Decision ID: dd856ca5-79e1-43d2-8ac0-8a8fc1df622c
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die B._ AG mit Sitz in N._ wurde 1976 ins Handelsregister des Kantons St. Gallen
eingetragen. 2004 wurde sie in A._ AG umfirmiert und der Sitz nach O._ verlegt. Ihr
Zweck ist der Handel mit Waren aller Art, insbesondere mit Immobilien, Fahrzeugen,
Booten etc. Am 7. Januar 2011 verlegte sie ihren Sitz von O._ nach P._/AR, worauf
die Gesellschaft im Handelsregister des Kantons St. Gallen gelöscht wurde. In den
Jahren 2012 und 2014 bis 2016 besass die A._ AG Liegenschaften im Kanton
St. Gallen.
B. Die A._ AG reichte die Steuererklärungen aufgrund der Rechnungsabschlüsse per
31. Dezember 2008 und per 31. Dezember 2009 am 19. November 2009 bzw. am
2. Juni 2010 beim kantonalen Steueramt des Kantons St. Gallen ein. Nach weiteren
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Abklärungen stellte das kantonale Steueramt der A._ AG mit Schreiben vom 5. bzw.
11. April 2017 Vorschläge für die Veranlagungen aufgrund der Rechnungsabschlüsse
per 31. Dezember 2008 und 31. Dezember 2009 sowie Beweisauflagen für 2010 bis
2012 zu. Am 24. April 2017 teilte die A._ AG mit, sie habe über alle Jahre hinweg im
Kanton St. Gallen nur über ein Sekundärsteuerdomizil verfügt; ab 2006 sei die gesamte
Infrastruktur (Verwaltung) in P._/AR domiziliert gewesen, weshalb ab dieser Zeit das
Hauptsteuerdomizil der Gesellschaft nicht im Kanton St. Gallen liege. Falls das
kantonale Steueramt einen anderen Standpunkt vertrete, werde um eine
Feststellungsverfügung ersucht. Mit Schreiben vom 25. April 2017 stellte das kantonale
Steueramt der A._ AG die Veranlagungsberechnungen 2008 und 2009 zu. Darin wurde
unter anderem darauf hingewiesen, dass kein Anspruch auf einen Vorentscheid
bestehe, da die beschränkte Steuerpflicht unbestritten sei. Weiter würden in den
nächsten Tagen die definitiven Veranlagungsverfügungen zugestellt mit den
entsprechenden Angaben über die Rechtsmittel. Die Veranlagungsverfügungen wurden
in der Folge am 27. April 2017 eröffnet. Gegen das Schreiben vom 25. April 2017 erhob
die A._ AG Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission, welche mit Entscheid vom
12. Dezember 2017 auf das Rechtsmittel nicht eintrat.
C. Die A._ AG (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission vom 12. Dezember 2017 (Vorinstanz) mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 12. Januar 2018 – mit Schreiben vom 16. Januar 2018 wurde
eine bereinigte Fassung eingereicht – Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie
beantragte, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben und das Steueramt sei anzuweisen, eine Feststellungsverfügung über den
Ort des Hauptsteuerdomizils zu erstellen. Ausserdem seien alle weiteren
Veranlagungshandlungen des Kantons St. Gallen bis zum Entscheid des Ortes der
unbeschränkten Steuerpflicht (Hauptsteuerdomizil) zu sistieren.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 2. Februar 2018 die Abweisung

der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid. Das kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete am 28. Februar
2018 auf eine Vernehmlassung und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen. Mit
Eingabe vom 16. März 2018 nahm die Beschwerdeführerin zu den Eingaben der
Vorinstanz und des Beschwerdegegners Stellung. Am 22. März 2018 äusserte sich der
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Beschwerdegegner dazu. Am 28. März und 25. April 2018 gingen weitere Eingaben der
Beschwerdeführerin ein.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. [...]
Anfechtungsgegenstand ist der Nichteintretensentscheid der Vorinstanz vom
12. Dezember 2017 betreffend Steuerpflicht. Dieser Entscheid bildet die sachliche
Begrenzung des Anfechtungsverfahrens (vgl. Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz 579). Das heisst, die
Vorinstanz verzichtete auf die materielle Beurteilung der Anträge. Im vorliegenden
Beschwerdeverfahren kann daher ausschliesslich geprüft werden, ob die Vorinstanz zu
Recht auf den Rekurs nicht eingetreten ist. Käme das Verwaltungsgericht zum Schluss,
die Vorinstanz hätte auf den Rekurs eintreten müssen, so müsste es die Streitsache zur
materiellen Beurteilung an die Vorinstanz zurückweisen. Nicht einzutreten ist daher auf
den Antrag, der Beschwerdegegner sei anzuweisen, eine Feststellungsverfügung über
den Ort des Hauptsteuerdomizils zu erstellen bzw. diese Domizilfrage zu beurteilen.
2. Streitig und zu prüfen ist ausschliesslich, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf den
Rekurs eingetreten ist, mit welcher die Beschwerdeführerin beantragte, der
Beschwerdegegner sei anzuweisen, eine Feststellungsverfügung betreffend die
unbeschränkte Steuerpflicht der Jahre 2006 bis 2016 zu erlassen.
2.1. Ist die Steuerpflicht als solche strittig, kann bzw. muss hierüber in einer
Feststellungsverfügung entschieden werden, die als selbständiger Vorentscheid
weiterziehbar ist (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014,
S. 399). Vorentscheide sind antizipierte Entscheide einer Rechtsfrage, die für den
Abschluss des betreffenden Verfahrens von besonderer Bedeutung sind. Allgemein gilt
dabei, dass ein Anspruch auf einen Feststellungsentscheid besteht, wenn dafür ein
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schutzwürdiges Interesse geltend gemacht werden kann. Ein solches Interesse ist
gegeben, wenn der Gesuchsteller darlegt, dass er an der Beseitigung einer Unklarheit
über den Bestand, Nichtbestand oder Umfang öffentlichrechtlicher Rechte und
Pflichten interessiert ist, weil er sonst Gefahr laufen würde, ihm nachteilige
Massnahmen zu treffen oder zu unterlassen. Eine Feststellungsverfügung ist aber nur
subsidiär, indem sie hinter die Möglichkeit der Ergreifung eines gestaltenden
Rechtsmittels zurückzutreten hat (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum
Zürcher Steuergesetz, 3. Aufl. 2013, N 95 ff. zu § 139).
Wer der Steuerhoheit eines Kantons gemäss dem Doppelbesteuerungsrecht nicht
unterliegt, darf in diesem Kanton weder mit einer Steuer belegt noch auch nur in ein
Steuerveranlagungsverfahren einbezogen werden. Der zur Veranlagung
herangezogenen Person muss daher ein Anspruch auf einen Vorentscheid darüber
zustehen, ob sie einer bestimmten Steuerhoheit überhaupt unterliegt. Ein solcher
Entscheid muss und darf demzufolge nur dann gefällt werden, wenn die kantonale
Steuerhoheit als solche, das heisst der Bestand der subjektiven Steuerpflicht, in Frage
steht. Im Vorverfahren darf mithin nur darüber befunden werden, ob ein Betroffener im
Kanton überhaupt – sei es kraft Wohnsitzes, Liegenschaftsbesitzes oder Betriebsstätte
– subjektiv steuerpflichtig ist und damit letzten Endes, ob er über die einem
Steuerpflichtigen zustehenden Rechte verfügt und die einem solchen auferlegten
Verfahrenspflichten zu erfüllen hat. Ist diese Frage bejaht und bleibt lediglich streitig,
ob eine der Steuerhoheit des Kantons unterworfenen Person beschränkt oder
unbeschränkt steuerpflichtig ist oder ob sich im konkreten Fall kein steuerbares
Einkommen oder Vermögen im Kanton ergibt, so betrifft dies nicht den Bestand,
sondern den Umfang der subjektiven Steuerpflicht. Wie auch immer diese Frage
beantwortet wird, ändert nichts daran, dass der Steuerpflichtige der Steuerhoheit des
Kantons unterliegt und er sich in das Einschätzungsverfahren einlassen muss, mit allen
verfahrensrechtlichen Folgen, welche die Stellung als steuerpflichtige Person nach sich
zieht (VerwGE ZH SB.2012.00171 vom 18. Dezember 2013 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE
125 I 54 E. 1a, 62 I 75; VerwGE ZH SR.2016.00005 vom 22. Juni 2016 E. 3.2,
www.vgrzh.ch).
2.2. Die Beschwerdeführerin wehrt sich gegen den Rekursentscheid der Vorinstanz
vom 12. Dezember 2017, welchem das Schreiben des Beschwerdegegners vom
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25. April 2017 zugrunde liegt (vgl. act. 9/2/1). Die Verfahrensbeteiligten bestreiten nicht
(mehr), dass dem Schreiben vom 25. April 2017 Verfügungscharakter zukommt, soweit
damit ein Anspruch auf einen Vorentscheid verneint wurde, und dass die Vorinstanz
das entsprechende Schreiben gestützt auf Art. 182 Abs. 3 StG als sog. Sprungrekurs
entgegengenommen hat.
2.2.1. Der Beschwerdegegner hat am 27. April 2017 die Veranlagungsverfügungen für
die Kantonssteuern und die direkte Bundessteuer aufgrund der Rechnungsabschlüsse
per 31. Dezember 2008 und 31. Dezember 2009 eröffnet, wogegen die
Beschwerdeführerin gemäss der im vorinstanzlichen Verfahren unbestrittenen
Darstellung Einsprache erhoben hat. Die Vorinstanz erkannte daher zu Recht, dass die
Beschwerdeführerin in jenem Verfahren auch die Steuerpflicht bestreiten kann. Ein
Rechtsschutzinteresse am Erlass einer Feststellungsverfügung betreffend die
Steuerperioden 2008 und 2009 ist folglich zu verneinen, weshalb die Vorinstanz in
diesem Punkt zu Recht nicht auf den Rekurs eingetreten ist.
Im Übrigen setzte die Beschwerdeführerin selbst das entsprechende
Veranlagungsverfahren in Gang, indem sie die Steuererklärungen aufgrund der
Rechnungsabschlüsse per 31. Dezember 2008 und per 31. Dezember 2009 am
19. November 2009 bzw. am 2. Juni 2010 beim Beschwerdegegner eingereicht hatte
(act. 9/10/I/01 und II/01). Sie kann sich daher nicht im Nachhinein darauf berufen, im
Kanton St. Gallen überhaupt nicht steuerpflichtig zu sein. Ein solches Verhalten ist
widersprüchlich und verdient keinen Schutz. Daran ändert auch nichts, dass die
Beschwerdeführerin am 23. April 2018 – wohlgemerkt nach Rechtshängigkeit der
vorliegenden Beschwerde – der kantonalen Steuerverwaltung des Kantons Appenzell
Ausserrhoden eine Steuererklärung für das Jahr 2008 zukommen liess (act. 20/1).
Auffällig ist nebenbei, dass es sich dabei um die Steuererklärung 2016 handelt, bei
welcher die Jahreszahl handschriftlich – von wem auch immer – auf 2008 abgeändert
wurde (act. 20/2).
2.2.2. Unbestritten ist, dass die Veranlagungen 2006 und 2007 in Rechtskraft
erwachsen sind. Da im abgeschlossenen Rechtsmittelsystem die Möglichkeit zur
Erhebung einer Feststellungsverfügung nicht vorgesehen ist, ist ein Vorbescheid über
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die Steuerpflicht nicht möglich. Die Vorinstanz verneinte deshalb die Rekurslegitimation
auch hier zu Recht und trat entsprechend nicht auf den Rekurs ein.
2.2.3. Schliesslich ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im Kanton St. Gallen
über Grundeigentum verfügt. Damit ist sie gestützt auf wirtschaftlicher Zugehörigkeit
(vgl. Art. 72 Abs. 1 lit. c StG) zumindest beschränkt steuerpflichtig im Kanton
St. Gallen. Da die Frage, ob sie hier zudem unbeschränkt steuerpflichtig ist, den
Umfang – und nicht den Bestand – der subjektiven Steuerpflicht betrifft, unterliegt die
Beschwerdeführerin der Steuerhoheit des Kantons St. Gallen. Die Beweisauflage des
Beschwerdegegners für die Jahre 2010 bis 2012 ist daher nicht zu beanstanden,
weshalb die Vorinstanz schliesslich auch in diesem Punkt zu Recht einen
Nichteintretensentscheid gefällt hat.
2.3. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen steht fest, dass die Vorinstanz zu Recht
nicht auf den Rekurs eingetreten ist, weshalb die Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist. Bei diesem Verfahrensausgang erweist sich der
Sistierungsantrag als hinfällig.
3. [...]