Decision ID: 1d73417d-392f-55af-b0e2-98a7278a7554
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 4. Juni 2021 erliess der Schweizerische Bundesrat gestützt auf
Art. 6a Abs. 1, 4 und 5 des Bundesgesetzes über die gesetzlichen Grund-
lagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-
Epidemie (Covid-19-Gesetz, SR 818.102) die Verordnung über Zertifikate
zum Nachweis einer Covid-19-Impfung, einer Covid-19-Genesung oder ei-
nes Covid-19-Testergebnisses (Covid-19-Verordnung Zertifikate,
SR 108.102.2, AS 2021 325). In Art. 7 Covid-19-Verordnung Zertifikate
wurde insbesondere die Pflicht der Kantone festgehalten, dafür zu sorgen,
dass Anträge auf Ausstellung von Covid-19-Impfzertifikaten behandelt wer-
den, auch wenn dafür keine Krankengeschichte oder Primärdokumentation
bei einer Ausstellerin oder einem Aussteller nach Artikel 6 vorliege, und für
die Behandlung solcher Anträge mindestens eine Ausstellerin oder einen
Aussteller zu bezeichnen (Fassung in Kraft vom 7. Juni 2021 bis 19. Sep-
tember 2021). Ab dem 20. September 2021 wurde der erwähnte Art. 7 da-
hingehend konkretisiert, dass die Kantone insbesondere für die Behand-
lung von Anträgen auf Ausstellung eines Covid-19-Impfzertifikats für eine
im Ausland erhaltene Impfung von Schweizerinnen und Schweizern zu sor-
gen haben (Abs. 1 Bst. b Ziff. 1; AS 2021 564).
A.b Zuständige Behörde im Kanton B._ für den Vollzug der Covid-
19-Verordnung Zertifikate ist gemäss Art. 20d1 der kantonalen Verordnung
über Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie ([...]) die
C._-Direktion.
B.
B.a A._ (nachfolgend Beschwerdeführer), wohnhaft im Kanton
B._, hat sich am 20. August 2021 ein erstes Mal im Kanton
D._ und am 1. Oktober 2021 ein zweites Mal in Frankreich mit dem
Impfstoff des Herstellers Moderna gegen Sars-CoV-2 impfen lassen (vgl.
Akten im Beschwerdeverfahren [B-act.] 1 Beilagen 1 und 2). Das französi-
sche Gesundheitsministerium hat dem Beschwerdeführer daher ein «EU
Digital COVID Certificate» ausgestellt, gemäss welchem er (erst) eine von
zwei Impfdosen (1/2) erhalten habe.
B.b In der Folge hat der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben bei
der Nationalen Antragsstelle Covid-Zertifikat online einen Antrag auf Aus-
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stellung eines schweizerischen Covid-19-Impfzertifikats gestellt. Sein An-
trag wurde jedoch am 19. Oktober 2021 von der C._-Direktion des
Kantons B._ mit der Begründung abgelehnt, er verfüge bereits über
ein EU/EEA Digital COVID Zertifikat, welches den gleichen Stellenwert wie
ein schweizerisches Zertifikat habe, weshalb ein schweizerisches Zertifikat
nicht nötig sei (vgl. B-act. 1 Beilage 3).
B.c Am 20. Dezember 2021 wandte sich der Beschwerdeführer via Kon-
taktformular an die zuständige C._-Direktion und führte insbeson-
dere aus, die Benachrichtigung der Behörde vom 19. Oktober 2021 sei
falsch und illegal. Er legte unter anderem dar, ein dringend nötiger Impfter-
min sei im Grossraum B._ trotz Anstrengungen mehrerer Ärzte
nicht rechtzeitig zu organisieren gewesen. Ausserkantonal habe es in we-
niger als 24 Stunden geklappt. Schliesslich sei die (zweite) Impfung im Aus-
land nötig geworden, weil ihm die (zweite) Impfung in der Schweiz entge-
gen ärztlicher Empfehlung untersagt worden sei. Gleichzeitig gab der Be-
schwerdeführer im Kontaktformular jedoch an, er wünsche keine Kontakt-
aufnahme (vgl. B-act. 1 Beilage 4).
B.d «Aus Gründen der Rechtssicherheit» hat der Beschwerdeführer am
24. Dezember 2021 «eine Kopie des unbeantworteten Online-Kontaktfor-
mulars vom 20. Dezember 2021, 11.40 Uhr» eingeschrieben an den Vor-
steher der C._-Direktion, Herrn E._, gesendet.
B.e Mit E-Mail vom 3. Januar 2022 hat F._, wissenschaftlicher Mit-
arbeiter der C._-Direktion, dem Beschwerdeführer mitgeteilt, es sei
keine Antwort erfolgt, da im Kontaktformular angegeben worden sei, es
werde keine Kontaktaufnahme gewünscht, und die Nachricht ausserdem
nicht mit einer Frage verbunden gewesen sei (vgl. B-act. 1 Beilage 6).
B.f Der Beschwerdeführer hat daraufhin mit E-Mail vom 4. Januar 2022
festgehalten, es gebe zu seinem Schreiben vom 24. Dezember 2021 we-
der Fragen noch brauche es Kontakt. Allerdings teilte er gleichzeitig mit, er
erwarte umgehend das ihm zustehende und funktionierende Zertifikat so-
wie die geforderten Auskünfte (vgl. B-act. 1 Beilage 7).
C.
Am 13. März 2022 hat der Beschwerdeführer beim Verwaltungsgericht des
Kantons B._ eine Eingabe mit Beilagen eingereicht. Der Präsident
der verwaltungsrechtlichen Abteilung hat diese Eingabe mit Schreiben vom
15. März 2022 an den Beschwerdeführer mit der Begründung retourniert,
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das Verwaltungsgericht könne sich – mangels Anfechtungsobjekt (Be-
schwerde gegen Verfügungen oder Entscheide) und aufgrund der Nichtzu-
ständigkeit betreffend die implizit eingereichte Aufsichtsanzeige gegen
kantonale und Bundesstellen – nicht mit den Beanstandungen befassen
(vgl. B-act. 1 Beilage 8).
D.
Schliesslich hat der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 19. März 2022
(Eingang: 22. März 2022) «Rekurs sowie Beschwerde (Anzeige)» beim
Bundesverwaltungsgericht erhoben. Er beantragt darin insbesondere die
«sofortige vorbehaltlose Aushändigung des eingeforderten und trotz Ein-
sprache zu Unrecht wiederholt verweigerten Covid-Zertifikats». Zur Be-
gründung macht er sinngemäss geltend, er habe Anspruch auf die Ausstel-
lung eines schweizerischen Covid-Zertifikats und sein Einwand vom
20. beziehungsweise 24. Dezember 2021 hinsichtlich der Ablehnung vom
19. Oktober 2021 sei zu Unrecht nicht bearbeitet worden (vgl. B-act. 1).
E.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird
– soweit erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft seine Zuständigkeit und die Zu-
lässigkeit der Beschwerde von Amtes wegen und mit freier Kognition (Art. 7
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-
tungsverfahren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG, SR 172.021]; vgl.
auch BVGE 2007/6 E. 1 m.w.H.).
1.2 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) be-
urteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als
Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Dabei han-
delt es sich in erster Linie um Bundesbehörden. Beschwerden gegen Ver-
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fügungen kantonaler Instanzen sind zulässig, soweit ein Bundesgesetz ge-
gen die Verfügungen die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht
vorsieht.
1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich grund-
sätzlich nach den Vorschriften des VwVG, wobei abweichende Vorschriften
des VGG vorbehalten bleiben (Art. 37 VGG).
2.
2.1 Zur vom Beschwerdeführer erhobenen «Beschwerde» ist festzuhalten,
dass gemäss den eingereichten Unterlagen keine Verfügung nach Art. 5
VwVG vorliegt, welche mit Beschwerde angefochten werden könnte. Damit
fehlt es einerseits bereits an einem Anfechtungsobjekt gemäss Art. 31
VGG. Andererseits handelt es sich bei der C._-Direktion des Kan-
tons B._, welche gemäss Art. 20d1 der kantonalen Covid-19 Ver-
ordnung für den Vollzug der Covid-19-Verordnung Zertifikate im Kanton
B._ die zuständige kantonale Behörde ist (vgl. oben Bst. A.b), nicht
um eine Behörde gemäss Art. 33 VGG. Entsprechend ist das Bundesver-
waltungsgericht selbst bei Vorliegen einer anfechtbaren Verfügung der
kantonal zuständigen Behörde betreffend die Ausstellung eines Covid-Zer-
tifikats sachlich nicht zuständig. Es ist davon auszugehen, dass in diesem
Fall vielmehr das kantonale Verwaltungsgericht als Rechtsmittelinstanz zu-
ständig wird.
2.2 Soweit der Beschwerdeführer Anzeige gegen einen unbekannten Per-
sonenkreis im Allgemeinen und gegen den Vorsteher der C._-Di-
rektion des Kantons B._ sowie deren Mitarbeiter Herrn F._
im Speziellen Anzeige erhebt, ist das Bundesverwaltungszuständig sach-
lich und funktionell unzuständige Behörde.
2.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist auch nicht für den – vom Beschwer-
deführer sinngemäss auf Art. 7 Abs. 1 Bst. b Ziff. 1 Covid-19-Verordnung
Zertifikate gestützten und prima vista nicht zu Unrecht geltend gemachten
– Anspruch auf Ausstellung eines schweizerischen Covid-Zertifikats (mit
dem Vermerk «Impfdosis (2/2)») zuständig, sondern vielmehr die
C._-Direktion des Kantons B._ (vgl. oben Bst. A.b). Da die
Behörde, die sich als unzuständig erachtet, die Sache ohne Verzug der
zuständigen Behörde überweist (Art. 8 Abs. 1 VwVG), ist die entspre-
chende Eingabe des Beschwerdeführers an die C._-Direktion des
Kantons B._ zur weiteren Veranlassung zu übermitteln.
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3.
Da es nach dem Gesagten offensichtlich an einem Anfechtungsobjekt und
in mehrfacher Hinsicht an der sachlichen (und funktionellen) Zuständigkeit
des Bundesverwaltungsgerichts fehlt, ist im einzelrichterlichen Verfahren
auf die Eingabe vom 19. März 2022 nicht einzutreten (Art. 23 Abs. 1 Bst. b
VGG) und der Antrag auf Ausstellung eines schweizerischen Covid-Zertifi-
kats an die zuständige C._-Direktion des Kantons B._ zur
Behandlung des Gesuchs weiterzuleiten. Soweit die weiteren Anträge und
insbesondere Anzeigen in der Eingabe vom 19. März 2022 über die Aus-
stellung eines Covid-Zertifikats im beantragten Sinne hinausgehen und
nicht in direktem Zusammenhang damit stehen, ist von einer Überweisung
an vom Beschwerdeführer nicht explizit genannte und (nur) möglicher-
weise zuständige Behörden abzusehen.
4.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig, wobei die Verfahrenskos-
ten grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt werden (Art. 63
Abs. 1 VwVG). Die Verfahrenskosten können der Partei gemäss Art. 6
Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2)
ganz oder teilweise erlassen werden, wenn – wie vorliegend - ein Rechts-
mittel ohne erheblichen Aufwand für das Gericht erledigt werden kann. Ent-
sprechend werden vom Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten erho-
ben.
4.2 Bei diesem Verfahrensausgang ist dem Beschwerdeführer keine Par-
teientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
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