Decision ID: f3fbf253-12bc-4680-9a56-e30818cbcc1b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1967
,
besuchte die obligatorische V
olksschule
.
Sie
absolvierte
zudem
eine
einjährige Ausbildung am Kaufmännischen Lehrin
stitut
Y._
, welche sie
im März 1998
mit einem Diplom abschloss (Urk. 14/7 S. 1 und S. 6
, Urk. 14/32/3
).
Danach
war
sie für
verschiedene
Arbeit
geber
tätig bei
zwischenzeitlichen
Phasen der Arbeitslosigkeit
(Urk. 14/102 S. 2-4).
Ab
dem
27. Juni 2006
arbeitete
die Versicherte
Teilzeit in variierenden
Pensen
zuerst
als
Hostess
«
Revier- und Baubewachung Nacht
»
und danach
als Hostess «
Anlassdienst Tag
»
bei der
Z._ AG
(vgl. Urk. 14/13/
1
-5 S.
2
f.
)
.
Am 1. November 2008
meldete
sie sich
unter Hinweis auf
eine Multiple Sklerose (MS)
bei der Invalidenversicherung
ein erstes Mal
zum Leistungsbezug an (Urk.
14/7
).
Nach erfolgten Abklärungen wies die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
am 2. Juni 2009 eine Kostengutsprache für berufliche Massnah
men
(Urk. 14/30)
und einen
Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem Invali
ditätsgrad von 26 % ab (Urk. 14/31).
Von 1. Februar 2010 bis 31. Mai 2012 arbeitete die Versicherte in einem 50 %-Pensum als Senior Administrator
Post Distribution
bei der
A._
AG (vgl. Urk. 14/32/4-5, Urk. 14/46 S. 1 f.).
Danach bezog sie ab 1.
Juni 2012 Leistungen der Arbeitslosenkasse Zürich (vgl. Urk. 14/38 S. 3 oben).
Am 21. November 2012 (Urk. 14/33) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf diverse
somatische (MS, Rheuma am Rücken, Gicht in den Schultern und der Hüfte) sowie psychische Leiden erneut zum Leistungsbezug an.
In der Folge tätigte die IV-Stelle medi
zinische und erwerbliche Abklärungen.
Am 1. März 2014 trat die Versicherte eine unbefristete Stelle in einem 100 %-Pensum als Mitarbeiter
i
n der internen Post bei der
B._
AG an (vgl. Urk. 14/77).
Mit Verfügung vom
14
.
Oktober
2014
(Urk.
14
/
88
) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Invalidenrente
.
1.2
Die Stelle
bei der
B._ AG
wurde
der Versicherten per 31.
Mai 2015 ge
kündigt (vgl. Urk. 14/96 S. 1 Mitte).
Danach
bezog sie von Juni 2015 bis Juli 2016
Arbeitslosenentschädigung und übte daneben sowie nach Juli 2016
verschiedene Tätigkeiten
aus, woraus sie ein geringes Einkommen erzielte
(vgl. Urk. 14/96 S. 1 unten
, Urk. 14/102
S. 5
).
Zuletzt bezog
die Versicherte Sozialhilfe (vgl. Urk. 14/89 S. 4 unten).
Am 1. Februar 2017 (Urk. 14/89) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf seit dem Jahr 2008 bestehende somatische und psychische Beschwerden erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an.
In der Folge tätigte die IV-
Stelle medizinische und erwerbliche Abklärungen.
Mit Vorbescheid vom 29. Juni 2018 (Urk. 14/105) stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leis
tungsbegehrens in Aussicht.
Nach
Einwänden
vom
20
.
August
2018
(Urk. 1
4/107
) und
2
7
.
September 2018 (Urk. 14
/
110
) traf die IV-Stelle
ergänzende
Abklärungen und veranlasste
unter anderem ein
bidisziplinäres
Gutachten (
neurologisch
, psy
chiatrisch)
bei Dr. med.
C._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
und zertifizierter Gutachter SIM
,
welches am
31.
Juli
2019
(Urk.
14
/
123
) erstattet
und am
25. September
2019 (Urk. 14/125)
sowie
am 5
. Febru
ar 2020 (Urk. 14/133)
ergänzt
wurde.
Das Gutachten wurde der Beschwer
de
führer
i
n am 24. April 2020 (Urk. 14/136) zur Stellungnahme zugesandt, welche sie am 11. Juni 2020 (Urk. 14/140) unter Beilage diverser medizini
s
cher Unter
lagen der Behandler (Urk. 14/139) erstattete.
Nachdem die Beschwerdegegnerin die
Stellungnahme samt
eingereichten medizinischen Unterlagen dem regionalen ärztlichen Dienst
(RAD)
vorgelegt hatte (vgl. Urk. 14/141 S. 6-8
)
,
wies
sie
das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
2
.
Juli 2020
(
Urk. 2
)
gestützt auf die gut
achterliche Beurteilung von Dr.
C._
ab
.
2.
Die Versicherte erhob am
3. September 2020 (Urk. 1)
Beschwerde gegen die Ver
fügung vom
2. Juli 2020
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr eine halbe Rente und ab Juli 2019 eine ganze Rente auszurichten; eventualiter sei ein psychiatrisches G
erichtsg
utachten in die Wege zu leiten (S. 2). Zudem beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
die
Bestellung von Rechts
anwältin Sibylle Käser Fromm von der
Inclusion
Handicap
als ihre unent
geltliche Rechtsvertreterin
(
S. 2 und S. 15).
Daneben reichte sie diverse medizi
nische Unterlagen der behandelnden Ärzte (Urk. 3/3-8) ein.
Am 7. September 2020 (Urk. 5) reichte die Beschwerdeführerin ein bereits
mit der Beschwerde eingereichtes
Schreiben der Behandler
,
nun mit Unterschrift
en
ver
sehen
,
nach (Urk. 6).
Die
Beschwerdegegnerin
beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9. Oktober 2020
(Urk.
13
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 13. Oktober 2020 (Urk. 15)
zur Kenntnis gebracht.
Am 20.
Oktober 2020 (Urk. 17) reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerde
füh
rerin ihre Honorarnote vom 20. Oktober 2020 (Urk. 16) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdeführerin ficht die leistungsverweigernde Verfügung vom 2. Juli 2020 (Urk. 2) ausdrücklich bezüglich der Invalidenrente an, ist doch ihren Anträ
gen zu entnehmen, dass ihr eine Invalidenrente zuzusprechen
sei
. Anträge hin
sichtlich beruflicher Massnahmen machte die Beschwerdeführerin hingegen nicht (Urk. 1 S. 2).
Ebenso finde
n
sich in der Begründung der Beschwerde keine Aus
führungen zu allfälligen beruflichen Massnahmen, vielmehr verlangte sie
für den Fall, dass
nicht auf die Berichte der Behandler abgestellt werden könne
,
die Anor
dnung eines Gerichtsgutachtens und, dass
danach
über
ihr
en
Anspruch
«
auf Aus
richtung einer IV-Rente» entschieden werde (vgl. S. 15 Ziff. 8). Folglich ist im
vorliegenden Verfahren nur der Anspruch auf eine Invalidenrente Streitgegen
stand
und bildet auch nur diese Frage Prozessthema.
2
.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglic
hkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur
vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie
Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine
fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versi
cher
ten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2
.
4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
Ver
ordnung ü
ber die Invalidenversicherung
(IVV)
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis
).
2
.5
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2
.6
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt, ist in allen Fällen durch die Verwaltung bezie
hungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erfor
derlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also
substanziiert
darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die
erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Res
sourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern ver
mögen. Der psychiatrische Sachverständige hat darzutun, dass, inwiefern und inwie
weit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person (E. 4.3).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre
leistungsabweisende
Verfügung vom
2
.
Juli
2020 (Urk. 2)
damit, dass im Vergleich zum Entscheid vom Oktober 2014 aus medizin
i
scher Sicht keine wesentliche Veränderung vorl
ie
ge. Das Gutachten von Dr.
C._
vom 31. Juli 2019 sei der Beschwerdeführerin zur Vernehm
las
sung zugestellt worden. Der RAD habe sich zu den gegen das Gutachten ge
mach
ten Einwendungen geäussert. Es lägen keine neuen, unberücksichtigten medizi
nischen Tatsachen vor, welche im Gutachten von Dr.
C._
nicht berücksichtigt worden seien. Es könne
darauf
abgestellt werden. Weitere Abklärungen seien nicht angezeigt (S. 1-3).
3
.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellte sich in
ihrer
Beschwerde vom
3
.
September
2020 (Urk. 1) hingegen auf den Standpunkt, das
Gutachten von Dr.
C._
entspreche nicht den von der Rechtsprechung geforderten Kriterien, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Auch die Stellung
n
ahmen
auf Rückfragen
des RAD
sowie die Stellungnahme der RAD-Ärztin
könnten diese Mängel nicht beheben
(S. 4 Ziff.
1
).
Sie kritisierte
, die Herleitung der psychiatrischen Diagnosen
im Gutachten
sei mangelhaft (S. 4-8 Ziff. 2), es fehle an einer Diskussion und Be
wertung der divergierenden früheren fachlichen Einschätzungen (S. 8 f. Ziff. 3), die Beurteilung einer 50%igen Arbeitsfäh
igkeit in angestammter Tätigkeit
,
bei
aber fehlende
r
Einschränkung in angepasster Tätigkeit
sei
bei
einer auf die Persönlichkeitsakzentuierung zurückgehende
n
Einschränkung
nicht nachvoll
zieh
bar
(S. 9 Ziff. 4) und das strukturierte Beweisverfahren sei vom Gutachter nicht – und von der Beschwerdegegnerin unvollständig - durchgeführt worden (S. 9-13 Ziff. 5). Zudem hätten die behandelnden Ärzte
zu den
Ausführungen des RAD, welche ebenfalls in die abweisende Verfügung eingeflossen sei
en
,
Stellung genommen
(S. 13 f. Ziff. 6)
.
Sie stütze sich bezüglich Arbeitsfähigkeit auf die Ein
schätzung der Behandler. So sei
nach Ablauf des Wartejahres am 27. Februar 2018 zunächst von einem Anspruch auf eine halbe Rente und ab Mai 2019 bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit von einem Anspruch auf eine ganze Rente aus
zugehen (S. 15 Ziff. 7).
Sollte das Gericht nicht auf die Einschätzung der be
han
delnden Ärzte abstellen, sei ein psychiatrisches Gerichtsgutachten anzuord
nen (S. 15 Ziff. 8).
3
.3
Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob
der
Beschwerdeführer
in nach der Neu
an
meldung aufgrund einer allfälligen Verschlechterung
ihres Gesundheitszu
stan
des nunmehr eine Invalidenrente zusteht.
Vorliegend sind die aktuellen Verhältnisse zu vergleichen mit denjenigen, wie sie sich im Zeitpunkt des Erlasses der
Verfügung vom 14. Oktober 2014 (Urk. 14/88)
gezeigt haben.
4
.
4.1
Die
leistungs
abweisende Verfügung vom
14. Oktober 2014 (Urk. 14/88)
beruhte
gemäss versicherungsinternem Feststellungsblatt vom 1
2
.
September
2014 (Urk.
14
/
87
)
, was de
n
zum Vergleich des Gesundheitszustandes entscheidenden Verfügungszeitpunkt am
14
.
Oktober
2014 angeht,
im
Wesentlichen auf
nächste
henden
Unterlagen
(S.
5-7
)
:
4.
2
Chefarzt Neurologie des
Spitals D._
Dr. med
.
E._
nannte in seinem Bericht vom 24. Juli 2013 (Urk. 14/56/1-4) als Diagnose mit Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit ein
CISim
Sinne eines ersten neurologischen Ereig
nisses, welches auf eine multiple Sklerose verdächtig sei (Ziff. 1.1). Er hielt fest, es bestehe keine relevante Arbeitsunfähigkeit und momentan seien keine grösse
ren neurologischen Einschränkungen erkennbar (Ziff. 1.6-1.7).
4.3
Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei welchem sich die Beschwerdeführerin seit
20. Oktober 2011
in
Behandlung
be
fand, wobei die
Psychotherapie
an
Psychotherapeutin
G._
delegiert war
(vgl. Urk. 14/96 S. 2 Mitte)
,
nannte in seinem Bericht vom 22. April 2014 (Urk. 14/82)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
seit 2006 bestehende akzentuierte Persönlichkeit
s
züge (
ICD
-
10
Z73.1; Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeit [ICD-10 F63.1]
)
und
eine depressive Verstimmung bei MS-Dia
gnose und Schmerzsymptomatik (Ziff. 1.1). Für die Tätigkeit als Hilfsarbeiterin bei der internen Post attestierte Dr.
F._
eine seit 28. Oktober 2011 bis auf Weiteres bestehende mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Zudem hielt er fest,
auch wenn er die Diagnose einer akzentuierten Persönlichkeit gestellt habe, seien die Auswirkungen des Verhaltens der Beschwerdeführerin in einem
Ausmass zu beobachten, wie bei einer eigentlichen Persönlichkeitsstörung (Ziff. 1.1
1).
Die Beschwerdeführerin habe mitgeteilt, dass sie per 1. März 2014 einen 100%-Job antrete. Sie werde für die interne Post zuständig sein.
Er
be
trachte dies als einen Arbeitsversuch (Urk. 14/82/8).
4.4
Mit Schreiben vom
11.
März 2014 (Urk. 14/79)
meldete die pro
infirmis
der Be
schwerdegegnerin einen Arbeitsversuch der Beschwerdeführerin bei der Firm
a
B._ AG
. Die
Beschwerdeführerin habe per 1.
März 2014 eine Festanstel
lung mit Arbeitspensum von 100 % begonnen. Es werde sich erst nach der drei
monatigen Probezeit zeigen, ob die Beschwerdeführ
erin der Arbeitsbelastung im 1.
Arbeitsmarkt standhalten könne.
Am 12. Juni 2014 (Urk. 14/83) teilte die pro
infirmis
mit, Anfang Juni 2014 hab
e
das Probezeitgespräch über den Arbeitsversuch stattgefunden. Die Beschwerde
führerin freue sich sehr, dass sie diesen erfolgreich abgeschlossen habe und sie weiterhin bei der Firma
B._ AG
tätig sein könne.
4.5
In seiner Stellungnahme vom 6. August 2014 (Urk. 14/87 S. 7) führte med.
pract
.
H._
, Facharzt für Neurologie FMH, vom RAD
gestützt auf den Arztbericht
von Dr.
F._
vom 22. April 2012 (E. 4.3 vorstehend) sowie die Schreiben der
pro
infirmis
vom
11
. März
und 12. Juni 2014
(
E. 4.4 vorstehend
)
aus,
soweit
erkennbar
habe sich die Beschwerdeführerin über die beruf
lichen Massnahmen bei pro
infir
m
i
s
stabilisiert und arbeite seit 1. März 2014 in einem 100 %-Pensum. Das Tätigkeitsprofil sei als ideal angepasst zu betrachten. Die genannten Dia
gnosen führten nicht weiter erkennbar zu einer Einschränkung der Arbeits
fähig
keit. Die Arbeitsunfähigkeit angepasst 50 % seit März 2008 bestehe somit seit Juni 2014 nicht mehr
(S. 7).
4
.
6
Die Beschwerdegegnerin schlo
ss gestützt auf diese Aktenlage
in ihrer Verfügung vom 14. Oktober 2014 (Urk. 14/88), es bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung. Per 1.
März 2014 habe die Beschwerdeführerin eine neue Anstellung im 100 %-Pensum finden können, welche anhand der medizinischen Beurteilung als optimal angepasst anzusehen
sei
.
Der
Anspruch auf eine befristete Rente
sei
geprüft
worden
. Die Abklärungen hätten ergeben, dass aus neurolo
gischer sowie auch aus psychiatrischer Sicht keine gesicherte Diagnose mit
Auswirkung
auf die
Arbeitsfähigkeit
gestellt
werden
könne. Mit Verfügung vom 2. Juni 2009 habe sie das Leistungsbegehren mit einem Invaliditätsgrad von 26 % abgewiesen. Gemäss den medizinischen Unterlagen könne keine massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes festgestellt wer
den. Ent
gegen der damaligen Einschätzung habe die Beschwerdeführerin
die Arbeit in einer neuen Tätigkeit, welche der vorher ausgeübten entspreche,
wieder aufnehmen
können. Eine rentenbegründende Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit sei deshalb nicht ausgewiesen.
5
.
5.1
Dr.
F._
nannte in seinem
Bericht
vom 12. Mai 2017 (Urk. 14/96) als Diagnose
neu
eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0;
Borderline
; nicht näher bezeichnet pa
ssiv-aggressiv; narzisstisch;
h
i
s
trionisch
;
schizotypisch
; paranoid in absteigender Ausprägung nach
ADP I
V Fragebogen
; S. 1
).
Die Be
schwerdeführerin könne äusserlich im Auftreten einen Eindruck von Leistungs
bereitschaft und Können vermitteln, den sie damals noch nicht so klar wie heute durch den Verlauf seit 2014 in Frage stellen müssten (S. 2).
Er
führte aus,
i
n angestammter Tätigkeit bestehe seit Juni 2015 mindestens eine 60-70%ige
Arbeitsunfähigkeit.
Mit der schweren Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit könne
die Beschwerdeführerin nur teilzeitlich eine angepasste
Arbeit
im 1.
Arbeitsmarkt machen oder
könne
im Bereich einer geschützten Arbeitsstelle mit maximal 4 Stunden pro Tag
arbeiten
(S. 2).
5
.
2
Dr. med.
I._
von der Klinik für Neurologie des
Spitals J._
stellte
in seinem Bericht vom
3. September 2017 (Urk. 14/100/1-5)
als
Dia
gnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
einen
Status nach Myelitis
im
März 2008 und
ein
multilokuläres
chronisches Schmerzsyndrom.
Dr.
I._
hielt
fest,
von
ihnen sei
bislang keine
Arbeitsunfähigkeit
ausgestellt
worden
(Ziff. 1.6).
Es bestehe eine
reduzierte Belastbarkeit bezüglich jeglichen Tätigkeiten im Gehen/Stehen. In welchem Umfang angepasst
e
A
rbeiten
möglich seien,
müsste gutachterlich geklärt werden (Ziff. 1.7).
5
.
3
Leiter
des
Scherzambulatorium
s
des
Spitals J._
PD Dr. med.
K._
, bei welchem sich die Beschwerdeführerin seit 28. August 2017 in Behandlung befand, be
richtete am 8. März 2018 (Urk. 14/103), bis jetzt habe er keine Arbeitsunfähigkeit attestiert (Ziff. 1.3).
Die a
ktuelle medizinische Symptomatik sei ein
Status
nach Myelitis mit subjektiven Schmerzen in Füssen, Beinen, Armen, Händen, Rücken, Knöchel, Hüfte und beiden Knien (Ziff. 2.2).
5.4
5.
4
.1
Dr.
C._
nannte in
seinem
von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen
neurologisch
-
psychiatrischen Gutachten vom
31
.
Juli
2019
(Urk.
14
/
123
)
als Diagnose auf neurologischem Fachgebiet einen Zustand nach
cervicaler
Myelitis 2008 und als Diagnose auf psychiatrischem Fac
hgebiet eine
D
y
s
th
y
mie
(ICD-10 F34.1; S. 29 oben).
Daneben attestierte er der Beschwerdeführerin zudem eine Persönlichkeitsakzentuierung (S. 27 unten).
Dr.
C._
führte
aus,
aufgrund der Persönlichkeitsakzentuierung und der damit verbundenen Neigung rasch in Konflikte zu geraten sowie der leichten chroni
schen Depression bestehe eine Einschränkung für die angestammte Tätigkeit Revier- und Baubewachung in der Nacht. Schichtarbeit und eine nächtliche Tätigkeit wirkten sich negativ auf eine affektive Störung aus und reduzierten das psychophysische Restleistungsvermögen. Zum Untersuchungszeitpunkt habe die Arbeitsfähigkeit in dieser angestammten Tätigkeit 50 % bezogen auf ein 100%-Pensum
betragen
. Abgestützt auf
den Bericht des Psychiaters Dr.
F._
vom Mai 2017 sei davon auszugehen, dass diese Einschränkung seit ca. 2015 bestehe. Für eine Tätigkeit als Mitarbeiterin bei der Post/in einer Spedition betrage die
Arbeitsfähigkeit zum Untersuchungszeitpu
nkt 100 % bezogen auf ein 100 %-
Pen
sum, das heisse, die Arbeitsunfähigkeit sei 0 %. Zeitlich davor habe Dr.
F._
im Frühjahr 2017 eine Arbeits
un
fähigkeit von 60-70
% in dieser Tätigkeit ge
sehen. Dies erscheine zum Zeitpunkt seines Berichtes
im
Mai 2017 plausibel. Seit
dem habe sich der psychiatrische Gesundheitszustand gebessert. Eine genau
ere zeitliche Einordnung sei aufgrund fehlender Unterlagen nicht möglich
(S. 32 f.
).
Weiter hielt Dr.
C._
fest, in einer angepassten Tätigkeit bestehe zum Unter
suchungszeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Anhand der Aktenlage be
stehe diese mit Fluktuationen seit mehreren Jahren, geschätzt seit 2015, abge
stützt auf d
ie Berichte des Psychiaters Dr.
F._
. Zwischenzeitlich sei die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit niedriger gewesen mit einer Arbeitsfähigkeit von ca. 50 %, abgestützt auf den Bericht von Dr.
F._
vom Mai 2017. Eine genauere zeitliche Zuordnung bezüglich der vergangenen zwei Jahre sei aufgrund fehlender Unterlagen nicht möglich. Eine angepasste Tätigkeit bedeute dabei eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit auf dem allge
meinen Arbeitsmarkt oder auch Bürotätigkeiten, die der Ausbildung der Be
schwerdeführerin entsprächen. Sie habe in der Vergangenheit längere Zeit auf dem ersten Arbeitsmarkt im Büro gearbeitet. Für derartige Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe ein vollschichtiges Restleistungsvermögen von acht Stunden pro Tag ohne Einschränkungen der Leistung. Zusammenfassend bestehe für eine angepasste Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (leichte bis mittelschwere körperliche handwerkliche Tätigkeiten, Büroarbeiten) derzeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bezogen auf ein 100
%-Pensum (S. 33 f.
).
5.
4
.2
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin ergänzte Dr.
C._
am
25. September 2019 (Urk. 14/125),
eine Arbeitsunfähigkeit von 60-70 % (angestammt, Post
mitarbeiterin, Security) beziehungsweise 50 % (angepasst)
habe
lediglich passa
ger im Mai 2017 vorgelegen (S. 1). Laut Angaben der Beschwerdeführerin sehe sie ihren Psychiater nur halbjährlich, zuletzt im März 2019. Die
s
weise nicht un
mittelbar auf einen hohen Leistungsdruck hin. Die Tatsache, dass der behandelnde Psychiater keine häufigeren Termine vergeben habe, um die Beschwerdef
ührerin selbst zu diagnostizier
en, den Befund zu überprüfen und die Beschwerdeführerin zu behandeln, sowie die Tatsache, dass von Seiten der behandelnden Psychologin die Beschwerdeführerin nicht
häufiger
beim Psychiater vorgestellt worden sei, auch nicht zu einer medikamentösen Umstellung oder Einstellung, weise nicht drauf hin, dass bei der Beschwerdeführerin gravierende, die Arbeitsunfähigkeit erheblich
einschränkende Symptome vorgelegen hätten (S. 2).
Da die Beschwer
deführerin zum Untersuchungszeitpunkt im Befund nur eine geringe Psychopa
tho
logie aufgewiesen habe, gehe er aufgrund der niedrigen Behandlungsintensität zusammen mit seinem Befund davon aus, dass ab circa Sommer 2017 die gleiche Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe, wie zum Untersuchungszeitpunkt. Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit Revier- und Baubewachung sehe er aufgrund der chronischen Depression, da bei affektiven Erkrankungen Nacht- und Schichtarbeit das Rückfallrisiko stark erhöhten. Des
Weiteren
bestehe eine Persönlichkeitsakzentuierung, die die Sozialkompetenz der Beschwerde
füh
rerin einschränke. Wie die Biographie und die Aktenlage zeigten, gerate sie leicht in Konflikte, neige zur Externalisierung von Schuldzuweisungen und habe eine verminderte Fähigkeit, in Belastungs- und Konfliktsituationen sozial adäquat und deeskalierend zu handeln aufgrund emotional-
instabiler
Persönlichkeitsanteile. Aus diesem Grund sei eine Tätigkeit im Security Bereich für sie nicht vollständig leidensgerecht. Das heisse aber nicht, dass sie die Tätigkeit gar nicht ausüben könne. Sie müsse jedoch viel psychische Energie
aufbringen
, um sozial adäquate Verhaltensweisen
aufrecht
zu erhalten
und nicht in Konflikte zu geraten.
Zu
sammen mit der Belastung durch die chronische Depression sei deswegen für diese Tätigkeit das quantitative Restleistungsvermögen vermindert
(S. 2 f.).
5.
4.3
Auf neuerliche Rückfrage der Beschwerde
gegnerin
ergänzte
Dr.
C._
am 5. Februar 2020 (Urk. 14/133),
d
ie soziale Funktionalität sei anhand der Eigen
angaben besser als im Frühjahr 2017. Deswegen sei die Arbeitsunfähigkeit nie
driger einzuschätzen (S. 2 f.).
Möglich seien leichte bis mittelschwere Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sowie kaufmännische Tätigkeiten, die der Aus
bildung der Beschwerdeführerin entsprächen. Die Wegefähigkeit sei erhalten. Sie könne öffentliche Verkehrsmittel benutzen und Auto fahren. Tätigkeiten könnten im Wechsel von Gehen, Stehen und Sitzen ausgeführt werden. Ein
schränkungen bestünden für Tätigkeiten im Akkord, mit Wechsel- und Nacht
schicht sowie für Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen an den Gleichge
wichtssinn wie z. B. Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten oder in grosser Höhe. Es bestünden Einschränkungen für Tätigkeiten mit konfrontativem, durchgängig konfliktbehaftetem Publikumsverkehr, z. B
.
Beschwerdestelle (S. 3).
5
.
5
In ihrer
Stellungnahme
vom 20. Mai 2020 (Urk. 14/139/1) zur guta
chterlichen Beurteilung von Dr.
C._
führten
Dr.
F._
und Psychotherapeutin
G._
aus
, sie stimmten mit der Diagnose im Gutachten nicht überein. Ihre Diagnose sei eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0). Das
neuerliche Mini-ICF-App vom 14.
Mai 2020
(Urk. 14/139/2)
habe gezeigt, dass die Beschwerde
führerin unter erheblichen Beeinträchtigung
en
leide. Eine Arbeitsfähigkeit sei in keinem Bereich gegeben. Da sich die Schwierigkeiten vor allem im Sozial
ver
halten zeigten, träten diese bei jeder Arbeit auf. Der Gesundhei
tszustand habe sich seit dem 8.
Mai 2019 verschlechtert. Da die Beschwerdeführerin nicht mehr im Arbeitsprozess stehe und auch nur wenige Kontakte pflegen könne, seien die Auswirkungen ihrer Persönlichkeitsstörung noch ausgeprägter geworden.
Die Therapiefrequenz sei bei Frau
G._
ein- bis zweimal im Monat und bei Dr.
C._
circa alle sechs Monate.
5
.
6
Dr. med.
L._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom RAD hielt zur Stellungnahme von Dr.
F._
und Psychotherapeutin
G._
am 19. Juni 2020 (Urk. 14/141 S. 7 f.) fest,
die
von Dr.
F._
im Mini-ICF-APP voll ausgeprägten
Beeinträchtigungen in den Fähigkeiten Anpassung an Regeln und Routinen, Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Um
stellungsfähigkeit, Kompetenz und Wissensanwendung und Entscheidungs- und Urteil
s
fähigkeit
könnten nicht nachvollzogen werden. Die Beschwerdeführerin sei noch in der Lage, Termine und Verabredungen wahrzunehmen, ihren Alltag zu strukturieren, sich auf unterschiedliche Situationen, z.B. Gäste, einzustellen, be
sitze Lebenswissen, könne sich situativen Rollen
er
wartungen anpassen und sei auch in der Lage
,
selbständig Entscheidungen zu treffen.
Es werde im Gutachten keine einer Persönlichkeitsstörung entsprechende durchgehende schwere Störung des Sozialverhaltens gesehen und daher auch nachvollziehbar argumentiert, dass eine Arbeitsfähigkeit zumutbar sei. Es lägen keine neuen, unberücksichtigten medizinischen Tatsachen vor, welche im Gutachten von Dr.
C._
nicht
berück
sichtig worden seien.
Es könne weiter auf das vorhandene Gutachten abgestellt werden.
5.
7
In ihre
m
von der Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren ein
gereichten
Schreiben
vom
27.
August
2020 (Urk. 3/3
= Urk. 6
)
bemängelten
Dr.
F._
und Psychotherapeutin
G._
die
Beurteilung der RAD-Ärztin
L._
. Sie führten aus, dass sie bereits im Bericht im Jahr 2013 festgestellt hätten, dass sich bei der Beschwerdeführerin charakteristische Muster einer Persönlichkeitsstörung
zeigten
(S. 1 Ziff. 2).
Er
, Dr.
F._
,
und Psychothe
rapeutin
G._
mit je 25 Jahren Berufserfahrung, hätten sich auf den Leidens
verlauf seit 9 Jahren stützen können und hätten stets das Krankheitsbild einer akzentuierten Persönlichkeit respektive einer Persönlichkeitsstörung mit vielen
psycho
pathologischen
Befunden beschrieben (S. 1 f. Ziff. 3).
Zur Nachvoll
zieh
bar
keit der im Mini ICF-App erhobenen Einschränkungen hielten sie fest, dass
sie
sich bei der Beschreibung der Einschränkungen auf die 9-jährigen einschrän
ken
den Fähigkeiten der Beschwerdeführerin bezögen. Aus ihren 9-jährigen thera
peutischen Erfahrungen könnten sie sagen, dass sich die Beschwerdeführerin besser darstellen könne, als
sie
es in ihr
er
chronisch beschränkten Selbstwirk
samkeit im wirklichen Alltag umsetzen könne (S. 2 f. Ziff. 4).
Die Beschwerde
führerin sei seit vielen Jahren, mindestens seit 2 Jahren
,
vollständig unfähig, im angestammten oder angepassten Arbeitsfeld arbeiten zu können (S. 3 Ziff. 5 in
fine
).
Abschliessend bemerkten Dr.
F._
und Psychotherapeutin
G._
, sie erlebten die absolute dominante Gewichtung der Ei
n
schätzung einer dreistündi
gen Exploration und ausführlichen Aktenstudiums des Gutachters und der RAD-Ärztin als wenig respektvoll gegenüber ihren, in all den Jahren erstellten Be
richten, die seit dem Jahr 2013 stets ein konstantes Störungsbild
beschrieben hätten
, das tatsächlich auch mal widersprüchlich sein könne, weil die Wirklichkeit der Klinik und der Patienten sich nicht an die Konsistenzvorgaben von IV-Begut
achtungen halte. Andererseits seien sie aufgrund ihrer Nähe zum Leidensge
schehen auch bei der Beschwerdeführerin als Fachleute befähigt, die Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit aus der Erfahrung der negativen Erfahrungen über Jahre umfassend und nachhaltig einzuschätzen (S.
4
).
6.
6.1
Das
im ordentlichen Verfahren nach Art. 44 ATSG (vgl. Urk. 14/
113-120
) - auf Vorschlag der Beschwerdeführerin bei Dr.
C._
(Urk. 14/117) - eingeholte
neurologisch
-psychiatrische
Gutachten vom
31
.
Juli 2019
samt Ergänzungen
(E. 5.
4
) ist
hinsichtlich der zu beurteilenden Leiden
der
Beschwerdeführer
in
um
fassend. Es beinhaltet
neurologische
und psychiatrische Untersuchungen und be
ruht auf den erforderlichen allseitigen klinischen und
notwendigen
l
abor
techni
schen E
rhebungen (Urk.
14
/
123 S. 9-24
).
Das Gutachten wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
– insbesondere
mit der Beurteilung von Dr.
F._
-
erstattet
und auf Rückfragen
hin
ergänzt
(
Urk.
14/123 S. 4-9, S. 25 f., S. 27 f., Urk. 14/125
S. 2 f.
, Urk. 14/133
S. 2 f.
),
berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten
der Beschwerdeführerin
auseinander (
Urk.
14/123 S.
10 f., S
. 15, S. 20-28, S. 31
).
Dr.
C._
legte die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dar und begründete
seine
Schlussfolgerung nachvollziehbar.
Hinsichtlich der
somatischen Leiden kam Dr.
C._
zum Schluss, dass aufgrund
der
Myelitis
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bezüglich des Rendements besteht, diese jedoch dazu führt, dass noch
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten im Wechsel von Gehen, Stehen
und Sitzen
ohne erhöhte Anforderungen an den Gleichgewichtssinn zumutbar sind (
vgl.
E. 5.4)
.
Dies
ist vereinbar
mit den ärzt
lichen Beurteilungen
durch Dr.
I._
(E.
5.2) und Dr.
K._
(E. 5.3)
, welche selbst keine Arbeits
un
fähigkeit attestiert hatten und Dr.
I._
davon
ausge
gangen war
, dass eine reduzierte Belastbarkeit für Arbeiten im Gehen und Stehen besteht
. Im Nachgang zum Gutachten bestätigten d
ie Fachärzte der Klinik für Neurologie des
Spitals J._
, gestützt auf ein MRI von September 2019, dass von einem stabilen Verlauf der Myelitis auszugehen ist (vgl. den Bericht des
Spitals J._
vom 16. Oktober 2019 [Urk. 14/139/6-10
S. 2 oben und S. 4
]).
Zu Veränderungen in somatischer Sicht ist es
demnach
nach der Begutachtung nicht gekommen.
Was die im Vordergrund stehende
n
psychischen Leiden
–
leichte chronische De
pression
, welche Dr.
C._
als
Dysthymie
interpretierte, und
eine
Persönlich
keits
akzentuierung (vgl. E. 5
.4
, Urk. 14/123 S. 27 unten und S. 28 oben) -
angeht
,
berücksichtigte
Dr.
C._
bei seiner Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit
die
Fähig
keiten, Ressourcen und Belastungen
der Beschwerdeführerin sowie die Konsistenz und Plausibilität.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
(E. 2.2
; Urk. 1 S.
9
-13
Ziff. 5
)
hat sich Dr.
C._
damit
sehr wohl
in genügender Weise
mit
den notwendigen Indikatoren (strukturiertes Beweisverfahren) auseinandergesetzt.
So legte
Dr.
C._
zur Gesundheitsschädigung
gemäss dem von ihm erhobenen Befund plausibel
dar,
dass rein
syndromal
leichtgradige depressive Symptome vorlagen, die den Schweregrad einer manifesten Depression nicht erfüllten und
er
als
Dysthymie
diagnostiziere
(Urk. 14/123 S. 27 oben und S. 28 oben) sowie, dass auch die Persönlichkeitsakzentuierung nicht gravierend ausgeprägt ist (S. 27 unten). Er
erläuterte schlüssig, dass die
Dysthymie
und Persönlichkeitsakzen
tuierung sich in Kombinati
on – in anderen Worten
komorbid
– dahingehend auswirken, dass eine Tätigkeit in Wechsel- und Nachtschichten, wie die Tätigkeit in der Revier- und Baubewachung in der Nacht, nicht mehr vollschichtig aus
geübt werden kann
(E. 5.
4.1-2
)
.
Weiter zeigte Dr.
C._
nachvollziehbar auf,
dass an Ressourcen eine abgeschlossene Berufsausbildung, gute Sprachkenntnisse und eine langjährige Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sowie ein stützendes soziales Umfeld, ein stabiler Freundeskreis, gute soziale Kontakte und ein gutes Verhältnis zu den beiden Töchtern bestehen. Negativ
ins Gewicht fallen
die Ab
hängigkeit von der Sozialhilfe und die sehr hohen Schulden.
Dr.
C._
erläu
terte,
dass die neurologische und psychiatrische Behandlung adäquat sind und bei der Beschwerdeführerin nur geringe Einschränkungen des Aktivitätsniveaus im Alltagsleben bestehen
. So verfügt die Beschwerdeführerin über einen struk
turierten Tagesablauf, geht viel raus mit diversen Hunden, besorgt zum Teil den Haushalt, kümmert sich um die Katzen, beschäftig
t
sich mit ihren Kindern
(das heisst, mit den Kindern mit der früheren Partnerin)
, hat einen Freundeskreis, fährt in den Urlaub, macht Wand
erungen, benutzt Medien,
fährt Auto
und empfängt Besuch
(Urk. 14/123
S. 17 f. und
S. 29-32).
Dr.
C._
zeigte
vor dem Hintergrund
dieser
Aspekte
(Indikatoren)
überzeugend
auf
, dass
aufgrund der Persönlichkeitsakzentuierung und der damit verbundenen Neigung rasch in Konflikte zu geraten sowie der
Dysthymie
eine Einschränkung für die angestammte Tätigkeit Revier- und Baubewachung in der Nacht
besteht (E. 5.
4.1-2
)
.
Wie
Dr.
C._
schlüssig
erläute
r
te
,
besteht
diese
Reduktion der Arbeitsfähigkeit
,
weil bei affektiven Erkrankungen (
Dysthymie
) Nacht- und Schicht
arbeit das Rückfallrisiko erhöhen und die Beschwerdeführerin
im Security Bereich viel psychische Energie aufbringen muss, um sozial adäquat zu handeln (E. 5.4.2).
Es ist daher nachvollziehbar, dass in den übrigen Tätigkeiten
– insbesondere auch der angestammten Tätigkeit bei der internen Post -
unter Berücksichtigung des von
ihm aufgrund des
Zustand
es
nach
cerv
icaler
Myelitis,
der
Dysthymie
und der Persönlichkeitsakzentuierung
formulierten Belastungsprofils (
leichte bis mittel
schwere Tätigkeiten im Wechsel von Gehen, Stehen und Sitzen ohne Akkord
arbeiten, Wechsel- und Nachschicht sowie ohne erhöhte Anforderungen an den Gleichgewichtssinn und ohne Tätigkeiten mit konfrontativem und durchgängig konfliktbehaftetem Publikumsverkehr; E. 5.6
) keine Einschränkung
en
des Rende
ments
bestehen und die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsfähig ist
.
Ebenso nachvollziehbar ist die Begründung von Dr.
C._
, dass
im Mai 2017
lediglich passager eine erhöhte Arbeitsunfähigkeit gegeben war. So folgerte er
zu recht
, dass die ausbleibende Intensivierung der Therapie und fehlende medika
men
töse Anpassung nicht darauf hinweisen,
dass bei der Beschwerdeführerin gravierende, die Arbeitsunfähigkeit erheblich einschränkende Symptome
über längere Zeit
vorgelegen
haben
(E. 5.4.2).
6.2
6.2.1
Im Unterschied zum Gutachten diagnostizierte Dr.
F._
in
seinem Bericht vom 12. Mai 2017
eine Persönlichk
eitsstörung
und attestierte
deswegen
eine weitergehende Arbeitsunfähigkeit
(E. 5.1). In den Schreiben
vom 20. Mai 2020 (E. 5.
5
) und vom
27. August 2020 (E. 5.
7
)
hielt
en
er
und Psychotherapeutin
G._
an dieser Diagnose fest
, nahmen gar eine vollständige Arbeitsunfähigkeit an
und kritisierte
n
die Diagnosestellung von Dr.
C._
.
6.2.2
Der psychiatrische
Teil
des G
utachten
s
von Dr.
C._
enthält eine klinische Unter
suchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeo
bach
tung (Urk. 14/123 S.
4-9,
S. 9-19,
S. 23 f.
) und entspricht somit den bundes
gerichtliche
n
Vorgaben
an ein psychiatrisches Gutachten (Urteil des Bundesge
richts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
Dr.
C._
war der Bericht von Dr.
F._
vom 12. Mai 2017
sowie auch die vorangehenden psychiatrischen Berichte von Dr.
F._
bei der Begutachtung bekannt
(Urk. 14/123 S. 5-8)
.
Insoweit Widersprüche in der Befunderhebung und Diagnosestellung zu Dr.
F._
Beurteilung bestehen, ist darauf hinzuweisen, dass die psychia
trische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und dem begutachtenden Psychiater deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum eröffnet, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_146/2017 vom 7. Juli 2017 E. 4.2.2)
, was vorliegend der Fall ist
.
Dass somit Dr.
C._
– anders als die behandelnden Fachpersonen
(Urk. 6 S. 1 Ziffer 2 am Schluss)
– das häufige unkontrollierte Essen nicht als Essstörung interpretierte (vgl. U
rk. 14/123 S. 11, S. 27) und aufgrund des beschriebenen Medienkonsums nicht auf ein Gefühl der inneren Leere schloss (S. 18, S. 27), liegt im Rahmen des gutachterlichen Ermessens.
Dr.
C._
setzte sich denn auch
– entgegen
dem Vorbringen
der Beschwerde
führerin (E. 2.2
; Urk. 1 S. 8 f. Ziff. 3
) -
mit de
r
von Dr.
F._
gestellten Diagnose
einer
Persönlichkeitsstörung
auseinander.
Er
legte dar, dass
er die Dia
gnose einer Persönlichkeitsstörung nicht stellen kann, sondern eine Persönlich
keits
akzentuierung plausibel ist
.
So führte er überzeugend aus, dass er im emo
tional-instabilen Bereich keine gravierende Ausprägung feststellen konnte,
da
die Beschwerdeführerin keine längere Vorgeschichte von chronischer oder ausge
prägter Suizidalität hat
,
s
ie eine Essstörung verneinte
und
das Gefühl einer chro
nischen inneren Leere bei ihr nicht vorlag
.
Feststellen konnte
er
jedoch
ein
auf
fällige
s
Muster instabiler sozialer Beziehungen mit Kon
t
aktabbrüchen sowie häufige Stellenwechsel (vgl. Urk. 14/123 S. 27 f.).
Abweichende Beurteilungen behandelnder Ärzte vermögen ein Gut
achten nach Art.
44
ATSG grundsätzlich nicht in Frage zu stellen
,
a
usser
sie
benennen wichtige Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bun
desgerichts 9C_4/2019 vom 25. April 2019 E. 4.1). Dies ist jedoch nicht der Fall.
So
berücksichtigte Dr.
C._
die von Dr.
F._
in seinen Berichten und Stellungnahmen aufgeführten Gesichtspunkte
(Urk. 14/
96-97
)
. Dr.
C._
beach
tete die Neigung der Beschwerdeführerin
,
leicht in Konflikte zu geraten sowie
ihre verminderte Fähigkeit, in Belastungs- und Konfliktsituationen
sozial
adäquat zu handeln (E. 5.4),
der
geltend gemachte
fehlende Antrieb und
die fehlende
Energie sowie
die
bestehende Müdigkeit (vgl. Urk. 14/123 S. 10, S. 15 unten), den gedrückten Affekt und die verminderte Schw
ingungs
fähigkeit (S. 20 oben, S. 23),
die eigenanamnestischen Insuffizienzgefühle (S. 23 unten), Ein- und Durch
schlaf
störungen (S. 24 oben)
, die Erwerbsbiographie mit häufigen Stellenwechseln (S. 28 oben)
sowie der eigenanamnestische teilweise soziale Rückzug (S. 24 oben).
Schliesslich
ist - insbesondere
in
Bezug
auf die von Dr.
F._
und Psy
cho
therapeutin
G._
attestierte
höhere
Arbeitsunfä
higkeit – auch der Erfahrungs
tat
sache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5).
Die anderweitige Einschätzung durch Dr.
F._
vermag das Gutachten von Dr.
C._
nicht in Frage zu stellen.
6.2.3
Dr.
F._
und Psychotherapeutin
G._
begründe
te
n
in ihrem Schreiben vom
20. Mai 2020 (E. 5.5) eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes unter anderem gestützt auf ein Mini-ICF-App vom 14. Mai 2020.
In
ihren Schreiben vom 20. Mai und
27.
August 2020 (E. 5.5 und E. 5.7)
beharrten
sie
zudem
im Grunde
auf ihrer
Diagnosestellung,
verwiesen im Wesentlichen auf d
as
von ihnen
seit dem Jahr 2013 konstant beschriebene Störungsbild und drückten ihr
Unver
ständnis über den
als Respektlosigkeit verstandene
n Umstand
aus, dass ihre Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als langjährige Behandler durch
Dr.
C._
und die RAD-Ärztin in Frage gestellt wurde.
Das
von ihnen
neuerlich durchgeführte Mini
-ICF-App vom 14. Mai 2020 (Urk.
14/139/2) basiert
e
auf subjektiven
Einschätzungen
der Beschwerdeführerin und
die darin
beschrie
benen Einschränkungen
bezogen
sich
laut Dr.
F._
und Psychotherapeutin
G._
auf die
«
9-jährigen einschränkenden Fähigkeiten der Beschwerdefüh
rerin
»
(vgl. E. 5.7).
Es handelt sich dabei also nicht um eine gegenüber dem Zeit
punkt des Gutachtens
eingetretene
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
.
Zudem
ist der
RAD-Fachärztin Dr.
L._
zuzustimmen
(E. 5.6)
, dass bei
de
n
von der Beschwerdeführerin an den Tag gelegten Aktivitäten und Fähigkeiten (in der Lage, Termine und Verabredungen wahrzunehmen, den Alltag zu struktu
rierten, sich auf unterschiedliche Situationen einzustellen, verfügt über Lebens
wissen [Erfahrungsschatz], Vermögen
,
sich an Rollenerwartungen anzupassen, Fähigkeit
,
selbständig Entscheidungen zu treffen) die von Dr.
F._
und Psychotherapeutin
G._
im besagten Mini-ICF-App festgestellten vollstän
di
gen Beeinträchtigungen der Fähigkeiten Anpassung an Regeln und Routinen, Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähig
keit, Kompetenz und Wissensanwendung sowie Entscheidungs- und Urteils
fähig
keit nicht nachvollziehbar erscheinen (E. 5.6
; vgl. auch die
erheblichen
Ein
schränkungen in den weiteren Bereichen, Urk. 3/6/1 Rückseite
). Auch
erfolgte
keine
Intensivierung
der
Behandlung
und dies
bei einer
relativ tiefen
Therapie
frequenz von
ein- bis zweimal monatlich bei Psychotherapeutin
G._
und halb
jährlich bei Dr.
F._
(E. 5.6 in
fine
)
.
Soweit
sie
dennoch
eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes seit dem Begutachtung
s
zeitpunkt
geltend
machten
, führten sie
dies
auf den Umstand zurück, dass
die Beschwerdeführerin
nicht mehr im Arbeitsprozess steht und auch nur wenige Kontakte pflegt. Dabei handelt es sich um einen invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten, rein psy
chosozialen Umstand (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1).
Auch der von ihnen im Schreib
en vom 27. August 2020 gemachte
n
Aussage
, dass die Beschwerdeführerin mindestens seit zwei Jahren, also
mindes
tens
seit
August 2018, und demnach
über
acht Monate vor der Exploration durch Dr.
C._
am 5. Mai 2019 (vgl. Urk. 14/123 S. 2 Mitte)
in angestammter und angepasster Tätigkeit
vollständig arbeitsunfähig sei
,
lässt sich nicht mit
e
iner nach
der Begutachtung behaupteten
Verschlechterung in Übereinstimmung brin
gen
(E. 5.7)
.
Aus psychischer Sicht ist demnach immer noch vom gleichen Gesundheitszustand auszugehen wie zum Zeitpunkt der Begutachtung von Dr.
C._
.
6.
3
Die
Beschwerdeführer
in
brachte in
ihrer
Beschwerde (Urk. 1)
– neben der auf die Schreiben
ihrer
Behandler gestützte
n
Kritik (E.
3.2
), auf welche bereits oben in E.
6.2
eingegangen wurde
- weitere
Kritik am Gutachten
von Dr.
C._
vor.
Entgegen
dem
Vorbringen der Beschwerdeführerin (E. 2.2
; Urk. 1 S.
4-8 Ziff. 2
)
ist die Diagnosestellung von Dr.
C._
nicht mangelhaft. Wie aufgezeigt ent
spricht sein Gutachten den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein psychiatrisches Gutachten (E. 6.
1
vorstehend). Dr.
C._
erhob seinen psychiatrischen Befund anhand des AMDP-Systems (Urk. 14/123 S. 23 f.). Bei diesem handelt es sich um ein
System zur standardisierten Erfassung und Dokumentation eine
s psycho
pathologischen Befundes der
Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumen
tation in der P
sychiatrie, welches international Anwendung findet (
vgl.
den
Wikipedia-Eintrag zum ADMP-System
https://de.wikipedia.org/wiki/AMDP-Sys
tem
[
besucht am
19. Mai
202
1
])
. Gestützt auf den so erhobenen Befund stellte Dr.
C._
seine Diagnosen.
Wie sich der Diagnosestellung der
Dysthymie
, welche er mit der entsprechenden ICD-10 Ziffer
stellte
(E. 5.
4.1
),
und auch seiner fach
lichen Diskussion
über die
möglichen Diagnosen
(
vgl.
Urk. 14/123 S. 26-28)
entnehmen lässt
,
verwendete er sehr wohl die
Internationale
Klassif
ikation der Krankheiten (ICD-10).
So diskutierte er neben der ausführlichen Behandlung der
Dysthymie
auch eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis sowie
ver
-
schiedene
Ängste, wobei er da explizit darauf verwies, dass diese nicht als separate diagnostische Entitäten nach ICD-10 zu klassifizieren sind.
Gerade was
den Verzicht des Stellens der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung angeht, z
eigte Dr.
C._
eingehend auf, weshalb er diese nicht stellte (E. 6.2.2 vorstehend; vgl. zur Diagnostik der Persönlichkeitsstörung
und akzentuierte Persönlichkeitszüge
nach ICD-10 F60-62 spezifische Persönlichkeitsstörungen, kombinierte und so
ns
tige Persönlichkeitsstörungen und anhaltende Persönlichkeitsänderungen
in:
Dilling
/
Mombour
/Schmid [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Stö
run
gen; ICD-10 Kapitel V [F] Klinisch-diagnostische
Leitlinien, 10. Aufl., 2015, S. 264
ff.)
.
Weiter
beanstandete
die
Beschwerdeführerin, die Beurteilung
der
Arbeitsfähigkeit
bei Vorliegen einer auf die Persönlichkeitsakzentuierung zurück
gehende
n
Einschränkung
mit 50 %
in angestammter Tätigkeit
,
aber
ohne Ein
schränkung
in angepasster
Tätigkeit
, sei nicht nachvollziehbar (
E. 2.2;
Urk. 1
S.
9 Ziff.
4).
Diese Kritik verfängt nicht. Wie
Dr.
C._
erklärte
,
geht die Reduktion der Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
in der
Bau- und Revierbe
wachung in der Nacht
auf die Kombination der Depression und der emotional-instabilen Persönlichkeitsanteile zurück, weil bei affektiven Erkrankungen (
Dys
thymie
) die Nacht- und Schichtarbeit das Rückfallrisiko erhöhen und die Be
schwer
deführerin im Security Bereich viel psychische Energie aufbringen muss, um sozial adäquat zu handeln
(E. 6.
2
)
. Dr.
C._
führte im Belastungsprofil für angepasste Tätigkeiten auf, dass
diese
keine
Wechsel- und Nach
t
schicht und Tätigkeiten mit konfrontativem und durchgängig konfliktbehaftetem Publikums
verkehr
beinhalten
sollten
(
E.
5.6
).
6.4
Zusammenfassend
entspricht die gutachterliche Beurteilung von Dr.
C._
den
allgemeinen
bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweiskräftiges Gutachten
(E. 6.1). Er legte
substantiiert dar, aus welchen medizinisch-psychiatrischen
Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psy
chischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen
; insbesondere,
inwiefern
und inwieweit wegen der von ihnen
erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit einge
schränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivi
täten d
es Beschwerdeführers
(
vgl. E. 6.
1
; BGE 145 V 361
).
Weder die anderweitige Einschätzung von den behandelnden Dr.
F._
und Psychotherapeutin
G._
noch die am Gutachten vorgebrachte Kritik durch die Beschwerdeführerin (E. 6.2 und E. 6.3) vermögen das Gutachten in Zweifel zu ziehen.
Zudem
ist
nicht von einer gesundheitlichen Verschlechterung gegenüber dem Gutachtenszeit
punkt auszugehen
(E. 6.2.3)
. Es ist demzufolge auf die gutachterliche Beurteilung von Dr.
C._
abzustellen.
Der medizinische Sachverhalt ist damit
sowohl aus somatischer als auch psy
chischer Sicht erstellt und das von der
Beschwerdeführer
in
eventualiter
bean
tragte
psychiatrische Gerichtsgutachten (Urk. 1 S. 2 und S. 15) erübrigt
sich. Wei
tere
entscheidwesentliche
Erkenntnisse sind davon nicht zu erwarten (anti
zipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d).
6.5
Nach dem Gesagten
ist die Beschwerdeführerin gestützt auf die gutachterliche Beurteilung von Dr.
C._
somit aufgrund
ihrer
somatischen als auch der
psy
chischen Leiden in
der Revier- und Baubewachung Nacht
zu
50 % und als Mit
arbeiterin bei der Post/in einer Spedition zu 100 %
arbeitsfähig. Diese Tätigkeiten sind als angestammt zu werten, arbeitete die Beschwerdeführerin
zumeist
in vergleichbaren Tätigkeiten
(
vgl. Urk. 14/102 S. 1-5
)
und entspricht
vor allem die
letztgenannte Arbeit sowie vergleichbare Bürotätigkeiten ihrer Ausbildung am
Kaufmännischen Lehrinstitut Y._
und hatte sie eine solche bei der
B._ AG
als letzte Vollzeitstelle bis zur Kündigung per 31. Mai 2015 inne
(
vgl. Urk.
14/7 S. 6
, Urk.
14/96 S. 1
). Ebenso ist die Beschwerdeführerin unter Beachtung des formulierten Belastungs
profils
in
jeglicher angepasste
r
Tätigkeit
zu 100 % arbeitsfähig
(vgl.
E. 5.
4
).
Da der Beschwerdeführerin weiterhin
eine
der angestammte
n
im Bürobereich res
pektive eine vergleichbare Tätigkeit
zumutbar ist
beziehungsweise
die adap
tierte Tätigkeit dem
angestammten
Beruf entspricht, kann für einen Einkommensver
gleich auf die Methode des Prozentvergleiches zurückgegriffen
werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_852/2016
vom 12.
September 2017 E. 4.4.4).
Daraus resultiert selbst bei Gewährung eines - nicht näher geprüften – maximal zulässigen leidens
bedingten Abzuges von
25
%
aufgrund der Einschränkungen gemäss dem Belas
tungsprofil
– bei einer medizinische ausgewiesenen 100%igen Arbeitsfähigkeit
ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von
maximal
25
%
.
Da keine renten
relevante Veränderung ausgewiesen ist,
führt
dies
zur Abweisung der Beschwerde.
7.
7
.1
Die Besc
hwerdeführerin beantragte (Urk.
1 S.
2) die unentgeltliche Rechtspflege unter Bestellung von Rechtsanwältin
Sibylle Käser Fromm
, Rechtsdienst
Inclusion
Handicap, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin. Die Prozessführung schien zum Zeitpunkt der Verfahrenseinleitung nicht aussichtlos, die Bedürftigkeit der Beschwerdeführ
erin ist ausgewiesen (vgl. Urk.
10 und Urk. 11
/1-
16
) und eine
Rechtsverbeiständung
geboten. Ihr ist daher die unentgeltliche Rechtspflege unter Bestellung von Rechtsanwältin
Sibylle Käser Fromm
, Rechtsdienst
Inclusion
Handi
cap, Zürich, als unentgeltliche
Rechtsbeiständin
zu gewähren (vgl. BGE
103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
7
.2
D
ie Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs.
1
bis
IVG sind auf Fr.
800.
--
festzu
setzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge der be
willigten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Ge
richts
kasse zu nehmen.
Am
20. Oktober 2018 (Urk.
17
) reichte Rechtsanwältin
Sibylle Käser Fromm
im Namen von
Inclusion
Handicap eine
Honorarnote
mit einem geltend gemachten Stundenaufwand von
10
,
42
Stunden zu einem Honorarstundenans
atz von Fr.
250.-- und
eine Administrationspauschale von 3%
in der Höhe von Fr.
78.15
zuzüglich Mehrwertsteuer
ein
(Urk. 16)
.
Angesichts der zu studierenden gut
145
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der 15-seitigen Rechtsschrift
und
den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
ist
der geltend gemachte Aufwand im Umfang
von 10,42 Stunden
vor dem Hintergrund der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
angemessen
(§ 34 Abs. 3 des
Gesetz
es
über
das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]).
Es findet jedoch für die Vertretung durch
Inc
l
usion
Handicap der bei institutioneller Vertretung gerichts
übliche Stundenansatz von Fr. 185.-- Anwendung.
Damit
ist die Entschädigung bei einem Aufwand von 10,42 Stu
nden
unter Anwendung
des gerichtsü
blichen Stundenansatzes von Fr.
185.-- für eine ins
titutionelle Vertretung auf Fr. 2'138.40
(inklusive Barauslagen
von Fr. 57.85 [3
% von Fr. 1'927.70 (10,42 x Fr.
185.--)]
und
Mehrwertsteuer) festzusetzen.
D
ie Beschwerdeführerin ist auf §
16 Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Auslagen für die Vertretung ver
pflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.