Decision ID: 83162dff-79c1-52e7-897b-544e506edc84
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein ethnischer Kurde aus der Provinz B._
– suchte am 7. Dezember 2015 zusammen mit seinem Vater C._,
seinen Brüdern D._ (beide N [...] bzw. D-6978/2018) und
E._ (N [...] bzw. D-7000/2018) sowie seiner Schwester F._
(N [...]) im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) G._ um Asyl
nach. Am 10. Dezember 2015 wurde er im Rahmen einer Befragung zur
Person (BzP) zu seinen persönlichen Umständen, dem Reiseweg sowie
summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt. Die einlässliche Anhö-
rung zu den Asylgründen erfolgte am 23. November 2016.
Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen aus, er habe zusammen mit seinen Angehörigen in der Stadt
B._ gewohnt. Sein Bruder H._ (N [...]) habe sich mit einem
Angehörigen der nordirakischen Regierung gestritten. In diesem Zusam-
menhang sei sein Bruder I._ im (...) 2015 von Freunden dieses Re-
gierungsvertreters im Haus von H._ erschossen worden. Sein Vater
habe aus Angst, dass sein Sohn (der Beschwerdeführer) oder andere Fa-
milienangehörige ebenfalls umgebracht werden könnten, beschlossen, die
ganze Familie ins Ausland zu bringen. Am 25. August 2015 sei er zusam-
men mit seinem Vater und seinen Geschwistern (D._, E._
und F._) in Richtung J._ abgereist. Nach einem rund zwei-
monatigen Aufenthalt sei er von dort am (...) 2015 in die Schweiz gelangt.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine irakische Identitäts-
karte ein.
B.
Mit Verfügung vom 27. Dezember 2016 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Weg-
weisungsvollzug an.
C.
Mit Urteil D-785/2017 vom 16. August 2018 hiess das Bundesverwaltungs-
gericht die gegen die Verfügung des SEM vom 27. Dezember 2016 erho-
bene Beschwerde gut und wies die Sache zu neuer Entscheidfindung an
die Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus,
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dass das SEM aufgrund des geltend gemachten Verfolgungszusammen-
hangs die Akten der Eltern und Geschwister des Beschwerdeführers hätte
beiziehen und ihm das rechtliche Gehör zur Mitteilung und Begründung
des Beizugsergebnisses gewähren müssen.
D.
Am 3. September 2018 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das
rechtliche Gehör bezüglich der Asylverfahren der erwähnten Familienan-
gehörigen. Dabei teilte es ihm insbesondere mit, dass die Verfahren von
H._ und F._ unter Anordnung der vorläufigen Aufnahme
rechtskräftig abgeschlossen seien und es sein Asylgesuch ebenso wie die
noch hängigen Asylgesuche der Eltern (mit D._) und von
E._ ablehnen und die Wegweisung in den Nordirak anordnen
werde.
Die Stellungnahme des Beschwerdeführers datiert vom 12. September
2018.
E.
Mit Verfügung vom 1. November 2018 – eröffnet am 8. November 2018 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zudem lehnte es einen
Antrag auf Einsicht in die internen Anträge betreffend vorläufige Aufnahme
(VA-Anträge) in den Verfahren N (...) (H._) und N (...) (F._)
ab.
Das SEM begründete seinen ablehnenden Entscheid im Wesentlichen da-
mit, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass deren Asylre-
levanz nicht geprüft werden müsse.
Der Beschwerdeführer habe bei der BzP gesagt, beim besagten Streit sei
es um eine Scheidung gegangen. Nach den Motiven des Streits zwischen
H._ und besagtem Angehörigen der nordirakischen Regierung ge-
fragt, habe er bei der Anhörung keine klaren Angaben zu machen ver-
mocht. Bei der BzP habe er auch zu Protokoll gegeben, dass er den Beruf
des Mannes, den H._ bedroht habe, nicht kenne. Demgegenüber
habe er bei der Anhörung gesagt, der Streitgegner arbeite bei der iraki-
schen Regierung. Davon ableitend kämen erste Zweifel an der Glaubhaf-
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tigkeit seiner diesbezüglichen Kernvorbringen – Streit H._ mit ei-
nem nordirakischen Regierungsangestellten, Tötung von I._ durch
Freunde des Streitgegners, Befürchtung, ebenfalls zukünftig Übergriffen
dieses Regierungsangestellten oder seiner Familienangehörigen ausge-
setzt zu sein – auf.
Er habe sich zur angeblichen Tötung von I._ nicht genauer zu äus-
sern vermocht (genaues Datum, genauer Ort, Umstände zum Tathergang,
beteiligte Personen, Information zum Namen des Täters oder der Täter).
Ebenso sei er auf mehrmalige Nachfrage nicht in der Lage gewesen, das
angebliche Motiv dieser Tat (Streit H._ mit dem nordirakischen Re-
gierungsmitglied) näher zu umschreiben (Ursprung des Streits, Beginn,
Grund, bereits deshalb erfolgte Übergriffe auf andere Familienangehörige).
Zudem habe er keine weiteren Informationen über das besagte nordiraki-
sche Regierungsmitglied zu liefern vermocht (Alter, Zivilstand, Familienan-
gehörige, vollständiger Name, genaue Funktion bei der nordirakischen Re-
gierung). Seine Rechtfertigung, wonach er von seinen Familienangehöri-
gen nicht darüber informiert worden sei, müsse als Schutzbehauptung ge-
wertet werden, da diese Ereignisse die zentralen Fluchtmotive der gesam-
ten Familie darstellten. Somit sei davon auszugehen, dass sie auch Tages-
gespräche am Familientisch gehabt hätten und er deshalb darüber infor-
miert gewesen sein müsste. Seine gesamten diesbezüglichen Aussagen
vermittelten nicht den Eindruck von persönlich Erlebtem und verstärkten
die Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Kernvorbringen.
Soweit der Beschwerdeführer auf die Vorbringen seiner Familienangehöri-
gen in deren Befragungen hinwies, hielt das SEM nach Durchsicht der Ver-
weiserdossiers Folgendes fest:
Das Asylgesuch des Bruders H._ sei mit Entscheid vom (...) 2017
rechtskräftig abgelehnt, jedoch wegen Unzumutbarkeit der Wegweisung
die vorläufige Aufnahme von H._ und seiner Familie angeordnet
worden. Das SEM sei zum Schluss gekommen, dass der behauptete Streit
zwischen H._ und K._, dem besagten Angehörigen der
nordirakischen Regierung, nicht der Wahrheit entspreche.
Das Asylgesuch der Schwester F._ sei mit Entscheid vom (...) 2017
ebenfalls abgelehnt worden, bei gleichzeitiger Anordnung der vorläufigen
Aufnahme wegen Unzumutbarkeit der Wegweisung. Zum einen sei das
SEM zum Schluss gekommen, dass die geschilderten Umstände des To-
des von I._ nicht glaubhaft seien, zum andern habe es auch die
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damit verbundenen und befürchteten Übergriffe durch K._ auf die
anderen Familienmitglieder als unglaubhaft erachtet.
Das Asylverfahren des Bruders E._ sei erstinstanzlich noch hängig.
Eine Durchsicht der Anhörungsprotokolle habe ergeben, dass sein geltend
gemachtes Kernvorbringen – Tötung von I._ durch K._, be-
fürchtete Verfolgung der gesamten Familie durch K._ – Unglaub-
würdigkeitselemente enthalte. Daher werde das SEM das Asylgesuch von
E._ mit Entscheid vom selben Datum wie demjenigen des Be-
schwerdeführers ebenfalls ablehnen und die Wegweisung in den Nordirak
anordnen.
Auch das Asylverfahren der Eltern und des Bruders D._ des Be-
schwerdeführers sei erstinstanzlich noch hängig. Die Prüfung der Asylvor-
bringen dieser Personen habe ergeben, dass deren Kernvorbringen – Tö-
tung von I._ durch K._, befürchtete Verfolgung der gesam-
ten Familie durch K._ und seine Familienangehörigen – ebenfalls
nicht glaubhaft seien. Daher werde das SEM deren Asylgesuche mit Ent-
scheid vom selben Datum wie demjenigen des Beschwerdeführers eben-
falls ablehnen und die Wegweisung in den Nordirak anordnen.
Das SEM habe dem Beschwerdeführer am 3. September 2018 zu diesen
vier Verweiserdossiers, deren Inhalt und zu den bereits ergangenen bezie-
hungsweise beabsichtigten Entscheiden das rechtliche Gehör gewährt.
Dazu habe er sich am 12. September 2018 wie folgt geäussert:
Bei einer Gesamtwürdigung der Akten sämtlicher Familienangehöriger er-
gebe sich eindeutig, dass die geltend gemachte asylrelevante Verfolgung
glaubhaft gemacht worden sei. Zudem sei das Vorgehen des SEM von Be-
fangenheit und Voreingenommenheit gezeichnet, weil es in seiner Zwi-
schenverfügung vom 3. September 2018 den Asylentscheid bereits vor-
weggenommen habe. Ausserdem ersuchte der Beschwerdeführer aus-
drücklich um Akteneinsicht in die Begründung der vorläufigen Aufnahmen
von H._ und F._. Unter Berücksichtigung der bereits vorläu-
fig aufgenommenen Geschwister stelle sich der Wegweisungsvollzug auch
für ihn als unzumutbar dar. Des Weiteren habe die Vorinstanz es unterlas-
sen, bei der Beurteilung der Zumutbarkeit seinen bereits (...)jährigen Auf-
enthalt in der Schweiz zu berücksichtigen. Die Trennung und Wegweisung
von einigen Familienangehörigen von den bereits vorläufig aufgenomme-
nen stelle eine Verletzung von Art. 8 EMRK dar.
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Das SEM lehnte die Einsicht in die VA-Anträge von F._ und
H._ ab. Zur Begründung führte es aus, dass es sich bei den VA-
Anträgen um interne Aktenstücke handle, die nicht der Akteneinsicht unter-
lägen, was im Übrigen dem Rechtsvertreter aus anderen Asylverfahren be-
kannt sei. In seiner Zwischenverfügung vom 3. September 2018 habe das
SEM nach einer Gesamtwürdigung des rechtserheblichen Sachverhalts
dem Rechtsvertreter unter Zustellung der entscheidwesentlichen Akten
(Befragungsprotokollen) sämtlicher Familienangehöriger mitgeteilt, wie es
in den noch hängigen Verfahren (Eltern mit D._, sowie E._)
entscheiden werde und ihnen Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äussern.
Mit diesem Vorgehen habe es lediglich die Anweisungen im Kassationsur-
teil vom 16. August 2018 umgesetzt. Der Umstand, dass es bei der recht-
lichen Würdigung des vorliegenden Sachverhalts zu einem anderen
Schluss als der Rechtsvertreter gelange, stelle jedoch keine Befangenheit
dar, welche die Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit der Behörde
in Frage zu stellen vermöge. Auch die inhaltlichen Rügen teile das SEM
nicht. Wie bereits vorher ausgeführt und aus den Akten der Familienange-
hörigen entnommen werden könne, sei nicht von der Glaubhaftigkeit der
Vorbringen der gesamten Familie auszugehen. Aufgrund des Umstands,
dass H._ und F._ aus individuellen Gründen die vorläufige
Aufnahme in der Schweiz gewährt worden sei, könne nicht auf die Glaub-
haftigkeit der Verfolgung des gesamten Familienverbandes geschlossen
werden, zumal das SEM in jenen beiden Verfahren zum Schluss gekom-
men sei, dass keine asylrechtlich relevante Verfolgung glaubhaft nachge-
wiesen worden sei. Zusammenfassend gelangte das SEM zum Schluss,
dass sich aus den Verweiserdossiers der Familienangehörigen keine
glaubwürdigen Hinweise auf eine asylrechtlich relevante Verfolgung des
Beschwerdeführers entnehmen lasse. Bezüglich der anderen in der Stel-
lungnahme vom 12. September 2018 erhobenen Einwände verwies das
SEM auf seine nachfolgenden Erwägungen zur Wegweisung.
Den Vollzug der Wegweisung erachtete das SEM als zulässig, zumutbar
und möglich.
F.
Mit Eingabe vom 10. Dezember 2018 erhob der Beschwerdeführer – han-
delnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen diesen Entscheid und beantragte die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung sowie die Rückweisung der Sache an das SEM zur
vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserhebli-
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chen Sachverhalts und zur Neubeurteilung. Eventualiter sei die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu ge-
währen; eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen; eventualiter sei
die Unzulässigkeit, eventualiter die Unzumutbarkeit festzustellen und er
deshalb vorläufig aufzunehmen. Weiter beantragte er, auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihn von der Bezahlung der
Verfahrenskosten zu befreien; eventualiter sei eine angemessene Frist zur
Bezahlung des Verfahrenskostenvorschusses anzusetzen. Der Eingabe la-
gen nebst einer Fürsorgebestätigung eine Bestätigung vom 15. November
2018 betreffend Absolvierung des berufsvorbereitenden Schuljahres BVS,
ein Referenzschreiben vom 19. November 2018, mehrere im Internet ver-
öffentliche Medienberichte zur aktuellen Lage im Irak und eine Kopie der
Beschwerde der Eltern des Beschwerdeführers vom 10. Dezember 2018
bei.
Der Beschwerdeführer führte aus, dass das SEM zu Unrecht von der Un-
glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ausgegangen sei. Insbesondere habe
sich dieser entgegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht widersprüch-
lich sowie wenig konkret und detailliert zum fluchtauslösenden Ereignis –
dem Streit H._ und der Ermordung I._ – geäussert. Die Ver-
folgung durch K._ und seine Komplizen sei asylrelevant. Der Voll-
zug der Wegweisung sei unzulässig beziehungsweise unzumutbar.
Schliesslich verwies er auf die Beschwerde seiner Eltern vom selben Da-
tum, deren Wortlaut in die Beschwerdeschrift eingefügt und zu deren Be-
standteil erklärt wurde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2018 teilte die vormals zustän-
dige Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang
des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses. Schliesslich lud sie die Vorinstanz
ein, eine Vernehmlassung einzureichen.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 18. Dezember 2018 hielt die Vorinstanz fest,
die Beschwerdeunterlagen enthielten keine neuen und erheblichen Tatsa-
chen oder Beweismittel, die eine Änderung ihres Standpunktes rechtferti-
gen könnten. Die formellen Rügen im Zusammenhang mit den Verweiser-
dossiers wies das SEM unter Verweis auf seine entsprechenden Ausfüh-
rungen in der angefochtenen Verfügung zurück. Die Rechtfertigungen in
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der Beschwerde bezüglich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Be-
schwerdeführers vermöchten dessen widersprüchlichen, unsubstanziier-
ten und realitätsfremden Aussagen nicht aufzulösen und liessen sich zu-
dem nicht mit den Aussagen der anderen Familienangehörigen vereinba-
ren. Aus den ins Recht gelegten Zeitungsartikeln zur allgemeinen Lage
liessen sich keine Hinweise auf eine persönliche Gefährdung des Be-
schwerdeführers entnehmen. Bezüglich der individuellen Zumutbarkeit der
Wegweisung des Beschwerdeführers in den Nordirak verwies die
Vorinstanz auf ihre entsprechenden Ausführungen in der angefochtenen
Verfügung.
I.
In seiner Replik vom 3. Januar 2019 hielt der Beschwerdeführer sinnge-
mäss an seinen bisherigen Vorbringen fest und führte im Wesentlichen
aus, das SEM weigere sich weiterhin, die aktuelle Situation in der Autono-
men Region Kurdistan (Kurdistan Regional Government [KRG; KRG-Re-
gion]) zu würdigen, obwohl diesbezüglich zahlreiche Unterlagen einge-
reicht worden seien. Ebenso unterlasse es die Vorinstanz, die angebliche
individuelle Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs konkret und fundiert
zu prüfen und zu begründen. Anstatt zu prüfen, ob und inwiefern besonders
begünstigende Umstände, insbesondere ein tragfähiges Beziehungsnetz,
vorlägen, beschränke sich die Vorinstanz auf eine pauschale Behauptung.
Der Beschwerdeführer sei im Alter von (...) Jahren zusammen mit seiner
Familie aus dem Nordirak ausgereist. Nach der über (...)jährigen Ver-
schleppung des Asylverfahrens durch das SEM verfüge er über keinerlei
intakte Beziehungen in seinem Heimatland. Zudem besitze er wenig Be-
rufserfahrung. Im Fall seiner Ausschaffung käme es zu einer Teilung seiner
Familie, zumal sich für einen Teil von ihr der Wegweisungsvollzug in den
Nordirak rechtskräftig als unzumutbar erwiesen habe. Dies illustriere, wie
fragil die Situation der gesamten Familie sei. Falls seine kranken Eltern
ausgeschafft würden, müsste er im Irak nicht nur für sich, sondern auch für
die Eltern aufkommen. Diesem ungünstigen Faktor stehe kein besonders
begünstigender Faktor gegenüber.
J.
Am 1. Februar 2019 wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren aus or-
ganisatorischen Gründen zur Behandlung dem vorsitzenden Richter über-
tragen.
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K.
Auf die mit den Eingaben des Beschwerdeführers als Beweismittel einge-
reichten Beilagen wird – soweit für den vorliegenden Entscheid wesentlich
– in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
In der Beschwerde werden zunächst verschiedene formelle Rügen erho-
ben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine
Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34
E. 4.2). Der Beschwerdeführer rügt zur Hauptsache eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs (Art. 29 VwVG), eine Verletzung der Pflicht zur vollstän-
digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 6
AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG) und, sinngemäss, des Willkürverbots und des
Grundsatzes von Treu und Glauben (Art. 9 BV).
3.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-
lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan-
trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent-
weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1;
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m. H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, weshalb seine Ver-
letzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache
grundsätzlich zur Aufhebung der mit dem Verfahrensmangel behafteten
Verfügung führt (vgl. BGE 126 V 130 E. 2b). Eine Gehörsverletzung kann
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Seite 11
indes ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die Gewährung des rechtli-
chen Gehörs in einem Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, in dem die
Rechtsmittelinstanz sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei
überprüfen kann, die Gehörsverletzung nicht besonders schwer wiegt und
der betroffenen Partei durch die Heilung kein Nachteil entsteht (vgl. BGE
137 I 195 E. 2.3.2; 129 I 129 E. 2.2.3; BVGE 2017 I/4 E. 4.2).
3.2 Ferner gilt im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren –
der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach
muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären,
d.h. sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid not-
wendigen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsa-
chen (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 142; KRAUSKOPF/EMMENEG-
GER/BABEY, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Ver-
waltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz. 20 ff. zu Art. 12 VwVG).
3.3 Der Grundsatz von Treu und Glauben in Art. 9 BV gebietet ein vertrau-
enswürdiges, widerspruchsfreies Verhalten der Behörden gegenüber den
Einzelnen im Rechtsverkehr (vgl. HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR,
Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. Aufl., 2016, N 818 f.). Das eben-
falls in Art. 9 BV verankerte Willkürverbot ist nur dann verletzt, wenn ein
Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in kla-
rem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechts-
grundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsge-
danken zuwiderläuft (vgl. a.a.O. N 811 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1, m.w.H.).
3.4 Bezüglich der Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs, welches
dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den Beizugsdossiers sei-
ner Familienangehörigen am 3. September 2018 vom SEM gewährt wurde
(vgl. Sachverhalt Bstn. C und D), wird unter Verweis auf die Stellungnahme
vom 12. September 2018 ausgeführt, dass ihm mit dem besagten Schrei-
ben des SEM das rechtliche Gehör nur "pro forma" gewährt worden sei und
es sich dabei um einen formellen Leerlauf handle. Der zuständige Sachbe-
arbeiter sei zum damaligen Zeitpunkt bereits befangen gewesen und habe
bereits entschieden, zumal darin angekündigt worden sei, wie das SEM
nach Ablauf der angesetzten Frist (ungeachtet einer allfälligen Stellung-
nahme) entscheiden werde, und in der Folge die Ausführungen in der Stel-
lungnahme vom 9. Oktober 2018 nicht mehr berücksichtigt worden seien.
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Das Bundesverwaltungsgericht hat das SEM im Kassationsurteil
D-785/2017 vom 16. August 2018 angewiesen, die noch hängigen Asylver-
fahren der Familienangehörigen (Beschwerdeführer, Eltern und
E._) zeitlich und sachlich koordiniert zu behandeln und unter Bei-
zug der Akten der konnexen Verfahren eine rechtliche Gesamtwürdigung
vorzunehmen. Dieser Anweisung kam das SEM mit seiner auch für die El-
tern und den Bruder E._ des Beschwerdeführers bestimmten Zwi-
schenverfügung vom 3. September 2018 wie folgt nach: Nach einleiten-
dem Hinweis auf die dem Kassationsurteil zugrunde liegenden materiellen
Kernvorbringen des Beschwerdeführers (Streit H._ mit der Familie
eines nordirakischen Regierungsangestellten namens K._, Tötung
von I._ durch K._, Befürchtung ebenfalls zukünftig Übergrif-
fen von K._ oder dessen Familienangehörigen ausgesetzt zu sein),
welche es in seinem ablehnenden Entscheid vom 27. Dezember 2016 als
unglaubhaft erachtet habe, hielt das SEM fest, dass es das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nach Gewährung des rechtlichen Gehörs zum wesent-
lichen Inhalt der Verweiserdossiers (Eltern mit D._, sowie
H._, F._ und E._) erneut ablehnen und die Wegwei-
sung in den Nordirak anordnen werde. Zur Begründung fasste es den
Stand der Asylverfahren dieser Familienangehörigen kurz zusammen, wo-
bei es sich zu den jeweiligen Kernvorbringen äusserte. Hinsichtlich der
noch nicht abgeschlossenen Asylverfahren (Eltern und E._) wurde
unter Hinweis auf Unglaubwürdigkeitselemente bezüglich der Kernvorbrin-
gen ein negativer Entscheid in Aussicht gestellt. Mit seiner Zwischenverfü-
gung vom 3. September 2018 liess das SEM dem Rechtsvertreter die ent-
scheidwesentlichen Akten (Befragungsprotokolle) der besagen Familien-
angehörigen (Eltern mit D._, sowie H._, F._ und
E._) zukommen. Mit diesem Vorgehen hat die Vorinstanz der
Rechtsprechung des Gerichts zum Aktenbeizug bei geltend gemachter An-
schlussverfolgung in gebührender Weise Rechnung getragen. Namentlich
hat sie dem Rechtsvertreter das Beizugsergebnis mitgeteilt und dieses in
Würdigung der Vorbringen der betreffenden Familienangehörigen begrün-
det. Darin kann weder ein formeller Leerlauf noch eine Befangenheit des
betreffenden Sachbearbeiters erblickt werden. Im Übrigen reichte der Be-
schwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren am 9. Oktober 2018 keine
Stellungnahme ein. Mithin erweisen sich die diesbezüglichen formellen Rü-
gen als unbegründet.
3.5 Der Beschwerdeführer rügt weiter, das SEM habe den Anspruch auf
Akteneinsicht dadurch verletzt, dass es ihm keine Einsicht in die VA-An-
träge von H._ und dessen Familie sowie von F._ gewährt
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Seite 13
habe. Mit ihrer anhaltenden Weigerung, inhaltlich auf die Begründung der
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs dieser Familienangehörigen
einzugehen, habe die Vorinstanz auch die Begründungspflicht verletzt und
verhalte sich willkürlich. Das SEM habe nicht offengelegt, weshalb der
Wegweisungsvollzug betreffend gewisse Familienangehörige zumutbar sei
und betreffend andere nicht.
Diese Ausführungen des Beschwerdeführers finden sich sinngemäss be-
reits in seiner Eingabe vom 12. September 2018, mit der die Akteneinsicht
beantragt wurde. Das SEM führte dazu in der angefochtenen Verfügung
unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
aus, dass es sich bei den VA-Anträgen um interne Aktenstücke handle, die
dem Akteneinsichtsrecht nicht unterlägen. Bezüglich der weiteren Ausfüh-
rungen des Beschwerdeführers verwies es auf seine Erwägungen zur
Frage des Wegweisungsvollzugs. Diese vorinstanzlichen Erwägungen tref-
fen grundsätzlich zu beziehungsweise sind nicht zu beanstanden. Ergän-
zend ist festzuhalten, dass sich die internen VA-Anträge vorliegend inhalt-
lich ausschliesslich auf die gefestigte länderspezifische Amtspraxis des
SEM abstützten, während auf die individuelle Situation der betroffenen Per-
sonen mit Ausnahme, dass es sich um Familien handle, nicht weiter Bezug
genommen wurde. Abgesehen davon wurden die individuellen Gründe, die
zur vorläufigen Aufnahme von H._ und dessen Familie wegen Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geführt haben, im Asylentscheid
dieser vom selben Rechtsvertreter vertretenen Familie erwähnt. Somit ge-
hen auch die in diesem Zusammenhang erhobenen formellen Rügen fehl.
3.6 Sodann begründet der Beschwerdeführer die Rüge der Verletzung der
Abklärungspflicht damit, dass das SEM bis zu seiner Anhörung rund ein
Jahr ungenutzt habe verstreichen lassen.
Eine Dauer von anderthalb Jahren zwischen der Einreichung des Asylge-
suchs und der Anhörung stellt praxisgemäss keine Verletzung der Abklä-
rungspflicht dar (vgl. statt vieler etwa Urteile des BVGer D-187/2017 vom
12. August 2019 E. 3.2.2 und E-5342/2017 vom 9. Mai 2018 E. 4.4).
3.7 Nachdem der Beschwerdeführer mit seinen Rügen der Verletzung des
rechtlichen Gehörs und der Abklärungspflicht nicht durchdringt, geht auch
die Rüge ins Leere, damit liege zugleich eine Verletzung des Willkürverbots
vor.
D-6987/2018
Seite 14
3.8 Zusammenfassend erweisen sich die verschiedenen Rügen der Verlet-
zung formellen Rechts als unbegründet. Das Begehren, es sei die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Abklärung und Fest-
stellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts
sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist demzu-
folge abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es nicht aus, wenn
der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam-
ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE
2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.
5.1 Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen des
Beschwerdeführers nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
D-6987/2018
Seite 15
5.2 Nach der Überprüfung der Befragungsprotokolle ist festzuhalten, dass
die Aussagen des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Kernvorbringen
äusserst substanzarm ausgefallen sind. Diesbezüglich erweisen sich die
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung als zutreffend und es ist
darauf zwecks Vermeidung von Wiederholungen zu verweisen. Das Ge-
richt gelangt in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die
Aussagen des Beschwerdeführers nicht den Eindruck von persönlich Er-
lebtem vermitteln. In der Beschwerde wird dagegen eingewendet, der Be-
schwerdeführer habe bei der Anhörung ausdrücklich darauf hingewiesen,
dass er nur wenig über die Vorfälle wisse, weil er zum einen nicht anwe-
send gewesen sei und zum andern nur jene Informationen habe angeben
können, die er von seinem Vater und seinen Brüdern erhalten habe, wobei
diese Personen nicht gerne mit ihm darüber gesprochen hätten. Diese
Rechtfertigung ist indessen als Schutzbehauptung zu werten. Auch dies-
bezüglich kann auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden. In der Beschwerde wird in diesem Zusam-
menhang darauf hingewiesen, dass die Anhörung über ein Jahr nach dem
fluchtauslösenden Ereignis stattgefunden habe und zwischen Anhörung
und BzP rund ein Jahr liege. Das SEM habe nicht berücksichtigt, dass der
zeitliche Abstand die Erinnerung an das fluchtauslösende Ereignis schwä-
chen oder verändern könne, insbesondere da der Beschwerdeführer in der
Zwischenzeit eine ausgesprochen gefährliche und ungewisse Zeit fern sei-
ner Heimat durchlaufen habe. Dieser Einwand ist unbehelflich, da der Be-
schwerdeführer die Substanzlosigkeit seiner Aussagen bei der Anhörung
nicht mit einem durch Zeitablauf bedingten beeinträchtigten Erinnerungs-
vermögen begründete, sondern damit, dass er bei den fluchtauslösenden
Ereignissen abwesend gewesen sei und nur spärliche Informationen dar-
über erhalten habe.
5.3 Nach dem Gesagten vermögen die Kernvorbringen des Beschwerde-
führers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standzuhalten. Das
Gericht hat die vier Dossiers der Eltern und Geschwister D._,
H._, F._ und E._ des Beschwerdeführers auf Be-
schwerdeebene beigezogen. Nach Durchsicht der Beizugsdossiers erge-
ben sich erhebliche Zweifel an den in diesen Verfahren von den Familien-
angehörigen geltend gemachten identischen Kernvorbringen. Deshalb ver-
mag der Beschwerdeführer auch aus diesen beigezogenen Asylakten hin-
sichtlich der Glaubhaftigkeit seiner Verfolgungsvorbringen nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten.
D-6987/2018
Seite 16
5.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in
seinen Eingaben und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzu-
gehen, da sie an der vorgenommenen Würdigung des Sachverhalts nichts
zu ändern vermögen. Das SEM hat demnach zu Recht festgestellt, dass
der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, und sein
Asylgesuch abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
7.2 Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt
gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstan-
dard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.3
7.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;
vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
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Seite 17
Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3
BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung
unterworfen werden.
7.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.3.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Rückkehr in den Irak dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-
rechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr („real risk“) nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (Urteil des EGMR Saadi gegen
Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer, 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Eine ihnen allfällig drohende konkrete Gefahr konnte der Be-
schwerdeführer nicht glaubhaft machen. Aus den Akten ergeben sich eben-
falls keine entsprechenden Anhaltspunkte.
7.3.4 Der Beschwerdeführer wandte ein, im Falle einer Ausschaffung in
den Irak würde er von seinen Geschwistern H._ und F._ ge-
trennt. Da er vor seiner Flucht mit seiner Familie, insbesondere auch mit
seiner Schwester F._, zusammengelebt habe, würde durch seine
Wegweisung Art. 8 EMRK verletzt. Diesbezüglich verwies er auf die Be-
schwerdeschrift seiner Eltern.
Dazu führte die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend aus,
die vorliegende Konstellation werde vom Schutzbereich von Art. 8 EMRK
gar nicht erfasst. Der volljährige Beschwerdeführer stehe in keinem spezi-
ellen Abhängigkeitsverhältnis zu den besagten Geschwistern, welche in
D-6987/2018
Seite 18
der Schweiz über kein gefestigtes Aufenthaltsrecht verfügten, und würde
zusammen mit seinen Eltern und seinem volljährigen Bruder E._ in
den Nordirak weggewiesen.
7.3.5 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der KRG-Region
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen (vgl. Urteil E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 6.3 [als
Referenzurteil publiziert]). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwei-
sung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen zulässig.
7.4
7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hielt im Urteil BVGE 2008/5 im Rah-
men einer einlässlichen Auseinandersetzung mit der Frage der Zumutbar-
keit des Vollzugs von Wegweisungen in die damals drei kurdischen Provin-
zen des Nordiraks (Dohuk, Erbil, Suleimaniya) fest, dass sich sowohl die
Sicherheits- als auch die Menschenrechtslage in dieser KRG-Region im
Verhältnis zum restlichen Irak relativ gut darstelle. Gestützt auf die vorge-
nommene Lageanalyse kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss,
dass ein Wegweisungsvollzug in die kurdischen Provinzen unter der
Voraussetzung zumutbar sei, dass die betreffende Person ursprünglich aus
der Region stammt oder eine längere Zeit dort gelebt habe und über ein
soziales Netz (Familie, Verwandtschaft oder Bekanntenkreis) oder aber
über Beziehungen zu den herrschenden Parteien verfüge (vgl. BVGE
2008/5 E. 7.5, insbesondere E. 7.5.1 und 7.5.8).
Im Referenzurteil E-3737/2015 hat das Bundesverwaltungsgericht die
Lage im Nordirak und die Zumutbarkeitspraxis überprüft und festgestellt,
dass in den vier Provinzen der KRG-Region aktuell nach wie vor nicht von
einer Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG auszu-
gehen ist. An dieser Einschätzung, welche jeweils auf die aktuell herr-
schende Lage fokussiert, ändert auch das am 25. September 2017 in der
KRG durchgeführte Referendum nichts, in welchem offenbar eine Mehrheit
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-3737/2015
D-6987/2018
Seite 19
der Kurden für die Unabhängigkeit vom Irak votierte. Auch aus den zahlrei-
chen im Internet veröffentlichen Medienberichte zur aktuellen Lage in der
KRG, die der Beschwerde beigelegt sind, vermag der Beschwerdeführer
keine konkrete Gefährdung abzuleiten. Den begünstigenden individuellen
Faktoren – insbesondere denjenigen eines tragfähigen familiären Bezie-
hungsnetzes – ist angesichts der Belastung der behördlichen Infrastruktu-
ren durch im Irak intern Vertriebene („Internally Displaced Persons“ [IDPs])
gleichwohl ein besonderes Gewicht beizumessen (vgl. Urteile des BVGer
E-3323/2020 vom 27. Juli 2020 E. 8.3.3, E-7215/2018 vom 12. Dezember
2019 E. 7.1 m.w.H. und D-373/2019 vom 28. März 2019 E. 4.6.1).
7.4.3
7.4.3.1 Das SEM bejahte in der angefochtenen Verfügung die Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers in den Nordirak
auch in individueller Hinsicht und führte dazu Folgendes aus: Der Be-
schwerdeführer sei jung, ledig und gesund. Er verfüge in B._ über
ein umfangreiches Beziehungsnetz, da sich (...) Onkel, (...) Tanten sowie
(...) verheiratete Schwestern von ihm dort aufhielten. Mit diesen Angehöri-
gen stehe seine Familie offenbar von der Schweiz aus in telefonischem
Kontakt. Im Weiteren würden die Asylgesuche seiner Eltern und von
E._ vom SEM mit Entscheiden vom selben Datum wie dem des Be-
schwerdeführers abgelehnt und die Wegweisung in den Nordirak verfügt.
Folglich könne er zusätzlich auf die Unterstützung dieser Familienangehö-
rigen zählen. Gemäss seinen Aussagen seien er und seine Brüder dort in
einer (...) tätig gewesen. Sein Vater habe als (...) gearbeitet und die wirt-
schaftliche Situation der Familie als gut bezeichnet. Die Familie verfüge in
B._ über ein eigenes Haus. Sein Onkel sei im (...) tätig und eben-
falls wohlhabend. Vor seiner Einreise in die Schweiz habe er sich mit sei-
nen Familienangehörigen während mehrerer Wochen in L._ aufge-
halten, wobei für diese finanziellen Ausgaben seine Familie offenbar per-
sönlich aufgekommen sei. Diese gesamten Umstände zeigten auf, dass es
sich bei seiner Familie um einen für nordirakische Verhältnisse überdurch-
schnittlich gut situierten Familien- und Verwandtschaftsverband mit weitrei-
chendem Beziehungsnetz handle. Aus den bereits verfügten vorläufigen
Aufnahmen von H._ und F._ aus individuellen Gründen
könne nicht auf die Unzumutbarkeit der Wegweisung des gesamten Fami-
lienverbandes geschlossen werden. Dem Wegweisungsvollzug stehe der
dreijährige Aufenthalt der Familie in der Schweiz und die damit verbundene
geringe Integration nicht entgegen.
D-6987/2018
Seite 20
7.4.3.2 Demgegenüber wurde die Zumutbarkeit der Wegweisung in der Be-
schwerdeschrift bestritten. Insbesondere verfüge der Beschwerdeführer im
Irak über kein tragfähiges Beziehungsnetz. Zudem habe er sich in den letz-
ten Jahren in der Schweiz sehr gut integriert, wobei er auf ein Referenz-
schreiben und eine Bestätigung betreffend berufsvorbereitendes Schuljahr
(...) vom 15. November 2018 verwies, welche Dokumente in Kopie als Be-
weismittel eingereicht wurden. Aus Letzterer gehe hervor, dass er zurzeit
das berufsvorbereitende Schuljahr besuche. Durch das Herausreissen aus
seinem Umfeld in der Schweiz und die Ausschaffung in den Irak würde er
in eine konkrete Gefahr an Leib und Leben geraten. Zudem würde dies
eine unzumutbare Härte bedeuten.
7.4.3.3 Vorliegend sind auch keine individuellen Umstände ersichtlich, die
gegen die Zumutbarkeit einer Rückführung des Beschwerdeführers in den
Nordirak sprechen könnten. Dazu ist vorweg auf die entsprechenden Aus-
führungen in der angefochtenen Verfügung und der Vernehmlassung des
SEM zu verweisen, welche nicht zu beanstanden sind. Die Entgegnungen
des Beschwerdeführers in seinen Eingaben vermögen daran nichts zu än-
dern. Insbesondere ist sein Einwand nicht stichhaltig, wonach er für den
Fall der Wegweisung seiner kranken Eltern im Irak nicht nur für sich, son-
dern auch für die Eltern aufkommen müsste und diesem ungünstigen Fak-
tor kein besonders begünstigender Faktor gegenüberstehe. Dies trifft inso-
fern nicht zu, als er vor der Ausreise mit seinen Eltern zusammenlebte und
deren gesundheitlichen Beeinträchtigungen zum überwiegenden Teil be-
reits damals bestanden. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdefüh-
rers ist das Vorliegen von begünstigenden individuellen Faktoren zu beja-
hen. Diesbezüglich ist zum einen auf das von der Vorinstanz erwähnte fa-
miliäre und verwandtschaftliche Beziehungsnetz zu verweisen. Dieses wird
durch den Umstand, dass H._ und F._ zwischenzeitlich in
der Schweiz vorläufig aufgenommen wurden, in seiner Tragfähigkeit nicht
wesentlich beeinträchtigt, umso weniger, als die Beschwerden der Eltern
(mit D._) und des Bruders E._ des Beschwerdeführers mit
Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts gleichen Datums abgewiesen
werden und der Wegweisungsvollzug zu koordinieren ist. Zum andern sind
die nicht bestrittenen überdurchschnittlich guten finanziellen Verhältnisse
der Familie des Beschwerdeführers als begünstigender individueller Faktor
zu berücksichtigen. Des Weiteren ist bezüglich der geltend gemachten In-
tegration vorweg auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu ver-
weisen. Was die dokumentierten erfolgreichen Integrationsbemühungen
des Beschwerdeführers anbelangt, werden diese zur Kenntnis genommen,
sind aber nach dessen Aufenthalt in der Schweiz von (...) Jahren und rund
D-6987/2018
Seite 21
(...) Monaten hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs nicht zu berücksichtigen. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen,
dass der zuständige Kanton mit Zustimmung des SEM einer Person eine
Aufenthaltsbewilligung erteilen kann, insbesondere wenn sie sich seit Ein-
reichung des Asylgesuchs mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält
und wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persön-
licher Härtefall vorliegt (vgl. Art. 14 Abs. 2 AsylG). Aus dem eingereichten
Referenzschreiben vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Guns-
ten abzuleiten, zumal sich dieses Beweismittel nicht auf ihn selbst, sondern
auf andere Familienangehörige bezieht. Schliesslich wird, soweit der Be-
schwerdeführer auf die Beschwerde seiner Eltern verweist, welche zum
Bestandteil seiner eigenen Beschwerdeschrift erklärt wurde, seitens des
Gerichts seinerseits nebst den diesbezüglich zutreffenden Ausführungen
des SEM auf das am selben Tag ergehende Urteil im Beschwerdeverfahren
der Eltern verwiesen. Unter Berücksichtigung der gesamten persönlichen
Umstände ist es dem Beschwerdeführer somit zuzumuten, in den Nordirak,
wo er sich bereits vor seiner Ausreise aufgehalten hat, zurückzukehren.
Der Vollzug der Wegweisung erweist sich folglich auch in individueller Hin-
sicht als zumutbar.
7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit
Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2018 die unentgeltliche Rechts-
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Seite 22
pflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und weiterhin von sei-
ner prozessualen Bedürftigkeit auszugehen ist, ist von der Kostenerhe-
bung abzusehen.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 23