Decision ID: 2b8e98f4-1c7a-4805-85ca-89dfb4160af5
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1941, war als Geschäftsführer bei der
Y._
GmbH angestellt und dadurch bei der National Versicherung, deren Rechtsnachfolgerin die Helvetia Schweizerisc
he Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Helvetia)
ist, gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am
7.
Oktober 2014 von einem rückwärtsfahrenden
Fahrzeug
angefahren wurde.
D
as Ereignis
wurde
am 1
6.
Oktober 2014 der
Versicherungsgesellschaft gemeldet (Urk.
10/1/UM).
Gemäss provisorischem Austrittsbericht des Universitätsspitals
Z._
zog sich der Versicherte durch den Verkehrsunfall ein Schädelhirntrauma zu. Sodann bestand der Verdacht auf eine Nierenkontus
ion rechts. Ferner wurde am 10.
Oktober 2015 eine Enzephalopathie multifaktorieller Genese diagnostiziert (
Urk.
10/1/M1 S. 1).
Nach intensivmedizinischer Behandlung im
Z._
und teil
weise auch im nachbehandelnden Spital
A._
(vgl.
Urk.
1
0/1/M2, Urk.
10/1/M7) trat der Versicherte am 2
8.
Oktober 2014 zur Rehabilitation in die Rehaklinik
B._
ein.
Die Behandlung dauerte
bis zum 2
2.
Januar 201
5.
Im Austrittsbericht vom 2
3.
Februar 2015 hielten die Ärzte der Klinik fest,
der Ver
s
icherte sei wieder selbständig
zu Fuss
, ohne Hilfsmittel
,
innerhalb und ausserhalb der Station. Er
sei
selbständig in den basalen und komplexen Alltagsaktivitäten. Es bestehe ein leichtes kognitives Defizit mit Sch
w
erpunkten in der Aufmerk
sam
keit und in den Gedächtnisleistungen. Die Exekutivfunktionen seien norm
kon
form. Im Vordergrund der nachstationären Behandlung habe die Fortsetzung der kognitiven Therapie und
die
Beratung
zur
Adaption
an die
fortbestehende Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörung zu stehen.
Es sei insbesondere eine Ergo
the
rapie mit Schwerpunkt kognitive Therapie
zu etablieren. Weder seien eine Arbeitsfähigkeit noch eine Fahreignung gegeben
(
Urk.
10/1/M19).
In der Folge
nahm
der Versicherte
die empfohlene
ergotherapeutische und
des Weiteren auch eine
längerdauernde
neuropsychologische
Behandlung
auf
(vgl.
Urk.
10/1/M25
,
Urk.
10/1/M27 f.,
Urk.
10/1/M30,
Urk.
10/1/M33, Urk.
10/1/M36 ff.
).
Die Helvetia liess den Versicherten sodann
durch die Ärzte der
C._
, Polydisziplinäre Begutachtungsstelle MEDAS,
polydi
s
zipli
när begutachten. Das neurologische G
utachten
mit interdisziplinärer Beurteilung
datiert vom
7.
Dezember 2016 (
Urk.
10/1/M49), das neuropsycholo
gische und das psychiatrische Teilgutachten tragen das Datum des 2
4.
November 2016 und des
4.
Dezember 2016 (
Urk.
10/1/M49/1-2).
Mit Verfügung vom 1
6.
Februar 2017 sprach die
Helvetia dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung von
Fr.
63'000.-- entsprechend
einer Integritätsein
busse
von 50
%
zu und stellte fest, der Anspruch auf Heilbehandlung und Tag
gelder ende per Ende Dezember 2016 (
Urk.
10/2/K140).
Mit weiterer Verfügung vom 13.
November 2017 sprach die Helvetia dem Versicherten
mit Wirkung ab dem 1.
Januar 2017
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 44
%
eine
Rente in der Höhe von Fr. 1’760
.-- pro Monat zu
und
hielt fest,
mit der Zusprechung der Rente
ende
der
Anspruch
auf Heilbehandlungsmassnahmen (
Urk.
10/2/K156). Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am
4.
Dezember 2017 Einsprache
. Er beantragte die Zusprechung einer Invalidenrente von
Fr.
4'000.-- pro Monat ab dem
1.
Januar 2017
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
(Urk.
10/2/K160).
Die Helvetia wies die Einsprache
mit
Einspracheentscheid
vom 1.
Juni 2018 ab (
Urk.
2 =
Urk.
10/2/K162).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
1.
Juni 2
018 erhob der Versicherte am 2.
Juli 2018 Beschwerde. Er erneuerte den im
Einspracheverfahren
gestellten An
trag auf Zusprechung einer Invalidenrente in der Höhe von
Fr.
4'000.-- pro Monat ab dem
1.
Januar 2017 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
(
Urk.
1).
In der Beschwerdeantwort vom
3.
Oktober 2018 beantragte die Helvetia die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9).
In der Replik vom
5.
November 2018 (
Urk.
13) und in der Duplik vom
3.
Dezember 2018 (
Urk.
16) hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest.
Auf die Ausführungen den Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
brochen sind,
nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
1.2
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
7.
Oktober 2014
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Aus
serdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Ver
unfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
2.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfall
bedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungs
mass
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte
(
Valideneinkommen
)
, in Beziehung gesetzt zum Erwerbs
ein
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (
Invali
deneinkommen;
Art. 16 ATSG).
2.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob dieses für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte im
Einspracheentscheid
und in der Beschwerde
antwort
aus,
es sei unbestritten, dass
es sich beim
Ereignis vom 7.
Oktober 2014, als der Beschwerdeführer vo
n einem rückwärtsfahrenden Kran
wagen angefahren worden sei und
sich dadurch ein Schädelhirnt
rauma zugezogen habe,
um
einen Unfall im Rechtssinne
handle
. Zwecks Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit sei
das
Gutachten einer versicherungsexternen
MEDAS-
Gutachterstelle eingeholt worden. Dieser Expertise komme grundsätzlich volle Beweis
kraft
zu.
Die vom Beschwer
de
führer
vorgelegten
Berichte
der behandelnden
Ärzte vermöchten daran nichts zu ändern.
Die geltend gemachte Veränderung der gesundheitlichen Situation
im weiteren Verlauf
ergebe sich daraus nicht und es sei nicht
dargelegt
worden
, weswegen an den Schlussfolgerungen der MEDAS-Experten gezweifelt werden müsste.
Vielmehr handle es sich b
ei den betreffenden Berichten um beweis
rechtlich unerhebliche
andere
Beurteilung
en
des nämlichen Sachverhaltes.
Aus medizinischer Sicht
spreche nicht
s
dagegen, dass der Beschwerdeführer die von den MEDAS-Gutachtern attestierte Restarbeitsfähigkeit
von 50
%
adäquat und auf dem ersten Arbeitsmarkt umsetzen könne.
Per Anfang 2017 sei der Fall
abschluss angekündigt worden und damit einhergehend die Einstellung der vorüber
gehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf Dauer
leistungen. Damit sei der Beschwerdeführer einverstanden gewesen und über die Einstellung der vorübergehenden Leistungen
sowie den
Anspruch auf eine Inte
gritätsentschädigung
sei mit der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 1
6.
Februar 2017 entschieden worden.
Der Beschwerdeführer sei zu Beginn des Rentenanspruchs bereits 76 Jahre alt gewesen.
Damit liege ein Anwendungs
fall von
Art.
28
Abs.
4
UVV
vor.
Die
Auffassung
des Beschwerdeführers
, sein Alter sei in Bezug auf die Wieder
eingliederung nur von untergeordneter Bedeu
tung,
könne
nicht gefolgt werden.
Die
Bemessung des Invalideneinkommens
anhand der Lohnansätze für
Tätigkeiten des Kompetenzniveaus 1
gemäss der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
sei sachgerecht. Ein leidens
bedingter Abzug vom Invalideneinkommen sei nicht angezeigt.
Den ins Gewicht fallenden Einschränkungen sei bereits bei der Festlegung der Restarbeitsfähigkeit Rechnung getragen worden. Diese Aspekte könnten nicht noch einmal berück
sichtigt werden. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sei bei der Bestim
mung des
Valideneinkommens
auf das vor Eintritt des Gesundheits
schadens tatsächlich erzielte Einkommen
abzustellen
.
Dieses habe sich seit
dem Jahr 2010
von rund Fr.
120'000.-- auf
Fr.
61'355.-- pro Jahr verringert.
Ein Pro
zent
vergleich komme nicht in Betracht, da die angepasste Tätigkeit nicht der ange
stammten entspreche (
Urk.
2 S. 9 ff.,
Urk.
9
S. 3 ff.).
In der Duplik ergänzte die Beschwerdegegnerin,
aufgrund des Schreibens des Beschwerde
führers vom 3
1.
Januar 2017
(vgl.
Urk.
10/2/K139)
habe davon aus
gegangen werden können, dass das Gesamtergebnis der MEDAS-Begutachtung nicht angezweifelt we
rde. Nichts A
nderes
sei
denn auch der Einsprache vom
4.
Dezember 201
7 zu entnehmen. Darin sei die Einschätzung der Restarbeits
fähigkeit durch die Gutachter nicht
bemängelt
worden. Erst mit der Beschwerde seien
diesbezügliche
Einwände erfolgt. Insgesamt aber hätten die Abklärungen ergeben, dass nicht der unfallbedingte Gesundheitsschaden des Beschwerde
führers, sondern das vorgerückte Alter von 76 Jahren einer Verwertung der Rest
arbeitsfähigk
eit entgegenstehe (
Urk.
16 S. 2
f.).
3.2
Der Beschwerdeführer macht
e
geltend,
aufgrund des MEDAS-Gutachtens stehe fest, dass angesichts der zum Teil schweren unfallbedingten Beeinträchtigungen in multiplen kognitiven Bereichen die Wiederaufnahme der anspruchsvollen Vor
unfalltätigkeit nicht mehr möglich sei. Darüber bestehe Einigkeit. Hinsichtlich
der
Ausübung einer Verweisungstätigkeit seien die MEDAS-Gutachter zum Schluss gekommen, einfache und klar vorstrukturierte Aufgaben mit Qualitätskontrollen durch eine vorgesetzte Per
son seien im Umfang von rund 50
% möglich. Dieser Einschätzung könne nicht gefolgt werden.
Im Gutachten sei dargelegt worden, es sei eine umfassende Überwachung
durch einen
«
Aufpasser
»
nötig, damit das streng limitierte Tätigkeitsprofil umgesetzt werden könne. Vor diesem Hinter
grund sei das attestierte Pensum von 50
%
auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht umsetzbar. Darauf habe
auch
der beratende Neurologe der Beschwerdegegnerin hingewiesen (vgl.
Urk.
3/3). Gemäss den Angaben des behandelnden Psychiaters
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie (vgl.
Urk.
3/4)
,
sei die Ressourcenbeurteilung der MEDAS-Gutachter auch aus psychiatrischer Sicht unzutreffend respektive überholt. Zwecks valider Klärung des Sachverhaltes müsse ein weiteres Gutachten eingeholt werden. Sodann sei zu berücksichtigen, dass kein Anwendungsfall von
Art.
28
Abs.
4 UVV vorliege. Obschon im AHV-Alter stehend, habe er (der Beschwerdeführer) vor dem Unfall weiterhin eine Erwer
bstätigkeit ausgeübt und es sei
keine Rede davon gewesen, diese aufzugeben. Da er nur über ein bescheidenes Renteneinkommen verfügt habe, sei er
auf ein regelmässiges
Einkommen auch angewiesen gewesen.
Hinzu komme, dass die MEDAS-Gutachter
festgehalten hätten
, dass
sich das
vorge
rückte Alter auf die Dauer der Genesung
nur in unbedeutendem Ausmass aus
wirke
.
Sodann sei davon auszugehen, dass
das unfallkausale Störungsbild auch bei einer versicherten Person im mittleren Alter eine hohe Arbeitsunfähigkeit in der angestammten anspruchsvollen Tätigkeit
zur Folge gehabt hätte
.
Es
liege
somit
kein Anwendungsfall von
Art.
28
Abs.
4 UVV vor.
Es mangle a
ufgrund der durch den Unfall bewirkten Schädigung
an einer
verwertbare
n
Restarbeits
fähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
Somit
sei von einem Invalidi
tätsgrad von 100
%
auszugehen. Aber selbst wenn ein Anwendungsfall von
Art.
28
Abs.
4 UVV vorläge, resultierte ein
gleich hoher
Invaliditätsgrad. Nicht nur das Invaliden-
,
sondern auch das
Valideneinkommen
sei anhand der Lohn
ansätze für eine Person im mittleren Alter zu ermitteln. Die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen,
der Bemessung des
Valideneinkommens
ebenfalls
das Ein
kommen eines 40 bis 45 Jahre alten erfolgreichen Managers mehrerer Unter
neh
men zu Grunde zu legen. Da
es
aufgrund der besonderen Umstände
im Zusam
menhang mit der angestammten
Tätigkeit effektiv kaum möglich sei,
ein
zuver
lässige
s
Vergleichseinkommen zu ermitteln, wäre einem Betätigungs
vergleich im Sinne der ausserordentlichen Bemessungsmethode der Vorzug zu geben. Auf
grund des schweren Gesundheitsschadens aber sei eine weitere Tätig
keit im inter
national tätigen Beratungsunt
ernehmen nicht mehr möglich
(
Urk.
1 S. 4
ff.).
In der Replik erg
änzte der Beschwerdeführer, der Beschwerdegegnerin sei nach Erstattung des MEDAS-Gutachtens telefonisch mitgeteilt worden, die Schluss
folgerungen
der Experten
seien nicht haltbar.
Auf eine weitere Stellungnahme sei
nur
unpräjudiziell
verzichtet worden, weil ungeachtet der von den Gutachtern attestierten Restarbeitsfähigkeit eine wirtschaftliche Unverwertbarkeit vorliege.
Somit treffe es nicht zu, dass das MEDAS-Gutachten im Gesamtergebnis aner
kannt worden sei.
Nicht nur der behandelnde Psychiater
Dr.
D._
sei zum Schluss gekommen, dass nur noch eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen in Frage komme (vgl.
Urk.
10/2/K168.6), sondern auch der beratende Neurologe der Beschwerde
gegnerin,
Dr.
med.
E._
, Neurologe und Verhaltens
neurologe (
Urk.
10/2/K168.5).
Zu diesem Umstand habe die Beschwerdegegnerin mit keinem Wort Stellung genommen. Es stehe fest, dass die durch den Unfall verursachte Hirnverletzung dauerhafte Auswirkungen habe und zu einer Voll
in
validität geführt habe. Ausdruck davon sei
auch
die festgestellte Integritäts
einbusse von 50
%
.
Im Zusammenhang mit der Feststellung des Invaliden
einkommens sei zu beachten, dass sämtliche Voraussetzungen für einen leidens
bedingten Abzug gegeben seien: leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienst
jahre, Nationalität, Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad
(
Urk.
13 S. 3 ff.).
4.
Strittig und z
u beurteilen
ist
der
mit Verfügung vom 1
3.
November 2017
(
Urk.
10/2/K156)
festgesetzte
und mit
Einspracheentscheid
vom
1.
Juni 2018
bestätigte
Anspruch auf eine Invalidenrente. Zu prüfen ist insbesondere die Höhe des
Rentenanspruch
s
.
Kontrovers beurteilt wird von den Parteien
, ob und in welchem Mass die gesundheitlichen Folgen des Unfalles eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt zulassen
respektive
in welchem Mass das fortgeschrittene Alter einer solchen Verwertung gegebenenfalls entge
gensteht.
Die mit der Verfügung vom 1
6.
Februar 2017 zugesprochene Integritäts
entschädigung und die Einstellung der vorübergehenden Leistungen per 3
1.
Dezember 2016 (
Urk.
10/2/K1490) sind vorliegend weder Anfechtungs- noch Streitgegenstand. Die
betreffende
Verfügung blieb unangefochten.
Somit stellt sich im vorliegenden Verfahren die Frage des Zeitpunktes des Fallabschlusses nicht. Der Antrag lautet denn auch auf die Zusprechung von Rentenleistungen ab dem
1.
Januar 2017 und der Beschwerdeführer bestätigte in der Replik aus
drücklich,
mit dem Fallabschluss per 3
1.
Dezember 2016 einverstanden
zu sein
(
Urk.
13 S. 4
Rz
11).
5.
5.1
Dem neurologischen Gutachten von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Neu
ro
logie FMH,
vom
7.
Dezember 2016,
in das
zwecks Beurteilung der Gesamt
situation
die Ergebnisse der neurologischen Begutachtung einerseits und ande
rer
seits diejenigen der ergänzenden neuropsychologischen und psychiatrischen Unter
suchung einflossen (vgl.
Urk.
10/1/M49 S. 8 ff,
Urk.
10/1/M49 S. 21,
Urk.
10/1/M49.1,
Urk.
10/1/M49.2), ist zu entnehmen, der Beschwerdeführer habe
sich
als Folge der Kollision mit einem rückwärtsfahrenden Kranwagen am
7.
Oktober 2014 eine traumatische Hirnverletzung mit multiplen Kontusions
blutungen beidseits
fronto
-basal und temporal, mit traumatischer Subarachnoi
dal
blutung, mit Subduralhämatomen
temp
o
ro
-parietal und mit Felsen
beinfraktur beidseits, mit Sprengung des äusseren Gehörganges mit hirn
organischem Psy
chosyndrom (ICD-10: F07.2)
und
mit fortbestehenden mittel
gradigen neuropsy
chologischen Defizit
en
erlitten (
Urk.
10/1/M49 S. 14
).
5.2
Zu den Folgen
des Leide
n
s auf das erwerbliche
Leistungsvermögen
kann dem Gutachten entnommen
werden,
der fokal-neurologische Status
sei
unauffällig. Im Vordergrund stünden aus neuropsychologischer Sicht mittelgradige exekutive Defizite mit Antriebsstörung, eine erhöhte Reizbarkeit und mnestische sowie
attentionale
Beeinträchtigungen mit insgesamt reduzierter kognitiver Belast
bar
keit. Das Störungsbild sei gut mit den erlittenen Kontusionsblutungen
fronto
-basal und
temporal beidseits zu vereinbaren und damit als unfallkausal zu beur
teilen.
Die mitwirkenden Faktoren, das heisst eine vorbestehende vaskuläre Enze
phalopathie und das Alter spielten eine untergeordnete Rolle.
Die
im Ergebnis
unauffälligen Symptomvalidierungsverfahren sprächen für eine authentische hirnorganische Symptomatik. Eine formal zu verzeichnende Verschlechterung gegenüber Voruntersuchungen erkläre sich mit den im Rahmen der aktuellen neuropsychologischen Begutachtung durchgeführten ausführlicheren Unter
su
chung und der längeren Untersuchungsdauer. Dabei sei auch die verminderte kognitive Belastbarkeit zu Tage getreten.
Bis zum Ereignis vom
7.
Oktober 2014 habe ein hohes Funktionsniveau im geschäftlichen und privaten Bereiche bestan
den. Mit dem Unfall habe dieses eine abrupte Verschlechterung erfahren. Die unfallbedingte Beeinträchtigung sei bleibe
nd. Der «
status
quo ante
vel
sine»
werde nicht mehr erreicht werden. Aufgrund der unfallkausalen neuropsycho
logischen Defizite in den Domäne
n exekutive Funktionen, Aufmerks
amkeit,
Spra
che,
Mnestik
und kognitive Belastbarkeit könne die kognitiv anspruchsvolle Tätig
keit als Geschäftsführer eines international tätigen Beratungsunternehmens
seit dem Vorfall vom
7.
Oktober 2014 dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden. Im Sinne einer angepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer seit der Entlassung aus der stationären Rehabilitation
zumutbarerweise
in der Lage
, ausschliesslich einfache und
klar vorstrukturierte Aufgaben zu erledigen. Erforderlich seien hierbei Qualitäts
kontrollen durch einen Vorgesetzten oder Mitarbeiter.
Auch in solch
ein
fachen Aufgabe
n
sei aufgrund der Verlangsamung, der Interferenzan
fälligkeit und der reduzierten Aufmerksamkeitskontrolle mit einer Einschränkung der Arbeits
fähigkeit zu rechnen.
Aufgrund der erhöhten Ermüdbarkeit sei
von
einem maximal zumutbaren Pensum von zweimal drei Stunden pro Tag auszu
gehen. Daraus ergebe sich bei einem Pensum von rund 75
%
und einer Leistungs
fähig
keit von 70
%
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
10/1/M49 S. 15 ff.).
5.3
Vor dem Hintergrund der
Erkenntnisse der Untersuchungen
in den drei Fachge
bieten
, die nebst einer ausführlichen Anamnese und der Befunderhebung
auch eine Auswertung der
Vorakten
mitumfasst
e
n
(
Urk.
10/1/M49 S 3 ff.,
Urk.
10/1/M49
.1 S. 1 ff.,
Urk.
10/1/M49.2 S.
1 ff.), erweist sich die inter
disziplinäre Gesamtbeurteilung
durch die MEDAS-Ärzte
als nachvollziehbar und überzeugend. Soweit sie die Stellung der Diagnose und die Folgeabschätzung des unfallbedingten Leidens auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Geschäftsführer im eigenen Beratungsunternehmen betrifft, pflichtet ihr der Beschwerdeführer explizit auch bei (
Urk.
1 S. 5
Rz
10).
5.4
Hinsichtlich der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit wendet der Beschwerde
führer
jedoch
ein, laut
MEDAS-
Gutachten sei bei der Ausübung einer angepassten Tätigkeit eine umfassende Überwachung nötig, ansonsten das streng limitierte Tätigkeitsprofil nicht umgesetzt werden könne. Vor diesem Hintergrund sei ein Pensum von 50
%
auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht
realistisch
(
Urk.
1 S. 5 f.
Rz
12).
Dass eine angepasste Tätigkeit ausschliesslich und nur mittels umfassender Über
wachung ausübbar ist, erwähnten die Gutachter nicht, insbesondere nicht die Anwesenheit eines eigentlichen «Aufpassers»
. Vielmehr wiesen die Gutachter darauf hin, es seien Qualitätskontrollen durch einen Vorgesetzten oder einen Mitar
beiter angezeigt (
Urk.
10/1/M49 S. 17).
Im Rahmen eines Angestelltenver
hältnisses
zählt die Kontrolle des Arbeitsergebnisses sodann zum durchaus Üblichen
. Offensichtlich diente die Erwähnung der Verdeutlichung
der Unter
schiede zu den aktuellen Verhältnissen und denjenigen
vor dem Ereignis vom
7.
Oktober 201
4.
Bis
zu diesem Vorfall
leitete der Beschwerdeführer
ein
Unter
nehmen (vgl.
Urk.
10/1/M49 S. 9,
Urk.
10/1/M49.1 S. 2 f.,
Urk.
10/1/M49.2 S. 9).
Eine besonders intensive
Betreuung
im Rahmen einer angepassten Tätigkeit
, die die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
schlechter
dings in Frage stellt
, ist aufgrund der gutachterlichen Darlegungen
jedoch
nicht anzunehmen.
5.5
Nach Auffassung des Beschwerdeführers ergeben sich auch aufgrund der Darlegungen des Neurologen
Dr.
E._
vom 2
8.
Januar 2016 (
Urk.
3/3) konkrete Zweifel an der B
eurteilung der MEDAS-Gutachter (
Urk.
1 S. 3
Rz
6 u. S. 5 f.
Rz
12).
Dieser Auffassung lässt sich nicht folgen.
Soweit
Dr.
E._
die Umsetzung der von den Gutachtern beurteilten Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit als nicht realistisch betrachtet, so
begründete er dies nicht medizinisch, sondern verwies auf Angaben der Tochter des Beschwerdeführers im Zusammen
hang mit
Arbeitsversuchen im bisherigen Umfeld.
Dies
allerdings
sind keine
genü
genden
Kriterien
zur Beurteilung der Restarbei
tsfähigkeit
, insbesondere nicht zur schlüssigen Darlegung des gänzlichen Fehlens einer Restarbeits
fähigkeit
, denn es ist
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4).
5.6
Der Beschwerdeführer verweist
zur Untermauerung sein
e
s Standpunktes
auch auf die Einschätzung von
Dr.
D._
(
Urk.
1 S. 4
Rz
8)
. Der behandelnde Psychiater kam wie die MEDAS-Gutachter zum Schluss, die angestamm
te Tätigkeit sei auf
grund der
durch den Unfall bedingten Hi
r
nschädigung dauerhaft nicht mehr zumutbar. Des Weiteren erachtete er eine berufliche Reintegration ausschliesslich im Rahmen
eines geschützten Arbeitsplatzes für realistisch (Urk. 3/4 S. 2). Diese Einschätzung begründete er indessen nicht näher, so dass offenbleibt, gestützt auf welche Überlegungen er zu dieser Schlussfolgerung gelangte. Auf eine der
artige Beurteilung kann nicht abgestellt werden.
An der Verwertbarkeit der
Rest
arbeitsfähigkeit
ist
somit
weder hinsichtlich des im Gutachten umschriebenen Anforderu
ngsprofils noch in Bezug auf den
genannten zeitlichen Rahmen zu zweifeln.
Daran ändert nichts, dass dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
6.
Februar 2017 eine Integritätsentschädigung zugesprochen worden ist. Daraus lässt sich entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
nicht auf eine
vollum
fängliche Invalidität
schliessen (vgl. Urk.
13 S. 4
Rz
13), zumal
d
er
Beschwerde
führer
diesen Einwand nicht näher begründet hat.
5.7
Zusammenfassend ist auch an der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit im MEDAS-Gutachten nicht zu zweifeln. Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer trotz der unfallbedingten Beeinträchtigung in der Lage ist, eine einfache und
klar vorstrukturierte
Tätigkeit auszuüben. Hierfür besteht eine Arbeits
fähigkeit von 50
%
.
D
ie Einholung eines weiteren Gutachtens
(vgl.
Urk.
1 S. 5 f.
Rz
. 12)
ist
a
ngesichts der liquiden Beweislag
e
nicht erforderlich.
Aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer erst im Beschwerdeverfahren explizite Rügen betreffend das MEDAS-Gutachten erhoben hat,
was die Beschwerde
gegnerin moniert (
Urk.
9 S. 2
Ziff.
5),
kann ihm
allerdings
kein Nachteil erwachsen.
Das Sozialversicherungsgericht hat
im Rahmen der Mitwir
kungspflicht der Parteien, die vorliegend kein
en
Anlass zu Beanstandungen gibt,
den massgebenden Sachverhalt gestützt auf
Art.
61
lit
. c ATSG auch ohne Partei
behauptung respektive -darstellung von Amtes wegen zu
festzustellen
.
6
.
6
.1
Im Rahmen der Bemessung der Invalidität kam die Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass auf den im Zeitpunkt des Rentenbeginns
im 7
6.
Altersjahr stehenden Beschwerdeführer
Art.
28
Abs.
4 UVV anzuwenden sei
(
Urk.
2 S. 10 f.
Ziff.
6, Urk.
9 S. 3 f.
Ziff.
3)
.
Der Beschwerdeführer vertritt dagegen die Auf
fassung
, dass kein Anwendungsfall v
on
Art.
28
Abs.
4 UVV vorliege. Trotz des vorgerückten Alters habe er weiterhin eine Erwerbstätigkeit ausgeübt und hätte diese angesichts
seiner geringen
Alte
rsleistungen
ohne den Vorfall
auch weiter
hin beib
ehalten. Gemäss den Feststellung
en
der
MEDAS-Gutachter
habe sich
das vorgerückte Alter
sodann
nur in unbedeutendem Ausmass
auf die Dauer der Gene
sung aus
gewirkt und es sei davon auszugehen,
dass das unfallkausale Stö
rungsbild auch bei einer versicherten Person im mittleren Alter eine hohe Arbeits
unfähigkeit in der angestammten anspruchsvollen Tätigkeit zur Folge gehabt hätte
(
Urk.
1 S.
6 f.
Rz
15 ff.).
6
.2
Nimmt ein Versicherter nach dem Unfall die Erwerbstätigkeit altershalber nicht mehr auf (Variante 1) oder wirkt sich das vorgerückte Alter erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbstätigkeit aus (Variante 2), so sind gemäss Art. 28
Abs.
4 UVV für die Bestimmung des Invaliditätsgrades die Erwerbseinkommen massgebend, die ein Versicherter im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesund
heitsschädigung erzielen könnte.
Variante 1 setzt voraus, dass die versicherte Person bei Abschluss der Behandlung der Unfallfolgen zumindest teilweise wieder erwerbsfähig ist, jedoch ihre vorhan
denen erwerblichen Ressourcen nicht mehr verwertet, wobei der Grund der Erwerbs
aufgabe das vor
gerückte Alter
ist. Die
se
Variante gelangt insbesondere dann zur Anwendung, wenn während der Heilbehandlung das ordentliche AHV-Alter erreicht wird oder der schon zuvor in Aussicht genommen
Zeitpunkt für einen vorzeitigen Altersrücktritt erreicht wird
(
vgl.
Thomas
Flückiger
, in: Ghis
laine
Frésard-Fellay
/Susanne Leuzinger/Kurt
Pärli
(Hrsg.), Basler Kommentar Unfall
versicherungsgesetz
,
Basel 2019,
Art.
18
Rz
81 mit Hinweisen)
. Von vorge
rücktem Alter wird ab rund 60 Jahren ausgegangen (Urteil des Bundesgerichts 8C_307/
2017 vom 2
6.
September 2017 E. 4.2.2
).
A
ufgrund des unbestrittenen Umstandes, dass der 1941 geborene Beschwerde
führer vor dem Unfall vom
7.
Oktober 2014 bereits weit über das Erreichen des ordentlichen AHV-Alters hinaus erwerbstätig geblieben ist und es ohne den Unfall vora
ussichtlich auch geblieben wäre
,
ist die Variante 1 hier
nicht einschlägig.
6
.3
Bei
Variante
2 von
Art.
28
Abs.
4 UVV ist ent
scheidend, ob konkrete
Anhalts
punkte dafür bestehe
n
, dass sich das Alter der versicherten Person erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit auswirkt. Dies kann einerseits aus medizinische
r
Sicht in einer physiologischen Altersgebrechlichkeit in dem Sinne auftrete
n
, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch den erlittenen Unfall und seine Folgen bei einer Person im mittleren Alter geringer ausgefallen wäre. Der Altersfaktor kann sich andererseits aber auch
in dem Sinne
erwerblich auswirken, dass beispielsweise die Wiedereingliederung schwieriger ist, eine Ein
gliederungsmassnahe nicht (mehr) gewährt wird oder aber sich kein Arbeitgeber
mehr
findet, der eine Person kurz vor dem AHV-Alter mit gesundheitlichen Beein
trächtigungen einstellen würde. Diese erwerbliche Auswirkung des Alltags
faktors wurde in der jüngeren Rechtsprechung vermehrt
betont
, indem verdeut
lichet wurde, dass
Art.
28
Abs.
4 UVV auch dann zur Anwendung kommt, wenn das vorgerückte Alter das Zumutbarkeitsprofil nicht zusätzlich beeinflusst, also keine zusätzlichen Einschränkungen des funktionellen Lei
stungsvermögens mit sich bringt,
aber einer Ve
r
wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
trotzdem entge
gensteht (
Urteil des Bundesgerichts 8C_799/2019 vom 1
7.
Februar 2020 E. 2.3 u. 3.3;
vgl. auch
Flückiger
,
a.a.O.,
Art.
18
Rz
82 mit weiteren Hinweisen).
Wohl
ist davon auszugehen, dass
beim Beschwerdeführer
die
unfallbedingte Beein
trächtigung als
Faktor
der Beeinträchtigung der Erwerbstätigkeit
ins Gewicht fällt
.
Unfallbedingt
beträgt
auch
in einer angepassten Tätigkeit
die Arbeits
fähigkeit nur noch 50
%
. Limitierend wirken sich die generelle Verlang
samung, die Interferenzanfälligkeit, die reduzierte Aufmerksamkeitskontrolle und die erhöhte Ermüdbarkeit aus. Der Beschwerdeführer ist aufgrund dessen nur noch in der Lage, klar vorstrukturierte Aufgaben zu erledigen und das Arbeits
ergebnis bedarf einer regelmässigen Kontrolle durch Vorgesetzte oder andere Mit
arbeiter (
Urk.
10/1/M49 S. 17).
Ein noch erheblicheres Hindernis ist indessen das Alter des Beschwerdeführers. Im Zeitpunkt des Unfalles vom
7.
Oktober 2014 hatte er das AHV-Alter bereits deutlich überschritten und stand im Zeitpunkt des Rentenbeginns im 76
.
Alters
jahr. Der Beschwerdeführer
hat
somit allein schon altersbedingt kaum mehr
eine Chance
auf eine
neue
Anstellung. Dem
Argument des Beschwerdeführers, das unfallkausale Störungsbild hätte auch bei einer versicherten Person im mittleren Alter eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit in einer anspruchsvollen Tätigkeit z
ur Folge (
Urk.
1 S. 7
Rz
17), ist wohl beizupflichten
, es ändert indessen nichts daran, dass vor allem das Alter des Beschwerdeführers
eine
Wiedereingliederung
verun
möglicht
. Es ist somit
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Invaliditätsbemessung unter Anwendung von
Art.
28
Abs.
4 UVV
vorgenommen hat
.
7
.
7
.1
Das
Valideneinkommen
errechnete die Beschwerdegegnerin basierend auf dem vom Beschwerdeführer zuletzt tatsächlich erzielten Einkommen und das Invaliden
einkommen gestützt auf die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE;
Urk.
10/2/156
S. 2
).
Gelangt
Art.
28
Abs.
4 UVV zur Anwendung, so sind beide Vergleichse
inkommen
basierend auf den Ver
dienstverhältnissen
eines Versicherten im mittleren Alter
zu ermitteln
(BGE 122 V 418)
.
Richtigerweise bemängelte der
Beschwerdeführer
somit
die Vorgehens
weise der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 8
Rz
22).
Mit
Art.
28
Abs.
4
U
VV soll vermieden werden, dass bei älteren Versicherten zu hohe Invaliditätsgrade resultieren und Dauerrenten zugesprochen werden, wo sie mit Blick auf die unfall
bedingte Invalidität eher die Funktion von Altersrenten aufweisen (Urteil des Bundesgerichts 8C_799/2019 vom 1
7.
Februar 2020 E. 2.3).
Das mittlere Alter liegt bei rund 42 Jahren (Urteil des Bundesgerichts 8C_307/2017 vom 2
6.
September 2017 E. 5).
7
.2
Da
nach Massgabe von
Art.
28
Abs.
4
UVV
beide Vergleichseinkommen hypo
thetisch zu ermitteln sind, ist auf die Tabellenlöhne zurückzugreifen.
Für eine andere Methode
der Invaliditätsbemessung, beispielsweise mittels eines erwerb
lich gewichteten Betätigungsvergleichs (vgl.
Urk.
1 S. 8 f.
Rz
23
)
,
besteht kei
n Raum.
Die Tabelle T17
der LSE
gibt Auskunft über den Zentralwert der Brutto
löhne nach Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht.
Gemäss der auf den Daten des Jahres 2016 basierende
n
LSE betrug der
monatliche
Lohn
männlicher Führungskräfte
im kaufmännischen Bereich in der Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahren
Fr.
10'
655
.--
und derjenige männlicher
Hilfsarbeitskräfte in der näm
lichen Altersgruppe
Fr.
5'366.--
pro Monat
.
Da die Tabellenlöhne auf der Basis einer Arbeits
zeit von 40 Wochenstunden beruhen
, die betriebsübliche Arbeitszeit 2016 wie auch 2017, dem Jahr des Beginns des Rentenanspruchs
,
41,7 Stunden betragen hat (Bundesamt Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach W
irtschafts
abteilungen, Tabelle T
03.02.03.01.04.01
)
,
sind beide Löhne entsprechend anzu
passen.
Das
Valideneinkommen
beträgt demnach
jährlich
Fr.
133’294
.--
(
Fr.
10'
655
.-- : 40 x 41,7
x 12
) und das Invalideneinkommen
beläuft
sich angesichts der
Arbeitsfähigkeit von
50
%
in angepassten Tätigkeiten
auf
Fr.
33'564.--
pro Jahr
(
Fr.
5'366.-- : 40 x 41,7
x 12
x 0,5
).
7
.3
Der Beschwerdeführer macht
e
geltend, werde das Invalideneinkommen anhand der Tabellenlöhne ermittelt, so habe ein leidensbedingter Abzug zu erfolgen (
Urk.
13 S. 4
Rz
14).
Unter dem Titel leidensbedingter Abzug können grundsätz
lich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts 8C_297/2018 vom 6. Juli 2018 E. 3.5).
Ob das Merkmal «Alter» einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt, ist jeweils unter Berücksichtigung aller konkreter Umstände des Einzelfalls zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2).
Allfällige
im Zusammenhang mit
dem tatsächliche
n
Alter des Beschwerdeführer
s
in Betracht fallende
Aspekte
bei der Stellensuche
haben
hier
ausser Betracht zu fallen
,
da die Invaliditätsbemessung auf der Basis der Eingliederung einer Person im mi
ttleren Alter zu erfolgen hat. Auch d
er Umstand, dass nur leichte Tätigkeiten in Frage kommen,
gibt
rechtsprechungsgemäss
nicht
Anlass
für einen leidens
bedingten Abzug, zumal der Tabellenlohn
auf dem
Kompetenzniveau 1 eine Viel
zahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundes
gerichts 9C_447/2019 vom
8.
Oktober 2019 E. 4.3.2).
Bezüglich der Restarbeitsfähigkeit von
50
%
ist
rechtsprechungsgemäss
zu beachten, dass bei einem Pensum zwischen 50 und 74
%
- ausgehend von den Tabellenlöhnen der LSE 2014
-
verglichen mit einem Vollzeitpensum zwar eine Lohneinbusse von knapp 6
%
resultiert, diese aber nicht erheblich genug
ist
, um einen Abzug vom Invalideneinkommen zu rechtfertigen (Urteil
des Bundes
gerichts
8C_699/2017 vom 2
6.
April 2018 E. 3.1). 2016 betrug
der standardisierte monatliche Vollzeitl
ohn von Männern ohne Kaderfunktion
Fr.
6'130.-- und der
jenige bei einem Pensum zwischen 50 und 74
%
Fr.
5'875.--
(LSE 2016, Tab. T18, monatlicher Bruttolohn nach Beschäftigungsgrad, beruflicher Stellung
und
Geschlecht). Die Differenz (Fr.
255.--)
beträgt
4,16
%
(
Fr.
255.-- x 100 :
Fr.
6'130.--). Es besteht demnach kein Anlass vom Praxisgrundsatz abzuweichen, wie er für
die
2014
herrschenden
Verhältnisse formuliert wurde.
Auch eine psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigen
ständiger Abzugsgrund anerkannt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 2
9.
Mai 2018 E. 3.4.2).
Der Beschwerdeführer macht
e
auch geltend, es sei aufgrund seiner Nationalität
respektive
der Aufenthaltskategorie
und im Zusammenhang mit den Dienstjahren
ein
Abzug vorzunehmen
(
Urk.
13 S. 4
Rz
14)
.
Da der Beschwerdeführer die schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt, ist es unwahrscheinlich, dass er in diesem Zusammenhang mit Problemen auf
dem Arbeitsmarkt zu rechnen hätte
.
Auch dem As
pekt der Dienstjahre ist bezüglich der noch in Frage kommenden Hilfstätigkeiten keine massgebliche Bedeutung zuzumessen (Urteil des Bundes
gerichts 9C_422/2017
vom 1
8.
Mai 2018 E. 4.5.2).
Ein Abzug vom
Invalideneinkommen
fällt
insgesamt
ausser Betracht. Andere Gründe, die einen Abzug rechtfertigten, sind nicht ersichtlich. Solche wurden auch vom Beschwerdeführer nicht gen
annt. Aus der Gegenüberstellung der beiden massgebenden Vergleichseinkommen (
Valideneinkommen
von Fr.
133’294
.-- und Invalideneinkommen von
Fr.
33’564.--) resultiert eine Erwerbs
einbusse von
Fr.
99’730
.--, was
einem Invaliditätsgrad von
74.82
%
ent
spricht (
Fr.
99’730
.-- x 100
%
:
Fr.
133’294
.--)
. Dieser ist auf 7
5
%
aufzurunden (zu den Rundungsregeln vgl. BGE 130 V 121).
7
.4
Wird eine versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, hat sie laut
Art.
18
Abs.
1 UVG
Anspruch auf eine Invalidenrente. Nach
Art.
20
Abs.
1 UVG beträgt die Invalidenrente bei Vollinvalidität 80
%
des versicherten Verdienstes; bei Teilinvalidität wird sie entsprechend gekürzt.
Hat die versicherte Person Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung oder der Alters- und Hinterlassenenversicherung, so wird ihr eine Komple
mentärrente gewährt; diese entspricht in Abweichung von Art. 69 ATSG der Dif
ferenz zwischen 90
%
des versicherten Verdienstes und der Rente der IV oder der AHV, höchstens aber dem für Voll- oder Teilinvalidität vorgesehenen Betrag. Die Komplementärrente wird beim erstmaligen Zusammentreffen der erwähnten Renten festgesetzt und lediglich späteren Änderungen der für Familienangehörige bestimmten Teile der Rente der IV oder der AHV angepasst (
Art.
20
Abs.
2 UVG) (vgl. BGE 130 V 39 E. 2.1).
Der
Berechnung der Invaliden
rente
in der Verfügung vom 1
3.
November 2017 legte die Beschwerdegegnerin einen
versicherten Verdienst von Fr.
60'000.-- zu Grunde (
Urk.
10/2/K156 S. 2
). Gemäss
Art.
15
Abs.
2 UVG gilt für die Bemessung der Renten als versicherter Verdienst der innerhalb eines Jahres vor dem Unfall bez
ogene Lohn. Im Jahr vor dem Unfall vom
7.
Oktober 2014, das heisst von Oktober 2013 bis und mit September 2014
,
hatte der Beschwerdeführer monatlich einen Lohn von
Fr.
5'000.-- brutto bezogen, das h
eisst total
Fr.
60'000.-- (Urk.
10/2/K26.2-14). Die Rente
bei Vollinvalidität entspricht gemäss
Art.
20
Abs.
1 UVG
80
%
des versicherten Verdienstes, das heisst vorliegend
Fr.
48'000.--. Da eine Teilinvalidität vorliegt, ist die Rente entsprechend zu kürzen. Be
i einem Invaliditätsgrad von 7
5
% beläuft sich die Rente
demnach
auf
Fr.
36’000
.-- pro Jahr
,
respektive auf
Fr.
3’000
.-- pro Monat
(
Fr.
48'000.-- x 0,7
5
: 12)
.
Da der Beschwerdeführer Bezüger eine
r
AHV-Altersrente ist und diese mit der Zusprechung der Invalidenrente der Unfallversicherung zusammentrifft, hat die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 1
3.
November 2017
ausgehend vom versicherten Verdienst von
Fr.
60'000.-- und unter Berücksichtigung der jähr
lichen AHV-Rente von
Fr.
18'996.-- (vgl.
Urk.
3/5) die
Komplementärrente
von
Fr.
52'100.-- pro Jahr oder
von
Fr.
4'342.-- pro Monat
errechnet
(Urk.
10/2/K156 S. 3)
.
Diese Berechnung entspricht den gesetzlichen Vorgaben und wurde nicht in Frage gestellt. Da die Komplementärrente
den
Normalrentenbetrag
übersteigt, ist dem Beschwerdeführer die Normalrente in der Höhe von
Fr.
3’000
.-- pro Monat auszurichten. In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
8
.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Obwohl das Hauptbegehren der Beschwerdeführerin auf Zusprechung der gese
tz
lichen Leistungen,
namentlich
auf die Zusprechung
einer monatlichen Rente von
Fr.
4'000.-- (
Urk.
1 S. 2)
,
nur teilweise gutzuheissen ist, hat
das
«
Überklagen
»
den Prozessaufwand nicht wesentlich beeinflusst. Von einer Kürzung der Prozessent
schädigung ist damit abzusehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_568/2010 vom
3.
Dezember 2010 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Unter Berücksichtigung der genannten Bemessungskriterien
erweist sich
eine Prozessentschädi
g
ung von
Fr.
2’900
.--
als
angemessen (Auslagenersatz und Mehrwertsteuer inbegriffen).