Decision ID: 6607f711-5c87-577a-bfb6-ec9de8df7a66
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) arbeitete seit dem 3. März 2008 als CNC-
Maschinenoperateur für die B._ (nachfolgend: Arbeitgeberin; act. G1.8). Durch seine
Tätigkeit war er bei der rhenusana, Heerbrugg, nach VVG
kollektivkrankentaggeldversichert (act. G1.6). Der Versicherte kündigte am 9. Mai 2017
das Arbeitsverhältnis auf den 31. August 2017 (act. G1.7).
A.a.
Vom 9. August bis 23. Oktober 2017 war der Versicherte krankheitsbedingt in
stationärer Behandlung in der Klinik C._ (act. G1.3). Während des Aufenthalts
erkundigte er sich am 31. August 2017 schriftlich bei der Arbeitgeberin, ob es eine
Möglichkeit für eine Wiederanstellung gebe (act. G14.2.5). Eine solche kam jedoch
nicht zustande. Im September 2017 verlangte der Versicherte (bzw. die ihn in der Klinik
betreuende Sozialarbeiterin) von der rhenusana ein Angebot für den Übertritt von der
Kollektiv- in die Einzelkrankentaggeldversicherung (act. G14.1.4, G14.2.2). Die
rhenusana erstellte am 15. September 2017 die verlangte Offerte für einen
Versicherungsbeginn am 1. September 2017 mit 90 Tagen Wartefrist und mit einer
monatlichen Prämie von Fr. 420.45. Sie forderte den Versicherten auf, wenn er das
Angebot annehmen wolle, dieses unterzeichnet zu retournieren (act. G14.1.5, G19.1.1).
A.b.
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Im Arztbericht vom 2. November 2017 diagnostizierten die Ärzte der Klinik C._
beim Versicherten eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
(ICD-10: F32.2), psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol
(Abhängigkeitssyndrom; ICD-10: F10.2) sowie einen Status nach mehreren alten
Handverletzungen (2010/2017) mit persistierendem Streckdefizit Dig. V links und
lokalisierten Hyp-/Parästhesien. Die Klinikärzte bescheinigten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom 9. August bis 31. Oktober 2017, wobei sie von einer
längerfristig nicht gegebenen Arbeits- und Leistungsfähigkeit für Tätigkeiten im ersten
Arbeitsmarkt ausgingen. Am 23. Oktober 2017 trat der Versicherte in die Institution
D._, Zentrum für Suchttherapie und Rehabilitation, über (act. G1.3). Im Arztbericht
vom 26. Februar 2018 über einen weiteren stationären Aufenthalt vom 18. bis 26.
Januar 2018 diagnostizierten die Ärzte der Klinik C._ eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), sowie psychische und
Verhaltensstörungen durch Alkohol (Abhängigkeitssyndrom; ICD-10: F10.2; act. G1.3).
A.c.
Am 6. Juli 2018 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für ein
Belastbarkeitstraining im Umfang von 4 Stunden an 4 Tagen pro Woche im E._ vom
16. Juli bis 14. Oktober 2018 (act. G1.4).
A.d.
Am 20. Juli 2018 nahm der Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt Dr. iur.
Kreso Glavas, Muolen, mit der rhenusana Kontakt auf (act. G14.1.6). Mit Schreiben
vom 30. Juli 2018 erklärte die rhenusana, vertreten durch Rechtsanwalt lic. oec.
Hermann Grosser, Altstätten, gegenüber Rechtsanwalt Glavas, dass der Versicherte
rechtzeitig von der Arbeitgeberin über das Recht zum Übertritt in die
Einzelkrankentaggeldversicherung informiert worden sei. Der Versicherte habe jedoch
innert der in den AVB genannten Frist von 30 Tagen keinen Gebrauch von dieser
Möglichkeit gemacht. Ein Übertritt in die Einzelversicherung sei nun fast ein Jahr nach
dem Ausscheiden aus der Kollektivversicherung nicht mehr möglich (act. G1.5). Mit
Schreiben vom 4. September 2018 (act. G14.1.12) nahm Rechtsanwalt Grosser
Stellung zur E-Mail-Anfrage von Rechtsanwalt Glavas vom 18. August 2018 betreffend
Übertritt in die Einzelversicherung (act. G14.1.10).
A.e.
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B.
Am 30. August 2019 erhob der Versicherte (nachfolgend: Kläger), vertreten durch
Rechtsanwalt Glavas, Klage gegen die rhenusana (nachfolgend: Beklagte). Eingeklagt
wurde die Zahlung von Krankentaggeldern im Betrag von Fr. 103'530.- (700 Tage zu Fr.
147.90) zuzüglich 5% Zins ab 1. September 2019; unter Kosten und
Entschädigungsfolgen zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer zu Lasten der Beklagten. Im
Weiteren stellte der Kläger ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das vorliegende Verfahren (act. G1).
B.a.
Am 30. September 2019 reichte der Rechtsvertreter des Klägers ein Arztzeugnis
der Klinik F._, Zentrum G._, vom 22. August 2019 ein, welches dem Kläger eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 23. August 2019 attestierte (act. G6.1).
B.b.
Mit Klageantwort vom 27. Januar 2020 beantragte die Beklagte, weiterhin durch
Rechtsanwalt Grosser vertreten, die Klage sei abzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer zu Lasten des Klägers (act.
G14).
B.c.
Am 3. Februar 2020 teilte die verfahrensleitende Richterin den Parteien mit, sie
hätten gegen die Ankündigung gemäss Schreiben vom 11. September 2019 (vgl. act.
G2 f.), wonach anstelle einer mündlichen Verhandlung die Durchführung eines zweiten
Schriftenwechsels vorgesehen sei, nicht protestiert, weshalb nun ein zweiter
Schriftenwechsel durchgeführt werde (act. G15).
B.d.
In der Replik vom 17. Februar 2020 liess der Kläger an den in der Klage gestellten
Rechtsbegehren vollumfänglich festhalten (act. G16).
B.e.
Am 19. Februar 2020 entsprach die verfahrensleitende Richterin gestützt auf die
eingereichten Unterlagen (act. G6.2, G16.1) dem Gesuch des Klägers um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor Versicherungsgericht
(act. G17).
B.f.
In der Duplik vom 9. März 2020 liess die Beklagte unverändert an dem in der
Klageantwort gestellten Antrag festhalten (act. G19).
B.g.
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Erwägungen
1.
2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des
Klägers auf Taggeldleistungen von der Beklagten für die Zeit nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses, d.h. ab dem 1. September 2017 (vgl. act. G 1 S. 3 Ziff. 7).
Das vorliegende Verfahren beschlägt Leistungen aus einer Zusatzversicherung zur
sozialen Krankenversicherung. Die Versicherungsbedingungen und -leistungen richten
sich insbesondere nach dem Versicherungsvertrag vom 15. Juli 2016 (Versicherungs-
Police Nr. XXXXXX, act. G14.1.2) und den allgemeinen Versicherungsbedingungen
(AVB) zur Salär-Versicherung (VVG), Ausgabe 01.12 (act. G14.1.3, nachfolgend: AVB).
1.1.
Gemäss Ziff. 4.h.1 AVB steht dem Versicherten als Gerichtsstand sein
schweizerischer Wohnsitz oder der Sitz des Versicherers zur Verfügung. Mit dem
Wohnsitz des Klägers im Kanton St. Gallen ist die örtliche Zuständigkeit des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen gegeben.
1.2.
Das Versicherungsgericht entscheidet gemäss Art. 9 des Einführungsgesetzes zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung (EG-ZPO; sGS 961.2) in Verbindung mit Art. 7
der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) als einzige kantonale Instanz
über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach
dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10). Darunter werden
praxisgemäss auch Zusatzversicherungen subsumiert, auf die das Bundesgesetz über
den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) zur Anwendung gelangt (vgl. etwa BGE
138 III 2 E. 1.1; Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24.
Februar 2012, KV-Z 2011/2, E. 1.1). Damit sind vorliegend auch die Voraussetzungen
der sachlichen und funktionellen Zuständigkeit erfüllt.
1.3.
Vor der Klageanhebung beim Versicherungsgericht muss kein
Schlichtungsverfahren gemäss Art. 197 ff. ZPO durchgeführt werden (vgl. BGE 138 III
558 E. 4.6).
1.4.
Die Eintretensvoraussetzungen sind somit erfüllt und auf die Leistungsklage ist
einzutreten.
1.5.
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3.
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss Art.
2 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über die soziale
Krankenversicherung (KVAG; SR 832.12) dem VVG. Streitigkeiten aus solchen
Versicherungen sind privatrechtlicher Natur (BGE 133 III 439 E. 2.1).
3.1.
Klagen aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung sind gemäss
Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren
zu behandeln, wobei gemäss Art. 219 ZPO die Bestimmungen über das ordentliche
Verfahren sinngemäss gelten (vgl. Christoph Leuenberger/Beatrice Uffer-Tobler,
Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl. Bern 2016, N 11.154 und 11.157). Art. 247
Abs. 2 ZPO sieht vor, dass das Gericht in solchen Streitigkeiten den Sachverhalt von
Amtes wegen feststellt. Diese sogenannte abgeschwächte oder soziale
Untersuchungsmaxime gebietet es dem Gericht zwar, bei der Feststellung des
Sachverhalts und der Beweiserhebung insbesondere durch entsprechende Fragen
mitzuwirken. Die Parteien werden dadurch aber nicht von der Pflicht zur Mitwirkung an
der Erhebung der Beweise und der Erstellung des Sachverhalts entbunden.
Grundsätzlich bleibt es Sache der Parteien, die wesentlichen Tatsachen vorzutragen
und die Beweismittel zu bezeichnen (vgl. Stephan Mazan, in: Karl Spühler/Luca
Tenchio/Dominik Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische
Zivilprozessordnung, 3. Aufl. Basel 2017, N 3 ff. zu Art. 247 und Peter Guyan, N 3 ff. zu
Art. 153; vgl. Franz Hasenböhler, in: Thomas Sutter-Somm/Franz Hasenböhler/
Christoph Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung
[ZPO], 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2016, N 5 ff. zu Art. 153).
3.2.
Nach Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) hat, wo es das
Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten
Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die
einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen,
während die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder
rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs
behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet (vgl. BGE 141 III
242 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 17. August 2015, 4A_246/2015, E. 2.2).
Bewiesen werden müssen nur Tatsachenbehauptungen, die ausdrücklich bestritten
sind. Bestreitungen sind so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt, welche
einzelnen Behauptungen damit bestritten werden. Notwendig ist eine klare Äusserung,
dass der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und konkreten gegnerischen Behauptung
infrage gestellt wird (vgl. BGE 141 III 437 f. E. 2.6).
3.3.
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4.
Zunächst ist zu klären, ob die Kollektivkrankentaggeldversicherung der Beklagten über
das Ende des Arbeitsverhältnisses des Klägers hinaus leistungspflichtig ist.
Das Gericht hat bei der Bewertung der erhobenen Beweise unabhängig von
abstrakten Regeln nach seiner eigenen Überzeugung darüber zu befinden, ob es eine
behauptete Tatsache als wahr oder unwahr einstuft. Dabei bleibt es dem Gericht
überlassen, die Kraft eines Beweismittels nach seiner Überzeugung festzulegen (vgl.
Franz Hasenböhler in: ZPO Kommentar, Art. 157 N 14 ff.).
3.4.
Bei der von der Arbeitgeberin abgeschlossen Krankentaggeldversicherung handelt
es sich gemäss der Versicherungspolice vom 15. Juli 2016 um eine kollektive
Krankentaggeldversicherung nach VVG (vgl. act. G14.1.2).
4.1.
Der Kläger wurde ab dem 9. August 2017 krankheitsbedingt in der Klinik C._
hospitalisiert. Die Klinikärzte bescheinigten ihm im Arztzeugnis vom 2. November 2017
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 9. August bis 31. Oktober 2017 (act. G1.3).
Die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit trat somit noch während des
Arbeitsverhältnisses ein und dauerte über dessen Ende am 31. August 2017 hinaus an.
4.2.
Damit stellt sich die Frage der sog. Nachleistungspflicht der
Kollektivkrankentaggeldversicherung der Beklagten (vgl. Christoph Häberli/David
Husmann, Krankentaggeld, versicherungs- und arbeitsrechtliche Aspekte, Bern 2015,
Rz. 314, 317).
4.3.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Taggeldversicherungen
nach VVG grundsätzlich nachleistungspflichtig, sofern die AVB keine ausdrücklich
abweichende Regelung enthalten (wie einen Ausschluss oder eine
Leistungsbeschränkung auf wenige Tage; vgl. BGE 125 V 106 E. 3, BGE 127 III 106 E.
3a; Häberli/Husmann, Rz. 321, 625 ff.).
4.3.1.
Gemäss den vorliegend anwendbaren AVB endet das Versicherungsverhältnis für
den einzelnen Versicherten unter anderem mit dem Austritt aus dem versicherten
Betrieb (Ziff. 4.a.2 AVB). Scheidet ein Versicherter aus der Kollektivversicherung aus,
weil er nicht mehr zu dem im Vertrag umschriebenen Kreis der Versicherten zählt oder
weil der Vertrag aufgelöst wird, so hat er das Recht, in die Einzelversicherung des
Versicherers überzutreten. Der Versicherte muss innerhalb von 30 Tagen nach dem
Austritt aus der Kollektivversicherung das Übertrittsrecht geltend machen. Wenn der
4.3.2.
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5.
Zu prüfen ist nachfolgend, ob der Kläger in die Einzelversicherung der Beklagten
übergetreten ist oder ihm nachträglich der Übertritt zu gewähren ist und demzufolge für
die am 9. August 2017 eingetretene Arbeitsunfähigkeit auch nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses per 31. August 2017 eine Versicherungsdeckung besteht.
Übertritt nicht geltend gemacht wird, werden vom Versicherer keine Leistungen mehr
erbracht (Ziff. 4.a.3 AVB).
Festzustellen ist somit, dass die AVB ausdrücklich eine Nachleistungspflicht der
Kollektivkrankentaggeldversicherung ausschliessen. Dementsprechend hat der Kläger
gegenüber der Beklagten keinen Leistungsanspruch aus der
Kollektivkrankentaggeldversicherung. Der Ansicht des Klägers, dass eine
Lohnersatzfortzahlungspflicht durch die bisherige Kollektivkrankentaggeldversicherung
besteht (Ziff. 4 der Klage vom 30. August 2019, act. G1), kann daher nicht gefolgt
werden.
4.3.3.
Der Kläger lässt diesbezüglich geltend machen, dass er nicht ausreichend über die
Möglichkeit der Weiterversicherung aufgeklärt worden sei. Hinzu komme, dass er
dazumal in der Klinik C._ wegen einer schweren Depression hospitalisiert gewesen
sei. Deshalb sei ihm auch nachträglich der Übertritt in die Einzelversicherung zu
gewähren. Folglich habe er für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses Anspruch auf Krankentaggelder von der Beklagten (vgl. act. G1-3,
G16-3). Die Beklagte wendet dagegen ein, dass die Arbeitgeberin den Kläger nach
seinem Austritt aus der Unternehmung rechtzeitig und umfassend über das
Übertrittsrecht in die Einzelkrankentaggeldversicherung informiert habe (vgl. act.
G14-2f.). Als Beweis wird auf die Korrespondenz zwischen der Arbeitgeberin und dem
Kläger (bzw. der für den Kläger zuständigen Sozialarbeiterin der Klinik C._) sowie
dem Kläger und der Beklagten verwiesen (act. G14.2.1 ff.). Im Weiteren wird geltend
gemacht, dass sie als Versicherung gegenüber dem Kläger weder gesetzlich noch
vertraglich eine Informationspflicht habe, weshalb Ansprüche wegen Verletzung der
Aufklärungspflicht nicht gegenüber ihr, sondern gegenüber der Arbeitgeberin als
Versicherungsnehmerin geltend zu machen wären (vgl. act. G14-3, G19-4). In der
Duplik wird zudem bestritten, dass der Kläger aufgrund der Krankheit nicht in der Lage
gewesen sei, sich über die Notwendigkeit des Übertritts in die
Einzelkrankentaggeldversicherung bewusst zu sein, denn seine Handlungen und der
bereits am 23. Oktober 2017 erfolgte Klinikaustritt würden dagegen sprechen (act.
G19-3/5). Ausserdem wird festgehalten, dass die den Kläger betreuende
5.1.
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Sozialarbeiterin das Übertrittsrecht rechtzeitig ausgeübt habe. Die daraufhin am 15.
September 2017 erstellte Offerte für eine Einzelkrankentaggeldversicherung sei jedoch
vom Kläger nicht angenommen worden. Erst rund 10 Monate später, am 20. Juli 2018,
habe sich der Kläger bzw. dessen Rechtsvertreter wegen der
Krankentaggeldversicherung bei ihr gemeldet (act. G19-3f.).
Zur Informationspflicht ist festzustellen, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung der Versicherer - im Gegensatz zum KVG (vgl. Art. 71 Abs. 2 KVG) -
im VVG-Bereich nicht verpflichtet ist, die Arbeitnehmer auf die Möglichkeit des
Übertritts in die Einzelversicherung aufmerksam zu machen. Informationspflichtig
gegenüber den Arbeitnehmern und Versicherten ist nur der Arbeitgeber, welcher bei
Unterlassung allenfalls schadenersatzpflichtig wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
3. Juli 2001, 5C.41/2001, E. 2l; Häberli/Husmann, Rz. 633 ff.).
5.2.
Am 12. September 2017 übermittelte die Sozialarbeiterin per E-Mail das
ausgefüllte Antragsformular für den Übertritt des Klägers in die
Einzeltaggeldversicherung an eine Sachbearbeiterin bei der rhenusana (act. G14.1.4,
G14.2.2). Damit wurde die 30-tägige Frist zur Geltendmachung des Übertrittrechts
nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses gemäss Ziff. 4.a.3 AVB eingehalten. Wie aus
dem Antragsformular ersichtlich ist, wurde damit die Beklagte jedoch lediglich
aufgefordert, dem Kläger ein Angebot für eine Einzelkrankentaggeldversicherung zu
unterbreiten (act. G14.2.2). Diese Vorgehensweise erscheint zweckmässig und ist
notorischerweise verbreitet, setzt doch ein Vertragsabschluss voraus, dass die Parteien
über die wesentlichen Vertragspunkte Kenntnis haben müssen. Dazu gehört
insbesondere die Höhe der zu bezahlenden Prämien (vgl. Art. 1 und Art. 2 Abs. 1 des
Obligationenrechts [OR; SR 220]).
5.3.
Die Beklagte erstellte am 15. September 2017 für den Kläger eine Offerte für den
Übertritt in die Einzelkrankentaggeldversicherung mit Gültigkeit ab 1. September 2017,
90 Tagen Wartefrist und einer Monatsprämie von Fr. 420.45. Die Offerte sandte die
Beklagte der Sozialarbeiterin noch gleichentags zu (act. G14.1.5, G19.1.1). Aus dem
Inhalt der übermittelten Dokumente ist ersichtlich, dass es zum Zustandekommen des
Übertritts in die Einzelkrankentaggeldversicherung einer Annahmeerklärung der Offerte
durch den Kläger bedurfte. Der Sozialarbeiterin war dies offenkundig bewusst, erklärte
sie doch in einer E-Mail vom 14. September 2017, dass sie die Angelegenheit mit dem
Kläger in der nächsten Woche besprechen werde (act. G14.1.5). Dass diese
angekündigte Besprechung selbst bis zum Austritt des Klägers aus der Klinik C._ am
23. Oktober 2017 (vgl. act. G1.3) nicht erfolgt sein soll, ist unwahrscheinlich, denn der
Rechtsvertreter des Klägers erwähnte in der Replik, dass zwischen der Sozialarbeiterin
5.4.
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und dem Kläger Beratungen und Gespräche stattgefunden hätten (act. G16-3). Daher
ist - selbst wenn der Kläger sich nicht mehr an die Gespräche zu erinnern vermag -
davon auszugehen, dass die Sozialarbeiterin dem Kläger zumindest die Unterlagen
zum Übertritt in die Einzelkrankentaggeldversicherung übergeben hat. Damit war es
dem Kläger möglich - auch zu einem späteren Zeitpunkt und allenfalls in besserer
Verfassung - die Offerte zu prüfen und diese anzunehmen. Dass er über Wochen
hinweg dazu nicht fähig gewesen sein soll, ist in Anbetracht der vom Kläger erledigten
Angelegenheiten als unwahrscheinlich. So verfasste er bspw. während des
Klinikaufenthaltes am 31. August 2017 einen Brief an die Arbeitgeberin mit der Bitte um
eine Wiederanstellung (vgl. act. G14.2.5) und es war ihm möglich, Sozialhilfeleistungen
ab dem 1. Oktober 2017 zu beantragen (act. G6.2, Verfügung vom 19. November
2018). Im Übrigen könnte der Kläger selbst aus einem allfälligen Versäumnis der
Sozialarbeiterin nichts zu seinen Gunsten ableiten, müsste er sich deren Verhalten
doch vollumfänglich anrechnen lassen.
Zu prüfen bleibt die Frage, bis zum welchen Zeitpunkt die Beklagte, da sie in der
Offerte vom 15. September 2017 keine Frist zur Annahme gesetzt hatte, an diese
gebunden war.
5.5.
Gemäss Art. 5 Abs. 1 OR bleibt der Antragsteller in einem solchen Fall solange
gebunden, bis er den Eingang der Antwort bei ihrer ordnungsgemässen und
rechtzeitigen Absendung erwarten darf. Da der Gesetzgeber auf eine genaue
Bemessung der Annahmefrist verzichtet hat, muss der konkrete Fall gewürdigt werden.
Allgemein anerkannt ist, dass eine angemessene Bedenkfrist billigerweise zugestanden
werden muss (vgl. Corinne Zellweger-Gutknecht, in: Corinne Widmer Lüchinger/David
Oser [Hrsg.], Basler Kommentar Obligationenrecht I, 7. Aufl. Basel 2019, N 3 und 5 ff.
zu Art. 5).
5.5.1.
In der vorliegenden Konstellation erscheint eine Annahmefrist von wenigen
Wochen nach Kenntnis der Offerte als vertretbar. Selbst wenn davon ausgegangen
würde, dass der Kläger die Offerte nie erhalten hat oder er glaubte, mit der Anfrage
habe er bereits eine Einzelkrankentaggeldversicherung abgeschlossen, so wäre er
verpflichtet gewesen, spätestens beim Ausbleiben der Taggeldzahlungen aktiv zu
werden und die Beklagte nach dem Grund zu fragen. Ein Taggeldanspruch wäre nach
einer Wartezeit von 90 Tagen nach dem Versicherungsbeginn am 1. September 2017
entstanden (bzw. allenfalls frühestens 90 Tage nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit;
diesbezüglich erübrigt sich mangels Relevanz eine nähere Prüfung). Entsprechend
wären weitere Taggelder im Lauf des Novembers oder spätestens Anfang Dezember
5.5.2.
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6.
2017 zu erwarten gewesen. Der Kläger hätte daher spätestens bis Ende des Jahres
2017 reagieren bzw. nachfragen müssen. Daher ist der Beklagten zuzustimmen, dass
der anbegehrte Übertritt in die Einzeltaggeldversicherung im Juli 2018 und damit gut 10
Monate nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses verspätet und daher nicht mehr zu
gewähren ist.
Zusammenfasend ist festzustellen, dass mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses
per 31. August 2017 der Kollektivtaggeldversicherungsschutz auch für die bestehende
krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit endete. Der Übertritt in die
Einzeltaggeldversicherung erfolgte vorliegend nicht rechtzeitig, weshalb die Beklagte
für die am 9. August 2017 eingetretene Arbeitsunfähigkeit des Klägers keine
Versicherungsleistungen zu erbringen hat.
5.6.
Bei dieser Ausgangslage erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den Fragen,
ob die Arbeitsunfähigkeit lückenlos durch ärztliche Arbeitsunfähigkeitszeugnisse
nachgewiesen ist (vgl. Ziff. 3.1 und 4.f.3 AVB) und es sich - insbesondere hinsichtlich
der Zeit nach dem Austritt aus der Klinik C._ per 23. Oktober 2017 - überhaupt um
eine versicherte Arbeitsunfähigkeit handelt (vgl. Ziff. 4.c.1 AVB).
5.7.
Die Klage ist nach dem Gesagten abzuweisen.6.1.
Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei
auferlegt. Prozesskosten sind gemäss Art. 95 Abs. 1 ZPO die Gerichtskosten (lit. a) und
die Parteientschädigung (lit. b).
6.2.
Gerichtskosten sind gemäss Art. 114 lit. e ZPO keine zu erheben.6.3.
Die obsiegende anwaltlich vertretene Beklagte hat eine Parteientschädigung
beantragt. Diese spricht das Gericht nach den kantonalen Tarifen zu (Art. 105 Abs. 2
i.V.m. Art. 96 ZPO). Das mittlere Honorar im Zivilprozess beträgt nach Art. 14 lit. d der
Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) bei einem Streitwert über Fr. 100'000.- bis Fr.
500'000.- Fr. 9'200.- zuzüglich 3.3% des Streitwerts. Der Streitwert richtet sich laut Art.
13 Abs. 1 HonO nach den Bestimmungen der ZPO. Gemäss Art. 91 ZPO wird der
Streitwert durch das Klagebegehren bestimmt. Beim Streitwert von Fr. 103'530.-
resultiert ein mittleres Honorar von Fr. 12'616.50 (Fr. 9'200.- + 3.3% von Fr. 103'530.-).
Vorliegend ist von einem unterdurchschnittlich aufwendigen Fall (insbesondere geringer
Aktenumfang mit relativ einfachem Sachverhalt, keine komplexen rechtlichen
Fragestellungen, lediglich kurzer doppelter Schriftenwechsel) auszugehen, weshalb das
6.4.
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