Decision ID: 8c1b6ab2-60ad-56bb-b56d-ca8bba7613a6
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Lukas Bühlmann, Grossfeldstrasse 45,
7320 Sargans,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 22. November 2006 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Die B._ berichtete der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen am 4. Dezember 2006, die Versicherte habe bei ihr als Mitarbeiterin im
Nähatelier vom 10. April 2000 bis 30. September 2005 gearbeitet und im Jahr 2004 Fr.
48'835.-- verdient (IV-act. 10). Die K._ gab in ihrem Arbeitgeberbericht vom
6. Dezember 2006 an, die Versicherte arbeite seit 1. November 2005 in einem Pensum
von 50% als Näherin und verdiene Fr. 1'848.-- im Monat (IV-act. 11).
A.b Dr.med. C._ berichtete der IV-Stelle am 20. Dezember 2006, die Versichere
leide an Depression, Fibromyalgie und LWS-Syndrom und sei seit 1. Januar 2006 50%
arbeitsunfähig (IV-act. 13). In ihrem Bericht vom 23. Januar 2007 gab Dr.med. D._,
Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, an, aus
rheumatologischer Sicht bestünden keinerlei Zeichen, die eine Arbeitsunfähigkeit
begründen würden. Eine Arbeitsunfähigkeit sei psychisch begründet (IV-act. 16).
Dr.med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete am
16. Februar 2007, die Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode bei
akzentuierter Persönlichkeit mit perfektionistischen Zügen (ICD-10: Z73.1) und bei
anhaltender Belastung durch chronischen Schmerz bei Fibromyalgie seit etwa Frühjahr
2005. Seit 16. November 2006 bestünde eine Arbeitsunfähigkeit von 100%, davor habe
seit November 2005 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die gesundheitliche
Störung wirke sich aus durch Konzentrationsstörungen, starke Müdigkeit und
Erschöpftheit, mangelndes Durchhaltevermögen und verminderte Fähigkeit, in sozialen
Konfliktsituationen adäquat zu reagieren. Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten
daher nicht mehr zumutbar. Aktuell bestehe auch keine Arbeitsfähigkeit in einer
anderen Tätigkeit. Eine ergänzende medizinische Abklärung sei angezeigt (IV-act. 17).
Der neue Hausarzt der Versicherten, Dr.med. F._, Facharzt für Allgemeine Medizin
FMH, wiederholte in seinem Bericht vom 4. April 2007 die von Dr. E._ gestellten
Diagnosen und die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 18).
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A.c Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) Ostschweiz erachtete in seiner
Stellungnahme vom 6. Juni 2007 eine Begutachtung der Versicherten als angezeigt (IV-
act. 19). Am 21. April 2008 erstattete das Medizinische Gutachtenzentrum St. Gallen
(MGSG) ein polydisziplinäres Gutachten. Die Versicherte war rheumatologisch,
orthopädisch und psychiatrisch untersucht worden. Als Diagnosen mit Einschränkung
der zumutbaren Arbeitsfähigkeit gaben die Ärzte an:
- Cervikalgie mit Myogelose des Musculus trapezius beidseits
- leichtes kombiniertes femoroacerabuläres Impingement vom Cam und Pinzer Typ
mit kurzem basisnahem Einriss des Limbus acetabulare ventrosuperior links sowie
ventrosuperiore fokale Degeneration des Hüftgelenksknorpels
- Verdacht auf Limbusläsion rechts bei femoroacetabulärem Impingement
- leichte Osteochondrose der oberen Brustwirbelsäule
- Präadipositas
- mittelgradig ausgeprägtes depressives Syndrom
- Angststörung
- undifferenzierte Somatisierungsstörung, Leitsymptom Schmerz
- Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, dependenten und zwanghaften
Zügen
- Fibromyalgiesyndrom.
Die bisherige Tätigkeit als Näherin sei der Versicherten aus orthopädischer Sicht zu
75%, aus psychiatrischer Sicht zu 40% und aus rheumatologischer Sicht zu 50%
zumutbar. In adaptierten Tätigkeiten bestehe gesamthaft bei voller Stundenpräsenz
eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Dabei sollte es sich um eine körperlich leichte Tätigkeit
in temperierten Räumen handeln, die abwechslungsweise sitzend und stehend
ausgeübt werden könne, ohne dass dabei regelmässig Gegenstände über 10 kg
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gehoben oder getragen werden müssten, mit möglichst nahezu freier Zeiteinteilung und
freier Pausenwahl, bei der keine Notwendigkeit zu interpersonellem oder
Gruppenkontakt bestehe. Ein Teil der aufgeführten funktionellen Störungen scheine
gemäss dem begutachtenden Psychiater durch "zumutbare Willensanspannung"
überwindbar (IV-act. 31).
A.d Der RAD gab in seiner Stellungnahme vom 16. Juni 2008 an, das orthopädisch-
rheumatologisch-psychiatrische Gutachten könne als umfassend, konsistent und
nachvollziehbar bezeichnet werden. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
betrage 40%, in einer adaptierten Tätigkeit 50%. Die Arbeitsunfähigkeit gelte ab Ende
2006 (IV-act. 34).
A.e Auf Anfrage der IV-Stelle teilte die Versicherte am 2. Juli 2008 mit, sie sei nicht
bereit, eine leidensadaptierte Stelle anzutreten, an Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen, sich selbst zu bewerben oder sich beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) anzumelden (IV-act. 37). Der zuständige
Eingliederungsberater schloss daher wegen fehlender Bereitschaft und Motivation die
Eingliederungsbemühungen ab (IV-act. 38). Am 15. September 2008 teilte die IV-Stelle
der Versicherten den Abschluss der Arbeitsvermittlung mit (IV-act. 40).
A.f Am 27. Oktober 2008 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ausrichtung einer
halben Rente ab 1. November 2007 in Aussicht (IV-act. 45). Dagegen liess die
Versicherte am 10. Dezember 2008 einwenden, die gutachterlich attestierte
Arbeitsfähigkeit sei unter den gestellten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt nicht
umsetzbar, weshalb ihr eine ganze Rente zuzusprechen sei. Eventualiter sei ein
zusätzlicher Abzug von 25% zu gewähren und eine Dreiviertelsrente zuzusprechen (IV-
act. 49).
A.g Mit Verfügung vom 3. April 2009 sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 58% eine halbe Rente ab 1. November 2007 zu (IV-act. 60). Zu den
Einwänden der Versicherten führte sie aus, die von den Gutachtern empfohlene
adaptierte Tätigkeit existiere durchaus auf dem freien, ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Zu
denken wäre beispielsweise an eine Tätigkeit als Bürohilfe mit der Möglichkeit flexibler
Arbeitszeiten. Die Versicherte habe bereits von 1995 bis 2000 in einer Anwaltskanzlei
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als Bürohilfe gearbeitet, weshalb davon auszugehen sei, dass entsprechende
Erfahrung und Eignung für eine solche Tätigkeit mitgebracht würden. Nebst dem
Umstand, dass nur noch körperlich leichte Tätigkeiten zumutbar seien, wirke sich die
durch die freie Pausenwahl und flexible Zeiteinteilung notwendige Rücksichtnahme des
Arbeitgebers lohnmindernd aus. Gesamthaft erscheine beim vorliegenden Sachverhalt
ein Abzug von 15% vom Invalideneinkommen angemessen. In Ausübung einer
leidensangepassten Tätigkeit würde im Vergleich zur früheren Tätigkeit als Näherin eine
Erwerbseinbusse von 58% erlitten. Ab 1. November 2007 bestehe Anspruch auf eine
halbe IV-Rente (IV-act. 55).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der Versicherten vom 18. Mai
2009. Sie liess die Aufhebung der Verfügung vom 3. April 2009 und die Zusprache
einer ganzen Rente ab 1. November 2007 beantragen. Eventualiter sei rückwirkend ab
1. November 2007 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Die im Gutachten vom
31. Oktober 2007 festgestellte Arbeitsfähigkeit von 50% in einer adaptierten Tätigkeit
sei auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwertbar. Die von 1995 bis 2000
ausgeübte Tätigkeit als Bürohilfe habe insbesondere die Erledigung von
Reinigungsarbeiten und Botengängen sowie teilweise die Erledigung von
Übersetzungen in ihre Muttersprache betroffen. Für die Erledigung von qualifizierten
Büroarbeiten fehle es an der nötigen Ausbildung. Die Tätigkeit als Bürohilfe setze
üblicherweise regelmässigen Kontakt mit Vorgesetzten oder Kunden voraus. All dies
sei der Beschwerdeführerin nicht zumutbar. Sodann sei nicht anzunehmen, dass ein
Arbeitgeber der Beschwerdeführerin ganztägig einen Arbeitsplatz bei einer Leistung
von 50% zur Verfügung stellen würde. Die 50%ige Arbeitsfähigkeit sei lediglich
theoretischer Natur. Der Beschwerdeführerin sei daher eine ganze Rente
zuzusprechen. Sollte das Gericht wider Erwarten anderer Auffassung sein, sei zu
berücksichtigen, dass sich die mannigfachen Einschränkungen erheblich lohnmindernd
auswirken würden. So könne die Beschwerdeführerin trotz voller Stundenpräsenz
lediglich eine 50%ige Anstellung absolvieren, weshalb ein erheblicher Teilzeitabzug zu
gewärtigen wäre. Zudem müsse die Beschwerdeführerin unter den funktionellen
Einschränkungen und ohne die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen, eine neue
Arbeitsstelle antreten, wobei auch noch die Möglichkeit der freien Zeiteinteilung und
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Pausenwahl zu gewährleisten wäre. Insgesamt wäre ein Teilzeit- beziehungsweise
Leidensabzug von mindestens 25% auf dem Invalideneinkommen anzurechnen.
Daraus resultiere ein zumutbares Erwerbseinkommen mit Behinderung von
Fr. 19'188.75 beziehungsweise ein Invaliditätsgrad von 62.5%. Somit wäre der
Beschwerdeführerin gemäss dem gestellten Eventualantrag eine Dreiviertelsrente
zuzusprechen (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 25. Juni 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der für die
Invalidenversicherung massgebende Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarkts sei ein
theoretischer und abstrakter Begriff, der dazu diene, den Leistungsbereich der
Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen.
Grundsätzlich sei somit nicht relevant, ob eine invalide Person unter den konkreten
gegenwärtigen Arbeitsmarktbedingungen vermittelt werden könne. Bei der von den
Gutachtern beschriebenen adaptierten Tätigkeit handle es sich nicht um eine Tätigkeit,
die auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht gefunden werden könnte. Die
Einschränkungen betreffend Wechselbelastung und leichte Tätigkeit seien üblich. Die
freie Zeiteinteilung und Pausenwahl könnten, wie in der angefochtenen Verfügung
bereits berücksichtigt, durch einen Abzug von 15% vom Invalideneinkommen
angemessen abgegolten werden. Die Meidung von interpersonellem oder
Gruppenkontakt stelle keinen Grund dar, dass keine adäquate Stelle gefunden werden
könne (act. G 5).
B.c Am 25. Juni 2009 bewilligte die zuständige Verfahrensleitung das mit der
Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (act. G 7).
B.d Die Beschwerdeführerin verzichtete am 16. Juli 2009 auf eine Replik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Angefochten ist eine Verfügung, die nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 ergangen ist. Grundsätzlich sind für die Zeit bis 31. Dezember 2007 die damals
geltenden Bestimmungen und ab 1. Januar 2008 die neuen Normen der 5. IV-Revision
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anzuwenden (BGE 132 V 215 neues Fenster E. 3.1.1; vgl. auch Urteil 8C_520/2010 vom
9. Juli 2010, E. 2). Die 5. IV-Revision hat hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung
der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig
gewesenen Rechtslage gebracht. Neu normiert wurde demgegenüber der Zeitpunkt
des Rentenbeginns, der, sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen
gegeben sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG;
SR 831.20]), gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens 6 Monate nach Geltendmachung
des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) entsteht. Da ein
Rentenanspruch im vorliegenden Fall auf einen Zeitpunkt vor dem 1. Januar 2008
festzusetzen wäre (der Versicherungsfall trat spätestens im November 2006 ein und die
IV-Anmeldung erfolgte ebenfalls im November 2006), wirkt sich diese Neuerung auf
den hier zu prüfenden Fall jedoch nicht aus (vgl. Urteil 8C_373/08 des Bundesgerichts
vom 28. August 2008, E. 2.1 mit Hinweis).
2.
2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2009&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=%22124+V+94%22+antizipierte+Beweisw%FCrdigung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-V-215%3Ade&number_of_ranks=0#page215
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mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten.
2.3 Die Versicherte ist Ende 2007 und Anfang 2008 polydisziplinär durch das MGSG
abgeklärt worden. Die orthopädische Begutachtung durch Dr.med. G._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, vom
31. Oktober 2007 hat ergeben, dass die Nackenschmerzen und die abnormen
Untersuchungsbefunde der HWS bei normalem radiologischem Befund derselben
durch die Myogelose des Muskulus trapezius beidseits erklärt werden könne. Diese
Beschwerden seien in der Regel zufriedenstellend behandelbar. Ein Teil der
Beschwerden im BWS/LWS-Übergang könne eventuell durch die Osteochondrose der
oberen BWS bedingt sein. Weder die Schmerzen in den Ellbogen noch in den Fingern
könnten durch Röntgenuntersuchungen plausibilisiert werden. Die beidseitigen
Hüftbeschwerden seien erklärbar durch das im Röntgenbild sichtbare Impingement, die
konsekutive Limbusläsion als auch durch die Chondropathie (IV-act. 31-7/12 f.). Im
psychiatrischen Teilgutachten vom 18. Dezember 2007 hat Dr.med. H._, Facharzt für
Neurologie und Psychiatrie, ausgeführt, im Rahmen des mittelschweren depressiven
Syndroms seien die Stimmung, die Fähigkeit zur Freude, der Antrieb, die Ausdauer,
das Konzentrationsvermögen, die Gedächtnisfunktion, die Selbstwahrnehmung und die
Fähigkeit zu interpersonellem Kontakt beeinträchtigt. Die Fähigkeit zum sozialen
Kontakt, der Antrieb und die Ausdauer sowie kognitive Funktionen würden auch durch
die Angststörung vermindert. Gedanklich und affektiv sei die Beschwerdeführerin auf
das körperliche Beschwerdeerleben fixiert, weshalb auch eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung vorliege. In engem, teilweise ursächlichem Zusammenhang
dieser Störungen aus psychiatrischer Sicht stehe die Persönlichkeitsstruktur der
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Beschwerdeführerin mit selbstunsicheren, dependenten und zwanghaften Zügen. Ein
Teil der funktionellen Störung scheine durch "zumutbare Willensanstrengung"
überwindbar. Als Beleg dafür heranzuziehen seien Ressourcen seitens der
überdurchschnittlich hohen Intelligenz, des guten sprachlichen Ausdrucks, der primär
guten sozialen Fähigkeiten, der bisherigen Bedeutung der beruflichen Tätigkeit und
sozialen Wirksamkeit sowie die zumindest in Teilen erhaltene Alltagskompetenz (IV-act.
32-10/12 f.). Aus rheumatologischer Sicht hat Dr.med. I._, Facharzt für Innere
Medizin und Rheumatologie FMH, die Diagnose eines Fibromyalgie-Syndroms gestellt.
Klinisch hätten sich keine Hinweise für das Vorliegen einer entzündlich-rheumatischen
Grunderkrankung gezeigt (IV-act. 33-8/10).
2.4 Die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Näherin ist aus
orthopädischer Sicht als zu 75% zumutbar bezeichnet worden. Der psychiatrische
Gutachter hat eine Arbeitsfähigkeit von 40% attestiert, und gemäss dem
rheumatologischen Gutachter besteht bei einer sitzenden Tätigkeit ohne die
Möglichkeit zu gelegentlichen Kurzpausen eine allgemein verminderte körperliche
Belastbarkeit von 50%. Zusammengefasst beträgt die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit nach dieser Einschätzung höchstens 40%. In einer adaptierten Tätigkeit
besteht aus orthopädischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte
Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend
ausgeübt werden könnten und ohne dass dabei regelmässig inklinierte und reklinierte
sowie rotierte Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände über 10kg gehoben
oder getragen werden müssten. Aus psychiatrischer Sicht besteht eine Arbeitsfähigkeit
von 50% und aus rheumatologischer Sicht von 70% bei voller Stundenpräsenz, wobei
es sich um leichte wechselbelastende Tätigkeit handeln sollte und die Tätigkeiten mit
längerem Stehen an einem Ort, wiederholtem Gehen und Treppen steigen vermieden
werden sollten. Anlässlich der gemeinsamen Beurteilung wurde die Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit ab 1. November 2006 auf 50% festgelegt, wobei zusätzlich
zu den bisherigen qualitativen Einschränkungen eine möglichst freie Zeiteinteilung und
freie Pausenwahl möglich sein sollten, bei denen keine Notwendigkeit zu
interpersonellem oder Gruppenkontakt bestehe. Ein Teil der funktionellen Störung
scheine durch "zumutbare Willensanspannung" überwindbar (IV-act. 31-11/12).
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2.5 Der von Dr. E._ und Dr. F._ höheren Arbeitsunfähigkeitsschätzung ab
November 2005 liegt wohl eine andere Zumutbarkeitsbeurteilung zu Grunde. Es ist
davon auszugehen, dass sie die subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der
Beschwerdeführerin stärker in ihre Beurteilung haben einfliessen lassen, als dies bei
den begutachtenden Ärzten der Fall war. Die Gutachter haben erst ab November 2006
eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes als nachvollziehbar
bezeichnet. Das MGSG-Gutachten vom 21. April 2008 ist umfassend, beruht auf
allseitigen Untersuchungen und berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden. Es ist
in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und leuchtet in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge sowie in der Beurteilung der medizinischen Situation
ein. Die Schlussfolgerungen der Experten sind begründet (BGE 125 V 352 E. 3a). Das
Gutachten erfüllt damit die bundesrechtlichen Vorgaben an ein beweiskräftiges
Gutachten. Auf das MGSG-Gutachten kann daher vollumfänglich abgestellt werden.
3.
3.1 Strittig ist, ob die gutachterlich festgestellte Arbeitsfähigkeit von 50% in einer
leidensangepassten Tätigkeit mit den anerkannten Einschränkungen auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt umsetzbar ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht
massgeblich, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen
vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch
wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an
Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 287 E. 3b f., I 198/97). Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht
zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer
verschiedenster Tätigkeiten auf (BGE 110 V 273, E. 4b; vgl. auch BGE 134 V 64 E.
4.2.1). Das gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Der ausgeglichene
Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen
vonseiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August
2007, 9C_95/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Es darf nicht von realitätsfremden
Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere können nur Vorkehren
verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven
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Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von
Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch rechtsprechungsgemäss
keine übermässigen Anforderungen zu stellen (SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203,
9C_830/2007 E. 5.1 mit Hinweis). Von einer Arbeitsgelegenheit kann nicht mehr
gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter
Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder
sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen
Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von
vornherein als ausgeschlossen erscheint (z.B. Urteil des Bundesgerichts vom 28. April
2010, 8C_1050/2009, E. 3.3 mit Hinweisen).
3.2 Die Beschwerdeführerin ist einerseits aus somatischer und andererseits aus
psychischer Sicht in ihrer Erwerbsfähigkeit eingeschränkt. Die konkreten
Einschränkungen aus orthopädischer und rheumatologischer Sicht ermöglichen jedoch
eine wechselseitige, körperlich leichte Tätigkeit ohne Zwangshaltungen und ohne hohe
Gewichtsbelastungen. Damit wird den degenerativen Beschwerden am
Bewegungsapparat Rechnung getragen. Dies schränkt die wirtschaftliche
Verwertbarkeit des Restleistungsvermögens kaum erheblich ein (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 8. April 2009, 9C_813/2008, E. 4.3.2). Das Bundesgericht stellt
denn auch relativ hohe Hürden für die Unverwertbarkeit einer Resterwerbsfähigkeit auf
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_918/2008, E. 4.2.1 f.). Aus
somatischer Sicht ist daher von einer Umsetzbarkeit der Resterwerbsfähigkeit im
Umfang von 70% auszugehen.
3.3 Die Beschwerdeführerin ist hauptsächlich durch ihre psychischen Beschwerden
in der Verwertung ihrer Resterwerbsfähigkeit eingeschränkt. Aufgrund der
verschiedenen aus psychiatrischer Sicht vorliegenden Störungen sind der Antrieb, die
Ausdauer, das Konzentrationsvermögen, die Gedächtnisfunktion, die
Selbstwahrnehmung und die Fähigkeit zu interpersonellem Kontakt der
Beschwerdeführerin beeinträchtigt. Diese Einschränkungen wirken sich auf jegliche
Tätigkeiten aus, weshalb die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin gesamthaft um
50% eingeschränkt ist.
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3.4 Die Beschwerdeführerin hat an ihrer letzten Arbeitsstelle als Näherin bei der B._
im Jahr 2004 Fr. 48'835.-- verdient. Angepasst an die Nominallohnentwicklung bis in
das Jahr 2008 (im Jahr 2005 1.0%, 2006 1.2%, 2007 1.6% und im Jahr 2008 2%)
entspricht dies einem Valideneinkommen von Fr. 51'728.--. Da die Beschwerdeführerin
nicht mehr arbeitet, ist für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf die
Lohntabellen der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen. Gemäss
LSE 2008, Tabelle T1 (privater und öffentlicher Sektor), Niveau 4, würden Frauen bei
der durchschnittlichen betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.6 Stunden pro Woche im
Durchschnitt pro Jahr Fr. 51'368.-- verdienen. Aus gesundheitlicher Sicht ist ihr eine
ganztätige Tätigkeit mit einer Leistungseinschränkung von 50% zumutbar. Damit liegt
zwar keine Teilzeittätigkeit im eigentlichen Sinn vor. Die Beschwerdeführerin ist den
ganzen Tag am Arbeitsplatz anwesend, kann jedoch nur 50% Leistung erbringen,
sodass die Gewährung eines "Teilzeitabzugs" grundsätzlich dennoch in Frage käme.
Gemäss der Tabelle "Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert) nach Beschäftigungsgrad,
Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht, privater Sektor und
öffentlicher Sektor (Bund) zusammen" der LSE 2008 verdient eine Frau im Niveau 4 mit
einem Pensum von 50 bis 74% 4.4 % mehr, als wenn sie 100% arbeiten würde.
Entgegen dem Antrag der Beschwerdeführerin rechtfertigt sich deshalb kein
Teilzeitabzug. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Arbeit in einer möglichst freien
Zeiteinteilung und freier Pausenwahl sowie ohne Notwendigkeit zu interpersonellem
oder Gruppenkontakt ausgeübt werden sollte. Die Beschwerdeführerin wird unter
diesen Bedingungen wohl nur dann eine entsprechende Tätigkeit finden, wenn sie ihre
Arbeit zu einem unterdurchschnittlichen Lohn anbietet. Jedenfalls wird sie auf einen
sehr verständnisvollen Arbeitgeber angewiesen sein. Die Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt ist also nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg verwertbar (vgl. die Urteile des Bundesgerichts vom 8. April 2009,
9C_813/2008, E. 4.3, sowie vom 30. August 2010, 8C_602/2010). Für die Bemessung
des Invalideneinkommens erscheint der von der Beschwerdegegnerin gewährte
zusätzliche Abzug von 15% angemessen. Das Invalideneinkommen beträgt somit Fr.
21'831.-- (Fr. 51'368.-- x 0.5 x 0.85). Wird das Valideneinkommen von Fr. 51'728.--
dem Invalideneinkommen von Fr. 21'831.-- gegenübergestellt, resultiert ein
Invaliditätsgrad von 57.8%, gerundet 58%. Die Verfügung vom 3. April 2009 ist folglich
nicht zu beanstanden.
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4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in
der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge der am 11. September 2009 bewilligten
unentgeltlichen Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien. Der Staat ist
zufolge unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass dem unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20% reduziertes Honorar
zusteht (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Die Parteientschädigung
bemisst sich gemäss Art. 61 lit. g ATSG nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
als angemessen. Gekürzt um 20% beträgt sie Fr. 2'800.--. Wenn die wirtschaftlichen
Verhältnisse es gestatten, kann die Beschwerdeführerin jedoch zur Nachzahlung der
vom Staat entschädigten Gerichts- und Parteikosten verpflichtet werden (Art. 123 Abs.
1 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP