Decision ID: b6e24064-d997-4411-b008-f72ab0b16d2a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 11. März 2011 wegen einer schweren depressiven Episode
ohne psychotische Symptome zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Der
behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete
am 4. August 2011, die Versicherte leide an einer schweren depressiven Episode ohne
psychotische Symptome (ICD-10: F32.2) und an einer belastenden psychosozialen
Situation (IV-act. 14; zu den vom 26. Juli bis 29. Oktober 2010 sowie vom 14. Februar
bis 17. März 2011 in der Klinik C._ erfolgten stationären Behandlungen siehe die
Berichte vom 23. Dezember 2010 und vom 28. März 2011, IV-act. 104-2 ff.). Anlässlich
des FI-Gesprächs mit dem RAD-Arzt D._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, berichtete der neu behandelnde med. prakt. E._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, es bestehe eine mittelgradig ausgeprägte depressive
Episode, aktuell tendenziell in Remission begriffen (ICD-10: F32.1). Aktuell könne keine
verwertbare Arbeitsfähigkeit bestätigt werden (Protokoll vom 13./14. Dezember 2011,
IV-act. 25).
A.a.
Am 14. März 2012 sprach die IV-Stelle der Versicherten u.a. die Vergütung für die
Pauschale für eine beidseitige Hörgeräteversorgung mit zwei Hörgeräten im Betrag von
Fr. 1'650.-- zu (IV-act. 31; zum Gehörschaden siehe die Beurteilung von Dr. med.
F._, Facharzt für ORL, vom 27. Februar 2012, IV-act. 29).
A.b.
Med. prakt. E._ berichtete am 4. April 2012, der Gesundheitszustand der
Versicherten habe sich seit Dezember 2011 verbessert. Die depressive Symptomatik
habe sich weiter zurückgebildet. Ab Mai 2012 rechne er mit einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit mit der Möglichkeit einer stufenweisen Steigerung bis auf ein volles
Pensum (IV-act. 36). Die IV-Stelle gewährte am 8. August 2012 Arbeitsvermittlung
A.c.
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(Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche; IV-act. 56). Am 28. Dezember 2012
wies sie das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen mit der Begründung ab,
es sei keine weitere Unterstützung in der Stellensuche möglich (IV-act. 75). Die seit
24. Oktober 2012 behandelnde med. prakt. G._, Oberärztin am Psychiatrie-Zentrum
H._, führte im Bericht vom 28. Juni 2013 aus, die Versicherte leide an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11). Differentialdiagnostisch müsse auch das
Vorliegen einer Dysthymia (ICD-10: F34.1) diskutiert werden. Es sei jedoch
anzumerken, dass das Ausmass der affektiven Einschränkung zwischenzeitlich doch
das einer mittelgradigen depressiven Episode erreiche, so dass die Hauptdiagnose
eher «zu benennen» sei. Für eine leidensangepasste Hilfsarbeitertätigkeit verfüge die
Versicherte über eine allenfalls steigerungsfähige 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 85).
Der behandelnde Dr. med. I._, Facharzt für Allgemeine Medizin, berichtete am
3. Dezember 2013, die Versicherte leide an einer Depression, einem Cervicalsyndrom
und Schmerzen am Rückfuss rechts bei Status nach OSG-Distorsionstrauma am
26. Juli 2010. Die Versicherte sei zu 50 % arbeitsfähig und arbeite in einem durch den
Sozialdienst organisierten geschützten Rahmen im J._ (IV-act. 93). Wegen des
anstehenden Mutterschaftsurlaubs überwies med. prakt. K._ (vormals G._) die
Versicherte an med. prakt. E._ zurück. Im Schreiben an ihn vom 30. August 2013
diagnostizierte sie eine Dysthymia (ICD-10: F34.1) und sonstige Reaktionen auf
schwere Belastung (ICD-10: F43.8). Med. prakt. E._ gab im Bericht vom 22. Mai 2014
an, die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1). Bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit
bescheinigte er eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 101).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 28. Juli (orthopädisch) und am
20. August 2014 (psychiatrisch) in der SMAB AG begutachtet (bidisziplinäres
Gutachten vom 22. September 2014). Als Diagnose, welche die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtige, stellten die Gutachter rezidivierende depressive Störungen, derzeit
leicht (ICD-10: F33.0). Für eine leidensangepasste Tätigkeit verfüge die Versicherte
über eine 75%ige Arbeitsfähigkeit. Retrospektiv ergebe sich aufgrund der depressiven
Störungen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit der Hospitalisationen von
2010 bis 2011. Mit Bericht vom 4. April 2012 werde noch eine mittelgradige depressive
A.d.
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Episode bestätigt und eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angenommen. Mit Aufnahme der
Tätigkeit im J._ sei von etwa demselben Zustand auszugehen, wie er sich anlässlich
der Begutachtung zeige, so dass ab ca. Oktober 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 70 bis
80 % angenommen werden könne (bidisziplinäres Gutachten vom 22. September
2014, IV-act. 110). Der RAD-Arzt D._ führte zum Gutachten aus, der psychiatrische
Gutachter beurteile den Gesundheitsschaden mit dem Vorliegen einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung sowie einer sogenannten Double Depression
bestehend aus einer Dysthymie und einer davon zu unterscheidenden zusätzlich
auftretenden rezidivierenden depressiven Störung. Sowohl die anhaltende
somatoforme Schmerzstörung als auch die Dysthymie beeinträchtigten die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten nicht, da sie nicht die sogenannten Förster-Kriterien
erfüllten. Allerdings sei durch die zusätzlich bestehende depressive Erkrankung
(rezidivierende depressive Störung) in Kombination mit der Dysthymie eine
durchgehende Arbeitsunfähigkeit auch in Phasen einer eher leichtgradig ausgeprägten
depressiven Symptomatik aus rein medizintheoretischer Sicht begründet und erkläre
auch im Gegensatz zum alleinigen Vorliegen einer leichtgradig depressiven
Symptomatik eine stärkere Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit als ohne Vorliegen
einer Double Depression (Stellungnahme vom 30. September 2014, IV-act. 113).
Die Invalidenversicherung verneinte das Vorliegen eines invalidisierenden Leidens,
ermittelte einen Invaliditätsgrad von 0 % und stellte der Versicherten mit Vorbescheid
vom 30. Oktober 2014 die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 115).
Dagegen erhob die Versicherte am 13. Januar 2015 Einwand und beantragte
rückwirkend ab 15. April 2014 (ab Einstellung der Taggeldleistungen) eine ganze IV-
Rente (IV-act. 122). Die RAD-Ärztin Dr. med. L._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, vertrat in der Stellungnahme vom 11. März 2015 die Auffassung, aus
den Vorbringen der Versicherten würden keine Hinweise auf neue Tatsachen
hervorgehen. Es könne daher an der bisherigen Einschätzung festgehalten werden (IV-
act. 123). Aufgrund der vom Bundesgericht mit BGE 141 V 281 (Aufgabe der
Überwindbarkeitsvermutung) vorgenommenen Praxisänderung nahm der RAD-Arzt
Dr. med. M._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine ergänzende
Würdigung der gutachterlichen Einschätzung anhand der vom Bundesgericht neu für
relevant betrachteten Standardindikatoren vor. Er gelangte zum Schluss, dass auch
A.e.
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eine Verfeinerung der Betrachtungsweise hinsichtlich der Schwere der Erkrankung und
eine strukturierte Ableitung der krankheitsbedingten Einschränkungen einschliesslich
der Konsistenzprüfung keine Hinweise für eine notwendige Abweichung von der
gutachterlichen Einschätzung gebe. Es könne daher weiterhin auf das Ergebnis des
Gutachtens bzw. auf die bisherigen RAD-Stellungnahmen verwiesen werden
(Stellungnahme vom 8. Januar 2016, IV-act. 132). Mit neuerlichem Vorbescheid vom
8. März 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, sie werde an der beabsichtigten
Rentenabweisung festhalten. Zwar räumte sie der gutachterlich bescheinigten 25%igen
Arbeitsunfähigkeit im Gegensatz zum ersten Vorbescheid eine
invalidenversicherungsrechtliche Wirkung ein und ermittelte einen Invaliditätsgrad von
25 %. Sie bat die Versicherte um Mitteilung, falls aus ihrer Sicht das IV-Dossier
unvollständig sei oder sie über fallrelevante Unterlagen (z.B. medizinische Akten)
verfügen würde, die in den edierten Akten nicht enthalten seien (IV-act. 135). Die
Versicherte beantragte im Einwand vom 27. Mai 2016 die Zusprache einer halben IV-
Rente rückwirkend ab Juni 2010 und rügte die von der IV-Stelle ermittelte Höhe der
Vergleichseinkommen (IV-act. 137). Die IV-Stelle nahm in der Folge eine Erhöhung des
Valideneinkommens vor, ermittelte einen Invaliditätsgrad von 31 % und wies mit
Verfügung vom 9. Dezember 2016 das Rentengesuch ab (IV-act. 139). Die dagegen
erhobene Beschwerde der Versicherten vom 27. Januar 2017 (IV-act. 143-2 ff.; zum
u.a. eingereichten Bericht von med. prakt. E._ vom 16. Januar 2017, worin er auf eine
vom 23. Februar bis 16. März 2015 durchgeführte stationäre psychiatrische
Behandlung in der Klinik C._ verwies, siehe IV-act. 146-14 f., und zum
Austrittsbericht vom 24. April 2015 siehe IV-act. 146-11 f.) hiess das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 14. März 2019, IV 2017/39, teilweise gut. Es
hob die angefochtene Verfügung vom 9. Dezember 2016 auf, wies die Sache zur
ergänzenden Abklärung (Erstattung eines bidisziplinären Verlaufsgutachtens samt
rückwirkender Neubeurteilung der psychosomatischen Leiden gemäss BGE 141 V 281
durch die Sachverständigen der SMAB AG einschliesslich einer neuropsychologischen
Abklärung) und neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück (IV-act. 153).
Am 7. Juni 2019 machte die J._ Angaben zur Tätigkeit der Versicherten im
zweiten Arbeitsmarkt (IV-act. 158). Dr. I._ berichtete am 12. August 2019, die
Versicherte leide an chronischen Knieschmerzen nach Kniearthroskopie bei zusätzlich
A.f.
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bekannten degenerativen Veränderungen im Bereich des rechten Knies, an einem
chronischen zervikobrachialen Schmerzsyndrom rechts mehr als links und an einer
Depression. Der Versicherten sei eine körperlich leichte Arbeit im geschützten Rahmen
täglich 4 Stunden zumutbar (IV-act. 166 mit einer Übersicht über die von ihm
bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten). Der einmalig von der Versicherten am 28. Februar
2019 konsultierte Prof. Dr. med. N._, Facharzt für Neurologie, führte im Bericht vom
30. August 2019 aus, auf neurologischem Fachgebiet bestünden keine für die
Arbeitsfähigkeit relevanten Diagnosen. Die von ihm diagnostizierte Cervico-Brachialgie
rechts habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 173). Am 3. März 2020
äusserte sich med. prakt. E._ zum Gesundheitsverlauf der Versicherten seit 2014.
Aufgrund einer Zustandsverschlechterung sei vom 23. Februar bis 16. März 2015 eine
erneute stationäre Behandlung in der Klinik C._ erfolgt. Die Versicherte leide an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1), chronifiziert auf dem Boden einer von unüberwindbaren Realtraumata
geprägten Biografie. Sie nehme bei ihm Kontrolltermine in ca. vier- bis sechswöchigen
Abständen wahr. Er gehe davon aus, dass die Versicherte ihre halbtägige Tätigkeit im
J._ nicht ausbauen könne. Die fehlende Belastbarkeit, die sich immer wieder in
Perioden voller Arbeitsunfähigkeit niederschlage, spreche aus seiner Sicht als
Behandler gegen eine verwertbare Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft (IV-act. 178).
Am 16. Februar 2021 erstatteten die Sachverständigen der SMAB AG ein
bidisziplinäres (psychiatrisch-orthopädisches) Verlaufsgutachten, das sich auf
Untersuchungen vom 29. Oktober und 10. November 2020 sowie eine
neuropsychologische Teilbegutachtung vom 7. Dezember 2020 stützte (zum
neuropsychologischen Fachgutachten vom 11. Dezember 2020 siehe IV-
act. 208-61 ff.). Als relevante Diagnosen, die eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hätten, erhoben sie: eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte
Episode (ICD-10: F33.0), sowie eine mediale und retropatelläre Gonarthrose rechts mit
Innenmeniskus-Läsion. Bei der Begutachtung hätten sich erhebliche Hinweise auf
«unauthentisches» Verhalten, im Sinn mindestens einer Aggravation gezeigt. Die
SMAB-Sachverständigen bescheinigten für die angestammte Tätigkeit als
Reinigungskraft eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für leidensangepasste Tätigkeiten
verfüge die Versicherte seit der erstgutachterlichen Beurteilung vom 22. September
A.g.
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B.
2014 bis zu dem vier Wochen vor dem Beginn der stationären Behandlung in der Klinik
C._ (Aufnahme dort am 23. Februar 2015) erlittenen Autounfall über eine 75%ige
Arbeitsfähigkeit. Vom Zeitpunkt des Autounfalls bis zur Aufnahme in der Klinik C._ sei
von einer 70 bis 80%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Vom 23. Februar bis
16. März 2015 habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seither verfüge die
Versicherte über eine 75%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (IV-
act. 208, insbesondere IV-act. 208-10 ff.). Der RAD-Arzt Dr. M._ hielt die
gutachterliche Verlaufsbeurteilung aus versicherungsmedizinischer Sicht für
überzeugend (Stellungnahme vom 19. Februar 2021, IV-act. 209).
Auf der Grundlage einer 75%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten ermittelte die IV-Stelle einen 31%igen Invaliditätsgrad und stellte der
Versicherten mit Vorbescheid vom 12. März 2021 die Abweisung des Rentengesuchs in
Aussicht (IV-act. 213). Dagegen erhob die Versicherte am 5. Mai 2021 Einwand (IV-
act. 217). Am 29. Juni 2021 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs
(IV-act. 219).
A.h.
Gegen die Verfügung vom 29. Juni 2021 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 1. September 2021. Die Beschwerdeführerin beantragt deren Aufhebung und die
Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus,
dass die Beurteilung der SMAB-Sachverständigen mangelhaft sei. Des Weiteren rügt
sie im Zusammenhang mit dem von der Beschwerdegegnerin berücksichtigten
Invalideneinkommen eine Gehörsverletzung, da die Beschwerdegegnerin trotz
entsprechender Aufforderung im Einwand nicht mitgeteilt habe, «was die Tätigkeit im
Niveau 1 beinhaltet» und mit welchen Parametern der Lohn ermittelt worden sei.
Zudem macht die Beschwerdeführerin geltend, dass lohnwirksame Nachteile bei der
Bemessung des Invalideneinkommens ausser Acht gelassen worden seien (act. G 1).
Am 7. September 2021 reicht sie eine Stellungnahme von med. prakt. E._ zum
Gesundheitsverlauf und zur Arbeitsfähigkeit vom 1. September 2021 ein (act. G 2 und
act. G 2.1).
B.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin. Hinsichtlich der massgeblichen rechtlichen Grundlagen wird
auf den in dieser Sache bereits ergangenen Entscheid des Versicherungsgerichts vom
14. März 2019, IV 2017/39, E. 1.1 ff. (IV-act. 153-6 f.), verwiesen. Zu ergänzen bleibt,
dass am 1. Januar 2022 das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) in Kraft trat. Die vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem
1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und
des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1) sind
daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 2. November
2021, es sei der Beschwerdeführerin ab September 2011 bis Ende März 2012 eine
ganze und danach bis Ende Dezember 2012 eine halbe IV-Rente zuzusprechen. Im
Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der SMAB-Sachverständigen beweiskräftig sei und im
Rahmen eines Prozentvergleichs mit Berücksichtigung eines 10%igen
Tabellenlohnabzugs bei einer 75%igen Arbeitsfähigkeit ein Invaliditätsgrad von 33 %
resultiere. Bezüglich des befristeten, abgestuften Rentenanspruchs führt sie aus, dass
vom 26. Juli 2010 bis Ende 2011 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit und danach
bis Ende September 2012 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Unter
Berücksichtigung der erst im März 2011 erfolgten IV-Anmeldung habe der
Rentenanspruch im September 2011 begonnen (act. G 5).
B.b.
In der Replik vom 21. Februar 2022 hält die Beschwerdeführerin unverändert an
der Beschwerde fest. Ergänzend rügt sie das in der Beschwerdeantwort ermittelte
Valideneinkommen als zu tief. In der angefochtenen Verfügung sei ein höheres
Valideneinkommen berücksichtigt worden. Des Weiteren hält sie das von der
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort ermittelte Invalideneinkommen für
unzutreffend. Insbesondere rechtfertige sich ein Tabellenlohnabzug von 25 % (act.
G 11).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 14).B.d.
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Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in der bis
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden nachfolgend in der alten
Fassung zitiert.
2.
In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihres Anspruchs auf
rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [BV; SR 101] und Art. 49 Abs. 3 ATSG).
Sie macht geltend, die Beschwerdegegnerin habe trotz entsprechender
Aufforderung im Einwand vom 5. Mai 2021 (IV-act. 217-6) nicht mitgeteilt, was der von
ihr (der Beschwerdegegnerin) als Invalideneinkommen berücksichtigte Tabellenlohn,
Niveau 1, beinhalte und mit welchen Parametern (Region, Branche, Berufsgruppe,
Stellung im Betrieb, Wochenstunden, Ausbildung, Alter, Geschlecht, Dienstjahre,
Unternehmensgrösse, ausländerrechtlicher Status, Median) der Lohn ermittelt worden
sei (act. G 1, IV. Rz 30).
2.1.
Eine Gehörsverletzung ist vorliegend zu verneinen. Die Beschwerdegegnerin legte
nämlich im Dokument «Einkommensvergleich» dar, dass dem von ihr ermittelten
Invalideneinkommen der Betrag gemäss dem Tabellenlohn «LSE, Schweiz,
Priv. Sektor, Niv. 1» für das Jahr 2014 von Fr. 53'793.-- zugrunde liege (IV-act. 210).
Für die rechtskundig vertretene Beschwerdeführerin waren damit nicht bloss die
wesentlichen Parameter des Tabellenlohns, sondern auch der Hinweis ohne weiteres
erkennbar, dass die Beschwerdegegnerin denjenigen Tabellenlohn heranzog, den die
Rechtsprechung für die Ermittlung des Invalideneinkommens für grundsätzlich
massgebend hält (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2018,
8C_458/2017, E. 6.2.3, oder BGE 142 V 178) und wie er auch im jeweiligen Anhang 2:
Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV dokumentiert
und in den Fussnoten erklärt wird. Für noch detailliertere Angaben zur
Zusammensetzung des genannten statistischen Medianlohns wäre der rechtskundig
vertretenen Beschwerdeführerin zumutbar gewesen, die einschlägige Tabelle TA1
«Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert) nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und
Geschlecht, Privater Sektor» des Bundesamtes für Statistik zu konsultieren. Im Übrigen
handelt es sich um den gleichen Tabellenlohn wie er schon in der früheren Verfügung
vom 9. Dezember 2016 berücksichtigt worden war (IV-act. 139; zum
vorausgegangenen Dokument «Einkommensvergleich» siehe IV-act. 138) und auf den
2.2.
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3.
Des Weiteren ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob der
Sachverhalt in medizinischer Hinsicht spruchreif abgeklärt wurde. Der angefochtenen
Verfügung liegen die Gutachten der SMAB-Sachverständigen vom 22. September 2014
(IV-act. 110) und vom 16. Februar 2021 (IV-act. 208) zugrunde. Die Beschwerdeführerin
hält die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit für mangelhaft.
sich die bereits damals rechtskundig vertretene Beschwerdeführerin im
Beschwerdeverfahren IV 2017/39 noch selbst vorbehaltlos berufen hatte (siehe die
Beschwerde vom 27. Januar 2017, IV. Rz 2c, IV-act. 143-13).
Zunächst kritisiert die Beschwerdeführerin, das psychiatrische Folgegutachten
stelle lediglich eine Momentaufnahme und kein Verlaufsgutachten dar (act. G 1,
IV. Rz 4). Dieser Sichtweise ist nicht zu folgen. Das SMAB-Folgegutachten stützt sich
nicht bloss auf die anlässlich der Folgebegutachtung festgestellten Befunde, sondern
erging in Berücksichtigung sämtlicher relevanter Vorakten (siehe IV-act. 208-13 ff.). Bei
der Verlaufsbeurteilung setzten sich die SMAB-Sachverständigen zudem mit den
relevanten Vorakten und der Leidensentwicklung plausibel auseinander (siehe etwa IV-
act. 208-30 Mitte, IV-act. 208-31 unten, IV-act. 208-32, IV-act. 208-34, IV-act. 208-35
oben, IV-act. 208-47, IV-act. 208-49, IV-act. 208-51 und IV-act. 208-54 f.).
Insbesondere erklärten sie schlüssig den Zusammenhang zwischen dem Autounfall
und dem dadurch vorübergehend destabilisierten psychischen Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin, der im Rahmen der stationären Behandlung vom 23. Februar
bis 16. März 2015 habe verbessert werden können (IV-act. 208-32). Die
Beschwerdeführerin benennt denn auch keine objektiv wesentlichen Gesichtspunkte,
welche die SMAB-Sachverständigen bei der Verlaufsbeurteilung ausser Acht gelassen
hätten. Solche sind auch nicht ersichtlich.
3.1.
Aus der Sicht der Beschwerdeführerin wurden die Fibromyalgie (act. G 1, IV. Rz 5,
und act. G 1, IV. Rz 7 f.) sowie die dadurch bedingten psychischen und orthopädischen
Wechselwirkungen nicht korrekt gewürdigt (act. G 1, IV. Rz 26).
3.2.
Die unter Verweis auf BGE 132 V 65 gemachten Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Würdigung des invalidisierenden Charakters einer Fibromyalgie
lassen unberücksichtigt, dass diese Rechtsprechung inzwischen überholt ist und sich
die Beurteilung der invalidisierenden Wirkung eines psychischen oder
psychosomatischen Leidens nach BGE 141 V 281 richtet. Vor diesem Hintergrund stellt
es entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keinen Mangel dar, dass die
3.2.1.
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SMAB-Sachverständigen die «Überwindbarkeit» (act. G 1, IV. Rz 8) nicht geprüft
haben. Im SMAB-Folgegutachten wurde den einschlägigen Kriterien im Sinn von BGE
141 V 281 schlüssig Rechnung getragen, insbesondere der Konsistenzprüfung (siehe
hierzu nachstehende E. 3.3).
Es trifft auch nicht zu, dass die von der orthopädischen SMAB-Sachverständigen
«als ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit» (IV-act. 208-50) diagnostizierte
Fibromyalgie nicht interdisziplinär bzw. hinsichtlich Wechselwirkungen beurteilt worden
wäre. Vielmehr setzte sich der psychiatrische SMAB-Sachverständige eingehend und
im Rahmen einer Konsistenzprüfung mit den orthopädischen Feststellungen
auseinander und liess bei seiner Beurteilung einfliessen, dass bei einer
Depressionserkrankung Schmerzen oft stärker empfunden würden, was jedoch
lediglich einen Teil der festgestellten Diskrepanzen erklären könne (IV-act. 208-30 f.;
siehe auch im konsensualen Teil des SMAB-Gutachtens die Ausführungen in IV-
act. 208-6).
3.2.2.
Die Einschätzung, dass die Fibromyalgie zu keiner (wesentlichen)
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit führt, wird auch dadurch bekräftigt, dass die
behandelnden medizinischen Fachpersonen kein solches Leiden diagnostizier(t)en
(siehe die Berichte von Dr. I._ vom 12. August 2019, IV-act. 166, und vom 14. Mai
2020, IV-act. 198, und von med. prakt. E._ vom 3. Februar 2020, IV-act. 178).
3.2.3.
Ausserdem kritisiert die Beschwerdeführerin die gutachterlichen Äusserungen zur
Aggravation (act. G 1, IV. Rz 9 ff., und act. G 11, III. Rz 2 f.).
3.3.
Bei psychischen und psychosomatischen Leiden, wie sie bei der
Beschwerdeführerin (depressive Störung, Schmerzsyndrome und Fibromyalgie)
vorliegen, steht das Beweisproblem im Vordergrund, da sich die Beurteilung dieser
Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeiten – mangels
zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik – zwangsläufig zunächst auf die Angaben
der versicherten Person und deren Leidenspräsentation stützen und es an einer
eigentlichen davon unabhängigen, direkten Objektivierbarkeit fehlt. Deshalb ist die
umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der Leidensschilderung sowie
-präsentation für die möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler
Bedeutung (siehe etwa BGE 141 V 281). Um eine möglichst objektive, von der
Selbsteinschätzung der versicherten Person unabhängige, der tatsächlichen
Funktionsfähigkeit entsprechende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn von Art. 7
Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten (vgl. hierzu bzw. zur Massgeblichkeit des
3.3.1.
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tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens etwa das Urteil des Bundesgerichts vom
11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2), haben die medizinischen Fachpersonen nebst den
Erkenntnissen der eigenen Untersuchung deshalb nach Möglichkeit bei ihrer Expertise
sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei denen Beeinträchtigungen und Ressourcen
einer versicherten Person in Erscheinung treten. Dabei sich zeigende Umstände wie
etwa Inkonsistenzen, die auf krankheitsfremde Faktoren deuten oder ernsthafte Zweifel
am objektiven Umfang der geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigung begründen,
sind zu benennen. Geltend gemachte Beeinträchtigungen, die auf solchen
krankheitsfremden bzw. nicht krankheitswertigen Faktoren beruhen oder zweifelhaft
erscheinen, sind bei der Beurteilung des Gesundheitsschadens sowie der
Arbeitsfähigkeit auszuklammern. Denn massgebend für die Ermittlung der
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche Beeinträchtigungen, deren
Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen Gründen sehen die
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP, 3. vollständig überarbeitete
und ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine Stellungnahme zur
Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von
Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet eine
Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten
Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche
bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen
Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich
sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant
(Qualitätsleitlinien, S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person
zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten
und damit Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben
oder zum Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16; siehe zum
Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5. Juni 2020, IV 2018/124,
E. 3.1).
Sämtliche SMAB-Sachverständigen erstatteten eine eingehende und
überzeugende Konsistenzbeurteilung der Leidensangaben und -präsentation der
Beschwerdeführerin (IV-act. 208-11, IV-act. 208-32, IV-act. 208-52 f. und IV-
act. 208-73). Namentlich wies der psychiatrische SMAB-Sachverständige auf ein sich
3.3.2.
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bei der klinischen Untersuchung zeigendes deutlich beschwerdebetonendes, zum Teil
«unauthentisches» Verhalten der Beschwerdeführerin hin (IV-act. 208-5 unten und IV-
act. 208-28 unten). Ein ähnliches Bild zeigte sich anlässlich der orthopädischen
Begutachtung (IV-act. 208-7 f., u.a. bei verschiedenen Abklärungen des Finger-Boden/
Zehen-Abstands; zur eingehenden Konsistenzbeurteilung siehe IV-act. 208-52 f.), wo
die angegebenen Beschwerden «nur zum geringen Teil» nachvollzogen werden
konnten (IV-act. 208-49 f.; zur nicht nachvollziehbaren tiefen Selbsteinschätzung, die
sich nicht mit der beidseitigen Handbeschwielung sowie der fehlenden Atrophie der
Handbinnenmuskulatur vereinbaren lässt [IV-act. 208-44], siehe IV-act. 208-52 oben
und zu den uneingeschränkten Bewegungen bei der Untersuchung siehe IV-
act. 208-53). Auch bezüglich der von der Beschwerdeführerin in den Vordergrund
gestellten Störung von Konzentration und Gedächtnis (IV-act. 208-30) zeigten sich
«hochgradig» auffällige Ergebnisse bei der neuropsychologischen Begutachtung (IV-
act. 208-70 f.), ohne dass diese mit einer psychischen Krankheit hätten erklärt werden
können (IV-act. 208-6 oben, IV-act. 208-29). Die von der Beschwerdeführerin geklagten
kognitiven Defizite stehen ausserdem im Widerspruch zu der in den Vorakten
bestätigten Fahreignung (siehe hierzu etwa IV-act. 166-5 unten und IV-act. 173-7).
Nichts anderes zeigt sich mit Blick auf das soziale Funktionsniveau der
Beschwerdeführerin. So berichtete sie, sich von ihren Kolleginnen zurückgezogen zu
haben (IV-act. 208-26 Mitte). Demgegenüber lässt sich anderen Aktenstellen
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin wenigstens über eine Freundin verfügt, die
sie sogar teilweise zur psychiatrischen Behandlung als Übersetzerin oder zur Anreise
an die Begutachtung begleitet (IV-act. 178-4, IV-act. 208-67 und IV-act. 208-42 oben).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (act. G 1, IV. Rz 9 ff.) zeigten sich
somit nicht bloss bei einem einzigen neuropsychologischen Validierungstest, sondern
bei sämtlichen gutachterlichen Untersuchungen unter verschiedenen Aspekten ein
inkonsistentes krankheitsfremdes Verhalten der Beschwerdeführerin, das die SMAB-
Sachverständigen in einer überzeugenden Art und Weise interdisziplinär würdigten.
Die Beschwerdeführerin verweist zudem auf die von der gutachterlichen
Beurteilung abweichende Einschätzung von med. prakt. E._ (act. G 1, IV. Rz 27, act.
G 2 und act. G 2.1). Daraus vermag sie aber nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Denn
wie sich aus den verschiedenen Berichten des behandelnden Psychiaters ergibt und
worauf der psychiatrische SMAB-Gutachter zutreffend hinwies (IV-act. 208-32), liegen
seiner Beurteilung im Wesentlichen die unkritisch übernommenen Angaben der
Beschwerdeführerin (etwa zu den Antriebsstörungen, IV-act. 178-4 f.) zugrunde. Dies
zeigt sich etwa bei den von med. prakt. E._ angenommenen deutlichen
Konzentrationsstörungen, «die aufgrund der von der Patientin geschilderten
3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/19
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Abhängigkeit in organisatorischen Angelegenheiten» bejaht werden (IV-act. 178-4
unten). Der Inhalt seines Berichts vom 3. Februar 2020 wurde darüber hinaus
ausdrücklich mit der Beschwerdeführerin «im Hinblick auf die Richtigkeit der Angaben»
besprochen (IV-act. 178-7 unten). Eine objektive Konsistenz- und Ressourcenprüfung
nahm med. prakt. E._ nicht vor, jedenfalls ergeben sich keine entsprechenden
Hinweise. Vielmehr wies er wiederholt darauf hin, dass seine Beurteilung aus der Sicht
des Behandlers und nicht des Gutachters erfolgten (IV-act. 178-7 unten und act.
G 2.1). Hinzu kommt, dass sich aus der Einschätzung von med. prakt. E._ keine
objektiv relevanten Gesichtspunkte ergeben, die von den SMAB-Sachverständigen
ausser Acht gelassen worden und geeignet wären, die Beweiskraft der gutachterlichen
Beurteilung zu erschüttern (siehe hierzu Urteil des Bundesgerichts vom 17. Februar
2016, 9C_668/2015, E. 3 mit Hinweisen). Ferner kann eine psychiatrische Exploration
von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet einer
psychiatrischen Fachperson – sei sie nun in therapeutischer oder in begutachtender
Funktion – daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen
verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu
respektieren sind, sofern die Beurteilung, wie diejenige der SMAB-Sachverständigen,
die Beweisanforderungen erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009,
8C_694/2008, E. 5.1.1).
Bei der Würdigung der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sowie des Verlaufs fällt ins Gewicht, dass sie auf umfassenden
persönlichen Untersuchungen, einer ausführlichen Auseinandersetzung mit den
Vorakten sowie einer schlüssigen Konsistenz- und Ressourcenbewertung beruht. Zu
Recht weist die Beschwerdegegnerin überdies darauf hin, dass sich aus dem
neuropsychologischen Gutachten keine Arbeitsunfähigkeit herleiten lasse (act. G 5, III.
Rz 3), dass die psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung im Einklang mit dem relativ
hohen Aktivitätsniveau im Haushalt sowie in der Freizeit stehe (act. G 5, III, Rz 4) und
dass somatischerseits die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit bei nur sporadischer
Inanspruchnahme entsprechender Behandlungen und bei Vorliegen leichtgradiger
Befunde als nicht spürbar behindernd eingestuft worden seien (act. G 5, III. Rz 4,
2. Abschnitt). Die von den SMAB-Sachverständigen gezogenen Schlüsse leuchten ein,
weshalb darauf bei der Ermittlung der Invalidität der Beschwerdeführerin abzustellen ist
und kein Bedarf für weitere Abklärungen besteht. Gestützt darauf ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit von folgenden
Arbeitsunfähigkeiten auszugehen: 75%ige Arbeitsfähigkeit seit der erstgutachterlichen
Beurteilung vom 22. September 2014 bis zu dem vier Wochen vor dem Beginn der
stationären Behandlung in der Klinik C._ (Aufnahme dort am 23. Februar 2015)
3.5.
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4.
Zu prüfen bleibt die umstrittene Höhe der beim Einkommensvergleich zu
berücksichtigenden Vergleichseinkommen (Art. 16 ATSG).
erlittenen Autounfall; 70 bis 80%ige Arbeitsunfähigkeit vom Zeitpunkt des Autounfalls
bis zur Aufnahme in der Klinik C._; 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 23. Februar bis
16. März 2015 und danach 75%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 208-12).
Das Versicherungsgericht hielt es im Entscheid vom 14. März 2019, IV 2017/39,
E. 2.5, hinsichtlich des bis zum Erstgutachten eingetretenen Verlaufs der
Arbeitsfähigkeit für erforderlich, dass die damalige gutachterliche Einschätzung unter
den inzwischen ergangenen Praxisänderungen des Bundesgerichts (BGE 141 V 281
und BGE 143 V 409) einer Neubeurteilung durch die SMAB-Sachverständigen bedürfe
(IV-act. 153-9). Entgegen der diesbezüglich klaren gerichtlichen Anweisung holte die
Beschwerdegegnerin keine entsprechende Beurteilung bei den SMAB-
Sachverständigen ein. Auf eine neuerliche Rückweisung an die Beschwerdegegnerin
kann jedoch ausnahmsweise verzichtet werden. Denn wie sich aus dem
psychiatrischen Teil des Folgegutachtens ergibt, wurde darin ein im Vergleich zum
Erstgutachten im Wesentlichen gleich gebliebener Sachverhalt beurteilt (IV-act. 208-32
oben und IV-act. 208-33 Mitte). Es kann daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon ausgegangen werden, dass den im Erstgutachten bescheinigten
Arbeitsunfähigkeiten die invalidisierende Wirkung unter dem Eindruck von BGE 141 V
281 und BGE 143 V 409 nicht abzusprechen ist. Davon geht auch die
Beschwerdegegnerin aus (act. G 5, III. Rz 6 am Schluss). Folglich ist mit der
Beschwerdegegnerin (act. G 5, III. Rz 6 am Schluss) spätestens ab Beginn der
stationären psychiatrischen Behandlung am 26. Juli 2010 bis zum 31. Dezember 2011
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 110-12 und IV-act. 110-14), ab
1. Januar 2012 bis Ende September 2012 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 110-12) und ab Oktober 2012 bis zum vier Wochen vor dem 23. Februar 2015
erlittenen Autounfall von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (zu
Berücksichtigung des Mittelwerts der Spannbreite einer Arbeitsfähigkeit siehe Urteil
des Bundesgerichts vom 8. November 2018, 8C_49/2018, E. 4 mit Hinweis).
3.6.
Aus dem individuellen Konto ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin vor dem
Eintritt des Gesundheitsschadens seit dem Jahr 2000 stark schwankende Einkommen
bei verschiedenen Arbeitgebern sowie im Rahmen verschiedener Haupt- und
Nebenbeschäftigungen erzielte (IV-act. 7), die teilweise erheblich über als auch
erheblich unter den jeweiligen Tabellenlöhnen für Hilfsarbeiterinnen lagen. Dabei
4.1.
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scheint es sich allerdings durchwegs um reine Hilfsarbeiterinnentätigkeiten gehandelt
zu haben und es erscheint unklar, ob die teilweise gleichzeitig ausgeübten
Beschäftigungen der Beschwerdeführerin über längere Zeit zumutbar gewesen sind.
Angesichts dieser unklaren Ausgangslage erscheint es vertretbar, dass zugunsten der
Beschwerdeführerin nicht der statistische Hilfsarbeiterinnenlohn, sondern der höhere
statistische Lohn gemäss des Wirtschaftszweigs «sonstige persönliche
Dienstleistungen» von Fr. 56'699.-- für das Jahr 2009 herangezogen wird, wie er von
der Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 9. Dezember 2016 plausibel begründet
worden war (IV-act. 139-2), auch im Rahmen der angefochtenen Rentenverfügung
berücksichtigt wurde (siehe IV-act. 210 und IV-act. 219) und von der
Beschwerdeführerin geltend gemacht wird (act. G 11, III. Rz 4). In Anbetracht der am
11. März 2011 erfolgten IV-Anmeldung (IV-act. 1) beginnt der Rentenanspruch
frühestens am 1. September 2011 (Art. 29 Abs. 1 IVG). Angepasst an die bis zum
frühest möglichen Rentenbeginn eingetretene Nominallohnentwicklung beträgt das
Valideneinkommen im Jahr 2011 Fr. 57'854.-- ([Fr. 56'699.-- / 2552] x 2604; siehe die
Tabelle des Bundesamts für Statistik T 39 Entwicklung der Nominallöhne, der
Konsumentenpreise und der Reallöhne).
Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten, dass für die Ermittlung des
Invalideneinkommens der LSE-Lohn für Hilfsarbeiterinnen heranzuziehen ist. Dieser
betrug im Jahr 2011 Fr. 53'367.-- (siehe hierzu Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-
Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019). Die
Beschwerdegegnerin anerkannte in der Beschwerdeantwort (act. G 5, III. Rz 6) einen
Tabellenlohnabzug von 10 % (siehe hierzu BGE 126 V 75). Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin (act. G 1, IV. Rz 31) lässt die von ihr geltend gemachte schlechte
Kenntnis der deutschen Sprache keinen lohnwirksamen Nachteil bei
Hilfsarbeiterinnentätigkeiten erwarten, wie sich bereits aus den von ihr als Gesunde
erzielten Einkommen schliessen lässt. Zudem verfügt die Beschwerdeführerin immerhin
über rudimentäre Deutschkenntnisse, die jedenfalls teilweise eine
psychotherapeutische Behandlung ohne Übersetzungshilfe ermöglichen (IV-act. 178-4
mit Hinweis auf eine in den letzten Jahren verbesserte Sprachkompetenz). Nichts
anderes gilt hinsichtlich der von ihr als Inhaberin der Niederlassungsbewilligung (IV-
act. 2) vorgebrachten fehlenden schweizerischen Staatsbürgerschaft (act. G 11, III.
Rz 5c), die sich in der Erwerbsbiografie als Gesunde nicht niederschlug. Ergänzend ist
mit Blick auf die Statistik zu bemerken, dass gemäss Tabelle T12, Monatlicher
Bruttolohn (Zentralwert und Quartilbereich), Schweizer/innen und Ausländer/innen,
nach beruflicher Stellung und Geschlecht, Tabelle «ohne Kaderfunktion», 2010, der
durchschnittliche Monatslohn für eine Niedergelassene (bei 40-stündiger Arbeitswoche)
4.2.
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5.
Fr. 4'170.-- beträgt, was nur geringfügig unter dem Totalwert des Jahres 2010 (bei 40-
stündiger Arbeitswoche) von Fr. 4'319.-- bzw. dem Medianlohn für Hilfsarbeiterinnen
des Jahres 2010 (bei 40-stündiger Arbeitswoche) von Fr. 4'225.-- liegt. Damit spricht
auch die Statistik gegen eine relevante lohnwirksame Benachteiligung, jedenfalls gegen
eine solche, die vorliegend eine Erhöhung über einen Tabellenlohnabzug von 10 %
rechtfertigen würde. Auch die kurze Dauer der Betriebszugehörigkeit und die fehlende
Berufs- und Branchenerfahrung, wie sie von der Beschwerdeführerin vorgebracht
werden (act. G 11, III. Rz 5d), spielen im Bereich der Hilfsarbeiterinnentätigkeiten keine
relevante lohnwirksame Rolle, die im Rahmen einer Gesamtbetrachtung einen über
10%igen Tabellenlohnabzug als angemessen erscheinen lassen. Deshalb und da den
gesundheitlichen Einschränkungen bzw. den damit verbundenen lohnwirksamen
Nachteilen bereits umfassend in der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung
Rechnung getragen wird, hat es mit einem Tabellenlohnabzug von 10 % sein
Bewenden. Nach einem 10%igen Tabellenlohnabzug resultiert ein Einkommen von
Fr. 48'030.-- (Fr. 53'367.-- x 0,9). Unter Berücksichtigung einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit, einer 50%igen Arbeitsfähigkeit sowie einer 75%igen
Arbeitsfähigkeit ergeben sich Invalideneinkommen von Fr. 0.--, Fr. 24'015.--
(Fr. 48'030.-- x 0,5) und Fr. 36'023.-- (Fr. 48'030.-- x 0,75) bzw. Invaliditätsgrade von
100 %, abgerundet 58 % ([Fr. 57'854.-- - Fr. 24'015.--] / Fr. 57'854.--) und aufgerundet
38 % ([Fr. 57'854.-- - Fr. 36'023.--] / Fr. 57'854.--). Wie von der Beschwerdegegnerin
zutreffend in Nachachtung der dreimonatigen Anpassungsfrist gemäss Art. 88a Abs. 1
IVV ausgeführt (act. G 5, III. Rz 6 am Schluss), hat die Beschwerdeführerin folglich ab
1. September 2011 bis 31. März 2012 Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. April
bis 31. Dezember 2012 Anspruch auf eine halbe Rente. Für die Folgezeit besteht kein
Rentenanspruch mehr. Insbesondere überschreitet die durch den Autounfall bedingte
vorübergehende Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit, die bis 16. März 2015
andauerte (siehe vorstehende E. 3.5 am Schluss), nicht die für einen neuerlichen
befristeten Rentenanspruch massgebende Dauer von drei Monaten (Art. 88a Abs. 2
IVV).
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung – wie von der
Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort beantragt – vom 29. Juni 2021
aufzuheben und der Beschwerdeführerin vom 1. September 2011 bis 31. März 2012
eine ganze und vom 1. April bis 31. Dezember 2012 eine halbe Rente zuzusprechen.
Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.1.
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