Decision ID: 10131ae6-1bfc-4222-8a2f-16253bfdb730
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984, Staats
angehöriger der Bundesrepublik Deutschland, zog im Juni 2010 von Deutschland
in die Schweiz
, wo er eine obligatorische
Krankenpflegeversiche
rung
abschloss
. Parallel dazu führte er
seine in Deutschland bestehende private Krankenversicherung
weiter
.
Am 15. November 2012 ersuchte er die Städtischen Gesundheitsdienste
der Stadt
Zürich um Prüfung der Möglichkeit einer Befrei
ung vom Versicherungsobligatorium. Diese leitete die
Anfrage am 30. Novem
ber 2012
als Befreiungsgesuch an die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich weiter (vgl.
Urk.
9/1).
Mit Verfügung vom 30. April 2013 (
Urk.
9/2) wies die Gesundheitsdirektion das Gesuch um Befreiung von der Krankenversicherungspflicht
ab; dies bestätigte sie
mit
Einsprachee
ntscheid vom 15. November 2013 (
Urk.
9/5 =
Urk.
2).
2.
Mit am 13. Dezember 2013 erhobener (
Urk.
1) und innert Frist (vgl.
Urk.
4) ver
besserter (
Urk.
6) Beschwerde beantragte
X._
, der Einspracheentscheid vom 15. November 2013 (
Urk.
2) sei aufzuheben, und er sei vom Versicherungsobligatorium der
Grundversiche
rung
zu befreien (
Urk.
1 S. 3 oben). Die Gesundheitsdirektion schloss mit
Be
schwerdeantwort
vom 6. Februar 2014 (
Urk.
8) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 10. Februar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer vom schweizerischen Versi
cherungsobligatorium befreit werden kann.
1.2
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Befreiungsgesuchs da
mit, dass der Beschwerdeführer mit dem Beitritt zu einer
s
chweizerischen Kran
kenkasse implizit auf eine Befreiung verzichtet habe. Ein solcher Verzicht auf eine mögliche Befreiung sei - vorbehaltlich besonderer Gründe - unwiderruflich.
Ein besonde
rer Grund sei nicht ersichtlich
.
Nicht als
solcher
gelte
insbesondere Unkenntnis über eine Befreiungsmöglichkeit sowie die mangelnde sorgfältige Abwägung von Vor- und Nachteilen einer
Befreiung
. Die Tatbestände, die zur Befreiung von der Versicherungspflicht führen könnten, knüpften an den
Versi
cherungseintritt
an. Sei eine Person - ohne ein Gesuch gestellt zu haben - ein
mal dem schweizerischen
System unterstellt, falle eine Befreiung von der Versi
cherungspflicht grundsätzlich nicht mehr in Betracht (
Urk.
2 S. 3
Ziff.
3,
Urk.
8
Ziff.
4-7). Abgesehen davon würde es - aus näher dargelegten Gründen - auch an den Voraussetzungen für die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Be
freiung gestützt auf die Härtefallregelung gemäss Art. 2
Abs.
8 der Verordnung über die Krankenversicherung
(KVV)
fehlen (
Urk.
8
Ziff.
8-11).
1
.3
Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde (
Urk.
1) demgegenüber zu
sammengefasst geltend, seine Gesundheit sei im zahnmedizinischen Bereich aufgrund eines Gendefekts auf Lebenszeit vorbelastet, wobei
seine
in
Deutsch
land
bestehende
Krankenversicherung
diesen
Bereich abdecke. Bereits im Jahr 2007 hätten die Zahneinheiten 35 und 45 durch Implantate ersetzt werden müssen, was äusserst kostspielig gewesen sei. Die Haltbarkeitsdauer dieser Ver
sorgung lasse sich nicht voraussagen. Es sei davon auszu
gehen, dass sowohl die Kronen al
s auch die Implantate in den nächsten Jahren/Jahrzenten gegebenen
falls mehrfach erneuert werden müssten, was mit nicht abschätzbaren Kosten erheblichen Ausmasses verbunden sein werde. Es treffe zu, dass er - als er im Sommer 2010 zum Zweck der Arbeitsaufnahme in die Schweiz gezogen sei - eine Grundversicherung abgeschlossen und damit implizit auf eine Befreiung vom Versicherungsobligatorium verzichtet habe. Grund für diese Entscheidung sei seine damalige berufliche Perspektive gewesen, nach eineinhalb bis zwei Jahren wieder an den Stammsitz seines Arbeitgebers nach Deutschland zurück
zukehren. Er sei damals einerseits davon ausgegangen, dass der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung
in der Schweiz
problemlos möglich sei und habe es an
dererseits für den Fall, dass dem nicht so sein sollte, als akzeptabel erachtet, dass in diesem Bereich für die begrenzte Dauer von zwei Jahren ein einge
schränkter Versicherungsschutz bestehe. Im November 2012 habe er sich jedoch gegen die Rückkehr nach Deutschland und für die Gründung einer eigenen Firma in der Schweiz entschieden. Aufgrund seiner Vorerkrankung sei ihm der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung in der Schweiz dann allerdings ver
wehrt worden.
Daher könne er
seine deutsche Krankenversicherung nicht kün
digen, zumal auch eine deutsche Versicherung ihn für eine reine Zahnzusatz
versicherung nicht als Neukunde akzeptieren würde. De facto sei er damit ge
zwungen, auf Lebenszeit zwei Krankenversicherungen zu führen und zu bezah
len, obwohl er nur eine davon nutze. Hätte er die berufliche Entwicklung schon Mitte 2010 voraussehen können, hätte er damals nicht auf eine Befreiung ver
zichtet, um nicht für den Rest seines Lebens ohne angemessenen Versiche
rungsschutz für zahnmedizinische Leistungen dazustehen. Deshalb müsse es ihm heute möglich sein, seinen damaligen Verzicht auf die Befreiung entspre
chend Art. 2
Abs.
8 KVV aus besonderem Grund zu
widerrufen, denn es wäre eine vom Gese
tz unbeabsichtigte Härte, wenn
an seiner damaligen Entschei
dung trotz geänderter Lebensumstände fest
ge
halten würde.
2
.
2
.1
Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger
und lebt
und arbeitet
seit
Juni 2010 in der Schweiz
(vgl.
Urk.
9/1 letzte Seite)
. Der Streit betrifft eine
so
zialvers
icherungsrechtliche
Frage. Zu prüfen ist deshalb zunächst, ob ein Sach
verhalt vorliegt, der vom Personenfreizügigkeitsabkommen (Abkommen vom 2
1.
Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit, FZA) erfasst ist.
2.2
Nach Art. 1
Abs.
1 des auf der Grundlage des Art. 8 des FZA ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II („Koordi
nierung der Systeme der sozialen Sicherheit") des FZA in Verbindung mit Ab
schnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien untereinander insbeson
dere die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2
9.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicher
heit (kurz: VO 883/2004) und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009 des Europäi
schen Parlaments und des Rates vom 1
6.
September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 (kurz: VO 987/2009) oder gleichwertige Vorschriften an.
2.3
Die beiden genannten gemeinschaftsrechtlichen Verordnungen sind für die Schweiz durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom 3
1.
März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens über die Koordi
nierung der Systeme der sozialen Sicherheit per
1.
April 2012 in Kraft getreten (
AS 2012 2345;
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_455/2011 vom
4.
Mai 2012
E. 2.1) und in zeitlicher Hinsicht auf den vorliegenden Fall anwendbar,
nachdem das Befreiungsbegehren des
Beschwerdeführer
s vom
1
5.
November 2012
(vgl.
Urk.
9/1)
und der angefochtene
Einsprachee
ntscheid
vom
1
5.
No
-
vember
2013
datiert
(
Urk.
2).
2.4
In persönlicher Hinsicht sind das FZA beziehungsweise die darin als anwendbar erklärte VO 883/2004 anwendbar, da der Beschwerdeführer Staatsangehöriger der Bundesrepublik Deutschland und damit Staatsangehöriger eines Mitglied
staates ist, für welche die Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaa
ten gelten (Art. 1 FZA, Art. 2
Abs.
1 VO 883/2004).
2.5
In sachlicher Hinsicht sind das FZA und die VO 883/2004 ebenfalls anwendbar, da Leistungen bei Krankheit im Sinne von Art. 3
Abs.
1 lit. a der Verordnung VO 883/2004 zur Diskussion stehen.
3
.
3
.1
Gestützt auf das FZA beziehungsweise die
VO 883/2004 ist das anwendbare Landesrecht festzulegen.
3
.2
Der Titel II der VO 883/2004 umfasst unter der Überschrift „Bestimmung des anwendbaren Rechts“ die Art. 11-1
6.
Gemäss Art. 11
Abs.
1 VO 883/2004 un
terliegen Personen, für die diese Verordnung gilt, den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats. Vorbehaltlich der in den Art. 12-16 VO 883/2004 geregel
ten Konstellationen
, welche
auf den Beschwerdeführer nicht zutreffen, bestimmt
sich das anwendbare Recht nach Art. 11
Abs.
3 lit. a-e VO 883/200
4.
Gemäss Art. 11
Abs.
3 lit. a unterliegt eine Person, die in einem Mitgliedstaat eine Be
schäftigung oder selbständige Erwerbstätigkeit ausübt, den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaates.
3.3
Der Beschwerdeführer
gründete im Dezember 2012 die Y._ AG
; im Handelsregister des Kantons Zürich ist er seit dem 2
0.
Dezember 2012 als deren einzelzeichnungsberechtigter Verwaltungsrat ein
getragen.
Im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids war d
er Beschwerdeführer
in der Schweiz
somit unbestrittenermassen
im Sinne von Ar
t. 11
Abs.
3 lit. a VO 883/2004
selbständig erwe
rbstätig (vgl. Art. 1 lit.
b VO 883/2004; vgl. auch Email
des Beschwerdeführers
vom 1
5.
November 2012
,
Urk.
9/1
).
Deshalb gelten für ihn die schweizerisc
hen Rechtsvorschriften.
4
.
4
.1
Nach
Art. 3 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG)
muss
sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei Monaten nach der
Wohn
sitznahme
in der Schweiz für Krankenpflege versichern
lass
en (
Abs.
1)
.
Der Bundesrat kann zum einen die Versicherungspflicht auf Personen ohne Wohn
sitz in der Schweiz ausdehnen, insbesondere auf solche, die in der Schweiz tätig sind oder dort ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben (
Abs.
3 lit. a). Zum andern kann er Ausnahmen von der Versicherungspflicht vorsehen (
Abs.
2).
4.2
Art. 1 der vom Bundesrat erlassenen KVV präzisiert, dass Personen mit Wohn
sitz - im Sinne Art. 23-26 des Zivilgesetzbuches (ZGB) - in der Schweiz der Versicherungspflicht nach Art. 3 KVG unterstehen (
Abs.
1). Zudem unterstellt er unter anderem Personen mit einer Kurzaufenthalts- oder einer Aufenthaltsbe
willigung nach dem FZA oder dem EFTA-Abkommen, die mindestens drei Mo
nate gül
tig
ist, der Versicherungspflicht (
Abs.
2 lit. f).
Nach
Art. 23
Abs.
1 ZGB befindet sich der Wohnsitz einer Person an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält.
4.
3
Die gestützt auf Art. 3
Abs.
2 KVG erlasse
nen
Ausnahmebestimmungen finden sich
in Art. 2
Abs.
1
-8 KVV und in Art. 6
Abs.
1 KVV.
In Art. 2
Abs.
1 K
VV und in Art. 6
Abs.
1 KVV werden
die Personenkategorien aufgezählt, die von vorn
herein vom Versicherung
sobligatorium ausgenommen sind.
Sodann ist in Art. 2
Abs.
2-8 KVV die Möglichkeit für verschiedene Personenkategorien geregelt, auf Gesuch hin vom Versicherungsobligatorium befreit zu werden.
Unter anderem ermöglicht
Art. 2
Abs.
8 KVV
denjenigen Personen auf Gesuch hin eine Ausnahme von der Versicherungspflicht, für welche eine Unterstellung unter die schweizerische Versicherung eine klare Verschlechterung des bisheri
gen Versicherungsschutzes oder der bisherigen Kostendeckung zur Folge hätte und die sich aufgrund ihres Alters und/oder ihres Gesundheitszustandes nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen im bisherigen Umfang
zusatzversi
chern
könnten (Satz 1). Dem Gesuch ist eine schriftliche Bestätigung der zu
ständigen ausländischen Stelle mit allen erforderlichen Angaben
beizulegen (Satz 2).
4.4
Für
alle
Befreiungsta
tbestände nach Art. 2
Abs.
4-
8 KVV
gilt
, dass die
be
trof
-
fene
Person d
ie Befreiung oder ein
en
Verzicht auf die Befreiung ohne be
sonderen Grund nicht
widerrufen
kann
(Art. 2
Abs.
4-
8 KVV, jeweils letzter Satz). Ein besonderer Grund für einen Widerruf liegt vor, wenn sich die neue Situation ohne Verschulden der betroffenen Person ergeben hat.
Rein finanzielle Gründe genügen dafür nicht
.
5
.
5
.1
Als der Beschwerdeführer im Jahr 2010 zwecks Arbeitsaufnahme in die Schweiz einreiste, schloss er eine obligatorische Krankenpflegeversicherung ab. Dass er damals dem schweizerischen Versicherungsobligatorium unterstand, ist unbe
stritten.
Sodann ist d
avon auszugehen
,
dass der Beschwerdeführer
i
m Zeitpunkt des Erlas
ses des angefochtenen
Einsprachee
ntscheids
(weiterhin) dem
schweizeri
schen
Versi
cherungs
obligatorium unterstand,
äusserte er in seiner Beschwerde doch
die Absicht dauernden
Verbleibs in der Schweiz
(vgl.
Urk.
1 S. 2 oben), w
oraus zu schliessen ist,
dass sich sein Wohnsitz in der Schweiz befindet
(vgl. vorstehend E. 4.2
).
Dafür spricht nicht zuletzt, dass
d
er
Beschwerdeführer
über eine Adresse in der Schweiz
verfüg
t
und er auch im Handelsregister
des Kan
tons Zürich
mit Wohn
sitz in der Schweiz eingetragen ist.
Der Beschwerdeführer best
reitet
denn auch nicht, Wohnsitz in der Schweiz zu haben.
5
.2
Strittig und zu prüfen ist, ob
der Beschwerdeführer vom Versicherungsobligato
rium befreit werden kann. Zur Diskussion steht eine Befreiung gestützt auf
Art.
2
Abs.
8 KVV. Für die Anwendbarkeit einer anderen Befreiungsnorm beste
hen weder
sachverhaltliche
Anhaltspunkte noch wird eine solche geltend ge
macht.
5
.3
Der Beschwerdeführer hat sich
im Jahr
2010
ordnungsgemäss
der
obligatori
schen Krankenpflegeversicherung unterstellt
und parallel dazu seine private Krankenversicherung in Deutschland weitergeführt.
Indem er zum damaligen Zeitpunkt kein Befreiu
ngsgesuch ge
stellt
hat
,
hat
er impli
zit auf eine Befreiung verzichtet.
Diesen
Verzicht kann
er
gemäss
Art.
2
Abs.
8 KVV nur bei Vorliegen eines besonderen Grundes widerrufen
.
5
.4
Der Beschwerdeführer machte geltend,
als er in die Schweiz gezogen sei,
sei nicht vorhersehbar gewesen, dass er - entgegen seine
r
ursprünglichen berufli
chen Pläne - dauerhaft in der Schweiz bleiben werde. Dem ist indes entgegen
zuhalten, dass gerade aufgrund dieses Umstands
zu erwarten gewesen wäre, dass
der Beschwerdeführer
im Jahr 2010
um eine Befreiung vom schweizeri
schen Ve
rsicherungsobligatorium ersucht
,
wobei offen gelassen werden kann
,
ob er die Voraussetzungen für eine Befreiung tatsächlich erfüllt hätte.
Der
Be
schwerdeführer
hat jedoch
trotz Bestehens einer
privat
e
n
Krankenversicherung in Deutschland
die obligatorische
Krankenpflegeversicherung
in der Schweiz
abgeschlossen
und
damit
eine
finanzielle
Doppelbelastung
in Kauf genommen.
Wie die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf
das Urteil
des
Versicherungsge
richts
des
Kantons Be
rn KV/11/724 vom
5.
April 2012
zutreffend ausführte, knüpft
Art.
2
Abs.
8 KVV, welcher ausdrücklich Bezug
nimmt
auf Personen, für welche eine Un
terstellung unter die schweizer
ische Versicherung eine klare Verschlecht
e
r
ung ihres bisherigen Versicherungsschutzes bed
e
u
ten würde, an
den
Versicherungseintritt an, das heisst an den Zeitpunkt, in dem eine Person grundsätzlich neu dem schweizerischen Versicherungssy
stem zu unter
st
e
llen wäre
(vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Bern KV/11/724 vom
5.
April 2012 E. 4.3.2).
In diesem Zeitpunkt hat die betreffende Person abzuwä
gen, ob sie sich vom Versicherungsobligatorium befreien lassen
beziehungs
weise sie ein entsprechendes Gesuch stellen
will oder nicht. Verzichtet sie da
rauf, so kann dieser Verzicht nach dem Wortlaut des Gesetzes ohne besonderen Grund nicht widerrufen werden, womit zum Ausdruck kommt, dass eine Befrei
ung von der Versicherungspflicht grundsätzlich nicht mehr in Betracht fällt, wenn die betreffende Person
einmal dem
schweizerische
n
System
unterstellt ist (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Bern KV/11/724 vom
5.
April 2012 E. 4.3.2)
.
Im Umstand, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner veränderten berufli
chen Situation im Jahr 2012 für einen dauerhaften Verbleib in der S
chweiz entschied
, kann entgegen seiner Auffassung kein besonderer, den Wi
derruf des Befreiungsverzichts rechtfertigender Grund
erblickt werden
. Abgese
hen davon, dass eine
Veränderung der beruflich-erwerblichen Lebensumstände nie ausgeschlossen werden kann, hätte der Beschwerdeführer dem Umstand, dass er im Jahr 2010 beabsichtigte, für
nur rund zwei Jahre in der Schweiz zu bleiben, durch Stellung eines Befreiungsgesuchs Rechnung tragen können, was
er jedoch nicht getan hat. Dies
muss er sich
entgegenhalten
lassen.
5.5
Zusammengefasst hat die Beschwerdegegnerin das Gesuch
des Beschwerdefüh
rers um Befreiung vom
schweizerischen
Versicherungsobligatorium zu Recht abgewiesen. Der angefochtene Entscheid erweist sich somit als rechtens, wes
halb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.