Decision ID: bf2e5621-8c08-4149-9bd1-280d440f4cc3
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend sexuelle Nötigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 10. Juli 2018 (DG180017)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. Februar 2018
(Urk. 18) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 46 S. 49 f.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der sexuellen Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB,
− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
37 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 12 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, ab-
züglich 37 Tage, die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe voll-
zogen.
4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für 5 Jahre
des Landes verwiesen.
5. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-
onssystem angeordnet.
6. Der Antrag auf Anordnung eines Kontaktverbots im Sinne von Art. 67b StGB
wird abgewiesen.
7. Der Beschuldigte wird gegenüber der Privatklägerin aus dem der Anklage-
schrift vom 27. Februar 2018 zugrunde liegenden Ereignis vom
21. September 2017 dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig. Für die
Bemessung der Schadenersatzpflicht wird die Privatklägerin auf den
Zivilweg verwiesen.
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8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von
Fr. 5'000.– nebst Zins zu 5% seit 21. September 2017 zu bezahlen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 1'890.85 Auslagen (Gutachten)
Fr. 858.– Auslagen
Fr. 20.– Entschädigung Zeuge
Fr. 12'500.– amtl. Verteidigungskosten inkl. MwSt.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der
amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Geschädigten für das gesamte Ver-
fahren eine Umtriebsentschädigung von Fr. 7'726.40 inkl. MwSt. zu bezah-
len.
12. [Mitteilungen]
13. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 49 S. 2, Urk. 58 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei freizusprechen.
2. Es sei kein Landesverweis vorzunehmen.
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3. Zivilansprüche seien abzuweisen, eventualiter seien solche auf
den Zivilweg zu verweisen.
4. Sämtliche Spurenträger und Asservate seien zu vernichten und es sei-
en sämtliche beschlagnahmte Gegenstände herauszugeben.
5. Die Verfahrenskosten und die Kosten der amtlichen Verteidigung für
das vorinstanzliche Verfahren und für vorliegendes Berufungsverfahren
seien auf die Staatskasse zu nehmen. Dem Beschuldigten sei eine
Genugtuung für erlittene Haft im Betrag von CHF 200.– pro Hafttag zu-
zusprechen.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 57, schriftlich)
1. Der Beschuldigte sei mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 30 Mo-
naten zu bestrafen.
2. Der Beschuldigte sei für 7 Jahre des Landes zu verweisen.
3. Die übrigen Punkte des vorinstanzlichen Urteils seien zu bestätigen.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Gegenstand der Berufung und Prozessuales
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung, vom 10. Juli 2018 wur-
de der Beschuldigte der sexuellen Handlungen mit einem Kind im Sinne von
Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1
StGB schuldig gesprochen. Dafür wurde er mit einer Freiheitsstrafe von 24 Mona-
ten bestraft (unter Anrechnung von 37 Tagen Haft). Der Vollzug der Freiheitsstra-
fe wurde im Umfang von 12 Monaten aufgeschoben unter Ansetzung einer Pro-
bezeit von 3 Jahren. Zudem verwies die Vorinstanz den Beschuldigten für 5 Jahre
des Landes und erkannte sodann, dass er gegenüber der Privatklägerin aus dem
der Anklageschrift zugrundeliegenden Ereignis dem Grundsatze nach schadener-
satzpflichtig ist. Für die Bemessung der Schadenersatzpflicht wurde die Privatklä-
gerin auf den Zivilweg verwiesen. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten
ferner, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 5'000.– nebst Zins zu 5% seit
21. September 2017 sowie zusätzlich eine Prozessentschädigung von
Fr. 7'726.40 zu bezahlen und regelte die Kostenfolgen des Verfahrens (Urk. 46
S. 49 f.).
2. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 26 u. 27) liess der Beschul-
digte rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 39; Art. 399 Abs. 1 StPO). Das begrün-
dete Urteil wurde dem Beschuldigten resp. der amtlichen Verteidigung am
16. November 2018 zugestellt (Urk. 45). Die Berufungserklärung erfolgte rechtzei-
tig am 6. Dezember 2018 (Urk. 49). Darin beantragte die Verteidigung einen Frei-
spruch des Beschuldigten. Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (nachfolgend:
Staatsanwaltschaft) sowie der Privatklägerin wurde mit Präsidialverfügung vom
10. Dezember 2018 Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum Antrag
auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt (Urk. 50). In der Folge erhob die
Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 18. Dezember 2018 Anschlussberufung
(Urk. 52). Die Privatklägerin liess sich nicht vernehmen.
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3. Mit Präsidialverfügung vom 9. Januar 2019 wurde dem Beschuldigten so-
wie der Privatklägerin eine Kopie der Anschlussberufungserklärung der Staats-
anwaltschaft zugestellt (Urk. 53). Die Berufungsverhandlung wurde sodann auf
den 5. November 2019 angesetzt (Urk. 55). Zur Berufungsverhandlung erschie-
nen der Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur.
X._ sowie Staatsanwältin lic. iur. P. Arce als Vertreterin der Staatsanwalt-
schaft (Prot. II S. 4 ff.). Rechtsanwalt lic. iur. Y._ teilte mit Eingabe vom 29.
Oktober 2019 mit, dass die Privatklägerin und er nicht an der Berufungsverhand-
lung vom 5. November 2019 teilnehmen würden (Urk. 56).
4. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO hat die Berufung
im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des
angefochtenen Urteils dementsprechend gehemmt. Der Beschuldigte beantragt
im vorliegenden Berufungsverfahren einen Freispruch. Die Kostenaufstellung
(Dispositivziffer 9) blieb unangefochten. Die Staatsanwaltschaft ficht mit ihrer An-
schlussberufung die Strafzumessung, den teilbedingten Vollzug der Freiheitsstra-
fe sowie die Dauer der ausgesprochenen Landesverweisung an (Urk. 52). Da die
Vorinstanz von der Anordnung eines Kontaktverbotes absah (Dispositivziffer 6),
die Staatsanwaltschaft an ihrem vor Vorinstanz gestellten Antrag, es sei dem Be-
schuldigten gegenüber der Privatklägerin ein Kontaktverbot aufzuerlegen, im Be-
rufungsverfahren nicht festhält und der Beschuldigte dadurch nicht beschwert ist,
gilt das vorinstanzliche Urteil bezüglich Dispositivziffer 6 als unangefochten. Somit
sind die Dispositivziffern 6 (kein Kontaktverbot) und 9 (Kostenaufstellung) in
Rechtskraft erwachsen (Art. 402 StPO), was vorab mittels Beschluss festzustellen
ist.
5. Ferner beantragte der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung,
die Privatklägerin sei erneut zu befragen (Prot. II S. 17).
5.1. Zum einen ist von einer neuerlichen Einvernahme der Privatklägerin im Be-
rufungsverfahren nicht zu erwarten, dass hinsichtlich einer vom Beschuldigten
vorgebrachten falschen Anschuldigung seitens der Privatklägerin neue Erkennt-
nisse in Erfahrung gebracht werden könnten. Nicht nur ergeben sich aus den Ak-
ten keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Privatklägerin den Beschuldigten zu
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Unrecht beschuldigen sollte. Auch entbehren die diesbezüglichen Mutmassungen
des Beschuldigten (vgl. Prot. II S. 14) jeglicher Grundlage.
5.2. Zum anderen darf gemäss Art. 154 Abs. 4 lit. b in Verbindung mit Art. 154
Abs. 1 StPO ein Kind, welches im Zeitpunkt der Einvernahme weniger als 18 Jah-
re alt ist, in der Regel nicht mehr als zweimal einvernommen werden. Wie hienach
dargelegt (Ziffer II.4. ff.), sagte die Privatklägerin bereits zweimal detailliert und
differenziert zum anklagerelevanten Sachverhalt aus. Eine erneute Einvernahme
erscheint vor diesem Hintergrund als nicht notwendig. Ferner ist auch nicht aus-
zuschliessen, dass eine weitere Einvernahme die Privatklägerin psychisch erheb-
lich belasten könnte, zumal vorliegend Tatvorwürfe zu beurteilen sind, welche die
sexuelle Integrität der Privatklägerin betreffen. Eine neuerliche Einvernahme und
die damit verbundenen Belastungen für die Privatklägerin stehen in keinem Ver-
hältnis zu einem ohnehin nicht zu erwartenden weiteren Erkenntnisgewinn hin-
sichtlich des Vorfalles. Der Beweisantrag des Beschuldigten, die Privatklägerin sei
im Berufungsverfahren erneut einzuvernehmen, ist somit abzuweisen.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Vorbemerkungen
1.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachver-
halt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argu-
mente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Die Vorinstanz
führte die massgeblichen Beweismittel vollständig auf (Urk. 46 S. 7-17) und legte
das Vorgehen sowie die allgemeinen Beweiswürdigungsregeln ausführlich und
korrekt dar (Urk. 46 S. 17 f.), so dass – um unnötige Wiederholungen zu vermei-
den – darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2. Auf die einzelnen Beweismittel wird in den nachfolgenden Erwägungen –
soweit für die Urteilsfindung relevant – zurückzukommen sein. Dabei ist schon an
dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs zwar
die Pflicht zur Berücksichtigung rechtzeitig und formrichtig gestellter Beweisanträ-
ge folgt, dies indessen nicht bedeutet, dass sämtliche angebotenen Beweise ab-
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genommen werden müssen. Auch auf die Argumente des Beschuldigten oder
dessen Verteidigung ist im Rahmen der nachstehenden Erwägungen einzugehen.
Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behaup-
tung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen; vielmehr kann es sich
auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (Urteil
des Bundesgerichts 6B_259/2017 vom 21. Dezember 2017, E. 1.2 mit Hinwei-
sen).
2. Anklagevorwurf
2.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten gemäss Anklageschrift
vom 27. Februar 2018 zusammengefasst vor, am 21. September 2017 in der Toi-
lette des Lokals C._ in Winterthur (recte: Bülach) sexuelle Handlungen mit
der damals 14-jährigen Privatklägerin vorgenommen zu haben, wobei diese mit
Ausnahme des ersten Zungenkusses im Korridorbereich der Toiletten gegen ihren
Willen erfolgt seien. So sei der Beschuldigte, nachdem sich die Privatklägerin
nach vorerwähntem, mehrere Sekunden andauernden Zungenkuss von ihm ab-
gewandt habe, ihr unaufgefordert in die Damentoilette gefolgt und habe dort die
Tür hinter sich abgeschlossen. In der Damentoilette habe der Beschuldigte die
Privatklägerin an die Wand gedrängt und sie erneut geküsst. Diese Küsse seien
von der Privatklägerin unerwidert geblieben. Sie habe sich wiederum von ihm ab-
gewandt, woraufhin ihr vom Beschuldigten die Hose und Unterhose nach unten
gezogen worden seien. Der Beschuldigte habe anschliessend seine Hand an der
Schulter der Privatklägerin angesetzt und diese bestimmt nach unten in Richtung
WC gedrückt und gefragt, ob er von hinten in sie eindringen könne. Die Privatklä-
gerin habe dies mehrmals deutlich verneint und sich schliesslich, als der Beschul-
digte den Druck auf ihre Schulter lockerte, wieder umgedreht. Daraufhin habe der
Beschuldigte seine Hose und Unterhose ebenfalls nach unten gezogen, habe die
Privatklägerin erneut geküsst und sei mit einem Finger in die Vagina der Privat-
klägerin eingedrungen. Die Privatklägerin habe wieder bekundet, diese Handlun-
gen nicht zu wollen und sei erneut zurückgewichen. In der Folge habe der Be-
schuldigte versucht, seinen Penis in den Mund der Privatklägerin einzuführen,
nachdem er diese nochmals bestimmt nach unten gedrückt habe. Die Privatkläge-
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rin habe den Penis des Beschuldigten zur Seite geschoben und habe erneut ge-
sagt, dies nicht zu wollen, andernfalls sie zu schreien beginnen würde. Der Be-
schuldigte habe sodann von ihr abgelassen, worauf sie sich angezogen und
fluchtartig die Toilette verlassen habe.
2.2. Der Beschuldigte habe vorgenannte Handlungen in der Damentoilette ge-
gen den Willen der Privatklägerin vorgenommen. Ferner habe er diese Handlun-
gen ausgeführt, obwohl er gewusst bzw. zumindest billigend in Kauf genommen
habe, dass die Privatklägerin nicht 16 Jahre alt gewesen sei.
3. Beweismittel
Als Beweismittel liegen einerseits verschiedene Aussagen vor, nämlich diejenigen
des Beschuldigten (Urk. 2/1; Urk. 2/3; Urk. 2/4; Urk. 2/5; Urk. 2/6; Prot. I S. 4 ff.;
Prot. II S. 4 ff.), der Privatklägerin (Urk. 3/3; Urk. 3/6), der als Auskunftsperson
einvernommenen Schulfreundin der Privatklägerin, D._, (Urk. 4/1) sowie die
Zeugeneinvernahme des Arbeitskollegen des Beschuldigten, E._, (Urk. 4/2).
Die Aussagen der Befragten wurden im vorinstanzlichen Urteil ausführlich und im
übrigen korrekt wiedergegeben (Urk. 46 namentlich S. 8-11 [Beschuldigter], S. 11-
14 [Privatklägerin], S. 14-15 [Auskunftsperson D._ und Zeuge E._]), wo-
rauf verwiesen werden kann. Auf der anderen Seite befinden sich als objektive
Beweismittel der Polizeirapport vom 22. September 2017 der Kantonspolizei Zü-
rich (Urk. 1/1) sowie die dazugehörigen Nachtragsrapporte (Urk. 1/2-4), die Vide-
oaufzeichnung des Lokals C._ (Urk. 5/2), der What's-App-Chatverlauf zwi-
schen dem Beschuldigten und der Privatklägerin (Urk. 5/4), das gynäkologische
Gutachten des Kinderspitals Zürich (Urk. 6/2) und das Gutachten betreffend die
körperliche Untersuchung der Privatklägerin des Instituts für Rechtsmedizin (Urk.
6/3) sowie der Bericht der Kantonspolizei Zürich betreffend die Datensicherung
des Mobiltelefons des Beschuldigten (Urk. 7/5-6) bei den Akten.
4. Sachverhaltserstellung
4.1. Betreffend die allgemeinen Ausführungen zur Glaubwürdigkeit des Be-
schuldigten und der Privatklägerin kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 19). Die Vorinstanz würdigte als-
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dann die einschlägigen Beweise sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit ein-
lässlich und nahm eine detaillierte und sorgfältige Sachverhaltserstellung vor
(Urk. 46 S. 17-27). Die entsprechenden Erwägungen betreffend die Aussagen-
würdigung überzeugen durchwegs und können ohne Weiteres auch dem Beru-
fungsentscheid zugrunde gelegt werden, so dass vollumfänglich darauf verwiesen
werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.2. Wie die Vorinstanz richtig festgehalten hat, gab der Beschuldigte – nach-
dem er anfänglich in den ersten zwei Einvernahmen jegliche Intimitäten in Abrede
gestellt hatte – nach der Konfrontation mit der ersten polizeilichen Befragung der
Privatklägerin intime Kontakte zu (Urk. 46 S. 19f.). Er räumte ein, dass es zwi-
schen ihm und Letztgenannter zu Küssen (sowohl vor als auch in der Damentoi-
lette) gekommen sei, wobei es sich in der Damentoilette um Zungenküsse gehan-
delt habe (Urk. 2/4 S. 4). Er bestätigte, dass er seinen Finger in die Vagina der
Privatklägerin eingeführt habe (Urk. 2/4 S. 2 und S. 3). Weiter gab er zu Protokoll,
er habe seinen Penis – nachdem er seinen Finger wieder herausgenommen habe
– aus der Hose herausgenommen und zu ihr gesagt, wenn sie seinen Penis in
den Mund nehmen wolle, könne sie dies machen (Urk. 2/4 S. 4). Auch an der
heutigen Berufungsverhandlung hielt er im Wesentlichen an seinen Aussagen
fest. Der Beschuldigte führte hinsichtlich der ihm vorgeworfenen sexuellen Hand-
lungen aus, die Vagina der Privatklägerin berührt zu haben, seinen Penis hernach
aus der Hose herausgenommen und sie gefragt zu haben, ob sie ihn oral befrie-
digen wolle (Prot. II S. 13). Somit ist der Beschuldigte hinsichtlich der vorgenom-
menen bzw. beabsichtigten sexuellen Handlungen geständig. Hingegen stellt er in
Abrede, gewusst bzw. realisiert zu haben, dass die Privatklägerin noch nicht 16
Jahre alt war. Ferner vertritt er die Ansicht, dass die umschriebenen sexuellen
Handlungen im Einvernehmen mit der Privatklägerin erfolgt seien. Dies wiederhol-
te er auch anlässlich der Befragung in der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 12
ff.).
4.3. Vorliegend ist somit noch zu überprüfen, ob die sexuellen Handlungen ein-
vernehmlich erfolgten oder nicht und ob der Beschuldigte zumindest in Kauf
nahm, dass die Privatklägerin das Schutzalter noch nicht erreicht hat. Der diesbe-
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züglichen Beweiswürdigung durch die Vorinstanz ist vollumfänglich zu folgen
(Urk. 46 S. 24 ff.). Sie zeigt schlüssig und nachvollziehbar auf, dass die Aussagen
der Privatklägerin als glaubhaft zu werten sind.
4.3.1. Die Ausführungen der Privatklägerin hinsichtlich der an ihr vorgenomme-
nen sexuellen Handlungen sind konsistent und weisen keinerlei Widersprüche
auf: Sie beschrieb zwei Mal sehr realitätsnah, dass es sowohl im Bereich vor der
Damentoilette als auch in dieser zu Küssen gekommen sei, der Beschuldigte sie
in der Damentoilette an die Wand gedrückt und sich links und rechts mit den Ar-
men abgestützt und so fixiert habe, um sie zu küssen, ihr anschliessend die Hose
heruntergezogen und seinen Finger in ihre Vagina eingeführt habe, was sie nicht
gewollt habe. Weiter erklärte die Privatklägerin, der Beschuldigte habe beabsich-
tigt – nachdem sie diesem in der Damentoilette mit dem Rücken zugewandt ge-
genüberstand – von hinten in sie einzudringen, wobei es aber nicht dazu gekom-
men sei. Ferner schilderte die Privatklägerin auch zweimal identisch, dass der
Beschuldigte versucht habe, seinen Penis in ihren Mund einzuführen, sie habe je-
doch mit der Hand eine abwehrende Bewegung gemacht und gesagt, sie wolle
das nicht, andernfalls sie zu schreien beginne, worauf der Beschuldigte von ihr
abgelassen habe (Urk. 3/1 00:06:15; 00:07:30; 00:20:10; 00:21:35; 00:25:25;
00:27:00; Urk. 3/5 00:03:40; 00.11:45; 00:23:27; 00:24:25; 00:28:25; 00:29:00).
Sodann hat die Privatklägerin den gesamten Ablauf der vorgenommenen sexuel-
len Handlungen von sich aus zweimal gleichlautend geschildert (Urk. 3/1
00:06:15; 00:07:30 und Urk. 3/5 00:03:40). Wie die Vorinstanz zurecht festhielt
(Urk. 46 S. 27) und auch die amtliche Verteidigung hervorhebt (Urk. 58 S. 8), er-
wähnte die Privatklägerin erst auf Nachfrage hin und überdies von ihrem zweimal
nahezu identisch zu Protokoll gegebenen Geschehensablauf abweichend, der
Beschuldigte habe seinen Finger vaginal in sie eingeführt, nachdem er beabsich-
tigt habe, von hinten in sie einzudringen (Urk. 3/5 00:23:27-00:26:10). Diese mar-
ginale Abweichung im Geschehensablauf vermag jedoch entgegen den Vorbrin-
gen der amtlichen Verteidigung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen in keiner Wei-
se Abbruch zu tun. Von Bedeutung ist, dass die Privatklägerin den Vorfall hin-
sichtlich der vorgenommenen bzw. beabsichtigten Handlungen identisch schilder-
te. So ist zum einen unbedeutend, zu welchem Zeitpunkt genau der Beschuldigte
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den Finger in die Vagina der Privatklägerin einführte. Zentral ist vielmehr, dass
diese Handlung stattgefunden hat, wovon aufgrund der glaubhaften Aussagen der
Privatklägerin zweifellos auszugehen ist. Zum anderen ist auch durchaus nach-
vollziehbar, dass die Privatklägerin ca. eineinhalb Monate nach dem Vorfall und
erst auf Nachfrage hin ein Detail, welches den chronologischen Ablauf der an ihr
vorgenommenen Handlungen betrifft und darüber hinaus für sie aufgrund der ins-
gesamt sehr bedrohlichen Situation von untergeordneter Bedeutung gewesen
sein dürfte, in welcher genauen Reihenfolge der Beschuldigte die Handlungen
vornahm, abweichend schildert. Im Gegenteil könnten gänzlich übereinstimmende
Aussagen, gerade was den chronologischen Ablauf der Geschehnisse betrifft, auf
eine einstudierte Version der Geschehnisse hindeuten, wofür es vorliegend kei-
nerlei Anhaltspunkte gibt.
4.3.2. Eine weitere Abweichung in den Aussagen der Privatklägerin betrifft den
Zeitpunkt, in dem sie zum ersten Mal verbal zum Ausdruck brachte, mit den sexu-
ellen Handlungen nicht einverstanden zu sein. In der ersten polizeilichen Befra-
gungen gab sie an, sie habe sich zum ersten Mal verbal gegen das Vorgehen des
Beschuldigten zur Wehr gesetzt, als dieser sie geküsst habe, während er sie an
die Wand gedrückt habe (Urk. 3/1 00:07:30). Auf konkrete Nachfrage führte sie
dann aber aus, zum ersten Mal gesagt zu haben, dass sie 'dies' nicht möchte, als
der Beschuldigte seinen Finger in ihre Vagina einführte (Urk. 3/1 00:59:05). An-
lässlich der zweiten polizeilichen Befragung gab sie zu Protokoll, ihren Widerwil-
len zum ersten Mal geäussert zu haben, als sie der Beschuldigte umgedreht habe
(Urk. 3/5 00:33:42). Auch diesbezüglich ist festzuhalten, dass diese Abweichun-
gen die Glaubhaftigkeit der Aussagen nicht zu erschüttern vermögen, da als er-
stellt erachtet werden kann, dass sich die Privatklägerin mehrfach äusserte, die
vom Beschuldigten beabsichtigten oder vorgenommenen Handlungen nicht zu
wollen und somit ihren Widerwillen deutlich zum Ausdruck brachte (vgl. nachste-
hend Ziffer II.4.4.2.). Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass die Privat-
klägerin betreffend die zeitliche Einordnung ihrer Äusserung in den Geschehens-
ablauf abweichende Angaben gemacht hat.
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4.4. Ferner ist zu betonen, dass die sexuellen Handlungen offenkundig nicht
einvernehmlich erfolgt sind.
4.4.1. Es ist zwar richtig, dass die Privatklägerin den ersten Kuss, mit dem sie
nicht gerechnet hatte, zunächst erwiderte (Urk. 3/1 00:06:15; Urk. 3/5 00:03:40).
Im Weiteren kann jedoch entgegen den Ausführungen der amtlichen Verteidigung
nicht davon ausgegangen werden, die Privatklägerin hätte das Küssen in der
Damentoilette, das Anfassen, das Öffnen ihrer Hose sowie das vaginale Einfüh-
ren des Fingers toleriert (Urk. 58 S. 11). Die Privatklägerin brachte mehrfach ver-
bal und für den Beschuldigten deutlich erkennbar zum Ausdruck, dass sie die von
ihm gewünschten oder vorgenommenen sexuellen Handlungen – mithin das vagi-
nale Einführen des Fingers, das Eindringen des Beschuldigten von hinten sowie
den beabsichtigten Oralverkehr – nicht wolle (Urk. 3/1 00:07:30; 00:21:55;
00:25:25; 00:27:00; Urk. 3/5 00:23:27; 00:39:10; 00:33:42). Ferner schilderte sie
auch, sich sowohl vom Beschuldigten nach dem Kuss im WC-Vorraum als auch in
der Damentoilette abgewandt bzw. umgedreht zu haben, so dass dieser hätte
realisieren müssen, dass sie die sexuellen Handlungen nicht gewollt habe
(Urk. 3/1 00:06:15; 00:07:30; 00:21:35, 00:34:20; Urk. 3/5 00:03:40; 00:19:48;
00:23:27; 00:26:10; 00:37:15). Darin hatte sich ihr Widerwille – für den Beschul-
digten deutlich erkennbar – manifestiert. Die Privatklägerin führte auch aus, sie
habe den Beschuldigten am Hals gekratzt, als er sie in der Damentoilette an die
Wand gedrückt habe, was ebenfalls ein klares Zeichen ihrer Ablehnung darstellt
(Urk. 3/1 00:35:00). Auch lässt die Vorgehensweise des Beschuldigten, welcher
die Privatklägerin anfänglich in der Damentoilette an der Wand fixiert (Urk. 3/1
00:06:15; 00:19:00; Urk. 3/5 00:03:40; 00:19:00) und sie zweimal an der Schulter
bzw. am Rücken Richtung WC beziehungsweise mit Kraft nach unten gedrückt
hat (Urk. 3/1 00:07:30; 00:20:10, Urk. 3/5 00:03:40; 00:23:27), den Schluss zu,
dass er eine bedrohliche Zwangslage für die Privatklägerin geschaffen hat, womit
keineswegs von einvernehmlich vorgenommenen sexuellen Handlungen auszu-
gehen ist. Dass die Gegenwehr der Privatklägerin nicht heftiger ausgefallen ist, ist
durchaus nachvollziehbar: Sie befand sich aufgrund der vom Beschuldigten be-
absichtigten und auch bereits vorgenommenen sexuellen Handlungen (vgl.
Urk. 3/5 00:17.35) sowie der fehlenden Fluchtmöglichkeit (vgl. auch Urk. 3/5
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00:17.35) in einer Art Schockstarre, wie sie sinngemäss beschrieb. Die Privatklä-
gerin schilderte denn auch, gewusst zu haben, etwas gegen die Vorhaben des
Beschuldigten tun zu müssen, jedoch habe 'ihr Körper das nicht getan' (Urk. 3/1
00:18:30). Ferner führte sie lebensnah aus, den Gedanken gefasst zu haben, sich
zu wehren, jedoch hätten sich ihre Gedanken überschlagen bzw. habe ihr Körper
nicht reagiert (Urk.3/1 00:26:00). Sodann sagte sie aus – wie dies die Vorinstanz
bereits zu Recht hervorgehoben hat (Urk. 46 S. 25) –, Angst vor dem Beschuldig-
ten bekommen zu haben, als dieser die Toilettentür abgeschlossen habe. Ge-
mäss ihren Aussagen sei er ihr dann mächtiger vorgekommen als sie und er sei
stärker gewesen (Urk. 3/1 00:32:25; Urk. 3/5 00:17:35). Aus den Aussagen der
Privatklägerin ist zu folgern, dass diese mit der Situation überfordert war, was
aufgrund der bedrohlichen Umstände, der Beharrlichkeit des Beschuldigten in
seiner Vorgehensweise und nicht zuletzt auch wegen ihres sehr jungen Alters
nachvollziehbar ist. Daraus zu schliessen, die Privatklägerin wäre mit den sexuel-
len Handlungen implizit einverstanden gewesen, wäre verfehlt. Ferner ist es zwar
– wie dies die amtliche Verteidigung ausführte (Urk. 58 S. 12) – zutreffend, dass
der Beschuldigte die beabsichtigten sexuellen Handlungen, welche die Privatklä-
gerin ausdrücklich ablehnte, wie das von ihm beabsichtigte Eindringen in die Pri-
vatklägerin von hinten bzw. den beabsichtigten Oralverkehr, letztlich nicht vorge-
nommen hat. Diesbezüglich kann aber nicht der Schluss gezogen werden, die er-
folgten sexuellen Handlungen wären von der Privatklägerin gewollt gewesen oder
der Beschuldigte hätte dies annehmen dürfen, weil sie sich nicht mit Nachdruck
gewehrt habe. Ebenfalls verfängt die Argumentation der amtlichen Verteidigung
nicht, der Arbeitskollege des Beschuldigten, welcher sich während kurzer Zeit
ebenfalls in der Toilette befand, hätte kein angebliches Schreien der sich zur
Wehr setzenden Privatklägerin gehört, woraus sinngemäss zu schliessen sei, die
sexuelle Handlungen seien einvernehmlich vorgenommen worden (Urk. 58 S. 4f ).
Dass die Privatklägerin geschrien habe, ergibt sich einzig aus dem Bericht des
Kinderspitals Zürich, gemäss welchem der Beschuldigte aufgrund der Gegenwehr
und dem Schreien der Privatklägerin die Flucht ergriffen habe (Urk. 6/2 S. 1). Ob
die Privatklägerin den Hergang der untersuchenden Ärztin tatsächlich entspre-
chend mitgeteilt hat oder ob es sich möglicherweise um eine ungenaue oder gar
- 15 -
falsche Befundaufnahme handelt, ist nicht eruierbar. Entscheidend ist viel mehr,
dass die Privatklägerin bei beiden Befragungen durch die Polizei nicht aussagte,
geschrien zu haben, sondern dem Beschuldigten lediglich in Aussicht gestellt ha-
be, zu schreien, falls dieser versuche, den Oralverkehr mit ihr zu vollziehen
(Urk. 3/1 00:30:30; Urk. 3/5 00:28:25), womit auch der in diesem Punkt abwei-
chende Bericht des Kinderspitals die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklä-
gerin nicht zu erschüttern vermag.
4.4.2. Das vom Beschuldigten geschilderte offensive Vorgehen, wonach die Initia-
tive für die sexuellen Kontakte eigentlich von der Privatklägerin ausgegangen sei
– so sagte er diesbezüglich aus, sie habe ihn im Vorraum direkt auf den Mund
geküsst und ihn dann an der Hand in die Toilette gezogen, sie habe ihn gefragt,
ob er die Türe abgeschlossen habe, damit niemand komme und habe ihm beim
Küssen in der Toilette die Hand um seinen Nacken gelegt und ihn zu sich hinge-
zogen, sie hätten sich dabei gegenseitig gehalten und seien frei im Raum gestan-
den und die Privatklägerin habe mit ihrer Hand über seinen Hosen an seinen Pe-
nis gefasst, nachdem sie sich selbst ihre Hose und Unterhose herunter gezogen
und er seinen Finger 2 bis 3 Sekunden in ihre Vagina eingeführt habe, wobei er
selbst gar nicht erregt gewesen sei sowie dass die Privatklägerin die intimen
Handlungen eigentlich nur wegen der wartenden Kollegin abgebrochen und ihm
gesagt habe, er solle sie später anrufen (Urk. 2/4 S. 2ff. und Urk. 2/6 S. 4ff.) –
steht in krassem Widerspruch zu den glaubhaften Angaben der Privatklägerin,
welche klar beschrieb, dass die sexuellen Avancen vom Beschuldigten ausgingen
und dieser zielstrebig vorging, er sie sozusagen überrumpelte und auch eine
Zwangslage schuf sowie zusätzlich körperlich auf sie einwirkte (zweimaliges Her-
unterdrücken). Dass ihre Schilderungen zurückhaltend ausfielen und sie sich hin-
terfragte, ob sie ihren Widerwillen genügend deutlich zum Ausdruck gebracht hat-
te oder ob der Beschuldigte ihr Verhalten teilweise allenfalls hätte anders deuten
können, spricht klar dafür, dass ihre Aussagen wahrheitsgetreu erfolgten. Dass
die Handlungen keineswegs im Einverständnis mit der Privatklägerin erfolgten,
zeigt sich auch darin, dass sie fluchtartig aus der Toilette rannte, als ihr das erst-
mals möglich war und mit ihrer Kollegin sofort das Lokal verliess und sich ver-
steckte. Der Umstand aber, dass der Beschuldigte die Rollen quasi vertauschte
- 16 -
und die Privatklägerin als Verführerin darstellte, zeigt deutlich sein Bewusstsein,
dass er aus dem – bis auf den einvernehmlich erfolgten Zungenkuss – passiven
und teilweise ablehnenden Verhalten der Privatklägerin nicht auf ihr Einverständ-
nis schliessen konnte. Im anschliessenden Nachrichtenaustausch entschuldigte
sich der Beschuldigte sodann gar zwei Mal (Urk. 5/4), was ebenfalls auf das Be-
wusstsein hinweist, gegen den Willen der Privatklägerin gehandelt zu haben oder
dass er dies zumindest in Kauf nahm. Vor diesem Hintergrund verfängt auch die
Argumentation der amtlichen Verteidigung sowie sinngemäss auch des Beschul-
digten nicht, das Chatverlaufsprotokoll deute darauf hin, dass dem Nachrichten-
austausch ein für beide Beteiligten positives Ereignis vorausging, andernfalls der
Beschuldigte keinen Kontakt mit der Privatklägerin aufgenommen hätte (Prot. II
S. 14 u. 18). Ferner ist das Vorbringen, wonach dem Beschuldigten erst in dem
Moment, als die Privatklägerin ihm via Textnachricht sinngemäss mit der Benach-
richtigung der Polizei drohte, bewusst geworden sei, die sexuellen Handlungen
gegen den Willen der Privatklägerin vorgenommen zu haben (Prot. II S. 18), als
reine Schutzbehauptung zu qualifizieren.
4.5. Die vorinstanzlichen Erwägungen ergänzend ist festzuhalten, dass die Pri-
vatklägerin sehr darauf bedacht war, den Beschuldigten nicht zu Unrecht zu be-
lasten, was wiederum für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht. Sie erklärte
beispielsweise, dass der Beschuldigte sie zwar im Brustbereich angefasst, dies
jedoch nicht lange gedauert habe (Urk. 3/1 00:32:13). Weiter sagte sie aus, dass
sie vom Beschuldigten zweimal bestimmt nach unten (Richtung Toilette) gedrückt
worden sei, dieser sie jedoch im Übrigen nicht verletzt habe bzw. nicht so fest ge-
halten habe, dass es brutal gewesen wäre (Urk. 3/1 00:35:00; Urk. 3/5 00:25:27).
Ferner gab sie an, sie vermute, dass der Beschuldigte möglicherweise beabsich-
tigt habe, von hinten in sie einzudringen, er dies jedoch nicht gemacht habe
(Urk. 3/1 00:25:25; Urk. 3/5 00:24:25). Ebenfalls sei das vaginale Einführen sei-
nes Fingers nicht schmerzhaft gewesen (Urk. 3/1 00:21:25). Im Weiteren konnte
der Beschuldigte auch anlässlich der Berufungsverhandlung nicht begründet dar-
legen, weshalb ihn die Privatklägerin zu Unrecht beschuldigen sollte (Prot. II S. 14
u. 16). Wie bereits hievor unter Ziffer I.5.1. dargelegt, sind auch aus einer neuerli-
- 17 -
chen Einvernahme der Privatklägerin hinsichtlich der vom Beschuldigten behaup-
teten falschen Anschuldigung keinerlei neuen Erkenntnisse zu erwarten.
4.6. In Bezug auf den subjektiven Tatbestand der sexuellen Nötigung ist auf die
Ausführungen unter Ziff. 4.4. hievor zu verweisen und darauf ist auch im Rahmen
der rechtlichen Würdigung näher einzugehen. Hinsichtlich der Erstellung des sub-
jektiven Sachverhalts betreffend den Tatbestand der sexuellen Handlungen mit
Kindern kann vorliegend vollumfänglich auf die korrekten Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 21 f.). Es besteht aufgrund des Aussa-
geverhaltens des Beschuldigten und der früheren Verfahren, durch welche er auf
das Thema Schutzalter aufmerksam wurde, kein Zweifel daran, dass er es zu-
mindest für möglich hielt, dass die Privatklägerin das Schutzalter von 16 Jahren
noch nicht überschritten hatte. So gab der Beschuldigte anfänglich an, die Privat-
klägerin nach ihrem Alter gefragt zu haben. Weiter beschrieb er die Privatklägerin
als grösser und geschminkt, was nicht zutraf (Urk. 2/1 S. 5 und 12, Urk. 2/3 S. 5).
Sodann gab er auch an der Berufungsverhandlung an, sich sowohl während des
Tatgeschehens als auch nach dem Vorfall Gedanken zum Alter der Privatklägerin
gemacht zu haben (Prot. II S. 16). Darauf, ob der Beschuldigte berechtigterweise
davon ausging, dass die Privatklägerin wesentlich älter aussehe und annehmen
durfte, die Privatklägerin hätte das Schutzalter bereits erreicht, ist in der rechtli-
chen Würdigung einzugehen.
4.7. Gesamthaft bestehen vorliegend aufgrund der eindeutigen, detaillierten
und insgesamt widerspruchsfreien Aussagen der Privatklägerin keine Zweifel da-
ran, dass sich die dem Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen so zugetragen
haben, wie dies in der Anklageschrift beschrieben ist. Einzig hinsichtlich des Zeit-
punktes, in welchem der Beschuldigte seinen Finger vaginal in die Privatklägerin
einführte, weichen die zwei im übrigen identischen Schilderungen des Gesche-
hensverlaufs der Privatklägerin (Urk. 3/1 00:06:15; 00:07:30 und Urk. 3/5
00:03:40) von der Anklage ab. Zumal aufgrund der Aussagen sämtliche sexuellen
Handlungen als erstellt zu betrachten sind, kann letztlich offen bleiben, zu wel-
chem Zeitpunkt im Rahmen des gesamthaft nur wenige Minuten dauernden Vor-
falls der Beschuldigte seinen Finger vaginal in die Privatklägerin eingeführt hat.
- 18 -
Verdeutlichend ist festzuhalten, dass aufgrund der Aussagen der Privatklägerin
(Urk. 3/5 00:19:48) sowie des Beschuldigten (Urk. 2/4 S. 4) mindestens ein Zun-
genkuss in der Toilette erwiesen ist. Ferner liesse sich aufgrund der Angaben der
Privatklägerin (Urk. 3/1 00:31:35) auch das Betasten der Brüste durch den Be-
schuldigten erstellen. Dies wurde in der Anklageschrift jedoch nicht aufgeführt,
weshalb darauf nicht näher einzugehen ist. Der Vorinstanz folgend (Urk. 46 S. 27)
ist der angeklagte Sachverhalt nachgewiesen und dem Urteil zugrunde zu legen.
5. Rechtliche Würdigung
5.1. Die Vorinstanz würdigte das in der Anklageschrift umschriebene Verhalten
des Beschuldigten einerseits als sexuelle Handlungen mit einem Kind im Sinne
von Art. 187 Ziff. 1 StGB und andererseits als sexuelle Nötigung im Sinne von
Art. 189 Abs. 1 StGB.
5.2. In Bezug auf den Tatvorwurf der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189
Abs. 1 StGB kann vorab auf die einleitenden theoretischen Ausführungen der Vo-
rinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 30 f.). Entscheidend für das Vorliegen des
Nötigungsmittels des unter psychischen Druck Setzens ist, dass der Täter für das
Opfer eine Zwangssituation geschaffen hat, in der dem Opfer keine zumutbaren
Selbstschutzmöglichkeiten mehr zur Verfügung stehen, eine konkrete Gefahr für
sein sexuelles Selbstbestimmungsrecht besteht und das Tatmittel der Gewalt
nicht gegeben ist (MAIER, in: BSK StGB I, 4. Aufl. 2019, N 28 zu Art. 189). Ge-
mäss aktueller bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist Gewalt als Akt der physi-
schen Aggression zu verstehen, wobei die Einwirkung auf das Opfer erheblich
sein muss (Urteil des Bundesgerichts 6B_993/2013 vom 17. Juli 2014, E. 3.3).
Vorliegend ist erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin während des Vor-
falls an die Wand drängte, um sie zu küssen sowie sie zweimal nach unten Rich-
tung Toilette drückte. Diese Einwirkungen auf die Privatklägerin erreichten noch
nicht eine derartige Intensität, dass bereits durch sie alleine der Widerstand der
Privatklägerin gebrochen worden wäre bzw. um sie zur Duldung der sexuellen
Handlungen gefügig zu machen. Die Privatklägerin konnte sich einerseits nach er-
folgtem Niederdrücken wieder zum Beschuldigten umdrehen, so dass dieser nicht
dazu gekommen ist, von hinten in sie einzudringen bzw. dazu anzusetzen. Im
- 19 -
Weiteren konnte sie – nachdem sie vom Beschuldigten zum zweiten Mal nieder-
gedrückt wurde – dessen Vorhaben, sich oral befriedigen zu lassen, unterbinden,
indem sie dessen Geschlechtsteil mit einer Handbewegung von ihrem Gesicht
wegschob. Zwar führte mitunter das Drängen an die Wand dazu, dass die Privat-
klägerin das weitere Küssen in der Damentoilette ohne Gegenwehr über sich er-
gehen liess. Da dieses Drängen für sich alleine noch nicht die erforderliche Ein-
griffsintensität in die physische Integrität der Privatklägerin erreichte, um als Ge-
walt als Nötigungsmittel im Sinne von Art. 189 StGB zu qualifizieren, und das
zweimalige Niederdrücken der Privatklägerin nicht die Vornahme der sexuellen
Handlungen zur Folge hatte, mithin durch diese Form der Gewaltanwendung die
Duldung der sexuellen Handlungen nicht erzwungen worden ist, ist vorliegend
nicht vom Tatmittel der Gewalt auszugehen. Wie die Vorinstanz hingegen richtig
dargelegt hat, hat der Beschuldigte durch das Abschliessen der Damentoilette
sowie durch das an die Wand Drücken der Privatklägerin eine Zwangssituation
geschaffen, welche nicht nur objektiv geeignet war, kurzweilig den Widerstand der
Privatklägerin zu überwinden, sondern diese vorliegend in einen Angstzustand
versetzte, welcher ihr jegliche, körperlich bestimmte Gegenwehr bzw. Selbst-
schutzmöglichkeit verunmöglichte. Aufgrund der Platzverhältnisse in der Damen-
toilette und der fehlenden Fluchtmöglichkeit wurde diese Zwangssituation ver-
stärkt. Die vorinstanzlichen Ausführungen sind überzeugend und es kann zum ei-
nen darauf (Urk. 46 S. 31) und zum anderen auf die vorstehende Ziffer II.4.4.1.
und Ziffer II.4.4.2. verwiesen werden. Ferner war auch die Beharrlichkeit des Be-
schuldigten, mit welcher er entweder sexuelle Handlungen an der Privatklägerin
vorgenommen hat bzw. versucht hat, solche Handlungen an ihr vorzunehmen,
gepaart mit den körperlichen Einwirkungen auf die Privatklägerin geeignet, in der
Gesamtheit eine psychische Zwangssituation für die Privatklägerin zu schaffen.
Es ist hervorzuheben, dass der Beschuldigte der Privatklägerin zum einen unge-
fragt in die Damentoilette gefolgt ist, die Tür abschloss und hernach durch das
Drücken an die Wand eine für die Privatklägerin überaus beengende Situation
geschaffen hat, aus welcher sie sich nur schwerlich hätte lösen können. Dadurch
konnte sich der Beschuldigte zwecks Vornahme eines Zungenkusses der Privat-
klägerin nähern. Trotz des mehrfach zum Ausdruck gebrachten Widerwillens hat
- 20 -
der Beschuldigte die Privatklägerin umgedreht und mehrfach niedergedrückt und
beabsichtigt, in die Privatklägerin einzudringen bzw. mit ihr Oralverkehr vorzu-
nehmen. Die Privatklägerin beschrieb im Weiteren realitätsnah, dass sie den Ent-
schluss gefasst habe, sich zu wehren, sie es aber körperlich nicht geschafft habe
(Urk. 3/1 00:18:30; 00:26:00). Ferner schilderte sie, dass sie Angst vor dem Be-
schuldigten bekommen habe, als dieser die Tür zur Damentoilette abgeschlossen
habe (Urk. 3/1 00:32:25). Einerseits sei dieser zum einen stärker gewesen als sie
und andererseits sei er ihr gerade in dem Moment als er die Tür verschlossen ha-
be, mächtiger vorgekommen (Urk. 3/1 00:32:25; Urk. 3/5 00:17:35). In dieser Si-
tuation habe sie sich eingeschränkt gefühlt. Sie habe zudem Angst davor gehabt,
was noch kommen würde (Urk. 3/5 00:17:35). Aus diesen Aussagen wird deutlich,
dass infolge der geschaffenen Zwangssituation für die Privatklägerin vorüberge-
hend keine zumutbaren Selbstschutzmöglichkeiten mehr bestanden haben, wes-
halb der Beschuldigte die sexuellen Handlungen (Zungenkuss in der Damentoilet-
te, Einführung des Fingers in die Vagina und Versuch, den Penis in den Mund der
Privatklägerin einzuführen) an ihr vornehmen konnte. Damit bestand vorliegend
offenkundig nicht nur die konkrete Gefahr für das sexuelle Selbstbestimmungs-
recht der Privatklägerin, sondern dieses wurde gemäss erstelltem Sachverhalt
auch tatsächlich beschnitten.
Im Weiteren kann in Bezug auf das Vorliegen des subjektiven Tatbestandes auf
die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 46 S. 32).
Diese ergänzend ist der Vollständigkeit halber festzuhalten, dass sich – wie unter
Ziffer II.4.4.1. und Ziffer II.4.4.2. dargelegt – aus der vorwiegend verbalen Ge-
genwehr der Privatklägerin und ihrem wiederholten Abwenden klar ergibt, dass
sie mit einem sexuellen Kontakt nicht einverstanden war. Ihr ablehnendes Verhal-
ten war für den Beschuldigten denn auch ohne weiteres erkennbar. Unter diesen
Umständen steht fest, dass der Beschuldigte mit Wissen und Willen handelte. Für
einen Sachverhaltsirrtum bleibt vorliegend kein Raum, selbst wenn den sexuellen
Handlungen in der Damentoilette ein einvernehmlicher Zungenkuss im Vorraum
des Toilettenbereichs vorausging. Aufgrund dieses Zungenkusses konnte der Be-
schuldigte nicht annehmen, dass die Privatklägerin mit weiteren sexuellen Hand-
lungen in der durch ihn erzeugten Zwangssituation in der verschlossenen Damen-
- 21 -
toilette einverstanden war. Aufgrund der vorerwähnten Beharrlichkeit des Be-
schuldigten in seiner Vorgehensweise sowie der Tatsache, dass sich die Privat-
klägerin seinen Handlungen bzw. seinen Avancen in der Damentoilette nur er-
schwert entziehen konnte, musste ihm ferner auch bewusst sein bzw. nahm er
zumindest in Kauf, die Privatklägerin zwecks Duldung der sexuellen Handlungen
unter psychischen Druck zu setzen.
5.3. Hinsichtlich des Tatvorwurfes der sexuellen Handlungen mit einem Kind im
Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nahm die Vorinstanz eine zutreffende
rechtliche Würdigung des erstellten Sachverhaltes in objektiver wie in subjektiver
Hinsicht vor, worauf vorab verwiesen wird (Urk. 46 S. 28 f.). Die Vorinstanz erwog
angesichts des Vorgehens des Beschuldigten zu Recht, dass dieser durch die
Zungenküsse sowie das Einführen des Fingers in die Vagina der Privatklägerin
sexuelle Handlungen im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB an ihr vorgenom-
men und dadurch den objektiven Tatbestand erfüllt hat. Da es vorliegend auf-
grund der vom Beschuldigten ausgehenden sexuellen Handlungen zu einem kör-
perlichen Kontakt zwischen ihm und der Privatklägerin gekommen ist, ist vorlie-
gend von der Tatbestandsvariante der Vornahme von sexuellen Handlungen an
einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB auszugehen (Maier in: Nig-
gli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Strafrecht II, 4. Aufl. 2019 [kurz: BSK
StGB II], Art. 187 N 10, 13, 17).
Auch liegen hinsichtlich des subjektiven Tatbestandes – wie hiervor unter Ziffer
II.4.6. erwähnt – keine Zweifel vor, dass der Beschuldigte zumindest in Kauf
nahm, dass die Privatklägerin unter 16 Jahre alt war. Wie die Vorinstanz zu Recht
festhielt, bestehen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte in guten
Treuen hätte davon ausgehen dürfen, dass die Privatklägerin das Schutzalter
überschritten hat (Urk. 46 S. 21). So war die Privatklägerin eigenen Angaben zu-
folge nicht geschminkt. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 58
S. 2) trug die Privatklägerin auch keine körperbetonte Kleidung, was auf
der Videoaufzeichnung ersichtlich ist (Urk. 5/3). Ferner vermittelt sie auch durch
ihr Auftreten in den polizeilichen Befragungen nicht einen Eindruck, aufgrund des-
sen davon ausgegangen werden könnte, die Privatklägerin hätte das Schutzalter
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bereits erreicht, selbst wenn sie aufgrund ihrer differenzierten und selbstreflektier-
ten Schilderungen keineswegs eine kindliche Ausdrucksweise bzw. Wesensart of-
fenbart. Selbst allfällige sprachliche Verständigungsprobleme hätten vor diesem
Hintergrund nicht dazu Anlass bieten können, die Jugendlichkeit der Privatkläge-
rin zu verkennen. Auch auf dem Foto, das die Privatklägerin anlässlich der ersten
auf Video aufgezeichneten polizeilichen Befragung zeigt, sieht sie nicht wesent-
lich älter aus, als sie ist (Urk. 2/2). Der Arbeitskollege des Beschuldigten gab zu-
nächst auf die Ergänzungsfrage der Verteidigung, ob er das Alter der Privatkläge-
rin schätzen könne, an, er könne das nicht sagen, er könne nicht schätzen. Auf
erneutes Nachfragen, ob er der Meinung sei, sie sei volljährig, gab er auswei-
chend zur Antwort: "vielleicht schon, ja." Er erklärte erst auf Nachfragen der
Staatsanwältin, was er unter volljährig verstehe: "17, 18 vielleicht 19." (vgl.
Urk. 4/2 S. 7). Daraus kann entgegen der Darstellung des Verteidigers nicht ge-
folgert werden, der Arbeitskollege habe die Privatklägerin deutlich älter geschätzt
(Urk. 58 S. 3). Ferner ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten bewusst gewesen
sein muss, dass sein Verhalten von der Gesellschaft klarerweise als sexualbezo-
gen gewertet wird und dieses unter Einbeziehung eines Kindes unter 16 Jahren
nicht akzeptiert wird. Dies ergibt sich zum einen daraus, dass – wie dies die Vo-
rinstanz bereits korrekt ausführte (Urk. 46 S. 21) – der Beschuldigte aufgrund sei-
ner einschlägigen Vorstrafe wegen sexueller Handlungen mit Kindern sowie
mehrfacher sexueller Belästigung (Urk. 14/7) in Bezug auf die Frage des Schutz-
alters hätte sensibilisiert sein müssen. Ebenfalls gab er anlässlich der Hauptver-
handlung zumindest implizit zu erkennen, um die gesetzliche Regelung des
Schutzalters gewusst zu haben, indem er ausführte, dass er sich der Privatkläge-
rin nicht genähert hätte, wenn er um ihr Alter gewusst hätte (Prot. I S. 10). Somit
sind sowohl der objektive als auch der subjektive Tatbestand nach Art. 187 Ziff. 1
Abs. 1 StGB erfüllt.
5.4. Abschliessend ist festzuhalten, dass vorliegend weder Rechtfertigungs-
noch Schuldausschlussgründe vorliegen. Nach dem Gesagten erfüllte der Be-
schuldigte durch das in der Anklage umschriebene Vorgehen die Tatbestände der
sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie der sexuellen Hand-
lungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
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III. Strafzumessung
1. Urteil Vorinstanz / Parteistandpunkte
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
24 Monaten (unter Anrechnung von 37 Tagen Haft). Der Vollzug der Freiheitsstra-
fe wurde im Umfang von 12 Monaten aufgeschoben unter Ansetzung einer Pro-
bezeit von 3 Jahren und im übrigen für vollziehbar erklärt (Urk. 46 S. 49). Die
Staatsanwaltschaft beantragte, es sei der Beschuldigte mit einer unbedingten
Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu bestrafen (Urk. 52 S. 3, Urk. 57 S. 2 f.). Die
Verteidigung ersuchte vor Vorinstanz für den Fall, dass der Beschuldigte ankla-
gegemäss schuldig gesprochen werde, um Ausfällung einer Strafe von maximal
22 Monaten Freiheitsstrafe und die Gewährung des bedingten Strafvollzugs
(Prot. I S. 21). Anlässlich der Berufungsverhandlung beantragte der amtliche Ver-
teidiger im Falle einer Verurteilung eine bedingt auszufällende Freiheitsstrafe von
12 Monaten (Urk. 58 S. 19).
2. Allgemeine Grundsätze
2.1. Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten der
seit 1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS 2016 1249) begangen.
Das geltende (neue) Recht ist daher auf diese nur anzuwenden, sofern es für den
Beschuldigten im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2
Abs. 2 StGB; DONATSCH, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder, Kommentar
zum StGB, 20. Aufl., Zürich 2018, N 10 zu Art. 2 StGB). Das ist nicht der Fall, da
das geltende (neue) Sanktionenrecht grundsätzlich keine mildere Bestrafung vor-
sieht, sondern im Gegenteil auf eine Verschärfung im Bereich der Geldstrafe und
von kurzen Freiheitsstrafen zielt.
2.2. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vo-
rinstanzlichen Urteil unter Hinweis auf Rechtsprechung und Lehre im Wesentli-
chen zutreffend wiedergegeben. Auf die diesbezüglichen Ausführungen der Vo-
rinstanz ist vorab zu verweisen (Urk. 46 S. 33 ff.). Die Vorinstanz hat im Hinblick
auf den für die sexuelle Nötigung als schwerstes Delikt zu bestimmenden Straf-
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rahmen auf den Strafrahmen der Vergewaltigung nach Art. 190 Abs. 1 StGB ab-
gestellt. Sie führte diesbezüglich mit Verweis auf die bundesgerichtliche Recht-
sprechung aus (BGE 132 IV 120, E. 2.5), dass die sexuelle Nötigung in der Tat-
bestandsvariante der beischlafsähnlichen Handlung einen ähnlichen Unrechts-
gehalt wie eine Vergewaltigung aufweise, weshalb sich die Strafzumessung am
Strafrahmen der Vergewaltigung zu orientieren habe. Da das vaginale Einführen
des Fingers des Beschuldigten als beischlafsähnliche Handlung zu qualifizieren
sei, sei vorliegend von einer Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe auszu-
gehen (Urk. 46 S. 33). Auch die Staatsanwaltschaft stellt sich auf den Standpunkt,
dass in Anbetracht der Penetration durch den Finger und im Hinblick auf die Min-
deststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe bei der Vergewaltigung vorliegend für
die sexuelle Nötigung eine höhere Einsatzstrafe als die von der Vorinstanz fest-
gesetzte Freiheitsstrafe von 14 Monaten anzusetzen sei (Urk. 57 S. 2).
2.3. Die Erwähnung der beischlafsähnlichen Handlung in Art. 189 Abs. 1 StGB
soll verdeutlichen, dass bei der Strafzumessung die Intensität des abgenötigten
Verhaltens zu berücksichtigen ist. Erzwungene beischlafsähnliche Handlungen
sollen aus diesem Grund nicht milder als eine Vergewaltigung bestraft werden.
Unter beischlafsähnliche Handlungen fallen Handlungen, bei welchen der Ge-
schlechtsteil eines Beteiligten mit dem Körper des anderen in so enge Berührung
kommt, dass die Vereinigung an Innigkeit derjenigen beim natürlichen Beischlaf
ähnlich ist (TRECHSEL/BERTOSSA, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N 9 zu Art. 189;
BGE 86 IV 178). Konkret handelt es sich um das Einführen des männlichen Ge-
schlechtsteils in After und Mund sowie das Stimulieren der Vagina oder des Glie-
des durch Zunge oder Lippen (MAIER, in: BSK StGB I, 4. Aufl. 2019, N 50 zu
Art. 189). Ferner gilt das Reiben des männlichen Gliedes an den Oberschenkeln
direkt unterhalb des Geschlechtsteils des Partners als beischlafsähnliche Hand-
lung (MAIER, in: BSK StGB I, 4. Aufl. 2019, N 50 zu Art. 189). Durch das vaginale
Einführen des Fingers hat der Beschuldigte eine Handlung vorgenommen, deren
Intimität dem Vollzug des Beischlafes ähnlich ist, zumal das Geschlechtsteil der
Privatklägerin nicht nur berührt, sondern sogar in dieses eingedrungen wurde.
Dadurch wurde die sexuelle Integrität der Privatklägerin erheblich tangiert. Die
Tatsache, dass die sexuelle Integrität verletzt wurde und ein weiterer intensiver
- 25 -
Eingriff in diese bevorstand, zumal der Beschuldigte konkrete Anstalten unter-
nommen hat, eine beischlafsähnliche Handlung vorzunehmen (Oralverkehr),
rechtfertigt es sich hinsichtlich der Bestimmung des Strafrahmens in einer ganz-
heitlichen Würdigung des Vorganges vorliegend vom Strafrahmen der Vergewal-
tigung auszugehen. Der massgebliche Strafrahmen reicht damit von einem Jahr
bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Nachfolgend ist zunächst die hypothetische
Einsatzstrafe für das schwerste Delikt zu bestimmen und diese hernach in An-
wendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) für das weitere Delikt an-
gemessen zu erhöhen.
3. Tatkomponente
3.1. Sexuelle Nötigung
3.1.1. Eingangs ist festzuhalten, dass die in Art. 189 Abs. 1 StGB genannten Nö-
tigungsmittel vom Gesetz grundsätzlich gleich bewertet werden, weshalb das
Tatmittel des unter psychischen Druck Setzens nicht prinzipiell leichter wiegt als
physische Gewalt oder Drohungen. Die Tatschwere einer sexuellen Nötigung ist
somit nicht aufgrund des jeweiligen Nötigungsmittels abzustufen, sondern ist al-
lein nach den Umständen des konkreten Falles zu bestimmen (BGE 128 IV 97
E. 3a und MAIER, in: BSK StGB I, 4. Aufl. 2019, N 59 zu Art. 189 N 59).
Zunächst kann hinsichtlich der Tatkomponente wiederum auf die Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 35 f.). Die Vorgehensweise des Be-
schuldigten führte wie hiervor dargelegt (Ziffer II.4.4.1.) dazu, dass sich die Pri-
vatklägerin in einem Schock- bzw. Angstzustand befand und sich in der Folge
nicht körperlich zur Wehr setzen konnte. Daraus ergibt sich, dass die durch den
Beschuldigten begründete Zwangssituation ein für die Privatklägerin bedrohliches
Ausmass erreichte und das Vorgehen sie sowohl in ihrer physischen als auch
psychischen Integrität tangierte. Dies zeigt sich auch darin, dass sie medizinisch-
therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen musste, da der Vorfall vom 21. Sep-
tember 2017 eine Traumatisierung zur Folge hatte (Urk. 32). Ins Gewicht fällt zu-
dem, dass der Beschuldigte verschiedene sexuelle Handlungen an ihr ausgeführt
hat (Zungenkuss und vaginales Einführen des Fingers) bzw. versucht hat, solche
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mit ihr vorzunehmen (Oralverkehr). Zugunsten des Beschuldigten wirkt sich aus,
dass er der Privatklägerin durch seine körperlichen Einwirkungen auf deren Kör-
per weder Verletzungen noch eigentliche Schmerzen zugefügt hat und insbeson-
dere das vaginale Einführen des Fingers gemäss Anklageschrift nicht mehrmals
und über eine längere Zeitdauer erfolgte. Insgesamt ist hinsichtlich der objektiven
Tatschwere angesichts des Strafrahmens mit einer Mindeststrafe von einem Jahr
gerade noch von einem leichten Verschulden auszugehen.
3.1.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass sich der Be-
schuldigte in egoistischer Weise durch sein einzig auf die Befriedigung seiner se-
xuellen Gelüste ausgerichtetes Handeln mehrfach über das sexuelle Selbstbe-
stimmungsrecht der unter Angst stehenden Privatklägerin hinweggesetzt hat. Dies
stellt ein verwerfliches Motiv dar. Somit ist die Beharrlichkeit des Beschuldigten,
mit welcher er die sexuellen Handlungen vornahm bzw. versucht hat, solche vor-
zunehmen, zulasten des Beschuldigten zu berücksichtigen. Auch die mehrfach
von der Privatklägerin zum Ausdruck gebrachte Ablehnung gegenüber dem Be-
schuldigten hielten diesen nicht davon ab, der Privatklägerin den Finger vaginal
einzuführen bzw. zu versuchen, Oralverkehr mit ihr vorzunehmen nachdem sie
bereits den Geschlechtsverkehr mit ihm unmissverständlich abgelehnt hatte. Die
Vorinstanz ging in wohlwollender Weise nicht von direktem Vorsatz aus, sondern
hielt fest, dass dieser zumindest eventualvorsätzlich handelte. Zugunsten des Be-
schuldigten ist deshalb auch vorliegend Eventualvorsatz anzunehmen. Ferner ist
von einer Spontantat auszugehen, die nicht geplant war. Leicht verschuldensmin-
dernd ist zu berücksichtigen, dass der Zungenkuss im Vorraum der Toilette von
der Privatklägerin erwidert wurde, wodurch sie dem Beschuldigten zumindest an-
fänglich signalisierte, einer intimen Annährung nicht gänzlich abgeneigt zu sein.
Dass dieser anfänglich einverständliche Kuss für den Beschuldigten klarerweise
keinerlei Anlass dazu bieten konnte, anzunehmen, die Privatklägerin sei mit wei-
teren sexuellen Handlungen – in der Art wie sie von ihm dann vorgenommen wur-
den – einverstanden, braucht keiner vertieften Erörterung. Der diesbezügliche
Widerwille der Privatklägerin und ihre verbale Ablehnung waren offensichtlich und
unübersehbar. In subjektiver Hinsicht ist somit mit der Staatsanwaltschaft eben-
falls von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen.
- 27 -
3.1.3. Nach dem Gesagten ist insgesamt von einem leichten Verschulden auszu-
gehen, weshalb eine Einsatzstrafe von 15 Monaten Freiheitsstrafe als angemes-
sen erscheint.
3.2. Sexuelle Handlungen mit Kindern
3.2.1. Der Beschuldigte verletzte durch sein Verhalten nicht nur das sexuelle
Selbstbestimmungsrecht der Privatklägerin. Indem dieser mit seinem Finger in die
Vagina der Privatklägerin eindrang, vollzog er eine sexuelle Handlung mit nicht
unerheblicher Intensität an einer im Tatzeitpunkt 14-jährigen in der Pubertät be-
findlichen Jugendlichen. Die Tatsache, dass die Privatklägerin bereits vor der Tat
sexuelle Erfahrungen gemacht hat, vermag das Schädigungspotential der Vorge-
hensweise des Beschuldigten entgegen den Vorbringen der amtlichen Verteidi-
gung (Urk. 58 S. 18 f.) nicht entscheidend zu mindern. Bei der Privatklägerin han-
delt es sich um kein Kind mehr, jedoch war sie im Tatzeitpunkt immerhin noch
mehr als eineinhalb Jahre vom Erreichen der Schutzaltersgrenze, d.h. des 16. Al-
tersjahrs, entfernt. Sie sah sich mit einem gut 13 Jahre älteren Mann konfrontiert,
der sie zu sexuellen Handlungen anhielt. Aufgrund der Aussagen der Privatkläge-
rin (Urk. 3/1 00:54:55) sowie der Videoaufnahmen des betreffenden Restaurants
(Urk. 5/2) ist sodann erwiesen, dass der Vorfall ungefähr fünf Minuten dauerte,
was in Anbetracht des durch die bedrohliche Situation hervorgerufenen Angstzu-
standes eine erhebliche seelische Belastung für die Privatklägerin darstellte. Zu-
sammenfassend ist festzuhalten, dass der Vorfall geeignet war, die seelische
Stabilität der jugendlichen Privatklägerin zu erschüttern und ihre psychisch-
emotionale bzw. sexuelle Entwicklung erheblich zu gefährden, auch wenn unter
dem Blickwinkel des Tatbestandes der sexuellen Handlungen mit Kindern noch in
jeder Hinsicht (Form sexueller Handlung, Dauer, Intensität) schwerwiegendere
Vorfälle denkbar sind. Das objektive Verschulden ist vor diesem Hintergrund als
nicht mehr leicht zu qualifizieren
3.2.2. In subjektiver Hinsicht ist wiederum zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte zwar aus egoistischen Motiven, jedoch nicht mit direktem Vorsatz, sondern
mindestens eventualvorsätzlich handelte. Bezüglich einer der sexuellen Handlun-
gen, nämlich dem Zungenkuss im Vorraum der Toilette, ist zu beachten, dass
- 28 -
dieser von der Privatklägerin erwidert wurde und somit einverständlich erfolgte,
auch wenn diese durch das Vorgehen des Beschuldigten überrascht worden war.
Das subjektive Tatverschulden erweist sich ebenfalls als nicht mehr leicht. Weite-
re subjektive Faktoren, welche das objektive Verschulden in schwerwiegenderem
Licht erscheinen liessen oder dieses weiter relativieren würden, sind nicht ersicht-
lich.
3.2.3. Insgesamt erweist sich das Verschulden als nicht mehr leicht und mit der
Vorinstanz ist festzuhalten, dass auch für den Straftatbestand der sexuellen
Handlungen mit einem Kind eine Freiheitsstrafe auszusprechen ist. Bei isolierter
Betrachtung wäre eine Einsatzstrafe von 8 Monaten gerechtfertigt. In Anwendung
des Asperationsprinzips erscheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe für die sexuel-
le Nötigung um 4 Monate als angezeigt.
4. Täterkomponente
4.1. Persönliche Verhältnisse
Bezüglich der persönlichen Verhältnisse, welchen keine strafzumessungsrelevan-
ten Faktoren zu entnehmen sind, kann vollumfänglich auf die Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 37). In der Berufungsverhandlung sind
zudem ebenfalls keine strafzumessungsrelevanten Faktoren vorgebracht worden
(Prot. II S. 7 ff.).
4.2. Vorleben und Nachtatverhalten
4.2.1. Die Vorstrafe des Beschuldigten wegen einfacher sowie grober Verletzung
der Verkehrsregeln vom 29. Mai 2012 (Urk. 14/2), welche zu einer Bestrafung mit
30 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 600.– führte, ist
vorliegend nicht einschlägig und kann unberücksichtigt bleiben. Mit Strafbefehl
vom 9. August 2012 wurde der Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten wegen sexueller Handlungen mit einem Kind sowie mehrfacher se-
xuellen Belästigung zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
Fr. 40.– sowie einer Busse von Fr. 1'500.– verurteilt, wobei es sich um eine Zu-
satzstrafe zum Strafbefehl vom 29. Mai 2012 handelte (Urk. 14/7). Damit weist
- 29 -
der Beschuldigte eine einschlägige Vorstrafe auf, diese liegt jedoch schon länger
zurück.
4.2.2. Das Nachtatverhalten des Beschuldigten schlägt sich vorwiegend nicht
verschuldensmindernd nieder. Zwar hat der Beschuldigte nach anfänglichem
Leugnen des äusseren Sachverhaltes eingeräumt, dass es zu sexuellen Hand-
lungen mit der Privatklägerin gekommen ist. Da der Sachverhalt vorliegend aber
auch aufgrund der klaren Aussagen der Privatklägerin erstellt werden konnte und
der Beschuldigte nicht bereits zu Beginn der Untersuchung den äusseren Sach-
verhalt anerkannte, ist dieses teilweise Geständnis mit der Vorinstanz nicht ver-
schuldensmindernd zu berücksichtigen. Ebensowenig ist eine Strafreduktion auf-
grund der Tatsache, dass der Beschuldigte eine Therapie besucht, angezeigt. Es
kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 38 f.)
4.2.3. Fazit
Die Täterkomponente führt schliesslich zu einer merklichen Erhöhung der hypo-
thetischen Gesamtstrafe um 3 Monate.
5. Auszufällende Strafe
Unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungsgründe ist der Beschuldigte
mit 22 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen. Die erstandene Haft von 37 Tagen
ist gemäss Art. 51 StGB auf diese Strafe anzurechnen.
IV. Vollzug
1. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten
und teilbedingten Strafvollzugs und die Kriterien für die Bemessung des zu voll-
ziehenden und des aufzuschiebenden Teils zutreffend dargelegt. Es kann vollum-
fänglich darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 46 S. 39 f.).
2. Wie die Vorinstanz richtig vorbringt, weist der Beschuldigte zwei Vorstrafen
auf, wovon eine insofern einschlägig ist, als es sich ebenfalls um eine Verurtei-
lung wegen sexueller Handlungen mit einem Kind handelt. Dies wirkt sich erheb-
- 30 -
lich prognosebelastend aus. Während der Probezeit der Vorstrafen liess der Be-
schuldigte sich nichts zu Schulden kommen, die vorliegende Tat ereignete sich
aber ganz kurz nach Ablauf der Probezeit der einschlägigen Vorstrafe. Der Be-
schuldigte zeigte im vorliegenden Verfahren gewisse Ansätze von Reue und
nahm von sich aus eine Therapie auf (Urk. 46 S. 40 mit Verweis auf Prot. I S. 8;
Urk 35 und Urk. 36). Er ist seit rund neun Jahren beim selben Arbeitgeber ange-
stellt (Urk. 14/5, Prot. S. 9) und hat seine Arbeitsstelle auch während der Untersu-
chungshaft nicht verloren (Urk. 14/5 S. 2 und Prot. I S. 6 sowie Prot. II S. 9). Es ist
folglich von der beruflichen Integration auszugehen. Weiter hat sich der Beschul-
digte seit der vorliegend zu beurteilenden Tat wohl verhalten (Prot. II S. 12).
3. Zwar bestehen aufgrund der einschlägigen Vorstrafe erhebliche Bedenken,
und es kann dem Beschuldigten keine vorbehaltlos günstige Prognose gestellt
werden. Heute ist jedoch auch eine Landesverweisung anzuordnen und es ist
entgegen der Staatsanwaltschaft (Urk. 57 S. 2) davon auszugehen ist, dass der
Beschuldigte, der zuvor noch nie eine Freiheitsstrafe verbüsst hat, durch die er-
standene Haft bereits stark beeindruckt wurde. Aufgrund der zusätzlich zu erwar-
tenden abschreckenden Wirkung des teilweisen Strafvollzugs, kann ihm der teil-
bedingte Vollzug gewährt werden. Es erscheint angesichts des hinsichtlich des
Straftatbestandes der sexuellen Handlungen mit Kindern zwar nicht mehr leich-
ten, hingegen im übrigen nicht schweren Verschuldens und angesichts der famili-
ären Situation vertretbar, den vollziehbaren Teil auf 8 Monate festzusetzen. Die
Probezeit für den bedingt auszufällenden Strafteil ist mit der Vorinstanz auf 3 Jah-
re anzusetzen.
V. Landesverweisung
1. Voraussetzungen der Anordnung bzw. des Absehens von einer 
1.1. Gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB verweist das Gericht einen Ausländer, der
eine Katalogtat im Sinne Art. 66a Abs. 1 lit. a-o StGB begangen hat, unabhängig
von der Höhe der Strafe für die Dauer von 5 bis 15 Jahren des Landes. Ein Ver-
zicht auf eine Landesverweisung ist nur ausnahmsweise dann möglich, wenn die-
- 31 -
se für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und
die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung gegenüber den privaten
Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a
Abs. 2 StGB).
1.2. Ein schwerer persönlicher Härtefall ist dann anzunehmen, wenn die Sum-
me aller mit der Landesverweisung verbundenen Schwierigkeiten den Betroffenen
derart hart trifft, dass ein Verlassen der Schweiz bei objektiver Betrachtung zu ei-
nem nicht hinnehmbaren Eingriff in seine Daseinsbedingungen führt. Im Rahmen
einer Gesamtbetrachtung sind alle potentiell härtefallbegründenden Aspekte zu
bewerten. Relevant sind dabei die persönliche Situation des Beschuldigten in der
Schweiz und die Bedingungen im Heimatstaat sowie die Tatschuld. Ein Härtefall
ist jedoch nicht leichthin anzunehmen, da der Strafrichter bei Katalogtaten ge-
mäss Art. 66a Abs. 1 StGB nur ausnahmsweise von der Landesverweisung abse-
hen darf. Namentlich gehören zu den härtefallbegründenden Aspekten die Anwe-
senheitsdauer in der Schweiz, die familiären Verhältnisse, die Arbeits- und Aus-
bildungssituation, die Persönlichkeitsentwicklung, der Grad der Integration sowie
die Resozialisierungschancen des Beschuldigten. Relevant sind dabei die persön-
liche Situation des Beschuldigten in der Schweiz und die Bedingungen im Hei-
matstaat. Bei Dritten auftretende härtefallbegründende Aspekte sind nur zu be-
rücksichtigen, wenn sie sich zumindest indirekt auch auf den Beschuldigten aus-
wirken. Ob ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt, ist im Rahmen einer Ge-
samtbetrachtung zu eruieren (BUSSLINGER/ÜBERSAX, Härtefallklausel und migrati-
onsrechtliche Auswirkungen der Landesverweisung, in: plädoyer 5/16 S. 96ff., 97
und 101; FIOLKA/VETTERLI, Die Landesverweisung nach Art. 66a StGB, plädoyer
5/16 S. 85 u. 87). Zudem sind die verfassungsrechtlichen und völkerrechtlichen
Bestimmungen einzuhalten. Ein Härtefall ist unter diesem Gesichtspunkt dann
anzunehmen, wenn die Landesverweisung einen Eingriff in das in Art. 13 der
Bundesverfassung bzw. Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention ge-
währleistete Privat- und Familienleben bedeuten würde, der von einer gewissen
Tragweite ist (Urteile des Bundesgerichts 6B_627/2018 vom 22. März 2019,
E. 1.3.5. und 6B_907/2018 vom 23. November 2018 E. 2.3.).
- 32 -
1.3. Der Umstand, dass ein ausländischer Verurteilter mit seiner Familie in der
Schweiz lebt, bedeutet für sich allein noch keinen schweren persönlichen Härtefall
im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB, vielmehr müssen, damit ein schwerer persön-
licher Härtefall angenommen werden kann, in der Regel weitere Kriterien hinzu-
treten, namentlich eine starke Verwurzelung in der Schweiz und/oder grosse
Schwierigkeiten, sich im Heimatland privat und beruflich wieder zurechtzufinden.
Insbesondere ist das in Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht auf Fami-
lienleben (nur dann) berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhalte-
massnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in
der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass
es dieser ohne weiteres möglich oder zumutbar wäre, ihr Familienleben andern-
orts zu pflegen (Urteil des Bundesgerichts 6B_627/2018 vom 22. März 2019,
E.1.4.; 6B_659/2018 vom 20. September 2018, E. 3.4.; 6B_770/2018 vom
24. September 2018, E.2.1.). Zum geschützten Familienkreis gehört in erster Linie
die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen
Kindern (Urteil des Bundesgerichtes 6B_907/2018 vom 23. November 2018,
E. 2.3.1.; BGE 144 II 1 E. 6.1, S. 12f.). Unabhängig vom Vorliegen einer familiä-
ren Beziehung kann eine ausländerrechtliche Fernhaltemassnahme zwar das
Recht auf Privatleben gemäss Art. 8 EMRK verletzen. Das Bundesgericht bejaht
einen auf Art. 8 EMRK (Anspruch auf Privatleben) gestützten Anspruch aber vor
allem bei Ausländern der zweiten Generation, die in der Schweiz aufgewachsen
sind (BGE 139 I 16 E. 2.2.2. S. 20f.).
1.4. Steht fest, dass die Landesverweisung zu einer schweren persönlichen
Härte führen würde, sind sodann die privaten Interessen des Beschuldigten an ei-
nem Verbleib in der Schweiz den öffentlichen Interessen an der Landesverwei-
sung, deren Gewicht wesentlich von der Art und Schwere der begangenen Delikte
und der Legalprognose abhängt, gegenüberzustellen. Überwiegen die öffentlichen
Interessen, muss die Landesverweisung ausgesprochen werden (BUSSLIN-
GER/ÜBERSAX, Härtefallklausel und migrationsrechtliche Auswirkungen der Lan-
desverweisung, in: plädoyer 5/16 S. 96ff., 102 ff.).
- 33 -
2. Beurteilung
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. h 2.1.
StGB für die Dauer von 5 Jahren aus dem Hoheitsgebiet der Schweiz verwiesen
(Urk. 46 S. 41f.). Der Beschuldigte liess mit seiner Berufung das Absehen von ei-
ner Landesverweisung beantragen (Urk. 49; Urk. 58). Die Staatsanwaltschaft ver-
langt in ihrer Anschlussberufung, der Beschuldigte sei für die Dauer von 7 Jahren
des Landes zu verweisen (Urk. 52).
Der Beschuldigte hat sich vorliegend der sexuellen Nötigung im Sinne von 2.2.
Art. 189 Abs. 1 StGB sowie der sexuellen Handlungen mit einem Kind im Sinne
von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Bei beiden Delikten handelt es
sich um Katalogtaten gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB. Im Weiteren ist der Be-
schuldigte Ausländer (Staatsangehöriger von Serbien) und führte die vorliegend
zu beurteilende Tat aus, nachdem die Bestimmung betreffend die Landesverwei-
sung am 1. Oktober 2016 in Kraft getreten ist. Die Voraussetzungen für eine
Landesverweisung sind damit grundsätzlich erfüllt.
Der Beschuldigte wurde am tt. Mai 1989 in F._, Serbien geboren. Er 2.3.
wuchs mit seinen Geschwistern bei seinen Eltern in G._, Serbien auf. Dort
besuchte er acht Jahre die Schule und half auch den Eltern bei der Arbeit auf dem
Bauernhof. Danach arbeitete er als Kellner. Entweder im Jahr 2007 oder 2008
kam er in die Schweiz und lernte seine erste Frau kennen. Kurz danach kehrte er
zurück nach Serbien und heiratete. Er verblieb dort für zwei weitere Jahre. Als er
im Jahr 2010 wieder in die Schweiz kam, begann er für die Reinigungsfirma
H._ AG zu arbeiten, bei welcher er auch heute noch angestellt ist. Im Jahr
2014 oder 2015 wurde er von seiner ersten Frau geschieden. Seine ebenfalls aus
Serbien stammende zweite Ehefrau, welche er anfangs 2017 heiratete, lernte der
Beschuldigte im Jahr 2016 kennen. Sowohl er als auch seine Ehefrau verfügen
über eine B-Aufenthaltsbewilligung. Das Ehepaar hat zwei kleine Kinder im Vor-
schulalter, sie sind heute ungefähr zweieinhalb und eineinhalb Jahre alt. Die Fa-
milie ist in I._ wohnhaft. Der Beschuldigte verdient monatlich Fr. 4'300.– oh-
ne Kinderzulagen. Seine Ehefrau arbeitet temporär und verdient zwischen
Fr. 1'000.– bis Fr. 2'000.– monatlich (Urk. 2/1 S. 3 f.; Urk. 14/5; Prot. I S.6 f sowie
- 34 -
Prot. II S. 6 f.). Der Beschuldigte lebt erst seit 2010 ständig in der Schweiz. Er hat
somit die prägende Lebensphase der Kindheit und Jugendzeit nicht hier, sondern
in seinem Heimatland Serbien verbracht. Inzwischen wohnt der Beschuldigte so-
mit seit rund neun und seine Ehefrau seit circa zweieinhalb Jahren in der
Schweiz. Sie spricht nur ein wenig Deutsch. Ebenfalls leben seine Brüder in der
Schweiz (Prot. II S. 11). Der Beschuldigte ist zwar beruflich sehr gut integriert,
verfügt jedoch soweit bekannt in der Schweiz über keine besonders intensiven,
über eine normale Integration hinausgehenden privaten Beziehungen gesell-
schaftlicher Natur (Prot. II S. 11). Es ist nicht erkennbar, dass die Resozialisie-
rungschancen für den Beschuldigten in seinem Heimatland wesentlich ungünsti-
ger sind als in der Schweiz. Weiter ist die Kernfamilie des Beschuldigten erst seit
kurzer Zeit in der Schweiz wohnhaft und die Kinder sind noch nicht eingeschult
worden. Es ist deshalb für die junge Familie ohne weiteres auch möglich und zu-
mutbar, ihr Familienleben in ihrem Heimatland Serbien zu pflegen.
Der Beschuldigte liess jedoch vorbringen, es sei in seiner Familie und in 2.4.
der Familie der Ehefrau bekannt geworden, dass er seine Ehefrau betrogen habe
und dadurch Schande über die Familie gebracht habe. Sie seien deshalb von bei-
den Familien ausgeschlossen worden und könnten in der Heimat keine Unterstüt-
zung seitens der Familienangehörigen erwarten. Aufgrund der wirtschaftlichen
Lage (grosse Arbeitslosigkeit) im Heimatland wäre er nicht in der Lage, seine bei-
den kleinen Kinder und seine Frau finanziell zu unterstützen und sie hätten keine
Wohnung zur Verfügung. Ein Landesverweis würde eine konkrete Gefahr für Leib
und Leben der Familie bedeuten. Die Interessen der Familie A'._ in der
Schweiz bleiben zu können, würden die Interessen der Schweiz an einer Auswei-
sung überwiegen. Es liege ein Härtefall vor (Urk. 34 S. 11 und Urk. 14/5). Auch
wenn es für den Beschuldigten und seine Familie nicht einfach sein könnte, in ih-
rem Heimatland wieder Fuss zu fassen, ist doch festzuhalten, dass dies nicht un-
möglich scheint. So müssen auch in Serbien wohnhafte Familien mit denselben
wirtschaftlichen Problemen zurecht kommen. Auch besteht kein Missverhältnis
zwischen den mit der Ausweisung für den Beschuldigten verbundenen Nachteilen
und seiner Tatschuld. Eine schwere persönliche Härte, die die Rückkehr für ihn
unzumutbar machen würde, liegt damit nicht vor.
- 35 -
Bewirkt die Landesverweisung für den Beschuldigten keinen schweren 2.5.
persönlichen Härtefall, erübrigt sich an sich eine Abwägung der privaten Interes-
sen des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz und der öffentlichen Interes-
sen an einer Landesverweisung. Es besteht von vornherein kein Raum, um in
Anwendung der Kannvorschrift von Art. 66a Abs. 2 StGB von einer Landesver-
weisung abzusehen. Der Vollständigkeit halber ist allerdings festzuhalten, dass es
sich bei der heute zu beurteilenden Tat des Beschuldigten im Rahmen der mögli-
chen Sexualdelikte nicht um einen schweren Fall handelt. Der Beschuldigte wurde
aber nach einer früheren Verurteilung wegen sexueller Handlungen mit einem
Kind im Jahr 2012 erneut straffällig, und es kann ihm nicht ohne Bedenken eine
günstige Legalprognose gestellt werden. Das öffentliche Interesse an einer Aus-
weisung des Beschuldigten, ist daher erheblich und überwiegt das Interesse des
Beschuldigten, in der Schweiz bleiben zu können. Der Beschuldigte ist folglich in
Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB des Landes zu verweisen.
3. Dauer der Landesverweisung
3.1. Gemäss Art. 66a StGB ist die Landesverweisung für 5 bis 15 Jahre aus-
zusprechen. Dem Gesetz sind keine Hinweise zu entnehmen, wie die Dauer der
obligatorischen Landesverweisung zu bemessen ist. Die Bemessung der Dauer
im Einzelfall liegt im Ermessen des Gerichts, welches sich dabei insbesondere am
Verhältnismässigkeitsgrundsatz zu orientieren hat (Botschaft vom 26. Juni 2013
zur Änderung des Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes, BBl 2013
5975 ff., S. 6021; BERTOSSA, in: Praxiskommentar StGB, 3. Aufl. 2018, N 7 zu
Art. 66a). Dabei sind insbesondere die privaten Interessen des zu einer Landes-
verweisung Verurteilten mit dem je nach Art der begangenen Rechtsgutverletzung
unterschiedlich starken öffentlichen Entfernungs- und Fernhalteinteresse mit-
einander in Einklang zu bringen. Sodann ist die Dauer der ausgesprochenen Lan-
desverweisung wegen ihres Strafcharakters auch unter Berücksichtigung der all-
gemeinen Strafzumessungskriterien gemäss Art. 47 StGB nach dem Verschulden
des Täters zu bemessen (ZURBRÜGG/HRUSCHKA, in: BSK StGB I, 4. Aufl. 2019,
N 28 f. zu Art. 66a).
- 36 -
3.2. Die Vorinstanz erwog, die Dauer der Landesverweisung habe verhältnis-
mässig zu sein. Das Verschulden des Beschuldigten sei als nicht mehr leicht qua-
lifiziert worden und die auszusprechende Freiheitsstrafe bewege sich im unteren
Drittel des ordentlichen Strafrahmens. Folglich sei auch die Dauer der Landes-
verweisung im unteren Drittel anzusetzen. Dementsprechend scheine die Min-
destdauer von fünf Jahren angemessen (Urk. 46 S. 43 f.).
Die Staatsanwaltschaft wendete ein, die Strafe sei durch die Vorinstanz zu tief
ausgefällt worden und beantragte die Bestrafung mit 30 Monaten Freiheitsstrafe.
Sie brachte vor, dass sich die Dauer der Landesverweisung an der schuldange-
messenen Strafe zu orientieren habe. In Anbetracht der Vorstrafen des Beschul-
digten, der schlechten Prognose und der Schwere der neuen Tat bzw. der bean-
tragten Strafe von 30 Monaten Freiheitstrafe sei die Dauer der Landesverweisung
auf 7 Jahre festzusetzen (Urk. 57 S. 3).
3.3. Das Verschulden des Beschuldigten bezüglich der sexuellen Nötigung ist
zwar noch als leicht gewertet worden. Hingegen wurde das Verschulden in Bezug
auf den Straftatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern als nicht mehr
leicht qualifiziert. Der Beschuldigte ist zwar nicht in der Schweiz aufgewachsen,
lebt aber doch schon einige Jahre hier und ist beruflich integriert, wobei er auch
angab, dass seine Brüder ebenfalls in der Schweiz leben würden (Prot. II S. 11).
Sein Interesse an einem Verbleib oder einer späteren Rückkehr in die Schweiz ist
gross, indessen besteht angesichts seiner einschlägigen Vorstrafe und der – da-
mit verbunden – nur zurückhaltend und bedingt anzunehmenden günstigen Prog-
nose auch ein beträchtliches öffentliches Interesse an der Landesverweisung. Bei
einer Gesamtbetrachtung aller Umstände und in Anwendung des Verhältnismäs-
sigkeitsprinzips erscheint eine Landesverweisung für die Dauer von 5 Jahren als
angemessen.
- 37 -
VI. Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS)
1. Die Vorinstanz ordnete in Dispositivziffer 5 ihres Urteils die Ausschreibung
der in Dispositivziffer 4 verhängten 5-jährigen Landesverweisung im SIS an
(Urk. 46 S. 44 und 49).
2. Landesverweisungen gegenüber Ausländern aus Staaten, die nicht zum
Schengen-Raum gehören, werden im Schengen-Informationssystem ausge-
schrieben, wenn davon auszugehen ist, dass die Anwesenheit der betreffenden
Person im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung gefährdet. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Drittstaatsangehörige
wegen einer Straftat verurteilt worden ist, die mit mindestens einem Jahr Frei-
heitsstrafe bedroht ist (Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO, vgl. Art. 96 Abs. 2 lit. a SDÜ).
Nach der obergerichtlichen Rechtsprechung setzt die Ausschreibung eine schwe-
re Straftat, die Verurteilung zu einer Sanktion von über einem Jahr Freiheitsstrafe
voraus (vgl. SB170246, Urteil vom 6. Dezember 2017, E. III.3.; SB180036, Urteil
vom 3. Juli 2018, E. V.3; SB170394, Urteil vom 16. Oktober 2018, E. VI.6.1 sowie
SB180400, Urteil vom 2. April 2019 E. IV.4.).
3. Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte einem sogenannten Drittstaat
angehört, da Serbien erst ein offizieller EU-Beitrittskandidat, aber noch kein Mit-
gliedstaat des Schengen-Übereinkommens ist. Der Beschuldigte wird vorliegend
mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten bestraft unter anderem wegen sexueller
Nötigung. Bei der Strafzumessung wurde ausgeführt, dass vorliegend der Straf-
rahmen für die sexuelle Nötigung von einem Jahr bis zehn Jahre Freiheitsstrafe
reicht. Die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsver-
weigerung) im SIS ist folglich anzuordnen.
VII. Zivilansprüche
1. Urteil Vorinstanz / Parteistandpunkte
Bezüglich des von der Privatklägerin adhäsionsweise gestellten Schadensersatz-
begehrens erkannte die Vorinstanz, dass der Beschuldigte der Privatklägerin ge-
genüber dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig sei. Betreffend die Bemes-
- 38 -
sung der Schadenersatzpflicht verwies sie die Privatklägerin auf den Zivilweg.
Ferner verpflichtete die Vorinstanz den Beschuldigten, der Privatklägerin eine
Genugtuung von Fr. 5'000.– nebst Zins zu 5% seit 21. September 2017 zu bezah-
len (Urk. 46 S. 50). Der Beschuldigte verlangt dagegen zufolge seines Antrages
auf Freispruch im Schuldpunkt die Abweisung der Zivilansprüche. Eventualiter sei
die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. 49 S. 2; Urk. 58). Die Privatklä-
gerin liess mit Eingabe vom 28. Oktober 2019 die Bestätigung von den Dispositiv-
ziffern 7, 8 und 11 des vorinstanzlichen Urteils beantragen (Urk. 56).
2. Schadenersatzbegehren
Die rechtlichen Voraussetzungen, unter denen ein Geschädigter im Strafverfahren
Zivilansprüche geltend machen und der Beschuldigte verpflichtet werden kann,
dem Privatkläger Schadenersatz zu leisten, hat die Vorinstanz zutreffend darge-
legt (Urk. 46 S. 45 f.). Überzeugend ist auch die vorinstanzliche Schlussfolgerung
hinsichtlich der Schadenersatzforderung. Auf die entsprechenden Erwägungen
kann daher vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 46 S. 46.; Art. 82 Abs. 4
StPO). Es ist offenkundig, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin
angesichts des Schuldspruchs wegen sexueller Nötigung und sexuellen Handlun-
gen mit Kindern aus dem schädigenden Ereignis zivilrechtlich schadenersatz-
pflichtig ist, denn er hat widerrechtlich und schuldhaft gehandelt (Art. 41 ff. OR).
Somit ist der vorinstanzliche Entscheid, was die Schadenersatzforderung anbe-
langt, zu bestätigen. Aufgrund der Dispositionsmaxime ist der Antrag der Privat-
klägerin vor Vorinstanz auf einen blossen Grundsatzentscheid zu respektieren
(DOLGE, in: BSK II StPO, 2. Aufl. 2014, N 44 zu Art. 126). In analoger Anwendung
von Art. 126 Abs. 3 StPO ist festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der
Privatklägerin aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-
satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzan-
spruches ist die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
3. Genugtuungsbegehren
Zu den Voraussetzungen des Anspruchs auf Leistung einer Geldsumme als Ge-
nugtuung sowie den Zumessungsfaktoren kann auf die einmal mehr zutreffenden
- 39 -
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Auch bejahte die Vorinstanz zu
Recht, dass die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung bei der
Privatklägerin erfüllt sind. Desweitern sind die konkreten Auswirkungen der sexu-
ellen Handlungen sind von der Vorinstanz zutreffend dargelegt worden (Urk. 46
S. 47 f). Der Privatklägerin ist kein Selbst- oder Mitverschulden anzulasten. Wie
unter Ziffer III.3.1.2. festgehalten, durfte der erste erwiderte Zungenkuss, der mit-
hin vom Beschuldigten initiiert wurde, nicht als Einverständnis oder sogar als Ein-
ladung zu weiteren sexuellen Handlungen interpretiert werden. In Würdigung der
gesamten Umstände erscheint die von der Vorinstanz festgelegte Genugtuungs-
summe mit Fr. 5'000.– für die von der Privatklägerin erlittene immaterielle Unbill
als vertretbar. Die Privatklägerin verlangt im Berufungsverfahren keine höhere
Genugtuung mehr, zumal sie keine Anschlussberufung erhoben hat. Der Be-
schuldigte ist somit zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genugtuung im Betra-
ge von Fr. 5'000.– nebst 5% Zins seit 21. September 2017 zu bezahlen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Der vorinstanzliche Schuldspruch ist zu bestätigen. Folglich erweist sich
die vollumfängliche Kostenauflage gemäss Dispositivziffer 10 des vorinstanzli-
chen Urteils als angemessen. Diese ist, wie auch die Regelung betreffend die
Kostenauflage der amtlichen Verteidigung (ebenfalls Dispositivziffer 10) inklusive
Rückforderungsvorbehalt für diese Kosten zu bestätigen (Art. 426 StPO).
1.2. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 433 Abs. 1 StPO
verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädi-
gung von Fr. 7'726.40 zu bezahlen. Die Entschädigung in dieser Höhe erscheint
der Komplexität des Falles und der sich stellenden rechtlichen Fragen angemes-
sen. Der Einschätzung der Vorinstanz (Urk. 46 S. 48 f.) ist beizupflichten, und die
vorinstanzlich festgelegte Prozessentschädigung ist zu bestätigen.
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2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seinen Anträgen im Berufungsverfahren vollumfänglich, jedoch werden
im Rahmen eines Ermessensentscheides statt 12 Monate, nur 6 Monate für voll-
ziehbar erklärt. Die Staatsanwaltschaft unterliegt mit ihrem Antrag auf Erhöhung
der ausgefällten Strafe auf 30 Monate Freiheitsstrafe und Anordnung des Voll-
zugs, obsiegt jedoch bezüglich der Dauer der Landesverweisung (teilweise). Aus-
gangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjeni-
gen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten zu drei Vierteln aufzuerlegen.
Ein Viertel der Kosten und die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die
Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
für die Kosten der amtlichen Verteidigung bleibt vorbehalten.
2.2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– anzuset-
zen. Für das Berufungsverfahren macht der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt
lic. iur. X._, Aufwendungen von Fr. 3'077.30 (inkl. Barauslagen und MwSt.;
Urk. 61) geltend, wobei darin die Aufwendungen für die heutige Berufungsver-
handlung sowie weitere Aufwendungen (Urteilsstudium, Besprechung mit dem
Beschuldigten) nicht enthalten sind. Die geltend gemachten Aufwendungen er-
weisen sich angesichts des Aktenumfangs und der Komplexität des Falles als an-
gemessen. Der amtliche Verteidiger ist insgesamt mit Fr. 4'500.– (inkl. MwSt.) zu
entschädigen.