Decision ID: edf2397d-0b48-4ba4-a84d-fd759175651a
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X. Y., geboren am 6. Juni 1992, trat auf Beginn des Schuljahres 2008/2009 in die
Wirtschaftsmittelschule mit Schwerpunkt Informatik der Kantonsschule am Brühl,
St. Gallen, ein.
B./ a) Am 17. Dezember 2008 erteilte der Rektor dem Schüler wegen zahlreichen
unentschuldigten Absenzen einen Verweis, womit der Hinweis verbunden war, dass
eine befristete Androhung des Ausschlusses von der Schule ins Auge gefasst werde,
wenn weitere Pflichtverletzungen dazu kommen würden. Den Schüler liess diese
Disziplinarmassnahme unberührt. Nach neunzehn weiteren unentschuldigten
Halbtagen schloss der Prorektor am 10. August 2009 mit dem Schüler eine
Vereinbarung betreffend Teilnahme am Unterricht und Verhalten bei Abwesenheiten ab.
Demnach war dieser gehalten, sich bei Absenzen telefonisch abzumelden und bei
gesundheitlichem Fehlen ein Arztzeugnis beizubringen. Der Schüler hielt sich aber auch
an diese Abmachung nicht, weshalb ihm die Schulleitung im Dezember 2009 - wie
bereits in Aussicht gestellt - ein Ultimatum androhte. Nach weiteren unentschuldigten
Absenzen verfügte die Rektoratskommission der Kantonsschule am Brühl am 14. Juni
2010 eine bis Ende Januar 2011 befristete Androhung des Ausschlusses von der
Schule. Mit diesem Ultimatum war verbunden, dass der Schüler sich keiner
Pflichtverletzung mehr schuldig machen dürfe, ansonsten er schon wegen einer
geringfügigen Verfehlung sofort von der Schule ausgeschlossen werde.
b) Der mittlerweile volljährige Schüler zeigte sich aber auch davon unbeeindruckt und
fuhr fort, seine Schülerpflichten zu verletzen. Seine Verfehlungen bestanden unter
anderem darin, dass er weiterhin zu spät oder gar nicht zum Unterricht erschien und
Arbeiten nicht rechtzeitig ablieferte. Auf Grund der erneuten Regelverstösse hörte das
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Rektorat am 13. Januar 2011 bzw. 19. Januar 2011 die Klassenkonferenz und die
Rektoratskommission an und beantragte am 19. Januar 2011 beim Erziehungsrat des
Kantons St. Gallen den Ausschluss des Fehlbaren. Dieser schloss den Schüler am
23. Februar 2011 von der Wirtschaftsmittelschule aus.
c) Gegen diesen Beschluss des Erziehungsrats erhob der ausgeschlossene Schüler
durch seinen Rechtsvertreter am 11. März 2011 beim Verwaltungsgericht des Kantons
St. Gallen mit dem Antrag Beschwerde, die angefochtene Verfügung sei unter
Kostenfolge aufzuheben und es sei ihm zu gestatten, weiterhin am Unterricht
teilzunehmen und die Maturitätsprüfung zu absolvieren. Mit Begründung vom 29. März
2011 liess er vorbringen, er sei hochbegabt, weshalb er die Fähigkeit, lernen zu
müssen, nie erworben habe. Dies habe dazu geführt, dass er am Gymnasium die
Probezeit nicht bestanden habe und auch sein erneuter Anlauf nicht problemlos
verlaufen sei. Bei den unbestrittenen Disziplinarverstössen handle es sich jedoch bloss
um durchwegs leichte Fälle, die einzig wegen ihrer Kumulation zum Schulausschluss
geführt hätten. Die Verfehlungen habe er aus Nachlässigkeit, nicht vorsätzlich
begangen. Die Schwere seiner Lage sei ihm erst im Rahmen des vorliegenden
Ausschlussverfahrens bewusst geworden. Der Grund seiner zahlreichen Absenzen
habe in erster Linie in seiner chronischen Nasennebenhöhlenentzündung gelegen. Mit
dem langen Zuwarten des Schulausschlusses bis fast zum Ende der Schulzeit habe die
Kantonsschule eine unmögliche Situation geschaffen, die ihn unverhältnismässig hart
treffe.
d) Das Verwaltungsgericht hiess mit Urteil B 2011/47 vom 6. Juli 2011, abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch, die Beschwerde gut. Dabei erachtete es den ausgesprochenen
Schulausschluss von der Sache her zwar als begründet. Es beurteilte die
Disziplinarmassnahme aber als unverhältnismässig bzw. für den Schüler in zeitlicher
Hinsicht als unzumutbar, nachdem die Schulbehörde damit bis wenige Monate vor
Schulende zugewartet hatte, obwohl sie mit dem rechtskräftigen Ultimatum von Mitte
Juni 2010 schon längst die Möglichkeit gehabt hätte, den fehlbaren Schüler von der
Schule auszuschliessen. Weiter hielt es fest, dass es sich mit Blick auf die
Vorgeschichte rechtfertigen dürfte, dem Beschwerdeführer für den Fall, dass er die
zwischenzeitlich abgelegte Schlussprüfung nicht bestanden haben sollte und deshalb
das letzte Schuljahr wiederholen müsste, für das zu wiederholende Schuljahr
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unverzüglich ein Ultimatum zu setzen und den Schüler bei der ersten erneuten
Verfehlung von der Schule zu weisen.
C./ Die nachträgliche Korrektur der abgelegten Schlussprüfung ergab sodann, dass der
ausgeschlossene Schüler die Prüfung bestanden hatte, womit er das externe
Praktikum in Angriff nehmen konnte.
a) Am 29. September 2011 drohte die Rektoratskommission dem Schüler für das
verbleibende Jahr bis zum Abschluss der Wirtschaftsmittelschule im Juni 2012 erneut
das Ultimatum für einen sofortigen Schulausschluss an, unter anderem weil er trotz
laufendem Rechtsmittelverfahren weiterhin wiederholt zu spät zur Schule gekommen
bzw. dem Unterricht unentschuldigt fern geblieben sei.
b) Mit Entscheid vom 10. Januar 2012 beschloss der Präsident des Erziehungsrates,
den Schüler auszuschliessen, weil er erneut Anlass zur Klage gegeben hatte. So wurde
ihm vorgeworfen, die Abgabefrist vom 9. November 2011 für die Meldung der
betreuenden Lehrperson für die Maturitätsarbeit verpasst und am 10. November 2011
ein Urlaubsgesuch zu spät eingereicht zu haben sowie am 25. November 2011 einem
Workshop der Schule unentschuldigt fern geblieben zu sein.
D./ Der betroffene Schüler liess gegen den Entscheid des Erziehungsrats am
17. Februar 2012 beim Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde
erheben, womit er dessen kostenpflichtige Aufhebung beantragt. Zur Begründung lässt
er vorbringen, das Ultimatum sei nicht rechtskräftig erlassen worden und die
Vorhaltungen würden nicht zutreffen.
E./ Mit Eingabe vom 7. März 2012 beantragt die Vorinstanz, die Beschwerde unter
Kostenfolge abzuweisen, wobei sie die Behauptungen des Beschwerdeführers in
Abrede stellt.
F./ Am 23. März 2012 nahm der Beschwerdeführer dazu Stellung. Auf die weiteren von
den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird, soweit erforderlich, in den

nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Der Beschwerdeführer bemängelt, dass die Vorinstanz über ihre eigenen
Ausführungen hinaus auf die Vernehmlassung der Mittelschule am Brühl verwiesen hat.
2.1. Nach Art. 53 VRP in Verbindung mit Art. 64 VRP erhalten die Vorinstanz und die
Betroffenen Gelegenheit zur Stellungnahme, wenn der Rekurs bzw. die Beschwerde
nicht offensichtlich unzulässig oder unbegründet ist. Ausnahmsweise können auch
Vorvorinstanzen angehört werden. Ist diese ein kantonales Amt und entschied als
Vorinstanz des Verwaltungsgerichts eine verwaltungsinterne Rechtsmittelbehörde, ist
die erstverfügende Behörde nicht zur Stellungnahme einzuladen und nicht berechtigt,
sich im Verfahren zu äussern. In diesem Fall vertritt die verwaltungsinterne
Rekursinstanz den Standpunkt der Verwaltung. Kontroversen innerhalb der Verwaltung
sind nicht im Beschwerdeverfahren auszutragen. Die Vorvorinstanz wird dann separat
zur Vernehmlassung eingeladen, wenn sie befugt wäre, selbstständig Beschwerde zu
führen, etwa politische Gemeinden in Bereichen, in denen ihnen selbstständige
Verfügungskompetenz zukommt (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 942).
2.2. Für die Stellungnahme wird anders als für den Rekurs bzw. die Beschwerde
(Art. 64 VRP in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP) nicht ausdrücklich Schriftlichkeit
verlangt, sie ist aber üblich. Die Vorinstanz hat sämtliche Akten einzureichen, die ihr
zum Entscheid zur Verfügung gestanden haben (Art. 52 VRP). Sie sind zu nummerieren
und mit einem Aktenverzeichnis zu versehen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 943 f.).
2.3. Das Verwaltungsgericht lehnt es in ständiger Rechtsprechung ab, dass anstelle
einer Rechtsmittelbegründung pauschal auf vorinstanzliche Eingaben verwiesen wird.
Ein solcher Verweis ist ungenügend, weil aus ihm nicht hervorgeht, in welchen Punkten
und weshalb der Entscheid der Vorinstanz angefochten wird. Es ist nicht Aufgabe des
Verwaltungsgerichts, in erst- oder vorinstanzlichen Eingaben nach Gründen zu suchen,
weshalb der angefochtene Entscheid unrichtig sein könnte (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz.
921 mit Hinweisen).
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2.4. Sowohl im nichtstreitigen als auch im streitigen Verwaltungsverfahrens gilt der
Untersuchungsgrundsatz, wonach die Verwaltungs- und Justizbehörden den
Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abklären (Art. 12 Abs. 1 VRP). An der
Verteilung der materiellen Beweislast bzw. an der Regelung der Folgen der
Beweislosigkeit ändert der Untersuchungsgrundsatz aber nichts. Das
Untersuchungsprinzip findet seine Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Parteien.
Sofern zur Wahrung der öffentlichen Interessen keine besonderen Erhebungen nötig
sind, werden demnach bereits auf der untersten Ebene des Verwaltungsverfahrens nur
die von den Verfahrensbeteiligten angebotenen und leicht zugänglichen Beweise über
erhebliche Tatsachen abgenommen (Art. 12 Abs. 2 VRP). Im streitigen
Verwaltungsverfahren wird der Untersuchungsgrundsatz zusätzlich relativiert, indem
die Behörden den Sachverhalt nicht weiter abklären, sondern sich damit begnügen
können, die Stichhaltigkeit der Parteivorbringen zu überprüfen. Weitere
Sachverhaltsermittlungen sind zwar möglich, aber nicht erforderlich. Dazu kommt, dass
die Behörden nicht an die Beweisofferten der Parteien gebunden sind (Häfelin/Müller/
Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2006, Rz. 1623 ff.).
2.5. Die Vorinstanz hat vorliegend eine Vernehmlassung eingereicht, obwohl sie
lediglich dazu verpflichtet gewesen wäre, die Vorakten nummeriert und mit einem
Aktenverzeichnis einzureichen. Soweit sie mit der beiliegenden Stellungnahme der
Mittelschule ihre eigenen Ausführungen stützt, ist die interne Stellungnahme somit
unproblematisch. Darüber hinaus ist das mit eingereichte Dokument nicht Bestandteil
der vorinstanzlichen Vernehmlassung. Daran ändert auch ein allgemeiner Verweis auf
die interne Stellungnahme nichts, wie der Beschwerdeführer zu Recht geltend macht.
Im Hinblick auf die Untersuchungsmaxime kann das Schreiben der Vorvorinstanz aber
gleichwohl von Bedeutung sein. Soweit die Beweislage klar ist und das rechtliche
Gehör des Beschwerdeführers gewahrt bleibt, dürfen für den Entscheid auch
Sachverhaltsfeststellungen berücksichtigt werden, die nicht ausschliesslich in der
Vernehmlassung gemäss Art. 53 VRP selbst, sondern im Zusammenhang mit dieser
Eingang ins Verfahren gefunden haben. Der Beschwerdeführer hat die Stellungnahme
der Vorvorinstanz eingesehen und dazu seinerseits Stellung genommen, womit das
rechtliche Gehör ohne weiteres gewahrt ist. Folglich ist es dem Gericht überlassen, ob
und wieweit es die im Recht liegenden Ausführungen der Mittelschule für seinen
Entscheid berücksichtigen will, ohne dass damit eine Umgehung der
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Verfahrensvorschriften von Art. 53 VRP vorliegt, wie der Beschwerdeführer behauptet.
Soweit die Vorinstanz die Vorbringen der Schule in ihrer Vernehmlassung nicht
aufgenommen hat, ist allerdings davon auszugehen, dass diese als nicht erheblich
erachtet werden. Das Gericht sucht daher von sich aus nach keinen zusätzlichen, im
angefochtenen Entscheid bzw. in der Vernehmlassung nicht geltend gemachten
Verfehlungen des Beschwerdeführers.
3. Art. 47 Abs. 1 MSG regelt die Disziplinarordnung der staatlichen Mittelschulen.
Demnach gelten die Vernachlässigung von Schülerpflichten (lit. a), die Verletzung der
Schulordnung (lit. b) und das Verhalten in Schule und Öffentlichkeit, das mit der
Zugehörigkeit zur Mittelschule nicht vereinbar ist (lit. c), als Disziplinarfehler. Für
derartige Regelverstösse können als schwerste Disziplinarmassnahmen der Ausschluss
aus der Schule (durch den Erziehungsrat; lit. b) und die befristete Androhung des
Schulausschlusses (durch die Rektoratskommission; lit. a) verfügt werden (Art. 47
Abs. 2 MSG). Die Disziplinarordnung wird durch Art. 30 ff. der Mittelschulverordnung
(sGS 215.11, abgekürzt MSV) näher ausgeführt. Nach Art. 33 MSV richtet sich die
Disziplinarsanktion nach den Beweggründen, dem Mass des Verschuldens, dem
bisherigen Verhalten an der Schule sowie nach Umfang und Bedeutung der gestörten
oder gefährdeten Interessen.
3.1. Der Beschwerdeführer behauptet, ihm sei vor Erlass des Ultimatums keine
Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden. Zudem sei dieses noch nicht in
Rechtskraft erwachsen.
3.2. Das Ultimatum bringt zum Ausdruck, dass bei erneuten Pflichtverletzungen die
schwerste Disziplinarmassnahme, der Ausschluss aus der Schule, angeordnet werden
kann. Bei groben und schwerwiegenden Verstössen während der Dauer des
Ultimatums darf sogar vor dessen Ablauf ein Schulausschluss verfügt werden.
Grundsätzlich ist aber das Verhalten des Schülers während der gesamten Zeitdauer, in
der ihm der Ausschluss angedroht ist, zu berücksichtigen (VerwGE B 2007/172 vom
5. November 2007 E. 3.2., abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
3.3. Das Ultimatum ergeht als Verfügung bzw. als individueller, an den Einzelnen
gerichteter Hoheitsakt, durch den eine konkrete verwaltungsrechtliche
http://www.gerichte.sg.ch
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Rechtsbeziehung rechtsgestaltend oder feststellend in verbindlicher und erzwingbarer
Weise geregelt wird (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 854).
3.3.1. Als Verfügung hat das Ultimatum über den Inhalt gemäss Art. 24 VRP zu