Decision ID: fb121fad-6ac9-584f-9fd9-2e09346e5ddc
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat gemäss eigenen
Angaben am 29. August 2016 auf dem Luftweg und reiste gleichentags
erstmals in die Schweiz ein. Am 2. März 2017 fand die Befragung zur Per-
son (BzP) statt. Dabei gab die Beschwerdeführerin an, am 17. Oktober
2016 sei sie nach Dänemark gereist und habe dort am 2. November 2016
um Asyl nachgesucht. Am 21. Februar 2017 sei sie von den dänischen Be-
hörden in die Schweiz zurückgeführt worden. Gleichentags habe sie in der
Schweiz um Asyl nachgesucht.
A.b Die Vorinstanz hörte die Beschwerdeführerin am 16. Oktober 2018 und
1. September 2020 einlässlich zu ihren Asylgründen an.
Im Wesentlichen gab die Beschwerdeführerin an, sie sei in B._ ge-
boren und aufgewachsen. Die Schule habe sie in der (...) Klasse abgebro-
chen. Danach sei sie mit ihren Eltern nach C._ gezogen, wo sie ein
Jahr lang (...) gelernt habe. Ihre Eltern und ihre Schwester seien verstor-
ben. Ihr Bruder lebe wahrscheinlich in D._; sie habe jedoch seit lan-
gem keinen Kontakt mit ihm. Seit dem Jahr 1997 sei sie mit E._
verheiratet und habe mit ihm (...) Töchter sowie einen Sohn. Die (...) Toch-
ter sei in der (...) und habe (..). Ihr Ehemann habe ihr eine Generalvoll-
macht gegeben, (...).
Zu ihren Asylgründen führte sie aus, sie habe ihren Ehemann vor der Heirat
nicht gekannt. Das Leben mit ihm sei furchtbar gewesen. Ihr Ehemann sei
(...) und gehöre der Sippe «F._» an, welche Verbrechen begehe.
Im Jahr (...) sei ihr Ehemann in G._ zu einer mehrjährigen Haft-
strafe wegen (...) und weiteren Gesetzesverstössen verurteilt worden.
Seine Familie – insbesondere (...) – habe sie unter Druck gesetzt und von
ihr verlangt, dass sie sich für seine Freilassung einsetze. Sie habe dies
weder gewollt noch gekonnt. Während dem ihr Ehemann in G._ in-
haftiert gewesen sei, habe sie durch eine Freundin das Christentum ent-
deckt. Im (...) 2016 sei ihr Ehemann in den Iran zurückgekehrt. Er habe in
ihrem Kleiderschrank nach Geld gesucht und dabei eine Bibel, CDs, ein
Foto von Jesus und ein Kreuz gefunden. Er sei wütend geworden und habe
von ihr wissen wollen, wer ihr diese Sachen gegeben habe. Er habe sie
heftig geschlagen und für zwei Tage in einem Zimmer eingesperrt. Ihrer
(...) Tochter sei es gelungen, die Türe aufzubrechen, worauf sie – die Be-
schwerdeführerin – das Haus verlassen habe. Sie habe Anzeige gegen ih-
ren Ehemann erstattet. Im (...) 2016 habe sie auf der Schweizer Botschaft
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in B._ ein Schengen Visum beantragt und sich bis zur Ausreise bei
einer Christin in H._ aufgehalten. Gemäss Aussagen ihrer Tochter
habe ihr Ehemann Anzeige gegen sie erstattet und die Bibel, CDs, das Foto
von Jesus und das Kreuz als Beweismittel beim Gericht eingereicht. Am
27. Februar 2017 habe sie sich in der Schweiz taufen lassen.
Als Beweismittel gab die Beschwerdeführerin eine Bestätigung der refor-
mierten Kirchgemeinde I._ vom 11. Oktober 2018, eine Bestätigung
einer Wohngemeinschaft vom 15. Oktober 2018, eine Taufkurkunde, ein
Referenzschreiben der «J._ vom 15. Oktober 2018, einen Zeitungs-
artikel der Frankfurter Allgemeinen vom 19. August 2016 und einen USB-
Stick mit Aufnahmen von Gesangsaufführungen zu den Akten.
B.
B.a Am 4. September 2020 ersuchte die Vorinstanz die Schweizer Bot-
schaft in B._ um nähere Abklärungen zu den Vorbringen der Be-
schwerdeführerin.
B.b Die Botschaft gab die Ergebnisse ihrer Abklärungen der Vorinstanz mit
Schreiben vom 16. September 2020 bekannt.
C.
Mit Schreiben vom 26. Oktober 2020 gewährte die Vorinstanz der Be-
schwerdeführerin das rechtliche Gehör zu den Abklärungen der Botschaft.
Die Beschwerdeführerin nahm mit undatiertem Schreiben (Eingang beim
SEM am 9. November 2020) Stellung.
D.
Mit Verfügung vom 16. Dezember 2020 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
E.
E.a Am 21. Dezember 2020 ersuchte die Beschwerdeführerin die Vor-
instanz um Einsicht in die gesamten Akten ihres Asylverfahrens.
E.b Mit Schreiben vom 24. Dezember 2020 stellte die Vorinstanz der Be-
schwerdeführerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis
zu.
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F.
Mit Eingabe vom 18. Januar 2021 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, es sei ihr vollumfäng-
lich Einsicht in den USB-Stick sowie in die Akten A15/2, A18/11, A19/23
und A B2, in die Visums-Unterlagen und in sämtliche Ausweise und Aus-
weiskopien zu gewähren. Eventualiter sei das rechtliche Gehör zum USB-
Stick sowie zu den Akten A15/2, A18/11, A19/23, A B2, zu den Visums-Un-
terlagen und sämtlichen eingereichten Ausweisen sowie Ausweiskopien zu
gewähren. Nach Gewährung der Akteneinsicht und eventualiter des recht-
lichen Gehörs sei ihr eine angemessene Frist zur Einreichung einer Be-
schwerdeergänzung anzusetzen. Die angefochtene Verfügung des SEM
vom 16. Dezember 2020 sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft
festzustellen und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des
SEM vom 16. Dezember 2020 aufzuheben und sie sei als Flüchtling vor-
läufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzuges festzustellen und sie sei vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei
die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und sie sei
vorläufig aufzunehmen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu
verzichten und sie sei von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu be-
freien. Eventualiter sei eine angemessene Frist zur Bezahlung eines Ge-
richtskostenvorschusses anzusetzen.
Als Beweismittel gab die Beschwerdeführerin eine Fürsorgebestätigung,
einen USB-Stick mit Fotos und YouTube Links, eine Rechnung des Zivil-
standsamts K._ betreffend Ehevorbereitung und diverse Unterla-
gen von «J._ zu den Akten.
G.
Am 21. Januar 2021 bestätigte das Gericht der Beschwerdeführerin den
Eingang der Beschwerde.
H.
Mit Eingabe vom 18. Februar 2021 gab die Beschwerdeführerin eine Be-
stätigung des Zivilstandsamts K._ betreffend Einreichung eines Ge-
suchs um Vorbereitung der Eheschliessung vom 16. Februar 2021 zu den
Akten.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
sowie eine unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts. Dabei handelt es sich um formelle Rügen, welche
vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
5.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör,
welcher in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert wird, dient einerseits der Auf-
klärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezoge-
nes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör
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verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tat-
sächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung be-
rücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-
schlagen muss.
Das Recht auf vorgängige Anhörung (Art. 30 Abs. 1 VwVG) als Teilgehalt
des rechtlichen Gehörs sieht insbesondere vor, dass die Behörde sich beim
Erlass ihrer Verfügung nicht auf Tatsachen abstützen darf, zu denen sich
die von der Verfügung betroffene Person nicht vorgängig äussern und dies-
bezüglich Beweis führen konnte.
Eng mit dem Äusserungsrecht ist der verfahrensrechtliche Anspruch auf
Akteneinsicht (Art. 26 VwVG) – ebenfalls Teilgehalt des rechtlichen Gehörs
– verbunden. So können sich die Betroffenen in einem Verfahren nur dann
wirksam zur Sache äussern und geeignet Beweis führen beziehungsweise
Beweismittel bezeichnen, wenn ihnen die Möglichkeit eingeräumt wird, die
Unterlagen einzusehen, auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt.
Das Recht auf Akteneinsicht kann eingeschränkt werden, wenn ein über-
wiegendes öffentliches oder privates Interesse an der Geheimhaltung der
betreffenden Akten vorhanden ist (Art. 27 VwVG). Wird einer Partei die Ein-
sichtnahme in ein Aktenstück verweigert, muss ihr die Behörde indes von
seinem wesentlichen Inhalt Kenntnis sowie die Gelegenheit geben, sich
dazu zu äussern und Gegenbeweismittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör beinhaltet schliesslich auch, dass die
Behörden alles in den Akten festzuhalten haben, was zur Sache gehört und
entscheidwesentlich sein kann. Daraus resultiert die Pflicht, dass jegliche
Abklärungen schriftlich festzuhalten, zu den Akten zu nehmen und aufzu-
bewahren sind. Die Aktenführung hat geordnet, übersichtlich und vollstän-
dig zu sein und es muss ersichtlich sein, wer die Akten erstellt hat und wie
sie zustande gekommen sind (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/10 E. 3.3
m.w.H.).
6.
Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs in
mehrfacher Hinsicht. Zur Begründung führt sie aus, ihr sei die Einsicht in
die scheinbar sehr umfassende Botschaftsanfrage (Akte A18/11) und die
ebenso umfangreiche Botschaftsantwort (Akte A19/23) verweigert worden.
Die Botschaftsanfrage umfasse elf, die Botschaftsantwort 23 Seiten. Diese
beiden Dokumente habe die Vorinstanz mit einem einzigen Satz zusam-
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mengefasst. Weiter habe es die Vorinstanz unterlassen, Einsicht in die Vi-
sumsakten und den von ihr als Beweismittel eingereichten USB-Stick zu
gewähren. Schliesslich nehme die Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung mehrmals Bezug auf ein Aktenstück A B2. Ein solches Aktorum sei
weder im Aktenverzeichnis aufgeführt noch sei ihr ein solches zur Einsicht
zugestellt worden.
7.
7.1 Aufgrund der Akten ergibt sich, dass die Vorinstanz der Beschwerde-
führerin mit Schreiben vom 26. Oktober 2020 das rechtliche Gehör zur Bot-
schaftsanfrage und –antwort gewährte. Dabei fasste sie die beiden Doku-
mente mit einem einzigen Satz («[...]») zusammen und legte dem Schrei-
ben das Aktenstück A20/4 bei. Gemäss ständiger Rechtsprechung des
Bundesveraltungsgerichts unterliegen Botschaftsanfragen und Botschafts-
abklärungen grundsätzlich der Akteneinsicht (vgl. Entscheide und Mittei-
lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission[EMARK] 1994 Nr.1
E. 3c). Die Vorinstanz hat es gänzlich unterlassen, die Botschaftsanfrage
beziehungsweise deren Inhalt der Beschwerdeführerin offenzulegen. Von
der Botschaftsantwort hat sie zwar den wesentlichen Teil des Antwort-
schreibens in anonymisierter Form offengelegt, indes fehlen jegliche Hin-
weise auf die weiteren Seiten dieses insgesamt 23 Seiten umfassenden
Aktorums. Im Zusammenhang mit der Botschaftsanfrage und –antwort hat
die Vorinstanz demnach den Anspruch auf rechtliches Gehör der Be-
schwerdeführerin verletzt. Sodann ergibt sich aus der Botschaftsantwort,
dass Visumsakten der Beschwerdeführerin vorliegen. Solche Akten kön-
nen unter Umständen wesentliche Hinweise oder Rückschlüsse auf ein
Asylverfahren geben. Dem dem Gericht vorliegenden Asyldossier der Be-
schwerdeführerin liegen keine Visumsakten bei. In der angefochtenen Ver-
fügung nimmt die Vorinstanz an mehreren Stellen Bezug auf ein Aktorum
A B2 und auf ein sich ebenfalls nicht im Dossier befindliches Schreiben der
Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit dem Visumsantrag (vgl. S. 5
der angefochtenen Verfügung). Es ist anzunehmen, dass es sich beim Ak-
torum A B2 um die Visumsakten handelt. Sodann hat die Vorinstanz meh-
rere scheinbar im Rahmen des Visumsantrags eingereichte Beweismittel
der Botschaft zur Überprüfung übermittelt. Demnach ist festzuhalten, dass
die Visumsakten von der Vorinstanz weder ins Dossier der Beschwerde-
führerin aufgenommen wurden noch der Beschwerdeführerin diesbezüg-
lich Akteneinsicht gewährt wurde. Damit hat die Vorinstanz einerseits den
Anspruch auf rechtliches Gehör der Beschwerdeführerin, andererseits
auch die Aktenführungspflicht in schwerwiegender Weise verletzt. Weiter
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ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin nach Ergehen des ange-
fochtenen Entscheids ausdrücklich um vollständige Einsicht in sämtliche
Akten ersucht hat und hierauf insbesondere betreffend ihre Beweismittel
auch einen uneingeschränkten Anspruch hat (vgl. Art. 27 Abs. 3 VwVG).
Die vorinstanzliche Praxis, der gesuchstellenden Person ihr bekannte Ak-
ten nur auf entsprechendes Gesuch hin zugänglich zu machen, mag aus
ökonomischer und ökologischer Sicht sinnvoll erscheinen, indessen er-
weist sie sich in Fällen wie dem vorliegenden, in denen vorgängig aus-
drücklich um «vollständige» Akteneinsicht ersucht wurde, als nicht rechts-
konform.
7.4 Schliesslich hat die Vorinstanz das Aktenstück A20/4 mit «A20/3» un-
korrekt ins Aktenverzeichnis aufgenommen, mithin liegt wohl ein blosses
Versehen vor, aus welchem die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Guns-
ten abzuleiten vermag.
7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Anspruch
auf rechtliches Gehör der Beschwerdeführerin in mehrfacher Hinsicht ver-
letzt hat.
8.
8.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück.
8.2 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt – ange-
sichts des formellen Charakters des Gehörsanspruchs unabhängig davon,
ob die angefochtene Verfügung bei korrekter Verfahrensführung im Ergeb-
nis anders ausgefallen wäre – grundsätzlich zur Kassation und Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz. Die Heilung von Gehörsverletzungen
aus prozessökonomischen Gründen ist auf Beschwerdeebene nur mög-
lich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, die Beschwerdeführerin dazu
Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz für die konkrete Streit-
frage die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechts-
anwendung zukommt, sowie die festgestellte Verletzung nicht schwerwie-
gender Natur ist und die fehlende Entscheidreife durch die Beschwer-
deinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt werden kann.
8.3 Die Vorinstanz hat im vorliegenden Verfahren den Anspruch auf recht-
liches Gehör in schwerwiegender Weise verletzt. Eine Kassation der ange-
fochtenen Verfügung ist daher unumgänglich.
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9.
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen. Die Verfügung vom 16. Dezember
2020 ist aufzuheben und zur Gewährung des rechtlichen Gehörs im Sinne
der Erwägungen und neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Bei dieser Sachlage erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den
weiteren Vorbringen und Anträgen in der Beschwerde.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit werden die Anträge auf Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses und eventualiter Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gegenstandslos.
10.2 Obsiegende oder teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf
eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen und ver-
hältnismässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendi-
gen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in
fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfakto-
ren (Art. 9–13 VGKE) ist der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor
dem Bundesverwaltungsgericht zu Lasten der Vorinstanz eine Parteient-
schädigung von Fr. 1’750.– (inkl. Auslagen) auszurichten.
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