Decision ID: d7136550-8dbe-418a-a89b-3e8bae6a6987
Year: 2020
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
A.
Der Pflichtige ist unselbständig erwerbstätig. Ihm wird von seinem Arbeitgeber ein Geschäfts-
fahrzeug zur Verfügung gestellt, welches er auch privat benützen darf. Mit diesem Fahrzeug
legt er auch den Arbeitsweg zurück.
Mit Veranlagungsverfügung vom 22. November 2018 rechnete ihm die Steuerverwaltung einen
Privatanteil bei Geschäftsfahrzeug und unentgeltlicher Beförderung an den Arbeitsplatz in der
Höhe von Fr. 20'801.-- auf. Entsprechend wurde der Maximalabzug für Fahrtkosten zwischen
Wohn- und Arbeitsstätte in der Höhe von Fr. 6'000.-- gewährt.
B.
Gegen diese Veranlagungsverfügung erhob der Pflichtige mit Schreiben vom 6. Dezember
2018 Einsprache und beantragte, es sei auf die fiktive Aufrechnung für die Benützung eines
Geschäftswagens u.a. für den Arbeitsweg zu verzichten. Eventualiter sei die Aufrechnung auf
30 % der Kosten eines Generalabonnements (GA) zu beschränken oder der Pauschalansatz
von Fr. 0.70 pro Kilometer auf die tatsächlichen Kosten pro gefahrenen Kilometer zu senken.
Zusammenfassend machte der Pflichtige geltend, es fehle an einer gesetzlichen Grundlage für
die Aufrechnung und der Grundsatz der Gleichbehandlung sei verletzt. Zudem sei nicht ersicht-
lich, weshalb für Mitarbeitende von dem Verband öffentlicher Verkehr (VöV) angeschlossenen
Unternehmen, welche Anspruch auf Fahrvergünstigungen Personal hätten und daher unentgelt-
lich oder zu einem reduzierten Preis ein GA erhalten würden, lediglich 30 % des GA-Preises
aufgerechnet werden sollten, bei Mitarbeitenden in der Privatwirtschaft hingegen eine volle An-
rechnung der berechneten Arbeitswegkilometer erfolgen solle.
Mit Einspracheentscheid vom 3. Februar 2020 wies die Steuerverwaltung die Einsprache ab.
Sie führte zur Begründung im Wesentlichen aus, im Rahmen der Umsetzung des Bundesbe-
schlusses über die «Finanzierung und den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (FABI)» sei fest-
gelegt worden, dass die Kosten für den Arbeitsweg, welche mittels Zurverfügungstellen eines
Geschäftsfahrzeuges durch den Arbeitgeber übernommen würden, einen geldwerten Vorteil an
den Steuerpflichtigen darstellten. Diese geldwerte Leistung sei in der privaten Steuererklärung
des Arbeitnehmers als Einkommen aufzurechnen. Die gesetzliche Grundlage für diese Auf-
rechnung liege in § 24 lit. a des Gesetzes vom 7. Februar 1974 über die Staats- und Gemein-
desteuern (Steuergesetz, StG; SGS 331), welcher besage, dass geldwerte Vorteile zum steuer-
baren Einkommen gehören. Schliesslich beziehe sich die erwähnte Ungleichbehandlung der
GA von 30 % auf die Aufrechnung des Privatanteils, analog des Privatanteils von 9,6 % des
Geschäftsautos und nicht auf den geldwerten Vorteil des Arbeitswegs.
C.
Gegen diesen Entscheid erhebt der Pflichtige mit Eingabe vom 25. Februar 2020 Rekurs und
beantragt, in Gutheissung des Rekurses sei auf eine fiktive Aufrechnung für die Benützung ei-
nes Geschäftswagens u.a. für den Arbeitsweg zu verzichten. Eventualiter sei die fiktive Auf-
rechnung auf 30 % der Kosten eines GA 1. Klasse zu beschränken. Zur Begründung macht er
insbesondere eine Verletzung des Legalitätsprinzips geltend. Die fiktive Aufrechnung eines Ein-
kommens durch die Kalkulation eines mutmasslichen Arbeitswegs und der Kostenersatz von
Fr. 0.70 pro Kilometer seien im kantonalen Steuergesetz nicht vorgesehen. Des Weiteren sei
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die Benützung eines Geschäftswagens für private Zwecke vollständig abgegolten durch den
Ausweis eines Privatanteils von 9,6 % und dem Ankreuzen der Rubrik «F» im Lohnausweis,
welcher bei Zurverfügungstellung einer Transportmöglichkeit vom Wohnort zum Arbeitsort die
Geltendmachung von Abzügen vollständig ausschliesse. Dieser Ausschluss von Abzugsmög-
lichkeiten gelte unbestrittenermassen für sämtliche Transportmittel. In konstanter und langjähri-
ger Praxis seien ausschliesslich ausserhalb der vom Arbeitgeber übernommenen Transportkos-
ten Abzüge für die Transportkosten zulässig. Eine Beschränkung der Abzüge, gemäss den Re-
gelungen von FABI und den darauf abgestützten Beschränkungen der Abzüge im kantonalen
Steuergesetz könnten sich daher ebenfalls bloss auf solche Transportkosten ausserhalb der
vom Arbeitgeber übernommenen Kosten beziehen. Ferner überzeuge die Auffassung der Steu-
erverwaltung in Bezug auf den Grundsatz der Gleichbehandlung nicht, da nach einhelliger Pra-
xis der (nun beschränkte) Abzug für den Transport zwischen Wohn- und Arbeitsort keine Pau-
schalgutschrift, sondern bloss ein Abzug von Gestehungskosten sei. Rein sprachlich ergebe
sich, dass ein maximaler Abzug eine Reduktion auf maximal null sein könne. Eine zusätzliche
fiktive Steuerbelastung müsste aus Gründen der Gleichbehandlung aller Steuerpflichtigen alle
Beförderungsarten gleichermassen betreffen. Schliesslich sei im Baselbieter Steuerbuch Ziff. 29
Nr. 1 festgehalten, dass für Mitarbeitende von dem VöV angeschlossenen Unternehmen, wel-
che Anspruch auf Fahrvergünstigungen Personal hätten, für die private Nutzung des GA 30 %
des GA-Preises aufgerechnet würden. Diese Regelung beziehe sich – wie die Steuerverwaltung
zu Recht ausgeführt habe – lediglich auf die Aufrechnung des Privatanteils analog des Privatan-
teils von 9,6 % des Geschäftsautos. Eine Aufrechnung für den Arbeitsweg werde explizit aus-
geschlossen. Somit sei diese Regelung direkt vergleichbar mit der Aufrechnung des Privatan-
teils bei der Benutzung eines Geschäftswagens.
Mit Vernehmlassung vom 27. April 2020 beantragt die Steuerverwaltung die Abweisung des
Rekurses. Zur Begründung macht sie u.a. geltend, es gehe darum, dem Gebot der Rechtsan-
wendungsgleichheit zu entsprechen, indem diejenigen steuerpflichtigen Personen miteinander
verglichen würden, welche für den Arbeitsweg ein Fahrzeug benützten («Geschäftsfahrzeug»
vs. «privates Fahrzeug») – und nicht wie vom Rekurrenten moniert, «ÖV-Benützer» und «Fahr-
zeug-Benützer». Hinsichtlich des Legalitätsprinzips führt sie aus, dass zwar keine formelle ge-
setzliche Grundlage vorliege, welche die Aufrechnung explizit statuiere. Allerdings ergebe sich
die vorgenommene Einkommensaufrechnung gestützt auf § 24 lit. a StG, wonach sämtliche
geldwerte Vorteile im Sinne der im Steuerrecht verankerten Generalklausel der Einkommens-
besteuerung unterlägen. Der Hintergrund und die Herleitung für die vorgenommene Quantifizie-
rung der Aufrechnung als geldwerten Vorteil ergebe sich aus dem Gleichbehandlungsgebot im
Zusammenhang mit der steuersystematischen Umsetzung von FABI. Dem entspreche der be-
reits «vor FABI» klar postulierte und «mit FABI» noch zusätzlich akzentuierte Wille, längere Ar-
beitswege im Sinne einer Lenkungswirkung einzudämmen und die Steuerpflichtigen damit dazu
zu bringen, anstelle eines Motorfahrzeuges den öffentlichen Verkehr zu benützen.
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Erwägungen:
1.
Das Steuergericht ist gemäss § 124 StG zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zuständig.
Gemäss § 129 Abs. 2 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegen-
den Fall Fr. 10'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, von der Dreierkammer des Steuergerichts
beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind,
ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten.
2.
Strittig ist vorliegend, ob die Aufrechnung des Privatanteils bei Geschäftsfahrzeug und unent-
geltlicher Beförderung an den Arbeitsplatz in der Höhe von Fr. 20'801.-- zu Recht erfolgt ist.
2.1. Gemäss § 23 Abs. 1 StG unterliegen der Einkommenssteuer sämtliche wiederkehrenden
und einmaligen Einkünfte aller Art der natürlichen sowie der ihnen gleichgestellten juristischen
Personen. Zum steuerbaren Einkommen gehören insbesondere alle Einkünfte aus unselbstän-
diger Erwerbstätigkeit, namentlich aus privatrechtlichem oder öffentlich-rechtlichem Anstel-
lungs- oder Arbeitsverhältnis oder aus der Erfüllung einer Dienstpflicht mit Einschluss der Natu-
ral- und Nebeneinkünfte (§ 24 lit. a StG). Als Naturaleinkunft gilt namentlich die Benutzung des
vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Fahrzeugs für private Zwecke
(RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Aufl., Zürich
2013, § 16 N 80). Beim Privatanteil der Autokosten beträgt der im Lohnausweis als Naturalein-
kommen zu deklarierende Betrag – falls der Arbeitgeber sämtliche Kosten übernimmt und der
Arbeitnehmer lediglich die Benzinkosten für grössere Privatfahrten am Wochenende oder in den
Ferien zu bezahlen hat – pro Monat 0,8 % des Kaufpreises, mindestens aber Fr. 150.-- pro Mo-
nat (Wegleitung zum Ausfüllen des Lohnausweises bzw. der Rentenbescheinigung der Schwei-
zerische Steuerkonferenz [SSK] und der Eidgenössische Steuerverwaltung [ESTV] [Weglei-
tung], gültig ab 01.01.2020, Rz. 21). Dieser Privatanteil des Arbeitnehmers deckt nur die Nut-
zung des Geschäftsfahrzeugs für private Zwecke ohne den Arbeitsweg ab
(RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., § 17 N 53; vgl. auch KNÜSEL/SUTER in: Zwei-
fel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die di-
rekte Bundessteuer, 3. Aufl., Basel 2017, Art. 17 N 20).
2.2. Bei unselbständiger Erwerbstätigkeit werden von den steuerbaren Einkünften u.a. die Kos-
ten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte abgezogen. Seit dem 1. Januar 2017 ist die-
ser Fahrkostenabzug auf Fr. 6'000.-- beschränkt (§ 29 Abs. 1 lit. a StG; vgl. auch Art. 9 Abs. 1
des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern
der Kantone und Gemeinden [Steuerharmonisierungsgesetz, StHG; SR 642.14]). Dies war eine
Folge der durch das Stimmvolk angenommenen Vorlage vom 9. Februar 2014 über den Bun-
desbeschluss über die «Finanzierung und den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (FABI)». Ziel
dieser Vorlage war es u.a. – insbesondere im Sinne einer Lenkungswirkung – längere Arbeits-
wege einzudämmen und die Steuerpflichtigen dazu zu bringen, anstelle eines Motorfahrzeugs
den öffentlichen Verkehr zu nutzen (vgl. Erläuterungen des Bundesrats zur Volksabstimmung
vom 9. Februar 2014 über FABI, S. 8; Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 19. Mai 2017,
510 17 24, E. 2e f.). Diese Vorlage hatte namentlich Auswirkungen auf jene Steuerpflichtigen,
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welche mit einem Geschäftsauto vom Wohn- zum Arbeitsort pendeln. Bis anhin war bei diesen
Personen im Lohnausweis das Feld «F» für unentgeltliche Beförderung zwischen Wohn- und
Arbeitsort anzukreuzen, sofern der Arbeitnehmer für den Arbeitsweg nicht mindestens Fr. 0.70
pro Kilometer bezahlen musste (Wegleitung, gültig bis 31.12.2015, Rz. 9). Auf eine Aufrech-
nung der vom Arbeitgeber getragenen Arbeitswegkosten wurde verzichtet; ein Fahrtkostenab-
zug konnte demgegenüber nicht geltend gemacht werden (vgl.
RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., § 17 N 53). Da am 1. Januar 2017 der Fahrtkosten-
abzug beschränkt wurde, musste eine Ungleichbehandlung zwischen Arbeitnehmern mit Ge-
schäftsauto und solchen mit eigenen Fahrzeugen verhindert werden. Deshalb wurde festgelegt,
dass bei einem Arbeitnehmer, der das Geschäftsfahrzeug auch für den Arbeitsweg benutzen
darf, ohne hierfür eine Entschädigung an den Arbeitgeber bezahlen zu müssen, zusätzlich ein
Privatanteil für den Arbeitsweg aufzurechnen ist (Arbeitsweg zum Ansatz von Fr. 0.70 pro Kilo-
meter). Im Gegenzug kann der Arbeitnehmer dann den (begrenzten) Fahrkostenabzug geltend
machen (vgl. AFFOLTER/JERMANN, in: Tarolli Schmidt/Villard/Bienz/Jaussi [Hrsg.], Kommentar
zum Basler Steuergesetz, Basel 2019, § 18 N 35; RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Hand-
kommentar zum DBG, 3. Aufl., Zürich 2016, Art. 17 N 54; KNÜSEL/SUTER, a.a.O., Art. 17 N 20,
Art. 26 N 20). In der Mitteilung-002-D-2016-d vom 15. Juli 2016 legte die ESTV fest, dass wenn
ein Arbeitnehmer über ein Geschäftsfahrzeug verfügt und ganz oder teilweise im Aussendienst
arbeitet, der Arbeitgeber im Lohnausweis unter Ziffer 15 den prozentmässigen Anteil Aussen-
dienst zu bescheinigen hat (vgl. auch Wegleitung, gültig ab 01.01.2020, Rz. 70). Dies ist erfor-
derlich, weil der Arbeitnehmer lediglich diejenigen Tage als Arbeitsweg deklarieren muss, an
denen er vom Wohnort mit dem Geschäftsfahrzeug an seinen üblichen Arbeitsort fährt (Mittei-
lung-002-D-2016-d vom 15. Juli 2016). Die Steuerverwaltung Basel-Landschaft hat ihrerseits
das Steuerbuch in diesem Punkt angepasst.
2.3. Anhand dieser Grundsätze berechnete die Steuerverwaltung die vorliegende Aufrechnung
des Privatanteils bei Geschäftsfahrzeug und unentgeltlicher Beförderung an den Arbeitsplatz.
Sie ging von einem Arbeitsweg von 101 Kilometer à 55 Arbeitstage und einem Arbeitsweg von
86,4 Kilometer à 165 Arbeitstage aus. Unter Berücksichtigung von zwei Fahrten pro Tag, der
Kilometerpauschale von Fr. 0.70 und des Anteils Aussendienst von 25 % legte sie den strittigen
Privatanteil zu Recht auf Fr. 20'801.-- fest.
3.
An dieser Rechtslage bzw. der Zulässigkeit der fraglichen Aufrechnung vermögen auch die
Ausführungen des Rekurrenten nichts zu ändern. Zunächst macht er eine Verletzung des Lega-
litätsprinzips geltend; die Aufrechnung beruhe auf keiner genügenden formell-gesetzlichen
Grundlage.
3.1. Das abgaberechtliche Legalitätsprinzip verlangt zum einen, dass der Abgabetatbestand in
einem Gesetz im formellen Sinn vorgesehen ist. Zum anderen hat der Gesetzgeber die wesent-
lichen Elemente einer Abgabe festzulegen. Im Allgemeinen muss das Gesetz gemäss Art. 127
Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV;
SR 101) mindestens den Kreis der Abgabepflichtigen (Subjekt der Abgabe), den Gegenstand
der Abgabe (den abgabebegründenden Tatbestand, Objekt der Abgabe) und die Höhe der Ab-
gabe in den Grundzügen (Bemessungsgrundlagen) umschreiben (vgl.
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HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich 2016, Rz. 2797 ff.;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014, S. 572;
BGE 142 II 182, E. 2.2.1).
3.2. Die gesetzliche Grundlage für die vorliegende Aufrechnung findet sich in § 23 Abs. 1 StG,
welcher besagt, dass sämtliche wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte aller Art steuerbar
sind sowie in § 24 lit. a StG, welcher u.a. Naturaleinkünfte zum steuerbaren Einkommen zählt.
Dem Rekurrenten ist insofern zuzustimmen, als die Aufrechnung nicht explizit in einer formell-
gesetzlichen Grundlage geregelt ist. Allerdings stützt sich die Aufrechnung – entgegen der Auf-
fassung des Rekurrenten – nicht auf die Mitteilung-002-D-2016-d vom 15. Juli 2016, sondern
vielmehr auf § 23 Abs. 1 StG bzw. § 24 lit. a StG, welche eine formell-gesetzliche Grundalge
darstellen. Dass der Arbeitnehmer das Geschäftsauto für das Zurücklegen des Arbeitswegs
benützen darf, stellt einen geldwerten Vorteil im Sinne einer Naturalleistung dar. Dieser ist wie
bereits unter Erwägung 2.1 erwähnt auch noch nicht durch den Privatanteil von 9,6 % abgegol-
ten. Die fragliche gesetzliche Grundlage genügt, um die Aufrechnung des Privatanteils Ge-
schäftsauto für den Arbeitsweg zu rechtfertigen. Sie ist aufgrund der allgemeinen Prinzipien
genügend bestimmt und die Praxis für die Aufrechnung bei Geschäftsfahrzeugen ist genügend
gefestigt.
4.
Im Weiteren rügt der Rekurrent eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots. Er macht insbe-
sondere geltend, die fiktive Steuerbelastung müsse aus Gründen der Gleichbehandlung aller
Steuerpflichtigen ebenfalls alle Beförderungsarten gleichermassen betreffen.
4.1. Das Rechtsgleichheitsgebot (Art. 8 Abs. 1 BV) verlangt, dass Rechte und Pflichten der Be-
troffenen nach dem gleichen Massstab festzusetzen sind. Gleiches ist nach Massgabe seiner
Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu behandeln.
Die ungerechtfertigte Gleich- bzw. Ungleichbehandlung muss sich auf eine wesentliche Tatsa-
che beziehen (vgl. BGE 145 II 206 E. 2.4.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 572;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., S. 184). Eine ungleiche Anwendung des Rechts auf ver-
gleichbare Sachverhalte kommt deshalb nur in Frage, wenn sich die zu beurteilenden Tatbe-
stände in rechtlich wesentlicher Weise unterscheiden (RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER,
a.a.O., VB zu §§ 119-131 N 109). Im Bereich der Abgaben wird Art. 8 Abs. 1 BV insbesondere
durch die Grundsätze der Allgemeinheit, der Gleichmässigkeit und der Verhältnismässigkeit der
Besteuerung (Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit) konkre-
tisiert (Art. 127 Abs. 2 BV). Dabei handelt es sich um ein verfassungsmässiges Individualrecht.
Neben den eidgenössischen ist Art. 127 Abs. 2 BV auch auf die kantonalen Abgaben anwend-
bar. Danach sind Personen, die sich in gleichen Verhältnissen befinden, in derselben Weise mit
Steuern zu belasten und müssen wesentliche Ungleichheiten in den tatsächlichen Verhältnissen
zu entsprechend unterschiedlichen Steuerbelastungen führen. Die Abgabepflichtigen haben
entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit bzw. den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln an die
Abgabelasten beizutragen. Es handelt sich beim Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftli-
chen Leistungsfähigkeit aber – wie beim Begriff der Abgabegerechtigkeit überhaupt – um ein
unbestimmtes Konzept (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Februar 2019, 2C_851/2018,
E. 2.4.2).
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4.2. Wie die Steuerverwaltung zutreffend ausführt, sind vorliegend Nutzer eines Geschäftsfahr-
zeugs mit Nutzern eines privaten Fahrzeugs zu vergleichen und nicht ÖV-Nutzer mit Fahrzeug-
Nutzern. Denn diese beiden Tatbestände unterscheiden sich in rechtlich wesentlicher Weise.
Demnach vermag eine Ungleichbehandlung zwischen ÖV-Nutzer und Fahrzeug-Nutzern keine
Verletzung des Gleichbehandlungsgebots zu begründen. Zwar ist festzuhalten, dass eine ge-
wisse Ungleichbehandlung zwischen ÖV-Nutzern und Nutzern eines Fahrzeugs besteht. Aller-
dings ist zu beachten, dass FABI ein Lenkungsziel beinhaltete im Sinne einer Anregung an die
Personen, mehr den öffentlichen Verkehr zu nutzen anstatt das Auto. Würde eine Aufrechnung
bei ÖV-Nutzern vorgenommen, würde dies dem Lenkungswillen zuwiderlaufen.
Der Vergleich zwischen den Nutzern eines Geschäftsfahrzeugs und jenen eines privaten Fahr-
zeugs zeigt, dass eine Gleichbehandlung durchaus gegeben ist. Falls keine Aufrechnung bei
den Nutzern eines Geschäftsfahrzeugs für den Arbeitsweg vorgenommen würde, wäre dies
eine Besserstellung gegenüber jenen die mit einem privaten Fahrzeug den Arbeitsweg zurück-
legen. Denn diese müssen selbst für die Kosten des Arbeitswegs aufkommen und haben unter
Umständen Ausgaben über Fr. 6'000.--, wobei sie jedoch die darüberhinausgehenden Kosten
steuerlich nicht zum Abzug bringen können.
5.
Wenn der Rekurrent schliesslich begehrt, die fiktive Aufrechnung für die Benützung des Ge-
schäftswagens für den Arbeitsweg sei auf 30 % der Kosten eines GA 1. Klasse zu beschrän-
ken, so ist ihm entgegenzuhalten, dass diese Regelung lediglich für Arbeitnehmer von am VöV
angeschlossene Unternehmen gilt. Zudem ist festzuhalten, dass falls einem Arbeitnehmer ein
GA ohne geschäftliche Notwendigkeit bezahlt wird, dies grundsätzlich mit dem Marktwert unter
Ziffer 2.3 des Lohnausweises zu deklarieren und dementsprechend zu versteuern ist (vgl. Weg-
leitung, gültig ab 01.01.2020, Rz. 9). Ferner zieht der Rekurrent erneut einen Vergleich zwi-
schen ÖV-Nutzern und Fahrzeug-Nutzern, welcher, wie bereits erwähnt, nicht zu überzeugen
vermag.
6.
Nach dem Ausgeführten erweist sich der Rekurs als unbegründet und ist abzuweisen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Rekurrent die Verfahrenskosten in der Höhe von
Fr. 1'500.-- zu bezahlen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993
über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [Verwaltungsprozessordnung, VPO;
SGS 271]).
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