Decision ID: 15c68d76-0d53-5c10-b2e0-e67b3d4cf31b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._ AG als Logistiker angestellt
und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (Suva-act. 1, 17).
A.a.
Am 30. Dezember 2017 rutschte der Versicherte beim Duschen in der Badewanne
aus, fiel rückwärts aus der Badewanne heraus und schlug mit dem Gesäss und der
Lendenwirbelsäule (LWS) auf. Nach dem Sturz verspürte er anfänglich keine
Schmerzen. Einen Tag später traten jedoch Schmerzen lumbal und lumbosakral mit
diffuser Ausstrahlung in beide Beine, namentlich in die Rückseiten der Oberschenkel
bis zur Wade, auf (Suva-act. 17, 21-1, 21-3). Eine Erstbehandlung fand am
3. Januar 2018 durch Dr. med. C._, Allgemeine Innere Medizin, statt, der dem
Versicherten ab dem 30. Dezember 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte
(Suva-act. 7-3, 21-1).
A.b.
Mit Schreiben vom 11. Januar 2018 sprach die Suva dem Versicherten für die
Folgen des Unfalls vom 30. Dezember 2017 die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten-
und Taggeldleistungen) zu (Suva-act. 5).
A.c.
Am 22. Januar 2018 wurde im Röntgeninstitut D._ eine
Magnetresonanztomographie (MRT) der LWS durchgeführt. Laut Bericht des
untersuchenden Arztes Dr. med. E._, FMH Radiologie und FMH Nuklearmedizin,
zeigten sich beim Versicherten Bandscheibenprotrusionen LWK 2/3, 3/4 und 4/5 (im
A.d.
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Segment 4/5 mit frischem Einriss des Anulus fibrosus), jedoch keine radikuläre
Kompression und keine Fraktur (Suva-act. 15).
Gestützt auf dieses Untersuchungsergebnis diagnostizierte Dr. C._ eine
degenerative Diskopathie L4/5, einen frischen Anulus Fibrosus-Riss und eine
posttraumatische Lumboischialgie beidseits und überwies den Versicherten zu Prof. Dr.
F._, Facharzt für Neurochirurgie FMH. Prof. F._ untersuchte den Versicherten am
26. Januar 2018 und diagnostizierte ebenfalls eine degenerative Diskopathie L4/5
(Krankheit), einen frischen Anulus fibrosus-Riss (posttraumatisch) und eine
posttraumatische Lumboischialgie beidseits (Suva-act. 21-1, 21-3 f.).
A.e.
Am 2. Februar 2018 unterzog sich der Versicherte bei Prof. F._ einer
interlaminären Epiduralblockade L4/5 (Suva-act. 21-7). Mit Schreiben vom
13. Februar 2018 teilte dieser Dr. C._ mit, in der Verlaufskontrolle vom
12. Februar 2018 habe sich gezeigt, dass die Therapie leider nicht viel gebracht habe.
Es bestünden immer noch wechselnde Schmerzen je nach Belastung, die in der
visuellen Analogskala (VAS) von 4 - 10 lumbal reichen würden (Suva-act. 21).
A.f.
Am 16. Februar 2018 führte Prof. F._ aufgrund des therapieresistenten lokalen
Lumbalsyndroms L4/5 bei Anulus fibrosus-Riss L4/5 eine intradiskale Schmerztherapie
durch (Suva-act. 21-7). Am 22. Februar 2018 berichtete er Dr. C._ über seine
Verlaufskontrolle vom 20. Februar 2018, dass die zuletzt durchgeführte intradiskale
Schmerztherapie L4/5 nun endlich besser wirken würde. Das subjektive
Schmerzempfinden des Versicherten sei auf der VAS von 9 auf 4 zurückgegangen. Er
empfahl jedoch weiterhin, den Versicherten zu 100% arbeitsunfähig zu schreiben
(Suva-act. 21-6). Prof. F._ hatte dem Versicherten am 20. Februar 2018 zudem eine
Physiotherapie verordnet (Suva-act. 28).
A.g.
Am 19. März 2018 legte die Suva den Schadenfall ihrem Kreisarzt Dr. med. G._,
Facharzt Chirurgie FHM, vor. Dieser stellte am selben Tag fest, dass die LWS-
Beschwerden als nicht richtungsgebende vorübergehende Verschlimmerung der im
MRT festgestellten unfallunabhängigen Discopathie zu betrachten seien. Hinsichtlich
der Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sei die Prognose offen (Suva-
act. 34).
A.h.
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Über eine Sprechstunde vom 10. April 2018 berichtete Prof. F._ am
16. April 2018 Dr. C._, dass es dem Versicherten seit der physiotherapeutischen
Behandlung hinsichtlich der LWS besser gehe, nachdem schon mit der interdiskalen
Schmerztherapie gute Erfolge hätten erzielt werden können. Die Schmerzen seien
undulierend. Angeblich würden sie immer noch Schmerzstärke VAS 10 erreichen. Der
Versicherte sei aber zufrieden. Er habe nun aber Schmerzen im mittleren Bereich der
Brustwirbelsäule (BWS). Die zum Ausschluss von Unfallläsionen im Bereich der BWS
von Prof. F._ veranlasste und am 11. April 2018 in der D._ durch Dr. med. H._,
FMH Radiologie und Diagnostische Neuroradiologie, durchgeführte MRT-
Untersuchung ergab eine Osteochondrose und Unkovertebralarthrose des kaudalen
HWS-Segments HWK6/7, an der BWS jedoch keine höhergradigen degenerativen
Veränderungen, insbesondere keine Diskushernie und keine Neurokompression (Suva-
act. 43-2, 46).
A.i.
Am 4. Mai 2018 unterzog sich der Versicherte bei Prof. F._ einer
Facettenblockade L4/5 und L5/S1 beidseits (Suva-act. 55-2). Anlässlich der
Sprechstunde vom 9. Mai 2018 stellte Prof. F._ fest, dass die Facettenblockade
nichts genützt habe (Suva-act. 55-3).
A.j.
Mit Schreiben vom 14. Mai 2018 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass ihm
rein unfallbedingt spätestens mit diesem Tag eine Arbeitsfähigkeit von 75% auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt zumutbar sei. Ab dem 16. Mai 2018 würden deshalb die
Taggeldleistungen eingestellt (Suva-act. 53-3 f.). Prof. F._ und Dr. C._ attestierten
dem Versicherten weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 72-2).
A.k.
Mit Schreiben vom 23. Mai 2018 wandte der Versicherte ein, dass die Behandlung
der Unfallfolgen noch nicht abgeschlossen und er mit der Festlegung der
Arbeitsfähigkeit der Suva nicht einverstanden sei. Dazu verwies er auf den beigelegten
Bericht von Prof. F._ vom 16. April 2018 (Suva-act. 57).
A.l.
Nachdem der Versicherte einen Untersuchungstermin bei Prof. F._ vom
22. Mai 2018 krankheitsbedingt abgesagt hatte (Suva-act. 61), fand am 29. Mai 2018
eine Konsultation statt (Suva-act. 58, 61).
A.m.
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B.
C.
Nach Einholung einer kreisärztlichen Beurteilung von Dr. G._ am 1. Juni 2018
(Suva-act. 62) eröffnete die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom 4. Juni 2018,
dass die aktuell bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt seien. Der
Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall vom 30. Dezember 2017 eingestellt hätte,
sei gemäss medizinischer Beurteilung spätestens mit Datum der Verfügung erreicht.
Aufgrund des nicht wahrgenommenen Arzttermins vom 22. Mai 2018 bei Prof. F._
werde im Weiteren davon ausgegangen, dass keine Behandlungsnotwendigkeit mehr
bestehe. Demnach werde der Fall, was die Unfallfolgen betreffe, per 22. Mai 2018
abgeschlossen und der Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen abgelehnt. Die
Taggelder vom 16. Mai 2018 bis und mit 21. Mai 2018 seien nachbezahlt worden
(Suva-act. 63).
A.n.
Mit Verlaufsbericht vom 5. Juni 2018 teilte Prof. F._ der Suva mit, dass die
multimodale Schmerztherapie (MMST) keine Wirkung gezeigt habe. Der Versicherte
habe ausserdem, nicht zuletzt auf Wunsch der Suva, am 31. Mai 2018 noch ein MRT
der LWS bei der D._ machen lassen (vgl. Suva-act. 64-3). Dieses habe unverändert
eine Protrusion mit Anulus fibrosus-Riss L4/5 gezeigt. Es werde auf eine Operation des
traumatisch bedingten Anulus fibrosus-Risses L4/5 hinauslaufen. Klinisch habe nämlich
der Schmerz zugenommen mit Ausstrahlung in beide Beine (Suva-act. 64, 66). Die
Arbeitsunfähigkeit von 100% war durch Dr. C._ immer wieder verlängert worden,
letztmals sie am 22. Juni 2018 (Suva-act. 72-2).
A.o.
Am 18. Juni 2018 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom
4. Juni 2018 (Suva-act. 67).
B.a.
Nach Einholung einer ausführlichen kreisärztlichen Beurteilung von Dr. G._
(Suva-act. 69, 71) wies die Suva die Einsprache mit Einspracheentscheid vom
3. August 2018 ab (Suva-act. 76).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Teufen, Beschwerde
erheben mit folgenden Rechtsbegehren: 1. Der Einspracheentscheid vom 3. März 2018
C.a.
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Erwägungen
1.
In formeller Hinsicht hat die Beschwerdegegnerin Antrag auf Nichteintreten wegen
verspäteter Beschwerdeerhebung gestellt (act. G 9). Zwischen den Parteien ist
unbestritten, dass der Einspracheentscheid vom 3. August 2018 während der
Gerichtsferien vom 15. Juli 2018 bis 15. August 2018 versandt wurde und die
Beschwerdefrist von 30 Tagen nach Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) damit am
16. August 2018 zu laufen begann und am 14. September 2018 endete (vgl. Art. 38
Abs. 4 lit. c ATSG). Die Beschwerde datiert vom 14. September 2018 (act. G 1), doch
forderte die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort einen Beweis vom
sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer seien die gesetzlichen Leistungen auch
über den 22. Mai 2018 hinaus auszurichten; 2. Eventualiter sei der Entscheid
aufzuheben und seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen; 3. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Dem
Beschwerdeführer sei für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 9. November 2018 beantragte die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde vom
14. September 2018, sofern auf diese aufgrund Einhaltung der Beschwerdefrist
einzutreten sei, und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 3. August 2018
(act. G 9).
C.b.
Mit Schreiben vom 15. November 2018 bewilligte das Versicherungsgericht das
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. G 10).
C.c.
In der Replik vom 17. Dezember 2018 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an den Anträgen in der Beschwerde vom 17. Dezember 2018 fest
(act. G 12) und reichte Unterlagen zum Nachweis der rechtzeitigen
Beschwerdeerhebung ein (act. G 12.1 f.).
C.d.
Mit Schreiben vom 31. Januar 2019 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer umfassenden Duplik (act. G 14).
C.e.
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Beschwerdeführer, dass die Beschwerde im Sinne von Art. 39 Abs. 1 ATSG an diesem
Tag der Schweizerischen Post übergeben wurde (act. G 9). Mit der Replik vom
17. Dezember 2018 legte der Rechtsvertreter eine Kopie einer Quittung der
Schweizerischen Post vom 14. September 2018 ins Recht, welche für diesen Tag den
Versand eines Einschreibens mit der Sendungsnummer XXXXXX bestätigt (act. G 12.1).
Diese Sendungsnummer stimmt mit dem Aufkleber auf dem Umschlag überein, mit
welchem dem Versicherungsgericht die Beschwerde zugestellt worden ist (act. G 1.2).
Die Beschwerde wurde damit fristgerecht erhoben. Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich des
Unfalls vom 30. Dezember 2017 und erbrachte entsprechende Heilkosten- und
Taggeldleistungen (Suva-act. 5). Streitig und zu prüfen ist, ob sie ihre Leistungen zu
Recht per 22. Mai 2018 eingestellt hat.
3.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra
Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.; BSK UVG-Irene Hofer, Basel 2019, N 63 zu Art. 6; André
Nabold, in: Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung [UVG], 2018, N 48 zu Art. 6; BGE 117 V 375 E. 3a). Gemäss
Art. 36 Abs. 1 UVG werden die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die
Taggelder und Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die
Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalls ist. Für die Beantwortung der
Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht regelmässig auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1, 123 III 110, 112 V 32 ff. E. 1; Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; vgl. BSK UVG-Hofer, N 74 zu Art. 6; UVG Kommentar-
3.1.
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Nabold, a.a.O., N 59 zu Art. 6). Bei physischen Unfallfolgen spielt indessen die
Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang
sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle (BGE 117 V 365
E. 5d/bb, mit Hinweisen; 118 V 291 E. 3a). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang
gegeben ist, beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs
genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit
Hinweisen; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts,
4. Aufl. Bern 2014, § 70 N 58).
Ist die Unfallkausalität im Grundfall einmal mit der erforderlichen
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers
erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache der fortdauernd
geklagten Beschwerden darstellt, d.h., wenn die Beschwerden nur noch und
ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008,
8C_101/2008, E. 2.2; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4; BSK UVG-Hofer, N 65 zu Art. 6;
UVG Kommentar-Nabold, a.a.O., N 53 zu Art. 6; Locher/ Gächter, a.a.O., § 70 N 58 f.).
3.2.
Der Beweis des Dahinfallens jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten
Ursachen eines Gesundheitsschadens kann durchaus unter Bezugnahme auf
statistische Grundlagen und medizinische Erfahrungswerte geführt werden, sofern sie
der herrschenden Lehrmeinung entsprechen (BGE 126 V 189 E. 4c). Beim Nachweis
des Zeitpunkts des Dahinfallens von Unfallfolgen handelt es sich um einen
hypothetischen Zustand, der sich häufig nur mit Erfahrungswerten bestimmen lässt
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. September 2002, U
60/02, E. 2.2). Besteht im Bereich eines vom Unfall betroffenen Körperteils ein
krankhafter oder degenerativer Vorzustand, entfällt die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor
dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich
nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften oder degenerativen
Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine),
erreicht ist (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54; BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; UVG
Kommentar-Nabold, a.a.O., N 54 zu Art. 6; Urteil des EVG vom 11. Juni 2007, U
290/06, E. 3.3).
3.3.
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Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (BGE
125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 I 183 f. E. 3.2).
Dieser schliesst die Beweislast im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus.
Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Wird also auf dem Wege der Beweiserhebung der Wegfall des
Kausalzusammenhangs nicht wenigstens mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt, so hat dieser als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten
des Unfallversicherers auswirkt (BGE 129 V 177 E. 3.1, 117 V 360 E. 4a, je mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2;
Locher/Gächter, a.a.O., § 70 N 58 f.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4).
3.4.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder dessen Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 35
E. 3a mit Hinweis). Der angefochtene Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin
basiert insbesondere auf der kreisärztlichen Beurteilung von Dr. G._ vom
25. Juni 2018 (Suva-act. 71). Den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen
kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden. Soll ein
Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden
werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen. Diese Erfahrungstatsache befreit das Gericht indessen nicht von seiner
Pflicht zu einer korrekten Beweiswürdigung, bei der auch die von der versicherten
Person aufgelegten Berichte mitzuberücksichtigen sind. Diese sind darauf hin zu
3.5.
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4.
prüfen, ob sie auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
Feststellungen versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen wecken (BGE 135 V 469 f.
E. 4.4 und 4.6; bestätigt etwa im Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012,
8C_592/2012, E. 5.3; BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee mit Hinweis). Der Umstand, dass Dr.
G._ seine Beurteilung aufgrund der Akten abgegeben und den Beschwerdeführer
nicht selbst untersucht hat, steht ihrem Beweiswert nicht entgegen. Die
Rechtsprechung erachtet reine Aktengutachten als zulässig, sofern ein lückenloser
Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an
sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche
Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Juni 2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1). Angesichts der obigen
Darlegungen sprechen keine formell-rechtlichen Gründe gegen den Einbezug der
Aktenbeurteilung von Dr. G._. Ob letztlich auf diese abgestellt werden kann, ist im
Rahmen der nachfolgenden materiell-rechtlichen Beurteilung bzw. Beweiswürdigung zu
prüfen.
Der Beschwerdeführer leidet seit dem Unfallereignis vom 30. Dezember 2017 über
den Leistungseinstellungszeitpunkt (22. Mai 2018) hinaus unter LWS-Beschwerden
(Suva-act. 64).
4.1.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen werden grundsätzlich eine
unfallkausale strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als
objektivierbares Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar
und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten bzw. der
Patientin unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-
strukturellen Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit -
wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen,
MRT, CT, Arthroskopie) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2 mit Hinweisen).
4.2.
Ein massgebender Ausgangspunkt für die Beurteilung traumatischer Folgeschäden
bzw. der Ursächlichkeit einer Gesundheitsschädigung bildet der gesundheitliche
Zustand einer versicherten Person vor dem Unfall. Ist es durch diesen zu einem neuen
strukturellen Gesundheitsschaden gekommen, ist die natürliche Kausalität gegeben
und die damit zusammenhängenden Beschwerden bleiben bis zur (allenfalls
operativen) Heilung dieses Gesundheitsschadens unfallkausal. Hat der Unfall hingegen
keinen neuen strukturellen Gesundheitsschaden verursacht, kann dieser nur im
4.3.
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Rahmen eines degenerativen Prozesses entstanden sein. In diesem Fall können
unfallkausale Verletzungsfolgen und damit eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin nur bejaht werden, wenn es durch den Unfall zu einer
richtungsgebenden oder vorübergehenden Verschlimmerung des vorbestehenden
Gesundheitsschadens gekommen ist. Eine richtungsgebende Verschlimmerung liegt
nach der Rechtsprechung vor, wenn medizinischerseits feststeht, dass weder der
Status quo ante noch der Status quo sine je wieder erreicht werden können (Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54; BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; UVG Kommentar-Nabold,
a.a.O., N 54 zu Art. 6 in fine). Genauso wie ein neuer unfallbedingter struktureller
Gesundheitsschaden nur dann als objektiviert gilt, wenn er durch einen
entsprechenden apparativen/bildgebenden Untersuchungsbefund erhoben wird (vgl.
Erwägung 4.2), gilt dies grundsätzlich auch für eine richtungsgebende
Verschlimmerung eines bereits vorbestehenden degenerativen Gesundheitsschadens,
etwa in Form einer zeitlich beschleunigten Entwicklung oder einer Ausdehnung des
Ausmasses der vorbestehenden Gesundheitsschädigung. Die Dauer der
Leistungspflicht entspricht in einem solchen Fall derjenigen bei einem neuen
unfallbedingten Gesundheitsschaden. Die Annahme, ein Unfall habe lediglich, aber
immerhin, eine vorübergehende Verschlimmerung eines Vorzustandes bewirkt, basiert
auf dem Wissen, dass es im Unfallversicherungsrecht Fälle gibt, bei denen die
Unfallfolgen bzw. deren Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des
posttraumatischen Verlaufs mitunter nicht konkret beschrieben werden können.
Dennoch wird bei einem geeigneten bzw. adäquaten Ereignis in einer ersten Phase von
einer schädigenden Einwirkung des Ereignisses (Unfall) auf den Körper ausgegangen.
Die in der Folge aufgetretenen bzw. ausgelösten Beschwerden werden aber nach einer
gewissen Zeit - obwohl sie möglicherweise fortdauern - aufgrund medizinischer
Erfahrung nicht mehr dem Unfall angelastet. Die Unfallversicherung übernimmt in
diesen Fällen nur den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, d.h. sie
hat bis zum Erreichen des Status quo sine vel ante Leistungen für die unmittelbar im
Zusammenhang mit dem Unfall stehenden Beeinträchtigungen zu erbringen. Als
Beispiele dafür gelten insbesondere auch durch einen Unfall ausgelöste Diskushernien
oder Diskusprotrusionen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013,
8C_423/2012, E. 5.3, 9. Januar 2012, 8C_601/2011, E. 3.2, und 24. Juni 2008,
8C_326/2008, E. 3.2 und 4; Urteil des EVG vom 14. März 2000, U 266/99, E. 1; vgl.
auch Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 f.; vgl. UVG Kommentar-Nabold, a.a.O., N 57
zu Art. 6).
Im MRT-Untersuchungsbericht der BWS vom 11. April 2018 von Dr. H._ (Suva-
act. 46) ist nur eine Untersuchung der BWS vom 26. Oktober 2015 erwähnt. Somit
4.4.
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5.
liegen keine radiologischen Untersuchungsergebnisse der LWS aus der Zeit vor dem
Unfall vor. Nach dem Unfall vom 30. Dezember 2017 wurde beim Beschwerdeführer
am 22. Januar 2018 eine MRT-Untersuchung der LWS durch Dr. E._ durchgeführt,
bei der sich Bandscheibenprotrusionen LWK 2/3, 3/4 und 4/5 (im Segment 4/5 mit
frischem Einriss des Anulus fibrosus), jedoch keine radikuläre Kompression und keine
Fraktur zeigten (Suva-act. 15). Dabei handelt es sich um klare organische Substrate,
die grundsätzlich als Ursache der geklagten Beschwerden im LWS-Bereich in Frage
kommen (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl.
Bern 2005, S. 878 ff.; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin 2017, S.
210; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 182; Leitlinie der Orthopädie,
Hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
dem Berufsverband der Ärzte für Orthopädie, 2. Erweiterte Aufl. Köln 2002, S. 6).
Umstritten ist, ob der Einriss des Anulus fibrosus durch den Unfall vom
30. Dezember 2017 verursacht worden ist. Während der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers aus dem von Dr. E._ in der MRT-Untersuchung vom
22. Januar 2018 erhobenen Befund "mit frischerem Einriss des Anulus fibrosus" (Suva-
act. 21) einen unfallkausalen Gesundheitsschaden ableitet, geht die
Beschwerdegegnerin von einem degenerativen Vorzustand aus. Die
Bandscheibenprotrusion bzw. die Diskopathie LWK 4/5 bezeichnen sowohl Dr. C._
als auch Prof. F._ im Arztzeugnis UVG vom 1. März 2018 (Suva-act. 21-1) bzw.
Untersuchungsbericht vom 5. Februar 2018 (Suva-act. 21-3) als degenerativ
(Krankheit).
4.5.
Die Bandscheibenprotrusion L4/5 und der Anulus fibrosus-Riss können hinsichtlich
ihrer Verursachung nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. In der
medizinischen Literatur wird eine Bandscheiben- bzw. Diskusprotrusion als
Vorwölbung des Anulus fibrosus beschrieben, welcher die Schwachstelle der
Bandscheibe darstellt (Pschyrembel, a.a.O., S. 210; Debrunner, a.a.O., S. 879; Roche
Lexikon, a.a.O., S. 182; Leitlinie der Orthopädie, a.a.O., S. 6). Erst im Rahmen einer
Ausdehnung des Gesundheitsschadens brechen Lücken im Anulus fibrosus auf, durch
welche Material aus dem Gallertkern herausgepresst wird und Diskushernien bildet
(Debrunner, a.a.O., S. 879). Ob es sich um eine Diskusprotrusion oder eine -hernie
handelt, ist letztlich also eine Frage, in welchem Stadium sich der Gesundheitsschaden
befindet bzw. ob der Anulus fibrosus bereits eingerissen ist oder nicht. Daher müssen
die beim Beschwerdeführer diagnostizierte Diskusprotrusion und der Riss des Anulus
5.1.
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fibrosus (vgl. Suva-act. 21-1, 21-3 f.) als zusammengehörende Befunde betrachtet
werden, welche entweder degenerativ oder traumatisch bedingt sind.
Eine Diskushernie bzw. ein Bandscheibenvorfall und folglich auch eine
Diskusprotrusion ist im Regelfall eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule. Sie
kann hingegen im Ausnahmefall auch Folge eines Traumas sein (vgl. Debrunner, a.a.O.,
S.878 ff.; Pschyrembel, a.a.O., S. 210; Roche Lexikon, a.a.O., S. 182; Leitlinie der
Orthopädie, a.a.O., S. 5). Nach der Rechtsprechung kann eine Diskushernie bzw. ein
Bandscheibenvorfall und folglich auch eine Diskusprotrusion mit Anulus fibrosus-Riss
als weitgehend unfallbedingt betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von
besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe
herbeizuführen. Vorausgesetzt wird weiter, dass die Symptome der Diskushernie
(vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger
Arbeitsunfähigkeit auftreten (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190, Nr. U 379 S. 192; Urteil des
EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, teilweise publiziert in AJP 2006 S. 877 ff.). Ein
Unfall ist nur in Ausnahmefällen geeignet, eine Bandscheibenverletzung hervorzurufen,
zumal eine gesunde Bandscheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter
Gewalteinwirkung eher die Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt
würde. Im medizinischen Versuch konnte die isolierte Verletzung einer Bandscheibe
durch einen Unfall lediglich bei rein axialer Belastung der Wirbelsäule, nicht aber bei
Rotations-, Hyperextensions- oder Hyperflexionsbewegungen herbeigeführt werden
(Urteil des EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, E. 3.1, mit Hinweis auf Günter G.
Mollowitz [Hrsg.], Der Unfallmann, Berlin/Heidelberg 1993, S. 164 ff.). Auch Dr. G._
setzt sich in seiner ärztlichen Beurteilung vom 19. Juni 2018 (Suva-act. 71) eingehend
und im vorgenannten Sinn mit der vom höchsten Gericht für die Annahme einer
unfallbedingten Diskushernie bzw. Diskusprotrusion mit Anulus fibrosus-Riss
berücksichtigten medizinischen Erfahrungstatsache auseinander, dass ein solcher
Gesundheitsschaden meistens bei Vorliegen degenerativer
Bandscheibenveränderungen entsteht und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise als
eigentliche Ursache in Betracht fällt (vgl. dazu auch UVG Kommentar-Nabold, a.a.O.,
N 57 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 72 zu Art. 6). Bezüglich der richtungsgebenden,
mithin dauernden, unfallbedingten Verschlimmerung eines vorbestehenden
Gesundheitsschadens gelten dieselben Kriterien, was dazu führt, dass eine
Unfallkausalität auch in diesem Fall nur ausnahmsweise und insbesondere nur dann in
Frage kommt, wenn der Unfall auch geeignet gewesen wäre, eine gesunde
Bandscheibe zu verletzen (Urteil des EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, teilweise
publiziert in AJP 2006 S. 877 ff.). Es ist sodann eine medizinische Erfahrungstatsache,
dass eine richtungsgebende Verschlimmerung nur dann als erwiesen gelten kann,
5.2.
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wenn die Radioskopie ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel und das Auftreten
bzw. die Vergrösserung von Randzacken nach einem Trauma aufzeigt (E. Morscher, in:
Baur/Nigst [Hrsg.], Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 191).
Dem Beschwerdeführer wurde zwar von Dr. C._ rückwirkend eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit ab dem 30. Dezember 2017 bescheinigt, eine Erstkonsultation bei
seinem Hausarzt ist jedoch erst am 3. Januar 2018 dokumentiert (Suva-act. 7-3, 8-2, 9,
18-2, 21-1). Radikuläre Beschwerden bzw. Ausstrahlungen wurden weder von Dr.
C._ (Suva-act. 21) noch von Prof. F._ im Rahmen der Untersuchung vom
26. Januar 2018 (Suva-act. 21-3) erhoben. Insbesondere lässt jedoch die
Unfallschilderung des Beschwerdeführers vom 27. Februar 2018 gegenüber der
Beschwerdegegnerin - er sei ausgerutscht, rückwärts aus der Badewanne
herausgefallen und auf das Gesäss und die LWS gestürzt (vgl. Suva-act. 17) - nicht den
vorausgesetzten schwerwiegenden axialen Unfallmechanismus erkennen. Insgesamt
ist demnach eine traumatische Verursachung des Gesundheitsschadens im LWK-
Segment 4/5 wenig wahrscheinlich. Damit übereinstimmend gehen Prof. F._ im
Untersuchungsbericht vom 5. Februar 2018 (Suva-act. 21-3) und Dr. C._ im
Arztzeugnis UVG vom 1. März 2018 (Suva-act. 21-1) von einer degenerativen
Diskopathie L4/5 aus. Wie in Erwägung 5.1 ausgeführt, bedeutet dies, dass damit auch
in Bezug auf den Anulus fibrosus-Riss von einer degenerativen Genese auszugehen ist.
5.3.
Kreisarzt Dr. G._ schliesst sodann in seiner Beurteilung vom 19. Juni 2018
(Suva-act. 71) einleuchtend auf einen degenerativen Anulus fibrosus-Riss auch
angesichts im MRT der LWS vom 22. Januar 2018 (Suva-act. 15) nicht dokumentierter
ossärer, ligamentärer oder sonstiger Verletzungen oder Schäden, lokalisiert um den
Anulus fibrosus-Riss LWK 4/5. Fehlende Begleitverletzungen sind bei der Beurteilung
der versicherungsmedizinischen Pathogenese ein Indiz, welches eher gegen eine
traumatische Genese im medizinischen Sinn spricht (vgl. dazu Evalotta Samuelsson,
Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, in: SZS 2018, S. 352). Dr. G._
weist sodann darauf hin, dass im Gegenteil zusätzliche vorbestehende degenerative
Veränderungen mit Spondylarthrosen der caudalen Facettengelenke und
Bandscheibenschäden der Segmente LWK 1/2 und LWK 3/4 als Zeichen der
vorbestehenden Bandscheibenerkrankung bestünden. Ergänzend zeige das MRT der
BWS vom 11. April 2018 (Suva-act. 46), dass auch das untere Segment der HWS -
HWK 6/7 - durch die Bandscheibenerkrankung betroffen sei. Angesichts der
vorgenannten Sachlage ergeben sich somit keine überzeugenden Hinweise darauf,
dass ausgerechnet die Bandscheibenprotrusion L4/5 mit Anulus fibrosus-Riss
5.4.
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6.
losgelöst von den übrigen vorbestehenden, umfassenden strukturellen
Gesundheitsschäden als unfallbedingt betrachtet werden müsste.
Auf die überzeugende und schlüssige Beurteilung von Dr. G._, es sei durch das
Ereignis vom 30. Dezember 2017 weder zu einer neuen strukturellen Schädigung noch
zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung der LWK 4/5 in Form eines
traumatischen Einrisses des Anulus fibrosus gekommen, ist demzufolge abzustellen.
5.5.
Die Bezeichnungen des Anulus fibrosus-Risses als "frisch" und "posttraumatisch"
von Dr. C._ im Arztzeugnis UVG vom 1. März 2018 (Suva-act. 21-1) und von Prof.
F._ im Untersuchungsbericht vom 5. Februar 2018 (Suva-act. 21-3) sowie der Befund
"mit frischerem Einriss des Anulus fibrosus" im MRT-Untersuchungsbericht vom
22. Januar 2018 (Suva-act. 21-2) vermögen an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Der
in der Diagnose von Prof. F._ verwendete Begriff "posttraumatisch" wird im
medizinischen Sprachgebrauch zwar häufig gleichbedeutend mit "unfallkausal"
verwendet. Nach üblichem, allgemein geläufigem Sprachverständnis wird der Ausdruck
"post" oft aber auch mit der zeitlichen Abfolge - unter Ausschluss des Verhältnisses
von Ursache und Wirkung - in Verbindung gebracht. Vor diesem Hintergrund ist in
jedem Einzelfall zu prüfen, welche Bedeutung dem Begriff "posttraumatisch"
beizumessen ist (Urteile des Bundesgerichts vom 2. Mai 2018, 8C_856/2017, E. 5.3
und 20. August 2014, 8C_525/2014, E. 4.3.3 mit Hinweisen). Es ist zwar
wahrscheinlich, dass Prof. F._ hier den Begriff "posttraumatisch" im Sinne einer
traumatischen Verursachung und nicht einer zeitlichen Abfolge verwendete. Wie die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid (Suva-act. 76-9)
richtigerweise bemerkte, fehlen jedoch weitere Ausführungen zur Unfallkausalität
(Suva-act. 76-9) und können solche auch dem Arztzeugnis UVG von Dr. C._ nicht
entnommen werden. Der MRT-Untersuchungsbefund "mit frischerem Einriss" erscheint
im Übrigen hinsichtlich der zeitlichen Einordnung überhaupt weniger bestimmt und es
dürfte sich grundsätzlich auch ein degenerativer Riss im Zeitpunkt seiner Entstehung
radiologisch frisch darstellen. Schliesslich ist an dieser Stelle zu wiederholen, dass es
angesichts der in Erwägung 5.1 dargelegten gesamtheitlichen Betrachtung der
Diskusprotrusion und des Anulus fibrosus-Risses nicht erklärbar wäre, inwieweit ein
Anulus fibrosus-Riss traumatisch, die entsprechend Diskopathie im selben Segment
jedoch - wie von Prof. F._ festgestellt (Suva-act. 21) - degenerativ sein könnte.
5.6.
Wie bereits geschildert, kann jedoch ein Vorzustand durch einen Unfall ausgelöst
oder vorübergehend verschlimmert werden. Dabei handelt es sich aber meistens nur
6.1.
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um eine vorübergehende Verschlimmerung und die Unfallversicherung übernimmt
lediglich den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub (RKUV 2000 Nr.
U 379 S. 193 E. 2a mit Hinweisen; vgl. Erwägung 4.3). Es bleibt mithin zu prüfen, ob
der durch den Unfall vom 30. Dezember 2017 ausgelöste Beschwerdeschub im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 22. Mai 2018 (etwas weniger als fünf Monate
nach dem Ereignis) weiter andauerte bzw. die fortdauernden Beschwerden noch der
beim Unfall erlittenen Prellung des Rückens (vgl. dazu den in Suva-act. 1, 17
beschriebenen Unfallmechanismus mit Sturz auf den Rücken) angelastet werden
können.
Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass Prellungen,
Verstauchungen oder Zerrungen der Wirbelsäule ohne strukturelle Läsionen
normalerweise innert kurzer Zeit, in der Regel nach sechs bis neun Monaten,
spätestens nach einem Jahr, abheilen und sich die damit verbundenen Beschwerden
gänzlich zurückbilden (Urteile des EVG vom 28. Februar 2007, U 357/06, E. 4.6 und
18. September 2002, U 60/02, E. 2.2 mit Hinweisen auf die medizinische Literatur). In
den medizinischen Mitteilungen der Suva Nr. 79 [2008], S. 101, hält der Autor Erich
Bär, Facharzt für Chirurgie FMH, sogar fest, dass Weichteilzerrungen bzw. prellungen
am Rücken (mithin Verletzungen ohne objektivierbaren strukturellen Schaden)
ungeeignet seien, länger als einige Wochen bis wenige Monate Beschwerden zu
machen, die mit organischen Folgen der ursprünglichen Verletzungen zu erklären
wären, und weist auf zahlreiche weitere Publikationen hin (Erich Bär, Prellung,
Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule. Ein Update., a.a.O., S. 100 ff.). Insofern
geht eine vorübergehende Verschlimmerung eines Vorzustands im Bereich der
Wirbelsäule im Regelfall mit einer stetigen Besserung des unfallkausalen
Beschwerdebildes einher (vgl. dazu Erich Bär/Bertran Kiener, Prellung, Verstauchung
oder Zerrung der Wirbelsäule. In Medizinische Mitteilung der Suva Nr. 67 [1994], S. 45).
6.2.
Die Rechtsprechung hat also im Fall traumatisch ausgelöster
Wirbelsäulenpathologien den konkreten medizinischen Beleg des natürlichen Verlaufs
durch eine richterliche Vermutung, die sich ihrerseits auf die medizinische Literatur
stützt, ersetzt. Medizinische Erfahrungssätze beziehen sich auf den Regelfall, d.h. auf
medizinische Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich dargestellt haben. Eine
Ausnahme von der Regel ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie sich
eben als solche präsentieren. Schliesslich spricht der Umstand, dass seit dem Unfall
anhaltende, zu Beginn als unfallkausal taxierte Schmerzen bestehen, nicht automatisch
für das Vorliegen anhaltender Unfallrestfolgen. Die Leistungseinstellung des
Unfallversicherers bedingt keine Beschwerdefreiheit bzw. volle Arbeitsfähigkeit. Wie
6.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/18
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gesagt, ist allein entscheidend, ob der durch den Unfall ausgelöste Beschwerdeschub
seine kausale Bedeutung verloren hat (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b).
Im vorliegenden Fall sind keine Gründe ersichtlich, welche der Annahme eines
Regelfalls entgegenstehen würden. Weder in der Unfallbeschreibung der
Schadenmeldung UVG vom 9. Januar 2018 (Suva-act. 1) noch vom Beschwerdeführer
anlässlich der Besprechung mit der Beschwerdegegnerin vom 27. Februar 2018 (Suva-
act. 17) werden im Zusammenhang mit dem Sturz auf die LWS besondere
Tatbestandselemente angeführt, welche auf eine namhafte Krafteinwirkung auf die
LWS hinweisen. Vielmehr gab der Beschwerdeführer an, er habe sich mit der rechten
Hand noch ein wenig abstützen können (Suva-act. 17). Auch sind in den unfallnahen
medizinischen Akten keine auf eine schwerere Prellung bzw. Kontusion hinweisenden
Befunde vermerkt (vgl. Suva-act. 15: kein Knochenmarködem, Suva-act. 21). Dass der
Heilungsprozess im konkreten Fall sogar positiv verlief, wird auch daraus ersichtlich,
dass mit der introdiskalen Schmerztherapie durch Prof. F._ und der darauffolgenden
Physiotherapie offenbar gute Erfolge erzielt werden konnten (Suva-act. 43-2). Die
anlässlich der Sprechstunde vom 10. April 2018 neu geklagten Beschwerden im
Bereich der BWS sind mit einer Latenzzeit von knapp 3.5 Monaten nicht als
unfallkausal zu betrachten. Anzufügen bleibt, dass beim Beschwerdeführer
bedeutsame degenerative Vorzustände vorlagen und die Heilung eines traumatisch
bedingt symptomatisch gewordenen degenerativen Vorzustandes fliessenden
Charakter hat. Die initial traumatisch bedingten Beschwerden lassen sich nicht von den
fortan degenerativ bedingten oder anders begründeten Beschwerden unterscheiden.
Im konkreten Fall bilden die degenerativen Vorzustände des Beschwerdeführers für die
über die Erfahrungsdauer hinaus fortbestehenden Beschwerden eine nachvollziehbare
Erklärung. Insgesamt sind damit keine Gründe ersichtlich, derentwegen die Richtigkeit
der Beurteilung von Dr. G._ (Suva-act. 71) in Zweifel zu ziehen wäre. Weiterer
medizinischer Abklärungen bedurfte es nicht. Insofern rechtfertigt sich eine Einstellung
der Taggeldleistungen per 22. Mai 2018, wenngleich der Beschwerdeführer den für
diesen Tag angesetzten Termin bei Prof. F._ nicht abgesagt, sondern lediglich
verschoben hat (Suva-act. 58-2, 61-1).
6.4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Dahinfallen der Kausalität zwischen
dem Unfall vom 30. Dezember 2017 und den geklagten Beschwerden mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan und davon auszugehen ist, dass
fortdauernde Rückenbeschwerden auf unfallfremde, insbesondere bereits vorhandene
degenerative Faktoren zurückzuführen sind. Eine Leistungspflicht wegen
Unfallrestfolgen über den 22. Mai 2018 hinaus lässt sich demzufolge nicht begründen.
6.5.
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7.