Decision ID: d3ce8d4c-0380-4e3e-a5f2-2ad13bbdab35
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1966, war ab
1.
März 2010 als Teamleiter Busines
s Pro
jekt Management bei der
Y._
angestellt.
Der Versicherte kündigte die Anstellung
wegen Differenzen mit dem Vorgesetzten
auf den 3
0.
Juni 2012
(
Urk.
5/37, 5/39
).
Am 2
5.
Juni 2012
meldete
er
sich zur Arbeitsvermittlung an
(
Urk.
5/38)
und beantragte am
1.
Juli 2012
(
Urk.
5/37
) die Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung. Mit
unangefochten in
Rechtskraft erwachsenen
Verfügung
en
vom
1
1.
September
2012 (
Urk.
5/32 und 5/33
) stellte
das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den Versicherten für die Dauer von 11
Tagen ab
1.
Juli 2012 und von vier Tagen ab
1.
August 2012 wegen quantitativ ungenü
gender persönlicher Arbeitsb
emühungen vor Eintritt
der kontrollierten Arbeits
losigkeit respektive
in der Kontrollperiode Juli 2012
in der
Anspruchsberech
tigung
ein. Mit ebenfalls unangefochten gebliebener Verfügung vom
9.
Oktober 2012 wurde er wiederum für vier Tag
e
, nunmehr ab
1.
September 2012 w
egen qualitativ ungenügender
Arbeitsbemühungen
im Kontrollmonat
August 2012 eingestellt (
Urk.
5/34).
Gegen die sodann am
9.
November 2012 erlassene Verfügung, mit welcher der Versicherte wegen qualitativ ungenügender Arbeitsbemühungen in der
Kon
trollperiode
September 2012 für die Dauer von 9 Tagen ab
1.
Oktober 2012 in der Anspruchsberechtigung eingestellt w
orden war
(
Urk.
5/2), erhob er am
6.
Dezember 2012 Einsprache (
Urk.
5/3). Diese wies
das AWA mit
Einsprache
entscheid
vom 1
8.
Dezember 2012 ab (
Urk.
2).
2
.
Dagegen
erhob
X._
am 2
9.
Januar 2013 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen
Entscheides (
Urk.
1). Der
Be
schwerdegegner
schloss mit Ver
nehmlassung vom 2
5.
Februar 2013
auf Abwei
sung der Beschwerde
(
Urk.
4).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Nach
Art.
17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zustän
digen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu ver
meiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühun
gen nachweisen können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1
lit
. c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht.
2.2
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine versicher
te Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität ihrer Bewer
bungen von Bedeutung (BGE 124 V 225 E. 4a mit Hinweis).
Dabei kommt es nicht auf den Erfolg der Arbeitsbemühungen an, sondern viel
mehr auf die Tatsache und Intensität der
selben (ARV 1980 Nr. 45 S. 112 E. 2). Die Ar
beitsbemühungen müssen zudem um
so intensiver sein, je weniger Aus
sicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden (Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, Bern/Stuttgart 1987, N 13 ff. zu Art. 17 AVIG). Betreffend Quantität der persönlichen Arbeitsbemühungen kön
nen zwar keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden, in der Regel müs
sen aber mindestens zehn bis zwölf geeignete Arbeitsbemühungen je
Kontroll
periode
nachgewiesen wer
den (vgl. Gerhards, a.a.O., N 15 zu Art. 17 AVIG).
Für die Frage, ob die Anstrengungen bei der Stellensuche genügend sind, ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob die zumutbaren Möglichkeiten der Stellensuche genutzt worden sind und ob die Bewerbungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht als ausreichend betrachtet werden können (BGE 124 V 231 E. 4a, 120 V 76 E. 2 mit Hinweisen).
3.
3.1
Der Beschwerdegegner
begründete die Einstellung in der
Anspruchsberechti
gung
damit, der Beschwerdeführer habe zwar während der Kontrollperiode September 2012 insgesamt zehn persönliche Arbeitsbemühungen nachgewiesen, was in quantitativer Hinsicht als genügend
erachtet werde.
Jedoch habe er vom
1.
bis 2
6.
Septem
ber 2012 keine einzige Arbeitsbemühung
getätigt
und
damit seine Pflicht zur kontinuierlichen Stellensuche verletzt. Der Beschwerdeführer sei meh
rmals darauf aufmerksam gemacht
worden, dass er sich kontinuierlich um Arbeit zu bemühen habe, insbesondere auch an der Infoveranstaltung vom
1
0.
Juli 201
2.
Anlässlich des Beratungsgesprächs vom 2
6.
Oktober 2012 habe er erklärt, er werde nach wie vor alle Bewerbungen an einem Tag machen und es sei ihm bewusst, dass er dadurch Einstellta
ge riskiere
(
Urk.
2 S. 2 f.
).
3.2
Der Beschwerdeführer
macht dagegen geltend, dass
die
einzig zutreffende Aus
sage, welche sich aus dem Formular „Nachweis der persönlichen
Arbeitsbemü
hungen
“ ableiten lasse, sei,
dass er am 3
0.
September 2012 zehn
Bewerbungen verschickt habe. Weitere Schlussfolgerungen seien rein spekulativ. Auch täu
sche der Eindruck, dass er sämtliche Arbeitsbemühungen am 3
0.
September 2012 vorgenommen habe insofern, als er die Stellenangebote im Internet vom
1.
bis 3
0.
September 2012 zusammengetragen und bezüglich ihrer Eignung für ihn taxiert habe (
Urk.
1).
3.3 Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zu Recht für die Dauer von neun Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde.
4.
4.1
Aufgrund der Akten ist ausgewiesen und unbestritten, dass der Beschwerdefüh
rer in der Kontrollperiode
September
2012
zehn Bewerbungen (
Urk.
5/26)
getä
tigt
und damit die praxisgemässen Anforderungen an die Quantität der Bewer
bungen
knapp
erfüllt hat (vgl. vorstehend E. 2.2). Der Beschwerdegegner hat im angefochtenen Entscheid
denn auch nicht die Anzahl der Bewerbungen
bemän
gelt,
sondern vielmehr
die fehlende Kontinuität derselben (
Urk.
2).
4.2
Im Urteil
C 319/02
vom
4.
Juni 2003 E. 4.2 (bestätigt im Urteil
C 6/05
vom
6.
März 2006
E. 3.2) entschied
das damalige Eidgenössische
Versicherungsge
richt
hinsichtlich der Ko
ntinuität der Arbeitsbemühungen, dass von der versi
cherten Person
nicht ohne
W
eiteres verl
angt werden könne, dass sie ihre
Bewerbungen über die gesamte Kontrollperiode verteile. Bei schriftlichen
Stel
lenbewerbungen
erscheine es vielmehr als vernünftig, die Bewerbungen kon
zentriert an einigen Tagen im Monat zu verfassen, unter Berücksichtigung des Erscheinens der Stellenausschreibungen in den Zeitungen sowie des Umstandes, dass die Bewerbungsfristen normalerweise relativ lange dauern.
4.3
Dem Formular „Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen“ für den Monat September 2012 (
Urk.
5/26) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vom
1.
bis 2
6.
September 2012 keine einzige, am 2
7.
September 2012 eine Bewer
bung und die restlichen neun Bewerbungen am 3
0.
September 2012 tätigte, wo
bei allesamt in schriftlicher Form respektive elektronisch ergingen (
Urk.
5/3)
. Auch wenn sich gemäss oben zitierter höchstrichterlicher Rechtsprechung die Konzentration schriftlicher Bewerbungsbemühungen auf einige Tage im
K
on
trollmonat
rechtfertigen
und
wegen der Schwankungen im Stellenangebot
keine strikte Regel
mässigkeit verlangt werden kann
, folgt daraus noch nicht, dass bei insgesamt genügender Anzahl und Qualität hinsichtlich der Schriftlichkeit der persönlichen Arbeitsb
emühungen die Konzentration derselben
auf die letzten vier Tage des Kontrollmonats und d
amit ein
Unterbruch in der Stellensuche von nahezu einem Monat
zu tolerieren wäre
(vgl. zur geforderten Regelmässigkeit von Arbeitsbe
mühungen selbst
während der Kündigungszeit:
vgl.
BGE 139 V 524 E. 4.2).
Wie der Beschwerdegegner
zu Recht erwog, wird die Schadenminderungspflicht durch die versicherte Person verletzt, wenn sie während eines erheblichen Teils des Monats
gänzlich auf Arbeitsbemühungen verzichtet
. Dass der Beschwerde
führer glaubhaft über den Monat verteilt die Inserate studierte, jedoch erst Ende Monat die Bewerbungen tätigte (
Urk.
1), ändert hieran nichts
. Ebenso wenig ist von Belang, dass – wie der Beschwerdeführer beh
auptet (
Urk.
1) - die Stellen Ende September 2012 noch ausgeschrieben gewesen
seien
,
kommt es doch nicht auf den
Erfolg der Arbeitsbemühungen
, sondern vielmehr auf die Tatsache und Intensität der
selben
an
(vgl. obige E. 2.2).
Hinzu kommt, dass sich die versicherte Person g
emäss
Art.
26
Abs.
1 der Ver
ord
nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insol
venz
entschädigung
(AVIV)
gezielt
um Arbeit bemühen muss; mithin ist sie zur Erhöhung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt verpflichtet, sich nicht nur in möglichst direkter und einlässlicher, vorzugsweise schriftlicher Form um Arbeit zu bemühen,
sondern
die Bewerbungen auch möglichst zeitnah zur
Stellenaus
schreibung
einzureichen.
4.4
Wie dem prozessorientierten Beratungsprotokoll zu entnehmen ist, wurde anläss
lich des Beratungsgesprächs vom
3.
August 2012 vereinbart, dass sich der Beschwerdeführer intensiv auf Stellensuche begebe, da die bisherigen
Arbeits
bemühungen
ungenügend gewesen seien. Mit dem Beschwerdeführer sei bespro
chen worden, dass er dringend mehr Arbeitsbemühungen tätigen
und sofort mit der Arbeitssuche beginnen müsse (
Urk.
5/36 S. 2 f.). Trotz der Auf
forderung zur
sofortigen
Stellensuche begnügte sich der Beschw
erdeführ
er,
seine elf Arbeitsbemühungen der Kontrollperiode August 2012 am 3
1.
August 2012 vorzunehmen (
Urk.
5/25). Nachdem dies am Beratungsgespräch vom 2
5.
September 2012 vom zuständigen RAV-Berater bemängelt worden war (
Urk.
5/36 S. 2), beschränkte sich der Beschwerdeführer
in Kenntnis seiner dies
bezüglichen Pflicht
in nicht nachvollziehbarer Weise darauf, zwei Tage später eine
einzige
und die folgenden neun Bewerbungen
wiederum erst am letzten
Tag des Monats
abzuschicken, obwohl er diese
angeblich im Laufe des Septem
bers
bereits z
usammengetragen hat
te
.
Mit diesem Verhalten hat
er
klarerweise nicht alles Zumutbare unternommen, um seine Arbeitslosigkeit zu
verkürzen
,
und ist seiner
Schadenminderungs
pflicht
(
Art.
17
Abs.
1 AVIG) nur ungenügend nachgekommen. Die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen qualitativ ungenügender
Arbeitsbemü
hungen
erweist sich
als rechtens.
5.
5.1
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3 AVIV),
wobei die Einstelldauer bei wiederholter Einstellung in der
Anspruchsbe
rechtigung
innert der Rahmenfrist
für den Leistungsbezug angemessen zu erhö
hen ist (
Art.
45
Abs.
2
bis
AVIV).
5.2
Die auf neun Tage festgesetzte Einstellung in der Anspruchsberechtigung liegt im mittleren Bereich des leichten Verschuldens.
Der Beschwerdegegner trug
damit
allen objektiven und subjektiven Umständen angemessen Rechnung und dabei auch der Tatsache, dass es sich bereits um die
vierte
Einstellung innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug handelte. Ausserdem liegt die
Einstell
dauer
im Rahmen des „Einstellrasters“ des
seco
(AVIG-Praxis ALE, Randziffer D72
, Fassung
Oktober 2011).
Der angefochtene Entscheid erweist sich nach dem Gesagten als richtig. Die Be
schwerde ist abzuweisen.