Decision ID: 340360d8-dcce-4d3f-a8ee-d1b3c66a83c1
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1990,
leidet
an
Cystischer
Fibrose
(CF)
und damit
am Ge
burtsgebrechen Ziffer
459 (angeborene Störungen der Pankreasfunktion [
Muco
viscidosis
und primäre Pankreasinsuffizienz]) gemäss Anhang zur Verordnung üb
er Geburtsgebrechen (
GgV
-Anhang;
Urk.
10/4/3, 10/10/1). Nachdem sie von ihren Eltern
am
9.
März 2003
bei der Invalidenversicherung angemeldet worden war (
Urk.
10/2), erteilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, insbesondere wiederholt Kostengutsprache für medizinische Massnahmen (
Urk.
10/6, 10/22, 10/30, 10/36, 10/40, 10/47, 10/55 und 10/61).
Am 2
8.
August 2016 meldete sich die Versicherte, welche zwischenzeitlich eine Lehrausbildung zur
Coiffeuse
absolviert hatte
(
Urk.
10/
69/4)
und in dieser Funk
tion
seit August 2012
beim
Y._
,
Z._
, angestellt war (
Urk.
10/111 f.)
,
unter Hinweis auf die
Cystische
Fibrose
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/69). Die IV-Stelle zog nebst Auszügen aus dem indi
viduellen Konto
(
Urk.
10/75, 10/110 f.) diverse
Arztberichte (
Urk.
10
/70/4 f., 10/78/8 ff., 10/80 [=
10/83], 10/86/5 f. [= 10/100 und 10/109], 10/93, 10/101 ff. und 10/108) sowie einen Arbeitgeberbericht bei (
Urk.
10/112). Darüber hinaus holte sie beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine Stellungnahme ein (Urk. 10/115/6 f.).
Mit Vorbescheid vom 1
2.
April 2018 stellte sie der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
10/116), w
ogegen
jene Einwand
erhob (Urk.
10/119, 10/124). Am
8.
August 2018 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (
Urk.
10/127 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
2.
September 2018 Beschwerde mit dem Rechts
begehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei eine
Viertels
rente
der Invalidenversicherung
zuzusprechen. Im Weiteren
sei ihr die unentgelt
liche Prozessführung zu bewilligen und in der Person von Rechtsanwältin Petra Kern eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen (Urk. 1 S. 2). Zwecks Dar
legung ihrer finanziellen Verhältnisse reichte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom
2.
Oktober 2018 (
Urk.
8) weitere Unterlagen zu den Akten (
Urk.
6 und 7/1-16).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Oktober 2018 schloss die Beschwerdegeg
nerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), worüber die Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 3
1.
Oktober 2018 in Kenntnis gesetzt wurde. Gleichzeitig wurde ihr Gesuch um unentgeltliche Prozessführung bewilligt und ihr wurde Rechtsanwältin Petra Kern als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversi
cherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Ver
sicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbe
reich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG
). Nach Art. 49
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich
fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht d
arin, aus medizinischer Sicht –
ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
8.
August 2018 erwog die Beschwerdegeg
nerin zusammengefasst, dass der Beschwerdeführerin gemäss den medizinischen Abklärungen die bisherige Tätigkeit als
Coiffeuse
seit Ablauf des Wartejahres am 3
0.
Juni 2017 weiterhin zu 60
%
zumutbar gewesen sei. Diese Tätigkeit gelte je
doch nicht als angepasst. Leidensadaptiert sei eine überwiegend in sitzender Po
sition auszuübende Tätigkeit ohne Ausdünstungen von Haarfärbemittel
n
oder an
deren Chemikalien. Eine solche sei in einem 80
%
-Pensum zumutbar.
An dieser Beurteilung sei auch nach den im
Vorbescheidverfahren
erhobenen Einwänden festzuhalten. Der neuerliche
Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 27
%
, weshalb kein Rentenanspruch bestehe
(
Urk.
2 S. 1 f.)
.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 1
2.
September 2018 im Wesentlichen geltend,
dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen sei. Sie stütze sich dabei auf die RAD-Stel
lungnahme von
dipl.
med. A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie Prävention und Gesundheitswesen, vom
9.
Februar 2017 (richtig: 2018). Auf diese könne jedoch nicht abgestellt werden, da
dipl.
med.
A._
im Gegensatz zur behan
delnden Ärztin über keinen Facharzttitel in Pneumologie verfüge. Zudem sei keine persönliche Untersuchung durch den RAD erfolgt; es handle sich um eine nicht nachvollziehbare Aktenbeurteilung.
Ausgehend von der schlüssigen Beur
teilung der behandelnden Ärztin sei eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit ausg
ewiesen
. Da die verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausgeschöpft werde und ein besonders stabiles Arbeitsverhältnis vorliege, gelte der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalideneinkommen. Folglich resul
tiere
mittels Einkommensvergleich
s
ein Invaliditätsgrad von 40
%
, weshalb An
spruch auf eine
Viertelsrente
bestehe (Urk. 1 S.
7
ff.).
3.
3.1
Dem Bericht des
B._
, Klinik für Pneumologie, vom 1
8.
Juli 2016 sind
im Wesentlichen
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
10/70/5):
-
Cystische
Fibrose
-
mit mittelschwerer CF-
Pneumopathie
-
keine Hinweise auf
endo
- oder exokrine Pankreasinsuffizienz
-
CF-assoziierte Pansinusitis
-
CF-assoziierte Osteopathie mit
Osteopenie
-
Sleep
Related
Rhythmic
Movement
Disorder
(«Body
rocking
»)
-
Verdacht auf intermediäre
Lactase
-Aktivität
-
unklare rezidivierende akute Urtikaria
Es handle sich bei der
Cystischen
Fibrose
um eine chronisch-progrediente Erkran
kung ohne kurative Aussicht. Aufgrund der lungenfunktionellen Einschränkung bestehe bei der Beschwerdeführerin eine medizinisch-theoretische Ateminvalidi
tät von ungefähr 60
%
, welche unabhängig von der ausgeübten Tätigkeit sei. Die motivierte Beschwerdeführerin möchte gerne in ihrem angestammten Beruf als
Coiffeuse
in einem Pensum von 60
%
weiterarbeiten, was aufgrund der Gesamt
situation medizinisch vertretbar erscheine. Von dieser Arbeitsfähigkeit sei aktuell bis auf Weiteres auszugehen (
Urk.
10/70/5).
3.2
Vom 3
0.
Dezember 2016 bis
4.
Januar 2017 war die Beschwerdeführerin zwecks Durchführung einer
Spheno-Ethmoidektomie
beidseits mit Durchtrennen eines kurzen Zungenbändchens im
B._
hospitalisiert. Der intraoperative Verlauf habe sich gemäss Austrittsbericht vom
5.
Januar 2017 komplikationslos gestaltet. Post
operativ habe die Beschwerdeführerin am Operationsabend über ein brennendes Auge links sowie Epiphora geklagt. Bei diagnostizierter postoperativer
cornealer
Erosion sei eine entsprechende Augentherapie erfolgt, sodass die Beschwerdefüh
rerin am Folgetag in rechtem Allgemeinzustand habe nach Hause entlassen wer
den können. Vom 3
0.
Dezember 2016 bis 1
5.
Januar 2017 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (
Urk.
10/78/8 f.).
3.3
Vom 2
1.
August bis
1.
September 2017 befand sich die Beschwerdeführerin in der
C._
in stationärer Behandlung. Gemäss Bericht vom 6. Dezember 2017 sei die Zuweisung durch das
B._
bei verminderter
Therapie
adherence
mit schleichender pulmonaler Verschlechterung zur intravenösen An
tibiotikatherapie und Intensivierung der Physio- und Sporttherapie
erfolgt
(
Urk.
10/93/1). Subjektiv habe die Beschwerdeführerin von den durchgeführten Therapien gut profitieren können. Der Husten und die
Sputummenge
hätten sich im Verlauf gebessert. In der Spirometrie habe eine leichte
B
esserung des forcierten exspiratorischen Volumens (FEV1) auf 52
%
erzielt werden können. Im 6-Minu
ten-Gehtest habe die subjektiv
ge
besserte körperliche Leistungsfähigkeit hinge
gen nicht objektiviert werden können (Urk. 10/93/6).
3.4
Nachdem sie bereits mit Bericht vom 1
8.
Juli 2017 ein Arbeitspensum von 60
%
für die angestammte Tätigkeit
als
Coiffeuse
als
r
ealistisch erachtet hatte (Urk.
10/86/6), hielt
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Pneumologie,
Oberärztin der Klinik für Pneumologie des
B._
,
mit Verlaufsbericht vom 2
6.
Januar 2018 an dieser Einschätzung fest. Grundsätzlich habe sich die gesundheitliche Situation seit Juli 2017 nicht verändert. Die Ar
beitsunfähigkeit von 40
%
gelte seit Juli 2016 unabhängig von der ausgeführten Tätigkeit. Da es sich bei der
Cystischen
Fibrose
um eine fortschreitende Erkran
kung handle, könne es jederzeit zu einer weiteren Verschlechterung der Lungen
funktion kommen. Im letzten Jahr sei diese stabil geblieben; eine individuelle Prognose für den weiteren Verlauf könne jedoch nicht abgegeben werden. Das aktuelle Arbeitspensum von 60
%
sei realistisch und eine Umschulung sei nicht angezeigt (
Urk.
10/108).
3.5
Der RAD-Stellungnahme von
dipl.
med.
A._
vom
9.
Februar 2017 (rich
tig:
2018) ist folgende Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
10/115/6):
-
Cystische
Fibrose
mit
-
mittelschwerer CF-assoziierter
Pneumopathie
-
chronischer pulmonaler Infektion / Besiedlung mit Problemkeimen
-
Pankreasinsuffizienz
-
CF-assoziierter Glukosetoleranzstörung
-
CF-assoziierter Pansinusitis
-
CF-assoziierter Osteopathie mit
Osteopenie
Bezüglich folgender Diagnosen verneinte
dipl.
med.
A._
einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
-
rezidivierende Urtikaria
-
intermediäre Laktase-Aktivität
-
Sleep
Related
Rhythmic
Movement
D
isorder
Sie führte aus, d
ie Beschwerdeführerin leide
an
einer
Cystischen
Fibrose
, einer angeborenen Erkrankung mit zunehmender Verschlechterung der Lungenfunk
tion und einer Mitbeteiligung der Bauchspeicheldrüse. Der Ansicht der behan
delnden Ärzte, wonach sowohl für die angestammte Tätigkeit als
Coiffeuse
als auch für leidensangepasste Tätigkeiten eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege, könne aus versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht nicht gefolgt werden. Bei der Tätigkeit als
Coiffeuse
handle es sich um eine leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeit, welche überwiegend im Stehen verrichtet werde. Sehr nach
teilig sei das Einatmen von Aerosolen (
etwa
Haarspray). Ausserdem sei die Be
schwerdeführerin Substanzen in der Umgebungsluft ausgesetzt, welche selbst bei gesunden Personen die Atemwege reizen würden (Ausdünstungen von Haarfär
bemitteln und Chemikalien zur dauerhaften Umformung des Kopfhaars). Unter Ausschaltung dieser Noxen und bei Verrichtung einer leichten, überwiegend in sitzender Position auszuübenden Tätigkeit sei aus versicherungsmedizinisch-the
oretischer
Sicht von einer höheren Belastbarkeit auszugehen als in der ange
stammten Tätigkeit. Da jedoch auch dann mit wiederholten
Krankheitsp
hasen
sowie
einer zumindest vorübergehenden
höhergradigen
Arbeitsunfähigkeit zu rechnen und die Belastbarkeit gegenüber gesunden Personen dauerhaft einge
schränkt sei, werde für adaptierte Tätigkeiten eine theoretische Arbeitsunfähigkeit von 20
%
angenommen. Bei der vorliegenden Erkrankung sei jederzeit mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu rechnen, welche dann durchaus auch mit einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit einhergehen könne (
Urk.
10/115/6 f
f
.).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin legte die Berichte der behandelnden Ärzte des
B._
der RAD-Ärztin
dipl.
med.
A._
vor, welche am
9.
Februar 2017 (richtig: 2018)
dazu
Stellung bezog (
Urk.
10/115/6 f.). Dabei handelt es sich um eine Aktenbe
urteilung, da die Beschwerdeführerin nicht untersucht wurde. Ihr kann trotzdem voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medi
zinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_281/2018 vom 2
5.
Juni 2018 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
Anhand der ihr zur Verfügung gestellten
Vorakten
konnte sich
dipl.
med.
A._
ein vollständiges Bild über die Anamnese, den Krankheitsverlauf sowie den gegenwärtigen gesundheitlichen Status der Beschwerdeführerin verschaffen. Vor
diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass auf eine persönliche Untersu
chung der Beschwerdeführerin verzichtet wurde.
Es ist entgegen
deren Auffas
sung
(
Urk.
1 S. 8)
nicht ersichtlich
und wird auch nicht dargetan
, welche neuen
entscheidrelevanten
medizinischen Erkenntnisse von einer solchen Untersuchung zu erwarten gewesen wären.
Dies gilt umso mehr in Anbetracht des Umstands, dass
die behandelnden Ärzte seit Juli 2016 grundsätzlich von einer unveränder
ten gesundheitlichen Situation ausgingen und stets ein Arbeitspensum von 60
%
für zumutbar erachteten (vgl.
Urk.
10/108).
Im Weiteren erweist sich die Rüge, dass
dipl.
med.
A._
im Gegensatz zu den behandelnden Ärzten über keinen Facharzttitel in Pneumologie verfüge und daher auf ihre Beurteilung nicht abge
stellt werden könne, als nicht stichhaltig.
Die RAD-Ärztin erstellte keinen Unter
suchungsbericht im Sinne von
Art.
49 Abs. 2 IVV
. Eines spezifischen Facharztti
tels bedurfte sie deshalb nicht, um den bestehenden medizinischen Sachverhalt zu würdigen (Urteil des Bundesgerichts 8C_406/2017 vom
6.
September 2017
E.
4.1
mit Hinweisen).
Davon abgesehen
bleibt anzumerken, dass
dipl.
med.
A._
unter anderem über einen
in der Schweiz anerkannten
Facharzttitel in Allgemei
ner Innerer Medizin verfügt und folglich davon ausgegangen werden kann, dass sie sich im Rahmen der Absolvierung der damit verbundenen Weiterbildung zu
mindest grundlegende Kenntnisse im Bereich Pneumologie
ange
e
ignet hat
(vgl. betreffend die Lernziele und Inhalte der Basisweiterbildung in der Schweiz und Deutschland:
https://www.siwf.ch/files/pdf16/
aim_anhang_1_d.pdf
sowie
https://www.praktischarzt.de/arzt/
f
acharztaus
-
bildung
/
weiterbildung
-innere-me
dizin/#Inhalte
).
Somit ist
die RAD-Ärztin
nicht nur
zur Beurteilung der
internis
tischen Aspekte des Leidens der Beschwerdeführerin
in der Lage
, sondern
auch
zur Beurteilung
der
pneumologischen
.
4.2
Z
u prüfen bleibt, ob die RAD-Stellungnahme
inhaltlich, das heisst
in Bezug auf die Beurteilung der medizinischen Situation sowie der Arbeitsfähigkeit überzeugt.
Sowohl zwischen den involvierten Medizinern als auch den Parteien besteht da
hingehend Einigkeit, dass
der Beschwerdeführerin die
angestammte Tätigkeit als
Coiffeuse
maximal im aktuell von ihr ausgeübten 60%-Pensum zumutbar ist (vgl.
Urk.
1 S. 8,
Urk.
2 S.
1,
Urk.
10/108
und 10
/115/6 f.).
Die Beschwerdeführerin bestreitet allerdings, dass ihr eine leidensangepasste Tätigkeit zu 80
%
zumutbar
sei
,
und verweist in diesem Zusammenhang in erster Linie auf die
Einschätzung
der behandelnden Fachärzte des
B._
,
wonach für jegliche berufliche Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
bestehe (
Urk.
1 S. 8).
Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Der Beschwerdegegnerin ist beizupflichten, dass sich die Beurteilung von
dipl.
med.
A._
als durchwegs nachvollziehbar erweist.
Die RAD-Ärztin legte einerseits überzeugend dar,
welche
Anforderungen angesichts der eingeschränkten Lungenfunktion an eine leidens
adaptierte Tätigkeit zu stellen sind. Es handelt sich dabei idealerweise um
eine leichte, überwiegend im Sitzen auszuübende Tätigkeit in einer staubarmen Um
gebung unter Ausschaltung
inhalativer
Noxen, beispielsweise um eine Bürotätig
keit.
Andererseits ist der RAD-Stellungnahme detailliert zu entnehmen, weshalb die angestammte Tätigkeit unter gewissen Gesichtspunkten nicht dem medizini
schen Belastungsprofil entspricht. So geht die Tätigkeit als
Coiffeuse
mit einer leichten bis mittelschweren körperlichen Belastung einher und wird überwiegend stehend verrichtet.
Als nachteilig wurde ausserdem der Umstand eingestuft, dass die Beschwerdeführerin Aerosolen und Substanzen in der Umgebungsluft wie beispielsweise Ausdünstungen von Haarfärbemitteln und Chemikalien zur dauer
haften Umformung des Kopfhaars ausgesetzt ist, welche die Atemwege selbst bei gesunden Personen reizen
. Vor diesem Hintergrund ist schlüssig, dass
dipl.
med.
A._
aus medizinisch-theoretischer Sicht für leidensadaptierte Tätigkeiten von einer höheren Belastbarkeit (80
%
) als für die angestammte Tätigkeit (60
%
) ausging. Bei der Festlegung der Arbeitsfähigkeit trug sie auch der Gegebenheit Rechnung, dass selbst bei Ausübung einer angepassten Tätigkeit mit wiederholten
Krankheitsphasen
und einer zumindest vorübergehend
höhergradigen
Arbeitsun
fähigkeit zu rechnen ist. Darüber hinaus berücksichtigte sie, dass die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin gegenüber gesunden Personen dauerhaft eingeschränkt ist (
Urk.
10/115/6 f.).
An dieser Beurteilung vermögen die Berichte der behandelnden Ärzte keine Zwei
fel zu wecken.
Von der Erfahrungstatsache abgesehen, dass behandelnde Arzt
personen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (
BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc
), enthalten die Berichte des
B._
keine nachvollziehbare Begründung für die hinsichtlich angepassten Tätigkeiten attes
tierte Arbeitsunfähigkeit von 40 %.
Es erschliesst sich
namentlich
nicht, weshalb sich die lungenfunktionelle Einschränkung unabhängig von der körperlichen Be
lastung in der beruflichen Tätigkeit gleichermassen auf die Leistungsfähigkeit auswirken soll (vgl. Urk. 10/70/5, 10/86/6 und 10/108).
4.3
Im Sinne eines Zwischenfazits kann somit festgehalten werden, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die RAD-Stellungnahme von
dipl.
med.
A._
abgestellt hat. Auf dieser Grundlage ist mit überwiegender Wahrscheinlich
keit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
seit dem 1. Juli 2016
in der
angestammten Tätigkeit als
Coiffeuse
zu 60
%
und in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig ist (
Urk.
10/115/6).
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 332 E. 4.1 mit Hinweis).
Die Beschwerdeführerin ist seit Juli 2016 dauerhaft in ihrer angestammten Tätig
keit als
Coiffeuse
vermindert arbeitsfähig (
Urk.
10/108, 10/115/6), weshalb die gesetzlich vorgesehene Wartezeit im Juli 2017 abgelaufen war (vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG). Dies bildet den Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns, zumal sich die Beschwerdeführerin am 2
8.
August 2016 zum Leistungsbezug angemel
det hatte (
Urk.
10/69) und die in
Art.
29
Abs.
1 IVG genannte Frist somit im Juli 2017 ebenfalls abgelaufen war. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall in einem 100%-Pensum als
Coiffeuse
im
Y._
,
Z._
, tätig wäre, wo sie bereits
seit August 2012 angestellt ist (vgl.
Urk.
10/112, 10/122 f.).
Dabei würde sie unbe
strittenermassen ein jährliches Bruttoeinkommen von
Fr.
60'249.15 erzielen (vgl.
Urk.
1 S. 10,
Urk. 2 S. 2,
Urk.
10/112/4). Das
Valideneinkommen
ist folglich auf diesen Betrag festzusetzen.
5.3
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch rea
lisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine
Erwerbstä
tigkeit aus, bei der –
kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Ar
beitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tat
sächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Die Beschwerdeführerin geht ihrer Tätigkeit als
Coiffeuse
in einem 60
%
-Pensum nach.
Der dabei
seit 2017
erzielte
jährliche
Verdienst
im Betrag von
Fr.
41'879.35 (
Urk.
10/112/4) beziehungsweise
Fr.
36'140.-- ab dem 1. August 2018
(
Fr.
2'780.-- * 13;
Urk.
10/123)
kann jedoch im Rahmen der Festsetzung des In
valideneinkommens nicht herangezogen werden, da damit die verbliebene Ar
beitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weise voll ausgeschöpft wird.
Auf der Basis der im Verfügungszeitpunkt aktuell
st
en
veröffentlichten
Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik
ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer leidensadaptierten Tä
tigkeit grundsätzlich einen monatlichen Bruttoverdienst von
Fr.
4'363.-- erzielten könnte (LSE 2016
,
T
A1_tirage_skill_level
, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor,
To
tal, Kompetenzniveau 1, Frauen
).
Aufgerechnet auf die durchschnittliche be
triebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Sta
tistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, A-S) und ange
passt an die Entwicklung der Nominallöhne für
weibliche
Arbeitskräfte von 2’
709 Punkten im Jahr 2016 auf 2’719 Punkte im Jahr 2017
ergibt dies für ein
zumut
bares
Arbeitspensum von
80
% ein Bruttoeinkommen von Fr.
43‘826.10
jährlich (Fr.
4‘363.-- / 40 * 41.7 * 12 / 2'709 * 2‘719
* 0.8
).
5.4
Nach dem Gesagten ist für den Einkommensvergleich von einem
Valideneinkom
men
von
Fr.
60'249.15 und einem Invalideneinkommen von Fr.
43'826.10
aus
zugehen, womit sich ab Juli 2017 ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von
27.26 respektive 27
%
ergibt ([
Fr.
60'249.
15 .
/.
Fr.
43'826.10] *
100 /
Fr.
60'249.15; zu den Rundungsregeln vgl. BGE 130 V 121).
Gründe für einen leidensbedingten Abzug vom Invalideneinkommen sind im Übrigen nicht ersicht
lich. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen der Festlegung der
Arbeitsfähigkeit durch den RAD bereits einbezogen wurde, dass rezidivierend krankheitsbedingte Phasen mit einer vorübergehenden
höhergradigen
Arbeitsun
fähigkeit auftreten können und die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin im Ver
gleich zu gesunden Personen dauerhaft herabgesetzt ist (
Urk.
10/115/7). Die Ge
währung eines Leidensabzuges aus diesen Gründen würde zu einer unzulässigen doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen (
vgl.
Urteil des Bundes
gerichts 9C_833/2017 vom 2
0.
April 2018 E. 2.2 mit Hinweis).
Auch andere Gründe für einen leidensbedingten Abzug sind weder ersichtlich noch wurden solche geltend gemacht.
6.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Be
schwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung vom
8.
August 2018 (Urk. 2) zu Recht verneint. Dementsprechend ist die dagegen erhobene Beschwerde abzu
weisen.
7
.
7
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge der ihr gewähr
ten unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
11) jedoch einstweilen auf die Ge
richtskasse zu nehmen.
7
.2
Mit Verfügung vom
3
1.
Oktober 2018 (
Urk.
11) wurde der Beschwerdeführerin Rechtsanwältin Petra Kern als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt. Da diese von der Möglichkeit, eine Honorarnote einzureichen (vgl.
Urk.
11 Dispositiv-Zif
fer 3), keinen Gebrauch gemacht hat, ist die Entschädigung ermessensweise ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
rigkeit des Prozesses festzulegen (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversi
cherungsgericht,
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ist die Entschädigung von Amtes wegen auf
Fr.
1'
6
00.-- (inkl.
Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen.
7.3
Die Beschwerdeführerin ist abschliessend auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung an die unentgeltliche Rechtsvertre
terin verpflichtet ist, sobald sie
dazu in der Lage ist.