Decision ID: e3a224ff-f9e3-5482-ad4e-c6809a914876
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am (...) September 2021 in der Schweiz ein
Asylgesuch. Am 21. September 2021 wurden seine Personalien auf-
genommen, und am 7. Oktober 2021 wurde er im BAZ einlässlich zu sei-
nen Asylgründen angehört.
B.
Zur Begründung seines Asylgesuchs gab der Beschwerdeführer an, er sei
seit dem Jahr 2008 Mitglied bei der "Vereinten Nationalen Bewegung" und
sei in den folgenden vier Jahren Vorsitzender der Jugendbewegung dieser
Partei gewesen; danach habe er seine politischen Aktivitäten reduziert,
habe aber für die Partei Werbung gemacht und Stimmen gesammelt. Im
(...) 2019 sei sein Bankkonto gesperrt worden, nachdem er sich als Bürge
für den Kredit eines Freundes zur Verfügung gestellt gehabt habe. Diese
Sperrung sei ohne die übliche vorgängige Mahnung erfolgt, weshalb er da-
von ausgehe, dass ein Zusammenhang zu seinen früheren politischen Ak-
tivitäten bestanden habe. Er habe sich deswegen an eine staatliche Recht-
schutzorganisation gewandt, die ihm jedoch nicht nur nicht geholfen, son-
dern ihm sogar auf illegale Weise die ihm zustehende staatliche Pandemie-
Nothilfe entzogen habe. Er vermute auch bei dieser Benachteiligung den
Grund in seiner Mitgliedschaft zur "Vereinten Nationalen Bewegung". Auf-
grund seiner wirtschaftlichen Probleme habe er im Heimatstaat kein men-
schenwürdiges Leben mehr führen können. Mangels jeglicher Zukunftsper-
spektive habe er sich zur Ausreise aus Georgien entschieden und den Hei-
matstaat im (...) 2021 legal verlassen.
Er sei bereits im Herbst 2017 einmal in Europa gewesen und habe nach
einem mehrmonatigen Aufenthalt in Polen erfolglos ein Asylverfahren in
Belgien durchlaufen und sei dann (...) 2018 nach Georgien zurückgekehrt.
C.
Am 18. Oktober 2021 stellte das SEM der zugewiesenen Rechtsvertretung
den Entwurf des (ablehnenden) Asylentscheids zur Stellungnahme zu. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers teilte am folgenden Tag fristge-
recht mit, sein Mandant habe den beabsichtigten Entscheid zur Kenntnis
genommen und verzichte auf eine detaillierte Stellungnahme dazu.
E-4715/2021
Seite 3
D.
Das SEM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung
vom 20. Oktober 2021 (eröffnet am gleichen Tag) ab, verfügte die Wegwei-
sung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an.
E.
Der zugewiesene Rechtsvertreter teilte in einer Eingabe an das SEM vom
20. Oktober 2021 mit, das Vertretungsmandat sei beendet.
F.
Mit einer englischsprachigen Formularbeschwerde, versehen mit einer
handschriftlichen deutschsprachigen Begründung vom 27. Oktober 2021
wandte sich die Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht. Er
beantragte inhaltlich sinngemäss die Aufhebung des Asylentscheids des
SEM und die Asylgewährung in der Schweiz, eventuell die Anordnung sei-
ner vorläufigen Aufnahme in der Schweiz wegen Undurchführbarkeit des
Wegweisungsvollzugs.
In prozessualer Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung und die
Befreiung von der Kostenvorschusspflicht sowie, eventuell, die Wiederher-
stellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. Ausserdem teilte er
mit, er wäre dankbar für die Zustellung der Akten seines Asylverfahrens
(inklusive die von ihm selbst eingereichten Beweismittel).
G.
Am 29. Oktober 2021 bestätigte der Instruktionsrichter den Eingang der
Beschwerde und teilte dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den weiteren
Gang des Verfahrens vorerst in der Schweiz abwarten.
H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
28. Oktober 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
E-4715/2021
Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und (angesichts der deutschsprachigen
Beschwerdebegründung) auch formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
1.4 Nicht einzutreten ist auf den Eventualantrag auf Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung, weil diese der Beschwerde schon von Gesetzes
wegen zukommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt wird, handelt es sich hier um ein solches Rechtsmittel.
Das Urteil ist nur summarisch zu begründen (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
E-4715/2021
Seite 5
4.
4.1 Soweit der Beschwerdeführer um Zustellung von Kopien seiner Akten
ersucht, ist festzuhalten, dass das SEM ihm über seinen zugewiesenen
Rechtsbeistand bereits Einsicht in die editionspflichtigen Akten gewährt hat
(die entsprechende Feststellung des SEM in der angefochtenen Verfü-
gung; vgl. Aktenstück A19 S. 3).
4.2 Den Akten ist jedoch nicht mit Sicherheit zu entnehmen, dass ihm auch
Einsicht in die von ihm selber eingereichten Unterlagen gewährt worden ist
(vgl. Art. 27 Abs. 3 VwVG). Im Beweismittelcouvert liegen einzig zwei Aus-
weisschriften, die für den Ausgang des vorliegenden Verfahrens nicht von
direkter Bedeutung sind. Unter diesen Umständen ist dem Beschwerdefüh-
rer zur Vervollständigung seiner Akten eine Kopie des Beweismittelver-
zeichnisses und der beiden darin abgelegten Dokumente mit diesem Urteil
zuzustellen.
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung seiner angefochtenen Verfügung Fol-
gendes aus:
5.1.1 Der Beschwerdeführer habe nichts vorgebracht, was auf eine ihm
drohende asylerhebliche Verfolgung im Heimatland Georgien hinweisen
würde. Georgien sei ein sicheres Herkunftsland im Sinn von Art. 6a Abs. 2
Bst. a AsylG ("Safe Country"). Bei diesen Staaten gelte grundsätzlich die
Regelvermutung, dass eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Ver-
folgung nicht stattfinde und der behördliche Schutz vor nicht-staatlicher
Verfolgung gewährleistet sei. Der Beschwerdeführer habe diese Vermu-
tung durch sein Vorbringen nicht erschüttern können.
Den Akten seien keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass die vom Be-
schwerdeführer geltend gemachten Nachteile in Zusammenhang mit sei-
ner Parteizugehörigkeit stehen würden; er äussere diesbezüglich bloss
eine vage Vermutung. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht anzunehmen,
dass er in Georgien gezielten Verfolgungsmassnahmen aus den in Art. 3
genannten Gründen ausgesetzt gewesen sei oder solche in Zukunft zu be-
fürchten habe. Bei den geltend gemachten Benachteiligungen habe es sich
nicht um Massnahmen gehandelt, die den Beschwerdeführer in eine
Zwangslage versetzt hätten, der er sich nur durch Flucht ins Ausland hätte
entziehen können. Diesen Problemen mangle es bei objektiver Betrach-
tungsweise auch an einer hinreichenden flüchtlingsrechtlichen Intensität.
Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass er sich bei einem
E-4715/2021
Seite 6
rechtswidrigen Verhalten von staatlichen oder nicht-staatlichen Institutio-
nen an die georgischen Polizei- und Justizorgane wenden könnte. Das
Land verfüge über ein funktionierendes Justizsystem.
Die teilweise schwierigen Lebensumstände im Heimatstaat des Beschwer-
deführers betreffe die gesamte Bevölkerung gleichermassen und seien
deshalb asylrechtlich ebenfalls nicht relevant.
5.1.2 Der Vollzug der Wegweisung sei unter diesen Umständen als zuläs-
sig zu qualifizieren, zumal der Beschwerdeführer nicht vorgetragen habe,
dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Georgien dort mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt
wäre. Das SEM erachte den Vollzug auch als zumutbar, weil der Beschwer-
deführer über eine gute Ausbildung und ein tragfähiges Beziehungsnetz in
Georgien verfügen und seine gesundheitlichen Probleme dort behandelt
werden könnten.
5.2 Die Beschwerdeführer machte im Beschwerdeverfahren im Wesentli-
chen geltend, im Gegensatz zu seinem Heimatstaat würden in der Schweiz
die Menschenrechte geachtet. Wenn er nach Georgien zurückkehren
müsste, würde ihn dort ein menschenunwürdiges Leben erwarten; er
müsste dort verhungern. Er hoffe auf die Hilfe und die Freundlichkeit der
Schweiz.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
E-4715/2021
Seite 7
7.
Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrecht-
lich relevante Verfolgung glaubhaft darzulegen. Die Erwägungen des SEM
und das Dispositiv der angefochtenen Verfügung sind zu bestätigen. Auch
in den Beschwerdeeingaben gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, die
zutreffenden Einschätzungen des SEM zu entkräften, wonach ihm im si-
cheren Herkunftsstaat Georgien keine Verfolgung drohe. Die Vorinstanz
hat nach umfassender Prüfung deshalb die Flüchtlingseigenschaft zu
Recht verneint und das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
E-4715/2021
Seite 8
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da der Be-
schwerdeführer keine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen
oder glaubhaft zu machen vermag, findet der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung. Die Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist
demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.3 Es gibt auch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer
in Georgien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK o-
der Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung droht. Die allgemeine
Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug
zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
9.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinn
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Der Bundesrat hat Georgien im Jahr 2019 auf die Liste der ver-
folgungssicheren Staaten aufgenommen, womit Georgien als sicherer
Heimatstaat (Safe Country) im Sinn von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG als Her-
kunftsland gilt, in das eine Rückkehr von abgewiesenen Asylsuchenden
grundsätzlich zumutbar ist. Bei solchen Staaten gelten die Regelvermutun-
gen, wonach eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung
nicht stattfindet und gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG eine Wegweisung in der
E-4715/2021
Seite 9
Regel zumutbar ist, wobei es der betroffenen Person obliegt, diese Legal-
vermutungen umzustossen.
9.3.2 Der Beschwerdeführer hat keine individuellen Gründe geltend ge-
macht, welche die Regelvermutung, wonach die Rückkehr nach Georgien
zumutbar ist, zu erschüttern vermögen. Auch in diesem Zusammenhang
kann auf die überzeugend begründete Verfügung des SEM verwiesen wer-
den, zumal der Beschwerdeführer namentlich seine gesundheitliche Situa-
tion in seinem Rechtsmittel nicht thematisiert (zur Zumutbarkeitspraxis des
Gerichts bei medizinischen Vorbringen, vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3 und
2009/2 E. 9.3.1 je mit weiteren Hinweisen).
9.3.3 Der Vollzug der Wegweisung nach Georgien ist zumutbar.
9.4 Der Beschwerdeführer kann mit seinem Reisepass ohne Weiteres
nach Georgien zurückkehren, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch
als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung. Aus den vorstehen-
den Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren aussichtlos waren, wo-
mit eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen gemäss Art. 65
Abs. 1 VwVG und Art. 102m AsylG nicht gegeben ist und diese Gesuche
abzuweisen sind. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
11.2 Der Antrag um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht erweist sich
als gegenstandslos.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/50
E-4715/2021
Seite 10