Decision ID: 041d8d1c-2b44-5faf-b38e-3439f9c07dde
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1966
,
besuchte die obligatorische Schule in Italien und
verfügt über keine berufliche Ausbildung (Urk.
7/2 S. 1, S.
4
)
.
Der
Ver
sicherte
war
zuletzt
ab
2
.
November
2010
als
Materialprüfer bei der
Z._
AG im Stundenlohn angestellt
gewesen
(Urk. 7/20/2-6 S.
1 f., S. 4
).
Ab dem 5. Februar bis zum 24. Juli 2016 wurde ihm
von seinen Behandlern
zuerst eine 100%ige und danach
eine
50%
ige
Arbeitsunfähigkeit
attestiert (vgl. Urk. 7/3/1-7, Urk. 7/23/6 unten)
.
Unter
Beilage ihrer Akten meldete die Krankentaggeldversicherung den Versi
cherten am 21. Juni 2016 (Urk. 7/6)
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an.
Die Anmeldung beinhaltete das vom Versicherten am 14. Juni 2016 (Urk. 7/
2
)
unterzeichnete
Anmeldeformular sowie zahlreiche medizinische Unter
lagen, in welchen dem Versicherten Rücken
-
(
unter anderem:
radikuläres
Reizsyndrom Nervenwurzel C6 rechts
) und Handleiden (
Rezidiv eines Carpaltun
nelsyndroms
[CTS]
beidseits
)
sowie
eine p
assage
re
Polyarthritis (
vgl. Urk.
7/3/16
, Urk.
7/
3/
8-12 S.
3
,
Urk.
7/13-26
)
diagnostiziert wurden
.
Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte in der Folge die medizinische
sowie
erwerbliche Situation ab
.
Wegen des
CTS
-Rezidivs
an der linken Hand
wurde der Versicherte am 16.
No
vember 2016
operiert
(
vgl.
Urk. 7/28/3
, Urk. 7/35
)
.
Am 29. November 2016 (Urk. 7/33) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustandes, der notwendigen Operation sowie ausstehender Arztbe
richte zurzeit keine
beruflichen Massnahmen möglich
.
A
m 25. Januar 2017
wurde
der Versicherte
wegen des
CTS
-Rezidivs
an der rechten Hand
operiert
(vgl. Urk. 7/39/1-5)
.
Nach
einem Arbeitsversuch im Juli/
August 2017, wurde das Arbeitsverhältnis
bei der
Z._
AG
im Oktober 2017
gekündigt
(
vgl.
Urk. 7/61 S. 14 oben). Die IV-Stelle
veranlasste im Nachgang
bei
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Phy
sikali
sche Medizin und Rehabilitation
,
ein
rheumatologisches Gutachten, das am
4
. Mai 2018 erstattet wurde (Urk. 7/61).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7
/
64-65, Urk. 7
/68
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
13
.
Juni
2019 einen
Leistungsanspruch
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der
Versicherte am
9
.
Juli
2019 (Urk. 1) Beschwerde und be
an
tragte, die Verfügung vom
13
.
Juni
2019 sei aufzuheben
, es seien ihm Eingliede
rungsmassnahmen zuzusprechen
und es sei
die Beschwerdegegnerin anzuweisen, zu einem späteren Zeitpunkt über einen allfälligen Rentenanspruch zu verfügen
(S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5
.
September
2019 (Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde
mit der Begründung, dass weder ein Anspruch auf berufliche Massnahmen noch auf eine Invalidenrente bestehe
.
Mit Replik vom
30
.
September
20
19
(Urk.
9
)
hielt
der Beschwerdeführer
an
seinen Anträgen fest.
Am
15
.
Oktober 2019
(Urk. 1
1
) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Dup
lik, was dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom
16
.
Oktober
201
9
(Urk.
1
2) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [
IVG
] Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
IVG
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.5
Arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben
gemäss Art. 18 Abs. 1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle veranlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (Abs. 2).
Eine für die Arbeitsvermittlung massgebende Invalidität liegt vor, wenn der Ver
sicherte bei der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Grün
den Schwierigkeiten hat
, d.h. es muss für die Bejahung eine
r Invalidität im Sinne von Art. 18 Abs.
1 Satz
1 IVG zwischen dem Gesundheitsschaden und der Notwendigkeit der Arbeitsvermittlung ein Kausalzusammenhang bestehen. Gesund
heitliche Schwierigkeiten bei der Suche einer neuen Arbeitsstelle erfüllen
den leistungsspezifischen Invaliditätsbegriff, wenn die Behinderung bleibend oder
während voraussichtlich längerer Zeit Probleme bei der - in einem umfassenden Sinn verstandenen - Stellensuche selber verursacht. Zur Arbeitsvermittlung nach Art.
18 Abs.
1 Satz
1 IVG ist im Weiteren berechtigt, wer aus invaliditäts
be
ding
ten Gründen spezielle Anforderungen an den Arbeitsplatz (z.B. Sehhilfen) oder den Arbeitgeber (z.B. Toleranz gegenüber invaliditätsbedingt notwendigen Ruhe
pausen) stellen muss und demzufolge aus invaliditätsbedingten Gründen für das Finden einer Stelle auf das Fachwissen und
auf
entsprechende Hilfe der Ver
mitt
lungsbehörden angewiesen ist. Dies gilt auch für Versicherte, die in einer leidens
angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sind. Bei der Frage der Anspruchs
berech
tigung nicht zu berücksichtigen sind demgegenüber invaliditätsfremde Probleme bei der Stellensuche wie etwa Sprachschwierigkeiten. Schliesslich ist für den Anspruch auf Arbeitsvermittlung vorausgesetzt, dass die versicherte Person objektiv und subjektiv eingliederungsfähig ist (
Urteil des Bundesgerichts
9C_966/2011
vom 4. Mai 2012 E. 3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus,
auf
grund der medizinischen Akten bestehe in
einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Bei wechselbelastender
Tätigkeit mit Heben und Tragen sollte darauf geachtet werden, dass nicht mehr als 10 kg getragen würden. Die Beschwerden stellten nur eine geringfügi
ge Einschränkung dar.
Die
Ausübung der bisherigen Tätigkeit sei weiterhin
voll
möglich. Ein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe daher nicht. Da der Beschwerdeführer
kaum
deutsch spreche
,
seien keine Eingliederungsmassnahmen möglich.
In der Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin
(Urk. 6)
, dass für Eingliederungsmassnahmen zumindest m
inimale Deutschkenntnisse nötig
seien
. B
ei einer Verbesserung der Deutschkenntnisse
könne
ein Anspruch auf berufliche Massnahmen erneut geprüft werden.
Auch wenn
dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar
sei
,
habe er
dennoch
kein
en
Anspruch auf eine Invalidenrente.
Gestützt auf ein
Einkommen
vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens
im Jahr 2015 gemäss IK-Auszug
von Fr.
66'872.
-- und gestützt auf ein
Invalideneinkommen
für Hilfsarbeiter gemäss den
Tabellen über die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
[L
SE]
(Tabelle LSE 2016, TA 1 für Männer
)
werde der erforderlich
e
Invaliditätsgrad von 40 % sicherlich nicht erreicht.
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich hingegen in
seiner
Beschwerde (
Urk.
1) und in
seiner
Replik (Urk.
9
) auf den Standpunkt,
seine bisherige
Tätigkeit sei ihm nicht mehr zumutbar (Urk. 1 Ziff. 1.1
S.
3
).
In Anbetracht seiner Einschränkungen sei es in erster Linie angezeigt, seine konkrete Leistungsfähigkeit festzustellen, wofür die Arbeitsvermittlung PLUS (Assessment der Leistungsfähigkeit, Arbeitstraining, Stellenvermittlung) ein geeigneter Ansatz sei
. Sofern eine Arbeitsvermittlung PLUS nicht als zweckmässig erachtet werde, seien andere Eingliederungsmass
nahmen (Berufsberatung/Stellenvermittlung) zuzusprechen
(Urk. 1 Ziff. 1.2
S. 4
). Die Begründung der Beschwerdegegnerin, eine Eingliederungsmassnahme sei nicht möglich, da er kaum deutsch spreche, sei unzulässig (Urk. 1
Ziff. 1.3
S. 4f.
, Urk. 9 S. 2 f.).
Zudem sei nach dem Grundsatz Eingliederung vor Rente über den Rentenanspruch erst zu verfügen, wenn die Eingliederungsmassnahme abge
schlossen sei (Urk.
1 Ziff. 2, Urk. 9 S. 3
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
einerseits der Rentenanspruch
beziehungsweise, ob darüber bereits entschieden werden durfte
.
Andererseits strittig und zu prüfen ist ein Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, insbesondere
eine Arbeitsvermitt
lung.
3.
3.1
B._
,
Chiropraktor
SCG/ECU, bei welchem sich der Beschwerdefüh
rer vom 21. Januar bis 13. April 2016 in Behandlung befand (vgl. seinen Bericht vom 5. September 2015 [Urk. 7/21/6-7 Ziff. 1.2]), attestierte dem Beschwerdefüh
rer vom 5. Februar bis 14. März 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. Urk. 7/3/1-3).
3.2
Dr. med.
C._
, Facharzt für Innere Medizin
und für Rheumatologie FMH, stellte
in seinem Bericht vom 9. März 2016 (Urk. 7/3/8-12) folgende Diagnosen (S. 3):
-
Radikuläres
Reizsyndrom Nervenwurzel C6 rechts bei
-
Signifikanter
Foraminalstenose
C5/C6 rechts
-
Rezidiv eines Carpaltunnelsyndroms (CTS) beidseits
-
Status nach CTS Operation beidseits vor Jahren
Er hielt eine Arbeitsfähigkeit
in angestammter und angepasster Tätigkeit
aktuell für nicht
gegeben
(S. 3).
3.3
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Innere Medizin und für Rheumatologie FMH,
nannte in seinem Bericht vom 2. Mai 2016 (Urk. 7/3/16) folgende Diagnosen (verkürzt wiedergegeben):
-
Passagere Polyarthritis, Differentialdiagnose: reaktive Arthritis, initiale rheumatoide Arthritis, initiale
seronegative
Spondylarthropathie
-
Status nach Operation
CTS
beidseits 1992
-
Exazerbiertes
CTS
Februar 2016
-
Status nach
zervikoradikulärem
Syndrom C7 links und C6 rechts bei medio lateraler Diskushernie C6/7 links und
intraforaminal
C5/6 rechts
-
Exazerbierte
Zervikobrachialgie
rechts Februar 2016
Dr.
D._
attestierte dem Beschwerdeführer vom 15. März bis
vorläufig
am 7. Mai 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
In Arztzeugnissen zu Händen des Arbeitgebers bescheinigte er eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom 15. März bis 24. Juni 2016 (Urk. 7/3/4-7).
In der Folge attestierte Dr.
D._
dem
Beschwerdeführer
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. Urk. 7/23/6
, Urk. 7/28/4
).
3.4
Dr. med.
E._
, Facharzt für Neurologie FMH, nannte in seinem Bericht vom 25. Oktober 2016 (Urk. 7/28/1-2) folgende Diagnosen (S. 1):
-
CTS-Rezidiv beidseits
-
Tendovaginitis
stenosans
Dig
V beidseits
-
Status nach reaktiver Polyarthritis der Hand- und Fingergelenke beidseits
-
Status nach konservativer Behandlung eines
radikuklären
Syndroms C6 rechts und C7 links bei Diskushernien C5/6 und C6/7 1999/2000, Exazer
bation einer
Zervikobrachialgie
rechts Februar 2016
Dr.
E._
h
ielt fest,
wegen seiner Beschwerden sei der Beschwerdeführer als Kontrolleur
nur
zu 50 % arbeitsfähig (S. 1). D
a die
Medianusreizsymptomatik
einen erheblichen Teil der multifaktoriellen Handbeschwerden ausmache und der Beschwerdeführer dadurch im Alltag funktionell eingeschränkt sei, müsse eine erneute Carpaldachspaltung ernsthaft in Erwägung gezogen werden (S. 2).
3.5
Wegen des
CTS
wurde der
Beschwerdeführer
am 16. November 2016 an der lin
ken Hand operiert, weswegen ihm
die
Operateurin Dr. med.
F._
, Fachärztin für Chirurgie und Handchirurgie FMH,
bis am 1. Januar 2017 eine 100%ig
e Arbeits
unfähigkeit attestierte
(vgl. Urk. 7/28/3, Urk. 7/35
/1
).
3.
6
Dr.
D._
hielt in seinem Bericht vom
21. März 2017 (Urk. 7/38/6)
fest,
i
n der
Halswirbelsäule (
HWS
)
habe sich keine
Druckdolenz
, im Bereich des
Trapezius
noch
eine leichte
Druckdolenz
und
ansonsten
habe sich eine
unauffällige perip
here Sensomotorik und keine
Synovitis
feststellen lassen. Bezüglich der Polyarth
ritis sei auch ohne Medikamente die Krankheitsaktivität eingestellt. Bezüglich
der CTS
sei auf der Gegenseite noch eine zweite Operation vorgesehen. Der Verlauf bleibe abzuwarten. Die Arbeitsfähigkeit werde durch den Hausarzt, bzw. durch die Handchirurgin, Frau Dr.
F._
, festgelegt. Falls diesbezüglich weitere Informa
tionen erwünscht seien, sei dort direkt Kontakt aufzunehmen.
3.7
Nach am
25. Januar 2017 wegen des
CTS
an der rechten Hand
erfolgten Opera
tion hielt Dr.
F._
mit Bericht vom 5. April 2017 (Urk. 7/39/1-3; vgl. Urk. 7/39/4-5) fest, in wenig belastenden körperlichen Tätigkeiten sei der Beschwerdeführer ab 1. Mai 2017 zu 100 % arbeitsfähig (S. 1 Ziff. 2.1).
3.8
Nach
neu
e
rlich
exazerbier
enden
Zervikobrachialgien
hielt Dr. med.
G._
, Fachärztin Radiologie FMH in ihrem Bericht vom 1
. Juni 2017 (Urk. 7/51/7) fest, im MRI der HWS vom 3
1.
Mai 2017
seien aus der Vorunter
su
chung bekannte multisegmentale
f
oraminale
osteodiskal
bedingte Engen ohne
Nachweis
einer neu aufgetretenen oder deutlich progredienten Diskushernie
fest
stellbar gewesen
.
Weiterhin bestünden eine aktivierte
Osteochondrose
C7/Th1, bekannte hochgra
dige
foraminale
Stenosen C5/C6 rechtsbetont, C6/C7 links
betont sowie C7/Th1 beidseits. Es bestünden keine kritischen spinalen Stenosen und keine Frakturen.
3.9
Am 28. Juni 2017 (Urk. 7/51/3) berichtet
e Dr.
D._
, unter symptomatischer
The
rapie habe s
ich bezüglich der
Zervikobrachi
a
l
gien
keine Besserung eingestellt, die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit sei daher nicht möglich. Aufgrund der therapieresistenten Schmerzsymptom
atik
sei der Beschwerdeführer zur
wirbel
säulen
-chirurgischen Beurteilung überwiesen worden.
3.
10
Prof. Dr. med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
führte in seinem Bericht vom 23. August 2017 (Urk. 7/51/4-5) aus, der
radikuläre
Provokationstest (
Spurling
-Test) sei negativ ausgefallen. Es bestehe eine normale Muskelkraft M5 für alle Muskelgruppen der oberen Extremitäten und ein normaler Reflexstatus.
Bei der klinischen Untersu
chung finde sich kein sensomotorisches Ausfallsyndrom. Bei Fehlen von objekti
vierbaren neurologischen Ausfällen sei er mit einer Operatio
nsindikation sehr zurückhaltend
(S. 2).
Nach erfolgter elektrophysischer Untersuchung am 25. A
u
gust 2017 berichtete Prof. Dr.
H._
gleichentags (Urk. 7/51/6), aufgrund des Fehlens von frischen
Denervierungserscheinungen
bestünden keine Hinweise auf eine chirurgische Notwendigkeit zur Dekompression der Nervenwurzeln C6 und C
7.
E
r empfahl eine Fortführung der k
onservativen Behandlung.
3.
11
Mit Bericht vom
8. November 2017 (Urk. 7/51/1-2
) hielt Dr.
D._
fest,
die
symp
tomatische Therapie und Physiotherapie würden weitergeführt. Bei zunehmenden Belastungen würden die Schmerzen
exazerbieren
, sodass sich der Beschwerde
führer aktuell als nicht arbeitsfähig betrachte. Dr.
D._
empfahl wegen des protrahier
ten Verlaufes
bei noch nicht gänzlicher, jedoch sehr therapieresistenter Symptomatik die Veranlassung einer gutachterlichen Untersuchung zur Einschät
zung einer eventuellen IV-Rentenbedürftigkeit (S. 1).
3.
12
Dr.
A._
nannte in ihrem
Gutachten vom 4. Mai 2018 (Urk. 7/61) folgende Diagnosen (S.
21 f.
):
-
Verdacht auf
Ausweitung der Symptomatik bei
l
umbospondylogenem
Schmerzsyndrom beidseits:
-
MRI vom 21. April 2018: kleine
Diskusprotrusionen
L2/L3 bis L4/5, L5/S1
-
Ohne Nervenwurzeleinengung. Ringapophyse
Deckplattten
L3-L5, postentzündliche Veränderung. Keine akute Entzündung, reizlose
s
Iliosakralgelenk
-
Cervicospondylogenes
Syndrom bei
radiculärem
Reizsyndrom C6 und C7 mit deutlichen
foraminalen
osteodiskalen
Stenosierungen
C5/6
rechts
betont, C6/7 linksbetont
-
MRI Halswirbelsäule (HWS) 31. Juni 2017: multisegmentale
foraminale
osteodiskal
bedingte Engen ohne Nachweis einer neu aufgetretenen oder deutlich progredienten Diskushernie. Aktivierte
Osteochondrose
C7/Th1.
-
Status nach endoskopischer Carpaltunnelspaltung beidseits 1992
-
Status nach offener Spaltung
Retinaculum
flexorum
beidseits (links November 2016, rechts Januar 2017)
-
Status nach
Ringbandspaltung A1
Dig
V beidseits (links November 2016, rechts Januar 2017)
-
Passagere Polyarthritis; Differentialdiagnose: reaktive Arthritis, initiale rheumatoide Arthritis, initiale
seronegative
Spondylarthropathie
-
Leichte Hypakusis rechts
Dr.
A._
berichtete,
die angegebenen lumbalen Rückenschmerzen mit Ausstrah
lung in beide Beine hätten weder klinisch
noch
im MRI der LWS objektiviert werden können
. Es hätten sich keine Nervenwurzelbeeinträchtigungen lumbal feststellen lassen
(S. 21 f.).
Die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit könne aus somatischer Sicht 8 1⁄4 Stunden pro Tag
wieder aufgenommen
werden, aber nicht während Wochen ohne Unterbruch
.
Zu einer angepassten Tätigkeit hielt
sie
fest, aus somatischer Sicht sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Arbeiten mit wechselbelastenden Tätigkeiten mit Heben und Tragen bis maximal 10 kg Gewicht zumutbar (S. 24).
3
.
13
Dr. med.
I._
, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin FMH (vgl. Urk. 7/74/4), teilte der Beschwerdegegnerin auf telefonisch
e
Nachfrage am 4. Ja
nuar 2019 (Urk. 7/72) mit, er könnte als Anästhesist keine Angaben zur Arbeits
fähigkeit machen. Er habe den Beschwerdeführer im Rahmen der Schmerz
thera
pie nur einmal gesehen. Da es dem Beschwerdeführer nach Abgabe eines TENS-Gerät
s
(Elektrostimulationsgerät zur
t
ranskutane
n e
lektrische
n
Nervenstimula
tion
) sowie
Neurodol
-Pflaster
(
selbstha
ftendes Pflaster, das
Lidocain
[
ein Lokal
anästhetiku
m]
als Wirkstoff
enthält)
besser
gegangen
sei, seien keine weiteren Termine vereinbart worden.
3
.
14
Dr.
D._
hielt in seinem Bericht vom 28. Januar 2019
(Urk.
7
/
74/1-2
)
fest
,
nach den operativen Eingriffen an den Händen sei
es
zu einer
partiellen
Beschwerdere
duktion gekommen. Mittlerweile
habe am 31. August 2018 eine schmerzthera
peutische Behandlung sowie am 21. April 2018 ein MR
der LWS und I
S
G
statt
gefunden. Der Beschwerdeführer erachte sich weiterhin für eine körperlich mittelschwere und schwere Arbeit zu 100 % arbeitsunfähig, was von den Problemen am Bewegungsapparat her nachvollziehbar sei. Es sei nur eine zöger
liche Steige
rung der Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte Arbeit möglich. Am 19. Ja
nuar 2019 habe sich der Beschwerdeführer einverstanden erklärt, sich für eine körperlich leichte Arbeit zu 100 % arbeitsfähig schreiben zu lassen. Ob die Belastbarkeit im Arbeitsalltag tatsächlich möglich sei, bleibe abzuwarten. Es habe sich nichts oder nur wenig an der Situation geändert. Er empfehle weiterhin eine gutachterliche Beurteilung.
4.
4.1
4.1.1
Das
Gutachten
von Dr.
A._
vom 4. Mai 2018 (E. 3.
12
)
beruht auf den erfor
derlichen allseitigen Untersuchungen
– insbesondere
e
ine
r
Funktionsdiagnose, welcher bei somatisch begründeten Funktionseinschränkungen zentrale Bedeu
tung zukommt (
Urk. 7/61 S. 17;
Urteil des Bu
ndesgerichts 9C_335/2015 vom 1.
September 2015 E. 4.2.2
) - auf
der E
rfassung des Neurostatus sowie
auf dem aktuellen
MRI der LWS und der HWS (Urk. 7/61 S. 17
-20
). Es
wurde in Kenntnis der und nach Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet
(S. 3-12
, S. 21-23
)
, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander
(S. 15, S. 22 f.)
.
Die Gutachter
in hat
die medizi
nischen Zustände und Zusammenhänge einleuch
tend dargelegt und ihre Schlussfolge
rungen nachvollziehbar begründet.
Sie zeigte auf, dass der Beschwerdeführer aufgrund
sein
er
Leiden
die zuletzt ausgeübte Tätigkei
t aus somatischer Sicht 8
1⁄4 Stunden pro Tag
wieder
aufnehmen
kann
,
dies aber
nicht während Wochen ohne Unterbruch
. Letzteres begründete sie damit, dass es sein könne,
dass die während sieben Jahren durchgeführte Arbeit mit repetitiven Hand- und Armbewegungen zur Entwicklung
des
CTS geführt
habe
. Zudem legte sie dar, dass hinsichtlich
einer angepassten Tätigkeit eine
100%ige Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Arbeiten mit wechselbe
lastenden Tätigkeiten mit Heben und Tragen bis ma
ximal 10 kg Gewicht besteht (S.
24).
Sie wie insbesondere
darauf hin, dass die Angaben des Besch
werdeführers in Bezug auf seine
Beschwerden widersprüchlich und zum Teil nicht nachvoll
ziehbar
waren
, da die beklagten Symptome und die Funktionseinbussen nicht konsistent
waren
(S. 23 unten).
Die
angegebenen lumbalen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Beine
konnten
weder klinisch noch mit Bildgebung objek
tiviert werden. Es fanden sich keine lumbalen Nervenwurzelbe
einträchtigungen (S. 22 unten).
Damit entspricht es den bundes
gerichtlichen Vorgaben an ein beweiskräftiges Gutachten (
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis
).
4.1.2
Im Nachgang zum Gutachten von Dr.
A._
vom 4. Mai 2018 (E. 3.
12
) erachtete Dr.
D._
in seinem Bericht vom 28. Januar 2019 (E.
3.14
) die vom Beschwerde
führer empfundene Arbeitsunfähigkeit als nachvollziehbar. Er stützte sich dabei auf die von Dr.
A._
veranlasste
MRI der LWS
vom 23. Ap
ril 2018 (vgl. Urk. 7/61 S. 18
, S. 22
unten, nahm aber
nahm im Gegensatz zu ihr keine
klinische Untersuchung
vor
. Er
hielt die Situation für unverändert.
Im Bericht
fehlt
jede Auseinandersetzung
mit dem Gutachten
, wobei
die
geäusserte Empfehlung für eine Begutachtung darauf hindeutet, dass ihm
das Gutachten von Dr.
A._
nicht bekannt war.
Dr.
D._
brachte
keine Aspekt
e
vor
, die bei der Begut
achtung unerkannt oder ungewürdigt gebliebe
n sind und
die
folglich eine vom
Gutachten
von Dr.
A._
abweichen
de Beurteilung aufdrängen würde
(vgl.
Urteil des Bun
desgerichts 8C_677/2014 vom 29.
Oktober 2014 E. 7.2).
Die
Formulierung „
a
m 19.
Januar 2019 habe sich der Beschwerdeführer einverstanden erklärt, sich für eine k
örperlich leichte Arbeit zu 100
% arbeitsfähig schreiben zu lassen
“
,
lässt darauf
schliessen
, dass
sich
Dr.
D._
bei seinen
Einschätzung
en
weniger von den objektiven Befunden als
von den Wünschen des Beschwerdeführers leiten
liess
.
Der Bericht von Dr.
D._
vom 28. Januar 2019 vermag daher das Gutach
ten nicht in Frage zu stellen und deute
t
auf keine Veränderung des Gesundheits
zustandes im
Nachgang zur Begutachtung hin.
Dies
wird auch durch das lediglich einmalige Aufsuchen einer Schmerztherapie bei
Dr.
I._
untermauert
,
wonach bereits die Abgabe eines TENS-Gerätes und
Neurodol
-Pflaster zu einer Verbesserung geführt habe, sodass keine weiteren Termine vereinbart werden mussten (E. 3.1
3
).
Von einer
bedeutenden sich dauern
d
auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende
n
Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers im Nachgang zur Begutachtung ist nicht auszugehen.
4.1.3
Soweit
eine
Arbeit
sv
ermittlung PLUS im Sinne ergänzender Abklärungen
zur Eruierung der
zumutbare
n
Tätigkeiten
(
Assessment der Leistungsfähigkeit, Arbeitstraining
)
beantr
agt wurde, erübrigt
sich
eine
solche in Anbetracht des beweiskräftigen Gutachtens von Dr.
A._
.
Die Durchführung einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL), welche vorliegend als Teil einer Arbeitsvermittlung PLUS beantragt wird, fällt dann in Betracht, wenn sich die beteiligten Fachärzte ausser Stande sehen, eine zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machbaren vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 9C_764/2014 vom 2
1.
Juli 2015 E. 3.2.1). Solche Schwierigkeiten bestanden für
Dr.
A._
nicht, womit es an der notwendigen medizinischen Indikation für eine entsprechende Abklärung fehlt. Zudem ist
nach der Rechtsprechung von einer EFL vor allem in
denjenigen Fällen abzusehen
, in welchen - wie hier - das Ver
halten der versicherten Person durch Selbstlimitierung
(mit)
geprägt ist (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_254/2016 vom 6. Juli 2016 E. 2). Von
einer Arbeitsver
mittlung PLUS sind
für die Ermittlung der zumutbaren Tätigkeiten
keine
ent
schei
dwesentlichen
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d).
4.1.4
Mit dem Gutachten von
Dr.
A._
ist der medizinische
Sachverhalt zumindest für die Zeit
nach der Untersuchung vom 1
9.
März 2018
erstellt.
Gestützt darauf ist
zumindest
in angepasster Tätigkeit
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
auszugehen
,
mit der Einschränkung, dass
ihm noch leichte bis mittelschwere Arbeiten mit wechselbelastenden Tätigkeiten mit Heben und Tra
gen bis maximal 10 kg Gewicht zumutbar sind
(E.
3
.
12
, E. 4.1.1
).
Damit resultiert
ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad
von
gerundet 1
%.
D
as
Valideneinkommen
ist
auf Fr.
67'905.75
(Fr
. 66
'
872
.--
[
Einkommen im Jahr 2015 gemäss IK-Auszug;
Urk.
7/44
]
:
103.
5
[Index
2015
] x 105.
1
[Index
2018
; Nominallohnindex
Männer
, Bundesamt für Statistik, BFS, Tabelle T 1.
1
.10]) und das Inva
lideneinkommen
auf Fr. 67'
445.12
(
Fr.
5'340
.-- [Lohnstrukturerhebung 201
6
[TA1] : 40 x 41.7 [Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen, BFS, Tabelle T 03.02.03.01.04.01] x 12
: 104.1 x 105.1 [Index 2016 un
d 2018]
) festzu
setzen.
4.1.5
Das Vorbringen des Beschwerdeführers
,
gemäss
dem Grundsatz Eingliederung vor Rente
könne erst
über den Rentenanspruch
entschieden
werden
, wenn die Ein
gliederungsmassnahme
n
abgeschlossen sei
en, verfängt nicht.
Kann ein Renten
anspruch durch allenfalls noch vorzunehmende berufliche Eingliederungsmass
nahmen
nämlich
nicht
(
mehr
) beeinflusst werden,
etwa
weil ein rentenbegrün
dender Invaliditätsgrad bereits jetzt nicht gegeben ist, kann der Rentenentscheid unabhängig von allfälligen Eingliederungsmassnahmen gefällt werden (
Urteil des
Bundesgerichts 8C_187/2015 vom 2
0.
Mai 2015 E. 3.2.1 mit Hinweisen
).
Die Beschwerdegegnerin konnte somit über den Rentenanspruch direkt verfügen und das Begehren des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, zu einem späteren Zeitpunkt über einen allfälligen Rentenanspruch zu verfügen, ist abzuweisen.
4.2
4.2.1
Was den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vor der Zeit des Gutachtens von Dr.
A._
angeht
,
ist hinsichtlich eines allfälligen Rentenanspruch
s
zu
prü
fen
, ob das Wartejahr erfüllt wurde und gegebenenfalls, ob nach
dessen
Ablauf funktionelle Einschränkungen vorlagen, welche
vorübergehend einen
rentenbe
rechtigenden Invaliditätsgrad von über 40 %
begründeten
(vgl. E. 1.2).
4.2.2
Dr.
A._
äusserte sich nicht zur zeitlichen Entwicklung der Arbeitsfähigkeit. Dafür ist deshalb auf die medizinischen Unterlagen der Behandler zurückzugrei
fen (vgl. dazu E. 4.2).
Dem Beschwerdeführer wurde erstmals ab dem 5. Februar 2016 eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (E. 3.1)
.
Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seiner Rücken- und Händeleiden
bis
zur
operati
ven Behandlung
des
CTS
an beiden Händen
(inklusive
Rehabilitation) in seiner Arbeit als Materialp
rüfer bei der Randstand, bei welcher er bei stetiger inklinierter Kopfhaltung Zylinder zur
Materialkonstanzprüfung
halten und drehen musste (vgl. Urk. 7/21/6-7 Ziff. 1.7),
bis zum Ablauf des Wartejahres am 4. Februar 2017 gemäss den ihm
von den Behandlern
attestierten Arbeitsunfähigkeit
en
durchge
hend
immer zumindest 50 % und durchschnittlich zu
77 %
arbeitsunfähig war (
199
Tage à 100 % [5. Februar bis 24. Juni 2016; 16. November 2016 bis 1. Ja
nuar 2017; 25. Januar bis 4. Februar 2017] und 167 Tage à 50 % [25. Juni bis 15. November 2016; 2. Januar bis 24. Januar 2017]; vgl. E. 3.1-E. 3.7
)
. Damit war das Wartejahr am 4.
Februar
2017 erfüllt.
4.2.3
Vom 5. Februar bis 30. April 2017 bestand aufgrund der Operation an der rechten Hand und der damit verbundenen Rekonvaleszenz eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit (E.
3.
7
)
.
Danach ist zumindest
jedoch
in einer angepass
ten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
mit
den
von Dr.
A._
in ihrem Gutachten beschrieben
en
Einschränkungen
auszugehen.
Dr.
D._
konnte
,
was das Rückenleiden angeht
,
in seinem Bericht vom 21. März 2017
keine relevanten Befunde erheben
. Die Polyarthritis war gut eingestellt. Er überliess daher die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit Dr.
F._
, welche die Ope
ration
en an den
Hände
n
durchführte (E. 3.6). Diese attestierte dem Beschwerde
führer nach durchgeführten Operationen mit dem Bericht vom 5. April 2017
ab 1. Mai 2017
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in wenig belastenden körperlichen Tätigkeiten (E. 3.7).
Was die ab Mai 2017 neuerlich auftretenden
Zerv
ikobrachialgien
angeht, konn
ten
keine funktionellen Einschränkungen objektiviert werden. Dr.
G._
konnte in einem MRI der HWS nur den bereits bekannten Befund und keine kritischen Stenosen
oder
Frakturen feststellen (E. 3.8). Dr.
D._
sah am 28. Juni 2017 (E. 3.9) keine Verbesserung der Symptomatik, weshalb er den Beschwerdeführer zur wirbelsäulen-chirurgisc
hen Beurteilung an Prof. Dr.
H._
überwies.
Der
radikuläre
Provoka
tionstest fiel bei Prof. Dr.
H._
negativ aus. Zudem stellte dieser eine normale Muskelkraft für alle Muskelgruppen der obe
ren Extremitäten fest. Es fand
sich in seiner klinischen Untersuchung kein sensomo
torisches Ausfallssyndrom. Bei seiner elektrophysischen Untersuchung fehlten frische
Denervierungserscheinungen
(E. 3.10). Dr.
D._
sprach sich daher im Nachgang zur Untersuchung durch Prof. Dr.
H._
in seinem Bericht vom 8. No
vember 2017 (E. 3.11) bei einer von ihm festgestellten therapieresistenten Symp
tomatik
für
eine gutachterliche Untersuchung zur Einschätzung einer eventuellen IV-Rent
enbedürftigkeit
aus und hielt lediglich fest, dass sich dieser als arbeitsun
fähig betrachte
. Das Gutachten von Dr.
A._
zeigte dann, dass zumindest in
einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
bestand
(E. 4.1.1
).
Damit
resultierte
aufgrund der 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätig
keit auch vor Vorliegen des Gutachtens für die Zeit ab dem 1. Mai 2017
ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von
0 %. Dabei
ist
das
Valideneinkom
men
auf Fr. 67'
582
.
70
(Fr
. 66
'
872
.--
[Einkommen im Jahr 2015 gemäss IK-Auszug;
Urk.
7/44
] :
103.5 [Index 2015] x 10
4
.
6
[Index
2017
; Nominallohnindex Männer, Bundesamt für Statistik, BFS, Tabelle T 1.1
.10]) und das Inva
lidenein
kommen auf Fr. 67'
513
.
4
0
(Fr.
5'
340.-- [Lohnstrukturerhebung 2016
[TA1]
: 103.5 [Index 2016] x 104.6 [Index 2017]
: 40 x 41.7 [Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen, BFS, Tabelle T 03.02.03.01.04.01] x 12
) festzusetzen.
4.3
Da vorliegend rückwirkend über eine befristete Invalidenrente zu entscheiden ist, was einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung umfasst, ist der Zeitpunkt für die die Aufhebung der Rente analog zu Art. 88a IVV festzusetzen.
Der
Beschwerdeführer hat demnach bei einer
gegebenen
Arbeitsunfähigkeit von
100 % bis zum
30
.
April 2017 (100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ab 1. Mai 2017; E. 4.2.3)
vom
1.
Februar 2017
bis 31. Juli 2017
An
spruch auf eine
ganze
Invalidenrente.
Die Beschwerde ist
insoweit
teil
weise gutzuheissen.
5.
5.1
Zur beantragten Arbeitsvermittlung im Sinne einer vom Rentenanspruch unab
hängigen Eingliederungsmassnahme gilt es Folgendes anzufügen:
Die leistungsspezifische Invalidität des Anspruchs auf eine Arbeitsvermittlung, liegt vor, wenn die Behinderung Probleme bei der Stellensuche verursacht. Bei den beim Beschwerdeführer bestehenden Einschränkungen, wie sie von
Dr.
A._
in ihrem beweiskräftigen
Gutachten vom 4. Mai 2018 (vgl. E. 3.
12
; E. 4.1) festgestellt worden sind (vgl. das Belastungsprofil:
nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten mit wechselbelastenden Tätigkeiten mit Heben und Tra
gen bis maximal 10 kg sind zumutbar
[
E. 3.
12
]),
ist eindeutig
,
dass
die Anspruchs
voraussetzungen
für
ei
ne Arbeitsvermittlung nach Art.
18 IVG
nicht
erfüll
t sind.
Es ist nicht erkennbar, inwiefern der Beschwerdeführer aufgrund seiner gesund
heitlichen Einschränkungen bei der Stellensuche auf eine Arbeitsvermittlung der Beschwerdegegnerin angewiesen sein
sollte; beispielsweise weil wegen Stumm
heit oder eingeschränkter Mobilität keine Bewerbungsgespräche möglich wären oder dem potenziellen Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und Grenzen des Versicherten erläutert werden müssten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2015 vom 12.
Januar 2016 E. 2 und E.
3.3
in einem
Fall mit ähnlich gelagerten Einschränkungen
). So steht dem un
gelernten Beschwerdeführer (vgl. Urk. 7/
2 S. 4
)
ein breites Spektrum an Hilfsarbeiten offen. In der Krankheit liegende Gründe, welche es dem Beschwerdeführer erschwerte
n
,
eine
passende
Stelle
zu finden, wurden den
n
von ihm auch nicht vorgebracht
(vgl. Urk. 1 und Urk.
9
)
.
Die bei voller Zumutbarkeit leichter Tätigkeiten zusätzlich notwendige Einschränkung gesundheitlicher Art liegt nicht vor (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_416/2009 vom
1.
März 2010 E.2.2 und 5.2).
Die Beschwerde ist dementsprechend hinsichtlich des Begehrens auf eine Arbeitsvermittlung
im Sinne einer Eingliederungsmassnahme
abzuweisen.
5.2
Soweit zudem ein Anspruch auf externe Berufsberatung geltend gemacht wurde, ist ergänzend Folgendes festzuhalten (vgl.
Urk.
1 S. 4 und S. 5;
Art.
15 IVG; Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage, Zürich 2014,
Art.
15
Rz
2 ff.):
Der Beschwerdeführer war als Materialprüfer bei der
Z._
AG tätig gewesen. Für diese bisherige Tätigkeit ist weiterhin von einer relevanten Arbeitsfähigkeit auszugehen (vgl.
Urk.
7/61 S. 24). Für eine auf lange Sicht uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit wäre nach
Dr.
A._
aber vorauszusetzen, dass sich Bewegungs
abläufe nicht stetig, über Wochen und Jahr wiederholen. Damit müsste eine Tätigkeit verschiedene Bewegungsabläufe umfassen, der Beschwerdeführer
könnte somit beispielsweise etwa an verschiedenen Maschinen oder Kontrollstel
len zum Einsatz kommen und/oder gleichförmige Bewegungen könnten durch Boten- oder Kontrollgänge unterbrochen werden. Aufgrund der bisherigen Tätig
keit(en) kennt der Beschwerdeführer jedoch die Art der ihm auch künftig zumut
baren Tätigkeiten aus Erfahrung bereits genau (vgl.
Urk.
7/61 S. 13 f.). Die ihm zumutbaren leichten und wechselbelastenden Tätigkeiten sind auf dem allgemei
nen Arbeitsmarkt zahlreich vorhanden. Unter diesen Umständen ist eine externe Berufsberatung nicht notwendig. Der Anspruch auf externe Berufsberatung (wie auch auf die weiteren eine Arbeitsvermittlung PLUS offenbar beinhaltenden Leis
tungen [vgl.
Urk.
1 S. 4]: wie eine berufliche Abklärung, ein Arbeitstraining beziehungsweise ein Arbeitsversuch) ist mangels Notwendigkeit und Verhältnis
mässigkeit ebenfalls zu verneinen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_329/2020 vom
6.
August 2020 E. 3.1.3 und 8C_388/2013 vom 1
6.
Dezember 2013 E. 3.1; vgl. auch vorne E. 4.1.3).
5.3
Auf die Ausführungen der vom Beschwerdeführer als auch von der Beschwerde
gegnerin ausführlich diskutierten Frage über die Zulässigkeit der Verneinung des Anspruches auf Arbeitsvermittlung im Zusammenhang mit den Sprachfertigkei
ten (vgl. Urk. 1
S. 4 f., Urk. 2 S. 2, Urk. 6 S. 1, Urk. 9 S. 2 f.
) braucht daher nicht weiter eingegangen zu werden.
Bezüglich der beantragten beruflichen Massnahmen ist die Beschwerde abzuwei
sen.
6.
6.1
Da es vorliegend um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleis
tungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert auf Fr. 800.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und entsprechend dem Verfahrensausgang
dem Beschwer
deführer zu drei Vierteln sowie der Beschwerdegegnerin zu einem Viertel
aufzu
erlegen.
6.2
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat grundsätzlich die obsiegende Beschwerde führende Person, die erhebliche Auslagen im Rahmen des Prozesses gehabt hat (Art. 61
lit
. g ATSG). Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Ent
schädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Die Entschädigung ist daher unter Berücksichtigung der genannten Kriterien auf Fr. 500.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.