Decision ID: 04a91cec-a4fe-52da-af78-36a9f5f0d097
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die aus Russland stammende Beschwerdeführerin (geb. 1984) lernte ihren
zukünftigen Ehemann, den Schweizer Bürger Z._ (geb. 1967), im
Frühjahr 2007 im beruflichen Umfeld in ihrem Heimatland kennen. Seit
Herbst 2007 führten die beiden eine Fernbeziehung. Im März 2008 reiste
sie in die Schweiz ein und trat am 1. April 2008 eine Arbeitsstelle in Zürich
an. Am 14. August 2009 heiratete sie ihren Schweizer Freund (Akten der
Vorinstanz [SEM act.] 1/2, 16/69, 16/132 ff.).
B.
Gestützt auf ihre Ehe ersuchte die Beschwerdeführerin am 11. April 2013
um erleichterte Einbürgerung nach Art. 27 des bis am 31. Dezember 2017
in Kraft stehenden Bürgerrechtsgesetzes vom 29. September 1952 (aBüG,
AS 1952 1087; vgl. SEM act. 1).
Im Rahmen des Einbürgerungsverfahrens unterzeichneten die Eheleute
am 11. April 2014 eine Erklärung, der zufolge sie in einer tatsächlichen,
ungetrennten, stabilen ehelichen Gemeinschaft an derselben Adresse zu-
sammenlebten und weder Trennungs- noch Scheidungsabsichten bestün-
den. Gleichzeitig nahmen sie unterschriftlich zur Kenntnis, dass die erleich-
terte Einbürgerung nicht möglich ist, wenn vor oder während des Einbür-
gerungsverfahrens einer der Ehegatten die Trennung oder Scheidung be-
antragt hat oder keine tatsächliche eheliche Gemeinschaft mehr besteht,
und dass die Verheimlichung solcher Umstände zur Nichtigerklärung der
Einbürgerung führen kann (SEM act. 1/5).
Am 17. April 2014, in Rechtskraft erwachsen am 29. Mai 2014, wurde die
Beschwerdeführerin erleichtert eingebürgert. Nebst dem Schweizer Bür-
gerrecht erwarb sie das Bürgerrecht des Kantons Bern sowie das Gemein-
debürgerrecht von Roggwil BE (SEM act. 1/4).
C.
Ende Juli 2014 zog die Beschwerdeführerin aus der gemeinsamen Woh-
nung aus. Am 16. Juli 2016 reichte sie nach Ablauf der zweijährigen War-
tefrist eine Scheidungsklage ein, woraufhin die Ehe am 20. September
2016 rechtskräftig geschieden wurde. Die Ehe blieb kinderlos (SEM
act. 16/68 ff.).
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D.
Mit Schreiben vom 1. Juni 2017 gelangte der Zivilstands- und Bürger-
rechtsdienst des Kantons Bern an die Vorinstanz mit dem Hinweis, dass
sich die Beschwerdeführerin von ihrem Schweizer Ehemann habe schei-
den lassen, und bat gestützt darauf um Prüfung einer allfälligen Nichtiger-
klärung der erleichterten Einbürgerung (SEM act. 2/47).
E.
In einem Schreiben vom 17. Oktober 2017 setzte die Vorinstanz die Be-
schwerdeführerin förmlich über die Eröffnung eines Verfahrens auf Nichti-
gerklärung ihrer erleichterten Einbürgerung gemäss Art. 41 aBüG in Kennt-
nis. Gleichzeitig forderte die Vorinstanz sie auf, zu verschiedenen Fragen
schriftlich Stellung zu nehmen (SEM act. 15/66–67). Die Beschwerdefüh-
rerin reichte am 20. November 2017 (SEM act. 16/68 ff.) und am 19. De-
zember 2017 (SEM act. 18/157 ff.) zwei Stellungnahmen ins Recht. Der
von der Vorinstanz als Auskunftsperson angefragte Ex-Ehemann liess sich
mit schriftlichen Eingaben vom 20. Februar 2018 (SEM act. 20/171 f.) und
27. März 2018 (SEM act. 22/175) zur Sache vernehmen. Am 4. April 2018
lud die Vorinstanz die Beschwerdeführerin zur abschliessenden Stellung-
nahme ein, wovon sie am 17. April 2018 Gebrauch machte (SEM
act. 23/176, 24/185 ff.). Mit ihrer Zustimmung nahm die Vorinstanz eben-
falls Einsicht in die Akten des Ehescheidungsverfahrens (SEM
act. 29/196 ff.).
F.
Der Kanton Bern erteilte am 25. März 2019 seine Zustimmung zur Nichti-
gerklärung der erleichterten Einbürgerung (SEM act. 34/216).
G.
Mit Verfügung vom 8. April 2019 erklärte die Vorinstanz die erleichterte Ein-
bürgerung der Beschwerdeführerin für nichtig. Zur Begründung führte sie
im Wesentlichen aus, die kurzen zeitlichen Verhältnisse von der Einbürge-
rung bis zur Trennung bzw. zur Scheidung liessen vermuten, dass die Ehe-
gatten bereits im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung nicht mehr in
stabilen und zukunftsgerichteten ehelichen Verhältnissen gelebt hätten
(SEM act. 35/217 ff.).
H.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 9. Mai 2019 reichte die Beschwerdeführerin
eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und beantragte die
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Sie machte im Wesentlichen
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geltend, dass sie im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung in guten
Treuen von einer intakten Ehe ausging, zumal das Ehepaar im April 2014
noch gemeinsame Ferien im Tibet verbracht habe und nach ihrer Rückkehr
eine hormonelle Behandlung zwecks Erfüllung des Kinderwunschs geplant
gewesen sei (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer act.] 1).
I.
Der Ex-Ehemann der Beschwerdeführerin reichte am 23. Mai 2019 unauf-
gefordert ein als Unterstützungsschreiben zu qualifizierendes Dokument
zu den Akten (BVGer act. 4).
J.
In ihrer Vernehmlassung vom 21. Juni 2019 schloss die Vorinstanz auf Ab-
weisung der Beschwerde (BVGer act. 8).
K.
Mit Eingabe vom 16. August 2019 hielt die Beschwerdeführerin replizie-
rend an ihrem Rechtsmittel fest (BVGer act. 11). Gleichentags wandte sie
sich mit einem weiteren Schreiben persönlich an das Bundesverwaltungs-
gericht (BVGer act. 10).
L.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Mit dem am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Bürgerrechtsgesetz vom
20. Juni 2014 (BüG, SR 141.0) wurde der gleichnamige Erlass vom
29. September 1952 aufgehoben (vgl. Art. 49 BüG i.V.m. Ziff. I seines An-
hangs). Gemäss der Übergangsbestimmung des Art. 50 Abs. 1 BüG richten
sich Erwerb und Verlust des Schweizer Bürgerrechts nach dem Recht, das
bei Eintritt des massgebenden Tatbestandes in Kraft steht. Das ist in der
vorliegenden Streitsache das bisherige Recht, weshalb diese nach dem
alten Bürgerrechtsgesetz zu beurteilen ist.
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Seite 5
2.
2.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend erleichterte Einbürgerung sind
mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 51 Abs. 1
aBüG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
2.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG; vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG).
2.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert.
Auf ihre frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(Art. 48 ff. VwVG).
3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
4.
4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 aBüG kann eine ausländische Person nach der
Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte
Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der Schweiz ge-
wohnt hat, seit einem Jahr hier wohnt und seit drei Jahren in ehelicher Ge-
meinschaft mit einem Schweizer Bürger lebt. In allgemeiner, für alle For-
men der erleichterten Einbürgerung geltenden Weise setzt Art. 26 Abs. 1
aBüG voraus, dass die ausländische Person in der Schweiz integriert ist
(Bst. a), die schweizerische Rechtsordnung beachtet (Bst. b) und die in-
nere oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet (Bst. c). Sämtli-
che Einbürgerungsvoraussetzungen müssen sowohl bei Einreichung des
Gesuchs als auch anlässlich der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt
es im Zeitpunkt des Einbürgerungsentscheids an der ehelichen Gemein-
schaft, darf die erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden
(BGE 140 II 65 E. 2.1 m.H.).
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4.2 Der Begriff der ehelichen Gemeinschaft bedeutet nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung mehr als das formelle Bestehen einer Ehe.
Verlangt wird vielmehr eine tatsächliche Lebensgemeinschaft, die vom
beidseitigen Willen der Ehepartner getragen wird, ihre Ehe auch künftig
aufrecht zu erhalten. Zweifel am Willen der Ehegatten, die eheliche Ge-
meinschaft aufrecht zu erhalten, können sich dann ergeben, wenn kurze
Zeit nach der erleichterten Einbürgerung die Trennung erfolgt oder die
Scheidung eingeleitet wird (BGE 135 II 161 E. 2 m.H.), ein Ehegatte wäh-
rend der Ehe ein aussereheliches Kind zeugt (vgl. Urteil des BGer
1C_27/2011 vom 21. März 2011 E. 6.4.1) oder eine Zweitehe schliesst, der
Prostitution nachgeht oder sich in einer anderen Weise verhält, die in gro-
bem Widerspruch steht zum traditionellen Bild der Ehe als einer ungeteil-
ten, von Treue und Beistand getragenen Geschlechtergemeinschaft zwi-
schen Mann und Frau (vgl. Urteil des BVGer F-2182/2015 vom 18. Oktober
2016 E. 3.2 m.H).
5.
5.1 Die erleichterte Einbürgerung kann mit Zustimmung des Heimatkan-
tons nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsche Angaben oder Verheim-
lichung erheblicher Tatsachen erschlichen, d.h. mit einem unlauteren und
täuschenden Verhalten erwirkt wurde (vgl. Art. 41 Abs. 1 aBüG). Arglist im
Sinne des strafrechtlichen Begriffs ist nicht erforderlich. Es genügt, wenn
die betroffene Person bewusst falsche Angaben macht bzw. die mit dem
Gesuch um erleichterte Einbürgerung befasste Behörde bewusst in einem
falschen Glauben lässt und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen
zu haben, über eine erhebliche Tatsache zu informieren (vgl. BGE 140 II
65 E. 2.2 m.H.).
5.2 Weiss die betroffene Person, dass die Voraussetzungen für die erleich-
terte Einbürgerung auch im Zeitpunkt der Verfügung vorliegen müssen, so
muss sie die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung
der Verhältnisse orientieren, von der sie weiss oder wissen muss, dass sie
einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich aus dem
Grundsatz von Treu und Glauben und aus der verfahrensrechtlichen Mit-
wirkungspflicht nach Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Behörde ihrerseits
darf sich darauf verlassen, dass die vormals erteilten Auskünfte bei passi-
vem Verhalten der gesuchstellenden Person nach wie vor der Wirklichkeit
entsprechen (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2 m.H.).
5.3 Die Täuschungshandlung der gesuchstellenden Person muss sich auf
einen erheblichen Sachverhalt beziehen. Erheblich im Sinne von Art. 41
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Abs. 1 aBüG ist ein Sachverhalt nicht nur, wenn seine pflichtgemässe Of-
fenlegung dazu geführt hätte, dass die mit der Einbürgerung befasste Be-
hörde das Vorliegen einer Einbürgerungsvoraussetzung verneint und die
Einbürgerung verweigert hätte. Es genügt, wenn der Sachverhalt, wäre er
der Behörde bekannt gewesen, begründete Zweifel am Vorliegen einer sol-
chen Voraussetzung geweckt und die Einbürgerung ernsthaft in Frage ge-
stellt hätte bzw. eine solche nicht ohne weitere Beweismassnahmen hätte
verfügt werden können (vgl. Urteil des BVGer F-2375/2016 vom 29. März
2018 E. 5.3 m.H.).
6.
6.1 Die Möglichkeit der Nichtigerklärung geht durch Zeitablauf unter.
Art. 41 Abs. 1bis aBüG statuiert hierfür seit dem 1. März 2011 eine differen-
zierte Fristenregelung, welche auch ins neue Bürgerrechtsgesetz über-
nommen worden ist (vgl. Art. 36 Abs. 2 BüG). Demnach kann die Einbür-
gerung innert zwei Jahren, nachdem das SEM vom rechtserheblichen
Sachverhalt Kenntnis erhalten hat, spätestens jedoch innert acht Jahren
nach dem Erwerb des Schweizer Bürgerrechts, nichtig erklärt werden.
Nach jeder Untersuchungshandlung, die der eingebürgerten Person mitge-
teilt wird, beginnt eine neue zweijährige Verjährungsfrist zu laufen. Wäh-
rend eines Beschwerdeverfahrens stehen die Fristen still (vgl. Urteil des
BVGer F-2182/2015 vom 18. Oktober 2016 E. 5).
6.2 Vorliegend sind die Fristen von Art. 41 aBüG – sowohl die zweijährige
relative als auch die achtjährige absolute Verjährungsfrist – eingehalten.
Auch die Zustimmung des zuständigen Heimatkantons liegt vor. Die for-
mellen Voraussetzungen für die Nichtigerklärung der erleichterten Einbür-
gerung sind somit erfüllt.
7.
7.1 Das Verfahren zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung
richtet sich nach dem VwVG (vgl. Art. 1 Abs. 1 und 2 Bst. a VwVG). Es gilt
namentlich der Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 12 VwVG). Die Behörde
hat daher von Amtes wegen zu untersuchen, ob der betroffenen Person die
Täuschung über eine Einbürgerungsvoraussetzung vorgeworfen werden
kann, wozu insbesondere die Existenz eines beidseitig intakten und geleb-
ten Ehewillens gehört. Da die Nichtigerklärung in die Rechte der betroffe-
nen Person eingreift, liegt die Beweislast bei der Behörde. Allerdings geht
es in der Regel um innere, dem Kern der Privatsphäre zugehörige Sach-
verhalte, die der Behörde nicht bekannt und einem direkten Beweis natur-
gemäss kaum zugänglich sind. Sie können regelmässig nur indirekt durch
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Indizien erschlossen werden. Die Behörde kann sich darüber hinaus auch
veranlasst sehen, von bekannten Tatsachen (Vermutungsbasis) auf unbe-
kannte (Vermutungsfolge) zu schliessen. Solche sogenannten natürlichen
bzw. tatsächlichen Vermutungen stellen eine besondere Form des Indizi-
enbeweises dar und können sich in allen Bereichen der Rechtsanwendung
ergeben, namentlich auch im öffentlichen Recht. Dabei handelt es sich um
Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezo-
gen werden. Die betroffene Person ist bei der Sachverhaltsabklärung mit-
wirkungspflichtig (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2 und BGE 135 II 161 E. 3 je
m.H.).
7.2 Die natürliche Vermutung gehört zur freien Beweiswürdigung (vgl.
Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 BZP [SR 273]). Sie stellt eine Beweiserleichte-
rung dar, indem eine bereits vorhandene, aber nicht mit letzter Schlüssig-
keit mögliche Beweisführung unterstützt wird. Eine Umkehr der Beweislast
hat sie nicht zur Folge. Wenn daher bestimmte Tatsachen – bspw. die Chro-
nologie der Ereignisse – die natürliche Vermutung begründen, dass die er-
leichterte Einbürgerung erschlichen wurde, muss die betroffene Person
nicht den Beweis für das Gegenteil erbringen. Sie bringt die natürliche Ver-
mutung bereits mit dem Gegenbeweis zu Fall (HANS PETER WALTER, Berner
Kommentar, 2012, N. 476 zu Art. 8 ZGB). Es genügt zum Beweis, wenn sie
einen Grund anführt, der es dem Gericht plausibel erscheinen lässt, dass
sie die Behörde nicht getäuscht hat. Bei diesem Grund kann es sich um
ein ausserordentliches, nach der erleichterten Einbürgerung eingetretenes
Ereignis handeln, das zum raschen Scheitern der Ehe führte, oder die be-
troffene Person vermag glaubhaft darzulegen, dass sie die Ernsthaftigkeit
der ehelichen Probleme zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung
nicht erkannte und den wirklichen Willen hatte, mit dem Schweizer Ehe-
partner auch weiterhin in einer stabilen ehelichen Gemeinschaft zu leben
(vgl. BGE 135 II 161 E. 3 m.H.; Urteil des BVGer C-333/2012 vom 21. Au-
gust 2014 E. 4.2).
8.
In materieller Hinsicht stellt sich der Sachverhalt gestützt auf die Aktenlage
wie folgt dar:
8.1 Die Beschwerdeführerin gelangte im März 2008 aufgrund eines Stel-
lenangebots aus Russland in die Schweiz und heiratete am 14. August
2009 einen Schweizer Bürger. Am 11. April 2013 stellte sie ein Gesuch um
erleichterte Einbürgerung. Am 11. April 2014 unterzeichneten die Ehegat-
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ten eine gemeinsame Erklärung zum Bestand einer intakten und auf Zu-
kunft ausgerichteten Ehe. Kurz darauf, am 17. April 2014, in Rechtskraft
erwachsen am 29. Mai 2014, wurde die Beschwerdeführerin erleichtert ein-
gebürgert. Den Akten kann entnommen werden, dass ihr Ehemann rund
einen Monat nach Rechtskraft der Einbürgerung seine Trennungsabsich-
ten erklärte, sie am 14. Juli 2014 aus dem gemeinsamen Haushalt auszog
und nach Ablauf der zweijährigen Wartefrist am 16. Juli 2016 auf Schei-
dung der Ehe klagte. Mit Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 6. Septem-
ber 2016 (rechtskräftig seit 20. September 2016) wurde die Scheidung aus-
gesprochen.
8.2 Die Chronologie der Ereignisse, namentlich die kurze Zeitspanne zwi-
schen der gemeinsamen Erklärung zum Zustand der ehelichen Gemein-
schaft und der erleichterten Einbürgerung einerseits und der Trennung
knapp zwei Monate später und die darauffolgende Scheidung am 6. Sep-
tember 2016 andererseits, begründet nach bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung ohne weiteres die natürliche Vermutung, dass die Ehe zum Zeit-
punkt der gemeinsamen Erklärung bzw. der erleichterten Einbürgerung in
Wahrheit nicht intakt war und die Einbürgerungsbehörde über diesen Um-
stand aktiv oder passiv getäuscht wurde (vgl. dazu Urteil des BGer
1C_466/2018 vom 15. Januar 2019 E. 5.3 m.H.). Denn das Scheitern einer
intakten und auf die Zukunft ausgerichteten Ehe stellt einen Prozess dar,
der – besondere Umstände vorbehalten – regelmässig wesentlich längere
Zeit in Anspruch nimmt. Es ist nach dem weiter oben Gesagten an der Be-
schwerdeführerin, diese Vermutung umzustossen, indem sie ein ausseror-
dentliches, nach der erleichterten Einbürgerung eingetretenes Ereignis
aufzeigt, das den nachfolgenden raschen Zerfall einer zuvor intakten ehe-
lichen Beziehung plausibel erklärt oder, falls die Ehe zum Zeitpunkt der
erleichterten Einbürgerung nicht mehr intakt war, glaubwürdig darlegt, dass
sie zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung in guten Treuen von einer
intakten Ehe ausging (vgl. Urteil des BVGer F-3013/2018 vom 20. April
2020 E. 10).
9.
9.1 In ihren Stellungnahmen an die Vorinstanz vom 20. November 2017
(SEM act.16/68–73) und 19. Dezember 2017 (SEM act. 18/157–159)
wehrte sich die Beschwerdeführerin gegen den Vorwurf, sie habe die er-
leichterte Einbürgerung durch falsche bzw. unterlassene Angaben zum Zu-
stand ihrer Ehe erschlichen. Sie machte dazu geltend, die geäusserten
Trennungsabsichten kurz nach ihrer Einbürgerung seien für sie völlig un-
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Seite 10
erwartet gekommen, da eine allfällige Trennung vorab nie thematisiert wor-
den sei. Noch im April 2014 habe sie gemeinsam mit ihrem damaligen Ehe-
mann Ferien im Tibet verbracht. Gemäss den Angaben der Beschwerde-
führerin seien die Ferien sehr harmonisch verlaufen und das Ehepaar habe
ihren Freunden im Anschluss begeistert von den erlebten Ereignissen er-
zählt. Zudem sei nach der Rückkehr ab Juli 2014 eine hormonelle Behand-
lung zwecks Erfüllung des gemeinsamen Kinderwunschs geplant gewe-
sen. Über mehrere Jahre hinweg habe das Ehepaar hierzu verschiedene
medizinische Abklärungen getätigt und die Beschwerdeführerin habe sich
auch einem operativen Eingriff unterzogen. Am 24. Juni 2014, und damit
nach der erleichterten Einbürgerung, habe der Ex-Ehemann sie zu einer
letzten Besprechung vor der geplanten hormonellen Behandlung mit der
zuständigen Ärztin begleitet.
Trotz mehrmaligem Nachfragen habe der Ex-Ehemann den Grund für die
Trennung nicht kommuniziert. Wiederholte Versuche, mit ihm darüber zu
sprechen, seien gescheitert. Die von ihr vorgeschlagene Ehetherapie habe
er klar abgelehnt. Zudem habe er ihr verboten, gemeinsame Freunde um
Vermittlung zu ersuchen. Erst später habe sie erfahren, dass er bereits im
Juni 2014 seine neue Partnerin kennengelernt habe. Sie hege den Ver-
dacht, dass diese Bekanntschaft der Grund für das Scheitern ihrer Ehe ge-
wesen sei.
Nach der Eröffnung seiner Trennungsabsichten habe sie ihn gebeten, vor-
läufig in der gemeinsamen Liegenschaft bleiben zu können. Er habe sich
hierzu nur unter der Bedingung einverstanden erklärt, dass sie für sämtli-
che Kosten der Liegenschaft alleine aufkäme. Da sie sich dies finanziell
nicht habe leisten können und sich zudem erhofft habe, durch die vorüber-
gehende räumliche Trennung die Ehe retten zu können, sei sie in der Folge
aus der ehelichen Liegenschaft ausgezogen.
9.2 In seinen Schreiben vom 20. Februar 2018 (SEM act. 20/171–172) und
27. März 2018 (SEM act. 22/175) führte der Ex-Ehemann aus, dass er sich
gut vorstellen könne, dass sein damaliger Entscheid für die Partnerin über-
raschend gekommen sei. Vor der Einbürgerung sei kein erwähnenswerter
Vorfall geschehen.
Je länger die Ehe gedauert habe, desto öfter hätten sie Auseinanderset-
zungen gehabt und es sei ihnen nie gelungen, eine für ihn akzeptable
Streitkultur zu entwickeln. Streitpunkte seien insbesondere der unerfüllte
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Seite 11
Kinderwunsch, Grundeinstellungsfragen sowie tägliche Kleinigkeiten ge-
wesen. Er gehe davon aus, dass die unterschiedlichen Auffassungen bzw.
die Diskussionen für die Ex-Ehefrau weniger belastend gewesen seien.
Die Familienplanung habe die Beziehung belastet. Er habe sich mit der
ungewollten Kinderlosigkeit besser abfinden können als seine Ex-Ehefrau,
welche nichts unversucht habe lassen wollen. Als letzter Schritt sei eine
künstliche Befruchtung in Frage gekommen, welche jedoch nicht seiner
Überzeugung entsprochen habe. Er habe von Anfang an betont, dass er
sich Kinder nur auf natürlichem Wege wünsche.
Die gemeinsame Reise nach Tibet habe seinen Entscheid zur Trennung
beeinflusst. Er habe gemerkt, dass er, wenn es darauf ankomme, nicht auf
seine Partnerin zählen könne. Aufgrund einer Höhenkrankheit habe er me-
dizinisch versorgt werden müssen. Sie sei hiernach aber nicht ausreichend
auf sein Befinden eingegangen, sondern habe die Reise auch ohne ihn
fortsetzen wollen.
Da die eben ausgeführten Begebenheiten zeitlich nahe zusammenlagen,
habe er keine Massnahmen zur Erhaltung der Ehe ergriffen. Es sei alles
sehr schnell gegangen und er habe sich überfordert gefühlt. Im Juni 2014
habe er ihr den Trennungswunsch eröffnet. Ende Juni habe er seine neue
Partnerin kennengelernt.
9.3 In einer abschliessenden Stellungnahme vom 17. April 2018 hielt die
Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren fest, dass ihr Ex-Ehe-
mann seine Ablehnung einer künstlichen Befruchtung nie entsprechend
kommuniziert habe. Sie hätten sich damals gemeinsam für diesen Weg
entschieden. Wäre er hiervon nicht überzeugt gewesen, hätte er sie im
Vorfeld nicht an zahlreiche Arztbesuche begleitet und sich selber einer Un-
tersuchung unterzogen. Zwar sei der unerfüllte Kinderwunsch für das Ehe-
paar psychisch belastend gewesen, dennoch hätten sich Meinungsver-
schiedenheiten und Streitigkeiten in der Ehe nicht gehäuft. Das Ehepaar
habe bis zum Schluss der Beziehung einen entspannten und respektvollen
Umgang miteinander gepflegt. Betreffend seine gesundheitlichen Ein-
schränkungen während der Tibet-Reise merkte die Beschwerdeführerin
an, dass jene seinem eigenen Verhalten zuzuschreiben gewesen seien, da
er sich entgegen den Anweisungen des Reiseführers anfangs nicht genü-
gend ausgeruht habe. Bei ernsthaften Beschwerden wäre sie sofort bereit
gewesen, die Trekkingroute anzupassen (SEM act. 24/185–187). Be-
F-2275/2019
Seite 12
schwerdeweise hielt die Beschwerdeführerin ergänzend fest, dass be-
wusst auf ein Eheschutzverfahren verzichtet worden sei, da sie für ihren
Lebensunterhalt selber habe aufkommen können und zudem keine Kinder-
belange zu regeln gewesen seien (BVGer act. 1). In einem persönlichen
Schreiben an das Bundesverwaltungsgericht führte die Beschwerdeführe-
rin sodann aus, dass ihr Ex-Ehemann sie hinsichtlich der Erfüllung des Kin-
derwunsches finanziell unterstützt und ihr monatlich Fr. 300.– bis Fr. 500.–
überwiesen habe (BVGer act. 10).
9.4 Der Ex-Ehemann reichte auf Beschwerdeebene unaufgefordert ein
Schreiben zu den Akten. Hierin korrigierte er das Datum des Kennenler-
nens seiner neuen Partnerin von Ende Juni auf anfangs Juni. Er sei sich
diesbezüglich nicht sicher gewesen und habe zudem seine Ex-Ehefrau
nicht verletzen wollen. Er berichtigte sodann, dass er es als normal er-
achte, dass es in ihrer Ehe Auseinandersetzungen gegeben habe. Die Be-
ziehung habe wie jede andere Ehe Höhen und Tiefen durchlebt. Abschlies-
send hielt er fest, dass das Kennenlernen der neuen Partnerin der Grund
für die Trennung gewesen sei (BVGer act. 4).
10.
10.1 Zusammenfassend ergibt sich ein zwiespältiges Bild. Den Akten und
den Aussagen der Beteiligten kann entnommen werden, dass der Ex-Ehe-
mann die Beschwerdeführerin im Juni 2014 überraschend mit seinen Tren-
nungsabsichten konfrontierte. Eine solche Entwicklung in einer Ehe, die im
April 2014 noch beidseitig intakt und stabil gewesen sein soll, ist grund-
sätzlich nicht plausibel. Das anerkennt die Beschwerdeführerin zumindest
implizit, indem sie vorbringt, der Trennungswunsch des Ex-Ehemannes sei
für sie völlig überraschend gekommen (SEM act. 16/68, Frage 1). Als wei-
teres Indiz für eine Instabilität der ehelichen Gemeinschaft ist der kurz nach
der erleichterten Einbürgerung erfolgte aussereheliche Kontakt des Ex-
Ehemannes zu werten. Zudem dürften grundsätzlich auch die rasche Auf-
nahme des Getrenntlebens sowie der Mangel an Massnahmen zur Rettung
der Ehe, wie etwa durch Einleitung eines Eheschutzverfahrens oder Inan-
spruchnahme fachlicher Hilfe, bloss Ausdruck einer bereits zum Zeitpunkt
der erleichterten Einbürgerung zerrütteten Ehe gewesen sein. Kommt
hinzu, dass der unerfüllte Kinderwunsch gemäss übereinstimmender Aus-
sagen der Betroffenen (SEM act. 20/171, 24/186) ehebelastend wirkte. Er-
fahrungsgemäss ist eine solche Situation eine grosse Belastung für eine
Ehe, wobei es sich gewöhnlich um einen Prozess handelt, der eine ge-
wisse Zeit in Anspruch nimmt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_193/2010
vom 4. November 2010 E. 2.6). Angesichts der zeitlich raschen Verkettung
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Seite 13
dieser Ereignisse kann nicht ausgeschlossen werden, dass zum Zeitpunkt
der erleichterten Einbürgerung keine beidseitig intakte und stabile eheliche
Beziehung mehr bestand und die Beschwerdeführerin davon Kenntnis
hatte, die Ehegatten jedoch beschlossen, diesen Umstand den Behörden
zu verschweigen und ihre Trennung aufzuschieben, um die Einbürgerung
der Beschwerdeführerin nicht zu gefährden.
10.2 Andererseits erscheint auch ein anderer Ablauf der Ereignisse plausi-
bel. Danach wäre der Trennungswunsch des Ex-Ehemannes nach der er-
leichterten Einbürgerung der Beschwerdeführerin gerade deswegen plötz-
lich akut und unaufschiebbar geworden, da er in diesem Zeitraum seine
neue Partnerin kennengelernt hatte, was er seiner damaligen Partnerin
verschwieg. So betonte er mehrfach, es sei vor der Einbürgerung kein nen-
nenswerter Vorfall geschehen und er habe sie nicht verletzen wollen, wes-
halb er das Datum des Kennenlernens seiner neuen Partnerin erst auf Be-
schwerdeebene nach vorne korrigierte. In diesem Zusammenhang ist auch
darauf hinzuweisen, dass sowohl die Beschwerdeführerin wie auch ihr da-
maliger Lebenspartner stets betonten, er habe den Trennungswunsch ge-
äussert; dieser sei für die Beschwerdeführerin überraschend gewesen. In
einer solchen Situation ist es durchaus denkbar, dass sich die Beschwer-
deführerin zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung berechtigterweise
in einer intakten und stabilen Ehe wähnte und sie durch die nachfolgende
Sachverhaltsentwicklung überrascht wurde. Diese Annahme wird in retro-
spektiver Sicht durch weitere Umstände gestützt.
10.3 Ihre übereinstimmenden Aussagen sowie zahlreiche zu den Akten ge-
reichte Arztberichte belegen, dass die Ehegatten über mehrere Jahre hin-
weg zeitintensive medizinische Abklärungen und Untersuchungen zum
Zwecke der Erfüllung ihres seit der Eheschliessung bestehenden Kinder-
wunsches getätigt haben. Ende 2013 wurden sie schliesslich zur weiteren
Sterilitätsbehandlung an das A._ überwiesen und blieben dort wäh-
rend der erleichterten Einbürgerung fortwährend in Behandlung. Mit
Schreiben vom 24. Januar 2014 wurde die Gynäkologin der Beschwerde-
führerin von der Klinik B._ unter anderem darüber informiert, dass
nun noch die sterilitätsrelevanten Faktoren vollständig abgeklärt werden
würden und anschliessend die ICSI-Behandlung (Verfahren der künstli-
chen Befruchtung) geplant werde (SEM act. 16/94 ff.). Am 7. Mai 2014 er-
folgte in der besagten Klinik eine Konsultation der Beschwerdeführerin um
die bisherigen Resultate und das weitere Prozedere zu besprechen. Das
Ehepaar hätte schliesslich am 25. Juni 2014 gemeinsam zur Besprechung
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der Sterilitätstherapie kommen sollen; erschienen sei hingegen nur die Be-
schwerdeführerin, die angegeben habe, ihr Mann wolle sich wohl von ihr
trennen, da ihm alles zu viel sei. Die Sterilitätstherapien wurden in der
Folge sistiert (SEM act. 16/116). Insoweit der Ex-Ehemann schliesslich vor-
bringt, dass er gegen eine künstliche Befruchtung gewesen sei, so war
diese innere Überzeugung durch sein äusseres Verhalten für die Be-
schwerdeführerin nicht unbedingt erkennbar, zumal gemäss obgenanntem
Schreiben vom 24. Januar 2014 bereits damals die Rede von einer ICSI-
Behandlung war und sowohl die Beschwerdeführerin wie auch ihr damali-
ger Ehemann in der Klinik B._ in Behandlung waren (SEM act.
16/115). Ausgehend von diesen Umständen sowie aufgrund der Tatsa-
chen, dass die medizinischen Behandlungen nicht nur sehr kostenintensiv
und zeitaufwändig waren, sondern die Beschwerdeführerin auch physisch
sowie psychisch schwächten, erscheint es dem Gericht nachvollziehbar,
dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung
durchaus Grund hatte, auf die Beständigkeit der Ehe zu vertrauen, zumal
solche Mühen in einer als nicht stabil wahrgenommenen Ehe kaum vor-
stellbar wären.
10.4 Ihre in gewissen Punkten divergierenden Schilderungen vermitteln
schliesslich den Eindruck, dass die Eheleute über verschiedentliche Ereig-
nisse eine unterschiedliche Wahrnehmung bezüglich ihrer Beziehung
pflegten. So führte der Ex-Ehemann bereits im vorinstanzlichen Verfahren
aus, dass unterschiedliche Auffassungen sowie Diskussionen während der
Ehe für die Beschwerdeführerin vermutungsweise viel weniger belastend
gewesen seien dürften als für ihn (SEM act. 22/175). Sodann sprechen die
unterschiedlichen Schilderungen ihrer Reise nach Tibet ebenfalls dafür,
dass die Beschwerdeführerin einzelne Geschehnisse anders wahrnahm
und – im Unterschied zu ihrem Ex-Ehemann – durchaus in guten Treuen
noch von einer intakten Ehe ausging.
10.5 Es mag einzuwenden sein, dass keine ernsthaften Versuche zur Ret-
tung der Ehe unternommen wurden. Dass ein solches Argument beim Ein-
gehen von Fremdbeziehungen nur bedingt greifen kann, liegt indes in der
Natur der Sache (vgl. etwa Urteil des BVGer C-1483/2010 vom 29. Okto-
ber 2012 E. 9.3.3). Es ist ferner darauf hinzuweisen, dass die Beschwer-
deführerin im Unterschied zu ihrem Ex-Ehemann durchaus bereit war, die
Ehe unter Beizug Dritter zu retten (vgl. E. 9.1).
Des Weiteren brauchte sie eigenen Angaben zufolge lange, um die Ge-
schehnisse zu verarbeiten und sie liess sich erst im Frühling 2015 wieder
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auf eine neue Beziehung ein (SEM act. 18/159, Frage 10; act. 16/72,
Frage 12). Hiermit fällt ein weiteres praxisrelevantes Verdachtsindiz weg.
10.6 Sodann hat die Vorinstanz ausser Acht gelassen, dass die Beschwer-
deführerin 2008 hauptsächlich aus beruflichen Gründen in die Schweiz ein-
reiste, die Ehe gemäss übereinstimmenden Angaben der Beschwerdefüh-
rerin und ihres Ex-Ehemannes aus Liebe geschlossen wurde und bis zur
Trennung während rund fünf Jahren tatsächlich gelebt wurde. Tragende
Elemente der Beziehung bildeten insbesondere die geteilte Leidenschaft
fürs Golfen und Jassen, die regelmässigen Besuche von kulturellen Veran-
staltungen, das Pflegen sozialer Kontakte sowie wiederkehrende gemein-
same Ferien (SEM act. 20/171). So erfüllte sich das Ehepaar – wie bereits
erwähnt – noch im April und Mai 2014 einen Wunsch und reiste zusammen
für mehrere Wochen nach Tibet.
Dass sie vor der erleichterten Einbürgerung bei privaten und gesellschaft-
lichen Anlässen stets als Ehepaar aufgetreten waren, bestätigen zudem
zahlreiche Freunde des Ehepaars. In guter Erinnerung blieb vielen die
grosse Feier zum 30. Geburtstag der Beschwerdeführerin im [...], an wel-
cher das Ehepaar verliebt und glücklich gewirkt habe. Die Trennung sei
überraschend gekommen. Nichts habe auf eine unglückliche Beziehung
hingedeutet (vgl. verschiedene Referenzschreiben von Freunden und Ar-
beitskolleginnen: Beilage 2–4 zu BVGer act. 1, SEM act. 1/9 ff. und
16/122).
10.7 Abschliessend ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung ebenfalls dem
Umstand Rechnung zu tragen, dass die Beschwerdeführerin dank ihrer Er-
werbstätigkeit in der Schweiz nicht von einer Wegweisung betroffen war.
Für das Bundesverwaltungsgericht steht zweifelsfrei fest, dass ihre Ehe
echt war und nicht bezweckte, ausländerrechtliche Bestimmungen zu um-
gehen. In ihrer Gesamtheit unterscheiden diese Elemente die vorliegende
Streitsache von typischen Nichtigkeitskonstellationen, mit denen sich die
Behörden gewöhnlich zu befassen haben.
11.
Zusammenfassend ergibt sich, dass es der Beschwerdeführerin gelungen
ist, die zu ihren Lasten sprechende natürliche Vermutung zu erschüttern.
Entsprechend der Beweislastverteilung kann somit nicht davon ausgegan-
gen werden, dass sie ihre Einbürgerung im Sinne von Art. 41 Abs. 1 aBüG
durch falsche Angaben oder Verheimlichung erheblicher Tatsachen zum
Zustand der Ehe erschlichen hat. Die Voraussetzungen des Art. 41 Abs. 1
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aBüG für eine Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung sind folglich
nicht erfüllt. Indem die angefochtene Verfügung vom Gegenteil ausgeht,
verletzt sie Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG). Sie ist in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl.
Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), und es ist der durch einen Anwalt vertretenen
Beschwerdeführerin zu Lasten der Vorinstanz für die ihr erwachsenen not-
wendigen Kosten eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen
(vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG). Diese ist unter Berücksichtigung des aktenkun-
digen Aufwands und in Anwendung von Art. 7 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf Fr. 2'500.– festzusetzen
(inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE).
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