Decision ID: 1bb9ff51-b1db-59df-a932-081a38758f5c
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Andreas A. Oehler, Oehler Stadelmann
Rechtsanwälte, Kesslerstrasse 1, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente (Einkommensvergleich)
Sachverhalt:
A.
Am 22. November 2013 reichte Rechtsanwalt Andreas A. Oehler, St. Gallen, im Auftrag
von A._ eine Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ein.
Damit focht er die Verfügung der IV-Stelle der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen (SVA) vom 21. Oktober 2013 an und beantragte deren Aufhebung sowie die
Zusprechung einer angemessenen, mindestens halben Rente der
Invalidenversicherung. Eventualiter beantragte er die Rückweisung der Sache an die
Verwaltung zwecks weiterer Abklärungen. Er gab an, am 6. November 2013 mandatiert
worden zu sein, gleichentags die Akten von der IV-Stelle verlangt und diese am
15. November 2013 erhalten zu haben. Es sei ihm seither nicht möglich gewesen, die
Beschwerde zureichend vorzubereiten. Deshalb suchte er um eine Nachfrist zur
Verbesserung der Eingabe nach. Als Kurzbegründung für die Beschwerde führte er an,
die von der IV-Stelle vorgenommenen Abklärungen seien ungenügend. Der
Beschwerde legte er eine Bestätigung der Sozialen Dienste B._ bei, wonach seine
Mandantin seit April 2013 mit Sozialhilfe unterstützt werde. Dies zur Begründung des
ebenfalls gestellten Begehrens um unentgeltliche Rechtspflege (act. G 1 und G 1.3). Mit
zwei Schreiben vom 27. November 2013 wurde Rechtsanwalt Oehler aufgefordert, die
Beschwerdeergänzung bis 17. Dezember 2013 einzureichen und eine Bestätigung
beizubringen, dass seine Mandantin für die Prozesskosten nicht von einer
Rechtsschutzversicherung oder einer Drittorganisation unterstützt werde (act. G 2 und
G 3). Mit Schreiben vom 17. Dezember 2013 brachte er besagte Bestätigung bei und
ersuchte mit Hinweis auf seine Termin- und Ferienplanung sowie den
Arztkonsultationsplan seiner Mandantin um die Gewährung einer Nachfrist zur
Beschwerdeergänzung (act. G 4). Diese wurde ihm am 18. Dezember 2013 bis
3. Februar 2014 bewilligt (act. G 5). Am 3. Februar 2014 suchte Rechtsanwalt Oehler
um Gewährung einer letzten Fristerstreckung bis 12. Februar 2014 nach (act. G 6),
welche ihm gleichentags zugebilligt wurde (act. G 7). Am 12. Februar 2014 erbat er
angesichts seines prall gefüllten Terminkalenders um eine allerletzte Fristverlängerung
bis 26. Februar 2014 (act. G 8), welche wiederum gleichentags (letztmals bis
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27. Februar 2014) gewährt wurde (act. G 9). Am 27. Februar 2014 berief sich
Rechtsanwalt Oehler auf eine grippös bedingte sehr begrenzte Einsatzfähigkeit und
suchte um eine Notfrist bis 6. März 2014 nach (act. G 10). Mit Schreiben vom
28. Februar 2014 erstreckte das Versicherungsgericht die Frist für die Eingabe
nochmals bis zum anbegehrten Termin (act. G 11). Mit Beschwerdeergänzung vom
6. März 2014 wurde der Vorwurf der unzureichenden Abklärungen durch die IV-Stelle
präzisiert. Insbesondere die erheblichen Visuseinschränkungen und die
Osteoporoseproblematik seien mangelhaft abgeklärt worden. Zudem seien die Akten
über den Therapieaufenthalt in der Klinik Valens und das absolvierte Einsatzprogramm
C._ von der IV-Stelle falsch gewichtet worden. Der Anspruch auf eine halbe Rente sei
ausgewiesen. Zwecks Prüfung einer allenfalls höheren Rentenberechtigung seien
weitere Abklärungen und eine polydisziplinäre Begutachtung angezeigt (act. G 12).
B.
Zur Beschwerdeantwort aufgefordert teilte der Rechtsdienst der SVA am 5. Mai 2014
mit, die angefochtene Verfügung sei widerrufen worden, weshalb wegen
Gegenstandslosigkeit um Abschreibung des Verfahrens unter Kosten- und
Entschädigungsfolge gebeten werde (act. G 14). In der beigelegten Widerrufsverfügung
hatte die IV-Stelle Rechtsanwalt Oehler erklärt, es seien weitere Abklärungen
notwendig. Nach deren Durchführung werde eine neue beschwerdefähige Verfügung
zugestellt (act. G 14.1). Mit Schreiben vom 8. Mai 2014 teilte das Versicherungsgericht
Rechtsanwalt Oehler mit, dass das anhängig gemachte Verfahren bei den gegebenen
Umständen als gegenstandslos geworden vom Protokoll abgeschrieben werden könne.
Ohne Gegenbericht innert 10 Tagen werde ein Abschreibungsbeschluss ergehen und
eine reduzierte pauschale Parteientschädigung (Rahmen Fr. 1'500.-- bis Fr. 2'500.--)
zugesprochen, wobei vorliegend eine Entschädigung von Fr. 1'500.-- als angemessen
erscheine (act. G 15). Am 9. Mai 2014 ging dem Versicherungsgericht ein Schreiben
vom 8. Mai 2014 zu, worin Rechtsanwalt Oehler mitteilte, sein Aufwand im
Beschwerdeverfahren betrage bis dato 19,6 Stunden (act. G 16). Eine Reaktion auf die
angekündigte Entschädigung erfolgte nicht. Mit Verfügung vom 28. Mai 2014 verfügte
der Präsident der Abteilung III des Versicherungsgerichts die Abschreibung des
Verfahrens und sprach der Beschwerdeführerin zulasten der Beschwerdegegnerin eine
Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- zu. Zur Begründung fügte er an, von Seiten der
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Beschwerdeführerin sei innert Frist keine Stellungnahme zur vorgeschlagenen
Parteientschädigung eingegangen. Es dürfe deshalb davon ausgegangen werden, die
Beschwerdeführerin bzw. ihr Vertreter sei damit einverstanden (act. G 17).
C.
Mit Eingabe vom 13. Juni 2014 verlangt Rechtsanwalt Oehler zur Parteientschädigung
einen Entscheid der zuständigen Gerichtsabteilung. Er sei mit der Honorierung nicht
einverstanden. Die Bekanntgabe seines Zeitaufwandes von 19,6 Stunden, welche sich
mit dem Schreiben des Gerichts gekreuzt habe, hätte unabhängig des
Zugangszeitpunkts so interpretiert werden müssen, dass er nur mit einer seinen
Aufwendungen angemessenen Entschädigung einverstanden sei. Das treffe auf die
zugesprochenen Fr. 1'500.-- klar nicht zu, laufe dies doch auf ein Stundenhonorar von
Fr. 76.53 hinaus. Der Eingabe legte er eine detaillierte Kostennote bei (act. G 18). Die
SVA verzichtete am 24. Juni 2014 auf eine Stellungnahme zu dieser Eingabe
(act. G 20).

Erwägungen:
1.
Art. 39 Abs. 1 lit. b des st.gallischen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRP; sGS 951.1) sieht vor, dass der Präsident über die Abschreibung eines Verfahrens
verfügen kann, wenn kein Urteil und kein Nichteintretensentscheid zu fällen sind.
Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung ist die Verfügung kurz zu begründen und den
Beteiligten eine Frist von 14 Tagen anzusetzen, innert der durch einfache Erklärung ein
Entscheid des Gerichts verlangt werden kann. Vorliegend hat der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin mit Erklärung vom 13. Juni 2013 einen solchen Entscheid verlangt.
Die Verfügung vom 28. Mai 2014 ist somit ohne weiteres durch den vorliegenden
Entscheid der Abteilung III des Versicherungsgerichts zu ersetzen. Dieser hat in
Dreierbesetzung zu ergehen (Art. 2 in Verbindung mit Art. 10 Abs. 1 der Verordnung
über die Organisation und den Geschäftsgang des Versicherungsgerichts [OrgV;
sGS 941.114]).
2.
bis
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Dass die zur Beschwerdeantwort aufgeforderte Beschwerdegegnerin am 5. Mai 2014
die angefochtene Verfügung vom 21. Oktober 2013 widerrufen und den Erlass einer
neuen Rentenverfügung in Aussicht gestellt hat und das anhängig gemachte
Gerichtsverfahren deshalb gegenstandslos geworden ist und abgeschrieben werden
kann, hat zu keinen Bemerkungen Anlass gegeben, weshalb diesbezüglich keine
Weiterungen angezeigt sind. Gleiches gilt hinsichtlich der Kostenlosigkeit des
Verfahrens (Art. 97 VRP).
3.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beanstandet die bei diesem Ver
fahrensausgang, der als Obsiegen gilt, zugesprochene Parteientschädigung von
Fr. 1'500.-- als seinen Aufwendungen unangemessen. Er gab im Schreiben vom 8. Mai
2014 (act. G 16) an, im Beschwerdeverfahren einen Aufwand von 19,6 Stunden gehabt
zu haben.
3.1 Für das Verwaltungsrechtspflegeverfahren vor dem Versicherungsgericht legt
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75) einen Rahmen von Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- für die pauschale
Honorierung fest. Art. 19 HonO bestimmt, dass innerhalb des für eine Pauschale
gesetzten Rahmens das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich
nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls und den
wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen wird. Bei aussergewöhnlich
komplizierten Verfahren sind Honorierungen ausserhalb des genannten Rahmens
möglich (vgl. Art. 22 Abs. 2 HonO); ein solches liegt hier aber klarerweise nicht vor. In
Art. 22 Abs. 3 HonO findet sich der Vorbehalt von Art. 98 VRP, was für die hier zu
entschädigende Beschwerdeangelegenheit aus dem Bereich der Eidgenössischen
Invalidenversicherung, welche kantonalrechtlich ein Rekursverfahren ist (vgl. Art. 42
Abs. 1 lit. a VRP), bedeutet, dass die Entschädigung auf jene ausseramtlichen Kosten
zu beschränken ist, die aufgrund der Sach- und Rechtslage notwendig und
angemessen erscheinen.
3.2 Aus Gründen der Praktikabilität und der rechtsgleichen Behandlung der Honorar
ansprüche in den verschiedenen, seiner Jurisdiktion unterstehenden
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Rechtspflegeverfahren hat das Versicherungsgericht einen sogenannten "Raster für
Parteientschädigungen" für die Pauschalhonorierung geschaffen. Im Wesentlichen
wurden damit für die gängigen Streitigkeiten in den verschiedenen Rechtsgebieten
Bandbreiten für die pauschale Parteientschädigung sowie die mittlere Entschädigung
aufgrund gerichtlicher Erfahrungswerte sowie im Vergleich mit der
Entschädigungspraxis der anderen Kantone in entsprechenden Verfahren festgelegt.
An diesem Raster orientiert sich das Versicherungsgericht seit 1. Juli 2007, wobei es
die Ansätze periodisch auf deren Angemessenheit hin überprüft und gegebenenfalls
anpasst (zuletzt im Mai 2013). Für den Bereich der Invalidenversicherung ist aktuell eine
Entschädigungsbandbreite von Fr. 3'000.-- bis Fr. 4'000.-- und eine mittlere
Entschädigung von Fr. 3'500.-- festgelegt. Nimmt die Verwaltung eine anhängig
gemachte Streitigkeit ins Verwaltungsverfahren zurück, wie dies vorliegend geschehen
ist, beträgt die Bandbreite Fr. 1'500.-- bis Fr. 2'500.-- und die mittlere Entschädigung
Fr. 2'000.--. Alle diese Beträge verstehen sich inklusive Barauslagen (4%) und
Mehrwertsteuer (8%).
3.3 Die Beschwerdeführerin hat eine Streitigkeit anhängig machen lassen, welche
ohne jeden Zweifel als ein Standardfall zu bezeichnen ist, wie er beim
Versicherungsgericht tagtäglich angehoben wird. Selbst wenn diese Streitigkeit, wie es
in vielen Fällen aus dem Bereich der Invalidenversicherung vorkommt, für die
Versicherte existentielle Fragen aufwirft, kann sie weder vom Sachverhalt her als
besonders komplex noch in rechtlicher Hinsicht als besonders schwierig bezeichnet
werden. Von daher erscheint eine Pauschalhonorierung im Rahmen der vom Raster
vorgegebenen Bandbreite jedenfalls als angemessen. Da die Verwaltung die Streitigkeit
vor Erstattung der Beschwerdeantwort zu weiteren Abklärungen ins
Verwaltungsverfahren zurückgenommen hat, beträgt dieser - wie bereits erwähnt -
Fr. 1'500.-- bis Fr. 2'500.--. Der fallführende Abteilungspräsident hat den für die
Bearbeitung erforderlichen Aufwand aufgrund der Rechtsschriften des Rechtsvertreters
als im Rahmen des Üblichen eher unterdurchschnittlich eingeschätzt und deshalb eine
Honorarpauschale von Fr. 1'500.-- vorgeschlagen. Zwar hat er vom Schreiben des
Rechtsvertreters, womit dieser - vor Zugang des genannten Vorschlags -
Aufwendungen in der Beschwerdesache von 19,6 Stunden geltend machte, Kenntnis
genommen. Ein solcher Aufwand erschien indessen im Vergleich mit gleich gelagerten
Fällen als dermassen überrissen und - da unsubstantiiert - nicht nachvollziehbar, dass
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der Abteilungspräsident, nachdem der Rechtsvertreter innert gesetzter Frist zum
Honorarvorschlag nicht weiter Stellung genommen hatte, entsprechend verfügte, zumal
er ein solches Vorgehen im Schreiben vom 8. Mai 2014 in Aussicht gestellt hatte.
3.4 In der detaillierten Kostennote, welche der Rechtsvertreter am 13. Juni 2014
eigereicht hat, weist er im Vorfeld der zur Fristwahrung erhobenen, lediglich mit einer
Kurzbegründung versehenen Beschwerde nebst administrativen Aufwendungen solche
von nahezu 3 Stunden für das Aktenstudium und 1.5 Stunden für die Erstellung der
Beschwerdeschrift (Kurzversion) sowie ein (nicht aktenkundiges) Schreiben an die
Klientin aus. Die knapp dreiseitige Eingabe vermag einen solchen Aufwand nicht zu
erklären. Noch weniger erklärbar erscheint, wie für die Ausarbeitung der
Beschwerdeergänzung vom 6. März 2014, welche knapp sieben Seiten umfasst und
sich nur rudimentär mit dem (medizinischen) Dossier der Klientin befasst, weitere 10
Stunden Aktenstudium und Redaktionsarbeit notwendig hätten sein sollen. Die
Ausführungen in der Eingabe vom 13. Juni 2014 vermögen die geltend gemachten
Aufwendungen jedenfalls nicht einmal im Ansatz als angemessen erscheinen zu lassen.
Damit aber ist der seitens des Rechtsvertreters angestellten Berechnung, womit er eine
sehr dürftige, unangemessene Parteientschädigung nachzuweisen trachtet, der Boden
entzogen. Weiter taugt die eingereichte Honorarnote nach dem Gesagten nicht dazu,
die Einschätzung der erforderlichen Aufwendungen durch den Abteilungspräsidenten
als unangemessen erscheinen zu lassen. Ob es richtig war, dass dieser die
Aufwendungen im Zusammenhang mit den vier Fristerstreckungsgesuchen gesamthaft
als nicht entschädigungswürdig erachtet hat, kann dahingestellt bleiben. Angesichts
der gesamten Umstände, worin neu auch die getätigten Aufwendungen im
Zusammenhang mit der Eingabe vom 13. Juni 2014 Berücksichtigung finden, erachtet
das Gericht eine mittlere pauschale ausseramtliche Parteientschädigung gemäss
Raster von Fr. 2'000.-- als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP