Decision ID: 3029a4c7-f1fe-4c9d-87a2-3917adc26ee8
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1972 geborene
X._
meldete sich am 13. Oktober 2011
– unter Hinweis auf eine Augenerkrankung – zum Bezug von Leistungen
(berufliche Integration, Rente)
der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an (Urk. 7/8).
Am 19. Oktober 2011
stellte sie ein Gesuch um
Hilfsmittel (Ruby-Lesegerät; Urk. 7/12). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, teilte ihr daraufhin am 4. November 2011 mit, dass sie Anspruch auf Frühinterventionsmassnahmen in Form von Anpassungen des Arbeitsplatzes habe
,
und erteilte Kostengutsprache
einerseits
für ein Sehmittel für Sehbehin
derte mit Vergrösserung für den Computerarbeitsplatz (Urk. 7/19) und anderer
seits für ein mobiles Ruby-Lesegerät (Urk. 7/20).
Am 30. März 2012 anerkannte die IV-Stelle auch den Anspruch der Versicherten auf Arbeitsvermittlung (Urk. 7/30).
Am 16. Oktober 2012
beantragte
die Versicherte ein
e
Hilflosenent
schädigung
(Urk. 7/55). Die IV-Stelle teilte ihr daraufhin mit, dass sie den ent
sprechenden Anspruch nach Ablauf der einjährigen Wartezeit am 28. Juni 2013 prüfen werde (Urk. 7/60).
Am 6. März 2013 beschied die IV-Stelle, dass die Ar
beitsvermittlung
nun abgeschlossen werde, da
die Versicherte
diesbezüglich keiner Unt
erstützung bedürfe
; das
Dossier werde an die Berufsberatung weiter
geleitet
(Urk. 7/63)
.
Mit Schreiben vom 11. Juni 2013 (Urk. 7/71) teilte sie der Versicherten daraufhin mit, dass die Berufsberatung aufgrund der gemeldeten gesundheitlichen Beschwerden abgeschlossen und der Rentenanspruch geprüft werde. Am 3. Juli 2013 verfügte die IV-Stelle
mit Wirkung ab 1. Juni 2013 eine Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit
im
Sonderfall (Urk. 7/76, Urk. 7/72). In der Folge verneinte sie am 31. Juli 2013
– unter Hinweis darauf, dass sich die Versicherte
hiezu
nicht in der Lage fühle – deren Anspruch auf berufliche Massnahmen (Urk. 7/79). Nachdem die Versicherte am 26. September (Urk. 7/85) und 19. Dezember 2013 (Urk. 7/89) um
Übernahme der Kosten
wei
tere
r
Hilfsmittel ersucht hatte,
erteilte die IV-Stelle am 15. Januar
beziehungs
weise 25. Februar 2014 Kostengutsprache für eine Kantenfilterbrille (Urk. 7/94) und für ein Lese- und Schreibsystem (Urk. 7/103)
.
In der Folge liess sie die Versicherte im
Frühjahr
2014 von den Ärzten der MEDAS
Y._
polydisziplinär untersuchen (vgl. Gutachten vom 18. Juni 2014, Urk. 7/108)
und veranlasste am 26. August 2014 eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (vgl. Bericht vom 18. September 2014, Urk. 7/111). In Bestätigung ihres Vorbescheids vom 21. November 2014 (Urk. 7/114) verfügte sie daraufhin
am 20. Februar 2015
– unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 31 %
–
die Abweisung des
Ren
tengesuchs
(Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung (Urk. 2) liess
X._
am 26. März 2015 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben
(Urk. 1 S. 2)
:
"1.
Der angefochtene Entscheid sei aufzuheben.
2.
Es sei der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juli 2012 eine ganze IV-Rente zuzusprechen.
3.
Unter Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
Es sei der Beschwerdeführerin in der Person der Unterzeichneten eine un
entgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen.“
Die IV-Stelle schloss am 11. Mai 2015 auf Abweisung der Beschwerde (vgl.
Be
schwerdeantwort
, Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 12. Mai 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
enanntes
Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog
enanntes
Valideneinkom
men
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der
Einkom
mensdifferenz
der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter an
derem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozi
alen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode be
stimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die angefochtene Verfügung damit, dass die – als zu 80 % erwerbs- und zu 20 %
im Haushaltsbereich tätig zu qualifizierende – Be
schwerdeführerin
seit Ablauf des Wartejahrs am 19. August 2012 in einer
be
hinderungsangepassten
Tätigkeit mit minimalsten Sehanforderungen noch zu 65 %
arbeitsfähig sei. Unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 20 % sei sie damit in der Lage, ein 34 % unter dem
Tabellenlohn für Mitar
beiter mit Berufs- und Fachkenntnissen in der Gastronomie
liegend
es Salär zu erzielen. Unter Einbezug
der Leistungseinbusse von 19 %
im Aufga
benbereich
ergebe sich ein
– rentenausschliessende
r
– Gesamtinvaliditätsgrad von
31
% (Urk. 2
S. 2 f
f
.
, Urk. 6 S.
1
).
Die von den Gutachtern der MEDAS
Y._
am 18. Juni 2014 empfohlenen Eingliederungsmassnahmen hätten aufgrund der damals bestandenen Schwangerschaft nicht durchgeführt werden können. Es stehe der Beschwerdeführerin indes jederzeit frei, erneut ein Gesuch um Unter
stützung bei der Stellensuche zu stellen
(Urk. 2 S. 3)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
ange
sichts ihrer Berufsausbildung und –
erfahrung
vor Eintritt des
Gesundheitsscha
dens
sei betreffend
das
Valideneinkommen
auf den Tabellenlohn
mindestens gemäss Anforderungsniveau 2 im Bereich
Hotel und
Gastronomie abzustellen (Urk. 1 S. 3 f.).
Die Ausübung einer
ihrer massiven Sehbehinderung angepassten
unqualifizierten Hilfsarbeitertätigkeit sei ihr, sofern
der ausgeglichene Arbeits
markt überhaupt geeignete Stellen biete, aufgrund
ihrer
beruflichen
Qualif
i
kati
onen nicht zumutbar
(S. 4)
.
Da sich eine Umschulung auf eine Tätigkeit mit ei
nem adäquaten Anforderungsniveau indes, wie die fundierten einschlägigen Abklärungen der IV-Stelle gezeigt hätten, behinderungsbedingt als unmöglich
erweise,
könne ihr kein Invalideneinkommen mehr angerechnet werden (S. 5). Gehe man dennoch von einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit aus, sei
diese
infolge
der
weitreichenden gesundheitlichen Einschränkungen
jedenfalls derart geringfügig, dass
sich eine
Erwerbseinbusse
von
weit über 70 % erg
e
be (S. 6). Im Erwerbsbereich sei demnach von einem Invaliditätsgrad von 100 % bezie
hungsweise – gewichtet – 80 % auszugehen. Damit sei
der
Anspruch auf eine ganze Rente
ab Juni 2012
– unabhängig von der Leistungseinbusse im
Hau
s
haltsbereich
, deren effektives Ausmass den von d
er IV-Stelle angenommenen Wert
deutlich übersteige und die
gegebenenfalls
vom Gericht
neu abzuklären sei – ausgewiesen (S. 8).
3.
3.1
Die Ärzte des
Z._
, Augenklinik, diagnostizierten am 11. Aug
ust 2011 eine dominante
Optikusatrophie
.
Die
Beschwerdeführerin
weise
seit
der
Geburt ein
en
beidseitig verminderte
n
Visus
auf
(Urk. 7/27 S. 1)
.
Derzeit betrage der am besten korrigierte
Visus
am rechten Auge 0,3 und am linken Auge 0,1
6.
Therapieoptionen bestünden leider keine. Der Beschwerdeführerin sei empfohlen worden, die
A._
aufzusuchen. Zur Verlaufskontrolle sei in einem Jahr eine erneute Untersuchung vorgesehen (S. 2).
3.2
Am 28. Juni 2012 bestätigten die Ärzte des
Z._
, Augenklinik, dass die Beschwerdeführerin aufgrund einer genetisch bedingten Erkrankung der Sehnerven auf beiden Augen eine schwere Einschränkung der Sehkraft aufweise.
Die Sehschärfe betrage aktuell 0,2 (
Snellen
) rechts und 0,1 (
Snellen
) links. Eine Verbesserung der Sehschärfe sei nicht zu erwarten und lasse sich auch mittels Sehhilfen (Brille, Kontaktlinsen) nicht erzielen (Urk. 7/47).
3.3
In ihrem Bericht vom 26. Oktober 2012 gaben die Ärzte des
Z._
, Augenklinik, an, der
Visus
sei zwischenzeitlich weiter abgefallen u
n
d
betrage nun
mehr
– korrigiert
– 0,16 rechts und 0,1 links. Die Erkrankung habe zudem beidseits ein Zentralskotom
hervorgerufen.
Aufgrund des herabgesetzten
Visus
habe die Beschwerdeführerin Schwierigkeiten beim Lesen sowie bei der Orientierung und sei unfähig, einer Berufstätigkeit nachzugehen, da dies in der Regel eine deutlich bessere Sehschärfe erfordere (
Urk. 7/58
S. 6 f.).
Prognostisch sei davon auszugehen, dass diese auf dem aktuellen Niveau verbleiben oder allenfalls noch weiter leicht abnehmen werde. Eine komplette Erblindung sei eher unwahrscheinlich; normalerweise bleibe das periphere Sehen bei einer domi
nanten
Optikusatrophie
erhalten. Der herabgesetzte
Vis
us
beidseits
und das Zentralskotom
verunmöglich
t
e
n
die Ausübung von Tätigkeiten, die hohe Anfor
derungen an das Sehen stellten (Büroarbeit sowie Arbeit, die mit Lesen verbun
den seien oder allgemein eine hohe Sehschärfe erforderten)
; andere
Leistungs
einschränkungen
bestünden nicht. Die Einschränkung der Sehkraft sei als schwer einzustufen (S. 7 f.).
3.4
Gestützt auf die Akten ge
langte
der
– nicht namentlich genannte –
zuständige
Arzt des Regionalärztlichen Diensts (RAD) der IV am 25. Januar 2013 zum Schluss, dass die Beschwerdefüh
r
erin
in der
bisherige
n
Tätigkeit
zu 100 % ar
beitsunfähig sei. E
ine
behinderungs
ange
pa
sste
leichte Tätigkeit, die mit Sehhil
fen (adaptierter Arbeitsplatz) ausgeführt werden könne, sei ihr indes noch zu
mutbar (Urk. 7/65 S. 3).
3.5
Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte der – seit 7. Juni 2013 bei ihr in Behandlung stehenden – Beschwerdeführerin am 12. Juni 2013 ab 1. Juni 2013 für acht Wochen eine 100%ige (vgl. Urk. 7/75) Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/74 S. 1).
3.6
Am 20. Juni 2013 berichteten die Ärzte des
Z._
, Augenklinik, über einen im Vergleich zur Untersuchung im Jahr 2011 praktisch unveränderten Zustand mit stabiler Sehschärfe von 0,16 am rechten und 0.05 am linken Auge. Eine signifikante Progression der Erkrankung könne damit ausgeschlossen werden (Urk. 7/82 S. 5).
3.7
Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, stellte am 20. August 2013 nachstehende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/82 S. 1):
Dominante
Optikusatrophie
, bestehend seit Geburt, zunehmend
Depressive Entwicklung, bestehend seit 2013, bei
Status nach Depression im Jahr 2000
Die seit Juli 2008 bei ihm in Behandlung stehende Beschwerdeführerin leide als Reaktion auf die Sehbehinderung beziehungsweise die dadurch bedingten Ein
schränkungen im Alltag seit Anfang 2013 an einer mittelschweren bis schweren Depression. Die angestammte Tätigkeit sei ihr aufgrund der stark eingeschränk
ten Sehfähigkeit nicht mehr zumutbar (S. 2)
.
3.8
Die Psychiaterin Dr.
B._
stellte am 19. September 2013 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/83 S. 1):
Mittelgradige Depression mit somatischem Syndrom bei weitgehendem
Visusverlust
, ICD-10 F32.11
Angststörung mit Panikattacken, ICD-10 F41.0
Leber’sche
Optikusatrophie
mit
r
apider
Visusverschlechterung
auf 5 % innert 18 Monaten
seit 2012
In der angestammten Tätigkeit s
e
i
die Beschwerdeführerin
– seit 7. Mai 2013 auch
aufgrund der Depression
–
nicht mehr arbeitsfähig
. Was die Leistungsfä
higkeit in einer behinderungsangepa
ssten Tätigkeit anbelange, seien
,
sobald die Belastung und die depressive Symptomatik reduziert werden könnten,
stunden
weise Einsätze
sinnvoll und entsprächen auch dem Wunsch der Beschwerde
führerin (S. 3).
3.9
Nachdem sie die Beschwerdeführerin im Februar und März 2014 internistisch, ophthalmologisch und psychiatrisch untersucht hatten,
stellten die Ärzte der MEDAS
Y._
in ihrem Gutachten vom 18. Juni 2014 nachstehende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/108 S. 8):
Hereditäre
Optikusatrophie
vom
Kjer
-Typ, autosomal-dominante Verer
bung
Hornhautastigmatismus beidseits
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom
Agoraphobie
Die Beschwerdeführerin sei etwa im dritten Monat schwanger. Für Tätigkeiten mit normaler Sehanforderung, mithin auch die bisherige Tätigkeit als
Hotelma
nagerin
, bestehe
– seit frühestens Ende 2005, sicher aber schon seit der Anmel
dung bei der IV im Oktober 2010 –
eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit. Tätigkei
t
en
mit minimaler Sehanforderung seien der Beschwerdeführeri
n zwar noch zumutbar, aus psychopathologischen Gründen indes lediglich noch im Umfang von 60 bis 70 %.
Die psychisch bedingte Einschränkung des Leistungsvermö
gens habe sich seit 2012 (
Arbeitsfähigkeit von
30 bis 40 %) langsam verbessert. Während sich die ophthalmologische Situation mittels medizinischer Massnah
men nicht mehr verbessern lasse, seien aus psychiatrischer Sicht eine Psycho
therapie respektive (nach der Schwangerschaft) eine antidepressive Medikation angezeigt (S. 8 f.).
4.
4.1
Nach Lage der Akten steht fest
und ist unbestritten
,
dass die Beschwerdeführe
rin an physischen und psychischen Beschwerden leidet und deswegen in ihrem Leistungsvermögen eingeschränkt ist.
Hinsichtlich der konkreten Natur der Symptomatik
gelangten die Ärzte der MEDAS
Y._
in ihrem Gutachten vom 18. Juni 2014 –
gestützt auf
die Ergebnisse ihrer
fundierten
internistischen,
ophthalmologischen
(Urk. 7/108 S. 13 ff.)
und psychiatrischen Untersuchung
(Urk. 7/108 S. 24 ff.)
,
unter Berücksichtigung der
ge
klagten Beschwerden (Urk.
7/108 S. 5 f.
),
in Kenntnis der
Vorakten
(Urk.
7/108 S. 2 ff.
) und nach Ein
holung telefonischer Auskünfte
einerseits
de
s Hausarztes
Dr.
C._
und
andererseits
der Psychiaterin
Dr.
B._
(Urk. 7/108 S. 28 f
;
zum Beweiswert ei
nes medizinischen Gutachtens vgl. BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c)
– mit
nachvollziehbarer
Begründung und im Wesentlichen in Übereinstimmung mit der Beurteilung der behandelnden Ärzte zum Schluss, dass das Augenleiden unter die Diagnosen einer hereditären
Opti
kusatrophie
vom
Kjer
-Typ sowie ei
nes Hornhautastigmatismus zu subsumieren und die psychischen Beschwerden im Rahmen einer depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, sowie einer Agoraphobie zu interpretieren seien (Urk. 7/108 S. 8)
.
4.2
Was das Leistungsvermögen in physischer Hinsicht anbelangt, legte
der begutachtende Ophthalmologe der
MEDAS
Y._
einleuchtend dar, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund ihres Augenleidens – nach einer weiteren Verschlechterung in den letzten Monaten – rechts noch einen
Fernvisus
von 0,05 bis 0,1 und links (mit Mühe) von 0,05 aufweise, wobei sich mittels Gläsern keine Verbesserung erzielen lasse. Die Untersuchung des Gesichtsfelds G2 habe zudem einen Verdacht auf ein beidseitiges Zentralskotom ergeben. Ob der
End
visus
nun erreicht sei, lasse sich nicht mit Sicherheit sagen; eine weitere
Seh
verschlechterung
sei jedenfalls noch möglich.
In der
angestammten
und jeder anderen Tätigkeit mit normaler Sehanforderung sei die
Beschwerdeführerin, die keine brauchbare Lesefähigkeit
mehr
aufweise, selbst Gesichter nicht mehr rich
tig erkennen könne,
im Alltag einen Blindenstock benötige und nun die Braille-Schrift lerne
, aus rein ophtha
lmologischer Sicht
zu 100 % arbeitsunfähig. In Betracht falle, da die Beschwerdeführerin teilweise in der Schweiz und teilweise in
D._
aufgewachsen sei, allenfalls noch eine Tätigkeit als
“
Dolmetscherin der mündlichen Sprache
“
(Urk. 7/108 S. 13
f.
)
.
Bezüglich des psychischen Gesundheitszustands gelangten die Experten der MEDAS
Y._
zum Schluss, dass es sich sowohl bei der depressiven als auch bei der Angstsymptomatik um eine Reaktion auf die zunehmende Erblindung und die dadurch bedingten Einschränkungen im Alltag handle. Unmittelbar nach dem – mit dem Augenleiden zu erklärenden – Verlust der letzten Arbeitsstelle habe eine 60 bis 70%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Durch die medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung sei es in der Folge zu ei
ner leichten Beschwerdebesserung gekommen, sodass die Arbeitsfähigkeit im
Zeitpunkt der Exploration lediglich noch zu 30 bis 40 % eingeschränkt gewesen sei (Urk. 7/108 S. 33).
Unter Berücksichtigung sowohl der Augenerkrankung als auch der psychischen Symptomatik
attestierten die Gutachter der MEDAS
Y._
der Be
schwerdeführerin in einer Tätigkeit mit minimaler Sehanforderung ab 2012 eine 60 bis 70%ige und – nach einer langsamen Verbesserung der psychischen Be
einträchtigung – ab 18. Juni 2014 (Datum des Gutachtens) noch eine 30 bis 40%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die durch das Augenleiden be
dingte Leistungseinbusse bestehe seit frühestens 2005, sicher aber schon seit der Anmeldung bei der IV im Oktober 201
0.
Berufliche Massnahmen seien nicht in
diziert
(Urk. 7/108 S. 9).
4.3
4.3.1
Die IV-Stelle ging
betreffend den – nach Lage der Akten mit 80 % gewerteten (vgl.
hi
ezu
insbesondere
Urk. 7/22 S. 1,
Urk. 7/54 S. 2
und
Urk. 7/111 S. 4) – Erwerbsbereich
gestützt auf das Gutachten der MEDAS
Y._
vom 18. Juni 2014 (Urk. 7/108) davon aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem Ablauf der einjährigen
Wartezeit am 19. August 2012 (Urk. 7/113 S. 5)
noch in der Lage sei
, im Pensum von 65 % einer leidensangepassten Tätigkeit gemäss Anforderungsniveau 4 der LSE
2010
nachzugehen und damit ein 20 % unter dem Tabellenlohn liegendes Salär zu erzielen. Dabei übersah sie
(abgesehen von den Grundsätzen betreffend Anwendbarkeit der LSE 2012; vgl. zum Ganzen BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und Bundesgerichtsurteil 9C_699/2015 vom
6.
Juli 2016 E. 5 unter Hinweis auf das IV-Rundschreiben Nr. 328 des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom 2
2.
Oktober 2014)
indes
einerseits
, dass die Be
schwerdeführerin gemäss den Experten der MEDAS
Y._
bis Mitte Juni 2014 in einer Verweistätigkeit
noch
zu
60 bis 70 % arbeits
un
fähig war (Urk. 7/108 S. 9). Andererseits beurteilte sie den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin, ohne vorgängig geprüft zu haben, ob der ausgeglic
hene Arbeitsmarkt überhaupt
–
genügend
–
Arbeitsgelegenheiten bietet, die für die nahezu
blinde
Beschwe
rdeführerin
(ohne Umschulung)
noch
in Betracht fallen.
4.3.2
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf. Das gilt sowohl bezüglich der da
für verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen
als
auch hin
sicht
lich des körperlichen Einsatzes
. Dabei ist nicht von realitätsfremden
Ein
satzmöglichkeiten
auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten
des Einzelfalles zumutbar sind. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei wel
chen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitge
bers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann aber dort nicht ge
sprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Ar
beitgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vor
neherein als ausgeschlossen erscheint (
Urteil des Bundesgerichts 8C_652/2014 vom 9. Januar 2015 E. 3.2.2.1 mit Hinweisen)
.
Ist die
einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realis
tischerweise
nicht mehr nachgefragt und ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar
, f
ehlt es an einer wirt
schaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit
; in diesem Fall liegt
eine vollstän
dige Erwerbsunfähigkeit vor
(
vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
9C_
446
/201
2
vom
16. November 2012 E. 5.2
mit Hinweise
n
).
Die Möglichkeit einer versicherten Person, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend können
rechtspre
chungsgemäss
die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder die Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem a
ngestammten Bereich sein (vgl. etwa Urteil des Bun
desgerichts 9C_650/2015 vom 11. August 2016 E. 5.3 mit Hinweisen).
Die Be
urteilung der Frage
, w
elche konkreten beruflichen Tätigkeiten auf
g
rund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten de
r versicherten Person
in Frage kommen, ist zur Hauptsache Aufgabe des Berufs
beraters der Invalidenversicherung (BGE 107 V 17 E. 2b S. 20) oder kann durch tatsächlich ausgeübte Tätigkeiten belegt sein
(Urteil des Bundesgericht 8C_119/2008 vom 22. September 2008 E. 6.2
in
fine
mit Hinweis
)
.
4.3.3
Vorliegend hat die Beschwerdeführerin
, die seit Juni 2013 eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades (erheblicher und regelmässiger Bedarf an Dritthilfe in den Bereichen Fortbewegung und Pflege gesellschaftlicher Kon
takte) bezieht (Urk. 7/76, Urk. 7/72),
nach
dem krankheitsbedingten Verlust ih
rer letzten Stelle
Mitte 2012 (vgl. Urk. 7/66 S. 11)
– trotz entsprechender Bemü
hungen und damals noch weniger eingeschränkten Sehvermögens – keine Ar
beitsstelle mehr gefunden. Die – auf Augenleiden spezialisierte
(Urk. 7/65 S. 4)
– Berufsberaterin
der IV
gelangte nach einschlägigen Abklärungen zum Schluss,
dass
aufgrund
der
schweren Sehbehinderung
nur noch ganz wenige
Berufe
, etwa medizinische Masseurin, kaufmännische Angestellte oder Programmiererin
in Betracht f
alle
n
(Urk. 8/50 S. 5)
.
Ohne Umschulung
,
s
ah sie
für die Beschwer
deführerin
praktisch keine Möglichkeit,
eine behinderungs
angepasste Tätigkeit zu finden (Urk. 7/65 S. 3).
Insofern ist nicht nachvollziehbar, weshalb die IV-Stelle bei der Ermittlung des Invalidenlohns
ohne
Weiteres
auf den
Tabellen
lohn
für Hilfsarbe
itertätigkeiten abstellte (Urk. 2).
Betreffend eine Umschulung, wie sie die Berufsberaterin für unabdingbar für eine berufliche Wiedereingliederung betrachtete, ist darauf hinzuweisen, dass
die Beschwerdeführerin
, die sich
eine Arbeit als medizinische Masseurin nicht vorstellen kann (Urk. 7/80 S. 5),
bei einer
Umschulung in den kaufmännischen Be
reich (Handelsschule) vorgängig noch
ihr
e
Deutschkenntnisse
verbessern
(Urk. 7/80 S. 5
; vgl.
hiezu
auch Urk. 7/66 S. 4 f., Urk. 7/9 f., Urk. 7/80 S. 1 und S. 4
) und lernen
müsste
, mit Sprachausgaben über das Gehör zu arbeiten, was gemäss der Berufsberaterin
“
sehr intensiv
“
ist
(Urk. 7/65 S.
3
)
.
Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch darauf
, dass die Beschwerdeführerin zwar an
gab, in
D._
eine der Hotelfachschule entsprechende Ausbildung (vgl.
Urk. 7/80 S. 4
) beziehungsweise eine Ausbildung zur “Hotelfachmanagerin“ (Urk. 7/108 S. 4) absolviert zu haben,
sich dabei aber keinerlei
Computerkennt
nisse
aneignete und
auch
nicht das
Zehnfingersystem
erlernte, was auf das Fehlen nennenswerter theoretischer und/oder praktischer Kenntnisse im
Bü
robereich
schliessen lässt (vgl.
hiezu
Urk. 7/42, Urk. 7/55 S. 7, Urk. 7/66 S. 12, Urk. 7/80 S. 4)
.
Im
kaufmännischen Bereich
ist es sodann
schon für Gesunde schwierig, eine sich auf
(aufgrund der schweren Sehbehinderung wohl lediglich noch denkbare)
einfache Büroarbeiten beschränkte Stelle zu fin
den. Insofern erscheint als fraglich, ob aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen
der Beschwerdeführerin
bei der Ausübung einer ohnehin raren Tätigkeit
noch
da
von ausgegangen werden
kann
, dass das Leistungsvermögen auch bei ausgegli
chener Arbeitsmarktlage
noch
Gegenstand von Angebot und Nachfrage bildet und die Restarbeitsfähigkeit im betroffe
nen Betätigungsfeld noch
wirtschaftlich verwertbar ist (
vgl.
hiezu
etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_315/2009 E. 5.3.2 mit Hinweisen
)
.
Zu
beachten ist
schliesslich auch
, dass eine allfällige Handels
schulausbildung
jedenfalls zu
Beginn
(dreimonatige Grundschulung)
in
E._
erfolgen
würde
, was erhebliche Probleme betreffend die Kinderbetreuung zur Folge hätte, da sich
die Zeiten, in denen die Kinder fremdbetreut werden (könnten),
nicht vereinbaren liessen mit den Abwesenheiten der Beschwerde
führerin, die das Haus
frühmorgens verlassen müsste und erst spätabends nach Hause käme (
vgl. Urk. 7/65 S. 2 und S. 3)
.
4.4
Nach dem Gesagten lässt sich aufgrund der vorhandenen Akten nicht beurtei
len,
ob es für die
nahezu
blinde
, im Alltag massiv eingeschränkte
(vgl.
hiezu
etwa Urk. 7/54 S. 2 f., Urk. 7/55 S. 3 und S. 5, Urk. 7/65 S. 2, Urk. 7/80 S. 5, Urk. 7/108 S. 29)
Beschwerdeführerin genügend zahlreiche realistische
Betäti
gungsmöglichkeiten
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt gibt. Die Sache ist daher an die IV-
Stelle zurückzuweisen, damit diese
entsprechende
Abklärungen
treffe und hernach – allenfalls nach Durchführung
geeigneter beruflicher Ein
gliederungsmassnahmen
– neu über den Rentenanspruch der Beschwerdeführe
rin verfüge.
Angesichts des Dargelegten können Weiterungen zur (im Übrigen nicht beanstandeten)
grundsätzlichen Anwendbarkeit der gemischten Methode nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in der Sa
che Di
Trizio
c. Suisse, Nr. 7186/09, vom
2.
Februar 2016 unterbleiben.
5.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die
Gerichtskosten in Höhe von Fr. 9
00.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu verpflichten, der an
waltlich vertretenen Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung zu entrich
ten, wobei der
von ihrer Rechtsvertreterin
mit Honorarrechnung vom 4. Oktober 2016 (Urk. 9)
geltend gemachte
Betrag von Fr. 1‘
631.45
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen erscheint. Das Gesuch um
unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
(Urk. 1 S. 2) erweist sich damit als obsolet.