Decision ID: dfbf3574-ca7c-5291-8e2a-43d28bf24ca2
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Wiederherstellungsverfügung vom 26. Januar 2018 forderte die Gemeinde Aeschi
bei Spiez den Beschwerdeführer auf, sämtliche auf Parzelle Aeschi bei Spiez
Grundbuchblatt Nr. B._ gelagerten, nicht eingelösten Fahrzeuge jeglicher Art
sowie sämtliche abgestellten Batterien, alten Fässer sowie Altwaren (Fahrzeugteile, Räder,
Pneus und Felgen) bis spätestens am 31. Mai 2018 zu räumen. Weiter wurde der
Beschwerdeführer aufgefordert, das Materiallager sowie abgestellte Fahrzeuge entlang der
ganzen Strasse so zu reduzieren, dass der Strassenabstand von 3.60 m eingehalten wird.
Gegenüber dem Wohnhaus an der C._strasse müsse sodann gemäss VKF-
Brandschutzrichtlinien ein Abstand von 10 m für die Ablagerung von Material eingehalten
werden. Die Parzelle des Beschwerdeführers befindet sich in der Wohn-Gewerbezone
WG2. Gleichzeitig drohte die Gemeinde die Ersatzvornahme und eine Busse bei
Nichtbefolgung an.
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2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 24. Februar 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde beantragt mit
Stellungnahme vom 23. März 2018 die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig beantragt
sie, vom Beschwerdeführer sei ein Kostenvorschuss einzufordern, bevor das
Beschwerdeverfahren weitergeführt werde.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist eine baupolizeiliche Verfügung gestützt auf Art. 45 f. BauG2. Gemäss
Art. 49 Abs. 1 BauG können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert
30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Der
Beschwerdeführer ist als Adressat durch die angefochtene Verfügung beschwert und daher
zur Beschwerde legitimiert.
b) Eine Beschwerde muss unter anderem einen Antrag und eine Begründung enthalten
(Art. 32 Abs. 2 VRPG3). An Laieneingaben sind keine hohen Anforderungen zu stellen. Es
ist ausreichend, wenn sich aus dem Zusammenhang sinngemäss ergibt, was beantragt
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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wird.4 Was die Begründung betrifft, so muss sinngemäss erkennbar sein, welche
Rechtsnorm oder Grundsätze der Ermessensausübung nach Auffassung der
opponierenden Partei verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente unrichtig oder
unvollständig festgestellt worden sind.5 Diese Voraussetzungen erfüllt die Beschwerde
knapp. Aus der Eingabe und der dazu eingereichten Beilage lässt sich ableiten, dass der
Beschwerdeführer sein Anspruch auf rechtliches Gehör als verletzt und die
Wiederherstellungsverfügung als unverhältnismässig erachtet. Daraus ist sinngemäss auch
zu schliessen, dass er die Aufhebung der Wiederherstellungsverfügung beantragt. Auf die
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten.
2. Kostenvorschuss
a) Die Gemeinde beantragt in ihrer Stellungnahme vom 23. März 2018, vom
Beschwerdeführer sei ein Kostenvorschuss einzufordern, bevor das Beschwerdeverfahren
weitergeführt werde.
b) Gemäss Art. 105 Abs. 1 VRPG kann die instruierende Behörde im
verwaltungsinternen Beschwerdeverfahren einen angemessenen Kostenvorschuss
verlangen, wenn die Zahlungsunfähigkeit nachgewiesen ist. Dies ist dann der Fall, wenn
gegen die betroffene Person ein Konkursverfahren eröffnet worden ist oder wenn ein
Verlustschein oder eine gleichbedeutende Urkunde vorliegt.6 Dies wird vorliegend nicht
belegt, weshalb das Rechtsamt der BVE auf das Einholen eines Kostenvorschusses
verzichtet hat.
3. Rechtliches Gehör
a) Aus der Beilage der Beschwerde vom 24. Februar 2018 lässt sich ableiten, dass der
Beschwerdeführer seinen Anspruch auf rechtliches Gehör als verletzt erachtet.
4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 10 ff. 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N. 15. 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 105 N. 4.
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b) Als Verfügungsadressat und zur Wiederherstellung Verpflichteter hatte der
Beschwerdeführer Anspruch auf rechtliches Gehör: Die Behörde hört die Parteien an,
bevor sie verfügt (Art. 21 Abs. 1 VRPG). Die Art der Anhörung, ob mündlich oder schriftlich,
spielt keine Rolle.7 Gemäss den Ausführungen in der angefochtenen
Wiederherstellungsverfügung wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör am 26.
Januar 2018 mündlich auf der Gemeindeverwaltung gewährt. Dies wird vom
Beschwerdeführer nicht bestritten. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
liegt damit nicht vor.
4. Materielles
a) Der Beschwerdeführer bringt vor, mit der erlassenen Wiederherstellungsverfügung
wolle die Gemeinde ihn in seiner Existenz ruinieren. Er führt sodann aus, der Gebäude-
und Strassenabstand seien "nicht machbar". Aus diesen Vorbringen lässt sich ableiten,
dass er die Wiederherstellungsverfügung als unverhältnismässig erachtet. In seiner
Beschwerdebeilage bezeichnet er die Gefährdung des angrenzenden Fliessgewässers
(D._) sodann als Lüge.
b) Baubewilligungspflichtig sind alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten
Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester Beziehung zum Erdboden
stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem sie zum Beispiel
den Raum äusserlich erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt
beeinträchtigen (Art. 1a Abs. 1 BauG). Keiner Baubewilligung bedürfen insbesondere der
Unterhalt von Bauten und Anlagen, für eine kurze Dauer erstellte Bauten und Anlagen
sowie andere geringfügige Bauvorhaben. Im Übrigen bestimmt das Baubewilligungsdekret
die baubewilligungsfreien Bauvorhaben (Art. 1b Abs. 1 BauG). Baubewilligungspflichtig
sind unter anderem Lagerplätze für gewerbliche und industrielle Erzeugnisse, Bau- und
andere Materialien sowie Ablagerungsplätze für Maschinen, Geräte und Abfälle.8 Lediglich
das Lagern von Material während einer Dauer von bis zu drei Monaten pro Kalenderjahr ist
baubewilligungsfrei (Art. 6 Abs. 1 Bst. m BewD9).
7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 6. 8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 18. 9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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Ein Lagerplatz dient dem vorübergehenden Lagern bzw. Abstellen von noch
gebrauchsfähigen Materialien und Gegenständen. Ein Ablagerungsplatz demgegenüber
dient dem dauernden Deponieren von ausgedienten Sachen. Ausgedient ist eine Sache,
wenn sich nach den Umständen ergibt, dass der Eigentümer während längerer Zeit nicht
willens oder nicht in der Lage ist, sie bestimmungsgemäss zu nutzen und instand zu
halten.10 Die Inhaber von ausgedienten Fahrzeugen, Fahrzeugteilen, Pneus, Maschinen,
Geräten und dergleichen sind verpflichtet, diese Sachen innert Monatsfrist zu entsorgen,
wenn sie nicht in gedeckten Räumen aufbewahrt werden können (Art. 16 Abs. 1 AbfG11).
Gemäss angefochtener Verfügung handelt es sich bei den im Freien (ab-)gelagerten Mate-
rialien u.a. um nicht eingelöste Fahrzeuge jeglicher Art, abgestellte Batterien, alte Fässer
sowie Altwaren (Fahrzeugteile, Räder, Pneus und Felgen). Der Beschwerdeführer bestrei-
tet nicht, dass diese Aufzählung korrekt ist. In der Beilage seiner Beschwerde ist zwar fol-
gender Satz zu lesen: "Keine Autos auf meinem Grundstück". Sofern er damit behaupten
möchte, dass auf seinem Grundstück keine Fahrzeuge abgestellt sind, so ist dies offen-
kundig falsch, wie die vorhandenen Fotos im Berichtsrapport der Kantonspolizei vom
22. März 2018 (Beilage der Stellungnahme der Gemeinde vom 23. März 2018) deutlich
machen. Auch die Vielfalt der weiteren, im Freien (ab-)gelagerten Materialien ist im
Übrigen auf diesen Fotos zu erkennen. Aus der angefochtenen Verfügung ergibt sich
weiter, dass solches Material bereits seit mehreren Jahren im Freien auf der fraglichen
Parzelle (ab)gelagert wird, obwohl dies dem Beschwerdeführer schon früher ausdrücklich
untersagt wurde. Auch dies bestreitet der Beschwerdeführer nicht. Somit handelt es sich
um einen baubewilligungspflichtigen Lager- bzw. Ablagerungsplatz. Der Beschwerdeführer
bringt in seiner Beschwerde nichts vor, was Zweifel an der Baubewilligungspflicht zu
wecken vermögen würde. Dass dafür bisher keine Baubewilligung vorliegt, ist unbestritten.
c) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art.
46 Abs. 1 und 2 BauG). Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse
liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 24 N. 35a. 11 Gesetz vom 18. Juni 2003 über die Abfälle (Abfallgesetz, AbfG; BSG 822.1).
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Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.12
Die Fotos belegen, dass die (Ab)lagerungen auf der Parzelle des Beschwerdeführers ein
Ausmass angenommen haben, welches nicht länger akzeptiert werden kann. Die
ausgedienten Fahrzeuge und Altwaren sind auch aus Sicht des Umweltschutzes zu
entfernen, verschmutzen diese direkt auf dem Naturboden abgestellten Materialien (insb.
Fahrzeuge, abgestellte Batterien und alte Fässer) doch den Untergrund und das
unmittelbar angrenzende Fliessgewässer. Der nicht näher begründete Einwand des
Beschwerdeführers, wonach die Gefährdung des angrenzenden Fliessgewässers eine
Lüge sei, ist damit offensichtlich falsch. Die angeordnete Räumung liegt im öffentlichen
Interesse.
Mit seinen Einwänden bestreitet der Beschwerdeführer primär die Verhältnismässigkeit der
angeordneten Räumung. Wieso ihn jedoch das Entfernen der Fahrzeuge und Materialien in
seiner Existenz ruinieren sollte, begründet er nicht näher. Die angeordnete Räumung der
nicht eingelösten Fahrzeuge und der aufgezählten Materialien (Batterien, alte Fässer,
Fahrzeugteile, Räder, Pneus und Felgen) auf dem gesamten Grundstück sowie die
Entfernung weiterer Ablagerungen innerhalb des Strassenabstands und einem Abstand
von 10 m zum Nachbargebäude schränkt den Beschwerdeführer weder in seinen
gewerblichen Tätigkeiten übermässig ein noch sind damit unzumutbare Kosten verbunden.
Die angeordnete Massnahme ist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
erforderlich, geeignet und zumutbar. Daran ändert auch der Einwand des
Beschwerdeführers nichts, wonach die Einhaltung des Gebäude- und Grenzabstands nicht
machbar sei, sind doch keine Gründe erkennbar, wieso dies der Fall sein sollte. Eine
summarische Prüfung der materiellen Rechtswidrigkeit ergibt schliesslich, dass die
Lagerung dieser Gegenstände wohl nicht bewilligt werden könnte (Verstoss gegen
Umweltrecht, Nichteinhaltung der Abstände). Insgesamt ist damit die Verhältnismässigkeit
der angeordneten Massnahmen zu bejahen. Die Beschwerde wird abgewiesen und der
angefochtene Entscheid wird bestätigt.
12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1.
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d) Die von der Gemeinde angesetzte Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes ist zwar noch nicht abgelaufen, trotzdem ist es angebracht, diese Frist aufgrund
des Beschwerdeverfahrens neu anzusetzen. Die BVE erachtet es als angemessen, dem
Beschwerdeführer ab dem Zeitpunkt des vorliegenden Entscheids rund drei Monate Zeit für
die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands einzuräumen. Die Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands hat neu bis am 15. Juli 2018 zu erfolgen.
5. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 1 und 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 1 GebV13). Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).