Decision ID: 86aa05f4-50a3-564c-978f-3c1efe300009
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im November 2014 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe in ihrem Herkunftsland die
Primarschule besucht; eine weiterführende schulische oder eine berufliche Ausbildung
habe sie nicht absolviert. Seit August 2013 arbeite sie in einem Vollpensum als
Mitarbeiterin in der Reinigung. Der Internist Dr. med. B._ berichtete im Dezember
2014 (IV-act. 10), die Versicherte leide an einem ausgeprägten Knieschmerzsyndrom
bei einer Pangonarthrose im linken Knie, an einer chronischen Achillodynie links, an
einer Adipositas Grad III, an einer essentiellen arteriellen Hypertonie sowie an einem
Diabetes mellitus Typ II. Eine kniebelastende Arbeit sei ihr nicht mehr zumutbar; für
eine wechselbelastende Tätigkeit sei dagegen eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
zu attestieren. Die Versicherte sei „sehr arbeitswillig“. Sie müsse ihr Körpergewicht
dringend deutlich reduzieren. Im Juli 2015 wurde bei der Versicherten laparoskopisch
eine proximale Magenbypass-Operation durchgeführt (IV-act. 36–16 ff.). Im
entsprechenden Bericht des Kantonsspitals St. Gallen wurden nebst der Adipositas
Grad III als Diagnosen eine symptomatische Cholezystholithiasis und eine chronische,
minimale, nicht aktive Hepatitis B erwähnt. Im Juni 2016 teilte Dr. B._ der IV-Stelle
mit (IV-act. 56–2), er habe eine Verbesserung der Gehfähigkeit der Versicherten
feststellen können. Sie habe erstmals einige Schritte ohne Gehstöcke gehen können. Er
hoffe auf eine weitere Gewichtsreduktion und auf eine damit einhergehende weitere
Verbesserung der Gehfähigkeit. Gemäss einem Sprechstundenbericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 27. Januar 2016 hatte die Versicherte allerdings nach
der Operation lediglich knapp acht Kilogramm Körpergewicht verloren (IV-act. 61–20).
Im Juli 2016 berichtete Dr. B._, die Versicherte habe nun insgesamt 16 Kilogramm
abgenommen und sie könne nun kurze Distanzen ohne Stöcke zurücklegen (IV-act. 61–
1 ff.).
A.a.
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Mit einer Mitteilung vom 25. Juli 2016 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
Arbeitsvermittlung zu (IV-act. 66). Ab dem 8. August 2016 konnte die Versicherte mit
einem Pensum von 20 Prozent an einem Einsatzprogramm teilnehmen (vgl. IV-act. 71–
4). Bei einer Besprechung am 14. September 2016 teilte sie mit, dass sie die Arbeit
häufig unterbrechen müsse, weil sie nicht zu lange sitzen oder stehen könne. Sie
müsse sich mittlerweile auch wieder mit zwei Stöcken fortbewegen. Der Versuch, das
Pensum zu steigern, sei wegen verstärkten Schmerzen in den Knien und im Rücken
gescheitert. Sie fühle sich nicht gut. Sie könne sich nicht erklären, weshalb sie nicht
mehr Gewicht verloren habe; irgendetwas stimme nicht. Am 5. Januar 2017
untersuchte Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) die
Versicherte. Die RAD-Ärztin hielt in ihrem Bericht vom 12. Januar 2017 fest (IV-act. 89),
die Versicherte leide an einer Gonarthrose im linken Kniegelenk, an einer
talonaviculären Arthrose links sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
einer Adipositas Grad III, an einer Kniegelenksarthrose rechts, an einer chronischen
Lumbalgie bei einer Dekonditionierung und an einer chronischen Hepatitis B. In der
Untersuchung habe sie bereits bei geringen Berührungen über Schmerzen geklagt.
Diese seien aber mit dem erhobenen Befund nicht vereinbar gewesen. Die
Schmerzmedikation sei spärlich, was in Anbetracht der geklagten Schmerzen
erstaunlich sei. Die geklagten Schmerzen, der ausgeprägte hinkende Schongang und
das Gehen an zwei Unterarmstöcken sei mit dem klinischen und radiologischen Befund
nicht in Einklang zu bringen gewesen. Die klinisch feststellbaren
Funktionseinschränkungen hinsichtlich der Beweglichkeit des Kniegelenks seien
minimal gewesen. Die Versicherte verfüge insgesamt über gute Ressourcen. Sie habe
eine beschwerliche Reise in die Schweiz gut überstanden, sie habe sich hier rasch
integriert und sie habe innert einer kurzen Zeit die deutsche Sprache erlernt. Zudem
kümmere sich ihr Ehemann fürsorglich um sie. Die angestammte Tätigkeit in der
Reinigung sei ihr zwar nicht mehr zumutbar. Eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit
könne sie aber uneingeschränkt ausüben. Mit einer Verfügung vom 6. März 2017 wies
die IV-Stelle sowohl das Begehren der Versicherten um berufliche Massnahmen als
auch das Rentenbegehren ab (IV-act. 99).
A.b.
Am 6. April 2017 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine „psychische
Mehrfachproblematik“ zur Früherfassung (IV-act. 100). Nach einem Früherfassungs
A.c.
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gespräch wies eine Eingliederungsberaterin der IV-Stelle die Versicherte darauf hin,
dass sie sich erneut zum Leistungsbezug anmelden solle (IV-act. 107). Am 9. Juni 2017
reichte die Versicherte das ausgefüllte Anmeldeformular ein (IV-act. 110). Die IV-Stelle
eröffnete daraufhin ein Verwaltungsverfahren, ohne die Versicherte vorgängig
anzuhalten, eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen. Am 5. Juli
2017 berichtete die Psychiaterin Dr. med. D._ (IV-act. 118), die Versicherte leide an
einer mittelgradigen depressiven Episode. Sie sei vollständig arbeitsunfähig. Mit einer
Mitteilung vom 29. September 2017 sprach die IV-Stelle der Versicherten ein
dreimonatiges Belastbarkeitstraining zu (IV-act. 129). Die Institution, bei der dieses
Training durchgeführt wurde, berichtete im November 2017 (IV-act. 134), die
Versicherte habe ihre Präsenzzeit bereits steigern können. Sie werde nun in einen
anderen Bereich wechseln und versuchen, die Präsenz weiter zu steigern. Im
Dezember 2017 berichtete sie (IV-act. 135), die Versicherte habe darum gekämpft,
regelmässig arbeiten zu können. Sie habe den Eindruck vermittelt, dass sie den Fokus
von den Gesundheitsbeeinträchtigungen habe abwenden und sich habe ablenken
wollen. Bei der Arbeit hätten die Schmerzen aber wieder zugenommen. Nach 30–40
Minuten in einer sitzenden Tätigkeit habe sie sich jeweils kaum mehr erheben können.
Über erhöhte Schmerzen habe sie nicht gesprochen. Sie habe Ausdauer gezeigt,
„durchgebissen“ und im Stillen geweint. Nach der Arbeit sei sie jeweils sehr müde
gewesen, aber sie habe mitgeteilt, dass es ihr gut tue, weg von zuhause zu sein und
das Gedankenkreisen unterbrechen zu können. Als nächster Schritt stehe eine weitere
Steigerung der Präsenzzeit an. Mit einer Mitteilung vom 18. Dezember 2017 sprach die
IV-Stelle der Versicherten ein sechsmonatiges Aufbautraining zu (IV-act. 140). Am 7.
Februar 2018 teilte die Institution mit (IV-act. 144), die psychische Verfassung der
Versicherten sei sehr instabil, was teilweise mit weiteren medizinischen Abklärungen in
Verbindung stehe, die in die Wege geleitet worden seien. Die Präsenzzeit habe nur
minimal gesteigert werden können. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheine die Massnahme
als nicht zielführend. In einem weiteren Zwischenbericht vom 21. März 2018 hielt die
Institution fest (IV-act. 147), die Versicherte habe das Training trotz zunehmender
Schmerzen weitergeführt. Als weitere Schritte stünden nun eine Steigerung der
Präsenzzeit auf 50 Prozent und die Durchführung von Leistungsmessungen an.
Aufgrund des instabilen körperlichen und psychischen Gesundheitszustandes der
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Versicherten sowie angesichts der geringen Präsenzzeit wurde die Massnahme Ende
April 2018 abgebrochen (vgl. IV-act. 149 und 152).
Im Juni 2018 berichtete Dr. D._ (IV-act. 155), die Versicherte habe
zwischenzeitlich auch über massive Traumatisierungen in der Kindheit, über Albträume
und über „flash backs“ berichtet. Sie sei nicht arbeitsfähig. Das habe auch das
Aufbautraining gezeigt. Das Zentrum für Labormedizin hatte in einem Bericht vom 12.
März 2018 festgehalten (IV-act. 166), die Versicherte leide an einer leichten, am
ehesten ethnisch und reaktiv bedingten benignen Neutropenie, an einer chronischen
Hbe-Antigen-negativen Hepatitis B, an diffusen Knochenschmerzen, an einer latenten
Tuberkulose, an einer prämaturen Ovarialinsuffizienz sowie an einer Adipositas Grad III.
Bezüglich der diffusen Knochen- und Muskelschmerzen (bei einer HLA B27-positiven
Spondylarthropathie) sei eine rheumatologische Standortbestimmung zu empfehlen.
Die IV-Stelle beauftragte die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Bern
beziehungsweise die ZVMB GmbH am 13. September 2018 mit einer polydisziplinären
Begutachtung der Versicherten (IV-act. 193). Die ZVMB GmbH erstattete das
Gutachten am 15. April 2019 (IV-act. 206). Die Sachverständigen hielten fest, die
Versicherte leide an einem chronischen lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom bei
einer ausgeprägten Osteochondrose, an einem chronischen cervico-spondylogenen
Schmerzsyndrom bei einer Discushernie C5/6 beidseits, an einer schweren medialen
Gonarthrose links, an einer mässigen medialen Gonarthrose rechts, an einer Arthrose
der Sprunggelenke links, an einer obstruktiven Ventilationsstörung, an einer restriktiven
Ventilationsstörung bei einer Adipositas sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – an einer Adipositas Grad III, an einer chronischen HBe-Antigen-
negativen Hepatitis B, an einer latenten Tuberkulose und an Schwierigkeiten bei der
Lebensbewältigung. Die Kriterien für die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung seien nicht erfüllt. Hinweise für eine entzündliche rheumatische
Systemerkrankung hätten nicht festgestellt werden können. In funktioneller Hinsicht
stehe die reduzierte Belastbarkeit der Wirbelsäule, der beiden Kniegelenke und der
Sprunggelenke links im Vordergrund. Auch die schwergradige Adipositas sei zu
berücksichtigen, die teilweise eine restriktive Ventilationsstörung begründe. Aus
rheumatologischer, gastro-enterologischer, allgemein-internistischer und
psychiatrischer Sicht bestünden keine Einschränkungen des Zumutbarkeitsprofils. Aus
A.d.
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orthopädischer Sicht seien nur noch körperlich sehr leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten zumutbar. Die Versicherte benötige aus orthopädischer und aus
pneumologischer Sicht zusätzliche Pausen im Rahmen von 20 Prozent eines
Vollpensums. Da die zusätzlichen Pausen jeweils sowohl den orthopädischen als auch
den pneumologischen Einschränkungen Rechnung trügen, sei die für diese
zusätzlichen Pausen benötigte Zeit nicht zu kumulieren; der gesamte zusätzliche
Pausenbedarf betrage 20 Prozent eines Vollpensums. Der RAD-Arzt Dr. med. E._
qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 207).
Mit einem Vorbescheid vom 13. Mai 2019 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
an, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 211). Dagegen liess die Versicherte am 19. August
2019 einwenden (IV-act. 223), es bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwischen der
Beurteilung der ZVMB GmbH und dem Ergebnis des Belastbarkeitstrainings. Beim
Training habe die Versicherte durchwegs motiviert mitgearbeitet und versucht, das
Pensum zu steigern. Ihre Arbeitsleistung sei aber objektiv gering gewesen, wobei
eindeutig die fehlende Kraft als Hauptursache qualifiziert worden sei. Die
Sachverständigen der ZVMB GmbH hätten vielfältige Gesundheitsbeeinträchtigungen
festgestellt. Dass sie trotzdem eine weitgehend uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
attestiert hätten, lasse sich nur damit erklären, dass sie nicht an eine Tätigkeit im ersten
Arbeitsmarkt gedacht hätten. Realistischerweise sei die Versicherte denn auch effektiv
nicht in der Lage, eine Arbeitsstelle in der freien Wirtschaft zu finden, die allen
Adaptionskriterien entspreche. Nicht nachvollziehbar sei, weshalb die – trotz
Behandlung und Operation weiter bestehende – schwergradige Adipositas keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben sollte, schränke sie doch die Leistungsfähigkeit
der Versicherten massgeblich ein. Der neu behandelnde Rheumatologe Dr. med. F._
habe Entzündungswerte festgestellt. In einem Bericht vom 22. Juli 2019 hatte Dr. F._
festgehalten (IV-act. 229), seines Erachtens liege ein Mischbild von primär
degenerativen Veränderungen aufgrund auch der Fehlbelastung über viele Jahrzehnte
und der entzündlichen pathologischen Grunderkrankung im Sinne der sekundären
Veränderungen vor. Inwieweit die Tuberkulose insbesondere an den Kniegelenken eine
besondere Rolle spiele, müsste noch reevaluiert werden. Der RAD-Arzt Dr. E._
notierte am 27. September 2019 (IV-act. 230–1 f.), die von der behandelnden
A.e.
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Psychiaterin Dr. D._ diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung sei vom
Sachverständigen der ZVMB GmbH schlüssig widerlegt worden. Im Rahmen der
psychiatrischen Begutachtung habe der Sachverständige auch keine objektiven
Hinweise auf eine relevante depressive Erkrankung feststellen können. Er habe
überzeugend dargelegt, dass aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit attestiert werden könne. Aus der nachträglichen Eingabe von Dr. D._
ergäben sich keine Hinweise auf medizinische Tatsachen, die dem Sachverständigen
der ZVMB GmbH nicht bekannt gewesen wären. Der RAD-Arzt Dr. med. G._ notierte
am 30. September 2019 (IV-act. 230–2 ff.), aus rheumatologischer Sicht sei eine
Spondylarthropathie weder in der Vergangenheit noch aktuell nachgewiesen worden.
Auch eine andere Erkrankung aus dem entzündlich-rheumatologischen Formenkreis sei
nicht objektiviert worden. Bezüglich der pessimistischen Prognose der Institution, die
die Integrationsmassnahmen durchgeführt habe, sei auf die aktenmässig
dokumentierten Inkonsistenzen hinzuweisen: Die Einnahme der angegebenen
Analgetika habe bei der Medikamentenspiegelbestimmung nicht bestätigt werden
können und die hochskaliert angegebenen Schmerzausprägungen seien im klinischen
Eindruck nicht nachweisbar gewesen. Aus rein gastroenterologisch-hepatologischer
Sicht sei eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Die Sachverständigen
der ZVMB GmbH hätten auch überzeugend dargelegt, dass sich die beginnende
Arthrose in den Händen derzeit nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke, weil keine
entsprechenden objektiven Befunde respektive Funktionsstörungen hätten festgestellt
werden können. Zu den Auswirkungen der Adipositas auf die Arbeitsfähigkeit hätten
die Sachverständigen eingehend und überzeugend Stellung genommen. Die Tatsache,
dass der behandelnde Arzt die Kniegelenksbeschwerden als invalidisierend bezeichnet
habe, sei auf den Umstand zurückzuführen, dass der behandelnde Arzt offensichtlich
nicht wisse, was „invalidisierend“ versicherungsmedizinisch bedeute. Die
Sachverständigen der ZVMB GmbH hätten sich eingehend mit den Kniebeschwerden
beschäftigt. Der behandelnde Arzt habe auf keine neuen medizinischen Tatsachen
hingewiesen. Zusammenfassend bestehe kein Anlass, vom Gutachten der ZVMB
GmbH abzuweichen. Mit einer Verfügung vom 24. Oktober 2019 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act.
231).
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B.

Erwägungen
Am 27. November 2019 liess die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 24. Oktober 2019
erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab dem 1. Januar 2018 und
eventualiter die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) zur weiteren Sachverhaltsabklärung, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung führte sie aus, das Gutachten der ZVMB GmbH
überzeuge nicht, da die Sachverständigen „ganz erhebliche Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit“ gestellt, aber trotzdem einen Arbeitsfähigkeitsgrad von 80
Prozent attestiert hätten. Die Beschwerdeführerin habe im Belastungstraining ihr
Bestes gegeben, aber das Training habe letztlich trotzdem abgebrochen werden
müsse, was zeige, dass die Beschwerdeführerin effektiv nicht mehr als von der
entsprechenden Institution attestiert leisten könne. Auch diese Tatsache spreche
gegen die Überzeugungskraft des Gutachtens. Angesichts der von den
Sachverständigen umschriebenen Adaptionskriterien komme nur noch eine
Arbeitsstelle im zweiten Arbeitsmarkt in Frage.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. Januar 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der ZVMB GmbH
sei in jeder Hinsicht überzeugend. Die notwendigen Angaben für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung müssten von Medizinern, nicht von
Eingliederungsfachleuten geliefert werden. Auf dem allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt gebe es Stellen, die sämtliche Adaptionskriterien erfüllten. Die
Ausführungen der behandelnden Ärzte hätten keine Zweifel an der Überzeugungskraft
des Gutachtens geweckt.
B.b.
Am 31. Januar 2020 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Prozessführung bewilligt (act. G 6).
B.c.
Die Beschwerdeführerin liess am 27. Mai 2020 an ihren Anträgen festhalten (act. G
15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 17).
B.d.
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1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Mit der angefochtenen Verfügung hat die
Beschwerdegegnerin ein Verfahren abgeschlossen, dessen Inhalt sich auf die Prüfung
eines Rentenbegehrens der Beschwerdeführerin beschränkt hatte. Auch in diesem
Beschwerdeverfahren ist folglich nur zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin einen
Rentenanspruch gehabt hat. Dabei ist die verfahrensrechtliche Besonderheit zu
berücksichtigen, dass sich die Beschwerdeführerin zweimal zum Rentenbezug
angemeldet hat, nämlich im November 2014 und im April 2017 (Früherfassung)
beziehungsweise im Juni 2017 (Anmeldung zum Rentenbezug). Bei der zweiten
Anmeldung vom April 2017 hat es sich allerdings nicht um eine „gewöhnliche“
Wiederanmeldung im Sinne des Art. 87 Abs. 3 IVV gehandelt, denn die Meldung zur
Früherfassung ist noch während der laufenden Rechtsmittelfrist betreffend die
Abweisung des ersten Rentenbegehrens erfolgt. Das Bundesgericht vertritt die
Auffassung, dass jede Eingabe, die eine versicherte Person während einer laufenden
Rechtsmittelfrist an irgendeine Instanz richte, die mit der Anwendung von
Sozialversicherungsrecht befasst sein könnte, als eine Beschwerde zu qualifizieren sei,
sofern sie eine Nichteinverständniserklärung enthalte (vgl. das Urteil 9C_211/2015 vom
21. September 2015). Mit ihrer Meldung zur Früherfassung vom 6. April 2017 hat die
Beschwerdeführerin unmissverständlich ihr Nichteinverständnis mit der das erste
Rentenbegehren abweisenden Verfügung vom 6. März 2017 erklärt. Diese Meldung
kann nämlich nicht anders als so interpretiert werden, dass die Beschwerdeführerin
überzeugt gewesen ist, sie sei – entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin – in
einem rentenbegründenden Ausmass invalid. Weder der Umstand, dass diese
Nichteinverständniserklärung als eine Meldung zur Früherfassung „verkleidet“ gewesen
ist, noch die Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin an die Beschwerdegegnerin
statt an das Versicherungsgericht gewendet hat, steht nach der oben erwähnten
bundesgerichtlichen Auffassung der Auslegung der Eingabe vom 6. April 2017 als
Beschwerde entgegen. Die Beschwerdegegnerin hätte die Eingabe deshalb
grundsätzlich an das Versicherungsgericht weiterleiten müssen. Gemäss dem Art. 53
Abs. 3 ATSG ist es allerdings bis zur Einreichung der Beschwerdeantwort zulässig
gewesen, die Verfügung vom 6. März 2017 zu widerrufen und das
Verwaltungsverfahren fortzusetzen; das Beschwerdeverfahren wäre in der Folge als
gegenstandslos abgeschrieben worden. Die Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin
nach der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 6. April 2017 das Verwaltungsverfahren
fortgesetzt und weitere Abklärungen bezüglich eines allfälligen Rentenanspruchs der
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Beschwerdeführerin getätigt hat, kann nicht anders als ein – formwidrig nicht als
Verfügung eröffneter – Widerruf der Verfügung vom 6. März 2017 im Sinne des Art. 53
Abs. 3 ATSG qualifiziert werden. Das mit der hier angefochtenen Verfügung
abgeschlossene Verwaltungsverfahren hat also nicht einen allfälligen Rentenanspruch
ab Oktober 2017, sondern einen allfälligen Rentenanspruch ab Mai 2015 (sechs
Monate nach der Anmeldung vom November 2014; vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) zum
Gegenstand gehabt. Das mangels Weiterleitung der Beschwerde vom 6. April 2017
damals noch nicht eröffnete Beschwerdeverfahren ist deshalb zufolge einer
Gegenstandslosigkeit nach dem Widerruf der angefochtenen Verfügung
abzuschreiben.
2.
Gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person einen Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
kann, wenn sie während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach
dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der
Invalidität wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger beruflicher Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
gesund geblieben wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.1.
Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert. Vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung ist sie als Hilfsarbeiterin tätig gewesen. Auf dem mass
gebenden allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt hätte sie folglich ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung ein dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterinnenlöhne entsprechendes Erwerbseinkommen erzielen können. Der
Umstand, dass sie auf dem invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten tatsächlichen
Arbeitsmarkt ein leicht tieferes Erwerbseinkommen erzielt hat, spielt keine Rolle, da
dies nicht auf eine unterdurchschnittliche Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin,
sondern auf Zwänge des tatsächlichen Arbeitsmarktes zurückzuführen ist, die im
Rahmen der Invaliditätsbemessung aber ausgeklammert werden müssen.
2.2.
Für die Beantwortung der Frage, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin in
welchem Umfang zumutbar sind, ist ausschlaggebend, welche Belastungen die
2.3.
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Beschwerdeführerin aus medizinisch-theoretischer Sicht trotz ihrer
Gesundheitsbeeinträchtigung tolerieren kann. Die strikt versicherungsmedizinische
Beurteilung fällt in aller Regel „strenger“ als die Beurteilung von behandelnden Ärzten
aus, weil sie sich nicht am therapeutischen Zweck, sondern daran bemisst, was die
versicherte Person aus medizinischer Sicht objektiv maximal zu leisten imstande ist.
Sie fällt oft auch „strenger“ als jene einer Institution aus, die eine Integrations- oder
Eingliederungsmassnahme durchführt, da die Eingliederungsverantwortlichen mangels
medizinischen Fachwissens nicht in der Lage sind zu beurteilen, welche Belastungen
die versicherte Person maximal tolerieren könnte, ohne dass ihre Gesundheit dadurch
weiter beeinträchtigt würde, und da ihre Aufgabe (wie jene der behandelnden Ärzte) in
erster Linie darin besteht, die versicherte Person bestmöglich zur Arbeit zu motivieren,
wobei die Frage nach dem Beschäftigungsgrad und der Arbeitsleistung nur eine
untergeordnete Rolle spielt. Dass die Beschwerdeführerin gemäss den Berichten zum
Belastbarkeits- und Aufbautraining offensichtlich motiviert und bestrebt gewesen ist,
ihr Bestes zu geben, bedeutet nicht zwingend, dass sie den maximalen zumutbaren
Einsatz geleistet hätte. Erfahrungsgemäss trauen sich längerfristig kranke Versicherte
nämlich oft (deutlich) weniger zu, als sie effektiv leisten könnten. Aus diesem Grund
spiegeln die Berichte zum Belastbarkeits- und Aufbautraining zu einem wesentlichen
Teil nur wider, was die Beschwerdeführerin subjektiv als zumutbar erachtet hat. De
facto zeigt bereits die Formulierung der Berichte eindeutig, dass diese Berichte nichts
weiter als die Selbstdarstellung der Beschwerdeführerin wiedergeben. Sie bilden
deshalb keine ausreichend objektive Grundlage für die Invaliditätsbemessung. Anders
verhält es sich mit dem Gutachten der ZVMB GmbH. Die Sachverständigen haben
zwar einerseits auch die subjektive Sicht der Beschwerdeführerin eingehend erfragt,
aber sie haben andererseits auch anhand von fachärztlichen Untersuchungen einen
objektiven klinischen Befund erhoben, der es ihnen erlaubt hat, völlig objektive – von
der subjektiven Sicht der Beschwerdeführerin losgelöste – Schlussfolgerungen
hinsichtlich der Diagnosen und der Arbeitsfähigkeitsschätzung zu ziehen. Diese strikt
objektive Sichtweise respektive Herleitung der Arbeitsfähigkeitsschätzung fehlt in den
Berichten der behandelnden Ärzte und in den Berichten der Institution, an der die
Beschwerdeführerin das Belastbarkeits- und das Aufbautraining absolviert hat. Die
Sachverständigen der ZVMB GmbH haben die Beschwerdeführerin umfassend
persönlich untersucht und sie haben die medizinischen Vorakten eingehend gewürdigt.
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie einen wesentlichen medizinischen Aspekt
übersehen haben könnten. Sie haben ihre Diagnosen und ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung anhand des massgebenden objektiven klinischen Befundes
überzeugend hergeleitet. Wo sie der Auffassung der behandelnden Ärzte nicht gefolgt
sind, haben sie die Abweichung ausführlich und fundiert begründet. Entgegen der
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Ansicht der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin enthält das Gutachten keine
Widersprüche. Der Umstand, dass die Sachverständigen vielfältige
Gesundheitsbeeinträchtigungen diagnostiziert haben, bedeutet nicht unweigerlich,
dass auch die Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigt sein müsste. Die Sachverständigen
haben überzeugend aufgezeigt, dass die Beschwerdeführerin für Tätigkeiten, die nur
geringe körperliche Belastungen mit sich bringen, fast uneingeschränkt arbeitsfähig ist,
da ihre Gesundheitsbeeinträchtigungen zwar das Spektrum der zumutbaren Tätigkeiten
stark einschränken, sich in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit aber nur in einem
vermehrten Pausenbedarf bemerkbar machen. Auch die Berichte der behandelnden
Ärzte enthalten keine Hinweise, die Zweifel an der Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Sachverständigen der ZVMB GmbH wecken würden. Insbesondere fehlt in den
Berichten von Dr. F._ ein Hinweis auf eine relevante Sachverhaltsveränderung nach
der Begutachtung in Bezug auf die den Sachverständigen bekannte und von diesen
gewürdigte Tuberkulose. Die RAD-Ärzte Dres. E._ und G._ haben in ihren
Stellungnahmen vom September 2019 eingehend und überzeugend aufgezeigt, dass
die Einwände der behandelnden Ärzte gegen das Gutachten der ZVMB GmbH nicht
geeignet gewesen sind, Zweifel an der Beurteilung der Sachverständigen zu wecken.
Die von der behandelnden Psychiaterin Dr. D._ diagnostizierte posttraumatische
Belastungsstörung hat ebenso wenig wie die von Dr. D._ diagnostizierte depressive
Störung objektiv nachgewiesen werden können. Die vom psychiatrischen
Sachverständigen der ZVMB GmbH erhobenen objektiven klinischen Befunde haben
im Gegenteil für gute psychische Ressourcen gesprochen. In somatischer Hinsicht sind
verschiedene Inkonsistenzen aufgefallen, die die Sachverständigen der ZVMB GmbH –
anders als die behandelnden Ärzte – bei ihrer Würdigung berücksichtigt haben. Eine
entzündlich-rheumatische Erkrankung hat nicht objektiviert werden können. Die
Sachverständigen der ZVMB GmbH haben sich eingehend mit den Auswirkungen der
Adipositas und der Kniebeschwerden auf die Arbeitsfähigkeit auseinander gesetzt,
während der behandelnde Arzt ohne jede Begründung pauschal behauptet hat, die
Beschwerden seien „invalidisierend“, was nicht überzeugt. Dem Gutachten der ZVMB
GmbH lässt sich auch eine ausführliche und überzeugende Begründung dafür
entnehmen, weshalb sie die Arthrose in den Händen als nicht relevant für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung für leidensadaptierte Tätigkeiten qualifiziert haben.
Zusammenfassend ist deshalb gestützt auf das Gutachten der ZVMB GmbH mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die
Beschwerdeführerin für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80 Prozent arbeitsfähig
gewesen ist.
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Bleibt die Frage nach der Verwertbarkeit dieser Arbeitsfähigkeit zu beantworten.
Die Beschwerdeführerin hat sich auf den Standpunkt gestellt, die Anforderungen an
eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit seien so hoch, dass sich die Arbeitsfähigkeit
realistischerweise nur noch in einem geschützten Rahmen verwerten lasse. Diese
Argumentation überzeugt nicht, denn die Anforderungen, denen eine ideal
leidensadaptierte Tätigkeit zu genügen hat, beziehen sich nur auf körperliche
Belastungen und sie sind nicht so stark ausgeprägt, dass eine Verwertbarkeit auf dem
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt als unrealistisch erscheinen würde. Der
allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt zeichnet sich nicht nur durch ein
Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage bezüglich Arbeitsstellen, sondern auch
durch einen breiten Fächer von Tätigkeiten aus, was bedeutet, dass er auch körperlich
sehr leichte, wechselbelastende Tätigkeiten in ausreichender Zahl bereithält, sodass
die Beschwerdeführerin die attestierte Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (fiktiv) verwerten kann.
2.4.
Da kein statistischer Nachweis dafür existiert, dass körperlich leichte Hilfsarbeiten
schlechter als körperlich anstrengende Hilfsarbeiten entlöhnt würden, entspricht der
Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens dem
statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne und damit dem
Valideneinkommen. Der Betrag kann bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
mathematisch keine Rolle spielen. Der Invaliditätsgrad ist folglich anhand eines
sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen, das heisst er entspricht dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, der allenfalls um einen dem sogenannten Tabellenlohnabzug
analogen Abzug zu korrigieren ist. Ein solcher Abzug ist vorzunehmen, wenn eine
versicherte Person mit einer Gesundheitsbeeinträchtigung die ihr aus medizinischer
Sicht zumutbare Restarbeitsfähigkeit wegen ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung nicht
mit demselben betriebswirtschaftlich-ökonomischen Erfolg wie eine gesunde Person
verwerten kann, die dieselbe Tätigkeit im selben Pensum ausübt. Das ist auf die
Tatsache zurückzuführen, dass jeder sich strikt betriebswirtschaftlich verhaltende
Arbeitgeber aus der Anstellung eines Arbeitnehmers einen möglichst hohen „Gewinn“
erzielen muss. Dieser „Gewinn“ entspricht der Differenz zwischen dem ökonomischen
Mehrwert, den der Arbeitnehmer für den Arbeitgeber generiert, und den Kosten, die
dem Arbeitgeber durch die Beschäftigung eines Arbeitnehmers entstehen, nämlich den
Lohn- und Lohnnebenkosten sowie den indirekten Kosten. Diese indirekten Kosten
umfassen unter anderem die Kosten für die Einarbeitung und die Überwachung des
Arbeitnehmers, aber auch jene Kosten, die anfallen, wenn der Arbeitnehmer
krankheitsbedingt nicht zur Arbeit erscheint oder wenn er seine Arbeit nicht konstant
zuverlässig verrichtet. Bei krankheitsbedingten Absenzen muss der Arbeitgeber
2.5.
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3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrens
aufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich der
nämlich kurzfristig für einen Ersatz sorgen, damit der Betriebsablauf möglichst
ungestört bleibt. Eine unzuverlässige oder schwankende Arbeitsleistung mindert den
Mehrwert der Arbeitsleistung, was betriebswirtschaftlich zu einer Reduktion des aus
der Anstellung resultierenden „Gewinns“ des Arbeitgebers führt. Ein sich strikt
betriebswirtschaftlich verhaltender Arbeitgeber wird nur jenen Arbeitnehmern einen
Lohn in der Höhe des dem Arbeitspensums entsprechenden Anteils des statistischen
Zentralwertes ausrichten, die (mindestens) einen durchschnittlichen „Gewinn“ für ihn
erzielen. Ist der von einem Arbeitnehmer geschaffene ökonomische Mehrwert
unterdurchschnittlich oder sind die indirekten Kosten überdurchschnittlich hoch, wird
dieser Arbeitnehmer von einem sich strikt betriebswirtschaftlich verhaltenden
Arbeitgeber nur einen diese „Gewinneinbusse“ kompensierenden tieferen Lohn
erhalten. Genau diesem rein betriebswirtschaftlichen Umstand trägt der sogenannte
Tabellenlohnabzug Rechnung. Würde den betriebswirtschaftlich-ökonomischen
Nachteilen, mit denen sich eine versicherte Person gesundheitsbedingt bei der
Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit im konkreten Einzelfall konfrontiert sieht, nicht
Rechnung getragen, würde bei der Festsetzung des Invalideneinkommens im Ergebnis
ein Soziallohnanteil berücksichtigt, was eine nicht strikt ökonomische und damit klar
gesetzwidrige Bemessung des Invaliditätsgrades zur Folge hätte. Die
Beschwerdeführerin benötigt gemäss den überzeugenden Ausführungen des
orthopädischen und des pneumologischen Sachverständigen der ZVMB GmbH
lediglich zusätzliche Pausen. Ein potentieller Arbeitgeber muss also kaum mit
überdurchschnittlich häufigen krankheitsbedingten Absenzen oder überdurchschnittlich
starken Leistungsschwankungen rechnen, die den ökonomischen Wert der
Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin massgeblich senken würden. Allerdings
würden die Arbeitsplatzkosten wegen der leichtgradig eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin nicht so gut amortisiert wie bei einem uneingeschränkt
arbeitsfähigen Arbeitnehmer. Das rechtfertigt einen zusätzlichen Abzug von fünf
Prozent. Das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen beträgt folglich 80
Prozent von 95 Prozent des statistischen Zentralwertes der Hilfsarbeiterlöhne, womit
sich im Prozentvergleich ein Invaliditätsgrad von 24 Prozent ergibt (= 100% – 95% ×
80%). Da erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent ein Anspruch auf eine Rente
der Invalidenversicherung besteht, erweist sich die angefochtene Verfügung, mit der
die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen
hat, als rechtmässig.
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unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung ist sie von der Pflicht, die Gerichtskosten zu bezahlen,
befreit. Da ihr auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat
der Staat ihrer Rechtsvertreterin eine Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des
erforderlichen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist als durchschnittlich zu qualifizieren. In einem durchschnittlich
aufwendigen IV-Rentenfall spricht das Versicherungsgericht neu eine pauschale
Parteientschädigung von 4’000 Franken zu. In einer Plenarsitzung vom 25. Mai 2021
haben die Versicherungsrichterinnen und Versicherungsrichter nämlich beschlossen,
die durchschnittlichen Ansätze für die Parteientschädigungen um 500 Franken zu
erhöhen. Aus Praktikabilitätsgründen soll diese Praxisänderung sofort auf alle hängigen
Fälle Anwendung finden. Diese Übergangsregelung führt dazu, dass die
Beschwerdegegnerin einen Nachteil erleidet, weil sie allein deswegen eine um 500
Franken höhere Parteientschädigung ausrichten muss, weil die Beschwerde erst nach
dem Plenumsbeschluss vom 25. Mai 2021 beurteilt wird. Die Beschwerdegegnerin soll
dies gemäss dem Beschluss des Richterplenums allerdings im Interesse der
Praktikabilität in Kauf nehmen müssen, weshalb die Entschädigung hier auf 80 Prozent
von 4’000 Franken, also auf 3’200 Franken, festzusetzen ist. Sollten es ihre
wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird die Beschwerdeführerin zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP
i.V.m. Art. 123 ZPO).