Decision ID: 18421a5c-cd9b-4094-866f-25a14fb28b01
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ K. und M. L., beide T., sowie die M. Immobilien AG, S., sind Eigentümerinnen der
unbebauten Bauparzellen Nrn. a, b und c, alle Grundbuch Schmerikon. Die drei
1'176 m , 140 m und 2'397 m grossen Grundstücke befinden sich westlich oberhalb 2 2 2
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des Zentrums von Schmerikon an einem dem Zürich- bzw. Obersee zugewandten
Südhang mitten im mehrheitlich überbauten Siedlungsgebiet. Die ersten beiden
Liegenschaften stossen an die X.-strasse, Gemeindestrasse 2. Klasse. Die dritte liegt
südlich unmittelbar darunter. Nach dem Zonenplan vom 7. Dezember 1998 sind sie im
Wesentlichen der Wohnzone W2a zugeschieden. Ihre anrechenbaren Flächen betragen
insgesamt 3'375 m .
B./ Mit Beschluss vom 20. November 2007 erliess der Gemeinderat Schmerikon für die
erwähnten Grundstücke den Überbauungsplan X.-strasse mit besonderen Vorschriften
(abgekürzt: besV). Dagegen erhoben zahlreiche Nachbarn Einsprache und sodann
gegen die abweisenden Beschlüsse des Gemeinderats Schmerikon Rekurs beim
Baudepartement des Kantons St. Gallen. Nachdem die Rekursinstanz auf Grund eines
Augenscheins zum Schluss gekommen war, dass die Rechtsmittel Aussicht auf Erfolg
hätten, erliess der Gemeinderat einen Korrekturplan zum Überbauungsplan. Dagegen
wurden wiederum Einsprachen erhoben, die der Gemeinderat am 14. April 2009
abwies. Die erneuten Rekurse der Nachbarn datierten vom 4. Mai 2009. Da die
Rechtsabteilung des Baudepartements die Meinung vertrat, der Plan sei noch immer
mangelhaft bzw. die ursprüngliche Fassung und der Korrekturplan seien
widersprüchlich, hob der Gemeinderat beide Pläne auf, worauf das Baudepartement
die Rekurse am 8. Februar 2010 wegen Gegenstandslosigkeit von der Geschäftsliste
abschrieb. Zusammen mit dem Aufhebungsbeschluss vom 26. Januar 2010 erliess der
Gemeinderat den Überbauungsplan X.-strasse in neuer Fassung. Während der
Planauflage erhoben zwei Nachbarn wiederum Einsprache, die der Gemeinderat im
Wesentlichen abwies. Den dagegen erhobenen Rekurs und die darauf folgende
Beschwerde wiesen das Baudepartement und das Verwaltungsgericht am
3. September 2010 bzw. 6. Juli 2011 kostenpflichtig ab.
C./ Zwischenzeitlich, das heisst am 16. Dezember 2010, hatte die Beschwerdegegnerin
für die Überbauung des Plangebiets ein Baugesuch eingereicht. Nachdem auch
dagegen Einsprachen erhoben worden waren, reichte die Bauherrschaft am 3. Oktober
2011 ein neues Baugesuch ein, wogegen A. und B., beide S., öffentlichrechtliche und
privatrechtliche Einsprache erhoben. Der Gemeinderat wies diese am 10. Januar 2012
ab und erteilte die Baubewilligung. Dagegen liessen die Einsprecher am 8. Februar
2012 Rekurs beim Baudepartement des Kantons St. Gallen erheben mit dem Antrag,
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die Baubewilligung sei unter Kostenfolge aufzuheben. Zur Begründung machten sie
geltend, die Scheinwerfer der aus der geplanten Tiefgarage ausfahrenden Fahrzeuge
würden direkt in ihr Wohn- und Schlafzimmer leuchten, was sie übermässig
beeinträchtige. Das Baudepartement verwies darauf, dass bereits rechtskräftig
entschieden worden sei, dass die umstrittene Tiefgaragenausfahrt zu keinen
unzulässigen Immissionen im Sinn des Umweltschutzgesetzes (SR 814.01, abgekürzt
USG) führe und auch keine weiteren Massnahmen im Sinn des Vorsorgeprinzips nach
Art. 11 Abs. 2 USG verlangt werden könnten. Sodann kam es zum Schluss, dass die
bewilligte Überbauung auch zu keinen übermässigen Immissionen im Sinn von Art. 684
des Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt ZGB) führe. Dementsprechend wies es den
Rekurs mit Entscheid vom 2. April 2012 kostenpflichtig ab.
D./ Mit Eingabe vom 25. April 2012 erhoben die Rekurrenten beim Verwaltungsgericht
des Kantons St. Gallen Beschwerde mit den Anträgen, der angefochtene
Rekursentscheid vom 2. April 2012 sei kostenpflichtig aufzuheben, das Baugesuch
abzuweisen und die Baubewilligung zu verweigern. Sie sind dabei der Ansicht, der
privatrechtliche Schutz nach Art. 684 ZGB reiche weiter als der öffentlichrechtliche
bzw. die öffentlichrechtlich noch als akzeptabel beurteilte Beeinträchtigung sei konkret
zivilrechtlich als übermässige Immission einzustufen. Es sei offenkundig und
nachgewiesen, dass Licht zu jeder Nachtstunde störend bzw. sogar schädlich sein
könne. Die Vorinstanz habe sodann unberücksichtigt gelassen, dass es sich vorliegend
nicht nur um Fahrzeuge handle, die an ihrem Wohnhaus lediglich vorbeifahren würden.
Die auf der gegenüberliegenden Seite ausfahrenden Autos würden vielmehr frontal ins
Wohnhaus zünden. Zusätzlich sei zu berücksichtigen, dass sich ihr Haus an einer
privilegierten Aussichtslage bzw. teurer Wohnlage befinde. Somit hätten sie auch einen
höheren Anspruch darauf, vor Immissionen geschützt zu werden. Ihnen könne an
dieser bevorzugten Lage jedenfalls nicht zugemutet werden, ab einsetzender
Dämmerung Jalousien und Rollläden zu schliessen, um sich vor Scheinwerfern zu
schützen. Die entgegengehaltene geringe Häufigkeit der Blendwirkung spiele dabei
keine Rolle. Sie würden durch jede einzelne Blendung gestört. Erfolge diese wie
vorliegend selten, würden sie mangels Gewöhnungseffekt im Gegenteil umso stärker
gestört. Die Nacht sei grundsätzlich von Lichtverschmutzung frei zu halten. Folglich
hätten sie gar keine Lichteinwirkungen hinzunehmen, die ihren natürlichen Tagesablauf
beeinträchtigen. Weiter habe die Vorinstanz ihren Einwand übergangen, dass das
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Problem mit ihrem Vorschlag einer S-förmigen Ausfahrtsschleife fast vollständig gelöst
werden könnte. Dass die Bauherrschaft dadurch gewisse Nachteile in Kauf nehmen
müsse, müsse unberücksichtigt gelassen werden. Ihr Nachtruhebedürfnis gehe in
jedem Fall vor. Schliesslich habe es die Vorinstanz versäumt, eine umfassende
Abwägung der im Einzelfall in Frage stehenden Umstände vorzunehmen. Der Entscheid
sei folglich aufzuheben.
E./ a) Das Baudepartement beantragt in seiner Vernehmlassung vom 15. Mai 2012
unter Hinweis auf den angefochtenen Entscheid, die Beschwerde abzuweisen. Da in
den vorangegangenen Rechtsmittelverfahren betreffend Überbauungsplan X.-strasse
die Bestimmungen des öffentlichrechtlichen Immissionsschutzes bei weitem als
eingehalten beurteilt worden seien, seien auch keine übermässigen Einwirkungen auf
das Eigentum der Beschwerdeführer im Sinn von Art. 684 ZGB ersichtlich. Für die
Anordnung vorsorglicher Massnahmen in Bezug auf die Linienführung der
Tiefgaragenzufahrt bleibe kein Raum.
b) Die Beschwerdebeteiligte beantragt am 21. Mai 2012 die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
c) Die Beschwerdegegnerin verlangt mit Vernehmlassung vom 5. Juni 2012, die
Beschwerde kostenpflichtig abzuweisen. Über den Immissionsschutz sei - wie die
Beschwerdeführer selber ausführten - bereits im Rechtsmittelverfahren betreffend
Überbauungsplan X.-strasse abschliessend entschieden worden. Da der
öffentlichrechtliche Immissionsschutz grundsätzlich weiter gehe als der
privatrechtliche, werde damit der Schutz nach Art. 684 ZGB konsumiert. Auch eine
inhaltliche Betrachtung führe zu keinem anderen Ergebnis. Bei der Tiefgaragenausfahrt
handle es sich um eine normale Wohnnutzung, die im Siedlungsraum hinzunehmen sei.
Eine von den Beschwerdeführern abgewendete Zu- und Wegfahrt sei eine
unbehelfliche Massnahme, die zum Einen nichts bringe und zum Anderen im Rahmen
des privatrechtlichen Immissionsschutzes nicht gefordert werde könne, weil das
Zivilrecht das Vorsorgeprinzip nicht kenne.
F./ Auf die weiteren Vorbringen der Beteiligten wird, soweit wesentlich, in den

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Der Beschwerdeführer beantragt einen Augenschein.
2.1. Der Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen
durch die entscheidende Instanz. Er dient dem besseren Verständnis des Sachverhalts.
Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der
urteilenden Instanz. Unbestrittene Tatsachen brauchen nicht durch einen Augenschein
überprüft zu werden, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interessen
geboten ist (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen
2003, Rz. 966).
2.2. Die tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich im vorliegenden Fall aus den Plänen
und den übrigen Verfahrensakten. Dazu kommt, dass das Gericht vor gut einem Jahr
praktisch in gleicher Besetzung beim identischen Bauvorhaben betreffend den
Überbauungsplan X.-strasse bereits einen Augenschein durchgeführt hat, wobei die
vorliegend umstrittenen Lichtimmissionen auf dem Nachbargrundstück ebenfalls
Thema waren und vom Gericht geprüft und in öffentlichrechtlicher Hinsicht beurteilt
wurden (VerwGE B 2010/227 und 228 vom 6. Juli 2011 E. 7.9.3., abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch). Auf einen Augenschein ist daher zu verzichten.
3. Die Beschwerdeführer machen eine Gehörsverletzung geltend, weil die Vorinstanz
ihre Replik bzw. die damit vorgebrachten Voten für eine andere, schlangenlinienförmige
bzw. gekröpfte Zu- und Wegfahrt nicht gewürdigt habe.
3.1. Der Anspruch auf das rechtliche Gehör ist einerseits ein persönlichkeitsbezogenes
Verfahrensrecht der Beteiligten und schützt diese vor Herabminderung zum blossen
Verfahrensobjekt. Andererseits ist es ein Mittel der Sachaufklärung, das der optimalen
Aufarbeitung der relevanten Entscheidungsgrundlagen dient und im Rahmen des
Verfahrensrechts die Einführung der Sicht der Betroffenen ermöglicht. Der Anspruch
ergibt sich allein aus dem Verfahren heraus und gilt vorbehaltlos. Inhalt und Umfang
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des Gehörsanspruchs werden nicht abstrakt umschrieben, sondern werden am
Anspruch auf wirksame Mitwirkung anhand konkreter tatsächlicher und rechtlicher
Gegebenheiten nach Fallgruppen und im Einzelfall konkretisiert. Voraussetzung der
Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs ist eine entsprechende Orientierung der
Betroffenen. Das Recht auf rechtliches Gehör räumt den Betroffenen sodann die
Möglichkeit ein, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids
zur Sache zu äussern. Mit dem Anspruch auf effektive Mitwirkung korrespondiert, dass
die Behörde die Vorbringen der Beteiligten tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt
und ihre Entscheide vor diesem Hintergrund begründet (G. Steinmann, in: St. Galler
Kommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 21 ff. zu Art. 29 BV).
3.2. Die Vorinstanz hat die Eingabe der Beschwerdeführer vom 29. März 2012 zur