Decision ID: 47605b32-8fac-440e-96c3-20d0e7abfa4e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend vorsätzliche versuchte einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht in Strafsachen, vom 7. November 2013 (GG130038)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 5. August
2013 (Urk. HD 34) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der vorsätzlichen versuchten einfachen Körperverletzung (mit
gefährlichem Gegenstand) im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
- der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB,
- der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB,
- des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,
sowie
- des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 172ter StGB.
2. Anstelle von 6 Monaten Freiheitsstrafe wird der Beschuldigte zur Leistung
von 720 Stunden gemeinnütziger Arbeit sowie einer Geldstrafe von 60
Tagessätzen zu Fr. 30.– (wovon 61 Tage durch Haft erstanden sind) und
einer Busse von Fr. 300.– bestraft.
3. Der Vollzug der gemeinnützigen Arbeit und der Geldstrafe wird nicht
aufgeschoben. Die Busse ist zu bezahlen.
Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
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4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 15'856.80 Gebühr Strafuntersuchung (inkl. Auslagen Vorverfahren)
Fr. 280.00 Kosten Kantonspolizei
Fr. 17'000.00 amtliche Verteidigung (inkl. MWSt)
Fr. 34'936.80 Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird keine schriftliche Begründung dieses Urteils verlangt, ermässigt sich
die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
5. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens,
einschliesslich derjenigen für die amtliche Verteidigung, werden dem
Beschuldigten auferlegt. Diejenigen der amtlichen Verteidigung werden
indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 62 S. 1 f.)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur (Vorinstanz) vom
7. November 2013 (Geschäfts-Nr. GG130038-K) sei in den Ziff. 1, 2
und 4 des Dispositivs aufzuheben bzw. wie folgt abzuändern:
a) Der Beschuldigte sei in Ziff. 1 des Dispositivs vom Vorwurf der
vorsätzlichen versuchten einfachen Körperverletzung (mit
gefährlichem Gegenstand) im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB von Schuld und Strafe
freizusprechen.
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b) In Ziff. 2 des Dispositivs sei der Umfang der gemeinnützigen
Arbeit auf 150 Stunden zu reduzieren. Der frankenmässige
Tagessatz sei von CHF 30.– auf CHF 10.– zu reduzieren.
c) In Ziff. 4 des Dispositivs seien lediglich diejenigen Kosten dem
Beschuldigten aufzuerlegen, welche auch ohne Ermittlungen und
Strafuntersuchungen zum Tatbestand der einfachen
Körperverletzung stattgefunden hätten. Sämtliche Kosten, die im
Zusammenhang mit dem Vorwurf der versuchten einfachen
Körperverletzung entstanden sind, seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
2. Dem Beschuldigten sei für das vorliegende Berufungsverfahren eine
angemessene Parteientschädigung für die entstandenen anwaltlichen
Kosten zuzusprechen. Eventualiter seien die Kosten der amtlichen
Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 54, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I.
1. Mit Urteil vom 7. November 2013 des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelgericht
Strafsachen, wurde der Beschuldigte A._ der vorsätzlichen versuchten
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 StGB in Verbindung mit
Art. 22 StGB, der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB,
der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB, des mehrfachen
Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie des geringfügigen
Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter StGB
schuldig gesprochen und anstelle einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten zur
Leistung von 720 Stunden gemeinnütziger Arbeit sowie einer Geldstrafe von 60
Tagessätzen zu Fr. 30.–, unter Anrechnung von 61 Tage erstandener Haft, und
einer Busse von Fr. 300.– bestraft. Der Vollzug der gemeinnützigen Arbeit und
der Geldstrafe wurde nicht aufgeschoben.
2. Gegen dieses Urteil meldete die amtliche Verteidigung mit Eingabe vom 11.
November 2013 rechtzeitig Berufung an (Urk. 44). Das begründete Urteil wurde
der Verteidigung am 30. Januar 2014 zugestellt (Urk. 47). Am 6. Februar 2014
ging innert Frist die Berufungserklärung der Verteidigung ein (Urk. 51). Die
Staatsanwaltschaft beantragte Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 54).
Die Privatklägerinnen erhoben keine Anschlussberufung.
3. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402
StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in Rechtskraft
(Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO).
Die Verteidigung ficht mit ihrer Berufungserklärung den Schuldspruch betreffend
der versuchten einfachen Körperverletzung (Dispositivziffer 1), die
Strafzumessung (Dispositionsziffer 2) sowie die Kostenauflage (Dispositionsziffer
5) an. Damit ist festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur,
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Einzelgericht Strafsachen, vom 7. November 2013, bezüglich der Dispositivziffer 1
teilweise (Schuldspruch betreffend mehrfache Beschimpfung, mehrfache Drohung
mehrfacher Hausfriedensbruch sowie geringfügiger Diebstahl), in Rechtskraft
erwachsen ist.
4. Der Geschädigte B._ verzichtete am 2. Dezember 2011 auf seine
Parteirechte als Privatkläger (Urk. ND 1/13).
5. Der amtliche Verteidiger stellte sodann noch folgende Beweisanträge: Es sei
vom Institut für Rechtsmedizin ein biomechanisches Gutachten einzuholen,
welches sich zu den realistischerweise zu erwartenden Verletzungen äussert, die
durch den Schlag mit einer vollen Champagnerflasche auf den Kopf eines
Menschen zu erwarten sind (Urk. 51 S. 3). Diesen Antrag zog er anlässlich der
Berufungsverhandlung wieder zurück (Urk. 62; Prot. II S. 14).
Dem zweiten Beweisantrag, den damals rapportierenden Polizisten C._ als
Zeugen zu befragen, wurde stattgegeben (Prot. II S. 7-12).
II. Sachverhalt Anklageziffer 2 (ND 1)
1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 3. November 2011 an der D._-
Strasse ... in Winterthur/ZH im Laufe eines Streits dem Geschädigten B._
eine volle Champagnerflasche über den Kopf geschlagen zu haben, welche dabei
zu Bruch gegangen sei. Dadurch habe er dem Geschädigten eine Beule sowie
eine kleine Schramme am Kopf zugefügt.
2. Der Beschuldigte bestritt in der Untersuchung und auch anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung, dem Geschädigten B._ die
Champagnerflasche auf den Kopf geschlagen zu haben (Urk. ND 1/2 S. 6; HD 5
S. 5 f.; HD 7 S. 2 f.; HD 9 S. 2 f.; HD 11 S. 2; HD 22 S. 6; Prot. I S. 10 und Prot. II
S. 13). Zusammengefasst bringt er vor, er könne sich zufolge seines
Alkoholkonsums nicht erinnern. Der Geschädigte habe auch keine entsprechende
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Verletzung am Kopf aufgewiesen. Die Flasche sei vermutlich zerbrochen, als sie
auf den Boden gefallen sei.
3. Die Untersuchungsbehörde stützt die Anklage auf die Aussagen des
Beschuldigten, des Geschädigten B._ und seines Bruders E._. Sodann
liegt ein medizinischer Bericht vom 22. August 2012 betreffend die
Körperverletzung vom 3. November 2011(Urk. ND 1/9/3), ein DNA-Spurenbericht
von der Champagnerflasche (Urk. ND 1/8/7) und Fotos von der zerbrochenen
Champagnerflasche (Urk. ND 1/8/2) vor.
4. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Beteiligten und die
Beweiswürdigungsregeln zutreffend widergegeben, worauf zu verweisen ist (Urk.
49 S. 7 - 10, Art. 82 Abs. 4 StPO). Ebenso hat sie die Aussagen einer sorgfältigen
Analyse unterzogen, worauf vorab zu verweisen ist (Urk. 49 S. 12 f.; Art. 82 Abs.
4 StPO). Teilweise ergänzend ist Folgendes anzuführen:
4.1. Der Geschädigte B._ wollte seinem Bruder E._ beistehen, der mit
dem Beschuldigten in eine Auseinandersetzung verwickelt war. Seine Darstellung
bei der Polizei differiert aber mit jener als Zeuge bei der Staatsanwaltschaft. Will
er dem Beschuldigten zunächst erst nach der Attacke mit der Flasche die Faust
ins Gesicht geschlagen haben, so schildert er den Ablauf als Zeuge ein halbes
Jahr später allerdings etwas anders: Der Beschuldigte sei nach dem
Wegschubsen wieder auf ihn losgekommen, weshalb er ihm die Faust ins Gesicht
geschlagen habe; auch danach habe der Beschuldigte nicht abgelassen und sie
weiter beleidigt. Er habe ihn dann in einen Holzhag geschubst. Daraufhin habe
der Beschuldigte ihn mit der Champagnerflasche geschlagen (HD 8 S. 4 f.). Diese
als Zeuge geschilderte wechselseitige Eskalation erscheint denn auch stimmiger
als seine Aussage vor der Polizei. Mit dieser Zugabe belastet er sich sodann
stärker, indem sich der Faustschlag nicht mehr als Reaktion auf den Angriff mit
der Flasche darstellt, sondern wohl eher als Auslöser. Dies wirkt deshalb
glaubhafter als seine ursprüngliche Version. Dies widerlegt auch die Behauptung
der Verteidigung, der Geschädigte hätte ein Interesse daran gehabt, die Taten
des Beschuldigten zu übertreiben, um davon abzulenken, dass er der
Hauptaggressor der Auseinandersetzung gewesen sei (Urk. 41/1 S. 9). Dass aber
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auch beim Beschuldigten ein erhebliches Aggressionspotential vorhanden war,
wird nebst dem Flascheneinsatz durch das nachträglich behändigte (Rüst-
)messer bei seiner Rückkehr zum Tatort dokumentiert.
Das eigentliche Kerngeschehen schildert er aber wieder gleichbleibend. Er habe
gar nicht gesehen, dass der Beschuldigte etwas in der Hand gehalten habe (weil
es dunkel gewesen sei, ergänzte er als Zeuge). Dieser habe ihm dann eine
Flasche über den Kopf geschlagen, welche zerbrochen sei (Urk. ND 1/4 S. 2).
Diese Darstellung wird durch Realitätskriterien untermauert: So fügt er an, er sei
dann voll Champagner gewesen, es sei ihm kurz schwarz vor Augen geworden
und er habe nachher noch Schwindel verspürt. Er habe aber mit seiner Hand kein
Blut am Kopf feststellen können (Urk. ND1/4 S. 2). Die Aussagen enthalten auch
differenzierte Gefühls- und Sinneseindrücke ("Es wurde mir erst klar, als ich den
zerbrochenen Flaschenhals auf dem Boden liegen sah und den Champagner roch
und schmeckte"; Urk. ND 1/4 S. 2). Zuerst habe er den Schlag gespürt, dann
habe er die Flasche bemerkt. Er wiederholt, dass die Flasche an seinem Kopf
zerbrochen sei, da der ganze Champagner über ihn geflossen sei, d.h. vom
Hinterkopf über die rechte Schulter etc. Neu gab er zudem als Zeuge an, er habe
auch Glasscherben in den Haaren gehabt und es habe - auf Frage nach der
Stärke des Schlages - auch in seinem Kopf "geklöpft" (Urk. HD 8 S. 5 f.). Diese
Ergänzungen sind nicht erfundene, nachgeschobene Details, sondern
widerspiegeln Erlebtes. Als der Schwindel nicht aufgehört habe, habe er sich
nach zwei Tagen bei Telmed erkundigt, ob das Schwindelgefühl normal sei (Urk.
ND 1/4 S. 5, HD 8 S. 6) Nachvollziehbar ist auch die Schilderung, weshalb er erst
nach einer Woche den Arzt aufgesucht hat, indem er erst nach einem
Coiffeurbesuch ein Überempfindlichkeitsgefühl vom Punkt des Schlages bis zum
Nacken verspürt habe, wobei er dies vergleicht mit dem Gefühl eines grossen
blauen Fleckens. Diese Verknüpfung von Coiffeur und Arztbesuch ist originell. Als
Zeuge ergänzte er sodann noch, dass ihn auch der Polizeibeamte am Kopf
untersuchte (Urk. HD 8 S. 8). Dies wiederum entspricht den Angaben im
Polizeirapport (Urk. ND1/1 S. 8).
Die Aussagen wirken insgesamt glaubhaft.
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4.2. Der Bruder des Geschädigten, E._, der zunächst alleine in eine
Konfrontation mit dem Beschuldigten verwickelt war, bestätigte den Schlag mit
der Flasche auf den Kopf des Bruders. Es sei schnell gegangen und er habe es
"scherbeln" gehört und gesehen, dass sein Bruder eine Flasche über den Kopf
bekommen habe. Er habe nur den Knall gehört, wie wenn Glas zerbreche. Als er
geschaut habe, sei sein Bruder ein wenig zusammengesackt (Urk. ND 1/3 S. 3 f.).
Diese Aussagen sind zurückhaltend. Er hat den Schlag mit der Flasche zunächst
nur indirekt über das Gehör mitbekommen. Erst dann hat er bemerkt, dass sein
Bruder mit einer Flasche geschlagen worden war.
Als Zeuge bestätigte er diese Aussagen rund 6 Monate später. Er selbst belastet
sich dabei erneut, indem er seinen Faustschlag ins Gesicht des Beschuldigten
erwähnt, welcher ihn mit einem "Sixpack" Bier habe schlagen wollen. Neu in der
Zeugeneinvernahme will er nun noch seitlich den Schlag von oben mit der
Flasche auf den Kopf des Bruders gesehen haben. Die Beschreibung erweist sich
indessen als etwas umständlich. Der Vorfall habe in der Nähe des Zaunes
stattgefunden. Sein Bruder und der Beschuldige seien quasi vor ihm gestanden,
wobei der Beschuldigte in seine Richtung geschaut und der Bruder mit dem
Rücken zu ihm gestanden sei. Er habe dann gesehen, wie der Beschuldigte eine
Champagnerflasche von oben herab auf den Kopf seines Bruders geschlagen
habe. Der Bruder sei ein wenig schräg gegenüber vom Beschuldigten gestanden.
Er habe den Schlag auf den Hinterkopf erhalten. Die Flasche sei am Kopf
zerbrochen, weil sein ganzer Kopf nass gewesen sei. Er habe den Kopf des
Bruders gerade danach in der Wohnung angeschaut und nur einen kleinen
Kratzer festgestellt (Urk. HD 6 S. 3 ff.). Es erscheint nun etwas widersprüchlich,
wie in dieser Situation - die Kontrahenten stehen sich fast vis-à-vis, der Schlag mit
der Flasche wird von oben geführt - der Geschädigte am oberen Hinterkopf hätte
getroffen werden können. Dazu kommt, dass nach Aussagen des Geschädigten
selbst dieser den Schlag nicht gesehen hat, was erstaunt, wenn auf die Version
seines Bruders abgestellt wird, wonach sich diese gegenübergestanden hätten.
Es fällt auch auf, dass er angibt, ab dem Zeitpunkt des Faustschlages gegen den
Beschuldigten und dem Erscheinen des Geschädigten nicht mehr zu wissen, was
abgelaufen sei. Als Grund gibt er an, er sei so durcheinander gewesen und habe
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Angst um seine (ebenfalls anwesende) Schwester gehabt. Seine Aussagen über
den Ablauf erscheinen deshalb eine Rekonstruktion aus Gehörtem und nachher
Festgestelltem (Geräusch der zerberstenden Flasche, nasser Kopf des Bruders)
bzw. allenfalls aus den Augenwinkeln heraus wahrgenommene Bewegung. Diese
Aussagen sind deshalb nicht als eigene visuelle Wahrnehmung, sondern als
gedankliche Visualisierung des Gehörten zu würdigen.
4.3. Die Aussagen des Beschuldigten (vgl. auch vorstehend) vermögen zur
Sachverhaltserstellung nichts Wesentliches beizutragen. Der Beschuldigte
äussert v.a. Vermutungen bzw. beruft sich auf Erinnerungslücken. Die Vorinstanz
hat diese Aussagen zutreffend gewürdigt (Urk. 49 S. 10 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.4. Dem Arztzeugnis lässt sich keine genaue Lokalisierung des Aufpralls der
Flasche auf den Hinterkopf des Geschädigten entnehmen. Es wird allgemein von
einer Prellung am Hinterkopf berichtet mit Nackenbeschwerden (Urk. ND1/9/3).
Der Geschädigte selbst will von der Flasche am rechten Hinterkopf getroffen
worden sein (ND 1/4 S. 2).
4.5. Der Polizeibeamte vor Ort, C._, führte an der heutigen
Berufungsverhandlung als Zeuge aus, soweit er sich erinnere, habe der
Geschädigte "eine Art Beule" und eine Rötung gehabt. Ob er geblutet habe, wisse
er nicht mehr. Er, der Zeuge, habe den Geschädigten gebeten oder aufgefordert,
ein Arztzeugnis einzureichen, was aber nicht geschehen sei. Das sei eine
mögliche Erklärung dafür, dass er im Rapport festgehalten habe, der Geschädigte
habe keine Verletzungen aufgewiesen. Möglicherweise habe er aber auch eine
Beule nicht als Verletzung angesehen. Er vermochte sich nicht mehr daran zu
erinnern, ob die Haare des Geschädigten nass waren, oder ob es Haargel
gewesen sei. Champagner oder eine andere Flüssigkeit habe er nicht gerochen
(Prot. II S. 9 ff.).
4.6. Die Foto der zerbrochenen Champagnerflasche zeigt, dass der Korken noch
im Flaschenhals steckt, was auf eine ursprünglich gefüllte Flasche hinweist (Urk.
ND 1/8/2). Sodann ist dieses Bild auch vereinbar mit dem behaupteten Schlag mit
der Flasche. Der Flaschenhals mit Alufolie ist zwar auch zerbrochen, doch
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erscheint er im Vergleich zum Rest der Flasche noch einigermassen intakt, was
nicht nur auf die Alufolie zurückzuführen ist, sondern auch darauf hindeutet, dass
die Flasche bei der Schlagbewegung dort gehalten wurde. Dass der Beschuldigte
die Flasche dort gehalten hat, belegen die DNA-Spuren (Urk. ND 1/8/7 S. 2).
4.7. Die Untersuchungsbehörden hatten zunächst, dem Beweisantrag des
Beschuldigten folgend, ein biomechanisches Gutachten beim Institut für
Rechtsmedizin in Auftrag gegeben (Urk. HD 25/6), welcher v.a. zufolge der hohen
Kosten von Fr. 15'000.– jedoch wieder zurückgezogen wurde (Urk. HD 25/7). Der
Beweisantrag wurde dann von der Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 30. Juli
2013 abgelehnt (Urk. 25/8). Indessen liegen auch sachliche Gründe für einen
Verzicht auf Einholung eines biomechanischen Gutachtens vor (vgl. dazu auch
zutreffende Ausführungen der Vorinstanz, Urk. 49 S. 5). Aufgrund der
Zeugenaussagen und der in den Akten liegenden Beweismittel (Polizeirapport
und Arztzeugnis) lässt sich nicht erstellen, wie der Schlag mit der Flasche
ausgeführt wurde (Schlagwinkel, -stärke), wie sich die Kontrahenten
gegenüberstanden und wo genau der Geschädigte am Hinterkopf rechts getroffen
wurde. Das Gutachten müsste deshalb verschiedene Hypothesen der
Untersuchung zugrunde legen, was die Aussagekraft für den hier vorliegenden
Fall erheblich einschränken würde. Die Verteidigung kann deshalb nichts für sich
aus dem angeblich widersprüchlichen Verhalten der Untersuchungsbehörde
ableiten (Urk. 41/1 S. 7).
4.8. Zusammengefasst lässt sich Folgendes erstellen: Der Beschuldigte hat mit
der Champagnerflasche den Geschädigten B._ geschlagen und im Bereich
des rechten Hinterkopfs getroffen. Dies geht klar aus den glaubhaften Aussagen
des Geschädigten und seines Bruders hervor, wonach er (der Geschädigte) voll
Champagner gewesen sei. Daran ändert nichts, dass sich der Polizeibeamte
C._ nach rund 2 1⁄2 Jahren nicht mehr daran erinnern konnte, ob der
Geschädigte mit Champagner durchtränkt war (Prot. II S. 9.). Der Zeuge will zwar
auch keinen Champagner gerochen haben; der Beschuldigte macht aber ohnehin
geltend, die Flasche sei am Boden zerbrochen. Mithin ist davon auszugehen,
dass nur ein Teil des Inhalts der Flasche auf den Geschädigten geflossen ist. Der
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Rest muss auf den Boden gespritzt sein. Zurecht hat die Vorinstanz auch darauf
hingewiesen, dass der Polizeibeamte C._ nicht sofort am Tatort erschienen
war, weshalb der Champagner bereits etwas eingetrocknet gewesen sein dürfte
(Urk. 49 S. 13). Für das verzögerte Eintreffen der Polizei spricht auch, dass der
Geschädigte und dessen Bruder nicht sofort nach dem Vorfall die Polizei
verständigt hatten (ND1/3 S. 4). Da der Geschädigte zwischen dem Vorfall und
dem Eintreffen der Polizei bereits nach Hause gegangen war, entlastet der
Umstand, dass keine Scherben auf ihm gefunden wurden, den Beschuldigten
ebenfalls nicht. Dass der Geschädigte eine Verletzung erlitten hat, steht aufgrund
der Untersuchung des behandelnden Arztes und dessen Notizen sowie der
Beobachtungen des Zeugen C._ fest (vgl. vorstehend 4.4 und 4.5). Indessen
lässt sich nicht erstellen, wie der Schlag mit der Flasche genau ausgeführt wurde.
Aufgrund der geschilderten Verletzungen, insbesondere auch der
Nackenbeschwerden, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Flasche nicht
mit der ganzen Wucht auf die rechte Hinterkopfseite prallte, sondern seitlich über
den Nacken abrutschte, wobei wohl zuerst der Flaschenhals abbrach und dann
die Flasche am Boden zerschellte. Für einen solchen Ablauf spricht die vom
Geschädigten geschilderte Schmerzüberempfindlichkeit im Nackenbereich. Aus
all diesen Gründen ist somit zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen,
dass er den Geschädigten nicht zentral, sondern eher seitlich am
Hinterkopf/Nackenbereich getroffen hat. Dieser Umstand ist indessen für den
Anklagevorwurf - wie die Vor-instanz zu Recht festgehalten hat (Urk. 49 S. 5) -
nicht entscheidend.
Vorstehend wurde im Übrigen dargelegt, dass die Aussagen des Geschädigten
glaubhaft und durch den medizinischen Bericht und die Aussagen seines Bruders
gestützt werden. Aus den Akten sind sodann keine Anhaltspunkte ersichtlich,
dass der Geschädigte den Beschuldigten zu Unrecht belastet. Er hat sich mit
seinen Aussagen zur Auseinandersetzung ebenfalls selbst belastet und
eingestanden, dem Beschuldigten zunächst einen Faustschlag ins Gesicht
versetzt und ihn dann so gestossen zu haben, dass er auf den Boden gefallen sei.
Dass der Beschuldigte aus dieser Auseinandersetzung selbst auch einige
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Verletzungen davongetragen hat, ändert nichts an der glaubhaften Darstellung
des Geschädigten und seines Bruders.
III. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat diesen Sachverhalt zutreffend als versuchte einfache
Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gewürdigt (Urk. 49 S. 14 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO). Der amtliche Verteidiger brachte dagegen keine Einwände vor (Urk.
62 S. 11 f.). Mit Bezug auf die Qualifikation als gefährlicher Gegenstand ist
entscheidend, dass die konkrete Art und Weise der Verwendung der betreffenden
Sache die Gefahr einer schweren Schädigung nach Art. 122 StGB mit sich
bringen kann. Ein Schlag gegen den Kopf mit einer vollen Champagnerflasche,
welche zerbricht, erfüllt diese Qualifikation. Wie auch der Verteidiger vorgebracht
hat (Urk. 49.1 S. 6 und Urk. 62 S. 11), sind schwere Kopfverletzungen, namentlich
ein Schädelbruch oder schwere Kontusionen, zu erwarten (vgl. dazu auch
Kasuistik in BSK StGB-Andreas Roth/Anne Berkemeier, Art. 123 N 64;
Trechsel/Fingerhuth, in Trechsel/Pieth (Hrsg.), StGB PK, 2. Aufl., Zürich/St.
Gallen 2013, Art. 123 N 13). Demgemäss ist der Beschuldigte der versuchten
einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand im Sinne von Art.
123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen und die allgemeinen
Strafzumessungsregeln zutreffend dargestellt ( Urk. 49 S. 18). Darauf ist vorab zu
verweisen.
2. Gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem
Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben, die persönlichen
Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Nach Art. 47
Abs. 2 StGB bestimmt sich die Bewertung des Verschuldens nach der Schwere
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der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der
Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie
danach, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der
Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden.
3.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der
Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB hat der Richter in einem
ersten Schritt den Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und
alsdann die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und
strafmindernden Umstände, innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. In
einem zweiten Schritt hat er diese Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen
Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu einer
Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei er ebenfalls den jeweiligen Umständen
Rechnung zu tragen hat (BGE 127 IV 101 E. 2b mit Hinweis; Urteil 6B_460/2010
vom 4. Februar 2011 E. 3.3.4 mit Hinweis, nicht publ. in: BGE 137 IV 57).
3.2. Da die Straftatbestände einfache Körperverletzung, Drohung und
Hausfriedensbruch den gleichen Strafrahmen (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis
zu drei Jahren) aufweisen, rechtfertigt es sich, eine Einsatzstrafe für jene Tat zu
bilden, die nach den konkreten Umständen verschuldensmässig am schwersten
wiegt. Vorliegend ist dies die einfache Körperverletzung.
4.1.1. Beim Tatverschulden betreffend die versuchte einfache Körperverletzung
ist in objektiver Hinsicht festzuhalten, dass der Beschuldigte einen gefährlichen
Gegenstand, nämlich eine volle Flasche Champagner "Moët & Chandon",
eingesetzt hat. Verschuldenserhöhend fällt dabei ins Gewicht, dass er damit auf
den Kopf des Geschädigten geschlagen hat, einem auf Schläge besonders
verletzungsanfälligem Körperteil. Dies deutet auf eine nicht unerhebliche
Rücksichtslosigkeit und auf ein grosses Aggressionspotential hin. Dazu kommt,
dass der Schlag mit der Flasche für den Geschädigten eher überraschend
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erfolgte. Er befand sich zwar in einer verbalen und tätlichen Auseinandersetzung
mit dem Beschuldigten, rechnete aber nicht mit einem solchen Schlag mit der
Flasche, weshalb er auch keine Abwehrbewegung machen konnte. Das objektive
Tatverschulden ist als keinesfalls leicht zu bewerten und hätte eine Strafe im
Bereich von 15 Monaten zur Folge.
Der Schlag mit der Flasche hinterliess nur sehr geringe Verletzungen, nämlich
eine Prellung am Hinterkopf, Nackenbeschwerden und eine kleine Schramme.
Der objektive Tatbestand wurde damit nicht erfüllt. Losgelöst vom eigentlichen
Tatverschulden kann das Gericht gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB die Strafe bei
Versuch mildern. Das Ausmass der Strafreduktion hängt dabei von der Nähe des
tatbestandsmässigen Erfolgs und von der Schwere der tatsächlichen Folgen der
Tat ab (BSK StGB I-Wiprächtiger/Keller N. 24 zu Art. 48a mit weiteren
Hinweisen). Der medizinische Bericht hält als Folgen dieser Verletzung
kurzfristige Schmerzen im Bereich des Knochens lokal und Kopfschmerzen für
etwa eine Woche sowie eine leichte Persistenz von Nackenbeschwerden über
einige Wochen fest. Es habe auch keine unmittelbare Lebensgefahr bestanden,
auch ohne ärztliche Intervention (Urk. ND 1/9/3). Aus diesem Bericht ergibt sich
somit, dass die Verletzungen sehr gering und ohne weitere gesundheitliche
Folgen waren. Der Versuch ist deshalb erheblich strafmindernd zu
berücksichtigen, was zu einer Halbierung der (objektiven) Einsatzstrafe führt.
4.1.2.1. In subjektiver Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass der Täter
eventualvorsätzlich gehandelt hat. Er war in eine von ihm angezettelte, zunächst
verbale Streiterei verwickelt, welche in Tätlichkeiten ausartete, wobei er zwei
Personen gegenüberstand und mit der Faust mehrmals ins Gesicht geschlagen
wurde (vgl. ärztlicher Befund, worin u.a. Hämatome Lippeninnenseite oben und
unten links sowie eine leichte Druckdolanz unter dem linken Auge ohne sichtbare
Verletzung beschrieben wurde [Urk. ND 1/10/3] sowie Verletzungsfotos in Urk.
ND 1/11). Er wurde zudem auch noch umgestossen. Damit ist sein Griff zur
Flasche klar als Reaktion auf die erhaltenen Schläge zu verstehen. Wer in einer
solchen Situation mit der Flasche auf den Kopf eines Kontrahenten schlägt, nimmt
Verletzungen in Kauf. Die Tat geschah sodann ungeplant und spontan im
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Rahmen der eskalierenden Auseinandersetzung. Der Beschuldigte hätte sich
allerdings ohne Weiteres auch wieder entfernen und damit die
Auseinandersetzung vor dem Flascheneinsatz beenden können. Der
Eventualvorsatz und die Konfliktsituation sind leicht verschuldensmindernd zu
berücksichtigen.
4.1.2.2. Gemäss psychiatrischem Gutachten vom 6. Mai 2013 von der
Psychiatrischen Universitätsklinik litt der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Tat(en)
(betreffend HD und ND1) an einer Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.2) und einer
Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F12.2). Zumindest für das vorstehende Delikt
(sowie jenes gemäss HD) sei zudem diagnostisch gesichert, dass zum Zeitpunkt
der Tatbegehung eine akute Alkoholintoxikation (ICD-10 F10.0) vorgelegen habe.
Ferner bestehe der Verdacht auf eine komorbide Erkrankung aus dem
Schizophrenen Formenkreis (ICD-10 F20.1), welche diagnostisch zum aktuellen
Zeitpunkt jedoch nicht als diagnostisch gesichert werden könne. Unabhängig von
dieser Frage sei die psychosoziale Leistungsfähigkeit des Beschuldigten deutlich
gemindert. Zur Frage der Schuldfähigkeit führt das Gutachten weiter aus, dass die
festgestellten Abhängigkeitserkrankungen seine Einsicht in das Unrecht der
vorgeworfenen Tat(en) nicht beeinträchtigt hätten. Allerdings sei der Beschuldigte
aufgrund der akuten Alkoholintoxikation nur teilweise fähig gewesen, gemäss der
vorhandenen Einsicht zu handeln, da durch die Intoxikation eine
Aggressionssteigerung und Enthemmung bezüglich des gewalttätigen Verhaltens
vorgelegen habe. Diese Reduktion seiner Fähigkeit, gemäss der Einsicht in das
Unrecht seiner Taten zu handeln, war aus gutachterlicher Sicht so stark
ausgeprägt, dass eine mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit
anzunehmen sei (Urk. 24/8 S. 35 f.).
Die Vorinstanz hat unter Hinweis auf Art. 19 Abs. 4 StGB diese verminderte
Schuldfähigkeit unberücksichtigt gelassen, da der Beschuldigte gewusst habe,
dass er in alkoholisiertem Zustand zu strafbaren Handlungen neige. Sie verweist
auf eine Aussage des Beschuldigten in Urk. HD 5 S. 2, wonach er "immer Seich"
mache, wenn er voll betrunken sei; da könne es schneller passieren.
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Der Ansicht der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden. Gemäss Art. 19 Abs. 4
StGB (bzw. Art. 12 aStGB) sind die Bestimmungen der Art. 19 Abs. 1 und 2 StGB
(bzw. Art. 10 und 11 aStGB) über die Unzurechnungsfähigkeit bzw. die
verminderte Zurechnungsfähigkeit nicht anwendbar, wenn die schwere Störung
oder die Beeinträchtigung des Bewusstseins vom Täter selbst in der Absicht
herbeigeführt wurde, in diesem Zustande die strafbare Handlung zu verüben. Das
Gesetz umschreibt damit die vorsätzliche sogenannte actio libera in causa (d.h.
das verantwortliche Ingangsetzen des Geschehensablaufs). Der Grundsatz ist
aber auch anwendbar bei der fahrlässigen actio libera in causa: Die
Verminderung der Zurechnungsfähigkeit ist unbeachtlich, wenn der Täter in
diesem Zustand eine fahrlässige Straftat begeht und die Tat für ihn zur Zeit, als er
noch voll zurechnungsfähig war, bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit
voraussehbar war (BGE 120 IV 169 S. 171, vgl. BGE 117 IV 292 E. 2 mit
Hinweisen). Für die Haftung unter dem Gesichtspunkt der actio libera in causa
genügt es nicht, wenn für den Täter nur die Möglichkeit irgendeines nicht näher
konkretisierten Deliktes vorauszusehen war. Die Haftung erfordert vielmehr, dass
der Täter im Zeitpunkt der vollen Schuldfähigkeit voraussehen konnte, er werde
ein bestimmtes Delikt begehen (Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allg.
Teil I, § 11 N. 44). Dabei ist nicht notwendig, dass der Täter den späteren
Geschehensablauf in allen seinen Einzelheiten voraussehen konnte. Mindestens
in seinen wesentlichen Zügen musste er für ihn aber voraussehbar sein, da er
sonst nicht die Pflicht haben konnte, sich darauf einzustellen (Stratenwerth,
a.a.O., § 16 N. 17; Noll/Trechsel, Schweizerisches Strafrecht, Allg. Teil I, 3. Aufl.,
S. 223).
Wenn nun die Vorinstanz - wie erwähnt - darauf verweist, dass dem
Beschuldigten bewusst gewesen sei, dass er in betrunkenem Zustand Straftaten
begehen könne, genügt dies noch nicht, um die Vorhersehbarkeit des hier zu
beurteilenden Geschehensablaufs zu begründen. Der Beschuldigte musste nicht
damit rechnen, als er zu trinken begann, dass er in eine tätliche
Auseinandersetzung verwickelt werden könnte, die ihren Ursprung im Konflikt mit
einem motorisierten Verkehrsteilnehmer hatte, der dem betrunkenen
Beschuldigten auf dem Velo offenbar ausweichen musste und dabei hupte.
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Solche Ereignisse sind zwar nicht ausgeschlossen, insbesondere zufolge der
selbstverschuldeten unsicheren Fahrweise des Beschuldigten. Dass indessen der
hupende Verkehrsteilnehmer kurze Zeit später den Wagen parkierte und so vom
Beschuldigten eingeholt und "gestellt" werden konnte, dass sodann auch noch
der Bruder hinzukommen würde, war nicht so naheliegend, dass der Beschuldigte
zur Zeit, als er zu trinken begann, bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit damit
hätte rechnen müssen. Sodann ist auch nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte in
seinen aktenkundigen bisherigen Auseinandersetzungen ausser verbaler auch
physische Gewalt eingesetzt hätte. Unter diesen Umständen ist der Vorwurf, der
Beschuldigte hätte zur Zeit, als er noch voll zurechnungsfähig war, bei
pflichtgemässer Aufmerksamkeit den zur tätlichen Auseinandersetzung mit dem
Einsatz der Champagnerflasche führenden Geschehensablauf voraussehen
müssen, nicht begründet.
Vorliegend ist deshalb eine mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit im
Rahmen des subjektiven Tatverschuldens zu berücksichtigen.
4.1.3. Insgesamt ist die Einsatzstrafe für das hypothetische Tatverschulden auf 4
Monate festzulegen.
4.2. Die ermittelte verschuldensangemessene Strafe kann alsdann aufgrund von
Umständen, die grundsätzlich nichts mit der Tat zu tun haben, erhöht oder
herabgesetzt werden (Täterkomponente). Hierfür sind im wesentlichen
täterbezogene Komponenten wie persönliche Verhältnisse, Vorstrafen, Leumund,
besondere Strafempfindlichkeit oder Nachtatverhalten massgebend. Dabei dürfen
auch im Ausland verhängte Vorstrafen bei der Strafzumessung mitberücksichtigt
werden (BSK Strafrecht-I, Wiprächtiger, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 47 StGB N 102).
4.2.1. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse
zutreffend wiedergegeben. Auf die entsprechenden Erwägungen kann verwiesen
werden (Urk. 49 S. 21 f.). An der Berufungsverhandlung ergaben sich keine
neuen Erkenntnisse (Prot. II S. 5 ff.). Aus der Lebensgeschichte und den
persönlichen Verhältnissen sind keine strafzumessungsrelevanten Faktoren
ersichtlich, die über die bei der verminderten Schuldfähigkeit berücksichtigten
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Umstände hinausgehen würden. Eine besondere Strafempfindlichkeit im Sinne
von Art. 47 Abs. 1 StGB lässt sich daraus nicht ableiten.
4.2.2. Der Beschuldigte weist 5 Vorstrafen auf (Urk. 58), die nicht einschlägig
sind. Diese sind leicht straferhöhend zu gewichten. Zudem ist merklich
straferhöhend das Delinquieren während der Probezeit der bedingten Entlassung
vom 13. August 2011 zu berücksichtigen. Der Beschuldigte war sodann nicht
geständig. Sein Nachtatverhalten (Behändigung eines Rüstmessers und
Rückkehr an den Tatort) wirkt sich nicht zu seinen Gunsten aus. Ebenso wenig
sind echte Reue und Einsicht erkennbar.
4.3. Insgesamt führen diese Umstände zu einer Erhöhung der Einsatzstrafe auf
5 Monate.
5. Wie bereits erwähnt, ist in einem zweiten Schritt diese Einsatzstrafe unter
Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips
angemessen zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei ebenfalls den jeweiligen
Umständen Rechnung zu tragen ist.
5.1. Das Tatverschulden betreffend die mehrfache Drohung (ND 3 und ND 4) ist
als leicht zu gewichten. Zwar hat er die Todesdrohungen ausgesprochen und
damit die Privatklägerinnen F._ und G._ in ihrem Sicherheitsgefühl
beeinträchtigt; die Taten geschahen jedoch spontan. Nicht wesentlich mag ihn zu
entlasten, dass er im Tatzeitpunkt alkoholisiert war, da für ihn - im Gegensatz zum
Vorfall in ND1 (vgl. Erw. IV.4.1.2.2.) - ein solches Verhalten absehbar war.
Merklich straferhöhend ist zudem die Einschlägigkeit von vier der fünf Vorstrafen
zu gewichten. Sodann hat er diese Taten während laufender Strafuntersuchung
und die Drohung gemäss ND 4 kurz nach Entlassung aus der Untersuchungshaft
gemacht. Strafmindernd ist das Geständnis zu beachten. Eine Strafe von 45
Tagen erschiene angemessen.
5.2. Der mehrfache Hausfriedensbruch ist verschuldensmässig als sehr leicht zu
gewichten. Im HD verweilte er nur kurze Zeit wenige Schritte auf dem fremden
Grundstück der Privatklägerin F._. In ND 2 stand das Delikt im
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Zusammenhang mit dem Diebstahl des Fahrrads. Etwas straferhöhend fallen die
3 einschlägigen Vorstrafen und das Delinquieren während laufender
Untersuchung ins Gewicht, zu seinen Gunsten ist das Geständnis zu gewichten.
Insgesamt wäre hier eine Strafe im Bereich von 10 Tagen angebracht.
6.1. Wie bereits erwähnt, ist die Einsatzstrafe (für die versuchte einfache
Körperverletzung) unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des
Asperationsprinzips in einer Gesamtwürdigung angemessen zu einer
Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei ebenfalls den jeweiligen Umständen Rechnung
zu tragen ist (BGE 6B_323/2010 vom 23. Juni 2010 Erw. 3.2.; BGE 118 IV 119 E.
2b; 127 IV 101 E. 2c.; Ackermann, a.a.O., Art. 49 N 49). Zu beachten ist dabei
das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre
grössere oder geringere Selbständigkeit sowie die Gleichheit oder
Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehungsweisen. Der
Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts wird dabei geringer zu veranschlagen
sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich oder situativ in einem engen
Zusammenhang stehen (BGer 6B_323/2010, Urteil vom 23. Juni 2010).
6.2. Auszugehen ist von der Einsatzstrafe für einfache Körperverletzung von 5
Monaten. Zu berücksichtigen ist sodann der Umstand, dass die unter
Anklageziffer HD und ND 3 erfassten Delikte des Hausfriedensbruchs und der
Drohung zwar eigenständig sind, aber insofern einen Zusammenhang aufweisen,
als sie gegen die Privatklägerin F._ gerichtet sind. Die weiteren Delikte
weisen keinen näheren Zusammenhang auf, sind indessen im Gesamtkontext
betrachtet verschuldensanteilig als geringfügig zu werten. Zu beachten ist
sodann, dass bei der Einzelbewertung der verschiedenen Delikte in
unterschiedlichem Umfang die zahlreichen Vorstrafen berücksichtigt worden sind.
Diesem Umstand ist bei der Asperation besonders Rechnung zu tragen, um eine
Doppelverwertung zu vermeiden.
Insgesamt erwiese sich in Anwendung des Asperationsprinzips eine
Freiheitsstrafe von über 6 Monaten als gerechtfertigt. Zufolge des Grundsatzes
der reformatio in peius bleibt es indessen bei einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten.
Diese Freiheitsstrafe wird entsprechend dem Antrag der Verteidigung auch vor
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Berufungsinstanz (Urk. 51 S. 4) in 720 Stunden gemeinnützige Arbeit
umgewandelt.
7.1. Für die mehrfache Beschimpfung (ND 3 bis ND 7) wurde der Beschuldigte mit
einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft. Die Verteidigung
beanstandet diesbezüglich nur die Tagessatzhöhe. Sie beantragt einen
Tagessatz von Fr. 10.– (Urk. 51 S. 2 f.). Was die finanziellen Verhältnisse angeht,
so ergibt sich aus der erstinstanzlichen Befragung, dass der Beschuldigte bei
seiner Grosstante wohnt und mit Fr. 720.– vom Sozialamt unterstützt wird (Prot. I
S. 6, vgl. auch Urk. 56). Miete muss er nicht zahlen (Urk. 56).
7.2. Das Gericht bestimmt gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB die Höhe des Tages-
satzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im
Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen,
Lebensaufwand, allfälligen Unterstützungspflichten sowie nach dem
Existenzminimum. Im Rahmen dieser Sanktion kann vom Beschuldigten
persönlich eine gewisse Einschränkung unter das betreibungsrechtliche
Existenzminimum verlangt werden (BGE 134 IV E. 6.5). Ausgangspunkt für die
Bemessung bildet auch für einkommensschwache Personen das strafrechtlich
relevante Nettoeinkommen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag
zufliesst. Der Tagessatz für Verurteilte, die nahe oder unter dem
Existenzminimum leben, ist aber in dem Masse herabzusetzen, dass einerseits
der Eingriff nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen als
zumutbar erscheint und andererseits die Ernsthaftigkeit der Sanktion durch den
Eingriff in die gewohnte Lebensführung erkennbar bleibt (BGE 134 IV 60 E. 6).
7.3. Die Tagessatzhöhe ist unter Berücksichtigung des monatlichen
Nettoeinkommens von Fr. 720.– und der relevanten Abzüge auf Fr. 20.– festzu-
setzen.
8. Die Busse von Fr. 300.– für den geringfügigen Diebstahl (ND2) wurde nicht
explizit angefochten und erweist sich als angemessen, ebenso die
Ersatzfreiheitsstrafe.
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9. Der Beschuldigte verbrachte 61 Tage in Untersuchungshaft. Diese ist gemäss
Art. 51 StGB auf die Strafe anzurechnen. Werden mehrere Strafen
unterschiedlicher Art ausgesprochen, ist die Untersuchungshaft auf die
Hauptstrafe anzurechnen. Die Untersuchungshaft wird somit zuerst auf die
Freiheitsstrafe, dann auf die Geldstrafe, dann auf die gemeinnützige Arbeit und
zuletzt auf die Busse angerechnet (Trechsel/Affolter-Eijsten, in Trechsel/Pieth
(Hrsg.), StGB PK, 2. Aufl., Zürich/St.Gallen 2013, Art. 51 N 7 unter Hinweis auf
BGE 135 IV 126). Im vorliegenden Fall ist die gemeinnützige Arbeit die
Hauptstrafe. Deshalb ist die Untersuchungshaft auf die gemeinnützige Arbeit
anzurechnen, wobei 61 Tage 244 Stunden gemeinnützige Arbeit ergeben.
V. Vollzug
Der Vollzug der Strafe wurde nicht angefochten. Zu Recht hat der Verteidiger
auch vor Vorinstanz darauf hingewiesen, dass der bedingte Strafvollzug
überhaupt keinen Sinn machen würde. Den Ausführungen der Vorinstanz ist
vollumfänglich beizupflichten (Urk. 49 S. 24). Damit sind die gemeinnützige Arbeit
und die Geldstrafe zu vollziehen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffern 4
und 5) zu bestätigen.
2. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
mit seinen Anträgen weitgehend. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten somit
die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen
Verteidigung, aufzuerlegen.
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Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO auf
die Gerichtskasse zu nehmen; entsprechend ist der amtliche Verteidiger,
Rechtsanwalt Dr. iur. X._, mit Fr. 3'271.80 (inkl. 8% MwSt.) aus der
Gerichtskasse zu entschädigen und der Beschuldigte zu verpflichten, diese
Entschädigung an den Staat zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen
Verhältnisse erlauben (vgl. Art. 135 Abs. 4 StPO).