug" von 10%.
Damit resultiert ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 40'725.-. Die
Beschwerdegegnerin hat das Valideneinkommen ausgehend von dem von der
Beschwerdeführerin im Reinigungsdienst der A._ erzielten Lohn ermittelt. Dabei
handelt es sich aber nicht um ein Einkommen, das die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" zum Ausdruck bringt, denn die
Beschwerdeführerin hat diese Stelle in einer Notsituation (Arbeitslosigkeit, Krankheit)
angenommen. Sie ist also nicht in der Lage gewesen, eine durchschnittlich bezahlte
Stelle als Hilfsarbeiterin zu suchen. Dies rechtfertigt es, nicht auf den zuletzt erzielten
Lohn abzustellen, sondern auch für das Valideneinkommen auf statistisch erhobene
Zahlen zurückzugreifen. Da die Beschwerdeführerin keine berufliche Ausbildung
absolviert hat, entspricht ihr Valideneinkommen dem Zentralwert der Löhne der
Hilfsarbeiterinnen aller Branchen von Fr. 50'278.-. Die behinderungsbedingte
Lohneinbusse von Fr. 9553.- entspricht einem Invaliditätsgrad von 19%. Der Entscheid
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
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der Beschwerdegegnerin, das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin abzuweisen,
erweist sich im Ergebnis als korrekt.
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Die
vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung, weshalb das entsprechende Begehren abzuweisen ist. Sie trägt
ausserdem die Kosten des Verfahrens. Diese bemessen sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Diese Gebühr ist durch den von der Beschwerdeführerin geleisteten
Vorschuss in gleicher Höhe gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG