Decision ID: d4e01a74-0be7-4426-8c46-25b7858a4b79
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. X.Y. lenkte am 5. Juli 2008 ein Motorrad ohne gültigen Führerausweis. Der
Lernfahrausweis wurde ihm deshalb ab Erreichen des 14. Altersjahres für die Dauer von
6 Monaten verweigert (act. G 7/10 S. 51). Da er in der Folge eine Lehre als Chauffeur
absolvierte, erhielt er den Lernfahrausweis für Motorwagen der Kat. B bereits im 17.
Altersjahr, durfte Lernfahrten jedoch nur mit Fahrlehrern oder Ausbildern durchführen
(Lernfahrausweis mit Code 112; act. G 7/9 und G 7/10 S. 37). X.Y. bestand die
praktische Prüfung für die Kategorie B am 15. März 2013. Am 2. April 2013 lenkte er
ein Fahrzeug in Begleitung seiner Mutter, als er anlässlich einer Verkehrskontrolle von
der Polizei angehalten wurde. Er besass zu diesem Zeitpunkt immer noch seinen vom
11. Februar 2013 bis 11. Februar 2015 gültigen Lernfahrausweis der Kat. B, der ihn für
Lernfahrten nur mit Fahrlehrer oder Ausbilder berechtigte. Das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt eröffnete daraufhin gegen X.Y. ein Administrativmassnahmeverfahren
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und entzog ihm - ohne das Ergebnis des Strafverfahrens abzuwarten - den
Lernfahrausweis mit Verfügung vom 14. Mai 2013 für die Dauer eines Monats
(vollzogen vom 20. Mai bis 19. Juni 2013; act. G 7/10 S. 27 und 45). Das von der
Jugendanwaltschaft wegen dieses Vorfalls eröffnete Strafverfahren wurde mit
Verfügung vom 29. Mai 2013 eingestellt mit der Begründung, X.Y. habe - trotz Vermerk
im Lernfahrausweis - nicht wissen können, dass er auch nach bestandener praktischer
Fahrprüfung nur in Begleitung eines Fahrlehrers oder Ausbilders fahren dürfe. Er sei in
seinem Unwissen zu schützen (act. G 7/10 S. 13 f.).
b. Am 17. August 2013 überschritt X.Y. mit seinem Motorrad die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts um 22 km/h. Die Jugendanwaltschaft
sprach ihn deswegen mit Strafbefehl vom 5. September 2013 der Überschreitung der
allgemeinen Höchstgeschwindigkeit schuldig und verurteilte ihn zu einer Busse von Fr.
250.- (act. G 7/10 S. 3 f.). Der Strafbefehl erwuchs in Rechtskraft. Mit Schreiben vom
19. September 2013 leitete das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt ein
Administrativmassnahmeverfahren ein und teilte X.Y. im Rahmen der Gewährung des
rechtlichen Gehörs mit, es qualifiziere den Verstoss gegen die
Strassenverkehrsvorschriften vom 17. August 2013 als mittelschwere
Verkehrsregelverletzung. Weil der Führerausweis innerhalb der letzten zwei Jahre
bereits einmal wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen worden sei,
müsse er mit einer Entzugsdauer von vier Monaten rechnen (act. G 7/10 S. 21). X.Y.
brachte dagegen vor, die Administrativmassnahme vom 14. Mai 2013 sei
widerrechtlich gewesen. Wie sich im Strafverfahren gezeigt habe, sei ihm damals kein
schuldhaftes Verhalten vorzuwerfen gewesen. Das Strafverfahren sei aus diesem
Grund eingestellt worden (act. G 7/10 S. 9). Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt
folgte dieser Argumentation nicht und entzog X.Y. mit Verfügung vom 6. Dezember
2013 den Führer- und Lernfahrausweis für die Dauer von vier Monaten. Es erwog, die
Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes vom 14. Mai 2013 sei
unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Eine materielle Wiedererwägung rechtfertige
sich nicht, da die Einstellungsverfügung der Jugendanwaltschaft vom 29. Mai 2013
keine neue wesentliche Tatsache sei (act. G 7/10 S. 23 f.). Den gegen diese Verfügung
erhobenen Rekurs (act. G 7/1) hiess die Verwaltungsrekurskommission des Kantons St.
Gallen mit Entscheid vom 24. April 2014 teilweise gut, hob Ziff. 1 der Verfügung vom 6.
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Dezember 2013 auf und bestätigte einen Entzug des Führer- und Lernfahrausweises für
die Dauer eines Monats (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Dr. B. Geiger, Mörschwil, für X.Y. am
20. Mai 2014 Beschwerde mit dem Antrag, der Entscheid und die Verfügung vom 6.
Dezember 2013 seien aufzuheben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
b. In der Vernehmlassung vom 10. Juni 2014 beantragte die Vorinstanz Abweisung der

Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids (act. G 6). Der Beschwerdegegner verzichtete auf eine Stellungnahme (act.
G 8 f.).
c. Auf die Darlegungen in den Eingaben und Akten des vorliegenden Verfahrens wird,
soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs.
1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 20. Mai 2014 (act. G 1) wurde
rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf das Begehren,
die Verfügung vom 6. Dezember 2013 sei aufzuheben, da der angefochtene
Rekursentscheid an deren Stelle getreten ist (Devolutiveffekt; vgl. BGE 129 II 438 E. 1).
Sodann leitet der Beschwerdeführer aus dem Umstand der Nichtkompensation einer
zu Unrecht ergangenen Sanktion einen Entschädigungsanspruch ab (act. G 1 S. 5
unten). Schadenersatzfragen bilden nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheids
(act. G 2), weshalb sie auch im vorliegenden Verfahren nicht diskutiert bzw. geprüft
werden können; in diesem Punkt ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.
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2.1. Nach Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG) wird
nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, OBG) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet in Art. 16a bis 16c SVG zwischen leichten, mittelschweren und
schweren Widerhandlungen. Eine leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung
von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn
dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere
Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG).
2.2. Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kann sich der
Beschwerdeführer darauf berufen, die angefochtene Verfügung oder der angefochtene
Entscheid beruhe auf einem unrichtigen oder unvollständig festgestellten Sachverhalt
(Art. 61 Abs. 2 VRP). Die Behörde oder das von ihr beauftragte Verwaltungsorgan
ermittelt den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen, insbesondere
durch Beizug von Urkunden (Art. 12 Abs. 1 VRP). Sind zur Wahrung des öffentlichen
Interesses keine besonderen Erhebungen nötig, so sind nur die von den Beteiligten
angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsachen
aufzunehmen (Art. 12 Abs. 2 VRP). Unrichtig ist ein Sachverhalt festgestellt, wenn aus
den vorhandenen Beweismaterialien unrichtige Schlüsse gezogen werden,
insbesondere indem der Sachverhalt falsch oder aktenwidrig festgestellt wird oder
indem Beweise unrichtig gewürdigt werden (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit
im Kanton St. Gallen, 2. A. 2003, Rz. 587). Im Übrigen ist die Administrativbehörde
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung grundsätzlich an die tatsächlichen
Feststellungen der Strafbehörde gebunden (vgl. auch BGer 1C_446/2011 vom 15. März
2012, E. 5.1 mit Hinweisen unter anderem auf BGE 137 I 363 E. 2.3.2 und 136 II 447 E.
3.1).
3.
3.1.
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3.1.1. Der Beschwerdegegner entzog dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 16b
Abs. 2 lit a SVG den Führer- und Lernfahrausweis wegen einer mittelschweren
Widerhandlung - Lenken eines Personenwagens ohne die vorgeschriebene
Begleitperson - für die Dauer eines Monats (act. G 7/10 S. 27 und 45). Die
entsprechende Verfügung vom 14. Mai 2013 erwuchs in Rechtskraft und wurde auch
vollzogen. Die in der Folge von der Jugendanwaltschaft am 29. Mai 2013 verfügte
Einstellung des Strafverfahrens gegen den Beschwerdeführer wurde damit begründet,
dass sich dieser nach bestandener Fahrprüfung mit Bezug auf die vorgeschriebene
Begleitperson in einem Verbotsirrtum befunden habe (act. G 7/10 S. 13 f.). Die
Vorinstanz führte hierzu im angefochtenen Entscheid aus, der Beschwerdeführer habe
es unterlassen, die Verfügung vom 14. Mai 2013 anzufechten und geltend zu machen,
dass das parallel laufende Strafverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Darauf habe er
durch seinen Rechtsvertreter erst am 19. November 2013 hingewiesen, als ihm wegen
der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 17. August 2013 ein viermonatiger
Führerausweisentzug in Aussicht gestellt worden sei. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers sei der Beschwerdegegner nicht verpflichtet gewesen, die
Verfügung vom 14. Mai 2013 von Amtes wegen in Wiedererwägung zu ziehen (act. G 2
S. 4 mit Hinweis auf Art. 27 VRP und Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. A., Rz. 1033). Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer dem
Beschwerdegegner nicht die Aufhebung der Verfügung vom 14. Mai 2013 beantragt
habe. Er habe nur verlangt zu berücksichtigen, dass ihm der Führerausweis wegen
dieser Verfügung unzulässigerweise wegen eines Monats entzogen gewesen sei,
weshalb von einer Massnahme nach der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 17.
August 2013 abzusehen sei. Dass die Vorinstanz darin ein Wiedererwägungsgesuch
erblickt habe, ändere nichts daran, dass der Beschwerdeführer nicht ausdrücklich den
Widerruf der Verfügung vom 14. Mai 2013 beantragt habe. Der Beschwerdeführer sei
demnach mit einem einmonatigen Führerausweisentzug im Administrativmassnahmen-
Register (ADMAS) verzeichnet gewesen, als der Beschwerdegegner am 19. September
2013 im Zusammenhang mit der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 17. August
2013 ein neues Administrativmassnahmeverfahren eingeleitet habe (act. G 2 S. 4 f.).
3.1.2. Der Beschwerdeführer lässt mit Hinweis auf Häfelin/Müller/Uhlmann , a.a.O.,
Rz 956, und Rhinow/Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung,
Ergänzungsband, S. 119, vorbringen, die Verfügung vom 14. Mai 2013 sei nichtig, weil
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ihr ein schwerer und leicht erkennbarer Mangel anhafte. Es sei unverständlich, dass der
Beschwerdegegner nach dem Vorfall vom 2. April 2013 nicht den Ausgang des
Strafverfahrens abgewartet habe. Werde wider Erwarten nicht von einer Nichtigkeit der
Verfügung vom 14. Mai 2013 ausgegangen, sei diese zu widerrufen. Eine
Widerrufsbefugnis stehe auch dem Verwaltungsgericht zu. Der unrechtmässige Entzug
des Führerausweises könne nur dadurch korrigiert werden, dass für die Überschreitung
der Höchstgeschwindigkeit am 17. August 2013, die an sich einen einmonatigen
Ausweisentzug rechtfertigen würde, auf eine Massnahme verzichtet werde. Die
Nichtanfechtung der Verfügung vom 14. Mai 2013 könne dem Beschwerdeführer, der
damals 17 1⁄2 jährig und nicht anwaltlich vertreten gewesen sei, nicht zum Vorwurf
gereichen. Der rechtswidrige Entzug des Lernfahr- und Führerausweises begründe
beim Beschwerdeführer eine besondere Betroffenheit im strafrechtlichen Sinn. Werde
die zu Unrecht ergangene Sanktion nicht kompensiert, stelle sich die Frage der
Schadenersatzpflicht. Aus erzieherischen Gründen müsste die Kompensation mit der
zu Unrecht ergangenen Sanktion zugelassen werden, damit der Beschwerdegegner
sich inskünftig korrekt verhalte und den Ausgang des Strafverfahrens abwarte. Ein
nochmaliger Führerausweisentzug aus erzieherischen Gründen sei nicht angezeigt (act.
G 1).
3.2.
3.2.1. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind fehlerhafte Verfügungen/
Entscheide dann nichtig, wenn der ihnen anhaftende Mangel besonders schwer ist,
wenn er sich als offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar erweist und die
Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird.
Inhaltliche Mängel einer Entscheidung führen nur ausnahmsweise zur Nichtigkeit. Als
Nichtigkeitsgründe fallen vorab funktionelle und sachliche Unzuständigkeit der
entscheidenden Behörde sowie krasse Verfahrensfehler in Betracht (BGE 133 II 367 E.
3.2 mit Hinweis auf BGE 129 I 363 f. E. 2.1; vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 956
und 958 ff.; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 555 mit Hinweisen). Bei Verfahrensfehlern ist die
Praxis mit der Annahme eines Nichtigkeitsgrundes zurückhaltend. Nur ganz gewichtige
Verfahrensfehler, die ohne weiteres erkennbar sind, führen zur Nichtigkeit einer
Verfügung. Genannt werden in diesem Zusammenhang etwa schwer wiegende Form-
oder Eröffnungsfehler (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 965 ff. und 972 ff. mit
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Hinweisen). - Vorliegend stellt die Tatsache des Nichtabwartens des Abschlusses des
Strafverfahrens durch den Beschwerdegegner offensichtlich keinen schweren
(formellen oder materiellen) Mangel dar, weshalb nicht von einer Nichtigkeit der
Verfügung vom 14. Mai 2013, sondern lediglich von einer Anfechtbarkeit auszugehen
war. Der Beschwerdeführer hätte mit dem ordentlichen Rechtsmittel das Abwarten des
Strafverfahrens-Abschlusses und den Einbezug der dortigen Tatsachen in das
Administrativverfahren verlangen können.
3.2.2. Das weitere Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach die Vorinstanz die
Verfügung vom 14. Mai 2013 hätte widerrufen müssen und diese Befugnis auch dem
angerufenen Verwaltungsgericht zustehe (act. G 1 S. 4), führt zur Frage, ob die
Verfügung gegebenenfalls zu revidieren ist (Wiederaufnahmeverfahren nach Art. 81
VRP). Über ein solches Wiederaufnahmebegehren hätte grundsätzlich die verfügende
Instanz, d.h. der Beschwerdegegner, zu entscheiden (Art. 82 Abs. 1 VRP). Es
rechtfertigt sich jedoch, auf eine Rückweisung an den Beschwerdegegner zur Prüfung
dieser Frage zu verzichten: Zum einen ist zu den in Betracht fallenden
Wiederaufnahmegründen festzuhalten, dass ein im Zeitpunkt des Erlasses der
Verfügung am 14. Mai 2013 vorliegender, offenkundiger Irrtum des
Beschwerdegegners über entscheidende Tatsachen (Art. 81 Abs. 1 lit. b VRP) schon
insofern nicht vorliegen konnte, als die strafrechtliche Einstellungsverfügung erst nach
Erlass dieser Verfügung ergangen war. Weil die Einstellungsverfügung im Zeitpunkt
des Erlasses der Verfügung vom 14. Mai 2013 noch nicht vorlag, konnte sie auch keine
im Zeitpunkt des Verfügungserlasses bestehende, dem Beschwerdegegner nicht
bekannte Tatsache darstellen (vgl. Art. 81 Abs. 1 lit. b VRP). Zum anderen wäre es dem
Beschwerdeführer wie dargelegt zumutbar gewesen, im Rahmen des ordentlichen
Rechtsmittels gegen die Verfügung das Abwarten des Abschlusses des Strafverfahrens
zu verlangen, weshalb auf ein Wiederaufnahmebegehren nicht eingetreten werden
könnte (vgl. Art. 81 Abs. 2 VRP). Nachdem ein voraussetzungsloser (d.h. ausserhalb
eines Wiedererwägungs- oder Revisionsverfahrens liegender) Widerruf der Verfügung
ausser Betracht fällt, bleibt es somit bei der Rechtsbeständigkeit der Verfügung vom
14. Mai 2013.
3.3.
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3.3.1. Gemäss Art. 16b Abs. 2 SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer
mittelschweren Widerhandlung für mindestens einen Monat entzogen (lit. a). War der
Ausweis in den vorangegangenen zwei Jahren einmal wegen einer schweren oder
mittelschweren Widerhandlung entzogen, dauert der Entzug mindestens vier Monate (lit
b). - Unbestritten blieb die vorinstanzliche Feststellung (act. G 2 S. 5), dass es sich bei
der Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 22 km/h
(innerorts) vom 17. August 2013 um eine mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b
des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG) handelt, die grundsätzlich den Entzug
des Lernfahr- oder Führerausweises für mindestens einen Monat zur Folge hat (Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG; Philippe Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz,
Zürich/St. Gallen 2011, Rz. 8 zu Art. 16a SVG). Dem Beschwerdeführer war der
Ausweis in den zwei dem Ereignis vom 17. August 2013 vorangegangen Jahren
aufgrund der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 14. Mai 2013 für einen Monat
entzogen. Diese Verfügung war mit einer mittelschweren Widerhandlung begründet,
weshalb an sich die Voraussetzungen für die Anwendung der Rückfallregelung und den
Entzug des Führer- und Lernfahrausweises gestützt auf Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG für
die Dauer von mindestens vier Monaten erfüllt sind.
3.3.2. In der Verfügung vom 29. Mai 2013 kam der Jugendanwalt gestützt auf die
Aussagen des Prüfungsexperten zum Schluss, der Beschwerdeführer habe nicht
wissen können, dass er nach bestandener praktischer Prüfung Lernfahrten weiterhin
nur unter Aufsicht eines Fahrlehrers bzw. nicht in Begleitung seiner Mutter habe
durchführen dürfen. Er sei einem Verbotsirrtum unterlegen und deshalb in seinem
Unwissen zu schützen (act. G 7/10 S. 13 f.). Die Vorinstanz führte diesbezüglich im
angefochtenen Entscheid aus, wenn dem Beschwerdeführer nach Ansicht des
Jugendanwalts kein Verschulden vorzuwerfen sei, schliesse dies eine Verurteilung nach
Art. 16a ff. SVG grundsätzlich aus. Der Beschwerdegegner habe sich in der Verfügung
vom 14. Mai 2013 mit der Schuldfrage nicht auseinandergesetzt und lediglich
festgehalten, beim Vorfall vom 2. April 2013 habe es sich um eine mittelschwere
Widerhandlung gehandelt. Er sei damit zumindest von einem leichten Verschulden des
Beschwerdeführers ausgegangen. Für die Beantwortung der Fragen, ob sich der
Beschwerdeführer in einem Irrtum hinsichtlich seiner Fahrerlaubnis befunden habe und
in welchem Ausmass der Irrtum verschuldet gewesen sei, komme es wesentlich auf
den inneren Sachverhalt, d.h. das Wissen und Wollen an. Für derartige Abklärungen sei
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die persönliche Einvernahme - wie sie vom Jugendanwalt durchgeführt worden sei -
besonders geeignet. Umso mehr hätte der Beschwerdegegner den Ausgang des
Strafverfahrens abwarten müssen, zumal er grundsätzlich an die Feststellungen in
einem Strafurteil gebunden sei. Da der Beschwerdegegner am 14. Mai 2013 einen
einmonatigen Führerausweisentzug verfügt habe, bestehe nunmehr ein Widerspruch
zur strafrechtlichen Beurteilung. Dies sei vom Beschwerdeführer jedoch erst im
Rekursverfahren gerügt worden. Wäre der Beschwerdegegner zur selben Einschätzung
gelangt wie der Strafrichter - aus den Akten im Administrativmassnahmeverfahren
ergäben sich keine Anhaltspunkte, welche die Einstellungsverfügung vom 29. Mai 2013
als falsch erscheinen liessen -, hätte er Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG nicht anwenden
dürfen. Nachdem feststehe, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich der begleiteten
Fahrt vom 2. April 2013 nicht strafbar gemacht habe, sei er nicht der Gruppe der
Wiederholungstäter zuzuordnen. Ihm sei höchstens vorzuwerfen, die Rechtsmittel nicht
ausgeschöpft zu haben, um einen Eintrag im ADMAS-Register bzw. den Entzug des
Ausweises für die Dauer von einem Monat zu verhindern. Auch wenn der
Beschwerdegegner nicht verpflichtet gewesen sei, auf die Verfügung vom 14. Mai 2013
zurückzukommen, hätte er den Umstand, dass das Verfahren wegen des Vorfalls vom
2. April 2013 vom Jugendanwalt eingestellt worden sei, bei der Beurteilung des
Ereignisses vom 17. August 2013 berücksichtigen müssen. Das formale Abstützen auf
den Eintrag im Register für Administrativmassnahmen allein führe zu einem Ergebnis,
das sich nicht mit Sinn und Zweck der Norm vereinbaren lasse. Der Beschwerdeführer
würde als Wiederholungstäter härter bestraft; und zwar nicht, weil er sich im Verkehr
bereits früher rechtswidrig verhalten hätte, sondern weil er es unterlassen habe, sich
gegen eine zu Unrecht erlassene Verfügung der Administrativbehörde zu wehren.
Somit ergebe sich, dass ein Entzug des Führerausweises auf der Grundlage von Art.
16b Abs. 2 lit. b SVG nicht zulässig sei und Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG zur Anwendung
komme. Auf eine Rückweisung der Sache zur Festlegung der Entzugsdauer gemäss
Art. 16 Abs. 3 SVG an den Beschwerdegegner könne jedoch verzichtet werden, da die
entsprechende Beurteilung bereits in der streitigen Verfügung vorgenommen worden
sei. Der Beschwerdegegner sei darin zum Schluss gekommen, unter Berücksichtigung
aller Beurteilungskriterien nach Art. 16 Abs. 3 SVG (Schwere des Verschuldens,
Leumund als Motorfahrzeugführer, berufliche Angewiesenheit, ein Motorfahrzeug zu
führen) sei es möglich, die Entzugsdauer auf das gesetzliche Minimum zu beschränken.
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Es bestehe kein Anlass, von dieser Beurteilung abzuweichen. Der Lernfahr- und
Führerausweis sei dem Beschwerdeführer somit für die Dauer eines Monats zu
entziehen (act. G 2 S. 6-8).
Im vorinstanzlichen Entscheid wurde im Weiteren dargelegt, aufgrund seines
erzieherischen Charakters (vgl. BGE 128 II 173 E. 3b) könne der Warnungsentzug seine
Wirkung nur dann erzielen, wenn er möglichst zeitnah zur Widerhandlung verfügt
werde. Unter dem Eindruck der Massnahme und im Wissen um die zweijährige
Probezeit solle der Betroffene von weiteren Verletzungen der
Strassenverkehrsvorschriften abgehalten werden. Dies schliesse eine Kompensation
mit einer früheren - wenn auch zu Unrecht ergangenen - Sanktion aus, weil damit der
präventive Charakter der Administrativmassnahme unterlaufen würde. Im Übrigen habe
der Ausweisentzug vom 20. Mai bis 19. Juni 2013 seinen erzieherischen Zweck
verfehlt, den Beschwerdeführer künftig von weiteren Verletzungen der
Strassenverkehrsvorschriften abzuhalten. Er habe bereits am 17. August 2013 eine
mittelschwere Widerhandlung (Geschwindigkeitsüberschreitung) begangen. Es
erscheine deshalb sachgerecht, den Beschwerdeführer mit einem Warnungsentzug zu
belegen. Ein Verzicht auf eine Massnahme wäre nur bei geringfügiger Schuld bzw.
Tatfolge oder bei besonderer Betroffenheit des Beschwerdeführers möglich (Art. 52 u.
Art. 54 StGB). Die Tatsache, dass dem Beschwerdeführer der Lernfahr- und
Führerausweis zu Unrecht für einen Monat entzogen worden sei, begründe keine
derartige Betroffenheit. Darauf lasse auch schliessen, dass er die ihm zur Verfügung
stehenden Rechtsmittel nicht ausgeschöpft und den Führerausweisentzug akzeptiert
habe (act. G 2 S. 11).
3.4. Ein Verzicht auf einen Entzug für die (in aller Regel nicht unterschreitbare; vgl.
BGE 135 II 334 E. 2.2; BGer 1C_485/2011 vom 16. Januar 2012 E. 2.3.1 mit Hinweisen)
Mindestdauer von einem Monat liesse sich vorliegend nicht damit begründen, dass der
Beschwerdeführer die Massnahme aufgrund der Verfügung vom 14. Mai 2013 (zu
Unrecht) bereits verbüsst habe, zumal letztere in Rechtskraft erwuchs und Gründe für
ein Zurückkommen auf jene Verfügung wie dargelegt nicht gegeben sind. Eine
Kompensation des neuerlichen Ausweisentzugs (Verfügung vom 6. Dezember 2013)
mit der zu Unrecht ergangenen früheren Massnahme liesse sich sodann nicht auf den
Umstand stützen, dass der Beschwerdegegner an sich verpflichtet gewesen wäre, den
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Ausgang des Strafverfahrens abzuwarten. Für den damals nicht vertretenen
Beschwerdeführer wäre die Bedeutung des Ausgangs des Strafverfahrens für das aus
demselben Grund laufende Administrativverfahren bzw. der entsprechende sachliche
Zusammenhang - auch ohne Mithilfe eines Rechtsvertreters - erkennbar gewesen;
dennoch verzichtete er darauf, dies mit dem zur Verfügung stehenden Rechtsmittel im
Administrativverfahren geltend zu machen. Sodann vermag der Schluss der Vorinstanz,
dass der Beschwerdeführer als Wiederholungstäter einzig deshalb härter bestraft
würde, weil er es unterlassen habe, sich gegen eine zu Unrecht erlassene Verfügung
der Administrativbehörde zu wehren, nichts an der Rechtsbeständigkeit der Verfügung
vom 14. Mai 2013 zu ändern. Der vorinstanzliche Entscheid, wonach nicht von einer
Wiederholungstat auszugehen und der Führer- und Lernfahrausweis dem
Beschwerdeführer gestützt auf Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG für die Dauer eines Monats zu
entziehen sei, erscheint insofern wohlwollend, als aufgrund des in Rechtskraft
erwachsenen ersten Entscheids vom 14. Mai 2013 an sich von einer Entzugsdauer von
vier Monaten - wie am 6. Dezember 2013 verfügt - auszugehen gewesen wäre.
Nachdem jedoch das Verwaltungsgericht den angefochtenen Entscheid nicht zum
Nachteil des Beschwerdeführer abändern kann (Art. 63 VRP), bleibt es beim Ergebnis
des vorinstanzlichen Entscheids. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
4. (...).