Decision ID: b9cf8d68-7b37-4529-bdc1-f9ada209fbb7
Year: 2019
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

2. In der Folge klärte die IV-Stelle den Sachverhalt ab und holte unter
anderem ein psychiatrisches Gutachten von Dr. med. B._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 15. Mai 2017 ein.
3. Mit Vorbescheid vom 30. Juni 2017 stellte die IV-Stelle A._ eine halbe
Invalidenrente vom 1. September 2014 bis 31. März 2015 in Aussicht. Die
IV-Stelle hielt fest, dass A._ ab Januar 2015 sowohl in seiner
bisherigen Tätigkeit als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig sei.
4. Am 17. August 2017 erhob der inzwischen anwaltlich vertretene A._
Einwand gegen den Vorbescheid. Er hielt im Wesentlichen fest, dass er am
22. Februar 2017 durch Dr. med. B._ begutachtet worden sei. Eine
psychische Krankheit könne nun allerdings kaum, ohne dass der Gutachter
den Patienten im aktuellen Stadium persönlich gesehen habe, zwei Jahre
später beurteilt werden. Das Gutachten habe keinen Beweiswert.
Abzustellen sei auf die Arztzeugnisse für die fragliche Periode, woraus
geschlossen werden müsse, dass er bis Ende Dezember 2015 eine
Arbeitsfähigkeit von 30 % gehabt habe. Somit habe er Anspruch auf eine
halbe Invalidenrente bis Ende Dezember 2015.
5. Mit Verfügung vom 12. März 2018 sprach die IV-Stelle A._ eine halbe
Invalidenrente vom 1. September 2014 bis 31. März 2015 zu. Es sei nicht
zu beanstanden, dass die IV-Stelle – neben den Beurteilungen des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) Ostschweiz vom 15. Juli 2014 und
21. Juni 2017 – weiterhin auf das Gutachten von Dr. med. B._ abstelle
und daran festhalte, dass beim Versicherten seit spätestens Januar 2015
kein Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit mehr
- 3 -
vorliege. Am Vorbescheid vom 30. Juni 2017 sei vollumfänglich
festzuhalten.
6. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Schreiben
vom 13. April 2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit den Anträgen, es seien die Verfügung der IV vom 12. März
in Bezug auf die Nichtgewährung einer IV-Rente von 50% ab 1. April bis
zum 31. Dezember 2015 aufzuheben und seine Erwerbsunfähigkeit resp.
sein IV-Grad auf 50% festzulegen und zwar ab 1. September 2014 bis
31. Dezember 2015, unter Kosten- und Entschädigungsfolge inkl. MWST.
7. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 27. April 2018 die
Abweisung der Beschwerde, unter Kostenfolge zu Lasten des
Beschwerdeführers.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die weiteren Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) vom 12. März 2018.
Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Als kantonales Versicherungsgericht ist das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden für die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde sowohl örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a
- 4 -
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Der
Beschwerdeführer ist Adressat der angefochtenen Verfügung, weshalb er
durch die angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren gerichtlicher Überprüfung hat. Er ist
demnach zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten.
2. Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer vom 1. September
2014 bis 31. März 2015 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat. Streitig
und nachfolgend zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer auch vom
1. April 2015 bis 31. Dezember 2015 eine halbe Invalidenrente
beanspruchen kann.
3.1. Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer im Sinne des Gesetzes invalid
ist. Bei erwerbstätigen Versicherten gilt als Invalidität die durch einen
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG), welche
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4
Abs. 1 IVG). Zur Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen,
wobei eine Erwerbsunfähigkeit zudem nur vorliegt, wenn sie aus objektiver
Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Keine Beeinträchtigungen
der Gesundheit stellen soziokulturelle Schwierigkeiten mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit sowie psychosoziale Faktoren dar.
Invaliditätsfremde Faktoren sind darüber hinaus auch Aggravation und
Simulation (vgl. zum Ganzen KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.,
Zürich 2015, Art. 7 Rz. 20 ff.; siehe bezüglich Aggravation und ähnlicher
Erscheinungen auch BGE 141 V 281 E.2.2.1 f. und 140 V 193 E.3.3).
- 5 -
Ein rentenbegründender Invaliditätsgrad liegt vor, wenn der Versicherte
seine Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 %
arbeitsunfähig gewesen ist und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG). Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so
steht dem Versicherten nach Ablauf von sechs Monaten nach
Geltendmachung des Anspruchs, jedoch frühestens im Monat, der auf die
Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (Art. 29 Abs. 1 IVG), bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70 % eine ganze Rente zu (Art. 28 Abs. 2
IVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das der Versicherte nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
er erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
3.2. Um beurteilen zu können, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten einem Versicherten noch eine Erwerbstätigkeit zugemutet
werden kann, sind die Verwaltung und das im Streitfall angerufene Gericht
auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls andere
Fachleute zur Verfügung stellen. Die Aufgabe des Arztes besteht darin, mit
den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung
der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf
die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Arzt seine originäre Aufgabe,
wofür die Verwaltung und das im Streitfall angerufene Gericht nicht
kompetent sind. Bei der Folgeabschätzung der erhobenen
- 6 -
gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt dem
Arzt jedoch keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr gibt
er eine Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit ab, welche er aus seiner Sicht so
substanziell wie möglich begründet. Die ärztlichen Auskünfte bilden sodann
eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen dem Versicherten konkret noch zugemutet werden
können (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, 132 V 93 E.4 und 125 V 256 E.4).
3.3. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise grundsätzlich frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (vgl. BGE 125 V
351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231
E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme
- 7 -
als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c).
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte von
behandelnden Ärzten darf und soll der Richter auch der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.3.2,
4.4 und 4.5, 125 V 351 E.3a und 3b). Sodann kommt auch den Berichten
und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V
351 E.3b, 122 V 157 E.1c). Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE
- 8 -
135 V 465 E.4.3.2 und 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_245/2011 vom
25. August 2011 E.5.3).
3.4. Bei einer psychiatrischen Exploration ist nach der Rechtsprechung zudem
zu beachten, dass diese von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei
erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater praktisch
immer einen Spielraum für verschiedene medizinisch-psychiatrische
Interpretationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern der Experte
lege artis vorgegangen ist. Daher kann es nicht angehen, eine
medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Ärzte zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder
an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_4/2015 vom 5. Mai 2015 E.3.2).
3.5. In BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den
Voraussetzungen, unter denen anhaltende somatoforme
Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden eine
rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend
überdacht und teilweise geändert (vgl. BGE 142 V 106 E.3.1). Zuvor
begründeten psychosomatische Beschwerdebilder, mithin pathogenetisch-
ätiologisch unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare
organische Grundlage als solche noch keine Invalidität, sondern es galt die
Vermutung, dass psychosomatische Beschwerdebilder respektive deren
Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien. Die
Unzumutbarkeit der willentlichen Schmerzüberwindung und des
Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess war nur in Ausnahmefällen
anzunehmen, wenn verschiedene Voraussetzungen, die sogenannten
Foerster-Kriterien, erfüllt waren (vgl. BGE 130 V 352 E.2.2.3). Mit BGE 141
V 281 hat das Bundesgericht nun anstelle des bis dahin geltenden
Regel/Ausnahme-Modells einen strukturierten, normativen Prüfraster
eingeführt. Demnach liegt Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 2
- 9 -
ATSG nur vor, wenn mittels objektivierbarer Indikatoren nachgewiesen
werden kann, dass einer versicherten Person keine Arbeitsleistung mehr
zugemutet werden kann. Die nach wie vor nötige objektivierte
Beurteilungsgrundlage liefern die medizinischen Sachverständigen,
welche das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der betroffenen
Person anhand eines Katalogs von Indikatoren unter Berücksichtigung
leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen respektive Ressourcen anderseits
ergebnisoffen und symmetrisch zu beurteilen haben (vgl. BGE 141 V 281
E.3.6). Mit dem Entscheid BGE 143 V 418 weitete das Bundesgericht den
Anwendungsbereich des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V
281 auf sämtliche psychischen Erkrankungen aus (vgl. BGE 143 V 418 E.6
und 7). Der vom Bundesgericht entwickelte Indikatorenkatalog sieht für den
Regelfall folgendermassen aus (vgl. BGE 141 V 281 E.4.1.3): Kategorie
"Funktioneller Schweregrad" mit den Komplexen "Gesundheitsschädigung"
(Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde; Behandlungs- und
Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbiditäten), "Persönlichkeit"
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen) und "sozialer
Kontext" sowie Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
mit den Indikatoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen und behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck.
4. Die IV-Stelle geht in der angefochtenen Verfügung vom 12. März 2018
davon aus, dass der Beschwerdeführer ab Januar 2015 sowohl in seiner
bisherigen Tätigkeit als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig sei (vgl. Bf-act. 1 S. 4). Sie stützt sich dabei neben den
Beurteilungen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) Ostschweiz vom
15. Juli 2014 und 21. Juni 2017 insbesondere auf das psychiatrische
Gutachten von Dr. med. B._ vom 15. Mai 2017. Dem hält der
Beschwerdeführer entgegen, dass ihn Dr. med. B._ zwei Jahre nach
der in Frage stehenden Zeit begutachtet habe. Er habe am 15. Mai 2017
- 10 -
anhand eines umfassenden (Fleiss-) Gutachtens mit Zusammentragung
sämtlicher bei der IV-Stelle befindlichen Akten festgestellt, dass er ab
1. April 2015 keinen Anspruch auf eine IV-Rente mehr habe. Es könne
nicht sein, dass die Arbeitsfähigkeit zwei Jahre zurück nur aufgrund von
Akten festgestellt werde, weshalb das Gutachten von Dr. med. B._
nicht zur Entscheidfindung beigezogen werden könne.
Nachfolgend gilt es also den Beweiswert des von der IV-Stelle
herangezogenen Gutachtens von Dr. med. B._ zu prüfen.
5.1. Im psychiatrischen Gutachten vom 15. Mai 2017 stellte Dr. med. B._
keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt er fest:
Dysthymia (ICD-10: F 34.1)
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen Anteilen (ICD-10: Z 73.0)
Dr. med. B._ gelangte zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in
der angestammten Tätigkeit aus rein psychiatrischer Sicht zu 100 %
arbeitsfähig sei. Zwischenzeitlich habe ab August 2013 über mehrere
Monate hinweg eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden und ab
spätestens September 2014 eine solche von 50 %. Retrospektiv
betrachtet bestehe aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus
psychiatrischer Sicht seit spätestens Januar 2015 eine Arbeitsunfähigkeit
von 0 %. Auch in anderen (adaptierten) Tätigkeiten sei der
Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig. Als
ideal angepasste (adaptierte) Tätigkeiten kämen sämtliche Tätigkeiten des
freien Arbeitsmarktes in Frage, welche Männern im Alter des
Beschwerdeführers zugemutet werden könnten. Eine Tätigkeit in der freien
Wirtschaft sei möglich und eine Tätigkeit im geschützten Rahmen nicht
erforderlich (Bg-act. 91 S. 30).
- 11 -
5.1.1. Zu den gestellten Diagnosen führte Dr. med. B._ im Wesentlichen
aus, dass der Beschwerdeführer im Explorationsgespräch keine
schwerwiegenden psychiatrischen, somatischen oder psychosomatischen
Beschwerden angegeben habe. Von Beginn an seien eine Tendenz zu
Aggravation der psychischen Einschränkungen und der Wunsch nach
einer Entschädigung für die aus subjektiver Sicht des Beschwerdeführers
erlittene ungerechte Behandlung bei Erbstreitigkeiten aufgefallen (Bg-
act. 91 S. 21).
Weiter hielt Dr. med. B._ fest, dass der Beschwerdeführer und
dessen Sohn infolge der Streitigkeiten im August 2013 gekündigt und aus
dem Familienunternehmen ausgeschlossen worden seien. Daraufhin habe
der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben eine depressive
Symptomatik entwickelt. Im August 2014 sei es nach einer Anzeige seiner
Eltern bei der Polizei zu einer Hausdurchsuchung beim Beschwerdeführer
gekommen. Dieser weitere schwere Vertrauensbruch durch die Familie
habe aus Sicht des Beschwerdeführers zu einer erneuten depressiven
Krise geführt. Ab Mitte September 2014 habe der Beschwerdeführer nach
der Aktenlage trotzdem wie geplant eine berufliche Wiedereingliederung in
der von seinem Sohn inzwischen neu gegründeten Firma mit 50 %
Arbeitspensum begonnen. Obwohl im Herbst 2014 in den damaligen
Berichten der behandelnden Psychiater angekündigt worden sei, dass die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in den folgenden Monaten
schrittweise erhöht werden könne, sei dies von den behandelnden Ärzten
und Therapeuten bei gleichlautenden Beschwerden des
Beschwerdeführers nicht dementsprechend umgesetzt worden (Bg-act. 91
S. 22 f.).
Weiter hielt Dr. med. B._ in seinem Gutachten fest, dass mehrere
Berichte des Hausarztes und der behandelnden Psychiater von 2013 bis
2016 vorlägen, in denen eine diagnostische Festlegung und eine
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vorgenommen
- 12 -
worden seien. Die von den behandelnden Psychiatern diagnostizierte
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion könne
definitionsgemäss nach den Kriterien der ICD-10 im Kapitel F nur
längstens zwei Jahre gestellt werden. Trotzdem sei in den neuesten
psychiatrischen Berichten von Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, bis 2016 weiterhin die Diagnose einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion beibehalten
worden. Bei der aktuellen gutachterlich-psychiatrischen Untersuchung
Ende Februar 2017 hätten beim Exploranden allenfalls leichte psychische,
vor allem depressive Krankheitssymptome wie noch gelegentliche leichte
Stimmungsschwankungen, eine leichte Antriebsminderung, eine leicht
verminderte emotionale Belastbarkeit, eine weiterhin bestehende
Enttäuschung und auch Kränkung des Exploranden infolge des Umgangs
seiner Familie mit ihm und eine subjektiv gespürte leichte
Konzentrationsstörung und eine unspezifische Vergesslichkeit, die sich
insbesondere bei der Arbeit bemerkbar mache, festgestellt werden
können. Aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht sei diagnostisch davon
auszugehen, dass sich aus einer Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion, die ab etwa August 2013 infolge der psychosozialen
Belastungen auf dem Boden von vorbestehenden akzentuierten
Persönlichkeitszügen mit narzisstischen Anteilen entstanden sei, im
Verlauf eine Dysthymia entwickelt habe. Spätestens ab August 2015 hätte
definitionsgemäss nach den Kriterien der ICD-10 lege artis eine
Umcodierung der Diagnose zur Dysthymia erfolgen müssen (Bg-act. 91
S. 23 und S. 32).
5.1.2. Zum Indikator "Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde" des
Komplexes "Gesundheitsschädigung" in der ersten Kategorie
"Funktioneller Schweregrad" lässt sich dem Gutachten von
Dr. med. B._ entnehmen, dass beim Beschwerdeführer schon seit
längerer Zeit keine psychiatrische Störung mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit mehr vorliege. Zwar liege grundsätzlich eine relevante
- 13 -
psychiatrische Gesundheitsstörung in Form der Dysthymia vor, jedoch
könne dadurch nach IV-rechtlichen Kriterien keine Arbeitsunfähigkeit
begründet werden. Dr. med. B._ nennt verschiedene psychosoziale
Belastungsfaktoren, welche nach IV-rechtlichen Kriterien – da IV-fremd –
nicht in die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit miteinbezogen werden
könnten: Subjektives, eigenwilliges Krankheitskonzept, Status nach
Kündigung aus dem Familienbetrieb, den der Beschwerdeführer langjährig
geführt hat, dadurch massive Kränkung und Enttäuschung, inzwischen
geringer beruflicher Ehrgeiz, weiterhin massive familiäre Konflikte, die
bisher nicht gelöst werden konnten, bei Lebensalter über 55 Jahre eher
geringe Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt, inzwischen
Dekonditionierung vom regulären Arbeitsprozess, Entschädigungswunsch,
Rentenwunsch. Ausserdem hält Dr. med. B._ fest, dass beim
Beschwerdeführer bei den ausgeprägten psychosozialen
Belastungsfaktoren ein sekundärer Krankheitsgewinn, ein dysfunktionales
Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten und auch
Verdeutlichungstendenzen oder Tendenzen zu Aggravation hätten
beobachtet werden können (Bg-act. 91 S. 25 f.). Aus gutachterlicher Sicht
sei die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers, wonach er seine
Arbeitsfähigkeit als noch deutlich eingeschränkt einschätze, bei nicht
vorhandenen objektivierbaren psychiatrischen Einschränkungen so nicht
nachvollziehbar (Bg-act. 91 S. 31).
Betreffend die früheren ärztlichen Einschätzungen hielt Dr. med. B._
in seinem Gutachten fest, es sei davon auszugehen, dass die
behandelnden Ärzte aufgrund ihrer vertragsrechtlichen Vertrauensstellung
in Bezug auf ihre Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit Aussagen zu
Gunsten des Beschwerdeführers gemacht hätten. Zudem hätten sie sich in
ihrer Beurteilung überwiegend, eigentlich sogar ausschliesslich – wie aus
den Berichten zu entnehmen sei – auf die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers gestützt und die erwähnten psychosozialen
Belastungsfaktoren in die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit
- 14 -
miteinbezogen. Die vom Beschwerdeführer in den Therapiegesprächen
angegebene Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei nicht
objektiviert, sondern einfach übernommen worden (Bg-act. 91 S. 32).
5.1.3. Hinsichtlich des Indikators "Behandlungs- und Eingliederungserfolg
oder -resistenz", ebenfalls aus dem Komplex "Gesundheitsschädigung",
hielt Dr. med. B._ in seinem Gutachten fest, dass der
Beschwerdeführer nach der Aktenlage bei ambivalenter Motivation erst im
Februar 2014 eine niederfrequente psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung begonnen und in den folgenden Monaten "einige wenige
Gespräche" wahrgenommen habe. Die psychiatrische Behandlung habe er
im Oktober 2014, nachdem die behandelnde Psychiaterin ihre Praxis in
einen anderen Kanton verlegt habe, beendet. Anfang Dezember 2014
habe der Beschwerdeführer eine erneute psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung begonnen, die er im Sommer 2015
zunächst beendet und später sporadisch mit wenigen Gesprächen immer
wieder einmal für kurze Zeit aufgenommen habe. Inwieweit der
Beschwerdeführer die verordneten Psychopharmaka in dieser Zeit
regelmässig eingenommen hat, habe auch bei näherer Nachfrage nicht
geklärt werden können. Es sei aus gutachterlicher Sicht bei ambivalenter
Therapiemotivation von einer unregelmässigen Einnahme auszugehen. Bis
zum Untersuchungstermin bei Dr. med. B._ im Februar 2017 habe der
Beschwerdeführer bei weiterhin ambivalenter Therapiemotivation nur
wenige Therapiegespräche bei einer Psychologin wahrgenommen und die
von ihm aktuell angegebene Medikation nur sehr unregelmässig
eingenommen (Bg-act. 91 S. 22).
5.1.4. Zum Indikator "Komorbiditäten" aus dem Komplex
"Gesundheitsschädigung" lässt sich dem Gutachten von Dr. med. B._
entnehmen, dass neben einer Dysthymia (ICD-10: F 34.1) und
akzentuierten Persönlichkeitszügen mit narzisstischen Anteilen (ICD-10:
Z 73.0) gemäss dem Bericht von lic. phil. D._, Fachpsychologe für
- 15 -
Neuropsychologie FSP/SVNP, vom 5. April 2017 aus
neuropsychologischer Sicht allenfalls geringe Defizite hätten festgestellt
werden können (eine minimale bis leichte neuropsychologische
Hirnfunktionsstörung), die den Beschwerdeführer in der Ausübung seiner
angestammten Tätigkeit ebenso wenig wie in adaptierten Tätigkeiten
relevant einschränkten. Diese Angaben und Ergebnisse der
neuropsychologischen Untersuchung könnten aus psychiatrischer Sicht
anhand der aktuellen Befunde der psychiatrischen Untersuchung
vollständig plausibilisiert und in allen Teilen nachvollzogen werden (Bg-
act. 91 S. 33 f.).
5.1.5. Der Komplex "Persönlichkeit" aus der ersten Kategorie "Funktioneller
Schweregrad" bezieht sich auf Persönlichkeitsentwicklung und -struktur
bzw. auf grundlegende psychische Funktionen (vgl. BGE 141 V 281
E.4.3.2 m.w.H.). Dr. med. B._ hielt in seinem Gutachten fest, dass
beim Beschwerdeführer akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
insbesondere narzisstischen Anteilen vorlägen, die gegebenenfalls geringe
qualitative, nicht aber quantitative Einschränkungen der Arbeits- und
Leistungsfähigkeit bedingen könnten. Eine manifeste kombinierte
Persönlichkeitsstörung habe nicht festgestellt werden können. Ausserdem
hielt Dr. med. B._ fest, dass der Beschwerdeführer in der Freizeit über
gute und ausbaufähige persönliche Ressourcen verfüge, die er auch im
beruflichen Umfeld einsetzen könne, wenn er sich dafür entscheide (Bg-
act. 91 S. 24 und S. 26).
5.1.6. Hinsichtlich dem Komplex "Sozialer Kontext", ebenfalls aus der ersten
Kategorie "Funktioneller Schweregrad" lässt sich dem Gutachten von
Dr. med. B._ entnehmen, dass der Beschwerdeführer seit Jahren
keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern und seinen Geschwistern habe; das
Verhältnis sei zerstört (Bg-act. 91 S. 15 und S. 18). Hierzu gilt es
festzuhalten, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung soziale
Belastungen bei der Ermittlung der Auswirkungen der
- 16 -
Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert bleiben, soweit sie direkt
negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. BGE 141 V 281 E.4.3.3). Zu
berücksichtigen sind allerdings die Ressourcen, welche der soziale Kontext
bereithält. Diesbezüglich lässt sich dem Gutachten von Dr. med. B._
entnehmen, dass der Beschwerdeführer zu seinen Kindern regelmässigen
Kontakt habe und er seine eheliche Beziehung als momentan fantastisch
einschätze (Bg-act. 91 S. 16). Ausserdem hält das Gutachten fest, dass
der Beschwerdeführer nicht über wenige soziale Kontakte verfüge. So
gehe der Beschwerdeführer vormittags mit seinem Hund laufen und
schaue dann im Betrieb seines Sohnes vorbei. Um 9:30 Uhr gehe er ins
Café zum Kaffeetrinken mit Kollegen, bevor er wieder in den Betrieb seines
Sohnes gehe und arbeite. Am Nachmittag gehe er wieder mit dem Hund
spazieren und treffe viele Leute unterwegs, die auch spazieren gingen und
er unterhalte sich mit ihnen. Später treffe er sich oft wieder mit seinen
Freunden und trinke im Café ein Glas Wein. Ein- bis zweimal pro Woche
treffe er sich mit seiner Frau am Abend und sie ässen zusammen. Am
Wochenende unternähmen er und seine Frau etwas gemeinsam. Sie seien
eigentlich immer aktiv und unterwegs (Bg-act. 91 S. 18).
5.1.7. Zur Kategorie "Konsistenz" wird im Gutachten von Dr. med. B._
bezüglich des Indikators "Gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen" darauf
hingewiesen, dass Inkonsistenzen in den Angaben des Beschwerdeführers
und dem in der Untersuchung gezeigten Verhalten hätten festgestellt
werden können. In der Freizeit zeige der Beschwerdeführer ein weitgehend
unauffälliges Verhalten ohne psychische Einschränkungen. Es erscheine
aus gutachterlicher Sicht nicht nachvollziehbar, weshalb er ausschliesslich
in beruflichen Tätigkeiten psychisch eingeschränkt sein solle. Bei den vom
Beschwerdeführer angegebenen Hemmnissen, die ihn bei der Rückkehr in
den beruflichen Alltag aus seiner subjektiven Sicht behinderten, seien
ausschliesslich psychosoziale Belastungsfaktoren ausschlaggebend (Bg-
act. 91 S. 28 f.).
- 17 -
5.1.8. Zum Indikator "Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
ausgewiesener Leidensdruck" der Kategorie "Konsistenz" ist dem
Gutachten von Dr. med. B._ zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer bisher eine psychiatrische Behandlung nur zeitweilig für
erforderlich gehalten habe. Seine Einschätzung, dass seine seelischen
Einschränkungen für eine adäquate, regelmässige psychiatrische
Behandlung nicht ausreichend ausgeprägt seien, habe er im Rahmen der
Begutachtung bestätigt (Bg-act. 91 S. 31). Im Übrigen – insbesondere
hinsichtlich der Therapiemotivation des Beschwerdeführers – kann auf
Erwägung 5.1.3 vorstehend verwiesen werden.
5.2. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen 5.1 bis 5.1.8 kann festgehalten
werden, dass das psychiatrische Gutachten von Dr. med. B._ vom
15. Mai 2017 die für die Bewertung der funktionalen Auswirkungen einer
psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung massgebenden Indikatoren
gemäss BGE 141 V 281 (vgl. vorstehend E.3.5) berücksichtigt hat und
betreffend die dem Beschwerdeführer retrospektiv attestierte
Arbeitsfähigkeit von 100 % seit spätestens Januar 2015 nachvollziehbar
und schlüssig erscheint. Darüber hinaus erfüllt das Gutachten von
Dr. med. B._ auch die grundlegenden beweisrechtlichen Vorgaben an
ein medizinisches Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a,
122 V 157 E.1c m.w.H.; vgl. auch BGE 144 V 50 E.4.3). Dr. med. B._
hat das Gutachten in Kenntnis der Vorakten (Bg-act. 91 S. 2 ff.) und
aufgrund eigener Erhebungen verfasst (Bg-act. 91 S. 15 ff.). Ferner
umfasst das Gutachten sämtliche streitigen Belange, es berücksichtigt die
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Einschränkungen und setzt
sich auch mit anders lautenden Diagnosen und
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen auseinander. Dem Gutachten von
Dr. med. B._ ist somit volle Beweiskraft zuzuerkennen.
- 18 -
6. Die IV-Stelle ist gestützt auf das psychiatrische Gutachten von
Dr. med. B._ vom 15. Mai 2017 also zu Recht davon ausgegangen,
dass beim Beschwerdeführer ab Januar 2015 kein Gesundheitsschaden
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit mehr bestehe und er ab
Januar 2015 sowohl in seiner bisherigen Tätigkeit als auch in einer
angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Die vom
Beschwerdeführer gegen das Gutachten von Dr. med. B._ erhobenen
Einwände sind unbegründet. Zwar trifft es zu, dass retrospektiven
Einschätzungen betreffend die Arbeitsfähigkeit stets eine gewisse
Unsicherheit anhaftet. Dr. med. B._ legte in seinem psychiatrischen
Gutachten vom 15. Mai 2017 allerdings nachvollziehbar und schlüssig dar,
weshalb der Beschwerdeführer seit spätestens Januar 2015 zu 100 %
arbeitsfähig sei (vgl. vorstehend E.5.2). Wie die IV-Stelle in der
angefochtenen Verfügung zutreffend festhielt, war Dr. med. B._
durchaus in der Lage, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab
Januar 2015 gestützt auf das Explorationsgespräch vom 22. Februar 2017,
die Vorakten samt der neuropsychologischen Abklärung vom 5. April 2017
(Bg-act. 91 S. 1-14) und nach Auseinandersetzung mit den früheren
ärztlichen Beurteilungen (Bg-act. 91 S. 32 ff.) schlüssig und
nachvollziehbar zu beurteilen.
7.1. Zu prüfen bleibt, ob das Gutachten von Dr. med. B._ auch den
übrigen, im Recht liegenden, medizinischen Berichten standhält. Der
Beschwerdeführer macht geltend, dass er bis Ende Dezember 2015 nur
teilweise berufstätig gewesen sei. Er sei von seinem Hausarzt zu 70 %
krankgeschrieben gewesen. Zudem habe ihn die Taggeldversicherung
E._ zweimal vertrauensärztlich durch Dr. med. F._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, untersuchen lassen. Dieser habe
anlässlich der zweiten Untersuchung vom 29. Dezember 2014 festgestellt,
dass beim Beschwerdeführer Ende Dezember 2014 nicht wie erhofft eine
Besserung eingetreten sei, sondern der Beschwerdeführer
psychopathologisch sogar schlechter dran sei als bei der Voruntersuchung.
- 19 -
Weiter habe Dr. med. F._ festgehalten, dass die Arbeitsfähigkeit aus
fachpsychiatrischer Sicht deutlich eingeschränkt und der
Beschwerdeführer wahrscheinlich in der Lage sei, sich halbtags am
Arbeitsplatz aufzuhalten und maximal 30 % (im Vergleich zu gesunden
Zeiten) zu leisten. Gestützt darauf habe ihm die Taggeldversicherung
E._ bis Mitte August 2017 die vollen 720 Tage Taggelder
ausgerichtet. Ausserdem habe Dr. med. C._ am 10. November 2015
ausgeführt, dass sich der Zustand des Beschwerdeführers seit dem
1. Juli 2015 nur unwesentlich verbessert habe.
7.2. Die Einschätzungen von Dr. med. F._, Dr. med. C._ und dem
behandelnden Hausarzt Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin FMH, vermögen das Gutachten von Dr. med. B._ nicht in
Frage zu stellen. Wie bereits in Erwägung 3.1 vorstehend erwähnt, sind zur
Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Soziokulturelle
Schwierigkeiten mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sowie
psychosoziale Faktoren stellen keine Beeinträchtigungen der Gesundheit
dar (vgl. KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich 2015, Art. 7
Rz. 20 ff.). Dr. med. F._ und der behandelnde Psychiater
Dr. med. C._ stützten sich bei ihren Beurteilungen im Wesentlichen
auf die Angaben des Beschwerdeführers und berücksichtigten bei der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit psychosoziale Umstände – die
Belastung des Beschwerdeführers durch die zerrüttete familiäre Situation,
den Arbeitsplatzverlust und die Hausdurchsuchung – und damit IV-fremde
Faktoren (vgl. Bg-act. 31 S. 6, 46 S. 9 ff., 52 S. 1, 53 S. 1, 53 S. 3, 74 S. 1).
Sodann lagen den Einschätzungen von Dr. med. F._ und
Dr. med. C._ – im Gegensatz zum Gutachten von Dr. med. B._ –
keine neuropsychologischen Untersuchungen zugrunde und sie setzten
sich nicht mit dem vom Bundesgericht entwickelten Indikatorenkatalog
auseinander (vgl. BGE 141 V 281). Darüber hinaus ist Dr. med. G._
nicht Facharzt für Psychiatrie und folglich nicht dazu befähigt, den
- 20 -
psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers fachärztlich zu
beurteilen. Zudem enthalten die vom Beschwerdeführer eingereichten
Arztzeugnisse von Dr. med. G._ lediglich
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, ohne jegliche Begründung (Bf-act. 5
und 6). Auf die vom Beschwerdeführer beantragte Zeugeneinvernahme
von Dr. med. G._ kann verzichtet werden, zumal dessen
Arztzeugnisse vom 15. September 2015 und 25. Juli 2017 im Recht liegen
(Bf-act. 5 und 6). Zudem ist nicht ersichtlich und wird vom
Beschwerdeführer auch nicht dargelegt, welche entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse von einer Zeugeneinvernahme von Dr. med. G._
zu erwarten wären (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 134 I 140
E.5.3).
8. Im Ergebnis kann also festgehalten werden, dass die IV-Stelle zu Recht auf
das Gutachten von Dr. med. B._ abgestellt hat, wonach der
Beschwerdeführer seit spätestens Januar 2015 wieder zu 100 %
arbeitsfähig sei – sowohl in seiner angestammten als auch in einer
adaptierten Tätigkeit. Der Beschwerdeführer hat somit ab dem
1. April 2015 keinen Anspruch auf eine Invalidenrente mehr (vgl.
Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV;
SR 831.201]). Die angefochtene Verfügung erweist sich also als rechtens,
weshalb sie zu bestätigen und die dagegen erhobene Beschwerde
abzuweisen ist.
9. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in
Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Aufgrund des Ausganges des
vorliegenden Verfahrens rechtfertigt es sich hier, dem unterliegenden
Beschwerdeführer die Gerichtskosten von Fr. 700.-- zu überbinden. Der
- 21 -
obsiegenden IV-Stelle steht keine Parteientschädigung zu (Art. 61
lit. g ATSG e contrario).
- 22 -