Decision ID: a3270928-9f08-513f-a5ed-3eba43b3f61f
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
E._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Helsana Unfall AG, Postfach, 8081 Zürich Helsana,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen (natürlicher Kausalzusammenhang)
Sachverhalt:
A.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.a E._, geb. 1950, war seit September 2007 bei A._ als Raumpflegerin tätig und
dadurch bei der Helsana Unfall AG, Zürich (nachfolgend Helsana), obligatorisch gegen
Unfälle versichert. Am 14. November 2007 stürzte sie während eines Treppenaufstiegs
und schlug dabei mit dem Knie auf einer Treppenkante auf. Die Bagatellunfall-Meldung
erfolgte am 19. Juni 2008 und die Schadenmeldung am 18. September 2008 (UV-act. K
1, 5). Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin FMH, bestätigte im Arztzeugnis vom
22. September 2008, dass er am 23. April 2008 eine Erstbehandlung durchgeführt und
eine chronische Bursitis praepatellaris rechts sowie ein chronisches posttraumatisches
femoro-patellares Schmerzsyndrom rechts diagnostiziert habe (UV-act. M 1). Im
Bericht vom 24. März 2009 erwähnte er, dass die Versicherte bereits bei der ersten
Konsultation im April 2008 über Schmerzen und eine Schwellung im Handbereich
rechts, insbesondere Daumengrundgelenk rechts, geklagt habe. Ein Unfallereignis sei
seitens der Versicherten hierfür jedoch nicht angegeben worden. Dr. B._
interpretierte die Beschwerden als eine Entzündung im Sattelgelenk rechts sowie eine
umgebende Tendovaginitis. Therapeutisch sei eine intraartikuläre Injektion
durchgeführt worden. Ausserdem habe die Versicherte eine Handgelenkschiene
erhalten. Anlässlich der Kontrollen vom 29. April und 10. Juni 2008 sei dann von der
Versicherten eine leichte Besserung der Schmerzen im Handgelenk angegeben
worden, jedoch keine Beschwerdefreiheit (UV-act. M 12). Mit Schreiben vom 6. Juli
2009 teilte Dr. B._ dem Versicherer mit, dass die Versicherte letztmals am 22. August
2008 bei ihm in der Sprechstunde war (UV-act. M 14). Für die weitere Behandlung
überwies er sie an Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH (UV-act.
M 9, 12).
A.b Dr. C._ attestierte der Versicherten für den Zeitraum vom 21. August 2008 bis
13. Oktober 2008 eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 100 % (UV-act. M 5). Im
Bericht vom 19. November 2008 erwähnte er, dass die Versicherte anlässlich einer
Verlaufskontrolle am 27. Oktober 2008 betreffend die Knieverletzung über
posttraumatische Schmerzen im rechten Handgelenk geklagt habe, die auf einen Sturz
im April 2007 zurückzuführen seien. Zum Zeitpunkt des Unfalls sei jedoch keine
Abklärung der Handgelenkschmerzen erfolgt. Die Röntgenuntersuchung des rechten
Handgelenks habe ergeben, dass der Processus styloideus ulnae eine etwas
unregelmässige Knochenstruktur zeige und auch ein wenig verdickt sei. Ansonsten
seien ein normaler Gelenkspalt und ein normaler Carpus dargestellt (UV-act. M 7). Im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arztzeugnis vom 11. März 2009 äusserte Dr. C._ im Zusammenhang mit dem
Unfallereignis vom 14. November 2007 den Verdacht einer posttraumatischen
Carpusarthrose rechts. Das Handgelenk sei leicht angeschwollen. Die Beschwerden
seien von der Versicherten erst nachträglich beklagt worden. Ausserdem lehne die
Versicherte die empfohlene Infiltration der rechten Mittelhand ab. Der
Behandlungsabschluss sei am 28. Januar 2009 erfolgt (UV-act. M 11).
A.c Der beratende Arzt des Versicherers, Dr. med. D._, Praktischer Arzt FMH mit
Fachausweisen als Vertrauensarzt FMH und für manuelle Medizin FMH, hielt in seiner
Stellungnahme vom 5. Dezember 2008 fest, dass die Versicherte mit dem Unfall vom
14. November 2007 ein geeignetes Ereignis erlitten habe, um allenfalls einen
Vorzustand an der Kniescheibe traumatisieren zu können. Die primäre Übernahme sei
gerechtfertigt. Bezüglich der Schmerzen im rechten Handgelenk äusserte sich der
beratende Arzt dahingehend, dass ein Zusammenhang mit dem Unfallereignis lediglich
als möglich bezeichnet werden könne (UV-act. M 8).
A.d Die Helsana teilte der Versicherten mit Verfügung vom 19. Januar 2009 unter
anderem mit, dass der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den aktuell
vorliegenden Schmerzen im rechten Handgelenk und dem Ereignis im April 2007 nur
als möglich bezeichnet werden könne. Die bestehenden gesundheitlichen
Beeinträchtigungen würden deshalb auf unfallfremde Faktoren zurückgeführt. Die
Heilbehandlung für das rechte Handgelenk werde nicht übernommen (UV-act. K 21).
B.
Mit Schreiben vom 12. Februar 2009 erhob die Versicherte Einsprache gegen die
Verfügung vom 19. Januar 2009. Sie wies darauf hin, dass Dr. C._ nochmals drei
Röntgenbilder angefertigt habe (UV-act. K 24). Mit Einspracheentscheid vom 13. Mai
2009 wies die Helsana die Einsprache ab (UV-act. K 29).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid erhob die Versicherte am 9. Juni / 13. Juli 2009
Beschwerde mit dem Antrag, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die
Handverletzung als Unfall zu anerkennen und allfällige Behandlungs- und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsausfallkosten zu übernehmen, da ein Zusammenhang zwischen dem Unfall vom
14. November 2007 und den Handbeschwerden gegeben sei. Zur Begründung führte
sie unter anderem aus, dass sie sofort nach dem Sturz heftige Schmerzen im rechten
Handgelenk und in der Kniescheibe gehabt habe. Da diese nur kurz angedauert und
nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt hätten, habe sie damals auf einen Arztbesuch
und eine Unfallmeldung verzichtet. Erst im April 2008 als die Schmerzen am
Handgelenk und an der Kniescheibe unerträglich geworden seien, habe sie einen Arzt
konsultiert und die Unfallmeldung nachgeholt. Weil der folgende Arbeitsunterbruch
primär auf die Kniebeschwerden zurückzuführen gewesen sei, habe man sich damals
aufs Knie fokussiert und die Hand in der Unfallmeldung vorerst nicht erwähnt. Aufgrund
der in der Folge immer stärker werdenden Schmerzen habe sie diverse Fachärzte
konsultiert, wie z.B. Dr. med. F._, Facharzt für Chirurgie FMH. Diese Ärzte sähen
einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden in der Hand und dem Unfall vom
14. November 2007. Schliesslich erwähnte die Beschwerdeführerin, dass sie vor dem
Unfall betreffend das Handgelenk beschwerdefrei gewesen sei (act. G 3).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 8. September 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Zur
Begründung verwies sie auf die Darlegungen im angefochtenen Einspracheentscheid
und führte unter anderem aus, dass die Sturzfolgen bagatellär gewesen sein müssten,
da die Beschwerdeführerin nur kurze Zeit Beschwerden hatte und sie auch keinen Arzt
aufgesucht habe. Es sei zwar möglich, dass sich Arthrosen und dergleichen als
posttraumatische Spätfolgen aus unfallverursachten Verletzungen ausbildeten, doch
würden derartige Entwicklungen einige Jahre benötigen und nicht bloss fünf Monate.
Weiter könne die Beschwerdeführerin aus der Beschwerdefreiheit vor dem Unfall nichts
herleiten. Zudem sprächen die Diagnose einer Entzündung im Sattelgelenk und einer
umgebenden Tendovaginitis für ein rein entzündliches, krankhaftes Geschehen. Auch
sei ein natürlicher Kausalzusammenhang gemäss Stellungnahme vom 5. Dezember
2008 des beratenden Arztes nur "möglich", aber nicht "überwiegend wahrscheinlich".
Schliesslich sei die Beschwerdeführerin erst seit 19. September 2007 bei der
Beschwerdegegnerin versichert. Daher sei auf die Beschwerde nicht einzutreten, falls
die Handbeschwerden auf einen Sturz vom April 2007 zurückzuführen seien, wie dies
Dr. C._ im Bericht vom 19. November 2008 ausgeführt habe (act. G 5).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.c Mit Replik vom 5. Oktober 2009 präzisierte die Beschwerdeführerin den
Sachverhalt dahingehend, dass die Schmerzen im Handgelenk auf den Unfall vom
14. November 2007 zurückzuführen seien und nicht auf denjenigen im April 2007.
Ausserdem erwähnte sie nochmals, dass sie vor dem Unfallereignis bezüglich des
Handgelenks nie Schmerzen gehabt hätte. Zudem sei bereits bei der ersten
Arztkonsultation vom 23. April 2008 eine Behandlung der Hand erfolgt und nicht erst im
November 2008, wie dies die Beschwerdegegnerin festhalte. Die Behandlung sei
damals von Dr. B._ der Krankenkasse zugeordnet worden. Bei der erstmaligen
Konsultation von Dr. C._ Ende August 2008 habe dieser von den Handbeschwerden
lediglich kurz Notiz genommen, sei jedoch nicht weiter darauf eingegangen, da das
Hauptaugenmerk damals der Kniebehandlung gegolten habe (act. G 7).
C.d Mit Schreiben vom 20. Oktober 2009 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
eine ausführliche Duplik und hielt am Antrag gemäss Beschwerdeantwort fest.
Zusätzlich hob sie nochmals hervor, dass bereits der erstbehandelnde Arzt die
Beschwerden einem krankhaften Geschehen zugeordnet habe und nicht einem
Unfallereignis. Daher habe er die Behandlung zulasten des Krankenversicherers
abgewickelt (act. G 9).
C.e Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt
der übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin erlitt durch einen Sturz am 14. November 2007 eine
Verletzung am rechten Knie (chronische Bursitis praepatellaris sowie ein chronisches
posttraumatisches femoro-patellares Schmerzsyndrom). Die Beschwerdegegnerin
anerkannte ihre Leistungspflicht für dieses unbestrittenermassen als Unfall geltende
Ereignis. Streitig bleibt, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden im rechten Handgelenk und dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unfallereignis vom 14. November 2007 verneint und deshalb keine
Versicherungsleistungen erbringt.
1.2 Eventualiter beantragt die Beschwerdegegnerin, dass auf die Beschwerde nicht
einzutreten sei, falls die Schmerzen im Handgelenk auf einen Unfall vom April 2007
zurückzuführen seien, da zu diesem Zeitpunkt mit der Beschwerdeführerin noch kein
Versicherungsverhältnis bestanden habe. Dieser Aspekt ist vorab zu prüfen:
1.3 Im ärztlichen Bericht vom 19. November 2008 erwähnte Dr. C._, dass die
Beschwerdeführerin über posttraumatische Schmerzen im rechten Handgelenk geklagt
habe, die angeblich auf einem Sturz im April 2007 zurückzuführen seien (UV-act. M 7).
In den Zeugnissen vom 11. März 2009 und 23. Juni 2009 hingegen bezog er sich dann
betreffend die Handbeschwerden nur noch auf das Unfallereignis vom 14. November
2007 (UV-act. M 11, 13). Auch gemäss Interpretation des beratenden Arztes handelt es
sich beim Unfalldatum um den 14. November 2007 (UV-act. M 8). Schliesslich
präzisierte die Beschwerdeführerin in der Replik den Sachverhalt dahingehend, dass
die Beschwerden im Handgelenk auf den Unfall vom 14. November 2007 zu beziehen
seien, da sie unmittelbar danach starke Schmerzen verspürt habe (act. G 7). Sie
äusserte sich diesbezüglich bereits in einem Schreiben an die Beschwerdegegnerin
vom 9. Juni 2009 und in der Beschwerde vom 13. Juli 2009 (UV-act. K 33, 38).
Aufgrund der Arztberichte und der Aussage der Beschwerdeführerin kann davon
ausgegangen werden, dass es sich beim bezüglich der Handbeschwerden in Frage
stehenden Unfallereignis um dasjenige vom 14. November 2007 handelt. Dieses
ereignete sich unbestritten während der Tätigkeit für den Arbeitgeber und war daher
durch die Unfallversicherung bei der Beschwerdegegnerin gedeckt. Das vorliegende
Verfahren hat demnach den Streitpunkt gemäss Erwägung 1.1 zum Gegenstand.
2.
2.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus,
dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181).
Weiter haftet ein Unfallversicherer sodann nur für jene Folgen, die mit dem Unfall
ausserdem adäquat kausal zusammenhängen, wobei für die Adäquanz nicht die
subjektive, sondern die objektive Voraussehbarkeit des eingetretenen Erfolgs
entscheidend ist (SVR 2000 UV Nr. 14, 45). Adäquat ist der Kausalzusammenhang
dann, wenn ein Ereignis nach dem natürlichen bzw. gewöhnlichen Lauf der Dinge und
der allgemeinen Erfahrung geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass
an andere Ursachen vernünftigerweise nicht zu denken ist (BGE 129 V 177 E. 3.2 S.
181; BGE 117 V 359). Während es Aufgabe des Arztes ist, den natürlichen
Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 123 III 110). Der natürliche
Kausalzusammenhang muss mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse
Möglichkeit der ursächlichen Auswirkungen eines Unfalls genügt nicht. Da es sich
hierbei vorliegend um eine leistungsbegründende Tatfrage handelt, liegt die
entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsaufhebender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Unfallversicherer, sondern
bei der versicherten Person. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als
auch bei Rückfällen und Spätfolgen (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen)
und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend.
2.2 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl. BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; BGE 130 I 180 E.
3.2 S. 183 f.; BGE 125 V 193 E. 2 S. 195 und BGE 122 V 157 E. 1a S. 158 je mit Hin
weisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn der
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen
mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Selbstverständlich kommt die obgenannte
Beweisregel erst dann zur Anwendung, wenn die Verwaltung und - im Beschwerdefall -
das Gericht dem Untersuchungsgrundsatz rechtsgenüglich nachgekommen sind bzw.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund
einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 121 V 204 E. 6b
S. 208; BGE 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E.
3b).
3.
Die Beschwerdeführerin meldete der Beschwerdegegnerin den Unfall vom
14. November 2007 mit Schadenmeldung vom 19. Juni 2008. Als betroffener Körperteil
wurde lediglich das Knie rechts angegeben (UV-act. K 1). Die Beschwerdegegnerin
anerkannte ihre Leistungspflicht für dieses unbestrittenermassen als Unfall geltende
Grundereignis. So wurde in der Verfügung vom 19. Januar 2009 lediglich die
Leistungspflicht bezüglich der rechten Hand abgelehnt (UV-act. K 21). Dr. C._ hatte
die Behandlung laut Zeugnis vom 11. März 2009 offensichtlich am 28. Januar 2009
abgeschlossen (UV-act. M 11). Am 23. Juni 2009 berichtete er jedoch, dass die
Patientin gemäss telefonischer Mitteilung vom 22. Juni 2009 immer noch Beschwerden
am rechten Knie habe und sich betreffend eine weitere Konsultation melden werde
(UV-act. M 13). Ob es sich aufgrund des andersgelagerten Beschwerdebilds im rechten
Handgelenk um einen neuen Versicherungsfall, einen fortdauernden Grundfall oder
einen Rückfall handelt, ist für die Folgen einer Beweislosigkeit von Bedeutung. Dies
kann vorliegend jedoch im Hinblick auf die nachfolgenden Erwägungen offen bleiben.
4.
4.1 Die Frage, ob die Kosten im Zusammenhang mit den Schmerzen im rechten
Handgelenk zulasten der Beschwerdegegnerin gehen, bzw. ob zwischen dem
Unfallereignis vom 14. November 2007 und den gemeldeten Handgelenkbeschwerden
ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, wird von der Beschwerdegegnerin
gestützt auf die Beurteilung des beratenden Arztes vom 5. Dezember 2008 verneint
(UV-act. M 8). Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, dass die von ihr
konsultierten Fachärzte einen Zusammenhang zwischen dem Sturz vom 14. November
2007 und den Schmerzen in der Hand in Erwägung zögen (act. G 3). Im Folgenden sind
die entscheidrelevanten Inhalte der einzelnen Arztberichte zu prüfen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2 Dr. B._ erwähnte im Arztzeugnis vom 22. September 2008 die
Handgelenkbeschwerden nicht, sondern lediglich die Beeinträchtigungen im
Zusammenhang mit dem Knie (UV-act. M 1). Erst im ärztlichen Bericht vom 24. März
2009 wies er darauf hin, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Erstkonsultation
vom 23. April 2008 über Schmerzen und eine Schwellung im Handbereich rechts,
insbesondere Daumengelenk rechts, berichtet habe und zwar ohne Angabe eines
Unfallereignisses. Den Unfall vom 14. November 2007 habe sie anlässlich derselben
Konsultation nur im Zusammenhang mit den Kniebeschwerden erwähnt. Dr. B._
stellte betreffend das Handgelenk eine Entzündung des Sattelgelenks rechts sowie
eine umgebende Tendovaginitis fest (UV-act. M 12). Keiner seiner Berichte
(insbesondere auch keiner der nachträglich von der Beschwerdegegnerin
angeforderten) enthält einen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem
Unfallereignis vom 14. November 2007 und den Handgelenkbeschwerden. Die gestellte
Diagnose sowie die Tatsache, dass die Kosten der Krankenkasse belastet worden sind,
sprechen dafür, dass die Beschwerden am Handgelenk für Dr. B._ eine
Krankheitsursache hatten.
4.3 Von ärztlicher Seite erstmals erwähnt werden die Handgelenkbeschwerden im
Bericht vom 19. November 2008 von Dr. C._. Ihm gegenüber klagte die
Beschwerdeführerin offensichtlich erst anlässlich einer Kontrolle vom 27. Oktober 2008
im Zusammenhang mit dem Knie über Restbeschwerden im rechten Handgelenk (UV-
act. M 7). Dr. C._ äusserte erst im Arztzeugnis vom 11. März 2009 einen Verdacht auf
eine posttraumatische Carpusarthrose rechts (UV-act. M 11).
4.4 Der beratende Arzt, Dr. D._, stützte seine Stellungnahme auf die ihm
vorliegenden Akten und kam zum Schluss, dass bezüglich der
Handgelenkbeschwerden rechts ein Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom
14. November 2007 lediglich möglich sei und somit ein natürlicher
Kausalzusammenhang nur als möglich bezeichnet werden könne (UV-act. M 8).
4.5 Gemäss Angabe der Beschwerdeführerin würden die behandelnden Ärzte wie
Dr. F._ einen Zusammenhang zwischen dem Unfall und den Beschwerden im
Handgelenk in Erwägung ziehen (act. G 3). Die Akten geben diesbezüglich keinen
Aufschluss. Da die Beschwerde aufgrund der Stellungnahmen der beiden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
behandelnden Ärzte und des beratenden Arztes sowie der restlichen Akten beurteilt
werden kann und ein Bericht von Dr. F._ die Faktenlage bezüglich der
Handgelenkbeschwerden zeitnah zum Ereignis vom 14. November 2007 nicht zu
erhellen vermöchte, ist auf die Einholung eines solchen zu verzichten.
4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keiner der beiden behandelnden Ärzte
einen Zusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 14. November 2007 und den
Handgelenkbeschwerden als überwiegend wahrscheinlich einstufte. Während Dr. B._
gar keinen Zusammenhang sah, äusserte Dr. C._ lediglich einen Verdacht auf eine
posttraumatische Carpusarthrose rechts. Dr. D._ beurteilte einen Zusammenhang mit
dem Unfall nur als möglich, jedoch nicht als überwiegend wahrscheinlich. Da nicht
anzunehmen ist, dass weitere medizinische Abklärungen für die Beurteilung des
vorliegend relevanten Sachverhalts neue Erkenntnisse bringen, kann darauf verzichtet
werden (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 131 I 153 E. 3 S. 157 und Urteil des
Bundesgerichts 8C_956/2009 vom 9. März 2010 E. 4.2 je mit Hinweisen).
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass bei ihr unmittelbar nach dem Sturz
starke Schmerzen im Handgelenk und in der Kniescheibe aufgetreten seien, die nur
kurz angedauert hätten (act. G 3, 7). Es stellt sich die Frage, wieso die
Beschwerdeführerin anlässlich des ersten Arztbesuchs fünf Monate nach dem
Unfallereignis den Zusammenhang zwischen dem Sturz und dem Handgelenk nicht
hergestellt hat. Die zu Beginn angeblich starken Schmerzen hätten der Erinnerung an
den Sturz auf die Hand zumindest förderlich sein müssen. Bei der Erstkonsultation
stand angeblich der Unfall vom 14. November 2007 im Zentrum. Dadurch dass Dr.
B._ vom Unfall Kenntnis hatte, kann davon ausgegangen werden, dass er im Zuge
der Aufnahme der Anamnese von sich aus einen Zusammenhang zwischen den
Handbeschwerden und dem Unfall hergestellt hätte, falls dafür Verdachtsmomente
vorhanden gewesen wären. Die von ihm gestellte Diagnose deutet jedoch darauf hin,
dass es für ihn keine Anhaltspunkte für eine Unfallursache gab.
5.2 Am 8. September 2009 reichte der Arbeitgeber eine Schadenmeldung ein, die
von der Beschwerdeführerin mitunterzeichnet worden war. Diese mit Rückfall
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bezeichnete Schadenmeldung wurde von der Beschwerdegegnerin eingefordert, weil
sie für die Bearbeitung des Falles Lohnangaben brauchte. Auch diese
Schadenmeldung enthielt als betroffenen Körperteil lediglich das Knie rechts (UV-act. K
4, 5), und mit dem Unfall vom 14. November 2007 vermeintlich in Zusammenhang
stehende Handgelenkbeschwerden wurden erneut nicht erwähnt.
5.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie vor dem Unfall am
14. November 2007 keine Beschwerden am Handgelenk hatte (act. G 3, 7). Der
Umstand, dass vor dem Unfall keine relevanten entsprechenden Beschwerden
vorhanden gewesen seien, vermag für sich nach konstanter bundesgerichtlicher Praxis
keinen Beweis für eine Unfallkausalität zu erbringen, da der zeitliche Aspekt allein keine
medizinisch genügende Erklärung liefert. Andernfalls würde man sich mit dem blossen
Anschein eines Beweises bzw. mit der blossen Möglichkeit begnügen, und davon
ausgehen, dass eine gesundheitliche Schädigung schon dann durch den Unfall
verursacht sei, wenn sie nach diesem auftrat (Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 Fn 1205; BGE 119 V 335 E. 2b/bb
S. 241 f.; SVR 2009 UV Nr. 13 E. 7.2.4 S. 54 mit Hinweisen).
6.
6.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die natürliche Kausalität zwischen
dem Unfall vom 14. November 2007 und den Handgelenkbeschwerden mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu verneinen und diesbezüglich ein
Anspruch der Beschwerdeführerin auf Versicherungsleistungen der
Beschwerdegegnerin abzulehnen.
6.2 Die Beschwerde ist unter Bestätigung des angefochtenen Einspracheentscheids
vom 13. Mai 2009 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG