Decision ID: 4b555606-005f-5afd-9ed0-96f02bd46805
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1988, ist Staatsangehöriger Brasiliens. Er reiste am 9. Juni 2009 in die
Schweiz ein und heiratete am 5. August 2009 eine Schweizerin, worauf ihm im Rahmen
des Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde. Nachdem es
mehrmals zu Streitereien gekommen war, trennten sich die Eheleute am 1. Juni 2013.
Am 3. Juli 2017 wurde die kinderlos gebliebene Ehe geschieden.
B.
Am 10. September 2014 ersuchte A._ das Migrationsamt des Kantons St. Gallen um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Das Migrationsamt erteilte ihm die
Aufenthaltsbewilligung am 6. November 2014 bis am 4. August 2015 unter Ansetzung
folgender Bedingungen: Nachkommen sämtlicher finanzieller Verpflichtungen, Tilgung
der bestehenden Schulden, klagloses Verhalten und Unterzeichnung einer
Integrationsvereinbarung. Am 6. Januar 2015 unterzeichnete A._ eine
Integrationsvereinbarung, worin er sich verpflichtete, einen Sprachkurs mit dem Ziel
des Deutschzertifikats A2 zu besuchen. In den folgenden Jahren wurde die
Aufenthaltsbewilligung dreimal verlängert, letztmals unter Ansetzung einer Nachfrist bis
4. Februar 2018.
C.
Am 22. Februar 2018 ersuchte A._ erneut um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
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und reichte auf Aufforderung des Migrationsamtes diverse Unterlagen ein. Mit
Verfügung vom 9. Juli 2019 verweigerte das Migrationsamt die Verlängerung und wies
ihn aus der Schweiz weg (innert 60 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung). Zur
Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass mehrere Bedingungen der
Bewilligung nicht eingehalten worden seien, womit ein Widerrufsgrund vorliege. Das
Sicherheits- und Justizdepartement wies den von A._ gegen die Nichtverlängerung
der Aufenthaltsbewilligung erhobenen Rekurs am 14. Januar 2021 mit derselben
Begründung ab.
D.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 14. Januar 2021 (zugestellt am 19. Januar 2021)
durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 2. Februar 2021 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Er beantragt, der Rekursentscheid sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern. Der
zuständige Abteilungspräsident entsprach dem Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege am 2. März 2021.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 15. März 2021 auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Mit
Eingaben vom 17. und 28. April 2021 (Datum Eingang) nahm der Vertreter für den
Beschwerdeführer abschliessend Stellung und ergänzte die Akten. Die Vorinstanz
verzichtete am 17. Mai 2021 auf weitere Äusserungen.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
der mit seinem Antrag, seine Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, im
Rekursverfahren unterlag, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 19. Januar 2021
zugestellten Rekursentscheid wurde mit Eingabe vom 2. Februar 2021 rechtzeitig
erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
bis
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Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2. Anwendbares Recht
Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision des (vormaligen)
Ausländergesetzes (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; AuG),
welches neu Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG, SR 142.20) heisst, erfuhr das Gesetz einige Anpassungen. Art. 126
Abs. 1 AIG bestimmt, dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten des AIG eingereicht
worden sind, das bisherige materielle Recht anwendbar bleibt. Das Verfahren richtet
sich demgegenüber nach dem neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AIG). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts ist das bisherige materielle Recht auf alle
Verfahren anwendbar, die erstinstanzlich vor Inkrafttreten des neuen Rechts eingeleitet
wurden (M. Spescha, in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar
Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 1 zu Art. 126 AIG mit Hinweisen).
Am 21. August 2017 bzw. nach Ansetzung einer Nachfrist erneut am 22. Februar 2018
ersuchte der Beschwerdeführer um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung (act.
Migrationsamt [MA] 347). Das Verfahren wurde somit vor dem 1. Januar 2019
eingeleitet, weshalb die Angelegenheit materiell nach dem bis zum 31. Dezember 2018
geltenden Ausländergesetz (AuG) in der Fassung vom 1. Januar 2018 zu beurteilen ist.
3. Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung
Rechtliches
Die Aufenthaltsbewilligung wird für Aufenthalte mit einer Dauer von mehr als einem
Jahr erteilt. Sie wird für einen bestimmten Aufenthaltszweck erteilt und kann mit
weiteren Bedingungen verbunden werden (Art. 33 Abs. 1 und 2 AuG). Nach Auflösung
der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des Ehegatten und der
Kinder einer Schweizerin oder eines Schweizers auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 AuG weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens
drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht (lit. a) oder wichtige
persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b
von Art. 50 Abs. 1 AuG). Dieser Anspruch erlischt jedoch unter anderem, wenn ein
Widerrufsgrund gemäss Art. 62 AuG vorliegt (Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG). Ein solcher
Widerrufsgrund ist namentlich gegeben, wenn der Ausländer eine mit der Verfügung
verbundene Bedingung nicht einhält (Art. 62 Abs. 1 lit. d AuG).
Die Erteilung einer Aufenthalts- oder Kurzaufenthaltsbewilligung kann mit der
3.1.
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Bedingung verbunden werden, dass ein Sprach- oder Integrationskurs besucht wird.
Die Verpflichtung zum Kursbesuch kann in einer Integrationsvereinbarung festgehalten
werden (Art. 54 Abs. 1 AuG). In der Integrationsvereinbarung sollen die Ziele, die
vereinbarten Massnahmen sowie die Folgen im Fall einer Nichterfüllung festgehalten
werden. Die entsprechenden Sanktionen haben verhältnismässig zu sein. Primär ist
vom Gesetzgeber mehr ein Anreiz- als ein Sanktionsmechanismus beabsichtigt.
Integrationserfolg soll durch eine Verbesserung der Rechtstellung belohnt werden.
Hinwegen wäre eine Bestrafung wegen fehlender sprachlicher Integrationsfortschritte
durch Entzug der Aufenthaltsbewilligung kaum je verhältnismässig (M. Spescha, in:
Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl.
2015, N 3 zu Art. 54 AuG).
Vorbringen der Beteiligten
Die Vorinstanz führt aus, die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung des
Beschwerdeführers am 6. November 2014 sei unter Bedingungen erfolgt. Seit der
letzten Verlängerung seien neue Schuldverpflichtungen der Q._ AG in der Höhe von
CHF 2'612.95 entstanden. Die Schulden hätten sich insgesamt um mehr als
CHF 22'000 auf CHF 52'000 vergrössert. Es seien zudem keine bestehenden Schulden
getilgt worden. Das Verhalten des Beschwerdeführers könne somit nicht als klaglos
bezeichnet werden. Auch seiner Verpflichtung, Deutschkurse zu besuchen, sei er nicht
nachgekommen. Die Begründungen für das Nichtbesuchen der Kurse erwiesen sich als
unbehelflich. Aufgrund der Nichteinhaltung der mit der Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung verbundenen Bedingungen liege ein Widerrufsgrund vor. Der
Widerruf erweise sich auch als verhältnismässig. Angesichts der Erhöhung der
Schulden drohe eine Belastung der öffentlichen Hand. Bisher sei der Beschwerdeführer
nur kurzzeitigen Erwerbstätigkeiten nachgegangen. Seine Bemühungen, eine geregelte
und längerfristige Anstellung zu finden, seien unzureichend. Die berufliche und soziale
Integration sei nicht gelungen. Eine aktuell besondere Beziehung zur Schweiz sei
weder geltend gemacht worden noch ersichtlich.
Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, in den zwölf Jahren, die er
mittlerweile in der Schweiz lebe, habe er nie Sozialhilfegelder bezogen, sondern seinen
Lebensunterhalt stets selbst bestritten. Auch in strafrechtlicher Hinsicht habe er sich,
abgesehen von der weit zurückliegenden bedingten Geldstrafe im Zusammenhang mit
Ehestreitigkeiten, nichts zuschulden kommen lassen. Bei gleicher Ausgangslage und
gleichen Schulden sei ihm die Aufenthaltsbewilligung in den Jahren 2015 bis 2017
jeweils verlängert worden. Folglich habe er die Bedingungen erfüllt, ansonsten keine
Verlängerungen hätten erfolgen dürfen. Nach mehreren Jahren nun wieder auf diese
3.2.
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Bedingungen abzustellen, sei klar rechtsmissbräuchlich. Er spreche genügend
Deutsch, sonst würde er keine Arbeit erhalten. Statt einen Deutschkurs zu besuchen,
habe er gearbeitet und Geld verdient. Im November 2020 habe er den letzten Lohn
erhalten. Ob er nach dem Lockdown im Frühjahr 2021 wieder in jenem
Gartenbauunternehmen arbeiten könne, sei derzeit noch nicht bekannt. Was die
Betreibungen angehe, habe er viele davon bereits bezahlt, ohne dass diese im
Betreibungsregister gelöscht worden wären. Insgesamt liege kein Widerrufsgrund vor.
Tatsächliches
Nach der Trennung von der Ehefrau im Jahr 2013 wurde dem Beschwerdeführer die
selbständige Aufenthaltsbewilligung am 6. November 2014 für ein Jahr erteilt.
Gleichzeitig wurden Bedingungen verfügt. Der Beschwerdeführer wurde angehalten,
sämtlichen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, bestehende Schulden zu
tilgen, sich klaglos zu verhalten und eine Integrationsvereinbarung zu unterzeichnen
(act. MA 148). Sollte er sich nicht an diese Bedingungen halten, wurde ihm der Widerruf
der Aufenthaltsbewilligung angedroht. Bereits damals wies sein
Betreibungsregisterauszug Betreibungen und Verlustscheine in der Höhe von
insgesamt CHF 32'184.30 auf (act. MA 112; Q._ AG CHF 5'523.65, Steuerschulden
CHF 21'967.55, Intrum Justitia AG CHF 2'227.55, InFoScore Inkasso AG
CHF 2'035.55, SBB CHF 430). Diese Schulden waren noch während des
Zusammenlebens mit der Ehefrau in den Jahren 2011 bis 2013 entstanden. In seiner
Zustimmung zur Verlängerung vom 12. Dezember 2014 wies das Bundesamt für
Migration (BFM, seit 1. Januar 2015 Staatssekretariat für Migration, SEM) nochmals
darauf hin, dass die Bedingungen zwingend einzuhalten seien und dieses Schreiben als
Verwarnung gelte (act. MA 157). Am 6. Januar 2015 unterzeichnete der
Beschwerdeführer eine Integrationsvereinbarung, worin er sich zum regelmässigen
Besuch von Sprachkursen mit dem Ziel des Deutschzertifikats A2 verpflichtete (act. MA
165). Für den Fall der Nichterfüllung wurde ihm der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung
angedroht.
Im Rahmen des Gesuchs um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung reichte der
Beschwerdeführer einen Teilnehmerausweis vom 11. August 2015 für einen
Deutschkurs A1 ein (act. MA 184). Das Migrationsamt verlängerte die
Aufenthaltsbewilligung am 18. September 2015 um ein Jahr, ohne auf die zuvor
verfügten Bedingungen zu verweisen oder den Beschwerdeführer hinsichtlich der
Erfüllung der Bedingungen vom 6. November 2014 im Hinblick auf die nächste
Verlängerung zu ermahnen (act. MA 198). Als ein Jahr später die nächste Verlängerung
anstand, reichte der Beschwerdeführer die Bestätigung des Besuchs des
3.3.
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Deutschkurses A1 ein (act. MA 210). Gemäss Betreibungsregisterauszug war die Höhe
der Schulden in etwa gleich geblieben (act. MA 206). Obschon immer noch kein Kurs
der Stufe A2 besucht worden war, verlängerte das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung um ein weiteres Jahr bis 4. August 2017. Im Schreiben vom
15. September 2016 hielt das Migrationsamt gegenüber dem Beschwerdeführer fest,
dass die im Jahr 2014 nach der Trennung der Ehe verfügten Auflagen wie auch die
Integrationsvereinbarung vom 6. Januar 2015 nach wie vor gelten würden. Das
Migrationsamt erklärte sich bereit, die Bewilligung nochmals um ein Jahr zu verlängern.
Es werde jedoch erwartet, dass der Beschwerdeführer die bestehenden Schulden tilge
und sich klaglos verhalte. Ansonsten könne er nicht mehr ohne Weiteres mit einer
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung rechnen (act. MA 231).
Am 21. August 2017 ersuchte der Beschwerdeführer um eine weitere Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Per Ende August 2017 waren beim Betreibungsamt St. Gallen
Betreibungen in der Höhe von CHF 17'769.45 vermerkt, wobei mit CHF 14'773.40 der
grösste Teil auf die Krankenkasse Q._ AG entfiel (act. MA 249). Am 24. Oktober 2017
meldete sich der Beschwerdeführer für einen Deutschkurs A2 an (act. MA 268). Bei
einem Einstufungstest am 19. Oktober 2017 wurde sein Stand der Deutschkenntnisse
beim Sprechen, Hören und Lesen mit A2 und beim Schreiben mit A1 angegeben (act.
MA 269). Da der Nachweis des Besuchs des Deutschkurses nicht erbracht worden
war, verlängerte das Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers
am 21. November 2017 im Sinn einer Nachfrist vorläufig lediglich um ein halbes Jahr
bis am 4. Februar 2018 (act. MA 313). Zudem wies es darauf hin, dass die
Aufenthaltsbewilligung nicht mehr verlängert werden könne, wenn bis dahin keine
entsprechenden Nachweise über den aktuellen Kursbesuch, weiterführende
Deutschkurse und ein geregeltes Einkommen vorlägen. Dem Gesuch seien ein aktueller
Betreibungsregisterauszug (inkl. Nachweise über weitere Zahlungen), eine Auflistung
sämtlicher Gläubiger über die aktuellen Schuldensaldi und eine Passkopie beizulegen.
Vorliegen von Widerrufsgründen3.4.
Die Aufenthaltsbewilligung wurde dem Beschwerdeführer nach der Trennung von
seiner Ehefrau am 6. November 2014 gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG unter den
Bedingungen, dass er sämtlichen finanziellen Verpflichtungen nachkomme, bestehende
Schulden tilge, sich klaglos verhalte und eine Integrationsvereinbarung unterzeichne,
erteilt. In der Folge wurde die Bewilligung mehrmals verlängert. Bei der Verlängerung
vom 15. September 2016 wurde auf diese Bedingungen erneut Bezug genommen,
3.4.1.
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namentlich wurde der Beschwerdeführer auf die Erfüllung der Integrationsvereinbarung
hingewiesen und ihm mitgeteilt, es werde erwartet, dass er die bestehenden Schulden
tilge und sich klaglos verhalte. Auch im folgenden Verlängerungsverfahren wurden mit
Schreiben vom 21. November 2017 Nachweise über weitere Zahlungen und ein
geregeltes Einkommen verlangt. Eine eigentliche Verwarnung im Sinn von Art. 96 Abs.
2 AuG wurde jedoch seit 2015 nicht mehr ausgesprochen. Vorab ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer – abgesehen von der Verurteilung zu einer Busse von CHF 200
wegen Drohung zum Nachteil der Ehegattin aus dem Jahr 2013 – in der Schweiz
strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist. Bis anhin war er auch nie auf Sozialhilfe
angewiesen. Er kam für seinen Lebensunterhalt stets selbst auf, wobei es sich
mehrheitlich um Temporär- oder befristete Anstellungen handelte. Dazwischen war er
einige Male arbeitslos und bezog Arbeitslosentaggelder.
Eine der Bedingungen der Aufenthaltsbewilligung betraf die Unterzeichnung einer
Integrationsvereinbarung. Diese wiederum beinhaltete den regelmässigen Besuch eines
Sprachkurses mit dem Ziel des Deutschzertifikats A2. Bis anhin hat der
Beschwerdeführer den Nachweis dafür nicht erbracht. Ob er den am 25. Mai 2021
begonnenen Kurs mittlerweile absolviert hat, ist nicht bekannt. Anfang 2020 lief die
Integrationsvereinbarung nach fünf Jahren ab. Gemäss Art. 77 Abs. 4 der Verordnung
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE, in Kraft seit
1. Januar 2019) wird für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung
der Ehegemeinschaft lediglich noch der Nachweis der mündlichen Sprachkompetenz
des Referenzniveaus A1 verlangt. Sodann wurde dem Beschwerdeführer im Rahmen
eines Einstufungstests bereits am 21. Oktober 2017 bescheinigt, dass er bis auf das
Schreiben, wo er Niveau A1 aufweist, das Niveau A2 (Sprechen, Hören, Lesen) bereits
beherrscht. Seine Deutschkenntnisse standen einer Erwerbstätigkeit in all den Jahren
nicht entgegen. Ob unter diesen Umständen der Widerrufsgrund der Nichteinhaltung
einer mit der Aufenthaltsbewilligung verbundenen Bedingung (Erfüllung der
Integrationsvereinbarung) gegeben ist, kann angesichts der aus
Verhältnismässigkeitsgründen gebotenen Gutheissung der Beschwerde indes
offenbleiben (vgl. dazu unter E. 3.5). Auf eine persönliche Anhörung des
Beschwerdeführers sowie die Einholung eines Berichts des Arbeitgebers zu den
Deutschkenntnissen kann folglich verzichtet werden.
3.4.2.
Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer weiter vor, er sei seinen finanziellen
Verpflichtungen nicht nachgekommen und habe seine Schulden nicht getilgt, sondern
3.4.3.
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im Gegenteil erhöht. Im Zeitpunkt der Erteilung der nachehelichen
Aufenthaltsbewilligung am 6. November 2014 belief sich die Höhe der Schulden des
Beschwerdeführers auf CHF 32'184.30 (act. MA 112, davon CHF 5'523.65 bei der
Krankenkasse Q._ AG und CHF 21'967.55 zugunsten des Fiskus). In den folgenden
Jahren nahmen die Schulden gegenüber der Krankenkasse zu auf CHF 14'773.40 am
28. August 2017 (act. MA 249) und CHF 19'563.10 am 21. Mai 2019 (act. MA 692). Die
übrigen Schulden (insbesondere jene bei den Steuerbehörden) waren jeweils nicht
mehr aufgeführt. Am 21. Mai 2019 waren beim Betreibungsamt St. Gallen Betreibungen
im Gesamtbetrag von CHF 22'621.10 verzeichnet (act. MA 692). Rund ein Jahr später
am 12. Juni 2020 wurden dieselben Betreibungen ausgewiesen (vi-act. 8.1, S. 2).
Daraus ist zu schliessen, dass keine neuen Betreibungen eingeleitet wurden. Die
Darstellung der Vorinstanz, wonach sich die Schulden des Beschwerdeführers von
CHF 22'000 auf CHF 52'000 erhöht hätten, trifft nicht zu. Den am 12. bzw. 16. Juni
2020 von den Betreibungsämtern St. Gallen und Rapperswil-Jona ausgewiesenen
offenen Verlustscheinen liegen teilweise dieselben Forderungen zugrunde (vi-act. 8.1
und 9).
Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers ist es nicht so, dass der grösste Teil
der Schulden bei der Krankenkasse während des Zusammenlebens mit seiner früheren
Ehefrau entstand. Der Beschwerdeführer vernachlässigte die Zahlungen an die
Krankenkasse auch nach der Trennung. Gemäss nicht näher belegten Angaben der
Krankenkasse betrugen die Ausstände Ende 2018 insgesamt CHF 30'748.70 (act. MA
635); in Betreibung gesetzt sind davon rund CHF 18'000. Der Beschwerdeführer führt
dazu aus, er sei nicht mehr bereit gewesen, die Prämien zu bezahlen, da er keinen
Versicherungsausweis erhalten habe und keine ärztlichen Leistungen habe beziehen
können (act. MA 566). Ein Leistungsaufschub der Krankenkasse entbindet den
Beschwerdeführer jedoch nicht von der Pflicht, die Prämien zu bezahlen. Genau das
Gegenteil ist der Fall: Er hat sich um die Bezahlung der Rückstände zu bemühen, damit
der Leistungsaufschub aufgehoben wird. Es steht somit fest, dass der
Beschwerdeführer die vom Migrationsamt gesetzten Bedingungen, seinen finanziellen
Verpflichtungen nachzukommen, für eine weitere Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nicht eingehalten und einen Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1
lit. d AuG gesetzt hat.
Verhältnismässigkeit3.5.
Doch selbst bei Vorliegen eines Widerrufsgrundes erlöschen die Ansprüche nach
3.5.1.
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Art. 42 AuG nicht automatisch, sondern nur dann, wenn der Widerruf aufgrund einer
Interessenabwägung verhältnismässig erscheint. Dabei sind namentlich die Schwere
des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit
sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen
(vgl. Art. 96 AuG; BGE 135 II 377 E. 4.3). Insofern erlischt nach Art. 51 Abs. 2 AuG der
Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nur dann, wenn der Widerruf
auch verhältnismässig ist. Bei Vorliegen von Schulden ist neben deren Höhe und der
Anwesenheitsdauer des pflichtvergessenen Schuldners entscheidend, ob und inwiefern
dieser sich bemüht hat, seine Verbindlichkeiten abzubauen und mit den Gläubigern
nach einer Lösung zu suchen. Sind solche Bemühungen dargetan, liegt die
Wegweisung der ausländischen Person nicht im Interesse der vorhandenen Gläubiger,
da der Schuldenabbau dadurch kompromittiert würde. Ferner ist im Rahmen der
Interessenabwägung aber auch zu berücksichtigen, dass das öffentliche Interesse an
der Wegweisung ausländischer Personen, welche einzig dem Schutz potentieller
Gläubiger dient, von geringerem Gewicht erscheint als dasjenige an der Wegweisung
straffälliger oder dauernd sozialhilfeabhängiger Personen (BGer 2C_573/2019 vom 14.
April 2020 E. 2.2 und 2C_789/2017 vom 7. März 2018 E. 3.3.1, zum Ganzen auch:
Spescha, a.a.O., N 11 zu Art. 62 AuG sowie N 17 zu Art. 63 AuG).
Weil im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 Abs. 3 VRP neue Begehren unzulässig
sind, berücksichtigt das Verwaltungsgericht Tatsachen, die nach Abschluss des
Rekursverfahrens eingetreten sind ("echte Noven"), grundsätzlich nicht mehr (Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Auf. 2003, Rz. 642, vgl.
Looser/Looser-Herzog, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 11 zu Art. 61
VRP). Im Bereich des Ausländerrechts hat das Verwaltungsgericht als Ausnahme von
diesem Grundsatz laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung allerdings auf den
Sachverhalt im Zeitpunkt seines Entscheides abzustellen (BGE 128 II 145 E. 1.1.3, vgl.
Looser/Looser-Herzog, a.a.O., N 19 zu Art. 61 VRP). Es hat also entscheidwesentliche
Tatsachen, die nach Abschluss des Rekursverfahrens eingetreten sind, zu
berücksichtigen (VerwGE B 2018/183 vom 3. Juli 2019 E. 2.1, B 2016/111 vom 16.
Januar 2018 E. 2). Vorliegend bedeutet dies, dass die vom Beschwerdeführer
behaupteten Anstrengungen zur Schuldentilgung bis zum Entscheidzeitpunkt zu
berücksichtigen sind und gestützt darauf die Schuldensituation abzuklären ist (BGer
2C_573/2019 vom 14. April 2020 E. 2.3, vgl. BGE 135 II 369 E. 3.3).
Untersuchungsgrundsatz und Mitwirkungspflicht ändern hingegen an der objektiven
Beweislast nichts, wonach grundsätzlich diejenige Partei die Folgen der
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Beweislosigkeit eines Sachumstands zu tragen hat, die Rechte daraus ableiten wollte
(BGer 2C_573/2019 vom 14. April 2020 E. 2.4).
Nachdem der Beschwerdeführer weder wiederholt straffällig geworden noch
sozialhilfeabhängig ist, beschränkt sich das öffentliche Interesse an seiner Wegweisung
auf den Schutz privater Gläubiger. Dieses Interesse ist aber insofern zu relativieren, als
eine Entfernung des Beschwerdeführers aus der Schweiz dazu führen dürfte, dass die
Gläubiger faktisch keinerlei reelle Chancen mehr hätten, für ihre Forderungen auch nur
teilweise befriedigt zu werden (BGer 2C_780/2013 vom 2. Mai 2014 E. 3.3). Der
Vorwurf der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe keine bestehenden Schulden
getilgt, trifft nicht zu. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Pfändungen in
kleinerem Umfang vollzogen (so immerhin knapp CHF 4'000 in den Jahren 2015 bis
2017, act. MA 185 und 273 f.). Im Zeitraum Januar 2017 bis 28. September 2018
konnten erneut Einkünfte in der Höhe von CHF 2'932 gepfändet werden (act. MA 528).
Seit Juli 2020 bis April 2021 hat der Beschwerdeführer elf Zahlungen an das
Betreibungsamt in der Höhe von CHF 3'335.75 geleistet (vi-act. 13 und 17, act. 7 und
14), und dies, obschon er über die Wintermonate coronabedingt keine Arbeit hatte.
Daraus ist zu schliessen, dass er den Ernst der Lage mittlerweile – wenn auch spät –
erkannt hat. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass für den Beschwerdeführer zum
vornherein keine Möglichkeit bestand, ausserhalb des Betreibungsverfahrens Schulden
zu tilgen, da er einem betreibungsrechtlichen Verwertungsverfahren (insbesondere der
Lohnpfändung) unterlag. Damit hat er im Rahmen seiner Möglichkeiten bestehende
Schulden abgebaut.
Ungelöst erscheint nach wie vor die Situation mit der Krankenkasse. Ob die laufenden
Prämien vom Beschwerdeführer mittlerweile bezahlt werden, ist nicht bekannt. Aus den
Akten geht jedoch hervor, dass der Beschwerdeführer versuchte, mit der Krankenkasse
eine Lösung zu finden. Seinem Vorschlag, mit CHF 10'000 ein Drittel der Schulden
abzuzahlen, stimmte diese jedoch ohne stichhaltige Begründung nicht zu. Es ist dem
Beschwerdeführer dringend zu empfehlen, bei der Krankenkasse im Hinblick auf einen
Schulderlass nochmals nachzuhaken. Aufgrund der nicht übermässig hohen Einkünfte,
die der Beschwerdeführer in den vergangenen Jahren erzielte, wäre dabei auch zu
prüfen, ob er Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung (IPV) hat(te). Dies würde die
Problematik im Zusammenhang mit der Bezahlung der Krankenkassenprämien deutlich
entschärfen. Zu berücksichtigen im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung ist
3.5.2.
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4. Kosten
Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Staat die Kosten zu tragen (Art. 95
Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP).
Der Beschwerdeführer hat für das vorliegende Verfahren einen nicht näher begründeten
schliesslich auch, dass sich der Beschwerdeführer mittlerweile seit zwölf Jahren in der
Schweiz aufhält und damit mehr als ein Drittel seines Lebens hier verbracht hat.
Ergebnis und Verwarnung
Unter diesen Umständen kann nicht gesagt werden, die Fernhaltung des
Beschwerdeführers sei für die nationale oder öffentliche Sicherheit, für das
wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung
von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der
Rechte und Freiheiten anderer zum jetzigen Zeitpunkt unabdingbar notwendig. Insofern
überwiegen die öffentlichen Interessen an der Wegweisung die privaten Interessen am
Verbleib in der Schweiz im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, und die Nichtverlängerung
der Aufenthaltsbewilligung sowie die Wegweisung erweisen sich somit aktuell als
unverhältnismässig. Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen, und der
angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 14. Januar 2021 ist aufzuheben. Das
Migrationsamt ist anzuweisen, die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zu
verlängern. Der Antrag des Beschwerdeführers auf Sistierung des Verfahrens ist damit
gegenstandslos geworden.
Anders wäre die Angelegenheit in Zukunft zu beurteilen, wenn der Beschwerdeführer
sich trotz des vorliegenden Verfahrens nicht veranlasst sähe, sich weiterhin ernsthaft
um eine Rückzahlung der bestehenden Schulden zu bemühen und neue Schulden zu
vermeiden. Der Beschwerdeführer ist deshalb gestützt auf Art. 96 Abs. 2 AIG zu
verwarnen und darauf hinzuweisen, dass er sich an die hiesige öffentliche Ordnung zu
halten hat. Er wird angewiesen, sich in Zukunft in sämtlichen Belangen wohl zu
verhalten. Das bedeutet, dass er seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen,
keine neuen Schulden anzuhäufen und die bestehenden Schulden im Rahmen von
regelmässigen Abzahlungen ans Betreibungsamt abzubauen hat. Die Summe der
bestehenden Schulden muss weiter reduziert werden. Er ist darauf zu behaften, dass
sein Wohlverhalten nicht nur unter dem Druck des Rechtsmittelverfahrens zustande
kam, sondern auch andauern wird. Ansonsten wird ihm die Aufenthaltsbewilligung zu
entziehen sein.
3.6.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entschädigungsantrag gestellt. Der Vertreter des Beschwerdeführers teilte auf
entsprechende Nachfrage mit, dass er das Mandat unentgeltlich führe (act. 6). Einer
nicht bzw. nicht berufsmässig vertretenen Partei wird der Zeitaufwand für das Erstellen
von Rechtsschriften gestützt auf Art. 98 Abs. 2 VRP in der Regel nicht vergütet wird.
Barauslagen werden nur ersetzt, wenn sie erheblich und nachgewiesen sind, was
vorliegend nicht der Fall ist.