Decision ID: 893afb7c-1d0d-4236-82c3-f0dba792d579
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Kantonsgericht, 16.07.2020 Art. 42 ZGB (SR 210): Mit der Bereinigungsklage gemäss Art. 42 ZGB kann nicht nur die Berichtigung oder Löschung schon bestehender Eintragungen, sondern insbesondere auch die (erstmalige) Eintragung streitiger Angaben über den Personenstand verlangt werden (E. III.3.a). Die Klage auf Eintragung streitiger Angaben soll der über ein schützenswertes Interesse verfügenden Person Gelegenheit geben, den Nachweis der Angaben auf andere Weise als durch Vorlage offizieller Dokumente wie Ausweis- und Identifikationspapiere, Geburtsscheine usw. zu erbringen. Angesichts der späteren Beweisfunktion des Registereintrags muss für diesen Nachweis grundsätzlich die volle Überzeugung nach dem Regelbeweismass verlangt werden. Im Interesse der Vollständigkeit und Richtigkeit der Eintragungen im Personenstandsregister wird der Sachverhalt dabei von Amtes wegen festgestellt und ist die betroffene kantonale Aufsichtsbehörde im Zivilstandswesen zwingend anzuhören (E. III.3.c; Kantonsgericht, Einzelrichterin im Personen-, Erb- und Sachenrecht, 16. Juli 2020, BS. 2020.5).
Sachverhalt (Zusammenfassung)
A.B. (Berufungsklägerin) reiste im Jahr 2011 in die Schweiz ein. Im Zusammenhang mit
der Geburt ihres Sohnes wurde die Berufungsklägerin – und so auch ihr Lebenspartner,
der das Kind anerkannte – mit Minimalangaben (Name, Vorname, Geburtsdatum,
Geschlecht) ins Schweizerische Personenstandsregister aufgenommen. Die
Berufungsklägerin und ihr Lebenspartner wollen heiraten, weshalb sie beim regionalen
Zivilstandsamt ein Gesuch um Vorbereitung der Eheschliessung einreichten. Um das
Ehevorbereitungsverfahren durchführen zu können, stellte die Berufungsklägerin zur
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Vervollständigung ihres Registereintrags zugleich ein Gesuch um Abgabe einer
Erklärung zum Nachweis von nicht streitigen Angaben über den Personenstand
gemäss Art. 41 ZGB. Mit Verfügung vom 31. Juli 2019 verweigerte die kantonale
Aufsichtsbehörde, das Amt für Gemeinden und Bürgerrecht (vormals: Amt für
Bürgerrecht und Zivilstand), die Abgabe einer Erklärung nach Art. 41 ZGB aufgrund
fehlenden Identitätsnachweises und verwies die Berufungsklägerin darauf, für die
Feststellung ihrer Personenstandsdaten an das zuständige Gericht zu gelangen.

Erwägungen (Auszug)
I.
2. Mit "Feststellungsklage" vom 24. September 2019 verlangte die Berufungsklägerin
beim Kreisgericht K., ihren Eintrag im Personenstandsregister sinngemäss wie folgt zu
ändern:
Bisher Neu
Name: B.
Vorname: A.
Geburtsdatum: [_Geburtsdatum_]
Staatsangehörigkeit: Staatsangehörigkeit ungeklärt
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Geburtsort: unbekannt China
(Volksrepublik)
Geschlecht: weiblich
Zivilstand: unbekannt ledig
Name des Vaters: -/- C.B.
Name der Mutter: -/- D.E.
Weiter ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, insbesondere
den Verzicht auf einen Kostenvorschuss; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten des Staates. Der zuständige Einzelrichter des
Kreisgerichts (fortan: Vorinstanz) holte beim regionalen Zivilstandsamt Z. einen
aktuellen Auszug aus dem Personenstandsregister ein und zog Akten des
Staatssekretariats für Migration (SEM) sowie des Migrationsamts des Kantons
St.Gallen bei. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2019 teilte die Vorinstanz der
Berufungsklägerin mit, dass die gewünschten Eintragungen einen sog. strikten Beweis
voraussetzten, welcher weder mit den eingereichten noch mit den erhältlich gemachten
Unterlagen erbracht sei. Sie, die Berufungsklägerin, werde deshalb aufgefordert, innert
10 Tagen mittels Urkunden den Nachweis für die beantragten Eintragungen zu
erbringen, andernfalls in einem nächsten Schritt voraussichtlich das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege infolge Aussichtslosigkeit abgewiesen werde. Nachdem
die Berufungsklägerin innert Frist [_kein offizielles Ausweisdokument_]
eingereicht hatte, wies die Vorinstanz mit Entscheid vom 6. Februar 2020 sowohl die
beantragte Änderung des Personenstandsregisters als auch (zufolge
Aussichtslosigkeit) das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege der Berufungsklägerin
ab.
3. Dagegen erhob die neu anwaltlich vertretene Berufungsklägerin am
24. Februar 2020 fristgerecht Berufung beim Kantonsgericht mit folgenden Begehren:
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"1. In Gutheissung der Berufung sei der angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom
6. Februar 2020 vollumfänglich aufzuheben;
2. Es sei das Amt für Bürgerrecht und Zivilstand des Kantons St. Gallen anzuweisen,
die Personenstandsdaten der Berufungsklägerin dahingehend zu berichtigen, dass als
Geburtsort "China (Volksrepublik)" als Zivilstand "ledig", als Staatsangehörigkeit "China
(Volksrepublik)", als Name der Mutter der Berufungsklägerin "D.E." und als Name des
Vaters "C.B." eingetragen wird;
eventualiter: Es seien die vorgenannten Berichtigungen (Rechtsbegehren Ziff. 2)
vorzunehmen und zusätzlich mit dem Hinweis auf die asylrechtliche
Identifikationsnummer der Berufungsklägerin zu versehen;
subeventualiter: Es seien die Personenstandsdaten der Berufungsklägerin dahingehend
zu berichtigen, dass als Zivilstand "ledig", als Name der Mutter der Berufungsklägerin
"D.E." und als Name des Vaters "C.B." eingetragen ist;
subsubeventualiter: Es sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen und der Berufungsklägerin sei Gelegenheit zu geben, mittels
Beweisaussagen ihre Personalien glaubhaft zu machen;
subsubsubeventualiter: Es sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzügl. MWSt.) zu Lasten der
Staatskasse.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellte die Berufungsklägerin die Anträge, es sei ihr
Gelegenheit zu geben, mittels Beweisaussage ihre Personalien glaubhaft zu machen,
und es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren.
Am 27. Februar 2020 reichte die Berufungsklägerin sodann eine weitere Eingabe ein.
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Es wurde der Aufsichtsbehörde Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben, welche sich
mit Schreiben vom 25. März 2020 vernehmen liess, und der Berufungsklägerin die
umfassende unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwältin R. gewährt. Mit Eingabe vom 4. Mai 2020 nahm die Berufungsklägerin
schliesslich noch Stellung zur Vernehmlassung der Aufsichtsbehörde und änderte
Ziff. 2 ihres Rechtsbegehrens dahingehend ab, dass nunmehr nicht "das Amt für
Bürgerrecht und Zivilstand des Kantons St.Gallen" (sprich die Aufsichtsbehörde),
sondern "das zuständige Zivilstandsamt "anzuweisen sei, die nachgesuchten
Berichtigungen bzw. Eintragungen vorzunehmen. Darauf, auf die
Berufungsbegründung, die Erwägungen der Vorinstanz und die Ausführungen der
Aufsichtsbehörde ist, soweit erforderlich, im Folgenden einzugehen.
II.
[...]
3.a) Neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel sind im Berufungsverfahren
nur zulässig, wenn sie trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz
vorgetragen werden konnten sowie ohne Verzug geltend gemacht werden (Art. 317
Abs. 1 ZPO), woran auch der im vorliegenden Verfahren geltende
Untersuchungsgrundsatz nichts ändert (vgl. BGE 138 III 625 E. 2.2). Eine
Klageänderung ist nur noch zulässig, wenn die Voraussetzungen nach Art. 227 Abs. 1
ZPO gegeben sind und sie zudem auf neuen Tatsachen oder Beweismitteln beruht
(Art. 317 Abs. 2 ZPO).
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Die Änderung in Berufungsbegehren Ziff. 2 von "[e]s sei das Amt für Bürgerrecht und
Zivilstand des Kantons St.Gallen anzuweisen" zu "[e]s sei das zuständige
Zivilstandsamt anzuweisen" erscheint unter diesem Aspekt als unproblematisch,
handelt es sich dabei doch nicht um eine inhaltliche Änderung der Klage bzw. des
Gesuchs, sondern um die Berichtigung eines im Verlaufe des Berufungsverfahrens zu
Tage getretenen Fehlers bei der Ausformulierung der Rechtsbegehren (vgl. BSK ZPO-
Willisegger, 3. Aufl., Art. 227 N 19 und 21).
III.
1. Die Vorinstanz entschied, ohne die Aufsichtsbehörde vorgängig anzuhören. Sie
wies das Gesuch der Berufungsklägerin im Wesentlichen ab, weil der Beweis im
vorliegenden Verfahren ihrer Auffassung zufolge grundsätzlich durch Urkunden
erbracht werden müsse (unter Verweis auf Art. 15a Abs. 3 ZStV e contrario, Art. 16
Abs. 2 ZStV und Literatur zu Art. 41 ZGB) und sich weder in den von der
Berufungsklägerin beigebrachten noch in den vom Gericht beigezogenen Unterlagen
amtliche Dokumente befänden, welche die geltend gemachten Personendaten
beweisen würden. Darüber hinaus warf die Vorinstanz noch die Frage auf, ob allenfalls
eine Beweisnot zufolge Unzumutbarkeit der Kontaktaufnahme mit den heimatlichen
Behörden vorläge. Sie liess die Frage dann aber offen, weil es der Berufungsklägerin
angesichts der Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts betreffend ihr Asylgesuch
und der darin referierten LINGUA-Analyse nicht gelinge, auch nur glaubhaft zu machen,
dass sie tatsächlich in China zur Welt gekommen sei und die chinesische
Staatsbürgerschaft besitze. In einer nicht mehr entscheidwesentlichen
Schlussbemerkung merkte die Vorinstanz schliesslich an, dass es ihr "prima vista"
nicht einleuchte, weshalb ein unbekannter Geburtsort und eine unbekannte
Staatsanghörigkeit eine hinreichende Rechtfertigung darstellen sollten, das
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verfassungsmässige Recht der Berufungsklägerin auf Ehe und Familie (Art. 14 BV)
einzuschränken. Sie stellte den streitgegenständlichen Entscheid der
Berufungsklägerin, nicht aber der Aufsichtsbehörde zu.
Mit Blick auf das soeben Wiedergegebene wie auch auf gewisse Einwände der
Berufungsklägerin erscheinen vorweg einige grundlegende Ausführungen zum
Personenstandsregister und zum Gegenstand, Verfahren und Beweismass der
Bereinigungsklage gemäss Art. 42 ZGB angezeigt.
2. Personenstandsregister allgemein
a) Im elektronischen Personenstandsregister Infostar werden der Personenstand aller
Schweizerinnen und Schweizer, der Personenstand der mit ihnen in einer
familienrechtlichen Beziehung stehenden Ausländerinnen und Ausländer und alle auf
dem Gebiet der Schweiz eingetretenen Zivilstandsereignisse (Geburten,
Kindesanerkennungen, Eheschliessungen, Begründung von eingetragenen
Partnerschaften und Todesfälle [Art. 20-21 ZStV]) beurkundet (vgl. Art. 39 ZGB; Art. 7 f.
ZStV; OFK-Iseli, 3. Aufl., Art. 39 ZGB N 5). Eine ausländische Person, deren Geburt im
Ausland beurkundet wurde, ist in das Personenstandsregister aufzunehmen, sobald in
der Schweiz ein zivilstandsamtliches Verfahren einzuleiten ist oder wenn sie von einem
in der Schweiz zu beurkundenden
Zivilstandsereignis betroffen ist (Art. 15a Abs. 2 ZStV; Weisungen des Eidgenössischen
Amts für das Zivilstandswesen EAZW Nr. 10.08.10.01 vom 1. Oktober 2008 über die
Aufnahme ausländischer Personen in das Personenstandsregister [fortan: Weisungen
EAZW über die Aufnahme ausländischer Personen], N. 1.2.3). Im Fall der
Berufungsklägerin war der Anlass für ihre Aufnahme im Personenstandsregister die
Geburt ihres Sohnes auf dem Gebiet der Schweiz.
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b) Das Personenstandsregister ist ein öffentliches Register i.S.v. Art. 9 Abs. 1 ZGB.
Es erbringt den vollen Beweis für die Richtigkeit der darin bezeugten Tatsachen,
solange nicht das Gegenteil nachgewiesen ist (vgl. Art. 9 Abs. 1 ZGB; BSK ZGB I-
Lardelli/Vetter, 6. Aufl., Art. 9 N 9 und 25; OFK-Iseli, 3. Aufl., Art. 39 ZGB N 4). Das
Personenstandsregister mitsamt der darin beurkundeten Angaben geniesst demnach
erhöhte bzw. verstärkte Beweiskraft; ausgenommen davon ist die Angabe einer
ausländischen Staatsangehörigkeit, aus welcher bloss abzuleiten ist, dass die
betroffene Person das Schweizer Bürgerrecht nicht besitzt (vgl. CHK-Graf-Gaiser/
Siegenthaler, 3. Aufl., Art. 39 ZGB N 18 f.; Weisungen EAZW über die Bezeichnung der
Staatsangehörigkeit von ausländischen Staatsangehörigen im schweizerischen
Personenstandsregister vom 15. Mai 2010, N. 2.1). Die Eintragung im
Personenstandsregister entfaltet hingegen grundsätzlich keine materielle Wirkung in
dem Sinn, dass dadurch neue Tatsachen oder Rechtsverhältnisse begründet würden,
sondern hat lediglich deklaratorische Bedeutung (vgl. BGE 135 III 389 E. 3.4.1 m.w.H.;
CR Code Civil I-Montini, 2010, Art. 42 N 2; Göksu, Die zivilstandsregisterrechtliche
Behandlung von Kindern papier- oder wohnsitzloser Eltern, in: AJP 2007 S. 1252 f.).
c) Im Hinblick auf die Funktion des Registers und die erhöhte Beweiskraft sind die
wichtigsten Grundsätze bei der Registerführung der Grundsatz der Registerwahrheit
bzw. Richtigkeit und der Grundsatz der Vollständigkeit bzw. Lückenlosigkeit, wobei
sich diese im Einzelfall auch widerstreben können (Göksu, a.a.O., S. 1253, 1256;
Weisungen EAZW über die Aufnahme ausländischer Personen, N. 2.1; BGE 135 III 389
E. 3.4.2 m.w.H.). Der Grundsatz der Registerwahrheit hat etwa zur Folge, dass eine
Beurkundung nicht einfach unbesehen, sondern grundsätzlich erst auf Prüfung hin
vorzunehmen ist (vgl. Art. 16 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZStV). Wegen des Grundsatzes
der Vollständigkeit kann bspw. ein unvollständiger Datensatz jederzeit gestützt auf
nachgereichte Dokumente von jedem Zivilstandsamt ergänzt werden (Art. 15a Abs. 6
Satz 1 ZStV; Siegenthaler, Das Personenstandsregister, N 141).
3. Bereinigungsklage gemäss Art. 42 ZGB
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a) Wer ein schützenswertes persönliches Interesse glaubhaft macht, kann beim
Gericht auf Eintragung von streitigen Angaben über den Personenstand, auf
Berichtigung oder auf Löschung einer Eintragung klagen. Das Gericht hört die
betroffenen kantonalen Aufsichtsbehörden an und stellt ihnen das Urteil zu (Art. 42
Abs. 1 ZGB). Die kantonalen Aufsichtsbehörden sind ebenfalls klageberechtigt (Abs. 2).
Soweit die Vorinstanz zu Beginn ihres Entscheids annimmt, bezüglich
Personenstandsangaben, bei denen noch kein Eintrag vorliege (Namen des Vaters,
Name der Mutter), handle es sich vorliegend um eine allgemeine Feststellungsklage
gemäss Art. 88 ZGB und betreffend die Personenstandsangaben, über die strittige
Einträge vorlägen (Geburtsort, Zivilstand und Staatsangehörigkeit), handle es sich um
eine Berichtigungsklage gemäss Art. 42 Abs. 1 ZGB, ist dem nicht zu folgen.
Vorliegend ist nichts anderes als die Bereinigung – d.h. die Eintragung und/oder
Berichtigung von Angaben – des Personenstandsregisters i.S.v. Art. 42 Abs. 1 ZGB
Prozessthema. Entgegen einer offenbar verbreiteten Sichtweise (vgl. dazu etwa
Entscheide Obergericht Zürich vom 7. November 2019 LF190040-O/U E. 5.1 und vom
24. März 2017 LF170007-O/U E. 4.3.1) befindet sich der Anwendungsbereich der
gegenüber der Bereinigungsklage subsidiären allgemeinen Feststellungsklage vielmehr
dort, wo weder eine Angabe über den Personenstand einzutragen noch eine schon
vorhandene Eintragung zu berichtigen oder zu löschen ist (vgl. BSK ZGB I-Graf-Gaiser/
Montini, 6. Aufl., Art. 42 N 3; CHK-Graf-Gaiser/Siegenthaler, 3. Aufl., Art. 42 ZGB N 2
mit Beispiel; BGer 5A_549/2015 E. 3.3). Sollen hingegen wie vorliegend (streitige)
Angaben über den Personenstand gerichtlich zur Eintragung gebracht werden, hat dies
gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut ("Eintragung von streitigen Angaben";
"d'ordonner l'inscription [...] de données litigieuses"; "l'iscrizione di dati relativi allo
stato civile controversi") mit der Bereinigungsklage nach Art. 42 ZGB zu erfolgen.
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b) Mit der Bereinigungsklage nach Art. 42 ZGB lassen sich im Wesentlichen zwei
Zwecke verfolgen: Der eine Anwendungsbereich besteht, wie bereits angesprochen,
darin, die Eintragung streitiger Angaben zu erwirken, während der zweite
Anwendungsbereich darin besteht, eine nicht offensichtlich, aber dennoch fehlerhafte
Eintragung (vgl. Art. 43 ZGB), sei dies infolge eines Irrtums des Zivilstandsbeamten
oder weil dieser in Unkenntnis wichtiger Tatsachen gelassen wurde, zu berichtigen
oder zu löschen (sog. Berichtigungsklage; zum Ganzen: BSK ZGB I-Graf-Gaiser/
Montini, Art. 42 N 1 f.; CHK-Graf-Gaiser/Siegenthaler, Art. 42 ZGB N 3-6).
Vorliegend erfolgte bei der Berufungsklägerin im Hinblick auf die verfassungs- und
völkerrechtlich gebotene unverzügliche Registrierung der Geburt ihres Sohnes
(übergeordnetes Interesse; vgl. Göksu, a.a.O., S. 1256-1261; Siegenthaler, a.a.O.,
N 204 ff.) ausnahmsweise eine begründete Aufnahme mit unvollständigem und nicht
zweifelsfrei nachgewiesenem Datensatz (Art. 15a Abs. 4 ZStV; vgl. Weisungen EAZW
über die Aufnahme ausländischer Personen, N 3.2). D.h. es wurden gewisse Felder leer
gelassen (Name der Mutter, Name des Vaters) und andere mit den Bezeichnungen
"Staatsangehörigkeit ungeklärt" oder "unbekannt" (Geburtsort, Zivilstand) versehen
(Vorgehen in Übereinstimmung mit: Weisungen EAZW über die Aufnahme
ausländischer Personen, N 2.1 und 3.2.1; Kreisschreiben EAZW über die Beurkundung
der Geburt eines Kindes ausländischer Eltern, deren Daten im Personenstandsregister
nicht abrufbar sind vom 1. Oktober 2008, N 3; Siegenthaler, a.a.O., N 88 f., 136 f.). Da
die Einträge "ungeklärt" und "unbekannt" genauso wie die leergelassenen Felder
letztlich nur zum Ausdruck bringen, dass die entsprechenden Angaben im Zeitpunkt
der Aufnahme nicht belegt oder streitig waren, die fraglichen Einträge insofern
vorläufigen Charakter aufweisen und der jederzeitigen Vervollständigung zugänglich
sind, rechtfertigt es sich, die vorliegende Klage nicht teilweise als Berichtigung zu
verstehen, sondern insgesamt unter den nachfolgend zu erörternden
Anwendungsbereich der Eintragung streitiger Tatsachen zu subsumieren.
c) Für das Verständnis von Sinn und Zweck der Klage auf Eintragung von streitigen
Angaben nach Art. 42 ZGB ist folgender Hintergrund wesentlich:
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Der Nachweis der einzutragenden Tatsachen ist gegenüber dem Zivilstandsamt
grundsätzlich durch Urkunden zu erbringen (Art. 15a Abs. 3 e contrario; Art. 16 Abs. 2
ZStV). Nun kann es aber insbesondere bei Personen ausländischer Herkunft, die in
Zusammenhang mit einem in der Schweiz stattfindenden Zivilstandsereignis ins
Personenstandsregister aufgenommen werden sollen bzw. müssen, vorkommen, dass
entsprechende heimatliche Urkunden aus irgendeinem Grund nicht verfügbar sind
(wobei grundsätzlich eine Mitwirkungspflicht bei der Beschaffung und Vorlage
fehlender Dokumente besteht [Art. 16 Abs. 2 und 5 ZStV]). Erweist sich der Nachweis
durch Urkunden als unmöglich oder die Beschaffung solcher als unzumutbar, muss
daher geprüft werden, ob eine Erklärung nach Art. 41 Abs. 1 ZGB entgegengenommen
werden kann (Art. 15a Abs. 3 ZStV). Für Angaben, die nicht streitig sind, sieht Art. 41
Abs. 1 ZGB nämlich vor, dass der Nachweis mit Bewilligung der Aufsichtsbehörde
auch durch Erklärung vor dem Zivilstandsamt erbracht werden kann (vgl. auch Art. 17
ZStV). Scheitert die Abgabe einer Erklärung nach Art. 41 Abs. 1 ZGB jedoch daran,
dass die Angaben streitig sind – sich z.B. im konsultierten Asyldossier
Widersprüchliches dazu findet (BSK ZGB I-Graf-Gaiser/Montini, Art. 41 N 1b) – bzw.
wird ein entsprechendes Gesuch von der Aufsichtsbehörde abgewiesen (wogegen
Rekurs beim Departement des Innern erhoben werden kann [Art. 90 Abs. 2 ZStV;
Art. 43 Abs. 1 und Art. 47 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
{sGS 951.1}]), verbleibt der betroffenen Person nur noch die Möglichkeit beim
zuständigen Gericht (Art. 22 ZPO) auf Eintragung der streitigen Angaben zu klagen
(BSK ZGB I-Graf-Gaiser/Montini, Art. 42 N 1; Art. 30 ZStV).
Dazu hat sie zunächst ein schützenswertes persönliches Interesse an der Eintragung
glaubhaft zu machen (Art. 42 Abs. 1 ZGB). Gegenstand dieses summarischen
Verfahrens der freiwilligen Gerichtsbarkeit (Art. 248 lit. e und Art. 249 lit. a Ziff. 4 ZPO)
ist alsdann der Nachweis der streitigen Angaben (vgl. Göksu, a.a.O., S. 1255), wofür
sämtliche Beweismittel gemäss Art. 168 ZPO (u.a. auch das Zeugnis, die
Parteibefragung und die Beweisaussage) in Frage kommen (Art. 254 Abs. 2 lit. c i.V.m.
Art. 255 lit. b ZPO); Voraussetzung für die Eintragung bildet diesfalls nicht die Vorlage
bis
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von Urkunden (Normalfall), aber auch nicht die blosse Erklärung (Ausnahme bei
unstrittigen Tatsachen), sondern die Überzeugung des Gerichts von der Richtigkeit der
einzutragenden Angaben; angesichts der späteren Beweisfunktion des
Registereintrags muss dabei grundsätzlich die volle Überzeugung nach dem
Regelbeweismass verlangt werden (s. E. 2.b hiervor; vgl. zum summarischen Verfahren
allgemein auch: BGE 140 III 610 E. 4.3.1 m.w.H.; daneben BSK ZPO-Mazan, 3. Aufl.,
Art. 254 N 10 und Art. 255 N 7). Mit anderen Worten dient die Klage auf Eintragung
streitiger Angaben dazu, den Nachweis der Angaben auf andere Weise als durch
Vorlage offizieller Dokumente wie Ausweis- und Identifikationspapiere, Geburtsscheine
usw. zu erbringen. Im Interesse der Vollständigkeit und Richtigkeit der Eintragungen im
Personenstandsregister wird der Sachverhalt dabei von Amtes wegen festgestellt
(Art. 255 lit. b ZPO; BSK ZGB I-Graf-Gaiser/Montini, Art. 42 N 8), was bedeutet, dass
es dem Gericht gestattet ist, ein Beweismittel auch ohne entsprechenden
Beweisantrag abzunehmen, wenn es zur Auffassung gelangt, dass eine
rechtserhebliche Tatsache damit allenfalls bewiesen werden könnte (Art. 153 Abs. 1
ZPO; Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., N 4.35). Aus dem nämlichen Grund
(Registerwahrheit und Vollständigkeit) sind schliesslich die betroffenen kantonalen
Aufsichtsbehörden im Zivilstandswesen zwingend am Verfahren zu beteiligen: das
Gericht hat sie vorgängig anzuhören und ihnen den Entscheid zuzustellen (Art. 42
Abs. 1 Satz 2 ZGB; BSK ZGB I-Graf-Gaiser/Montini, Art. 42 N 8).
4.a) Aus dem Gesagten ergibt sich zunächst, dass die Sache, als die Vorinstanz
darüber entschied, mangels Anhörung der Aufsichtsbehörde noch gar nicht spruchreif
war. Diese gesetzlich zwingend vorgeschriebene Anhörung wurde im
Berufungsverfahren nachgeholt.
b) Weiter lässt sich den vorstehenden Ausführungen entnehmen, dass die
Hauptargumentation der Vorinstanz, wonach amtliche Urkunden fehlten, welche die
von der Berufungsklägerin geltend gemachten Personendaten beweisen würden, nicht
verfängt. Bei der Klage auf Eintragung streitiger Angaben nach Art. 42 ZGB geht es
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gerade darum, den Nachweis streitiger Angaben gegebenenfalls auf andere Weise als
durch amtliche Urkunden zu erbringen; hätte die Berufungsklägerin solche Urkunden
vorweisen können, hätte sie weder die Aufsichtsbehörde um Bewilligung einer
Erklärung nach Art. 41 ZGB ersuchen noch das Gericht anrufen müssen, sondern
jederzeit direkt bei jedem Zivilstandsamt der Schweiz die Ergänzung ihres Eintrags
erwirken können (Art. 15a Abs. 6 ZStV). Entsprechend hätte die Vorinstanz die
Berufungsklägerin mit Schreiben vom 5. Dezember 2019 allgemein zur Bezeichnung
weiterer Beweismittel auffordern sollen, anstatt ihr Frist für die Nachreichung
eindeutiger Beweise in Form von Urkunden anzusetzen. Es ist anzunehmen, dass die
Berufungsklägerin ihre Befragung dann wohl schon im erstinstanzlichen Verfahren und
damit – anders als nunmehr in der Berufung, wo dieser Beweisantrag verspätet erfolgt
(s. E. II.3 hiervor) – noch vor Aktenschluss angeboten hätte (Art. 229 Abs. 3 ZPO). Aus
ihren Ausführungen in der "Feststellungsklage" lässt sich jedenfalls schliessen, dass für
sie ein anderes Beweismittel als die Parteibefragung oder Beweisaussage von Beginn
weg nicht ernsthaft in Frage kam ("Als Asylsuchende ist es mir nicht möglich, ...").
c) Die Vorinstanz schob alsdann zwar noch eine Eventualbegründung nach. Darin
beschränkte sie sich jedoch auf Ausführungen zur Eintragung der Volksrepublik China
als Geburtsort und als Staatsangehörigkeit der Berufungsklägerin – Letzteres hatte die
Berufungsklägerin im erstinstanzlichen Verfahren indes zu Recht (s. lit. d hernach) noch
gar nicht verlangt. Mit den übrigen beantragten Eintragungen (Zivilstand, Name des
Vaters, Name der Mutter) setzte sich die Vorinstanz dabei nicht auseinander. Folglich
fehlt es hinsichtlich dieser an einer hinreichenden Prüfung resp. einer tragfähigen
Begründung, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstellt (Art. 29 Abs. 2 BV;
Art. 53 ZPO). Die Sache ist daher zur Abnahme von Beweisen insbesondere einer
Beweisaussage (Art. 192 ZPO) und zur erneuten Prüfung an die Vorinstanz
zurückzuweisen (vgl. auch E. 3.c hiervor zur Zulässigkeit tauglich erscheinende
Beweismittel von Amtes wegen zu erheben). Von der Rückweisung ebenfalls erfasst
wird die nachgesuchte Eintragung der Volksrepublik China als Geburtsort, zumal sich
diesbezüglich durch die Beweisaussage sowie gegebenenfalls Erhebung weiterer
Beweismittel selbst in Anbetracht der Erkenntnisse aus dem Asylverfahren noch ein
anderes Beweisergebnis ergeben könnte (vgl. Urteil des Bundessverwaltungsgerichts
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vom 17. Oktober 2014 D-83/2014 E. 4.5: "auch wenn eine allfällige frühe
Erstsozialisation im tibetischen Kulturraum in China [...] nicht ausgeschlossen ist.").
d) Hingegen ist die weder ersichtlich noch dargetan auf neuen Tatsachen und/oder
Beweismitteln beruhende Klageänderung im Berufungsverfahren, mit welcher die
Berufungsklägerin neu auch die Eintragung "China (Volksrepublik)" als
Staatsangehörigkeit verlangt (Berufungsbegehren Ziff. 2), i.S.v. Art. 317 Abs. 2 ZPO
unzulässig. Folglich ist darauf nicht einzutreten. Darüber hinaus wäre dem
entsprechenden Antrag ohnehin kein Erfolg beschieden gewesen, denn der Nachweis
einer ausländischen Staatsangehörigkeit kann nicht auf andere Weise als über die
zuständigen Stellen des betreffenden Staats erbracht werden. Es liegt nicht in der
Zuständigkeit der Schweizer Behörden, über das Bestehen einer ausländischen
Staatsangehörigkeit zu befinden. Von dem her eignet sich eine ausländische
Staatsangehörigkeit nicht als Gegenstand einer Klage auf Eintragung streitiger
Tatsachen. Einer mit "Staatsangehörigkeit ungeklärt" erfassten erwachsenen Person
gereicht dies jedoch insofern nicht zum Nachteil, als der Eintrag einer ausländischen
Staatsangehörigkeit – wie gezeigt – keine Beweiskraft i.S.v. Art. 9 Abs. 1 ZGB hat,
sondern bloss ein weiteres Identifikationsmerkmal darstellt (vgl. Amtliche Mitteilungen
EAZW vom 1. Mai 2009 über den Nachweis nicht streitiger Angaben über den
Personenstand, N 3; Weisungen EAZW über die Bezeichnung der Staatsangehörigkeit
von ausländischen Staatsangehörigen im schweizerischen Personenstandsregister, N
1, 2.1 f. und FN 9). Vorliegend verfügt die Berufungsklägerin, wie sie bereits in ihrer
"Feststellungsklage" klarstellte und woran sich ihrer Erklärung zufolge in absehbarer
Zukunft nichts ändern dürfte, über keinerlei amtliche Dokumente ihres behaupteten
Heimatstaats. Solche finden sich nach der zutreffenden Feststellung der Vorinstanz
auch nicht in den beigezogenen Unterlagen.
5. Im Hinblick darauf, dass die Berufungsklägerin im Berufungsverfahren in erster
Linie sogar die direkte Gutheissung ihrer "Feststellungsklage" anstrebt und die
Berufungsinstanz grundsätzlich auch reformatorisch entscheiden könnte (Art. 318
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Abs. 1 lit. b ZPO), sind weiter einige Ausführungen zu den Einwänden der
Berufungsklägerin geboten:
a) Die Berufungsklägerin macht zunächst geltend, bei der Berichtigungsklage genüge
der Nachweis, dass der beanstandete Eintrag formell unkorrekt sei und es dürften nach
wie vor keine Beweise über eigentliche Statusfragen erhoben werden. Für die im
Register bezeugten Tatsachen gelte nur so lange der volle Beweis, bis die Unrichtigkeit
des Inhalts nachgewiesen sei. Sie will damit offensichtlich darauf hinaus, dass es
ausreiche, den bisherigen Eintrag zu entkräften, ohne dass gleichzeitig die um
Eintragung ersuchten neuen Personendaten nachgewiesen werden müssten.
Dem kann nach dem Gesagten nicht gefolgt werden. Vorliegend geht es nicht um eine
Berichtigungsklage im engeren Sinn (z.B. Löschung eines Eintrags), sondern um eine
Klage auf Eintragung streitiger Angaben (s. E. 3.b hiervor). Entsprechend trägt die
Berufungsklägerin nicht nur den Beweis dafür, dass die bisherigen Einträge
"unbekannt" oder "Staatsangehörigkeit ungeklärt" (formell) unrichtig sind, sondern
auch und vor allem denjenigen dafür, dass die beabsichtigten neuen Einträge (formell)
richtig wären. Dasselbe gilt, wo Felder bislang leer blieben, besteht doch dort gerade
kein Eintrag der angegriffen werden könnte und kann sich der Beweis daher von
vornherein nur auf den Gegenstand der beabsichtigten Eintragung beziehen (vgl. auch
E. 3.c hiervor zum Sinn und Zweck der Klage auf Eintragung streitiger Tatsachen). Da
den hier in Frage stehenden Einträgen im Personenstandsregister sodann keine
materielle, sondern lediglich – und der ausländischen Staatsangehörigkeit noch nicht
einmal das – eine beweismässige Wirkung zukommt, kann die Berufungsklägerin auch
nicht gegen ihren Willen in einen Statusprozess gedrängt werden (s. E. 2.b hiervor).
Schliesslich verkennt die Berufungsklägerin Sinn und Zweck (s. E. 3.c hiervor) der
Klage auf Eintragung streitiger Tatsachen, wenn sie meint, das Gericht müsste die
Angaben bei glaubhaft gemachtem schutzwürdigen Interesse einfach ungeprüft
übernehmen und es wäre dann Aufgabe der ebenfalls klageberechtigten
Aufsichtsbehörde, den Nachweis für deren Unrichtigkeit zu erbringen.
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b) Weiter richtet sich die Berufungsklägerin gegen die bestehenden Einträge
"unbekannt" (Geburtsort, Zivilstand) und "Staatsangehörigkeit ungeklärt" und wirft ein,
diese seien nicht dazu geeignet, materiell-rechtlich relevante Tatsachen hinsichtlich
des Personenstands wiederzugeben. Sie widersprächen somit dem immanenten
Zweck des Personenstandsregisters. Jedenfalls liege den betreffenden Einträgen ein
Zweifel über die genannten Personenstandsdaten zu Grunde, weshalb sie formell
unkorrekt seien und nach dem Grundsatz der Richtigkeit des Personenstandsregisters
gar nicht erst hätten vorgenommen werden dürfen bzw. als tatsächlich unvollständig
hätten belassen werden müssen.
Diese Argumentation ist schwer nachvollziehbar. Würde man darauf abstellen, hätte
dies in letzter Konsequenz zur Folge, dass die Einträge "unbekannt" und
"Staatsangehörigkeit ungeklärt" ersatzlos gelöscht und nicht, wie von der
Gesuchstellerin verlangt, durch andere Angaben ersetzt werden müssten. Dass die
angesprochenen Einträge sich nicht dazu eigenen, Tatsachen hinsichtlich des
Personenstandes zu bescheinigen, stellt sodann keinen Mangel dar, sondern ist gerade
wünschenswert, solange es diesbezüglich nichts Gesichertes zu bescheinigen gibt.
Daten, die mit der Beurkundung im Personenstandsregister die volle Beweiskraft
gemäss Art. 9 ZGB erhalten, sollen schliesslich nicht mit Zweifeln behaftet sein, die
bereits im Zeitpunkt ihrer Beurkundung bekannt sind oder vermutet werden (Göksu,
a.a.O., S. 1253 f.). Die Aufnahme der Berufungsklägerin ins Personenregister mitsamt
den fraglichen Einträgen entsprach denn auch exakt den Vorgaben, die das mit der
Oberaufsicht betraute Bundesamt für solche Fälle aufstellt (Weisungen EAZW über die
Aufnahme ausländischer Personen, N. 2; Kreisschreiben EAZW über die Beurkundung
der Geburt eines Kindes ausländischer Eltern, deren Daten im Personenstandsregister
nicht abrufbar sind vom 1. Oktober 2008, N 1 ff. [insbes. 3]).
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c) Überdies wendet die Berufungsklägerin ein, ihr behaupteter Zivilstand "ledig"
sowie ihre Personenstandsangaben allgemein seien nie ernsthaft in Frage gestellt
worden bzw. sie habe während des gesamten Asylverfahrens nie widersprüchliche
Angaben zu ihren Personalien gemacht und es hätten auch anderweitig keine
Erkenntnisse gemacht werden können, welche im Widerspruch zu ihren Angaben
stünden. Folglich seien ihre Personendaten nie streitig i.S.v. Art. 41 Abs. 1 ZGB
gewesen.
Die Nichtstreitigkeit der Angaben ist eine Voraussetzung für die Abgabe einer Erklärung
zum Nachweis von Angaben über den Personenstand (Art. 41 ZGB). Vorliegend geht es
indes nicht darum, ob die Voraussetzungen für die Bewilligung einer solchen Erklärung
nach Art. 41 ZGB erfüllt sind. Diese Frage wurde mit Verfügung der dafür zuständigen
Aufsichtsbehörde verneint, wogegen seinerzeit der Rekurs an das Departement des
Innern offen gestanden hätte. Es hilft der Berufungsklägerin daher auch nicht weiter,
wenn sie im vorliegenden Berufungsverfahren die Gründe kritisiert, aufgrund derer ihr
die Aufsichtsbehörde die entsprechende Bewilligung verweigerte (fehlender
Identifikationsnachweis, negativer Asylbescheid) oder Vorschläge präsentiert, wie man
diese hätte abfedern können (Hinweis auf die asylrechtliche Identifikationsnummer).
Sofern die Berufungsklägerin im Asylverfahren zu bestimmten Personenstandsdaten
tatsächlich konsistente Aussagen machte, denen keine anderweitigen dortigen
Erkenntnisse entgegenstehen, wäre dies im vorliegenden Verfahren nur – aber
immerhin – ein Umstand, den es zusammen mit den Ergebnissen des
Beweisverfahrens bei der Beweiswürdigung zu berücksichtigen gilt. Auf ihre Herkunfts
angaben trifft Besagtes aber jedenfalls nicht zu, zumal das Bundesverwaltungsgericht
gestützt auf die durchgeführte LINGUA-Analyse mehrfach betonte, dass diese – auch
wenn die Berufungsklägerin unbestrittenermassen der tibetischen Ethnie zuzurechnen
sei – nicht glaubhaft seien (Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom
12. Juni 2012 D-4561/2011 E. 4.2, 5.1 f.). Immerhin schloss es eine allfällige frühe
Erstsozialisation in der Volksrepublik China nicht aus, was entgegen der Auffassung
der Berufungsklägerin jedoch noch nicht bedeutet, dass ihr solches "nicht in Abrede
gestellt werden kann".
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d) Sodann macht die Berufungsklägerin geltend, dass ihr aus dem Recht auf Ehe
sowie auf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 EMRK, Art. 13 Abs. 1 und Art. 14 BV
ein Anspruch auf Berichtigung des Personenstandsregisters im Sinn der Anträge
zustehe. Für sie bedeute die Nichtvornahme der Berichtigung der Angaben betreffend
Zivilstand ein faktisches Heiratsverbot, da gemäss Art. 96 ZGB für die Eheschliessung
der Nachweis der Ledigkeit vorausgesetzt werde und es ihr sowohl unmöglich wie
auch unzumutbar sei, einen entsprechenden Nachweis aus dem Herkunftsland zu
besorgen.
Zunächst einmal steht ausser Frage, dass die Berufungsklägerin vorliegend über ein
schützenswertes persönliches Interesse an der Eintragung der streitigen Angaben
verfügt, da eine Heirat zwischen ihr und ihrem Lebenspartner erst möglich wäre bzw. in
das Personenregister eingetragen werden könnte, wenn Klarheit über ihre Identität und
ihren Zivilstand besteht (vgl. Art. 96 ZGB; Art. 15 Abs. 5, Art. 16 Abs. 1, 2 und 3, Art. 64
und 66 f. ZStV; Weisungen EAZW über die Aufnahme ausländischer Personen, N 2.1 f.,
3.5, 4.3 und FN 65). Dementsprechend wird sie auch zur Klage auf Eintragung streitiger
Tatsachen zugelassen. Diese ermöglicht es ihr alsdann, den Nachweis ihrer Identität –
verstanden als die Zuordnung der vor Gericht erschienenen Person zum
entsprechenden Registereintrag – und ihrer Ledigkeit auch auf andere Weise als durch
die Beschaffung amtlicher Dokumente oder einer Bestätigung aus ihrem Herkunftsland
zu erbringen. Insofern dient sie im vorliegenden Fall der Verwirklichung des Rechts auf
Ehe und nicht umgekehrt. Nur wenn nach Abschluss des Beweisverfahrens ernsthafte
Zweifel daran verbleiben, ob die Gesuchstellerin wirklich die im Personenstandsregister
als "A.B." geführte Person und/oder ob sie wirklich ledig ist, ist die nachgesuchte
Eintragung zu verweigern und es bleibt betreffend den Zivilstand beim Eintrag
"unbekannt". Es verletzt das Recht auf Ehe jedoch selbstredend nicht, wenn es der
Gesuchstellerin solange verwehrt bleibt, zu heiraten, als noch ernsthaft mit der
Möglichkeit gerechnet werden muss, dass sie (in ihrem Herkunftsland) noch
anderweitig gültig und in einer mit dem schweizerischen Ordre public nicht
offensichtlich unvereinbaren Weise verheiratet ist (vgl. Art. 16 Abs. 1, Art. 27 und 45
IPRG).
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e) Was die Berufungsklägerin alsdann mit Bezug auf die Grundrechte ihres Sohnes
und den Grundsatz ius sanguinis (Abstammungsprinzip) vorträgt, zielt an der Sache
vorbei. Die Berufungsklägerin übersieht, dass die Eintragung einer ausländischen
Staatsbürgerschaft im schweizerischen Personenstandsregister lediglich
deklaratorische Bedeutung hat und noch nicht einmal an der erhöhten Beweiskraft des
Registers teilhat (s. E. 2.b hiervor). Würde man bei ihr, ihrem Lebenspartner und ihrem
Sohn die Volksrepublik China als ausländische Staatsbürgerschaft eintragen, hätte dies
nicht zur Folge, dass irgendjemand von ihnen deshalb die chinesische
Staatsbürgerschaft erhielte oder auch nur bessere Chancen auf den Erwerb derselben
hätte; allenfalls kann die Annahme einer mutmasslichen ausländischen
Staatsangehörigkeit des Kindes zu einer amtlichen Mitteilungspflicht gemäss
internationaler Vereinbarung führen (vgl. Art. 54 Abs. ZStV); mit der Volksrepublik China
besteht jedoch keine entsprechende Vereinbarung. Überdies hätte man ihrem Sohn die
Anerkennung als Person vor dem Gesetz nur versagt, wenn man ihn trotz der Geburt in
der Schweiz überhaupt nicht ins Personenstandsregister aufgenommen hätte (Göksu,
a.a.O., S. 1256 ff.), was jedoch unbestrittenermassen nicht der Fall war.
f) Daraus und aus den allgemeinen Ausführungen zur Klage auf Eintragung streitiger
Angaben (s. E. 2 f. hiervor) folgt, dass die beantragten Eintragungen im
Personenstandsregister entgegen der Auffassung der Berufungsklägerin nicht ohne
Beweis für deren Richtigkeit vorgenommen werden müssen (Berufung, S. 9). Da die
bisherigen Prozessakten diesbezüglich noch nicht genug hergeben und die Vorinstanz
im Zuge der Verfahrensleitung irrtümlich von einer Beweismittelbeschränkung ausging,
wird Letztere die Berufungsklägerin vielmehr im Rahmen einer Beweisaussage zu den
noch offenen Personenstandsdaten (Geburtsland, Zivilstand, Name der Mutter, Name
des Vaters) zu befragen und danach bzw. gegebenenfalls nach (amtswegiger)
Erhebung weiterer Beweise in Würdigung sämtlicher eingereichter und eingeholter
Beweismittel über deren Richtigkeit resp. Eintragung zu befinden haben. Für den
Beweis gilt dabei das Regelbeweismass der vollen Überzeugung. Soweit die
Berufungsklägerin dem entgegenhält, es müsse die Abgabe einer Erklärung bzw. der
Grad der Glaubhaftmachung genügen, sofern sich die Beschaffung von Urkunden als
unmöglich oder unzumutbar erweist, verwechselt sie einmal mehr die Voraussetzungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/20
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von Art. 41 ZGB mit jenen des hier einschlägigen Art. 42 ZGB. Vorliegend ist nicht
darüber zu entscheiden, ob der Berufungsklägerin die Abgabe einer Erklärung nach
Art. 41 ZGB zu bewilligen (gewesen) wäre, sondern ob ihr der Nachweis streitiger
Angaben auf andere Weise als durch amtliche Urkunden gelingt. Die
streitgegenständliche Klage setzt dafür auch nicht voraus, dass es der
Berufungsklägerin tatsächlich unmöglich oder unzumutbar ist, sich mit den Behörden
ihres bzw. eines ihrer früheren Aufenthaltsstaaten in Verbindung zu setzen.
6. Somit ist der angefochtene Entscheid in teilweiser Gutheissung der Berufung
aufzuheben und die Sache zur Abnahme von Beweisen insbesondere einer
Beweisaussage und zur erneuten Beurteilung im Sinne der vorstehenden Erwägungen
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
[...]
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 16.07.2020 Art. 42 ZGB (SR 210): Mit der Bereinigungsklage gemäss Art. 42 ZGB kann nicht nur die Berichtigung oder Löschung schon bestehender Eintragungen, sondern insbesondere auch die (erstmalige) Eintragung streitiger Angaben über den Personenstand verlangt werden (E. III.3.a). Die Klage auf Eintragung streitiger Angaben soll der über ein schützenswertes Interesse verfügenden Person Gelegenheit geben, den Nachweis der Angaben auf andere Weise als durch Vorlage offizieller Dokumente wie Ausweis- und Identifikationspapiere, Geburtsscheine usw. zu erbringen. Angesichts der späteren Beweisfunktion des Registereintrags muss für diesen Nachweis grundsätzlich die volle Überzeugung nach dem Regelbeweismass verlangt werden. Im Interesse der Vollständigkeit und Richtigkeit der Eintragungen im Personenstandsregister wird der Sachverhalt dabei von Amtes wegen festgestellt und ist die betroffene kantonale Aufsichtsbehörde im Zivilstandswesen zwingend anzuhören (E. III.3.c; Kantonsgericht, Einzelrichterin im Personen-, Erb- und Sachenrecht, 16. Juli 2020, BS.2020.5).
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2021-08-06T02:14:51+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen