Decision ID: ab4ce22e-a713-4997-9251-99b5d7a57084
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1996,
bezog
als Kind
medizinische Massnahmen
der Invali
denversicherung
wegen einer leichten
cerebralen
Bewegungsstörung (
Ge
burtsgebrechen
Ziff.
395
des Anhangs zur Verordnung über Geburtsgebrechen,
Urk.
6/2) sowie wegen eines Nabelschnurbruchs und Bauchspalte (
Geburtsgebre
chen
Ziff.
30
2
,
Urk.
6/4)
und
besuchte
eine
heilpädago
gische Frühförderung (
Urk.
6/6)
.
Zudem wurden
von der Invalidenversicherung
wegen einer angebo
renen schweren Sehbehinderung (Geburtsgebrechen
Ziff.
418 und 423)
medizi
nische Massnahmen
(
Urk.
6/13)
und ein Pflegebeitrag
beziehungsweise eine
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige betreffend
eine Hilflosigkeit leichten Grades
im Sonderfall
(
Urk.
6/27
,
Urk.
6/52
,
Urk.
6/87
und
Urk.
6/142
) gewährt
sowie die Kosten für den Besuch der Schule für Sehbehinderte
(
Urk.
6/35
und
Urk.
6/42
)
und Hilfsmittel
übernommen
.
1.2
Mit Schreiben vom 1
5.
März 2012 stellten die Eltern von
X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
ein Gesuch um Be
rufsberatung (
Urk.
6/120).
Die IV-Stelle übernahm nach Vorabklärungen die Kosten für eine Berufswahlabklärung bei der
Y._
(
Y._
)
vom 5.
August 2013 bis
2
8.
Februar
2014
(
vgl. de
n
Abschlussbericht vo
m 10. Februar 2014,
Urk.
6/167
,
und
de
n
Abschlussbericht vom
3.
April 2014, Urk.
6/169,
sowie
Urk.
6/150
,
Urk.
6/154
und
Urk.
6
/165
).
Am 1
8.
Juli 2014 meldete sich
X._
zum Bezug von Leistungen der Invali
denversicherung für Erwachsene an (
Urk.
6/184 und
Urk.
6/189-190).
Vom 3
1.
Juni bis 1
1.
Juli 2014 absolvierte
der Versicherte
eine Schnupperlehre im Office der Fachstelle
Z._
,
A._
(
vgl. der Bericht vom 2
3.
Juli 2014
Urk.
6/191)
.
Im Anschluss teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie die Mehrkosten der erstmaligen berufli
chen Ausbildung (Büroarbeiten
Praktische Ausbildung nach INSOS
PrA
) bei der Fachstelle
Z._
mit Ausbildungsbegleitung durch die
Y._
O._
vom
8.
September 2014 bis 7.
September 2015 übernehme (
Urk.
6/199
erstes
Ausbil
dungsjahr
).
Mit Verfügung vom
2.
Dezember 2014 sprach
die IV-Stelle
dem
nun volljähri
gen
Versicherten
mit Wirkung ab
1.
August 2014
eine Entschädigung wegen leichter
Hilflosigkeit
im Sonderfall
zu (
Urk.
6/220).
1.3
Nach dem ersten
Ausbildungsjahr
wurde die
Praktische Ausbildung nach INSOS
Fachrichtung Büroarbeiten
nicht weitergeführt (vgl. de
n
Abschlussbericht zur beruflichen Massnahme vom
5.
August 2015
Urk.
6/242 und das
Verlaufsproto
koll
zur Berufsberatung vom
1
5.
September 2015
Urk.
6/245).
Mit Mitteilung vom 1
5.
September 2015 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab (
Urk.
6/244).
Die IV-Stelle holte einen Arztbericht (
Urk.
6/246),
und
eine Stellungnahme bei ihrem regionalen ärztlichen Dienst (RAD) ein (Urk.
6/250 S. 3 f.) und sprach dem Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/253 ff.) m
it Verfügung vom 1
6.
März
2016
mit Wirkung ab 1. September 2015 eine ganze Rente zu (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Ve
rsicherte am 4. April
2016 (Urk. 1) „Einsprache“, die er an die IV-Stelle richtete, mit dem sinngemässen Antrag, es sei ihm eine Rente in der Höhe seines Existenzminimums zuzusprechen. Diese Eingabe wurde
am 7. April 2016
von der IV-Stelle ans Sozialversicherungsgericht des Kantons Zü
rich weitergeleitet
(Urk. 3)
und vom Gericht a
ls Beschwerde entgegengenom
men (Urk. 4).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Mai 2016 beantragte die IV-
Stelle, es
sei die Sache zu
weiteren medizinischen
– insbesondere neuropsychologischen –
Abklärung
en
an sie zurückzuweisen (
Urk.
5)
.
Mit Beschluss vom 1
8.
Mai 2016
stellte das Gericht den Parteien
eine Rückweisung der Sache
zu weiteren Ab
klärungen
an die
IV-Stelle in Aussicht
.
Der Beschwerdeführer
wurde
in
Nach
achtung
der Rechtsprechung (BGE 137 V 314)
auf das Risiko einer
Schlechter
stellung
und
auf
die Möglichkeit eines Beschwerderückzug
s
aufmerksam ge
macht
.
Er
wurde
zudem
auf die Mögli
chkeit
hingewiesen
, Er
gänzungsleistungen zu beantrage
n
(
Urk.
7). Die
dem Beschwerdeführer
für den Beschwerderückzug angesetzte Frist von 20 Tagen liess
dieser
unbenutzt verstreichen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG
in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung
).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer hielt der
Rentenzusprechung
mit Verfügung vom 16.
März 2016 (
Urk.
2) entgegen, dass
das
Rentenbetreffnis
von Fr. 1‘567.--mo
natlich
zur Bestreitung seiner Lebenshaltungskosten nicht ausreiche (
Urk.
1 sinngemäss).
2.2
Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer
Vernehmlassung
vom 1
0.
Mai 2016, dass die Sache zu weiteren Abklärungen an sie zurückzuweisen sei (
Be
schwerdeantwort
Urk.
5).
Sie
führte hierzu
aus, die
Rentenzusprache
habe sich insbesondere auf die Ausführungen im Abschlussbericht über die beruflichen Massnahmen vom
5.
August 2015 gestützt. Laut diesem Bericht habe der Be
schwerdeführer über eine Leistungsfähigkeit von lediglich knapp 10 % verfügt, da es ihm aufgrund
begrenzter kognitiver Fähigkeiten
nicht möglich gewesen sei, die Hilfsmittel, die ihm in Bezug auf seine Sehbehinderung zur Verfügung gestanden hätten, optimal zu nutzen. Da diese kognitiven Beeinträchtigungen jedoch
nicht
medizinisch – insbesondere neuropsychologisch – abgeklärt wor
den seien, seien weitere Abklärungen notwendig.
2.3
Gegenstand der vorliegenden Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 1
6.
März 2016 (
Urk.
2).
Mit der verfügungsweisen Zusprechung einer unbefristeten Invalidenrente wird ein im Wesentlichen durch die Anspruchsberechtigung an sich sowie die Höhe und den Beginn der Leistung bestimmtes Rechtsverhältnis geordnet. Der Be
schwerdeführer beanstandete
mit Bezug auf die zugesprochene Rente
lediglich
das
Betreffnis
(
Urk.
1)
. Dies
bedeute indes nicht, dass
die
Anspruchsberechti
gung
an sich in Rechtskraft erwachsen und der rechtliche
n
Überprüfung entzo
gen ist
(Melchior Volz, in: Christian Zünd/Brigitte Pfiffner
Ra
uber
,
Gesetz
über
das
Sozialversicherungsgericht
des
Kantons
Zü
rich, 2. Auflage, Zü
rich/Basel/
Genf 2009, N 3
4 zu § 13
GSVGer
mit Hinweisen
).
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer lediglich die Höhe der Renten
bemängelte
, hat
somit
keine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass
die Anspruchsberechtigung an sich
von der gerichtlichen Beurteilung ausgeklammert bleiben würde (vgl.
BGE 125 V 413 E. 2d mit
wei
teren
Hinweisen).
Zu prüfen ist demnach, ob die Verfügung vom 1
6.
März 2016
, mit welcher dem Beschwerdeführer mit
Wirkung ab
1.
September 2015
eine ganze Rente
im Be
trag von Fr. 1‘567.-- pro Monat
zugesprochen wurde,
rechtens war.
3.
3.
1
Dr.
med.
B._
, Oberärztin, med.
pract
.
C._
, Fachärztin Kinder- und Jugendmedizin
,
und
Dr.
med.
D._
, medizinischer Direktor
des
Schwei
zerische
n
Epilepsie-Zentrum
s,
nannten im Bericht vom
1.
Februar 2011
(
Urk.
6/206)
die folgenden Diagnosen
(S. 1)
:
Ausschluss einer Epilepsie
Unklares
Dysmorphie
-Syndrom mit
Makrozephalie
Mikrokornea beidseits (links mehr als rechts
)
Kolobome
beidseits
Augenmobilitätsstörung mit Spontan-, sowie Blickrichtungsnystagmus sowie
Pen
delnystagmus
Abduzenzparese
beidseits
Status nach
O
m
phalozele
Operation im Juli 1996
3.
2
Am 2
8.
Oktober 2011 nannten
Dr.
med.
E._
, Oberarzt, sowie Prof.
Dr.
med.
F._
, Augenklinik,
Universitätsspital G._
(
Urk.
6/
130/5
)
,
die Di
agnosen OU (an beiden Augen) Iris-, Aderhaut-, und
Papillenkolo
bom
sowie
Mikrophthalmus
. Rechts
bestehe
ein
Visus
von 0.05 (cc -5.5/-5.25/82°) bei ei
nem horizontalen und etwas
rotatorischen
Nystagmus, reizfreien vorderen
Bul
busabschnitten
und einem
Iriskolobom
unten. Zudem habe sich ein ausgepräg
tes
Papillen- und
Aderhautkolobom
unten gefunden. Ansonsten sei die Netz
haut anliegend. Die
Tensio
betrage 16
mmHG
. Links bestehe ein
Visus
von 0.1 (cc -6.
7
25/-7.25/103°). Die übrigen Bunde seien dieselben wie auf der rechten Seite.
Es gebe keine therapeutischen Möglichkeiten. Die Fehlbildung habe sich intrauterin entwickelt und werde sich auch nicht weiterentwickeln.
3.
3
Am 1
8.
Juli 2012
führte
der RAD-Arzt
Dr.
med.
H._
, Praktischer Arzt FMH
,
aus
(Urk. 6/
2
50 S. 2)
, im Bericht der Schule für Sehbehinderte
vom
6.
Juli 2011
(vgl.
Urk.
6/123/7-11 S. 1)
sei
festgehalten
worden
, dass der Beschwerde
führer Mühe habe, eigene Lösungswege zu entwickeln und deshalb oft auf Un
terstützung angewiesen sei. Er könne vermehrt den Bezug vom Schulstoff zum Alltag herstellen, stehe aber am Anfang dieses Prozesses. Darum brauche er viele Erklärungen, Wiederholungen und Hilfen
,
bis er den Stoff verstanden habe.
Dr.
H._
gab an, e
in Gesundheitsschaden sei ausgewiesen. Neben der erheblichen Beeinträchtigung der Sehkraft liege auch eine kognitive
Ent
wicklungsverzögerung
vor. Der Gesundheitsschaden sei nach Art, Schwere und Auswirkungen für die berufliche Ausbildung erschwerend. Inwieweit ein ge
schützter Rahmen notwendig sei, könne aus der Aktenlage nicht abschliessend beurteil
t
werden, erscheine aber
als
wahrscheinlich.
3.
4
Im Abschlussbericht
der Fachstelle
Z._
vom
5.
August 2015 betreffend
das erste INSOS-Ausbildungsjahr zum Praktiker
PrA
Büroarbeiten
vom 8.
September 2014 bis
7.
September 2015 (
Urk.
6/242)
wurde angegeben,
dass
eine Integra
tion
in den
ersten
Arbeitsmarkt nicht angezeigt
sei
. Zusätzlich zur
Sehbehinde
rung
bestünden beim Beschwerdeführer kognitive Einschränkungen, wodurch er eine sehr intensive und unterstützende Begleitung und Kontrolle bei der Arbeit
(
im Büro
)
benötigte.
Seine Selbständigkeit und seine Lernfähigkeit seien einge
schränkt, so dass er eher in begrenztem Masse eigene Ableitungen und Lernin
halte herstellen beziehungsweise solche miteinander verknüpfen könne. Ebenso benötige er intensiverer Begleitung in einem räumlichen Umfeld, wenn dieses nicht speziell für Sehbehinderte eingerichtet sei (Treppen, Wege, Lichtverhält
nisse, keine speziell umgerüsteten Büromaschinen, und -geräte oder
Telefonan
lagen
). Empfohlen
würden
niederschwellige repetitive Tätigkeiten und
Serienar
beiten
manueller Art mit Papier oder anderen Materialen und zwar nicht vor
zugsweise im Büro. Der Beschwerdeführer brauche eine sehr klare Anleitung über einzelne überschaubare Arbeitsschritte. Bei solchen Aufgaben und Arbei
ten könne er eine sehr gute Ausdauer beweisen und dranbleiben. Arbeiten mit Inhalten zu füllen gelinge kaum
(S. 2 f
.
).
Es sei ein
e Präsenz von
40 Stunden in der Woche
am Arbeitsplatz
möglich, aber realistisch sei
aufgrund des bisherigen Verlaufs eher
eine Präsenz von 95
%
. Bei einem Leistungsgrad von maximal 10
%
ergebe sich eine Leistungsfähigkeit be
zogen auf den ersten Arbeitsmarkt von knapp 10
%
(S. 3)
.
Es sei anlässlich des gemeinsamen Standortgesprächs Anfang Juli 2015 mit der IV
-Stelle
der Entscheid getroffen worden, dass dem Beschwerdeführer kein zweites INSOS-Ausbildungsjahr zugesprochen werde. Es sei dem Beschwerde
führer aufgrund seiner begrenzten kognitiven Fähigkeiten nicht möglich gewe
sen, die ihm aufgrund seiner
Sehbehindung
zur Verfügung stehenden Hilfsmit
tel so effektiv einzusetzen und zu nutzen, dass er sich zusätzliches Wissen habe erarbeiten und einen wesentlichen Lernzuwachs habe erreichen können.
Es seien p
raktisch während des gesamten Ausbildungsjahres
verschiedene
kogni
tive Abklärung
en durchgeführt worden (diverse
Schultests und Übungen EBA-Niveau), die diese Resultate bestätigt hätten. Der Beschwerdeführer habe nicht von einer wesentlichen kognitiven Leistungsentwicklung profitieren können
(S. 9 f.)
.
3.
5
Im Verlaufsprotokoll zur Berufsberatung vom 1
5.
September 2015
hielt die IV-Berufsberaterin fest
, dass der Versicherte in verschiedenen Massnahmen auf eine Erwerbstätigkeit in der behinderungsangepassten Büroarbeit vorbereitet worden sei. Da er trotz dieser vielen Unterstützungsangebote und trotz seiner guten Motivation und seinem Leistungswillen nur eine Leistungsfähigkeit von zirka 10
% (verglichen mit dem
ersten
Arbeitsmarkt) habe erlangen können, seien
die involvierten Stellen
zum Schluss gekommen, dass ein
e
rentenwirk
same
Eingliederung
in den
ersten
Arbeitsmarkt nicht möglich sei.
Da manuelle (kognitiv weniger anspruchsvolle) Tätigkeiten bei einer derart schweren
Sehbe
hinderung
ebenfalls nicht zu einem rentenbeeinflussenden Einkommen führen könnten, werde die Rentenprüfung beantragt (
Urk.
6/245 S.
2 f.).
3.
6
Die Beschwerdegegnerin holte
hernach
beim behandelnden Augenarzt einen Bericht ein (vgl. auch
Urk.
6/247).
Dr.
m
e
d.
E._
nannte
am
30.
September 2015
(
Urk.
6/246)
die bekann
ten ophthalmologischen Diagnosen
. Er
gab an,
der
Beschwerdeführer
sei seit dem Jahr 2008 bei ihm in ambulanter Behandlung
. Die Sehleistung habe sich nur unwesentlich verändert. Aktuell zeige sich rechts eine Sehleistung von Fingerzählen im Abstand von 50 Zenti
mete
rn und links von 0
.
0
5.
Die übrigen Befunde seien unverändert bei normaler
Tensio
. Prognostisch könne die Sehleistung noch weiter abfallen. Das periphere Gesichtsfeld sollte stabil bleiben.
Dr.
E._
führte weiter aus, auf
grund der extrem schlechten Sehleistung sei der Beschwerdeführer
in der
zuletzt ausgeübten
Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine Arbeit, die
behinder
ten
ge
recht
angepasst sei, sei aus seiner Sicht zu 100 % verantwortbar. Die Arbeit sollte blind durchgeführt werden können, da es keine Garantie gebe, wie sich die Netzhautsituation langfristig verändere. Zudem
bestehe eher eine orientie
rende als eine
wirklich
sehende Sehleistung
. Eine Besserung der
Gesamtsitua
tion
sei nicht zu erwarten.
3.
7
Am
5.
Januar 2016
gab
die RAD
-Ärztin
Dr.
I._
, Allgemeine I
nnere Medizin FMH (
Urk.
6/250 S. 3 f
.)
,
an,
aus
Sicht
des RAD sei beim schwer sehbehinderten Versicherten
bei unklarem
Dysmorphiesyndrom
(mit laut dem Bericht der
P._
klinik
vom
1.
Februar 2011
Makrocephalie
und Augenproblematik)
auch von
eingeschränkten neurokognitiven Ressourcen auszugehen. Dies habe sich bei der Ausbildung gezeigt. Es werde von einer Leistungsfähigkeit von 10
%
vergli
chen mit dem ersten Arbeitsmarkt ausgegangen
, was aus
Sicht des RAD auf die erlernte und auf eine andere angepasste Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu be
ziehen sei. Der Versicherte werde lebenslang auf einen Nischenarbeitsplatz oder alternativ auf eine Tätigkeit im geschützten Rahmen angewiesen bleiben. The
rapeutische Massnahmen zur Besserung des
Visus
und der neurokognitiven De
fizite
gebe es nicht. Der
Visus
könne weiter abnehmen. Eine
Hilfslosenentschä
digung
im Sonderfall sei offenbar seit längerem zugesprochen worden.
4.
4.1
Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4
Abs.
1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7
Abs.
2 ATSG ist die medizinische Befundlage
.
Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit ist anspruchserheblich, wenn sie Folge ei
ner Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (
BGE 141 V 281 E. 2.1
, BGE 130 V 396).
Mit den vorhandenen medi
zinischen Akten ist ausgewiesen, d
ass der Beschwerdeführer unter
einer
schwe
ren Sehbehinderung leidet.
Laut dem behandelnden Augenarzt ist der Be
schwerdeführer in einer an die extrem s
chlechte Sehleistung angepasste
n
Tätig
keit beziehungsweise in einer Tätigkeit, die auch blind ausgeführt werden kann, zu 100
%
arbeitsfähig.
Keine medizinischen
beziehungsweise neuropsychologischen
Abklärungen wur
den indes bislang betreffend die im Rahmen der beruflichen
M
assnahmen
fest
gestellten
kognitiven Defizite
getroffen
.
Die
RAD-Ärztin
nahm an
, es sei auch von eingeschränkten neurokognitiven Ressourcen auszugehen, was sich bei der Ausbildung gezeigt habe. Eine
umfassende
medizinische
Abklärung fand
an
lässlich der Prüfung der Rentenfrage
allerdings
nicht statt.
Aufgrund der vor
handenen medizinischen Berichte lassen sich die erwähnten
neuro
kognitiven Defizite nicht zuverlässig und rechtsgenügend beurteilen
(vgl.
bereits
der ent
sprechende Hinweis des RAD-Arztes
Dr.
H._
in
seiner
Stellungnahme vom 1
8.
Juli 2012, E. 3.3
)
.
Die bisherigen medizinischen Abklärungen erweisen sich als ungenügend. Die Ausführungen im Abschlussbericht zu den beruflichen Massnahmen vermögen die
unzureichenden
medizinischen Abklärungen nicht zu ersetzen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_646/2015 vom 1
9.
Mai 2016 E. 4.4)
.
Davon geht im Beschwerdeverfahren auch die Beschwerdegegnerin aus (vgl.
Urk.
5).
4.2
Da nach
der gesetzlichen Konzeption dem Versicherungsträger die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 2
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
) obliegt, und es entsprechend dem Untersuchungsgrundsatz in erster Linie Sache der zu
ständigen Behörde ist, die materielle Wahrheit zu ermitteln (Urteil des damali
gen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 478/04 vom 5. Dezember 2006 E. 2.2.4.3), ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl.
hiezu
auch BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 mit Hinweisen), damit sie entsprechende (
medi
zinische
) Abklärungen treffe und hernach über
den Rentenanspruch neu ent
scheide
.
4.3
Bei diesem Ausgang des
Verfahrens erübrigt sich die Prüfung der
Rentenhöhe beziehungsweise der
Rentenberechnung.
5
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 700.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.