Decision ID: 6c0973d6-8ebb-47d2-93ae-6ffab26c36c5
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kurt Steiner, Spitalgasse 4, Postfach,
9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision (Einstellung)
Sachverhalt:
A.
A.a R._, geboren 1958, meldete sich am 17. Oktober 2000 zum Bezug von
Rentenleistungen der Invalidenversicherung an (act. G 13.1.2). Die behandelnde
Dr. med. A._, Fachärztin FMH für Allgemeinmedizin, diagnostizierte im Arztbericht
vom 4. November 2000: ein Rezidiv eines Liposarkoms des rechten Oberschenkels,
einen Status nach erster Tumorresektion am 19. März 1999, einen Status nach
Resektion eines grossen Rezidivs am 15. Dezember 1999, einen Status nach
perkutaner Radiotherapie der Tumorrezidivregion vom Februar bis April 2000 und eine
zunehmende Einschränkung der Mobilität des rechten Beins. Die Versicherte sei für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit seit 19. März 1999 bis auf weiteres zu 100% arbeitsunfähig
(act. G 13.1.8.3 ff.). Der behandelnde Prof. Dr. med. B._, Leiter der Abteilung
Tumororthopädie der orthopädischen Universitätsklinik Zürich, bescheinigte der
Versicherten seit Dezember 1999 auch für adaptierte Tätigkeiten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (act. G 13.1.10). In der Stellungnahme vom 23. April 2001 hielt der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für begründet. Er
gab an, auch für eine allfällige Haushaltstätigkeit sei von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen (act. G 13.1.11). Mit Verfügung vom 11. Juli 2001
sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab 1. Dezember 2000 bei einem
Invaliditätsgrad von 100% eine ganze Rente zu (act. G 13.1.16).
A.b Anlässlich des von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens gab die
Versicherte am 18. Mai 2006 im Fragebogen für Revision der Invalidenrente an, ihr
Gesundheitszustand sei gleich geblieben (act. G 13.1.19). Am 9./10. Oktober 2006
wurde sie von den Ärzten der AEH Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene
AG rheumatologisch-orthopädisch untersucht. Die Experten diagnostizierten: ein
chronisches Schmerzsyndrom mit Generalisierungstendenz, ein Liposarkom
Oberschenkel rechts, eine Funktionsstörung des rechten Kniegelenks, ein Zerviko- und
Lumbovertebralsyndrom, ein unspezifisches Weichteilschmerzsyndrom der rechten
oberen Extremität, einen Verdacht auf eine depressive Entwicklung, einen Diabetes
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mellitus Typ 2, eine arterielle Hypertonie sowie einen Status nach bilateralen
Lungenembolien, postoperativ 1999. Verglichen mit der Situation des Jahres 1999 sei
bezüglich der Tumorerkrankung eine anhaltende Remission festgestellt worden, die
grundsätzlich eine berufliche Wiedereingliederung ermögliche. Die Kraftverminderung
des rechten Oberschenkels und die chronischen Schmerzen im Beckengürtel rechts/
Oberschenkel rechts seien als Residualzustand zu werten. Neu hinzugetreten sei die
Funktionsstörung des rechten Kniegelenks bei Status nach traumatischer, konservativ
behandelter Patellafraktur 2001, die berücksichtigt werden müsse. Auch das sich
generalisierende Schmerzsyndrom mit lumbovertebralen und zervikovertebralen
Beschwerden sowie Weichteilschmerzen im Bereich des rechten Armes habe 1999
noch nicht bestanden, ebenso die psychischen Veränderungen. Diesbezüglich
bestünden jedoch keine objektiven Befunde am Bewegungsapparat, die einen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit hätten (act. G 13.1.36).
A.c Am 30. Januar 2007 wurde die Versicherte durch Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Psychiatrie/Psychotherapie, begutachtet. Dieser kam im Gutachten vom 27. Februar
2007 (Datum Posteingang IV-Stelle) zum Schluss, dass aufgrund der anamnestischen
Angaben, der vorhandenen Akten sowie aktuellen Untersuchungsbefunde aus
psychiatrischer Sicht keine arbeitsbezogen relevante Diagnose habe festgestellt
werden können (act. G 13.1.40).
A.d Nach einer interdisziplinären Konsensbesprechung beurteilten die Experten der
AEH und Dr. C._ am 6. März 2007 die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als
Montagemitarbeiterin zu 100% arbeitsunfähig. Für eine adaptierte, körperlich sehr
leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit mit ergonomischer Einrichtung des
Sitzarbeitsplatzes (ergonomischer Arbeitsstuhl) sei sie ganztags arbeitsfähig mit einem
vermehrten Pausenbedarf von zwei Stunden (act. G 13.1.43).
A.e Nachdem Eingliederungsbemühungen der IV gescheitert waren (act. G 13.1.49),
stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2. November 2007 in
Aussicht, dass aufgrund einer gesundheitlichen Verbesserung kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr resultiere und die laufende Rente eingestellt
werde (act. G 13.1.54).
B.
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B.a Dagegen erhob die Versicherte am 3. Dezember 2007 Einwand und beantragte, die
Rente sei nicht aufzuheben. Sie bestritt das Vorliegen einer gesundheitlichen
Verbesserung (act. G 13.1.55; vgl. auch act. G 13.1.60).
B.b Am 29. Januar 2008 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid vom
2. November 2007 und stellte die Rentenleistungen bei einem Invaliditätsgrad von 35%
auf Ende des der Zustellung folgenden Monats ein.
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 29. Januar 2008 richtet sich die von der
Beschwerdeführerin am 3. März 2008 erhobene Beschwerde. Sie beantragt darin unter
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die weitere Ausrichtung von
Rentenleistungen gemäss Verfügung vom 11. Juli 2001. Eventualiter seien zusätzliche
ärztliche Begutachtungen einzuholen. Die Beschwerdeführerin stellt sich unter Verweis
auf die Stellungnahmen der behandelnden Ärzte auf den Standpunkt, dass sich ihr
Gesundheitszustand seit der Rentenzusprache nicht verbessert habe und den von den
Verlaufsgutachtern gezogenen Schlüssen nicht gefolgt werden könne. Deren
Beurteilung sei unvollständig. Des Weiteren erachtet die Beschwerdeführerin die
Invaliditätsbemessung für unzutreffend und macht geltend, dass die Frage der
Vermittelbarkeit zu prüfen sei (act. G 1).
C.b Am 21. Mai 2008 teilt die IV-Stelle mit, dass sie prüfe, ob die ursprüngliche
Rentenzusprache in Wiedererwägung zu ziehen sei. Sie ersuchte, das
Beschwerdeverfahren bis zum Abschluss eines allfälligen Wiedererwägungsverfahrens
zu sistieren (act. G 4). Nachdem die Beschwerdeführerin gegen die Sistierung keine
Einwände erhoben hatte, sistierte die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts das
Beschwerdeverfahren (act. G 6). Am 3. März 2009 hob sie die Sistierung auf (act. G 12).
C.c In der Beschwerdeantwort vom 1. April 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeabweisung. Zur Begründung führt sie aus, dass die ursprüngliche
Rentenzusprache auf widersprüchlichen medizinischen Stellungnahmen beruhe. Der
damalige Sachverhalt sei offensichtlich unzureichend abgeklärt worden, weshalb die
ursprüngliche Rentenverfügung vom 11. Juli 2001 wiedererwägungsweise aufzuheben
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und die verfügte Renteneinstellung zu Recht erfolgt sei. Im Übrigen rechtfertige die
zwischenzeitlich eingetretene gesundheitliche Verbesserung eine revisionsweise
Einstellung der Rentenleistungen. Angesichts der umfassenden und vollständigen
Beurteilungen durch die Verlaufsgutachter bestünde keine Veranlassung für weitere
Abklärungen (act. G 13).
C.d In der innert mehrmals erstreckter Frist eingereichten Replik vom 19. August 2009
hält die Beschwerdeführerin an den Ausführungen der Beschwerde vollumfänglich fest.
Ergänzend bestreitet sie, dass die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der
ursprünglichen Rentenverfügung vom 11. Juli 2001 erfüllt seien. Ferner könne nicht von
stabilen Verhältnissen gesprochen werden, was die jüngsten Ereignisse zeigen würden:
So habe sie sich vom 10. Februar bis 3. März 2009 im Kantonsspital St. Gallen (KSSG)
einer Tumorentfernung unterziehen müssen (act. G 24). Der Replikeingabe legt die
Beschwerdeführerin einen Bericht der behandelnden Ärzte des KSSG vom 18. März
2009 zum neu diagnostizierten meningotheliomatösen Konvexitätsmeningeom rechts
frontoparietal und zur am 16. Februar 2009 vorgenommenen Kraniotomie rechts frontal
mit vollständiger Tumorentfernung bei (act. G 24.1).
C.e Duplikweise macht die Beschwerdegegnerin am 31. August 2009 geltend, dass die
neue Tumorerkrankung - die erstmals anfangs Februar 2009 symptomatisch geworden
sei - nicht den vorliegend massgeblichen bis zum Verfügungserlass vom 3. März 2008
eingetretenen Sachverhalt beschlage und für das vorliegende Beschwerdeverfahren
unbeachtlich sei (act. G 26).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
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angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Weil es vorliegend den Sachverhalt
hinsichtlich der Frage zu prüfen gilt, ob die rechtskräftig verfügten Rentenleistungen im
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 29. Januar 2008 in Revision gezogen
werden durften, finden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und
IVG Anwendung.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zeitlicher
Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte
(der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen
Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten
bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V
108 E. 5.4). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen
eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die
Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinn von Art. 17
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Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/2008,
E. 2.1).
2.3 Unter dem Rückkommenstitel der Wiedererwägung ist die Verwaltung befugt,
jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, die nicht
Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hatte, zurückzukommen,
wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher
Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die
Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die
Revisionsvoraussetzungen des Art. 17 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose
Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so
kann es die auf Art. 17 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwaltung mit dieser
substituierten Begründung schützen (vgl. BGE 125 V 369 E. 2 mit Hinweisen).
2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die
Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem
Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 352
E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
3.
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Vorab stellt sich die Frage, ob die von der Beschwerdegegnerin am 29. Januar 2008
verfügte revisionsweise Renteneinstellung zu Recht ergangen ist. Zeitlicher
Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchsrelevanten Veränderung bildet die
ursprüngliche Rentenverfügung vom 11. Juli 2001 (act. G 13.1.16).
3.1 Massgebend für die Beurteilung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung vom 11. Juli
2001 waren im Wesentlichen die Stellungnahme des IV-Arztes vom 23. April 2001 (act.
G 13.1.11) und der Bericht von Prof. Dr. B._ vom 28. Februar 2001. Darin wurde der
Beschwerdeführerin für sämtliche Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (act. G 13.1.11 und act. G 13.1.10).
3.2 Im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens stützte sich die
Beschwerdegegnerin auf das AEH-Gutachten vom 21. November 2006 (act. G 13.1.36),
das psychiatrische Gutachten von Dr. C._ vom 8. Januar 2007 (act. G 13.1.40) sowie
die interdisziplinäre Stellungnahme vom 6. März 2007 (act. G 13.1.43). Die Gutachter
kamen zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin für eine adaptierte, körperlich sehr
leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit mit ergonomischer Einrichtung des Sitzplatzes
(ergonomischer Arbeitsstuhl) unter Berücksichtigung eines vermehrten zweistündigen
Pausenbedarfes über eine ganztägige Arbeitsfähigkeit verfüge (act. G 13.1.43).
3.2.1 Das AEH-Gutachten beruht auf eigenen Untersuchungen und gegen die
Gutachterpersonen gibt es nichts einzuwenden. Allerdings ist inhaltlich zu bemängeln,
dass sich die Experten kaum mit den anderslautenden medizinischen Vorakten
auseinandergesetzt haben. So setzen sie sich nicht mit den Aussagen der
behandelnden Ärzte vom Juni 2006 auseinander, die den Gesundheitszustand als
stationär bezeichneten (vgl. act. G 13.1.24.3 und act. G 13.1.23.4). Ferner scheinen sie
den Verlaufsbericht von Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin, vom 27. Juni
2006 (act. G 13.1.23.3 f.) nicht zur Kenntnis genommen zu haben. Ohnehin fehlt im
AEH-Gutachten eine (chronologische) Nennung und Auflistung der Vorakten (vgl. zum
entsprechenden Erfordernis, Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für
Rheumatologie zur Begutachtung rheumatologischer Krankheiten und Unfallfolgen,
Schweizerische Ärztezeitung 2007; 88: 17, S. 739).
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3.2.2 Mit Blick auf die bei der Beschwerdeführerin diagnostizierten
Wirbelsäulensyndrome (Zerviko- und Lumbovertebralsyndrom; act. G 13.1.26.6) und
die traumatische Patellafraktur vom September 2001 mit allfälligen degenerativen
Veränderungen (vgl. act. G 13.1.36.5) wirft der Verzicht auf die Vornahme aktueller
Röntgenbilder Fragen an der AEH-Begutachtung auf. Was die bisherigen Röntgenbilder
anbelangt, so hat die Beschwerdeführerin den Gutachtern offenbar trotz mehrfacher -
allerdings nicht dokumentierter - Nachfrage, keine Röntgenbilder zur Verfügung
gestellt. Allerdings ist nicht klar, ob die Beschwerdeführerin überhaupt im Besitz der
entsprechenden Aufnahmen war. Immerhin hätte aber von den Gutachtern aufgrund
der Wichtigkeit der bisherigen Röntgenaufnahmen für die Verlaufsbeurteilung erwartet
werden können, die Beschaffungsbemühungen nicht bloss auf die Beschwerdeführerin
zu beschränken, sondern solche auch über die IV-Stelle oder den RAD auszuweiten,
anstatt es bei der Feststellung zu belassen, dass die Beschwerdeführerin die
Röntgenbilder nicht zur Verfügung gestellt habe. Angesichts der Forderungen der
medizinischen Fachliteratur (vgl. Leitlinien S. 738, H. Fredenhagen, Das ärztliche
Gutachten, 3. Auflage, 1994, S. 100; J. Meine, Die ärztliche Unfallbegutachtung in der
Schweiz - Erfüllt sie die heutigen Qualitätsanforderungen, in: Swiss Surg 1998; 4: 55)
und die durch schlechte Konsistenz gezeichnete EFL (vgl. act. G 13.1.36.9) weckt der
Verzicht auf das Sichten und Befunden der bisherigen bildgebenden Befunde sowie auf
das Erstellen neuer Röntgenbilder ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit des AEH-
Gutachtens. Dies umso mehr, als es im vorliegenden Revisionsverfahren gerade um
eine Verlaufsbeurteilung des Gesundheitszustandes geht.
3.2.3 Auch die Einschätzung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit vermag nicht zu
überzeugen. Diese Beurteilung erschöpft sich darin, die angepasste Tätigkeit als
ganztags zumutbar zu bezeichnen und statt einer Arbeitsunfähigkeit einen vermehrten
Pausenbedarf von zwei Stunden vorzuschlagen (act. G 13.1.36.8). Angesichts der
vorliegend zu beurteilenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen (vgl. act.
G 13.1.36.5 f.) bleibt die Frage offen, ob die Beschwerdeführerin zwischen den Pausen
die Leistung einer Gesunden erbringen kann oder in ihren Aktivitäten von ca. 76% (ca.
8,4 Stunden minus zwei Stunden Pause) zusätzlich verlangsamt oder sonstwie
behindert ist. Die AEH-Beurteilung bildet damit keine hinreichend verlässliche
Grundlage, um die Arbeitsfähigkeit, d.h. die zumutbare Leistung im Verhältnis zum
Normaltagespensum bei voller Leistung, zu bestimmen. Ins Gewicht fällt aber auch,
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dass es die Experten unterlassen haben, sich zu einer allfälligen invalidisierenden
Wirkung der neu hinzugetretenen Funktionsstörung des rechten Kniegelenks und des
neu hinzugetretenen generalisierenden Schmerzsyndroms mit lumbovertebralen und
zervikovertebralen Beschwerden sowie der Weichteilschmerzen im Bereich des rechten
Armes zu äussern. Sie hielten diesbezüglich - ohne allerdings entsprechende
bildgebende Untersuchungen vorgenommen bzw. die bestehenden Röntgenbilder
gesichtet zu haben (vgl. vorstehende E. 3.2.2) - lediglich fest, dass keine objektiven
Befunde am Bewegungsapparat bestünden, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
hätten (act. G 13.1.36.8). Sie scheinen sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
vielmehr bloss auf die im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache vorhanden
gewesenen Beschwerden fokussiert zu haben.
3.2.4 Was das psychiatrische Gutachten vom 8. Januar 2007 anbelangt, so beruht es
auf eigenständigen fachpsychiatrischen Untersuchungen. Es enthält jedoch bei näherer
Betrachtung Aussagen, die mit den Feststellungen der AEH-Gutachter nicht zu
vereinbaren sind. So wurden im AEH-Gutachten mehrmals psychisch relevante
Befunde erhoben ("depressiv wirkende" Beschwerdeführerin, "weint mehrfach", act.
G 13.1.36.3; "auffällige psychische Befindlichkeit", act. G 13.1.36.5) und ein Verdacht
auf eine depressive Entwicklung diagnostiziert (act. G 13.1.36.6), weshalb die Aussage
von Dr. C._, dass in den vorhandenen Akten keine psychopathologischen Befunde
oder psychiatrischen Diagnosen dokumentiert seien (act. G 13.1.40.4), Fragen aufwirft.
Es wäre zu erwarten gewesen, dass sich Dr. C._ mit den abweichenden
Feststellungen der AEH-Gutachter, die immerhin in eine Verdachtsdiagnose mündeten,
auseinandersetzt. Dem psychiatrischen Experten kann damit in der vorliegenden
Angelegenheit der Vorwurf nicht erspart werden, das AEH-Gutachten nicht mit der
erforderlichen Sorgfalt studiert und sich damit nicht begründet auseinandergesetzt zu
haben. Auch im nach der interdisziplinären Konsensbesprechung ergangenen
Schreiben vom 6. März 2007 werden die Aussagen von Dr. C._ weder begründet
noch zur Kenntnis genommen (act. G 13.1.43).
3.3 Einem Gutachten kommt schon dann kein voller Beweiswert zu, wenn Indizien
gegen seine Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht feststehen, dass das Gutachten
effektiv nicht den Tatsachen entspricht, was nicht mit medizinischen Fachpersonen
besetzte Behörden oft nicht beurteilen können (vgl. Urteil des Eidgenössischen
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Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2). Angesichts der genannten
Mängel vermögen die Gutachten der AEH und von Dr. C._ keine beweistaugliche
medizinische Grundlage zu bilden, um den bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 29. Januar 2008 eingetretenen medizinischen Sachverhalt mit dem im
Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 119 V 9 E. 3c/aa mit Hinweisen) festzustellen. Da gewisse
Anhaltspunkte bestehen, die auf eine seit der ursprünglichen Rentenverfügung vom
11. Juli 2001 bis zum 29. Januar 2008 eingetretene Verbesserung des gesundheitlichen
Zustands der Beschwerdeführerin hinweisen ("recht gutes Wohlbefinden", bisherig
guter Verlauf, act. G 13.1.23.5 f.; "eher günstige Prognose", act. G 13.1.24.3), ist die
Sache zur Vornahme eines interdisziplinären Verlaufsgutachtens an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
In der Beschwerdeantwort bringt die Beschwerdegegnerin vor, dass die strittige
Rentenaufhebung mit der substituierten Begründung der offensichtlichen Unrichtigkeit
der Verfügung vom 11. Juli 2001 bestätigt werden könne (act. G 13). Angesichts
dessen, dass sämtliche medizinischen Akten die der Rentenzusprache zugrunde
gelegte medizinische Einschätzung nicht in Zweifel ziehen (vgl. auch die angefochtene
Verfügung vom 29. Januar 2008, worin die damalige 100%ige Arbeitsunfähigkeit und
der Rentenanspruch ausdrücklich als nachvollziehbar bezeichnet wird, act.
G 13.1.61.2), ist dieser beschwerdegegnerische Standpunkt mit den fachärztlichen
Beurteilungen nicht zu vereinbaren. Aufgrund der Rückweisung der Sache zur
Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen kann aber die Frage, ob die
Voraussetzungen für eine wiedererwägungsweise Aufhebung der ursprünglichen
Rentenverfügung erfüllt sind, letztlich offen gelassen werden.
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
29. Januar 2008 aufzuheben. Die Sache ist zur weiteren medizinischen Abklärung und
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neuen Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss der Beschwerdeführerin von Fr. 600.-- ist ihr
zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
Bedeutung und Komplexität der Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG