Decision ID: b16b130f-1c64-47a5-a9d4-12fe4406eb97
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
X._
, gebore
n 1965, war
bei
drei
verschied
enen Arbeitgeberin
nen resp. Arbeit
gebern
, unter anderem bei der
Y._
AG,
als Reinigungshilfe tätig
und dadurch
-
unter anderem
-
bei der Allianz Suisse Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend Allianz) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 2
9.
Januar 2011 zog sie sich als Beifahrerin bei einem Auffahrunfall
mit Heck- und nachfolgender Frontalk
ollision eine Commotio Cerebri, eine Halswirbelsäulen (HWS)-Distorsion Grad 2 sowie Kontusion
en
der Schulter links, der Lendenwirbelsäule (LWS), des
Sakrums
sowie der proximalen Fibula beidseits zu (Schadenmeldung UVG
vom 1
4.
Februar 2011,
Urk.
9/10
). In
der Folge war sie bis 3
1.
Januar
2011 in der Klinik für Unfallchirurgie des
Spital
s Z._
hospitalisiert (
Urk.
9/1-5).
Die Allia
nz teilte am 2
8.
Februar 2011 mit, dass sie für die unfallbedingten Heilbehandlungskosten aufkomme und Taggeldleistungen erbringe (
Urk.
9/18).
Am 2
0.
Juni 2011 wurde die Versicherte im Auftrag der Allianz durch
Dr.
med.
A._
, FMH Neurologie, neurologisch untersucht (Bericht vom 3
0.
Juni 2011,
Urk.
9/56).
Nach weiteren medizinischen Abklärungen
holte die Allianz
die Aktenbeurteilung
von
Dr.
A._
vom 2
1.
November 2011 ein (Urk.
9/109)
, zu welcher die Versicherte am
7.
Dezember 2011 Stellung
nahm
(
Urk.
9/128
).
Am
7.
Dezember 2011 teilte die Allianz der Versicherten mit, dass eine Begutachtung erforderlich sei und als Gutachterstelle die
B._
vorge
schlagen werde (
Urk.
9/126)
, wogegen
die Versicherte
am
8.
Dezember 2011 opponierte
(
Urk.
9/129). Die Allianz nahm
daraufhin
die Stellungnahme des beratenden Arztes de
s Haftpflichtversicherers (
AXA
Winterthur Versicherun
gen
),
Dr.
med.
C._
, vom 1
5.
Dezember 2011 zu den Akten (
Urk.
9/131).
M
it Verfügung vom 2.
Februar 2012
stellte sie
die Versicherungsleistungen infolge Wegfalles des natürlichen Kausalzusammenhanges per 3
0.
November 2011 ein (
Urk.
9/146). Dagegen erhob die Versicherte am
4.
März 2012 Einspra
che (
Urk.
9/166). In der Folge wurde im Einverständnis mit der Versicherten eine polydisziplinäre Begutachtung im Zentrum
D._
veranlasst (
Urk.
9/171). Das Gutachten wurde am
4.
März 2013 erstattet (
Urk.
9/211) und der Versicherten am
4.
Juni 2013 zur Stellungnahme zugestellt (
Urk.
9/214). Die Versicherte reichte ihre Stellungnahme am 1
0.
Oktober 2013 ein (
Urk.
9/218). Mit Entscheid vom
8.
Januar 2014 wies die Allianz die Einsprache der Versicherten ab (
Urk.
2).
2
.
Dagegen erhob die Versichert
e am 1
0.
Februar 2014 Beschwerde
und bean
tragte, in Aufhebung des angefochtenen Entscheides seien der Beschwerdefüh
rer
in
auch über den 3
0.
Juli 2011 bzw. 3
0.
November 2011 hinaus die gesetzli
chen Leistungen auszurichten (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin ersuchte in ihrer Beschwerdeantwort vom 2
6.
Mai 2014 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), wovon der Beschwerdeführerin am 2
8.
Mai 2014 Mitteilung gemacht wurde (
Urk.
10).
3
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Verfü
gung vom 2
1.
Januar 2014 einen Anspruch von
X._
auf Leistungen der Invalidenversicherung. Die von ihr am 2
0.
Februar 2014 beim hiesigen Gericht eingereichte Beschwerde wurde mit heutigem Urteil abgewiesen (Prozess Nr. IV.2014.00209).
4
.
Zur Vervollständigung der Akten wurden Kopien aus den Akten der Invalidenver
sicherung (Prozess Nr. IV.2014.00209) erstellt (
Urk.
11).
5
.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin über den 3
0.
November 2011
Anspruch auf Leistungen der Beschwerdegegnerin hat.
1.2
Die Beschwerdegegnerin führte
im Einspracheentscheid vom
8.
Januar 2014 im
Wesentlichen aus,
sechs Monate nach dem Unfallereignis
hätten
weder orga
nisch objektivierbare noch somatisch erklärbar
e Unfallfolgen bestanden,
und die psychisch bedingten Beschwerden
seien
nicht adäquat zum Auffahrunfall v
om 29. Januar 201
1.
Ihre Leistungspflicht habe somit Ende Juli 2011 geendet.
Die Leistungs
einstellung per Ende November 2011 sei demnach nicht zu bean
standen
(
Urk.
2
S. 14
)
.
1.3
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen
im Wesentlichen
vor, der Schluss der Beschwerdegegnerin, wonach für die somatischen Unfallfolgen bereits ab Ende Juli 2011 die Kausalität zu verneinen sei, lasse sich nicht aus dem
D._
-Gut
achten ableiten
(
Urk.
1 S. 5 und 6). Der adäquate Kausalzusammenhang zwi
schen dem Unfall und den fortdauernden typischen Schleudertrauma-Sympto
men bzw. den somatisch induzierten, psychisch manifestierten Beschwerden sei vorliegend ebenfalls gegeben (
Urk.
1 S. 6 f.).
2.
2.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG), so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Wird sie infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (
Art.
8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18 UVG).
2.2
Im angefochtenen Entscheid wurden die Grundlagen betreffend den für die
Leis
tungspflicht
des obligatorischen Unfallversicherers vorausgesetzten
natürli
chen Kausalzusammenhang zwischen
dem
Unfall und
dem eingetretenen
Gesundheitsschaden
sowie die erforderliche Adäquanz des Kausalzusammen
hanges im Allgemeinen, bei Folgen eines Unfalles mit HWS-Schleudertrauma, dem Schleudertrauma äquivalenter Verletzung oder Schädel-Hirn-Trauma ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle und bei psychischen Fehlentwicklun
gen nach Unfall
zutreffend dargelegt (
Urk.
2
S. 4-5;
Urk.
2 S. 9 f.
)
.
Richtig sind auch die Ausführungen zum Wegfall unfallbedingter Ursachen eines Gesund
heitsschadens bei Erreichen des Status quo sine
vel
ante (
Urk.
2 S. 5). Gleiches gilt betreffend die Grundsätze
der Beweiswürdigung und
den
Beweiswert ärztli
cher Berichte und Gutachten
(
Urk.
2 S. 5 f.).
Darauf wird verwiesen.
2.3
2.3
.1
Hervorzuheben ist, dass die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des
Unfallversi
cherers
im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle spielt, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalitä
t deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1). Objektivierbar sind Untersuchungser
gebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiese
nen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die
hiebei
angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich a
nerkannt sind (BGE 138 V 248 E.
5.1).
2.3.2
Sind die geklagten Beschwerden natürlich unfallkausal, aber nicht organisch objektiv ausgewiesen, so ist die Adäquanz besonders zu prüfen. Dabei ist vom
augenfälligen
Geschehnisablauf
auszugehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen. Hat die versicherte Person beim Unfall eine Verletzung erlitten, welche die Anwendung der Schleudertrauma
-Recht
sprechung
rechtfertigt
, so
sind
hiebei
die durch BGE 134 V 109
E. 10
präzisier
ten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grundsätzlich die Adäquanzkriterien, welche für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (BGE 115 V 133
E. 6c/
aa
; sog. Psycho-P
raxis), anzuwenden (BGE 138 V 248 E. 4 mit Hinweisen).
2.3.3
Die Symptomatik nach einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS weist somati
sche und psychische Komponenten wie Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüd
barkeit
,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression,
Wesensverän
derung
u.s.w
. auf
(BGE 117 V 359 E. 4b)
. Daher erfolgt die
Adäquanzbeurtei
lung
nach Distorsionen der HWS (ohne nachweisbare organische Unfallfolgen) grundsätzlich nach der Rechtsprechung gemäss BGE 134 V 109, welche für die Beurteilung der Adäquanz nicht zwischen körperlichen und psychischen Beschwerden differenziert. Dies führt dazu, dass die in BGE 115 V 133 und BGE 134 V 109 unterschiedlich umschriebenen Adäquanzkriterien bei Folgen eines Schleudertraumas eher als bei einer nach einem Unfall aufgetretenen psychi
schen Fehlentwicklung erfüllt sind
. Deshalb muss die Zuordnung der Beschwer
den insoweit geklärt sein, bevor entschieden werden kann, nach welcher Methode sich die Adäquanzprüfung richtet. Dabei ist es grundsätzlich Aufgabe der medizinischen Fachleute, darüber Auskunft zu geben, ob eine bestehende psychische Problematik als Teil des einer Differenzierung kaum zugänglichen, somatisch-psychischen Beschwerdebildes im Sinn der Schleudertrauma-Recht
sprechung zu betrachten ist, oder aber ein von diesem zu trennenden, eigen
ständiges psychisches Leiden darstellt. Denn wenn in der Expertise überzeugend dargetan wird, dass die psychische Störung nicht Symptom der Verletzung ist, kann dafür eine andere Ursache gesehen werden
(Urteil des Bundesgerichtes 8C_710/2011 vom
1.
Juni 2012 E. 2.2 mit Hinweisen)
.
3.
3.1
Im Bericht der Klinik für Unfallchirurgie
des
Spitals Z._
betreffend die dortige
Hospitali
sation
der Beschwerdeführerin vom 2
9.
bis 3
1.
Januar 2011 wurden als Diagnosen eine Commotio cerebri, eine HWS-Distorsion sowie Kontusionen der Schulter links, der LWS, des
Sakrums
sowie der proximalen Fibula beidseits aufgeführt. Die am Unfalltag durchgeführten bildgebenden Abklärungen (
Trau
maspirale
) hätten keine interzerebrale Blutung, keine
ossären
Läsionen, keine freie Flüssigkeit, keine Organläsion, keinen Pneumot
h
orax und keinen
Perikar
derguss
ergeben. Die engmaschige neurologische Überwachung während des stationären Aufenthaltes über 24 Stunden habe keine Auffälligkeiten gezeigt. Der Beschwerdeführerin sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 2
9.
Januar bis
5.
Februar
2011
attestiert
worden (
Urk.
9/4-5
).
3.2
Hausarzt
Dr.
med.
E._
, FMH Allgemeine Medizin,
nannte in seinem ärztlichen Zwischenbericht vom 1
7.
April 2011 ein persistierendes
Lumbovertebralsyn
drom
am
thorakolumbalen
Übergang bei Status nach ausgeprägter Kontu
sion/Distorsion am 2
9.
Januar 2011 sowie eine
Periarthropathia
humerosca
pularis
(PHS) links. Die Beschwerdeführerin klage hauptsächlich über ein thora
kales Brennen in Ruhe, Schmerzen beim Einatmen sowie Kopfschmerzen.
Die Wiederaufnahme der Arbeit zu 50
%
sei vorgesehen auf Mai 2011 (
Urk.
9/37; vgl.
Urk.
9/39).
3.3
Der behandelnde Rheumatologe
Dr.
med.
F._
, FMH für Rheumatologie und Rehabilitation,
diagnostizierte im ärztlichen Zwischenbericht vom 2
1.
April 2011 ein traumatisches
thorakolumbospondylogenes
Syndrom nach
schwerem Verkehrsunfall am 29.
Januar 2011 sowie eine posttraumatische PHS links. Die Wiederaufnahme der Arbeit sei vorgesehen auf Mitte Mai (
Urk.
9/40).
3.4
Dr.
A._
hielt in ihrem Bericht an
die Beschwerdegegnerin vom 30.
Juni 2011
(
Urk.
9/56)
fest,
laut den Angaben der Beschwerdeführerin sei es in den vergangenen fünf Monaten insgesamt zu einer Verbesserung gekommen, es bestünden jedoch nach wie vor erhebliche Schmerzen mit Maximum im Bereich der linken Schulter und im Kreuz, weniger im Bericht der HWS. Diag
nostisch sei bei der Beschwerdeführerin von einem Distorsionstrauma der HWS auszugehen. Gleichzeitig sei es wohl auch zu einer Beteiligung der linken Schulter gekommen, indem aller Wahrscheinlichkeit nach eine
Weichteilverlet
zung
aufgetreten sei. Insgesamt müsse davon ausgegangen werden, dass derzeit wohl die Beschwerden im Bereich der Schulter und die damit im Zusammen
hang stehende
leichte Behinderung den Hauptanteil in Bezug
auf die Arbeits
unfähigkeit einnä
hmen. Diesbezüglich komme eine intensive physikalische Behandlung in Frage,
allenfalls auch eine Infiltration
.
Mit einer partiellen
Arbeitsaufnahme von 50
%
wäre dann spätestens anfangs Juli 2011 zu rechnen, mit einer vollständigen
voraussichtlich
einen Monat später (
Urk.
9/56).
3.5
Im Bericht an
Dr.
F._
vom 1
6.
August 2011 hielt
Dr.
E._
fest, die Beschwer
deführerin habe
am 2
5.
Juli 2011
die Arbeit zu 50
%
wieder gestartet, habe aber nach wenigen Tagen erklärt, dass es mit der Schulter links nicht gehe
. Diese stehe absolut im Vordergrund. Den Rücken habe sie nicht mehr erwähnt. Er denke, dass die Situation langsam kritisch werde wegen des Arbeitsplatzes. Er hätte bereits früh am 2
0.
April 2011 die Schulter infiltriert mit dem Ergebnis, dass die Schmerzen über fünf Tage zugenommen hätten. Die Beschwerdeführe
rin sei weiterhin auf Opiatpflaster angewiesen. Er habe sie informiert, dass die Schulter keine strukturelle Verletzung aufweise, welche die Prognose ver
schlechtere
,
und sie insgesamt gute Aussichten habe (
Urk.
9/64).
3.6
Dr.
F._
führte in seinem Schreiben an die Rheumaklinik des
Spital
s
I._
vom 2
5.
August 2011 als Diagnosen eine therapieresistente posttraumati
sche PHS links ohne grosse Läsionen im MRI, ein posttraumatisches
zerviko
- und
lumbospondylogenes
Syndrom im Abklingen sowie einen Status nach Auffahrtsunfall vom 2
9.
Januar 2011 an. Die Beschwerdeführer
in
habe anfäng
lich vor allem
unter
zervikospondylogenen
und
lumbospondylogenen
Schmer
zen gelitten. In letzter Zeit klage sie nur noch über Schulterschmerzen links bei geringen Befunden im MRI. Die ambulante Behandlung der Beschwerdeführerin sei schwierig, sie spreche nur portugiesisch und schlecht spanisch. Zudem erscheine sie nicht regelmässig in der Physiotherapie. Sie habe bis jetzt ihre Tätigkeit als Reinigungsfrau nicht voll aufnehmen können. Es bestünden auch soziale Belastung
en mit zwei Töchtern, welche sie
nicht alleine zu Hause lassen möchte. Trotzdem scheine ihm hier eine intensive Behandlung unter stationärer Beobachtung angezeigt zu sein. Das Ziel sei, nach drei Wochen eine Arbeitsfä
higkeit von 50
%
als Reinigungsfrau zu erreichen. Diese sollte später gesteigert werden können, da die B
e
schwerdeführerin Rechtshänderin
sei und die zervika
len und lumbalen Beschwerden scheinbar abgeklungen seien (
Urk.
9/67).
3.7
Am
3.
September 2011 berichtete
Dr.
E._
der Beschwerdegegnerin, anlässlich des Arbeitseinstiegs ab dem 2
5.
Juli 2011 habe sich die Beschwerdeführer
in
zwar vom Rücken her erfreulicherweise
genügend
stabil gezeigt. Wie bereits
Dr.
A._
bemerkt habe, liege die Schwachstelle aktuell jedoch noch bei
der linken Schulter. Wegen dieser habe die Beschwerdeführerin ab
dem
3.
August 2011 wieder krank
geschrieben werden müssen. Da strukturell
an der Schulter relativ geringe Schäden vorlägen, sei weiterhin von einer günstigen langfristigen Prognose auszugehen (
Urk.
9/70).
3.8
Die Ärzte der
Rheumaklinik des
Spital
s
I._
führten in ihrem Bericht
vom 1
9.
September 2011 betreffend die dortige
Hospitalisation
der Beschwer
deführerin vom
6.
bis 1
9.
September
2011 als Diagnosen
ein
chronifiziertes
zer
vikospondylogenes
Schmerzsyndrom
links
, ein
lumbovertebrales
Schmerzsyn
drom
,
perimenopausale
Blutungsstörungen im Sinne einer Menorrhagie bei Verdacht auf hormonelle Dysfunktion sowie eine
leichtgradige
PHS der linken
Schulter an
. Sie hätten eine ausgebaute Analgesie inklusive Opiaten und
multi
modaler
Physiotherapie eingeleitet. Bei Beschwerdepersistenz unter ausgedehn
ter
konservativer Therapie hätten
sie die Verdachtsdiagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung und die Indikation für einen stationären
Rehabilitationsaufent
halt
in einer spezialisierten Schmerzklinik
gestellt
(
Urk.
9/81; vgl.
Urk.
9/97).
3.9
Am
2.
November 2011 berichtete
Dr.
F._
dem Rechtsvertreter der
Beschwer
-
de
führerin
, diese habe anlässlich der letzten Untersuchung vom 1.
November 2011 vor allem über persistierende massive Schulterbeschwerden links mit Nachtschmerzen und Schmerzen bei geringster Belastung geklagt. Daneben klage sie über
thorakospondylogene
Beschwerden (mittlere
Brustwir
belsäule
) sowie relativ geringe HWS-Beschwerden und
lumbospondylogene
Beschwerden.
Vor allem wegen der Schulterbeschwerden links bleibe die Beschwerdeführerin für Reinigungsarbeiten nach wie vor zu 100 % arbeitsunfä
hig (
Urk.
9/102).
3.10
Dr.
A._
hielt in ihrer Aktenbeurteilung vom 2
1.
November 2011 unter Bezugnahme auf die seit ihrer letzten Beurteilung vom 3
0.
Juni 2011 neu auf
liegenden Arztberichte zusammenfassend fest, aus neurologischer Sicht mit den völlig unauffälligen klinischen,
elektrophysiologischen
und radiologischen Befunden sei der Zusammenhang der jetzigen Beschwerden mit dem Unfall nicht mehr mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit gegeben. Die psychischen Faktoren, die im Zusammenhang mit einer Schmerzverarbeitungsstörung seien, seien nicht unfallbedingt. Andere unfallunabhängige Faktoren dürften zur Genese dieser Störung beigetragen haben (
Urk.
9/109).
3.11
Dr.
med.
C._
, beratender Arzt der AXA
Winterthur Versicherungen
, wies in seiner Stellungnahme vom
1
5.
Dezember 2012 vorab darauf hin, dass es sich beim Unfall vom 2
9.
Januar 2011 um ein heftiges Ereignis gehandelt habe, bei welchem der Körper der Beschwerdeführerin mit Sicherheit erheblich durchge
schüttelt worden sei, weshalb muskuläre, primär schmerzhafte Zerrungen der Muskulatur vor allem im Wirbelsäulenbereich durchaus nachvollziehbar seien. Dabei handle es sich aber um eine Verletzungsart, die erfahrungsgemäss innert drei bis maximal sechs Monaten abheile. Im Vordergrund stehe heu
te weder die zervikale noch eine
lumbale Symptomatik, sondern eine Schmerzsituation des linken Schultergelenkes. Diesbezüglich sei eine
Arthro
-MRI-Untersuchung
erfolgt, welche bei engem
Subacromialraum
eine
Tendinose
der
Supraspinatus
sehne
mit multiplen oberflächlichen, kleinen Partialrupturen gezeigt habe. Dabei handle es sich mit Sicherheit nicht um eine Unfallfolge, sondern um ein degeneratives Geschehen mit
Impingement
bedingter Aufrauhung der
bursasei
tigen
Oberfläche der
Supraspinatussehne
.
Beim Unfall sei es zu einer Traumati
sierung einer möglicherweise bis anhin asym
p
tomatischen degenerativen Situa
tion am Schultergelenk gekommen. Die erhobenen Befunde zeigten keine strukturelle Schädigungen, die mit dem Unfall vereinbar wären. Somit vermöge eine momentane Überlastung des Schultergelenkes auslösender Faktor für die nachfolgende und jetzt im Vordergrund stehende Einschränkung des Schulter
gelenkes sein. Der unfallkausale Anteil sei aber zwischenzeitlich sicher ausge
heilt. Eine richtunggebende Verschlimmerung liege nicht vor. Da der Unfall als auslösendes Moment zu betrachten sei und sich Unfallfolgen und Vorzustand negativ beeinflussten, sei die Abheilung der Unfallfolgen verzögert, so dass nach sechs bis neun Monaten diesbezüglich von einem
Status quo sine auszu
gehen
und somit die danach noch bestehende Arbeitsunfähigkeit unfallkausal nicht mehr ausgewiesen sei.
Man gewinne aufgrund der Aktenlage den Ein
druck, dass sich die primär durchaus nachvollziehbaren Schmerzen verselbstän
digt hätten und zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einer
somatoformen
Schmerzverarbeitungsstörung auszugehen sei, die nicht mehr mit dem Unfall in Zusammenhang zu stellen sei
(
Urk.
9/131).
3.12
Die Ärzte der Rheumapoliklinik des
Spitals Z._
erhoben im Bericht an
Dr.
E._
vom
1.
März 2012 eine PHS links seit Auffahrunfall vom Januar 2011 sowie ein
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom. Die Zuweisung sei zur rheumatologischen Drittmeinung bei einer PHS links seit dem Auffahrunfall vom Januar 2011 erfolgt. Zusammenfassend gingen sie in der Beurteilung der Symptome und Befunde mit den Vorberichten aus dem
I._
-Spital einig und beurteilten die Beschwerden als PHS links mit einer Tendenz zur
Chronifizierung
. Die bisher getätigten Untersuchungen seien umfangreich und ihrer Ansicht nach vollstän
dig. Sie wiesen nicht auf eine strukturelle Läsion hin, welche die Beschwerden ausreichend erklären würden (
Urk.
9/165).
3.13
Im Gutachten des
D._
vom
4.
April 2013
(
Urk.
9/211)
wurden als Diagnosen (1) ein Status nach Unfall mit
c
ranioc
ervical
em
Beschleunigungstrauma am 29.
Januar 2011 mit nur fraglich verzögert aufgetretener Irritation in C8 links, ohne Nachweis einer Läsion, sowie mit leichter traumatischer Hirnschädigung, (2) eine
Periarthropathia
humeroscapularis
links mit
Impingement
, (3) kleinere oberflächliche Partialrupturen der
Supraspinatussehne
links und eher enger
Subacro
mialraum
gemäss
Arthro
MRI vom Mai 2011
, (4) eine muskuläre
Dys
balance
am Schultergürtel links mehr als rechts, (5) unspezifische Kreuzschmer
zen, (6) eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), (7) chronisches Spannungskopfweh, (8) ein Status nach zweimaliger
Pyelonephritis
links (2011), (9) anamnestisch
Refluxösopha
gitis
mit Status nach HP-
Eradikationstherapie
, seit fünf Jahren beschwerdefrei, (10) Entfernung einer Ovarialzyste rechts 2009, (11) eine arterielle Hypertonie anamnestisch sowie (12) ein
Nikotinabusus
angeführt (
Urk.
9/211 S. 42 und
S.
43).
Die subjektiven Beschwerden könnten teilweise objektiviert werden. Klinisch bestünden Zeichen von
periarthropathischen
Schulterbeschwerden links mit
Impingement
. Zudem finde sich ein Hypertonus der Schultergürtelmuskulatur betont im Bereich des
Trapezius
beidseits, aber nur links
druckdolent
. Die
Tro
phik
an den Armen sei physiologisch. Die durchgeführten bildgebenden Abklä
rungen hätten keine relevanten Veränderungen dokumentiert. In der
Arthro
-MRT-Unters
uchung vom 2
7.
Mai 2011 hätten
sich kleinere oberflächliche
Parti
alrupturen
der
Supraspinatussehne
sowie ein eher enger
Subacromialraum
dar
gestellt
. Objektivierbar sei ferner im psychischen Bereich eine affektive Beein
tr
ächtigung (
Urk.
9/211 S. 41).
Für die Beschwerden an der linken Schulter bestünden keine entsprechend morphologisch nachweisbaren Korrelate. Es handle sich hierbei um klinische Untersuchungsbefunde, die aber entsprechend den anamnestischen Angaben durchaus eine Korrelation aufwiesen. In Über
einstimmung mit der Aktenlage würden die geringen Veränderungen an der
Supraspinatussehne
links in der kernspintomographischen Abklärung als
nicht unfallbedingt beurteilt
(
Urk.
9/211 S. 42).
Es liege eine psychische Fehlverarbeitung vor. Diese habe sich kontinuierlich ab Unfalldatum abgezeichnet.
Die Mechanismen, welche zu dieser psychischen Fehlverarbeitung geführt hätten, lägen im Werteverlust der Beschwerdeführ
erin begründet (
Urk.
9/211 S. 46
).
Das heute bestehende psychische Beschwerdebild sei für die Aufrechterhaltung der heute noch
g
e
klagten Beschwerden
mit
ver
antwortlich. Die weichteilrheumatisch-begründbaren Beschwerden seien auch heute noch nachweisbar. Sie seien mit dem psychischen Beschwerdebild verwo
ben und hätten sich insgesamt seit dem Ereignis vom 2
9.
Januar 2011 nicht wesentlich verändert (muskulärer Hartspann etc.). Die
jetzige
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Reinigungsfachkraft sei aufgrund der aktuell
noch
vorhandenen, teilweise auf den Unfall zurückzu
führenden
myofaszialen
Befunde nicht beeinträchtigt. Aufgrund des mittelbar als Folge des Unfalles bestehenden
psychischen Leidens sei
die Beschwerdefüh
rerin in ihrem Rendement zu 20
%
eingeschränkt (
Urk.
9/211 S. 46 und S. 47).
Die initial von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und die initial erhobenen weichteilrheumatischen Befunde seien geeignet, eine vollschichtige Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Im Verlauf hätten sich diese Beschwerden einerseit
s gebessert, anderseits fänden s
ich keine weiteren Hinweise, welche auf unfallbedingte organisch nachweisbare Befunde hinwiesen, vielmehr hätten die
myofaszia
len
Befunde persistiert. Diese seien im weiteren V
erlauf auch nicht mehr deutlich von allfälligen psychogenen Beschwerden getrennt
, so dass nach Aktenla
ge zum Verlauf der rein unf
allbedingten Beschwerden keine
sicheren Angaben gemacht werden könnten. Nach allgemeiner Erfahrung wäre spätes
tens nach sechs Monaten mit einer vollschichtigen Wiederaufnahme der ange
stammten Tätigkeit zu rechnen gewesen, hätte sich das mittelbar als Folge des Unfalles sich einstellende dysfunktionale Verarbeitungsmuster bei der Beschwerdeführerin nicht entwickelt. Deshalb sei
ihr
eine sechsmonatige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Daran anschliessend bestünden bis dato nur mittelbar auf das Unfallereignis zurückzuführende Beeinträchtigungen des Ren
dements um 20
%
(
Urk.
9/211 S. 48)
.
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten des
D._
vom
4.
April 2013 basiert auf den erfor
derlichen allseitigen fachärztlichen Untersuchungen (internistisch, rheu
matologisch, neurologisch und psychiatrisch) und wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben. Die Gutachter
haben detaillierte Befunde erho
ben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge grundsätzlich einleuc
htend dargelegt
. Insoweit erfüllt das
D._
-Gutachten die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Es steht fest und ist
unbestritten, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 2
9.
Januar 2011 eine Commotio cerebri
(ohne Bewusstlosigkeit und Amnesie)
, eine HWS-Distorsion sowie Kontusionen der Schulter links, der LWS, des
Sak
rums
sowie der proximalen Fibula erlitt
(
Urk.
9/1-5).
4.3
Wie die Beschwerdegegnerin zu
treffend erwog
, haben die Gutachter des
D._
– in Übereinstimmung mit den Vorakten – keine
organisch objektiv ausgewiese
nen Unfallfolge
n
im Sin
ne der Rechtsprechung (vgl. E. 2.3.1
)
erhoben
. So ergab das am Unfalltag durchgeführte CT von HWS, Thorax und Abdomen keine Hinweise auf traumatische Organ- oder Weichteilläsionen oder auf frische traumatische Läsionen der abgebildeten
ossären
Strukturen (
Urk.
9/3). Das CT
des
Neurokraniums
zeigte keine interzerebrale Blutung (ICB) und war auch sonst unauffällig (
Urk.
9/4-5). In den ebenfalls am Unfalltag durchgeführten Röntgenuntersuchungen der Schulter links fanden sich eine unauffällige Dar
stellung der
ossären
Strukturen und angrenzenden Weichteile sowie regelrechte Artikulationen (
Urk.
9/3). Die MR-
Arthrographie
der
linke
n
Schulter vom 2
7.
Mai 2011 (
Urk.
9/46)
zeigte
bei engem
Subacromialraum
eine leichte ansatznahe
Tendinopathie
der
Supraspinatussehne
ohne signifikante
trans
murale
Rissbildung mit
möglichen
kleine
re
n
oberflächlichen
Partialrupturen
auf der
bursalen
Seite.
Dr.
C._
legte aber
in seiner Stellungnahme vom 15.
Dezember 2011 überzeugend dar, dass
es sich bei diesen
Befunden nicht um eine Unfallfolge,
sondern um ein degeneratives Geschehen
handle
(vgl. E. 3.11
), was denn von den Gutachtern des
D._
auch bestätigt wurde
(Urk.
9/211 S. 42). Auch die weiteren Folgeuntersuchungen (Röntgen und MRI der HWS [Septem
ber 2011,
Urk.
9/72-73],
Elektromyoneurographie
[ENMG; September 2011,
Urk.
79], MRI der LWS [Juni 2011,
Urk.
9/55], Röntgen Thorax vom
7.
Februar 2012 [
Urk.
9/153]) wiesen nicht auf eine unfallbedingte strukturelle Läsion hin (vgl.
Urk.
9/165). Insbesondere konnte auch eine relevante C7- und C8-Läsion sowie eine
Armplexusläsion
ausgeschlossen werden (
Urk.
9/211 S.
2
7).
Die Einwendungen der
Beschwerdeführerin vermögen nicht zu einem anderen Ergebnis zu führen. Wohl hielten die Gutachter fest, dass die subjektiven Beschwerden teilweise objektivierbar seien (klinische Zeichen von
periarthro
pathischen
Schulterbeschwerden links mit
Impingement
, Hypertonus der Schultergürtelmuskulatur betont im Bereich des
Trapezius
beidseits, aber nur links
druckdolent
(
Urk.
9/211 S. 41
Ziff.
6.1.3).
Myofasziale
und
tendinotische
bzw.
myotendinotische
Befunde sind
aber
für sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen
zu betrachten. Auch Verh
ärtungen und Verspannu
ngen der Muskulatur,
Druckdolenz
en
im Nacken oder
Einschränkun
gen der HWS-Beweglic
hkeit könn
en für sich allein nicht als klar ausgewiesenes organisches Substrat von Beschwerden qualifiziert werden
(
vgl.
Urteil
e
des Bundesgerichtes 8C_310/2011 vom
5.
September 2011 E. 4.1
mit Hinweisen; bezüglich
myofaszialen
Schulterbeschwerden vgl. auch Urteil des Bundesge
richtes 8C_232/2012 vom 2
7.
September 2012 E. 6.2)
,
worauf denn die Gutach
ter des
D._
auch ausdrücklich hinwiesen (
Urk.
9/211 S.
43
Ziff.
6.1.5).
Fehlt e
s mithin an einer organisch objektiv
ausgewiesenen Unfallfolge, hat recht
sprechungsgemäss eine besondere Adäqua
nzprüfung zu erfolgen (vgl.
E. 2.3.2
).
4.4
4.4.1
Die Beschwerdegegnerin geht – gestützt auf das
D._
-Gutachten – davon aus,
dass die
Folgen
der HWS-Distorsion
sowie der Commotio cerebri
spätestens nach sechs Monaten wieder abgeheilt und nicht dominant gewesen seien. Im Vordergrund hätten von Anfang an Beschwerden in der
– anlässlich des Unfal
les vom 2
9.
Januar 2011 ebenfalls verletzten -
linken Schulter gestanden,
wel
che nicht zum typischen Beschwerdebild nach einer HWS-Distorsion
zählten (
Urk.
2 S. 10).
Laut der gutachterlichen Beurteilung seien die Beschwerden sechs Monate nach dem Unfall
nurmehr
psychischer Natur gewe
sen (
Urk.
2 S. 9). Dementsprechend nahm sie die Adäquanzprüfung
- primär - nach der
Recht
sprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133)
vor
(
Urk.
2 S. 9 f.). Die Beschwerdeführerin vertritt demgegenüber die Auffassung, die
Adäquanz
prüfung
habe nach der Schleudertrauma-Praxis zu erfolgen (
Urk.
1
S.
6 f.).
4.4.2
Praxisgemäss ist in Fällen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden ausgeprägten psychi
schen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, die Beurteilung unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall vorzuneh
men
(BGE 123 V 98 E. 2a; BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
)
. Sofern nicht von einem vielschichtigen somatisch-psychischen Beschwerdebild gesprochen werden kann, das einer Differenzierung kaum zugänglich ist, ist die Prüfung der adä
quaten Kausalität unter dem
Gesichtspunkt einer Fehlentwicklung nach Unfall gemäss BGE 115 V 133 vorzunehmen, das heisst, psychische Komponenten bleiben bei der Beurteilung und Gewichtung der einzelnen Kriterien unberück
sichtigt. Dieses Vorgehen greift Platz, wenn die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu der davon zu unterscheidenden ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, wenn also die
schleudertraumaspezifischen
Beschwerden im Verlauf der Ent
wicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine unter
geordnete Rolle gespielt haben. Mit anderen Worten gelangt auch nach einer Distorsion der HWS die Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen zur Anwendung, sofern die im Anschluss an die Unfall aufgetretenen psychischen Störungen als selbständige Gesundheitsschädigung zu qualifizieren sind, die insofern sekundären Charakter trägt, als sie sich von
(Langzeit-)Symptomen der beim Unfall erlittenen Distorsion der Halswirbelsäule
unterscheidet (Urteil des Bundesgerichtes 8C_416/2011 vom
9.
November 2011 mit Hinweisen).
4.5
4.5.1
Laut den Vorakten klagte die Beschwerdeführerin n
ach dem Unfall vom 29.
J
anuar 201
1
kurzfristig über Doppelbilder mit einhergehendem Schwindel
,
über leichte Kopfschmerze
n, initial vermehrte Müdigkeit sowie über
Schmerzen im Bereich des Brustbeins, der HWS, der LWS, des
Sakrums
, der linke
n Schulter und am Unterschenkel
; Bewusstlosigkeit und Amnesie wurden von ihr verneint
(
Urk.
9/5).
4.5.2
D
ie
Beschwerden im Bereich der LWS
, des Brustbeins, des
Sakrums
und am Unterschenkel
sind
auf die am 2
9.
Januar 2011 - nebst dem HWS-Trauma und der Commotio cerebri – erlittenen
Kontusionen zurückzuführen
; sie gehören
nicht
zu den
typischen Beschwerde
n
nach einem HWS-Trauma
(vgl. E. 2.3.3
).
Ebenso verhält es sich
bei den Schulterbeschwerden,
zumal
aufgrund der getä
tigten umfassenden Abklärungen keine von der HWS ausgehenden neurologi
schen Störungen
im linken Arm
objektiviert werden
konnten
(Urk.
9/211 S. 27 und S. 28
; vgl. auch
Urk.
9/109
)
.
Da es sich bei all diesen Beschwerden
nicht
um organisch objektiv nachgewie
sene Unfallfolgen handelt,
ist insoweit die
Adäquanz
jedenfalls nach der
Psycho-P
raxis
(BGE 115 V 133) zu prüfen
(vgl. E. 2.3.2
)
.
4.5.3
Die
initial geklagten
Kopf
- und HWS-Beschwerden
sowie Müdigkeit
gehören
zwar
zu
den typischen Beeinträchtigungen
nach einer
HWS-Distorsion
.
Diese Beschwerden waren jedoch
gemäss den medizinischen Vorakten
im weiteren Verlauf
im Vergleich zu den Schulterbeschwerden eindeutig
von untergeordne
ter Bedeutung.
So
wurden Kopf- und HWS-Beschwerden sowie Müdigkeit
in den Berichten
von
Dr.
E._
und
Dr.
F._
vom
1
7.
r
esp. 2
1.
April 2011 gar
nicht aufgeführt
(vgl. E. 3.2 und E. 3.3)
. In
deren
Berichten von August und September 2011
wurden sodann, wenn überhaupt,
- nebst Schulterschmerzen -
lediglich HWS-Beschwerden erwähnt
.
Dr.
F._
mass diesen
anfangs November 2011
jedoch
ausdrücklich
keinen massgeblichen
Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin in angestammter Tätigkeit
-
mehr
–
bei
(
E. 3.9; vgl. auch
E. 3.7
)
.
Auch in den aktenkundigen Folgeberichten
(vgl.
Berichte von
Dr.
E._
vom 3
0.
Januar 2012,
Urk.
9/141
,
und vom
6.
Februar 2012,
Urk.
9/152
, sowie ferner den Bericht der
Klinik G._
vom 2
6.
März 2014,
Urk.
9/220
)
bildeten d
iese kein Thema mehr.
4.5.4
Hinsichtlich des
psychischen Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin
hielt
d
er psychiatrische Gutachter des
D._
im Rahmen seiner
Beurteilung im Wesentlichen fest
, mit dem Unfallereignis vom 2
9.
Januar 2011 und der sich daran anschliessenden somatisch begründbaren Heilphase, welche mit Schmerz
haftigkeit verbunden gewesen sei, habe bei der Beschwerdeführerin eine ver
hängnisvolle Entwicklung eingesetzt, indem die Selbstbestimmtheit, welche für
sie zuvor von wesentlicher Bedeutung gewesen sei, nicht mehr im früher geleb
ten Ausmass möglich gewesen sei. Es habe sich bei ihr rasch eine psychogene Überlagerung entwickelt, seines Erachtens einerseits als Ausdruck einer psycho
physischen Dekompensation, vor allem aber auch im Sinne eines
dysfunktio
nellen
Verhaltens bei initial somatisch begründbarer Schmerz
-
haftigkeit.
Davo
n ausgehend, dass initial
eine somatische (Weichteil-)Verletzung im Bereich der Schulter wohl vorgelegen habe, sei diese mit zunehmender Dauer wohl wesent
lich aufgrund der dann einsetzenden Schonung sekundär
chronifiziert
. Es habe sich zunehmend ein dysfunktionales Muster entwickelt.
Er stelle deshalb die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, da seines Erachtens die prämorbiden Persönlichkeitszüge der Beschwerdeführerin für die deutlich erschwerte Schmerzbewältigung mindestens teilweise mitverantwortlich seien. Darüber hinaus müsse darauf hingewiesen werden, dass heute ein durchaus relevantes affektives (depressives) Leiden vor
liege, welches den
Zirkulus
vitiosus
zwischen dysfunktionalem Verhalten, Schmerzverstärkung und affektivem Leiden unte
rstütze (
Urk.
9/44 S. 37 und S.
38).
D
iese Feststellungen lassen darauf schliessen, dass
es – unabhängig von der Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin beim Unfallereignis vom 2
9.
Januar 2011 (auch) eine HWS-Distorsionsverletzung zugezogen hat – im Anschluss an den Unfall
zu einer
psychischen
Fehlverarbeitu
ng der Unfallfolgen in Form einer
– eigenständigen -
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
gekommen ist
.
Davon gehen – nebst den Gutachtern – nicht nur
Dr.
H._
sowie
Dr.
A._
(vgl. E. 3.10 und E. 3.11)
, sondern
offenbar auch die Ärzte des
Spital
s
I._
aus (vgl. E.
3.
8
).
Was die vom psychia
t
rischen Gutachter überdies festgestellten depressiven Symptome (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) betrifft,
ist vorab festzuhalten, dass
in den Vorakten erstmals
und einzig
am
5.
Dezember 2011 (
Bericht von
Dr.
E._
an den Rechtsvertreter der Beschwerde
,
Urk.
9/125)
von der Entwicklung einer
depressiven Episode die Rede war
. Auf Nachfrage des p
sychiatrischen Gutachters äusserte
Dr.
E._
am 28.
November 2012
, die Beschwerdeführerin habe
insbesondere ein Jahr zuvor eine schlechte Phase durchgemacht.
Sie
habe einen wesentlichen Teil ihrer Identität auch aus ihrer Arbeit bezogen. Nachdem die Anstellungen gekündigt worden seien
– die
Kün
digungen der
Y._
AG sowie der
J._
AG erfolgten
am
1
4.
resp. 2
0.
September 2011 per 3
0.
November 2011 (
Urk.
9/78
und
Urk.
9/139)
- se
i es für sie schwierig gewesen
(
Urk.
9/44 S. 28 und S. 29)
.
Auch
für die depressive Symptomatik
zeichnet
demnach überwiegend wahrscheinlich
nicht der Umstand verantwortlich, dass
die Beschwerdeführerin (auch) eine
HWS-Distorsion erlitt
en hat
.
Vielmehr dürfte die depressive Symptomatik massgeblich auf unfallfremde psychosoziale Faktoren
(Stellenverlust)
zurückzuführen sein.
Hinzu kommt, dass der psychiatrische Gutachter zwar eine
verminderte Vitalität sowie einen etwas verminderten Antrieb
erhob
.
Konzentrations- und Gedächt
nisstörungen
, welche erfahrungsgemäss nach einer HWS-Distorsion auftreten können,
wurden vom psychiatrischen Gutachter
hingegen
ausdrücklich verneint
(
Urk.
9/211 S. 34)
. Solche
– zum typischen Beschwerdebild
nach einem
Schleu
dertrauma
der HWS
gehörenden
(vgl. E. 2.2.3)
– Störungen
ergeben sich auch nicht aus den Vorakten, ebenso wenig eine allfällige Wesensveränderung.
4.5.5
Es ergibt sich somit, dass
die zum
typischen
Beschwerdebild einer HWS-Distor
sion gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise g
e
geben waren
, wobei es sich dabei insbesondere um somatische Beschwerden (Kopf-
und HWS-B
eschwerden) handelt
e.
Von den weiteren zum typischen Beschwerd
ebild nach einem Schleudertrauma
gehörenden Beeinträchtigungen
(vgl. BGE 117 V 359
E.
4b)
wurde – erst rund zehn Monate nach dem Unfall -
einzig
eine depressive Symptomatik erwähnt, welche nach dem Gesagten aber
überwiegend wahr
scheinlich
nicht dem
Schleudertrauma zuzuordnen ist
.
Unter diesen Umständen kann
nicht von einem
einer Differenzierung kaum zugänglichen, somati
sch-psychischen Beschwerdebild
im Sinn
e
der Schleudertrauma-Rechtsprechung
gesprochen werden kann
. Ausserdem
spielten
die Kopf- und HWS-Beschwerden
im
Verlauf der Entwicklung seit dem
Unfall vom 29.
Januar 2011 bis zum
Fall
abschlusses
(Ende November 2011) gesamthaft
nur eine untergeordnete Rolle
.
4.6
Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Adäquanzprüfung
– primär -
nach der Psychopraxis vorgenommen hat
(vgl. E. 4.2.2
)
.
5.
5.1
D
er Zeitpunkt des allfälligen Fallabschlusses - und damit der in diesem Zusam
menhang gegebenenfalls vorzunehmenden Adäquanzprüfung - ist
dann gege
ben,
wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Bes
serung des - unfallbedingt beeinträchtigten - Gesundheitszustands mehr
erwartet werden kann
und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversiche
rung abgeschlossen sind
(
Art.
19
Abs.
1 UVG)
.
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwarten
den Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Begriffes „
namhaft" in Art.
19 Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmäs
sige) Heilbehandlung im Sinne von Art.
10 Abs.
1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss.
Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (vgl. statt vieler Urteil des Bund
esgerichtes 8C_124/2014 vom 14.
November 2014 E. 6.1 mit Hinweisen).
5.2
Bei Anwendung der Psychopraxis ist die Prüfung der Adäquanz in jenem Zeit
punkt vorzunehmen, in dem von der Fortsetzung der auf die somatischen Beschwerden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesge
richtes 8C_295/2013 vom 2
5.
September 2013 E. 3.1 mit Hinweisen).
Aufgrund der
Feststellungen der Gutachter des
D._
sowie insbesondere auch von
Dr.
C._
kann
ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass
in Bezug auf
die
- nicht organisch objektiv nachgewiesenen –
somatischen
Beschwerden
spätestens neun Monate nach dem Unfall vom 2
9.
Januar 2011
, also Ende Oktober 2011,
der Status quo sine
vel
ante
erreicht und der Beschwerdef
ührerin aus organischer Sicht die
angestammte Tätigkeit vollumfänglich zumutbar war; einschränkend wirkte sich
spätestens ab Ende Oktober 2011
ausschliesslich die psychiatrische Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren aus.
Dass im Zeitpunkt des Fallabschlusses per 30. November 2011
IV-Eingliederungsmassnahmen
zur Diskussion standen, wurde nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich. Der Fallabschluss
per Ende November 2011
war demnach rechtens (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_765/2014 vom
9.
Februar 2015 E. 9 mit Hinweisen).
6.
6.1
6.1.1
Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung bildet das (objektiv erfassbare)
Unfaller
eignis
. Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige
Geschehnisablauf
mit den sich dabei entwickelnden Kräften (
statt vieler:
Urteil des Bundesgerichtes
8C_655/2010 vom 1
5.
November 2010 E. 4.1 mit Hinweisen).
Eine unfallanalytische oder biomechanische Analyse vermag allenfalls gewichtige Anhaltspunkte zur – einzig mit Blick auf die
Adäquanz
prüfung
relevanten - Schwere des Unfallereignisses zu liefern; sie bildet jedoch für sich allein in keinem Fall eine hinreichende Grundlage für die
Kausalitäts
beurteilung
(Urteil des Bundesgerichtes 8C_897/2008 vom 3
1.
März 2009 E. 5.1 mit Hinweisen).
6.1.2
Gemäss Polizeirapport
der Stadtpolizei Zürich ereignete sich das fragliche
Unfall
ereignis
vom 2
9.
Januar 2011 um ca. 13 Uhr bei bedeckter Witterung und
auf trockenem
Asphaltbelag
. Der Lenker eines
Sattelmotorfahrzeug
es
der Marke Mercedes
lenkte dieses
von der
Hardbrücke
über die
Hardturm
-Rampe auf die
Hardturmstras
se
. Kurz nach der Abfahrt wurde
dem Lenker des
Sattelmotorfahr
zeuges
schwarz vor Augen. Er versuchte, das Sattelmoto
r
fahrzeug anzuhalten, kollidierte jedoch mit dem Personenwagen der Marke VW
Touran
,
welcher vom Ehemann der Beschwerdeführerin gelenkt wurde und
in welchem diese
als Bei
fahrerin sass.
Der VW
wurde in einen Personenwagen der Marke BMW gescho
ben, welcher vor dem
VW
an einer Lichtsignalanlage stand
(
Urk.
11 S. 7)
.
Die Front des Sattelmotorfahrzeuges
und das Heck des BMW
wurde
n
eingedrückt. Front und Heck des VW
To
uran
wurden massiv eingedrückt
(
Urk.
11 S. 3-6 und
Urk.
3/3
).
Gemäss dem u
nfallanalytischen Kurzgutachten der AXA Winterthur
vom
5.
Mai 2011
erfu
hr der VW
durch den Heckaufprall eine kollisionsbedingte
Geschwin
digkeitsänderung
(Delta-v) von ca. 27 bis 35 km/h. Die VW-Insassen bewegten sich info
lge dieser ersten Kollision initial in einem Winkel von ca. 0° (zur
Fahr
zeuglängsachse
) nach hinten.
Beim Aufprall auf den BMW betrug die
kollisi
onsbedingte
Geschwindigkeitsänderung ca. 14 bis 19 km/h.
Die Insassen des VW bewegten sich infolge dieser zweiten Kollision in einem Winkel von ca. 0° (zur Fahrzeuglängsachse) nach vorne (
Urk.
3/4).
6.1.3
Die Beschwerdegegnerin hat das Unfallereignis vom 2
9.
Januar 2011 als mittel
schweren Unfall im engeren Sinn eingestuft. Entgegen der von der Beschwer
deführerin offenba
r vert
retenen Auffassung (
Urk.
1 S. 8
) ist diese Beurteilung nach Lage der Akten und
mit Blick auf die Kasuistik
bei einfachen
Auffahrkol
lisionen
, einschliesslich Doppelkollisionen mit primärer Heckkollision
und sekundärer Frontalkollision (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_304/2008 vom
1.
April 2009 E. 5.1 mit Hinweisen)
nicht zu beanstanden.
Speziell zu erwähnen ist das Urteil des Bundesgerichtes 8C_633/2007 vom
7.
Mai 2008, in welchem ebenfalls über eine Zweifachkollision zu befinden war
, wobei das
Bundesgericht zum Schluss gelangte, der Unfall sei als mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren Unfällen zu qualifizieren
. In diesem Fall wurde
ein Delta-
V von 30 bis 35 km/h ermittelt.
Durch d
ie
Aufpr
a
lle wurden bei diesem Unfall jedoch
nicht nur Fahrzeugheck und Front vollständig zertrümmert und deformiert, sondern überdies im Fahrze
uginnern die Sitzlehnen verbogen
. Sodann wurde das Fahr
zeug des Versicherten in diesem Fall nicht nur in ein weiteres Fahrzeug hinein
geschoben, die Wucht des Aufpralles reichte vielmehr aus, dass sich dieses wei
tere Fahrzeug durch das Auffahren querdrehte
, ebenfalls einen Totalschaden erlitt und seinerseits in ein drittes Fahrzeug geschoben wurde
(vgl. demgegen
über die fotographisch dokumentierten Endlagen und Schäden der am Ereignis vom 2
9.
Januar 2011 beteiligten Fahrzeugen,
Urk.
3/3). Der im Urteil des Bun
desgerichtes 8C_633/2007 vom
7.
Mai 2008 zu beurteilende Unfall
war
dem
nach mit wesentlich höheren Krafteinwirkungen verbunden als das vorl
iegend zu beurteilende Ereignis
.
6.2
6.2.1
Bei der Einordnung des Unfalls als mittelschwer im engeren Sinne kann die Adäquanz nur dann bejaht werden, wenn mindestens drei der sieben
Ad
äq
uanz
kriterien
(
gemäss
BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
)
erfüllt sind oder eines besonders ausgeprägt vorliegt (Urteil des Bundesgerichts 8C_372/2013 vom 28. Oktober 2013 E. 5.2
).
6.2.2
Das Kriterium „besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrück
lichkeit des Unfalls“
ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der
versicherten Person.
Zwar ist dem Unfallereignis
vom 2
9.
Januar 2011
eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen. Zu beachten ist jedoch, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl.
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtspre
chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, UVG,
4.
Auflage 2012, S. 69-70).
Mit der Beschwerdegegnerin ist
davon auszugehen, dass keine Umstände erkenn
bar sind, welche
das Unfa
llereignis vom 2
9.
Januar 2011
als besonders eindrücklich oder besonders dramatisch erscheinen liessen.
Insbesondere stellen
auch die erfolgte Doppelkollision
sowie die Tatsache, dass
das
auffahrende Fahrzeug ein Sattelmotorfah
rzeug war, kein
e besonderen Umstände dar (vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_304/2008 vom
1.
April 2009 E. 5.2.1 und
8C_736/2009 vom 2
0.
Januar 2010 E. 4.3.1).
Gleiches
ergäbe sich be
i Anwendung der Schleudertrauma-P
raxis, stimmt doch das entsprechende Kriterium dieser Praxis
(BGE 134 V 109 E. 10.2)
mit demj
e
nigen der Psychopraxis überein
.
6.2.3
Was die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung betrifft, so
zog sich
die Beschwerdeführer
i
n eine HWS-Distorsion, eine Commotio cerebri (ohne Bewuss
t
losigkeit und Amnesie) sowie diverse Kontusionen
zu
.
Damit lagen ins
gesamt keine somatischen Verletzungen von besonderer Schwere und Art bzw. insbesondere keine Verletzungen vor, die erfahrungsgemäss geeignet sind, psy
chische Fehlentwicklungen auszulösen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_765/2014 vom
9.
Februar 2015 E. 11.2).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin wäre auch das
entsprechende K
riterium gemäss Schleudertrauma-P
raxis (
BGE 134 V 109 E. 10.2.2; vgl. dazu
statt vieler: Urteil des Bundesgerichtes 8C_987/2008 vom 3
1.
März 2009 E. 6.2 mit Hinweisen)
nicht als erfüllt zu betrachten
. Weder ist von einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden noch von beson
deren Umständen, welche das Besc
hwerdebild beeinflussen können, auszugehen. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht bemerkte (
Urk.
2 S. 13), ist insbesondere auch nicht überwiegend wahrscheinlich anzunehmen, dass die Beschwerdefüh
rerin beim Unfall eine besondere Körperhaltung eingenommen hat, erfol
gte doch gemäss Aktenlage die Stossrichtung
bei beiden Aufp
rällen in
Achsenrich
tung
(vgl. E. 6.1.2
) und hielt die Beschwerdeführerin d
en Kopf gerade (
Urk.
9/1
).
6.
2.4
Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung
ist nicht allein nach einem zeitlichen Massstab zu beurteilen. Von Bedeutung sind vielmehr auch Art und Intensität der Behandlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Es muss gesamthaft betrachtet
eine
kontinuierliche und
mit einer gewissen Planmässig
keit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer vorliegen.
Manualtherapeutische
Massnahmen zur Erhaltung des Zustandes und medikamentöse
Schmerzbe
kämpfung
allein genügen diesen Anforderungen nicht. Auch kommt einzig der Abklärung des Beschwerdebildes dienenden Vorkehren nicht die Qualität einer Heilmethodik in diesem Sinne zu
(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_765/2014 vom
9.
Februar 2015 E. 11.3 mit Hinweisen).
Die vorliegend dokumentierten ärztlichen Verlaufskontrollen, die durchgeführte Physiotherapie, der einmalige zweiwöchige stationäre Aufenthalt in der Klinik für Rheumatologie des
Spital
s
I._
sowie die medikamentöse
Schmerz
bekämpfung
vermögen dieses Kriterium nicht zu begründen, ebenso wenig die vorgenommenen Infiltrationen der Schulter.
Ausserdem
nahm die Beschwerde
führerin offenbar die Medik
amente nicht regelmässig ein (
Urk.
9/211 S. 38-39 und
Urk.
9/56 S. 7
), erschien nicht rege
lmässig in der Physiotherapie (vgl.
E.
3.6
) und
unterzog sich s
eit Dezember 2011
zumindest
bis zur Begutachtung Ende November 2012 gar keinen Therapien mehr (
Urk.
9/211 S. 17)
.
Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass zusätzlich auch psychische Beschwerden fortgesetzt spezifische ärztliche Behandlungen
im Sinne der Rechtsprechung
(vgl. BGE 134 V 109 E. 10.2.3)
erforderlich gemacht hätten
und daher die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis zu einer anderen Beurteilung führen würde.
6.2.5
Was das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen betrifft, ist zu bemerken, dass p
s
ychische Beschwer
den
bei Anwendung der Psychopraxis
auch dann nicht in die Beurteilung mit einzubeziehen, wenn sie als körperlich imponieren (Urteile des Bundesgerichtes 8C_825/2008 vom
9.
April 2009 E. 4.6 und 8C_933/2014 vom 2
2.
April 2015 E. 3.2.2.3).
Die im Vordergrund stehenden Schmerzen im
Bereich der Schulter links
sind
demnach
längstens bis
Ende Oktober 2011
zu berücksichtigen.
Da die Beschwerdeführerin nicht regelmässig
in der Physiotherapie
erschien
(vgl. E. 3.6)
und auch die Medikamente nicht regelmässig einnahm
(
Urk.
9/56 S. 7)
,
erscheint sodann nicht überwiegend wahrscheinlich,
dass es sich dabei
um
Dau
erschmerzen
, d.h.
über den ganzen Zeitraum
hin
andauernde Schmerzen
,
gehandelt hat
.
Gleiches gilt hinsichtlich der HWS-Beschwerden, zumal
die Beschwerdeführer
in
über solche auch nur zeitweise klagte
. Das Kriterium „kör
perliche Dauerschmerzen“
gemäss Psycho-Praxis
ist daher ebenfalls nicht erfüllt.
Das entsprechende Kriterium der erheblichen Bes
chwerden gemäss
Schleuder
trauma-P
raxis
(BGE 134 V 109 E. 10.2.4) beurteilt sich rechtsprechungsgemäss nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Alltag erfährt. Bei der Beschwer
deführerin fielen hinsichtlich der Beeinträchtigungen im Alltag vor allem die Schulterbeschwerden ins Gewicht
, für deren Fortdauer nach dem Gesagten die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren aus
schlaggebend war resp. ist. Die Einschränkung, unter welcher die Beschwerde
führerin leidet, kann also nicht (allein) auf die beim Unfall erlittene HWS-Dis
torsion zurückgeführt werden, weshalb das Kriterium der erheblichen Beschwer
den jedenfalls nicht als in ausgeprägter Weise erfüllt erachtet werden könnte.
6.2.6
Eine ärztliche Fehlbehandlung
sowie ein schwieriger Heilungsverlauf
und
erhebli
che Komplikationen wurden nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich.
6.2.7
Da bei der Adäquanzprüfung nach BGE 115 V 133 beim Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit nur jene Zeiten zu berücksichtigen sind, in welchen die Beschwerdeführer aufgrund einer rein physischen Betrachtungs
weise arbeitsunfähig war
,
und die Beschwerdeführerin spätestens seit Ende Oktober 2011
– wenn überhaupt (vgl. E. 6.4
) -
ausschliesslich
wegen der psy
chiatrischen Diagnose
in ihrer Arb
eitsfähigkeit beeinträchtigt war,
ist dieses Kriterium nicht erfüllt
.
Das entsprechende
Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiese
ner Anstrengungen gemäss
Schleudertraumapraxis
(BGE 134 V 109 E. 10.2.7; vgl. dazu statt vieler Urteil des Bundesgerichtes 8C_987/2008
vom 3
1.
März 2009 E. 6.7.1) wäre ebenfalls zu verneinen. Bis zum Fallabschluss ist lediglich ein kurzer Arbeitsversuch von wenigen Tagen dokumentiert, wobei dieser
nicht wegen der HWS-Beschwerden, sondern wegen der – hier nicht zu berücksichtigenden -
Schult
erbeschwerden abgebrochen wurde
.
Dr.
F._
attes
tierte denn der Beschwerdeführerin im November 2011 insbesondere wegen dieser Beschwerden weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
9/67 und
Urk.
9/70)
.
Ausserdem erschien die
Beschwerdeführerin, wie erwähnt,
nicht regelmässig in der Physiotherapie
, nahm die Medikamente nicht regelmässig ein
und unterzog sich seit Dezember 2011 bis zur Begutachtung im November 2012
gar keinen Therapien mehr (vgl. E. 6.2.4
).
6.3
Somit ist keines der Kriterien gemäss Psycho-Praxis und höchstens eines der Kriterien gemäss Schleudertrauma-Praxis in einfacher Form erfüllt. D
er adä
quate
Kausalz
usammenhang zwischen dem am 29.
Januar 2011 erlittenen Unfall und den
laut Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Fallabschlusses (Ende November 2011) anhaltenden Beschwerden
ist deshalb
jedenfalls
zu verneinen
.
Die Voraussetzungen für eine über Ende November 2011 hinausgehende
Leis
tungspflicht
der Beschwerdegegnerin sind demnach nicht gegeben.
6.4
Ob die gutachterlich über den Fallabschluss
hinaus
wegen der diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
attestierte 20%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit aus rechtlicher Sich
t üb
erhaupt relevant ist (vgl. dazu die im Bereich der Invaliden
versicherung zu den
somatoformen
Schmerzstörungen und vergleichbaren psy
chosomatischen Leiden ergangene Rechtsprechung in
BGE
130 V 352 resp. in BGE 141 V 281 [
Änderung der Rechtsprechung
]
, welche bei Bestehen eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den Beschwerden sinngemäss auch im Bereich der Unfallversicherung Anwen
dung findet [BGE 136 V 279 resp. BGE 141 V 574])
kann unter diesen Umstän
den
vorliegend
offenbleiben.
7.
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.