Decision ID: cc4e8ab6-8720-59c4-b38b-a7b02e8ed9c2
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 4. Juli 2014 in die Schweiz ein und er-
suchte tags darauf um Asyl in der Schweiz nach. Am 18. Juli 2014 wurde
er durch die Vorinstanz summarisch zur Person befragt (BzP) und am
23. Juni 2015 einlässlich zu seinen Asylgründen angehört. Dabei gab er im
Wesentlichen an, er habe im Jahr (...) der Befreiungsarmee angehört.
Nach zwei Jahren sei er nach Hause zurückgekehrt und habe bis (...) in
seinem Heimatort gelebt. (...) sei er aufgefordert worden, zum Militär zu
gehen. Bis (...) habe er den Dienst ohne Zwischenfälle geleistet. Im Feb-
ruar (...) sei er aufgefordert worden, das Grenzgebiet B._ zu über-
wachen und auf Flüchtige, welche die Grenze überqueren wollten, zu
schiessen. Er habe sich indes geweigert, auf Leute zu schiessen und habe
aufgrund dieser Befehlsverweigerung um sein Leben gefürchtet. In der
gleichen Nacht habe er das Land verlassen. Nach seiner Ausreise hätten
Soldaten bei seiner Familie nach ihm gefragt. Sein Vater habe eine Ausei-
nandersetzung mit den Soldaten gehabt, sei dabei geschlagen worden und
an den Folgen dieser Schläge gestorben.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Kopien der Identitätskarten
seiner Eltern und eine Kopie seines Ehescheins ein.
B.
Mit Verfügung vom 27. September 2016 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der
Wegweisung schob sie jedoch wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer
vorläufigen Aufnahme auf.
C.
Mit Eingabe vom 31. Oktober 2016 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Er beantragte, die Verfügung
der Vorinstanz sei in den Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs aufzuheben, es sei
seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren.
Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme infolge Unzulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgelt-
liche Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses zu verzichten und ihm in der Person des Unterzeichnenden ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
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Als Beweismittel reichte er eine Fotografie von sich in militärischer Klei-
dung ein.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 2. November 2016 hiess die Instruktionsrich-
terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut,
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte lic. iur.
LL.M. Tarig Hassan als amtlichen Rechtsbeistand des Beschwerdeführers
ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend ausgeführt – als offen-
sichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit
mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Wei-
terungen und mit summarischer Urteilsbegründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.2 Dem Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 2. Novem-
ber 2016 die unentgeltliche Prozessführung sowie Verbeiständung ge-
währt, die Beschwerde also nicht als aussichtslos qualifiziert. Dies steht
einer Behandlung der vorliegenden Beschwerde im Verfahren nach Art. 111
Bst. e AsylG indes nicht entgegen (vgl. dazu ausführlich Urteil des BVGer
E-4923/2016 vom 9. Februar 2017, E. 2.2).
E-6690/2016
Seite 4
4.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet die Flücht-
lingseigenschaft, der Asylpunkt und die Wegweisung. Der Wegweisungs-
vollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerde-
führer wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung vorläufig auf-
genommen hat.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
5.3 Gemäss Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen
kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder
Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge
im Sinne von Art. 3 AsylG wurden. Personen mit subjektiven Nachflucht-
gründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig
aufgenommen. Massgebend ist dabei einzig, ob die heimatlichen Behör-
den das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und
dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung
im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforde-
rungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3
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und 7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2009/29 E. 5.1; BVGE 2009/28
E. 7.1).
6.
6.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht stand und seien nicht asylre-
levant im Sinne von Art. 3 AsylG.
Zur Begründung führt sie an, der Beschwerdeführer habe zu seiner Rekru-
tierung im Jahr (...), seiner siebenjährigen Dienstzeit und seiner Desertion
im Jahr (...) äusserst unsubstantiierte und widersprüchliche Angaben ge-
macht. Namentlich habe er die damalige Rekrutierung anlässlich der Be-
fragungen unvereinbar dargelegt und trotz mehrmaliger Nachfrage seien
seine Antworten zur Festnahme durch die Soldaten oberflächlich und all-
gemein ausgefallen. Auch seine militärische Einheit habe er unterschied-
lich bezeichnet und er sei nicht in der Lage gewesen, die in den sieben
Jahren verübten Tätigkeiten in der Armee zu substantiieren. Besonders
knapp und stereotyp seien die Angaben zur Desertion ausgefallen. Den
Ort, an welchem er in der Folge festgehalten worden sei, habe er verallge-
meinernd als „Ecke“ in der Militärkaserne beschrieben und auch die eigent-
liche Flucht habe er in einer stereotypen und wenig überzeugenden Weise
geschildert. Insgesamt könne ihm nicht geglaubt werden, dass er im Jahr
(...) erneut ins Militär eingezogen worden und anschliessend desertiert sei.
Weiter seien auch seine Angaben zur Desertion aus der Befreiungsarmee
unsubstantiiert. Namentlich habe er sich zu den Fluchtumständen nicht klar
geäussert. Zudem erscheine unglaubhaft, dass er rund (...) Jahre nach sei-
ner Desertion „zur Bestrafung“ erneut hätte rekrutiert werden sollen. Viel-
mehr liege die Vermutung nahe, dass er dank seiner Teilnahme am Unab-
hängigkeitskrieg vom späteren Militärdienst ausgenommen gewesen sei.
Diese Einschätzung werde durch die Tatsache gestützt, dass er sich nach
dem Unabhängigkeitskrieg eine eritreische Identitätskarte habe ausstellen
lassen. Bezüglich der Identitätskarte habe er sich sodann anlässlich der
Befragungen unvereinbar geäussert. Aufgrund der unsubstantiierten und
realitätsfremden Angaben sei auch die Desertion im Jahre (...) nicht glaub-
haft.
6.2 Die Vorbringen des Beschwerdeführers zum Nationaldienst seien nicht
glaubhaft. Er könne somit weder als Wehrdienstverweigerer noch als De-
serteur gelten und habe nicht gegen die Proclamation on National Service
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/28
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von 1995 verstossen. Dementsprechend habe er keine begründete Furcht
vor einer zukünftigen Verfolgung. Seine Vorbringen zu seiner angeblichen
illegalen Ausreise seien asylrechtlich unbeachtlich.
7.
7.1 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer vorab gel-
tend, anlässlich der Anhörung sei Ramadan gewesen. Er habe gefastet,
weshalb er sich nur ungenügend habe konzentrieren können, was nicht
ausser Acht gelassen werden könne. Es trifft zu, dass zum Zeitpunkt der
Anhörung Ramadan war. Indes substantiiert der Beschwerdeführ nicht an-
satzweise, wie er sich im Einzelnen nicht habe konzentrieren können. Auch
wenn die Antworten auf die ihm unterbreiteten Fragen kurz und einsilbig
ausgefallen sind, ergeben sie einen inhaltlichen Sinn. Darüber hinaus las-
sen sich dem Protokoll keine Hinweise auf Konzentrationsstörungen ent-
nehmen. Schliesslich wäre es ihm oblegen, bei Bedarf um eine Pause zu
bitten. Das Protokoll der Anhörung kann dem vorliegenden Entscheid zu-
grunde gelegt werden.
7.2 Weiter hält der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe an der
Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen fest. Sinngemäss macht er damit gel-
tend, die Vorinstanz habe den Massstab des Glaubhaftmachens nicht rich-
tig angewendet und verletze damit Bundesrecht.
Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. In der an-
gefochtenen Verfügung wird einlässlich begründet, weshalb ein Grossteil
der Aussagen des Beschwerdeführers unsubstantiiert, widersprüchlich, all-
gemein, oberflächlich und stereotyp, mithin insgesamt nicht glaubhaft sind.
Was in der Rechtsmitteleingabe dagegen vorgebracht wird, ist nicht geeig-
net, die Aussagen in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Mit der
Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich in den Schilderungen des Beschwer-
deführers zahlreiche Widersprüche finden und seine Ausführungen zudem
äusserst knapp gehalten sind. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, es
habe sich um eine verkürzte BzP gehandelt, ist festzustellen, dass sich die
Fragen zu den Ausreisegründen durchaus im Bereich des Normalen (über
eine Seite) bewegen, mithin er aus diesem Hinweis nichts zu seinen Guns-
ten abzuleiten vermag.
Weiter hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass die Ausführungen des
Beschwerdeführers an der Anhörung äusserst knapp ausgefallen sind. In-
sofern der Beschwerdeführer diesbezüglich geltend macht, zu seinem sie-
benjährigen Militärdienst sei ihm nur eine Frage gestellt worden, handelt
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es sich dabei um eine aktendwidrige Behauptung (vgl. SEM-Akten A20/21
z.B. F47 ff., F54, F86, F93 ff., F112, F113 und weitere). Der Befrager sowie
der zur Beobachtung eines korrekten Verfahrens anwesende Hilfswerkver-
treter griffen dieses Thema wiederholt auf und bei gewissen Fragen hat der
Fachspezialist sogar explizit darum gebeten, der Beschwerdeführer solle
möglichst detailliert antworten und beschreiben. Dieser hatte damit ausrei-
chend Gelegenheit, ausführlich zu erzählen. Darüber hinaus trägt der Be-
schwerdeführer selbst die Verantwortung für seine Ausführungen, indem er
seine Angaben im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) sub-
stantiiert und frei von Unstimmigkeiten darzutun hat, mithin es nicht Sache
des Fachspezialisten ist, jede Einzelheit durch gezielte Fragestellungen zu
erfragen. Von jemandem, der während sieben Jahren Militärdienst geleistet
hat, darf – auch wenn seither eine gewisse Zeit vergangen ist – erwartet
werden, dass er diesbezüglich detailliert und erlebnisgeprägt erzählen
kann, umso mehr als er dabei lediglich über selbst Erlebtes zu berichten
hat. Seine Ausführungen sind jedoch ohne jegliche Realkennzeichen, mo-
noton und einsilbig. An dieser Feststellung vermag auch der Hinweis auf
seine Ausführungen zur Waffe und der Skizze von dieser nichts zu ändern,
da er selbst angegeben hat, er habe eine solche Waffe auch bereits im
Unabhängigkeitskrieg getragen. Insgesamt erwecken seine Schilderungen
nicht den Eindruck, als hätte er tatsächlich sieben Jahre Militärdienst ge-
leistet. Die Tatsache, dass er kein einziges nennenswertes Ereignis oder
eine Anekdote erzählen kann, verstärkt vielmehr den Eindruck, er habe das
Geschilderte nicht selbst erlebt. Daran vermag auch die eingereichte Foto-
grafie – welche den Beschwerdeführer in Militäruniform zeigt – nichts zu
ändern, zumal nicht erkennbar ist, ob es sich dabei tatsächlich um ihn han-
delt. Schliesslich ist in keiner Weise nachvollziehbar, dass der Beschwer-
deführer, welcher gemäss seinen Angaben am Befreiungskampf aktiv teil-
genommen hat (SEM-Akten A20/21 S. 5) und sieben Jahre Militärdienst
leistete, desertierte, weil er angeblich auf Flüchtige schiessen musste. Ins-
gesamt ist es ihm somit nicht gelungen, seine behauptete siebenjährige
Militärdienstzeit und die damit zusammenhängende Desertion glaubhaft
darzulegen.
Was im Übrigen sein damaliges Verlassen der Armee betrifft, ist der Be-
schwerdeführer selbst der Ansicht, dass ihm daraus im heutigen Zeitpunkt
keine Nachteile mehr erwachsen. Darauf ist nicht weiter einzugehen.
7.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vor-
instanz den Massstab des Glaubhaftmachens richtig angewendet hat. Die
Rüge erweist sich als unbegründet.
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8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht ging in seiner bisherigen Rechtspre-
chung davon aus, dass eine illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver
Nachfluchtgrund anzusehen war, weil illegal Ausgereiste bei einer Rück-
kehr nach Eritrea mit erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG
rechnen mussten (vgl. Urteil des BVGer D-3892/2008 vom 6. April 2010,
E. 5.3.3).
Diese Rechtsprechung wurde jüngst aufgegeben. Das Bundesverwal-
tungsgericht kam im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Refe-
renzurteil publiziert) nach einer eingehenden Lageanalyse (E. 4.6-4.11)
zum Schluss, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise per
se zur Flüchtlingseigenschaft führte, nicht mehr aufrechterhalten werden
könne (E. 5.1). Es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise
aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung drohe.
Nicht asylrelevant sei auch die Möglichkeit, dass jemand nach der Rück-
kehr in den Nationaldienst eingezogen werde, da es sich dabei nicht um
Massnahmen handle, die aus asylrechtlich relevanten Motiven erfolgten.
Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext be-
dürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte,
welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu einer flüchtlings-
rechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl. angeführtes
Referenzurteil E. 5.2). Ob eine drohende Einziehung in den Nationaldienst
unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK und Art. 4 EMRK relevant sein
könnte, betreffe die Frage der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs.
Da der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 27. September 2016 vorläu-
fig aufgenommen wurde, ist diese Frage nicht Gegenstand des vorliegen-
den Verfahrens. Da allein aufgrund einer illegalen Ausreise aus Eritrea
keine begründete Furcht vor asylrechtlich beachtlicher Verfolgung ange-
nommen werden kann (ausführlich dazu das angeführte Referenzurteil,
E. 4.6-5.1), kann vorliegend offen bleiben, ob der Beschwerdeführer sein
Heimatland illegal verlassen hat.
8.2 Was die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft betrifft, muss eine
asylsuchende Person folglich zusätzliche Anknüpfungspunkte nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG), die sie in den Au-
gen der heimatlichen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen.
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Da die Ausführungen des Beschwerdeführers – wie bereits dargelegt –
nicht glaubhaft sind, mithin nicht davon auszugehen ist, er sei vom Militär
desertiert und er damit neben der (illegalen) Ausreise keine zusätzlichen
Anknüpfungspunkte für eine Verschärfung seines Profils aufweist, ist vor-
liegend nicht von einer asylrechtlich beachtlichen Verfolgung auszugehen.
8.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, asylrelevante Fluchtgründe nachzuweisen oder glaub-
haft zu machen. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft demnach zu
Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
9.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9, BVGE 2013/37 E. 4.4). Die Wegweisung wurde dem-
nach zu Recht angeordnet.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist da-
her abzuweisen.
11.
11.1 Mit Zwischenverfügung vom 2. November 2016 wurde das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen, wes-
halb keine Kosten aufzuerlegen sind.
11.2 Lic. iur. LL.M. Tarig Hassan wurde vom Gericht am 2. November 2016
als unentgeltlicher Rechtsbeistand des Beschwerdeführers bestellt. Ihm ist
eine Entschädigung zu Lasten des Gerichts auszurichten (Art. 65 Abs. 5
VwVG und Art. 12 i.V.m. Art. 8 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Er hat keine Kostennote zu den Akten gereicht.
Auf eine Nachforderung kann verzichtet werden, da sich die Vertretungs-
kosten aufgrund der Akten zuverlässig abschätzen lassen (Art. 14 Abs. 2
VGKE). Dem amtlichen Rechtsbeistand ist durch das Bundesverwaltungs-
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gericht ein amtliches Honorar gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Be-
messungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) in der Höhe von Fr. 900.– (inkl. Aus-
lagen) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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