Decision ID: 6593dcc9-4f6f-5e4f-8f92-cfba03243fc4
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X. war bis Ende des Studienjahres 2002/2003 als nebenamtlicher Dozent bei der
FHS Hochschule für Technik, Wirtschaft und Soziale Arbeit St. Gallen (abgekürzt FHS)
tätig. Daneben nahm er bei der FHS auch Koordinationsaufgaben im Zusammenhang
mit der Reform des Unterrichts im Fach Volkswirtschaft wahr. Die Entschädigung für
diese Aufgabe ist sowohl im Bestand als auch in der Höhe strittig.
B./ Am 8. Dezember 2003 erhob X. durch seinen Rechtsvertreter gegen die FHS Klage
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger
Fr. 9'140.-- nebst Zins zu fünf Prozent seit dem 1. September 2003 zu bezahlen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Klageantwort vom 23. Dezember 2003 beantragte die FHS durch ihren
Rechtsvertreter, auf die Klage sei nicht einzutreten; eventuell sei die Klage abzuweisen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Ferner stellte sie den Antrag, das Verfahren
sei vorerst auf die Frage der Zuständigkeit und der Zulässigkeit des Rechtswegs zu
beschränken. Im wesentlichen führte sie aus, X. habe unbestrittenermassen in einem
öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnis zur FHS, einer selbständigen öffentlich-
rechtlichen Anstalt mit Sitz in St. Gallen, gestanden. Dieses Dienstverhältnis werde
durch die Vereinbarung über die Interkantonale Fachhochschule St. Gallen (sGS
234.61, abgekürzt Konkordat) geregelt. Dieses sehe unter anderem vor, dass die
Zuständigkeit zur Wahl und Entlassung von nebenamtlichen Dozenten vom
Fachhochschulrat an untere Instanzen delegiert werden könne. Im vorliegenden Fall sei
die Kompetenzdelegation an die Fachbereichsleitungen erfolgt. Diese könne aus der
Kompetenz zur Wahl und Entlassung von Angestellten auch die Befugnis ableiten,
weitere personalrechtliche Verfügungen und Entscheide zu erlassen. Gegen solche
Akte könne nach Art. 6 Abs. 3 lit. l des Konkordats Rekurs beim Fachhochschulrat
erhoben werden. Ein Klageverfahren kenne das Konkordat nicht. Vorgesehen sei
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lediglich eine nachträgliche Verwaltungsrechtspflege, und zwar in dem Sinne, dass
gegen Anordnungen unterer Organe der FHS - beispielsweise der Schulleitung -
Rekurs an den Fachhochschulrat erhoben werden könne. Gegen dessen Entscheid
könne sodann Rekurs an eine spezielle Rekurskommission geführt werden. Auch wenn
Art. 10 Abs. 1 des Konkordats ergänzend festhalte, das Rekursverfahren richte sich
nach den Vorschriften des Sitzkantons, könne der Kläger daraus nichts zu seinen
Gunsten ableiten. Mit diesem Verweis werde lediglich die Regelung des Verfahrens als
sachgemäss anwendbar erklärt. Hingegen habe der Verweis nicht die Absicht, auch ein
Klageverfahren entsprechend dem st. gallischen Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt VRP) zu eröffnen, und schon gar nicht
könne daraus abgeleitet werden, dass die Beklagte als interkantonale Institution der
Jurisdiktion einer kantonalen Behörde unterstellt werden sollte.
In der Folge beschränkte das Verwaltungsgericht den weiteren Schriftenwechsel auf
die Frage der Zuständigkeit.
In der Replik vom 16. Januar 2004 hielt der Kläger an der Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts fest. Aus Art. 4 ff. des Konkordats könne nicht die Zuständigkeit
des Fachhochschulrates zur Beurteilung von vermögensrechtlichen Streitigkeiten
abgeleitet werden. Dem Fachhochschulrat würden Führungsaufgaben obliegen, die
jedoch im Hinblick auf Personalentscheide auf die Wahl und Entlassung der
Schulleitung beschränkt seien. Hinsichtlich der Befugnis zur Beurteilung von öffentlich-
recht-lichen Forderungen aus einem Dienstverhältnis enthalte das Konkordat weder
eine Regelung, noch sei die Zuständigkeit des Fachhochschulrates so umfassend,
dass dieser über sämtliche das Personal betreffenden Belange entscheiden könne.
Daher bestehe eine Lücke im Konkordat, welche mit der Zuständigkeitsregelung von
Art. 79bis VRP zu schliessen sei. Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts sei auch
sachgerecht, zumal der Fachhochschulrat kein mit der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK) zu vereinbarendes
Gericht sei.
Mit Duplik vom 19. Februar 2004 bestreitet die Beklagte das Vorliegen einer
Gesetzeslücke. Es sei offensichtlich, dass auch in vermögensrechtlichen
Angelegenheiten zumindest ein fachhochschulinternes Organ Verfügungskompetenz
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haben müsse. Die Behördenstruktur sei im Konkordat klar definiert; insbesondere sei
mit der in Art. 8 f. des Konkordats genannten Rekurskommission ein interkantonales
Organ geschaffen worden, weshalb eine Kompetenzzuweisung an eine kantonale
Rechtsmittelbehörde gar nicht notwendig sei. Im übrigen weise die Rekurskommission
die Qualität eines EMRK-konformen Gerichts auf.
Die weiteren Vorbringen der Beteiligten werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Das Verwaltungsgericht prüft die Sachurteilsvoraussetzungen von Amtes wegen
(Art. 80 und Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 VRP).
a) Die FHS ist eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt mit Sitz in St. Gallen (Art. 1
Abs. 2 des Konkordats). Organe der Anstalt sind der Fachhochschulrat und die
Rekurskommission (Art. 5 und Art. 8 des Konkordats).
Die Rekurskommission besteht aus je einer von den Regierungen der
Vereinbarungspartner gewählten Vertretung (Art. 8 Abs. 1 des Konkordats). Sie beurteilt
abschliessend Rekurse gegen Verfügungen und Entscheide des Fachhochschulrates
(Art. 9 des Konkordats).
Der Fachhochschulrat besteht aus Vertretern der Konkordatskantone (Art. 5 Abs. 1 des
Konkordats). Er führt die FHS (Art. 6 Abs. 1 des Konkordats). Im übrigen obliegen ihm
nach Abs. 3 dieser Bestimmung folgende nicht abschlies-send genannten Aufgaben: a)
Namensgebung; b) Organisation der FHS und Festlegen der Führungsstruktur; c) Erlass
der Lehrpläne; d) Erlass der Reglemente über die Aufnahme der Studierenden, die
Prüfungen und die Diplome sowie der ergänzenden Vorschriften über Organisation und
Zuständigkeit; e) Erlass von Disziplinarvorschriften für Studierende; f) Erlass der
Anstellungsordnung; g) Wahl und Entlassung der Schulleitung, der hauptamtlichen
Dozentinnen und Dozenten sowie der Leitung der Verwaltung; h) Wahl und Entlassung
des weiteren Personals, soweit er diese Kompetenz nicht an andere Organe delegiert
hat; i) Verleihung des Professortitels; k) Beschlussfassung über Jahresrechnung und
Voranschlag; l) Entscheid über Rekurse gegen Anordnungen unterer Organe der
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Fachhochschule; m) Erlass der übrigen Vorschriften, die für den Vollzug der
Vereinbarung notwendig sind; n) Abschluss von Zusammenarbeitsverträgen mit
anderen Trägern.
b) Im vorliegenden Fall ist die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts streitig.
Die FHS ist wie erwähnt eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt (Art. 1 Abs. 2
des Konkordats). Das Konkordat enthält einen Zweckartikel, einen Aufgabenkatalog
sowie Vorschriften über Organisation, Finanzen und Haftung. Die Umsetzung des
Auftrages liegt im Autonomiebereich der Anstalt. Es ist kennzeichnend für eine
selbständige Anstalt, dass sie ihre Angelegenheiten selber führt, insbesondere auch die
finanziellen Belange. Der Einwand des Klägers, es sei dem Fachhochschulrat verwehrt,
über finanzielle Ansprüche des Personals zu entscheiden, ist unzutreffend. Es liegt
vielmehr in der Natur einer autonomen Anstalt, dass ihrem Leitungsorgan
eigenständige wirtschaftliche bzw. finanzielle Kompetenzen zustehen. Die
Beschlussfassung über Jahresrechnung und Voranschlag ist denn auch im Konkordat
ausdrücklich erwähnt (Art. 6 Abs. 2 lit. k). Wie diese Entscheidungskompetenzen intern
geregelt werden, ist im vorliegenden Fall nicht ausschlaggebend. Die Beklagte hält in
der Duplik fest, für erstinstanzliche Personalentscheidungen mit vermögensrechtlichem
Charakter sei der Fachbereichsleiter zusammen mit dem Rektor zuständig. Der Kläger
richtete sich mit seinen Forderungen übrigens selbst an den Fachbereichsleiter, was
zumindest die Anerkennung einer entsprechenden Zuständigkeit implizierte. Sodann
hält Art. 17 des Konkordats fest, dass die auf Geldzahlung oder Sicherheitsleistung
gerichteten rechtskräftigen Verfügungen und Entscheide der Schulorgane hinsichtlich
der Rechtsöffnung vollstreckbaren gerichtlichen Urteilen gleich stehen. Das Konkordat
geht somit davon aus, dass der Erlass von Verfügungen und Entscheiden über
vermögensrechtliche Ansprüche in die Kompetenz der Organe der FHS fällt. Gegen
deren Anordnungen ist ein Rechtsmittel gegeben. Über Rekurse gegen untere Organe
entscheidet der Fachhochschulrat (Art. 6 Abs. 3 lit. l des Konkordats), und die
Rekurskommission entscheidet abschliessend über Rekurse gegen Verfügungen und
Entscheide des Fachhochschulrats (Art. 9 des Konkordats). Eine solche Regelung der
Kompetenzen ist kennzeichnend für autonome Anstalten und kommt denn auch
regelmässig vor (vgl. Art. 19 f. der Vereinbarung über die Hochschule für Technik
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Buchs, sGS 234.111; GVP 2002 Nr. 74; vgl. auch F. Gygi, Verwaltungsrecht, Bern
1986, S. 52).
Das Konkordat enthält somit eine lückenlose Ausgestaltung der Zuständigkeiten der
Konkordatsorgane. Namentlich finden sich - was im interkantonalen und
internationalen Verhältnis regelmässig zutrifft - nirgends Kompetenzen, die ein nicht
konkordatäres Organ wahrnehmen kann. Es geht mit anderen Worten nicht an, dass
ein Gericht eines am Konkordat beteiligten Kantons im Wirkungsbereich des
Konkordats Recht spricht. Die Verweise auf die Vorschriften in Art. 10 und 15 f. des
Konkordats begründen nur die Übernahme der genannten Verfahrensbestimmungen in
das konkordatäre Recht, nicht aber eine materielle Zuständigkeit eines aus-
serkonkordatären Organs (vgl. GVP 2002 Nr. 74).
c) Ob der Fachhochschulrat die für die Beurteilung von "civil rights" notwendigen
Anforderungen von Art. 6 EMRK erfüllt, ist nicht entscheidend, da die Möglichkeit
besteht, Verfügungen und Entscheide des Fachhochschulrates an die
Rekurskommission zu ziehen. Diese stellt ohne Zweifel ein Gericht im Sinne der EMRK
dar. Sie ist von den Organen unabhängig (Art. 8 Abs. 2 des Konkordats), beruht auf
einem Gesetz (Konkordat), wobei die Tatsache, dass Mitglieder eines Gerichts von
einem Exekutivorgan ernannt werden, ihre Unabhängigkeit und Unparteilichkeit nicht in
Frage stellt, solange die Ernannten ihr richterliches Amt in ihrer individuellen Kapazität
ausüben und gesetzlich festgelegt ist, dass sie insofern keinen Weisungen unterliegen
(GVP 2002 Nr. 74 mit Hinweis auf Frowein/Peukert, Europäische
Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Kehl/Strassburg/ Arlington 1996, Rz. 125 zu Art. 6
EMRK).
Daraus folgt, dass die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ausgeschlossen ist. Auf
die Klage kann daher nicht eingetreten werden.
2./ a) Gemäss Art. 97bis Abs. 1 lit. b VRP werden im Beschwerdeverfahren betreffend
das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis in sachgemässer Anwendung von Art. 343
Abs. 3 des Obligationenrechts (SR 220) keine amtlichen Kosten erhoben. Diese
Bestimmung ist auch auf das Klageverfahren anzuwenden (GVP 2001 Nr. 57). Im
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vorliegenden Fall liegt der Streitwert unter Fr. 30'000.--, weshalb auf die Erhebung von
amtlichen Kosten zu verzichten ist.
b) Zu prüfen bleibt das Begehren der Beklagten um Kostenersatz. In diesem
Zusammenhang ist zu beachten, dass im Klageverfahren dem Gemeinwesen – im
Gegensatz zum Anfechtungsverfahren - ein Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung zuerkannt wird, da das Klageverfahren wie der Zivilprozess ein
Verfahren mit zwei Parteien ist (vgl. VerwGE vom 24. Oktober 2002 i.S. K.P. mit
Hinweis). Steht dem Gemeinwesen ein solcher Anspruch zu, ist er auch für eine
autonome Anstalt anzuerkennen. Folglich hat die Beklagte Anspruch auf Ersatz ihrer
ausseramtlichen Kosten durch den Kläger, nachdem sie mit ihrem Antrag
durchgedrungen ist (Art. 98bis VRP). Ihr Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht. Die Entschädigung ist deshalb nach Ermessen festzusetzen (Art. 6 der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
Ein Betrag von Fr. 1'500.-- zuzügl. MWSt ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. c HonO).