Decision ID: c6009941-8d15-5a0c-b20f-8e488ae1e8a1
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 30. Oktober 2019 in der Schweiz um Asyl
nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) Region Ostschweiz zuge-
wiesen. Am 6. November 2019 fand die Personalienaufnahme und am
12. Dezember 2019 die Anhörung statt. Am 17. Dezember 2019 wurde das
Verfahren zwecks abschliessender Sachverhaltserstellung dem erweiter-
ten Verfahren zugewiesen. Am 13. Februar 2020 fand die ergänzende An-
hörung statt.
Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei sri-lankischer Staatsbürger
tamilischer Ethnie aus B._. Sein Vater habe Sri Lanka im Jahr (...)
verlassen, weil er aufgrund seiner Tätigkeiten als (...) für die LTTE (Libe-
ration Tigers of Tamil Eelam) Schwierigkeiten gehabt habe. Er (der Be-
schwerdeführer) sei im Jahr (...) nach C._ gereist, weil er in Sri
Lanka in Gefahr gewesen sei; in C._ habe er gearbeitet. Als seine
Mutter mit seinen zwei jüngeren Brüdern zu seinem Vater in die Schweiz
nachgezogen seien, sei seine Schwester in Sri Lanka alleine zurückgeblie-
ben, weshalb er von C._ nach Sri Lanka zurückgekehrt sei. Hier-
nach hätten sie ungefähr ein Jahr in D._ ohne Zwischenfälle leben
können. Danach sei er wiederholt aufgesucht worden, vermutlich von CID-
oder Armeeangehörigen. Das erste Mal seien diese Leute zu ihm in den
Laden gekommen. Es seien ihm Fragen zu seinen Eltern gestellt, er sei
beschimpft und das Fensterglas seines Ladens dabei beschädigt worden.
Danach sei er einige Tage nicht in den Laden gegangen. Als er dann doch
wieder in den Laden gegangen sei, hätten diese Leute dort bereits auf ihn
gewartet. Am selben Tag seien diese Leute auch zu ihm nach Hause ge-
kommen, hätten erneut nach seinen Eltern gefragt, ihn geschlagen und (...)
LKR (Sri-Lanka-Rupie) verlangt. In der Hoffnung, diese Schwierigkeiten
würden ein Ende nehmen, habe er Goldschmuck sowie ein Grundstück
verkauft und das Geld bezahlt. Trotzdem sei er anschliessend verschleppt
und ungefähr drei Monate mit weiteren Tamilen unterirdisch eingesperrt
und wiederholt befragt worden. Im Dunkeln habe er eines Tages von dort
durch die Türe fliehen können und sei nach B._ gelangt. Er habe
seine Schwester informiert, die daraufhin Goldschmuck, seinen Laden und
ein Grundstück verkauft habe, um seine Ausreise zu finanzieren. Er habe
Sri Lanka am (...) mit dem Flugzeug verlassen, seine Schwester sei in Sri
Lanka zurückgeblieben.
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B.
Mit Verfügung vom 10. Juli 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz, setzte eine Ausreisefrist an, be-
auftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und
händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten aus.
C.
Mit Schreiben vom 29. Juli 2020 erklärte die Rechtsvertretung des Be-
schwerdeführers, sie habe das Mandat niedergelegt.
D.
Mit Eingabe vom 11. August 2020 reichte der Beschwerdeführer unter Bei-
lage eines ärztlichen Schreibens vom 16. Juli 2020 sowie eines Berichts
(Gotabaya Rajapaksa’s Präsidentschaft, Menschenrechte unter Beschuss,
aktualisiert am 16. Januar 2020) beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde ein und beantragte, es sei die Verfügung des SEM vom 10. Juli
2020 vollumfänglich aufzuheben und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei
die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs festzustellen und er vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht
sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten und die Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin beizuordnen. Es sei festzustellen, dass die Beschwerde
aufschiebende Wirkung habe.
E.
Mit Schreiben vom 14. August 2020 reichte der Beschwerdeführer seine
Fürsorgebestätigung nach.
F.
Mit Instruktionsverfügung vom 17. August 2020 bestätigte der Instruktions-
richter den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerdeführer
könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG;
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Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadres-
sat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Auf den Antrag, es sei festzustellen, dass die Beschwerde aufschie-
bende Wirkung habe ist nicht einzutreten, da die aufschiebende Wirkung
der Beschwerde nicht entzogen wurde (Art. 55 VwVG).
2.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1
und 2 AsylG).
3.
Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins-
besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die An-
forderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten
Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier ver-
wiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
4.
Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung – unter Auflistung
einer Vielzahl von Widersprüchen und Ungereimtheiten – zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen nicht stand. Namentlich habe er sich zu den Umständen
seiner Ausreise am Flughafen, zur Dauer der Fahrt im Van, zur Anzahl Ver-
höre in Gefangenschaft sowie deren Lokalität oder zur Eröffnung und
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Schliessung seines Ladens widersprochen. Neben diesen widersprüchli-
chen Angaben sei der grösste Teil der Vorbringen zudem unlogisch. Na-
mentlich sei es unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer nicht genau
wisse, wer ihn verfolge. Hätte er zudem tatsächlich Probleme gehabt, sei
davon auszugehen, dass er nicht wegen seiner Schwester von C._
nach Sri Lanka zurückgekehrt wäre, um dort dann – wie sein Vater – mit
(...) zu handeln.
5.
5.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG
nicht standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die ausführlichen sowie
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen ist. Diese sind we-
der in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. Die ange-
fochtene Verfügung ist ausreichend begründet, zumal sich die Vorinstanz
nicht mit jedem Argument auseinanderzusetzen hat. Dass eine sachge-
rechte Anfechtung möglich war, zeigt die Beschwerde selbst. Das rechtli-
che Gehör wurde nicht verletzt. Der Sachverhalt (auch der medizinische
Sachverhalt) ist ausreichend abgeklärt. Die hierzu getätigten und unsub-
stanziierten formellen Rügen erweisen sich als fehlerhaft oder unbegrün-
det. Namentlich geht die Rüge betreffend die im Sachverhalt der angefoch-
tenen Verfügung aufgeführte Anzahl Schläge fehl, machte der Beschwer-
deführer doch tatsächlich geltend, bereits früher geschlagen worden zu
sein (SEM-Akten A22 F61 f.). Zudem musste die Vorinstanz die Vergess-
lichkeit des Beschwerdeführers nicht weiter miteinbeziehen, zumal die Pro-
tokolle keine entsprechenden Schlüsse zulassen und den Akten keine me-
dizinischen Berichte zu entnehmen sind, die auf eine zu berücksichtigende
Vergesslichkeit schliessen lassen würden. Namentlich die vom Beschwer-
deführer angebrachten Korrekturen zum Zeitpunkt seiner Rückkehr aus
C._ lassen jedenfalls vor dem Hintergrund seines übrigen Aussa-
geverhaltens nicht auf gravierende Vergesslichkeit schliessen. In materiel-
ler Hinsicht erschöpft sich die Beschwerde sodann in Wiederholungen des
bereits bekannten Sachverhalts und hält insbesondere an der Glaubhaf-
tigkeit der gemachten Aussagen fest. Hiermit gelingt es jedoch nicht aufzu-
zeigen, inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung Bundesrecht verlet-
zen oder zu einer rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststellung führen soll.
Solches ist auch nicht ersichtlich.
5.2 Vorab ist festzustellen, dass die Schwester des Beschwerdeführers
weiterhin in Sri Lanka lebt. Dass ihr seit der Ausreise ihres Vaters im Jahr
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(...) bis heute ernsthafte Nachteile aufgrund von dessen Landesabwesen-
heit erwachsen wären, wurde nicht geltend gemacht (z. B. SEM-Akten A33
F117). Vielmehr konnte sie über Jahre hinweg vor Ort mit ihrem Ehemann
leben (z. B. Beschwerde S. 4 Ziff. 3) und namentlich unbehelligt ein Grund-
stück verkaufen, um die Ausreise des Beschwerdeführers zu finanzieren.
Bereits die Tatsache, dass offensichtlich nicht alle in Sri Lanka verbleiben-
den Familienangehörige entsprechende Nachteile zu gewärtigen haben,
lässt erste Zweifel an der geltend gemachten Reflexverfolgung des Be-
schwerdeführers zu. Die freiwillige Rückkehr des Beschwerdeführers aus
C._ nach Sri Lanka im Jahr (...) untermauert – ungeachtet deren
Zwecks – diese Annahme. Hinzu kommt, dass es an einem zeitlichen Kau-
salzusammenhang zwischen der Ausreise des Vaters im Jahr (...) (Ur-
sprung der angeblichen Verfolgung des Beschwerdeführers) und der letz-
ten Ausreise des Beschwerdeführers aus Sri Lanka im (...) fehlt. Sodann
kann zusammen mit der Vorinstanz erwartet werden, dass der Beschwer-
deführer nach all den Jahren der angeblichen Verfolgung und der wieder-
holten persönlichen Konfrontation mit seinen Verfolgern mindestens wis-
sen sollte, von wem er überhaupt verfolgt wird. Stattdessen gelingt es ihm
hierüber lediglich oberflächliche Mutmassungen anzustellen, was nicht zu
überzeugen vermag (z. B. SEM-Akten A22 F64). Die Ausführungen in der
Beschwerde zur Flucht aus der angeblichen Gefangenschaft – namentlich
der Beschwerdeführer habe nach drei Monaten beschlossen zu fliehen,
habe daraufhin mit einem Mitgefangenen die Holztür des Gefangenen-
raums mit einem Stuhlbein aufgebrochen und sei im Schatten der Dämme-
rung geflohen (Beschwerde S. 6 Ziff. 11) – untermauern auch die Unglaub-
haftigkeit der Flucht aus der angeblichen Gefangenschaft. Ferner ist der
Vorinstanz darin beizupflichten, dass sich der Beschwerdeführer erheblich
zu den verwendeten Dokumenten anlässlich seiner letzten Ausreise am
Flughafen Colombo widerspricht und diese Wiedersprüche nicht nachvoll-
ziehbar aufzuklären vermag (SEM-Akten A22 F45 ff., A33 F9 ff., F120).
Dies lässt darauf schliessen, dass er seine legale Ausreise zu verschleiern
versucht. Unter den gegebenen Umständen stellt die kontrollierte Ausreise
nämlich ein weiteres Indiz gegen die Annahme dar, der Name des Be-
schwerdeführers sei zum Zeitpunkt seiner Ausreise auf der «Stop-List» der
Behörden am Flughafen Colombo aufgeführt gewesen und er sei damals
von den sri-lankischen Behörden gesucht worden (vgl. zur Situation am
Flughafen Colombo und zur Ausreise mit eigenen Dokumenten: Urteile des
BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.2 und D-3619/2016 vom
16. Oktober 2017 E. 5.3.2 [beide als Referenzurteil publiziert]). Schliesslich
hinterlassen die protokollierten Vorbringen einen unsubstanziierten und
stereotypen Eindruck; ihnen ist auch aus diesem Grund die Glaubhaftigkeit
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abzusprechen. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die zutreffenden
und ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen. Die Erklärung
auf Beschwerdeebene, er habe bei seiner Ausreise eben zwei Pässe auf
sich getragen überzeugt nicht und steht zudem im Widerspruch mit den
Aussagen des Beschwerdeführers. Auch die weiteren Erklärungsversuche
gehen ins Leere. Es trifft zwar zu, dass einer Erstbefragung nicht dieselbe
Gewichtung wie den weiteren, vertieften Anhörungen zukommt, aber klare
asylrelevante Aussagen, die in der Erstbefragung von den späteren Aus-
sagen abweichen, sind Widersprüche, die im Rahmen der Beweiswürdi-
gung zu berücksichtigen sind (so auch der auf Beschwerdeebene zitierte
Entscheid: Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3 E. 3). Es sind keine Gründe ersicht-
lich, weshalb sich die Vorinstanz nicht auch auf die Ausführungen in der
ersten Anhörung hätte stützen können. So berichtete der Beschwerdefüh-
rer bereits in dieser über seine Asylgründe und bestätigte in beiden Anhö-
rungen die Wahrheit sowie Vollständigkeit seiner gemachten Angaben. Vor
diesem Hintergrund hat die Vorinstanz die Aussagen in der ersten Anhö-
rung zu Recht bei der Beweiswürdigung berücksichtigt. Zudem bestätigte
der Beschwerdeführer in beiden Anhörungen, dass er die Dolmetscherin
gut verstanden habe und ihm die Protokolle in eine ihm verständliche Spra-
che rückübersetzt worden seien. Vor diesem Hintergrund sind auch die Rü-
gen zu den angeblichen Verständigungsproblemen mit der Dolmetscherin
unbegründet. Die wenigen, im Rahmen der Rückübersetzung gemachten
Korrekturen untermauern diese Schlussfolgerung. Nach dem Gesagten er-
weist sich die Reflexverfolgung des Beschwerdeführers aufgrund der Lan-
desabwesenheit seines Vaters (eine andere Verfolgung machte er keine
geltend) als unglaubhaft und es erübrigt sich, auf weitere Widersprüche
und diesbezügliche Erklärungen in der Rechtsmitteleingabe einzugehen.
5.3 Aufgrund der Beschwerdeausführungen und der Akten ist auch nicht
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein wird. Das Bun-
desverwaltungsgericht hält diesbezüglich fest, bestimmte Risikofaktoren
(Eintrag in die «Stop-List», Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Ak-
tivitäten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter be-
stimmten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung ei-
ner begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Feh-
len ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive beglei-
tete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende
Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine
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genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begrün-
den vermögen. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer
Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung
der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit
dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flücht-
lingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. Urteil des
BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.5 [als Referenzurteil publi-
ziert]).
Der Beschwerdeführer konnte keine asylrelevante Verfolgung vor seiner
Ausreise glaubhaft machen. Die geltend gemachte Reflexverfolgung auf-
grund seines Vaters hat sich als unglaubhaft erwiesen; einen eigenen Be-
zug zu den LTTE machte er nicht geltend. Auch machte er kein exilpoliti-
sches Engagement geltend. Andere Risikofaktoren im Sinne der erwähn-
ten bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung sind nicht ersichtlich.
Es bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass dem Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka persönlich ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnten. Alleine aus der tami-
lischen Ethnie oder einer längeren Landesabwesenheit, kann er jedenfalls
keine Gefährdung seiner Person ableiten. Entsprechendes ergibt sich auch
nicht aus den Beschwerdeausführungen mit Verweisen auf die aktuelle
Lage vor Ort und dem entsprechenden Bericht.
5.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, einen glaubhaften beziehungsweise flüchtlingsrechtlich
bedeutsamen Sachverhalt darzulegen. Die Feststellung der Vorinstanz,
der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, ist dement-
sprechend zu bestätigen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht ab-
gelehnt.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
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(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-
richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-
genschaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.
BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender Be-
gründung ausgeführt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung finde und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar seien. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015
E. 12.2 f.). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka festzuhalten. Zudem be-
steht im Hinblick auf die diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen der sri-
lankischen und der schweizerischen Regierung (nach der Entführung einer
Angestellten der schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November
2019) kein konkreter Grund zur Annahme, die allgemeinen politischen Ent-
wicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Be-
schwerdeführer auswirken (vgl. Entscheid D-1466/2020 vom 23. März
2020 E. 7.2.2). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)
hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen
sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Be-
handlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen
werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September
2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen
vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14).
Nachdem der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, bei einer Rückkehr
ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem
flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch
keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
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über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Die hierzu gemachten Ausführungen in der
Beschwerde mit Bezug zur angeblich erlittenen Verfolgung beziehungs-
weise Reflexverfolgung des Beschwerdeführers gehen ins Leere, hat sich
diese doch als unglaubhaft herausgestellt. Der Vollzug der Wegweisung ist
zulässig.
7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg noch
eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Gemäss
Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Ostprovinz grundsätz-
lich zumutbar (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewaltvor-
fälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu statt
vieler Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3).
Die allgemeinen Beschwerdeausführungen und der eingereichte Bericht
zur Lage vor Ort vermögen an der Einschätzung, wonach nicht von einer
in Sri Lanka herrschenden Situation allgemeiner Gewalt auszugehen ist,
nichts zu ändern. Es besteht auch kein Grund zur Annahme, dass sich die
jüngsten politischen Entwicklungen konkret auf den Beschwerdeführer
auswirken könnten. Gemäss nach wie vor gültiger Rechtsprechung ist der
Wegweisungsvollzug weiterhin zumutbar, wenn das Vorliegen der individu-
ellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen fa-
miliären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesi-
cherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann.
Der Beschwerdeführer stammt aus B._ und lebte schlussendlich
lange Zeit in der Ostprovinz. Er verfügt über Schulbildung (O-Levels), Be-
rufserfahrung in verschiedenen Bereichen und ein intaktes familiäres Be-
ziehungsnetz vor Ort, auf dessen Hilfe er bereits zurückgreifen konnte. So
lebt in Sri Lanka beispielsweise seine Schwester und ihr Mann, in deren
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grossen Apartment der Beschwerdeführer bereits vor seiner Ausreise bei
Bedarf wohnte (z. B. Beschwerde S. 4 Ziff. 3). Zudem half ihm seine
Schwester bei der Organisation seiner Ausreise und es fällt auf, dass die
Familie offensichtlich über Grundstücke verfügen muss, die bei Bedarf in
angemessener Zeit verkauft und in Geld umgewandelt werden können.
Dass er bereits mit (...) Jahren längere Zeit in C._ arbeiten konnte,
stellt im Übrigen seine überdurchschnittliche Selbstständigkeit unter Be-
weis und lässt den Schluss zu, dass er sich bei einer beruflichen Reintegra-
tion in Sri Lanka – ohne auf Hilfe angewiesen zu sein – schnell zurechtfin-
den wird. Schliesslich ist aufgrund der Beschwerdeausführungen davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer – sofern notwendig – weiterhin
auf die finanzielle Unterstützung seines Vaters zählen kann (Beschwerde
S. 4 Ziff. 4).
Auf Beschwerdeebene wird dem nichts Stichhaltiges entgegengestellt. Es
wird ein ärztliches Schreiben eingereicht und ein weiteres medizinisches
Gutachten in Aussicht gestellt. Auf die Nachreichung eines solchen kann
indessen in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden, zumal die
gesundheitliche Beeinträchtigung des Beschwerdeführers aufgrund seiner
Schilderungen und der vorliegenden ärztlichen Berichte vom 23. April
2020, vom 26. Mai 2020 und vom 16. Juli 2020 ausreichend erstellt ist
(Rhinosinusitis, eingeschränkter Geruchsinn, Knieschmerzen, Schlafstö-
rungen). In dem auf Beschwerdeebene ins Recht gelegten ärztlichen
Schreiben vom 16. Juli 2020 wird zudem eine chronische Rhinosinusitis
mit Polyposis nasi diagnostiziert. Praxisgemäss ist bei einer Rückweisung
von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur dann von einer medizi-
nisch bedingten Unzumutbarkeit auszugehen, wenn die ungenügende
Möglichkeit einer Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohli-
che Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich zöge. Diese
Schwelle ist vorliegend klar nicht erreicht. Die notwendige medizinische
Versorgung in Sri Lanka ist für den Beschwerdeführer zudem gewährleis-
tet. Im Rahmen der Rückkehr steht es ihm im Übrigen offen, vor der Aus-
reise bei der Vorinstanz einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu
stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). Der Vollzug der Wegweisung ist
folglich sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht zumutbar.
7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaats
zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12). Der
Vollzug der Wegweisung ist möglich.
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7.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Das entsprechende Even-
tualbegehren ist abzuweisen.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten
haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht
gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. Aus demselben
Grund kann auch dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
nicht stattgegeben werden.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Mit vorliegendem Urteil ist der An-
trag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos
geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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