Decision ID: 47589732-9b5a-44fc-b339-f1e2647ca559
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Er gab an, er habe keine Berufsausbildung
absolviert. Zuletzt habe er als Küchenhilfe gearbeitet. Der Hausarzt Dr. med. B._
teilte am 26. September 2008 telefonisch mit (IV-act. 13), der Versicherte leide an einer
Psoriasis vulgaris, an einer Psoriasisarthritis und an einem insulinpflichtigen Diabetes
mellitus. Im jetzigen Zustand sei die Tätigkeit als Küchenhilfe nicht zumutbar. Der
Gesundheitszustand sei aber nicht stabil; der Versicherte werde voraussichtlich wieder
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit erreichen. Die behandelnde Rheumatologin Dr.
med. C._ berichtete im Juni 2009 (IV-act. 25), seitens der Haut und der Gelenke gehe
es dem Versicherten nun „wirklich ziemlich gut“. Er klage allerdings über ein Brennen in
beiden Unterschenkeln, das ein Ausdruck einer Polyneuropathie sein könnte.
Angesichts des aktuellen Zustandes sei dem Versicherten ab Juli 2009 eine
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent zumutbar. Im Auftrag einer
Krankentaggeldversicherung führte Dr. med. D._ am Juli 2009 eine Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit des Versicherten durch (IV-act. 40–14 ff.). In seinem
Bericht hielt er fest, der Versicherte sei muskulär und konditionell stark dekompensiert,
weshalb eine intensive Rehabilitation mit einer Physiotherapie zu empfehlen sei. Zudem
sei eine Psychotherapie dringend indiziert, da sich der Versicherten sozial stark
zurückgezogen habe. Die Leistungsbereitschaft bei der Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit sei fraglich gewesen. Die Beobachtungen hätten auf eine deutliche
Selbstlimitierung hingewiesen. Die Konsistenz bei den Tests sei schlecht gewesen. Die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Küchenhilfe sei dem Versicherten jedenfalls nicht mehr
zumutbar. Zur Zumutbarkeit einer anderen beruflichen Tätigkeit könne keine Stellung
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genommen werden. Am 8. Februar 2010 empfahl Dr. med. E._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD) eine polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten
(IV-act. 41). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle
(MEDAS) Ostschweiz am 5. August 2010 ein entsprechendes Gutachten (IV-act. 49).
Die Sachverständigen führten darin aus, der Versicherte leide an einem schweren
depressiven Syndrom mit einem somatischen Syndrom, an einem chronischen
sekundären Alkoholabusus, an einer Psoriasisarthritis, an einem insulinpflichtigen
Diabetes mellitus, an leichten polyneuropathischen Beschwerden der unteren
Extremitäten, an einer Untergewichtigkeit sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – an einer Dekonditionierung, an einer Malnutrition, an hypotonen
Blutdruckwerten und an einer Psoriasis vulgaris. Aus psychiatrischer Sicht sei ihm –
wohl seit Mai 2008 – keine Arbeitstätigkeit mehr zuzumuten. In therapeutischer Hinsicht
seien eine bessere Einstellung des Diabetes und eine (möglichst stationäre)
Behandlung in einer psychosomatischen Abteilung zu empfehlen (respektive dringend
indiziert). Der RAD-Arzt Dr. E._ erachtete das Gutachten als überzeugend (IV-act. 50).
Mit einem Vorbescheid vom 9. März 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie die Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab dem 1. Mai 2009 vorsehe
(IV-act. 61).
A.b Dagegen wandte die zuständige berufliche Vorsorgeeinrichtung am 24. Mai 2011
ein (IV-act. 66–1 f.), sie habe den Versicherten von ihrem Vertrauensarzt, dem
Psychiater Dr. med. F._, untersuchen lassen. Dieser habe dem Versicherten eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht attestiert. Die
Voraussetzungen für die Zusprache einer Rente der Invalidenversicherung seien
folglich nicht erfüllt. Dieser Eingabe lag das Gutachten von Dr. F._ vom 12. Mai 2011
bei (IV-act. 66–2 ff.). Darin hatte der Sachverständige ausgeführt, der Versicherte habe
in der Zeit zwischen Mai 2009 und Januar 2010 nicht an einer depressiven Episode,
sondern an einer depressiven Reaktion auf belastende Lebensumstände gelitten. Seit
Januar 2010 leide er an einer Dysthymie. Zudem liege ein schädlicher Alkoholkonsum
vor. Dieser sei nicht sekundär, denn der Versicherte habe angegeben, schon im Jahr
1979 mit dem schädlichen Konsum begonnen zu haben. Der Abusus habe sich aber
nicht wesentlich auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt, weshalb ihm für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung keine relevante Bedeutung zukomme. Aus psychiatrischer
Sicht sei der Versicherte nie zu mindestens 20 Prozent arbeitsunfähig gewesen. Der
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RAD-Arzt Dr. E._ notierte am 7. Juni 2011 (IV-act. 67), er sei nicht berechtigt, die
Qualität der beiden Gutachten „vom grünen Tisch aus“ in Frage zu stellen. Er gehe
davon aus, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten in der Zeit zwischen
den beiden Untersuchungen erheblich verbessert habe. Folglich sei davon
auszugehen, dass der Versicherte spätestens ab dem Zeitpunkt der Untersuchung
durch Dr. F._ am 5. Mai 2011 wieder uneingeschränkt arbeitsfähig sei. Mit einem
(weiteren) Vorbescheid vom 20. Juli 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
sie ihm nur eine befristete ganze Rente für die Zeit vom 1. Mai 2009 bis zum 31. August
2011 zusprechen werde (IV-act. 70). Dagegen liess der Versicherte am 15. September
2011 einwenden (IV-act. 74), die beiden Gutachten stünden in einem ungelösten
Widerspruch zueinander. Die IV-Stelle hätte zumindest die MEDAS Ostschweiz um eine
Stellungnahme zum Gutachten von Dr. F._ ersuchen müssen. Zudem habe Dr. F._
den massiven somatischen Leiden keine Rechnung getragen. Da die behandelnden
Ärzte nach wie vor eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigten, sei die Befristung der Rente
unzulässig. Der RAD-Arzt Dr. E._ erachtete es als sinnvoll, die Sachverständigen der
MEDAS Ostschweiz um eine Stellungnahme zu bitten. Er hielt aber fest, zunächst
müsse der Versicherte nachweisen, dass er alkoholabstinent lebe (IV-act. 77). Da eine
aktuelle Blutuntersuchung einen deutlichen Hinweis auf einen fortwährenden
beträchtlichen Alkoholkonsum ergeben hatte, empfahl Dr. E._, dem Versicherten
unter Hinweis auf die „Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht“ eine
Alkoholabstinenz von mindestens sechs Monaten aufzuerlegen (IV-act. 80). Am 21.
November 2011 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, sich einem Alkoholentzug
zu unterziehen und sechs Monate abstinent zu leben (IV-act. 81). Nachdem der
Versicherte darauf nicht reagiert hatte, hielt sie ihn am 19. Januar 2012 nochmals zur
Erfüllung dieser Auflagen an (IV-act. 83). Am 12. April 2012 berichtete Dr. B._ (IV-act.
87), die Glucuronidwerte hätten sich mehrheitlich innerhalb des Toleranzbereichs
bewegt. Nur einmalig sei ein Wert von 0,11 festgestellt worden, der aber ebenfalls noch
„im Bereich der Toleranz“ liege und nicht zu Ungunsten des Versicherten ausgelegt
werden dürfe. Der RAD-Arzt Dr. E._ notierte am 16. August 2012 (IV-act. 90), die
Laborwerte lägen innerhalb der Norm, aber leider habe eine letzte Testung vom 23. Mai
2012 weit ausserhalb der Norm liegende Werte ergeben. Vor diesem Hintergrund
könnten keine weiteren medizinischen Abklärungen durchgeführt werden. Ein
Mitarbeiter des Rechtsdienstes wies allerdings am 13. September 2012 darauf hin,
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dass bei der aktuellen Aktenlage eine weitere polydisziplinäre Begutachtung
unumgänglich sei (IV-act. 92).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Zentralschweiz am 27. März 2013
ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 101). Die Sachverständigen hielten darin fest,
der Versicherte leide an einer (wahrscheinlichen) Psoriasisarthritis, an einem
ausgeprägten Ulnavorschub beidseits, an einem chronisch schlecht eingestellten
Diabetes mellitus, an einer Dysthymia bei möglicherweise abgelaufenen depressiven
Episoden oder Anpassungsstörungen mit einer depressiven Reaktion, an einer
Psoriasis vulgaris, an einem Nikotinabusus sowie an chronischen Lumbalgien
unbekannter Ätiologie. Aus endokrinologischer respektive diabetologischer Sicht sei
dem Versicherten momentan wegen dem schlecht eingestellten Diabetes eine
körperlich schwere Tätigkeit nicht zumutbar. Für körperlich leichte und mittelschwere
Tätigkeiten bestehe dagegen eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus
rheumatologischer Sicht seien körperlich leichte, vorwiegend im Sitzen auszuübende
Arbeiten ohne stereotype Bewegungsabläufe der Hände und ohne Heben und Tragen
von mehr als zehn Kilogramm uneingeschränkt zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei
der Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Am 17. April 2013 notierte der RAD-Arzt
Dr. E._ (IV-act. 103), die Sachverständigen hätten ausgeführt, dass der Versicherte
aus interdisziplinärer Sicht seit Ende August 2011 respektive seit der Aufhebung der
befristeten Rente für leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig sei.
Aus medizinischer Sicht könne diese Angabe nicht nachvollzogen werden, da die
Rente ja fälschlicherweise zugesprochen worden sei. Er empfehle deshalb eine
Rückfrage an die Sachverständigen hinsichtlich des Beginns der Arbeitsfähigkeit. Auf
eine entsprechende Rückfrage der IV-Stelle (IV-act. 104) antwortete der psychiatrische
Sachverständige der MEDAS Zentralschweiz am 21. Mai 2013 (IV-act. 106–3 f.), er
habe für die Zeit vor Ende August 2011 nicht explizit eine Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Retrospektiv sei es möglich, aber nicht zu belegen, dass die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten in der Zeit zwischen Mai 2008 und August 2011 eingeschränkt gewesen
sein könnte. Mangels hinreichend zuverlässiger Angaben zum Gesundheitszustand des
Versicherten in jenem Zeitraum sei der Nachweis, dass die Rente zu Unrecht
ausgerichtet worden sei, nicht möglich. Der Hauptgutachter wies darauf hin (IV-act.
106–1 f.), dass sich der Verlauf der Arbeitsfähigkeit retrospektiv nicht neu konstruieren
lasse. Bei der Begutachtung sei man deshalb davon ausgegangen, dass die
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Rentenzusprache „gut begründet“ gewesen sei, weshalb man sich daran orientiert
habe. Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte am 30. August 2013 (IV-act. 110), diese
Angaben seien nicht überzeugend. Gestützt auf das Gutachten der MEDAS
Zentralschweiz und auf jenes von Dr. F._ sei davon auszugehen, dass der
Versicherte durchwegs uneingeschränkt arbeitsfähig für leidensadaptierte Tätigkeiten
gewesen sei.
A.d Mit einem Vorbescheid vom 11. November 2013 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens vorsehe (IV-act.
113). Dagegen wandte dieser am 11. Dezember 2013 ein (IV-act. 117), sein
Gesundheitszustand habe sich zwischenzeitlich verschlechtert. Er werde einen
entsprechenden medizinischen Bericht einreichen. Am 31. Januar 2014 liess Dr. med.
G._ von der Klinik H._ der IV-Stelle eine Kopie eines Berichtes betreffend eine
stationäre Behandlung des Versicherten vom 30. November 2013 bis zum 24. Januar
2014 zugehen (IV-act. 119). Darin hatte Dr. G._ ausgeführt, der Versicherte leide an
einer schweren depressiven Episode mit einer akuten Suizidalität, an einem
Alkoholmissbrauch (gegenwärtig abstinent), an einer Tabakabhängigkeit, an einem
insulinpflichtigen Diabetes mellitus mit multiplen Komplikationen, an einer essentiellen
Hypertonie, an einer normozytären, normochromen Anämie, an einer Psoriasisarthritis
sowie an einer peripheren Polyneuropathie. Ihm könne – auch längerfristig – keine
Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt zugemutet werden. Eine „Beschäftigung“ in
einem geschützten Rahmen wäre dagegen zumutbar und sinnvoll. Die depressive
Störung verberge sich hinter einer „freundlichen Maske eines (süd-) ostasiatischen
Buddhisten“. Nach der Entlassung aus der stationären Behandlung werde sich der
Versicherte für sechs Wochen in seinem Herkunftsland aufhalten, da er die
Angelegenheiten seiner kürzlich verstorbenen Mutter regeln müsse. Am 3. Juni 2014
berichtete das Psychiatrie-Zentrum I._ (IV-act. 122), der psychische Zustand des
Versicherten scheine sich zwischenzeitlich etwas stabilisiert zu haben. Er müsse aber
immer noch als sehr labil bezeichnet werden. Am 7. Juli 2014 teilte Dr. B._ mit (IV-
act. 127), aktuell nehme der Versicherte die Medikamente wieder zuverlässig ein. Nach
wie vor bestehe „eine gewisse Depression“, aber diese sei seines Erachtens nicht
ursächlich für die „Invalidisierung“. Am 15. Oktober 2014 wies das Psychiatrie-Zentrum
I._ auf einen stationären Gesundheitszustand bei einer noch mittelgradigen
depressiven Episode hin (IV-act. 132). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS
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Zentralschweiz am 29. April 2015 ein Verlaufsgutachten (IV-act. 143). Die
Sachverständigen führten darin aus, dem Versicherten seien leidensadaptierte
Tätigkeiten nach wie vor uneingeschränkt zumutbar. Seit der letzten Begutachtung
habe sich „nichts grundlegendes, irreversibles und lange andauerndes“ geändert.
Objektiv habe der untergewichtige Versicherte (der allerdings seit der ersten
Begutachtung 2,2 Kilogramm zugenommen habe) eher jünger, etwas gespannt und
leicht depressiv gewirkt. Bezüglich des Integuments seien nur wenige residuelle
„Tröpfchen“ der Psoriasis guttata, Raucherfinger links und eine „rissige“ Haut an den
Unterschenkeln aufgefallen. Das Gehör sei vermindert gewesen. Es habe eine deutliche
Myopie beidseits vorgelegen. Im Neurostatus sei das Vibrationsempfinden distal der
Knie zunehmend vermindert gewesen. Klinisch sei der Verdacht auf eine Gonarthrose
rechts entstanden. Der Versicherte habe eine leichte Verdeutlichungstendenz gezeigt.
Aus rheumatologischer Sicht sei die anerosive Psoriasisarthritis fraglich remittiert. Links
liege ein geringer Ulnavorschub vor. Möglicherweise leide der Versicherte an einer
beginnenden Gonarthrose. Zudem sei aus rheumatologischer Sicht der Eindruck eines
neurastheniformen Zustandes bei einer allgemeinen Schonung mit dem Verdacht auf
eine Fehlernährung und depressive Verstimmungen entstanden. Aus somatischer Sicht
seien dem Versicherten dennoch leidensadaptierte Tätigkeiten nach wie vor
uneingeschränkt zumutbar. Der psychiatrische Sachverständige hielt fest, dass der
Versicherte während des Gesprächs tatsächlich relativ wenig Gestik und Mimik gezeigt
habe, was aber möglicherweise in seiner Kultur üblich sei. Zwischendurch sei er
durchaus in der Lage gewesen, zu lachen. Er habe auch seiner Freude an den ersten
Frühlingsblumen Ausdruck gegeben. Im Gespräch sei er als Person gut spürbar
gewesen. Hinsichtlich des Denkens seien eine gewisse Hemmung und eine
Verlangsamung wahrnehmbar gewesen, wobei allerdings fraglich sei, ob dies mit dem
Glucosespiegel zusammenhänge. Der Antrieb und die psychomotorischen Energien
seien etwas eingeschränkt, wobei allerdings die wirtschaftlich begründete Armut in der
Alltagsgestaltung eine Rolle spiele. Zirkadiane Besonderheiten fehlten und der soziale
Rückzug sei sicher durch die ungenügende Integration wesentlich mitbegründet. Aus
dem Austrittsbericht der Klinik H._ gehe nicht hervor, inwiefern die
Arbeitsfähigkeitsschätzung auch den somatischen und soziokulturellen Faktoren
Rechnung trage. Die ambulante Therapie sei ohne einen Dolmetscher durchgeführt
worden, was die Aussagekraft der entsprechenden Berichte doch relativiere. In der
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Untersuchungssituation seien die Kriterien für die Diagnose einer depressiven Störung
angesichts des gesamten Verhaltens des Versicherten nicht erfüllt gewesen, weshalb
nach wie vor eine Dysthymia zu diagnostizieren sei. Auch wenn der Versicherte wohl
Unvorstellbares durchgemacht habe, seien die Kriterien für die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung nicht erfüllt. Aus psychiatrischer Sicht sei nach
wie vor eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu attestieren. Der RAD-Arzt Dr. E._
erachtete das Gutachten als überzeugend (IV-act. 144).
A.e Mit einem (weiteren) Vorbescheid vom 28. Juli 2015 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie (nach wie vor) die Abweisung seines Rentenbegehrens
vorsehe (IV-act. 147). Dagegen wandte dieser am 24. August 2015 ein (IV-act. 148), er
arbeite seit April 2015 in einem Pensum von 50 Prozent in der J._. Ein höheres
Pensum könne er nicht leisten. Mit einer Verfügung vom 29. Oktober 2015 wies die IV-
Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 153).
B.
B.a Am 26. November 2015 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. Oktober 2015 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Zusprache einer ganzen Rente für die Zeit vom 1. Mai 2009 bis zum 31. August 2011
und die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) zur Durchführung von weiteren Abklärungen bezüglich des
Zeitraums ab dem 1. September 2011. Zur Begründung führte er an, der
Beschwerdeführer leide an einem komplexen Beschwerdebild mit multiplen
Gesundheitsbeeinträchtigungen. Selbst wenn er aus rein internistischer, aus rein
rheumatologischer und aus rein psychiatrischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig sein
sollte, sei damit noch nicht belegt, dass er auch gesamthaft betrachtet
uneingeschränkt arbeitsfähig sei. Die Beschwerdegegnerin habe den massiven
somatischen Einschränkungen bislang nicht hinreichend Rechnung getragen. Für die
Prüfung des Rentenbegehrens seien zwingend weitere medizinische Abklärungen
notwendig. Da sich die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz nicht zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitraum vor dem 1. September 2011
geäussert hätten und da die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz für die Zeit ab
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Mai 2008 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten, habe der
Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. Mai 2009 bis zum 31. August 2011 einen
Anspruch auf eine ganze Rente. Der Beschwerde lag ein Bericht des Psychiatrie-
Zentrums I._ vom 25. November 2015 bei, laut dem der Beschwerdeführer an einer
rezidivierenden depressiven Episode mit einer gegenwärtig schweren Episode litt (act.
G 1.4).
B.b Am 27. November 2015 liess der Beschwerdeführer zwei weitere medizinische
Berichte einreichen (act. G 2): Dr. C._ hatte am 27. November 2015 auf eine starke
Verschlechterung der Sehfähigkeit mit der Notwendigkeit einer notfallmässigen
Behandlung hingewiesen und festgehalten, dass der Beschwerdeführer nicht mehr
arbeitsfähig und zur Bewältigung des Alltages auf eine betreute Wohnumgebung
angewiesen sei (act. G 2.1); das Spital K._ hatte am 11. November 2015 über eine
Hospitalisation im Zeitraum vom 3. bis zum 11. November 2015 nach einer erneuten
Medikamenten-Malcompliance (betreffend den Diabetes) berichtet (act. G 2.2). Am 8.
Dezember 2015 liess der Beschwerdeführer eine überarbeitete Fassung des Berichtes
von Dr. C._ vom 27. November 2015 einreichen (act. G 4 und G 4.1).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. Januar 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, gestützt auf die überzeugenden
Gutachten der MEDAS Zentralschweiz stehe fest, dass der Beschwerdeführer eine
leidensadaptierte Tätigkeit ohne eine Einschränkung verrichten könne. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS
Ostschweiz sei von Dr. F._ widerlegt worden, weshalb die Zusprache einer Rente für
die Zeit vom 1. Mai 2009 bis zum 31. August 2011 nicht in Frage komme.
B.d Am 12. Januar 2016 bewilligte die verfahrensleitende Richterin die unentgeltliche
Rechtspflege (act. G 8).
B.e Der Beschwerdeführer liess am 1. Februar 2016 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).
B.f Am 27. Mai 2016 wies der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers darauf hin (act.
G 14), dass dieser nach einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustandes in
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ein Altersheim eingetreten sei. Nach einem Sturz im April 2016 habe er reanimiert
werden müssen. Bei jenem Sturz habe er sich zudem mehrere Rippenfrakturen
zugezogen. Während des anschliessenden Klinikaufenthaltes sei er längere Zeit an
einer Herzmaschine angeschlossen gewesen. In der Folge sei ihm ein permanenter
Herzschrittmacher implantiert worden. Am 20. Mai 2016 habe er wieder ins Altersheim
entlassen werden können. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine
Stellungnahme zu dieser Eingabe (act. G 16).
B.g Am 5. Juli 2017 teilte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit, dass eine
Beistandschaft für seinen Mandanten errichtet worden sei (act. G 18). Die
Beschwerdegegnerin nahm dazu keine Stellung (vgl. act. G 19).

Erwägungen
1.
Der Inhalt dieses Beschwerdeverfahrens wird – sachlich und zeitlich – durch den Inhalt
der angefochtenen Verfügung definiert, denn der Sinn und Zweck des
Beschwerdeverfahrens besteht in der Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf
deren Rechtmässigkeit. In zeitlicher Hinsicht ist also massgebend, wie sich die
Sachlage im Zeitpunkt der Eröffnung der Verfügung dargestellt hat. Spätere
Sachverhaltsentwicklungen sind deshalb im Beschwerdeverfahren grundsätzlich
irrelevant. Daraus kann allerdings nicht abgeleitet werden, dass Beweismittel, die erst
nach der Verfügungseröffnung erstellt worden sind, für das Beschwerdeverfahren per
se unbeachtlich wären. Solche Beweismittel können nämlich nicht nur Angaben zu
Sachverhaltsveränderungen nach der Verfügungseröffnung, sondern auch Angaben
enthalten, die zu einer besseren Erkenntnis jenes Sachverhaltes beitragen, der bereits
bei der Verfügungseröffnung bestanden hat. Der Bericht von Dr. C._ vom 27.
November 2015 respektive die korrigierte Fassung dieses Berichts enthält
beispielsweise Angaben zu einer nach der Verfügungseröffnung eingetretenen
Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
(Netzhautablösung am 19. November 2015), die in diesem Beschwerdeverfahren nicht
berücksichtigt werden können, aber auch Aussagen zur Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers im Zeitpunkt unmittelbar vor der Eröffnung der angefochtenen
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Verfügung, die für dieses Beschwerdeverfahren relevant und folglich frei zu würdigen
sind. Die vom Beschwerdeführer im Rahmen des Schriftenwechsels eingereichten
Belege für weitere Verschlechterungen seines Gesundheitszustandes nach der
Eröffnung der angefochtenen Verfügung (Eintritt in ein Altersheim, Sturz, Implantation
eines Herzschrittmachers) sind folglich für dieses Beschwerdeverfahren irrelevant.
2.
2.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. dem Art. 16 ATSG jenes
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
demjenigen Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund
geblieben wäre.
2.2 Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
kommt in aller Regel der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung eine entscheidende
Bedeutung zu. Vorliegend haben sich nicht nur die behandelnden Ärzte, sondern auch
zwei MEDAS und ein psychiatrischer Sachverständiger (Dr. F._; im Auftrag der
beruflichen Vorsorgeeinrichtung) zur Frage nach der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers geäussert. Die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz
haben den Beschwerdeführer internistisch respektive endokrinologisch,
rheumatologisch und psychiatrisch begutachtet. Entgegen der vom Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers offenbar vertretenen Ansicht haben die Sachverständigen
zusätzlich eine gesamthafte Arbeitsfähigkeitsschätzung aus interdisziplinärer Sicht
abgegeben, das heisst eine Arbeitsfähigkeitsschätzung, die nicht nur die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen aus der Sicht der einzelnen Fachgebiete, sondern auch
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das Zusammenwirken der verschiedenen Gesundheitsbeeinträchtigungen
berücksichtigt hat. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung hat auf den objektiven klinischen
Befunden, die die Sachverständigen bei einer persönlichen Untersuchung des
Beschwerdeführers erhoben hatten, und auf den Angaben in den Berichten der
behandelnden Ärzte beruht. Die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz haben
also den für sie massgebenden medizinischen Sachverhalt umfassend erhoben. Die
Berücksichtigung der Berichte der behandelnden Ärzte hat es ihnen erlaubt, nicht nur
eine sogenannte „Momentaufnahme“ zu erstellen, sondern sich vielmehr einen
Überblick über die objektiven Befunde zu verschaffen, die im Laufe der
vorangegangenen Jahre erhoben worden waren. Da die drei Sachverständigen
dieselben gewesen sind, die den Beschwerdeführer bereits bei der ersten
Begutachtung untersucht hatten, haben sie sich zusätzlich einen eigenen Eindruck vom
Verlauf verschaffen können, denn sie haben den Beschwerdeführer im Abstand von
etwa zwei Jahren zweimal persönlich untersucht. Sowohl das erste als auch das zweite
Gutachten enthalten eine ausführliche Wiedergabe der objektiven klinischen Befunde,
der Angaben in den Berichten der behandelnden Ärzte und der subjektiven Angaben
des Beschwerdeführers respektive der von diesem geklagten Beschwerden. Es besteht
also kein Grund zur Annahme, die Sachverständigen hätten eine relevante
medizinische Tatsache übersehen. In ihren Teilgutachten und im Gesamtgutachten
haben die Sachverständigen die Berichte der behandelnden Ärzte eingehend und
sorgfältig gewürdigt. Sie haben ihre Diagnosen und ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung
anhand der Ergebnisse dieser Aktenwürdigung und der selbst erhobenen klinischen
Befunde überzeugend hergeleitet. Die beiden Gutachten enthalten keine
Widersprüchlichkeiten oder sonstigen Unstimmigkeiten, die Zweifel an deren
Überzeugungskraft wecken würden. Allerdings haben die behandelnden Ärzte teilweise
geltend gemacht, die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz hätten die
Schwere der Gesundheitsbeeinträchtigungen unterschätzt. Der behandelnde
Psychiater der Klinik H._ hat festgehalten, hinter einer „freundlich-asiatisch-
buddhistischen Maske“ verstecke sich eine schwergradig ausgeprägte depressive
Störung, die vom psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz
offenbar nicht entdeckt worden sei. Den Befundschilderungen des psychiatrischen
Sachverständigen in dessen beiden Teilgutachten lassen sich aber keine
Anhaltspunkte entnehmen, die diese Behauptung bekräftigen könnten. Der
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psychiatrische Sachverständige hat im Gegenteil überzeugend dargelegt, dass der
Beschwerdeführer bei den Explorationen ohne wesentliche Konzentrationseinbussen
oder Ermüdungserscheinungen mitgewirkt hatte und in der Lage gewesen war, einen
Sinn für Humor zu zeigen und zu lachen. Diese Befunde sprechen gegen eine
schwergradige depressive Störung und sie können nicht als eine blosse „Maske“
qualifiziert werden, denn die Konzentrationsfähigkeit und die mentale
Leistungsfähigkeit können nicht künstlich „vorgespielt“ werden. Zudem hat der
behandelnde Arzt der Klinik H._ den Beschwerdeführer unmittelbar nach der
Entlassung aus der stationären Behandlung für sechs Wochen in dessen Herkunftsland
reisen lassen, was erhebliche Zweifel daran weckt, dass er tatsächlich vom Vorliegen
einer schwergradigen depressiven Störung überzeugt gewesen ist. Auch wenn der
Beschwerdeführer gewissermassen familiär gezwungen gewesen ist, jene Reise
anzutreten, hätte er sich wohl kaum dazu aufraffen können, wenn er wirklich
schwergradig depressiv gewesen wäre. Zudem hätte der behandelnde Arzt ihm
diesfalls wohl dringend von der Reise abgeraten. Auch die erhebliche Verbesserung
des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers im Laufe der eher
kurzen stationären Behandlung spricht gegen das Vorliegen einer schwergradigen
depressiven Störung. Schliesslich hat auch der Hausarzt wenige Wochen später
angegeben, der Beschwerdeführer wirke nicht sonderlich depressiv, während die
behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums I._ damals immer noch eine schwer-
respektive eine mittelgradige depressive Störung diagnostiziert haben. Das weckt
zusätzliche Zweifel an der Diagnose einer schwergradigen depressiven Störung.
Gesamthaft sind die Angaben der behandelnden Psychiater jedenfalls nicht geeignet,
wesentliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der beiden psychiatrischen Teilgutachten
der MEDAS Zentralschweiz zu wecken. Das psychiatrische Gutachten von Dr. F._
stimmt zudem weitgehend mit jenen beiden Teilgutachten überein. Da Dr. F._ seine
Diagnosestellung und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung ebenfalls überzeugend
begründet hat, stärkt dieser Umstand die Überzeugungskraft der beiden
psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS Zentralschweiz. Der eher theoretisch
anmutende Dissens bezüglich der Frage, ob der Beschwerdeführer an einem primären
oder an einem sekundären Alkoholabusus gelitten hat, ist dabei irrelevant, denn die
Antwort auf diese Frage ist von der zeitlichen Abfolge von Ereignissen abhängig
gewesen, die damals bereits über 30 Jahre in der Vergangenheit gelegen haben, was
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eine zuverlässige Beantwortung der Frage verunmöglicht hat. Zudem ist es für die
Prüfung des Rentenbegehrens des Beschwerdeführers nicht massgebend gewesen, ob
es sich um einen primären oder um einen sekundären Alkoholabusus gehandelt hat,
denn die psychiatrischen Sachverständigen haben überzeugend dargelegt, dass der
Beschwerdeführer trotz seines Trinkverhaltens in der Lage gewesen war, während
Jahren uneingeschränkt erwerbstätig zu sein. Zusammenfassend besteht folglich kein
ernsthafter Zweifel daran, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung aus psychiatrischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig
gewesen ist. Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht im Zeitraum
zwischen der Anmeldung zum Leistungsbezug und der Abweisung des
Leistungsbegehrens respektive zum für die Beantwortung dieser Frage relevanten
psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS Ostschweiz wird unten gesondert
eingegangen. In somatischer Hinsicht enthalten die Berichte der behandelnden Ärzte
(jedenfalls für die Zeit bis zur Eröffnung der angefochtenen Verfügung) keine objektiven
Befunde, die wesentliche Zweifel an den Arbeitsfähigkeitsschätzungen des
internistischen und des rheumatologischen Sachverständigen der MEDAS
Zentralschweiz wecken würden. Aufgrund der Akten und angesichts der chronisch
schlechten Einstellung des Diabetes mellitus erscheint die Angabe der behandelnden
Rheumatologin Dr. C._, an eine Erwerbstätigkeit sei nicht mehr zu denken, zwar ein
Stück weit als nachvollziehbar. Diese Angabe beruht aber augenscheinlich auf dem
Bild, das der Beschwerdeführer bei den Konsultationen jeweils geboten hat, und nicht
auf einer Zumutbarkeitsbeurteilung gestützt auf die objektiven klinischen Befunde. Für
dieses Verfahren sind aber letztere massgebend. Sie sind sowohl in rheumatologischer
als auch in internistischer Sicht nur geringfügig auffällig gewesen. Auch wenn der
Beschwerdeführer an vielfältigen Beschwerden gelitten hat, lässt sich in den Akten
doch kein somatischer Befund finden, der für eine wesentliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit
sprechen würde. Damit besteht kein Anlass, an der aus somatischer Sicht
abgegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen der MEDAS
Zentralschweiz zu zweifeln. Gesamthaft hat dem Beschwerdeführer also im Zeitpunkt
der angefochtenen Verfügung überwiegend wahrscheinlich eine ideal leidensadaptierte
Tätigkeit uneingeschränkt zugemutet werden können.
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2.3 Im Verlauf zwischen der Aufgabe der letzten Erwerbstätigkeit im Mai 2008
respektive der Anmeldung zum Leistungsbezug im September 2008 und der Eröffnung
der angefochtenen Verfügung im Oktober 2015 ist der Beschwerdeführer gemäss den
überzeugenden Gutachten der MEDAS Ostschweiz und der MEDAS Zentralschweiz
aus somatischer Sicht für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten durchwegs
uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen. In psychiatrischer Hinsicht hat die
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit spätestens ab dem Zeitpunkt der Untersuchung
durch Dr. F._ im Mai 2011 bestanden. Nun hatte der psychiatrische Sachverständige
der MEDAS Ostschweiz aber im Juni 2010 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht attestiert, was er mit einer schwergradigen depressiven Störung
begründet hatte. Entgegen einer zunächst vom RAD-Arzt Dr. E._ vertretenen Ansicht
hat Dr. F._ seine quasi diametral abweichende Diagnosestellung und
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht mit einer zwischenzeitlichen Verbesserung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers in der Zeit von Juni 2010 bis Mai 2011,
sondern damit begründet, dass das psychiatrische Teilgutachten der MEDAS
Ostschweiz nicht überzeuge. In seinem Gutachten hat Dr. F._ dementsprechend
explizit festgehalten, dass der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht wohl nie zu
mindestens 20 Prozent arbeitsunfähig gewesen sei, was der RAD-Arzt Dr. E._
übersehen haben muss. Der Sachverständige Dr. F._ hat die Schlussfolgerungen des
psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz in seinem Gutachten
überzeugend widerlegt. Er hat anschaulich aufgezeigt, dass die Ergebnisse der Tests,
auf die der psychiatrische Sachverständige der MEDAS Ostschweiz abgestellt hatte,
gar nicht überzeugend sein konnten, weil der Beschwerdeführer die Fragen teilweise
überhaupt nicht verstanden hatte und weil er für die Beantwortung der Fragen an sich
viel mehr Zeit benötigt hätte, als ihm effektiv zur Verfügung gestanden hatte. Bei Dr.
F._ hat die Beantwortung einer einzelnen Frage rund zehn Minuten in Anspruch
genommen (wobei ungewiss geblieben ist, ob der Beschwerdeführer diese Frage
überhaupt verstanden hatte); im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS
Ostschweiz soll der Beschwerdeführer dagegen in nur 70 Minuten drei komplette
Fragebögen beantwortet haben und zudem vom Sachverständigen persönlich
exploriert worden sein. Das ist schwer vorstellbar und weckt erhebliche Zweifel an der
Qualität der Antworten auf die Testfragen und an der Qualität des
Explorationsgesprächs. Vor diesem Hintergrund ist das psychiatrische Teilgutachten
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der MEDAS Ostschweiz nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
aus psychiatrischer Sicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen. Gestützt auf die überzeugend begründeten Angaben
von Dr. F._ steht aber überwiegend wahrscheinlich fest, dass der Beschwerdeführer
auch in der Zeit vor Mai 2011 aus psychiatrischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig
gewesen ist. Zusammenfassend ist also mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer im gesamten
massgebenden Zeitraum zwischen Mai 2008 und Oktober 2015 uneingeschränkt
arbeitsfähig für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten gewesen ist.
2.4 Der Beschwerdeführer verfügt über keine berufliche Ausbildung und hat
entsprechend vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigungen Hilfsarbeiten
verrichtet. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Küchenhilfe ist ihm nicht mehr zumutbar,
aber auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt existieren zahlreiche
verschiedene Hilfstätigkeiten, die der Beschwerdeführer uneingeschränkt verrichten
könnte. Umstände, die gegen eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers als Valider sprechen würden, liegen nicht vor, weshalb davon
auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
ein durchschnittliches Hilfsarbeitereinkommen hätte erzielen können und dass ihn nur
arbeitsmarktliche Zwänge davon abgehalten haben, seine damals noch
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit zu
verwerten. Das Valideneinkommen und der Ausgangswert des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens entsprechen folglich dem statistischen Zentralwert
der Hilfsarbeiterlöhne. Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades kann der Betrag
dieser Vergleichsgrössen deshalb mathematisch keine Rolle spielen, weshalb der
Invaliditätsgrad mittels eines sogenannten Prozentvergleichs errechnet werden kann.
Er entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen Abzug
vom Tabellenlohn von maximal 25 Prozent. Da ein potentieller, betriebswirtschaftlich-
ökonomisch denkender Arbeitgeber dem Risiko vermehrter krankheitsbedingter
Absenzen, überdurchschnittlicher Schwankungen hinsichtlich der quantitativen und der
qualitativen Arbeitsleistung des Beschwerdeführers und der unterdurchschnittlichen
Flexibilität der Einsetzbarkeit des Beschwerdeführers Rechnung tragen müsste, dürfte
der Beschwerdeführer nicht in der Lage sein, einen Lohn zu erzielen, der jenen von 50
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Prozent aller Hilfsarbeiter übersteigt. Aus ökonomischer Sicht kann der
Beschwerdeführer also seine Arbeitsfähigkeit nicht mit einem durchschnittlichen Erfolg
verwerten, das heisst er ist nicht in der Lage, den Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne zu
erreichen. Praxisgemäss ist diesem Umstand mit einem Abzug von zehn Prozent vom
Tabellenlohn Rechnung zu tragen. Angesichts der uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten würde aber selbst bei
der Berücksichtigung des Maximalabzuges von 25 Prozent kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultieren.
3.
Im Ergebnis hat die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdeführers
also zu Recht mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades abgewiesen,
weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. An sich müsste der unterliegende
Beschwerdeführer die Gerichtskosten von 600 Franken bezahlen. Zufolge der
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung ist er aber von dieser Pflicht zu
befreien. Da ihm auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist,
hat der Staat seinem Rechtsvertreter eine Entschädigung auszurichten. Insgesamt ist
von einem durchschnittlichen erforderlichen Vertretungsaufwand auszugehen, weshalb
die Entschädigung praxisgemäss auf 80 Prozent von 3'500 Franken festzusetzen ist.
Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird der
Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können
(Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).