Decision ID: fe05b15e-55c1-54d2-ad42-fdd4f7f3c149
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 30.03.2011 Art. 24 Abs. 2 BVV 2: Überversicherungsberechnung in der beruflichen Vorsorge. Frage der Anrechnung eines hypothetisch erzielbaren Erwerbseinkommens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 30. März 2011, BV 2010/16). Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichter Joachim Huber und Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Walter Schmid Entscheid vom 30. März 2011 in Sachen A._, Kläger, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o procap, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten, gegen B., Bachmattstrasse 59, Postfach, 8048 Zürich, Beklagte, vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Isabelle Vetter-Schreiber, Seestrasse 6, 8027 Zürich, betreffend Invalidenrente Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) arbeitete für die B._ und war dadurch bei der
B._-Pensionskasse (nachfolgend: Pensionskasse) vorsorgeversichert. Die IV-Stelle
des Kantons St. Gallen sprach ihm mit Verfügung vom 22. April 2004 auf der Basis
eines IV-Grads von 57% mit Wirkung ab 1. Mai 2004 eine halbe Rente zu. Hierbei ging
sie von einem Valideneinkommen von Fr. 60'190.-- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 26'000.-- pro Jahr aus (act. G 1/2 [BV 2008/5]). Von der Sozialversicherungsanstalt
(SVA) des Kantons St. Gallen wurden dem Versicherten mit Verfügung vom 29.
Dezember 2004 ab Januar 2005 Ergänzungsleistungen (EL) zugesprochen (act. G 1/7
[BV 2008/5]). Am 3. November 2006 bestätigte die IV-Stelle den unveränderten
Rentenanspruch. Die Pensionskasse erbrachte ebenfalls Rentenleistungen auf der
Basis eines IV-Grads von 57%. Mit Schreiben vom 28. November 2006 gab sie dem
Versicherten bekannt, die Pensionskassen-Leistungen würden ab 1. Mai 2007
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angepasst. Bei der Überentschädigungs-Berechnung komme unter anderem ein
zumutbarerweise erzielbares Einkommen von Fr. 2'406.-- pro Monat zur Anrechnung
(act. G 1/3 und 1/4 [BV 2008/5]). Am 27. Juli 2007 liess der Versicherte durch seine
Rechtsvertreterin dazu eine Stellungnahme einreichen (act. G 1/5 [BV 2008/5]). Im
Schreiben vom 31. Juli 2007 teilte die Pensionskasse mit, an der Anrechnung eines
zumutbarerweise erzielbaren Einkommens bei der Überentschädigungsberechnung
werde festgehalten (act. G 1/6 [BV 2008/5]).
A.b Mit Eingabe vom 13. Februar 2008 liess der Versicherte durch Rechtsanwältin
Christine Kessi, procap, Olten, Klage gegen die Pensionskasse erheben mit den
Anträgen, die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger unter Anrechnung bereits
erbrachter Leistungen rückwirkend ab 1. Mai 2007 Invalidenrentenleistungen im
bisherigen Umfang zu erbringen, ohne dabei ein zumutbarerweise erzielbares Erwerbs-
und Ersatzeinkommen anzurechnen. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger auf
den Invalidenrentenleistungen einen Verzugszins von 5% spätestens ab dem Zeitpunkt
der Klageeinreichung zu bezahlen. Nach Durchführung des Schriftenwechsels hiess
das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Klage mit Entscheid vom 3.
Dezember 2009 (BV 2008/5) gut und verpflichtete die Beklagte, dem Kläger unter
Anrechnung bereits erbrachter Leistungen rückwirkend ab 1. Mai 2007 eine ohne
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens festgelegte Rente zuzüglich
Zins zu 5 % seit 13. Februar 2008 auf den ausstehenden Leistungen zu erbringen.
B.
B.a Die gegen diesen Entscheid von der Beklagten erhobene Beschwerde hiess das
Bundesgericht mit Urteil vom 28. September 2010 (9C_73/2010) in dem Sinn gut, dass
der Entscheid insoweit aufgehoben wurde, als damit auch für die Zeit ab 1. Februar
2008 über die Höhe des anzurechnenden zumutbarerweise erzielbaren
Erwerbseinkommens befunden worden sei. Es wies die Sache an das kantonale
Versicherungsgericht zurück, damit es, nach ergänzenden Abklärungen im Sinn der
Erwägungen, über die Klage vom 13. Februar 2008, soweit den Zeitraum ab 1. Februar
2008 betreffend, neu entscheide.
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B.b Das Versicherungsgericht zog in der Folge die EL-Akten betreffend den Kläger für
die Jahre 2008 bis 2010 bei und räumte den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme
sowie zur allfälligen Einreichung weiterer Beweismittel ein (act. G 1). Rechtsanwältin
Ch. Kessi äusserte sich für den Kläger mit Eingabe vom 7. Dezember 2010
dahingehend, dass ab Oktober 2009 ein hypothetisches Erwerbseinkommen in die
Überentschädigungsberechnung aufgenommen werden könne, da von Seiten der EL
ab diesem Zeitpunkt ein hypothetisches Einkommen angerechnet worden sei. Für den
Zeitraum von Februar 2008 bis und mit September 2009 habe die
Überentschädigungsberechnung jedoch ohne Anrechnung eines Erwerbseinkommens
zu erfolgen (act. G 11). Rechtsanwältin Dr. I. Vetter-Schreiber reichte für die Beklagte
am 14. Dezember 2010 eine Stellungnahme ein. Sie verwies im Wesentlichen auf den
Umstand, dass dem Kläger von Seiten der EL-Behörde wegen ungenügender Qualität
seiner Bewerbungen ein Erwerbseinkommen angerechnet werde sowie auf ihre
Darlegungen in der Klageantwort vom 27. Mai 2008 und in der Duplik vom 11.
November 2008 (act. G 12).
B.c Mit Schreiben vom4. Januar 2011 gab das Versicherungsgericht der
Rechtsvertreterin des Klägers bekannt, dass ohne gegenteiligen Bericht für die Zeit ab
Februar 2010 vom Vorliegen unveränderter Verhältnisse mit Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens beider EL-Berechnung ausgegangen werde (act.
G 14).

Erwägungen:
1.
Aufgrund des Bundesgerichtsurteils vom 28. September 2010 (9C_73/2010, Erw. 7)
bildet Thema des vorliegenden Verfahrens die Anrechnung eines zumutbarerweise
erzielbaren Resterwerbs bei der Überentschädigungsberechnung des Klägers für die
Zeit ab Februar 2008. Die rechtlichen Grundlagen hierzu legte das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen im Entscheid vom 3. Dezember 2009 (BV
2008/5) in Erw. 2.1 bis 2.3 dar; darauf ist zu verweisen. Im Weiteren ist auch auf die
Darlegung des erwerblichen und medizinischen Sachverhalts im Entscheid vom 3.
Dezember 2009 (Erw. 3.1 und 3.2) zu verweisen.
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2.
2.1 Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen kam im Entscheid vom 3.
Dezember 2009 zum Schluss, dass es schon aus Gründen der Praktikabilität sinnvoll
erscheine, die Abklärungsergebnisse der EL-Behörde für die Klärung der streitigen
Frage beizuziehen. Gemäss Art. 3c Abs. 1 lit. g ELG würden auch Einkünfte, auf die
verzichtet worden sei, zu den anrechenbaren Einnahmen gehören. Ein solcher Verzicht
auf Einkünfte liege unter anderem dann vor, wenn ein EL-Ansprecher aus von ihm zu
verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und zumutbaren
Erwerbstätigkeit und damit von der Erzielung eines Erwerbseinkommens absehe. Bei
einem Teilinvaliden sei grundsätzlich das Erwerbseinkommen anzurechnen, das er
effektiv erziele (Art. 14a Abs. 1 ELV). Bei Teilinvaliden, die das 60. Altersjahr noch nicht
vollendet hätten und die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würden, sei gemäss Art.
14a Abs. 2 ELV in Abhängigkeit vom Invaliditätsgrad ein bestimmter Mindestbetrag als
hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen (Art. 14a Abs. 2 lit. a ELV).
Rechtsprechungsgemäss handle es sich dabei um eine gesetzliche Vermutung dafür,
dass es einem Teilinvaliden möglich und zumutbar wäre, im Rahmen seines von der
Invalidenversicherung ermittelten restlichen Leistungsvermögens mindestens diesen
Einkommensbetrag zu erzielen. Diese gesetzliche Vermutung könne durch den Beweis
des Gegenteils umgestossen werden. Dabei seien jene Umstände von Belang, die bei
der Invaliditätsbemessung zwar irrelevant gewesen seien, es dem Versicherten aber
verunmöglichen würden, seine Resterwerbsfähigkeit effektiv zu verwerten. Dazu
gehörten sämtliche objektiven und subjektiven Besonderheiten wie Alter,
Gesundheitszustand, Sprachkenntnisse, Ausbildung, bisherige Tätigkeit, konkrete
Arbeitsmarktlage sowie eine allfällige Dauer der Abwesenheit vom Berufsleben (ZAK
1992, 174 Erw. 2c; BGE 117 V 287 Erw. 3a). Massgebend sei der konkrete
Arbeitsmarkt in der Umgebung des Wohnortes des Versicherten (Entscheid, a.a.O.,
Erw. 4.2 mit Hinweis auf die einschlägige höchstrichterliche und st. gallische
Rechtsprechung im EL-Bereich). Auch wenn die Grundsätze aus dem EL-Bereich nicht
umfassend und unbesehen für denjenigen der beruflichen Vorsorge übernommen
werden könnten, ergebe sich doch für beide Bereiche übereinstimmend einerseits die
Vermutung der Erzielbarkeit des Invalideneinkommens und anderseits die Feststellung,
dass für die Ermittlung des zumutbarerweise noch erzielbaren Resterwerbs die
konkreten Verhältnisse der versicherten Person und der tatsächlich zur Verfügung
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stehende Arbeitsmarkt zu eruieren seien. Die von den EL-Behörden ermittelten
Umstände hätten für die Einkommensanrechnung in der beruflichen Vorsorge
zumindest den Charakter von Indizien. An den vom Kläger zu erbringenden Beweis
dürften keine Anforderungen gestellt werden, welche zum vornherein und unter allen in
Betracht kommenden Konstellationen nicht erfüllt werden könnten. So könne von ihm
insbesondere nicht verlangt werden, neben dem Beweis, dass er keine Arbeit finde,
auch noch zu belegen, aus welchen Gründen im Einzelnen seine Arbeitssuche bislang
nicht zum Erfolg geführt habe (Entscheid, a.a.O., Erw. 4.3).
2.2 Das Bundesgericht pflichtete im Urteil vom 28. September 2010 den Ausführungen
in materieller Hinsicht bei. Es sei sachgerecht und bundesrechtskonform, für die
Beurteilung der Frage, ob der versicherten Person im Rahmen der
Überentschädigungsberechnung ein hypothetisches Arbeitseinkommen anzurechnen
sei, von den von der EL-Durchführungsstelle gewonnenen Erkenntnissen auszugehen.
Denn es bestehe eine gesetzliche Vermutung dafür, dass es dem teilinvaliden Bezüger
einer Rente der beruflichen Vorsorge möglich und zumutbar wäre, im Rahmen des von
der Invalidenversicherung festgestellten restlichen Leistungsvermögens ein bestimmtes
Einkommen zu verdienen, wobei die gesamten objektiven und subjektiven Umstände
zu berücksichtigen seien. Für die Frage wiederum, ob im EL-Bereich bei Teilinvaliden
ein Verzichtseinkommen anzurechnen sei (Art. 3c Abs. 1 lit. g ELG; seit 1. Januar 2008:
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG; Art. 14a Abs. 1 und 2 lit. a ELV), seien
rechtsprechungsgemäss die invaliditätsfremden Faktoren wie Alter, Sprachkenntnisse,
Ausbildung, bisherige Tätigkeit sowie die konkrete Arbeitsmarktlage zu
berücksichtigen. Angesichts dieser offenkundigen Parallelen zwischen beruflicher
Vorsorge und Ergänzungsleistungen hinsichtlich der Anrechnung eines hypothetischen
Arbeitserwerbs liege es auf der Hand, für die Belange der
Überentschädigungsberechnung nach Art. 24 Abs. 1 und 2 BVV 2 die von der EL-
Durchführungsstelle als massgebend erachteten Umstände ebenfalls zu
berücksichtigen. Es vermöge nicht einzuleuchten, weshalb an die Erfüllung der
Schadenminderungspflicht eines bei einer Pensionskasse Versicherten höhere
Anforderungen gestellt werden müssten als bei einem EL-Bezüger, würden doch die
Ergänzungsleistungen, bei denen es sich um Bedarfsleistungen handle, mittels Steuern
finanziert. Ein sparsamer Umgang mit Steuergeldern wiederum dürfte ebenso hohe
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Priorität geniessen wie eine wirtschaftliche Verwendung des vorab mit Beiträgen
geäufneten Risikokapitals der Vorsorgeeinrichtungen (Urteil, a.a.O., Erw. 6.1).
3.
3.1 Der Nachweis der Nichterzielbarkeit eines Erwerbseinkommens setzt voraus, dass
sich eine versicherte Person um Stellen bewirbt, welche ihren gesundheitlichen und
persönlichen Verhältnissen angepasst sind. Die EL-Durchführungsstelle wies den
Kläger im Schreiben vom 7. Februar 2008 darauf hin, dass er sich weiterhin und
vermehrt auch schriftlich zu bewerben habe (EL-act. 30). In den Verfügungen vom 14.
Februar und 23. Dezember 2008 kam mit Wirkung ab Januar 2008 und Januar 2009
kein hypothetisches Erwerbseinkommen zu Anrechnung (EL-act. 27, 25). Im Schreiben
vom 6. April 2009 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Kläger mit, bisher sei auf die
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens verzichtet worden. Damit die
Anrechnung nochmals geprüft werden könne, seien die Arbeitsbemühungen seit
Februar 2008 einzureichen. Sie forderte ihn auf, sich weiterhin gezielt um eine
Arbeitsstelle zu bemühen. Zumutbar seien 2-3 schriftliche Bewerbungen pro Woche
und Person. Alle Arbeitsbemühungen seien aufzubewahren (EL-act. 23). Hierauf gingen
bei der EL-Durchführungsstelle - neben Unterlagen, welche die Ehefrau des Klägers
betreffen - 21 schriftliche Bewerbungen für April bis Mai 2009 und vier
Absageschreiben vom 7. und 8. Mai 2009 sowie ausgefüllte ALV-Arbeitsbemühungs-
Formulare für die Monate Februar 2008 bis Mai 2009 ein (EL-act. 21-4/71 bis
21-41/71). Im Begleitschreiben vom 4. Mai 2009 hielt der Kläger fest, seine Frau habe
aus Unwissen die Bewerbungen und Absagen beim Aufräumen entsorgt. Künftig
würden die Bewerbungsunterlagen wieder monatlich eingereicht (EL-act. 21-3/71). In
einer Aktennotiz vom 10. Juni 2009 wurde von Seiten der EL-Behörde festgehalten, die
bis jetzt getätigten Arbeitsbemühungen würden den Anforderungen nicht genügen. Da
die Anforderungen jedoch erst mit Schreiben vom 6. April 2009 aufgezeigt worden
seien, werde auf eine Einkommensanrechnung momentan noch verzichtet. Im
September 2009 würden die Arbeitsbemühungen nochmals verlangt. Falls die
Bemühungen dann weiterhin ungenügend seien, werde ein hypothetisches Einkommen
angerechnet (EL-act. 22). In der Folge erging am 10. Juni 2009 eine Aufforderung an
den Kläger, sich mehrheitlich schriftlich um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Es lägen vor
allem telefonische Bemühungen vor. Zudem seien die eingereichten Bewerbungen
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qualitativ ungenügend (Darstellung, Schreibfehler, Hinweis auf gesundheitsbedingte 50
%ige Arbeitsfähigkeit). Ohne weiteres zumutbar seien zwei Bemühungen pro Woche
und Person. Diese seien aufzubewahren (EL-act. 20). Am 11. August 2009 forderte die
EL-Behörde den Kläger auf, die Arbeitsbemühungen seit Juni 2009 (Antwortschreiben
sowie ein Beispiel eines Bewerbungsschreibens) einzureichen (EL-act. 19). Hierauf
reichte der Kläger am 27. August 2009 10 Bewerbungsschreiben mit Datum vom 25.
August 2009 mit Rechtsschreibfehlern und Gestaltungsmängeln sowie die
Arbeitsbemühungsformulare für Juli und August 2009 ein (EL-act. 16).
Mit Verfügung vom 24. September 2009 rechnete die EL-Behörde ab 1. September
2009 ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 37'440.-- pro Jahr an (EL-act. 14).
In der Folge reichte der Kläger der EL-Behörde zehn Bewerbungsschreiben vom
27. September 2009 (EL-act. 13-13/27 bis 13-22/27), ein Arbeitsbemühungs-Formular
für September 2009 (EL-act. 13-12/27) sowie neun Absageschreiben (EL-act. 13-3/27
bis 13-11/27) ein. Am 12. Oktober 2009 gab ihm die EL-Durchführungsstelle bekannt,
nach Prüfung der Bewerbungsunterlagen bleibe es bei der Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens. Es handle sich um Blindbewerbungen. Benötigt
würden jedoch solche, die gezielt auf ein Stelleninserat erstellt worden seien (EL-act.
11). Die gegen die Verfügung vom 24. September 2009 gerichtete Einsprache (EL-act.
8) wies die EL-Behörde mit Einspracheentscheid vom 10. Januar 2010 vom Grundsatz
her ab, hielt jedoch fest, dass die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens von
Fr. 37'440.-- jährlich erst ab Oktober 2009 zulässig sei. Zur Begründung legte sie unter
anderem dar, bei den Bewerbungen des Klägers handle es sich stets um
Blindbewerbungen mit gleichem Datum und stets demselben Text. Zu verlangen seien
auch Bewerbungen auf konkret ausgeschriebene Stellen mit einer individuellen
Begründung. Falls der Kläger sprachlich überfordert sei, wäre es ihm zuzumuten,
Dritthilfe, z.B. vom RAV, in Anspruch zu nehmen. Der Kläger müsse sich viel mehr
(etwa zehnmal im Monat) und immer wieder bewerben. Zudem habe er die
Stelleninserate und die schriftlichen Absagen aufzubewahren. Erst wenn er sich im
dargelegten Rahmen erfolglos über einen längeren Zeitraum um Arbeitsstellen bemüht
habe, könne auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens verzichtet werden
(EL-act. 4).
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3.2 Aus den vorstehenden Darlegungen ergibt sich, dass die Arbeitsbemühungen des
Klägers von der EL-Durchführungsstelle effektiv überprüft wurden. Sie rechnete wie
dargelegt im Zeitraum von Februar 2008 bis und mit September 2009 kein
hypothetisches Erwerbseinkommen an. Bereits im Juni 2009 hatte sie aber die
Arbeitsbemühungen konkret beanstandet und dies dem Kläger auch mitgeteilt (EL-act.
20, 22). Erst als sich dessen Arbeitsbemühungen im Nachgang zu den schriftlichen
Beanstandungen nicht besserten, erachtete sie die Voraussetzungen für die Bejahung
eines Einkommensverzichts ab Oktober 2009 als gegeben. Es besteht kein
zureichender Anlass, für die vorliegend streitige Überentschädigungsberechnung einen
anderen (früheren) Wirkungszeitpunkt der Einkommensanrechnung vorzusehen, zumal
mit der Anrechnung ab Oktober 2009 keine Übergangs- oder Karenzfrist zur
Anpassung an veränderte erwerbliche Verhältnisse (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
15. April 2010 i/S W. [9C_592/2009], Erw. 3.4) gewährt wird. Vielmehr räumte die EL-
Durchführungsstelle dem Kläger bis zu diesem Zeitpunkt Gelegenheit ein, die Qualität
seiner Bemühungen zu verbessern. Ein Grund, von den von der EL-Behörde
gewonnenen und hier zu berücksichtigenden Erkenntnissen (vgl. dazu auch Urteil des
Bundesgerichts vom 28. September 2010 [9C_73/2010], Erw. 6.1) abzuweichen, lässt
sich aus den geschilderten Gegebenheiten nicht ableiten. Zum Einwand der Beklagten,
dass sich der Kläger in der Regel telefonisch bei potentiellen Arbeitgebern nach Stellen
erkundigt und es sich zudem um Spontanbewerbungen gehandelt habe (Duplik vom
11. November 2008 [act. G 25 von BV 2008/5] S. 5, Eingabe vom 14. Juli 2009 [G 39
von BV 2008/5] S. 1f), ist festzuhalten, dass die Arbeitsbemühungen für die Zeit von
Februar 2008 bis September 2009 (EL-act. 13-3/27 bis 13-22/27, EL-act. 16 sowie EL-
act. 21-4/71 bis 21-41/71) gemäss den Angaben in den entsprechenden Formularen
zum Teil zwar mündlich/telefonisch bzw. durch persönliche Vorsprache erfolgten, dass
jedoch - wohl als Ergebnis der wiederholten Aufforderungen der EL-
Durchführungsstelle - auch eine grössere Anzahl schriftliche Bemühungen vermerkt
sind. Die mündliche Form der Bemühungen vermag für sich allein deren Qualität noch
nicht in Zweifel zu stellen, wenn daneben auch schriftliche Bemühungen ausgewiesen
werden. Dies umso weniger, als für den Kläger ein relativ grosses Spektrum an nicht
einschlägig qualifizierten Hilfsarbeiten in Betracht kommt, für welche von potentiellen
Arbeitgebern in der Regel keine schriftlichen Bewerbungen verlangt werden. Entgegen
der Auffassung der Beklagten lässt sich aus dem Umstand, dass der Kläger lediglich
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eine beschränkte Anzahl schriftlicher Absagen von Arbeitgebern zu den Akten reichte,
nicht ableiten, dass er auch nur diesen potentiellen Arbeitgebern seine
Bewerbungsunterlagen geschickt habe (vgl. Duplik [act. G 25] in BV 2008/5, S. 6).
Erfahrungsgemäss haben bei weitem nicht alle Bewerbungen eine Reaktion von Seiten
der angeschriebenen Arbeitgeber zur Folge.
Im Weiteren ist festzuhalten, dass die ausländische Staatsangehörigkeit und die
fehlende (verwertbare) Berufsausbildung dem Kläger grundsätzlich nicht schaden, weil
die zumutbare Arbeit eine Hilfsarbeit ist, für welche eine eigentliche Ausbildung nicht
erforderlich ist. Hilfsarbeiten stellen zudem regelmässig nur geringe Anforderungen an
die (mündliche und schriftliche) Kommunikationsmöglichkeit in deutscher Sprache.
Somit dürfte der Umstand, dass die vom Kläger getätigten schriftlichen
Arbeitsbemühungen im streitigen Zeitraum in qualitativer Hinsicht (Form/Inhalt) den
üblichen Standard nicht erreichten, mit Blick auf die angestrebten Tätigkeitsbereiche
für die Absagen der potentiellen Arbeitgeber nicht von ausschlaggebender Bedeutung
gewesen sein. Allein aus der Tatsache der formell mangelhaften Arbeitsbemühungen
und den daraus resultierenden Beanstandungen von Seiten der EL-Behörde lässt sich
eine fehlende Ernsthaftigkeit der Bemühungen (vgl. act. G 12 S. 2 mit Hinweis auf EL-
act. 6-2/2) nicht ableiten; für eine solche Annahme fehlen konkrete weitere Hinweise.
Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass die Nichterzielung eines
Erwerbseinkommens im Wesentlichen darin begründet ist, dass der konkrete
Arbeitsmarkt jedenfalls im Prüfungszeitraum von 1. Februar 2008 bis 30. September
2009 keine passende Teilzeitstelle bereithielt. Deshalb ist die Vermutung für die
Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit in diesem Zeitraum als widerlegt zu erachten.
3.3 Unbestritten ist, dass für die Zeit ab Oktober 2009 bei der
Überentschädigungsberechnung ein zumutbarer Resterwerb (in Höhe des von der IV
festgelegten Invalideneinkommens) anzurechnen ist (EL-act. 1-1/2, act. G 11 [Eingabe
des Klägers vom 7. Dezember 2010]). Die vom Gericht angeforderten EL-Akten wurden
am 21. Oktober 2010 ausgedruckt, wobei das letzte erstellte Aktenstück vom 25.
Februar 2010 datiert. In letzterem liess der Kläger darlegen, dass er sich auch nach
dem September 2009 aktiv um Stellen beworben und inzwischen auch wieder beim
RAV angemeldet sei. Er stelle deshalb den Antrag, EL ohne Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens auszurichten. Die Rechtsvertreterin stellte eine
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Kontaktnahme mit der EL-Durchführungsstelle zur Vereinbarung eines
Gesprächstermins zur Darlegung der Arbeitsbemühungen in Aussicht. Diese
Kontaktnahme hat in der Folge offenbar nicht stattgefunden, weshalb der zuständige
EL-Sachbearbeiter am 30. März 2010 vermerkte, der "Fall" werde wieder abgelegt (EL-
act. 1-1/2). Der Kläger äusserte sich im vorliegenden Verfahren dahingehend, dass eine
Einkommensanrechnung ab Oktober 2009 zu Recht erfolgt sei, nahm aber zu den
Arbeitsbemühungen und der erwerblichen Situation für die Folgezeit nicht Stellung.
Aufgrund des Schreibens des Gerichts vom 4. Januar 2011 ist jedoch davon
auszugehen, dass auch für die Zeit ab Februar 2010 unveränderte Verhältnisse vor
lagen und bei der EL-Berechnung ein hypothetisches Erwerbseinkommen weiterhin zur
Anrechnung kam (act. G 14). Damit ist auch in diesem Verfahren mangels
entgegenstehender Anhaltspunkte von der Vermutung der Erzielbarkeit des von der IV
festgelegten Invalideneinkommens auszugehen. Dieses ist daher bei der
Überentschädigungsberechnung weiterhin anzurechnen.
Die Vermutung der Erzielbarkeit eines Erwerbseinkommens steht - wie die
Überentschädigungsberechnung als solche (vgl. Art. 24 Abs. 5 BVV 2) - immer unter
dem Vorbehalt einer Neuprüfung für den Fall einer wesentlichen Veränderung der
Verhältnisse. Dem Kläger ist es unbenommen, bei Vorliegen der Voraussetzungen nach
Art. 24 Abs. 5 BVV 2 eine Neuprüfung zu veranlassen und entsprechende Unterlagen
einzureichen.
4.
4.1 Die Klage ist somit - in Ergänzung des Entscheids vom 3. Dezember 2009 (BV
2008/5), der durch das Bundesgerichtsurteil vom 28. September 2010 lediglich
bezogen auf den Zeitraum ab Februar 2008 aufgehoben wurde - in dem Sinn
gutzuheissen, dass die Beklagte zu verpflichten ist, dem Kläger unter Anrechnung
bereits erbrachter Leistungen von Februar 2008 bis und mit September 2009 eine ohne
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens festgelegte Rente zu
erbringen. Im Bereich der beruflichen Vorsorge anerkennt die Rechtsprechung die
Pflicht zur Entrichtung von Verzugszinsen bei einer verspäteten Überweisung von
Freizügigkeitsleistungen sowie bei verspäteter Auszahlung eines Alterskapitals oder bei
Invalidenrenten (Hans-Ulrich Stauffer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur
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beruflichen Vorsorge, 1996, S. 27). Enthalten die Statuten keine Bestimmung über die
Höhe des Verzugszinses, beträgt dieser 5% (Art. 104 Abs. 1 OR). Der Beginn der
Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR (BGE 119 V 133 Erw. 4 = Pra 83 (1994)
Nr. 67), wonach ein Schuldner, der mit der Entrichtung von Renten im Verzug ist, erst
vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an Verzugszinsen
zu bezahlen hat. Im vorliegenden Fall hat der Kläger am 13. Februar 2008 Klage beim
Versicherungsgericht erhoben; somit schuldet ihm die Beklagte ab diesem
Zeitpunkt Verzugszins zu 5% auf den ausstehenden Leistungen
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Hingegen hat der
Kläger Anspruch auf Parteientschädigung. Im Entscheid vom 3. Dezember 2009 wurde
diese auf pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angesetzt; im Entschädigungspunkt blieb das kantonale Urteil auch nach dem
Bundesgerichtsurteil vom 28. September 2010 bestehen. Im vorliegenden Verfahren
war im Wesentlichen dieselbe materielle Frage für einen späteren Zeitraum zu prüfen
und die Parteien hatten ausschliesslich zu den vom Gericht zusätzlich beigezogenen
EL-Akten Stellung zu nehmen. In Anbetracht dieser Umstände rechtfertigt sich die
Zusprechung einer (ergänzenden) Parteientschädigung von pauschal Fr. 2'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP