Decision ID: 81b59bbd-3629-4884-a1f6-62b7a6405e18
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1956 geborene
X._
meldete sich am 19. Mai 1993 zum Bezug von
Leistungen der
Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an (Urk. 8/1). Die
So
zialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
traf daraufhin er
werb
liche, berufliche sowie medizinische Abklärungen und sprach dem Versi
cherten
mit Verfügung vom 20. Januar 1995 (Urk. 8/34) mit Wirkung ab 1. Oktober 1993
eine auf einem Invaliditätsgrad von 50 % beruhende halbe Rente zu (Urk.
8
/34). Diese bestätigte sie in der Folge im Rahmen
jeweils
von Amtes wegen initiierter
Revisionsverfahren mit Mitteilung vom 29. Januar 1999 (Urk. 8/67)
,
Verfügung
vom 7. Februar 2003
(
Urk.
8
/79
)
und
Mitteilung vom
1
1.
August
2004
(
Urk.
8
/88)
.
Nachdem sie den Versicherten a
nlässlich des
im Jahr 2008 veran
lassten
R
evisions
verfahrens
hatte interdisziplinär begutachten lassen
(
vgl. Ex
per
tise des
Y._
vom 7. April 2009, Urk.
8
/99)
,
verfügte sie - nach Durchführung des
Vorbescheid
verfahrens
(Urk.
8
/104)
-
am 18. Dezember 2009 die Herabsetzung der halben auf eine auf einem Invaliditätsgrad von 44 % basierende
Viertelsrente
per 1. Februar 2010
(
Urk.
8/115
).
Die vom Versicherten am
13. Januar 2010
hiege
gen
erhobene Be
schwerde (Urk. 8/
116 S.
3 ff.
) wies das
hiesige Gericht mit Ur
teil vom 29. Juni 201
1
im Prozess Nr. IV.
2010.00047 (Urk. 8/126) ab. Das Bun
desgericht trat mit Urteil 9C_705/2011 vom 7. Oktober 2011 (Urk. 8/128) auf die gegen diesen Ent
scheid gerichtete Beschwerde (Urk. 8/127) nicht ein.
1.2
Anlässlich des 2011 von Amtes wegen durchgeführten Revisionsverfahrens (Urk. 8/129) traf die IV-Stelle erneut berufliche, erwerbliche sowie medizinische Abklärungen und holte am
14. Mai
2013 ein polydisziplinäres Gutachten der
MEDAS
Z._
(Urk. 8/152
) ein.
Mit Mitteilung vom 23. Mai 2013 (Urk. 8/155) gab sie dem
Versicherten
daraufhin bekannt, dass er unverändert An
spruch auf eine auf einem Invaliditätsgrad von 44 % beruhende Invaliden
rente habe.
Mit Schreiben vom 12. Juni 2013 (Urk. 8/156) ersuchte
X._
– unter Hinweis darauf, dass die IV-Stelle die von ihm eingereichten, eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes dokumentierenden Arztberichte offen
sichtlich völlig ausser Acht gelassen und ihm das Gutachte
n
der MEDAS
nicht zu
gestellt habe – um Akteneinsicht und um Erlass eines Vor
bescheids be
zieh
ungsweise um
Zusprache
einer ganzen Rente. Nachdem er Ein
sicht in die Akten
erhalten
hatte, beantragte der Versicherte am 25. Juni 2013 den Erlass einer an
fechtbaren Verfügung (Urk. 8/158). In der Folge teilte ihm die IV-Stelle mit Ver
fü
gung vom 2. Juli 2013 (Urk. 2) mit, dass er weiterhin Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
habe.
2.
Gegen diese Verfügung
(Urk. 2)
liess
X._
am
4. September 2013 mit dem
Antrag, es sei ihm eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen, Beschwerde erhe
ben (Urk. 1
S. 1). Die IV-Stelle schloss am 15. Oktober 2013 auf Abweisung der Be
schwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 7). Mit Schreiben vom 28. November 2013
(Urk. 13) teilte sie ihren Verzicht auf Stellungnahme zum vom Beschwer
de
führer am 5. November 2013 eingereichten Bericht von Dr. med.
A._
,
Fach
ärztin
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 23. Oktober 2013 mit (Urk. 10 f.). Nachdem ihr
vom Gericht
mit Verfügung vom 29. April 2014 (Urk. 16) Gelegen
heit gegeben
worden war
, sich zum vom Beschwerdeführer am 26. April 2014 eingereichten Bericht des Spitals
B._
vom 11. März 2014 zu äussern (Urk. 14 f.), ersuchte die IV-Stelle mit Schreiben vom 12. Mai 2014 (Urk. 18) –
unter
Hinweis einerseits auf eine im Verwaltungsverfahren erfolgte
schwerwie
gende Verletzung des rechtlichen Gehörs und andererseits auf die Not
wendig
keit weiterer medizinischer Abklärungen - um Rückweisung der Sache.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) hat der Versicherungsträger über Leistungen, For
de
rungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betrof
fene Per
son
nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Die Verfü
gung
en werden gemäss Art. 49 Abs. 3 ATSG mit einer Rechtsmittelbeleh
rung
versehen (Satz 1), und sie sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Par
tei
en
nicht voll entsprechen (Satz 2).
Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG
fallen, können gemäss Art. 51 Abs. 1 ATSG in einem formlosen Verfah
ren be
handelt werden, und die betroffene Person kann gemäss Art. 51 Abs. 2 ATSG den
Erlass einer Verfügung verlangen.
Gegen Verfügungen kann gemäss Art. 52 Abs. 1 ATSG innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden. Art. 52 Abs. 2 ATSG be
stimmt, dass die
Einspracheentscheide
innert angemessener Frist zu erlassen (Satz 1) und dass sie zu begründen sowie mit einer Rechtsmittelbelehrung zu ver
sehen sind (Satz 2).
1.2
In Abweichung von Art. 52 Abs. 1 ATSG teilt die IV-Stelle nach Art. 57a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) der versicherten Per
son den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Ent
zug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid
mit (Satz 1), wobei die versicherte Person Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne
von Art. 42 ATSG hat.
Die daraufhin zu erlassenden Verfügungen der kantonalen IV-Stellen sind so
dann gestützt auf Art. 69 Abs. 1
lit
. a IVG - ohne vorgängiges
Einsprachever
fahren
- direkt beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar.
1.3
Art. 58 IVG verleiht dem Bundesrat die Kompetenz anzuordnen, dass in Abwei
chung von Art. 49 Abs. 1 ATSG auch für bestimmte erhebliche Leistungen das formlose Verfahren nach Art. 51 ATSG zur Anwendung kommt.
Gestützt auf diese Delegationsnorm hat der Bundesrat in Art. 74
ter
der Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV) die Leistungen aufgezählt, die auch ohn
e Erlass einer Verfügung - und seit der Wiedereinführung des
Vorbescheid
verfahrens
auch ohne Erlass eines Vorbescheids - zugesprochen oder weiter aus
gerichtet werden können, wenn die Anspruchsvoraussetzungen offensicht
lich erfüllt sind und den Begehren der versicherten Person vollumfänglich ent
spro
chen wird. Zu diesen Leistungen gehören nach Art. 74
ter
lit
. f IVV unter an
de
rem
die Renten nach einer von Amtes wegen durchgeführten Revision, sofern dabei keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde.
Art. 74
quater
IVV bestimmt im Weiteren, dass die IV-Stelle die nach Art. 74
ter
IVV gefassten Beschlüsse der versicherten Person schriftlich mitzuteilen und sie dar
auf aufmerksam zu machen hat, dass sie den Erlass einer Verfügung verlangen kann, wenn sie mit dem Beschluss nicht einverstanden ist.
1.4
Nach Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie
nicht angehört werden müssen vor Verfügungen, die durch Einsprache an
fecht
bar
sind.
Bestandteile des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der expliziten ge
setzlichen Regelung in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs. 2 der Bundesver
fassung (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 181 E. 1a), sind das Recht der be
troffenen Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Ent
scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu be
einflussen (vgl. BGE 124 V 181 E. 1a mit Hinweisen;
Kieser
, ATSG
Kommentar, Art. 42
Rz
10 ff.).
Ein weiterer Aspekt des Anspruchs auf rechtliches Gehör bildet das Recht auf eine Begründung, welche die versicherte Person in die Lage versetzt, einen Ent
scheid sachgerecht anzufechten. Um den verfassungsrechtlichen Anforde
rungen zu genügen, muss die Begründung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt (vgl. BGE 124 181 E.
1a mit Hinweisen;
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 49
Rz
37).
1.5
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sa
che
selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Wor
ten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkre
ten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, d.h. die Be
hörde zu einer Än
derung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E.
5.1 S.
390;
127 V 431 E. 3d/
aa
S.
437).
Nach der Rechtsprechung kann eine
nicht besonders schwerwiegende
Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die be
troffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwer
de
instanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechts
lage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
S.
437). Von einer Rückweisung der Sache an die Ver
waltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Ge
hörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalisti
schen
Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der
Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförder
lichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 S.
390 mit Hinweis).
2.
2.1
Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer nach Durchführung der entsprechenden
Abklärungen am 23. Mai 2013 mit formloser Mitteilung (Urk. 8/155) beschie
den,
dass sie bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine sich auf die Rente aus
wi
rkende Änderung feststellt habe;
e
s bestehe deshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (Invaliditätsgrad: 44 %). Nachdem der Be
schwerde
führer mit Schreiben vom 12. Juni 2013
(Urk. 8/156)
– unter Hinweis darauf
, dass
der
Entscheid
ungenügend begründet und ihm
das Gutachten der
MEDAS
Z._
nicht zugestellt worden sei
– um
Akteneinsicht,
Gelegenheit zur Stellung
nahme
und Erlass eines Vorbescheids
(
„
nicht Verfügung
“
) ersucht hatte,
erliess die Bes
chwerdegegnerin am 2. Juli 2013 die angefochtene Verfügung (Urk. 2),
ohne vorgängig ein
Vorbescheidverfahren
durchgeführt zu haben
.
2.2
Zwar kann ein von Amtes wegen durchgeführtes
Renten
revisionsverfahren
, so
fern im Rahmen der einschlägigen Abklärungen keine leistungsbeeinflussende Än
derung der Ver
hältnisse festgestellt wurde,
gestützt auf
Art. 74
ter
lit
. f IVV
mit einer formlosen Mitteilung
abgeschlossen werden. Die versicherte Person ist in diesem Fall
nach Art. 74
quater
Abs.
1 IVV
darauf aufmerksam zu machen, dass sie den Erlass einer Verfügung verlangen kann, wenn sie mit dem Beschluss nicht einverstanden ist
.
Dieses der Verfahrensökonomie dienende vereinfachte Verfahren
steht indes
unter dem Vorb
ehalt, dass die Anspruchsvorauss
etzungen offensichtlich erfüllt sind beziehungsweise dass den Begehren der versicherten Person vollumfäng
lich entsprochen wird (Art. 74
ter
Satz
1 IVV).
Eine formlose Mit
teilung rechtfer
tigt sich mithin in jenen Fällen, in denen die versicherte Person
aller Voraus
sicht nach
damit
vollständig einverstanden
ist
.
Vom mutmasslichen Einverständnis des Beschwerdeführers
konnte die
Be
schwer
degegnerin
vorliegend nicht ausgehen. So wies d
ieser
schon auf dem
Re
visions
-
Fragebogen (Urk. 8/129) darauf hin, dass sich sein Gesundheitszustand wesent
lich
verschlechtert habe. Mit Eingabe vom 3. Mai 2012 (Urk. 8/139) teilte er
so
da
nn
mit, dass er
derzeit nach einem operativen Eingriff gänzlich arbeitsun
fähig sei und zudem in psychiatrischer Behandlung stehe. In der Folge reichte er am 8. Mai 2012 einen (weiteren) medizinischen Bericht (Urk. 8/142) ein,
gemäss wel
chem es in den vorangehenden zwei Jahren zu einer anspruchsrelevanten Ver
schlimmerung
des Gesundheitszustandes
gekommen ist
(Urk. 8/141).
Aufgrund der geschilderten Gegebenheiten war
vorhersehbar,
dass der Be
schwer
deführer einen
seinen
Anspruch auf eine
Viertelsrente
bestätig
enden Entscheid
nicht ohne
W
eiteres
akzeptieren würde.
Da
seinem
Begehren mit der unverän
de
r
ten Ausrichtung einer
Viertelsrente
demnach nicht vollumfänglich entsprochen wurde,
war eine
Leistungszusprache
ohne Verfügung gestützt auf
Art. 74
ter
IVV
unzulässig. Korrekterweise (und zwingend) hätte die IV-Stelle das
Revisions
ver
fahren
- nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
gemäss
Art. 57a IVG - mittels einer formellen Verfügung abschliessen müssen;
dies
hat
sie zwischen
zeitlich auch selbst anerkannt (Urk. 18)
.
2.3
D
ie Sache
ist daher antragsgemäss an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie – allenfalls nach weiteren medizinischen Abklärungen (vgl. Urk.
18 S. 1
f.
) – das Verwaltungsverfahren gehörig abschliesse.
3.
3.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr. 600.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
3.2
Ausgangsgemäss ist dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in
Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
(
GSVGer
) eine Entschädigung zuzusprechen, wobei ein Betrag von Fr.
1’200
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als an
gemessen er
scheint.