Decision ID: 81fe204e-323f-4db2-ae29-7106ea04609d
Year: 2018
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Erhebung des Sachverhaltes vorliege, spreche dies für die Aufhebung des
angefochtenen Entscheids und für eine Rückweisung. Aufgrund der
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vorliegenden Beweislage sei ein Entscheid in der Sache nicht möglich. Die
ENHK stufe es als unzulässig ein, dass sich das ANU unter Hinweis auf die
von der Beschwerdegegnerin vorzunehmende Interessenabwägung dazu
ausschweige. Korrekt wäre, dass sich das ANU darüber klar geäussert
hätte, wogegen es Aufgabe der Beschwerdegegnerin gewesen wäre, in
Kenntnis dieser Einschätzung der Fachstelle ihre eigene
Interessenabwägung vorzunehmen.
17. Am 29. Januar 2013 nahm die Beschwerdegegnerin zur Eingabe der
Beschwerdeführer vom 21. Dezember 2012 Stellung und führte dabei im
Wesentlichen aus, dass die ENHK den UVB und den Beurteilungsbericht
des ANU als vollständig und nachvollziehbar beurteilt und auf die Abgabe
eines Gutachtens verzichtet habe, womit die Frage, ob als
Beweisergänzung ein fakultatives Gutachten der ENHK mitberücksichtigt
werden müsse, abschliessend beantwortet sei. Die Beschwerdeführer
hätten den Schriftenwechsel erneut zu einer unzulässigen Ausdehnung
ihrer Rechtsbegehren genutzt. Auf die beantragte Rückweisung zur
Beweisergänzung und auf die Ergänzung von Ziff. 2 des Rechtsbegehrens
sei daher nicht einzutreten. Die Beschwerdegegnerin stehe nach wie vor
hinter dem genehmigten Projekt.
18. Am 30. Januar 2013 verzichtete das ANU auf die Einreichung einer
Stellungnahme zum Schreiben der ENHK vom 5. Dezember 2012.
19. Am 1. Mai 2013 forderte der Instruktionsrichter die Beschwerdegegnerin
auf, dem Gericht sämtliche vom TBA im Rahmen der Prüfung der drei
alternativen Linienführungen für eine Südumfahrung erarbeiteten und
verwendeten sachdienlichen Dokumente einzureichen.
20. Mit Schreiben vom 16. Mai 2013 stellte die Beschwerdegegnerin dem
Gericht Pläne der Varianten Dezember 2010 und August 2011 sowie der
Tunnelvariante vom Dezember 2011 zu. Zudem reichte sie eine Vorstudie
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des TBA vom September 2009 und eine Planungsstudie vom November
2009 ein. Erklärend führte die Beschwerdegegnerin aus, dass das TBA als
Fachstelle für das Strassenwesen in einem ersten Schritt mögliche
Linienführungen für eine Südumfahrung geprüft habe. In dieser
Projektierungsphase seien auch die Varianten untersucht worden, welche
im späteren Einspracheverfahren in Plänen aufgezeichnet worden seien
(Varianten Dezember 2010 und August 2011). Linienführungen, welche
aufgrund der Erfahrung des TBA mit erheblichen Nachteilen belastet
gewesen seien, seien nicht mehr weiterverfolgt und auch nicht elektronisch
archiviert worden. Auf Basis des Resultats der Vorstudie sei eine
Planungsstudie erarbeitet worden, mit welcher die gewählte Linienführung
weiter konkretisiert und verifiziert worden sei. Nach Durchführung eines
Einladungsverfahrens sei der Auftrag erteilt worden, aufgrund der
Planungsstudie das Auflageprojekt auszuarbeiten. Die
Beschwerdegegnerin habe im angefochtenen Beschluss ausführlich
dargelegt, inwiefern sich die Auflagevariante − verglichen mit den
alternativen Linienführungen einer Südumfahrung − unter Abwägung
bautechnischer, umweltrelevanter sowie wirtschaftlicher Gesichtspunkte
als zweckmässig erweise.
21. Mit Schreiben vom 28. Juni 2013 bemängelten die Beschwerdeführer, dass
die Beschwerdegegnerin bloss Pläne bzw. Planungsstudien zu den
fraglichen drei Varianten, aber keine Kostenschätzungen sowie
Dokumentationen über Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten
gegenüber dem Auflageprojekt 2010 eingereicht habe. Die eingereichten
Unterlagen seien ungenügend, um eine Gesamtbeurteilung der
Variantenprüfung zu vollziehen. Zudem sei nicht bekannt, aus welchen
Gründen die Tunnelvariante Süd, welche aus landschaftsschützerischer
Sicht wohl zu bevorzugen wäre, nicht weiter verfolgt worden sei. Die
Beschwerdeführer könnten sich weitere Optimierungen dieser Variante aus
Sicht von Natur und Landschaft vorstellen. Diese Variante habe der
Beschwerdegegnerin im Rahmen ihrer Interessenabwägung nicht oder
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zumindest nicht genügend dokumentiert vorgelegen. Die vorgenommene
Interessenabwägung habe damit nicht umfassend sein können, so dass
sich die Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz aufdränge.
22. Am 16. September 2013 teilte das Gericht den Parteien mit, dass im
Rahmen des Beschwerdeverfahrens ein Augenschein in Schmitten und
eine Instruktionsverhandlung in Chur durchgeführt würden. Anlässlich des
Augenscheins würden die örtlichen Gegebenheiten betreffend das
Auflageprojekt 2010, die Tunnelvariante Nord, die Variante Ortsdurchfahrt
mit signalgesteuerter Lichtsignalanlage und die Varianten der Umfahrung
Süd in Augenschein genommen. Anlässlich der Instruktionsverhandlung
werde das TBA dem Gericht und den Beteiligten die Resultate seiner
Erarbeitung und Prüfung der beiden Südvarianten Dezember 2010 und
August 2011 sowie der Tunnelvariante Süd Dezember 2011 im Vergleich
mit dem Auflageprojekt 2010 darstellen.
23. Am 23. Oktober 2013 fand der Augenschein mit sämtlichen
Verfahrensbeteiligten in Schmitten statt (vgl. dazu das bereinigte
Augenscheinprotokoll vom 21. November 2013 samt Beilagen).
24. Mit Schreiben vom 21. November 2013 stellte das Gericht den
Verfahrensbeteiligten die vom TBA im Hinblick auf die
Instruktionsverhandlung vom 29. November 2013 erarbeitete
Dokumentation zu.
25. Am 26. November 2013 reichten die Beschwerdeführer Unterlagen über
das Verkehrsregime von Epesses (VD) ein und teilten mit, am Antrag auf
Einholung eines Gutachtens eines Verkehrsingenieurs für die Sanierung
der Innerortsdurchfahrt festzuhalten.
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26. Am 29. November 2013 fand die Instruktionsverhandlung in Chur statt (vgl.
das bereinigte Protokoll der Instruktionsverhandlung vom 29. Januar
2014).
27. Am 28. Januar 2014 hielten die Beschwerdeführer an ihren
Beweisanträgen fest und führten aus, dass die Dokumentation vom
November 2013 inklusive Ergänzung vom Dezember 2013 keine
ausreichende Grundlage für einen neutralen Variantenvergleich bilde.
28. Im März 2014 wurde im Auftrag des TBA der Zusatzbericht zum UVB 2010
erstellt. Darin wurden die vier Varianten zum Auflageprojekt beschrieben
und hinsichtlich der wichtigsten Umweltaspekte (Siedlung, Landschaft,
Lebensräume, Wald, Lärm, Boden und Bauphase) beurteilt.
29. Am 6. Mai 2014 nahm das ANU zum Zusatzbericht zum UVB 2010 vom
März 2014 Stellung und führte aus, dass es die Ausführungen als
weitestgehend korrekt erachte. Alle vier Varianten wiesen, wie das
Auflageprojekt 2010, gewisse Vor- und Nachteile auf. Aus
umweltrechtlicher Sicht könne keine Variante eindeutig bevorzugt werden.
Sowohl das Auflageprojekt 2010 als auch die Varianten 1 - 4 seien einer
Interessenabwägung durch die Beschwerdegegnerin zugänglich.
30. Am 2. Oktober 2014 nahm die Beschwerdegegnerin zu den Unterlagen seit
der Instruktionsverhandlung und zur Frage, ob sie an ihrem
Genehmigungsbeschluss für die Umfahrung Schmitten Süd vom 25.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011, festhalte, Stellung und führte dabei im
Wesentlichen aus, dass die seit der Instruktionsverhandlung zusätzlich
vorliegenden Akten den von der Beschwerdegegnerin gestützt auf die
Unterlagen und Vorarbeiten des TBA getroffenen Entscheid bestätigten.
Das Auflageprojekt schneide im Vergleich mit den Varianten für eine
Südumfahrung unter Abwägung bautechnischer, wirtschaftlicher und
umweltrelevanter Gesichtspunkte insgesamt deutlich am besten ab und
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erfülle die Anforderungen an eine kantonale Strassenverbindung. Das
Projekt sei zweckmässig und geeignet, die damit verfolgten Ziele zu
erreichen. Demgegenüber liefe eine lichtsignalgesteuerte Ortsdurchfahrt
den verfolgten Zielen zuwider, weswegen sie als unzweckmässig
abzulehnen sei. Am Genehmigungsbeschluss werde festgehalten.
31. Am 14. Oktober 2014 stellte das Gericht den Parteien die Stellungnahme
der Beschwerdegegnerin vom 2. Oktober 2014 zu und teilte mit, dass sich
das Gericht in Abweichung zum an der Instruktionsverhandlung vom
29. September 2013 geschilderten Vorgehen auch aus
prozessökonomischen Gründen entschlossen habe, vor Gewährung des
rechtlichen Gehörs zum Entscheid der Beschwerdegegnerin die ENHK
anzufragen, ob sie aufgrund der weiteren Abklärungen und des Entscheids
der Beschwerdegegnerin nun eine Begutachtung gemäss Art. 8 NHG
vornehmen wolle. Im Anschluss an die Stellungnahme der ENHK zu dieser
Anfrage bzw. an das Vorliegen des allfälligen Gutachtens werde das
Gericht den Parteien dazu und zum vorgenannten Entscheid der
Beschwerdegegnerin das rechtliche Gehör gewähren und über die in den
Stellungnahmen der Beschwerdeführer zu den Unterlagen der
Instruktionsverhandlung gestellten Anträge entscheiden. Gleichentags
fragte das Gericht die ENHK an, ob sie aufgrund der bis anhin erfolgten
weiteren Abklärungen, der zusätzlich erarbeiteten Grundlagen und der
Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 2. Oktober 2014 eine
Begutachtung gemäss Art. 8 NHG vornehmen wolle.
32. Am 13. November 2014 teilte die ENHK dem Gericht mit, dass sie bereit
sei, das Vorhaben und die Projektvarianten vertieft zu prüfen und in
Berücksichtigung der zusätzlichen Unterlagen ein Gutachten nach Art. 8
NHG zur umstrittenen Strassenführung abzugeben.
33. Nachdem die ENHK am 10. Juni 2015 unter Mitwirkung des TBA einen
Augenschein in Schmitten durchgeführt hatte, stellte sie dem Gericht am
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29. Februar 2016 ihr Gutachten zur umstrittenen Umfahrungsstrasse
Schmitten Süd zu. Darin kam sie zum Schluss, dass das Auflageprojekt
2010 eine schwere Beeinträchtigung der Lebensräume und der
Kulturlandschaft im Sinne der Schutzziele darstelle. Dies gelte auch für alle
Varianten einer Südumfahrung. Die festgestellte massive Beeinträchtigung
durch die ökologische und landschaftliche Zerschneidung der Terrasse
südlich von Schmitten und ihre Entwertung als Erholungsraum sei
angesichts der im UVB aufgeführte Verkehrszahlen von durchschnittlich
1‘500 Motorfahrzeugen pro Tag absolut unverhältnismässig. Gestützt
darauf beantragte die ENHK, auf den Bau einer Umfahrungsstrasse südlich
von Schmitten zu verzichten. Die Beschwerden sollten deshalb
gutgeheissen und die Genehmigung des Bauvorhabens sowie die
Rodungsbewilligung aufgehoben werden. Stattdessen empfahl die ENHK,
die Verkehrsprobleme von Schmitten unter Einbezug minimaler baulicher
Massnahmen und neuster verkehrstechnischer Technologien und
Möglichkeiten sowie unter Schonung der ortsbildrelevanten Bauten mit
verkehrslenkenden Massnahmen auf dem bestehenden Strassentrassee
zu lösen. In zweiter Priorität empfahl die ENHK die Weiterführung der
Planung einer Tunnelvariante Nord.
34. Mit Schreiben vom 19. April 2016 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren
Anträgen fest und beantragte überdies die Abweisung des Antrags der
ENHK. Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass ein minimaler
Innerortsausbau mit Lichtsignalanlage weder für die Schmittner
Bevölkerung noch für die Verkehrsteilnehmenden befriedigend sei,
weshalb diese Variante abgelehnt werde, selbst wenn sie funktionierte. Mit
der Nordumfahrung habe sie sich ausführlich auseinandergesetzt. Dabei
sei sie zum Schluss gelangt, dass diese in absehbarer Zeit nicht
finanzierbar und somit unverhältnismässig sei. Daran habe sich nichts
geändert. Verkehrstechnisch und wirtschaftlich nachhaltig sei nur die
offene Südumfahrung. Das Gutachten der ENHK erachte sie als nicht
gänzlich überzeugend. Das Mass der Beeinträchtigung der Lebensräume
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und der Kulturlandschaft könne entgegen den Ausführungen der ENHK
nicht undifferenziert als schwerwiegend beurteilt werden und auch
bezüglich des Ortsbildes könne nicht von einem schwerwiegenden Eingriff
gesprochen werden. In umfassender Abwägung komme die
Beschwerdegegnerin erneut zum Schluss, dass das nationale, kantonale,
regionale und private Eingriffsinteresse höher zu gewichten sei als das
Interesse an der ungeschmälerten Erhaltung der Lebensräume und der
Kulturlandschaft südlich von Schmitten.
35. Am 31. Mai 2016 nahmen die Beschwerdeführer zum ENHK-Gutachten
und zur Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 19. April 2016
Stellung und schlossen sich dabei den Ausführungen der ENHK
vollumfänglich an. Sie wiesen darauf hin, dass einem ENHK-Gutachten
nach der Rechtsprechung grosses Gewicht zukomme und nur aus triftigen
Gründen davon abgewichen werden dürfe.
36. Am 22. Juni 2016 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren Anträgen und
Begründungen fest und bekräftigte nochmals, dass die Innerortsdurchfahrt
von Schmitten aufgrund der bestehenden Engpässe selbst mit
flankierenden Massnahmen wie einer Lichtsignalanlage in
verkehrstechnischer Hinsicht den heutigen Anforderungen nicht genüge.
Eine verkehrstechnisch und wirtschaftlich nachhaltige Lösung biete nur
eine offene Strassenführung südlich von Schmitten. Der Bau einer
Nordumfahrung sei nicht finanzierbar und somit unverhältnismässig.
37. Mit Schreiben vom 27. Juni 2016 verzichteten die Beschwerdeführer auf
die Einreichung einer weiteren Stellungnahme.
38. Am 16. September 2016 kündigte das Gericht an, ein Fachgutachten
einzuholen zur Frage, ob eine Lichtsignalanlage als
Verkehrssteuerungskonzept für die Ortsdurchfahrt Schmitten technisch
möglich und geeignet sei. Am 15. Februar 2017 erteilte der
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Instruktionsrichter der Erb + Partner Ingenieurbüro AG den Auftrag zur
Erstellung eines entsprechenden Fachgutachtens.
39. Mit Schreiben vom 9. November 2016 teilte Rechtsanwalt lic. iur. Reto Nigg
dem Gericht mit, dass er neu zusätzlich auch die Interessen des
Beschwerdeführers A._ vertrete. Die Umweltschutzorganisationen
(Beschwerdeführer) seien ausdrücklich damit einverstanden, dass sich
A._ ihnen anschliesse.
40. Am 28. Juni 2017 stellte die Erb + Partner Ingenieurbüro AG dem Gericht
das Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 zu. Im entsprechenden Fachgutachten kamen die Gutachter
im Wesentlichen zum Schluss, dass eine Ortsdurchfahrt mit
Engpasssteuerung technisch möglich sei. Aufgrund der äusserst
beschränkten Platzverhältnisse, der vielen Einflüsse und der
voraussichtlich sehr beschränkten Betriebszeit erachteten die Gutachter
eine Lichtsignalanlage mit wechselseitigem Verkehrsregime und LED-
Verkehrszeichen, welche die jeweils anstehende Lastrichtung für den
Schwerverkehr sichtbar machten, Orientierung schüfen und bei geringem
Verkehr zusätzlich Warnhinweise absetzen könnten, als einfachste und
zweckmässigste Lösung.
41. Am 4. Juli 2017 äusserten sich die Beschwerdeführer zum Fachgutachten
Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom 27. Juni 2017 und
stellten sich dabei auf den Standpunkt, dass die Engpasssteuerung optimal
auf das Dorf Schmitten zugeschnitten sei. Zudem beantragten sie eine
Ergänzung des Fachgutachtens zur Frage, an wie vielen Stunden pro Jahr
die maximale Wartezeit von 270 Sekunden im ungünstigsten Fall auftrete
bzw. an wie vielen Stunden pro Jahr mit Wartezeiten von 120 Sekunden
oder weniger zu rechnen sei.
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42. Am 19. September 2017 nahm die Beschwerdegegnerin zum
Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 Stellung und bemängelte, dass das Gutachten nichts über
die Geeignetheit der vorgeschlagenen Engpasssteuerung aussage. Aus
verkehrsrechtlicher Sicht sowie gemäss den an diese gestellten
Anforderungen sei die vorgeschlagene Engpassteuerung mit zahlreichen,
teilweise schwerwiegenden Mängeln oder Unzulänglichkeiten behaftet. Nur
die wenigsten Anforderungen bzw. Ziele erreichten einen
zufriedenstellenden Erfüllungsgrad. Die Beschwerdegegnerin sehe sich in
ihrer bisherigen Auffassung in Bezug auf die signalgesteuerte
Ortsdurchfahrt Schmitten gänzlich bestätigt. Eine verkehrstechnisch
sinnvolle und wirtschaftlich tragbare Lösung biete nur die offene
Strassenführung südlich von Schmitten.
43. Am 16. Oktober 2017 stellte die Erb + Partner Ingenieurbüro AG dem
Gericht die Ergänzung vom 12. Oktober 2017 des Fachgutachtens vom
27. Juni 2017 zu. Darin führten die Gutachter unter anderem noch aus,
dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der maximalen Wartezeit von
270 Sekunden während 5 h im Jahr sehr gross sei. Es könne aber nicht
ausgeschlossen werden, dass es auch darüber hinaus einmal zu einer
solch langen Wartezeit kommen könne. Unter günstigen Verhältnissen
seien mittlere Wartezeiten von 120 Sekunden oder weniger möglich. Eine
zuverlässige Prognose, wie oft solche günstigen Verhältnisse vorkämen,
sei nicht möglich, da es zu viele Variablen gebe.
44. Am 29. November 2017 nahm die Beschwerdegegnerin zum bereinigten
Fachgutachten Stellung und bekräftigte abermals ihre Auffassung, wonach
die Engpasssteuerung erhebliche Schwachstellen aufweise.
45. Am 30. November 2017 nahmen die Beschwerdeführer zum bereinigten
Fachgutachten Stellung und vertieften ihre Argumentation, wonach die
vorgeschlagene Engpassteuerung optimal auf Schmitten zugeschnitten
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sei. Die Lösung sei nicht nur technisch machbar, sondern auch aus
volkswirtschaftlicher, landschafts-, natur- und ortsbildschützerischer Sicht
geeignet und der Südumfahrung weit überlegen.
46. Am 23. Januar 2018 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrer Position fest,
wonach die mit Schwachstellen behaftete Engpasssteuerung nicht die
geeignete Lösung für das Dorf Schmitten sei.
47. Ebenfalls am 23. Januar 2018 reichten die Beschwerdeführer eine weitere
Stellungnahme ein und führten dabei aus, dass es für die
Verkehrsproblematik in Schmitten keine Lösung gebe, welche keine
Nachteile aufweise. Allerdings schneide die Engpasssteuerung bei einer
Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile sehr viel besser ab als die
bewilligte Umfahrungsstrasse, welche von der ENHK als absolut
unverhältnismässig und als schwere Beeinträchtigung der Lebensräume
und der Kulturlandschaft beurteilt worden sei. Mittels Engpasssteuerung
könne mit verhältnismässigen Mitteln eine deutliche Verbesserung der
Verkehrsproblematik erreicht werden.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
im angefochtenen Genehmigungsbeschluss der Beschwerdegegnerin vom
25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, bzw. in der angefochtenen Verfügung
des BVFD vom 18., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, sowie auf die
Erkenntnisse des Augenscheins vom 23. Oktober 2013 und die
eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 6 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100) kann die Behörde im Interesse einer zweckmässigen
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Erledigung die Verfahren bei getrennt eingereichten Eingaben zum
gleichen Gegenstand durch verfahrensleitende Verfügung vereinigen. Die
Beschwerdeführer haben eine Vereinigung des verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahrens R 11 119 betreffend Genehmigung Umfahrung
Schmitten Süd (Landwasserstrasse) mit dem verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren R 11 120 betreffend Rodungsbewilligung für
Umfahrung Schmitten Süd (Landwasserstrasse) beantragt (vgl. Ziff. 4 der
Rechtsbegehren der beiden Beschwerden vom 28. November 2011). Die
Beschwerdegegnerin hat sich in ihren Vernehmlassungen vom 22. Februar
2012 dem beschwerdeführerischen Vereinigungsantrag angeschlossen
bzw. dessen Gutheissung beantragt (vgl. Ziff. 2 der Rechtsbegehren der
Vernehmlassungen vom 22. Februar 2012). Weil die angefochtene
Rodungsbewilligung vom 18., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
projektbezogen erteilt wurde und das Schicksal der Bewilligung des
Auflageprojekts für die Umfahrung Schmitten Süd teilt und überdies zwei
sich widersprechende Urteile in dieser Angelegenheit zu vermeiden sind
(was indes auch anderweitig sichergestellt werden könnte), steht einer
Vereinigung der beiden verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren
R 11 119 und R 11 120 sachlich nichts im Weg. Vielmehr erscheint eine
Vereinigung der beiden Beschwerdeverfahren aufgrund des engen
sachlichen Zusammenhangs und des bisherigen Verfahrensverlaufs gar
angezeigt und zweckmässig. Folglich werden die beiden
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 11 119 und R 11 120 −
entsprechend der Anträge der Verfahrensparteien − vereinigt und mit
einem Urteil entschieden.
2. Die Beschwerde R 11 119 richtet sich gegen den Genehmigungsbeschluss
vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, betreffend Genehmigung
Umfahrung Schmitten Süd (Protokoll Nr. 962), mit welchem die
Beschwerdegegnerin das aufgrund der Einsprachen und Stellungnahmen
abgeänderte Auflageprojekt für die Korrektion der Landwasserstrasse
Bauabschnitt Umfahrung Schmitten Süd unter Auflagen und der Erteilung
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spezialrechtlicher Bewilligungen genehmigt und gleichzeitig die Einsprache
der heutigen Beschwerdeführer abgewiesen hat. Gemäss Art. 49 Abs. 1
lit. d VRG beurteilt das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
Beschwerden gegen Entscheide der Regierung über öffentlichrechtliche
Streitigkeiten, soweit diese nicht nach kantonalem oder eidgenössischem
Recht endgültig sind. Der angefochtene Genehmigungsbeschluss ist
weder nach kantonalem noch nach eidgenössischem Recht endgültig,
weshalb er ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht darstellt. Anfechtungsobjekt des
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens R 11 120 bildet die
Departementsverfügung vom 18., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, mit
welcher das BVFD die Bewilligung zur Rodung von 11'336 m2 Waldareal
zwecks Realisierung des Projekts Umfahrung Schmitten Süd im
öffentlichen und privaten Wald, Territorium der Gemeinde Schmitten unter
Auflagen und Bedingungen erteilt und gleichzeitig die dagegen erhobene
Einsprache der heutigen Beschwerdeführer abgewiesen hat. Gemäss
Art. 49 Abs. 1 lit. c VRG beurteilt das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden Beschwerden gegen Entscheide der kantonalen
Departemente, soweit diese nicht nach kantonalem oder eidgenössischem
Recht endgültig sind oder bei einer anderen Instanz angefochten werden
können. Die vorliegend angefochtene Departementsverfügung ist weder
nach kantonalem oder eidgenössischen Recht endgültig noch kann sie bei
einer anderen Instanz angefochten werden, weshalb auch sie ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht darstellt. Somit ist das angerufene Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden zur Beurteilung der vorliegenden
Angelegenheiten örtlich und sachlich zuständig. Das Verwaltungsgericht
entscheidet gemäss Art. 43 Abs. 2 lit. a VRG in Fünferbesetzung über
Beschwerden gegen Entscheide der Regierung, womit das vorliegende, in
Fünferbesetzung ergangene Urteil auch hinsichtlich der funktionellen
Zuständigkeit die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Bei den
Beschwerdeführern handelt es sich − mit Ausnahme des
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Beschwerdeführers A._ (dessen Legitimation aber ohnehin
unbestrittenermassen gegeben ist) − um Umweltschutzorganisationen,
welchen gemäss Art. 1 der Verordnung über die Bezeichnung der im
Bereich des Umweltschutzes sowie des Natur- und Heimatschutzes
beschwerdeberechtigten Organisationen (VBO; SR 814.076) die
Beschwerdeberechtigung nach Art. 55 des Bundesgesetzes über den
Umweltschutz (USG; SR 814.01) sowie nach Art. 12 des Bundesgesetzes
über den Natur und Heimatschutz (NHG; SR 451) zukommt (vgl. Ziff. 3, 6,
und 13 des Anhangs zur VBO). Unbestritten ist des Weiteren, dass die
Beschwerdeführer durch den angefochtenen Regierungsbeschluss in ihren
statutarisch verankerten Tätigkeitsgebieten betroffen sind (vgl. Art. 55
Abs. 2 USG bzw. Art. 12 Abs. 2 NHG). Durch den angefochtenen
Regierungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, sowie die
angefochtene Departementsverfügung vom 18., mitgeteilt am 26. Oktober
2011, sind die Beschwerdeführer überdies beschwert und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, weshalb sie zur
Beschwerdeerhebung legitimiert sind. Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichten Beschwerden vom 28. November 2011 ist daher
einzutreten.
3.1. In formeller Hinsicht gilt es zunächst auf die von der Beschwerdegegnerin
gerügte angebliche Verletzung des Gewaltenteilungsprinzips einzugehen.
Die Beschwerdegegnerin stösst sich daran, dass das streitberufene
Gericht im Rahmen des Instruktionsverfahrens für die vorliegende
Streitsache R 11 119 sowohl die Beschwerdegegnerin als auch das ANU
und das TBA je einzeln und direkt zur Einreichung einer Vernehmlassung
aufgefordert hat. Dies vertrage sich schlecht mit dem Grundsatz der
Gewaltenteilung gemäss Art. 4 der Verfassung des Kantons Graubünden
(KV; BR 110.100) im Allgemeinen und auch mit Bezug auf die
organisatorische Gewaltenteilung im Besonderen. Die Formulierung in der
verwaltungsgerichtlichen Aufforderung zur Vernehmlassung vom
29. November 2011 ("Beschwerde: Pro Natura und Mitbeteiligte gegen
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Regierung des Kantons Graubünden, ANU Graubünden und TBA
Graubünden, betreffend Genehmigung Umfahrung Schmitten Süd
[Landwasserstrasse]") und insbesondere die Verwendung des Wortes
"gegen" machten deutlich, dass das Verwaltungsgericht das ANU und das
TBA nicht als weitere Betroffene im Sinne von Art. 54 Abs. 1 VRG zur
Stellungnahme eingeladen habe, sondern dass es diese Amtsstellen
versehentlich als Gegenpartei betrachtet habe. Das ANU und das TBA
seien somit nicht als Fachbehörde gebeten worden, zu konkreten
Fragestellungen Auskunft zu geben. Die Beschwerdegegnerin ersuche das
Gericht, in Beachtung der geltenden Zuständigkeiten künftig auf solche
direkten Eingriffe in die Organisation der Regierung und Verwaltung
verzichten zu wollen und sich auf die für den angefochtenen Entscheid
allein verantwortliche Instanz zu beschränken.
3.2. Dem halten die Beschwerdeführer entgegen, dass es jahrzehntelanger
Praxis entspreche, dass einzelne Amtsstellen der kantonalen Verwaltung
in Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht direkt zur
Vernehmlassung eingeladen würden. Es sei nicht Sache des
Verwaltungsgerichtes zu prüfen, ob eine Amtsstelle im Einzelfall der
Ermächtigung durch die Beschwerdegegnerin bedürfe oder ob diese von
sich aus tätig werden könne.
3.3. Dazu gilt es festzuhalten, dass mit der Erhebung einer Beschwerde gegen
einen Regierungsbeschluss die Verfahrensherrschaft von der Regierung
auf das Verwaltungsgericht übergeht. Für das Verfahren vor
Verwaltungsgericht gilt gemäss Art. 11 Abs. 1 VRG die
Untersuchungsmaxime, d.h. der Sachverhalt ist von Amtes wegen zu
ermitteln. Das Gericht erhebt die notwendigen Beweise, wobei es an
Begehren zur Ermittlung des Sachverhalts nicht gebunden ist. Als
Beweismittel dienen dem Gericht insbesondere auch amtliche Akten,
Amtsberichte sowie Befragungen und Mitteilungen von Auskunftspersonen
(Art. 12 Abs. 1 VRG). Behörden sind dabei zur Herausgabe von Urkunden
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und Akten sowie zur Auskunftserteilung verpflichtet (Art. 13 Abs. 1 VRG).
Gestützt auf diese Bestimmungen ist es dem Verwaltungsgericht
unbenommen, direkt und ohne Begrüssung der Beschwerdegegnerin von
Verwaltungsbehörden amtliche Akten beizuziehen, Amtsberichte
einzufordern sowie Auskunftspersonen aus der Verwaltung zu befragen
und von diesen Mitteilungen zu verlangen. Entgegen der
beschwerdegegnerischen Auffassung handelt es sich hierbei nicht um eine
Frage der Gewaltenteilung, sondern um die Frage, wem im Verfahren vor
Verwaltungsgericht die Verfahrensherrschaft zukommt und wie der
Sachverhalt zu ermitteln ist. Aufgrund des soeben Gesagten ist dies klar
das Verwaltungsgericht. Eine Verletzung des Grundsatzes der
Gewaltenteilung liegt folglich nicht vor. Recht zu geben ist der
Beschwerdegegnerin insofern, als sie beanstandet, dass das ANU und das
TBA in der verwaltungsgerichtlichen Aufforderung zur Vernehmlassung
vom 29. November 2011 im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren R 11 119 als Gegenpartei aufgeführt sind. Dies stellt
ein Versehen dar, ist im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren
R 11 119 doch einzig die Beschwerdegegnerin als Gegenpartei der
Beschwerdeführer zu betrachten. Das Verwaltungsgericht hat in den
weiteren Aufforderungen zur Stellungnahme im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren R 11 119 denn auch davon abgesehen, die beiden
Amtsstellen als Gegenparteien der Beschwerdeführer aufzuführen. Weil
die Beschwerdegegnerin diesbezüglich für die vorliegenden Verfahren
keinen Antrag gestellt hat und weil das ANU gegenüber dem
Verwaltungsgericht mit Schreiben vom 3. Januar 2012 ausdrücklich auf die
Einreichung einer Vernehmlassung verzichtet hat und auch das TBA keine
eigene Stellungnahme zu den Beschwerden vom 28. November 2011
eingereicht hat, kann es mit diesen Bemerkungen sein Bewenden haben.
4.1. Weiter gilt es in formeller Hinsicht auf die von der Beschwerdegegnerin
geltend gemachte unzulässige Ausdehnung der Rechtsbegehren
einzugehen.
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4.2.1. In ihrer Einsprache ans BVFD vom 7. Dezember 2010 haben die
Beschwerdeführer beantragt, die Umfahrung Schmitten Süd, H417b,
Landwasserstrasse, sei nicht zu genehmigen und es sei mit einer
transparenten Analyse eine ausgewogene Interessensabwägung
vorzunehmen, um eine auch natur- und landschaftsverträgliche Lösung der
Verkehrsproblematik im Dorf Schmitten zu finden (vgl. Akten der
Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 3 Beilage 16).
4.2.2. In ihrer Beschwerde ans Verwaltungsgericht vom 28. November 2011 im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 11 119 haben die
Beschwerdeführer sodann die Aufhebung des Regierungsbeschlusses
vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, beantragt; die Streitsache sei zur
Beweisergänzung an die Vorinstanz zurückzuweisen; es sei ein
unabhängiges Ingenieurs-Gutachten zur Machbarkeit der Südvariante mit
teilweiser Untertunnelung sowie zur Variante Ortsdurchfahrt mit
signalgesteuerter Lichtsignalanlage einzuholen; der UVB sei nach
Vorliegen der Ergebnisse der zusätzlichen Abklärungen zu ergänzen; der
angepasste und ergänzte UVB sei durch eine verwaltungsunabhängige
Instanz zu beurteilen; es sei ein Gutachten bei der ENHK nach Art. 8 NHG
einzuholen; gestützt auf die erfolgte Beweisergänzung habe die
Beschwerdegegnerin eine neue ausgewogene Interessenabwägung und
Beurteilung vorzunehmen und neu zu entscheiden.
4.2.3. Die Beschwerdegegnerin ist der Auffassung, die von den
Beschwerdeführern in der Beschwerde vom 28. November 2011
beantragte Rückweisung zur Beweisergänzung heisse, dass die
Beschwerdegegnerin die Linienführung des Auflageprojekts grundsätzlich
überprüfen müsste. Nachdem im Einspracheverfahren weder eine
Untertunnelung noch eine Signalsteuerung, sondern nur eine
ausgewogene Interessensabwägung gefordert worden sei, stelle dies eine
unzulässige Ausdehnung der Rechtsbegehren gemäss Art. 51 Abs. 2 VRG
- 27 -
dar. Weil die Untertunnelung nicht beantragt worden sei, habe sich die
Beschwerdegegnerin damit zu Recht nicht auseinandergesetzt. Der
Vorschlag sei nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens gewesen
(vgl. Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin vom 22. Februar 2012 im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 11 119 S. 13 Ziff. 3.4).
4.2.4. In ihrer Eingabe vom 21. Dezember 2012 haben die Beschwerdeführer
sodann Stellung zum Schreiben der ENHK vom 5. Dezember 2012
genommen und dabei ihre Rechtsbegehren dahingehend ergänzt, dass
Projektpläne für eine neue Variante Südumfahrung mit teilweiser
Untertunnelung und Pläne für eine Variante Sanierung Ortsdurchfahrt mit
signalgesteuerter Lichtsignalanlage zum Zweck der vergleichbaren
Prüfung der verschiedenen Varianten auszuarbeiten seien. Die
Konkretisierung des Rechtsbegehrens nehme Bezug auf die
Stellungnahme der ENHK, welche bemängelt habe, dass die erforderlichen
Unterlagen für eine vergleichbare Prüfung und adäquate Beurteilung der
verschiedenen Varianten fehlten. Dies sei keine Erweiterung der
Rechtsbegehren. Es sei nicht Aufgabe des Verwaltungsgerichtes, ein
aufwändiges Beweisverfahren durchzuführen. Eine Rückweisung der
Angelegenheit an die Vorinstanz dürfte daher angezeigt sein.
4.2.5. Dem hält die Beschwerdegegnerin mit Stellungnahme vom 19. Dezember
2012 (vgl. S. 2) entgegen, dass die ENHK für eine vergleichende
Begutachtung zur Verfügung stehen würde, falls das Verwaltungsgericht
zum Schluss käme, weitere Projektvarianten seien zu prüfen und zu
beurteilen. Zu dieser Thematik habe sich die Beschwerdegegnerin
eingehend geäussert. Ihr sei das Umfahrungsprojekt Schmitten Süd zur
Genehmigung unterbreitet worden, nachdem in der Planungsphase parallel
und zeitlich gestaffelt mehrere Varianten erörtert und einander gegenüber
gestellt worden seien. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sei allein
das angefochtene Auflageprojekt. Im jetzigen Verfahrensstadium sei auf
die Prüfung und allfällige Begutachtung von Projektvarianten zu verzichten.
- 28 -
In ihrer Stellungnahme vom 29. Januar 2013 (vgl. S. 2 f.) führt die
Beschwerdegegnerin sodann noch aus, dass die Beschwerdeführer ihre
Stellungnahme vom 21. Dezember 2012 zum Schreiben der ENHK vom
5. Dezember 2012 erneut zu einer unzulässigen Ausdehnung ihrer
Rechtsbegehren genutzt hätten. Die ENHK habe nicht bemängelt, dass die
erforderlichen Unterlagen fehlten, um eine Prüfung der verschiedenen
Varianten vorzunehmen; sie habe nur das Fehlen von Projektplänen für
eine teilweise Untertunnelung festgestellt. Daraus könne nicht geschlossen
werden, es liege hier keine Ausdehnung der Rechtsbegehren vor. Auf die
am 28. November 2011 beantragte Rückweisung zur Beweisergänzung
und auf die Ergänzung von Ziff. 2 der beschwerdeführerischen
Rechtsbegehren gemäss Stellungnahme vom 21. Dezember 2012 sei
daher nicht einzutreten.
4.3. Die Beschwerdeführer haben in ihrer Beschwerde vom 28. November 2011
im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 11 119 materiell die
Aufhebung des Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am
26. Oktober 2011, beantragt. Dies ist sicherlich keine Erweiterung des
Rechtsbegehrens gegenüber der Einsprache ans BVFD vom 7. Dezember
2010. Gegenteiliges wird von der Beschwerdegegnerin denn auch nicht
behauptet. Sie stellt sich indes auf den Standpunkt, dass der
Rückweisungsantrag zur Beweisergänzung (vgl. Ziff. 2 der
Rechtsbegehren der Beschwerde vom 28. November 2011 im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 11 119) eine
Erweiterung der Rechtsbegehren gegenüber der Einsprache vom
7. Dezember 2010 darstellt. Dabei verkennt die Beschwerdegegnerin
jedoch, dass es sich beim Antrag auf Rückweisung zur Beweisergänzung
letztlich um einen Beweisantrag handelt, mit der Besonderheit, dass der
Beweis nicht vom Gericht (welchem im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren die Verfahrensherrschaft zukommt [vgl. vorstehend
E.3.3]), sondern von der Vorinstanz zu erheben ist. Neue Beweisanträge
sind aber im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren gemäss
- 29 -
Art. 51 Abs. 3 VRG vom Ausdehnungsverbot von Art. 51 Abs. 2 VRG
ausgenommen und somit zulässig. Dies gilt aufgrund der im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren herrschenden
Untersuchungsmaxime auch für solche Beweisanträge, die im
vorinstanzlichen Verfahren nicht eingebracht worden sind, obschon sie
hätten eingebracht werden können. Ähnlich sieht es bezüglich der
beschwerdeführerischen Anträge aus, welche in deren Stellungnahme vom
21. Dezember 2012 zum Schreiben der ENHK vom 5. Dezember 2012 neu
gestellt worden sind (Ausarbeiten von Projektplänen für eine neue Variante
Südumfahrung mit teilweiser Untertunnelung sowie von Plänen für eine
Variante Ortsdurchfahrt mit signalgesteuerter Lichtsignalanlage zum
Zweck der vergleichbaren Prüfung der verschiedenen Varianten). Auch
hierbei handelt es sich um Beweisanträge im Sinne von Art. 51 Abs. 3
VRG, die nach dem vorstehend Gesagten keine unzulässige Ausdehnung
der Rechtsbegehren darstellen. Auf die mit Beschwerde vom
28. November 2011 im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren
R 11 119 beantragte Rückweisung zur Beweisergänzung und auf die
Ergänzung von Ziff. 2 der beschwerdeführerischen Rechtsbegehren
gemäss Stellungnahme vom 21. Dezember 2012 ist somit − entgegen der
beschwerdegegnerischen Auffassung − einzutreten. Ob die
entsprechenden Beweisanträge begründet sind, ist alsdann eine Frage der
(antizipierten) Beweiswürdigung bzw. der materiellen Beurteilung.
5. Des Weiteren kann in formeller Hinsicht davon ausgegangen werden, dass
nach dem vom Gericht durchgeführten Beweisverfahren mit der
Möglichkeit zur Stellungnahme die von den Beschwerdeführern
verschiedentlich vorgebrachten Rügen betreffend Verletzung des
rechtlichen Gehörs hinfällig geworden sind oder aber die Heilung allfälliger
Verletzungen im vorliegenden Verfahren erfolgt ist. Weitere Ausführungen
zu einer allfälligen Gehörsverletzung erübrigen sich vor diesem
Hintergrund.
- 30 -
6. In beweisrechtlicher Hinsicht gilt es sodann festzuhalten, dass sich die
beschwerdeführerischen Anträge auf Einholung eines unabhängigen
Ingenieurs-Gutachtens zur Machbarkeit der Südvariante mit teilweiser
Untertunnelung sowie zur Variante Ortsdurchfahrt mit signalgesteuerter
Lichtsignalanlage, Ergänzung des UVB nach Vorliegen der Ergebnisse der
zusätzlichen Abklärungen sowie Einholung eines Gutachtens bei der
ENHK nach Art. 8 NHG mittlerweile erledigt haben. Denn einerseits ist die
grundsätzliche Machbarkeit der Südvariante mit teilweiser Untertunnelung
("Variante Dezember 2011") unbestritten und anderseits ist die Beurteilung
der Variante Ortsdurchfahrt mit signalgesteuerter Lichtsignalanlage
mittlerweile durch einen im gegenseitigen Einverständnis der Parteien
bestimmten, unabhängigen Gutachter erfolgt und auch das TBA hat
diesbezüglich sachbezogene Abklärungen getroffen bzw. unabhängige
Fachleute beigezogen. Zudem wurde im März 2014 im Auftrag des TBA
der Zusatzbericht zum UVB 2010 erstellt und dabei die vier Varianten zum
Auflageprojekt (Varianten Dezember 2010 [Variante 1] und August 2011
[Variante 2], Variante Tunnel Süd Dezember 2011 [Variante 3] und Variante
Innerortsausbau [Variante 4]) beschrieben und hinsichtlich der wichtigsten
Umweltaspekte beurteilt. Und schliesslich hat das streitberufene Gericht
am 14. Oktober 2014 die ENHK angefragt, ob sie im vorliegenden Fall
aufgrund der bis anhin erfolgten weiteren Abklärungen sowie der zusätzlich
erarbeiteten Grundlagen eine Begutachtung gemäss Art. 8 NHG
vornehmen wolle, worauf die ENHK dem Gericht am 29. Februar 2016 ihr
Gutachten zur umstrittenen Umfahrungsstrasse Schmitten Süd zugestellt
hat. Weitere Ausführungen zu den erwähnten beschwerdeführerischen
Beweisanträgen erübrigen sich daher. Bezüglich des
beschwerdeführerischen Beweisantrags auf Beurteilung des angepassten
und ergänzten UVB durch eine verwaltungsunabhängige Instanz gilt es
sodann festzuhalten, dass von Gesetzes wegen das ANU und nicht eine
verwaltungsunabhängige Instanz den UVB zu prüfen hat (vgl. Art. 10c
Abs. 1 USG i.V.m. Art. 12 Abs. 1 der Verordnung über die
Umweltverträglichkeitsprüfung [UVPV; SR 814.011]). Der Beweisantrag
- 31 -
auf Beurteilung des angepassten und ergänzten UVB durch eine
verwaltungsunabhängige Instanz ist somit abzuweisen.
7.1. Die Beschwerdeführer machen geltend, die Beschwerdegegnerin habe
sich mit den verschiedenen Varianten zum Auflageprojekt (insbesondere
mit der Südumfahrung mit teilweiser Untertaglegung und der Variante
Innerortsausbau) nur ungenügend auseinandergesetzt und damit ihre
Prüfungspflicht hinsichtlich umweltschonender Varianten verletzt. Der
Sachverhalt sei unrichtig resp. unvollständig festgestellt worden.
7.2. Dem hält die Beschwerdegegnerin entgegen, dass allein das
Auflageprojekt 2010 Gegenstand des Projektgenehmigungsverfahrens
bilde. Sie dürfe die Genehmigung nicht verweigern, wenn das Vorhaben
rechtmässig sei. Daran ändere die von Art. 2 Abs. 1 lit. b der
Raumplanungsverordnung (RPV; SR 700.1) geforderte Prüfung von
Varianten nichts. Diese habe auf Planungsstufe zu erfolgen. Die
Plangenehmigungsbehörde habe nur dann verschiedene Varianten zu
vergleichen, wenn sie genügend konkretisiert und im Sinne von echten
Varianten vorlägen. Der Entscheid, ob eine Variante im Detail projektiert
und weiterverfolgt werde, liege jedoch im Ermessen der Planungsbehörde.
Diese dürfe Varianten, welche mit erheblichen Nachteilen belastet seien,
nach summarischer Prüfung vom Auswahlverfahren ausschliessen. Die
Beschwerdegegnerin habe nur abzuklären, ob bei der Projektierung bzw.
der Ausarbeitung des Auflageprojekts alternativen Linienführungen die
nötige Beachtung geschenkt worden sei. Dies sei hier der Fall. Die
Beschwerdegegnerin habe im angefochtenen Beschluss ausführlich
dargelegt, inwiefern sich die Auflagevariante − verglichen mit den Varianten
Nordumfahrung, Innerortsausbau und den alternativen Linienführungen
einer Südumfahrung − unter Abwägung bautechnischer, umweltrelevanter
sowie wirtschaftlicher Gesichtspunkte als zweckmässig erweise und
weshalb das unbestrittenermassen grosse öffentliche Interesse an deren
Realisierung stärker zu gewichten sei als die entgegenstehenden
- 32 -
Interessen. Damit sei zweifellos erstellt, dass alternativen Linienführungen
im Rahmen der Projektierung und auch seitens der Beschwerdegegnerin
die nötige Beachtung geschenkt worden sei und die Beschwerdegegnerin
eine umfassende Interessenabwägung vorgenommen habe.
7.3. Die Kritik der Beschwerdeführer wirft die Frage auf, unter welchen
Umständen und in welchem Verfahren die Plangenehmigungsbehörde
Projektvarianten zu prüfen hat. Geltend gemacht wird eine unvollständige
Sachverhaltsabklärung. Nachfolgend ist somit die Pflicht der
Beschwerdegegnerin zur Variantenprüfung zu erörtern.
7.4. Die Plangenehmigungsbehörde hat in ihrem Entscheid eine umfassende
Interessenabwägung vorzunehmen, indem sie alle im konkreten Fall
relevanten Interessen ermittelt, bewertet und gegeneinander abwägt, um
sodann zu entscheiden, welcher der möglichen Varianten der Vorzug zu
geben ist (vgl. Art. 2 Abs. 1 lit. b RPV). Diese Anforderung ergibt sich auch
aus Art. 3 NHG (BGE 137 II 266 E.4 mit Hinweisen) sowie aus dem
Erfordernis der Standortgebundenheit des Werks für die mit dem
Strassenbau erforderliche Rodung (Art. 5 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes
über den Wald [WaG; SR 921.0]). Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob
andere, Landschaft bzw. Wald und Umwelt schonendere Standorte bzw.
Streckenführungen vorhanden sind (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
1A.191/2003 vom 1. Juli 2004 E.6). Der Vergleich verschiedener Lösungen
ist insbesondere dann angezeigt, wenn die Varianten, die einander
gegenübergestellt werden, echte Alternativen sind, d.h. sie müssen
realistisch und einigermassen ausgereift sein. Zudem sind nur dort
Varianten zu prüfen, wo tatsächlich auch ein Konflikt mit den einschlägigen
Vorschriften zu erkennen ist. Nicht verlangt werden kann hingegen, dass
alle in Betracht fallenden Alternativen im Detail projektiert werden. So
dürfen insbesondere Varianten, die mit erheblichen Nachteilen belastet
sind, schon nach einer ersten summarischen Prüfung aus dem
Auswahlverfahren ausgeschlossen werden. Zudem muss nicht jede
- 33 -
möglicherweise auch bundesrechtskonforme Lösung dem vorgelegten
Projekt gegenüber gestellt werden. Der Entscheid, welche von mehreren
rechtskonformen und zweckmässigen Varianten umgesetzt wird, liegt
grundsätzlich im Ermessen der Planungsbehörde. Diese kann mit der
Feststellung, dass ein eingereichtes Projektgesuch alle
Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt und bundesrechtskonform ist, die
Prüfung anderer Varianten ausschliessen. Denn die Einhaltung des
einschlägigen Bundesrechts impliziert, dass den berührten Interessen
genügend Rechnung getragen worden ist (vgl. BGE 139 II 499 E.7.3.1;
Urteile des Bundesgerichtes 1C_556/2013, 1C_558/2013, 1C_562/2013
vom 21. September 2016 E.5.2, 1C_108/2014, 1C_110/2014 vom
23. September 2014 E.4.3, 1C_648/2013 vom 4. Februar 2014 E.4.1;
Urteile des Bundesverwaltungsgerichtes A-7810/2010 vom 15. Juli 2011
E.4.1, A-594/2009 vom 10. November 2009 E.4.2 f.). Beim
Variantenentscheid steht der Planungsbehörde ein Ermessensspielraum
offen. Dieser Ermessensentscheid, welcher regelmässig durch die
politischen Entscheidungsträger vorgeprägt wird, wird im gerichtlichen
Verfahren nur mit Zurückhaltung überprüft. Das Gericht soll nicht aus
eigenem Gutdünken, sondern nur aus triftigen Gründen von der
Beurteilung durch die zuständige Fachbehörde abweichen (vgl. BGE
139 II 185 E.9.3; Urteil des Bundesgerichtes 1C_556/2013, 1C_558/2013,
1C_562/2013 vom 21. September 2016 E.5.2).
7.5. Im vorliegenden Fall bemängeln die Beschwerdeführer zu Recht, dass die
Beschwerdegegnerin ihren Genehmigungsentscheid vom 25., mitgeteilt
am 26. Oktober 2011, aufgrund einer ungenügenden
Beurteilungsgrundlage gefällt hat. Vor diesem Hintergrund musste das
angerufene Gericht im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren −
obschon es grundsätzlich nach dem vorstehend Gesagten nicht Aufgabe
des Gerichtes ist, ein aufwändiges Beweisverfahren bezüglich allfälliger
Alternativvarianten durchzuführen − nachholen, was die
Beschwerdegegnerin unterlassen hat, nämlich die Durchführung eines
- 34 -
Augenscheins und einer Instruktionsverhandlung, die Einholung von
zusätzlichen Unterlagen bezüglich allfälliger Varianten zum Auflageprojekt
sowie die Einholung eines ENHK-Gutachtens und eines
Verkehrsgutachtens. Erst dadurch − insbesondere durch die vom TBA
gelieferten Informationen und Pläne − konnte nachträglich nach und nach
Transparenz bezüglich der verschiedenen Varianten zum Auflageprojekt
hergestellt werden. Als Alternative zur Durchführung dieses aufwändigen
Beweisverfahrens im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren hätte
aus Sicht des Gerichtes auch die Möglichkeit bestanden, die Beschwerden
nach Durchführung eines ein- bzw. zweifachen Schriftenwechsels
gutzuheissen, die angefochtenen Entscheide zu kassieren und die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Weil sich dadurch die Angelegenheit indes wohl noch
mehr verzögert hätte, hat sich das Gericht dagegen entschieden und die
entsprechenden Beweise selber erhoben. Vor diesem Hintergrund
erscheint aber die Einreichung der Beschwerden durch die
Beschwerdeführer gerechtfertigt, lagen doch zum damaligen Zeitpunkt
noch kaum Unterlagen vor, welche eine Beurteilung bezüglich der
allfälligen Varianten zum Auflageprojekt ermöglicht hätten. Dieser
Tatsache wird im vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren bei der Kostenverteilung sowie bei der Festlegung
der Parteientschädigung Rechnung zu tragen sein (vgl. nachstehend E.16).
Nach dem vom Gericht durchgeführten umfangreichen Beweisverfahren
mit der Möglichkeit zur Stellungnahme ist der Sachverhalt mittlerweile aber
ausreichend abgeklärt, was von den Beschwerdeführern denn auch nicht
(mehr) bestritten wird. Mit den bei den Akten liegenden Unterlagen lässt
sich insbesondere auch die Frage beurteilen, ob die Beschwerdegegnerin
zu Recht das Auflageprojekt 2010 als zweckmässigste Lösung gewählt hat
oder ob sich eine alternative Linienführung als zweckmässiger erwiesen
hätte. Darauf wird nachstehend noch vertieft einzugehen sein (vgl.
insbesondere E.13).
- 35 -
8.1. Gemäss Art. 78 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) sind für den Natur- und Heimatschutz
grundsätzlich die Kantone zuständig. Bundeskompetenzen bestehen
lediglich im Bereich des Biotop- und Artenschutzes (Art. 78 Abs. 4 BV) und
zum Schutz von Mooren und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung
(Art. 78 Abs. 5 BV). Gemäss Art. 78 Abs. 2 BV nimmt der Bund bei der
Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf die Anliegen des Natur- und
Heimatschutzes und schont Landschaften, Ortsbilder, geschichtliche
Stätten sowie Natur- und Kunstdenkmäler; er erhält sie ungeschmälert,
wenn das öffentliche Interesse es gebietet. Was unter der Erfüllung einer
Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV bzw. Art. 3 NHG zu
verstehen ist, führt Art. 2 Abs. 1 NHG in nicht abschliessender Weise aus:
Dazu gehören insbesondere die Planung, Errichtung und Veränderung von
Werken und Anlagen durch den Bund, wie z.B. Bauten und Anlagen der
Bundesverwaltung, Nationalstrassen oder Bauten und Anlagen der
Schweizerischen Bundesbahnen (lit. a), die Erteilung von Konzessionen
und Bewilligungen, wie zum Bau und Betrieb von Verkehrsanlagen,
Transportanstalten, Werken und Anlagen zur Beförderung von Energie,
Flüssigkeiten oder Gasen oder zur Übermittlung von Nachrichten sowie
Bewilligungen zur Vornahme von Rodungen (lit. b) sowie die Gewährung
von Beiträgen an Planungen, Werke und Anlagen, wie Meliorationen,
Sanierungen landwirtschaftlicher Bauten, Gewässerkorrektionen, Anlagen
des Gewässerschutzes und Verkehrsanlagen (lit. c). Entscheide
kantonaler Behörden über Vorhaben, die voraussichtlich nur mit Beiträgen
nach Abs. 1 lit. c verwirklicht werden, sind der Erfüllung von
Bundesaufgaben gleichgestellt (Art. 2 Abs. 2 NHG). Nach ständiger
Rechtsprechung kann eine Bundesaufgabe auch dann vorliegen, wenn
eine kantonale Behörde eine bundesrechtliche Aufgabe wahrnimmt. Dies
ist beispielsweise zu bejahen bei der Erteilung einer
raumplanungsrechtlichen Ausnahmebewilligung (grundlegend BGE
112 Ib 70 E.4b). Ausdrücklich in Art. 2 Abs. 1 lit. b NHG erwähnt ist die
Erteilung einer Rodungsbewilligung: Muss für ein Projekt eine Rodung in
- 36 -
einem koordinierten Verfahren bewilligt werden oder wird die
Rodungsbewilligung gemäss Art. 21 Abs. 3 UVPV verbindlich in Aussicht
gestellt, liegt nach ständiger Rechtsprechung eine Bundesaufgabe vor
(BGE 138 II 281 E.4.4, 121 II 190 E.3c/cc,120 Ib 27 E.2c/aa). Das
umstrittene Strassenprojekt Umfahrung Schmitten Süd betrifft nach dem
soeben Gesagten eine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 NHG, weil für
das Projekt im Rahmen des koordinierten Verfahrens unter anderem eine
Rodungsbewilligung gemäss dem Bundesgesetz über den Wald erteilt
wurde (zur Frage der Rechtmässigkeit der Rodungsbewilligung vgl.
nachstehend E.15). Somit liegt hier eine Bundesaufgabe vor.
8.2. Bei der Erfüllung von Bundesaufgaben im Sinne von Art. 2 NHG sorgen der
Bund, seine Anstalten und Betriebe sowie die Kantone dafür, dass das
heimatliche Landschafts- und Ortsbild, geschichtliche Stätten sowie Natur-
und Kulturdenkmäler geschont werden und, wo das allgemeine Interesse
an ihnen überwiegt, ungeschmälert erhalten bleiben (Art. 3 Abs. 1 NHG).
Diese Pflicht gilt unabhängig von der Bedeutung des Objektes im Sinne
von Art. 4 NHG, welcher Objekte von nationaler Bedeutung von solchen mit
regionaler oder lokaler Bedeutung unterscheidet. Eine Massnahme darf
nicht weitergehen, als es der Schutz des Objektes und seiner Umgebung
erfordert (Art. 3 Abs. 3 NHG). Art. 3 NHG verlangt keinen absoluten Schutz
der Landschaft, sondern "nur", dass das heimatliche Landschafts- und
Ortsbild, geschichtliche Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler
geschont und, wo das allgemeine Interesse an ihnen überwiegt,
ungeschmälert erhalten bleiben. Auch bei schwerwiegenden
Beeinträchtigungen von Lebensräumen und Kulturlandschaften ist somit
eine Bewilligung möglich, wenn sich im Rahmen der Interessenabwägung
das Eingriffsinteresse als höher erweist als das Interesse an der
ungeschmälerten Erhaltung der Lebensräume und der Kulturlandschaft.
Der Eingriff ist jedoch nur gestattet, wo ein überwiegendes allgemeines
Interesse dies erfordert (vgl. BGE 137 II 266 E.4). Zur Beurteilung dieser
Frage ist eine möglichst umfassende Abwägung aller für und gegen das
- 37 -
Vorhaben sprechenden öffentlichen und privaten Interessen vorzunehmen
(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 1C_108/2014, 1C_110/2014 vom
23. September 2014 E.4.3). Dabei ist nicht nur zu prüfen, ob auf die
geplanten Bauten und Anlagen gänzlich verzichtet werden könnte (so
ausdrücklich Art. 3 Abs. 2 lit. a NHG), sondern es müssen auch
Alternativen geprüft werden, sofern diese ernsthaft in Betracht fallen (vgl.
vorstehend E.7.4). Demgegenüber sind inventarisierte Objekte von
nationaler Bedeutung gemäss Art. 6 Abs. 1 NHG ungeschmälert zu
erhalten, jedenfalls aber unter Einbezug von Wiederherstellungs- oder
angemessenen Ersatzmassnahmen grösstmöglichst zu schonen. Ein
Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung im Sinne der Inventare darf
bei Erfüllung einer Bundesaufgabe gemäss Art. 6 Abs. 2 NHG nur in
Erwägung gezogen werden, wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige
Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung entgegenstehen. Passend
zu den unterschiedlichen Schutzniveaus divergieren auch die
Anforderungen an die Interessenabwägung. Während nach Art. 3 NHG
eine umfassende Abwägung aller für und gegen das Vorhaben
sprechenden öffentlichen und privaten Interessen vorzunehmen ist (vgl.
BGE 137 II 266 E.4), lässt Art. 6 NHG nur eine eingeschränkte
Interessenabwägung zu: Ist das Interesse, welches der ungeschmälerten
Erhaltung entgegensteht, nicht von nationaler Bedeutung, so ist der Eingriff
a priori unzulässig; denn der Gesetzgeber hat für diesen Fall verbindlich
zugunsten der ungeschmälerten Erhaltung entschieden. Liegt hingegen ein
Eingriffsinteresse von ebenfalls nationaler Bedeutung vor, muss aufgrund
sämtlicher relevanter Gesichtspunkte entschieden werden, ob dieses im
konkreten Fall überwiegt oder zumindest gleichwertig ist (vgl. GRIFFEL, Die
Grundprinzipien des schweizerischen Umweltrechts, Zürich 2001, Rz. 396
m.w.H.).
8.3. Darüber hinaus sind die Vorschriften von Art. 1 und 3 des Gesetzes über
den Natur- und Heimatschutz im Kanton Graubünden (KNHG; BR 496.000)
einzuhalten, wonach schutzwürdige Landschaften, die Lebensräume der
- 38 -
einheimischen Tiere und Pflanzen (Biotope), wertvolle Ortsbilder,
Gebäudegruppen und Einzelbauten, deren Umgebung sowie
archäologische Fundstellen zu schonen und, wo das öffentliche Interesse
an ihrer Erhaltung überwiegt, soweit als möglich zu erhalten sind. Das
Schonungsgebot hinsichtlich Landschaft gilt auch aufgrund von Art. 1 und
3 des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG; SR 700).
Insbesondere sollen gemäss Art. 3 Abs. 2 RPG der Landwirtschaft
genügende Flächen geeigneten Kulturlandes, insbesondere
Fruchtfolgeflächen, erhalten bleiben (lit. a), Siedlungen, Bauten und
Anlagen sich in die Landschaft einordnen (lit. b) naturnahe Landschaften
und Erholungsräume erhalten bleiben (lit. d) und die Wälder ihre
Funktionen erfüllen können (lit. e). Wohngebiete sind gemäss Art. 3 Abs. 3
lit. b RPG vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen wie
Luftverschmutzung, Lärm und Erschütterung möglichst zu verschonen. Für
die öffentlichen oder im öffentlichen Interesse liegenden Bauten und
Anlagen sind gemäss Art. 3 Abs. 3 RPG sachgerechte Standorte zu
bestimmen. Insbesondere sollen regionale Bedürfnisse berücksichtigt und
störende Ungleichheiten abgebaut (lit. a) sowie nachteilige Auswirkungen
auf die natürlichen Lebensgrundlagen, die Bevölkerung und die Wirtschaft
vermieden oder gesamthaft gering gehalten werden (lit. c; vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 1C_108/2014, 1C_110/2014 vom 23. September 2014
E.4.4).
9.1. Wer eine Anlage, die der Umweltverträglichkeitsprüfung untersteht, planen,
errichten oder ändern will, muss der zuständigen Behörde gemäss Art. 10b
Abs. 1 USG einen Umweltverträglichkeitsbericht unterbreiten. Dieser bildet
die Grundlage der Umweltverträglichkeitsprüfung. Der Bericht hat gemäss
Art. 10b Abs. 2 USG alle Angaben zu enthalten, die zur Prüfung des
Vorhabens nach den Vorschriften über den Schutz der Umwelt nötig sind.
Er wird nach den Richtlinien der Umweltschutzfachstellen erstellt und
umfasst den Ausgangszustand (lit. a), das Vorhaben, einschliesslich der
vorgesehenen Massnahmen zum Schutze der Umwelt und für den
- 39 -
Katastrophenfall, sowie einen Überblick über die wichtigsten allenfalls vom
Gesuchsteller geprüften Alternativen (lit. b) und die voraussichtlich
verbleibende Belastung der Umwelt (lit. c). Zur Vorbereitung des Berichts
wird gemäss Art. 10b Abs. 3 USG eine Voruntersuchung durchgeführt.
Werden in der Voruntersuchung die Auswirkungen auf die Umwelt und die
Umweltschutzmassnahmen abschliessend ermittelt, so gelten die
Ergebnisse der Voruntersuchung als Bericht. Gemäss Art. 10c Abs. 1 USG
beurteilen die Umweltschutzfachstellen die Voruntersuchung und den
Bericht und beantragen der für den Entscheid zuständigen Behörde die zu
treffenden Massnahmen. Der Bericht und die Ergebnisse der
Umweltverträglichkeitsprüfung können von jedermann eingesehen werden,
soweit nicht überwiegende private oder öffentliche Interessen die
Geheimhaltung erfordern (Art. 10d Abs. 1 USG).
9.2. Vorliegend lag der UVB vom November 2010 (Bg-act. 2 Beilage 13)
zusammen mit dem strittigen Strassenprojekt Umfahrung Schmitten Süd
vom 8. November bis 8. Dezember 2010 öffentlich auf. Er kommt aufgrund
der Resultate der durchgeführten Untersuchungen zum Schluss, dass mit
den im Rahmen der Projektierung vorgesehenen Massnahmen das Projekt
hinsichtlich der Umweltbereiche Wald, Lärm, Luft, Hydrologie,
Bodenschutz, Entsorgung und Störfall umweltverträglich sei und die
relevanten gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz der Umwelt
eingehalten würden. Betreffend Raumentwicklung müsse einerseits der
kantonale Richtplan angepasst und anderseits die Nutzungsplanung der
Gemeinde in Bezug auf die dritte Nutzungsetappe überprüft werden.
Bezüglich der übrigen Umweltbereiche seien mit dem Bau der Umfahrung
teilweise schwerwiegende Auswirkungen verbunden, welche mit den
vorgesehenen Massnahmen nicht genügend kompensiert werden könnten.
Die wichtigsten seien die Auswirkungen auf das Landschafts- und Ortsbild,
auf die Nutzungen, auf die Lebensräume, auf den Wald sowie auf den
Boden und die Entsorgung.
- 40 -
9.3. Im Beurteilungsbericht zum UVB gemäss Art. 8 der kantonalen Verordnung
über die Umweltverträglichkeitsprüfung (KVUVP; BR 820.150) vom
28. Juni 2011 (Bg-act. 3 Beilage 2) hält das ANU zunächst fest, dass eine
eigentliche Voruntersuchung gemäss Art. 8a UVPV nicht durchgeführt
worden sei, indessen der UVB als Bericht im Sinne dieser Bestimmung
anerkannt werden könne. Der UVB sei nahezu vollständig, sachlich neutral
und weitestgehend richtig abgefasst. Er stelle eine genügende Grundlage
für die Beurteilung der Umweltrechtskonformität des Bauvorhabens dar. Er
zeige die zum heutigen Zeitpunkt absehbaren Konfliktpunkte mit dem in
Art. 3 Abs. 1 UVPV angeführten Umweltrechtsbereichen nahezu
vollständig auf. Eine Beurteilung der grundsätzlichen Machbarkeit sowie
der Rechtskonformität aus umweltrechtlicher Sicht sei gestützt auf die
vorliegenden Unterlagen sowie die im ANU und in den beigezogenen
Ämtern vorhandenen Informationen möglich. Zusammenfassend kommt
das ANU zum Schluss, dass das Auflageprojekt 2010 unter namentlich
erwähnter Auflagen und vorbehältlich der Güterabwägung als den
bundesrechtlichen und kantonalen Vorschriften über den Schutz der
Umwelt entsprechend beurteilt werden könne. Vorbehältlich der
Projektgenehmigung und der erforderlichen Bewilligungen könne aus Sicht
des ANU im Sinne der Erwägungen die Zustimmung erteilt werden.
9.4. Im März 2014 wurde im Auftrag des TBA der Zusatzbericht zum UVB 2010
erstellt. Darin wurden die vier Varianten zum Auflageprojekt 2010
(Varianten Dezember 2010 [Variante 1] und August 2011 [Variante 2],
Variante Tunnel Süd Dezember 2011 [Variante 3] und Variante
Innerortsausbau [Variante 4]) beschrieben und hinsichtlich der wichtigsten
Umweltaspekte (Siedlung, Landschaft, Lebensräume, Wald, Lärm, Boden
und Bauphase) beurteilt. Unter dem Titel zusammenfassende Ergebnisse
stellen die Berichterstatter die wichtigsten Unterschiede der vier beurteilten
Varianten im Vergleich zum Auflageprojekt 2010 dar, ohne eine
quantitative Bewertung der Varianten vorzunehmen und ohne Abgabe
einer Empfehlung der zu realisierenden Lösung.
- 41 -
9.5. Mit Stellungnahme vom 6. Mai 2014 führt das ANU zum Zusatzbericht zum
UVB 2010 vom März 2014 aus, dass das ANU die Varianten eingehend
studiert habe und die Ausführungen als weitestgehend korrekt erachte
(unter Hinweisen zur Präzisierung des Lärmschutzes, sofern eine der
Varianten weiterverfolgt werde, aber ohne Auswirkungen auf die
Beurteilungen des Lärmschutzes im Bericht). Das ANU komme zum
Schluss, dass per se alle vier Varianten, ebenso wie das Auflageprojekt
2010, jeweils gewisse Vor- und Nachteile aufwiesen. Allerdings könne aus
umweltrechtlicher Sicht keine Variante eindeutig bevorzugt werden. In der
Beurteilung des ANU seien sowohl das Auflageprojekt 2010 (gemäss
Beurteilungsbericht des ANU vom 28. Juni 2011) als auch die Varianten
1 - 4 einer Interessenabwägung durch die Beschwerdegegnerin
zugänglich.
9.6. Nach dem Gesagten sowie basierend auf den Ausführungen des ANU in
dessen Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 sowie der Stellungnahme
vom 6. Mai 2014 taugen der UVB vom November 2010 und seine
Ergänzung vom März 2014 als Grundlage für die Interessenabwägung. Zu
dieser Interessenabwägung ist neben den erwähnten Stellungnahmen des
ANU zwingend auch das Gutachten der ENHK zur umstrittenen
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 beiziehen.
Ebenfalls beizuziehen ist das Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten −
Engpasssteuerung vom 27. Juni 2017 sowie dessen Ergänzung vom
12. Oktober 2017.
10.1. Von der geplanten Umfahrungsstrasse Schmitten Süd (Auflageprojekt
2010) sind − wie die ENHK bereits in ihrem Schreiben vom 5. Dezember
2012 festgestellt hat − keine Objekte betroffen, welche in einem Inventar
des Bundes nach Art. 5 NHG enthalten sind. Als Trockenstandort von
nationaler Bedeutung ist lediglich das 1.1 ha grosse Objekt Nr. 8480
marginal betroffen (vgl. UVB vom November 2010 [Bg-act. 2 Beilage 13]
- 42 -
Anhang 6.4.1). Eine obligatorische Begutachtung durch die ENHK nach
Art. 7 NHG entfällt daher. Indessen kann die ENHK nach Art. 8 NHG i.V.m.
Art. 25 der Verordnung über den Natur- und Heimatschutz (NHV; SR 451.1)
in wichtigen Fällen von sich aus in jedem Stadium des Verfahrens ein
Gutachten über die Schonung oder ungeschmälerte Erhaltung von
Objekten abgeben. Diese fakultative Begutachtung bezieht sich
insbesondere auf Objekte, die nicht in einem Bundesinventar nach Art. 5
NHG aufgeführt sind (vgl. LEIMBACHER, Kommentar NHG, Zürich 1997,
Art. 8 Rz. 1; siehe auch Art. 25 Abs. 1 lit. d NHV). Eine fakultative
Begutachtung nach Art. 8 NHG kann auch zum Zug kommen, wenn das
ENHK-Gutachten von einer Verfahrenspartei beantragt wird, wobei die
ENHK selbst entscheidet, ob sie ein Gutachten abgibt (vgl. LEIMBACHER,
a.a.O., Art. 8 Rz. 4).
10.2.1. Vorliegend haben die Beschwerdeführer bereits in ihren Beschwerden vom
28. November 2011 die Einholung eines Gutachtens bei der ENHK nach
Art. 8 NHG beantragt. Im Anschluss fragte das Gericht am 1. Oktober 2012
die ENHK an, ob sie eine fakultative Begutachtung gemäss Art. 8 NHG
vornehmen wolle. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2012 stellte die ENHK
im Wesentlichen fest, dass im UVB und im Prüfbericht des ANU sowohl die
Bedeutung der durch das Vorhaben betroffenen Natur- und
Kulturlandschaft sowie die Auswirkungen des Projekts auf diese Qualitäten
und Werte hinreichend geklärt worden seien. Die Umfahrungsstrasse führe
danach zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Kulturlandschaft und der
Lebensräume. Diese Beurteilung sei für die ENHK vollständig und
nachvollziehbar. Für die Prüfung einer teilweisen Untertunnelung der
Südumfahrung wären keine zusätzlichen Grundlagen im Bereich von
Natur-, Landschafts- und Ortsbildschutz erforderlich. Allerdings lägen für
eine Prüfung und adäquate Beurteilung einer mit der zur Genehmigung
vorgelegten vergleichbaren Variante keine ausreichenden Projektpläne
vor. Gemäss Bericht des ANU bleibe offen, ob die genehmigte und
umstrittene Umfahrung Schmitten Süd dem in Art. 3 NHG verankerten
- 43 -
allgemeinen Schonungsgebot genüge. Ob die Prüfung und Projektierung
neuer Varianten im heutigen Verfahrensstand vorgenommen werden solle,
sei eine verfahrensrechtliche Frage, die zu beantworten nicht zu den
Aufgaben der ENHK gehöre. Ebenfalls nicht in den Aufgabenbereich der
ENHK falle die Beurteilung, ob das vorliegende Projekt in der gesamthaften
Interessenabwägung zwischen dem im kantonalen oder noch
weitergehenden Quervergleich geringen Verkehrsaufkommen, den
verkehrstechnischen Problemen des Engpasses der Ortsdurchfahrt, dem
Ortsbild, der als schwerwiegend beurteilten Zerschneidung einer bisher
nicht belasteten Landschaftskammer, den finanziellen Aufwendungen etc.
gerechtfertigt sei. Aufgrund des Sachverhalts und da weder die Vornahme
noch die Prüfung der Interessenabwägung Aufgabe der ENHK sei,
verzichte sie auf die Abgabe eines fakultativen Gutachtens.
10.2.2. In der Folge forderte das Gericht die Beschwerdegegnerin mit Schreiben
vom 1. Mai 2013 auf, neben den bereits eingelegten Planunterlagen
sämtliche vom TBA im Rahmen der Prüfung der drei alternativen
Linienführungen für eine Südumfahrung erarbeiteten und verwendeten
sachdienlichen Dokumente einzureichen. Dieser Aufforderung kam die
Beschwerdegegnerin am 16. Mai 2013 nach. Nach Gewährung des
rechtlichen Gehörs und nachdem von Seiten des Gerichtes am 23. Oktober
2013 ein Augenschein sowie am 29. November 2013 eine
Instruktionsverhandlung durchgeführt wurde, forderte das Gericht am
15. Mai 2014 die Beschwerdegegnerin auf, zu den Resultaten des
gerichtlichen Augenscheins, der Instruktionsverhandlung und der dazu und
in der Folge erarbeiteten Dokumente Stellung zu nehmen und zu
entscheiden, ob sie an ihrem Genehmigungsentscheid für die Umfahrung
Schmitten Süd festhalten wolle. Mit Schreiben vom 2. Oktober 2014 teilte
die Beschwerdegegnerin dem Gericht mit, dass für sie kein Grund bestehe,
von der ursprünglichen Beurteilung abzuweichen, weshalb sie am
Genehmigungsentscheid vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
festhalte. Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass das
- 44 -
Auflageprojekt 2010 im Vergleich mit den Varianten für eine Südumfahrung
unter Abwägung bautechnischer, wirtschaftlicher und umweltrelevanter
Gesichtspunkte insgesamt deutlich am besten abschneide und die von
Art. 15 des Strassengesetzes des Kantons Graubünden (StrG; BR
807.100) verlangten Voraussetzungen an eine kantonale
Strassenverbindung erfülle. Das Auflageprojekt sei zweckmässig und
geeignet, die mit dem Projekt verfolgten Ziele zu erreichen. Eine
lichtsignalgesteuerte Ortsdurchfahrt für Schmitten liefe den verfolgten
Zielen zuwider, weswegen eine solche Lösung als unzweckmässig
abzulehnen sei.
10.2.3. Daraufhin fragte das Gericht die ENHK am 14. Oktober 2014 erneut an, ob
sie aufgrund der weiteren, vorstehend geschilderten Abklärungen und des
Entscheids der Beschwerdegegnerin vom 2. Oktober 2014 nun eine
Begutachtung gemäss Art. 8 NHG vornehmen wolle. Am 13. November
2014 teilte die ENHK dem Gericht mit, dass sie bereit sei, das Vorhaben
und die Projektvarianten vertieft zu prüfen und in Berücksichtigung der
zusätzlichen Unterlagen ein Gutachten nach Art. 8 NHG zur umstrittenen
Strassenführung abzugeben. Nachdem die ENHK unter Mitwirkung des
TBA am 10. Juni 2015 einen Augenschein durchgeführt hatte, stellte sie
dem Gericht am 29. Februar 2016 ihr Gutachten zur umstrittenen
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd zu. In der Folge konnten sich die
Verfahrensparteien zum Gutachten der ENHK zur umstrittenen
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 äussern. Damit
wurde die fakultative Begutachtung im Sinne von Art. 8 NHG unter
Wahrung der Verfahrensrechte der Parteien ermöglicht. Gegenteiliges wird
von den Beschwerdeführern bzw. der Beschwerdegegnerin denn auch
nicht behauptet.
10.3. Nach der Rechtsprechung kommt einem Gutachten der ENHK grosses
Gewicht zu. Vom Ergebnis der Begutachtung darf nur aus triftigen Gründen
abgewichen werden, auch wenn der entscheidenden Behörde eine freie
- 45 -
Beweiswürdigung zusteht (BGE 127 II 273 E.4b, 125 II 591 E.7a). Dies trifft
namentlich auch für die dem Gutachten zugrunde liegenden tatsächlichen
Feststellungen zu (BGE 127 II 273 E.4b; Urteil des Bundesgerichtes
1A.185/2006 vom 5. März 2007 E.6.1). Diese Grundsätze gelten sowohl für
die gestützt auf Art. 7 NHG erforderliche Begutachtung durch die ENHK als
auch für die fakultative Begutachtung gemäss Art. 8 NHG. Bei der Erfüllung
ihrer Aufgaben ist der ENHK ein gewisses Ermessen zuzuerkennen. So
darf sie sich auf das für den Entscheid Wesentliche beschränken. Sie soll
namentlich darlegen, ob das Ausmass und das Gewicht der
Beeinträchtigung minimiert werden könnten, wobei sie für den Fall der
Realisierung, soweit nötig, Auflagen vorschlagen kann (BGE 136 II 214
E.5, 127 II 273 E.4b).
11.1. Für die Beurteilung des Auflageprojekts 2010 sowie der alternativen
Linienführungen hat die ENHK in ihrem Gutachten vom 29. Februar 2016
folgende Schutzziele formuliert:
- "Erhaltung der offenen, reich strukturierten Terrassenlandschaft bei Schmitten mit der durch die historischen Verkehrswerge, die Böschungen der ehemaligen Ackerterrassen sowie die Hecken und Lesesteinhaufen ablesbaren Nutzungsgeschichte.
- Erhaltung der nach NHG bzw. nach NHV geschützten und/oder schützenswerten Lebensräume mit ihren ökologischen Voraussetzungen, insbesondere für seltene Pflanzen- und Tierarten.
- Erhaltung der ausgedehnten artenreichen Fromentalwiesen. - Erhaltung der im Gebiet vorkommenden geschützten und schützenswerten Tier- und
Pflanzenarten. - Erhaltung des grossflächigen Lebensraumverbundes und der ökologischen
Vernetzung in der Landschaft. - Freihaltung des Kirchhügels und des sich darum ausdehnenden Wieslandes
(Umgebungszonen U-Zo I und U-Zo IV). - Erhaltung der für die Struktur und den Charakter des Ortsbildes wichtigen
historischen Bausubstanz. - Erhaltung der Naherholungslandschaft mit ihrer Ruhe."
Unter Beachtung dieser Schutzziele hält die ENHK zunächst dafür, dass im
konkreten Fall insbesondere die offene und zusammenhängende,
ökologisch wertvolle Terrassenlandschaft mit dem Verbund von
grossflächigen Fromentalwiesen, Trockenwiesen und kleineren
geschützten und schützenswerten Lebensräumen und Strukturen wie
Hecken, Gebüsche und Lesesteinhaufen von Bedeutung sei.
- 46 -
Hinsichtlich des Auflageprojekts 2010 führt die ENHK aus, dass die
Querprofile des Strassenprojekts grosse bis sehr grosse Geländeeingriffe
auf praktisch dem ganzen Trassee zeigten. Verschiedene bestehende
Landschaftsstrukturen wie Terrassierungen würden zerstört. Die
durchgehende lineare Infrastruktur der Strasse zerschneide sowohl
landschaftlich wie ökologisch die heute weitgehend intakte
Kulturlandschaft. Die landschaftliche Zerschneidung sei besonders stark
aus dem Projektgebiet selber sichtbar, wo die Strasse dominant und
landschaftsprägend sei. Auch aus der Ferne werde das Strassenprojekt als
lineare Infrastruktur das Landschaftsbild zerschneiden. Sowohl als
Bauwerk als auch wegen der zu erwartenden Lärmimmissionen führe die
Strasse ebenfalls zu einer Entwertung der Terrasse als
Naherholungsgebiet. Auch das Ortsbild werde durch das Auflageprojekt
2010 beeinträchtigt. Es durchquere die Umgebungsrichtung III und die
Umgebung IV, welche beide zur Wahrung der Qualität des Ortsbildes und
insbesondere dessen Einbettung in die Kulturlandschaft freigehalten
werden sollten. Sowohl von Süden als auch im Nahbereich entlang der
geplanten Strasse und auch aus der Ferne werde das Ortsbild durch die
Strasseninfrastruktur beeinträchtigt. Ortsbildprägende oder historisch
wertvolle Bauten seien aber nicht betroffen. Der Lebensraumverbund
würde durch die Zerstörung grosser Flächen an Fromentalwiesen stark
geschwächt. Für zahlreiche Kleintiere stelle die Strasse ein
unüberwindbares Hindernis dar. Besonders schwer wiege die Zerstörung
von schützenswerter Vegetation im Bereich der Trockenwiesen von
regionaler und nationaler Bedeutung sowie der betroffenen
Kleinlebensräume wie Hecken, Sträucher und Lesesteinhaufen. Im UVB
2010 werde der Verlust von 14'900 m2 schützenswerter Vegetation
ausgewiesen. 60 % davon beträfen inventarisierte Trockenstandorte von
nationaler und regionaler Bedeutung, 30 % beträfen ebenfalls
Trockenstandorte, die erst im Rahmen des UVB als solche erkannt worden
seien und 10 % Hecken und Lesesteinhaufen. Das Auflageprojekt 2010
stehe im Widerspruch zu den Schutzzielen der offenen und
- 47 -
zusammenhängenden Terrassenlandschaft und der nach NHG bzw. nach
NHV geschützten und/oder schützenswerten Lebensräume, den
ausgedehnten, artenreichen Fromentalwiesen, des grossflächigen
Lebensraumverbundes, der ökologischen Vernetzung, der Einbettung des
Dorfes Schmitten in die Kulturlandschaft sowie der
Naherholungslandschaft mit ihrer Geräuschkulisse. Auch das ANU sei im
Bericht vom 28. Juni 2011 gestützt auf den UVB 2010 zu Recht zum
Schluss gekommen, dass die Umfahrungsstrasse im Widerspruch zu den
grundlegenden Zielen des Landschaftsschutzes stehe.
In Bezug auf die weiteren Varianten für eine Südumfahrung kommt die
ENHK gestützt auf ihre eigenen Feststellungen sowie auf die Resultate des
Zusatzberichtes zum UVB 2010 vom März 2014 zum Ergebnis, dass
sowohl die Variante Dezember 2010 (Variante 1) als auch die Variante
August 2011 (Variante 2) sowie auch die Tunnelvariante Dezember 2011
(Variante 3) in gesamthafter Beurteilung, wie auch das Auflageprojekt
2010, eine schwerwiegende Beeinträchtigung im Sinne der formulierten
Schutzziele darstellten. Alle drei Varianten für die Südumfahrung und das
Auflageprojekt würden bezüglich der Schutzziele gewisse Vor- und
Nachteile aufweisen. In der Summe führten aber all diese Varianten zu
einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Landschaft und der
Lebensräume im Sinne der Schutzziele.
Bezüglich der Variante Ortsdurchfahrt mit Verkehrsmanagement führt die
ENHK aus, dass diese Variante gemäss Zusatzbericht zum UVB 2010 vom
März 2014 besser abschneide als die geprüften Südumfahrungen. Auch
bezüglich der formulierten Schutzziele sei diese Variante mit Abstand die
schonendste. Zwar müsse bei einer Realisierung mit baulichen
Auswirkungen im wertvolleren Baugebiet 0.3 und im geringer eingestuften
Baugebiet 1 gerechnet werden. Die ENHK gehe aber davon aus, dass
diese Eingriffe so geplant und ausgestaltet werden könnten, dass keine
ortsbildprägenden und historisch wertvollen Bauten in ihrer Substanz
beeinträchtigt würden. Alle anderen formulierten Schutzziele würden durch
diese Variante nicht oder nur geringfügig beeinträchtigt. Die am
- 48 -
Augenschein von den Vertretern des Kantons vorgetragenen Vorbehalte
bezüglich dieser Variante seien aus Sicht der ENHK nicht überzeugend und
die ENHK empfehle eine vertiefte Prüfung moderner
Verkehrsführungstechnologien durch ausgewiesene und unabhängige
Fachpersonen.
Hinsichtlich der Nordumfahrung führt die ENHK sodann noch aus, dass
diese auf einer grossen Strecke durch einen Tunnel führe und auch diese
Variante mit störenden Landschaftseingriffen und Terrainveränderungen
für die Portale, die Einschnitte und die Anschlüsse verbunden sei. Diese
seien aber von geringerer Tragweite als bei der Südumfahrung, da sie in
einem deutlich weniger empfindlichen Landschaftsausschnitt erfolgten.
Zudem würden auch deutlich weniger geschützte oder schützenswerte
Lebensräume tangiert. Da keine Plangrundlagen vorlägen, könne
diesbezüglich keine abschliessende Beurteilung vorgenommen werden.
Bezüglich der Schutzziele sei diese Variante aber deutlich positiv zu
beurteilen. Mit dieser Variante könne erreicht werden, dass die
zusammenhängende und wertvolle Kulturlandschaft südlich von Schmitten
mit ihren Lebensräumen langfristig erhalten bleibe.
Zusammenfassend beurteilt die ENHK sowohl das Auflageprojekt 2010 als
auch alle zur Diskussion stehenden Varianten einer Umfahrungsstrasse
südlich von Schmitten als schwere Beeinträchtigung der Lebensräume und
der Kulturlandschaft im Sinne der formulierten Schutzziele. Dabei erachtet
die ENHK die festgestellte massive Beeinträchtigung durch die ökologische
und landschaftliche Zerschneidung der Terrasse südlich von Schmitten und
ihre Entwertung als Erholungsraum angesichts der im UVB aufgeführte
Verkehrszahlen von durchschnittlich 1‘500 Motorfahrzeugen pro Tag als
absolut unverhältnismässig. Vor diesem Hintergrund sowie im Sinne des in
Art. 3 NHG formulierten allgemeinen Gebots zur ungeschmälerten
Erhaltung des heimatlichen Landschafts- und Ortsbildes und des in Art. 18
NHG verankerten Schutzes von Lebensräumen, Pflanzen- und Tierarten,
beantragt die ENHK, auf den Bau einer der im Gutachten besprochenen
Variante für eine Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten zu verzichten.
- 49 -
Die Beschwerden sollten deshalb gutgeheissen und die Genehmigung des
Bauvorhabens sowie die Rodungsbewilligung aufgehoben werden. Die
ENHK empfiehlt zur bestmöglichen Schonung gemäss Art. 3 NHG, die
Verkehrsprobleme von Schmitten unter Einbezug minimaler baulicher
Massnahmen und unter Schonung der ortsbildrelevanten Bauten mit
verkehrslenkenden Massnahmen auf dem bestehenden Strassentrassee
zu lösen, unter Einbezug neuster verkehrstechnischer Technologien und
Möglichkeiten (differenzierte Verkehrsregelung). In zweiter Priorität
empfiehlt die ENHK die Weiterführung der Planung einer Tunnelvariante
Nord.
11.2. Während sich die Beschwerdeführer durch das Gutachten der ENHK zur
umstrittenen Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 in
ihrer Auffassung bestärkt fühlen, erachtet die Beschwerdegegnerin dieses
als nicht gänzlich überzeugend. Zur Begründung bringt sie vor, dass ein
minimaler Innerortsausbau mit Lichtsignalanlage weder für die Schmittner
Bevölkerung noch für die Verkehrsteilnehmenden befriedigend sei,
weshalb sie gegen eine solche Variante sei, auch wenn sie funktionierte.
Dies zumal die Variante Innerortsausbau auch aus verkehrstechnischer
Sicht ungenügend sei und eine Gefahrenstelle darstelle. Die Strasse sei
deshalb den heutigen Anforderungen anzupassen, was mit dem von der
ENHK empfohlenen Strassenausbau nicht oder nur ungenügend
bewerkstelligt werden könne. Verkehrstechnisch und wirtschaftlich
nachhaltig sei nur die offene Südumfahrung. Mit der Nordumfahrung habe
sich die Beschwerdegegnerin ausführlich auseinandergesetzt. Die 1994
überarbeitete Variante des Projekts 1982 sei, da zu teuer, nicht in das
Strassenbauprogramm aufgenommen und entsprechend auch nicht
aufgelegt worden. Aus heutiger Sicht müsste die Nordumfahrung deutlich
grossräumiger projektiert werden, um den angestrebten Nutzen einer
Umfahrung zu erzielen. Bei der überarbeiteten Variante 1982 würden sich
die beiden Portale heute im Dorfbereich befinden und die angrenzenden
Wohnhäuser würden trotz Schutzmassnahmen von den dortigen
- 50 -
Lärmemissionen stark betroffen. Somit wäre nur ein Teil der Bevölkerung
Nutzniesser der damaligen Variante. Eine Nordumfahrung mit
entsprechend verlängertem Tunnel, welcher den heutigen
Sicherheitsanforderungen genügte, kostete mindestens Fr. 60'000'000.--,
sehr viel im Vergleich zu den Fr. 17'000'000.-- für das Auflageprojekt. Im
Bau und Betrieb kostete die Nordvariante ca. Faktor 8 mehr als das
Auflageprojekt. Die Beschwerdegegnerin habe bereits 1994 beschlossen,
dass die Nordumfahrung mit Tunnel in absehbarer Zeit nicht finanzierbar
und somit unverhältnismässig sei. Daran habe sich nichts geändert. Der
Bau einer Nordumfahrung sei gestützt auf die strategischen Zielsetzungen
beim Strassenbau und in Anbetracht des gesamten kantonalen
Finanzbedarfs in absehbarer Zeit nicht finanzierbar und somit
unverhältnismässig. Der diesbezüglichen Empfehlung der ENHK könne
deshalb aus Sicht der Beschwerdegegnerin nicht beigepflichtet werden.
Bezüglich des Auflageprojekts 2010 weist die Beschwerdegegnerin
zunächst darauf hin, dass dieses mit verhältnismässig wenigen
Kunstbauten und moderaten Geländeeingriffen auskomme. Beim
Anschluss West sei eine ca. 40 m lange Differenzmauer vorgesehen. Auf
der Messmerhalde sei talseitig eine ca. 32 m lange Stützmauer erforderlich.
Ebenfalls dort sei bergseitig eine etwa gleich lange bepflanzte
Stützkonstruktion mit Lärmschutzwand vorgesehen. Eine bepflanzte
Stützkonstruktion von ca. 160 m Länge sei auch beim Osterhubel
erforderlich. Bepflanzte Stützkonstruktionen integrierten sich
erfahrungsgemäss gut in die Umgebung. Bei Projektbeginn könne eine
bestehende Betonmauer sogar ersatzlos abgebrochen werden. Vom Profil
720.000 bis Projektende, mithin auf einer Strecke von über 1'500 m,
komme das Projekt ohne weitere Kunstbauten aus. Aufgrund der Auflage,
dass ein LBP vom TBA zu erarbeiten und umzusetzen sei, müssten die
Kunstbauten in die topographische Situation eingebunden sowie qualitativ
hochstehend und naturnah gestaltet werden. Das sorgfältige Ausbilden der
Böschungen mit landschaftlichen Gestaltungselementen, wie sie in der
unmittelbaren Wirkung anzutreffen seien, trage aufgrund der Erfahrungen
- 51 -
bei anderen Projekten dazu bei, dass sich die neue Strassenanlage
möglichst gut in die Landschaft einfüge. Das Mass der Beeinträchtigung
könne folglich nicht undifferenziert als schwerwiegend beurteilt werden.
Betreffend Beeinträchtigung des Ortsbildes lege der UVB nachvollziehbar
dar, dass die einzige wahrnehmbare Beeinträchtigung durch die
Umfahrungsstrasse beim Anblick von Westen zu erwarten sei. Die
Dorfansicht von Süden und Osten werde durch die Strasse hingegen nicht
wesentlich beeinflusst. Der Kirchhügel sei zudem heute schon überbaut
und das Gebiet sei im fraglichen Bereich bereits heute von einer
Elektrizitätsfreileitung und von Güterwegen beschnitten. Von der
Realisierung der Umfahrungsstrasse sei zudem eine positive Auswirkung
auf das innere Erscheinungsbild des Dorfes zu erwarten. In Bezug auf das
Ortsbild könne nicht von einem schwerwiegenden Eingriff gesprochen
werden, was die ENHK auch nicht behauptet habe. Die ENHK mache auf
den im UVB erwähnten Verlust von 14'900 m2 schützenswerter Vegetation
aufmerksam, 60 % davon inventarisierte Trockenstandorte von nationaler
und regionaler Bedeutung. Beim grossen Teil dieser 60 % handle es sich
aber nicht um Trockenwiesen von nationaler Bedeutung. Als
Trockenstandort von nationaler Bedeutung werde nur das 1.1 ha grosse
Objekt Nr. 8480 Schmitten marginal tangiert. Der überwiegende Teil der
betroffenen Trockenstandorte sei von regionaler Bedeutung. Für die
Beanspruchung von Trockenstandorten sei vorgesehen, bis Bauende im
Rahmen eines Vorranggebietes Realersatz zu schaffen.
12.1. Nachstehend ist somit zu prüfen, ob im konkreten Fall triftige Gründe
vorliegen, um vom Gutachten der ENHK vom 29. Februar 2016
abzuweichen. Dabei gilt es − wie vorstehend dargelegt (vgl. E.10.3) − zu
berücksichtigen, dass einem Gutachten der ENHK grosses Gewicht
zukommt und vom Ergebnis der Begutachtung nur aus triftigen Gründen
abgewichen werden darf, auch wenn der entscheidenden Behörde − wie
hier − eine freie Beweiswürdigung zusteht. Dementsprechend können die
Folgerungen und die Begründetheit des daraus resultierenden Antrags der
- 52 -
ENHK auf Gutheissung der Beschwerden und Aufhebung des
angefochtenen Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am
26. Oktober 2011, sowie der angefochtenen Rodungsbewilligung vom 18.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011, grundsätzlich nur im beschränkten
Rahmen gemäss den vorstehenden Ausführungen zur Bedeutung eines
ENHK-Gutachtens geprüft werden.
12.2. In Bezug auf die Nordumfahrung Schmitten gilt es dabei zunächst
festzuhalten, dass diese Variante von der Beschwerdegegnerin sowohl mit
Planungsstand 1994 als auch mit entsprechend verlängertem Tunnel im
Auswahlverfahren mangels Finanzierbarkeit bzw. infolge
Unverhältnismässigkeit der Variante ausgeschlossen wurde.
Entsprechende Pläne dieser Variante finden sich denn auch nicht bei den
Akten. Wie gesehen hat die Plangenehmigungsbehörde bei ihrem
Entscheid zwar eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen und
dabei zu entscheiden, welcher der möglichen Varianten der Vorzug zu
gewähren ist. Dabei darf sie aber Varianten, die mit erheblichen Nachteilen
belastet sind, schon nach einer ersten summarischen Prüfung aus dem
Auswahlverfahren ausschliessen (vgl. vorstehend E.7.4). Dies hat die
Beschwerdegegnerin in Bezug auf die fragliche Nordvariante getan, was −
wie nachstehend dargestellt − nicht zu beanstanden ist. Einerseits würden
sich nämlich bei der Variante Nordumfahrung mit Planungsstand 1994 die
beiden Portale im Dorfbereich befinden und die angrenzenden
Wohnhäuser würden trotz Schutzmassnahmen von den dortigen
Lärmimmissionen stark betroffen. Mithin wäre nur ein Teil der Bevölkerung
Nutzniesser dieser Variante. Im erläuternden Bericht zur
Richtplananpassung des Amtes für Raumentwicklung (ARE) Graubünden
vom 20. Oktober 2010 wird zur Tunnelvariante Nord mit Planungsstand
1994 denn auch ausgeführt, dass diese Variante das Dorf zwar erheblich
vom Durchgangsverkehr entlaste und dass sich die Wohnqualität
verbessere. Die Nordumfahrung schone das Orts- und Landschaftsbild,
beeinträchtige aber im Osten und Westen die Wohnqualität durch
- 53 -
Lärmimmissionen. Anderseits − und dies ist entscheidend − wäre die
Nordvariante mit Planungsstand 1994 in der Erstellung mit Fr. 40'000'000.-
- rund zweieinhalb Mal so teuer wie das Auflageprojekt 2010 mit
Fr. 17'000'000.-- (gemäss Kostenvoranschlag vom November 2010 [vgl.
Bg-act. 2 Beilage 3]). Zudem müsste der Tunnel mit Planungsstand 1994
− um die Entlastungswirkung der Nordumfahrung auf einen vergleichbaren
Stand wie jene der Südumfahrung zu bringen − auch erheblich verlängert
werden, was die Kosten für eine Nordumfahrung gemäss erläuterndem
Bericht zur Richtplananpassung des ARE Graubünden vom 20. Oktober
2010 nochmals deutlich auf über Fr. 60'000'000.-- vergrössern würde (vgl.
Bg-act. 2 Beilage 16 S. 11). Überdies verursachte die Nordvariante auch
erheblich höhere Unterhaltskosten als das Auflageprojekt 2010 (gemäss
unbelegten Ausführungen der Beschwerdegegnerin in deren
Stellungnahme vom 19. April 2016 betrügen die jährlich zu erwartenden
Kosten für den baulichen und betrieblichen Unterhalt dieser Variante
achtmal mehr als beim Auflageprojekt 2010). Diese höheren
Unterhaltskosten sind bei der Interessenabwägung der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge genauso zu berücksichtigen
wie die Investitionskosten; wie das Bundesgericht zu Recht ausführt,
erscheint es aus betriebswirtschaftlicher Sicht nämlich geboten, möglichst
alle während der Lebensdauer der Anlage anfallenden Kosten zu
berücksichtigen (BGE 137 II 266 E.4.3). Wenn die Beschwerdegegnerin
vor diesem Hintergrund zum Schluss gekommen ist, dass sowohl die
Nordvariante mit Planungsstand 1994 als auch jene mit verlängertem
Tunnel und entsprechend (noch) höheren Investitions- und
Unterhaltskosten gestützt auf die strategischen Zielsetzungen beim
Strassenbau und in Anbetracht des gesamten kantonalen Finanzbedarfs in
absehbarer Zeit nicht finanzierbar und somit unverhältnismässig ist und
entsprechend die Nordvariante aus dem Auswahlverfahren
ausgeschlossen hat, ist dies nachvollziehbar und nicht zu beanstanden.
Dies zumal Art. 15 Abs. 1 StrG neben der Berücksichtigung
umweltschutzrechtlicher Anliegen auch den haushälterischen Umgang mit
- 54 -
Staatsmitteln (wirtschaftliche Projektierung und Erstellung von
Kantonsstrassen) verlangt. Mithin handelt es sich bei den massiv höheren
Investitions- und Unterhaltskosten um einen erheblichen Nachteil, welcher
den Ausschluss der Nordvarianten aus dem Auswahlverfahren ohne
Weiteres zu rechtfertigen vermag. Dementsprechend steht aber die
Nordumfahrung im vorliegenden Verfahren nicht mehr zur Beurteilung,
zumal die Beschwerdegegnerin im November 2010 auch den kantonalen
Richtplan angepasst und dabei anstelle der bisher als Zwischenergebnis
festgelegten Nordumfahrung (basierend auf dem Auflageprojekt aus dem
Jahr 1982) die nun geplante Südumfahrung festgelegt hat. Selbst wenn die
Nordumfahrung im vorliegenden Verfahrensstadium aber − entgegen der
Auffassung des streitberufenen Gerichtes − noch zur Beurteilung stünde,
gölte es doch zu Berücksichtigen, dass die ENHK in ihrer Beurteilung die
Tatsache vollkommen unberücksichtigt gelassen hat, dass die
Nordvariante mit entsprechend verlängertem Tunnel Investitionskosten von
über Fr. 60'000'000.-- mit sich brächte, um die Entlastungswirkung der
Nordumfahrung auf einen vergleichbaren Stand wie jene der
Südumfahrung zu bringen. Dies ist rund dreieinhalb Mal mehr als das
Auflageprojekt 2010 gemäss Kostenvoranschlag vom November 2010 (Bg-
act. 2 Beilage 3) kosten würde. Vor diesem Hintergrund und weil auch die
Unterhaltskosten dieser Variante, verglichen mit dem Auflageprojekt 2010,
deutlich höher wären, erweist sich der diesbezügliche Antrag der ENHK, in
zweiter Priorität die Planung einer Tunnelvariante Nord weiterzuführen,
zwar in natur- und landschaftsschutzrechtlicher Hinsicht als
nachvollziehbar; die mit dem Projekt verfolgten Ziele, mithin die Befreiung
des Dorfes Schmitten vom Durchgangsverkehr und die Verbesserung der
Bedingungen des Langsamverkehrs, dürften damit aber kaum erreicht
werden, ist es aufgrund der dargestellten Kostenfolgen doch kaum
denkbar, dass die Beschwerdegegnerin die Planung einer Tunnelvariante
Nord tatsächlich weiterführen würde, sofern die Realisierung des
Auflageprojekts 2010 nicht möglich sein sollte. Viel wahrscheinlicher wäre
wohl, dass in diesem Fall auf den Bau einer Umfahrungsstrasse in
- 55 -
Schmitten gänzlich verzichtet würde. Wie gesehen ist das streitberufene
Gericht aber ohnehin der Auffassung, dass sowohl die Nordvariante mit
Planungsstand 1994 als auch jene mit verlängertem Tunnel und
entsprechend (noch) höheren Investitions- und Unterhaltskosten von der
Beschwerdegegnerin im Auswahlverfahren aufgrund der massiv höheren
Investitions- und Unterhaltskosten zu Recht ausgeschlossen wurden und
dass die Nordumfahrung dementsprechend im vorliegenden Verfahren
nicht mehr zur Beurteilung steht. Folglich erübrigt sich auch die Erarbeitung
eines Vorprojekts bzw. einer Studie für eine Nordumfahrung auf der Basis
aktualisierter Verfahrensplangrundsätze mit Schätzung der Bau- und
Betriebskosten auf aktueller Kostenbasis durch das TBA, wie dies die
Beschwerdeführer mit Stellungnahme vom 31. Mai 2016 (vgl. Rz. 9)
beantragt haben. Der entsprechende Antrag der Beschwerdeführer ist
somit abzuweisen.
12.3. Ihren primären Antrag, wonach auf den Bau einer Umfahrungsstrasse
südlich von Schmitten zu verzichten sei und die Verkehrsprobleme
stattdessen mit verkehrslenkenden Massnahmen auf dem bestehenden
Strassentrasse zu lösen seien, begründet die ENHK einerseits mit der
Feststellung, dass alle Varianten einer Südumfahrung eine schwere
Beeinträchtigung der Lebensräume und der Kulturlandschaft im Sinne der
formulierten Schutzziele mit sich brächten (vgl. hierzu nachstehend E.12.4)
und anderseits die festgestellte massive Beeinträchtigung durch die
Zerschneidung der Terrasse südlich von Schmitten und ihre Entwertung als
Erholungsraum angesichts der durchschnittlich 1'500 Motorfahrzeugen pro
Tag absolut unverhältnismässig sei (vgl. hierzu nachstehend E.12.5).
12.4. Bezüglich der von der ENHK festgestellten schweren Beeinträchtigung der
Lebensräume und der Kulturlandschaft gilt es zunächst festzuhalten, dass
grundsätzlich auch das streitberufene Gericht − unter Berücksichtigung der
nachstehenden Ausführungen − der Auffassung ist, dass sowohl das
Auflageprojekt 2010 als auch die weiteren geprüften Varianten einer
- 56 -
Südumfahrung in Bezug auf die im Vordergrund stehenden Kriterien
Landschaft und Lebensräume eine erhebliche Beeinträchtigung bilden.
12.4.1. Das Auflageprojekt 2010 zerschneidet eine weitgehend intakte und
vielfältige Kulturlandschaft und ist lokal mit erheblichen Eingriffen ins
Gelände verbunden. Auch wenn sich die Umfahrungsstrasse mit der
gewählten Linienführung und einer entsprechenden Gestaltung der
Böschungen streckenweise in die Landschaft einfügt und mit
verhältnismässig wenig Kunstbauten auskommt, beeinträchtigt sie doch
das Landschaftsbild und die Erlebnisqualität der Landschaft sowie die
Erholungsqualität. Die Umfahrungsstrasse schmälert in Teilgebieten auch
die Sicht auf das Ortsbild sowie die Wohnqualität in direkt betroffenen
Gebieten. Demgegenüber verbessert sich durch das Auflageprojekt 2010
die Wohnqualität im Dorf, insbesondere bei Gebäuden entlang der
heutigen Hauptstrasse. Die Ansicht des Dorfes wird insbesondere beim
Anblick von Westen durch die Umfahrungsstrasse beeinträchtigt, indem
der bisher offene Blick von der Strasse auf den Kirchhügel künftig durch
die am Fusse des Kirchhügels verlaufende Strasse mitgeprägt wird,
während die Ansicht des Dorfes durch die Umfahrungsstrasse beim Anblick
von Süden und Osten nicht wesentlich beeinflusst wird. Dabei gilt es aber
zu berücksichtigen, dass der Kirchhügel am westlichen Hang bereits heute
mit Chalets und Einfamilienhäuser überbaut ist, was dessen
Schutzwürdigkeit erheblich relativiert. Zudem ist das Gebiet im fraglichen
Bereich bereits heute mit einer Elektrizitätsfreileitung und Güterwegen in
seiner Unversehrtheit beschnitten und vorbelastet. Auf der
gegenüberliegenden Talseite liegen sodann keine Dörfer, von denen aus
die Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten als störend empfunden
werden könnte und auch aus Sicht der RhB-Linie tritt die
Umfahrungsstrasse nicht als störend in Erscheinung (vgl. zu alldem
ausführlich E.14.3). Unter Berücksichtigung dieser Ausführungen vermag
sich das Gericht aber insgesamt der Auffassung, wonach die betroffene
Landschaft von der geplanten Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten
- 57 -
(Auflageprojekt 2010) erheblich beeinträchtigt wird, grundsätzlich doch
anzuschliessen. Diese Schlussfolgerung gilt auch in Bezug auf die drei
weiteren Varianten einer Südumfahrung. Wie die ENHK in ihrem Gutachten
vom 29. Februar 2016 nämlich nachvollziehbar und schlüssig darlegt,
weisen alle drei Varianten für die Südumfahrung − wie auch das
Auflageprojekt 2010 − bezüglich der Schutzziele gewisse Vor- und
Nachteile auf. In der Summe führen jedoch all diese Varianten zu einer
schwerwiegenden Beeinträchtigung der Landschaft und der Lebensräume
im Sinne der Schutzziele (vgl. Gutachten der ENHK zur umstrittenen
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 S. 11 - 13).
Dieser Auffassung der ENHK ist − unter Vorbehalt der vorstehenden
Ausführungen − beizupflichten.
12.4.2. Bezüglich des Kriteriums Lebensräume gilt es sodann zu beachten, dass
der Bau der Umfahrungsstrasse Schmitten Süd die Belegung von
ca. 1.5 ha schützenswerter Lebensräume zur Folge hat, davon ca. 60 % in
Form von Trockenwiesen, 30 % in Form von trockenen Fettwiesen und
10 % in Form von Gebüschen und Lesesteinhaufen. Die
Umfahrungsstrasse (Auflageprojekt 2010) wird unbestrittenermassen eine
Störung der ökologischen Vernetzung zur Folge haben und die
Auswirkungen der Anlage führen in ihrer Gesamtheit zu einer starken
Beeinträchtigung ökologisch intakter Landschaftsräume. Auch die
Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Genehmigungsbeschluss vom
25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, erkannt, dass das Auflageprojekt
einen schwerwiegenden Eingriff in ökologisch intakte Lebens- und
Landschaftsräume bedeutet und dass sich die Auswirkungen auf die
Umwelt mit den im Auflageprojekt vorgesehenen Massnahmen nicht
hinreichend kompensieren lassen. Gestützt auf diese Erkenntnis hat die
Beschwerdegegnerin aufgezeigt, wie die grösstmögliche Schonung mit
zusätzlichen Massnahmen, insbesondere mit den vom ANU in dessen
Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 zusätzlich vorgeschlagenen
Ersatzmassnahmen für die Vernetzung der Lebensräume, erreicht werden
- 58 -
kann. Durch Akzept dieser vom ANU beantragten Auflagen hat sich die
Beschwerdegegnerin verpflichtet, für die unstrittig bestehenden Eingriffe
bestmögliche Schutz-, Wiederherstellung- oder ansonsten angemessene
Ersatzmassnahmen zu leisten. Bei der weiteren Projektierung und der
Realisierung des Auflageprojekts 2010 stellen zudem die UBB sowie der
LBP sicher, dass die Anforderungen an die Nachhaltigkeit erfüllt und die
Schonung der Umwelt bestmöglich gewährleistet wird. Es kann somit
bezüglich des Kriteriums Lebensräume festgehalten werden, dass die
Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten zwar unbestrittenermassen eine
erhebliche Beeinträchtigung der Lebensräume darstellt; mit den vom ANU
in dessen Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 zusätzlich
vorgeschlagenen Ersatzmassnahmen für die Vernetzung der
Lebensräume, welche von der Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
übernommen wurden, wird gleichzeitig aber mittels Schutz-,
Wiederherstellungs- oder angemessenen Ersatzmassnahmen die
grösstmögliche Schonung sichergestellt (vgl. zu alldem ausführlich E.14.3).
12.4.3. Die vorstehenden Ausführungen bezüglich der Kriterien Landschaft und
Lebensräume mögen die Feststellung der ENHK, wonach sowohl das
Auflageprojekt 2010 als auch die Varianten für eine Umfahrungsstrasse
südlich von Schmitten eine schwere Beeinträchtigung der Lebensräume
und der Kulturlandschaft im Sinne der formulierten Schutzziele mit sich
bringen, nicht zu entkräften, sondern höchstens ein wenig zu relativieren.
Es bleibt aber grundsätzlich auch aus Sicht des streitberufenen Gerichtes
dabei, dass das Auflageprojekt 2010 und auch alle Varianten für eine
Südumfahrung sowohl die Landschaft als auch die Lebensräume erheblich
negativ beeinträchtigen.
12.5. Als zweite Begründung ihrer Anträge macht die ENHK geltend, dass die
festgestellte massive Beeinträchtigung durch die Zerschneidung der
Terrasse südlich von Schmitten und ihre Entwertung als Erholungsraum
- 59 -
angesichts der durchschnittlich 1'500 Motorfahrzeugen pro Tag (inklusive
5 % Schwerverkehr und 10 % Motorräder) absolut unverhältnismässig sei.
Diese Feststellung begründet die ENHK in ihrem Gutachten vom
29. Februar 2016 mit keinem Wort. Vielmehr hat sie im erwähnten
Gutachten lediglich untersucht, ob die zur Realisierung des Auflageprojekts
notwendigen Eingriffe schwerwiegend sind oder nicht und ist dabei − wie
gesehen − zum Schluss gekommen, dass dem so sei. Dieser Auffassung
hat sich − unter gewissen Relativierungen − auch das streitberufene
Gericht angeschlossen (vgl. vorstehend E.12.4.1 - 12.4.3). Unter diesen
Umständen muss es aber zulässig sein, die Frage der Verhältnismässigkeit
des Eingriffs in freier Beweiswürdigung zu beurteilen. Bei dieser
Beurteilung gilt es zu berücksichtigen, dass die H417b Landwasserstrasse,
welche Tiefencastel mit Davos verbindet, Bestandteil des schweizerischen
Hauptstrassennetzes ist. Der Durchgangsverkehr führt durch das Dorf
Schmitten, wo die engen Platzverhältnisse zuweilen dazu führen, dass
Balkone herunter gerissen und Gebäude beschädigt werden. Ein Kreuzen
zweier Fahrzeuge ist nicht überall möglich. Aufgrund dieser engen
Platzverhältnisse entstehen regelmässig Staus im Dorf. Dabei sind die
Fussgänger als schwächste Verkehrsteilnehmer dem Verkehr ohne Trottoir
ungeschützt ausgesetzt. Dass diese Situation für Anwohner gefährlich und
mit Problemen behaftet ist, liegt auf der Hand. Seit Jahren empfindet die
Schmittner Bevölkerung den Durchgangsverkehr denn auch als enorme
Belastung und fordert deshalb eine Umfahrung (vgl. die bei den Akten
liegende "Petition Offene Umfahrung Süd, Schmitten" [Bg-act. 3 Beilage
1]). Die Realisierung wurde indes verschiedentlich hinausgeschoben. Der
durchschnittliche Verkehr (DTV) betrug in Schmitten im Jahr 2010 ca. 1'500
Motorfahrzeuge, wovon ca. 5 % Schwerverkehr und fast 10 % Motorräder
waren. Trendmässig dürfte sich dieses Verkehrsaufkommen bis heute
noch leicht erhöht haben und wird sich auch künftig noch weiter erhöhen
(wenn auch minim; vgl. hierzu UVB vom November 2010 S. 15 ff. Ziff. 5).
Vor diesem Hintergrund ist das streitberufene Gericht − im Gegensatz zur
ENHK − der Auffassung, dass die Verhältnismässigkeit bei der
- 60 -
Realisierung des Auflageprojekts 2010 auf jeden Fall gewahrt ist. Der
Innerortsausbau ist zwar gemäss dem Fachgutachten Ortsdurchfahrt
Schmitten − Engpasssteuerung vom 27. Juni 2017 einschliesslich dessen
Ergänzung vom 12. Oktober 2017 technisch möglich, führt aber − wie
nachstehend dargestellt (vgl. E.13.3) − zu keinem befriedigenden und
verkehrstechnisch nachhaltigen Ergebnis, weil er an den von der
Bevölkerung und dem Durchgangsverkehr heute hinzunehmenden
Beeinträchtigungen (Lärm, Erschütterungen, Gefahren für Leib und Leben,
Beschädigungen von Infrastrukturen und Gebäuden) praktisch nichts
ändert. Es stehen hier eben seitens der Bevölkerung und des
Durchgangsverkehrs unter anderem hochwertige Güter wie Gesundheit
oder Leib und Leben der Anwohner zur Diskussion. Insoweit ist das
Abstellen der ENHK auf die Unverhältnismässigkeit der mit der
Realisierung des Auflageprojekts 2010 verbundenen Schwere der
Beeinträchtigung als schon fast zynisch zu bezeichnen. Zumindest liegen
aber nach Auffassung des Gerichtes triftige Gründe vor, um diesbezüglich
von der Beurteilung der ENHK, wonach die massive Beeinträchtigung
durch die Zerschneidung der Terrasse südlich von Schmitten und ihre
Entwertung als Erholungsraum angesichts der durchschnittlich 1'500
Motorfahrzeugen pro Tag absolut unverhältnismässig ist, abweichen zu
dürfen.
12.6. Nach dem vorstehend Gesagten bestehen aus Sicht des Gerichtes triftige
Gründe, welche im Sinne der dargelegten Rechtsprechung erlauben, vom
Gutachten der ENHK zur umstrittenen Umfahrungsstrasse Schmitten Süd
vom 29. Februar 2016 sowie den darin enthaltenen Empfehlungen und
Anträgen abzuweichen und unter Abwägung aller erheblichen in Frage
stehenden Interessen für und gegen das Auflageprojekt 2010 eine
Interessenabwägung vorzunehmen.
13.1. Bevor im Folgenden zu prüfen ist, ob und inwieweit das Interesse an der
Realisierung des Auflageprojekts 2010 im Vergleich zu den
- 61 -
entgegenstehenden Interessen überwiegt (vgl. nachstehend E.14), gilt es
zunächst die Frage zu klären, ob die Beschwerdegegnerin das
Auflageprojekt 2010 unter Berücksichtigung der heutigen Beweislage zu
Recht nach wie vor als zweckmässigste Lösung erachtet oder ob sich unter
Berücksichtigung sämtlicher bei den Akten liegenden Unterlagen entweder
eine alternative Südumfahrungsvariante (Varianten 1 - 3) oder aber die
Variante Innerortsausbau (Variante 4) als zweckmässiger erweist. Nicht zu
beanstanden ist − wie vorstehend bereits erläutert − dass die
Beschwerdegegnerin die Variante Nordumfahrung sowohl mit
Planungsstand 1994 als auch mit entsprechend verlängertem Tunnel im
Auswahlverfahren mangels Finanzierbarkeit ausgeschlossen hat. Wie
dargestellt handelt es sich bei den erheblich höheren Investitions- und
Unterhaltskosten nämlich um einen erheblichen Nachteil, welcher den
Ausschluss dieser Variante aus dem Auswahlverfahren ohne Weiteres zu
rechtfertigen vermag. Statt Wiederholungen kann auf die vorstehende
Erwägung 12.2. verwiesen werden.
13.2. Nachstehend gilt es somit die Frage zu klären, ob sich die
Beschwerdegegnerin unter Berücksichtigung der heutigen Beweislage zu
Recht für die Realisation des Auflageprojekts 2010 entschieden hat. Dazu
gilt es zunächst einen Vergleich des Auflageprojekts 2010 mit den
geprüften Alternativen für eine Südumfahrung vorzunehmen.
13.2.1. Das TBA hat in der im Hinblick auf die Instruktionsverhandlung vom
29. November 2013 erstellten Dokumentation vom November 2013 eine
Gegenüberstellung des Auflageprojekts 2010 mit den drei Varianten einer
Südumfahrung vorgenommen und ist dabei zum Schluss gelangt, dass sich
das Auflageprojekt 2010 aus Sicht des Kantons nach wie vor als beste
Lösung zur Umfahrung von Schmitten und zur Entlastung der
verkehrsgeplagten Anwohner erweise. Beim Kriterium Verkehr
unterschieden sich die Südvarianten vom Auflageprojekt 2010 nur
unwesentlich. Alle vier Linienführungen seien in Bezug auf
- 62 -
Verkehrssicherheit und Verkehrstechnik als gleichwertig zu beurteilen.
Beim Kriterium Realisierung und Betrieb weise das Auflageprojekt 2010
gegenüber den anderen Südvarianten Vorteile auf. Die Investitionskosten
lägen bei den Varianten um die Faktoren 1.3 bis 2.9 höher, während die
Faktoren bei den Betriebs- und Unterhaltskosten 1.3 bis 3.1 betrügen.
Zudem seien beim Auflageprojekt 2010 die technischen Risiken am
geringsten. Beim Kriterium Umwelt zeige sich, dass die beiden offenen,
südlicheren Varianten gegenüber dem Auflageprojekt 2010 klar schlechter
abschnitten. Sie beeinträchtigten beim Schmittnertobel Trockenwiesen und
-weiden von nationaler Bedeutung und durchtrennten die südliche Terrasse
von Schmitten. Demgegenüber folge die Linienführung des Auflageprojekts
2010 dem Gelände und verlaufe entlang der südlichen Bauzonengrenze.
Die Tunnelvariante Süd weise bezüglich Umwelt Vorteile auf, da sie den
Bereich Osterhubel unterfahre und damit weniger Lärmimmissionen
verursache und weniger Land beanspruche. Allerdings dürfe nicht ausser
Acht gelassen werden, dass die Tunnelvariante hinsichtlich Materialbilanz
klar negativ beurteilt werden müsse.
13.2.2. Auch im Zusatzbericht zum UVB 2010 vom März 2014 wurden die drei
Varianten einer Südumfahrung zum Auflageprojekt 2010 untersucht und
dem Auflageprojekt 2010 gegenübergestellt. Dabei wurden die wichtigsten
Umweltauswirkungen in den Bereichen Siedlung (Wohnqualität, Ortsbild),
Landschaft (Landwirtschaft, Erholung, Landschaftsbild), Lebensräume
(Schützenswerte Lebensräume, Fauna und Vernetzung), Wald, Lärm
(Ortsdurchfahrt, Einzelgebäude), Boden (Versiegelung,
Fruchtfolgeflächen) und Bauphase (Materialbilanz und Deponie, Baulärm)
beurteilt. Die Beurteilung weist, verglichen mit der Dokumentation des TBA
vom November 2013, bloss geringe Abweichungen auf. Beim
Umweltbereich Siedlung schneiden die offenen Umfahrungsvarianten
leicht besser ab, während die Tunnelvariante deutlich besser abschneidet.
Vorteilhaft ins Gewicht falle bei den offenen Varianten insbesondere die
grössere Entfernung zum Siedlungsgebiet, während die Tunnelvariante
- 63 -
insbesondere der Wohnqualität beim Osterhubel und auf dem Welsch
Acher zugute komme. Beim Umweltbereich Landschaft seien die
Auswirkungen der offenen Umfahrungsvarianten im Vergleich zum
Auflageprojekt 2010 vor allem wegen der exponierten Linienführung
grösser. Die Tunnelvariante wirke sich im Vergleich zum Auflageprojekt
positiv auf die Landschaft aus. Insbesondere könne durch die
Untertunnelung des Osterhubels ein Teil der landschaftlich attraktiven
Geländeterrasse im heutigen Zustand erhalten bleiben. Beim
Umweltbereich Lebensräume schneide die offene Umfahrungsvariante
Dezember 2010 (Variante 1) deutlich schlechter ab als das Auflageprojekt
2010, während die offene Umfahrungsvariante August 2011 (Variante 2)
leicht besser abschneide als das Auflageprojekt 2010. Deutliche Vorteile
gegenüber dem Auflageprojekt 2010 besitze die Tunnelvariante Süd, weil
die Wiesenlandschaft auf ca. 650 m Länge von der Strasse unberührt
bleibe und dadurch durchlässig für Wild- und Kleintiere sei. Bezüglich der
beanspruchten Waldfläche schneide das Auflageprojekt 2010 und die
Tunnelvariante Süd etwa gleich ab, während die offenen
Umfahrungsvarianten mehr Waldfläche beanspruchten und damit
schlechter abschnitten. Beim Umweltbereich Lärm wirkten sich sowohl das
Auflageprojekt als auch die drei Varianten einer Südumfahrung sehr positiv
auf die Ortsdurchfahrt aus. Bei der Lärmeinwirkung auf Einzelgebäude
seien das Auflageprojekt 2010 und die Varianten in Bezug auf die
Einhaltung der Planungswerte nahezu ebenbürtig. Hinsichtlich des
Umweltbereichs Boden lägen die Vorteile bei der Tunnelvariante Süd. Auch
die Umfahrungsvariante August 2011 (Variante 2) schneide mit einer als
Folge der langen Brücke geringeren Versiegelung leicht besser ab als das
Auflageprojekt 2010 und die offene Umfahrungsvariante Dezember 2010
(Variante 1). Beim Umweltbereich Bauphase seien das Auflageprojekt und
die offenen Umfahrungsvarianten nahezu ebenbürtig. Die Tunnelvariante
schneide wegen der ungünstigeren Materialbilanz eindeutig schlechter ab
als das Auflageprojekt 2010 (vgl. dazu auch die tabellarische Übersicht auf
S. 41 des Zusatzberichts zum UVB 2010 vom März 2014).
- 64 -
13.2.3. Das ANU ist in seiner Stellungnahme vom 6. Mai 2014 zum Zusatzbericht
zum UVB 2010 vom März 2014 zum Schluss gelangt, dass per se alle
Varianten − ebenso wie das Auflageprojekt 2010 − jeweils gewisse Vor-
und Nachteile aufwiesen. Allerdings könne aus umweltrechtlicher Sicht
keine Variante eindeutig bevorzugt werden. Infolgedessen seien in der
Beurteilung des ANU sowohl das Auflageprojekt 2010 als auch die
Varianten einer Südumfahrung einer Interessenabwägung durch die
zuständige Behörde zugänglich.
13.2.4. Auch die ENHK kam in ihrer vergleichenden Beurteilung der drei Varianten
einer Südumfahrung mit dem Auflageprojekt 2010 gestützt auf den
Zusatzbericht zum UVB 2010 vom März 2014 sowie auf eigene
Feststellungen zum Ergebnis, dass alle drei Varianten für die
Südumfahrung und auch das Auflageprojekt bezüglich der definierten
Schutzziele (vgl. vorstehend E.11.1) gewisse Vor- und Nachteile
aufwiesen. In der Summe führten jedoch all diese Varianten zu einer
schwerwiegenden Beeinträchtigung der Landschaft und der Lebensräume
im Sinne der Schutzziele (vgl. ENHK-Gutachten zur umstrittenen
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 S. 13).
13.2.5. Das streitberufene Gericht vermag sich der Auffassung der Fachstellen
(ANU und ENHK) anzuschliessen, wonach jede der drei Varianten einer
Südumfahrung − wie auch das Auflageprojekt 2010 − ihre Vor- und
Nachteile hat. Aus umweltrechtlicher Sicht dürften die Vorteile unter
Berücksichtigung sämtlicher Kriterien bei der Tunnelvariante Süd (Variante
3) liegen, weist sie doch in den Umweltbereichen Siedlung, Landschaft und
Lebensräume Vorteile gegenüber den offenen Linienführungen auf.
Negativ ins Gewicht fällt bei der Tunnelvariante indes die ungünstige
Materialbilanz. Bei separater Betrachtung der offenen Linienführungen sind
die Varianten Dezember 2010 (Variante 1) und August 2011 (Variante 2)
und das Auflageprojekt 2010 aus umweltrechtlicher Sicht in etwa
- 65 -
gleichwertig zu betrachten, mit leichten Vorteilen für das Auflageprojekt
2010, weil die Einsehbarkeit der Strasse im Bereich Schmittnerbach und
Osterhubel durch die geländenahe Linienführung im Unterschied zu den
exponierteren südlicheren Varianten reduziert werden kann. Beim
Kriterium Verkehr unterscheiden sich die drei Südvarianten sodann nur
unwesentlich vom Auflageprojekt 2010, während das Auflageprojekt 2010
beim Kriterium Realisierung und Betrieb gegenüber den anderen
Südvarianten − insbesondere gegenüber der Tunnelvariante Süd −
gewichtige Vorteile aufweist. Wenn die Beschwerdegegnerin sich vor
diesem Hintergrund für das Auflageprojekt 2010 entschieden hat, ist dies
in keiner Weise zu beanstanden. Insbesondere hat die
Beschwerdegegnerin damit ihr planerisches Ermessen nicht überschritten,
hat sie doch von mehreren, in etwa gleichwertigen Varianten diejenige
ausgewählt, welche die meisten Vorteile bietet. Das Gericht hat zwar die
volle Überprüfungsbefugnis. Indessen gebietet der durch Art. 2 Abs. 3 RPG
den Planungsträgern zuerkannte Ermessensspielraum eine gewisse
Zurückhaltung. Der Planungsbehörde steht beim Variantenentscheid ein
Ermessensspielraum offen, in den das Gericht nur mit Zurückhaltung und
nur bei Vorliegen triftiger Gründe eingreift. Der Nachweis, dass die
Planungsbehörde sich für eine zweckmässige Lösung entschieden hat −
was die Beschwerdegegnerin nach dem vorstehend Gesagten getan hat −
muss genügen, auch wenn sich weitere, ebenso zweckmässige Lösungen
denken liessen (vgl. vorstehend E.7.4. in fine). Dementsprechend hat sich
die Beschwerdegegnerin auch unter Berücksichtigung der heutigen
Beweislage zu Recht für das Auflageprojekt 2010 und gegen die drei
Varianten einer Südumfahrung entschieden.
13.3. Weiter ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin (neben den geprüften
Varianten einer Südumfahrung) − wiederum unter Berücksichtigung der
heutigen Beweislage − auch die Variante Innerortsausbau zu Recht als
weniger zweckmässig als das Auflageprojekt 2010 beurteilt hat.
- 66 -
13.3.1. Am 15. Februar 2017 beauftragte der Instruktionsrichter die Erb + Partner
Ingenieurbüro AG mit der Erstellung eines Fachgutachtens über die
technische Möglichkeit und die Geeignetheit einer intelligenten
verkehrsgesteuerten Lichtsignalanlage als Pförtneranlage an den
Ortseinfahrten und einer Lichtsignalanlage-Sicherung an den
Einmündungen in die Ortsdurchfahrt in Schmitten. Im entsprechenden
Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 einschliesslich dessen Ergänzung vom 12. Oktober 2017
kommen die Gutachter im Wesentlichen zum Schluss, dass eine
Ortsdurchfahrt mit Engpasssteuerung technisch möglich sei. Aufgrund der
äusserst beschränkten Platzverhältnisse, der vielen Einflüsse und der
voraussichtlich sehr beschränkten Betriebszeit (nur wenige Tage und
Stundengruppen im Jahr) sei eine Lichtsignalanlage mit wechselseitigem
Verkehrsregime und LED-Verkehrszeichen, welche die jeweils anstehende
Lastrichtung für den Schwerverkehr sichtbar machten, Orientierung
schüfen und bei geringem Verkehr zusätzlich Warnhinweise absetzen
könnten, die einfachste und zweckmässigste Lösung. Die
Engpasssteuerung könne in drei unterschiedlichen Eskalationsstufen
betrieben werden: Bei Stufe 1 (inaktiv) sei die Engpasssteuerung aufgrund
der geringen Verkehrsmengen und Schwerverkehrsanteile deaktiviert.
Überschreite der Personen- und Schwerverkehr eine gewisse
parametrierbare Schwelle, würden bei Stufe 2 (Warn- und Hinweisfunktion)
im gesamten Steuerungsperimeter abschnittsweise Hinweise auf
entgegenkommende Schwerverkehrsfahrzeuge angezeigt, welche sich an
den wenigen Kreuzungsmöglichkeiten orientierten. Die Erkennung des
Schwerverkehrs erfolge mittels Laser (oder ähnlich) an ausgewählten
Standorten. Die Signalisation eines Abschnitts erfolge nach dem first-come
− first-serve Prinzip. Erreiche die Verkehrsmenge einen weiteren
Schwellenwert, werde die Lichtsignalanlage in Betrieb genommen (Stufe 3;
LSA-Wechselbetrieb). Im Wechsel bekomme jede Fahrtrichtung die
Fahrtfreigabe; in diesem Fall werde nicht grün, sondern gelbblinken
angezeigt, weil die Fahrzeuglenker mit Querverkehr oder anderen
- 67 -
Behinderungen rechnen müssten. Zwischen den Freigabephasen folge
jeweils eine Räumungsphase, welche mittels Fahrzeugklassifizierung in
ihrer zeitlichen Ausdehnung anhand der Fahrzeugkategorie dynamisiert
werden solle. Wichtiges Element sei die Zeitanzeige bis zum
Phasenwechsel an allen Orten mit Anzeigemitteln, so dass die
Fahrzeuglenker stets über den Prozess informiert seien; dies trage zur
Akzeptanz bei. Der öffentliche Verkehr werde durch Ausstattung der
Postautos mit einem Leitsystem bevorzugt behandelt und für die Bevorzug
von Rettungsfahrzeugen sei die Schaltung einer Notfallphase (alle
Zufahrten rot) vorgesehen. Die grössten prognostizierten Verkehrsmengen
träten in der Abendspitze auf (im ungünstigsten Fall bis zu 350 Fahrzeuge
pro Stunde im Querschnitt). Für die Räumzeiten werde jeweils der
ungünstigste Fall, d.h. 110 Sekunden (Räumzeit Postauto oder Sattelzug
resp. Lastzug) anstatt der ca. 70 Sekunden, angenommen. Die Auslastung
der Steuerung betrage 91 %, die mittleren Wartezeiten rund 200 Sekunden
und die Rückstaulängen sollten 150 m in 95 % aller Fälle nicht
überschreiten. Die maximale Wartezeit betrage im ungünstigsten Fall 270
Sekunden. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser maximalen
Wartezeit sei indes während bloss 5 h im Jahr sehr gross. Es könne aber
nicht ausgeschlossen werden, dass es auch darüber hinaus einmal zu
einer solch hohen Wartezeit kommen könne. Unter günstigen
Verhältnissen seien mittlere Wartezeiten von 120 Sekunden oder weniger
möglich. Eine zuverlässige Prognose, wie oft solche günstigen
Verhältnisse vorkämen, sei nicht möglich, da es zu viele Variablen gebe
(Monat, Tageszeit, Verkehrszusammensetzung, effektiv gewählter
Schwellenwert, Verkehrsprognoseberechnungen des Systems etc.). Die
Kosten für die Erstellung einer derartigen Anlage betrügen ca.
Fr. 1'250'000.--.
13.3.2. Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, dass das Konzept der
Engpasssteuerung eine einfache, zweckmässige und geeignete Lösung
darstellt und optimal auf die Gemeinde Schmitten zugeschnitten ist. In ihren
- 68 -
Stellungnahmen zum erwähnten Gutachten weisen sie darauf hin, dass die
Engpasssteuerung während der meisten Zeit inaktiv bleibe oder im Modus
der Warn- und Hinweisfunktionen ohne Wartezeiten an den Lichtsignalen
betrieben werde, weil die Engpasssteuerung gemäss Gutachter erst ab 200
Fahrzeugen pro Stunde in Betrieb zu nehmen sei. Bei durchschnittlichem
Tagesverkehr erreiche keine einzige Stunde des Tages diesen Wert. Dies
dürfte höchstens im Juli und August während einigen Stunden pro Tag der
Fall sein. Zudem sei mit der maximalen Wartezeit nur äusserst selten zu
rechnen und auch die mittlere Wartezeit werde nur selten auftreten. Die
Engpasssteuerung sei sehr viel wirtschaftlicher als die geplante
Südvariante und dieser auch aus volkswirtschaftlicher, landschafts-, natur-
und ortsbildschützerischer Sicht überlegen. Die Südumfahrung greife weit
gravierender ins Ortsbild ein als die Engpasssteuerung. Die geringfügige
und reversible Veränderung des Ortsbildes durch die Engpasssteuerung
wiege gegenüber der schweren Beeinträchtigung der Lebensräume der
Kulturlandschaft durch die Südumfahrung zweifellos leicht.
13.3.3. Die Beschwerdegegnerin bemängelt in ihren Stellungnahmen zum
Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 einschliesslich dessen Ergänzung vom 12. Oktober 2017 im
Wesentlichen, dass sich das Gutachten nicht über die Geeignetheit der
Engpasssteuerung äussere. Die vorgeschlagene Engpasssteuerung sei,
gemessen an den an diese gestellten Anforderungen sowie aus
verkehrsrechtlicher Sicht, mit zahlreichen, teilweise schwerwiegenden
Mängeln oder Unzulänglichkeiten behaftet. Nur die wenigsten
Anforderungen bzw. Ziele erreichten einen zufriedenstellenden
Erfüllungsgrad. So sei die Tauglichkeit von rechtlich unverbindlichen
Wechselverkehrszeichen LED mit Zeitanzeigen fraglich, bedingten diese
doch die freiwillige Beachtung und Befolgung. Weiter sei die maximale
Wartezeit von ca. 270 Sekunden gemäss VSS-Norm 640 023a völlig
ungenügend und die Gutachter könnten weder in Bezug auf die mittlere
Wartezeit noch in Bezug auf die maximale Wartezeit verlässliche
- 69 -
Prognosen machen. Zudem könne auch Gegenverkehr während des LSA-
Betriebs nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Durch die teilweise
wochenlangen Betriebspausen könne überdies kaum eine Vertrautheit mit
dem System aufgebaut werden. Schliesslich hätten die 18 teilweise in
dichter Folge aufgestellten Signale auch eine schwerwiegende
Beeinträchtigung des Ortsbildes zur Folge und es sei fraglich, ob entlang
der engräumigen Durchfahrt Schmitten überhaupt geeignete Standorte für
die Signale vorhanden seien. Die Engpasssteuerung sei für das Dorf
Schmitten als ungeeignet zu beurteilen. Sie sei zwar wirtschaftlicher als die
Südumfahrung, löse aber weder die Probleme des Kantons noch jene der
Gemeinde Schmitten. Eine verkehrstechnisch sinnvolle und wirtschaftlich
tragbare Lösung biete nur die offene Strassenführung südlich von
Schmitten.
13.3.4. Bei der Beurteilung der Frage, ob die Variante Innerortsausbau
zweckmässiger ist als das Auflageprojekt 2010 gilt es aus Sicht des
streitberufenen Gerichtes insbesondere zu berücksichtigen, welche Ziele
mit dem Auflageprojekt 2010 verfolgt werden. Dies sind neben dem
primären Ziel der Befreiung des Dorfes Schmitten vom Durchgangsverkehr
insbesondere die Reduktion des Lärms, die Verbesserung der
Bedingungen des Langsamverkehrs bzw. des Fussgängerschutzes, die
Verhinderung regelmässiger Staus im Dorf sowie die Vermeidung von
durch den Verkehr (Lastwagen und Busse) verursachter Gebäudeschäden.
Diese Ziele können mit der Variante Innerortsausbau − wie nachstehend
dargestellt − nicht erreicht werden, auch wenn eine Ortsdurchfahrt
Schmitten mit Engpasssteuerung gemäss Fachgutachten Ortsdurchfahrt
Schmitten − Engpasssteuerung vom 27. Juni 2017 einschliesslich dessen
Ergänzung vom 12. Oktober 2017 technisch grundsätzlich möglich ist.
Zunächst gilt es festzuhalten, dass mit der Variante Innerortsausbau das
primäre Ziel, welches mit dem Auflageprojekt 2010 verfolgt wird, nämlich
das Dorf Schmitten vom Durchgangsverkehr zu befreien, nicht im
Geringsten erreicht wird. Die Variante Innerortsausbau ändert nämlich
- 70 -
nichts an der Tatsache, dass täglich mehr als 1'500 Motorfahrzeuge das
Dorf Schmitten mit seinen zahlreichen Engstellen durchfahren. Mithin
werden die Gebäude entlang der Innerortsstrecke auch weiterhin mit den
Auswirkungen des Durchgangsverkehrs belastet und die mit dem
Durchgangsverkehr zusammenhängende Gefahr für den Langsamverkehr
bleibt ebenfalls − wenn auch allenfalls leicht minimiert − bestehen. Selbst
wenn die Immissionen infolge kontinuierlicher Ortsdurchfahrt ohne Brems-
und Beschleunigungs- resp. Rangiermanöver leicht abnehmen sollten, wie
dies von den Fachgutachtern angenommen wird, bleibt es dabei, dass die
an die Innerortsstrecke angrenzenden Liegenschaften nach wie vor
erheblichen Lärm- und Erschütterungsimmissionen ausgesetzt sind.
Dieses Problem lässt sich mit der Variante Innerortsausbau nicht lösen; nur
mit einer Umfahrung wird der überwiegende Teil der Bevölkerung von
Schmitten vom Durchgangsverkehr und von den damit
zusammenhängenden Immissionen entlastet. Weiter gilt es zu beachten,
dass die Engpasssteuerung gemäss den Empfehlungen der Gutachter
sinnvollerweise erst bei einem Schwellenwert von 100 Fahrzeugen pro
Stunde pro Richtung (Querschnittsbelastung von 200 Fahrzeugen pro
Stunde) eingeschaltet wird (vgl. Gutachten vom 27. Juni 2017 S. 19). Eine
Überschreitung dieses Schwellenwerts ist gemäss Statistik der
Verkehrsmessstelle Nr. 663 (siehe Beilage 1 zum Gutachten vom 27. Juni
2017) nur selten zu erwarten. Der Schwellenwert dürfte vor allem im Juli
und August während höchstens weniger Stunden pro Tag erreicht oder
überschritten werden. Dementsprechend bleibt aber die Engpasssteuerung
während der meisten Zeit inaktiv (Stufe 1) oder wird im Modus der Warn-
und Hinweisfunktion (Stufe 2) betrieben. Dies bedeutet, dass sich − mit
Ausnahme einiger weniger Stunden während der Hochsaison im Sommer,
während denen das System im LSA-Wechselbetrieb (Stufe 3) läuft −
gegenüber der heutigen Situation nicht viel verändert. Im Gegenteil wird
das Ortsbild von Schmitten durch die Engpasssteuerung, welche gemäss
ergänztem Fachgutachten vom 12. Oktober 2017 18 teilweise in dichter
Folge aufgestellte Signale vorsieht, erheblich beeinträchtigt. Von einer
- 71 -
sanften Einbindung ins Ortsbild kann dabei nach Auffassung des Gerichtes
− entgegen den Ausführungen der Gutachter − keine Rede sein. Zudem
führen die teilweise langen Betriebspausen der Engpasssteuerung auch
dazu, dass die Anwohner keine Vertrautheit mit dem System aufbauen
können. Des Weiteren ist eine vollständige Vermeidung von Begegnungen
von schweren Fahrzeugen (Lastwagen, Reisecars, Postautos, Fahrzeuge
mit Anhänger) untereinander oder auch mit Personenwagen − wenn
überhaupt − nur im LSA-Wechselbetrieb (Stufe 3) möglich, wie die
Gutachter selber einräumen (vgl. Ergänzungsgutachten vom 12. Oktober
2017 S. 23). Wie gesehen bleibt aber die Engpasssteuerung während der
meisten Zeit inaktiv (Stufe 1) oder wird im Modus der Warn- und
Hinweisfunktion (Stufe 2) betrieben, während der LSA-Wechselbetrieb
mangels Überschreitung der massgeblichen Schwellenwerte nur sehr
selten zur Anwendung gelangt. Dementsprechend lässt sich mit der
vorgeschlagenen Engpasssteuerung eine Begegnung von schweren
Fahrzeugen untereinander oder mit Personenwagen − wenn überhaupt −
nur äusserst selten vermeiden. Würde man die massgeblichen
Schwellenwerte tiefer festlegen, hätte dies zur Folge, dass die
Verkehrsteilnehmer häufiger die mit dem LSA-Wechselbetrieb
einhergehenden Wartezeiten in Kauf nehmen müssten. Diese betragen
gemäss Gutachten im günstigsten Fall rund 120 Sekunden, im Mittel rund
200 Sekunden und im ungünstigsten Fall 270 Sekunden. Unabhängig
davon, ob die VSS Norm 640 023a ("Leistungsfähigkeit, Verkehrsqualität,
Belastbarkeit − Knoten mit Lichtsignalen") hier analog anwendbar ist, wie
dies von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht wird, werden solch
lange Wartezeiten (im Mittel über drei Minuten) von den
Verkehrsteilnehmer negativ bewertet und erhöhen notorisch das Risiko von
Rotlichtmissachtungen. Zudem weisen selbst die Fachgutachter darauf hin,
dass eine verlässliche Prognose, wie oft günstige Verhältnisse
vorkommen, aufgrund zu vieler Variablen (Monat, Tageszeit,
Verkehrszusammensetzung, effektiv gewählter Schwellenwert,
Verkehrsprognoseberechnungen des Systems, etc.) nicht möglich sei.
- 72 -
Überdies bestehen auch ungelöste Probleme im Zusammenhang mit der
Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs (Postauto) sowie mit der
ungehinderten Durchfahrt bzw. Erreichbarkeit von Notfallfahrzeugen.
Einerseits können sich nämlich durch die Bevorzugung der Postautos die
Wartezeiten für die übrigen Verkehrsteilnehmer unter Umständen massiv
erhöhen und anderseits geht aus dem Gutachten − obschon die Auslösung
zum optimalen Zeitpunkt die Grundvoraussetzung für die ungehinderte
Durchfahrt von Notfallfahrzeugen ist − nicht hervor, wie der richtige
Zeitpunkt für die Auslösung der Notfallphase zu ermitteln ist. Schliesslich
weist die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass die dynamische
Vortrittssignalisierung mittels LED-Wechselsignalen sowie die
Zeitanzeigen nicht alltäglich sind und zu Unklarheiten und Fehlverhalten
führen können. Dies hat für die Gemeinde Schmitten mit insgesamt acht
Zufahrten in die Kantonsstrasse und diversen privaten Parkplätzen in
besonderem Masse zu gelten. Die Fachgutachter können eine negative
Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit aufgrund falscher
Erwartungshaltungen der Verkehrsteilnehmer und aufgrund der
unverbindlichen Wechselverkehrszeichen denn auch nicht ausschliessen
(vgl. Gutachten vom 27. Juni 2017 S. 17). Unter Berücksichtigung all dieser
Gegebenheiten lässt sich zusammenfassend festhalten, dass die Variante
Ortsdurchfahrt Schmitten mit Engpasssteuerung gemäss dem
Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 einschliesslich dessen Ergänzung vom 12. Oktober 2017
zwar technisch grundsätzlich möglich ist, gemäss den zutreffenden
Ausführungen der Beschwerdegegnerin aber zu keinem befriedigenden
und verkehrstechnisch nachhaltigen Ergebnis führt, weil diese Variante an
den von der Bevölkerung und dem Durchgangsverkehr heute
hinzunehmenden Beeinträchtigungen (Lärm, Erschütterungen, Gefahren
für Leib und Leben, Beschädigungen von Infrastrukturen und Gebäuden)
praktisch nichts ändert. An diesem Ergebnis vermag die Tatsache, dass die
vorgeschlagene Engpasssteuerung in wirtschaftlicher Hinsicht vorteilhafter
abschneidet als das Auflageprojekt 2010, nichts zu ändern, weil mit der
- 73 -
Variante Innerortsausbau die mit dem Auflageprojekt 2010 verfolgten Ziele
− wie gesehen − nicht erreicht werden können. Dementsprechend hat die
Beschwerdegegnerin der Variante Innerortsausbau auch unter
Berücksichtigung der heutigen Beweislage zu Recht das Auflageprojekt
2010 vorgezogen, mit welchem die definierten Ziele klar besser erreicht
werden können.
14.1. Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit im vorliegenden Fall das Interesse an
der Realisierung des Auflageprojekts 2010 im Vergleich zu den
entgegenstehenden Interessen überwiegt. Dabei gilt es in Erinnerung zu
rufen, dass das Schutzkonzept des NHG zwischen dem einfachen
(minimalen) Schutz von Art. 3 NHG und dem verstärkten (qualifizierten)
Schutz von Art. 6 NHG unterscheidet. Da durch das Auflageprojekt 2010
keine Inventarobjekte von nationaler Bedeutung nach Art. 5 NHG direkt
betroffen sind, welche den qualifizierten Schutz von Art. 6 NHG geniessen,
steht der Projektperimeter des Auflageprojekts 2010 unter dem
Schutzbereich von Art. 3 NHG. Dieser verlangt keinen absoluten Schutz
der Landschaft, sondern "nur", dass das heimatliche Landschafts- und
Ortsbild, geschichtliche Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler
geschont und, wo das allgemeine Interesse an ihnen überwiegt,
ungeschmälert erhalten bleiben. Während Art. 6 NHG nur eine
eingeschränkte Interessenabwägung zulässt, ist nach Art. 3 NHG eine
umfassende Abwägung aller für und gegen das Vorhaben sprechenden
öffentlichen und privaten Interessen vorzunehmen. Dementsprechend ist
auch bei schwerwiegenden Beeinträchtigungen von Lebensräumen und
Kulturlandschaften eine Bewilligungserteilung möglich, wenn sich im
Rahmen der Interessenabwägung das Eingriffsinteresse als höher erweist
als das Interesse an der ungeschmälerten Erhaltung der Lebensräume und
der Kulturlandschaft (vgl. vorstehend E.8.2).
14.2. Bei der Landwasserstrasse handelt es sich um eine Durchgangsstrasse
von gesamtschweizerischer Bedeutung im Sinne von Art. 82 Abs. 2 BV.
- 74 -
Der Bund kann selbiger Norm zufolge bestimmen, welche
Durchgangsstrassen für den Verkehr offen bleiben müssen. Dies hat er in
der Durchgangsstrassenverordnung (SR 741.272) getan und dabei unter
anderem auch die Landwasserstrasse 417 (Thusis - Sils im Domleschg -
Tiefencastel - Surava - Wiesen - Davos) als Durchgangsstrasse
bezeichnet. Daraus erhellt, dass die Landwasserstrasse für den
allgemeinen Durchgangsverkehr notwendig ist (vgl. Art. 1
Durchgangsstrassenverordnung i.V.m. Art. 2 Abs. 1 lit. a des
Strassenverkehrsgesetzes [SVG; SR 741.01]). Wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt sind die Sicherheitsanforderungen
an solche Anlagen hoch. Der im Rahmen des Handlungsprogramms des
Bundes für mehr Sicherheit im Strassenverkehr ("Via sicura") geschaffene
und im Jahr 2013 in Kraft getretene Art. 6a SVG verlangt, dass Bund,
Kantone und Gemeinden bei der Planung sowie dem Bau, Unterhalt und
Betrieb der Strasseninfrastruktur den Anliegen der Verkehrssicherheit
angemessen Rechnung tragen. Die Massnahmen zur Verbesserung der
Strasseninfrastruktur orientieren sich daran, dass Ausgestaltung, Betrieb
und Unterhalt einer Strasse nicht die Ursache für Verkehrsunfälle bilden
dürfen. Im Mittelpunkt stehen hier die systematische Erfassung und
Beseitigung von Unfallschwerpunkten und Gefahrenstellen (vgl. Botschaft
des Bundesrates zu Via sicura, Handlungsprogramm des Bundes für mehr
Sicherheit im Strassenverkehr vom 20. Oktober 2010, S. 8447 ff, 8465).
Gemäss der von der Beschwerdegegnerin mit deren Stellungnahme vom
19. April 2016 zum ENHK-Gutachten vom 29. Februar 2016 eingereichten
Unfallauswertung Schmitten innerorts registrierte die Kantonspolizei vom
1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2015 21 Unfälle in Schmitten, bei denen
drei Personen leicht verletzt wurden. Auch wenn die Landwasserstrasse in
Schmitten damit keinen eigentlichen Unfallschwerpunkt bildet, ist die
Innerortsdurchfahrt aus verkehrstechnischer Sicht doch ungenügend und
eine Gefahrenstelle, wovon sich das streitberufene Gericht auch anlässlich
des Augenscheins vom 23. Oktober 2013 überzeugen konnte. Eine
Anpassung der Strasseninfrastruktur der Landwasserstrasse im Bereich
- 75 -
Schmitten an die heutigen Anforderungen ist deshalb in
verkehrstechnischer Hinsicht erforderlich. Weil die Strasse innerorts auf
dem bestehenden Trassee nicht sicher und normgerecht ausbaubar ist
(vgl. vorstehend E.13.3) und eine Nordumfahrung von Schmitten aus
wirtschaftlicher Sicht unverhältnismässig ist (vgl. vorstehend E.12.2), ist
das konkrete Eingriffsinteresse durch das Auflageprojekt 2010 in den
Lebensraum und die Kulturlandschaft südlich von Schmitten als von
nationaler Bedeutung zu betrachten. Im Lichte dieser Ausführungen ist
denn auch die Standortgebundenheit des Auflageprojekts 2010 gegeben.
Hinzu kommt das kantonale und regionale Interesse an einer sicheren und
leistungsfähigen Erschliessung der Talschaften in Graubünden sowie die
privaten Interessen der seit Jahren geplagten Dorfbevölkerung an einer
Entlastung des Dorfes vom Durchgangsverkehr. Der Durchgangsverkehr
für das Dorf Schmitten führt sowohl für die Anwohnerinnen und Anwohner
als auch für die Fussgängerinnen und Fussgänger, aber auch für den
Strassenverkehr selber zu unhaltbaren Zuständen. Mit der Zunahme des
Verkehrs, den immer breiter werdenden Fahrzeugen und den immer
grösseren Schwerverkehrslasten wurde der Durchgangsverkehr mit dem
damit einhergehenden Lärm, den Abgasen und den Erschütterungen für
die Bevölkerung von Schmitten immer unerträglicher. Das Kreuzen ist nur
beschränkt möglich und der Durchgangsverkehr behindert sich zuweilen
auch selbst durch die engen Platzverhältnisse zwischen den Häusern. Die
Entlastung des Dorfes Schmitten vom Durchgangsverkehr stellt denn auch
ein lang ersehnter und breit unterstützter Wunsch der Dorfbevölkerung dar
(vgl. die bei den Akten liegende "Petition Offene Umfahrung Süd,
Schmitten" [Bg-act. 3 Beilage 1]). Insbesondere das Interesse der
Eigentümer von Liegenschaften, welche unmittelbar an die Ortsdurchfahrt
angrenzen, wiegt dabei schwer, zumal Eingänge und enge Zufahrten direkt
zur Hauptstrasse führen. Ein Innerortsausbau − mit oder ohne
verkehrslenkende Massnahmen − wird für sie zu keinem befriedigenden
und verkehrstechnisch nachhaltigen Ergebnis führen. Ein solches ist indes
mit dem Auflageprojekt 2010 zu erreichen, trägt dieses doch zur Befreiung
- 76 -
des Dorfes Schmitten vom Durchgangsverkehr bei und verbessert dadurch
die Verkehrssicherheit der ansässigen Bevölkerung entlang der
Durchgangsstrasse. Durch die Entlastung des Innerortsbereichs als Folge
der deutlichen Verkehrsreduktion steigt auch die Lebens- und Wohnqualität
in diesem Dorfteil. Die Reduktion von Lärm und Luftschadstoffen wird einen
wesentlichen Beitrag zu einem gesunden Wohnumfeld der Bevölkerung im
Dorfkern leisten. Die Verkehrsentlastung innerorts dürfte auch positive
Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben in Schmitten haben, wenn
der Strassenraum wieder verstärkt die Funktion eines Aufenthalts- und
Begegnungsraums erfüllen kann. Insgesamt ist somit von der Realisierung
des Auflageprojekts 2010 eine positive Auswirkung auf das innere
Erscheinungsbild des Dorfes Schmitten zu erwarten.
14.3. Diesen öffentlichen nationalen, kantonalen und regionalen sowie privaten
Interessen der Anwohner an der Realisierung des Auflageprojekts 2010
stehen das Interessen an einer ungeschmälerten Erhaltung der
Lebensräume und der Kulturlandschaft südlich von Schmitten sowie die
privaten Interessen der vom Auflageprojekt 2010 betroffenen Anwohner
entgegen. Es ist unbestritten, dass das Auflageprojekt 2010 selbst bei
grösstmöglicher Rücksichtnahme die Grundsätze zur Erhaltung von Natur,
Landschaft und Ortsbild tangiert und das Orts- und Landschaftsbild sowie
ökologisch intakte Lebensräume beeinträchtigt. Sowohl im UVB vom
November 2010 (Bg-act. 2 Beilage 13) einschliesslich dessen Ergänzung
vom März 2014 als auch im Beurteilungsbericht des ANU vom 28. Juni
2011 (Bg-act. 2 Beilage 2) sowie auch im ENHK-Gutachten zur
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 sind die
Projektauswirkungen auf die Lebens- und Landschaftsräume beschrieben.
Auch die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen
Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
erkannt, dass das Auflageprojekt einen schwerwiegenden Eingriff in
ökologisch intakte Lebens- und Landschaftsräume bedeutet und dass sich
die Auswirkungen auf die Umwelt mit den im Auflageprojekt vorgesehenen
- 77 -
Massnahmen nicht hinreichend kompensieren lassen. Gestützt auf diese
Erkenntnis hat die Beschwerdegegnerin aufgezeigt, wie die grösstmögliche
Schonung mit zusätzlichen Massnahmen, insbesondere mit den vom ANU
in dessen Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 zusätzlich
vorgeschlagenen Ersatzmassnahmen für die Vernetzung der
Lebensräume (Bg-act. 3 Beilage 2 S. 11 und 19 - 21), erreicht werden kann
(vgl. S. 24 - 28 des angefochtenen Genehmigungsbeschlusses vom 25.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011). Durch Akzept dieser vom ANU
beantragten Auflagen (vgl. Dispositiv des angefochtenen
Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
Ziff. A./2. ["Umweltrechtliche Auflagen"]) hat sich die Beschwerdegegnerin
in Nachachtung von Art. 18 NHG verpflichtet, für die unstrittig bestehenden
Eingriffe bestmögliche Schutz-, Wiederherstellung- oder ansonsten
angemessene Ersatzmassnahmen zu leisten. Zudem stellen bei der
weiteren Projektierung und Realisierung des Auflageprojekts 2010 die UBB
(vgl. Dispositiv des angefochtenen Genehmigungsbeschlusses vom 25.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011, Ziff. A./2.2) sowie der LBP (vgl. Dispositiv
des angefochtenen Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am
26. Oktober 2011, Ziff. A./2.3) sicher, dass die Anforderungen an die
Nachhaltigkeit (Art. 73 BV, Art. 2 Abs. 1 StrG) erfüllt und die Schonung der
Umwelt sowie die Wirtschaftlichkeit (Art. 3 Abs. 1 NHG und Art. 15 StrG)
bestmöglich beachtet werden. Das Auflageprojekt 2010 beeinträchtigt zwar
unbestrittenermassen Trockenwiesen von nationaler und regionaler
Bedeutung; eine vollständige Kompensation mittels Schaffung eines
Vorranggebiets (unterstützt durch den LBP) ist aber möglich und die
notwendigen Flächen hierfür sind in der Gemeinde Schmitten verfügbar.
Die Gemeinde hat sich diesbezüglich denn auch verpflichtet, ein
Vorranggebiet im Waldareal auszuscheiden (vgl. Beurteilungsbericht des
ANU vom 28. Juni 2011 [Bg-act. 3 Beilage 2] S. 9 f.). Des Weiteren gilt es
zu berücksichtigen, dass für die Beanspruchung von ca. 1.1 ha Waldfläche
Ersatz geleistet werden kann (vgl. Beurteilungsbericht des ANU vom
28. Juni 2011 [Bg-act. 3 Beilage 2] S. 12) und dass der Verlust von
- 78 -
Kulturlandflächen von ca. 2 ha durch die angepasste Ausbildung von
Böschungen in Grenzen gehalten werden kann (vgl. Beurteilungsbericht
des ANU vom 28. Juni 2011 [Bg-act. 3 Beilage 2] S. 16). Zudem wird auch
der Mindestbestand an Fruchtfolgeflächen von 6'300 ha, welchen der
Kanton Graubünden gemäss Sachplan Fruchtfolgeflächen (FFF) sichern
muss, durch den Verlust von knapp 1 ha Fruchtfolgeflächen in Schmitten
nicht gefährdet, betrug der FFF-Bestand im Kanton Graubünden per Ende
2017 doch 7'069 ha und damit deutlich mehr als die geforderten 6'300 ha
(Quelle: https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/are/dienstleis-
tungen/grundlagen/Seiten/Fruchtfolgeflaechen.aspx [zuletzt besucht am
4. September 2018]). Es kann somit bezüglich des Kriteriums
Lebensräume festgehalten werden, dass die Umfahrungsstrasse südlich
von Schmitten zwar eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensräume mit
sich bringt; mit den vom ANU in dessen Beurteilungsbericht vom 28. Juni
2011 zusätzlich vorgeschlagenen Ersatzmassnahmen für die Vernetzung
der Lebensräume kann gleichzeitig aber auch bestmögliche Schutz-,
Wiederherstellung- oder ansonsten angemessene Ersatzmassnahmen
geleistet werden.
Wie gesehen beeinträchtigt das Auflageprojekt 2010 neben den
Lebensräumen selbst bei grösstmöglicher Rücksichtnahme auch das Orts-
und Landschaftsbild. So schmälert die Umfahrungsstrasse in Teilgebieten
die Sicht auf das Ortsbild sowie auch die Wohnqualität in direkt betroffenen
Gebieten. Demgegenüber verbessert sich die Wohnqualität im Dorf,
insbesondere bei Gebäuden entlang der heutigen Hauptstrasse. Die
Ansicht des Dorfes wird insbesondere beim Anblick von Westen durch die
Umfahrungsstrasse beeinträchtigt, indem der bisher offene Blick von der
Strasse auf den Kirchhügel künftig durch die am Fusse des Kirchhügels
verlaufende Strasse mitgeprägt wird; demgegenüber wird die Ansicht des
Dorfes durch die Umfahrungsstrasse beim Anblick von Süden und Osten −
wie das Gericht anlässlich des Augenscheins vom 23. Oktober 2013
feststellen konnte − nicht wesentlich beeinflusst. Dabei gilt es aber zu
berücksichtigen, dass der Kirchhügel am westlichen Hang bereits heute mit
- 79 -
Chalets und Einfamilienhäuser überbaut ist, was dessen Schutzwürdigkeit
erheblich relativiert. Des Weiteren hat der erwähnte Augenschein auch
gezeigt, dass das fragliche Gebiet südlich von Schmitten bereits heute
sowohl von einer Elektrizitätsfreileitung als auch von mehreren
Güterwegen in seiner Unversehrtheit beschnitten und dementsprechend
bereits heute vorbelastet ist. Mithin bestehen infolge dieser Güterwege
sowie der Elektrizitätsfreileitung bereits heute störende Eingriffe in die
Landschaft. Überdies gilt es aus Sicht des Gerichtes auch zu
berücksichtigen, dass auf der gegenüberliegenden Talseite keine Dörfer
liegen, von denen aus die Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten als
störend empfunden werden könnte. Und schliesslich tritt die
Umfahrungsstrasse − obschon einige Abschnitte der Umfahrung von der
Bahnlinie aus sichtbar sein werden − auch aus Sicht der RhB-Linie nicht
als störend in Erscheinung; dies zumal sich die RhB-Linie in einer anderen
Geländekammer in 400 bis 500 m Entfernung (Luftlinie) ca. 200 m
unterhalt des Trassees der Umfahrungsstrasse befindet und die Bahnlinie
bei den betroffenen Abschnitten nicht parallel zum Trassee der Umfahrung
verläuft, weshalb die Bahnreisenden diese Teile der Umfahrung kaum
wahrnehmen dürften (vgl. dazu der erläuternde Bericht zur
Richtplananpassung des ARE Graubünden vom 20. Oktober 2010 [Bg-
act. 2 Beilage 16] S. 15). Schliesslich gilt es auch zu berücksichtigen, dass
die kantonalen Fachstellen ANU und Denkmalpflege, denen aufgrund ihrer
besonderen Sachkunde als Umweltschutzfachinstanz bzw. Instanz für
Denkmalpflege des Kantons erhebliches Gewicht zukommt (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 1C_589/2014 vom 3. Februar 2016 E.5), dem
Auflageprojekt 2010 − trotz der unbestrittenermassen bestehenden
erheblichen Eingriffe in das Orts- und Landschaftsbild sowie intakte
Lebensräume − unter Auflagen zugestimmt haben (vgl. der
Beurteilungsbericht des ANU vom 28. Juni 2011 [Bg-act. 3 Beilage 2] sowie
die Stellungnahme der Denkmalpflege vom 22. November 2010 [Bg-act. 2
Beilage 7]).
- 80 -
14.4. In umfassender Abwägung aller für und gegen das Vorhaben sprechenden
öffentlichen und privaten Interessen kommt das Gericht in
Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass das
öffentliche nationale, kantonale und regionale sowie das private Interesse
der Anwohner an der Realisierung des Auflageprojekts 2010 höher zu
gewichten ist, als das Interesse an einer ungeschmälerten Erhaltung der
Lebensräume und der Kulturlandschaft südlich von Schmitten sowie der
privaten Interessen der vom Auflageprojekt 2010 betroffenen Anwohner;
dies, zumal Kulturlandschaften mit Ackerterrassen, Hecken und
Trockenstandorten, wie man sie in Schmitten vorfindet, nicht einmalig sind,
sondern das Albulatal generell und die weiteren Terrassendörfer
Lenz/Lantsch, Brienz/Brinzauls und Alvaneu/Alvagni im Speziellen prägen.
Das Gericht misst im Rahmen der Interessenabwägung der Erhöhung der
Wohnqualität im Dorfzentrum und der Aufwertung des inneren Ortsbildes
ein grösseres Gewicht bei als den unbestrittenermassen bestehenden
negativen Einflüssen des Strassenbauvorhabens. Zudem ist das Gericht
der Überzeugung, dass sich aus heutiger Sicht die für das Dorf und die
Dorfentwicklung bestehenden Nachteile nur mittels Realisierung einer
Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten beheben lassen. Der
angefochtene Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober
2011, erweist sich somit im Ergebnis als rechtens, was zu dessen
Bestätigung und zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde
R 11 119 führt.
14.5. An diesem Ergebnis ändern die Tatsachen nichts, dass die Albulastrecke
zwischen Thusis und St. Moritz zum UNESCO-Welterbe gehört und dass
der Parc Ela in den Auflageakten nicht erwähnt worden ist. Einerseits ist
die Albulastrecke zwischen Thusis und St. Moritz zwar Teil des UNESCO-
Welterbes; das Trassee des Auflageprojekts 2010 liegt jedoch nicht im
unmittelbaren Kernbereich desselben, sondern lediglich in dessen
"Pufferzone im Fernbereich". Daraus lassen sich keine direkten Ansprüche
ableiten (vgl. zum Ganzen: Kantonaler Richtplan [KRIP] UNESCO
- 81 -
Welterbe, worin die diesbezüglichen Bestimmungen behördenverbindlich
festgelegt sind und aus welchem sich die besondere Schutzwürdigkeit der
Albulalinie und seiner Umgebung ergibt [abrufbar unter
http://www.richtplan.gr.ch {zuletzt besucht am 4. September 2018}]), was
neben dem ARE Graubünden in dessen erläuterndem Bericht zur
Richtplananpassung vom 20. Oktober 2010 (Bg-act. 2 Beilage 16 S. 15)
offenbar auch das für das UNESCO-Welterbe zuständige Bundesamt für
Kultur in dessen Stellungnahme zur Richtplananpassung (nicht bei den
Akten) bestätigt hat (vgl. Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am
26. Oktober 2011, S. 26). Mithin werden die Bahn und die Bahnanlagen als
UNESCO-Welterbe durch das Auflageprojekt 2010 nicht geschmälert.
Nicht entscheidend ist des Weiteren, dass der Parc Ela in den Auflageakten
nicht erwähnt worden ist. Richtig ist zwar, dass die Gemeinde Schmitten im
Perimeter des Parc Ela liegt (vgl. Art. 1 Abs. 2 des Parkvertrags Parc Ela
[Bg-act. 4]) und dass dieser in den Auflageakten nicht erwähnt wurde. Dies
ist jedoch auch nicht notwendig, weil deswegen keine zusätzlichen, über
diejenigen von Art. 3 NHG hinausgehenden Anforderungen an
Infrastrukturanlagen und Bauten gestellt werden. Wie die
Beschwerdegegnerin in deren Duplik vom 7. Juni 2012 im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 11 119 zu Recht
vorbringt, entspricht Art. 2 Abs. 1 des Parkvertrags Art. 23g NHG. Diese
Bestimmungen unterstreichen, dass im Regionalen Naturpark
gleichermassen und gleichwertig wirtschaftliche und ökologische Ziele
verfolgt werden. Zu Ersteren gehört offenkundig auch eine sichere und
leistungsfähige Verkehrserschliessung, wird dadurch doch die
Voraussetzung für die Besiedlung der Talschaften, für die wirtschaftliche
Entwicklung sowie für den Wohlstand geschaffen. Dass der Bestimmung
von Art. 2 des Parkvertrags Vorrang gegenüber jener von Art. 3 Abs. 4
zukommt, wie dies von den Beschwerdeführern behauptet wird, ist nicht
richtig. Vielmehr hält Art. 3 Abs. 4 des Parkvertrags explizit fest, dass die
Zugehörigkeit zum Naturpark die Erneuerung und Erstellung von
Infrastrukturanlagen und Bauten erlaubt und dass die Pärkegesetzgebung
- 82 -
und die Zugehörigkeit zu einem Regionalen Naturpark keine zusätzlichen
gesetzlichen Auflagen schaffen und nichts an der Zuständigkeit und am
Verfahren bei der Bewilligung von Anlagen ändern. Neue Nutzungen,
Bauten und Anlagen sind indes nach Möglichkeit so anzuordnen, dass
empfindliche Lebensräume nicht gestört oder beeinträchtigt werden. Dass
der Parc Ela in den Auflageakten nicht erwähnt wurde, ist somit nicht
entscheidrelevant und die beschwerdeführerische Rüge, wonach der
Sachverhalt insofern unvollständig abgeklärt wurde, ist unbegründet.
Dementsprechend braucht aber auf die Frage, ob der erwähnte
Parkvertrag Parc Ela bezüglich der vorliegend strittigen
Projektgenehmigung bereits Rechtswirkung entfaltet (weil der Naturpark
Parc Ela durch den Bund erst mit Wirkung ab 1. Januar 2012 anerkannt
wurde, während das strittige Projekt von der Beschwerdegegnerin bereits
am 25. Oktober 2011 genehmigt wurde), nicht weiter eingegangen zu
werden. Selbst wenn dem nämlich so wäre, änderte dies − wie gesehen −
nichts an der Rechtmässigkeit des angefochtenen
Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, weil
durch den Parkvertrag keine zusätzlichen, über diejenigen von Art. 3 NHG
hinausgehenden Anforderungen an Infrastrukturanlagen und Bauten
gestellt werden.
15.1. Die Beschwerdeführer anerkennen in ihrer Beschwerde vom 28. November
2011 im Verfahren R 11 120, dass die Eingriffe im Bereich Wald als Folge
der bewilligten Rodungen für sich allein betrachtet als vertretbar bezeichnet
werden könnten. Die Beschwerdeerhebung erfolge denn auch in erster
Linie aufgrund der Projektgenehmigung der Umfahrung Süd durch die
Beschwerdegegnerin. Da dieses Projekt nicht umweltverträglich sei, dürfe
auch die Rodung für dieses Projekt nicht bewilligt werden.
15.2. Dem hält die Beschwerdegegnerin entgegen, dass ihr bei der Projektierung
einer neuen Strasse ein erheblicher Spielraum planerischen Ermessens
zustehe. Der Rodungsentscheid sei für das zugrundeliegende
- 83 -
Strassenprojekt zwingend präjudiziell. Werde die Bewilligung verweigert,
scheitere auch das Strassenprojekt. Die Rodungsbewilligungsbehörde
habe aber nicht die Befugnis, sich in alle Einzelheiten der
Strassenprojektierung einzumischen. Die Rodungsbewilligung dürfe nur
verweigert werden, wenn die Beschwerdegegnerin die Strassenplanung im
Hinblick auf den vom Gesetz geforderten Schutz des Waldes offensichtlich
mit ungenügender Sorgfalt durchgeführt habe. Vorliegend habe aber im
Rahmen der Projektgenehmigung eine sorgfältige Abwägung der
Interessen an der Walderhaltung und der Interessen am Strassenbau
stattgefunden.
15.3. Gemäss Art. 5 Abs. 1 WaG sind Rodungen verboten. Eine
Ausnahmebewilligung darf gemäss Art. 5 Abs. 2 WaG erteilt werden, wenn
der Gesuchsteller nachweist, dass für die Rodung wichtige Gründe
bestehen, die das Interesse an der Walderhaltung überwiegen und zudem
die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind: Das Werk, für das gerodet
werden soll, muss auf den vorgesehenen Standort angewiesen sein (lit. a);
das Werk muss die Voraussetzungen der Raumplanung sachlich erfüllen
(lit. b) und die Rodung darf zu keiner erheblichen Gefährdung der Umwelt
führen (lit. c). Dem Natur- und Heimatschutz ist Rechnung zu tragen (Art. 5
Abs. 4 WaG). Für das strittige Projekt wurde eine Rodungsbewilligung im
Umfang von 11'336 m2 erteilt. Wie gesehen muss gemäss Art. 5 Abs. 2
lit. a WaG ein Werk, für das eine waldrechtliche Ausnahmebewilligung
beansprucht wird, auf den vorgesehenen Standort angewiesen sein. Die
Standortgebundenheit ist indes nicht in einem absoluten Sinne
aufzufassen, besteht doch fast immer eine gewisse Wahlmöglichkeit.
Entscheidend ist, ob die Gründe der Standortwahl die Interessen der
Walderhaltung überwiegen (BGE 117 Ib 325 E.2). Die Bejahung der
relativen Standortgebundenheit setzt indessen voraus, dass eine
umfassende Abklärung von Alternativstandorten stattgefunden hat (vgl.
BGE 120 Ib 400 E.4c; Urteil des Bundesgerichtes 1A.168/2005 vom 1. Juni
2006 E.3.1). Vorliegend wurde die relative Standortgebundenheit zu Recht
bejaht, weil dem Auflageprojekt 2010 − wie vorstehend dargestellt − sowohl
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gegenüber den weiteren Varianten einer Südumfahrung als auch
gegenüber der Variante Nordumfahrung sowie auch gegenüber der
Variante Innerortsausbau zu Recht der Vorzug gegeben wurde. Erfüllt sind
des Weiteren auch die Voraussetzungen von Art. 5 Abs. 2 lit. b und c WaG,
was von den Beschwerdeführern denn auch nicht explizit bestritten wird.
Auch das ANU ist in dessen Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 mit
Bezug auf die Stellungnahme des Amtes für Wald und Naturgefahren
(AWN) vom 8. Dezember 2010 (Bg-act. 3 Beilage 8) zum Schluss gelangt,
dass die notwendigen Eingriffe in die beanspruchte Waldfläche begründet
und vertretbar seien (vgl. Bg-act. 3 Beilage 2 S. 12). Selbst die
Beschwerdeführer anerkennen, dass die Eingriffe im Bereich Wald als
Folge der bewilligten Rodung für sich allein betrachtet als vertretbar
bezeichnet werden können. Die Beschwerdeerhebung erfolgte denn auch
in erster Linie aufgrund der Genehmigung des Auflageprojekts 2010 durch
die Beschwerdegegnerin. Diese ist indes − wie vorstehend dargestellt −
nicht zu beanstanden. Folglich erweist sich aber auch die angefochtene
Departementsverfügung (Rodungsbewilligung) des BVFD vom 18.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011, mit welcher die Bewilligung zur Rodung
von 11'336 m2 Waldareal zwecks Realisierung des Projekts Umfahrung
Schmitten Süd im öffentlichen und privaten Wald unter Auflagen und
Bedingungen erteilt und gleichzeitig die dagegen erhobene Einsprache der
heutigen Beschwerdeführer abgewiesen wurde, als rechtens, was zu
dessen Bestätigung und zur Abweisung der dagegen erhobenen
Beschwerde R 11 120 führt.
16.1. Gemäss Art. 73 Abs. 1 VRG hat im Rechtsmittelverfahren in der Regel die
unterliegende Partei die Kosten zu tragen. Vorliegend gilt es indes zu
berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin zumindest teilweise ein
Verschulden am vorliegenden Verfahren trägt, hat sie ihren Entscheid doch
− wie vorstehend dargestellt − aufgrund einer ungenügenden
Beurteilungsgrundlage gefällt. Das angerufene Gericht musste im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren nachholen, was die
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Beschwerdegegnerin unterlassen hat. Vor diesem Hintergrund war die
Erhebung der Beschwerde durch die Beschwerdeführer im damaligen
Zeitpunkt gerechtfertigt, lagen doch zum damaligen Zeitpunkt noch kaum
Unterlagen vor, welche eine Beurteilung bezüglich der allfälligen Varianten
zum Auflageprojekt ermöglich hätten (vgl. vorstehend E.7.5). Diese
Tatsache sowie der Ausgang der verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren R 11 119 und R 11 120 rechtfertigen es, die
Gerichtskosten je zur Hälfte der Beschwerdegegnerin und den
Beschwerdeführern − letzteren unter solidarischer Haftung (vgl. Art. 72
Abs. 2 VRG) − aufzuerlegen.
16.2. Aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid
vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, aufgrund einer ungenügenden
Beurteilungsgrundlage gefällt hat, sah sich das streitberufene Gericht unter
anderem veranlasst, ein Fachgutachten über die technische Möglichkeit
und die Geeignetheit einer intelligenten verkehrsgesteuerten
Lichtsignalanlage als Pförtneranlage an den Ortseinfahrten und einer
Lichtsignalanlage-Sicherung an den Einmündungen in die Ortsdurchfahrt
in Schmitten einzuholen. Weil die vertiefte Variantenprüfung aber
spätestens auf Stufe der Plangenehmigung hätte erfolgen sollen, sind die
Kosten des Fachgutachtens Ortsdurchfahrt Schmitten −
Engpasssteuerung vom 27. Juni 2017 inklusive dessen Ergänzung vom
12. Oktober 2017 in der Höhe von Fr. 20'385.80 dem Kanton Graubünden
(Regierung) aufzuerlegen (vgl. auch Urteil des Verwaltungsgerichtes des
Kantons Graubünden [VGU] R 11 121 vom 3. Juli 2018 E.14.2).
16.3. Weil die Einreichung der Beschwerde im damaligen Zeitpunkt − wie
gesehen − gerechtfertigt war, haben die Beschwerdeführer auch Anspruch
auf eine aussergerichtliche Entschädigung, welche ihnen von der
Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist. Die Rechtsanwälte der
Beschwerdeführer haben am 14. November 2013 und am 5. Februar 2018
Kostennoten eingereicht. Jene vom 14. November 2013 in der Höhe von
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Fr. 18'045.60 setzt sich zusammen aus einem Honorar von Fr. 17'520.-- für
73 Arbeitsstunden à Fr. 240.-- zuzüglich 3 % Kleinspesen (= Fr. 525.60).
Diejenige vom 5. Februar 2018 in der Höhe von gesamthaft Fr. 6'849.55
setzt sich zusammen aus einem Honorar von Fr. 6'160.-- für 28
Arbeitsstunden à Fr. 220.-- zuzüglich 3 % Kleinspesen (= Fr. 184.80) und
8 % (bis 31. Dezember 2017) bzw. 7.7 % (ab 1. Januar 2018) MWST von
Fr. 6'344.80 (= Fr. 504.75). Der gesamthaft geltend gemachte
Arbeitsaufwand von 101 Arbeitsstunden erscheint dem Gericht angesichts
der Bedeutung und Komplexität der Streitsache sowie der Dauer der
vorliegenden Verfahren als angemessen. Hinsichtlich der (teilweise)
beantragten Mehrwertsteuer gilt es indes zweierlei festzuhalten: Einerseits
wird ein Mehrwertsteuerzusatz gemäss ständiger Praxis nur
zugesprochen, wenn solches beantragt wird. Weil in der Honorarnote vom
14. November 2013 kein Mehrwertsteuerzusatz beantragt wurde, wird die
entsprechende Mehrwertsteuer − unabhängig von der
Mehrwertsteuerpflicht der Beschwerdeführer sowie deren Rechtsanwälte −
nicht entschädigt. Bezüglich der mit Honorarnote vom 5. Februar 2018
beantragten Mehrwertsteuer von Fr. 504.75 gilt es sodann festzuhalten,
dass die aussergerichtliche Entschädigung grundsätzlich Schadenersatz
darstellt. Sie soll der berechtigten Partei die Kosten und Umtriebe ganz
oder teilweise vergüten, die ihr durch das gerichtliche Verfahren
entstanden sind. Eine selbst mehrwertsteuerpflichtige Partei kann gestützt
auf Art. 28 des Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer (MWSTG; SR
641.20) an einen von ihr für geschäftlich begründete Zwecke beauftragten
Anwalt geleistete Mehrwertsteuern als Vorsteuern von ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung abziehen. Dieses Recht entsteht gemäss
Art. 40 MWSTG grundsätzlich bereits bei Empfang der Rechnung, ist also
regelmässig im Zeitpunkt der Zusprechung einer aussergerichtlichen
Entschädigung bereits entstanden. Eine solche Partei erleidet durch die
Mehrwertsteuer gar keinen zusätzlichen Schaden, da sie mit deren
Bezahlung gleichzeitig bzw. in der gleichen Periode einen gleich hohen
geldwerten, liquiden und sicheren Anspruch gegenüber der
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Mehrwertsteuerverwaltung erwirbt. Ihr Vermögensstand wird somit durch
die dem Anwalt zu leistende Mehrwertsteuer im Ergebnis nicht vermindert.
Es ist deshalb nicht gerechtfertigt, einer solchen Partei trotzdem eine
zusätzliche aussergerichtliche Entschädigung in der Höhe der
Mehrwertsteuer zuzusprechen, weil ihr damit Schaden ersetzt würde, der
ihr gar nicht entsteht (vgl. zum Ganzen SUTER/VON HOLZEN, in: SUTTER-
SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER, ZPO-Kommentar, Zürich/Basel/Genf
2013, Art. 95 Rz. 39; PVG 2015 Nr. 19). Vorliegend ist die Stiftung
Landschaftsschutz Schweiz sowie der Beschwerdeführer A._ nicht
mehrwertsteuerpflichtig, weshalb ihnen die aussergerichtliche
Entschädigung inklusive Mehrwertsteuer zuzusprechen ist. Anders sieht es
bei der Stiftung World Wide Fund for Nature Schweiz und dem Verein Pro
Natura, Schweizerischer Bund für Naturschutz aus, welche
mehrwertsteuerpflichtig und damit vorsteuerabzugsberechtigt sind. Die
ihnen zustehende Parteientschädigung ist ohne Mehrwertsteuer
zuzusprechen, und zwar unabhängig davon, ob sie die Mehrwertsteuer
nach der Saldosteuersatzmethode oder nach der effektiven
Abrechnungsmethode mit Vorsteuerabzug abrechnen (vgl. VGU U 16 91
vom 22. November 2016 E.4a und 4b). Da die Stiftung World Wide Fund for
Nature Schweiz, der Verein Pro Natura, Schweizerischer Bund für
Naturschutz, die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sowie der
Beschwerdeführer A._ vom selben Rechtsanwalt vertreten sind,
rechtfertigt es sich, die in der Honorarnote vom 5. Februar 2018 geltend
gemachte Mehrwertsteuer von insgesamt Fr. 504.75 lediglich in hälftigem
Umfang zuzusprechen (weil die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und
der Beschwerdeführer A._ nicht mehrwertsteuerpflichtig sind und
damit Anspruch auf einen Mehrwertsteuerzusatz haben). Daraus resultiert
eine aussergerichtliche Entschädigung von insgesamt Fr. 24'642.80
(Fr. 18'045.60 gemäss Honorarnote vom 14. November 2013 plus
Fr. 6'344.80 zuzüglich MWST von Fr. 252.40 [entspricht der Hälfte von
Fr. 504.75] gemäss Honorarnote vom 5. Februar 2018). In diesem Umfang
hat die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführer aussergerichtlich zu
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entschädigen. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-
rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2
VRG in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in
ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht
vorliegend kein Anlass, weshalb der materiell obsiegenden
Beschwerdegegnerin keine Parteientschädigung zusteht.
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