Decision ID: da4d631d-42ce-4812-9d95-221606930b57
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 196
4, arbeitete
unter anderem
als
Spengler, Dachdecker, Trennwandmonteur
, im Service und als Wirt (
Urk.
17/1
/292
). Am 1
0.
Juni 1989 erlitt der Versicherte einen schweren Motorradunfall, bei dem er sich multiple Verletzungen zuzog, insbesondere eine
Plexusparese
rechts. Diese
Plexusparese
hatte einen funktionellen Verlust des rechten Armes
zur Fol
ge (Urk.
17/1
/1
). Am 2
2.
Februar 1990 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf die Folgen des Unfallereignisses vom
1
0.
Juni 1989 beim
IVK-Sekretariat
des Kantons Thurgau
zum
Bezug von IV-Leistungen
an (Urk.
17/1
/20). Mit Verfügungen vom 3
0.
September 1993
sprach ihm die Inva
lidenversicherung mit Wirkung vom
1.
Juni 1990 bis zum 3
1.
Mä
rz 1992 eine
ganze
,
vom
1.
April
bis zum 3
0.
September 1992 eine halbe und
ab dem 1.
Oktober 1992 eine
Viertelsrente
zu (
Urk.
17/1
/155-159
).
In der Folge
nahm der Versicherte an beruflichen Massnahmen teil, weshalb die Rente im Mai 1996 durch Taggeldzah
lungen abgelöst wurde (
Urk.
17/1
/272). Im Rahmen dieser Massnahmen erlangte er
1997 das Diplom
al
s Informatik-Anwender SIZ
,
1999 dasjenige als
PC-
Supp
orter
SIZ
und
2000 dasjenige als Web-Publisher SIZ (
Urk.
17/2
/10
/9-11). Im Schlussbericht vom
4.
Mai 2000 hielt
die IV-Stelle Thurgau
fest
, dass der Versicherte im rentenausschliessenden Rah
men eingeglie
dert sei (
Urk.
17/1
/376).
1.2
Ab dem 1
5.
April 2000 arbeitete der Versicherte in einem 100%-Pensum in der Abteilung
Informatik (E-Business) bei der
Y._
und war dadurch bei der
«
Pensionskasse für die
Y._
»
berufsvorsorgeversichert (
Urk.
2/2
und
Urk.
7 S. 3
). Infol
ge einer Restrukturierung löste
die
Y._
das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten per Dezember 2003 auf. Am 2
2.
Oktober 2004 (Eingangsdatum) meldete er sich bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leistungsbezug
an (
Urk.
17/1
/385).
Die IV-Stelle gewährte dem Versicherten Arbeitsvermittlung, welche sie mit Verfügung vom
3.
Februar 2005
abschloss, da er
per 1
7.
Janu
ar 2005 wiederum eine Stelle
bei de
r
Y._
antreten konnte
(
Urk.
17/2
/9). Per 3
0.
November 2007 wurde dieses Arbeitsverhä
ltnis seitens der
Y._
AG
unter Hinweis auf einen Stellenabbau/eine Reo
rganisation aufgelöst (
Urk.
17/2
/51).
1.3
Am
8.
August 2007 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle
zum Leistungsbezug an (
Urk.
17/2
/14-15). Die IV-Stelle
zog
die Akten der Suva, insbesondere
das von der Suva in Auftrag gegebene handchirurgische Gutachten des Kantonsspital
s
Z._
vom 1
1.
März 2008
(
Urk.
17/2
/44)
, bei
. Am 1
6.
Apr
il 2010 teilte sie
dem Versicherten
mit, dass die Kosten einer
berufs
begleitenden
Umschulung zum Sozialpädagogen HF vom
1.
April 2010 bis zum 3
1.
Juli 2
013 übernommen würden (
Urk.
17/2
/111).
Der
Versicherte
besuchte
die
Höhere Fachschule
A._
_
und absolvierte
vom
15.
Sep
tember 2009 bis 2011
bei der
B._
AG
ein Praktikum
(
Urk.
17/2
/99,
Urk.
17/2/118
und
Urk.
17/2
/129
). Vom
1.
Dezember 2011 bis zum 3
1.
Juli 2013 war
er
als Betreuer/Sozialpädagoge in Ausbildung bei der
C._
angestellt (
Urk.
17/2
/130). Im Juli
2013 erlangte der Versicherte das Diplom als Sozialpä
dagoge HF. Am 1
5.
August 2013 teilte die IV-Stelle ihm mit, dass die beruflichen Massnahmen erfolgreich abgeschlossen seien und er als rentenausschliessen
d eingliederbar gelte (
Urk.
17/2
/140).
1.4
Ab
dem
8.
August 2013 bezog der Versicherte
in der zweijährigen Rahmenfrist für den Leistungsbezug
Arbeitslosenentschädigung und war dadurch bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG berufsvorsorgeve
rsichert (
Urk.
44 S. 3 und
Urk.
17/3/42/3).
Ab dem
1.
Februar 2014 war
er
in einem 60%-Pensum als Sozialpädagoge bei der Stiftung
D._
tätig und dadurch bei der Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse Lebensversicherungs-Gesellschaft ber
ufsvorsorgeversichert (
Urk.
12 S. 3 und
Urk.
17/3
/35
). Am 2
3.
Januar 2015 (Eingangsdatum) meldete e
r sich beim
Sozialversicherungszentrum Thurgau, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
17/3
/3). Ab dem
1.
April 2015 wurde sein Pensum bei der Schulstiftung
D._
auf 30
%
reduziert. Per 3
1.
Juli 2015 löste die Schulstiftung
D._
das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten
auf (
Urk.
17/3
/35). Am 1
5.
April 2016 teilte die IV-Stelle Thurgau mit, dass die Kosten einer vom
1.
Mai bis zum 3
1.
Oktober 2016 dauernden Integrationsmass
nahme bei der
E._
G
mbH übernommen würden (
Urk.
17/3
/48).
Am 1
5.
Dezember 2016 erstattete
die
F._
im Auftrag der
IV-Stelle Thurgau ein polydisziplinäres Gutachten
(
Urk.
17/3
/74).
Mit Mitteilung vom
1.
Fe
bruar 2017 schloss die IV-Stelle
Thurgau die beru
flichen Massnahmen ab (
Urk.
17/3
/79).
Mit Verfügungen vom 2
1.
April 2017 sprach
sie
dem Versicherten mit Wirkung ab dem
1.
Juli 2015 bei einem ermittelten Invali
ditätsgrad von 86
%
eine ganze Rente zu
. Vom
1.
November 2015 bis zum 3
1.
Oktober 2016 wurde die Rente
vorübergehend
eingestellt, da der Versicherte in diesem
Zeitraum
Taggeldzahlungen
der Invalidenversicherung
erhielt
(Urk.
17/3/84 und
Urk.
17/3
/91-92).
1.5
Die Al
lianz Suisse Lebensversicherungs-Gesellschaft AG teilte
mit Schreiben vom 1
9.
März 2018
mit
, dass der Versic
herte wegen einer Verletzung der Anzeige
pflicht lediglich im Umfang der gesetzlich vorgesehenen
Minimalbestimmungen Anspruch auf Leistungen gemäss Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- un
d Inv
alidenvorsorge (BVG) habe (Urk.
2/12). Die Pensions
kasse für die
Y._
lehnte mit Schreiben vom 9.
April 2018 einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen aus der beruflichen Vorsorge ab mit der Begründung, dass die massgebende Arbeitsunfähigkeit erst eingetreten sei, als er nicht mehr b
ei ihr
berufsvorsorgeversichert gewesen sei (
Urk.
2/11).
2.
2.1
Am
1
8.
Juli 2018 erhob der Versicherte Klage gegen die AXA Stiftung Berufliche Vorsorge (Beklagte 1) und gegen die Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse Lebensversicherungs-Gesellschaft (Beklagte 2) und beantragte, es sei die
Beklagte 1 – eventualiter die Beklagte 2 - zur Ausrichtung der obligatorischen und regle
mentarischen Leistungen ab dem
1.
November 2016 zuzüglich Zins von 5
%
ab Klageanhebung zu verpflichten. In prozessualer Hinsicht beantragte der Kläger den
Beizug
der IV-Akten (
Urk.
1 S. 2). Die Beklagte 1 beantragte mit Klageant
wort vom 2
8.
Augus
t 2018 die Abweisung der Klage.
Sie begründete dies insbe
so
ndere damit, dass der Kläger während sei
nes Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
nicht
bei ihr berufsvorsorgeversichert gewesen sei, sondern bei der Pensionskasse für die
Y._
(
Urk.
7 S. 2 f.). Die Beklagte 2 beantragte mit Klageantwort vom 1
5.
Oktober 2018, es sei die
gegen sie gerichtete Klage
vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Even
tuell sei festzustellen, dass die Beklagte 2 im Falle einer grundsätzlichen Bejahung ihrer Leistungspflicht als die für diesen Leistungsfall zuständige Pensionskasse lediglich die gesetzlichen Minimalleistungen
gemäss
BVG zu erbringen habe (
Urk.
12 S. 2). Mit Verfügung vom 1
7.
Oktober 2018 (
Urk.
14) zog das Gericht
von der IV-Stelle Thurgau
die Akten der Eidgenössischen Invaliden
versicherung i
n Sachen des Klägers (
Urk.
17/1-3
) bei. Mit Verfügung vom 2
5.
Oktober 2018 setzte das Gericht dem Kläger Frist zur Replik an (
Urk.
18).
2.2
Am 1
4.
November 2018 erhob der Kläger Klage gegen die Pensionskasse für die
Y._
Schweiz und beantragte, es sei diese zur Ausrichtung der obligatorischen und reglementarischen Leistungen ab dem
1.
November 2016 zuzüglich Zins von 5
%
ab Klageanhebung zu verpflichten (
Urk.
1 S. 2
im Prozess Nr.
BV.2018.00079).
Mit Verfügung vom 1
6.
November 2018 nahm das Gericht dem Kläger die Frist zur Erstattung der Replik im vorliegenden Ver
fahren Nr.
BV.2018.00057 ab
(
Urk.
21).
Die Pensionskasse für die
Y._
bean
tragte mit Klageantwort vom 1
1.
März 201
9 die Abweisung der Klage (Urk.
13 S. 2 im Prozess Nr. BV.2018.00079).
Mit Verfügung vom 1
3.
März 2019 wur
de der Prozess Nr. BV.2018.00079
in Sachen
X._
gegen die Pensionskasse für die
Y._
(nachfolgend: Beklagte 3) mit dem vorliegenden Prozess Nr. BV.2018.00057 vereinigt und unter dieser Prozessnummer
weitergeführt. Der Prozess Nr.
BV.2018.00079 wurde als dadurch erledigt
abgeschrieben
und dessen Akten als Urk. 28/0-15 ins vorliegende Ver
fahren aufgenommen
(
Urk.
27). Am 28.
März 2019 erstattete der Kläger die Replik (
Urk.
30). Die Beklagte 2 teilte mit Eingabe vom 1
2.
April 2019 mit, dass sie auf die Ausformulierung einer Duplik verzichte (
Urk.
34). Am 2
3.
Mai 2019
erstattete die Bekl
agte 3 ihre Duplik
, worin sie an ihrem Antrag auf Abweisung festhielt
(Urk.
37). Mit Verfügung vom
2
8.
Mai 2019 wurden die betreffenden Eingaben den Parteien je wechselseitig zugestellt (Urk. 39).
Mit Verfügung vom 2
4.
Oktober 2019 wurde die Stiftung Auffangeinrichtung BVG zum Prozess beigeladen und es wurde ihr Frist angesetzt, um zu den Einga
ben der Parteien
Stellung zu nehmen (
Urk.
40). Am 1
8.
Dezember 2019
liess
sich die
Beigeladene
vernehmen (
Urk.
44).
Am
6.
respektive 1
7.
Janu
ar 2020 nahmen der Kläger und die Beklagte 3
hierzu
Stellung (
Urk.
48 und
Urk.
50). Die Beklagte 1 beantragte mit Eingabe vom
8.
Januar 2020
die Entlassung aus dem Verfahren (
Urk.
49).
Diese Eingaben wurde
n
den Verfahrensb
eteiligten am 29.
Januar 2020 wechsels
eitig zugestellt
(Urk. 51
).
3.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 24 Abs. 1 BVG hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invaliden
rente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss Art. 26 Abs. 1 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmun
gen des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (Art. 29
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Die Inva
lidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschul
det, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vor
sorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, son
dern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Inva
lidität geführt hat (vgl. Art. 23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rech
nung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Warte
zeit von einem Jahr gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG in Verbindung mit Art. 26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die
Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem
Obliga
torium
unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sach
licher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat (BGE 134 V 20 E. 3.2).
Der zeitliche Zusammen
hang setzt voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähig
keit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig geworden ist. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten Ein
zelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognos
tische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umständen zählen auch die in der Arbeitswelt nach
aussen
in Erscheinung tre
tenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass eine versicherte Person über längere Zeit hinweg als voll vermittlungsfähige Stellensuchende Taggelder der Arbeits
losenversicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die glei
che Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Mit Bezug auf die Dauer der den zeitlichen Konnex unterbrechenden Arbeitsfähigkeit kann die Regel von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversiche
rung (IVV) als Richtschnur gelten. Nach dieser Bestimmung ist eine anspruchs
beein
flussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichti
gen, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraus
sichtlich weiterhin andauern wird. Eine mindestens drei Monate andau
ernde volle Arbeitsfähigkeit, gestützt auf welche eine dauerhafte Wiedererlan
gung der Erwerbsfähigkeit als objektiv wahrscheinlich erscheint, stellt daher ein gewich
tiges Indiz für eine Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs dar.
Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als
Eingliederungsversuch zu werten ist oder
massgeblich
auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung unwahr
scheinlich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
1.3
Für den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 23
lit
. a BVG ist die
Einbusse
an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf
massgeblich
. Der zeitliche Zusammenhang zur später eingetretenen Invalidität als weitere
Voraussetzung für den Anspruch auf Invalidenleistungen der damaligen Vorsor
geeinrichtung beurteilt sich hingegen nach der Arbeitsunfähigkeit resp. Arbeits
fähigkeit in einer der gesundheitlichen Beeinträchtigung angepassten zumutba
ren Tätigkeit. Darunter fallen auch
leistungsmässig
und vom Anforderungsprofil her vergleichbare Ausbildungen. Diese Tätigkeiten müssen jedoch bezogen auf die angestammte Tätigkeit die Erzielung eines
rentenausschliessenden
Einkom
mens erlauben (BGE 134 V 20 E. 5.3).
1.4
Von einer relevanten Arbeitsunfähigkeit ist rechtsprechungsgemäss dann auszu
gehen, wenn diese mindestens 20 % beträgt und sich auf das Arbeits
verhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Fest
stellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesund
heitlich bedingte Arbeitsausfälle. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Vielmehr muss der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorge
rechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche Annah
men und spekulative Überlegungen ersetzt werden (vgl. hierzu etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2009 vom 17. September 2009 E. 2.1 und 9C_178/2008 vom 15. Juli 2008 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überle
gung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen auf
wändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Ver
fahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die
freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsor
geeinrichtung beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
1.6
Gemäss
§
14 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
kann das Gericht von Amtes wegen oder auf Antrag Dritte zum Verfahren beiladen, wenn diese ein schutzwürdiges Interesse am Ausgang des Verfahrens haben oder wenn eine Partei ein schutzwürdiges Interesse an der Beiladung der Dritten geltend macht (
Abs.
1). Die Beigeladenen haben im
Verfahren Parteistellung (Abs.
2).
Die prozessleitenden Anordnungen sowie der Entscheid in der Sache selber sind auch für die Beig
eladenen verbindlich (
Abs.
3).
2.
2.1
Der Kläger brachte zur Begründung
seiner Klage vor,
dass sich sein Gesundheits
zustand im
Jahr 2007, als er
bei de
r Y._
angestellt und bei der Beklagten 3 berufs
vorsorgeversichert gewesen sei,
drastisch verschlech
tert
habe
.
Er habe damals vermehrt Schmerzen im
linken
Handgelenk verspürt und unter Funktionsstörungen der Hand, des Armes und der Schulter gelitten. Diesbezüglich lägen echtzeitliche ärztliche Atteste vor, gemäss welchen er in der Zeit vom
1.
Mai bis zu
m 3
1.
Oktober 2007 zu 50
%
bis
100
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Auch während und nach
der
von der Invalidenversicherung finan
zierten
Umschulung
zum Sozialpädagogen
habe
eine
mindestens 20%ige Arbeits
unfähigkeit bestanden. Aufgrund seine
r gesundheitlichen Beeinträchtigung
en
habe er bei der Tätigkeit für die Stiftung
D._
,
im Rahmen derer
er bei der Beklagten 2 berufsvorsorgeversichert gewesen sei, von Anfang an lediglich ein 60%-Pensum leisten können. Bereits ein Jahr später sei das Pensum auf 30
%
reduziert worden, weil er die geforderte Leistung aus gesundheitlichen Gründen nicht habe erbringen können. Der zeitliche Zusammenhang
zwischen der
während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses
mit der
Beklagten 3
eingetretenen Arbeitsunfähigkeit
und der später eingetretenen Invalidität sei
damit nicht unterbrochen worden und die Beklagte 3
demnach
leistungspflichtig. Sollte das angerufene Gericht wider Erwarten zur Auffassung gelangen, dass die Beklagte 2 leistungspflichtig sei, sei diese zu verpflichten, ihm die obligatorischen und reglementarischen Leistungen auszubezahlen. Die von der Beklagten 2 behaup
tete Anzeigepflichtverletzung
werde bestritten (
Urk.
1 S. 3 ff.,
Urk.
28/1 S. 3 ff. und
Urk.
30
).
2.2
Die Beklagte 2 machte demgegenüber geltend, dass sie dem Kläger für die rechts
kräftig festgesetzte Invalidität von 86
%
die Mindestleistungen nach BVG ausrichte. Die Tatsache, dass sie diese Leistungen erbringe, könne ihr jedoch nicht
als grundsätzliche Anerkennung einer Leistungspflicht angerechnet werden. Der Kläger habe zu Recht die Beklagte 3 eingeklagt. Denn bereits im Rahmen der Anstel
lung bei de
r Y._
sei es im Zusammenhang mit dem Unfallereignis von 1989 zu einem Rückfall gekommen. Beim Kläger seien
damals
Beschwerden am linken Handgelenk
aufgetreten. Er sei arbeitsunfähig geworden und habe seine Tätigkeit als Webpublisher nicht mehr ausüben können. Auch während der Zeit der Umschulung und nach deren Abschluss habe eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
bestanden. Sollte das Gericht wider Erwarten zum Schluss kommen, dass
der
zeitliche Zusammenhang
zwischen der im Jahr 2007 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität im Jahr 2015
unterbrochen worden und die Beklagte 2 leistungsp
flichtig wäre, wäre dem Kläger
eine Anzeigepflichtverletzung vorzuwerfen.
Denn der Kläger habe
die
Fragen
im Anmeldeformular
, ob er seine Arbeit in den letzten drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen für zwei Wochen ganz oder teilweise habe unter
brechen müssen, und ob ihm Rentenleistungen einer Sozialversicherung zustehen würden oder ob er solche
beantragt habe, wahrheitswidrig mit nein
beantwortet (
Urk.
12 S. 4 ff.
).
2.3
Die Beklagte 3 stellte sich auf den Standpunkt
, dass die Invalidität des
Klägers
unbestrittenermassen nicht zu einem Zeitpunkt eingetreten sei, als er
bei ihr
berufsvorsorgeversichert gewesen sei
. Demgemäss würden nach
Art.
46
Abs.
1 ihres Vorsorgereglements
einzig Leistungen des
Obligatoriums
in Frage stehen. Der Vorbescheid der IV-Stelle Thurgau
vom
1.
Februar 2017
und deren Verfü
gung
en
vom 2
1.
April 2017 seien der Beklagten 2 eröffnet worden und für
diese daher verbindlich. In den
fraglichen Verfügung
en
sei die IV-Stelle
Thurgau
von einem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit des Klägers am
1.
Februar 2014 ausgegan
gen
. Zu dieser Zeit sei das Arbeitsv
erhältnis mit der
Y._
und damit das Versicherungsverhältnis mit der Beklagten 3
einschliesslich der Nachdeckungsfrist schon seit langer Zeit aufgelöst gewesen. Im Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass 2007 keine drastische Zustandsverschlechterung einge
treten sei. Es h
abe sich vielmehr
um
eine vorübergehende
Überlastu
ng des linken Handgelenks gehandelt
, weil der Kläger infolge der restrukturierungsbedingten Kündigung mit Freistellung seit Oktober 2006 einen Kurs in Fussreflexzonen
massage absolviert habe. Zudem sei er wegen der Kündigung des Arbeitsverhält
nisses gemäss eigenen Angaben Ende 2006 übermässig vi
el am PC gesessen. Die damalige
Tätigkeit als Webpublisher sei mit dem Zustand des Handgelenks aber nach wie vor vereinbar gewesen. Die
radiocarpale A
rthrose am linken Handge
lenk habe sich erst im April/Mai 2008 gezeigt.
Aufgrund
dessen sowie
einer für die Zukunft prognostizierten Zustandsverschlechterung habe der Kläger vom
1.
April 2010 bis zum 3
1.
Juli 2013 eine Umschulung zum Sozialpädagogen
absolviert. Eine massgebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei erst im Februar 2015 eingetreten, durch Überlastungen infolge physischer Bean
spruchung der linken Hand bei Tätigkeiten, die einen erheblichen Kraftaufwand erfordert hätten (Staub saugen, Küchenarbeiten, unruhi
ge Schüler festhalten). Dass der Kläger bei der Stiftung
D._
aus gesundheitlichen Gründen ledig
lich in einem
60%-
Pensum gearbeitet habe
, sei unzutreffend. Er sei daneben auch in einem 40%-Pensu
m beim Arbeitsamt
gemeldet gewesen
(
Urk.
28/13 S. 2 ff. und
Urk.
37).
2.4
Die Beigeladene hielt dafür
, dass
der Kläger von der Invalidenversicherung vom
3.
Dezember 2007 bis zum 3
1.
Juli 2013 durchgehend entweder Wartezeittaggeld oder IV-Taggelder erhalten habe. Voraussetzung für den Anspruch auf Warte
zeittaggelder sei, dass die versicherte Person zu mindestens 50
%
arbeitsunfähig sei und auf den Beginn einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder einer Umschulung warten müsse. Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, ins
besondere berufliche Massnahmen, setze rechtsprechungsgemäss eine Leistungs
einbusse von 20
%
voraus. Demgemäss sei vorliegend vom
3.
Dezember 2007 bis zum 3
1.
Juli 2013 von einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
auszu
gehen, so dass der zeitliche Zusammenhang
zwischen der 2007 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der 2015 eingetretenen Invalidität
bis dahin nicht unter
brochen worden sei.
Nach Abschluss der Umschulung zum Sozialpädagoge
n habe die IV-Stelle Thurgau
dem Kläger mit Mitteilung vom 1
5.
August 2013 zwar mitgeteilt, dass er rentenausschliessend eingegliedert werden könne. Dabei hab
e sich die IV-Stelle Thurgau
aber nicht auf eine medizinische Einschätzung, sondern einzig auf die Aussage des Klägers gestützt, wona
ch dieser sich in der Lage gefühlt habe
, eine Arbeit mit wenig handwerklichem Anteil in einem
vollen Pensum auszuüben.
Eine volle Arbeitsfähigkeit sei dadurch nicht belegt.
Auf
grund der Ausführungen im Gutachten des
F._
sei bereits seit Abschluss der zweiten Umschulung ab August 2013 von einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Aus
dem Bezug von Arbeitslosenentschädigung ab dem
8.
August 2013 bei einer vollen Vermittlungsfähigkeit
könne
nicht auf eine volle Arbeits
fä
higkeit geschlossen werden
. Die Beigeladene sei für die seit 2007 bestehende Arbeitsunfähigkeit, welche in der Folge zur (erneuten) Invalidität geführt habe, nicht leistungspflichtig
(
Urk.
44
S. 6 ff.
).
2.5
Stre
itig und zu prüfen ist somit, wann
die massgeblich
e Arbeitsunfähigkeit, welche im Juli 2015 zur Invalidität des Klägers geführt hat,
eingetreten ist.
3.
3.1
Dr.
med.
G._
, FMH Allgemeine Medizin,
gab im Bericht vom 3
1.
August 2007 zuhanden der IV-Stelle an, dass der Kläger bis heute im bisherigen, unver
änderten Ausmass arbeitsfähig sei. Auf längere Sicht seien infolge einer post
traumatischen Radiocarpalarthrose
links mit schmerzhafter Funktionseinschrän
kung
möglicherweise Änderungen zu erwarten.
Unter Physiotherapie und medikamentöser Behandlung sei eine Besserung eingetreten. Es handle sich um die zweite Schmerzepisode. Die linke Hand sei die einzig verfügbare Hand des Klägers. Rechts bestehe eine vollständige Lähmung. Zur Vermeidung einer weiteren Invalidisierung und der Erhaltu
ng der beruflichen Fähigkeiten und der
Fähigkeiten der Selbstversorgung (Körperpflege etc.) sollte diese Hand nicht über Gebühr belastet werden. Allenfalls müsse eine berufliche Umstellung erwogen werden, da auch lange dauernde Computerarbeit das Radiocarpal
gelenk belasten könne (
Urk.
17/3
/19/558).
3.2
Dr.
med.
H._
, Leitender Arzt Handchirurgie des Kantonsspitals
Z._
, stellte im an die Suva gerichteten Gutachten vom 1
1.
März 2008 folgende handch
irurgischen Diagnosen (
Urk.
17/2
/44/7):
(1)
posttraumatische Radiocarpalarthrose links bei Status nach konservativer
Behandlung einer distalen Radiusfraktur links vom 1
0.
Juni 1989
(2)
Plexusparese
rechts mit geringer Res
t
funktion der
Musculi
rhomboidei
,
trapecius
,
triceps
,
pectoralis
major
und
latissimus
dorsi
(3)
Läsion triangulärer
fibrokartilaginärer
Komplex
(TFCC)
links
Dr.
H._
erklärte,
dass die computertomographisch nachgewiesene Radio
carpalarthrose zum heutigen Zeitpunkt
noch nicht massiv ausgeprä
gt sei.
Zu einem späteren Zeitpunkt werde möglicherweise eine Teilversteifung/Versteifung des Handgelenks notwendig werden. Ein konservativer Ansatz zur Linderung der Beschwerden im linken Handgelenk bestehe in der Applikation einer Hand
gele
nksmanschette, welche
dieses ruhig
stelle. Damit könnte der Kläger die meisten Aktivitäten des täglichen Lebens durchführen und so auch seine Hand
gelenksmobilität erhalten. Die klinischen Verdachtsmomente auf ein Carpal
tunnelsyn
d
rom müssten weiter beobachtet werden. Trotz der Beschwerde
n
sollte versucht werden, de
n Kläger langsam wieder in den Arbeitsprozess zu
integrie
ren. Vorstellbar seien sämtliche kontrollierenden Tätigkeiten, die bei funktio
neller
Einarmigkeit
mit zusätzlich
handicapiertem
Funktionsarm durchgeführt werden könnten. Zudem werde der Kläger versuchen, unterstützt mit einer Hand
gelenksmanschette auch wieder am Computer zu arbeiten (
Urk.
17/3
/44/8-9).
3.3
Dr.
G._
gab im Bericht vom 2
3.
Februar 2011 zuhanden der IV-Stelle an, dass die gesundheitliche Situation unverändert sei. Eine Reduktion des Pensu
ms sei wegen zu vieler Schreib
arbeiten i
m Rahmen der Ausbildung und
dadurch zusätz
licher Belastung des Handgelenks erfolgt. Die Arbeitsfähigkeit sei derzeit vor allem abhängig von den Schreibarbeiten. Nach der Ausbildung sollte eine Arbeitsfähigkeit von
80
%
zu erwarten sei
n
(
Urk.
17/2
/122
/3
).
3.4
Dr.
med.
I._
, Fachärztin Neurochirurgie, hielt im Bericht zur kreisärzt
lichen Untersuchung vom 1
5.
Dezember 2014 fest,
dass i
m Sinne einer Standort
bestimmung nochmals eine Vorstellung
bei
Dr.
H._
zur handchirurgischen Beurteilung erfolgen
sollte
.
Dem Kläger seien
ganztägige, vorwiegend sitzende Tätigkeiten weiterhin zumutbar.
Er
se
i nach wie vor als funktionell
Einarmiger (links) zu betrachten. Die Gesamtgewichtsbelastung sollte maximal 5 kg betragen. Mit der linken Hand sollten auch leichte, repetitive manuelle Tätigkeiten
bzw. Belastungen
gemieden werden. Inwieweit die aktuelle Tätigkeit als Sozialpädagoge diesem Zumutbarkeitsprofil entspreche,
sollte geprüft werden (
Urk.
17/3
/19/30).
3.5
Dr.
H._
vom Kantonsspital
Z._
gab im an
Kreisärztin
Dr.
I._
gerichteten Bericht vom
2.
April 2015 an, dass
die zwischenzeitlich durchge
führte Computertomographie des linken Handgelenks
eine leichte Progression de
r Arthrose radio-karpal, interkarpal und
im Bereich des
Pisotriqueteralgelenks
zeige
. Die Situation werde sich im weiteren Verlauf wahrscheinlich noch verschlechtern. Die Arbeitsfähigkeit betrage 30
%
und werde
kaum zu steigern sein (
Urk.
17/3
/34/6-7).
3.6
Die Ärzte des
F._
stellten im polydisziplinären Gutachten
vom 1
5.
Dezember 2016
zuhanden der IV-Stelle Thurgau
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbe
itsfähigkeit (
Urk.
17/3
/74/16):
Polytrauma am 1
0.
Juni 1989 mit multiplen Folgeschäden
(1)
obere mittlere und untere traumatische
Armplexusläsion
rechts (ICD-10 G54.0)
-
Wurzelausrisse C5, C6 und C8 rechts
-
klinisch-neurologisch funktionelle
Plegie
rechte obere Extremität mit diskreter
Restfunktion
Musculus
triceps
brachii
rechts
(2)
posttraumatische Radiokarpalarthrose links bei
-
Status nach konservativ therapierter distaler intraartikulärer Radiusfraktur mit
Ab
riss
Processus
styl
oideus
ulnae
am 1
0.
Juni 1989
(3)
TFCC-Läsion
links
(4)
Status nach
Nervus
ischiadicus
-Läsion links (ICD-10 G57.0; G57.4)
mit
-
klinisch-neurologisch
residueller
sensomotorischer Affektion der
Nervus
tibialis
-
innervi
erten Muskulatur bei Erholu
ng der
Nervus
peroneus
-innervi
erten
Muskelgruppen bei:
-
Status nach Schambeinastfraktur im Rahmen des Polytraumas
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfäh
igkeit führten
sie an (Urk.
17/3
/74/16):
(1)
Verdacht auf
Sulcus
ulnaris
Reizsyndrom links (ICD-10 G56.0)
(2)
chronisches
zerviko
- und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
klinisch-neurologisch ohne
radikuläre
Reiz- respektive sensomotorische
Ausfallssymptomatik
(3)
unreife Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1)
(4)
Status nach Abhängigkeitssyndrom von Alkohol, Opioiden und Kokain,
gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10/11/14.20)
Die Gutachter des
F._
gaben an, dass der Kläger in der angestammten Tätigkeit nach der zweiten Umschulung
,
welche bereits wegen der verschlechterten Hand
funktion erfolgt sei, ab dem
1.
F
ebruar 2014 zu 60
%
, ab dem
1.
April 2015 zu 30
%
und ab dem
3.
Juni 2015
(letzter effektiver Arbeitstag)
zu 0
%
arbeitsfähig gewesen sei.
In Bezug auf eine Verweistätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkei
t von 30
%
auszugehen
. Dies gelte ab Datum der Arbeitsaufgabe per
3.
Juni 2015
(
Urk.
17/3
/74/19).
4.
4.1
Vorab ist darauf hinzuweisen, da
ss die IV-Stelle Thurgau in den
rente
nzu
sprechenden Verfügung
en vom 2
1.
April 2017
von einer verspäteten Anmeldung zum Leistungsbezug ausging
(
Urk.
17/3/84 und
Urk.
17/3
/91-92
).
Die Beklagte 2
und das Gericht sind an die Feststellungen der IV-Stelle damit nicht gebunden. Der leistungserhebliche Sachverhalt ist
frei zu überprüfen (vgl. E. 1.5
).
4.2
Fest steht
, dass der Kläger ab dem
1
7.
Januar 2005 in einem 100%-Pensum als Webdesigner bei
der Y._
angestellt war
(
Urk.
17/2/10/3
, vgl. auch
Urk.
17/2/8 und
Urk.
2/2
)
. Im Oktober 2006 stellte
sein
Vorgesetzte
r
ihm
wegen einer
Reorganisation
die Auflösung des
Arbeitsverhältni
sses in Aussicht. Ab Oktober 200
6 absolvierte der Kläger einen Fussreflexzonen
massage-Kurs
.
Am 3
1.
Januar 2007 hatte er
bei
der Y._
seien
letzten
effektiven
Arbeitstag
. Danach wurde er freigestellt.
Gegenüber der Suva gab der
Kläger am
3.
August 2007
an, dass
er Ende 2006 wegen des aufge
lösten Arbeitsverhältnisses übermässig viel am PC
gesessen
und die Beschwe
rden am linken Handgelenk
daraufhin zugenommen
hätten
. Im Mai 2007 suchte der Kläger
seinen Hausarzt
Dr.
G._
auf
(Urk.
17/3
/19/355 und
Urk.
17/2/51
).
Vom
1.
Mai bis
zum 3
0.
November 2007
bezog er bei einer attestierten Arbeits
unfähigkeit von
jeweils
50
%
oder
100
%
Taggeldleistungen der Suva
(
Urk.
17/2
/49/81).
Ab dem
3.
Dezember 2007
erhielt
der Kläger
Warte
zeit
taggel
d
er
der Invalidenversicherung
(
Urk.
17/2
/58
,
Urk.
17/2
/72
und
Urk.
17/2
/89
)
, was eine Arbei
tsunfähigkeit von mindestens 50
%
und das Warten auf eine erstmalige berufliche Ausbildung/Umschulung voraussetzt
e
(
Art.
18
Abs.
1
der Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV
)
.
Ab dem
7.
Januar 2009
bezog er
während
der beruflichen Massnahmen der Invalidenversicherung (Arbeitstraining, Umschulung)
bis zum Abschluss der Ausbildung als Sozialpä
dagoge
HF
im Sommer 2013
weiterhin Taggeldleistungen der Invalidenversicherung
(
Urk.
17/2/72 und
Urk.
17/3/15
)
.
Dies setzt
e
voraus, dass
er
wegen
dieser Mass
nahmen
der IV an
wenig
stens
drei aufeinanderfolgenden Tagen vollständig verhindert
war, einer Arbeit nachzugehen, oder
in seiner gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50
%
arbeitsunfähig
war
(
Art.
22
Abs.
1 IVG
).
Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen werden, erübrigen sich hier jedoch nähere Erörterungen zu
m Verlauf und Grad der Arbeits
fähigkei
t des Klägers als Webdesigner.
Denn vorliegend ist beachten, dass
der Kläger
nach
einem vom
1.
Januar bis zu
m
3
0.
Juni 2009 dauernden
Praktikum
mit einem Pensum von 60
%
bei der Gemeinde
J._
(Urk.
17/2
/85)
ab dem 1
5.
September
2009
in einem 60%-Pensum ein Praktikum
im Bereich Jugendarbeit
bei
der
B._
AG
absol
vierte
(
Urk.
17/2
/96
)
.
Im
August 2010
begann er daneben
die dreijährige berufs
begleitende Aus
bildung zum Sozialpädagogen
bei der
S
chule
A._
(Urk.
17/2/118
).
Im Rahmen
dieser Ausbildung
wird
von den Studentinnen und Studenten
verlangt, dass sie
minde
stens zu 50
%
als Sozialpä
dagoge/-in
in
Ausbildung tätig sind. Empfohlen wird ein 60%-Pensum
– was
inkl.
Studium daher
einem
100%-Pensum ent
sprechen
dürfte
. Ab
Oktober 2010
reduzierte der Kläger
das Pensum bei der
B._
AG
wegen Beschwer
den am linken Handgelenk, die
aufgrund der vielen
Schreibarbeiten
in der
Ausbildung
aufgetreten
waren,
von 60
%
auf 50
%
(Urk.
17/2
/119
und
Urk.
17/2/122/3
).
Die di
esbezüglichen Anforderungen von
A._
erfüllte er somit
nach wie vor,
und sein Pensum dürfte
nunmehr
also
insgesamt ca. 90
%
.
betragen haben.
2011
gab er die Stelle bei der
B._
AG
auf
(
Urk.
17/2/129)
und arbeitete
danach
ab dem
1.
Dezember
2011 ebenfalls in einem 50%-Pensum
bei
der
C._
als Betreuer/Sozialpädagoge
in Ausbil
dung
(
Urk.
17/2
/130).
Der Kläger be
schrieb diese Tätigkeit, bei welcher
er behin
derte Kinder und Jugendliche
(
von
Cerebralparetiker
n
bis zu Autisten
)
betreut habe und
sich physisch nic
ht habe schonen können, als
turbulent und anspruchs
voll (
Urk.
17/3
/74/9)
.
Dass es bei
dieser Tätigkeit
für die
C._
– und auch im Rahmen des
vorangegangenen
Praktikums
bei
der
B._
AG
-
zu
krank
heits
-
oder
unfallbedingten Arbeitsausfällen gekommen wäre
, ist
aber
nicht
aktenkundig.
Im Sommer 2013 sch
loss der Kläger
die Ausbildung als Sozialpä
dagoge
innert der vorgegebenen Zeit
von drei Jahren
sodann
erfolgreich ab.
Am
1
5.
August 2013 gab er
gegenüber der IV-Stelle an, dass er auf Stellensuche sei und sich in der Lage fühle, eine
Arbeit mit wenig handwerklichem
Anteil in vollem Umfang auszuüben.
Gleichentags teilte die IV-Stelle ihm mit, dass die beruflichen Massnahmen erfolgreich abgeschlossen seien und er als rentenaus
schliessen
d eingliederbar gelte (
Urk.
17/2
/140).
Ab dem
8.
August 2013 bezog der Kläger
denn auch Arbeitslosenentschädigung bei einer Vermittlungsfähigkeit von 100
%
einer Vollzeitbeschäftigung (
Urk.
44 S. 3 und
Urk.
17/3/33/1). Ab dem
1.
Februar 2014
war er
zunächst
in einem 60%-Pensum als Sozialpädagoge
bei der Schuls
tiftung
D._
tätig
(
Urk.
17/3/35
)
und bezog für das übrige Pensum von
40
%
weiterhin
Arbeitslosenentschädigung
(Urk.
17/3
/33
/1 und
Urk.
17/3/42/3
).
Gegenüber den Gutachtern des
F._
bestätigte
er
ausdrücklich, dass er bei der Schuls
tiftung
D._
nur in einem 60%-Pensum gearbeitet habe, weil es eine 6
0%-Stelle gewesen sei (Urk.
17/3
/74/9).
4.3
Mit Blick darauf, dass die Täti
gkeiten des Klägers als Betreuer
/
Sozialpädagoge (in Ausbildung)
und
als
Student
leistungsmässig
und
vom
(körperlichen)
Anfor
derungsprofil vergleichbar waren mit derjenigen als
Webdesigner
(vgl. E. 1.4), kann vor diesem Hintergrund davon ausgegangen werden, dass er nach
der Aufnahme
des Studiums im August 2010
wieder über einen längeren Zeitraum zu mehr als 80 % a
rbeits- und leistungsfähig war
.
Z
u diesem Schluss kamen
im Wesentlichen
auch die
Ärzte des
F._
im Gutachten
vom 1
5.
Dezember 2016
,
welche
ihm
in der Tätigkeit
als Sozialpädagoge
erst ab Februar 2014
eine
Arbeitsunfähigkeit
(40
%
)
attestierten
(
Urk.
17/3/74/19
).
Dies, nachdem Dr.
H._
erst
im Rahmen der
im März 2015 durchgeführten
bildgebenden
Untersuchungen eine (leichte) Progression der Ar
t
hrose am linken Handgele
nk festgestellt hatte (
Urk.
17/3
/34/6
).
Zudem ist zu beachten, dass der Kläger in der Tätigkeit als Webdesigner
bei
de
r Y._
in einem 100%-Pensum im Jahr 2008 ein Bruttoeinkommen von
Fr.
92‘387.-- erzielt hätte (Urk.
17/2/51/3). Als Sozialpädagoge hätte er bei der Schulstiftung
D._
per
1.
März 2015 bei einem
Vollpensum ein Einkommen von brutto
Fr.
88‘809.-- pro Jahr erwirtschaftet (
Urk.
2/8). Auch unter Berücksichtigung der Nominallohnent
wicklung in den Jahren 2009 bis 2015
(
vgl. Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1942 bis 2018, T39)
war es ihm daher grundsätzlich möglich, als Sozialpädagoge ein klar
rentenausschliessendes
Ei
nkommen zu erzielen (vgl. E.
1.3
).
Aufgrund dessen
, dass ein
Minderverdienst bzw. eine
Erwerbseinbusse
von ca. 20
%
Voraussetzung für
eine
Umschulung
bildet
(BGE 130 V 488)
,
lässt
sich
nicht auf
eine
während der
gesamten
Umschulung andauernde
, mind
estens 20%ige
Arbeits- respektive Erwerbsunfähigkeit
schliessen
.
Dasselbe gilt
vorliegend
auch für den Umstand, dass
Zeiten, in welchen Arbeitslosenentschädigung bezogen wird, nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden kann wie Zeiten effektiver
Erwerbstätigkeit (vgl. E. 1.2)
.
4.4
Der zeitl
iche Konnex zwischen der ab Mai 2007 attestierten
Arbeitsunfähigkeit
aufgrund der Handgelenksbeschwerden links
und der
von den Gutachtern des
F._
ab Februar 2014
attestierten Arbeitsunfähigkeit wurde somit unterbrochen.
Mit den Gutachtern des
F._
ist davon auszugehen, dass d
ie Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Inva
lidität
des Klägers
geführt hat,
im
Februar 2014
eintrat
. Damals war der Kläger bei der Beklagten
2 und bei der Beigeladenen
berufsvor
sorgeversichert.
Dass zwischen der
ab Februar
2014 attestierten Arbeitsunfähig
keit und der ab dem
1.
Juli 2015 eingetretenen Invalidität ein enger sachlicher
Zusammenhang besteht, ist im Übrigen
unbestritten. Der von der IV-Stelle Thurgau festgesetzte Rentenbeginn und der von ihr ermittelte Invaliditätsgrad von 86
%
wurde
n
von der Beklagten 2 und der Beigeladenen n
icht in Zweifel gezogen und geben
nicht Anlass zu Weiterungen.
Die Beklagte 2 und die Beigeladene sind
deshalb g
rundsätzlich leistungspflichtig.
Anzumerken ist jedoch, dass die Beigeladene in diesem Urteil nicht zu Leistungen verpflichtet werden kann. Die Wirkung der Beiladung erschöpft sich vielmehr darin, dass sich die Beigeladene den rechtskräftigen
Entscheid in einem anderen
Verfahren entgegenhalt
en lassen müsste (
Urteil des Bundesgerichts 9C_198/2017 vom 2
9.
August 2017 E. 3.2.2 mit Hinweisen
).
Damit ist auch gesagt, dass ein Anspruch auf Invalidenleistunge
n gegenüber der Beklagten
3
ausser
Betracht fällt.
Bei der Beklagten 1 war der Kläger gar nicht berufsvorsorgeversichert.
5
.
5
.1
Im Weiteren ist zu prüfen, wie es sich mit der von der Beklagten 2 geltend gemachten Anzeigepflichtverletzung des Klägers verhäl
t.
5
.2
Während in der obligatorischen beruflichen Vorsorge Gesundheitsvorbehalte ausgeschlossen sind, dürfen die Vorsorgeeinrichtungen
gemäss
Art. 331c des Obligationenrechts (OR) im weitergehenden Vorsorgebereich und im
ausserobli
gatorischen
Vorsorgebereich für die Risiken Tod und Invalidität einen Vorbehalt aus gesundheitlichen Gründen anbringen, welcher höchstens fünf
Jahre dauern darf (
Walser
,
in: Schneider/Geiser/
Gächter
,
BVG
und
Bundesgesetz über die Frei
zügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
[
FZG
]
,
Bern 2010,
N. 1 ff. zu Art. 14 mit Hinweisen).
Gesundheitsvorbehalte werden
regelmässig
ausgesprochen, nachdem die eintre
tende Person einen Gesundheitsfragebogen oder ein entsprechendes Anmeldefor
mular ausgefüllt hat (vgl. Walser, a.a.O., N. 10 zu Art. 14).
Gemäss
ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts richten sich die Verletzung der Anzeige
pflicht und deren Folgen im Bereich der weitergehenden beruflichen Vorsorge nach den statutarischen und/oder reglementarischen Normen. Falls derartige statutarische oder reglementarische Bestimmungen fehlen sollten, kommen sub
sidiär und analogieweise die Bestimmungen von Art. 4 ff.
des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG)
zur Anwendung (vgl. BGE 134 III 511 E. 3.1).
Nach der Rechtsprechung weist die Anzeigepflicht des Antragstellers keinen umfassenden Charakter auf. Sie beschränkt sich vielm
ehr auf die Angabe jener Gefahr
tatsachen, nach denen der Versicherer ausdrücklich und in unzweideutiger Art gefragt hat. Der Antragsteller ist somit nicht verpflichtet, von sich aus über bestehende Gefahren Auskunft zu geben
(BGE 134 III 511 E. 3.3.2; 116 II 338
E. 1a; 116 V 218 E. 5a
und
Urteil
des Bundesgerichts
4A_134/2013 vom 1
1.
Sep
tember 2013 E. 4.1). Die Tragweite der einzelnen Fragen bestimmt sich - gleich wie der Vertragsinhalt - nach dem Vertrauensprinzip. Es ist dabei darauf abzu
stellen, was vernünftigerweise gemeint sein muss und der konkrete Antragsteller annehmen darf, wenn er über die Fragen der Versicherungsgesellschaft in der vom VVG verlangten Weise ernsthaft nachdenkt
(BGE 136 III 334 E. 2.3; 118 II 333 E. 2b).
5.3
Ge
mäss
Ziff.
3.4
Abs.
2
des Vorsorgereglements der Beklagten 2
ist die
versicherte Person
verpflichtet, die im Aufnahmeformular enthaltenen Fragen vollständig und wahrheitsgetreu zu beantwort
en
.
Wenn die versicherte Person die Fragen falsch beantwortet oder Gefahrtatsachen oder indizierende Umstände, die sie kannte oder kennen musste, verschweigt, so ist die
Stiftung befugt,
innert sechs Monaten seit Kenntnis den Vertrag der überobligatorischen Vorsorge ganz oder
teilweise zu kündigen und jegliche Leistungen und Beitragsbefreiungsan
sprüche daraus ganz oder teilweise zu verweigern oder auch nur für diesen Fall der geltend gemachten Anzeigepflichtverletzung
jegliche Leistungen aus dem Vertrag der überobligatorischen Vorsorge ganz oder teilweise zu verweigern und zwar unabhängig dav
on, ob die verschwiegene Gefahr
tatsache oder der verschwiegene indizierende Umstand im Zusammenhang mit dem Eintritt
des versicherten Risikos steht (
Abs.
3;
Urk.
13/8).
Die Folgen der Anzeigepflichtverletzung sind im Reglement der Beklagten
2
somit
umfassend und
abschliessend
geregelt. Für eine subsidiäre
Anwendung des VVG besteht demnach
kein Raum.
5
.4
Im Anmeldeformular zur beruflichen Vorsorge der Beklagten 2
, das der Kläger am
7.
Februar 2014 ausfüllte,
wurde
gefragt, ob er die Arbeit in den letzten drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen für mehr als zwei Wochen ganz oder teil
weise habe unterbrechen müssen. Dies verneinte
er
. Z
udem wurde
die Frage gestellt, ob ihm Rentenleistungen einer Sozialversicherung (zum Beispiel IV, UV, MV, Pensionskasse) zustehen würden oder ob er solche beantragt habe. Auch dies verneinte der Kläger
(
Urk.
13/7).
Die Frage, ob der Kläger Rentenleistungen einer Sozialversicherung beziehe oder beantragt habe, hat er
zum damaligen Zeitpunkt
zu Recht verneint.
Da der Kläger das
ursprüngliche, von der
A._
im Rahmen der Ausbildung zum Sozialpäda
gogen empfohlene
60%
-Pensum bei der
B._
AG
aufgrund der
Handgelenks
beschwerden links
per
1.
Oktober 2010
dauerhaft
auf ein 50%-Pensu
m
reduzie
ren
musste und danach
ab dem
1.
Dezember 2011
auch bei der
C._
bis zum Abschluss der Ausbildung als Sozialpädagoge im Sommer 2013 lediglich
noch
in einem 50%-Pensum
gearbeitet hat
(vgl. E. 4.2)
, hätte er die Frage,
ob er die Arbeit in den letzten
drei
Jahren aus gesundheitlichen Gründen für mehr als zwei Wochen ganz oder teilweise habe unterbrechen müssen,
indes
bejahen
müssen.
Das Vorliegen einer Anzeigepflichtverletzung ist demnach zu bejahen.
Nachdem die Beklagte 2 den Vertrag der überobligatorischen Vorsorge mit Schreiben vom 1
1.
Januar 2016
unbestrittenermassen
rechtzeitig innert der sechsmonatigen Frist seit Kenntnis der Anzeigepflichtverletzung per
1.
Februar 2016 gekündigt hat (
Urk.
2/13), ist sie
somit
nicht zu Leistungen aus dem über
obligatorischen Vorsorgeverhältnis verpflichtet.
6
.
6.1
Der Kläger hat demnach mit
Wirkung ab dem
1.
Juli 2015
Anspruch auf eine volle Invalidenrente der Beklagten
2
gemäss
BVG
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_326/2014 vom 28. September 2014 E. 5.2).
Die Festsetzung des ge
setzlichen
Leistungsanspruchs in
masslicher
Hinsicht bleibt
praxisgemäss
einstweilen der Beklagten
2
überlassen; in einem allfällig diesbezüglich sich ergebenden Streitfall stünde dem Kläger erneut der Klageweg offen (vgl. BGE 129 V 450).
6.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105 Abs. 1
OR
anwendbar ist. Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet, vorliegend mithin ab dem
1
8.
Juli 2018
(
Urk.
1).
Der Zinssatz beträgt 5 %, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 135 E. 4c).
Das Vorsorgereglement
der Beklagten 2 sieht in Ziff.
4.8.3 Abs. 7
vor,
dass der bei Verzug geschuldete Verzugszins dem BVG-Mindestzinssatz (Art. 15 Abs. 2 BVG in Verbindung mit Art. 12
der
Verordnung über die
beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge,
BVV 2) entspricht
(
Urk.
13/8).
Der BVG-Mindestzinssatz liegt seit
dem
1. Ja
nuar 2017 bei 1 % (
Art.
12
lit
. j
BVV 2).
6.3
In teilweiser
Gutheissung
der gegen sie gerichteten Klage ist d
ie Beklagte
2
dem
zufolge
zu verpflichten, dem Kläger mit Wirkung ab dem
1.
Juli 2015
basierend au
f einem Invaliditätsgrad von 86
% eine volle Invalidenrente
gemäss
BVG
zuzüglich Verzugszinsen von 1 % seit dem
1
8.
Juli 2018
für die bis dahin fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
sowie für die übrigen ab dem jeweiligen Fällig
keitsdatum auszurichten.
Im Übrigen
ist die gegen die Beklagte 2 gerichtete Klage abzuweisen.
Die gegen die Beklagte 1 und die Beklagte 3 gerichtete Klage
ist abzuweisen. Die von der Beklagten 1 beantragte Entlassung aus dem Verfahren ist
hier
nicht möglich.
7.
Gemäss
§ 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
haben die Parteien nach
Massgabe
ihres Obsiegens Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Partei
kosten. Dieser wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Unter Berück
sichtigung
der
massgeblichen
Kriterien
erscheint die
Zusprache
einer
reduzierten
Prozessentschädigung für den anwaltlich vertretenen Kläger von Fr.
2‘
6
00
.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) als angemessen.
Den obsiegenden Vorsorgeeinrichtungen (Beklagte 1 und Beklagte 3) ist keine Prozessentschädigung zuzusprechen (B
GE 126 V 143 E. 4a mit Hinweis
).
Das Gericht
erkennt:
1.
In teilweiser
Gutheissung
der gegen sie gerichteten Klage
wird die Beklagte
2
verpflich
tet, dem Kläger mit
Wirkung ab dem
1.
Juli 2015
basierend auf einem Invalidit
ätsgrad von 86
%
eine volle Invalidenrente
gemäss
BVG
zuzüglich Verzugszinsen v
on 1 % seit dem 1
8.
Juli 2018
für die bis dahin fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
sowie für die übrigen ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum auszurichten.
Im Übrigen wird die gegen die Beklagte 2 gerichtete Klage
abgewiesen.
Die gegen die Beklagte 1
und die Beklagte 3
gerichtete Klage wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beklagte 2 wird
verpflichtet,
dem Kläger
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2‘
6
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
Der Beklagten 1 und der Beklagten 3 wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Nadja Hirzel
-
AXA Leben AG
-
Allianz Suisse
-
Rechtsanwältin
Dr.
Elisabeth
Glättli
-
Stiftung Auffangeinrichtung BVG
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
5.