Decision ID: c0dc6081-1416-4a6c-88f3-efe59aa5cdde
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im April 2005 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Bei einem Autounfall vom 4. November 2003
hatte er sich eine Commotio cerebri, ein HWS-Distorsionstrauma und eine Kontusion
der linken Schulter zugezogen (IV-act. 11-214).
A.b Am 20. November 2007 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle
polydisziplinär (allgemein-internistisch, neurologisch, psychiatrisch) durch die ABI
Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH (nachfolgend: ABI) begutachtet (Gutachten
vom 29. Januar 2008, IV-act. 50). Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gaben die Gutachter ein chronisches Zervikalsyndrom, eine leichte bis mittelgradige
depressive Episode (ICD-10: F32.0, F32.1) und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (F45.4) an. Der neurologische Gutachter Dr. med. B._ erachtete die
angestammte Tätigkeit als Gipser sowie andere körperlich schwer und überwiegend
mittelschwer belastende Tätigkeiten als bleibend nicht mehr zumutbar. Für adaptierte,
körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten schätzte er die Arbeitsfähigkeit aus
neurologischer Sicht auf 50 %. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. C._
bescheinigte dem Versicherten aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 20 %. In polydisziplinärer Hinsicht attestierten die Gutachter dem
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Beschwerdeführer für die angestammte Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit. Die
Arbeitsfähigkeit für leichte und adaptierte Tätigkeiten legten sie auf 50 % fest.
A.c Mit Vorbescheid vom 23. März 2009 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem IV-Grad von 58 % die Zusprache einer halben IV-Rente ab 1. November 2004 an
(IV-act. 108). Dagegen liess der Versicherte am 8. Mai 2009 einen Einwand erheben (IV-
act. 109). Am 14. Mai 2009 kündigte die Suva eine nochmalige psychiatrische
Begutachtung an (IV-act. 113). Am 22. Mai 2009 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie einen neuen Vorbescheid eröffnen werde, sobald das Gutachten der Suva
vorliege (IV-act. 115).
A.d Dr. med. D._ von der Psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich
(USZ) hielt in ihrem psychiatrischen Gutachten vom 31. März 2010 zuhanden der Suva
fest (IV-act. 124), dass der Versicherte an einer rezidivierenden depressiven Störung
mit aktuell mittelgradig depressiver Episode mit somatischem Syndrom (F32.11), an
einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS, F43.1) und an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung leide. Der Versicherte sei in jeglicher Tätigkeit zu 100
% arbeitsunfähig.
A.e Mit einem zweiten Vorbescheid vom 7. Juni 2010 ersetzte die IV-Stelle den
Vorbescheid vom 13. Oktober 2009 (gemeint: 23. März 2009) und stellte dem
Versicherten bei einem IV-Grad von 100 % die Zusprache einer ganzen Rente ab dem
1. November 2004 in Aussicht (IV-act. 130). Am 12. November 2010 verfügte die IV-
Stelle im Sinne des Vorbescheids (IV-act. 134, 144, 187-88 ff.).
B.
B.a Am 14. September 2012 erhielt eine IV-Sachbearbeiterin einen anonymen
telefonischen Hinweis, wonach der Versicherte eine IV-Rente beziehe, aber ziemlich
gesund und rüstig aussehe (IV-act. 154). Es sei kaum vorstellbar, dass er nichts mehr
arbeiten könne. Jedenfalls lege er in seinem Garten wacker Hand an. Der Versicherte
und seine Ehefrau besässen eine Villa, eine Blockwohnung in E._ und würden einen
BMW fahren.
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B.b Dr. med. F._ von der IV-Stelle notierte am 3. Oktober 2012 (IV-act. 156), dass er
angesichts der Aussagen des Hinweisgebers verstärkte Zweifel am monierten
Sachverhalt habe und aus medizinischer Sicht eine Observation unterstütze. Die IV-
Stellenleitung bewilligte den Observationsantrag am 24. Oktober 2012 (IV-act. 157). Die
erste Observationsphase dauerte vom 15. Dezember 2012 bis zum 4. Januar 2013
(Ermittlungs- und Observationsbericht vom 14. Januar 2013, IV-act. 160). Dr. F._
notierte am 21. Januar 2013, dass das Observationsmaterial keine Aussage zur
Arbeitsfähigkeit erlaube (IV-act. 162). Vom 25. bis 28. April 2013 erfolgte die zweite
Observationsphase (Ermittlungs- und Observationsbericht vom 3. Mai 2013, IV-act.
163). Dr. F._ notierte am 13. Mai 2013 (IV-act. 164), dass sich aufgrund des
Observationsmaterials sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht
Zweifel am medizinischen Sachverhalt ergäben. Er empfahl eine psychiatrisch-
neurologische Verlaufsbeurteilung durch das ABI.
B.c Im Revisionsfragebogen vom 29. Mai 2013 gab der Versicherte an, dass sein
Gesundheitszustand gleich geblieben sei (IV-act. 167). Dr. med. G._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, bestätigte dies in seinem Bericht vom 5. Juni 2013 (IV-act. 171).
B.d Am 10., 17. und 18. Oktober 2013 wurde der Versicherte zum dritten Mal
observiert (Ergänzungsbericht vom 28. Oktober 2013, IV-act. 177). Gestützt auf das
Observationsmaterial empfahl Dr. med. H._ von der IV-Stelle am 19. Dezember 2013
eine Verlaufsbegutachtung (IV-act. 179).
B.e Am 24. Januar 2014 fand ein Gespräch in der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (SVA) statt (IV-act. 183). Der Versicherte berichtete über grosse
Schmerzen im Nacken, in der linken Schulter und in beiden Armen und Händen. Am
Schlimmsten sei das "kaputte" Gleichgewicht. Er könne lediglich geradeaus gehen;
hinauf- und hinabgehen sei nicht möglich. Er fahre vielleicht vier Mal pro Monat Auto,
aber nur sehr kurze Strecken. Nachdem der Versicherte über die Observation informiert
worden war, revidierte er seine Angaben teilweise.
B.f Am 17. und 18. November 2014 erfolgte eine bidisziplinäre, neurologisch-
psychiatrische Verlaufsbegutachtung durch das ABI (Gutachten vom 15. Dezember
2014, IV-act. 200). Die Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
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• Chronisches Zervikalsyndrom mit möglicher radikulärer Reiz- und sensibler
Ausfallssymptomatik der Wurzel C6 und/oder C7 links
- degenerative Veränderungen der HWS mit linkslateraler Protrusion C5/6 und
mediolinkslateraler Diskushernie C6/7 (MRI 05/14)
• Status nach Vestibularisausfall links 08/12 laut Angabe
- funktionelle Gleichgewichtsstörung
• rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.0).
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) und
einen Status nach einem Autoselbstunfall am 4.11.2003. Der psychiatrische Gutachter
Dr. med. I._ erklärte, dass eine psychische Überlagerung angenommen werden
müsse, da das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive
Krankheitsüberzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, durch die somatischen
Befunde nicht hinreichend hätten objektiviert werden können. Der Versicherte leide
unter einer leichten Antriebsverminderung und er habe eine gewisse Freudlosigkeit und
einen gewissen sozialen Rückzug gezeigt. Bei der psychiatrischen Untersuchung sei er
etwas verlangsamt gewesen und habe kaum Blickkontakt aufgenommen. In der
Beschwerdeschilderung und in seinem Verhalten habe er dazu geneigt, sich als schwer
leidenden Menschen darzustellen; sein Verhalten habe etwas Theatralisches an sich
gehabt. Die Foerster-Kriterien seien nicht erfüllt, weshalb die chronische
Schmerzstörung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Rückwirkend fänden
sich keine Hinweise dafür, dass der Versicherte während längerer Zeit an einer
mittelgradigen oder schweren depressiven Störung gelitten hätte. Entgegen seiner
Angaben nehme er das verordnete Antidepressivum kaum ein, wie die
Blutuntersuchungen gezeigt hätten. Die leichte depressive Störung sei also nicht
adäquat behandelt. Die Voraussetzungen für die Diagnose einer PTBS seien nicht
erfüllt: Bis zum Autounfall im Jahr 2003 habe der Versicherte nie psychische Probleme
gehabt. An den Autounfall, bei dem er sich keine schweren Verletzungen zugezogen
habe, habe er keine eigenen Erinnerungen. Er leide nicht unter Albträumen und
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Flashbacks. Die Beziehung zu den Familienangehörigen sei gut und er pflege lockere
soziale Kontakte. Aufgrund des rezidivierenden Verlaufs der depressiven Störung
könne auf die Zeit gemittelt von einer etwas verminderten Belastbarkeit im Sinne einer
20 %igen Leistungseinbusse ausgegangen werden. Der neurologische Gutachter Dr.
B._ führte aus, dass zum aktuellen Zeitpunkt weder eine relevante akute noch eine
chronisch-neurogene Schädigung habe objektiviert werden können. Eine radikuläre
Reiz- und sensible Ausfallsymptomatik der Wurzel C6 und/oder C7 sei aber vor allem
angesichts der MRI-Bilder nach wie vor möglich. Die Beurteilung sei wegen einer
funktionellen Überlagerung erschwert und das Schmerzverhalten sei auffällig gewesen.
Die Hypotrophie bei den Umfangmessungen spreche aber dafür, dass eine gewisse
Schonung des linken dominanten Armes auch im Alltag stattfinde. Trotzdem bestehe
eine gewisse Diskrepanz zwischen den angegebenen Beschwerden und den
objektivierbaren Befunden. Der klinische Befund sei eigentlich unverändert im Vergleich
zur Voruntersuchung im November 2007. Die damalige Einschätzung einer 50 %igen
Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit erscheine im Lichte des
zwischenzeitlichen Verlaufs, des Resultats der Observation und der aktuell stärker
manifesten funktionellen Überlagerung aber als sehr grosszügig. Dr. B._ schätzte die
aktuelle Einschränkung in einer angepassten Tätigkeit auf 30 %. Zusammenfassend
resultierte aus bidisziplinärer Sicht für körperlich leichte bis selten mittelschwere,
adaptierte Tätigkeiten eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 70 % (erhöhter
Pausenbedarf von 10-15 Minuten pro Stunde mit leicht reduziertem Rendement). Im
Hinblick auf die Observationsberichte sei davon auszugehen, dass diese Einschätzung
wahrscheinlich schon etwas länger bestehe. Mit Sicherheit gelte sie ab November
2014.
B.g Dr. H._ von der IV-Stelle notierte am 15. Januar 2015 (IV-act. 201), dass auf das
Gutachten vollumfänglich abzustellen sei. Der psychische Gesundheitszustand habe
sich gegenüber dem Vorgutachten aus dem Jahr 2010 signifikant verbessert.
Neurologisch lasse sich seit dem Gutachten des ABI von 2008 eine Verbesserung des
Funktionsniveaus bei radiologisch nachweisbaren Veränderungen postulieren. Sowohl
aus psychiatrischer als auch aus neurologischer Sicht sei eine Verbesserung ab dem
Zeitpunkt der Begutachtung im November 2014 ausgewiesen.
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B.h Mit Vorbescheid vom 20. August 2015 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem IV-Grad von 30 % die Aufhebung der Rente für die Zukunft an (IV-act. 204). Zur
Begründung hielt sie fest, dass der Versicherte in einer angepassten Tätigkeit zu 70 %
arbeitsfähig sei. Dagegen liess der Versicherte am 15. Oktober 2015 einwenden (IV-act.
212), dass das ABI-Gutachten vom 15. Dezember 2014 der medizinischen Aktenlage
sowie den Beurteilungen der Vorgutachter und des behandelnden Psychiaters Dr. med.
J._ widerspreche, welcher nach wie vor von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit
ausgehe. Der Versicherte liess ausserdem bemängeln, dass kein "Leidensabzug"
vorgenommen worden sei.
B.i Mit Verfügung vom 19. Oktober 2015 hob die IV-Stelle die Rente wie angekündigt
auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 213). Zu
den Einwänden hielt sie fest, dass sich keine konkreten Gründe oder neue Fakten
hätten finden lassen, die an der bisherigen Beurteilung etwas ändern könnten. Ein
"Leidensabzug" sei nicht angebracht.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
19. November 2015 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte
die Aufhebung der Verfügung und die Weiterausrichtung einer ganzen IV-Rente.
Eventualiter sei ein neutrales interdisziplinäres Gutachten zu erstellen. Der
Rechtsvertreter stellte zudem ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Zur Beschwerdebegründung machte er geltend, dass der
Beschwerdeführer die Detektive bemerkt habe. Deshalb habe er anlässlich eines
ärztlich verordneten Spaziergangs mit seinem Telefon Fotos des Detektivs gemacht.
Dr. J._ und Dr. G._ bescheinigten dem Beschwerdeführer weiterhin eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit. Die Schlussfolgerungen im Gutachten des ABI vom Dezember 2014
seien wenig nachvollziehbar. Ausserdem sei das Gespräch mit dem Gutachter zu kurz
ausgefallen. Am 14. Dezember 2015 reichte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers einen Bericht von Dr. med. K._ vom 12. November 2014 ein (act.
G 4). Die HNO-Fachärztin hatte dem Beschwerdeführer einen sekundären Schwindel
bei einem Status nach Vestibularisausfall links diagnostiziert.
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C.b Am 29. Januar 2016 (act. G 9) machte der Rechtsvertreter ergänzend geltend, dass
das ABI-Gutachten bereits zweijährig und somit veraltet sei. Zudem fehle eine
orthopädische Begutachtung. Des Weiteren hätten die ABI-Gutachter keine Kenntnis
des Berichts des Neurochirurgen Dr. med. L._ vom 14. Mai 2014 gehabt. Auch sei
nicht abgeklärt worden, inwiefern die Allergien gegen Kolophonium und Abietinsäure
und die diversen Hauterkrankungen die Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränkten. Dr.
L._ hatte am 14. Mai 2014 berichtet (act. G 9.1.10), dass der Radiologe auf dem MRI
der HWS vom 5. Mai 2014 (act. G 9.1.9) keine Veränderungen gegenüber der
Voruntersuchung im Jahr 2008 festgestellt habe. Ihm selber sei jedoch eine deutliche
Progredienz der Osteochondrose C5/6 aufgefallen. Dr. G._ hatte am 16. November
2015 gegenüber dem Rechtsvertreter erklärt, dass die IV-Rente seiner Ansicht nach
gerechtfertigt gewesen sei (act. G 9.1.4). Dr. J._ hatte dem Rechtsvertreter am 7.
Dezember 2015 berichtet (act. G 9.1.2), dass der Beschwerdeführer an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, an einem
organischen Psychosyndrom nach einem Schädelhirntrauma und an einer PTBS leide.
Die Feststellungen des psychiatrischen Gutachters des ABI seien falsch. Der
Beschwerdeführer sei sowohl in seiner bisherigen als auch in einer anderen Tätigkeit zu
100 % arbeitsunfähig. Dr. K._ hatte dem Rechtsvertreter am 18. Dezember 2015
berichtet (act. G 9.1.15), dass sie den Beschwerdeführer wegen den starken
Schmerzen im gesamten Körperbereich und dem Schwank- und Drehschwindel für
nicht arbeitsfähig halte. Der Beschwerdeergänzung lagen zudem ein Austrittsbericht
des Spitals M._ vom 15. Januar 2016 (act. G 9.1.7), ein Bericht von Dr. med. N._,
Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, vom 1. Dezember 2015 (act. G 9.1.14)
sowie diverse Fotoaufnahmen, die die Detektive zeigen sollten, bei (act. G 9.1.1).
C.c Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 9. Mai 2016 die
Abweisung der Beschwerde (act. G 14). Zur Begründung hielt sie unter anderem fest,
dass der Beschwerdeführer auf den Aufnahmen keinerlei Anzeichen einer erhöhten
Wachsamkeit gezeigt habe; es könne daher ausgeschlossen werden, dass er die
Detektive bemerkt habe. Während keiner der drei Observationsphasen habe Schnee
gelegen; die ins Recht gelegten Bilder zeigten also nicht die Detektive. Das ABI-
Gutachten sei im Zeitpunkt des Verfügungserlasses nur zehn Monate alt gewesen. Dr.
J._ habe in seinem Bericht vom 7. Dezember 2015 keine Befunde angegeben,
sondern weitgehend die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers wiedergegeben.
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Aus den übrigen ins Recht gelegten Berichten ergäben sich keine neuen Aspekte, die
das Gutachten als mangelhaft erscheinen liessen. Der neurologische Gutachter habe
Kenntnis vom MRI-Bericht vom 5. Mai 2014 gehabt. Ob ihm das Schreiben von Dr.
L._ vom 14. Mai 2014 vorgelegen habe, sei nicht wesentlich. Die behaupteten
Allergien gegen einige Substanzen vermöchten allenfalls den Kreis der
Verweistätigkeiten, nicht aber generell die Erwerbsaussichten des Beschwerdeführers
einzuschränken.
C.d Das Gericht bewilligte am 23. Mai 2016 das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 15).
C.e In seiner Replik vom 16. August 2016 (act. G 21) machte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ergänzend geltend, den Aussagen der behandelnden Ärzte dürfe
nicht ohne nähere Begründung die Glaubwürdigkeit abgesprochen werden. Die Kritik
von Dr. J._ am Gutachten sei begründet und nachvollziehbar. Sollte wider Erwarten
von einer verbleibenden Restarbeitsfähigkeit ausgegangen werden, sei dem
Beschwerdeführer die IV-Rente infolge des langjährigen Rentenbezugs zu belassen.
Andernfalls wäre ihm insbesondere wegen der jahrelangen beruflichen Abwesenheit,
des Alters, des Migrationshintergrundes und der Probleme bei der Wiedereingliederung
ein maximaler "Leidensabzug" von mindestens 25 % zu gewähren. Der Replik lagen
unter anderem Berichte von Dr. L._ vom 4. März 2016 (act. G 21.1.2) und 12. Mai
2016 (act. G 21.1.1) bei.
C.f Die Beschwerdegegnerin brachte in ihrer Duplik vom 26. August 2016 vor, dass
dem Beschwerdeführer das Unfallgeschehen nicht erinnerlich sei und es damit gar
keine PTBS ausgelöst haben könne (act. G 23). Die Schilderungen über den
Militärdienst seien widersprüchlich. Bei den Untersuchungen durch das ABI hätten
denn auch keine relevanten Symptome einer PTBS festgestellt werden können.
C.g Am 16. September 2016 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine
Honorarnote über den Betrag von Fr. 4'793.80 ein (act. G 25). Am 30. September 2016
folgten verschiedene Dokumente, um den Kriegsdienst zu belegen (act. G 27). Die
Beschwerdegegnerin antwortete am 20. Oktober 2016 (act. G 29), aufgrund der
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eingereichten Unterlagen erscheine es einigermassen plausibel, dass der
Beschwerdeführer bis August 1992 Kriegsdienst geleistet habe. Allerdings seien nicht
alle Ungereimtheiten und Widersprüche in der Chronologie ausgeräumt worden.
Zudem belegten die Unterlagen keine Beteiligung an Kriegshandlungen.
C.h Am 11. Dezember 2017 räumte das Gericht den Parteien die Gelegenheit ein, zur
Verwertbarkeit des Observationsmaterials Stellung zu nehmen (act. G 33). Die
Beschwerdegegnerin stellte sich am 16. Januar 2018 auf den Standpunkt, dass die
Observationsergebnisse verwertbar seien (act. G 36). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers erklärte am 2. Februar 2018 (act. G 37), dass die
Observationsaufnahmen mangels einer hinreichend präzisen rechtlichen Grundlage
nicht mitberücksichtigt werden dürften. Des Weiteren begründe ein einziger Anruf aus
der Nachbarschaft keinen genügenden Verdacht für eine Observation. Zudem habe es
sich um eine systematische und dauernde Überwachung gehandelt. Ausserdem habe
die Observation auch im privaten Raum stattgefunden. Das Verhalten des
Beschwerdeführers beim Spaziergang sei durch die Kenntnis und die Angst vor der
Observation beeinflusst gewesen. Schliesslich habe die Observation rund zehn Monate
gedauert, was nicht als verhältnismässig bezeichnet werden könne. Die
Beschwerdegegnerin erwiderte am 14. Februar 2018 (act. G 39), dass die
Überwachung in mehrere Phasen gegliedert worden sei, um den Verlauf mit seinen
gesundheitlichen Schwankungen zu dokumentieren; die Überwachung sei weder
dauernd noch systematisch gewesen. Zudem sei der Beschwerdeführer nur an
öffentlich einsehbaren Orten gefilmt worden. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers machte am 26. Februar 2018 geltend (act. G 40), dass das
Eindringen in das Familienleben einen massiven Eingriff in die persönlichen
Verhältnisse darstelle. Jemanden so lange zu beobachten, bis man glaube, eine
Aufnahme zu haben, die den geschilderten Beschwerden nicht entspreche, sei kein
faires Verfahren.
C.i Am 13. März 2018 bat das Gericht das ABI darum, die im Gutachten vom 15.
Dezember 2014 attestierten Leistungsverminderungen aus neurologischer und
psychiatrischer Sicht näher zu begründen und zum Bericht von Dr. L._ vom 14. Mai
2014 Stellung zu nehmen (act. G 42).
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C.j Die Gutachter antworteten am 7. Mai 2018, dass sich die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht in Abhängigkeit von den Anforderungen
entweder nur aus einem erhöhten Pausenbedarf oder aus einem erhöhten
Pausenbedarf plus einer gewissen Rendement-Verminderung zusammensetze (act. G
43). Zwar sei nachvollziehbar, dass das Gericht den erhöhten Pausenbedarf von 18
Minuten pro Stunden in einer ideal adaptierten Tätigkeit angesichts der objektivierbaren
Befunde als sehr hoch beurteile. Der neurologische Gutachter habe in seinem
Teilgutachten jedoch versucht, zu begründen, dass radikuläre Reizungen vor allem
abgestützt auf die Bildgebung plausibel erklärt werden könnten; es handle sich hierbei
um Phänomene, die oft stellungsabhängig manifest würden und in der
Untersuchungssituation nicht immer objektivierbar seien. Relevant sei jedoch, dass
eine Schonung des dominanten linken Arms durch die Umfangmessungen habe belegt
werden können. Die attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erscheine auch bei
nochmaliger Durchsicht der Akten und unter Berücksichtigung der Rückfrage des
Gerichts nicht als falsch. Sicher sei es so, dass sich die leichte Einschränkung aus
psychiatrischer Sicht von 20 % nicht additiv auswirke. Der Bericht von Dr. L._ vom
14. Mai 2014 ändere nichts an der neurologischen Beurteilung. Die Problematik des
"Schädelhirntraumas" sei im neurologischen Teilgutachten behandelt worden. Offenbar
existierten auch keine neueren MRI-Bilder der HWS. Das ABI stellte für die Rückfrage
einen Betrag von Fr. 368.-- in Rechnung.
C.k Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hielt in seiner Stellungnahme zur
Rückfrage vom 7. Juni 2018 fest, dass die Ausführungen des ABI bezüglich des
erhöhten Pausenbedarfs und des verminderten Rendements widersprüchlich seien.
Zudem sei im neurologischen Teilgutachten nicht begründet worden, weshalb von
einer 30 %igen Arbeitsfähigkeit (richtig: 30 %igen Arbeitsunfähigkeit) ausgegangen
werde. Weiter bestehe die eingeschränkte Leistungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
unabhängig vom aus neurologischer Sicht notwendigen vermehrten Pausenbedarf.
Schliesslich erfülle das psychiatrische Teilgutachten die Anforderungen an ein
strukturiertes Beweisverfahren nicht. Der Beschwerdeführer sei nach wie vor auch in
einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Auf das ABI-Gutachten könne
nicht abgestellt werden, zumal die Widersprüche und Ungereimtheiten erheblich seien.
Der Stellungnahme lagen ein Bericht über eine Notfallkonsultation vom 23. Oktober
2017 im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) wegen aktuell deutlich schlechter
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gewordenen Rückenproblemen und eines seit einem Monat zunehmenden
Hautausschlags (act. G 45.1) sowie ein Untersuchungsbericht des Spitals M._ vom 3.
Oktober 2017 betreffend eine notfallmässige Selbstzuweisung wegen lumbosacralen
Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine und zunehmender Sensibilitätsstörung
seit zwei Wochen und Gleichgewichtsstörung bei (act. G 45.2).
C.l Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 28. Juni 2018 fest (act. G
47), dass die neu eingereichten Berichte keine Aussagekraft für den hier relevanten
Zeitraum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung hätten. Es sei nicht
ungewöhnlich, dass Ärzte die Arbeitsfähigkeitsschätzung in Varianten abbildeten. Eine
widersprüchliche Beurteilung durch die Gutachter sei nicht erkennbar.
C.m Am 21. August 2018 reichte der Rechtsvertreter eine neue Honorarnote auf der
Basis eines Stundenansatzes von Fr. 250.-- in der Höhe von Fr. 8'325.20 ein (act. G
49). Er wies darauf hin, dass der umfangreiche Aufwand im Wesentlichen damit
zusammenhänge, dass er die Observationsberichte habe studieren und diesbezüglich
eine ergänzende Stellungnahme habe einreichen müssen.

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30
Tagen nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen. Die angefochtene Verfügung
vom 19. Oktober 2015 ist dem Beschwerdeführer am 20. Oktober 2015 zugestellt
worden (act. G 1.1.3). Die Beschwerdefrist hat somit am 21. Oktober 2015 zu laufen
begonnen. Der 30. Tag der Frist ist somit auf den Donnerstag, 19. November 2015
gefallen. Der Rechtsvertreter hat an diesem Tag und somit rechtzeitig Beschwerde
erhoben. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer hat seit dem 1. November 2004 eine ganze IV-Rente
bezogen. Mit der angefochtenen Verfügung vom 19. Oktober 2015 hat die
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Beschwerdegegnerin die Rente für die Zukunft, d.h. per 1. Dezember 2015,
aufgehoben. Nachfolgend ist zu prüfen, ob diese Rentenaufhebung zu Recht erfolgt ist.
2.2 Die Beschwerdegegnerin hat die Rente mittels einer Revision nach Art. 17 Abs. 1
ATSG aufgehoben. Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so
wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend
erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG; vgl. auch Art. 87 Abs. 2,
Art. 88a und Art. 88bis der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, SR
831.201). Anlass zur Revision einer Invalidenrente gibt jede Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob
bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige
Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011,
9C_418/2010 E. 3.1). Demnach ist zu klären, ob sich der Gesundheitszustand
respektive die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit der ursprünglichen
Rentenzusprache am 12. November 2010 in einem für den Rentenanspruch relevanten
Ausmass verbessert haben.
3.
Der Beschwerdeführer ist nach einem anonymen telefonischen Hinweis im Auftrag der
Beschwerdegegnerin zwischen dem 15. Dezember 2012 bis 18. Oktober 2013 an
mehreren Tagen überwacht worden. Das Bundesgericht ist − in Nachachtung des
Entscheides des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom 18. Oktober
2016, Vukota-Bojic gegen Schweiz, Urteil no. 61838/10 − zum Schluss gekommen,
dass es in der Invalidenversicherung an einer genügenden gesetzlichen Grundlage,
welche die verdeckte Überwachung umfassend klar und detailliert regle, fehle (BGE
143 I 377 vom 14. Juli 2017). Die durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene
Observation ist somit gemäss der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung
rechtswidrig gewesen. Gemäss dem Bundesgericht ist eine Verwertbarkeit des
Beweismaterials, das im Rahmen einer rechtswidrig angeordneten Observation im
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öffentlich frei einsehbaren Raum gewonnen wurde, im Invalidenversicherungsverfahren
gestützt auf eine Abwägung zwischen privaten und öffentlichen Interessen im Einzelfall
trotzdem zulässig (BGE 143 I 377 E. 5; zur Kritik hierzu siehe z.B. THOMAS GÄCHTER/
MICHAEL E. MEIER, Rechtsprechung des Bundesgerichts im Bereich der
Invalidenversicherung, Urteilsbesprechung BGE 143 I 377, in: SZS 62/2018 S.
444-447). Über die Frage, ob das Observationsmaterial verwertbar ist, muss im
vorliegenden Fall nicht befunden werden, da dieses Beweismaterial, wie nachfolgend
aufgezeigt wird, keinen entscheidenden Einfluss auf die gutachterliche Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit gehabt hat (vgl. hierzu die Entscheide des Versicherungsgerichts St.
Gallen vom 6. Juli 2017, IV 2014/206 E. 2.3, vom 17. September 2018, IV 2015/389 E. 3
und vom 28. September 2018, IV 2016/47 E. 2). Somit erübrigt sich auch die
Beantwortung der vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers aufgeworfene Frage,
ob ein einziger Anruf aus der Nachbarschaft einen genügenden Verdacht für eine
Observation begründet respektive ob die Observation objektiv geboten gewesen ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Dezember 2011, 8C_195/2011 E. 3.2).
4.
4.1 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere das ABI-Gutachten vom 15.
Dezember 2014, die Berichte des Hausarztes Dr. G._ vom 5. Juni 2013, der Bericht
von Dr. L._ vom 14. Mai 2014, der Bericht von Dr. J._ vom 7. Dezember 2015 und
der Bericht von Dr. K._ vom 18. Dezember 2015 bei den Akten. Die weiteren vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im Beschwerdeverfahren eingereichten
Berichte, namentlich der Austrittsbericht des Spitals M._ vom 15. Januar 2016 und
die Berichte von Dr. L._ vom 4. März und 12. Mai 2016, vermögen nichts über den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im relevanten Zeitraum, d.h. bis und mit
Verfügungserlass (19. Oktober 2015), auszusagen. Daher sind sie im vorliegenden
Verfahren nicht zu berücksichtigen.
4.2 Die ursprüngliche Zusprache einer ganzen Rente ist gestützt auf das
psychiatrische Gutachten von Dr. D._ vom 31. März 2010 erfolgt (IV-act. 127). Diese
hatte dem Beschwerdeführer eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige
Episode mit somatischem Syndrom, eine PTBS und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert. Dr. D._ hatte dem Beschwerdeführer für jegliche
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Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Das aktuelle neurologisch-
psychiatrische Gutachten des ABI datiert vom 15. Dezember 2014. Als Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben die Gutachter ein chronisches Zervikalsyndrom,
funktionelle Gleichgewichtsstörungen nach einem Status nach Vestibularisausfall und
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, angegeben. Die
Arbeitsfähigkeit haben sie in polydisziplinärer Hinsicht in einer körperlich adaptierten
Tätigkeit auf 70 % geschätzt.
4.3 Der Rechtsvertreter hat in seiner Beschwerdeergänzung vom 29. Januar 2016
geltend gemacht, das Gutachten sei bereits zweijährig und somit veraltet. Für das
vorliegende Verfahren sind der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses, d.h. bis 19. Oktober
2015, relevant. Zum damaligen Zeitpunkt ist das ABI-Gutachten, welches vom 15.
Dezember 2014 datiert, erst zehn Monate alt gewesen. Zudem sind keine Hinweise
darauf ersichtlich, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zwischen
den gutachterlichen Untersuchungen im November 2014 und dem Verfügungserlass
verändert hätte. Das ABI-Gutachten vom 15. Dezember 2014 ist im
Verfügungszeitpunkt somit nicht überholt gewesen.
4.4 Der Rechtsvertreter hat weiter kritisiert, dass eine orthopädische Teilbegutachtung
fehle. Die Beschwerdegegnerin hat bei der Auswahl der Gutachtensdisziplinen einen
grossen Ermessensspielraum (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. Oktober 2011,
9C_1037/2010 E. 5.1). Die Beschwerdegegnerin hat sich bei der Auswahl der
Disziplinen für die Begutachtung auf die Empfehlung ihres Vertrauensarztes Dr. F._
abgestützt, welcher am 13. Mai 2013 eine psychiatrisch-neurologische Begutachtung
empfohlen hatte. Inwiefern die Beschwerdegegnerin ihren Ermessensspielraum bei der
Sachverhaltsabklärung durch die Anordnung lediglich eines bidisziplinären
neurologisch-psychiatrischen Gutachtens verletzt haben sollte, ist nicht ersichtlich und
ist vom Rechtsvertreter auch nicht begründet worden. Die Argumentation des
Beschwerdeführers ist daher nicht stichhaltig.
4.5 Der Rechtsvertreter hat ausserdem geltend gemacht, dass die Gutachter die
verschiedenen Allergien und die diversen Hauterkrankungen nicht in ihre Beurteilung
einbezogen hätten. Die behandelnde Dermatologin Dr. N._ hat erklärt, dass im
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Arbeitsalltag hautbelastende Tätigkeiten und insbesondere der Kontakt zu
Kolophonium/Abietinsäure zu meiden sei (act. G 9.1.14). Soweit ersichtlich, hat die
Allergie gegen Kolophonium/Abietinsäure (Baumharz/Bestandteil des Baumharzes), die
offenbar bereits im Jahr 2010 festgestellt worden ist, nie Eingang in die
Verwaltungsakten gefunden. Die Gutachter haben sich also gar nicht damit
auseinandersetzen können. Kolophonium/Abietinsäure kommt in Papier und Karton,
Pflastern, Klebe- und Isolierbändern, Klebstoffen, Polituren und Wachsen, Kosmetika,
Bodenbelägen, lösemittelhaltigen Lacken und Naturfarben, Dichtungsmaterialen etc.
vor (siehe Kopie des Allergieausweises, act. G 9.1.11). Wie die Beschwerdegegnerin
dargelegt hat, schränkt die Allergie die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
qualitativer Hinsicht insoweit ein, als der Kreis der Verweistätigkeiten etwas
eingeschränkt wird. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt genügend Tätigkeiten vorhanden sind, die nicht hautbelastend sind und
bei denen der Beschwerdeführer insbesondere auch nicht in Kontakt mit Kolophonium/
Abietinsäure kommt. Bezüglich der Hautprobleme des Beschwerdeführers sind somit
keine weiteren medizinischen Abklärungen notwendig.
4.6 Wie bereits im Gutachten vom 29. Januar 2008 hat der neurologische Gutachter
Dr. B._ körperlich schwere und anhaltend mittelschwere Tätigkeiten und somit auch
die angestammte Tätigkeit als Gipser aufgrund der verminderten Belastbarkeit der
oberen Wirbelsäule weiterhin als nicht zumutbar erachtet. Die Arbeitsunfähigkeit für
adaptierte Tätigkeiten hat er wegen der teilweise plausiblen persistierenden
Schmerzsymptomatik bei den doch erheblichen degenerativen Veränderungen der
oberen Wirbelsäule (linkslaterale Protrusion C5/6 und mediolinkslaterale Diskushernie
C6/7) auf 30 % geschätzt. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in quantitativer
Hinsicht hat er, in Abhängigkeit von den Anforderungen einer adaptierten Tätigkeit, mit
einem erhöhten Pausenbedarf bzw. einem erhöhten Pausenbedarf plus einer gewissen
Rendement-Verminderung begründet. Dem Gericht ist der von Dr. B._ angegebene
erhöhte Pausenbedarf angesichts der objektivierbaren Befunde als sehr hoch
erschienen, weshalb es am 13. März 2018 eine Rückfrage an die Gutachterstelle
gestellt hat. Die Gutachter haben darin dargelegt, dass vor allem abgestützt auf die
Bildgebung radikuläre Reizungen plausibel erklärt werden könnten. Diese Phänomene
würden oft stellungsabhängig manifest und seien in der Untersuchungssituation nicht
immer objektivierbar. Relevant sei jedoch, dass bei den Umfangmessungen eine
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Schonung des dominanten linken Arms habe belegt werden können. Mit diesen
zusätzlichen Ausführungen haben die ABI-Gutachter die attestierte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht von 30 % nachvollziehbar und überzeugend
begründet. Ihre Begründung der Arbeitsfähigkeitsschätzung zeigt auch auf, dass die
Observationsergebnisse, wenn überhaupt, keinen entscheidenden Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung aus somatischer Sicht gehabt haben, sondern dass diese
auf den bildgebenden und klinischen Befunden beruht. Dr. B._ hat denn auch explizit
festgehalten, dass das Observationsmaterial zur neurologischen Einschätzung, dass
nur eine geringe Einbusse in adaptierten Tätigkeiten vorliege, passe (IV-act. 200-30).
Daher ist davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. B._ nicht
anders ausgefallen wäre, wenn ihm das Observationsmaterial nicht vorgelegen hätte.
4.7 Der Rechtsvertreter hat weiter geltend gemacht, dass der neurologische Gutachter
keine Kenntnis vom Bericht von Dr. L._ vom 14. Mai 2014 gehabt habe. Der
Rechtsvertreter hat diesen Bericht von Dr. L._ erst mit der Beschwerdeergänzung
vom 29. Januar 2016 eingereicht. Da das Gericht ohnehin eine Rückfrage an die
Gutachterstelle gemacht hat, hat es diese auch zum Bericht von Dr. L._ vom 14. Mai
2014 Stellung nehmen lassen. Die Gutachter haben in ihrer Antwort vom 7. Mai 2018
festgehalten, dass der Bericht von Dr. L._ vom 14. Mai 2014 nichts an der
neurologischen Beurteilung ändere. Die Problematik des "Schädelhirntraumas" sei im
neurologischen Teilgutachten behandelt worden. Dr. B._ hat im Gutachten
nachvollziehbar und mit Verweis auf das Gutachten vom 29. Januar 2008 aufgezeigt,
dass kein posttraumatischer Defekt im Zusammenhang mit dem Unfall vom 4.
November 2003 mehr nachweisbar sei; die damalige traumatische Hirnverletzung hat
er als mild eingestuft (IV-act. 200-26 f.). Dr. L._ hat sich in seinem Bericht vom 14.
Mai 2014 hauptsächlich auf einen MRI-Befund der HWS vom 5. Mai 2014 bezogen.
Dieser MRI-Befund hat dem neurologischen Gutachter des ABI bereits anlässlich der
Begutachtung vorgelegen (IV-act. 200-33). Dessen Beurteilung stützt sich sogar
hauptsächlich auf diesen Befund ab (siehe IV-act. 200-27). Wie der neurologische
Gutachter hat auch Dr. L._ die HWS-Veränderungen nur für einen Teil der
Beschwerden verantwortlich gemacht. Während der Radiologe die Osteochondrose
C5/6 unverändert als geringgradig eingestuft hat, will Dr. L._ gegenüber der
Voruntersuchung im Jahr 2008 eine deutliche Progredienz der Osteochondrose C5/6
aufgefallen sein. Welche Relevanz diese abweichende Interpretation für die
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Arbeitsfähigkeit haben sollte, hat Dr. L._ jedoch nicht aufgezeigt. Vor diesem
Hintergrund überzeugt es, dass die Gutachter dem Bericht von Dr. L._ vom 14. Mai
2014 keine weiterführenden Erkenntnisse haben entnehmen können.
4.8 Der Hausarzt Dr. G._ hat in einem Bericht vom 5. Juni 2013 angegeben, dass der
Beschwerdeführer immer wieder Schmerzen im Nacken und im linken Arm sowie
Schwindelattacken habe. Der Beschwerdeführer sei zu 100 % arbeitsunfähig. Die
Umschreibung des Befunds erweckt den Eindruck, dass der Hausarzt bei seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung hauptsächlich auf die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers abgestellt hat. Diese sind aber gerade in Fällen wie dem
vorliegenden, in denen die Akten Hinweise auf eine Verdeutlichung, wenn nicht sogar
auf eine Aggravation der Beschwerden, enthalten (auffälliges Schmerzverhalten,
theatralisch wirkende Bewegungen, etc.), besonders kritisch zu hinterfragen.
Ausserdem ist bekannt, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mitunter im Hinblick auf
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer
Patienten auszusagen pflegen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5 mit Hinweisen). Die
Beurteilung des Hausarztes vermag daher keine Zweifel an der Einschätzung des ABI-
Gutachters Dr. B._ zu wecken.
4.9 Dr. K._ hat in ihrem Bericht vom 18. Dezember 2015 angegeben, dass sie den
Beschwerdeführer wegen der starken Schmerzen im gesamten Körperbereich und dem
Schwank- und Drehschwindel für nicht arbeitsfähig halte. Dr. K._ ist eine Fachärztin
für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten. Ihr fehlt somit die fachliche Kompetenz, um
den Einfluss der geklagten körperlichen Schmerzen auf die Arbeitsfähigkeit zu
beurteilen. Ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung fehlt denn auch eine ausreichende
Begründung. Zudem scheint auch Dr. K._ die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers nicht kritisch hinterfragt bzw. plausibilisiert zu haben. Im Übrigen
hat sich der neurologische Gutachter mit den geltend gemachten
Schwindelbeschwerden auseinandergesetzt. Er hat festgehalten, dass sich bei der
klinischen Untersuchung eine massive Unsicherheit bei den erschwerten Stand- und
Gangversuchen gezeigt habe, wobei der Beschwerdeführer jedoch ausgezeichnet
korrigiert habe. Dr. B._ hat daraus geschlossen, dass vor allem noch eine funktionelle
Störung (ohne körperlichen Befund) vorhanden sei (IV-act. 200-26). Auch diese
Beurteilung des ABI-Gutachters leuchtet ein. Demnach steht mit dem Beweisgrad der
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überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer aus somatischer
Sicht spätestens seit dem Untersuchungszeitpunkt (November 2014) in einer körperlich
angepassten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig ist.
4.10 Der psychiatrische Gutachter Dr. I._ hat dem Beschwerdeführer aus
psychiatrischer Sicht wegen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
leichte Episode, eine geringgradige Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im Sinne
einer 20 %igen Leistungseinbusse attestiert. Das Observationsmaterial hat er nur
insoweit in seine Beurteilung miteinbezogen, als er daraus geschlossen hat, dass der
Beschwerdeführer entgegen dessen Behauptung doch zu einigen Bekannten lockere
Kontakte unterhalte (IV-act. 200-21). Dass eine versicherte Person, die eine gute
Beziehung zu ihren Familienangehörigen hat (IV-act. 200-20) und somit nicht sozial
isoliert lebt, zusätzlich lockere Kontakte zu Bekannten unterhält, hat keine direkten
Auswirkungen auf die psychiatrischen Diagnosen und die Arbeitsfähigkeit. Dr. I._ hat
denn auch festgehalten, dass das Observationsmaterial mit seiner (klinischen)
Beurteilung, dass der Beschwerdeführer höchstens an einer leichten depressiven
Störung leide, übereinstimme (IV-act. 200-30). Demzufolge ist davon auszugehen, dass
die Beurteilung von Dr. I._ nicht anders ausgefallen wäre, wenn er keine Kenntnis
vom Observationsmaterial gehabt hätte.
4.11 Dr. I._ hat die Beurteilung von Dr. D._ vom 31. März 2010 als falsch
bezeichnet, da weder die Voraussetzungen noch die Symptome einer PTBS vorhanden
seien. Begründet hat er dies damit, dass der Beschwerdeführer nach den
Kriegserfahrungen während 10 Jahren in der Lage gewesen sei, eine gute
Arbeitsleistung zu erzielen, ohne dass er dabei eingeschränkt gewesen wäre. An den
Autounfall habe der Beschwerdeführer keine eigenen Erinnerungen, sodass dieses
Ereignis ebenfalls nicht herangezogen werden könne, um die Diagnose einer PTBS zu
stellen (IV-act. 200-29 f.). Der Beschwerdeführer leide auch nicht unter Albträumen und
Flashbacks (IV-act. 200-20). Die Ausführungen von Dr. I._ sind im Hinblick auf den
psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Untersuchungszeitpunkt
(November 2014) schlüssig. Retrospektiv kann jedoch nicht ausgeschlossen werden,
dass die Diagnose einer PTBS zum Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. D._
gerechtfertigt gewesen ist. Dr. D._ hatte sich damals einlässlich mit der Diagnose
einer PTBS auseinandergesetzt (IV-act. 124-74 f.). Demnach ist davon auszugehen,
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dass eine allfällige PTBS zwischenzeitlich remittiert wäre. Bezüglich der depressiven
Symptomatik hat Dr. I._ festgehalten, dass sich rückwirkend keine Hinweise für das
Vorhandensein einer länger dauernden mittelgradigen oder schweren depressiven Krise
finden liessen (IV-act. 200-29 f.). Auch mit dieser Schlussfolgerung geht Dr. I._ sehr
weit, zumal nicht nur Dr. D._, sondern auch die behandelnden Ärzte wiederholt
mindestens mittelgradige depressive Episoden festgestellt haben. Gestützt auf die
Akten kann aus juristischer Sicht nicht ausgeschlossen werden, dass der
Beschwerdeführer in der Vergangenheit an einer längerdauernden mittelgradigen
depressiven Episode gelitten hat. Angesichts des von Dr. I._ erhobenen
psychopathologischen Befundes überzeugt hingegen dessen Einschätzung, dass der
Beschwerdeführer an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte
Episode leide, für die Zeit ab der gutachterlichen Untersuchung (November 2014).
4.12 Der behandelnde Psychiater Dr. J._ hat das psychiatrische Teilgutachten des
ABI in seinem Bericht vom 7. Dezember 2015 stark kritisiert und die Feststellungen im
Gutachten als falsch beurteilt; der Gutachter sei von falschen Befunden ausgegangen:
Entgegen den Angaben des Gutachters sei der Beschwerdeführer in seiner
Konzentrationsfähigkeit stark beeinträchtigt und in seinem Denken eingeengt. Die
Beschwerdegegnerin hat zu Recht angemerkt, dass dem Bericht von Dr. J._ vom 7.
Dezember 2015 kein (vollständiger) psychopathologischer Befund zu entnehmen sei,
und dass Dr. J._ weitgehend (unkritisch) die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers wiedergegeben habe. Die Beurteilung von Dr. J._ vermag daher
keine Zweifel an der Einschätzung des psychiatrischen Gutachters Dr. I._ zu wecken.
4.13 Dr. I._ hat der Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren im Gegensatz zur Vorgutachterin Dr. D._, welche noch
von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ausgegangen war, keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen. Die Änderung der Diagnose überzeugt,
da die vom Beschwerdeführer geklagten Schmerzen ihren Ausgangspunkt in einem
physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung haben (ICD-10: F45.41). Die
genaue diagnostische Einordnung der unbestrittenermassen vorhandenen
somatoformen Störung ist für die Arbeitsfähigkeitsschätzung jedoch ohnehin nicht
relevant. Dr. I._ hat den Einfluss der chronischen Schmerzstörung anhand der unter
der alten Rechtsprechung geltenden Foerster-Kriterien geprüft. Mit BGE 141 V 281
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vom 3. Juni 2015 hat das Bundesgericht seine Praxis zur Beurteilung des Anspruchs
auf eine Invalidenrente wegen somatoformer Schmerzstörungen und vergleichbarer
psychosomatischer Leiden geändert (vgl. z.B. IV-Rundschreiben Nr. 334). Nach dem
alten Verfahrensstandard eingeholte Gutachten haben durch die Praxisänderung aber
nicht per se ihren Beweiswert verloren. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob das
psychiatrische Teilgutachten von Dr. I._ eine schlüssige Beurteilung im Lichte der
neuen Rechtsprechung erlaubt oder nicht (vgl. BGE 141 V 281 E. 8).
4.14 Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 die bisherige Vermutung, dass der
versicherten Person eine Willensanstrengung zuzumuten sei, mit welcher die Folgen
einer somatoformen Schmerzstörung oder eines vergleichbaren psychosomatischen
Leidens überwunden werden könnten, aufgegeben. Neu muss eine ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung anhand eines Kataloges von Indikatoren des tatsächlich
erreichbaren Leistungsvermögens erfolgen. Die Handhabung des Katalogs muss stets
den Umständen des Einzelfalls gerecht werden; es handelt sich nicht um eine
"abhakbare Checkliste". Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren sind:
1. Funktioneller Schweregrad:
- Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome
- Behandlungserfolg oder -resistenz
- Komorbiditäten
- "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische
Funktionen)
- sozialer Kontext
2. Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens):
- Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen (sozialer Rückzug, Ressourcen)
- Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen
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- Verhalten im Rahmen der beruflichen (Selbst-)Eingliederung
Das Ausmass des Krankheitsgeschehens ist aufgrund des Verdachts auf eine
Verdeutlichung/Aggravation der Beschwerden schwer zu beurteilen; subjektiv besteht
eine ausgeprägte Krankheitsüberzeugung. Gemäss Dr. I._ liegt weder eine
ausgeprägte psychiatrische Komorbidität noch eine schwere chronische körperliche
Begleiterkrankung vor. Auch einen ausgeprägten sozialen Rückzug hat er nicht
feststellen können. Dass alle therapeutischen Bemühungen scheiterten, hänge
wesentlich damit zusammen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der ausgeprägten
subjektiven Krankheitsüberzeugung wenig Motivation zeige, sich trotz allfälliger
Restbeschwerden aktiv um seine Genesung zu bemühen und sich den Belastungen der
Arbeitswelt wieder auszusetzen. Dr. I._ ist zum Schluss gekommen, dass die
geklagten Beschwerden weder durch die somatischen Befunde noch durch eine
psychiatrische Störung hinreichend erklärbar seien. Vor diesem Hintergrund überzeugt
es auch unter Berücksichtigung der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung, dass
es Dr. I._ als dem Beschwerdeführer zumutbar erachtet hat, trotz der geklagten
Beschwerden ganztags bei einem leicht verminderten Rendement von 20 % einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen (IV-act. 200-30).
4.15 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit als Gipser weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig ist. Für körperlich
leichte bis selten mittelschwere, adaptierte Tätigkeiten besteht aus bidisziplinärer Sicht
spätestens seit dem Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung (November 2014)
wieder eine 70 %ige Arbeitsfähigkeit. Da die bisherige ganze Rente auf einer 100
%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht beruht hat, ist ein Revisionsgrund
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG gegeben.
5.
5.1 Somit bleibt noch die Invaliditätsbemessung der Beschwerdegegnerin zu
überprüfen. Bezüglich der Höhe des Valideneinkommens besteht kein Revisionsgrund,
weshalb dieses nicht auf seine Richtigkeit hin überprüft, sondern lediglich der
Nominallohnentwicklung angepasst werden kann. Hingegen hat sich das
Invalideneinkommen aufgrund der Wiedererlangung einer 70 %igen Arbeitsfähigkeit in
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adaptierten Tätigkeiten verändert. Da dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als
Hilfsgipser nicht mehr zumutbar ist und er keinen Beruf erlernt hat, ist für die Ermittlung
des Invalideneinkommens auf das durchschnittliche Erwerbseinkommen eines
Hilfsarbeiters im privaten Sektor gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes
für Statistik (LSE) abzustellen. Das Valideneinkommen hat im Jahr 2008 Fr. 64'465.--
betragen (IV-act. 127). Eine Aufwertung des Valideneinkommens kann ausnahmsweise
unterbleiben, da davon auszugehen ist, dass sich die Nominallöhne seit 2008 etwa
gleich entwickelt hätten. Das durchschnittliche Erwerbseinkommen eines Hilfsarbeiters
im privaten Sektor hat im Jahr 2008, aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche
Arbeitszeit von 41.6 Stunden, Fr. 59'979.-- betragen. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat geltend gemacht, dass insbesondere wegen der jahrelangen
beruflichen Abwesenheit, des Alters und des Migrationshintergrundes ein
"Leidensabzug" von mindestens 25 % zu gewähren sei. Beim Tabellenlohn handelt es
sich um einen statistischen Durchschnittswert. Basis für den Tabellenlohn eines
Hilfsarbeiters bilden die in dieser Branche tatsächlich bezahlten Löhne. Die Höhe der
tatsächlich bezahlten Löhne hängt von unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen bzw.
ökonomischen Faktoren ab. Diese Faktoren müssen auch bei der Ermittlung des
Invalideneinkommens berücksichtigt werden. Aufgabe der medizinischen
Sachverständigen ist es, die zumutbare Arbeitsleistung aus medizinischer Sicht
festzustellen. In der Arbeitsfähigkeitsschätzung werden also nur die direkten Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Erwerbsmöglichkeiten berücksichtigt. Die
medizinischen Sachverständigen verfügen offensichtlich nicht über das Fachwissen,
um auch die indirekten, d.h. die ökonomisch-betriebswirtschaftlichen Folgen der
Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Einkommenshöhe abschätzen zu können. Bei der
Ermittlung des Invalideneinkommens sind daher einerseits indirekte krankheitsbedingte
Nachteile, andererseits jedoch auch qualifizierende Eigenschaften der versicherten
Person, die sich auf die Lohnhöhe auswirken, zu berücksichtigen (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. Dezember 2015, IV 2013/118 E.
3.3 und Entscheid vom 17. Oktober 2016, IV 2014/121 E. 3.1). Der Beschwerdeführer
ist im Verfügungszeitpunkt (19. Oktober 2015) erst 43 Jahre alt gewesen. Weder das
Alter noch der Migrationshintergrund oder die lange berufliche Abwesenheit stellen für
Hilfsarbeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, von dem bei der Berechnung des
Invalideneinkommens auszugehen ist, lohnmindernde Gründe dar. Allerdings besteht
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aufgrund der ausgewiesenen psychischen und physischen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen die Gefahr überdurchschnittlich häufiger Arbeitsausfälle. Ein
potentieller Arbeitgeber wird diesem erhöhten Ausfallrisiko bzw. dem Risiko der
dadurch anfallenden zusätzlichen Kosten (Lohnzahlung ohne Arbeitsleistung) dadurch
Rechnung tragen, dass er den Beschwerdeführer nur zu einem etwas
unterdurchschnittlichen Lohn einstellt. Auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen hinsichtlich eines vorübergehenden
Einsatzes an einem anderen Arbeitsplatz und der Leistung von Überstunden nicht
gleich flexibel ist wie ein gesunder Arbeitnehmer, dürfte sich negativ auf die Lohnhöhe
auswirken. Praxisgemäss ist in Fällen wie dem vorliegenden ein Tabellenlohnabzug von
maximal 15 % angezeigt. Das Invalideneinkommen beläuft sich folglich auf Fr.
35'687.-- (0.85 x [0.7 x Fr. 59'979.--]). Bei einem Valideneinkommen von Fr. 64'465.--
resultiert ein IV-Grad von aufgerundet 45 %.
5.2 Da dem Beschwerdeführer keine Meldepflichtverletzung nachzuweisen ist, ist die
bisherige ganze Rente gestützt auf Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV auf den ersten Tag des
zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats, d.h. auf den 1. Dezember
2015, auf eine Viertelsrente herabzusetzen.
5.3 Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und der bisherige Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
ganze Rente auf den 1. Dezember 2015 auf eine Viertelsrente herabzusetzen. Die
Sache ist zur Ermittlung des Rentenbetrages an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Wegen der umfangreichen Akten des
Verwaltungsverfahrens, wegen des im Recht liegenden Observationsmaterials und
wegen der Rückfrage an die Gutachter ist der Aufwand des Gerichts in der vorliegend
zu beurteilenden Angelegenheit überdurchschnittlich gewesen. Daher erscheint eine
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Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens
entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2 Zu klären bleibt, wem die Kosten für die Rückfrage an das ABI in der Höhe von Fr.
368.-- aufzuerlegen sind. Art. 69 IVG enthält keine Anweisungen an die kantonalen
Gerichte zur Verlegung der Gerichtskosten. Diese beurteilt sich daher nach den
einschlägigen kantonalen Bestimmungen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 23.
Oktober 2008, 9C_672/2008 E. 5.2.1; MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, N 8 zu Art. 69). Gemäss Art. 95 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP, sGS 951.1) gehen Kosten, die ein Beteiligter durch
Verletzung wesentlicher Verfahrensvorschriften veranlasst, zu seinen Lasten (sog.
Verursacherprinzip). Die Rückfrage an die Gutachter des ABI ist unerlässlich gewesen,
da die Arbeitsfähigkeitsschätzung des neurologischen Gutachters gewisse
Unklarheiten aufgeworfen hat. Auch die Kosten für die Rückfrage in der Höhe von Fr.
368.-- sind daher der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In einem
durchschnittlich aufwändigen IV-Rentenfall spricht das Versicherungsgericht
praxisgemäss eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Der Rechtsvertreter hat
eine Honorarnote über den Betrag von Fr. 8'325.20 eingereicht (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer, act. G 49). Der veranschlagte Stundenansatz hat Fr. 250.-- betragen
und entspricht damit dem mittleren Honorar für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
gemäss Art. 24 Abs. 1 HonO. Zwar ist der Aufwand des Rechtsvertreters im
vorliegenden Verfahren überdurchschnittlich gewesen, da der Fall in rechtlicher und
tatsächlicher Hinsicht komplex und da Observationsmaterial vorhanden gewesen ist.
Zudem hat der Rechtsvertreter nach Abschluss des Schriftenwechsels zur
Rechtsprechungsänderung bezüglich Observationen sowie zur vom Gericht getätigten
Rückfrage an die Gutachter Stellung nehmen müssen. Der Aufwand des
Rechtsvertreters ist jedoch nicht mehr als doppelt so hoch gewesen wie in einem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/26
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durchschnittlichen IV-Fall, weshalb das von ihm geforderte Honorar von Fr. 8'325.20
als deutlich übersetzt erscheint. Eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 6'000.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer also
mit Fr. 6'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.