Decision ID: 2ef8425b-8fd4-48ba-87bc-934a9fad351c
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit 28. Juni 1966. Mit Verfügung vom
10. Juni 2003 war er wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung verwarnt worden.
Vom 15. Mai bis 14. September 2005 (4 Monate) und vom 19. Juni 2009 bis 18. Juni
2010 (12 Monate) war ihm der Führerausweis wegen Führens eines Fahrzeuges in
angetrunkenem Zustand entzogen. Am Mittwoch, 22. September 2010, 13.55 Uhr, war
X auf der W-Strasse in W unterwegs in Richtung L. Als der vor ihm fahrende
Personenwagen vor einem Fussgängerstreifen anhielt, konnte X nicht mehr rechtzeitig
abbremsen und fuhr auf. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. Die Lenkerin
des vorderen Fahrzeugs klagte über Nackenschmerzen, verzichtete aber auf das
Stellen eines Strafantrags wegen Körperverletzung.
B.- Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes U vom 21. Oktober 2010 wurde X
wegen Verletzung von Verkehrsregeln zu einer Busse von Fr. 450.-- verurteilt. Der
Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Mit Schreiben vom 3. Januar 2011 leitete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (im Folgenden: Strassenverkehrsamt) ein
Administrativmassnahmeverfahren ein und gab X Gelegenheit zur Stellungnahme. In
der Folge entzog das Strassenverkehrsamt X mit Verfügung vom 2. Februar 2011 den
Führerausweis wegen einer mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von fünf Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 17.
Februar 2011 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Führerausweis für die Dauer von
einem Monat zu entziehen; eventualiter sei der Führerausweis für die Dauer von vier
Monaten zu entziehen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz
verzichtete auf eine Vernehmlassung. Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur

Begründung seiner Anträge und die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 17. Februar 2011 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen.
Gestützt auf die rechtskräftige Bussenverfügung vom 21. Oktober 2010 ist davon
auszugehen, dass der Rekurrent am 22. September 2010, um 13.55 Uhr, auf der W-
Strasse in W kurz unaufmerksam war, das Bremsmanöver des vor ihm fahrenden
Fahrzeugs zu spät bemerkte und es daraufhin zu einer Auffahrkollision kam. Ein
Autolenker muss sein Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen
Vorsichtspflichten nachkommen kann (Art. 31 Abs. 1 SVG), und seine Aufmerksamkeit
der Strasse und dem Verkehr zuwenden (Art. 3 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung,
SR 741.11, abgekürzt: VRV). Er hat vor Fussgängerstreifen besonders vorsichtig zu
fahren und nötigenfalls anzuhalten, um den Fussgängern den Vortritt zu lassen, die sich
schon auf dem Streifen befinden oder im Begriffe sind, ihn zu betreten (Art. 33 Abs. 2
SVG). Auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs muss er
rechtzeitig halten können (Art. 12 Abs. 1 VRV). Somit ist unbestrittenermassen davon
auszugehen, dass der Rekurrent schuldhaft Verkehrsregeln verletzt hat.
3.- Streitig ist, ob die Vorinstanz die vom Rekurrenten begangenen
Verkehrsregelnverletzungen zu Recht als mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. b SVG qualifiziert hat. Die
Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass der Rekurrent die
Aufmerksamkeit vorübergehend nicht dem Verkehr zugewandt habe. Daher habe er
nicht rechtzeitig erkennen können, dass der Verkehr vor ihm angehalten habe. Ohne
Zweifel habe er damit die zitierten Verkehrsregeln schuldhaft verletzt. Ein Fahrzeug,
welches von seinem Lenker zufolge Unaufmerksamkeit nicht mehr beherrscht werde,
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stelle eine Gefahrenquelle für andere Verkehrsteilnehmer dar. Diese Gefährdung habe
sich in einer Auffahrkollision konkretisiert.
a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, die Auffahrkollision habe sich
innerorts bei langsamem Verkehrsfluss ereignet. Es sei Nachmittag und die Sicht in
keiner Weise eingeschränkt gewesen. Er fahre einen "normalen Personenwagen". Das
Fahrzeug vor ihm habe abrupt vor einem Fussgängerstreifen angehalten. Der Schaden
sei trotzdem sehr gering gewesen, auf jeden Fall viel kleiner als die im Polizeirapport
geschätzten Fr. 10'000.--. Diese Umstände zeigten, dass die Kollision eine sehr
geringfügige gewesen sei. Das vor ihm fahrende Fahrzeug sei kaum vorwärts
geschoben worden. Die Fussgängerin sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen,
weder abstrakt noch konkret. Die Lenkerin des vorderen Fahrzeugs habe gegenüber
der Polizei ausgesagt, dass sie ihr Fahrzeug brüsk abgebremst habe, als sie auf der
linken Trottoirseite eine Frau mit einem Kind gesehen habe, welche die Strasse hätten
überqueren wollen. Die Befragung sei von der Polizei allerdings nur mündlich
aufgenommen und nicht zu Protokoll gegeben worden. Dies sei zu seinen Gunsten zu
berücksichtigen. Aufgrund des Verhaltens der Vorlenkerin, die entweder unaufmerksam
gewesen sei oder die Fussgängerin zu spät gesehen habe, sei für ihn nicht schon von
weitem erkennbar gewesen, dass sich eine Fussgängerin mit der Absicht, die Strasse
zu überqueren, dem Fussgängerstreifen genähert habe. Für ihn habe deshalb keine
Pflicht zum Anhalten bestanden. Da sich die Fussgängerin entlang dem Trottoir der
Gegenfahrbahn bewegt habe, sei keine erhöhte Aufmerksamkeit und
Bremsbereitschaft notwendig gewesen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass
die Lenkerin des vorderen Fahrzeugs eine Mitverantwortung an der Kollision trage.
Beinahe denselben Sachverhalt habe das Bundesgericht in BGE 135 II 138 beurteilt. Im
Unterschied zu jenem Fall habe er keinen Lastwagen gelenkt und seien sowohl der
Sachschaden wie auch die Dauer der Unaufmerksamkeit wesentlich geringer gewesen.
Das Bundesgericht habe allein wegen der Betriebsgefahr und der senkrechten
Fahrzeugfront des Lastwagens auf eine erhöhte Gefährdung geschlossen. Dies treffe
auf sein Fahrzeug jedoch nicht zu, weshalb lediglich eine mittelschwere Gefährdung
vorliege. Aufgrund der geringfügigen Kollisionsschäden sei die Geschwindigkeit im
Zeitpunkt des Aufpralls nur noch ganz gering gewesen. Die Unaufmerksamkeit könne
folglich nur sehr kurz gewesen sein, nicht vergleichbar mit jener gravierenden
Unaufmerksamkeit in BGE 135 II 139, wo der unfallverursachende Lastwagenfahrer
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den Kopf abgedreht und einem in eine Nebenstrasse abgebogenen Fahrzeug
nachgeschaut habe. Das Drehen des Kopfs von der Strasse weg und zurück könne
nicht mit einer nur sehr kurzen gedanklichen Abwesenheit verglichen werden. Letzteres
trete häufig auf und könne kaum unter Kontrolle gehalten werden. Bei
Mitberücksichtigung des Verhaltens der Unfallgegnerin relativiere sich sein Verschulden
zusätzlich und erscheine zwingend als leichtes Verschulden im Sinn von Art. 16a Abs. 1
lit. a SVG.
Die Mindestentzugsdauer betrage daher gemäss Art. 16a Abs. 2 SVG einen Monat.
Sein etwas getrübter automobilistischer Leumund werde bereits dadurch
berücksichtigt, dass keine Verwarnung mehr ausgesprochen werden dürfe. Dabei
spiele es keine Rolle, dass der zu beurteilende Vorfall sich bereits rund drei Monate
nach Beendigung des letzten Führerausweisentzugs ereignet oder nahe an der
Zweijahresgrenze gelegen habe. Falls ein mittelschwerer Fall vorliege, sei eine
Erhöhung der Mindestentzugsdauer von vier auf fünf Monate aus denselben
Überlegungen nicht angezeigt.
b) Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b
SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von
Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt
(Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird
dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Die
mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG stellt einen
Auffangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer
leichten Widerhandlung und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren
Widerhandlung gegeben sind (BGE 135 III 138 E. 2.2.2).
Nach der Rechtsprechung ist die Administrativbehörde grundsätzlich an die
Feststellungen im Strafurteil gebunden. Von den Sachverhaltsfeststellungen des
Strafrichters darf sie nur unter bestimmten, von der Rechtsprechung bezeichneten
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Umständen abweichen (vgl. BGE 124 II 103). Anders verhält es sich bei der rechtlichen
Würdigung des Sachverhalts. Dabei ist die Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht an
den Strafentscheid gebunden, es sei denn, die rechtliche Würdigung hänge sehr stark
von der Würdigung von Tatsachen ab, die das Strafgericht besser kennt als die
Verwaltungsbehörde, etwa wenn der Beschuldigte im Strafverfahren persönlich
einvernommen wurde. Zudem fällt in Betracht, dass die Strafnorm von Art. 90 SVG das
Schwergewicht auf das Verschulden des Fahrzeuglenkers legt und eine Würdigung des
Sachverhalts unter einem subjektiven Gesichtspunkt verlangt, während die
verwaltungsrechtlichen Bestimmungen von Art. 16 ff. SVG auch auf die objektive
Gefährdung des Verkehrs abstellen. Der Entscheid über die Schwere einer
Verkehrsgefährdung ist eine Frage der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts (vgl.
VerwGE vom 14. Oktober 2010 i.S. S.S., E. 2.1 mit Hinweisen).
c) aa) Für die Annahme eines leichten Falls setzt das Gesetz ausdrücklich ein geringes
Ausmass der Gefährdung voraus. Der seit 1. Januar 2005 geltende Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG räumt der Schwere der Verkehrsgefährdung wieder eine eigenständige Stellung
ein. Im Recht der Administrativmassnahmen liegen der gesetzlichen Kategorisierung
der Widerhandlungen gegen Strassenverkehrsvorschriften verschiedene
Gefährdungsstufen zugrunde. Von der konkreten Gefährdung der körperlichen
Integrität anderer Personen ist deren abstrakte Gefährdung zu unterscheiden, die
"einfach" oder "erhöht" sein kann. Die einfache abstrakte Gefährdung zieht kein
Administrativmassnahmeverfahren nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Eine solche
Gefährdung ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aber nur dann
anzunehmen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten des
Rekurrenten hätten betroffen werden können. Führt hingegen die Missachtung einer
Verkehrsregel zu einer Verletzung eines Rechtsguts, einer konkreten Gefährdung der
körperlichen Integrität oder zu einer erhöhten abstrakten Gefährdung dieses
Rechtsguts, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die
neuen Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.).
Für die Abstufung innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der
Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte
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Gefährdung (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen
bestimmten, tatsächlich daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer
des Täters die Gefahr einer Körperverletzung oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe
Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12). Zudem ist das Ausmass der
üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der Rechtsgutverletzung zu
berücksichtigen (vgl. VRKE vom 6. Juli 2005 in Sachen H. L., E. 4b/bb).
bb) Im Strafbescheid vom 21. Oktober 2010 finden sich keine ziffernmässig genauen
Feststellungen zur gefahrenen Geschwindigkeit des Rekurrenten im Zeitpunkt der
Kollision oder zu den Schäden der beteiligten Fahrzeuge. Auch zur Dauer der
Unaufmerksamkeit werden keine Angaben gemacht. Bei der polizeilichen Befragung
gab der Rekurrent an, er sei von W herkommend in Richtung L mit einer
Geschwindigkeit von etwa 45 km/h unterwegs gewesen. Plötzlich habe er im letzten
Moment festgestellt, dass ein roter Personenwagen vor ihm stillgestanden habe. Er sei
sofort auf die Bremse gestanden, habe eine Auffahrkollision aber nicht verhindern
können (act. 10/3). Die Lenkerin des unfallbeteiligten roten Fahrzeugs erklärte der
Polizei gegenüber, sie sei mit einer Geschwindigkeit von etwa 45 km/h unterwegs
gewesen. Auf der Höhe der Liegenschaft W-Strasse 55 habe sie auf der linken
Trottoirseite eine Frau mit einem Kind gesehen, welche den Fussgängerstreifen habe
überqueren wollen. Daher habe sie ihr Fahrzeug brüsk abgebremst und angehalten.
Gerade als sie still gestanden habe, sei der hinter ihr fahrende Personenwagen gegen
ihr Fahrzeugheck geprallt. Durch den Aufprall sei ihr Fahrzeug etwas nach vorne
geschoben worden. Die Frau und das Kind seien dadurch jedoch nicht gefährdet
worden, da sich diese noch auf der linken Fahrbahnhälfte befunden hätten (act. 10/3).
Da sich die Darstellung der Unfallgegnerin mit jener des Rekurrenten deckt, kann auf
sie abgestellt werden, auch wenn sie von der Polizei nicht unterschriftlich protokolliert
wurde. Durch den vom Rekurrenten verursachten Auffahrunfall wurde die
Unfallgegnerin konkret gefährdet. Da sich die Kollision unmittelbar vor einem
Fussgängerstreifen ereignete, bestand für allfällige Fussgänger eine erhöhte abstrakte
Gefährdung. Die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung lag zudem nahe, weil sich
bereits zwei Fussgänger auf dem Fussgängerstreifen befanden. Die Tatsache, dass die
unfallbeteiligte Lenkerin gegenüber der Polizei über Nackenschmerzen klagte, sowie
der Umstand, dass deren Fahrzeug durch die Wucht der Kollision etwas nach vorne
geschoben wurde, lassen auf einen erheblichen Aufprall schliessen. Schleudertraumata
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stellen typische Verletzungen bei Auffahrunfällen dar und können gravierende
gesundheitliche Folgen haben (vgl. BGE 135 II 138 E. 2.3). An beiden Fahrzeugen
entstand Sachschaden. Im Polizeirapport wird jener am Fahrzeug des Rekurrenten mit
"eingedrückte Motorhaube, Kühlergrill und Frontstossstange" beschrieben und mit ca.
Fr. 5'000.-- beziffert. Beim Fahrzeug der Unfallgegnerin ist die Rede von einer
Beschädigung der Heckklappe, Heckstossstange und des Kotflügels hinten rechts,
Schadenhöhe ebenfalls ca. Fr. 5'000.--. Auch wenn die Schätzung der Reparaturkosten
mit Blick auf die Unfallfotos eher hoch erscheint, ist aufgrund der
Ausgangsgeschwindigkeit von 45 km/h und der eingedrückten Motorhaube am
Fahrzeug des Rekurrenten auf eine Aufprallgeschwindigkeit zu schliessen, die einiges
über dem Schritttempo lag. Die vom Rekurrenten geschaffene Gefahr für die Sicherheit
anderer kann unter diesen Umständen nicht mehr als gering eingestuft werden.
Entgegen der Ansicht des Rekurrenten lässt sich aus BGE 135 II 138, wo der
Unfallverursacher mit einem Lastwagen unterwegs war, nicht zwingend ableiten, dass
eine von einem Personenwagen verursachte Auffahrkollision stets eine geringe Gefahr
im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG darstelle.
d) Selbst wenn eine geringe Gefährdung vorläge, würde es für die Annahme einer
leichten Widerhandlung am leichten Verschulden fehlen. Im Strafbescheid wurden
keine näheren Ausführungen dazu gemacht. Der Rekurrent wurde gestützt auf Art. 90
Ziff. 1 SVG verurteilt, was administrativmassnahmerechtlich sowohl eine leichte als
auch eine mittelschwere Widerhandlung bedeuten kann. Die ausgesprochene Busse
beträgt Fr. 450.--, was nicht zwingend für ein leichtes Verschulden spricht. Der
Rekurrent hatte seine Aufmerksamkeit zugegebenermassen nicht der Strasse und dem
Verkehr zugewandt und damit eine zentrale Verkehrsregel verletzt. Er war nachmittags
innerorts in W auf einer Strasse mit Fussgängerstreifen unterwegs. Vortrittsberechtigte
Fussgänger waren ebenfalls zugegen. Bei Fussgängeraufkommen in der Nähe von
Fussgängerstreifen ist von einem Motorfahrzeuglenker generell hohe Aufmerksamkeit
gefordert. Unabhängig davon, auf welcher Strassenseite sich diese befinden, sind sie
vortrittsberechtigt (Art. 33 SVG). Gegenüber der Polizei sagte der Rekurrent aus, dass
er den still stehenden Personenwagen erst kurz vor der Kollision wahrgenommen habe.
Er sei nicht abgelenkt, aber kurz nicht konzentriert gewesen. Er habe die Bremslichter
des vorausfahrenden Personenwagens nicht gesehen (act. 10/3). Diese Angaben
lassen entgegen der Argumentation des Rekurrenten auf mehr als eine nur sehr kurze
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gedankliche Abwesenheit schliessen. Der Bremsvorgang von 45 km/h bis zum
Stillstand dauert länger als zwei Sekunden (reine Bremszeit ohne Reaktionszeit, bei
einer Bremsverzögerung von 5,5 m/s ; vgl. H. Giger, Kommentar zum
Strassenverkehrsgesetz, 7. Aufl. 2008, N 4 ff. zu Art. 32 SVG). Da der Rekurrent das
Fahrzeug vor ihm erst wieder wahrnahm, als dieses still stand, und die aufleuchtenden
Bremslichter während des gesamten Bremsvorganges nicht gesehen hatte, war seine
Unaufmerksamkeit nicht nur von ganz kurzer Dauer. Wie bereits im Rahmen der
Qualifikation der Gefährdung aufgezeigt, war auch die Aufprallgeschwindigkeit höher
als ganz gering. Es trifft zwar zu, dass die Lenkerin des unfallbeteiligten Fahrzeugs von
einem brüsken Bremsmanöver ihrerseits spricht. Innerorts im Bereich von
Fussgängerstreifen muss mit einem plötzlichen Anhalten jedoch jederzeit gerechnet
werden. Da die konkrete Situation beim Fussgängerstreifen an der W-Strasse in W sehr
übersichtlich war, hätte der Rekurrent die Fussgänger am linken Fahrbahnrand selbst
bemerken und in jedem Fall anhalten müssen, unabhängig davon, ob das vor ihm
fahrende Fahrzeug abbremste oder nicht. Bei genügender Aufmerksamkeit wäre er
vom Bremsmanöver des vor ihm fahrenden Personenwagens nicht überrascht worden.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist beim Hintereinanderfahren zudem
nicht auszuschliessen, dass die vorderen Fahrzeuge unvermittelt anhalten oder durch
Abbiegemanöver den Verkehr behindern können (Urteil des Bundesgerichts
1C_75/2007 vom 13. September 2007, E. 3.2). Auch bei überraschendem Bremsen
muss der nachfolgende Fahrzeuglenker stets anhalten können (Art. 12 Abs. 1 VRV).
Von einem Mitverschulden der Unfallgegnerin kann daher nicht gesprochen werden.
Hinzu kommt, dass es im Administrativmassnahmerecht – gleich wie im Strafrecht –
keine Schuldkompensation gibt (BGE 124 IV 34 E. 2b), weshalb sich durchaus beide an
einer Kollision beteiligten Lenker einer Verkehrsregelverletzung schuldig machen
können (Urteil des Bundesgerichts 6S.431/2006 vom 12. Dezember 2006, E. 5.3). Das
Verschulden kann unter diesen Umständen nicht mehr als leicht bezeichnet werden.
e) Nachdem es sowohl an einer geringen Gefahr für die Sicherheit anderer als auch an
einem leichten Verschulden fehlt, liegt eine mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG vor, wovon auch die Vorinstanz ausgegangen ist.
4.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG sind bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr-
oder Führerausweisentzugs die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
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namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen;
die Mindestentzugsdauer darf nicht unterschritten werden. Diese beträgt gemäss
Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG nach einer mittelschweren Widerhandlung mindestens vier
Monate, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis einmal wegen einer
schweren oder mittelschweren Widerhandlung entzogen war.
b) Dem Rekurrenten war der Führerausweis zufolge einer schweren Widerhandlung
vom 19. Juni 2009 bis 18. Juni 2010, d.h. für zwölf Monate entzogen. Die vorliegend zu
beurteilende mittelschwere Widerhandlung geschah am 22. September 2010 und damit
innerhalb der zweijährigen Frist gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG. Folglich ist eine
Mindestentzugsdauer von vier Monaten, welche nicht unterschritten werden darf
(Art. 16 Abs. 3 SVG), Ausgangspunkt für die Bemessung der Entzugsdauer.
c) Mit der Erhöhung der Mindestentzugsdauer auf vier Monate hat der Gesetzgeber
einem allfälligen Rückfall Rechnung getragen. Dies bedeutet nun aber nicht, dass sich
die konkreten Umstände des Rückfalls nicht mehr auf die Bemessung der
Entzugsdauer auswirken. Vor dem Hintergrund des Zwecks der
Administrativmassnahmen, namentlich der Besserung und Erziehung eines fehlbaren
Lenkers, erscheint eine Massnahmeerhöhung bei Rückfällen innerhalb der ersten Hälfte
der Rückfallfrist als zulässig. Denn der erste Führerausweisentzug hat den Rekurrenten
nicht von der Begehung einer weiteren mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften abgehalten und somit den angestrebten erzieherischen
Effekt nicht erreicht. Jedenfalls stellt dies keine unzulässige Doppelverwertung des
Rückfalls zu Lasten des Betroffenen dar (Urteil der Verwaltungsrekurskommission
VRKE IV-2009/150 vom 27. Mai 2010, E. 3.b/bb, publiziert unter: www.gerichte.sg.ch/
Rechtsprechung).
Die Vorinstanz hat die Mindestentzugsdauer von vier Monaten auf fünf Monate erhöht.
Die Erhöhung der Entzugsdauer durch die Vorinstanz um einen Monat auf fünf Monate
aufgrund des Rückfalls innerhalb von wenigen Monaten nach dem einjährigen
Führerausweisentzug und damit noch in der ersten Hälfte der Rückfallfrist gemäss
Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG ist somit nicht zu beanstanden. Zudem ging dem mit dem
letzten Führerausweisentzug geahndeten Fahren im angetrunkenen Zustand ebenfalls
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eine Auffahrkollision vor einem Fussgängerstreifen voraus (vgl. act. 11/15 ff.). Wie
dargelegt wiegen die vom Rekurrenten verursachte erhöht abstrakte wie auch konkrete
Gefährdung und sein Verschulden mittelschwer. Hinzu kommt, dass der Leumund des
Rekurrenten abgesehen von der schweren Verkehrsregelverletzung, die zur Erhöhung
der Mindestentzugsdauer führte, getrübt ist. Wegen einer weiteren schweren
Widerhandlung musste ihm der Ausweis im Jahr 2005 für vier Monate entzogen
werden, im Jahr 2003 wurde er verwarnt. Damit ist eine Erhöhung der gesetzlichen
Mindestentzugsdauer von vier auf fünf Monate gerechtfertigt. Eine berufliche
Angewiesenheit auf den Führerausweis ist nicht ersichtlich und wird vom Rekurrenten
auch nicht geltend gemacht.
d) Unter Berücksichtigung der dargelegten Umstände zur Bemessung der Massnahme,
insbesondere der Gefährdung, des Verschuldens und des getrübten Leumunds,
erscheint die von der Vorinstanz verfügte Entzugsdauer von fünf Monaten als
angemessen.
5.- Dementsprechend erweist sich der Rekurs als unbegründet und ist abzuweisen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.