Decision ID: c7788340-8e3d-47ca-b5d0-44940a96ebd2
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufungen gegen eine Verfügung und ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf vom 3. November 2017 (EE160094-D)
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Rechtsbegehren:
der Gesuchstellerin, Erstberufungsklägerin und  (Urk. 16 S. 2 f.): "1. Es sei den Parteien das Getrenntleben zu bewilligen. 2. Es sei die eheliche Wohnung an der C._-strasse ... in
D._ dem Gesuchsgegner zur alleinigen Benutzung  und der Gesuchstellerin eine angemessene Auszugsfrist .
3. Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, die von der  für ihre neu anzumietende Wohnung aus der ehelichen Wohnung ausgesuchten Mobiliar- und Inventargegenstände auf erstes Verlangen herauszugeben.
4. Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuchstellerin, sobald sie eine Wohnung gefunden hat, auf erstes Verlangen die zu bezahlende Mietkaution auszuhändigen.
5. Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuchstellerin für den gesamten Umzug eine Akontozahlung von Fr. 20'000.–,  akonto Güterrecht, zu entrichten.
Eventualiter: 6. Sollten die Anträge Ziff. 3 bis 5 nicht gutgeheissen werden, sei die
eheliche Wohnung der Gesuchstellerin samt Mobiliar und Inventar zur Benutzung zuzuweisen und dem Gesuchsgegner eine  Auszugsfrist anzusetzen.
7. Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, an den Unterhalt der Gesuchstellerin persönlich angemessene monatliche  zu bezahlen, mindestens jedoch Fr. 6'000.– pro Monat, und dies ab Auszug der Gesuchstellerin aus der ehelichen  resp. bei Gutheissung des Eventualantrages ab Auszug des Gesuchsgegners aus derselben.
8. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des ."
prozessualer Antrag (Urk. 16 S. 3): "1. Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuchstellerin
einen angemessenen Prozesskostenbeitrag, mindestens jedoch Fr. 10'000.– zu bezahlen.
Eventualiter: 2. Es sei der Gesuchstellerin die unentgeltliche Rechtspflege, mithin
der unentgeltliche Rechtsbeistand in meiner Person, und die  Prozessführung zu bewilligen."
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des Gesuchsgegners, Erstberufungsbeklagten und  (Urk. 18 S. 2): "1. Es sei den Parteien das Getrenntleben zu bewilligen. 2. Es sei die Gütertrennung anzuordnen. 3. Es sei die eheliche Wohnung an der C._-str. ..., D._
dem Beklagten zuzuweisen. 4. Es sei festzustellen, dass der Beklagte der Klägerin mangels
Leistungsfähigkeit keinen persönlichen Unterhalt bezahlen kann. 5. Die Anträge der Klägerin auf Herausgabe von Mobiliar/Inventar,
auf Leistung der Mietzinskaution und auf Leistung einer  für den Umzug (klägerische Anträge 3, 4 und 5) seien abzuweisen.
6. Der Antrag der Klägerin auf Leistung eines  sei abzuweisen.
Der Eventualantrag Ziff. 6 auf Zuteilung der Wohnung sei .
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zulasten der Klägerin."
Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf vom 3. November 2017:
(Urk. 48 S. 44)
"1. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin einen  in Höhe von Fr. 8'000.– zu bezahlen.
2. [Schriftliche Mitteilung]"
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf vom 3. November 2017:
(Urk. 48 S. 44 ff.)
"1. Es wird festgestellt, dass die Parteien auf unbestimmte Zeit zum  berechtigt sind.
2. Die eheliche Wohnung an der C._-strasse ... in D._ wird für die Dauer des Getrenntlebens samt Mobiliar und Hausrat dem Gesuchsgegner zur alleinigen Benützung zugewiesen.
3. Der Gesuchstellerin wird eine Frist bis zum 30. April 2018 eingeräumt, um die eheliche Wohnung an der C._-strasse ... im D._ mit samt ihren persönlichen Effekten zu verlassen.
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4. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin zwecks Umzug und Beschaffung von Mobiliar einen Betrag von Fr. 12'000.– zu bezahlen. Dieser Betrag ist der Gesuchstellerin auf ersten Verlangen, spätestens aber bis zum 28. Februar 2018, zu bezahlen.
5. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin persönliche  wie folgt zu bezahlen: a) Fr. 3'540.– ab 1. Mai 2018 bis und mit Mai 2019, zahlbar monatlich im
Voraus jeweils auf den Ersten eines Monats. b) Fr. 2'790.– ab 1. Juni 2019 bis auf Weiteres, zahlbar monatlich im Vo-
raus jeweils auf den Ersten eines Monats. 6. Der Antrag Nr. 2 des Gesuchsgegners wird abgewiesen. 7. Der Antrag Nr. 4 der Gesuchstellerin wird abgewiesen. 8. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 712.50 Dolmetscherkosten,
Fr. 4'312.50 Total
9. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. 10. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 11. [Schriftliche Mitteilung] 12. [Rechtsmittelbelehrung: Berufung, Frist 10 Tage] 13. Der in Art. 145 Abs. 1 ZPO genannte Stillstand der Fristen gilt nicht in die-
sem summarischen Verfahren (Art. 145 Abs. 2 lit. b ZPO)."
Berufungsanträge zur Erstberufung:
der Gesuchstellerin, Erstberufungsklägerin und  (Urk. 47 S. 2 f.): "1. Es sei in Abänderung von Ziffer 4 des Urteils des Bezirksgerich-
tes Dielsdorf vom 3. November 2017 der Gesuchsgegner und Appellat zu verpflichten, der Gesuchstellerin und Appellantin  Beitrag für Umzug und Beschaffung von Inventar und  von insgesamt Fr. 20'000.– unter denselben Konditionen  Urteil vom 3. November 2017 zu bezahlen.
2. Urteil Ziffer 5 sei aufzuheben und durch folgende Formulierung zu ersetzen:
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin  Unterhaltsbeiträge ab ihrem effektiven Auszug aus der  Wohnung von Fr. 6'000.– pro Monat zu bezahlen.
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3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des  und Appellaten."
prozessuale Anträge (Urk. 47 S. 3): "1. Es sei der Gesuchsgegner und Appellat zu verpflichten, der Ge-
suchstellerin und Appellantin für das Berufungsverfahren einen Prozesskostenbeitrag von Fr. 5'000.– zu bezahlen.
2. Es sei die Gesuchstellerin und Appellantin von der Bezahlung  Prozesskostenvorschusses für das Berufungsverfahren zu befreien.
3. Eventualiter sei der Gesuchstellerin und Appellantin für das  die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren."
des Gesuchsgegners, Erstberufungsbeklagten und  (Urk. 53 S. 2): "1. Die Berufungsanträge der Berufungsklägerin seien abzuweisen. 2. Der Antrag auf Prozesskostenbeitrag sei abzuweisen. 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zulas-
ten der Berufungsklägerin."
Berufungsanträge zur Zweitberufung:
des Gesuchsgegners, Erstberufungsbeklagten und  (Urk. 56/47 S. 2): "1. Es seien die Dispositivziffer 1 der Verfügung sowie Dispositivzif-
fer 4 des Urteils des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 03.11.2017, Geschäfts-Nr. EE160094, aufzuheben und im Sinne  Rechtsbegehren neu zu entscheiden.
2. Der Antrag auf Leistung eines Prozesskostenbeitrages der  sei abzuweisen (Dispositivziffer 1 der Verfügung).
3. Der Antrag auf Leistung einer Akontozahlung für den Umzug sei abzuweisen (Dispositivziffer 4 des Urteils).
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt.  der Berufungsbeklagten."
der Gesuchstellerin, Erstberufungsklägerin und  (Urk. 56/54 S. 2): "1. Es sei die Berufung des Berufungsklägers vom 8. Januar 2018
vollumfänglich abzuweisen, soweit und sofern darauf überhaupt einzutreten sei.
2. Alles unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Berufungsklägers."
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Erwägungen:
I.
1. Die Parteien sind seit dem tt. Dezember 1992 verheiratet (Urk. 4/2).
Aus ihrer Ehe gingen die Töchter E._, geboren am tt. März 1994, und
F._, geboren am tt. April 1997, hervor (Urk. 4/3).
2. Mit Eingabe vom 3. November 2016 machte die Gesuchstellerin bei der
Vorinstanz ein Eheschutzbegehren anhängig (Urk. 1). Der weitere Prozessverlauf
vor Vorinstanz kann dem erstinstanzlichen Urteil entnommen werden (Urk. 48
S. 3 ff.). Am 3. November 2017 erliess die Vorinstanz die eingangs wiedergege-
benen Entscheide (Verfügung und Urteil, Urk. 48).
3. Gegen das vorinstanzliche Urteil erhoben beide Parteien je mit Einga-
be vom 8. Januar 2018 (Urk. 47; Urk. 56/47) innert Frist (vgl. Urk. 45; Urk. 46) Be-
rufung mit den vorne zitierten Anträgen. Der Gesuchsgegner erhob zudem auch
Berufung gegen die vorinstanzliche Verfügung betreffend Verpflichtung zur Leis-
tung eines Prozesskostenbeitrages an die Gesuchstellerin (vgl. Urk. 56/47 S. 2).
Sodann stellte der Gesuchsgegner mit Eingabe vom 19. Januar 2018 hinsichtlich
seiner Berufung ein Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
(Urk. 56/50), welches mit Präsidialverfügung vom 26. Januar 2018 abgewiesen
wurde (Urk. 56/51). Der vom Gesuchsgegner einverlangte Kostenvorschuss von
Fr. 3'000.– ging innert Frist bei der Obergerichtskasse ein (Urk. 56/52). Mit Einga-
be vom 26. Februar 2018 erstattete der Gesuchsgegner seine Erstberufungsant-
wort (Urk. 53). Die Zweitberufungsantwort der Gesuchstellerin datiert vom
28. Februar 2018 (Urk. 56/54). Mit Beschluss vom 2. März 2018 wurde die Zweit-
berufung des Gesuchsgegners (LE180004-O) mit dem vorliegenden Berufungs-
verfahren (LE180003-O) vereinigt und als dadurch erledigt abgeschrieben.
Gleichzeitig wurden den Parteien – je unter Ansetzung einer Frist zur Stellung-
nahme zu den Noven – die Berufungsantwortschriften zur Kenntnis zugestellt
(Urk. 54). Die Stellungnahme der Gesuchstellerin datiert vom 15. März 2018
(Urk. 57), diejenige des Gesuchsgegners vom 21. März 2018 (Urk. 60). Da die
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Gesuchstellerin mit ihrer Eingabe vom 15. März 2018 neue Unterlagen ins Recht
legte (Urk. 59/1-3), wurde dem Gesuchsgegner mit Verfügung vom 4. April 2018
eine weitere Frist zur Stellungnahme angesetzt (Urk. 62). Mit Eingabe vom
9. April 2018 liess sich der Gesuchsgegner zu den neu eingereichten Unterlagen
der Gesuchstellerin vernehmen (Urk 63). Das Doppel dieser Eingabe wurde der
Gesuchstellerin zur Kenntnis zugestellt (Urk. 63). Weitere Eingaben der Parteien
folgten nicht.
4. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 1-46). Das Ver-
fahren erweist sich als spruchreif.
II.
1. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind die der Gesuchstellerin
persönlich geschuldeten Unterhaltsbeiträge sowie die vom Gesuchsgegner zu
leistenden Umzugskosten- und Prozesskostenbeiträge. Die Dispositiv-Ziffern 1-3
und 6-10 des vorinstanzlichen Urteils blieben unangefochten, weshalb diese in
Rechtskraft erwachsen sind (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Dies ist vorzumerken.
2. Betreffend die summarische Natur des vorliegenden Eheschutzverfah-
rens und insbesondere das Erfordernis der blossen Glaubhaftmachung der
rechtserheblichen Tatsachen kann vorweg auf die zutreffenden Ausführungen im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 48 E. III). Gemäss Art. 272
ZPO gilt in eherechtlichen Summarverfahren die eingeschränkte Untersuchungs-
maxime (Art. 272 ZPO). Im Geltungsbereich des Eheschutzverfahrens hat das
Gericht den Sachverhalt nicht von Amtes wegen zu erforschen, sondern lediglich
festzustellen (vgl. Art. 272 ZPO). Im Berufungsverfahren gilt aber auch im Bereich
der Untersuchungsmaxime die Rüge- bzw. Begründungsobliegenheit, was bedeu-
tet, dass die Berufung führende Partei sich sachbezogen mit dem Entscheid der
Vorinstanz im Einzelnen auseinanderzusetzen und konkret aufzuzeigen hat, was
am angefochtenen Urteil oder am Verfahren vor der Vorinstanz falsch gewesen
sein soll. Dieser Anforderung genügt ein Berufungskläger nicht, wenn er lediglich
auf die vor erster Instanz vorgetragenen Vorbringen verweist bzw. diese wieder-
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holt, sich mit Hinweisen auf frühere Prozesshandlungen zufrieden gibt oder den
angefochtenen Entscheid in allgemeiner Weise kritisiert (BGer 4A_580/2015 vom
11. April 2016, E. 2.2, m.w.H.). Was nicht in einer den gesetzlichen Begrün-
dungsanforderungen genügenden Weise beanstandet wird, braucht von der
Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden. In diesem Rahmen ist insoweit auf
die Parteivorbringen einzugehen, als dies für die Entscheidfindung erforderlich ist
(BGE 134 I 83 E. 4.1).
3. Überdies ist zu beachten, dass gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO neue Tat-
sachen und Beweismittel im Berufungsverfahren nur noch berücksichtigt werden,
wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer Sorgfalt
nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). Die Berufungs-
instanz soll zwar den erstinstanzlichen Entscheid umfassend überprüfen, nicht
aber alle Sach- und Rechtsfragen völlig neu aufarbeiten und beurteilen. Alles, was
relevant ist, ist grundsätzlich rechtzeitig in das erstinstanzliche Verfahren einflies-
sen zu lassen (ZK ZPO-Reetz/Hilber, Art. 317 N 10, m.w.H.). Jede Partei, welche
neue Tatsachen und Beweismittel vorbringt, hat zunächst zu behaupten und zu
beweisen, dass dies ohne Verzug geschieht. Will eine Partei unechte Noven gel-
tend machen, so trägt sie die Beweislast für deren Zulässigkeit (Steininger, DIKE-
Komm-ZPO, Art. 317 N 7; BGer 5A_330/2013 vom 24. September 2013, E. 3.5.1,
m.w.H.). Das Bundesgericht hat für Berufungsverfahren, die der Untersuchungs-
maxime unterstehen, eine analoge Anwendung von Art. 229 Abs. 3 ZPO abge-
lehnt und festgehalten, dass einzig die Novenregelung gemäss Art. 317 Abs. 1
ZPO massgeblich sei (BGE 138 III 625 E. 2.2). Unverschuldet nicht vorgetragene
unechte Noven sind im Sinne von Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO ohne Verzug, d.h. mit
der Berufungsbegründung bzw. Berufungsantwort vorzubringen. Nach Beru-
fungsbegründung und -antwort können grundsätzlich nur noch echte Noven vor-
gebracht werden (BGE 138 III 788 E. 4.2; BSK ZPO-Spühler, Art. 317 N 1 ff.).
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III.
A) Umzugskostenbeitrag
1. Die Vorinstanz verpflichtete den Gesuchsgegner zur Leistung eines
Umzugskostenbeitrages in der Höhe von Fr. 12'000.–. Den Antrag der Gesuch-
stellerin auf Bezahlung der von ihr zu leistenden Mietzinskaution für eine neue
Wohnung wies die Vorinstanz demgegenüber ab (Urk. 48, Dispositiv-Ziffern 4 und
7 des Urteils). Sie erwog, der Gesuchstellerin sei ein Auszug aus der ehelichen
Wohnung ohne vorgängige Leistung eines finanziellen Beitrags faktisch nicht
möglich. Sie verfüge über keinerlei Einkommen und Vermögen und habe erst ab
ihrem Auszug aus der ehelichen Wohnung Anspruch auf Ehegattenunterhalt. Da
der Auszug zeitnah zu vollziehen sei, sei sie bereits vor Beginn der Unterhalts-
pflicht auf die finanzielle Unterstützung des Gesuchsgegners angewiesen. Ein
Zuschlag zum monatlichen Grundbetrag im familienrechtlichen Existenzminimum
erweise sich daher als inadäquat. Vielmehr sei der Gesuchsgegner gestützt auf
die eheliche Beistandspflicht i.S.v. Art. 159 Abs. 3 ZGB zur Leistung eines
Zwangsdarlehens an die Gesuchstellerin zu verpflichten, zumal die Gesuchstelle-
rin eines Darlehens bedürfe und der Gesuchsgegner zur Leistung eines solchen
im Stande sei. Angemessen sei ein Umzugskostenbeitrag in der Höhe von
Fr. 12'000.–. Im Zusammenhang mit der Mietkaution erwog die Vorinstanz dem-
gegenüber, dass es sich dabei um keine eigentliche Ausgabe, sondern um eine
reine Sicherheitsleistung handle, welche nicht als Position mit unterhaltsrechtli-
cher Relevanz qualifiziert werden könne. Zudem könne die Pflicht zur Zahlung ei-
ner Mietkaution umgangen werden, indem bei einem Drittanbieter eine Mietkauti-
onsversicherung abgeschlossen werde. Der diesbezügliche Antrag der Gesuch-
stellerin sei daher abzuweisen (Urk. 48 E. III.4).
2.1 Die Gesuchstellerin macht berufungsweise geltend, Fr. 12'000.– wür-
den nicht ausreichen, um die Mietkaution zu bezahlen und sich neu einzurichten.
Für die Mietkaution würden unter Berücksichtigung der im vorinstanzlichen Ent-
scheid angerechneten Wohnkosten von Fr. 1'600.– pro Monat bereits Kosten von
Fr. 4'800.– entstehen. Für die Einrichtung einer angemessenen Zweizimmerwoh-
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nung sei – zurückhaltend gerechnet – unter Berücksichtigung der Preisangaben
des Möbelgrossisten G._ mit folgenden Positionen zu rechnen: Fr. 2'000.–
für ein Sofa mit Einersessel und Salontisch; Fr. 1'500.– für einen Tisch mit vier
Stühlen; Fr. 2'750.– für ein Bett mit Matratze, Bettwäsche und zwei Nachttischen;
Fr. 500.– für einen Küchentisch; Fr. 750.– für Lampen; Fr. 1'500.– für Geschirr
und Küchenutensilien; Fr. 1'500.– für Teppiche und Dekorationsmaterial;
Fr. 1'500.– für einen Fernseher, Radio und Fernsehtisch; Fr. 1'500.– für einen
Schrank; Fr. 500.– für zwei Kommoden für Wäsche sowie Fr. 750.– für die Bade-
zimmereinrichtung. Angemessen sei daher ein Beitrag im Rahmen der ehelichen
Beistandspflicht in der Höhe von Fr. 20'000.–. Der Gesuchsgegner sei zur Leis-
tung dieses Beitrages ohne Weiteres in der Lage, zumal er ein Vermögen von
Fr. 1'779'487.– versteuere, über welches er die alleinige Verfügungsmacht inne
habe (Urk. 47 S. 7 ff.).
2.2 Der Gesuchsgegner beantragt einerseits die Abweisung der Erstberu-
fung und andererseits berufungsweise die Abweisung des Antrags auf Leistung
einer Akontozahlung für den Umzug (Urk. 53 S. 2 und Urk. 56/47 S. 2). Er bean-
standet, die Vorinstanz sei fälschlicherweise von der Leistungsfähigkeit des Ge-
suchsgegners ausgegangen. Seine liquiden Mittel würden sich lediglich auf
Fr. 6'067.– belaufen. Die beiden Fahrzeuge – ein Porsche und ein Bentley – hät-
ten einen Steuerwert von Fr. 32'001.–, seien aber nicht einfach verkäuflich. Der
Markt für solche Autos sei derzeit nicht gut, weshalb sich die beiden Autos nicht
innert kurzer Zeit verkaufen liessen. Es sei im Minimum eine Übergangsfrist von
sechs Monaten zu gewähren. Auch die 12'400 Aktien der H._ AG könnten
nicht einfach verkauft werden, da das Unternehmen nicht börsenkotiert sei. Für
die Liegenschaften in der I._, welche gemäss Steuererklärung einen Steuer-
wert von Fr. 1'200'000.– hätten, sei trotz langer Suche bis heute kein Käufer ge-
funden worden. Dem Vermögen würden Gesamtschulden in der Höhe von
Fr. 164'992.– gegenüberstehen, welche die Vorinstanz bei der Beurteilung seiner
Leistungsfähigkeit ausser Acht gelassen habe. Nach Abzug der Schulden bleibe
selbst bei einem Verkauf der Autos kein Geld übrig. Mangels liquidem Vermögen
könne er nicht zur Zahlung eines Umzugskostenbeitrages verpflichtet werden. Im
Übrigen sei die Verpflichtung zur Leistung eines solchen auch rechtswidrig. Art.
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159 Abs. 3 ZGB könne wohl zur Leistung eines Prozesskostenbeitrages, nicht je-
doch für die Leistung weiterer Zahlungen herangezogen werden. Der Betrag von
Fr. 12'000.– erscheine sodann auch als überrissen und nicht angemessen. Die
von der Gesuchstellerin im Rahmen ihrer Berufung vorgebrachten Ausführungen
betreffend Einrichtung einer Zweizimmerwohnung und Mietkaution seien als unzu-
lässige Noven aus dem Recht zu weisen (Urk. 56/47 S. 3 ff.; Urk. 53 S. 11 f.).
2.3 Der vom Gesuchsgegner behaupteten Illiquidität hält die Gesuchstelle-
rin entgegen, der Gesuchsgegner habe am 1. Februar 2018 bei seinem langjähri-
gen Geschäftsanwalt K._ ein Darlehen aufgenommen, um die Umzugs- und
Prozesskostenbeiträge von gesamthaft Fr. 20'000.– zu leisten. In der Folge sei
ebendieser Betrag an ihren Rechtsvertreter geleistet und schliesslich an Letztere
weitergeleitet worden. Damit habe der Gesuchsgegner bewiesen, dass er kredit-
würdig und liquid sei. Gleiches ergebe sich aus dem Umstand, dass der Ge-
suchsgegner den vom Obergericht mit Verfügung vom 26. Januar 2018 verlang-
ten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.– habe leisten können. Der Gesuchsgegner
könne seine 12'400 Aktien zur Verbesserung seiner Kreditwürdigkeit jederzeit
verpfänden, was durch das Vorgehen von K._ zu vermuten sei. Im Übrigen
sei entgegen den Vorbringen des Gesuchsgegners nicht bloss die Steuererklä-
rung 2016 massgebend, zumal der Gesuchsgegner im Jahre 2017 eine neue Fir-
ma gegründet habe und die Schulden gemäss Steuererklärung 2016 nicht mehr
aktuell seien (Urk. 56/54 S. 4 ff.).
3.1 Vorab ist zu prüfen, ob der Gesuchsgegner gestützt auf die eheliche
Beistandspflicht zur Leistung eines Umzugskostenbeitrages verpflichtet werden
kann.
Die eheliche Beistandspflicht i.S.v. Art. 159 Abs. 3 ZGB kann immaterielle
oder materielle Leistungen erfordern, namentlich das Erbringen einer Arbeitsleis-
tung oder die Bezahlung von Geld. Sie verlangt vom einen Ehegatten, dem ande-
ren zu helfen, wo er ein berechtigtes Ziel nicht mit eigenen Mitteln erreichen kann.
Sie verpflichtet zu zusätzlichen Anstrengungen, zur Opferbereitschaft im Interesse
der ehelichen Gemeinschaft oder des andern Partners (BK-Hausheer/Reusser/
Geiser, Art. 159 N 26). Als Grundsatznorm, die in allen weiteren Bestimmungen
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des Eherechts konkretisiert wird, braucht man sich nur dann auf Art. 159 Abs. 3
ZGB zu stützen, wenn sich der Anspruch nicht schon aus einer konkreteren Be-
stimmung ergibt (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 159 N 29). Aus der Bei-
standspflicht kann sich die Notwendigkeit ergeben, dem anderen Ehegatten mate-
rielle Leistungen zu erbringen, die über den ehelichen Unterhalt hinausgehen
oder anderer Natur sind. In diesem Sinne dient Art. 159 Abs. 3 ZGB als Auffang-
bestimmung (Schmid, OFK-ZGB, Art. 159 N 4). Soll der Ehegatte dem anderen
eine Leistung, zum Beispiel ein Darlehen, erbringen, bedarf es grundsätzlich einer
Gefährdung der ehelichen Gemeinschaft. Dabei müssen die wirtschaftlichen Inte-
ressen des einen an der Gewährung des Darlehens die wirtschaftlichen Interes-
sen des andern an dessen Nichtgewährung derartig überwiegen, dass er aus
Gründen der Beistandspflicht zur Gewährung gezwungen ist (BK-Hausheer/
Reusser/Geiser, Art. 159 N 37). Das Gewicht der Interessen des die Leistung er-
bringenden Ehegatten hängt davon ab, ob er seine Interessen nicht auch auf an-
derem Weg aus eigener Kraft oder durch eine geringere Leistung des anderen
wahren kann (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 159 N 27). Die Beistandspflicht
findet ihre Grenzen zum einen in der Leistungsfähigkeit des Pflichtigen, zum an-
dern in der Zumutbarkeit der Leistung (Schmid, OFK-ZGB, Art. 159 N 7).
Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, ist die Gesuchstellerin vorliegend be-
reits vor Beginn der Unterhaltspflicht auf die finanzielle Unterstützung des Ge-
suchsgegners angewiesen, um den Auszug aus der ehelichen Wohnung vollzie-
hen zu können. Sie bedarf mithin einer zusätzlichen, über den ehelichen Unterhalt
hinausgehenden Geldleistung. Zudem liegt ihr Auszug im Interesse beider Ehe-
gatten, ein Fortbestand des gemeinsamen Haushalts gefährdet die eheliche Ge-
meinschaft. Die Gesuchstellerin verfolgt demnach mit ihrem Antrag auf Zuspre-
chung eines Umzugskostenbeitrages ein berechtigtes Ziel, welches sie mit eige-
nen Mitteln unbestrittenermassen nicht zu erreichen vermag. Demgegenüber
macht der Gesuchsgegner kein eigenes Interesse geltend, welches der Gewäh-
rung eines finanziellen Beitrages zur Deckung der ausserordentlichen Kosten im
Zusammenhang mit dem Auszug der Gesuchstellerin entgegensteht. Entspre-
chend ist nicht erkennbar, weshalb Art. 159 Abs. 3 ZGB nicht als Rechtsgrundla-
ge für einen Umzugskostenbeitrag herangezogen werden könnte. Der Gesuchs-
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gegner geht fehl in der Annahme, Art. 159 Abs. 3 ZGB könne nur zur Leistung ei-
nes Prozesskostenbeitrages, nicht jedoch zur Begründung anderer Zahlungen
herangezogen werden. Dies würde der Auffangfunktion der Norm zuwiderlaufen.
Demgemäss ist die Zusprechung eines Umzugskostenbeitrages gestützt auf
Art. 159 Abs. 3 ZGB nicht zu beanstanden.
3.2 Die von der Vorinstanz bejahte Bedürftigkeit der Gesuchstellerin wird
vom Gesuchsgegner nicht beanstandet. Zu prüfen ist allerdings, ob die Vorinstanz
zu Unrecht von der Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners ausging. Diesbezüg-
lich ist mit Verweis auf die Ausführungen in der Präsidialverfügung vom
26. Januar 2018 (Urk. 56/51 S. 3 ff.) einerseits festzuhalten, dass der Gesuchs-
gegner nicht glaubhaft machen konnte, dass er die beiden Fahrzeuge Bentley und
Porsche Carrera Cabriolet nicht innert nützlicher Frist verkaufen kann. Anderer-
seits ist – wie in ebendieser Verfügung ausgeführt (vgl. Urk. 56/51 S. 4) – davon
auszugehen, dass bei einem Verkauf der beiden Fahrzeuge Bentley und Porsche
zumindest Fr. 32'000.– realisiert werden könnten. Umstände, welche einen Ver-
kauf der Fahrzeuge unzumutbar machen könnten, werden vom Gesuchsgegner
nicht vorgebracht (vgl. Urk. 56/47 S. 3 ff.) und sind auch nicht ersichtlich. Entspre-
chend stehen dem Gesuchsgegner zur Finanzierung des Umzugskostenbeitrages
nicht bloss die liquiden Mittel von Fr. 6'067.– zur Verfügung. Vielmehr ist hierfür
auch der aus einem Verkauf der Fahrzeuge resultierende Erlös zu berücksichti-
gen.
Soweit der Gesuchsgegner zur Begründung seiner mangelnden Leistungs-
fähigkeit vorbringt, die Vorinstanz habe seine Schulden in der Höhe von
Fr. 162'992.– ausser Acht gelassen, ist darauf hinzuweisen, dass der Gesuchs-
gegner diesbezüglich einzig auf die in der Steuererklärung 2016 verzeichneten
Zahlen verweist. Ausführungen, geschweige denn Belege zu den aktuellen Ver-
mögensverhältnissen lässt er gänzlich vermissen. Wie die Gesuchstellerin zu
Recht einwendet, ist die Aktualität der geltend gemachten Zahlen zu bezweifeln.
Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich die in den Steuererklärungen
2012-2016 verzeichneten Schulden laufend veränderten resp. seit 2013 jeweils
jährlich massiv reduzierten (vgl. Urk. 4/4/1-4 und Urk. 37). Bei einer solchen Aus-
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gangslage genügt der blosse Verweis auf die in der Steuererklärung 2016 ver-
zeichneten Schulden nicht, um die Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners in
Frage zu stellen. Dieser wäre gehalten gewesen, Bestand und Höhe der geltend
gemachten Schulden mittels aktueller Unterlagen zu belegen. Weiter bleibt denn
auch unklar, inwiefern sich die Schulden – sofern sie denn tatsächlich noch im
behaupteten Umfang bestehen – auf die Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners
auswirken sollten. Eine Fälligkeit der gesamten Kreditschuld gegenüber der
H._ AG wird nicht behauptet. Da der Gesuchsgegner Alleinaktionär der
H._ AG ist, ist davon auszugehen, dass er die Rückzahlung der Kreditschuld
selbst steuern kann. Im Übrigen ist auch nicht ersichtlich, dass der Gesuchsgeg-
ner bei einem Verkauf seiner beiden Fahrzeuge verpflichtet wäre, vorab seine
Schulden gegenüber der H._ AG zurückzubezahlen. Insofern zielen seine
Vorbringen, wonach nach Abzug der Schulden selbst bei einem Verkauf der
Fahrzeuge nichts übrig bliebe, ins Leere. Darüber hinaus verkennt der Gesuchs-
gegner, dass die Vorinstanz die Kreditschulden gegenüber der H._ AG inso-
fern nicht ausser Acht liess, als dass sie im Rahmen der Bedarfsrechnung monat-
lich Fr. 440.– für die Abzahlung dieser Schulden berücksichtigte (vgl. Urk. 48
S. 26 f.).
Alsdann geht aus dem von der Gesuchstellerin eingereichten E-Mail, wel-
ches K._ am 2. Februar 2018 an den Rechtsvertreter der Gesuchstellerin
sandte, hervor, dass der Gesuchsgegner durch den Abschluss eines Darlehens-
vertrages mit K._ die zur Leistung der Umzugskosten- und Prozesskosten-
beiträge nötigen liquiden Mittel beschaffen konnte (vgl. Urk. 56/56/1). Zu der von
der Gesuchstellerin ins Feld geführten Möglichkeit der Verpfändung der 12'400
Aktien zur Verbesserung seiner Kreditwürdigkeit äussert sich der Gesuchsgegner
in keiner Weise. Ausserdem verzichtet er darauf, die Umstände rund um das Dar-
lehensgeschäft mit K._ näher darzulegen. Stattdessen begnügt er sich mit
dem Hinweis, er habe sich erneut verschulden müssen, was einmal mehr zeige,
dass er über keine Mittel verfüge (vgl. Urk. 60 S. 2 f.). Da ein Darlehen über einen
Betrag von Fr. 20'000.– im Geschäftsverkehr üblicherweise nicht unentgeltlich
und ohne Sicherheiten gewährt wird, ist glaubhaft, dass es dem Gesuchsgegner
- 15 -
möglich ist, sich durch Belastung seines gebundenen Vermögens ohne Weiteres
innert nützlicher Frist weitere liquide Mittel zu beschaffen.
Aus all diesen Gründen sind die Vorbringen des Gesuchsgegners hinsicht-
lich seiner Illiquidität unbegründet. Die Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners ist
ausgewiesen.
3.3 Schliesslich ist die Angemessenheit des von der Vorinstanz zugespro-
chenen Umzugskostenbeitrages in der Höhe von Fr. 12'000.– zu überprüfen.
Im vorinstanzlichen Verfahren liess die Gesuchstellerin ausführen, die Um-
zugskosten seien vielfältig. Auch wenn sie gewisses Mobiliar und Inventar aus der
ehelichen Wohnung mitnehme, müsse sie einige Dinge, wie beispielsweise ein
Bett, einen Schrank, einen Tisch, einen Fernseher etc. neu kaufen. Dabei rechne
sie mit Kosten von Fr. 12'000.– bis Fr. 15'000.–. Ausserdem sei für die Installation
einer Telefonanlage sowie allenfalls einer Waschmaschine mit Kosten von
Fr. 2'000.– zu rechnen. Für Bilder, Teppiche etc. seien weitere Fr. 3'000.– einzu-
rechnen. Hinzu komme die Wohnung selber, welche ebenfalls mit Fr. 2'000.– ver-
anschlagt werde. Insgesamt sei ihr daher ein Umzugskostenbeitrag von
Fr. 20'000.– zuzusprechen. Darüber hinaus sei der Gesuchsgegner zu verpflich-
ten, für die Mietkaution der neuen Wohnung aufzukommen (Urk. 16 S. 15).
Im Rahmen ihrer Berufung macht die Gesuchstellerin demgegenüber einen
Gesamtbetrag von Fr. 20'000.– für Umzugskosten samt Mietkaution geltend, wo-
bei sie die Umzugskosten unter Auflistung diverser Positionen auf Fr. 14'750.–
und die Auslagen für die Mietkaution auf Fr. 4'800.– beziffert. Dabei stellt sie sich
auf den Standpunkt, die Umzugs- und Einrichtungskosten dürften nunmehr neu
definiert und substantiiert werden, nachdem sie den Entscheid der Vorinstanz in
Bezug auf die Mietkaution akzeptiert habe (Urk. 47 S. 8). Diese Argumentation
vermag nicht zu überzeugen. Der Antrag auf Bezahlung der Mietkaution wurde
rechtskräftig abgewiesen. Die Vorinstanz hat dargelegt, weshalb der Gesuchs-
gegner nicht zur Übernahme dieser Kosten verpflichtet werden kann (Urk. 48
S. 12 f.). Mit diesen Erwägungen setzt sich die Gesuchstellerin in keiner Weise
auseinander. Mithin ist nicht ersichtlich, weshalb nunmehr unter dem Titel Um-
- 16 -
zugskosten Auslagen für die Mietkaution zu berücksichtigen wären. Die von der
Gesuchstellerin geltend gemachten Fr. 4'800.– für die Mietkaution sind demge-
mäss nicht als Umzugskosten anzurechnen. Hinsichtlich der übrigen Positionen
bleibt unklar, weshalb die Gesuchstellerin die Gesamtkosten der Einrichtung
nunmehr unter Auflistung diverser Positionen auf Fr. 14'750.– beziffert, wohinge-
gen sie sich im erstinstanzlichen Verfahren mit einer rudimentären Schätzung be-
gnügte. Die Berufungsschrift datiert vom 8. Januar 2018, der Auszug der Gesuch-
stellerin stand dagegen erst per Ende April 2018 an. Bei den berufungsweise gel-
tend gemachten Positionen handelt es sich somit nicht um tatsächlich angefallene
Einrichtungskosten, sondern wiederum um geschätzte Zahlen. Der Gesuchstelle-
rin wäre es bereits vor der Vorinstanz möglich gewesen, die einzelnen Positionen
substantiiert vorzubringen. Weshalb die Gesuchstellerin dazu trotz zumutbarer
Sorgfalt nicht in der Lage gewesen sein soll, ist weder dargelegt noch ersichtlich.
Aufgrund der im Berufungsverfahren geltenden Novenschranke haben ihre nun-
mehrigen Ausführungen betreffend Einrichtung einer Zweizimmerwohnung unbe-
rücksichtigt zu bleiben. Im Übrigen ist davon auszugehen, dass Fr. 12'000.– für
die Grundausstattung einer neuen Wohnung ausreichen. Dies hat umso mehr zu
gelten, da die Gesuchstellerin die Kosten für Mobiliar und Inventar im vorinstanzli-
chen Verfahren ebenfalls auf Fr. 12'000.– bis Fr. 15'000.– schätzte. Soweit die
Gesuchstellerin weitere Kosten für Bilder, Teppiche, oder die Installation einer Te-
lefonanlage und Waschmaschine geltend macht, ist darauf hinzuweisen, dass der
Umzugskostenbeitrag nur dazu dienen soll, der Gesuchstellerin den Auszug aus
der ehelichen Wohnung zu ermöglichen. Zu berücksichtigen sind daher lediglich
die Kosten des zur Grundausstattung notwendigen Mobiliars. Allfällige weitere
Positionen kann sie nach und nach aus ihrem Freibetrag finanzieren.
Soweit der Gesuchsgegner die Angemessenheit des vorinstanzlich zuge-
sprochenen Betrages in Abrede stellt, ist darauf hinzuweisen, dass er mit seinem
pauschalen Vorbringen, der Betrag von Fr. 12'000.– erscheine als überrissen, den
gesetzlichen Begründungsanforderungen nicht genügt. Entsprechend ist der
vorinstanzlich zugesprochene Betrag auch nicht nach unten zu korrigieren.
- 17 -
Der vorinstanzliche Entscheid ist demnach in Bezug auf den Umzugskos-
tenbeitrag zu bestätigen (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO).
B) Unterhaltsbeiträge
1. Hinsichtlich der grundsätzlichen rechtlichen Prämissen in Bezug auf die
Unterhaltsbeiträge kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen und
die dort aufgeführten Zitate aus Lehre und Praxis verwiesen werden (Urk. 48
S. 13 ff.). Ergänzend ist festzuhalten, dass der Entscheid über die Unterhaltsbei-
träge nach Recht und Billigkeit getroffen werden muss und nicht das Ergebnis
exakter Berechnungen auf genauen Grundlagen darstellen kann. Vielmehr ist der
gebührende Unterhaltsbeitrag unter Beachtung der konkreten Umstände – insbe-
sondere der wirtschaftlichen Verhältnisse der Ehegatten und der Bedürfnisse der
Familie – festzusetzen (BK-Hausheer/Reusser/Geiser, Art. 163 ZGB N 21 f.).
2. Sodann ist festzuhalten, dass in Bezug auf die Unterhaltsberechnung
lediglich die Einkommen beider Ehegatten streitig sind. Der von der Vorinstanz er-
rechnete Bedarf der Parteien wird im Berufungsverfahren von keiner Partei bean-
standet.
3. Einkommen des Gesuchsgegners
3.1 Die Vorinstanz erwog, die Arbeitsfähigkeit des Gesuchsgegners sei
trotz Erreichen des Pensionsalters ausgewiesen, zumal er gemäss eigenen An-
gaben arbeitsfähig sei und auch in Zukunft, mindestens mittelfristig, weiterhin ar-
beiten wolle. Wegen seiner unregelmässigen Einkommenssituation sei auf den
Durchschnittswert einer genügend langen Vergleichsperiode abzustellen. Dabei
sei den Umständen Rechnung zu tragen, dass der Gesuchsgegner sich seit nicht
allzu langer Zeit im Pensionsalter befinde und erst kürzlich sein Pensum bei der
H._ AG reduziert habe, gleichzeitig aber ein neues Unternehmen im Bereich
Arbeitsverleih gegründet habe, womit die bereits eingeleitete Pensumsreduktion
womöglich wieder wettgemacht werden könne. Angemessen sei daher eine Ver-
gleichsperiode von vier Jahren, in der auch die erst kürzlich eingetretene Pen-
sumsreduktion Berücksichtigung finde, d.h. eine Vergleichsperiode abstellend auf
- 18 -
die Jahre 2014 bis und mit 2017. Massgebend sei das in den Lohnausweisen an-
geführte Einkommen. Demgemäss belaufe sich der Nettolohn im Jahr 2014 auf
Fr. 103'841.–, derjenige im Jahr 2015 auf Fr. 105'722.– sowie derjenige aus dem
Jahr 2016 auf Fr. 114'179.– zuzüglich einer AHV-Rente in der Höhe von
Fr. 28'200.–, total somit auf Fr. 142'379.– im Jahr 2016. Für das Jahr 2017 sei –
ausgehend von einem Monatslohn von Fr. 7'407.30 bei der H._ AG und einer
AHV-Rente von Fr. 2'350.– pro Monat – ein Gesamteinkommen von
Fr. 117'087.60 anzurechnen. Damit belaufe sich das durchschnittliche Einkom-
men auf Fr. 117'207.40 pro Jahr respektive Fr. 9'767.30 pro Monat. Hinzurechnen
seien die monatlichen Erträge in der Höhe von Fr. 37.50 für das landwirtschaftli-
che Grundstück in D._. Die in der Vergangenheit erzielten Wertschriftener-
träge des Gesuchsgegners seien demgegenüber bei seinem Einkommen nicht zu
berücksichtigen. Das dem Gesuchsgegner anzurechnende Nettoeinkommen be-
laufe sich somit auf Fr. 9'804.80 pro Monat (Urk. 48 E. III.7.6).
3.2 Die Gesuchstellerin macht berufungsweise geltend, das von der
Vorinstanz errechnete Einkommen des Gesuchsgegners sei falsch. Ausschlagge-
bend seien einzig die Steuererklärungen der letzten drei Jahre, d.h. 2014, 2015
und 2016. Auf die Steuererklärung 2017 könne noch nicht abgestützt werden, da
diese noch nicht vorliege. Der Gesuchsgegner habe im Jahr 2014 ein Nettoein-
kommen von Fr. 104'205.–, im Jahr 2015 ein solches von Fr. 311'196.– und im
2016 ein solches von Fr. 203'080.– versteuert. Es sei demnach von einem Durch-
schnittseinkommen von Fr. 206'133.66, mithin von netto Fr. 17'177.80 pro Monat
auszugehen (Urk. 47 S. 14 ff.).
3.3 Der Gesuchsgegner ist der Ansicht, die von der Vorinstanz angenom-
menen Zahlen seien – wenn überhaupt – zu seinen Gunsten zu korrigieren. Ein
Abstellen auf das Durchschnittseinkommen der letzten drei Jahre sei vorliegend
nicht sachgerecht, da er sein Pensum Ende 2016 reduziert habe und heute in ei-
nem geschätzten Pensum von 80 % für die H._ AG arbeite. Massgebend
seien der seit Januar 2017 ausbezahlte Monatslohn von Fr. 7'407.30 und die
AHV-Rente von Fr. 2'350.– pro Monat (Urk. 53 S. 8 ff.).
- 19 -
3.4 Beide Parteien beanstanden mithin das Abstellen auf den Durch-
schnittswert der Jahre 2014 bis und mit 2017. Die Gesuchstellerin hält lapidar
fest, das Jahr 2017 könne nicht berücksichtigt werden, da die Steuererklärung
2017 noch nicht vorliege. Mit der vorinstanzlichen Begründung, weshalb vorlie-
gend das Erwerbseinkommen der vier letzten Jahre massgebend sei, setzt sie
sich nicht auseinander. So beanstandet sie weder die Berücksichtigung der erst
kürzlich eingetretenen Pensumsreduktion, noch macht sie geltend, das Abstellen
auf einen vierjährigen Durchschnittswert sei nicht korrekt. Auch der Gesuchsgeg-
ner begnügt sich damit, seine bereits vor der Vorinstanz vertretenen Standpunkte
zu wiederholen (vgl. Urk. 18 S. 4 ff., Urk. 35 S. 2 ff., Urk. 53 S. 8 ff.).
Bei schwankenden Einkommen ist praxisgemäss auf den Durchschnittswert
mehrerer Jahre abzustellen. Nur ausnahmsweise ist vom aktuellen (tieferen oder
höheren) Einkommen auszugehen, wenn eine eindeutige Tendenz nach oben
oder unten feststellbar und nicht zu erwarten ist, dass künftig wieder eine Korrek-
tur stattfindet (Philip Maier, Die konkrete Berechnung von Unterhaltsansprüchen
im Familienrecht, dargestellt anhand der Praxis der Zürcher Gerichte seit Inkraft-
treten der neuen ZPO, in: FamPra.ch 2014, S. 336 mit Hinweisen).
Vorliegend ist sowohl aufgrund der erst kürzlich eingetretenen Veränderun-
gen im Zusammenhang mit der Pensumsreduktion als auch wegen der Gründung
eines neuen Unternehmens unklar, wie sich das Einkommen des Gesuchsgeg-
ners künftig entwickeln wird. Von einer dauerhaften Verminderung des Einkom-
mens kann noch nicht gesprochen werden. Die Durchschnittsberechnung aus
dem Erwerbseinkommen der letzten vier Jahre ist unter diesen Umständen sach-
gerecht und angemessen. Dass der Gesuchsgegner sein Pensum auf 80 % redu-
ziert hat und seit 2017 einen Nettolohn von Fr. 7'407.30 erzielt, ergibt sich aus
den eingereichten Lohnabrechnungen (Urk. 20/1). Die Vorinstanz hat die Pen-
sumsreduktion berücksichtigt, indem sie das Jahr 2017 in die Berechnung mitein-
bezog. Sie hat nicht bloss auf das aktuelle Einkommen aus dem Jahr 2017 abge-
stellt, sondern auch die teilweise höheren Durchschnittseinkommen der Jahre
2014 bis und mit 2016 miteinbezogen. Damit hat sie dem Umstand Rechnung ge-
tragen, dass der Gesuchsgegner die Pensumsreduktion über das neu gegründete
- 20 -
Unternehmen womöglich wieder wettmachen wird. Eine unrichtige Rechtsanwen-
dung durch die Vorinstanz ist diesbezüglich nicht ersichtlich und wird von keiner
Partei konkret behauptet. Im Übrigen ist das monatliche Einkommen im Jahre
2017 nur geringfügig tiefer als das monatliche Durchschnittseinkommen in den
Jahren 2014 – 2016.
3.5 Ferner ist darauf hinzuweisen, dass sich die Gesuchstellerin im Rah-
men ihrer Stellungnahme zur Berufungsantwort in Widersprüche verstrickt. So
bemängelt sie zunächst, der Gesuchsgegner habe seine Steuererklärung 2017
nicht eingereicht, weshalb er diese samt dem entsprechenden Lohnausweis 2017
zu edieren habe. Gleichzeitig hält sie wiederum fest, das Einkommen 2017 sei bei
einem Durchschnittseinkommen nicht mitzuberücksichtigen (Urk. 57 S. 10 f.). Es
bleibt unklar, was die Gesuchstellerin aus diesen Vorbringen zu ihren Gunsten
ableiten will. Festzuhalten bleibt, dass das vorinstanzliche Urteil vom 3. November
2017 datiert. Zu diesem Zeitpunkt lag die Steuererklärung 2017 noch nicht vor,
weshalb die Vorinstanz lediglich auf die vorhandenen Lohnabrechnungen aus
dem Jahr 2017 abstellen konnte. Dieses Vorgehen ist daher in keiner Weise zu
beanstanden.
3.6 Schliesslich macht die Gesuchstellerin unter Verweis auf die entspre-
chenden Steuererklärungen für die Jahre 2014 bis und mit 2016 höhere steuerba-
re Einkommen geltend (vgl. Urk 47 S. 15). Sie ist offenbar der Ansicht, die Wert-
schriftenerträge seien als Einkommensbestandteile zu berücksichtigen, was sie in
ihrer Stellungnahme zur Berufungsantwort schliesslich noch ausdrücklich festhält
(vgl. Urk. 57 S. 12). Eine diesbezügliche Begründung lässt sie allerdings wiede-
rum vermissen. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, sind tatsächlich erzielte
Vermögenserträge aus Wertschriften grundsätzlich als anrechenbares Einkom-
men zu berücksichtigen (Jann Six, Eheschutz, Ein Handbuch für die Praxis,
2. Aufl. 2014, Rz. 2.155). Vorliegend blieben die unbestrittenermassen erzielten
Wertschriftenerträge der Jahre 2014 bis und mit 2017 allerdings unberücksichtigt.
Die Vorinstanz erwog hierzu einerseits, dass die Wertschriftenerträge den Partei-
en nicht zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten zur Verfügung gestanden hät-
ten, zumal die ausgeschütteten Dividenden jeweils vollständig zur Schuldentil-
- 21 -
gung gegenüber der H._ AG verwendet worden seien. Andererseits sei hin-
sichtlich der Wertschriftenerträge nicht auf die faktischen Verhältnisse der Ver-
gangenheit abzustellen, weil keine rückwirkenden Unterhaltsbeiträge zuzuspre-
chen seien. Ferner sei nicht zu erwarten, dass kurz- bzw. mittelfristig erneut Divi-
denden ausbezahlt würden (Urk. 48 E. III.7.6). Auch mit diesen Erwägungen der
Vorinstanz setzt sich die Gesuchstellerin in ihrer Berufungsschrift nicht auseinan-
der. Sie hält lediglich fest, die Vermögenserträge seien selbstverständlich anzu-
rechnen, ohne darzutun, was am angefochtenen Entscheid falsch sein soll. Be-
reits einleitend wurde dargelegt, dass sich die Berufung führende Partei sachbe-
zogen mit den Entscheidgründen der Vorinstanz im Einzelnen auseinanderzuset-
zen und konkret aufzuzeigen hat, was am angefochtenen Urteil der Vorinstanz
falsch sein soll (vgl. vorstehend E. II.2). Diesen Anforderungen genügt die Ge-
suchstellerin nicht, weshalb nicht näher zu prüfen ist, ob die Wertschriftenerträge
zu Recht unberücksichtigt blieben.
3.7 Alles in allem ist die vorinstanzliche Einkommensberechnung nicht zu
beanstanden. Das Einkommen des Gesuchsgegners beläuft sich damit auf
Fr. 9'804.80 pro Monat.
4. Einkommen der Gesuchstellerin
4.1 Die Vorinstanz erwog, der Gesuchstellerin sei es unter Berücksichti-
gung ihres Alters, ihrer Gesundheit und Ausbildung grundsätzlich möglich und
zumutbar, ab Auszug aus der ehelichen Wohnung ein Einkommen zu erzielen.
Aufgrund der Kosmetikschule, welche sie absolviert habe, sei es ihr insbesondere
möglich, eine Tätigkeit im Detailhandel, namentlich im Kosmetikbereich zu finden.
Die Gesuchstellerin drücke auch den Willen aus, eine Arbeit zu finden. Sie könne
sich gemäss eigenen Angaben auch eine Arbeit in der Alterspflege oder Reini-
gung vorstellen. Auch in diesen Bereichen erscheine es als möglich und zumut-
bar, dass die Gesuchstellerin eine Stelle finden werde. Sie habe das Eheschutz-
verfahren im November 2016 anhängig gemacht und bereits anlässlich der
Hauptverhandlung im April 2017 angegeben, auf Stellensuche zu sein. Dennoch
habe sie selbst anlässlich der Fortsetzung der Hauptverhandlung vom
27. September 2017 noch immer keine hinreichenden Suchbemühungen auswei-
- 22 -
sen können. Da ihr für die Arbeitssuche bereits einige Zeit zur Verfügung gestan-
den habe, erscheine es angemessen, ihr bereits ab Auszug aus der ehelichen
Wohnung, d.h. ab Mai 2018, ein hypothetisches Einkommen anzurechnen. Zur
Eingliederung in die Arbeitswelt sei ihr vorerst ein Teilzeitpensum von 50 % zu-
zumuten. Sodann erscheine es als angemessen, ab 1. Juni 2019 das Einkommen
für ein Vollzeitpensum anzurechnen. Dem Umstand, dass sie einen Migrationshin-
tergrund aufweise und über keine Ausbildung verfüge, sei insofern Rechnung zu
tragen, als dass lediglich ein Minimallohn von Fr. 3'000.– bei einem Vollzeitpen-
sum resp. von Fr. 1'500.– bei einem 50%-Pensum angenommen werde (Urk. 48
E. III/8).
4.2 Die Gesuchstellerin macht berufungsweise geltend, sie sei bei der Hei-
rat 26-jährig gewesen und habe während der gesamten Ehe nie gearbeitet. Sie
habe keinen Beruf erlernt, sondern lediglich eine Kurzausbildung als Kosmetikerin
durchlaufen. Der Ehe seien zwei mittlerweile mündige Töchter entsprungen. Sie
werde am tt. April 2018 52-jährig, ihre Muttersprache sei Spanisch und sie spre-
che nur sehr gebrochen Deutsch. Daher sei sie nicht in der Lage, sich kurzfristig
beruflich zu integrieren. Trotz Suchbemühungen habe sie bis heute keine Arbeits-
stelle gefunden. Bereits vom Alter her sei sie grundsätzlich nicht mehr vermitt-
lungsfähig, weshalb ihr ein Wiedereinstieg ins Erwerbsleben nicht ohne Weiteres
zugemutet werden könne. Die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens sei
falsch und bundesrechtswidrig. Die Vorinstanz habe den dargelegten Sachverhalt
nicht rechtsgenügend berücksichtigt. Selbstverständlich werde sie sich weiterhin
um eine Arbeitsstelle bemühen (Urk. 47 S. 10 ff.).
4.3 Demgegenüber hält der Gesuchsgegner dafür, dass die Gesuchstelle-
rin aufgrund ihres Alters, ihrer Gesundheit und ihrer Ausbildung eine Arbeit finden
könne. Sie sei heute 51-jährig, bei bester Gesundheit und aufgrund ihrer 25-
jährigen Anwesenheit in der Schweiz auch gut mit der deutschen Sprache ver-
traut. Ihre sechsmonatige Ausbildung als Kosmetikerin habe sie in Deutsch absol-
viert. Ausserdem könne sie sich gemäss eigenen Angaben sehr gut auf Schwei-
zerdeutsch ausdrücken. Die Kinder seien längst volljährig und die Gesuchstellerin
hätte sich schon vor langer Zeit um einen Job bemühen können. Es gäbe keine fi-
- 23 -
xe Altersgrenze für den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben. Die Gesuchstellerin be-
kunde den klaren Willen, arbeiten zu wollen. Sie habe seit November 2016 Zeit
gehabt, um sich zu bewerben. Spätestens seit der Hauptverhandlung vom
25. April 2017 habe sie gewusst, dass die mangelhaften Bewerbungsbemühun-
gen ein Thema sein würden. Gleichwohl habe sie bis zum Entscheid der Vorin-
stanz keinerlei schriftliche Bewerbungsbemühungen unternommen. Mithin habe
sie nicht glaubhaft machen können, dass sie keinen Job finden würde (Urk. 53
S. 4 ff.).
4.4 Reichen die finanziellen Mittel eines Ehepaares nicht zur Finanzierung
von zwei Haushalten aus und besteht keine Möglichkeit, auf eine Sparquote oder
allenfalls vorübergehend auf Vermögen zurückzugreifen, ist der nicht erwerbstäti-
ge Ehegatte grundsätzlich bereits ab der erfolgten Trennung und nicht erst bei der
Scheidung zur Aufnahme einer Arbeit verpflichtet. Dies gilt jedenfalls, soweit mit
der Wiederherstellung des gemeinsamen Haushaltes nicht mehr zu rechnen ist,
weshalb nicht auf den Fortbestand der Ehe vertraut werden darf und das Ziel der
wirtschaftlichen Selbständigkeit an Bedeutung gewinnt (BGer 5A_21/2012 vom
3. Mai 2012, E. 3.3). In solchen Fällen können auch im Rahmen des Erlasses von
Eheschutzmassnahmen (Art. 176 ZGB) die Kriterien von Art. 125 ZGB beigezo-
gen werden (BGer 5A_516/2010 vom 22. September 2010, E. 3.6). So gilt es zu
beachten, dass sich die tatsächlichen Lebensverhältnisse bereits mit der Tren-
nung verändern; zum einen entstehen zur Finanzierung von zwei Haushalten hö-
here Kosten; zum anderen fallen für den haushaltsführenden Ehegatten bisherige
gemeinsame Lasten weg, wenn neu jeder Teil einen eigenen kleineren Haushalt
führt. Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass der potentiell unterhaltspflichtige Ehe-
gatte, jedenfalls wenn keine gemeinsamen Kinder zu betreuen sind, nicht mehr
von den Leistungen des anderen Ehegatten im Haushalt profitiert. Insofern kann
sich dieser auch für die Trennung nicht mehr einfach auf die frühere Rollenteilung
berufen und daraus ableiten, dass er eigentlich zu gar keiner eigenen Erwerbstä-
tigkeit verpflichtet sei (BGer 5A_319/2016 vom 27. Januar 2017, E. 4.2). Hinsicht-
lich der Zumutbarkeit der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gilt der Grundsatz,
dass dem bislang nicht erwerbstätigen (gesunden und von Erziehungspflichten
befreiten) Ehegatten die Aufnahme einer Erwerbsarbeit bis zum vollendeten 45.
- 24 -
Altersjahr zumutbar ist, wobei es sich dabei nicht um eine starre Regel, sondern
um eine Richtlinie handelt, und selbst für die Zumutbarkeit der Wiederaufnahme
einer Erwerbstätigkeit heute eine klare Tendenz besteht, die Alterslimite auf 50
Jahre anzuheben (BGer 5A_319/2016 vom 27. Januar 2017, E. 4.2;
BGer 5A_181/2017 vom 27. September 2017, E. 4.4; BGer 5A_21/2012 vom
3. Mai 2012, E. 3.3). Wie schnell und wie kategorisch sich der Ehegatte in den
Arbeitsprozess eingliedern muss, hängt stark von den konkreten finanziellen Ver-
hältnissen ab. Sodann ist zu unterscheiden, ob es sich um den beruflichen (Wie-
der-)Einstieg nach jahrelangem Erwerbsunterbruch oder bloss um eine Ausdeh-
nung einer bereits bestehenden Erwerbstätigkeit handelt, da eine Ausdehnung
des Arbeitspensums einfacher ist als der Wiedereinstieg ins Berufsleben. Mass-
gebend sind somit stets die konkreten Verhältnisse des Einzelfalls
(BGer 5A_21/2012 vom 3. Mai 2012, E. 3.3).
4.5 Die Parteien heirateten am tt. Dezember 1992 (Urk. 4/2). Das Ehe-
schutzverfahren wurde im November 2016 von der Gesuchstellerin anhängig ge-
macht (Urk. 1). Gemäss rechtskräftiger Anordnung der Vorinstanz musste die Ge-
suchstellerin die eheliche Wohnung per Ende April 2018 verlassen. Bei Einrei-
chung des Eheschutzbegehrens war die Gesuchstellerin, geboren am tt. April
1966, 50-jährig, im Zeitpunkt der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts 52-
jährig. Aus der Ehe gingen zwei inzwischen mündige Töchter hervor (Urk. 4/3). Es
handelt sich offensichtlich um eine lange und lebensprägende Ehe. Die Gesuch-
stellerin erzielte während der gelebten Ehe nie ein eigenes Einkommen (Urk. 16
S. 6; Urk. 18 S. 7; Prot. I S. 17 und S. 47 f.). Im Jahr 2005 half sie manchmal im
Brockenhaus aus, welches den Parteien gehörte. Sodann absolvierte sie im Jahr
2007 eine Kurzausbildung zur Kosmetikerin. Die dort erworbenen Kenntnisse
setzte sie während des Aufenthalts der Parteien in ... [Ort] in die Praxis um, in der
Schweiz hat sie auf diesem Beruf allerdings nie gearbeitet (Prot. I S. 16 ff.).
Keine Partei behauptet, mit der Wiederaufnahme des gemeinsamen Haus-
haltes sei noch ernsthaft zu rechnen. Im Gegensatz zum Gesuchsgegner machte
die Gesuchstellerin im vorinstanzlichen Verfahren zwar geltend, sie wolle sich
nicht scheiden lassen (Prot. I S. 5; Urk. 1 S. 8). Gleichzeitig führte sie jedoch aus,
- 25 -
die Parteien seien seit Jahren zerstritten, sie wolle schon seit geraumer Zeit ge-
trennt leben (Urk. 1 S. 7; Urk. 16 S. 10 f.). Unter diesen Umständen gewinnt das
Ziel der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Gesuchstellerin an Bedeutung.
Ferner ist die Gesuchstellerin, wie sie mehrfach betont, arbeitswillig (Urk. 47
S. 11 und S. 14; Urk. 57 S. 8; Prot. I S. 45). Die Kosmetikausbildung absolvierte
sie gemäss eigenen Angaben im Bewusstsein um das Älterwerden der Töchter
und aus eigener Initiative (Prot. I S. 17, S. 46).
Das Einkommen des Gesuchsgegners reicht zwar aus, um den familien-
rechtlichen Grundbedarf beider Parteien zu decken, wobei ein Überschuss von
Fr. 899.25 resultiert, dies allerdings auch, weil der Gesuchsgegner mit den er-
wachsenen Töchtern zusammenlebt. Aus dem Umstand, dass ein Überschuss re-
sultiert, kann jedoch noch nicht darauf geschlossen werden, dass der gebührende
Bedarf beider Ehegatten mit dem Einkommen des Gesuchsgegners gedeckt wer-
den kann. So handelt es sich beim Überschuss um eine rein rechnerische Positi-
on bei der zweistufigen Unterhaltsberechnung, welche nicht garantiert, dass zur
Beibehaltung des ehelichen Standards genügend finanzielle Mittel vorhanden
sind. Vorliegend ist anzunehmen, dass zur Finanzierung des gebührenden Unter-
halts beider Ehegatten in getrennten Haushalten weiteres Einkommen benötigt
wird, zumal beide Parteien im vorinstanzlichen Verfahren weitere, im Notbedarf
nicht berücksichtigte Positionen geltend machten (vgl. Urk. 1 S. 9 f.; Urk. 18 S. 8
ff.; Urk. 48 S. 19 f., S. 25 ff.). Ferner kann auch nicht auf eine Sparquote zurück-
gegriffen werden, da keine Partei eine im Überschuss enthaltene Sparquote be-
hauptete. Ausserdem gilt es in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass
der Gesuchsgegner bereits das Pensionsalter erreicht hat. Gemäss ständiger
Rechtsprechung des Bundesgerichts endigt der persönliche Unterhalt in der Re-
gel spätestens im Zeitpunkt, in welchem der Unterhaltspflichtige das gesetzliche
AHV-Alter erreicht, weil sich die verfügbaren Mittel ab diesem Zeitpunkt verringern
(BGE 132 III 593 E. 7.2; BGE 141 III 465 E. 3.2.1; BGer 5A_319/2016 vom
27. Januar 2017, E. 5). Da der Gesuchsgegner trotz Erreichen des Pensionsalters
aktuell noch arbeitet, wurde zwar vorliegend zu Recht von diesem Grundsatz ab-
gewichen. Selbst wenn der Gesuchsgegner gemäss eigenen Angaben in Zukunft
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weiterhin arbeiten will (Prot. I S. 30), bleibt aber ungewiss, wie lange es ihm noch
möglich und zumutbar sein wird, neben seiner AHV-Rente ein derart hohes Ein-
kommen zu erzielen. Es ist daher damit zu rechnen, dass die Gesuchstellerin ge-
stützt auf Art. 125 ZGB nach der Scheidung zumindest für einen Teil ihres Le-
bensunterhaltes selbst wird aufkommen müssen. Unter diesen Umständen kommt
auch ein vorübergehender Rückgriff auf das Vermögen des Gesuchsgegners für
die kommende Zeitspanne nicht in Frage. Vielmehr ist notwendig, dass die ar-
beitswillige Gesuchstellerin sich bereits jetzt ins Erwerbsleben integriert.
Dass die Gesuchstellerin nur über geringe Deutschkenntnisse verfügt, kann
so nicht gesagt werden. Zwar wurde bei den Verhandlungen ein Dolmetscher bei-
gezogen (Prot. I S. 2 und S. 40). Wie die Gesuchstellerin selbst einräumt, kann
sie sich aber auf Schweizerdeutsch sehr gut ausdrücken. In ihrer Anfangszeit in
der Schweiz besuchte sie zweimal während 6 Monaten einen Deutschkurs und
übte daraufhin mit einem Privatlehrer weiter (Prot. I S. 23 f.). Solche Sprach-
kenntnisse dürften für Tätigkeiten in der Kosmetik- oder Reinigungsbranche aus-
reichen.
Im Berufungsverfahren macht die Gesuchstellerin neu geltend, sie sei auf-
grund ihrer chronischen Schmerzen in der linken Schulter und im Nacken ge-
sundheitlich beeinträchtigt (Urk. 57 S. 7). Vor der Vorinstanz brachte sie solches
nicht vor. Damals klagte sie über psychische Probleme (Depression und Schlaf-
störungen) sowie über einen hohen Blutdruck (Prot. I S. 41, S. 45 f.). Einerseits
erfolgen die Vorbringen betreffend chronische Schmerzen damit verspätet
(Art. 317 Abs. 1 ZPO), andererseits wurden sie in keiner Weise näher substanti-
iert oder durch medizinische Unterlagen belegt. Mit der Anmeldung zum MRI vom
3. März 2018 (Urk. 59/2) vermag die Gesuchstellerin ihr Leiden jedenfalls in kei-
ner Weise zu belegen. Darüber hinaus wurde auch nicht beanstandet, dass die
Vorinstanz die angeblich bestehenden psychischen Probleme nicht berücksichtig-
te. Von einer gesundheitlich relevanten Einschränkung der Gesuchstellerin auf
dem Stellenmarkt ist daher nicht auszugehen.
Hinsichtlich ihrer Bewerbungsbemühungen führte die Gesuchstellerin im vor-
instanzlichen Verfahren aus, sie sei in diversen Läden vorbeigegangen und habe
- 27 -
bei den Verkäuferinnen nach freien Stellen gefragt. Schriftliche Bewerbungen an
eine Personalabteilung habe sie keine verschickt (Prot. I S. 20). Auch anlässlich
der Fortsetzung der Hauptverhandlung im September 2017 vermochte sie noch
keine schriftlichen Bewerbungsbemühungen darzutun (Prot. I S. 45). Dass eine
solche Stellensuche erfolglos bleibt, erstaunt nicht. Auch bei den mit der Beru-
fungsschrift eingereichten acht Bewerbungsschreiben, datiert vom 5. bis 8. Okto-
ber 2017, welche im Übrigen bereits im vorinstanzlichen Verfahren ins Recht ge-
legt wurden (vgl. Urk. 40/6-13; Urk. 50/2-9), handelt es sich um äusserst spärlich
formulierte Schreiben, welchen nicht einmal ein Lebenslauf beigelegt wurde. Von
genügenden Anstrengungen kann daher nicht die Rede sein. Daran ändern auch
die im Rahmen der Stellungnahme zur Berufungsantwort neu eingereichten Un-
terlagen (Urk. 59/1) nichts, zumal diese einerseits grösstenteils vor der Beru-
fungsschrift abgefasst und damit verspätet eingebracht wurden und andererseits
auch diese Schreiben aus bloss zwei bis drei Sätzen bestehen. Insgesamt ver-
mag die Gesuchstellerin somit auch im Berufungsverfahren keine hinreichenden
vergeblichen Suchbemühungen vorzuweisen. Als Indiz gegen die behauptete
Vermittlungsunfähigkeit der Gesuchstellerin ist ferner zu berücksichtigen, dass sie
trotz ihrer unzureichenden Suchbemühungen bereits während des vorinstanzli-
chen Verfahrens bei einer Kosmetikerin zur Probe arbeiten konnte (Prot. I
S. 44 f.). Ausserdem ist es notorisch bzw. gerade das Kennzeichen des Tieflohn-
bereiches, dass keine langjährige Berufserfahrung oder Weiterbildung nötig ist.
Insofern kann nicht bloss unter Hinweis auf das Alter der Gesuchstellerin und das
Fehlen relevanter Berufserfahrung auf die Unzumutbarkeit der Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit geschlossen werden.
Mit der Vorinstanz ist der Gesuchstellerin, welche gesund und von jeglichen
Kinderbetreuungspflichten befreit ist, die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in der
Kosmetik- oder Reinigungsbranche daher zuzumuten. Dass ihr solches nicht
möglich sein sollte, vermochte die Gesuchstellerin nicht hinreichend darzutun, ge-
schweige denn zu dokumentieren. Sodann hat die Vorinstanz den Migrationshin-
tergrund und das Fehlen einer ordentlichen Ausbildung hinreichend berücksich-
tigt, indem sie einen Minimallohn von bloss Fr. 3'000.– für eine Vollzeitstelle bzw.
Fr. 1'500.– für eine halbzeitige Tätigkeit in die Berechnung einsetzte.
- 28 -
4.5 Bejaht der Richter die Pflicht zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit und
verlangt er von der betreffenden Partei durch die Anrechnung eines hypotheti-
schen Einkommens eine Umstellung ihrer Lebensverhältnisse, so hat er ihr genü-
gend Zeit zu lassen, die rechtlichen Vorgaben in die Tat umzusetzen. Die Über-
gangsfrist muss nach ihrem Zweck und den Umständen angemessen sein
(BGE 129 III 417 E. 2.2). Ein von dem gezeigten Grundsatz abweichender Ent-
scheid, mit dem ein hypothetisches Einkommen ohne Umstellungsfrist sofort oder
gar rückwirkend angerechnet wird, rechtfertigt sich bloss bei Vorliegen von be-
sonderen Umständen des Einzelfalls, so wenn der betroffenen Partei ein unredli-
ches Verhalten vorgeworfen werden muss oder wenn die geforderte Umstellung
in ihren Lebensverhältnissen und das Erfordernis eines vermehrten beruflichen
Einsatzes für sie deutlich vorhersehbar gewesen sind (BGer 5P.388/2003 vom
7. Januar 2004, E. 1.2; BGer 5P.79/2004 vom 10. Juni 2004, E. 4.3; OGer ZH
LE150010 vom 09. Juli 2015, E. III.C.3.2).
Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin bereits ab dem Auszug aus der
ehelichen Wohnung, d.h. ab Mai 2018, ein hypothetisches Einkommen an. Zur
Angemessenheit der Frist erwog sie, die Gesuchstellerin habe schon im April
2017 angegeben, auf Stellensuche zu sein, mithin sei ihr bereits einige Zeit zur
Verfügung gestanden. Die Gesuchstellerin habe dann jedoch anlässlich der Fort-
setzung der Hauptverhandlung vom 27. September 2017 noch immer keine hin-
reichenden Suchbemühungen ausweisen können (Urk. 48 E. III./8.3). Diese Be-
gründung vermag nicht zu überzeugen. Die Anpassungsfrist beginnt erst mit der
erstmaligen richterlichen Eröffnung der Umstellungsfrist zu laufen. Nicht ausrei-
chend ist die blosse Ankündigung anlässlich einer mündlichen Verhandlung, auch
wenn bis zum Entscheid noch mehrere Wochen oder Monate vergehen (OGer ZH
LE120019 vom 15. Oktober 2012, E. 4.5.2). Bereits im vorinstanzlichen Verfahren
vertraten die Parteien in der Unterhaltsfrage hinsichtlich ihrer Bedarfs- und Ein-
kommenssituation stark divergierende Positionen. Insofern war der Verfahrens-
ausgang entscheidend für die Frage, wie sich die Lebensverhältnisse der Parteien
inskünftig während der Dauer des Getrenntlebens konkret darstellen würden. Der
vorinstanzliche Entscheid wurde den Parteien Ende Dezember 2017 eröffnet
(Urk. 45; Urk. 46). Die Gesuchstellerin musste damit erst seit Ende Dezember
- 29 -
2017 damit rechnen, dass ihr ein hypothetisches Einkommen angerechnet wird.
Dass sie während des vorinstanzlichen Verfahrens keine genügenden Such-
bemühungen unternahm, hat bei der Bemessung der Übergangsfrist unter diesen
Umständen unberücksichtigt zu bleiben. Weiter ist der Gesuchstellerin nicht zu-
zumuten, den Auszug aus der ehelichen Wohnung und den Einstieg ins Erwerbs-
leben zeitgleich zu bewerkstelligen. Ohnehin ist die rückwirkende Anrechnung ei-
nes hypothetischen Einkommens im vorliegenden originären Verfahren, in wel-
chem erstmals Unterhaltsbeiträge festgesetzt werden (im Unterschied zum Abän-
derungsverfahren), nicht möglich. Daher bleibt ihr bislang im Hinblick auf eine Ar-
beitsstelle ungenügendes Suchverhalten praxisgemäss ohne direkte Folgen bzw.
es kann ihr nicht bereits ab dem Berufungsentscheid ein hypothetisches Einkom-
men angerechnet werden. Vorliegend ist ferner nicht zu verkennen, dass insbe-
sondere das Alter der Gesuchstellerin und das Fehlen relevanter Berufserfahrung
bei der Stellensuche in nicht zu unterschätzendem Ausmass hinderlich sein dürf-
ten. Es ist daher angemessen, ihr zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt eine
Übergangsfrist von 5 Monaten und zur Erhöhung des Pensums auf 100 % eine
weitere Frist von einem Jahr einzuräumen. Entsprechend ist der Gesuchstellerin
erst ab 1. Dezember 2018 ein Einkommen von netto Fr. 1'500.– sowie ab
1. Dezember 2019 ein solches von netto Fr. 3'000.– anzurechnen.
5. Die vorinstanzliche Unterhaltsberechnung ist damit um eine Phase zu
erweitern. Da der Gesuchstellerin erst ab dem 1. Dezember 2018 ein Einkommen
von Fr. 1'500.– anzurechnen ist, hat der Gesuchsgegner ihr in einer ersten Phase
vom 1. Mai 2018 bis 30. November 2018 den gesamten um die Steuern erweiter-
ten Notbedarf von Fr. 3'840.55 (vgl. Urk. 48 S. 28) zuzüglich hälftigem Über-
schussanteil zu bezahlen. Bei einem familienrechtlichen Grundbedarf von
Fr. 8'905.55 (vgl. Urk 48 S. 28 f., S. 37) und einem Einkommen von Fr. 9'804.80
resultiert ein Überschuss von Fr. 899.25. Mithin beträgt der hälftige Anteil der Ge-
suchstellerin rund Fr. 450.–. Entsprechend beläuft sich der vom Gesuchsgegner
zu bezahlende monatliche Unterhaltsbeitrag in der ersten Phase ab 1. Mai 2018
bis 30. November 2018 auf Fr. 4'290.–. Ab 1. Dezember 2018 bis 30. November
2019 ist sodann monatlich ein persönlicher Unterhaltsbeitrag von Fr. 3'540.– so-
- 30 -
wie ab 1. Dezember 2019 ein solcher von Fr. 2'790.– geschuldet. Dispositivzif-
fer 5 des angefochtenen Urteils ist entsprechend anzupassen.
C) Prozesskostenbeitrag für das vorinstanzliche Verfahren
1. Die Vorinstanz verpflichtete den Gesuchsgegner zur Leistung eines
Prozesskostenbeitrages an die Gesuchstellerin in der Höhe von Fr. 8'000.–
(Urk. 48, Dispositiv-Ziffer 1 der Verfügung). Sie erwog, die Gesuchstellerin verfü-
ge über keinerlei Einkommen und Vermögen und erhalte nur geringfügige Unter-
haltsbeiträge, weshalb sie ohne Weiteres als mittellos gelte. Demgegenüber sei
der Gesuchsgegner leistungsfähig. Mithin sei der Gesuchstellerin gestützt auf
Art. 159 Abs. 3 ZGB ein Prozesskostenbeitrag zuzusprechen (Urk. 48 E. 14.4).
2. Der Gesuchsgegner beantragt berufungsweise die Aufhebung der vor-
instanzlichen Verfügung und die Abweisung des Antrags auf Leistung eines Pro-
zesskostenbeitrages (Urk. 56/47 S. 2). Während er die Mittellosigkeit der Gesuch-
stellerin nicht in Abrede stellt, macht er – wie bereits im Zusammenhang mit dem
Umzugskostenbeitrag – geltend, infolge Illiquidität sei ihm die Leistung eines Pro-
zesskostenbeitrages nicht möglich (Urk. 56/47 S. 3 ff.).
3. Dass diese Vorbringen des Gesuchsgegners nicht überzeugen, wurde
bereits ausgeführt (vgl. oben E. III./A./3.2). Dem Gesuchsgegner stehen zur Fi-
nanzierung des Prozesskostenbeitrags neben den liquiden Mitteln von Fr. 6'067.–
mindestens weitere Fr. 32'000.– aus dem Verkauf seiner Fahrzeuge zur Verfü-
gung. Sodann ist es ihm – wie gesehen – möglich, sich durch Belastung seines
gebundenen Vermögens innert nützlicher Frist weitere liquide Mittel zu beschaf-
fen. Mithin ist er ohne Weiteres in der Lage, der Gesuchstellerin für das erstin-
stanzliche Verfahren einen Prozesskostenbeitrag von Fr. 8'000.– zu bezahlen.
Die vorinstanzliche Verfügung ist demnach zu bestätigen.
- 31 -
IV.
A. Entscheidgebühr und Parteientschädigung
1.1 Die Entscheidgebühr für das vereinigte Berufungsverfahren ist gestützt
auf § 12 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 2 lit. b sowie § 8 Abs. 1 der Ge-
bührenverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG) auf
Fr. 3'000.– festzusetzen.
1.2 Im Berufungsverfahren umstritten waren die Unterhaltsleistungen des
Gesuchsgegners an die Gesuchstellerin sowie die Verpflichtung des Gesuchs-
gegners zur Leistung von Umzugskosten- und Prozesskostenbeiträgen. Es er-
weist sich als angemessen, den Unterhaltsstreit mit 70 %, den Umzugskostenbei-
trag mit 20 % und den Prozesskostenbeitrag mit 10 % zu gewichten.
1.3 Hinsichtlich des Prozesskostenbeitrages obsiegt die Gesuchstellerin
vollumfänglich, hinsichtlich des Umzugskostenbeitrages zu 60 %. Demgegenüber
unterliegt sie in Bezug auf die Unterhaltsregelung im Zeitraum Mai bis und mit
November 2018 zu rund 70 %, im Zeitraum Dezember 2018 bis und mit Novem-
ber 2019 sodann grossmehrheitlich und für die Zeit ab Dezember 2019 schliess-
lich vollumfänglich. Daher rechtfertigt es sich, das Unterliegen der Gesuchstellerin
hinsichtlich der Unterhaltsfrage mit rund 90 % zu bewerten. Gesamthaft betrach-
tet, ist im vorliegenden Berufungsverfahren von einem Obsiegen der Gesuchstel-
lerin von 1/4 auszugehen. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind somit der
Gesuchstellerin zu 3/4 und dem Gesuchsgegner zu 1/4 aufzuerlegen.
2. Gemäss Art. 105 Abs. 2 ZPO spricht das Gericht nach Tarifen im Sinne
von Art. 96 ZPO eine Parteientschädigung zu und verlegt diese in Anwendung
von Art. 106 Abs. 1 ZPO. Die für die Festsetzung der Parteientschädigung mass-
geblichen Bestimmungen finden sich in der Verordnung über die Anwaltsgebüh-
ren vom 8. September 2010 (AnwGebV). Die volle Parteientschädigung für das
Berufungsverfahren wäre in Anwendung von § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 und Abs. 3,
§ 11 und § 13 der AnwGebV auf Fr. 2'800.– anzusetzen. In Anbetracht des Ver-
fahrensausgangs ist die Gesuchstellerin zu verpflichten, dem Gesuchsgegner ei-
- 32 -
ne auf die Hälfte reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1'400.– zuzüglich 7.7 %
MwSt. (vgl. Urk. 56/47 S. 2), mithin Fr. 1'508.– zu bezahlen.
B. Prozesskostenbeitrag / unentgeltliche Rechtspflege
1. Die Gesuchstellerin lässt für das Berufungsverfahren die Zusprechung
eines Prozesskostenbeitrages im Umfang von Fr. 5'000.– beantragen. Eventuali-
ter ersucht sie um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 47 S. 3).
Der Gesuchsgegner widersetzt sich diesem Antrag (Urk. 53 S. 2).
2.1 Bei der Zusprechung eines Prozesskostenbeitrages sind die für die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 117 f. ZPO entwickel-
ten Grundsätze analog anzuwenden (vgl. OGer ZH LE130025 vom 19. August
2013, E. II.C.4.4). Es ist somit zunächst zu prüfen, ob die ansprechende Partei
bedürftig und die angesprochene Partei leistungsfähig ist. Massgebend sind die
Verhältnisse im Zeitpunkt des (Berufungs-)Entscheides (ZK-Bräm/Hasenböhler,
Art. 159 ZGB N 135; ZR 90/1991 Nr. 57). Die Beistandsbedürftigkeit ist zu beja-
hen, wenn die ansprechende Partei ohne zumutbare Beeinträchtigung des ange-
messenen Lebensunterhalts nicht über eigene Mittel verfügen kann, um die Ge-
richts- und Anwaltskosten innert nützlicher Frist zu bezahlen. Der ansprechenden
Partei kann dabei aber eine gewisse Einschränkung der Lebensführung zugemu-
tet werden. Zudem darf der Prozess nicht aussichtslos erscheinen. Als aussichts-
los gelten nur Rechtsbegehren, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich ge-
ringer sind als die Verlustgefahren und die darum kaum als ernsthaft bezeichnet
werden können (ZK ZPO-Emmel, Art. 117 N 13).
2.2 Die Mittellosigkeit der Gesuchstellerin im heutigen Zeitpunkt ist ausge-
wiesen. Sie verfügt derzeit – wie gesehen – über kein Erwerbseinkommen und
auf der Vermögensseite bestehen keine namhaften Aktiva (vgl. Urk. 17/2). Zwar
vermag sie mit dem vom Gesuchsgegner derzeit auszurichtenden Unterhaltsbei-
trag von Fr. 4'290.– ihren Notbedarf von Fr. 3'840.55 zu decken. Mit dem Über-
schuss von monatlich rund Fr. 450.– ist es ihr jedoch nicht möglich, die Kosten
des vorliegenden Berufungsverfahrens – bestehend aus Gerichtsgebühr, Partei-
entschädigung und eigenen Anwaltskosten – innert nützlicher Frist zu bezahlen.
- 33 -
Sodann ist die Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners aufgrund der vorhande-
nen Vermögenswerte – wie gesehen – ausgewiesen. In Anbetracht dessen erüb-
rigen sich Bemerkungen dazu, ob der Gesuchsgegner einen Prozesskostenbei-
trag auch aus seinem Einkommen finanzieren könnte. Es ist daher davon auszu-
gehen, dass der Gesuchsgegner über die nötigen finanziellen Mittel verfügt bzw.
diese innert nützlicher Frist verfügbar machen kann, um der Gesuchstellerin einen
Prozesskostenbeitrag zu bezahlen. Auch wenn die Gesuchstellerin nur zu 1/4 ob-
siegt, können ihre Anträge nicht von vornherein als aussichtslos bezeichnet wer-
den. Die Gesuchstellerin war sodann auf einen Rechtsvertreter angewiesen und
der Gesuchsgegner ist ebenfalls anwaltlich vertreten (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO).
Die Voraussetzungen für die Zusprechung eines Prozesskostenbeitrages gestützt
auf die eheliche Beistandspflicht gemäss Art. 159 Abs. 3 ZGB sind daher zu beja-
hen.
2.3 Die Anwaltskosten der Gesuchstellerin für das Berufungsverfahren sind
mit Fr. 3'016.– (inkl. MwSt.) zu veranschlagen (§ 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 und Abs. 3,
§ 11 und § 13 der AnwGebV). Hinzu kommen die auf die Gesuchstellerin entfal-
lenden Gerichtskosten von Fr. 2'250.– und die von der Gesuchstellerin an den
Gesuchsgegner zu zahlende reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1'508.–.
Damit resultieren auf die Gesuchstellerin zukommende Kosten von total
Fr. 6'773.–. Mit Blick auf die Dispositionsmaxime (Art. 58 Abs. 1 ZPO) kann der
Gesuchstellerin insgesamt allerdings höchstens der beantragte Prozesskosten-
beitrag in der Höhe von Fr. 5'000.– zugesprochen werden, welchen sich die Ge-
suchstellerin dereinst im Rahmen der scheidungs- und güterrechtlichen Ausei-
nandersetzung anrechnen lassen muss (Six, a.a.O., Rz. 1.77).