Decision ID: cc87c9d2-07ac-44a8-b614-6f6227865ebe
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Politische Gemeinde Y._ ist Eigentümerin der Parzelle Nr. 1_, Grundbuch X._,
und die Ortsgemeinde X._ Eigentümerin der Parzelle Nr. 2_. Laut dem
Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) liegen diese Grundstücke
im Z._gebiet, Teilraum 0_: _ (BLN 1612, vgl. Anhang 1 der Verordnung über das
Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler; SR 451.11, VBLN). Gemäss
dem kantonalen Richtplan und der kommunalen Schutzverordnung der Politischen
Gemeinde X._ sind sie dem Landschaftsschutzgebiet Q._ (L 0_) zugeordnet. Zudem
sind sie im kantonalen Richtplan als siedlungsgliedernde Freiräume festgesetzt und
befinden sich in einem Wildtierkorridor von nationaler Bedeutung (SG 1._, M._ [0_],
Koordinationsblatt V33, Wanderungskorridore). Nach dem Zonenplan der Politischen
Gemeinde X._ sind sie der Landwirtschaftszone zugewiesen, soweit sie nicht Wald
sind (act. 9/5/4, www.geoportal.ch, www.sg.ch, https://map.geo.admin.ch).
https://map.geo.admin.ch
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B. Am 29. September 2017 reichte die Politische Gemeinde X._ ein Baugesuch für
eine Aussichtsplattform auf dem Blattenberg im Grenzbereich der Parzellen Nrn. 1_
und 2_ ein. Am 11. Oktober 2017 (zugestellt am 12. Oktober 2017) teilte die
Bauverwaltung X._ dem WWF St.Gallen, Sektion des WWF Schweiz (fortan:
WWF St. Gallen), einem Verein gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB), das Gesuch schriftlich mit. Nach der öffentlichen
Auflage vom 19. Oktober 2017 bis 2. November 2017 erhob die Stiftung WWF Schweiz,
Zürich, vertreten durch den WWF St. Gallen, am 30. November 2017 Einsprache. Mit
Entscheid vom 2. Juli 2018 trat der Gemeinderat X._ auf die Einsprache nicht ein und
bewilligte das Bauvorhaben mit Zustimmung des Amtes für Raumentwicklung und
Geoinformation (AREG) vom 2. Mai 2018 sowie des Kantonsforstamtes vom
17. April 2018 (Beilage 3 zu act. 9/3, act. 9/5/1-8 und 10-12, www.zefix.ch,
wwwfost.ch). Dagegen rekurrierte der WWF St. Gallen im Namen der
Stiftung WWF Schweiz am 16. August 2018 an das Baudepartement. Mit Entscheid
vom 23. November 2018 wies das Departement den Rekurs ab (act. 2, act. 9/1).
C. Gegen den Entscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 23. November 2018
(versandt am 26. November 2018) erhob der WWF St. Gallen am 11. Dezember 2018
Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1). Am 7. Januar 2019 ergänzte er seine
Beschwerde im Namen der Stiftung WWF Schweiz (Beschwerdeführerin) durch seine
und deren Rechtsvertreterin mit einer Begründung und dem Rechtsbegehren, es sei
der angefochtene Entscheid unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und
die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz, eventualiter an die
Erstinstanz, zurückzuweisen (act. 5). Mit Vernehmlassung vom 14. Januar 2019 schloss
die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 8). Am 24. Januar 2019 nahm die
Politische Gemeinde X._ (Beschwerdegegnerin) Stellung und beantragte, es sei die
Beschwerde abzuweisen (act. 11).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als
Adressatin des angefochtenen Entscheids, mit welchem der Nichteintretensentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 2. Juli 2018 bestätigt wurde, ist die Beschwerdeführerin
ohne Weiteres zur Erhebung des Rechtsmittels befugt (vgl. Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP, vgl. dazu BGer 1C_301/2016; 1C_303/2016 vom 4. Januar 2017
E. 1.1 und H. Aemisegger, Praxiskommentar zum Rechtsschutz in der Raumplanung,
Zürich 2010, Art. 34 N 89 f., siehe auch VerwGE B 2016/2 vom 20. Januar 2017 E. 1.2.1
mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Die Beschwerdeeingabe vom 11. Dezember 2018
(act. 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom
7. Januar 2019 (act. 7) formell und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Soweit die Beschwerdeführerin zunächst eine Verletzung der Begründungspflicht
rügt (act. 5, S. 6 lit. B/3), stossen ihre Vorbringen ins Leere. Die Begründung des
angefochtenen Entscheids (vgl. act. 2, S. 4-7, E. 2 f.) war so abgefasst, dass sich die
Beschwerdeführerin über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in
voller Kenntnis der Sache an das Verwaltungsgericht weiterziehen konnte. Damit
genügt sie den Anforderungen und verletzte den Anspruch auf rechtliches Gehör der
Beschwerdeführerin auch sonst nicht (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft; SR 101, BV, Art. 4 lit. c der Verfassung des
Kantons St. Gallen; SR 131.225, sGS 111.1, KV, und Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten; SR 0.101, EMRK,
Art. 58 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP sowie BGE 143 III 64 E. 5.2 mit
Hinweisen).
3. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz weiter vor (act. 5, S. 5 f. lit. B/1 f.), sie
habe ein rechtserhebliches Sachverhaltselement unrichtig festgestellt.
3.1. Die Rekursinstanz ermittelt den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes
wegen, wobei vorbehältlich der Wahrung des öffentlichen Interesses nur die von den
Beteiligten angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche
Tatsachen aufzunehmen sind (Art. 58 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 12 VRP).
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Unrichtig ist ein Sachverhalt festgestellt, wenn aus den vorhandenen Beweismaterialien
unrichtige Schlüsse gezogen werden, insbesondere indem der Sachverhalt falsch oder
aktenwidrig festgestellt wird oder indem Beweise unrichtig gewürdigt werden (vgl.
VerwGE B 2017/260 vom 13. Juli 2018 E. 2.2 mit Hinweis auf Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 587,
www.gerichte.sg.ch).
3.2. Die Beschwerdeführerin hat im vorinstanzlichen Rekursverfahren eine Kopie der ihr
am 12. Oktober 2017 zugestellten Bauanzeige eingereicht (Beilage 3 zu act. 9/3).
Anhaltspunkte dafür, dass dieses Dokument gefälscht sein könnte, bestehen nicht.
Auch wird dies weder von der Vorinstanz noch der Beschwerdegegnerin behauptet.
Entgegen anderslautender Darstellung in Erwägung 2.2.1 des angefochtenen
Entscheids (act. 2, S. 5 f.) lässt sich nun aber aus dieser Kopie zweifelfrei entnehmen,
dass der zugestellten Bauanzeige kein Orthofoto beilag (anders: Bauanzeige Internet
gemäss Art. 139 Abs. 1 Ingress und lit. a PBG, act. 9/5/11). Auf der Rückseite der
Bauanzeige ist einzig ein allgemein gehaltener Situationsplan abgedruckt, auf welchem
– gemäss den zutreffenden Ausführungen der Beschwerdeführerin – lediglich der
südöstliche Teil des Siedlungsgebietes von X._, die Grundstücksgrenzen und die
Verkehrswege sowie in der Mitte rot umrandet der Standort der geplanten
Aussichtsplattform verzeichnet sind. Demgemäss hat die Vorinstanz den Sachverhalt in
dieser Hinsicht offensichtlich unrichtig festgestellt und damit Recht verletzt. Bereits aus
diesem Grund ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Entscheid
aufzuheben. Von einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP) einzig aus dem skizzierten Grund ist allerdings aus
prozessökonomischen Überlegungen abzusehen, da die Beschwerde auch aus einem
weiteren Grund gutzuheissen ist (vgl. E. 4 hiernach). Nachfolgend ist dem vorliegenden
Entscheid die zutreffende Darstellung des von der Beschwerdeführerin angeführten
Sachverhalts zugrunde zu legen.
4. Nicht umstritten ist, dass der Baubewilligungs- und Einspracheentscheid vom
2. Juli 2018 dem Verbandsbeschwerderecht im Bereich des Natur- und
Heimatschutzes unterliegt (vgl. Art. 12 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über den
Natur- und Heimatschutz; SR 451, NHG). Ebenso ist unstreitig, dass die
Beschwerdeführerin ihre Einsprache im erstinstanzliche Verfahren erst nach Ablauf der
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(vorliegend aufgrund des Fristablaufs an einem Feiertag [1. November]) 15-tägigen
Auflagefrist gemäss Art. 139 Abs. 3 Ingress Satz 1, Art. 153 Abs. 1 und Art. 152 des
Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1, PBG) in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 VRP
und Art. 142 Abs. 1 und 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung,
Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO, siehe auch Art. 5 des Europäischen
Übereinkommens über die Berechnung von Fristen; SR 0.221.122.3, EuFrüb) sowie
Art. 2 lit. b des Gesetzes über Ruhetag und Ladenöffnung (sGS 552.1, RLG) und damit
verspätet eingereicht hat (Verwirkungsfrist, vgl. dazu Art. 30 VRP). Zu untersuchen
bleibt, ob die Beschwerdegegnerin aus Gründen des Vertrauensschutzes verpflichtet
gewesen wäre, auf die Einsprache der Beschwerdeführerin einzutreten.
4.1. Die Vorinstanz verneinte dies in Erwägung 2 f. des angefochtenen Entscheids
(act. 2, S. 4-7): Die der Beschwerdeführerin am 11. Oktober 2017 zugestellte
Bauanzeige habe in hinreichendem Mass Aufschluss über Zweck, Art, Ort, und
Zonenzugehörigkeit des Bauvorhabens gegeben. Einzig das konkrete Ausmass der
Aussichtsplattform, deren vorgesehene Erschliessung und die betroffenen
Schutzgebiete seien aus der Bauanzeige nicht ersichtlich gewesen. Darüber hinaus
hätte die Beschwerdeführerin die Planunterlagen und das Baugesuchsformular ohne
Weiteres von der Beschwerdegegnerin einverlangen können. Auch wäre es ihr in
Anbetracht der heute zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmittel ein Einfaches
gewesen, aus den ihr in der Bauanzeige zur Verfügung gestellten
Grundstücksnummern und der Bezeichnung der genauen Lage der Aussichtsplattform
im Situationsplan innert weniger Augenblicke im Geoportal die vom Vorhaben
betroffenen Schutzgegenstände ausfindig zu machen. Die Beschwerdeführerin habe ab
Erhalt der Bauanzeige am 12. Oktober 2017 bis zum Ende der Auflagefrist rund drei
Wochen Zeit gehabt, die Zustellung ergänzender Planunterlagen zu verlangen. Dass sie
dies unterliess und die Einsprachefrist ungenutzt verstreichen liess, sei von ihr selbst zu
vertreten.
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt (act. 5, S. 6-10
lit. B/4-6), in der Bauanzeige vom 11. Oktober 2017 fehlten insbesondere Angaben zu
den betroffenen bundesrechtlichen Schutzgegenständen. Zudem sei nicht ohne
weitere Abklärungen daraus ersichtlich gewesen, dass das Vorhaben im Wald liege. Die
Tragweite des Bauvorhabens sei in der Bauanzeige weder in baulicher noch in
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rechtlicher Hinsicht erkennbar gewesen. Im Übrigen habe sie unverzüglich Einsprache
erhoben, nachdem sie Ende November 2017 von Dritten davon Kenntnis erhalten hatte,
dass das Bauvorhaben im Bereich eines Wildtierkorridors von nationaler Bedeutung
liege. Sie habe sich nach Treu und Glauben verhalten.
4.2. Nach Art. 12b NHG müssen Verfügungen und Gesuche den
beschwerdeberechtigten Organisationen durch schriftliche Mitteilung oder durch
Veröffentlichung im Bundesblatt oder im kantonalen Publikationsorgan zur Kenntnis
gebracht werden. Sinn und Zweck von Art. 12b NHG ist die effektive Gewährleistung
des Verbandsbeschwerderechts. Die Veröffentlichung muss so gefasst sein, dass sich
die zum Rechtsmittel berechtigten Organisationen ein Bild von der Art und Tragweite
des geplanten Vorhabens machen können (vgl. VerwGE B 2016/127 vom 23. Mai 2018
E. 3.4.3 und VerwGE B 2015/131 vom 30. Mai 2017 E. 2.1 je mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch). Zweck von Art. 12b NHG ist es, den beschwerdeberechtigten
Verbänden die Triage unter zahlreichen Baugesuchen zu ermöglichen, ohne zuvor die
Veröffentlichungen und Unterlagen in den Gemeinden einsehen zu müssen. Dies gilt
erst recht mit Blick auf die (zu) kurze (14-tägige) Auflagefrist im Kanton St. Gallen (vgl.
BGer 1C_301/2016; 1C_303/2016 vom 4. Januar 2017 E. 3.5.3, in: URP 2017,
S. 400 ff., S. 404 f., sowie zur Auflagefrist Art. 12b Abs. 1 Satz 2 NHG und Art. 139
Abs. 3 Ingress und lit. b des Planungs- und Baugesetzes; sGS 731.1, PBG). Inhaltlich
sind mindestens Art, Zweck, und Umfang des Projekts, dessen genauer Ort und
raumplanerische Einordnung sowie betroffene bundes- oder kantonalrechtliche
geschützte Gebiete zu nennen (vgl. P. M. Keller, in: derselbe/Zufferey/
Fahrländer [Hrsg.], Kommentar NHG, 2. Aufl. 2019, Art. 12b Rz. 5).
In der Bauanzeige vom 11. Oktober 2017 (Beilage 3 zu act. 9/3) finden sich keinerlei
Hinweise auf die raumplanerische Einordnung (Wald) und die betroffenen bundes- und
kantonalrechtlich geschützten Gebiete (BLN, Landschaftsschutzgebiet,
Wildtierkorridor, siedlungsgliedernde Freiräume). Die zugestellte Anzeige genügte damit
offensichtlich nicht, um das Einspracherecht sinnvoll wahrzunehmen zu können: Vom
Verbandsbeschwerderecht soll nicht systematisch gegen alle Ausnahmebewilligungen
ausserhalb der Bauzone Gebrauch gemacht werden (müssen), da es der Anfechtung
von Vorhaben dient, die aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes problematisch
und rechtlich fragwürdig erscheinen. Die Beschwerdeführerin wurde daher gehindert,
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sich ordnungsgemäss am erstinstanzlichen Einspracheverfahren vor der
Beschwerdegegnerin zu beteiligen.
4.3. Es entspricht einem allgemeinen, aus dem Grundsatz von Treu und Glauben und
dem Vertrauensschutz (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV) abgeleiteten Rechtsgrundsatz, dass
den Parteien aus einer mangelhaften Eröffnung kein Nachteil erwachsen darf (vgl. Art. 1
Abs. 3 Satz 1 in Verbindung mit Art. 38 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfahren, Verwaltungsverfahrensgesetz; SR 172.021, VwVG, sowie
Kneubühler/Pedretti, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz
über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, Art. 38 Rz. 1 ff.). Allerdings wird von der
betroffenen Person verlangt, dass sie ihrerseits nach Treu und Glauben handelt: Sie
darf nicht einfach zuwarten, sondern muss verfahrensrechtliche Einwendungen so früh
wie möglich, das heisst nach Kenntnisnahme eines Mangels bei erster Gelegenheit,
vorbringen. Dies gilt auch bei mangelhafter Publikation oder Anzeige gemäss
Art. 12b NHG (vgl. BGer 1C_301/2016; 1C_303/2016 vom 4. Januar 2017 E. 3.5.2,
a.a.O., mit Hinweis auf BGer 1C_630/2014 vom 18. September 2015 E. 3.1 mit
Hinweisen, in: URP 2016 S. 25 ff., S. 33).
Nicht umstritten ist vorweg, dass der festgestellte formelle Mangel in der Anzeige nicht
zur Nichtigkeit des Baubewilligungs- und Einspracheentscheides der
Beschwerdegegnerin vom 2. Juli 2018 führte (vgl. dazu VerwGE B 2016/93 vom
14. Dezember 2017 E. 7.1 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch, Uhlmann/Schilling-
Schwank, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 38 Rz. 3). Weiter war die
Beschwerdeführerin mit Blick auf den Zweck von Art. 12b NHG nach dem Gesagten
(vgl. E. 4.2 hiervor) – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – weder zur Akteneinsicht
bei der Beschwerdegegnerin noch zu Internetrecherchen verpflichtet. Es kann ihr daher
nicht vorgeworfen werden, sie habe nach Erhalt der Bauanzeige am 12. Oktober 2017
nicht innert der Auflagefrist vom 19. Oktober 2017 bis 2. November 2017 (vorsorglich)
Einsprache erhoben. Vielmehr begann die Einsprachefrist aufgrund der offenkundig
unvollständigen Bauanzeige erst mit der tatsächlichen Kenntnisnahme der
raumplanerischen Einordnung des Bauvorhabens und der dadurch betroffenen
bundes- und kantonalrechtlich geschützten Gebiete zu laufen. Wann und von wem sie
davon tatsächlich Kenntnis erhalten hat, weist die Beschwerdeführerin zwar nicht nach.
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Eigenen Angaben zufolge will sie erst "Ende November 2017" und damit spätestens
23 Tage nach Ablauf der bundesrechtlichen Minimalfrist von 20 Tagen gemäss Art. 12
Abs. 1 Satz 2 NHG (vgl. dazu P. M. Keller, a.a.O., Art. 12b Rz. 6) am 7. November 2017
von "Dritten" darüber in Kenntnis gesetzt worden sein. Diese Darstellung wird weder
von der Vorinstanz noch der Beschwerdegegnerin in Zweifel gezogen. Unbesehen
davon braucht nicht abschliessend erörtert zu werden, wie es sich damit verhält. Selbst
wenn sie mit der Einspracheerhebung einige Tage zugewartet haben sollte, erscheint
ihr Vorgehen noch als natürliche Folge der mangelhaften Bauanzeige. Es kann mit
anderen Worten nicht gesagt werden, sie hätte den Beginn des Fristenlaufs beliebig
hinausgezögert. Sie durfte somit bei gebührender Aufmerksamkeit erst am
30. November 2017 nachträglich Einsprache erheben, ohne sich treuwidrig zu
verhalten. Demzufolge hat die Vorinstanz die Anforderungen von Treu und Glauben an
die beschwerdebefugten Verbände bei ungenügender Bauanzeige gemäss
Art. 12b NHG überspannt, indem sie das Nichteintreten der Beschwerdegegnerin auf
die nachträgliche Einsprache der Beschwerdeführerin vom 30. November 2017
schützte. Die Beschwerde ist daher auch aus diesem Grund gutzuheissen, der
angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache zur materiellen Prüfung und zu
neuer Entscheidung direkt an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerde- und Rekursverfahrens zulasten der Beschwerdegegnerin (Art. 95
Abs. 1 VRP, vgl. VerwGE B 2017/76 vom 16. August 2018 E. 5, www.gerichte.sg.ch).
Die Vorinstanz hat den Parteien amtliche Kosten von CHF 3'000 auferlegt. Für das
Beschwerdeverfahren ist eine Entscheidgebühr von CHF 3‘500 angemessen (Art. 7
Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12, GKV). Auf die Erhebung ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der Beschwerdeführerin sind die geleisteten
Kostenvorschüsse von CHF 1'000 (Rekursverfahren) und CHF 3‘500
(Beschwerdeverfahren) zurückzuerstatten.
Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten hat die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführerin für das Beschwerdeverfahren ausseramtlich zu entschädigen
(Art. 98 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP). Deren Rechtsvertreterin hat keine
Kostennote eingereicht, weshalb die Entschädigung nach Ermessen festzulegen ist
(vgl. Art. 30 lit. b Ziff. 1 und Art. 31 Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70,
bis
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AnwG, sowie Art. 6 und Art. 19 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten; sGS 963.75, HonO, in der Fassung vom 28. November 2018, nGS
2019-019). Dass die Beschwerdeführerin die Entschädigung nicht zuzüglich
Mehrwertsteuer beantragte, schadet nicht, da der Antrag noch vor Inkrafttreten der
revidierten HonO am 1. Januar 2019 gestellt wurde. Eine Entschädigung von insgesamt
CHF 3‘000 zuzüglich vier Prozent Barauslagen (CHF 120) und 7.7% Mehrwertsteuer ist
angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b, Art. 28 und Art. 29 HonO). Trotz ihres Obsiegens
kann der Beschwerdeführerin für das vorinstanzliche Rekursverfahren keine
ausseramtliche Entschädigung zugesprochen werden kann. Die Beschwerdeführerin
war im Rekursverfahren nicht berufsmässig vertreten. Die Voraussetzungen für die
Zusprechung einer Umtriebsentschädigung sind nicht erfüllt (vgl. dazu VerwGE
B 2017/176 vom 24. September 2018 E. 3 mit Hinweisen).