Decision ID: f1e101c5-a4e6-59bb-bc47-6bc136d5d5ea
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Bei der A.a_ S.L. (nachfolgend: Abgabepflichtige), handelt es
sich um eine Zweigniederlassung der A._ S.L. mit Sitz in [...]. Die
Abgabepflichtige hat Sitz in [Ort] [Kanton] und bezweckt namentlich den
internationalen Handel mit [...]. Seit dem [...] ist sie im Handelsregister und
seit dem [...] im Register der mehrwertsteuerpflichtigen Personen (UID-Nr.
[...]) eingetragen. Zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 31. Dezember
2017 erzielte sie unbestrittenermassen einen Umsatz von [über]
Fr. 1'000'000'000.--.
A.b Am 19. Januar 2019 stellte die Eidgenössische Steuerverwaltung
(nachfolgend: ESTV) der Abgabepflichtigen die Unternehmensabgabe für
Radio und Fernsehen für das Jahr 2019 in Rechnung. Diese belief sich
gestützt auf Art. 67b Abs. 2 der Radio- und Fernsehverordnung vom
9. März 2007 (RTVV; SR 784.401) auf Fr. 35'590.--.
A.c Mit Eingabe vom 5. April 2019 bestritt die Abgabepflichtige die Recht-
mässigkeit der Forderung der ESTV und verlangte eine anfechtbare Verfü-
gung. Diese erging am 8. Mai 2019, wobei die ESTV entschied, dass die
Abgabepflichtige für das Jahr 2019 eine Unternehmensabgabe für Radio
und Fernsehen in Höhe von Fr. 35'590.-- zzgl. Verzugszinsen schulde.
B.
B.a Mit Eingabe vom 6. Juni 2019 liess die A._ S.L. (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) gegen die Verfügung vom 8. Mai 2019 vor dem Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Beantragt wird – unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ESTV – die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung sowie die Rückerstattung der bereits bezahlten
Unternehmensabgabe für das Jahr 2019. Eventualiter sei die angefoch-
tene Verfügung aufzuheben und die Unternehmensabgabe für Radio und
Fernsehen für das Jahr 2019 basierend auf dem Jahresumsatz 2018 der
Beschwerdeführerin auf den Betrag von Fr. 910.-- zu reduzieren. Subeven-
tualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Ver-
anlagung der Unternehmensabgabe für Radio und Fernsehen basierend
auf dem Jahresumsatz 2018 der Beschwerdeführerin an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
B.b Mit Vernehmlassung vom 24. Juli 2019 schliesst die ESTV (nachfol-
gend: Vorinstanz) auf Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu
Lasten der Beschwerdeführerin.
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Auf die detaillierten Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die einge-
reichten Akten wird, soweit entscheidwesentlich, im Rahmen der folgenden
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche Ausnahme liegt hier nicht vor
und die Vorinstanz ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG. Das Bun-
desverwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts Anderes bestimmt (Art. 37 VGG; vgl.
auch Art. 70b Abs. 6 des Bundesgesetzes vom 24. März 2006 über Radio
und Fernsehen [RTVG; SR 784.40]).
1.3 Gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerde berechtigt, wer vor
der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit
zur Teilnahme erhalten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung oder Änderung hat (Bst. c). Die Beschwerdeführerin erfüllt diese
Voraussetzungen und ist damit zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Die
Beschwerde wurde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50
und 52 VwVG) und der Kostenvorschuss rechtzeitig bezahlt (Art. 63 Abs. 4
VwVG). Auf die Beschwerde ist nach dem Gesagten einzutreten.
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Einsprache-
entscheid in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann
neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der un-
richtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen
(Art. 49 Bst. c VwVG).
1.5
1.5.1 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung
von Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist verpflichtet, auf den
unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligen festgestellten Sachverhalt die
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richtigen Rechtsnormen und damit jenen Rechtssatz anzuwenden, den
es als den zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben,
von der es überzeugt ist (BGE 119 V 347 E. 1a; ANDRÉ MOSER/MICHAEL
BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2013, Rz. 1.54).
1.5.2 Nach den allgemeinen intertemporalen Regeln sind in verfahrens-
rechtlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend, welche im Zeit-
punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (vgl. BGE 130 V 1
E. 3.2); dies unter Vorbehalt spezialgesetzlicher Übergangsbestimmun-
gen. In materieller Hinsicht sind dagegen grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen füh-
renden Sachverhalts Geltung hatten (vgl. BGE 134 V 315 E. 1.2; zum Gan-
zen statt vieler: Urteil des BVGer A-3797/2019 vom 15. April 2020 E. 1.5.1).
Der vorliegend umstrittene Sachverhalt betrifft die Erhebung der Unterneh-
mensabgabe für Radio- und Fernsehen für das Jahr 2019 (Sachverhalt
Bst. A.b). Damit kommen das RTVG sowie die RTVV, in ihrer jeweiligen im
Jahr 2019 gültigen Fassung, zur Anwendung. Angesichts dessen sind die
per 1. Januar 2021 in Kraft tretenden Änderungen der RTVV für die Beur-
teilung des vorliegenden Sachverhalts nicht einschlägig.
1.6
1.6.1 Nach dem Grundsatz der Gesetzmässigkeit bedarf jedes staatliche
Handeln einer gesetzlichen Grundlage (Art. 5 Abs. 1 der Bundesverfas-
sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR
101]). Inhaltlich gebietet das Gesetzmässigkeits- bzw. Legalitätsprinzip,
dass staatliches Handeln insbesondere auf einem Rechtssatz (generell-
abstrakter Struktur) von genügender Normstufe und genügender Be-
stimmtheit (Normdichte) zu beruhen hat (statt vieler: Urteil des BVGer A-
2702/2018 vom 23. April 2019 E. 2.4.1 m.w.H.).
1.6.2 Im Abgaberecht kommt dem Legalitätsprinzip besondere Bedeutung
zu. Nach rechtsstaatlicher Überzeugung darf eine öffentliche Abgabe
grundsätzlich nur erhoben werden, wenn und soweit sie auf einer formell-
gesetzlichen Vorschrift beruht (vgl. Art. 164 Abs. 1 Bst. d BV i.V.m. Art. 5
Abs. 1 BV; ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizeri-
schen Steuerrechts, 7. Aufl. 2016, S. 15 m.w.H.). So wird denn auch in
Art. 127 Abs. 1 BV (Grundsätze der Besteuerung) festgehalten, dass die
Ausgestaltung der Steuern, namentlich der Kreis der Steuerpflichtigen, der
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Gegenstand der Steuer und deren Bemessung, in den Grundzügen im Ge-
setz selbst – d.h. in einem Gesetz im formellen Sinn – zu regeln ist. Dabei
sind – soweit es die Art der Steuer zulässt – insbesondere die Grundsätze
der Allgemeinheit und der Gleichmässigkeit der Besteuerung, sowie der
Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
zu beachten (Art. 127 Abs. 2 BV). Diese Vorgaben (namentlich von
Art. 127 Abs. 1 BV) gelten im Prinzip sowohl für Steuern als auch für Kau-
salabgaben (BGE 143 I 220 E. 5.1.2; zur Unterscheidung vgl. nachfolgend
E. 2.5.1 ff.). Rechtsprechungsgemäss sind die Vorgaben hinsichtlich der
formell-gesetzlichen Grundlage für die Bemessung der Abgaben bei gewis-
sen Arten von Kausalabgaben allerdings dort gelockert, wo das Mass der
Abgabe durch überprüfbare verfassungsrechtliche Prinzipien (Kostende-
ckungs- und Äquivalenzprinzip) begrenzt wird und nicht allein der Geset-
zesvorbehalt diese Schutzfunktion erfüllt (vgl. BGE 143 I 220 E. 5.1.2,
BGE 141 V 509 E. 7.1.1 und BGE 140 I 176 E. 5.2; Urteil des BGer
2C_1061/2015 vom 9. Januar 2017 E. 2.1.2; zum Ganzen: Urteile des
BVGer A-2025/2019 vom 24. April 2020 E. 1.6.1 und A-1378/2019 vom
5. Dezember 2019 E. 1.6.1; zur Unterscheidung zwischen Steuern und
Kausalabgaben vgl. nachfolgend E. 2.5.1 ff.). Der Umfang des Legalitäts-
prinzips ist je nach der Natur der Abgabe zu differenzieren. Das Prinzip darf
weder seines Gehalts entleert, noch andererseits in einer Weise über-
spannt werden, dass es mit der Rechtswirklichkeit und dem Erfordernis der
Praktikabilität in einen unlösbaren Widerspruch gerät (BGE 126 I 180
E. 2a/bb m.w.H.).
1.6.3 Werden Rechtsetzungskompetenzen des Gesetzgebers auf den Ver-
ordnungsgeber (auf Bundesebene an den Bundesrat) übertragen, spricht
man von Gesetzesdelegation. Der Gesetzgeber ermächtigt damit im (for-
mellen) Gesetz die Exekutive zum Erlass von (sog. unselbstständigen) Ver-
ordnungen (vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allge-
meines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 110 und Rz. 364). Die Geset-
zesdelegation gilt als zulässig, wenn sie nicht durch die Verfassung ausge-
schlossen ist, in einem Gesetz im formellen Sinn vorgesehen ist, sich auf
ein bestimmtes, genau umschriebenes Sachgebiet beschränkt und die
Grundzüge der delegierten Materie, d.h. die wichtigen Regelungen, im de-
legierenden Gesetz selbst enthalten sind (Art. 164 Abs. 2 BV; vgl.
BGE 144 II 376 E. 7.2, BGE 137 II 409 E. 6.4, BGE 128 I 113 E. 3c; Urteil
des BVGer A-2702/2018 vom 23. April 2019 E. 2.4.2 m.w.H.). Delegiert der
Gesetzgeber die Kompetenz der Festlegung einer Abgabe an eine nach-
geordnete Behörde, so muss er zumindest den Kreis der Abgabepflichti-
gen, den Gegenstand und die Bemessungsgrundlage selber festlegen
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(vgl. BGE 143 I 220 E. 5.1.1, BGE 131 II 271 E. 6.1; zum Ganzen: Urteile
des BVGer A-2025/2019 vom 24. April 2020 E. 1.6.2 und A-1378/2019 vom
5. Dezember 2019 E. 1.6.2). Das Erfordernis der Normstufe hängt eng mit
dem Erfordernis der Normdichte zusammen. Das Legalitätsprinzip kann
seine Funktion nur dann erfüllen, wenn das Gesetz das Wesentliche in ge-
nügender Bestimmtheit festlegt. Während die Begriffe des «Abgabepflich-
tigen» (Abgabesubjekt) sowie des «Gegenstands» (Abgabeobjekt) an sich
klar sind, lässt die Umschreibung der «Bemessungsgrundlage» Interpreta-
tionsspielraum offen. Bemessungsgrundlage heisst grundsätzlich Defini-
tion der Höhe der Abgabe in den Grundzügen und bedeutet in der Regel,
dass formell-gesetzlich entweder der Abgaberahmen, ein an bestimmbare
Grössen anknüpfender Berechnungsmodus oder Bemessungskriterien
umschrieben sind (RENÉ WIEDERKEHR, Das Legalitätsprinzip im Kausalab-
gaberecht, recht 2018 S. 40 ff., 46 m.w.H.).
1.6.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann eine Verordnungsbestimmung
des Bundesrates auf Beschwerde hin vorfrageweise auf ihre Gesetz-
und Verfassungsmässigkeit prüfen (sog. konkrete bzw. akzessorische Nor-
menkontrolle). Bei unselbstständigen Verordnungen, prüft das Bundesver-
waltungsgericht, ob sich der Bundesrat an die Grenzen der ihm im Gesetz
eingeräumten Befugnis gehalten hat (vgl. BVGE 2010/33 E. 3.1.1; MOSER/
BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.177 ff.). Erweist sich die Verordnung
als gesetzmässig und ermächtigt das Gesetz den Bundesrat nicht, von der
Verfassung abzuweichen, ist auch die Verfassungsmässigkeit zu prüfen
(BGE 143 II 87 E. 4.4, BGE 141 II 169 E. 3.4; Urteil des BVGer A-988/2019
vom 7. November 2019 E. 2.4.4; vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O.,
Rz. 370). Wird dem Bundesrat durch die gesetzliche Delegation ein sehr
weiter Bereich des Ermessens für die Regelung auf Verordnungsstufe ein-
geräumt, so ist dieser Spielraum nach Art. 190 BV (vgl. dazu nachfolgend
E. 1.6.5) für das Bundesverwaltungsgericht verbindlich. Es darf in diesem
Fall bei der Überprüfung der Verordnung nicht sein eigenes Ermessen an
die Stelle desjenigen des Bundesrates setzen, sondern hat seine Prüfung
darauf zu beschränken, ob die Verordnung den Rahmen der dem Bundes-
rat im Gesetz delegierten Kompetenz offensichtlich sprengt oder aus an-
dern Gründen gesetzes- oder verfassungswidrig ist (statt vieler: BGE 131
II 562 E. 3.2; BVGE 2010/33 E. 3.1.1; Urteil des BVGer A-3454/2010 vom
19. August 2011 E. 1.5.2; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 370). Im
Rahmen einer solchen Kontrolle kann das Gericht namentlich prüfen, ob
sich eine Bestimmung einer unselbständigen Bundesratsverordnung auf
ernsthafte Gründe stützt oder Art. 9 BV (Willkürverbot) widerspricht, weil
sie sinn- oder zwecklos ist, rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein
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vernünftiger Grund in den tatsächlichen Verhältnissen fehlt, oder Unter-
scheidungen unterlässt, die richtigerweise hätten getroffen werden sollen.
Für die Zweckmässigkeit der angeordneten Massnahme trägt der Bundes-
rat die Verantwortung; es ist nicht Aufgabe des Bundesverwaltungsge-
richts, sich zu deren wirtschaftlicher oder politischer Sachgerechtigkeit zu
äussern (BGE 137 III 217 E. 2.3 m.w.H.; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,
a.a.O., Rz. 2.178; zum Ganzen: Urteile des BVGer A-2025/2019 vom
24. April 2020 E. 1.6.3 und A-1378/2019 vom 5. Dezember 2019 E. 1.6.3).
1.6.5 Gemäss Art. 190 BV sind Bundesgesetze und Völkerrecht für die
rechtsanwendenden Behörden, und damit auch das Bundesverwaltungs-
gericht, massgebend. Damit kann Bundesgesetzen weder im Rahmen der
abstrakten noch der konkreten Normenkontrolle die Anwendung versagt
werden. Zwar handelt es sich dabei rechtsprechungsgemäss um ein An-
wendungsgebot und kein Prüfungsverbot und es kann sich rechtfertigen,
vorfrageweise die Verfassungsmässigkeit eines Bundesgesetzes zu prü-
fen. Wird eine Verfassungswidrigkeit festgestellt, muss das Gesetz den-
noch angewandt werden, und das Bundesgericht kann lediglich den Ge-
setzgeber einladen, die fragliche Bestimmung zu ändern (BGE 146 II 56
E. 6.2.2, 144 I 340 E. 3.2, 139 I 180 E. 2.2, 136 II 120 E. 3.5, je m.H.; zum
Ganzen: Urteil des BVGer A-1078/2019 vom 7. Juli 2020 E. 2.3).
2.
2.1 Gemäss Bundesverfassung haben Radio und Fernsehen zur Bildung
und kulturellen Entfaltung, zur freien Meinungsbildung sowie zur Unterhal-
tung beizutragen. Sie berücksichtigen die Besonderheiten des Landes und
die Bedürfnisse der Kantone. Sie stellen die Ereignisse sachgerecht dar
und bringen die Vielfalt der Ansichten angemessen zum Ausdruck (Art. 93
Abs. 2 BV). Die Unabhängigkeit von Radio und Fernsehen sowie die Auto-
nomie in der Programmgestaltung sind gewährleistet (Art. 93 Abs. 3 BV).
Entsprechend wird in Art. 93 Abs. 1 BV die Gesetzgebung über Radio und
Fernsehen sowie über andere Formen der öffentlichen fernmeldetechni-
schen Verbreitung von Darbietungen und Informationen zur Sache des
Bundes erklärt. Art. 93 BV räumt dem Bund nicht nur eine umfassende Ge-
setzgebungskompetenz ein, sondern verpflichtet ihn gleichsam dazu, für
die Erfüllung des verfassungsmässigen Leistungsauftrags zu sorgen
und dessen Finanzierung zu gewährleisten (vgl. Botschaft vom 29. Mai
2013 zur Änderung des Bundesgesetzes vom 24. März 2006 über Radio
und Fernsehen [nachfolgend: Botschaft vom 29. Mai 2013]; BBl 2013
4975 5040 f. mit Verweis auf: GEORG MÜLLER/PETER LOCHER, Gutachten
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zur Neuordnung der Rundfunkfinanzierung in der Schweiz aus verfas-
sungsrechtlicher Sicht, 13. November 2009 [nachfolgend: Rechtsgutach-
ten MÜLLER/LOCHER], S. 20, letztmals abgerufen unter: www.bakom.ad-
min.ch am 2. Dezember 2020; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O.,
Rz. 2874; zum Ganzen: Urteile des BVGer A-2025/2019 vom 24. April 2020
E. 2.1 und A-1378/2019 vom 5. Dezember 2019 E. 2.1).
2.2
2.2.1 In seiner Botschaft vom 29. Mai 2013 schlug der Bundesrat ein
neues, geräteunabhängiges Abgabesystem zur Finanzierung des Service
public in Radio und Fernsehen vor (BBl 2013 4975 4996 f. 5039 5047).
Er kam damit dem parlamentarischen Auftrag nach, eine Vorlage auszuar-
beiten, welche eine Abkehr vom vormals geltenden – an ein Radio- oder
Fernsehgerät gebundenen – Gebührensystem ermöglichen sollte. Die Not-
wendigkeit eines solchen Systemwechsels wurde namentlich darin er-
kannt, dass heute – dank Mobiltelefon, Tablet und Computer – Radio und
Fernsehen auch ohne ein klassisches Radio- oder Fernsehgerät empfan-
gen werden kann und sich in praktisch jedem Haushalt (und Unternehmen)
ein solches, empfangsfähiges Gerät befindet (vgl. Urteile des BVGer
A-2025/2019 vom 24. April 2020 E. 2.2.1 und A-1378/2019 vom 5. Dezem-
ber 2019 E. 2.2.1).
2.2.2 Betreffend die Unternehmensabgabe für Radio und Fernsehen
wurde in der Botschaft festgehalten, dass die Abgabe am jährlichen Ge-
samtumsatz anknüpfen solle, welcher von der ESTV im Rahmen der Mehr-
wertsteuer erhoben wird. Kleine Betriebe unterhalb eines bestimmten Um-
satzes sollten von der Abgabe ausgenommen werden. Den Grenzwert für
die Abgabepflicht werde der Bundesrat in der Radio- und Fernsehverord-
nung voraussichtlich auf einer Umsatzhöhe von Fr. 500'000.-- festlegen,
womit weniger als 30% aller Unternehmen der Radio- und Fernsehabgabe
unterliegen würden (BBl 2013 4975 4976 4987 4995). Der beabsichtigte
Grenzwert von Fr. 500'000.-- entspreche dem Grenzwert für die Buchfüh-
rungspflicht nach neuem Rechnungslegungsrecht (vgl. dazu Art. 957
Abs. 1 Ziff. 1 OR). Der Bundesrat legte dar, damit auch dem Anliegen einer
Motion Rechnung zu tragen, welche dafür plädierte «kleine Gewerbe-, Fab-
rikations-, Dienstleistungs- und Landwirtschaftsbetriebe» von der Abgabe-
pflicht zu befreien. Insbesondere solle aber mit der gewählten Befreiungs-
grenze verhindert werden, dass bei kleinen Betrieben, die oft im Rahmen
eines familiären Haushalts wirtschaften, eine unzumutbare Doppelbelas-
tung entsteht (BBl 2013 4976 4987; vgl. zum Ganzen: Urteile des BVGer
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Seite 9
A-1078/2019 vom 7. Juli 2020 E. 2.2 und A-2025/2019 vom 24. April 2020
E. 2.2.2).
2.2.3 Das Schweizer Stimmvolk nahm die Revision des RTVG am 14. Juni
2015 an und seit dem 1. Januar 2019 wird die neue geräteunabhängige
Abgabe für Radio und Fernsehen bei Haushalten und Unternehmen erho-
ben (vgl. Art. 109b Abs. 1 RTVG sowie Art. 86 Abs. 1 RTVV; HÄFELIN/
MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 2875).
2.3
2.3.1 Gemäss Art. 68 Abs. 1 RTVG erhebt der Bund eine Abgabe zur Fi-
nanzierung der Erfüllung des verfassungsrechtlichen Leistungsauftrags
von Radio und Fernsehen (vgl. vorangehend E. 2.1). Die (Gesamt-)Höhe
der Abgabe wird also ohne Weiteres dadurch begrenzt, dass der Gesamt-
ertrag nicht höher sein darf als die Kosten, welche den Veranstaltern
von Radio- und Fernsehprogrammen entstehen, um ihren Leistungsauf-
trag zu erfüllen (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 2875; vgl. auch
Art. 68a Abs. 1 Bst. a - g RTVG; Urteile des BVGer A-2025/2019 vom
24. April 2020 E. 2.3.1, A-1378/2019 vom 5. Dezember 2019 E. 2.3.1).
2.3.2 Die Abgabe wird pro Haushalt und pro Unternehmen erhoben (Art. 68
Abs. 2 RTVG). Gemäss Art. 68a Abs. 1 RTVG ist die Bestimmung der ge-
nauen Höhe der Abgabe für Haushalte und für Unternehmen dem Bundes-
rat übertragen, wobei in dieser Gesetzesbestimmung festgehalten wird,
welcher Bedarf für die Höhe der Abgabe massgebend ist (vgl. Art. 68a
Abs. 1 Bst. a - g RTVG). Der Gesetzgeber hat bewusst darauf verzichtet,
die konkrete Höhe der Unternehmensabgabe auf Gesetzesstufe festzule-
gen. Damit sollte verhindert werden, dass das Parlament allenfalls durch
Verknappung der Mittel indirekt auf die Programmgestaltung Einfluss neh-
men könnte, womit die in Art. 93 Abs. 3 BV gewährleistete Unabhängigkeit
von Radio und Fernsehen gefährdet würde (vgl. BBl 2013 4976 4995;
vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 2875). Dass der Bundesrat und
nicht das Parlament die Höhe der Abgabe festlegen soll, hat das Parlament
im Dezember 2010 bestätigt, indem es einer parlamentarischen Initiative
keine Folge leistete, welche diese Kompetenz der Bundesversammlung
zuweisen wollte (Parlamentarische Initiative N. Rickli «Kompetenz für Ra-
dio- und Fernsehgebühren beim Parlament» [09.411] vom 19. März 2009
[AB 2010 S 1347; BBl 2013 4976 4998 f.]; zum Ganzen: Urteile des BVGer
A-2025/2019 vom 24. April 2020 E. 2.3.1 und A-1378/2019 vom 5. Dezem-
ber 2019 E. 2.3.1).
A-2856/2019
Seite 10
2.4
2.4.1 Gemäss Art. 70 Abs. 2 RTVG gilt als Unternehmen, wer bei der ESTV
im Register der mehrwertsteuerpflichtigen Personen eingetragen ist. In die-
ses Register eingetragen sind jeweils auch die inländischen Betriebsstät-
ten von Unternehmen mit Sitz im Ausland, wobei jeweils alle diese Be-
triebsstätten zusammen als einziges selbstständiges Steuersubjekt gelten
(vgl. Art. 7 der Mehrwertsteuerverordnung vom 27. November 2009
(MWSTV; SR 641.201). Gemäss Art. 5 Abs. 1 MWSTV gilt als Betriebs-
stätte eine feste Geschäftseinrichtung, durch welche die Tätigkeit eines
Unternehmens ganz oder Teilweise ausgeübt wird. Als Betriebsstätten gel-
ten namentlich auch Zweigniederlassungen (Art. 5 Abs. 2 Bst. a MWSTV).
2.4.2 Nach Art. 70 Abs. 1 RTVG ist ein Unternehmen abgabepflichtig, wenn
es den vom Bundesrat festgelegten Mindestumsatz in der im vorangegan-
genen Kalenderjahr abgeschlossenen Steuerperiode nach Art. 34 des
Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (MWSTG;
SR 641.20) erreicht hat. Hinsichtlich des Bemessungszeitraums wird in
Art. 109b Abs. 5 RTVG zudem vorgesehen, dass der Bundesrat für die
erste Erhebungsperiode der Unternehmensabgabe einen von Art. 70
Abs. 1 RTVG abweichenden Bemessungszeitraum festlegen kann. Ge-
stützt darauf wurde in Art. 93 Abs. 1 RTVV bestimmt, dass, sollte der Sys-
temwechsel in die erste Hälfte eines Kalenderjahrs fallen (was schliesslich
effektiv der Fall war [vgl. E. 2.2.3]), die Einstufung in die Tarifstufen gestützt
auf den Gesamtumsatz der im Vorvorjahr beendeten Steuerperiode der
Mehrwertsteuer erfolge (vgl. Botschaft vom 29. Mai 2013, BBl 4975 5013).
2.4.3 Unter «Umsatz» im Sinne von Art. 70 Abs. 1 RTVG wird der von ei-
nem Unternehmen erzielte, gemäss Mehrwertsteuergesetz zu deklarie-
rende Gesamtumsatz ohne Mehrwertsteuer, unabhängig von seiner mehr-
wertsteuerlichen Qualifikation, verstanden (Art. 70 Abs. 3 RTVG). Gemäss
Art. 70 Abs. 4 RTVG hat der Bundesrat den Mindestumsatz so festzulegen,
dass kleine Unternehmen von der Abgabe befreit sind. Die Höhe der Ab-
gabe richtet sich nach dem Umsatz, wobei der Bundesrat mehrere Um-
satzstufen mit je einem Tarif pro Stufe festlegt (Tarifkategorien; Art. 70
Abs. 5 RTVG).
Als Bemessungsgrundlage für die Unternehmensabgabe für Radio und
Fernsehen wurden ursprünglich neben dem Umsatz auch weitere Möglich-
keiten in Betracht gezogen, letztlich jedoch verworfen. Geprüft wurde ge-
mäss Botschaft etwa die Anknüpfung an die Lohnsumme oder an die An-
zahl Angestellter eines Unternehmens. Beide Werte würden jährlich im
A-2856/2019
Seite 11
Rahmen der AHV erhoben. Zum einen würde sich aber die Dezentralisie-
rung der Datenbasis nachteilig auf die Effizienz des Systems auswirken,
denn die Angaben müssten von den über 100 AHV-IV-Ausgleichskassen
bezogen werden. Zum anderen hätte das Kriterium der Lohnsumme die
unerwünschte Folge, dass die Arbeitskosten stärker belastet würden. Die
Zahl der Angestellten als Kriterium führe sodann zu Verzerrungen, da die
AHV-Statistik nicht zwischen temporärem bzw. teilzeitlichem Arbeitseinsatz
und Vollzeitarbeit unterscheide. Dies würde bestimmte Branchen mit einem
grossen Anteil von temporär Angestellten wie das Gastgewerbe und die
Landwirtschaft benachteiligen (vgl. BBl 2013 4975 4991; zum Ganzen: Ur-
teile des BVGer A-1078/2019 vom 7. Juli 2020 E. 3.3.4.2 und A-1378/2019
vom 5. Dezember 2019 E. 2.3.2).
2.4.4 Gestützt auf Art. 70 Abs. 4 und 5 RTVG bestimmte der Bundesrat in
Art. 67b Abs. 1 RTVV, dass kleine Unternehmen mit einem Umsatz von
weniger als Fr. 500'000.-- von der Abgabepflicht ausgenommen sind und
gemäss Art. 67b Abs. 2 RTVV beträgt die jährliche Abgabe eines Unterneh-
mens pro Jahr:
Umsatz in Fr. Abgabe in Fr. in % des Umsatzes
Stufe 1 500'000 bis 999'999 365 0.07 bis 0.04
Stufe 2 1'000'000 bis 4'999'999 910 0.09 bis 0.02
Stufe 3 5'000'000 bis 19'999'999 2'280 0.05 bis 0.01
Stufe 4 20'000'000 bis 99'999'999 5'750 0.03 bis 0.006
Stufe 5 100'000'000 bis 999'999'999 14'240 0.01 bis 0.0014
Stufe 6 1'000'000'000 und mehr 35'590 0.0036
Um die kleinen Unternehmen so weit wie möglich zu entlasten, wurde für
solche mit einem Umsatz, welcher in die tiefste Tarifkategorie nach Art. 67b
RTVV fällt, in Art. 67f RTVV ein Korrektiv über den Gewinn geschaffen: Die
Abgabe wird auf Gesuch hin zurückerstattet, sofern das betreffende Unter-
nehmen im Geschäftsjahr, für welches die Abgabe erhoben wurde, einen
Gewinn erzielt hat, der weniger als das Zehnfache der Abgabe beträgt
(Bst. a) oder einen Verlust ausgewiesen hat (Bst. b).
2.5 Öffentliche Abgaben werden grob in Steuern, Kausalabgaben und Len-
kungsabgaben unterteilt (BGE 135 I 130 E. 2; Urteile des BGer 2C_24/
2012 vom 12. April 2012 E. 4.1 und 2C_579/2009 vom 25. Juni 2010 E. 3;
BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 2).
A-2856/2019
Seite 12
2.5.1 Eine Steuer ist eine Geldleistung, die der Staat oder ein von ihm dazu
ermächtigtes Gemeinwesen kraft seiner Gebietshoheit von den dieser un-
terworfenen Individuen zur Deckung seines Finanzbedarfs erhebt (BLU-
MENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 6). Steuern sind voraussetzungslos bzw.
nach neuerer Terminologie «gegenleistungslos» geschuldet, d.h. unabhän-
gig vom konkreten Nutzen oder Verursacheranteil der steuerpflichtigen
Person. Mit anderen Worten erfolgt keine individuell zurechenbare Gegen-
leistung durch den Staat (BGE 140 I 176 E. 5.2; Urteile des BGer
2C_604/2017 vom 10. Januar 2018 E. 3.2.1, 2C_1074/2016 vom 20. Juni
2017 E. 4.1, 2C_519/2016 vom 4. September 2017 E. 3.5.4 m.H.).
2.5.2 Demgegenüber sind Kausalabgaben als Entgelt (Äquivalent) für eine
bestimmte staatliche Gegenleistung oder besondere Vorteile zu entrichten
(BGE 143 I 220 E. 4.2, 140 I 176 E. 5.2, 135 I 130 E. 2; Urteil des BVGer
A-1378/2019 vom 5. Dezember 2019 E. 2.4).
2.5.3 Diese Abgrenzung ist insofern relevant, als eine Steuer anderen Re-
geln zu folgen hat als eine Kausalabgabe (vgl. für eine kurze Übersicht:
RENÉ WIEDERKEHR, Sonderabgaben, recht, 2017, S. 43 ff., S. 45 f., s.a.
etwa MICHAEL BEUSCH, in: Häner/Waldmann (Hrsg.), Kausalabgaben,
2015, S. 43 f.). Zur Erhebung einer Steuer durch den Bund ist eine Befug-
nis in der Bundesverfassung erforderlich (vgl. Art. 3 BV; statt vieler:
BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 8, ausführlich auch zu neueren Tenden-
zen: MARTIN KOCHER, Die bundesgerichtliche Kontrolle von Steuernormen,
2018, S. 499 ff. und HETTICH/WETTSTEIN, Rechtsfragen um Kostenanlas-
tungssteuern, ASA 78 S. 537 ff., S. 551 ff.). Die Unterscheidung ist des
Weiteren im Hinblick auf die Anforderungen an die gesetzliche Grundlage
von Bedeutung (vgl. BGE 140 I 176 E. 5.2). So gelten für Steuern die in
Art. 127 Abs. 1 BV verankerten Grundsätze betreffend die gesetzliche
Grundlage streng, bei den Kausalabgaben sind sie – wie in Erwägung 1.6.2
ausgeführt – gelockert, sofern das Mass der Abgabe durch das Kostende-
ckungs- und das Äquivalenzprinzip begrenzt wird. Des Weiteren gelten für
die Steuern die Grundsätze von Art. 127 Abs. 2 BV (vgl. E. 1.6.2), nicht
aber das Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip, welche auf Kausal-
abgaben anwendbar sind.
2.5.4 Die Radio- und Fernsehgebühren wurden früher als Regalabgabe
gesehen (BGE 121 II 183 E. 3a und 3b; BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 4
[Fn. 8]). Von dieser Qualifikation ist das Bundesgericht jedoch abgekom-
men (vgl. BGE 141 II 182 E. 6.4 ff.). Es kam zum Schluss, dass die Emp-
fangsgebühr für Radio und Fernsehen weder als Regalabgabe noch als
A-2856/2019
Seite 13
Gegenleistung für eine andere vom Bund erbrachte Dienstleistung betrach-
tet werden könne. Vielmehr sei es eine vom Bund hoheitlich erhobene
Abgabe, welche dazu diene, gebührenfinanzierte Veranstalter, namentlich
die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, zu unterstützen.
Damit sei sie eher als eine «Zwecksteuer» oder «Abgabe sui generis» (Ab-
gabe eigener Art) zu qualifizieren. Weiter schreibt das Bundesgericht in
diesem Urteil, die Abgabe sei in etwa vergleichbar mit einer Kurtaxe (vgl.
BGE 141 II 182 E. 6.7). Nach feststehender Rechtsprechung gilt die Kur-
taxe als sog. «Kostenanlastungssteuer» (vgl. dazu nachfolgend E. 2.5.5),
und damit als (Zweck-)Steuer (vgl. Urteile des BGer 2C_947/2019 vom
13. Februar 2020 E. 3.3 f., 2C_519/2016 vom 4. September 2017 E. 3.5.3,
2C_150/2015 vom 9. Juni 2015 E. 3.3.2, BGE 124 I 289 E. 3b; s.a.
KOCHER, a.a.O. S. 505 f. m.H.). In einem anderen Urteil (nach wie vor zur
altrechtlichen RTVG-Abgabe) hat das Bundesgericht festgehalten, dass
diese «eher eine Zwecksteuer als eine Kausalabgabe darstellt» (Urteil des
BGer 2C_238/2019 vom 14. März 2019 E. 3.3, unter Hinweis auf BGE 141
II 182 E. 6.7).
2.5.5 Unter den Begriff der Kostenanlastungssteuern fallen Sondersteuern,
die einer bestimmten Gruppe von Personen auferlegt werden, weil diese
zu bestimmten Aufwendungen des Gemeinwesens in einer näheren Bezie-
hung stehen als die übrigen Steuerpflichtigen (BGE 143 II 283 E. 2.3.2,
131 II 271 E. 5.3; Urteil des BGer 2C_794/2015 vom 22. Februar 2016
E. 3.2.3; allgemein zu dieser Abgabenart: KOCHER, a.a.O., S. 505 ff.;
WIEDERKEHR, a.a.O., S. 50 ff.; HETTICH/WETTSTEIN, a.a.O., S. 547 f.).
In einem weiteren Urteil hat das Bundesgericht erklärt, Kostenanlastungs-
steuern würden, im Gegensatz zu den reinen Finanzsteuern, nicht völlig
ausserhalb eines gewissen – wenn auch nur ansatzweisen – Leistungs-
austausches stehen. Sie fänden ihre Legitimation darin, dass die betreffen-
den Aufwendungen des Gemeinwesens dem abgabepflichtig erklärten Per-
sonenkreis eher anzulasten seien als der Allgemeinheit (sog. einfache
Gruppenäquivalenz), sei es aufgrund der «abstrakten Nutzernähe», d.h.
weil diese Gruppe von den Leistungen generell stärker profitiert als andere,
sei es aufgrund der «abstrakten Kostennähe», d.h. weil sie als hauptsäch-
liche Verursacherin dieser Aufwendungen erscheint (vgl. Urteil des BGer
2C_519/2016 vom 4. September 2017 E. 3.5.4). Dennoch reicht auch die-
ser «ansatzweise Leistungsaustausch» nach der Rechtsprechung nicht
aus, um von einer Kausalabgabe auszugehen. Auch die Kostenanlas-
tungssteuer ist eine Steuer und hat den entsprechenden Grundsätzen zu
folgen (vgl. etwa BGE 124 I 289 E. 3b).
A-2856/2019
Seite 14
2.5.6 Was nun die seit dem Jahr 2019 erhobene neue RTVG-Abgabe an-
belangt, so besteht bezüglich der Rechtsnatur Uneinigkeit.
In der Botschaft vom 29. Mai 2013 (BBl 2013 5041) wurde festgehalten,
dass die juristische Einordnung der vorgesehenen Abgabe in die herkömm-
lichen Abgabekategorien Schwierigkeiten bereite, wobei auf das Rechts-
gutachten MÜLLER/LOCHER Bezug genommen wurde, in welchem von einer
«Kostenanlastungsabgabe» gesprochen wird, die weder eine «klassische»
Steuer noch eine reine Kausalabgabe darstelle, sondern Merkmale bei-
der Abgabearten aufweise (a.a.O., S. 20, sowie S. 17). Diese Qualifikation
wurde von HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN (a.a.O., Rz. 2874) sowie von
BLUMENSTEIN/LOCHER (a.a.O., S. 4, Fn. 8) übernommen.
Nach anderer Auffassung handelt es sich um eine Steuer, mehrheitlich
wird von einer «Zwecksteuer» gesprochen (WIEDERKEHR, a.a.O., S. 57 f.;
KOCHER, a.a.O., S. 508 f. m.w.H.; HETTICH/WETTSTEIN, a.a.O., S. 541).
Diese Autoren gehen somit – anders als die vorstehend zitierten Meinun-
gen – nicht von einer Mischform zwischen Steuer und Kausalabgabe aus,
sondern von einer (reinen) Steuer, welche allein den für Steuern geltenden
Grundsätzen unterliegt (ebenso zumindest im Ergebnis PETER KARLEN,
Zum Erfinden neuer öffentlicher Abgaben, ZBl 2014, S. 1 f.).
In seinem Urteil A-1378/2019 vom 5. Dezember 2019 hat das Bundesver-
waltungsgericht von einer definitiven Qualifikation der neuen RTVG-Ab-
gabe abgesehen. In Erwägung 2.4 wurde im Wesentlichen auf die Bot-
schaft sowie das Rechtsgutachten MÜLLER/LOCHER verwiesen, in der Sub-
sumption konnte die Frage aber offengelassen werden, da sie für die zu
beantwortenden Rechtsfragen nicht entschieden werden musste. Festge-
halten wurde, dass keine «reine Kausalabgabe» vorliege (E. 2.4,
E. 3.4.1.2 des genannten Urteils) und es wurden die primär auf Steuern
zugeschnittenen Grundsätze von Art. 127 Abs. 2 BV als anwendbar be-
zeichnet (E. 3.4.2.1 f. des genannten Urteils).
2.5.7 Aufgrund der im vorliegenden Fall aufgeworfenen Rechtsfragen und
namentlich der Rüge der Verletzung des Legalitätsprinzips (vgl. E. 1.6.1 f.),
ist die Rechtsnatur der Unternehmensabgabe für Radio und Fernsehen
von entscheidender Bedeutung (E. 2.5.3) und im Folgenden zu klären.
Die Unternehmensabgabe für Radio und Fernsehen ist voraussetzungslos
und gegenleistungslos geschuldet. Jedes mehrwertsteuerpflichtige Unter-
nehmen (welches überdies einen bestimmten Mindestumsatz erzielt, vgl.
A-2856/2019
Seite 15
E. 2.4.2 ff.) hat die Abgabe zu entrichten, unabhängig davon, ob es ein
Empfangsgerät besitzt oder nicht und unabhängig davon, ob es ein Radio-
oder Fernsehprogramm bezogen hat oder nicht. Die Abgabe ist damit so-
wohl «geräteunabhängig» als auch «konsumunabhängig» (vgl. vorange-
hend E. 2.2.1; Botschaft, BBl 2013 4975 4983 f.; Urteil A-1378/2019 vom
5. Dezember 2019 E. 2.2.1, 3.4.1.2; vgl. auch KOCHER, a.a.O., S. 508 f.,
Rz. 1355; WIEDERKEHR, a.a.O., S. 57 f.). Bereits im Urteil A-1378/2019 vom
5. Dezember 2019 wurde festgehalten, dass die Abgabe gerade nicht (nur)
eine Abgeltung für den effektiven Konsum des Radio- und Fernsehpro-
gramms darstellt – weshalb sie sich auch nicht als reine Kausalabgabe
präsentiere (E. 3.4.1.2 des Urteils). Diese Auffassung entspricht im Übri-
gen auch den vorangehend in Erwägung 2.5.4 erwähnten Urteilen des
Bundesgerichts 2C_238/2019 vom 14. März 2019 und BGE 141 II 182. In
Letzterem hat das Bundesgericht bereits für die alte RTVG-Abgabe (die
nur für natürliche Personen anwendbar war) festgehalten, dass die Abgabe
keine Gegenleistung für eine vom Bund erbrachte Dienstleistung darstelle
(E. 6.7). Für die hier in Frage stehende neue Unternehmensabgabe, wel-
che noch mehr vom Vorhandensein von Geräten und vom Bezug von Pro-
grammen unabhängig gemacht wurde, muss dies umso mehr gelten. Das
Bundesverwaltungsgericht schliesst sich nach dem Gesagten der Lehrmei-
nung an, welche bei der Unternehmensabgabe für Radio und Fernsehen
von einer Steuer ausgeht (vgl. vorangehend E. 2.5.6 f.).
Im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1378/2019 vom 5. Dezember
2019 wurde des Weiteren ausgeführt, mit dieser Abgabe werde das verfas-
sungsmässig garantierte Gut einer unabhängigen und qualitativ hochste-
henden Informationsversorgung via Radio und Fernsehen finanziert. Von
einem funktionierenden und unabhängigen Rundfunksystem und der dar-
aus resultierenden Staats- und Wirtschaftsstabilität profitierten auch die ju-
ristischen Personen und namentlich auch Unternehmen, welche gemäss
eigenen Angaben nie ein schweizerisches Programm konsumieren
(E. 3.4.1.2 des genannten Urteils). Dieser abstrakte Nutzen kann jedoch
nicht als konkrete und individuell zurechenbare Gegenleistung oder als in-
dividuell zurechenbarer Vorteil (im Sinn einer Kausalabgabe, E. 2.5.2) be-
zeichnet werden. Dies gilt ebenso für die im Rechtsgutachten MÜLLER/
LOCHER (a.a.O. S. 13 f.) genannte blosse Möglichkeit des Empfangs von
Programmen. Das Bestehen eines solchen bloss abstrakten Nutzens bei
einem Abgabepflichtigen könnte allenfalls (bei Erfüllen der weiteren Merk-
male) zur Qualifikation als Kostenanlastungssteuer (vgl. dazu E. 2.5.5) füh-
ren. Bei der Unternehmensabgabe für Radio und Fernsehen ist aber frag-
lich, ob diejenigen Subjekte als abgabepflichtig erklärt wurden, die in einer
A-2856/2019
Seite 16
näheren Beziehung zu den Aufwendungen stehen als die Allgemeinheit
(ebenso: WIEDERKEHR, a.a.O., S. 57 f.). Ob eine Kostenanlastungssteuer
vorliegt, muss aber hier nicht entschieden werden, denn auch diese quali-
fiziert nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung als Steuer (und nicht
als Mischform) und untersteht den entsprechenden Regeln (vgl. dazu
E. 2.5.3).
2.5.8 Zusammenfassend begründen nicht einem Individuum zurechenbare
Leistungen oder Vorteile die vorliegende Unternehmensabgabepflicht, son-
dern allein die Gebietsunterworfenheit, sind doch grundsätzlich alle Unter-
nehmen in der Schweiz (ab einem bestimmten Mindestumsatz) steuer-
pflichtig, wobei aus Praktikabilitätsgründen auf die Mehrwertsteuerpflicht in
der Schweiz abgestellt wird (E. 2.4). Damit handelt es sich nicht um eine
Kausalabgabe, sondern vielmehr um eine Steuer und die für Steuern gel-
tenden Grundsätze sind zu beachten (vgl. vorangehend E. 2.5.3).
3.
3.1 Im vorliegenden Verfahren ist zu prüfen, ob die Vorinstanz gegenüber
der Abgabepflichtigen zu Recht verfügt hat, dass diese für das Jahr 2019
Fr. 35'590.-- an Unternehmensabgabe für Radio und Fernsehen (vgl. Sach-
verhalt Bst. A.c) zu entrichten hat.
3.2 Unbestritten ist, dass die Abgabepflichtige zu den mehrwertsteuer-
pflichtigen Personen gehört und zwischen dem 1. Januar 2017 und dem
31. Dezember 2017 einen Umsatz in Höhe von Fr. 1'068'066'405.-- erzielt
hat (Sachverhalt Bst. A.a). Die Beschwerdeführerin rügt jedoch Folgendes:
3.2.1 Zum einen macht sie die Verletzung des Legalitätsprinzips in Bezug
auf die Abgabepflicht, die Tarifstufen und den effektiven Abgabebetrag so-
wie betreffend die Bemessungsgrundlage und die Bemessungsperiode der
Abgabe geltend.
3.2.2 Im Weiteren weist sie darauf hin, dass sich in ihrem Fall sowohl die
Ausgestaltung der Tarifstufen und die Festsetzung des geschuldeten Ab-
gabebetrages als auch die Befreiung von der Abgabepflicht einzig für Un-
ternehmen, welche der tiefsten Tarifstufe angehören und einen Verlust aus-
weisen würden (E. 2.4.4), als willkürlich und als mit dem Rechtsgleichheits-
gebot nicht vereinbar erweisen würden.
3.2.3 Schliesslich werde auch das Gebot der Besteuerung nach der wirt-
schaftlichen Leistungsfähigkeit verletzt, zumal anhand des Umsatzes eines
A-2856/2019
Seite 17
Unternehmens nicht, oder nur begrenzt, eine Aussage über die wirtschaft-
liche Leistungsfähigkeit gemacht werden könne.
3.3 Auf die Rügen der Beschwerdeführerin ist wie folgt einzugehen:
3.3.1 Vorauszuschicken ist, dass die hier in Rede stehende Unterneh-
mensabgabe für Radio und Fernsehen in Art. 70 RTVG und damit in einem
Bundesgesetz verankert ist, welches für das Bundesverwaltungsgericht
verbindlich ist (vgl. vorangehend E. 1.6.5). Vor diesem Hintergrund braucht
auf die Frage der verfassungsmässigen Grundlage an dieser Stelle nicht
weiter eingegangen zu werden (vgl. diesbezüglich das Urteil des BVGer
A-2902/2019 vom 16. Dezember 2020 E. 3.3.1).
3.3.2 Soweit die Beschwerdeführerin die Verletzung des Legalitätsprinzips
in Bezug auf die Abgabepflicht geltend macht, ist ihr nicht zu folgen. Wie
dargelegt, handelt es sich bei der Unternehmensabgabe für Radio und
Fernsehen um eine Steuer (E. 2.5, insbes. E. 2.5.7 f.). Entsprechend sind
die Anforderungen von Art. 127 Abs. 1 BV streng zu beachten (E. 1.6.2 und
E. 2.5.3) und können weder durch das Kausalitäts- noch das Äquivalenz-
prinzip relativiert werden. Diese Anforderungen sind vorliegend erfüllt: Der
Kreis der Abgabepflichtigen wird im Gesetz klar geregelt, zumal dort fest-
gehalten wird, dass grundsätzlich alle mehrwertsteuerpflichtigen Unterneh-
men abgabepflichtig sind, wobei der Verordnungsgeber eine Eintritts-
schwelle festlegen soll (E. 2.4.3.). Dies hat zur Folge, dass in der Verord-
nung keine «zusätzlichen» Abgabepflichtigen bestimmt werden. Vielmehr
wird in der Verordnung lediglich festgelegt, wer aus dem Kreis der Abga-
bepflichtigen «ausgeschlossen» wird. Dass es sich dabei um Unternehmen
mit niedrigem Umsatz handeln soll, ist wiederum auf Gesetzesstufe veran-
kert (E. 2.4.3). Diese Gesetzesdelegation erweist sich nach dem Gesagten
als rechtmässig (E. 1.6.3).
Auch hinsichtlich der Bemessungsgrundlage der Abgabe ist keine Verlet-
zung des Legalitätsprinzips ersichtlich. Zwar ist einzuräumen, dass die
Höhe der Abgabe nicht im Gesetz festgelegt ist (was auf einem bewussten
Entscheid des Gesetzgebers beruht, vgl. E. 2.3.2). Aus dem Gesetz (vgl.
Art. 70 RTVG) geht aber hervor, dass sich die Höhe der Abgabe nach dem
von einem Unternehmen erzielten, gemäss Mehrwertsteuergesetz zu de-
klarierenden Gesamtumsatz richtet (vgl. Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 5),
wobei der Verordnungsgeber diesbezüglich verschiedene Kategorien bzw.
Tarifstufen zu unterscheiden und dabei den Mindestumsatz so festzulegen
hat, dass kleine Unternehmen von der Abgabe befreit sind (Abs. 4 und 5;
A-2856/2019
Seite 18
E. 2.4.3). In seiner Gesamtheit gibt Art. 70 RTVG einen genügend engen
Rahmen vor, bzw. erweist sich die Normdichte als ausreichend (vgl.
E. 1.6.1 ff.). Vor diesem Hintergrund ist die Delegation an den Verord-
nungsgeber zulässig und nicht zu beanstanden.
3.3.3 Was die Rüge der Beschwerdeführerin betrifft, die Ausgestaltung der
Tarifstufen und der konkret geschuldete Abgabebetrag sei willkürlich und
verstosse gegen das Rechtsgleichheitsgebot, kann auf die diesbezüglich
bereits ergangene Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ver-
wiesen werden. Im Urteil A-1378/2019 vom 5. Dezember 2019 wurde ei-
nerseits festgehalten, dass dem Bundesrat durch die (nicht zu beanstan-
dende) Delegationsnorm (E. 2.4.3) ein grosser Ermessensspielraum für die
Festlegung der gesetzlich vorgesehenen Tarifstufen eingeräumt wurde,
wogegen bundesrechtlich nichts einzuwenden sei (vgl. E. 3.4.2.1 des ge-
nannten Urteils sowie vorangehend E. 1.6.2 f.). Das Gericht erachtete im
damals zu beurteilenden Fall allerdings die geringe Anzahl der Tarifstufen
als nicht mit dem Rechtsgleichheitsgebot vereinbar, zumal damit (umsatz-
mässig) sehr heterogene Unternehmen in jeweils ein und derselben Kate-
gorie zusammengefasst werden und im Weiteren die umsatzstärksten Un-
ternehmen relativ gesehen massiv weniger belastet werden als die kleine-
ren Unternehmen (siehe E. 3.4.2.3 f. des genannten Urteils). Entspre-
chende Änderungen wurden durch den Verordnungsgeber bereits be-
schlossen und werden im kommenden Jahr in Kraft treten (vgl. AS 2020
1461 und vorangehend E. 1.5.2). Im vorliegenden Fall fällt die Beschwer-
deführerin in die höchste Tarifstufe (6) und ist mit Blick auf das genannte
Urteil (vgl. dort E. 2.4.2.3 f.) verhältnismässig und rechtswesentlich weni-
ger stark belastet als Unternehmen, deren Umsatz den Tarifstufen 1 bis 5
zuzuordnen ist (vgl. E. 2.4.4). Angesichts dessen wird das Rechtsgleich-
heitsgebot in Bezug auf die Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall we-
der durch die Ausgestaltung der Tarifstufen noch durch die konkrete Höhe
der Abgabe verletzt.
Ebenfalls nicht als willkürlich oder das Rechtsgleichheitsgebot verletzend
einzustufen ist die Bestimmung, wonach einzig für Unternehmen der tiefs-
ten Tarifkategorie weitere Erleichterungen vorgesehen werden (E. 2.4.4).
Dies ist lediglich eine zusätzliche Konkretisierung der gesetzlichen Vor-
gabe, wonach kleine Unternehmen von der Abgabepflicht ausgenommen
werden sollen (vgl. E. 2.2.2, E. 2.4.4).
A-2856/2019
Seite 19
3.3.4 Hinsichtlich der Argumentation, das Gebot der Besteuerung nach der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit werde verletzt, zumal anhand des Um-
satzes eines Unternehmens nicht – oder nur begrenzt – eine Aussage über
dessen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gemacht werden könne, ist Fol-
gendes festzuhalten: Zwar mag wohl zutreffen, dass viel Umsatz nicht
zwingend mit grosser wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit einhergeht und
das Abstellen auf den reinen Umsatz ohne Korrektive (zur einzigen Aus-
nahme siehe E. 2.4.4) eine relativ weitreichende Schematisierung bedeu-
tet (vgl. Urteil des BVGer A-1378/2019 vom 5. Dezember 2019 E. 3.4.2.4).
Jedoch ist diese gesetzliche Vorgabe für das Bundesverwaltungsgericht
verbindlich (E. 1.6.5).
3.3.5 In Bezug auf die weitere Rüge der Beschwerdeführerin, die Bemes-
sungsperiode sei im vorliegenden Fall unrechtmässig festgelegt worden,
verhält es sich wie folgt:
Wie in Erwägung 2.4.2 festgehalten, ist gesetzlich geregelt, dass für die
jährliche Bemessung der Unternehmensabgabe auf den im vorangegan-
genen Kalenderjahr erzielten Umsatz abgestellt wird. Ebenso gesetzlich
geregelt ist allerdings, dass in Bezug auf die allererste Erhebungsperiode
eine Sonderregelung möglich sein soll. In Art. 109b RTVG wurde der Bun-
desrat vom Gesetzgeber ermächtigt, für die erste Erhebungsperiode der
Unternehmensabgabe einen vom Grundsatz abweichenden Bemessungs-
zeitraum festzulegen. Von dieser Möglichkeit hat der Bundesrat in der Ver-
ordnung Gebrauch gemacht und bestimmt, dass, sollte der Systemwechsel
in die erste Hälfte eines Kalenderjahrs fallen (was schliesslich effektiv der
Fall war) die Einstufung in die Tarifstufen gestützt auf den Gesamtumsatz
der im Vorvorjahr beendeten Steuerperiode der Mehrwertsteuer – d.h.
2017 – zu erfolgen habe (vgl. E. 2.4.2). Die Beschwerdeführerin hat zwi-
schen dem 1. Januar 2017 und dem 31. Dezember 2017 unbestrittener-
massen einen Umsatz von [über] Fr. 1'000'000'000.-- erzielt (vgl. Sachver-
halt Bst. A.a) und wurde mit Blick auf die Erhebung der Unternehmensab-
gabe für Radio und Fernsehen für die Steuerperiode 2019 der Tarifkatego-
rie 6 zugeteilt (vgl. E. 2.4.4). Dies entspricht somit den anwendbaren Best-
immungen.
3.4 Nach dem Gesagten ist der vorinstanzliche Entscheid nicht zu bean-
standen und die Beschwerde entsprechend abzuweisen.
A-2856/2019
Seite 20
4.
4.1 Ausgangsgemäss hat die unterliegende Beschwerdeführerin die Ver-
fahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 3‘000.--
festzusetzen (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]), wobei der einbezahlte Kostenvorschuss in
gleicher Höhe zur Bezahlung dieser Kosten zu verwenden ist.
Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG
e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE).
Das Dispositiv befindet sich auf der folgenden Seite.
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