Decision ID: 163b1b01-692f-49c1-b943-4d2b2deb5cb1
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte erstmals am (...) 2015 in der Schweiz
um Asyl nach. Am 30. Dezember 2015 fand die Befragung zur Person
(BzP) statt. Dabei brachte er zur Begründung vor, er sei als Soldat anläss-
lich einer bewaffneten Auseinandersetzung mit B._ verletzt worden
und bei der Behandlung in einem Militärspital desertiert.
A.b Mit Verfügung vom 9. Februar 2016 trat das SEM in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und beauftragte
den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung nach
C._. Im Rahmen des diesbezüglichen Beschwerdeverfahrens hob
das SEM seine Verfügung am 4. März 2016 wiedererwägungsweise auf
und nahm das Verfahren wieder auf, nachdem es von den (...) Behörden
informiert worden war, dass der Beschwerdeführer in C._ den
Flüchtlingsstatus erhalten hatte.
A.c Mit Verfügung vom 12. Mai 2016 trat das SEM in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers
nicht ein und ordnete erneut die Wegweisung sowie den Vollzug nach
C._ an. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil E-3251/2016 vom 3. Juni 2016 abgewiesen,
soweit darauf eingetreten wurde.
A.d Am 1. September 2016 wurde der Beschwerdeführer nach C._
zurückgeführt.
B.
B.a Am 8. März 2018 stellte die eritreische Staatsangehörige D._
(ebenfalls N [...]; nachfolgend: D._) ein Familiennachzugsgesuch
für den Beschwerdeführer. D._, die mit dem Beschwerdeführer re-
ligiös getraut ist, war mit Verfügung vom (...) 2013 die Flüchtlingseigen-
schaft zuerkannt und eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz gewährt
worden. Mit Verfügung vom 4. September 2018 wurde dem Beschwerde-
führer die Einreisebewilligung zwecks Familienvereinigung erteilt.
B.b Am 21. September 2018 wurde D._ aufgrund einer Härtefallre-
gelung im Kanton E._ eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilli-
gung B erteilt.
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C.
C.a Der Beschwerdeführer reiste am (...) 2018 mit einem Visum in die
Schweiz und suchte gleichentags um Asyl nach. Am 7. Dezember 2018
fand die BzP statt, am 7. Oktober 2019 wurde er vom SEM einlässlich und
am 4. September 2020 ergänzend zu seinen Asylgründen angehört.
C.b Er führte im Wesentlichen aus, er sei eritreischer Staatsangehöriger
tigrinischer Ethnie und seit dem (...) 2005 mit D._ religiös verheira-
tet, mit welcher er in der Folge ungefähr ein Jahr zusammengelebt habe.
Von (...) 2006 bis (..) 2007 habe er die zwölfte Klasse in F._ absol-
viert und mit der Prüfung abgeschlossen. Er habe gehofft, danach am (...)
College eine Ausbildung beginnen zu können. Er habe aber keine Prü-
fungsergebnisse erhalten und sei, weil er bereits im Besitz eines Führe-
rausweises gewesen sei, im Jahr 2007 der (...)einheit in G._ res-
pektive der (...) zugeteilt worden. Dort habe er eine (...)monatige Ausbil-
dung zum (...)führer absolviert. Er habe sein Heimatland verlassen, weil er
zum Militärdienst gezwungen worden sei. Im (...) beziehungsweise (...)
2008 habe er an den bewaffneten Auseinandersetzungen mit B._
teilnehmen müssen. Dabei sei er am (...) beziehungsweise an beiden Bei-
nen verletzt worden, als er sich ausserhalb des (...) befunden habe. In der
Folge sei er zuerst im Spital in G._ für (...) bis (...) Monate behan-
delt worden. Weil ihm die Ärzte dort nicht hätten weiterhelfen können, sei
er ins Militärspital nach H._ verlegt worden. Von dort sei er nach
einem Spitalaufenthalt von (...) Wochen beziehungsweise (...) Monaten
desertiert. Im (...) 2008 sei er von H._ über I._ illegal aus
Eritrea in J._ ausgereist und über K._ am (...) 2009 (...)
nach C._ gelangt. Dort habe er ein Asylgesuch gestellt und sei als
politischer Flüchtling anerkannt worden. In der Folge habe er sich fünf
Jahre und fünf Monate in L._ aufgehalten und sei von dort am (...)
2015 illegal in die Schweiz eingereist.
C.c Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer insbesondere eine Ko-
pie eines Zertifikats betreffend eine militärische Ausbildung sowie diverse
Fotos aus dem Militärdienst zu den Akten.
C.d Am (...) gebar D._ den Sohn M._, für dessen Vater-
schaftsanerkennung der Beschwerdeführer beim Kanton Bestrebungen
unternahm.
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Seite 4
C.e Mit Schreiben vom 3. und 29. September 2020 gab das SEM dem Be-
schwerdeführer die Gelegenheit zur Einleitung eines kantonalen Verfah-
rens betreffend eine Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 8 EMRK. Am
1. Oktober 2020 traf beim SEM eine Bestätigung des Kantons betreffend
die Einleitung dieses Bewilligungsverfahrens ein.
D.
Mit Verfügung vom 16. Oktober 2020 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylge-
such ab. Zudem stellte es fest, dass der Entscheid über den weiteren Auf-
enthalt in der Schweiz oder eine allfällige Wegweisung in die Zuständigkeit
der kantonalen Migrationsbehörden falle.
E.
E.a Mit Eingabe vom 19. November 2020 erhob der Beschwerdeführer
durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung des SEM vom
16. Oktober 2020, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Ge-
währung von Asyl, eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuhe-
ben und er sei aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling anzu-
erkennen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er zudem um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung durch die
rubrizierte Rechtsvertreterin sowie um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses. Des Weiteren seien die vorinstanzlichen Akten des
Beschwerdeführers und von D._ beizuziehen.
E.b Mit Eingabe vom 26. November 2020 reichte der Beschwerdeführer
Unterlagen betreffend seine prozessuale Bedürftigkeit nach und am
30. November 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
F.
F.a Mit Verfügung vom 17. Dezember 2020 erklärte sich der Kanton
E._ bereit, dem Beschwerdeführer unter Vorbehalt der Zustimmung
durch das SEM eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.
F.b Gemäss Vollzugs- und Erledigungsmeldung des Kantons E._
vom 21. Dezember 2020 besitzt der Beschwerdeführer seit dem (...) 2018
eine Aufenthaltsbewilligung B (Anmerkung des Gerichts: gemäss Zentra-
lem Migrationsinformationssystem [ZEMIS]: seit dem [...] 2020).
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Seite 5
G.
Mit Verfügung vom 22. Dezember 2020 stellte die damals zuständige In-
struktionsrichterin fest, dass sich der Prozessgegenstand auf die Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl beschränke,
und teilte dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Verfahrens
in der Schweiz abwarten könne. Zudem hiess sie das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer antragsge-
mäss dessen Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei.
H.
Am 27. April 2021 erkundigte sich der Beschwerdeführer nach dem Ver-
fahrensstand. Daraufhin lud die damals zuständige Instruktionsrichterin die
Vorinstanz am 30. April 2021 zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 10. Mai 2021 fest, die Be-
schwerdeschrift enthalte keine neuen Tatsachen oder Beweismittel, welche
eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten, weshalb voll-
umfänglich an den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung festge-
halten werde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am
11. Mai 2021 zur Kenntnis gebracht.
I.
Eine Anfrage nach dem Verfahrensstand vom 21. Juli 2021 wurde von der
damals zuständigen Instruktionsrichterin am 22. Juli 2021 beantwortet.
J.
Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Beschwerdever-
fahren per 1. Januar 2022 Richter Thomas Segessenmann (Instruktion und
Vorsitz) zur Behandlung unter der neuen Verfahrens-Nummer
D-5800/2020 übertragen.
K.
Eine Anfrage nach dem Verfahrensstandstand vom 25. Januar 2022 wurde
vom Instruktionsrichter am 1. Februar 2022 beantwortet.
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Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls. Die Wegweisung ist nicht mehr
zu prüfen, nachdem der Beschwerdeführer im Besitz einer Aufenthaltsbe-
willigung ist (vgl. oben Bst. F).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 3 AsylG sind keine Flüchtlinge Personen, die we-
gen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen aus-
gesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt
zu werden. Vorbehalten bleibt die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30).
4.3 Subjektive Nachfluchtgründe sind anzunehmen, wenn eine asylsu-
chende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat
oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Wesentlich ist, ob die heimatlichen Be-
hörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und
dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung befürchten muss.
Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, wer-
den jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG; vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.1).
5.
5.1 Das SEM schloss in seiner Verfügung nicht aus, dass der Beschwer-
deführer für eine gewisse Zeit Militärdienst geleistet hat. Jedoch würden
die unglaubhaften Elemente zu entscheidenden Vorkommnissen hinsicht-
lich der Fluchtgründe überwiegen, namentlich bezüglich der geltend ge-
machten Verletzung während des Gefechts gegen das (...) Militär, welche
zu seiner Verlegung nach H._ und letztlich zur Desertion geführt
habe, und bezüglich der eigentlichen Desertion sowie des Ausreisewegs.
Dementsprechend sei darauf zu schliessen, dass sich diese für die Asyl-
gründe zentralen Hergänge anders als vorgebracht gestaltet haben müs-
sen. Die Abfolge der besagten Geschehnisse wirke insgesamt konstruiert,
was darauf hindeute, dass der Beschwerdeführer den Militärdienst auf an-
dere Weise verlassen habe. Bei der ergänzenden Anhörung sei er zu
Schlüsselereignissen vertieft befragt worden. Obwohl ihm bezüglich des
Zeitpunkts der Verletzung während des Gefechts in B._, des Trans-
fers von G._ ins Spital von H._ als auch der Flucht aus dem
Spital mehrere Fragen gestellt worden seien, sei er ausgewichen. Er habe
sich wiederholt und seinen Aussagen habe es an Erlebnisnähe gemangelt.
Dies habe sich insbesondere bei sechs Rückfragen zur Flucht aus dem
Spital manifestiert. In seinen Schilderungen zu diesen kurzen Schlüsselse-
quenzen in der Abfolge der Geschehnisse seien kaum Realkennzeichen
zu finden, welche darauf deuten würden, dass er das Erzählte, wie vorge-
bracht, selbst erlebt hätte. Hinsichtlich der geltend gemachten illegalen
Ausreise – die Aussagen des Beschwerdeführers enthielten diesbezüglich
einige Unglaubhaftigkeitselemente, auf die jedoch aufgrund der fehlenden
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flüchtlingsrechtlichen Relevanz nicht eingegangen werden müsse – ver-
wies das das SEM auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publiziert). Danach
sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
sich eritreische Staatsangehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit
Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sehen, die bezüglich ihrer In-
tensität und der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile ge-
mäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen würden. Zwar werde nicht ausge-
schlossen, dass der Beschwerdeführer für eine gewisse Zeit Militärdienst
geleistet habe. Nachdem aber insbesondere seine Vorbringen bezüglich
der Desertion nicht glaubhaft seien, seien keine anderen Anknüpfungs-
punkte ersichtlich, welche ihn in den Augen des eritreischen Regimes als
missliebige Person erscheinen lassen könnten.
5.2 In der Beschwerde wurde im Wesentlichen geltend gemacht, die Vor-
instanz erachte die Desertion aus dem Nationaldienst und die illegale Aus-
reise ins Ausland zu Unrecht als nicht glaubhaft. Zudem würden Dienstver-
weigerung und Desertion in Eritrea unverhältnismässig bestraft. Demnach
habe der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt seiner Flucht aus Eritrea be-
gründete Furcht gehabt, aufgrund seiner Desertion ernsthaften Nachteilen
ausgesetzt zu sein. Andernfalls sei zu prüfen, ob er wegen seiner illegalen
Ausreise Nachfluchtgründe habe und bei einer Rückkehr nach Eritrea be-
fürchten müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausge-
setzt zu sein.
6.
6.1 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2).
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach eingehender Prüfung der
Akten übereinstimmend mit der Vorinstanz zum Schluss, dass der Be-
schwerdeführer für eine gewisse Zeit Militärdienst geleistet hat. Indessen
hat sie sein Vorbringen betreffend Desertion als Soldat aus dem National-
dienst in der angefochtenen Verfügung mit ausführlicher und überzeugen-
der Begründung als unglaubhaft qualifiziert. Zur Vermeidung von Wieder-
holungen kann vorab auf die zutreffende Argumentation in der angefochte-
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nen Verfügung verwiesen werden. Die Entgegnungen in der Beschwerde-
schrift vermögen zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen. Zu den
vorgebrachten Einwänden ist Folgendes festzuhalten:
6.3 Vorweg wurde in der Beschwerde ausgeführt, der Beschwerdeführer
habe äussert präzise und detaillierte Schilderungen insbesondere zu sei-
ner Zeit im Nationaldienst, aber auch zum Hergang seiner Verletzung, sei-
ner Zeit im Spital und seiner anschliessenden Ausreise gemacht. Er habe
dabei die direkte Rede verwendet, Emotionen gezeigt und nebensächliche
Details erwähnt. All diese Realkennzeichen habe die Vorinstanz in ihrem
Entscheid gänzlich unberücksichtigt gelassen. Dasselbe gelte bezüglich
des Umstands, dass seine Ausreise und die asylrelevanten Vorfälle im Her-
kunftsland zum heutigen Zeitpunkt bereits über zehn Jahre zurücklägen.
Zudem sei zumindest fraglich, ob es für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit
zulässig sei, wenn sich die Vorinstanz in ihrem Entscheid auch auf Aussa-
gen berufe, die der Beschwerdeführer im Rahmen seines Asylverfahrens
im Jahr 2015 gemacht habe. Schliesslich sei dem Unterschriftenblatt der
Hilfswerkvertretung (HWV) zur ergänzenden Anhörung zu entnehmen,
dass er immer wieder in seinen Ausführungen unterbrochen worden sei
und deshalb nicht frei habe erzählen können (vgl. Beschwerde S. 7 f.).
Es trifft zu, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers durchaus ver-
schiedene Realkennzeichen enthalten. Diese betreffen indessen überwie-
gend die Angaben zur Absolvierung der Schule bis zur elften Klasse in
H._, der zwölften Klasse in F._, der Abschlussprüfung und
der militärischen Fahrschule für (...) im Jahr 2007, welche er mit einem
Zertifikat vom (...) 2008 auch belegte. Die Glaubhaftigkeit dieser Vorbrin-
gen wurde denn auch von der Vorinstanz nicht in Abrede gestellt. Indessen
überwiegen auch für das Bundesverwaltungsgericht die unglaubhaften
Elemente zu entscheidenden Vorkommnissen hinsichtlich der Flucht-
gründe. Da es sich dabei um einschneidende Ereignisse handelt, vermag
nichts daran zu ändern, dass die geltend gemachten asylrelevanten Vor-
fälle anlässlich der Anhörungen bereits über zehn Jahre zurücklagen. Zu-
dem ist nicht ersichtlich, weshalb die Vorinstanz nicht auch auf Aussagen
des Beschwerdeführers bei der BzP vom 30. Dezember 2015 in dessen
ersten Asylverfahren hätte abstellen dürfen, umso weniger, als diese das-
selbe Sachverhaltselement (Dauer des Aufenthalts im Spital) betreffen.
Des Weiteren trifft zu, dass der Beschwerdeführer bei der Schilderung der
angeblichen Flucht aus dem Spital von H._ mehrmals unterbrochen
wurde (vgl. SEM-act. D41/20 F90–F92). Indessen erfolgten diese Unter-
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brechungen, weil er auf die Aufforderung hin, den Tag der Flucht ganz ge-
nau zu beschreiben (vgl. ebd. F89), wiederholt sehr allgemein antwortete
(vgl. ebd. F90 und F91). Mithin vermag er aus diesen Einwänden nichts zu
seinen Gunsten abzuleiten.
6.4 Hinsichtlich der Verletzung während des Gefechts gegen das (...) Mili-
tär führte die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer habe bei der Anhörung
erklärt, die Verletzung sei ihm zugefügt worden, als er auf dem Weg gewe-
sen sei, Verletzte abzutransportieren. Mithin habe diese nichts mit der ei-
gentlichen Kampfhandlung zu tun. Demgegenüber habe er sich bei der er-
gänzenden Anhörung dahingehend geäussert, er habe seinen Kameraden,
die für das Laden des (...)geschützes verantwortlich gewesen seien, eine
Bombe, also Munition zum Laden desselben, geben wollen. Dabei habe er
sich ausserhalb des (...) befunden und sei genau in diesem Moment ver-
letzt worden. Somit wäre er aktiv an der Kampfhandlung beteiligt gewesen.
Auf die Unstimmigkeit angesprochen, habe seine Antwort ausweichend ge-
wirkt (vgl. SEM-act. D41/20 F64 ff.). Dasselbe gelte, trotz mehrerer Rück-
fragen, bezüglich des Moments der Verletzung. Zudem habe er bei der An-
hörung erklärt, er sei am (...) Bein verletzt worden, während er bei der er-
gänzenden Anhörung von den verletzten Beinen, somit in der Mehrzahl,
berichtet habe.
Aus seinem Einwand in der Beschwerde, seine Aussage bei der Anhörung
habe er nicht auf die genaue Frage zum Hergang seiner Verletzung, son-
dern im Rahmen seiner Antwort auf die Frage "Von wann bis wann waren
Sie in B._?" gemacht (vgl. SEM-act. D24/14 F52), vermag er nichts
zu seinen Gunsten abzuleiten. So schilderte er auf die besagte Frage, das
Gefecht habe am (...) 2008 begonnen und (...) Tage gedauert. Dabei seien
sie aufgefordert worden, verletzte Soldaten aufzunehmen, welche zirka
(...) Kilometer von ihnen entfernt gewesen seien. Nachdem er aus dem
(...) ausgestiegen sei, um die verletzten Soldaten zu empfangen, sei er von
den B._-Truppen mit Bomben attackiert worden (vgl. ebd.). Mit die-
ser Schilderung wird auch sein weiterer Einwand entkräftet, wonach er bei
der Anhörung nicht dazu befragt worden sei, wie die Verletzung selbst ge-
nau passiert sei. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde geht
auch weder aus der Anmerkung der HWV in D41/10 F59 noch aus den
wiederholten Nachfragen der befragenden Person hervor, dass der Be-
schwerdeführer diesbezüglich missverstanden worden sei.
6.5 Ebenso wenig vermögen die weiteren Einwände des Beschwerdefüh-
rers zu überzeugen, er weise an beiden Beinen Narben auf und sei nie
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Seite 11
konkret danach gefragt worden, ob er nur an einem oder an beiden Beinen
verletzt worden sei. Dasselbe gilt für seinen Einwand, diesbezüglich handle
es sich um eine Ungenauigkeit der Übersetzung, da er im Zusammenhang
mit der Verletzung jeweils auf andere Fragen geantwortet habe und seine
Antworten mehrere Sätze lang gewesen seien. Im Übrigen wurden ihm die
Anhörungsprotokolle jeweils Satz für Satz rückübersetzt, woraufhin er be-
stätigte, dass sie vollständig seien und seinen freien Äusserungen entsprä-
chen.
6.6 Hinsichtlich des zeitlichen Widerspruchs führte die Vorinstanz aus, der
Beschwerdeführer habe bei der BzP vom 8. Dezember 2015 angegeben,
der Aufenthalt im Spital von H._ habe (...) Wochen gedauert (vgl.
SEM-act. B5/12 Ziff. 7.02), während er bei der ergänzenden Anhörung von
einer Dauer von (...) bis (...) Monaten gesprochen habe (vgl. SEM-
act. D41/20 F19).
Soweit in diesem Zusammenhang in der Beschwerde angezweifelt wird,
ob es bezüglich der Frage der Glaubhaftigkeit zulässig sei, auf Akten des
ersten Asylverfahrens aus dem Jahr 2015 abzustellen, ist vorab auf die
vorstehende Erwägung 6.3 zu verweisen. Die Vorinstanz zeigte mit diesem
Widerspruch zutreffend auf, dass der Beschwerdeführer bestimmte Daten,
so beispielsweise das Einzugsdatum nach F._, mehrmals konzis
auf den Tag genau sowie die Zeiträume, während denen er in F._
und in G._ gewesen sei, übereinstimmend angeben konnte, und die
Divergenzen in den Aussagen gerade nicht, wie von ihm auf Vorhalt gel-
tend gemacht, auf ein fehlendes Erinnerungsvermögen zurückzuführen
sind. Zudem hielt sie in diesem Zusammenhang weiter überzeugend fest,
dass beim Beschwerdeführer ein Vorstellungsvermögen zu Zeiträumen
vorhanden sein müsse, umso mehr, als es sich beim geltend gemachten
Spitalaufenthalt um ein einschneidendes Erlebnis handle, welches in Zu-
sammenhang mit dem Ergreifen der Flucht stehe. Es wären deshalb kon-
zise Angaben zu erwarten gewesen.
6.7 Bezüglich des Transfers von G._ zum Spital von H._
wurde in der Beschwerde zu Recht eingewendet, dass der Beschwerde-
führer dazu mehrere Details erwähnt habe. So gab er an, dass der Trans-
port auf der Ladefläche eines Fahrzeugs, er glaube, dass es sich um einen
(...) gehandelt habe, stattgefunden habe. Er sei darauf mit anderen Passa-
gieren, teilweise versehrten Soldaten und solchen auf dem Weg in den Ur-
laub, eingequetscht gewesen. Die Route habe über N._ und
O._ geführt und in H._ habe man gestoppt (vgl. SEM-
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act. D41/20 F79 ff.). Indessen gab er an, keine Ahnung zu haben, wie lange
die Fahrt gedauert hat (vgl. ebd. F81). Seine entsprechenden Aussagen
fielen derart allgemein aus, dass sie nicht von selbst Erlebten zeugen. Aus
diesem Grund musste denn auch betreffend die Aufforderung, den Transfer
von G._ nach H._ genau zu schildern, mehrmals nachge-
fragt werden.
6.8 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde lassen auch die Aus-
sagen betreffend das Verlassen des Spitals von H._ und die daran
anschliessende Ausreise über I._ in J._ Erlebnisnähe ver-
missen. So gab der Beschwerdeführer bei beiden Anhörungen auf die Auf-
forderung hin, seine Flucht aus dem Spital genau und detailliert zu schil-
dern, lediglich pauschal an, er habe sich vom Spital zunächst nach
I._ begeben (vgl. SEM-act. D24/14 F57, D41/20 F89). Da seine Ant-
wort sehr allgemein ausfiel, musste wiederum mehrmals nachgefragt wer-
den (vgl. SEM-act. D24/14 F58, D41/20 F90 ff.). Dabei gab er an, man sei
nicht so streng bewacht gewesen und habe auch in die Stadt gehen dürfen
(vgl. SEM-act. D24/14 FF58). Abgesehen davon erklärte er bei der Anhö-
rung ausdrücklich, er sei per Bus nach I._ gefahren (vgl. SEM-act.
D24/14 F58, F61), wogegen er bei der ergänzenden Anhörung angab, er
habe einen "Zivilen" mit einem Auto getroffen und diesen gebeten, ihn mit-
zunehmen (vgl. SEM-act. D41/20 F96, F103). Diesen Widerspruch ver-
mochte er auf Vorhalt nicht damit auszuräumen, dass er bei beiden Anhö-
rungen den (...) Begriff (...) (das Auto) verwendet habe, welcher falsch in-
terpretiert worden sei; er habe nicht den Bus genommen, weil er dazu ei-
nen Passierschein benötigt hätte, aber keinen solchen gehabt habe (vgl.
ebd. F106). Bei der Anhörung hatte er jedoch auch zu Protokoll gegeben,
er sei vor dem Kontrollposten in I._ aus dem Bus ausgestiegen, weil
er keinen Passierschein gehabt habe (vgl. SEM-act. D24/14 F58). Unter
diesen Umständen erübrigen sich Ausführungen bezüglich der gemäss
den vorinstanzlichen Erwägungen wenig plausiblen Angaben des Be-
schwerdeführers zur Zivilperson, die ihn nach I._ mitgenommen ha-
ben soll, und den diesbezüglichen Einwendungen in der Beschwerde.
6.9 Sodann wurde von der Vorinstanz zu Recht in Zweifel gezogen, dass
der Beschwerdeführer, obwohl er über Monate wegen einer schlecht hei-
lenden Verletzung an einem oder beiden Beinen behandelt worden sein
soll, unmittelbar danach die verhältnismässig lange Distanz von I._
bis nach P._ in J._ zu Fuss hätte zurücklegen können. Das
SEM hielt dazu weiter zutreffend fest, es biete keinen Aufschluss, dass es
dem Beschwerdeführer beim Verlassen des Spitals besser gegangen sei,
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Seite 13
und auch hierzu seien dessen Aussagen nach Konfrontation allgemeingül-
tig und oberflächlich ausgefallen (vgl. SEM-act. D41/20 F101). Dem ver-
mag der Beschwerdeführer mit der Wiederholung seiner Aussage in der
Beschwerdeschrift, er habe ein Ziel vor Augen gehabt und die Zähne zu-
sammengebissen, nichts Überzeugendes entgegenzuhalten.
6.10 Insgesamt kann, wie ausgeführt, nicht geglaubt werden, dass der Be-
schwerdeführer aus dem Militärdienst desertiert ist. Vielmehr ist von einem
Weggang unter anderen Umständen auszugehen. Es ist nicht Aufgabe des
Gerichts aufzuzeigen, auf welche andere Weise er den Militärdienst hätte
verlassen können. Bei dieser Sachlage erübrigen sich Ausführungen zum
Vorbringen, wonach Dienstverweigerung und Desertion in Eritrea unver-
hältnismässig streng bestraft würden.
6.11 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen,
eine zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea bestehende oder ihm dro-
hende Gefährdung nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen.
Zum besagten Zeitpunkt erfüllte er die Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 3 AsylG nicht.
7.
Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer wegen der Ausreise aus Erit-
rea, die illegal erfolgt sei, bei einer (hypothetischen) Rückkehr dorthin –
mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG – be-
fürchten muss, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausge-
setzt zu werden.
7.1 Durch Republikflucht wird zum Flüchtling, wer wegen illegaler Ausreise
Sanktionen des Heimatstaats befürchten muss, die bezüglich ihrer Intensi-
tät ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen (vgl. BVGE
2009/29).
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Rahmen des Referenz-
urteils D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 mit der Frage befasst, ob Eritre-
erinnen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, allein deswegen
bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Das Gericht kam da-
bei zum Schluss, dass sich die bisherige Praxis nicht mehr aufrechterhal-
ten lasse und vom SEM zwischenzeitlich zu Recht angepasst worden sei.
Für die Entscheidfindung des Gerichts war auch die Tatsache von Bedeu-
tung, dass seit einiger Zeit Personen aus der eritreischen Diaspora für
kurze Aufenthalte in ihren Heimatstaat zurückkehren und sich unter ihnen
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auch Personen befinden, die Eritrea zuvor illegal verlassen hatten. Es sei
mithin nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund
ihrer unerlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante
Verfolgung drohe. Von der begründeten Furcht vor intensiven und flücht-
lingsrechtlich begründeten Nachteilen sei nur dann auszugehen, wenn zur
illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzukommen würden, welche die asyl-
suchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige
Person erscheinen lassen würden (vgl. a.a.O. E. 5).
7.3 Vorliegend kann die Frage der Glaubhaftigkeit der vom Beschwerde-
führer geltend gemachten illegalen Ausreise aus Eritrea mangels flücht-
lingsrechtlicher Relevanz offenbleiben. Der Beschwerdeführer vermochte
nicht glaubhaft zu machen, dass er aus dem eritreischen Militärdienst de-
sertiert ist (vgl. E. 6.10), und andere Anknüpfungspunkte, die ihn in den
Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen
beziehungsweise zu einer Schärfung seines Profils und dadurch zu einer
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten, sind aus
den Akten nicht ersichtlich. Namentlich vermag entgegen den Ausführun-
gen in der Beschwerde das Vorbringen, seine Ehefrau sei aufgrund seiner
Desertion nach seiner Ausreise wiederholt durch die Behörden bedroht
worden, ebenfalls kein Gefährdungsprofil des Beschwerdeführers zu be-
gründen, haben sich die entsprechenden Verfolgungsvorbringen von
D._ doch als unglaubhaft erwiesen, wie deren Verfahrensakten zu
entnehmen ist.
7.4 Der Beschwerdeführer erfüllt damit die Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 3 AsylG auch unter dem Aspekt subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54
AsylG) nicht.
8.
Zusammenfassend hat das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-
deführers zu Recht verneint und dessen Asylgesuch zutreffend abgelehnt.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Da der Beschwerdeführer über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung verfügt, ist über die Wegweisung nicht mehr zu befinden
(vgl. E. 3).
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem die damals
zuständige Instruktionsrichterin das Gesuch des Beschwerdeführers um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen hat und den
Akten keine Hinweise auf eine Veränderung der finanziellen Verhältnisse
zu entnehmen sind, ist von einer Kostenauflage abzusehen.
11.2 Nachdem dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 22. Dezember
2020 eine amtliche Rechtsbeiständin gemäss aArt. 110a Abs. 1 AsylG bei-
geordnet worden ist, ist dieser ein entsprechendes Honorar auszurichten
(vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Entschädigung an Parteien
und amtliche Vertreter und Vertreterinnen (Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
11.3 Die amtliche Rechtsbeiständin hat keine Kostennote eingereicht. Auf
entsprechende Nachforderung kann verzichtet werden, da sich die Vertre-
tungskosten aufgrund der Akten einschätzen lassen (Art. 14 Abs. 2 in fine
VGKE). Bei nichtanwaltlicher amtlicher Rechtsverbeiständung ist praxisge-
mäss ein Stundenansatz von Fr. 150.– zugrunde zu legen (vgl. Bst. I.). Un-
ter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren und der
Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen ist das amtliche Honorar auf pau-
schal Fr. 1'400.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. Dieses ist MLaw Sophia
Delgado, E._, zu Lasten der Gerichtskasse auszurichten.
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