Decision ID: 2260dfcd-d08e-4fc4-90fb-c2d630f464f4
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958,
arbeitet stundenweise als
Zeitungsverträgerin
sowie als
Mitarbeiterin in einem Pferdestall (
Urk.
9/3
Ziff.
5.4).
Am 1
5.
November 2015 meldete sie sich bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/3). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte
medizinische und
erwerbliche Abklärungen und
liess die Versicherte
polydisziplin
är begutachten (Gutachten der
Y._
AG vo
m 2
1.
Oktober 2016;
Urk.
9/26).
Sodann veranlasste sie eine Haushaltabklärung (Bericht vom 1
5.
Dezember 2016;
Urk.
9/33).
Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/35;
Urk.
9/36;
Urk.
9/39)
verneinte sie mit Verfügung vom
4.
September 2017 einen Anspruch der Versicherten auf IV-Leistungen (
Urk.
9/42 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
5.
Oktober 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom
4.
September 2017 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung sowie die
Zusprache
einer Rente (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
8.
November 2017 (
Urk.
8) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Be
schwerdeführerin am
7.
Dezember 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12). Mit Verfügung vom 1
1.
Januar 2019 (
Urk.
13) wurde den Parteien das rechtliche Gehör zur Frage des Wartejahrs und der Beschwerdeführerin Gelegenheit zum Rückzug der Beschwerde gewährt. Diese
nahm mit Eingabe vom 2
2.
Januar 2019 Stellung und hielt an ihrer Beschwerde fest (
Urk.
15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf Stellungnahme (
Urk.
16). Diese Rechtsschriften wurden den Par
teien am 1
9.
Februar 2019 zugestellt (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Ihre Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin bei der Ver
sorgung des Haushalts nicht eingeschränkt sei. Eine Invalidität im Sinne des Ge
setzes sei nicht ausgewiesen. Bei guter Gesundheit wäre sie zu 50
%
arbeitstätig; sie habe mitgeteilt, dass sie nicht mehr (in einem höheren Pensum) arbeiten wolle. Davon sei auszugehen. Sie sei immer als Hilfsarbeiterin tätig gewesen, weshalb die diesbezüglichen Lohndaten anzuwenden seien. Es bestehe eine Arbeitsfähig
keit von 70
%
und es sei aufgrund des Belastungsprofils von einer Tätigkeit im geschützten Rahmen auszugehen. Damit bestehe in Anwendung der gemischten Methode ein Gesamtinvaliditätsgrad von 11
%
(S. 1-2).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte dagegen ein (
Urk.
1),
sie leide an einer mittleren kognitiven Funktionseinschränkung und grenzwertiger Intelligenz und stosse im
mer mehr an ihre Grenzen. Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte polydis
ziplinäre Gutachten zeige eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
in einer angepassten Tätigkeit; aus neurologischer Sicht werde sie seit Beginn der Ausbildung auf zu
30
%
arbeitsunfähig eingeschätzt. Sie könne nur einfache Tätigkeiten in ge
schütztem Rahmen ausführen (S. 3 f.). Das Validen- und Invalideneinkommen sei aus näher dargelegten Gründen anders zu berechnen, und sie sei im Gesundheits
fall zu 80 bis 100
%
erwerbstätig. Dementsprechend habe sie Anspruch auf eine Rente (S. 4 ff.).
Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs hielt die Beschwerdeführerin fest (
Urk.
15), die Arbeitsfähigkeit von 70
%
beziehe sich nicht auf eine Tätigkeit im freien Markt, sondern auf eine Hilfstätigkeit. Auch die Beschwerdegegnerin gehe von einer Arbeitsfähigkeit lediglich im geschützten Rahmen aus.
Die Be
schwerdeführerin
habe erstaunlicherweise immer wieder im freien Markt eine Ni
schentätigkeit gefunden, anhand des dabei erzielten Einkommens sei jedoch nicht von einer nach üblichen Ansätzen
entlöhnten
Tätigkeit auszugehen. Es sei für die Berechnung der Erwerbsunfähigkeit von Frühinvalidität auszugehen.
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
3.
3.
1
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Neurologie, hielt mit Bericht vom 3
1.
Juli 2015 (
Urk.
9/1/7-8) fest, die Beschwerdeführerin sei von ihrer Schwester zur Psy
chologin geschickt worden, damit sie Unterstützung bekomme, und habe ausge
führt, subjektiv keine Beschwerden zu realisieren. Auf Nachfragen habe sie an
gegeben, allenfalls etwas vergesslich zu sein. Lesen und Schreiben habe sie noch nie gut gekonnt, und depressiv fühle sie sich nicht (S. 1). Sie habe zwischen 1994 und 2007 in einer Fabrik gearbeitet und sei infolge der Schliessung arbeitslos geworden. Sie habe dann keine neue Anstellung gefunden. Aktuell trage sie dienstags und donnerstags die Zeitungen aus und helfe zusätzlich in einem Gestüt beim Füttern der Pferde, Misten und Putzen. Sie lebe alleine, fahre Auto und erledige die administrativen Angelegenheiten selbst (S. 1).
Dr.
Z._
hielt fest, die aktuelle Untersuchung zeige ein Verhaltenssyndrom mit Indifferenz, kindlichem Verhaltensmuster, fehlendem Leidensdruck und Dis
simulation. Im kognitiven Bereich finde sich ein vermindertes Arbeitstempo, eine Beeinträchtigung der Sprachverarbeitung mit Einschränkung des komplexen Sprachverständnisses, unterdurchschnittlichem Verbal-IQ,
Dyslexie
und
Dys
orthographie
, zusätzlich eine sprachlich-betonte markante Lern- und Gedächt
nisschwäche,
visuo
-konstruktiv planerische Schwierigkeiten, eine quantitativ eingeschränkte sprachliche und Perseverationen bei der Prüfung der figuralen Ideenproduktion, eine verminderte
visuo
-verbale Interferenzkontrolle und eine
eingeschränkte
Sprichwortinterpretation
. Diese Befunde liessen sich unter Be
rücksichtigung der Anamnese überwiegend vorbestehend
en
, frühkindlichen
er
worbenen kognitiven Teilleistungsschwäche
n
als Folgen einer frühkindlichen
cerebralen
Entwicklungsstörung unklarer Ätiologie zuordnen, wahrscheinlich zu
sätzlich durch im Alter abnehmende kognitive Kompensationsmechanismen
aggraviert
. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der Befunde auf dem freien Arbeitsmarkt nicht vermittelbar. Sie benötige gut strukturierte, einfache Arbeitsab
läufe, die ausschliesslich im geschützten Bereich umsetzbar seien.
Eine IV-Anmeldung im Hinblick auf IV-unterstützte Massnahmen (geschützter Arbeits
platz) und Berentung (die Beschwerdeführerin sei ausgesteuert und führe aktuell stundenweise Hilfsarbeiten mit sehr geringem Verdienst aus) sei dringend emp
fehlenswert (S. 2).
3.2
In einem undatierten, bei der Beschwerdegegnerin am 2
8.
September 2015 ein
gegangenen Bericht (
Urk.
9/1/1-6) stellte
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittlere Episode ohne psychotische Symptomatik (ICD-10 F33.1)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und unreifen Zü
gen (ICD-10 F61)
-
ausgeprägte kognitive Leistungsstörungen
gemäss Abklärung durch
Dr.
Z._
-
frühkindliche
cerebrale
Entwicklungsstörung
Die Patientin sei arbeitswillig, jedoch aufgrund der multimorbiden Verfassung mit protrahiertem Krankheitsverlauf nur in geschütztem Rahmen
arbeitsfähig. Aufgrund der stark erhöhten Erschöpfbarkeit, der deutlich reduzierten
Belas
tun
gs
- und Konzentrationsfähigkeit
, Arbeitsfähigkeit sowie
des stark reduzierten Arbeitstempos bestehe voraussichtlich längerfristig keine Arbeitsfähigkeit im ers
ten Arbeitsmarkt (
Ziff.
1.4).
Die Beschwerdeführerin habe eine Restaurant-
Anlehre
und sei in dieser Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig, wobei der Beginn unklar sei (
Ziff.
1.6). Auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine vollständige Erwerbsunfähigkeit (
Ziff.
1.7).
3.3
Die Gutachterinnen und Gutachter der
Y._
AG stellten in ihrem nach Be
rücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer in
ternistischen, neuropsychologischen, psychiatrischen und neurologischen Unter
suchung am 2
1.
Oktober 2016 erstatteten Gutachten (
Urk.
9/26) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 31
Ziff.
7.1.1):
-
nicht näher bezeichnete organische Persönlichkeits- und Verhaltensstö
rung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10 F07.9)
-
mittlere kognitive Funktionseinschränkung und grenzwertige Intelligenz, vermutlich durch anlagebedingte oder frühkindlich erworbene Hirnschä
digung
Die Gutachter hielten fest,
die Beschwerdeführerin habe trotz der nicht bestande
nen Lehre als Buffettochter genügend praktische Lebenserfahrung erlangt, um erfolgreich in zahlreichen Firmen tätig zu sein, unter anderem in einem Alters- und Pflegeheim, als Produktionsmitarbeiterin oder in der Spedition einer Produk
tionsfirma. Es habe sich durchgehend um sehr einfache, repetitiv zu erbringende Tätigkeiten gehandelt, wofür die Beschwerdeführerin erfolgreich habe angelernt werden und die sie zur langjährigen Zufriedenheit
der Arbeitgeber habe ausüben können. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei in der Produktion von Wasserwaagen gewesen, wo sie das Pensum von 50
%
auf 100
%
habe steigern können. Genaue Angaben über das Leistungsvermögen und ob es sich dabei um eine beschützte Tätigkeit gehandelt habe, lägen nicht vor. Nach Verlust dieser Tätigkeit infolge Standortschliessung sei es der Beschwerdeführerin nicht mehr gelungen, eine Fol
gestelle zu finden.
Dazu seien die privaten Probleme durch die schwere Erkran
kung und den plötzlichen Tod des Lebenspartners gekommen (S. 31 unten).
Zur Zeit
übe die Beschwer
deführerin zwei Tätigkeiten aus:
Dienstags und don
nerstags sei sie
mit dem Auto
als Zeitungs- und
Werbeverträgerin
unterwegs
, jeweils ab 8 und ab 6:30 Uhr. Am Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag sowie gelegentlich auch am Wochenende oder auf Nachfrage arbeite sie im Stun
denlohn als Stallmädchen und versorge zuverlässig 17 Tiere. Sie füttere, miste den Stall aus und bringe die Pferde in den Freilauf
. Trotz ihrer kognitiven Ein
schränkungen sei es ihr gelungen, sich durch das Leben zu kämpfen und relativ erfolgreich auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig zu sein. Seit dem Verlust der letzten grossen Anstellung sowie nach dem Tod des Lebenspartners sei sie immer mehr in Bedrängnis geraten
. Derzeit lebe sie alleine mit einer Kat
z
e in einer Eigentums
wohnung. Sie pflege einen guten und regelmässigen Kontakt zu ihrer Schwester (S. 32 oben).
Die Rechen-, Lese- und Schreibfunktion sei gravierend eingeschränkt und ent
spreche in etwa dem Fähigkeitsniveau der
2.
Primarschule. Weiter
bestünden Ein
schränkungen der Aufmerksamkeit und der Konzentration bei recht deutlicher Merkfähigkeitsstörung. Der Gedankengang wirke verlangsamt, störanfällig und deutlich
konkretistisch
mit starker Reduktion des abstrakten Denkens. Ausserdem fielen sprachliche Entwicklungsstörungen mit einer doch erschwerten Kommuni
kation auf, bei
der auch gedankliche Inhalte
schwer vermittelt werden könnten.
Mit einer zukünftigen Verschlechterung sei nicht zu rechnen, ausser es komme noch eine weitere hirnsubstanzielle Erkrankung hinzu (S.
33 oben).
Polydisziplinär bestehe eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit mit 70%iger Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein Pensum von 100
%
, dies sowohl angestammt wie adaptiert, aufgrund der kognitiven Defizite (S. 34 oben).
Die Beschwerdefüh
rerin
könne nur Tätigkeiten durchführen, die praktisch demonstriert werden k
ön
nen, einfach zu erbringen seien
und sich durch repetitive Abläufe und fehlende
eigene Entscheidungsbefugnis aus
zeichn
et
en. Mit einem Nachlassen der Leis
tungsfähigkeit im Tagesverlauf sei zu rechnen. Günstig wären zusätzliche Pausen zur Erholung. Tätigkeiten, die besondere Anforderungen an das Gleichgewicht stellten, sollten nicht zugemutet werden. Auch
könnten gedankliche Inhalte nur schwer vermittelt werden (S. 34 Mitte).
Es bestehe eine 70%ige Arbeitsfähigkeit für einfache Anlerntätigkeiten
(S. 34 unten).
Der Zeitpunkt des Eintritts
der Arbeitsunfähigkeit sei schwierig festzulegen, sicher ab Eintritt der psychischen Belastung durch den Tod des Ehepartners 2010 und unter Berücksichtigung altersphysiologischer Veränderungen der geistigen Leis
tungsfähigkeit (S. 35
Ziff.
8.1.2).
Vermutlich bestehe sie schon seit 1976 mit Be
ginn der Ausbildung (S. 37
lit
. C).
Hinsichtlich der Spezifikation der adaptierten Tätigkeit und Umsetzbarkeit in freier Wirtschaft oder geschütztem Rahmen hielten die Gutachterinnen und Gut
achter fest, die Beschwerdeführerin brauche eine einfache, repetitive Tätigkeit, die sie wiederholt ausführen könne und wo keine grossen Änderungen zu erwar
ten seien. Es könnten Tätigkeiten durchgeführt werden, die keine erhöhten Anforderungen an das Gleichgewicht stellten oder mit Überwindung von Höhen
dif
ferenzen verbunden seien
.
Es könnten nur Tätigkeiten
ausgeübt
werden, die geis
tig nicht beanspruchen, sehr leicht zu erlernen seien, vor allem durch prakti
sche Demonstration (ohne Notwendigkeit, das Wissen über visuelles Material zu er
werben), die repetitiv und schablonenartig zu erbringen seien und die keine eigene Entscheidungsbefugnis erforderten (S. 36 oben). Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei nicht indiziert. Eine sozialpsychiatrische Be
gleitung sei empfehlenswert, damit die Beschwerdeführerin eine neutrale Person habe, um ihre sozialen Schwierigkeiten anzugehen (S.
36 Mitte). Im Haushalt sei die Beschwerdeführerin überfordert und vernachlässige wichtige Arbeiten. Sie benötige Anleitung durch ihre Schwester
(S. 37
lit
. E).
Der psychiatrische Gutachter hielt fest, dass die Diagnosen von
Dr.
A._
nur begrenzt nachvollzogen werden könnten, da in ihrem Befund vor allem beric
htete Angaben aufgeführt würden. Die Versicherte sei gemäss eigenen und fremdanam
nestischen Angaben nie depressiv gewesen und sei es auch heute nicht. Auch
eine
Persönlichkeitsstörung sei nicht ausgewiesen. Im Widerspruch zur Beurteilung durch
Dr.
A._
arbeite die Beschwerdeführerin mindestens 20 Stunden pro Woche im Stall und trage Prospekte aus und habe nie gefehlt. Diese Arbeit sei im ersten Arbeitsmarkt anzusiedeln und stelle keinen geschützten Arbeitsplatz dar (S. 17 unten f.).
3.4
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt am 2
4.
Oktober 2016 (
Urk.
9/34/5) fest,
die Gutachterinnen und Gut
achter gingen von einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
in aktueller und angepasster Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aus, die spätestens seit 2010 bestehe.
3.5
Die am 2
9.
November 2016 durchgeführte Haushaltabklärung (
Urk.
9/33) ergab keine Einschränkungen. Hinsichtlich der Qualifikation machte die Beschwerde
führerin geltend, sie komme finanziell gerade so über die Runden. Früher habe sie mit ihrem Lebenspartner die Kosten teilen können, da sei es finanziell besser gewesen. Sie sei entsprechend in den letzten Jahren immer in Teilzeit arbeitstätig gewesen und wolle dies auch nicht ändern, wenn es sich vermeiden lasse, da sie genügend ausgelastet sei und sich um Haus und Garten kümmern könne
. Sie sei so bisher immer über die Runden gekommen (S. 5
Ziff.
2.5). Die Abklärungsper
son qualifizierte die Beschwerdeführerin deshalb als zu 50
%
erwerbs- und 50
%
haushalttätig (
Ziff.
2.6).
4.
4.1
Das Gutachten der
Y._
vermag den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend E. 1.3) vollumfänglich zu genügen, weshalb darauf abzustellen ist. Dessen Beweiswert wird denn auch von den Parteien nicht in Frage gestellt.
Die Gutachter kamen zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin angestammt und angepasst zu 70
%
arbeitsfähig ist
. Davon ist auszugehen.
4.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtspre
chungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seeli
sches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Er
werbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG; BGE 139 V 547 E. 5).
Mit BGE 143 V 418 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpas
sungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Aus Gründen der
Verhältnismässigkeit
kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren abge
sehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich nach dem konkreten Beweisbedarf. Sie fehlt ganz allgemein in Fällen, die sich durch die Erhebung prägnanter Be
funde und übereinstimmende fachärztliche Einschätzungen hinsichtlich Diagnose und funktioneller Auswirkungen im Rahmen beweiswertiger Arztberichte und Gutachten (vgl. BGE 125 V 351) auszeichnen. Was die Befunde angeht, ist etwa an Störungsbilder wie Schizophrenie, Zwangs-, Ess- und Panikstörungen zu den
ken, die sich aufgrund klinischer psychiatrischer Untersuchung bezüglich ihrer Überprüf- und Objektivierbarkeit mit somatischen Erkrankungen vergleichen las
sen (BGE 139 V 547 E. 7.1.4 S. 562). Hier zeigt sich die Beweisproblematik, wenn überhaupt, vor allem bezüglich der funktionellen Auswirkungen. Daher hat auch bei jenen Störungen eine vertiefende Prüfung hinsichtlich des funktionellen Schweregrades und insbesondere der Konsistenz zu erfolgen, wenn Hinweise auf Inkonsistenzen, auf Aggravation oder Simulation bestehen (E. 7.1).
4.3
Vorliegend wurden eine
nicht näher bezeichnete organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10 F07.9)
und eine
mittlere kognitive Funktionseinschränkung und grenzwertige Intelligenz, vermutlich durch anlagebedingte oder frühkindlich erworbene Hirnschädigung
, diagnostiziert. Damit liegen Krankheiten vor, die or
ganisch bedingt sind und sich in ihrer Objektivierbarkeit mit somatischen Erkran
kungen vergleichen lassen. Hinweise auf Inkonsistenzen bestehen nicht. Ein strukturiertes Beweisverfahren ist somit nicht durchzuführen.
4.4
Gemäss Gutachten besteht die
Arbeits
un
fähigkeit
von 3
0
%
wahrscheinlich schon seit 1976, spätestens jedoch
seit
dem Tod des Lebenspart
ners im Jahr 201
0.
Ent
gegen der Auffassung der Parteien sind dem Gutachten jedoch keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin sowohl angestammt wie ange
passt
lediglich
in einer geschützten Stätte arbeitsfähig wäre. Der psychiatrische Gutachter hielt vielmehr ausdrücklich fest, bei den aktuell ausgeübten Tätigkeiten handle es sich um solche des ersten Arbeitsmarktes
(vgl. vorstehend E. 3.3)
.
Fest
zuhalten ist
insbesondere
, dass die Beschwerdeführerin fähig war, den Führer
schein zu erwerben,
dass sie
zwei
Stellen gleichzeitig innehat, in der Vergangen
heit auch längere Zeit ein Pensum von 100
%
leistete
, ihren Haushalt selbst
ändig zu führen vermag (vgl.
Urk.
9/33 S. 9 und 10,
wo festgehalten wurde, dass die Wohnung
keinen ungepflegten Eindruck mache und der Garten gut gepflegt sei) und ihre ak
tuellen Tätigkeiten zuverlässig,
pünktlich
und verantwortungsvoll
ausführt.
Weiter schaue
sie zu den Wohnungen der Nachbarn, wenn diese abwe
send sind (vgl.
Urk.
9/33 S. 5
Ziff.
2.5); eine Tätigkeit, doch ein erhebliches Ver
antwortungsbewusstsein voraussetzt.
Sie verfügt somit durchaus über die not
wendigen Fähigkeiten, um auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen zu können.
4.
5
Dass die Gutachterinnen und Gutachter
weiter
von einer Arbeitsunfähigkeit von 30
%
bezogen auf ein Pensum von 100
%
ausgingen,
ist schlüssig, denn die Be
schwerdeführerin war
nach
eigenen Angaben
bereits früher in einem Vollpensum erwerbstätig. Dies wird
mindestens für die Jahre
1997-2000
durch die
Zahlen
im IK-Auszug
bestätigt, in denen sie
mit
zwei 50%-Anstellungen
(vgl.
Urk.
9/33/3
Ziff.
2.3)
insgesamt
durchschnittlich
gut
Fr.
46'5
00.-- pro Jahr
beziehungsweise
Fr.
3'875.
—monatlich
verdiente
(
Urk.
9/
10/2)
. Dies
entspricht
einem
damaligen
Hilfsarbeiter
innen
lohn
(vgl. die Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2000, Tabelle TA1, wonach Frauen im Anforderungsniveau 4 durchschnittlich
Fr.
3'658.-- monatlich erzielten)
.
Die letzte Stelle verlor sie
zudem
nicht aus gesundheitli
chen Gründen, sondern weil
ein
Arbeitgeber den Standort wechselte
und sie
am neuen Ort
nicht weiterarbeiten wollte und der andere Konkurs ging (vgl.
Urk.
9/33/3
Ziff.
2.3
)
.
Gemäss
IK-Auszug
verdiente sie in der Folge
jeweils etwa
Fr.
25'000.-- jährlich und
übte
damit
wohl nur ein 50%-Pensum
aus. Dass dies auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen war, ist
jedoch
nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt.
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde denn
zeitnah
auch gar nie attestiert. Eine Qualifikation von 50
%
Erwerbs- und 50
%
Haushalttätigkeit ist deshalb
allenfalls auf
grund
eine
r
freiwillige Reduktion des Pensums, wie dies die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltabklärung
geltend machte
(vgl.
Urk.
9/33 S. 5
Ziff.
2.5
), anzunehmen. Wie es sich damit verhält, kann jedoch aus
den nachfolgenden
Gründen
offen bleiben
, da ohnehin kein Rentenanspruch resultiert
.
4.
6
Sowohl bei Annahme eines vollen wie eines 50%igen Pensums ist zu berücksich
tigen, dass gemäss Gutachten seit
praktisch
jeher
, mindestens jedoch seit 2010,
eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
in jeder geeigneten Tätigkeit
besteht. Damit ist die
Wartezeit gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
.
a IVG
, welche eine durchschnittliche min
destens 40%ige Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres verlangt, bislang nicht erfüllt.
Selbst wenn das Wartejahr erfolgreich bestanden wäre, wäre jedoch
die
kumula
tive
Voraussetzung von
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG
nicht erfüllt
, denn bei Annahme einer 50%igen Erwerbstätigk
eit bestand bei einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
im Erwerbsbereich
nie eine Einschränkung.
Bei dieser Konstellation
müsste im Haus
halt eine
sehr hohe
Arbeitsunfähigkeit bestehen, damit ein rentenbegründender
Invaliditätsgrad entstehen könnte
. Eine solche Einschränkung
ist jedoch klar zu verneinen.
Ginge man von einer vollen Erwerbstätigkeit aus, so resultiert bei einer Arbeits
unfähigkeit von 30
%
auch in der angestammten Tätigkeit ein rentenausschlies
sender Invaliditätsgrad von 30
%
(Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
4.
7
Somit besteht keine Invalidität im Rechtssinn
; die gesetzlichen Voraussetzungen von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b und c sind nicht erfüllt
. Ein Einkommensvergleich ent
fällt
.
Dass die Beschwerdeführerin invaliditätsbedingt - was für die Bemessung der Invalidität als Frühinvalide gemäss
Art.
26
Abs.
1
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
alleine massgebend ist - keine zureichenden beruf
lichen Kenntnisse erwerben konnte
, ist
im Übrigen
weder durch zeitnah ergan
gene Akten belegt noch aufgrund des Gesagten überwiegend wahrscheinlich.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch der Beschwerdeführerin
auf eine Rente
im Ergebnis
zu Recht verneint. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Die Gerichtskosten nach
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.