Decision ID: 499f29d8-9c8d-595e-ba5b-f103de5f83ad
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._, österreichischer Staatsangehöriger, und B._, österreichische
Staatsangehörige, heirateten am _ Mai 1981 in D._. Mit Beschluss 1 C 11/14a vom
21. Mai 2015 wurde die Ehe vom Bezirksgericht D._ nach österreichischem Recht
einvernehmlich geschieden. Bestandteil der Scheidung bildet ein Vergleich zwischen
A._ und B._ gemäss § 55a des österreichischen Ehegesetzes, worin folgende
Übereinkunft festgehalten ist: „A._ hat in der Schweiz eine zweite Pensionssäule
‚angespart‘. Das daraus resultierende Altersguthaben bei der C._ AG beträgt (...)
229‘745.20 Franken per 1. Jänner 2015. Die Parteien kommen überein, dieses
Altersguthaben mit dem am Tag der Rechtskraft der einvernehmlichen Scheidung
aushaftenden Betrag im Verhältnis 1 : 1 zu teilen.“ Der Beschluss wurde am 5. Juni
2015 rechtskräftig (act. G1.1 und G1.2).
B.
Mit Eingabe vom 4. August 2015 wandten sich die ehemaligen Eheleute an das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, damit dieses den Vorsorgeausgleich
entsprechend dem genannten Vergleich vornehme und die Vorsorgeeinrichtung von
A._, die BVG-Sammelstiftung der C._ AG, anweise, das B._ zufallende
Teilungsbetreffnis an deren österreichische Pensionskasse auszuzahlen (act. G1). Auf
Aufforderung des Gerichts vom 13. August 2015 (act. G2) reichte A._ am 24. August
2015 die im Zusammenhang mit der angestrebten Teilung geführte Korrespondenz mit
der Vorsorgeeinrichtung ein (act. G3, G3.1, G3.2 und G3.3).
C.
Mit Schreiben vom 14. Oktober 2015 gab das angerufene Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen bekannt, dass es zuständig zur Regelung der anhängig gemachten
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Vorsorgeausgleichssache sei. Es stellte sodann fest, dass A._ nach Lage der Akten
bei der BVG-Sammelstiftung der C._ AG über eine Austrittsleistung von 229‘745.20
Franken (Stand 1. Januar 2015) verfüge. Diese habe er gesamthaft während der Dauer
der Ehe geäufnet. B._ habe nie einer schweizerischen Einrichtung der beruflichen
Vorsorge angehört. Ein Vorbezug für Wohneigentum habe während der Dauer der Ehe
nicht stattgefunden. Auch seien keine Einmaleinlagen aus Eigengut geleistet worden
und Anhaltspunkte für weitere Vorsorgeverhältnisse oder den Bestand von
Freizügigkeitskonten oder -policen seien nicht vorhanden. Das Gericht lud die Eheleute
A._ und B._ und die betroffene Vorsorgeeinrichtung ein, sich zu diesen
Feststellungen vernehmen zu lassen, sie allenfalls zu korrigieren oder Anträge zu
stellen. Die BVG-Sammelstiftung forderte es zudem auf, den auf den Zeitpunkt der
rechtskräftigen Scheidung (5. Juni 2015) aktualisierten Stand des Vorsorgeguthabens
von A._ zu melden sowie die Durchführbarkeitserklärung für die vorgesehene hälftige
Teilung abzugeben. B._ wurde unter Hinweis auf das Territorialitätsprinzip, welches
die Auszahlung des Teilungsbetreffnisses an eine ausländische Pensionskasse
verbietet, eingeladen, ein Freizügigkeitskonto oder eine -police bei einer
schweizerischen Vorsorgeeinrichtung zu eröffnen, andernfalls ihr Anspruch zu ihren
Gunsten an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Freizügigkeitskonten, überwiesen
werde (act. G4).
D.
Mit Schreiben vom 19. Oktober 2015 teilte die BVG-Sammelstiftung mit, dass die
aktualisierte Austrittsleistung per 5. Juni 2015 237‘807.10 Franken betrage und die
Übertragung des vom Gericht noch festzusetzenden Betrages grundsätzlich
durchführbar sei (act. G5). A._ und B._ verzichteten auf eine Vernehmlassung.
E.
Das Versicherungsgericht ermittelte in der Folge das Teilungsbetreffnis. Es hielt mit
Schreiben vom 6. Januar 2016 fest, die BVG-Sammelstiftung werde zulasten des
Freizügigkeitsguthabens von A._ 118‘903.55 Franken an die Stiftung
Auffangeinrichtung BVG, Freizügigkeitskonten, zugunsten eines für B._
einzurichtenden Freizügigkeitskontos zu überweisen haben, nebst Zins zu 1.75% seit
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5. Juni 2015 bis zum Überweisungszeitpunkt (act. G6). Den ehemaligen Eheleuten
A._ und B._ sowie der Vorsorgeeinrichtung gab es Gelegenheit zur
abschliessenden Stellungnahme bis 26. Januar 2016. Diese haben darauf verzichtet.

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 73 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) in Verbindung mit Art. 25a des
Freizügigkeitsgesetzes (FZG; SR 831.42) hat das am Ort der Scheidung zuständige
Gericht gestützt auf den vom Scheidungsgericht bestimmten Teilungsschlüssel die
Teilung der Austrittsleistung durchzuführen. Das rechtskräftige Teilungsverhältnis
beruht vorliegend wie dargelegt auf einem österreichischen Scheidungsurteil. Da sich
bei ausländischen Scheidungsurteilen die örtliche Zuständigkeit nicht wie in Art. 25a
FZG vorgesehen nach dem Ort der Scheidung bestimmen kann, richtet sie sich
gemäss Praxis des Bundesgerichts (BGE 135 V 427 E. 1.2) lückenfüllend nach Art. 73
Abs. 3 BVG, d.h. nach dem schweizerischen Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder
dem Ort des Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt wurde. Dieser liegt laut
Auskunft von A._ in E._ im Kanton St. Gallen. Mithin ist das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen für die Durchführung der Teilung zuständig (Art. 281 Abs. 3 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]; Art. 65 lit. f des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1] und Art. 13 Abs. 2 der
verfahrensrechtlichen Bestimmungen der Ostschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht
[AVS; sGS 355.11]).
2.
2.1 In Art. 122 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) sind die
Grundsätze der Teilung Ansprüche der Ehegatten gegenüber ihren
Vorsorgeeinrichtungen im Scheidungsfall festgelegt. Art. 122 ZGB bestimmt, dass jeder
Ehegatte Anspruch auf die Hälfte der nach dem FZG für die Ehedauer zu ermittelnden
Austrittsleistung des anderen Ehegatten hat, wenn ein Ehegatte oder beide Ehegatten
einer Einrichtung der beruflichen Vorsorge angehören und bei keinem der Ehegatten
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ein Vorsorgefall eingetreten ist (Abs. 1). Stehen den Ehegatten gegenseitige Ansprüche
zu, ist nur der Differenzbetrag zu teilen (Abs. 2). Die Ermittlung der Austrittsleistungen
ist in den Art. 22 ff. FZG und den dazugehörigen Erlassen geregelt.
2.2 In verfahrensmässiger Hinsicht ist nach schweizerischer Rechtsauffassung
entscheidend, ob zwischen den Ehegatten Einigkeit über die Teilung der
Austrittsleistungen besteht. Haben sich die Ehegatten im Rahmen des
Scheidungsverfahrens über die Teilung der Austrittsleistungen sowie die Art der
Durchführung der Teilung geeinigt und legen sie eine Bestätigung der beteiligten
Einrichtungen der beruflichen Vorsorge über die Durchführbarkeit der getroffenen
Regelung und die Höhe der Guthaben vor, so wird die Vereinbarung mit der
Genehmigung durch das Scheidungsgericht auch für die Einrichtungen der beruflichen
Vorsorge verbindlich (Art. 280 Abs. 1 und 2 ZPO). Das Scheidungsgericht eröffnet dann
der Vorsorgeeinrichtung das rechtskräftige Urteil samt den nötigen Angaben für die
Überweisung des vereinbarten Betrages.
2.3 Kommt keine Vereinbarung zustande, so entscheidet das Scheidungsgericht
über das Verhältnis, in welchem die Austrittsleistungen zu teilen sind (Art. 281 Abs. 1
ZPO). Sobald der Entscheid über das Teilungsverhältnis rechtskräftig ist, überweist das
Scheidungsgericht die Streitsache von Amtes wegen an das gemäss Art. 25a Abs. FZG
i.V.m. Art. 73 Abs. 1 BVG zuständige Gericht (Art. 281 Abs. 3 ZPO). Dieses führt die
Teilung aufgrund des vom Scheidungsgericht bestimmten Teilungsschlüssels von
Amtes wegen durch (Art. 25a Abs. 1 FZG).
2.4 Fand die Scheidung nicht in der Schweiz, sondern im Ausland statt, sind die
gleichen Grundsätze anzuwenden. Wird die Vorsorgeregelung von einem
ausländischen Scheidungsgericht vorgenommen, ist eine in der Schweiz anerkannte
ausländische Vorsorgeregelung gegenüber einer schweizerischen Vorsorgeeinrichtung
nur dann verbindlich, wenn diese im ausländischen Scheidungsverfahren analog zu Art.
280 Abs. 1 und 2 ZPO eine Bestätigung über die Durchführbarkeit der getroffenen
Regelung abgegeben hat (Bundesamt für Justiz, Die Teilung von Vorsorgeguthaben in
der Schweiz im Zusammenhang mit ausländischen Scheidungsurteilen, Stellungnahme
vom 28. März 2001, in: ZBJV 137/2001 S. 496 f.). Nur wenn diese Voraussetzung erfüllt
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ist, kann die Anerkennung und Vollstreckung des ausländischen Urteils für die
schweizerische Vorsorgeeinrichtung verbindlich ausgesprochen werden.
2.5 Fehlt es an einer Durchführbarkeitserklärung der schweizerischen
Vorsorgeeinrichtung, kann das ausländische Gericht nur den Grundsatz und das
Ausmass der Teilung, also den Teilungsschlüssel festlegen. Bezüglich dieses
Teilungsschlüssels ist das ausländische Scheidungsurteil der Anerkennung fähig. Die
eigentliche Berechnung der Leistungen ist jedoch vom zuständigen
Sozialversicherungsgericht in der Schweiz durchzuführen (Bundesamt für Justiz, a.a.O.,
S. 497; BGE 130 III 342 E. 2.5). Aus der Zuständigkeitsordnung zwischen (in- und
ausländischem) Scheidungsgericht und schweizerischem Sozialversicherungsgericht
ergibt sich aber, dass die Durchführung der Teilung der Austrittsleistung nach Art. 122
ZGB einen Entscheid des Scheidungsgerichts voraussetzt, in welchem das Verhältnis
der Teilung der Austrittsleistungen festgelegt ist (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] B 45/00 vom 2. Februar 2004, E. 2.2).
2.6 Die Vorsorgeeinrichtung von A._, die BVG-Sammelstiftung der C._ AG, hat
im Scheidungsverfahren vor dem Bezirksgericht D._ keine Durchführungsbestätigung
im Sinn von Art. 280 Abs. 1 lit. b ZPO abgegeben. Im Bestandteil des Beschlusses in
der Scheidungssache bildenden gerichtlichen Vergleich gemäss § 55a des
österreichischen Ehegesetzes legte das Gericht indessen den Teilungsschlüssel mit 1 :
1 fest und bestimmte, dass die Hälfte des Vorsorgeguthabens der Ehefrau zu
überweisen sei. Der genannte Beschluss des Bezirksgerichts D._ 1 C 11/14a vom 21.
Mai 2015, rechtskräftig seit 5. Juni 2015, vermag somit aufgrund des gerichtlich
festgesetzten Teilungsschlüssels eine Grundlage für die Überweisung der
Angelegenheit an ein schweizerisches Sozialversicherungsgericht im Sinn von Art. 281
Abs. 3 ZPO zu bilden.
3.
Massgebender Zeitpunkt für die Teilung der Austrittsleistung ist nach der gesetzlichen
Definition die Ehedauer. Damit legt das Gesetz die Eckwerte fest. Die Ehe beginnt mit
dem Tag der Eheschliessung und endet mit der Auflösung durch das Scheidungsurteil.
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Dabei ist für den Zeitpunkt der Scheidung nicht das Urteilsdatum, sondern der Eintritt
der formellen Rechtskraft des Scheidungsurteils massgebend. Das gilt auch im
Rahmen von Art. 122 ZGB und Art. 22 FZG. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen,
dass die Parteien in einer Konvention oder einer Prozessvereinbarung für den
Vorsorgeausgleich einen früheren Zeitpunkt als die Rechtskraft des Scheidungsurteils
für massgebend erklären, um eine Berechnung im Scheidungsverfahren zu
ermöglichen (vgl. zum Ganzen: BGE 132 V 239 f. E. 2.3 mit zahlreichen Hinweisen). Im
gerichtlichen Vergleich haben die Parteien vorliegend die Teilung des Altersguthabens
mit dem am Tag der Rechtskraft der einvernehmlichen Scheidung aushaftenden Betrag
vereinbart. Dies entspricht dem schweizerischen Recht. Der Betrag beläuft sich,
nachdem gegen seine Ermittlung weder seitens von A._ und B._ noch seitens der
Vorsorgeeinrichtung Einwände erhoben wurden, wie für diesen Fall im Schreiben vom
6. Januar 2016 abschliessend mitgeteilt 237‘807.10 Franken. Der Vorsorgeausgleich
hat demnach bei hälftiger Teilung bis zum Betrag von 118‘903.55 Franken zu erfolgen.
Wie in besagtem Schreiben ebenfalls ausgeführt wurde, ist der Betrag ab Rechtskraft
des Scheidungsurteils (5. Juni 2015) zu verzinsen und zwar mit 1,75% bis zum
Überweisungszeitpunkt (Art. 12 lit. h und i der Verordnung über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVV 2; SR 831.441.1]). Dies blieb unbestritten
und die BVG-Sammelstiftung der C._ AG hat die Durchführbarkeit der gerichtlich so
festgelegten Teilung im Schreiben vom 19. Oktober 2015 (act. G 5) bestätigt.
4.
Nach dem Gesagten liegt diesem Vorsorgeausgleichsprozess ein unbestrittener und
eindeutiger Sachverhalt zugrunde, der aufgrund einer feststehenden Gerichtspraxis
beurteilt werden kann, weshalb die Sache als einfacher Fall zu betrachten und
einzelrichterlich zu entscheiden ist (Art. 17 Abs. 2 Satz 4 des Gerichtsgesetzes [sGS
941.1] i.V.m. Art. 19 der Verordnung über die Organisation und den Geschäftsgang des
Versicherungsgerichts [OrgV; sGS 941.114]). Das Vorsorgeausgleichsverfahren ist eine
Streitigkeit zwischen Anspruchsberechtigten und Vorsorgeeinrichtungen bzw.
Arbeitgebern im Sinn von Art. 73 Abs. 1 BVG (vgl. Urteil des EVG B 88/02 vom 8. April
2003 E. 1 mit Hinweisen), für welches die Kantone gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG ein in
der Regel kostenloses Verfahren vorzusehen haben. Entsprechend sind keine
Gerichtskosten aufzuerlegen.
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