Decision ID: f7ba39e3-389c-421a-beac-b575d01df56f
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 30. Juni 2012 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zur
beruflichen Integration/Rente an (IV-act. 3, 8). In der Anmeldung führte sie aus, sie sei
seit dem 4. Januar 2012 vollständig arbeitsunfähig und seither nicht mehr erwerbstätig.
Sie leide unter Depressionen, Zwangsstörungen (Waschzwang, Zählzwang,
Perfektionismus) und habe Angst vor Schmutz und Bakterien und vor vielen Leuten. Sie
stehe deswegen in ärztlicher Behandlung (IV-act. 11). RAD-Ärztin Dr. med. B._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, notierte am 21. August 2012 im Zug der
Frühintervention nach einem Gespräch mit der Psychologin des Ambulatoriums der
psychiatrischen Klinik C._, bei der Versicherten seien eine Zwangsstörung (ICD-10
F42.1) und eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
diagnostiziert worden; sie stehe seit Februar 2012 ein- bis zweimal wöchentlich in
Behandlung mit Verhaltens- und Schematherapie sowie Medikation. Der Waschzwang
bestehe, seit die Versicherte 17 Jahre alt sei. Es habe immer wieder Phasen gegeben,
in denen sie stabiler gewesen und das soziale Umfeld gut gewesen sei, dann seien die
Zwangshandlungen weniger gewesen. Aktuell habe sie sich vom Ehemann getrennt
und die Scheidung eingereicht. Unter der aktuell schwierigen Lebenssituation habe der
Waschzwang wieder deutlich zugenommen, zudem bestünden Ängste,
Gedankenkreisen, Furcht vor Bakterien, grosse Selbstunsicherheit, Schlafstörungen
und Appetitminderung, die Versicherte habe erheblich abgenommen. Zufolge des
aktuellen instabilen Gesundheitszustandes sei in absehbarer Zeit kein
Eingliederungspotential vorhanden. Diplompsychologin D._ und Oberarzt Dr. med.
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E._ von der psychiatrischen Klinik C._ bestätigten diese Angaben am 24. August
2012 (IV-act. 22, auch act. 27).
A.b Gemäss Vortriage-Protokoll vom 25. September 2012 hat die Versicherte keine
Ausbildung absolviert, zuletzt ab April 2009 selbständig zu 50% in der
Reinigungsbranche gearbeitet, vorher lange im Service (vgl. IK-Auszug, IV-act. 3 und
18). Betreffend Taggeld sei die Versicherte als Erwerbstätige (Hilfsarbeiterin) zu
qualifizieren (IV-act. 24). Mit einer Mitteilung vom 26. September 2012 teilte die IV-
Stelle der Versicherten mit, aufgrund des Gesundheitszustandes seien keine
beruflichen Massnahmen möglich, aktuell stünden medizinische
Behandlungsmassnahmen im Vordergrund. Der Rentenanspruch werde nach Einleitung
weiterer Abklärungen geprüft (IV-act. 26).
A.c Die Ärzte der psychiatrischen Klinik C._ bezeichneten im Verlaufsbericht vom
10./21. Januar 2013 den Gesundheitszustand als stationär, weiterhin erfolgten
regelmässig psychotherapeutische Gespräche. Die Patientin sei gut im therapeutischen
Prozess integriert. Neben der Behandlung der Depression und der Zwangsstörung
finde auch eine Begleitung und psychotherapeutische Behandlung im
Scheidungsprozess statt. Die medikamentöse Therapie trage zur Aufrechterhaltung des
bisherigen Zustandes bei. Die Patientin werde im Februar 2013 in eine eigene
Wohnung umziehen, die Situation mit dem Noch-Ehemann sei äusserst angespannt.
Die Zwangssymptomatik zeige sich in einem anhaltenden Waschzwang mit Furcht vor
Bakterien (z.B. nach Berührung von Türgriffen, Knöpfen, Lichtschalter, im Lift, im Bus,
in der Öffentlichkeit). Das habe dazu geführt, dass sich die Versicherte zunehmend
zurückziehe und die Öffentlichkeit meide. Mit Bezug auf die Tätigkeit als
Reinigungskraft wirke sich die Zwangsstörung dahingehend aus, dass die Versicherte
viel mehr Zeit benötige, weil sie das Waschen in einem bestimmten Ritual machen
müsse. Zudem brauche sie länger für die Tätigkeit und dies führe zu einer Verstärkung
des Waschzwangs, weil die Befürchtung bestehe, sich mit Bakterien zu kontaminieren.
Wegen einer deutlichen Verlangsamung im Arbeitstempo bestehe die Gefahr einer
deutlichen Verschlechterung der Zwangssymptomatik bei der Ausführung der Tätigkeit.
Es sei von einer Teilarbeitsfähigkeit ab etwa März 2013 auszugehen. Erst dann könne
auch eingeschätzt werden, im welchem Rahmen die Teilarbeitsfähigkeit erbracht
werden könne (ganztags mit reduzierter Leistung oder in Teilzeit mit voller Leistung).
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Die Prognose sei durch die Tatsache, dass die Zwangserkrankung seit etwa dem
18. Lebensjahr bestehe, beeinträchtigt. Die Beurteilung bleibe verlaufsabhängig (IV-
act. 30).
A.d Am 21. März 2013 wandte sich der zuständige Sozialarbeiter der psychiatrischen
Dienste F._ an die IV-Stelle und beantragte für die Versicherte die Aufnahme
beruflicher Massnahmen (Berufsberatung). Die Versicherte sei seit 6. Februar 2012 in
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Aufgrund ihrer Erkrankung habe
man sie für einen längeren Zeitraum 100% arbeitsunfähig schreiben müssen.
Möglicherweise ab 1. Mai 2013 könne mit einer Teilarbeitsfähigkeit von 50% gerechnet
werden, eine RAV-
Anmeldung werde erfolgen. Berufsberaterisch sei zu klären, was in Beachtung der
Erkrankung (vorwiegend Zwangshandlungen – Zwangsrituale und aktuell teilremittierte
mittelgradige depressive Episode) in beruflicher Hinsicht nachhaltig sein könnte. Die
Versicherte sei sehr motiviert, wieder ins Berufsleben einzusteigen (IV-act. 32).
A.e Im Verlaufsprotokoll Assessment vom 4. Juli 2013 hielt die
Eingliederungsverantwortliche fest, der Versicherten gehe es jetzt einiges besser, die
Trennung vom Ehemann sei vollzogen und die Scheidung werde im Sommer
ausgesprochen. Das habe eine gewisse Stabilität gebracht, die Waschzwänge seien
aber noch nicht viel besser, nicht mehr so häufig, jedoch immer noch stark je nach
Belastungssituation. Die Therapie im Psychiatrischen Zentrum habe vor allem bei der
Trennung geholfen, die Depressionen seien noch vorhanden. Die Versicherte suche
eine Stelle zu 50% in einem Produktionsbetrieb oder sonst eine Arbeit, bei der man
Handschuhe tragen könne. Bis Ende Dezember 2013 sei ein Taggeldanspruch
gegeben (IV-act. 37).
A.f Die Ärzte der psychiatrischen Klinik E._ bezeichneten den
Gesundheitszustand der Versicherten im zweiten Verlaufsbericht vom 5. Juli 2013
weiterhin als stationär bei gleichbleibenden Diagnosen. In der Behandlung der
Depression und Zwangsstörung finde auch eine Begleitung und psychotherapeutische
Unterstützung im Scheidungsprozess statt. Die medikamentöse Therapie trage zur
Aufrechterhaltung des bisherigen Zustandbilds bei. Der Umzug der Versicherten nach
G._ habe vorübergehend zu einer leichten Dekompensation mit depressiver
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Verstimmung, Lustlosigkeit, Antriebshemmung und Schuldgefühlen geführt. Nach der
räumlichen Trennung vom Ehemann habe sich das psychische Befinden wieder
stabilisiert. Seither stehe die berufliche Wiedereingliederung im therapeutischen
Prozess im Vordergrund, parallel dazu die Zwangsstörung. Die Versicherte sei seit 1.
Juni 2013 beim RAV gemeldet, seit 10. Juni 2013 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
50%. Vor dem Hintergrund, dass die Zwangsstörung seit 20 Jahren bestehe und damit
als chronisch anzusehen sei, sei es nicht sinnvoll, dass die Versicherte weiterhin im
Reinigungsdienst tätig sei, da dies die Zwangssymptomatik triggern würde. Aktuell sei
ein Einsatzprogramm mit Arbeitstraining im geschützten Rahmen vorgesehen. Die
Zwangssymptomatik sei unverändert und schränke die Versicherte an der Teilnahme
im Alltag erheblich ein (IV-act. 41). Am 12. Juli 2013 unterzeichnete die Versicherte
einen Eingliederungsplan zur Arbeitsvermittlung und Stellensuche (IV-act. 42).
A.g Im Abschlussbericht vom 11. November 2013 notierte die
Eingliederungsberaterin, die Versicherte sei seit vielen Jahren von Zwängen begleitet,
die sie nicht überwinden könne. Der Einsatz auf dem ersten Arbeitsmarkt wäre nur in
einem ganz speziellen Umfeld möglich. Eine Arbeit in einem clean-Raum sei nicht
zumutbar, da dies den Waschzwang noch mehr fördern und unterstützen würde. Die
vom RAD medizinisch-theoretisch zugemutete Arbeitsfähigkeit von 50% habe in der
freien Wirtschaft nicht getestet werden können, es habe die Möglichkeit dazu gefehlt.
Da der Start im zweiten Arbeitsmarkt schon fast nicht zu bewältigen gewesen sei
(Einsatzprogramm bei H._ ab 8. August 2013), sei zweifelhaft, dass eine Umsetzung
im ersten Arbeitsmarkt gelingen werde. Die Motivation der Versicherten sei vorhanden,
an ihrer Einstellung fehle es nicht (IV-act. 47).
A.h Mit Mitteilung vom 2. Dezember 2013 lehnte die IV-Stelle das Leistungsbegehren
der Versicherten um berufliche Massnahmen ab, da sie sich nicht in der Lage sehe, aus
gesundheitlichen Gründen im ersten Arbeitsmarkt einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Weitere berufliche Massnahmen seien deshalb nicht angezeigt. Betreffend Rente
werde später separat verfügt (IV-act. 49).
B.
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B.a Am 17. Dezember 2013 teilte die Kantonale Arbeitslosenkasse der IV-Stelle mit,
die seit 10. Juni 2013 gemeldete Versicherte sei per 12. Dezember 2013 abgemeldet
worden. Die Versicherte habe eine Vermittlungsfähigkeit von 100% angegeben, jedoch
eine Arbeitsstelle mit einem Pensum zu 50% gesucht. Gestützt auf vorliegende
Arztzeugnisse sei eine Vermittlungsfähigkeit von 50% festgesetzt worden. Ab
Anmeldedatum bis zum 30. November 2013 seien Taggeldleistungen ausgerichtet
worden. Die Versicherte werde weiterhin bei der Stellensuche unterstützt (IV-act. 50).
B.b Am 28. Dezember 2013 füllte die Versicherte einen Fragebogen der IV-Stelle
zum Haushalt aus. Sie gab darin an, ohne Behinderung würde sie ab Februar 2013 eine
Erwerbstätigkeit zu 100% im Service oder in der Reinigung ausüben (Scheidung). Sie
habe sich um entsprechende Stellen beworben, obwohl sie solchen Arbeiten nicht
nachgehen könne (Depressionen, Zwangsstörungen), beim RAV seien
Arbeitsbemühungen aber Pflicht. Kleinkinder könne sie nicht mehr betreuen
(Kontaktangst, Ekel, Bakterien, Berührungen usw.), für Aktivitäten ausser Haus
benötige sie eine Begleitung. Sie gab an, alle anderen anfallenden Tätigkeiten im
Haushalt selber erledigen zu können. Die bezeichneten Einschränkungen seien seit 4.
Januar 2012 vorhanden (IV-act. 52).
B.c Ein Arztbericht des Psychiatrischen Ambulatoriums vom 23. Mai 2014 bestätigte
eine volle Arbeitsunfähigkeit ab 1. Februar 2014 bei den Diagnosen Zwangsstörung mit
Zwangsgedanken und -handlungen gemischt (ICD-10F42.2) und rezidivierender
depressiver Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10F33.1). Die
geschiedene Versicherte lebe seit Februar 2013 in G._ (nach 21 Jahren in I._), mit
der Wohnsituation sei sie zufrieden, soziale Kontakte fehlten. Zum Ex-Ehemann und
den Töchtern habe sie ein gutes Verhältnis, kaum Kontakte zur Herkunftsfamilie. Seit
Januar 2014 sei sie beim Sozialamt J._ gemeldet (vgl. auch IV-act. 60). Sie leide
unter Kontrollzwängen wie Lichterlöschen, Herdplatten nachkontrollieren und
Waschzwängen (v.a. Händewaschen). Dies behindere sie im täglichen Leben.
Zwangsgedanken oder Wahnhaftes sei nicht vorhanden. Die Versicherte klage auch
über Gelenkschmerzen. Bei der wachen, in allen Qualitäten orientierten Patientin sei die
Auffassungsgabe eingeschränkt, die Konzentration und Merkfähigkeit reduziert, im
formalen Denken sei sie logorrhoisch, monologisierend, sie neige zum Grübeln mit
existenziellen Ängsten. Es lägen keine inhaltlichen Denkstörungen vor, insbesondere
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keine Wahnvorstellungen oder Halluzinationen; die Stimmung sei gedrückt, im Affekt
flach. Aktuell bestünden keine selbst- oder fremdgefährdenden Impulse bei latenter
Suizidalität. Aufgrund der chronifizierten Erkrankung und der fehlenden Flexibilität im
Denken sowie den Zwängen sei von einer eher schlechten Prognose auszugehen. Es
erfolge eine integriert psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung (nebst
Medikation) mit Terminen alle 14 Tage seit 2. Dezember 2013, die verlässlich
wahrgenommen würden. Die Versicherte sei rasch erschöpft, wenig flexibel im Denken
und stark eingeschränkt durch Kontroll- und Waschzwänge. Dadurch sei sie bei der
Arbeit nicht belastbar. Die bisherige Arbeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr
zumutbar und mit einer Wiederaufnahme könne nicht gerechnet werden, die
Einschränkungen liessen sich auch durch medizinische Massnahmen nicht verhindern
(IV-act. 59).
B.d RAD-Arzt Dr. med. K._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt
für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, zertifizierter medizinischer
Gutachter SIM, beurteilte das Falldossier und kam am 24. Juli 2014 zum Schluss, dass
durchgehend ab 7. Juni 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 50% bestehe, allenfalls sei in
den Monaten des Scheidungsverfahrens medizinisch-theoretisch eine temporäre
Verschlechterung (Zunahme der Depression) mit anschliessender Besserung
eingetreten. Eine weitere Verschlechterung sei nicht eingetreten, im Gegenteil eine
Stabilisierung insofern, als mit dem geschiedenen Mann eine gute Beziehung bestehe
und die neue Wohnsituation befriedige. Eine depressionsbedingte soziale Isoliertheit
könne in diesem Kontext nicht unterstellt werden, denn in einer fremden Umgebung sei
man zunächst sozial allein und es brauche Zeit, neue Beziehungen zu knüpfen. An der
Zwangsstörung habe sich nichts geändert. Eine Begründung für eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit sei schlichtweg nicht nachvollziehbar, denn die Symptomatik habe
auch zuvor schon bestanden. Gegen eine Reduzierung der Flexibilität bei nicht
vorhandenen Gedankenzwängen spreche auch die Wahrnehmung der
Scheidungsimplikationen einschliesslich Umzug an einen anderen Wohnort. Im letzten
Arztbericht des Ambulatoriums sei ohne Begründung geblieben, weshalb die
Arbeitsunfähigkeit mit einem Sprung wieder 100% betragen solle. Beim gleichen
medizinischen Sachverhalt beurteile der Behandler die Arbeitsunfähigkeit anders. Der
Gesundheitszustand der Versicherten sei stabil und in der angestammten Tätigkeit
betrage die zumutbare Arbeitsfähigkeit ab 3. Juni 2013 50%, vorher sei sie ab 4.
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Januar 2012 100% arbeitsunfähig gewesen. In einer adaptierten zumutbaren Tätigkeit
bestehe bei einer zeitlichen Präsenz von 75% (sechs Stunden) eine Arbeitsfähigkeit von
50% (verlangsamtes Arbeitstempo wegen Kontroll- und Waschzwang zwei Stunden);
die Tätigkeit müsse reizarm, stressreduziert, nicht einem permanenten Zeitdruck
unterstehend und mit eigenem Spielraum in der Arbeitseinteilung Raum lassend leicht
bis mittelschwer sein in einer insgesamt menschlich wohlwollenden Arbeitsatmosphäre
(IV-act. 61). Der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St.
Gallen beurteilte die diagnostizierte Zwangsstörung am 13. Oktober 2014 als nicht
invalidisierend, weil diese bereits seit dem 17. Lebensjahr bestehe und die Versicherte
trotzdem fähig gewesen sei, immer wieder erwerbstätig zu sein, eine Familie zu
gründen und offenbar ihren Verpflichtungen als Mutter nachzukommen. Die
psychiatrische Klinik C._ leite die leicht bis mittelgradige depressive Episode vor
allem aus der schwierigen Trennungssituation ab, es handele sich um einen
psychosozialen Belastungsfaktor, der für sich allein zu keiner Invalidität führe. Etwas
anderes würde nur gelten, wenn nebst diesem psychosozialen Faktor bei der
Versicherten eine davon abschichtbare ausgeprägte psychische Störung vorläge. Das
sei vorliegend nicht der Fall, weshalb die Versicherte aus juristisch-psychiatrischer
Sicht voll arbeitsfähig sei (IV-act. 62).
C.
C.a Mit Vorbescheid vom 29. Oktober 2014 stelle die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, gestützt auf die Ausführungen des Rechtsdienstes einen Rentenanspruch
abzulehnen. Die Berechnung des Invaliditätsgrades von 0% erfolgte mittels der
allgemeinen Methode bei Vollerwerbstätigen und gestützt auf die
Lohnstrukturerhebungen LSE 2011 (Niveau 4; IV-act. 63, 64 und 66).
C.b Gegen den Vorbescheid liess die nunmehr von der procap St. Gallen-Appenzell
vertretene Versicherte (Frau L._, dipl. Sozialarbeiterin FH) am 4. Dezember 2014 eine
Stellungnahme einreichen mit dem Antrag auf Aufhebung des Vorbescheids und
Zusprache mindestens einer halben Rente. Die Versicherte sei bereits vor der
Trennungssituation jahrelang gesundheitsbedingt aufgrund der Zwangsstörung nur zu
50% arbeitsfähig gewesen. Der Ehemann habe in hohem Mass bei der
Kinderbetreuung und der Haushaltsführung mitgeholfen (Schichtarbeit) und nur so sei
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es überhaupt möglich gewesen, mit der Zwangsstörung ein Arbeitspensum von 50%
zu versehen. Die nun seit 32 Jahren bestehende Zwangsstörung habe sich chronifiziert.
Erst anfangs 2012 habe eine adäquate Behandlung stattgefunden. Eine Zwangsstörung
führe unweigerlich zu einer Einbusse der Leistungsfähigkeit im Alltag (unter Verweis auf
Ausführungen der Schweizerischen Gesellschaft für Zwangsstörungen). Die
Einschätzung des Rechtsdienstes, die Arbeitsunfähigkeit der Versicherten sei nur
vorübergehend und allein auf die Belastungssituation zurückzuführen und damit IV-
fremd, und die Zwangsstörung habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, genüge
nicht, die medizinischen Einschätzungen der psychiatrischen Klinik C._ und des RAD
umzustossen. Die Belastung durch die Trennungssituation habe vorübergehend zu
einer Arbeitsunfähigkeit von 100% geführt, danach sei wieder von einer
Restarbeitsfähigkeit von 50% auszugehen. Überdies sei es mehr als fraglich, ob es
einen adaptierten Arbeitsplatz im Sinn des RAD im ersten Arbeitsmarkt überhaupt gebe
(IV-act. 73).
C.c Am 10. Dezember 2014 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid, da im
Einwandschreiben keine neuen medizinisch objektivierbaren wesentlichen Änderungen
der Befunde oder Symptome mitgeteilt worden seien, die nicht schon zum Zeitpunkt
des Vorbescheids bekannt gewesen wären (IV-act. 75).
C.d Gegen diese Verfügung lässt die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 26. Januar 2015 durch Rechtsanwalt lic.iur. Leo Sigg, Rechtsdienst procap
Schweiz, Beschwerde erheben. Der Rechtsvertreter beantragt die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Zusprache mindestens einer halben Rente an die
Beschwerdeführerin; eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zudem beantragt er die unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung mit Befreiung von Vorschuss- und
Sicherheitsleistungen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin. Zur Begründung führt der Rechtsvertreter aus, RAD-Arzt Dr.
K._ habe klar festgehalten, dass bei der Beschwerdeführerin nur eine Arbeitsfähigkeit
von 50% bestehe bei einer zeitlichen Präsenz von 75%. Die Ausführungen des
Rechtsdienstes, wonach die Zwangsstörung nicht invalidisierend sei, weil sie schon
seit dem 17. Lebensjahr bestehe, sei daher irrelevant. Offensichtlich hätten sich die
Zwangsstörungen chronifiziert und verschlechtert, weshalb sie zum heutigen Zeitpunkt
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durchwegs invalidisierend seien. Zudem sei völlig unklar, was eine juristisch-
psychiatrische Sichtweise sein solle. Die Vermischung der medizinischen mit der
juristischen Disziplin sei unzulässig. Die Beschwerdegegnerin habe sich mit den
Ausführungen im Einwandschreiben in keiner Art und Weise auseinandergesetzt.
Weder der Rechtsdienst noch die Sachbearbeiter hätten sich fundiert mit den
medizinischen Berichten befasst. Medizinisch unbestritten liege eine Arbeitsunfähigkeit
von mindestens 50% vor, und ebenfalls sei medizinisch unbestritten, dass die
Zwangsstörungen aufgrund der Chronifizierung zu einer massiven Leistungseinbusse
führten. Es könne nicht angehen, dass der Rechtsanwender mit einem simplen Satz
sämtliche medizinischen Fakten ignoriere und eine eigene Beurteilung vornehme (act.
G 1).
C.e Mit Beschwerdeantwort vom 26. Februar 2015 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, eventualiter sei eine
psychiatrische Begutachtung vorzunehmen. Sie erklärt, dass es Aufgabe des Arztes
sei, zur Frage Stellung zu nehmen, in welchen Tätigkeiten in welchem Ausmass es
einer versicherten Person zumutbar sei zu arbeiten. Aufgabe des Berufsberaters bzw.
der beruflichen Abklärungsstellen sei es demgegenüber festzustellen, inwieweit eine
versicherte Person die ärztlich festgestellte Arbeitsfähigkeit in konkret zu
bezeichnenden Berufen verwerten könne und wie sich die invaliditätsbedingten
Faktoren auf die Vermittlungsfähigkeit und die Erwerbsmöglichkeiten auswirkten. Es
gehe daher nicht an, die Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person aufgrund der
Ergebnisse einer beruflichen Abklärung festzulegen, vielmehr sei die Arbeitsfähigkeit
ausschliesslich medizinisch-theoretisch zu bestimmen. Demnach sei nicht
entscheidend, dass die Beschwerdeführerin beim vom RAV in die Wege geleiteten
Arbeitsversuch keine brauchbare Leistung gezeigt habe. Aufgrund der bei der
Beschwerdeführerin vorhandenen subjektiven Krankheitsüberzeugung seien
Arbeitsversuche von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die gezeigte Leistung am
Arbeitsplatz sei daher für die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht relevant. Es sei nämlich
nicht möglich, den Anteil allfälliger Motivationsmängel vom willentlich nicht steuerbaren
Unvermögen, eine volle Leistung zu erbringen, auszuscheiden. Demnach berufe sich
die Beschwerdeführerin zu Unrecht auf den gescheiterten Arbeitsversuch. Zudem
begründe eine psychiatrische Diagnose als solche noch keine Arbeitsunfähigkeit.
Vielmehr bestehe die Vermutung, dass die Auswirkungen der psychischen Krankheit
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mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien. Es gebe keine Hinweise,
wonach die von den psychiatrischen Medizinern diagnostizierte (leicht bis)
mittelgradige depressive Störung eine eigenständige psychische Krankheit darstelle,
die nicht im Zusammenhang mit der schwierigen psychosozialen Situation stehe. Die
Trennung sei anfangs 2013 erfolgt mit Wohnsitzverlegung nach J._. Seit Januar 2014
sei die Beschwerdeführerin zudem fürsorgeabhängig. Diese psychosozialen
Belastungsfaktoren würden für sich allein keine Invalidität begründen. Die in den
Vordergrund gespielte Zwangsstörung entspreche keiner psychiatrischen Komorbidität
im invalidisierenden Schweregrad, sie bestehe nämlich seit dem 17. Lebensjahr und
trotzdem sei die Beschwerdeführerin fähig gewesen, immer wieder erwerbstätig zu sein
und eine Familie zu gründen. Der RAD halte zu Recht fest, dass die
Beschwerdeführerin trotz der Zwangsstörung in der Lage gewesen sei, die von ihr
gewollte Scheidung vorzunehmen und auch den Umzug an einen neuen Wohnort zu
organisieren. Demnach sei es nicht plausibel, weshalb sie aufgrund der Zwangsstörung
(teilweise) arbeitsunfähig sei solle. Diesbezüglich überzeuge auch die RAD-
Stellungnahme nicht, die eine Arbeitsfähigkeit von nur noch 50% attestiere. Die beiden
attestierten psychischen Leiden fänden ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen
Umständen und der subjektiven Auffassung der Beschwerdeführerin, weshalb von
einer vollen Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszugehen sei. Auf die
erwähnten Einschätzungen der die Beschwerdeführerin behandelnden psychiatrischen
Stellen sei somit nicht abzustellen, zumal der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen
sei, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Stellung überwiegend
zugunsten ihrer Patienten aussagten. Die angefochtene Verfügung sei rechtmässig (act.
G 5).
C.f Dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwalt Sigg) für das vorliegende Verfahren wurde am 3. März 2015 entsprochen
(act. G 6).

Erwägungen
1.
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1.1 Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente der
Invalidenversicherung.
1.2 Krankheit ist jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine medizinische Untersuchung
oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (Art. 3 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, abgekürzt
ATSG). Nach Art. 8 ATSG bedeutet Invalidität die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Art. 7 ATSG bezeichnet
als Erwerbsunfähigkeit den durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibenden ganzen oder teilweisen Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt, wobei ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen sind. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist.
1.3 Anspruch auf eine Rente haben versicherte Personen, die ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können,
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid
sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, abgekürzt
IVG). Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte
Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29
der Verordnung über die Invalidenversicherung, abgekürzt IVV). Auch vor der
Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu berücksichtigen. Die Rente
wird nach dem Grad der Invalidität abgestuft: Bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem IV-Grad von
mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem IV-Grad von mindestens 60% auf
eine Dreiviertelsrente und ab mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2
IVG).
ter
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1.4 Der Rentenanspruch entsteht nach Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs beim
zuständigen Versicherungsträger, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung
des 18. Altersjahrs folgt.
2.
2.1 Als gegebenenfalls rentenbegründender Gesundheitsschaden stehen vorliegend
psychische Leiden zur Diskussion.
2.2 Die Beschwerdegegnerin hat gestützt auf die Stellungnahme des
Rechtsdienstes der SVA erwogen, die diagnostizierte Zwangsstörung sei nicht
invalidisierend, weil sie schon seit dem 17. Lebensjahr bestehe und die
Beschwerdeführerin trotzdem immer wieder erwerbstätig gewesen sei. Die leicht- bis
mittelgradige bzw. mittelgradige depressive Episode werde von der psychiatrischen
Klinik C._ vor allem aus der schwierigen Trennungssituation abgeleitet. Dieser
psychosoziale Belastungsfaktor führe nicht zu einerInvalidität, weil daneben keine
abschichtbare ausgeprägte psychische Störung vorliege.
2.3 Die Beschwerdegegnerin hat auf eine gutachterliche Beurteilung der
Beschwerdeführerin bisher verzichtet, aber neben den Berichten der behandelnden
Ärzte liegt eine Aktenbeurteilung des RAD (Dr. K._) in den Akten. Aus dieser ergibt
sich im Wesentlichen Folgendes: Die Beschwerdeführerin leide an einem Kontroll- und
Waschzwang im Sinn einer Zwangsstörung (ICD10 F42.1) und an einer rezidivierenden
depressiven Störung vorwiegend leicht-mittelgradig ohne somatisches Syndrom
(ICD10 F33.0/1). Der Gesundheitszustand sei stabil, die medizinisch zumutbare
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit betrage 50% bei einer zeitlichen
Präsenz von 75% ab dem 3. Juni 2013, ab 4. Januar 2012 habe eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% bestanden. Als adaptierte Tätigkeiten seien reizarme, stressreduzierte, nicht
einem permanenten Zeitdruck unterstehende, eigenen Spielraum in der
Arbeitseinteilung lassende leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten in
insgesamt menschlich wohlwollender Arbeitsatmosphäre anzusehen. Bei einer
langfristig begleitenden psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sei vom
Erhalt der jetzigen Arbeitsfähigkeit (50%) auszugehen.
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3.
3.1 Die Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf
verlässlicher medizinischer Entscheidgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1). Bei der
Prüfung, ob ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, sollen diese dem
Versicherungsträger und im Beschwerdefall dem Gericht ermöglichen zu beurteilen,
inwieweit die Arbeitsfähigkeit gesundheitsbedingt beeinträchtigt ist und welche
Tätigkeiten noch zumutbar sind (BGE 132 V 93 E. 4; Urteil 8C_371/2013 vom 28.
November 2013 E. 4.4). Liegen dazu keine verlässlichen ärztlichen Berichte vor, weil
etwa ungeklärte Widersprüche bestehen, sind weitere Abklärungen erforderlich, weil
ansonsten der Untersuchungsgrundsatz verletzt wird. Dieser gebietet dem
Versicherungsträger und dem Sozialversicherungsgericht, den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG).
3.2 Es gilt das Prinzip der freien Beweiswürdigung. Hinsichtlich des Beweiswertes
eines Arztberichts ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten. Dennoch hat es die
Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar
erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. So darf das Gericht von
Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen
der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte vollen
Beweiswert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4). Berichte behandelnder Haus- und
Spezialärzte hingegen sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zu
Patientin und Patient zurückhaltend zu gewichten (BGE 125 V 351 E. 3b/cc, Urteil des
Bundesgerichts 8C_787/2013 vom 14. Februar 2914 E. 3.3.2). Was Parteigutachten
anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer
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Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem
Beweiswert.
3.3 Die RAD bezeichnen die zumutbaren Tätigkeiten und die unzumutbaren
Funktionen unter Angabe einer allfälligen medizinisch begründeten zeitlichen
Schonung. Damit soll im Hinblick auf eine erfolgreiche Eingliederung eine objektivere
Festlegung der massgebenden funktionellen Leistungsfähigkeit der Versicherten
ermöglicht werden. Gestützt auf die Angaben des RAD hat die IV-Stelle zu beurteilen,
was einer versicherten Person aus objektiver Sicht noch zumutbar ist und was nicht
(vgl. Urteil des Bundesgerichts, 9C_323/2009 E. 4.2 mit Hinweisen). Auf
Stellungnahmen der RAD kann indessen nur abgestellt werden, wenn sie den
allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genügen
(Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts I 694/05 vom 15. Dezember 2006 E. 2). Sie
müssen insbesondere in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sein
und in der Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenhänge
einleuchten; die Schlussfolgerungen sind zu begründen (BGE 125 V 351 E. 3a). Die
RAD-Ärzte müssen sodann über die im Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen
Qualifikationen verfügen (Urteile des Bundesgerichts I 142/07 vom 20. November 2007
E. 3.2.3 und I 362/06 vom 10. April 2007 E. 3.2.1). Nicht zwingend erforderlich ist, dass
die versicherte Person untersucht wird. Nach Art. 49 Abs. 2 IVV führt der RAD für die
Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs nur „bei
Bedarf“ selber ärztliche Untersuchungen durch. In den übrigen Fällen stützt er seine
Beurteilung auf die vorhandenen ärztlichen Unterlagen ab. Das Absehen von eigenen
Untersuchungen ist somit nicht an sich ein Grund, um einen RAD-Bericht in Frage zu
stellen. Dies gilt insbesondere, wenn es im Wesentlichen um die Beurteilung eines
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht und die direkte ärztliche Befassung mit
der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgericht vom 14. Juli
2009, 9C_323/ 2009 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Zudem ist zu berücksichtigen, dass (auch
unter Berücksichtigung der neueren Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte) im Verfahren um Zusprechung oder Verweigerung von
Sozialversicherungsleistungen kein förmlicher Anspruch auf eine versicherungsexterne
Begutachtung besteht. Eine solche ist indessen anzuordnen, wenn auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen bestehen (BGE 135 V 465 E. 4). Bei den von versicherungsinternen
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Ärztinnen und Ärzten erstellten Stellungnahmen handelt es sich nicht um Gutachten im
Sinn von Art. 44 ATSG, diese Bestimmung ist nicht auf die Berichte der
versicherungsinternen Fachpersonen anwendbar (BGE 135 V 254 E. 3.4.1). Auch wenn
die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen
stets Beweiswert zuerkannt hat, so ist doch zu betonen, dass ihnen praxisgemäss
nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art.
44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenen Gutachten zukommt (BGE
125 V 351 E. 3a; BGE 122 V 157 E. 1c). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne
Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen (BGE 135 V 465 E. 4.2 und 4.4).
3.4 Die behandelnden Ärzte und Psychologen der psychiatrischen Klinik C._ und
des Psychiatrischen Ambulatoriums als auch der RAD-Sachverständige verfügen über
die notwendigen fachlichen Qualifikationen zur Beurteilung des medizinischen
Sachverhalts. Da sowohl die behandelnden Ärzte und Psychologen der psychiatrischen
Klinik C._ und des Psychiatrischen Ambulatoriums die gleichen Diagnosen erhoben
haben (Zwangsstörung und leichte bis mittelschwere depressive Episode) und der
versicherungsinterne Facharzt diese als plausibel erachtet hat, sind diese medizinisch
unbestritten. Darauf muss abgestellt werden. Nicht einig sind sich dagegen RAD-Arzt
Dr. K._ und Oberarzt Dr. med. M._, Leiter des Ambulatoriums, mit der
Einschätzung der resultierenden medizinisch begründeten Arbeitsunfähigkeit für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit der Beschwerdeführerin als selbständige Reinigungskraft.
Dr. K._ sieht die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit nach eine Phase
der vollen Arbeitsunfähigkeit vom 3. Januar 2012 bis 2. Juni 2013 ab 3. Juni 2013 zu
50% arbeitsfähig (bei einer zeitlichen Präsenz von 75%), derweil Dr. M._ von einer
andauernden vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab 2. Dezember 2013
(Behandlungsbeginn bei ihm) ausgeht. Die psychiatrische Klinik C._ hat ab 6.
Dezember 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% in der angestammten Tätigkeit
attestiert (sh. auch Fremdakten), Psychologin D._ ab 10. Juni 2013 eine adaptierte
Arbeitsfähigkeit von 50% (IV-act. 41) bis und mit 31. Oktober 2013 (IV-act. 51-5)
angezeigt und das Kantonsspital hat im Januar 2012 eine volle Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (IV-act. 12-2).
4.
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4.1 Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten.
4.2 Offensichtlich sind sich alle fallinvolvierten Mediziner einig bezüglich der
Diagnosen, nicht hingegen mit Bezug auf das Ausmass der Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit und auf das Anforderungsprofil einer adaptierten Tätigkeit
(Reinigungsbranche ja oder nein). Hier besteht Klärungsbedarf.
4.3 Aber nicht nur in medizinischer Hinsicht stellen sich Fragen. Die
Beschwerdegegnerin hat die ärztliche Stellungnahme des psychiatrischen RAD-
Facharztes und implizit diejenigen der behandelnden Ärzte nicht resp. nicht als
vollumfänglich beweiswertig erachtet, sondern stellt namentlich auf eine eigene
Interpretation („juristisch-psychiatrische Sichtweise“) der medizinischen Aussagen ab:
Die psychosoziale Belastung sei im Zusammenhang mit der Trennung vom Ehemann
entstanden und habe die depressive Entwicklung ausgelöst. Die
Leistungseinschränkung lasse sich massgeblich auf nicht versicherte soziale Faktoren
zurückführen. Deshalb sei von der medizinischen Einschätzung abzuweichen. Ob sich
dies auf die fachärztlichen Einschätzungen (RAD, etc.) stützen lässt, erscheint indes
fraglich, denn nach Art. 7 Abs. 2 ATSG sind für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zu berücksichtigen (vgl. auch Art. 6 ATSG, Art. 4 Abs. 1 IVG). Der Umstand allein, dass
psychosoziale oder soziokulturelle Umstände bei der Entstehung einer
Gesundheitsschädigung eine wichtige Rolle spielten, tangiert deren
Anspruchserheblichkeit nicht. Keine invalidisierende Gesundheitsschädigung ist
indessen gegeben, wenn der medizinische Gutachter im Wesentlichen nur Befunde
erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Belastungen aufgehen (BGE
127 V 294 E. 5a). Denn in einem solchen Fall stellen sich diese als direkte Ursache der
Einschränkungen im Leistungsvermögen dar, sie sind nicht bloss pathogenetisch
bedeutsam. Am rechtlich vorausgesetzten Kausalzusammenhang mit einer
selbständigen Gesundheitsschädigung fehlt es daher, solange noch zu erwarten ist,
dass mit dem Wegfall der belastenden Lebensumstände unmittelbar auch die (somit
nicht verselbständigte) psychische Störung verschwinden werde (BGE 1490 V 193 E.
3.3, oder z.B. Urteil des Bundesgerichts 9C_118/2012 vom 13. Februar 2013 E. 3.1).
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Die massgebende Ursache für die Arbeitsunfähigkeit im Sinn von Art. 6 ATSG bestimmt
sich mitunter auch nach dem Leitsatz, dass eine fachärztlich festgestellte psychische
Störung von Krankheitswert umso ausgeprägter vorhanden sein muss, je stärker
psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und
das Beschwerdebild mitbestimmen (BGE 127 V 294 E. 5a). So kann eine depressive
Symptomatik chronifiziert durchaus verselbständigt sein und dennoch im Rahmen des
gesamten Beschwerdebildes nicht genug ins Gewicht fallen, als dass auf eine
längerdauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 f. ATSG) geschlossen werden dürfte (Urteil
9C_252/2014 vom 17. Juni 2014 E. 3.1.3). Diesfalls stellt sich das Problem der
gutachtlichen Abgrenzung und Quantifizierung eigenständiger Beiträge der sozialen
Faktoren nicht. Das gilt auch im umgekehrten Fall, wenn eine deutlich ausgeprägte
psychische Störung "konkurrierende" soziale Faktoren in den Hintergrund drängt.
Diese sind alsdann so eng mit der Gesundheitsschädigung und ihren funktionellen
Auswirkungen verbunden, dass es sich rechtfertigt, den gesamten Ursachenkomplex
der Folgenabschätzung zugrunde zu legen: In diesem Sinne können sich soziale
Umstände - mittelbar - invaliditätsbegründend auswirken, indem sie eine
(verselbständigte) Gesundheitsschädigung aufrechterhalten oder ihre (unabhängig von
den invaliditätsfremden Elementen bestehenden) Folgen verschlimmern (Urteil
9C_140/2014 E. 3.3 vom 7. Januar 2015 mit weiteren Hinweisen). In diesen
Konstellationen tragen die als solche nicht versicherten sozialen Faktoren zum Umfang
der verselbständigten Gesundheitsschädigung bei. Somit sind auch Ursache resp.
Ursachen und Auswirkung(en) der medizinischen belegten Krankheitsbilder
unbefriedigend und nicht ausreichend dargelegt.
4.4 Darüber hinaus fällt auf, dass die Beschwerdeführerin keine zureichenden
beruflichen Kenntnisse erworben hat. Sie hat seit Januar 1983 vorwiegend im Service
oder in der Reinigungsbranche und offenbar in unterschiedlichen Pensen, abgelöst von
Phasen der Arbeitslosigkeit, bis Ende 2013 stets als Hilfsarbeiterin gearbeitet, zuletzt
ab April 2009 als Selbständigerwerbende. Weshalb sie keinen Beruf ergriffen oder eine
Ausbildung abgeschlossen hat, ist den Akten nicht zu entnehmen. Die nur rudimentär
bekannte Lebensgeschichte (vgl. insbesondere IV-act. 8) und die Ausführungen im
Einwandschreiben lassen die Vermutung jedoch zu, dass gesundheitliche Gründe
(Vorfall im 17. Altersjahr) eine erhebliche Rolle gespielt haben könnten. Da dieser
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Aspekt im Zusammenhang mit der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich)
allenfalls gewichtige Auswirkungen haben
könnte (Art. 26 IVV), ist auch diesem Sachverhalt nachzugehen.
4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der bisher vorliegende Sachverhalt
noch unvollständig erstellt ist und sich daher, dem Untersuchungsgrundsatz folgend,
zwingend weitere Abklärungen aufdrängen, bevor die Rentenfrage beurteilt werden
kann. Diese sind durch die Beschwerdegegnerin durch eine psychiatrische Abklärung
in einer geeigneten Institution in die Wege zu leiten. Möglicherweise werden die
Ergebnisse - dem Grundsatz Eingliederung vor Rente folgend - auch Einfluss haben auf
die berufliche Entwicklung der Beschwerdeführerin (berufliche Massnahmen). Immerhin
wird die Beschwerdeführerin bis zur regulären Pensionierung noch knapp 15 Jahre im
Erwerbsleben stehen (müssen). Damit wird den Eventualanträgen beider Streitparteien
stattgegeben. Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde teilweise
gutzuheissen und die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen
Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bei diesem
Verfahrensausgang wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege obsolet.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Verfügung vom 10. Dezember
2014 als in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ergangen und damit als
rechtswidrig aufzuheben. Die Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinn der
Erwägungen und zur neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Höhe der Kosten wird nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Es rechtfertigt sich vorliegend, die
Gerichtskosten auf Fr. 600.-- festzulegen.
5.3 Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung und anschliessender neuen
Verfügung stellt im IV-Bereich praxisgemäss aus prozessualer Sicht ein vollständiges
Obsiegen dar, das einen Anspruch auf eine volle Parteientschädigung entstehen lässt.
Dieser Praxis liegt die Annahme zugrunde, die Rückweisung habe die Wiederaufnahme
bis
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des Verwaltungsverfahrens zur Abklärung der Invalidität und damit des
Rentenanspruchs (z.B. durch ein neues medizinisches Gutachten) zur Folge. Dies trifft
im vorliegenden Fall zu. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. In
Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und des Aufwandes erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen.