Decision ID: e3800be0-5d7e-40c0-a52a-6312269a9b34
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
und
SWICA Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38,
8401 Winterthur
Beschwerdeführerin,
gegen
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St.Galler Gerichte
Schweizerische National-Versicherungs-Gesellschaft, Steinengraben 41, 4003 Basel,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1963 geborene G._ ist seit März 2008 als Selbständigerwerbender für die
A._ tätig und dabei freiwillig bei der Schweizerischen National-Versicherungs-
Gesellschaft AG (Nationale Suisse) unfallversichert. Am 28. November 2008 sei er
wegen Glatteis auf der Treppe ausgerutscht und auf die rechte Seite und den Rücken
gestürzt (act. UM1). Der Versicherte konsultierte am 11. Dezember 2008 Dr. med.
B._, Innere Medizin FMH, der ihm vorerst ab dem Datum der Erstkonsultation und
dann am 19. Dezember 2008 rückwirkend ab dem 28. November 2008 eine
Arbeitsfähigkeit von 0% attestierte (act. M1). Am 30. Dezember 2008 wurde der
Versicherte im C._ röntgenologisch untersucht. Die Bilder von Becken/Hüfte und
rechtem Knie zeigten normale Befunde (act. M2).
A.b Die Nationale Suisse bestätigte den Eingang der Unfallmeldung des Versicherten
(act. UM1) mit Schreiben vom 19. Januar 2009 (act. K1). Im Arztzeugnis UVG vom
2. Februar 2009 hielt Dr. B._ als Diagnose eine LWS-Kontusion fest (act. M3). Am 9.
März 2009 lehnte die Nationale Suisse ihre Leistungspflicht mit der Begründung ab,
dass ein Unfallereignis nicht glaubhaft dargestellt worden und ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis und den geklagten Beschwerden nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben sei. Mit Schreiben vom 29. März 2009
hielt der Versicherte daran fest, am Freitag, den 28. November 2008, einen Unfall
erlitten zu haben. Am darauffolgenden Montag, den 1. Dezember 2008, habe er das
Gesundheitszentrum telefonisch kontaktiert und einen Termin für den 11. Dezember
2008 erhalten (act. K7).
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A.c Die Nationale Suisse verfügte am 20. April 2009 eine Ablehnung ihrer
Leistungspflicht für das Schadenereignis vom 28. November 2008 mit der Begründung,
dass kein Unfall nach Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) und Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) vorliege. Zwischen dem möglichen
Unfallereignis vom 28. November 2008 und den geltend gemachten Beschwerden sei
der natürliche Kausalzusammenhang nicht gegeben (act. K8).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhoben der Versicherte sowie seine Krankenkasse, die
SWICA Krankenversicherung AG, am 18. Mai 2009 bzw. 8. Juli 2009 Einsprache (act.
K9, K13).
B.b Mit Schreiben vom 28. August 2009 teilte Dr. B._ der Nationale Suisse mit, dass
der Versicherte ihm am 11. Dezember 2008 einen Sturz vom 28. November 2008
geschildert habe. Auf Grund des Beschwerdeverlaufs unter nichtsteroidalen
Antirheumatika habe er ihn vom 28. November 2008 bis 9. Januar 2009 zu 100%
arbeitsunfähig geschrieben (act. M5).
B.c Mit Entscheid vom 30. September 2009 wies die Nationale Suisse die
Einsprachen des Versicherten und der Krankenkasse ab (act. K18).
C.
C.a Am 27. Oktober 2009 erhob die SWICA und am 29. Oktober 2009 der Versicherte
gegen den Einspracheentscheid vom 30. September 2009 Beschwerde mit den
jeweiligen Anträgen, der Einspracheentscheid vom 30. September 2009 sei aufzuheben
und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für die Folgen des Unfalls vom 28.
November 2008 aufzukommen. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer aus,
dass er ohne den Unfall weder Schmerzen erlitten noch einen Arzt aufgesucht hätte,
der ihn auf Grund seiner Befunde auch behandelt habe. Er habe sich jedoch erst nach
dem Wochenende um einen Arzttermin bemüht, weil er nicht lebensgefährlich verletzt
worden sei. Die Beschwerdeführerin hielt im Wesentlichen fest, dass es genüge, wenn
das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder
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geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt habe und mithin eine
Teilursache für eine gesundheitliche Störung darstelle. Bei einer Verschlimmerung
eines Vorzustands obliege der Nachweis der nunmehr gänzlich fehlenden
Auswirkungen des Unfalls, da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handle,
dem Unfallversicherer. Vorliegend sei jedoch auf die Berichte des behandelnden Arztes
abzustellen, der Unfallfolgen festgehalten habe.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. November 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin eine Vereinigung der Verfahren UV 2009/105 und UV 2009/106
sowie eine Abweisung beider Beschwerden, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
C.c Mit Schreiben vom 1. Dezember 2009 reichte der Beschwerdeführer eine
Übersicht über die Behandlungseinträge des SWICA Gesundheitszentrums ein (act.
G 6.2). Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik.
C.d Auf die weiteren Begründungen und Ausführungen in den einzelnen
Rechtsschriften bzw. medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin beantragt die Vereinigung der Verfahren UV 2009/105 und UV
2009/106 betreffend ihren Einspracheentscheid vom 30. September 2009. Da beiden
Verfahren derselbe Sachverhalt zu Grunde liegt, sich die gleichen Rechtsfragen stellen
und die Rechtsmittel den nämlichen Einspracheentscheid betreffen, rechtfertigt es sich,
die Verfahren zu vereinigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen (vgl. BGE 128 V
124 E. 1 und 128 V 192 E. 1, je mit Hinweisen).
2.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die geltend gemachten Schmerzen im unteren
Rücken und rechten Bein bzw. Knie auf ein Unfallereignis zurückgeführt werden
können und die Beschwerdegegnerin dafür leistungspflichtig ist.
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3.
3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten gewährt. Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die
eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur
Folge hat (Art. 4 ATSG). Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit
nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne
Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor
allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ein äusserer
Faktor ist aussergewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich
Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall,
wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV 2000 Nr. U
368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen).
Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors
kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung
bestehen. So kann der Körper als Ganzes in Bewegung kommen, indem er - z.B. bei
einem Sturz - auf harter Unterlage aufschlägt und Schaden nimmt. Der äussere und der
ungewöhnliche Faktor sind hier ohne weiteres gegeben.
3.2 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Allerdings ist die
leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die
einzelnen Umstände des Unfallgeschehens glaubhaft machen. Kommt sie dieser
Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche
Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig
erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers (BGE 114 V
305 E. 5b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei sich widersprechenden Angaben der
versicherten Person über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime
abgestellt werden, wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde"
in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die
bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher
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oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung
im Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht
hat, meistens grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer
Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 E. 2a mit Hinweisen; A. Rumo-
Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich 2003, S. 21). Das Gericht
stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würdigt (BGE 117 V 360 E 4a mit
Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn der
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 2b). Wird
also auf dem Weg der Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht
wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht (Th.
Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.) - so hat
dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten derjenigen Person auswirkt,
welche Anspruch auf Versicherungsleistungen erhebt.
4.
4.1 In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass der Beschwerdeführer Dr. B._ am
11. Dezember 2008 im SWICA Gesundheitszentrum wegen lumbalen Schmerzen
aufsuchte (act. M1, M3, M4, act. G 6.2 S. 2 f.). Auf Grund dieser Konsultation
attestierte Dr. B._ dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 0% "gültig ab 11.
Dezember 2008 - 19. Dezember 2008". Am 19. Dezember 2008 erfolgte eine weitere
Konsultation bei Dr. B._, der dieses Mal im Formular "Einfaches Arztzeugnis" eine
Arbeitsunfähigkeit gültig "seit 28. November 2008" bestätigte (act. M1). Weitere
Konsultationen im Gesundheitszentrum erfolgten am 19., 22., 24. und 29. Dezember
2008 (Eintrag für den 29. wohl erst am 30. Dezember 2008 erfolgt) sowie am 5. und 9.
Januar 2009, wobei diejenigen vom 22., 24. und 29. Dezember 2008 bei einem
ärztlichen Stellvertreter von Dr. B._ stattfanden (act. M1, act. G 6.2). In der
Unfallmeldung von Mitte Januar 2009 machte der Beschwerdeführer geltend, dass er
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am Freitag, den 28. November 2008, als er die Treppe hinunter und zur Arbeit gehen
wollte, gestolpert bzw. gestürzt und auf die rechte Seite gefallen sei und den Rücken
und (die) Beine verletzt habe. Auf der Treppe habe es Eis gehabt (act. UM1). Mit
Schreiben vom 29. März 2009 erklärte er, da es auf das Wochenende zugegangen sei,
sei er zu Hause geblieben und habe gehofft, dass die Schmerzen vergehen würden.
Am folgenden Montag habe er beim Gesundheitszentrum telefonisch um einen
Behandlungstermin gebeten. Diesen habe man ihm für den 11. Dezember 2008 mit der
Aufforderung gegeben, sich sofort zu melden, falls sich der Gesundheitszustand
extrem verschlechtern würde (act. K7). Nachdem die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht abgelehnt hatte, machte er in der Einsprache vom 18. Mai 2009 in
Abweichung zur früheren Aussage geltend, dass er das Gesundheitszentrum nicht
telefonisch kontaktiert, sondern es am 1. Dezember 2008 direkt aufgesucht und dort
Schmerztabletten erhalten habe. Am 11. Dezember 2008 habe er eine Nachkontrolle
bei Dr. B._ gehabt, da die Schmerzen nicht aufgehört hätten (act. K9). Auch in der
Beschwerde hält der Beschwerdeführer daran fest, dass er am Montag nach dem
Unfallereignis beschlossen habe, den Arzt aufzusuchen und sich behandeln zu lassen.
Welcher Arzt oder welche Ärztin ihn jedoch dabei behandelt und ihm die
Schmerztabletten verschrieben haben soll, gab er nicht an. Dem Auszug der
Beschwerdeführerin über die Behandlungseinträge, auf welchem die Konsultationen ab
11. Dezember 2008 bis 28. August 2009 vermerkt sind, ist vor dem 11. Dezember 2008
keine Behandlung des Beschwerdeführers im Gesundheitszentrum und auch keine
Verschreibung eines Schmerzmittels zu entnehmen. Vielmehr hielt Dr. B._ als
Behandlungseintrag am 11. Dezember 2008 "bisher keine NSAR" fest (act. G 6.2; vgl.
ausführliche Definition unter: http://de.wikipedia.org/wiki/
Nichtsteroidales_Antirheumatikum, Abfrage vom 24. August 2010; zusammengefasst
steht NSAR [nichtsteroidale Antirheumatika] für eine Gruppe entzündungshemmender
Schmerzmittel), was wohl bedeutet, dass dem Beschwerdeführer - jedenfalls vom
Gesundheitszentrum - noch keine der normalerweise eingesetzten Schmerzmittel
verschrieben worden waren.
4.2 Obgleich der Beschwerdeführer somit - wie er behauptet - ab dem 28. November
2008 wegen starker Schmerzen im Lumbalbereich vollständig arbeitsunfähig gewesen
sein will, suchte er erst 13 Tage nach dem geltend gemachten Ereignis einen Arzt auf.
Hätte er tatsächlich bereits vorher das Gesundheitszentrum aufgesucht, müsste dies
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im Computersystem der Beschwerdeführerin eingetragen oder zumindest in einem
späteren Schreiben von Dr. B._ vermerkt worden sein. Dr. B._ hielt jedoch auch in
den Arztzeugnissen vom 2. Februar 2009 (act. M3) und 20. März 2009 (act. M4) eine
Erstbehandlung am 11. Dezember 2008 fest. Ein weiterer Widerspruch in der
Schilderung des zeitlichen Ablaufs findet sich schliesslich in einer Telefonnotiz der
Beschwerdegegnerin vom 13. März 2009 (act. K6). Gemäss dieser hat der
Beschwerdeführer nach Erhalt der Leistungsablehnung während eines
Telefongesprächs mit der zuständigen Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin
behauptet, er hätte am 1. Dezember 2008 beim Gesundheitszentrum angerufen und
einen Termin für den 5. Dezember 2008 erhalten. Für eine ärztliche Behandlung am 5.
Dezember 2008 liegen jedoch ebenfalls keine Hinweise vor. Angesichts dieser
Widersprüche vermögen die Schilderungen des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt der
ärztlichen Erstkonsultation sowie seiner Kontaktaufnahme mit dem
Gesundheitszentrum nicht zu überzeugen. Es ist daher auf Grund der Übersicht über
die Behandlungseinträge davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nach dem
behaupteten Unfallereignis erstmals am 11. Dezember 2008 einen Arzt konsultiert hat.
4.3 Die Beschwerdeführerin führt die Rückenbeschwerden des Versicherten auf ein
Ereignis zurück, wie es von diesem in der Unfallmeldung von Mitte Januar 2009
gegenüber der Beschwerdegegnerin beschrieben wurde. Der Beschwerdeführer sei auf
der Treppe infolge von Eis gestürzt und dabei auf die rechte Seite gefallen. Dabei habe
er sich am Rücken und dem rechten Bein verletzt (act. UM1). - Unstreitig ist, dass mit
einem Sturz ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf den Körper einwirkt und das eben
beschriebene Ereignis damit einen Unfalltatbestand im Sinn von Art. 4 ATSG darstellt.
Der Hergang des angeblichen Ereignisses vom 28. November 2008 ist in den Akten
weitere Male beschrieben. Im Behandlungseintrag des Gesundheitszentrums vom
11. Dezember 2008 steht der Vermerk, dass seit 28. November 2008 lumbale
Schmerzen bestünden, nachdem der Beschwerdeführer ausgerutscht und auf die
rechte Hüftseite gefallen sei (act. G 6.2 Seite 2). Auch im Arztzeugnis UVG vom 2.
Februar 2009 gab Dr. B._ an, der Beschwerdeführer sei am 28. November 2008
ausgerutscht und auf die rechte Hüfte sowie den Rücken gefallen (act. M3). Im
Arztzeugnis vom 20. März 2009 bestätigte Dr. B._ wiederum, dass der
Beschwerdeführer am 28. November 2009 ausgerutscht und auf den Rücken gefallen
sei. Deswegen habe ihn der Beschwerdeführer am 11. Dezember 2008 konsultiert und
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er die Diagnose einer LWS-Kontusion gestellt (act. M4). Mit Schreiben vom 28. August
2009 hielt Dr. B._ fest, dass ihm der Beschwerdeführer am 11. Dezember 2008
mitgeteilt habe, am 28. November 2008 ausgerutscht und auf den Rücken gefallen zu
sein (act. M5). Hierzu ist festzuhalten, dass der Arzt in Bezug auf die Frage des
Unfallhergangs eine Sachverhaltsfrage und keine medizinische Frage beantwortet und
die diesbezüglichen ärztlichen Vermerke zwingend auf den Darstellungen des Patienten
basieren. Die in diesem Sinn dargestellten Sachverhaltsschilderungen sind folglich als
diejenigen des Beschwerdeführers zu betrachten. Dabei bestehen weder in der
Schilderung des Unfallhergangs noch bezüglich des Datums Widersprüche. Auch sonst
sind keine Hinweise gegen die Annahme eines solchen Unfallereignisses am 28.
November 2008 ersichtlich. Nachdem auch Dr. B._ offensichtlich ohne jeden Zweifel
von einem Sturz des Beschwerdeführers ausging, ist seine Beurteilung vom 11.
Dezember 2008 als "akutes lumbovertebrales Schmerzsyndrom nach Sturz am 28.
November 2008" (act. 6.2 S. 3) als klare Unfalldiagnose zu verstehen. Obgleich es
gemäss Dr. B._ keine klinischen Untersuchungen gibt, mit denen der genaue
Zeitpunkt des Unfalls mit 100%iger Sicherheit festgelegt werden könnte (act. M5),
spricht somit nichts gegen dieses Unfalldatum. Entsprechend ist von einem
Unfalltatbestand im Sinn von Art. 4 ATSG als Folge eines Sturzes auf der Treppe am
28. November 2008 auszugehen, wofür die Beschwerdegegnerin grundsätzlich
leistungspflichtig wird. Es bleibt nachfolgend jedoch zu prüfen, in welchem Ausmass
diese Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für den besagten Unfall besteht.
5.
5.1 Gemäss dem Behandlungseintrag vom 11. Dezember 2008 (14:59 Uhr) hielt
Dr. B._ als subjektiven Befund folgendes fest: "Seit 28. November 2008 lumbale
Schmerzen, war ausgerutscht und auf rechte Hüftseite gefallen, keine Ausstrahlung ins
Bein, aktuell schlimmer, bisher keine NSAR." Als objektiven Befund stellte er eine nach
rechts verschobene Wirbelsäule (WS), eine DD (wohl "Druckdolenz" gemeint) der
unteren LWS sowie eine leichte DD des ISG (Iliosakralgelenk) rechts fest. Seine
Beurteilung lief auf ein akutes lumbovertebrales Schmerzsyndrom nach Sturz am 28.
November 2008 hinaus. In der Sprechstunde vom 19. Dezember 2008 hielt Dr. B._
ein akutes lumbovertebrales Syndrom in Remission fest. Am 22. Dezember 2008 trug
seine Stellvertreterin oder sein Stellvertreter im System unter dem Titel "Anamnese"
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erstmals aktuelle Schmerzen im rechten Bein, Hüfte und Knie rechts sowie auch
Ruheschmerzen ein. Die LWS-Beweglichkeit und die Hüftuntersuchung waren normal,
eine Knieuntersuchung unauffällig. Gemäss Behandlungseintrag vom 30. Dezember
2008 konnte die behandelnde Ärztin Dr. med. D._, Innere Medizin FMH, keine
Prellmarken ausmachen, die Gelenke seien frei beweglich, jedoch bestünden gemäss
Anamnese bereits seit dem 28. November 2008 Schmerzen in der rechten Leiste und
dem rechten Knie (act. G 6.2). Im Behandlungseintrag vom 5. Januar 2009 sowie im
UVG-Arztzeugnis vom Februar 2009, also nach Durchführung der
Röntgenuntersuchung vom 30. Dezember 2008, stellte Dr. B._ schliesslich die
Diagnose einer LWS-Kontusion (act. G 6.2, act. M3). Diese wurde dann gegenüber der
Beschwerdegegnerin auch als Grund für die Arbeitsunfähigkeit angegeben.
Demgegenüber wurde nicht geltend gemacht, dass auch die mittlerweile geklagten
Beschwerden im rechten Knie - zu denen im Übrigen keine Diagnosen vorliegen - zu
einer Arbeitsunfähigkeit geführt hätten, weshalb sich weitere Ausführungen hierzu
erübrigen.
5.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er seit Unfalleintritt vollständig
arbeitsunfähig gewesen sei. Auf Grund des oben Gesagten sowie seinen
widersprüchlichen Schilderungen in Bezug auf den zeitlichen Ablauf erscheint die
Glaubwürdigkeit der nachträglich rückwirkend für die Dauer von dreizehn Tagen
behaupteten Arbeitsunfähigkeit jedoch sehr fraglich. Es kann nicht ausgeschlossen
werden, dass diese Aussage durch nachträgliche versicherungsrechtliche
Überlegungen beeinflusst wurde. Bei einem freiwillig versicherten
Selbständigerwerbenden hätte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auf Grund von
Rückenproblemen allein schon auf Grund der Schadenminderungspflicht einen
früheren Arztbesuch erwarten lassen, konnte der Versicherte doch dadurch nicht nur
seiner Arbeit nicht mehr nachgehen, sondern auch kein Einkommen mehr generieren.
Vergleicht man die Situation mit einer versicherten Person in abhängiger Stellung, so
hätte diese meist schon nach wenigen Tagen Arbeitsunfähigkeit (i.d.R. nach drei
Tagen) ein Arztzeugnis vorzulegen gehabt. Mit solchen Bestimmungen soll einerseits in
beweismässiger Hinsicht sichergestellt werden, dass ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit
echtzeitlich bestätigt, andererseits aber auch das Ziel einer schnellstmöglichen
Genesung durch einen frühen Behandlungseinsatz verfolgt werden. Vorliegend hat es
der Beschwerdeführer jedoch unterlassen, ein echtzeitiges ärztliches Zeugnis als
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Nachweis für seine Arbeitsunfähigkeit zu beschaffen. Da die gesundheitlichen Folgen
des Sturzes erstmals mit Eintrag von Dr. B._ vom 11. Dezember 2008 in
beweismässiger Hinsicht festgehalten wurden und eine Rückdatierung der
vollständigen Arbeitsunfähigkeit erst mit Zeugnis vom 19. Dezember 2008 erfolgte (act.
M1), wobei die lumbalen Schmerzen gemäss dem Eintrag vom 11. Dezember zu
diesem Zeitpunkt "aktuell schlimmer" geworden seien, ist für den Beginn der
leistungsbegründenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit auf den 11. Dezember 2008
abzustellen. Der fehlende Beweis für die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit vom 28.
November bis 10. Dezember 2008 führt entsprechend zu einem Entscheid zu
Ungunsten des Beschwerdeführers, der aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ableiten wollte (Rumo-Jungo, a.a.O., S.
21).
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde in dem Sinn teilweise
gutzuheissen, dass der Einspracheentscheid vom 30. September 2009 aufgehoben
und die Beschwerdegegnerin verpflichtet wird, für die Folgen des Unfallereignisses
vom 28. November 2008 Heilungskosten und für den Zeitraum vom 11. Dezember
2008 bis 9. Januar 2009 Taggeldleistungen zu erbringen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht