Decision ID: 6b602b31-68db-487b-aaba-6f54c0a0f2e2
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie A am 3. Juni 1959. Er war zudem
fahrberechtigt für die Kategorien B (seit 9. November 1959), A1, E, F und G (seit
29. Januar 1988) sowie A2 und D2 (seit 1. Juni 1991). Er ist im
Administrativmassnahme-Register nicht verzeichnet.
B.- Mit Schreiben vom 9. Juli 2014 informierte der Direktor der Augenklinik des
Kantonsspitals Winterthur das Institut für Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital St.
Gallen, dass die Fahreignung von X aufgrund deutlicher Gesichtsfeldausfälle im
zentralen Bereich mit einer Überlappung der Ausfälle knapp unterhalb der Fixation
nicht mehr gegeben sei. In der Folge informierte das IRM das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, dass aufgrund des Berichts der Augenklinik
des Kantonsspitals Winterthur wegen eines weit fortgeschrittenen Glaukoms beidseits
mit zentralen Gesichtsfeldausfällen die Fahreignung nicht mehr bestehen dürfte, und
empfahl eine verkehrsmedizinische Untersuchung.
Das Strassenverkehrsamt eröffnete am 30. Juli 2014 gegenüber X ein Verfahren zur
Abklärung der Fahreignung, kündigte die Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung an und verbot ihm vorsorglich das Führen von Motorfahrzeugen aller
Kategorien ab sofort. Die Untersuchung durch die verkehrsmedizinische Abteilung des
IRM wurde mit Zwischenverfügung vom 2. September 2014 angeordnet. Die
entsprechenden Untersuchungen fanden am 15. September 2014 statt.
C.- Im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 17. Dezember 2014 wurde die
Fahreignung aufgrund Vorliegens zentraler Gesichtsfeldausfälle im Rahmen eines
chronischen Offenwinkelglaukoms nicht befürwortet. Die Gutachter empfahlen im Falle
einer allfälligen Verbesserung des Gesichtsfeldes eine erneute Perimetrie (Octopus und
Goldmann), um die Fahreignung mittels Aktengutachtens erneut zu beurteilen.
D.- Das Strassenverkehrsamt teilte X mit Schreiben vom 7. Januar 2015 mit, dass er
aus medizinischen Gründen (zentrale Gesichtsfeldausfälle) die Voraussetzungen zum
Führen von Motorfahrzeugen nicht mehr erfülle, weshalb ein Führerausweisentzug auf
unbestimmte Zeit in Betracht falle, und gewährte ihm das rechtliche Gehör. Mit
Verfügung vom 15. Januar 2015 entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis
auf unbestimmte Zeit. Für die Aufhebung des Entzugs wurde die Befürwortung der
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Fahreignung aus medizinischer Sicht verlangt. Einem allfälligen Rekurs wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 23. Januar 2015 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, die Verfügung der
Vorinstanz vom 15. Januar 2015 sei aufzuheben. Die Vorinstanz verzichtete am 11.
Februar 2015 auf eine Vernehmlassung.
F.- Mit Schreiben vom 22. Januar 2015 gelangte der Augenarzt von X, Y, an das
Strassenverkehrsamt und bat um Wiedererteilung des Führerausweises an X. Er führte
aus, dass aufgrund der Befunde der Verlaufskontrolle vom 22. Januar 2015 die
Fahreignung gegeben sei. Das Strassenverkehrsamt nahm dieses Schreiben als
Gesuch um Wiedererteilung des Führerausweises entgegen, leitete die Befunde am 29.
Januar 2015 an das IRM weiter und bat um eine Aktenbeurteilung hinsichtlich der
Fahreignung von X. Daraufhin wurde das Verfahren vor der
Verwaltungsrekurskommission am 4. Februar 2015 sistiert. Am 9. Februar 2015 teilte
das IRM dem Strassenverkehrsamt mit, dass aufgrund der aktuell vorliegenden
Befunde keine suffiziente Aussage bezüglich der Fahreignung von X gemacht werden
könne. Die Gesichtsfeldprüfung müsse wiederholt werden. Da X nochmals am linken
Auge operiert wurde, musste die Wiederholung der Gesichtsfeldprüfung verschoben
werden. Nachdem diese durchgeführt werden konnte, erstatte das IRM das
Aktengutachten am 9. Juli 2015. Darin wurde die Fahreignung aufgrund zentraler
Gesichtsfelddefekte verneint. In der Folge lehnte das Strassenverkehrsamt mit
Verfügung vom 20. Juli 2015 das Gesuch um Wiedererteilung des Führerausweises ab.
Dagegen erhob X mit Eingabe vom 25. Juli 2015 wiederum Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission.
Die Verwaltungsrekurskommission hob am 10. September 2015 die Sistierung des
Rekursverfahrens auf. Die Verfügung der Vorinstanz vom 20. Juli 2015 (Ablehnung des
Gesuchs um Wiedererteilung des Führerausweises) wurde als Antrag auf Abweisung
des Rekurses vom 23. Januar 2015 und der Rekurs von X vom 25. Juli 2015 als Antrag
auf Gutheissung des Rekurses vom 23. Januar 2015 und Wiedererteilung des
Führerausweises entgegengenommen. Die Beteiligten erklärten sich mit diesem
Vorgehen einverstanden.
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Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. Januar 2015 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis
gestützt auf das verkehrsmedizinische Gutachten des IRM vom 17. Dezember 2014 zu
Recht wegen mangelnder Fahreignung auf unbestimmte Zeit entzog. Sie erwog, dass
dem Rekurrenten die Fahreignung aufgrund des Vorliegens zentraler
Gesichtsfeldausfälle im Rahmen eines chronischen Offenwinkelglaukoms
abgesprochen werden müsse. Der Rekurrent macht demgegenüber im Rekurs geltend,
dass die Verlaufskontrolle vom 22. Januar 2015 ergeben habe, dass sich seine
Gesichtsfelder verbessert hätten.
3.- Bestehen Zweifel an der körperlichen oder psychischen Fahreignung eines
Fahrzeugführers, sind medizinische, psychologische oder psychiatrische Abklärungen
vorzunehmen (Art. 11b Abs. 1 lit. a und b der Verordnung über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt: VZV). Wird
dabei festgestellt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung nicht oder
nicht mehr bestehen, muss der Führerausweis entzogen werden (Art. 16 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). In diesen Fällen dient der
Entzug des Ausweises der Sicherung des Verkehrs vor ungeeigneten Fahrzeugführern
(Sicherungsentzug). Es soll die zu befürchtende Gefährdung der Verkehrssicherheit
durch einen ungeeigneten Fahrzeugführer in der Zukunft verhindert werden (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_74/2011 vom 17. Mai 2011 E. 2.2).
bis
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Art. 16d SVG regelt den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Auf
unbestimmte Zeit wird der Führerausweis einer Person unter anderem entzogen, wenn
sie nicht oder nicht mehr über die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt,
um ein Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG). Darunter fallen alle
medizinischen und psychischen Gründe, welche die Fahreignung ausschliessen.
Grundsätzlich müssen die medizinischen Mindestanforderungen – bezogen auf die
jeweilige Führerausweiskategorie – gemäss Anhang 1 der VZV erfüllt sein (Art. 25
Abs. 3 lit. a SVG, Art. 7 Abs. 1 VZV). Die Fahreignung ausschliessende Gründe sind
unter anderem ein eingeschränktes Seh- und Hörvermögen, Störungen des
Gleichgewichts, Bewegungsbehinderungen, Herz- und Gefässkrankheiten,
Zuckerkrankheit, Hirn- und Rückenmarksstörungen sowie Lungen- und
Bronchialerkrankungen (R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band I, 2. Aufl. 2002, Rz. 323).
Der Sicherungsentzug wird grundsätzlich auf unbestimmte Dauer ausgesprochen
(Art. 16d Abs. 1 Ingress SVG). Der auf unbestimmte Zeit entzogene Führerausweis
kann bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche
oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des
Mangels nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG). Da
ein Sicherungsentzug stark in den Persönlichkeitsbereich eingreift, ist eine genaue
Abklärung der persönlichen Verhältnisse des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes
wegen vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen
richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen
Ermessen der Entzugsbehörde (vgl. BGE 129 II 82 E. 2.2).
4.- Die Vorinstanz entzog dem Rekurrenten den Führerausweis gestützt auf das
verkehrsmedizinische Gutachten des IRM vom 17. Dezember 2014 aus medizinischen
Gründen auf unbestimmte Zeit.
a) Das verkehrsmedizinische Gutachten unterliegt der freien richterlichen
Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ärztlichen Gutachten Beweiswert
beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
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bestehen (BGE 123 V 331 E. 1c). In Sachfragen weicht das Gericht nur aus triftigen
Gründen von einer gerichtlichen Expertise ab. Es prüft, ob sich aufgrund der übrigen
Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die
Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm die
Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat es nötigenfalls
ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben (vgl. BGE 133 III 385 mit
weiteren Hinweisen). Das verkehrsmedizinische Gutachten soll in der
Gesamtbeurteilung die erhobenen Befunde hinsichtlich der Fragestellung würdigen und
so gewichten, dass die Schlussfolgerungen und die Beantwortung der Fragestellung
auch für einen medizinischen Laien nachvollziehbar sind (vgl. zum
verkehrspsychologischen Gutachten Bächli-Biétry, Inhalt des Gutachtens, Würdigung,
Folgefragen aus verkehrspsychologischer Sicht, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2009, S. 58).
b) Die Gutachter stützten ihre Beurteilung auf Berichte der Augenklinik des
Kantonsspitals Winterthur vom 9. Juli 2014, des Hausarztes des Rekurrenten vom
12. September 2014 sowie des Augenarztes des Rekurrenten vom 4. Dezember 2014,
die verkehrsmedizinische Untersuchung und die Resultate der Laboruntersuchungen.
aa) Im Bericht der Augenklinik des Kantonsspitals Winterthur vom 9. Juli 2014 ist
festgehalten, dass der Rekurrent beidseits unter einem weit fortgeschrittenen
chronischen Offenwinkelglaukom leide. Der Fernvisus habe am 20. März 2014 rechts
0,6 – 0,7 und links 0,9 – 1,0 betragen. Der Rekurrent habe deutliche
Gesichtsfeldausfälle im zentralen Bereich mit einer Überlappung der Ausfälle knapp
unterhalb der Fixation.
bb) Der Hausarzt des Rekurrenten führte am 12. September 2014 aus, dass
verkehrsmedizinisch relevante Erkrankungen oder eine Suchtmittelproblematik nicht
vorliegen würden. Er benötige folgende Medikamente: Azarga, Dexafree, Xarelto, Co-
Lisinopril, Zytiga und Prednison. Die alkoholrelevanten Blutparameter seien im
Normalbereich.
cc) Der Augenarzt des Rekurrenten berichtete am 4. Dezember 2014, der Fernvisus
betrage unkorrigiert rechts 0,3 und links 0,6 sowie korrigiert rechts und links 0,6. Das
horizontale Gesichtsfeld betrage 140° oder weniger. Doppelsehen bestehe nicht.
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dd) Die körperliche Untersuchung vom 15. September 2014 ergab, dass der Rekurrent
sich in einem guten Allgemein- und Ernährungszustand befinde. Die Orientierung sei zu
allen Qualitäten erhalten. Es gebe keine Anhaltspunkte für Konzentrations- und
Aufmerksamkeitsstörungen. Im Affekt sei er situationsadäquat. Es bestünden keine
Hinweise auf formale oder inhaltliche Denkstörungen. Die Pupillen seien gleich gross,
mittelweit und prompt auf Lichtreiz reagierend. Die Augenbeweglichkeit sei erhalten
und es würden keine Doppelbilder angegeben. Es gebe kein Augenzittern oder
Schielen. Das Gesichtsfeld sei fingerperimetrisch nicht eingeschränkt. Der Fernvisus
betrage unkorrigiert rechts 0,32, binokular und links 1,0. Ein Stereosehen sei nicht
möglich. Das Hörvermögen sei intakt. Der Blutdruck betrage 120/70 mmHg. Der Puls
sei mit 72 Schlägen pro Minute regelmässig. Die Herztöne seien rein und rhythmisch,
ohne Herzgeräusche. Auch über den Halsschlagadern seien keine Geräusche hörbar.
Die Atemgeräusche seien beim Abhören der Lunge regelrecht und die Lungenbelüftung
beidseits gleichmässig ohne perkutorische Dämpfung. Die Darmgeräusche seien
ebenfalls regelrecht, ohne Resistenzen beim Abtasten. Es gebe keine
Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle. Die Leber erscheine nicht vergrössert, Milz
und Nierenlager seien unauffällig. Der Rekurrent habe keine Ödeme. Die Fusspulse
seien beidseits tastbar. Der Bewegungsumfang der Halswirbelsäule sei nicht
eingeschränkt und die Kraft sei in allen Extremitäten gut erhalten. Die
Oberflächensensibilität sei intakt. Der Vibrationssinn sei an beiden Sprunggelenken auf
5/8 reduziert. Die Muskeleigenreflexe seien allseits symmetrisch und mittellebhaft
auslösbar. Die Finger-Nasen-Probe und die Finger-Finger-Probe habe der Rekurrent
zielgerichtet bestanden. Beim Romberg-Test stehe der Rekurrent sicher ohne Absinken
der Arme. Es bestünde kein Zittern der Hände. Blind-, Zehenspitzen- und Fersengang
seien sicher.
c) Der Rekurrent befindet sich somit in einem guten gesundheitlichen Zustand.
Allerdings leidet er unter einem – gemäss Bericht des Kantonsspitals Winterthur vom 9.
Juli 2014 – weit fortgeschrittenen chronischen Offenwinkelglaukom. Anlässlich der
verkehrsmedizinischen Begutachtung berichtete er, dass er seit vielen Jahren unter
einem erhöhten Augeninnendruck leide. Im Jahr 2012 oder 2013 sei er im
Kantonsspital St. Gallen an beiden Augen aufgrund des grünen Stars operiert worden.
Im April 2014 wurde er sodann im Kantonsspital Winterthur erneut am rechten Auge
sowie im Februar 2015 am linken Auge operiert.
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5.- a) Die Sehleistung muss so gross sein, dass ein Fahrzeuglenker auch bei
schlechten Sichtverhältnissen (trüber Tag, Dämmerung, nachts oder bei starker
Blendung) rechtzeitig eine verkehrsrelevante Situation erfassen und entsprechend
reagieren kann. Die für die Orientierung im Strassenverkehr benötigten Informationen
werden zu 90% mit dem Auge aufgenommen. Ein Fahrer mit verminderter Sehschärfe
erkennt Hindernisse oder Gefahren später als ein Normalsichtiger. Relevant für die
Orientierung im Strassenverkehr sind nicht nur einzelne Leistungen wie zum Beispiel
die Sehschärfe, sondern das Zusammenspiel des gesamten Sehorgans in den
Basisfunktionen Sehschärfe (Fernvisus), Gesichtsfeld, Dämmerungssehen und
Blendeempfindlichkeit, räumliches Sehen (Stereosehen) sowie Augenstellung und -
motilität (M. Schneebeli, Sehvermögen und Fahreignung, in: Handbuch der
verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005, S. 57).
Nach Art. 25 Abs. 3 lit. a SVG stellt der Bundesrat nach Anhören der Kantone
Vorschriften auf über die Mindestanforderungen, denen der Motorfahrzeugführer in
körperlicher und psychischer Hinsicht genügen muss. Die medizinischen
Mindestanforderungen sind detailliert im Anhang 1 der VZV tabellarisch aufgeführt. Die
Führerausweiskategorien werden in drei medizinische Gruppen eingeteilt. Die erste
medizinische Gruppe stellt die höchsten Anforderungen an den Gesundheitszustand
der Führerausweisinhaber; dies betrifft die Buschauffeure. Die zweite medizinische
Gruppe umfasst die Lastwagen- und Taxifahrer, die Fahrlehrer und die
Verkehrsexperten und nimmt bezüglich den Anforderungen eine Mittelstellung ein. In
der dritten medizinischen Gruppe sind alle übrigen Führerausweiskategorien zu finden
(Bundesamt für Strassen ASTRA, Kreisschreiben über die ärztlichen Untersuchungen
von Motorfahrzeugführern, 6. März 1998, unter: www.astra.admin.ch). Hinsichtlich des
Gesichts werden für die dritte Gruppe, welcher der Rekurrent zuzuordnen ist, folgende
Anforderungen gestellt: „Ein Auge korrigiert minimal 0,6, das andere korrigiert minimal
0,1. Gesichtsfeld minimal 140° horizontal. Kein Doppelsehen.“
b) Die Sehschärfe betrug beim Rekurrenten bei der Messung vom 15. September 2014
unkorrigiert auf dem rechten Auge 0,32, binokular und links 1,0. Er erfüllt damit die
medizinische Mindestanforderung hinsichtlich der Sehschärfe gemäss Anhang 1 VZV,
wonach der Visus des einen Auges minimal 0,6 und derjenige des anderen Auges
minimal 0,1 betragen muss. Da das Stereosehen (räumliches Sehen) nur in der Nähe
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von Bedeutung ist, bestehen diesbezüglich keine Mindestanforderungen für die dritte
medizinische Gruppe (M. Schneebeli, a.a.O., S. 62). Dass der Rekurrent kein
Stereosehen hat, schliesst die Fahreignung deshalb nicht aus. Problematisch ist
vielmehr das beidseitige Glaukom, das zu Gesichtsfeldausfällen führte.
c) Zur Überprüfung des aktuellen Gesichtsfelds unterzog sich der Rekurrent im
Rahmen der verkehrsmedizinischen Begutachtung einer Perimetrie
(Gesichtsfelduntersuchung). Diese wurde am 3. Dezember 2014 bei seinem Augenarzt
durchgeführt. Die Gutachter führen aus, dass die statische Perimetrie des zentralen
Gesichtsfelds des Rekurrenten einen binocularen Gesichtsfelddefekt zeigen würde,
welcher den oberen Bereich rechts und links innerhalb 20° mit binocularer Ausdehnung
über beide Quadranten (bis ca. 5° zentral rechts, links weniger betroffen bis ca. 10°)
betreffe. Bei solchen Ausfällen im zentralen Gesichtsfeld sei die Fahreignung für alle
Kategorien nicht mehr gegeben, da ein derartiger Gesichtsfelddefekt vor allem in
komplexen Verkehrssituationen zum Tragen komme und etwa durch ein Scannen mit
den Augen nicht kompensiert werden könne. Ein Fussgänger müsse zum Beispiel auch
dann wahrgenommen werden, wenn der Lenker die Person nicht gerade fixiere. Liege
die Aufmerksamkeit und damit der Fokus des Sehens auf einem weiteren
verkehrsrelevanten Objekt (Velofahrer, Strassenverlauf, kreuzende Fahrzeuge etc.),
müsse der Lenker gleichzeitig im Sinne eines Multi-Taskings (geteilte Aufmerksamkeit)
den Fussgänger in den äusseren und inneren Randbereichen des Gesichtsfeldes
wahrnehmen. Dies sei beim Rekurrenten nicht mehr möglich.
6.- a) Das Gesichtsfeld, d.h. das Wahrnehmungsfeld des Auges beim Blick geradeaus,
ist von überragender Bedeutung im Strassenverkehr und in seiner Wertigkeit der
Tagessehschärfe gleichzusetzen. Vor allem sich in den Randzonen bewegende
Objekte, wie z.B. überholende Fahrzeuge, Fussgänger am Fussgängerstreifen,
Verkehrsteilnehmer des Querverkehrs oder Fahrzeuge beim Spurwechsel müssen
rechtzeitig wahrgenommen werden können. Das periphere Gesichtsfeld hat eine
bedeutende Warnfunktion und ist Ausdruck des dynamischen Sehens für sich zum
Betrachter relativ bewegende Gegenstände in den Randzonen (M. Schneebeli, a.a.O.,
S. 60). Beim Glaukom oder grünen Star handelt es sich um eine Gruppe von
Erkrankungen, die zu einer Schädigung des Gesichtsfeldes führt. Das chronische
Offenwinkelglaukom ist eine zumeist beidseitig, jedoch nicht notwendigerweise
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symmetrisch ausgeprägte Erkrankung mit zumeist an einem Auge vorhandenen
charakteristischen Zeichen des glaukomatösen Sehnervenschadens. Dieser führt
entweder zu morphologischen Veränderungen an Papille und/oder Nervenfaserschicht
oder zu Veränderungen im Gesichtsfeld oder zu beidem. Häufig, aber nicht immer, geht
das Glaukom mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks einher. Die entstehenden
Gesichtsfeldveränderungen nimmt der Patient selbst erst sehr spät wahr, weil das
Gehirn Defekte mit mehr oder weniger sinnvollen Bildelementen ergänzt. Da es sich um
Schädigungen von Zellen des Zentralnervensystems handelt, ist ein Wiederherstellen
geschädigter Areale in der Regel nicht möglich. Entscheidend für die Fahreignung sind
das zentrale Gesichtsfeld im 30°-Bereich sowie die peripheren Gesichtsfeldbereiche im
horizontalen Meridian. Bei Defekten im binokularen zentralen Gesichtsfeld sowie bei
Ausfällen im binokularen horizontalen Gesichtsfeld nach rechts oder links bedeuten
deshalb, dass keine Fahreignung besteht. Ausfälle nach oben oder unten sind
hingegen von untergeordneter Bedeutung und müssen nicht notwendigerweise zu
einer Einschränkung der Fahreignung führen (P. Vivell, in: Madea/Musshoff/Berghaus
[Hrsg.], Verkehrsmedizin, 2. Aufl. 2012, S. 239 f.). Wenn Gesichtsfelddefekte nicht
durch das Gesichtsfeld des anderen Auges kompensiert werden können, ist die
Fahreignung ebenfalls aufgehoben (M. Schneebeli, a.a.O., S. 60).
b) Es ist unbestritten, dass der Rekurrent an beiden Augen unter einem Glaukom leidet,
welches Gesichtsfeldausfälle im zentralen Bereich nach sich zog. Gemäss Perimetrie
vom 3. Dezember 2014 reichen diese bis in den 20°-Bereich. Unter diesen Umständen
ist die Fahreignung des Rekurrenten – in Übereinstimmung mit der Lehre –
auszuschliessen. Die Darlegungen im Gutachten zur Fahreignung des Rekurrenten sind
deshalb schlüssig und nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz zu Recht auf das
verkehrsmedizinische Gutachten abgestellt und einen Sicherungsentzug aus
medizinischen Gründen ausgesprochen hat. Daran ändert nichts, dass der Augenarzt
des Rekurrenten nach der Verlaufskontrolle vom 22. Januar 2015 ausführte, dass aus
seiner Sicht die Fahreignung beim Rekurrenten gegeben sei. Er bestätigte dem
Rekurrenten zwar im Vergleich zur Untersuchung vom 3. Dezember 2014 beidseits
weniger ausgeprägte Gesichtsfelddefekte und keine grossen Skotome im binokularen
Gesichtsfeld. Daraus kann aber nicht geschlossen werden, dass im zentralen
Gesichtsfeld keine Ausfälle, welche die Fahreignung ausschliessen, mehr vorhanden
wären. Die Gutachter hielten im Aktengutachten vom 9. Juli 2015 ebenfalls fest, dass
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die Untersuchung vom 22. Januar 2015 zwar eine Verminderung der
Gesichtsfelddefekte zeige, dass aber zentrale Gesichtsfelddefekte weiterhin vorhanden
wären. Auch die Perimetrie vom 25. Juni 2015 ergab gemäss den Gutachtern eine
deutliche Verminderung der Sehkraft beider Augen, insbesondere im nasalen oberen
Quadranten, welche noch immer bis in das zentrale Gesichtsfeld von 20° reiche. Die
Gesichtsfeldausfälle des Rekurrenten im zentralen Bereich führen dazu, dass er im
Strassenverkehr ein Risiko darstellt, weshalb die Fahreignung nicht befürwortet werden
kann. Daran ändert auch nichts, dass er gemäss eigenen Angaben bisher noch nie
negativ im Strassenverkehr aufgefallen ist. Der Sicherungsentzug zielt nicht darauf ab,
den Betroffenen wegen einer Verkehrsregelverletzung zu bestrafen. Der Entzug setzt
keine schuldhafte Widerhandlung im Strassenverkehr voraus (BGer 1C_74/2011 vom
17. Mai 2011 E. 2.2). Vielmehr geht es darum, die zu befürchtende Gefährdung der
Verkehrssicherheit zu verhindern (Philippe Weissenberger, Kommentar SVG und OBG,
2. Aufl. 2015, Art. 16d N 8). Da die Fahreignung beim Rekurrenten aus medizinischen
Gründen bereits aufgrund mehrerer Sehtests ausgeschlossen werden kann, kommt
eine Kontrollfahrt nicht in Frage.
7.- Zusammengefasst ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das Gutachten vom
17. Dezember 2014 abgestellt, die Fahreignung des Rekurrenten gestützt auf Art. 16d
Abs. 1 lit. a SVG verneint und den Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen hat.
Der mit dem Sicherungsentzug verbundene Eingriff in die Persönlichkeitssphäre des
Rekurrenten ist angesichts der auf dem Spiel stehenden öffentlichen Interessen der
Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer erforderlich und angemessen und liegt nicht
zuletzt auch in seinem eigenen, wohlverstandenen Interesse (vgl. BGer 6A.15/2000
vom 28. Juni 2000 E. 4). Es gibt keine mildere Massnahme, um ihn als
Motorfahrzeugführer vom Strassenverkehr fernzuhalten. Solange Gesichtsfeldausfälle
im zentralen Bereich bestehen, die die Fahreignung ausschliessen, kann der
Führerausweis auch nicht unter Auflagen wiedererteilt werden. Die angefochtene
Verfügung erweist sich damit als recht- und verhältnismässig; entsprechend ist der
Rekurs abzuweisen.
8.- Mit dem Sicherungsentzug soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn er während eines
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Beschwerdeverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
9.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘500.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.– ist zu verrechnen.