Decision ID: f787c05d-2850-5ec6-b40d-3aff94f826fc
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die A._ AG ist bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva oder Vorinstanz) gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen versichert. Sie bezweckt laut Handelsregistereintrag
die Führung eines konzessionierten Verkehrsbetriebes auf der Basis von
Vereinbarungen mit den Bestellern, die Beteiligung an Tarif- und Verkehrs-
verbünden sowie die Übernahme, Leitung oder Betriebsführung anderer
Transportunternehmungen (www.zefix.ch).
B.
B.a Die A._ AG ist gestützt auf die Betriebsbeschreibung vom
22. September 2017 in der Berufsunfallversicherung (BUV) der Klasse 49A
G0 (Strassentransporte [Personenbeförderung auf Strassen, Gesamtge-
wicht über 3.5 t]) und in der Nichtberufsunfallversicherung (NBUV) der
Klasse 49A (Strassentransporte) zugeteilt. Mit Einreihungsverfügung vom
25. September 2018 legte die Suva die Prämiensätze für die Berufsunfall-
versicherung und die Nichtberufsunfallversicherung der A._ AG ab
1. Januar 2019 neu fest (act. 163). In der Nichtberufsunfallversicherung er-
mittelte sie anhand des Prämienmodells «Erfahrungstarifierung» die fol-
genden Prämiensätze:
bis 31.12.2018 ab 01.01.2019
Nettoprämiensatz Stufe 97 2.1640 % Stufe 99 2.3860 %
Bruttoprämiensatz 2.4800 % 2.3800 %
B.b Mit Einsprache vom 25. Oktober 2018 beantragte die A._ AG,
dass die Prämienerhöhung in der Nichtberufsunfallversicherung per 1. Ja-
nuar 2019 nochmals zu überprüfen sei. Sie machte geltend, dass das Vor-
gehen bei der Prämienberechnung weder transparent noch nachvollzieh-
bar sei. Insbesondere nicht nachvollziehbar sei, weshalb bei der Beurtei-
lung des individuellen Risikos der Risikosatz von 2.269 % (Prämie 2018)
auf 3.0751 % erhöht worden sei und wie der zusätzliche Aufschlag zum
BMS-Bedarfssatz von 0.4179 % berechnet worden sei (act. 167). Die Suva
wies die Einsprache mit Entscheid vom 25. Februar 2019 ab. Sie hielt im
Wesentlichen fest, der Grund für die Prämienerhöhung liege im Risikover-
lauf der A._ AG (act. 185).
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C.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die A._ AG (nachfol-
gend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 28. März 2019 durch ihren
Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie stellt fol-
gende Rechtsbegehren:
1. In Aufhebung der Verfügung der Vorinstanz vom 25. September 2018 sowie
von deren Einsprache-Entscheid vom 25. Februar 2019 sei der NBUV-Net-
toprämiensatz für das Jahr 2019 vor dem Abzug von 15 % aufgrund a.o. Anla-
geerträge auf 2.1640 % entsprechend der Stufe 97 zu belassen.
2. Die Vorinstanz sei zu verpflichten, die Grundlagen für den NBUV-Nettoprämi-
ensatz für das Jahr 2019 offen zu legen und insbesondere folgende Informati-
onen zuhanden des Gerichts zu edieren:
– Berechnungsgrundlagen betr. die im Rahmen der Bonus/Malus-Berech-
nung eingesetzten Beträge für die Risikoerfahrungen der Risikogemein-
schaft in der Höhe von Fr. 2'644'103.00 (BMS-Aufwand RG skaliert) und in
der Höhe von Fr. 3'174'586.00 (Aufwand RG);
– Berechnungsgrundlagen betr. den durchschnittlichen Risikosatz der Jahre
2011 - 2017 in der Höhe von 3.0751 %;
– Berechnungsgrundlagen betr. den Beitrag an die kollektivierten Belastun-
gen der Klasse 49ZZ in der Höhe von 0.0419 %;
– Informationen zur Zusammensetzung und Ausgestaltung der Klasse 49ZZ;
– Berechnungsgrundlagen betr. den Beitrag an die Finanzierung der Rück-
versicherung und der kollektiven Regresskosten von 19.1 %;
– Informationen zum Rückversicherer gemäss Art. 17bis Prämientarif;
– Berechnungsgrundlagen betr. die Korrektur durch die individuelle Beurtei-
lung im Rahmen der Erfahrungstarifierung von 0.3896 %;
– Berechnungsgrundlagen betr. die Rundung auf die nächste Tarifstufe bzw.
betr. die Anpassung des BMS-Bedarfssatzes auf insgesamt 0.4179 %;
– Informationen zur «vermuteten Rente» aus dem Jahr 2013.
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3. Nach Vorliegen der von der Vorinstanz zu edierenden Informationen und Un-
terlagen sei der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu gewähren und ein
zweiter Schriftenwechsel anzuordnen.
Die Beschwerdeführerin rügt, dass die Vorinstanz bei der Erhöhung der
Prämie in der Nichtberufsunfallversicherung die Begründungspflicht und
damit den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe. Weiter macht sie
eine Verletzung des Willkürverbots, des Gesetzmässigkeitsprinzips, des
Rechtsgleichheitsgebots und des Grundsatzes der Risikogerechtigkeit gel-
tend.
D.
Der bei der Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom 3. April 2019
eingeforderte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'000.– (BVGer-act. 2)
wurde am 12. April 2019 geleistet (BVGer-act. 4).
E.
Die Vorinstanz hat mit ihrer Vernehmlassung vom 26. Juni 2019 zusätzliche
Unterlagen (Beilagen C-G) eingereicht und beantragt die Abweisung der
Beschwerde (BVGer-act. 8).
F.
Mit Replik vom 2. September 2019 nahm die Beschwerdeführerin zur Ver-
nehmlassung der Vorinstanz Stellung und hielt an Ziffer 1 ihres Rechtsbe-
gehrens fest (BVGer-act. 13).
G.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Duplik vom 3. Oktober 2019 am Antrag auf Ab-
weisung der Beschwerde fest (BVGer-act. 15).
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 9. Oktober 2019 wurde der Schriftenwech-
sel abgeschlossen (BVGer-act. 16).
I.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. e VGG; Art. 109 Bst. b UVG
[SR 832.20]). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen
Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb sie zur Erhebung
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48 Abs. 1
VwVG). Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde
(Art. 63 Abs. 4 VwVG), ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Anfechtungsgegenstand bildet der Einspracheentscheid der Vorinstanz
vom 25. Februar 2019 betreffend die Einreihung der Beschwerdeführerin
in den Prämientarif ab 1. Januar 2019. Die Einreihungsverfügung vom
25. September 2018 bildet dagegen nicht Anfechtungsobjekt des vorlie-
genden Verfahrens. Diese ist durch den Einspracheentscheid vom
25. Februar 2019 ersetzt worden (vgl. BGE 131 V 407 E. 2.1.2). Die Be-
schwerde richtet sich nicht gegen den festgesetzten Prämiensatz der Be-
rufsunfallversicherung ab 1. Januar 2019. Strittig und zu prüfen ist einzig
die Erhöhung des Nettoprämiensatzes in der Nichtberufsunfallversiche-
rung um zwei Stufen per 1. Januar 2019.
3.
3.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unange-
messenheit des Entscheids beanstanden (Art. 49 VwVG).
3.2 Nach der Rechtsprechung hat auch eine Rechtsmittelbehörde, der
volle Kognition zusteht, in Ermessensfragen einen Entscheidungsspiel-
raum der Vorinstanz zu respektieren. Sie hat eine unangemessene Ent-
scheidung zu korrigieren, kann aber der Vorinstanz die Wahl unter mehre-
ren angemessenen Lösungen überlassen (BGE 133 II 35 E. 3). Das Bun-
desverwaltungsgericht hat daher nur den Entscheid der unteren Instanz zu
überprüfen und sich nicht an deren Stelle zu setzen (vgl. BGE 126 V 75
E. 6). Insbesondere dann, wenn die Ermessensausübung, die Anwendung
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unbestimmter Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdigung hochste-
hende, spezialisierte technische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche
Kenntnisse erfordert, ist eine Zurückhaltung des Gerichts bei der Überprü-
fung vorinstanzlicher Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3;
133 II 35 E. 3; 128 V 159 E. 3b/cc). Es stellt daher keine unzulässige Kog-
nitionsbeschränkung dar, wenn das Gericht − das nicht als Fachgericht
ausgestaltet ist − nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab-
weicht, soweit es um die Beurteilung technischer, wirtschaftlicher oder wis-
senschaftlicher Spezialfragen geht, in denen die Vorinstanz über ein be-
sonderes Fachwissen verfügt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3; 133 II 35 E. 3
mit Hinweisen). Dies gilt jedenfalls insoweit, als die Vorinstanz die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen Ab-
klärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat (BGE 139 II 185
E. 9.3; 138 II 77 E. 6.4).
3.3 Dem Unfallversicherer steht bei der Festsetzung des Prämientarifs für
die Berufsunfallversicherung ein weiter Ermessensspielraum zu. In diesen
greift das Gericht nur mit grosser Zurückhaltung ein; in der Regel lediglich,
wenn die Anwendung einer Tarifposition mit dem Gleichbehandlungsgebot
(Art. 8 Abs. 1 BV) unvereinbar ist, dem Gedanken der Risikogerechtigkeit
(Art. 92 Abs. 1 UVG) widerspricht oder wenn der Tarif sich nicht von objek-
tiven Überlegungen leiten lässt (vgl. BGE 126 V 344 E. 4a; RKUV 1998 Nr.
U 294 S. 230 E. 1c). Es darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass bei
der Festsetzung von Tarifen unter Umständen komplexe und allenfalls in
der Zielrichtung widersprüchliche Aspekte auf einen Nenner zu bringen
sind. Das kann zur Folge haben, dass eine bestimmte Tarifposition, die für
sich allein genommen diskutabel erscheint, im Kontext des Tarifs trotzdem
nicht zu beanstanden ist (Urteil des BGer U 240/03 vom 2. Juni 2004
E. 3.2.2). Eine Tarifposition darf deshalb nicht losgelöst von den übrigen
Tarifbestimmungen gewürdigt werden, sondern ist im Gesamtzusammen-
hang zu beurteilen (BVGE 2007/27 E. 3.2; Urteil der Eidgenössischen Re-
kurskommission für die Unfallversicherung [im Folgenden: Rekurskommis-
sion] vom 13. Dezember 2004, publiziert in VPB 69.73, E. 3).
3.4 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft ansonsten den angefochten-
en Entscheid frei, dies unter Berücksichtigung der vorgebrachten Rügen.
Die Beschwerdeinstanz hat mithin nicht zu untersuchen, ob sich die ange-
fochtene Verfügung unter schlechthin allen in Frage kommenden Aspekten
als korrekt erweist, sondern untersucht im Prinzip nur die vorgebrachten
Beanstandungen. Von den Verfahrensbeteiligten nicht aufgeworfene
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Rechtsfragen werden nur geprüft, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbrin-
gen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinrei-
chender Anlass besteht (BGE 119 V 347 E. 1a; ALEXANDRA RUMO-JUNGO,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bun-
desgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 348).
4.
4.1 Gemäss Art. 92 Abs. 1 UVG werden die Prämien von den Versicherern
in Promillen des versicherten Verdienstes festgesetzt. Sie bestehen aus
einer dem Risiko entsprechenden Nettoprämie und aus Zuschlägen für die
Verwaltungskosten, für die Kosten der Verhütung von Unfällen und Berufs-
krankheiten und für die nicht durch Zinsüberschüsse gedeckten Teue-
rungszulagen. Die Versicherer können für die beiden obligatorischen Ver-
sicherungszweige je eine vom jeweiligen Risiko unabhängige Minimalprä-
mie erheben; der Bundesrat legt die Höchstgrenze der Minimalprämie fest.
Laut Art. 92 Abs. 2 UVG werden für die Bemessung der Prämien in der
Berufsunfallversicherung die Betriebe nach ihrer Art und ihren Verhältnis-
sen in Klassen des Prämientarifs und innerhalb dieser in Stufen eingereiht.
Massgebend sind dabei insbesondere die Unfallgefahr und der Stand der
Unfallverhütung. Aufgrund der Risikoerfahrungen kann der Versicherer von
sich aus oder auf Antrag von Betriebsinhabern die Zuteilung bestimmter
Betriebe zu den Klassen und Stufen des Prämientarifs jeweils auf den Be-
ginn des Rechnungsjahres ändern (Art. 92 Abs. 5 UVG). Für die Bemes-
sung der Prämien in der Nichtberufsunfallversicherung können Tarifklas-
sen gebildet werden. Die Prämien dürfen nicht nach dem Geschlecht der
versicherten Personen abgestuft werden (Art. 92 Abs. 6 UVG).
4.2 Die Prämienzuschläge für Verwaltungskosten dienen der Deckung der
ordentlichen Aufwendungen, die den Versicherern aus der Durchführung
der Unfallversicherung erwachsen, einschliesslich der nicht der Heilbehan-
dlung dienenden Aufwendungen für Dienstleistungen Dritter wie Rechts-,
Beratungs- und Begutachtungskosten (Art. 92 Abs. 7 UVG; Art. 114 Abs. 1
UVV). Gemäss Art. 115 Abs. 1 UVV werden die Prämien – unter Vorbehalt
der in den Bst. a bis d genannten Abweichungen – auf dem versicherten
Verdienst im Sinne von Art. 22 Abs. 1 und 2 UVV erhoben.
4.3 Die Betriebe oder Betriebsteile sind so in Klassen und Stufen des Prä-
mientarifs einzureihen, dass die Kosten der Berufsunfälle und Berufskrank-
heiten einer Risikogemeinschaft voraussichtlich aus den Nettoprämien be-
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stritten werden können (Art. 113 Abs. 1 UVV). Die Betriebe oder Betriebs-
teile sind folglich nach Massgabe ihres Risikos in die Klassen und Stufen
des Prämientarifs einzuteilen (Grundsatz der risikogerechten Prämien).
4.3.1 Als Risikoeinheit gelten Betriebe, Betriebsteile und Prämienkonzerne
(Art. 7 Abs. 1 des ab 1. Januar 2019 gültigen, vorliegend anwendbaren
Prämientarifs der Suva [Reglement des Verwaltungsrats der Suva vom
14. November 2008 betreffend die Einreihungsregeln zur Prämienbemes-
sung in der obligatorischen Unfallversicherung {im Folgenden: Prämien-
tarif}]). Die Prämienbemessung erfolgt für jede Risikoeinheit separat (Art. 7
Abs. 2 Prämientarif). Die Risikogemeinschaften der BUV bestehen bei der
SUVA aus Klassen, Unterklassen und Unterklassenteilen (Art. 13 Abs. 1
Prämientarif). Klassen sind Risikogemeinschaften, in welchen zum Zweck
der langfristigen Finanzierung Unterklassen desselben Wirtschaftszweigs
zusammengefasst werden (Abs. 2). Unterklassen sind Risikogemeinschaf-
ten, in welchen zum Zweck der statistischen Auswertung Unterklassenteile
derselben Branchen zusammengefasst werden (Abs. 3). Unterklassenteile
sind Risikogemeinschaften, in welchen zum Zweck der Prämienbemes-
sung gleichartige Betriebe und Betriebsteile mit gleichartigem Unfallrisiko
zusammengefasst werden (Abs. 4). Jeder Unterklassenteil verfügt über ei-
nen Basissatz. Die Basissätze entsprechen jeweils einem Nettosatz im
Suva-Grundtarif (Abs. 5). Die Risikogemeinschaften in der Nichtberufsun-
fallversicherung bestehen in der Regel aus den Klassen der Berufsunfall-
versicherung (Art. 14 Abs. 1 Prämientarif). Jede Risikogemeinschaft ver-
fügt über einen Basissatz. Die Basissätze entsprechen jeweils einem Net-
tosatz im Suva-Grundtarif (Abs. 2).
4.4 Die Suva stellt für die verschiedenen Kundensegmente geeignete Prä-
mienmodelle zur Verfügung. Für Betriebe, welche eine ausreichende sta-
tistische Grösse aufweisen, wendet sie Prämienmodelle mit Erfahrungsta-
rifierung an (Art. 19 Prämientarif). Massgebend für die Bestimmung des
anwendbaren Prämienmodells ist die Basisprämie einer Risikoeinheit.
Diese berechnet sich für das Jahr 2019 aus den Lohnsummen der Risi-
koeinheit multipliziert mit den Basissätzen der jeweiligen Risikogemein-
schaft, aufsummiert über die letzten sieben Jahre (Art. 20 in Verbindung
mit Art. 53 Abs. 6 Prämientarif).
– Eine Risikoeinheit wird im Jahr 2019 zum Basissatz eingereiht, wenn
sie in der Berufsunfallversicherung eine Basisprämie von weniger als
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35'000 Franken bzw. in der Nichtberufsunfallversicherung eine Basis-
prämie von weniger als 420'000 Franken aufweist (Art. 21 Bst. c in Ver-
bindung mit Art. 53 Abs. 7 Prämientarif).
– Eine Risikoeinheit wird im Jahr 2019 nach dem Bonus-Malus-System
eingereiht, wenn sie in den letzten zwei Jahren der Beobachtungspe-
riode jährlich eine prämienpflichtige Lohnsumme aufwies und ihre Ba-
sisprämie in der Berufsunfallversicherung mindestens 35'000 Franken
bzw. in der Nichtberufsunfallversicherung mindestens 420'000 Fran-
ken beträgt (Art. 22 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 7 und 9 Prä-
mientarif).
– Ab einer Basisprämie von 2,1 Millionen Franken gelangt im Jahr 2019
in der Berufsunfallversicherung bzw. der Nichtberufsunfallversiche-
rung die Erfahrungstarifierung zur Anwendung (Art. 23 Abs. 1 in Ver-
bindung mit Art. 53 Abs. 7 Prämientarif).
5.
5.1 Nicht umstritten ist, dass die Beschwerdeführerin in die Klasse 49A
(Strassentransporte) eingeteilt ist. Da die Beschwerdeführerin über eine
Basisprämie (vgl. Art. 20 Prämientarif) von mehr als 2.1 Millionen Franken
verfügt, kommt das Prämienmodell der Erfahrungstarifierung zur Anwen-
dung (Art. 23 Abs. 1 i.V.m. Art. 53 Abs. 7 Prämientarif), was ebenfalls nicht
umstritten ist. Im Prämienmodell der Erfahrungstarifierung ist der Basissatz
der Risikogemeinschaft, der im vorliegenden Fall für Klasse 49A unbestrit-
tenermassen 1.7800 % (Stufe 93) beträgt, Ausgangspunkt der Prämienbe-
rechnung der Beschwerdeführerin (Art. 15 Abs. 1 Prämientarif).
5.2 Zur Bemessung der Nettoprämiensätze im hier anwendbaren Prämien-
modell der Erfahrungstarifierung wird zunächst der Nettoprämienbedarf
der Risikoeinheit nach dem Bonus-Malus-System ermittelt. Danach wer-
den das individuelle Risiko der Risikoeinheit sowie in der BUV ihr individu-
eller Risikokompensationsbedarf beurteilt und der Nettoprämienbedarf ent-
sprechend angepasst (Art. 39 Abs. 1 Prämientarif; vgl. auch GÄCHTER/GER-
BER, in: Basler Kommentar zum Unfallversicherungsgesetz, 2019, N 89 zu
Art. 92; SUVA-Broschüre, Die Erfahrungstarifierung für Grossbetriebe). Für
die Bemessung der Prämiensätze bei mittleren und grossen Betrieben
kommt in der BUV und NBUV ein Bonus-Malus-System zur Anwendung.
Dieses berechnet unter Berücksichtigung der eigenen Kosten einen Sys-
temwert. Bei mittleren Betrieben entspricht dieser Wert dem Prämiensatz.
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Bei grossen Betrieben fliesst zusätzlich das Ergebnis einer individuellen
Beurteilung in die Prämienbemessung mit ein (Erfahrungstarifierung; vgl.
SUVA-Broschüre, Die Erfahrungstarifierung für Grossbetriebe).
5.3 Im Bonus-Malus-System NBUV werden für die Prämienbemessung die
individuellen Risikoerfahrungen der Risikoeinheiten mitberücksichtigt. Die
Kredibilität ist das Ausmass für die Mitberücksichtigung der individuellen
Risikoerfahrungen (Art. 38 Abs. 1 Prämientarif). Die Kredibilität berechnet
sich aus der Basisprämie dividiert durch die Basisprämie plus 900'000
Franken (Art. 38 Abs. 2 Prämientarif). Massgebend für die Bestimmung der
mit einer Risikoeinheit gemachten Risikoerfahrungen ist für das Jahr 2019
der während einer Beobachtungsperiode von sieben Jahren entstandene
Aufwand für die Kurz- und Langfristleistungen bis 90'000 Franken pro Un-
fallereignis nach Rückversicherung (Art. 38 Abs. 3 in Verbindung mit
Art. 53 Abs. 6 Prämientarif). Zum Aufwand zählen die bereits angefallenen
Unfallkosten und die für die erwarteten zukünftigen Kosten vorzunehmen-
den Rückstellungen (Art. 38 Abs. 4 Prämientarif). Der Aufwand der Re-
gressfälle und der regressverdächtigen Fälle bleibt unberücksichtigt
(Art. 38 Abs. 5 Prämientarif). Die Risikoerfahrungen der Risikoeinheit wer-
den mit den Risikoerfahrungen der Risikogemeinschaft verglichen. Die Ab-
weichungen werden nach der Kredibilität der Risikoeinheit gewichtet
(Art. 38 Abs. 6 Prämientarif). Die gewichteten Abweichungen bestimmen
einen allfälligen Bonus oder Malus, der zum Basissatz der Risikogemein-
schaft oder zum Mischsatz addiert oder von diesem abgezogen wird. Dar-
aus ergibt sich der Bedarfssatz der Risikoeinheit (Art. 38 Abs. 7 Prämien-
tarif). Der Nettoprämiensatz der Risikoeinheit entspricht dem ihrem Be-
darfssatz am nächsten liegenden Nettosatz des Suva-Grundtarifs (Art. 38
Abs. 8 Prämientarif).
Bei der Berechnung des Bonus bzw. Malus wird der BMS-Aufwand des
Betriebes mit dem Wert der Risikogemeinschaft (RG) verglichen und in
Prozent der Lohnsumme umgerechnet. Der resultierende Bonus bzw. Ma-
lus wird mit dem Basissatz bzw. Mischsatz verrechnet. Dies ergibt den
BMS-Bedarfssatz des Betriebs (vgl. Erläuterungen zum Grundlagenblatt
NBUV 2019). Der Bonus bzw. der Malus wird nach folgender Formel be-
rechnet (FN 44 Prämientarif):
BMS SchadenquoteBetrieb - BMS SchadenquoteRG x Kredibilität x BasissatzRG
SchadenquoteRG
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Die Kredibilität berechnet sich nach folgender Formel (FN 43 Prämientarif):
Basisprämie (CHF)
Basisprämie (CHF) + 900'000 (CHF)
5.4 Für die Beurteilung des individuellen Risikos einer Risikoeinheit, das
im Modell der Erfahrungstarifierung zusätzlich zum ermittelten Bonus bzw.
Malus in die Bemessung des Prämiensatzes einfliesst, sind sämtliche Fak-
toren, welche ein zuverlässiges Indiz für das voraussichtliche zukünftige
Risiko darstellen, massgebend. Insbesondere ist dies der unlimitierte Auf-
wand für die Versicherungsleistungen nach Rückversicherung inklusive
Rückstellungen während den letzten maximal 15 Jahren, soweit er für die
Einschätzung des zukünftigen Risikos relevant ist (Art. 39 Abs. 2 Prämien-
tarif). Nicht berücksichtigt bei der Beurteilung des individuellen Risikos wer-
den Regressfälle und regressverdächtige Fälle. Ausgenommen sind Un-
fälle und Berufskrankheiten, bei denen der Betrieb oder einer seiner Mitar-
beitenden ganz oder überwiegend haftet (Art. 39 Abs. 3 Prämientarif). Zum
individuellen Risiko hinzugerechnet wird ein Beitrag an die kollektiven Be-
lastungen der Risikogemeinschaft sowie an die Prämie zur Finanzierung
der Rückversicherung (Art. 39 Abs. 4 Prämientarif). Anhand der Beurtei-
lung des individuellen Risikos gemäss Abs. 2 bis 4 ergibt sich eine allfällige
Korrektur des Nettobedarfssatzes (Art. 39 Abs. 5 Prämientarif). Der Net-
toprämiensatz der Risikoeinheit orientiert sich an deren Nettobedarfssatz
und wird so festgelegt, dass kurzfristige Prämienschwankungen vermieden
werden können. Er entspricht einem Nettosatz des Suva-Grundtarifs
(Art. 39 Abs. 7 Prämientarif).
5.5 Die Vorinstanz hat im vorliegenden Fall auf der Basis des Bonus-Ma-
lus-Systems einen Malus von 0.1881 % ermittelt und diesen zum Basissatz
von 1.7800 % hinzugerechnet, was einen «BMS-Bedarfssatz Betrieb» von
0.19681 % ergibt. Im Rahmen der individuellen Beurteilung hat sie sodann
eine Anpassung des «BMS-Bedarfssatz Betrieb» um +0.4179 % vorge-
nommen und so einen Nettoprämiensatz von 2’3860 % (Stufe 99) ermittelt
(vgl. «Grundlagenblatt NBUV 2019»).
5.5.1 Im angefochtenen Einspracheentscheid hat die Vorinstanz dargelegt,
dass sie bei der Bonus-Malus-Beurteilung von einer Kredibilität von
78.41 % (3'269'045 : [3'269'045 + 900’000] x 100) und einem BMS-Auf-
wand des Betriebs von Fr. 3'071'849.– ausgegangen ist. Der Aufwand der
Risikogemeinschaft ergebe sich aus deren Risikostatistik. Analog zum Auf-
wand des Betriebs werde für den Vergleich der Risikoerfahrungen jedoch
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nicht vom gesamten Aufwand ausgegangen, sondern vom sogenannten
BMS-relevanten Aufwand, d.h. vom Aufwand sämtlicher Betriebe der be-
treffenden Risikogemeinschaft nach erfolgter Stutzung ihrer Kosten sowie
nach Abzug der Kosten der Regressfälle und nach Rückversicherung. Der
so erhaltene Wert werde sodann skaliert, das heisst auf die Grösse des
Betriebs umgerechnet, damit die Risikoerfahrungen vergleichbar sind. Der
BMS-relevante Aufwand der Risikogemeinschaft betrage vorliegend
Fr. 2'644'103.–. Der Bonus bzw. Malus berechne sich demnach wie folgt:
BMS AufwandBetrieb - BMS AufwandRGskaliert x Kredibilität x BasissatzRG
AufwandRG
Fr. 3'071’849 - Fr. 2'644’103 x 78.41 % x 1.7800 % = 0.1881 %
Fr. 3'174’586
5.5.2 Hinsichtlich der Beurteilung des individuellen Risikos hielt die Vo-
rinstanz im angefochtenen Einspracheentscheid fest, sie habe insbeson-
dere berücksichtigt, dass bei der Beschwerdeführerin mehr Aufwand über
der Limite (mehr als Fr. 90'000.– pro Ereignis) angefallen sei als bei der
Risikogemeinschaft. Insbesondere der Rentenfall aus dem Jahr 2007 wirke
sich risikoerhöhend aus. Sodann schlage das jüngste Unfalljahr bereits mit
hohen abgewickelten Heilkosten und Taggeldern zu Buche. Wie aus der
ET-Grafik hervorgehe, liege der durchschnittliche Risikosatz der Jahre
2011 bis 2017 bei 3.0751 %. Hier sei zwar die vermutete Rente aus dem
Jahr 2013 enthalten, nicht jedoch die Rente aus dem Jahr 2007. Der effek-
tive Nettoprämienbedarf sei daher deutlich höher als der Nettoprämienbe-
darf gemäss Bonus-Malus-System. Vorliegend betrage der Betrag an die
kollektivierten Belastungen der Klasse 49ZZ 0.0419 % einer Jahresnet-
toprämie und derjenige zur Finanzierung der Rückversicherung und der
kollektiven Regresskosten 19.1 % einer Jahresnettoprämie. Vorliegend be-
trage die Korrektur durch die individuelle Beurteilung im Rahmen der Er-
fahrungstarifierung insgesamt 0.3896 %. Unter Berücksichtigung der Run-
dung auf die nächste Tarifstufe im Grundtarif der Suva belaufe sich die An-
passung auf insgesamt 0.4179 %. Daraus resultiere ein Nettoprämiensatz
von 2.3860 %. Dies entspreche im Prämientarif der Suva der Stufe 99.
6.
Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung der Begründungspflicht als
Teilgehalt des rechtlichen Gehörs, da die Vorinstanz die Prämienerhöhung
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Seite 13
der NBUV verfügt habe, ohne diese in nachvollziehbarer Weise zu begrün-
den.
6.1 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich für die Behörden
die Pflicht, ihren Entscheid zu begründen (vgl. auch Art. 49 Abs. 3 ATSG;
Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung einer Verfügung muss so abgefasst
sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids
Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere
Instanz weiterziehen kann. Nicht erforderlich ist, dass sich die Behörde mit
allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt. In diesem Sinne müssen wenigstens
kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat
leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (Art. 29 Abs. 2 BV; BGE
143 III 65 E. 5.2 mit Hinweisen). Die Anforderungen an die Begründung
sind umso höher, je weiter der Entscheidungsspielraum der entscheiden-
den Behörde und je komplexer die Sach- und Rechtslage sind (HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016,
Rz. 1072). Gemäss dem Grundsatz der Transparenz muss nachvollzogen
werden können, wie eine Prämie festgelegt bzw. erhöht wird (vgl. GÄCH-
TER/GERBER, a.a.O., N 53 zu Art. 92).
6.2 Da der Vorinstanz im Rahmen der Tarifgestaltung ein grosser Entschei-
dungs- und Ermessensspielraum zukommt und es sich bei der Einreihung
in den Prämientarif um eine komplexe Materie handelt, muss die Begrün-
dung entsprechend ausführlich und umfassend sein. Dies hat umso mehr
zu gelten, wenn der betroffene Betrieb – wie hier – bereits in der Einspra-
che eine nachvollziehbare Begründung einzelner Positionen und Berech-
nungen verlangt hat und er den Unfallversicherer nicht frei wählen kann
und darf (vgl. zum Zuständigkeitsbereich der Suva Art. 66 UVG; vgl. Urteil
des BVGer C-2440/2017 vom 25. Februar 2019 E. 4.1).
6.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, womit seine
Verletzung ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur
Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Ent-
scheids führt (BGE 141 V 557 E. 3; 137 I 195 E. 2.2). Eine nicht besonders
schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann ausnahmsweise
als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich
vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie
auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist
darüber hinaus, im Sinne einer Heilung des Mangels, selbst bei einer
C-1516/2019
Seite 14
schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör von ei-
ner Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und so-
weit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu un-
nötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleich-
gestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beur-
teilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2 mit
Hinweisen; Urteil des BGer 1C_586/2019 vom 3. August 2020 E. 2.3).
6.4 Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, dass es ihr aufgrund
der vorliegenden Informationen nicht möglich sei, den errechneten Malus
in der Höhe von 0.1881 % nachzuvollziehen, geschweigen denn, diesen
zu prüfen.
6.4.1 In ihrer Beschwerde hält die Beschwerdeführerin fest, dass der in der
Bonus/Malus-Formel eingesetzte Wert «BMS-AufwandBetrieb» in der Höhe
von Fr. 3'071'849.– anerkannt werde. Dem Einspracheentscheid könne
aber nicht entnommen werden, wie sich die in der Formel eingesetzten Be-
träge für die Risikoerfahrung der Risikogemeinschaft in der Höhe von
Fr. 2'644'103.– (BMS-AufwandRGskaliert) und im Betrag von Fr. 3'174'586.–
(AufwandRG) zusammensetzen und ergeben würden. Die Risikostatistik der
Risikogemeinschaft liege nicht vor. Im Einspracheentscheid fänden sich
auch keine Erläuterungen dazu.
6.4.2 Die Vorinstanz hat in ihrer Vernehmlassung darauf hingewiesen,
dass sich der Aufwand der Risikogemeinschaft aus deren Risikostatistik
(RIS 418 Klasse 49A NBUV vom 29. Mai 2019) ergebe. Diese hat die
Vorinstanz im Beschwerdeverfahren eingereicht (Beilage C zu BVGer-
act. 8). Sie hielt fest, diese Rohdaten würden vom System während der
BMS-Berechnung auf die Grösse bzw. Lohnsumme des Betriebs skaliert,
damit sie vergleichbar seien. Ebenso werde der BMS-relevante Aufwand
der Risikogemeinschaft während des Berechnungsvorgangs vom System
automatisch ermittelt. Der entsprechende Wert finde sich in Ziffer 2.3 des
Grundlagenblatts NBUV 2019. Eine externe Quelle gebe es hierzu nicht.
6.4.3 In der Replik bringt die Beschwerdeführerin vor, dass es der
Vorinstanz auch im Rahmen der Vernehmlassung nicht gelungen sei, die
aufgeworfenen Fragen zu beantworten. Auch nach ihren Erläuterungen sei
es nicht nachvollziehbar, wie sich die eingesetzten Beträge für die Risiko-
erfahrung der Risikogemeinschaft in der Höhe von Fr. 2'644'103.– (BMS-
AufwandRG skaliert) und im Betrag von Fr. 3'174'586.– (AufwandRG) zusam-
mensetzten und zustande gekommen seien. Mangels Kenntnis über die Art
C-1516/2019
Seite 15
und Weise der «vom System während der BMS-Berechnung» vorgenom-
menen Skalierung bleibe die Bestimmung des Malus nicht nachvollziehbar
und sei nicht überprüfbar. Unklar sei im Weiteren, was die Vorinstanz mit
dem Hinweis, wonach es für den Aufwand der Risikogemeinschaft keine
«externe Quelle» gäbe, meine. Es sei schwer vorstellbar, dass diese Grös-
sen statistisch nicht erhoben würden. Die Komplexität der Tarifierung dürfe
nicht dazu führen, dass diese für die Versicherungsnehmer nicht mehr
nachvollziehbar sei. Genau dies geschehe im vorliegenden Fall aber, wo-
bei von der Beschwerdeführerin erwartet werde, dass sie den offenbar
nicht auf «externen Quellen» beruhenden Skalierungsmodellen der Vo-
rinstanz blindlings Glauben schenke.
6.4.4 Im vorliegenden Fall lässt sich allein aus den Angaben in der Einrei-
hungsverfügung und dem Grundlagenblatt NBUV 2019 nicht nachvollzie-
hen, wie die Vorinstanz den Malus von 0.1881 % berechnet hat. Im Ein-
spracheentscheid hat die Vorinstanz dann zwar die Formel für die Berech-
nung des Bonus bzw. Malus sowie die in die Formel eingesetzten Werte
aufgeführt. Sie hat jedoch nicht aufgezeigt, wie sie die Werte der Ver-
gleichsgemeinschaft (BMS-AufwandRGskaliert von Fr. 2'644'103.–; Auf-
wandRG von Fr. 3'174'586.–) ermittelt hat. Die Terminologie der in der For-
mel verwendeten Werte des Einspracheentscheides einerseits und des
Prämientarifs anderseits stimmen sodann nur teilweise überein (vgl. oben
E. 5.3 und E. 5.5.1), was eine Überprüfung weiter erschwert. Aus der von
der Vorinstanz im Beschwerdeverfahren eingereichten Risikostatistik der
Klasse 49A für die Nichtberufsunfallversicherung (Formular «RIS 418») ist
der Gesamtaufwand der Risikogemeinschaft 49A der Jahre 2011 bis 2017
ersichtlich (Fr. 345'693'988.-). Es ist aber nicht nachvollziehbar, wie die Vo-
rinstanz diesen Gesamtaufwand auf die Grösse des Betriebs der Be-
schwerdeführerin skaliert und den in der Formel verwendeten Aufwand der
Risikogemeinschaft und den BMS-Aufwand der Risikogesellschaft ermittelt
hat. Allein anhand dem Verhältnis der Lohnsumme der Risikogemeinschaft
der Jahre 2011 bis 2017, die laut der Risikostatistik «RIS 418»
Fr. 20'508'422'904.– beträgt, und der Lohnsumme der Beschwerdeführerin
der Jahre 2011 bis 2017, die gemäss Grundlagenblatt NBUV 2019
Fr. 193'997'463.– beträgt, lassen sich die von der Vorinstanz verwendeten
Werte nicht ermitteln. Die vorinstanzliche Berechnung des Malus von
0.1881 % ist somit auch anhand der im Beschwerdeverfahren eingereich-
ten Risikostatistik «RIS 418» nicht nachvollziehbar und daher weder für die
Beschwerdeführerin noch für das Gericht überprüfbar. Auch wenn die Prä-
mienbemessung im Kern eine mathematische Operation ist, muss sie an-
hand des Prämientarifs und der zur Verfügung gestellten Zahlen innert
C-1516/2019
Seite 16
nützlicher Frist überprüft werden können (vgl. Urteil des BVGer
C-7072/2016 vom 22. Mai 2018 E. 7.2), was hier nicht der Fall.
6.4.5 Im Hinblick auf die Festlegung des Malus von 0.1881 % ist die Vo-
rinstanz ihrer Begründungspflicht nicht genügend nachgekommen. Dies-
bezüglich liegt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor.
6.5 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, dass es nicht nachvoll-
ziehbar sei, auf welchen Grundlagen die Vorinstanz das individuelle Risiko
beurteilt habe und inwieweit sich daraus eine Korrektur des Nettobedarfs-
satzes um 0.3896 % bzw. nach Berücksichtigung der Rundung auf die
nächste Tarifstufe von 0.4179 % rechtfertige.
6.5.1 Die Beschwerdeführerin kritisiert, dass die Vorinstanz die Behaup-
tung, dass bei ihr mehr Aufwand über der Limite angefallen sei, als bei der
Risikogemeinschaft, nicht belegt habe. Sie habe nicht aufgezeigt, wie hoch
der Aufwand bei der Risikogemeinschaft tatsächlich gewesen sei und auf
welche Datenlage sie sich dabei stütze. Es werde auch nicht dargetan, in
welchem Umfang der Aufwand des Betriebs über der Limite liege. Weiter
sei unklar, auf welcher Datenlage die Vorinstanz den durchschnittlichen Ri-
sikosatz der Jahre 2011 bis 2017 berechnet habe bzw. wie sie darauf
komme, dass dieser 3.0751 % betragen solle. Dadurch sei es nicht mög-
lich, die Prämienerhöhung nachzuvollziehen und zu überprüfen. Es möge
sein, dass die Bestimmung des durchschnittlichen Risikosatzes der Jahre
2011 bis 2017 komplex sei und Fachwissen voraussetze. Dies entbinde die
Vorinstanz aber nicht vor ihrer Pflicht, den Tarif in einer Art und Weise zu
gestalten, dass dieser für die Prämienzahler nachvollziehbar sei.
6.5.2 Die Vorinstanz weist in ihrer Vernehmlassung darauf hin, dass die
Beurteilung des individuellen Risikos ein Ermessensentscheid der Under-
writer und keine mathematische Operation sei. Die Underwriter analysier-
ten das Risiko und würden die verschiedenen Faktoren abwägen. Es könn-
ten daher nicht alle Schritte mit Formeln und Zahlen belegt werden. Vorlie-
gend sei insbesondere berücksichtigt worden, dass beim Aufwand des Be-
triebs mehr Aufwand über der Limite angefallen sei als bei der Risikoge-
meinschaft. Der unlimitierte Aufwand und der Aufwand über Limite der Be-
schwerdeführerin ergebe sich aus dem Grundlagenblatt NBUV 2019. Die
Quelle sei die Risikostatistik der Beschwerdeführerin (RIS 416 NBUV vom
3. Juni 2019, Beilage D zu BVGer-act. 8). Die entsprechenden Rohdaten
der Risikogemeinschaft würden sich aus deren Risikostatistik (RIS 418
Klasse 49A NBUV vom 29. Mai 2019, Beilage C zu BVGer-act. 8) ergeben.
C-1516/2019
Seite 17
Der Aufwand über der Limite des Vergleichskollektivs, skaliert auf die
Grösse des Betriebs, betrage Fr. 466'586.–. Dieser Wert werde vom Sys-
tem generiert, eine externe Quelle gebe es hierzu nicht. Der Aufwand über
Limite des Betriebs betrage 36 % seines massgebenden Aufwands (ohne
Regressfälle), derjenige des Vergleichskollektivs betrage 15 % seines
massgebenden Aufwands (ohne Regressfälle). Die Beschwerdeführerin
weise im Verhältnis somit einen viel höheren ungestutzten Aufwand auf als
ihre Risikogemeinschaft. Zudem wirke sich der Rentenfall aus dem Jahr
2007, der im BMS-Prämienbedarf nicht enthalten sei, risikoerhöhend aus.
Zum durchschnittlichen Risikosatz der Jahre 2011 bis 2017 hielt die Vo-
rinstanz in ihrer Vernehmlassung fest, dass aus der ET-Grafik hervorgehe,
dass dieser bei 3,0751 % liege. Der effektive Nettoprämienbedarf sei daher
deutlich höher als der Nettoprämienbedarf gemäss Bonus-Malus-System.
Anders als die Risikostatistik (RIS 416 NBUV vom 3. Juni 2019, Beilage D
zu BVGer-act. 8), welche eine buchhalterische Sicht der Vergangenheit
zeige, sei die ET-Grafik ein Prognose-Tool, das der Darstellung des zukünf-
tig erwarteten Risikos diene. Damit eine sinnvolle Risikoanalyse vorge-
nommen werden könne, würden die Aufwände der einzelnen Jahre so dar-
gestellt, dass sie miteinander verglichen werden könnten. Das heisse, die
Aufwände würden teuerungsbereinigt, und es würden die Auswirkungen
der vom EDI vorgegebenen Senkungen des technischen Zinssatzes be-
rücksichtigt. Schliesslich sei im Aufwand, wie er in der Grafik dargestellt ist,
zusätzlich ein Sockelbeitrag enthalten (Anteil an der Klassenbelastung,
den kollektiven Regresskosten und der Rückversicherung). Dieser sei auf
die einzelnen Komponenten (Heilkosten und Taggelder etc.) aufgeteilt.
6.5.3 Die Beschwerdeführerin bringt hierzu in ihrer Replik vor, dass die
Aussage der Vorinstanz erstaune, wonach der Korrektur des Nettobedarfs-
atzes anhand des individuellen Risikos um 0.3896 % bzw. «nach Berück-
sichtigung der Rundung auf die nächste Tarifstufe» um 0.4179 % kein ma-
thematischer Prozess zugrunde liege. Es könne nicht ernsthaft behauptet
werden, dass ein Korrekturfaktor mit vier Stellen nach dem Komma Resul-
tat eines Ermessensentscheids eines Underwriters und nicht Ergebnis ei-
ner mathematischen Operation sei. Entsprechend würden die diesbezügli-
chen Ausführungen der Vorinstanz bestritten. In ihrer Vernehmlassung
führe die Vorinstanz nun zwar immerhin aus, dass sie bei der Beurteilung
des individuellen Risikos einerseits den im Vergleich zur Risikogemein-
schaft höheren Aufwand des Betriebs der Beschwerdeführerin über der Li-
mite und andererseits den Rentenfall aus dem Jahr 2007 sowie die im
C-1516/2019
Seite 18
jüngsten Unfalljahr bereits abgewickelten Heilkosten und Taggelder be-
rücksichtigt habe. Wie diese Faktoren im Rahmen des Underwritingprozes-
ses gewichtet worden seien, und ob von den Underwritern noch andere
Faktoren eingeflossen seien, könne aber auch der Vernehmlassung nicht
entnommen werden. Sie bleibe deshalb dabei, dass die Vorinstanz ihre
Begründungspflicht und damit auch den Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt habe.
6.5.4 Laut den Ausführungen der Vorinstanz ist die Beurteilung des indivi-
duellen Risikos der Beschwerdeführerin ein Ermessensentscheid des Un-
derwriters. Angesichts des ermittelten Prozentsatzes mit vier Stellen nach
dem Komma ist aber davon auszugehen, dass der zuständige Underwriter
Berechnungen vorgenommen hat. Die Vorinstanz hat jedoch keine vom zu-
ständigen Underwriter angefertigten Unterlagen und Berechnungen ins
Recht gelegt (vgl. dazu Urteil des BVGer C-2615/2014 E. 8.2), so dass
diese nicht überprüfbar sind. Dies ist auch insofern problematisch, als ge-
mäss der Vorinstanz dieser Spezialist Faktoren in die Berechnung mitein-
fliessen lässt, die vom System generiert werden und wofür es keine exter-
nen Quellen gebe, und somit anhand der vorliegenden Akten nicht eruier-
bar sind. Weiter ist auch nicht ersichtlich, wie der zuständige Underwriter
die einzelnen Faktoren im Rahmen der Beurteilung des individuellen Risi-
kos gewichtet hat. Somit ist die Ermessensausübung des Underwriters für
das Bundesverwaltungsgericht nicht überprüfbar. Soweit die Vorinstanz auf
den Ermessensentscheid des Underwriters verweist, kommt sie ihrer Be-
gründungspflicht nicht genügend nach.
6.5.5 Hinsichtlich der Beurteilung des individuellen Risikos ist aufgrund der
vorliegenden Akten überdies nicht ersichtlich, wie weit der Aufwand über
der Limite bei der Beschwerdeführerin höher ist als bei der Risikogemein-
schaft. Zwar ist der Aufwand über der Limite der Beschwerdeführerin
(Fr. 1'728'091.–) im Grundlagenblatt NBUV 2019 aufgeführt. Dieser Wert
lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres aus der Risikostatistik der Beschwer-
deführerin («RIS 416»; Beilage D zu BVGer-act. 8) ablesen. Der Aufwand
der Risikogemeinschaft über Limite, skaliert auf die Grösse des Betriebs,
beträgt laut Angaben der Vorinstanz in der Vernehmlassung Fr. 466'586.–.
Dieser Wert ist jedoch weder dem Grundlagenblatt NBUV 2019 noch dem
Einspracheentscheid zu entnehmen. Auch aus der im Beschwerdeverfah-
ren eingereichten Risikostatistik der Risikogemeinschaft lässt er sich nicht
direkt ablesen. So gibt denn auch die Vorinstanz an, dass dieser Wert vom
System generiert werde und es hierzu keine externe Quelle gebe. Insge-
samt lässt sich damit nicht überprüfen, ob bei der Beschwerdeführerin
C-1516/2019
Seite 19
mehr Aufwand über der Limite angefallen ist als bei der Risikogemeinschaft
bzw. inwiefern ein allfälliger Mehraufwand einen Aufschlag rechtfertigt.
Was den durchschnittlichen Risikosatz der Jahre 2011 bis 2017 von
3.0751 % anbelangt, so lässt sich dieser zwar aus der ET-Grafik vom
25. September 2018 ablesen, wie er ermittelt wurde, ergibt sich aus der
Grafik jedoch nicht. In der Vernehmlassung hat die Vorinstanz zwar präzi-
sierende Ausführungen zur Grafik gemacht, die Berechnung des Risikosat-
zes im konkreten Fall lässt sich damit aber nicht überprüfen.
6.5.6 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass die kollektive Be-
lastung der Klasse 49ZZ nirgends publiziert sei. Es handle sich dabei of-
fensichtlich um einen Suva-internen Tarif. Dasselbe gelte für die zur Finan-
zierung der Rückversicherung und der kollektiven Regresskosten geltend
gemachten Aufwendungen von «happigen» 19.1 % einer Jahresnettoprä-
mie. Auf welchen Grundlagen diese Aufwendungen beruhten, wie diese
Prozentsätze berechnet würden, auf welche Datenlage sich die Vorinstanz
dabei stütze, welchen Anteil die Kosten für die Finanzierung der Rückver-
sicherung und welchen Anteil die kollektiven Regresskosten ausmachten,
werde im angefochtenen Einspracheentscheid an keiner Stelle erwähnt.
6.5.7 In ihrer Vernehmlassung hat die Vorinstanz darauf hingewiesen, dass
die kollektiven Belastungen aus der Klassenbelastung und den kollektiven
Regresskosten bestünden. Bei der Klassenbelastung handle es sich um
Unfälle, welche keinem Betrieb zugeordnet werden könnten. Diese würden
teilweise auf Ebene Versicherungszweig, teilweise auf Ebene Klasse in so-
genannten Sammelklassen kollektiviert. In diesen Sammelklassen würden
sich keine Betriebe befinden. Die Klasse 49A ZZ sei die Sammelklasse der
Klasse 49A (RIS 418 Klasse 49A ZZ NBUV vom 29. Mai 2019, Beilage E
zu BVGer-act. 8). Die Klasse 99Z sei die Sammelklasse des Versiche-
rungszweigs (RIS 417 Klasse 99Z NBUV vom 6. Juni 2019, Beilage F zu
BVGer-act. 8). Deren Aufwände würden proportional auf die Klassen ver-
teilt. Zur Festlegung des Anteils der ET-Betriebe an der Klassenbelastung
ermittle der zuständige Underwriter zunächst die entsprechenden Kosten
des Kollektivs der ersten 10 Jahre der 15-jährigen Beobachtungsperiode.
Aus dem Durchschnitt dieser Summe in Relation zur Lohnsumme lege er
den erwarteten Risikosatz dieser Belastungen für die Zukunft fest. Dabei
handle es sich um einen Ermessensentscheid, wobei der Underwriter sich
am Wert der Vergangenheit orientiere, wenn nicht spezielle Gründe dage-
gen sprechen würden. Vorliegend sei der Wert der Vergangenheit über-
nommen worden. Damit die Kosten prämienproportional verteilt werden
C-1516/2019
Seite 20
könnten, werde der Risikosatz der Klassenbelastung in Prozente der Net-
toprämie umgerechnet, woraus sich für das Kollektiv ein Wert von
0,0419 % ergebe. Dies entspreche auch dem Anteil der ET-Betriebe, in
Prozent ihrer jeweiligen erwarteten Nettoprämie. Ähnlich verhalte es sich
mit den Regresskosten. Die Kosten der Regressfälle würden dem jeweili-
gen Kollektiv belastet, die eingehenden Zahlungen dem jeweiligen Kollek-
tiv gutgeschrieben. Wenn nicht sämtliche Ansprüche gegen den Haftpflich-
tigen durchgesetzt werden könnten, resultiere ein Aufwandüberschuss.
Dieser werde im Rahmen der Prämienbemessung anteilmässig auf die Be-
triebe des entsprechenden Kollektivs verteilt. Der Beitrag an die kollektiven
Regresskosten betrage vorliegend 18 % des erwarteten Nettoprämiensat-
zes. Zu deren Festlegung ermittle der zuständige Underwriter zunächst die
entsprechenden Kosten des Kollektivs der ersten 10 Jahre der 15-jährigen
Beobachtungsperiode (RIS 417 Klasse 49A NBUV Regress vom
29.05.2019, Beilage G zu BVGer-act. 8). Aus dem Durchschnitt dieser
Summe in Relation zur erwarteten Lohnsumme lege er den erwarteten
Wert für die Zukunft fest. Auch dabei handle es sich um einen Ermessens-
entscheid, wobei der Underwriter sich am Wert der Vergangenheit orien-
tiere, wenn nicht spezielle Gründe dagegen sprechen würden. Vorliegend
sei der Wert der Vergangenheit übernommen worden. Dieser werde in Pro-
zent der Nettoprämie des Kollektivs umgerechnet, woraus sich die 18 %
ergeben würden. Dies entspreche auch dem Anteil der ET-Betriebe, in Pro-
zent ihrer jeweiligen erwarteten Nettoprämie. Weiter hielt die Vorinstanz
fest, dass gemäss Art. 17bis des Prämientarifs die Risikogemeinschaften in
der Nichtberufsunfallversicherung gemeinsam eine Rückversicherung zur
Absicherung gegen ausserordentliche Kosten aus Nichtberufsunfällen
führten. Die Risikogemeinschaften hafteten bis zu einer Limite von 1.8 Mil-
lionen Franken pro Unfallereignis. Der restliche Aufwand werde von der
Rückversicherung getragen. Die Prämien für diese interne Rückversiche-
rung sei vom SUVA-Rat auf für die NBUV auf 1.1 % der Nettoprämie fest-
gesetzt worden.
6.5.8 Hinsichtlich des Beitrags an die kollektiven Belastungen und die kol-
lektiven Regresskosten hat die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung darauf
hingewiesen, dass es sich um einen Ermessensentscheid des Underwri-
ters handelt. Sie hat im Beschwerdeverfahren zwar Erläuterungen zum
Vorgehen des Underwriters gemacht und hat dargelegt, dass sie für die
Beurteilung auf die Risikostatistiken der Klassen 49A ZZ und 99 Z abge-
stellt hat, hat es aber auch in diesem Punkt versäumt, die vom zuständigen
Underwriter angefertigten Unterlagen und Berechnungen einzureichen
C-1516/2019
Seite 21
(vgl. dazu Urteil des BVGer C-2615/2014 E. 8.2), so dass die ermittelten
Werte von 0.0419 % bzw. 18 % nicht überprüfbar sind.
6.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Prämienfestsetzung
NBUV, namentlich die Erhöhung des Nettoprämiensatzes Betrieb (Ziffer
4.2 des Grundlagenblattes NBUV 2019) um zwei Stufen per 1. Januar
2019, weder aufgrund der Begründung des angefochtenen Einspracheent-
scheids vom 25. Februar 2019 noch der Ergänzungen im Rahmen des Be-
schwerdeverfahrens nachvollzogen werden kann. Die Vorinstanz hat nicht
nachvollziehbar darlegen können, wie sie den Malus und das individuelle
Risiko berechnet hat. Die Vorinstanz hat damit den Anspruch der Be-
schwerdeführerin auf rechtliches Gehör und namentlich ihre Begründungs-
pflicht wiederholt und in mehrfacher Hinsicht verletzt. Da auch dem Gericht
die notwendigen Grundlagen nicht vorliegen, ist es ihm nicht möglich, ei-
nen reformatorischen Entscheid zu treffen. Eine Heilung der Verletzung
des rechtlichen Gehörs ist nicht möglich. Hinzuweisen ist zudem auf die
zurückhaltende Überprüfung des Gerichts bei (versicherungs-)technischen
Fragen (vgl. E. 3.2), welche im vorliegenden Fall ebenfalls gegen eine aus-
nahmsweise Heilung spricht. Die zurückhaltende Überprüfung der Gerichte
bei technischen Fragen ist dadurch begründet, dass deren Beurteilung ei-
nen hohen Wissensstand im entsprechenden Fachgebiet erfordert, über
den primär die spezialisierte Verwaltungsabteilung verfügt. Das Gericht
muss sich in erster Linie auf die Angaben der Fachbehörde verlassen (be-
ziehungsweise verlassen können) und die angestammten Rollen von Jus-
tiz und Verwaltung beachten. Deshalb hat das Gericht nur ausnahmsweise
– wenn dazu keine fachtechnischen Abklärungen erforderlich sind sowie
nur eine Lösung möglich und rechtmässig erscheint, mithin der Verwaltung
kein Ermessensspielraum verbleibt – in der Sache selber zu entscheiden.
In den übrigen Fällen ist eine Rückweisung an die Verwaltung angezeigt
(vgl. BGE 129 II 331 E. 3.2; BVGE 2007/27 E. 10.4; Urteil des BVGer
C-3488/2017 vom 12. Juni 2018 E. 6.5).
7.
In Gutheissung der Beschwerde ist demnach der Einspracheentscheid
vom 25. Februar 2019 aufzuheben. Die Akten sind an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen, damit diese betreffend das Jahr 2019 eine im Detail nach-
vollziehbare Prämienberechnung im Sinne der Erwägungen erstellt, die
massgebenden Faktoren und Daten detailliert und vollständig offenlegt und
im Anschluss daran eine neue Verfügung mit einlässlicher und nachvoll-
ziehbarer Begründung erlässt.
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Seite 22
8.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG
die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Da eine
Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Par-
tei gilt (BGE 132 V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall der Beschwerde-
führerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Der von ihr geleistete Kos-
tenvorschuss in der Höhe von Fr. 2‘000.- ist ihr nach Rechtskraft des vor-
liegenden Urteils auf ein von ihr zu bezeichnendes Konto zurückzuerstat-
ten. Der Vorinstanz werden ebenfalls keine Verfahrenskosten auferlegt
(Art. 63 Abs. 2 VwVG).
8.2 Die obsiegende, anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat gemäss
Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung zu Lasten der Vorinstanz. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist
die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2
VGKE). Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen
und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der
Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens ist die Parteient-
schädigung auf insgesamt Fr. 4‘000.- festzusetzen (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuer; Art. 9 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die
unterliegende Vorinstanz als Bundesbehörde (BGE 127 V 205) hat keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbin-
dung mit Art. 7 Abs. 3 und 4 VGKE).