Decision ID: a30b0a79-5584-401d-9410-bfacfe2756f6
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, meldete sich am
2
1.
März 2013 unter Hinweis auf seit dem 2
5.
September 2012 bestehende Rücken
beschwerden bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
9/4
Ziff.
6.2-
3
). Die Sozialversi
che
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
teilte
der Versicherten
am
2.
Juli 2013 mit, dass kein Bedarf an beruflichen Massnahmen bestehe, da
sie
seit anfangs Juni 2013 wieder in ihrer bisherigen Tätigkeit arbeite (
Urk.
9/24).
1.2
Am 2
3.
August 2017 meldete sich die Versicherte erneut unter Hinweis auf eine am 2
2.
März 2017
erfolgte
Rückenoperation bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/29
Ziff.
6.1).
Die IV-Stelle nahm Abklärungen der beruflich-erwerblichen sowie der medizinischen Situation vor und
holte
unter anderem bei
der
Y._
(MEDAS)
,
ein
orthopädisch-neurologisches
Gutachten ein, das am
1
6.
Juli 2019
erstattet wurde (Urk.
9/67
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/71
;
Urk.
9/72
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
8.
Oktober 2019
einen Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk.
9/8
1
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
2
7.
November 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
8.
Oktober 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr eine Rente zuzusprechen. Eventuell sei der Fall an die Be
schwerdegegnerin zwecks weiteren
Abklärung zurückzuweisen
(
Urk.
1 S. 2
).
Mit Eingabe vom 3
0.
Dezember 2019 (
Urk.
5) reichte die Versicherte einen medizinischen Bericht ein (
Urk.
6), welcher der IV-Stelle am 3
1.
Dezember 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
1.
Januar 2020
(
Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
1
1.
März 2020
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung; IVG
).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beur
teilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit,
dass gestützt auf das
neurologisch-orthopädische
Gutachten davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit als Zimmermädchen aufgrund ihrer Beschwerden nur noch zu 50
%
arbeitsfähig sei,
sie jedoch
in einer ange
passten Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 Kilogramm und ohne vorgebeugte Zwangshaltung
zu
100
%
einer Tätigkeit nachgehen
könne
.
Der vorgenommene Einkommensvergleich begründe keinen Anspruch auf Leis
tungen der Invalidenversicherung (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass sie an Wirbelschmerzen
leide
und deshalb bereits zweimal
habe
operiert werden müssen. Nach der ersten Wirbeloperation sei ihr Empfinden im linken Arm derart verloren gegangen, dass sie in drei Fingern nichts mehr fühle. Seit der zweiten Operation habe sie starke Schmerzen und
Pareseanfälle
im linken Bein. Sie leide auch an starken Kopfschmerzen, welche einige Tage andauern könnten (S. 2
Ziff.
1). Die starken Wirbelschmerzen und die eingeschränkte Mobi
lität hätten sie aus dem psychischen Gleichgewicht geworfen
,
und sie leide an starken Depressionen und an Zukunftsängsten. Gemäss Angaben ihres Ehe
mannes lebe
sie
vollumfänglich isoliert (S. 2
Ziff.
2). Sie sei lediglich von einem Neurologen und eine
m
Orthopäden abgeklärt worden
,
und mit ihren psychischen Beschwerden habe sich bislang niemand befasst, obwohl diese entscheidend seien (S. 3 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Inva
lidenrente.
3.
3.1
Da i
m Rahmen der erstmaligen Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invali
denversicherung am 2
1.
März 2013 (
Urk.
9/4) lediglich berufliche
Massnahmen
geprüft wurden, und ein Bedarf an solchen infolge Wiederaufnahme der bis
h
e
rigen Tätigkeit mit angepasstem
Tätigkeitsprofil mit Mitteilung vom
2.
Juli 2013 (
Urk.
9/24-25) verneint wurde,
ist nachfolgend der medizinische Sachverhalt zu prüfen, wie er sich nach der Anmeldung zum Leistungsbezug am
2
3.
August 2017 (
Urk.
9/29)
respektive der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
2
8.
Oktober 2019
(
Urk.
2)
präsentiert
e
.
3.2
PD
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Neurologie, stellte in seinem Be
richt vom 2
0.
Juni 2018 (
Urk.
9/50
/1-3
) nach gleichentags erfolgter Unter
su
chung der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen (S. 1):
-
Hypästhesie
Digiti
I-III links unklarer Ätiologie
-
kein Hinweis auf ein
Carpaltunnelsyndrom
(CTS)
,
kein Hinweis auf eine
radikuläre
Läsion C6/7 links
-
Kopfschmerzen links
kraniell
betont
, bestehend
seit einem Monat
,
unklarer Zuordnung
-
Schwindel
, bestehend seit einem Monat,
unklarer Zuordnung
Als Nebendiagnose nannte PD
Dr.
Z._
chronische
Lumboischialgien
bei einem Zustand nach Operation
der Lendenwirbelsäule (LWS)
im März 2017 (S. 1). PD
Dr.
Z._
führte aus, dass sich klinisch und elektro
physiologisch kein Hinweis auf e
in CTS oder
ein
Sulcus
-
ulnaris
-Syndrom
(
SUS
)
links gezeigt habe. Das
cMRI
und das MRI der
Halswirbelsäule (HWS)
seien ohne Nachweis symptomatischer Ursachen für die Kopfschmerzproblematik, den angegebenen Schwindel oder die angegebene Hypästhesie der Finger gewesen. Insbesondere habe sich kein Nachweis eine
r
radikulären
Läsion C6 oder C7 links gezeigt. Die gesamte Symptomatik bleibe somit ohne neurologische Erklärung oder Ursache (S. 3 oben).
3
.
3
Dr.
med. A._
, Facharzt für Neurochirurgie, stellte in seinem Bericht vom
4.
Juli 2018
(
Urk.
9/43)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.2):
-
Lumboischialgie
linksseitig
-
Zustand nach
transpedikulären
Spondylodesen
L5/S1 beidsei
ts
(
Cos
mic
M
IA
), März 2017
,
Schraube S1 rechts zementiert bei progredienter
Osteochondrosen
L5/S1 und
Foramenstenosen
L5/S1 beidseits
-
Bandscheibendegeneration L4/5
-
Zustand nach Revision der
Spondylodese
L5/S1 linksseitig mit Distraktion am
6.
Dezember 2017
-
Cervic
algien
, Brachialgien
linksseitig
Dr.
A._
führte aus, dass die letzte Kontrolle der Beschwerdeführerin am
5.
Juni
2018 stattgefunden habe (
Ziff.
3.1). Für schwere und mittelschwere kör
per
liche Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig. Für kör
perlich leichte Tätigkeit mit abwechselnder Körperhaltung sei sie zu 50
%
arbeits
unfähig (
Ziff.
2.1).
3.4
Dr.
A._
stellte in seinem Bericht vom
1
1.
März 2019
(
Urk.
9/
60
) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.2)
:
-
Lumboischialgie
links
-
Zustand nach
Spondylodese
L5/S1 beidseits (März 2017), S1 rechts zementiert bei progredienter
Osteochondrose
L5/S1,
Foramenstenosen
L5/S1 beidseits,
-
Bandscheibendegenerationen
L4/5
-
Zustand nach
Revision und
Distraktion
bei
L5/S1
links (Dezember 2017)
-
Cervicobrachialgie
links
Dr.
A._
führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem
9.
Februar 2017 bei ihm in Behandlung sei und dass die letzte Kontrolle am
7.
Februar 2019 erfolgt sei (
Ziff.
3.1). Der Beschwerdeführerin sei eine körperlich leichte Arbeit mit ab
wechselnder Körperhaltung ohne Heben und Tragen von Lasten zu 50
%
möglich (
Ziff.
2.1). Eine Besserung sei nicht zu erwarten (
Ziff.
3.3).
3.5
Am 1
6.
Juli 2019 erstatteten
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie, und
Dr.
med.
C._
, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie des Bewegungsapparates,
MEDAS
Y._
, das von der Beschwerdegegnerin veranlasste
bidisziplinäre
Gutachten (
Urk.
9/67).
Die Gutachter
nannten
in ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung (
Urk.
9/67/1-8)
als Diagnose
mit Auswirkung
en
auf die Arbe
itsfähigkeit eine Funktionsstörung der LWS nach zweimaligen neurochirurgischen Eingriffen (
transpedikuläre
Spondylodese
L5/S1 beidseits mit
CosmicMIA
, Schraube bei S1 rechts am 2
2.
März 2017 und Revision der
Spondylodese
L5/S1 links sowie Distraktion L5/S1 am
6.
Dezember 2017
)
, ohne nachweisbare sensomotorische Defizite (S. 4 f.
Ziff.
4.1.2). Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit nannte
n
die Gutachter keine (S. 5
Ziff.
4.2.2). Die Gutachter führten zur Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
in
der bisherigen
Tätigkeit und
zu
deren zeitlichen Verlauf aus, dass aktuell und weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
seit Ablauf von sechs Monaten (Heilungsphase) seit dem ersten operativen Eingriff am unteren Rücken am 2
2.
März 2017, unterbrochen
durch weitere sechs Monate einer vollen Arbeitsunfähigkeit im Verlauf des zweiten Eigriffes am
6.
Dezember 2017
,
bestehe (S. 6
Ziff.
4.7).
Tätigkeiten ohne häufiges Schwerheben, Tragen oder Bewegen von Lasten über 10 Kilogramm, Arbeiten ohne ständig vorgebeu
g
te
Haltung und
ohne dauernde
Zwangshaltung der LWS könnten aus orthopädischer Sicht seit jeher zu 100
%
(zeitlich und leistungsmässig)
ausgeübt werden. Es seien dabei jedoch therapie- und erholungsbedingte Unterbrechungen mit einer Arbeitsfähigkeit von 0
%
nach der ersten Operation am 2
2.
März 2017 und der zweiten Operation am
6.
Dezem
ber 2017 für jeweils sechs Monate zu berücksichtigen (S. 6
Ziff.
4.8).
Die Gutachter hielten im Rahmen der Konsistenzbeurteilung fest, dass die Be
schwerdeführerin bei der aktuellen neurologischen Begutachtung im Verhalten und Ausdruck nicht schmerzgeplagt gewirkt habe. Sie sei lebhaft, laut und gestenreich im Vortrag aufgetreten und habe sich gut affektiv schwingungsfähig gezeigt. Bei der klinischen Untersuchung sei ein inkonstantes Schonhinken und ein unsystematisches Schwanken und Stolpern im Unterberger Tretversuch de
mon
striert wor
den, wohingegen der Blindstrichg
ang sicher durchgeführt worden sei und demnach keine reproduzierbare
Dystaxie
vorliege. Entgegen der Schmerz
angabe sei ein beidseitiges
Einbeinhüpfen
problemlos möglich gewesen. Auch im Rahmen der orthopädischen Begutachtung habe die Versicherte ein ausgeprägtes linksseitiges Schonhinken mit ausgeprägter Variabilität der
Hinkintensität
de
monstriert. Auf Nachfrage habe sie angegeben, dass das Hinken seit dem ersten operativen Eingriff am Rücken im Jahr 2017 schon unvermeidbar gewesen sei. Dies hätte aber zwingend zur Folge, dass aufgrund der Schonhaltung des linken Beines auch im Alltag eine doch oberhalb der Messfehlergrenze objektivierbare Muskelminderung links gegenüber rechts vorliegen müsste (S. 5 f.
Ziff.
4.6). Dies sei nicht der Fall, so dass das Ausmass des Hinkens, sowie dies die Versicherte angegeben habe, nicht nachvollzogen werden könne. Auch sei die
Sohlenbe
sch
w
ielung
identisch, so dass im Alltag nicht von einer Minderbelastung des linken Beines ausgegangen werden könne
(S. 6 oben)
.
Bei der Primärunter
su
chung des Achsenorganes sei die Rumpfwirbelsäule noch frei beweglich gewesen und das Vorbeugen sei zunächst bis zu einem Fingerbodenabstand von 10 cm gelungen, was bei einer Gegenprobe wenige Minute später in keiner Weise mehr habe gelingen wollen. Es liege zwar im Segment L5/S1 eine deutlich erhöhte Muskelspannungserhöhung vor, diese betreffe aber nicht die Brustwirbelsäule, die bei der Wiederholungsprüfung ebenfalls völlig steifgehalten worden sei.
Zusammenfassend sei demnach
das gesamte Ausmass der dargebotenen Beschwer
desymptomatik orthopädisch nicht plausibel zu begründen (S. 6 Mitte).
Die Gutachter hielten weiter fest, dass
anhand der Akten keine überzeugende Indikation für die durchgeführten neurochirurgischen Eingriffe erkennbar sei. Be
reits vor der ersten Operation habe keine funktionell relevante neurologische Aus
fallsymptomatik bestanden. Eine übliche präoperative fachneurologische Unter
suchung sei nicht durchgeführt worden. Auch heute liege keine neurolo
gische Ausfallsymptomatik vor, und der zweite Eingriff habe - erwartungsgemäss - keine massgebliche Besserung der subjektiven Beschwerden gebracht. In der aktuell durchgeführten Labordiagnostik zur
Analgetikaspiegelbestimmung
sei keines der von
der Versicherten angegebenen Schmerzmittel beziehungsweise
der
nichtsteroidalen
Antirheumatika (
NSAR
)
im Blut nachweisbar gewesen, was gegen
eine regelmässige Einnahme spreche und erhebliche Zweifel an der Authen
ti
zität des Umfangs der geklagten Schmerzen aufwerfe
(S
.
7
Ziff.
4.10).
3.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 1
9.
Juli 2019 (
Urk.
9/70/5-6) aus, dass das neurologisch-orthopädische Gut
achten vom 1
6.
Juli 2019 beweiskräftig sei und darauf abgestellt werden könne.
Das
Ausmass der dargebotenen Beschwerdesymptomatik
könne
an Hand der Untersuchungsergebnisse nicht nachvollzogen werden. Seit der ersten Operation im März 2017 könne in der bisherigen Tätigkeit von einer 50%igen Arbeitsun
fähigkeit ausgegangen werden. Eine angepasste Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg und ohne vorgebeugte Zwangshaltungen könn
e
, abge
sehen von einer jeweils sechsmonatigen Erholungszeit na
ch den Operationen, weiterhin ganztägig mit einer Arbeitsfähigkei
t von 100
%
ausgeübt werden.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf das
bidis
ziplinäre
Gutachten der
MEDAS
Y._
vom
1
6.
Juli 2019 (vor
stehend E. 3.5
) davon aus, dass abgesehen von den jeweils sechsmonatigen Unter
brüchen mit vollständiger Arbeitsunfähigkeit nach den beiden Operatione
n am unteren Rücken am 2
2.
März
sowie am
6.
Dezember 2017
, in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
und in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen sei (vorstehend E. 2.1).
Dagegen machte die Beschwerdeführerin geltend,
dass auf das Gutachten nicht abgestellt werden könne, da insbesondere ihr psychischer Gesundheitszustand nicht hin
reichend abgeklärt worden sei (vgl. vorstehend E. 2.2).
4.2
Das
bidisziplinäre
Gutachten der
MEDAS
Y._
vom 1
6.
Juli
2019 (vorstehend E. 3.5)
erfüllt die formalen Beweiswert-Anforderungen (vorste
hend
E. 1.4) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, be
ruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwer
den und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der
Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar
begrün
dete Schlussfolgerungen, so dass darauf abgestellt werden kann.
In neurologischer Hinsicht verneinte bere
its PD
Dr.
Z._
nach seiner
Unter
suchung vom 2
0.
Juni 2018 eine neurologische Ursache de
r
von der Beschwerde
führerin beklagten
Beschwerden (vorstehend E. 3.
2).
Die Einschätzung der Gutachter der
MEDAS
Y._
wird sodann auch nicht durch den Umstand in Zweifel gezogen, dass von Seiten des be
han
delnden Arztes
Dr.
A._
in seine
n
Berichten vom
4.
Juli 2018 und vom 1
1.
März 2019
die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
in einer behinde
rungs
angepassten Tätigkeit geringer ausgefallen ist (vorstehend E.
3.3-4
).
So fehlt
es in beiden Berichten an einer
Dokumentation eines klinischen Befundes res
pek
tive einer Auseinandersetzung mit den tatsächlich vorha
ndenen Funktionsein
schrän
kungen
,
und es gilt weiter
zu berücksichtigen, dass
seine
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung
zumindest als hausarztähnlich bezeichnet werden muss, wes
halb hier eine gewisse Zurückhaltung bei der Würdigung
seiner
Berichte ange
bracht ist (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Abgesehen
davon
wiesen die Gutachter der MEDAS
Y._
auf
Diskrepanzen
anlässlich der Untersu
chungen hin
,
namentlich was das
von der Beschwerdeführerin
gezeigte Schon
-
hinken
und das unterschiedliche
Ausmass
der Beweglichkeit der LWS
anbelangt.
Weiter
ergab die
Analgetika
spiegelbestimmung
, dass die Beschwerdeführerin die angegeben
en
Schmerzmittel nicht einnahm. Infolgedessen
äusserten
die Gutach
ter erhebliche Zweifel an der Authentizität des angegebene
n
Beschwerde
aus
masses
.
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht (vorstehend E. 2.2), dass sie auch psychiatrisch hätte abgeklärt werden müssen, kann ihr nicht gefolgt werden.
Hinweise darauf, dass
eine psychiatrische Abklärung vorzunehmen gewesen wäre, ergaben sich
weder zum Zeitpunkt der Begutachtung im
Juli
2019 n
och zu einem späteren
Zeitpunkt
.
Selbst in ihrer Einsprach
e
vom
9.
September 2019 (
Urk.
9/72) auf den Vorbescheid vom 1
3.
August 2019 (
Urk.
9/71)
erwähnte die Beschwerdeführerin mit keinem Wort
,
an psychischen Beschwerden zu leiden
oder sich in entsprechende fachärztliche Behandlung begeben zu haben
. Bis zum Erlass der Verfügung vom 2
8.
Oktober 2019
(
Urk.
2)
lag somit kein medizinischer Ber
icht vor, der auf entsprechende
psychische Beschwerden hingewiesen hätte, noch wurden
solche
geltend gemacht. Der Beschwerdegegnerin kann damit nicht vorgeworfen werden, sie hätte den Untersuchungsgrundsatz verletzt.
Abgesehen davon, dass für das vorliegende Verfahren der Sachverhalt
massge
bend
ist, welcher der angefochtenen Verfügung vom 28. Oktober 2019 (Urk. 2) zugrunde lag, und der
nach
Verfügungserlass eingereichte Bericht von
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
7.
Dezem
ber 2019 (
Urk.
6) grundsätzlich nicht zu berücksichtigen ist,
sah auch
Dr.
E._
die körperlichen Beschwerden als im Vordergrund stehend
und als Ursache der Arbeitsunfähigkeit
an
.
Dem Bericht
lassen
sich überdies weder eine hinreichende objektive Befunderhebung
ihrer psychiatrischen Diagnosen
noch ein allfälliger Behandlungsbeginn
respektive Angaben zu einer
durchgeführten
Behandlung
entnehmen.
Weiter nannte
Dr.
E._
somatische Diagnosen
und Beschwerden
, welche mit der bisherigen Aktenlage nicht übereinstimmten, so
ein chronisches
Cervicovertebralsynd
rom
bei
Osteochondrose
C4/5 und
C5/6
und einer
ossäre
n
Neuroforamenstenose
C3/4 links und C5/7 rechts,
eine Knie-Total
prothesen-Operation beidseits
mit
entsprechende
n
Knieschmerzen
und eine beid
seitige
ausgeprägter Knick- und
Senkfus
sdeformität
.
Sodann
nannte
Dr.
E._
bei der
anlässlich der Begutachtung an der
MEDAS
Y._
im
Juli 2019
noch als normalgewichtig beschriebenen Beschwerdeführerin
(
Urk.
9/67/24-
44 S. 9
Ziff.
4.1) als weitere Diagnosen eine
Adipositas und
eine
Hyperlipidämie
sowie
ein noch nie thematisiertes Asthma bronchiale
. Insgesamt erscheint damit überdies als fraglich,
ob es sich
im Bericht von
Dr.
E._
vom 1
7.
Dezember 2019 (
Urk.
6)
, abgesehen vom Namen der Beschwerdeführerin in der Titelzeile
,
überhaupt um
diese
handelt.
4.4
Aufgrund des Gesagten ist der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu erachten, dass gestützt auf das Gutachten der
MEDAS
Y._
vom 1
6.
Juli 2019 (vorstehend E. 3.
5
) davon auszugehen ist, dass
die Beschwer
deführerin ihre
angestammten Tätigkeiten noch im Umfang von 50
%
und eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Umfang von 100
%
ausüben kann.
5.
Die Beschwerdeführerin übte vor Eintritt des Gesundheitsschadens unter unge
lernte Hilfsarbeiten zu subsumierende Tätigkeiten
in der Reinigung respektive im Gebäudeunterhalt und als Zimmermädchen
aus
und war danach arbeitslos
(vgl.
Urk.
9/18,
Urk.
9/34,
Urk.
9/68
/2)
. Auch nach Eintritt des Gesundheitsschadens sind ihr behinderungsangepasste Hilfsarbeitertätigkeiten in einem Pensum von 100
%
zumutbar.
Die beiden
Einkommensgrössen
sind daher ausgehend vom gleichen Tabellenlohn (Durchschnittslohn für Frauen für sämtliche Hilfstätig
keiten) zu ermitteln. Unter diesen Umständen entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn.
Da vorliegend
selbst bei Vornahme eines leidensbedingten Abzuges
von 25
%
kein
rentenanspruchsbegründender Invaliditätsgrad resultiert (vorste
hend
E. 1.2)
,
besteht kein Anspruch auf
eine Invalidenrente.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerde
füh
rer
in aufzuerlegen.