Decision ID: f2c111f7-a316-4805-9603-6c6dd419fbfb
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 15. März 2013 bei der IV-Stelle
des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen an (IV-act. 1). Er gab an, an einer durch seine Arbeitslosigkeit wieder
hervorgerufenen posttraumatischen Belastungsstörung zu leiden und seit dem 14.
November 2012 zu 100 % arbeitsunfähig zu sein (IV-act. 1 S. 4 ff.). Er war im Zeitpunkt
der IV-Anmeldung allerdings noch als Betriebsmitarbeiter bei der B._ AG angestellt
gewesen (vgl. IV-act. 16). Im Jahr _ war der Versicherte zusammen mit seiner
Ehefrau und seinem Kind als Flüchtling aus C._ in die Schweiz eingereist (vgl. dazu
IV-act. 140 und act. G 19.1). Zwischen November 2004 und Oktober 2005 hatte er sich
im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des Z._ in Behandlung befunden, zu
deren Beginn die behandelnden Ärzte die Diagnosen einer posttraumatischen
Belastungsstörung und einer Anpassungsstörung (vorwiegend Depression) sowie den
Verdacht auf eine Somatisierungsstörung gestellt hatten (IV-act. 58 ff.). In einem
Verlaufsbericht vom Oktober 2005 hatte die behandelnde Ärztin des Ambulatoriums
festgehalten, dass der Versicherte zum letzten Mal in die Therapie gekommen sei. Ihm
gehe es besser. Er habe gesagt, dass er innerlich ruhiger geworden sei und ihm
bewusster geworden sei, was er in schwierigen Situationen tun könne (IV-act. 59). Seit
A.a.
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seiner Einreise in die Schweiz war der Versicherte auch wegen diverser weiterer
Beschwerden (z.B. arterielle Hypertonie, lumbale und thorakale Schmerzen,
Kopfschmerzen und Prostataprobleme) sowie eines beidseitigen
Karpaltunnelsyndroms, welches im Jahr 2008 operiert worden war (IV-act. 65 f.), in
Behandlung gewesen (vgl. IV-act. 52 S. 52 ff.; vgl. insbesondere IV-act. 52 S. 68 f.). Am
8. Juli 2012 war beim Versicherten bei der Diagnose Tendovaginitis stenosans de
Quervain rechts eine Spaltung des ersten Strecksehnenfaches vorgenommen worden
(IV-act. 52 S. 47 ff.). Aufgrund einer therapieresistenten Hypertonie war am 15. Oktober
2012 eine MRT der Nieren durchgeführt worden, wobei die intrarenalen arteriellen Äste
eine fast perlschnurartige Veränderung bzw. einen fast perlschnurartigen Aspekt
gezeigt hatten, sodass multiple kleine intrarenale Stenosierungen
kernspintomographisch nicht mit Sicherheit hatten ausgeschlossen werden können.
Als Nebenbefund hatte sich eine kleine kortikale Nierenzyste gezeigt. Im Bereich des
Nierenunterpols linksseitig war eine scharf begrenzte grosse Strukturalteration zur
Darstellung gekommen, bei welcher es sich nach Einschätzung des untersuchenden
Radiologen um eine eingeblutete Zyste gehandelt hatte, weshalb er diesbezüglich eine
urologische Weiterabklärung empfohlen hatte (IV-act. 52 S. 46). Am 6. November 2012
hatte sich der Versicherte beim Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer, bei welchem
er bereits früher behandelt worden war, telefonisch gemeldet und mitgeteilt, dass er
seit rund einem halben Jahr unter verstärkten Symptomen der posttraumatischen
Belastungsstörung (insbesondere an Schlafstörungen, Stress, Traurigkeit und
Intrusionen) leide. Vorausgegangen seien die Ermordung von Freunden, die Verhaftung
eines Geschwisters sowie ein Y._ in C._, was viele seiner traumatischen
Erinnerungen aktualisiert habe. Er würde gerne wieder in Behandlung kommen.
Aufgrund von Kapazitätsengpässen hatte das Ambulatorium ihn an das Zentrum für
Psychotraumatologie D._ verwiesen (IV-act. 60). Ab dem 14. November 2012 war der
Versicherte von seinem Hausarzt Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin FMH, F._ GmbH, zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden (IV-act. 2).
Ab Januar 2013 hatte er im D._ eine Behandlung aufgenommen (vgl. IV-act. 24). Das
Arbeitsverhältnis zwischen dem Versicherten und der Arbeitgeberin wurde per _ 2013
in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst (IV-act. 16).
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In einer am 19. April 2013 durchgeführten Untersuchung des Thorax zeigte sich
ein grenzwertig grosses Herz ohne Zeichen einer kardiopulmonalen Dekompensation,
ansonsten ein alters- und habitusentsprechend normaler Herz-Lungen-Befund (IV-
act. 52 S. 43). Am 3. Mai 2013 nannte Dr. E._ als Diagnosen eine Depression, eine
posttraumatische Belastungsstörung, Rückenschmerzen sowie eine Hypertonie. Weiter
gab er an, dass sich der Versicherte seit dem 17. April 2012 in seiner Behandlung
befinde. Die bisherige Tätigkeit sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Es
bestünden erhebliche Einschränkungen, die sich durch medizinische Massnahmen
nicht vermindern liessen. Mit einer Wiederaufnahme der Tätigkeit könne nicht
gerechnet werden (IV-act. 17). In einer urologischen Abklärung vom 15. August 2013
ergab sich als Diagnose eine psychosomatische Verspannungsprostatitis im Rahmen
eines postdistress-Syndroms bei Folterung im Gefängnis (IV-act. 52 S. 40; zur
Empfehlung einer urologischen Abklärung vgl. IV-act. 52 S. 46; zu einer späteren
urologischen Untersuchung vgl. IV-act. 52 S. 2). In einer MRT-Untersuchung vom 26.
November 2013 zeigte sich im Wesentlichen eine breitbasige, leicht rechts bevorzugte
Hernierung der Bandscheibe C 6/7 median mit rechts rezessaler Einengung, aber auch
leichter foraminaler Einengung rechtsseitig sowie eine leichte Diskusprotrusion Th 9/10
ohne wesentliche Einengung des Spinalkanals (IV-act. 52 S. 37). Am _. Januar 2014
stellte sich der Versicherte wegen Kopfschmerzen in der Notfall-Sprechstunde der
Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vor. Im
Untersuchungsbericht vom _. Januar 2014 hielten die behandelnden Ärzte fest, dass
gemäss den anamnestischen Angaben und klinischen Befunden am ehesten von einem
chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp auszugehen sei mit Exazerbation bei
einer Belastungssituation durch die Trennung von der langjährigen Ehefrau.
Computertomographisch habe keine Ursache für die Kopfschmerzen gefunden werden
können. Aufgrund eines erheblichen Leidensdrucks und des Wunsches des
Versicherten, stationär aufgenommen zu werden, sei eine stationäre Aufnahme
vorbereitet worden. Der Versicherte habe aber die Notaufnahme frühzeitig in gereiztem
Zustand verlassen, da ihm die Wartezeit zu lang erschienen sei (IV-act. 52 S. 30 ff.). In
einem Bericht an die IV-Stelle vom 14. Januar 2014 nannte Dr. med. G._, Facharzt für
X._, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, D._, als Diagnosen eine
posttraumatische Belastungsstörung sowie eine depressive Symptomatik bei Verdacht
auf eine rezidivierende Störung. Der Versicherte sei nach politischen Aktivitäten in ein
A.b.
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Gefängnis gekommen und während der Untersuchungshaft massiv gefoltert worden. Er
habe an Hungerstreiks teilgenommen und teilweise im Untergrund weitergelebt. Er
erlebe zeitweise häufig Albträume, sei gereizt, niedergeschlagen und freudlos. Zurzeit
bestünden depressive Symptome, da er nach der Trennung von seiner Frau alleine
lebe. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet
werden (IV-act. 24).
Mit Mitteilung vom 12. März 2014 informierte die IV-Stelle den Versicherten
darüber, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien. Der
Anspruch auf eine Rentenleistung werde mit der Einleitung von weiteren Abklärungen
geprüft (IV-act. 27).
A.c.
Am 1. April und 16. Mai 2014 erfolgten wegen einer Gynäkomastie beidseits
Sprechstunden bei Prof. Dr. med. H._, Facharzt für Innere Medizin FMH, spez.
Endokrinologie und Diabetologie, I._ AG (IV-act. 52 S. 25 ff.). Im Rahmen der
Untersuchungen war auch ein Schlafapnoe-Screening durchgeführt worden, wobei
sich der Verdacht auf ein moderates Schlafapnoe-Syndrom ergeben hatte. Da sich der
Versicherte jedoch nicht vorstellen konnte, mit einer Maske zu schlafen, wurde auf eine
weitere Diagnostik mit Polysomnografie verzichtet (IV-act. 52 S. 26, oben). In einem
Verlaufsbericht vom 26. Juni 2014 beschrieb Dr. G._ den Gesundheitszustand des
Versicherten als stationär und verneinte eine Veränderung der Diagnosen. Die
Trennung von der Ehefrau und der Umzug hätten die depressive Symptomatik
verstärkt, wobei zeitweise auch suizidale Gedanken aufträten. Der Versicherte habe
von der tagesklinischen Behandlung nicht mehr profitieren können, sodass er in die
ambulante Behandlung übernommen worden sei. Aufgrund der Depression sei keine
Möglichkeit für eine Arbeitstätigkeit ersichtlich (IV-act. 34). In einem Verlaufsbericht
vom 23. Juli 2014 gab Dr. G._ eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes an.
Wiederum wies er darauf hin, dass die Trennung von der Frau und der Umzug die
depressive Symptomatik verstärkt hätten zweitweise einhergehend mit suizidalen
Gedanken. Der Versicherte habe diesbezüglich allerdings stabilisiert werden können.
Die depressive Symptomatik sei weiterhin wechselnd. Der Versicherte komme einmal
pro Monat in die Therapie (IV-act. 35). Anlässlich einer Kontrolle in der Orthopädie
J._ vom 20. Oktober 2014 wegen belastungsabhängiger Beschwerden am rechten
A.d.
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Daumen zeigte sich eine beginnende Ringbandstenose und eine beginnende
Rhizarthrose rechts (IV-act. 52 S. 23).
Am 29. Januar 2015 berichtete Dr. med. K._, Facharzt für Neurologie, dass der
Versicherte sich ab dem 25. März 2014 zu ihm in neuro-psychiatrische Behandlung in
C._ischer Sprache begeben habe. Der Versicherte leide an einer chronischen,
posttraumatischen Belastungsstörung mit diversen Symptomen und Beschwerden.
Ausserdem habe er chronifizierte Kopfschmerzen vorwiegend vom Spannungstyp und
häufige Migräneanfälle sowie ein Zervikovertebralsyndrom mit Schmerzen im
Nackenbereich und Schmerzausstrahlung in den rechten Arm bei einer Diskushernie C
6/7 mediabasal mit Rechtsbetonung (IV-act. 39 S. 11). Auch klage er seit Jahren über
eine Kraftverminderung und Parästhesien an den Händen. Eine fassbare
Kraftverminderung bzw. muskuläre Atrophie habe sich allerdings nicht gezeigt. Die
beschriebenen Gefühlsstörungen beträfen den Nervus medianus und den Nervus
ulnaris, die elektrophysiologisch untersucht worden seien. Die teils abnormen
Untersuchungswerte wiesen auf ein rechtsseitig leichtgradiges, linksseitig mindestens
mittelgradiges sensomotorisches Karpaltunnelsyndrom hin. Linksseitig bestehe auch
eine deutliche sensomotorische axonale Störung. Angesichts der abnormen Werte
bestehe eine Operationsindikation. Der Versicherte wolle mit einem chirurgischen
Eingriff jedoch vorläufig zuwarten (IV-act. 39 S. 12). In einer CT-Untersuchung des
Thorax vom 15. Mai 2015 zeigte sich eine grenzwertige Vergrösserung vor allem rechts
kardial (IV-act. 52 S. 15). Am _ Mai 2015 erfolgte eine Selbstvorstellung des
Versicherten in der Notfallsprechstunde des KSSG wegen starker Kopfschmerzen.
Klinisch-neurologisch präsentierte sich der Versicherte komplett unauffällig. Für eine
sekundäre Kopfschmerzursache ergaben sich keine Anhaltspunkte. Die behandelnden
Ärzte nannten den Verdacht auf eine Migräne ohne Aura (IV-act. 52 S. 12 f.). In einem
Verlaufsbericht an Dr. E._ vom 6. Juni 2015 hielt Dr. K._ fest, dass der Versicherte
sehr häufig über Atembeschwerden, rasche Ermüdbarkeit, Schwindel, Ödeme im
Fussbereich und sehr hohen Blutdruck klage (IV-act. 39 S. 9). Bekanntlich seien
perlschnurartige Veränderungen der intrarenalen arteriellen Äste gefunden worden
(vgl. dazu IV-act. 52 S. 46). Seines Erachtens sei der Versicherte kardiologisch
gründlich zu untersuchen (IV-act. 39 S. 9). Am 18. Juni 2015 berichtete Dr. K._
gegenüber der IV-Stelle, dass die Beweglichkeit der Halswirbelsäule bei der Rotation
A.e.
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nach rechts schmerzhaft sei und der Versicherte subjektiv ständige Schmerzen im
Nackenbereich mit einer Schmerzausstrahlung in den rechten Arm angebe. Auch habe
er Kribbelparästhesien an den Fingern bei Vorliegen eines Karpaltunnelsyndroms. Die
muskuläre Kraft im Medianusbereich rechts sei etwas schwach. Ansonsten bestehe ein
unauffälliger Neurostatus (IV-act. 39 S. 2 ff., insbesondere S. 6 ff.). Aufgrund von
Schmerzen im Schultergürtel fand am 5. August 2015 eine Untersuchung bei Dr. med.
L._, Orthopädie M._, statt. Dieser stellte die Diagnose einer chronischen
Zervikobrachialgie rechtsbetont bei mässigen degenerativen Veränderungen im Bereich
der Halswirbelsäule (insbesondere C 6/7 und weniger C 5/6). Er erachtete nicht die
Schulter als Ursache der Beschwerden. Es bestünden keine Anhaltpunkte für eine
Rotatorenmanschettenschädigung oder ein Impingement. Die Schmerzproblematik sei
vielmehr einerseits muskulär und andererseits zervikal bedingt (IV-act. 52 S. 7 f.;
vgl. dazu auch IV-act. 52 S. 1). Aus diesem Grund erfolgte eine Zuweisung zu Prof. Dr.
med. N._, Zentrum O._, welcher den Versicherten am 6. August 2015 untersuchte
und als Diagnose eine Radikulopathie C 7 rechts mit diskreter Trizepsschwäche rechts
bei Diskushernie C 6/7 rechts stellte. Er teilte die Auffassung, dass es sich nicht um ein
Schulter-, sondern um ein Halswirbelsäulenproblem handle, wobei vermutungsweise
noch eine psychische Komponente hinzukomme (IV-act. 52 S. 5 f.). Da durch eine
Epiduralblockade nur eine kurzfristige Schmerzlinderung erzielt worden war, zog Prof.
N._ am 21. August 2015 ein operatives Vorgehen mit einer Diskektomie C 6/7 in
Erwägung (IV-act. 52 S. 4). In einem Bericht vom 1. Oktober 2015 nannte Dr. G._ als
Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom. Mit
einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden (IV-
act. 44). Im Januar und Februar 2016 fanden sodann Untersuchungen in der
Neurologie und Wirbelsäulenchirurgie der Klinik P._ statt, wobei die behandelnden
Ärzte ein zervikoradikuläres Reiz- und diskretes sensibles Ausfallsyndrom C 6 bei
Diskushernie mit rezessaler Einengung C 6/7 diagnostizierten (IV-act. 69 ff.).
Am 7., 12. und 13. September 2016 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle
von der medexperts AG polydisziplinär (internistisch, neuropsychologisch,
neurologisch, psychiatrisch und orthopädisch) untersucht (IV-act. 82 S. 1 ff.). Im
polydisziplinären Konsens ihres Gutachtens vom 17. Oktober 2016 hielten die
A.f.
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Sachverständigen als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
posttraumatische Belastungsstörung fest. Als Nebendiagnosen ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten sie eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte Episode, eine cervikale Diskushernie C 6/7 rechts mit Schmerz und
diskretem, residuellem motorischem Ausfallsyndrom, eine arterielle Hypertonie, eine
Adipositas Grad I, eine psychosomatische Verspannungsprostatitis im Rahmen eines
postdistress-Syndroms sowie ein Schlafapnoesyndrom moderat (IV-act. 82 S. 49).
Sodann kamen die Gutachter zum Schluss, dass sich aus somatischer Sicht keine
Einschränkungen der Leistungsfähigkeit feststellen liessen (IV-act. 82 S. 53, unten). Aus
allgemein-internistsicher Sicht bestehe zwar ein Schlafapnoesyndrom, welches jedoch
aufgrund fehlender Compliance des Versicherten (er wolle keine Maske tragen) nicht
lege artis therapiert werden könne. Weiter sei eine chronische Prostatitis vorhanden,
welche symptomatisch therapiert werde. Sodann bestehe eine Hypertonie, deren
Ursache genauer eruiert werden sollte, falls dies nicht bereits geschehen sei. Durch die
chronischen Erkrankungen sei die Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt (IV-act. 82
S. 52). Auch aus orthopädischer und neurologischer Sicht sei eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein Pensum von 100 % gegeben. Aus psychiatrischer
Sicht bestehe aufgrund der durch eine posttraumatische Belastungsstörung bedingten
Defizite eine 60%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein Pensum von 100 % (IV-act. 82
S. 53). In der polydisziplinären Beurteilung sei somit die psychiatrische Erkrankung
führend. Es bestehe aus polydisziplinärer Sicht eine 60%ige Arbeitsfähigkeit bezogen
auf ein Pensum von 100 %. Die Einschätzung gelte seit dem Zeitpunkt der
Begutachtung vom 7. September 2016 (IV-act. 82 S. 54).
In einer Stellungnahme vom 18. Oktober 2016 empfahl der regionale ärztliche
Dienst (RAD) für die Leistungsentscheidung auf das polydisziplinäre Gutachten
abzustellen. Gleichzeitig merkte er an, dass es nicht nachvollziehbar sei, weshalb die
Gutachter auf die Bestimmung der Medikamentenspiegel verzichtet hätten, da eine
solche durchaus Rückschlüsse auf die Compliance ermöglichen könne (IV-act. 85 S. 3).
Auf eine entsprechende Nachfrage seitens der IV-Stelle (IV-act. 84) erklärte der
psychiatrische Gutachter am 14. Februar 2017, dass die Medikamentenspiegel
nachgefordert worden seien. Anhand der Resultate zeigten sich für alle getesteten
Medikamente niedrige, also unter der therapeutischen Zieldosis liegende bis kaum
A.g.
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nachweisbare Spiegel. Der gemessene Spiegel von Agomelatin könne jedoch durchaus
mit einer regelkonformen Einnahme einhergehen. Ergänzend zu seinen Ausführungen
im Gutachten hielt der psychiatrische Sachverständige fest, dass bei leichten und
mittelgradigen depressiven Störungen die Therapie der Wahl Psychotherapie oder
Psychopharmakotherapie sei. Erst ab einer schweren depressiven Episode sei die
Therapie der Wahl eine Kombination von Psychotherapie und
Psychopharmakotherapie. Da beim Versicherten keine schwere depressive Episode
nachgewiesen sei und angesichts des Anpassungsstörungscharakters der depressiven
Symptomatik sollte das Hauptaugenmerk auf psychotherapeutischen
Behandlungsansätzen beruhen (IV-act. 87). Am 15. März 2017 nahm der RAD
dahingehend Stellung, dass sich aufgrund der getesteten Medikamentenspiegel keine
Änderungen hinsichtlich der medizinischen Beurteilung und somit auch der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ergeben würden (IV-act. 88).
Mit Vorbescheid vom 24. Oktober 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, es liege in der angestammten und auch in jeder anderen leichten bis
mittelschweren, angepassten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % vor. Als
Valideneinkommen sei der Verdienst heranzuziehen, den der Versicherte vor der
Arbeitslosigkeit erzielt hätte, wenn er die Stelle nicht aufgegeben hätte. Damit liege im
Vergleich mit statistischen Durchschnittswerten ein Minderverdienst vor, sodass das
Invalideneinkommen um den 5 % übersteigenden Prozentsatz der
Unterdurchschnittlichkeit des Validenlohns, mithin um 51.95 %, herabzusetzen sei. Bei
diesem Einkommensvergleich resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad
von 37 % (IV-act. 95).
A.h.
Gegen diesen Vorbescheid wandte der Versicherte durch seinen damaligen
Rechtsvertreter am 13. Februar 2018 ein, dass das Gutachten bereits ca. eineinhalb
Jahre alt und somit nicht mehr aktuell sei. Auch sei das Gutachten nicht valide, wie
eine Stellungnahme von Dr. G._ vom 9. Februar 2018 aufzeige. Die Gutachterstelle
sei fachlich gar nicht befähigt gewesen, in einem solch speziellen Fall wie dem
vorliegenden ein Gutachten zu erstellen. Im Übrigen habe die IV-Stelle beim
Einkommensvergleich zu Unrecht keinen Teilzeitabzug vorgenommen (IV-act. 109 S. 1
f.). Den Bericht von Dr. G._ legte der Versicherte seinem Einwand bei (IV-act. 109
A.i.
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B.
S. 3 ff.). Am 16. März 2018 nahm der RAD zu den Einwänden des Versicherten und den
Ausführungen von Dr. G._ ausführlich Stellung. Gleichzeitig empfahl er die Vorlage
der Einwände an die Gutachterstelle (IV-act. 110). Am 27. März 2018 nahm der
psychiatrische Sachverständige gemeinsam mit einem weiteren psychiatrischen
Facharzt der medexperts AG zu den Ausführungen von Dr. G._ vom 9. Februar 2018
Stellung. Die Ärzte kamen zum Schluss, dass sich aufgrund der Ausführungen von Dr.
G._ aus gutachterlicher Sicht keine Änderungen hinsichtlich der im Gutachten
vorgenommenen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ergäben (IV-act. 113). Am 5. April
2018 hielt der RAD fest, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht an der
gutachterlichen Beurteilung einer 60%igen Arbeitsfähigkeit festgehalten werden könne.
Weitere Abklärungen seien nicht notwendig (IV-act. 114). Im Rahmen einer zweiten
Anhörung hielt der Versicherte in einem Schreiben vom 27. April 2018 an seinem
Standpunkt fest, wonach das Gutachten der medexperts AG bereits veraltet und nicht
valide sei (IV-act. 118 S. 1 f.). Zudem reichte er ein Schreiben von Dr. G._ vom 24.
April 2018 ein (IV-act. 118 S. 3 f.). In einer Stellungnahme vom 2. Mai 2018 ging der
RAD auf die Ausführungen von Dr. G._ vom 24. April 2018 ein und kam zum Schluss,
dass an der Einschätzung einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in
adaptierten Tätigkeiten festgehalten werden könne. Weitere Abklärungen seien nicht
notwendig (IV-act. 119).
Mit Verfügung vom 8. Mai 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten im Sinne des Vorbescheids ab (IV-act. 120).
A.j.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer),
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Fäh, St. Gallen, am 11. Juni 2018 Beschwerde.
Er beantragte, die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 8.
Mai 2018 sei aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zur Abklärung des
Invaliditätsgrades zurückzuweisen. Eventualiter sei eine ganze Rente zuzusprechen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Weiter beantragte er eine Nachfrist zur
einlässlichen Begründung der Beschwerde (act. G 1). Die angesetzten Nachfristen liess
der Beschwerdeführer ungenutzt verstreichen (act. G 8; vgl. ferner act. G 4 ff.).
B.a.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente.
2.
Vorweg ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die versicherungsmässigen
Voraussetzungen für die Zusprache einer ordentlichen Invalidenrente erfüllt (zu den
Voraussetzungen vgl. Art. 6 und 36 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Der Beschwerdeführer hatte nämlich im
Zeitpunkt seiner IV-Anmeldung bzw. im Zeitpunkt des darin geltend gemachten Eintritts
der Arbeitsunfähigkeit (vgl. IV-act. 1 S. 4; zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit vgl. ferner
E. 4.5.3) die verlangte Beitragszeit von drei Jahren gemäss dem in den Akten liegenden
Auszug aus seinem individuellen Konto der schweizerischen Sozialversicherungsanstalt
(SVA) offensichtlich erreicht (vgl. IV-act. 13).
3.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 5. November 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 11).
B.b.
In seiner Replik vom 20. Februar 2019 hielt der Beschwerdeführer, abgesehen
vom Antrag um Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdebegründung, sinngemäss an
seinen in der Beschwerde gestellten Anträgen fest (act. G 19).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 20 f.).B.d.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben versicherte Personen, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der
3.1.
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durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichen Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
3.2.
In beweisrechtlicher Hinsicht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (BGE 125 V
352 E. 3a). Der im Sozialversicherungsrecht geltende Untersuchungsgrundsatz
schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur
insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen
3.3.
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4.
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen und 138 V 221 f. E. 6
mit Hinweisen). Die Verwaltung resp. das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als
bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen).
Die vorliegend zu beurteilende IV-Anmeldung hat der Beschwerdeführer am 15.
März 2013 bei der IV-Stelle eingereicht (IV-act. 1). Der früheste Beginn eines allfälligen
Rentenanspruchs im Sinne von Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG ist somit der 1. September
2013. Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG dürfte zu diesem Zeitpunkt
allerdings noch nicht verstrichen gewesen sein, da sich der Beschwerdeführer unter
Hinweis auf eine am 14. November 2012 eingetretene Arbeitsunfähigkeit zum
Leistungsbezug angemeldet hat (IV-act. 1 S. 4) und Dr. E._ ihm ab diesem Zeitpunkt
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hat (IV-act. 2). Unter Berücksichtigung
des Wartejahres fällt der frühestmögliche Rentenbeginn somit auf den 1. November
2013 (Art. 28 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 29 Abs. 3 IVG).
4.1.
Zunächst zu prüfen ist demnach, ob aufgrund der vorliegenden medizinischen
Aktenlage der Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers ab November 2012 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E.
6; Urteil des Bundesgerichts vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2). Während sich
die Beschwerdegegnerin für die Ablehnung des Rentenanspruchs in erster Linie auf
das Gutachten der medexperts AG gestützt hat (vgl. IV-act. 120; act. G 11), bestreitet
der Beschwerdeführer unter Hinweis auf die Stellungnahmen von Dr. G._ vom 9.
Februar (IV-act. 109 S. 3 ff.) und 24. April 2018 (IV-act. 118 S. 3 f.) die Beweiskraft des
Gutachtens (act. G 1 und 19).
4.2.
4.3.
Dr. G._ hat einerseits die fachliche Eignung des psychiatrischen Gutachters im
vorliegenden Fall angezweifelt. Er hat ausgeführt, dass die Beurteilung der Folgen einer
Inhaftierung mit Folter spezielles Fachwissen erfordere, das sich sowohl aus
Erfahrungswerten im Umgang mit Patienten als auch aus umfangreichen Kenntnissen
der Fachliteratur zu diesem speziellen Krankheitsbild zusammensetze. Die alleinige
Facharztqualifikation als Psychiater sei nicht ausreichend. Das Anforderungsprofil eines
4.3.1.
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psychiatrischen Gutachters müsse an die besonderen Verhältnisse bei der
Begutachtung von Folteropfern angepasst werden. In der Schweiz seien nur wenige
Psychiater mit ausreichender Therapieerfahrung und Weiterbildung verfügbar (IV-act.
109 S. 4).
Hinweise auf eine fehlende Facheignung des von der Beschwerdegegnerin
beauftragten psychiatrischen Gutachters können der Aktenlage nicht entnommen
werden. Wie der RAD nachvollziehbar ausgeführt hat, hat der psychiatrische Gutachter
der medexperts AG einen FMH-Titel in Psychiatrie, weshalb seine Eignung,
psychiatrische Störungsbilder beurteilen zu können, grundsätzlich anzunehmen ist,
solange keine konkreten Indizien dagegen sprechen (vgl. IV-act. 110 S. 2). Weiter ist zu
erwarten, dass der psychiatrische Gutachter den Auftrag nicht angenommen hätte,
wenn er sich dazu fachlich nicht fähig gefühlt hätte. Auch umschreibt Dr. G._ nicht
konkret, welche Qualifikationen denn seines Erachtens ausreichend wären. Da gemäss
Dr. G._ in der Schweiz nur wenige Psychiater über eine ausreichende Weiterbildung
und Therapieerfahrung mit Folteropfern verfügen, ist überdies fraglich, ob überhaupt
ein in den Augen von Dr. G._ fachlich ausreichend qualifizierter Gutachter gefunden
werden könnte, der neben den spezialärztlichen auch über die erforderlichen
gutachterlichen Qualifikationen verfügen würde und sich auch tatsächlich für eine
Begutachtung zur Verfügung stellen würde. Sodann leuchtet die Stellungnahme des
RAD, wonach es bei der psychiatrischen Begutachtung in erster Linie um die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anhand der Funktionseinschränkungen gehe, sodass
eine Therapieausbildung in Psychotraumatologie nicht im Vordergrund stehe, ein (IV-
act. 110 S. 3). Zusammenfassend ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass der psychiatrische Gutachter, der seine Beurteilung überdies im
Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung mit Fachärzten weiterer Disziplinen
abgegeben hat (vgl. IV-act. 82), fachlich ausreichend qualifiziert gewesen ist, zumal
auch der RAD ihn als fachlich qualifiziert erachtet (vgl. IV-act. 110).
4.3.2.
Weiter hat Dr. G._ die vom psychiatrischen Gutachter abgegebenen
Therapieempfehlungen und damit einhergehend dessen Prognose kritisiert (vgl. IV-
act. 109 S. 7, oben), wozu letzterer am 27. März 2018 Stellung genommen hat (vgl. IV-
act. 113). Angesichts dessen, dass die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
nicht gestützt auf eine fehlende Inanspruchnahme von Therapien abgelehnt und dem
Beschwerdeführer solche vorläufig auch nicht als Schadenminderungspflicht auferlegt
hat, braucht auf die Thematik der Therapieoptionen vorliegend nicht näher
eingegangen werden (vgl. IV-act. 120 S. 1 f.).
4.4.
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4.5.
Weiter hat Dr. G._ bemängelt, dass wesentliche wissenschaftliche
Erkenntnisse zur Behandlung von Folteropfern im Gutachten nicht berücksichtigt
worden seien (IV-act. 109 S. 8). Der psychiatrische Sachverständige habe die
diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung im Gutachten zwar im
Zusammenhang mit der Foltererfahrung aufgeführt, jedoch die besondere Ausprägung
dieser speziellen Traumafolgestörung nicht ausreichend berücksichtigt (IV-act. 109
S. 5) und die Foltererfahrungen hinsichtlich ihrer speziellen Symptomatik nicht
ausreichend gewürdigt (IV-act. 109 S. 4). So sollte ein Interviewer gemäss dem
Handbuch zum Istanbul Protokoll die Umstände der Folter, die Wahrnehmung und die
Deutung der Folter durch das Opfer, den sozialen Kontext vor, während und nach der
Folter, die sozialen Ressourcen sowie Werte und Einstellungen gegenüber
traumatischen Erlebnissen, politische und kulturelle Faktoren, die Schwere und Dauer
der traumatischen Ereignisse, genetische und biologische Anfälligkeiten, das
Entwicklungsstadium und Alter des Opfers, frühere Traumata sowie die vorbestehende
Persönlichkeit beachten (IV-act. 109 S. 6). Affektive, kognitive und
Verhaltenssymptome sollten im Detail beschrieben und die Häufigkeit von Albträumen,
Halluzinationen und Schreckreaktionen sollten festgestellt werden (IV-act. 109 S. 4).
Die gutachterliche psychiatrische Untersuchung habe die Häufigkeit von Albträumen
oder Flashbacks im Alltag nicht erfasst. Ebenso seien die Zeitdauer und das Ausmass
der Schlafstörung nicht ausreichend erfasst oder mittels verfügbaren Messgeräten zur
Schlafmessung plausibel nachvollzogen worden. Das Auftreten von Flashbacks
während einer Arbeitstätigkeit werde für einen Arbeitgeber bei allen Tätigkeiten zum
Risiko, das im Arbeitsalltag auch für Mitarbeitende nicht zumutbar sei. Nur eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit könne diesem Umstand gerecht werden (IV-act. 109 S. 7).
Die Festlegung der Arbeitsfähigkeit mit 60 % sei nicht nachvollziehbar und könne nur
auf einer subjektiven Einschätzung basieren (IV-act. 109 S. 7). Die Einschätzung einer
60%igen Arbeitsfähigkeit sei vom psychiatrischen Gutachter auch nicht begründet
worden und sei somit nicht annehmbar (IV-act. 109 S. 8). Schliesslich habe dieser
unberücksichtigt gelassen, dass eine besondere Ausprägung einer Traumafolgestörung
auf der Basis einer Foltererfahrung und einer erhöhten Vulnerabilität durch
Gewalterfahrungen in der Kindheit ausserhalb der gängigen ICD-Nomenklatur liege. Die
in der ICD-11-Skala im Jahr 2018 geplante Änderung bezüglich der Unterscheidung
einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung müsse im Zusammenhang mit
der Evaluierung von Folgeschäden bei Folteropfern berücksichtigt werden (IV-act. 109
S. 6, unten).
4.5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
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Die Kritik von Dr. G._ hinsichtlich des Abstellens auf die ICD-10-Skala ist nicht
nachvollziehbar. Wie der psychiatrische Gutachter in seiner Stellungnahme vom 27.
März 2018 einleuchtend erklärt (vgl. IV-act. 113) und Dr. G._ sinngemäss selber
eingeräumt hat (vgl. IV-act. 109 S. 6), ist die ICD-10-Skala das aktuell gängige
Klassifikationssystem in der Schweiz (vgl. IV-act. 113 S. 1). Sodann hat der RAD in
seiner Stellungnahme vom 16. März 2018 verständlich dargelegt, dass die
Einschränkungen und Auswirkungen auf das Funktionsniveau sich sowohl bei einer
klassischen posttraumatischen Belastungsstörung als auch bei einer sogenannten
komplexen traumatischen Belastungsstörung, wie sie Dr. G._ annehme, qualitativ
und quantitativ individuell innerhalb des Diagnosespektrums unterscheiden könnten.
Entscheidend sei somit nicht alleine die Diagnosestellung, sondern insbesondere das
psychophysische Funktionsniveau (IV-act. 110 S. 3). Weiter ist dem RAD darin
zuzustimmen, dass der psychiatrische Gutachter die Herleitung der Diagnose der
posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10 in seinem Teilgutachten ausführlich
dargelegt und nachvollziehbar begründet hat (IV-act. 110 S. 2). Er hat die Diagnose
auch von anderen Diagnosen abgegrenzt (vgl. IV-act. 82 S. 34 f.). Inwiefern dem
Handbuch zum Istanbul Protokoll bei einer versicherungsmedizinischen Beurteilung
Bedeutung zukommt, ist vom RAD sodann in Frage gestellt worden (vgl. IV-act. 110
S. 3 unten). Sicherlich kann Dr. G._ darin zugestimmt werden, dass die Einschätzung
der Auswirkungen von traumatischen Erlebnissen unter Berücksichtigung sämtlicher
Lebensumstände erfolgen sollte. Wie dem psychiatrischen Teilgutachten zu entnehmen
ist, hat der psychiatrische Gutachter allerdings eine ausführliche Anamneseerhebung
durchgeführt. Der Beschwerdeführer ist zu seinem Tagesablauf, zu seinen aktuellen
Leiden, zu seinem schulischen und beruflichen Werdegang und zu seiner familiären
und sozialen Situation befragt worden (vgl. IV-act. 82 S. 28 ff.). In diesem
Zusammenhang hat der Beschwerdeführer auch von seinen Gewalterlebnissen und
den im Alltag auflebenden Erinnerungen berichtet (vgl. z.B. IV-act. 82 S. 29). So hat er
beispielsweise beschrieben, dass er oft plötzlich Szenen wie im Film von damals vor
Augen habe und auch im Schlaf die Albträume meistens von dieser Zeit handeln
würden. Er schrecke im Schlaf teilweise schreiend auf und sei schweissgebadet (IV-
act. 82 S. 29). Albträume und Flashbacks sind in der Exploration zur Sprache
gekommen, wie es der RAD in seiner Stellungnahme vom 16. März 2018 ebenfalls
aufgezeigt hat (vgl. IV-act. 110 S. 4). Schlafuntersuchungen sind beim
Beschwerdeführer bereits durch die behandelnden Ärzte in die Wege geleitet worden,
wobei in erster Linie ein moderates Schlafapnoesyndrom festgestellt worden ist,
während auf weitergehende Untersuchungen verzichtet worden ist, weil der
Beschwerdeführer sich das Tragen einer Schlafmaske von vornherein nicht hat
4.5.2.
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vorstellen können (vgl. IV-act. 52 S. 26). Zur gleichen Einschätzung sind auch die
Gutachter gekommen (vgl. IV-act. 82 S. 52). Inwiefern von weiteren
Schlafuntersuchungen bessere Erkenntnisse hinsichtlich des Gesundheitszustandes zu
erwarten wären, ist somit nicht ersichtlich. Die kognitiven Defizite sind sodann, worauf
der RAD zu Recht hingewiesen hat, bereits durch den neuropsychologischen Gutachter
abgeklärt worden (vgl. IV-act. 83 i.V.m. 110 S. 3, oben). Die psychiatrische
gutachterliche Untersuchung scheint nach dem Gesagten jedenfalls lege artis
durchgeführt worden zu sein. Auch leuchten die gutachterlich gestellten
psychiatrischen Diagnosen sowie die von dem psychiatrischen Gutachter ab dem
Begutachtungszeitpunkt attestierte 40%ige Arbeitsunfähigkeit ein (vgl. IV-act. 82
S. 38). Zur Begründung seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung hat der psychiatrische
Sachverständige nämlich angeführt, dass die Limitation von 40 % primär durch die
Defizite der posttraumatischen Belastungsstörung bedingt sei (vgl. IV-act. 82 S. 37).
Beim Beschwerdeführer bestehe eine leicht bis mässig ausgeprägte Beeinträchtigung
hinsichtlich der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit, der Fähigkeit zu engen
dyadischen Beziehungen sowie hinsichtlich der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit,
der Selbstbehauptungsfähigkeit, Konversationen, der Kontaktfähigkeit zu Dritten, der
Gruppenfähigkeit sowie der Aktivität und der Spontanität (IV-act. 82 S. 37, unten). Auch
im polydisziplinären Konsens ist die 40%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt worden
(vgl. IV-act. 82 S. 53 f.). Nach dem Gesagten ist somit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aus psychiatrischer
Sicht ab dem Begutachtungszeitpunkt sowohl in seiner angestammten als auch in
einer adaptierten Tätigkeit zu 40 % arbeitsunfähig ist.
Der psychiatrische Gutachter hat sich allerdings nicht zum Verlauf der
Arbeitsfähigkeit ausgesprochen. Sowohl im psychiatrischen Teilgutachten als auch im
polydisziplinären Konsens des Gesamtgutachtens ist lediglich angegeben worden,
dass die Arbeitsunfähigkeit mindestens seit dem Zeitpunkt der Begutachtung gelte
(vgl. IV-act. 82 S. 38 und S. 54), wobei im polydisziplinären Konsens noch präzisiert
worden ist, dass die Einschätzung seit dem 7. September 2016 Geltung habe (vgl. IV-
act. 82 S. 54). Da der frühestmögliche Beginn des potentiellen Rentenanspruchs im
vorliegenden Fall auf den 1. November 2013 fällt (vgl. E. 4.1 f.), fehlt für die Zeit
zwischen dem 1. November 2013 und dem 7. September 2016 eine gutachterliche
psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung. Folglich ist zu prüfen, ob sich die
Arbeitsfähigkeit anhand der übrigen medizinischen Aktenlage feststellen lässt. Der
Beschwerdeführer hat sich im November 2012 wegen verstärkter Symptome der
posttraumatischen Belastungsstörung erneut beim Ambulatorium für Folter- und
Kriegsopfer, bei welchem er bereits früher in Behandlung gewesen war, gemeldet. Er
4.6.
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hat davon berichtet, dass seiner Zustandsverschlechterung die Ermordung und
Verhaftung von Freunden und Geschwistern vorausgegangen seien (vgl. IV-act. 60).
Von Dr. E._ ist er dann ab Mitte November 2012 zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben worden (IV-act. 2). Aufgrund der retraumatisierenden Erlebnisse ist eine
anfängliche 100%ige Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar, zumal sich neben einer
posttraumatischen Belastungsstörung auch eine depressive Symptomatik gezeigt hat
(Bericht von Dr. E._ vom 3. Mai 2013; IV-act. 17). Auch im Jahr 2014 scheint sich die
Symptomatik entsprechend den vorliegenden Berichten nicht verbessert, sondern eher
noch verschlechtert zu haben, wobei teilweise auch suizidale Gedanken aufgetreten
sind (IV-act. 24, 34, 35 und 52 S. 30 ff.). Ab Juli 2014 hat sich der Beschwerdeführer
laut Dr. G._ immerhin von suizidalen Gedanken distanzieren können bei aber
weiterhin wechselnder depressiver Symptomatik (IV-act. 35). Im Oktober 2015 ist Dr.
G._ dann von einer gegenwärtig mittelgradigen depressiven Episode ausgegangen
(IV-act. 44). Demnach ist anzunehmen, dass sich die depressive Symptomatik im
Verlauf des Jahres 2015 etwas verbessert haben dürfte, was aufgrund der Therapie
und der möglicherweise erfolgten Aufarbeitung der Trennung von der Ehefrau auch
einleuchtet. Gleichwohl ist Dr. G._ im Oktober 2015 noch von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen (vgl. IV-act. 44). In der Annahme, dass sich eine
psychische Verbesserung auch stabilisieren können muss, ist diese Einschätzung noch
immer nachvollziehbar. Im September 2016 haben die Gutachter dann neben einer
posttraumatischen Belastungsstörung nur noch eine leichte depressive Symptomatik
feststellen können (vgl. IV-act. 82 S. 36, 38 und 49). Folglich ist anzunehmen, dass sich
zwischen Ende 2015 und September 2016 nochmals eine Verbesserung der
psychischen Situation eingestellt hat. Die Arbeitsunfähigkeit wird sich zwischen
November 2015 und August 2016 also zwischen 100 und 40 % bewegt haben. Wann
und wie genau, die - vermutlich kontinuierliche - Verbesserung zwischen November
2015 und August 2016 eingetreten ist, dürfte sich retrospektiv nicht mehr genau
eruieren lassen, haben doch auch die Gutachter keine retrospektive Einschätzung
vorgenommen (vgl. IV-act. 82). Eine höhere als die gutachterlich attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 40 % ist in diesem Zeitraum also nicht ausgewiesen. Da der
Beschwerdeführer die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat (vgl. E. 3.3), ist bereits
ab November 2015 von einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen
auszugehen. Zwischen Mitte November 2012 und Oktober 2015 ist gestützt auf die
Aktenlage eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen.
Die von den somatischen Gutachtern gestellten Diagnosen und vorgenommenen
Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit sind unter Berücksichtigung der gesamten
Aktenlage und der von ihnen empfohlenen Weiterabklärungen (vgl. dazu IV-act. 82 S.
4.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
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5.
52, oben) nachvollziehbar begründet und schlüssig. Auch der Beschwerdeführer hat
keine konkreten Einwände gegen die somatischen Beurteilungen erhoben. Zwar haben
sich die somatischen Gutachter nicht zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit geäussert
(vgl. IV-act. 82). Da sie jedoch ohnehin keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
festgestellt haben (vgl. IV-act. 82 S. 49) und aus der Aktenlage nicht hervorgeht, dass
sich der somatische Gesundheitszustand seit der Anmeldung des Beschwerdeführers
bei der IV-Stelle verbessert hat, ist in somatischer Hinsicht seit dem Zeitpunkt der IV-
Anmeldung von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Selbstverständlich steht es dem Beschwerdeführer offen, sich erneut bei der IV-Stelle
zu melden, sollten die von den Gutachtern empfohlenen kardiologischen Abklärungen
bzw. Behandlungen bisher unbekannte relevante Einschränkungen zum Vorschein
bringen.
Zusammenfassend ist für den Zeitraum von Mitte November 2012 bis 31. Oktober
2015 eine 100%ige und ab November 2015 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit
anzunehmen.
4.8.
Ausgehend von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung bleiben die
erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der
Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 3.1).
5.1.
Die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung bezieht sich sowohl auf
angestammte als auch auf adaptierte Tätigkeiten (vgl. IV-act. 82 S. 53 f.). Auch die im
Zeitraum vor der Begutachtung anzunehmende 100%ige Arbeitsunfähigkeit bezieht
sich auf sämtliche Tätigkeitsbereiche. Demnach ist vorliegend sowohl hinsichtlich des
hypothetischen Valideneinkommens als auch bezüglich des Invalideneinkommens von
derselben Lohnbasis auszugehen. Folglich kann der Einkommensvergleich anhand
eines sogenannten Prozentvergleichs vorgenommen werden. Dabei entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung
eines Abzuges vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75).
5.2.
Für den Zeitraum von November 2012 bis Oktober 2015, in welchem von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist, besteht demnach bei einem
Invaliditätsgrad von 100 % ein Anspruch auf eine ganze Rente, wobei der
Rentenanspruch allerdings erst am 1. November 2013 entstanden ist (vgl. E. 4.1). Bei
einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 40 %, wie er ab November 2015 anzunehmen ist,
resultiert ohne Tabellenlohnabzug ein Invaliditätsgrad von 40 % und damit ein
Anspruch auf eine Viertelsrente. Die Frage, ob ein Tabellenlohnabzug vorzunehmen ist,
5.3.
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6.
kann vorliegend offengelassen werden, da selbst ein Tabellenlohnabzug von 10 %
nicht zu einem höheren Rentenanspruch führt (100 % - 90 % x 60 %) und keine
Gründe ersichtlich sind, die einen 10 % übersteigenden Tabellenlohnabzug
rechtfertigen könnten. Demnach besteht ab November 2015 noch ein Anspruch auf
eine Viertelsrente, wobei die ganze Rente unter Berücksichtigung der Übergangsfrist
von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
während dreier Monate weiterhin auszurichten ist. Folglich besteht für den Zeitraum
vom 1. November 2013 bis 31. Januar 2016 ein Anspruch auf eine ganze Rente und ab
dem 1. Februar 2016 auf eine Viertelsrente.
Mit Blick auf die in der angefochtenen Verfügung enthaltenen Ausführungen der
Beschwerdegegnerin zur Schadenminderungspflicht ist noch anzumerken, dass ein
mögliches Verbesserungspotential in der medizinischen Behandlung die Entstehung
eines Rentenanspruchs nach Ablauf des Wartejahres nicht ausschliesst (vgl. BGE 143
V 416 E. 4.5.2; Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2014, 9C_395/2014, E.
4.5; vgl. ferner E. 2.1). Da der Beschwerdeführer bisher nicht zu einer
Therapieänderung angehalten worden ist, kann ihm keine Verletzung der
Schadenminderungspflicht vorgeworfen werden. Wenn die Beschwerdegegnerin eine
Therapieänderung als notwendig erachtet, kann sie für die Zukunft eine entsprechende
Verfügung erlassen (Art. 21 Abs. 4 ATSG).
5.4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die
angefochtene Verfügung aufzuheben und dem Beschwerdeführer für die Zeit vom 1.
November 2013 bis 31. Januar 2016 eine ganze Invalidenrente sowie ab dem 1.
Februar 2016 eine Viertelsrente auszurichten ist. Zur Festsetzung des Rentenbetrages
ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
6.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
6.3.
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