Decision ID: a6d82065-3197-4b0e-ba27-c22b866265fd
Year: 2004
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 9. Mai 2003 erhob die Firma B._ AG beim Verhöramt des  Nidwalden Strafklage gegen die Firma C._ AG mit Sitz in Z._/NW und gegen sechs Verwaltungsräte dieser Firma, darunter A._. Die Strafklägerin machte Widerhandlungen gegen das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb und gegen das Urheberrechtsgesetz .
Gleichentags reichte die B._ AG gegen A._ ausserdem  beim Untersuchungsrichteramt für Wirtschaftsdelikte des Kantons Bern ein wegen Diebstahls, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Verletzung des Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisses und wegen  gegen das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb sowie gegen das Urheberrechtsgesetz.
B. Den beiden Eingaben liegt der folgende behauptete Sachverhalt zu : Bis zum Jahr 2002 war A._ Geschäftsführer der Firma B._ AG, der Strafklägerin, mit Sitz in Y._/BE. Im Rahmen dieser Tätigkeit befasste er sich schwergewichtig mit der Entwicklung eines Systems zur elektronischen Leserschaftsforschung und bereitete dieses für die  vor. Als Partnerin für diese Entwicklungsarbeit fungierte die C._ AG, in deren Verwaltungsrat A._ Einsitz hatte. In der Folge von Schwierigkeiten zwischen der B._ AG und A._ wurde  als Geschäftsführer entlassen, aller Ämter enthoben und mit einem Hausverbot belegt. Auf die entsprechende Mitteilung hin löste die C._ AG die Zusammenarbeit mit der B._ AG auf. Am 24. April 2003  A._ das System zur Leserschaftsforschung unter einem neuen Produktenamen in der Fernsehsendung Menschen, Technik, Wissenschaft des Fernsehens DRS als eigene Entwicklung vor; ein Kurzbeschrieb des Produkts wurde über die Internetseite der C._ AG zugänglich . Diese hatte ihren Sitz im Kanton Nidwalden; die Fernsehsendung war in ihren Geschäftsräumlichkeiten aufgezeichnet worden. A._ geht seiner eigenen Geschäftstätigkeit im Rahmen der Firma D._ mit Sitz in Y._ nach; er selbst hat Wohnsitz im Kanton Bern. Die B._ AG wirft A._ ausserdem vor, sich Geschäftsunterlagen und Daten angeeignet und sich damit des Diebstahls schuldig gemacht zu . Den übrigen Verwaltungsräten der C._ AG wirft die B._ AG vor, als Organe für die Entscheide dieser Firma mitverantwortlich zu sein.
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C. Mit Schreiben vom 20. Mai 2003 ersuchte das Verhöramt des Kantons  den Kanton Bern unter Hinweis auf Art. 350 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (betreffend A._) und Art. 349 Abs. 1 StGB (betreffend die weiteren angezeigten Personen) um Übernahme des Verfahrens. Am 28. August 2003 befragte die Berner Untersuchungsrichterin A._ zur Klärung der Gerichtsstandsfrage. Die Generalprokuratur des Kantons Bern war in der Folge nicht bereit, das Verfahren zu übernehmen, da es sich beim schwersten zu untersuchenden Delikt, beim Diebstahl, höchstens um ein geringfügiges Delikt gemäss Art. 172ter StGB handle und die UWG-Delikte in die Zuständigkeit des Kantons Nidwalden fallen würden.
D. Mit Schreiben vom 1. März 2004 an die Anklagekammer des  beantragte die zuständige Verhörrichterin des Kantons Nidwalden, die Behörden des Kantons Bern seien berechtigt und verpflichtet zu , die angezeigten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen.
Mit Vernehmlassung vom 15. März 2004 zu Handen der Anklagekammer des Bundesgerichts beantragte die Generalprokuratur des Kantons Bern, auf das Gesuch des Verhöramts des Kantons Nidwalden sei nicht . Eventualiter seien die Behörden des Kantons Nidwalden für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die Anzeigen der B._ AG zu behandeln und zu beurteilen.
Mit Inkrafttreten des neuen Rechts übermittelte die Anklagekammer des Bundesgerichts am 1. April 2004 die Gerichtsstandsstreitigkeit zur  an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts.
Im Rahmen des von der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts  zweiten Schriftenwechsels halten die Parteien an ihren  fest.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Die Zuständigkeit der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid über die bei – der am 31. März 2004 aufgelösten –  des Bundesgerichts hängigen Verfahren betreffend  ergibt sich aus Art. 33 Abs. 1 i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG sowie Art. 351 StGB.
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2. 2.1 Der Gesuchsgegner bringt vor, der Gesuchsteller habe seine Zuständigkeit
konkludent anerkannt, weil er nach Abschluss des Meinungsaustauschs am 2. September 2003 bis zum 1. März 2004 – mithin ein halbes Jahr –  habe, bis er die streitige Frage der Anklagekammer des  zur Entscheidung vorgelegt habe. Der deswegen vom  gestellte Antrag, auf das Gesuch sei bereits aus formellen Gründen nicht einzutreten, ist abzuweisen: Eine Gerichtsstandsstreitigkeit ist vom Bundesstrafgericht zwingend zu entscheiden, da die zur Anzeige  Delikte von Amtes wegen zu verfolgen sind, weshalb der für die  zuständige Kanton bei strittiger Kompetenz bezeichnet werden muss. Ein Nichteintretensentscheid wäre deshalb nur zulässig, wenn ein  Gesuch offensichtlich unbegründet wäre, der Gerichtsstand  zweifelsfrei feststünde oder der Meinungsaustausch nicht zwischen sämtlichen, ernstlich in Frage kommenden Kantonen abgeschlossen  wäre (vgl. zu letzterem den unveröffentlichte Entscheid der  BK_G 037/04 vom 26. Mai 2004). Dies trifft vorliegend nicht zu.
2.2 Aus dem Verhalten einer am Gerichtsstandsstreit beteiligten Behörde kann unter bestimmten Umständen auf die konkludente Anerkennung des  geschlossen werden: Dies dürfte insbesondere der Fall sein, wenn ein Kanton den Meinungsaustausch unterlässt oder erheblich  (vgl. SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmungen in Strafsachen, 2. Aufl., Bern 2004, N. 570). Dasselbe gilt für den zuerst mit der Sache befassten Kanton, der bis zur Einreichung des Gesuchs  viel Zeit verstreichen lässt, obschon er gemäss Art. 279 Abs. 1 BStP verpflichtet wäre, an die Beschwerdekammer des  zu gelangen.
Im vorliegenden Fall hat das Verhöramt des Kantons Nidwalden weder den Meinungsaustausch mit der zuständigen Behörde des Kantons Bern  noch hat es diesen verzögert.
Es bleibt die Frage zu prüfen, ob der Gesuchsteller den Gerichtsstand  konkludent anerkannt hat, indem er bis zum 1. März 2003 , bevor er das Gesuch um Klärung der Gerichtsstandsfrage einreichte. Die konkludente Anerkennung des Gerichtsstandes durch Zuwarten bis zur Einreichung des Gesuchs kann nur für denjenigen Kanton in Frage , der zuerst mit der Sache befasst war und deshalb gemäss Art. 279 Abs. 1 BStP verpflichtet ist, das Gesuch zu stellen. Vorliegend gingen  die Strafanzeige im Kanton Bern wie auch die Strafklage im Kanton Nidwalden am 9. Mai 2003 ein. Beide Kantone waren somit gleichzeitig mit der Sache befasst, weshalb zumindest aus der vorgenannten Bestimmung
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keine Pflicht einer der beiden Kantone abgeleitet werden kann, das Gericht anzurufen; aufgrund ihrer allgemeinen Verfolgungspflicht bleiben in diesem Falle vielmehr beide Kantone gehalten, bei Scheitern des  die Bestimmung des interkantonalen Gerichtsstandes durch  der Beschwerdekammer herbeizuführen. Aus dem Umstand, dass es schliesslich der Gesuchsteller war, der das Gesuch stellte, kann der  demgemäss nicht schliessen, dass es der Gesuchsteller war, der zuwartete. Dasselbe gilt für ihn selbst, weshalb die konkludente  des Gerichtsstandes durch den Gesuchsteller nicht angenommen werden kann. Anders entscheiden hiesse, dass bei gleichzeitiger  und Zuwarten beider Parteien immer derjenige Kanton für zuständig zu erklären wäre, der das Gesuch schliesslich stellte. Unter diesen  kann offen bleiben, wann der Meinungsaustausch zwischen den Parteien abgeschlossen war und wie lange der Gesuchsteller danach , bis er an die Anklagekammer des Bundesgerichts gelangte.
3. 3.1 Wird jemand wegen mehrerer, an verschiedenen Orten verübter strafbarer
Handlungen verfolgt, so sind die Behörden des Ortes, wo die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat verübt worden ist, auch für die Verfolgung und die Beurteilung der andern Taten zuständig (Art. 350 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Sind diese strafbaren Handlungen mit der gleichen Strafe bedroht, so sind die Behörden des Ortes zuständig, wo die Untersuchung zuerst  wird (Art. 350 Ziff. 1 Abs. 2 StGB).
3.2 Es ist heute unbestritten, dass die zur Anzeige gelangten Delikte teils im Kanton Nidwalden (Fernsehaufzeichnung und damit die allfällige  gegen das UWG) und teils im Kanton Bern (Aneignung von  und Daten der Anzeigestellerin durch ihren ehemaligen Geschäftsführer, evtl. Diebstahl) begangen wurden. Die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat ist der Diebstahl. Der Kanton Bern ist somit zuständig und verpflichtet, die angezeigten Delikte zu verfolgen und gegebenenfalls zu beurteilen. Daran vermögen die Einwendungen des Gesuchsgegners nichts zu ändern: Auch wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass der allfällige Diebstahl nur einen geringen Vermögenswert betraf oder die entsprechende Tathandlung nicht als Diebstahl, sondern als eine von den UWG-Delikten konsumierte Tat zu qualifizieren wäre, erscheint die  wegen Diebstahls nicht als offensichtlich haltlos (vgl. SCHWERI/, a.a.O., N. 142 f.). Der Angezeigte wurde im Einvernehmen beider Parteien bezüglich des Diebstahls befragt. Darin liegt ein Indiz dafür, dass
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die Parteien und damit auch der Gesuchsgegner die Anzeige wegen  nicht als offensichtlich haltlos taxierten.