Decision ID: 69e678f7-a0be-4686-bb16-7ab4480873ae
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Gestützt auf die Ergebnisse einer Verwaltungsstrafuntersuchung betref-
fend verschiedene Einfuhren von Kunstwerken erliess die Eidgenössische
Zollverwaltung (EZV; ab 1. Januar 2022: Bundesamt für Zoll und Grenzsi-
cherheit [BAZG]; nachfolgend: EZV und im Zusammenhang mit den ge-
setzlichen Bestimmungen auch BAZG) unter anderem folgende Verfügun-
gen:
A.a Mit Verfügung vom 19. August 2015 verpflichtete die Zollkreisdirektion
Schaffhausen (nachfolgend: Zollkreisdirektion) die A._ AG (nachfol-
gend: Abgabepflichtige 1) hinsichtlich der unrechtmässigen steuerfreien
Einfuhr von Kunstgegenständen im Verlagerungsverfahren zur Nachleis-
tung von Einfuhrsteuern von Fr. [...] und zur Bezahlung von Verzugszinsen
von Fr. [...], also zur Entrichtung eines Betrages von Fr. [...] (Dossier Zoll-
fahndung [nachfolgend: Dossier ZFA], act. 14.37.226.4). Diese Verfügung
bezieht sich insbesondere auf die Fall-Dossiers: [...]. Mit Beschwerde vom
21. September 2015 focht die Abgabepflichtige 1 die Verfügung vom
19. August 2015 bei der Oberzolldirektion (nachfolgend: OZD) an (Akten
OZD, act. 100). Das diesbezügliche Verfahren ist noch hängig.
A.b Mit Verfügung vom 19. August 2015 verpflichtete die Zollkreisdirektion
die B._ Inc. (nachfolgend: Abgabepflichtige 2) hinsichtlich der un-
rechtmässigen steuerfreien Einfuhr von Kunstgegenständen im Verlage-
rungsverfahren zur Nachleistung von Einfuhrsteuern von Fr. [...] und zur
Bezahlung von Verzugszinsen von Fr. [...], also zur Entrichtung eines Be-
trages von Fr. [...] (Dossier ZFA, act. 14.37.226.5). Diese Verfügung be-
zieht sich insbesondere auf das Fall-Dossier [...]. Mit Beschwerde vom
21. September 2015 focht die Abgabepflichtige 2 die Verfügung vom
19. August 2015 bei der OZD an (Akten OZD, act. 102). Das diesbezügli-
che Verfahren ist noch hängig.
A.c Mit Verfügung vom 19. August 2015 verpflichtete die Zollkreisdirektion
die C._ Stiftung (nachfolgend: Abgabepflichtige 3) hinsichtlich der
unrechtmässigen steuerfreien Einfuhr von Kunstgegenständen im Verlage-
rungsverfahren zur Nachleistung von Einfuhrsteuern von Fr. [...] und zur
Bezahlung von Verzugszinsen von Fr. [...], also zur Entrichtung eines Be-
trages von Fr. [...] (Dossier ZFA, act. 14.37.226.6). Diese Verfügung be-
zieht sich auf die Fall-Dossiers: [...]. Mit Beschwerde vom 21. September
2015 focht die Abgabepflichtige 3 die Verfügung vom 19. August 2015 bei
der OZD an (Akten OZD, act. 103). Mit Verfügung vom 19. Januar 2021
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wurde die Beschwerde in Bezug auf das Fall-Dossier [...] im Umfang von
Fr. [...] Einfuhrsteuern und Fr. [...] Zinsen infolge Verrechnung als gegen-
standlos abgeschrieben. Im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen.
Die Einfuhrsteuer für das bestätigte Fall-Dossier [...] beträgt Fr. [...]. Der
Zins beträgt Fr. [...] (Akten OZD, act. 707). Mit Eingabe vom 19. Februar
2021 erhob die Steuerpflichtige 3 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht (Akten OZD, act. 719). Das diesbezügliche Verfahren ist noch hän-
gig.
A.d Mit Verfügung vom 19. August 2015 verpflichtete die Zollkreisdirektion
die D._ Ltd. (nachfolgend: Abgabepflichtige 4) hinsichtlich der un-
rechtmässigen steuerfreien Einfuhr von Kunstgegenständen im Verlage-
rungsverfahren zur Nachleistung von Einfuhrsteuern von Fr. [...] und zur
Bezahlung von Verzugszinsen von Fr. [...], also zur Entrichtung eines Be-
trages von Fr. [...] (Dossier ZFA, act. 14.37.226.7). Diese Verfügung be-
zieht sich insbesondere auf die Fall-Dossiers: [...]. Mit Beschwerde vom
21. September 2015 focht die Abgabepflichtige 4 die Verfügung vom 19.
August 2015 bei der OZD an (Akten OZD, act. 101). Das diesbezügliche
Verfahren ist noch hängig.
A.e Mit Strafbescheid vom 21. Dezember 2017 auferlegte die Zollkreisdi-
rektion E._ eine Busse von Fr. [...] sowie eine Spruchgebühr von
Fr. [...] wegen mehrfach vorsätzlich begangener Einfuhrsteuerhinterzie-
hung unter anderem im Zusammenhang mit den in Sachverhalt Bst. A.a
bis A.d erwähnten Einfuhren von Kunstgegenständen (Akten OZD,
act. 341). Auf eine Einsprache gegen diesen Strafbescheid hin bestätigte
die OZD mit Strafverfügung vom 2. Juli 2018 die Busse. Zugleich aufer-
legte sie E._ Gebühren von Fr. [...] (Akten OZD, act. 445). Mit Ein-
gabe vom 4. Juli 2018 liess E._ das Begehren um gerichtliche Be-
urteilung der Strafverfügung vom 2. Juli 2018 stellen (Akten OZD, act. 452).
Das Bezirksgericht Zürich sprach E._ mit Urteil vom 3. Februar
2021 in einzelnen Fall-Dossiers der Widerhandlung gegen das Mehrwert-
steuergesetz frei. Im Übrigen bestätigte es die Schuldsprüche der OZD ins-
besondere für die Fall-Dossiers: [...]. Es bestrafte E._ mit einer
Busse von Fr. [...] und auferlegte ihm Verfahrenskosten von Fr. [...] zu 40%
(Akten OZD, act. 715). In der Folge legten sowohl E._ als auch die
EZV gegen das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Februar 2021 Be-
rufung beim Obergericht des Kantons Zürich ein (Akten OZD, act. 725, 731
und 767). Das diesbezügliche Verfahren ist soweit ersichtlich noch hängig.
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A.f Mit Strafbescheid vom 21. Dezember 2017 auferlegte die Zollkreisdi-
rektion F._ ([...]) eine Busse von Fr. [...] sowie eine Spruchgebühr
von Fr. [...] wegen mehrfach vorsätzlich begangener Einfuhrsteuerhinter-
ziehung unter anderem im Zusammenhang mit den in Sachverhalt Bst. A.a
bis A.d erwähnten Einfuhren von Kunstgegenständen (Akten OZD,
act. 343). Auf eine Einsprache gegen diesen Strafbescheid hin bestätigte
die OZD mit Strafverfügung vom 16. Oktober 2018 die Busse. Zugleich auf-
erlegte sie F._ Gebühren von Fr. [...] (Akten OZD, act. 476). Mit
Eingabe vom 18. Oktober 2018 liess F._ das Begehren um gericht-
liche Beurteilung der Strafverfügung vom 2. Juli 2018 stellen (Akten OZD,
act. 479). Das Bezirksgericht Zürich sprach F._ mit Urteil vom
3. Februar 2021 in einzelnen Fall-Dossiers der Widerhandlung gegen das
Mehrwertsteuergesetz frei. Im Übrigen bestätigte es die Schuldsprüche der
OZD insbesondere für die Fall-Dossiers: [...]. Es bestrafte F._ mit
einer Busse von Fr. [...] und auferlegte ihm Verfahrenskosten von Fr. [...]
zu 20% (Akten OZD, act. 715). In der Folge legten sowohl F._ als
auch die EZV gegen das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Februar
2021 Berufung beim Obergericht des Kantons Zürich ein (Akten OZD,
act. 725, 731 und 767). Das diesbezügliche Verfahren ist soweit ersichtlich
noch hängig.
A.g Mit Strafbescheid vom 21. Dezember 2017 auferlegte die Zollkreisdi-
rektion G._ (damaliger Geschäftsführer der H._) eine Busse
von Fr. [...] sowie eine Spruchgebühr von Fr. [...] wegen mehrfach vorsätz-
lich begangener Einfuhrsteuerhinterziehung unter anderem im Zusammen-
hang mit den in Sachverhalt Bst. A.a bis A.d erwähnten Einfuhren von
Kunstgegenständen (Akten OZD, act. 342). Auf eine Einsprache gegen
diesen Strafbescheid hin bestätigte die OZD mit Strafverfügung vom
20. März 2018 die Busse. Zugleich auferlegte sie G._ Gebühren
von Fr. [...] (Akten OZD, act. 389). Mit Eingabe vom 4. April 2018 liess
G._ das Begehren um gerichtliche Beurteilung der Strafverfügung
vom 20. März 2018 stellen (Akten OZD, act. 394). Das Bezirksgericht Zü-
rich sprach G._ mit Urteil vom 3. Februar 2021 in einzelnen Fall-
Dossiers der Widerhandlung gegen das Mehrwertsteuergesetz frei. Im Üb-
rigen bestätigte es die Schuldsprüche der OZD insbesondere für die Fall-
Dossiers: [...]. Es bestrafte G._ mit einer Busse von Fr. [...] und
auferlegte ihm Verfahrenskosten von Fr. [...] zu 40% (Akten OZD,
act. 715). In der Folge legten sowohl G._ als auch die EZV gegen
das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Februar 2021 Berufung beim
Obergericht des Kantons Zürich ein (Akten OZD, act. 725, 731 und 767).
Das diesbezügliche Verfahren ist soweit ersichtlich noch hängig.
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Seite 5
B.
B.a Am 23. Juni 2021 verfügte die EZV gegenüber der Abgabepflichtigen 1
die Sicherstellung für Forderungen der EZV von insgesamt Fr. [...]; gegen-
über der Abgabepflichtigen 2 die Sicherstellung für Forderungen der EZV
von insgesamt Fr. [...]; gegenüber der Abgabepflichtigen 3 die Sicherstel-
lung für Forderungen der EZV von insgesamt Fr. [...] und gegenüber der
Abgabepflichtigen 4 die Sicherstellung für Forderungen der EZV von ins-
gesamt Fr. [...] (gesamthaft: Fr. [...]). Sie ordnete jeweils an, dass die Ab-
gabepflichtigen 1 bis 4 die Sicherheit in Form von Geld für die Forderungen
im genannten Umfang innert 10 Tagen auf ein bezeichnetes Konto der EZV
zu leisten haben. Sodann belegte sie eine Reihe von Kunstgegenständen,
welche sich in den Räumlichkeiten des I._ befunden haben, mit Ar-
rest. Weiter wies sie jeweils darauf hin, dass die Sicherstellungsverfügun-
gen sofort vollstreckbar und innert 30 Tagen mit Beschwerde ans Bundes-
verwaltungsgericht anfechtbar seien.
B.b Die von der EZV sichergestellten Forderungen gegenüber der Abga-
bepflichtigen 1 von Fr. [...] bestehen aus noch nicht rechtskräftig verfügten
Einfuhrsteuern von Fr. [...], noch nicht rechtskräftig verfügten Zinsen von
Fr. [...], aufgelaufene Zinsen ab 20. August 2015 bis 19. März 2020 von
Fr. [...] und ab 1. Januar 2021 bis 22. Juni 2021 von Fr. [...] sowie einem
Anteil Bussen, Spruchgebühren und Schreibgebühren von Fr. [...], Fr. [...]
bzw. Fr. [...].
Die von der EZV sichergestellten Forderungen gegenüber der Abgabe-
pflichtigen 2 von Fr. [...] bestehen aus noch nicht rechtskräftig verfügten
Einfuhrsteuern von Fr. [...], noch nicht rechtskräftig verfügten Zinsen von
Fr. [...], aufgelaufene Zinsen ab 20. August 2015 bis 19. März 2020 von
Fr. [...] und ab 1. Januar 2021 bis 22. Juni 2021 von Fr. [...] sowie einem
Anteil Bussen, Spruchgebühren und Schreibgebühren von Fr. [...], Fr. [...]
bzw. Fr. [...].
Die von der EZV sichergestellten Forderungen gegenüber der Abgabe-
pflichtigen 3 von Fr. [...] bestehen aus noch nicht rechtskräftig verfügten
Einfuhrsteuern von Fr. [...], noch nicht rechtskräftig verfügten Zinsen von
Fr. [...], aufgelaufene Zinsen ab 20. August 2015 bis 19. März 2020 von
Fr. [...] und ab 1. Januar 2021 bis 22. Juni 2021 von Fr. [...] sowie einem
Anteil Bussen, Spruchgebühren und Schreibgebühren von Fr. [...], Fr. [...]
bzw. Fr. [...].
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Die von der EZV sichergestellten Forderungen gegenüber der Abgabe-
pflichtigen 4 von Fr. [...] bestehen aus noch nicht rechtskräftig verfügten
Einfuhrsteuern von Fr. [...], noch nicht rechtskräftig verfügten Zinsen von
Fr. [...], aufgelaufene Zinsen ab 20. August 2015 bis 19. März 2020 von
Fr. [...] und ab 1. Januar 2021 bis 22. Juni 2021 von Fr. [...] sowie einem
Anteil Bussen, Spruchgebühren und Schreibgebühren von Fr. [...], Fr. [...]
bzw. Fr. [...].
B.c Die EZV begründete die für die Sicherstellung erforderliche Gefähr-
dung der Forderungen in sämtlichen angefochtenen Sicherstellungsverfü-
gungen damit, dass die Abgabepflichtigen 1 bis 4 ihren Sitz nicht in der
Schweiz hätten und sie (die EZV) in Bezug auf die betreffenden Forderun-
gen über kein Zollpfand verfüge, nachdem die betreffenden Gegenstände
mit Verfügung vom 22. Juni 2021 aus dem Zollpfand entlassen worden
seien. Auch wenn die Eigentümerschaft der Arrestgegenstände nicht ab-
schliessend geklärt sei, sei jedoch aufgrund der gesamten Aktenlage in
den diversen Verfahren gegen E._ und weiteren Beteiligte davon
auszugehen, dass sie den Abgabepflichtigen 1 bis 4 gehörten, so die EZV.
C.
Mit Eingabe vom 25. August 2021 erheben die Abgabepflichtigen 1 bis 4
(nachfolgend: Beschwerdeführerin 1 bis 4; zusammen: Beschwerdeführe-
rinnen) gemeinsam gegen die erwähnten Sicherstellungsverfügungen
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragen:
«1. Es seien die Sicherstellungsverfügungen der Beschwerdegegnerin vom
23. Juni 2021 adressiert an die Beschwerdeführerinnen 1 - 4 aufzuheben,
unter sofortiger Herausgabe der nachfolgend aufgelisteten Kunstgegen-
stände an die jeweiligen Eigentümer (Beschwerdeführerinnen 1 - 4) wie
folgt:
(i) an die Beschwerdeführerin 1:
[Fall-Dossiers, Titel und Künstler]
(ii) an die Beschwerdeführerin 2:
[Fall-Dossiers, Titel und Künstler]
(iii) an die Beschwerdeführerin 3:
[Fall-Dossiers, Titel und Künstler]
(iv) an die Beschwerdeführerin 4:
[Fall-Dossiers, Titel und Künstler]
2. Die Kosten seien auf die Staatskasse zu nehmen. Zudem sei die Be-
schwerdegegnerin zu verpflichten, den Beschwerdeführenden eine ange-
messene Parteientschädigung (zzgl. 7.7 % MwSt.) zu bezahlen.»
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Seite 7
D.
Mit Vernehmlassung vom 25. November 2021 beantragt die EZV (nachfol-
gend auch: Vorinstanz):
«1.
1.1. Das Dispositiv der Sicherstellungsverfügung vom 23. Juni 2021 betreffend
A._ AG sei wie folgt zu ändern:
- Ziff. 1: Für die Forderungen der EZV gegenüber der A._ AG in
der Höhe von CHF [...] wird die Sicherstellung verfügt.
In Worten: [...].
- Ziff. 3: Sicherheit ist in Form von Geld für den Betrag in der Höhe von
CHF [...] zu leisten.
- Ziff. 6: Innert 10 Tagen hat die A._ AG für die Forderung in der
Höhe von CHF [...] Sicherheit in Form von Geld an die Eidgenössische
Zollverwaltung Abteilung Finanzen, Taubenstrasse 16, 3003 Bern, auf
das Konto 30-704-6 (IBAN: CH72 0900 0000 3000 0704 6) zu leisten.
1.2. Das Dispositiv der Sicherstellungsverfügung vom 23. Juni 2021 betreffend
B._ lnc. sei wie folgt zu ändern:
- Ziff. 1: Für die Forderungen der EZV gegenüber der B._ lnc. in
der Höhe von CHF [...] wird die Sicherstellung verfügt.
In Worten: [...].
- Ziff. 3: Sicherheit ist in Form von Geld für den Betrag in der Höhe von
CHF [...] zu leisten.
- Ziff. 6: Innert 10 Tagen hat die B._ lnc. für die Forderung in der
Höhe von CHF [...] Sicherheit in Form von Geld an die Eidgenössische
Zollverwaltung, Abteilung Finanzen, Taubenstrasse 16, 3003 Bern, auf
das Konto 30-704-6 (IBAN: CH72 0900 0000 3000 0704 6) zu leisten.
1.3. Das Dispositiv der Sicherstellungsverfügung vom 23. Juni 2021 betreffend
C._ Stiftung sei wie folgt zu ändern:
- Ziff. 1: Für die Forderungen der EZV gegenüber der C._ Stif-
tung in der Höhe von CHF [...] wird die Sicherstellung verfügt.
In Worten: [...].
- Ziff. 3: Sicherheit ist in Form von Geld für den Betrag in der Höhe von
CHF [...] zu leisten.
- Ziff. 6: Innert 10 Tagen hat die C._ Stiftung für die Forderung in
der Höhe von CHF [...] Sicherheit in Form von Geld an die Eidgenös-
sische Zollverwaltung, Abteilung Finanzen, Taubenstrasse 16, 3003
Bern, auf das Konto 30-704-6 (IBAN: CH72 0900 0000 3000 0704 6)
zu leisten.
1.4 Das Dispositiv der Sicherstellungsverfügung vom 23. Juni 2021 betreffend
D._ Ltd. sei wie folgt zu ändern:
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Seite 8
- Ziff. 1: Für die Forderungen der EZV gegenüber der D._ Ltd. In
der Höhe von CHF [...] wird die Sicherstellung verfügt.
In Worten: [...].
- Ziff. 3: Sicherheit ist in Form von Geld für den Betrag in der Höhe von
CHF [...] zu leisten.
- Ziff. 6: Innert 10 Tagen hat die D._ Ltd. für die Forderung in der
Höhe von CHF [...] Sicherheit in Form von Geld an die Eidgenössische
Zollverwaltung, Abteilung Finanzen, Taubenstrasse 16, 3003 Bern, auf
das Konto 30-704-6 (IBAN: CH72 0900 0000 3000 0704 6) zu leisten.
2. Im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen.
- unter Kosten und Entschädigungsfolge -»
E.
Nach angesetzter Frist zur Stellungnahme bis zum 3. Januar 2022 und gut-
geheissenem Akteneinsichtsgesuch der Beschwerdeführerinnen vom
21. Dezember 2021 nehmen die Beschwerdeführerinnen mit Replik vom
3. Januar 2022 zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung. Sie ergän-
zen darin ihr Rechtbegehren um folgenden Antrag:
«Eventualiter, seien die sicherzustellenden Beträge gemäss den Anträgen der
Beschwerdegegnerin folgendermassen zu reduzieren:
a. Für die Beschwerdeführerin 1: auf CHF [...] gemäss in Ziff. 1.1 Dispo-
sitiv der Vernehmlassung vom 25. November 2021
b. Für die Beschwerdeführerin 2: auf CHF [...] gemäss in Ziff. 1.2 Dispo-
sitiv der Vernehmlassung vom 25. November 2021
c. Für die Beschwerdeführerin 3: auf CHF [...] gemäss in Ziff. 1.3 Dispo-
sitiv der Vernehmlassung vom 25. November 2021
d. Für die Beschwerdeführerin 4: auf CHF [...] gemäss in Ziff. 1.4 Dispo-
sitiv der Vernehmlassung vom 25. November 2021»
Im Weiteren bestärken sie die bereits vorgebrachte Argumentation und be-
streiten die Ausführungen der Vorinstanz.
F.
Mit Eingabe vom 18. Januar 2022 verzichtet die Vorinstanz auf eine Duplik.
G.
Mit Eingabe vom 31. Januar 2022 verzichten die Beschwerdeführerinnen
auf eine weitere Stellungnahme.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereichten Akten
wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen näher eingegangen.
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Seite 9

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 des
Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) gege-
ben ist (Art. 31 VGG). Eine solche Ausnahme liegt hier nicht vor. Die ange-
fochtenen Sicherstellungsverfügungen sind Verfügungen im Sinne von
Art. 5 VwVG. Die EZV ist zudem eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts (Art. 33 VGG). Dieses ist daher für die Beurteilung der vorliegen-
den Beschwerde zuständig (Art. 50 des Mehrwertsteuergesetzes vom
12. Juni 2009 [MWSTG, SR 641.20] i.V.m. Art. 116 Abs. 4 des Zollgesetzes
vom 18. März 2005 [ZG, SR 631.0] sowie Art. 211 Abs. 2 der Zollverord-
nung vom 1. November 2006 [ZV, SR 631.01]).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Die
Beschwerdeführerinnen sind Adressatinnen der angefochtenen Verfügun-
gen und von diesen betroffen. Sie sind damit zur Beschwerdeerhebung be-
rechtigt (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist dem-
nach einzutreten.
1.3 Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren vor Bundesverwaltungs-
gericht bilden einzig die Sicherstellungsverfügungen vom 23. Juni 2021.
Die Beschwerdeführerinnen haben jeweils die vollständigen Sicherstel-
lungsverfügungen angefochten. Diese bilden den Streitgegenstand. Hinge-
gen nicht Streitgegenstand ist der Vollzug und die damit einhergehende
Bewertung und Verarrestierung der in den Sicherstellungsverfügungen ge-
nannten Kunstgegenstände. Ebenfalls ausserhalb des Streitgegenstands
sind Sicherungsmassnahmen, welche die Vorinstanz zur Sicherung ande-
rer Zollforderungen ergriffen hat. Auf entsprechende Ausführungen der
Verfahrensparteien ist daher nachfolgend nicht weiter einzugehen.
1.4
1.4.1 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung
von Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist verpflichtet, auf den
unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten festgestellten Sachverhalt die
richtigen Rechtsnormen und damit jenen Rechtssatz anzuwenden, den es
A-3817/2021
Seite 10
als den zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der
es überzeugt ist (BGE 119 V 347 E. 1a; Urteil des BVGer A-623/2021 vom
4. Februar 2022 E. 1.6 mit Hinweisen).
1.4.2 Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der massgebli-
chen Norm (Auslegung nach dem Wortlaut). Ist der Text nicht ganz klar und
sind verschiedene Auslegungen möglich, muss das Gericht unter Berück-
sichtigung aller Auslegungselemente nach der wahren Tragweite der Norm
suchen. Diesfalls ist namentlich auf die Entstehungsgeschichte der Norm
(historische Auslegung), auf ihren Sinn und Zweck (teleologische Ausle-
gung) und auf die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen Be-
stimmungen zukommt (systematische Auslegung), abzustellen. Die Recht-
sprechung befolgt bei der Auslegung von Gesetzesnormen einen pragma-
tischen Methodenpluralismus und lehnt es ab, die einzelnen Auslegungs-
elemente einer Prioritätsordnung zu unterstellen (BGE 146 V 224 E. 4.5.1,
146 V 95 E. 4.3.1, je mit Hinweisen; zum Ganzen: Urteil des BVGer
A-4452/2021 vom 12. April 2022 E. 5.5.1).
1.5 Im Verwaltungsverfahren herrscht grundsätzlich das Beweismass der
vollen Überzeugung («Regelbeweismass»). Die erforderliche Überzeu-
gung kann auf Indizien beruhen und bedingt keinen direkten Beweis. Bei
der Sicherstellung im Sinne von Art. 76 Abs. 2 und Art. 81 ZG handelt es
sich um eine vorläufige Massnahme; sie hat keinen Einfluss auf Bestand
und Höhe der Zollforderung, präjudiziert also nichts. Da begriffsnotwendig
Gefahr im Verzug liegt, muss die Sicherstellung rasch angeordnet werden
können, sie ist aber auch jederzeit abzuändern oder aufzuheben, wenn die
Umstände eine andere Beurteilung nahelegen. Die gebotene Raschheit
des abgaberechtlichen Sicherstellungsverfahrens hat Auswirkungen auf
das Beweismass. Die Praxis verlangt nur, aber immerhin, dass die rechts-
erheblichen Sachumstände glaubhaft gemacht werden (Urteile des BGer
2C_815/2021 vom 23. Dezember 2021 E. 3.2.1, 2C_96/2020 vom 11. No-
vember 2020 E. 2.1, je mit Hinweisen; ERNST BLUMENSTEIN/PETER LO-
CHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl. 2016, S. 400 f.).
Glaubhaft gemacht ist ein Sachumstand, wenn die Existenz einer rechts-
erheblichen Tatsache aufgrund objektiver Anhaltspunkte mit einer «gewis-
sen Wahrscheinlichkeit» feststeht. Die Möglichkeit, dass die Verhältnisse
sich auch anders gestalten könnten, muss nicht ausgeschlossen sein.
Glaubhaft ist eine Tatsache bereits, wenn für deren Vorhandensein ge-
wisse Elemente sprechen, selbst wenn die Behörde noch mit der Möglich-
keit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte (BGE 144 II 65
A-3817/2021
Seite 11
E. 4.2.2, 142 II 49 E. 6.2). Was sodann im Verfügungsverfahren nur glaub-
haft zu machen ist, darf die Beschwerdeinstanz ebenso zulässigerweise
einer reinen prima-facie-Würdigung unterziehen (zum Ganzen: Urteile des
BGer 2C_815/2021 vom 23. Dezember 2021 E. 3.2.2, 2C_523/2020 vom
4. November 2020 E. 2.2.2).
2.
Soweit die Art. 51 ff. MWSTG nichts anderes vorsehen, gilt für die Einfuhr-
steuer die Zollgesetzgebung (Art. 50 MWSTG).
Nach Art. 62 Abs. 1 MWSTG erfolgt die Erhebung der Einfuhrsteuer durch
das BAZG. Dieses trifft die erforderlichen Anordnungen sowie Verfügun-
gen. Dem BAZG obliegt auch die Strafverfolgung bei der Einfuhrsteuer
(Art. 103 Abs. 2 MWSTG).
3.
Wird für eine Zollforderung keine Sicherheit geleistet oder erscheint die
Zahlung als gefährdet, kann das BAZG gemäss Art. 76 Abs. 2 ZG, auch
wenn die Zollforderung noch nicht fällig ist, eine Sicherstellungsverfügung
erlassen oder das Zollpfandrecht geltend machen.
3.1 Da das Zollgesetz im Gegensatz zum Begriff der Zollschuld den Begriff
der Zollforderung im Zusammenhang mit Sicherstellungsverfügungen nicht
definiert und der Wortlaut nicht ohne Weiteres klar ist (Zollforderung, cré-
ance douanière, credito doganale), stellt sich die Frage, welche Forderun-
gen vom Begriff der Zollforderung umfasst sind.
Aus der Botschaft vom 15. Dezember 2003 über ein neues Zollgesetz
(BBl 2004 567 ff. [nachfolgend: Botschaft Zollgesetz], 646 Ziff. 2.3.2.1)
ergibt sich, dass die Zollforderung nicht nur die Zollschuld, sondern auch
weitere Forderungen (Gebühren, Kosten, Zinsen, Bussen) beinhalten
kann. Da der Begriff der Zollforderung in den Räten nicht umstritten war,
deutet die historische Auslegung insofern klar auf einen weiten Begriff der
Zollforderung hin, welcher insbesondere auch Bussen umfasst. Das glei-
che Verständnis ergibt sich aus der systematischen Auslegung: Im Zusam-
menhang mit dem Zollpfand wird der Begriff der Zollforderung definiert und
umfasst Zollabgaben und Zinsen, Abgaben und Zinsen nach nichtzollrecht-
lichen Erlassen des Bundes, Bussen sowie Gebühren, Verfahrens- und an-
dere Kosten (Art. 82 ZG und Art. 212 Abs. 1 i.V.m. Art. 200 ZV; Urteil des
BVGer A-2237/2018 vom 7. September 2018 E. 5.1.2 mit Hinweisen). Da
die Sicherstellungsverfügung und das Zollpfand beide die Sicherstellung
A-3817/2021
Seite 12
von gefährdeten Zollforderungen bezwecken und diese beiden Siche-
rungsinstrumente an die gleichen Voraussetzungen geknüpft sind (Urteil
des BVGer A-1751/2018 vom 7. September 2018 E. 8.4.3), hat die Zollfor-
derung aus systematischen Gründen unabhängig vom Sicherungsmittel
die gleichen Forderungen zu umfassen. Auch die teleologische Auslegung
spricht für ein weites Verständnis der Zollforderung, da die Sicherungsmit-
tel im Sinne von Art. 76 Abs. 2 ZG bezwecken, jeden zollrechtlichen An-
spruch abzusichern (Botschaft Zollgesetz, 646 Ziff. 2.3.2.1).
Insgesamt ergibt damit die Auslegung, dass der Begriff der Zollforderung
auch im Zusammenhang mit Sicherstellungsverfügungen Zollabgaben und
Zinsen, Abgaben und Zinsen nach nichtzollrechtlichen Erlassen des Bun-
des, Bussen sowie Gebühren, Verfahrens- und andere Kosten umfasst.
3.2 Die Sicherstellungsverfügung ist ein Zwangsmittel der Zollverwaltung
und bezweckt das überfallartige Festhalten von Vermögensstücken, um sie
einer zukünftigen Pfändung zuzuführen (Botschaft Zollgesetz, 649
Ziff. 2.3.2.3). Sie richtet sich stets gegen die Zollschuldnerin, das heisst
diejenige Person, die im Einzelfall, sei es beispielsweise als Anmeldepflich-
tige oder sei es als solidarisch Mithaftende, zur Zahlung angehalten wer-
den kann. Die Sicherstellungsverfügung ist einem gerichtlichen Urteil im
Sinne von Art. 80 SchKG gleichgestellt. Sie gilt als Arrestbefehl im Sinne
von Art. 274 SchKG (Art. 81 Abs. 3 ZG).
3.3
3.3.1 Das Zollpfandrecht dient (soweit hier interessierend) der Einbringlich-
keit von Zollforderungen (Art. 200 und Art. 212 Abs. 1 ZV i.V.m. Art. 82 ZG)
und ist das zweite Zwangsmittel zur Sicherung von Zollforderungen. Der
Bund hat gemäss Art. 82 Abs. 1 ZG ein Zollpfandrecht: a. an Waren, für
welche Zollabgaben zu entrichten sind; und b. an Waren bzw. Sachen, wel-
che zur Verletzung zollrechtlicher Erlasse oder nichtzollrechtlicher Erlasse
des Bundes, bei deren Vollzug das BAZG mitwirkt, gedient haben. Das
Zollpfandrecht entsteht zugleich mit der Zollforderung, welche es zu si-
chern hat, und geht sämtlichen übrigen dinglichen Rechten an der Sache
vor (Art. 82 Abs. 3 ZG). Das BAZG kann das Zollpfandrecht durch Be-
schlagnahme geltend machen (Art. 83 Abs. 1 ZG). Die Beschlagnahme be-
steht in der Besitzergreifung oder in einem Verfügungsverbot, das an die
Besitzerin oder den Besitzer der Waren beziehungsweise der Sachen ge-
richtet wird (Art. 83 Abs. 2 ZG).
A-3817/2021
Seite 13
3.3.2 Für das Zollpfandrecht gilt das Spezialitätsprinzip (Art. 82 Abs. 1
Bst. a und b ZG). Das Zollpfandrecht besteht mithin lediglich für bestimmte
Waren bzw. Sachen sowie die damit zusammenhängenden Ansprüche (Ur-
teil des BGer 2C_415/2013 vom 2. Februar 2014 E. 6.2; BVGE 2017 III/2
E. 3.3.3.2 mit Hinweisen). Es können damit folglich nicht beliebige Zölle
sowie Einfuhrabgaben gesichert werden (vgl. ROGER M. CADOSCH, in: Ko-
cher/Clavadetscher [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar Zollgesetz, 2009,
Art. 82 N 3).
3.4 Der Erlass einer Sicherstellungsverfügung im Sinne von Art. 76 Abs. 2
und Art. 81 ZG und die Geltendmachung des Zollpfands im Sinne von
Art. 76 Abs. 2 und Art. 83 Abs. 1 ZG sind an die gleichen Voraussetzungen
geknüpft (Urteil des BVGer A-1751/2018 vom 7. September 2018 E. 8.4.3).
Im Einzelnen gelten die nachfolgenden kumulativ zu erfüllenden Voraus-
setzungen (BVGE 2017 III/2 E. 3.3.2, 3.3.3.3 und 3.3.4.3, Urteil des BVGer
A-1751/2018 vom 7. September 2018 E. 5.2).
3.4.1 Erstens muss mit genügender Wahrscheinlichkeit, d.h. im Rahmen
einer prima-facie-Prüfung (E. 1.5), das Bestehen einer Zollforderung ange-
nommen werden können. Diese provisorische und vorfrageweise Prüfung
bezieht sich sowohl auf den Bestand als auch auf den Umfang der Zollfor-
derung. Die Zollforderung muss dabei noch nicht rechtskräftig festgesetzt
sein (Art. 76 Abs. 2 ZG i.V.m. Art. 208 Abs. 1 Bst. a ZV; soweit in
BVGE 2017 III/2 E. 3.3.4.3 in einem obiter dictum erklärt wurde, die Be-
schlagnahme müsse erfolgen, bevor die von der Verwaltung geltend ge-
machte Forderung definitiv entsprechend dem ordentlichen Verwaltungs-
verfahren festgesetzt worden sei, handelt es sich um ein offensichtliches
Versehen; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-2237/2018 vom 7. September
2018 E. 5.2).
3.4.2 Zweitens darf die Sicherstellung bzw. die Beschlagnahme nur erfol-
gen, wenn keine freiwillige Sicherheit geleistet wird oder die Bezahlung der
Zollforderung als gefährdet erscheint und eine gewisse Dringlichkeit zum
Handeln besteht (Art. 76 Abs. 2 ZG). Eine Gefährdung ist nach geltender
Praxis schon dann anzunehmen, wenn sie glaubhaft gemacht wird (E. 1.5).
Die Sicherstellung bzw. die Beschlagnahme darf überdies nur aufrecht-
erhalten werden, solange die Forderung weiterhin als gefährdet erscheint
(zum Ganzen: Urteil des BVGer A-1751/2018 vom 7. September 2018
E. 5.2).
A-3817/2021
Seite 14
Eine Zahlung kann nach Art. 76 Abs. 3 ZG namentlich als gefährdet er-
scheinen, wenn die Zollschuldnerin oder der Zollschuldner: a. mit der Zah-
lung in Verzug ist; oder b. keinen Wohnsitz in der Schweiz hat oder Anstal-
ten trifft, den Wohn- oder Geschäftssitz oder die Betriebsstätte in der
Schweiz aufzugeben oder sich im schweizerischen Handelsregister lö-
schen zu lassen. Die Aufzählung von Gefährdungsgründen ist nicht ab-
schliessend. Die Zahlung der Zollforderung erscheint insbesondere auch
als gefährdet, wenn kein oder nur ein ungenügendes Zollpfand besteht
(Art. 208 Abs. 2 ZV i.V.m. Art. 76 Abs. 3 ZG).
3.4.3 Drittens muss der Erlass einer Sicherstellungsverfügung bzw. die An-
ordnung der Beschlagnahme bzw. deren Aufrechterhaltung wie jede staat-
liche Handlung mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip vereinbar sein
(BVGE 2017 III/2 E. 3.3.4.3). Dies bedeutet, dass die Verwaltungsmass-
nahme nicht einschneidender als erforderlich sein darf und sie zu unter-
bleiben hat, wenn eine gleich geeignete, mildere Massnahme für den an-
gestrebten Erfolg ausreichen würde (Urteile des BVGer A-790/2016 vom
29. Juni 2016 E. 2.5.1, A-4979/2014 und A-6829/2014 vom 18. Februar
2015 E. 10). Die Beschwerdeinstanz prüft im Rahmen der Verhältnismäs-
sigkeitsprüfung, ob der sichergestellte Betrag nicht offensichtlich übersetzt
ist (Urteile des BGer 2C_815/2021 vom 23. Dezember 2021 E. 3.4.2,
2C_1057/2020 vom 17. August 2021 E. 3.1; BVGE 2017 III/2 E. 3.4.1). Zu
beachten ist, dass Verhältnismässigkeitsüberlegungen aufgrund des An-
wendungsgebots von Art. 190 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (SR 101, nachfolgend: BV) praxis-
gemäss für das Ergebnis der gerichtlichen Beurteilung nicht ausschlagge-
bend sein können, wenn eine Norm zwar als streng erscheinen mag, aber
vom Bundesgesetzgeber so gewollt ist (Urteil des BGer 2C_703/2009 und
2C_22/2010 vom 21. September 2010 E. 4.4.2; Urteil des BVGer
A-7025/2016 vom 5. Juli 2017 E. 5.2.3).
3.5 Die Zollverwaltung hat das Recht, nicht aber die Pflicht, bei Erfüllung
der gesetzlichen Voraussetzungen eine Sicherstellungsverfügung nach
Art. 81 Abs. 1 ZG zu erlassen oder eine Beschlagnahme nach Art. 83
Abs. 1 ZG anzuordnen (BVGE 2017 III/2 E. 3.3.4.1).
4.
In rechtlicher Hinsicht bestritten ist vorliegend, ob die angefochtenen Si-
cherstellungsverfügungen zu Recht erlassen wurden. Im Folgenden ist da-
her zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Sicherstellung der vorn in
A-3817/2021
Seite 15
Sachverhalt Bst. A genannten Einfuhrsteuer-, Zins-, Bussen-, Gebühren-
forderungen (nachfolgend: streitbetroffene Zollforderungen) erfüllt waren
und aktuell noch sind.
4.1 Als Erstes ist zu prüfen, ob es sich bei den streitbetroffenen Zollforde-
rungen um Zollforderungen im Sinne von Art. 76 Abs. 2 ZG handelt, welche
durch den Erlass einer Sicherstellungsverfügung gesichert werden kön-
nen.
4.1.1 Zu den streitbetroffenen Zollforderungen zählen insbesondere die
gemäss Sachverhalt Bst. A.a bis A.d gestützt auf Art. 12 des Bundesgeset-
zes vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0)
erhobene Nachforderungen für zu Unrecht nicht entrichtete Einfuhrsteuern.
Da diese Einfuhrsteuern durch die EZV zu erheben sind, geht es bei den
Nachforderungen (und den damit geltend gemachten Zinsen) um gegen-
über der Zollverwaltung geschuldete Abgaben (und Zinsen) nach nichtzoll-
rechtlichen Erlassen des Bundes. Es handelt sich damit um Zollforderun-
gen im Sinne von Art. 76 Abs. 2 ZG, welche durch den Erlass einer Sicher-
stellungsverfügung der EZV gesichert werden können (E. 3.1).
4.1.2 Die vorn unter Sachverhalt Bst. A.e bis A.g erwähnten Bussen wegen
versuchter Hinterziehung und mehrfacher vollendeter Hinterziehung von
Einfuhrsteuern und die dazu auferlegten Spruch- und Schreibgebühren bil-
den ohne Weiteres Ansprüche der Zollverwaltung. Dies gilt schon deshalb,
weil die Strafverfolgung bei der Einfuhrsteuer von Gesetzes wegen Auf-
gabe der EZV ist (E. 2). Vor diesem Hintergrund sind die erwähnten Bus-
sen, Spruch- und Schreibgebühren ihrer Art nach ebenfalls Zollforderun-
gen im Sinne von Art. 76 Abs. 2 ZG, deren Sicherung grundsätzlich durch
den Erlass einer Sicherstellungsverfügung vorgesehen ist (E. 3.1).
Sofern die Beschwerdeführerinnen vorbringen, dass der Umfang der Ab-
gabeforderung gesetzlich nicht geregelt sei und sie daraus ableiten, dass
keine genügende Grundlage für eine Sicherstellung von Bussen und Ge-
bührenanteilen bestehe, verkennen sie, dass sich der Umfang der Zollfor-
derung nicht nur aus der ZV, sondern auch direkt aus der Auslegung von
Art. 76 ZG ergibt. So wird etwa in der Botschaft zum Zollgesetz zu Art. 76
ZG explizit festgehalten, dass «die Zollforderung nicht nur die Zollschuld,
sondern auch weitere Forderungen (Gebühren, Kosten, Zinsen, Bussen)
beinhalten kann» (Botschaft Zollgesetz, 646 Ziff. 2.3.2.1, zur Auslegung
des Begriffs der Zollforderung: E. 3.1).
A-3817/2021
Seite 16
4.2 Zu prüfen gilt es sodann, ob die Begründetheit und die Höhe der streit-
betroffenen Zollforderungen mit genügender Wahrscheinlichkeit angenom-
men werden kann (vgl. E. 3.4.1).
4.2.1 Was die mit den Nachforderungsverfügungen vom 19. August 2015
erhobenen Zollforderungen betrifft (Sachverhalt Bst. A.a bis A.d), hatte die
Zollkreisdirektion in der Begründung dieser Verfügungen Folgendes darge-
legt: Ihrer Einschätzung nach habe der Einfuhr von Kunstwerken ein stan-
dardisiertes, aufgesetztes, nicht zur Umsetzung beabsichtigtes Kommis-
sionsgeschäft zwischen den von E._ beherrschten Gesellschaften
und der H._ zugrunde gelegen; die [H._] habe dabei zu kei-
ner Zeit wirtschaftlich über die Kunstwerke verfügt; infolgedessen sei die
[der H._] zustehende Bewilligung zur Verlagerung der Steuerent-
richtung in allen Fällen zu Unrecht genutzt worden (Dossier ZFA,
act. 14.37.226.4, 14.37.226.5, 14.37.226.6, 14.37.226.7). Damit hat die
Zollverwaltung begründete Zweifel geäussert, dass das Verlagerungsver-
fahren in rechtskonformer Weise geltend gemacht wurde. Weiter hat die
Zollkreisdirektion ausgeführt, dass die Beschwerdeführerinnen für jene
Kunstgegenstände, die auf deren Rechnung in die Schweiz eingeführt wur-
den, als Zollschuldnerinnen gelten und dementsprechend gemäss Art. 12
Abs. 3 VStrR nachleistungspflichtig sind (Dossier ZFA, act. 14.37.226.4,
14.37.226.5, 14.37.226.6, 14.37.226.7). Somit erscheinen die mit den
Nachforderungsverfügungen vom 19. August 2015 erhobenen Forderun-
gen (inkl. verfügten Verzugszinsen) im sichergestellten Gesamtbetrag ge-
gen die Beschwerdeführerinnen von Fr. [...] (vgl. hierzu Sachverhalt
Bst. B.b), bestehend aus sichergestellten Einfuhrsteuern samt Zinsen in
der Gesamthöhe von Fr. [...] (Fr. [...] [Beschwerdeführerin 1] + Fr. [...] [Be-
schwerdeführerin 2] + Fr. [...] [Beschwerdeführerin 3] + Fr. [...] [Beschwer-
deführerin 4]) und aufgelaufenen Zinsen von gesamthaft Fr. [...], im Rah-
men der hier vorzunehmenden prima-facie-Prüfung als mit genügender
Wahrscheinlichkeit begründet. Es spielt dabei keine Rolle, dass die Nach-
forderungsverfügungen vom 19. August 2015 noch nicht in Rechtskraft er-
wachsen sind (E. 3.4.1). Das Gleiche gilt für die seit dem 20. August 2015
aufgelaufenen und nun sichergestellten Verzugszinsen, basieren sie doch
auf den verfügten Zollforderungen.
4.2.2 Hinsichtlich der sichergestellten Anteile für Bussen, Spruch- und
Schreibgebühren gilt es festzuhalten, dass diese nicht gegen die Be-
schwerdeführerinnen ausgesprochen worden sind, sondern gegenüber
E._, G._ und F._ (Sachverhalt Bst. A.e bis A.g sowie
A-3817/2021
Seite 17
B.b). Unter Berücksichtigung, dass Bussen und damit zusammenhän-
gende Spruch- und Schreibgebühren weder Zollschulden sind, für die Zoll-
schuldnerinnen und Zollschuldner im Sinne von Art. 70 Abs. 2 ZG nach
Art. 70 Abs. 3 ZG solidarisch haften würden, noch Abgaben im Sinne von
Art. 12 Abs. 1 VStrR darstellen, für welche eine Leistungspflicht Dritter be-
stehen würde, gelingt es der Vorinstanz nicht, die Begründetheit der sicher-
gestellten Bussen und Strafverfahrensgebühren von gesamthaft Fr. [...]
glaubhaft zu machen.
In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz denn auch selbst aus, dass
aus ihrer Sicht keine hinreichende gesetzliche Grundlage bestehe, um die
gegenüber E._, G._ und F._ ausgefällten Bussen
anteilsmässig durch die Beschwerdeführerinnen sicherzustellen zu lassen.
Entsprechend hat sie denn auch beantragt, dass die Bussenbeträge bei
den gegenüber den Beschwerdeführerinnen sichergestellten Zollforderun-
gen in Abzug zu bringen und dass die Dispositive der angefochtenen Si-
cherstellungsverfügungen entsprechend anzupassen seien (Sachverhalt
Bst. D).
4.2.3 Insgesamt ergibt die prima-facie-Prüfung somit, dass von den streit-
betroffenen Forderungen lediglich die mit den Nachforderungsverfügungen
vom 19. August 2015 erhobenen und im Umfang von Fr. [...] (Einfuhrsteu-
ern samt Zinsen von Fr. [...] und aufgelaufene Verzugszinsen von Fr. [...])
gesicherten Forderungen (nachfolgend: glaubhaftgemachte Zollforderun-
gen) mit genügender Wahrscheinlichkeit angenommen werden können
(E. 4.2.1). Nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit angenommen werden
können dagegen die gegenüber E._, G._ und F._
ausgesprochenen Bussen, Spruch- und Schreibgebühren, welche im Um-
fang von Fr. [...] gesichert sind, da die Beschwerdeführerinnen nicht zu de-
ren Bezahlung angehalten werden können (E. 4.2.2).
4.3 Als nächstes ist zu prüfen, ob die Bezahlung der streitbetroffenen Zoll-
forderungen gegen die Beschwerdeführerinnen als gefährdet erschien und
ob diese Forderungen nach wie vor als gefährdet erscheinen
(vgl. E. 3.4.2).
4.3.1 Die Vorinstanz hat in ihren Sicherstellungsverfügungen die Gefähr-
dung der streitbetroffenen Zollforderungen folgendermassen begründet:
Erstens hätten die Beschwerdeführerinnen ihren Sitz nicht in der Schweiz
(Art. 76 Abs. 3 Bst. b ZG). Zweitens verfüge sie (die Vorinstanz) in Bezug
auf die betreffenden Forderungen über kein Zollpfand (Art. 208 Abs. 2 ZV
A-3817/2021
Seite 18
i.V.m Art. 76 Abs. 3 ZG), nachdem die betreffenden Gegenstände mit Ver-
fügung vom 22. Juni 2021 aus dem Zollpfand entlassen worden seien, so
die Vorinstanz.
Die Beschwerdeführerinnen haben allesamt ihren Geschäftssitz im Aus-
land. Etwas Anderes wird von ihnen nicht behauptet. Im Gegenteil führen
sie im Rubrum ihrer Beschwerde selber jeweils ausländische Adressen auf.
Das Gleiche ergibt sich aus den von den Beschwerdeführerinnen einge-
reichten Beilagen 4, 7, 11 und 13. Aufgrund der ausländischen Geschäfts-
sitze der Beschwerdeführerinnen ist ohne Weiteres davon auszugehen,
dass im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Sicherstellungsverfü-
gungen vom 23. Juni 2021 die streitbetroffenen Zollforderungen als gefähr-
det erschienen und sich an der Gefährdungslage bis heute nichts geändert
hat. Da die Zahlung der streitbetroffenen Zollforderungen bereits aufgrund
von Art. 76 Abs. 3 Bst. b ZG infolge des ausländischen Geschäftssitzes –
bis heute unverändert – als gefährdet erscheint, kann vorliegend offenblei-
ben, ob die streitbetroffenen Zollforderungen zusätzlich aufgrund eines feh-
lenden bzw. eines ungenügenden Zollpfandes als gefährdet erschienen.
An diesem zur Gefährdungssituation gezogenen Schluss können die Vor-
bringen der Beschwerdeführerinnen nichts ändern, da sich diese nicht auf
deren ausländische Geschäftssitze beziehen.
4.4 Es bleibt schliesslich zu untersuchen, ob mit dem Erlass der Sicherstel-
lungsverfügungen das Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt wurde
(E. 3.4.3).
4.4.1 In diesem Zusammenhang bringen die Beschwerdeführerinnen vor,
dass jegliche Forderungen der Vorinstanz bereits übermässig sicherge-
stellt seien, weshalb deren Vorgehen unangemessen sei. Die Vorinstanz
habe gegenüber ihnen (den Beschwerdeführerinnen) sowie gegenüber
E._ mit den gegenständlichen Sicherstellungsverfügungen vom
23. Juni 2021 insgesamt eine Forderung von Fr. [...] sichergestellt. Dies,
obwohl die Vorinstanz seit 2015 bereits als Sicherheit [...] Namenaktien
der J._ AG mit einem Marktwert von Fr. [...] übertragen erhalten
habe. Darüberhinaus, so die Beschwerdeführerinnen, bestünden noch Be-
schlagnahmungen sowie Verarrestierungen von zahlreichen Kunstwerken
im Wert von [mehreren Millionen] Schweizer Franken, was gerichtsnoto-
risch sei.
A-3817/2021
Seite 19
Mit dem allgemeinen Verweis der Beschwerdeführerinnen auf geleistete
Sicherheitsleistungen und von der Vorinstanz ergriffene Sicherungsmass-
nahmen ohne einen Bezug zu den streitbetroffenen Zollforderungen dar-
zulegen, vermögen sie hinsichtlich der Verhältnismässigkeit des Erlasses
der Sicherstellungsverfügungen nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Dies
gilt erst recht vor dem Hintergrund, dass die von den Beschwerdeführerin-
nen erwähnten beschlagnahmten Zollpfänder aufgrund des Spezialitäts-
prinzips ausschliesslich die mit den Zollpfändern zusammenhängenden
Zollforderungen sichern. Insofern gelten die beschlagnahmten Zollpfänder
nicht als Sicherheit für die hier streitbetroffenen Zollforderungen. Auch die
ins Feld geführten Namenaktien der J._ AG dienen den streitbe-
troffenen Zollforderungen nicht als genügende Sicherheit. Denn wie das
Bundesverwaltungsgericht bereits in früheren Verfahren festgestellt hat,
besteht auf Seiten der Vorinstanz begründeter Anlass zur Annahme, dass
die Namenaktien der J._ AG aufgrund der Nichteinhaltung der Ver-
einbarung vom 22. Dezember 2015 / 4. Januar 2016 und der Nichtigkeits-
erklärung vom 20. Januar 2017 des Beschwerdeführers keine hinrei-
chende Gewähr für die Einbringlichkeit der Zollforderungen bieten (Urteile
des BVGer A-1742/2018 vom 7. September 2018 E. 8.2.2.1 und 8.4.5,
A-1751/2018 vom 7. September 2018 E. 8.2.2.1 und 8.4.5). Hinsichtlich
der von den Beschwerdeführerinnen erwähnten zusätzlich verarrestierten
Kunstgegenstände gilt es festzuhalten, dass der Arrestvollzug jener Ge-
genstände mitunter zwar aufgrund des Erlasses der angefochtenen Sicher-
stellungsverfügungen und einer weiteren, jedoch vorliegend nicht gegen-
ständlichen Sicherstellungsverfügung stattgefunden hat (Dossier ZFA,
act. 14.37.226.9, 14.37.226.12, 14.37.226.15, 14.37.226.18 und
14.37.226.21). Sie konnten insofern im Zeitpunkt des Erlasses der ange-
fochtenen Sicherstellungsverfügung noch keine Sicherheiten für die streit-
betroffenen Forderungen darstellen. Darüber hinaus dienen ein Teil der von
den Beschwerdeführerinnen erwähnten zusätzlich verarrestierten Kunst-
gegenstände als Sicherheiten für die mit der vorliegend nicht gegenständ-
lichen Sicherstellungsverfügung gesicherten Zollforderungen.
4.4.2 Weiter ist festzuhalten, dass sich der Erlass von Sicherstellungsver-
fügungen als gesetzliches Sicherungsmittel als geeignete Massnahme er-
weist, um die Einbringlichkeit der streitbetroffenen Zollforderungen sicher-
zustellen.
A-3817/2021
Seite 20
4.4.3 Hinsichtlich der Erforderlichkeit des Erlasses der Sicherstellungsver-
fügungen ist weiter fraglich, ob eine mildere Massnahme in Betracht ge-
kommen wäre, die für den angestrebten Sicherungszweck ausgereicht
hätte.
Vor dem Hintergrund der gesetzlichen Konzeption der Sicherstellung von
Zollforderungen, welche den Erlass einer Sicherstellungsverfügung oder
die Geltendmachung des Zollpfands durch Beschlagnahme vorsehen, ist
nachfolgend zu untersuchen, ob es unter Beachtung des Verhältnismäs-
sigkeitsgrundsatzes angezeigt gewesen wäre, die streitbetroffenen Zollfor-
derungen durch Geltendmachung des Zollpfandrechts zu sichern. Allfällige
andere Sicherungsmassnahmen sind im Rahmen der Verhältnismässig-
keitsprüfung aufgrund des Anwendungsgebots von Art. 190 BV nicht zu
prüfen (E. 3.4.3).
Aufgrund des Spezialitätsprinzips kann das Zollpfandrecht nur für mit dem
Zollpfand zusammenhängende Ansprüche geltend gemacht werden, so-
dass für die Sicherung einer Zollforderung grundsätzlich jedes mit diesen
Zollforderungen zusammenhängende Zollpfand mit Beschlagnahme gel-
tend zu machen ist. Angesichts der Bemessungsgrundlage für die Einfuhr-
steuer ist es der Konzeption des Zollpfandrechts immanent, dass die zu
sichernden Zollforderungen zumeist nur einen Bruchteil des Verkehrswerts
des Zollpfands ausmachen (vgl. auch Urteil des BVGer A-1751/2018 vom
7. September 2018 E. 8.4.2 f.). So weisen die Kunstgegenstände, an wel-
chen die Vorinstanz ein Zollpfandrecht für die glaubhaftgemachten Zollfor-
derungen von Fr. [...] hat, einen Einkaufspreis von Fr. [...] auf (Dossier
ZFA, act. 14.37.226.4, 14.37.226.5, 14.37.226.6, 14.37.226.7). Im Gegen-
satz dazu sind im Rahmen des Erlasses einer Sicherstellungsverfügung
unter anderem lediglich die mit Arrest zu belegenden Gegenstände und der
Ort, an dem sich diese befinden (Arrestort), genau zu bezeichnen (Art. 209
Bst. f ZV i.V.m Art. 81 ZG; vgl. auch Art. 274 Abs. 2 SchKG). Diese Arrest-
gegenstände können dann (bei gegebenen weiteren Voraussetzungen) im
Arrestvollzug nach Massgabe der sicherzustellenden Zollforderungen mit
Arrest belegt werden.
Nach dem Gesagten ist vorliegend in der Geltendmachung des Zollpfand-
rechts durch Beschlagnahme keine mildere Massnahme als der Erlass ei-
ner Sicherstellungsverfügung zu erblicken, mit welcher der angestrebte Si-
cherungszweck hätte erreicht werden können.
A-3817/2021
Seite 21
Schliesslich ist nicht ersichtlich und wird von den Beschwerdeführerinnen
auch nicht vorgebracht, inwiefern die Vorinstanz andere Arrestgegen-
stände hätte nennen können, mit welchen der angestrebte Sicherungs-
zweck im Sinne einer milderen Massnahme hätte erreicht werden können.
Damit erweist sich der Erlass der angefochtenen Sicherstellungsverfügun-
gen als erforderlich.
4.4.4 Wie bereits in E. 4.2.3 festgestellt wurde, kann die Begründetheit und
die Höhe der sichergestellten Zollforderungen im Rahmen der prima-facie-
Prüfung nur im Umfang von Fr. [...] mit genügender Wahrscheinlichkeit an-
genommen werden. Die Sicherstellung der streitbetroffenen Forderungen
im Umfang von Fr. [...] erweist sich vor dem Hintergrund der Gefährdungs-
lage als erforderlich, um die Einbringlichkeit der streitbetroffenen Zollforde-
rungen in diesem Umfang sicherzustellen. Die Sicherstellung des darüber-
hinausgehenden Betrags von Fr. [...], welcher im Rahmen der prima-facie-
Prüfung nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit angenommen werden
kann, erweist sich dagegen als offensichtlich übersetzt und ist in diesem
Umfang unverhältnismässig (E. 3.4.3).
4.4.5 Schliesslich ist die vorliegende Sicherstellung der glaubhaftgemach-
ten Zollforderungen im Umfang von Fr. [...] durch das öffentliche Interesse
betreffend die Einbringlichkeit fraglicher Zollforderungen, welches die pri-
vaten Interessen der Beschwerdeführerinnen überwiegt, gerechtfertigt. Die
Sicherstellung der glaubhaftgemachten Zollforderungen im Umfang von
Fr. [...] ist den Beschwerdeführerinnen durch den Erlass der Sicherstel-
lungsverfügungen deshalb auch zumutbar.
4.4.6 Als Ergebnis der vorliegenden prima-facie-Würdigung ist festzuhal-
ten, dass die Sicherstellungen der glaubhaftgemachten Zollforderungen im
Betrag von Fr. [...] (E. 4.2.1) zwar zu bestätigen ist, die Vorinstanz jedoch
durch die Sicherstellung eines darüberhinausgehenden Betrags von
Fr. [...] (E. 4.2.2) das Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt hat.
4.5 Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Voraussetzungen für
die Sicherstellung der glaubhaftgemachten Zollforderungen im Umfang
von Fr. [...] im Zeitpunkt des Erlasses der Sicherstellungsverfügungen er-
füllt waren und es noch sind. Der darüberhinausgehende Betrag von
Fr. [...], bestehend aus Bussen und Strafverfahrensgebühren, welche ge-
genüber Drittpersonen ausgesprochen wurden (Sachverhalt Bst. A.e bis
A-3817/2021
Seite 22
A.g sowie B.b), erweist sich als offensichtlich übersetzt. Die mit den Sicher-
stellungsverfügungen sicherzustellenden Beträge sind aufgrund der inso-
weit übereinstimmenden Anträge auf die glaubhaft gemachten Zollforde-
rungen von gesamthaft Fr. [...] (für die Beschwerdeführerin 1 auf Fr. [...],
für die Beschwerdeführerin 2 auf Fr. [...], für die Beschwerdeführerin 3 auf
Fr. [...] und für die Beschwerdeführerin 4 auf Fr. [...]) zu reduzieren. Die
Dispositive der Sicherstellungsverfügungen sind entsprechend anzupas-
sen. Die Beschwerde ist insofern teilweise gutzuheissen, im Übrigen je-
doch abzuweisen.
5.
5.1 Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei
auferlegt; unterliegt diese nur teilweise, so werden die Verfahrenskosten
ermässigt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Insgesamt sind die Verfahrenskosten auf
Fr. 20'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und den zu rund 55 % un-
terliegenden Beschwerdeführerinnen im Umfang von Fr. 11’000.-- aufzuer-
legen. Letzterer Betrag ist dem geleisteten Kostenvorschuss von insge-
samt Fr. 20'000.-- zu entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 9’000.-- ist den
Beschwerdeführerinnen nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückzuerstatten.
Der Vorinstanz sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2
VwVG).
5.2 Die zu rund 45 % obsiegenden Beschwerdeführerinnen haben im ent-
sprechenden Umfang Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1
VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE).
Da der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen keine Kostennote ein-
gereicht hat, ist die Parteientschädigung aufgrund der Akten festzusetzen
(Art. 14 Abs. 2 VGKE). Wie aus Art. 8 Abs. 2 und Art. 10 Abs. 1 VGKE her-
vorgeht, hat die Parteientschädigung nicht jeden erdenklichen, sondern nur
den notwendigen Aufwand zu ersetzen (statt vieler: Urteil des BVGer
A-2703/2021 vom 12. Mai 2021 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
Die reduzierte Parteientschädigung wird vorliegend praxisgemäss auf
Fr. 13’500.-- festgesetzt.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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