Decision ID: 42371d56-8127-4ec9-bc7d-1909d487cd83
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 26.08.2014 Art. 43 Abs. 1 ATSG. Untersuchungsgrundsatz. Im Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. In antizipierter Beweiswürdigung ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass von einer erneuten Begutachtung weder in somatischer noch in psychiatrischer Hinsicht eine brauchbare Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung zu erwarten ist. Der Beschwerdeführer hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Abweisung der Beschwerde. Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege im  gestützt auf das Rechtsmissbrauchsverbot (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. August 2014, IV 2012/391). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_714/2014
Entscheid Versicherungsgericht, 26.08.2014
Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, a.o.
Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiberin Lea Locher
Entscheid vom 26. August 2014
in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Zogg, rechtsanwälte.og42,
Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente und unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9. Januar 2009 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Er gab an,
er sei wegen eines Bandscheibenvorfalls mit starken Schmerzen, teilweise
Ausfallserscheinungen in den Beinen, sehr starken Schmerzen im Nacken und
"schwachen Armen" seit dem 24. Oktober 2008 krankheitsbedingt arbeitsunfähig. Dem
Fragebogen für Arbeitgebende vom 20. Januar 2009 war zu entnehmen, dass der
Versicherte seit dem 4. Juni 2007 als Maschinenführer für die B._ AG gearbeitet hatte
(IV-act. 8). Die Arbeit war stehend auszuüben gewesen und hatte keine speziellen
körperlichen Anstrengungen erfordert.
A.b Am 29. April 2009 reichte Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH,
einen Bericht ein (IV-act. 15 S. 22 ff.). Er gab folgende Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit an: Chronisches lumbales Schmerzsyndrom mit Ausstrahlung in
beide Beine (linksbetont, mit Diskushernien LWK 4/5 und LWK 5/S1 ohne
Nervenwurzelkompression), Cervikobrachialgie beidseits (bei medio-rechts-lateraler
Bandscheibenprotusion C3/4) und Beinvenenthrombose links (im Januar 2009
aufgetreten). Dr. C._ gab an, der Versicherte wünsche eine Operation. Wann der
Eingriff stattfinden werde, sei nicht bekannt. Seinem Bericht legte er einen Bericht von
Dr. med. D._, Facharzt FMH für Neurochirugie, vom 6. Januar 2009 sowie einen
Bericht von der Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 25. Februar
2009 bei (IV-act. 18. S. 3 f.; IV-act. 15 S. 2 f.), welchen im Wesentlichen dieselben
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Diagnosen zu entnehmen waren. Dr. C._ reichte zudem einen Austrittsbericht der
Klinik Valens betreffend einen stationären Aufenthalt vom 20. bis 31. Januar 2009 ein
(IV-act. 15 S. 13 ff.). Pract. med. E._ und Dr. med. F._, Leitender Arzt
Rheumatologie, hatten beim Versicherten neben den somatischen Beschwerden eine
Anpassungsstörung mit vorwiegend Angst und Depression (Verdacht auf
Panikattacken) diagnostiziert (IV-act. 15 S. 4 ff.). Laut dem Austrittsbericht habe die
Präsentation des Versicherten im Verlauf der Hospitalisation ein buntes Bild gezeigt:
Während er am ersten Tag noch praktisch bettlägerig gewesen sei, hätten am zweiten
Tag unter wiederholter Motivation eine forcierte Mobilisation und Versuche der
Entwöhnung von Gehhilfen durchgeführt werden können. Es habe zu keinem Zeitpunkt
eine Radikulopathie oder eine definierte segmentale spondylogene Ursache der
ausstrahlenden Beinschmerzen festgestellt werden können. Die Beschwerden und das
Ausmass der Behinderung seien wechselhaft gewesen; die psychische Verfassung
habe einen wesentlichen Anteil an der Ausprägung des klinischen Bildes gehabt. Der
Austritt sei wegen fehlendem Rehabilitationspotential erfolgt. Von einer Operation sei
dringend abzuraten, da ‒ vor allem aufgrund der psychischen Begleitkomponenten ‒
prognostisch eher
negative Vorzeichen einer operativen Behandlung entgegenstünden. Der Versicherte
habe eine dringend empfohlene ambulante psychiatrische Therapie abgelehnt.
A.c Am 12. Mai 2009 attestierte Dr. D._ dem Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % ab Behandlungsbeginn, d.h. ab dem 6. Januar 2009 (IV.act. 18). Am 4.
September 2009 teilte die Klinik für Neurochirurgie des KSSG zusätzlich zu den
bisherigen die folgenden Diagnosen mit (IV-act. 32): Breitbasige Diskusprotusion auf
Höhe LWK4/5 (bildgebend mit Tangieren der Nervenwurzel L5 beidseits), medianer
Bandscheibenprolaps auf dieser Höhe und black disc der beiden unteren lumbalen
Bewegungssegmente. Dem Bericht war weiter zu entnehmen, dass der Versicherte
lange Zeit nur an Gehstöcken mobil gewesen sei. Deswegen sei es auch zu einer
Beinvenenthrombose links gekommen. Es sei schwierig gewesen, den
schmerzgeplagten Versicherten zu untersuchen.
A.d Am 15. Oktober 2009 fand ein Assessmentgespräch zwischen dem Versicherten
und der Eingliederungsverantwortlichen statt (IV-act. 42). Gemäss dem
Gesprächsprotokoll sei der Versicherte mit zwei Krücken gekommen. Während des
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Gesprächs sei er immer wieder aufgestanden und habe sich am Tisch festgehalten. Er
habe angegeben, dass er immer wieder jegliches Gefühl in den Beinen verliere und
deshalb schon mehrfach gestürzt sei. Er versuche zu Hause immer wieder, Übungen zu
machen, um seine Beine und seinen Rücken zu stärken. Wegen der Schmerzen schaffe
er dies jedoch nicht. Auch psychisch gehe es ihm nicht gut. Er liege nur da. Zum Glück
sorge seine Freundin für ihn. Er könne zu Hause nichts mehr selber machen. Er habe
Freunde, die ihn ab und zu besuchten; dies sei ihm momentan jedoch auch zu viel, er
wolle lieber seine Ruhe haben. Gemäss den Schilderungen der
Eingliederungsverantwortlichen leide der Versicherte sehr stark unter seinen
Schmerzen und den damit einhergehenden Einschränkungen. Am 23. Oktober 2009
wurde dem Versicherten mitgeteilt, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen
möglich seien, weil er sich subjektiv nicht arbeitsfähig fühle (IV-act. 44).
A.e Am 17. Dezember 2009 erhielt die IV-Stelle telefonisch einen anonymen Hinweis,
dass der Versicherte seine Invalidität nur vorspiele (IV-act. 143). Der Hinweisgeber gab
weiter an, dass der Versicherte Angst habe, von der IV-Stelle überwacht zu werden.
A.f Am 19. Dezember 2009 wurde der Versicherte von der MEDAS Ostschweiz
gutachterlich untersucht (IV-act. 55). Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Chronifiziertes panvertebrales und beidseitiges
lumboischialgiformes Schmerzsyndrom mit Ausweitung im Sinne eines generalisierten,
diffusen Schmerzsyndroms (ohne Neurokompression), chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Formen und längere depressive Reaktion. Als
Nebendiagnosen gaben die Gutachter insbesondere eine Persönlichkeit mit
histrionischen Zügen und eine partielle Unterschenkelvenenthrombose links an.
Anlässlich der Untersuchung hatte der Versicherte ausgeführt, dass ihn seine Freundin,
die in G._ lebe, praktisch jeden Abend zu Hause besuche und den Haushalt erledige.
Er leide Tag und Nacht unter lumbalen Dauerschmerzen mit einem rezidivierenden
Blockadegefühl, ausstrahlend in den lateralen Ober- und Unterschenkel beidseits bis in
die Zehen beider Füsse, verbunden mit Ameisenlaufen im schmerzhaften Bereich. Die
Schmerzintensität bezifferte er auf dauerhaft 9-10 (Skala 0-10). Es handle sich um
einen feuernden Schmerz in den Beinen und einen stechenden Schmerz lumbal. Er
könne keine körperlichen Aktivitäten mehr ausführen und sei nicht mehr
gesellschaftsfähig. Gehen könne er lediglich an Gehstöcken und höchstens 5-10
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Minuten. Auch Sitzen in unveränderter Position führe nach wenigen Minuten zu einer
Schmerzzunahme. Am wenigsten Schmerzen verspüre er im Liegen; er müsse aber
auch dann wiederholt seine Position wechseln. Der Versicherte berichtete weiter über
rezidivierende und im Januar 2010 exazerbierte Schmerzen im Nacken- und
Kopfbereich mit schmerzhafter Einschränkung der HWS-Beweglichkeit. Dr. med. H._,
Innere Medizin/Rheumatologie FMH, gab an, dass der Versicherte während der
Untersuchung an zwei Amerikanerstöcken gegangen sei und die Treppenstufen eines
Stockwerks zum Untersuchungszimmer nur sehr langsam unter Hyperventilation und
Schmerzäusserungen bewältigt habe. Beim Auskleiden habe der Versicherte ihn um
Hilfe gebeten. Mit Hilfe der Stöcke habe er es dann aber alleine geschafft, die Socken
und die Hose auszuziehen. Die Prüfung des Gangbildes sei ohne Stöcke nicht möglich
gewesen. Ebenso sei eine Beurteilung des Zehen- und Fersenstandes und der
komplexen Gangarten nicht möglich gewesen. Bei der Palpation des Abdomen habe
der Versicherte die Bauchdecke unter Schmerzäusserungen angespannt. Die
Resistivprüfung der Motorik sei nicht möglich gewesen. Auch das SLUMP-Manöver
und das Lasègue- und das umgekehrte Lasègue-Zeichen hätten nicht geprüft werden
können. Der Versicherte habe bereits beim leichtesten Anheben der Füsse beidseits
aufgeschrien. Die Prüfung der Koordination sei nicht möglich gewesen, da sich der
Versicherte nicht von seinen Unterarmgehstöcken getrennt habe. Auch die
Wirbelsäulenstatik und -beweglichkeit und die Wirbelsäulenparameter hätten nicht
geprüft bzw. bestimmt werden können. Der Versicherte habe bereits auf geringste
aktiv-assistive Bewegungen unter lauten Schmerzäusserungen aktiven muskulären
Widerstand geleistet. Er habe auf diskretesten Palpationsdruck mit Kompression nur
der subkutanen Strukturen Schmerzen angegeben. Einzig der rechte Arm sei wenig
druckschmerzhaft gewesen. Nach der Untersuchung habe der Versicherte bereits beim
Anziehen der Wärmesocken durch den Gutachter über intensivste lumbale
Rückenschmerzen geklagt und zu weinen begonnen. Auch die Prüfung der Gelenke der
unteren Extremitäten sei schmerzbedingt nicht möglich gewesen. Weiter habe der
PACT-Test eine ausgesprochen tiefe Selbsteinschätzung der körperlichen
Leistungsfähigkeit gezeigt. Dr. H._ kam zum Schluss, dass das vom Versicherten
präsentierte Beschwerdebild nicht bzw. ungenügend mit den radiologischen Befunden
korreliere, wobei eine körperliche Untersuchung aufgrund des auffälligen
Schmerzverhaltens des Versicherten mit deutlichen Zeichen eines nichtorganischen
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Krankheitsverhaltens nicht möglich gewesen sei. Dr. med. I._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, erstellte das psychiatrische Konsiliargutachten (IV-act. 55 S. 24).
Zur Glaubwürdigkeit des Versicherten hielt er fest, dass es innerhalb der Fragebogen
sowie zwischen den Fragebogen und den spontan gemachten Angaben gewisse
Inkonsistenzen gebe. Auch das Ankreuz-Muster im Fragebogen spreche für eine
Verdeutlichung. Panikattacken seien anamnestisch zwar angegeben worden, es fehlten
jedoch typische Symptomschilderungen. Die Angaben des Versicherten betreffend
Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen und Rückzugstendenz passten
nicht zur beobachteten Vitalität während des Gesprächs. Die HAD-Skala (Hospital
Axiety and Depression Scale) habe sehr hohe Werte gezeigt; diese seien jedoch mit der
spürbaren affektiven Präsenz und den sozialen Fähigkeiten des Versicherten während
des Interviews nicht vereinbar gewesen. Dr. I._ kam zum Schluss, dass der
Versicherte sowohl seine somatische Beeinträchtigung wie auch seine depressive
Symptomatik verdeutliche. Er führte aus, dass das Krankheitsgebaren wohl keiner rein
bewussten Manipulation entspreche; es sei dem Versicherten wohl nicht voll bewusst
gewesen. Sowohl erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren als auch Probleme mit
dem Selbstwert als emigrierter Ausländer, welcher beruflich nicht auf dem ursprünglich
angestrebten Niveau angekommen sei, seien ausschlaggebend gewesen. Der
Versicherte habe jedoch keinen Einblick in seine inneren und sozialen Konflikte
gegeben. Würde man seinen anamnestischen Angaben uneingeschränkt Glauben
schenken, würde man aufgrund der beiden verwendeten Depressionsfragebögen unter
Einbezug des klinischen Bildes eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % schätzen. Aufgrund
der Inkonsistenzen und der Verdeutlichungstendenz sei eine Korrektur nach unten
jedoch unabdingbar. Die depressive Störung sei als eine Anpassungsstörung zu
verstehen, bedingt durch den Verlust der körperlichen Integrität mit sozialer
Deprivation, Unterstimulation, Selbstwerteinbusse und Zukunftsängsten. Es drohe eine
Fixierung und Chronifizierung infolge eines kombinierten primären und sekundären
Krankheitsgewinnes. Der psychiatrische Gutachter schätzte die Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischen Gründen seit Oktober 2009 auf 40 %. Auch polydisziplinär schätzten
die Gutachter die Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Versicherten ab Oktober
2009 bei ganztätiger Präsenz auf 40 % (Verlangsamung, Pausen, Lockerungsübungen,
Angst vor Schmerzen). Aufgrund der exazerbierten Lumboischialgien dürfte er von
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Oktober 2008 bis Oktober 2009 50 % arbeitsunfähig gewesen sein, wobei eine klare
lumboradikuläre Reiz- oder sensomotorische Ausfallsymptomatik gefehlt hätten.
A.g Am 17. Mai 2010 erstellte der RAD-Arzt J._ ein Leistungsprofil des Versicherten
(IV-act. 56). Er gab an, aufgrund der Angaben im Gutachten wäre bei einer Observation
an sich zu erwarten, dass der Versicherte schmerzgeplagt sei und sich nur langsam
und ausschliesslich mit Stöcken fortbewege. Gehen an Stöcken und ruhiges Sitzen
dürften nur wenige Minuten möglich sei. Treppen sollte er nur mühsam bewältigen
können und er müsste (z.B. beim Ein- und Aussteigen in Bus, Zug und Auto) auf die
Hilfe anderer Personen angewiesen sein. Der Versicherte könnte nicht selber Auto
fahren und würde so gut wie keinen Kontakt zu Mitmenschen pflegen. Am 31. Mai 2010
wurde eine Observation des Versicherten (mit Bildaufzeichnungen) in Auftrag gegeben
(IV-act. 58).
A.h Am 5. August 2010 fand ein Gespräch zwischen dem Versicherten und zwei
Sachbearbeiterinnen der IV-Stelle statt. Die Sachbearbeiterinnen erstellten zwei
Gesprächsprotokolle (IV-act. 61 f.). Diesen war zu entnehmen, dass der Versicherte
angegeben hatte, absolut pflegebedürftig zu sein. Es gehe ihm gesundheitlich sehr
schlecht und sein Zustand habe sich noch verschlimmert. Er könne nicht richtig sitzen
und die Fusssohlen schmerzten ihn, sodass er nicht richtig laufen könne. Stehen könne
er maximal 10 Minuten am Stück. Seine Freundin komme praktisch täglich von G._
nach K._, um ihn zu pflegen. Er könne überhaupt nichts mehr selber machen; er
könne sich nicht einmal mehr einen Kaffee oder Tee zubereiten und sich waschen. Die
Krücken könne er nie weglegen. Er könne deshalb überhaupt nichts mehr selber
machen; mit nur einer Krücke könne er nicht einmal stehen. Wenn seine Freundin nicht
zu ihm kommen könne, esse und trinke er nichts. Er könne auch nicht mehr selber Auto
fahren. Er verlasse die Wohnung nur selten. Aus gesundheitlichen und finanziellen
Gründen sei er seit zwei Jahren nicht mehr in den Ferien gewesen; es seien auch keine
Ferien geplant. Die Sachbearbeiterinnen schilderten in den Protokollen, dass der
Versicherte schleppend, extrem langsam und demonstrativ unsicher an zwei Stöcken
gelaufen sei. Er habe einen gequälten Gesichtsausdruck gemacht und vor Schmerzen
wiederholt tief geatmet und " hörbar Luft ausgeblasen". Die Treppenstufen habe er
beim Erscheinen zweimal ohne intensives Schmerzverhalten zurückgelegt. Er habe
total "verladen" ausgesehen, aber normal reagiert und ihre Fragen spontan und ohne
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Verzögerung beantwortet. Der Versicherte sei braungebrannt und mit jugendlichem
Aussehen aufgetreten. Während des einstündigen Gesprächs sei er auf dem Stuhl
gesessen. Seine normale Sitzposition und die Gestikulation mit den Armen und Händen
liessen vermuten, dass er körperlich weniger eingeschränkt sei, als er zum Ausdruck
gebracht habe. Beim Verlassen des Gebäudes der Sozialversicherungsanstalt (SVA)
habe er sich sehr leidend gezeigt und nach dem Aufstehen einige Minuten benötigt, um
das Besprechungszimmer zu verlassen.
A.i Gemäss dem Ermittlungs- und Observationsbericht vom 18. Oktober 2010 der
L._ wurde der Versicherte vom 3. Juni bis am 23. September 2010 observiert (IV-act.
66). Dem Bericht war zu entnehmen, dass der Versicherte dabei beobachtet wurde, wie
er sich ohne Gehstöcke mit zügigen Schritten fortbewegte, problemlos aus einem Auto
ausstieg, eine grosse Sporttasche und eine Einkaufstausche trug sowie ein Fahrzeug
lenkte.
A.j Am 3. November 2010 nahm Dr. med. M._ vom RAD Stellung zum
Observationsbericht (IV-.act. 67). Er führte aus, es sei überwiegend wahrscheinlich,
dass der Versicherte den ‒ aus somatischer Sicht nicht notwendigen ‒ Gebrauch der
Krückenstöcke und die behauptete Hilfsbedürftigkeit bewusstseinsnah einsetze. Nicht
einmal die kritische Arbeitsunfähigkeitsschätzung der MEDAS-Gutachter von 40 %
treffe zu.
A.k Am 9. Dezember 2010 nahmen die Gutachter der MEDAS, die den Versicherten
untersucht hatten, Stellung zum Observationsbericht und -material (IV-act. 71). Sie
gaben an, dass die neu aufgelaufenen Akten weit grössere Inkonsistenzen zeigten, als
dies bei der Begutachtung der Fall gewesen sei. Es gebe aus medizinischer Sicht keine
plausible Erklärung für den inkonsistenten Gebrauch der Gehstöcke. Zwar hielten die
Gutachter an den anlässlich der Begutachtung gestellten Diagnosen fest. Sie erklärten
jedoch, die ausgeprägten Diskrepanzen im Schmerzverhalten seien deutliche Hinweise
dafür, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen wesentlich geringer seien, als
während der Begutachtung behauptet worden sei. Die massive Aggravation erschwere
die Beurteilung einer allenfalls zugrundliegenden medizinischen Beeinträchtigung sehr.
Eine schwere körperliche Beeinträchtigung liege nicht vor. Auch die psychische
Beeinträchtigung dürfte höchstens beschränkt vorliegen (maximal 40 %). Wegen der
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Aggravation sei es nicht möglich, genaue Aussagen zu einer eventuellen
Arbeitsunfähigkeit zu machen. Der Versicherte bringe jedoch sicher nicht alle
zumutbare Willenskraft auf, um die subjektiven Schmerzen zu überwinden. Zwar sei
durchaus wahrscheinlich, dass er gewisse Rückenbeschwerden habe; die gezeigten
Inkonsistenzen sprächen aber für eine massive Aggravation.
A.l Gemäss einer Aktennotiz der IV-Stelle vom 23. Dezember 2010 hatte sich das
Fahrzeug der Freundin des Versicherten im Zeitraum vom 29. November 2010 bis am
22. Dezember 2010 lediglich an zwei Tagen auf dem Parkplatz des Versicherten be
funden (IV-act. 72).
A.mAm 7. März 2011 erstattete die IV-Stelle Strafanzeige gegen den Versicherten
wegen versuchten Betrugs (Art. 146 StGB) und Widerhandlungen gegen Art. 70 IVG
i.V.m. Art. 87 AHVG (IV-act. 81). Am 22. März 2011 wurde eine Hausdurchsuchung
durchgeführt (IV-act. 88 S. 25 ff.) und ein Notebook, eine Videokamera, eine
Speicherkarte, zwei Fotos und ein Mobiltelefon beschlagnahmt (IV-act. 88 S. 40).
Gleichentags wurde der Versicherte polizeilich der Staatsanwaltschaft vorgeführt (IV-
act. 88 S. 8 ff.). Bei der staatsanwaltlichen Einvernahme gab er an, er befinde sich
quasi den ganzen Tag zu Hause und nehme Medikamente. Er liege die meiste Zeit.
Psychisch sei er wegen seines Gesundheitszustandes immer etwas deprimiert. Er habe
immer Schmerzen. Vor ein paar Wochen habe er wieder eine Blockade gehabt. In den
Beinen kribble es ihn immer, es fühle sich wie Messerstiche an. Er habe Angst, dass
seine Beine beim Gehen völlig blockierten. Auf die Frage, ob sich sein Leiden
zwischendurch gebessert habe, antwortete der Versicherte, dass die Beschwerden
immer unterschiedlich seien. Er müsse Medikamente nehmen, manchmal weniger,
manchmal so viel, dass es fast "tödlich" sei und er kaum laufen könne. Der Versicherte
gab weiter an, dass seine Freundin den Haushalt besorge. Sie komme meistens am
Wochenende, am Freitagabend oder am Samstagmorgen, zu ihm. Wenn sie ihn nicht
besuchen könne, mache er gar nichts im Haushalt. Er esse dann einfach Käse, Salami,
Joghurt oder eine Suppe. Theoretisch könne er sich selber Essen zubereiten; er müsse
sich dabei einfach mit den Händen am "Sideboard" abstützen. Ohne Stöcke könne er
sich nicht fortbewegen. Mit den Stöcken fühle er sich sicher beim Gehen. Er laufe
meistens an den Stöcken. Auf die Frage, ob es Situationen gebe, in denen er ohne
Stöcke gehe, antwortete der Versicherte, dass er es versuche. Manchmal gehe es
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einfach nicht. Er habe Angst, dass er eine Blockade habe und hinfalle. Ausserhalb der
Wohnung bewege er sich nie ohne die
Stöcke fort. Nachdem der Versicherte zunächst erklärt hatte, gar keine Sachen tragen
zu können, erklärte er auf Nachfrage hin, dass er nur leichte Sachen wie eine Mappe
oder einen Brief tragen könne. Eine Einkaufstasche könne er nicht mehr tragen. Er sei
nicht in der Lage, Auto zu fahren, weil er Angst vor Blockaden habe. Bei der Unter
suchung durch die MEDAS habe er sehr starke Schmerzen und eine Blockade gehabt.
Er habe einen "Horror" gehabt und sei "brutal" krank gewesen. In jenem Moment habe
er gar nichts machen können. Auf Vorhalt des vom RAD-Arzt erstellten Leistungsprofils
(IV-act. 56) erklärte der Versicherte, dass man differenzieren müsse. Damals seien die
Schmerzen schlimmer gewesen. Nachdem der Versicherte damit konfrontiert worden
war, dass er beim Auto fahren und gehen ohne Stöcke beobachten worden sei, erklärte
er, er versuche, ein wenig Auto zu fahren, um Sicherheit zu gewinnen. Er habe Angst,
dass aufgrund einer Blockade ein Unfall passiere. Er wisse nicht, wann die Blockaden
jeweils kämen. Auf Vorhalt des Überwachungsvideos, auf welchem er eine Sporttasche
und eine Einkaufstasche trug und sich ohne Krücken fortbewegte, gab der Versicherte
an, dass die Schmerzen unterschiedlich seien. Er versuche, ohne Stöcke zu gehen. Die
Taschen hätten nicht einmal zwei Kilogramm gewogen. Er brauche die Stöcke, weil er
Angst habe, eine Blockade zu erleiden und hinzufallen. Es gebe Momente, in denen er
nicht einmal einen Löffel anheben könne. Es gebe aber auch Momente, in denen er
versuche, ohne Stöcke zu laufen.
A.n Am 14. Juli 2011 wurde Dr. C._ als Zeuge von der Staatsanwaltschaft
einvernommen (IV-act. 88 S. 42 ff.). Er gab an, dass der Versicherte am 14. Februar
2006 das erste Mal in seine Praxis gekommen sei. In den ersten zwei Jahren habe er
ihn nicht oft gesehen. Ab dem 24. Oktober 2008 habe der Versicherte über starke
Schmerzen im Rücken mit Ausstrahlung in beide Beine geklagt. Ab diesem Zeitpunkt
hätten sich die Konsultationen gehäuft. Dr. C._ führte weiter aus, er habe eine
Diskrepanz zwischen dem subjektiven Schmerzempfinden und dem organischen
Befund festgestellt. Der Versicherte sei sehr gut und ausführlich durch die MEDAS
abgeklärt worden. Die Gutachter hätten die Arbeitsfähigkeit seiner Meinung nach
jedoch zu optimistisch eingeschätzt. Er verstehe nicht, weshalb man den Versicherten
nicht umgeschult habe, wenn er zu 60 % arbeitsfähig sei. Die Diskrepanz zwischen den
organischen Befunden und dem Ausmass der Beschwerden könne durch die
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psychische Komponente erklärt werden. Die Befunde seien nicht inkonsistent; es
handle sich um einen klassischen Fall. Auf Vorhalt des Leistungsprofils des RAD
erklärte Dr. C._, dass er den Versicherten nicht so einschätze, wie dies im
Leistungsprofil wiedergegeben werde. In seiner Praxis habe der Versicherte manchmal
Mühe beim Gehen gehabt und Stöcke benötigt. Manchmal habe er aber auch recht
flüssig gehen können. Eine Bewegungseinschränkung, wie sie im Leistungsprofil
umschrieben worden sei, sei nicht nachvollziehbar. Der Versicherte habe alleine zu ihm
in die Praxis kommen können. Ab und zu habe er Hilfe benötigt. In solchen Fällen habe
er ein Taxi genommen oder die Hilfe seiner Freundin beansprucht. Der Versicherte sei
in der Lage, Einkäufe zu erledigen, den Haushalt zu besorgen und die Körperpflege
vorzunehmen. Zur Videoaufnahme, die den Versicherten beim Öffnen der Heckklappe
des Autos, beim Tragen einer Sport- und einer Einkaufstasche sowie beim Gehen ohne
Stöcke zeigen, nahm Dr. C._ wie folgt Stellung: Es handle sich hierbei um eine
Phase, in der der Versicherte seine Schmerzen nicht als so schlimm erlebt habe. Diese
Aufnahmen liessen ihn nicht an den Beschwerden zweifeln, die der Versicherte in
seiner Praxis geschildert habe. Auf Vorhalt des Videoabschnitts, auf dem der
Versicherte zu sehen ist, wie er lediglich ein paar Minuten später an Stöcken zurück
zum Haus läuft, gab
Dr. C._ an, dass dieses Verhalten aufgrund der erhobenen Befunde erklärbar sei. Der
Stock sei für den Versicherten eine psychische Stütze. Er selbst habe bei einer
Untersuchung am 11. März 2011 eine auffällige Diskrepanz des Gehens vom
Wartezimmer ins Sprechzimmer und auf die Waage beobachtet und in der Krankenakte
festgehalten. Der Versicherte habe es nicht nötig, seinem behandelnden Arzt etwas
vorzuspielen. Den schnellen Wechsel der Symptomatik begründete Dr. C._ damit,
dass dies die Art und das Befinden des Versicherten sei.
A.o Am 14. September 2011 wurde der Versicherte vom Staatsanwalt ein zweites Mal
einvernommen (IV-act. 88 S. 50 ff.). Er gab an, er habe während der Untersuchung
durch die MEDAS eine Blockade gehabt. Als er mit Ferienfotos von N._ konfrontiert
wurde, erklärte er, dass er seine Medikamente, die Stöcke und die Stützstrümpfe
immer dabei habe. Seine Beine seien nicht immer geschwollen. Die Schmerzen und
Blockaden habe er nicht täglich. Das heisse aber nicht, dass er nicht krank sei. Es sei
nicht dasselbe, ob er in den Ferien weile oder 8 Stunden pro Tag bei der Arbeit stehen
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müsse. Er selber sei nicht mit dem Motorroller gefahren, er habe sich nur darauf
fotografieren lassen. Weder er noch seine Freundin hätten den Motorroller gemietet.
A.p Am 14. Mai 2012 wurde der Versicherte des versuchten Betrugs erstinstanzlich
schuldig erklärt (IV.act. 107). Er liess gegen dieses Urteil Berufung erheben (IV-act.
108).
B.
B.a Mit einem Vorbescheid vom 24. Juli 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass die Abweisung seines Rentenbegehrens vorgesehen sei (IV-act. 110). Als
Begründung gab sie an, dass der Versicherte von Beginn an durch seine falschen
Angaben, sein demonstratives Schmerzverhalten und sein leidendes Auftreten alle
behandelnden Ärzte, die Gutachter sowie die IV-Stelle bewusst getäuscht habe, um
Leistungen zu erwirken. Die Observationsergebnisse und die beschlagnahmten Videos
und Fotos zeigten ein klares Bild über den tatsächlichen Gesundheitszustand und
bestätigten in eindrücklichen Bildern die Falschaussagen. Den unzähligen SMS seien
keine grossen Klagen über einen eingeschränkten Gesundheitszustand zu entnehmen.
Würde der Versicherte an den behaupteten gesundheitlichen Einschränkungen leiden,
würde sich dies auch in der Kommunikation niederschlagen. Ebenfalls könne aufgrund
der SMS ausgeschlossen werden, dass seine Partnerin praktisch täglich in die Schweiz
komme, um ihn zu betreuen. Er könne sich völlig frei und unbeschwert bewegen.
Krücken seien auf den privaten Fotos und Filmen zu keiner Zeit zu sehen. Es sei davon
auszugehen, dass er an keiner Krankheit leide, die eine relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit nach sich zöge. Selbst bei Vorliegen leichter Schmerzen müsse davon
ausgegangen werden, dass er diese überwinden könne. Es sei ihm sowohl aus
psychiatrischer wie auch aus somatischer Sicht zumutbar, weiterhin einer angepassten
Tätigkeit ohne Leistungseinbusse in einem Pensum von 100 % nachzugehen.
B.b Am 14. September 2012 liess der Versicherte einen Einwand gegen den
Vorbescheid erheben (IV-act. 128). Sein Rechtsvertreter beantragte, es sei dem
Versicherten eine ganze IV-Rente zuzusprechen und die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zulasten der IV-Stelle. Er stellte weiter die folgenden Anträge: Erstens sei eine
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umfassende medizinische Neubegutachtung vorzunehmen. Zweitens sei das
Vorbescheidverfahren bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens vor dem
Kantonsgericht St. Gallen zu sistieren. Zur Begründung führte er an, dass die
psychische Erkrankung einen wesentlichen Anteil an der Ausprägung des
Schmerzgeschehens habe. Er verwies dafür auf die Aussagen von Dr. C._ und Dr.
med. O._ von der Klinik für Psychosomatik des KSSG. Auch die Videoaufnahmen
anlässlich der Observation seien kein Beleg gegen das Vorliegen eines unerträglichen
Schmerzgeschehens. Psychisch bzw. psychosomatisch bedingte Beschwerden seien
in ihrer Ausprägung ‒ insbesondere je nach psychischer Verfassung ‒ wechselhaft.
Sofern hinsichtlich dieser Tatsache Unklarheiten seitens der IV-Stelle bestünden,
müsse eine umfassende medizinische Neubegutachtung mit besonderem Fokus auf
den psychiatrischen Zustand des Versicherten erfolgen. Eine solche habe im Übrigen
auch Dr. O._ empfohlen. Der Versicherte sei nach wie vor vollständig erwerbsunfähig.
Dem Einwand legte der Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. O._ vom 30. März 2012
bei (IV-act. 128 S. 5 f.). Laut diesem Bericht hatte sich der Versicherte seit April 2010
regelmässig bei Dr. O._ in ambulanter Behandlung befunden. Dr. O._ hatte beim
Versicherten eine rezidivierende depressive Störung, eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit histrionischen und narzisstischen Zügen sowie eine
somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Sie hatte weiter angegeben, dass beim
Versicherten zunehmend die psychiatrische Grunderkrankung in den Vordergrund
getreten sei, weshalb eine ambulante psychiatrische Therapie eingeleitet worden sei.
Vor ungefähr zwei Jahren habe der Versicherte eine schwere depressiven Episode und
konkrete Suizidgedanken gehabt. Eine Klinikeinweisung habe er damals dezidiert
abgelehnt. Durch eine ausgebaute antidepressive Therapie in Verbindung mit einem
engmaschigen, ambulanten Therapiesetting habe sich die Situation gebessert. Im
weiteren Verlauf habe sich zusehends eine Persönlichkeitsstörung mit histrionischen
und narzisstischen Zügen als problematisch herausgestellt. Gleichzeitig habe nach wie
vor eine penetrante Fixierung auf eine somatische Genese bestanden. Die Schmerzen
hätten sich inzwischen über die gesamte Wirbelsäule ausgebreitet und es seien
vegetative Symptome wie intermittierende Fussschwellungen, Schlafstörungen,
Orthostaseprobleme und vermehrte Schweissbildung, Hauteffloreszenzen und zum Teil
generalisierter Pruritus hinzugekommen. Das therapeutische Ziel der besseren
Krankheitsakzeptanz und der besseren Schmerzbewältigung habe im Verlauf verworfen
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werden müssen. Aktuell finde eine stützend-begleitende Therapie statt. Die
histrionischen Anteile seiner Persönlichkeit seien dafür verantwortlich, dass er seine
Leiden etwas überzeichne; sie seien Teil seiner Psychopathologie. Schliesslich hatte
Dr. O._ noch darauf hingewiesen, dass ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden
müsste, um dezidiertere Aussagen zu erhalten.
B.c Mit Verfügung vom 24. September 2012 wies die IV-Stelle das Rentengesuch aus
den im Vorbescheid dargelegten Gründen ab (IV-act. 130). Zum Einwand nahm sie wie
folgt Stellung: Während der Leistungsabklärung seien umfangreiche medizinische
Abklärungen erfolgt. Durch die Observation habe gezeigt werden können, dass der
Versicherte seine Beschwerden massiv übertrieben habe. Weitere Abklärungen seien
weder notwendig noch zielführend, da der Versicherte mit grösster Wahrscheinlichkeit
wieder stark aggravieren und so die Beurteilung behindern würde. In der Einvernahme
seien Dr. C._ lediglich zwei Sequenzen aus dem Überwachungsvideo vorgeführt
worden. Von allen anderen Akten (Fotos, Telefondaten, Videos), welche beschlagnahmt
worden seien, habe er keine Kenntnis gehabt. Seine Beurteilung stütze sich somit
lediglich auf einen kleinen Teil der Akten. Selbst wenn Dr. C._ zum heutigen
Zeitpunkt eine Beurteilung gestützt auf die vollständigen Akten abgeben würde, wäre
zu berücksichtigen, dass er behandelnder Arzt sei und gemäss der Rechtsprechung
eine Begutachtung einen höheren Stellenwert habe als die Aussagen des
behandelnden Arztes, da diese erfahrungsgemäss eher auf der Seite ihres Patienten
stünden. Die Videoaufnahmen und die Fotos zeigten deutlich, dass der Versicherte,
selbst wenn er Schmerzen hätte, diese überwinden könnte. IV-rechtlich liege damit
kein relevantes und rentenbegründetes Leiden vor. Den Antrag auf Sistierung des
Verfahrens wies die IV-Stelle ab.
B.d Mit Verfügung vom 15. Oktober 2012 wies die IV-Stelle auch das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im IV-Verwaltungsverfahren ab (IV-act. 136). Sie
argumentierte, der Versicherte sei erstinstanzlich wegen des Versuchs,
rechtsmissbräuchlich Leistungen der IV zu erwirken (versuchter Betrug), verurteilt
worden. Es könne nicht Sinn und Zweck der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
sein, ein verpöntes Verhalten zu unterstützen. Die Berufung auf die Verfahrensgarantien
nach Art. 29 Abs. 3 BV sei unter diesen Umständen rechtsmissbräuchlich. Zudem
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müsse bei der aktuellen Beweislage auch die Aussichtslosigkeit des Verfahrens
angenommen werden.
B.e Am 30. Oktober 2012 teilte das Versicherungsgericht dem Rechtsvertreter mit,
dass nach der Rechtsprechung die unentgeltliche Rechtspflege nicht gewährt werde,
sofern eine Rechtsschutzversicherung, ein Verband oder eine Gewerkschaft für die
Gerichts- und Anwaltskosten aufkomme (act. G 2). Mit Rücksicht auf diese
Rechtsprechung könne im vorliegenden Fall das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und unentgeltliche Rechtsverbeiständung
im Prozess) nicht gewährt werden.
C.
C.a Gegen die Rentenverfügung vom 24. September 2012 und gegen die Verfügung
vom 15. Oktober 2012, mit der das Gesuch um die unentgeltliche Rechtspflege im
Verwaltungsverfahren abgewiesen worden war, liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 23. Oktober 2012 Beschwerde erheben (act. G 1). Der
Rechtsvertreter beantragte, die Verfügung vom 24. September 2012 sei aufzuheben
und dem Beschwerdeführer eine ganze IV-Rente zuzusprechen. Zudem sei ihm für das
vorliegende Beschwerdeverfahren und das Verwaltungsverfahren die unentgeltliche
Rechtspflege inkl. unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin). Der Rechtsvertreter brachte als Begründung vor, dass die
psychiatrische Grunderkrankung die zentrale Ursache für das Schmerzgeschehen des
Beschwerdeführers sei. Aufgrund der Diagnosen von Dr. C._ und Dr. O._ müsse
auch das MEDAS-Gutachten relativiert werden: Die zwischenzeitlich chronifizierten
somatischen und psychischen Komponenten seien von den Gutachtern zu wenig
berücksichtigt worden. Weiter hätten die Gutachter nicht berücksichtigt, dass die
histrionischen Anteile der Persönlichkeit des Beschwerdeführers dafür verantwortlich
seien, dass er seine Leiden überzeichne und Teil seiner Psychopathologie sei. Das
Argument der Beschwerdegegnerin, die Unerträglichkeit des Schmerzgeschehens
könne aufgrund der somatischen Befunde nicht erklärt werden, gehe somit an der
Sache vorbei. Insbesondere aufgrund der anhaltenden depressiven Störung, des
sozialen Rückzugs, des hohen Chronifizierungsgrades, der akzentuierten
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Persönlichkeitszüge und des therapieresistenten Verlaufs der bisherigen ambulanten
psychiatrisch-psychosomatischen Behandlung bestünden beim Beschwerdeführer
klare Hinweise für die Unüberwindbarkeit des chronischen Schmerzgeschehens.
Bezüglich des Antrags auf unentgeltliche Rechtspflege argumentierte der
Rechtsvertreter, dass der Beschwerdeführer vom Sozialamt abhängig sei, die
Leistungen der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung den Leistungen der UNIA
vorgingen, die Kostenbeteiligung der UNIA voraussichtlich ohnehin nicht für die
Begleichung der Kosten ausreichen würde und die Angelegenheit nicht aussichtslos
sei. Zudem sei der aus Algerien stammende Beschwerdeführer in rechtlichen
Angelegenheiten unerfahren und deshalb auf einen Rechtsvertreter angewiesen. Dies
gelte umso mehr, als er aufgrund seiner psychischen Situation nicht in der Lage sei,
seine Interessen in ausreichender Form selber wahrzunehmen. Der Rechtsvertreter
legte seiner Beschwerdeschrift zwei medizinische Berichte bei. Dr. O._ hatte in ihrem
Bericht vom 24. September 2012 (act. G 1.1/5) angegeben, dass es dem
Beschwerdeführer gar nicht gut gehe. Die inzwischen generalisierten Schmerzen
könnten nicht durch eine einzelne Bandscheibenprotusion erklärt werden. Der
Beschwerdeführer leide an einer somatoformen Schmerzstörung bei akzentuierten
Persönlichkeitszügen und einer mittelschwer bis schweren depressiven
Anpassungsstörung. Das aktuelle Bild sei Ausdruck des weit fortgeschrittenen
Chronifizierungsprozesses. Der Beschwerdeführer greife bei Schmerzen relativ
unkritisch und undifferenziert zu Tabletten. Konkret auf die Wirkung angesprochen,
könne er jedoch keine klare Angabe machen. Die Behandlung habe keine wesentliche
Besserung erzielt. Die weitere Prognose schätze sie als schlecht ein. Eine stationäre
Unterbringung zur Optimierung der Medikation habe der Versicherte weiterhin
konsequent abgelehnt. Dr. C._ hatte am 15. Oktober 2012 berichtet (act. G 1.1/6), es
bestehe ein sehr therapieresistenter Verlauf. Das Ausmass der depressiven Störung sei
schwierig zu quantifizieren, da der Beschwerdeführer weiterhin auf seine körperlichen
Leiden fixiert sei. Während zu Beginn der Erkrankung mit vorwiegend körperlicher
Problematik eine Beschäftigung in einer leidensadaptierten Tätigkeit noch denkbar
gewesen sei, müsse nun nach dem Auftreten einer zunehmend dominanten
depressiven Störung eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Entgegen
der Aussage der Gutachter habe sich der Beschwerdeführer einer konsequenten,
ambulanten psychiatrischen Therapie bei Dr. O._ unterzogen.
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C.b In der Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2013 (act. G 4) brachte die
Beschwerdegegnerin vor, die MEDAS habe nach Sichtung der Observationsergebnisse
bestätigt, dass der Beschwerdeführer massiv aggraviert habe und sich eine
Arbeitsunfähigkeit nicht mehr bestätigen lasse. Im Strafverfahren seien weitere
Beweise beigebracht worden, die überdeutlich zeigten, dass der Beschwerdeführer die
geklagten Einschränkungen unmöglich haben könne. Die behandelnden Ärzte hätten
aufgrund des Behandlungsverhältnisses als befangen zu geltend. Hinzu komme, dass
sie keine Kenntnis der vollständigen Akten gehabt hätten. Dem Hausarzt seien zwar auf
dessen Ersuchen hin die wichtigsten Akten ediert worden. Doch habe er sich in seinem
Bericht vom 15. Oktober 2012 in keiner Weise mit den Ergebnissen der erweiterten
Abklärungen auseinander gesetzt. Es sei nicht davon auszugehen, dass er die
umfangreichen Beweismittel gesichtet habe. Die eingereichten Berichte der
behandelnden Ärzte seien daher nicht geeignet, eine relevante Arbeitsunfähigkeit
nachzuweisen. Schliesslich seien die gestellten Diagnosen nach der Rechtsprechung
nicht geeignet, eine IV-rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Es stehe
ein somatisch nicht erklärbares Schmerzgeschehen im Vordergrund, welches zu einer
reaktiven depressiven Verstimmung geführt habe. Es sei daher zu vermuten, dass der
Beschwerdeführer seine Beschwerden überwinden könne. Diese Vermutung habe
durch die erweiterten Ermittlungen eindeutig bestätigt werden können. Die
diagnostizierte Persönlichkeitsstörung mit histrionischen und narzisstischen Zügen
vermöge zwar die Motivation des Beschwerdeführers teilweise zu erklären; sie könne
aber nicht als eigenständige Komorbidität genügender Schwere anerkannt werden. Im
Übrigen verwies die Beschwerdegegnerin auf die Begründung in den Verfügungen vom
24. September 2012 und 15. Oktober 2012. Mit der Beschwerdeantwort reichte die
Beschwerdegegnerin drei DVDs ein (act. G 4.2-4.4). Eine DVD (act. G 4.2) beinhaltet
das Observationsmaterial. Auf der Videoaufnahme vom 5. August 2010 ist zu sehen,
wie der Beschwerdeführer mit kleinen Schritten und an zwei Krücken das Gebäude der
SVA verlässt. Mithilfe einer Begleiterin nimmt er langsam auf dem Beifahrersitz eines
Autos Platz. Seine Begleiterin verstaut die Krücken auf dem Rücksitz. Nach fünf
Fahrminuten steigt der Beschwerdeführer alleine aus dem Auto aus, wobei er humpelt
und sich am Auto abstützt. Dann holt er die Krücken alleine vom Rücksitz hervor und
entfernt sich mit nun etwas grösseren Schritten vom Auto weg. Auf der Videoaufnahme
vom 20. September 2010 ist der Beschwerdeführer zu sehen, wie er die Heckklappe
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eines Autos öffnet, eine Tasche herausnimmt und über die linke Schulter hängt und die
Heckklappe danach wieder schwungvoll schliesst. Er bewegt sich dabei flüssig und
ohne sichtbare körperliche Einschränkungen. Danach läuft er in normalem Tempo zum
Hauseingang, wobei er das linke Bein einmal nachzieht. An der linken Schulter trägt er
eine grössere Sporttasche und in der rechten Hand eine Einkaufstasche. Nach wenigen
Schritten wechselt er die Einkaufstasche in die linke Hand. Er bewältigt die
Treppenstufen bis zum Hauseingang wechselbeinig und zügig, wirft vor dem
Hauseingang kurz einen Blick in den Briefkasten und verschwindet dann im Haus.
Rund 20 Minuten später verlässt er das Haus leicht hinkend und begibt sich zum Auto.
Fünf Minuten später ist er zu sehen, wie er leicht humpelnd und an Krücken relativ
zügig zurück zum Haus läuft. Er kontrolliert den Briefkasten und nimmt dafür die
Krücken in die linke Hand. Leicht humpelnd, jedoch nicht an Krücken, öffnet er die
Haustüre und verschwindet darin. Eine zweite DVD beinhaltet Ferienfotos, die im
Rahmen des Strafverfahrens beschlagnahmt worden sind (act. G 4.3). Im Ordner
"2009-10-15 N._" befinden sich zwei Fotos, auf denen der Beschwerdeführer auf
einem Motorroller sitzt. Auf einem weiteren Foto steht er am Strand. Krücken sind auf
keiner Aufnahme zu sehen und der Beschwerdeführer hinterlässt auf den Bildern einen
unbekümmerten und fröhlichen Eindruck. Im Ordner "2010-09-26 P._" befinden sich
rund 60 Kurzvideos. Auf keinem Video sind beim Beschwerdeführer körperliche
Einschränkungen zu erkennen. Auch Krücken sind auf den Videos nicht zu sehen. Auf
den Videos ist zu sehen, wie er sich mithilfe seiner Arme rückwärts auf ein schmales
Geländer setzt ("P._ 007"), wie er in hüfthohem Wasser steht und die Arme
abwechslungsweise zügig vor seinem Oberkörper hoch- und herunterschlägt ("P._
012" und "P._ 013"), wie er aus dem Wasser gegen den Strand hin läuft ("P._
013"), wie er über den Strand läuft ("P._ 045" und "P._ 047"), wie er recht zügig
über den Strand spaziert, sich dann umdreht und ein paar Schritte rückwärts läuft
("P._ 046"), wie er einen Rucksack trägt ("P._ 055") und wie er auf dem Rücken
liegend auf einer Luftmatratze im Meer liegt und dabei mit beiden Armen paddelt
("P._ 060 und "P._ 061"). Ein weiterer Ordner ist mit "2010-05-31 mai 2010"
betitelt. Auf den Fotos ist entweder das Datum 22.05.10 oder 23.05.10 eingraviert. Auf
einem Foto sieht man den Beschwerdeführer auf dem rechten Bein stehend und das
linke Bein weit von sich streckend. Er hält sich dabei mit beiden Händen an einer
Person fest (Bild "006"). Auf weiteren Fotos sieht man den Beschwerdeführer beim
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Grillieren (Bilder "026", "077", "078" und "079"). Die dritte DVD beinhaltet u.a. die
Auswertung der SMS, die der Beschwerdeführer zwischen dem 20. September 2009
und 21. März 2011 verschickt und erhalten hat (act. G 4.4).
C.c In der Replik vom 18. April 2013 (act. G 10) erklärte der Rechtsvertreter, dass er an
den Rechtsbegehren in der Beschwerdeschrift festhalte. Gemäss der neueren
Rechtsprechung könne den Berichten eines Hausarztes nicht von vornherein jede
Glaubwürdigkeit abgesprochen werden. Im Gegenteil könne das Gericht auch auf die
speziellen, etwa dank der langjährigen Betreuung nur einem Hausarzt zugänglichen
Kenntnisse des Gesundheitszustandes eines Versicherten abstellen. Dr. C._ und Dr.
O._ behandelten den Beschwerdeführer seit Jahren und würden ihn gut kennen. Dr.
C._ sei anlässlich seiner Einvernahme als Zeuge im Strafverfahren über die
Ergebnisse des MEDAS-Gutachtens vom 4. Mai 2010 in Kenntnis gesetzt worden und
es seien ihm die relevanten Ausschnitte des Videos der Observation vorgeführt
worden. Er habe seine medizinischen Stellungnahmen somit durchaus in Kenntnis der
wesentlichen Beweismittel abgegeben. Weiter habe der Beschwerdeführer neben der
Persönlichkeitsstörung mit einer anhaltenden resp. rezidivierenden depressiven
Störung zu kämpfen. Die Frage hinsichtlich der Eigenständigkeit der
Persönlichkeitsstörung sei daher irrelevant. Die vorliegenden Komorbiditäten seien im
Zusammenhang zu beurteilen. Es müsse bezweifelt werden, dass die
Beschwerdegegnerin den psychischen resp. psychosomatischen Zustand des
Beschwerdeführers vollständig erfasst habe. Eine medizinische Neubegutachtung sei
angesichts dieser Zweifel angebracht.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).
C.e Am 21. August 2013 wurde der Beschwerdeführer vom Kantonsgericht St. Gallen
zweitinstanzlich wegen versuchten Betrugs verurteilt (act. G 14 und act. G 16). Am
12. November 2013 teilte der Rechtsvertreter mit, dass der Beschwerdeführer gegen
dieses Urteil Beschwerde beim Bundesgericht erhoben habe (act. G 18). Mit Schreiben
vom 9. Dezember 2013 erklärte der Rechtsvertreter, das Verfahren vor dem
Versicherungsgericht müsse unabhängig vom Strafverfahren durchgeführt werden, da
gänzlich unterschiedliche Fragen zu beantworten seien (act. G 22). Am 24. Februar
2014 wurde die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen versuchten Betrugs vom
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Bundesgericht bestätigt (act. G 24). Mit Schreiben vom 28. April 2014 brachte der
Rechtsvertreter vor, dass der Schuldspruch im Strafverfahren nicht den Schluss
zulasse, dass beim Beschwerdeführer keine relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestehe (act. G 28). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine
Stellungnahme zur Eingabe des Rechtsvertreters (act. G 30).

Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat mit den Verfügungen vom 24. September 2012 und
15. Oktober 2012 einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente
sowie auf unentgeltliche Rechtspflege im IV-Verwaltungsverfahren verneint.
Streitgegenstand des vorliegenden Falles ist somit, ob der Beschwerdeführer Anspruch
auf eine Invalidenrente und auf unentgeltliche Rechtspflege im IV-Verwaltungsverfahren
hat oder nicht.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.
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2.1 Als Erstes ist zu prüfen, ob die Ergebnisse der Observation sowie die im Rahmen
des Strafverfahrens beschlagnahmten Beweismittel im vorliegenden Verfahren ver
wertet werden dürfen.
2.2 Eine Observation stellt einen Eingriff in die grundrechtlich geschützte Privatsphäre
der betroffenen Person im Sinne von Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV, SR 101)
dar. Sie bedarf daher einer gesetzlichen Grundlage und muss durch ein öffentliches
Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 1–3 BV). Der Kerngehalt
des Grundrechts auf Schutz der Privatsphäre darf durch eine Observation keinesfalls
angetastet werden (Art. 36 Abs. 4 BV). Die gesetzliche Grundlage für eine Observation
ist in Art. 59 Abs. 5 IVG zu erblicken. Eine Observation kann mit Blick auf das Interesse
der Versicherungsgemeinschaft, dass keine nicht geschuldeten Leistungen erbracht
werden, gerechtfertigt sein. Mit Blick auf das Erfordernis der Verhältnismässigkeit ist
insbesondere zu verlangen, dass eine Observation nur auf begründeten Verdacht hin
erfolgt (vgl. den Entscheid IV 2008/451 des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 21. Juli 2009 E. 2.2; Stefan Dettwiler, Zulässige Video-Überwachung von
SUVA-Versicherten, HAVE 2003, S. 247), dass keine andere, mildere Massnahme zur
Abklärung des Verdachts zur Verfügung steht (Regina Aebi-Müller/Andreas Eicker/
Michel Verde, Grenzen bei der Verfolgung von Versicherungsmissbrauch mittels
Observation, in: Gabriela Riemer-Kafka, Versicherungsmissbrauch, Zürich 2010, S. 41
f.) und dass der durch Art. 179 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR
311.0) vorgegebene Rahmen beachtet wird. Vorliegend ist das öffentliche Interesse an
einer Observation angesichts der zur Diskussion stehenden erheblichen Leistungen der
Invalidenversicherung (ganze Rente für einen jungen Versicherten) ohne Weiteres zu
bejahen. Auch ein begründeter Verdacht war gegeben: Erstens hatte die
Beschwerdegegnerin einen anonymen Hinweis erhalten, dass der Beschwerdeführer
seine Beschwerden nur vorspiele. Zweitens hat anlässlich der MEDAS-Begutachtung
aufgrund des sehr auffälligen Schmerzverhaltens des Beschwerdeführers keine
brauchbare körperliche Untersuchung durchgeführt werden können. Drittens hatte das
präsentierte Beschwerdebild nicht bzw. ungenügend mit den radiologischen Befunden
korreliert und viertens hatten die MEDAS-Gutachter Inkonsistenzen und eine Verdeut
lichungstendenz festgestellt. Da die Beurteilung durch die MEDAS somit zu weiten
Teilen auf den Angaben des Beschwerdeführers beruht und da sich der Verdacht auf
eine mögliche Diskrepanz zwischen den Angaben des Beschwerdeführers und seinem
quater
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Verhalten im Alltag bezogen hat, haben der Beschwerdegegnerin keine anderen,
geeigneten, milderen Massnahmen zur Abklärung zur Verfügung gestanden. Da der
Observationsbericht keine Feststellungen enthält, die auf eine Verletzung von Art.
179 StGB hinweisen würden, ist die Observation als rechtmässig zu qualifizieren;
die Observationsergebnisse sind im vorliegenden Verfahren demnach verwertbar.
2.3 Die Strafverfolgungsbehörde hat im Rahmen des Strafverfahrens rechtmässig
Beweise in der Form von Fotos und Videoaufnahmen erhoben. Im Strafverfahren ist
festgestellt worden, dass die Aufnahmen, die sich im Ordner "2009-10-15 N._"
befinden, im September 2009 und die Aufnahmen im Ordner "2010-09-26 P._" im
Juli 2010 aufgenommen worden sind (siehe S. 10 des Entscheides des
Kantonsgerichts St. Gallen; act. G 16.1). Auf den Fotos im Ordner "2010-05-31" sind
die Daten 22.05.10 oder 23.05.10 eingraviert, was bedeutet, dass die Fotos mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit an diesen Tagen aufgenommen worden sind. Auf
den Fotos und den Videoaufnahmen ist zu erkennen, wie sich der Beschwerdeführer
während des laufenden IV-Verwaltungsverfahrens im Alltag bzw. in den Ferien
verhalten hat. Zusammen mit den Aussagen des Beschwerdeführers und den
medizinischen Berichten sind die beschlagnahmten Beweismittel geeignet, Aussagen
über den Gesundheitszustand bzw. die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im IV-
rechtlich massgebenden Zeitraum zu machen. Die Verwertung der beschlagnahmten
Beweismittel im IV-Verfahren ist auch erforderlich, da sie ‒ neben den
Observationsergebnissen ‒ die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Verhalten des
Beschwerdeführers im Alltag und seinem Verhalten und seinen Angaben gegenüber der
IV-Stelle und den MEDAS-Gutachtern verdeutlichen. Die aufgezählten,
beschlagnahmten Beweismittel sind somit im vorliegenden Verfahren verwertbar.
3.
3.1 Als Nächstes ist zu prüfen, ob anhand der im Recht liegenden medizinischen
Berichte der Arbeitsunfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann. Es liegen insbesondere
Berichte des Hausarztes Dr. C._ und von Dr. O._ von der Klinik für Psychosomatik
bzw. dem Palliativzentrum des KSSG, ein Bericht des Neurochirurgen Dr. D._, ein
Austrittsbericht der Klinik Valens, ein polydisziplinäres MEDAS-Gutachten sowie eine
quater
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Stellungnahme der MEDAS zum Observationsbericht und -material bei den Akten. Dem
Austrittsbericht der Klinik Valens ist keine Arbeitsfähigkeitsschätzung zu entnehmen.
Gemäss dem Bericht hatte der Beschwerdeführer während der Hospitalisation ein
buntes Bild gezeigt: Während er am ersten Tag noch praktisch bettlägerig gewesen
war, hatten am zweiten Tag Versuche der Entwöhnung von Gehhilfen durchgeführt
werden können. Gemäss dem MEDAS-Gutachten hatte aufgrund des auffälligen
Schmerzverhaltens des Beschwerdeführers keine brauchbare körperliche
Untersuchung stattfinden können. Das vom Beschwerdeführer präsentierte
Beschwerdebild hatte zudem nicht bzw. ungenügend mit den radiologischen Befunden
korreliert. Der psychiatrische Gutachter hatte angegeben, dass es innerhalb der
Fragebogen sowie zwischen den Fragebogen und den spontan gemachten Angaben
des Beschwerdeführers gewisse Inkonsistenzen gebe. Auch das Ankreuz-Muster im
Fragebogen spreche für eine Verdeutlichung. Weiter habe der Beschwerdeführer
vorgebracht, unter Panikattacken zu leiden. Typische Symptome von Panikattacken
habe er jedoch nicht schildern können. Er habe auch angegeben, an
Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen und einer Rückzugstendenz zu
leiden. Diese Angaben hätten jedoch nicht zur beobachteten Vitalität während des
Gesprächs gepasst. Auch die sehr hohen Werte der HAD-Skala seien mit der
spürbaren affektiven Präsenz und den sozialen Fähigkeiten des Beschwerdeführers
nicht vereinbar gewesen. Und schliesslich habe er auch keinen Einblick in seine inneren
und sozialen Konflikte gegeben. Obwohl keine brauchbare körperliche Untersuchung
vorgenommen werden konnte und obwohl die Ergebnisse der psychologischen Tests
in weiten Teilen nicht mit den Befunden des psychiatrischen Gutachters
übereinstimmten, haben die Gutachter eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
von maximal 40% angegeben. Eine Arbeitsfähigkeitsschätzung, die aus somatischer
Sicht weitgehend auf den subjektiven Angaben der versicherten Person und aus
psychiatrischer Sicht auf grossen Unstimmigkeiten beruht, vermag nicht zu
überzeugen. Auch die Stellungnahme derselben Gutachter zum Observationsbericht
und -material hat wenig Beweiskraft: So ist darin festgehalten worden, dass eine
ausgeprägte Demonstrativität bestehe, die noch deutlich grösser sei, als dies schon bei
der Begutachtung festgestellt worden sei. Die gezeigten Inkonsistenzen sprächen für
eine massive Aggravation. Deswegen sei es nicht möglich, genaue Aussagen zu einer
eventuellen Arbeitsunfähigkeit zu machen. Trotzdem haben die Gutachter festgehalten,
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dass ihre Diagnosen weiterhin Gültigkeit hätten und die Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht maximal 40 % betrage. Obwohl die Gutachter erklärt hatten, den
Arbeitsfähigkeitsgrad nicht bestimmen zu können, haben sie daraufhin eine
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers dennoch verneint, weil er sicher nicht alle
zumutbare Willenskraft aufbringe, um die subjektiven Schmerzen zu überwinden. Diese
Ausführungen sind widersprüchlich und nicht nachvollziehbar: Aufgrund der massiven
Aggravation haben die Gutachter den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststellen können.
Dies bedeutet konsequenterweise, dass sie auch nicht beurteilen können, ob der
Beschwerdeführer die (allfällig) vorhandenen Schmerzen bei zumutbarer
Willensanstrengung überwinden kann. Hinzu kommt, dass den Gutachtern die im
Rahmen des Strafverfahrens beschlagnahmten und aussagekräftigen Videoaufnahmen
und Fotos nicht zur Stellungnahme unterbreitet worden sind. Dr. D._ hat dem
Beschwerdeführer am 12. Mai 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab
Behandlungsbeginn, d.h. dem 6. Januar 2009, attestiert. Aus seinem Bericht geht
jedoch hervor, dass die Arbeitsunfähigkeit zurzeit 100 % betrage (vgl. IV-act. 18 S. 4).
Dr. D._ ist somit davon ausgegangen, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht andauernd ist
und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen folglich keinen invalidisierenden
Charakter haben. Hinzu kommt, dass er diese Einschätzung ohne Kenntnis der
Observationsergebnisse und der privaten Fotos und Videoaufnahmen abgegeben hat.
Auch seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung fehlt daher die notwendige Beweiskraft. Der
Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. C._, hat die Arbeitsunfähigkeit auch nach
Sichtung des Observationsmaterials auf 100 % geschätzt. Zur Begründung hat er
angeführt, dass die Diskrepanz zwischen dem subjektiven Schmerzempfinden des
Beschwerdeführers und dem organischen Befund durch die psychische Komponente
erklärt werden könne. Dr. C._ verfügt nicht über einen Facharzttitel in Psychiatrie,
sondern ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin. Psychische Erkrankungen sind
schwer zu erfassen, weil sie sich im Innern der betroffenen Personen abspielen.
Entsprechend gestaltet sich die Diagnosestellung in der Psychiatrie in der Regel
schwierig. Gerade weil es sich bei der Psychiatrie um ein sehr komplexes Fachgebiet
handelt, muss die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht von einem Facharzt
geschätzt werden. Sogar Dr. O._ hat keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben
und stattdessen erklärt, dass für dezidiertere Aussagen ein psychiatrischer Gutachter
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beigezogen werden müsste. Hinzu kommt, dass der Hausarzt in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme angegeben hat, dass das Leistungsprofil des
RAD nicht mit seinem Bild von den Beschwerden des Beschwerdeführers
übereinstimme. Seines Erachtens sei es dem Beschwerdeführer durchaus möglich, die
Termine in seiner Praxis alleine wahrzunehmen, den Haushalt zu besorgen und die
Körperpflege vorzunehmen. Daraus lässt sich schliessen, dass der Hausarzt keine
Kenntnis von den Angaben des Beschwerdeführers gehabt hat, die dieser anlässlich
der Begutachtung und der Assessmentgespräche bezüglich seines
Gesundheitszustandes gemacht hatte. Zusammenfassend vermag die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des Hausarztes also nicht zu überzeugen. Aus dem
Gesagten folgt auch, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. M._ vom RAD von
Vornherein nicht zielführend sein kann, da dieser den Beschwerdeführer nicht selber
untersucht hat, sondern seine Einschätzung gestützt auf die im Recht liegenden, nicht
überzeugenden medizinischen Berichte abgegeben hat. Das bedeutet, dass die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gestützt auf die im Recht liegenden Akten ‒
entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin und des Beschwerdeführers ‒ nicht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bemessen werden kann.
4.
4.1 Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Demnach hat
das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Das Gericht hat seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die
Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des
Gerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des
Beweismaterials zu sorgen. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6).
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4.2 Das Verhalten und die Aussagen des Beschwerdeführers gegenüber den
Gutachtern und der IV-Stelle stehen in krassem Widerspruch zu seinem Verhalten im
Alltag. Gegenüber den Gutachtern und der IV-Stelle hat er sich als schmerzgeplagter
Pflegefall präsentiert: So hat er anlässlich der Begutachtung angegeben, dass er
dauerhaft unter extremsten lumbalen Schmerzen leide (Schmerzintensität 9-10 von
maximal 10 Punkten), seine in G._ lebende Freundin ihn praktisch jeden Abend
besuche und für ihn den Haushalt erledige, er keine körperlichen Aktivitäten mehr
ausüben könne, nicht mehr gesellschaftsfähig sei und sich lediglich an Gehstöcken und
höchstens 5-10 Minuten am Stück fortbewegen könne. Während der Begutachtung hat
er die Treppenstufen eines Stockwerks nur sehr langsam, unter Hyperventilation und
Schmerzäusserungen bewältigt. Gegenüber der IV-Stelle hat der Beschwerdeführer
u.a. erklärt, sich nicht einmal mehr einen Kaffee oder Tee zubereiten zu können, die
Krücken nie wegzulegen, nicht Autofahren zu können, seit zwei Jahren nicht mehr in
den Ferien gewesen zu sein und für die Zukunft auch keine Ferienpläne zu haben. Beim
Assessmentgespräch in der SVA St. Gallen hat sich der Beschwerdeführer schleppend,
extrem langsam und unsicher an den Stöcken fortbewegt. Nach dem Aufstehen hat er
einige Minuten gebraucht, das Besprechungszimmer zu verlassen. Demgegenüber
geben die privaten Fotos und Videoaufnahmen, welche während des laufenden
Verwaltungsverfahrens aufgenommen worden sind, ein völlig anderes Bild des
Beschwerdeführers wieder: Die Aufnahmen zeigen den Beschwerdeführer in geselliger
Runde beim Grillieren, im Einbeinstand, beim "Turnen" und auf einer Luftmatratze
liegend im Meer und am Strand vor- und rückwärtslaufend sowie einen Rucksack
tragend. Zusammengefasst zeigen die Aufnahmen das Bild eines jungen, in
körperlicher Hinsicht unbeeinträchtigten, ausgeglichen und zufrieden wirkenden
Mannes. Auch die Observationsergebnisse lassen sich mit den Aussagen des
Beschwerdeführers im Rahmen des Verwaltungsverfahrens nicht vereinbaren: So ist er
beim Öffnen der Heckklappe eines Autos, beim Tragen von grossen Taschen, beim
Gehen ohne Krücken in normalem Tempo, beim wechselbeinigen, zügigen
Treppensteigen und beim Auto fahren beobachtet worden. Mittels einer
Parkplatzüberwachung hat auch widerlegt werden können, dass die Freundin den
Beschwerdeführer praktisch täglich besucht. Nachdem er nach einem
Assessmentgespräch das Gebäude der SVA St. Gallen nur mit kleinen Schritten
verlassen und beim Einsteigen ins Auto Hilfe in Anspruch genommen hat, hat er wenige
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Minuten später alleine aus dem Auto steigen und sich mit grösseren Schritten
fortbewegen können. Dieses Verhalten kann nur dadurch erklärt werden, dass sich der
Beschwerdeführer mit bewusster Aggravation Rentenleistungen hat erlangen wollen.
Bei der vorliegenden Beweislage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt,
dass der Beschwerdeführer bei der Begutachtung und gegenüber der IV-Stelle
zumindest massiv aggraviert und
falsche Angaben zu seinem Gesundheitszustand gemacht hat.
4.3 Als der Beschwerdeführer im Rahmen des Strafverfahrens mit dem
Beweismaterial (Videoaufnahmen und Fotos) konfrontiert worden ist, hat er seine
bisherigen Aussagen in widersprüchlicher Weise relativiert oder sich ahnungslos bzw.
nichtwissend gegeben. Während des ganzen Strafverfahrens hat er stets negiert,
aggraviert oder unwahre Angaben zu seinem Gesundheitszustand gemacht zu haben.
Dasselbe gilt für das IV-Verwaltungsverfahren und das vorliegende
Beschwerdeverfahren. Ein solches Verhalten ist nicht durch die (allenfalls bestehenden)
psychischen Beeinträchtigungen (depressive Störung, Persönlichkeitsstörung mit
histrionischen und narzisstischen Zügen) des Beschwerdeführers zu erklären, wie dies
der Rechtsvertreter behauptet hat. Aufgrund des bisherigen Verlaufs ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
seine Haltung auch bei einer erneuten Begutachtung nicht ändern und wieder
aggravieren und falsche Angaben machen wird. Von einer erneuten Begutachtung sind
somit weder in somatischer noch in psychiatrischer Hinsicht eine brauchbare
Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung zu erwarten. In antizipierter
Beweiswürdigung ist deshalb auf eine weitere Begutachtung zu verzichten. Da der
Beschwerdeführer dafür verantwortlich ist, dass sein Arbeitsfähigkeitsgrad nicht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit hat festgestellt werden
können, hat er den Nachteil der Beweislosigkeit für die behauptete Arbeitsunfähigkeit
bzw. Invalidität zu
tragen. Die Beschwerdegegnerin hat das Rentengesuch somit zu Recht abgewiesen.
5.
5.1 Weiter ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im IV-Verwaltungsverfahren zu Recht abgelehnt hat.
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5.2 Nach Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der gesuchstellenden Person ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand bewilligt, wo es die Verhältnisse erfordern (vgl. Art. 29 Abs. 3 BV). Der
Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung setzt die Bedürftigkeit der
gesuchstellenden Person, die fehlende Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren sowie
die sachliche Gebotenheit des Beizugs eines Anwalts voraus (BGE 132 V 200 E. 4.1).
Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im IV-Verwaltungsverfahren ist
rechtsprechungsgemäss nur in Ausnahmefällen zu bejahen; vorausgesetzt wird
namentlich, dass sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen und eine
Interessenwahrung durch Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach- und
Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in Betracht fällt. Rechtsmissbräuchliches
Prozessieren ist von vornherein nicht vom Schutzbereich von Art. 29 Abs. 3 BV erfasst.
Darunter fällt beispielsweise die rechtsmissbräuchliche Inanspruchnahme von
Leistungen der Invalidenversicherung durch das Vortäuschen von
Krankheitssymptomen oder die bewusste Angabe unwahrer Tatsachen (Urteil des
Bundesgerichts vom 11. November 2011, 8C_272/2011 E. 8.1 und 8.4 mit Hinweisen).
5.3 Der Beschwerdeführer hat im vorliegenden Fall versucht, durch massive
Aggravation und die bewusste Angabe falscher Tatsachen Rentenleistungen zu
erlangen. Er hat daher gestützt auf das Rechtsmissbrauchsverbot keinen Anspruch auf
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im IV-Verwaltungsverfahren. Die
Beschwerdegegnerin hat sein Gesuch daher zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerden gegen die
Verfügungen vom 24. September 2012 und vom 15. Oktober 2012 abgewiesen werden.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich
nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Da sich der konkrete
Verfahrensaufwand im Rahmen des Üblichen hält, ist praxisgemäss eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-zu erheben. Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind
die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Der geleistete
Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird angerechnet. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP