Decision ID: 6ef51299-937b-4361-9df4-3ff822d08334
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 5. April 2013 für berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: IV-Stelle) an. Sie gab an, an Angst- und Depressionszuständen zu leiden
(IV-act. 1 S. 5) und seit dem 8. November 2012 zu 100 % arbeitsunfähig zu sein (IV-
act. 1 S. 3). Zum Zeitpunkt der IV-Anmeldung hatte sie sich noch in einem
Anstellungsverhältnis als Z._ bei der B._ AG befunden, jedoch war ihr letzter
effektiver Arbeitstag der _ Oktober 2012 gewesen. Die Arbeitgeberin hatte das seit
vielen Jahren bestehende Anstellungsverhältnis wegen seit längerer Zeit nachlassender
Leistung per 31. Juli 2013 gekündigt (IV-act. 7 S. 1). Seit dem 8. November 2012 war
die Versicherte von ihrem Hausarzt Dr. med. C._, Allgemeine Innere Medizin FMH, zu
100 % arbeitsunfähig geschrieben worden (IV-act. 11 S. 4). Vom 26. November 2012
bis 11. Januar 2013 hatte sich die Versicherte in eine Rehabilitationsbehandlung in der
Klinik D._ begeben (IV-act. 5 S. 1). Im Austrittsbericht vom 1. Februar 2013 hatten die
behandelnden Therapeuten folgende Diagnosen genannt: Angst und depressive
Störung gemischt, Verdacht auf generalisierte Angststörung und psychophysische
Erschöpfung. Weiter war festgehalten worden, dass die Versicherte nach ihren eigenen
Aussagen schon seit. ca. acht Jahren Antidepressiva einnehme und im Jahr 2006 in
einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert gewesen sei (vgl. dazu IV-act. 68). Sie habe
damals ihre erste Panikattacke erlitten. Momentan habe sie Existenzängste entwickelt
und habe Angst vor allem. Ihre Situation habe sich durch die Kündigung verschlechtert.
Sodann hatten die behandelnden Therapeuten erwähnt, dass die Versicherte im Laufe
der Rehabilitationsbehandlung zunehmend Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit
A.a.
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habe zurückgewinnen können, sodass sie in leicht gebessertem Zustand aus dem
Rehabilitationsprogramm entlassen werden könne (IV-act. 5 S. 1 ff.). Für die Zeit des
Rehabilitationsprogramms war ihr seitens der Klinik D._ eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden (IV-act. 11 S. 5). Nach dem
Rehabilitationsaufenthalt war die Versicherte durch Dr. med. E._, Psychiatrisches
Zentrum F._, ambulant weiterbetreut worden (vgl. IV-act. 17). Diese hatte ihr seit dem
Austritt aus der Klinik D._ weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-
act. 11 S. 1 ff.).
In einem Bericht an die IV-Stelle vom 16. September 2013 nannte Dr. E._ als
Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome, bestehend seit 2002. Weiter hielt Dr. E._ fest, dass die
Versicherte bereits in den Jahren 2002 und 2003 ambulant und 2006 stationär wegen
Angst und depressiver Beschwerden in ihrem Zentrum behandelt worden sei. Im Mai
2012 sei sie von Dr. C._ aufgrund einer erneuten depressiven Krise zugewiesen
worden. Die zum damaligen Behandlungsbeginn bestehende mittelgradige depressive
Symptomatik habe sich rasch stabilisiert, sodass die Versicherte ihre Arbeit schnell
wieder habe aufnehmen können. Im Oktober 2012 sei es zu einer massiven Krise,
ausgelöst durch die Kündigung des Arbeitsplatzes, gekommen. Der Versicherten sei
eine tagesklinische Behandlung empfohlen worden, welche diese angetreten habe.
Anschliessend sei sie in die ambulante Therapie zurückgekehrt. Im Januar 2013 habe
sich die Versicherte noch immer massiv depressiv gezeigt. Der psychische Zustand
habe sich erst im Mai 2013 leicht stabilisiert, wobei noch immer eine depressive
Symptomatik, aktuell im Ausmass einer mittelgradigen depressiven Episode, bestehe.
Die Versicherte sei seit dem 18. Oktober 2012 und bis auf weiteres zu 100 %
arbeitsunfähig (IV-act. 17). In einem Verlaufsbericht vom 23. Dezember 2013
bezeichnete Dr. E._ den psychischen Gesundheitszustand der Versicherten als
stationär. Zudem leide sie an verschiedenen diffusen körperlichen Beschwerden wie
Bauchschmerzen und Rückenschmerzen. Die Versicherte nehme die Konsultationen
regelmässig wahr und zeige auch eine gute Compliance bei der medikamentösen
Therapie. Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten nicht mehr zumutbar, jedoch
seien andere Tätigkeiten denkbar (IV-act. 20). In einem Gespräch mit dem regionalen
ärztlichen Dienst (RAD) vom 20. Januar 2014 bestätigte Dr. E._, dass die Versicherte
A.b.
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seit ca. Oktober 2012 an einer rezidivierenden depressiven Störung, mittel- bis
schwergradiger Ausprägung, leide. Es liege weiterhin eine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit vor, jedoch könne sie eine Präsenzzeit von vier Stunden pro Tag
erbringen. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit könne sie innerhalb eines halben oder
eines Jahres eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erlangen (IV-act. 23).
Am 17. Februar 2014 fand ein Standortgespräch mit der Versicherten und einer
Eingliederungsberaterin der IV-Stelle statt. Im Assessmentprotokoll wurde festgehalten,
die Versicherte hätte davon berichtet, dass sie im Verlauf der Jahre immer
dünnhäutiger geworden sei. Sie habe in der Vergangenheit viel gearbeitet und den
Sohn grossgezogen. Bei der Arbeit sei es immer schlimmer geworden. Die Arbeit im
Akkord sei zu streng geworden. Sie könne nicht mehr. Sie könne sich nicht vorstellen,
dass sie eine Arbeit wieder so machen könne, dass der Chef zufrieden wäre. Auch
habe sie Fehlgeburten erlitten und fühle sich allein. Die Eingliederungsverantwortliche
hielt weiter fest, dass die Versicherte oft in Tränen ausgebrochen sei. Sie habe die
Fragen offen beantwortet. Das fehlende Selbstvertrauen scheine ein grosses Problem
zu sein. Auf das Angebot der IV-Stelle, allenfalls ein Programm starten zu können, habe
die Versicherte mit Tränen reagiert (IV-act. 28). Mit Mitteilung vom 11. März 2014
informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen abgewiesen werde, da sie sich nicht in der Lage fühle, an
Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken (IV-act. 30).
A.c.
Ab dem 5. Mai 2014 begab sich die Versicherte in eine tagesklinische Behandlung
in das Psychiatrie-Zentrum G._ (IV-act. 32 S. 1). In einem Bericht vom 22. Juli 2014
nannten die Behandler als Diagnosen Angst und depressive Störung gemischt,
posttraumatische Belastungsstörung, Albträume sowie Zwangshandlungen, v.a.
Putzzwang. Weiter hiess es im Bericht, die Versicherte habe sehr jung geheiratet und
sei mit ihrem Ehemann in die Schweiz gekommen. Dieser sei spielsüchtig gewesen und
habe sie psychisch gequält. Ihre ganze Familie habe einen Krieg miterlebt, während
dem sie oft über Monate hinweg nichts von ihrer Familie gehört habe. Nach dem Krieg
habe sie ihrer Familie dabei helfen müssen, die ausgegrabenen Leichen zu
identifizieren. Die Bilder der Leichen seien noch immer in ihrem Kopf. Sie habe vier
Fehlgeburten erlitten, die letzte erst kürzlich. Im März 2014 sei sie operiert worden, weil
der Embryo im Mutterleib verstorben sei. Danach habe sie unter einer
A.d.
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Blasenentzündung, Nierensteinen und ständigen Blutungen gelitten. Die Fehlgeburten
seien für die Versicherte ebenfalls traumatisierend gewesen, belasteten ihre Sexualität
und ihr Körperempfinden. Ausserdem sei die Versicherte vor wenigen Jahren von
einem Mann über einen langen Zeitraum hinweg gestalkt worden, was sie in ihrem
Vertrauen massiv erschüttert und in grosse Angst versetzt habe. Sie habe seit zwei
Jahren einen neuen Partner, mit dem sie jedoch nicht zusammenlebe. Die Behandler
hielten sodann fest, dass die Prognose noch unklar sei. Aktuell sei die Versicherte noch
zu 100 % arbeitsunfähig. Sie gingen davon aus, dass die Versicherte in den nächsten
vier bis fünf Monaten wieder eine Arbeitstätigkeit aufnehmen könne. Grund für den
angegebenen Zeitraum seien die noch teilweise ausgeprägt vorhandenen Symptome
und die massive Instabilität mit Dekompensationen. Die Versicherte habe eine stark
belastende Lebensgeschichte mit schwer traumatisierenden Erfahrungen, was sich
erschwerend auf den Heilungsprozess auswirke. Zur genaueren Abklärung der
Arbeitsfähigkeit wäre ein Training der IV-Stelle sicherlich hilfreich (IV-act. 32). In einem
Verlaufsbericht des Psychiatrie-Zentrums G._ vom 16. Dezember 2014 hiess es,
dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten verbessert habe. Sie sei am 17.
Oktober 2014 aus der Tagesklinik in ein ambulantes Setting übergetreten. Der
bisherige Therapieverlauf zeige eine positive Entwicklungstendenz und die Versicherte
erscheine motiviert. Aufgrund der belastenden psychosozialen Faktoren sei jedoch
noch von einem länger dauernden Behandlungsprozess auszugehen, um eine
erfolgreiche Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt zu erreichen. Das Selbstvertrauen
der Versicherten zeige eine beginnende Verbesserung, da sie den Versuch starte,
wieder in die Arbeitswelt einzusteigen. Beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) sei eine Anmeldung erfolgt. Die Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten
betrage seit dem 17. November 2014 40 %. Aufgrund der vorhandenen
Einschränkungen sei jedoch mit einer verminderten Leistungsfähigkeit zu rechnen (IV-
act. 41). Im Zeitraum März bis Mai 2015 fanden Arbeitsversuche bzw. Schnuppertage,
teilweise durch das RAV aufgegleist, statt (vgl. IV-act. 47 f.). Anlässlich eines
Assessmentgesprächs vom 27. April 2015 nahm die Eingliederungsverantwortliche die
Versicherte als motiviert wahr. Die Versicherte habe von schwierigen letzten Monaten
und einer Verbesserung ihres Zustandes berichtet (IV-act. 48).
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Am 14. Juli 2015 trat die Versicherte aufgrund einer erneuten Verschlechterung
des Gesundheitszustandes für eine stationäre Behandlung in die Psychiatrische Klinik
H._ ein (IV-act. 53 S. 1 i.V.m. 48 S. 4). Im Austrittsbericht vom 6. Oktober 2015 wurde
festgehalten, dass die Versicherte bis zum 2. Oktober 2015 hospitalisiert gewesen sei.
Die behandelnde Ärztin attestierte der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Sie nannte als Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome, anamnestisch eine posttraumatische Belastungsstörung sowie den
Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und
histrionischen Anteilen. Die Versicherte sei in einem mässig stabilisierten Zustand
entlassen worden, wobei eine Weiterbehandlung in der Tagesklinik im Psychiatrie-
Zentrum G._ vorgesehen sei (IV-act. 53). Da sich die Versicherte für eine
tagesklinische Behandlung zu wenig stabil fühlte (vgl. IV-act. 62 S. 2, oben), folgte auf
Zuweisung von Dr. med. I._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, bei welcher sich
die Versicherte seit dem 11. November 2015 in ambulanter Behandlung befand (IV-
act. 75 S. 2), vom 26. November 2015 bis 2. Februar 2016 ein stationärer Aufenthalt in
der Klinik J._. Im entsprechenden Austrittsbericht nannten die behandelnden Ärzte
als Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome und
den Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (impulsiver Typ).
Weiter attestierten sie der Versicherten für jegliche Form von Tätigkeit auf dem freien
Arbeitsmarkt auch längerfristig eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine Beschäftigung
sei lediglich im geschützten Rahmen zumutbar (IV-act. 62).
A.e.
In einer Stellungnahme vom 28. November 2015 hatte der RAD festgehalten, dass
medizinisch-theoretisch in absehbarer Zeit kein Eingliederungspotential erkennbar sei.
Aufgrund des langen Krankheitsverlaufs und der immer wiederkehrenden
Dekompensationen und suizidalen Krisen sei die Prognose als eher ungünstig
einzuschätzen (IV-act. 55). Mit Mitteilung vom 1. Dezember 2015 hatte die IV-Stelle die
Versicherte darüber informiert, dass das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen abgewiesen werde, da solche aufgrund des Gesundheitszustandes
zurzeit nicht möglich seien (IV-act. 58).
A.f.
Am 21. Juni 2016 wurde bei der Versicherten wegen einer seit Jahren
bestehenden Nasenatmungsbehinderung mit einer täglichen Sekretion im Sinne einer
eitrigen Rhinorrhoe eine Nasenoperation durchgeführt (IV-act. 78 und 92 f.). In einem
A.g.
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bei der IV-Stelle am 24. Juni 2016 eingetroffenen Bericht nannte Dr. I._ als
Diagnosen eine schwergradige depressive Episode ohne psychotische Symptome,
eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus,
Zwangsgedanken und Handlungen gemischt und eine Benzodiazepin-Abhängigkeit.
Weiter attestierte Dr. I._ der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Sie sei
weder in der Lage, den eigenen Haushalt zu führen, noch einer ausserhäuslichen Arbeit
nachzugehen. Wegen der Beschwerden habe sie die Versicherte erneut in der Klinik
J._ angemeldet, damit diese dort nach der Nasenoperation eintreten könne (IV-
act. 75).
Vom 8. August bis 6. Oktober 2016 folgte die erneute stationäre Behandlung in der
Klinik J._. Im entsprechenden Austrittsbericht wurden als Diagnosen eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome, der Verdacht auf eine emotional
instabile Persönlichkeitsstörung (impulsiver Typ) sowie als Differenzialdiagnose eine
posttraumatische Belastungsstörung genannt. In Kenntnis der Anamnese, der
anhaltend depressiven Symptomatik und des Behandlungsverlaufs sei von einer
längerfristig nicht gegebenen Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten des ersten Arbeitsmarktes
auszugehen. Während der Hospitalisation habe sich die Versicherte zweimal im
Zusammenhang mit einer erhöhten innerlichen Anspannung oberflächlich selbst
verletzt. Bei der Versicherten hätten sich mehrfach Suizidgedanken mit unterschiedlich
starker Intensität aufgedrängt. Die Versicherte habe in den Therapien rasch überfordert
und unsicher gewirkt, habe sich wenig zugetraut, habe Schwierigkeiten gehabt,
Anweisungen zu lesen und umzusetzen und habe ihre Wünsche nicht äussern können.
Sie habe auch über Schmerzen im Bereich der Hüfte, des Nackens, des Rückens und
der Hände berichtet. Aufgrund eines Todesfalles sei die Versicherte zehn Tage
beurlaubt worden. Insgesamt sei die psychische Verfassung auch bei Austritt im
Wesentlichen unverändert gewesen. Angesichts der bevorstehenden Begutachtung
durch die IV-Stelle werde die Versicherte jedoch in die ambulante Behandlung, je nach
Verlauf im teilstationären Rahmen, entlassen (IV-act. 95).
A.h.
Am 3. Februar 2017 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von Dr. med.
K._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, und Dr. med. L._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, bidisziplinär (orthopädisch und psychiatrisch) begutachtet (IV-act. 104
A.i.
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S. 1). Im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung wurde am 17. und 20. Februar
2017 ausserdem eine neuropsychologische Untersuchung durchgeführt (IV-act. 104
S. 37 ff.). Im bidisziplinären Konsens ihres Gutachtens vom 4. März 2017 (zum Datum
vgl. IV-act. 104 S. 1) nannten die Sachverständigen folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Angst und depressive Störung gemischt,
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unsicher-vermeidenden, abhängigen,
zwanghaften, depressiven, paranoiden und emotional-instabilen Anteilen, anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (differentialdiagnostisch histrionische Verarbeitung
organisch verursachter Schmerzen als Teil der Persönlichkeitsproblematik),
Agoraphobie, Klaustrophobie, Benzodiazepin-Abhängigkeit und generalisiertes
myofasciales Schmerzsyndrom bzw. Verdacht auf Fibromyalgie. Als Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnten die Gutachter eine
Beweglichkeitseinschränkung des rechten Kleinfingers bei Zustand nach
Kleinfingermittelgelenksverletzung in der Kindheit, den Verdacht auf ein
Carpaltunnelsyndrom beidseits sowie den Verdacht auf eine Rhizarthrose links (IV-
act. 104 S. 48). Weiter wurde im bidisziplinären Konsens festgehalten, dass aus
orthopädischer Sicht diffuse, bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen am
Bewegungsapparat, namentlich im Bereich des Achsenskeletts, der Schulter, der
Hände und der Finger sowie der Kniegelenke vorliegen würden. Angegeben würden
auch Gefühlsstörungen, häufig in Kombination mit Kribbelparästhesien, und ein Gefühl
verminderter Kraft. Die Beschwerden liessen sich allerdings nicht vollständig
objektivieren, sodass lediglich von einer gewissen verminderten Belastbarkeit des
Achsenskeletts und der rechten Hand auszugehen sei. Weiter bestehe ein
generalisiertes myofasciales Schmerzsyndrom. Insgesamt sei von leichtgradigen
Veränderungen auszugehen. Die Auswirkungen der somatischen und der psychischen
Gesundheitsstörung verstärkten sich gegenseitig. Aus der Sicht beider Fachgebiete sei
somit von einer gewissen Verlangsamung des Arbeitstempos und einer raschen
Ermüdbarkeit auszugehen. Aus orthopädischer Sicht weise die Versicherte in einer gut
leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 90 % auf. Sie könne zwar
ganztägig arbeiten, jedoch sei es angebracht, ihr zusätzlich verlängerte
betriebsunübliche Pausen zuzugestehen. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte
spätestens seit dem Untersuchungszeitpunkt in einer adaptierten Tätigkeit zu 80 %
arbeitsfähig. Aus bidisziplinärer Sicht bestehe somit eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %
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(IV-act. 104 S. 49). Aus somatischer Sicht sollte es sich um eine wechselbelastende,
körperlich leichte Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg und ohne
Zwangspositionen für die Wirbelsäule und die Schultergelenke handeln. Auch
Überkopfarbeiten seien zu vermeiden. Aus psychiatrischer Sicht sollte es sich um
zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, ohne besondere
Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen in einer wohlwollenden
und konfliktarmen Arbeitsatmosphäre in offenen Räumlichkeiten handeln (IV-act. 104
S. 50).
Mit Vorbescheid vom 13. März 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 32 % in Aussicht, da
sie in einer leidensangepassten Tätigkeit gemäss den getätigten Abklärungen zu 80 %
arbeitsfähig sei (IV-act. 108). Gegen diesen Vorbescheid wandte die Versicherte am 23.
März 2017 ein, dass die gutachterliche Beurteilung nicht korrekt sei, da sie sich derzeit
wegen ihrer schweren psychischen Erkrankung erneut in stationärer psychiatrischer
Behandlung befinde (IV-act. 109).
A.j.
Im Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik H._ vom 26. Juni 2017 wurde
festgehalten, dass die Versicherte vom 14. März bis 2. Juni 2017 hospitalisiert gewesen
sei. Sie sei vom Spital M._ zur stationären Therapie angemeldet worden, nachdem
sie am Eintrittstag in suizidaler Absicht Medikamente eingenommen habe. Als
Diagnosen nannten die Behandler eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom und akuter Suizidalität bei Eintritt
sowie den Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörungen mit emotional instabilen
und histrionischen Anteilen. Die Versicherte sei in mässig stabilisiertem Zustand
entlassen worden, wobei sie per 14. Juni 2017 eine tagesklinische Behandlung im
Psychiatrie-Zentrum G._fortsetzen werde (IV-act. 115). In einem Verlaufsbericht vom
24. Juli 2017 hielt Dr. I._ fest, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten
verschlechtert habe. Sie sei nach einem Suizidversuch stationär hospitalisiert worden.
Dies sei der dritte Suizidversuch innerhalb von zehn Jahren gewesen. Als Auslöser für
den letzten Suizidversuch habe die Versicherte den negativen IV-Vorbescheid
angegeben. Sie habe gehofft, dass sie durch die Rente wenigstens in finanzieller
Hinsicht weniger Sorgen habe. Während des Klinikaufenthaltes sei sie von ihrem
Partner, der eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt habe, verlassen worden, was
A.k.
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die Situation zusätzlich erschwere. Es bestehe noch immer eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Eine Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit erscheine
aufgrund der Chronifizierung der Beschwerden, der langen Krankheitsentwicklung und
des instabilen Zustandsbildes äusserst unwahrscheinlich (IV-act. 118 S. 3). Der RAD
nahm zu den neu eingereichten Berichten dahingehend Stellung, dass aus dem
bisherigen Krankheitsverlauf ständig wiederkehrende schwere depressive Episoden mit
suizidalen Krisen, jeweils verknüpft mit einer psychosozialen Problematik, ersichtlich
seien. Die anamnestisch bekannten schweren lebensgeschichtlichen Belastungen
könnten eine verminderte Belastbarkeit und psychosoziale Noxen erklären. Im
Gutachten sei der Gesundheitszustand mit Blick auf Simulations- und
Aggravationstendenzen als nur leicht reduziert betrachtet worden. Die eingereichten
Berichte widersprächen der gutachterlichen Einschätzung. Allerdings werde auch in
diesen Berichten auf den hohen psychosozialen Leidensdruck verwiesen. Ob es sich
nun lediglich um Anpassungsstörungen aufgrund psychosozialer Belastungen oder um
verminderte Kompensationsressourcen aufgrund einer bestehenden
Persönlichkeitsproblematik handle, sollte von der psychiatrischen Gutachterin
diskutiert und eingeschätzt werden. Dr. L._ sei um eine Stellungnahme zu den
Berichten mit Diskussion und Würdigung der diskrepanten Einschätzungen zu bitten
(IV-act. 119). In einer Stellungnahme vom 13. November 2017 hielt Dr. L._ fest, dass
sich der Gesundheitszustand der Versicherten unter Berücksichtigung der
vorgehaltenen Befunde im Vergleich zur Begutachtung im Februar 2017 nicht verändert
habe. Im Vordergrund stünden psychosoziale Belastungsfaktoren und eine kombinierte
Persönlichkeitsproblematik. Die Versicherte neige persönlichkeitsbedingt zu
appellativen Handlungen. Im Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik H._ sei eine
leicht zum depressiven Pol verschobene Stimmung beschrieben, eine schwerwiegende
depressive Symptomatik liege somit nicht vor. Dr. I._ habe im Bericht vom 24. Juli
2017 von einem unveränderten medizinischen Sachverhalt im Vergleich zum Juni 2016
berichtet. Diese Beurteilung sei bereits im Gutachten diskutiert worden (IV-act. 123).
Am 18. Januar 2017 (richtig: 2018) hielt der RAD fest, dass Dr. L._ nachvollziehbar an
der im Gutachten attestierten 80%igen Arbeitsfähigkeit festgehalten habe (IV-act. 124).
Im Rahmen einer zweiten Anhörung (vgl. IV-act. 125) liess die Versicherte durch
ihren Rechtsvertreter lic. iur. M. Roos-Niedermann, Lichtensteig, am 23. März 2018 die
A.l.
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B.
Aufhebung des Vorbescheids vom 13. März 2017 sowie die Vornahme weiterer
Abklärungen zum Gesundheitszustand beantragen. Insbesondere liess die Versicherte
das bidisziplinäre Gutachten in vielfacher Hinsicht kritisieren (vgl. IV-act. 132). Zudem
reichte sie einen weiteren Bericht von Dr. I._ vom 12. Februar 2018 ein (IV-act. 133).
Mit Verfügung vom 24. April 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten im Sinne des Vorbescheids ab (IV-act. 137).
A.m.
Gegen diese Verfügung erhob die weiterhin durch Rechtsanwalt Roos-
Niedermann vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 25. Mai
2018 Beschwerde (act. G 1). Sie beantragte, die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 24. April 2018 sei aufzuheben und ihr sei eine volle
Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Verfügung vom 24. April 2018
aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei ein
aktueller Arztbericht von Dr. I._ einzuholen. Eventualiter sei ein neues psychiatrisches
Obergutachten in Auftrag zu geben. Weiter sei auch ein aktueller Arztbericht bei der
behandelnden Handchirurgin Dr. med. N._, Spital O._, einzuholen. Eventualiter sei
ein neues orthopädisches Obergutachten in Auftrag zu geben. Eventualiter sei ein
neues polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben. Bei der Berechnung des
Invaliditätsgrades sei ein Leidensabzug von 25 % zu gewähren. Alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer zulasten der
Beschwerdegegnerin (act. G 1. S. 2). In formeller Hinsicht beantragte die
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung für das
Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 1 S. 2 und G 1.6). Weiter reichte sie ein
ärztliches Zeugnis von Dr. C._ vom 6. Mai 2018 ein, in welchem dieser ihr eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt attestiert hatte (act. G 1.4),
und einen Sprechstundenbericht von Dr. N._ vom 22. Mai 2018, wonach sich in einer
MRT-Untersuchung für die multiplen Beschwerden im Bereich der oberen Extremitäten
klare Korrelate gezeigt hätten (act. G 1.5).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 11. Juli 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/25
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente.
2.
Am 12. Juli 2018 entsprach der verfahrensleitende Richter dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtkosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor
Versicherungsgericht (act. G 4).
B.c.
In ihrer Replik vom 11. September 2018 hielt die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen fest (act. G 7).
B.d.
Mit Schreiben vom 25. September 2018 hielt die Beschwerdegegnerin an dem in
der Beschwerdeantwort gestellten Antrag fest und verzichtete auf eine ausführliche
Duplik (act. G 9).
B.e.
Am 13. Mai 2019 reichte die Beschwerdeführerin einen Austrittsbericht der Klinik
J._ vom 7. Mai 2019 ein, wonach sie vom 9. November 2018 bis 29. März 2019 auf
Zuweisung von Dr. I._ aufgrund einer erneuten schweren depressiven Episode mit
Suizidgedanken stationär behandelt worden sei (act. G 13.1).
B.f.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
2.1.
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3.
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs-
und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art.
61 lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
2.2.
Zunächst zu prüfen ist demnach, ob die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
gestützt auf die vorliegende medizinische Aktenlage mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit feststeht.
3.1.
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Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs in
erster Linie auf das von ihr eingeholte orthopädisch-psychiatrische Gutachten
(vgl. act. G 1.1 und 3). Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin der Ansicht, dass
das Gutachten aus mehreren Gründen nicht beweistauglich sei (vgl. act. G 1 und 7).
Die Beschwerdeführerin macht insbesondere geltend, das Gutachten erwecke den
Eindruck, dass keine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Vorakten stattgefunden
habe. Die Diagnosen aus den Vorakten würden lediglich wiedergegeben, jedoch fehle
eine Begründung, warum im Gutachten davon abgewichen werde (act. G 1 S. 10).
Auch die Feststellung von Dr. L._, wonach in den Berichten der behandelnden Ärzte
erst ab Sommer 2015 von einer schweren depressiven Störung die Rede gewesen sei,
sei nicht korrekt. Bereits in einem Bericht vom 16. September 2013 werde eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, bestehend seit 2002
erwähnt (act. G 1 S. 7). Die von Dr. K._ gestellten orthopädischen Diagnosen
entsprächen ebenfalls nicht ihrem Gesundheitszustand. Im Sprechstundenbericht vom
22. Mai 2018 habe Dr. N._ festgehalten, dass schon klinisch der Verdacht auf eine
Läsion des radialen Seitenbandes am Fingergrundgelenk des Mittelfingers rechts, auf
einen chronischen Golferellenbogen rechts sowie auf ein ulnocarpales
Impaktionssyndrom am linken Handgelenk bestanden hätten. Diese Verdachte hätten
sich nun durch die durchgeführten MRT-Untersuchungen bestätigt. Für die von ihr
beklagten Schmerzen bestünden objektivierbare Korrelate. Die Unterschiede in der
Diagnosestellung der behandelnden Handchirurgin und des orthopädischen Gutachters
resultierten daraus, dass letztere sie ernst genommen und eine genaue Untersuchung
durchgeführt habe, während Dr. K._ selbst auf die Durchführung konventioneller
Röntgenbilder verzichtet habe (act. G 1 S. 7 f.). Sie sei in der Begutachtung generell
nicht ernst genommen worden, ihre gesundheitlichen Einschränkungen seien
verharmlost worden und sie sei als Simulantin dargestellt worden (act. G 7 S. 6 und
10). Sodann seien die Schlussfolgerungen der beiden Gutachter nicht begründet.
Beispielsweise habe Dr. L._ festgehalten, dass sie in der gutachterlichen
Untersuchung keine schwerwiegende depressive Symptomatik habe feststellen
können, jedoch habe sie im Gutachten nicht dargelegt, warum dies so sei. Auch sei
nicht nachvollziehbar, wie die Gutachter auf ihre Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit
gekommen seien (act. G 1 S. 9). Unter Hinweis auf die Einschätzungen behandelnder
Ärzte (vgl. z.B. act. G 1 S. 7 und 11) beantragt die Beschwerdeführerin eine ganze
Invalidenrente (act. G 1 S. 2).
3.2.
Die Beschwerdegegnerin ist demgegenüber der Ansicht, dass die vorhandenen
Akten im bidisziplinären Gutachten angemessen gewürdigt worden seien und die
Gutachter abweichende Diagnosestellungen begründet hätten (vgl. act. G 3 S. 4 f.). Die
3.3.
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im Gutachten ausführlich diskutierten Diagnosen könnten keine über 20 %
hinausgehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Die psychiatrischen
Störungsbilder seien unter Berücksichtigung der ausgeprägten
Verdeutlichungstendenzen als eher leicht zu bezeichnen (act. G 3 S. 5). Auch sei zu
berücksichtigen, dass die behandelnden Ärzte dem subjektiven Erleben der Patienten
einen höheren Stellenwert einräumten als die unabhängigen Gutachter. Was die
orthopädischen Befunde von Dr. N._ angehe, sei festzuhalten, dass degenerative
Veränderungen in der Bildgebung nicht automatisch Einschränkungen begründeten.
Entscheidend für die Beurteilung der Funktionseinschränkung sei der klinische Befund.
Es liege kein neuer medizinischer Sachverhalt vor, der Dr. K._ noch nicht bekannt
gewesen sei (act G 3).
Die Beschwerdeführerin hat sich im April 2013 erstmals bei der IV-Stelle unter
Hinweis auf eine seit dem 8. November 2012 bestehende Arbeitsunfähigkeit zum
Leistungsbezug angemeldet (vgl. IV-act. 1). Dr. E._ hatte den Beginn der
Arbeitsunfähigkeit bereits in den Oktober 2012 gelegt (vgl. IV-act. 17 S. 4). Angesichts
der im Oktober 2012 erfolgten Kündigung mit einhergehender Destabilisierung des
psychischen Gesundheitszustandes scheint die von Dr. E._ eingenommene zeitliche
Einordnung durchaus nachvollziehbar (vgl. IV-act. 17 i.V.m. 7 S. 1). Da Dr. C._ der
Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit jedoch erst seit dem 8. November 2012
attestiert hat und sich die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf dieses Datum für
Leistungen angemeldet hat (vgl. IV-act. 1 S. 3 und 4 S. 1), ist der Beginn der
Arbeitsunfähigkeit in den November 2012 zu legen. Der frühestmögliche Beginn eines
Rentenanspruchs im Sinne von Art. 28 Abs. 1 i.V.m. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG fällt
demnach auf den 1. November 2013.
3.4.
Seit dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit im Herbst 2012 hat sich die
Beschwerdeführerin, soweit ersichtlich, ununterbrochen in psychiatrischer Behandlung
befunden. Bereits davor hatte sie teilweise an psychischen Problemen wie
Angststörungen und depressiven Episoden gelitten und sich zeitweise psychiatrisch
behandeln lassen (vgl. dazu insbesondere IV-act. 17 S. 2 f.). Im Jahr 2006 hatte sie sich
bereits erstmals in stationäre Therapie begeben (vgl. IV-act. 68). Die
Beschwerdeführerin blickt also auf eine längere Krankheitsgeschichte zurück, was das
Wiederaufleben bzw. eine Verstärkung der bereits vorhandenen psychischen
Problematik, ausgelöst durch die Kündigung des langjährigen Arbeitsverhältnisses, gut
nachvollziehbar macht. Auch die Aussage der ehemaligen Arbeitgeberin, das
Arbeitsverhältnis habe aufgrund seit längerer Zeit nachlassender Leistung der
Beschwerdeführerin gekündigt werden müssen (vgl. IV-act. 7 S. 1), deutet auf eine
3.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/25
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krankheitsbedingte Vorgeschichte hin. Dazu passend hat Dr. E._ erläutert, dass sich
die Beschwerdeführerin bereits im Mai 2012 wegen einer mittelgradigen depressiven
Episode in psychiatrische Behandlung zu ihr begeben habe, welche sich jedoch relativ
rasch stabilisiert habe, sodass die Beschwerdeführerin die Arbeit wieder habe
aufnehmen können (vgl. IV-act. 17 S. 2 f.). Zusammenfasend ist somit davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin seit längerer Zeit an einer psychischen
Problematik gelitten hat. Dr. E._ hat in diesem Zusammenhang erstmals von einer
schweren depressiven Episode gesprochen (vgl. IV-act. 17 S. 2). Der
Beschwerdeführerin ist somit darin zuzustimmen (vgl. act. G 1 S. 7), dass entgegen der
Behauptung von Dr. L._ eine schwere depressive Episode nicht erst ab Juli 2015
aktenkundig ist (vgl. IV-act. 104 S. 43, oben), sondern bereits im Jahr 2013 von Dr.
E._ erwähnt worden ist (vgl. IV-act. 17 S. 2). Die Beschwerdeführerin hat von Anfang
an eine gute Therapiecompliance gezeigt und sich nach der Destabilisierung ihres
Zustandes infolge der Kündigung in eine Rehabilitationsbehandlung begeben (vgl. IV-
act. 5 S. 1 ff. und 17 S. 3, oben).
Ab Mai 2013 scheint sich entsprechend der Aktenlage eine Stabilisierung der
psychischen Situation eingestellt zu haben, sodass Dr. E._ nicht mehr von einer
schweren, sondern nur noch einer mittelgradigen depressiven Episode ausgegangen
ist (vgl. IV-act. 17 S. 3, oben) und ab Dezember 2013 einen sanften Einstieg in den
Arbeitsprozess befürwortet hat (vgl. IV-act. 20 S. 4 i.V.m. 23 S. 1). Im Januar 2014 ist
Dr. E._ davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin eine Präsenzzeit von ca.
vier Stunden leisten könnte, wobei sie gleichzeitig festgehalten hat, dass die
Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei und eine Arbeitsfähigkeit von 50 % erst in einem
halben Jahr oder einem Jahr zu erwarten sei (vgl. IV-act. 23 S. 1). Mit anderen Worten
hat Dr. E._ der Beschwerdeführerin selbst im Januar 2014 lediglich eine unter 40 %
liegende Arbeitsfähigkeit attestiert. Anlässlich eines Assessmentgesprächs vom
Februar 2014 hat sich dann allerdings gezeigt, dass sich die Beschwerdeführerin für
einen Einstieg in den Arbeitsprozess nicht oder nicht mehr bereit gefühlt hat (vgl. IV-
act. 28). Bereits im Mai 2014 hat sich die Beschwerdeführerin denn auch wieder in
tagesklinische Behandlung begeben (vgl. IV-act. 32). Angesichts der seitens der
Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Aussagen im März 2014 erlittenen
Fehlgeburt mit dadurch bedingter Operation und gesundheitlichen Komplikationen ist
dies wiederum gut nachvollziehbar (vgl. dazu IV-act. 32 S. 2). Die von den
behandelnden Ärzten bzw. Therapeuten der Tagesklinik des Psychiatrie-Zentrums
G._ im Juli 2014 gestellten Diagnosen unterscheiden sich zwar von der von Dr. E._
gestellten Diagnose (vgl. IV-act. 17 S. 2). Sie sind nicht von einer rezidivierenden
depressiven Störung ausgegangen, sondern haben die Diagnose Angst und depressive
3.6.
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Störung gemischt genannt (vgl. IV-act. 32 S. 1). Gleichwohl haben sie der
Beschwerdeführerin bis zum 16. November 2014 ebenfalls eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert und dies aufgrund ähnlicher Problemkreise wie bereits Dr.
E._, nämlich insbesondere aufgrund von Ängsten und einer depressiven Problematik
(vgl. IV-act. 32 i.V.m. 41). Im Oktober 2014 scheint sich der psychische Zustand der
Beschwerdeführerin dann stabilisiert zu haben, sodass sie vom tagesklinischen in ein
ambulantes Setting gewechselt hat (vgl. IV-act. 41 S. 2). Ab dem 17. November 2014
haben die behandelnden Ärzte der Tagesklinik des Psychiatrie-Zentrums G._ ihr eine
40%ige Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert, jedoch unter
Hinweis, dass ihre Leistungsfähigkeit auch in diesem Pensum eingeschränkt sein
werde (vgl. IV-act. 41 S. 2 f.). Mit anderen Worten haben sie somit eine unter 40 %
liegende Arbeitsfähigkeit attestiert. Bis zum Frühjahr 2015 haben dann gewisse
Arbeitsversuche oder Schnuppertage stattgefunden (vgl. IV-act. 47 und 48). Sowohl die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle als auch die behandelnden Ärzte der
Tagesklinik des Psychiatrie-Zentrums G._ haben die Beschwerdeführerin bezüglich
einer Arbeitsaufnahme als motiviert erlebt (vgl. IV-act. 41 S. 2 und 48 S. 2). Die
behandelnden Ärzte haben jedoch gleichzeitig auf die enorm traumatisierenden
Erlebnisse und die mannigfaltigen psychosozialen Probleme hingewiesen, welche die
Behandlungsdauer und die Eingliederung in den Arbeitsprozess erschweren würden
(vgl. IV-act. 41 S. 2).
Schliesslich scheint es dann im Juli 2015, möglicherweise auch ausgelöst durch
das Scheitern der Arbeitsversuche und damit einhergehender Perspektivlosigkeit,
erneut zu einer Destabilisierung des psychischen Zustandes gekommen zu sein,
sodass die Beschwerdeführerin eine stationäre Behandlung in der Psychiatrischen
Klinik H._ angetreten hat (IV-act. 53). Diese wurde, zwar mit mehreren
Unterbrechungen, unter anderem zur Vornahme einer Nasenoperation (vgl. IV-act. 78),
bis zur Begutachtung im Februar 2017 fortgeführt (vgl. IV-act. 53, 62 und 95 S. 9 ff.).
Sowohl die Ärzte der Psychiatrischen Klinik H._ als auch diejenigen der
Psychiatrischen Klinik J._ haben in diesem Zeitraum die Diagnose einer schweren
depressiven Episode gestellt (vgl. IV-act. 53 S. 1, 62 S. 1 und 95 S. 9), die überdies
auch noch von Dr. I._, welche die Beschwerdeführerin seit November 2015 ambulant
betreut, bestätigt worden ist (vgl. IV-act. 75 S. 2). Auch haben sämtliche behandelnden
Ärzte in diesem Zeitraum den Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung geäussert,
diejenigen der Psychiatrischen Klinik H._ den Verdacht auf kombinierte
Persönlichkeitsstörungen mit emotional-instabilen und histrionischen Anteilen,
diejenigen von der Klinik J._ den Verdacht auf eine emotional instabile
Persönlichkeitsstörung (impulsiver Typ) und Dr. I._ auf eine emotional instabile
3.7.
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Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus (vgl. IV-act. 53 S. 1, 62 S. 1, 75 S. 2 und
95 S. 9). Daraus wird jedenfalls deutlich, dass die Beschwerdeführerin von ihrer
Persönlichkeit her ängstliche und unsichere Anteile aufweist, was auch Dr. L._ nicht
bestreitet. Sie hat eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unsicher-vermeidenden,
abhängigen, zwanghaften, depressiven, paranoiden und emotional-instabilen Anteilen
diagnostiziert (IV-act. 104 S. 41). Zudem ist unstreitig, dass eine Angstproblematik und
eine depressive Störung vorliegen. Ob die depressive Problematik letztlich als Angst
und depressive Störung gemischt beschrieben wird, wie dies Dr. L._, die Behandler
der Klinik D._ im Jahr 2012 bzw. 2013 sowie diejenigen des Psychiatrie-Zentrums
G._ im Jahr 2014 getan haben (IV-act. 5 S. 1, 32 S. 1, 41 S. 1 und 104 S. 41), oder
wie von den behandelnden Ärzten der Psychiatrischen Kliniken H._ und J._ sowie
von Dr. I._ als depressive Episode unter Angabe des jeweiligen Schweregrades (IV-
act. 53 S. 1, 62 S. 1, 75 S. 2 und 95 S. 9), dürfte für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
letztlich nicht das entscheidende Kriterium sein. Ebenso wenig muss vorliegend
darüber gestritten werden, ob die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung
erfüllt sind. Vielmehr kommt es in erster Linie darauf an, welche funktionellen
Einschränkungen die unstreitig vorhandene depressive Problematik und die
Angstproblematik unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsstruktur der
Beschwerdeführerin, ihrer gesamten Lebensumstände, namentlich auch der
traumatischen Erlebnisse und der psychosozialen Belastungsfaktoren zeitigt. Wie
bereits erwähnt, sind sowohl die behandelnden Ärzte der Psychiatrischen Klinik H._
als auch diejenigen der Klinik J._ und auch Dr. I._ vom Juli 2015 bis zum Zeitpunkt
der Begutachtung von einer schweren depressiven Symptomatik ausgegangen und
haben der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (vgl. IV-
act. 53 S. 1 ff., 62 S. 1 ff., 75 S. 2 ff. und 95 S. 9 ff.). Aus den
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Klinik J._ und derjenigen von Dr. I._ geht deutlich
hervor, dass sie sich nicht nur auf die angestammte, sondern auch auf adaptierte
Tätigkeiten bezogen haben (IV-act. 62 S. 1, 75 S. 3 und 95 S. 10, oben). Auch der
Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin seit Juli 2015 mehrfach längerfristig in
stationärer Behandlung befunden und Suizidversuche begangen hat (vgl. IV-act. 53
S. 1 ff., 62 S. 1 ff. und 95 S. 9 ff.), deutet auf eine schwere gesundheitliche Problematik
hin. Schliesslich reicht die gesundheitliche Problematik weit in die Zeit vor der IV-
Anmeldung zurück (vgl. IV-act. 17 S. 3), was ein Indiz dafür ist, dass sich die
Beschwerdeführerin nicht lediglich zur Erreichung von IV-Leistungen in Therapie
begeben hat, sondern dass eine langwierige, chronifizierte Gesundheitsproblematik mit
ernsthaften Therapiebemühungen vorliegt. Dafür sprechen auch die gute
Therapiecompliance sowie die Koorperation bei den Eingliederungsbemühungen, die
Dr. L._ der Beschwerdeführerin zugestanden hat (vgl. IV-act. 104 S. 45 f.). Auch
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haben sich die verordneten Medikamente bei der gutachterlichen Testung alle im
therapeutischen Bereich oder sogar darüber befunden (vgl. IV-act. 104 S. 47). Die von
Dr. I._ und Dr. L._ entdeckte Benzodiazepin-Abhängigkeit der Beschwerdeführerin
spricht ebenfalls für einen vorhandenen Leidensdruck (vgl. IV-act. 75 S. 2 und 104
S. 41 und 45). Schliesslich imponieren auch die gesundheitlichen Schwankungen vor
Juli 2015, wobei häufig psychosoziale Umstände in nachvollziehbarer Weise zu
erneuten psychischen Dekompensationen geführt haben, als glaubwürdig. Selbst in der
Zeit vor Juli 2015, in welcher sich die Beschwerdeführerin weniger in stationärer
Therapie, jedoch durchaus häufig in tagesklinischer Behandlung befunden hat, haben
verschiedene behandelnde Ärzte der Beschwerdeführerin mit Ausnahme von kurzen
Episoden jeweils eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. dazu E. 3.5 f.).
Gestützt auf diese gut dokumentierte und als glaubwürdig imponierende
Krankheitsentwicklung mit Berichten zahlreicher Ärzte erscheint die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin vom Zeitpunkt des potentiellen Rentenbeginns bis zur
Begutachtung auf dem ersten Arbeitsmarkt als überwiegend wahrscheinlich
aufgehoben.
Dr. L._ ist in ihrer psychiatrischen Begutachtung vom Februar 2017 zu einem
ganz anderen Ergebnis gekommen. Sie hat der Beschwerdeführerin eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten zugestanden (IV-act. 104 S. 47). Zur
Begründung hat sie hierfür im Wesentlichen lediglich angeführt, dass sie im Rahmen
der gutachterlichen Untersuchung keine schwerwiegende depressive Symptomatik
habe feststellen können (IV-act. 104 S. 43). Insgesamt sei eine Tendenz zur
Symptomverdeutlichung spürbar gewesen. Diese Einschätzung decke sich mit der
neuropsychologischen Testung. Auch die sehr hohe subjektive Bewertung der
Befindlichkeit im durchgeführten Selbstbeurteilungsverfahren bezüglich der
depressiven Symptomatik spreche für Aggravations- und Simulationstendenzen (IV-
act. 104 S. 42, unten). Das Zustandsbild sei unter Berücksichtigung der Aggravations-
und Simulationstendenzen insgesamt als leicht zu bezeichnen (IV-act. 104 S. 43,
unten). Eine nachvollziehbare Begründung, warum sich in der Begutachtung keine
schwere Symptomatik gezeigt hat bzw. woran Dr. L._ dies erkannt oder ausgemacht
hat, geht aus dem Gutachten nicht hervor. Ebenso wenig wird aus dem Gutachten
deutlich, wie sich Dr. L._ die behaupteten Aggravations- oder Simulationstendenzen
gezeigt haben. Es scheint, dass sie sich für die Annahme solcher Tendenzen im
Wesentlichen auf die neuropsychologische Untersuchung stützt. In dieser hat die
Beschwerdeführerin zwar in zwei Tests, die zur Aufdeckung allfällig aggraviert-
simulierter Leistungsminderungen dienen, sehr schlechte Testergebnisse erzielt
(vgl. IV-act. 104 S. 40 f.), die gemäss der untersuchenden Neuropsychologin auf
3.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/25
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aggraviert-simulierte Leistungsminderungen hindeuten könnten, wobei sich
andererseits auch Anhaltspunkte für Einschränkungen im Bereich der exekutiven
Funktionen ergeben hätten. Die Beschwerdeführerin habe nämlich mehrheitlich sehr
hastig agiert und ihr sei unmittelbar nach ihren Reaktionen klar gewesen, dass sie z.B.
auf die falsche Seite gedrückt habe. Sie habe am Ende des einen Testverfahrens auch
erklärt, dass sie häufig aus Versehen gedrückt habe, da sie so nervös gewesen sei
(vgl. IV-act. 104 S. 40). Im neuropsychologischen Gutachten ist weiter beschrieben,
dass sich auch in anderen Tests Defizite im Bereich der Impulssteuerung gezeigt
hätten (vgl. IV-act. 104 S. 37 ff.). Weiter hat die neuropsychologische Gutachterin
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin im Gespräch müde und erschöpft gewirkt
habe, bei Speed-Tests eine hohe Anspannung und Nervosität beobachtbar gewesen
sei und die Reaktionen äusserst hastig und hektisch gewesen seien. Es sei der
Eindruck entstanden, dass sich die Beschwerdeführerin enorm unter Zeitdruck gefühlt
habe und dadurch ihre Reaktionen nicht mehr angemessen habe steuern können. Die
Beschwerdeführerin habe die Fehlreaktionen scheinbar bemerkt, was ihre Unruhe
zusätzlich gesteigert habe. Dazu passend hat die Neuropsychologin festgehalten, dass
die Beschwerdeführerin sehr um eine korrekte Beantwortung der Fragen bemüht
gewesen sei. Sie habe häufig nachgefragt und eine starke Tendenz zu Selbstvorwürfen
gezeigt, als sie auf einer Seite fälschlicherweise die Ja- und Nein-Antworten
verwechselt habe. Sie habe zwischendurch immer wieder zu weinen begonnen, sich
aber wieder gefangen und sich bereit erklärt, die Testung nach einer Pause
weiterzuführen. Nach eineinhalb Stunden habe sie jedoch erklärt, sich nicht mehr
konzentrieren zu können und an Kopfschmerzen zu leiden. Sie habe sich sodann
mehrfach vergewissert, ob es von Seiten der Untersuchenden in Ordnung sei, wenn die
Testung unterbrochen und an einem anderen Tag weitergeführt werde (IV-act. 104
S. 37). Sodann ist die Neuropsychologin zusammenfassend zum Schluss gekommen,
dass die durchgeführten neuropsychologischen Testverfahren durchwegs Hinweise für
Einschränkungen im Bereich der Steuerung respektive der Inhibition von Impulsen
ergeben hätten. Auch wenn gleichzeitig ein Verdacht für gewisse Aggravations- und
Simulationstendenzen durch die vorliegenden Ergebnisse gestützt worden sei, hätten
sich die Auffälligkeiten im Bereich der Steuerung so stabil gezeigt, dass die Hypothese
entsprechender neuropsychologischer Funktionsdefizite dennoch aufrechterhalten
werden müsse. Darüber hinaus hätten sich auch Hinweise für eine eingeschränkte
Aufmerksamkeitskapazität ergeben. Insgesamt habe die Beschwerdeführerin unter
Zeitdruck eine sehr hastige und unsorgfältige Arbeitsweise gezeigt, bei der es zu einer
hohen Anzahl an Fehlern gekommen sei. Die Ergebnisse der klinischen
Selbstbeurteilungsverfahren wiesen auf eine schwergradige depressive Symptomatik
hin. Die Verdachtsdiagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung könne
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testdiagnostisch nicht genügend gestützt werden. Auf der Persönlichkeitsebene zeige
die Beschwerdeführerin klinisch relevante Merkmalsausprägungen in den Bereichen
unsicher-vermeidend, abhängig, zwanghaft, depressiv, paranoid und emotional-
instabil. Eine entsprechend kombinierte Persönlichkeitsstörung sei aus test-
diagnostischer Sicht wahrscheinlich (IV-act. 104 S. 40). Mit anderen Worten hat die
Beschwerdeführerin sich in gewissen Tests zwar auffällig verhalten, was auf
Aggravationstendenzen hindeuten könnte, gleichzeitig hat die Neuropsychologin
gerade im Bereich der Steuerung ein derart konstant auffälliges Verhalten beobachtet,
dass sie trotz nicht auszuschliessender Aggravationstendenzen von
neuropsychologischen Beeinträchtigungen ausgegangen ist (vgl. IV-act. 104 S. 4).
Nach dem Gesagten kann die neuropsychologische Untersuchung gerade nicht ohne
Weiteres als Beweis für Aggravationstendenzen betrachtet werden bzw. schon gar
nicht für solche, die es rechtfertigen würden, von der breit abgestützten Ansicht der
Behandler, wonach eine schwere Gesundheitsstörung mit starker Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestehe, abzuweichen.
Dr. L._ hätte zur Begründung ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehbar
aufzeigen müssen, worin sich ihr Aggravationstendenzen gezeigt haben, die eine zu
den behandelnden Ärzten stark divergierende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
rechtfertigen. Ein Verweis auf die neuropsychologische Testung reicht nach dem
Gesagten jedenfalls nicht aus. Dies gilt umso mehr für die depressive Problematik. Im
seitens der Neuropsychologin durchgeführten Testverfahren hinsichtlich der
depressiven Symptomatik hat die Beschwerdeführerin gerade einen Testwert erreicht,
der gemäss der Neuropsychologin für ein schweres depressives Syndrom spricht.
Aggravationstendenzen hat die Neuropsychologin hinsichtlich dieses Tests nicht
beschrieben (vgl. IV-act. 104 S. 38 und 40). Der Hinweis von Dr. L._, die
Beschwerdeführerin habe ihre Befindlichkeit im Selbstbeurteilungsfragebogen subjektiv
sehr hoch bewertet, was auf eine Aggravation hindeute, ist nicht nachvollziehbar
(vgl. IV-act. 104 S. 42). Das eingesetzte Testverfahren soll ja gerade dazu dienen, die
Befindlichkeiten der Beschwerdeführerin zu beurteilen. Es kann nicht sein, dass nur
tiefe Punktzahlen als glaubwürdig eingestuft werden, während eine hohe Bewertung
des subjektiven Leidens als Aggravationstendenz gedeutet wird. Diesfalls würde es
den Exploranden nämlich gar nie möglich, ein Testergebnis mit einer hohen
Gesundheitsbeeinträchtigung zu erzielen. Gegen Aggravations- und
Simulationstendenzen spricht auch die von Dr. L._ angeführte gute
Therapiecomplicane der Beschwerdeführerin (IV-act. 104 S. 45). Sodann hat auch Dr.
C._ in seinem Bericht vom 6. Mai 2018 eine Aggravation oder Simulation explizit
3.9.
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bestritten und auf die multiplen von der Beschwerdeführerin erlittenen
Traumatisierungen hingewiesen (act. G 1.4).
Weiter hat Dr. L._ der Beschwerdeführerin zahlreiche Einschränkungen (z.B.
eine Einschränkung der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit oder eine
Beeinträchtigung der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit) attestiert, diese aber ohne
Angabe genauer Gründe allesamt praktisch als leicht oder mässig eingestuft (vgl. IV-
act. 104 S. 44). Auch hat Dr. L._ nicht angegeben, auf welche Diagnosen die
einzelnen Einschränkungen zurückzuführen sind bzw. woraus sie diese einzelnen
Einschränkungen ableitet. Überdies ist nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, welche
Einschränkungen ihrer Ansicht nach zur attestierten Arbeitsunfähigkeit führen.
Schliesslich ist der Beschwerdeführerin darin zuzustimmen, dass im psychiatrischen
Teilgutachten eine ausreichende Auseinandersetzung mit den Vorakten, namentlich mit
den anderslautenden ärztlichen Einschätzungen, fehlt (vgl. z.B. act. G 1 S. 7 und 10).
Gerade angesichts der eklatanten Differenz zu den Einschätzungen der behandelnden
Ärzte wäre eine einlässliche Auseinandersetzung mit deren Berichten essenziell
gewesen. Die Vorakten werden im Gutachten zwar aufgeführt (vgl. IV-act. 104 S. 2 ff.),
diskutiert aber werden sie darin praktisch nicht. Die kurze Bezugnahme auf andere
Einschätzungen im Rahmen der Diagnosestellung erfolgt sodann offenkundig falsch.
Dr. L._ hat als Legitimation für die von ihr gestellte Diagnose Angst und depressive
Störung gemischt erwähnt, dass diese Diagnose sich mit den Beurteilungen von 2006
und 2014 decke, erst ab Sommer 2015 sei diagnostisch von einer schweren
depressiven Störung die Rede gewesen (IV-act. 104 S. 43, oben). Wie bereits erwähnt,
hat aber schon Dr. E._ in einem Bericht vom September 2013 von einer schweren
depressiven Episode berichtet (vgl. IV-act. 17). Selbst wenn es aber so wäre, dass in
den Akten erst ab Juli 2015 von einer schweren depressiven Episode die Rede
gewesen wäre, bliebe Dr. L._ immer noch eine Erklärung dafür schuldig, warum sie
die Ansicht der Behandler, dass ab Juli 2015 eine schwere depressive Episode
bestanden habe, nicht teilt. Sie hat im Gutachten generell keine retrospektive
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen, sondern sich damit begnügt, eine
Einschätzung für den Gesundheitszustand ab dem Zeitpunkt der Begutachtung
abzugeben (vgl. IV-act. 104 S. 47). Für die Zeit zwischen dem potentiellen
Rentenbeginn im November 2013 und der Begutachtung im Februar 2017 fehlt
demnach eine gutachterliche Einschätzung. Aber auch die Aktenlage nach der
Begutachtung mit einem dokumentierten erneuten Suizidversuch und einer erneuten
stationären Behandlung lässt Zweifel an der gutachterlichen Beurteilung aufkommen.
Die nach der Begutachtung aufgelaufenen Akten weisen darauf hin, dass der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin eben gerade nicht stabil ist und eine
3.10.
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Arbeitsfähigkeit nicht gegeben ist, selbst wenn gemäss dem Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik H._ vom 26. Juni 2017 zumindest bei Austritt nur noch eine
mittelgradige depressive Symptomatik vorhanden gewesen ist (vgl. IV-act. 115).
Sowohl die behandelnden Ärzte der Psychiatrischen Klinik H._ als auch Dr. I._ sind
in ihren Berichten vom 26. Juni 2017 und 24. Juli 2017 noch immer von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen (vgl. IV-act. 115 und 118). Die Stellungnahme von Dr.
L._ vom 13. November 2017, die zu grossen Teilen in einer Zusammenfassung des
Inhalts der nach der Begutachtung eingereichten Akten bestanden hat, hat die
Unterschiede zwischen ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung und denjenigen der
behandelnden Ärzte ebenfalls nicht nachvollziehbar erklären können (vgl. IV-act. 123).
Auch hat sie sich entgegen der Aufforderung des RAD nicht zur Frage geäussert,
inwiefern bei der Beschwerdeführerin verminderte Kompensationsressourcen aufgrund
der bestehenden Persönlichkeitsproblematik bestünden oder inwiefern es sich bei den
Dekompensationen des Gesundheitszustandes lediglich um Anpassungsstörungen
aufgrund einer psychosozialen Problematik handle (vgl. IV-act. 119 S. 2).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
bidisziplinären Gutachtens vom 4. März 2017 nicht überzeugt. Vielmehr ist aufgrund
der gut dokumentierten und nachvollziehbaren Krankheitsgeschichte sowie der
zahlreichen übereinstimmenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen von psychiatrischen
Fachärzten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin - abgesehen von kurzen Episoden mit allfällig marginaler
Arbeitsfähigkeit - aus psychischen Gründen seit dem November 2013 bis mindestens
Februar 2018 auch in leidensangepassten Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig
gewesen ist. Da die Episoden der potentiellen Arbeitsfähigkeit kurz gewesen sind, die
in diesen Zeiträumen attestierte Arbeitsfähigkeit bei lediglich 40 % mit gleichzeitig
eingeschränkter Leistungsfähigkeit gelegen hat, die Arbeitsfähigkeit insbesondere im
Hinblick auf eine Eingliederung attestiert worden ist und der Gesundheitszustand nicht
stabil gewesen ist, rechtfertigt es sich grundsätzlich, von einer durchgehenden
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Erst im Februar 2018 ist der Beschwerdeführerin
seitens ihrer behandelnden Psychiaterin Dr. I._ neu eine ungefähr 20%ige
Arbeitsfähigkeit attestiert worden (vgl. IV-act. 133), nachdem sich ihr Zustand durch
eine erneute stationäre (vgl. IV-act. 115), tagesklinische (vgl. IV-act. 133 S. 2) und
ambulante Behandlung zumindest kurzfristig wieder etwas stabilisiert zu haben scheint
(vgl. IV-act. 133 S. 4). Zu den psychischen Problemen sind allerdings schon damals
somatische Leiden hinzugetreten, sodass die Arbeitsfähigkeit auch im
Verfügungszeitpunkt vom 24. April 2018 (vgl. IV-act. 144) eher unter 20 % gelegen
haben dürfte, zumal die somatischen und psychischen Probleme in Wechselwirkung
3.11.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/25
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4.
zueinander stehen, worauf auch Dr. L._ und Dr. K._ hingewiesen haben (vgl. IV-
act. 104 S. 49). Auch Dr. C._ hat in seinem kurz nach dem Verfügungserlass am 6.
Mai 2018 erstellten ärztlichen Zeugnis in einer Gesamtschau der somatischen und
psychischen Beschwerden überzeugend aufgezeigt, dass die Beschwerdeführerin auf
dem ersten Arbeitsmarkt zu 100 % arbeitsunfähig sei (act. G 1.4). Schliesslich ist die
Beschwerdeführerin bereits im November 2018 aufgrund einer erneuten psychischen
Dekompensation wieder in eine stationäre Behandlung eingetreten (vgl. act. G 13.1),
was ebenfalls darauf hindeutet, dass die gesundheitliche Verbesserung im April 2018
nicht stabil gewesen ist. Demnach ist es fraglich, ob im Verfügungszeitpunkt
tatsächlich eine 20%ige Arbeitsfähigkeit bestanden hat. Bei einem Valideneinkommen
im Jahr 2011 von Fr. 61'644.-- (vgl. IV-act. 3 S. 1; vgl. ferner IV-act. 144 S. 2),
hochindexiert auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns im Jahr 2013 von gerundet
Fr. 62'686.-- (Fr. 61'644.-- / 2604 x 2648; vgl. Tabelle T 39 des Bundesamtes für
Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne,
2010-2018) und einem Invalideneinkommen von gerundet Fr. 10'359.-- (20 % von
Fr. 51'793.--; vgl. Medianlohn der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Gesundheit 2013 für die im Kompetenzniveau 1 beschäftigten Frauen
gemäss Anhang 2 der Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV 2019) resultiert
jedenfalls selbst bei der Annahme einer 20%igen Arbeitsfähigkeit aufgrund einer
Erwerbseinbusse von Fr. 52’327.-- ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
(Fr. 52'327.-- x 100 / Fr. 62'686.-- = IV-Grad von gerundet 83.5 %). Weitere
Abklärungen zu den somatischen Beschwerden oder Ausführungen zu einem allfälligen
Abzug vom Tabellenlohn erübrigen sich somit. Selbstverständlich wird die
Beschwerdegegnerin den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin revisionsweise
zu überprüfen und bei allfälligen Veränderungen die notwendigen Anpassungen in die
Wege zu leiten haben.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben. Der Beschwerdeführerin ist rückwirkend ab dem 1.
November 2013 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.2.
bis
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