Decision ID: 9a352adf-a765-5ca3-a61f-797f7f795f14
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Am 15. Juni 2010 erteilte die Gemeinde Köniz der Erbengemeinschaft C._
die Baubewilligung für den Umbau und die Umnutzung der bestehenden Scheune als
Wohnhaus mit 7 Wohnungen sowie für den Neubau eines Autounterstandes und einer
Laube mit Aussentreppe auf Parzelle Köniz Gbbl. Nr. B._. Die Bewilligung
umfasste im Bereich des mächtigen Giebeldaches auf der Nordwestfassade
Schrägdachverglasungen, die auf einer Linie angeordnet waren. Den Ausführungsplänen
stimmte die Kantonale Denkmalpflege (KDP) mit Schreiben vom 27. Oktober 2010
grundsätzlich zu. In der am 8. März 2012 eingereichten Selbstdeklaration gab der
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zuständige Projektleiter an, das Bauvorhaben sei entsprechend den bewilligten Plänen
ausgeführt worden.
2. Die Parzelle Köniz Gbbl. Nr. B._ liegt in der Wohnzone W, Bauklasse IIa mit
einer zulässigen Ausnützungsziffer von 0.6. Sie gehört zum kommunalen
Ortsbildschutzgebiet Nr. D._ der Gemeinde Köniz. Nach dem alten Bauinventar
der Gemeinde Köniz gehörte das Gebäude zur Baugruppe Nr. I._; im neuen
Bauinventar zur Baugruppe N._. Das Gebäude selber ist jedoch kein Baudenkmal.
3. Anlässlich einer Routinekontrolle stellte das Bauinspektorat der Gemeinde Köniz fest,
dass die Bauherrschaft in Abweichung der erteilten Baubewilligung einerseits einen
zusätzlichen Balkon an der Nordostfassade anbauen und andererseits verschiedene
Belichtungselemente in den Dachflächen einbauen liess. Mit Schreiben vom 3. Dezember
2012 forderte das Bauinspektorat die Erbengemeinschaft C._ auf, zu den
Änderungen Stellung zu nehmen. Am 22. März 2013 reichte die Beschwerdeführerin bei
der Gemeinde Köniz eine Projektänderung für den Balkon an der Nordostfassade sowie für
die Anordnung der Dachflächenfenster ein. Mit Schreiben vom 19. Juni 2013 informierte
das Bauinspektorat die Beschwerdeführerin, dass die KDP die Anordnung der
Dachflächenfenster als nichtbewilligungsfähig erachte, aber dass sie als Kompromiss nur
den Rückbau der oberen drei Dachflächenfenster verlange. Der Gemeinderat beabsichtige
deshalb, abgesehen von den drei oberen Dachflächenfenstern in der nordwestlichen
Hauptdachfläche die neu angeordneten Fenster anstelle der Schrägdachverglasung sowie
den Balkon zu bewilligen. Für die drei oberen Dachflächenfenster sehe er die
Wiederherstellung vor. Mit demselben Schreiben räumte das Bauinspektorat der
Beschwerdeführerin die Gelegenheit zur Stellungnahme ein. Die Beschwerdeführerin
äusserte sich mit Schreiben vom 25. Juli 2013 zum beabsichtigten Vorgehen.
4. Mit Entscheid vom 1. Juni 2015 erteilte die Gemeinde Köniz der Beschwerdeführerin
für den Balkon an der Nordostfassade, die Dachflächenfenster sowie für den Einbau
transparenter Dacheindeckungen die Baubewilligung. Für die drei Dachflächenfenster
oberhalb der mittleren Reihe in der nordwestlichen Hauptdachfläche erteilte sie den
Bauabschlag und ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes an.
Zusammen mit dem Entscheid stellte die Gemeinde den Fachbericht der KDP vom 5.
August 2014 zu.
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5. Gegen diesen Entscheid reichte die Beschwerdeführerin am 2. Juli 2015 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt,
der Bauentscheid vom 1. Juni 2015 sei aufzuheben, soweit der Bauabschlag und die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes für die drei Dachflächenfenster oberhalb
der mittleren Reihe in der nordwestlichen Hauptdachfläche angeordnet worden sei. Das
nachträgliche Baugesuch sei auch in Bezug auf die erwähnten Dachflächenfenster zu
bewilligen, eventuell sei auf die Wiederherstellung zu verzichten.
6. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten sowie die Stellungnahme der Gemeinde ein. Die Gemeinde beantragt die
Abweisung der Beschwerde und hält an der angefochtenen Verfügung fest. Das Rechtsamt
führte im Beisein der Parteien und einer Vertretung der KDP einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch. Es edierte zudem die Baugesuchsunterlagen der
angerufenen Vergleichsobjekte. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des
Augenscheins sowie zu den edierten Unterlagen zu äussern. In ihren Schlussbemerkungen
bestätigt die Beschwerdeführerin ihre Rechtsbegehren und ergänzt sie insofern, dass die
Bewilligung allenfalls mit Auflagen oder Bedingungen zu erteilen sei. Eventuell sei auf die
Wiederherstellung − allenfalls mit Auflagen und Bedingungen − zu verzichten.
Auf die Rechtsschriften, die Unterlagen sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird,
soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten sind ein Bauentscheid und eine Wiederherstellungsverfügung. Nach Art. 40
Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1 BauG2 können Bauentscheide und baupolizeiliche Verfügungen
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die
Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Verfügung beschwert und
daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde
ist einzutreten.
2. Verletzung des rechtlichen Gehörs
a) Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe ihr rechtliches Gehör verletzt,
indem sie ihr den Bericht der KDP vom 5. August 2014 erst zusammen mit dem
angefochtenen Bauentscheid eröffnet habe. Sie habe keine Gelegenheit gehabt, sich dazu
zu äussern.
b) Die Vorinstanz macht geltend, da es sich um ein nachträgliches
Baubewilligungsverfahren handle, habe der Bericht der KDP der Bauherrschaft ohnehin
nicht vor der Ausführung des Bauvorhabens zur Kenntnis gebracht werden können. Zudem
umschreibe der Bericht für die Bauherrschaft keine neuen oder unbekannten Tatsachen
und Auflagen. Eine vorgängige Eröffnung des Berichtes an die Bauherrschaft hätte keine
Auswirkungen auf den Ausgang des Verfahrens gehabt.
c) Der Anspruch der Parteien auf rechtliches Gehör ist eine grundlegende
Verfahrensgarantie.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG4 gibt den
Parteien das Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht
in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der
Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 3 Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 19. April 1999 (BV; SR 101); Art. 26 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1). 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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Beweisergebnis zu äussern. Dies bedeutet, dass den Beteiligten jede eingereichte
Stellungnahme zur Kenntnis zu bringen ist, sofern nicht überwiegende öffentliche oder
private Interesse an deren Geheimhaltung bestehen.5 Dies unabhängig davon, ob die
Stellungnahmen neue Tatsachen oder Argumente enthalten und ob sie den Entscheid
tatsächlich zu beeinflussen vermögen.6
Das rechtliche Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des rechtlichen Gehörs
führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Die
Gehörsverletzung kann aber geheilt werden, wenn die Rechtsmittelinstanz dieselbe
Kognition hat wie die Vorinstanz und der beschwerdeführenden Person aus der Heilung
kein Nachteil erwächst. Bei besonders schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die
Rechtsprechung jedoch eine Heilung grundsätzlich aus. Die Heilung des rechtlichen
Gehörs ist allenfalls bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen. 7
d) Es ist zwischen den Parteien unbestritten und geht auch aus dem Entscheid vom
1. Juni 2015 hervor, dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin die Stellungnahme der
KDP vom 5. August 2014 erst zusammen mit dem angefochtenen Entscheid eröffnete. Die
Beschwerdeführerin konnte sich dementsprechend im vorinstanzlichen Verfahren zu
diesem Bericht nicht äussern. Die Gemeinde hat der Beschwerdeführerin allerdings den
Bericht der KDP vom 26. Februar 2013 zugestellt. Die Beschwerdeführerin hatte somit die
Gelegenheit, sich zur Beurteilung des Bauvorhabens durch die KDP zu äussern. Deren
erneute Stellungnahme vom 5. August 2014 enthält keine neuen Tatsachen und rechtliche
Einschätzungen. Dennoch hätte dieser Bericht der Beschwerdeführerin zugestellt werden
müssen. Die Gemeinde hat, wenn auch nur geringfügig, das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführerin verletzt. Dass das Bauvorhaben bereits erstellt war, ändert an diesem
Umstand nichts.
e) Gemäss Art. 40 Abs. 3 BauG kommt der BVE als Beschwerdeinstanz die volle
Überprüfungsbefugnis zu. Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin den Fachbericht der
KDP vom 5. August 2014 mit dem Entscheid vom 1. Juni 2015 zugestellt. Sie konnte sich
in ihrer Beschwerde damit auseinandersetzen und sich dazu umfassend äussern. Die
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 9b. 6 BGE 137 I 195 E. 2.3.1. 7 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16.
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Beschwerdeführerin konnte ihre Rechte somit im Beschwerdeverfahren vollumfänglich
wahrnehmen. Ihr erwächst durch die Heilung der Gehörsverletzung keinen Nachteil. Die
Aufhebung des Entscheids mit Rückweisung an die Vorinstanz würde somit lediglich zu
einer unnötigen Verfahrensverlängerung führen. Da die Gehörsverletzung nur sehr
geringfügig ist und der Beschwerdeführerin dadurch kein Mehraufwand entstanden ist, ist
sie bei der Verlegung der Kosten nicht zu berücksichtigen.
3. Kommunale Ästhetikvorschriften
a) Das Bauvorhaben befindet sich im Ortsbildschutzgebiet Nr. D._ der
Gemeinde Köniz. Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Einbau der drei
Dachflächenfenster sei mit den kommunalen Ästhetikvorschriften vereinbar.
b) Gemäss Art. 16 GBR8 umfassen Ortsbildschutzgebiete Siedlungen und
Siedlungsteile – wie Quartiere, Dörfer, Weiler und Baugruppen – von besonders hoher
Qualität. Ihre das Quartier prägende bauliche und aussenräumliche Struktur ist zu erhalten
beziehungsweise sinngemäss zu erneuern. Neu- und Umbauten haben sich bezüglich
Stellung, Volumen und Gestaltung ins Ortsbild einzufügen. Bauten sind so zu gestalten,
dass sich zusammen mit ihrem näheren und weiteren Umfeld eine gute Gesamtwirkung
ergibt (Art. 16 i.V.m. Art. 14 GBR).
c) Das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) hat Gestaltungsgrundsätze
erarbeitet für die Eingriffe in das Dach von Bauernhäusern ausserhalb der Bauzone.9 Die
Gemeinde Köniz beurteilt Veränderungen an Dächern von Bauernhäusern in
Ortsbildschutzgebieten nach diesen Grundsätzen.10 Danach soll die Belichtung des
Dachraumes von altrechtlichen Bauernhäusern in erster Linie über die Fenster in der
Fassade erfolgen. Lichtbänder und Dachflächenfenster in der Hauptdachseite sollen auf
einer Linie angeordnet werden. Da Bauten in der Bauzone nicht der restriktiven
Nutzungsbeschränkung von Bauten ausserhalb der Bauzone unterliegen, dürfen die
Fensterflächen jedoch grosszügiger ausgestaltet werden, als dies die
8 Baureglement der Gemeinde Köniz vom 7. März 1993, genehmigt durch die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion am 21. Dezember 1993 (GBR). 9 Gestaltungsgrundsätze zu Artikel 24c RPG – Änderung von altrechtlichen Bauten und Anlagen, Fassung Juni 2015. 10 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 26. Oktober 2015, S. 6, Votum W._.
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Gestaltungsgrundsätze vorsehen. Allerdings sollen auch bei solchen Bauten
Dachflächenfenster grundsätzlich auf einer Linie angeordnet werden.11
Bei der Auslegung von selbständigen Ästhetiknormen kommt den Gemeinden auf Grund
der Gemeindeautonomie ein gewisser Beurteilungsspielraum zu.12 Die
Gestaltungsgrundsätze des AGR sind auf Bauten ausserhalb der Bauzone zugeschnitten.
Die Dächer von landwirtschaftlichen Bauten treten jedoch unabhängig davon, ob sie sich in
der Landwirtschafts- oder der Bauzone befinden, auf Grund ihrer Grösse markant in
Erscheinung. Dass sich die Gemeinde bei der ästhetischen Beurteilung des Umbaus eines
ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Gebäudes an den vom AGR ausgearbeiteten
Gestaltungsgrundsätze orientiert, überschreitet ihren Ermessensspielraum nicht und ist
nicht zu beanstanden.
d) Das Ortsbildschutzgebiet Nr. D._ wird im kommunalen Inventar der
Ortsbilder wie folgt beschrieben: "Die Hofgruppe F._ liegt am südwestlichen
Siedlungsrand des Neubaugebietes von Schliern am Hangfuss des F._hubels. Die
drei, in einer räumlich spannenden Beziehung zueinander stehenden mächtigen
Bauernhöfe, liegen an einer alten – schon im Fischplan (1810) nachweisbaren –
Wegverbindung. Die aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammende Bausubstanz ist
weitgehend intakt; ebenso der stark durchgrünte bäuerliche Umschwung, wie Hoflinde,
Hofstatt und gepflegte Bauerngärten. Der Hof Nr. E._ ist nicht mehr in Betrieb.
Das heute noch unüberbaute Feld zwischen F._ und dem Neubaugebiet Schliern
im Nord-Osten ist der Zone für Freizeit und Sport zugeordnet. Ein Teil der Hofgruppe ist
gemäss rechtskräftigem Zonenplan Baugebiet. Nicht nur die Hofgruppe, sondern auch der
sie umgebende Nahbereich insb. der F._hubel ist von jeglicher Bautätigkeit und
anderer als landwirtschaftlicher Nutzung freizuhalten."13 Der Augenschein hat gezeigt, dass
die Bauernhäuser grösstenteils markante homogene Dachflächen aufweisen. Zwar wurde
bei einigen Gebäuden Glasziegel, einzelne Dachfenster oder Solarpanels eingebaut,14
trotzdem bleibt der Charakter der homogenen Dachfläche in seinen Grundzügen erhalten.
Die Beschwerdeführerin hat die Dachgestaltung des ursprünglichen Projektes zusammen
mit einer Vertreterin der KDP ausgearbeitet. Das grosse Dach der Nordwestfassade war
11 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 26. Oktober 2015, S. 4 und 5, Votum G._. 12 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art 9/10 N. 5. 13 Vgl. Objektblatt zur Hofgruppe F._, abrufbar über den Zonenplan der Gemeinde Köniz 14 Vgl. Foto Nrn. 20/22 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 26. Oktober 2015.
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einzig durch eine gleichmässige und auf einer Linie verlaufenden Schrägdachverglasung
durchbrochen.15 Die Gemeinde hat dieses Projekt bewilligt. Die ausgeführte
Dachgestaltung weist demgegenüber mehrere Unterbrüche auf: Auf der nordwestlichen
Dachfläche befinden sich im unteren Teil des Daches Glasziegel sowie Dachverglasungen.
Zudem hat die Beschwerdeführerin im mittleren sowie nordöstlichen Bereich auf einer Linie
und im südwestlichen Bereich etwas erhöht Dachflächenfenster eingebaut. Schliesslich
befinden sich über den mittleren Dachflächenfenstern die drei vorliegend umstrittenen
Dachflächenfenster. Diese sind im Vergleich zu den übrigen Dachflächenfenstern etwas
grösser und als Material dient nicht Holz sondern Plastik.16
e) Streitgegenstand bilden nur die oberen drei in der Mitte des Daches liegenden
Dachflächenfenster. Trotzdem können diese nicht isoliert betrachtet werden. Zuerst gilt es,
das Dach als Gesamtes zu betrachten. Dieses weist im Vergleich zu den umliegenden
Dächern mehr Eingriffe in die ursprünglich homogene Dachfläche auf. Die vier
verschiedenen Belichtungselemente, welche auf unterschiedlicher Höhe des Daches
liegen, führen zu einer sehr unruhigen Dachgestaltung. Die Gestaltung des Gebäudes hebt
sich dadurch von der vorherrschenden Bauweise des Ortsbildschutzperimeters deutlich ab.
Obwohl das Gebäude am Rande liegt, wirkt sich dessen Dachgestaltung auf die
Gesamterscheinung des Ortsbildes negativ aus. Das Dach ist sowohl von der
G._strasse als auch von der J._strasse einsehbar. Die Dachgestaltung
fügt sich nicht gut in seine Umgebung ein.
f) Der Beschwerdeführerin ist allerdings beizupflichten, dass die von der Vorinstanz
bewilligte Dachgestaltung bereits unruhig wirkt. Sie ist mit den Gestaltungsgrundsätzen des
AGR auch nicht vereinbar, da sie die Anordnung von verschiedenen Belichtungselementen
auf drei Reihen erlaubt. Dies bedeutet hingegen nicht, dass bei der Frage der
Bewilligungsfähigkeit von weiteren Dachflächenfenstern deren Auswirkungen auf die
Ästhetik nicht mehr zu berücksichtigen wäre. Die umstrittenen Dachflächenfenster bilden
zusammen mit den unteren Fenstern eine Doppelreihe von Dachflächenfenstern. Dieses
Element unterbricht die Dachfläche nicht nur in horizontaler sondern auch in vertikaler
Hinsicht und widerspricht den Gestaltungsgrundsätzen des AGR diametral. Die
doppelreihige Anordnung von Dachflächenfenstern findet sich auch auf keinem der
umliegenden Dächer. Die umstrittenen Fenster unterscheiden sich zudem nicht nur in der
15 Vgl. Vorakten, Plan P 4. 16 Vgl. Foto Nrn. 13 und 14 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 26. Oktober 2015.
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Materialisierung, sondern auch bezüglich der Grösse von den übrigen Fenstern. Diese
Abweichung ist nicht nur vom Innern des Gebäudes ersichtlich, sondern fällt auch bei der
Aussenbetrachtung auf.17 Als zusätzliches Element führen die drei Dachflächenfenster zu
einer weiteren Verschlechterung der Ästhetik der Dachgestaltung. Sie verstärken die
Unruhe der Dachgestaltung und führen somit dazu, dass sie sich insgesamt noch
schlechter ins Ortsbild einfügt. Der Einbau von diesen drei Dachflächenfenstern
widerspricht damit unabhängig vom bereits bewilligten Zustand den kommunalen
Ästhetikvorschriften.
4. Denkmalschutz
a) Die Beschwerdeführerin führt aus, das Gebäude sei weder schützens- noch
erhaltenswert gemäss Art. 10a ff. BauG. Die Baugruppe N._ nehme vorab auf die
Geometrie Bezug und das Gebäude sei im Text zur Baugruppe N._ auch nicht
mehr erwähnt, womit unterstrichen werde, dass bezüglich dieser Liegenschaft kein Schutz
existiere.
b) Baugruppen werden zwar in Bauinventare aufgenommen, hingegen wird ihnen weder
die Qualifikation erhaltens- noch schützenswert zugeschrieben. Allfällige Veränderungen
innerhalb einer Baugruppe sind sorgfältig, mit Blick auf das Ganze und unter Beratung der
Fachstelle zu planen.18 Baudenkmäler dürfen durch Veränderungen in ihrer Umgebung
nicht beeinträchtigt werden (Art. 10b Abs. 1 letzter Satz BauG).
c) Bei der Baugruppe N._ handelt es sich um den bäuerlichen Weiler
F._, der im Bauinventar wie folgt beschrieben wird: "Bäuerlicher Weiler, bestehend
aus 3 Gehöften mit ihren Nebenbauten, um einen Dreiweg gruppiert. Die Hauptfronten der
Bauernhäuser sind aufeinander bezogen. 2 Bauernhäuser gehen ins 18. Jh. zurück
(J._ strasse 53 u. F._strasse E._), das dritte ist ein Bau von
1833. Die dazugehörenden Stöckli sind jeweils jünger, hingegen stammen die 3 Speicher
ebenfalls aus dem 18. Jh. (...). An der Weggabelung im Zentrum des Weilers steht ein
Ofenhaus (J._strasse 53e). Ein zweites Ofenhaus (H._strasse 57) steht
17 Augenscheinprotokoll vom 26. Oktober 2015, S. 3, Votum Vorsitzende. 18 Vgl. Nathalie Guex, Betrachtungen zum Thema Denkmalpflege und Baubewilligungsverfahren, in  2006 S. 94, Ziffer 2.1.2, mit Hinweisen.
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am S-Rand der Baugruppe. Das Dritte Ofenhaus am O-Rand ist zugleich auch ein Stöckli
(F._strasse 81). Alle Gebäude sind von ansprechender, die beiden älteren
Bauernhäuser sogar von hervorragender Qualität. Die Ausläufer der Neubauquartiere von
Schliern kommen nur etwa 200 m an den Weiler heran u. stören das idyllische Ortsbild
kaum."19 Das alte Bauinventar umschrieb die Baugruppe (damals Baugruppe I._)
kürzer aber inhaltlich gleich wie folgt: "Bäuerlicher Weiler, in seiner Intaktheit kontrastierend
mit der westlich anschliessenden Agglomeration Schliern. 3 wirkungsvoll mit ihren
Hauptfronten aufeinander bezogene Gehöfte, um einen Dreiweg gruppiert. Ausnehmend
stattliche, firstparallele Bauernhäuser mit rechtwinklig zugeordneten Nebenbauten des
18./19, Jh."20 Die Beschwerdeführerin beantragte im Rahmen der Überarbeitung des
Bauinventars, dass ihr Gebäude aus der Baugruppe entlassen werde. Auf Grund der
räumlichen Nähe zu den eingestuften Gebäuden lehnte es die KDP ab, das Gebiet der
Baugruppe so zu verkleinern, dass die Baute nicht mehr Teil der Baugruppe wäre.21
d) Wie bereits erläutert, gliedern sich die Dachgestaltung des gesamten Gebäudes aber
insbesondere die zusätzlichen drei Dachfenster nicht gut in das bestehende Ortsbild ein.
Die Dachgestaltung mit den vielen verschiedenen Elementen tritt innerhalb der Baugruppe
deutlich in Erscheinung. Jedes zusätzliche Element trägt dazu bei. Damit beeinträchtigt die
unruhige Dachgestaltung das ansonsten idyllisch anmutende Ortsbild und wirkt sich
negativ auf das Erscheinungsbild der Baugruppe aus. Das Bauvorhaben verletzt somit
nicht nur kommunale Ästhetikvorschriften sondern auch Art. 10b Abs. 1 BauG.
5. Ungleichbehandlung im Unrecht
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Gemeinde habe bei Vergleichsobjekten,
welche einen höheren Schutzgrad aufwiesen, Veränderungen der Dachlandschaft
zugelassen. Bei der J._strasse 53 habe sie die Vollverglasung der Ründe zwar
nicht bewilligt, aber sie habe auf die Wiederherstellung verzichtet. Zudem dulde sie
anscheinend, dass auf der Nordostfassade fünf Dachflächenfenster auf drei verschiedenen
Ebenen eingebaut worden seien. Beim Gebäude K._strasse 164 sei die
19 Bauinventar des Kantons Bern, Gemeinde Köniz, Baugruppe N._, Kurzbeschrieb, genehmigt am 26.9.2014. 20 Altes Bauinventar des Kantons Bern, Gemeinde Köniz, Baugruppe I._, Kurzbeschrieb, einsehbar bei der KDP 21 Vgl. Schreiben der KDP vom 3. Juni 2014, Revision des Bauinventars Köniz.
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Dachgestaltung im Einvernehmen mit der kantonalen Dankmalpflege bewilligt worden und
die Gemeinde habe auch hier bezüglich des zusätzlich eingebauten Dachflächenfensters
aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf die Wiederherstellung verzichtet und
angeordnet, dass diese bei der nächsten Dachsanierung zu erfolgen habe. Die
Dachgestaltung des Gebäudes L._strasse 92 sei von der Gemeinde am 18.
August 2000 anstandslos bewilligt worden. Am 11. Juli 2012 habe die Gemeinde zusätzlich
einen Aussenkamin für die Holzheizung bewilligt. Die Gemeinde wende ihre eigenen sowie
die kantonalen Schutzbestimmungen unterschiedlich an und verletze damit das Gebot
rechtsgleicher Behandlung sowie das Willkürverbot.
b) Das Gebot rechtsgleicher Behandlung nach Art. 8 Abs. 1 BV22 ist ein
verfassungsmässiges Recht. Die Rechtsgleichheit gebietet, Gleiches nach Massgabe
seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu
behandeln.23 Der Umstand, dass das Gesetz in anderen Fällen nicht oder nicht richtig
angewendet worden ist, gibt dem Bürger grundsätzlich keinen Anspruch darauf, ebenfalls
abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Der Grundsatz der Gesetzmässigkeit der
Verwaltung geht dem Rechtsgleichheitsprinzip, und damit dem Anspruch auf
Gleichbehandlung im Unrecht, in der Regel vor. Auf Gleichbehandlung im Unrecht besteht
ausnahmsweise ein Anspruch, wenn die Behörde nicht nur in einem oder einigen Fällen,
sondern in ständiger Praxis vom Gesetz abweicht und zu erkennen gibt, dass sie auch in
Zukunft nicht gesetzeskonform handeln werde. Selbst wenn diese Voraussetzungen erfüllt
sind, können öffentliche Interessen oder berechtigte Interessen Dritter an einer
gesetzmässigen Rechtsanwendung der Gleichbehandlung im Unrecht entgegenstehen.24
Bei einer erstmaligen gerichtlichen Überprüfung ist zudem davon auszugehen, dass die
Behörde eine rechtswidrige Praxis anpasst.25
c) Der Beschwerdeführerin ist beizupflichten, dass die Gemeinde Köniz in der
Vergangenheit bei der Bewilligung von Dachgestaltungen eine grosszügige Haltung
eingenommen hat. Ebenfalls korrekt ist, dass die Vergleichsobjekte als Baudenkmäler den
grösseren denkmalpflegerischen Schutz geniessen als das zu beurteilende Gebäude. Aus
22 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 23 Regina Kiener/Walter Kälin, Grundrechte, 2. Auflage, Bern 2013, S. 414. 24 BGer 1C_400/2014 vom 4.12.2014, E. 2.3. 25 BGer 1C_43/2015 vom 6.11.2015, E. 6.
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dem Schreiben vom 19. Juni 201326 geht hervor, dass die Gemeinde auch bei der
Dachgestaltung des Gebäudes der Beschwerdeführerin einen Kompromiss eingegangen
ist. Sie hat auch dort grosszügig verschiedene Dachbelichtungselemente bewilligt. Der
Vertreter der Gemeinde hat anlässlich des Augenscheines ausgeführt, es bleibe für ihn ein
Rätsel, dass die vier sich im südlichen Bereich der nordwestlichen Dachfläche befindenden
Dachflächenfenster bewilligt worden seien.27 Er schliesst sich auch dem Votum des
Vertreters der KDP an, wonach das Bauvorhaben an der K._strasse kaum unter
Einbezug der KDP erfolgt sei.28 Mit diesen Aussagen hat die Gemeinde zum Ausdruck
gebracht, dass sie in Zukunft ihren eigenen Ästhetikvorschriften aber auch dem
denkmalpflegerischen Schutz grösseres Gewicht beimessen will, als sie dies in der
Vergangenheit getan hat. Sie gibt zu erkennen, dass sie in Zukunft an ihrer bisherigen,
allenfalls gesetzeswidrigen, Praxis nicht festhalten will. Davon ist im Übrigen auch auf
Grund der nun erfolgten oberinstanzlichen Beurteilung auszugehen. Die
Beschwerdeführerin hat somit unabhängig davon, ob die Gemeinde in anderen Fällen
Dachgestaltungen bewilligt hat, welche weder mit dem Denkmalschutz noch mit den
Ästhetikvorschriften der Gemeinde vereinbar sind, keinen Anspruch auf Gleichbehandlung
im Unrecht. Auch diese Rüge erweist sich als unbegründet.
6. Wiederherstellung
a) Die Beschwerdeführerin ist der Meinung, die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes sei unverhältnismässig, da die von der Vorinstanz angestrebte ruhige
Dachgestaltung ohnehin nicht mehr erreicht werden könne. Eine Entfernung der strittigen
Dachflächenfenster entfalte hinsichtlich des Zweckes nicht die angestrebte Wirkung, sei
daher ungeeignet und somit unverhältnismässig.
b) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde dem jeweiligen Grundeigentümer
oder Baurechtsinhaber eine angemessene Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes unter Androhung der Ersatzvornahme (Art. 46 Abs. 1 und Abs. 2 BauG). Mit der
26 Vorakten pag. 94 27 Augenscheinprotokoll vom 26. Oktober 2015, S. 5, Votum W._. 28 Augenscheinprotokoll vom 26. Oktober 2015, S. 14, Votum G._ sowie S. 15, Votum W._.
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Wiederherstellungsverfügung wird die Beseitigung des widerrechtlich herbeigeführten
Sachverhaltes angeordnet. Nur wenn sich die Wiederherstellung als unverhältnismässig
erweist oder Gründe des Vertrauensschutzes entgegenstehen, kann ausnahmsweise
darauf verzichtet werden.29 Ein öffentliches Interesse an der Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes ist gross, da die konsequente Einhaltung der baurechtlichen
Bestimmungen im generellen Interesse der Allgemeinheit liegt. Hingegen fehlt es, wenn
das angestrebte Ziel mit der Wiederherstellung nicht erzielt werden kann.30
c) Die drei umstrittenen Dachflächenfenster bilden mit den sich darunter befindenden
Fenstern eine Doppelreihe und sie heben sich in ihrer Ausgestaltung von den anderen
Dachflächenfenstern ab; sie verschlechtern so das Erscheinungsbild des Dachs. Ihre
Entfernung beruhigt die Dachgestaltung. Auch wenn die bewilligten Dachflächenfenster
nicht auf einer Linie liegen, so steht doch die Vierergruppe auf der südwestlichen
Dachseite mit derjenigen auf der nordöstlichen Seite in beinahe spiegelbildlichem Einklang.
Die Dreiergruppe und die damit verbundene Doppelreihe hingegen wirken unpassend und
dementsprechend störend. Obwohl sich das Gebäude auch nach der Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustandes nicht optimal in die Umgebung einfügt, so führt diese doch
zu einer Verbesserung der ästhetischen Wirkung.
d) Der Ersatz der drei Dachflächenfenster mit Fenster, welche dieselbe Grösse und
dasselbe Material wie die übrigen Dachflächenfenster aufweisen, wäre zwar für die
Beschwerdeführerin eine mildere Massnahme. Diese ist hingegen weniger geeignet, als
die von der Vorinstanz angeordnete Entfernung, da die Doppelreihe von
Dachflächenfenstern bestehen bliebe. Der Rückbau der oberen drei Dachflächenfenster ist
somit auch erforderlich.
e) Der Augenschein hat gezeigt, dass die drei umstrittenen Dachflächenfenster in erster
Linie der Belichtung und Belüftung des "Raucherbalkons" dienen. Dabei handelt es sich um
einen abgeschlossenen Raum, welcher Teil der Galerie ist.31 Die Galerie und der
"Raucherbalkon" wurden ohne Baubewilligung erstellt. Der Rückbau der drei umstrittenen
Dachflächenfenster führt dazu, dass die Galerie und der "Raucherbalkon" weniger gut
belichtet sind. Sie erhalten aber immer noch Licht durch die übrigen Dachflächenfenster
29 BGE 136 II 359 E. 6. 30 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9a. 31 Vgl. Foto Nrn. 8 und 9 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 26. Oktober 2015.
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sowie die Fassadenfenster, die der Belichtung des bewilligten südwestlichen
Wohnbereichs dienen.
Gemäss Art. 3 Abs. 3 Bst. abis RPG32 sollen Massnahmen zur Verdichtung getroffen
werden. Dabei handelt es sich jedoch um einen Planungsgrundsatz, der im Bereich der
Gesetzgebung zu berücksichtigen ist. Ohne entsprechende Umsetzung entfaltet er für die
Bauherrschaft keine direkte Wirkung. Die Gemeinde Köniz hat für das hier fragliche Gebiet
eine Ausnützungsziffer von 0.6 festgelegt. Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 3
Abs. 3 Bst. abis RPG keinen Anspruch auf eine grössere Ausnützung. Der bewilligte Ausbau
nutzt gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin die zulässige Ausnützungsziffer mit
0.6 aus. Wenn die Galerie und der "Raucherbalkon" als Wohnraum zu qualifizieren und
damit an die anrechenbare Bruttogeschossfläche hinzuzurechnen wären, so würde die
Ausnützungsziffer überschritten. Die Galerie und der "Raucherbalkon" wären deshalb nur
bewilligungsfähig, wenn sie nicht als Wohnraum gelten. Als "Nicht-Wohnraum" muss die
Fläche auch nicht optimal belichtet sein. Das Interesse der Beschwerdeführerin an der
Belichtung und Belüftung der Galerie und des "Raucherbalkons" mit den drei umstrittenen
Dachflächenfenstern wiegt daher, wenn überhaupt, nur sehr leicht.
f) Die Beschwerdeführerin arbeitete ursprünglich gemeinsam mit der KDP eine
Dachgestaltung aus. Indem sie bei der Ausführung vom Bewilligten abwich und bei der
Selbstkontrolle deklarierte, das Bauvorhaben entspreche dem Bewilligten, hat sie im
baurechtlichen Sinn bösgläubig gehandelt. Sie hat daher in Kauf zu nehmen, dass die ihr
durch die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes erwachsenden Nachteile nicht
oder nur in geringem Mass berücksichtigt werden.33
g) Obwohl die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes nicht dazu führt, dass
das Gebäude den ästhetischen Anforderungen des Ortsbildschutzes vollumfänglich
genügt, verbessert sie doch das Erscheinungsbild der Dachgestaltung. Die öffentlichen
Interessen an dieser Verbesserung sowie an der Durchsetzung der baurechtlichen
Grundordnung überwiegen die privaten Interessen der Beschwerdeführerin an der
Beibehaltung des widerrechtlichen Zustandes. Der Ausbau der Dachflächenfenster ist der
Beschwerdeführerin zumutbar. Die angeordnete Wiederherstellung erweist sich somit
insgesamt als verhältnismässig.
32 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 33 Vgl. BGE 132 II 21 E. 6.4.
RA Nr. 120/2015/42 15
7. Verfahrenskosten
Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1
GebV34). Für den Augenschein vom 26. Oktober 2015 wird in Anwendung von Art. 20
Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 400.– erhoben. Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 1'400.–.
Dem Verfahrensausgang entsprechend werden die Verfahrenskosten der
Beschwerdeführerin auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Parteikosten werden keine
gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).