Decision ID: 13dd0247-f3d6-45c8-8dad-d64d0ea5d004
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968 und von Beruf Primarlehrerin
(Fähigkeitszeugnis vom Oktober 1992, Urk. 6/2/16)
,
meldete sich am 13. Juli 2009 unter Hinweis auf ein seit April 2009 bestehendes „seelisches“ Leiden
erstmals
bei der
Invali
denversicherung
zum Leistungsbezug
an (Urk. 6/3).
Mit Verfügung vom 5. Juli 2010 (Urk. 6/20) verneinte d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen
Anspruch auf eine Invalidenrente
mangels
einer
anspruchs
begründenden
Erwerbsunfähigkeit
.
Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am
5. Juli 2011
erneuerte
X._
ihr Leistungsbegehren wiederum we
gen eines „seelischen“ Leidens“, bestehend seit mehreren Jahren (Urk. 6/22).
Die IV-Stelle unternahm
berufliche
Eingliederungsbemühungen
(
Urk. 6/43-44, Urk. 6/48-56, Urk. 6/59-87, Urk. 6/89-90, Urk. 6/92, Urk. 6/94, Urk. 6/97)
, wel
che erfolglos blieben und mit Mitteilung vom 19. März 2013 (Urk. 6/91)
bezie
hungsweise
Verfügung vom 18. Juni 2013 (Urk. 6/106)
beendet
wurden.
Im Rahmen der anschliessenden Rentenprüfung gab
sie
bei Dr. med.
Y._
, Psy
chiatrie und Psychotherapie
FMH
, ein Gutachten in Auftrag, welches am 23. Juni 2014 erstattet wurde (Urk. 6/118).
Nach durchlaufenem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 6/127,
Urk. 6/135, Urk. 6/138)
verneinte
d
ie
IV-Stelle
mit
Ver
fügung vom 5. Januar 2015 (Urk. 2)
einen Rentenanspruch
der Versicherten
mangels
eines invalidisierenden Gesundheitsschadens
.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 5. Februar 2015 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung vom 5. Januar 2015 sei aufzuheben und ihr sei
mit Wirkung ab 1. September 2011
eine ganze
Invalidenr
ente zu
zusprechen. Eventualiter sei die Sache zwecks ergänzender Abklärungen und neuer Entscheidung an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Die
se
schloss in ihrer
Be
schwerdeantwort
vom 13. März 2015 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 18. März 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
de
s
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit k
önnen in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wi
rd dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welch
em Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt a
lso nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
.
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, welche diesen Anforderungen entsprechen, kommt grundsätzlich (voller)
Be
weiswert
zu, solange nicht konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit spre
chen (BGE
125 V 351 E.
3b/
bb
mit Hinweisen; vgl. auch BGE
135 V 465 E.
4.4
und BGE 137 V 210 E. 1.3.4
).
1.
5
Für di
e Bejahung eines Rentenanspruch
s im Rahmen einer Neuanmeldung nach
vorausgegangener rechtskräftiger Verneinung wird analog zur Rentenrevision gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades verlangt (BGE 130 V 71, 117 V 198 E. 3a mit Hinweis; vgl. auch BGE 133
V 108 E. 5.2 mit Hinweisen). Die Frage, ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes im Zeitpunkt der letzten mate
riellen rentenverweigernden rechtskräftigen Verfügung mit demjenigen zur Zeit des auf die Neuanmeldung hin ergangenen Entscheids (BGE 130 V 64 E. 2 mit Hinweis, 130 V 71 E. 3.1 mit Hinweisen). Dabei ist zu beachten, dass Anlass zur Rentenrevision jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen gibt, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Dagegen stellt eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sach
verhaltes keine revisionsbegründende Tatsachenänderung im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 112 V 371 E. 2b; vgl. auch BGE 133 V 545 E. 6.1, 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.
Während die Beschwerdegegnerin einen invalidisierenden Gesundheitsschaden unter Hinweis auf das „hohe Aktivitätsniveau“ der Beschwerdeführerin ver
neinte
(Urk. 2, Urk. 5)
,
schliesst letztere eine verwertbare Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
seit 14. September 2010
vollständig
aus beziehungsweise erachtet eventualiter eine ergänzende medizinische Begutachtung als erforder
lich (Urk. 1).
3.
In dem mit
der Erstanmeldung vom 13. Juli 2009 (Urk. 6/3) angehobenen Verfah
ren erging der Bericht der Ärzte der
Z._
vom 20. August 2009 (Urk
. 6/10) über den stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 26. April bis 25. Juni 2009
(vgl. auch
Austrittsbe
richt
vom
20. August 2009
, Urk. 6/21/13-15)
und die daran anschliessende
teil
stationäre
Behandlung
in der Tagesklinik bis 17. Juli 200
9.
Darin
wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
chronifizierte
mittelschwere depres
sive Episode (
ICD-10
F33.1) und ein Verdacht auf eine kombinierte
Persönlich
keitsstörung
(
ICD-10
F61)
mit
schizotypen
, paranoiden und zwanghaften Zügen diagnostiziert.
Die
Arbeitsunfähigkeit
wurde für die Dauer der Behandlung (26. April bis 17. Juli 2009) mit 100 % beziffert.
Eine
weitere
psychiatrische
Therapie
fand
damals
nicht statt
(Urk.
6/13
,
Urk.
6/15-16
).
Der einmalig aufgesuchte
Hausarzt Dr. med.
A._
, Inn
ere Medi
zin FMH,
berichtete am
17. August 2009
(Urk. 6/9)
, eigenen Angaben zufolge habe sich die Beschwerdeführerin
vollständig erholt und sei wieder
unein
geschränkt
arbeitsfähig
.
Letztere erklärte am 28. September 2009 (Urk. 6/14) gegenüber der
Beschwerde
gegnerin
,
sie habe ihre
angestammte
Arbeit in leicht reduzi
erter Form (Pensum von zirka 84,
5 % statt vormals 100 %)
wieder aufgenommen (
vgl. dazu Urk. 6/21/1-12
)
.
Ein
Vollpensum
wäre wohl eine zu grosse Belastung und
könne sie sich momentan ni
cht vorstellen. Dies könne
möglicherweise
aber auch wie
der ändern (vgl. auch
Angaben
der Beschwerdeführerin vom
29. März und
14. Mai 2010
, wonach sie ein 70 %-Pensum innehabe
,
Urk. 6/15-16)
.
In der Folge
verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 5. Juli 2010 (Urk. 6/20) einen
Rentena
nspruch
der Beschwerdeführerin
mit der Begründung,
die
ärztlich attestierten
und
von ihr
angegebenen Arbeitsunfähigkeiten führten nicht zu einer rentenbegründenden Erwerbsunfähigkeit
.
Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
4.
4.
1
Der die Beschwerdeführerin vom 13. Dezember 2010 bis 18. März 2011 ambu
lant
behandelnde Dr. med.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, äusserte im Bericht vom 26. August 2011 (Urk. 6/35
)
einen
Verdacht auf eine
seit vielen Jahren bestehende
kombin
ierte Persönlichkeitsstörung (S. 2 Ziff. 1.1)
und attes
tierte für die angestammte Tätigkeit als Lehrerin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 11. November 2010 bis 31. März 2011
(S. 2 Ziff. 2)
.
Er vermerkte
, dass die Beschwerdeführerin
Therapiemassnahmen ablehnend gegenüber ge
standen und die Behandlung kaum zu einer Besserung des psychischen Zustan
des geführt habe. Ein abschliessendes Bild der psychischen Störung habe er sich nicht machen können (S. 3 Ziff. 3.7).
Entsprechend war
Dr.
B._
nicht in der Lage,
eine
medizinische Beurteilung hinsichtlich
der vorhandenen Ressourcen und der Arbeitsfähigkeit abzugeben (S. 4 f. Ziff. 5.1-5.2).
4
.2
Der ab 29. März 2011 im Rahmen einer delegierten Psychotherapie zweiwöchent
lich mit der Beschwerdeführerin befasste
lic
. phil.
C._
, Psycho
loge/Psychotherapeut FSP,
diagnostizierte
im Bericht vom 9. September 2011 (Urk. 6/39)
zum einen
eine
seit
dem Jahr
2009 bestehende
depressive
Störung (ICD-10 F32.9)
,
bezüglich welcher eine gute Prognose vorliege.
Zum anderen
schloss er auf eine Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F61)
mit stationärem Verlauf
(S.
1 Ziff. 1.1 und S. 2 Ziff. 1.4).
Er attestierte
für den angestammten
Lehrer
b
eruf
eine A
rbeits
fähigkeit
von
0 %
vom 1. April bis 30. September 2011 und
eine solche von 50 % (halbtags) ab 24. Oktober 2011 (Tätigkeit als
Fachlehr
erin, Aufgabenhilfe, Hortnerin oder
„Klasse te
am-
teaching
“; kein Einsatz als Klassenlehrerin
; S. 2 Ziff. 1.6-1.7 und S. 3 Ziff. 1.9)
. Sodann empfahl
lic
. phil.
C._
eine
„
Weiterbildung
/Umschulung
“
zur
Heilpädagogi
n oder Fremdsprachenlehrerin (S. 3 Ziff. 1.11)
.
4
.
3
Dipl.-psych.
D._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,
führte
im
Ver
laufsb
ericht
der Praxis
E._
vom
4. November 2013 (Urk. 6/110
; vgl. auch
Bericht vom 4. Juni 2013
,
Urk. 6/104)
aus, nach der neuropsychologischen Un
tersuchung vom 25. September 2013 (vgl. dazu Urk. 6/107)
habe sich die Dia
gnose „Deutliche
Auffälligkeiten in der sozialen Kognition sowi
e partielle exe
ku
tive
Minderleistungen
“
im Sinne von ICD-10 F
0
7.8 (offizielle Bezeichnung: „
Sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns
“)
bestätigt
.
Der Ver
dacht einer kombinierten Persönlichkeitsstörung scheine sich ebenfalls zu be
stätigen, sei momentan aber von den Akzentuierungen her schwer einzuordnen (S. 1). Bei den interpersonellen Problemen am Arbeitsplatz handle es sich um Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen in sozialen Situationen, die mit ziemlich grosser Sicherheit lange überdauernd und bei fraglicher Therapie- und
Verän
derungsmotivation
schwer
angehbar
sein w
ü
rden. Es sei aufgrund
dieser
Prä
disposition so gut wie ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin je wieder ihrer angestammten Tätigkeit als Primarlehrerin nachgehen könne. Bei der be
kannten Vorliebe
f
ür
Details wie zum Beispiel grammatikalische Regeln oder
ge
sellschaftshistorische
und musikalisch-kulturelle Fakten
wäre eventuell
, al
lenfalls nach Erprobung in einem geschützten Rahmen,
eine forschende bezie
hungsweise recherchierende Tätigkeit in einem Archiv oder einer Fachbibliothek vorstellbar
. Jedoch könne es auch hier zu interpersonellen Schwierigkeiten kommen, welche wahrscheinlich auf die Länge eine Zusammenarbeit und das Halten der Beschäftigung erschweren könnten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei davon auszugehen, dass eine Berentung die wahrscheinlichste Option dar
stellen werde (S
. 2).
4
.
4
Dr.
Y._
diagnostizierte
in seinem
Gutachten vom 23. Juni 2014 (Urk. 6/118)
eine k
ombinierte
Persönlichkeitsstörung (
ICD-10
F61.0) m
it
schizo
typ
/schizoid/
autistischen
(eigenwillig),
paranoid/misstrauischen, narzisstischen
(ich bezogen, dominant)
, zwanghaften
(übergenau, rigid)
, distanzgeminderten
(sozial extra
vertiert)
und impulsiven
(ungehemmt, energisch)
Anteilen
sowie
mit rezidivie
rend depressiv-neurasthenischem Syndrom
(S. 17 Ziff. 5)
.
Er
führte aus,
e
ine leicht ausgeprägte
(vgl. dazu auch Gutachten S. 21 und S. 27 f. Ziff. 9.7 und
Ziff.
9.9)
Persönlichkeitsstörung, wie sie bei der B
eschwerdeführer
in vor
liege, habe einen relevanten (krankheitsbedingten) Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit von 25 % Minderung (von 100 %) auf dem ersten ausgeglichenen Ar
beitsmarkt.
Dabei
stünden Defizite in den Bereichen Anpassung an Re
geln/Routinen, Planung/Strukturierung von Aufgaben, Flexibili
tät/Umstellungsfähigkeit, Kon
takt-/Gruppenfähigkeit und familiäre/persönliche Beziehungen im Vordergrund. Für angepasste Tätigkeiten (wenig Team-/Kundenkontakt, gut strukturiert, wenig Zeitdruck) und Tätigkeiten im Haushalt könne aus rein psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht keine relevante Ar
beitsunfähigkeit angenommen werden. Die (gemäss beruflichem Werdegang be
kannt
e
) tatsächliche Leistungs
fähigkeit über 75 % (von 100 %) hinaus erkläre sich mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit durch eine entsprechende Anpas
sung (und Toleranz) des
Arbeits
umfelds
. Medizinisch-theoretisch
sei die Prog
nose einer Persönl
i
c
hkeitsstörung (oft trotz langjährig psychiatrisch-psycho
therapeutischer Therapie) meist chro
nisch stabil. Von
dieser
Einschätzung
könne ab Ende der Schulzeit ausgegangen werden.
In den Akten werde seit
dem Jahr
2009 immer wieder auch ein
dep
ressiv-neurasthenisches Syndrom beschrieben. Es handle sich dabei nicht um eine eigenständige Störung mit Krankheitswert. Depressive Symptome und körperliche Missempfindungen, die meist Ausdruck der Überforderung der Be
schwerdeführerin aufgrund ihrer
Persönlichkeitsdefi
zite
(beispielsweise narziss
tisches Selbstverständnis, Perfektionismus,
Kränkbar
keit
, geringe
Frustrations
toleranz
, Impulsivität) seien, begründeten allenfalls kurzfristige Minderungen
der Leistungsfähigkeit
. Die von den therapeutisch tä
tigen Fachpersonen
darüber hinaus
postulierte Arbeitsunfähigkeit sei nicht nachvollziehbar
(S. 21
-23
)
.
5
.
5
.1
Das
psychiatrische
Gutachten von Dr.
Y._
vom 23. Juni 2014
hat ergeben, dass die Beschwerdeführerin an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung leichtgradiger Ausprägung
leidet
,
derentwegen sie
in
den Bereichen Anpassung an Regeln/Routinen, Planung/Strukturierung von Aufgaben, Flexibili
tät/
Umstellungsfähigkeit, Kontakt-/Gruppenfähigkeit und familiäre/persönliche Bezie
hungen
eingeschränkt ist
.
Deswegen
besteht
gemäss gutachterlicher Ein
schät
zung auf dem ersten Arbeitsmarkt
grundsätzlich
eine Minderung der Leis
tungs
fähigkeit von 25 %
,
es sei denn, es handelt sich
um eine gut strukturierte Tätig
keit mit wenig Team-/Kundenkontakt und ohne Zeitdruck, welche die Be
schwerdeführerin ohne zeitliche und leistungsmässige Einschränkungen auszu
üben vermag
(vgl. E. 4.4 hiervor)
.
5
.2
In Abweichung von dieser Einschätzung verneinte die Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) wie auch in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 5)
eine
n
IV-relevanten Gesundheitsschaden
insbesondere
unter Hinweis auf das von ihr als hoch eingestufte Aktivitätsniveau
der Beschwerdeführerin
im privaten Bereich
: Die Beschwerdeführerin erledige ihren Haushalt selber; sie gehe einkaufen, putzen und koche. Sie pflege ihren Garten, lese gerne und be
schäftige sich mit Musik
. Dabei spiele
sie
Geige in einem Orchester,
mit wel
chem sie wöchentlich probe und im Mai 2014 eine Aufführung be
stritten habe
(vgl.
die
entsprechenden
anamnestischen Angaben der Beschwer
deführerin
gegenüber Dr.
Y._
, Gutachten S. 7 oben).
Hiervon imponiert im Lichte der gutachterlich benannten Defizite hauptsächlich der Umstand, dass die Beschwerdeführerin offen
bar
in der Lage ist, sich als Musikerin in ein Orchester einzufügen und mit diesem öffentliche Auftritte
mitzugestalten
(vgl. auch Besetzung des
Sinfonieorchester
s
des Kaufmännische
n Verbandes Zürich [OKVZ] beim Frühjahrskonzert 2016:
http://video.zueriost.ch/sites/default/files/
organization
/
documents
/Fr%C3%BChjahrskonzert_2016.pdf
.
Ob dies mit der
Be
schwerdegegnerin
genügt, um von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeits
-
einschätzung
abzuweichen und einen invalidi
sierenden Gesundheitsschaden zu verneinen (vgl. E. 1.2 hiervor; vgl. auch
BGE 140 V 193 und
Urteil des Bundesgerichts
9C_863/2015
vom 7. Januar 2016 E. 1), kann offen bleiben. Denn angesichts der von Dr.
Y._
hinsichtlich der
angestammte
n
Tätigkeit bescheinigten Leistungsminderung von 25 % scheitert ein Rentenanspruch jedenfalls am gesetzlichen Erfordernis der einjäh
rigen W
artezeit
respektive
– wenn diese erfüllt wäre – an einer Invalidität von mindestens 40 % (vgl. E. 1.3 hiervor)
.
Dementsprechend
ist auf die
Kritik der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 10 f. Ziff. 15) an der beschwerdegegnerischen Ar
gumentation
nicht weiter einzugehen
.
5
.3
5.3.1
Die
Beschwerdeführerin
bemängelt
das Gutachten von Dr.
Y._
insbesondere unter Berufung auf
die
von ihr
beschwerdeweise
ins Recht gelegte
Stellung
nahme
der Praxis
E._
vom 27. Januar 2015
(Urk. 3)
, worin die
se
s
in ver
schiedene
r
Hinsicht
kritisiert
und die davon abweichende Einschätzung darge
legt
wird
(Urk. 1 S. 8 f. Ziff. 12)
.
5.3.2
Mit Blick darauf
, dass
die fragliche Stellungnahme
von
Dr.
med.
E._
, dele
gierender Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
,
lediglich visiert wurde und die B
eschwerdeführer
in eigene
r
Darstellung
zufolge „fast keinen“ Kontakt zu diesem hatte (G
utachten
von
Dr.
Y._
S. 8 oben)
, ist
davon auszu
gehen, dass
darin im Wesentlichen die Einschätzung von
dipl.
-psych.
D._
wiedergegeben wird. Es handelt sich bei ihr um eine
Fachp
sychologin
für Psy
chotherapie FSP
und nicht um eine
Fach
ärztin
für Psychiatrie und Psychothera
pie (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerich
ts I 442/98 vom 4. Juli 2000 E.
2b),
wes
halb es –
im Gegensatz zum psychiatrischen Fachgutachten
–
an der
praxisge
mäss
für die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens vorausgesetzten, fachärztlich (psychiatrisch) nach einem wissenschaftlich anerkannten
Klassifi
kationssystem
gestellten Diagnose
fehlt (BGE 131 V 50 E
.
1.2 mit Hinweis).
Darüber hinaus ergibt sich aus der Einschätzung von
dipl.
-psych.
D._
keine nachvollziehbare Begründung für die jüngst – in Abkehr von der früheren Einschätzung (vgl. E. 4.3 hiervor) – als „sehr wahrscheinlich“ erachtete (Diffe
rential-)Diagnose eines
Asperger
-Syndroms, welche zudem von keinem der in
volvierten Fachärzte als eigenständige Diagnose im Sinne von ICD-10 F84.5 wenigstens in Betracht gezogen wurde.
Entsprechend besteht kein Anlass für
weitere
diagnostische
Abklärungen
, zumal für die Belange
der
Invalidenversi
cherung nicht die diagnostische Einordnung
eines Gesundheitsschadens, son
dern dess
en
konkrete
Auswirkungen auf die Arbeits- und
Leistungs
fähigkeit
entscheidend
sind (BGE 136 V 279 E.
3.2.1
).
Die offensichtlich nicht
vollends
mit der
IV
-rechtlichen Terminologie vertraute (Urk. 3 S. 3 Ziff. 4)
Fachpsycho
login
war
sodann ausdrücklich nicht in der Lage, eine medizinisch-theoretische Einschätzung des beruflichen Leistungsvermögens abzugeben (Urk. 3
S. 1 f.).
Soweit sie davon ausging,
die Leistungsbereitschaft der Beschwerdeführerin
sei
aufgrund von Konflikten mit dem Arbeitsumfeld
während der Jahre erodiert und die aufgeführten
„Sonderinteressen“ (Beschäftigung mit Musik, grammati
kalischen Regeln und Weltgeschichte)
böten dieser
mehr Befriedigung als sozi
ale oder berufliche Aktivitäten
, kann
diesem Umstand insoweit
nicht Rechnung getragen werden, als
(auch)
bei psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen die Invaliditätsbemessung
eine objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung verlangt (vgl. E. 1.2 hiervor
; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die
Invali
denversicherung [IVG], 3.
Aufl
age
2014,
N 14 ff.
zu Art. 4
IVG
)
. Schliesslich
ist auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
wonach
behandelnde
Arzt
personen
beziehungsweise Therapiekräfte
mitunter im Hinblick auf ihre
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer
Patienten aussagen (BGE 13
5 V
465 E. 4.5
).
5
.3.
3
Die
in der Stellungnahme
der Praxis
E._
vom 27. Januar 2015
(Urk. 3
S. 2 ff. Ziff. 1-6
)
ge
üb
te Kritik
am Gutachten
von Dr.
Y._
erweist
sich als
unbehelflich
und verm
ag dessen
Beweiskraft
nicht in Zweifel zu ziehen.
So
kommt es f
ür den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts nicht in erster Linie auf
die Dauer der Untersuchung an, sondern darauf,
ob der Bericht inhalt
lich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychiatrische Un
tersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab. Wichtigste Grundlage gut
achterlicher Schlussfolgerungen bildet
–
gegebenenfalls neben standardisierten Tests
–
die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil
des Bundesgerichts 9C_664/2015 vom 2. Mai 2016 E. 4.2).
Anhaltspunkte dafür, dass Dr.
Y._
die entsprechenden Vorgaben nicht
beziehungsweise
nur ungenügend beachtet hat, sind nicht er
kennbar.
I
nsbesondere ist auch nicht ersichtlich, dass er ausschliesslich auf die
monierten
psychometrischen Testverfahren
(MADRS und MMPI-2) abgestellt
oder dem neuropsychologischen Untersuchungsbericht des
F._
vom 8. Oktober 2013 (Urk. 6/107) nicht hinreichend Rechnung getragen
hätte.
Sodann legte der
psy
chiatrische Sachverständige hinreichend konkret dar, inwiefern die Beschwer
deführerin
– objektiv betrachtet –
krankheitsbedingt in ihrem beruflichen Leis
t
ungsvermögen eingeschränkt ist. D
ass
Dr.
Y._
die diagnostizierte
Persön
lichkeitsstörung
als leichtgradig qualifizierte, erscheint im Lichte der beschrie
benen Defizite
wie auch der Erwerbsbiografie
und der Orchestertätigkeit der Beschwerdeführerin als nachvollziehbar
. D
em steht nicht entgegen, dass die ICD-10 in Bezug auf die besagte Diagnose keine solche graduelle Einstufung vorsieht.
5.3.4
Auch
mit dem Hinweis auf die Ergebnisse der
beruflichen
Eingliederungsbemü
hungen
vermag die Beschwerdeführerin
nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
Namentlich
ergeben sich anhand der von Eingliederungsfachleuten verfassten Berichte der
G._
vom 31. Dezember 2012 und 16. April 2013 betreffend Integrationsmassnahmen in Form von Belastbarkeits- und Aufbautraining (Urk. 6/83 und Urk. 6/97) keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit
der Expertise
von Dr.
Y._
, kommen doch darin im Wesentlichen die
gut
achterlich beschriebenen
Defizite zum Ausdruck.
Die beschwerdeweise postu
lierte volle Arbeitsunfähigkeit für sämtliche berufliche Tätigkeiten auf dem ers
ten Arbeitsmarkt (Urk. 1 S. 9 f. Ziff. 14) lässt sich weder gestützt auf die Be
richte der
G._
noch anhand der übrigen
(medizinischen)
Akten begründen.
5
.
4
Von
wei
teren medizinischen Abklärungen,
insbesondere
dem beantragten
Ge
richtsgutachten
(Urk. 1 S. 9 Ziff. 12),
ist kein
entscheidre
levanter
Aufschluss zu erwarten
. Entsprechend ist im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung davon abzusehen (BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
6.
Nach Art. 69 Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherung
sgericht in Abweichung von Art. 61
lit
.
a ATSG kostenpflichtig, wobei die Kosten nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt werden.
Entsprechend dem Verfahrensausgang
sind die
ermessensweise
auf Fr.
700.-- festzusetzenden Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.