Decision ID: 713181cb-b730-52b2-9cfa-8f73d818f9cf
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der kolumbianische Beschwerdeführer suchte am 23. März 2020 zusam-
men mit seiner Tochter in der Schweiz um Asyl nach. Sie wurden dem Bun-
desasylzentrum (BAZ) der Region C._ zugewiesen. Nach der Per-
sonalienaufnahme am 26. März 2020 hörte das SEM den Beschwerdefüh-
rer am 3. Juli 2020 zu den Asylgründen an.
B.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er habe im Jahr (...) im Auftrag der kriminellen Or-
ganisation D._, einer Untergruppe der Autodefensas Unidas de Co-
lombia, Drogen nach E._ geschmuggelt, wo er von den E._
Behörden gefasst und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden
sei. Nach seiner Entlassung auf Bewährung sei er im Jahr (...) an seinen
Heimatort F._ zurückgekehrt. Nach seiner Rückkehr sei er von den
D._ bedroht worden, weshalb er im selben Jahr respektive im Ja-
nuar (...) nach G._ geflüchtet sei, wo er bis (...) unbehelligt geblie-
ben sei. Seither habe er erneut Drohnachrichten der D._ erhalten.
Er und seine Familie seien mit dem Tod bedroht worden. Es sei von ihm
verlangt worden, erneut Drogen zu schmuggeln, um seine Schulden auf-
grund des früheren misslungenen Schmuggelversuchs zu begleichen. Er
habe sich geweigert und bei der kolumbianischen Polizei und Staatsan-
waltschaft Anzeige erstattet. Die Behörden hätten seine Anzeige zwar ent-
gegengenommen, ihn jedoch nicht schützen wollen. In den Jahren (...) und
(...) sei er in die USA gereist, bei der zweiten Reise indes nach einer drei-
monatigen Haft respektive einem dreimonatigen Asylverfahren nach Ko-
lumbien abgeschoben worden. Er habe sich an die Botschaften verschie-
dener europäischer Länder gewandt und Hilfe erbeten. Um seine Tochter
besser zu schützen, hätten er und seine Frau sich im Jahr (...) getrennt.
Im Jahr (...) habe er über einige Monate hinweg Kontakt zu einer
H._ Drogenfahnderin gehabt, die auf der H._ Botschaft in
G._ gearbeitet habe; sie habe aber schliesslich eine Zusammenar-
beit und entsprechenden Schutz abgelehnt respektive habe den Kontakt
abgebrochen. Im (...) 2018 sei er via I._ in die Schweiz gereist, sei
jedoch erneut nach Kolumbien zurückgekehrt, nachdem er erfahren habe,
dass er während eines Asylverfahrens in einem Bunker leben müsste, und
weil seine Tochter nicht mitgekommen sei. Seit ungefähr (...) 2018 bis zu
seiner Ausreise am (...) 2020 sei er nicht mehr direkt bedroht worden, sie
hätten ihm jedoch Todesblumen vor die Haustüre gelegt und das Telefon
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klingeln lassen. Schliesslich habe er Kolumbien zusammen mit seiner
Tochter verlassen und sei legal nach I._ gelangt. Von dort sei er
über die J._ in die Schweiz gelangt, wo er sich in K._ bei
einer Bekannten aufgehalten habe, bevor er für eine Woche in die
J._ zurückgekehrt sei. Acht Tage später sei er erneut in die Schweiz
eingereist und habe hier das Asylgesuch eingereicht. Seine Ex-Frau sei in
Kolumbien geblieben, weil er nicht über genügend Geld für alle drei gehabt
habe. Nach Einreichung des Asylgesuchs habe er beziehungsweise habe
seine Ex-Frau erneut Drohungen erhalten.
Der Beschwerdeführer reichte seinen Reisepass sowie den Reisepass sei-
ner Tochter im Original, ihre Identitätskarten im Original, sowie folgende
Dokumente in Kopie zu den Akten: einen Steuerausweis aus E._,
eine E-Mail an das kolumbianische Präsidialamt, mehrere Drohmails und
Whatsapp-Nachrichten, Anzeigen bei der Polizei und der Staatsanwalt-
schaft, zwei Briefe an die kolumbianischen Behörden, Auszüge aus der
Korrespondenz mit der I._ Polizei und der H._ Drogenfahn-
dung sowie Auszüge aus einer Whatsapp-Kommunikation mit seiner Ex-
Frau.
C.
Das SEM unterbreitete der Rechtsvertretung der Beschwerdeführenden
am 13. Juli 2020 einen Entwurf des vorgesehenen Asylentscheides. Diese
liess sich am 15. Juli 2020 dazu vernehmen.
D.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 17. Juli 2020 stellte das SEM
fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüll-
ten, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung sowie den
Vollzug an.
E.
Ebenfalls am 17. Juli 2020 legte die zugewiesene Rechtsvertretung das
Mandat nieder.
F.
Gegen die Verfügung des SEM vom 17. Juli 2020 erhob der Beschwerde-
führer für sich und seine Tochter mit Eingabe vom 16. August 2020 (Post-
stempel: 17. August 2020) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Er beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Anord-
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nung der vorläufigen Aufnahme; eventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
stellt er ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung inklusive Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
18. August 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).
H.
Am 20. August 2020 wurde der Eingang der Beschwerde vom Gericht be-
stätigt und verfügt, die Beschwerdeführenden könnten den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abwarten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Mit Beschwerde können im Bereich des AIG (SR 142.20) die Verletzung
von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Er-
messens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 112 AIG i.V.m. Art. 49
VwVG).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Aus den Begehren und der Begründung der Beschwerdeschrift darf ge-
schlossen werden, dass sich die Beschwerde auf den Wegweisungsvoll-
zug beschränkt (Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung). Dies umso
mehr vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer bereits anlässlich
der Anhörung zu verstehen gab, er wisse, dass seine Vorbringen nicht asyl-
relevant seien, er könne aber aus Sorge um die Sicherheit seiner Tochter
nicht nach Kolumbien zurückkehren (vgl. SEM-Akte 1064260-27/20 [nach-
folgend: A27], F160). Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ab-
lehnung des Asylgesuches und die Anordnung der Wegweisung (Ziffern 1
bis 3 der angefochtenen Verfügung) sind demnach unangefochten in
Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet
nur noch die Frage, ob das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht als
durchführbar erachtet hat oder ob allenfalls anstelle des Vollzugs eine vor-
läufige Aufnahme anzuordnen ist.
5.
5.1 Zur vom Beschwerdeführer geltend gemachten Bedrohungslage führt
das SEM in seinem Entscheid in materieller Hinsicht im Wesentlichen aus,
die mehrmalige freiwillige Rückkehr des Beschwerdeführers nach Kolum-
bien und sein Versuch, dem SEM Fakten zu verheimlichen (Aufenthalt in
I._ 2018) würden erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner
Vorbringen entstehen lassen. Die wenig plausiblen Angaben zu seiner Ver-
folgung und zum Interesse der D._ an seiner Person würden diese
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Zweifel an der Glaubhaftigkeit weiter erhärten. So sei beispielsweise nicht
erklärbar, dass sie ihn zehn Jahre lang gesucht, ihn dann plötzlich gefun-
den und von (...) bis (...) versucht hätten, ihn zum Drogenschmuggel zu
zwingen. Auch die geltend gemachte Racheaktion sei nicht plausibel, zu-
mal ja offenbar sein Aufenthaltsort den D._ bekannt gewesen sei,
habe er doch geltend gemacht, sie hätten "Todesblumen" vor seine Türe
gelegt. Warum sie angesichts ihres bekannterweise unzimperlichen Vorge-
hens ihren Drohungen nicht Taten hätten folgen lassen sei nicht nachvoll-
ziehbar. Die eingereichten Beweismittel würden – unter anderem auch, weil
sie nur in Kopie eingereicht worden und einfach auf Internet erhältlich seien
– die geltend gemachte Verfolgung nicht zu belegen vermögen. Auch wenn
die schriftliche Korrespondenz mit den kolumbianischen Behörden echt
sei, belege diese dann aber nur, dass diese gewillt gewesen seien, ihn im
rechtsstaatlichen Rahmen zu schützen beziehungsweise sein Schutzbe-
dürfnis zu prüfen. Dass keine weiterreichenden Massnahmen getroffen
worden seien, sei noch kein Beleg für die fehlende Schutzwilligkeit, son-
dern könne ebenso bedeuten, dass die Behörden aufgrund seiner Vorbrin-
gen keinen Anlass gesehen hätten, weitere Massnahmen zu treffen. Auch
in den Beweismitteln selbst fänden sich zudem zahlreiche Hinweise darauf,
dass die geltend gemachte Verfolgung nicht glaubhaft sei. Abgesehen da-
von, dass sich Ungereimtheiten aus den Dokumenten einerseits und sei-
nen Angaben andererseits ergäben, sei etwa nicht nachvollziehbar, dass
er – wie sich aus den Dokumenten ergebe – jahrelang dieselbe Telefon-
nummer benutzt und diese auf dem Internet publiziert habe. Soweit er
Chatverläufe und weitere ähnliche Beweismittel einreiche, seien diese
auch nicht geeignet, die Bedrohung glaubhaft zu machen, zumal ihnen we-
nig Beweiswert zukomme, und solche Nachrichten leicht selbst produziert
werden könnten. Nicht klar sei aufgrund der Aktenlage auch, ob sich seine
Ex-Frau überhaupt noch in Kolumbien aufhalte. Unabhängig davon sei
nicht nachvollziehbar, dass die Drogenmafia nun plötzlich sie direkt verfol-
gen sollte und bei einer tatsächlichen, mehrjährigen Verfolgung wäre oh-
nehin zu erwarten gewesen, dass er und seine Ex-Frau ihr Privatleben
nicht unter eigenem Namen öffentlich darlegen würden. Auch aus der Kor-
respondenz mit ausländischen Botschaften und der I._ Polizei
könne er nichts ableiten, insbesondere könnten kolumbianische Staatsan-
gehörige seit 2016 visumsfrei in den Schengenraum einreisen, weshalb er
– ohne Kontaktaufnahme – hätte nach I._ einreisen können, wäre
er tatsächlich bedroht gewesen. Des Weiteren gehe aus den Dokumenten
hervor, dass er ein Angebot der H._ Behörden für möglichen Schutz
in H._ oder J._ abgelehnt habe. Der Umstand, dass die
H._ Behörden den Kontakt abgebrochen hätten, deute schliesslich
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ebenfalls auf die Unglaubhaftigkeit seiner Verfolgungsgeschichte hin. Ent-
scheidend gegen die geltend machte Bedrohung spreche sodann, dass er
(...) nach Kolumbien zurückgekehrt sei, ohne in einem Land des Schen-
genraumes um Asyl nachgesucht zu haben. Insgesamt habe er also mehr-
mals Gelegenheit gehabt, in Europa internationalen Schutz zu beantragen,
und er habe dies nicht getan, weshalb im Umkehrschluss davon auszuge-
hen sie, hinter seinen geltend gemachten Problemen mit der kolumbiani-
schen Drogenmafia stehe ein anderes Motiv.
Hinsichtlich der formellen Vorbehalte in der Stellungnahme führt das SEM
insbesondere aus, es sei nicht ersichtlich, inwiefern dem Beschwerdefüh-
rer anlässlich der Anhörung die freie Rede verweigert worden sei. Vielmehr
sei er nur dort unterbrochen worden, wo er ausschweifend begonnen ha-
ben unwesentliche Angaben zu machen. Nach Abschluss der freien Rede
sei er zweimal gefragt worden, ob er alle relevanten Punkte seiner Asylvor-
bringen dargelegt habe. Anschliessend sei er vertieft befragt und am Ende
der Anhörung nochmals gefragt worden, ob er alles Wesentliche für sein
Asylgesuch habe sagen können. Hinzu komme, dass sich der relevante
Sachverhalt auch aus den eingereichten Beweismitteln, insbesondere der
schriftlichen Darlegung ergebe. Insgesamt habe der Sachbearbeiter den
für die Beurteilung seines Asylgesuches relevanten Sachverhalt als erstellt
erachtet, was dem Beschwerdeführer und seiner Rechtsvertretung im Rah-
men der Anhörung bereits mitgeteilt worden sei. Die Rechtsvertretung
habe das Vorgehen des SEM im Rahmen der Anhörung weder bemängelt
noch angemerkt, dass wesentliche Elemente der Asylvorbringen unbeach-
tet geblieben seien beziehungsweise der Sachverhalt nicht vollständig er-
stellt worden sei. Die tatsächlich zu Recht festgestellte falsche Bezeich-
nung im Protokolltitel der Anhörung (nämlich "Befragung") sei auf einen
administrativen Fehler zurückzuführen. Es sei jedoch nicht ersichtlich, wes-
halb die Befragung formal keine abschliessende Anhörung gewesen sein
sollte, und weshalb im Rahmen der Stellungnahme nun plötzlich geltend
gemacht werde, der asylbeachtliche Sachverhalt sei unzureichend erfasst
worden. Soweit geltend gemacht werde, die Auszüge aus dem Facebook-
Account 3 seien nicht vorgelegt worden, treffe dies zwar zu, es sei aber
nicht ersichtlich, warum dies hätte geschehen sollen. Denn es handle sich
dabei um Auszüge aus dem aktuellen Facebook-Account des Beschwer-
deführers, welchen er bis zu diesem Zeitpunkt aktiv bewirtschafte und der
öffentlich zugänglich sei. Ihm und seiner Rechtsvertretung dürften die ent-
sprechenden Inhalte beziehungsweise die Akten demnach bekannt sein,
weshalb befremdlich wirke, wenn die Rechtsvertreterin geltend mache, sie
könne dazu nicht Stellung nehmen; sie hätten insbesondere zwischen dem
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3. Juli 2020 (Datum der Anhörung) und dem15. Juli 2020 (Datum der Stel-
lungnahme) Zeit zur Sichtung gehabt. Zudem sei er diesbezüglich mehr-
mals befragt worden. Es sei schliesslich nicht nachvollziehbar, inwiefern
aufgrund einer eintägigen Überschreitung der Ordnungsfrist ein formaler
Fehler vorliegen sollte, welcher sich nachteilig auf den Ausgang seines
Asylverfahrens ausgewirkt habe. Dass die Überschreitung der Ordnungs-
frist in der Taktenphase seitens des SEM auf die Komplexität seiner Vor-
bringen zurückzuführen sei, entbehre jeder Grundlage, zumal die Rechts-
vertreterin ihr Fristerstreckungsgesuch, dem stattgegeben worden sei, an-
ders begründet habe. Insgesamt sei die Forderung der Rechtsvertretung,
die Anhörung sei zu wiederholen und das Asylverfahren im erweiterten Ver-
fahren weiterzuführen, nicht verständlich. Der Sachverhalt sei erstellt, es
seien keine weiteren Abklärungen nötig und das Verfahren sei formal kor-
rekt durchgeführt worden.
Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs führte das SEM aus, da der Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, könne auch der
Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht ange-
wandt werden. Ferner würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte da-
für ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe o-
der Behandlung drohe. Weder die in seinem Heimatstaat herrschende po-
litische Situation noch andere Gründe sprächen sodann gegen die Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer sei jung, gesund
und verfüge über eine Berufsausbildung und über Berufserfahrung. Da er
bereits mehrmals Flugreisen nach Europa und in die USA gemacht habe,
sei davon auszugehen, dass er nicht aus ärmlichen Verhältnissen stamme.
Er verfüge über ein intaktes Beziehungsnetz und sei in Kolumbien geboren
und aufgewachsen. Sowohl vor als auch nach seiner Ausreise habe er wei-
terhin regelmässigen und guten Kontakt zu seinen Familienangehörigen
gepflegt. Seine Tochter habe bis vor der Ausreise in die Schweiz bei ihrer
Mutter, welche das Sorgerecht innehabe, gelebt. Auch die Tochter sei in
Kolumbien geboren und aufgewachsen, so dass sie in ihr gewohntes Um-
feld zurückkehren könne. Von den allgemeinen sozialen und wirtschaftli-
chen Schwierigkeiten in Kolumbien sei die dort lebende Bevölkerung im
Allgemeinen betroffen und sie genügten nicht, um eine konkrete Gefähr-
dung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darzustellen. Ausserdem sei der Voll-
zug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar.
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Für weitere Einzelheiten in der ausführlichen Begründung der angefochte-
nen Verfügung wird auf die entsprechenden Erwägungen in der SEM-Ver-
fügung vom 17. Juli 2020 (S. 3-10) verwiesen.
5.2 Auf Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer geltend, die von
der Vorinstanz behaupteten Ungereimtheiten seien teilweise aktenwidrig
oder erklärt worden. Bei einer Rückkehr nach Kolumbien bestehe für ihn
und seine Tochter eine konkrete und ernsthafte Gefahr einer erniedrigen-
den und unmenschlichen Behandlung. Sie seien folglich aufgrund der Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufzuneh-
men.
Betreffend seine frühere Reise nach Europa und spätere Rückreise nach
Kolumbien habe er nachvollziehbar geschildert, dass ihm in der Schweiz
mitgeteilt worden sei, er könne seine Tochter nicht herholen, wenn er das
Asylverfahren ohne sie durchlaufe, was er nicht gewollt habe. Es sei nicht
ersichtlich, inwiefern die Entscheidung, nicht ohne seine Tochter in der
Schweiz bleiben zu wollen, der Logik des Handelns widerspreche. Ferner
seien die paramilitärischen Organisationen nach seiner Rückkehr nach Ko-
lumbien mit dem Aufbau neuer Gruppierungen und den internen Macht-
kämpfen sowie Konflikten um Gebietskontrollen beschäftigt gewesen. Es
sei somit plausibel, dass sich die D._ über Jahre hinweg nicht um
aktuelle Schulden gekümmert und erst spät von der Rückkehr oder Haft
des Beschwerdeführers erfahren hätten, zumal er nicht in Kolumbien inhaf-
tiert gewesen sei. Die D._ hätten ihn dazu bringen wollen, seine
Schulden zu begleichen. Als Schmuggler habe er einen grösseren Nutzen
für sie dargestellt.
Die Argumentation der Vorinstanz, die Menge an Korrespondenz mit Be-
hörden verschiedener Länder erwecke den Eindruck, er habe eine «Dro-
gengeschichte» fabriziert, zumal er seit 2016 visumsfrei in den Schengen-
raum hätte einreisen und danach ein Asylgesuch stellen können, lasse den
Verdacht zu, das SEM gehe davon aus, besonders intensiven Verfolgungs-
situationen und insbesondere jene mit Versuchen, Schutz zu finden, seien
per se unglaubhaft. Die untätige Reaktion der kolumbianischen Sicher-
heitsbehörden sei ferner sehr wohl geeignet, deren Schutzunwillen oder -
unfähigkeit zu belegen. Diesbezüglich könne er ein aktuelles Schreiben der
kolumbianischen Generalstaatsanwaltschaft vom 3. August 2020 zu den
Akten reichen, dem zu entnehmen sei, dass die Fälle zwar noch aktiv, je-
doch ohne weitere – namentlich seine Familie schützende – Schritte ge-
blieben seien. Vor dem Hintergrund seiner mehrfachen Rückreise aus dem
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Ausland sei auch nachvollziehbar, dass seine Ex-Frau ihm ausdrücklich
von einer Rückkehr abrate.
Weder dem Beschwerdeführer noch der Rechtsvertretung sei sodann be-
kannt, auf welches Foto, das angeblich am 21. März 2020 auf Facebook
hochgeladen worden sei, sich die Vorinstanz in ihrer Argumentation be-
ziehe. Nach Durchsicht seiner Facebook-Konten sei – wie den mit Be-
schwerde eingereichten Bildschirmfotos zu entnehmen sei – lediglich ein
Foto vom 1. Januar 2020, welches am 9. März 2020 hochgeladen worden
sei, zu finden, welches ihn mit seiner Ex-Frau zeige. Entgegen der Behaup-
tung der Vorinstanz habe er nie angegeben, seine Frau habe ihn nicht er-
reichen können und keinen Kontakt zu ihm gehabt.
Die Vorinstanz habe die für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Be-
schwerdeführers sprechenden Sachverhaltselemente nicht berücksichtigt.
Bereits anlässlich der Anhörung habe man ihn nicht aussprechen lassen
und ihm eine an ein Kreuzverhör erinnernde Fragereihe gestellt, was zur
Vernachlässigung von Fakten durch die Vorinstanz geführt haben dürfte.
Ferner habe er bislang nicht genügend Einsicht in die Akten betreffend den
Facebook-Post erhalten, um zum Beweisergebnis ausreichend Stellung zu
nehmen. Damit habe die Vorinstanz ihre Abklärungs- und Begründungs-
pflicht verletzt. Zwar gehe er davon aus, dass der Sachverhalt mit den ein-
gereichten Beweismitteln und der Beschwerde nun vollumfänglich erstellt
sei. Sollte das Gericht wider Erwarten nicht dieser Meinung sein, sei die
Sache zur vollständigen Erhebung des Sachverhalts oder zwecks Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6.
Soweit der Beschwerdeführer die Rückweisung der Angelegenheit an die
Vorinstanz begehrt ist vorab folgendes festzuhalten:
Die formellen Einwände sind unbegründet. Es ist nicht ersichtlich inwiefern
das SEM seine Untersuchungspflicht verletzt und den Sachverhalt nicht
richtig und vollständig festgestellt hätte. So hat es den Umstand, dass dem
Beschwerdeführer Todesblumen vor die Türe gelegt worden seien aus-
drücklich gewürdigt. In Bezug auf die geltend gemachten Mängel rund um
die fälschlicherweise als "Befragung" betitelte Anhörung kann vollumfäng-
lich auf die ausführliche Antwort auf die Stellungnahme in der angefochte-
nen Verfügung verwiesen werden (vgl. ebd. Ziffern 1-3, S. 8-10). Der Be-
schwerdeführer darf auch daran erinnert werden, dass er nach der Rück-
übersetzung seiner Aussagen unterschriftlich bestätigt hatte, das Protokoll
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sei vollständig und entspreche seinen freien Äusserungen (vgl. A27 S. 20).
Der Vorhalt auf Beschwerdeebene, das SEM habe bei der Würdigung
seine Erklärungen anlässlich der Anhörung sowie die Ausführungen der
Rechtsvertretung in der Stellungnahme nicht berücksichtigt, ist unbegrün-
det. Sie beschlagen in erster Linie die Frage, ob das SEM seine Vorbringen
in materieller Hinsicht zutreffend gewürdigt hat – etwa wenn er rügt, das
SEM habe aus seinen späten Aussagen zum Aufenthalt in Europa ange-
sichts seiner Erklärungen zu Unrecht geschlossen, er habe etwas verheim-
lichen wollen. Demgegenüber ist festzustellen, dass sich die Vorinstanz mit
allen wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinanderge-
setzt und sich hinreichend dazu geäussert hat, aus welchen Gründen es
diese für unglaubhaft oder aber unter dem Aspekt einer ernsthaften Ge-
fährdung nicht relevant hält. Auch hat es die eingereichten Beweismittel
hinreichend entgegengenommen und gewürdigt. Es ist daran zu erinnern,
dass das SEM nicht gehalten war, sich mit jeder einzelnen tatbeständlichen
und rechtlichen Behauptung respektive jedem Einwand auseinanderset-
zen, weshalb eine allenfalls unterlassene Würdigung nichtzentraler Sach-
verhaltselemente auch keine relevante Verletzung der Begründungspflicht
darstellt. Es ist weder ein weiterer Abklärungsbedarf noch sind Verfahrens-
fehler ersichtlich, die einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vo-
rinstanz bedürften. Das als Eventualantrag formulierte Begehren, es sei die
angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur ergänzenden
Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist abzuweisen.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
7.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts gilt bezüg-
lich der Wegweisungsvollzugshindernisse der gleiche Beweisstandard wie
bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, Wegweisungsvoll-
zugshindernisse sind zu beweisen, soweit der strikte Beweis möglich ist,
und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE
2011/24 E. 10.2 m.w.H.). Glaubhaftmachung bedeutet im Gegensatz zum
strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für
gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers.
Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von
ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält,
obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht es für die
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Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich
ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-
gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe,
die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen
oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Vorbrin-
gen sind grundsätzlich dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in
sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilde-
rungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der
inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemei-
nen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende
Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht
der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Be-
weismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie
wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des
Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nach-
schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwir-
kung verweigert (vgl. BVGE 2015/13 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E.
2.2 jeweils m.w.H.).
8.
8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Es ist vom SEM
rechtskräftig festgestellt worden, dass der Beschwerdeführer und seine
Tochter die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, weshalb es auch zu Recht
festgestellt hat, der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrück-
schiebung finde vorliegend keine Anwendung. Dies wird denn auch von
den Beschwerdeführenden nicht beanstandet.
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8.3
8.3.1 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Bezüglich des Prin-
zips des menschenrechtlichen Non-Refoulements ist der Wegweisungs-
vollzug gemäss Art. 3 EMRK unzulässig, wenn nachweisbar ernsthafte
Gründe dafürsprechen, dass die betroffene Person im Falle der Wegwei-
sung respektive ihres Vollzugs tatsächlich Gefahr läuft, sich im Zielland ei-
ner menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu sehen. Wird ein
solches Risiko mit stichhaltigen Gründen konkret und ernsthaft glaubhaft
gemacht («real risk»), ist der Wegweisungsvollzug unzulässig (vgl. Urteil
des EGMR F.G. gegen Schweden vom 23. März 2016, Grosse Kammer
43611/11, § 110 m.w.H.).
Art. 3 EMRK bietet auch Schutz vor entsprechenden verpönten Handlun-
gen, die von Privaten – sogenannten nichtstaatlichen Akteuren – ausge-
hen, wenn die staatlichen Behörden nicht schutzfähig beziehungsweise -
willig sind (vgl. Urteile des BGer 2C_868/2016 und 2C_869/2016 vom
23. Juni 2017 E. 5.2.2; Urteil des EGMR J.K. et al. gegen Schweden vom
23. August 2016, Grosse Kammer 59166/12, § 80 ff. und Urteil des BVGer
D-5101/2006 vom 11. Februar 2009 E. 4.2; je m.w.H.).
8.3.2 Vorab ist festzustellen, dass das SEM in der angefochtenen Verfü-
gung ausführlich und mit zutreffender Begründung dargelegt, weshalb der
Beschwerdeführer nicht vermocht habe, eine konkrete und ernsthafte Be-
drohungslage seitens der D._ glaubhaft zu machen. Zutreffend ist
insbesondere das vom SEM ausführlich dargelegte Argument der mehrma-
ligen Rückreisen des Beschwerdeführers nach Kolumbien oder jenes der
bis zum aktuellen Asylgesuch unterlassenen Frage um Schutz in diversen
Staaten des Schengenraums, trotz entsprechender Gelegenheiten. Offen-
sichtlich vermag der Beschwerdeführer mit seinen Erklärungen, er habe in
I._ nicht in einem Bunker leben wollen, oder er sei nach Kolumbien
zurückgereist, weil er die Tochter nicht bei sich gehabt habe, nichts zu be-
wirken. Dasselbe gilt für den Einwand, er habe die Telefonnummer für sein
Geschäft nutzen müssen. Auch wenn einzelne Einwände in der Be-
schwerde, wie etwa, es sei sehr wohl plausibel, dass seine Ex-Frau den
Beschwerdeführer gewarnt habe, nicht nach Kolumbien zurückzukehren
als er bereits in der Schweiz gewesen sei, zugestimmt werden kann, ver-
mag der Beschwerdeführer insgesamt an der auf zahlreiche Argumente
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abgestützten Gesamteinschätzung der Glaubhaftigkeit seitens der
Vorinstanz nichts zu ändern und es erübrigt sich, weiter darauf einzugehen.
Dies nicht zuletzt auch aus den unter der folgenden Erwägung zu erläu-
ternden Gründen.
8.3.3 Entgegen dem Einwand in der Beschwerde hat das SEM seine Ver-
fügung gerade nicht nur mit der fehlenden Glaubhaftigkeit der Sachdarstel-
lung des Beschwerdeführers begründet. Vielmehr hat es ebenso, und zu
Recht, festgehalten, der Beschwerdeführer sei – unabhängig von der
Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Bedrohung – nicht auf den Schutz
der schweizerischen Behörden angewiesen, sondern könne sich an die
heimatlichen wenden. Zwar macht der Beschwerdeführer geltend, er sei in
F._ und G._ in Gefahr und werde von den zuständigen Be-
hörden nicht hinreichend beschützt. Im Januar (...) habe er seinen Heima-
tort wegen den Drohungen durch die D._ verlassen. In G._
sei er dann ab (...) erneut bedroht worden. Zwischenzeitlich habe er keine
Probleme mit den D._ gehabt. Er habe zwar bei der Polizei und
Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet, diese hätten ihn und seine Familie
jedoch nicht vor der Bedrohung durch die D._ geschützt (vgl. A27,
F107 f.).
Abgesehen davon, dass der Beschwerdeführer, wie bereits erwähnt, seine
subjektive Befürchtung, im Heimatstaat im Fall einer Rückkehr von Dritt-
personen nicht im Sinne eines "real risk" objektiv zu konkretisieren vermag,
ist festzustellen, dass keine Hinweise darauf vorliegen, die kolumbiani-
schen Behörden seien ihrer Schutzpflicht in seinem Fall nicht nachgekom-
men beziehungsweise hätten ihr nicht nachkommen wollen, dies entgegen
seiner subjektiven Wahrnehmung (vgl. A27, F106 f. und F123). Auch dies-
bezüglich kann auf die zutreffende Erwägung des SEM – dort unter dem
Asylpunkt – verwiesen werden (vgl. angefochtene Verfügung, II, Ziffer 2, S.
5). Dem mit der Beschwerde eingereichten Schreiben der kolumbianischen
Staatsanwaltschaft vom 3. August 2020 ist zu entnehmen, dass derzeit ein
Verfahren betreffend Drohungen gegenüber seiner Ex-Frau hängig sei.
Das SEM hat insgesamt zutreffend geschlossen, dass die vom Beschwer-
deführer eingereichten Beweismittel, sofern sie echt seien, gerade beleg-
ten, dass er Zugang zu hinreichendem Schutz seitens seiner heimatlichen
Behörden habe. Dies wird mit dem Schreiben erneut belegt. Von einem
hinreichenden Zugang des Beschwerdeführers und seiner Tochter ist dem-
nach auch zukünftig auszugehen, wären sie tatsächlich darauf angewie-
sen.
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Nur ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer und
seine Tochter sich, sollte dies tatsächlich nötig sein, wohl auch an einem
anderen Ort in Kolumbien niederlassen könnten, der ihnen ein menschen-
würdiges Dasein erlauben würde und der ihnen – aufgrund der Lebens-
und Berufserfahrung des Beschwerdeführers (er war unter anderem als
selbständig Erwerbender im [...] tätig) zugemutet werden darf (vgl. dazu
u.a. Urteil des EGMR Sufi und Elmi gegen das Vereinigte Königreich vom
28. Juni 2011, 8319/07 und 11449/07, § 266 ff.). Anlässlich der Anhörung
gab der Beschwerdeführer nämlich zu Protokoll, er sei einfach deshalb
nicht in eine andere Region Kolumbiens gezogen, weil ihn seine Ex-Frau
nicht begleitet hätte und er seine Tochter nicht habe verlieren wollen (vgl.
A27, F152). Demzufolge stand einem solchen alternativen Aufenthaltsort
offenbar nicht die geltend gemachte Bedrohungslage entgegen.
8.3.4 Zusammenfassend ist es den Beschwerdeführenden nicht gelungen,
glaubhaft zu machen, es bestehe im Falle ihrer Rückkehr nach Kolumbien
die ernsthafte Gefahr einer nicht mit Art. 3 EMRK vereinbaren Behandlung.
8.4
8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Dem Kindeswohl kommt im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung vorrangige
Bedeutung zu. Der Persönlichkeit des Kindes und seinen Lebensumstän-
den ist umfassend Rechnung zu tragen. Dabei können bei dieser gesamt-
heitlichen Beurteilung namentlich folgende Kriterien von Bedeutung sein:
Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Be-
ziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unter-
stützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Ent-
wicklung/Ausbildung, sowie Grad der erfolgten Integration bei einem län-
geren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. Urteil des BVGer D-6674/2019 vom
2. März 2020 E. 8.3.4 sowie BVGE 2015/30 E. 7.2 m.w.H.).
8.4.2 In Kolumbien fand über fünfzig Jahre lang ein bewaffneter Konflikt
zwischen den kolumbianischen Streitkräften, den Guerillas und paramilitä-
rischen Gruppen statt. Im November 2016 wurde der aktuelle Friedensver-
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trag zwischen dem kolumbianischen Staat und der Fuerzas Armadas Re-
volucionarias de Colombia (FARC, dt. Revolutionäre Streitkräfte Kolumbi-
ens) geschlossen, der später von beiden Kammern des Kongresses gut-
geheissen wurde. Nicht vergessen bleibt, dass allen Parteien während des
Konflikts schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden; bei
den meisten Opfern handelt es sich um Zivilpersonen. Auch wenn im Sep-
tember 2019 ein Teil der FARC die Wiederbewaffnung ankündigte, sind ge-
messen an der allgemeinen Lage in Kolumbien von heute jedoch keine
generellen Vollzugshindernisse im Sinne der Unzumutbarkeit erkennbar.
Auch aus individueller Sicht bleibt ein Vollzug der Wegweisung der Be-
schwerdeführenden zumutbar. Zur Begründung kann auf die zutreffenden
Argumente der Vorinstanz verwiesen werden, denen in der Beschwerde
nichts entgegengesetzt wird.
Für die (...) Tochter, die mithin bereits aufgrund ihrer kurzen Aufenthalts-
dauer in der Schweiz sowie ihres Alters noch nicht massgeblich in der
Schweiz verwurzelt ist, stellen ihre Eltern die wichtigsten Bezugspersonen
dar. Ihre Mutter, welche das Sorgerecht innehat, lebt – nach Angaben des
Beschwerdeführers – nach wie vor in Kolumbien. Es ist davon auszugehen,
dass die Tochter auch in Kolumbien versorgt ist. Das Wohl des Kindes steht
einem Wegweisungsvollzug vorliegend nicht entgegen (vgl. Art. 3 des
Übereinkommens über die Rechte des Kindes, SR 0.107, KRK).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
8.5 Der Beschwerdeführer hat authentische Pässe für sich und seine Toch-
ter zu den Akten gereicht. Unabhängig davon obliegt es ihm, sich bei der
zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Seite 17
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die
Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos.
10.2 Die Beschwerdeführenden beantragten die Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorste-
henden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu
gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen
nicht gegeben, weshalb das Gesuch abzulehnen ist.
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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