Decision ID: 6ab4c664-9c98-5a5c-a9c0-443588693512
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967
,
war
seit de
m
1. November 2005
als Montage
mitarbeiter bei der
Y._
AG tätig
gewesen, als er sich - gemäss Schadenmeldung vom 14. Februar 2008 (Urk. 13/1/3) - am 5. Februar 2008 bei der Arbeit den Kopf anschlug und bewusstlos wurde.
Infolgedessen wurde
ihm eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit atte
stiert (vgl. Urk.
13/
16/2)
und
die Arbeitgeberin
meldete ihn
am 12. März 2008 zur Früherfassung bei der Invalidenversicherung an (Urk. 13/2
, Urk. 13/24
). Am 29.
April 2008 reichte der Versicherte unter Hinweis auf
Gedächtnisverlust und starke Müdigkeit
die Anmeldung zum Leistungsbezug ein (Urk. 13/11).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge medizinische
und erwerbliche
Abklärungen durch
,
holte beim Psychiatriez
en
trum
Z._
ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 30. September 200
9 erstattet wurde (Urk. 13/41)
,
und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 1. Septem
ber 2010 ab 1.
Februar
2009 eine ganze Invalidenrente zu (Urk.
13/50, Urk.
13/59)
.
1.2
Im Rahmen des im Februar 2015 eingeleiteten Revisionsverfahrens (vgl. Urk.
13/88) holte die IV-Stelle einen Auszug aus dem in
dividuellen Konto (IK-Auszug, Ur
k. 13/90) sowie einen Bericht von Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, ein (Urk. 13/89) und legte den Fall Dr. med.
B._
, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie, vom
Regionalärztlichen Die
nst (RAD) zur Beurteilung vor (Urk. 13/93).
Am 13. Juli 2015 teilte sie dem Ver
sicherten mit, der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestehe weiterhin (Urk.
13/94).
1.3
Im August 2016 leitete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren ein (Urk.
13/115) und holte einen IK-Auszug (Urk. 13/116) sowie
Berichte der behan
delnden Ärzte
(Urk. 13/117, Urk. 13/119, Urk. 13/
122, Urk. 13/141, Urk. 13/148
)
ein
. In der Folge gab sie ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
in Auftrag (Urk. 13/143), der
Ver
sicherte
erschien jedoch nicht zum Gutachtenstermin (Urk. 13/154).
Nachdem
er
die Bereitschaftserklärung zur Begutachtung nicht innert Frist zurückgesandt hatte
(vgl. Urk. 13/155), stellte ihm die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 14. Dezember 2017 die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (Urk. 13/159). Am 18. Januar 2018 ging die vom
Versicherten
unterzeichnete Bereitschaftserklärung bei der IV-Stelle ein, worauf diese
Dr.
C._
und Dr.
D._
, Diplompsychologin
,
mit der Erstellung eines psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachtens beauf
tragte (Urk. 13/163, Urk. 13/167), das am
8.
beziehungsweise am 19. Juli 2018
erstattet wurde (Urk. 13/181
, Urk. 13/189). Nachdem Dr.
C._
die von der IV-Stelle
gestellten Rückfragen (Urk. 13/183
)
, beantw
ortet hatte (Urk. 13/188), zog
die IV-Stelle weitere ärztliche Berichte (Urk. 13/193, Urk. 13/196) sowie die Akten des
Unfallversicherers
(Urk. 13/198)
bei
und stellte dem Versicherten mit Vorbe
scheid vom 17. September 2019 die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (Urk. 13/205). Mit Verfügung vom 30. Oktober 2019 entschied die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 13/206).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Manuel Bader, am 2. Dezember 2019 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung vom 30. Oktober 2019 sei aufzuheben und es seien
ihm
die Leistungen aus
der Invalidenver
siche
rung
zuzusprechen, insbesondere eine unbefristete ganze Rente über den 31. Oktober 2019 hinaus. Sodann sei ein Gerichtsgutachten zu
seiner
Arbeitsfähigkeit
einzuholen. In formeller Hinsicht stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Pro
zessführung und um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person von Rechtsanwalt Bader (Urk. 1
S. 2
). Am 6. Januar 2020 reichte er
diverse
ärztliche Unterlagen nach (Urk. 6, Urk. 7/1-2). Mit Beschwerdeantwort vom 22. Januar 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 12). Dies wurde dem
Beschwerdeführer mit Verfügung v
om 10. Februar 2020 zur Kenntnis gebracht. Gleich
zeitig
wurde sein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung bewilligt und Rechtsanwalt Manuel Bader als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung; IVG
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann unter Umständen ein früher nicht gezeigtes Verhalten eine im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG relevante Tatsachen
änderung darstellen, wenn es sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Rentenanspruchs auswirken kann. Dies trifft etwa zu bei Versicherten mit einem Beschwerdebild, auf das die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 anwendbar ist, wenn ein Ausschlussgrund vorliegt, das heisst die Leistungsein
schränkung auf Aggravation oder einer
ähnlichen Konstellation beruht,
die eindeutig über die bloss (unbewusste) Tendenz zur S
chmerzausweitung und
–
verdeutlichung
hinausgeht (zum Ganzen: Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2019
vom 11. Oktober 2019 E. 4.1 und 8C_825/2018 vom 6. März 2019 E. 6.1). Ist im Einzelfall ein solcher Grund gegeben, ist ein Revisionsgrund nach Art. 17 Abs. 1
ATSG zu bejahen und der Rentenanspruch umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9
E. 2.3).
Es liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung be
ruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krank
heits
gewinns ergeben sich namentlich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genom
men wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaub
würdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psy
chosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichend
es Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1 mit Hin
weisen).
Wann ein Verhalten (nur) verdeutlichend und unter welchen Voraussetzungen die Grenze zur Aggravation und vergleichbaren leistungshindernden Konstella
tionen überschritten ist, bedarf einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung auf einer möglichst breiten Beobachtungsbasis auch in zeitlicher Hinsicht (SVR 2015 IV Nr. 38 S. 121, 9C_899/2014 E. 4.2.2; Urteile des Bundesgerichts 9C_462/2019 vom 18. Dezember 2019 E. 4.2 und 9C_658/20
18 vom 11. Januar 2019 E. 4.1).
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die An
nahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente,
selbst
wenn die
klassifikatorischen
Merkmale einer Störung gegeben sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2.2 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_825/2018 vom 6. März 2019 E. 8.3 und 9C_501/2018 vom 12. März 2019 E. 5.1).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verfügung vom 30. Oktober 2019 dahingehend, dass
der begutachtende Experte im Gutachten vom 8. Juli 2018 zum Ergebnis komme, dass
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zwar seit dem Zeitpunkt der Rentenzusprechung weder verschlechtert noch ver
bessert habe,
die vorgetragene Symptomatik
jedoch
nicht der Wahrheit ent
spreche, sondern Hinweise auf erhebliche Aggravation bestünden.
Da gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein früher nicht gezeigte
s
Verhalten im Sinne einer bewusstseinsnah zu charakterisierenden Aggravation von erheblicher
Ausprägung
und Intensität eine relevante Tatsachenänderung darstellen könne
,
wenn es sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Rentenanspruch aus
wirke und
im
vorliegend
en
Fall
keine Hinweise bestünden, dass bereits zum Zeitpunkt der Rentenzusprechung eine
Aggravation bestanden habe
,
sei von einer relevanten Tatsachen
ä
nderung und damit von einem Revisionsgrund auszu
gehen. Die Gutachter seien aufgrund der Aggravation und der gezeigten Inkon
sistenzen zum Schluss gekommen, dass ein erhebliches krankheitsmässiges Ge
sche
hen nicht mehr mit ausrei
chender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden könne. Daher bestünden
keine Invalidität und kein Anspruch auf Leistungen de
r Invalidenversicherung mehr
(Urk. 2 S. 1 f.).
Ferner liege
auch ein Wiedererwägungsgrund
vor
. So seien im psychiatrischen Gutachten, auf das sich die rentenzusprechende Verfügung gestützt habe,
ärzt
liche
Berichte, gemäss
denen die psychotische Symptomatik weitgehend zurück
gegangen sei, nicht berücksichtigt worden, sodann seien die Diagnosekriterien einer paranoiden Schizophrenie nie erfüllt gewesen. Auch
hätten
weitere Punkte, wie eine zumindest vorübergehende höhere Arbeitsfähigkeit sowie eine
Scha
denminderungspflicht
abgeklärt werden müssen, so dass eine Verletzung des
Unter
suchungsgrundsatzes vorliege und der damalige Entscheid als zweifellos unrichtig zu bezeichnen sei (Urk. 2 S. 3).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, dass die Leistungseinschränkung nicht eindeutig nur auf die Aggrava
tion zurückzuführen sei. Auch werde
die attestierte Aggravation nicht näher beschrieben, so dass nicht
dargelegt
sei, dass diese über die blosse Tendenz zur Schmerzausweitung hinausgehe. Die Voraus
setzungen für
die Annahme
eine
s
Revisionsgrund
es
im Sinne der bundesgericht
lichen Rechtsprechung seien daher nicht erfüllt (Urk. 1 S. 4 f.).
Sodann liege auch kein Wiedererwägungsgrund vor, da die Voraussetzung der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung nicht erfüllt sei. So sei die Leistungszusprechung im Jahr 2010 unbestreitbar vertretbar gewesen, sonst hätte die Beschwerdegegnerin keine Invalidenrente zugesprochen und diese
schon gar nicht
im Jahr 2015 nochmals bestätigt. Die damals vorhandenen Arztberichte
seien kritisch gewürdigt
und bezüglich der Diagnostik als schlüssig erachtet worden (Urk. 1 S. 5 f.).
Schliesslich könne nicht auf das psychiatrische Gutachten vom 8. Juli 2018 abgestellt werden, da die Untersuchung nur 20 Minuten gedauert habe und der Gutachter die Abweichungen von den bisherigen ärztlichen Berichten sowie die vorgetragenen Beschwerden lediglich pauschal mit der von ihm festgestellt
en
Aggra
vation begründe. Von einer umfassenden und allseitigen Begutachtung könne daher nicht die Rede sein und die Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation sei
en
nicht einleuch
tend und die Folgerungen nicht begründet.
Letztlich
sei
es
schlicht nicht vor
stellbar, dass die Aggravation erst jetzt festgestellt worden sei. Das Gutachten sei daher nicht verwertbar, allenfalls sei ein neues Gutachten zu erstellen
, das durch das Gericht einzuholen sei, da er unter der unklaren Versicherungssituation leide
und er
durch die durch eine Rückweisung entstehende weitere Verzögerung einen nicht wieder gut zu machenden Nachteil erleiden würde (Urk. 1 S. 6 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Einstellung der Rente des Beschwerdeführers und im Besonderen, ob
ein Revisionsgrund im Sinne eines
vorher nicht gezeigten
aggravatorischen
Verhaltens vorlieg
t
, so dass die Beschwerdegegnerin seinen Rentenanspruch ohne Bindung an frühere Beurteilungen umfassend neu prüfen konnte. Massgeblicher Vergleichszeitpunkt ist unbestrittenermassen die renten
zusprechende Verfügung vom
1. September 2010, da im
darauffolgenden Revi
sions
verfahren
im Jahr 2015, das
mit
einer informellen Mitteilung abgeschlossen wurde,
keine fachärztliche Beurteilungen
, sondern lediglich ein Bericht des Haus
arztes eingeholt wurden
, wobei es sich nicht um eine rechtskonforme Sachver
haltsabklärung und Beweiswürdigung handelt (BGE 133 V 108 E. 5.4). Recht
spre
chungsgemäss bildet die hier angefoch
tene Verfügung vom 30. Oktober 201
9
die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweisen), so dass die im Beschwerdeverfahren eingereichten ärztlichen Berichte, soweit sie sich lediglich zur Entwicklung des Gesundheitszustandes nach diesem Zei
tpunkt äussern (Urk. 7/1-2
), vorliegend nicht zu berücksichtigen sind.
3.
3.1
3.1.1
Die rentenzusprechende Verfügung vom 1. September 2010 (Urk. 13/50, Urk.
13/59
) basierte im Wesentlichen auf den folgenden medizinischen Unter
lagen:
Med.
pract
.
E._
,
Assistenzarzt
,
und med.
pract
.
F._
, Ober
arzt,
vom
Psychiatriez
entrum
Z._
, b
erichteten am 15. Mai 2008,
der Beschwer
deführer sei vom 7. bis am 28. April 2008 hospitalisiert gewesen
,
und stellten die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.0; Ur
k. 13/
3
6/
9
ff.). Sie hielten fest, unter einer
neuroleptischen
Therapie habe der Beschwerdeführer eine nahezu vollständige Remission der produkti
ven psychotischen Symptomatik an
gegeben
, bei jedoch deutlicher Dissimulationsneigung. Die kognitive und mnest
ische Leistungsfähigkeit sei bis zuletzt schwer be
einträchtigt gewesen (Urk.
13/
3
6/1
1
).
3.1.2
Dr. med.
G._
, Oberärztin
,
und Dr. med.
G._
, leitender Arzt am
Psychiatrie
z
entrum
Z._
, stellten im psychiatrischen Gut
achten vom 30. September 2009 die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.00), kontinuierlich verlaufend. Das vom Beschwerdeführer aktuell ge
zeigte klinische Bild werde von praktisch dauerhaft vorhandenen optischen und akustischen Halluzinationen
beherrscht. Ebenfalls seien eine Affekt
ver
fla
chung und eine
Störung des Antriebes, Gedächtnisstörungen, Merkfähigkeits
stö
rungen
sowie negative Symptome (inkl. s
o
zialem
Rückzug) deutlich vorhan
den. Die Diagnose einer
paranoiden
Schizophrenie beinhalte die Feststellung einer Konstellation von Zeichen und Symptomen, die mit einer beruflichen und sozia
len Leistungsbeeinträchtigung einhergehe. Die vom Beschwerdeführer angegebe
nen Symptome seien stimmig mit den von den Experten selbst erhobenen Befun
den. Es seien keine Phasen einer teilweisen oder vollständigen Remission be
kannt, deswegen sei (trotz der aktuellen Medikation) von einem kontinuierlichen Verlauf auszugehen (Urk. 13/41/12 f.). Eine Arbeitsfähigkeit sei aufgrund des aktuellen psychischen Zustandsbildes weder für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Maschinenmechaniker noch in einer angepassten Tätigkeit gegeben. Es be
stehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit mindestens Februar 2008 (Urk.
13/41/14).
3.1.3
D
ie seinerzeitige
Rentenzusprache
stützte auf die psychiatrische Expertise und die dort gestellte 100%ige Arbeitsunfähig
k
eit (Urk. 13/43/5).
3.2
3.2
.1
Im Rahmen des aktuellen Revisionsverfahrens nahm die Beschwerdegegnerin
im Wesentlichen
die folgenden medizinischen Unterlagen zu den Akten:
Nach einem Auffahrunfall vom 25. Oktober 2015
(vgl. Urk. 13/117/9)
verwies Dr.
A._
den Beschwerdeführer zur Abklärung von Nackenschmerzen an das
Mus
k
ulo-Skelettal
Zentrum der
Klinik
H._
. Die behandelnden Ärzte diag
nos
tizierten ein akutes zervikales Schmerzsyndrom
nach
einer HWS-Distorsion am 25. Oktober 2015. Klinisch-neurologisch hätten keine fokalneurologischen Defizite
,
aber eine eingeschränkte HWS-Rotation festgestellt werden können. Die bildgebenden Untersuchungen hätten keine
ossären
Läsionen beziehungsweise intrakranielle Blutungen oder Frakturen erge
b
en
(Urk. 13/117/6 f.).
3.
2
.2
Dr.
A._
stellte in seinem Verlaufsbericht vom 16. Oktober 2016 weiterhin die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie. Der Gesundheitszustand des Beschwer
deführers sei stationär (Urk. 13/117/1). Er hielt fest, der Beschwerdeführer könne die bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben, auch eine angepasste Tätigkeit sei nicht denkbar (Urk. 13/117/2).
3.
2
.3
In ihrem Bericht vom 2. November 2016 stellte Dr.
med.
I._
, Assis
tenz
ärztin an der Klinik für Onkologie des Universitätsspitals
J._
,
die Diagnose eines extranodalen Marginalkarzinoms, initialer Befall
subkonjunktival
im tem
poralen linken Augenwinkel sowie eine Beta-
Thal
a
ss
ä
mie
, eine chronische Gas
tritis und eine Commotio Cerebri im Jahr 2008 (Urk. 13/119/1)
. Sie hielt fest, aufgrund der onkologischen Diagnose sei keine Leistungseinschränkung zu erwarten (Urk. 13/119/2).
3.
2
.4
Dr. med.
K._
, Assistenzärztin an der Augenklinik des Universitätsspitals
J._
, diagnostizierte im Bericht vom 29. November 2016 in opht
h
almologischer Hinsicht eine
Hyperopie
, einen Astigmatismus
und eine
Presbyopie
sowie eine
Bindehautnarbe bei Status nach Probebiopsie im Jahr 2
013 bei bekanntem extra
nodalem m
arginalem B-Zell-Lymphom und legte dar, aus opht
h
almologischer Sicht bestünden keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (Urk. 13/121/6).
3.
2
.5
Am 20. April 2017 wurde
n
aufgrund der Diagnose eines
Rektumkarzinoms
12 cm
ob
Ano
in der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie des Uni
versi
täts
spitals
J._
eine
Rektumresektion
und
eine
protektive
Stomaanlage
durch
ge
führt
(Urk. 13/141/6 f.). Die behandelnden Ärzte diagnostizierten ferner hyper
tro
phe Analpapillen und eine chronische
Anitis
ohne Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit (Urk. 13/141/1).
Am 30. Juli 2017 berichteten die behandelnden Ärzte sodann von einer am 27. Juli 2017 vorgenommenen
Ileostomarückverlagerung
mit Dünndarmsegmen
tre
sektion, die problemlos habe
durchgeführt werden können (Urk. 13/148/1 f.).
3.
2
.6
Im psychiatrisch-neuropsychologischen
Gutachten vom
8.
und 19.
Juli 2018 hielt
der psychiatrische Gutachter
Dr.
C._
fest, es könnten keine Diagnosen mit Auswirkungen au
f die Arbeitsfähigkeit gestellt
werden. Den Diagnosen eines Status nach einer unklaren vorübergehenden psychotischen Störung mit mög
lichen Symptomen einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F23.1) sowie einer Angst und depressiven Störung
gemischt
(ICD-10 F41.2) mass er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (Urk. 13/181/43).
Gemäss Dr.
C._
berichtete der Beschwerdeführer a
nlässlich der psychiatrischen Untersuchung über im Vordergrund stehende agoraphobische Ängste ohne
strik
tes
Vermeidungsverhalten, auf Nachfrage zudem von Bildern und Wahrneh
mungsstörungen im Traum. Ebenfalls habe der Beschwerdeführer Ein- und Durchschlafstörungen, Störungen der Konzentration und des
Gedächtnisses
sowie eine Amnesie angegeben (Urk. 13/181/46). Im objektiven
psychopathologischen
Befund in Anlehnung an die AMDP-Richtlinien hätten bis auf eine phasenweise
dysphorische
Stimmung ohne d
urchgehende Depressivität, einen
leicht
verflach
-
ten
Affek
t, einen
leicht eingeschränkt ein- und umstellfähigen formalen Ged
an
kengang sowie einen
leicht verminderten Antrieb und Psychomotorik keine wei
teren psychopathologischen Auffälligkeiten bestanden. Die durch den Beschwer
de
führer vorgetragenen agoraphobischen Ängste, die sich nicht im Fl
ugzeug
,
aber an sonstigen
Plätzen manifestierten, seien nicht nachvollziehbar. Die beschrie
benen Bilder könnten auf psychiatrischem Fachgebiet nicht zugeordnet werden. Es hätten sich keine objektivierbaren Hinweise für Wahrnehmungsstörungen oder Sinnestäuschungen in Form von Halluzinationen oder illusionären Verken
nungen ergeben. Die vom Beschwerdeführer erwähnte zeitliche Desorientierung sei in Anbetracht der überwiegend unauffälligen
kognitiven
Funktionen nicht nachvoll
ziehbar (U
rk. 13/181/47). Von den gemäss ICD-10 erforderlichen diag
nos
tischen Kriterien einer paranoiden Schizophrenie sei beim Beschwerdeführer keines ausgewiesen. Aufgrund des Aktenstudiums
werde bezweifelt
, dass der Beschwerdeführer jemals an den Symptomen einer paranoiden Schizophrenie gelitten habe (Urk. 13/181/50).
Insbesondere seien die Symptome einer para
noi
den Schizophrenie zu keinem Zeitpunkt ausreichend nachweisbar gewesen. Die
Angaben des Beschwerdeführers seien vage und diffus gewesen. Der Beschwer
deführer habe auch im Rahmen der aktuellen Abklärung die genau gleichen Be
schwerden beklagt. Aufgrund der fehlenden Schizophrenie-typischen psychopa
tho
lo
gischen Auffälligkeiten sei die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie unhaltbar. Ein erheblicher Leidensdruck müsse bestritten werden. Eine psychia
trisch-psychotherapeutische Behandlung bestehe nicht. Die zum Zeitpunkt der Untersuchung als regelmässig eingenommen angegebenen Medikamente würden mit Verweis auf die im Rahmen der Untersuchung ermittelten Medikamenten
spiegel nicht eingenommen. Das ermittelte Alltagsaktivitätsniveau
des
Beschwer
deführers
mit Auslandreisen und Gründung einer intakten Familie spreche gegen eine
floride
psychotische Symptomatik. Zudem habe die neuropsychologische Untersuchung Hinweise auf eine ausgeprägte Aggravation ergeben. Auf psychia
trischem Fachgebiet könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden (Urk. 13/181/55).
Dr.
C._
hielt fest, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich seit dem Jahr 2010 bei gleich vorgetragene
m
Beschwerdebild weder verschlechtert noch verbessert. Aus seiner Sicht habe beim Beschwerdeführer nie eine paranoide Schizophrenie bestanden. Die durch den Beschwerdeführer vorgetragene Sympto
matik entspreche nicht der Wahrheit (Urk. 13/181/58).
Im neuropsychologischen Teilgutachten vom 19. Juli 2018 stellte Dr.
D._
keine Diagnosen mit oder ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Sie kam zum Schluss, die Zusammenstellung der Befunde (Testergebnisse) lasse auf ein Aggravationsverhalten des Beschwerdeführers schliessen. Daher könnten die Ergebnisse der Leistungstests nicht inhaltlich ausgewertet werden und würden wegen mangelnder Mitarbeit keine verwertbaren neuropsychologischen Befunde liefern, da sie wahrscheinlich nicht das effektiv vorhandene Leistungsniveau abbilden würden. Unter diesen Umständen bestehe natürlich das Risiko, dass tat
sächliche und spezifische kognitive Defizite differenzialdiagnostisch nicht fest
gestellt werden könnten (Urk. 13/189/11). Während der Untersuchung seien grosse
Diskrepanzen aufgefallen. Die Ergebnisse beider Symptomvalidie
rungs
tests seien extre
m weit unter dem Cut-Off gewesen
. Die ebenfalls extrem verlangsamten Reaktionszeiten hätten eine Variabilität gezeigt, die neuropsychologisch nicht erklärbar sei. Zu einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit führte sie aus, das zumutbare Arbeitspensum müsse aus psychiatrischer
Sicht beurteilt werden (Urk. 13
/189/9).
3.
2
.7
In seiner Stellungnahme zu den Ergänzungsfragen der Beschwerdegegnerin hielt Dr.
C._
fest, die Inkons
istenzen und Diskrepanzen seien
ausführlich geschildert worden
,
und verwies auf das Gutachten (Urk. 13/188/2). Er ergänzte, aufgrund der Aggravation seien die Angaben zum Alltagsaktivitätsniveau des Beschwerde
führers nicht verwertbar. Die Gründung der Familie, das heisse schon alleine das Kennenlernen einer Partnerin, sei per se mit einer
floriden
psychotischen Sympto
matik nicht vereinbar (Urk. 13/188/3 f.).
3.
2
.8
Am 28. August 2018 wurde in der Klinik für plastische Chirurgie und Hand
chi
rurgie des Universitätsspitals
J._
eine Exzision
eines grossen
axillären
Lipoms links vorgenommen (Urk. 13/193/1). Die behandelnden Ärzte führten aus, der Eingriff sei komplikationslos verlaufen, der Beschwerdeführer sei zwischen dem 28. August und dem 7. September 2019 zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 13/193/2).
3.
2
.9
Im Kurzaustrittsbericht vom 23. Dezember 2019 berichteten Dr. med.
L._
, Oberärztin
,
und Dr. med.
M._
, Assistenzärztin am Zentrum
Z._
, der Beschwerdeführer habe sich vom 6. bis am 23. Dezember 2019 aufgrund
einer
psychotischen Dekompensation im Rahme
n
der bekannten paranoiden Schizo
phre
nie nach selbständigem Absetzen der antipsychotischen Therapie in statio
närer akut-psychiatrischer Behandlung befunden. Sie hätten die vorbekannte medikamentöse Therapie
wieder eingesetzt
, worauf sich eine rasche Besserung der Symptomatik gezeigt habe (Urk. 7/1 S. 1).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich für die Beurteilung des Gesundheits
zu
standes des Beschwerdeführers im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Ver
fügung vom
30. Oktober 2019
im Wesentlichen auf das
psychiatrisch-neuro
psychologische Gutachten vom
8. und 19. Juli 201
8
(Urk. 13/
181, Urk. 13/189
; vgl. Urk. 2).
Nach Auffassung des Beschwerdeführers ist die genannte E
xpertise jedoch nicht beweiskräftig
(Urk.
1
S. 6).
Diesbezüglich bringt er zunächst vor, die psychiatrische Untersuchung habe nicht wie von Dr.
C._
angegeben 80 Minuten, sondern lediglich 20 Minuten gedauert (Urk.
1
S. 6).
Gemäss bundesgerichtlicher Praxis ist indes von vornherein nicht die Dauer der jeweiligen Untersuchung massgebend, sondern in erster Linie vielmehr, ob die darauf basierenden ärztlichen Folgerungen inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_848/2012 vom 16. April 2013 E. 3.2.2 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend - wie noch zu zeigen sein wird - der Fall.
Eine Befragung des Beschwerdeführers zu diesem Punkt ist daher nicht erforderlich.
Was die vom Beschwerdeführer sodann als widersprüchlich
bezeichnete Empfehlung für eine Fahrtauglichkeitsprüfung betrifft, ist festzu
halten, dass Dr.
C._
darauf hinwies, die Fahrtauglichkeit sei anhand der Unter
suchung schwierig zu beurteilen
,
und
er gleichzeitig
angesichts der vom Be
schwerdeführer beklagten - jedoch anlässlich der Untersuchung nicht objek
ti
vierbaren - Konzentrationsstörungen sowie der aufgrund der Aggravation nicht
auswertbaren neuropsychologischen Untersuchung vorsichtshalber zu einer Abklä
rung der Fahrtauglichkeit riet. Ein Widerspruch ist dabei nicht auszumachen.
Der Besc
hwerdeführer bringt weiter vor, v
on einer umfassenden und allseitigen
Begutachtung könne nicht die Rede sein, da seine Beschwerden sowie die Wider
sprüche zu den bisherigen medizinischen Akten pauschal auf die Aggra
va
tion reduziert würden
. Ferner sei auch die Verneinung der Diagnose der Schizo
phrenie unbegründet erfolgt
(Urk. 1 S. 7).
Dazu ist festzuhalten, dass
Dr.
C._
den Be
schwerdeführer zunächst ausführlich zu seinen Beschwerden sowie wei
teren Themen, wie seinem gewöhnlichen Tagesablauf befragte
(Urk. 13/181/27 ff.)
und sich in der Folge mit den von ihm
geschilderten Symptomen einer Agoraphobie, einer zeitlichen Desorientierung sowie von Bildern, die er im Traum sehe, einzeln auseinandersetzte und sie als nicht nachvollziehbar einstufte. Dies beg
ründete er nicht per se mit
Aggravation, sondern führte aus, agoraphobische Ängste, die sich an öffentlichen Plätzen
,
aber nicht im Flugzeug manifestierten, seien nicht plausibel und in Anbetracht der
überwiegend unauffälligen kognitiven Funk
tionen sei die angegebene zeitliche Desorientierung nicht nachvollziehbar. Die beschriebenen Bilder, die lediglich im Traum auftreten, konnte er sodann auf psychiatrischem Fachgebiet nicht zuordnen
(Urk. 13/181/47)
.
Dr.
C._
erhob
ferner auch
die psychopathologischen Befunde nach AMDP, die
weitgehend
unauffällig ausfiel
en
. Insbesondere konnten die vom Beschwerdeführer ebenfalls berichteten Konzentrations- und Antriebsstörungen nicht objektiviert werden (Urk. 13/181/47).
In der Folge hielt Dr.
C._
zwar
zu
nächst zusammenfassend fest
, es sei keines der Diagnosekriterien der paranoiden Schizophrenie
erfüllt, jedoch ging er
darauffolgend
auch auf die einzelnen Kriterien ein und legte jeweils dar, dass diese - bis auf eine leichte Negativsymptomatik, die er auf die Diagnose einer Angst und depressive Störung gemischt
zurückführte
- nicht vorhanden seien (Urk. 13/181/50).
Ferner hielt Dr.
C._
bezogen auf das Gut
achten vom 30.
September
2009
fest, dass die Symptome einer paranoiden Schizophrenie zu keinem Zeitpunkt ausreichend nachweisbar gewesen seien und somit die damals gestellte Diagnose nicht nachvollziehbar sei (Urk. 13/181).
Der Vorwurf, dass Dr.
C._
die Diagnose einer Schizophrenie pauschal verneinte, ohne auf die vom Beschwerdeführer geschilderten Symptome einzugehen oder abweichende Beurteilungen der behandelnden Ärzte zu diskutieren
, ist daher
unbegründet. Da die Expertise auch die weiteren gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung erforderlichen Kriterien an ein beweiskräftiges Gutachten erfüllt (vgl. E. 1.5
), kann
für die Beurteilung des
psychischen
Gesundheitszustandes des Besc
hwerdeführers darauf abgestellt werden
.
Daran vermag auch der im Beschwerdeverfahren eingereichte provisorische Kurz
austrittsbericht des Zentrums
Z._
vom 23. Dezember 2019 (Urk. 7/1) nichts zu ändern. Soweit darin zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers während des statio
nären Aufenthaltes vom 6. bis zum 23. Dezember 2019 Stellung genommen wird,
beschlägt
dies
einen Zeitraum nach Erlass der
angefochtenen
Verfügung vom
30
.
Oktober 2019
,
d
er die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 143 V 409 E. 2.1
i.f
. mit Hinweis).
Im Übrigen
lässt es die unter
schiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Per
son einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizi
ni
schen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4)
rechtsprechungsgemäss
nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblie
ben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8
C_29/2018 vom 6. Mai 2018
E. 5.2.2). Dies
trifft hier nicht zu.
4.2
4.2.1
Zu klären bleibt, ob gestützt auf das psychiatrisch-neuropsychologische Gut
achten auf ein
en Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG geschlossen werden kann.
4.2.2
Vorab ist festzuhalten, dass trotz neuer
somatischer
Diagnosen und durchge
führter Operationen keine Hinweise für eine längerdauernde gesundheitliche Ein
schränkung beziehungsweise eine rentenrelevante Veränderung des Gesundheits
zu
standes in somatischer Hinsicht bestehen.
Dies
hat bereits
Dr. med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, RAD, in seiner Stellungnahme vom 21. Januar 2018 überzeugend dargelegt
(Urk. 13/203/7). Dafür, dass sich an dieser Einschätzung aufgrund der
nach diesem Datum erfolgten
somatisch bedingten Eingriffe
und Behandlungen etwas geändert hätte, liegen keine Hinweise vor.
Eine
rentenrelevante Veränderung des somatischen Gesundheitszustandes im zu prüfenden Zeitraum
wird
denn
auch
vom Beschwerdeführer
nicht
geltend ge
macht
.
4.2.3
In psychiatrischer Hinsicht legte
Dr.
C._
gestützt auf die Diagnosekriterien gemäss ICD-10 nachvollziehbar dar, weshalb eine paranoide Schizophrenie nicht
(
mehr
)
zu diagnostizieren sei, schloss jedoch trotzdem auf eine fehlende wes
entliche Veränderung des Gesundheitszustandes (Urk. 13/181/58), da aus seiner Sicht diese Diagnosekriterien auch zum Zeitpunkt der ersten Begutachtung nicht erfüllt gewesen seien.
Es
handle sich
vielmehr
um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts (Urk. 13/181/57).
Diese Feststellung blieb unter den Par
teien unbestritten
.
Die fehlende rentenrelevante Veränderung des Gesundheits
zustandes ändert indes gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nichts daran, dass
unter Umständen eine Tatsachenänderung
im Sinne eines vorher nicht ge
zeigten Aggravationsverhaltens vorliegen
kann
,
die im Sinne von
Art. 17 Abs. 1 ATSG relevant ist
, wenn sie sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Rentenanspruchs auswirken kann
(vgl. E. 1.4 vorstehend, Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 14. Dezember 2016
E. 5.2.2
)
. Hiermit begrün
dete auch die Beschwerdegegnerin die Aufhebung der Invalidenrente. Der Beschwerdeführer hielt dagegen,
die Leistungseinschränkung sei vorliegend nicht eindeutig nur auf die Aggravation zurückzuführen und die Aggravation sei auch nicht weiter beschrieben, insbesondere werde nicht dargelegt, dass diese über eine blosse Tendenz zur Schmerzausweitung und -verdeutlichung hinausgehe (Urk. 1 S. 4 f.).
Dem kann nicht gefolgt werden.
Im psychiatrischen Teilgutachten wies Dr.
C._
unter anderem auf erhebliche Diskrepanzen zwischen der schweren subjektiven Beeinträchtigung und dem weitgehend intakten psychosozialen Funktionsniveau bei der Alltagsbewältigung, insbesondere den Auslandsreisen des Beschwerde
führers hin. Ein Leidensdruck könne nicht erkannt werden.
Es
bestünden Dis
krepanzen zwischen der subjektiv geschilderten Intensität und der Vagheit der Beschwerden beziehungsweise der erkennbaren körperlich-psychischen Beein
träch
tigung in der Untersuchungssituation
(Urk. 13/181/53).
D
er Beschwerde
führer
sei
nicht in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung, die als regel
mässig eingenommen angegebenen Medikamente würden gemäss der im Rahmen der Untersuchung ermittelten Medikamentenspiegel nicht eingenommen
(Urk.
13/181/55).
Auf entsprechende Nachfrage der Beschwerdegegnerin hielt Dr.
C._
sodann aus
drücklich fest, die Gründung einer Familie
- der
seit 1998 geschiedene
Beschwerdeführer
(Urk. 13/11/1)
heiratete
2013
erneut
(Urk. 13/81)
und wurde
im April 2016 und
im Juni 2018 Vater (Urk.
13/107, Urk.
13/176/1) -
und
schon alleine das
Kennenlernen
einer Partnerin sei per se mit einer
floriden
psychotischen Symptomatik nicht vereinbar (Urk. 13/188/3 f.).
Die neuropsychologischer Gutachterin Dr.
D._
legte dar
, während der Unter
suchung seien grosse Diskrepanzen aufgefallen. Die Ergebnisse beider Symptom
validierungstests seien extrem weit unter dem Cut-Off gelegen. Die ebe
nfalls extrem verlangsamten Reak
tionszeiten hätten eine Variabilität gezeigt, die neu
ropsychologisch nicht erklärbar sei (Urk. 13/189/9). Gestützt darauf kam sie zum Schluss, die Zusammenstellung der Befunde lasse auf ein Aggravationsverhalten des Beschwerdeführers schliessen, weshalb die Ergebnisse der Leistungstests inhaltlich
nicht ausgewertet werden
könnten und wegen mangelnder Mitarbeit keine verwertbare
n
neuropsychologischen Befunde
lieferten
, da sie wahrscheinlich nicht das effektiv vorhandene kognitive Leistungsniveau abbilden würden (Urk. 13/189/8).
Angesichts der zahlreichen aus neuropsychologischer und psychiatrischer Sicht aufgeführten, für eine Aggravation rechtsprechungsgemäss geradezu typischen (vgl. E. 1.4) Anhaltspunkte,
ist entgegen der Argumentation des Beschwerde
führers mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Aggravation und nicht bloss eine Verdeutlichungstendenz ausgewiesen.
Dies
es erstmals im Gutachten vom 8.
und 19. Juli 2019
festgestellte Aggravationsverhalten bildet einen Revisions
grund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG.
Unter diesen Umständen kann
offen bleiben
, ob - wie von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht - auch die Vor
aussetzungen für eine wiedererwägungsweise Aufhebung der rentenzuspre
chenden Verfügung gegeben wären.
4.3
Daraus, dass Dr.
C._
und Dr.
D._
lediglich das aufgeführte Aggra
va
tions
verhalten festhielten und darüber hinaus keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellten, erschliesst sich
, dass neben der Aggravation keine ver
selbständigte Gesundheitsschädigung vorliegt. Die
vom Beschwerdeführer
ange
gebene
Leistungseinschränkung von 100 %
(Urk. 13/181/56)
beruht daher rein auf dem dargelegten Aggravationsverhalten
.
Damit liegt ein Ausschlussgrund im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vor (BGE 141 V 281 E. 2.2.1) und es besteht von vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente
Die Be
schwer
degegnerin hat die ganze Invalid
enrente somit zu Recht
aufgehoben.
Entgegen dem Antrag des Beschwerdeführers ist von weiteren Beweismassnahmen abzu
sehen, da von diesen keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 136 I 229 E. 5.3).
Da der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der revisionsweisen Aufhebung der Inva
lidenrente weder das 55. Altersjahr überschritten noch seit mehr als 15 Jahren eine Rente bezogen hatte (vgl. zum massgeblichen Zeitpunkt BGE 141 V 5), durfte
die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer der Selbsteingliederung über
lass
en, ohne Eingliederungsmassnahmen durchzuführen.
Die angefochtene Verfügung vom
30. Oktober 2019
(Urk. 2) ist somit nicht zu beanstanden, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
5.
5.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war
, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge der ihm gewährten unentg
eltlichen Prozessführung (Urk. 14
) jedoch einstweilen a
uf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Der mit Verfügung vom
10. Februar 2020 (Urk. 14)
bestellte unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers,
Rechtsanwalt Manuel Bader
, machte mit Honorarnote
n
vom
31. Dezember 2019 (Urk. 15
/1
S. 1 f.
)
, vom 31. Januar 2020 (Urk. 15
/2
S. 3 f.)
und 31. März 2020
(Urk. 18)
einen Aufwand von
15.08
, von 1.75
und 0.25 Stunden
, total 17.08 Stunden,
sowie
eine Kleinspesenpauschale von 3 %
geltend
(Urk. 19).
Vorweg ist zu bemerken, dass
rechtsprechungsgemäss nur
patentierte Rechtsan
wältinnen und -anwälte
, nicht aber Substituten
zur unentgeltlichen Rechtsver
tretung
zugelassen sind (
Urteil des Bundesgerichts 8C_246/2012 vom 17. August 2012 E.
2.3).
Mit dem Mandat, für eine unbemittelte Partei als Rechtsvertreter tätig zu werden, übernimmt der Anwalt keinen privaten Auftrag. Das Mandat kann verbindlich nur durch den Kanton selbst erteilt werden und stellt die Über
nahme einer staatlichen Aufgabe dar. Der Anwalt tritt zum Staat in ein Verhältnis ein, das vom kantonalen öffentlichen Recht bestimmt wird
.
Ein Wechsel des unentgeltlichen Rechtsbeistandes bedarf der richterlichen Bewilligung (
BGE 141 I 70 E.
6.1-2).
Eine Entschädigung für die nicht durch den einges
e
tzten Rechtsan
walt Manuel Bader getätigten Aufwendungen fällt
daher
ausser Betracht.
Dieser hat nach Lage der Akten am 2. Dezember 2019 die Beschwerde erhoben (Urk. 1),
ist
aber im
weiteren Prozessv
erlauf
nicht mehr tätig geworden.
D
ie wei
teren Unterlagen
wurden
durch den Substituten nachgereicht (Urk. 6), genauso wie die Akten betreffend die Substantiierung der Bedürftigkeit (Urk. 9-11). Daher entschädigt das Gericht nur die Aufwendungen im Zusammenhang mit der Be
schwerdeerhebung.
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Der Aufwand für
die Instruktion und
das Verfassen der
im Wesentlichen achtseitigen
Beschwerde
schrift von insgesamt
13.58 Stunden
(inkl. Aktenstudium
; Urk. 15/1 S. 1
) erscheint
auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Rechtsanwalt Bader den Beschwerdeführer im Verwaltungsverfahren noch nicht vertreten hat und er daher vergleichsweise mehr Zeit für das Aktenstudium und das Verfassen der
Beschwerdeschrift aufwenden musste,
mit Blick auf vergleichbare Fälle
als zu hoch
und ist auf
angemessene
7.5
Stunden zu reduzieren.
Rechtsanwalt
Manuel Bader ist daher
eine Pauschalentschädigung von
Fr.
1'900.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse z
u
zusprechen
.
5.3
Der Beschwerdeführer ist abschliessend auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.