Decision ID: e700ebba-25f3-5d46-b062-eea3890fcf66
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B am 1. Dezember 2010. Im
Administrativmassnahme-Register ist er nicht verzeichnet. Am Mittwoch, 7. Oktober
2015, besuchte er nachmittags eine Viehschau in A. Anschliessend fuhr er mit seinem
Personenwagen nach B. Da er infolge eines Sekundenschlafs nicht bemerkte, dass die
vor ihm fahrenden Fahrzeuge abbremsten, prallte er mit seinem Auto ins Heck des vor
ihm zum Stillstand gekommenen Fahrzeugs. Der Unfall ereignete sich um 19.50 Uhr in
B. Im Rahmen der Unfallaufnahme führte die Polizei bei X einen Atemlufttest durch, der
mit 1,15 Gewichtspromille positiv ausfiel. Die Auswertung der Blutprobe durch das
Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen (IRM) ergab eine minimale
Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1,85 Gewichtspromille und eine maximale von
2,38 Gewichtspromille.
B.- Das Strassenverkehrsamt verbot X mit Verfügung vom 26. Oktober 2015 das
Führen von Motorfahrzeugen vorsorglich ab sofort. Am 7. November 2015 ordnete es
zudem eine verkehrsmedizinische Untersuchung beim IRM an. Mit Strafbefehl des
Untersuchungsamts vom 14. Dezember 2015 wurde X des Führens eines
Motorfahrzeugs in nicht fahrfähigem Zustand schuldig gesprochen und mit einer
bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je Fr. 90.– und einer Busse von Fr. 1‘440.–
bestraft. In tatsächlicher Hinsicht wurde unter anderem festgestellt, die BAK habe im
Zeitpunkt des Verkehrsunfalls mindestens 1,76 Gewichtspromille betragen. Der
Rekurrent sei zudem am Steuer des von ihm gelenkten Fahrzeugs eingenickt, bevor er
den Unfall verursacht habe. Gegen den Strafbefehl wurde keine Einsprache erhoben.
C.- Am 14. Januar 2016 liess sich X im IRM verkehrsmedizinisch untersuchen. Im
gleichentags erstellten Bericht verneinten die Gutachter die Fahreignung wegen eines
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs. Sie empfahlen eine mindestens
sechsmonatige Alkoholabstinenz mit therapeutischer Begleitung durch die
Suchtberatungsstelle. Mit Verfügung vom 14. März 2016 entzog das
Strassenverkehrsamt den Führerausweis auf unbestimmte Zeit mit einer Sperrfrist von
drei Monaten (7. Oktober 2015 bis 6. Januar 2016). Die Wiedererteilung des
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Führerausweises machte es vom Nachweis einer kontrollierten und fachlich betreuten
Alkoholabstinenz (Beratungsstelle) von mindestens sechs Monaten und einer
verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung abhängig. Einem allfälligen Rekurs wurde
die aufschiebende Wirkung entzogen. Dagegen erhob X mit Eingabe vom 14. April
2016 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die Verfügung des
Strassenverkehrsamts sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben,
eventualiter sei die Sache zur erneuten Abklärung der Fahreignung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Er begehrte zudem an, dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung
wiederzuerteilen. Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Strassenverkehrsamt verzichtete
mit Schreiben vom 13. Mai 2016 auf eine Vernehmlassung. Das Gesuch um Erteilung
der aufschiebenden Wirkung wurde mit Zwischenverfügung vom 1. Juli 2016
abgewiesen (ZV-2016/62).

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 14. April 2016 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege;
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz den Führerausweis zu Recht gestützt auf
das verkehrsmedizinische Gutachten des IRM vom 14. Januar 2016 auf unbestimmte
Zeit entzog. Die Fachärzte verneinten darin die Fahreignung wegen einer
verkehrsrelevanten Alkoholproblematik.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes [SR 741.01, abgekürzt: SVG]). Art. 16d SVG
regelt den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Nicht geeignet, ein
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Fahrzeug zu führen, ist namentlich, wer nicht oder nicht mehr über die körperliche und
geistige Leistungsfähigkeit verfügt, um ein Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d
Abs. 1 lit. a SVG), wer an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (lit.
b), oder wer aufgrund seines bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass er künftig
beim Führen eines Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen
Rücksicht nehmen wird (lit. c). Trunksucht wird von der Rechtsprechung bejaht, wenn
die betroffene Person regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit
vermindert wird und sie diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den
eigenen Willen nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende
Fahreignung darf geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist,
Alkoholkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe
liegende Gefahr besteht, dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten
Strassenverkehr teilnimmt (Philippe Weissenberger, Kommentar SVG und OGB, 2. Aufl.
2015, Art. 16d N 28). Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber jedenfalls
ein Alkohol- oder Drogenmissbrauch vorliegt, können demnach vom Führen eines
Motorfahrzeugs ferngehalten werden. Der Nachweis, dass eine Sucht überwunden ist,
kann nur durch Einhaltung einer mindestens einjährigen Totalabstinenz erbracht
werden. Liegt ein solcher Nachweis nicht vor, ist eine Suchtgefährdung zu bejahen
(BGE 129 II 82 E. 2.2 und 4.1; Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.66/2004 vom 7.
Dezember 2004 E. 3.2; Weissenberger, a.a.O., Art. 16d N 31).
b) Der Gutachter führte im Bericht vom 14. Januar 2016 aus, von der durchschnittlich
alkoholgewohnten Bevölkerung würden BAK-Werte von über 1,6 Gewichtspromille
nicht erreicht. Somit sei das einmalige Erreichen oder Überschreiten dieses Wertes
auch ohne aktive Verkehrsteilnahme bereits Beleg für einen gesundheitsschädigenden
oder missbräuchlichen Umgang mit Alkohol. Im Rahmen der Begutachtung sei eine 5
cm lange Kopfhaarprobe in zwei Segmente unterteilt und auf das
Alkoholstoffwechselprodukt Ethylclucuronid (EtG) analysiert worden. Im kopfhautfernen
Segment (3-5 cm ab Kopfhaut) sei das EtG in einer Konzentration von 35 pg/mg, im
kopfhautnahen Segment (0-3 cm ab Kopfhaut) von 30 pg/mg nachweisbar gewesen.
Diese EtG-Konzentrationen sprächen für einen übermässigen Alkoholkonsum in den
fünf bis sechs Monaten vor der Begutachtung. Berücksichtige man aber eine
Messuntersicherheit von ± 25%, sei der Nachweis eines chronischen
Alkoholüberkonsums nicht zu erbringen. Die Angaben des Rekurrenten zu den
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Trinkmengen – er konsumiere an den Wochenenden jeweils ungefähr fünf bis sechs
Flaschen Bier à 0,33 Liter sowie fünf bis sechs Gläser Wodka mit Redbull und während
der Woche höchstens einmal ein Bier – könnten die EtG-Werte jedoch nicht erklären.
Deshalb sei von einer Bagatellisierung der tatsächlichen Trinkgewohnheiten
auszugehen, was ein Hinweis auf eine suchtspezifische Verleugnungshaltung oder auf
ein mangelndes Problembewusstsein im Umgang mit Alkohol sein könne. Kritisch zu
werten sei die Tatsache, dass der Rekurrent den Alkoholkonsum trotz des Ereignisses
vom 7. Oktober 2015 und der bevorstehenden verkehrsmedizinischen Untersuchung
unverändert fortgesetzt habe. Dies sei ein Hinweis auf ein erhöhtes psychisches
Verlangen nach Alkohol. Zudem spreche auch die fehlende kritische
Auseinandersetzung mit dem Trinkverhalten für ein fehlendes Problembewusstsein.
Der Rekurrent brachte dagegen vor, eine Alkoholsucht im verkehrsrechtlichen Sinn sei
nicht nachgewiesen. Die EtG-Konzentration, welche ohnehin nur ein Indiz für einen
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch sei, habe unterhalb der Entscheidungsgrenze
von 30 pg/mg gelegen. Hinzu komme, dass der Hausarzt eine Suchtproblematik
verneint habe. Der Vorfall vom 7. Oktober 2015 sei ein Einzelfall gewesen. Es sei
offensichtlich, dass er Alkoholkonsum und verantwortungsvolles Verhalten im
Strassenverkehr trennen könne. Er könne nicht mit einem Alkoholabhängigen
verglichen werden, der Alkoholfahrten regelmässig in Kauf nähme. Anhaltspunkte
dafür, dass er regelmässig alkoholisiert fahre, wie ihm der Gutachter unterstellt habe,
gäbe es nicht. Auch sei er bisher nie negativ aufgefallen. Die gemessene EtG-
Konzentration läge an der Entscheidungsgrenze. Aufgrund der Messunsicherheit von
25% könne der EtG-Wert auch weit unter der Grenze von 30 pg/mg liegen. Bei Werten
zwischen 8 pg/mg und 30 pg/mg sei von einem moderaten Alkoholkonsum
auszugehen, weshalb die von ihm angegebenen Trinkmengen durchaus plausibel
seien. Aus dem von 35 pg/mg auf 30 pg/mg gesunkenen EtG-Wert ergebe sich zudem,
dass er den Alkoholkonsum reduziert habe. Das Gutachten sei deshalb in diesem
Punkt nicht schlüssig. Ebenso wenig sei nachvollziehbar begründet worden, weshalb er
mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt sei, sich in alkoholisiertem Zustand
an das Steuer eines Fahrzeuges zu setzen. Die Vorinstanz hätte sich deshalb nicht
unbesehen auf das Gutachten stützen dürfen. Nach der Rechtsprechung gehöre zu
den für den Nachweis der Trunksucht erforderlichen Abklärungen eine gründliche
Prüfung der persönlichen Verhältnisse, – welche namentlich die Einholung von
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Berichten des Hausarztes, des Arbeitgebers und der Familie usw. erfordere –, eine
einlässliche Aufarbeitung der konkreten Trunkenheitsfahrt, eine Alkoholanamnese und
eine umfassende, eigens vorzunehmende körperliche Untersuchung mit besonderer
Berücksichtigung von alkoholbedingten Hautveränderungen. Der Ansicht der
Vorinstanz, dass die Fähigkeit, mit 1,85 Gewichtspromille ein Fahrzeug lenken zu
können, auf eine ausgesprochene Alkoholgewöhnung hinweise, könne nicht gefolgt
werden. Tatsache sei, dass er in diesem Zustand einen Verkehrsunfall verursacht habe
und deshalb gerade nicht mehr fähig gewesen sei, ein Fahrzeug zu beherrschen.
c) aa) Der Rekurrent wirft dem Gutachter unter Verweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung vor, nicht alle erforderlichen Abklärungen zum Nachweis der
Trunksucht vorgenommen zu haben. Im zitierten Entscheid (BGE 129 II 82) kam das
Bundesgericht zum Schluss, es liege lediglich ein erhöhter Carbohydrate-Deficient
Transferrin (CDT)-Wert vor. Ein erhöhter CDT-Wert sei mit Zurückhaltung zu würdigen,
namentlich wenn die übrigen Laborwerte (Alkoholmarker) keine pathologische
Erhöhung zeigten und der Sachverständige eine Alkoholabhängigkeit im Sinne der
ICD-10-Klassifikation (unter: www.icd-code.de) verneine. Bei einer solchen
Konstellation komme den weiteren, für den Nachweis der Trunksucht erforderlichen
Abklärungen besondere Bedeutung zu. Im vorliegenden Fall wurde jedoch keine
Laboruntersuchung durchgeführt, bei der die biologischen Alkoholmarker, unter
anderem der CDT-Wert, gemessen wurden. Vielmehr entnahm das IRM am 14. Januar
2016 eine Haarprobe, teilte diese in zwei Segmente (2 cm und 3 cm) und ermittelte die
EtG-Werte für die beiden Abschnitte. Sie betrugen 30 pg/mg im kopfnahen Segment
und 35 pg/mg im kopffernen Segment. Im Unterschied zu den Blutmarkern, die
lediglich indirekte Indikatoren eines Alkoholkonsums sind, gibt die Haaranalyse darüber
direkten Aufschluss. Nach dem Alkoholgenuss wird das Abbauprodukt EtG im Haar
eingelagert und erlaubt für ein grösseres Zeitfenster als bei der Blutuntersuchung
Aussagen über den erfolgten Konsum. Die festgestellte EtG-Konzentration korreliert mit
der aufgenommenen Menge an Trinkalkohol. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung
anerkennt die Haaranalyse als geeignetes Mittel sowohl zum Nachweis eines
übermässigen Alkoholkonsums als auch der Einhaltung einer Abstinenzverpflichtung.
Die Vornahme der Haaranalyse ist qualifizierten Labors vorbehalten. Die erzielten
Ergebnisse sind Gutachten, von denen die zuständigen Behörden nicht ohne triftige
Gründe abweichen dürfen. Ein Abweichen ist nur zulässig, wenn die Glaubwürdigkeit
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des Gutachtens durch die Umstände ernsthaft erschüttert ist (BGE 140 II 334 E. 3).
Dies ist vorliegend nicht der Fall, zumal sich der Gutachter nicht alleine auf die EtG-
Werte stützte, sondern im Rahmen der verkehrsmedizinischen Untersuchung auch die
Vorgeschichte aus den Akten erhob, eine körperliche Untersuchung durchführte und
beim Hausarzt einen Bericht einholte. Zudem klärte er das Konsumverhalten des
Rekurrenten unter Berücksichtigung der Trunkenheitsfahrt vom 7. Oktober 2015 ab.
Die Ergebnisse wurden zwar teilweise knapp, aber nachvollziehbar dokumentiert. Der
Vorwurf, das Gutachten sei unvollständig und deshalb nicht schlüssig, ist somit
unbegründet (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 15d SVG N 9).
bb) Die Haaranalyse ergab EtG-Werte von 30 und 35 pg/mg. Der Gutachter verwies in
diesem Zusammenhang auf die Messungenauigkeit von ± 25% und hielt dazu fest, die
Werte könnten auch unter dem Grenzwert von 30 pg/mg liegen. Werte unter diesem
sogenannten Interpretationsgrenzwert sprechen nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung für einen moderarten, Werte darüber für einen übermässigen
Alkoholkonsum (BGE 140 II 334 E. 7). Vorliegend ist jedoch nicht auf den minimalen
Wert abzustellen, weil die sowohl im Strafverfahren als auch beim Warnungsentzug
geltende Unschuldsvermutung beim Sicherungsentzug nicht zur Anwendung kommt.
Diese Massnahme erfolgt nicht wegen eines schuldhaften Verhaltens, sondern im
Interesse der Verkehrssicherheit. Das Bundesgericht hat deshalb bei einer
Fahrzeuglenkerin, die sich gegen einen vorsorglichen Sicherungsentzug wehrte und bei
der zum fraglichen Zeitpunkt eine BAK von maximal 2,9 und minimal
2,3 Gewichtspromille festgestellt wurde, auf den Mittelwert von 2,6 Gewichtspromille
abgestellt. Die Messerunsicherheit ist bei der Haaranalyse vergleichbar mit jener bei
der Blutalkoholbestimmung. Die für Letztere entwickelte Rechtsprechung ist deshalb
bei Haaranalysen ebenfalls anzuwenden. Es ist somit auf den ermittelten EtG-Wert
abzustellen, da dieser nach unten und nach oben mit der gleichen Messunsicherheit
von 25% behaftet ist (BGE 140 II 334 E. 6). Den Ausführungen im Gutachten zur
Messungenauigkeit kommt deshalb in diesem Verfahren keine Bedeutung zu.
Auszugehen ist folglich von 30 pg/mg und 35 pg/mg. Diese Werte sprechen für einen
übermässigen Alkoholkonsum in den fünf Monaten vor der Probenahme (Mitte August
2015 bis Mitte Januar 2016).
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cc) Auch der Bericht des IRM über die Blutalkoholbestimmung lässt auf ein
problematisches Trinkverhalten schliessen. Die Blutanalyse ergab eine minimale BAK
im Zeitpunkt des Ereignisses von 1,85 Gewichtspromille und eine maximale von 2,38
Gewichtspromille. Es ist folglich von einer durchschnittlichen BAK von 2,115
Gewichtspromille im Zeitpunkt des Verkehrsunfalls auszugehen. Eine solche
Blutalkoholkonzentration ist Ausdruck einer Giftfestigkeit, wie sie nur aus einem
chronischen oder episodenhaften Alkoholüberkonsum resultieren kann. Denn eine
Person, die nur selten Alkohol trinkt, ist nicht in der Lage, eine Blutalkoholkonzentration
von über 2 Gewichtspromille überhaupt zu erreichen, zumal sie – aufgrund der
alkoholtoxischen Wirkung – schon vorher mit unter anderem zunehmender Übelkeit,
Bewusstseinstrübung und beispielsweise Erbrechen reagiert. Eine derart
beeinträchtigte Person wird daher auch nicht mehr in der Lage sein, nur noch halbwegs
zielgerichtete Handlungen auszuführen, geschweige denn das Fahrzeug zu finden und
dieses einigermassen korrekt bedienen und führen zu können (B. Liniger,
Verkehrsmedizin: Fahreignungsbegutachtung und Auflagen, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen, S. 92 f.). Der Rekurrent brachte in diesem
Zusammenhang zwar vor, der Unfall sei Beweis dafür, dass er nicht mehr in der Lage
gewesen sei, ein Fahrzeug zu führen. Dem ist entgegenzuhalten, dass er es schaffte,
von A nach B zu fahren und somit in stark alkoholisiertem Zustand eine Strecke von
rund 14 km unfallfrei zurückzulegen. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme führte er
zudem aus, er habe sich fahrfähig gefühlt, andernfalls hätte er kein Auto gelenkt
(act. 9/18). Die Feststellung der Vorinstanz, die gemessene BAK von mindestens 1,85
Gewichtspromille weise auf eine ausgesprochene Alkoholgewöhnung hin, ist deshalb
nicht zu beanstanden.
dd) Zu berücksichtigen sind weiter die Angaben des Rekurrenten zu seinem
Alkoholkonsum vor der Trunkenheitsfahrt vom 7. Oktober 2015. Gegenüber der Polizei
gab er an, von 14 Uhr bis 18 Uhr zwei Bier, einen „Kafi Lutz“ und einen „Schaukafi“
getrunken zu haben (act. 9/18). Ähnliche Angaben machte er anlässlich der
Blutentnahme beim IRM. Im Protokoll wurden unter der Rubrik „Angaben zum
Alkoholkonsum“ zwei Biere à 0,5 Liter und zwei Kaffee „Zwetschgenlutz“ aufgeführt
(act. 9/10). Dieser Konsum hätte jedoch nicht zu einer BAK von 2,115 Gewichtspromille
geführt, denn ein durchschnittlicher Mann muss innert zweier Stunden rund 2,5 Liter
Bier oder einen Liter Wein konsumieren, um eine BAK von 1,6 Gewichtspromille zu
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erreichen (Botschaft zu Via sicura, Handlungsprogramm des Bundes für mehr
Sicherheit im Strassenverkehr, 20. Oktober 2010, BBl 2010 S. 8500). Der Rekurrent
führte gegenüber dem Gutachter aus, regelmässig am Wochenende mit Kollegen rund
fünf bis sechs Flaschen Bier à 0,33 Liter und fünf bis sechs Gläser Wodka mit Redbull
zu konsumieren. Während der Woche trinke er höchstens einmal mit seinem Chef ein
Feierabendbier. Aufgrund dieser Angaben ist von einem nicht unerheblichen
Alkoholkonsum auszugehen. Darauf lässt auch die nach der Trunkenheitsfahrt
gemessene durchschnittliche BAK von 2,115 Gewichtspromille schliessen. Bereits eine
BAK von 1,6 Gewichtspromille deutet – namentlich bei Fehlen adäquater
Ausfallerscheinungen – auf eine regelmässige Alkoholaufnahme von wesentlich mehr
als 80 Gramm (dies entspricht 8 Standardgläsern, d.h. 8 Bieren à 3 dl, 8 Gläsern Wein à
1 dl oder 8 Gläsern Schnaps à 0,3 dl [vgl. Bundesamt für Gesundheit: www.alcohol-
facts.ch]) täglich über längere Zeiträume hin (vgl. BGE 129 II 82 E. 5.2). Auffällig ist
zudem, dass der Alkoholkonsum nach Angaben des Rekurrenten alle zwei Monate zu
einem Vollrausch und einmal im Halbjahr gar zu einem Filmriss führe (act. 9/38). Dass
er vor diesem Hintergrund vorbrachte, er sei nicht an Alkohol gewöhnt, ist
unverständlich. Mit dem Gutachter ist deshalb davon auszugehen, dass der Rekurrent
bisher nicht fähig oder willens war, sich kritisch mit seinem Trinkverhalten
auseinanderzusetzen und es ihm am Problembewusstsein fehlt.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Feststellung des Gutachters, beim
Rekurrenten sei von einem verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch mit
Toleranzentwicklung und damit von einer fehlenden Fahreignung auszugehen,
nachvollziehbar ist. Weitere Sachverhaltsfeststellungen, wie sie vom Rekurrenten
allgemein gefordert wurden, sind nicht notwendig. Auch wenn keine Sucht im
medizinischen Sinn diagnostiziert wurde, besteht aufgrund der dargelegten Umstände
die Vermutung, der Rekurrent könnte suchtgefährdet und deshalb auch künftig nicht in
der Lage sein, Alkohol und Strassenverkehr konsequent zu trennen. Daran schien er im
Übrigen selbst zu zweifeln, als er den Fahrzeugschlüssel am 7. Oktober 2015 zu
Beginn des Festes einem Kollegen anvertraute (act. 9/42). Als Letzterer den Schlüssel
zurückgab, war der Rekurrent bereits alkoholisiert und nicht mehr in der Lage, die
Situation richtig einzuschätzen, was zur Trunkenheitsfahrt führte. Dass es sich dabei
um einen einmaligen Vorfall gehandelt habe, wie der Rekurrent vorbrachte, lässt sich
nicht überprüfen. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die meisten der erstmaligen
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FiaZ-Delinquenten Wiederholungstäter sind und auf mehrere Alkoholfahrten
zurückblicken, die nicht entdeckt wurden (J.R. Baer, Fiaz-Delikte, St. Gallen 1993,
S. 99). Der von der Vorinstanz angeordnete Sicherungsentzug erscheint angesichts des
auf dem Spiel stehenden öffentlichen Interesses der Sicherheit anderer
Verkehrsteilnehmer geboten und angemessen (vgl. BGer 6A.15/2000 vom 28. Juni
2000 E. 4). Die Massnahme ist insbesondere verhältnismässig, zumal die Vorinstanz die
Aufhebung der Massnahme im günstigsten Fall, d.h. bei Einhaltung der kontrollierten
und fachlich betreuten Alkoholabstinenz und positivem Ergebnis der
Kontrolluntersuchung, bereits nach sechs Monaten in Aussicht stellte. Die vom
Rekurrenten geltend gemachte erhöhte Sanktionsempfindlichkeit im Sinn einer
beruflichen Angewiesenheit kann nicht berücksichtigt werden. Ein Sicherungsentzug
bezweckt die Fernhaltung ungeeigneter Fahrzeugführer vom Verkehrsgeschehen, und
zwar bis der Mangel als geheilt zu betrachten ist. Bis dahin hat eine allfällige
Sanktionsempfindlichkeit keinen Einfluss auf die Beurteilung der Notwendigkeit des
Sicherungsentzugs (BGer 6A.77/2003 vom 22. März 2004 E. 2.5.2). Die angefochtene
Verfügung erweist sich damit als rechtmässig; entsprechend ist der Rekurs
abzuweisen.
3.- Mit dem Sicherungsentzug soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn er während eines
Beschwerdeverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'700.–, worunter Fr.
200.– für die Zwischenverfügung zur aufschiebenden Wirkung, erscheint angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 111 und 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist anzurechnen.