Decision ID: cd95610b-111a-400a-b708-bf92ae449545
Year: 2009
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Beweischarakter über umstrittene Sachverhaltselemente zukomme. Wenn
ein Bericht sich darauf beschränke, an sich feststehende Tatsachen
sachverständig zu würdigen, entfielen diese Rechte. Zudem wäre eine
Heilung der Verletzung des rechtlichen Gehörs vor der oberen Instanz
möglich, wenn keine schweren Nachteile entstünden resp. einer
Beschwerdeführerin durch die Heilung kein Nachteil erwachse, was hier der
Fall sei, insbesondere im Rahmen eines doppelten Schriftenwechsels. Hier
gehe es nicht um die Pferdeboxen, sondern um die Zonenkonformität einer
Wohnraumerweiterung. Der Betrieb habe keine Futtermittelbasis. Die
Beschwerdeführerin habe 2002 festgestellt, für die aBGF sei von der DIV-
Verfügung vom 27. Januar 1994 auszugehen. Jetzt wolle sie von 1997
(Ortsplanungsrevision) ausgehen. Auszugehen sei aber von 1980.
4. Die Gemeinde beantragte in ihrer Vernehmlassung ebenfalls die Abweisung
der Beschwerde. Eine Pferdezucht mit 13 Boxen wäre nicht negativ
standortgebunden. Darum gehe es aber nicht, sondern um die
Wohnraumerweiterung. Bis zum 1. Januar 1980 seien unter dem Titel
landwirtschaftliche Nutzung insgesamt 100 m2 BGF bewilligt worden. Schon
damals habe die ... in der Nichtbauzone resp. Landwirtschaftszone gelegen.
Bis zum 1. Januar 1980 seien unter dem Titel „landwirtschaftliche Nutzung“
Wohnraum von insgesamt 100 m2 bewilligt worden. Die ... falle daher gar nicht
unter Art. 24c RPG.
5. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten
fest, ohne wesentliche neue Gesichtspunkte aufzuzeigen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die Beschwerdeführerin beklagt sich über eine Verletzung ihres rechtlichen
Gehöres, weil ihr eine Stellungnahme des ALG vorenthalten worden sei. Die
Nichtlandwirtschaftlichkeit des Betriebes stand schon 1987 fest, wie unten
noch näher auszuführen ist. Dies wurde in der Stellungnahme des ALG vom
22. Mai 2008 lediglich bekräftigt. Die Ausführungen des ARE betreffend die
allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Nicht-Mitteilung dieser
Stellungnahme sind deshalb nachvollziehbar. Zudem wurde die allfällige
Verletzung des Gehörsanspruches durch den zweiten Schriftenwechsel auf
jeden Fall geheilt, zumal der wesentliche Inhalt des Berichtes schon in der
BAB-Verfügung wiedergegeben war und zudem die Beschwerdeführerin
offenkundig in der Lage war, den missliebigen Baubescheid sachgerecht
anzufechten.
2. Mit Entscheid VGE 598/87 vom 9. Februar 1988 wies das Verwaltungsgericht
einen Rekurs gegen die Verweigerung einer Stallerweiterung und des
zusätzlichen Einbaues einer Wohnung in die ... ab. Das Gericht erwog, dass
das Bauvorhaben nicht zonenkonform im Sinne von Art. 30 aKRG sei, da die
Bewirtschaftung von 2 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche resp. die
beabsichtigte Haltung von 20 Pferden nicht den vorgesehenen Stall
erforderten. Für die geplante zusätzliche Wohnung bestehe ebenfalls kein
beachtenswerter Bedarf im Sinne von Art. 31 Abs. 2 aKRG, weshalb diese
nicht zonenkonform sei (vgl. Erw. 1 b). Die Standortgebundenheit nach Art.
24 aRPG für das Stallgebäude sei deshalb zu verneinen, weil der fragliche
Betrieb über keine eigene Futtermittelbasis verfüge und weitgehend
bodenunabhängig produziere. Die zusätzliche Wohnung erweise sich deshalb
nicht als standortgebunden, weil einerseits ein ausgewiesenes Bedürfnis für
eine weitere Betriebswohnung fehle und andererseits die Parzelle in
unmittelbarer Nähe zum Siedlungsgebiet von ... liege (vgl. Erw. 2a). Ferner
erwog das Gericht, dass das Vorhaben auch unter dem Titel der massvollen
Erweiterung im Sinne von Art. 24 Abs. 2 aRPG i. V. m. Art. 10b Abs. 1 und 2
der damaligen BAB-Verordnung nicht bewilligt werden könne. Letztere
Bestimmung regle die zulässige teilweise Änderung, d.h. auch die massvolle
Erweiterung, und lege fest, dass dauernd bewohnte oder gewerbliche
Räumlichkeiten höchstens bis zur Hälfte vergrössert werden dürften (Art. 10b
Abs. 1 und 2 BAB-Verordnung). Ferner gälten bei dauernd bewohnten Bauten
Höchstmasse, nämlich für Hauptwohnungen je 150 m2 BGF und für
zusätzliche Wohnungen 75 m2 BGF (Art. 10c Abs. 1 BAB-Verordnung). Im
vorliegenden Fall wolle die Rekurrentin zur bestehenden Wohnung mit knapp
100 m2 Fläche eine zusätzliche Wohnung im Ausmass von 120.42 m2
erstellen. Diese Erweiterung widerspreche indessen den genannten
Bestimmungen in doppelter Hinsicht. Erstens werde das Höchstmass von 75
m2 massiv überschritten. Zweitens werde die Bruttogeschossfläche (BGF) der
geplanten Wohnung klar über die zulässigen 50 Prozent für eine teilweise
Änderung hinaus erweitert. Aus demselben Grund sei auch der neue Stall
nicht bewilligungsfähig, da die vorgesehene Erweiterung ebenfalls klar über
50 Prozent liege. Aufgrund der fehlenden Zonenkonformität und
Standortgebundenheit resp. wegen Überschreitung der erwähnten
Höchstmasse gelangte das Gericht zum Schluss, dass das Vorhaben nicht
bewilligungsfähig sei. Dies wurde in einem weiteren Urteil (VGE 177/95 vom
4. Juli 1995) bestätigt. Vorliegend geht es nun einzig um die Bewilligung von
Wohnraum, nicht aber um die Pferdeboxen. Allerdings ist nach dem Gesagten
klar davon auszugehen, dass zusätzlicher Wohnraum weder zonenkonform
noch standortgebunden sein kann.
3. Im Einzelnen präsentierte sich der Stand der Dinge vor dem Erlass der
Verfügung des ARE vom 3. Juni 2008 wie folgt:
An Wohnraum bewilligt war in der ... die Knechtwohnung im Osttrakt und die
beiden darüberliegenden Zimmer (früher offenbar Kinderzimmer und Büro),
welche durch die Wendeltreppe erschlossen werden (Bewilligungen von
1975, 1976 und 1977) und der Wohnraum, die Küche und das Bad im Anbau
(Westtrakt, Bewilligung vom 4. April 1989). Der „neue Aufenthaltsraum“ im DG
Osttrakt, der am 4. April 1989 bewilligt wurde, ist nicht als Wohnraum bewilligt
worden. In der BAB-Verfügung vom 24. November 1987 wurde dazu
ausgeführt: „Auch der Aufenthaltsraum kann getrennt von der Wohnnutzung
und dem Stall um 50% erweitert werden.“, was offenbar zur Bewilligung des
„neuen Aufenthaltsraums“ am 4. April 1989 geführt hat. Dazu hat das ARE auf
S. 22 Mitte f. des angefochtenen BAB-Entscheides zu Recht festgehalten,
dass auch, wenn diese Räume als Aufenthaltsräume zur Pferdehaltung
bewilligt worden wären, eine Umnutzungsbewilligung zu
nichtlandwirtschaftlicher Wohnnutzung weder nach altem noch nach neuem
Recht in Frage käme. Der Neubau der Wohnung im DG des Westtraktes von
ca. 49 m2 konsumierte die nach Art. 24c des Raumplanungsgesetzes (RPG)
i.V.m. Art. 42 Abs. 3 der Raumplanungsverordnung (RPV) zulässige
Erweiterung der zonenwidrig genutzten Fläche um 30% resp. 30 m2 mehr als
nach heutigem Recht zulässig ist. Es handelte sich um einen Neubau und
somit um eine Erweiterung nach aussen. Diese Feststellungen (vgl. schon in
der BAB-Verfügung des DIV vom 24. November 1987 und VGE 598/87)
wurden im Entscheid des ARE vom 3. Juni 2008 bestätigt. Nach damaligem
Recht (Art. 9d KRG 1973) waren indessen 50% (bis maximal 75 m2, vgl. Art.
11 KRVO 1986) zulässig, weswegen 1989 die Bewilligung auch erteilt wurde
(vgl. auch BAB-Verfügung des DIV vom 24. Januar 1994). Es verbleiben somit
als erstellte, aber nicht bewilligte Wohnräume die beiden Zimmer und das
Büro im OG des Westtraktes (ca. 60 m2, die 1-Zimmerwohnung mit Bad im
Osttrakt (ca. 50 m2) und der Wohnraum mit Kochnische im Osttrakt (ca. 45
m2).
Eine nachträgliche Bewilligung dieser Räume zu Wohnzwecken ist gestützt
auf Art. 24c RPG nicht möglich, weil – nach der zutreffenden Darstellung des
ARE – die mit dem Inkrafttreten des RPG nach dem 1. Januar 1980 noch zur
Verfügung gestandene BGF von 49 m2 durch die Wohnung im DG des
Westtraktes bereits 1989 konsumiert wurde. Die anderslautenden
Berechnungen der Beschwerdeführerin, die immer wieder ihren
Referenzzeitpunkt wechselt (vgl. Eingabe vom 29. April
2002/Beschwerdeschrift vom 12. September 2008), wenn es ihr gerade
dienlich erscheint, sind unzutreffend. Vorliegend leuchtet der
Referenzzeitpunkt 1.1.1980 ein, da vorher von einem landwirtschaftlichen
Betrieb ausgegangen wurde. Seit 1987 wurden Bauvorhaben indessen immer
unter dem Gesichtspunkt von Art. 24 aRPG geprüft. Wie bereits dargetan,
wurde damals rechtskräftig festgestellt, dass kein Landwirtschaftsbetrieb
vorliege. Seit damals haben sich die Verhältnisse (auch heute noch
Pferdehaltung) nicht geändert. Die 1997 erfolgte Umzonung vom üG in die
Landwirtschaftszone und 2005 teilweise in die ...zone hat keine Auswirkung
auf die Nutzung und die Zonenkonformität; denn nach wie vor ist der Betrieb
weder zonenkonform noch standortgebunden. Deshalb kann 1997 nicht der
Referenzzeitpunkt sein. Auch 1994 kann nicht Referenzzeitpunkt sein, wurde
doch die Erweiterung nicht, wie von der Beschwerdeführerin fälschlicherweise
in ihrer Eingabe vom 29. April 2002 festgehalten, 1994, sondern bereits 1989
bewilligt. Allenfalls könnte der Referenzzeitpunkt auch auf den 24. November
1987 gelegt werden, als das DIV erstmals den Betrieb als nicht zonenkonform
in der Landwirtschaftszone qualifizierte. Dies würde aber nichts ändern, weil
die 49 m2 erst 1989 konsumiert wurden. Im Übrigen kann auf die sehr
ausführliche, sorgfältig begründete Verfügung des ARE verwiesen werden,
deren Stichhaltigkeit die Beschwerdeführerin nicht im Mindesten zu
erschüttern vermochte. Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
4. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten der
Beschwerdeführerin.
Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel keine
Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen, besteht vorliegend kein
Anlass.