Decision ID: 55534fee-d652-5024-964b-fe33a29ff7de
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- G. und. J. C.-H. wohnen in B. G.C. ist Inhaber einer Einzelfirma im Bereich der F.-
technik, während J. C.-H. als Physiotherapeutin selbständig erwerbstätig ist. Nachdem
das Ehepaar C.-H. die Steuererklärung 2001b nicht fristgerecht eingereicht hatte,
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wurde G.C. mit provisorischer Bussenverfügung vom 3. April 2003 zu einer Busse von
Fr. 200.-- verurteilt. In der Folge nahm die Veranlagungsbehörde für die Staats- und
Gemeindesteuern des Jahres 2001 eine Ermessensveranlagung mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 108'100.-- und ohne steuerbares Vermögen vor.
Innerhalb der Einsprachefrist reichten die Steuerpflichtigen die Steuererklärung samt
den Jahresabschlüssen 2001 ein. Sie machten darin unter anderem einen Abzug für
diverse Krankheitskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 16'513.-- geltend (vor Abzug
des Selbstbehaltes). Mit Einsprache-Entscheid vom 25. August 2003 hiess das
kantonale Steueramt die Einsprache weitgehend gut und nahm die Veranlagung
entsprechend der nachgereichten Steuererklärung vor. Bei den Krankheitskosten
wurden die Auslagen für die Vornahme einer In-vitro-Fertilisation-Behandlung bei
Prof.Dr. H. Z. in A. (Österreich) in der Höhe von Fr. 8'798.90 nicht zum Abzug
zugelassen. Es resultierte ein steuerbares Einkommen von Fr. 76'600.--.
B.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhoben G. und. J. C.-H. mit Eingabe vom 21.
September 2003 Rekurs an die Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
Kosten für die Behandlung bei Dr. Z. seien als Krankheitskosten zum Abzug
zuzulassen.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 27. Oktober 2003 lehnte der zuständige
Abteilungspräsident das Sistierungsgesuch des kantonalen Steueramtes ab.
Mit Vernehmlassung vom 4. November 2003 beantragt das kantonale Steueramt die
Abweisung des Rekurses.
Auf die weiteren von den Parteien zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 21. September 2003 ist rechtzeitig
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eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Umstritten ist die Abzugsfähigkeit der Kosten für In-vitro-Fertilisation (IVF) mit
Embryotransfer als Krankheitskosten im Sinn von Art. 46 lit. a StG. Die Rekurrenten
liessen bei Prof.Dr. H. Z. in A. im März 2001 und im Juli 2001 je eine IVF-Behandlung
durchführen. Die Kosten dafür belaufen sich inklusive Mehrwertsteuer auf insgesamt
Fr. 8'798.90.
a) Die Rekurrenten machen geltend, Sterilität sei eine Krankheit, die mit verschiedenen
Methoden behandelt werden könne, unter anderem mit homologer oder heterologer
Insemination, mit Hormonverabreichung sowie mit IVF. Die homologe Insemination
werde gemäss St. Galler Steuerbuch (abgekürzt: StB) zum Abzug zugelassen, die
anderen Methoden nicht. Dies stelle eine Verletzung des Grundsatzes der
Gleichbehandlung dar. Von der Krankenkasse werde die IVF nicht bezahlt, da sie nicht
in der Leistungsverordnung aufgeführt sei. Für den Steuerabzug könne die Behandlung
im Krankenversicherungsrecht jedoch nicht massgebend sein. Sei eine Leistung
kassenpflichtig, so stelle sich die Frage nach dem Steuerabzug gar nicht. Ferner
könnten beispielsweise Zahnarztkosten, die von der Krankenkasse nicht bezahlt
würden, bei den Steuern vom Einkommen abgezogen werden, obschon es sich bei
diesen Kosten ebenfalls nicht um Krankheitskosten im engeren Sinn handle. Die IVF
habe zudem einen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Betroffenen, auch wenn
rein physisch gesehen lediglich von einer Symptombehandlung gesprochen werden
müsse. Die medizinische Indikation sei vorliegend gegeben, die Möglichkeit, auf
natürliche Weise oder durch homologe Insemination ein Kind zu bekommen, liege bei 0
%. Auch volkswirtschaftlich sei es unsinnig, die IVF nicht zum Abzug zuzulassen, da
aus diesen Behandlungen künftige Steuerzahler hervorgingen.
Die Vorinstanz bringt im Wesentlichen vor, in den einzelnen Kantonen existiere zur
Frage der Abziehbarkeit der IVF als Krankheitskosten eine unterschiedliche Praxis. Der
Kanton Zürich lasse den Abzug im Gegensatz zu den Kantonen Aargau, Solothurn und
Obwalden zu. Da Krankheitskosten grundsätzlich als Lebenshaltungskosten zu
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qualifizieren seien, rechtfertige sich eine einschränkende Interpretation derselben
dahingehend, dass nur jene Aufwendungen zum Abzug zuzulassen seien, die in
direktem und unmittelbarem Zusammenhang zur Krankheit stehen würden.
Kinderlosigkeit an sich sei keine Krankheit, sondern höchstens die Folge einer solchen.
Die Kosten für eine IVF würden sich daher nur indirekt aus einer allfälligen Krankheit
ergeben und seien somit nicht abzugsfähig. Die Auffassung des Kantons Zürich, der
auch Kosten für Behandlungen, die einen Krankheitszustand durch Ersatzmassnahmen
beheben, zum Abzug zulasse, gehe zu weit. Die IVF behebe den der Kinderlosigkeit
zugrunde liegenden Krankheitszustand nicht und stelle auch keine Ersatzmassnahme
zur Überwindung oder Linderung der Krankheit selber dar. Die ursächliche Krankheit
bleibe durch die IVF vielmehr völlig unbeeinflusst. Was die Weisung im Steuerbuch,
wonach Kosten für die homologe Insemination abzugsfähig seien, angehe, so sei diese
Weisung toter Buchstabe geblieben. Da die Krankenkassen die Kosten dafür
übernehmen würden, habe sich diese Frage bis anhin noch gar nie gestellt. Diese
Weisung werde jedoch nach dem definitiven Entscheid in dieser Sache entsprechend
abgeändert. Die medikamentöse Hormonbehandlung greife korrigierend und
unterstützend in den Hormonhaushalt ein und wirke damit heilend oder zumindest
lindernd auf die gesundheitliche Störung. Folglich sei eine Differenzierung in der
Behandlung der steuerlichen Abzugsfähigkeit zur IVF objektiv begründbar und
angebracht.
b) Art. 46 lit. a StG sieht vor, dass die Krankheits-, Unfall- und Invaliditätskosten des
Steuerpflichtigen und der von ihm unterhaltenen Personen, soweit der Steuerpflichtige
die Kosten selbst trägt und diese zwei Prozent der Nettoeinkünfte übersteigen, von den
Nettoeinkünften abgezogen werden können.
Gemäss dem Kreisschreiben Nr. 16 der Eidgenössischen Steuerverwaltung vom 14.
Dezember 1994 (ASA 63, S. 727 f.) werden die Ausgaben für medizinische
Behandlungen, d.h. die Kosten für Massnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung
der körperlichen und psychischen Gesundheit, insbesondere die Kosten für ärztliche
Behandlungen, Spitalkosten sowie Auslagen für Medikamente und Heilmittel,
medizinische Apparate, Brillen etc., zu den Krankheitskosten gerechnet. Auch
Zahnbehandlungskosten inklusive Dentalhygiene sind den Krankheitskosten
gleichgestellt, ebenso ärztlich angeordnete Heilmassnahmen wie Massagen,
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Bestrahlungen und Heilbäder, sofern die Leistungen von der Krankenkasse anerkannt
werden. Die Auslagen für einen ärztlich verordneten Kur- oder Erholungsaufenthalt
gelten ebenfalls als Krankheitskosten (vgl. Kreisschreiben, S. 728). All diese Kosten
können jeweils in jenem Umfang abgezogen werden, in dem sie vom Steuerpflichtigen
selbst bezahlt werden müssen, d.h. nicht durch Leistungen einer öffentlichen oder
privaten Versicherungseinrichtung (Krankenkasse, Krankenversicherung,
Haftpflichtversicherung eines Dritten) gedeckt sind oder sonst von einer Drittperson mit
oder ohne Rechtspflicht (z.B. Verursacher eines Unfalls, Fürsorgeamt usw.) getragen
werden. Die Möglichkeit, Krankheitskosten von den Einkünften abzurechnen, bildet
eine Ausnahme vom Grundsatz, wonach Lebenshaltungskosten prinzipiell nicht
abzugsfähig sind (vgl. Reimann/Zuppinger/Schärrer, Kommentar zum Zürcher
Steuergesetz, II. Band, Bern 1963, N 97 zu § 25). Es rechtfertigt sich daher
grundsätzlich, den Begriff der Krankheitskosten einschränkend zu interpretieren und
nur jene Aufwendungen zum Abzug zuzulassen, die in einem direkten Zusammenhang
mit einer Krankheit bzw. einem Gebrechen stehen. Nicht als Krankheitskosten gelten
demnach Auslagen für Verjüngungs- oder Schönheitsbehandlungen, für Schlankheits-
oder Fitnesskuren und dergleichen (Kreisschreiben, S. 727). Bei gewissen Krankheiten
bzw. Gebrechen, bei denen sich die Abgrenzung zwischen direktem und indirektem
Zusammenhang als besonders schwierig erweist, wird in der Regel ein Pauschalbetrag
als Krankheitsaufwendung zum Abzug zugelassen (VRKE I/1 vom 25. Februar 1999 i.S.
H. u. A. T.-F., S. 3 f.; VRKE I/1 vom 15. Juni 1994 i.S. D. u. C. Sch., S. 5 f.).
In StB 46 Nr. 1 wird für zahlreiche ärztliche Leistungen aufgezählt, ob diese als
Krankheitskosten abzugsfähig sind. Die Kosten für die homologe künstliche
Insemination werden zum Abzug zugelassen, wobei festgehalten wird, dass diese
Behandlung zu den Pflichtleistungen der Krankenkasse gehöre. Weder die Auslagen für
künstliche Befruchtungen der Frau mit IVF und Embryotransfer noch jene für
Hormonkuren zur Her- bzw. Wiederherstellung der Empfängnisfähigkeit der Frau stellen
gemäss StB abzugsfähige Krankheitskosten dar.
c) Unter der Sterilität versteht man den Zustand der Unfruchtbarkeit der Frau bzw. der
Zeugungsunfähigkeit des Mannes. Klinisch relevant ist eine ungewollte Kinderlosigkeit
eines Paares über ein bis zwei Jahre trotz regelmässigem ungeschütztem
Geschlechtsverkehr. Die Sterilität kann verschiedene Ursachen haben (vgl. Näheres
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dazu in: W. Pychrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Aufl. 2002, S. 1586). Als Folge
der Sterilität ist der oder die Betroffene nicht in der Lage, auf natürliche Weise ein Kind
zu zeugen. Je nach Ursache des Defekts stehen verschiedene Methoden zur
Verfügung, um die Sterilität zu überwinden. In gewissen Fällen kann die Fruchtbarkeit
bzw. Zeugungsfähigkeit mit einem operativen Eingriff wiederhergestellt werden. Mittels
hormoneller Stimulation können Störungen der Eizellenreifung bei der Frau behandelt
werden. Bei der künstlichen Insemination werden Samenzellen instrumentell ohne
Geschlechtsverkehr gezielt und zum richtigen Zeitpunkt in die Gebärmutter eingeführt.
Es wird unterschieden zwischen homologer und heterologer (mit Samenzellen eines
Dritten) Insemination. Gametentransfer ist die instrumentelle Einführung einer
befruchtungsfähigen Eizelle zusammen mit Samenzellen in die Gebärmutter oder in
einen Eileiter zwecks Befruchtung. IVF ist die Verschmelzung einer Eizelle mit einer
Samenzelle ausserhalb des Mutterleibes. Mittels Embryotransfer wird die befruchtete
Eizelle anschliessend in die Gebärmutter eingeführt. Eine besondere Form der IVF stellt
die sogenannte intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) dar. Hier wird das
Spermium unter dem Mikroskop mit einer Glaspipette direkt in die Eizelle injiziert. Auch
bei der IVF ist die hormonelle Stimulation erforderlich, um die Follikelproduktion der
Frau anzuregen. Dadurch ist es möglich, mit einer einzigen Punktion mehrere Eizellen
zu gewinnen. Die Erfolgsraten der IVF liegen derzeit bei rund 20 – 25 % pro
Behandlungszyklus. Im Durchschnitt braucht es vier Behandlungszyklen, um eine 50%-
ige Geburtsrate zu erreichen. In der Schweiz sind heute ca. 1 % der Geburten auf eine
IVF-Behandlung zurückzuführen (vgl. zum Ganzen Bundesgesetz über die medizinisch
unterstützte Fortpflanzung, SR 814.90, abgekürzt: FMedG, sowie act. 2/5: publifocus
zur IVF vom Juni 2003: "Wenn Kindersegen keine Selbstverständlichkeit ist", in Auftrag
gegeben vom Bundesamt für Sozialversicherung und vom Zentrum für
Technologiefolgen-Abschätzung, S. 7 f.).
d) Nach Art. 1a des Bundesgesetz über die Krankenversicherung (SR 832.10,
abgekürzt: KVG) gewährt die soziale Krankenversicherung in erster Linie Leistungen bei
Krankheit. Nach Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (SR 830.1, abgekürzt: ATSG) ist unter Krankheit jede
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines
Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder
eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat, zu verstehen. Gemäss dieser Definition handelt
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es sich bei der Sterilität zweifellos um eine Krankheit. Das Eidgenössische
Versicherungsgericht hat bereits vor Geltung des ATSG erwogen, dass der Sterilität in
der Regel Störungen zugrunde liegen, die durch pathologische Vorgänge verursacht
worden sind. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Sterilität daher als Krankheit, die
grundsätzlich zu Pflichtleistungen der Krankenkasse Anlass gibt (BGE 125 V 296, 121 V
296, 119 V 28).
Nach Art. 32 Abs. 1 KVG muss es sich bei einer Leistung, für welche die obligatorische
Krankenpflegeversicherung aufzukommen hat, um eine wissenschaftlich anerkannte
Therapiemassnahme handeln, welche wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist.
Ziel des KVG ist es, den Versicherten einerseits eine medizinische Grundversorgung
von guter Qualität zu gewährleisten, sie jedoch andrerseits vor übermässiger, nicht
mehr tragbarer finanzieller Belastung durch zu hohe Prämien und Kostenbeteiligungen
zu schützen. Ferner obliegt es dem Gesetzgeber den Versicherungsnehmer vor
wissenschaftlich nicht erprobten, mit Risiken verbundenen Therapiemassnahmen zu
schützen und diese von der obligatorischen Leistungspflicht auszunehmen (StE 2003 B
27.5 Nr. 5).
Gemäss Anhang 1 zur Krankenpflege-Leistungsverordnung (SR 832.112.31, abgekürzt:
KLV) sind die Kosten für die künstliche Insemination (sowohl die homologe als auch die
heterologe) aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (höchstens drei
Behandlungszyklen pro Schwangerschaft) zu bezahlen. Die IVF mit Embryotransfer
wird nicht bezahlt. Hormonbehandlungen der Frau sind kassenpflichtig, sofern das
betreffende Medikament in der Spezialitätenliste aufgeführt ist.
Für die Abzugsfähigkeit aus steuerrechtlicher Sicht sind jedoch nicht dieselben
Kriterien wie bei der Krankenpflegeversicherung massgebend. So können
beispielsweise Zahnarztkosten, die von der Krankenpflegeversicherung grösstenteils
ausgeschlossen sind (vgl. Art. 31 KVG), im Rahmen von Art. 46 lit. a StG geltend
gemacht werden. Es ist ohnehin zu beachten, dass sich die Frage des steuerlichen
Abzugs in all jenen Fällen, wo die Krankenversicherung Leistungen erbringt, gar nicht
oder nur untergeordnet stellt (höchstens im Betrag des gewählten Selbstbehalts).
Folglich ist unabhängig von der Leistungspflicht gemäss obligatorischer
Krankenpflegeversicherung zu entscheiden, ob die Kosten für eine IVF-Behandlung im
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Sinn von Art. 46 lit. a StG abziehbar sind. Im Rahmen der Behebung der Kinderlosigkeit
ist lediglich zu prüfen, ob eine legale, ärztliche Behandlung medizinisch indiziert ist und
zur Beseitigung oder Linderung eines Krankheitszustands führt oder zur Erhaltung der
Gesundheit beiträgt.
e) In der vorliegenden Streitsache besteht beim Rekurrenten eine Sterilität und damit
eine Krankheit. Die Rekurrenten haben deswegen im Jahr 2001 zweimal eine IVF-
Behandlung durchführen lassen. Bei der IVF mit anschliessendem Embryotransfer
handelt es sich um ein in der Schweiz zulässiges Fortpflanzungsverfahren (vgl.
FMedG). Die beiden Behandlungen wurden in Österreich vorgenommen. Unabhängig
davon waren sie medizinisch indiziert und wurden von einem Arzt durchgeführt. Die
Vorinstanz macht unter Verweis auf einen Entscheid des Solothurner Steuergerichts
(StE 2002 B 27.5 Nr. 4) geltend, die Kinderlosigkeit sei nur die Folge einer Krankheit.
Die künstliche Befruchtung habe keinerlei Einfluss auf die Krankheit selbst und stelle
auch keine Ersatzmassnahme zur Überwindung derselben dar. Es lägen daher
mittelbare Kosten vor, die sich nur indirekt aus einer Krankheit ergeben würden.
Es trifft zu, dass die Kinderlosigkeit selbst keine Krankheit, sondern die Folge einer
bestehenden Krankheit, namentlich der Sterilität, ist. Die Besonderheit im Vergleich zu
den meisten anderen Erkrankungen besteht jedoch darin, dass die Sterilität auf die
körperliche Gesundheit des oder der Betroffenen in der Regel keine negativen
Auswirkungen hat. Diese Personen haben meist keine krankheitsbedingten Symptome
im klassischen Sinn, leben beschwerdefrei und bedürfen für ihr körperliches
Wohlbefinden keiner medizinischen Behandlung. Die Krankheit äussert sich vielmehr
darin, dass die Fortpflanzung auf natürlichem Weg nicht zustande kommt. Auf die
psychische Gesundheit der Betroffenen kann die Sterilität hingegen umso grössere
Auswirkungen haben. Die Ursache der Sterilität und damit die Krankheit an sich kann
nur in wenigen Fällen – so beispielsweise bei Störungen der Eizellenreifung mit einer
Hormonbehandlung (zumindest vorübergehend) oder bei Verwachsungen mit einem
operativen Eingriff – beseitigt werden. Viel häufiger kommt es jedoch vor, dass die
Sterilität nicht beseitigt werden kann. Die Befruchtung muss mittels Insemination
begünstigt oder mittels IVF künstlich vorgenommen werden. Es ist auch zu beachten,
dass die Behebung der Sterilität für sich allein kaum je den eigentlichen
Behandlungszweck darstellen dürfte. Ziel der ärztlichen Vorkehren bei Sterilität ist in
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der Regel die Herbeiführung einer Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes.
Insofern sind ärztliche Behandlungen bei Sterilität stets auf die Behebung der
Kinderlosigkeit und nicht der Krankheit selbst gerichtet. Vor diesem speziellen
Hintergrund kann es nicht angehen, für die steuerliche Anerkennung als
Krankheitskosten in jedem Fall die Behebung der Krankheitsursache zu verlangen. Bei
den beschriebenen Fällen und auch im vorliegenden ist die Ursachenbeseitigung und
damit die Wiederherstellung der körperlichen Gesundheit medizinisch gar nicht
möglich. Es gibt jedoch medizinisch anerkannte Massnahmen, mit denen die
ansonsten nicht stattfindende natürliche Befruchtung gezielt begünstigt oder künstlich
vorgenommen werden kann. Die Aufwendungen dafür stehen mit der Erkrankung in
einem direkten und unmittelbaren Zusammenhang. Ob es letztlich tatsächlich zu einer
Schwangerschaft und Geburt eines Kindes kommt, spielt dabei keine Rolle. Es
rechtfertigt sich daher, sowohl die künstliche Insemination als auch die IVF unter die
Massnahmen zur Wiederherstellung der Gesundheit zu subsumieren und die Kosten
dafür gemäss Art. 46 lit. a StG grundsätzlich zum Abzug zuzulassen. Hinzu kommt,
dass diese Behandlungen in vielen Fällen, insbesondere bei erfolgreichem Abschluss,
zur Wiederherstellung der psychischen Gesundheit der Betroffenen führen. Bei
Ausbleiben des Erfolgs kann das Wissen daran, alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu
haben, ebenfalls der Erhaltung der psychischen Gesundheit dienen.
Die Ansicht der Vorinstanz würde zum unbilligen Ergebnis führen, dass die Kosten
einer operativen oder medikamentösen Behandlung der Sterilität im Gegensatz zu
jenen einer künstlichen Insemination oder IVF steuerrechtlich als Krankheitskosten zu
qualifizieren wären, obschon sich die einzelnen Massnahmen hinsichtlich des Ziels
nicht unterscheiden. Ferner hält die Vorinstanz ihre Definition der Krankheitskosten
selbst nicht konsequent ein. Gemäss StB 46 Nr. 1 sind Hormonkuren für die Her- bzw.
Wiederherstellung der Empfängnisfähigkeit der Frau nämlich nicht abziehbar, obschon
diese Behandlung die Krankheitsursache beseitigt. Da es sich im Fall der Sterilität um
einen speziell gelagerten Einzelfall handelt, steht die bei der Anerkennung von
Krankheitskosten grundsätzlich restriktive Interpretation der Zulassung nicht entgegen.
Schliesslich ist zu beachten, dass auch bei anderen Erkrankungen (z.B. Diabetes Typ I
oder Epilepsie) häufig keine Ursachenbeseitigung, sondern eine reine
Symptombehandlung stattfindet.
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Anzufügen bleibt, dass sich bei diesem Ergebnis unweigerlich die Frage nach der
steuerrechtlich zuzulassenden Anzahl solcher Behandlungen wie auch nach dem Alter
der Frau stellt. Diese Fragen brauchen jedoch im vorliegenden Fall, wo lediglich zwei
Behandlungen innerhalb eines Jahres durchgeführt worden sind und die Rekurrentin
damals 39 Jahre alt war, nicht beantwortet zu werden.
f) Folglich sind die von den Rekurrenten für zwei IVF-Behandlungen selbst bezahlten
Kosten in der Höhe von Fr. 8'798.90 zum Abzug zuzulassen sind. Insgesamt sind damit
unter dem Titel Krankheitskosten nach Berücksichtigung des Selbstbehalts von 2 %
(Fr. 1'811.--) Fr. 14'702.-- statt vorher Fr. 5'903.-- abzugsfähig. Daraus ergibt sich für
das Jahr 2001 neu ein steuerbares Einkommen von Fr. 67'888.--. Die
Vermögensveranlagung war nicht angefochten.
Der Rekurs ist demzufolge gutzuheissen und der Einsprache-Entscheid des kantonalen
Steueramtes vom 25. August 2003 aufzuheben. Die Rekurrenten sind für 2001 mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 67'800.-- und ohne steuerbares Vermögen zu
veranlagen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist angemessen (vgl.
Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, den
Rekurrenten den geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.