Decision ID: bf2763a6-fba8-4e29-9d75-881a3d9eac3d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 14. Juni/5. Juli 2016 (IV-act. 1) bei der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (berufliche Integration/Rente) an. Er sei 199_ in die Schweiz
gekommen. Am _. Februar 2015 habe er einen Bandscheibenvorfall erlitten und sei bis
2. Juni 2015 arbeitsunfähig gewesen, danach wieder voll arbeitsfähig. Zuletzt sei er
vom 3. Juni 2015 bis 15. Dezember 2015 bei einer _unternehmung zu 100 % als
Bauarbeiter tätig gewesen. Danach sei er bis zum _. Januar 2016 bei der
Arbeitslosenkasse gemeldet gewesen. An jenem Tag habe er einen Rückfall erlitten.
Anschliessend sei eine Rückenoperation erfolgt. - Am 14. Juli 2016 (IV-act. 9) ergänzte
er, er sei von August 2004 bis November 2014 in einer C._ angestellt (und danach bis
zum 2. Juni 2015 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum, RAV, angemeldet bzw.
tätig) gewesen. - Die gut vierzehn Jahre davor hatte er gemäss IK-Auszug (IV-act. 11) in
einem anderen Arbeitsverhältnis gestanden. - In einer Arbeitgeberbescheinigung vom
22. Juli 2016 (IV-act. 12) bestätigte die _unternehmung die erwähnte
Anstellungsdauer und gab die Arbeitszeit (7._ von 8._ betriebsüblichen Stunden) und
den Stundenlohn des Versicherten ab 14. Dezember 2015 ([...]) an.
A.a.
Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gab in einem
IV-Arztbericht zur Eingliederung vom 19. August 2016 (IV-act. 16) an, es liege beim
Versicherten eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt
vor, die sich seit Frühling 2016 schleichend entwickelt habe. Zurzeit bestehe keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte brauche dringend berufliche
Massnahmen zum Aufbau des Vertrauens in die eigene körperliche und geistige
A.b.
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Leistungsfähigkeit. Nachher könne von einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit für eine den
körperlichen Leiden angepasste Tätigkeit ausgegangen werden.
Dr. med. E._, Facharzt für allgemeine Medizin und Pneumologie FMH, erklärte in
seinem IV-Arztbericht zur Eingliederung vom 6. September 2016 (IV-act. 17), es
bestünden ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom, eine mediale
Diskushernie L4/L5 und eine Spinalkanalstenose sowie ein St. n. neurochirurgischer
Diskektomie L3/4, L4/5, L5/S1 links und Diskektomie L4/5 rechts 11.2.2016. Der
Versicherte sei seit dem _. Januar 2016 arbeitsunfähig. Eine Tätigkeit mit Abwechslung,
bei der er nicht schwer heben und tragen müsse, sei an sechs bis acht Stunden pro
Tag zumutbar.
A.c.
Am 3. November 2016 fand ein Assessmentgespräch statt. Dabei wurde
vereinbart, dass sich der Versicherte zu 20 % arbeitsfähig schreiben lassen und beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) anmelden werde (IV-act. 44-4). - In
einem Strategie-Protokoll vom 24. November 2016 (IV-act. 25) wurde festgehalten, der
Versicherte wolle unbedingt so schnell wie möglich wieder arbeiten und wäre froh um
eine Unterstützung durch die Invalidenversicherung. Da er immer auf dem Bau
gearbeitet habe, sei für ihn zwar schwer vorstellbar, in einem anderen Tätigkeitsbereich
zu arbeiten, doch er wolle es gern versuchen. Es sei von einer Arbeitsfähigkeit von
80 %, steigerungsfähig auf 100 %, auszugehen. - Im Januar 2017 wurde ein
Eingliederungsplan berufliche Abklärung/Einsatzprogramm unterzeichnet, wonach der
Versicherte im Rahmen einer beruflichen Abklärung in einer Institution bei der
Stellensuche unterstützt werde. - Am 26. Januar 2017 (IV-act. 32) erteilte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Versicherten entsprechend Gutsprache für
die Kosten einer beruflichen Abklärung vom 9. Januar 2017 bis 8. April 2017 (mit
Taggeld, vgl. IV-act. 35).
A.d.
In einem Assessment- und Verlaufsprotokoll (vom 12. Mai 2017, IV-act. 44) wurde
festgehalten, am 14. Februar 2017 habe der Versicherte erklärt, es gefalle ihm in der
Institution sehr gut und die Arbeit tue ihm gut. Er arbeite bereits in vollem Pensum. Er
habe jedoch immer Schmerzen und seit der Arbeitsaufnahme habe er auch die Dosis
der Schmerzmedikation erhöhen müssen. Er hoffe aber, dass sich das noch etwas
stabilisieren werde. Am besten gehe es ihm, wenn er sitzend arbeiten könne. Von
A.e.
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Seiten der Institution sei berichtet worden, der Versicherte sei sehr zuverlässig und
erbringe eine sehr gute Arbeitsqualität. Als er einen Auftrag erhalten habe, bei dessen
Erfüllung er längere Zeit habe stehen müssen, sei klar geworden, dass das nicht
möglich sei. Der Versicherte habe daraufhin eingesehen, dass eine Rückkehr auf den
Bau nicht mehr möglich sei. - Am 8. März 2017 habe er erklärt, die Arbeit gefalle ihm
gut. Er habe bessere und schlechtere Tage. Die Beschwerden habe er aber ohnehin
ständig, also gehe er lieber arbeiten. Das Vollpensum sei allerdings schon sehr viel für
ihn. Seitens der Institution sei berichtet worden, der Versicherte verrichte seine Arbeit
sehr gut und weitgehend selbständig. Qualität und Quantität seien genügend bis gut.
Es bestehe eine Leistungsminderung von 40 bis 50 %, die aufgrund der Schmerzen
nachvollziehbar und dem Versicherten auch anzusehen sei. Das Vollpensum sei (als
Anforderung) eher etwas grenzwertig. - Am 30. März 2017 habe der Versicherte
mitgeteilt, seine körperlichen Beschwerden hätten in letzter Zeit wieder stark
zugenommen. Er habe vor allem verstärkte Rückenschmerzen auf der linken Seite und
die Gefühlsstörungen im rechten Bein seien ebenfalls stärker geworden, weshalb
zurzeit weitere Abklärungen bei Dr. med. F._, Facharzt FMH für Neurochirurgie,
durchgeführt würden. Der Mitarbeiter der Institution habe angegeben, das Vollpensum
sei eindeutig zu viel für den Versicherten. Er sei wegen der grossen Schmerzen oft
früher (nach etwa 6.5 Stunden) nach Hause geschickt worden. - Am 3. April 2017 (IV-
act. 36) hielt die IV-Eingliederungsverantwortliche fest, der Gesundheitszustand des
Versicherten sollte nochmals eingehend abgeklärt werden, denn nach Angaben der
Institution sei eine Arbeitsfähigkeit im zweiten Arbeitsmarkt von 60 % eruiert worden,
die einer im ersten Arbeitsmarkt verwertbaren Arbeitsfähigkeit von 30 bis 40 %
entspreche.
In einem Verlaufsbericht vom 19. April 2017 (IV-act. 37) erklärte Dr. D._, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich verbessert. Es bestehe ein Zustand
nach Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt, gegenwärtig -
seit Januar/Februar 2017 - weitgehend remittiert. Es müsse jedoch immer noch von
einer angstbedingten reduzierten allgemeinen psychischen Belastbarkeit ausgegangen
werden. Einzig Nachtarbeit sei dem Versicherten nicht zumutbar.
A.f.
Am 10. Mai 2017 (IV-act. 45) wurde der Schlussbericht über die berufliche
Abklärung/Berufsberatung erstellt. In Bezug auf den ersten Arbeitsmarkt bestehe eine
A.g.
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Leistungsfähigkeit des Versicherten von 20 bis 30 % (bei einem Pensum von 60 %). Er
benötige einen adaptierten Nischenarbeitsplatz, eventuell in einer Institution. Ein
weiterer Faktor seien die knappen Deutschkenntnisse. Es würden die Rentenprüfung
und eine Anstellung im geschützten Rahmen empfohlen. - Am 11. Mai 2017 (IV-act. 43)
wurde von der Arbeitslosenversicherung mitgeteilt, der Versicherte habe ab 10. April
2017 Anspruch auf 90 ALV-Taggelder. Seine Arbeitsfähigkeit betrage zurzeit gemäss
Arztzeugnis 20 %. - Der RAD hielt am 16. November 2017 (IV-act. 51) fest, die im
Abklärungsbericht beschriebene Arbeitsfähigkeit von 20 bis 30 % sei nicht plausibel.
Es müsste in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit eine solche von mindestens
60 % vorliegen, steigerungsfähig auf ein volles Pensum.
Dr. E._ gab in einem IV-Arztbericht vom 21. Dezember 2017 (IV-act. 53,
Eingangsdatum) bekannt, es bestünden ein chronisches lumbovertebrales Syndrom bei
Spinalkanalstenose L4/5 und ein Z. n. komplexer neurochirurgischer Operation L3 - S1
2016. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei nicht möglich (vgl. IV-act. 53-4). Mit
einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden. Welche
Einschränkungen bestünden, sei dem Befund des Neurochirurgen Dr. F._ zu
entnehmen. - Dr. F._ hatte ihm (dem Arzt) ehemals am 15. August 2016 (IV-act. 55)
bekanntgegeben, es bestünden beim Versicherten einerseits ein chronisches
lumbovertebrogenes und akutes lumboradikuläres Schmerzsyndrom links bei
Spinalkanalstenose (Spondylarthrose) und medianer Diskushernie L5/S1,
Spinalkanalstenose (ausgeprägte Spondylarthrose) und paramedianer Diskushernie L4/
L5 links sowie mässiger Stenose (Spondylarthrose) und paramedianer Diskushernie L3/
L4 links und linkskonvexer Skoliose, und anderseits ein St. n mikrochirurgischer
Diskektomie L3/L4, L4/L5, L5/S1 links und Diskektomie L4/L5 rechts am 11.02.2016.
Es habe sich postoperativ ein guter Verlauf gezeigt. Als Bauarbeiter sei der Versicherte
zu 100 % arbeitsunfähig.
A.h.
In einem IV-Arztbericht vom 8. März 2018 (IV-act. 67) gab Dr. D._ bekannt, der
Versicherte habe eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode mit somatischen Symptomen. Aus rein psychiatrischer Sicht liege in der
Längsschnittbeurteilung seit Juli 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 50 % vor.
Aufgrund der Rückenbeschwerden solle der Versicherte erneut operiert werden. Er
habe berichtet, seit der Erkrankung seines Sohnes im Kindesalter (mit der Folge einer
A.i.
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bleibenden _, Versterben im Jahr 200_) habe er nie wieder richtige Lebensfreude
verspüren können. Er habe jahrelang funktioniert und habe das Gefühl, seit der
Krankschreibung im Dezember 2015 seien wieder alte Belastungen aus der Kindheit
hochgekommen. Er sei längere Zeit bedrückt und unglücklich gewesen, habe aber
immer arbeiten wollen, weil ihm die Aktivitäten lebenslang geholfen hätten. Von seinen
Problemen wolle er Abstand nehmen.
Auf 29. Mai 2018 wurde eine Rückenoperation vorgesehen (IV-act. 78).A.j.
Am 31. Januar 2019 (IV-act. 85) ging ein Bericht der Klinik für Intensivmedizin am
Kantonsspital St. Gallen vom 22. Januar 2019 über einen damaligen Eintritt des
Versicherten ein. Es lägen ein Vd. a. COPD GOLD 2(B), ED 12/2018, ein Vd. a. OSAS
(obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom), ein Vd. a. ischämischen Hirninfarkt am
22.01.2019, ein radikuläres Reiz- und sensorisches Ausfallsyndrom links vom Typ L5
und eine morbide Adipositas vor. Der Versicherte habe sich initial wegen einer neuen
Dysarthrie und eines hängenden Mundwinkels und seit zwei Wochen zunehmender
Dyspnoe auf der ZNA vorgestellt. Es hätten sich keine Blutung und keine Hinweise auf
eine akute Ischämie gezeigt. Eine TVT (wohl: tiefe Venenthrombose) links sei
duplexsonographisch ausgeschlossen worden. Im Verlauf sei es zu einer progredienten
respiratorischen Insuffizienz mit CO -Retention gekommen, weshalb die Verlegung auf
die MIPS (wohl: medizinische Intensivpflegestation) erfolgt sei.
A.k.
2
Dr. D._ berichtete am 4. Februar 2019 (IV-act. 87), seit März 2018 sei es zu einer
zunehmenden Verschlechterung des psychischen Zustands (Zunahme der depressiven
Symptomatik) gekommen. Es liege eine mittelgradige bis schwere depressive Episode,
wahrscheinlich im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung, vor. Der
Versicherte lebe sehr zurückgezogen und habe grosse Mühe, ohne berufliche
Anforderungen zurechtzukommen. Aufgrund der körperlichen Beschwerden sei er bei
den Aktivitäten stark eingeschränkt, was die depressive Symptomatik massiv
akzentuiert habe. Er sei rein psychiatrisch gesehen mindestens zu 50 % (wohl)
arbeitsunfähig.
A.l.
In einem IV-Arztbericht vom 22. Februar 2019 (IV-act. 92) gab Dr. F._ bekannt,
der Versicherte sei bis 13. Februar 2019 im Kantonsspital hospitalisiert gewesen und
A.m.
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befinde sich nun in stationärer Rehabilitation. Für schwere und mittelschwere
Tätigkeiten sei er wegen der anhaltenden chronischen bewegungs- und
belastungsabhängigen Lumbalgien und der vorübergehenden Lumboischialgie rechts
voll arbeitsunfähig, für leichtere, wechselbelastende Tätigkeiten sei er zu 30 % - täglich
an 2 Stunden bzw. 2 bis 2.5 Stunden - arbeitsfähig. - Dr. E._ reichte weitere Berichte
von Dr. F._ ein (IV-act. 97-5 bis 16). Am 24. August 2018 hatte dieser u.a. einen
Status nach mikrochirurgischer dekompressiver Fensterung L5/S1, L4/L5, und L3/L4
rechts ohne Diskektomie vom 29. Mai 2018 diagnostiziert. Der Versicherte beklage seit
ein paar Wochen Kribbelparästhesien im Oberschenkel lateral. Insgesamt sei der
Verlauf gut.
Die Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin am Kantonsspital St. Gallen gab in
einem Austrittsbericht vom 27. Februar 2019 (IV-act. 97-20 ff.; über den Aufenthalt des
Versicherten vom 21. Januar 2019 bis 13. Februar 2019) an, es lägen (verkürzt
wiedergegeben) eine Haemophilus influenzae-Pneumonie (BAL 22.01.19), ein
chronisches hyperkapnisches Atemversagen bei schwergradigem obstruktivem Schlaf-
Apnoe-Syndrom (OSAS) und Adipositas-Hyperventilations-Syndrom, eine chronisch
obstruktive Pneumopathie (COPD) GOLD Stadium 2(B), ED 12/2018, ein unklares
neurologisches und febriles Zustandsbild (Vd. a. malignes Neuroleptika-Syndrom, DD
medikamentös [Drug fever]), eine Anpassungsstörung mit depressiver Komponente
(aktuell hyperaktives Delir während MIPS-Aufenthalt), eine akute
Nierenfunktionsverschlechterung AKIN 3 mit erhaltener Diurese, ein Diabetes mellitus,
a.e. Typ 2, ED 23.01.2019, ein radikuläres Reiz- und sensorisches Ausfallsyndrom links
vom Typ L5 und eine morbide Adipositas (der Versicherte sei fremdanamnestisch nur
noch in der Wohnung mobil) vor. Der Versicherte sei intubiert worden. Nach einem
prolongierten Aufwachversuch sei es zu einer Hyperthermie gekommen. Bei u.a. höher
dosiertem Seroquel [Wirkstoff Quetiapin, atypisches Neuroleptikum] habe ein malignes
Neuroleptika-Syndrom nicht ausgeschlossen werden können. Für die prolongierte
Vigilanzminderung habe sich keine Erklärung gefunden. Die
Nierenfunktionsverschlechterung sei a.e. prärenal im Rahmen der Sepsis und der
Rhabdomyolyse interpretiert worden. Neu seien beim kardial grenzwertig
kompensierten Versicherten Beinödeme aufgetreten. Echokardiographisch seien eine
erhaltene "EF" von 65 % und ein dilatierter rechter Ventrikel sichtbar geworden. Der
A.n.
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leichte Schwindel bei Mobilisation sei a.e. im Rahmen der Blutdrucknormalisierung
nach der Beatmungstherapie interpretiert worden.
Das Rehazentrum G._ hatte in einem provisorischen Austrittsbericht vom
26. Februar 2019 (IV-act. 97-17 bis 19; über einen Aufenthalt des Versicherten vom
13. Februar 2019 bis 26. Februar 2019) bekannt gegeben, bei Eintritt habe der
Versicherte über eine starke Dekonditionierung und leichten Schwindel (bei St. n.
Pneumonie) berichtet. Am pulmologisch orientierten Rehabilitationsprogramm habe er
motiviert und engagiert teilgenommen. Bei Austritt sei der Versicherte für 1200 m ohne
Hilfsmittel mobil gewesen und er habe 48 Treppenstufen steigen können und eine
minimale periphere Sauerstoffsättigung von 88 % aufgewiesen. Er sei in gebessertem
Allgemeinzustand entlassen worden. - Im Austrittsbericht vom 13. März 2019 (IV-
act. 102) attestierte das Rehazentrum dem Versicherten eine volle Arbeitsunfähigkeit
bis 10. März 2019 (danach Beurteilung durch die nachbehandelnden Ärzte).
A.o.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung ging am 18. März
2019 (IV-act. 98) von einer Arbeitsfähigkeit des Versicherten für vier Stunden pro Tag in
adaptierten Tätigkeiten aus. - In einem Besprechungsprotokoll vom 7. Mai 2019 (IV-
act. 104) wurde festgehalten, die IV-Eingliederungsverantwortliche halte dafür, dass
aus somatischer und psychischer Sicht keine verwertbare Arbeitsfähigkeit vorhanden
sei und sich die medizinische Situation seit der letzten Zuteilung (an sie) eher
verschlechtert als verbessert zu haben scheine. Gemäss RAD bestehe die Möglichkeit,
dass sich die Sauerstoffsättigung von weniger als 88 % vor zwei Monaten, womit keine
Arbeitsfähigkeit bestanden habe, verbessert habe. Das lasse sich ohne Unterlagen
aber nicht beurteilen. Es könne davon ausgegangen werden, dass keine verwertbare
Arbeitsfähigkeit bestehe. - In einem Verlaufsprotokoll vom 7. Mai 2019 (IV-act. 105)
wurde berichtet, aus der Sicht der IV-Eingliederungsverantwortlichen und der
behandelnden Ärzte bestehe eine Arbeitsfähigkeit von weniger als 50 %. Eine
Eingliederung sei nicht realistisch. Eine verwertbare Arbeitsfähigkeit bestehe nicht
(gemäss Assessment- und Verlaufsprotokoll vom gleichen Tag medizinisch zurzeit volle
Arbeitsunfähigkeit, IV-act. 106).
A.p.
Am 4. Juni 2019 (IV-act. 108) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem
Versicherten mit, es bestehe kein Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen, da
solche aufgrund des Gesundheitszustands zurzeit nicht möglich seien.
A.q.
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Dr. E._ gab am 10. August 2019 (IV-act. 109) an, die Leistungsverminderung des
Versicherten betrage 80 bis 100 %. - Die Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin am
Kantonsspital St. Gallen hatte in einem Sprechstundenbericht vom 4. Juni 2019 (IV-
act. 109-6 bis 9) bekanntgegeben, es sei zu einem stabilen Verlauf ohne Infekte/
Exazerbationen gekommen. Im Vordergrund stünden die Beschwerden am Rücken.
Lungenfunktionell finde sich weiterhin eine mittelschwere Obstruktion mit normaler
Diffusionskapazität. - Dr. D._ berichtete am 23. August 2019 (IV-act. 111), seit
Februar 2019 habe der Versicherte unter einer anhaltenden mittelschweren
depressiven Symptomatik gelitten, allerdings stark angstbetont im Sinn einer
zusätzlichen reaktiven stress- bzw. schmerzbedingten generalisierten Angststörung. Es
sei zur Wiederherstellung des Tag-/Nachtrhythmus gekommen. Der Versicherte
unternehme regelmässige kurze Spaziergänge und pflege wieder Kontakte in seinem
engen Familienkreis. Es lägen gleichzeitig eine rasche geistige und körperliche
Erschöpfung, anhaltende Ängstlichkeit und Antriebsstörungen vor. Nur theoretisch
bestehe rein psychiatrisch betrachtet eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 50 %. Es sei
von einem chronifizierten und psychiatrisch teil-therapieresistenten Krankheitsverlauf
auszugehen. Dazu leide der Versicherte eindeutig und sehr glaubhaft unter
therapieresistenten Schmerzen, die zu einer anhaltenden Störung der
Stressmodulationsfähigkeit mit den Symptomen der generalisierten Ängstlichkeit
führten.
A.r.
In seinem polydisziplinären Gutachten vom 28. Januar 2020 (IV-act. 122;
Untersuchungen im November und Dezember 2019) gab das Ärztliche
Begutachtungsinstitut ABI bekannt, beim Versicherten lägen als Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit (verkürzt wiedergegeben) ein chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren, eine sonstige rezidivierende depressive Störung, eine chronisch obstruktive
Ventilationsstörung und ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom vor. Ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit seien ein metabolisches Syndrom, ein St. n. Haemophilus
influenzae-Pneumonie und ein Nikotinabusus. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei
seit Februar 2016 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Adaptierte
Tätigkeiten (mit den genannten Anforderungen) seien dem Versicherten an sieben bis
acht Stunden pro Tag zumutbar. Ein leicht erhöhter Pausenbedarf bedinge dabei eine
A.s.
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gewisse Leistungseinbusse. Die Arbeitsfähigkeit betrage 80 %, und zwar orthopädisch,
psychiatrisch und pneumologisch bedingt. Diese Arbeitsfähigkeit könne gemittelt über
die Zeit seit Februar 2016 angenommen werden.
Mit Vorbescheid vom 12. Februar 2020 (IV-act. 126) kündigte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung seines Gesuchs
vom 5. Juli 2016 bei einem Invaliditätsgrad von 28 % (Valideneinkommen Fr. 67'102.--;
Invalideneinkommen Fr. 48'313.--, nach Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs
von 10 %) an. - Mit Einwand vom 18. März 2020 (IV-act. 132) liess der Versicherte
vorbringen, das ABI habe den Verlauf der beruflichen Massnahmen bei aktenkundig
bester Motivation nicht in Betracht gezogen. Die dahinter stehende Auffassung, die
Einschätzungen der entsprechenden Fachpersonen seien für die Taxation der
Arbeitsfähigkeit unbeachtlich, sei widerrechtlich. Sollte sich bei einer Abklärung
ergeben, dass entgegen der Auffassung des ABI-Orthopäden, der diese als nicht
nachvollziehbar bezeichnet habe, Operationsindikationen bestanden hätten, sei die
Würdigung der Vorberichte von Dr. F._ durch den Gutachter nicht schlüssig. Das
Gutachten sei dann zur Gänze nicht mehr haltbar. Der ABI-Orthopäde habe zudem
alles, was den Akten zu entnehmen sei, verworfen und pauschal seine Klinik dagegen
gesetzt. Zum psychiatrischen Teilgutachten habe der behandelnde Facharzt im
beigelegten Bericht vom 9. März 2020 (IV-act. 132-4 f.) Stellung genommen. Eine
mangelnde Compliance bei der Medikamenteneinnahme könne bei dem zu seiner
Wiedereingliederung stets sehr motivierten Versicherten ausgeschlossen werden. Die
Tatsache, dass zwei Jahre lang eine Anpassungsstörung habe diagnostiziert werden
müssen, bilde einen neuen, in die Beurteilung einzubeziehenden Sachverhalt. Der ABI-
Gutachter gehe fehl, wenn er schreibe, es liege nach wie vor eine reaktive
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion vor, die aber aus formalen
Gründen anders klassifiziert werden müsse. Er vermöge die Diagnostik von Dr. D._
nicht zu widerlegen. Eine generalisierte Angststörung und eine rezidivierende
depressive Störung seien gemäss Dr. D._ per definitionem eigenständig und
selbstunterhaltend. Der Gutachter gehe fehl, wenn er solche Störungen verneine. Auf
das psychiatrische Gutachten könne angesichts dieser Mängel nicht abgestellt werden.
- Dr. D._ hatte dem Rechtsvertreter am 9. März 2020 auf vier Fragen geantwortet und
dabei ausgeführt, der Gutachter habe sich weder mit seiner diagnostischen Beurteilung
A.t.
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noch mit den etablierten therapeutischen Massnahmen fachgerecht
auseinandergesetzt. Aufgrund der chronischen Schmerzen sei es beim Versicherten
initial zum Ausbruch einer generalisierten Angststörung und im Verlauf zu einer
depressiven Störung gekommen. Mittlerweile müsse von einer eigenständigen und sich
selbst unterhaltenden psychischen Störung mit Krankheitswert und langfristigem
Einfluss auf die Leistungsfähigkeit ausgegangen werden. Das habe der Gutachter
diagnostisch selbst festgestellt. Eine rezidivierende depressive Störung sei per
definitionem eine eigenständige und sich selbst unterhaltende depressive Störung. Es
könne beim Versicherten nicht mehr nur von einem reaktiven Geschehen ausgegangen
werden. Die Angabe des Gutachters zur Compliance zeige seine Wissenslücken
(betreffend Pharmakokinetik) und seine fehlende therapeutische Erfahrung. Das
Antidepressivum Valdoxan nehme der Versicherte abends ein, weil es auch eine
schlaffördernde Wirkung habe. Da es höchstens eine Stunde danach im Blut
festzustellen sei, könne es am folgenden Tag nicht im therapeutischen Bereich
nachgewiesen werden. Das Neuroleptikum Solian werde dem Versicherten wegen der
generalisierten Angststörung verschrieben. Der therapeutische Bereich der
Neuroleptika sei für die Behandlungen von psychotischen Zuständen bestimmt,
während bei anderen Indikationen wie Schlafförderung, Angstdämpfung oder
Beruhigung in der Regel eine niedrigere Dosis angewendet werde. Beim Versicherten
werde der therapeutische Bereich gar nicht angestrebt.
Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle richtete drei vom RAD ausgearbeitete
Fragen (vgl. IV-act. 133 f.) an die Gutachterstelle. - Das ABI antwortete am 14. April
2020 (IV-act. 135). Berufsberatung und Eingliederung könnten nur von derjenigen
Arbeitsfähigkeit ausgehen, die konkret auch umgesetzt werden könne und die mit der
subjektiven Arbeitsfähigkeit und Motivation korreliere. Die medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit, die gutachterlich festzulegen sei, bemesse sich an der aufgrund der
objektiven Befunde möglichen Arbeitsfähigkeit. Wenn es weder klinisch noch
bildgebend eine Indikation für eine Operation gebe, sei es nicht am gutachterlichen
Untersucher, das ausführlich darzulegen. Vielmehr müsste umgekehrt ein Operateur
darlegen, weshalb ohne neurologische Mituntersuchung und ohne motorische Ausfälle
eine solche Operation nötig sein sollte. Die sowohl klinisch wie radiologisch
objektivierbaren Befunde vermöchten nicht zu begründen, weshalb die Arbeitsfähigkeit
A.u.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/33
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des Versicherten in leichten, gut adaptierten Tätigkeiten wesentlich eingeschränkt sein
sollte, und das erst noch so stark, wie es nicht einmal für eine auf einen Rollstuhl
angewiesene Person nachvollzogen werden könnte. Es hätten keine Hinweise
gefunden werden können, dass eine Angststörung vorliegen sollte. Daher könne das
auch nicht ausführlich begründet werden. Umgekehrt müsste vielmehr Dr. D._
ausführlich begründen, weshalb plötzlich eine Angststörung - und mit welchen Kriterien
- vorliegen sollte. Für eine mögliche Einschränkung (der Arbeitsfähigkeit) sei das
Ausmass der depressiven Störung entscheidend. Eine wesentliche Einschränkung
durch die affektive Störung sei nicht begründbar, weil sich eine höhergradige oder
mittelgradige depressive Störung nicht habe nachweisen lassen.
Am 2. Juni 2020 (IV-act. 138, Eingangsdatum) reichte der Rechtsvertreter des
Versicherten einen Arztbericht von Dr. F._ vom 20. Mai 2020 (IV-act. 139) und einen
Arztbericht von Dr. D._ vom 26. Mai 2020 (IV-act. 140) ein. - Dr. F._ hatte erklärt,
der Versicherte klage über anhaltende Lumbalgien und Lumboischialgie rechts.
Deshalb sei er körperlich und psychisch dekonditioniert. Die aktuellen klinischen und
neuroradiologischen Befunde hätten keine Operationsindikation ergeben. Aus
neurochirurgischer Sicht sei der Versicherte auch für leichtere adaptierte Tätigkeiten zu
70 % arbeitsunfähig. Seit der Pneumonie im Januar/Februar 2019 habe sich sein
Allgemeinzustand verschlechtert. Bei körperlichen Belastungen habe er Atemnot. -
Dr. D._ hielt dafür, die Antwort des Gutachters auf seine fachliche Begründung sei
alles andere als eine fachliche Stellungnahme eines Experten. Es mangle diesem
offenbar an therapeutischer Erfahrung, sonst hätte er gewusst, dass eine reaktive
generalisierte Angststörung bei chronischen Schmerzpatienten als häufigste
psychiatrische Komorbidität vorhanden sei. Als Störung der Stressmodulationsfähigkeit
manifestiere sie sich mit anhaltenden inneren Anspannungen, Gereiztheit,
Konzentrationsstörungen, allgemeiner Ängstlichkeit, unsinnigen Sorgen,
Schlafstörungen, motorischen Anspannungen mit konsequenten (ev. gemeint
konsekutiven) Muskelverspannungen vor allem im Nackenbereich, vegetativer Über
erregbarkeit und einer Vielzahl funktioneller Beschwerden (wie Attacken von Herzrasen,
Schweissausbrüchen, Schwindelgefühlen). Alle diese Symptome habe der Versicherte
gehabt, doch seien sie beim ABI nicht erhoben worden, weil der Gutachter eine
psychiatrische Krankheits- bzw. Symptomentwicklung weder nachgefragt noch
A.v.
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dokumentiert habe. Mittlerweile habe sich die psychische Verfassung des Versicherten
erheblich verschlechtert mit sogar _ H._, weshalb er in die tagesklinische
Behandlung aufgenommen worden sei. [...] Derzeit sei er wegen der schweren
depressiven Symptomatik wieder voll arbeitsunfähig.
Der RAD nahm am 3. Juni 2020 (IV-act. 141) zu den Berichten Stellung und
empfahl, einen aktuellen psychiatrischen Bericht von der Tagesklinik einzuholen.
A.w.
Der Rechtsvertreter des Versicherten reichte am 15. Juni 2020 (IV-act. 144) einen
Bericht des Zentrums für Schlafmedizin am Kantonsspital St. Gallen vom 12. Juni 2020
(IV-act. 145) ein. Darin wurde dargelegt, bei der Lungenfunktionsprüfung gemäss
Teilgutachten, fünf Tage nach der letzten Messung im berichtenden Zentrum, habe sich
erfreulicherweise eine Zunahme der Einsekundenkapazität bei jedoch Abnahme der
Vitalkapazität ergeben. Das könne an der unterschiedlichen Umsetzung der Messung
durch den Versicherten liegen, doch falle differenzialdiagnostisch bei diesen
schwankenden Werten auch ein Asthma bronchiale in Betracht. Es sei auch eine
signifikante Sauerstoffabnahme beim Treppensteigen erwähnt worden, was für eine
Einschränkung der Leistungsfähigkeit spreche. Es sei nach Ablauf von inzwischen
sechs Monaten eine Spiroergometrie, allenfalls mit vorgängig erneuter
Lungenfunktionsprüfung zur Objektivierung der Voluminaschwankungen, zu empfehlen.
A.x.
Dr. D._ gab in einem IV-Arztbericht vom 8. August 2020 (IV-act. 150) an, es liege
beim Versicherten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode mit somatischen Symptomen, vor. Die bisherige Tätigkeit sei dem Versicherten
zu maximal 50 %, eine adaptierte sei ihm zu 50 % zumutbar. Vom 1. Mai 2020 bis
30. Juni 2020 sei er in allen Tätigkeiten voll arbeitsunfähig gewesen. Seit dem Bericht
vom 8. März 2018 sei es zu wiederkehrenden schweren depressiven
Dekompensationen mit _ H._ gekommen. Zurzeit sei auch eine _ H._ nicht
vorhanden, doch berichte der Versicherte immer wieder über [...]. Es bestünden eine
eingeschränkte Konzentrationsdauer, rasche körperliche und geistige Ermüdung,
Konzentrationsstörungen, Antriebsstörungen, eine verlangsamte Psychomotorik und
Störungen der sozialen Interaktionen. Die Tagesstruktur sei knapp erhalten, es gebe ein
unterstützendes Familiennetz. Der Versicherte verfüge über gute Sprachkenntnisse für
Hilfsarbeitertätigkeiten.
A.y.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli für den
Betroffenen am 23. November 2020 erhobene Beschwerde (act. G 1). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei eine Rente zuzusprechen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge (zuzüglich MwSt). Im Anschluss an die Begutachtung habe
der Beschwerdeführer eine Reihe medizinischer Berichte vorgelegt, die gegen die
Schlüssigkeit des Gutachtens sprächen. Die Beschwerdegegnerin habe in diesem
Zusammenhang nicht kohärent gehandelt und die Untersuchungsmaxime verletzt. Das
Gutachten sei nicht schlüssig. Dr. D._ habe überzeugend begründet, dass der
Beschwerdeführer seine Medikamente korrekt einnehme. Hierzu habe sich das ABI
nicht vernehmen lassen und die Annahme einer Malcompliance ziehe sich ohne weitere
Begründung durch alle RAD-Stellungnahmen und werde in der angefochtenen
Verfügung festgehalten. Bekanntlich würden Gutachter von einer unzuverlässigen
Das ABI nahm am 25. August 2020 (IV-act. 153) zu den Berichten des Zentrums
für Schlafmedizin am Kantonsspital St. Gallen und von Dr. D._ Stellung. Dem ersten
Kurzbericht sei nichts zu entnehmen, das als in irgendeiner Weise konträr zum
Gutachten erachtet werden könnte. Dr. D._ habe im Verlaufsbericht genau die
gleichen Diagnosen gestellt wie in den vorangehenden Berichten, insbesondere in
jenem vom 23. August 2019. Dieser Bericht sei im Gutachten bereits kommentiert
worden. Insgesamt ergebe sich eine unveränderte Situation. Eine Angststörung habe
Dr. D._ nun offensichtlich auch nicht mehr finden können.
A.z.
Am 23. September 2020 (IV-act. 156) brachte der Rechtsvertreter des
Versicherten vor, die begründete Beurteilung der Eingliederungsfachpersonen
widerspreche den Schlussfolgerungen des ABI diametral. Dem renommierten
Neurochirurgen werde unterstellt, ohne medizinisch relevanten Grund schwere
Operationen durchgeführt zu haben. Und der (sc. behandelnde) Psychiater sei selber
Gutachter und habe mit erheblichem Aufwand am Verfahren mitgewirkt, sei aber
schlicht nicht gehört worden. Auf einer solchen Grundlage sei die Ablehnung eines
Leistungsgesuchs juristisch nicht akzeptabel.
A.aa.
Mit Verfügung vom 20. Oktober 2020 (IV-act. 159) wies die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch des Versicherten (wie am
12. Februar 2020 in Aussicht gestellt) ab.
A.ab.
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Medikamenteneinnahme stets auf einen geringen Leidensdruck schliessen und das mit
Gewicht in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einfliessen lassen, auch wenn das
gelegentlich nicht offen deklariert werde. Es handle sich somit um einen schweren
Mangel des Gutachtens. Weiter sei der Hinweis auf nicht-organische
Beschwerdekomponenten in der Verfügung verfehlt. Wenn zum Beleg bestimmter
Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit auf den Verlauf von beruflichen Massnahmen
und die Angaben der dort involvierten Fachpersonen verwiesen werde, laute die
routinemässige Erwiderung von Gutachterseite, massgebend seien nicht die
subjektiven Angaben einer versicherten Person, sondern die objektivierbaren Befunde
und Funktionseinschränkungen. Beim Beschwerdeführer hingegen sei berichtet
worden, er sei motiviert und wolle arbeiten, könne eine Arbeitstätigkeit aber
gesundheitsbedingt nicht umsetzen. Aus der Sicht der IV-
Eingliederungsverantwortlichen bestehe eine Arbeitsfähigkeit von weniger als 50 %
und eine Eingliederung sei nicht realistisch. In der Folge seien berufliche Massnahmen
verwehrt worden. Es gebe somit hier Feststellungen der Beschwerdegegnerin, die zu
einer Abweisung eines Leistungsanspruchs geführt hätten, und zwar ausdrücklich nicht
wegen mangelnder Motivation, sondern wegen des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers aus objektiver Sicht der Fachpersonen. Die Weigerung, dies zu
würdigen, bilde einen weiteren schweren Mangel des Gutachtens und der
angefochtenen Verfügung. Mit dem substanzlosen Satz, die vom Beschwerdeführer
neu eingereichten Berichte legten keinen neuen Sachverhalt dar bzw. es könne keine
Angststörung nachgewiesen werden, würden sich die Einwände der behandelnden
Ärzte gegen das Gutachten nicht wegwischen lassen. Die Stellungnahme des ABI vom
14. April 2020 sei offensichtlich ohne Aktenkenntnis und in befremdlicher
gutachterlicher Oberflächlichkeit abgegeben worden. Letztlich werde dem
Beschwerdeführer eine schlechte Motivation unterstellt, obwohl diese stets sehr gut
gewesen sei. Solche gutachterlichen Fehlleistungen hätten einen ungünstigen Einfluss
auf die Taxation der Arbeitsfähigkeit. Die Stellungnahme des RAD zum Bericht von
Dr. F._ (vom 20. Mai 2020) schliesse mit der Feststellung, der Arzt lege seine
Operationsindikation nicht klar und plausibel dar, weshalb auf die Einschätzung der
Gutachter abgestellt werden könne. Stattdessen hätte der RAD die Frage mit dem
Operateur klären müssen. Die Antwort des ABI zur Angststörung stelle eine
Verweigerung dar, denn es lasse sich durchaus auch diskutieren, weshalb
Diagnosekriterien nicht gegeben seien. Danach sei eine Kommunikationspanne
passiert. Die Beschwerdegegnerin habe von Dr. D._ einen Verlaufsbericht ohne die
vom RAD vorgesehene besondere Fragestellung eingeholt. Als Dr. D._ diesen
Verlaufsbericht erstellt habe, sei er selbstverständlich davon ausgegangen, dass sein
vorangegangener Bericht vom 26. Mai 2020 bekannt sei. Jener Bericht sei dem ABI
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aber nicht zur Kenntnis gebracht worden, als man die Gutachterstelle um eine weitere
Stellungnahme ersucht habe. Der Beschwerdeführer habe dann auf diesen Umstand
hingewiesen. Mit der Stellungnahme des ABI vom 25. August 2020 sei die vom RAD
aufgeworfene Frage betreffend den Bericht des Zentrums für Schlafmedizin am
Kantonsspital St. Gallen nicht beantwortet worden. Zusammenfassend sei
festzustellen, dass das Gutachten, zum Beispiel in der psychiatrischen
Gesamtbeurteilung, für sich schon mager sei. Dem Wunsch des RAD nach einer
eingehenden Diskussion der Stellungnahmen der behandelnden Ärzte sei nicht
entsprochen worden. Faktenwidrig sei dem Beschwerdeführer schlechte Motivation
unterstellt worden, obwohl seine seriöse Arbeitseinstellung als positive Ressource
durchaus Erwähnung gefunden habe. Dem Beschwerdeführer, der sich stets
kooperativ und motiviert gezeigt habe, werde man mit dem Gutachten und der
angefochtenen Verfügung nicht gerecht.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 4. Februar 2021 (act. G 4) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das ABI habe festgehalten, bei
den vorliegenden somatischen Komorbiditäten könne von der vorgeschlagenen
Optimierung der Psychopharmaka-Medikation keine höhere als die attestierte
Arbeitsfähigkeit erwartet werden. Die im Gutachten erwähnte Malcompliance bei der
Medikamenteneinnahme habe daher keinen Einfluss auf die Höhe der Arbeitsfähigkeit.
Der Gutachter der Psychiatrie habe auch nachvollziehbar dargelegt, dass die
psychische Symptomatik in engem Zusammenhang mit den körperlichen Beschwerden
stehe, so dass keine eigenständige depressive Störung festgestellt werden könne. Die
ängstliche Zukunftserwartung des Beschwerdeführers sei im Rahmen des depressiven
Syndroms zu sehen. Die Stellungnahme von Dr. D._ vom 26. Mai 2020 sei zwar dem
ABI nicht vorgelegt worden, doch habe der RAD dazu dargelegt, dass unklar sei,
weshalb der Arzt die Symptomatik einer Angststörung erst da beschrieben habe. Dem
Gutachter habe der Bericht von Dr. D._ vom 23. August 2019 vorgelegen, in welchem
dieser bereits eine reaktive generalisierte Angststörung diagnostiziert habe. Entgegen
den Vorbringen des Beschwerdeführers seien Dr. D._ auch die Fragen gemäss RAD
mit Schreiben vom 3. Juni 2020 (Beilage) vorgelegt worden. Auch zur Frage der
Operationsindikation sei vom ABI und vom RAD ausführlich Stellung genommen
worden. Der Hinweis auf eine nicht-organische Beschwerdekomponente sei keinesfalls
mit einer Aggravation oder bewusstseinsnahen Symptomverdeutlichung gleichzusetzen
und bilde keinen Widerspruch im Gutachten. Die Arbeitsfähigkeit sei nach der
Rechtsprechung ausschliesslich medizinisch-theoretisch zu bestimmen. Der RAD habe
am 16. November 2017 festgehalten, die im Abklärungsbericht beschriebene
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/33
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Arbeitsfähigkeit von lediglich 20 bis 30 % sei nicht plausibel. Es müsse eine solche von
mindestens 60 %, steigerungsfähig auf ein volles Pensum, vorliegen. Abgesehen von
der vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit zurzeit der Sauerstoffsättigung von 88 % sei
der RAD aufgrund der objektiven Befundlage immer von einer erheblich höheren
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen, als sie anlässlich der
beruflichen Abklärung festgestellt worden sei. Aus den Angaben des
Beschwerdeführers werde eine subjektive Krankheitsüberzeugung ersichtlich, habe er
doch erklärt, sich eine Tätigkeit an zwei bis drei Stunden pro Tag vorstellen zu können
bzw. eine Tätigkeit im Pensum von 30 bis 40 % aufnehmen zu wollen. Das
Ausscheiden allfälliger Motivationsmängel vom willentlich nicht steuerbaren
Unvermögen, eine volle Leistung zu erbringen, sei nicht möglich. Der Bericht der
beruflichen Abklärung stelle daher keine taugliche Beweisgrundlage dar. Dem ABI-
Gutachten komme voller Beweiswert zu.
D.
Mit Replik vom 11. Juni 2021 (act. G 12) bringt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers vor, wenn zu Unrecht Malcompliance angenommen worden sei, sei
das ein schwerer Fehler bei der Taxation der Arbeitsfähigkeit. Von festgestellter
Malcompliance werde immer auf einen verminderten Leidensdruck geschlossen,
unabhängig davon, ob von besserer Compliance eine höhere Arbeitsfähigkeit erwartet
werde oder nicht. Die betreffenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin gingen
somit an der Sache vorbei. Das ABI habe sich einzig mit dem Bericht von Dr. D._
vom 8. August 2020 befasst, mit den Angaben im Bericht vom 26. Mai 2020 aber nicht.
Dass die Stellungnahme auf unvollständiger Aktengrundlage erfolgt sei, entwerte sie
stark. Stehe die von medizinischen Gutachtern ermittelte Einschätzung der
Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu der gemäss
Einschätzung von Berufsfachleuten objektiv realisierbaren Leistung, vermöge das nach
der Rechtsprechung ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen und
sei das Einholen einer klärenden Stellungnahme unabdingbar. Das ABI habe diese
Berichte weder bei der Erstellung des Gutachtens noch gemäss den nachfolgenden
Äusserungen zur Kenntnis genommen, sondern halte dafür, das sei nicht notwendig.
Das sei ein schwerer Mangel des Gutachtens. Es könne der Beschwerdegegnerin nicht
gelingen, die klaren Aussagen ihrer eigenen Berufsfachleute als blosse Wiedergabe
subjektiver Einschätzungen zu diskreditieren.
E.
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Die Beschwerdegegnerin hat am 23. Juni 2021 (act. G 14) an ihrem Antrag festgehalten
und im Übrigen auf die Erstattung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 20. Oktober 2020, mit welcher die
Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch des Beschwerdeführers abgelehnt hat.
Weitere berufliche Massnahmen zu gewähren, hatte die Beschwerdegegnerin zuvor mit
Mitteilung vom 4. Juni 2019 abgelehnt, da solche aufgrund des Gesundheitszustands
des Beschwerdeführers zurzeit nicht möglich seien. Der Beschwerdeführer lässt in der
Beschwerde allein Rentenleistungen beantragen.
2.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1) gewesen sind (lit. b)
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). -
Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit im Sinn von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen
voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV; Bundesgerichtsurteile vom 16. Februar 2018,
8C_633/2017 E. 3.4, und vom 10. August 2016, 9C_289/2016 E. 3.2). - Nach Art. 28
Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch
auf eine Viertelsrente. - Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des
Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Die Schaffung dieser Bestimmung hat
keine Veränderung des (nämlich in Art. 4 IVG und Art. 28 IVG geregelten) Zeitpunkts
des Eintritts des Versicherungsfalls mit sich gebracht (vgl. Bundesgerichtsurteil vom
14. Dezember 2015, 9C_655/2015 E. 4; Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 19. Oktober 2015, IV 2013/52 E. 1.2). Der Anspruch entsteht
nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 beanspruchen kann.
ter
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3.
Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sind in
der Zeit vom 19. November 2019 bis 9. Dezember 2019 polydisziplinär medizinisch
begutachtet und eingeschätzt worden.
3.1.
Zunächst lässt sich festhalten, dass dabei die geklagten Beschwerden erfragt
wurden und Berücksichtigung fanden: Über die allgemeininternistische (fallführende)
Untersuchung wurde im entsprechenden Teil des Gutachtens festgehalten, der
Beschwerdeführer habe vor allem lumbale Rückenschmerzen, manchmal Schmerzen
im rechten Oberschenkel, ausserdem ein fehlendes Gefühl in Dig. I und II des linken
Fusses, eine Unsicherheit des linken Fusses und Atemnot bei Anstrengung beklagt.
Nachts trage er eine Atemmaske und verspüre oft Beinkrämpfe. Er sei auch allgemein
schneller ermüdbar und nervös. Seit er Solian nehme, gehe es diesbezüglich besser
und dank der Einnahme von Sirdalud und Valdoxan abends schlafe er eigentlich
ordentlich, sei aber am Morgen noch müde. Er fühle sich ausserdem unwichtig und
wertlos (vgl. IV-act. 122-19 f.). Er könnte sich eine körperlich leichte Tätigkeit allenfalls
an zwei bis drei Stunden pro Tag vorstellen (vgl. IV-act. 122-21). - Bei der
psychiatrischen Begutachtung ergab sich gemäss Angaben im Gutachten, dass der
Beschwerdeführer erklärt habe, es gehe ihm gesundheitlich nicht gut. Er habe
Probleme mit dem Rücken, Schmerzen und Gefühlsstörungen und er könne nicht lange
stehen oder sitzen. Besser gehe es, wenn er gehe oder liege. Die Rückenoperationen
2016 und 2018 hätten eine Besserung gebracht, doch seien Restsymptome verblieben.
Ausserdem habe er Probleme mit der Lunge (Atemnot). Wegen des Verlusts der Arbeit
und der körperlichen Behinderungen fühle er sich menschlich wie ohne Wert. Seine
Stimmung sei depressiv, oft störe ihn alles. Er verliere so den Mut. Oft werde ihm alles
zu viel. Diese depressiven Zustände würden sich wellenförmig verhalten (vgl. IV-
act. 122-25 f.). - Anlässlich der orthopädischen Begutachtung gab der
Beschwerdeführer gemäss den Darlegungen im Gutachten an, die
Rückenbeschwerden hätten 2014 begonnen und stetig zugenommen. Der erste Eingriff
habe guten Effekt mit Beschwerdefreiheit für drei bis vier Monate gezeigt, der zweite
bei wieder einsetzenden Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein habe nur
vorübergehend geholfen. Geringe Linderung für zwei Wochen würden die beiden
monatlich verabreichten Spritzen bringen. Während dieser Zeit benötige er das Seractil
forte nicht. Er habe eine beidseitige Ausstrahlung und ein nicht eigentlich
schmerzhaftes Kribbeln und Stechen vom distalen rechten lateralen Oberschenkel bis
auf Höhe der Hüfte, weswegen er dann liegen oder sitzen bzw. die Position wechseln
müsse. An den Zehen I/II der linken Seite bestehe ein Taubheitsgefühl. Daneben habe
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/33
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er Lungenprobleme und sei froh, überlebt zu haben. Er habe im Januar 2019 zehn Tage
lang im Koma gelegen (vgl. IV-act. 122-32 f.). - Bei der pneumologischen Exploration
berichtete der Beschwerdeführer gemäss dem Gutachten, es gehe ihm von Seiten der
Lunge in den letzten Monaten unter Therapie recht gut. 2015 habe er auch bei
körperlich schwerer Arbeit keine Probleme mit der Atmung gehabt. Erst seit 2018, nach
Körpergewichtszunahme um 25 kg in den letzten Jahren, habe er Atembeschwerden
und Müdigkeit verspürt. Nach der Pneumonie habe er wieder (bisher) 24 kg Gewicht
abgenommen. Er leide unter einer Anstrengungsdyspnoe II; nachts unter CPAP-
Therapie sei das nicht der Fall (vgl. IV-act. 122-41).
Die Gutachter erhoben die Befunde und schätzten die zumutbare Arbeitsfähigkeit
ein:
3.3.
Der Gutachter der Allgemeinen Inneren Medizin hielt aufgrund der Verhaltens
beobachtung fest, der Beschwerdeführer habe nach etwa 25 Minuten der
Begutachtung wegen der Rückenbeschwerden aufstehen müssen (vgl. IV-act. 122-21).
Ganz im Vordergrund stünden bei ihm die Schmerzsymptomatik, die
belastungsabhängige Atemnot und die seelische Verfassung (vgl. IV-act. 122-23). Aus
allgemeininternistischer Sicht sei der Beschwerdeführer an acht Stunden pro Tag bzw.
zu 100 % arbeitsfähig. Auch in der Vergangenheit habe keine längerdauernde
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen (vgl. IV-act. 122-23).
3.3.1.
Der Gutachter der Orthopädie befasste sich eingehend mit den vom
Beschwerdeführer beklagten Beschwerden. Er erhob die klinischen orthopädischen
Untersuchungsbefunde. Zudem veranlasste er ein aktuelles MRI der LWS (vom
21. November 2019; vgl. IV-act. 122-34 f.). Er beschrieb nachvollziehbar, welche
orthopädischen, neurologischen und radiologischen Einschränkungen vorgefunden
wurden (vgl. IV-act. 122-36 f.). Zusammenfassend hielt er fest, die beklagten
Beschwerden würden sich durch die klinischen und radiologischen Befunde
weitgehend begründen lassen. Die klinisch etwas inkonstante Präsentation weise aber
doch auf eine gewisse nicht-organische Beschwerdekomponente hin. Die im Alltag
geltend gemachten Einschränkungen bezüglich körperlich höherer Belastungen
einerseits und bezüglich einer Schmerzzunahme bei fehlenden Positionswechseln
anderseits könnten nachvollzogen werden (vgl. IV-act. 122-37). Der Gutachter schloss,
für körperlich andauernd mittelschwere und schwere Verrichtungen sowie für solche,
die mit der Einnahme von Zwangshaltungen verbunden seien (einschliesslich jener auf
dem Bau), bestehe eine bleibende und vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem
11. Februar 2016. Für körperlich leichte Verrichtungen unter Wechselbelastung
3.3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/33
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hingegen bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 90 % bei ganztägigem Pensum mit um
10 % reduzierter Leistung aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfs. Das wiederholte
Heben und Tragen von Lasten über 10 kg sollte dabei ebenso vermieden werden wie
die Einnahme von Zwangshaltungen (vgl. IV-act. 122-38). Für entsprechende
Verrichtungen könne auf Ebene des Bewegungsapparates von einer praktisch
uneingeschränkten Einsetzbarkeit ausgegangen werden (vgl. IV-act. 122-37). Die in den
Vorakten attestierte volle Arbeitsunfähigkeit für die körperlich schwere Tätigkeit auf
dem Bau sei dezidiert zu bestätigen, doch gehe aus den klinischen Angaben nicht
hervor, weshalb für körperlich angepasste Verrichtungen eine höhergradige
Arbeitsunfähigkeit resultieren sollte (vgl. IV-act. 122-37).
Der Gutachter der Pneumologie erhob die Befunde, unter anderem auch durch
eine aktuelle Plethysmographie (vom 9. Dezember 2019) und den Epworth Sleepiness
Score. Der Beschwerdeführer habe langsam drei Stockwerke hochsteigen können und
habe dann bei Sauerstoffsättigungsabfall auf 89 % und maximaler Herzfrequenz von
103/Min. anhalten müssen. Innerhalb von sechs Minuten habe er sich erholt (vgl. IV-
act. 122-41 f.). Unter Inhalationstherapie liege nach der schweren COPD-Exazerbation
mit notwendiger Intubation und Beatmung im Januar 2019 inzwischen (im Dezember
2019) eine stabile pulmonale Situation mit einer lungenfunktionell leichten obstruktiven
Ventilationsstörung vor. Das Schlaf-Apnoe-Syndrom sei erfolgreich therapiert.
Aufgrund der Anamnese und der lungenfunktionellen und schlafmedizinischen Befunde
sowie unter Berücksichtigung der Arbeitshypoxämie liege eine medizinisch-
theoretische Ateminvalidität der Klasse II bzw. ein Impairment von 20 % vor. Für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Bauarbeiter bestehe aus rein pneumologischer Sicht
volle Arbeitsunfähigkeit, in körperlich vorwiegend leichten Arbeiten ohne Exposition
gegenüber Kälte, Nässe oder Staub betrage sie 20 %, und zwar beides seit der
Diagnose der COPD im Mai 2018 (vgl. IV-act. 122-44 f.).
3.3.3.
Der Gutachter der Psychiatrie erfragte die Angaben des Beschwerdeführers zu
seinen Beschwerden sowie die Anamnese unter den verschiedenen Gesichtspunkten
(vgl. IV-act. 122-25 ff.). Er hielt fest, der Beschwerdeführer habe erklärt, er sei durch die
Rücken- und Beinschmerzen behindert und habe deswegen keine Ausdauer bei der
Arbeit. Bei der Arbeitsabklärung habe man ihm eine Arbeitsfähigkeit von 30 bis 40 %
auf dem ersten Arbeitsmarkt attestiert (vgl. IV-act. 122-26). Er würde gern eine leichte
körperliche Tätigkeit (wie dort etwa das Herstellen von Blindenstöcken oder das
Zuschneiden von Drähten) dieses Pensums aufnehmen und habe sich auch mehrfach
beworben, finde aber keine Anstellung. Bei günstigen Verhältnissen sei ihm vielleicht
eine Steigerung bis 50 % möglich (vgl. IV-act. 122-27). Der Gutachter erhob und
3.3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/33
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4.
beschrieb den Befund und erklärte, im Affekt sei eine bedrückte Stimmungslage
erkennbar gewesen, doch hätten Hinweise für eine schwer depressive Symptomatik
nicht vorgelegen (vgl. IV-act. 122-28). Auf den Verlust der Arbeitskraft und der
Arbeitsstelle habe der Beschwerdeführer depressiv reagiert. Es bestünden u.a. ein
Wertverlust, ein Verlust des Selbstvertrauens, eine Teilresignation und eine bedrückte
Stimmungslage. Die depressiven Schwankungen stellten eine Reaktion auf die
anhaltenden körperlichen Beeinträchtigungen (Schmerzen) dar, seien also als
Anpassungsstörung einzustufen. Da für solche Störungen aber in den Internationalen
Klassifikationen formal eine höchstens zweijährige Dauer vorgesehen sei und der
Beschwerdeführer diese Dauer überschritten habe, sei das depressive Geschehen als
sonstige rezidivierende depressive Störung einzuordnen. Klinisch im Vordergrund stehe
eine anhaltende Schmerzsymptomatik mit psychischen und somatischen Faktoren (vgl.
IV-act. 122-29). Der Beschwerdeführer habe trotz mehrerer Vorbelastungen 25 Jahre
lang eine Arbeit als Bauarbeiter leisten können. Die psychiatrische Symptomatik werde
in starkem Mass durch den körperlichen Zustand bestimmt (vgl. IV-act. 122-29). Im
Alltag seien deutliche Restaktivitäten vorhanden (vgl. IV-act. 122-29). Bei der
Auseinandersetzung mit den Arztberichten von Dr. D._ erklärte der Gutachter, eine
eigenständige depressive Störung könne nicht festgestellt werden. Für eine
eigenständige generalisierte Angststörung hätten sich keine Befunde ergeben. Im
Vordergrund stehe eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Diese bestimme die
Dynamik des Krankheitsgeschehens (vgl. IV-act. 122-29 f.). Der Beschwerdeführer
zeige sich an einer weiteren Tätigkeit interessiert. Seine bisherige seriöse
Arbeitseinstellung und seine stabilen familiären Ressourcen gäben Anlass zur
Annahme, dass die Prognose für eine Restarbeitsfähigkeit nicht ungünstig sei (vgl. IV-
act. 122-30). Aus psychiatrischer Sicht seien in einer angepassten Tätigkeit gewisse
Einschränkungen der Leistung zu erwarten. Eine Präsenz von sieben bis acht Stunden
pro Tag wäre jedoch möglich. Insgesamt betrage die Arbeitsfähigkeit 80 % (vgl. IV-
act. 122-30 f.). Durchschnittlich könne seit (Frühjahr) 2016 von einer solchen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (vgl. IV-act. 122-31).
Gegen die Stichhaltigkeit des Begutachtungsergebnisses lässt der Beschwerde
führer verschiedene Einwände erheben.
4.1.
So beanstandet er am orthopädischen Teil des Gutachtens den Hinweis, die
Indikationen für die vorgenommenen Operationen seien nicht (klar) nachvollziehbar.
Diese Äusserung machte der Gutachter im Zusammenhang mit der
Auseinandersetzung mit den Vorakten und den früheren Untersuchungen (vgl. IV-
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/33
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act. 122-37), wie sie bei einer Begutachtung erwartet wird. Dabei zeigte er die dort
gestellten Diagnosen und klinischen Feststellungen auf. Er hielt dafür, es würden
Radikulopathien erwähnt, die aber nicht klar ausgewiesen worden seien, so dass die
Operationsindikationen nicht (bzw. nicht klar, IV-act. 122-36) nachvollziehbar seien (vgl.
IV-act. 122-37). Es wird ersichtlich, dass die diesbezügliche Einschätzung durch den
Experten der Orthopädie medizinisch begründet wurde, was ihr Gewicht gibt. Der
Gutachter hat auch zur Kenntnis genommen, dass der Beschwerdeführer zumindest
den ersten Eingriff betreffend von einem guten Effekt berichtet hat. Er hat seine
Schlussfolgerungen insgesamt auf umfassende Abklärungen gestützt. Für die
zurückliegende Zeit hat er ab den beiden Wirbelsäuleneingriffen für je längstens sechs
Monate eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert, vorher und nachher jeweils die
Arbeitsunfähigkeit von 10 %. Ein Grund, auf das gutachterliche Ergebnis nicht
abzustellen, zeigt sich nicht. Ergänzende Abklärungen zur Frage der
Operationsindikationen sind nicht erforderlich.
Gegen die psychiatrische Begutachtung lässt der Beschwerdeführer unter
anderem vorbringen, ihr Ergebnis sei diagnostisch unzutreffend. Der Gutachter hatte
wie erwähnt festgehalten, die depressiven Schwankungen des Beschwerdeführers
seien als (reaktive) Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion einzustufen.
Da sie länger als zwei Jahre angehalten hätten, seien sie aber als "sonstige
rezidivierende depressive Störung" zu klassifizieren. Der behandelnde Psychiater
Dr. D._ hat am 23. August 2019 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (sowie eine reaktive generalisierte
Angststörung), diagnostiziert. Diese und die früheren Einschätzungen von Dr. D._ hat
der Gutachter der Psychiatrie aufgenommen (vgl. IV-act. 122-29 f.). Aufgrund seiner
Exploration hat er erklärt, dass die psychische Symptomatik des Beschwerdeführers
nach wie vor in engem Zusammenhang mit den körperlichen Beschwerden stehe, so
dass eine eigenständige depressive Störung nicht festzustellen sei. - Die gutachterliche
Begründung (vgl. IV-act. 122-30) erscheint nach der Aktenlage gut nachvollziehbar. Mit
ihr berücksichtigte der Gutachter auch die Belastungen aus der Lebensgeschichte des
Beschwerdeführers (vgl. IV-act. 122-29 Ziff. 7.1), die durchlebten depressiven
Schwankungen und die vorhandenen Beeinträchtigungen (vgl. IV-act. 122-29 Ziff. 6.3).
Ein Mangel ist diesbezüglich nicht zu erkennen, weshalb die abweichende Auffassung
von Dr. D._ (wonach mittlerweile eine eigenständige und sich selbst unterhaltende
psychische Störung vorliege) dagegen im Beweiswert nicht anzukommen vermag.
Letzteres gilt auch für den Hinweis von Dr. D._, dass eine reaktive generalisierte
Angststörung als häufigste Komorbidität bei chronischen Schmerzpatienten auftrete
und der Beschwerdeführer zahlreiche entsprechende Symptome aufgewiesen habe.
4.3.
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Was diese von Dr. D._ diagnostizierte Störung betrifft, wies der Gutachter darauf hin,
dass sich bei der Begutachtung für eine eigenständige generalisierte Angststörung
keine Befunde ergeben hätten. Er berücksichtigte indessen, dass eine ängstliche
Zukunftserwartung bestehe, und erklärte, diese sei im Rahmen des depressiven
Syndroms zu erklären. Im Arztbericht vom 8. August 2020 erwähnte Dr. D._ diesen
Aspekt (der Angst) im Übrigen - soweit erkennbar - nicht mehr. Der Experte seinerseits
diagnostizierte (nebst der depressiven Störung) in erster Linie eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Massgebend ist zudem
im Ergebnis weniger die diagnostische Ebene als vielmehr, welche Auswirkungen die
Beeinträchtigungen haben. Den beiden Leiden mass der Gutachter der Psychiatrie in
Kenntnis der Vorakten und nach Erhebung von Anamnese und Befunden eine
Arbeitsunfähigkeit von 20 % zu.
Des Weiteren macht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers geltend, eine
mangelnde Compliance bei der Medikamenteneinnahme sei beim stets sehr
motivierten Beschwerdeführer ausgeschlossen. Die gegenteilige Feststellung des
Gutachters der Psychiatrie habe Dr. D._ überzeugend widerlegt. - Dieser Einwand
zielt nach der Aktenlage auf die Antwort des Gutachters der Psychiatrie auf die im
Gutachtensauftrag an ihn gerichtete Frage, ob die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers durch medizinische Massnahmen relevant verbessert werden
könne. Darin legte der Gutachter dar, aus den Serumspiegelmessungen für Amisulprid
und Agomelatin lasse sich schliessen, dass die Psychopharmaka-Einnahme nur
unzureichend bzw. unregelmässig erfolge. Durch eine verbesserte Compliance lasse
sich die Wirkung der Medikamente erhöhen, was sich auch hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit auswirken müsste (vgl. IV-act. 122-31). Der Beschwerdeführer hatte
dem Gutachter berichtet, er nehme morgens ein Solian (Wirkstoff Amisulprid,
atypisches Neuroleptikum; zur Behandlung von akuten und chronischen schizophrenen
Störungen) 100 mg und abends zwei Valdoxan (Wirkstoff Agomelatin, Antidepressivum)
25 mg ein (vgl. IV-act. 122-26). - Die genannte Äusserung zur möglichen Verbesserung
der Compliance machte der Gutachter der Psychiatrie wie erwähnt im Zusammenhang
mit den Möglichkeiten einer künftigen therapeutischen Behandlung, nicht im Sinn einer
Wertung des Leidensdrucks. Was die Kritik an der fachlichen Qualifikation des
Gutachters hinsichtlich der Pharmakokinetik und ihre Begründung betrifft, ist
festzuhalten, dass das entsprechende Schreiben von Dr. D._ vom 9. März 2020 dem
ABI zwar nicht zur Stellungnahme vorgelegt wurde (stattdessen formulierte der RAD
eigene Fragen und liess lediglich das Einwandschreiben mitsenden, vgl. IV-act. 133-2),
was als Manko erscheint. Dasselbe gilt im Weiteren für den Umstand, dass auch die
Stellungnahme von Dr. D._ vom 26. Mai 2020 nicht vorgelegt worden ist. Indessen
4.4.
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hat der Gutachter sowohl um die angegebenen Dosierungen der beiden Medikamente
wie um die (gemäss Arzneimittelkompendium auch so vorgesehene abendliche)
Tageszeit der Einnahme von Valdoxan gewusst. Bei der Begutachtung erfolgten die
entsprechenden Serumspiegelmessungen (vgl. IV-act. 122-49). Die Labormessung des
Antidepressivums im Serum vom 19. November 2019 ergab einen Wert von weniger als
0.5 (bei einem Referenzbereich eine bis zwei Stunden nach Einnahme von 50 mg von 7
bis 300) μg/l. Die betreffende Messung umfasste zudem eigens einen Stoff zur
Compliance-Kontrolle (Metabolit; der länger nachweisbar ist, vgl. https://www.team-
w.ch/de/profile/4384?highlightquery=agomelatin), welcher negativ ausfiel (vgl. IV-
act. 122-49). Der Serumspiegel von Amisulprid lag mit 9 μg/l ebenfalls weit unter dem
therapeutischen Bereich von 100 bis 320 (vgl. hierzu auch den Umstand, dass ein
malignes Neuroleptika-Syndrom nicht hatte ausgeschlossen werden können).
Polydisziplinär wurde im Gutachten empfohlen, die Serumspiegel regelmässig zu
kontrollieren, und festgehalten, angesichts der Komorbiditäten aus somatischer Sicht
könne davon allerdings keine höhere als die attestierte Arbeitsfähigkeit in einer dem
somatischen Leiden adaptierten Verweistätigkeit erwartet werden (vgl. IV-act. 122-10).
Ein Grund zu einem relevanten Zweifel am gesamten Begutachtungsergebnis ergibt
sich unter diesem einzelnen Aspekt (Medikamenteneinsatz) mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht. Konsistenz und Plausibilität waren gemäss dem
psychiatrischen Gutachten gegeben (vgl. IV-act. 122-29), die Tagesaktivitäten
berücksichtigt worden (vgl. 122-27).
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Ferner stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, die begründeten
Beurteilungen der Eingliederungsfachpersonen widersprächen den Schlussfolgerungen
des ABI diametral. Sie nähmen eine Arbeitsfähigkeit von weniger als 50 % an und die
Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer daher (weitere) berufliche
Massnahmen verwehrt. Die Institution hat in ihrem Schlussbericht vom 10. Mai 2017
erklärt, der Beschwerdeführer habe mit einem Pensum von 50 % begonnen und dieses
innerhalb von zwei Wochen auf eigene Initiative auf 100 % gesteigert. Es habe sich
aber gezeigt, dass die Belastung erheblich zugenommen habe. Er habe nach der Arbeit
eine Erholungszeit von 30 bis 60 Minuten gebraucht und den Schmerzmittelkonsum
erhöht. Die Arbeitszeit sei dann auf sechs Stunden pro Tag reduziert worden. Der
Beschwerdeführer sei bei der Arbeit motiviert gewesen und seine Arbeiten hätten den
Qualitätsvorgaben vollumfänglich entsprochen. Die Quantität habe den Anforderungen
hingegen nicht entsprochen. Er habe ein Pensum von 60 % geleistet und bezogen auf
den ersten Arbeitsmarkt eine Leistungsfähigkeit von 20 bis 30 % gehabt (vgl. IV-
act. 45-5).
4.5.
Nach der Rechtsprechung ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten
und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren
Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die
Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven
Arbeitsleistung zu beantworten (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 21. Februar 2018,
8C_802/2017 E. 5.1.1). Den Erkenntnissen der Eingliederungsfachpersonen im Rahmen
von beruflichen Abklärungen ist bezüglich der Beurteilung der Arbeits- und
Leistungsfähigkeit zwar eine gewisse Aussagekraft zuzuerkennen. Solche Berichte
basieren in der Regel jedoch nicht auf vertieften medizinischen Untersuchungen,
sondern auf berufspraktischen Beobachtungen, welche in erster Linie die von ihnen
erhobene, subjektive Arbeitsleistung der versicherten Person wiedergeben. Die Frage
nach einem organischen Korrelat der Schmerzen und der daraus resultierenden
Einschränkungen lässt sich gestützt darauf nicht restlos beantworten (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 16. März 2017, 9C_646/2016 E. 4.2.2). Steht eine
medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit jedoch in offensichtlicher und
erheblicher Diskrepanz zu einer Leistung, wie sie während einer ausführlichen
beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten und -einsatz der versicherten
Person effektiv realisiert wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv
realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu
begründen. Das Einholen klärender medizinischer Stellungnahmen ist diesfalls
grundsätzlich unabdingbar (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 15. Februar 2019,
4.5.1.
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5.
9C_534/2018 E. 2.2, und vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020 E. 5.2.1). Die abschliessende
Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen
Leistungsfähigkeit obliegt indessen in der Hauptsache den ärztlichen Fachpersonen
und nicht den Eingliederungsfachpersonen (vgl. Bundesgerichturteil vom 17. Juli 2019,
8C_278/2019 E. 3.2.1).
Wie vom Beschwerdeführer vorgebracht sind seine Motivation und die gute
Qualität seiner Arbeit bestätigt worden und sie sind auch aufgrund der Aktenlage
nachvollziehbar geworden und anerkennenswert. Eine Arbeitszeit von sechs Stunden
(wie im Schlussbericht festgehalten) entspricht allerdings einem Pensum von rund
70 %. Am 30. März 2017 war gar noch von einer Arbeitszeit des Beschwerdeführers
von rund 77 % die Rede gewesen (nämlich von 6.5 Stunden pro Tag). Eine
Arbeitsleistung dieses Ausmasses wurde zudem im September 2016 auch von
ärztlicher Seite als zumutbar bezeichnet (vgl. IV-act. 17). An der medizinischen
Zumutbarkeit sind wie erwähnt auch die Leistungen bei einer beruflichen Abklärung zu
messen. Die namhafte Differenz zwischen dem genannten Pensum und der nach
Angaben der Institution auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbaren Leistung (von
lediglich 20 bis 30 %) erscheint zudem nicht ausreichend nachvollziehbar (vgl. hierzu
auch die Einschätzung des RAD, IV-act. 51). Zu beachten ist ferner insbesondere, dass
die Gutachter ihre Beurteilung in Kenntnis des Ergebnisses der beruflichen Abklärung
abgegeben und in ihrer späteren Stellungnahme auf den Massstab der objektiven
Befunde hingewiesen haben.
4.5.2.
Damit kann auf das Gutachten abgestellt werden. Den vom Ergebnis der polydis
ziplinären Arbeitsfähigkeitsschätzung (für die Begutachtungszeit) abweichenden
Beurteilungen der behandelnden Ärzte kommt kein Beweiswert zu, der massgebliche
Zweifel hieran rechtfertigen könnte.
4.6.
Nach Art. 16 ATSG (vgl. Art. 28a Abs. 1 IVG) wird für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
5.1.
Bei der Ermittlung des Valideneinkommens wird in der Regel am zuletzt erzielten,
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
5.2.
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Verdienst angeknüpft, da es der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (vgl. Bundesgerichtsurteile vom
6. Oktober 2020, 9C_316/2020 E. 3.1, und vom 22. August 2019, 9C_868/2018 E. 3.1,
BGE 139 V 28 E. 3.3.2, BGE 129 V 222). - Beim Beschwerdeführer kann das
Valideneinkommen nicht anhand eines solchen Einkommens an einer konkreten Stelle
bemessen werden, da er beim Auftreten des ersten Bandscheibenvorfalls nach der
Aktenlage am _. Februar 2015 die letzte der langjährigen Anstellungen (gemäss den
Einträgen im IK-Auszug hat er dort im Jahr 2014, von elf auf zwölf Monate
umgerechnet, ein Einkommen von Fr. 65'282.-- erzielt) nicht mehr innegehabt hat.
Vielmehr rechtfertigt es sich, für die Bemessung des Valideneinkommens auf den
statistischen Durchschnitt der Einkommen von Männern für einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art, also des Kompetenzniveaus 1 (vgl. Anhang 2 der
Textausgabe Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts,
Gesetze und Verordnungen, 2019, herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV,
S. 228, basierend auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung, LSE, des
Bundesamtes für Statistik), abzustellen, wie es die Beschwerdegegnerin getan hat. Das
entsprechende Durchschnittseinkommen betrug etwa im Jahr 2014 Fr. 66'453.--, im
Jahr 2017 Fr. 67'102.-- (a.a.O.).
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie - wie der Beschwerdeführer - nach Eintritt der Invalidität keine Erwerbstätigkeit
aus, namentlich weil sie nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls
keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, können
insbesondere LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden (vgl. Bundesgerichtsurteile
vom 27. August 2019, 9C_228/2019 E. 4.2.2, und vom 22. November 2019,
8C_590/2019 E. 5.1). Das setzt voraus, dass die medizinische Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, wie ihn Art. 16 ATSG
voraussetzt, als verwertbar zu betrachten ist. Dieser massgebliche theoretische und
abstrakte ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2) dient dazu,
die Risiken von Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Schweizerisches
Bundesgericht] vom 10. Juli 2006, I 186/05 E. 2.3, Bundesgerichtsurteil vom
23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V 276 E. 4b). Der
Beschwerdeführer verfügt gemäss gutachterlicher Beurteilung noch über eine
Arbeitsfähigkeit von 80 %. Die Voraussetzungen einer adaptierten Tätigkeit sind nicht
so einschränkend, dass sie eine Verwertung auf dem genannten massgeblichen
Arbeitsmarkt nicht mehr zuliessen, umfasst dieser doch eine Vielzahl
5.3.
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unterschiedlichster Arbeitsmöglichkeiten - und selbst Nischenarbeitsplätze (vgl.
Bundesgerichtsurteile vom 5. November 2018, 9C_304/2018 E. 5.1.1, und vom
10. April 2019, 8C_811/2018 E. 4.4.1, vom 18. Dezember 2019, 9C_693/2019 E. 5.1.3,
und vom 28. November 2014, 9C_485/2014). - Für das Valideneinkommen und als
Ausgangswert für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist demnach derselbe
Einkommensbetrag zu wählen. Der Invaliditätsgrad entspricht unter solchen
Verhältnissen dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen
Abzugs (zur Ermittlung des Invalideneinkommens) gemäss BGE 126 V 75 (vgl.
Bundesgerichtsurteile vom 9. Mai 2016, 8C_934/2015 E. 2.1, und vom 20. April 2010,
9C_215/2010 E. 5.2).
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist
ein Abzug von den Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des
Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). - Der Beschwerdeführer kann gemäss dem
Gutachten keine vollzeitliche Arbeit mehr leisten, sondern lediglich eine solche von
sieben bis acht Stunden pro Tag (vgl. IV-act. 122-10). Deshalb fällt zwar allenfalls ein
Teilzeitabzug in Betracht, doch wirkt sich die Teilzeitarbeit bei diesen Gegebenheiten
(von rund 89 % Teilzeitarbeit) gemäss Tabelle T18 des Bundesamtes für Statistik (2018)
bei Männern ohne Kaderfunktion (bei einem Beschäftigungsgrad von 75 bis 89 %) im
Vergleich zur Vollzeitbeschäftigung nicht lohnmindernd aus. Arbeiten des
Kompetenzniveaus 1, von welchen bei der Bemessung des Invalideneinkommens wie
dargelegt ausgegangen wird, erfordern im Übrigen keine guten Sprachkenntnisse (vgl.
Bundesgerichtsurteile vom 18. April 2019, 8C_687/2018 E. 5.3, vom 10. September
2019, 8C_314/2019 E. 6.2, vom 29. Mai 2018, 9C_266/2017 E. 3.4.4, und vom
18. August 2014, 9C_426/2014 E. 4.2). Die Beschwerdegegnerin hat indessen einen
Abzug von 10 % vorgenommen, weil dem Beschwerdeführer lediglich noch leichte
Tätigkeiten zumutbar sind (vgl. IV-act. 159-2), während er früher jahrelang auf dem Bau
tätig gewesen ist. Ein Abzug wegen nicht mehr zumutbarer körperlich belastenderer
Arbeit fällt, da der genannte Tabellenlohn (des Kompetenzniveaus 1) bereits eine
Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst, nach der
Rechtsprechung nicht ohne weiteres in Betracht (vgl. Bundesgerichtsurteile vom
20. April 2018, 9C_833/2017 E. 5.1, und vom 24. Mai 2018, 8C_884/2017 E. 4.2). Bei
5.4.
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6.
einer Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von 20 % kann dahingestellt bleiben,
ob in das Ermessen der Beschwerdegegnerin einzugreifen wäre.
Ein rentenbegründendes Ausmass an Invalidität liegt jedenfalls (während der Zeit
der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von 20 % in adaptierter Tätigkeit) nicht
vor.
5.5.
Was den Sachverhalt in der zurückliegenden Zeit betrifft, wurde im Gutachten
polydisziplinär festgehalten, es könne seit Februar 2016 in angestammter Tätigkeit eine
volle und in adaptierter Verweistätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (vgl. IV-
act. 122-10 Ziff. 4.11) bzw. "über die Zeit gemittelt" eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %
(vgl. IV-act. 122-10 Ziff. 4.7.5) angenommen werden. - Im orthopädischen
Teilgutachten war allerdings - was nachvollziehbar erscheint - festgehalten worden, die
retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit anhand anamnestischer Angaben und
vorliegender Akten sei schwierig. Es sei jedoch jeweils nach den Wirbelsäuleneingriffen
vom 11. Februar 2016 und vom 29. Mai 2018 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit für
sämtliche Tätigkeiten auszugehen und spätestens sechs Monate postoperativ von der
Arbeitsunfähigkeit von 10 % (vgl. IV-act. 122-38). Dies ist überzeugend; die
Arbeitsunfähigkeitsschätzung mittels eines Durchschnitts über die Zeit hinweg entfällt
dagegen bei diesen Gegebenheiten. - Auch im pneumologischen Teilgutachten wurde
eine separate Arbeitsfähigkeitsschätzung zum retrospektiven Verlauf abgegeben. Dort
wurde dargelegt, diesbezüglich bestehe die Arbeitsunfähigkeit von 20 % in adaptierter
Tätigkeit ab der Diagnose der COPD im Mai 2018 (vgl. IV-act. 122-44 f.).
6.1.
Wird zudem der echtzeitliche Ablauf mitberücksichtigt, zeigt sich, dass der
Beschwerdeführer (nach der Arbeitsunfähigkeit wegen des ersten
Bandscheibenvorfalls, nach der Aktenlage am _. Februar 2015) vom 3. Juni 2015 bis
7. Januar 2016 wieder arbeitsfähig war (womit eine allfällige Wartezeit unterbrochen
wurde).
6.2.
Ab 11. Februar 2016 erfolgten die Operation und die erste postoperative Phase.
Im August 2016 war psychiatrisch gesehen keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
(vgl. IV-act. 16-1) und Dr. E._ hatte im September 2016 Angaben gemacht, die (im
Durchschnitt) auf eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers (in adaptierter
Tätigkeit) von 17 % (IV-act. 17) schliessen lassen. Zudem wurde von einer
Verbesserung des psychiatrischen Gesundheitszustands seit Januar/Februar 2017 (IV-
act. 37) berichtet. Bei einem möglichen Ablauf einer Wartezeit im Februar 2017 ist
6.2.1.
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demnach nicht von einer rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit auszugehen und bezog der Beschwerdeführer ein IV-Taggeld (vgl. IV-act. 35),
womit ein Rentenanspruch entfällt. - Im Dezember 2017 wurde von zunehmenden
Rückenbeschwerden mit voller Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 53) und im März 2018 (IV-
act. 67) wurde von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus psychiatrischen Gründen
berichtet. Diesen Arbeitsfähigkeitsschätzungen kann indessen in Anbetracht der
Angaben im Gutachten nicht gefolgt werden.
Ab 29. Mai 2018 erfolgte indessen eine zweite postoperative Phase, die gemäss
dem Teilgutachten bis längstens November 2018 dauerte. In dieser Zeit war der
Beschwerdeführer auch für adaptierte Tätigkeiten voll arbeitsunfähig. Da er in seiner für
die Wartezeit massgeblichen angestammten Tätigkeit auch in einem vor diesem
Zeitpunkt (von Mai 2018) liegenden Jahr (immer noch) voll arbeitsunfähig war (vgl.
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG, Bundesgerichtsurteil vom 5. Oktober 2017, 9C_412/2017 E. 4;
und im Übrigen seit dem erstmöglichen Ablauf ohne anschliessende Invalidität noch
keine drei Jahre vergangen sind, vgl. Bundesgerichtsurteil vom 3. Juli 2013,
9C_677/2012 E. 2.3 e contrario), sind mit dem Auftreten der längerdauernden vollen
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG; sowie Art. 28 Abs. 1
lit. a IVG), die mit der Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit ab Mai 2018 während
eines halben Jahres verbunden ist, die Anspruchsvoraussetzungen für eine Rente
erfüllt. - Der Beschwerdeführer hat demnach ab 1. Mai 2018 Anspruch auf eine ganze
Rente.
6.2.2.
Spätestens im November 2018 - mit Ablauf der postoperativen Phase -
reduzierte sich gemäss dem Teilgutachten die Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers für adaptierte Tätigkeiten auf die im Übrigen attestierten 20 %. -
Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist die anspruchsbeeinflussende Änderung für die
Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung bei einer Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen
werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu
berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate
angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. - Noch bevor die
genannte Verbesserung allerdings drei Monate hätte angehalten haben können, trat
beim Beschwerdeführer ab Januar 2019 wegen des schweren, intensivmedizinische
Versorgung erforderlich machenden Leidens (mit zehn Tage lang Koma, vgl. auch IV-
act. 122-32 f.; damals fremdanamnestisch nur noch in der Wohnung mobil, IV-
act. 97-22) nochmals bis März 2019 volle Arbeitsunfähigkeit ein. Der Verlauf war
gemäss der Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin am Kantonsspital St. Gallen in
6.2.3.
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7.
Betreffend den Sachverhalt in der Zeit nach der Begutachtung vom November/
Dezember 2019 bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom
20. Oktober 2020 ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine relevante
Veränderung mehr anzunehmen, kann doch gemäss der Stellungnahme des ABI vom
25. August 2020 aufgrund der vorgelegten Berichte der behandelnden Ärzteschaft vom
12. Juni 2020 und vom 8. August 2020 insgesamt von einem unveränderten Zustand
ausgegangen werden.
8.
der Folge erfreulich und die Klinik legte im Juni 2019 dar, im Vordergrund stünden die
Rückenbeschwerden des Beschwerdeführers (vgl. IV-act. 109-8). Daher rechtfertigt es
sich anzunehmen, es sei damals wieder der vorbestehende Zustand hergestellt
gewesen. Dem Bericht von Dr. D._ vom 23. August 2019 (IV-act. 111) lässt sich im
Übrigen auch psychiatrisch eine gewisse Verbesserung entnehmen. Drei Monate nach
Anhalten der Verbesserung ab Juni 2019, somit ab 1. Oktober 2019, ist gemäss
Art. 88a Abs. 1 IVV bei dem einer Arbeitsunfähigkeit von 20 % entsprechenden
Invaliditätsgrad kein Rentenanspruch mehr gegeben.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 20. Oktober 2020 teilweise gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer ist für die Zeit vom 1. Mai 2018 bis 30. September 2019 eine ganze
Rente zuzusprechen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
8.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (vgl. Art. 69 Abs. 1 IVG, Fassungen vor und nach 1. Januar 2021).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint der durchschnittlich aufwendigen Sache
angemessen. - Nach Art. 95 Abs. 1 des st. gallischen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP/SG; sGS 951.1; vgl. Art. 61 Ingress ATSG) hat in
Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden. Zu berücksichtigen ist, dass der Beschwerdeführer
gemäss diesem Ausgang des Verfahrens die Verfügung zu Recht mittels des
Beschwerdeverfahrens als unzutreffend beanstanden musste (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. November 2018, IV 2016/357
E. 4.2; vgl. auch jenen vom 21. Juni 2021, IV 2020/120 E. 6.3). Indessen wird ihm, der
unter anderem eine ungenügende Abklärung des Sachverhalts geltend gemacht hat,
8.2.
bis
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