Decision ID: 5793bca9-055c-5671-bbdd-2a4a3beef7e8
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im September 2000 wegen einer Fazialisparese zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, in ihrem
Heimatland B._ die Grundschule und zwei Jahre lang das Gymnasium besucht zu
haben. Einen Beruf habe sie nicht erlernt. Bis Ende August 1999 hatte sie zu 100 % als
Produktionsmitarbeiterin (Zusammensetzen von Elektroteilen, siehe IV-act. 89-18)
gearbeitet (IV-act. 10). Die Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der
Psychiatrie-Dienste Region C._ gab in ihrem Gutachten vom 2. Oktober 2002 (IV-act.
31) als Diagnosen eine komplexe Schmerzsymptomatik, wahrscheinlich im Rahmen
einer Mononeuritis multiplex bei Status nach viraler Doppelinfektion durch Epstein-
Barr-Viren und Herpes labialis mit Symptomausweitung, und eine reaktive depressive
Entwicklung mit Chronifizierung bei komplexer psychophysischer Wechselwirkung
(ICD-10: F 32.8) an. Die Arbeitsfähigkeit wurde auf maximal 30 % geschätzt. Gestützt
auf dieses Gutachten sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem IV-Grad von 74 %
ab 1. September 2000 eine ganze IV-Rente zu. Im Rahmen eines im März 2010
eingeleiteten Rentenrevisionsverfahrens wurde eine polydisziplinäre Begutachtung in
Auftrag gegeben (IV-act. 77, 81). Die Gutachter der Medas Ostschweiz gaben in ihrem
Gutachten vom 5. August 2010 (IV-act. 89) als Hauptdiagnosen mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit ein chronisches cervicocephales Schmerzsyndrom,
Restbeschwerden bei unklarer Fussdistorsion beidseits 04/10 und eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung an. Als Nebendiagnosen nannten sie anamnestisch eine
depressive Reaktion, eine residuelle idiopathische Fazialisparese links, eine
Hemihypästhesie der linken Gesichtshälfte unklarer Aetiologie und einen Verdacht auf
eine zyklothyme Persönlichkeit. Für die bisherige Tätigkeit sowie für andere Tätigkeiten
gingen die Gutachter ab dem Zeitpunkt der Begutachtung von einer maximalen
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Arbeitsunfähigkeit von 20 % aus. Gestützt auf dieses Gutachten hob die IV-Stelle die
bisherige ganze Rente der Versicherten mit Verfügung vom 18. Oktober 2010 bei einem
IV-Grad von 20 % für die Zukunft auf (IV-act. 100). Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
A.b Im Mai 2012 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf die Fazialisparese links
und eine Depression erneut zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 102). Mit
Verfügung vom 21. September 2012 trat die IV-Stelle mit der Begründung, die
Versicherte habe in ihrem neuen Gesuch nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die
tatsächlichen Verhältnisse seit der Verfügung vom 18. Oktober 2010 wesentlich
verändert hätten, nicht auf das Leistungsbegehren ein (IV-act. 120). Die Versicherte zog
die dagegen erhobene Beschwerde am 27. November 2012 zurück (IV-act. 129). Das
Beschwerdeverfahren (IV 2012/386) wurde in der Folge abgeschrieben (IV-act. 130).
B.
B.a Am 30. September 2014 meldete sich die Versicherte unter Angabe eines
Panvertebralsyndroms, eines Status nach residueller Fazialisparese und einer
Depression zum dritten Mal zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 134). Der
Wiederanmeldung lag ein Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr. med. D._ vom
26. Juni 2014 (IV-act. 137) bei. Diese hatte dem Hausarzt der Versicherten, Dr. med.
E._, berichtet, dass die Versicherte an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und an einer mittelgradigen depressiven Episode
(F32.1) leide. Die depressive Störung habe sich aufgrund der langjährigen
Schmerzsymptomatik entwickelt. Von psychiatrischer Seite her bestehe bis auf
weiteres eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. F._, Physikalische Medizin und
Rehabilitation, hatte in ihrem Bericht vom 25. Januar 2013 (IV-act. 136-2 ff.) erklärt,
dass die Versicherte an einem Panvertebralsyndrom mit/bei leichter
Wirbelsäulenfehlhaltung, muskulärer Insuffizienz und undifferenzierter somatoformer
Schmerzstörung sowie an einem Status nach residueller idiopathischer Fazialisparese
links leide. Aus rheumatologischer Sicht sei die Versicherte initial für leichte körperliche
Arbeiten zwei bis drei Stunden täglich arbeitsfähig. Über eine Zeitspanne von sechs bis
zehn Monaten sei eine langsame Steigerung bis auf 100 % durchaus denkbar. Mit
Vorbescheid vom 14. Oktober 2014 (IV-act. 149) kündigte die IV-Stelle der Versicherten
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an, dass sie nicht auf das Leistungsbegehren eintreten werde, weil die Versicherte
nicht glaubhaft dargelegt habe, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten
Verfügung wesentlich verändert hätten. Dagegen liess die Versicherte am 11.
November 2014 einen Einwand erheben (IV-act. 152). Im hierauf von der IV-Stelle bei
Dr. D._ eingeholten Bericht vom 27. November 2014 (IV-act. 155) erklärte die
behandelnde Psychiaterin, dass die Versicherte seit mindestens 10 Jahren an einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und seit mehr als 10 Jahren an einer
mittelgradigen depressiven Episode leide. In körperlicher Hinsicht leide die Versicherte
an einer ausgeprägten Müdigkeit, an Muskelschwäche und an Schmerzen. In geistiger
Hinsicht sei die Konzentration schlecht. Psychisch bestünden eine depressive
Stimmung und Angstgefühle. Die Versicherte sei seit dem 13. Mai 2014 und bis auf
weiteres zu 50 % arbeitsunfähig. RAD-Arzt Dr. med. G._, FMH Chirurgie, Praktischer
Arzt, notierte am 15. Dezember 2014 (IV-act. 157), aus dem Bericht von Dr. D._ gehe
klar hervor, dass die mittelgradige depressive Episode unter die somatoforme
Schmerzstörung zu subsumieren sei. Aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe
somit kein Einfluss auf die bisherige Arbeitsfähigkeit. Der Gesundheitszustand mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe sich seit der Verfügung vom 18. Oktober
2010 also nicht verändert. Mit Verfügung vom 5. Januar 2015 trat die IV-Stelle wie
angekündigt nicht auf die Neuanmeldung ein (IV-act. 159).Dagegen liess die
Versicherte am 3. Februar 2015 Beschwerde erheben (IV-act. 163; für eine ausführliche
Sachverhaltszusammenfassung siehe Entscheid IV 2015/26, IV-act. 173). Das
Versicherungsgericht hiess die Beschwerde am 6. August 2015 (IV 2015/26, IV-act.
173) gut; es hob die Nichteintretensverfügung auf, ersetzte sie durch einen
Eintretensentscheid und es wies die Sache zur materiellen Prüfung der Neuanmeldung
vom 30. September 2014 an die Beschwerdegegnerin zurück. Das Gericht erwog, dass
die Versicherte das Vorliegen eines leistungsbegründenden Sachverhalts mit der
Einschätzung von Dr. D._ glaubhaft gemacht habe.
B.b In der Folge setzte die IV-Stelle das Verwaltungsverfahren fort. Dr. D._ berichtete
der IV-Stelle am 14. April 2016 (IV-act. 179), dass die Versicherte seit mindestens 11
Jahren an den Diagnosen F54.4 (gemeint wohl: F45.4, anhaltende somatoforme
Schmerzstörung) und F32.1 (mittelgradige depressive Episode) leide. Zudem
vernachlässige die Versicherte die Körperhygiene. Es bestehe weiterhin eine 50 %ige
Arbeitsunfähigkeit. In Frage komme eine leichte Tätigkeit ohne Stress und mit
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mehreren Pausen (keine Produktionsarbeit). Der Hausarzt berichtete der IV-Stelle am 3.
Juli 2016 (IV-act. 182), dass die Versicherte an einer somatisierenden Depression und
an einer Fibromyalgie leide. Die somatoforme Schmerzstörung und die Depression
seien seit vielen Jahren unverändert; das Leiden sei chronisch. Die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit sollte durch Dr. D._ erfolgen.
B.c RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie,
Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, notierte am 8. Juli 2016 (IV-act. 184),
dass es sich bei der Fibromyalgie bzw. der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung um psychosomatische Erkrankungen handle, deren Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der Standardindikatoren gemäss dem
Bundesgerichtsurteil vom 3. Juni 2015 gutachterlich geklärt werden sollten. Er schlug
ein bidisziplinäres Gutachten (Psychiatrie, Orthopädie) vor. Den Gutachtern solle die
Zusatzfrage gestellt werden, ob sich der Gesundheitszustand im Vergleich zum
Referenzzeitpunkt (Gutachten der Medas Ostschweiz vom August 2010) verändert
habe und wenn ja, in welcher Art und Weise und mit welcher Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit.
B.d Die Gutachter des IME (Interdisziplinäre Medizinische Expertisen) gaben in ihrem
Gutachten vom 26. September 2016 (IV-act. 193) keine Diagnosen mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit an. Die Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
lauteten:
· Diskrete, altersentsprechende Spondylose im Bereich der HWS ohne
Funktionseinschränkung sowie ohne Radikulopathie (M47.82)
· anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
· chronifizierte mittelgradige depressive Störung, reaktiv zum Schmerzgeschehen
(F33.8).
Die Gutachter hielten in der bidisziplinären Zusammenfassung fest, dass der
Gesundheitszustand der Versicherten im Vergleich zur Referenzbegutachtung der
Medas Ostschweiz vom August 2010 als unverändert einzustufen sei. Dr. med. I._,
Psychiatrie und Psychotherapie und Neurologie, hielt im psychiatrischen Teilgutachten
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fest, das psychische Störungsbild habe bereits im Jahr 2002 bestanden und sich
psychopathologisch bis heute nicht wesentlich verändert. Das Verhalten der
Versicherten während der Exploration habe sich durch einen dysthymen Schmerzaffekt
ausgezeichnet. Die Versicherte sei gut ablenkbar gewesen, habe häufig gelacht, habe
Sinn für Humor gezeigt, habe sich durch den Gutachter aufheitern lassen und sei in
heftiges Brüllen verfallen, wenn man sie an die Zahnextraktion im Jahr 1999 erinnert
habe. Es hätten sich, wie bereits der Vorgutachter festgestellt habe, erhebliche
Hinweise auf einen sekundären Krankheitsgewinn mit einer hieraus resultierenden
deutlichen Selbstlimitierung ergeben. Die Versicherte habe sich vollständig in die
Krankenrolle begeben, die sie innerfamiliär extrem aufwerte. Statt einer
Vierfachbelastung als Ehefrau, Mutter, Hausfrau und Arbeitnehmerin werde die
Versicherte infolge der Krankheit komplett versorgt und erfahre die wohlwollende
Aufmerksamkeit der Familienangehörigen. Bezüglich des sozialen Kontextes liessen
sich keine wesentlichen Einschränkungen der Versicherten prämorbid erkennen.
Auffällig sei jedoch die bis heute nicht vollzogene soziokulturelle Integration. Die
Erkrankung (Fazialisparese 1999) habe bei der eher einfach strukturierten und mässig
gebildeten Versicherten, die sich durch ihre Körperlichkeit definiert habe ("ich war eine
sehr schöne Frau"), eine innere Verunsicherung ausgelöst, die den Boden für die zuvor
beschriebenen psychodynamischen Veränderungen gebildet habe. Es ergäben sich
keine Veränderungen der Diagnosen. Bei der Blutserumspiegelbestimmung der
angegebenen Psychopharmaka und Analgetika habe Paracetamol überhaupt nicht im
Blut nachgewiesen werden können. Lamictal habe sich im therapeutischen Wirkspiegel
gefunden, wohingegen das Quetiapin unterhalb des therapeutischen Bereichs
nachweisbar gewesen sei. Dies sei jedoch einer Unterdosierung des Medikamentes
und nicht Compliance-Problemen der Versicherten zuzuschreiben. Hingegen sei davon
auszugehen, dass das Schmerzmittel von der Versicherten nicht eingenommen werde.
Der Vorgutachter sei im Referenzgutachten zum Schluss gekommen, dass die sog.
Foerster-Kriterien nicht erfüllt seien. Auch bei einer ergebnisoffenen Diskussion der
Standardindikatoren lasse sich feststellen, dass sich die Versicherte in die Krankenrolle
geflüchtet habe und dass ein sekundärer Krankheitsgewinn bestehe. Der Grund hierfür
seien, wie der Vorgutachter festgehalten habe, eine soziokulturell und bildungsbedingte
Krankheitsüberzeugung und eine Homöostase des Umfeldes, in dem das
Krankheitsverhalten stabilisierend wirken dürfte. Auch bei einer ergebnisoffenen
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Diskussion der Standardindikatoren sei der Versicherten eine Überwindung der
Schmerzen zumutbar. IV-fremde Gründe hätten zu einer Chronifizierung des
Zustandsbildes geführt. Ein IV-relevanter Gesundheitsschaden liege damit nicht vor. In
der zuletzt ausgeübten und in einer adaptierten Tätigkeit bestehe aus rein
psychiatrischer Sicht seit dem Referenzgutachten aus dem Jahr 2010 eine 100 %ige
Arbeitsfähigkeit. Dr. med. J._, FA Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, hielt in
seinem Teilgutachten fest, dass er mit den vom rheumatologischen Vorgutachter im
Jahr 2010 erhobenen Untersuchungsbefunden, den daraus abgeleiteten
diagnostischen Feststellungen sowie der versicherungsmedizinischen Einschätzung
uneingeschränkt einiggehe. Im Rahmen der aktuellen klinischen Untersuchung habe
sich eine allseits stabile sowie uneingeschränkte Mobilität sowohl des Achsenorgans
als auch der unteren und oberen Extremitäten gezeigt. Er habe bei der Versicherten
auch kein fibromyalgisches Zustandsbild erkennen können. Die von der Versicherten
beklagten Beschwerden im Bereich der HWS könnten nur ansatzweise in Form einer
initialen, altersentsprechenden Spondylodese objektiviert werden. Hieraus ergebe sich
weder eine qualitative noch eine quantitative Einschränkung der Leistungsfähigkeit.
Dem Tagesablauf sei zu entnehmen, dass die Versicherte in ihrem privaten
Aktivitätsniveau keine wesentlichen Einschränkungen zeige. Auch ein sozialer Rückzug
liege nicht vor. Die Versicherte habe angegeben, sie sei sehr gut integriert und verfüge
über ein gutes soziales Netzwerk. Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht verfüge die
Versicherte über ausreichende Ressourcen, um ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit sowie
eine adaptierte Tätigkeit bei einem vollen Pensum zu 100 % auszuführen.
B.e RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 3. Oktober 2016 (IV-act. 194), auf das Gutachten
könne abgestellt werden. Es erfülle die geltenden Qualitätskriterien und berücksichtige
die Standardindikatoren gemäss dem Bundesgerichtsurteil vom Juni 2015.
B.f Mit Vorbescheid vom 17. Oktober 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 197). Zur Begründung hielt sie
fest, aus IV-rechtlicher Sicht liege weder somatisch noch psychiatrisch eine Diagnose
vor, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge habe. Demzufolge bestehe
angestammt wie auch adaptiert eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit. Für die
Bestimmung des Einkommens mit und ohne Behinderung sei auf die
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) abzustellen. Demnach sei
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es der Versicherten zumutbar, ein Jahreseinkommen von Fr. 53'793.-- zu erzielen. Bei
der Verwertung der vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit resultiere bei einem Validen- und
Invalideneinkommen von je Fr. 53'793.-- ein IV-Grad von 0 %. Dagegen liess die
Versicherte am 21. November 2016 durch ihren Rechtsvertreter einwenden (IV-act.
198), die behandelnde Psychiaterin sei im Gegensatz zu den Gutachtern zum Schluss
gekommen, dass sie, die Versicherte, in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Laut
der Psychiaterin habe sich die Schmerzsymptomatik wegen des unerfüllten Wunsches
entwickelt, sich weiterzubilden bzw. studieren zu gehen. Bei der Begutachtung seien
keine inneren Konflikte exploriert worden. Die Mononeuritis sei nur ein Trigger für die
schon bestehende Problematik (die Versicherte habe am Arbeitsplatz ihre Meinung
nicht sagen können/dürfen) gewesen. Es handle sich um tiefe innere Konflikte, welche
die Versicherte nicht überwinden könne. Der Rentenanspruch der Versicherten sei
nochmals zu überprüfen.
B.g Mit Verfügung vom 6. Dezember 2016 wies die IV-Stelle das Rentengesuch wie
angekündigt ab (IV-act. 199). Zum Einwand hielt sie fest, dass die von der
behandelnden Psychiaterin angegebenen Einschränkungen in deren Bericht vom 19.
April 2016 im Gutachten mitberücksichtigt worden seien. Im Gutachten sei darauf
hingewiesen worden, dass IV-fremde Gründe zu einer Chronifizierung des
Zustandsbildes geführt hätten. Mangels neuer medizinischer Tatsachen werde am
bisherigen Entscheid festgehalten.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 23. Januar 2017 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr neuer Rechtsvertreter
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache
mindestens einer halben Rente mit Wirkung spätestens ab März 2015; eventualiter sei
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine neue Begutachtung durch die IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) anzuordnen. Zur Begründung machte der
Rechtsvertreter geltend, statt einer orthopädisch-psychiatrischen Begutachtung hätte
sich eher eine neurologisch-rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung
aufgedrängt. Den Schlussfolgerungen der IME-Gutachter könne nicht gefolgt werden.
Bereits der ehemalige Rechtsvertreter habe auf den Widerspruch zwischen dem
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unerfüllbaren Wunsch, sich weiterzubilden und studieren zu gehen, und der Tätigkeit
als Fabrikarbeiterin aufmerksam gemacht. Auch wenn die Beschwerdeführerin erwähnt
habe, dass sie mit ihrer Arbeitsstelle zufrieden gewesen sei, sei offensichtlich, dass nur
schon diesbezüglich ein innerer Konflikt bestanden habe, den die Beschwerdeführerin
nicht habe überwinden können bzw. nicht überwinden könne. Beim Vergleich des IME-
Gutachtens mit dem Vorgutachten aus dem Jahr 2010 lasse sich sehr wohl eine
erhebliche Verschlechterung des Zustandes herauslesen: Nicht nur die behandelnde
Psychiaterin spreche von einer chronifizierten, mindestens mittelgradig ausgeprägten
depressiven Störung, sondern auch der IME-Gutachter selbst. Wie eine "chronifizierte"
mittelgradige depressive Störung immer noch als reaktiv zum Schmerzgeschehen solle
eingestuft werden können, sei nicht nachvollziehbar. Nach 16 Jahren anhaltender
depressiver Störung sei davon auszugehen, dass sich diese verselbständigt habe und
unabhängig vom Schmerzgeschehen vorhanden sei. Ausserdem sei im Jahr 2010 eine
ganz andere psychische Diagnose gestellt worden. Damals sei lediglich von einer
"anamnestisch vorhandenen depressiven Reaktion" die Rede gewesen. Wie man dann
als Gutachter behaupten könne, es liege keine Veränderung und keine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes vor, sei schleierhaft. Das Gutachten sei
insoweit in sich widersprüchlich und nicht verwertbar. Zudem werde auf Seite 67 des
IME-Gutachtens erklärt, das psychische Störungsbild sei "seit 2002" im Wesentlichen
unverändert. Dabei habe der Gutachter übersehen, dass die Beschwerdeführerin ja
gerade gestützt auf den Zustand 2002 eine IV-Rente zugesprochen erhalten habe. Der
Vergleich mit dem Jahr 2002 sei gar nicht gefragt gewesen. Das Durcheinander weise
auf eine unsorgfältige Auftragserledigung hin. Des Weiteren ergebe sich auch aus der
Behandlungsbedürftigkeit − die Beschwerdeführerin befinde sich seit 2013 in
regelmässiger Behandlung − eine klare graduelle Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes seit dem Jahr 2010. Bezüglich des fehlenden Nachweises von
Paracetamol im Blut sei einerseits darauf hinzuweisen, dass der Abbau der Wirkstoffe
im Blut bei jeder Person anders verlaufe. Andererseits habe die Beschwerdeführerin
anlässlich der Begutachtung erklärt, dass sie das Paracetamol schon vor einiger Zeit
abgesetzt habe und mit Dafalgan kompensiere. In orthopädisch-somatischer Hinsicht
schweige sich das Gutachten aus. Die orthopädische Untersuchung an sich lasse sich
aus dem Gutachten nicht entnehmen. Im Jahr 2010 sei lediglich von einer
"undifferenzierten Somatisierungsstörung" gesprochen worden, während im Jahr 2016
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eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden sei. Die
Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde sei unter den Tisch gewischt
worden; die Fazialisparese links sei noch immer vorhanden. Zur Ausprägung und
Schwere der somatoformen Schmerzstörung äussere sich das Gutachten nicht. Die
Behauptung, die Beschwerdeführerin sei früher überfordert gewesen ("Vierfach-
Belastung"), sei unzutreffend. Zu den persönlichen Ressourcen schweige sich das
Gutachten aus. Allfällige Ressourcen seien offensichtlich nicht mehr mobilisierbar.
Schliesslich sei nicht ersichtlich, welche IV-fremden Gründe zur Chronifizierung des
Zustandsbildes geführt haben sollten.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. März 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung hielt sie fest, dass das IME-Gutachten den
Anforderungen der Rechtsprechung entspreche. Es hätten umfassende
Untersuchungen stattgefunden. Die in den Akten liegenden medizinischen Berichte der
früheren Behandler seien den Gutachtern bekannt gewesen und die Gutachter hätten
zu diesen auch Stellung genommen. Die Diagnostik und die Einschätzung seien
unabhängig vom Medikamentenspiegel erfolgt. Der psychiatrische Gutachter habe sich
dabei auf die aktuelle Verhaltensbeobachtung, die Längsschnittbeurteilung aufgrund
des dokumentierten und des selbst erhobenen Psychostatus und die bidisziplinäre
Besprechung gestützt. Auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin gewisse
verordnete Medikamente einnehme, zeige, dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
unter Ausschluss der Therapiecompliance erfolgt sei. Die Diagnose einer mittelgradigen
depressiven Störung sei vom psychiatrischen Gutachter beachtet, allerdings als ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingestuft worden.
C.c Der Rechtsvertreter machte in seiner Replik vom 14. Juni 2017 ergänzend geltend
(act. G 8), dass die frappanten Unterschiede in der psychiatrischen Einschätzung
zwischen 2010 und 2016 nicht einfach hätten übergangen werden dürfen. Die
Medikation habe sehr wohl einen Einfluss auf die Frage der Arbeitsfähigkeit. Die
Einnahme diverser Medikamente führe zu einer Verringerung der Durchhaltefähigkeit
und der Konzentration und zu einer erhöhten Ermüdbarkeit. Auch deshalb könne es
nicht sein, dass die diagnostizierte mittelgradige depressive Störung keine
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe. Es werde bestritten, dass kein
ausgeprägter sozialer Rückzug vorliege. Daraus, dass die Beschwerdeführerin von
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ihren Familienangehörigen und von wenigen ehemaligen Freundinnen und Bekannten
begleitet werde, könne keine Inkonsistenz abgeleitet werden. Der Anstoss zu solchen
Begegnungen gehe nicht von der Beschwerdeführerin aus.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen
1.
Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss Art. 60
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der
Verfügung einzureichen. Die angefochtene Verfügung datiert vom 6. Dezember 2016,
die Beschwerde ist aber erst am 23. Januar 2017 erhoben worden. Gesetzliche oder
behördliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen vom
18. Dezember bis und mit dem 2. Januar still (Art. 38 Abs. 4 lit. c ATSG). Gemäss den
Angaben des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin ist die Verfügung am 8.
Dezember 2016 zugestellt worden. Die Frist hat also am 9. Dezember 2016 zu laufen
begonnen. Bis zu den Gerichtsferien sind somit neun Tage verstrichen. Die Frist hat
dann erst wieder am 3. Januar 2017 zu laufen begonnen (10. Tag der Frist). Der 30. Tag
der Frist ist folglich auf den Montag, 23. Januar 2017 gefallen. Der Rechtsvertreter hat
an diesem letzten Tag der Frist Beschwerde erhoben. Die Beschwerde ist demnach
rechtzeitig erfolgt, weshalb auf sie einzutreten ist.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin hat sich, nachdem sie von September 2000 bis November
2010 eine ganze IV-Rente bezogen hatte, im September 2014 erneut zum Bezug von
IV-Leistungen angemeldet. Bei der Anmeldung vom September 2014 hat es sich somit
um eine sogenannte Neu- bzw. Wiederanmeldung gehandelt. Die Beschwerdegegnerin
ist auf diese Neuanmeldung nicht eingetreten. Das Gericht hat die
Nichteintretensverfügung mit Entscheid vom 6. August 2015 durch einen
Eintretensentscheid ersetzt und die Sache zur materiellen Prüfung der Neuanmeldung
vom September 2014 an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Die Eintretensfrage
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ist damit bereits rechtskräftig beantwortet und kann in diesem Beschwerdeverfahren
nicht mehr beurteilt werden. Mit der nun angefochtenen Verfügung hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-
Grad von 0 % verneint. Strittig ist demnach, ob die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
3.
3.1 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere die
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Berichte der behandelnden Psychiaterin Dr. D._ und das Gutachten des IME vom
September 2016 im Recht.
3.2 Gemäss dem Bundesgericht muss bei einer erneuten Anmeldung nach einer
vorausgegangenen rechtskräftigen Abweisung eines Rentenbegehrens geprüft werden,
ob ein Revisionsgrund i.S. von Art. 17 ATSG vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 4. März 2015, 9C_9/2015). Die Beschwerdegegnerin hat die IME-Gutachter in
Einklang mit dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung aufgefordert, zur
Veränderung des Gesundheitszustandes im Vergleich zum Gutachten der Medas
Ostschweiz vom August 2010 Stellung zu nehmen. Die Gutachter haben sich deshalb
bei ihrer Beurteilung am Gutachten der Medas Ostschweiz aus dem Jahr 2010
orientiert. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen teilt die Auffassung des
Bundesgerichts bezüglich der analogen Anwendung von Art. 17 ATSG bei einer
Neuanmeldung nicht. Gemäss der kantonalen Rechtsprechung unterscheidet sich eine
Neuanmeldung/Wiederanmeldung nicht von einer erstmaligen Anmeldung, weshalb der
Rentenanspruch auch bei einer Neuanmeldung umfassend zu prüfen ist (zum Ganzen
siehe z.B. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6.
Dezember 2016, IV 2014/188 E. 1.3 ff.). Der Umstand, dass die IME-Gutachter davon
ausgegangen sind, dass im vorliegenden Verfahren insbesondere die Entwicklung des
Gesundheitszustandes resp. der Arbeitsfähigkeit seit der Vorbegutachtung im August
2010 relevant sei, schmälert den Beweiswert des Gutachtens allerdings nicht. Auch bei
einer Begutachtung im Rahmen eines Revisionsverfahrens müssen die Gutachter
nämlich den aktuellen Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit erheben.
Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob das IME-Gutachten in materieller Hinsicht
überzeugt.
3.3 Bezüglich der Auswahl der Gutachtensdisziplinen, die der Rechtsvertreter "am
Rande" kritisiert hat, ist folgendes anzumerken: Es ist nicht ersichtlich, welche
zusätzlichen Erkenntnisse eine neurologische und eine rheumatologische Abklärung
hätten bringen sollen. In neurologischer Hinsicht besteht laut der behandelnden Ärztin
Dr. F._ lediglich noch ein Status (d.h. ein Zustand) nach einer residuellen
idiopathischen Fazialisparese links (IV-act. 136-2 ff.). Zudem haben sich bereits die
Vorgutachter der Medas Ostschweiz mit den Auswirkungen der (damals noch
residuellen) Fazialisparese auf die Arbeitsfähigkeit auseinandergesetzt. Allfällige
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rheumatologische Beschwerden hätte der orthopädische Gutachter ohne weiteres
beurteilen können. Allerdings hat selbst die behandelnde Fachärztin Dr. F._ in
rheumatologischer Hinsicht keine wesentlichen Behinderungen gesehen (Bericht vom
8. September 2015, IV-act. 136). Die Beschwerdegegnerin hat sich bei der Auswahl der
Disziplinen für die Begutachtung auf den Vorschlag des RAD abgestützt (IV-act. 184-3).
Nach dem Gesagten ist nicht ersichtlich und ist im Übrigen vom Rechtsvertreter auch
nicht begründet worden, inwiefern die Beschwerdegegnerin ihren Ermessensspielraum
bei der Sachverhaltsabklärung durch die Anordnung lediglich eines bidisziplinären
orthopädisch-psychiatrischen Gutachtens verletzt haben sollte.
3.4 In somatischer Hinsicht hat der orthopädisch-chirurgische IME-Gutachter eine
diskrete, altersentsprechende Spondylose im Bereich der HWS ohne
Funktionseinschränkung und ohne Radikulopathie diagnostiziert. Angesichts dieses
geringen pathologischen Befundes überzeugt seine Einschätzung, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin
(Zusammensetzen von Elektroteilen) zu 100 % arbeitsfähig sei. Der Gutachter hat sich
auch mit der Frage auseinandergesetzt, ob ein fibromyalgisches Zustandsbild vorliege;
er hat dies jedoch überzeugend verneint. Das orthopädische Teilgutachten enthält eine
Beschreibung der Untersuchungssituation, einen klinischen Untersuchungsbefund,
eine aktuelle nativradiologische Bildgebung der HWS und eine abschliessende
Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin aus orthopädisch-chirurgischer Sicht. Das Gutachtensergebnis
deckt sich mit der Beurteilung der behandelnden Ärztin Dr. med. F._, Physikalische
Medizin und Rehabilitation, die aus rheumatologischer Sicht keine wesentlichen
Behinderungen festgestellt hat (Bericht vom 8. September 2014 resp. vom 25. Januar
2013, IV-act. 136). Ebenso hat der Hausarzt ausser einer Fibromyalgie keine
somatischen Diagnosen angegeben (Bericht vom 3. Juli 2016, IV-act. 182). Der
Rechtsvertreter hat behauptet, dass die Fazialisparese nicht einfach "abgeheilt" sei,
sondern sich bei einem mehrmaligen Blickkontakt und in einem Gespräch "ziemlich
realistisch" zeige. Der orthopädisch-chirurgische Gutachter des IME hat bei der
orthopädisch-neurologischen Untersuchung allerdings keine Residuen der linksseitigen
N. Fazialisparese mehr erheben können (vgl. IV-act. 193-135). Seine Befunderhebung
deckt sich mit den Angaben der behandelnden Ärztin Dr. F._, die als Diagnose
lediglich noch einen Status nach residueller idiopathischer Fazialisparese links
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angegeben hat. Bereits im Jahr 2010 hat der Vorgutachter die periphere Fazialisparese
als gut verheilt und als nur noch leicht vorhanden beschrieben und als nicht
arbeitsfähigkeitsrelevant bezeichnet (IV-act. 89-17). Die im Jahr 1999 erlittene
Gesichtslähmung hat im Verfügungszeitpunkt also offensichtlich keinen Einfluss (mehr)
auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gehabt. Demzufolge ist auf die
überzeugende Beurteilung des orthopädisch-chirurgischen IME-Gutachters
abzustellen, wonach die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in ihrer bisherigen
Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin zu 100 % arbeitsfähig sei.
3.5 Der Hauptgrund für die Neuanmeldung ist eine Depression gewesen. Die
Beschwerdeführerin befindet sich seit Mai 2014 in der Behandlung der Psychiaterin
Dr. D._. Diese hat der Beschwerdeführerin wegen einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und einer mittelgradigen depressiven Episode eine 50 %ige
Arbeitsunfähigkeit auch für eine leidensangepasste Tätigkeit attestiert. Die Diagnosen
des psychiatrischen Gutachters des IME stimmen mit denjenigen der behandelnden
Psychiaterin weitgehend überein: Auch er hat der Beschwerdeführerin eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Die depressive Störung hat er wie
Dr. D._ als mittelgradig, chronifiziert und als reaktiv zum Schmerzgeschehen
beurteilt. Allerdings unterscheiden sich die angegebenen ICD-10-Codes. Dr. D._ hat
F32.1 erwähnt ("mittelgradige depressive Episode"), der psychiatrische IME-Gutachter
hingegen F33.8 ("sonstige rezidivierende depressive Störungen"). Obwohl die
Gutachter (zumindest aus der Sicht eines medizinischen Laien) ähnliche Diagnosen
gestellt haben, unterscheiden sich ihre Arbeitsfähigkeitsschätzungen eklatant: Während
Dr. D._ von einer 50 %igen Einschränkung für jegliche Tätigkeiten ausgegangen ist,
hat der psychiatrische Gutachter des IME die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
weder in der angestammten Tätigkeit noch in einer adaptierten Tätigkeit als
eingeschränkt erachtet; er ist also von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen.
3.5.1 Der psychiatrische IME-Gutachter hat festgehalten, dass sich seit der letzten
Begutachtung keine Veränderungen der Diagnosen ergeben hätten (IV-act. 193-95).
Der psychische Gesundheitszustand sei im Vergleich zur Referenzbegutachtung der
Medas Ostschweiz vom August 2010 als unverändert einzustufen (IV-act. 193-97). Er
hat ausserdem darauf hingewiesen, dass das psychische Störungsbild seit 2002 im
Wesentlichen unverändert sei (IV-act. 193-96). Der Rechtsvertreter der
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Beschwerdeführerin hat in diesen Aussagen des psychiatrischen Gutachters des IME
zu Recht einen Widerspruch erkannt: Der psychiatrische Gutachter der Medas
Ostschweiz hatte im Gutachten vom August 2010 nämlich erklärt, dass im Vergleich
zur letzten psychiatrischen Untersuchung (November 2002) eine deutliche Besserung
eingetreten sei; eine depressive Störung sei nicht mehr nachzuweisen (IV-act. 89-31).
Der Medas-Ostschweiz-Gutachter hatte deshalb lediglich noch von einer anamnestisch
depressiven Reaktion (F32.8) gesprochen. Entgegen der Meinung des psychiatrischen
Gutachters des IME hatte sich die von der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und
Psychotherapie der Psychiatrie-Dienste Region C._ im Gutachten vom Oktober 2002
diagnostizierte reaktive depressive Entwicklung also spätestens im Jahr 2010
zurückgebildet. Auch die Aussage des psychiatrischen Gutachters des IME, dass keine
Uneinigkeit über die Diagnosen bestehe (IV-act. 193-95), ist angesichts der Tatsache,
dass der Gutachter im Jahr 2010 lediglich anamnestisch eine depressive Reaktion
angegeben hatte, nicht nachvollziehbar. Da der psychiatrische Gutachter des IME
irrtümlich davon ausgegangen ist, dass seine Beurteilung mit derjenigen des
Vorgutachters der Medas Ostschweiz aus dem Jahr 2010 übereinstimmt, hat er es
auch unterlassen, zur früheren gutachterlichen Beurteilung Stellung zu nehmen.
Schliesslich hat es der psychiatrische IME-Gutachter auch versäumt, sich mit der
divergierenden Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ auseinanderzusetzen.
3.5.2 Der psychiatrische Gutachter des IME hat der Beschwerdeführerin zwar eine
chronifizierte mittelgradige depressive Störung diagnostiziert. Einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit hat er dieser Diagnose jedoch nicht beigemessen. Eine Begründung,
weshalb sich diese immerhin mittelgradige depressive Erkrankung nicht auf das
funktionelle Leistungsvermögen auswirken solle, fehlt allerdings. Möglicherweise ist der
Gutachter davon ausgegangen, dass die Depression wegen ihrer reaktiven Natur und
wegen der IV-fremden Gründe, die zur Chronifizierung des Zustandsbildes geführt
haben sollen, aus IV-rechtlicher Sicht von Vornherein nicht arbeitsfähigkeitsrelevant sei.
Ob eine depressive Erkrankung ihren Ursprung in körperlichen Schmerzen, in einer
soziokulturellen Überforderung oder in psychosozialen Belastungsfaktoren hat, spielt
jedoch im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren keine Rolle (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Dezember 2018, 8C_415/2018 E. 4.3.2; Urteil vom 29. April
2014, 8C_830/2013 E. 5.2.3 und BGE 136 V 279 E. 3.2.1). Entscheidend ist einzig, ob
es sich um ein verselbständigtes psychisches Leiden handelt. Hinzu kommt, dass das
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mit BGE 141 V 281 vom Bundesgericht für anhaltende somatoforme
Schmerzstörungen und vergleichbare unklare Beschwerdebilder eingeführte
strukturierte Beweisverfahren (Indikatorenprüfung) mit BGE 143 V 409 vom
30. November 2017 auf leicht- bis mittelgradige depressive Störungen ausgeweitet
worden ist. Eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des − unter
Berücksichtigung der leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und
den Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits − tatsächlich erreichbaren
Leistungsvermögens ist im vorliegenden Fall bezüglich der depressiven Erkrankung
nicht ansatzweise erfolgt (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.6).
3.5.3 Das psychiatrische Teilgutachten des IME lässt aber nicht nur hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeitsschätzung, sondern auch hinsichtlich der Diagnose einer
chronifizierten mittelgradigen depressiven Störung Zweifel offen. Einige "klassische"
Symptome einer Depression sind bei der klinischen Untersuchung durch den IME-
Gutachter nämlich entweder nicht oder nur schwach ausgeprägt gewesen
(Aufmerksamkeit und Konzentration können während der knapp vierstündigen
Untersuchung gut gehalten werden, ausserhalb des Themas Gesichtsschmerzen
affektiv völlig unauffällig, allenfalls minime Einschränkungen der Schwingungsfähigkeit,
psychomotorisch unauffällig, mässige Störung des Antriebs; siehe IV-act. 193-86 ff.).
Allerdings fehlt dem Gericht das medizinische Fachwissen, um abschliessend
beurteilen zu können, ob die vom IME-Gutachter gestellte Diagnose aufgrund der
erhobenen psychopathologischen Befunde gerechtfertigt ist oder nicht. Eine Rückfrage
an den Gutachter wäre allenfalls in Betracht gekommen, wenn lediglich eine
Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung der Beurteilung notwendig gewesen wäre.
Angesichts der aufgezeigten Widersprüche und Mängel ist von einer Rückfrage im
vorliegenden Fall jedoch nichts zu erwarten. Auf das psychiatrische Teilgutachten kann
somit nicht abgestellt werden.
3.5.4 Auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Psychiaterin kann nicht
als Grundlage für den Rentenentscheid herangezogen werden. Einerseits ist gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
dass Hausärzte und behandelnde Spezialärzte mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten aussagen. Namentlich in
umstrittenen Fällen kann nicht ohne weiteres auf die Angaben eines behandelnden
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Haus- oder Spezialarztes abgestellt werden (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2). Andererseits hat Dr. D._,
was aufgrund ihrer Funktion als behandelnde Ärztin auch nachvollziehbar ist, keine
Indikatorenprüfung durchgeführt, wie sie seit BGE 141 V 281 vom Bundesgericht bei
anhaltenden somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren unklaren
Beschwerdebildern gefordert wird und mit BGE 143 V 409 auch auf depressive
Störungen ausgeweitet worden ist. Demzufolge liegt keine überzeugende
Arbeitsfähigkeitsschätzung in psychiatrischer Hinsicht im Recht. Aus diesem Grund ist
eine erneute psychiatrische Begutachtung unerlässlich.
3.6 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die
Neubegutachtung in Auftrag geben muss, d.h. ob die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen oder ob ein Gerichtsgutachten zu veranlassen
ist. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll ein kantonales
Versicherungsgericht in der Regel dann ein Gerichtsgutachten einholen, wenn es im
Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener
medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch
gutachtlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise sei in einem
rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle soll
hingegen möglich bleiben, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten
Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine
Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von
gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
11. Dezember 2014, 8C_633/ 2014 E. 3.2; BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Das
psychiatrische Teilgutachten des IME ist widersprüchlich und weist Mängel auf,
weshalb es nicht beweiskräftig ist. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
müsste in diesem Fall an sich ein Gerichtsgutachten eingeholt werden. Die
bundesgerichtliche Praxis leuchtet jedoch nicht ein: Die IV-Stellen sind gestützt auf Art.
43 Abs. 1 ATSG verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen
vorzunehmen. Sie haben somit u.a. den medizinischen Sachverhalt soweit abzuklären,
dass die Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin steht nicht rechtsgenüglich fest. Würde das Versicherungsgericht
nun ein Gerichtsgutachten in Auftrag geben, würde es die der Beschwerdegegnerin
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obliegende Aufgabe der Sachverhaltsermittlung "übernehmen". Dies wäre
gesetzwidrig, da der Gesetzgeber diese Aufgabe, d.h. die rechtsgenügliche Ermittlung
des Sachverhalts, der Beschwerdegegnerin zugewiesen hat. Eine solche
Rechtsverletzung kann durch die vom Bundesgericht behaupteten Vorteile von
Gerichtsgutachten, die namentlich in einer Straffung des Gesamtverfahrens und in
einer Beschleunigung der Rechtsgewährung bestehen sollen (siehe BGE 137 V 210
E. 4.4.1.2), nicht "geheilt" werden. Zu beachten ist auch, dass einer versicherten
Person durch die Einholung eines Gerichtsgutachtens die Möglichkeit genommen wird,
die sich darauf stützende Rentenverfügung von zwei Gerichtsinstanzen überprüfen zu
lassen. Dies ist insbesondere auch deshalb problematisch, weil das Bundesgericht, die
einzige verbleibende Instanz, nur über eine eingeschränkte Kognition verfügt, d.h. es
kann den vom kantonalen Versicherungsgericht festgestellten Sachverhalt nur
eingeschränkt überprüfen (siehe Art. 97 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110). Die
Einholung eines Gerichtsgutachtens ist deshalb nur in jenen Fällen angezeigt, in denen
die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt zwar mittels eines qualitativ ausreichenden
Gutachtens abgeklärt hat, für die rechtliche Würdigung aber trotzdem die Einholung
eines weiteren Gutachtens notwendig ist, namentlich weil als Folge eines ebenfalls
qualitativ ausreichenden Privatgutachtens zwei sich widersprechende
Arbeitsfähigkeitsschätzungen im Recht liegen. Dies ist hier nicht der Fall. Die
psychiatrische Neubegutachtung ist folglich durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag
zu geben.
3.7 Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde wegen der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1
ATSG aufzuheben und die Sache ist zur erneuten psychiatrischen Begutachtung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
bis
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Verwaltung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (BGE 132 V 215
E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat
keine Honorarnote eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen.