Decision ID: 53440e85-4b72-472d-bcee-5a46c9f6bce3
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1955,
meldete sich am 4. September 2009
wegen Lungenbeschwerden
zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (Urk. 5/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug; Urk. 5/5
, Urk. 5/16
), Akten des K
r
ankentaggeldversicherers (Urk. 5/8)
sowie des Unfallversicherers (Urk. 5/19, Urk. 5/23
, Urk. 5/32
)
,
Arbeitgeberberichte (Urk. 5/9-10)
sowie
Arzt
berichte
(Urk. 5/14-15, Urk. 5/24-27, Urk. 5/29-31
, Urk. 5/36-39
, Urk. 5/43
, Urk. 5/45
) ein.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 5/51) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 1. Oktober 2012 vom 1. März bis 30. November 2010 eine befristete halbe Rente zu (Urk. 5/66, Begründungsteil Urk. 5/59 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1. Oktober 2012 (Urk. 2) reichte der Versicherte am 31. Oktober 2012 (Poststempel vom 5. November 2012) Beschwerde ein und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und ihm sei eine ganze Rente auszu
richten, eventuell sei eine polydisziplinäre Begutachtung anzuordnen (Urk. 1 S. 1). Mit Verfügung vom 7. November 2012
wurde der IV-Stelle eine Frist zur Stellungnahme zur Beschwerde sowie zu deren Rechtzeitigkeit angesetzt (Urk. 3). Mit Beschwerdeantwort vom 5. Dezember 2012 beantragte die IV-Stelle, auf die Beschwerde sei mangels rechtzeitiger Beschwerdeerhebung nicht einzutreten, eventuell sei diese abzuweisen (Urk. 4). Dies wurde dem Beschwer
deführer am 7. Dezember 2012 zur Kenntnis gebracht (Urk. 6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Berechnet sich eine Frist nach Tagen oder Monaten und bedarf sie der Mittei
lung an die Parteien, so beginnt sie am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (
Art.
38
Abs.
1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
, ATSG
). Bedarf sie nicht der Mitteilung an die Parteien, so beginnt sie am Tag nach ihrer Auslösung zu laufen (
Art.
38
Abs.
2 ATSG). Fällt der letzte Tag auf einen Samstag, einen Sonntag oder einen am Wohnsitz oder Sitz der Partei oder ihrer Vertretung vom kantonalen Recht anerkannten Feiertag, so endet die Frist am nächsten Werktag (
Art.
38
Abs.
3 ATSG). Schriftliche Einga
ben müssen spätestens am letzten Tag der Frist dem Versicherungsträger ein
gereicht oder zu dessen Händen der Schweizerischen Post oder einer schweize
rischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (
Art.
39
Abs.
1 ATSG). Gelangt die Partei rechtzeitig an einen unzuständigen Versicherungsträger, so gilt die Frist als gewahrt (
Art.
39
Abs.
2 ATSG). Genannte Bestimmungen sind sinngemäss auch im Rechtspflegeverfahren anwendbar (
Art.
60
Abs.
2 ATSG).
1.2
Nach der Rechtsprechung ist es Sache der Verwaltung, den Be
weis zu erbringen, dass und gegebenenfalls in welchem Zeit
punkt ihre Verfügung der angeschrie
benen Person zugestellt worden ist; da
gegen hat die
beschwerdeführende
Per
son den Nachweis für die rechtzei
tige Einreichung ihrer Beschwerde zu leisten (BGE 103 V 63 E. 2a, 99
Ib
356 E. 2; ZAK 1987, 50, E. 3). Weil der
So
zialversi
cherungsprozess
von der Untersuchungsmaxime be
herrscht wird, handelt es sich dabei nicht um die subjektive Beweisführungslast (
Art.
8 ZGB), sondern in der Regel nur um die sog. objektive Beweislast in dem Sinne, dass im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zuungunsten jener Partei aus
fällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 111 E.
bb
mit Hinweisen).
Wählt der Versicherungsträger den Versand mit gewöhnlicher Post, so kann er auf postalischem Weg den Nachweis nicht erbringen, dass und wann eine Ver
fügung der angeschriebenen Person ordnungsgemäss zu
gestellt worden ist. In diesem Fall obliegt es ihm, die Zu
stellung mit anderen Mitteln zu beweisen bzw. mindestens glaubhaft zu machen (BGE 99
Ib
356 f.; ARV 1977 Nr. 35).
1.3
Gegen die Verfügungen vom 1. Oktober 2012 (Urk. 2)
erhob der Beschwerdefüh
rer am 31. Oktober 2012 (Poststempel vom 5. November 2012) Beschwerde (Urk. 1). Er machte geltend, die strittige Verfügung sei ihm am 7. Oktober 2012 zugegangen (S. 2 Ziff. 2).
Die Beschwerdegegnerin hingegen stellt sich auf den Standpunkt, die angefoch
tene Verfügung sei am selben Tag, wie sie an den Beschwerdeführer versandt worden sei, auch an die Pensionskasse verschickt worden. Die Pensionskasse habe mit Schreiben vom 4. Oktober 2012 in Bezug auf die angefochtene Verfü
gung ei
ne Rückfrage gestellt. Da
mit
sei aus der Tatsache der Zustellung der Verfügung an die Pensionskasse mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausge
wiesen, dass der angefochtene Entscheid beim Beschwerdeführer spätestens am 4. Oktober 2012 eingegangen sei. Auf die verspätete Beschwerde sei daher nicht einzutreten (Urk. 4).
1.4
Selbst wenn, wie die Beschwerdegegnerin darlegte, die angefochtene Verfügung dem Beschwerdeführer bereits am 4. Oktober 2012 zugegangen wäre, so beginnt die 30-tägige Frist am 5. Oktober 2012 zu laufen und endet - da der letzte Tag
der Frist auf den Samstag, 3. November 2012, fällt - am 5. November 2012 (vgl. E. 1.1). Damit ist die Beschwerde rechtzeitig erfolgt und es ist darauf einzutre
ten.
2.
2.1
Die den Invaliditätsgrad und dessen Bemessung betreffenden rechtlichen Grund
lagen (Art. 28 und Art. 29 des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung, IVG; Art. 16 ATSG) sowie die Voraussetzungen zur Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente (Art. 88a Abs. 1 und Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. a der Verord
nung über die Invalidenversicherung, IVV) sind im angefochtenen Entscheid zutreffend wiedergegeben (Urk. 2 S. 1). Darauf kann, mit den nachfolgenden Ergänzungen, verwiesen werden.
2.2
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a IVV fest
zusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Ren
tenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der
Rentenzu
sprechung
oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung bzw. Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E.
1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird
be
schwerdeweise
einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 f. E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei
ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
davon aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 25. Oktober 2008 erheblich in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Aus ärztlicher Sicht sei ihm nach Ablauf des Wartejahres (Oktober 2009) weder die bisherige Tätigkeit als Chauffeur noch eine andere leidensangepasste Tätigkeit zumutbar gewesen. Ab dem 1. März 2010 habe sich der Gesundheitszustand wesentlich verbessert und ihm sei die bisherige Tätigkeit wieder zu 50 % zumutbar gewesen. Ab dem 16. August 2010 sei ihm sodann eine leidensangepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar. Der Gesundheitszustand habe sich ab dem 3. März 2011 wegen einer postoperativen Phase vorübergehend wieder verschlechtert, was jedoch nicht zu berücksichti
gen sei, da die Verschlechterung weniger als drei Monate gedauert habe. Da die Anmeldung am 16. September 2009 eingegangen sei und der Leistungsanspruch frühestens sechs Monate nach Geltendmachung des Anspruches entsteht, habe der Beschwerdeführer erst ab 1. März 2010 Anspruch auf eine halbe Rente
. Der Rentenanspruch sei gestützt auf Art. 88a Abs. 1 IVV bis zum 30. November 2010 zu befristen
(Urk. 2 Verfügungsteil 2 S. 1)
.
3.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer sinngemäss auf den Stand
punkt, seine Gesundheit habe sich nicht verbessert, sondern sein Zustand sei immer schlimmer geworden. Er lebe mit konstanten Schmerzen und suche re
gel
mässig seine
n Hausarzt auf. Eine Rückkehr
in
seine
n
Beruf sei unrealistisch
. Sein Fall sei ungenügend abgeklärt worden
(Urk. 1 S. 2).
3.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht eine befristete
halbe
Rente zusprach und einen weitergehenden Rentenanspruch verneinte.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer wurde wegen eines Status nach Oberlappen-Pneumonie rechts im Oktober 2008 mit Husten und Atemnot von sei
nem Hausarzt,
Dr.
med.
Y._
,
Facharzt FMH für Radio-Onkologie/Strahlentherapie,
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (Bericht vom 23. Januar 2009, Urk. 5/8/8; vgl. auch Bericht vom
Z._
vom
9.
Dezember 2008 sowie vom 9. Januar 2009, Urk. 5/8/9-10).
4.2
Am 28. Oktober 2009 zog sich der Beschwerdeführer bei einem Reifenwechsel
eine vollständige Ruptur der
Biz
epssehne
im Ellbogengelenk rechts zu, welche operativ versorgt wurde (vg
l. Berichte
Z._
vom 10. und
13. November 2009, Urk. 5/14/5-7
; vgl. auch Unfallmeldung vom 21. Dezember 2009, Urk. 5/19/46
).
4.3
Mit Bericht vom 8. Januar 2010 (Urk. 5/14/1-4) stellte
Dr.
Y._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
schwer einstellbare Hypertonie
COPD Stadium I
Verdacht auf
Malignom
bei Status nach schwerer
Bronchopneumonie
2009
Status nach
Bizepsruptur
rechts am 28. Oktober 2009
Nephrolithiasis
rechts
larvierte Depression
rezidivierendes Ulc
us
Der Beschwerdeführer leide an Atemnot, Schmerzen und Unmöglichkeit, den rechten Arm zu bewegen. In der
bisherigen Tätigkeit sei er vom
10. November 2008 bis 20. April 2009 zu 100 % und danach zu 50 % arbeitsunfähig (S. 2 Ziff. 1.6 f.).
4.4
Die Ärzte des
Z._
attestierten dem Beschwerdeführer aufgrund des
Status nach
Reinsertion
der
Biz
epssehne
rechts
bei distaler
Biz
epssehnen
ruptur
vom 28. Oktober 2009 bis 28. Februar 2010 eine 100%ige
Arbeitsfähig
keit in seiner bisherigen Tätigkeit als Chauffeur. Da der Beschwerdeführer nur noch eine ihn störende Hyposensibilität im Bereich des volaren Vorderarmes bis zum Handgelenk beklagte, ansonsten jedoch keine Beschwerden im
Ellenbogen
gelenk
mehr bestünden, sei die Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit a
b dem 1. März 2010
zu 100 % vereinbart worden.
Nach Wiederaufnahme der Arbeit nahmen die Schmerzen im Bereich des rech
ten Armes jedoch wieder zu, weshalb die Ärzte des
Z._
dem Beschwerdeführer
schliesslich ab 1. März 2010
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in seiner bisherigen Tätigkeit als Chauffeur
attestierten
(Bericht vom 11. Mai 2010, Urk. 5/15/6-7
; vgl. auch Berichte vom 8. Februar und 30. April 2010, Urk. 5/15/8-9
).
4.5
Anlässlich der Untersuchung vom 2. Juni 2010 (Urk. 5/19/4-6) führte
Kreisarzt
Dr.
med.
A._
,
Facharzt FMH für Physikalische Medizin und Reha
bilitation, aus, er habe den Eindruck, dass aktuell eine noch
belastungs
abhängige
Problematik im Bereich des operierten rechten Ellbogens bestehe. Er diagnostizierte einen Verdacht auf fortbestehende Tendinitis im Bereich der
reinserierten
distalen
Bizepssehne
rechts sowie eine
n
Verdacht auf Luxation oder Subluxation der langen
Bizepssehne
. Die aktuell attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als L
KW
-Chauffeur mit
Be
- und Entladetätigkeiten könne noch nicht weiter erhöht werden (S. 3 Ziff. 5).
4.6
Zwischen dem 16. August 2010 und dem
18. November 2011
wurde der Be
schwerdeführer
wegen Schulterbeschwerden rechts
regelmässig in der
B._
untersucht. Die dortigen Ärzte
diagnostizierten ein
subacromiales
Im
pingement
Schulter rechts und
attestierten ihm
ab dem 16. August 2010
(und bis auf weiteres)
in der bisherigen Tätigkeit als Chauffeur eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit. Aufgrund einer
am 3. März 2011 erfolgten
Schultera
rthroskopie
rechts mit
Bizepstenotomie
,
subacromialer
Dekompression,
Acromioplastik
und AC-Resektion
wurde ihm zwischenzeitlich
vom Operationstag
bis zum 22. Mai 2011 eine vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Chauffeur attestiert (vgl. Berichte der
B._
vom 7. September 2010, Urk. 5/23/2-3;
Berichte vom 16. und 17. November 2010, Urk. 5/24-
27;
Bericht vom 6. Januar 2011, Urk. 5/29
;
Bericht vom 18. März 2011, Urk. 5/30/3-4
;
Ber
icht vom 5. Mai 2011, Urk. 5/31;
Bericht vom 2. August 2011, Urk. 5/37/3-4 [= Bericht vom 1. September 2011, Urk. 5/36/1-2];
Bericht vom 29. September 2011, Urk. 5/38; Bericht vom 18. November 2011, Urk. 5/43)
.
4.7
Pract
. med.
C._
,
Facharzt für Arbeitsmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
), fasste die bisherige Krankengeschichte wie folgt zusammen: Der Beschwerdeführer sei zwei Mal am rechten Arm operiert worden: Im November 2009 wegen einer distalen
Bizepssehnenruptur
rechts und im März 2011 sei we
gen anhaltenden Schulterschmerzen bei einem
subacromialen
Impingement
eine Schulterarthroskopie rechts durchgeführt worden.
Gestützt auf die Aktenlage sei der Beschwerdeführer seit Oktober 2008 in seiner bisherigen Tätigkeit als Chauffeur
wie folgt eingeschränkt: V
om 25. Oktober 2008 bis 30. April 2009 zu 100 % arbeitsunfähig, ab 1. Mai 2009 zu 50 % arbeitsfähig, ab 29. Oktober 2009 zu
100 % arbeitsunfähig und seit
1. März 2010
bis auf weiteres
zu 50 % arbeitsfähig
.
Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit seien keine
expliziten Angaben gemacht worden. Aufgrund der - im Einzelnen näher dar
gelegten (vgl. Urk. 5/49/7 unten) - anamnestischen Angaben und den
Befund
angaben
in den Berichten der
B._
sei
dem Beschwerdeführer seit dem Behandlungsbeginn in der
B._
ab 16. August 2010 eine an
gepasste Tätigkeit ohne vermehrten Kraftaufwand für den rechten Arm, ohne Heben und Tragen von mittelschweren und schweren Lasten, ohne
Überkopfar
beiten
und ohne Tätigkeiten mit Innenrotation zu 100 % zumutbar (Stellung
nahme vom 12. Oktober 2011 und vom 14. Februar 2012, Urk. 5/49/7-9).
5.
5.1
Aus den Berichten
der Ärzte
des
Z._
ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seitens des rechten Ellenbogengelenks erstmals im Verlauf vom Februar 2010 wieder schmerzfrei war und daher ab 1. März 2010 wieder zu 50 % arbeitsfähig geschrieben wurde (vgl. E. 4.4).
Anfangs Juni 2010
teilte
der Beschwerdeführer dem Kreisarzt
mit
, aktuell werde seine Therapie für den rechten Ellbogen umgestellt, was bereits eine gewisse Verbesserung der Beschwerden gebracht habe (Urk. 5/19/4-5). Rund zweieinhalb Monate später gab d
er Beschwerdeführer gegenüber den Ärzten der
B._
anlässlich der ersten Untersuchung am
16. August 2010
Folgendes an:
Am
28. Oktober 2009
habe
er sich die distale
Bizepsseh
ne
des rechten Armes gerissen
. Nach der Operation im November 2009 habe ein guter postoperativer Verlauf bestanden, jedoch sei ein Arbeitsversuch nach vier Monaten fehlge
schlagen. Seither leide er unter chronischen Schmerzen am rechten Arm, aktuell im Vordergrund seien bewegungsabhängige starke Schulterschmerzen im Be
reich des Deltamuskels. Von Seiten des Ell
en
bogens gehe es ihm gut. Nur wenn er einen vermehrten Kraftaufwand im rechten Arm habe, spüre er e
inen Schmerz in der rechten Ellen
bogenbeugeseite (Urk. 5/23/2).
5.2
Daraus ergibt sich, dass sich der gesundheitliche Zustand
erstmals ab März 2010 verbessert hat, da der Beschwerdeführer wieder komplett schmerzfrei war
. Die durch die Wiederaufnahme der Tätigkeit als Chauffeur verursachten Schmerzen waren nicht mehr objektivierbar, jedoch erachteten die Ärzte des
Z._
eine gewisse
Restansatztendinopathie
im Bereich der operierten
Bizeps
sehne
als
möglich
(vgl. Urk. 5/15/9)
. Auch aus Sicht des Kreisarztes bestand eine belastungsabhängige Restproblematik im Bereich des operierten rechten Ellbogens, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % rechtfer
tigte
(vgl. E. 4.5)
.
5.3
S
pätestens
ab Mitte August 2010 verbessert
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erneut. Insbesondere hat er
seither - ausser bei vermehrtem Kraftaufwand - keine Schmerzen mehr im operierten rechten Ellenbogengelenk.
Aufgrund der anhaltenden unklaren Schulterschmerzen wurde der Beschwer
deführer in der
B._
weiterbehandelt.
S
ämtliche Ärzte
gingen
spätestens ab März 2010 (und damit nach Ablauf des Wartejahres) von einer anhaltenden 50%igen Arbeitsunfähigkeit in seiner bisherigen Tätigkeit als Chauffeur mit
Be
- und Entladetätigkeit aus (vgl. E. 4.3 ff.). Bei der nach der Schulteroperation attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit zwischen
dem 3. März und dem 22. Mai 2011
handelte es sich um eine bloss vorübergehende vollständige Arbeitsunfähigkeit, welche weniger als drei Monate andauerte und daher
von der Beschwerdegegnerin zu Recht nicht berücksichtigt wurde (vgl. Urk. 2, Verfügungsteil 2 S. 2 unten).
5.4
Was die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit betrifft, stellte die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Beurteilung ihres RAD-Arztes
pract
. med.
C._
ab
.
Dieser leitete aus den zahlreichen Berichten der
B._
und d
en
dort aufgeführten
Angaben zu
Anamnese und
Befund
das dem Beschwerdeführer ab dem 16. August 2010 zumutbare Belastungsprofil in einer angepassten Tätigkeit her.
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 f. E. 3b/
ee
mit Hinweis).
Das von med.
pract
.
C._
als zumutbar
erachtete
Belastungsprofil ist wider
spruchsfrei vereinbar mit den Angaben in den Berichten der
B._
und ist damit
schlüssig
begründet. Aus den übrigen Akten lassen sich keine Indizien entnehmen, die gegen die Zuverlässigkeit der Beurteilung von med.
pract
.
C._
sprechen würden.
Insbesondere ist es nicht zutreffend, dass
dessen
Einschätzung im Gegensatz zu jener
des
behandelnden Arztes
Dr.
Y._
stehen würde, wie der Beschwerdeführer geltend macht:
Dr.
Y._
äusserte sich nie zur
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit. Er attestierte dem Beschwerdeführer jedoch
-
mit Ausnahme der vorübergehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit anlässlich der Schulteroperation vom März 2011
-
seit März 2010 konstant eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in seiner bisherigen Tätigkeit als Chauffeur, was folglich nicht für eine vom Beschwerdeführer
gel
tend gemachten
Verschlechterung spricht.
Auch sonst sind den Akten keine Hinweise zu entnehmen, die auf eine Verschlechterung hindeuten würden.
Wie dargelegt wurde sogar die bisherige Tätigkeit, welche den rechten Arm durch das
Be
- und Entladen des L
KW
belastet, von sämtlichen Ärzten als dem Beschwerdeführer für zu 50 % zumutbar erachtet. Dass demzufolge in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit, welche unter anderem kein Heben und Tragen von schweren Lasten beinhaltet und damit seinen rechten Arm entlastet, eine weit
höhere Arbeitsfähigkeit bestehen
muss, ist zu erwarten und auch für medi
zinische Laien durchaus nachvollziehbar.
5.
5
Zusammenfassend war der Beschwerdeführer
nach Ablauf
des Wartejahres
im Oktober 2009
zu
100 % arbeitsunfähig in seiner angestammten Tätigkeit als Chauffeur
. Ab März 2010
ist
ihm die bisherige Tätigkeit zu 50 % zumutbar. A
b
Mitte August 2010
verbesserte sich der Gesundheitszustand weiter
und dem Beschwerdeführer ist spätestens seit diesem Zeitpunkt eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar.
Wenn der Beschwerdeführer diese medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit nicht verwertet, ist er trotzdem nach dieser, mithin nach dem ihm objektiv zumutbaren Arbeitsausmass, zu beurteilen (BGE 127 V 294 E. 4c S. 298 mit Hin
weisen und AHI 2001 S. 228 E. 2b).
Soweit der Beschwerdeführer verlangt, es seien weitere Abklärungen durchzu
führen, kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden (BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 mit Hinweisen). Der Gesundheitszustand und die medi
zinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sind aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt. Von weiteren Untersuchungen wären keine neuen Er
kenntnisse zu erwarten.
6.
6.1
Die von der Beschwerdegegnerin durchgeführte Invaliditätsbemessung (
Urk.
2, Verfügungsteil 2 S. 1 f.) blieb beschwerdeweise unbestritten und ist nach Lage der Akten (Urk. 5/48
, Urk. 5/49/1-2
)
im Ergebnis
nicht zu beanstanden.
Dem
nach ist nach Ablauf der Wartezeit ab 1. Oktober 2009 von einem
Invaliditäts
grad
von 100 %, ab 1. März 2010 von einem Invaliditätsgrad von 50 % und ab dem 16. August 2010 von einem Invaliditätsgrad von 20 % auszugehen.
6.2
Allerdings verbesserte sich der Gesundheitszustand im vorliegend
zu beurteilen
den Zeitraum zwei
m
al, nämlich ein erstes Mal per 1. März 2010 und ein zweites Mal Mitte August 201
0.
Art. 88a Abs. 1 IVV ist somit
ebenfalls
zwei
m
al zu berücksichtigen:
Nach Ablauf des Wartejahres im Oktober 2009 war der Be
schwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig. Da der Rentenanspruch erst sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruches entsteht (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG), richtete die Beschwerdegegnerin
zwar
zu Recht erst ab 1. März 2010 eine Rente aus. Jedoch berücksichtigte sie dabei Art. 88a Abs. 1 IVV nicht:
Die per anfangs März 2010 eingetretene Verbesserung ist zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat. Somit ist dem Beschwerdeführer v
o
m
1. März bis 31. Mai 2010
noch
ei
ne ganze Rente
und erst ab 1. Juni 2010 eine halbe Rente auszurichten. Da dem Beschwerde
führer ab Mitte August 2010 eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar ist und folglich von einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad auszugehen ist, ist die halbe Rente unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV bis 30. November 2010 zu befristen.
6.3
Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer vom 1. März bis 31. Mai 2010 An
spruch auf eine ganze Rente und vom 1. Juni bis 30. November 2010 auf eine befristete halbe Rente.
Dementsprechend ist die Beschwerde
teilweise gutzuheissen.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
je zur Hälfte beiden Parteien
aufzuerlegen.