Decision ID: 3f3d60eb-823d-5fdd-8e63-291267a229e2
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 5. Juli 2009 ein erstes Asylgesuch in der
Schweiz ein. Dieses wurde, zusammen mit den Asylgesuchen seiner da-
maligen Ehefrau und der zwei gemeinsamen Kinder, am 16. November
2012 abgewiesen (bestätigt durch das Urteil des BVGer E-6579/2012 vom
17. Juli 2013). Ein daraufhin eingereichtes Wiedererwägungsgesuch vom
4. Dezember 2014 des Beschwerdeführers, seiner Ehefrau und der mittler-
weile drei Kinder wurde am 5. November 2015 abgewiesen. Das Bundes-
verwaltungsgericht bestätigte diesen Entscheid mit Urteil E-8006/2015
vom 12. Januar 2016.
B.
Am 10. August 2016 reiste der Beschwerdeführer freiwillig in sein Heimat-
land zurück. Seine Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder verblieben
in der Schweiz.
C.
Auf ein durch die damalige Rechtsvertretung am 8. Mai 2017 eingereichtes
Revisionsgesuch betreffend das Urteil E-8006/2015 trat das Bundesver-
waltungsgericht mit Urteil E-2619/2017 vom 16. Mai 2017 nicht ein.
D.
Mit Urteil vom 30. Juli 2019 wurde die Ehe des Beschwerdeführers und
seiner Ehefrau durch das Regionalgericht Bern-Mitteland geschieden, wo-
bei die alleinige elterliche Sorge und Obhut über die drei gemeinsamen
Kinder seiner Ehefrau zugesprochen wurde.
E.
Am 3. Juni 2020 ersuchte der Beschwerdeführer im Bundesasylzentrum in
Bern um Asyl. Anlässlich der Personalienaufnahme gab er an, (...) schon
vor etwa drei Jahren verlassen zu haben und mit seiner Mutter nach (...)
eingereist zu sein. Als ihnen das Geld ausgegangen sei, seien sie wieder
nach Russland zurückgehkehrt, um danach erneut nach (...) auszureisen.
Mittels eines Schleppers sei er dann alleine nach Polen gelangt. Von da
sei er bis nach Wien gereist. Dort habe er sich etwas mehr als zwei Jahre
aufgehalten. Ein Cousin habe ihn dann nach Deutschland gefahren, von
wo er schliesslich vor etwa drei Monaten mit dem Tram in die Schweiz ge-
kommen sei (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 11 Ziff. 5.02 f.).
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F.
Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der EURODAC-Datenbank ergab,
dass der Beschwerdeführer am 30. März 2018 in Polen ein Asylgesuch ein-
gereicht hatte (SEM-act. 7).
G.
Gestützt auf diese Abklärungen und seine eigenen Angaben gewährte die
Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 11. Juni 2020 gemäss Art. 5 der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO)
das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der
Möglichkeit einer Überstellung nach Polen oder Österreich. Der Beschwer-
deführer wendete gegen ein solche Überstellung ein, er wolle nicht nach
Polen, da man dort Geld bezahlen müsse, um die Grenzen überqueren zu
können. Alle seien käuflich. Die polnischen Behörden würden gegen die
Gesetze verstossen. Er wolle bei seinen Kindern in der Schweiz bleiben.
Aus diesem Grund wolle er auch nicht nach Österreich. Er habe sich dort
ohnehin kaum in der Öffentlichkeit bewegt, sei vielmehr immer zu Hause
geblieben. Nach allfälligen medizinischen Beschwerden gefragt gab er an,
dass es ihm im Moment gut gehe (SEM-act. 14).
H.
Am 15. Juni 2020 ersuchte das SEM die polnischen Behörden um Rück-
übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub-
lin-III-VO (SEM-act. 17). Diesem Gesuch wurde am 29. Juni 2020 gestützt
auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO entsprochen (SEM-act. 19).
I.
Mit Eingabe vom 2. Juli 2020 reichte die Rechtsvertretung des Beschwer-
deführers eine Erklärung der Ex-Ehefrau ein, wonach sie gemäss Art. 9
Dublin-III-VO einverstanden sei, dass das Asylgesuch des Vaters ihrer Kin-
der in der Schweiz geprüft werde (SEM-act. 20).
J.
Mit Verfügung vom 13. Juli 2020 (selbentags eröffnet) trat das SEM in An-
wendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn nach Polen weg und ordnete
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den Vollzug dieser Wegweisung durch den zuständigen Kanton an. Gleich-
zeitig wies sie darauf hin, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme (SEM-act. 24).
K.
Hiergegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. Juli 2020 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, die Verfügung
vom 13. Juli 2020 sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf
sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen
Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer
Hinsicht beantragte er die Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie
der unentgeltlichen Prozessführung und den Verzicht auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses. Im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen sei
die Vorinstanz anzuweisen, bis zum Entscheid über das Rechtsmittel von
jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen (Akten des Bundesverwaltungs-
gerichts [BVGer-act.] 1).
L.
Am 21. Juli 2020 lagen die vorinstanzlichen Akten des Beschwerdeführers
in elektronischer Form vor und setzte der Instruktionsrichter den Vollzug
der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus (BVGer-act. 2).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
– in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen (Art. 5 VwVG) der Vorinstanz (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒
33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Das Verfahren richtet sich nach dem
VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes be-
stimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-
gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist
[Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG]) sind erfüllt. Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachfolgend aufzuzeigen ist, handelt es sich vorliegend um eine offensicht-
lich unbegründete Beschwerde, weshalb auf die Durchführung eines
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Schriftenwechsels verzichtet werden kann und der Beschwerdeentscheid
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz ist vorliegend grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vor-
instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017
VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet grundsätz-
lich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum
Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). Der nach dieser Ver-
ordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, einen Drittstaatsangehö-
rigen oder einen Staatenlosen, der seinen Antrag während der Antragsprü-
fung zurückgezogen und in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge-
stellt hat oder der sich ohne Aufenthaltstitel im Hoheitsgebiet eines ande-
ren Mitgliedstaats aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29
wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO).
3.3 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 30. März
2018 in Polen um Asyl ersucht hat (SEM-act. 7). Polen hat dem Gesuch
um Rückübernahme des Beschwerdeführers am 29. März 2020 gestützt
auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO ausdrücklich zugestimmt (SEM-
act. 19). Die grundsätzliche Zuständigkeit Polens ist somit gegeben. Der
Beschwerdeführer bestreitet diese denn auch nicht. Im persönlichen Ge-
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spräch vom 11. Juni 2020 bestätigte er vielmehr, die Grenze zu Polen über-
schritten zu haben, wobei ihm Fingerabdrücke abgenommen worden
seien. Er wisse aber nicht, wie der Stand seines Asylverfahrens in Polen
sei (SEM-act. 14). In seiner Rechtsmitteleingabe macht er jedoch geltend,
die Schweiz habe aufgrund der Beziehung zu seinen minderjährigen Kin-
dern das Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO auszu-
üben (BVGer-act. 1).
4.
4.1 Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob die Schweiz aufgrund der fa-
miliären Beziehungen des Beschwerdeführers zu seinen Kindern gemäss
Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der – das Selbsteintrittsrecht im
Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asyl-
verordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) das Selbstein-
trittsrecht auszuüben hat, wonach das SEM das Asylgesuch «aus humani-
tären Gründen» auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-
III-VO ein anderer Staat zuständig wäre.
4.2 Der Beschwerdeführer beruft sich hinsichtlich der Beziehung zu seinen
minderjährigen, in der Schweiz wohnhaften Kindern auf den gemäss Art. 8
EMRK garantierten Schutz des Familienlebens sowie auf das Übereinkom-
men über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Er habe die Beziehung
zu seinen Kindern seit seiner Ausreise aus der Schweiz im Jahr 2016 via
WhatsApp gelebt und den Kontakt zu ihnen auf diese Weise aufrechterhal-
ten. Eine erneute Trennung von ihrem Vater entspreche nicht dem vorran-
gig zu beachtenden Interesse des Kindeswohls. Er legt diesbezüglich In-
terviews respektive Artikel bei, wonach vaterlos aufwachsende Kinder Ein-
schränkungen in ihrer Identitäts- und Selbstentwicklung sowie ihrer Bin-
dungs-, Beziehungs- und Leistungsfähigkeit erfahren würden (BVGer-
act. 1 Beschwerdebeilage 8-11).
4.3 Zum gemäss Art. 8 EMRK geschützten Familienkreis gehört in erster
Linie die Kernfamilie, das heisst die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren
minderjährigen Kindern. Art. 8 EMRK ist berührt, wenn eine staatliche Ent-
fernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich ge-
lebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsbe-
rechtigten Person beeinträchtigt (BGE 144 II 1 E. 6.1; 135 I 143 E. 1.3.2).
4.4 Es wird vorliegend auf Ausführungen darüber, inwiefern die Kinder des
Beschwerdeführers über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen, ver-
zichtet, da ohnehin erhebliche Zweifel daran bestehen, dass er eine nahe,
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echte und tatsächlich gelebte Beziehung zu ihnen hat. Der Beschwerde-
führer hat sich im Jahr 2016 nach dem negativen Asylentscheid und einem
abgewiesenen Wiedererwägungsgesuch entschieden, die Schweiz alleine
zu verlassen und seine Ehefrau und die Kinder, die damals ebenfalls weg-
gewiesen worden waren, hier zurückzulassen. Seine damals noch mit ihm
verheiratete Ehefrau hat zwar Ende 2016 versucht, den Beschwerdeführer
in ein von ihr und den Kindern anhängig gemachtes Wiedererwägungsge-
such einzubeziehen (Urteil des BVGer E-2619/2017 vom 16. Mai 2017).
Eigene Anstrengungen für eine Wiedervereinigung mit seiner Familie oder
für einen Besuch seiner Kinder hat der Beschwerdeführer jedoch keine un-
ternommen. Die Intensität seiner Kontakte in die Schweiz war offenbar so
gering, dass der Beschwerdeführer bis zur Personalienaufnahme am
8. Juni 2020 nicht einmal von der im Juli 2019 erfolgten Ehescheidung
wusste (SEM-act. 14; 20). Er legt denn auch keinerlei Belege vor, die Kon-
takte mit seinen Kindern in der Zeitspanne zwischen seiner Ausreise im
August 2016 und seiner Wiedereinreise in die Schweiz im Frühling 2020
dokumentieren würden. Die der Beschwerde beigelegten WhatsApp-
Screenshots dokumentieren einzig gewisse, hauptsächlich durch Sprach-
nachrichten geführte Konversationen von Ende März 2020 und dann wie-
der ab Juni 2020 (BVGer-act. 1 Beschwerdebeilage 6). Die Erklärung, wo-
nach frühere Kontakte aufgrund eines Nummernwechsels und wegen Neu-
aufsetzungen des Mobiltelefons nicht mehr belegt werden könnten, ist als
blosse Schutzbehauptung zu werten. Doch selbst wenn der Beschwerde-
führer gewisse telefonische Kontakte auch in der übrigen Zeit nachgewie-
sen hätte, würden diese noch nichts über die Qualität und Intensität der
Beziehung aussagen. Jedenfalls kann den Akten nichts hinreichend Kon-
kretes betreffend die Intensität, Stabilität und Ernsthaftigkeit einer gelebten
Beziehung zu seinen Kindern, von denen er bei Aufnahme seiner Perso-
nalien nicht einmal die genauen Geburtsdaten nennen konnte, entnommen
werden.
4.5 Zusammengefasst kann trotz des Gesuchs im Sinne von Art. 9 Dublin-
III-VO nicht von einer stabilen, engen und seit der Ausreise des Beschwer-
deführers im Jahr 2016 tatsächlich gelebten Vater-Kind-Beziehung ausge-
gangen werden, die unter den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fiele. Auch
die KRK vermittelt keinen Anspruch auf den Verbleib des Beschwerdefüh-
rers in der Schweiz. Er kann die Beziehung zu seinen Kindern auch im
Ausland und mittels moderner Kommunikationsmittel wiederaufnehmen
und pflegen. Es bleibt ihm zudem unbenommen, sich um die Erfüllung der
entsprechenden Einreisevoraussetzungen für Besuchsaufenthalte in der
Schweiz zu bemühen. Die Vorinstanz hat die diesbezügliche Sach- und
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Rechtslage durch die Gewährung des rechtlichen Gehörs und Nachfor-
schungen betreffend der familiären Verhältnisse (Scheidung, fehlende Be-
mühungen um legale Einreisemöglichkeiten zwecks Besuchs) abgeklärt.
Insbesondere hat sie ausgeführt, aus welchen Gründen sie davon ausgeht,
dass keine intakte Vater-Kind-Beziehung vorliege. Es liegt daher keine Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs vor. Aus demselben Grund ist unter Abwei-
sung des entsprechenden Antrags auch keine Rückweisung der Sache zu
weiteren Abklärungen an die Vorinstanz angezeigt.
4.6 Betreffend das Vorliegen von «humanitären Gründen» verfügt das SEM
bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1
über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das Bundes-
verwaltungsgericht beschränkt seine Beurteilung darauf, ob das SEM den
Sachverhalt diesbezüglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentli-
chen Umständen Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum ge-
nutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Die angefochtene Verfü-
gung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind
den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über-
respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen.
4.7 Nach dem Gesagten besteht kein Anlass für die Anwendung der Er-
messensklausel und die Ausübung des Selbsteintrittsrechts gemäss
Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO.
5.
Im Übrigen gibt es keine Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und
die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Polen würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden. Seine unsubstantiierten Aussagen,
wonach die polnischen Behörden korrupt seien und sich nicht an das Ge-
setz halten würden, vermögen nichts an dieser Schlussfolgerung, die der
konstanten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts entspricht,
zu ändern. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die polni-
schen Behörden weigern würden, ihn wieder aufzunehmen und seinen An-
trag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie der Richtli-
nie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
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nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) zu prüfen. Grund zur Annahme, Polen werde im Fall des Be-
schwerdeführers den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn
zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine
Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in
dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen
zu werden, besteht ebenfalls nicht. Der Beschwerdeführer macht schliess-
lich auch keine gesundheitlichen Probleme geltend, die einer Überstellung
nach Polen entgegenstünden. Unter diesen Umständen ist die Anwendung
von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
6.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten und hat – weil der Beschwer-
deführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungs-
bewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach
Polen angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
7.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem
Urteil abgeschlossen, weshalb sich der Antrag auf Gewährung der auf-
schiebenden Wirkung als gegenstandslos erweist. Der am 21. Juli 2020
angeordnete Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden Urteil dahin.
9.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – von Anfang an als aussichtslos zu be-
urteilen waren. Die Verfahrenskosten sind demnach dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
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