Decision ID: 367fb385-705a-5d9c-a5bd-067aba326c5b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 14. Januar 2015 zum Bezug
von Leistungen bei der Invalidenversicherung (IV) an. Zur Begründung gab er an, seit
einem halben Jahr an paranoider Schizophrenie zu leiden (IV-act. 3).
A.a.
Nach Eingang von medizinischen Berichten (vgl. u.a. IV-act. 11, 19, 27 und 35)
ordnete die IV-Stelle am 8. Juni 2016 eine psychiatrische Begutachtung bei Dr. med.
B._, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, an (IV-act. 46).
A.b.
Mit Gutachten vom 24. November 2016 führte Dr. B._ aus, er habe erhebliche
Zweifel daran, dass die Beschwerden und Einschränkungen in der vom Versicherten
geltend gemachten Art und im Ausmass tatsächlich vorhanden seien. Die Mitwirkung
an der Untersuchung sei ungenügend gewesen. Das Leistungsverhalten sei nicht
authentisch gewesen, sondern habe auf Simulation oder etwas Ähnliches hingewiesen.
Die Diagnosekriterien für eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis halte er
für nicht nachgewiesen. Er habe keine Gewissheit über das Vorliegen einer
spezifischen psychiatrischen Gesundheitsstörung erlangt. Somit könne er keine
Einschränkung der Arbeits- oder Leistungsfähigkeit spezifizieren (IV-act. 54-15 f.).
A.c.
Nach weiteren Abklärungen (siehe insbesondere IV-act. 78, 85 f. und 89) teilte die
IV-Stelle dem Versicherten am 4. September 2017 mit, dass eine Verlaufsbegutachtung
bei Prof. Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für
Neurologie, und dipl. Psych. D._, Neuropsycholgie, nötig sei (IV-act. 97).
A.d.
Mit Gutachten vom 30. November 2017 stellte Prof. C._ keine psychiatrischen
Diagnosen. In der neuropsychologischen Begutachtung habe der Versicherte gezielt
falsche Antworten bei Kenntnis der richtigen Antworten gegeben. Aufgrund der
A.e.
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verminderten Kooperationsbereitschaft bestehe kein gültiges Testprofil. Im
Blutserumspiegel seien die verschriebenen Medikamente Quetiapin und
Mefenaminosäure nicht nachweisbar gewesen, wobei kein rapid cycling vorliege (IV-
act. 111-59). In der psychiatrischen Begutachtung sei die Kooperationsbereitschaft des
Versicherten sehr gering gewesen, sodass eine valide Leistungserfassung der
kognitiven Fähigkeiten nicht möglich gewesen sei und nicht abgeschätzt werden
könne, ob eine psychiatrische Erkrankung bzw. eine Leistungseinbusse vorhanden sei.
Eine psychiatrische Diagnosestellung werde aufgrund des Verhaltens des Versicherten
verunmöglicht (IV-act. 111-54, 111-58 f. und 111-61).
Am 9. Januar 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung seines
Begehrens um berufliche Massnahmen in Aussicht, da beim Versicherten kein die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden habe festgestellt werden
können, sodass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe (IV-act. 115).
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Christa Rempfler, am
9. März 2016 Einwand (IV-act. 118). Mit Verfügung vom 27. März 2018 wies die IV-
Stelle das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen ab und nahm zu den
Einwänden Stellung (IV-act. 120). Am 8. Mai 2018 bestritt der Versicherte, an keiner
invalidisierenden Krankheit zu leiden. Er erhebe gegen diese Verfügung nur deshalb
keine Beschwerde, weil mangels Arbeitsfähigkeit derzeit keine beruflichen
Massnahmen durchführbar seien (IV-act. 122).
A.f.
Mit Vorbescheid vom 6. Juni 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten gestützt
auf die Gutachten von Dr. B._ und Prof. C._, welche keine Diagnosen mit
Funktionsbeeinträchtigungen stellen konnten, die Ablehnung seines Rentenbegehrens
in Aussicht (IV-act. 124). Dagegen erhob dieser am 13. August 2018 Einwand. Er
machte insbesondere geltend, Dr. B._ und Prof. C._ seien in ihrer Einschätzung
unsicher gewesen. Aus ihren Gutachten dürfe nicht geschlossen werden, beim
Versicherten liege keine psychiatrische Erkrankung bzw. Arbeitsunfähigkeit vor. Das
Verhalten des Versicherten sei nicht als Aggravation zu würdigen, sondern sei
krankhaft (IV-act. 128; vgl. auch Arztbericht Dr. E._ vom 7. August 2018, IV-
act. 128-5 f.).
A.g.
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Zur Abklärung allfälliger orthopädischer Beschwerden und der von Dr. E._
geschilderten Symptomatik gab die IV-Stelle am 18. Oktober 2018 eine bidisziplinäre
Begutachtung (Orthopädie und Psychiatrie inkl. Neuropsychologie) bei der SMAB AG in
Auftrag (IV-act. 133; Mitteilung an die Rechtsvertreterin des Versicherten: IV-act. 134).
A.h.
Nachdem der Versicherte darum ersucht hatte, den psychiatrischen SMAB-
Gutachter Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, durch eine
weibliche Gutachterin zu ersetzen (IV-act. 137), hielt die IV-Stelle mit
Zwischenverfügung vom 8. November 2018 an der Gutachterstelle und an Dr. F._ als
psychiatrischen Gutachter fest (IV-act. 141). Diese Zwischenverfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
A.i.
Die SMAB-Begutachtung wurde von Dr. F._ (Psychiatrie), D._ (Neuro
psychologie) und Dr. med. G._, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, Orthopädische Rheumatologie, durchgeführt
(vgl. IV-act. 149-3). Mit Gutachten vom 26. Juni 2019 wurde keine psychiatrische
Diagnose gestellt. In orthopädischer Hinsicht wurden folgende Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt: pseudoradikuläres Lumbalsyndrom
beidseits, Arthralgien des rechten Schultergelenks sowie Adipositas (IV-act. 149-6 und
149-9).
A.j.
Nach einem neuerlichen Vorbescheidverfahren (IV-act. 153 ff.) wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 30. Oktober 2019 ab. Zum dem Einwand
beigelegten Bericht von Dr. E._ führte sie aus, die von dieser beschriebenen Befunde
würden so stark von jenen des Gutachters abweichen, dass sie aus
versicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbar seien. Eine so starke
Veränderung der Symptomatik habe sich innerhalb des kurzen Zeitraums von drei
Monaten nicht entwickeln können. Die niedrigen Therapieintervalle (alle ein bis zwei
Monate eine delegierte Behandlung bei einer Psychologin; fehlende Inanspruchnahme
orthopädisch-traumatologischer bzw. rheumatologischer Behandlung) sprächen gegen
einen behandlungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht bestehe gestützt auf das SMAB-Gutachten eine
100%ige Arbeitsfähigkeit und demnach keine Invalidität (IV-act. 158).
A.k.
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B.
Gegen diese Verfügung erhebt der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer),
weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin Rempfler, am 28. November 2019
Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfügung vom 30. Oktober 2019 sei
aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei
durch das Gericht ein neues Gutachten einzuholen. Subeventualiter sei das Verfahren
an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen, damit diese den
Beschwerdeführer für eine umfassende Abklärung des Gesundheitszustands stationär
in eine psychiatrische Klinik einweisen lasse. Subsubeventualiter sei eine EFL-
Abklärung in der Rehaklinik Bellikon durchzuführen. Ihm sei die unentgeltliche
Prozessführung samt unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu gewähren. Zur
Begründung führt er im Wesentlichen aus, die Einschätzung der SMAB-Gutachter,
wonach keine psychische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege,
werde bestritten und widerspreche den Akten. Dr. B._ wie auch Prof. C._ würden
beide nicht ausschliessen, dass eine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit vorliege. Die SMAB AG sei dafür bekannt, dass ihre Gutachter kaum je
rentenbegründende Arbeitsunfähigkeiten feststellen würden. Dr. E._ habe noch nie
das Gefühl gehabt, dass der Beschwerdeführer Symptome vorspiele. Sie erachte ihn
nach wie vor als voll arbeitsunfähig (act. G1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 3. März 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Dr. B._ und Prof. C._ hätten beide keine
psychiatrische Diagnose stellen können und das Verhalten des Beschwerdeführers als
auffällig geschildert. Auch bei der neuropsychologischen Begutachtung der SMAB
habe der Beschwerdeführer gezielt danebengeraten, was nicht zu einem
schizophrenen Residuum passe. Es könne deshalb mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer anlässlich
der medizinischen Begutachtungen aggraviert, wenn nicht gar simuliert habe. Damit
falle eine versicherte Gesundheitsschädigung ausser Betracht und ein Rentenanspruch
sei ausgeschlossen. Da auch keine orthopädische Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit habe gestellt werden können, sei beim Beschwerdeführer von einer
vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die formelle Kritik an Dr. F._ bzw. der
B.b.
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Erwägungen
1.
SMAB sei unbehelflich. Gegen die Zwischenverfügung vom 8. November 2018 habe
der Beschwerdeführer kein Rechtsmittel ergriffen (act. G5).
Am 17. März 2020 bewilligt die Präsidentin das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung; act. G6).
B.c.
Mit Replik vom 2. Juni 2020 bringt der Beschwerdeführer vor, die Vorwürfe einer
angeblichen Aggravation, Simulation oder Somatisierung hätten nichts mit der Realität
zu tun. Dr. E._ lege die Fakten, die gegen eine Aggravation oder Simulation
sprächen, objektiv dar. Die Beschwerdegegnerin sei offensichtlich von der SMAB AG
und ihren "Flugärzten" selber nicht überzeugt. Diese Dossierführung könne so nicht
akzeptiert werden. Sie sei weder fair noch rechtens. Es sei nicht einleuchtend, weshalb
eine erneute stationäre Behandlung keine Erkenntnisse bringen solle. Ganz
offensichtlich bestünden in der Eruierung der psychiatrischen Diagnosen Unklarheiten
und Fragezeichen, die gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz sorgfältig und
vollständig abgeklärt werden müssten. Die bisherige Aktenführung habe gezeigt, dass
eine Begutachtung von kurzer Dauer offensichtlich nicht genüge. Keines der drei im
Recht liegenden Gutachten sei beweiskräftig (act. G10).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G12).B.e.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer
Anträge sowie die Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden
Erwägungen vertieft eingegangen.
B.f.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c).
1.1.
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Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes von
Arztberichten sowie Gutachten ist entscheidend, ob sie für die streitigen Belange
umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden
berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sind, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchten und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3a). Den von Versicherungsträgern im
Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung
entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte darf voller Beweiswert zuerkannt
werden, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (Urteil des Bundesgerichts vom 15. April 2020, 9C_173/2020, E. 4.3, u.a. mit
Hinweis auf BGE 135 V 465 E. 4.4).
1.4.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 281 E. 3.2 mit
Hinweisen). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
1.5.
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2.
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. BGE 143 V 418 E. 6; Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017,
8C_350/2017, E. 5.4, und vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen ist der Beweis nach dem strukturierten
Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 141 V 281 und BGE 143 V 418,
E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein
stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für
die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427 E. 6). Die psychiatrische
Exploration eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen
gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische
Interpretationen möglich, zulässig und rechtlich zu respektieren sind, sofern der
Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2020,
9C_18/2020, E. 4.1, mit diversen Hinweisen auf BGE 145 V 361).
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und Gericht
haben von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a). Rechtserheblich sind alle Tatsachen,
von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu
entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das Gericht
zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu
aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender
Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.,
Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107). Im Sozialversicherungsrecht hat das
Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353
E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
1.6.
Bezüglich des SMAB-Gutachtens wird vorab geltend gemacht, dass die Gutachter
aufgrund ihres Auftragsvolumens seitens der IV befangen seien. Der Beschwerdeführer
impliziert, die Beschwerdegegnerin habe gezielt die SMAB mit der dritten
Begutachtung beauftragt, um ein für ihn ungünstiges Abklärungsergebnis
herbeizuführen. Diese Gutachterstelle erhalte zahlreiche Aufträge von IV-Stellen. Ihre
Ärzte, namentlich Dr. F._, welcher ein "Flugarzt" mit einer Praxis in Berlin sei und nur
2.1.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_18%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-V-361%3Ade&number_of_ranks=0#page361
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zur Erstellung medizinischer Gutachten in die Schweiz komme, würden kaum je eine
rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit attestieren (vgl. act. G1, S. 5 f.).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vermögen weder das blosse
Auftragsvolumen bei einem Gutachter oder einer Gutachterstelle bzw. der
regelmässige Beizug derselben (Urteile des Bundesgerichts vom 4. September 2020,
9C_212/2020, E. 4.1, vom 29. Januar 2019, 9C_704/2018, E. 5.1, vom 25. Oktober
2016, 8C_354/2016, E. 5 und vom 29. Mai 2015, 8C_467/2014, E. 4) noch eine starke
Abweichung bei der Auswertung der Häufigkeitsverteilung von attestierten
Arbeitsunfähigkeitsgraden für sich allein genommen objektiv den Anschein von
Befangenheit eines Gutachters oder einer Gutachterstelle zu wecken. Für die Annahme
des Vorliegens einer Befangenheit bedarf es weiterer, die konkrete Begutachtung
betreffende Umstände (Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2020, 9C_25/2020, E.
5.1.2.2).
2.2.
Aufgrund der dargestellten bundegerichtlichen Rechtsprechung sowie mangels
Nennung konkreter Umstände oder Hinweise auf eine Befangenheit der Gutachter ist
der Einwand des Beschwerdeführers unbeachtlich. Die vom Beschwerdeführer
vorgetragenen Zweifel, der psychiatrische Gutachter sei ein sog. "Flugarzt" ohne FMH-
Anerkennung und Praxistätigkeit in der Schweiz, vermögen keine Notwendigkeit für
einen Ausstand zu begründen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. April 2021,
8C_28/2021, E. 5.1). Vorliegend ist Dr. F._ im Medizinalberuferegister eingetragen
und verfügt über den erforderlichen Facharzttitel, der im Jahr 2002 in der Schweiz
anerkannt worden ist. Sowohl die begutachtende Institution als auch die
Gutachtenspersonen wurden dem – damals bereits anwaltlich vertretenen –
Beschwerdeführer jeweils ordnungsgemäss vor der Begutachtung bekanntgegeben.
Ihm wurde Gelegenheit zur Erhebung von Einwänden gegeben (vgl. Art. 44 ATSG und
IV-act. 134). Daraufhin liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin darum
ersuchen, Dr. F._ durch eine andere Person respektive eine weibliche
Gutachtensperson zu ersetzen, ohne dieses Anliegen zu begründen (IV-act. 137-2). Mit
Zwischenverfügung vom 8. November 2018 hielt die Beschwerdegegnerin an der
Abklärungsstelle und namentlich an Dr. F._ als begutachtenden Psychiater fest (IV-
act. 141). Gegen diese Verfügung legte der Beschwerdeführer kein Rechtsmittel ein.
Auch die vom Beschwerdeführer eingereichten Blick-Artikel vom September und
November 2019 stellen keine Ausstandsgründe dar. Darin wird lediglich allgemeine
Kritik daran geübt, dass einzelne Ärzte ein grosses Auftragsvolumen von den IV-Stellen
erhalten. Selbst wenn dem Beschwerdeführer zugestimmt werden könnte, dass das
Auftragsvolumen bei dieser Gutachterstelle hoch wäre, hätte er dennoch darzulegen,
2.3.
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3.
weshalb im konkreten Fall die Gutachter ein für die Beschwerdegegnerin günstiges
Gutachten erstellt haben sollen. Allerdings bringt der Beschwerdeführer keine
konkreten Hinweise dafür vor.
Folglich hat der Beschwerdeführer keine Tatsachen aufgezeigt, welche auf eine
Befangenheit Dr. F._s in Bezug auf die konkrete Begutachtung hindeuten würden
und erst nach der von der Beschwerdegegnerin erlassenen Zwischenverfügung
erkennbar geworden wären.
2.4.
Vorliegend ist streitig, ob auf das SMAB-Gutachten, namentlich die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der SMAB-Gutachter, abgestellt werden kann.
3.1.
Im Rahmen der orthopädischtraumatologischen Untersuchung bestand bis auf
eine geringe Einschränkung der Rückwärtsbewegung des rechten Armes eine freie
Beweglichkeit des rechten Schultergelenkes. Auch das rechte Ellenbogengelenk war
frei beweglich. Hinweise auf eine relevante Pathologie der Rotatorenmanschette oder
eine Reizung des rechten Akromioklavikulargelenkes bestanden nicht. Ein relevantes
Subacromialsyndrom konnte ausgeschlossen werden. Auch die normal entwickelte
Ober- und Unterarmmuskulatur bewies einen gleichmässigen Gebrauch beider oberer
Extremitäten ohne vermehrte schmerzhafte Schonung des rechten Armes. Die
Brustwirbelsäule mit harmonischer Kyphose war frei beweglich. Hinweise auf eine
Reizung thorakaler Nervenwurzeln bestanden nicht, ebenso kein Anhalt auf eine
relevante Pathologie im Bereich der Rippen. Auch die Lendenwirbelsäule war frei
beweglich mit harmonischer Lordose. Hinweise auf eine Reizung lumbaler
Nervenwurzeln bestanden namentlich bei fehlender Schon- und Fehlhaltung und
fehlendem paravertebralem Muskelhartspann nicht. Auch im MRI der
Lendenwirbelsäule vom 19. März 2019 stellten sich lediglich geringe degenerative
Veränderungen ohne Neurokompression dar. Die vom Versicherten angegebenen
Beschwerden waren nicht nachvollziehbar. In orthopädischer Hinsicht ergaben sich
somit lediglich Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, nämlich ein
pseudoradikuläres Lumbalsyndrom beidseits, eine Arthralgie des rechten
Schultergelenkes sowie eine Adipositas (IV-act. 149-6 und 149-8). Neuropsychologisch
waren die Ergebnisse des durchgeführten Beschwerdevalidierungsverfahren hoch
auffällig und lagen im Bereich der Zufallswahrscheinlichkeit, zum Teil auch unter der
Schwelle für reines Raten. Nach mathematischer Berechnung wurden mit einer an
Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit von über 99% durch den Versicherten
gezielt falsche Antworten bei Kenntnis der richtigen Antworten gegeben. Aufgrund der
3.2.
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4.
verminderten Kooperationsbereitschaft konnte kein gültiges Testprofil erhalten werden
(IV-act. 149-9). Der psychiatrische SMAB-Gutachter ging in Übereinstimmung mit den
beiden psychiatrischen Vorgutachtern davon aus, dass keine psychiatrische Diagnose
vorliege (IV-act. 149-7 f.).
Das bidisziplinäre Gutachten stützt sich auf die vollständigen Vorakten.
Insbesondere war auch der Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr. E._ vom
7. August 2018 bekannt. Sowohl die orthopädische Gutachterin wie auch der
psychiatrische Gutachter und die Neuropsychologin nahmen eine persönliche
Untersuchung vor, anlässlich welcher der Beschwerdeführer seine Einschränkungen
schildern konnte. Zudem wurden zur Beschwerdevalidierung neuropsychologische
Testverfahren durchgeführt und Laborwerte bestimmt (vgl. IV-act. 149). Das Gutachten
erfüllt somit die Anforderung, auf allseitigen Untersuchungen zu beruhen, in Kenntnis
der Vorakten ergangen zu sein und die beklagten Beschwerden berücksichtigt zu
haben. Es ist für die Fachgebiete Psychiatrie und Orthopädie umfassend und leuchtet
in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
ein. Seine Schlussfolgerungen sind begründet und nachvollziehbar. Insbesondere legte
der psychiatrische Gutachter einleuchtend dar, was die Ergebnisse der
neuropsychologischen Testung und das inkonsistente Verhalten des
Beschwerdeführers bedeuten. Damit erfüllt das Gutachten grundsätzlich die Kriterien
an ein beweiskräftiges Gutachten (vgl. E. 1.4 vorstehend).
3.3.
Das orthopädische Gutachten ist zu Recht unbestritten. Zu prüfen ist jedoch, ob
die Vorbringen des Beschwerdeführers bzw. die im Recht liegenden Berichte
Dr. E._s, welche nach der Begutachtung datieren, an den Ergebnissen des SMAB-
Gutachtens Zweifel zu wecken vermögen.
3.4.
Der Beschwerdeführer bringt vor, die früheren psychiatrischen Gutachter Dr. B._
und Prof. C._ hätten eine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nicht ausgeschlossen (act. G1, S. 5).
4.1.
Dr. B._ notierte diesbezüglich: "Wenn ich eine bestimmte Arbeitsunfähigkeit
nicht für nachgewiesen halte, bedeutet das selbstverständlich nicht, dass ich damit für
bewiesen halte, dass eine dementsprechende Arbeitsfähigkeit als nachgewiesen gelten
kann. Ein solcher Schluss wäre nicht möglich. Denn methodisch ist es etwas völlig
anderes, den Nachweis einer bestimmten Arbeitsunfähigkeit zu erbringen als den
Nachweis einer bestimmten Arbeitsfähigkeit. Das Letztere nachzuweisen, und das
versteht sich eigentlich von selbst, wäre schon allein dann unmöglich, wenn die
4.2.
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beurteilte Person nicht daran voll mitwirken würde. Abgesehen von auch noch anderen
methodischen Schwierigkeiten. Das gilt für alle medizinischen Gutachten zur
Leistungsfähigkeit" (IV-act. 54-25). Prof. C._ vermerkte: "Aus gutachterlicher Sicht
kann aufgrund des vorbeschriebenen und mit wissenschaftlichen Methoden
objektivierten nicht-authentischen Verhaltens des Versicherten in der
Untersuchungssituation keine psychiatrische Diagnose gestellt und keine Angabe zu
handicapierenden Fähigkeitsstörungen und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten
gutachterlicherseits gemacht werden. Es wird gutachterlicherseits ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass dennoch nicht geschlossen werden darf, dass keine kognitiven
Einbussen oder psychiatrischen Störungen bei dem Exploranden vorlägen, die
Abschätzung evtl. tatsächlich vorhandener Leistungseinbussen ist auf Grundlage der
vorliegenden Testergebnisse und des unkooperativen und manipulativen Verhaltens
des Versicherten jedoch nicht möglich" (IV-act. 111-61).
Dem Beschwerdeführer ist deshalb insofern beizupflichten, als diese beiden
Gutachter einen psychischen Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit tatsächlich nicht ausschlossen. Indes geht aus ihren Gutachten
unmissverständlich hervor, dass sie eben gerade keine psychiatrische Diagnose stellen
konnten. Dr. B._ diskutierte nebst der von den Behandlern gestellten Diagnose einer
Schizophrenie ausführlich diverse gestützt sowohl auf die Symptomatik als auch auf
die Angaben des Beschwerdeführers in Frage kommenden Störungsbilder und legte
einleuchtend dar, weshalb keines dieser Störungsbilder diagnostiziert werden kann und
kein die Arbeitsfähigkeit tangierender Gesundheitsschaden ausgewiesen ist (IV-act. 54,
insbesondere 54-13 ff.). Prof. C._ schilderte, der Beschwerdeführer habe ein
ähnliches Verhalten gezeigt wie bei der Vorbegutachtung. Er habe kaum sachdienliche
Angaben zu seiner psychiatrischen Symptomatik gemacht. Seine
Kooperationsbereitschaft sei sehr gering gewesen (IV-act. 111-58). Im
neuropsychologischen Zusatzuntersuch hätten sich hoch auffällige Werte ergeben. Der
Beschwerdeführer habe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gezielt
falsche Antworten bei Kenntnis der richtigen Antworten gegeben. Ohne eine
ausreichende Kooperationsbereitschaft sei keine valide Leistungserfassung der
kognitiven Fähigkeiten möglich. Dabei könnten kognitive Einbussen nicht
ausgeschlossen werden, die Abschätzung eventuell tatsächlich vorhandener
Leistungseinbussen seien auf Grundlage der vorliegenden Testergebnisse und der
unzureichenden Angaben anlässlich der psychiatrischen Exploration jedoch nicht
möglich. Die schwachen Testergebnisse seien insbesondere nicht als Symptome einer
schizophrenen Erkrankung erklärbar. Zusammenfassend werde eine psychiatrische
4.3.
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Diagnosestellung aufgrund des Verhaltens des Versicherten im Untersuch
verunmöglicht (IV-act. 111-59 f.).
Damit haben beide Vorgutachter eine gesundheitliche Beeinträchtigung lediglich
als möglich beurteilt. Diese blosse Möglichkeit reicht jedoch im Verfahren um die
Zusprache einer Invalidenrente nicht aus. Denn es gilt der Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. E. 1.6 vorstehend). Der Beschwerdeführer
kann deshalb aus den früheren Begutachtungen nichts zu seinen Gunsten ableiten.
4.4.
Zwar bestreitet der Beschwerdeführer, im Rahmen der Begutachtungen aggraviert
oder gar simuliert zu haben. Alle drei psychiatrischen Gutachter wie auch die anlässlich
der letzten zwei Begutachtungen involvierte Neuropsychologin haben jedoch einhellig
ein unauthentisches Verhalten und eine gezielte Manipulation der
neuropsychologischen Testergebnisse festgestellt (vgl. hierzu IV-act. 54, 111 und 149,
insbesondere IV-act. 54-12 f., 54-15 f., 111-56, 111-60 f., 149-10 und 149-24).
4.5.
Rechtsprechungsgemäss liegt Aggravation oder eine ähnliche Konstellation
namentlich vor, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten
Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese
besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage
bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird;
demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken
oder wenn schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale
Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses
verdeutlichendes Verhalten hin. Eine auf Aggravation oder einer vergleichbaren
Konstellationen beruhende Leistungseinschränkung vermag einen versicherten
Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall
Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte
für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die
Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne
dass das aggravatorische Verhalten auf eine verselbstständigte, krankheitswertige
psychische Störung zurückzuführen wäre (Urteil des Bundesgerichts vom
20. September 2018, 9C_659/2017, E. 4.1 mit Hinweisen). Führen die von den
Gutachtern einhellig berichtete Aggravation und die gezeigten Inkonsistenzen zum
Ergebnis, dass ein erhebliches krankheitsmässiges Geschehen nicht mehr mit
ausreichender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann, so geht die daraus
resultierende Beweislosigkeit zu Lasten der versicherten Person (Urteil des
Bundesgerichts vom 20. September 2018, 9C_659/2017, E. 4.1 und 4.4 mit Hinweisen).
Zur Beurteilung einer Aggravation darf auf neuropsychologische (Validierungs-)Tests,
4.6.
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5.
6.
welche die Kriterien nach Slick et. al (1999) erfüllen, abgestellt werden, soweit ein
psychiatrischer Facharzt die Testergebnisse würdigt (Urteil des Bundesgerichts vom
12. November 2019, 8C_605/2019, E. 3.2.2).
Vorliegend führte das Verhalten des Beschwerdeführers in allen drei
Begutachtungen, insbesondere auch im Rahmen der SMAB-Begutachtung dazu, dass
keine psychiatrischen Diagnosen gestellt werden konnten. In den Gutachten wird
zudem dargelegt, dass die mangelnde Kooperation und die gezielte
Falschbeantwortung der Fragen sowie die unauthentisch wirkende
Beschwerdedarstellung nicht einen medizinischen Hintergrund hatten, sondern eher
eine Inszenierung im Rahmen des laufenden Versicherungsverfahren darstellen würden
(vgl. hierzu u.a. IV-act. 149-7 ff.). Der Beschwerdeführer muss dementsprechend die
Folgen der aus seinem Verhalten resultierenden Beweislosigkeit tragen.
4.7.
Der Beschwerdeführer erklärt sich bereit, sich zu einem stationären Aufenthalt in
eine psychiatrische Klinik einweisen zu lassen, damit die von ihm geltend gemachte
Schizophrenie über einen längeren Zeitraum abgeklärt werden könne, und bringt
sinngemäss vor, aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes hätte die
Beschwerdegegnerin so vorgehen müssen (act. G1, S. 6; siehe auch act. G1, S. 2,
Subeventualantrag auf Rückweisung und Einweisung in eine psychiatrische Klinik für
eine umfassende Abklärung).
5.1.
Dem kann nicht beigepflichtet werden. Der Beschwerdeführer hat sich, wie aus
sämtlichen im Recht liegenden Gutachten hervorgeht, unkooperativ und manipulativ
gezeigt, ohne dass dieses Verhalten selbst einem krankheitsmässigen Geschehen
geschuldet war. Dies hat dazu geführt, dass die Gutachter keine psychiatrischen
Diagnosen stellen konnten. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer dieses Verhalten
nicht nur bei einer Begutachtung zeigte, sondern bei allen dreien. Die Folgen dieser
Beweislosigkeit hat der Beschwerdeführer zu tragen. Die Beschwerdegegnerin hat den
Sachverhalt somit hinreichend abgeklärt und den Untersuchungsgrundsatz nicht
verletzt.
5.2.
Schliesslich beruft sich der Beschwerdeführer auf die Berichte der behandelnden
Ärzte und macht sinngemäss geltend, es sei auf die Einschätzung der Behandler, nicht
auf die Gutachten, abzustellen.
6.1.
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Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es einer
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mit Blick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
aussagen und ihre Angaben deshalb zurückhaltend zu werten sind (vgl. hierzu etwa
BGE 125 V 351 E. 3b/cc oder BGE 135 V 465 E. 4.5). Die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu
anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und
nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die
im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Entscheid
des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2 mit Hinweisen).
6.2.
Soweit die Berichte den SMAB-Gutachtern bereits vorgelegen haben, also aus den
Vorakten stammen, wurden sie in der Begutachtung berücksichtigt. Dr. F._ hat sich
namentlich mit den Berichten der Psychiatrischen Klinik H._, des Ambulatoriums, der
Psychiatrie I._ sowie von Dr. E._ ausführlich und nachvollziehbar
auseinandergesetzt, ebenso mit den beiden Vorgutachten (vgl. etwa IV-act. 149-6,
149-14 ff. und 149-26 f.). Überdies haben sich auch die Vorgutachter B._ und C._
zu den Behandlerberichten geäussert und plausibel erklärt, weshalb nicht unbesehen
auf diese abgestellt werden kann (IV-act. 54-21 ff. und 111-58). Dementsprechend
vermögen die früheren Arztberichte die Ergebnisse der Begutachtung bzw. der drei
Begutachtungen nicht in Frage zu stellen.
6.3.
Nach der SMAB-Begutachtung wurden nur noch die Berichte Dr. E._s vom
21. August 2019, 19. November 2019 und 30. Mai 2020 eingereicht. Den Bericht vom
21. August 2019 betreffend hat RAD-Arzt J._ in seiner Stellungnahme vom
27. September 2019 (IV-act. 157) zu Recht darauf hingewiesen, dass die von Dr. E._
beschriebenen Psychopathologie (ausgeprägte Negativsymptomatik mit
Sprachverarmung, Verlangsamung, Affektverflachung, Apathie, Antriebslosigkeit,
Interessenverlust, Anhedonie, eingeschränkter Kontaktfähigkeit und
Aufmerksamkeitsstörung, hingegen keine Wahngedanken, Halluzinationen, illusionären
Verkennungen oder Störungen des Ich-Bewusstseins und keinerlei paranoide
Denkinhalte, vgl. IV-act. 156-9 f.) stark von den Feststellungen Dr. F._s im SMAB-
Gutachten abweichen. So beschrieb der Gutachter etwa eine gut modulierte Stimme
und ein Sprechen in adäquater Geschwindigkeit. Er stellte keine Aufmerksamkeits- und
6.4.
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Konzentrationsstörungen, keine Antriebsminderung und keine formalen Denkstörungen
fest. Zudem schilderte der Beschwerdeführer Dr. F._ gegenüber lebhaft eine skurril
anmutende scheinbar "psychotische" Symptomatik bzw. paranoide
Wahrnehmungsstörungen (wobei er auf den Gutachter aber unecht und unauthentisch
wirkte). Dr. F._ nahm eine lebhafte Gestik und Mimik bei unbeeinträchtigter affektiver
Schwingungsfähigkeit und unvermindertem Antrieb wahr, wobei weder
Interesselosigkeit noch Anhedonie bestanden habe (IV-act. 149-7 und 149-24). Diese
Widersprüche löst Dr. E._ nicht auf. Eine stabile Negativsymptomatik im von ihr
beschriebenen Ausmass liegt mit Blick auf die Ergebnisse der SMAB-Begutachtung
nicht vor und ist auch mit den Testergebnissen der neuropsychologischen
Untersuchung im Zusammenhang mit der Begutachtung durch Prof. C._ nicht
vereinbar (vgl. IV-act. 149-8).
Der Bericht vom 21. August 2019 erscheint auch deswegen nicht geeignet, am
SMAB-Gutachten ernstliche Zweifel zu erwecken, weil Dr. E._ darin auch selbst
festhält, eine Beurteilung sei schwierig, da "wir [den Beschwerdeführer] nur alle 1 - 2
Monate (momentan alle 2 Monate gewünscht) sehen. Dies entspricht lediglich einer
begleitenden Beratung" (IV-act. 156-9). Bis zu jenem Zeitpunkt fand also eine blosse
Beratung in grossen zeitlichen Abständen statt, welche auch noch – zumindest
teilweise – an die Psychologin Frau K._ delegiert war.
6.5.
Im Bericht vom 19. November 2019 führte Dr. E._ aus, es würde keinen Sinn
machen, dass der Beschwerdeführer ein Antipsychotikum in hoher neuroleptischer
Potenz einnehme, wenn er nicht an psychotischer Symptomatik leiden würde, und
dass sich die Positivsymptomatik unter der Medikation zurückgebildet habe.
Gleichzeitig wurde jedoch auch festgestellt, dass das Neuroleptikum nicht im
Referenzbereich liege (IV-act. 165). Die behandelnde Psychiaterin geht sodann nicht
darauf ein, dass beim Beschwerdeführer nie aktenkundig eine positive Symptomatik
wie Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen oder sonstige psychotische Symptome
durch medizinische Fachpersonen beobachtet wurde (vgl. IV-act. 149-6). Stattdessen
stellten die Behandler, wie auch Dr. E._ im Bericht vom 19. November 2019, häufig
auf die nicht objektivierten Angaben der Ehefrau und des Beschwerdeführers ab.
6.6.
Im selben Bericht brachte Dr. E._ weiter vor, im Schmerzerleben des
Beschwerdeführers könne eine neurotische Störung gesehen werden. Darauf sei die
Beschwerdegegnerin nicht eingegangen (IV-act. 165). Tatsächlich wurde jedoch in den
Gutachten festgestellt, dass der Beschwerdeführer, obwohl er eine Schmerzintensität
von acht bis zehn auf der Analogskala angab, nicht schmerzgeplagt wirkte, keinen
Muskelhartspann aufwies, keine Schon- oder Fehlhaltungen einnahm, aufgrund der
6.7.
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normal ausgeprägten Muskulatur im Alltag kein relevantes Schonverhalten zeigte und
auch die orale Schmerzmedikation – entgegen seiner mehrfach geäusserten
Behauptung – nicht, jedenfalls nicht regelmässig in einem therapeutisch relevanten
Umfang einnahm (vgl. beispielhaft IV-act. 54-4 f., 111-18, 111-48, 111-59, 149-8,
149-35, 149-37, 149-40, 149-52, und 149-54 f.). Insbesondere im Rahmen der SMAB-
Begutachtung wurde das vom Beschwerdeführer geschilderte Schmerzerleben
demnach durchaus berücksichtigt und gewürdigt. Im Weiteren gibt Dr. E._ im Bericht
vom 19. November 2019 Schilderungen der Ehefrau wieder. Diese wurden jedoch nicht
objektiviert. Zu den anamnestischen Angaben haben sich die SMAB-Gutachter
ausführlich geäussert (IV-act. 149).
Auch im Bericht vom 30. Mai 2020 stützte sich Dr. E._ auf die Angaben der
Ehefrau, indem sie schrieb: "Würde [der Beschwerdeführer] das Medikament absetzen,
käme es gemäss Ehefrau zu starken aggressiven Zuständen" (act. G10.1). Dies
überzeugt nicht, zumal die per Injektion verabreichte Depotmedikation anlässlich
sowohl der Begutachtung als auch einer späteren Kontrolle Dr. E._s unter dem
Referenzbereich lag (IV-act. 149-25 und act. G1.7) und die orale Medikation, wie
bereits erwähnt, nicht zuverlässig eingenommen wurde (vgl. hierzu auch IV-act. 78).
Dr. E._ führte weiter aus, die sprachliche Verständigung mit dem Beschwerdeführer
sei sehr schwierig. Er könne seine Probleme nicht adäquat formulieren. Hingegen
wurden alle drei Begutachtungen im Beisein eines Dolmetschers durchgeführt und es
besteht kein Hinweis, dass die Befunde in den Gutachten wegen sprachlicher
Probleme nicht hätten erhoben werden können (IV-act. 149-19). Überdies wurden in
der neuropsychologischen Begutachtung Tests durchgeführt, welche für verschiedene
klinische Gruppen wie etwa Patienten mit schwerem Schädelhirntrauma, mit niedriger
Bildung oder Intelligenzminderung ohne Probleme zu bewältigen sind. Dies gilt auch für
Probanden mit einer anderen Muttersprache. Einige Tests wurden sodann auf
Albanisch durchgeführt (siehe IV-act. 149-56). Der Beschwerdeführer erzielte in der
neuropsychologischen Testung also nicht aufgrund sprachlicher Schwierigkeiten
schlechte Resultate, sondern weil er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
bewusst falsche Antworten bei Kenntnis der richtigen Antworten gab (IV-act.111-68
und 149-53 f.). Umgekehrt würde sich eher die Frage stellen, ob aufgrund der von der
Behandlerin angegebenen sprachlichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers (die
delegierte Behandlung erfolgt in deutscher Sprache, IV-act. 149-54) überhaupt eine
korrekte Befunderhebung erfolgen konnte und der Beschwerdeführer adäquat
behandelt werden kann. Im Weiteren beschränkte sich Dr. E._ im Wesentlichen auf
die Behauptung, eine gesunde Person hätte das Bedürfnis, einer Arbeit nachzugehen
6.8.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/19
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7.
und würde sich keiner medikamentösen und therapeutischen Behandlung unterziehen,
ohne diese Behauptung medizinisch zu fundieren.
Zusammenfassend hat Dr. E._ keine wichtigen, nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende Aspekte benannt, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Somit vermögen weder die
Ausführungen des Beschwerdeführers noch seiner Psychiaterin erhebliche Zweifel am
SMAB-Gutachten zu erwecken. Das Gutachten ist beweiskräftig, sodass darauf
abzustellen ist. Festzuhalten bleibt, dass nicht nur eine psychiatrische Begutachtung
(inkl. Neuropsychologie), sondern sogar drei Gutachter zum selben Ergebnis gelangten.
Der Beschwerdeführer wurde eingehend abgeklärt und mehrfach medizinisch
begutachtet, weshalb auch kein Anspruch auf weitere Abklärungen wie eine Gerichts-
oder weitere Administrativbegutachtung oder eine EFL besteht (siehe auch E. 5.2
vorstehend). Eine rentenbegründende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bleibt somit
beweislos (vgl. E. 5.2 vorstehend). Folglich besteht kein Anspruch auf eine
Invalidenrente. Die Beschwerde ist somit vollumfänglich abzuweisen.
7.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegenden Angelegenheit angemessen. Da der Beschwerdeführer
vollumfänglich unterliegt, ist die Gerichtsgebühr grundsätzlich ihm aufzuerlegen (Art. 95
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
7.2.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt
und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
Fr. 15'000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat keine Honorarnote
eingereicht. Der Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die Rechtsvertreterin des
7.3.
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