Decision ID: 2066a07d-2011-59a3-b55e-f5d807bd84e5
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend Beschwerdeführer), ein syrischer Staatsan-
gehöriger kurdischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in F._, verliess
seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im Jahr 2011 in Richtung
Türkei. In der Folge hielt er sich dort zusammen mit seiner Ehefrau und
den gemeinsamen Kindern drei Jahre lang auf. Danach ging die Familie in
den Libanon und reiste schliesslich im (...) 2014 mit einem gültigen Visum
auf dem Luftweg in die Schweiz. Auf einen entsprechenden Antrag des Auf-
enthaltskantons hin ordnete das SEM mit Verfügung vom 13. März 2014
für die gesamte Familie wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
eine vorläufige Aufnahme an.
A.b Am 22. August 2017 stellte der Beschwerdeführer im Empfangs- und
Verfahrenszentrum G._ ein Asylgesuch. Daraufhin wurde er im
Rahmen einer Befragung zur Person (BzP) am 30. August 2017 zu seinen
persönlichen Umständen, dem Reiseweg sowie summarisch zu seinen
Asylgründen befragt.
A.c Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 29. August 2019 einlässlich
zu seinen Asylgründen an. Gleichentags wurden auch drei seiner vier Kin-
der angehört. Auf eine Anhörung des jüngsten Kindes wurde indessen ver-
zichtet, da es zum damaligen Zeitpunkt weniger als 14 Jahre alt war.
B.
B.a Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er habe in der
Heimat eine Reflexverfolgung aufgrund seines in der Schweiz lebenden
Bruders H._ (N ...) erlitten. Dieser habe im Jahr (...) die syrische
(...) angegriffen. Daraufhin sei er (der Beschwerdeführer) in Syrien festge-
nommen und zwei Monate lang in einem Gefängnis in I._ inhaftiert
worden. In dieser Zeit sei er oft geschlagen, gefoltert und beleidigt worden.
Nach der Entlassung habe er sich monatlich bei den Sicherheitsbehörden
in F._ melden müssen. Sie hätten ihn jedes Mal stundenlang warten
lassen und anschliessend verhört, wobei sie ihm jeweils Fragen zu seinem
Bruder gestellt hätten. Diese Meldepflicht habe bis im Jahr (...) respektive
(...) gedauert. In der Folge sei er bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs in
Ruhe gelassen worden. Im Jahr 2011 seien die Behörden zweimal in seiner
Abwesenheit bei ihm zu Hause vorbeigekommen und hätten nach ihm ge-
sucht. Aus diesem Grund habe er sich zur Ausreise entschlossen.
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Seite 3
B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine syrische Identi-
tätskarte und seinen Führerschein sowie einen Spitalaustrittsbericht vom
1. April 2014 zu den Akten. Zudem legte er Zeitungsartikel betreffend ein
Hilfsprojekt seines Bruders H._ und eine Kopie von dessen Identi-
tätskarte vor.
C.
C.a Mit Verfügung vom 26. September 2019 lehnte das SEM das Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Die Verfügung
betraf gemäss dem Rubrum sowie der entsprechenden Bemerkung auf
Seite 6 den Beschwerdeführer sowie seine drei älteren Kinder.
C.b Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 28. Oktober 2019 –
handelnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde gegen diesen Entscheid. Mit Urteil D-5647/2019 vom 27. Ok-
tober 2020 hob das Bundesverwaltungsgericht die Verfügung des SEM
vom 26. September 2019 auf und wies die Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte es insbesondere aus, es sei
nicht nachvollziehbar, weshalb das SEM nur die älteren drei Kinder des
Beschwerdeführers in das vorliegende Verfahren einbezogen habe, nicht
aber das jüngste Kind. Obwohl der Beschwerdeführer lediglich für sich
selbst ein Asylgesuch gestellt habe, seien die älteren Kinder ohne Notwen-
digkeit vom SEM angehört worden. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen,
dass das jüngste Kind als einziges vom Einbezug in das Asylverfahren aus-
geschlossen werde. Dieses Vorgehen habe eine Ungleichbehandlung der
Kinder zur Folge und erweise sich als nicht sachgerecht. Vor diesem Hin-
tergrund hob das Gericht die angefochtene Verfügung auf, wies die Sache
an das SEM zurück und hielt dieses an, im Rahmen des wiederaufzuneh-
menden Verfahrens alle Kinder gleichermassen zu berücksichtigen.
C.c Mit Schreiben vom 5. November 2020 teilte das SEM dem Rechtsver-
treter mit, es beabsichtige, das jüngste Kind des Beschwerdeführers – wel-
ches im Zeitpunkt der Ausreise erst (...) Jahre alt gewesen sei – nicht se-
parat anzuhören. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, sich bis zum 25. No-
vember 2020 schriftlich zu allfälligen Asylgründen zu äussern und Beweis-
mittel einzureichen. Daraufhin teilte der Rechtsvertreter dem SEM mit Ein-
gabe vom 17. November 2020 mit, für das jüngste Kind würden zum jetzi-
gen Zeitpunkt, abgesehen von der Reflexverfolgung aufgrund des Vaters
und der übrigen Verwandten, keine Asylgründe geltend gemacht.
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Seite 4
D.
Mit am Folgetag eröffneter Verfügung vom 26. November 2020 lehnte das
SEM die Asylgesuche des Beschwerdeführers und seiner vier Kinder ab
und wies sie aus der Schweiz weg.
E.
Mit Eingabe vom 28. Dezember 2020 erhoben die Beschwerdeführenden
– handelnd durch ihren Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde gegen diesen Entscheid. Darin beantragten sie die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an das
SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung. Eventualiter sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihre Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren, eventualiter seien sie als
Flüchtlinge anzuerkennen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie Befreiung
von der Bezahlung der Verfahrenskosten, eventualiter Ansetzung einer an-
gemessenen Frist zur Bezahlung des Gerichtskostenvorschusses.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 29. Dezember 2020 den Ein-
gang der Beschwerde.
G.
Mit Eingabe vom 12. Januar 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Un-
terstützungsbestätigung der (...) vom 6. Januar 2021 zu den Akten.
H.
Zur Beurteilung des vorliegenden Asylgesuchs wurden die Akten von
H._, dem Bruder des Beschwerdeführers (N ...), beigezogen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
D-6539/2020
Seite 5
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung
mit drei Richtern beziehungsweise drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a
Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines Schrif-
tenwechsels verzichtet werden.
4.
4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu prüfen sind, da sie unter Umständen geeignet sein könnten, eine
Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht alle Be-
fugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren
ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286
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Seite 6
E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korre-
liert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft
zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen.
Das gilt für alle form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und An-
träge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich
erscheinen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene
Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie
muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Be-
hörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erfor-
derlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einläss-
lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wider-
legt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Sodann bildet die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungs-
pflicht einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-
widriger Sachverhalt zugrunde gelegt oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid wesentli-
chen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl.
2013, Rz. 1043).
4.3
4.3.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe ausführlich geschil-
dert, dass seine Verfolgung in Syrien insbesondere auf seine politisch ak-
tiven Verwandten – darunter sein Bruder H._ – zurückzuführen sei.
Obwohl das SEM den Bruder in der angefochtenen Verfügung namentlich
nenne, gehe aus dieser nicht hervor, ob dessen Dossier beigezogen oder
gewürdigt worden sei. Es wäre zwingend erforderlich gewesen, inhaltlich
auf dieses Dossier Bezug zu nehmen und eine entsprechende Notiz zu
verfassen. Entgegen diesen Ausführungen hat die Vorinstanz in der ange-
fochtenen Verfügung ausdrücklich festgehalten, dass sie zur Beurteilung
des vorliegenden Falles die Akten des Bruders H._ (N ...) beigezo-
gen habe (vgl. A41 S. 2, Ziff. 3 und 7). Dies war bereits in der Verfügung
vom 26. September 2019 der Fall, worauf das SEM im Rahmen der Ver-
nehmlassung vom 8. Juli 2020 auch hingewiesen hatte (vgl. A25 und A32).
Folglich war für den Beschwerdeführer ohne Weiteres ersichtlich, dass das
Dossier seines Bruders H._ konsultiert und in die Beurteilung sei-
nes Falles miteinbezogen worden war. Es war entsprechend nicht erforder-
lich, dass die Vorinstanz diesbezüglich eine separate Aktennotiz erstellt.
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Seite 7
4.3.2 Der Beschwerdeführer brachte weiter vor, er habe ausdrücklich dar-
gelegt, dass seine Cousins – die nun in der Schweiz lebten – politisch aktiv
gewesen seien. Ebenso habe er ausgeführt, dass seine ganze Familie im
Visier der Behörden gestanden habe. Das SEM habe es jedoch unterlas-
sen, die von ihm genannten Verwandten zu erwähnen und deren Dossiers
beizuziehen. Es sei offensichtlich, dass ihm nicht nur aufgrund seines Bru-
ders H._, sondern aufgrund der gesamten Familie eine Reflexver-
folgung gedroht habe. Zwar trifft es zu, dass der Beschwerdeführer im Rah-
men der Befragungen erwähnte, dass seine Cousins politisch aktiv seien
(vgl. A8, Ziff. 7.02 und A20, F59 ff., F73 und S. 12). Er machte jedoch nicht
geltend, dass er wegen der Aktivitäten dieser Cousins eine Verfolgung er-
litten habe. Vielmehr gab er an, dass der Grund für seine Probleme in Sy-
rien sein Bruder gewesen sei (vgl. A20, F28 f.). Weder stellte er seine Aus-
reise in einen Zusammenhang mit den politischen Tätigkeiten seiner Cous-
ins noch führte er aus, dass er befürchte, deswegen in Zukunft eine Re-
flexverfolgung zu erleiden. Vor diesem Hintergrund bestand für das SEM
keine Veranlassung, die Dossiers dieser Verwandten beizuziehen. Entge-
gen der auf Beschwerdeebene vertretenen Auffassung lässt sich aus den
Aussagen des Beschwerdeführers auch nicht schliessen, dass er aus einer
politischen Familie stamme und aus diesem Grund befürchten müsste, von
Seiten der syrischen Behörden einer Verfolgung ausgesetzt zu werden. So
erklärte er, dass nur er – als ältester Bruder – wegen den Aktivitäten von
H._ im Jahr (...) verhaftet worden sei, nicht aber die anderen noch
in Syrien lebenden Brüder (vgl. A8, Ziff. 7.02). Zwei seiner Brüder, die nach
wie vor in Syrien leben, haben offenbar zu keinem Zeitpunkt konkrete Prob-
leme mit den Behörden gehabt aufgrund der politischen Tätigkeit der an-
deren Familienmitglieder (vgl. A20, F74). Dies deutet darauf hin, dass ge-
rade nicht die gesamte Familie des Beschwerdeführers im Visier der hei-
matlichen Sicherheitsbehörden stand und folglich nicht davon auszugehen
ist, dass ihm allein schon aufgrund seiner Familienzugehörigkeit eine Ver-
folgung drohen würde.
4.3.3 Sodann führte der Beschwerdeführer aus, das SEM habe das Profil
seines Bruders H._ nicht weiter abgeklärt und dieses unzureichend
gewürdigt. Es handle sich bei ihm um einen wichtigen Oppositionspolitiker
der syrischen Kurden, was sich unter anderem auch anhand seines promi-
nenten Facebook-Profils sowie seines aktiven Twitter-Accounts zeige.
Diesbezüglich ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer trotz entspre-
chenden Nachfragen des SEM nur vage Angaben zu den politischen Tä-
tigkeiten seines Bruders machen konnte (vgl. A20, F58 f. und F62). Aus
den eingereichten Zeitungsberichten geht lediglich hervor, dass H._
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den Transport von Hilfsgütern in die Region um J._ organisiert hat.
Auf seinem Twitter-Account, welcher etwa 20 Follower aufweist, ist
H._ nicht besonders aktiv. Ebenso wenig ist ersichtlich, inwiefern
sich aus dem im Rahmen des ersten Beschwerdeverfahrens eingereichten
Ausdruck von dessen Facebook-Profil ergeben sollte, dass H._ ein
massgeblicher Oppositionspolitiker mit einer grossen Reichweite auf den
sozialen Medien ist (vgl. dazu Beschwerdebeilagen 5-7 zur Beschwerde
vom 28. Oktober 2019). Entsprechend erscheint es nicht erforderlich, wei-
tergehende Abklärungen zum Profil von H._ zu tätigen. Es gibt
keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass H._ ein derart exponier-
tes politisches Profil aufweist, dass dem Beschwerdeführer aufgrund von
dessen politischen Aktivitäten zukünftig eine Reflexverfolgung drohen
würde.
4.3.4 Schliesslich erblickt der Beschwerdeführer im Umstand, dass das
SEM nach der Einreichung seines Asylgesuchs zwei Jahre habe verstrei-
chen lassen bis zur Durchführung der Anhörung, eine Verletzung der Ab-
klärungspflicht. Es wiege schwer und sei willkürlich, dass das SEM das
Verfahren derart verschleppe und gleichzeitig behaupte, er habe keine de-
taillierten Angaben zu seinen Asylgründen machen können. Diese Rüge
erweist sich als haltlos. Der Beschwerdeführer selbst liess nach seiner Ein-
reise mehr als drei Jahre verstreichen, bis er überhaupt ein Asylgesuch
stellte. Dem ersten vom SEM angesetzten Anhörungstermin blieb er unent-
schuldigt fern (vgl. A17 und A18). Es kann der Vorinstanz daher keines-
wegs vorgeworfen werden, sie habe das Verfahren verschleppt. Der erheb-
liche Zeitablauf zwischen den fluchtauslösenden Ereignissen und der
Durchführung der Anhörung ist vielmehr massgeblich auf das Verhalten
des Beschwerdeführers zurückzuführen. Ein willkürliches Vorgehen der
Vorinstanz liegt offensichtlich nicht vor.
4.4 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det. Das SEM hat den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches
Gehör nicht verletzt und den Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt.
Es besteht keine Veranlassung, die Verfügung aufzuheben und die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende
Begehren ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Seite 9
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen
aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an
die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Obwohl er mehrmals
aufgefordert worden sei, ausführlich und detailliert von seinen Problemen
mit den syrischen Behörden zu berichten, habe er keine substanziierten
Angaben machen können. Vielmehr habe er die geltend gemachten Ver-
folgungshandlungen nur knapp und allgemein gehalten geschildert. Zudem
habe er bei der BzP angegeben, die Meldepflicht habe im Jahr (...) geen-
det, während er bei der Anhörung ausgesagt habe, er habe dieser bis (...)
unterstanden. Gemäss seinen Angaben habe er sich über Jahre hinweg
jeden Monat bei den Behörden melden müssen, was vorliegend bedeuten
würde, dass er rund (...) Mal zu derselben Sache verhört worden sei. Es
sei unwahrscheinlich, dass die syrischen Behörden ihn in dieser Angele-
genheit – die nicht einmal ihn selbst betroffen habe – derart oft hätten be-
fragen sollen. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass er bereits Anfang 2014
in die Schweiz gelangt sei, aber erst im Jahr 2017 ein Asylgesuch einge-
reicht habe. Wäre er tatsächlich einer Verfolgung ausgesetzt gewesen,
könne davon ausgegangen werden, dass er nach der Einreise zeitnah um
Asyl nachgesucht hätte. Zwar bringe er vor, er habe sich im Frühjahr 2014
einem operativen Eingriff am (...) unterziehen müssen. Dies erkläre jedoch
nicht, weshalb er nicht im späteren Verlauf des Jahres oder zumindest
2015 einen Asylantrag gestellt habe. Seine Äusserungen liessen darauf
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Seite 10
schliessen, dass er um Asyl ersucht habe in der Hoffnung, nach einem po-
sitiven Asylentscheid bessere Reisemöglichkeiten zu erhalten. Dies sei je-
doch nicht der Sinn der Asylgewährung.
6.2 In der Beschwerdeschrift wurde geltend gemacht, der Beschwerdefüh-
rer habe die Ereignisse – welche im Zeitpunkt der Befragung (...) Jahre
zurückgelegen hätten – so detailliert geschildert, wie es von ihm habe er-
wartet werden können. Er habe dabei Vorfälle zusammenfassen müssen,
welche sich über einen Zeitraum von rund (...) Jahren ereignet hätten. In
diesem Zusammenhang habe er die Probleme, die er wegen seines Bru-
ders erlitten habe, ausreichend präzise dargelegt. Zudem habe er erklärt,
er könnte noch tagelang über seine Erlebnisse im Gefängnis und bei den
Befragungen erzählen. Das SEM habe jedoch an dieser entscheidenden
Stelle nicht nachgefragt und ihn nicht aufgefordert, mehr über diese Ereig-
nisse zu berichten. Hinsichtlich des Widerspruchs betreffend die Dauer der
Meldepflicht sei festzuhalten, dass er bei der Anhörung mit Nachdruck ge-
schildert habe, er habe bis im Jahr (...) regelmässig bei den Behörden vor-
sprechen müssen. Die diesbezüglich abweichenden Angaben bei der BzP
seien nicht als entscheidrelevanter Widerspruch anzusehen. Weiter stell-
ten die von ihm geltend gemachten (...) Befragungen durch die Behörden
über rund (...) Jahre hinweg keineswegs eine besonders grosse Anzahl
dar. Das SEM verkenne, dass es dabei nicht in erster Linie darum gegan-
gen sei, tatsächlich etwas über den Bruder zu erfahren. Vielmehr sei es
das Ziel gewesen, ihn durch anhaltende Schikanen einzuschüchtern und
unter Druck zu setzen. Schliesslich erweise sich die Argumentation des
SEM, seine Vorbringen seien auch aufgrund des Umstands, dass er erst
im Jahr 2017 ein Asylgesuch eingereicht habe, als unglaubhaft einzustu-
fen, als nicht stichhaltig. Er habe ausführlich dargelegt, dass es ihm nach
der Einreise aufgrund seiner (...)operation nicht möglich gewesen sei, sich
mit der Frage einer Asylgesuchstellung zu befassen. Insgesamt sei die Vo-
rinstanz zu Unrecht von der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen ausge-
gangen.
7.
7.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-
nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge-
macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie
aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die
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Seite 11
Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-
nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon-
krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung
plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei
wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen
Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung
die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be-
schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber
reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor-
bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände we-
sentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2013/11 E. 5.1).
7.2 Der Beschwerdeführer erklärte bei der BzP sowohl im Rahmen des
freien Berichts als auch auf konkrete Nachfrage hin, dass die von ihm gel-
tend gemachte Meldepflicht bis im Jahr (...) gedauert habe. Weiter bestä-
tigte er ausdrücklich, dass es zwischen (...) und (...) keine Vorfälle gege-
ben habe (vgl. A8, Ziff. 7.01 f.). Demgegenüber sagte er bei der Anhörung
aus, er habe sich bis im Jahr (...) monatlich bei den Behörden melden müs-
sen (vgl. A20, F32, F46 und F51 ff.). Auf den Vorhalt dieses Widerspruchs
hin erklärte er, so viel er sich erinnern könne, habe die Meldepflicht bis (...)
und nicht bis (...) gedauert (vgl. A20, F75). Auch wenn diese Ereignisse
bereits einige Jahre zurücklagen, ist es nicht nachvollziehbar, weshalb der
Beschwerdeführer derart abweichende Angaben zur Dauer seiner Melde-
pflicht gemacht hat. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob er sich
während (...) oder (...) Jahren monatlich bei den Behörden habe melden
müssen. Ebenso wäre zu erwarten gewesen, dass er in Erinnerung hat, ob
er während drei Jahren – also zwischen (...) und (...) – keine Probleme mit
den Behörden gehabt hat oder ob er lediglich während (...) in Ruhe gelas-
sen worden war. Ferner ist in Übereinstimmung mit dem SEM festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer, obwohl er über Jahre hinweg zahlreiche Ter-
mine bei den Sicherheitsbehörden habe wahrnehmen müssen, nur äus-
serst oberflächliche Angaben zu diesen machen konnte (vgl. A20, F41 ff.).
Seine dahingehenden Ausführungen erweisen sich als knapp und unsub-
stanziiert. Weiter ist es als unwahrscheinlich anzusehen, dass die syri-
schen Behörden den Beschwerdeführer im Anschluss an den Anschlag sei-
nes Bruders H._ auf die syrische Botschaft über mehrere Jahre hin-
weg regelmässig vorbeikommen liessen und ihn zu seinem Bruder befrag-
ten. Dieses Vorgehen erscheint auch mit der in der Beschwerdeschrift vor-
gebrachten Erklärung – es habe sich dabei um eine Schikane mit dem Ziel,
ihn unter Druck zu setzen, gehandelt – wenig plausibel. Dies gilt umso
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Seite 12
mehr, als er geltend macht, als einziger der in Syrien lebenden Brüder von
H._ von diesen Massnahmen betroffen gewesen zu sein. Ferner
bestehen auch erhebliche Zweifel an der geltend gemachten behördlichen
Suche nach seiner Person kurz nach Ausbruch des Bürgerkriegs. Eigenen
Angaben zufolge habe es sich bei dieser um das Ereignis gehandelt, wel-
ches ihn zur Ausreise aus dem Heimatstaat bewogen habe. Während er
jedoch bei der BzP angab, es sei beide Male jeweils ein Beamter bei ihm
zu Hause vorbeigekommen, um nach ihm zu fragen (vgl. A8, Ziff. 7.02),
führte er bei der Anhörung aus, es seien jeweils zwei Personen zu ihnen
gekommen (vgl. A20, F55 f.). Auch wenn er selbst nicht anwesend war,
wäre zu erwarten gewesen, dass er zu diesen – angeblich fluchtauslösen-
den – Vorfällen übereinstimmende Angaben macht. Als er auf den Wider-
spruch angesprochen wurde, führte er aus, er habe dies – gemeint ist die
Aussage bei der BzP – nicht gesagt; es seien zweimal zwei Personen ge-
wesen (vgl. A20, F76). Dies stellt jedoch keine schlüssige Erklärung für die
unterschiedlichen Aussagen dar. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass
das SEM zu Recht aufgrund des Umstands, dass der Beschwerdeführer
erst 2017 um Asyl nachsuchte, daran zweifelte, dass er vor der Ausreise
tatsächlich einer Verfolgung ausgesetzt gewesen war. Zwar trifft es zu,
dass er sich kurz nach der Einreise einer (...)-operation unterziehen
musste. Der vorgelegte Spitalaustrittsbericht datiert jedoch vom 1. April
2014, während das Asylgesuch am 22. August 2017 gestellt wurde. Selbst
wenn gesundheitliche Probleme den Beschwerdeführer daran gehindert
haben sollten, unmittelbar nach der Einreise um Asyl zu ersuchen, ist es
nicht nachvollziehbar, weshalb er damit nach der Operation noch rund drei
Jahre zugewartet hat. An der BzP führte er denn auch aus, er stelle das
Asylgesuch in der Hoffnung, ein Reisedokument zu erhalten (vgl. A8, Ziff.
7.01). Bei der Anhörung wies er ebenfalls auf die Einschränkungen hin, die
er aufgrund seines "F-Status" habe (vgl. A20, F30). Zudem erwähnte er,
dass seine Angehörigen gerne Verwandte im Ausland besuchen möchten,
dies aber aufgrund ihres Aufenthaltsstatus nicht tun könnten (vgl. A20,
F79). Diese Aussagen lassen darauf schliessen, dass die Asylgesuchstel-
lung eher durch den möglichen Erhalt eines Reisedokuments als durch
eine Verfolgungslage im Heimatstaat motiviert war. Es wäre zu erwarten
gewesen, dass – wenn tatsächlich eine Verfolgung vorgelegen hätte – nach
der Einreise zeitnah um Asyl nachgesucht worden wäre. Insgesamt ist fest-
zuhalten, dass vorliegend die Elemente, welche gegen die Glaubhaftigkeit
der Vorbringen des Beschwerdeführers sprechen, überwiegen. Es ist da-
her nicht davon auszugehen, dass er jahrelang einer Meldepflicht bei den
syrischen Sicherheitsbehörden unterstand und von diesen im Jahr 2011
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aus unbekannten Gründen gesucht wurde. Die geltend gemachte Re-
flexverfolgung in den Jahren vor der Ausreise aufgrund der politischen Tä-
tigkeiten seines Bruders H._ erweist sich als nicht glaubhaft.
7.3 Sodann kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwer-
deführer im Anschluss an den Angriff seines Bruders H._ auf die
Botschaft im Jahr (...) für zwei Monate inhaftiert worden war und dabei
auch misshandelt wurde. Nachdem er sich in der Folge jedoch noch über
viele Jahre hinweg im Heimatstaat aufhielt, fehlt es an einem zeitlichen
Kausalzusammenhang zwischen diesem Ereignis und der Ausreise im
Jahr 2011. Selbst wenn die geltend gemachte Haft als glaubhaft eingestuft
würde, wäre sie nicht als asylrelevant anzusehen.
7.4 Abschliessend ist festzuhalten, dass keine konkreten Anhaltspunkte
dafür bestehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der aktuellen politi-
schen Tätigkeiten seines Bruders H._ oder von anderen Familien-
mitgliedern einer Reflexverfolgung ausgesetzt werden könnte. Zudem war
er selbst zu keinem Zeitpunkt politisch aktiv (vgl. A8, Ziff. 7.02) und macht
auch nicht geltend, sich in der Schweiz exilpolitisch zu betätigen. Die Kin-
der des Beschwerdeführers brachten keine eigenen Asylgründe vor.
7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden
nichts vorgebracht haben, um ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat ihre Asylgesuche da-
her zu Recht abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie. Die
Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche Auf-
enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen.
Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Die Beschwerdeführenden wurden vom SEM mit Verfügung vom 13. März
2014 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz
vorläufig aufgenommen (vgl. A14). Nachdem die Wegweisungsvollzugs-
hindernisse alternativer Natur sind (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom
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Seite 14
28. Oktober 2015 E. 8.4.2), erübrigen sich weitere Ausführungen zum Voll-
zug der Wegweisung.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit der Be-
schwerde wurde jedoch ein Gesuch um Befreiung von der Bezahlung der
Verfahrenskosten gestellt. Aufgrund der nachgereichten Unterstützungs-
bestätigung der (...) vom 6. Januar 2021 ist vorliegend von der Bedürftig-
keit der Beschwerdeführenden auszugehen und die gestellten Rechtsbe-
gehren erweisen sich nicht als zum Vornherein aussichtslos. Die Voraus-
setzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG sind daher erfüllt. Das entsprechende Gesuch ist gut-
zuheissen und es sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Das eben-
falls mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Entscheid gegen-
standslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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