Decision ID: 65f56940-b934-501a-b12b-25b874748f6e
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Barbara Wyler, Wyler Koch Rechtsanwälte,
Zürcherstrasse 310, Postfach 1011, 8501 Frauenfeld,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Renteneinstellung (Wiedererwägung) und unentgeltliche Rechtsverbeiständung
im Verwaltungsverfahren
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 26. Oktober/1. November 2001 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (Umschulung und Rente) an. Sie sei Mutter von x Kindern, davon
zwei noch minderjährig, und sei 1987 in die Schweiz gekommen. Seit Juni 1996 sei sie
bei der gegenwärtigen Arbeitgeberin angestellt (Hausdienstleiterin in einem H._). Sie
leide an Rheuma, Abnützung des Rückens und Stress (IV-act. 1). Gemäss der
Arbeitgeberbescheinigung hatte sie seit 1998 eine Arbeitszeit von 40 Stunden pro
Woche (IV-act. 6). Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, bezeichnete im IV-
Arztbericht vom 31. Dezember 2001 als Diagnosen ein chronisches
Panvertebralsyndrom, ein Fibromyalgie-Syndrom und eine reaktive depressive
Entwicklung und attestierte der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab 16.
November 2000 wegen reduzierter Belastbarkeit sowohl für die Tätigkeit im Hausdienst
als auch für Fabrikarbeit oder für andere körperlich leichte und wechselbelastende
Tätigkeiten (IV-act. 5-1 bis 4). Dr. med. C._, FMH Physikalische Medizin, hatte ihm
am 10. September 2001 (IV-act. 5-5 ff.) berichtet, es lägen (erstens) ein chronisches
panvertebrales Schmerzsyndrom bei leichten degenerativen Veränderungen und
mehrsegmentalen Dysfunktionen, (zweitens) eine Schmerzfehlverarbeitung mit
Symptomausweitung bei diversen sozialen Problemen und (drittens) multiple
weichteilrheumatische Beschwerden mit PHS, lateraler Epicondylitis rechts und
Periarthrosis coxae beidseits vor. Aus rheumatologischer Sicht bestehe für eine leichte
Arbeit keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der aktuellen
Gesamtsituation mit der psychischen Dekompensation empfehle er aber, die
Versicherte vorderhand lediglich zu 50 % arbeitsfähig zu schreiben. Wenn sich die
psychische Situation stabilisiert habe, sei allenfalls eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
auf 100 % ins Auge zu fassen. Mit Verfügung vom 14. August 2002 sprach die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten ab
1. November 2001 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50 % zu (IV-act. 15
bis 21). - Spätere Verfügungen ergingen wegen der Kinderrenten.
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B.
Am 7. Dezember 2004 (IV-act. 29) stellte die Versicherte ein Gesuch um Renten
erhöhung, da sich ihr allgemeiner Gesundheitszustand seit einem Autounfall am
17. Oktober 2003 dramatisch verschlechtert habe. Sie leide an Schmerzen im Bereich
des Nackens und des Kopfes, an Depressionen, einem Schleudertrauma und weiteren
Leiden gemäss angegebenen Diagnosen. Die IV-Stelle veranlasste nach weiteren
Abklärungen eine Begutachtung bei der MEDAS Zentralschweiz. In deren Gutachten
vom 6. Juli 2006 wurden keine Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit gestellt (IV-act. 55). Als Diagnosen ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurden eine rezidivierende depressive Störung
(gegenwärtig in Remission), ein panvertebrales Schmerzsyndrom (mit leichter Fehlform/
Fehlstatik der Wirbelsäule, leichtgradigen, weitgehend dem Alter entsprechenden
degenerativen Veränderungen sowie Status nach wahrscheinlicher, leichtgradiger
Distorsion der Halswirbelsäule), anamnestisch eine arterielle Hypertonie ohne
Behandlung, ein Nikotinabusus sowie eine Adipositas (BMI 31) festgestellt. Als
Nebenbefund wurde unter anderem eine chronische Cephalea vom Spannungstyp
diagnostiziert. Die bisherige leichte körperliche Tätigkeit als Hausdienstmitarbeiterin sei
der Versicherten ab dem Datum der Schlussbesprechung (2. Mai 2006) zumutbar. Die
IV-Stelle verfügte am 29. Mai 2007 die Einstellung der Arbeitsvermittlung und die
Abweisung des Rentenerhöhungsgesuchs (IV-act. 74 f.). - Die Versicherte liess
dagegen beschwerdeweise ab Dezember 2004 eine ganze Rente beantragen,
ausserdem zusätzliche medizinische Abklärungen. Die IV-Stelle beantragte die
Abweisung der Beschwerde. Am 14. August 2008 machte die Versicherte ausserdem
eine Verschlechterung des psychischen Zustands seit der Erstellung des MEDAS-
Gutachtens geltend. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies die
Beschwerde am 5. November 2008 (IV-act. 132) ab. Der Gesundheitszustand der
Versicherten habe sich zwischen dem 14. August 2002 und dem 29. Mai 2007 nicht
wesentlich verändert, sicherlich nicht verschlechtert. Im MEDAS-Gutachten werde
mehrfach ausdrücklich bestätigend auf die früheren Befunde von Dr. C._ verwiesen.
Einzig in psychiatrischer Hinsicht werde von einem verbesserten Zustand
ausgegangen, da sich die Depression unter Behandlung zurückgebildet habe. Jedoch
habe sich die frühere Annahme einer reaktiven Depression nicht auf fachärztliche
Abklärungen gestützt, sondern offensichtlich auf die Berichte von Dr. B._ und von Dr.
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C._. Wo früher von einer reaktiven depressiven Entwicklung ausgegangen worden
sei, habe im Zeitpunkt der MEDAS-Begutachtung nur noch eine rezidivierende
depressive Störung, in Remission, festgestellt werden können. Bei der Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit weiche die Gesamtbeurteilung des MEDAS-Gutachtens erheblich
von der früheren Annahme einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab. Dabei handle es sich
bei in etwa gleich gebliebenen Befunden um eine bloss unterschiedliche Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts.
C.
C.a Am 8. September 2008 (IV-act. 126) hatte die Versicherte (für den Fall, dass das
Beschwerdeverfahren zu ihren Ungunsten ausgehen sollte) ein weiteres Anpassungs
gesuch (Rentenerhöhung) stellen und den schon im Beschwerdeverfahren einge
reichten Bericht von Dr. med. D._, Departement Innere Medizin/Psychosomatik am
Kantonsspital St. Gallen, vom 11. August 2008 (IV-act. 123) beilegen lassen. Der Arzt
hatte dargelegt, es sei von einer chronifizierten Depression auszugehen, gegenwärtig
liege mindestens eine mittelschwere depressive Symptomatik bei rezidivierender
depressiver Störung vor. Nach tagesklinischer Behandlung und Wiedereingliederung an
einen geschützten Arbeitsplatz bestehe eine Präsenz von maximal 50 %. Die
Arbeitsfähigkeit betrage insgesamt höchstens 25 %, bei wesentlicher Besserung der
Depression könne allenfalls eine höhere Arbeitsfähigkeit angenommen werden.
C.b Mit Schreiben vom 11. November 2008 (IV-act. 133) stellte Rechtsanwältin Dr. iur.
Barbara Wyler für die Versicherte ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
in dem nun an die Hand zu nehmenden Verwaltungsverfahren.
C.c Am 4. Dezember 2008 (IV-act. 135) reichte sie Zeugnisse von Dr. B._ vom
14. November 2008 und von Dr. med. E._, Fachärztin für Psychotherapie und
Psychotherapie, vom 2. Dezember 2008 ein. In einem IV-Arztbericht vom 27. Februar
2009 (IV-act. 138) bezeichnete Dr. E._ dann als Diagnose eine chronifizierte de
pressive Störung (mittelgradige Episoden bei rezidivierender depressiver Störung), DD
Dysthymie, daneben bestünden eine langdauernde Schmerzstörung und eine An
passungsstörung mit langdauernder depressiver Reaktion. Die Versicherte fühle sich
nicht in der Lage zu arbeiten. Dr. B._ gab im IV-Arztbericht vom 9. März 2009 (IV-
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act. 140) bekannt, die Versicherte sei bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Es
lägen eine chronische reaktive Depression und ein chronisches Panvertebralsyndrom,
therapierefraktär, vor. Daraufhin veranlasste die IV-Stelle eine Verlaufsbegutachtung.
C.d Im Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 19. August 2009 (IV-act. 146)
wurde keine Diagnose mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gestellt. Ohne
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seien ein panvertebrales Schmerzsyndrom (mit
leichter Fehlform/Fehlstatik der Wirbelsäule und kernspintomographisch kleiner, nicht
kompressiver Diskushernie C3/4, MRT-Befund vom 16.02.2007), ein generalisiertes
Weichteilschmerzsyndrom, klinisch als Fibromyalgie imponierend, eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, anamnestisch bekannte
rezidivierende depressive Episoden, eine breitspektral verminderte mentale
Leistungsfähigkeit multifaktorieller Genese, arterielle Hypertonie, Nikotinabusus und
Adipositas. Als Nebenbefunde wurden ein Status nach beidseitiger Periarthritis
humeroscapularis und ein Status nach Epikondylopathia lateralis rechts erwähnt. Die
Tätigkeit als Hausdienstleiterin im H._ sei der Versicherten nach wie vor zumutbar.
Jede körperlich leichte bis etwa hälftig mittelschwere Tätigkeit wäre ihr ebenfalls in
einem Vollzeitpensum zumutbar. Nicht geeignet seien hingegen Tätigkeiten mit
ergonomisch ungünstigen Körperpositionen, mit Heben und Tragen von Gewichten
über 15 kg und mit Arbeiten in der Kälte.
C.e Nach Einreichen weiterer ärztlicher Berichte am 16. März 2010 (IV-act. 152) und
Stellungnahmen des RAD (hierzu IV-act. 155; zur Wiedererwägungsfrage IV-act. 150)
stellte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten am 9. Dezember 2010
(IV-act. 161 f.) eine Abweisung ihres Anpassungsgesuchs in Aussicht. Ein
Revisionsgrund sei nicht ausgewiesen. Der Invaliditätsgrad von 50 % begründe
weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente.
C.f Am 14. Dezember 2010 hielt die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle in einer
Stellungnahme (IV-act. 163) fest, nach der Rechtsprechung reiche inzwischen für eine
Wiedererwägung eine ungenügende Abklärung des Sachverhalts bei der
ursprünglichen Verfügung aus. Da dies vorliegend der Fall gewesen sei, seien die
Verfügungen in Wiedererwägung zu ziehen.
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C.g Die Versicherte liess am 27. Januar 2011 (IV-act. 164) gegen den Vorbescheid
vom 9. Dezember 2010 einwenden, es sei ihr rückwirkend ab März 2009 eine ganze
Invalidenrente auszurichten. Weitere Arztzeugnisse würden folgen. - Am 29. Juli 2011
(IV-act. 165) reichte die Rechtsvertreterin der Versicherten einen Bericht von Dr. med.
F._, Spezialärztin Neurologie FMH, vom 7. März 2011 (IV-act. 166) ein. Danach liegt
ein cervicocephales und brachiales Schmerzsyndrom rechts vor (mit anhaltenden
chronischen Kopfschmerzen, überlagert von einer mittelschweren kognitiven
Funktionsstörung bei schwerer depressiver Begleitsymptomatik und bekannter
Schmerzverarbeitungsstörung/somatoformer Schmerzstörung). Derzeit könne von einer
Arbeitsunfähigkeit aus neurologischer Sicht von 20 % ausgegangen werden. - Der RAD
hielt am 16. Dezember 2011 (IV-act. 167) dafür, neue Fakten seien nicht bekannt
geworden. - Mit einem neuen Vorbescheid vom 2. August 2012 (IV-act. 170 f.) gab die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle bekannt, sie sehe eine wiedererwägungsweise
Aufhebung der Verfügung vom 14. August 2002 und eine Aufhebung der Rente auf das
Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats hin vor. - Die Versicherte
erklärte am 15. August 2012 (IV-act. 172), sie sei damit nicht einverstanden. Ihre
Rechtsvertreterin beantragte mit Einwand vom 13. September 2012 (IV-act. 174), der
Versicherten sei ab Oktober 2012 weiterhin eine halbe Rente auszurichten. Die
Voraussetzungen einer Wiedererwägung seien nicht erfüllt; sie sei nicht zulässig. Seit
der gerichtlichen Überprüfung habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten
verschlechtert.
C.h Mit Verfügung vom 23. November 2012 (IV-act. 179) hob die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen die Verfügung vom
14. August 2002 wiedererwägungsweise auf und stellte die Rente auf das Ende des der
Zustellung der Verfügung folgenden Monats hin ein. Einer allfälligen Beschwerde werde
die aufschiebende Wirkung entzogen.
D.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin Dr. Wyler für die Betroffene
am 11. Januar 2013 erhobene Beschwerde (IV 2013/19). Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin sei ab Februar 2009 eine ganze Invalidenrente, eventuell
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mindestens ab Januar 2013 weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten. Die
Sache sei zwecks zusätzlicher medizinischer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, jedoch mit der Auflage, dass die Beschwerdeführerin auf jeden Fall
weiterhin auch ab Januar 2013 mindestens Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
habe. Ausserdem sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und
Verbeiständung zu bewilligen. Die Verfügung vom 14. August 2002 sei nicht nur von
der Beschwerdegegnerin mehrfach revidiert und überprüft worden, sondern auch vom
Versicherungsgericht. Sie habe dabei standgehalten, auch nach der Begutachtung der
MEDAS Zentralschweiz vom Jahr 2006. Der RAD habe den Invaliditätsgrad von 50 %
damals für gerechtfertigt gehalten. Die Verfügung sei gutachterlich und gerichtlich
bestätigt worden. Darüber dürfe sich die Verwaltung nicht hinwegsetzen. Das
Gutachten von 2006 habe ausserdem die ursprüngliche medizinische Beurteilung des
Gesundheitszustands ausdrücklich bestätigt. Weder sei der Verfügung ein
unzutreffender Sachverhalt zugrunde gelegt worden noch sei die Rechtsanwendung
falsch gewesen. Die damalige Beurteilung der Anspruchsvoraussetzungen sei absolut
vertretbar gewesen. Der Nachweis, dass kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit
bestehe, gelinge der Beschwerdegegnerin nicht, zumal sie einen
Wiedererwägungsgrund im Bereich der materiellen Anspruchsvoraussetzungen geltend
mache. Gemäss dem Vorbescheid vom 9. Dezember 2010 sei die Beschwerdegegnerin
damals von einem Anspruch auf eine halbe Rente ausgegangen. Seit der gerichtlichen
Überprüfung habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht
gebessert. Im Gegenteil habe er sich gemäss den Arztberichten der Klinik für
Neurologie am Kantonsspital St. Gallen vom 29. Januar 2008 und von Dr. D._ vom
11. August 2008 verschlechtert. Es sei ferner auf eine Reihe weiterer Arztzeugnisse aus
der Zeit zwischen dem 11. Februar 2011 und dem 18. Dezember 2012 zu verweisen.
Die Beschwerdeführerin leide an Osteoporose im LWS-Bereich, Osteopenie am
Schenkelhals und Vorderarm links, weiteren Rückenproblemen nach Morbus
Scheuermann, Hörproblemen und Magenproblemen, weiter an psychischen Problemen
mit mittelschweren kognitiven Funktionsstörungen, nämlich mittelschweren Störungen
der Informationsaufnahme und des Arbeitsgedächtnisses. Ob sich seit September
2008 eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ergeben habe, sei nicht genug
abgeklärt worden, denn das Gutachten von 2009 sei für die Beurteilung mit Verfügung
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im November 2012 zu alt. - Am 5. März 2013 reicht die Beschwerdeführerin weitere
Arztzeugnisse ein.
E.
Am 6. Dezember 2012 (IV-act. 184) hatte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der
Rechtsvertreterin der Versicherten mitgeteilt, auf das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Anhörungsverfahren werde aufgrund der finanziellen
Verhältnisse nicht eingetreten. Mit der Verfügung vom 7. Januar 2013 (IV-act. 186)
hatte sie in der Folge das Gesuch abgewiesen. Bei einem anrechenbaren Einkommen
von Fr. 5'375.-- und Ausgaben von Fr. 2'164.-- (wohl: Fr. 3'211.--) ergebe sich ein
Überschuss von Fr. 2'164.--.
F.
Gegen diese (Zwischen-) Verfügung vom 7. Januar 2013 betreffend unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren richtet sich die von Rechtsanwältin
Dr. Wyler für die Betroffene am 11. Februar 2013 erhobene Beschwerde (IV 2013/68).
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei für das Vorbescheidsverfahren die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung einzuräumen, die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, sie (die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin) mit Fr. 2'949.30 zu
entschädigen, und für das Verfahren sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Prozessführung und Verbeiständung zu gewähren. Massgebend seien die wirtschaft
lichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch. Das Erwerbsein
kommen des Ehemannes betrage Fr. 4'362.85. Die Beschwerdeführerin habe seit
Januar 2013 kein Renteneinkommen mehr. Der Grundbetrag für das Ehepaar mache
Fr. 1'700.-- aus, dazu komme für die Ermittlung des erweiterten Notbedarfs ein
Zuschlag von rund 25 % (prozessualer Bedürftigkeitszuschlag). Die Ausgabe für die
Miete mache Fr. 668.--, für die Krankenkasse Fr. 294.-- und Fr. 282.35, für die Hausrat-
und Haftpflichtversicherung Fr. 25.--, für den Arbeitsweg des Ehemannes Fr. 204.30,
für seine auswärtige Verpflegung Fr. 260.40 und für Steuern Fr. 360.-- aus. Zusammen
ergebe sich ein Betrag von Fr. 4'295.--. Es sei von Bedürftigkeit auszugehen.
Vorliegend habe ausserdem ein besonders starker Eingriff in die Rechtsstellung der
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Beschwerdeführerin gedroht, nämlich die gänzliche Einstellung der Rente, wie sie
mittlerweile erfolgt sei. Die Beschwerdeführerin könne sich schriftlich in Deutsch nicht
ausdrücken und sei rechtlich völlig unerfahren. Ausserdem sei sie psychisch stark
angeschlagen. Sie sei überfordert gewesen, sich im Rahmen des
Vorbescheidsverfahrens zu wehren, und es sei um komplexe tatsächliche und
rechtliche Fragen (Wiedererwägung) gegangen. Der Einwand und die Beschwerde
seien auch nicht aussichtslos. Die Honorarnote vom 11. Februar 2013 umfasst
Tätigkeiten im Zeitraum zwischen dem 6. August 2012 und dem 10. Januar 2013.
G.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 15. April 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der beiden Beschwerden. Eine offenkundige Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes liege etwa vor, wenn die ursprüngliche Rentenzusprechung
ohne gutachterliche Abklärung des Gesundheitszustands allein aufgrund der
hausärztlichen Angaben erfolgt sei. Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen
Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit beruhende Invaliditätsbemessung sei
nicht rechtskonform und die entsprechende Verfügung sei zweifellos unrichtig im
wiedererwägungsrechtlichen Sinn. Die Durchführung eines oder mehrerer
Revisionsverfahren schliesse eine Wiedererwägung der formell rechtskräftigen
Verfügung vom 14. August 2002 nicht aus. Auch das Vorliegen eines
Gerichtsentscheids zu den Revisionsvoraussetzungen stehe einer Wiedererwägung
nicht entgegen. Die Prüfung beschränke sich dort nämlich auf die Frage, ob eine
erhebliche Veränderung des Invaliditätsgrads eingetreten sei. Die Wiedererwägung
diene hingegen der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung
einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinn der Würdigung des Sachverhalts.
Gerade in Fällen, da die Voraussetzungen einer Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG
nicht erfüllt seien, könne jederzeit auf formell rechtskräftige Verfügungen zurück
gekommen werden, wenn sie zweifellos unrichtig seien und ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung sei. Die Zusprechung der Rente sei aufgrund der Angaben des
behandelnden Rheumatologen und des Hausarztes erfolgt, wobei als Diagnose eine
reaktive depressive Entwicklung bescheinigt worden sei. Eine nachvollziehbare (fach-)
ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit habe nicht bestanden, zumal keine
fachärztlich diagnostizierte psychische Störung mit Krankheitswert vorgelegen habe.
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Es habe an der Voraussetzung für die Anerkennung einer psychisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit gemäss BGE 127 V 294 E. 4c gefehlt. Die Verfügung sei von
vornherein nicht rechtskonform und somit im wiedererwägungsrechtlichen Sinn
zweifellos unrichtig gewesen. Gemäss dem überzeugenden und beweiskräftigen
MEDAS-Gutachten vom 19. August 2009 stehe fest, dass die Beschwerdeführerin in
einer leichten bis gelegentlich mittelschweren Erwerbstätigkeit zu 100 % arbeitsfähig
sei. Die Einstellung der halben Rente sei daher nicht zu beanstanden. Bei der
Berechnung der Einnahmen im Hinblick auf eine allfällige Bedürftigkeit sei nur das
durchschnittliche Erwerbseinkommen des Ehemannes der Beschwerdeführerin von
Fr. 4'385.-- zu berücksichtigen. Bei den Ausgaben sei der Grundbetrag von Fr. 1'780.--
samt dem prozessualen Bedürftigkeitszuschlag von Fr. 445.-- einzusetzen. Dazu
kämen die Wohnungsmietkosten einschliesslich Nebenkosten von Fr. 668.--, die
Prämien für die Hausrat- und Haftpflichtversicherung von Fr. 25.-- und die
Krankenkassenprämien für die obligatorische KVG-Versicherung von je Fr. 249.--
abzüglich der Individuellen Prämienverbilligung (2011: kein IPV-Anspruch). Die
Ausgaben für die auswärtige Verpflegung seien auf monatlich Fr. 217.-- zu veran
schlagen. Als Wegkosten im Zusammenhang mit der Berufsausübung seien gemäss
den Angaben der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin Fr. 260.40 (5.9 km à
Fr. 0.80 x 2 x 21.7) zu berücksichtigen. Die Ausgaben machten somit Fr. 3'893.40 aus.
Eine Bedürftigkeit sei zu verneinen. Eine Prüfung der weiteren Voraussetzungen
erübrige sich.
H.
Am 5. Februar 2013 hat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin das Gesuchs
formular für die unentgeltliche Rechtspflege samt Beilagen eingereicht. - Am 19. April
2013 entsprach die Gerichtsleitung dem Gesuch der Beschwerdeführerin um
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) in beiden Beschwerdeverfahren.
I.
Mit Replik vom 18. Juni 2013 in beiden Verfahren bringt die Rechtsvertreterin der Be
schwerdeführerin vor, zweifellos unrichtig sei eine Verfügung, wenn kein vernünftiger
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Zweifel an der Unrichtigkeit möglich sei. Es dürfe nur ein einziger Schluss möglich sein.
Die Wiedererwägung dürfe nicht zu einer voraussetzungslosen Überprüfung
zugesprochener Leistungen führen. Erscheine die Beurteilung als vertretbar, scheide
die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Dass die Berichte der behandelnden Ärzte
ursprünglich nicht in Zweifel gezogen worden seien, dass man ohne gutachterliche
Überprüfung darauf abgestellt habe und dass für die psychische Beeinträchtigung kein
Facharzt beigezogen worden sei, sei damals nicht ungewöhnlich und absolut vertretbar
gewesen. Es sei nirgends vorgeschrieben (gewesen), welche Abklärungen
vorzunehmen seien. Das ATSG als Richtlinie habe noch nicht existiert. Der von der
Beschwerdegegnerin angerufene BGE 127 V 294 E. 4c bestätige ihre Behauptung
gerade nicht. Zu berücksichtigen sei, dass Dr. B._ als sehr erfahrener Arzt die
Beschwerdeführerin schon seit 1990 - bei Rentenzusprechung also bereits seit zwölf
Jahren - behandelt und sie ausserordentlich gut gekannt habe. Die Diagnose der
reaktiven depressiven Entwicklung habe er nicht nur auf Empfehlung von Dr. C._ hin
angegeben. Vielmehr habe er bereits - ohne Besserung - Deanxit und Saroten
eingesetzt gehabt. Beide Ärzte hätten im Übrigen korrekte physische und
psychiatrische Diagnosen gestellt, die bis anhin unverändert bestünden, wie der
neueste vorliegende (und eingereichte) Austrittsbericht des Spitals G._ vom 31. Mai
2013 zeige. Die Leiden seien inzwischen viel ausgeprägter und es seien neue
Diagnosen dazugekommen, zum Beispiel seit Ende 2012 die Osteoporose im LWS-
Bereich. Dass die Beschwerdeführerin in langjähriger psychiatrischer Behandlung sei
und unter chronischer Depression leide, zeige auch das neueste Arztzeugnis von
Dr. E._ vom 13. Juni 2013. Während zehn Jahren habe die Beschwerdegegnerin
selber die Berichte von Dr. B._ und Dr. C._ nicht in Zweifel gezogen. Für die Frage
der Wiedererwägung sei einzig auf die Verhältnisse und den Wissensstand bei Erlass
der ursprünglichen Verfügung abzustellen. Die Gutachten der MEDAS stellten somit
von vornherein keinen Anlass zur Wiedererwägung (sondern allenfalls für eine
prozessuale Revision, Bundesgerichtsentscheid 8C_517/07 E. 4.1, letzter Satz) dar.
Selbst wenn die Verfügung in Wiedererwägung gezogen werden könnte, wäre der
Beschwerdeführerin, die bald [>55] Jahre alt werde und mehr als eine Dekade lang die
Rente bezogen habe und vom Arbeitsmarkt abwesend gewesen sei, nicht mehr
möglich und zumutbar, eine allfällige Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
zu verwerten. Der Grundbetrag samt Zuschlag mache Fr. 2'125.-- aus (125 % von
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Fr. 1'700.--). Eine juristische Laiin mit Migrationshintergrund wie die Be
schwerdeführerin könne die komplexe schweizerische Rechtsprechung nicht kennen.
J.
Die Beschwerdegegnerin hat am 25. Juni 2013 auf die Erstattung einer Duplik ver
zichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Mit der im Beschwerdeverfahren IV 2013/19 angefochtenen Verfügung vom
23. November 2012 hat die Beschwerdegegnerin die ursprüngliche, eine halbe Rente
zusprechende Verfügung vom 14. August 2002 in Wiedererwägung gezogen und den
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin mit dieser Begründung (d.h. weil noch nie ein
Rentenanspruch bestanden habe) für die Zukunft aufgehoben.
1.2 Der Sachverhalt, der mit der nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision vom 1. Januar
2008 erlassenen Verfügung zu beurteilen war, reicht in eine Zeit vor dieser Gesetzes
revision zurück. Die Rechtslage bezüglich der Invaliditätsbemessung ist indessen un
verändert geblieben. Eine Wiedererwägung der Verfügung vom 14. August 2002 ex
tunc beträfe allerdings auch die bis 31. Dezember 2003 gültig gewesenen Rentenab
stufungen.
1.3 Die Beschwerdeführerin bezieht gemäss der formell rechtskräftigen Verfügung vom
14. August 2002 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50 %. Mit Verfügung
vom 29. Mai 2007 war ein von ihr gestelltes Anpassungsgesuch abgelehnt worden; ihre
Beschwerde dagegen war abgewiesen worden. Der Gerichtsentscheid hatte sich allein
mit der Frage nach der Rechtfertigung der beantragten Anpassung der verfügten
Dauerleistung an allfällige nachträgliche Änderungen im Sachverhalt zu befassen. Da
ein Revisionsgrund nicht ausgewiesen war, blieb es bei der formell rechtskräftig
zugesprochenen Rente. Die (auch gerichtliche) Behandlung des Anpassungsgesuchs
als solche steht einer Wiedererwägung der Verfügung der ursprünglichen
Leistungszusprache nicht grundsätzlich im Weg. Am 8. September 2008 hatte die
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Beschwerdeführerin ein weiteres Rentenerhöhungsgesuch stellen lassen. Die
Beschwerdegegnerin hatte einen Revisionsgrund nach Art. 17 ATSG gemäss einem
ersten Vorbescheid für nicht ausgewiesen erachtet; der Invaliditätsgrad von 50 %
begründe weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente. In der Folge verfügte sie die
strittige Wiedererwägung mit Aufhebung der Rente für die Zukunft. Mit dieser
Aufhebung ex nunc hat die Beschwerdegegnerin eigentlich zwei Entscheide gefällt,
nämlich erstens, dass beim erstmaligen Verfügungserlass gar kein Rentenanspruch
bestanden hat, und zweitens, dass das Anpassungsgesuch vom 8. September 2008,
das bei gerechtfertigter Wiedererwägung als Neuanmeldung zu betrachten gewesen
wäre, abgelehnt wird. Zum Streitgegenstand gehört auch, ob die verfügte Aufhebung
der Rente für die Zukunft durch eine Sachverhaltsänderung und Anpassung
ausgewiesen sei oder eine Anpassung wie beantragt eine Erhöhung der Rente zu
begründen vermöge.
2.
2.1 Für die Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung im Sinn der Wieder
erwägung ist vorausgesetzt, dass sich die Verfügung vom 14. August 2002 als
zweifellos unrichtig erweist. Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger
auf formell rechtskräftige Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig
sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die Wiedererwägung
dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung (unter Einschluss
unrichtiger Feststellung im Sinn der Würdigung des Sachverhalts; BGE 117 V 8,
Bundesgerichtsentscheid i/S S. vom 14. April 2009, 9C_1014/08). Die Wiedererwägung
fällt nur in Betracht, wenn es um die Korrektur grober Fehler der Verwaltung geht.
Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass
die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die
Unrichtigkeit der Verfügung - denkbar. Zurückhaltung ist bei der Annahme zweifelloser
Unrichtigkeit stets dann geboten, wenn der Wiedererwägungsgrund eine materielle
Anspruchsvoraussetzung betrifft, deren Beurteilung massgeblich auf Schätzungen oder
Beweiswürdigung und damit auf Elementen beruht, die notwendigerweise
Ermessenszüge aufweisen. Eine vor dem Hintergrund der seinerzeitigen Rechtspraxis
vertretbare Beurteilung der (invaliditätsmässigen) Anspruchsvoraussetzungen kann
nicht zweifellos unrichtig sein (Bundesgerichtsentscheid i/S S. vom 30. Oktober 2012,
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9C_396/12; vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S Q. vom 17. August 2009, 8C_1012/08).
Eine Reduktion der Rente unter dem Titel der Wiedererwägung kann nur bei
Unvertretbarkeit der ursprünglichen Rentenzusprache erfolgen, drohte die
Wiedererwägung ansonsten doch in einer Vielzahl langjähriger
Rentenbezugsverhältnisse zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung zu
werden, was sich mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit formell zugesprochener
Dauerleistungen nicht vertrüge (Bundesgerichtsurteil i/S M. vom 28. Juli 2011,
8C_962/10).
2.2 Die ursprüngliche, eine Leistung zusprechende Verfügung war auf die ärztlichen
Angaben von Dr. C._ und Dr. B._ gestützt. Der Facharzt für Physikalische Medizin,
Dr. C._, hatte berichtet, die Beschwerdeführerin leide an einem chronischen
panvertebralen Schmerzsyndrom und habe multiple weichteilrheumatische Probleme.
Nennenswerte degenerative Veränderungen hätten nicht gefunden werden können.
Das Verhalten der Beschwerdeführerin sei inadäquat. Offensichtlich komme es
zunehmend zu einer erheblichen Fehlverarbeitung der Beschwerden mit
Symptomausweitung. Es bestünden erhebliche familiäre und wahrscheinlich auch
psychosoziale Probleme. Die Arbeitsfähigkeit sei aus rheumatologischer Sicht nicht
beeinträchtigt. Die Empfehlung einer reduzierten Arbeitsfähigkeit von 50 % hatte der
Arzt aufgrund der aktuellen Gesamtsituation mit psychischer Dekompensation
abgegeben. Wenn sich die psychische Situation stabilisiert habe, könne allenfalls eine
Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % ins Auge gefasst werden. 50 %
Arbeitsfähigkeit sollten aber in jedem Fall aufrecht erhalten bleiben können. Dr. B._,
welcher die Beschwerdeführerin seit 1990 behandelte, hatte ihr wegen reduzierter
Belastbarkeit ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bescheinigt. Er war nicht von
einer Schmerzfehlverarbeitung mit Symptomausweitung, sondern von einer reaktiven
depressiven Entwicklung ausgegangen. Die Arbeitsunfähigkeit war damals somit mit
psychiatrischen Faktoren begründet worden. Beide Ärzte sind aber keine Fachärzte der
Psychiatrie. Das Einholen einer fachärztlichen Beurteilung und
Arbeitsunfähigkeitsschätzung ist allerdings nicht in jedem Fall erforderlich. Der Verzicht
darauf macht die ursprüngliche Verfügung nicht ohne weiteres zweifellos unrichtig.
Überzeugende Berichte behandelnder Ärzte können eine ausreichende Grundlage der
Invaliditätsbemessung bilden. Nach der jüngeren Rechtsprechung (BGE 130 V 352
E. 2.2.2) setzt die Anerkennung einer psychisch bedingten Invalidität unter anderem
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voraus, dass ein psychisches Leiden von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung
und Dauer fachärztlich ausgewiesen ist. Bei der Beurteilung, ob eine Wiedererwägung
wegen zweifelloser Unrichtigkeit zulässig sei, ist allerdings vom Rechtszustand
auszugehen, wie er im Zeitpunkt des Verfügungserlasses bestanden hat, wozu auch
die seinerzeitige Rechtspraxis gehört; eine Praxisänderung vermag kaum je die frühere
Praxis als zweifellos unrichtig erscheinen zu lassen (BGE 117 V 8). Die Rechtsprechung
gemäss BGE 130 V 352 bildet denn auch nicht Anlass für eine wiedererwägungsweise
Abänderung einer Rentenverfügung (BGE 135 V 201). Sowohl Dr. B._ wie Dr. C._
hatten darin übereingestimmt, dass bei der Beschwerdeführerin eine psychiatrisch
bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorlag. Die Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit mit 50 % war nachvollziehbar begründet worden. Dr. C._ hatte
abgewogen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der zum damaligen Zeitpunkt
festgestellten psychischen Dekompensation einerseits mit einer vollen Arbeitstätigkeit
überfordert gewesen wäre und dass eine volle Abwesenheit von der Arbeit für sie
anderseits nicht günstig gewesen wäre. Dass die Beschwerdegegnerin zunächst auf
die Arbeitsunfähigkeitsschätzungen abgestellt hat, war zumindest vertretbar. Im
MEDAS-Gutachten vom 6. Juli 2006 wurde sogar ausdrücklich als richtig bezeichnet,
dass der Beschwerdeführerin ursprünglich wegen ihres psychischen und physischen
Erschöpfungszustands - dessen Zeichen in den Akten unmissverständlich beschrieben
worden seien - eine halbe Rente zugesprochen worden sei (IV-act. 55-14 und 55-30).
Es kann diesbezüglich auch darauf hingewiesen werden, dass sich aus jüngeren Akten
(IV-act. 123-1) ergab, dass die Beschwerdeführerin von Mai bis August 2004 in
ambulanter Behandlung in der Sozialpsychiatrischen Behandlungsstelle stand und sich
vom 22. September bis 12. Oktober 2004 in der Klinik Gais aufhielt, was ebenfalls für
die Vertretbarkeit der damaligen Annahme einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischen Gründen spricht. Die Voraussetzungen einer Wiedererwägung der
ursprünglichen Verfügung sind daher nicht erfüllt. Damit lässt sich die angefochtene
Verfügung nicht rechtfertigen. Dass Dr. C._ bereits mit einer allfälligen Steigerung der
Arbeitsfähigkeit rechnete, hätte Anlass zu einer kurzfristigen Überprüfung einer
erwarteten allfälligen späteren Stabilisierung des psychischen Gesundheitszustands
durch ein Anpassungsverfahren geboten.
3.
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3.1 Massgebend ist wie erwähnt weiter, ob eine Anpassung aufgrund einer nachträg
lichen Sachverhaltsveränderung die im November 2012 verfügte Aufhebung der Rente
begründen könne oder ob eine Änderung eingetreten sei, welche eine
anpassungsweise Heraufsetzung verlange.
3.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt nach der Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Eine bloss unterschiedliche
Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes stellt dagegen
praxisgemäss keine revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 E. 2b;
Bundesgerichtsentscheid i/S A. vom 25. Oktober 2012, 8C_373/12). Ob eine
revisionsbegründende Änderung eingetreten ist, beurteilt sich nach der
Rechtsprechung durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten (der
versicherten Person eröffneten) rechtskräftigen Verfügung bestand, welche auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten
für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht
(BGE 133 V 108), mit demjenigen zur Zeit der streitigen Neubeurteilung (BGE 130 V 351
E. 3.5.2; BGE 125 V 369 E. 2).
3.3 Anlässlich des ersten von der Beschwerdeführerin am 7. Dezember 2004
beantragten Anpassungsverfahrens wurde die erwähnte MEDAS-Begutachtung von
2006 veranlasst. Gemäss dem entsprechenden Gutachten hatte sich in psychiatrischer
Hinsicht ergeben, dass sich die Depression unter antidepressiver Medikation so weit
zurückgebildet habe, dass die Arbeitsfähigkeit damals unter diesem Aspekt nicht
eingeschränkt sei. Zum aktuellen Zeitpunkt sei ein diesbezüglich verbesserter Zustand
festzustellen (vgl. auch IV-act. 132-10 f.). Nach gutachterlicher Beurteilung bestand
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zum Begutachtungszeitpunkt (Februar/März
2006) nicht mehr. Der gerichtliche Entscheid befasste sich mit dem Antrag der
Beschwerdeführerin auf Erhöhung der Leistungen und stellte einen im Wesentlichen
gleich gebliebenen, jedenfalls nicht verschlechterten Gesundheitszustand fest; zu einer
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anpassungsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Rente führte das Verfahren
nicht.
3.4 Bei dem weiteren Anpassungsgesuch vom 8. September 2008 stützte sich die
Beschwerdeführerin auf einen Bericht von Dr. D._ vom 11. August 2008. Der Arzt
hatte eine mindestens mittelschwere depressive Symptomatik bei rezidivierender
depressiver Störung festgestellt. Bei anhaltender depressiver Symptomatik müsse
auch das Vorliegen einer Dysthymie oder einer dysthymen Störung in Betracht ge
zogen werden. Die Beschwerdeführerin habe sich als depressiv leidend dargestellt und
ihre Angaben hätten den beobachteten Affekten entsprochen. Die Arbeitsfähigkeit
betrage ca. 25 %. Aus neuropsychologischer Sicht, auf welche Dr. D._ verwies,
bestanden gemäss einem Bericht der Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen
vom 29. Januar 2008 (IV-act. 121) auf dem Hintergrund einer dominierenden schweren
psychischen Störung mittelschwere kognitive Funktionsstörungen, und zwar mit
schweren Störungen des Antriebs und der Aktivierung (mit Verlangsamung), mit
schweren Störungen der visuellen Wahrnehmung sowie mit mittelschweren Störungen
der Informationsaufnahme und des Arbeitsgedächtnisses. Dr. B._ hat am
14. November 2008 von einer Verschlechterung des körperlichen und seelischen
Zustands in den letzten Monaten berichtet. Dr. E._ hat der Beschwerdeführerin am
2. Dezember 2008 wegen einer chronifizierten depressiven Störung eine volle
Arbeitsunfähigkeit attestiert und am 27. Februar 2009 erklärt, die Beschwerdeführerin
fühle sich nicht in der Lage, zu arbeiten. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 80 bis
100 %. Gemäss dem Gutachten der MEDAS vom 19. August 2009 liess sich indessen
keine Veränderung der Arbeitsfähigkeit im Vergleich zur ersten Begutachtung
feststellen. Der rheumatologische Konsiliarius erklärte, die Beschwerdeführerin habe
weitgehend dieselben Beschwerden beklagt wie bei der ersten Begutachtung, doch
empfinde sie ihr Leiden subjektiv intensiver. Die Schmerzen habe sie allerdings schon
im März 2006 jeweils auf der Skala zwischen 8 und 10 angesiedelt gehabt. Objektiv sei
eine kleine, klinisch kaum relevante Diskushernie C3/4 hinzugekommen, ausserdem
bestünden nun Druckdolenzen in den Weichteilen am ganzen Körper, so dass die
Definition einer Fibromyalgie knapp erfüllt sei. Die multiplen geltend gemachten
Behinderungen würden sich aber nicht auf objektivierbare Befunde am
Bewegungsapparat zurückführen lassen. Der psychiatrische Konsiliarius berichtete, die
psychiatrische Dimension der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und
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psychischen Faktoren schränke die Beschwerdeführerin in ihrem Alltag nicht
wesentlich ein und es wäre ihr bei zumutbarer Willensanstrengung auch zumutbar,
einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachzugehen. Der Arzt hatte sich auch mit den
Kriterien der Rechtsprechung zu den chronischen Schmerzkrankheiten ohne adäquates
somatisches Korrelat befasst. Er beschrieb, die Beschwerdeführerin habe ein
eindrückliches Krankheitskonzept gezeigt. Sie gehe von einem Leiden als direkte Folge
der Überarbeitung aus, was sich fachpsychiatrisch nicht bestätigen lasse. Für eine
Depression habe er keine ausreichenden Symptome vorgefunden. Die Begutachtung
umfasste schliesslich auch eine neuropsychologische Untersuchung. Dabei wurde eine
breit spektral verminderte mentale Leistungsfähigkeit mit Einschränkungen in allen
geprüften Bereichen (Aufmerksamkeit, Gedächtnis, visuell-räumliche Leistungen,
exekutive Leistungen) bei teilweise verlangsamter Informations
verarbeitungsgeschwindigkeit und verminderter mentaler Belastbarkeit gefunden. Die
Defizite der mentalen Leistungen seien nicht auf eine hirnorganische Verletzung oder
Erkrankung zurückzuführen, sondern stünden in erster Linie im Zusammenhang mit der
Schmerzsymptomatik, der reduzierten Belastbarkeit bzw. erhöhten Ermüdbarkeit und
der depressiven Symptomatik. Einschränkend seien aber auch die schwankende
Anstrengungsbereitschaft, das selbstlimitierende Verhalten und das ungenügende
Sich-Einlassen-Können gewesen, so dass zur Arbeitsfähigkeit nicht isoliert
neuropsychologisch, sondern nur polydisziplinär Stellung genommen werden könne.
3.5 Es lässt sich festhalten, dass neuropsychologisch zwar je erhebliche Einschrän
kungen zu Tage kamen, deren Ursachen jedoch nicht klar zu eruieren waren. Das
Störungsprofil und der Ausprägungsgrad der Störungen in den beiden psycho
metrischen Untersuchungen waren vergleichbar (IV-act. 146-36), was eher auf Krank
heitsursachen denn auf den Einfluss mangelnder Leistungsbereitschaft hindeuten
dürfte. Es ist allerdings davon auszugehen, dass auch der neuropsychologische Ge
sichtspunkt in die abschliessende polydisziplinäre MEDAS-Begutachtung einfloss, so
dass dieser Aspekt von ärztlicher Seite beurteilt wurde. Weiter fällt auf, dass von
Dr. D._ und vom Psychiater der MEDAS beträchtlich unterschiedliche psychiatrische
Befunde beschrieben wurden. Bei den vorhandenen psychischen Beeinträchtigungen
sind wohl Schwankungen des Zustands nicht ungewöhnlich. Anderseits ist auch zu
berücksichtigen, dass behandelnder Arzt und Gutachter eine je andere Sicht auf den zu
beurteilenden Sachverhalt besitzen. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass
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das Gutachten in den erforderlichen Aspekten umfassend und nachvollziehbar
begründet ist, weshalb auf sein Ergebnis für den betreffenden Zeitpunkt abgestellt
werden kann.
3.6 Nach der zweiten Begutachtung, am 7. März 2011, hat Dr. F._ berichtet, die
Beschwerdeführerin sei infolge (verkürzt wiedergegeben) eines cervicocephalen und
brachialen Schmerzsyndroms rechts mit anhaltenden chronischen Kopfschmerzen
(Einstellungsversuche könnten noch nicht als gescheitert gelten) und mittelschwerer
kognitiver Funktionsstörung neurologisch betrachtet zu 20 % arbeitsunfähig. Die Ärztin
stellte unter anderem fest, elektrophysiologisch habe sich kein Hinweis auf eine
periphere Nervenläsion oder Radikulopathie C4-C8 rechts ergeben. Die differierenden
Untersuchungsergebnisse und das Erlangen unauffälliger Testergebnisse bei
Ablenkung der Beschwerdeführerin würden auf ausgeprägte psychische Mitbeteiligung
an den beklagten Symptomen hindeuten und würden, wenn auch unwillkürlich,
unterbewusst Demonstratives bei der Durchführung und Art der Umsetzung der
Funktionstests offen legen. Die Kopfschmerzen würden allerdings nur einen Teilaspekt
in der Gesamtsituation der Somatisierungsstörung mit Schmerzausweitung und der
Depression mit veränderter Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung
darstellen. Neue Fakten sind darin nicht zu sehen (vgl. auch die RAD-Stellungnahme
vom 16. Dezember 2011).
3.7 Des weiteren haben gemäss einem Bericht von Dr. med. H._, Gastroenterologie
FMH, vom 24. August 2012 damals (unter anderem und verkürzt wiedergegeben)
Refluxbeschwerden, eine leichte Obstipation und ein chronisches
Panvertrebralsyndrom vorgelegen. Neben der nicht erosiven Refluxkrankheit seien
funktionelle Beschwerden anzunehmen; ein Teil der Beschwerden im Bauch könnte
auch Ausstrahlungen vom Rücken entsprechen. - Kurz nach Erlass der angefochtenen
Verfügung wurden weitere ärztliche (darunter radiologische) Berichte erstattet. So hat
etwa Dr. B._ am 27. November 2012 weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
bescheinigt. Ein Radiologie-Zentrum hat am 3. Dezember 2012 unter anderem von
einer harmonischen leichten Hyperkyphose thoracal und einer leichten Protrusion L4/5
und L5/S1 berichtet. Eine Knochendichtemessung hat gemäss Bericht vom
5. Dezember 2012 eine Osteoporose im LWS-Bereich sowie eine mässige Osteopenie
am Schenkelhals und am Vorderarm links ergeben. Dr. E._ hat am 7. Dezember 2012
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eine Verschlechterung des psychischen Zustands der Beschwerdeführerin angegeben
und ihr eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % (allerdings leicht weniger als gemäss ihrem
Attest vom 11. Februar 2011) bescheinigt. Von einer Verschlechterung im letzten Jahr
hat auch Dr. B._ am 18. Dezember 2012 berichtet. - Es sind allerdings keine Befunde
namhaft geworden, welche auf eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustands
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nach der MEDAS-Begutachtung und bis zum
Erlass der angefochtenen Verfügung im November 2012 schliessen liessen oder es
rechtfertigen würden, am Vorliegen eines bis dahin im Wesentlichen unveränderten
Zustands zu zweifeln, so dass eine ergänzende Abklärung erforderlich wäre. Das gilt
auch für die Angaben in den jüngsten eingereichten Berichten (Austrittsbericht des
Spitals G._ vom 31. Mai 2013 und Arztzeugnis von Dr. E._ vom 13. Juni 2013).
3.8 Mit einer erheblichen nachträglichen Sachverhaltsveränderung und entsprechenden
Anpassung lässt sich die angefochtene Verfügung vom 23. November 2012 somit
ebenfalls nicht begründen. Sie ist deshalb aufzuheben. Ob allenfalls danach eine
rentenbeeinflussende Veränderung eingetreten sei, bildet dagegen nicht Gegenstand
dieses Verfahrens.
4.
4.1 Die Beschwerde IV 2013/19 ist demnach insofern zu schützen, als die ange
fochtene Verfügung vom 23. November 2012 ersatzlos aufzuheben ist.
4.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin im Verfahren IV 2013/19
rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft
aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung
von den Gerichtskosten) vom
19. April 2013 wird damit obsolet (zur Parteientschädigung s. unten E. 6).
5.
5.1 In der Beschwerde IV 2013/68 ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren strittig.
bis
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5.2 Wo die Verhältnisse es erfordern, wird der gesuchstellenden Person nach Art. 37
Abs. 4 ATSG (eingeordnet unter dem Titel "Sozialversicherungsverfahren", geltend also
für das ganze Verwaltungsverfahren, vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A. 2009,
N 20 zu Art. 37) ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Vorausgesetzt ist, dass
die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, dass ihr Rechtsbegehren nicht
aussichtslos erscheint und dass die Verbeiständung zur Wahrung ihrer Rechte konkret
notwendig ist (vgl. BGE 132 V 200 E. 4.1).
5.3 Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbei
ständung im Verwaltungsverfahren wegen unerfüllter Voraussetzung der Bedürftigkeit
abgelehnt.
5.4 Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Prozesskosten
aufzukommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des
Grundbedarfs für sie und ihre Familie notwendig sind. Die prozessuale Bedürftigkeit
beurteilt sich nach der gesamten wirtschaftlichen Situation des Rechtsuchenden im
Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Dazu
gehören einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen zur Deckung des
Grundbedarfs, anderseits die Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Bei der
Beurteilung der Bedürftigkeit sind Einkommen und Vermögen beider Ehegatten zu
berücksichtigen. Zum Existenzminimum gehört, was zur Führung eines bescheidenen,
aber menschenwürdigen Lebens laufend erforderlich ist. Der Notbedarf umfasst
insbesondere die Aufwendungen für Wohnung, Kleidung, Ernährung,
Gesundheitspflege, Versicherungen und Steuern. Nicht darunter fällt hingegen die
gewöhnliche Tilgung angehäufter Schulden, da die unentgeltliche Rechtspflege nicht
dazu dienen soll, auf Kosten des Gemeinwesens Gläubiger zu befriedigen, die nicht
oder nicht mehr zum Lebensunterhalt beitragen (Bundesgerichtsentscheid i/S S. vom
1. Juni 2010, 8C_257/10).
5.5 Es kann davon ausgegangen werden, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin
durchschnittlich (aus neun Monaten im Jahr 2012) ein monatliches Einkommen von
rund Fr. 4'362.-- erzielt. Als Ausgabe ist gemäss den vom Kantonsgericht des Kantons
St. Gallen erlassenen, sinngemäss anzuwendenden Richtlinien zur unentgeltlichen
Rechtspflege im Zivilprozess und für die Privatklägerschaft im Strafprozess vom Mai
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2011 zunächst ein um 30 % erhöhter betreibungsrechtlicher Grundbetrag zu
berücksichtigen. Dieser macht gemäss Ziff. 3.1.2 des Kreisschreibens der
Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs des Kantons St. Gallen über die
Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (Notbedarf) vom Dezember
2008 für ein Ehepaar Fr. 1'780.-- aus. 130 % entsprechen Fr. 2'314.--. Dazu kommen
der Mietzins (samt Nebenkosten) von Fr. 668.-- und die Prämien für die obligatorische
Krankenversicherung von zweimal Fr. 249.--. Als unvermeidliche Berufsauslagen
(gemäss Richtlinien soweit zumutbar nur Fahrtkosten für das öffentliche Verkehrsmittel)
können vorliegend zum einen für den Arbeitsweg von 5.9 km (zweimal an
durchschnittlich 21.7 Arbeitstagen; steuerrechtlich werden allerdings nur 230
Arbeitstage pro Jahr, d.h. 19.1 Tage pro Monat, angenommen) Kosten von monatlich
rund Fr. 179.-- (Fr. 0.70 pro km gemäss St. Galler Steuerbuch) eingesetzt werden. Die
auswärtige Verpflegung zum andern kann mit einem Betrag von Fr. 217.--
(durchschnittlich Fr. 10.-- pro Arbeitstag gemäss Kreisschreiben) berücksichtigt
werden. Schliesslich sind die laufenden und rückständigen Steuern anzurechnen,
soweit sie tatsächlich bezahlt werden. Vorliegend sind die von der Beschwerdeführerin
angegebenen Steuern von Fr. 360.-- anzurechnen. Insgesamt ergeben sich auf diese
Weise Ausgaben von Fr. 4'236.--. Zusammen mit den Kosten der Hausrat- und
Haftpflichtversicherung von monatlich Fr. 25.--, welche die Beschwerdegegnerin
ebenfalls anerkannt hat, ist von Fr. 4'261.-- auszugehen. Das durchschnittliche
Einkommen übertrifft die Ausgaben somit um Fr. 101.-- pro Monat. Die Bezahlung von
Vertretungskosten erforderte unter diesen Umständen eine ermessensweise als
unzumutbar lange zu betrachtende Dauer (vgl. Ziff. 2.2 der Richtlinien, die hierfür ein
Jahr bis unter Umständen zwei Jahre vorsehen).
5.6 An die sachliche Gebotenheit der Verbeiständung ist im Zusammenhang mit Art. 37
Abs. 4 ATSG rechtsprechungsgemäss ein sehr strenger Massstab anzulegen (vgl.
Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom 28. Juni 2012, 8C_438/12). Die Notwendigkeit
einer anwaltlichen Vertretung ist mit Blick darauf, dass der Untersuchungsgrundsatz
(Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG) gilt, die Versicherungsträger und Durchführungsorgane
der einzelnen Sozialversicherungen also den rechtserheblichen Sachverhalt unter
Mitwirkung der Parteien nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität,
Neutralität und Gesetzesgebundenheit zu ermitteln haben, nur in Ausnahmefällen zu
bejahen. Es müssen sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen und
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eine Interessenwahrung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere
Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen) muss ausser Betracht fallen. Von
Bedeutung ist auch die Fähigkeit der versicherten Person, sich im Verfahren zurecht zu
finden (Bundesgerichtsentscheid i/S K. vom 22. Februar 2013, 9C_908/12; BGE 132 V
200).
5.7 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren
wurde vorliegend erstmals am 11. November 2008 gestellt, unmittelbar nachdem der
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. November 2008
eröffnet worden war. Beantragt wird nun eine Entschädigung für die anwaltliche Tätig
keit nach dem Vorbescheid vom 2. August 2012, nämlich ab dem 6. August 2012.
Damals war die Beschwerdeführerin mit der Auffassung der Beschwerdegegnerin
konfrontiert worden, die mehrere Jahre lang bezogene halbe Rente entbehre einer
Rechtsgrundlage und sie sei deshalb (für die Zukunft) einzustellen. Es stellten sich
komplexe Fragen zu rechtlichen Instituten wie der Wiedererwägung und der
Anpassung, etwa jene der Rechtmässigkeit einer Wiedererwägung einer ursprünglichen
Verfügung, nachdem bereits ein Anpassungsgesuch gestellt und abgewiesen worden
war. Ausserdem waren zwei medizinische Gutachten in ihrer Bedeutung zu würdigen.
Bei diesen Gegebenheiten konnte nicht erwartet werden, dass die Beschwerdeführerin
ihren Standpunkt ohne Unterstützung einer rechtskundigen Person angemessen in das
Verwaltungsverfahren würde einbringen können. Vielmehr ist eine anwaltliche
Vertretung als erforderlich im Sinn von Art. 37 Abs. 4 ATSG zu betrachten. Dazu
kommt, dass angesichts des Vorbescheids ein erheblicher Eingriff in die
Einkommenslage der Beschwerdeführerin drohte (zur Bedeutung dieses Kriteriums der
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S T. vom 6. September
2013, IV 2013/237).
5.8 Die Beschwerde IV 2013/68 ist somit unter Aufhebung der angefochtenen
Zwischenverfügung vom 7. Januar 2013 gutzuheissen. Der Beschwerdeführerin ist die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren ab dem 6. August
2012 zu bewilligen und Rechtsanwältin Dr. iur. Barbara Wyler ist zur unentgeltlichen
Rechtsvertreterin zu bestellen. Die Höhe der zu leistenden Entschädigung ist nicht
Gegenstand der Bewilligung.
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5.9 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Ver
sicherungsgericht kostenpflichtig. Für Streitigkeiten betreffend die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren (hier IV 2013/68) sind indessen keine
Gerichtskosten zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG; Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 12. Januar 2012, IV 2010/270 E. 6.4), da es sich nicht um eine Streitigkeit um die
Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen handelt (vgl. Bundesgerichtsent
scheid i/S K. vom 30. August 2012, 9C_639/11).
6.
Die Beschwerdeführerin hat bei Obsiegen in beiden Verfahren Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Ihre Rechtsvertreterin hat am
20. Juni 2013 eine Honorarnote eingereicht. Das Honorar für die Tätigkeit in der Zeit
vom 29. November 2012 bis 20. Juni 2013 betrage Fr. 6'584.--. Dazu kämen die
Barauslagen von Fr. 428.80 und die Mehrwertsteuer von Fr. 561.--, womit sich eine
Summe von Fr. 7'573.80 ergebe. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar
vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal
Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Nach der Gerichtspraxis ist in Fällen mit
durchschnittlichem Aufwand ein Pauschalhonorar unter Einschluss von Barauslagen
und MWSt von Fr. 3'500.-- üblich. Vorliegend rechtfertigt es sich, für das Verfahren IV
2013/19 einen leicht überdurchschnittlichen Aufwand zu entschädigen,
ermessensweise von Fr. 4'500.--. Für das Beschwerdeverfahren über die
Zwischenverfügung erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und MWSt) angemessen. Die Bewilligungen der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung vom 19. April 2013 für die Beschwerdeverfahren werden damit
gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. In Gutheissung der Beschwerde IV 2013/19 im Sinn der Erwägungen wird die
angefochtene Verfügung vom 23. November 2012 aufgehoben.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/25
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2. Die Beschwerde IV 2013/68 wird unter Aufhebung der angefochtenen Zwischen
verfügung vom 7. Januar 2013 gutgeheissen und der Beschwerdeführerin wird ab dem
6. August 2012 die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwältin Dr. iur.
Barbara Wyler für das Verwaltungsverfahren bewilligt.
3. Die Beschwerdegegnerin hat für das Verfahren IV 2013/19 eine Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- zu bezahlen.
4. Für das Verfahren IV 2013/68 werden keine Gerichtskosten erhoben.
5. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin für die Beschwerdeverfahren
IV 2013/19 und IV 2013/68 eine Parteientschädigung von Fr. 6'000.-- (pauschal
Fr. 4'500.-- und Fr. 1'500.--) zu bezahlen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 29.11.2013 Art. 53 Abs. 2 ATSG. Wiedererwägungsverfügung im Anschluss an ein Verfahren zur Behandlung eines (zweiten) Rentenerhöhungsgesuchs. Weder Voraussetzungen für eine Wiedererwägung noch für eine Anpassung erfüllt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. November 2013, IV 2013/19 und IV 2013/68). Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 9C_6/2014.
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2021-09-19T11:58:12+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen