Decision ID: fef2bb3f-2bea-56f4-a75b-7e26e1d906bd
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 31. Juli 2014 um Asyl in der Schweiz
nach. Auf dem gleichentags ausgefüllten Personalienblatt gab sie als ihr
Geburtsdatum den (...) 1997 an. Am 14. August 2014 wurde sie im Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen zur Person befragt (BzP). Als
Geburtsdatum gab sie den (...) 1996 zu Protokoll. Sodann gewährte das
BFM der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit von
Italien zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens. Dage-
gen brachte die Beschwerdeführerin vor, sie möchte in der Schweiz blei-
ben; in Italien würde man schlecht leben.
B.
Am 27. August 2014 ersuchte das BFM die italienischen Behörden um
Übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten
Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl.
L 180/31 vom 29.6.2013 (Dublin-III-VO). Innert Frist liessen sich die ita-
lienischen Behörden nicht vernehmen.
C.
Mit Verfügung vom 5. November 2014 – eröffnet am 11. November 2014
– trat das BFM auf das Asylgesuch nicht ein und wies die Beschwerde-
führerin aus der Schweiz nach Italien weg. Gleichzeitig forderte es sie
auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu
verlassen, und verpflichtete den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der
Wegweisung. Sodann händigte es der Beschwerdeführerin die editions-
pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, einer all-
fälligen Beschwerde gegen die Verfügung komme keine aufschiebende
Wirkung zu.
D.
Mit Eingabe vom 17. November 2014 reichte die Beschwerdeführerin
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die Ver-
fügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihr Recht zum
Selbsteintritt auszuüben und sich für das vorliegende Asylgesuch für zu-
ständig zu erachten. Im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei der
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbe-
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hörden seien anzuweisen, von der Überstellung nach Italien abzusehen,
bis das Gericht über den Suspensiveffekt der eingereichten Beschwerde
entschieden habe. Es sei volle Einsicht in die Dublin-Verfahrensakten zu
gewähren, insbesondere Akte A6/1 (Vorabklärung Alter). Sodann sei ihr
die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten.
E.
Am 24. November 2014 ging beim Gericht eine Fürsorgebestätigung der
ORS Service AG vom 18. November 2014 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (vgl. Art. 83 Bst d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutre-
ten.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht sowie die un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (BVGE 2011/9 E. 5.).
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3.2 Nach Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG tritt das BFM auf ein Asylgesuch in
der Regel nicht ein, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen
können, welcher für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah-
rens staatsvertraglich zuständig ist.
3.3 Jeder Antrag wird von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach
den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird (Art. 3
Abs. 1, Satz 2 Dublin-III-VO).
Wird auf der Grundlage von Beweismitteln oder Indizien gemäss den bei-
den in Art. 22 Abs. 3 der Verordnung genannten Verzeichnissen, ein-
schliesslich der Daten nach der Verordnung (EU) Nr. 603/2013 festge-
stellt, dass ein Antragsteller aus einem Drittstaat kommend die Land-,
See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaats illegal überschritten hat, so ist
dieser Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf internationalen
Schutz zuständig (Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat be-
schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch
wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die
Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbstein-
trittsrecht).
4.
4.1 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung fest, die italieni-
schen Behörden hätten innerhalb der festgelegten Frist zum Übernah-
meersuchen des BFM keine Stellung genommen. Gemäss dem Abkom-
mens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines
in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin-
Assoziierungsabkommen, SR 0.142.392.689) und unter Anwendung von
Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO sei die Zuständigkeit zur Prüfung des Asyl-
und Wegweisungsverfahrens am 28. Oktober 2014 an Italien übergegan-
gen.
4.2 Der Wunsch nach einem weiteren Verbleib in der Schweiz habe auf
die Zuständigkeit für das Asyl- und Wegweisungsverfahren keinen Ein-
fluss, da es grundsätzlich nicht Sache der betroffenen Person sei, den für
ihr Asylverfahren zuständigen Staat selber zu bestimmen. Die Bestim-
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mung des zuständigen Staates obliege allein den beteiligten Dublin-
Staaten. Italien sei sowohl Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) als auch
der EMRK. Es würden keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen,
dass sich Italien nicht an seine völkerrechtlichen Pflicht halten würde.
Betreffend die geltend gemachten schlechten Lebensbedingungen in Ita-
lien sei festzuhalten, dass Italien die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom
27. Januar 2003 (sog. Aufnahmerichtlinie), welche zahlreiche Mindest-
normen für die Aufnahme und Betreuung von Asylsuchenden beinhalte,
umgesetzt habe. Die Beschwerdeführerin könne sich an die zuständigen
Behörden wenden.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin beantragt Einsicht in das Aktenstück A6/1
"Aktennotiz Vorabklärung Alter". Sie macht damit sinngemäss eine Verlet-
zung des Akteneinsichtsrechts geltend.
5.2 Gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG hat die Partei Anspruch darauf, in ihrer
Sache folgende Akten am Sitz der verfügenden oder einer durch diese zu
bezeichnenden kantonalen Behörden einzusehen: Eingaben von Parteien
und Vernehmlassungen von Behörden (Bst. a), alle als Beweismittel die-
nenden Aktenstücke (Bst. b); Niederschriften eröffneter Verfügungen
(Bst. c), soweit keine Ausnahme von Art. 27 VwVG greift.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts besteht kein Anspruch auf
Einsicht in verwaltungsinterne Akten (Auskünfte und Notizen, Mitberichte
und Mitteilungen, verwaltungsinterne Gutachten). Mit dieser Einschrän-
kung des Akteneinsichtsrechts soll verhindert werden, dass die ganze
Meinungsbildung der Verwaltung über die entscheidenden Aktenstücke
und die getroffenen, begründeten Verfügungen hinaus vollständig vor der
Öffentlichkeit ausgebreitet wird (BGE 122 I 153 S. 161/162).
5.3 Die Vorinstanz stuft das Aktenstück A6/1 aufgrund überwiegender öf-
fentlicher oder privater Interessen an der Geheimhaltung (Art. 27 Abs. 1
Bst. a und b VwVG) als nicht der Edition unterliegend ein (Akten BFM,
Aktenverzeichnis). Zu dieser Qualifikation äussert sich die Beschwerde-
führerin in der Rechtsmitteleingabe nicht. Ob diese zutrifft oder ob das Ak-
tenstück als interne Akten hätte qualifiziert werden müssen, kann offen
bleiben. Vorliegend diente die Aktennotiz jedenfalls einzig der internen
Entscheidvorbereitung. Insoweit unterliegt sie nicht der Edition. Darüber
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hinaus ist festzustellen, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung auf die Notiz nicht abgestützt hat. Die Vorinstanz hat das Aktenein-
sichtsrecht demnach nicht verletzt und es besteht auch auf Beschwerde-
ebene keine Veranlassung, der Beschwerdeführerin Einsicht in das Ak-
tenstück A6/1 der vorinstanzlichen Akten zu gewähren. Die erhobene Rü-
ge erweist sich als unbegründet.
6.
6.1 In der Rechtsmitteleingabe macht die Beschwerdeführerin weiter gel-
tend, sie sei minderjährig. Anlässlich der Befragung zur Person habe es
die Befragungsperson unterlassen, im Zusammenhang mit dem Alter der
Beschwerdeführerin weitere Fragen zu stellen. Es sei völlig offen geblie-
ben, weshalb der Cousin über das richtige Alter der Beschwerdeführerin
informiert sein soll und welche Abklärungen der Cousin getroffen habe.
Auf dem Personalienblatt gab die Beschwerdeführerin als ihr Geburtsda-
tum den (...) 1997 an. Anlässlich der Erstbefragung nannte sie von sich
aus als Geburtsdatum den (...) 1996. Angesprochen auf diese Unstim-
migkeit gab sie zu Protokoll, ihr Cousin habe ihr gesagt, wann sie genau
geboren sei. Das habe sie bislang noch nicht gewusst. Der Cousin habe
dies für sie geklärt. Damit hat die Beschwerdeführerin klar zum Ausdruck
gebracht, dass das nun genannte Geburtsdatum das richtige sei. Für die
Befragerin bestand demnach offensichtlich keine Veranlassung zu weite-
ren Abklärungen in diesem Zusammenhang. Im Übrigen wurde der Be-
schwerdeführerin das Befragungsprotokoll rückübersetzt und hat sie un-
terschriftlich bestätigt, dass es ihren Aussagen und der Wahrheit entspre-
che. Dabei hat sie sich behaften zu lassen. Die Vorinstanz ist demnach
zu Recht von der Volljährigkeit der Beschwerdeführerin ausgegangen. Bei
dieser Sachlage besteht keine Veranlassung den allfälligen Eingang einer
Geburts- oder Taufurkunde der Beschwerdeführerin abzuwarten.
6.2
6.2.1 Die Beschwerdeführerin beruft sich in der Rechtsmitteleingabe auf
den Entscheid des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
(EGMR) im Urteil Tarakhel gegen die Schweiz vom 4. November 2014
(Nr. 29217/12). Der Gerichtshof habe entschieden, dass individuell ge-
prüft werden müsse, ob Asylsuchende nach Italien zurückgeschoben
werden können. Bei Asylsuchenden handle es sich generell um eine ver-
letzliche Gruppe von Menschen, die eines besonderen Schutzes bedürf-
ten.
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6.2.2 Der EGMR hatte sich im Urteil Tarakhel mit der Überstellung einer
achtköpfigen Familie im Rahmen eines Dublin-Verfahrens von der
Schweiz nach Italien zu befassen. Zunächst stellt der Gerichtshof fest,
aufgrund der Strukturen und der allgemeinen Lebensbedingungen in den
Unterkünften Italiens allein seien nicht jegliche Überstellungen ausge-
schlossen. Es würden jedoch ernsthafte Zweifel bezüglich der momenta-
nen Unterbringungskapazitäten bestehen. Es könne daher nicht ausge-
schlossen werden, dass eine massgebliche Anzahl von Asylsuchenden
ohne Unterkunft sei oder in überfüllten oder gesundheitsschädigenden
beziehungsweise gewalttätigen Verhältnissen unterkommen müsse (Ur-
teil, a.a.O., § 115).
Weiter führte der Gerichtshof aus, einen Anspruch auf einen speziellen
Schutz bestehe insbesondere dann, wenn Kinder von der Überstellung
betroffen seien. Bei einer Überstellung müssten Familien mit minderjähri-
gen Kindern Lebensbedingungen vorfinden, die für asylsuchende Kinder
ihrem Alter angepasst seien, damit sie nicht in eine Situation von Stress
und Angst geraten würden, und sich so traumatisierende Folgen für ihre
Psyche ergeben könnten. Andernfalls würden die Lebensbedingungen je-
ne Schwelle der Ernsthaftigkeit erreichen, die eine Verletzung von Art. 3
EMRK darstelle. Die Schweizer Behörden hätten deshalb von den italie-
nischen Amtskollegen die Zusicherung einzuholen, dass die Unterbrin-
gung in Italien dem Alter der Kinder angemessen sei und der Familie das
Zusammenleben ermögliche (Urteil, a.a.O., § 119).
6.2.3 Das Urteil des EGMR stellt nicht fest, eine Überstellung nach Italien
sei für Asylsuchende generell nicht zumutbar. Es setzt sich konkret nur
mit der Überstellung von Familien mit minderjährigen Kindern auseinan-
der und zeigt auf, welche Garantien von der Schweiz im konkreten Ein-
zelfall von Familien mit minderjährigen Kindern künftig bei den italieni-
schen Behörden einzuholen sind. Dass dies bei jeder Überstellung zu er-
folgen habe, geht nicht aus dem Urteil hervor.
Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine volljährige und ge-
sunde Frau. Insoweit vermag sie aus dem Urteil Tarakhel nichts zu ihren
Gunsten abzuleiten, namentlich nicht eine im Sinne des Urteils genannte
Einzelfallabklärung. Für die Schweiz besteht demnach keine Veranlas-
sung zu einem Selbsteintritt. Betreffend die Überstellung der Beschwer-
deführerin gilt die bisherige Rechtsprechung.
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6.3
6.3.1 Der Beurteilungskompetenz entsprechend ist vorliegend somit zu
prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht von der Zuständigkeit Italiens ausge-
gangen ist. Italien ist Signatarstaat FK, der EMRK und der FoK. Unter
dem Dublin-System besteht nach wie vor die grundsätzliche Vermutung,
dass alle Mitgliedstaaten beziehungsweise staatsvertraglich assoziierten
Staaten die Rechte der EMRK garantieren.
Es obliegt der Beschwerdeführerin, diese Vermutung umzustossen. Dabei
hat sie ernsthafte Anhaltspunkte vorzubringen, dass die italienischen Be-
hörden in ihrem Fall das Völkerrecht verletzen und ihr nicht den notwen-
digen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumstän-
den aussetzen würden, mithin in ihrem Fall Art. 3 EMRK oder eine andere
völkerrechtliche Verpflichtung verletzt ist (vgl. Europäischer Gerichtshof
für Menschenrechte [EGMR], M.S.S. gegen Belgien und Griechenland
[Appl. No. 30696/09], Urteil vom 21. Januar 2011, § 84 f. und 250; ebenso
Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Union [EuGH] vom
21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493).
6.3.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet in der Rechtsmitteleingabe die
grundsätzliche Zuständigkeit Italiens zu Recht nicht. In der Eingabe legt
sie die allgemeinen Verhältnisse von Asylsuchenden in Italien kurz dar
und verweist auf ein Urteil aus Deutschland, in welchem in einem ähnli-
chen Fall von der Abschiebung nach Italien abgesehen wurde. Weder aus
den allgemeinen Ausführungen noch aus dem Verweis auf das deutsche
Urteil vermag die Beschwerdeführerin etwas zu ihren Gunsten abzuleiten.
Sodann unterlässt sie es darzutun, aus welchen konkret individuellen
Gründen in ihrem Fall eine Überstellung nach Italien eine Verletzung von
Art. 3 EMRK oder einer anderen völkerrechtlichen Verpflichtung darstelle.
Solches ist auch nicht ersichtlich.
In Fortführung der bisherigen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist
somit von der Vermutung auszugehen, dass Italien die Gebote des flücht-
lingsrechtlichen und des menschenrechtlichen Rückschiebeverbots be-
achtet. Der EGMR hat diesbezüglich festgehalten, dass in Italien kein
systematischer Mangel an Unterstützung und Einrichtungen für Asylsu-
chende bestehe, dies obwohl die allgemeine Situation und insbesondere
die Lebensumstände von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und
Personen mit einem subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel
aufweisen würden (vgl. Urteil des EGMR vom 2. April 2013, Mohammed
Hussein et al. gegen Niederlande und Italien [Beschwerde Nr. 27725/10],
http://vs00001a/BVGER-Org$/ABT_V-IV/IV_V/Gerichtsentscheide/2%20-%20Internationale%20Gerichte/1%20-%20Europäischer%20Gerichtshof%20für%20Menschenrechte/2013/MOHAMMED_HUSSEIN_v._THE_NETHERLANDS_AND_ITALY.pdf http://vs00001a/BVGER-Org$/ABT_V-IV/IV_V/Gerichtsentscheide/2%20-%20Internationale%20Gerichte/1%20-%20Europäischer%20Gerichtshof%20für%20Menschenrechte/2013/MOHAMMED_HUSSEIN_v._THE_NETHERLANDS_AND_ITALY.pdf
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Unzulässigkeitsentscheidung wegen offensichtlicher Unbegründetheit
gemäss Art. 35 Abs. 3 EMRK).
Bei einer Überstellung ist weiter davon auszugehen, Italien komme kraft
seiner Mitgliedschaft den Verpflichtungen aus der Richtlinie 2005/85/EG
des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in
den Mitgliedstaaten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flüchtlings-
eigenschaft (sog. Verfahrensrichtlinie) und jenen aus der Aufnahmerichtli-
nie, darunter auch dem Refoulement-Verbot, nach (vgl. BVGE 2010/45
E. 7.4.2). Eine allfällige Verletzung der erwähnten Richtlinien durch den
zuständigen Mitgliedstaat in der Vergangenheit begründet kein selbstän-
diges Recht einer beschwerdeführenden Person auf Anrufung zur Aus-
übung des Selbsteintrittsrechts, sondern es bedarf hierzu grundsätzlich
des Nachweises eines "real risk" im Sinne der EGMR-Rechtsprechung
(vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien/Graz 2014, Art. 17
K5 S. 159). Aus blossen Problemen im Bereich der Aufnahmebedingun-
gen für Asylsuchende lässt sich noch nicht zwingend auf eine systemati-
sche Verletzung der Aufnahmerichtlinie schliessen. Vorliegend hat die
Beschwerdeführerin keinen Nachweis im vorgenannten Sinn erbracht. Es
ist somit davon auszugehen, dass sie bei einer Überstellung nach Italien
keiner unmenschlichen Behandlung ausgesetzt sein wird.
6.4 Zusammenfassend liegen somit keine Gründe vor, welche eine Über-
stellung der Beschwerdeführerin als unzulässig oder unzumutbar er-
scheinen liessen und es besteht auch keine Veranlassung für einen
Selbsteintritt der Schweiz.
7.
7.1 Italien ist somit für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver-
fahrens der Beschwerdeführerin gemäss der Dublin-III-VO zuständig und
entsprechend verpflichtet, sie gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO
aufzunehmen. Die Vorinstanz ist in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht einge-
treten. Da sie auch nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, hat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 44
AsylG ebenfalls zu Recht die Überstellung nach Italien angeordnet
(Art. 32 Bst. a AsylV 1).
7.2 Unter diesen Umständen sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da das Feh-
len von Wegweisungsvollzugshindernissen bereits Voraussetzung des
http://links.weblaw.ch/BVGE-2010/45
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Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist
(BVGE 2010/45 E. 10 S. 645).
8.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106
AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Gewährung der aufschie-
benden Wirkung sowie der Antrag, die kantonalen Behörden seien anzu-
weisen, von Vollzugshandlungen abzusehen, gegenstandslos geworden.
9.
9.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten
haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht
gegeben, weshalb dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege nicht stattzugeben ist.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR
173.320.2) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Mit dem vorliegenden Urteil ist das Gesuch um Erlass des Kostenvor-
schusses gegenstandslos geworden.
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