Decision ID: d98a8e22-6873-5a50-8108-ec89445a36f4
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 26. Oktober 2020 suchte der Beschwerdeführer, alias B._, zu-
sammen mit seiner religiös angetrauten Ehefrau C._ (N [...]) im
Bundesasylzentrum (BAZ) des SEM in Zürich um Asyl nach.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) vom 9. November 2020 ergab, dass der Beschwerdeführer
am 4. Januar 2017 in Griechenland um Asyl nachgesucht hatte und ihm
am 15. November 2017 von den griechischen Behörden internationaler
Schutz gewährt worden war.
C.
Im Rahmen der Personalienaufnahme (PA) vom 11. November 2020 gab
der Beschwerdeführer an, er habe sich in Europa zuerst in Griechenland
aufgehalten, und reichte einen griechischen Flüchtlingsausweis zu den Ak-
ten. Ferner führte er aus, seit einem Jahr mit C._ (religiös) verhei-
ratet zu sein.
D.
Dem Beschwerdeführer wurde mit Schreiben vom 11. November 2020 das
rechtliche Gehör zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur Weg-
weisung nach Griechenland sowie zu seinem Gesundheitszustand ge-
währt.
In Beantwortung des Schreibens vom 11. November 2020 brachte der Be-
schwerdeführer am 17. November 2020 im Wesentlichen vor, er leide –
ausser an nicht medizinisch abgeklärten Herzschmerzen aus Sorge um
seine Frau – grundsätzlich an keinen gesundheitlichen Beschwerden. Un-
ter Verweis auf einen Bericht des Europarates über die Situation internati-
onal Schutzberechtigter sowie auf das seit 1. Januar 2020 in Kraft getre-
tene Asylgesetz machte er geltend, er könne auf keinen Fall nach Grie-
chenland zurückkehren. Er befürchte die Verletzung der völkerrechtlichen
Verpflichtungen Griechenlands durch illegale Push-Backs. Andere europä-
ische Länder würden anerkannte Flüchtlinge aufgrund von Notfall- und So-
lidaritätsmassnahmen aus Griechenland herausholen, weshalb eine Weg-
weisung dorthin der aktuellen politischen Lage und der ausserordentlichen
Situation widerspreche. Mit einem Wegweisungsvollzug würde er einer un-
menschlichen und erniedrigenden Behandlung nach Art. 3 EMRK ausge-
setzt, was unzulässig oder zumindest unzumutbar sei.
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E.
Am 12. November 2020 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behör-
den gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und
Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Dritt-
staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und auf das Ab-
kommen zwischen der Schweiz und Griechenland über die Rücküber-
nahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR
0.142.113.729) schriftlich um Rückübernahme des Beschwerdeführers.
Die griechischen Behörden stimmten dem Rückübernahmeersuchen der
Vorinstanz am 17. November 2020 zu.
F.
Der Beschwerdeführer reichte am 19. November 2020 eine unterzeichnete
Einwilligungserklärung betreffend die medizinischen Akten, am 22. Dezem-
ber 2020 eine handschriftliche Ehebescheinigung von ihm und C._
und am 29. Dezember 2020 einen Arztbericht vom 16. Dezember 2020 zu
den Akten.
G.
Die Vorinstanz teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 25. Feb-
ruar 2021 mit, nach Prüfung der Akten bestehe zwischen ihm und
C._ keine schützenswerte Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK
und es werde beabsichtigt, die Dossiers zu trennen, wozu ihm das rechtli-
che Gehör gewährt wurde.
Der Beschwerdeführer machte in seiner Stellungnahme vom 5. März 2021
im Wesentlichen geltend, er habe seine religiös angetraute Ehefrau,
C._, in Griechenland als junges Mädchen kennengelernt und gros-
ses Mitleid mit ihr gehabt, weshalb er sich seither – auch finanziell (bei-
spielsweise mit der Bezahlung von Kleidern und einem Handy) – um sie
gekümmert habe. Nach dem Verlassen des Camps für Minderjährige sei
C._ direkt für circa fünfzehn bis zwanzig Tage in sein Haus gezo-
gen. Um sie in Anbetracht der grossen afghanischen Gemeinschaft in Grie-
chenland vor der Darstellung als einer unehrenhaften Frau beziehungs-
weise vor Schande (Zusammenleben ohne Trauschein) zu bewahren,
habe er ihr vorgeschlagen, sie zu heiraten. Ihrem Wunsch entsprechend
habe er einen Mullah für die Trauung zu Hause organisiert. Ihre Bemühun-
gen, die Ehe auf zivilrechtlichem Weg zu schliessen, seien aufgrund der
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Corona-Pandemie, der fehlenden Identitätsdokumente von C._ so-
wie mangels Termin auf dem Zivilstandsamt in Athen, gescheitert. Da er
zudem vor ungefähr fünfzehn bis sechzehn Jahren in Afghanistan eine Ehe
mit D._ geschlossen habe, sei er um Beweismittel für deren zwi-
schenzeitliche Auflösung bemüht, damit er C._ in der Schweiz zivil-
rechtlich heiraten könne. Zwar sei die Ehe mit D._ nie gerichtlich
geschieden worden, allerdings seien sie seit etwa acht bis neun Jahren
getrennt, weshalb vom Nichtbestehen dieser Ehe auszugehen sei.
Schliesslich wies der Beschwerdeführer auf die schwere Kindheit von
C._ ohne Liebe und fehlende Fürsorge hin, wobei er ihre einzige
Bezugsperson sei und sich um sie kümmere. Er befürchte, dass sich ihr
Gesundheitszustand durch eine Trennung gravierend verschlechtern
würde.
H.
Am 15. März 2021 wurden die Dossiers zwischen dem Beschwerdeführer
und C._ vom SEM aufgrund fehlender schützenswerter Beziehung
im Sinne von Art. 8 EMRK getrennt.
I.
Am 24. März 2021 reichte der Beschwerdeführer weitere Arztberichte zu
den Akten.
J.
Am 16. April 2021 stellte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer den Ent-
scheidentwurf zu und gewährte ihm das rechtliche Gehör.
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Stellungnahme vom 19. April 2021
vor, nicht mit dem beabsichtigten Entscheid einverstanden zu sein, und
wiederholte im Wesentlichen seine Ausführungen vom 17. November 2020
und 5. März 2021. Zusätzlich hielt er fest, die Ehebescheinigung würde in
sämtlichen muslimischen Ländern akzeptiert, weshalb er auch von einer
Anerkennung in der Schweiz ausgehen dürfe. Zudem seien die Asylgesu-
che vieler Bekannter aus Griechenland in anderen europäischen Ländern
gutgeheissen worden. Seine Partnerin werde überdies nach wie vor von
ihrer Familie gesucht, weshalb es auch immer wieder zu gewalttätigen
Übergriffen gekommen sei. Sie hätten in Griechenland mehrmals die Jus-
tizbehörden um Hilfe ersucht, aber aufgrund der weit verbreiteten Korrup-
tion habe man ihnen nie Schutz bieten wollen. Er habe seine Frau zur
Reise in die Schweiz überredet, obwohl ihr Wunschziel Grossbritannien
gewesen sei. Er akzeptiere den Entscheid nur unter der Bedingung, dass
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die Schweiz die Weiterreise in ein anderes Land für ihn und seine Familie
organisiere. Nach Griechenland werde er nicht zurückkehren. Sollte dies
nicht möglich sein, sehe er keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu
nehmen. Zwar habe er in Griechenland ein gutes Leben führen können,
denn es sei ihm finanziell gut gegangen. Seine Ersparnisse habe er aber
für die Reise in die Schweiz aufgebraucht, seine Wohnung aufgegeben und
sein Auto verkauft. Entgegen den Ausführungen des SEM sei im vorliegen-
den Fall aufgrund der gemeinsamen Flucht mit seiner Partnerin, ihrem Zu-
sammenleben im BAZ Zürich sowie der bevorstehenden Geburt des ge-
meinsamen Kindes von einer gelebten Beziehung gemäss Art. 8 EMRK
auszugehen. Bei einer Wegweisung nach Griechenland würden er und
sein ungeborenes Kind zudem ernsthafte Schwierigkeiten haben, eine per-
sönliche Beziehung aufzubauen beziehungsweise eine solche würde prak-
tisch verunmöglicht.
K.
Mit Verfügung vom 19. April 2021 – eröffnet am 20. April 2021 – trat die
Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn
aus der Schweiz weg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt
der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, ansonsten er in Haft genom-
men und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt werden könne.
Gleichzeitig beauftragte die Vorinstanz den zuständigen Kanton mit dem
Vollzug der Wegweisung und händigte dem Beschwerdeführer die gemäss
Aktenverzeichnis editionspflichtigen Akten aus.
L.
Mit Eingabe vom 27. April 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde gegen den vorinstanzlichen Entscheid. Er
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, er sei als Flücht-
ling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er vor-
läufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der
Beschwerdeführer um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
einschliesslich des Verzichts auf Erhebung eines Kostenvorschusses.
M.
Mit Schreiben vom 28. April 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.
N.
Mit Zwischenverfügung vom 30. April 2021 forderte der Instruktionsrichter
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den Beschwerdeführer auf, innert 3 Tagen ab Erhalt der Verfügung eine
Beschwerdeverbesserung einzureichen, da die Beschwerde keine Unter-
schrift aufweise, unzulässige Rechtsbegehren gestellt würden und die Be-
schwerde darüber hinaus eine gehörige Begründung vermissen lasse.
O.
Mit Eingabe vom 4. Mai 2021 kam der Beschwerdeführer der Aufforderung
zur Beschwerdeverbesserung fristgerecht nach und beantragte, sein Asyl-
verfahren sei in der Schweiz durchzuführen und er sei nicht nach Griechen-
land zurückzuschicken.
P.
Der Beschwerdeführer teilte dem Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe
vom 12. Mai 2021 (Datum Poststempel) die Geburt des Kindes von ihm
und C._ vom 9. Mai 2021 mit und reichte einen diesbezüglichen
Kurzbericht des Stadtspitals (...) vom 10. Mai 2021 ein.
Q.
Am 2. August 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Bestätigung seiner
ambulanten psychiatrischen Behandlung seit dem 12. Juli 2021 in der Psy-
chiatrischen Universitätsklinik E._ ein.
R.
Mittels Zwischenverfügung vom 1. September 2021 verlangte der Instruk-
tionsrichter vom Beschwerdeführer die Einreichung eines Nachweises sei-
ner geltend gemachten Bedürftigkeit oder die Bezahlung eines Kostenvor-
schusses innert Frist.
Die Fürsorgebestätigung vom 9. September 2021 ging beim Bundesver-
waltungsgericht fristgerecht am 14. September 2021 ein.
S.
Das Bundesverwaltungsgericht zog die Akten von C._ (N [...]) bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
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– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und, nach erfolgter Beschwerdeverbesse-
rung, formgerecht eingereichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nach-
stehenden Erwägung 3.2 – einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Die Frage der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Ge-
währung von Asyl bilden demgegenüber nicht Gegenstand des angefoch-
tenen Nichteintretensentscheids und damit auch nicht des vorliegenden
Verfahrens. Auf die entsprechenden Beschwerdeanträge (vgl. Eingabe
vom 27. April 2021) ist nicht einzutreten.
3.3 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das SEM
eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbezüg-
lich volle Kognition zukommt.
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG ist auf ein Asylgesuch nicht ein-
zutreten wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher
aufgehalten hat.
5.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
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besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
5.3 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland als Mitglied der EU um einen sicheren Dritt-
staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den Akten ist zu
entnehmen, dass die griechischen Behörden den Beschwerdeführer als
Flüchtling anerkannt, ihm eine Aufenthaltsbewilligung erteilt und seiner
Rückübernahme am 17. November 2020 ausdrücklich zugestimmt haben.
Das Land ist unter anderem Signatarstaat der FK und es bestehen entge-
gen der Beschwerde weder objektive Anhaltspunkte noch substanzielle
Hinweise für eine drohende Rückschiebung in den Heimatstaat unter Ver-
letzung des Refoulement-Verbots. Demnach sind die Voraussetzungen für
einen Nichteintretensentscheid (Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG) erfüllt.
6.
6.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in der
Beschwerde nicht bestritten.
7.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
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Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.
8.1 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung darauf hin, dass
der Vollzug zulässig sei, weil der Beschwerdeführer im Drittstaat Griechen-
land Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde und
das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates
nicht zu prüfen sei. Weder die in Griechenland herrschende Situation noch
andere Gründe würden ferner gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung in
diesen Staat sprechen.
Bezüglich der vom Beschwerdeführer geschilderten schwierigen Lage in
Griechenland verwies die Vorinstanz auf die von Griechenland umgesetzte
Richtlinie 2011/95/EU (sog. Qualifikationsrichtlinie) sowie auf die zugesi-
cherten Rechte gemäss der Flüchtlingskonvention (FK). Die dort vorherr-
schenden allgemeinen schwierigen ökonomischen Lebensbedingungen
sowie die Wohnungsnot würden die ganze Bevölkerung betreffen. Der Be-
schwerdeführer habe ausdrücklich festgehalten, ihm selbst sei es in Grie-
chenland gut gegangen und es sei ihm auch möglich gewesen, C._
finanziell zu unterstützen, weshalb keine Hinweise für eine unzulässige
Wegweisung bestünden. Auch dürfe von ihm, der mehrere Jahre in Grie-
chenland wohnhaft und arbeitstätig gewesen sei, erwartet werden, sich bei
Unterstützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die
erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern.
Betreffend seine Befürchtung, er könnte in Griechenland durch die Familie
von C._ oder durch anderweitige Personen angegriffen werden,
wies die Vorinstanz darauf hin, Griechenland sei ein Rechtsstaat mit einem
funktionierenden Justiz- und Polizeisystem. Aufgrund der Schutzfähigkeit
und des Schutzwillens Griechenlands könne er sich bei allfälliger rechts-
widriger Behandlung ebenfalls an die zuständigen staatlichen Stellen wen-
den.
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Die Vorinstanz verwies betreffend seinen Gesundheitszustand auf vier
ärztliche Berichte sowie ein ärztliches Rezept, welche mehrere Diagnosen,
insbesondere auch Differenzialdiagnosen, seiner physischen und psychi-
schen Beschwerden wiedergeben würden. Der medizinische Sachverhalt
sei damit ausreichend erstellt und als Inhaber einer Aufenthaltsbewilligung
sei sein Zugang zum griechischen Gesundheitssystem sichergestellt. Im
Hinblick auf die Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
seien angesichts einer allenfalls pendenten neurologischen Untersuchung,
eines ausstehenden Röntgentermins (linker Daumen) sowie einer klini-
schen Verlaufskontrolle keine gravierenden Diagnosen beziehungsweise
kein Vorliegen von gesundheitlichen Beschwerden zu erwarten, welche un-
ter die vom EGMR in seinem Urteil genannten "other very exceptional
cases" fallen würden (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom
13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, § 183). Es seien im Übri-
gen keine weiteren Arzttermine pendent, keine weiteren dringlichen Abklä-
rungen geplant und die Diagnose sei klar. Hinsichtlich seiner im Rahmen
der Stellungnahme geäusserten Suizidgedanken sei zwar nachvollziehbar,
dass sich bei gewissen Personen infolge der Wegweisung aus der Schweiz
eine suizidale Tendenz entwickeln könne, es wäre aber stossend, die Be-
hörden durch Berufung auf eine tatsächliche oder vermeintliche Selbst-
mordgefahr zum Einlenken zwingen zu können. Massgebend sei, dass –
wie vorliegend – keine Verletzung von Art. 3 EMRK bei der Überstellung
oder im Zielstaat drohe. Das SEM schloss alsdann auch eine besondere
Vulnerabilität aus und führte an, seinem aktuellen Gesundheitszustand sei
vor der Überstellung mit der Information an die griechischen Behörden über
alle notwendigen medizinischen Behandlungen Rechnung zu tragen.
Zur schützenswerten Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK mit C._,
welche von ihm schwanger sei, hielt die Vorinstanz fest, der Beschwerde-
führer habe weder eine solche glaubhaft machen noch seine Ehe mit
rechtsgenüglichen Dokumenten belegen können. Die eingereichte hand-
schriftliche Bescheinigung sei leicht manipulierbar und als Nachweis für
eine zivilrechtlich geschlossene Ehe ungeeignet. Eine solche Ehe könne
weder in Griechenland noch in der Schweiz als rechtsgenüglich qualifiziert
werden. Der Beschwerdeführer habe ferner erst seit der religiösen Zere-
monie in Griechenland am 26. April 2020 beziehungsweise seit einigen Ta-
gen zuvor einen gemeinsamen Haushalt mit C._ geführt. Sie seien
lediglich zusammen aus Griechenland in die Schweiz gereist, nicht jedoch
aus ihrem Heimatland Afghanistan. Die Zeit, während welcher der Be-
schwerdeführer und C._ in derselben Unterkunft in der Schweiz ge-
lebt hätten, könne ferner nicht an die Dauer des effektiven gemeinsamen
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Wohnens angerechnet werden, nachdem er bereits im Zeitpunkt des recht-
lichen Gehörs am 25. Februar 2021 über die Dossiertrennung informiert
worden sei. Gegen das Vorliegen einer stabilen Beziehung spreche über-
dies das eindeutige Kindesalter von C._ im Zeitpunkt des behaup-
teten Kennenlernens (elf Jahre), welches auch Zweifel an ihrer Fähigkeit
zur realistischen Einschätzung einer Beziehung schüre. Gesamthaft sei die
von ihm geltend gemachte Beziehung zu C._ nicht als dauerhaft
und tatsächlich gelebte Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK zu werten.
Auch die Schwangerschaft sei schliesslich nicht geeignet, eine gefestigte
Lebensgemeinschaft zu beweisen. Einerseits sei die Vaterschaft nicht er-
hoben und andererseits bestehe noch keine Bindung zwischen ihm und
dem ungeborenen Kind. Das [damals noch] ungeborene Kind falle nicht
unter den Schutzbereich von Art. 8 EMRK. Es sei ihm überdies zuzumuten,
sein angebliches Kind von Griechenland aus im Rahmen von Besuchsauf-
enthalten in der Schweiz zu besuchen. Hinsichtlich des Kindeswohls werde
mit seiner Überstellung in den europäischen Staat Griechenland ange-
sichts der geltenden Visumsvorschriften und trotz allfälliger beschränkter
finanzieller Mittel ein persönlicher Kontakt zu seinem künftigen Kind nicht
verunmöglicht und der mit der Trennung einhergehende Eingriff sei verhält-
nismässig. Eine künftige Kontaktaufnahme sei auch bei räumlicher Tren-
nung mittels moderner Kommunikationsmittel möglich und könne gepflegt
werden. Ferner vermittle weder die Kinderrechtskonvention (KRK) noch
das Urteil des EGMR (16318/07) einen Anspruch auf Verbleib in der
Schweiz.
Im Übrigen legte die Vorinstanz dar, es sei dem Beschwerdeführer nicht
gelungen, die Trennung von seiner ersten Ehefrau, D._, mit den
notwendigen Dokumenten zu belegen oder zumindest glaubhaft zu ma-
chen, weshalb sie davon ausgehe, er sei nach wie vor mit ihr verheiratet.
8.2 In seiner verbesserten Beschwerde vom 4. Mai 2021 beruft sich der
Beschwerdeführer unter Wiederholung der Ausführungen in seinen Stel-
lungnahmen aus dem vorinstanzlichen Verfahren hauptsächlich auf die all-
gemeine Lage in Griechenland und verweist auf diverse Berichte und Quel-
len (vgl. Beschwerde, Ziffer 2). Ergänzend macht er hinsichtlich seines Ge-
sundheitszustandes geltend, aufgrund seiner verschiedenen Krankheiten
(insbesondere Panikstörung) zu den vulnerablen Personen zu gehören.
Betreffend Familienleben bringt er vor, die nicht gelebte Ehe mit seiner bis-
herigen Ehefrau schliesse das Familienleben mit C._ nicht aus, da
er mit letzterer vor der Einreise in die Schweiz in einer sehr langen Bezie-
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hung gelebt habe. C._ habe sich ferner als Volljährige entschlos-
sen, ihn zu heiraten, mit ihm in die Schweiz zu fliehen und vor allem mit
ihm ein gemeinsames Kind zu bekommen. Die Tatsache, dass das beab-
sichtigte gemeinsame Familienleben nicht aufgenommen werden könne,
sei nicht ihm zuzurechnen und Art. 8 EMRK komme trotzdem zur Anwen-
dung. Schliesslich habe die Vorinstanz den Wunsch nach einem gemein-
samen Kind und das Bedürfnis, dieses gemeinsam grosszuziehen, in kei-
ner Weise in die Würdigung der Beziehung zwischen ihm und seiner Frau
miteinbezogen.
Mit Schreiben vom 4. Mai 2021, 12. Mai 2021 (Postaufgabe), 31. Mai 2021
und 2. August 2021 brachte der Beschwerdeführer vor, dass sowohl seine
Lebenspartnerin wie auch sein zwischenzeitlich geborener Sohn in der
Schweiz lebten und vorläufig aufgenommen worden seien sowie, dass er
sich seit dem 12. Juli 2021 in ambulanter psychiatrischer Behandlung be-
finde.
9.
9.1 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass sie ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten. Gestützt
auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegwei-
sung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt
der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen.
Damit dies gelingt, hat sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen,
dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Einzelfall
das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren
oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden res-
pektive dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von individuellen
Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine exis-
tenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer
E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4). Das Vorliegen eines Vollzugshin-
dernisses unter dem Aspekt der Zulässigkeit bei Personen, denen von den
griechischen Behörden ein Schutzstatus verliehen wurde, wird vom Bun-
desverwaltungsgericht praxisgemäss nur unter sehr strengen Vorausset-
zungen bejaht. Das Gericht geht grundsätzlich davon aus, dass Griechen-
land als Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatz-
protokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) seinen entspre-
chenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Zwar anerkennt
das Gericht – auch aufgrund der vom Beschwerdeführer zitierten Berichte
–, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind. Gemäss
Rechtsprechung ist aber diesbezüglich nicht von einer unmenschlichen
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oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive ei-
ner existenziellen Notlage auszugehen (vgl. Urteile des BVGer D-559/2020
vom 13. Februar 2020 E. 8.2 m.w.H. [als Referenzurteil publiziert];
E-4866/2019 vom 2. Oktober 2019 E. 10.1; E-2360/2019 vom 22. Mai 2019
E. 8.3.1 f.; D-5016/2017 vom 12. März 2018 E. 6.4 m.w.H.). Personen mit
Schutzstatus sind griechischen Bürgerinnen und Bürgern gleichgestellt in
Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten und den öffentlichen Schul-
unterricht respektive gleichgestellt mit anderen Ausländern und Auslände-
rinnen beispielsweise in Bezug auf Erwerbstätigkeit oder die Gewährung
einer Unterkunft (vgl. Art. 16-24 FK). Wie die Vorinstanz zu Recht festge-
halten hat, können Unterstützungsleistungen und weitere Rechte direkt bei
den zuständigen Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem
Rechtsweg. Nicht zuletzt können Schutzberechtigte sich auch auf die Ga-
rantien in der Qualifikationsrichtlinie berufen, insbesondere die Regeln be-
treffend den Zugang von Personen mit Schutzstatus zu Beschäftigung
(Art. 26), zu Bildung (Art. 27), zu Sozialhilfeleistungen (Art. 29), zu Wohn-
raum (Art. 32) und zu medizinischer Versorgung (Art. 30). Im Falle einer
Verletzung der Garantien der EMRK steht gestützt auf Art. 34 EMRK letzt-
lich der Rechtsweg an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
(EGMR) offen (vgl. Urteil D-559/2020 a.a.O.).
9.2 Aufgrund der Akten liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Griechenland dort einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Seine diesbezüglichen Ausführungen sind lediglich allgemeiner
Natur und legen keinen individuell konkreten Zusammenhang mit ihm
nahe. Er verfügt in Griechenland über einen Aufenthaltstitel als Flüchtling
mit Gültigkeitsdatum bis 4. Januar 2021. Es sind keine Gründe dafür er-
sichtlich, dass diese Aufenthaltsgenehmigung, sofern der Beschwerdefüh-
rer dies bei den zuständigen griechischen Behörden beantragt, nicht ver-
längert wird. Gemäss eigenen Angaben war der Beschwerdeführer weder
von Obdachlosigkeit noch von finanziellen Schwierigkeiten betroffen (vgl.
Stellungnahme vom 19. April 2021). Nachdem er sich mindestens von 2017
bis 2020 in Griechenland aufhielt, verfügt er sicherlich auch über Kontakte,
welche ihm dort bei der erneuten Wohnungssuche behilflich sein können.
Der Beschwerdeführer erweckt alsdann auch nicht den Eindruck, aufgrund
seiner geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden nicht in der
Lage zu sein, sich um Unterstützung zu kümmern oder die erforderliche
Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Seine gesundheitlichen
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Einschränkungen gehen aus den in den vorinstanzlichen Akten enthalte-
nen Arztberichten von med. pract. F._ vom 27. November 2020
([...]) sowie 16. Dezember 2020 ([...]), von Prof. Dr. med. G._ vom
3. Februar 2021 ([...]) und von med. pract. H._ vom 15. Februar
2021 ([...]) hervor: Vitamin D-Mangel, nachgewiesener COVID-19 Virus,
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst), sonstige Polyneuropathien
(Füsse beidseits, Vibrationsempfinden links eingeschränkt, etc.) sowie
Herpes. Seine Medikation besteht aus Vitamin D3 Streuli, Magnesiocard,
Relaxane, Redormin und einer Imazol Cremepaste. Hinzu kommt die ak-
tuelle ambulante psychiatrische Behandlung des Beschwerdeführers seit
12. Juli 2021. Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass es sich beim Be-
schwerdeführer nicht um eine schwerkranke Person handelt, bei der die
ernsthafte Gefahr besteht, dass sie bei einer Rückschaffung nach Grie-
chenland einer schwerwiegenden, rapiden und irreversiblen Verschlechte-
rung ihres Gesundheitszustandes, verbunden mit übermässigem Leiden
oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung, ausgesetzt
wäre. Insbesondere die auf Beschwerdeebene geltend gemachten Pani-
kattacken (vgl. Beschwerdeergänzung, act. 6 Ziffer 2) vermögen keine Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu begründen. Es ist ihm grund-
sätzlich nicht nur möglich, sondern auch zumutbar, in Griechenland eine
entsprechende Behandlung in Anspruch zu nehmen, ebenso für seine gel-
tend gemachten anderen Beeinträchtigungen (Vitaminmangel, Polyneuro-
pathien und Herpes). Abschliessend ist auf die von der Vorinstanz zu Recht
aufgezeigte Möglichkeit, bei Bedarf einen Antrag auf Gewährung medizini-
scher Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG), hinzuwei-
sen. In Griechenland ist die medizinische Versorgung (inkl. allfälliger psy-
chologischer resp. psychiatrischer Behandlungsmöglichkeiten) des Be-
schwerdeführers gewährleistet und seine gesundheitlichen Beschwerden
sind adäquat behandelbar.
Insgesamt droht dem Beschwerdeführer keine konkrete, individuelle Ge-
fährdung in Griechenland und seine dortige Situation als Flüchtling mit
Schutzstatus verschafft ihm durchaus begünstigende Umstände. Schliess-
lich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass Griechenland ein Rechtsstaat
ist, der über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat verfügt (vgl.
Urteil D-559/2020 E. 9.2 m.w.H.; Urteil des BVGer E-4234/2018 vom
30. Juli 2018 E. 6.3.3, m.w.H.). Bei Unterstützungsbedarf oder allfälligen
Problemen mit Drittpersonen kann sich der Beschwerdeführer – wie von
der Vorinstanz ebenfalls zutreffend ausgeführt – an die griechischen Be-
hörden wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg
einfordern (vgl. Urteil D-559/2020 E. 8.2 und 9.1). Ihm steht auch ohne
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Weiteres die Möglichkeit offen, sich für Hilfe ergänzend an eine der vor Ort
tätigen Hilfsorganisationen zu wenden.
Der Beschwerdeführer, der zudem weder von Verständigungsschwierigkei-
ten noch von wirtschaftlichen oder sozialen Problemen in Griechenland be-
troffen war, ist aufgrund des Gesagten – entgegen seiner Behauptung –
nicht als besonders vulnerabel zu erachten.
9.3 Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann sich nur
dann jemand auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK beru-
fen, wenn eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung
vorliegt. Wesentliche Faktoren zur Beurteilung des gelebten Familienle-
bens bilden das gemeinsame Wohnen respektive der gemeinsame Haus-
halt, die finanzielle Verflochtenheit, die Dauer und Stabilität der Beziehung
sowie das Interesse und die Bindung der Partner aneinander (Urteil des
BVGer E-7613/2016 vom 11. Januar 2017 E. 4.4).
Der Beschwerdeführer bringt im Sinne des Grundsatzes der Einheit der
Familie gestützt auf Art. 8 EMRK vor, mit seiner Partnerin und ihrem am
9. Mai 2021 geborenen Kind in der Schweiz zusammenleben zu wollen.
Letztere seien in der Schweiz vorläufig aufgenommen worden. Damit
macht er ein Wegweisungsvollzugshindernis beziehungsweise einen An-
spruch auf vorläufige Aufnahme geltend.
Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich grundsätzlich den ausführli-
chen Erwägungen der Vorinstanz zur fehlenden schützenswerten Bezie-
hung an und verweist – um Wiederholungen zu vermeiden – auf diese (vgl.
[...] vorstehend E. 7.1). Ergänzend ist festzuhalten, dass die Behauptung
auf Beschwerdeebene einer bereits «viele Jahre lang» gelebten Partner-
schaft nicht zutrifft. Aufgrund ihres Alters (geb. 2001; elfjährig beim Ken-
nenlernen), aber auch weil der Beschwerdeführer sich erst ab – zumindest
gemäss den Akten – 4. Januar 2017 (Datum Asylgesuch) in Griechenland
aufhielt, sind diese Vorbringen nicht logisch nachvollziehbar. Die Erfüllung
des genannten Familienbegriffs ist insgesamt nicht ersichtlich. Ebenso we-
nig vermögen ihre Reisegemeinschaft von Griechenland in die Schweiz
und die Unterbringungen im gleichen Bundesasylzentrum – unabhängig
von der Glaubhaftigkeit seiner Angaben – eine schützenswerte Beziehung
zu begründen.
Betreffend angebliche Vaterschaft des Beschwerdeführers wurde zwi-
schenzeitlich von C._ am 9. Mai 2021 ein Knabe geboren (vgl. [...]).
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Auf Beschwerdeebene bringt er hinsichtlich Kindesverhältnisses, ausser
der Information über die erfolgte Geburt des Kindes und der vorläufigen
Aufnahme von Mutter und Kind (vgl. SEM-Entscheid vom 17. Mai 2021, N
[...]), keine neuen Sachverhalte vor, welche wesentlich zu einer veränder-
ten Ausgangslage seinerseits beitragen würden. Trotz des diesbezüglichen
Hinweises der Vorinstanz ([...]) brachte er weder eine Vaterschaftsaner-
kennung noch einen anderweitigen Nachweis eines Kindesverhältnisses
bei. Unabhängig von einer allfällig faktisch gelebten Vaterbeziehung zu die-
sem Kind – wobei auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz hin-
sichtlich des Kindeswohls (vgl. E 7.1) verwiesen werden kann – ist unter
der genannten Ausgangslage nicht von einem bestehenden Kindesverhält-
nis zum Beschwerdeführer auszugehen. Er bringt darüber hinaus – ausser
dem bekundeten Willen, das Kind gemeinsam gross zu ziehen – weder
Anhaltspunkte darüber vor, wie oder zumindest dass er aktuell eine Vater-
rolle ausübe, noch ob/wie ein Beziehungsaufbau zum Säugling stattfindet
bzw. stattfinden soll.
In Ermangelung eines gelebten Familienlebens kann der Beschwerdefüh-
rer aus Art. 8 EMRK nichts zu seinen Gunsten ableiten. Damit verletzt der
Vollzug der Wegweisung auch den Grundsatz der Einheit der Familie be-
ziehungsweise das Recht auf Familienleben im Sinne von Art. 8 EMRK
nicht. Bei dieser Ausgangslage ist daher auch nicht zu prüfen, ob sich der
Aufenthaltsstatus von C._ und ihrem Kind auf die Situation des Be-
schwerdeführers auswirkt.
9.4 Zusammenfassend bestehen keine Hinweise darauf, Griechenland
würde dem Beschwerdeführer dauerhaft die ihm gemäss der Richtlinie zu-
stehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und ihn einer exis-
tenziellen Notlage aussetzen. Es darf vom Beschwerdeführer erwartet wer-
den, bei Notwendigkeit die genannte Unterstützung (nötigenfalls auf dem
Rechtsweg) einzufordern.
9.5 Nach dem Gesagten ist es ihm nicht gelungen, die Regelvermutung
umzustossen, und der Wegweisungsvollzug erweist sich als zulässig und
zumutbar.
9.6 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben und er dort über eine Auf-
enthaltsbewilligung verfügt, deren Verlängerung er in Griechenland bean-
tragen kann.
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9.7 Seiner gesundheitlichen Situation – insbesondere auch allfälligen sui-
zidalen Tendenzen – ist bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitäten an-
gemessen Rechnung zu tragen.
10.
Zusammenfassend hat das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Grie-
chenland zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
12.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, wurde –
unter Vorbehalt der vom Beschwerdeführer am 14. September 2021 frist-
gerecht ausgewiesenen Mittellosigkeit – mit Zwischenverfügung vom
1. September 2021 gutgeheissen. Dementsprechend werden keine Ver-
fahrenskosten auferlegt.
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