Decision ID: 94760874-668d-54c9-8540-e9bc16e8a391
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 196
5, war seit dem
3.
November 2007
(bis zum 29. Februar 2012)
als Verkäuferin
bei
Firma Y._
angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Mobiliar) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert,
als sie am
3.
Februar 2012
mit ihrem Fiat
Punto
wegen einer Fussgängerin vor
einem
Zebrastreifen
abrupt
abbremsen musste und das nachfolgende Fahrze
ug des Modells Ford
Scorpio
, das ebenfalls
eine
Vollb
remsung
eingeleitet hatte,
auf das Heck ihres Autos auffuhr (
Schadenmeldung UVG vom 2
9.
Februar 2012,
Urk.
10/3
, vgl.
auch
Urk.
10/
8-
15
und
Urk.
10/
16-
46
). Die
Versicherte begab sich gleichentags in Behandlung
bei
Dr.
med.
Z._
, FMH Allgemein
e M
edizin, der im Dokumentationsbogen für Erstkonsultationen nach
kranio
-zer
vikalem Beschleunigungstrauma vom 3
1.
März 2012 ein Schleudertrauma der HWS Quebec Task Force (QTF) II diagnostizierte (
Urk.
10/
49-
50).
Die Mobiliar trat auf den Schaden ein und erbrachte Heilbehandlungs- und
Taggeldleistun
gen
.
Am
1.
November 2012
stellte
Prof.
Dr.
med.
A._
von der
Klinik B._
Ruptur
en
der
Supraspinatus
- und
Subscapularissehnen
links fest (
Urk.
10/
158-
159
),
woraufhin er
am
7.
Dezember 2012 eine
Schulterarthrosko
pie
und Rekonstruktion der
geris
senen Sehnen
vornahm
(Urk.
10/
228-
229
).
Am 1
0.
Juli 2013 erstattete das
Zentrum C._
im
Auftrag der Mobiliar
ein po
lydisziplinäres Gutachten (Urk.
10/
259-
354). Mit Verfügung vom 3
0.
Oktober 2013
hielt
die Mobiliar
fest, dass
sämtliche UVG-Leistungen mangels eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den von der
Versi
cherten
geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis vom
3.
Feb
ruar 2012
per 3
1.
Juli 2013
ein
gestellt bleiben würden
. Weiter hielt sie
fest, dass die Kos
ten für die Operation de
r linken Schulter respektive
den
Spital
aufenthalt vom
7.
bis 8.
Dezember 2012 aus dem gleichen Grund ebenfal
ls nicht versichert seien (Urk.
10/
372-
376). Die dagegen von der Versicherten am
2.
Dezember 2013 erhobene Einsprache (
Urk.
10/
390-
392) wies die Mobiliar mit Entscheid vom
6.
Februar 2014 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Entscheid
erhob die Versicherte am 1
0.
März 2014 Beschwerde mit folgendem Rech
tsbegehren (
Urk.
1
):
„
1.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin bezüglich der
Schulterverletzung (
Rotatorenmanschettenruptur
) weiterhin die gesetzlich
geschuldeten Leistungen zu erbringen.
2.
Eventualiter sei das vorliegende Verfahren zu sistieren, bis das von der
Beschwerdeführerin in Auftrag gegebene Zusatzgutacht
en bei Herrn PD Dr.
D._
,
Spital E._
, vorliegt. Nach Vorliegen des
Gutachtens sei der Beschwerdeführerin erneut eine Frist zur Ergänzung der
Beschwerde anzusetzen.
3.
Alles und Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Beschwerdegegnerin.“
Mit Beschwerdeantwort vom
2.
April 2014 be
antragte die Beschwerdegegnerin in materieller Hinsicht die Abweisung der Beschwerde und in prozessualer Hin
sicht die Abweisung des Begehrens um Sistierung des Verfahrens
(
Urk.
9
). Mit
Eingabe vom
3.
Juni 2014 (Urk.
12) reichte die Beschwerd
eführerin das Akten
gutachten
PD Dr.
D._
s
vom
Spital E._
vom 2
1.
Mai 2014 (
Urk.
13) ein. Dazu
liess
sich die Beschwerdegegnerin am 2
5.
Juni 2014 vernehmen
(
Urk.
17
). Die
Beschwerdeführerin
nahm am 2
1.
Oktober 2014 Stellung
und stellte
den neuen Eventualantrag, es sei ein schulterchirurgische
s
Gutachten einzuholen
(
Urk.
25). Diese Stellungnahme wurde der Beschwerdegegnerin am 2
4.
Oktober 2014 zur
Kenntnis gebracht
(
Urk.
26).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden die Versicherungsleistungen - soweit dieses Gesetz nichts anderes bestimmt - bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit einge
treten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass
auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 2
6.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die ent
sprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Per
son, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massgebend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 1
1.
März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
status
quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
status
quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf
Art.
36
Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die
Heilbehandlungs
kosten
nach
Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 1
1.
März 2014 E. 2.3.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist die Fra
ge der Unfallkausalität der
Schulterbeschwer
den
links.
2
.2
Dem Rapport der Stadtpolizei Zürich vom
2
2.
Februar 2012 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nach dem Unfallereignis vom
3.
Februar 2012 über leichte Schmerzen im Nackenbereich sowie ein leichtes Schwindelgefühl geklagt habe (
Urk.
10/9).
2
.3
Dr.
Z._
diagnostizierte
im Dokumentationsbogen für Erstkonsultationen nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma vom 3
1.
März 2012 ein Schleudertrauma der HWS Quebec
Task Force (QTF) II (
Urk.
10/49
). Im
Arzt
zeugnis
UVG vom
1.
April 2012
hielt
Dr.
Z._
fest, dass gemäss den Angaben
der
Beschwerdeführerin
nach dem Unfall
keine Amnesie, kein Kopfanprall vorne, kurz etwas Schwindel und
starke
Nackenschmerze
n bestanden hätten (
Urk.
10/4
).
2.4
Die Ärzte der Abteilung Wirbelsäule
n
chirurgie der
Klinik B._
diagnosti
zierten im Bericht vom
1
1.
Juli
2012 (1)
eine
Zervikobrachialgie
links post
traumatisch n
ach Autounfall im Februar 2012 und
(2) degenerative HWS-Ver
änderungen mit
laterodorsalen
Diskusprotrusionen
von C3 bis C7 mit
forami
nal
en
Engen C5/6 und C6/7 links sowie
C3/4 und C6/7 rechts ohne
Nerven
kompression
. Sie gaben an, dass die Beschwerdeführerin
von
Schmerzexazer
bationen
in der Schulter links mit
Ausstrahlung in den Arm seit d
em im Feb
ruar 2012
erlittenen Autounfall berichtet habe.
Die Schulterkonturen, die pas
sive und die aktive Mobilisation der Schultern seien symmetrisch (
Urk.
10/92).
2.5
Im Bericht vom 2
8.
August 2012 erklärten die Ärzte der Abteilung
Wirbelsäulen
chirurgie
der
Klinik B._
, dass die Beschwerdeführerin
wei
terhin über Schmerz
en
im Nacken mit Ausstrahlung in die linke Schulter klage. Die Schmerzen würden sowohl nachts wie auch tagsüber auftreten. Die Beweg
lichkeit der linken Schulter sei nicht eingeschränkt (
Urk.
10/121).
2.
6
Prof.
Dr.
med.
A._
, Teamleiter Schulter-Ellbogen der
Klinik B._
, diagnostizier
t
e im Ber
icht vom
1.
November 2012
einen
Status nach traumatischer
Supraspinatussehnenruptur
,
transmural
mittleres Drittel mit
Subscapularis
-Oberrandläsion und
Bizepsreizung
, zusätzlich AC-Gelenksreizung bei Status nach Exazerbation einer bekannten
Zervikobrachialgie
links nach Autounfall im Fe
bruar 201
2.
Prof.
A._
führte aus
, dass die Schmerzsituation der Beschwerdeführerin bei noch sehr schöner Muskelqualität und gerissener
Supraspinatus
- und partiell
gerissener
Subscapularissehne
gut nachvollziehbar sei. Die Situation passe gut zum U
nfallereignis vom
Februar 2012 (
Urk.
10/158-159).
2.
7
Im Operationsbericht vom 1
7.
Dezember 2012
gab
Prof.
A._
an
, dass er am
7.
Dezember 2012 eine Schulterart
h
roskopie,
Rotato
renmanschetten
-R
ekon
struktion,
Bizepsstenodese
(2 Anker, partielle DAT-Technik) und
AC-Gelenks
resektion
, sanfte
Acromio
plastik
links durchgeführt habe
(
Urk.
10/228-229).
2.
8
In der Stellungnahm
e vom 2
4.
Deze
mber 2012 legte Prof.
A._
dar
, dass die Rupturen von Supra- und
Subscapularissehnen
überwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom
3.
Februar 2012 zurückzuführen seien. Intraoperativ hätten sich gute Knochenverhältnisse, wenig Narben und MR-radiologisch gute Muskelverhältnisse gezeigt. Diese Faktoren seien ein starkes Indiz für traumatische Rupturen. Bei degenerativen Sehnenrupturen würde man andere Befunde erwarten (
Urk.
10/234).
2.
9
Die Ärzte des
Zentrums C._
führten
in ihrem Gutachten vom 1
0.
Juli 2013
aus
, dass
auf
grund des Unfallereignisses vom
3.
Februar 2012
bezüglich
HWS eine nicht richtunggebende, vorübergehende
Verschlimmerung bestanden habe. Der
Status quo sine (Vorzustand)
sei aber
im Zeitpun
kt der Begutachtung erreicht.
Die Schulter-Problematik links
sei
aufgrund des Unfallherganges
, des chronologi
schen Verlaufs
und der gänzlich fehlenden Angabe von
Schultergelenksbe
schwerden
in den initialen Berichten und im
Rapport der Stadtpolizei Zürich vom 2
2.
Februar 2012
mit entsprechend fehlender Brückensymptomatik über
wiegend wahrscheinlich unfallfremd oder höchstens möglicherweise
unfall
kausal
(
Urk.
10/281
).
2.1
0
Dr.
D._
, Teamleiter Schulter, Ellbogen, Sport
von der Abteilung Orthopä
dische Chirurgie und Traumatologie des
Spital E._
s erklärte in seinem Aktengutachten vom 2
1.
Mai 2014
, es bestehe
hinsichtlich Hergang
,
unfallähn
liches
Ereignis, Sinnfälligkeit, Listendiagnose,
Vorgeschichte, Unfal
lanalyse und primärer
Bildgebung eine überwiegende Wahrscheinlichkeit, dass die
Supraspi
natus
- und
Subsc
apularis
sehnenrupturen
der Beschwerdeführerin auf das Unfallereignis vom
3.
Februar 2012 zurückzuführen seien (
Urk.
13
S.
6).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtene
n Verfügung vom 30.
Oktober 2013
(
Urk.
10/
372-
376
, und
im angefochtenen
Einsprachen
ent
scheid
vom
6.
Februar 2014
,
Urk.
2
)
,
in der sie festhielt, dass
sämtliche
UVG-Leistun
gen per 3
1.
Juli 2013 eingestellt bleiben würden
und
mit der sie
die Unfallkausalität der von der Beschwerdeführerin geklagten
Schulterbe
-
schwer
den
links verneinte,
in
medizinischer Hinsicht auf das poly
disziplinäre Gutach
ten des
Zentrums C._
vom 1
0.
Juli 2013 (
Urk.
10/
259-
354).
3.2
Betreffend HWS-Problematik kamen die
Ärzte des
Zentrums C._
in ihrem
Gutachten
zusammengefasst
zum Schluss
, dass
der Status quo sine (Vorzustand)
im Zeit
punkt der Begutachtung erreicht sei (
Urk.
10/284-285). Diese Beurteilung ist unumstritten
(vgl.
Urk.
1 S.
4
)
und
entspricht der Aktenlage
, weshalb darauf abgestellt werden kann.
3.3
3.3.1
Hinsichtlich der Schulterbeschwerden links legten die Ärzte des
Zentrums C._
in ihrer
Expertise
im Wesentlichen
dar,
aus
dem unfallanalytischen Gu
tachten der AXA Winterthur vom 1
2.
März 2012
gehe
hervor
, dass der Fiat
Punto
der Beschwer
deführerin durch den Ford
Scorpio
aufgrund der Aufprallgeschwindigkeit, der Fahrzeugmassen und der entstandenen Deformationen
um einen
Geschwindig
keitsbetrag
im Bereich von 10
km/h
(
Delta-v von
9,5
bis 13,5 km/h)
beschleu
nigt worden sei. Bei der Kollision mit dem Ford
Scorpio
habe auf den Fiat
Punto
eine
mittlere Beschleunigung von 1,8 und 3,5 g
gewirkt. Dies sei ver
gleichbar mit dem 2- bis 4-fachen Wert, der bei einer
Vollbremsung (bei einer langsamen
Rückwärtsfahrt) erzielt werde. Das Unfallereignis vom
3.
Februar 2012 sei somit
von moderaten Kräften,
die
an der Grenze zwischen dem kriti
schen und dem unkritischen Bereich
liegen würden
, begleitet gewesen
. Im Weiteren sei die Krafteinwirkung
im Bereich des mittl
eren Hecks erfolgt
,
und es sei
zu einer mehr oder weniger geraden, vorwärts gerichteten zusätzlichen Bewegung des Personenwagens gekommen.
Entsprechend sei nicht vorstellbar, dass
durch einen Anprall bei angegurtetem Zustand eine erhebliche
Kraftein
wirkung
auf die Schultergelenksregion an der linken
Fahrerseite ausgelöst wor
den sei
.
Eine tra
umatische
Rotatorenmanschetten
-R
uptur bedinge jedoch eine erhebliche Krafteinwirkung.
Die
Beschwerdeführerin
habe
auch
bewusst keinen Anprall der linken Schulter am Türrahmen oder Fenster wahrgenommen
,
und sie habe
–
gemäss
dem
Rapport der Stadtpolizei Zürich vom 2
2.
Februar 2012 und dem Dokumentationsbogen für Erstkonsultationen nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma von
Dr.
Z._
vom 3
1.
März 2012 -
nach dem
Unfall
e
reignis
auch
nicht über Schulterbeschwerden geklagt.
Sie habe ihre Beschwer
den unmittelbar nach und während der ersten Monate seit dem Ereignis im Bereich parazervikal
und in der
medialen Schulter
gürtelregion
lokalisiert, das heisse fern vom Schultergelenk links.
Nach einer direkten kontusionsbedingten
Rotato
renmanschetten
-L
äsion würden
sich
die Schultergelenks-Symptome
allerdings
nicht
erst
verzögert nach Monaten
entwickeln.
Da aufgrund der obi
gen Ausführungen eine traumatisch bedingte
Rotatorenmanschetten
-Ruptur nicht begründbar sei, seien b
ezüglich
des Schultergelenks
Vorzustände
über
wiegend wahrscheinlich
.
Rotatorenmanschetten
-Läsionen könnten über längere Zeit asymptomatisch sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann Beschwer
den auftreten würden, sei relativ gross.
Es sei möglich, dass durch das
Unfaller
eignis
Beschwerden ausgelöst worden seien. Eine derartige Verschlimmerung wäre aber nicht richtunggebend, vorübergehend und bis
zum operativen Ein
griff vom 7.
Dezem
ber 2012 abgeschlossen gewesen. Das heisse, dass der Status quo ante spätestens vor der Operation erreicht gewesen sei.
Die Ärzte des
Zentrums C._
kamen daher zum Schluss, dass
die Schulter-Problematik links
aufgrund des Unfallherganges
, des chronologischen Verlaufs
und
der gänzlich fehlenden Angabe von Schultergelenksbeschwerden in den initialen Berichten und im Polizeirapport mit entsprechend fehlender Brückensymptomatik überwiegend wahrscheinlich unfallfremd oder höchstens möglicherweise unfallkausal sei
(
Urk.
10/277-285
und
Urk.
10/334
).
3.3.2
Diese Beurteilung der Ärzte des
Zentrums C._
, die sie in Kenntnis und Auseinanderset
zung mit den
Vor
akten
abgaben, ist überzeugend.
Wie die Ärzte des
Zentrums C._
dar
legten, klagte die Beschwerdeführerin nach dem Unfallereignis vom
3.
Februar 2012 zunächst nicht über Schulterbeschwerden links. Erst im Bericht
der
Klinik B._
vom 1
1.
Juli 2012
-
mehr als fünf Monate
nach dem
Unfaller
eignis
vom
3.
Februar
2012 -
w
urden
von ärztlicher Seite erstmals
Schulterbe
schwerden
links
erwähnt
(vgl. E.
2.
4
). Im Rahmen der Untersuchung
vom 2
1.
August
2012 stellten die Ärzte der Abteilung Wirbelsäulenchiru
r
gie der
Klinik B._
sodann fest, dass
die Beweglichkeit der
linken Schulter nicht eingeschränkt sei
(vgl.
Bericht vom 2
8.
August 2012,
E.
2.
5
). Wie die Ärzte des
Zentrums C._
– in Übereinstimmung mit der einschlägigen Fachliteratur -
angaben
,
entwickeln sich
Schultergelenks-Symptome nach
einer
traumatischen
Rotato
renmanschetten-Läsion
indes
nicht erst verzögert nach Monaten
.
T
raumatische
Ruptur
en
,
die
im Übrigen
im Vergleich zu den
degenerativ bedingten
Rupturen
gerade bei älteren Menschen
weitaus seltener sind, haben
in der Regel
unmit
telbar starke
Beschwerden und Beeinträchtigungen der Beweglichkeit zur Folge
(vgl.
Niethard
/
Pfeil, Orthopädie,
2.
Auflage, Stuttgart 1992
, S. 369;
Pschyrem
bel, Klinisches Wörterbuch, 25
9.
Auflage, Berlin/New York, S. 1466;
https://de.wikipedia.org/wiki/
Rotatorenmanschettenruptur
).
3.3.3
Die Einschätzungen von Prof.
A._
von der
Klinik B._
(vgl. E. 2.8)
und von D
r.
D._
vom
Spital E._
(vgl. E. 2.10)
vermögen die Beurteilung des
Zentrums C._
nicht in Zweifel zu ziehen.
Prof.
A._
drückte sich
in
der Stellungnahme
vom 24.
Dezember 2012
vorsich
tig aus und erklärte im Wesentlichen lediglich, dass die intraoperativ festgestellte
n guten Knochenverhältnisse,
wenigen Narben
und
guten
Muskel
verhältnisse
ein starkes Indiz für traumatische Rupturen seien.
Insbesondere mit dem klinischen Verla
uf
und dem Unfallmechanismus hat
sich Prof.
A._
aller
dings
nicht auseinandergesetzt.
Dr.
D._
räumte
in seinem Aktengutachten vom
2
1.
Mai 2014
ein,
d
ass
grosse
traumatische Rupturen oftmals mit einer Unfähigkeit
,
den Arm zu heben
,
sowie einer schlechteren passiven Beweglichkei
t einhergehen würden und dass in der von
Dr.
Z._
durchgeführten Primärdiagnostik
-
soweit beurteilbar
-
keine klinischen Anhaltspunkte auf eine traumatische Ruptur vor
-
gelegen hätten
(
Urk.
13
S.
5).
Dass beim Unfallereignis vom
3.
Februar 2012 eine
passive
Dezeleration
des Oberarmkopfes gegenüber d
er Pfanne nach kaudal, ventral-
medial mit passiver Überdehnung nach
ventromedial
erfolgt
sei
–
so schilderte
Dr.
D._
den Unfallhergang
(
Urk.
13
S.
4)
– ist
sodann
eine
Mutmas
sung
, die in den vorliege
nden Akten keine Stütze findet.
Im Weiteren sagt d
er Umstand, dass
sich im
Arthro
-MRI
der
Klinik B._
vom 31.
Oktober 2012 weder eine Atrophie noch eine Verfettung der
Rotatorenmanschette
zeigte (
Urk.
13
S.
5
),
nichts über die Ursache der Sehnenschädigung aus, sondern ein
zig über das Alter des Defekts (vgl. dazu Urteil des Sozialversicherungsgerichts UV.20
13.0017
6 vom 1
4.
Oktober 2014 E.
3.9
).
3.3.4
Wie
Dr.
med.
F._
von der Beschwerdegegnerin in seiner Stellung
nahme vom 1
1.
Dezember 2013
zutreffend
erklärte (
Urk.
10/393),
ist
C._
-Gut
achter
med.
G._
im Übrigen
als Facharzt für Rheumatologie
FMH
Spezialist für
muskulo-
skelettale
Erkrankungen
– und damit
für die
vorliegend
zu beurteilende Frage, ob unfall- oder krankheitsbedingte Schäden
der Schulter links
gegeben sind,
sehr wohl kompetent (vgl.
Urk.
1 S. 8).
3.3.5
Mit den Ärzten des
Zentrums C._
ist daher davon auszugehen, dass die
Schulterbeschwer
den
links
höchstens möglicherweise, nicht aber überwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom
3.
Februar 2012 zurückzuführen sind. Das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs
zwischen dem Unfallereignis vom
3.
Februar 2012 und den Schulterbeschwerden
links
ist demzufolge
zu verneinen.
Vom
Beizug
der intraoperativen Bildgebung vom
7.
Dezember 2012 (zwei CDs
, vgl.
Urk.
25 S. 3
) oder
v
on weiteren medizinischen Abklärungen sind keine zusätzlichen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist
(BGE 124 V 90 E. 4b).
3.4
Die Beschwerde erweist sich
demnach
als unbegründet, was zu deren Abwei
sung fü
hrt.