Decision ID: 26346c7d-8141-5a08-b02f-b7eb2829f08a
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, Frohburg-
strasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Im Februar 2012 meldete sich A._ zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und ersuchte um Unterstützung bei der beruflichen
Integration und um Ausrichtung einer Rente. Sie gab an, an Zwangserkrankung, Stress
und Überforderung zu leiden (IV-act. 1).
A.b Mit Schreiben vom 27. Februar 2012 teilte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen der
Versicherten mit, dass eine berufliche Eingliederungsmassnahme in ihrem Fall nicht
angezeigt sei, da sie als Hausfrau tätig sei. Der Anspruch auf Rentenleistungen werde
hingegen noch überprüft (IV-act. 8).
A.c Im Bericht vom 29. März 2012 diagnostizierten die Ärzte vom Ambulatorium der
Psychiatrischen Klinik B._ bei der Versicherten eine Zwangsstörung mit vorwiegend
Zwangshandlungen sowie mittelgradige depressive Episoden. Die Versicherte sei in
ihrem Alltag in verschiedensten Bereichen massiv eingeschränkt. Eine Arbeit sei aktuell
nicht denkbar. Aufgrund der Länge und der Schwere der Erkrankung sei von einer eher
ungünstigen Prognose auszugehen. Es sei denkbar, dass die Krankheit invalidisierend
bleibe (IV-act. 18).
A.d Am 16. Mai 2012 wurde die Versicherte vom Ambulatorium B._ wegen
schwergradiger Zwangssymptomatik in das Psychiatrische Zentrum C._ zugewiesen.
Die Zuweisung sei erfolgt, weil sich die Versicherte nahezu den ganzen Tag mit ihren
Zwangsgedanken und -handlungen beschäftigt und sich dadurch vernachlässigt und
stark an Gewicht abgenommen habe. Die Situation sei zudem für die im gleichen
Haushalt lebende Tochter unerträglich geworden. Die Versicherte wurde vom 16. Mai
2012 bis 30. Juni 2012 im Psychiatrischen Zentrum C._ hospitalisiert. Dabei hätten
sich die Zwänge rückläufig entwickelt und der somatische Zustand habe sich erheblich
verbessert. Es sei jedoch eine langfristig angelegte Behandlung nötig (siehe
Austrittsbericht vom 30. Juni 2012; IV-act. 33, 5/8 ff).
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A.e Im Januar 2013 führte die IV-Stelle bei der Versicherten eine Haushaltsabklärung
durch. Der Abklärungsbericht vom 18. Februar 2013 qualifizierte die Versicherte als
Vollerwerbstätige (IV-act. 31).
A.f Mit Verlaufsbericht vom 2. April 2013 hielten die Ärzte des Ambulatoriums der
Psychiatrischen Klinik B._ einen verschlechterten Gesundheitszustand fest. Es habe
sich neu der Verdacht auf eine Erkrankung des schizophrenen Formenkreises (ICD-10:
F42.1) gestellt. Nach dem Austritt aus dem Psychiatrischen Zentrum C._ habe die
Versicherte die in die Wege geleitete Anschlussbehandlung nicht wahrgenommen und
ihre Medikamente abgesetzt. Am 16. Dezember 2012 sei sie auf Drängen der Sozialen
Dienste D._ wieder in der Klinik vorstellig geworden. Sie habe denselben
körperlichen und psychischen Zustand gezeigt wie vor ihrer ersten Hospitalisation. Eine
zweite Hospitalisation habe die Versicherte nicht wahrgenommen; sie sei von der
Verwandtschaft abgeholt und zwei Monate versorgt worden. Die Ärzte bescheinigten
der Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 33).
B.
B.a Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen liess durch die Medizinische
Gutachterzentrum Region St. Gallen GmbH ein psychiatrisches Gutachten über die
Versicherte erstellen (Gutachten von Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 14. Juni 2013, IV-act. 40; nachfolgend MGSG-Gutachten). Das
Gutachten hielt folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: a)
Zwangsstörung mit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen; b) rezidivierende
depressive Störung mit mittelgradigen depressiven Episoden; und c) generalisierte
Angststörung. Aus psychiatrischer Sicht lasse sich bei der Versicherten seit etwa 1998
eine Zwangsstörung mit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen mit Waschen,
Putzen, Staubsaugen erheben. Diese Zwangsstörung sei etwa im Januar 2011
eskaliert, als die Zwangshandlungen sie zunehmend eingeengt hätten und sie über
Stunden tagsüber damit beschäftigt gewesen sei. Bei Unterlassen dieser
Zwangshandlungen sei es zu verstärkten Angstzuständen gekommen. Daneben könne
im Rahmen der langjährigen Partnerproblematik mit Trennung 2004 und Scheidung
2006 eine rezidivierende depressive Störung mit wiederholt mittelgradigen depressiven
Episoden erhoben werden. Diese sei nach der stationären Behandlung im Verlauf 2012
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zunehmend gebessert und seit etwa anfangs 2013 weitgehend remittiert. Weiters lasse
sich eine generalisierte Angststörung erheben, die sich bis zu paranoiden Vorstellungen
gesteigert habe, nachdem es zu wiederholten Problemen mit Vermietern/Nachbarn
gekommen sei und die Versicherte innert kürzester Zeit sechsmal die Wohnung
gewechselt habe. Diese Angststörung habe sich derzeit weitgehend gebessert.
Bezüglich Arbeitsfähigkeit gelangte der Gutachter zu folgenden Schlüssen:
a) Angestammte Tätigkeit als Hilfsarbeiterin:
- Zeitraum 01.2011 bis 12.2012: Arbeitsunfähigkeit 70 %
- Ab 01.2013: Arbeitsunfähigkeit 30 %
b) Leidensadaptierte Tätigkeit:
- Zeitraum 01.2011 bis 12.2012: Arbeitsunfähigkeit 60 %
- Ab 01.2013: Arbeitsunfähigkeit 25 %
c) Tätigkeit im Haushalt:
- Zeitraum 01.2011 bis 12.2012: Arbeitsunfähigkeit 40 %
- Ab 01.2013: Arbeitsunfähigkeit 20 %.
Aus psychiatrischer Sicht sollte es sich um Tätigkeiten ohne erhöhte emotionale
Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck (Stressbelastung), ohne erforderliche geistige
Flexibilität, ohne erforderliche überdurchschnittliche Konzentrationsfähigkeit und ohne
überdurchschnittliche Dauerbelastung handeln. Einer sofortigen beruflichen
Eingliederung stünden keine medizinischen Hinderungsgründe entgegen. Die Prognose
erscheine nach dem bisherigen Krankheitsverlauf eher günstig, nachdem im Verlauf
unter psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung, kombiniert mit
medikamentöser Therapie, eine Besserung des psychischen Zustandsbildes zu
erheben sei. Diese therapeutischen Massnahmen seien konsequent fortzusetzen, seien
der Versicherten zuzumuten und könnten aufgrund der anamnestisch zu erhebenden
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mangelnden Compliance auch auferlegt werden. Unter diesen therapeutischen
Massnahmen sei vor allem ein Erhalten der Arbeitsfähigkeit zu erwarten, während eine
wesentliche Besserung der Leistungsfähigkeit eher unwahrscheinlich sei.
B.b Mit Stellungnahme vom 8. Juli 2013 hielt der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) fest,
dass aus versicherungsmedizinischer Sicht auf das MGSG-Gutachten abgestellt
werden könne. Das Gutachten sei umfassend, in Kenntnis der Vorakten erstellt, beruhe
auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtige die geklagten Beschwerden und sei in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge, der medizinischen
Schlussfolgerungen und in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar (IV-act.
41).
B.c Mit Vorbescheid vom 10. Juli 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe und das Leistungsbegehren abgewiesen
werde (IV-act. 44). Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 13. September
2013 Einwand und ersuchte um eine erneute Prüfung der Invalidität. Gestützt auf das
MGSG-Gutachten habe sie mindestens Anspruch auf eine befristete Rente. Zudem sei
unklar, ob sich ihre gesundheitliche Situation wieder verschlechtert habe. Es bestehe
eine Kostengutsprache für einen längeren Aufenthalt in der spezialisierten Klinik F._.
Die Rücksprache mit dem Ambulatorium B._ habe ergeben, dass bei ihr ein hoher
Verdacht auf eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis bestehe (IV-act.
48). Mit Ergänzungsschreiben vom 1. Oktober 2013 ersuchte die Versicherte die IV-
Stelle, ihre stationäre Behandlung in der Klinik F._ abzuwarten. Sie habe zudem
Anspruch auf Arbeitsintegrationsunterstützung (IV-act. 51).
B.d Die IV-Stelle ersuchte daraufhin den RAD um eine weitere Stellungnahme. Dieser
hielt mit Stellungnahme vom 24. Oktober 2013 fest (IV-act. 52), dass der Verdacht auf
eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis bereits im Arztbericht des
Ambulatoriums B._ vom 2. April 2013 geäussert und adäquat behandelt worden sei.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht gebe es keine Anhaltspunkte, um von den
bisherigen Beurteilungen abzuweichen.
B.e Mit Verfügung vom 29. Oktober 2013 wies die IV-Stelle das Gesuch um eine
Invalidenrente vollumfänglich ab (IV-act. 53).
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C.
C.a Mit Beschwerde vom 29. November 2013 beantragt die Beschwerdeführerin, die
Verfügung vom 29. Oktober 2013 sei aufzuheben und es sei ihr für den Zeitraum ab
1. August 2012 aufgrund der attestierten Arbeitsunfähigkeit eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zudem ersucht sie um die
unentgeltliche Prozessführung mit Rechtsverbeiständung. Sie bringt vor, das MGSG-
Gutachten habe für den Zeitraum Januar 2011 bis Dezember 2012 für eine adaptierte
Tätigkeit nur eine 40%-ige Arbeitsfähigkeit und für eine Tätigkeit als Hilfsarbeiterin eine
30%-ige Arbeitsfähigkeit festgestellt. Die Beschwerdegegnerin sei hingegen nur von
der Teilbeurteilung für die Zeit ab Januar 2013 ausgegangen. Dabei hätte sie aber noch
einmal mögliche Eingliederungsmassnahmen prüfen müssen. Bis zum Entscheid über
berufliche Massnahmen müsse die Invalidenrente weiterlaufen (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2014 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie wendet ein, dass die Beschwerdeführerin
entgegen den Empfehlungen im Austrittsbericht vom 30. Juni 2012 auf Mitte August
2012 nicht in die Tagesklinik eingetreten sei, an der empfohlenen ambulanten
integrierten Behandlung im Ambulatorium B._ nicht teilgenommen und die
Medikamenteneinnahme nicht fortgeführt habe, obwohl gemäss Gutachten diese
Behandlungen nachweislich zu einer wesentlichen Verbesserung des
Gesundheitszustandes geführt hätten. Damit habe die Beschwerdeführerin ihre
Schadenminderungspflicht nicht erfüllt und die lange Dauer der Arbeitsunfähigkeit
selbst provoziert. Zudem liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von
Gesetz und Rechtsprechung vor. Die Beschwerdegegnerin sei jedoch bereit, der
Beschwerdeführerin Eingliederungsmassnahmen anzubieten (act. G 4).
C.c Mit Präsidialentscheid vom 19. Februar 2014 gewährte das Versicherungsgericht
der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und ernannte ihren
Rechtsvertreter zum Rechtsbeistand (act. G 5).
C.d Mit Replik vom 21. März 2014 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Sie bestreitet insbesondere, die lange Dauer ihrer Arbeitsunfähigkeit selbst provoziert
zu haben. Das MGSG-Gutachten führe aus, dass sie eine deutliche Besserung des
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psychischen Zustandsbildes mit Revision der depressiven Störung und zunehmender
Besserung der Zwangsstörung habe erreichen können, indem sie derzeit die
Zwangshandlungen aufgrund der derzeitigen Wohnsituation nicht ausüben könne. Die
Veränderung des Gesundheitszustandes könne folglich nicht allein auf die
medikamentöse Behandlung zurückgeführt werden. Zudem sei die Beschwerdeführerin
nie aufgefordert worden, die Behandlung im Sinne der Schadenminderungspflicht
wieder aufzunehmen (act. G 7).
C.e Mit Schreiben vom 25. April 2014 erklärt die Beschwerdegegnerin, auf die
Einreichung einer Duplik zu verzichten (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur
Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die zuständige
Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellung
genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1).
1.2 Gegenstand der angefochtenen Verfügung und damit auch Gegenstand des vor
liegenden Verfahrens bildet der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Nicht
Gegenstand dieses Verfahrens bildet demgegenüber ein möglicher Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Eingliederungsmassnahmen, namentlich auf berufliche
Massnahmen. Soweit die Beschwerdeführerin mit vorliegender Beschwerde die
Gewährung beruflicher Massnahmen verlangt, ist mangels Anfechtungsgegenstands
darauf nicht einzutreten.
2.
Hinsichtlich des Rentenanspruchs ist zunächst zu prüfen, ob ein invalidisierender
Gesundheitsschaden im Sinne von Gesetz und Rechtsprechung von vornherein
verneint werden kann, wenn die psychische Störung therapierbar ist.
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2.1 Das Bundesgericht hat in einem Grundsatzentscheid eingeräumt, dass über die
Frage, ob und welche Bedeutung der Therapierbarkeit oder Behandelbarkeit einer
psychischen Störung für den Anspruch auf eine Invalidenrente zukommt, keine
einheitliche Rechtsprechung herrsche (BGE 127 V 294 E. 4). Nach umfassender
Abwägung gelangte es im besagten Entscheid zum Schluss, dass die Behandelbarkeit
einer psychischen Störung, für sich allein betrachtet, nichts über deren
invalidisierenden Charakter aussage (E. 4c). Für die Entstehung des Anspruchs auf eine
Invalidenrente ist einzig und allein vorausgesetzt, dass die Versicherten: a) ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können; b) während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind; und c) nach Ablauf dieses Jahres
zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung; IVG; SR 831.20). Dies bedeutet indes keineswegs, dass eine
fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ohne weiteres gleichbedeutend mit dem
Vorliegen einer Invalidität ist. Vielmehr muss im Einzelfall eine Beeinträchtigung der
Erwerbstätigkeit unabhängig der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie
ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein.
2.2 Soweit die Beschwerdegegnerin die Abweisung einer Invalidenrente bloss mit der
Therapierbarkeit der psychischen Störung begründet, hält ein solcher Entscheid vor
dem Gesetz nicht Stand, wird doch im publizierten Grundsatzentscheid klar
festgehalten, dass sich im Gesetz keine derartige negative Anspruchsvoraussetzung
findet. Es ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdegegnerin auch nicht
dargetan, dass sich an dieser Sichtweise etwas Grundlegendes geändert hätte.
3.
Zu prüfen bleibt, ob ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente
besteht.
3.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
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der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit die
Erwerbsunfähigkeit bzw. den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
bzw. das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes bzw. der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
256 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtend und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
3.3 Massgebliche medizinische Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ist das MGSG-Gutachten vom 14. Juni 2013. Zusammen mit der
übrigen medizinischen Aktenlage erlaubt das Gutachten eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Es erfüllt sämtliche rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten. Dies wird von den Parteien insoweit
auch nicht angezweifelt. Jedenfalls behauptet auch die Beschwerdeführerin nicht, das
Gutachten sei nicht beweiskräftig, weshalb weitere medizinische Abklärungen
erforderlich seien.
4.
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Da sowohl das MGSG-Gutachten als auch der RAD-Bericht den Gesundheitszustand
in zwei Zeitabschnitten beurteilen, rechtfertigt es sich, den Rentenanspruch
nachstehend ebenfalls für beide Zeiträume getrennt zu prüfen (vgl. BGE 106 V 16 E.
3a).
4.1 Für den Zeitraum Januar 2011 bis Dezember 2012 bescheinigt das MGSG-
Gutachten der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von 70% in der
angestammten Tätigkeit bzw. von 60% in leidensangepasster Tätigkeit.
4.1.1 Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG (Art. 29 Abs.
1 IVG) und nach Ablauf eines sog. Wartejahres (Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG). Der
Beschwerdeführerin wird die massgebliche Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2011
bescheinigt. Aufgrund des Wartejahres kommt eine Rente damit frühestens ab Januar
2012 in Betracht. Die Anmeldung für eine Invalidenrente erfolgte im Februar 2012.
Zuzüglich der sechsmonatigen Wartezeit besteht ein möglicher Rentenanspruch ab 1.
August 2012.
4.1.2 Gemäss Gutachten wird ab Januar 2013 eine gesundheitliche Verbesserung
attestiert, indem ab Januar 2013 nur noch eine Arbeitsunfähigkeit in angepasster
Tätigkeit von 25% bestehe. Unter Berücksichtigung der dreimonatigen Frist gemäss
Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und
mit Blick auf die Vorauszahlungspflicht von Rentenleistungen für den ganzen
Kalendermonat (Art. 19 Abs. 3 ATSG, SR 830.1) ist diese Verbesserung ab 1. Mai 2013
zu berücksichtigen.
4.2 Als Nächstes ist anhand der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit der Invaliditätsgrad
für den genannten Zeitabschnitt zu ermitteln.
4.2.1 Die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird in der Regel durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
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Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Für die Bestimmung des trotz
Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens
(Invalideneinkommens) ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen,
in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist zur Bemessung des Validen- sowie
Invalideneinkommens auf die LSE-Tabellenlöhne abzustellen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1;
126 V 75 E. 3b). Sind wie vorliegend sowohl das Validen- als auch das
Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich
deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn - sog.
Prozentvergleich (Urteil des EVG vom 9. März 2007,
I 697/05, E. 5.4).
4.2.2 Ferner ist beim Invalideneinkommen in Form eines entsprechenden Abzugs
der Tatsache Rechnung zu tragen, dass persönliche und berufliche Merkmale - auch
invaliditätsfremde Faktoren -, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter,
Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad,
Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b) und je nach
Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit
auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b). Es handelt sich um einen
allgemeinen behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 75 E. 5a/bb). Dabei ist der
Abzug unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25% zu begrenzen (BGE 134 V
322 E. 5.2).
4.2.3 Die Beschwerdeführerin vermag ihre Restarbeitsfähigkeit lediglich noch in
einem eingeengten Spektrum möglicher Bereiche zu verwerten (Tätigkeiten ohne
erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck, ohne erforderliche geistige
Flexibilität, ohne erforderliche überdurchschnittliche Konzentrationsfähigkeit und ohne
überdurchschnittliche Dauerbelastung; IV-act. 40). Weitere Umstände, die einen Abzug
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begründen würden, sind nicht ersichtlich. Vorliegend kommt höchstens ein
Leidensabzug von 10% in Frage.
4.3 Unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 10% sowie der
bescheinigten Arbeitsunfähigkeit von 60% resultiert ein Invaliditätsgrad von 64%
(100% - [40% x 0.9]). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% bis 69% besteht
ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG). Die
Beschwerdeführerin hat demnach für den Zeitraum vom 1. August 2012 bis 30. April
2013 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
4.4 Für den Zeitraum ab Januar 2013 bescheinigt das MGSG-Gutachten der
Beschwerdeführerin noch eine Arbeitsunfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit von
25%. Dieser Einschätzung widerspricht die Beschwerdeführerin nicht. Sie bringt jedoch
vor, dass nochmals mögliche Eingliederungsmassnahmen zu prüfen seien. Bis zum
Entscheid über berufliche Massnahmen müsse die Invalidenrente weiterlaufen.
4.5 Gleich wie für den ersten Zeitabschnitt entspricht auch hier der Invaliditätsgrad
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Leidensabzugs
(Prozentvergleich); bei einem (maximal möglichen) Leidensabzug von 10% ergibt sich
ein Invaliditätsgrad von 33% (100% - [75% x 0.9]). Damit liegt für die Zeit ab 1. Mai
2013 keine rentenbegründende Invalidität von mindestens 40% mehr vor (vgl. Art. 28
Abs. 2 IVG).
5.
5.1 Wie bereits erwähnt, bildet ein möglicher Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Der von der
Beschwerdeführerin angerufene Grundsatz "Eingliederung vor Rente" kommt nur dann
zum Tragen, wenn ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch droht. Das
ist aufgrund des unbestritten verbesserten Gesundheitszustandes ab Januar 2013
nicht mehr der Fall, weshalb nur noch nicht rententangierende berufliche
Eingliederungsmassnahmen zur Debatte stehen können. Solche Massnahmen hat die
Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren denn auch angeboten.
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5.2 Soweit die Beschwerdegegnerin erstmals in der Beschwerdeantwort und damit in
Verletzung der Begründungspflicht im Verfügungsverfahren (vgl. Art. 74 Abs. 2 IVV)
unter Hinweis auf die Schadenminderungspflicht einen vorübergehenden Renten
anspruch verneint, ist ihr nicht zu folgen. Zwar ist der Beschwerdegegnerin
beizupflichten, dass die versicherte Person alles ihr Zumutbare unternehmen muss, um
die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu verringern und den Eintritt der
Invalidität zu verhindern (sog. Eingliederungs- und Schadenminderungspflicht; Art. 7
Abs. 1 IVG). Entzieht oder widersetzt sie sich beispielsweise einer zumutbaren
Behandlung, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit verspricht, so
können Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden (Art.
21 Abs. 4 ATSG). Dafür muss sie allerdings vorher schriftlich gemahnt und auf die
Rechtsfolgen hingewiesen werden; es ist ihr auch eine angemessene Bedenkzeit
einzuräumen (sog. Mahn- und Bedenkzeitverfahren; Art. 21 Abs. 4 Satz 2 ATSG). Daran
fehlt es im vorliegenden Fall, worauf der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in der
Replik zutreffend hingewiesen hat (act. G 7 S. 4), weshalb sich schon von daher eine
Verweigerung der befristeten Rente verbietet. Dazu kommt, dass im MGSG-Gutachten
an keiner Stelle ausgeführt wird, bei adäquater Fortsetzung der Behandlung
entsprechend den Empfehlungen im Austrittsbericht des Ambulatoriums vom 30. Juni
2012 wäre bereits vor Ende 2012 eine relevante Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu
erwarten gewesen. Dafür fehlen auch konkrete Anhaltspunkte. So wird im erwähnten
Austrittsbericht einerseits eine volle Arbeitsunfähigkeit beim Austritt bescheinigt und
anderseits der Übertritt in die Tagesklinik auf Mitte August 2012 empfohlen. Auch von
daher erscheinen erheblich verbesserte Verhältnisse vor Ende 2012 wenig
wahrscheinlich.
6.
6.1 Damit ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die angefochtene Verfügung
vom 29. Oktober 2013 aufzuheben und der Beschwerdeführerin ist rückwirkend für die
Zeit vom 1. August 2012 bis 30. April 2013 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Die
Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
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6.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege mit
Rechtsverbeiständung bewilligt (act. G 5). Die Beschwerdeführerin ist darauf
hinzuweisen, dass einer Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur
Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 99 Abs. 2 VRP [sGS
951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 ZPO [SR 272]).
6.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Praxisgemäss ist die Gerichtsgebühr für das
vorliegende Verfahren auf Fr. 600.-- festzulegen und entsprechend dem
Verfahrensausgang hälftig beiden Parteien aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher
Rechtspflege ist die Beschwerdeführerin von der Bezahlung ihres Anteils zu befreien.
6.4 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten; diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1
lit. b HonO; sGS 963.75). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine
Kostennote eingereicht. Aufgrund der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand ist
praxisgemäss von einer Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) auszugehen.
6.5 Aufgrund des hälftigen Obsiegens hat die Beschwerdegegnerin den hälftigen
Anteil der Parteikosten der Beschwerdeführerin zu entschädigen. Die zu entrichtende
Entschädigung beträgt demnach Fr. 1'750.--. Die andere Hälfte der Parteikosten ist im
Rahmen der unentgeltlichen Prozessführung vom Staat zu vergüten. Diese ist um einen
Fünftel herabzusetzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG; sGS 963.70). Die Entschädigung durch
den Staat beträgt demnach noch Fr. 1'400.--.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP