Decision ID: e8aa9f7f-e41d-598d-a53c-48107ad18d02
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1990, bezog als Kind Leistungen der Invaliden
versicherung zur Behandlung eines Geburtsgebrechens
Ziff.
404 und
Ziff.
390 (Sonderschulung, Ergotherapie, Psychotherapie;
Urk.
6/2;
Urk.
6/7;
Urk.
6/10;
Urk.
6/14,
Urk.
6/22;
Urk.
6/27;
Urk.
6/29). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewährte Kostengutsprache für eine erstmalige beruf
liche Ausbildung als
Attestschreiner
(
Urk.
6/39;
Urk.
6/45;
Urk.
6/48
;
Urk.
6/54), welche der Versicherte erfolgreich
absolvierte
(
Urk.
6/73/6). Die IV-Stelle ge
währte sodann Kostengutsprache für eine verkürzte Schreinerlehre (
Urk.
6/63), welche der Versicherte ebenfalls mit Erfolg abschloss (
Urk.
6/94/2;
Urk.
6/96).
1.2
Am
1.
Juni
2016 meldete sich der Versicherte
aufgrund von allergischen Be
schwer
den
erneut
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/105). Die Suva erliess am 2
8.
November 2016 eine Nichteignungsverfügung für Arbeiten mit Exposition zu Holzstaub und Stäuben von Polymerisationskunststoffen (
Urk.
6/115/128). Die IV-Stelle zog die Akten der Suva bei (
Urk.
6/115;
Urk.
6/190,
Urk.
6/214
) und gewährte
am
4.
Juli 2017
Kostengutsprache für eine Umschulung zum Automo
bil
fachmann EFZ (
Urk.
6/126), welche jedoch per 3
1.
Juli 2018 abgebrochen wurde (
Urk.
6/158). Sie veranlasste eine berufliche Abklärung in der
Y._
(Bericht vom 1
4.
Dezember 2018;
Urk.
6/174
) und eine Kostengutsprache für ein Coaching bei der Stellensuche (
Urk.
6/172
;
Abschlussbericht
Urk.
6/186
)
. In der Folge liess sie den Versicherten psychia
trisch
-neuropsychologisch begutachten (Gutachten vom
1
1.
März 2020;
Urk.
6/229).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/232;
Urk.
6/237;
Urk.
6/241) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
6.
April 2021 einen Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
6/245 =
Urk.
2).
2.
Am
6.
Mai 2021 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
6.
April 2021 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben, es sei ein Gerichts
gutachten bei der Z._
einzuholen und hernach über die IV-Leistungen zu entscheiden (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Juni 2021 (
Urk.
5) be
antragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Be
schwer
deführer am 1
5.
Juni 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Im den Versicherten betreffenden
unfall
versi
cherungsrechtlichen Verfahren UV.2021.00044
ergeht mit heutigen Datum ebenfalls ein Urteil.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Erw
erbsunfähigkeit ist gemäss Art.
7
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden au
sgeglichenen Arbeits
markt (Abs.
1). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Si
cht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
G
emäss der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter ent
wickelten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnos
ti
zierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden
(
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 142 V 342
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu be
wirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur be
stimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behin
dern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied
sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte «Foerster-Krite
rien
», vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 49 E. 1.2, je wiedergegeben BGE 139 V 547 E. 5 mit weiteren Hinweisen).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung aufge
geben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen strukturierten nor
mativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tat
säch
lich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Res
sourcen Rechnung getragen wird (BG
E 141 V 574 E. 4.1
; Urteil des Bundes
gerichts 9C_5
34/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2
).
An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG - ausschliessliche Berück
sichti
gung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumut
barkeitsprüfung bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Person - hat sich dadurch nichts geändert. Im Grunde konkretisieren die in BGE 141 V 281 E. 4 und E. 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invalidi
täts
bemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnun
gen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG.
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 142 V 106 E. 4.5; Urteil des Bun
desgerichts 8C_676/2017 vom 28.
Februar 2018 E. 6.3).
Gemäss BGE 143 V 418 (E.
7) sind neu sämtliche psychischen Leid
en, laut BGE 143 V 409 (E.
4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (Ände
rung der Rechtsprechung).
Gleiches gilt gemäss BGE 145 V 215 bezüglich fach
ärztlich einwandfrei diagnostizierter Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Sub
stanzkonsumstörungen (E. 5.1 und E. 5.3.3).
1.5
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suc
ht
erkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder
geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden eingetre
te
n war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heits
schadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychi
scher Ge
sundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wes
ent
lichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinreichende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung
in BGE 145 V 215
E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit
BGE 145 V 215
dahingehend, dass -
fachärztlich einwandfrei diagnostizierten
–
Abhängig
keitssyndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornhe
rein jede invalidenversicherungsrechtliche Releva
nz abgesprochen werden kann (E.
5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E.
6).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere d
em
Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden
. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitser
krankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemen
gelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhängigkeitser
kran
kungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krankheits
wertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychoso
ziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struk
turierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hin
weise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte
in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen
Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Die Umschulung zum Automobilfachmann habe der Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen abbrechen müssen. Es habe in der Folge keine geeig
nete Arbeitsstelle gefunden werden können, die mit seinen Interessen, Fähig
keiten und seiner gesundheitlichen Einschränkung kompatibel sei (S. 1). In einer angepassten Tätigkeit bestehe keine Einschränkung, womit kein Anspruch auf eine Rente bestehe. Sofern der Beschwerdeführer zukünftig berufliche Eingliede
rungsmassnahmen wünsche, könne er sich mit einem Zusatzgesuch und einem Motivationsschreiben für eine Umschulung melden. Dabei müsse er nachweisen können, dass er cannabisabstinent sei
,
und dies durch unregelmässige Urinproben belegen. Diese Drogenabstinenz müsse mindestens sechs Monate andauern. Sollte er diese Massnahme nicht befolgen, werde man auf ein erneutes Gesuch für berufliche Massnahmen nicht eintreten.
Zum eingeholten Gutachten sei festzuhalten, dass dieses trotz geringfügiger Mängel verwertbar sei. Dem Gutachter könne bezüglich der Maskierung von psychischen Störungen nicht ganz gefolgt werden, da er diese in der Diskussion ausschliesse und keine deutlichen Befunde feststellbar gewesen seien. Auch bei der neuropsychologischen Testung seien keine auffälligen Befunde feststellbar gewesen. Eine länger dauernde psychische Störung könne nicht bestätigt
werden (S. 2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, dass er in seinem angestammten Beruf als Schreiner aufgrund von Asthma bronchiale, Hausstauballergie und weiteren Allergien vollständig arbeitsunfähig sei. Weiter leide er an den Geburtsgebrechen
Ziff.
390 und 40
4.
Das
bidisziplinäre
Gutachten äussere sich nicht zur Sucht
erkrankung und zur Frage, ob er wegen dieser in Wechselwirkung mit den Ge
burtsgebrechen in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei (S. 4). Der psychia
trische Gutachter gelange zum Ergebnis, dass kein ADHS und POS und keine Lese- und Schreibschwäche vorliege, was dem Umstand widerspreche, dass er sonderbeschult worden sei und seine Ausbildung in einer geschützten Stätte absol
viert habe.
Er habe im ersten Arbeitsmarkt bis heute nie Fuss fassen können
. Selbst die
Y._
habe keine Ausbildung finden können, die den Kriteri
en der IV genügte und zugleich sein
en Fähigkeiten entspreche (S. 5).
Der Suva-Kreisarzt habe festgestellt, dass er mittelgradig depressiv und in seiner Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt sei. Die im Gutachten
aufgeführten
Feststellungen seien nicht aufgrund evidenzbasierter Testungen erfolgt, was aber aufgrund der anerkannten Geburtsgebrechen, der mindestens akzentuierten Persönlichkeitszüge und dem
klaren Verdacht eines Abhängigkeitssyndroms zwingend notwendig gewesen wäre
. Deshalb handle es sich nicht um lediglich geringfügige Mängel (S. 6). Weiter sei bei einer Suchterkrankung zwingend ein strukturiertes Beweisverfahren notwen
dig (S. 7 f.). Auch die neuropsychologische Testung sei nicht aussagekräftig (S. 8).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers. Dabei ist unbestritten, dass er aufgrund der Nichteignungsverfügung den angestammten Beruf nicht mehr ausüben kann. Ebenso ist unbestritten, dass keine weiteren somatisch bedingten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit bestehen. Zu prüfen ist die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht.
3.
3.1
Hinsichtlich einer psychischen Beeinträchtigung liegen die folgenden medizini
schen
und
berufsberaterischen
Berichte vor.
Dr.
med. A._
, Arbeitsarzt, Facharzt für Psychotherapie und Psychia
trie, Suva, hielt anlässlich eines Besuchsrapports beim Umschulungsbetrieb am 1
2.
Juni 2018
(
Urk.
6
/190/238-241
)
fest, der aktuell verschlechterte Zustand des Beschwerdeführers sei multifaktoriell bedingt und insbesondere mit der schlech
ten Stimmungslage und scheinbar überfordernden Situation mit der Lehre ver
bunden. Hierzu müsse ebenfalls bemerkt werden, dass der Versicherte eine vorbe
stehende Lernschwäche, gegebenenfalls im Rahmen eines ADHS, in der Vorge
schichte habe. Die bestehende Nichteignungsverfügung sei im Lehrbetrieb nicht beachtet worden und es sei zu Expositionen mit Holzstaub und Stäuben von
Polymerisationskunststoffen gekommen. Derzeit sei ein nicht kontrolliertes Asthma
bronchiale auch
pneumologischerseits
festzustellen, was insbesondere auf die seit längerer Zeit sistierte Basisbehandlung zurückzuführen sei. Insofern sei der Anteil
der Verursachung der aktuellen Beschwerden durch die Tätigkeit als Lehrling zum Lastwagenmechaniker nicht zu quantifizieren (S. 4).
3.2
Dr.
med. B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte mit Bericht vom
2.
Juli 2018
(
Urk.
6/214/67-68
)
folgende Diagnosen (S. 1):
-
somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren Verdauungs
systems
-
depressive Störung (ICD-10 F32.0)
Die Beschwerden seien erstmals im Oktober 2017 aufgetreten. Nach Ausschluss organischer Ursachen sei am 2
2.
Januar 2018 eine Vorstellung in der psychia
trischen Sprechstunde erfolgt. Möglicherweise werde der Heilungsverlauf durch frühere Erkrankungen beeinflusst, wie zum Beispiel die Feststellung von Asthma bronchiale vor etwa 3 Jahren, aufgrund derer der Patient seinen gelernten Beruf nicht habe ausüben dürfen und eine neue Lehre habe anfangen müssen. Im Vor
dergrund stünden Befürchtungen und Ängste, dass eine körperliche Krankheit vorliege, welche noch nicht habe diagnostiziert werden können. Es
bestünden
Gereiztheit, Unruhe, Schlafstörungen, gedankliche Konzentration auf die Darm
tätigkeit, kein Anhalt für psychotisches Erleben und keine Eigen- oder Fremd
gefährdung. Der Patient wolle seine Lehre abschliessen. Es lägen Zukunftsängste über die berufliche Perspektive vor. Die Tagesstruktur sei stark vo
m
Ausmass der Beschwerden abhängig, hier auch von der gedanklichen Fixierung auf die Darm
tätigkeit (S. 1).
3.3
Am
4.
Juli 2018
(
Urk.
6/190/204-205
)
führte
Dr.
A._
aus, es sei beim Be
schwerdeführer eine erhebliche Verschlechterung
eines vorbestehenden Asthma
bronchiale als Berufskrankheit bei Exposition gegenüber Holzstaub als Schreiner im November 2016 anerkannt worden. Eine Nichteignungsverfügung für Arbei
ten mit Exposition zu Holzstaub und Stäuben von Polymerisationskunststoffen sei ebenfalls im November 2016 ergangen. Der Beschwerdeführer habe sich am 1
6.
April 2018 gemeldet und eine Verschlechterung der Atmungsproblematik in Verbindung mit Tätigkeiten im Umschulungsbetrieb angegeben. Bei fehlender Basistherapie
des Asthma
bronchiale sei es zu einer Verschlechterung gekommen. Der Lehrbetrieb habe den Ausbildungsvertrag zwischenzeitlich aufgelöst und die Wiedereingliederung durch die Invalidenversicherung sei durch die erneute Krankschreibung des Beschwerdeführers, diesmal aus psychischen Gründen bei Depression, erschwert.
3.4
Kreisarzt
Dr.
med. C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am
9.
August 2018
(
Urk.
6/190/172-178
)
eine psychiatrische Aktenbeur
teilung vor und hielt fest, es lägen auf der einen Seite einige Faktoren vor, welche unabhängig von der anerkannten Berufskrankheit und damit nicht versichert
seien. Es seien zwei Geburtsgebrechen (404 und 309) durch die IV anerkannt. Der Beschwerdeführer sei längere Zeit sonderbeschult worden und auf heilpädago
gische Förderung und Ergotherapie angewiesen gewesen. Im Alter von zehn Jahren seien Depressivität, psychosomatische Beschwerden und Aggressivität be
schrieben worden. Zuerst habe er in geschütztem Rahmen eine
Attestlehre
zum Schreinerpraktiker absolviert. Aktuell bestünden gewisse Hinweise auf eine mög
liche Persönlichkeitspathologie. Im Alter von 28 Jahren lebe der Beschwerde
führer bei seinen Eltern und habe offenbar keine Partnerin. Auch die beschrie
benen hypochondrischen Ängste und die Fokussierung auf die Darmtätigkeit lasse eine Persönlichkeitspathologie vermuten (S. 6). Auf der anderen Seite habe der Beschwerdeführer schliesslich eine dreijährige Lehre zum Schreiner abge
schlossen und diese Tätigkeit in vollem Pensum im allgemeinen Arbeitsmarkt ausgeübt, teilweise mit der Funktion als Lehrlingsausbildner, bis dies aufgrund der Berufskrankheit nicht mehr möglich gewesen sei. Ohne diese wäre die im August 2017 begonnene Umschulung nicht notwendig gewesen, und somit wäre es nicht zu den multiplen, damit zusammenhängenden Belastungen gekommen, welche während des letzten Jahres zu einer deutlichen Verschlechterung des psy
chischen Zustandes geführt habe. Auch
Dr.
A._
habe festgehalten, dass im Verlauf seit Herbst 2017 erhebliche psychische Beschwerden und Beeinträch
tigungen aufgetreten seien, welche zumindest teilweise in einem deutlichen Zusammenhang mit den Belastungen aufgrund der Umschulung stünden. Ins
gesamt sei aus diesen Gründen aus versicherungspsychiatrischer Sicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit zu bestätigen, dass die aktuell relevanten psychi
schen Beschwerden und Beeinträchtigungen in einem natürlichen, teilkausalen Zusammenhang mit der Suva-anerkannten Berufskrankheit
stünden
(S. 7).
3.5
Im Schlussbericht vom 1
4.
Dezember
2018 (
Urk.
6/174) über die vom
3.
bis 2
8.
September 201
8
durchgeführte
bidisziplinäre
Y._
-Abklärung wurde
festge
halten, dass der Beschwerdeführer bei der Umschulung trotz Nichteignungs
ver
fügung mit Holz habe arbeiten müssen, weshalb die Lehre abgebrochen worden sei. Aufgrund der psychischen Belastung habe er an Bauchschmerzen und Schlaf
losigkeit gelitten (S. 8). Aktuell fühle er sich psychisch ausgeglichen, was zu den Beobachtungen und Befunden während der
Y._
-Abklärung passe. Bei Bedarf könne er eine
psychologische Begleitung in Anspruch nehmen, w
as aktuell selten notwendig sei
.
Die gesundheitsbedingten Einschränkungen seien durch die zahl
reichen Allergien bedingt. Nebst der Nichteignungsverfügung sollten prinzipiell Tätigkeiten mit
inhalativen
Belastungen mit atemwegsreizenden Stoffen ver
mieden werden, wozu auch Pollen zu zählen seien. In angepasster Tätigkeit lägen
aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkungen der Arbeits- und Leistungs
fähigkeit vor. Es seien diskrete Restsymptome des POS zu erwähnen. Die Kon
zentration und Aufmerksamkeitsfokussierung seien unauffällig und stünden einer Arbeitsaufnahme in keinem Berufsfeld entgegen, ebenso liege eine gute Impuls
kontrolle vor und der Beschwerdeführer verfüge über ein angenehmes Wesen (S. 9
unten).
Leichte Defizite bestünden noch in der Anwendung des Schriftdeutschen, obwohl auch hier relativ gute Resultate
vorlägen
vor dem Hintergrund einer vormalig diagnostizierten Legasthenie (gutes Resultat der Förderungsmassnahmen). Dieser
Befund verunmögliche jedoch eine rein administrative Tätigkeit. Auch zeigten sic
h bei administrativen Arbeiten Probleme mit der Sorgfalt, die im hand
werk
lichen Bereich nicht aufträten. Aufgrund der eher knappen intellektuellen Leis
tungen seien Berufsfelder mit hohen intellektuellen Ansprüchen, grossen Anfor
de
rungen an das Abstraktionsvermögen oder zu ausführlichen schriftlichen Stel
lung
nah
men eher nicht zu empfehlen, weshalb aus psychiatrischer Sicht die favo
risierte Weite
r
bildung zum Brandschutzfachmann wahrscheinlich im Grenzbe
reich des Möglichen sei. Da jedoch eine gute praktische Intelligenz vorliege und der Be
schwerdeführer jeweils eine gute Lernkurve gezeigt habe, sei
von
diese
r
Wei
terbildung nicht
abzuraten, sie
sollte
bewältigbar
sein. Die Belastbarkeit und das Durchhaltevermögen seien für eine Umschulung i
m
ersten Arbeitsmarkt gut, diesbezüglich bestünden keine Einschränkungen. Er sei rein kognitiv für einfache bis mittelschwere (mathematisch ausgerichtete) Büroarbeiten wie auch für an
spruchsvollere Tätigkeiten im mechanisch-technischen Bereich (Fein-, Mittel- und
Grobmotorik) geeignet. Es sei zu empfehlen, mittels Jobcoaching ein Prak
tikum im planungs-technischen Bereich zu suchen, in welchem der Beschwerdeführer fast ausschli
esslich im Büro arbeiten könne. Eine Ausbildung zum Brandschutz
fachmann sei trotz eher schwacher kognitiver Leistung möglich, da er Interesse, Motivation und Vorkenntnisse mitbringe. Eine Alternative sei eine Ausbildung zum Buschauffeur (S. 10 f.).
Die psychiatrischen Befunde bei Eintritt seien normal gewesen (vgl. S. 13).
3.6
Im Abschlussbericht über das Coaching bei der Stellensuche vom 2
5.
April 2019 (
Urk.
6/186) hielten die Fachleute fest, man habe sich bei der Überprüfung der Arbeitsbemühungen ausschliesslich auf die Rückmeldungen des Beschwerde
füh
rers verlassen müssen; Unterlagen, die seine Bemühungen belegt hätten, habe er trotz wiederholter Aufforderung nicht mitgebracht. Engere Begleitung wie ge
mein
sames Telefonieren, Verfassen von E-Mails, häufigere Termine, Referenz
an
gaben habe er abgelehnt (S. 2
Ziff.
6).
Es sei zu diversen Terminabsagen gekom
men, was zu einem etwa 2.5 Monate dauernden Unterbruch des Coachings ge
führt habe. Dies habe der Beschwerdeführer mit seinem schlechten Gesundheits
zustand (schwere Lungenentzündung, Asthma) begründet. Nach dem Wiederein
stieg ins Coaching im Februar 2019 sei das Suchprofil ausgeweitet worden; bei der Überprüfung der Abmachung habe sich nichts geändert. Die beiden letzten Termine seien dazu genutzt worden, um berufliche Alternativen zu entwickeln. Der Beschwerdeführer habe sich vor allem auf den kaufmännischen Bereich fokussiert. Aus
berufsberaterischer
Sicht seien diese Berufsvorstellungen unrea
lis
tisch, da der Beschwerdeführer die verlangten Grundanforderungen nicht mit
bringe. Gemäss seinen Aussagen habe er viele Bewerbungen geschrieben. Auf
grund von fehlenden Rückmeldungen von Firmen stelle sich die Frage, ob die Bewerbungen auch versendet worden seien. Eine Weiterführung des Coachings mache unter den aktuellen Voraussetzungen keinen Sinn, da es nicht zielführend sei (S. 3).
3.7
Im Bericht vom 2
2.
Oktober 2019
(
Urk.
6/21
4
/42-44
)
über das Vorbereitungs
ge
spräch und Kostengutsprache betreffend stationäre Rehabilitation stellte
Dr.
med. D._
, Oberärztin Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Klinik
E._
, folgende Diagnosen (S. 1):
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
-
am ehesten somatoforme autonome Funktionsstörung
-
Verdacht auf Angststörung
-
Angst vor Exazerbation
des Asthma
bronchiale mit ausgeprägtem Vermei
dungsverhalten gegenüber Staub jeglicher Natur
-
perenniales
allergisches Asthma bronchiale
-
arbeitsplatzaggraviert
bei positivem Expositionsversuch mit Birkenholz
-
keine Sofort- oder Spättypdesensibilisierung gegen mitgebrachte Holz
stäube im Pricktest
-
Hauttest mässige Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben
-
allergische
Rhinokonjunktivitis
-
Geburtsgebrechen initial IQ von 88-94, aktuell IQ von 100, Probleme von Feinmotorik, serieller Merkfähigkeit und Sehvermögen
Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er frustriert sei, keine geeignete Arbeitsstelle ohne Exposition zu Holz- oder Hausstaub zu finden. Bei der beruf
lichen Abklärung über vier Wochen im
Appisberg
sei herausgekommen, dass er sich als LKW-Fahrer oder Buschauffeur eignen würde, nicht aber als technischer Kaufmann, was ihm gefallen würde. Kürzlich habe er eine Stelle wegen der Nichteignung nicht annehmen dürfen. Eine Umschulung als LKW-Mechaniker
habe er abbrechen müssen, da der Betrieb die Nichteig
n
ungsverfügung missachtet und ihn mit Holz habe arbeiten lassen. Die Kurse des Arbeitslosenamtes seien teilweise auch mit Holzstaub verbunden gewesen, so dass es ihm bezüglich Asthma wieder schlechter gegangen sei. Bei Spaziergängen in der Natur oder im Wald bemerke er teilweise Exantheme an der Haut. Einmal sei er nach Herzrasen und Engegefühl in der Brust ohnmächtig geworden und habe danach Exantheme an den Armen gehabt. Für ihn sei es schwierig in Städte zu gehen wegen der Abgase. Auch Toner von Druckern würden seine Lunge belasten. Staubsaugen zu Hause tue er mit Handschuhen und Kapuze. Gemäss Abklärungen sei er allergisch
auf Exposition zu Holzstaub und Stäube von Polymerisationskunststoffen (S. 1-2
).
2018 sei eine ambulante Psychotherapie erfolgt mit Verschreiben von
Remeron
und
Venlafaxin
, welche ihn betäubt und nicht er selbst sein lassen hätten. Im Alter von etwa 12-13 Jahren habe er Ritalin erhalten. Aktenanamnestisch hätten im Jahr 2000 Depressivität, psychosomatische Beschwerden und Aggressivität bestanden. Der Besuch der Regelschule sei nicht mehr möglich gewesen, er sei sonderbeschult worden und es sei eine Verhaltensstörung erwähnt. An Noxen werde ein früherer unregelmässiger THC-Gebrauch genannt (S. 2 Mitte).
3.8
Die stationäre Behandlung in der Klinik
E._
fand vom
6.
November bis
1
9.
Dezember 2019 statt. Mit Austrittsbericht vom 2
0.
Januar 2020
(
Urk.
6/214
/6-10
)
wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
Somatisierungsstörung
-
am ehesten somatoforme autonome Funktionsstörung
-
perennial
es
allergisches Asthma bronchia
l
e
-
arbeitsplatzaggraviert
bei positivem Expositionsversuch mit Birkenholz
-
keine Sofort- oder Spättypdesensibilisierung gegen mitgebrachte Holz
stäube im Pricktest
-
CT Thorax vom 1
7.
Oktober 2019: leichtgradige, distale Bronchiek
tasien, unscharfe
Ground-glass-Noduli
sowie leicht überblähte Lun
gen
abschnitte als Korrelat
des bekannten Asthma
bronchiale
-
Lungenfunktionsprüfung vom 1
5.
November 2019: leichtgradige ob
struk
tive Ventilationsstörung, absolute Lungenüberblähung, leichte Einschränkung der CO-Diffusionskapazität
-
Prick-Test vom 2
0.
November 2019: stark positiv für Hausstaubmilben, schwach positiv für Roggen, Birke, Buche, Eiche, Erle, Esche, Hund und Katze
-
mindestens akzentuierte Persönlichkeitszüge mit ängstlich vermeidenden Anteilen
-
Verdacht auf ADHS im Erwachsenenalter
-
allergische
Rhinokonjunktivitis
Es habe sich herausgestellt, dass der Beschwerdeführer bereits in jungen Jahren mit schwerwiegenden Krankheitsgeschichten und Rückschlägen konfrontiert wor
den sei, was möglicherweise in Relation mit der überhöhten Selbstbeobach
tung stehe. Auf der anderen Seite zeichneten sich bemerkenswerte kreative Res
sourcen ab, welche ihm geholfen hätten, seinen Traum der Schreinerlehre zu verwirklichen (S. 2 unten).
Aufgrund der anfänglich grossen Nervosität und emotionaler Labilität sei ein Drogenscreening durchgeführt worden, welches für Cannabis positiv ausgefallen sei. Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er früher öfters Cannabis geraucht habe, jedoch in den letzten Monaten nicht mehr. Jedoch habe er bei schlechtem Befinden von den Cannabis-Tropfen, welche seine Mutter aus medizinischen Gründen einnehme, Gebrauch gemacht. Man habe mit ihm einen Suchtvertrag vereinbart und regelmässig Kontrollen durchgeführt, die im Verlauf durchwegs negativ ausgefallen seien (S. 3).
Insgesamt könne man von einem erfreulichen Verlauf berichten, indem eine neue Therapie
des bisher unbehandelten Asthma
bronchiale habe eingeleitet werden können und auch vertragen worden sei, und indem der Beschwerdeführer wieder neue Hoffnung für einen Wiedereinstieg ins Berufsleben geschöpft und zudem an körperlicher Kraft und Selbstwert gewonnen habe (S. 5).
3.9
Prof.
Dr.
med. F._
, Facharzt für Neurologie und für Psy
chiatrie und Psychotherapie
, und
lic
. phil. G._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie, erstatteten am 1
1.
März 2020 im Auftrag der Invalidenver
sicherung ein
bidiszip
linäres
Gutachten (
Urk.
6/229
). Darin hielt
Dr.
F._
zu den Diagnosen fest, dass der Beschwerdef
ührer
intox
i
ki
ert
zum Untersuch erschienen sei (THC 6.1
ug
/l und 3.3
ug
/l 1-Hydroxy-THC; zum Vergleich Fahr
un
tauglichkeit ab 1.5
ug
/
lg
), weshalb eine abschliessende psychiatrische Diagnose
stellung verunmöglicht sei. Als Diagnosen wurden genannt (S. 68):
-
«amotivationales Syndrom» bei Störungen durch
Cannabinoide
; schäd
licher chronischer Gebrauch; Differentialdiagnose: Abhängigkeits
syn
drom (ICD-10 F12.25)
-
Ausschluss einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter
-
Ausschluss Lese- und Schreibschwäche
Der Beschwerdeführer habe folgende Angaben gemacht (S. 49 f.): Früher habe er Paniktattacken gehabt, jetzt nicht mehr. Er kenne nur Ängste infolge Atemnot mit Hyperventilation. Panische Zustände habe er in drei Jahren zweimalig gehabt.
In Brasilien, wo er von Ende Dezember 2019 bis Mitte Januar 2020 Urlaub ge
macht habe, sei er ein anderer Mensch
gewesen
. Dort habe er sich sehr wohl gefühlt und keinerlei Symptome gehabt. CBD-Tropfen würden ihm helfen, die Druckgefühle auf der Lunge zu lösen. Wenn er Atemnot habe, könne er nicht einschlafen. Er habe keine Vermeidungsängste. Umwelt und Emissionen seien für ihn das Problem, er merke in der Stadt den Russ von Heizungen und Staub der Autos. Allerdings berichte er auch, dass er sich in der Stadt problemlos mit seinen Freunden treffen könne. In der Klinik
E._
habe man ihm vorgehalten, dass er privat Dinge könne, die er im beruflichen Kontext ablehne. Er wisse auch nicht, warum er privat flexibler sei als beruflich. Er habe auch keine Motivation
zur psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. Aus psychischer Sicht habe
er keine Probleme damit, arbeiten zu gehen. Er habe allerdings Allergien, die das Arbeiten verhindern würden. Er sei ratlos, welchen Beruf er ergreifen könne. Er
habe im Alter von 24 Jahren THC konsumiert, letztmalig an Silvester 201
9
.
Aktuell stehe er in keiner psychiatrischen Behandlung und habe auch keinen
Pneu
mo
lo
gen
(S. 51 unten). Er erhalte keine psychopharmakologischen Medikamente (S. 52
oben).
Prof.
F._
hielt fest, dass der Beschwerdeführer nur mässig kooperativ ge
wesen sei. Seine Beschwerdeschilderungen seien diffus ausgefallen und er sei auf konkrete Nachfrage ausgewichen. Zudem habe er bewusst Falschangaben zu seinem THC-Konsum gemacht, da die Laborkontrolle eine aktuelle Konzentration von 6.1
ug
/l ergeben habe. Im Blutserum sei THC für etwa 6 bis 24 Stunden nachweisbar, bei regelmässigem oder wiederholtem Konsum auch über 24 Stun
den hinaus (S. 52). Die gefundenen Werte seien als hoch und rauschwertig zu beurteilen (S. 65). Fahrtauglichkeit wäre bei weitem nicht mehr gegeben gewesen (S. 66). Chronischer Cannabiskonsum könne zu einem depressionsähnlichen Bild mit Antriebsstörung und depressiver Affektlage («amotivationales Sy
n
drom»
)
führen, wie dies beim Beschwerdeführer in seiner Krankengeschichte und durch die behandelnde Psychiaterin beschrieben worden sei und auch zu Problemen in der beruflichen Integration geführt habe. Die vorgetragenen Beschwerden mit Auftreten unter beruflichen Anforderungen und Beschwerdefreiheit im privaten Aktivitätsniveau seien diskrepant und weder mit einer Somatisierungsstörung noch einer Depression vereinbar (S. 66). Dies sei vorwiegend motivational zu begründen bei
Abhängigkeitsproblematik
(schädlicher Gebrauch von THC), die aus gutachterlicher Sicht das Störungsbild dominiere, jedoch von den Behandlern ausgeblendet werde. Im neuropsychologischen Zusatzuntersuch hätten sich ledig
lich Probleme im Textverständnis ergeben, was nicht krankheitsbedingt, sondern auf eine unzureichende schulische Ausbildung zurückzuführen sei. Ein ADHS im
Erwachsenenalter lasse sich nicht belegen. Weiter lägen keine Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung vor: Durchgängige Verhaltensmuster drängten sich nicht auf. Auch spreche gegen eine Persönlichkeitsstörung, dass es dem Beschwer
deführer gelungen sei, die Erstausbildung zum Schreiner mit Bravour zu bestehen, während sich nun Schwierigkeiten einstellten. Das Störungsbild gehe zeitlich einher mit dem regelhaften Konsum von THC. Auf dieser Grundlage könne eine abschliessende Diagnosestellung nicht seriös durchgeführt werden, da die Ab
hängigkeitsproblematik möglicherweise andere psychiatrische Störungsbilder
maskiere
. Hierzu sei ein Entzug notwendig. Aktuell stehe der schädliche Befund
von THC im Vordergrund und dominiere die Psychopathologie (S. 67). Merk
würdig
mute an, dass der Beschwerdeführer keinen
Pneumologen
habe und gegenwärtig in keiner psychiatrischen Behandlung stehe. Als schwer betroffener Asthmatiker habe er im Untersuch seine Medikamente nicht benennen können. Dies spreche nicht für eine hohe therapeutische Compliance (S. 70). Ein krankheitsbezogener Leidensdruck sei nur ansatzweise erkennbar gewesen; der zu beobachtende
Leidensdruck habe sich mehr auf finanzielle Zukunftssorgen bezogen (S. 71
ob
en
).
Die neuropsychologische Abklärung ergab, dass von validen Befunden ausge
gangen werden könne (S. 60). Weder im angestammten Beruf noch in der später ausgeübten Tätigkeit seien berufsrelevante Einschränkungen festzustellen. Das Verständnis für gelesene Texte sei langsam und nicht alterskonform. Auch die Wortgeläufigkeit nach lexikalischer Vorgabe sei gering. Diese Schwächen seien jedoch weniger als neuropsychologische Schwächen als vielmehr bildungsent
sprechend zu interpretieren. Der Beschwerdeführer verfüge über normvariante Intelligenz. Auch auf grundlegender neuropsychologischer Informationsverarbei
tungsebene zeige er weitgehend alterskonforme Resultate. Insbesondere bei kon
struktiv-praktischen Aufgabenstellungen, welche exaktes und konzentriertes Arbeiten erforderten, zeige er überdurchschnittliche Genauigkeit und überlegtes und vorsichtiges Arbeiten. Auch bei komplexeren Anforderungen, welche gutes Erfassen von Zusammenhängen oder Erfassen von Regeln und Gesetzmässig
kei
ten anhand von Beispielen erforderten, zeige er alterskonforme Resultate (S. 61).
3.10
Dipl. med. H._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte am
3.
April 2020
(
Urk.
6/231/8)
zum Gutachten aus, dass der Beschwerdeführer vor allem im beruflichen Kontext leicht zur Somati
sierung und Vermeidung neige. In der
Y._
-Abklärung hätten ebenfalls keine psychischen Einschränkungen gefunden werden können. Zudem müsse auch die Therapietreue beim Asthma in Frage gestellt werden. Der Beschwerdeführer hadere mit seinen gesundheitlichen Problemen und dem Verlust seines Traum
berufs. Eine länger dauernde psychische Störung könne nicht bestätigt werden.
Trotz des Cannabiskonsums seien keine wesentlichen kognitiven Einschrän
kungen vorhanden gewesen. Der Beschwerdeführer sollte so rasch wie möglich in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden, da die fehlende Tagesstruktur zu einer zunehmenden
Dekonditionierung
führe. Eine Abstinenz sei medizinisch zumutbar und könne durch unregelmässige Urinproben
bestätigt werden. Dem Gutachten könne nicht ganz gefolgt werden bezüglich der Maskierung von psy
chischen Störungen, da diese ausgeschlossen würden und keine deutlichen Be
funde feststellbar gewesen seien. Auch bei der neuropsychologischen Testung seien
keine auffälligen psychopathologischen Befunde feststellbar gewesen. Warum dem Beschwerdeführer eine Ausbildung als technischer Zeichner verwehrt wor
den sei, erstaune anhand der kognitiven Testung.
4.
4.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne des Gesetzes setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifi
ka
tionssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. vorstehend E. 1.3).
Weiter muss eine krankheitswertige Störung umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (vgl. vorstehend E. 1.5).
Vorliegend ergeben sich Fragezeichen hinsichtlich einer korrekt
gestellten und
stellbaren psychiatrischen Diagnose. So lässt sich den Berichten von
Dr.
A._
keine nachvollziehbar gestützt auf Anamnese, Befunde, eigene Untersuchung und allenfalls Testungen erhobene Diagnose entnehmen; vielmehr wies
Dr.
A._
darauf hin, dass der verschlechterte Zustand insbesondere mit der «schlechten Stimmungslage» und der scheinbar überfordernden Situation mit der Lehre ver
bunden sei (vgl. vorstehend E. 3.1). Auch sein Hinweis, dass der Beschwerdeführer aus psychischen Gründen bei Depression krankgeschrieben sei (vgl. vorstehend E. 3.3), vermag diesen Kriterien nicht zu entsprechen.
Dr.
B._
(vgl. vorstehend E. 3.2)
erhob keinen Psychostatus und keine eigenen Befunde.
Dr.
C._
nahm ebenfalls keine eigene Untersuchung vor (E. 3.4) und sah einen klaren Zusam
menhang zwischen der Notwendigkeit der Umschulung sowie den dabei ent
standenen Schwierigkeiten und der psychischen Beeinträchtigung. Es ist deshalb nicht von der Hand zu weisen, dass krankheitsfremde Faktoren
- die Nichteig
nungsverfügung und die bislang misslungene Eingliederung in Abgrenzung von
d
er psychischen Situation -
das Beschwerdebild stark mitbeeinflussen. Eine im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn krankheitswertige psychische Störung ist denn auch nicht nachgewiesen. Denn anlässlich der
Y._
-Abklärung liess sich
wenige Monate nach dem Bericht von
Dr.
B._
keine relevante Beeinträ
chti
gung feststellen. Der Beschwerdeführer fühlte sich psychisch ausgeglichen, was zu den Beobachtungen und Befunden gepasst habe, und es lägen aus psy
chia
trischer Sicht in (
allergie
)angepassten Tätigkeiten keine Einschränkungen vor (vgl. vorstehend E. 3.5). Eine hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit relevante Beein
trächtigung liess sich auch anlässlich der stationären Behandlung in der Klinik
E._
nicht bestätigen (vgl. vorstehend E. 3.8)
, vielmehr führte die anfän
glich grosse Nervosität und emotionale Labilität zu einem Drogenscreening, welches hinsichtlich Cannabis positiv ausfiel.
4.2
Ein schädlicher Gebrauch wurde anlässlich der Begutachtung durch Prof.
F._
eindrücklich bestätig
t
(vgl. vorstehend E. 3.9).
Prof.
F._
wies nachvollziehbar darauf hin, dass chronischer Cannabiskonsum zu einem depres
sionsähnlichen Bild mit Antriebsstörung und depressiver Affektlage führen kann, wie dies in der Krankengeschichte und durch
Dr.
B._
beschrieben worden sei und auch zu Problemen in der beruflichen Integration geführt habe
. Dabei ist angesichts des Umstands, dass der Beschwerdeführer bereits in der Klinik
E._
und auch anlässlich der
Begutachung
seinen Konsum verschwieg oder gar wahrheitswidrige Angaben dazu machte, durchaus glaubhaft, dass er diesen seit längerem betreibt. Er hielt dazu fest, dass er
die CBD-Tropfen verwendet, um schlechtes Befinden zu bessern (E. 3.8) oder Druckgefühle auf der Lunge zu lösen (E. 3.9).
Ob es sich dabei, wie Prof.
F._
annahm, um eine Abhängigkeit handelt, ist fraglich, denn der Beschwerdeführer war
zuvor
fähig,
einen Sucht
vertrag abzuschliessen und einzuhalten (vgl. vorstehend E. 3.8). Obwohl fach
ärztlich nicht einwandfrei ein Abhängigkeitssyndrom diagnostiziert wurde
,
und Prof.
F._
psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nicht klar ausklam
merte (vgl. vorstehend E. 1.5), ist der Vollständigkeit halber eine Prüfung der Standardindikatoren durchzuführen. Dabei ist festzuhalten, dass entgegen Prof.
F._
und rechtsprechungsgemäss (Urteil des
Bundesgerichts 9C_309/2019 vom
7.
November 2019
)
nicht zuvor eine Entzugsbehandlung anzuordnen ist,
würde damit doch die Qualifikation des Suchtgeschehens und seiner erwerblichen
Auswirkungen als zum vornherein invalidenversicherungsrechtlich irrelevant und
deshalb auszuscheiden vorweggenommen. Wie es sich damit verhält, ist im Ab
klä
rungsverfahren erst zu untersuchen. Demgegenüber darf eine Entzugsbe
handlung als Behandlungsmassnahme - sofern im konkreten Fall zumutbar - unverändert jederzeit zur Schadenminderung angeordnet werden (BGE 145 V 215 E. 8.2).
Das
bidisziplinäre
Gutachten erlaubt denn auch eine Prüfung der Stand
ardindikatoren.
4.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4.4
Der funktionelle Schweregrad wie auch die Gesundheitsschädigung
sind
als gering einzuordnen; diagnoserelevante Befunde liegen nicht vor. Hinsichtlich
Be
handlungs
- und Eingliederungserfolg lässt sich sagen, dass der Beschwerde
führer abstinent zu leben vermag, keine Psychotherapie wahrnimmt und die Einglie
derung nicht aus krankheitswertigen psychischen Gründen bisher misslungen ist. Als Komorbidität ist das Asthma bronchiale zu nennen, wobei
der Beschwer
deführer gemäss ärztlicher Feststellung lange Zeit keine genügende Basisbehand
lung wahrgenommen hat (
vgl. vorstehend E. 3.1, 3.3, 3.8
) und nicht bei einem
Pneumologen
in Behandlu
ng steht (vgl. vorstehend E. 3.9
). Es ist deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
sein Gesundheitszu
stand
mittels genügender Behandlung des Asthmas verbesserungsfähig wäre.
Zum Komplex Persönlichkeit und persönliche Ressourcen ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine Erstausbildung erfolgreich abschloss und bis zur Nichteignungsverfügung im erlernten Beruf auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig war, teilweise mit
Ausbildnerfunktion
(
vgl.
Urk.
6/191/2)
.
Dass er, wie geltend gemacht, im ersten Arbeitsmarkt bis heute nie habe Fuss fassen können (vgl. vorstehend E. 2.2), trifft eindeutig nicht zu. Eine erhebliche Persönlichkeitsbe
einträchtigung konnte nicht festgestellt werden. Er zeigte anlässlich der
Y._
-Abklärung gute Leistungen; die Belastbarkeit und das Durchhaltevermögen seien
für die Umschulung in den ersten Arbeitsmarkt gut und er sei rein kognitiv für einfache bis mittelschwere Büroarbeiten wie auch für anspruchsvolle Tätigkeiten im mechanisch-technischen Bereich geeignet und verfüge über ein angenehmes Wesen (vorstehend E. 3.5). Er gewann in der Klinik
E._
an körperlicher Kraft und Selbstwert (vorstehend E. 3.8). Die neuropsychologische Testung zeigte keine berufsrelevanten Einschränkungen, insbesondere bei konstruktiv-prakti
schen Aufgaben zeigte er überdurchschnittliche F
ähigkeiten
(vorstehend E. 3.9).
Ausschlaggebend ist der beweisrechtlich entscheidende verhaltensbezogene Aspekt
der Konsistenz
. Weder kann eine
gleichmässige Einschränkung des
Aktivi
täten
niveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen
bejaht werden noch besteht ein
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgew
iesener Leidensdruck: Der Beschwerdeführer befindet sich weder in
pneumologischer
noch in psychiatri
scher Behandlung und hat nach eigenen Angaben aus psychischer Sicht keine Probleme damit, arbeiten zu gehen. Er kann sich trotz behaupteten Problemen mit Staub, Russ und Autoemissionen problemlos mit Freunden in der Stadt treffen. Im Urlaub in Brasilien habe er keine Probleme gehabt. Ein Leidensdruck
sei einzig hinsichtlich der finanziellen Zukunft vorhanden (vgl. vorstehend E. 3.9
).
4.5
Damit ist eine psychisch begründete Arbeitsunfähigkeit zu verneinen.
Es ist zu empfehlen, dass d
er mit Jahrgang 1990 noch junge Beschwerdeführer, der über gute Fähigkeiten verfügt und einen grossen Teil seines Erwerbslebens noch vor sich hat, sich unter Beachtung der von der Beschwerdegegnerin genannten Vor
gaben (vgl. vorstehend E. 2.1) aktiv und
nachhaltig
um seine Umschulung und Wiedereingliederung bemüh
t
.
4.6
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Auf weitere Abklärungen kann in anti
zipierter Beweiswürdigung (
BGE 1
24 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d) verzichtet werden.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 8
00.-- a
nzusetzen und
ausgangsgemäss
dem
unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.