Decision ID: 04023d15-e4ac-496c-9c67-db522faaa63f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977,
Mutter zweier Töchter (geboren 1997 und 2000),
arbeitete
seit dem
1.
Juli 2013
in einem 90%-Pensum
als Pflege
fach
frau im Kantonsspital
Y._
(
Urk.
7/1 und
Urk.
7/8).
Am
5.
Juni 2015 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine massive E
r
schöpfung mit steigender Tendenz zur Depression
und Kindheitstraumata bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
be
zug an (
Urk.
7/3).
Am 2
0.
August 2015
teilte
die IV-Stelle
der Versicherten mit, dass sie
als
Frühinterventionsma
ssnahme die Kosten für eine individuelle
Lauf
bahnberatung im Zeitraum vom 2
4.
August 2015 bis zum 2
4.
Juni 2016
über
nehme
(
Urk.
7/17). Gleichzeitig erteilte sie der Versicherten Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom 3
1.
August 2015 bi
s zum 2
8.
Februar 2016 bei
der Arbeitsintegration Z._
(
Urk.
7/18; vgl. auch Schlussbericht Aufbautraining vom
1
1.
März 2016,
Urk.
7/37). Am 1
7.
September 2015 kündigte das
Y._
das Arbei
ts
verhältn
is mit der Versicherten per 31.
Dezember 2015 (
Urk.
7/29). Am
3.
März 2016 erteilte die IV-Stelle der Versicherten Kostengutsprache für ein Arbeits
trai
ning bei
Z._
im Zeitraum vom
1.
März bis zum 3
1.
August 2016 (
Urk.
7/31
; vgl. auch Schlussbericht Arbeitstraining vom
4.
November 2016,
Urk.
7/65
).
Vom 1
8.
bis zum 3
0.
August 2016 war die V
ersicherte im
Kriseninterventionszentrum der i
ntegrierten Psychiatrie
A._
hospitalisiert
(
vgl.
Urk.
1 S. 3 und
Urk.
7/
68/8
).
Am 3
0.
August 2016 teilte die IV-Stelle
ihr
mit,
dass aufgrund ihres Gesundheitszustands zurzeit keine beruflichen Einglie
de
rungs
massnahmen möglich seien (
Urk.
7/47).
Vom 3
0.
August bis zum 2
7.
Okto
ber 2016
wur
de die Versicherte in der K
linik
B._
stationär behandelt (
Urk.
7/68
/13-16
).
In
der Folge zog die IV-Stelle die
von der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich in Auftrag gegebene
n
Gutachten von
Dr.
med.
C._
, FMH Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom 3
0.
April 2015
und vom 2
3.
März 2017 bei
(
Urk.
7/71
und
Urk.
7/77)
. Vom 2
6.
Januar bis zum 2
6.
April 2017 wurde die Ve
r
sicherte
in der
A._
stationär
behandelt (
Urk.
7/83). Mit Schreiben vom 2
1.
Juli 20
17 auferlegte die IV-Stelle ihr
im Sinne ei
ner Schadenminderungspflicht
, die bisherige
tr
aumaspezifische
Psychotherapie
weiterzuf
ühren (
Urk.
7/94). Mit Vor
bescheid vom 2
1.
Juli 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung
des
Rentenbegehrens
in Aussicht (
Urk.
7/96), wogegen diese am
1
3.
September respektive
1.
November 2017 Einwand
erhob
(
Urk.
7/104 und
Urk.
7/107; diese beiden
Eingaben
wurden versehentlich im Dossier einer anderen versicherten Person abgelegt). Mit Verfügung vom 1
0.
November 2017 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf
eine Invalidenrente
(
Urk.
7/108), wogegen diese
am 1
3.
Dezember
2017 Beschwerde
erhob
(
Urk.
7/112). Mit Urteil IV.2017.01360 hiess das Sozialversicher
ungsgericht die
Beschwerde in dem Sinne gut, dass es die
angefochtene Verfügung vom 1
0.
November 2017 aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese ein korrektes
Vorbescheid
verfahren
durchführe und hernach über den Anspruch der Versicherten auf eine
Invalidenrente neu verfüge (
Urk.
7/117). Vom
8.
November bis zum 1
9.
Dezem
ber
2017 wurd
e die Versicherte in der K
linik
B._
und vom 2
1.
Februar bis zum 2
3.
Mai 2018 in der
A._
stationär behandelt (
Urk.
7/124 und
Urk.
7/134). Daraufhin gab die IV-Stelle bei
Dr.
med.
D._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutacht
en in Auftrag, das dieser am 9.
Januar 2019
erstattete (
Urk.
7/147). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
3.
Februar 2019,
Urk.
7/149, und Einwand der Versicherten
vom 1
8.
März bzw.
9.
Mai 2019,
Urk.
7/156 und
Urk.
7/159) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
6.
September 2
019 (Urk.
2) einen Anspruch
auf
Leistungen der Invaliden
versicherung.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
7.
Oktober 2019 Beschwerde und beantragte,
es sei die angefocht
ene Verfügung aufzuheben und
eine Invalidenrente zuzu
sprechen
ab wann rechtens
; eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Ab
klärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
2 S. 2). Die Beschwer
degegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
8.
November 2019 auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin
am
11.
November 2019 angezeigt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
ditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
krankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(fach-)
ärzt
licherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zu
kunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vor
dergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
träch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, be
stehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu um
fasse
n hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheid
bare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Be
lastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psy
chische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung
finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Ge
sundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
1.6
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.7
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit,
dass bei der Beschwerdeführerin keine invalidenversicherungsrechtlich relevante gesund
heitliche Einschränkung mit Krankheitswert habe festgestellt werden können. Aus den Berichten der behandelnden Ärzte und den Gutach
ten von Dr.
C._
ergebe sich, dass psychosoziale Belastungsfaktoren im Vordergrund stehen würden
.
Dr.
D._
habe in
seinem Gutachten vom
9.
Januar 2019 insbesondere
nachvollziehbar
begründet
, weshalb keine posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS)
vorliege (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend,
dass
Dr.
C._
IV-rele
vante Diagnosen nach ICD-10 gestellt und ihr aus psychiatrischer Sicht dauer
hafte Arbeitsunfähigkeiten von zunächst 60
%
und ab August 2016 100
%
atte
stiert habe. Zu berücksichtigen seien auch die diversen Klinikberichte, in welchen ebenfalls
psychiatrische
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
angeführt
worden seien.
Da
ss die festgestellten psychischen Beschwerden
ihre
hinreichende Erklärung in psychosozialen und
soziokulturellen Umständen fänden
,
sei unzutreffend.
Der
Gutachtensauftrag
der Beschwerdegegnerin
an
Dr.
D._
habe sodann
eine
Vorbeurteilung des medizinis
chen Sachverhalts ent
halten
,
weshalb das
Gutachte
n von
Dr.
D._
als nicht beweiskräftig aus den Akten zu weisen
sei
.
Überdies sei
Dr.
D._
s
Herleitung der Diagnosen nicht nachvollziehbar. Sein Gutachten enthalte mehrere inhaltliche Mängel und es fehle eine
ergebnisoffene Gesamtbetrachtung anhand der Standardindi
katoren (
Urk.
1 S. 6 ff.
).
2.3
S
treitig und zu prüfen ist der Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf eine Inva
lidenrente.
3.
3.1
Dr.
C._
diagnostizierte im an die BVK gerichteten Gutachten vom 3
0.
April 2015 eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) bei schwerem psycho
phy
sischem Erschöpfungszustand (ICD-10 F32.0, Z73.0). Er gab an, dass keine Be
rufsunfähigkeit bestehe. Gegenwärtig könne aus fachärztlich-psychiatrischer Sicht
eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit vertreten werden.
In einer angepassten
Tätigkeit sei
aktuell
von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
(
Urk.
7/71/19-20
).
3.2
Der
Casemanager
von
Z._
führte im S
chlussbericht
vom 1
1.
März 2016 aus, dass die Beschwerdeführerin
die Rahmenbedingungen des Aufbautrainings ein
ge
halten und
die vorgegebenen Ziele erreicht habe. Sie habe
sich in der Lauf
bahnberatung und in der Therapie intensiv mit ihrer beruflichen Zukunft aus
einander
gesetzt. Sie
selber sehe
sich im Migrationsbereich. Nach ei
nem ersten Schnuppereinsatz habe
sie auch positive Rückmeldungen des zuständigen Zen
trumsleiters
erhalten
. Ab Sommer
könne die Beschwerdeführerin
in einem Durch
gangszentrum der Asylorganisation
O._
ein drei
monatiges Praktikum absol
vieren (
Urk.
7/37/4).
3.3
Im Schlussbericht vom
4.
November 2016 hielt der
Casemanager
von
Z._
fest, dass die Beschwerdeführerin die Rahmenbedingungen des Arbeitstrainings zu Beginn habe einhalten und die vorgegebenen Ziele habe erreichen können. Der Einsatz im
Durchgangszentrum
der Asylorganisation
O._
habe sich zu
nächst positiv entwickelt und die Beschwerdeführerin habe gute Rückmel
dungen aus dem Team und von ihrer Vorgesetzten erhalten. Ein Vorfall mit einer Asyl
bewerberin, welche sie ins Spital begleitet habe, habe jedoch eine psychische Krise mit akuter Suizidalität ausgelöst. Von
dieser Krise
habe sich die Beschwer
deführerin nicht mehr erholt
und
es habe sogar eine
Klinikeinweisung in Betracht gezogen werden
müssen
. Schliesslich
habe die Massnahme
per Ende
August 2016 abgebrochen werden müssen (
Urk.
7/65/4-5).
3.4
Dr.
C._
stellte i
m Gutachten vom 2
3.
März 2017
zuhanden der BVK
folgende Diagnosen (
Urk.
7/77/14):
(1)
Status nach schwerem psychophysischen Erschöpfungszustand (ICD-10 F73.0) bei
rezidivierender depressiver Störung, im August 2016 mittelgradig ausgeprägt,
gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
(2)
dissoziative Störung
Differentialdiagnose:
-
im Rahmen einer
PTBS
(ICD-10 F43.1)
-
dissoziative Amnesie (ICD-10 F44.1)
-
dissoziative
Fugue
(ICD-10 F44.1)
Dr.
C._
erklärte, dass keine Berufsunfähigkeit bestehe. Seit Sommer 2016 sei die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig.
Auch in
einer angepassten
Tätigkeit bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/77/18).
3.5
Die medizinisc
hen Fachpersonen der
A._
stellten
im Bericht vom 1
8.
Juli 2018 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine PTBS (ICD-10 F43.1) und (2) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1).
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten
sie psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhäng
igkeits
syn
drom (ICD-10 F17.2)
.
Zurzeit sei der Beschwerdeführerin die bisherige Tätig
keit nicht zumutbar. Auch eine dem Leiden angepasste Tätigkeit
sei zurzeit nicht
zumutbar (
Urk.
7/134/3-4).
3.6
Dr.
D._
führte
im Gutachten vom
9.
Januar 2019 folgende Diagnosen
an
(Urk.
7/147/32):
g
emischte dissoziative Störung (Amnesie,
Fugue
, Bewegungs- und Sensi
bilitäts-/Emp
findungsstörungen;
ICD-10 F44.7)
-
bei schweren Belastungen im Lebenslauf, akzentuierten Persönlichkeitszügen, Kon
sum nicht ärztlich verordneter psychotroper Substanzen und vielfältigen sozialen Schwierigkeiten
Dr.
D._
erklärte, dass
in der bisherigen Tätigkeit aus versicherungs
psychia
trischer Sicht keine relevante Minderung der Arbeitsfä
higkeit begründet werden könne
(
Urk.
7/147/53
).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der
angefochtenen Verfügung vom 16.
September 2019
(
Urk.
2)
in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das Gutachten von
Dr.
D._
vom
9.
Januar 2019 (
Urk.
7/147).
4
.2
Das
Gutachten von
Dr.
D._
basiert auf
der
erforderlichen fachärztlich-psy
chia
trischen Untersuchung
und wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben.
Dr.
D._
hat
detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt. Zudem hat er
die medizinischen Zustände und Zusammenhä
nge einleuchtend dargelegt. Sein
e
Expertise
erfüllt demnach grundsätzlich die
rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an eine be
weiskräftige ärztliche Entscheidungsgru
ndlage (vgl. E. 1.8
).
4
.3
Dr.
D._
führte
aus, dass bei der Beschwerdeführerin
in den Jahren
2013 und 2014 ein depressives Syndrom
festgestellt
worden sei. Dieses habe sich bei
sozia
len Schwierigkeiten (unfreiwillige Rückkehr in die Schweiz 2011/
«
Heimweh
»
nac
h Ägypten,
Beschwerdeführerin zunächst allein verantwortlich für
Erwerbsein
kom
men, Administration
s
- und
Erziehungsaufgaben, Belastungen/Tag-Nachtumkehr am Arbeitsplatz, Schwierigkeiten der Herkunftsfamilie des Ehemannes) entwick
elt und zu einer erstmaligen ambulanten psychol
ogisc
he
n Psychotherapie ge
führt. Das
Syndrom
sei
als Anpassungsstörung
(ICD-10 F43.2) zu qualifizieren
.
Das Vorliegen
einer eigenständigen depressi
ven Episode
nach den ICD-10-Krite
rien
könne aufgrund der Angaben in den Akten
bis zum heutigen Zeitpunkt
nicht
bestätigt werden
(
Urk.
7/147/32-34
).
Anlässlich der Untersuchung vom
6.
Dezem
ber 2018
habe die
Beschwerdeführerin sodann von vielen von ihr als Traumata eingeordneten schweren Belastungen
berichtet
(sexuelle Übergriffe durch einen
Sigrist
und einen Lehrer zwischen dem achten
und
dem
1
3.
Altersjahr, als schock
ierend erlebtes Verh
alten des Freundes im 1
6.
Alters
jahr, rezidivierende zwischenmenschliche Konflikte innerhalb der ägyptischen Verwandtschaft ab 1997/1998, Selbstmordattentate 2005, Beteiligung an Demonstrationen 2011, Kon
flikt im Durchgangszentrum
E._
im August 2016, Stuprum im Herbst 2017)
.
Eine PTBS
gemäss
ICD-10 F43.1 könne aufgrund der aktuellen Unter
suchu
ng und der
Angaben in den Akten jedoch nicht hinreichend begründet werden.
Bei den genannten sexue
llen Übergriffen
zwischen dem achten und dem 1
3.
Altersjahr
, be
im Stuprum im Herbst 2017 und
bei der pot
entiell t
ödlichen Bedrohung im Rahmen eines
Selbstmordattentat
s
2005 und
anlässlich von
Demon
strationen 2011
könne das
PTBS-
Kriterium
von
belastenden
Ereignissen
mit
aussergewöhnlicher
Bedrohung od
er katastrophenartigem
Ausmass
zwar
ve
r
mutet werden. Im Weiteren seien
bei der Beschwerdeführerin prädisponierende Faktoren im Sinne von
akzentuierten
Persönlichkeitszüge
n
(narzisstisch, histrio
nisch,
psychasthenisch
und hypochondrisch) vor
handen
, welche die Schwelle für die Entwicklung der Symptome einer PTBS senken
könnten.
Die
in den Akten aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin pauschal postulierten Hinweise und die von ihr
aktuell
noch
erwähnten Erinnerungen
, die den genannten ver
mutlichen Traumata nicht zugeordnet werden könnten,
würden das Kriterium des wie
derholten Erl
ebens der betreffenden Traumata
in sich aufdrängenden Erinne
rungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks)
, Träumen oder Alpträumen
indes
nicht
erfüllen.
Ebenso
wenig
sei
das
Merkmal eines andauernden Gefühls von
Betäubt
sein
und e
motionaler
Stumpfheit vorhanden. Ferner
habe
die Beschwerdeführerin
auch
kein
relevantes Vermeidungsverhalten
beschrieben
. Sie führe eine lang
jährige Partnerschaft,
habe zwei Schwangerschaften ausgetragen,
konfrontiere sich langjährig mit (auch männlichem) Körperkontakt
im Zusammenhang
mit ihrem Beruf
und habe weder nach 2005 noch nach 2011 ihre Aufenthalte
in
/
Reisen nach Ägypten unterbunden. Eine vegetative Übererregtheit oder
Vigilanz
steigerung
werde in den Akten und von der Besc
hwerdeführerin beschrieben,
sei
anlässlich der aktuellen Untersuchung
aber nicht
festgestellt worden.
Der Beginn einer all
fälligen Belastungsreaktion
mit Bezug zu den Ereignissen
sei überdies
unklar (
Urk.
7/147/35-
38
).
Schliesslich
könne festgestellt werden, dass die Krite
rien für die Diagnose einer gemischten dissoziativen Störung (Konversions
stö
rung)
gemäss
ICD-10 F44.7 erfüllt seien. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge de
r Beschwerdeführerin würden
Variante
n
der Norm im Sinne von Eigenheiten der Person darstellen und keinen K
rankheitswert besitzen (
Urk.
7/147/38-
41
).
Dr.
D._
kam zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Pflegefachfrau arbeitsfähig sei. Für d
ie Zeiten stationärer,
meist elektiver
Hospitalisationen
sei von kurzdauernden Arbeitsunfähigkeit
en
auszu
gehen (das heisse gemäss
den
Angaben in den Akten vom 3
0.
August bis zum 2
7.
Oktober 2016, vom 2
6.
Januar bis zum 2
6.
April 2017, vom
8.
November bis zum 1
9.
Dezember 2017 und vom 2
1.
Februar bis zum 2
3.
Mai 2018). Darüber hinaus könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für keinen Zeitraum eine anhaltende relevante Minderung der Arbeit
s
fähigkeit
angenomme
n werden (Urk.
7/147/53-54).
4
.4
D
iese Beurteilung
von
Dr.
D._
ist angesichts der genannten Befunde sowie der dazugehörigen Erläuterungen nachvollziehbar.
Dr.
D._
s
Gutachten enthält
dabei
auch
eine hinreichende Auseinandersetzung mit den normativen Vorgaben (Standardindikatoren)
gemäss
BGE 141 V 281
(vgl.
E. 1.4)
.
Diesbezüglich ist seiner Expertise
insbesondere zu entnehmen,
dass die Beschwerdeführerin
mit Hilfe ihres Ehemannes und ihrer Mutter
den
Haushalt besorge
, im Garten arbeite,
das
Internet
nutze,
TV
sehe
, male, häkle und
Skulptu
ren aus Ton und Pappmaché
produziere
.
Ferner
restauriere sie Gegenstände
und verbringe damit zwei bis acht
Stunden pro
Tag. Sie kümmere sich um die Admini
stration (inkl. Bankgeschäfte), nehme Termine wahr, f
ahre mit dem
Velo,
nutze den
öffentlichen Verkehr, pflege
soziale Kontakte und
reise r
egelmässig nach Ägypten (
Urk.
7/
147/44).
Eine gleichmässige Einschränkung
des
Aktivitätenni
ve
aus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen ist unter diesen Umständen zu verneinen.
Im Weiteren legte
Dr.
D._
überzeugend
dar
, dass die von
Dr.
C._
im Gut
achten vom 3
0.
April 2015 vorgenommene Zuordnung des depressiven Syn
drom
s zu einer (leichten) depressiven Episode (ICD-10 F32.0) mit Bezug zur ICD-10-Definition nicht möglich sei.
Dies vor dem Hintergrund, dass
Dr.
C._
das Vor
liegen obj
ektive
r
psychopathologische
r
Befunde
ausdrücklich verneint
habe (
Urk.
7/147/33-34
).
Zudem ist darauf hinzuweisen, dass
Dr.
C._
im Gutachten vom 2
3.
März 2017
– nebst der von
Dr.
D._
bestätigten
Diagnose einer
disso
ziativen Störung
–
einzig
eine gegenwärtig remittierte rezidivierende depressive Störung festgestellt hatte
(
Urk.
7/77/14).
Gleichwohl attestierte er
der Beschwer
de
führerin
eine seit Sommer 2016 bestehende
vollständige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/77/18)
– was nicht
nachvollziehbar
erscheint. Dr.
D._
bemerkte denn auch, dass die Beurteilungen zur Arbeitsfäh
igkeit in den Akten aus versiche
rungspsychiatrischer Sicht aufgrund der spärlichen
un
spezifischen objektiven
psy
chopathologischen
Befunde, der teilweise widersprüchlichen Einschätzungen und der fehlenden Diskussion mit Bezug zum Klassifikationssystem nicht nach
voll
ziehbar seien;
sie würden sich
weit überwiegend auf die Selbsteinschätzung der Bes
chwerdeführerin abstützen (Urk.
7/147/55).
4
.5
Die Einwände der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1
S. 6 ff.
)
sind
nicht stichhaltig.
Dass der Gutachtensauftrag der Beschwerdegegnerin an
Dr.
D._
nicht neutral for
mu
liert worden sei
n soll
,
ist unzutreffend. Wie aus dem ergänzenden Frage
n
katalog an
Dr.
D._
vom
2
7.
August 2018 ersichtlich ist,
wurde
n
die betref
fen
den
Fragen
offen
und nicht in irgendeiner Form voreingenommen
gestellt
(
Urk.
7/137/3)
.
Im Übrigen
war
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
selbstverständlich
dazu befugt
,
in der Stellungnahme vom 2
0.
August 2018
auf von ihm festgestellte
Inkonsistenzen in den medizinischen
Akten
hinzuweisen
(
Urk.
7/148/3-4)
.
Die vo
n
Dr.
D._
benannten sozialen Schwierigkeiten bzw.
psychosozialen
Bel
astungs
faktoren
, die
das vorliegende Beschwerdebild mitbestimmen
,
sind für
sich allein genommen
sodann
nicht i
nvalidisierend (vgl. E. 1.5
).
Erhebliche Anhaltspunkte dafür, dass
die detaillierten Ausführungen von
Dr.
D._
zum Alltag und zu den sozialen Kontakten
(
Urk.
7/147/44
)
, die auf den Angaben der Beschwerdeführerin selbst beruhen, falsch sein könnten, liegen nicht vor.
Schliessl
ich
kann die Be
schwerdeführerin auch
aus den Schlussberichten zum Aufbau- und Arbeitstrai
ning nichts zu ihren Gunsten ableiten (
Urk.
7/37 und
Urk.
7/65).
Auf das Gutachten von
Dr.
D._
kann demnach abgestellt werden.
Weitere medizinische Abklärungen sind nicht erforderlich.
5.
Die angefochtene Verfügung (Urk. 2)
, mit der das Vorliegen eines invalidi
sie
renden
Gesundheitsschaden
s
verneint wurde,
erweist sich damit als rechtens. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.