Decision ID: 8d37b65d-9eb6-48a3-ba56-61d81cca285b
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
" 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin Fr. 45'799.50 zu bezahlen, plus Zins zu 5% auf Fr. 36'079.50 seit 20. Januar 2015 sowie Zins zu 5% auf Fr. 3'240.- seit 5. März 2015 sowie Zins zu 5% auf Fr. 3'240.- seit 7. April 2015, plus Fr. 259.20 Retentionskosten in der Retention Nr. ... und Fr. 103.50  in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamts Wädenswil, Fr. 115.90 Betreibungskosten in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamts Wädenswil.
2. Die Rechtsvorschläge in den Betreibungen Nr. ..., Nr. ... sowie Nr. ... seien aufzuheben.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der ."

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Prozessgegenstand/Sachverhalt
Mit der vorliegenden Klage macht die Klägerin gegen die Beklagte eine Mietzins-
forderung von insgesamt CHF 45'799.50 geltend. Zur Sicherung ihrer Forderung
liess die Klägerin die von der Beklagten ins Mietobjekt gebrachten Gegenstände
(Schätzwert CHF 55'000.–) mit Retentionsbeschlag belegen (act. 3/4). Das ent-
sprechende Retentionsverzeichnis wurde am 26. Januar 2015 aufgenommen
(act. 3/5). In der Folge reichte die Klägerin zur Aufrechterhaltung des Retentions-
beschlags die Betreibung auf Pfandverwertung ein. Diese Betreibung erfasst die
bis und mit Januar 2015 angefallenen Mietzinse (act. 3/6). Gegen den Zahlungs-
befehl vom 5. Februar 2015 erhob die Beklagte am 6. Februar 2015 Rechtsvor-
schlag (act. 3/7). Am 19. Februar 2015 reichte die Klägerin ein Schlichtungsge-
such an die Schlichtungsbehörde in Mietsachen des Bezirkes Horgen ein
(act. 3/8). Sodann erhob die Klägerin am 5. März 2015 Betreibung für den Febru-
ar-Mietzins und am 7. April 2015 für den März-Mietzins (act. 3/9; act. 3/11). Ge-
gen beide Zahlungsbefehle erhob die Beklagte je Rechtsvorschlag (act. 3/10;
act. 3/12). Mit Eingabe vom 27. März 2015 ergänzte die Klägerin das Schlich-
tungsgesuch vom 19. Februar 2015 um die separat betriebenen Mietzinse (Mona-
te Februar und März 2015; act. 3/13). Die Verhandlung vor der Schlichtungsbe-
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hörde in Mietsachen des Bezirkes Horgen fand am 29. April 2015 statt. Da zwi-
schen den Parteien keine Einigung zustande kam, wurde die Klagebewilligung
vom 29. April 2015 ausgestellt (act. 3/14). In der Folge reichte die Klägerin am
15. Mai 2015 (Datum Poststempel) innert der 30-tägigen Frist gemäss Beschluss
vom 29. April 2015 (act. 3/14) die vorliegende Klage beim hiesigen Gericht (Han-
delsgericht des Kantons Zürich) ein.
2. Verspätete Prosequierung zur Aufrechterhaltung des Retentionsbe-
schlags und deren Folgen
2.1. Der Gläubiger, der einen Retentionsbeschlag aufrechterhalten will, hat
innert zehn Tagen ab Erhebung des Rechtsvorschlags entweder die Klage auf
Anerkennung der Forderung der ausstehenden Mietzinse oder des Retentions-
rechts anzuheben. Wird diese Frist nicht eingehalten, so erlischt die Wirkung der
Retentionsurkunde, womit auch der Retentionsbeschlag dahinfällt (BGE 105 III
85, E. 2). Fällt der Retentionsbeschlag dahin, ist folglich die definitive Beseitigung
des Rechtsvorschlags in der entsprechenden speziellen Betreibung nicht mehr
möglich.
2.2. Vorliegend gelangte die Klägerin – nach Erhebung des Rechtsvor-
schlags – zunächst an die Schlichtungsbehörde in Mietsachen des Bezirkes Hor-
gen und reichte erst nach Ausstellung der Klagebewilligung Klage beim Handels-
gericht des Kantons Zürich ein. Die Klägerin ist mit Verweisungen auf Art. 63 ZPO
und BGE 138 III 471 offenbar der Ansicht, dass mit der Einreichung des Schlich-
tungsgesuches bei der Schlichtungsbehörde am 19. Februar 2015 die zehntägige
Prosequierungsfrist zur Aufrechterhaltung des Retentionsbeschlags gewahrt wor-
den sei (act. 1 S. 3 Rz. 6). Dabei übersieht die Klägerin jedoch, dass sämtliche
Klagen im handelsgerichtlichen Zuständigkeitsbereich direkt beim Handelsgericht
des Kantons Zürich erhoben werden müssen. Ein Schlichtungsverfahren entfällt
nämlich gemäss eindeutigem Wortlaut von Art. 198 lit. f ZPO. Auch die mietge-
richtliche Schlichtungsbehörde hat in solchen Fällen keine Funktion. Überdies
geht – wie VETTER zutreffend festhält – aus den Materialien klar hervor, dass der
Gesetzgeber die Handelsgerichte mit diesem Verzicht auf ein Schlichtungsverfah-
ren bewusst stärken wollte (vgl. VETTER MEINRAD, "Unterbricht das Schlichtungs-
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gesuch bei Ansprüchen mit handelsgerichtlicher Zuständigkeit die Verjährung?",
in: Jusletter vom 2. Juni 2014, Rz. 9, mit weiteren Hinweisen). Entsprechend ist
diesfalls ein freiwilliges Schlichtungsverfahren ausgeschlossen, und jegliche
Schlichtungsbehörde ist damit sachlich unzuständig. Das Schlichtungsgesuch
vom 19. Februar 2015 begründet sodann auch keine Rechtshängigkeit. Auch fin-
det die für unzuständige Behörden vorgesehene Korrekturmöglichkeit gemäss
Art. 63 Abs. 1 ZPO keine Anwendung, kommt diese Bestimmung doch nur dann
zur Anwendung, wenn ein Klagerückzug oder ein Nichteintretensentscheid ergeht.
Weder erging aber vorliegend ein Nichteintretensentscheid wegen Unzuständig-
keit, noch erfolgte ein Klagerückzug infolge Unzuständigkeit. Der Klägerin können
damit auch nicht die Ausführungen des Bundesgerichts im Urteil 4A_592/2013
vom 4. März 2014, Erw. 3, helfen, hat doch die dortige Klägerin den falsch ge-
wählten Prozessweg zu Ende beschritten und ist dann, nach einem Entscheid des
unzuständigen Bezirksgerichts aufgrund des Klagerückzugs wegen Unzuständig-
keit, innert Frist und gestützt auf Art. 63 ZPO an das zuständige Handelsgericht
gelangt. Damit war die Prozesskette vollständig und musste die Perpetuierung der
Rechtshängigkeit bzw. Massgeblichkeit des Schlichtungsgesuches bejaht werden.
Vorliegend hat die Klägerin aber (einzig) eine unzuständige Schlichtungsbehörde
angerufen. Ein Entscheid des im Beschluss der Schlichtungsbehörde des Bezir-
kes Horgen erwähnten Mietgerichtes des Bezirks Horgen (vgl. act. 3/14 S. 3) liegt
jedenfalls nicht vor, da die Klägerin von sich aus den ursprünglich falsch einge-
schlagenen Prozessweg in mietgerichtlichen Angelegenheiten verlassen hat. Da-
mit kann die Klägerin aus der Anrufung der Schlichtungsbehörde (in Mietsachen)
des Bezirkes Horgen nichts für sich ableiten. Somit ist die Klägerin von sich aus
direkt ans hiesige Handelsgericht gelangt. Der Hinweis auf Art. 63 ZPO geht da-
mit fehl.
Die blosse Klagebewilligung alleine vermag daher für die vorliegende Klage keine
Rückdatierung der Rechtshängigkeit auf den Zeitpunkt der Einreichung des
Schlichtungsgesuches zu bewirken. Schliesslich ist auch der von der Klägerin zi-
tierte BGE 138 III 471 vorliegend nicht einschlägig, wird darin doch nur hinsicht-
lich der Wahrung der Rechtshängigkeit klargestellt, dass die Regel von Art. 63
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Abs. 1 ZPO auch dann gilt, wenn sich nach einem ersten Nichteintretensent-
scheid das als zweites angerufene Gericht ebenfalls für unzuständig erklärt.
Somit ist die Klage hinsichtlich der Aufrechterhaltung des Retentionsbeschlags
nicht innert zehn Tagen seit Erhebung der Rechtsvorschläge – sondern erst am
15. Mai 2015 (Datum Poststempel; Beginn der Rechtshängigkeit) – erfolgt und
damit verspätet. Folglich fällt der Retentionsbeschlag in den Betreibungen Nr. ...,
Nr. ... sowie Nr. ... dahin.
3. Fehlendes Rechtsschutzinteresse
Das Gericht tritt auf eine Klage oder ein Gesuch nur ein, sofern die Prozessvo-
raussetzungen erfüllt sind; diese sind von Amtes wegen zu prüfen (Art. 59 f.
ZPO). Erfolgen kann diese Prüfung in jedem Stadium des Verfahrens (DOMEJ
TANJA, in: OBERHAMMER/DOMEJ/HAAS [HRSG.], Kurzkommentar ZPO, 2. Aufl., Ba-
sel 2013, Art. 60 N. 2). Zu diesen Prozessvoraussetzungen zählt unter anderem
das Rechtsschutzinteresse, was bedeutet, dass die Klägerin einen nach vernünf-
tigem Ermessen wesentliches Interesse daran haben muss, dass ihr ihre Rechts-
behauptung (Klagebegehren) gerichtlich bestätigt werde. Da es sich dabei somit
um eine Anspruchsvoraussetzung handelt, führt das Fehlen des Rechtsschutzin-
teresses nicht zur Abweisung der Klage, sondern zum Nichteintreten (ZINGG
SIMON, in: Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band I, Bern
2012, Art. 59 N. 31 ff.; DOMEJ TANJA, a.a.O., Art. 59 N. 24).
Wie gesehen, fällt der Retentionsbeschlag in den Betreibungen Nr. ..., Nr. ... so-
wie Nr. ... dahin, weshalb in den genannten Betreibungen die jeweiligen Rechts-
vorschläge auch nicht mehr definitiv beseitigt werden können. Diesbezüglich fehlt
es demzufolge am Rechtsschutzinteresse, womit auf das Rechtsbegehren Ziffer 2
nicht einzutreten ist.
4. Fortgang des Verfahrens
Im Übrigen ist das Verfahren anhand zu nehmen bzw. weiterzuführen. Es geht
nun aber nur um eine reine Forderung ohne Sicherheit durch Retention. Der Klä-
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gerin ist somit gemäss Art. 98 ZPO Frist anzusetzen, um den Kostenvorschuss zu
leisten.
5. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss hat die Klägerin die Kosten des bezüglich Rechtsbegehren Zif-
fer 2 ergehenden Nichteintretensentscheides zu tragen. In Anwendung von § 4
Abs. 1 und 2 und § 10 Abs. 1 GebV OG und im Lichte des Verfahrensaufwandes
ist die Gerichtsgebühr auf CHF 1'400.– festzusetzen. Die Gerichtskosten sind
vom von der Klägerin zu leistenden Gerichtskostenvorschuss zu beziehen; bei
Nichtleistung von der Klägerin direkt. Der Beklagten ist mangels Umtrieben keine
Parteientschädigung zuzusprechen.