Decision ID: eaad8c33-af1b-5653-83ba-f5cc3384160c
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin und ihre Tochter reisten am (...) mit einem durch
die (...) Botschaft in Teheran am (...) erteilten Schengen-Visum in die
Schweiz ein (iranische Pässe ausgestellt am [...]). Danach begaben sie
sich nach C._ und stellten dort am (...) Asylgesuche. Im Rahmen
eines Dublin-Verfahrens wurden sie am 27. April 2017 von C._ in
die Schweiz überstellt, wo sie gleichentags Asylgesuche einreichten.
A.a Am 3. Mai 2017 und 2. Juni 2017 wurde die Beschwerdeführerin zu
ihrer Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Fluchtgründen be-
fragt (BzP). Am 6. Januar 2020 und 4. Februar 2020 wurde sie in Frau-
enteams vertieft zu ihren Asylgründen angehört. Sie gab im Wesentlichen
an, sie sei iranische Staatsangehörige und stamme aus D._. Sie
habe im Alter von (...) Jahren geheiratet und mit ihrem Mann bis (...) in
E._ gelebt. Danach sei sie mit ihm und der in E._ geborenen
Tochter nach D._ zurückgekehrt. Kurze Zeit später habe ihr Mann
sie verlassen und sie sei mit der Tochter zu ihren Eltern gezogen. Ihr Mann
sei alkoholabhängig gewesen, habe psychische Probleme gehabt und sie
geschlagen. Sie habe für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen
müssen. Sie habe das (...) absolviert und sei diplomierte (...). Zudem habe
sie ein Diplom in (...) erworben. Seit (...) sei sie geschieden. Kinder würden
im Iran nach einer Scheidung üblicherweise beim Vater bleiben, aber ihr
Ex-Mann habe dies nicht gewollt. Gegen Überlassung ihrer Mitgift an den
Ex-Mann habe sie das Sorgerecht für die Tochter erhalten; dies sei notariell
verbrieft. Sie habe die Befugnis gehabt, die Tochter in der Schule einzu-
schreiben, bei Bedarf ins Spital zu bringen und für sie ein Bankkonto zu
eröffnen. Das besagte Dokument habe ihr auch das Recht gegeben, das
Land mit der Tochter zu verlassen. Es sei ihr einzig verwehrt gewesen, al-
lein in eine Heirat der Tochter einzuwilligen. Die Tochter habe den Vater
nach der Scheidung nie mehr gesehen.
Sie habe zuletzt in der (...) von F._ gearbeitet. Dorthin seien auch
Insassen des Gefängnisses (...) gekommen und sie habe bei zwei Behand-
lungen festgestellt, dass Vorsichtsmassnahmen beim Umgang mit (...),
das in hoher Dosierung tödlich sein könne, nicht eingehalten worden seien.
Bei der ersten Behandlung sei ihr aufgefallen, dass der Häftling die benö-
tigten Materialien selbst mitgebracht habe. Auch sei sie angewiesen wor-
den, gefilterte Masken und zwei Paar Handschuhe zu tragen. Als sie den
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Arzt nach dem Grund gefragt habe, habe dieser geantwortet, dass Häft-
linge krank sein könnten. Bei der Behandlung eines weiteren Häftlings
habe sie bemerkt, dass der Arzt Material eingesetzt habe, ohne zuvor (...).
Ein solches Vorgehen sei gefährlich. Als sie den Arzt darauf angesprochen
habe, habe er aggressiv reagiert. Gleichentags sei eine Frau in die Praxis
gekommen und habe sich nach einem Patienten erkundigt. Da ihr der ge-
nannte Name nicht bekannt gewesen sei, habe sie um eine Personenbe-
schreibung gebeten, worauf sie realisiert habe, dass einer der Häftlinge
gemeint gewesen sei, der bei ihnen unter einem anderem Namen regis-
triert worden sei. Sie habe der Frau diesen Namen genannt und ihr gesagt,
dass die betreffende Person nicht mehr zur Behandlung kommen solle.
Nach der Beziehung der Frau zu dem besagten Patienten habe sie nicht
gefragt. Der Arzt habe dann wissen wollen, was sie der Frau gesagt habe,
und sie vor Konsequenzen gewarnt. Zwei Tage später – an einem Tag im
August respektive September 2016 – seien zwei Beamte und eine Frau mit
Tschador zu ihr nach Hause gekommen. Sie hätten einen Durchsuchungs-
befehl vorgewiesen und sie zum Mitkommen aufgefordert. Sie sei mit ei-
nem Auto an einen anderen Ort gebracht und dort während neun bezie-
hungsweise zehn Tagen festgehalten und wiederholt befragt worden. Man
habe von ihr wissen wollen, ob sie einer politischen Gruppierung angehöre
und wieso sie die in der Arztpraxis verwendeten Medikamente gekannt
habe. Aufgrund einer starken vaginalen Blutung sei sie in ein Krankenhaus
gebracht worden, wo sie eine Bluttransfusion erhalten habe. Nach zwei Ta-
gen sei sie in die Zelle zurückgebracht worden. Sie sei bei den Verhören
nicht misshandelt worden. Die Blutung sei stressbedingt gewesen. Res-
pektive bei den Verhören sei gegen ihren Stuhl geschlagen worden, so
dass dieser umgekippt sei, und sie wisse nicht, ob die Blutung dadurch
ausgelöst worden sei. Nach dem Spitalaufenthalt sei sie vor das (...)gericht
gebracht worden. Dort seien der Richter, ein Soldat, die Frau, die sie zum
Gericht gebracht habe, ein Mann in Zivil und zwei Wachen zugegen gewe-
sen. Beziehungsweise es seien nur ein Mann und ein Beamter anwesend
gewesen. Ihr sei vorgeworfen worden, die nationale Sicherheit gefährdet
und das Arztgeheimnis verletzt zu haben. Man habe gedroht, ihr die Toch-
ter wegzunehmen. Nach der Gerichtsverhandlung sei sie in die Zelle zu-
rückgebracht und noch einmal verhört worden. Sie sei gefragt worden, was
sie der Frau, die in die Arztpraxis gekommen sei, gesagt habe. Zwei, drei
Tage später – am 17. respektive 18. September 2016 – sei sie wieder zum
(...)gericht gebracht und gegen Kaution freigelassen worden. Ihr Vater und
ihr Bruder hätten sie dort mit dem Auto abgeholt. Sie habe sich zu einem
Labor bringen lassen, um einen HIV-Test zu machen. Das Resultat sei ne-
gativ gewesen. Zwei Monate später sei sie von einer Frau zum Mitkommen
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aufgefordert worden, als sie mit ihrer Tochter auf einem Spielplatz gewesen
sei. Ihre Mutter, die dies gesehen habe, habe gewinkt und gesagt, dass sie
ruhig mitgehen solle. Respektive die Mutter habe ein Zeichen mit der Hand
gemacht, das sie nicht verstanden habe. Sie sei zwei Tage lang festgehal-
ten worden. Ihr sei eine Tonaufnahme vorgespielt worden, auf der zu hören
gewesen sei, wie sie der Frau, die in die (...) gekommen sei, gesagt habe,
dass der betreffende Patient nicht mehr in die Praxis kommen solle. Sie
habe aber abgestritten, dass es sich um ihre Stimme gehandelt habe. Ihr
sei übel gewesen und sie habe nach Wasser gefragt. Danach könne sie
sich an nichts mehr erinnern. Erst der Moment, als sie von ihrem Vater und
Bruder auf dem Polizeiposten abgeholt worden sei, sei ihr wieder bewusst.
Nach der Freilassung habe sie an den Oberschenkeln dunkle Flecken be-
merkt, im Bauch und Analbereich Schmerzen verspürt und den Stuhlgang
nicht kontrollieren können. Sie habe niemandem etwas davon gesagt. Ihr
Bruder habe ihren Scheidungsanwalt konsultiert und dieser habe ihr zur
Ausreise geraten. Am Tag der Ausreise – dem (...) ([...]) – habe ihr der
Schlepper am Flughafen nebst dem Flugticket einen neuen Pass über-
reicht. Sie sei mit ihrer Tochter von Teheran via die G._ in die
Schweiz geflogen; nach drei Tagen seien sie nach C._ weiterge-
reist. Als dort ein Arzt festgestellt habe, dass sie (...), sei sie zum Schluss
gelangt, dass ihr bei dem Verhör, bei dem sie ohnmächtig geworden sei,
jemand etwas angetan haben müsse. Sie habe sich für eine (...) entschie-
den. Während des Aufenthalts in C._ habe ihr Ex-Mann ihre Eltern
zwei Mal angerufen und gedroht, ihr die Tochter wegzunehmen. Wann ge-
nau dies gewesen sei, könne sie nicht sagen, und sie wisse auch nicht, wo
sich ihr Ex-Mann aufhalte. Sie hätten letztmals Kontakt gehabt, als sie ihm
im Iran das Sorgerecht für die Tochter abgekauft habe. Beziehungsweise
er habe sie über Instagram kontaktiert, als sie bereits in der Schweiz ge-
wesen sei. Sie habe befürchtet, dass in Europa lebende Verwandte ihres
Ex-Mannes die Tochter auf dem Schulweg entführen könnten. Mittlerweile
mache sie sich deswegen weniger Sorgen, da die Tochter vorsichtig sei
und die Lehrkräfte entsprechend informiert seien.
In C._ sei sie dem christlichen Glauben beigetreten und im (...)
habe sie sich in der Schweiz taufen lassen. Sie gehöre der (...) Kirche an
und habe in einem Bibelkurs gelernt, zu verzeihen und anderen zu helfen.
Von ihrer Familie habe niemand Kenntnis von der Konversion. Ausserdem
sei sie exilpolitisch aktiv. Sie habe hierzulande an verschiedenen Kundge-
bungen und Veranstaltungen, die sich gegen das iranische Regime gerich-
tet hätten, teilgenommen. Sie gehöre der (...) ([...]) an. Sie setze sich vor
allem für Frauenrechte ein, sei (...) des Frauenkomitees und habe eine
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Kundgebung organisiert. Ein Foto, das bei einer Demonstration anlässlich
des Besuchs (...) in der Schweiz von ihr aufgenommen worden sei, sei in
hiesigen Zeitungen abgebildet worden. Zudem habe sie (...) an den (...)
und (...) des (...) teilgenommen und in Anwesenheit einer Vertreterin der
iranischen Regierung eine Rede gehalten. Auch auf Facebook trete sie als
Menschenrechtsaktivistin auf. Sie pflege nur noch zu ihrer Mutter Kontakt.
Ihr Vater habe sie aufgefordert, nie mehr in den Iran zurückzukehren. Bei
einer Rückkehr in den Iran befürchte sie, ihre Tochter zu verlieren, und in-
haftiert oder gar hingerichtet zu werden.
A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten
des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Befragungsprotokolle und
die Beweismittel (Identitätskarte, Führerschein, Geburtsurkunde, Dip-
lom/Ausweis (...), Scheidungsantrag, Vollmachtsurkunde [Zusprechung el-
terlicher Autorität über Tochter], ärztliche Bestätigung Misshandlung durch
Ex-Mann, Arztberichte betreffend Ex-Mann, Dokumente aus C._
betreffend (...), Kirchen-Broschüre, Taufurkunde, Kurszertifikat, schweize-
rische Arztberichte, Dokumente/Fotos betreffend exilpolitische Aktivitäten,
Besitzurkunde inklusive Einforderungsschreiben) verwiesen (vgl. vo-
rinstanzliche Akten A14, A15, A21, A28, A34, A36 und A37).
B.
B.a Mit Verfügung vom 21. April 2020 – eröffnet am 24. April 2020 – stellte
das SEM fest, dass die Beschwerdeführerinnen die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllten. Es lehnte die die Asylgesuche ab und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an.
B.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Vorbringen der Be-
schwerdeführerin vermöchten weder den Anforderungen an die Glaubhaf-
tigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) noch jenen an die Flüchtlingsei-
genschaft gemäss Art. 3 AsylG zu genügen. Ihre Ausführungen zur nicht
fachgerechten Behandlung von Gefängnisinsassen in der (...) des Arbeit-
gebers und zu ihrem Rat an eine ihr unbekannte Frau, ein Patient solle
nicht mehr kommen, zur anschliessenden Festnahme und zu den Befra-
gungen und der Verhandlung vor dem (...)gericht sowie zur zweiten Mit-
nahme und Befragung seien in wesentlichen Punkten unsubstantiiert, wi-
dersprüchlich und nicht nachvollziehbar. Es wäre von der Beschwerdefüh-
rerin zu erwarten gewesen, dass sie einheitlicher, differenzierter und de-
taillierter über die Ereignisse hätte berichten können, wenn sich diese tat-
sächlich so zugetragen hätten und sie diese selbst erlebt hätte. Die besag-
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ten Vorbringen könnten daher nicht geglaubt werden. Es erscheine auf-
grund der Schilderungen der Beschwerdeführerin und der ärztlich attestier-
ten medizinischen Probleme zwar möglich, dass sie sexuelle Gewalt erfah-
ren habe, es sei angesichts der Ungereimtheiten aber nicht glaubhaft, dass
sich diese in dem vorgebrachten Kontext zugetragen habe. Dem Vorbrin-
gen, der Ex-Mann habe der Beschwerdeführerin mit der Wegnahme der
Tochter gedroht, komme keine asylrechtliche Relevanz zu. Die Beschwer-
deführerin verfüge über eine Vollmachtsurkunde, die ihr die elterliche Au-
torität attestiere. Dieses Recht sei einzig dadurch eingeschränkt, dass der
Kindsvater bei einer Heirat der Tochter zugegen sein müsse. Zudem habe
der Ex-Mann die Tochter nach der Scheidung, entgegen dem, was das ira-
nische Recht vorsehe, nicht behalten wollen. Die Tochter habe denn auch
nie beim Vater gelebt, und die Beschwerdeführerin habe den Ex-Mann
letztmals anlässlich der schriftlichen Verbriefung des Sorgerechts gese-
hen. Es sei daher nicht davon auszugehen, dass ihre Furcht, der Ex-Mann
könnte ihr die Tochter wegnehmen, objektiv begründet sei.
Auch die Konversion zum Christentum und das exilpolitische Engagement
der Beschwerdeführerin vermöchten die Flüchtlingseigenschaft nicht zu
begründen. Es sei nicht davon auszugehen, dass sie sich in qualifizierter
Weise exilpolitisch betätigt habe. Die Reichweite des (...) und die interna-
tionale Aufmerksamkeit, die Veranstaltungen dieser Art zukomme, seien
zwar unbestritten, aber es handle sich um einen einmaligen Auftritt in über-
schaubarem Rahmen und die Rede der Beschwerdeführerin weise nicht
ein Format auf, das auf ein gesteigertes Interesse der iranischen Behörden
an ihrer Person schliessen lassen würde. Zudem sei sie im Iran nicht poli-
tisch aktiv gewesen, womit auch nicht anzunehmen sei, dass sie vor der
Ausreise aufgrund ihrer politischen Haltung die Aufmerksamkeit auf sich
gezogen habe. Auch bezüglich der religiösen Aktivitäten sei kein Ausmass
erkennbar, welches die Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfol-
gung begründen würde. Hinweise, wonach die iranischen Behörden Kennt-
nis von der Konversion hätten, lägen nicht vor. Ihr Verhalten in der Schweiz
sei somit nicht geeignet, ein ernsthaftes Vorgehen der iranischen Behörden
zu bewirken. Es lägen auch keine Anhaltspunkte für die Annahme vor, dass
im Iran aufgrund der besagten Aktivitäten bereits behördliche Massnahmen
gegen sie eingeleitet worden wären. Im Übrigen sei ein Vorbehalt an der
Glaubhaftigkeit der Konversion anzubringen. Die Ausführungen der Be-
schwerdeführerin zum Beweggrund, sich vom Islam abzukehren und dem
Christentum anzuschliessen, und zu den besuchten Bibelkursen seien
vage geblieben.
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Der Wegweisungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich. Die Be-
schwerdeführerin sei jung, gut ausgebildet und berufstätig gewesen. Zwar
sei sie alleinerziehend, verfüge aber über die elterliche Sorge über die
Tochter. Ob zum Vater und den Brüdern tatsächlich kein Kontakt mehr be-
stehe, sei fraglich. Insgesamt sei von einem intakten und tragfähigen sozi-
alen Beziehungsnetz auszugehen. Eine Behandlung der psychischen
Probleme der Beschwerdeführerin sei im Iran, insbesondere in D._,
wo die Beschwerdeführerin nach der Scheidung bereits wegen einer (...)
behandelt worden sei, möglich.
C.
C.a Mit Eingabe vom 22. Mai 2020 erhoben die Beschwerdeführerinnen
durch die rubrizierte Rechtsvertreterin Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht, worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie um Gewährung des Asyls,
eventualiter um Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und um Gewährung der vorläufigen
Aufnahme, und subeventualiter um Rückweisung der Sache an das SEM
zur Neubeurteilung ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde
zudem – unter Verweis auf eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom
14. Mai 2020 – um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses ersucht.
C.b Zur Begründung legte die Beschwerdeführerin ihre Sicht der Dinge dar
und hielt der vorinstanzlichen Argumentation im Wesentlichen entgegen,
sie sei aus dem Iran ausgereist, weil sie befürchtet habe, dass die Behör-
den ihr immer wieder Probleme bereiten würden. Nachdem sie eine (...)
festgestellt habe, habe sie realisiert, dass man sie während der zweiten
Festnahme (...) haben müsse. Sie habe sich zu einer (...) entschlossen,
die am (...) erfolgt sei. Aufgrund chronischer Schmerzen im (...) habe sie
am (...) eine (...) vornehmen lassen müssen. Zudem befinde sie sich in
(...) Behandlung. Sie leide unter einer (...) mit (...) Beschwerden, welche
auf die Erlebnisse während der Inhaftierung zurückzuführen seien. Sie und
ihre Tochter seien in der Schweiz mittlerweile gut integriert und würden die
hiesige Sprache sprechen.
Bei der Anhörung vom 6. Januar 2020 sei die Übersetzung ungenügend
gewesen. Sie habe dies bereits damals moniert. Die Übersetzung gebe
bezüglich der (...) nicht das wieder, was sie gesagt habe, und die Überset-
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zerin sei auch mit den Zeitangaben und den (...) Begriffen überfordert ge-
wesen. Das SEM habe deshalb bei der ergänzenden Anhörung vom
4. Februar 2020 eine andere Dolmetscherin eingesetzt. Vor diesem Hinter-
grund sei es nicht hinnehmbar, dass das SEM auf Unterschiede zwischen
den Anhörungen verweise. Des Weiteren habe das SEM die Kopien einer
Bürgschaft und einer Bestätigung des (...)gerichts nicht berücksichtigt und
dadurch das rechtliche Gehör verletzt.
Über die Vorkommnisse in der (...) habe sie detailliert berichtet. Dass sie
der Frau den Namen des Patienten genannt habe, stehe nicht im Wider-
spruch zu ihrer Aussage, keine privaten Auskünfte gegeben zu haben. Ihr
Verhalten sei nachvollziehbar, sei sie doch davon ausgegangen, dass die
Frau eine Bekannte des Patienten sei. Auch zur ersten Inhaftierung habe
sie sich einlässlich und weitgehend kohärent geäussert, ohne zu übertrei-
ben, und auch über für den Handlungsstrang nicht erforderliche Details wie
die Blutung und die Bluttransfusion im Spital berichtet. Als sie von der Haft
berichtet habe, habe sie weinen müssen, so dass die Anhörung habe un-
terbrochen werden müssen. In Bezug auf die Personen, die sie verhaftet
hätten, habe sie von Anfang an von zwei Frauen berichtet und es sei die
Befragerin gewesen, die bei der zweiten Anhörung Verwirrung gestiftet
habe, indem diese es nicht geschafft habe, zwischen den Personengrup-
pen (Polizei/Personen in Zivil) zu unterscheiden. Dass sie eventuell nicht
ganz korrekte Bezeichnungen benutzt habe, sei unwesentlich, würden Per-
sonen eines Sicherheitsdiensts doch oft als Polizisten betitelt. Auch die
exakte Beschreibung der Kleidung der Beamten sei nicht als wesentlich zu
erachten. Das SEM sei nicht auf die Kopien der Bürgschaftsurkunde und
der Bestätigung der Bürgschaft durch das (...)gericht eingegangen, obwohl
diese Dokumente ihre Inhaftierung belegen würden. Bezüglich der beim
Gericht anwesenden Leute habe sie bei der Erstbefragung alle Personen,
die zugegen gewesen seien, genannt, währenddessen sie bei der Anhö-
rung vom 4. Februar 2020 angegeben habe, vor wem konkret sie vor Ge-
richt erschienen sei. Dass sie sich an die genaue Lage des Gerichts nicht
erinnern könne, sei nachvollziehbar, sei sie doch von der traumatisieren-
den Situation geschwächt gewesen. Das SEM halte ihr vor, dass ein HIV-
Test direkt nach der Haftentlassung nicht logisch sei, da eine Infektion frü-
hestens nach zehn Tagen nachweisbar wäre, und auch nicht mit ihrer An-
gabe, bei der ersten Festnahme nicht misshandelt worden zu sein, verein-
bar sei. Sie habe aber aufgrund der im Spital erfolgten Bluttransfusion eine
Ansteckung befürchtet. Ihr sei gesagt worden, dass eine HIV-Ansteckung
bereits nach wenigen Tagen feststellbar sei. Sollte dies nicht stimmen,
könne dies nicht zu ihren Ungunsten ausgelegt werden. Auch zur zweiten
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Festnahme habe sie detaillierte Angaben gemacht. Hinsichtlich der Reak-
tion ihrer Mutter liege ein Übersetzungsfehler bei der Befragung vom 6. Ja-
nuar 2020 vor. Es sei absurd, ihr die fehlende Erinnerung vorzuwerfen,
habe sie doch das Bewusstsein verloren gehabt. Aufgrund der (...) sei sie
zum Schluss gelangt, dass sie sexuell missbraucht worden sein müsse.
Angesichts der Beschwerden im (...) habe sie bereits zuvor eine Vermu-
tung gehabt. Die Arztberichte, die keine Zweifel an ihrer Glaubhaftigkeit
äussern würden, würden den Konnex zwischen der Haft und der Gewalt-
erfahrung deutlich machen. Es sei damit zu rechnen, dass sie bei einer
Rückkehr in den Iran erneut verhaftet und sexuell misshandelt würde.
Die Verfolgungsgefahr sei durch die Konversion zum Christentum und ihre
exilpolitischen Aktivitäten noch erhöht. Auf die Hilfe ihrer Familie, in der ihr
religiöser Vater das Sagen habe, werde sie nicht zählen können. Sollte das
Asyl verweigert werden, sei zumindest die Flüchtlingseigenschaft aufgrund
des Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe zu bejahen. Es sei bekannt,
dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer Staatsbürger
im Ausland überwachen würden. Angetrieben durch ihre traumatischen Er-
lebnisse, habe sie sich seit ihrer Anfangszeit in der Schweiz gegen die Ver-
hältnisse im Iran engagiert (unter anderem als aktives Mitglied im [...], [...]
eines Frauenkomitees, Engagement im (...), Demonstrationsteilnahme an-
lässlich des Besuchs des [...] in der Schweiz im [...]). Auch auf ihrem Fa-
cebook-Profil äussere sie regelmässig Kritik. Weiter habe sie im (...) an der
(...) des (...) in H._ eine Rede gehalten, bei der sie die iranische
Politik öffentlich und in Anwesenheit einer iranischen Vertreterin kritisiert
habe. Auch an der (...) im (...) sei sie mit einer Delegation von Oppositio-
nellen offiziell als Teilnehmerin anwesend gewesen. Laut Rechtsprechung
sei davon auszugehen, dass die iranische Regierung an solche Veranstal-
tungen Vertreter schicke, um Regimekritiker zu identifizieren. Personen,
die an solchen Anlässen Kritik am iranischen Regime äussern würden, wür-
den sich deutlich von der breiten Masse der Regimegegner abheben. Auch
bei ihrer Rede, die regimekritisch gewesen sei, sei eine Vertreterin des ira-
nischen Regimes anwesend gewesen. Nachdem sie mit anderen irani-
schen Regimekritikern an den (...) erschienen sei, dürfte sie von den irani-
schen Vertretern wohl als Teil einer Gruppe von Regimegegner identifiziert
worden sein. Zudem habe sie an zwei (...) teilgenommen, so dass es sich
nicht um ein Einzelereignis gehandelt habe. Es sei daher davon auszuge-
hen, dass sie von der iranischen Regierung als ernsthafte Regimegegnerin
identifiziert worden sei. Dies namentlich auch deshalb, weil sie sich auch
sonst beständig und breitenwirksam öffentlich gegen das Regime einge-
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setzt habe, so dass ihr Auftritt vor den (...) auch von den iranischen Behör-
den nicht als kontextlose Einzelaktion angesehen werden dürfte. Auch über
ihre regimekritischen Auftritte beim (...) und ihre Auftritte in Schweizer Mas-
senmedien anlässlich des Besuchs von I._ dürfte sie sich für die
iranischen Behörden verdächtig gemacht haben. Sie laufe mit ihrem Enga-
gement Gefahr, bei einer Rückkehr in den Iran verhaftet und misshandelt
zu werden, umso mehr als sie als alleinstehende und geschiedene Frau
den Behörden schutzlos ausgeliefert und entsprechend gefährdet wäre.
Die Konversion zu einem anderen Glauben sei im Iran nicht erlaubt; die
Abkehr vom Islam könne sogar mit dem Tod bestraft werden. Sie verweise
hierzu auf entsprechende Berichte. Insbesondere zurückkehrende Konver-
titen seien gefährdet, wenn ihre Konversion aufgedeckt werde. Die Gefähr-
dung sei erhöht, wenn sich Personen im Ausland offen oder auf sozialen
Medien über ihren Glauben geäussert hätten. Falls eine Person unentdeckt
bleibe, habe sie nicht die Freiheit, ihren Glauben auszuüben. Sie habe in
C._ Kontakt zu einer (...) Kirche gefunden und sich dort zum Chris-
tentum bekannt. Hierzulande sei sie zunächst in der (...) aktiv gewesen
und habe sich dort am (...) taufen lassen. Die beiliegenden Bilder zeigten,
dass die Taufe für sie eine tiefgreifende Angelegenheit gewesen sei. Inzwi-
schen sei sie vor allem in der näher bei ihrem Wohnort liegenden (...)
J._ aktiv. Sie besuche dort regelmässig Gottesdienste und nehme
an Gemeindeaktivitäten teil. Ihre Hingabe werde von den Gemeindeleitern
bestätigt und sei auch aus zwei Bestätigungsschreiben anderer Gläubiger
erkennbar. Sie sei aber nicht nur im Privaten aktive Christin, sondern habe
sich auch unter ihrem Facebook-Profil und auf einem iranischen Exilsender
öffentlich zu ihrem Glauben geäussert und für diesen geworben. In einem
auf youtube abrufbaren Interview mit einem in die K._ geflohenen
Pastor habe sie sich kritisch über den Islam und die iranische Politik ge-
äussert, von ihren Aktivitäten in der Schweiz berichtet und für den christli-
chen Glauben geworben. Es sei anzunehmen, dass der besagte Pastor
und seine Interviewpartner vom Iran überwacht würden. (...) Christen wür-
den besonders häufig von den iranischen Behörden behelligt und verurteilt.
Vor diesem Hintergrund und verstärkt durch ihre exilpolitischen Tätigkeiten
sei davon auszugehen, dass die heimatlichen Behörden über sie informiert
seien und ein Verfolgungsrisiko bestehe. Das iranische Regime sei beson-
ders gegenüber Frauen repressiv, die sich politisch-religiös und emanzipa-
torisch gegen die islamische Republik Iran wenden würden, wie sie es tue.
Für sie, die in einer religiösen Familie aufgewachsen sei und immer ein
Kopftuch habe tragen müssen, sei die Konversion eine bewegende Sache.
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Sie sei über die mit Schikanen und Belästigungen verbundenen Lebens-
umstände der Frauen im Iran frustriert gewesen und indem sie ihre Frust-
ration öffentlich kundgetan habe, sei sie im Iran besonders gefährdet. Kon-
vertiten würden regelmässig willkürlich verhaftet, verurteilt und misshan-
delt. Auf die Unterstützung oder den Schutz ihrer Familie würde sie nicht
mehr zählen können. Wenn ihr Umfeld anfangs noch nichts von ihrem
Glaubenswechsel gewusst habe, werde dies aufgrund ihrer Facebook-Ein-
träge und öffentlichen Bekundungen, die auch auf Google leicht zu finden
seien, nicht mehr der Fall sein. Ihr Vater, der sehr religiös sei, werde ihr
kaum mehr helfen, und sie habe bei einer Rückkehr mit der Ausgrenzung
durch ihre Familie zu rechnen.
Sollte die Flüchtlingseigenschaft verneint werden, sei zumindest der Weg-
weisungsvollzug als unzumutbar zu erachten. Sie leide unter einer (...) und
sei in (...) und (...) Behandlung. Entsprechende Behandlungen seien im
Iran, wo sexuelle Gewalt tabuisiert werde, nicht vorhanden, so dass sie mit
ihren Leiden auf sich gestellt wäre, was sowohl für sie als auch ihre Tochter,
die von ihrer Betreuung abhängig sei, unzumutbar wäre. Zudem könnte sie
ihren Glauben im Iran nicht leben und hätte mit Diskriminierung, Verhaf-
tung, Misshandlung und willkürlicher Bestrafung zu rechnen. Darüber hin-
aus könnte sie als Konvertitin nicht mehr auf die Unterstützung ihrer Fami-
lie zählen. Insbesondere ihr Vater würde ihren Wandel zu einer modernen
Frau nicht akzeptieren. Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass sie
ihren neuen Glauben vor der breiten Öffentlichkeit verstecken könnte, wäre
dies ihrer Familie gegenüber aufgrund ihrer Facebook-Präsenz nicht mehr
möglich. Sie und ihre Tochter wären mit hoher Wahrscheinlichkeit existen-
tieller Armut ausgesetzt, würde es für sie als Alleinerziehende ohne Betreu-
ungsunterstützung doch praktisch unmöglich sein, eine Stelle zu finden. Es
sei daher auch unter dem Aspekt des Kindswohls geboten, nicht in den Iran
zurückkehren zu müssen, zumal die Tochter hierzulande bestens integriert
sei, die Schule besuche und fliessend Deutsch und Schweizerdeutsch
spreche. Sie aus der für sie nun gewohnten Umgebung herauszureissen,
würde die Tochter schwer treffen. Zudem bestehe aufgrund der Flucht ins
Ausland die Gefahr, dass sie das Sorgerecht für die Tochter verwirkt habe.
Jedenfalls würde es für ihren Ex-Mann und die Behörden ein Leichtes sein,
ihr dieses zu entziehen. Auch sei sie hierzulande gut integriert und dürfte
mit ihrer Ausbildung den Weg ins Arbeitsleben und in die finanzielle Unab-
hängigkeit finden.
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Mit der Beschwerde wurden folgende Beweismittel eingereicht: Fotos der
Taufe, Schreiben (...) vom 13. Mai 2020, undatiertes Schreiben einer Dritt-
person, Schreiben zweier Drittpersonen vom 8. Mai 2020, Screenshot In-
terview mit Pastor (youtube), Facebook-Profil, Auszüge aus 20Minuten/y-
outube und iranischen Medien, Fotos/Facebook-Eintrag zum (...), Schrei-
ben Deutschkursleiter von Mai 2020, Schreiben Schulleiter und Lehrperso-
nen vom 1. Mai 2020.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 25. Mai 2020 den Eingang
der Beschwerde.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Mai 2020 stellte die Instruktionsrichterin
fest, dass die Beschwerdeführerinnen den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten dürfen. Gleichzeitig hiess sie die Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechsverbeistän-
dung gut und ordnete die rubrizierte Rechtsvertreterin den Beschwerdefüh-
rerinnen als unentgeltliche Rechtsbeiständin bei.
F.
Mit Eingaben vom 5. Oktober 2020 und 15. April 2021 reichte die Be-
schwerdeführerin weitere Beweismittel zu exilpolitischen Aktivitäten und
zur Integration in der Schweiz ein.
G.
Am 21. April 2021 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz zur Vernehm-
lassung zur Beschwerde ein.
H.
In seiner Vernehmlassung vom 4. Mai 2021 beantragte das SEM die Ab-
weisung der Beschwerde. Bei den Widersprüchen in den Aussagen der
Beschwerdeführerin handle es sich um sachliche Diskrepanzen, die nicht
durch eine ungenaue Übersetzung erklärbar seien. Zudem gehe aus dem
Protokoll vom 6. Januar 2020 hervor, dass die Beschwerdeführerin durch-
aus in der Lage gewesen sei, die ihr gestellten Fragen zu verstehen und
adäquat zu beantworten. Folglich sei nicht von einem grundsätzlichen Ver-
ständigungsproblem auszugehen. Das Missverständnis betreffend die (...)
habe geklärt werden können. Schliesslich sei der Beschwerdeführerin das
Protokoll am Ende der Befragung nochmals in ihre Sprache übersetzt wor-
den und sie habe den Inhalt mit ihrer Unterschrift bestätigt. Es sei nicht
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ungewöhnlich, dass bei mehreren Befragungen aus Gründen der Verfüg-
barkeit unterschiedliche Dolmetscherinnen eingesetzt würden. Die Heraus-
gabe eines Patientennamens an eine unbekannte Drittperson sei als Be-
kanntgabe privater Informationen zu werten. Nachdem die Beschwerde-
führerin widersprüchliche und ausweichende Angaben gemacht habe,
habe die Befragerin ihr mehrfach Gelegenheit geboten, sich zu den Wider-
sprüchen zu äussern. Von einer unfairen Befragungsweise könne folglich
nicht gesprochen werden. Aus den erstinstanzlichen Akten gehe nicht her-
vor, dass die Beschwerdeführerin den HIV-Test wegen der Angst vor einer
Ansteckung bei der Bluttransfusion veranlasst habe. Dieses Beschwerde-
vorbringen müsse als nachgeschoben gelten. Die Anamnese in Arztberich-
ten beruhe auf den Patientenangaben und es sei nicht Aufgabe der Ärzte-
schaft, die Glaubhaftigkeit solcher Angaben zu beurteilen. Folglich lasse
sich von der Anamnese nicht auf die Glaubhaftigkeit der Angaben einer
Person schliessen. Zwar sei es medizinischem Fachpersonal möglich, ein
Krankheitsbild auf eine Ursache zurückzuführen; beispielsweise sexuelle
Gewalt und deren Auswirkungen. In welcher Situation eine Person diese
Gewalt erlebt habe, lasse sich in der Regel aber nicht ohne weitere Belege
respektive Indizien rekonstruieren. Die eingereichten Beweismittel seien in
der Verfügung vom 21. April 2020 aufgeführt und berücksichtigt worden.
Die Bürgschaft/Kaution und deren Bestätigung durch das (...)gericht lägen
nur in Kopie vor, so dass sich die Authentizität nur bedingt überprüfen
lasse. Der Beweiswert dieser Dokumente sei daher als beschränkt einzu-
stufen. Weitere gerichtliche Unterlagen lägen nicht vor. Ausserdem würden
die diesbezüglichen Angaben der Beschwerdeführerin den Anforderungen
an die Glaubhaftigkeit nicht genügen. Zudem habe sie ihren Aussagen zu-
folge den Iran mit ihrer Tochter auf legalem Weg verlassen, was ihr kaum
möglich gewesen sein dürfte, hätte seitens der iranischen Behörden ein
ernsthaftes Interesse an ihrer Person bestanden. Bei exilpolitischen Aktivi-
täten sei das effektive Engagement ausschlaggebend. Aus den im Be-
schwerdeverfahren eingereichten Beweismitteln gehe hervor, dass die Be-
schwerdeführerin sich für die (...) engagiere, dem Exekutivkomitee ange-
höre, Verantwortliche einer kantonalen Frauengruppe sei und im (...) die
Bewilligung für zwei Kundgebungen beim Sicherheitsdepartement der
Stadt L._ eingeholt habe. Die Dokumente würden die Beteiligung
der Beschwerdeführerin an Standaktionen belegen. Die Teilnehmenden
dieser Standaktionen würden es scheinbar in erster Linie darauf anlegen,
Sichtbarkeit zu erlangen. Ein ernsthaftes politisches Engagement sei zwei-
felhaft. Ungeachtet der fraglichen Motivation für die Teilnahme an den
Standaktionen sei aus den Beweismitteln keine spezielle Exponierung der
Beschwerdeführerin erkennbar. Ferner sei gegen die Beschwerdeführerin
D-2653/2020
Seite 14
in Zusammenhang mit einer Kundgebung gegenüber der iranischen Bot-
schaft am (...) ein Strafbefehl wegen Widerhandlung gegen das Epide-
mien-Gesetz und das Kundgebungsreglement der Stadt M._ ergan-
gen. Es sei nicht bekannt, ob das Personal der iranischen Botschaft von
dieser Aktion Kenntnis erhalten habe. Im Übrigen dürfte dem Botschafts-
personal bekannt sein, dass solche Aktionen oft zur Sicherung eines Auf-
enthaltsrechts in der Schweiz ausgeführt würden. Das Interview mit einem
Pastor sei nicht mehr abrufbar. Der Umstand, dass das Video nach einer
Woche nur 188 Aufrufe verzeichnet habe, lasse auf eine begrenzte Reich-
weite schliessen. Dasselbe gelte auch für das Video des (...), das die Be-
schwerdeführerin beim Vorlesen eines Textes im Rahmen einer Standak-
tion zeige und seit (...) 2018 nur 67 Aufrufe verzeichnet habe. Dem Face-
book-Profil der Beschwerdeführerin seien tatsächlich Beiträge christlichen
Inhalts zu entnehmen. Soweit dies im öffentlichen Profil-Bereich ersichtlich
sei, handle es sich vorwiegend um christliche Bildsymbolik und Zitate aus
religiösen Schriften. Inwiefern sie damit das Interesse der iranischen Be-
hörden auf sich gelenkt habe, sei nicht ersichtlich. Die Taufe habe laut der
Beschwerdeführerin im (...) stattgefunden. Im Schreiben des Gemeinde-
leiters vom 13. Mai 2020 werde hingegen der (...) genannt. Die beigelegten
Schreiben seien als Gefälligkeitsschreiben zu verstehen. Aus diesen gehe
kaum hervor, inwiefern sich die Beschwerdeführerin religiös engagiere. Die
Integration der Beschwerdeführerinnen hierzulande sowie eine allfällige
Diskriminierung im Iran aufgrund des Geschlechts vermöchten nicht gegen
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu sprechen.
I.
Am 7. Mai 2021 stellte die Instruktionsrichterin den Beschwerdeführerin-
nen die Vernehmlassung zu und räumte ihnen Gelegenheit zur Replik ein.
J.
In der innert entsprechend erstreckter Frist am 23. Juni 2021 eingereichten
Replik entgegnete die Beschwerdeführerin im Wesentlichen, dass das
SEM, obwohl es immerhin nicht abstreite, dass sie sexuelle Gewalt erlebt
habe, diesem Element kein Gewicht gebe. Aufgrund der nur spärlichen
Kontakte zur Mutter sei es ihr nicht möglich, die Originale der Beweismittel
(Kaution/Bestätigung) einzuholen. Auch bei Kopien würde es aber am SEM
liegen, die Dokumente zu untersuchen, oder, sollte es von einer Untersu-
chung absehen, den Kopien hinreichend Gewicht beizumessen. Sie sei als
politische Aktivistin zu den (...) des (...) eingeladen worden; eine Ehre, die
nicht jedem zukomme. Die Aufzeichnungen der Sitzungen seien auf (...)-
Webseiten öffentlich einsehbar. Sie setze sich seit Jahren beständig und
D-2653/2020
Seite 15
breitenwirksam öffentlich gegen das iranische Regime ein, so dass ihr Auf-
treten vor dem (...) von den iranischen Behörden nicht als kontextlose Ein-
zelaktion angesehen würde. Angesichts ihrer Auftritte vor dem (...), der
prominenten Erscheinung in Schweizer Medien anlässlich des Besuchs
des (...) und in mehreren iranischen Medien könne nicht von nied-
rigschwelligen Aktivitäten gesprochen werden, die von den iranischen Be-
hörden ignoriert würden. Zudem habe sie mehrfach Proteste organisiert,
Bewilligungen eingeholt und innerhalb der politischen Gruppen Verantwor-
tungspositionen eingenommen. Auch die Demonstration vor der iranischen
Botschaft im (...), die zu einem Polizeieinsatz geführt habe, habe die Auf-
merksamkeit der iranischen Beamten auf sich gezogen. Botschaftsange-
stellte seien sichtbar präsent und ausserhalb der Botschaft aufgestellt ge-
wesen. Sie habe bereits zuvor an solchen Demonstrationen vor der Bot-
schaft teilgenommen und sei auch kürzlich, am (...), wieder dort gewesen,
um gegen das iranische Regime und die nicht nach demokratischen Stan-
dards durchgeführten Wahlen zu protestieren. Auch davon sei auf irani-
schen Kanälen berichtet worden. Es sei daher davon auszugehen, dass
sie als ernsthafte Oppositionelle eingestuft werde, von der iranischen Bot-
schaft observiert und registriert worden sei und deshalb bei einer Rückkehr
in den Iran gefährdet wäre. Die falsche Jahresangabe bezüglich des Tauf-
termins im Schreiben der Gemeindeleiter vom 13. Mai 2020 sei offensicht-
lich ein Versehen. Sollten Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Konversion
bestehen, würden die Gemeindeleitung wie auch der Pastor der Kirchge-
meinde (...) in N._, wo sie ebenfalls Mitglied sei und zurzeit ein Bi-
belstudium besuche, für Auskünfte zur Verfügung stehen. Nachdem sie
sich in Online-Foren öffentlich zu ihrem neuen Glauben bekannt und für
diesen geworben habe, sei nicht ersichtlich, wie eine private und diskrete
Glaubensausübung im Iran noch möglich sein sollte. Es sei davon auszu-
gehen, dass ihr Ex-Mann und dessen Familie von ihrem Wandel zu einer
christlichen, modernen Frau, die das Kopftuch abgelegt habe und öffentlich
für die Rechte der iranischen Frauen einstehe, erfahren hätten und dies
gegen sie verwenden würden. Sie könnte als Konvertitin auch nicht auf
Schutz von Seiten ihrer Familie hoffen. Als alleinstehende, geschiedene
Frau wäre sie den Behörden schutzlos ausgeliefert. Zudem sei sie auf me-
dizinische Betreuung angewiesen, die sie im Iran als mittellose Frau nicht
erhalten würde.
Der Eingabe lag die aktualisierte Kostennote der Rechtsvertreterin bei.
D-2653/2020
Seite 16

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Vorab ist zu prüfen, ob die verfahrensrechtlichen Rügen der Beschwer-
deführerinnen geeignet sind, eine Kassation der angefochtenen Verfügung
herbeizuführen.
3.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26 - 33 VwVG kon-
kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst alle Befugnisse, die
einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu
D-2653/2020
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äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erheblichen Be-
weisanträgen gehört zu werden sowie Einsicht in die Akten zu nehmen. Mit
dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen
tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung ange-
messen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass
die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfech-
ten kann. Die Behörde muss die wesentlichen Überlegungen nennen, von
denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht
erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung mit allen Parteistand-
punkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-
drücklich erwähnt oder widerlegt. Somit darf sich die Vorinstanz bei der
Begründung der Verfügung auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-
sichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich ausdrücklich mit je-
der tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen (vgl. BGE 136 I
184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
3.3 Die Beschwerdeführerin monierte, die Leistung der Übersetzerin bei
der Anhörung vom 6. Januar 2020 sei mangelhaft gewesen. Dadurch sei
ihr rechtliches Gehör verletzt worden. Aus den Akten ergibt sich, dass die
Beschwerdeführerin zu Beginn der Befragung vom 6. Januar 2020 zu Pro-
tokoll gab, die Übersetzerin gut zu verstehen (vgl. A34 S. 2). Im Rahmen
der Rückübersetzung des Protokolls wurden nur vier kleine Korrekturen
(vgl. A34 S. 2, 4 und 12) und von der Beschwerdeführerin eine Anmerkung
angebracht (vgl. A34 S. 17 zu F101). Nach der nochmaligen Rücküberset-
zung bestätigte sie unterschriftlich, dass das Protokoll ihren Aussagen ent-
spreche (vgl. A34 S. 17). Konkrete Anhaltspunkte für wesentliche Verstän-
digungsprobleme respektive für eine Gehörsverletzung begründende gra-
vierende Fehlleistung der Übersetzerin liegen nicht vor. Die Anhörung vom
6. Januar 2020 wurde infolge fortgeschrittener Zeit abgebrochen (vgl. A34
S. 16) und am 4. Februar 2020 weitergeführt (vgl. A37). Hinweise dafür,
dass für die Fortsetzung der Anhörung wegen Übersetzungsmängeln eine
andere Dolmetscherin beigezogen wurde, ergeben sich aus den Akten
nicht. Die Beschwerdeführerin wurde im vorinstanzlichen Verfahren vier
Mal befragt und sie konnte ihre Asylgründe in diesem Rahmen umfassend
darlegen.
3.4 Des Weiteren rügte die Beschwerdeführerin, das SEM habe die im Zu-
sammenhang mit der Bürgschaft/Kaution bei der ersten Haftentlassung
vorgelegten Beweismittel nicht berücksichtigt. Diesbezüglich ist festzustel-
len, dass das SEM die besagten Beweismittel entgegengenommen (vgl.
A36) und in der angefochtenen Verfügung erwähnt hat (vgl. S. 3 Ziff. 6 der
D-2653/2020
Seite 18
Verfügung vom 21. April 2020). Auch wenn es in den Erwägungen keine
weiteren (expliziten) Ausführungen dazu gemacht hat, darf davon ausge-
gangen werden, dass es die in der Verfügung aufgeführten Dokumente bei
seinem Entscheid (implizit) berücksichtigt hat. Zudem ist hinsichtlich der
Würdigung auf die Ausführungen des SEM in seiner Vernehmlassung vom
4. Mai 2021 hinzuweisen, mit denen es dargelegt hat, weshalb es der Auf-
fassung sei, dass die besagten Dokumentkopien an seiner Einschätzung,
dass die Fluchtvorbringen der Beschwerdeführerin unglaubhaft seien,
nichts zu ändern vermöchten. Eine Nichtbeachtung entscheidwesentlicher
Beweismittel ist somit nicht gegeben. Dass das SEM den Sachverhalt im
Zeitpunkt des Asylentscheids als erstellt erachtet hat, ist nicht zu beanstan-
den. Ob seiner Einschätzung zu folgen ist, ist nachfolgend Gegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Da sodann die implizite Würdigung
der besagten Beweismittel durch die Vorinstanz nicht zu beanstanden ist,
ist auch der Antrag auf fachkundige Begutachtung dieser Dokumente (vgl.
Beschwerde S. 11) abzuweisen.
3.5 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der entsprechende (Eventual-)Antrag um Rück-
weisung ist daher abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen
konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
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Seite 19
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Mass-
geblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im
Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu
dienen, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern be-
zweckt, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4
E. 5.4).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine
Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-
tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-
ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2).
5.
5.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
dass die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Vorfluchtgründe
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu begründen ver-
möchten. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten
zum Schluss, dass dieser Einschätzung im Ergebnis beizupflichten ist (vgl.
die nachfolgenden Ausführungen).
5.2 Das SEM erachtete die fluchtauslösenden Vorbringen der Beschwer-
deführerin, wonach sie nach nicht fachgerechter Behandlung von zwei Ge-
fängnisinsassen in der (...) ihres Arbeitgebers einer ihr unbekannten Frau
geraten habe, ein Patient/Gefängnisinsasse solle nicht mehr in die Praxis
kommen, zwei Mal festgenommen und befragt worden sei, als den Anfor-
derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügend. In
der Tat vermögen die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdefüh-
rerin nicht in einem für die Glaubhaftigkeit genügenden Mass zu überzeu-
gen. Ihre Angaben vermitteln kein stimmiges Bild, sondern weisen erhebli-
che Widersprüche und Ungereimtheiten auf. Die vom SEM geäusserten
Zweifel an den betreffenden Schilderungen der Beschwerdeführerin sind
berechtigt. Die Beschwerdeführerin vermag mit ihren Vorbringen und den
eingereichten Beweismitteln nicht nachzuweisen oder zumindest glaubhaft
zu machen, dass sie von den heimatlichen Behörden in der geschilderten
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Seite 20
Weise wegen des aufgrund der herausgegebenen Patientendaten aufge-
kommenen Verdachts der Gefährdung der nationalen Sicherheit und Ver-
letzung des Arztgeheimnisses verfolgt worden sei. Die Darlegung des An-
lasses, der die Verfolgung ausgelöst habe, vermag nicht zu überzeugen.
Es ist kaum nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin als erfahrene
(...) einer ihr gänzlich unbekannten Frau ohne jegliches Nachfragen nach
dem Grund der Erkundigung und der Beziehung zu der betreffenden Per-
son Patientendaten herausgegeben haben soll. Ihr Einwand, dass sie
keine privaten Auskünfte gegeben habe, steht in klarem Widerspruch zu
ihrer Aussage, der Frau den Namen des betreffenden Patienten genannt
zu haben; bei den Personalien von Patienten handelt es sich fraglos um
private Daten. Allein die Angabe der Beschwerdeführerin, sie habe ange-
nommen, dass es sich bei der Frau um eine Bekannte des Patienten ge-
handelt habe, vermag ihr Handeln nicht nachvollziehbar zu machen, habe
sie bei Anfragen von Drittpersonen sonst doch jeweils gefragt, in welcher
Beziehung diese zu den Patienten stehen würden (vgl. A37 S. 11 F76), und
es ist nicht ersichtlich, weshalb sie dies bei der besagten Frau unterlassen
haben sollte, umso mehr als es sich bei dem Patienten um einen Gefäng-
nisinsassen gehandelt habe. Unklar ist im Weiteren, wie ihr Arbeitgeber
von der Datenherausgabe erfahren haben soll, habe die Beschwerdefüh-
rerin ihren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom 22. Mai 2020 zu-
folge dem (...) doch gesagt, dass sich die Frau nach einer Person erkundigt
habe, die nicht Patient bei ihnen gewesen sei. Die als erheblich zu bezeich-
nenden Widersprüche in den Schilderungen der Mitnahmen vermag die
Beschwerdeführerin mit ihren Ausführungen auf Beschwerdeebene nicht
aufzulösen. Ob und unter welchen Umständen es Insassen des (...)-Ge-
fängnisses überhaupt möglich ist, eine (...) Behandlung ausserhalb des
Gefängnisses in Anspruch zu nehmen, kann offenbleiben. Das SEM
schloss sodann nicht aus, dass die Beschwerdeführerin sexuelle Gewalt
erlebt hat. Es folgerte aber zu Recht, dass an dem von der Beschwerde-
führerin geltend gemachten Kontext, wonach der sexuelle Übergriff im
Rahmen der zweiten Festhaltung, bei der sie ohnmächtig geworden sei,
erfolgt sein müsse, ernsthafte Zweifel bestehen. Laut ärztlichem Bericht
vom 18. Dezember 2016 fand der (...) am (...) in der (...) statt (vgl. A14
Beweismittel 5). Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin sei sie
aber erst zwei Monate nach der Freilassung durch das (...)gericht, welche
am 17. September 2016 (vgl. A34 S. 15 letzter Absatz) respektive 18. Sep-
tember 2016 (vgl. A37 S. 20 F134) erfolgt sei, wieder festgenommen wor-
den (vgl. A15 S. 11). Ihre Aussagen zu der zweiten Festhaltung sind des
Weiteren auch nicht mit dem Visumsverfahren vereinbar, wurde doch be-
reits am (...) bei der (...) Botschaft in Teheran unter Vorlage eines am (...)
D-2653/2020
Seite 21
durch die iranischen Behörden ausgestellten Reisepasses ein Gesuch um
Ausstellung eines Touristenvisums von der Beschwerdeführerin gestellt.
Am (...) wurde ihr das beantragte Visum ausgestellt mit einer Gültigkeits-
dauer vom (...) bis (...). Gemäss ihren Angaben ist die Beschwerdeführerin
am (...) – Ankunft am Flughafen L._ effektiv am (...) – mit dem auf
ihren Namen lautenden Pass auf dem Luftweg aus dem Iran ausgereist,
ohne bei der Ausreise Probleme zu gewärtigen. Hätten die iranischen Be-
hörden im Ausreisezeitpunkt tatsächlich ein Verfolgungsinteresse gehabt,
wäre dies kaum möglich gewesen. Das Verlassen des Landes mit eigenen
Reisedokumenten via den streng kontrollierten Flughafen Teheran spricht
dagegen, dass gegen die Beschwerdeführerin im damaligen Zeitpunkt et-
was vorgelegen respektive sie behördlich gesucht worden wäre, und weder
aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin noch aus den vorgelegten
Beweismitteln ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass ihr im Zeit-
punkt der Ausreise im (...) 2016 in absehbarer Zeit und mit erheblicher
Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen
seitens der iranischen Behörden oder ihres Ex-Mannes gedroht hätten.
5.3 Nach dem Gesagten ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen,
eine im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus dem Iran im (...) 2016 bestehende
Verfolgung durch die heimatlichen Behörden oder Drittpersonen respektive
eine ihr damals mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit unmittelbar drohende
flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Im Ausreisezeitpunkt erfüllte sie die Flüchtlingsei-
genschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Es erübrigt sich, auf die diesbezügli-
chen weiteren Ausführungen in den Rechtsmitteleingaben näher einzuge-
hen, da sie an der vorliegenden Würdigung des Sachverhalts nichts zu än-
dern vermögen.
6.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin die Flüchtlingsei-
genschaft aufgrund des Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe erfüllt.
Sie machte geltend, sie sei zum Christentum konvertiert und exilpolitisch
aktiv und müsse deshalb bei einer Rückkehr in den Iran mit flüchtlings-
rechtlich relevanter Verfolgung rechnen.
6.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimatland eine Gefährdungssituation geschaffen worden sei,
macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG
geltend. Solche begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, führen aber zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie
D-2653/2020
Seite 22
missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen
werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder
glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.1). Massgeblich ist, ob die heimatlichen Behörden das
Verhalten der asylsuchenden Person als staatsfeindlich einstufen und
diese deswegen bei der Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung ge-
mäss Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen
an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und Art. 7
AsylG).
6.2 Die Menschenrechtssituation im Iran muss schon seit geraumer Zeit in
genereller Hinsicht als schlecht bezeichnet werden, insbesondere bezüg-
lich der Wahrung der politischen Rechte und der Meinungsäusserungsfrei-
heit. Jegliche Kritik am System der Islamischen Republik und an deren
Würdenträgern ist tabu. Die politische Betätigung für staatsfeindliche Or-
ganisationen im Ausland ist im Iran unter Strafe gestellt. Einschlägigen Be-
richten zufolge wurden in der Vergangenheit Personen verhaftet, angeklagt
und verurteilt, die sich unter anderem im Internet kritisch zum iranischen
Staat geäussert hatten. Es ist bekannt, dass die iranischen Behörden die
politischen Aktivitäten ihrer Staatsbürger auch im Ausland überwachen und
erfassen. Mittels Einsatzes moderner Software dürfte es den iranischen
Behörden auch möglich sein, die im Internet vorhandenen grossen Daten-
mengen gezielt und umfassend zu überwachen. Es ist im Einzelfall zu prü-
fen, ob die Aktivitäten einer asylsuchenden Person bei einer allfälligen
Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte
Nachteile im flüchtlingsrechtlichen Sinn nach sich ziehen. Dabei ist davon
auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung
von Personen konzentrieren, die über die massentypischen, niedrigprofi-
lierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen aus-
geübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, welche die jeweiligen
Personen aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausste-
chen und als ernsthafte und gefährliche Regimegegner erscheinen lassen.
Zu einem gewissen Mass darf zudem davon ausgegangen werden, dass
die iranischen Sicherheitsbehörden zwischen tatsächlich politisch enga-
gierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster
Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen, unter-
scheiden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3; Urteile des BVGer D-830/2016 vom
20. Juli 2016 E. 4.2 und E-5292/2014 vom 25. Februar 2016 E. 7.4 m.w.H).
6.3 Allein der Übertritt zu einer anderen Glaubensrichtung führt im Iran
grundsätzlich noch nicht zu einer (individuellen) staatlichen Verfolgung
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Seite 23
(vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3). Eine christliche Glaubensausübung vermag
gegebenenfalls dann flüchtlingsrechtlich relevante Massnahmen auszulö-
sen, wenn sie in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aussen praktiziert
wird und im Einzelfall davon ausgegangen werden muss, dass das heimat-
liche Umfeld von einer solchen, allenfalls gar missionierende Züge anneh-
menden Glaubensausübung erfährt und die asylsuchende Person denun-
ziert. Eine Verfolgung durch den iranischen Staat kommt somit dann zum
Tragen, wenn der Glaubenswechsel bekannt wird und zugleich Aktivitäten
des Konvertiten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat ange-
sehen werden. Bei Konversionen im Ausland muss daher bei der Prüfung
im Einzelfall neben der Glaubhaftigkeit der Konversion auch das Ausmass
der öffentlichen Bekanntheit für die betroffene Person in Betracht gezogen
werden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.4 f.; Urteile des BVGer D-2496/2018
vom 22. Mai 2018 E. 5.5, D-7222/2013 vom 31. Oktober 2014 E. 6.5).
6.4 Die Beschwerdeführerin brachte vor, sie habe in C._ Anschluss
an die (...) Kirche gefunden und sich hierzulande im (...) taufen lassen. Sie
besuche regelmässig Gottesdienste, nehme an Gemeindeaktivitäten teil,
widme sich dem Bibelstudium und äussere sich auf Facebook wie auch in
einem iranischen Exilsender zu ihrem neuen Glauben und werbe für die-
sen. Das SEM brachte zwar einen Vorbehalt an der Ernsthaftigkeit des
Glaubenswechsels an, stellte aber nicht grundsätzlich in Frage, dass die
Beschwerdeführerin sich hierzulande in dem besagten christlichen Umfeld
bewegt und in den sozialen Medien auf öffentlich einsehbaren Bereichen
Beiträge christlichen Inhalts veröffentlicht. Für das Bundesverwaltungsge-
richt kann die vorgebrachte Zuwendung der Beschwerdeführerin zum
Christentum und die Ausübung des neuen Glaubens aufgrund der Akten-
lage als erstellt erachtet werden. In Bezug auf die vorgebrachten exilpoliti-
schen Aktivitäten ist unter Berücksichtigung der eingereichten Beweismittel
festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ihre persönliche Abneigung ge-
gen das iranische Regime in verschiedener Weise und öffentlich erkennbar
zum Ausdruck bringt. Sie ist nicht nur als Teilnehmerin an Standaktionen
zugegen, sondern zeichnet teilweise gegenüber den Behörden selber als
Organisatorin von Anlässen verantwortlich und tritt persönlich auf. Auch
wenn bei isolierter Betrachtung der einzelnen Aktionen der Exponierungs-
grad nicht übermässig erscheint, ist bezüglich einer möglichen Gefährdung
der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in den Iran zu beachten, dass
sie im Jahr (...) an zwei (...) des (...) in H._ teilgenommen und in
diesem Rahmen selbst eine Rede gehalten hat. Gemäss Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts ist davon auszugehen, dass die iranische
Regierung an Veranstaltungen im Rahmen der (...) des (...) Vertreter
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Seite 24
schickt, um allfällige Regimekritiker zu identifizieren. Personen, die an sol-
chen Anlässen Kritik am iranischen Regime äussern, exponieren sich des-
halb in erheblichem Masse und heben sich damit deutlich von der breiten
Masse von Regimegegnern ab (vgl. Urteile des BVGer E-3033/2016 vom
19. Dezember 2019 E. 6.3, D-474/2016 vom 10. Juli 2018 E. 6.5.3,
E-5863/2016 vom 12. Oktober 2018 E. 5.5 und E-921/2017 vom 13. De-
zember 2018 E. 6.6). Das SEM stellte nicht in Frage, dass eine iranische
Vertreterin der Rede der Beschwerdeführerin beigewohnt hat. Es ist denn
auch mit erheblicher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Be-
schwerdeführerin damit ins Blickfeld der iranischen Überwachungsbehör-
den geraten ist und ihr anhaltendes Engagement fortan weiterverfolgt
wurde. Nachdem die Beschwerdeführerin auch auf der Webseite des (...)
namentlich und mit Foto und Telefonnummer aufgeführt ist und in verschie-
denen Medien Fotos von ihr bei regimekritischen Veranstaltungen zu fin-
den sind, erachtet es das Bundesverwaltungsgericht als höchst wahr-
scheinlich, dass sie den iranischen Behörden namentlich bekannt gewor-
den ist und deren Interesse auf sich gezogen hat. Damit dürfte den irani-
schen Behörden auch das Bekenntnis der Beschwerdeführerin zum christ-
lichen Glauben, das bereits im öffentlich einsehbaren Bereich ihres Face-
book-Profils erkennbar ist, nicht verborgen bleiben, was das Gefährdungs-
potential noch zusätzlich erhöhen dürfte. Auch wenn nicht davon auszuge-
hen ist, dass der Beschwerdeführerin innerhalb der Gemeinschaft der po-
litisch aktiven Exiliraner eine herausragende Führungsposition zukommt,
ist aufgrund der Aktenlage bei einer Gesamtbetrachtung doch festzustel-
len, dass damit gerechnet werden muss, dass sie den iranischen Überwa-
chungsbehörden mit ihren exilpolitischen und damit auch den religiösen
Aktivitäten aufgefallen ist und im Falle ihrer Rückkehr in den Iran einer ein-
gehenden Befragung und Überprüfung unterzogen würde. Angesichts der
Aktenlage ist es objektiv nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin be-
fürchtet, sie könnte bei einer Rückkehr in den Heimatstaat einer Behand-
lung ausgesetzt werden, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkäme.
6.5 Die Beschwerdeführerin erfüllt damit die Flüchtlingseigenschaft ge-
mäss Art. 3 AsylG unter dem Aspekt subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54
AsylG). Hingegen schliesst Art. 54 AsylG die Gewährung von Asyl aus (vgl.
dazu bereits vorstehend E. 6.1). Im Ergebnis hat das SEM das Asylgesuch
damit zu Recht abgelehnt.
6.6 Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass eigene Asylgründe
der Tochter der Beschwerdeführerin weder geltend gemacht wurden noch
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ersichtlich sind, weshalb keine Veranlassung für weitere Abklärungen, ins-
besondere eine diesbezügliche Anhörung der zwischenzeitlich (...)-jähri-
gen Tochter, besteht.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art.
44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H).
8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.1 Die Wegweisungsvollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbar-
keit, Unmöglichkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2-4 AIG) sind alternativer Natur: Ist ei-
nes von ihnen erfüllt, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar
zu erachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Best-
immungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51
E. 5.4).
8.2 Vorliegend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerdeführerin eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnte und die Flüchtlingseigen-
schaft erfüllt. Der Vollzug der Wegweisung in den Iran erweist sich daher
wegen drohender Verletzung des flüchtlingsrechtlichen Gebots des Non-
Refoulements (Art. 5 AsylG; Art. 33 Abs. 1 FK) sowie mit Blick auf Art. 3
EMRK als unzulässig im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AIG. Die Beschwerde-
führerin ist folglich in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Die minderjäh-
rige Tochter ist in den Flüchtlingsstatus der Mutter einzubeziehen und somit
ebenfalls als Flüchtling infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig aufzunehmen (Art. 51 Abs. 1 AsylG).
9.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit damit die Ge-
währung von Asyl beantragt wurde. Hingegen ist die Beschwerde insoweit
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gutzuheissen, als die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführerinnen und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme als
Flüchtlinge beantragt wurde. Die weiteren Eventualanträge sind damit ge-
genstandslos geworden, weshalb darauf respektive auf deren Begründung
nicht mehr näher einzugehen ist. Die vorinstanzliche Verfügung vom
21. April 2020 ist demnach aufzuheben, soweit damit die Flüchtlingseigen-
schaft verneint und der Vollzug der Wegweisung angeordnet wurde (Dis-
positivziffern 1, 4, 5 und 6), und das SEM ist anzuweisen, die Beschwer-
deführerinnen als Flüchtlinge infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zugs vorläufig aufzunehmen.
10.
10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen der beschwerde-
führenden Person aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen.
10.2 Beim vorliegenden Verfahrensausgang ist von einem teilweisen Ob-
siegen der Beschwerdeführerinnen auszugehen. Ihnen wäre nach dem
Grad des Durchdringens praxisgemäss ein Drittel der Verfahrenskosten
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem ihnen aber die un-
entgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde,
ist von der Kostenerhebung abzusehen, zumal nicht ersichtlich ist, dass die
Beschwerdeführerinnen nicht mehr prozessual bedürftig wären.
10.3 Im Umfang des Obsiegens zu zwei Dritteln ist den Beschwerdeführe-
rinnen zu Lasten der Vorinstanz eine entsprechend reduzierte Entschädi-
gung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen. Die
Rechtsvertreterin reichte mit der Replik vom 23. Juni 2021 ihre vom selben
Tag datierende Kostennote ein. Sie bezifferte den zeitlichen Aufwand mit
23.7 Stunden und beantragte einen Stundenansatz von Fr. 220.–. Zudem
machte sie Auslagen von Fr. 81.50 geltend und wies auf die bestehende
Mehrwertsteuerpflicht hin. Der zeitliche Aufwand scheint gerade noch an-
gemessen. Aufgrund des teilweisen Obsiegens der Beschwerdeführerin-
nen hat die Vorinstanz eine praxisgemäss um einen Drittel reduzierte Ent-
schädigung zu entrichten. Die Parteientschädigung, die durch das SEM zu
vergüten ist, somit auf Fr. 3802.15 (inkl. zwei Drittel der Auslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
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10.4 Soweit die Beschwerdeführerinnen im Beschwerdeverfahren unterle-
gen sind, ist die amtliche Rechtsvertretung durch das Bundesverwaltungs-
gericht zu entschädigen. Bei der Bemessung des Honorars wird nur der
notwendige Aufwand entschädigt (vgl. Art. 8 VGKE), und die Rechtsvertre-
tung wurde vom Gericht in der Ernennungsverfügung vom 29. Mai 2020
über die in der Regel angewendeten Stundenansätze informiert.
Der von der Rechtsvertreterin in der Kostennote vom 23. Juni 2021 aufge-
führte zeitliche Aufwand scheint – wie bereits festgestellt (vgl. E. 10.3) –
angemessen, und der Stundenansatz entspricht dem in der Verfügung vom
29. Mai 2020 genannten Rahmen. Das amtliche Honorar ist somit vorlie-
gend auf Fr. 1901.10 (inkl. ein Drittel der Auslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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