Decision ID: 8891a2ef-fe4c-522e-94a4-ed904137d4b9
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X wohnt in A (Politische Gemeinde B) und ist Geschäftsführer bei der M AG mit Sitz
in C. Er hat eine Tochter, welche am 5. Dezember 2012 geboren wurde und zusammen
mit ihrer rumänischen Mutter Z in Rumänien lebt.
B.- In der Steuererklärung 2012 deklarierte X unter Berücksichtigung des Kinderabzugs
ein steuerbares Einkommen von Fr. 54'308.– und ein steuerbares Vermögen von
Fr. 120'798.–. Die Veranlagungsbehörde nahm diverse Korrekturen vor und verweigerte
insbesondere den Kinderabzug. Insgesamt wurde für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2012 das steuerbare Einkommen auf Fr. 62'100.– und das
steuerbare Vermögen auf Fr. 140'000.– und für die direkte Bundessteuer 2012 das
steuerbare Einkommen auf Fr. 62'900.– festgesetzt. Dagegen erhob X am 7. März 2014
Einsprache mit dem Antrag, ihm seien der Kinderabzug von Fr. 7'200.– und der
Vollsplitting-Tarif zu gewähren. Mit Entscheiden vom 28. April 2014 hiess das kantonale
Steueramt die Einsprache teilweise gut und gewährte den Kinderabzug. Der
Vollsplitting-Tarif wurde X dagegen verwehrt. Daraus resultierte in den
Einspracheentscheiden bei der Kantons- und Gemeindesteuer 2012 ein steuerbares
Einkommen von Fr. 54'300.– und ein steuerbares Vermögen von Fr. 120'000.– sowie
bei der direkten Bundessteuer 2012 ein steuerbares Einkommen von Fr. 59'300.–.
C.- Gegen die Einspracheentscheide erhob X mit Eingabe seiner Vertreterin vom
26. Mai 2014 Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem
Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen seien die Einspracheentscheide
aufzuheben, es sei anstelle des Tarifs für Alleinstehende der Vollsplitting-/Elterntarif
anzuwenden und es sei der Kinderabzug für die Tochter zu gewähren. Die Vorinstanz
beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 3. Juli 2014 die Abweisung der Rechtsmittel.
Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat stillschweigend auf eine Vernehmlassung zur
Beschwerde verzichtet. Der Rekurrent und Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, sich
zur vorinstanzlichen Vernehmlassung zu äussern. Er verzichtete auf eine
Stellungnahme.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Veranlagungen der
Kantons- und Gemeindesteuern 2012 sowie der direkten Bundessteuer 2012. Zwar
müssen für Rekurs und Beschwerde verschiedene Entscheide ergehen; sie können
indessen in einem einzigen Dokument mit Verweisungen und einem gemeinsamen
Dispositiv, das die beiden Steuern allerdings ausdrücklich auseinanderhält, enthalten
sein (vgl. BGE 130 II 509 = Pra 2005 Nr. 114 E. 8.3, BGE 135 II 260 = Pra 2010 Nr. 37
E. 1.3.1).
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs und die Beschwerde vom 26. Mai 2014
sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des St. Galler Steuergesetzes, sGS 811.1,
abgekürzt: StG; Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer,
SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs und die
Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist aber auf den Antrag um
Gewährung des Kinderabzugs, da die Vorinstanz diesem Begehren im
Einspracheentscheid vom 28. April 2014 stattgab.
3.- Umstritten ist einzig noch, welcher Steuertarif anzuwenden ist.
a) Der Rekurrent und Beschwerdeführer macht geltend, er weile mehrere Monate im
Jahr geschäftlich in Rumänien, wo er auch seine heutige Lebenspartnerin
kennengelernt habe. Während der Aufenthalte in Rumänien wohne er zusammen mit ihr
und der Tochter im gleichen Haus. Die Tochter sei von ihm anerkannt worden, wie aus
dem Familiennamen und der schweizerischen Staatsbürgerschaft ersichtlich sei. Er und
seine Lebenspartnerin hätten das gemeinsame Sorgerecht über die Tochter. Es seien
gerichtlich keine Unterhaltszahlungen festgelegt worden. Die Lebenspartnerin verdiene
ein bescheidenes Einkommen von ca. Fr. 12'500.–. Mit diesen Einkünften könnte sie
ohne seine Finanzierung den eigenen Haushalt niemals bestreiten. Für die Tochter
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erhalte er Kinderzulagen von der SVA Zürich. Unter alternierender Obhut sei zu
verstehen, dass das gemeinsame Vorsorgerecht vereinbart worden sei und das Kind zu
gleichen Teilen von beiden Eltern betreut werde. Durch den Aufenthalt bei seiner
Lebenspartnerin und der Tochter im gleichen Haus in Rumänien sei dies gegeben.
Zugleich seien die beiden regelmässig bei ihm am Wohnsitz in der Schweiz.
Die Vorinstanz führt in den Einpracheentscheiden und der Vernehmlassung aus, die
Lebenspartnerin und die Tochter wohnten in Rumänien. Sie kämen lediglich
ferienhalber in die Schweiz und sie seien in der Schweiz nie angemeldet gewesen. Der
Rekurrent und Beschwerdeführer und die Lebenspartnerin hätten über die Tochter das
gemeinsame Sorgerecht; ein Unterhaltsvertrag sei nicht vorhanden. Da sein
Reineinkommen höher sei als dasjenige seiner Lebenspartnerin, habe er Anspruch auf
den Kinderabzug für die Tochter. Es könne jedoch nicht von alternierender Obhut
gesprochen werden, weshalb der Vollsplitting-/Elterntarif nicht gewährt werde. Der
Rekurrent und Beschwerdeführer habe den Wohnsitz und Lebensmittelpunkt in der
Schweiz, seine Lebenspartnerin und die Tochter hingegen in Rumänien. Die Obhut sei
bei der Mutter. Daran ändere die Tatsache nichts, dass sich der Rekurrent und
Beschwerdeführer zeitweise bei seiner Lebenspartnerin und der gemeinsamen Tochter
aufhalte. Gleich verhalte es sich, wenn sich die Mutter und das Kind zu Besuch in der
Schweiz aufhielten. Auch in diesem Fall verbleibe die Obhut bei der Mutter und es finde
kein Obhutswechsel statt.
b) Von den Einkünften werden die Unterhaltsbeiträge an einen Elternteil für die unter
dessen elterlicher Sorge oder Obhut stehenden Kinder abgezogen (Art. 45 Abs. 1 lit. c
StG, Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG). Im Gegenzug sind die Unterhaltsbeiträge, die ein
Elternteil für die unter seiner elterlichen Sorge stehenden Kinder erhält, steuerbar
(Art. 36 lit. f StG, Art. 23 lit. f DBG). Nach Art. 48 Abs. 1 lit. a StG wird vom
Reineinkommen für jedes unter der elterlichen Sorge oder Obhut des Steuerpflichtigen
stehende Kind ein Kinderabzug abgezogen, wenn der Steuerpflichtige für dessen
Unterhalt zur Hauptsache aufkommt und keinen Abzug nach Art. 45 Abs. 1 lit. c StG
beansprucht. Die Höhe des Abzugs beträgt nach dem st. gallischen Steuergesetz
Fr. 7'200.–, falls das Kind noch nicht schulpflichtig ist (Ziff. 1). Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG
(in der für die Steuerperiode 2012 geltenden Fassung) sieht dagegen einen Abzug von
Fr. 6'500.– für jedes minderjährige oder in der beruflichen oder schulischen Ausbildung
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stehende Kind vor, für dessen Unterhalt die steuerpflichtige Person sorgt; werden die
Eltern getrennt besteuert, so wird der Kinderabzug hälftig aufgeteilt, wenn das Kind
unter gemeinsamer elterlicher Sorge steht und keine Unterhaltsbeiträge nach Art. 33
Abs. 1 lit. c DBG für das Kind geltend gemacht werden.
Für gemeinsam steuerpflichtige Ehegatten sieht das Gesetz einen günstigeren Tarif vor
(Art. 50 Abs. 3 StG, Art. 214 Abs. 2 DBG). Diese Bestimmung wird auch auf verwitwete,
getrennt lebende, geschiedene und ledige Steuerpflichtige angewendet, die mit
Kindern oder unterstützungspflichtigen Personen zusammen leben und deren Unterhalt
zur Hauptsache bestreiten (Art. 50 Abs. 4 StG; Art. 214 Abs. 2 DBG).
Nach dem Kreisschreiben Nr. 30 der Eidg. Steuerverwaltung vom 21. Dezember 2010
wird für die Gewährung des Elterntarifs vorausgesetzt, dass die steuerpflichtige Person
mit dem Kind im gleichen Haushalt zusammenlebt und dessen Unterhalt zur
Hauptsache bestreitet. Beide Voraussetzungen sind zwingend. Bei getrennten,
geschiedenen oder unverheirateten Eltern mit zwei Haushalten, welche über ein
minderjähriges Kind die gemeinsame elterliche Sorge haben und keine
Unterhaltsleistungen geltend machen, erhält derjenige Elternteil den Elterntarif, der mit
dem Kind zusammenlebt und zur Hauptsache für dessen Unterhalt aufkommt. Der
andere Elternteil wird zum Grundtarif besteuert. Bei alternierender Obhut erhält
derjenige Elternteil, der zur Hauptsache für den Unterhalt des Kindes aufkommt, den
Elterntarif, d.h. in der Regel derjenige mit dem höheren Reineinkommen (Ziff. 13.4 und
14.4 des Kreisschreibens Nr. 30). Diese Grundsätze werden für das kantonale Recht
auch von der Vorinstanz angewendet (vgl. StB 48 Nr. 1 und 2).
c) Unbestritten ist, dass der Rekurrent und Beschwerdeführer zur Hauptsache den
Unterhalt der minderjährigen Tochter bestreitet. Die Vorinstanz gewährte ihm daher zu
Recht bei der Kantons- und Gemeindesteuer den vollen bzw. bei der direkten
Bundessteuer den halben Kinderabzug. Weiter sind sich die Parteien einig, dass dem
Rekurrenten und Beschwerdeführer unbestrittenermassen zusammen mit der Mutter
des Kindes die gemeinsame elterliche Sorge über die minderjährige Tochter zusteht.
Entgegen der Ansicht des Rekurrenten und Beschwerdeführers kann aber nicht von
alternierender Obhut gesprochen werden. Hierfür wäre vorausgesetzt, dass sich die
Tochter während der entsprechenden Zeiträume ohne die Mutter beim Vater aufhält.
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Gemäss seinen eigenen Angaben besucht sie ihn jedoch jeweils zusammen mit der
Mutter bei ihm in der Schweiz. Aufgrund des Alters der Tochter ist ausserdem zu
bezweifeln, dass sich diese jeweils alleine beim Rekurrent und Beschwerdeführer in der
Schweiz aufhält, während sich ihre Mutter in Rumänien befindet. Auch in Rumänien
verbringt die Tochter die Zeit nicht alleine bei ihm in einer separaten Wohnung, sondern
er hält sich bei seiner Lebensgefährtin auf, wo auch die Tochter wohnt. Zudem ist die
Länge der jeweiligen Aufenthalte nicht bekannt. Zwar ist es der Mutter zusammen mit
der Tochter durchaus möglich, sich als Touristin länger in der Schweiz aufzuhalten. Es
steht aufgrund der Akten jedoch fest, dass sie in Rumänien einen eigenen Haushalt
führt und in ihrem Wohnsitzland berufstätig ist. Dies spricht klar gegen einen längeren
Aufenthalt in der Schweiz. Es ist daher vielmehr davon auszugehen, dass es sich um
gegenseitige Besuchsaufenthalte handelt. Die Vorinstanz verweigerte dem Rekurrenten
und Beschwerdeführer daher zu Recht den Elterntarif und die Besteuerung zum
Alleinstehendentarif ist nicht zu beanstanden.
d) Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Rekurs und die Beschwerde
abzuweisen sind, soweit darauf einzutreten ist.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens dem
Rekurrenten und Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP und Art. 144
Abs. 1 DBG). Da das Rekurs- und Beschwerdeverfahren in ein und demselben
Entscheid behandelt werden, ist eine Entscheidgebühr von je Fr. 600.– (insgesamt
Fr. 1’200.–) angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG i.V.m. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von total Fr. 1'200.– ist
zu verrechnen.