Decision ID: f4788917-5087-4f0c-bc7c-c05322a98d45
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Z._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christian Thöny, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1976 geborene Z._ absolvierte bei der A._ eine kaufmännische Lehre und
war dadurch bei der Suva unfallversichert, als sie am 6. Juli 1994 als auf der Rückbank
sitzende Mitfahrerin in einem Personenwagen in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde.
Beim Versuch des Personenwagen-Lenkers, einen Traktor zu überholen, kam es zur
Kollision der beiden Fahrzeuge, da der Traktorfahrer gleichzeitig einen Abbiegevorgang
nach links eingeleitet hatte. Der Personenwagen prallte in der Folge mit der linken Seite
gegen einen Baum. Die Versicherte war vom 6. bis 8. Juli 1994 im Kantonalen Spital
Grabs hospitalisiert, wo eine Commotio cerebri und eine HWS-Distorsion diagnostiziert
wurden und im weiteren eine retrograde Amnesie für den genauen Unfallhergang
bescheinigt wurde (UV-act. 5). Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, bescheinigte
in der Folge die volle Arbeitsaufnahme der Versicherten ab 28. Juli 1994 sowie den
Behandlungsabschluss am 24. Oktober 1994 (UV-act. 2).
A.b Am 29. März 1995 meldete die Arbeitgeberin einen Rückfall, nachdem sich die
Versicherte am 9. März 1995 wegen Kopfschmerzen und muskulärer Verspannungen
wieder in Behandlung zu Dr. B._ begeben hatte. Eine Arbeitsunfähigkeit lag nicht vor.
Die Behandlung wurde im November 1995 abgeschlossen (UV-act. 11, 12, 16-18).
A.c Am 25. September 1996 erfolgte ein weiterer Rückfall. Dr. B._ bestätigte im
Bericht vom 11. November 1996, dass die Beschwerden durch Physiotherapie jeweils
wieder gelindert werden könnten. Eine Arbeitsunfähigkeit sei in den letzten Monaten
nicht eingetreten. Am 1. Juli 1997 schloss er die Behandlung ab (UV-act. 19, 26, 31).
Nach Durchführung von ärztlichen Behandlungen und Abklärungen verneinte die Suva
im Schreiben vom 6. März 2001 eine Leistungspflicht für die im Februar 2001
aufgetretenen Migräneanfälle (UV-act. 47). Mit Verfügung vom 3. Dezember 2001
verneinte die Suva das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs zwischen den von der
Versicherten geltend gemachten somatischen und psychischen Beschwerden mit
Teilarbeitsunfähigkeit ab 1997 und dem Unfall vom 6. Juli 1994 und lehnte die
Übernahme weiterer Behandlungskosten ab (UV-act. 83). Die von der Versicherten
gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (UV-act. 88) wies die Suva mit
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Einspracheentscheid vom 25. Juli 2002 ab. Gegen diesen Entscheid liess die
Versicherte beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde erheben
(UV-act. 101). In der Folge hob die Suva am 24. Februar 2005 den Einspracheentscheid
vom 25. Juli 2002 zwecks weiterer Abklärungen und anschliessender Neubeurteilung
auf, worauf das Versicherungsgericht das Beschwerdeverfahren am 13. Mai 2005
zufolge Gegenstandslosigkeit abschrieb (UV-act. 110).
A.d Mit Verfügung vom 1. März 2004 hatte die Invalidenversicherung der Versicherten
auf der Basis eines IV-Grades von 94% mit Wirkung ab 1. Juli 2004 eine ganze Rente
zugesprochen. Diese Rente wurde im Rahmen des Revisionsverfahren 2005 bestätigt
(UV-act. 158). Nach Durchführung von weiteren medizinischen Abklärungen eröffnete
die Suva dem Rechtsvertreter der Versicherten mit Verfügung vom 29. September
2006, dass keine Leistungspflicht für die rückfallweise gemeldeten Beschwerden
bestehe. Zwischen diesen Beschwerden und dem Unfall vom 6. Juli 1994 bestehe kein
(überwiegend) wahrscheinlicher Kausalzusammenhang. Die Adäquanz der psychischen
Beschwerden sei zu verneinen (UV-act. 164). Die gegen diese Verfügung erhobenen
Einsprachen (UV-act. 165, 167, 169) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 13.
Februar 2007 ab.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt lic. iur. Christian Thöny, Chur, mit
Eingabe vom 7. März 2007 für die Versicherte Beschwerde mit den Anträgen, der
Entscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, für die Folgen
des Unfalles vom 6. Juli 1994 aufzukommen und die gesetzlichen Leistungen
(Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie Taggeld, eventuell Rente)
auszurichten; eventuell sei der Sachverhalt vorgängig durch Einholung der Strafakten
C._ und ein gerichtlich-medizinisches interdisziplinäres Gutachten zu ergänzen, und
anschliessend zu entscheiden. Zur Begründung legte der Rechtsvertreter unter
anderem dar, die Beschwerdegegnerin habe den Unfallhergang nie ausreichend
abgeklärt. Sie stütze sich nur auf die den Unfallhergang bagatellisierenden Angaben
des Traktorfahrers C._, der bezüglich seines Fahrtempos falsche Aussagen gemacht
und zu Unrecht behauptet habe, er hätte den linken Blinker gestellt. Offensichtlich
bildeten die chronisch rezidivierende zervikocephale Symptomatik und die
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neuropsychologischen Funktionsstörungen wesentliche Ursachen der bestehenden
Arbeitsunfähigkeit. Dies habe auch die neuropsychologische Abklärung in der
Rehaklinik Rheinfelden ergeben. Obwohl Dr. B._ bereits im Januar 1997 die
bewegungsabhängigen Zervikalgien betont und die Frage gestellt habe, ob eine
segmentale Instabilität der HWS für die Beschwerden verantwortlich sei und
entsprechende Funktionsaufnahmen der HWS gefordert habe, sei dies unterlassen
worden. Solange eine neuro-radiologische Funktionsuntersuchung und damit die
relevanten bildgebenden Abklärungen fehlten, sei die Schlussfolgerung, körperliche
Unfallfolgen seien bildgebend nicht objektivierbar, unzulässig. Wenn Gerichtspraxis
und neuester Stand der medizinisch-diagnostischen Erkenntnis berücksichtigt würden,
sei die Aussage, körperliche Unfallfolgen seien nicht objektivierbar, nicht
nachzuvollziehen. Auch die psychischen Beschwerden seien auf den Unfall
zurückzuführen. Trotz der zusätzlichen psychischen Beschwerden (deren
Unfallkausalität angesichts des Nachunfallgeschehens ebenfalls bejaht werden müsse)
würden die zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Traumas gehörenden
Störungen nicht völlig in den Hintergrund treten, so dass für die Adäquanzprüfung die
Schleudertraumapraxis anzuwenden sei. Der Unfall sei als schwerer Fall, allenfalls im
Grenzbereich zum mittelschweren Fall einzustufen, habe es sich doch um eine heftige
Mehrfachkollision bei hoher Geschwindigkeit und gravierendem Unfallbild gehandelt.
Wenn der Unfall im mittleren Bereich, im Grenzbereich zum schweren Unfall
eingeordnet werde, reiche es aus, wenn einzelne Adäquanzkriterien erfüllt seien.
Konkret seien mehrere Kriterien gegeben.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 26. April 2007 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Darlegungen im
angefochtenen Entscheid und hielt unter anderem fest, nachdem aufgrund der
gesamten Aktenlage ein organisches Substrat für die heute geklagten Beschwerden
klar auszuschliessen sei, in den echtzeitlichen Akten nie ein Schleudertrauma
diagnostiziert und nie das typische Beschwerdebild eines Schleudertraumas oder einer
äquivalenten Verletzung beschrieben worden sei, die nach dem Unfall diagnostizierte
MTBI einen GCS-Wert von bloss 15 erreicht habe und im Zeitpunkt der
Rückfallmeldung vom Februar 2001 längst psychische Faktoren absolut dominant
gewesen seien, sei die Adäquanz nach BGE 115 V 133 zu prüfen. Diese sei
offensichtlich nicht gegeben, da kein einziges Kriterium erfüllt sei. Rein vorsorglich sei
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bemerkt, dass die adäquate Unfallkausalität selbst dann zu verneinen wäre, wenn diese
zu Unrecht nach BGE 117 V 359 geprüft würde. Nachdem die adäquate
Unfallkausalität in jedem Fall verneint werden müsse, würden sich weitere Abklärungen
zur natürlichen Kausalität erübrigen.
B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 6).
Mit Schreiben vom 5. Juni 2007 gab die Gerichtsleitung den Parteien bekannt, es sei
beabsichtigt, die Beschwerdeführerin psychiatrisch und neuropsychologisch
begutachten zu lassen (act. G 7). Mit Eingaben vom 13. und 27. Juni 2007 nahmen die
Parteien hiezu Stellung. Sie machten Gutachtervorschläge und reichten Fragenkataloge
ein (act. G 9, 10). Am 11. Dezember 2007 erkundigte sich der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin bezüglich des Verfahrensstandes (act. G 11). Mit Schreiben vom
23. Januar 2008 wurden die Dres. D._ und E._, Klinik Valens, von Seiten des
Versicherungsgerichts angefragt, ob sie bereit wären, die Begutachtung durchzuführen
(act. G 12). Dr. D._ erklärte sich am 29. Januar 2008 zur Begutachtung bereit (act.
13). Dr. E._ liess am 31. Januar 2008 mitteilen, dass er für den Entscheid, ob er die
Begutachtung durchführen möchte, vorgängig die medizinischen Akten benötige (act.
G 14). Mit Schreiben vom 14. Februar 2008 gab die Beschwerdegegnerin unter
anderem bekannt, sie sei mit der Zustellung der Suva-Akten an Dr. med. E._ nicht
einverstanden (act. G 16).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist, ob auch für die Zeit nach Juni 1997 (vgl. Einspracheentscheid) Folgen
des Unfalls vom 6. Juli 1994 vorliegen. Die Beschwerdegegnerin legte im
angefochtenen Entscheid die rechtlichen Voraussetzungen des Vorliegens eines
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen physischen und
psychischen Gesundheitsschädigungen (einschliesslich Schleudertrauma der
Halswirbelsäule und diesem äquivalenten Verletzungen) und einem Unfall sowie die
Beweisanforderungen (Erwägungen 1, 2) grundsätzlich zutreffend dar. Zwischenzeitlich
ergab sich nun allerdings eine Rechtsprechungs-Anpassung insofern, als das
Bundesgericht unter anderem den Katalog der bisherigen adäquanzrelevanten Kriterien
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bei Schleudertrauma-Verletzungen (BGE 117 V 359 Erw. 6a, 369 Erw. 4b) wie folgt neu
umschrieb: Besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit
des Unfalls; schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, fortgesetzt
spezifische, belastende ärztliche Behandlung, erhebliche Beschwerden, ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen, erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz
ausgewiesener Anstrengungen (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008 i/S M.
[U 394/06], Erwägung 10.3). Diese Präzisierung der Rechtsprechung ist auch auf die
hier streitige Angelegenheit anwendbar.
1.2 Im Nachgang zu dem per 25. September 1996 gemeldeten Rückfall bestätigte
Dr. B._ das Bestehen eines chronischen belastungsabhängigen Schmerzsyndroms
sowie den Behandlungsabschluss am 1. Juli 1997 (UV-act. 31). Nach einem
beschwerdefreien Intervall erfolgten im November 1998 sowie im Jahr 1999 wegen
immer wieder auftretender belastungsabhängiger Schmerzen und muskulärer
Verspannungen im Bereich der HWS weitere Konsultationen bei Dr. B._. Zu
Arbeitsausfällen kam es gemäss Bescheinigung des Hausarztes nicht. Die
Beschwerdegegnerin erbrachte entsprechende Leistungen (UV-act. 35-37, 39, 40, 43).
Gegenüber den Ärzten der Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen berichtete
die Beschwerdeführerin am 15. Februar 2001 über Migräneanfälle, die vor etwa vier
Jahren begonnen hätten. Seit dem HWS-Distorsionstrauma vor sechs Jahren bestehe
eine Agora- und Klaustrophobie, die medikamentös behandelt worden sei. Die Ärzte
diagnostizierten einen Status nach Schwindelepisode unklarer Ätiologie, eine bekannte
Migräne und einen Status nach Distorsionstrauma der HWS. Sie bescheinigten einen
unauffälligen Neurostatus und führten die Symptomatik auf die Migräneanfälle zurück.
Die Lageabhängigkeit der Schwindelwahrnehmung mit Angabe eines
Schwankschwindels bei Kopfdrehung bleibe damit unklar. Wegen Angabe von
Visusstörungen und Verschwommensehen seien visuell-evozierte Potentiale veranlasst
worden; diese hätten beidseits Normalbefunde ergeben (UV-act. 44). Dr. B._
berichtete am 29. März 2001, parallel zur HWS-Problematik (chronisches
Schmerzsyndrom mit rezidivierenden HWS-Blockierungen sowie ausgeprägten
muskulären Dysfunktionen) habe sich ein eigentliches chronisches Krankheitsbild mit
allgemeinem Leistungsabfall, chronischer Schwäche, depressiver Entwicklung sowie
ausgeprägten vegetativen Zeichen wie Schwindel, Schweissausbrüchen, Übelkeit und
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Erbrechen sowie Kollapszuständen entwickelt. Die Symptomatik habe sich soweit
verstärkt, dass längere Zeit eine psychotherapeutische Behandlung durchgeführt
worden sei (UV-act. 48). Am 18. April 2001 legte die Beschwerdeführerin gegenüber
dem Suva-Aussendienstmitarbeiter ihre gesundheitliche und erwerbliche Situation im
einzelnen dar. Sie gab unter anderem an, durch die familiäre Situation (Familien-
Unternehmen) seien viele Fehlzeiten gar nicht dokumentiert worden (UV-act. 56). Am 8.
Juni 2001 erstattete Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
einen Bericht über die vom 27. April 1998 bis 7. September 2000 durchgeführte
Behandlung der Beschwerdeführerin. Die Ärztin hielt unter anderem fest, sie habe die
Patientin während mehr als einem Jahr als depressiv, schwer panikgeplagt und in ihrer
Tätigkeit eingeschränkt erlebt. Sie habe sie vom 27. April bis 4. September 1998 zu
100% und vom 7. September 1998 bis zum Abschluss der Therapie 50%
arbeitsunfähig geschrieben (UV-act. 69). G._, Facharzt für Psychiatrie, berichtete am
26. August 2001 über die bei ihm ab 14. November 1995 erfolgte Behandlung der
Beschwerdeführerin. Er hielt unter anderem fest, zu Beginn der Behandlung hätten
gastrointestinale Beschwerden (Magenschmerzen) im Vordergrund gestanden. Der Arzt
erachtete einen wahrscheinlichen Zusammenhang der psychischen Beschwerden mit
dem Unfallgeschehen als gegeben (UV-act. 79). Vom 5. März bis 9. April 2002 hielt sich
die Beschwerdeführerin stationär in der Rehaklinik Rheinfelden auf (UV-act. 97). Im
Bericht vom 3. Juni 2002 wurden die Diagnosen einer HWS-Distorsion mit leichter
traumatischer Hirnverletzung (Commotio cerebri) bei chronisch rezidivierender
zervikocephaler Symptomatik, neuropsychologischen Funktionsstörungen, Status nach
posttraumatischer Belastungsstörung, generalisierter Angststörung, spezifischen
Phobien und Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung gestellt. Es wurde
eine Arbeitsfähigkeit von durchschnittlich 50% bescheinigt. Der psychiatrische
Konsiliarius Dr. med. H._ bejahte eine Teilkausalität der psychischen Beschwerden
und eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen (UV-act. 100, 102).
Im Gutachten vom 4. Oktober 2004 diagnostizierte Dr. med. I._, Neurologie FMH,
einen Status nach Verkehrsunfall vom 6. Juli 1994 mit leichtem Schädelhirntrauma oder
leichter traumatischer Hirnverletzung bei leichten bis mässigen kognitiven Defiziten und
posttraumatischer partieller Epilepsie sowie eine HWS-Verletzung wahrscheinlich im
Sinn eines Abknicktraumas (DD Distorsion). Der Gutachter kam zum Schluss, es lägen
typische Beschwerden nach HWS-Distorsionstrauma (zervikale und zervikocephale
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Beschwerden, Gleichgewichtsstörungen, vegetative Störungen, kognitive Störungen,
Antriebsverminderung) vor. Die Patientin werde auch in Zukunft Medikamente und
physikalische/pysiotherapeutische Behandlungen benötigen, um eine erneute
Verschlechterung des Gesundheitszustands zu vermeiden. Die Arbeitsfähigkeit werde
unter Berücksichtigung der unfallbedingten Beschwerden organischer Genese im Beruf
als Geschäftsführerin einer Kleiderboutique oder als kaufmännische Angestellte auf
20-30% geschätzt. In einer Tätigkeit im Verkauf ohne administrative Belastungen und
ohne Notwendigkeit, höhere Gewichte heben und transportieren zu müssen, könne von
einer Arbeitsfähigkeit von 40-50% ausgegangen werden. Es liege eine
Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Integrität von insgesamt 75% vor (UV-
act. 110 Beilage). In der Beurteilung vom 11. Februar 2005 nahm die Suva-Ärztin Dr.
med. J._, Fachärztin FMH für Neurologie und Psychiatrie, Stellung zum Gutachten
von Dr. I._. Sie kam unter anderem zum Schluss, aus dem Gutachten I._ gehe
nicht schlüssig hervor, dass die Beschwerdeführerin eine neurologische Erkrankung,
die mit dem Unfall in Verbindung stehen könnte, aufweise (UV-act. 156). Im Gutachten
vom 2. Dezember 2005 führten die Ärzte des Schweizerischen Epilepsie-Zentrums,
Zürich, neben anamnestischen psychiatrischen Diagnosen die Diagnosen von nicht-
epileptischen (am ehesten psychogenen) Anfällen, eines leichten Schädel-Hirn-
Traumas und HWS-Distorsionstraumas, eines zervikozephalen Schmerzsyndroms und
einer Migräne ohne Aura an (UV-act. 155). Dr. J._ verneinte gestützt auf das
vorerwähnte Gutachten am 12. Juni 2006 neurologische und neuropsychologische
Unfallrestfolgen (UV-act. 160).
2.
2.1 Unmittelbar im Nachgang zum streitigen Unfall gab die Beschwerdeführerin
Schmerzen im HWS-Bereich mit Bewegungseinschränkung an. Der erstbehandelnde
Arzt im Kantonalen Spital Grabs vermerkte auch eine retrograde Amnesie für den
Unfallhergang sowie Kopfschmerzen; letztere klangen aufgrund medikamentöser
Behandlung ab. Nach kurzer Schmerzfreiheit persistierten die HWS-Beschwerden (vgl.
UV-act. 2, 5). Eine biomechanische Beurteilung wurde soweit ersichtlich nicht erstellt.
Die Feststellung von Frau Dr. J._, die Kopfschmerzen seien, mit Ausnahme einer
einmaligen migränoformen Schmerzattacke, nicht innerhalb von sieben Tagen nach
dem Unfall aufgetreten (UV-act. 160 S. 2), ist insofern in Frage gestellt, als auch noch in
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der Unfallmeldung der Arbeitgeberin vom 20. Juli 1994 neben anderen Beschwerden
ausdrücklich Kopfweh angegeben wurde (UV-act. 1). Zu einem aufgrund der Akten
nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt ergaben sich psychische Beschwerden, welche
ab 14. November 1995 ärztlich behandelt wurden (UV-act. 79) Dr. B._ bestätigte am
23. März 1995 das erneute Auftreten von HWS-Beschwerden mit nachfolgenden
Kopfschmerzen (UV-act. 12). Bei dieser Aktenlage lässt sich ein für Schleudertrauma-
Verletzungen typisches Beschwerdebild nicht ohne weiteres in Abrede stellen.
2.2 Unabhängig davon, ob ein typisches Beschwerdebild im erwähnten Sinn zu
bejahen ist, stellt sich vorweg jedoch die Frage, ob die von der Beschwerdeführerin ab
Juni 1997 und auch aktuell angegebenen Beschwerden sich auf eine objektivierbare
organische Schädigung bzw. strukturelle Veränderung an der HWS zurückführen
lassen, die mit dem Unfall vom 6. Juli 1994 in Zusammenhang zu bringen ist. Wie
dargelegt bescheinigten die Ärzte der Klinik für Neurologie am 15. Februar 2001 eine
Schwindelepisode unklarer Ätiologie sowie einen unauffälligen Neurostatus und führten
die Symptomatik auf die Migräneanfälle zurück (UV-act. 44). Auch der behandelnde
Arzt Dr. B._ beschrieb in seinem Bericht vom 29. März 2001 keine eigentlichen
organischen Gesundheitsschädigungen, sondern ein chronisches Krankheitsbild mit
chronischer Schwäche, depressiver Entwicklung und vegetativen Zeichen (UV-act. 48).
Demgegenüber führte der Neurologe Dr. I._ in seinem Gutachten vom 4. Oktober
2004 aus, alle Beschwerden (zervikaler und zervikocephaler Art,
Gleichgewichtsstörungen, vegetative Störungen, kognitive Störungen,
Antriebsverminderung), eventuell mit Ausnahme eines Anteils der vegetativen
Beschwerden, seien organischer Genese und auf den Unfall vom 6. Juli 1994
zurückzuführen. Aus neurologischer Sicht lägen keine unfallfremden Faktoren vor.
Psychische Beschwerden würden gegenüber der Gesundheitsstörung nach HWS-
Verletzung und MTBI in den Hintergrund treten (UV-act. 110 Beilage). Dem hielt die
Neurologin Dr. J._ im Bericht vom 11. Februar 2005 entgegen, die posttraumatische
Epilepsie sei nicht bewiesen, die Kopfschmerzen würden in einer Migräne aufgehen,
und die allgemeinen Symptome wie Schwindel, Konzentrationsstörungen etc. seien
nicht als sogenanntes "buntes Beschwerdebild" nach HWS-Distorsion, sondern
höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit der generalisierten Angsterkrankung zu
sehen. Initial (nach dem Unfall) sei keine Symptomatik für ein Distorsionstrauma
vorhanden gewesen und die Latenz, mit der Symptome aufgetreten seien, sei zu lang
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gewesen, um für die Verursachung einer so langwierigen Symptomatik in Frage zu
kommen. Ausserdem gebe es für die Verursachung eines Teils der Symptome eine
psychische Krankheit. Aus dem Bericht des Hausarztes Dr. B._ vom 3. Juli 1997 (UV-
act. 30) werde deutlich, dass die psychischen Beschwerden im Rahmen einer
psychiatrischen Erkrankung im Vordergrund stehen würden. Zu diesem Zeitpunkt
werde von Dr. B._ von Seiten der HWS-Verletzung volle Arbeitsfähigkeit bescheinigt.
"Aus anderen gesundheitlichen Gründen" bescheinige Dr. B._ eine teilweise
Arbeitsunfähigkeit. Diese anderen gesundheitlichen Gründe würden erst in den
Berichten von Dr. F._ und von G._ ausgeführt (UV-act. 156). Die Ärzte des
Schweizerischen Epilepsiezentrums legten im Gutachten vom 2. Dezember 2005 dar,
der isolierte Befund einer diskreten Hyperpathie der rechten Gesichtshälfte könne nicht
einer definierten neurologischen Erkrankung und schon gar nicht einer traumatisch
begründbaren Läsion des Nervensystems zugeordnet werden. Basierend auf einem
unauffälligen neuropsychologischen Untersuchungsbefund ergäben sich zusammen
mit dem unauffälligen MRI keine Hinweise für hirnorganisch begründbare
neuropsychologische Funktionsstörungen. Das Leistungsprofil der Untersuchung
decke sich weitgehend mit den Vorbefunden der Rehaklinik Rheinfelden. Im Vergleich
zur Untersuchung von Dr. I._ seien die Aufmerksamkeitsfunktionen besser
ausgefallen. Die Ergebnisse in allen anderen Funktionsbereichen seien vergleichbar
gewesen. Im Gegensatz zur Untersuchung bei Dr. I._ habe die Patientin in der
gegenwärtigen Untersuchung keine Schmerzen angegeben. Es könne somit vermutet
werden, dass die Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und Konzentration im Rahmen
der beklagten Schmerzproblematik sekundärer Natur seien. Das Leistungsprofil der
aktuellen Untersuchung habe lediglich sehr diskrete Auffälligkeiten im
Aufmerksamkeitsbereich bei einem durchschnittlichen kognitiven Leistungsniveau
gezeigt. Alle anderen untersuchten kognitiven Funktionen seien normgerecht gewesen.
Die neuropsychologischen Funktionsstörungen könnten also auf neurologischem
Fachgebiet angesichts der unauffälligen cerebralen Bildgebung nicht erklärt werden
(UV-act. 155 S. 12-14).
Es gibt Fälle, in denen bei sonst unauffälligen Untersuchungsbefunden
neuropsychologische Abklärungen Hirnleistungsstörungen aufzeigen können und der
neuropsychologische Befund der einzig verlässliche Parameter ist (BGE 117 V 378
Erw. 3d). Jedenfalls bei eindeutigem, nicht diffusem Befund kann der
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neuropsychologischen Diagnostik - im Rahmen einer neurologischen
Gesamtwürdigung - nach der Rechtsprechung auch bei der Kausalitätsbeurteilung ein
Aussagewert zukommen (BGE 119 V 343 Erw. 3c). Hingegen vermag es die
Neuropsychologie nach derzeitigem Wissensstand nicht, selbständig die Beurteilung
der Genese abschliessend vorzunehmen (RKUV 2000, 316 Erw. 3). Nach B.P. Radanov
(Über den Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten nach HWS-
Distorsion, SZS 1996, S. 471 ff) sind psychologische Probleme (und die
eingenommenen Medikamente) geeignet, die kognitiven Leistungen negativ zu
beeinflussen (S. 477). Psychologische Probleme bzw. die Interrelation psychologischer
und kognitiver Funktionen könnten die reduzierte Leistungsfähigkeit miterklären (S.
475). - Konkret kann angesichts der geschilderten divergierenden spezialärztlichen
Gutachten nicht zuverlässig entschieden werden, ob den neuropsychologischen
Befunden für die Beurteilung der (natürlichen) Unfallkausalität eine selbständige
Bedeutung zukommt. Als Folge davon lässt sich die Frage, ob neurologische und
neuropsychologische Unfall-Restfolgen vorliegen, nicht schlüssig beantworten.
2.3 Die Psychotherapeutin Dr. F._ schilderte in ihrem Bericht zwei Ereignisse,
welche den zuvor positiven Lebenslauf der Beschwerdeführerin anscheinend geknickt
hätten: Im Juni 1994 sei unerwartet die geliebte Grossmutter gestorben. 14 Tage
später habe sie den (hier streitigen) Autounfall erlitten (UV-act. 69). Im psychiatrischen
Gutachten von Dr. H._ wurde als subjektive Angabe der Beschwerdeführerin zum
Unfall vom 4. Juli 1994 unter anderem festgehalten, sie habe unmittelbar nach dem
Unfall, noch im Auto sitzend, an ihren Grossvater denken müssen, der etwa zwei
Monate vorher gestorben sei. Nach dem Unfall sei sie grundsätzlich im Alltag
verunsichert gewesen. Die Symptome seien bis 1996 leicht zurückgegangen, aber mit
dem Tod der Grossmutter väterlicherseits wieder erneut aufgetreten. Sie habe den Tod
der Grossmutter vorausgeahnt. Mit dieser Vorahnung habe sie schlecht umgehen
können. Sie sei völlig verunsichert und ängstlich geworden. Auch habe sie wieder
vermehrt vom Unfall geträumt. Erst im Verlauf der Therapie bei Frau Dr. F._ seien
diese Symptome nach und nach verschwunden (UV-act. 100 S. 5). Die von den Dres.
F._ und H._ angeführten Angaben der Beschwerdeführerin lassen sich zeitlich und
sachlich nicht miteinander in Einklang bringen. Die beiden Ärzte stützten ihre
Beurteilungen m.a.W. auf Sachverhalts-Grundlagen, welche in entscheidwesentlichen
Aspekten voneinander abweichen. Bei dieser Aktenlage ist die von Dr. H._ bestätigte
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(teilweise) Unfallkausalität der psychischen Probleme der Beschwerdeführerin in Frage
gestellt, auch wenn die Beschwerdeführerin nunmehr festhalten lässt, Anamnese und
persönliche Verhältnisse vor und nach dem Unfall seien im Bericht von Dr. H._ richtig
wiedergegeben worden (act. G 1 S. 14). Zumindest bliebe diesfalls die Ursache der von
Dr. F._ getroffenen Sachverhaltsannahmen unklar. Sodann ist aufgrund der
bestehenden Aktenlage nicht klar, ob die psychischen Beschwerden zum typischen
Beschwerdebild nach HWS-Verletzung zu zählen sind, oder ob ihnen - ab einem
bestimmten Zeitpunkt nach dem Unfall (z.B. seit dem von Dr. H._ erwähnten Tod der
Grossmutter) - ein eigenständiger Charakter zukommt. Letzteres ist von Bedeutung für
die - auch bei Anwendung der geänderten Rechtsprechung (vgl. BGE vom 19. Februar
2008, a.a.O., Erw. 9.5 am Schluss) weiterhin zu prüfenden - Frage, ob die den nach
dem Unfall aufgetretenen psychischen Störungen zum typischen Beschwerdebild nach
HWS-Verletzung zu zählen sind (RKUV 2001, 79) oder ob eine ausgeprägte psychische
Problematik allenfalls ganz im Vordergrund steht (RKUV 1999, 407 Erw. 3b). Die
vorerwähnte Frage ist auch deshalb zu klären, weil es vorliegend um einen sehr langen
streitigen Zeitraum (von Juni 1997 bis zum Erlass des angefochtenen Entscheids am
13. Februar 2007) geht. Zur Klärung dieser Fragen ist vorweg der Sachverhalt im
Rahmen einer psychiatrisch-neuropsychologischen Begutachtung neu zu erheben und
danach gestützt darauf die natürliche und adäquate Unfallkausalität - bezogen auf den
gesamten vorerwähnten Zeitraum - zu prüfen. Die von den Parteien diskutierte Frage,
ob die Adäquanz nach der Psycho- oder der Schleudertrauma-Rechtsprechung (BGE
115 V 133, 117 V 359) zu prüfen sei, lässt sich erst nach Vorliegen der medizinischen
Abklärungsergebnisse festlegen.
3.
Das angerufene Gericht hatte aus den vorstehend dargelegten Gründen zuerst eine
gerichtliche (neuropsychologische und psychiatrische) Begutachtung der
Beschwerdeführerin vorgesehen (act. G 7). Nachdem es im Verlauf dieses Verfahrens
zu Durchführungsproblemen kam, entschied sich das Gericht für eine veränderte
Vorgehensweise mit Rückweisung der Streitsache an die Beschwerdegegnerin. Dieses
Vorgehen vermag den in Frage stehenden Gegebenheiten ebenfalls Rechnung zu
tragen. Allein der Einwand der Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin sei nicht
bereit, die Angelegenheit unvoreingenommen zu beurteilen, weshalb auf eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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Rückweisung zu verzichten sei (act. G 1 S. 8), stellt keinen zwingenden Anlass für eine
gerichtlich angeordnete Begutachtung dar. Dies insbesondere deshalb, weil die
Beschwerdeführerin bei der Gutachterauswahl und der Erstellung des Fragenkatalogs
mitwirken kann (Art. 44 ATSG). Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 13. Februar 2007 teilweise gutzuheissen
und die Angelegenheit zur Durchführung einer psychiatrischen und
neuropsychologischen Abklärung und zu neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen
hat die Beschwerdeführerin bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Diese wird ermessensweise auf pauschal Fr.
4'000.-- festgelegt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG