Decision ID: 1daad861-3c01-49cd-a267-4ef0259c526e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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St.Galler Gerichte
A.- X wurde am 13. November 2008 sowie 12. August 2011 aufgrund von leichten
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften
(Geschwindigkeitsüberschreitungen innerorts) vom Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt verwarnt. Am 19. Juni 2012 beging er erneut eine leichte
Widerhandlung im Zusammenhang mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung
innerorts, worauf ihm der Führerausweis mit Verfügung vom 13. August 2012 für einen
Monat entzogen wurde. Am 16. Juni 2013 verlor er auf der Autobahn einen Teil der
ungenügend gesicherten Ladung. Deshalb verfügte das Strassenverkehrsamt am
25. Juli 2013 aufgrund einer mittelschweren Widerhandlung einen Führerausweisentzug
für die Dauer von zwei Monaten. Am 8. November 2013 wurde die Entzugsdauer auf
einen Monat gekürzt, nachdem X einen Kurs zur Verkehrskunde absolviert hatte. Am
12. Januar 2018 erhielt X erneut eine Verwarnung aufgrund einer leichten
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
(Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts).
B.- Am Samstag, 9. Februar 2019, wurde X anlässlich einer Verkehrskontrolle in A um
23.45 Uhr angehalten und kontrolliert. Die durchgeführten Atemalkoholmessungen
ergaben um 23.48 Uhr 0,52 mg/l und um 23.50 Uhr 0,55 mg/l. Um 23.57 Uhr wurde bei
der Polizeistation A eine beweissichere Atemalkoholprobe durchgeführt, die einen Wert
von 0,59 mg/l ergab. X anerkannte diesen Wert. Der Führerausweis wurde ihm auf der
Stelle abgenommen. Am 21. Februar 2019 informierte ihn das Strassenverkehrsamt
darüber, dass aufgrund des Vorfalls vom 9. Februar 2019 vorgesehen sei, ihm den
Führerausweis für mindestens drei Monate zu entziehen. Es gab ihm die Möglichkeit
zur Stellungnahme, auf die X stillschweigend verzichtete. Am 20. März 2019 verfügte
das Strassenverkehrsamt einen Führerausweisentzug von vier Monaten. Das
Untersuchungsamt B befand X des Fahrens in nicht fahrfähigem Zustand für schuldig
und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 210.–, bedingt
aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von Fr. 2'100.–.
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 20. März 2019 erhob X am
27. März 2019 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen
(VRK). Dabei führte er aus, dass er überrascht sei, dass der Führerausweisentzug jetzt
gar vier Monate dauere. Er wäre froh, wenn ihm entweder ein Monat erlassen, bedingt
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ausgesprochen oder zu einem späteren Zeitpunkt verbüsst werden könnte. Mit
Schreiben vom 11. April 2019 verzichtete die Vorinstanz auf eine Vernehmlassung.

Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sach-
entscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 27. März 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent brachte vor, dass er mit der Verfügung vom 20. März 2019
überrascht worden sei, weil die Entzugsdauer nicht drei Monate, sondern gar vier
Monate betrage. Im Schreiben vom 21. Februar 2019 wurde dem Rekurrenten
mitgeteilt, ein Führerausweisentzug von mindestens drei Monaten sei vorgesehen. Mit
dieser Formulierung brachte die Vorinstanz klar zum Ausdruck, dass die Entzugsdauer
noch nicht bestimmt ist und diese aber auch höher als drei Monate ausfallen kann. Aus
dem Umstand, dass die Polizisten von einem dreimonatigen Führerausweisentzug
gesprochen hätten, kann der Rekurrent nichts zu seinen Gunsten ableiten; denn diese
sind für die Festsetzung eines Führerausweisentzugs nicht zuständig.
Dementsprechend kann der Vorinstanz kein Verfahrensfehler, insbesondere keine
Verletzung des verfassungsmässigen Anspruchs des Rekurrenten auf rechtliches
Gehör, vorgeworfen werden.
3.- Strittig ist, ob der Führerausweis des Rekurrenten aufgrund des Vorfalls vom 9.
Februar 2019 für die Dauer von drei oder vier Monaten zu entziehen ist.
a) aa) Der Rekurrent erklärte in seiner Rekursschrift vom 27. März 2019, dass es ihm
leidtue, am 9. Februar 2019 in alkoholisiertem Zustand ein Motorfahrzeug gelenkt zu
haben. Zu jener Zeit sei er auf Krücken angewiesen gewesen und habe jegliche
bis
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Belastung seines Hüftgelenks vermeiden müssen. Sodann benötige er den
Führerausweis, weil er im Mai 2019 für den Transport von Material für einen Freizeitkurs
verantwortlich sei. Zuvor müsse er den Anhänger noch renovieren und vorführen. Er
wäre froh, wenn ihm ein Monat erlassen werden könne, bedingt ausgesprochen werde
oder zu einem späteren Zeitpunkt (beispielsweise im November) verbüsst werden
könnte.
bb) Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, der Rekurrent habe
ganz offensichtlich eine grössere Menge alkoholischer Getränke konsumiert, die ihn
nicht daran zweifeln lassen konnte, dass er angetrunken gewesen sei und nicht mehr
hätte fahren dürfen. Verschulden und Gefährdung würden deshalb schwer wiegen. Mit
der Trunkenheitsfahrt habe er die stark erhöhte Möglichkeit eines mit schweren Folgen
verbundenen Verkehrsunfalls geschaffen. Die festgestellte, hohe
Blutalkoholkonzentration bewirke eine Erhöhung der Entzugsdauer. Der getrübte
automobilistische Leumund wirke sich demgegenüber nicht mehr
massnahmeerhöhend aus. Der Rekurrent habe keine Stellungnahme eingereicht und
auch keine berufliche Angewiesenheit auf den Führerausweis geltend gemacht. Ein
Ausweisentzug von vier Monaten sei aufgrund der gegebenen Umstände angemessen.
b) Eine schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften begeht unter
anderem, wer in angetrunkenem Zustand mit einer qualifizierten Atemalkohol- oder
Blutalkoholkonzentration ein Motorfahrzeug lenkt (Art. 16c Abs. 1 lit. b des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Als qualifiziert gilt eine
Blutalkoholkonzentration von 0,8 Gewichtspromille oder mehr bzw. eine
Atemalkoholkonzentration von 0,4 mg Alkohol oder mehr pro Liter Atemluft (Art. 2 der
Verordnung der Bundesversammlung über Alkoholgrenzwerte im Strassenverkehr,
SR 741.13, in Verbindung mit Art. 55 Abs. 6 lit. b SVG). Nach einer schweren
Widerhandlung wird der Lernfahr- oder Führerausweis für mindestens drei Monate
entzogen (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG). Ein längerer Führerausweisentzug kann
ausgesprochen werden, wenn die Angetrunkenheit deutlich mehr als
0,8 Gewichtspromille beträgt oder der Betroffene auf seiner Fahrt weitere
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften begangen hat
(Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16c SVG N 29; vgl.
auch Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_135/2008 vom 13. August 2008 E. 3.2.2).
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Bei der Festsetzung der Dauer des Führerausweisentzugs sind alle wesentlichen
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrsteilnehmer, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
c) Dass eine schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG vorliegt,
bestreitet der Rekurrent nicht. Klar ist auch, dass bei diesem Sachverhalt eine
Mindestentzugsdauer von drei Monaten im Gesetz zwingend vorgesehen ist. Es bleibt
zu prüfen, ob Umstände gegeben sind, die eine Erhöhung der Entzugsdauer auf vier
Monate rechtfertigen. Der Rekurrent hat sich bereits früher leichte bis mittelschwere
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften zu Schulden kommen
lassen. Diese fallen jedoch im Rahmen der Kaskadenordnung von Art. 16c Abs. 2 SVG
nicht ins Gewicht. Sie liegen schon weit zurück bzw. sind nicht derart schwer, dass sie
zu einer Erhöhung der Mindestentzugsdauer führen müssten. Im Übrigen sind sie nicht
einschlägig. Die Vorinstanz hat den getrübten automobilistischen Leumund ebenfalls
nicht massnahmeerhöhend veranschlagt. Eine berufliche Notwendigkeit, ein
Motorfahrzeug zu führen, wurde nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich.
Der Tatbestand einer schweren Widerhandlung setzt von Gesetzes wegen eine
ernstliche Gefährdung und ein schwerwiegendes Verschulden voraus. Allerdings wurde
beim Rekurrenten bei der Kontrolle vom 9. Februar 2019 eine
Atemalkoholkonzentration von 0,59 mg/l festgestellt. Diese liegt deutlich (fast 50%)
über dem Wert von 0,4 mg/l, ab dem eine qualifizierte Atemalkoholkonzentration
gegeben ist. Es ist davon auszugehen, dass die Wahrnehmungs- sowie die
Reaktionsfähigkeit innerhalb dieser Differenz nochmals entscheidend abnehmen.
Dadurch wird die Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer zusätzlich erhöht. Zudem
war der Rekurrent nachts bei Dunkelheit unterwegs; die Sichtverhältnisse waren also
ohnehin bereits schlechter als tagsüber. Dementsprechend erscheint angemessen,
dass die Vorinstanz den Ausweisentzug um einen Monat höher als die
Mindestentzugsdauer, das heisst auf vier Monate, festgesetzt hat. Der Rekurs ist somit
abzuweisen.
Körperliche Gebrechen vermögen eine Trunkenheitsfahrt nicht zu rechtfertigen oder
das Verschulden daran zu mindern. Der Rekurrent hätte entweder auf das Trinken
verzichten oder sich einen Fahrdienst organisieren können. Auch, dass er das Fahrzeug
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für die Ausübung seiner Freizeitbeschäftigung benötigt, kann bei der Dauer des
Ausweisentzugs nicht reduzierend berücksichtigt werden. Weiter ist es nicht möglich,
den Ausweisentzug bedingt oder teilbedingt auszusprechen; dies ist im Gesetz nicht
vorgesehen. Zur Festlegung des Zeitpunkts des Entzugs, bzw. der Vollstreckung der
Verfügung, ist die Vorinstanz zuständig. Unter den gegebenen Umständen ist der
Rekurs abzuweisen.
4.- Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Abs. 1 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen.