Decision ID: 08d5b23a-5bd3-4585-9e02-d6c8ff56ce3b
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 21.05.2010 Art. 17 ATSG. Im Rahmen einer Rentenrevision kann bei fehlender relevanter Sachverhaltsveränderung die ursprüngliche Invaliditätsbemessung nicht überprüft werden (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Mai 2010, IV 2008/431).
Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und
Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Philia Roth
Entscheid vom 21. Mai 2010
in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
A.a S._ (Jahrgang 1963) meldete sich am 2. Februar 2004 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an. Sie gab an, sie habe am 1. August 2002 einen
Arbeitsunfall erlitten und sich am Knie verletzt (IV-act. 1). Dr. med. A._, Facharzt für
Allgemeine Medizin FMH, berichtete der IV-Stelle des Kantons St. Gallen am
25. Februar 2004, die Versicherte leide an einem chronischen Schmerzsyndrom mit
Periarthropathia genu links seit 1. August 2002 mit dominierendem vorderem
Knieschmerz, arthroskopischer Femoropatellar-Arthrose, retropatellärem
Knorpelschaden und St. n. arthroskopischer Knorpelglättung und Entfernung einer
Gelenkmaus, konventionell radiologisch ohne relevante Veränderungen (19.12.03),
sowie an einem lumbosakral betonten lumbovertebralen Syndrom mit verminderter
Stabilisierungsfähigkeit. Sodann lägen anamnestisch Spannungskopfschmerzen und
ein zervikales Schmerzsyndrom sowie ein Verdacht auf eine anhaltende Depression mit
Schlafstörungen und auf eine somatoforme Schmerzstörung vor. Die Versicherte sei
vom 2. August 2002 bis 31. Mai 2003 100% arbeitsunfähig gewesen. Seither sei sie
50% arbeitsfähig. Die Arbeitsfähigkeit sei bei einer überwiegend sitzenden Tätigkeit mit
genügend Beinfreiheit zu 50% gegeben (IV-act. 10). Der behandelnde Orthopäde, Dr.
med. B._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates FMH, gab in seinem Bericht vom 8. März 2004 an, die
Versicherte sei vom 1. August bis 28. November 2002 zu 100% und danach bis am 10.
Februar 2003 zu 70% arbeitsunfähig gewesen. Seit 11. Februar 2003 sei die
Versicherte zu 50% arbeitsfähig. Die bisherige Tätigkeit sowie eine andere stehende
oder sitzende Tätigkeit ohne Lasten heben wie zum Beispiel zuletzt an der Kasse seien
ihr zu 70% zumutbar. Sie benötige wiederholte Pausen (IV-act. 11).
A.b Die IV-Stelle veranlasste auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
Ostschweiz eine Begutachtung der Versicherten. Am 26. Januar 2005 erstattete das
Medizinische Zentrum Römerhof (MZR), Zürich, das polydisziplinäre Gutachten. Als
Diagnosen gaben die Ärzte an: ein chronifiziertes retropatelläres Schmerzsyndrom bei
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beginnender Retropatellärarthrose, St. n. Kniegelenksarthroskopie mit Knorpelglättung
und einer aktuellen Reizsynovitis im antero-medialen Gelenkspalt; ein chronifiziertes
lumbosakrales Schmerzsyndrom mit Facettengelenks-Symptomatik L5/S1 rechts und
Spondylarthrose L5/S1 beidseits; Überlastung der Tibialis posterior-Sehne links bei
deutlichen Senkfüssen sowie eine leichte depressive Episode mit somatischem
Syndrom. Die Ärzte führten aus, die Versicherte habe über immer wiederkehrende
Kopfschmerzen, über Knie-, Rücken- und Fersenschmerzen geklagt. Die von der
Versicherten geklagten Beschwerden seien ohne weiteres nachprüfbar, es bestehe
eine Mehretagen-Schmerzproblematik, welche die Arbeitsfähigkeit in ihrer Gesamtheit
um 50% einschränke. Zumutbar seien Tätigkeiten zum Beispiel an der Kasse oder in
einer Fabrik, mehrheitlich sitzend, mit der Möglichkeit, gelegentlich aufzustehen und
die Position zu ändern (IV-act. 23).
A.c In der anschliessend veranlassten Arbeitsabklärung vom 20. Juni bis 19. August
2005 ergab sich, dass die Versicherte bei ihrem Einsatz von 50% an die obere Grenze
des kräftemässig Machbaren gelangt war. Ihre Resterwerbsfähigkeit sei in der freien
Wirtschaft nicht verwertbar, weil sie zu langsam und zu wenig konstant arbeite (IV-act.
40). Die IV-Stelle verfügte am 21. November 2005 den Abschluss der
Arbeitsvermittlungsmassnahmen, da die Versicherte sich selbst um eine Arbeitsstelle
bemühen wolle (IV-act. 38 und 49).
A.d Mit Verfügung vom 10. Januar 2006 wurde der Versicherten ab 1. August 2003 eine
halbe Rente zugesprochen. Die Abklärungen hätten ergeben, dass ihr eine
leidensangepasste Tätigkeit zu 50% zumutbar sei. Ohne Behinderung betrage das
zumutbare Erwerbseinkommen Fr. 43'887.--. Mit Behinderung könne sie ein
Einkommen von Fr. 21'944.-- erzielen. Daraus resultiere eine Erwerbseinbusse von
Fr. 21'944.-- beziehungsweise ein Invaliditätsgrad von 50% (IV-act. 54). Die C._-
Pensionskasse zog ihre vorsorglich am 17. Januar 2006 erhobene Einsprache am
1. Februar 2006 zurück (IV-act. 53, 56). Die IV-Stelle teilte der C._-Pensionskasse am
13. Februar 2006 die Beendigung des Einspracheverfahrens mit (IV-act. 58). Die
Verfügung vom 10. Januar 2006 erwuchs damit in Rechtskraft.
A.e Am 14. August 2006 liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter Akteneinsicht
verlangen (IV-act. 61). Nachdem diese gewährt worden war, liess die Versicherte am
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14. September 2006 mitteilen, die Rente sei falsch berechnet worden. Sie habe
gemäss den beiliegenden Lohnabrechnungen von Dezember 2002 und Mai 2003
zuletzt ein Einkommen von Fr. 3'600.-- x 13 zuzüglich C._-Partizipation erzielt. Dies
ergebe ein Valideneinkommen von Fr. 46'800.-- statt Fr. 43'887.--. Auf Grund der
Ergebnisse der Arbeitsabklärung liege das noch erzielbare Einkommen sicher 20%
unter dem hälftigen Einkommen einer voll arbeitsfähigen Hilfsarbeiterin. Ein Teil des
Abzugs sei wegen Teilzeitarbeit, ein Teil wegen vermehrter Pausen, respektive
ständiger Wechseln am Arbeitsplatz, gerechtfertigt. Somit ergebe sich unschwer ein
Invaliditätsgrad von 60% und damit ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente (IV-act. 64).
Am 19. Dezember 2006 und 2. Januar 2007 liess die Versicherte ihr Anliegen erneut
vorbringen und beantragte die Korrektur der rechtskräftigen Verfügung durch eine
Revision/Wiedererwägung (IV-act. 68). Die IV-Stelle teilte dem Rechtsvertreter der
Versicherten am 11. Januar 2007 mit, auf sein Gesuch um Wiedererwägung der
Verfügung vom 18. November 2005 (richtig 10. Januar 2006) werde nicht eingetreten
(IV-act. 70).
A.f Am 1. Oktober 2007 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren ein. Im
Fragebogen gab die Versicherte am 14. November 2007 an, ihr Gesundheitszustand
habe sich seit Mai 2007 verschlechtert. Sie leide auch an Krämpfen, Einschlafen des
Beins und könne nicht lange gehen (IV-act. 73). Der Hausarzt der Versicherten, Dr.
A._, berichtete der IV-Stelle am 26. Februar 2008 unter Beilage verschiedener
Arztberichte, der Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Neu hinzugekommen
seien rezidivierende Kopfschmerzattacken. Diese hätten auch schon zur
notfallmässigen Hospitalisation geführt. Wesentliche neue Befunde hätten allerdings
weder klinisch noch radiologisch beobachtet werden können. Trotzdem würden die
chronischen Schmerzzustände eine Ausübung irgendeiner Tätigkeit verhindern. Die
Versicherte sei sicher seit einem Jahr zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 80). Der RAD gab
in seiner Stellungnahme vom 18. März 2008 an, versicherungsmedizinisch bestünden
keine Hinweise auf objektivierbare Änderungen des Gesundheitszustandes und keine
Anhaltspunkte, dass sich der Gesundheitszustand anhaltend arbeitsfähigkeits-relevant
verändert habe. Schmerzen seien per se Symptome und keine Diagnosen. Die
100%ige Arbeitsunfähigkeit des Hausarztes sei nicht nachvollziehbar (IV-act. 81). Am
19. März 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, ihre Invalidenrente bleibe
unverändert. Bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades habe sich keine Änderung
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ergeben (IV-act. 83). Die Versicherte liess am 26. März 2008 eine ganze oder zumindest
eine Dreiviertelsrente beantragen. Sie bat um den Erlass einer anfechtbaren Verfügung
(IV-act. 84).
A.g Die IV-Stelle betrachtete das Schreiben des Rechtsvertreters der Versicherten vom
26. März 2008 als Erhöhungsgesuch (IV-act. 86). Mit Vorbescheid vom 20. Mai 2008
stellte sie dessen Abweisung in Aussicht. Nach den zur Verfügung stehenden
Unterlagen bestünden keine Hinweise auf objektivierbare Änderungen des
Gesundheitszustandes und keine Anhaltspunkte, dass sich der Gesundheitszustand in
erhöhter Weise auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hätte. Ihr sei weiterhin eine rücken-
und beinadaptierte Tätigkeit (also leichte, wechselbelastende, vorwiegend sitzende
Tätigkeit) in einem 50%igen Arbeitspensum zumutbar. Weil sich der
Gesundheitszustand seit Zusprache der Teilrente nicht verändert habe, liege kein
Revisionsgrund vor. Das zumutbare Einkommen betrage ohne Behinderung pro Jahr
Fr. 44'858.-- und mit Behinderung Fr. 22'429.--. Aus der Gegenüberstellung resultiere
ein Invaliditätsgrad von 50%, beziehungsweise ein Anspruch auf die bisherige Rente.
Das Erhöhungsgesuch werde deshalb abgewiesen (IV-act. 90). Dagegen liess die
Versicherte einwenden, das Validen- und Invalideneinkommen sei falsch berechnet
worden, wie bereits im September 2006 gemeldet worden sei. Zudem habe sich ihr
körperlicher Gesundheitszustand verschlechtert (IV-act. 91). Mit Verfügung vom 2.
September 2008 wies die IV-Stelle das Erhöhungsgesuch ab. Das Valideneinkommen
für Hilfsarbeiterinnen wurde neu auf der Basis der aktuellen schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE 2008) berechnet und auf Fr. 50'881.-- festgesetzt. Das
Invalideneinkommen betrage bei einer weiterhin zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50%
Fr. 25'440.--. Ein Teilzeitabzug sei nicht zu berücksichtigen, weil Teilzeitarbeit von
Frauen im Verhältnis zu einem Vollpensum besser entlöhnt werde. Weil die Versicherte
sodann bereits vor Eintritt der Invalidität leichte Arbeit ausgeführt habe, sei auch kein
Leidensabzug gerechtfertigt. Der Invaliditätsgrad betrage deshalb unverändert 50%
(IV-act. 92).
B.
B.a Gegen diese Verfügung lässt die Versicherte am 2. Oktober 2008 Beschwerde
erheben. Sie beantragt die Ausrichtung mindestens einer Dreiviertels-Rente der IV. Sie
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führt aus, die Ärzte hätten sie mehrheitlich auf Grund ihrer Kniebeschwerden zu 50%
arbeitsunfähig erklärt. Gemäss Abklärungsbericht des Verzahnungsprogramms liege
selbst bei einer sitzenden Position Leistungen von 50% "an der oberen Grenze des
kräftemässig machbaren". Das Valideneinkommen betrage inklusive die C._-
Partizipation sowie angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2007 Fr. 51'182.--.
Das Invalideneinkommen liege auf Grund des Arbeitsversuchs sicher 20% unter dem
hälftigen Einkommen einer voll arbeitsfähigen Hilfsarbeiterin. Ein Teil des Abzugs sei
wegen Teilzeitarbeit, ein Teil wegen vermehrter Pause respektive ständigen Wechseln
am Arbeitsplatz gerechtfertigt (G act. 1).
B.b Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung wurde der
Beschwerdeführerin mit formlosem Zwischenentscheid vom 2. Dezember 2008
bewilligt (G act. 7).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 25. November
2008 die Abweisung der Beschwerde. Anlass der vorliegend angefochtenen Verfügung
sei das vom Rechtsvertreter gestellte Rentenrevisionsgesuch auf Grund eines
angeblich verschlechterten Gesundheitszustandes vom 26. März 2008. Dieser sei in
der Beschwerde nicht weiter geltend gemacht worden. Die Feststellung des Validen-
sowie Invalidenlohnes habe die Beschwerdeführerin bereits mit einem
Wiedererwägungsvorstoss bemängelt. Darauf sei nicht eingetreten worden. Im Rahmen
des Revisionsverfahrens seien diese Elemente überprüft worden. Neu habe man für
das Valideneinkommen auf den aktuellen, für Hilfsarbeiterinnen geltenden Tabellenlohn
abgestellt und einen Betrag von Fr. 50'881.-- ermittelt. Beim Invalideneinkommen habe
man dies ebenso gemacht und die aktenkundige Arbeitsfähigkeit von 50% adaptiert
zugrunde gelegt, was den ermittelten IV-Grad von 50% ergeben habe. Der von der
Beschwerdeführerin geltend gemachte Teilzeitabzug könne praxisgemäss nicht
berücksichtigt werden. Der erhöhte Pausenbedarf sowie die Notwendigkeit von
Positionswechseln seien in der Bestimmung der Arbeitsfähigkeit bereits berücksichtigt
worden. Die angefochtene Verfügung sei deshalb korrekt (G act. 3).
B.d In der Replik vom 8. Januar 2009 hält die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag fest.
In der Beilage reicht sie den Verlaufsbericht ihres Hausarztes vom 26. Februar 2008
ein, wonach sie seit mindestens einem Jahr zu 100% arbeitsunfähig sei, weil neu auch
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rezidivierende Kopfschmerzattacken vorliegen würden. Weil eine Verwertung der
theoretischen Arbeitsfähigkeit, soweit eine solche überhaupt bestehe, praktisch nur in
geschütztem Rahmen möglich sei, sei es auch gerechtfertigt, den Abzug vom
Invalideneinkommen auf das Maximum von 25% festzusetzten (G act. 10).
B.e Die Beschwerdegegnerin hält mit Duplik vom 13. Januar 2009 vollumfänglich an
ihren Ausführungen sowie ihrem Antrag in der Beschwerdeantwort fest (G act. 12).

Erwägungen:
1.
Angefochten ist eine Verfügung, die das im Oktober 2007 von Amtes wegen
eingeleitete Revisionsverfahren abschloss und nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am
1. Januar 2008 ergangen ist. Mangels einer übergangsrechtlichen Norm rechtfertigt es
sich allerdings, für die vor diesem Zeitpunkt massgebenden Verhältnisse (Einleitung
des Rentenrevisionsverfahrens unter altem Recht) die im Folgenden zitierten, bis zum
31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Der Wortlaut des Art. 17 Abs. 1 ATSG ("Ändert sich der Invaliditätsgrad ...")
ist nicht eindeutig, weil er die Revisionsvoraussetzungen allzu verkürzt wiedergibt. Dies
zeigt ein Vergleich mit der Revisionsbestimmung für andere Dauerleistungen in Art. 17
Abs. 2 ATSG, die eine nachträgliche erhebliche Veränderung des der Dauerleistung
zugrunde liegenden Sachverhalts voraussetzt. Darin kommt das Wesen der Revision
zum Ausdruck: Verändert sich der anspruchsbegründende Sachverhalt und damit der
Leistungsbedarf, so muss die laufende Dauerleistung diesem neuen Bedarf angepasst
werden, damit nicht eine ungenügende, überhöhte oder ungerechtfertigte Leistung
ausgerichtet wird. Das bedeutet für die Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG, dass
die Veränderung des Invaliditätsgrads grundsätzlich nur dann revisionsrechtlich
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relevant ist, wenn sie auf eine Veränderung des zugrunde liegenden Sachverhalts
zurückzuführen ist. Eine Veränderung des Invaliditätsgrads, die beispielsweise nur auf
eine abweichende Ermessensausübung bei der Schätzung des sogenannten
"Leidensabzugs" zurückzuführen ist, kann also in aller Regel keine revisionsweise
Erhöhung, Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente rechtfertigen, weil es an
der zwingend notwendigen Veränderung des zugrunde liegenden Sachverhalts
mangelt. Wenn allerdings eine solche Veränderung vorliegt und es zur Revision kommt,
dann kann bei einer Neubemessung des Einkommensvergleichs der Leidensabzug neu
festgelegt werden. Mit anderen Worten, solange der anspruchsbegründende
Sachverhalt unverändert andauert, verhindert der in der formellen Rechtskraft der
ursprünglichen Rentenverfügung verfahrensrechtlich umgesetzte Anspruch auf
Vertrauensschutz beziehungsweise auf subjektive Rechtssicherheit eine Herabsetzung
oder Aufhebung der laufenden Invalidenrente. Umgekehrt verhindert die in der
formellen Rechtskraft der Rentenverfügung verankerte Rechtssicherheit, dass ohne
Veränderung des anspruchsbegründenden Sachverhalts eine Heraufsetzung der Rente
erfolgen muss. Ob und gegebenenfalls in welchem Umfang sich der relevante
Sachverhalt verändert hat, ist durch einen Vergleich des aktuellen Sachverhalts mit
dem Sachverhalt bei der ursprünglichen Rentenzusprache oder gegebenenfalls bei der
letzten auf umfassender Sachverhaltsüberprüfung beruhenden Rentenrevision zu
ermitteln. Streitgegenstand im vorliegenden Rentenrevisionsverfahren kann somit nur
sein, ob seit der Rentenzusprache vom 10. Januar 2006 eine relevante
Sachverhaltsveränderung eingetreten ist, die eine umfassende Überprüfung der
Rentenbemessung rechtfertigt.
2.2 Vorliegend ist die ursprüngliche Rentenzusprache am 10. Januar 2006 rückwirkend
auf den 1. August 2003 erfolgt (IV-act. 54). Diese Verfügung hat sich auf die
Begutachtung der Beschwerdeführerin durch das MZR (Gutachten vom Januar 2005)
abgestützt. Der Verlaufsbericht des Hausarztes vom 26. Februar 2008 (IV-act. 80) stellt
die nächste Grundlage für eine Sachverhaltsüberprüfung seit der ursprünglichen
Rentenzusprache dar. Ein Verlaufsbericht kann in der Regel nicht als eine umfassende
Überprüfung betrachtet werden. Er erlaubt hingegen oftmals, darüber zu befinden, ob
Anlass für weitere medizinische Abklärungen gegeben ist, oder ob die
Rentenzusprache gestützt auf die ursprüngliche Verfügung weiterhin ausgerichtet
werden kann. Dies ist vorliegend zu prüfen.
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2.3 Die Beschwerdegegnerin hat eine Veränderung des relevanten Sachverhalts
verneint. Sie hat dazu auf die Stellungnahme des RAD vom 18. März 2008 verwiesen.
Die Beschwerdeführerin dagegen geht gestützt auf die hausärztliche Einschätzung vom
26. Februar 2008 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus. Die ursprüngliche
Rentenverfügung hat auf die Beurteilung der Ärzte des MZR abgestellt. Diese haben in
ihrem Gutachten vom 26. Januar 2005 sowohl die Beschwerden am Kniegelenk links
als auch die Rückenschmerzen als nachprüfbar bezeichnet. Die Mehretagen-
Schmerzproblematik schränke die Arbeitsfähigkeit um 50% ein. Zumutbar seien leichte
Tätigkeiten, mehrheitlich sitzend, mit der Möglichkeit, gelegentlich aufzustehen und die
Position ändern zu können. Darin sei auch die Einschränkung der Leistungsfähigkeit
aus psychischer Sicht berücksichtigt, da eine leichte depressive Episode vorliege (IV-
act. 18). Der Hausarzt hat in seinem Verlaufsbericht vom 26. Februar 2008 angegeben,
inzwischen seien rezidivierende Kopfschmerzen hinzugekommen. Die gesamte
Schmerzproblematik lasse sich durch Therapien nicht beeinflussen. Wesentliche neue
Befunde hätten allerdings weder klinisch noch radiologisch beobachtet werden
können. Die chronischen Schmerzzustände würden die Arbeitsfähigkeit um 100%
einschränken (IV-act. 80). Die Beschwerdeführerin hat bereits bei der Begutachtung im
MZR über wiederkehrende Kopfschmerzen geklagt, ohne dass diese zusätzlich als
arbeitsfähigkeitsmindernd berücksichtigt worden sind (IV-act. 23-5/19). Die
notfallmässige Abklärung vom 28. August 2006 im Kantonsspital St. Gallen auf Grund
einer Kopfschmerzattacke hat keine objektivierbaren Befunde ergeben (IV-act.
80-5/10). Die Erhöhung der geschätzten Arbeitsunfähigkeit auf 100% ist daher nicht
überwiegend wahrscheinlich, zumal der Hausarzt selbst darauf hingewiesen hat, dass
die geklagten Schmerzen durch keine wesentlichen neuen Befunde hätten objektiviert
werden können. Seine höhere Arbeitsunfähigkeitsschätzung dürfte auf die subjektiv
geklagten Schmerzen der Beschwerdeführerin zurückzuführen sein. Die Gutachter
hingegen haben auch die Zumutbarkeit, trotz der Schmerzen teilweise einer Arbeit
nachgehen zu können, beurteilt. Die Schmerzen im linken Knie sowie im Rücken sind
anlässlich der umfassenden Begutachtung durch das MZR als nachprüfbar bezeichnet
worden. Ein Leidensdruck wurde klar anerkannt und eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 50% attestiert. Bei gleicher Befundlage wie zur Zeit der
Begutachtung der Beschwerdeführerin im Januar 2005 ist eine relevante
Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht überzeugend dargetan. Eine weitere
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Begutachtung drängt sich auf Grund der Aktenlage nicht auf, weil es an objektiven
Hinweisen für eine relevante Veränderung mangelt. Die Beschwerdeführerin ist somit in
einer leidensangepassten Tätigkeit nach wie vor zu 50% als arbeitsfähig zu
quantifizieren.
3.
Für die Bemessung der Invalidität ist die Arbeitsfähigkeit in einer der Behinderung
angepassten Erwerbstätigkeit massgebend. Der Beschwerdeführerin ist weiterhin eine
leidensangepasste Tätigkeit als Hilfsarbeiterin zu 50% zumutbar. Auf dem im
Invalidenversicherungsrecht massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (BGE 134 V
64 E. 4.2.1) sind durchaus Stellen für körperlich leichte Tätigkeiten in ausreichender
Zahl vorhanden (SVR 2003 IV Nr. 11 S. 33 Erw. 2.5). Die Beschwerdeführerin verlangt
nun auf Grund der Teilzeitarbeitsfähigkeit einen zusätzlichen Abzug vom
Invalideneinkommen sowie einen Leidensabzug. Die Beschwerdegegnerin hat in der
angefochtenen Verfügung die Gewährung eines Leidensabzugs verweigert. Bereits in
der ursprünglichen Rentenzusprache ist kein Leidensabzug gewährt worden. Dies ist
nicht zu beanstanden. Weil es im vorliegenden Fall an einer erheblichen nachträglichen
Sachverhaltsänderung und somit an einem Revisionsgrund fehlt, besteht kein Anlass,
auf den der ursprünglichen Verfügung zugrundegelegten Einkommensvergleich
zurückzukommen und beim Invalideneinkommen neu einen Leidensabzug zu
berücksichtigen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 13. Mai 2004; I 366/2003, E.
3). Der Invaliditätsgrad beträgt daher weiterhin 50%. Die Verfügung vom 2. September
2008 ist somit rechtmässig.
4.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seinem Schreiben vom 26. März
2008 die Korrektur des falschen Einkommensvergleichs verlangt und dabei auf sein
Schreiben vom 14. September 2006 verwiesen (IV-act. 86). Die Beschwerdegegnerin
hat dies als Erhöhungsgesuch im Rahmen eines Rentenrevisionsverfahrens interpretiert
und das Erhöhungsgesuch in der Folge abgewiesen. Wie aus der Beschwerdeschrift
und auch der Korrespondenz mit der Beschwerdegegnerin klar hervorgeht, wollte die
Beschwerdeführerin wiederum, wie bereits im September 2006, die ursprüngliche
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Verfügung korrigieren lassen und gestützt auf eine neue Invaliditätsbemessung
mindestens eine Dreiviertelsrente zugesprochen erhalten. Dies stellt wiederum ein
Wiedererwägungsgesuch dar. Die Beschwerdegegnerin ist darauf implizit nicht
eingetreten, was nicht zu beanstanden ist.
5.
5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in
der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge der am 2. Dezember 2008 bewilligten
unentgeltlichen Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien. Der Staat ist
zufolge der ebenfalls am 2. Dezember 2008 bewilligten unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die Kosten der Rechtsvertretung der
Beschwerdeführerin aufzukommen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dem
unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20% reduziertes Honorar zusteht (vgl.
Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Die Parteientschädigung bemisst
sich gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich eine
Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Gekürzt um 20% beträgt sie Fr. 2'400.--. Wenn die wirtschaftlichen
Verhältnisse es gestatten, kann die Beschwerdeführerin jedoch zur Rückzahlung der
vom Staat entschädigten Gerichts- und Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs.
1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG