Decision ID: 364ee9d4-3364-58c8-b504-2992bd4f8a99
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y., geboren am 19. Juni 1979, von Serbien, heiratete am 1. August 2003 im
Herkunftsland K.T., geboren am 16. Mai 1953, der im Besitz der
Niederlassungsbewilligung ist. X.Y. hat zwei Kinder: E., geboren am 4. Juni 1999, und
S., geboren am 21. März 2003, beide von Serbien. Die Kinder leben bei ihrem Vater
R.Z. in Serbien.
Am 28. November 2003 wies das Ausländeramt (heute Migrationsamt) ein
Familiennachzugsgesuch von K.T. für seine Ehefrau und die beiden Stiefkinder im
Wesentlichen mit der Begründung ab, es bestehe die Gefahr einer fortgesetzten und
erheblichen Fürsorgeabhängigkeit.
B./ Am 19. Januar 2004 stellte K.T. ein Familiennachzugsgesuch, das sich
ausschliesslich auf X.Y. bezog. Das Ausländeramt teilte ihm mit, dass der spätere
Nachzug der Kinder nicht ohne weiteres möglich sei (act. 139 K.T.). X.Y. reiste am 15.
Februar 2004 in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des
Familiennachzugs. Am 16. Februar 2009 wurde ihr die Niederlassungsbewilligung
erteilt. Am 24. August 2009 wurde die Ehe K.T./X.Y. in Zagubica/Serbien geschieden.
C./ Am 22. November 2009 heiratete X.Y. in Serbien den Vater ihrer Kinder, R.Z.,
geboren am 12. Oktober 1972. Am 12. Oktober 2010 stellte sie ein
Familiennachzugsgesuch für ihren Ehemann und für E. und S.
D./ Am 18. April 2011 widerrief das Ausländeramt die Niederlassungsbewilligung von
X.Y. und wies sie an, die Schweiz bis 3. Juli 2011 zu verlassen. Zur Begründung wurde
im Wesentlichen ausgeführt, X.Y. habe die Ehe mit K.T. nur geschlossen, um in
Umgehung der ausländerrechtlichen Vorschriften eine Aufenthaltsbewilligung bzw. eine
Niederlassungsbewilligung zu erlangen. Sodann ging das Migrationsamt davon aus,
dass die Eheschliessung mit K.T. durch die Mutter von R.Z. vermittelt worden sei,
nachdem diese erfolglos versucht gehabt habe, ihren Sohn in die Schweiz
nachzuziehen und ihm zu einer Aufenthaltsbewilligung zu verhelfen.
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E./ Am 3. Mai 2011 erhob X.Y., vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. A.B., gegen die
Verfügung des Migrationsamtes vom 18. April 2011 Rekurs beim Sicherheits- und
Justizdepartement. Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es
sei auf einen Widerruf der Niederlassungsbewilligung zu verzichten. Am 1. Mai 2012
wies das Sicherheits- und Justizdepartement den Rekurs von X.Y. ab und lud das
Migrationsamt ein, ihr eine neue Frist zur Ausreise zu setzen.
F./ Am 16. Mai 2012 erhob X.Y. durch ihre Rechtsvertreterin gegen den
Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements vom 1. Mai 2012
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie stellte das Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei auf den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung zu verzichten. Das Sicherheits- und Justizdepartement
verzichtete am 22. Juni 2012 auf eine Stellungnahme und beantragte, die Beschwerde
sei abzuweisen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführerin beantragt, sie und K.T. seien unter Beizug eines
Übersetzers und in Anwesenheit ihrer Rechtsvertreterin zur Sache zu befragen. Sodann
macht sie sinngemäss geltend, die Vorinstanz habe ihr rechtliches Gehör verletzt,
indem sie einem entsprechenden Beweisantrag im Rahmen des Rekursverfahrens
keine Folge gegeben habe. Die Beschwerdeführerin begründet dies damit, der
Beweiswert der polizeilichen Befragungen, die das Migrationsamt veranlasst habe, sei
gering. K.T. habe Verständnisprobleme gehabt, zumal er so schlecht deutsch spreche,
dass schleierhaft sei, wie der Polizist derart detaillierte und umfangreiche Aussagen
überhaupt habe protokollieren können. Ihr vormaliger Ehemann scheine Fragen oftmals
nicht richtig verstanden zu haben, ohne dass ihm offenbar bewusst gewesen sei, dass
ein Missverständnis vorliegen könnte. Deshalb habe er offensichtlichen Unsinn zum
Besten gegeben. In einer Situation wie der vorliegenden komme es aber auf jedes Wort
und jede Nuance an, weshalb es erforderlich sei, Befragungen dieser Art in der
Muttersprache durchzuführen. Auch sie selber habe im Nachhinein, nachdem sie das
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Befragungsprotokoll mit einem Übersetzer durchgegangen sei, feststellen müssen,
dass vieles nicht so niedergeschrieben worden sei, wie sie es gemeint habe.
2.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet, dass rechtzeitig und formrichtig
angebotene Beweismittel abzunehmen sind, es sei denn, diese betreffen eine nicht
erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache
Beweis zu erbringen (BGE 124 I 242 E. 2; 117 Ia 268 E. 4b).
2.2. Die Beschwerdeführerin und K.T. sind am 1. September 2010 auf der Polizeistation
G. gleichzeitig (die Beschwerdeführerin durch C.D., K.T. durch M.H.) bezüglich des
Verdachts auf Scheinehe befragt worden (act. 95-109 und act. 110-123 des
Migrationsamtes betreffend die Beschwerdeführerin). Beide wurden als erstes gefragt,
ob sie einen Dolmetscher benötigen würden, was beide verneinten. Sodann wurden
beide darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht zur Aussage verpflichtet seien und
das Recht hätten, einen Verteidiger beizuziehen. Sie wurden gefragt, ob sie dies
verstanden hätten, was beide bejahten. Weiter hat die Beschwerdeführerin auf die
Frage "Verstehen sie mich ?" geantwortet, dass dies zutreffe. "Sonst werde ich Ihnen
mitteilen, dass ich sie nicht verstehe." Zudem haben weder die Beschwerdeführerin
noch ihr vormaliger Ehemann während der jeweiligen Befragung vorgebracht, es sei
ihnen nicht klar, wie eine konkrete Frage laute. Somit ist davon auszugehen, dass
beide verstanden haben, um welche Auskünfte es jeweils ging. Hinzu kommt, dass sich
K.T. gemäss eigener Aussage seit dem Jahr 1979, somit seit über dreissig Jahren,
ununterbrochen in der Schweiz aufhält, was nicht darauf schliessen lässt, dass er
Verständnisprobleme gehabt haben könnte. In Betracht fällt weiter, dass in der Regel
spätere Befragungen und Einvernahmen der Betroffenen keine neuen und relevanten
Tatsachen hervorzubringen vermögen, wenn sie bereits im Rahmen des
erstinstanzlichen Verfahrens zum Verdacht auf Scheinehe einvernommen worden sind.
Gegen eine Wiederholung einer Befragung spricht zudem, dass die Betroffenen die
Fragestellungen kennen und ihre Antworten aufeinander abstimmen können (VerwGE
B 129/2008 vom 14. Oktober 2008 E. 3.4., abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
2.3. Der Antrag auf neuerliche Befragung der Beschwerdeführerin und von K.T. wird
deshalb abgewiesen. Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihres rechtlichen
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Gehörs durch die Vorinstanz rügen wollte, erweist sich der Vorwurf zudem als
unbegründet.
3. Nach Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. a des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20, abgekürzt AuG) kann die
Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn der Ausländer oder sein Vertreter
im Bewilligungsverfahren falsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen
verschwiegen hat. Dies gilt unter anderem für den Fall, dass sich nachträglich Indizien
ergeben, welche die mittlerweise aufgelöste Ehe, auf die sich der Ausländer für den
Erhalt der Niederlassungsbewilligung berufen hat, als Scheinehe oder als bloss aus
fremdenpolizeilichen Gründen aufrechterhaltene Ehe erscheinen lassen. Der
entsprechende Rechtsmissbrauch führt zum Erlöschen des Bewilligungsanspruchs.
Der Ausländer ist verpflichtet, den Behörden wahrheitsgetreu über alles Auskunft zu
geben, was für den Bewilligungsentscheid wichtig sein könnte (Art. 90 AuG).
Wesentlich sind dabei nicht nur Umstände, nach denen der Betroffene ausdrücklich
gefragt wird, sondern - mit Blick auf die Tatbestandsalternative "wissentliches
Verschweigen" - auch solche, von denen der Ausländer wissen muss, dass sie für den
Bewilligungsentscheid massgebend sind (BGer 2C_226/2011 vom 14. November 2011
E. 2.2, BGer 2C_205/2010 vom 16. Juli 2010 E. 3.1 und BGE 135 II 9 E. 4.1).
Art. 63 AuG gewährt den zuständigen Behörden einen gewissen Ermessensspielraum.
Der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist anzuordnen, wenn er bei sorgfältiger
Abwägung der sich widersprechenden Interessen verhältnismässig erscheint (Art. 5
Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101).
4. Strittig ist, ob es sich bei der geschiedenen Ehe K.T./X.Y. um eine Scheinehe
gehandelt hat, die dazu gedient hat, der Beschwerdeführerin in Umgehung der
ausländerrechtlichen Vorschriften eine Aufenthalts- und später eine
Niederlassungsbewilligung zu verschaffen.
4.1. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt eine Scheinehe vor, wenn die Ehe
nur zum Zweck der Umgehung fremdenpolizeilicher Vorschriften eingegangen wurde
oder an ihr aus diesem Grund festgehalten wird. Der Nachweis, dass die Ehe zur
Umgehung der Vorschriften über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
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geschlossen wurde und nicht der Begründung einer Lebensgemeinschaft dient, ist in
der Regel nicht direkt, sondern nur durch Indizien zu erbringen (BGE 128 II 152 E. 2.3,
127 II 57 E. 5, 122 II 295 E. 2b). Solche Indizien sind unter anderem darin zu erblicken,
dass dem Ausländer die Ausweisung gedroht hat, weil er ohne Heirat keine
Aufenthaltsbewilligung erhalten hätte oder sie ihm nicht verlängert worden wäre.
Sodann können die Umstände oder die kurze Dauer der Bekanntschaft, ein grosser
Altersunterschied, mangelhafte Kenntnisse über die Lebensumstände des Ehegatten,
widersprüchliche Aussagen oder Heirat gegen Bezahlung für das Vorliegen einer
Scheinehe sprechen (VerwGE B 2011/21 vom 31. Mai 2011 E. 3.2 mit Hinweis,
abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Umgekehrt kann aus einer gewissen Zeit des
Zusammenwohnens und des Unterhalts intimer Beziehungen nicht ohne weiteres
abgeleitet werden, es sei eine richtige Lebensgemeinschaft gewollt gewesen. Ein
solches Verhalten kann zur Täuschung der Behörden auch nur vorgespielt sein.
Einzelne Indizien vermögen für sich allein den Nachweis einer Tatsache nicht zu
erbringen. Je nach Art und Anzahl können sie sich jedoch zum rechtsgenügenden
Beweis verdichten. Nach konstanter verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung ist dabei
nicht von wesentlicher Bedeutung, ob die Indizien auch bei einer normalen Ehe
vorliegen könnten. Entscheidend ist vielmehr eine Gesamtbeurteilung sämtlicher
Tatumstände (VerwGE B 186/2010 vom 26. Januar 2011 E. 4.1 mit Hinweis auf B
161/2009 vom 28. Januar 2010 E. 2.1, B 129/2008 vom 14. Oktober 2008 E. 3.2 und
3.3, B 127/2007 vom 5. November 2007 E. 2.3, alle abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch).
4.2. Die Vorinstanz hält dafür, die zeitliche Abfolge relevanter Geschehnisse stelle ein
Indiz dafür dar, dass eine Scheinehe vorgelegen habe. Gemäss eigenen Angaben habe
die Beschwerdeführerin von 1998 bis 2002 mit R.Z. zusammengelebt und sich ab April
2003 - kurz nach der Geburt von S. - mit dem 26 Jahre älteren K.T. getroffen, den sie
am 1. August 2003 im Herkunftsland geheiratet habe. Am 16. Februar 2009 habe die
Beschwerdeführerin die Niederlassungsbewilligung erhalten, am 24. August 2009 sei
die Ehe K.T./X.Y. im Herkunftsland geschieden worden und am 22. November 2009
habe sie den Vater ihrer Kinder, R.Z., im Herkunftsland geheiratet. In der Folge habe
die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Familiennachzug gestellt.
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Das Vorgehen der Beschwerdeführerin entspricht einem bekannten Verhaltensmuster,
um der Familie im Herkunftsland - dem Partner und den gemeinsamen Kindern - ein
Anwesenheitsrecht in der Schweiz zu verschaffen (vgl. BGer 2C_226/2011 vom
14. November 2011 E. 2.3, BGer 2A.346/2004 vom 10. Dezember 2004 mit zahlreichen
Hinweisen). Der Umstand, dass sie sich nach kurzer Zeit entschlossen hat, den ihr seit
langem bekannten, hier niedergelassenen, um viele Jahre älteren K.T. zu heiraten und
in die Schweiz zu ziehen, legt nahe, dass sie darin eine Möglichkeit sah, hier ein
Bleiberecht zu erlangen und in wirtschaftlicher Hinsicht ein besseres Leben führen zu
können. Sodann lässt die Tatsache, dass die Eheleute einige Monate nachdem die
Beschwerdeführerin die Niederlassungsbewilligung erhalten hatte, bereits geschieden
waren, die Folgerung zu, dass die Ehe mit K.T. aus Sicht der Beschwerdeführerin ihren
Zweck erfüllt hatte. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass sie kurz nach der
Scheidung den Vater ihrer Kinder, mit dem sie gemäss eigenen Angaben während der
Ehe mit K.T. regelmässig Kontakt hatte und bei dem die gemeinsamen Kinder in
Serbien aufwachsen, geheiratet hat und in der Folge die Vereinigung der Familie in der
Schweiz anstrebte.
Die Würdigung dieser Umstände spricht zweifellos dafür, dass die Beschwerdeführerin
die Ehe mit K.T., den sie als väterlichen Freund bezeichnet, der Verständnis und
Mitgefühl für ihre Situation gezeigt habe (III. B. 5 der Beschwerdeschrift), aus
ausländerrechtlichen Motiven eingegangen ist und diese aufrechterhalten hat, bis ihr
die Niederlassungsbewilligung erteilt worden ist. Was die Beschwerdeführerin dagegen
vorbringt, überzeugt nicht. Es trifft zwar zu, dass nicht jede Ehe, die scheitert, eine
Scheinehe ist und dass es sich weder beim Migrationsamt noch bei der Vorinstanz um
Eheberatungsstellen handelt. Dies ändert aber nichts daran, dass die zeitliche Abfolge
der Ereignisse in Verbindung mit der Tatsache, dass der Altersunterschied zwischen
der Beschwerdeführerin und K.T. 26 Jahre beträgt, ein starkes Indiz dafür darstellt,
dass es der Beschwerdeführerin darum ging, die Niederlassungsbewilligung zu
erlangen bzw. die Voraussetzung dafür zu schaffen, um mit R.Z. und den gemeinsamen
Kindern in der Schweiz leben zu können. Unglaubwürdig erscheint zudem, dass die
massiven Eheprobleme, die aus Sicht der Beschwerdeführerin zur Scheidung geführt
haben, erst kurz vor Erteilung der Niederlassungsbewilligung aufgetreten sein sollen
und dass sie dem Vater ihrer Kinder erst kurz vor der Trennung von K.T. wieder näher
gekommen sein und mit ihrer alten Liebe erneut eine Beziehung eingegangen sein will
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(vgl. III. A. 3 der Beschwerdeschrift). Unbeachtlich im Zusammenhang mit der Frage,
ob von einer Scheinehe auszugehen ist, ist sodann, ob die gesetzlichen
Voraussetzungen des Familiennachzugs nach schweizerischem Recht
Eheschliessungen fördern, zumal das Eingehen einer Scheinehe einen Verstoss gegen
eine zentrale ausländerrechtliche Norm darstellt (VerwGE B 186/2010 vom 26. Januar
2011 E. 4.5 mit Hinweis auf BGer 2A.275/2005 vom 17. Oktober 2005 E. 4.2 mit
Hinweisen und VerwGE B 161/2009 vom 28. Januar 2010, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Schliesslich hilft es der Beschwerdeführerin nicht weiter, wenn
sie argumentiert, die Tatsache, dass ein grosser Altersunterschied ein Indiz für eine
Scheinehe sei, falle in ihrem Fall weniger ins Gewicht, weil ihr vormaliger Ehemann
wesentlich älter sei als sie und nicht umgekehrt. Es mag zwar zutreffen, dass diese
Konstellation gesellschaftlich weniger Aufsehen erregt als wenn die Ehefrau wesentlich
älter ist als der Ehemann. Ein Altersunterschied zwischen Ehegatten von 26 Jahren
erweist sich aber in jedem Fall als ungewöhnlich gross, weshalb dieser Umstand auch
dann als Indiz für das Vorliegen einer Scheinehe gilt, wenn der Ehemann wesentlich
älter ist als die Ehefrau.
4.3. Nach Ansicht der Vorinstanz liegt ein weiteres Indiz dafür, dass die
Beschwerdeführerin mit K.T. eine Scheinehe geführt hatte, darin, dass sich ihre
finanzielle Situation durch die nach der Heirat erfolgte Übersiedlung in die Schweiz
stark verbessert habe. Gemäss eigenen Angaben sei die Beschwerdeführerin in die
Lage versetzt worden, ihre Kinder und nach der Verheiratung mit R.Z. auch ihren
jetzigen Ehemann regelmässig finanziell zu unterstützen. Die Beschwerdeführerin
wendet ein, es wäre für sie unvorstellbar gewesen, die kleinen Kinder aus rein
finanziellen Interessen oder zwecks Erlangung einer Aufenthaltsbewilligung in der
Schweiz beim Vater in Serbien zurückzulassen. Zufolge ihrer Herzensentscheidung für
K.T. habe sie den wohl grössten Verzicht geleistet, den eine Mutter leisten könne.
Aktenkundig ist, dass ursprünglich die Absicht bestand, E. und S. in die Schweiz
nachzuziehen, dass das entsprechende Gesuch vom Ausländeramt am 28. November
2003 aber abgewiesen worden ist (act. 104-106 des Migrationsamtes betreffend K.T.),
worauf die Beschwerdeführerin alleine in die Schweiz übersiedelte und die Kinder beim
Vater in Serbien zurückliess. Entgegen der Annahme der Beschwerdeführerin kann
daraus aber nicht gefolgert werden, sie habe diesen Entscheid gefällt, weil sie den
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Wunsch gehabt habe, mit K.T. in der Schweiz eine wirkliche Ehegemeinschaft führen
zu können. Gegen diese Annahme spricht, dass sie zu Beginn ihrer Ehe gemäss
eigenen Angaben (act. 99 des Migrationsamtes betreffend die Beschwerdeführerin)
jeweils fünf bis sechs Monate im Herkunftsland verbracht hat, was ihrem vormaligen
Ehemann zufolge seiner Berufstätigkeit nicht möglich war. Er hat dort lediglich die
Ferien verbracht. Unbestritten ist sodann, dass die Beschwerdeführerin ihre Beziehung
zu R.Z. und den gemeinsamen Kindern nach ihrem Umzug in die Schweiz aufrecht
erhalten hat (act. 98 des Migrationsamtes betreffend die Beschwerdeführerin). Nach
ihren Aussagen wurde der Kontakt regelmässig gepflegt. Weiter hat die
Beschwerdeführerin ausgeführt, sie habe K.T. nach kurzer Bekanntschaft geheiratet,
weil er es gut gefunden habe und weil sie als junge, von den Eltern finanziell
unterstützte Mutter von zwei kleinen Kindern ohne Beruf darin eine Chance gesehen
habe (act. 108 des Migrationsamtes betreffend die Beschwerdeführerin). Schliesslich
ist die Beschwerdeführerin, wenn auch in bescheidenem Mass und gemäss eigenen
Angaben mit Unterstützung von K.T., in die Lage versetzt worden, die in Serbien
zurückgebliebenen Familienangehörigen regelmässig finanziell zu unterstützen.
Ausserdem geht das Gericht unter diesen Umständen davon aus, die
Beschwerdeführerin habe beabsichtigt, dereinst in der Schweiz einen eigenen
Anspruch auf Familiennachzug zu erlangen. Auch dies lässt deshalb darauf schliessen,
dass die Beschwerdeführerin die Ehe mit K.T. geschlossen und aufrechterhalten hat,
um ihre wirtschaftliche Lebenssituation und diejenige von in Serbien
zurückgebliebenen Familienangehörigen zu verbessern.
4.4. Die Vorinstanz erblickt ein Indiz für das Vorliegen einer Scheinehe weiter darin,
dass die Beschwerdeführerin und K.T. insbesondere bezüglich des Beginns der
Beziehung, des Heiratsantrags und der Trauung widersprüchliche Aussagen gemacht
haben und dass sie sehr wenig voneinander wissen.
Die Beschwerdeführerin stellt nicht in Abrede, dass sie und ihr vormaliger Ehemann
anlässlich der polizeilichen Befragung vom 1. September 2010 widersprüchliche
Aussagen gemacht haben und dass sie wenig voneinander wissen. Aus ihrer Sicht
kann daraus aber nicht auf das Vorliegen einer Scheinehe geschlossen werden. Ihrer
Meinung nach sind die Ungereimtheiten darauf zurückzuführen, dass ihr vormaliger
Ehemann zum Teil wirre Angaben gemacht habe, was sie auf Verständigungsprobleme
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bei der Befragung oder aber auf eine gewisse Senilität K.T.s zurückführt. Sie hält fest,
ihr vormaliger Ehemann irre sich im Heiratsdatum um 10 Jahre und könne sich nicht
mehr an die Kleidung seiner Braut sowie an die Trauzeugen erinnern, obschon er
unbestrittenermassen an den Festivitäten rund um die Hochzeit teilgenommen habe.
Sodann habe er keine Erklärung dafür, dass er sich nicht mehr an das Geburtsdatum
seiner vormaligen Ehefrau erinnern könne.
Wie ausgeführt (vgl. Ziff. 2 hievor), ist nicht anzunehmen, K.T., der gemäss eigenen
Angaben seit dem Jahr 1979 ununterbrochen in der Schweiz lebt, habe am 1.
September 2010 in Ermangelung von Sprachkenntnissen Mühe bekundet, der
polizeilichen Befragung zu folgen. Sodann sind 57-jährige Personen in aller Regel in
ihrem Erinnerungsvermögen nicht in einer Weise beeinträchtigt, dass ihnen
entscheidende Vorkommnisse im Zusammenhang mit einem vormaligen Ehepartner,
mit dem sie rund sechs Jahre verheiratet waren, ganz oder teilweise entfallen sind.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin darauf verzichtet, Beweise dafür
anzubieten, dass K.T. entgegen der allgemeinen Lebenserfahrung aus medizinischer
Sicht an Demenz leiden könnte. Somit erscheint es wenig glaubwürdig, dass die
zahlreichen, wesentlich voneinander abweichenden Schilderungen der vormaligen
Ehegatten auf Erinnerungslücken von K.T. zurückzuführen sein könnten. Vielmehr
sprechen sie zusammen mit dem geringen Wissensstand des einen Ehegatten über
den jeweils anderen dafür, dass es sich bei der Ehe K.T./X.Y. nicht um eine eheliche
Lebensgemeinschaft gehandelt hat.
4.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Würdigung aller Umstände dafür spricht,
dass die Beschwerdeführerin die Ehe mit ihrem vormaligen hier niedergelassenen
Ehemann aus ausländerrechtlichen Motiven geschlossen hat und dass die Ehe formell
aufrechterhalten worden ist, bis die Niederlassungsbewilligung erteilt worden ist.
5. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung rechtfertigt sich nur, wenn die jeweils im
Einzelfall vorgenommene Interessenabwägung die Massnahme als verhältnismässig
erscheinen lässt. Die zuständigen Behörden berücksichtigen bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration des Ausländers (Art. 96 Abs. 1 AuG).
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Es besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse daran, dass Personen, die zufolge
Eheschliessung eine Aufenthalts- und anschliessend eine Niederlassungsbewilligung
erhalten haben, obschon es am Ehewillen fehlte, die Anwesenheitsberechtigung in der
Schweiz verlieren. Die Beschwerdeführerin reiste vor knapp acht Jahren im Alter von
gut 24 Jahren in die Schweiz ein, kehrte aber regelmässig, auch für jeweils längere Zeit,
ins Herkunftsland zurück, wo ihr Ehemann, ihre Kinder und ihre Eltern leben. Sodann
geht sie hier keiner besonders qualifizierten Arbeit nach. Die Rückkehr in die Heimat ist
der Beschwerderührerin deshalb zumutbar. Somit überwiegt das öffentliche Interesse
an der Fernhaltung der Beschwerdeführerin gegenüber ihrem privaten Interesse,
weiterhin als hier niedergelassene Ausländerin leben und gegebenenfalls ihre
Familienangehörigen nachziehen zu können.
6. (...).