Decision ID: 1f8a7e81-3a1f-4d9f-98b6-acceea77341e
Year: 2001
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Der Stadtrat X genehmigte am 24. Januar 2001 die Bauabrechnung für den Quartierplan Z und erteilte der Finanzabteilung den Auftrag, die Saldi zulasten bzw. zugunsten der Grundeigentümer nach Rechtskraft des Beschlusses bei diesen einzufordern bzw. ihnen auszuzahlen. Der Beschluss enthielt eine Rechtsmittelbelehrung, wonach innert 30 Tagen von der Zustellung an gerechnet schriftlich Rekurs bei der Baurekurskommission IV erhoben werden könne (Dispositiv-Ziffer 3 Abs. 1). Damit verbunden war ein Hinweis darauf, dass die betroffenen Grundeigentümer "während der Rekursfrist Gelegenheit" erhielten, "die Bauabrechnung und die Abrechnung der von den Grundeigentümern geleisteten Kostenvorschüsse ... einzusehen" (Dispositiv-Ziffer 3 Abs. 2). A wurde der Beschluss am 30. Januar 2001 zugestellt.
II. Dagegen erhob A am 2. März 2001 Rekurs an die Baurekurskommission IV. Diese trat mit Beschluss vom 12. April 2001 auf das Rechtsmittel wegen Verspätung nicht ein.
III. Am 2. Mai 2001 wandte sich A gegen den Beschluss der Baurekurskommission mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht und beantragte die Wiederherstellung der versäumten Frist sowie die Aufhebung von Ziff. I des angefochtenen Entscheids. Die Baurekurskommission beantragte am 15. Mai 2001 die Abweisung der Beschwerde, ebenso der Stadtrat X mit Beschwerdeantwort vom 29. Mai 2001.

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. Auf vorliegende Beschwerde ist gemäss § 41 in Verbindung mit § 19b Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997 (VRG) einzutreten. Da der Angelegenheit gemäss der Rekursschrift ein Streitwert von über Fr. 20'000.- zukommt, hat nach § 38 VRG die Kammer zu entscheiden.
2. a) Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, mit seiner Eingabe an die Baurekurskommission IV die Rekursfrist von 30 Tagen gemäss § 22 Abs. 1 VRG nicht eingehalten zu haben. Er bringt jedoch vor, vom Bausekretär der Stadt X die Auskunft erhalten zu haben, die "Einsprachefrist" laufe bis zum 2. März 2001. Sinngemäss verlangt er damit, dass aufgrund des Grundsatzes des Vertrauensschutzes im vorliegenden Fall von der Einhaltung der Rekursfrist abgesehen bzw. diese wiederhergestellt werde.
b) Der Anspruch der Einzelnen auf Behandlung nach Treu und Glauben wird heute durch Art. 9 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 ausdrücklich geschützt und wurde bereits aus Art. 4 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 abgeleitet.
c) Damit Behörden – allenfalls auch entgegen geltendem Recht – aufgrund des Grundsatzes des Vertrauensschutzes an eigene Auskünfte und Zusicherungen gebunden werden, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein (vgl. Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. A., Zürich 1998, Rz. 532 ff.; Beatrice Weber-Dürler, Vertrauensschutz im öffentlichen Recht, Basel/Frankfurt a.M. 1983, S. 79 ff.):
Erstens muss eine Handlung eines staatlichen Organs vorliegen, die bei betroffenen Privaten bestimmte Erwartungen auszulösen geeignet ist. Auch eine Auskunft kann eine solche Vertrauensgrundlage darstellen, falls sie genügend bestimmt ist und deren unmittelbare Empfänger sich auf sie beruft (Häfelin/Müller, Rz. 563 ff.; differenziert Weber-Dürler, S. 204 ff.). Vorausgesetzt ist im Weiteren, dass die Privatperson die auskunfterteilende Behörde in guten Treuen für zuständig halten durfte, dass die Auskunft vorbehaltlos gegeben wurde sowie namentlich, dass dem Privaten deren Unrichtigkeit nicht erkennbar war. Die Auskunft muss deren Empfänger zu einer für ihn nachteiligen Disposition bewogen haben, die sich nachträglich nicht mehr ohne Weiteres rückgängig machen lässt. Sodann ist eine Auskunft nur in Bezug auf denjenigen Sachverhalt verbindlich, welcher der erteilenden Behörde zur Kenntnis gebracht wurde, und steht unter dem Vorbehalt seither erfolgter Rechtsänderungen.