Decision ID: 4142dc36-9bff-43f4-9a52-7a5030c9010c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1965 geborene
X._
ist g
elernt
e Lebensmittelverkäuferin (Urk. 10/3 Ziff.
5.2;
Urk.
10/43
Ziff.
5.3)
und war zuletzt bis Februar 2010 zu 60
% als Verkäuferin (Filialmitarbeiterin) bei
Z._
tätig (Urk.
10/9 Ziff. 2.7-2.9)
, als sie sich
a
m
19. März 2010
unter Hinweis auf
eine Sehnenscheidenentzündung und eine schwere Lungenentzündung
bei der Invalidenversicher
ung zum Leis
tungsbezug an
meldete
(Urk. 10/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und
zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 10/4)
. Mit Verfügung
en
vom 29.
und 30. November 2010
verneinte sie einen Rentenanspruch
(Urk. 10/38)
und
einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung (Urk. 10/39).
1.2
Am
1.
Dezember 2019 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an,
dies unter Hinweis auf starke Rückenschmerzen, totale Verspannung der
Rücken
mu
skulatur sowie Kopf- und Gelenk
schme
rzen und Schwindelgefühl (Urk.
10/43)
.
Die
IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
. Nach durch
gefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 10/63, Urk. 10/67
) wies sie das Leistungs
begehren mit Verfügung vom
23. April 2020 (Urk. 10/70
=
Urk.
2) ab.
2.
Die Versicherte erhob am
11. Mai 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
23. April 2020
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente zuzusprechen. Eventuell seien weitere medizinische
Ab
klärungen in die Wege zu leiten.
In prozessualer Hinsicht beantragte sie die unentgeltliche Pro
zessfüh
rung (
Urk. 1
S. 2
). Am
6. Juli 2020 (Urk. 9
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
9. Juli 2020
zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende In
validität zu
bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zu
spre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
de
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich
gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- ode
r Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wes
entlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leis
tungsabweisende Ver
fügung vom 23
. April 2020 (
Urk.
2) damit, dass
d
er Beschwerdeführerin
g
emäss Aktenlage seit Nov
ember 20
19 ihre bisherige Tätigkei
t als Verkäuferin
noch
zu 50 % zumut
bar
sei, seit Dezember 20
19 bestehe eine
vollständige
Arbeitsun
fähig
keit
. Eine angepass
te Tätigkeit
sei aber seit jeher zu 100
% zumutbar
(S. 1)
. In einer solchen Tätigkeit könne sie ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen. Da eine angepasste Tätigkeit zu 100
%
möglich sei, bestehe auch kein Anspruch auf berufliche Massnahmen
. Mit dem Einwand gegen den Vor
bescheid seien keine neuen med
izinischen
Unterlagen eingereicht worden
(S. 2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk.
1),
der
Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin
halte einerseits fest, dass die medizinische
Aktenlage nachvollziehbar und schlüssig sei, beurteile aber die
Arbeitsfähigkeit
für angepasste Tätigkeiten wi
dersprüchlich zu dieser mit 100
%.
Der Bericht von Dr.
A._
, auf welchen sich der RAD-Arzt mutmasslich stütze, halte sowohl für die angestammte als auch für
jegliche an
gepassten Tätigkeiten
eine vollschichtige Arbeitsunfähigkeit fest. Dasselbe gel
te für die Einschätzung von Dr.
B._
. Dr.
C._
spreche
von
einer
maximale
n Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Nach te
lefonischer Rücksprache mit Dr.
C._
habe sich an ihrer Einschätzung bis dato nichts verändert, sie habe nochmals darauf hingewiesen, dass es sich um eine maximale Arbeitsfähigkeit handle (S. 5
Rz
1)
.
Die
Einschätzung des RAD-Arztes sei so nicht nachvollziehbar und auch nicht weiter begründet
(S. 5
Rz
2)
. Es liege eine Verletzung des Untersuchungs
grund
satzes vor. Gestützt auf vorliegende Berichte habe
die Beschwerdeführerin
An
spruch auf mind
estens
eine Teilrente. Falls die Berichte nicht genügt
en, müsste
die Beschwerdegegnerin weitere medizinische
Abklärungen vornehmen
(S. 5
Rz
3)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
und in diesem Zusammenhang die Frage, ob sich ihre Arbeitsfähigkeit seit Erlass der Verfügung vom 2
9.
November 2010 (
Urk.
10/38) in anspruchsrelevanter Weise verändert hat (vgl. vorstehend E. 1.4).
3.
3.1
Im Zeitpunkt der letzten
rentenanspruchs
v
erneinenden Verfügung vom 29.
Novem
ber 2010
(Urk.
10/38)
stellte sich der medizin
ische Sachverhalt wie folgt dar
:
Dr.
med.
D._
,
Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin
, nannte mit Bericht vom 20.
April 2010
(Urk.
10/12
/1-5
)
als Diagnose
mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
Tendovaginitis Handgelenk rechts
(Extensoren grösser als Flexoren)
mit myofaszialer Ko
mponente der Schultergür
telmuskulatur
(Ziff. 1.1). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiterin/Verkäuferin/
Lage
ristin bestehe seit Behandlungsbeginn vom 24. September 2009 bis auf wei
teres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.2, Ziff. 1.6). Die Beschwerdeführerin habe belastungsabhängige Schmerzen im rechten (dominanten) Handgelenk. Sie könne keine schweren Gegenstände tragen/heben.
Für leichte wechselbelastende Arbei
t (Gewichte bis zirka 5 kg, normale Raumtemperatur) werde nach Aus
heilen der Tendinitis keine Einschränkung bestehen
(Ziff. 1.7)
.
3.2
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für
Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Rheumatologie, führte mit
Bericht
vom 7.
Mai
2010 (Urk.
10/15)
aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit Dezember 2009, und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende Tendovaginitiden der
Flexorensehnen
rechts
-
ausgedehntes
myofasciales
Schmerzsyndrom des rechten oberen Qua
dranten
-
Status nach Pneumonie Mittel- und Unterlappen rechts
-
Verdacht auf chronische obstruktive
Pneumopathie
bei chronischem Nikotinabusus
-
aktuell persistierende Anstrengungsdyspnoe
Zudem nannte sie als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Polytoxikomanie (Ziff. 1.1).
Anlässl
ich der Erstkonsultation am 10.
Dezember 200
9 habe sich eine schmerzgeplagte Versicherte gezeigt, welche ständig eine Hand
gelenksmanschette rechts getragen habe und eine aktive Bewegung des Han
d
gelenks spontan vermieden habe
. In der Verlaufsuntersuchung vom 27. April 2010 habe sich insgesamt ein deutlich besserer Befund mit aktiver praktisch freier
spontaner Beweglichkeit des Handgelenks gezeigt (
Ziff.
1.4).
Für
eine
schwere körperliche Tätigkeit als Lageristin bestehe
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6). Die Beschwerdeführerin müsse in der angestammten Tätigkeit vorwie
gend
Lageristentätigkeiten
ausüben
, welche schweres Tragen und Heben bein
hal
teten und infolge der Belastungseinschränkung des rechten Handgelenkes, bei Auftreten von Tendovaginitiden, ni
cht zumutbar seien (
Ziff. 1.7).
Angepasste Tätigkeiten seien zumutbar gemäss Fragebogen (
vgl.
Urk.
10/15/1)
.
3.3
Med.
pract
.
E._
, Facharzt für
Physikalische Medizin und Rehabilitation
,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte mit Stellungnahme vom 16. August 2010 (
Urk. 10/29/3
) aus, seit dem 24.
September 2009 sei analog
Dr.
C._
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Lageristin eine
vollständige
Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Für eine leichte angepasste Tätigkeit in Wechsel
belastung, ohne kraftvolle Tätigkeiten für die Hände und ohne repetitive
Um
wendebewegungen
der Hände/Unterarme sei gemäss
Dr.
C._
seit 2
4.
September 2009 eine
vollständige
Arbeitsfähigkeit ausgewiesen.
3.4
Gestützt auf diese Aktenlage ging die Beschwerdegegnerin von
einer
vollstän
digen
Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten
Tätigkeit
aus und verneinte
bei einer Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu 80 %
Erwerbstätige
und zu 20 % im Haushalt
Tätige
mit Verfügung vom
29. November 2010 (Urk. 10/38
) einen Leis
tungsanspruch der
Beschwerdeführer
in
. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft
.
4.
4.1
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
2
3.
April 2020
(Urk.
2) lagen im Wesentlichen die folgenden Berichte vor:
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte mit Ze
ug
nis vom 1. Oktober 2019 (Urk.
10/42/1) aus, sie betreue die Beschwerde
füh
rerin hausärztlich. Aktuell sei die Beschwerdeführerin zu 50 % krankgeschrieben.
Sie könne in einem Pensum von 50 % (halbe Tage) eine
näher umschriebene ange
passte Tätigkeit ausüben.
Das
Zeu
gnis gelte für die Zeit vom 4. bis 30. November 201
9.
Eine
Neubeurteilung erfolge Ende November.
Mit Zeugnis vom 25. November 2019
(Urk. 10/42/2) attestierte Dr.
A._
der Be
schwerdeführerin ab 1. Dezember 2019
für voraussichtlich drei Wochen
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.
4.2
Dr.
B._
,
Chiropraktor
, führte mit Bericht vom 27. Dezember 2019
(Urk.
10/48)
aus,
die Beschwerdeführerin
stehe wegen therapieresistenten Nacken
- und Rück
enbeschwerden mit Aus
strah
l
ungen in die Extremitäten in seiner Be
handlung. Au
fgrund eines MR-Befundes vom 7. September
20
19 (
richtig wohl
7.
November 2019,
vgl. Urk.
10/49) bestünden entzündliche Veränderungen an der Wirbelsäule
im Sinne einer
entzündlichen rheumatischen Er
krankung. Zudem bestünden
Foraminalstenosen
mit radikulärer Symptomatik.
Die Beschwerde
füh
rerin sei deshalb vollständig arbeitsunfähig.
4.
3
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.2)
nannte
mit Bericht vom 24. Januar
2020 (Urk. 10/50/2-5 = Urk.
10/59/7-10)
folgende
Diagnosen
(S. 1)
:
-
chronisches
lumbovertebral
bis
lu
mbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Differentialdiagnose (
DD
)
intermittierendes
lumbor
adikuläres
Reizsyn
drom L5 links
-
Foramenstenose
L2/3 und L3/4 beidseits
-
Reizzustand des
Iliosakralgelenks (
ISG
)
links
-
Brachialgie
rechts mit rezidivierender Tendova
ginitis
der Extensor-
carpi
-
Ulnaris
-Sehne
-
Arthralgien d
er Füsse
-
Psoriasis
,
aktuell vor allem
der Kopfhaut, früher am ganzen Körper
Die Beschwerdeführerin sei wegen chronischen, aktuell stark zunehmenden lum
balen Rückenschmerzen mit
gluteo-femoro-ischialgiformer
Schmerzausstrahlung beidseits sowie Hypästhesie und Kribbelparästhesie über dem lateralen Unter
schenkel/
Fussrist
und allen Zehen linksseitig zugewiesen worden. Zusätzlich berichte die Beschwerdeführerin über chronisch wiederkehrende Schmerzen des rechten Armes
,
insbesondere Handgelenk und Daumen
,
bei bekannten wieder
holten Tendovaginitiden. Infolge der Rückenbeschwerden bestehe ein invalidi
sie
rendes
Zustands
bild mit stark eingeschränkter Steh- und
Ge
h
dauer
. In der klini
schen Untersuchung habe sich eine stammbetonte Adipositas gezeigt mit einer sehr ungünstigen Wirbelsäulenstatik mit einer Hyperlordose lumbal bei ins
gesamt schmerzhafter, aber guter Beweglichkeit
der Lendenwirbelsäule (LWS; S. 1)
.
The
rapeutisch
seien der Beschwerdeführerin
spezifische
Triggerpunkt
infil
trationen
vorgeschlagen
worden. Zudem
müsste
eine
Gewichtsreduktion ange
strebt werden mit einer sukzessiven Steigerung
beziehungsweise
Wiedererlan
gung der Mobili
tät.
Es sei auch eine vaskuläre Ursache möglich und bei nur fraglich palpablen Fusspulsen sollte eine angiologische Abklärung erfolgen. Eben
so sollte die An
strengungsdyspnoe internistisch nochmals abgeklärt werden.
Therapeutische Mass
nahmen
seien schwierig zu empfehlen. Die Beschwerdeführerin
habe
Spritzenangst und es gebe für weiterführende mobilisierende Massnahmen Ein
wendungen.
Im jetzigen Zustand könne die Beschwerdeführerin aus rheuma
to
logischer Sicht keine mittelschweren oder
schweren Tätigkeiten
ausüben
.
Es bestehe eine Teilarbeitsfähigkeit in einer leichten körperlich wechselbelasten
den Tätigkeit zu höchsten
s
50 %
(S. 2)
.
4.4
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin und für Pneumologie, nannte mit Bericht vom
25.
Februar 2020 (Urk. 10/59/11-13)
folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen
(S. 1)
:
-
Verdacht auf
chronic
obstructive
pulmonary
disease
(
COPD
)
mit/bei Asthma bronchiale
-
c
hronische
Rhinosinupathie
mit
post
. Rhinorrhoe, R
isikofaktoren
: Rauchen
, Status nach Kokainsniffen
-
Verdach
t auf respiratorische Bronchiolitis
mit assoziierter interstitielle
r
Pneumopathie
RB-ILD, E
rstdiagnose
2015
-
Anstrengungsdyspnoe multifaktorieller Ätiologie
-
gastroösophageale
Refluxkrankheit (GERD)
-
bikuspide
Aortenklappe, Erstdiagnose Mai 2014
-
chronisches
lum
bo
spondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Psoriasis
vulgaris
-
Status nach Nierenversagen bei Rhabdomyolyse
im Rahmen des
Drogen
konsum
s
2017/2018
Wegen der sozialen Belastungssituation habe die Beschwerdeführerin je 2017 und 2018 einen Rückfall des Heroi
n- und Kokainkonsums erlitten. Weiterhin rauche sie gut 1 Pack Zigaretten pro Tag (S. 2 oben).
Die Ursache der erneut aggravierten Anstrengungsdyspnoe sei bei der 54-jährigen übergewichtigen Raucherin multi
faktorieller Ätiologie. Neu im Vergleich zu 2016 finde sich nun eine manifeste Asthma bronchiale Problematik bei Neudokumentation einer Pseudorestriktion.
Da
die Beschwerdeführerin ergänzend eine Zunahme der Lungenüberblähung aufweise, w
äre,
neben dem Fortschreiten der bereits vorbestehenden bekannten respiratorischen Bronchiolitis auch an das Vorliegen einer COPD bei fortge
setztem langjährigen Zigarettenkonsum zu denken. Sicherlich weiter ungünstig auf das Atemmuster wirke sich die Dekonditionierung bei Zunahme des Über
gewichts und die aufgrund der chronischen
Rhinosinupathie
vorhandene Nasen
atmungsbehinderung bei mehrheitlicher Mundatmung und Hyperventilations
ten
denz au
s
. Therapeutisch sei der Beschwerdeführerin neben der regelmässigen Nasenspülung mit Salzlösung nun auch eine duale Inhalationstherapie nach
be
schriebenem
Schema verschrieben worden (S. 2 f.).
4.5
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.1)
attestierte der Beschwerdeführerin mit Bericht vom 6. März 2020
(Urk.
10/59/2-6)
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 4. bis 30. November 20
19
und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 2
2.
Dezember 2019 bis dato
.
Dies gelte aktuell für jegliche
Arbeit, siehe
auch den
Bericht von Dr.
C._
(Ziff. 1.3)
.
Zur Vorgeschichte hielt
Dr.
A._
fest, im Verlauf der letzten 1.5 Jahre hätten die Schmerzen der Beschwerdeführerin zu
genommen (Ziff. 2.1).
Unter Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit führte Dr.
A._
einzig
ein A
lkoholabhängigkeitssyndrom auf und
verwies
an
sonsten
auf Dr.
C._
und
Dr.
F._
(Ziff. 2.5).
Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte sie eine arterielle Hypertonie, eine
bikuspide
Aortenklappe sowie eine
Aortenplaque
Grad III (Ziff. 2.6).
Unter Zweifel an der Fahreignung
erwähnte Dr.
A._
einen Alkoholkonsum von 3 Liter Bier
pro Tag (Ziff. 3.6). Im Übrigen verwies sie hauptsächlich auf Dr.
C._
.
4.
6
Dr.
G._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte
mit St
ellungnahme
vom 13. März 2020 (Urk.
10/
6
2/3-4)
aus, gemäss dem Bericht
von Dr.
A._
vom 6.
März 2020 könne der folgende medizinische Sach
erhalt festgestellt werden.
Als
Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
führte er ein c
hronisches
lumbovertebral
bis
lumbospondy
lo
genes
Schmerzsyndrom
und eine B
rachialgie rechts mit rezidivierender Tendo
vaginitis der Extensor-
carpi
-
u
lnaris
-Sehne
auf.
Zudem nannte er folgende Diag
nosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2):
-
arterielle Hypertonie
-
Adipositas (BMI 37.1 kg/m
2
)
-
Alkoholüberkonsum (3
Liter Bier pro
Tag)
-
Zustand nach Drogenkonsum (Heroin/Kokain)
-
Nikotinabusus (55 PY)
-
A
rthralgien der Füsse
-
Psoriasis, aktuell vor allem der Kopfhaut, früher am ganzen Körper
Dr.
G._
führte aus
,
in
der
bisherige
n
Tätigkeit als Verkäuferin
bestehe
seit 4. November 2019 eine 50%ige und seit 1. Dezember 2019
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
. In
einer angepassten
Tätigkeit
bestehe seit jeher eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit. Zum
Belastungsprofil
einer angepassten Tätigkeit hielt
Dr.
G._
Folgendes
fest
: leichte Tätigkeiten in Wechselbelastung, ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5 kg, ohne Verharren in Zwangs
hal
tungen.
Unter versicherungsmedizinischer Beurteilung führte er aus, d
ie v
orlie
gende
n
Akten seie
n nach
vollziehbar und es
könne darauf abgestellt werden (S. 2).
5.
5.1
Bei der Anspruchsprüfung im November 2010 lagen in diagnostischer Hinsicht
rezidivierende Tendovaginitiden der
Flexorensehnen
rechts
und ein
ausgedehntes
myofasciales
Schmerzsyndrom des rechten oberen Quadranten
vor
(vorstehend E. 3.2)
.
Gestützt auf die Beurteilung des RAD-Arztes (vorstehend E. 3.3) ging di
e Beschwerdegegnerin
bereits
damals
von
einer
vollständigen
Arbeits
un
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Lageristin und einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus (Urk. 10/
38, vorstehend E. 3.4).
Im Vergleich zur gesundheitlichen Situation, wie sie sich bei Erlass der Verfügung vom
29. November 2010
präsentierte, sind zusätzli
ch zu den bisherigen Diag
no
sen im Januar 2020 die Diagnosen
chronisches
lumbovertebral
bis
lumbospondy
logenes
Schmerzsyndrom
, Brachialgie rechts, Arthralgien der Füsse und Psoriasis
hinzugekommen
(vorstehend E. 4.3).
Im Februar 2020 wurde
zudem
im Wesent
lichen
ein Verdacht auf eine
chronic
obstructive
pulmonary
disease
(COPD), eine chronische
Rhinosinupathie
, ein Verdacht auf eine respiratorische Bronchiolitis, eine Anstrengungsdyspnoe und eine
gastroösophageale
Refluxkrankheit (GERD)
diagnostiziert (vorstehend E. 4.4)
.
Des Weiteren wurde ein
Alkoholab
hängigkeits
syndrom
genannt (vorstehend E. 4.5).
5.2
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.2) nahm
zwar eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführeri
n vor, indem er sie aufgrund
entzündliche
r
Veränderungen an der Wirbelsäule
und
Foraminalstenosen
mit radikulärer Symptomatik
als voll
ständig arbeitsunfähig
ein
schätzte (vgl. vorstehend E. 4.2).
Dies
wurde
aber nicht
näher
begründet.
5.
3
Dr.
F._
(vorstehend E. 4.4) nahm in ihrem Bericht keine Stellung zu den Auswirkungen der von ihr genannten Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit. Den
noch ist aufgrund
ihres
Berichts nicht auszuschliessen, dass die Diagnosen Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin haben.
5.4
Hausärztin
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.5)
attestierte der Beschwerdeführerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Arbeit, begründete dies aber ebenfalls nicht näher. Damit erscheint n
icht nachvollziehbar, weshalb
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
für
jegwelche
Tätigkeiten gelten sollte
. Zudem
attestierte Dr.
C._
, auf welche
Dr.
A._
in ihrem Bericht verwies, keine vollständige Arbeitsunfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
(vorstehend E. 4.3
und nachfolgend E. 5.5
).
5.5
Während
Dr.
C._
im Mai 2010 noch zum Schluss gekommen ist, die Beschwerdeführerin sei in einer angepassten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig (vorstehend E. 3.2), hielt sie nun fest
, i
m jetzigen Zustand könne die Beschwerde
führerin aus rheumatologischer Sicht keine mittelschweren oder schweren Tätig
keiten ausüben. Es bestehe eine Teilarbeitsfähigkeit in einer leichten körperlich wechselbelaste
nden Tätigkeit zu höchsten
s
50
%
(vorstehend E. 4.3)
.
Obschon ge
stützt auf ihren Bericht Hinweise für einen invalidi
sierenden Gesundheitsschaden
vorliegen,
kann vorliegend
nicht einzig gestützt auf ihre nicht eingehend be
gründete Beurteilung ei
ne 50%ige Arbeitsunfähigkeit angenommen werden.
Für
Dr.
C._
,
wie auch
für
die übrigen behandelnden Ärztinnen und Ärzte
gilt
, dass diese
in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person
stehen
und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren
haben
. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforde
rungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezi
alärzte (vgl. Urteil des Bundes
gerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) – mi
tunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E. 4.1).
5
.6
RAD-Arzt
Dr.
G._
(vorstehend E.
4.
6
)
nahm
keine eigene Untersuchung, sondern lediglich eine Aktenbeurteilung vor, was den Beweisanforderungen (vgl. vorstehend E
.
1.6
) vorliegend kaum zu genügen vermag. Praxis
gemäss kommt einer reinen Akten
beurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei
begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts 8C_971
/2012 vom 1
1.
Juni 2013 E.
3.4).
Auch inhaltlich überzeugt seine Beurteilung nicht:
Dr.
G._
kam zum Schluss
, in der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin bestehe seit
4.
November 2019 eine 50%ige und seit
1.
Dezember 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit jeher eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit.
Weshalb er der Beschwerdeführerin in einer ange
passten Tätigkeit seit jeher eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit attestierte
,
be
gründete er nicht und erscheint
nicht nachvollziehbar.
Zumal er ausführt, die vorliegenden Arztberichte seie
n schlüssig
und es könne auf diese abgestellt werden, in keinem
der mit oder nach der zweiten Anmeldung eingegangenen
Arztbericht
e
aber eine vollständige Arbeitsfähigkeit
für eine angepasste Tätigkeit attestiert wird. Zudem nahm der RAD-Arzt zu den Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte keine Stellung.
5
.7
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach
Art.
49
Abs.
2 IVV ist mit jenem
exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom
3.
Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7). Solche Zweifel bestehen vorliegend, weshalb der RAD-Bericht keinen genügenden Aufschluss über die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bezie
hungsweise deren Entwicklung seit
2010
zu geben vermag. Nachdem auch den anderen Berichten keine verlässlichen
Angaben entnommen werden können,
fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
6.
6.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
6.2
Insgesamt
scheint sich seit 2010 eine Veränderung des Gesundheitszustandes eingestellt zu haben.
Wie sich diese auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, kann an
hand der vorliegenden Berichte nicht schlüssig beurteilt werden
.
Die angefoch
tene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe
rin
, insbeson
dere die Auswirkungen des Gesundheitszustandes auf eine angepasste Arbeit,
in geeigneter Weise abklärt und
über den Leistungsanspruch der Beschwerde
füh
rerin neu entscheidet
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57).
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermes
sens
weise auf Fr. 7
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerde
geg
nerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Pro
zessführung (
Urk.
1 S. 2) als gegenstandslos.