Decision ID: a3b4795a-6894-5942-8681-c6115316ee10
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 19. Januar 2018 bei der Gemeinde Heimiswil ein
Baugesuch ein für eine Gebäudeerweiterung (Anbau an das bestehende Betriebsgebäude)
sowie die Überdachung eines Lagerplatzes für Brennholz und Leergut auf Parzelle
RA Nr. 110/2019/32 2
Heimiswil Grundbuchblatt Nr. F._.1 Die Parzelle liegt in der Dorfzone D2. Im
Verlauf des Baubewilligungsverfahrens wurde das Bauvorhaben mit einer Projektänderung
angepasst, weil die Gemeinde Bedenken hinsichtlich der Einhaltung des Grenzabstands
geäussert hatte. Für den Anbau an das Betriebsgebäude wurde die Bewilligung einer
Ausnahme von den Vorschriften betreffend die Dachneigung beantragt. Gegen das
Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache.
Mit Entscheid vom 25. Januar 2019 erteilte die Gemeinde Heimiswil die Baubewilligung.
Die Einsprache wies sie ab.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 21. Februar 2019 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragten die
Aufhebung des Entscheids vom 25. Januar 2019 und die Erteilung des Bauabschlags. Sie
machten insbesondere geltend, bei der Erweiterung des Betriebsgebäudes werde der
vorgeschriebene Grenzabstand nicht eingehalten. Die Voraussetzungen einer
Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung der minimalen Dachneigung seien nicht
erfüllt. Auch beim gedeckten Lagerplatz für Brennholz werde der minimale Grenzabstand
unterschritten.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde beantragte mit Stellungnahme
vom 26. März 2019 die Abweisung der Beschwerde. Auch der Beschwerdegegner
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 27. März 2019 die Abweisung der Beschwerde.
4. Mit Verfügung vom 30. April 2019 teilte das Rechtsamt den Verfahrensbeteiligten mit,
dass aufgrund einer summarischen Prüfung fraglich erscheine, ob der Grenzabstand beim
Anbau an das Betriebsgebäude und beim gedeckten Lagerplatz eingehalten sei. Es lud die
Beteiligten zur Stellungnahme ein und gab dem Beschwerdegegner Gelegenheit zur
Einreichung einer Projektänderung. Die Gemeinde Heimiswil hielt mit Schreiben vom
1 Vgl. angefochtener Entscheid, Ziff. 1.1 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
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17. Mai 2019 an ihrer Auffassung fest, wonach das Bauvorhaben bewilligungsfähig und die
Beschwerde abzuweisen sei. Die Beschwerdeführenden teilten mit Stellungnahme vom
17. Mai 2019 mit, dass sie an ihrer Beschwerde festhielten. Der Beschwerdegegner reichte
am 20. Mai 2019 eine Projektänderung ein.
Das Rechtsamt gewährte den Beteiligten zu der Projektänderung das rechtliche Gehör. Die
Beschwerdeführenden teilten mit Eingabe vom 11. Juni 2019 mit, ihres Erachtens seien die
Bauabstände nun eingehalten. Die Gemeinde erachtete das geänderte Projekt mit
Stellungnahme vom 12. Juni 2019 als bewilligungsfähig.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Dies gilt auch, soweit sich die Beschwerde gegen die
Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung der Dachneigung wendet. Werden neben der
Baubewilligung weitere Bewilligungen angefochten, werden die Verfahren im
Baubeschwerdeverfahren vereinigt und mit einem Gesamtentscheid erledigt (Art. 2a Abs. 2
Bst. d BauG).
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2
BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den
vorinstanzlichen Entscheid formell und als Nachbarn auch materiell beschwert und daher
zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde
ist einzutreten.
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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2. Projektänderung
Der Beschwerdegegner hat am 20. Mai 2019 eine Projektänderung eingereicht. Die
Gebäudeerweiterung (Anbau an das Betriebsgebäude) wurde verkleinert, so dass der
Grenzabstand gegen Süden nun 5,6 m (statt vorher 4 m) beträgt. Zudem wurde die Fläche
des gedeckten Lagerplatzes verkleinert mit dem Ziel, dass die reduzierten
Grenzabstandsvorschriften für Nebenbauten zur Anwendung gelangen. Damit will der
Beschwerdegegner den vom Rechtsamt in seiner Verfügung vom 30. April 2019
geäusserten Bedenken betreffend Einhaltung des Grenzabstands Rechnung tragen.
Nach Art. 43 Abs. 3 BewD4 kann eine Projektänderung im Baubeschwerdeverfahren
erfolgen. Vorausgesetzt ist, dass das Bauvorhaben in seinen Grundzügen gleich bleibt (Art.
43 Abs. 1 BewD). Dies ist hier der Fall, da lediglich die Dimensionen der
Gebäudeerweiterung (Anbau an das Betriebsgebäude) und des gedeckten Lagerplatzes
leicht geändert werden.
Das geänderte Projekt tritt an die Stelle des ursprünglichen Bauprojekts; mit der Vorlage
der Projektänderung gilt das ursprüngliche Gesuch im Umfang der Änderung als
zurückgezogen. Die BVE beurteilt demnach im Beschwerdeverfahren das geänderte
Projekt. Sie kann die Sache zur Weiterbehandlung an die Vorinstanz zurückweisen;
vorliegend drängt sich dies jedoch nicht auf. Zur Projektänderung sind die Gemeinde, die
Gegenpartei und die von der Projektänderung berührten Dritten anzuhören. Diese
Anhörung ist im Beschwerdeverfahren erfolgt.
3. Grenzabstand bei der Gebäudeerweiterung (Anbau an das Betriebsgebäude)
a) In ihrer Beschwerde machten die Beschwerdeführenden geltend, aus dem
angefochtenen Entscheid gehe nicht hervor, wie die Gemeinde den Grenzabstand bei der
Gebäudeerweiterung berechne und wie sie zum Schluss komme, dass dieser eingehalten
sei. Damit werde der Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör verletzt.
Ihres Erachtens sei auch unter Berücksichtigung der Bestimmungen über den Winkelbau
der Grenzabstand nicht eingehalten.
4 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörde die Vorbringen der
Betroffenen sorgfältig prüft und beim Entscheid berücksichtigt. Daraus ergibt sich die
Pflicht der Behörde, ihre Verfügung zu begründen (Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG5). Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde
muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit
den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.6
Die Ausführungen im angefochtenen Entscheid zur Einhaltung des Grenzabstands bei der
Gebäudeerweiterung am Betriebsgebäude sind sehr knapp. Die Gemeinde erwog, dass die
Einsprechenden (heutige Beschwerdeführende) geltend machten, es sei zweifelhaft, ob
das Gemeindebaureglement die Berechnungsweise des Grenzabstands bei Winkelbauten
auch für bestehende Bauten zulasse. Die Baukommission habe beschlossen, dass dies
bejaht werden könne. Aus dem Zusammenhang, insbesondere mit der Einsprache der
Beschwerdeführenden vom 24. Mai 20187 und den Plänen wird klar, dass die Gemeinde
die Anwendung auf eine bestehende Baute meint, die durch das zu beurteilende
Bauvorhaben erst zur Winkelbaute wird.
Der angefochtene Entscheid nennt die Rechtsgrundlage für die Berechnung des
Grenzabstands bei Winkelbauten nicht. Die Gemeinde durfte jedoch, insbesondere bei
Berücksichtigung der Einsprache der Beschwerdeführenden, davon ausgehen, dass
diesen die Regelung in Art. 14 GBR8 bekannt war. Diese Bestimmung regelt den
Grenzabstand gegenüber nachbarlichem Grund. Sie enthält u.a. zwei mit Legenden
kommentierte Grafiken betreffend die Berechnung des Grenzabstands bei Winkelbauten.
Unter der zweiten Grafik erläutert die Legende, dass der grosse Grenzabstand von der
mittleren Abstandslinie aus und rechtwinklig zur Fassade gemessen wird, und dass er sich
aus der Gesamtlänge des Gebäudes errechnet. Obwohl die Darstellung, zumal für Laien,
nicht leicht verständlich ist, kann die Berechnung des Grenzabstands bei Winkelbauten
5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 6 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5 7 Vorakten, pag. 27 f. 8 Baureglement der Gemeinde Heimiswil vom 15. Dezember 2002, genehmigt vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) am 18. März 2003
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dem Gemeindebaureglement bei sorgfältigem Lesen entnommen werden. Daher wurde die
Begründungspflicht bzw. der Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör
mit der sehr knappen Begründung – unabhängig von deren inhaltlicher Richtigkeit – nicht
verletzt.
c) Das Rechtsamt hat den Verfahrensbeteiligten mit Verfügung vom 30. April 2019
mitgeteilt, dass bei summarischer Prüfung fraglich erscheine, ob der Grenzabstand bei der
Gebäudeerweiterung (Anbau an das Betriebsgebäude) eingehalten sei. Nach Art. 14 GBR,
Legende zur Grafik "Winkelbau", werde der grosse Grenzabstand von der mittleren
Abstandslinie aus gemessen. Einzelne Gebäudeteile könnten dabei bis zum kleinen
Grenzabstand an die Grundstücksgrenze reichen, wobei ein allfälliger Mehrlängen- oder
Mehrbreitenzuschlag zu berücksichtigen sei. Gemäss Art. 32 Abs. 1 GBR gelte in der Zone
D2 ein kleiner Grenzabstand von 4 m. Nach Art. 32 Abs. 2 GBR erhöhten sich die
Grenzabstände für Gebäude, die über 20 m lang seien, auf den betreffenden Längsseiten
um 1/5 der Mehrlänge. Beim vorliegenden Projekt sei das Gebäude über 20 m lang. Der
Grenzabstand erhöhe sich entsprechend. Die Projektpläne sähen vor, dass der Anbau bis
zu 4 m an die südöstliche Parzellengrenze reiche. Bei Berücksichtigung des
Mehrlängenzuschlags würde damit der kleine Grenzabstand unterschritten.
Mit der Projektänderung vom 20. Mai 2019 wurde die Gebäudeerweiterung so
redimensioniert, dass der Grenzabstand zur südseitigen Parzellengrenze neu 5,60 m
beträgt.
Damit wird den Bedenken des Rechtsamtes Rechnung getragen und der Grenzabstand bei
der Gebäudeerweiterung am Betriebsgebäude ist nunmehr eingehalten. Die Anwendung
der kommunalen Vorschrift über die Berechnung des Grenzabstands bei Winkelbauten auf
Bauvorhaben, die ein bestehendes Gebäude erst zu einem Winkelbau machen, ist in
Anbetracht der Gemeindeautonomie nicht zu beanstanden. Nach Art. 14 Abs. 3 GBR gilt
der grosse Grenzabstand für die besonnte Längsseite des Gebäudes, also vorliegend für
die Südseite mit der projektierten Gebäudeerweiterung. In der Zone D2 beträgt der grosse
Grenzabstand 6 m (Art. 32 Abs. 1 GBR). Hinzu kommt bei über 20 m langen Gebäuden ein
Mehrlängenzuschlag von 1/5 der Mehrlänge (Art. 32 Abs. 2 GBR). Beim vorliegenden 28 m
langen Gebäude9 beträgt die Mehrlänge 8 m und der Mehrlängenzuschlag folglich 1,6 m.
9 Vgl. Situationsplan vom 16. Mai 2019, von der BVE gestempelt am 21. Mai 2019
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Demnach muss das Bauvorhaben gegenüber der südlichen Parzellengrenze einen
Abstand von 7,6 m einhalten, wobei von der mittleren Abstandslinie aus und rechtwinklig
zur Fassade gemessen wird. Diese Voraussetzung war bereits beim Ursprungsprojekt
erfüllt.10 Zudem ist aber zu beachten, dass bei dieser Berechnungsweise zwar einzelne
Gebäudeteile einen geringeren Abstand zur Parzellengrenze aufweisen können, dieser
aber den kleinen Grenzabstand einschliesslich eines allfälligen Zuschlags nicht
unterschreiten darf.11 In der Zone D2 beträgt der kleine Grenzabstand 4 m (Art. 32 Abs. 1
GBR). Bei Hinzurechnung des Mehrlängenzuschlags von 1,6 m muss also jeder
Gebäudeteil einen Abstand von 5,6 m zur Parzellengrenze wahren. Wie der
Beschwerdegegner mit Eingabe vom 20. Mai 2019 zutreffend ausführt, ist mit dem
geänderten Projekt auch diese Voraussetzung erfüllt. Die Beschwerdeführenden
anerkennen dies mit Stellungnahme vom 11. Juni 2019.
4. Grenzabstand gedeckter Lagerplatz
a) Die Beschwerdeführenden kritisierten in ihrer Beschwerde, dass der geplante
gedeckte Lagerplatz die Grenzabstandsvorschriften nicht einhalte. Es sei vorgesehen,
dass eine grosse, bis 0,5 m an die Parzellengrenze reichende Überdachung von schmalen
Stützen getragen werde. Entgegen der Ansicht der Gemeinde sei der Grenzabstand nicht
von den Stützen aus zu messen. Vielmehr sei zu berücksichtigen, dass nicht nur die
Fläche zwischen den Stützen, sondern die gesamte überdachte Fläche als Lagerplatz
genutzt werden solle. Damit werde die Grundfläche einer Nebenbaute, für die gemäss Art.
15 GBR ein reduzierter Grenzabstand gilt, überschritten.
b) Das Rechtsamt hat den Verfahrensbeteiligten mit Verfügung vom 30. April 2019
mitgeteilt, dass gemäss summarischer Prüfung als fraglich erscheine, ob beim gedeckten
Lagerplatz der Grenzabstand eingehalten werde. Bei freistehenden Dachkonstruktionen
werde die Fläche nach der Praxis anhand einer am Dachrand verlaufenden fiktiven
Fassadenlinie ermittelt, allenfalls unter Annahme eines Vordaches. Vorliegend seien wohl
Fassadenlinien entsprechend dem Umriss des unter der Dachkonstruktion gestapelten
Holzes anzunehmen. Gestützt auf die Angaben des Beschwerdegegners sei davon
auszugehen, dass Holz auf einer Fläche von 48 m2 gestapelt werden solle, so dass allseitig
10 Vgl. Vorakten, pag. 49 11 Vgl. KPG-Bulletin 6/1989, S. 10 f.
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ein Dachvorsprung von 0,50 m bestünde. Damit wäre die Grundfläche einer Nebenbaute
nach Art. 15 GBR überstiegen und der Grenzabstand wäre weder für Neben- noch für
Hauptbauten eingehalten.
c) Mit der Projektänderung vom 20. Mai 2019 wurde der Lagerplatz etwas verschoben
und so redimensioniert, dass eine Grundfläche von 40 m2 resultiert und der Abstand zur
Parzellengrenze 2 m beträgt, wenn allseitig ein Dachvorsprung von 0,50 m angenommen
wird.12 Damit wird den Bedenken des Rechtsamtes Rechnung getragen. Aufgrund der
plausiblen Ausführungen des Beschwerdegegners ist davon auszugehen, dass unter der
Überdachung Holz so gestapelt wird, dass allseitig ein Dachvorsprung von 0,50 m besteht.
Im Zuge der Projektänderung wurden die Stützen der Überdachung verbreitert, so dass
das Dach nur noch um 0,50 m über diese hinausragt. Die mit den Stützen begrenzte
Fläche stimmt also nun mit der für den Holzstapel anzunehmenden Grundfläche überein.
Diese Fläche ist für die Bestimmung des Grenzabstands massgebend.13
Nach Art. 15 Abs. 1 GBR genügt im Baugebiet für Nebenbauten, die nicht für den
dauernden Aufenthalt von Menschen oder Tieren bestimmt sind, allseitig ein Grenzabstand
von 2 m, sofern die Gebäudehöhe 3 m und die Grundfläche 40 m2 nicht übersteigen. Beim
gedeckten Lagerplatz gemäss der Projektänderung handelt es sich um eine solche
Nebenbaute, da ihre Grundfläche 40 m2 beträgt und die Höhe 3 m.14 Demnach ist ein
Grenzabstand von 2 m einzuhalten. Zu messen ist gemäss dem Gesagten von der
angenommenen Grundfläche des Holzstapels bzw. von den verbreiterten Dachstützen aus.
Der vorgeschriebene Grenzabstand von 2 m ist eingehalten. Dies anerkennen auch die
Beschwerdeführenden in ihrer Stellungnahme vom 11. Juni 2019.
5. Ergebnis
a) Mit der Projektänderung vom 20. Mai 2019 wurde das Bauvorhaben so angepasst,
dass die Grenzabstandsvorschriften nunmehr eingehalten sind. Die Beschwerde wird damit
gegenstandslos.
12 Plan "Holzlager, Projektänderung" im Mst. 1:100 vom 16. Mai 2019, von der BVE gestempelt am 21. Mai 2019 13 Vgl. VGE 2014/183 vom 30. März 2015, E. 4 14 Plan "Holzlager, Projektänderung" im Mst. 1:100 vom 16. Mai 2019, von der BVE gestempelt am 21. Mai 2019
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Die Beschwerdeführenden vertraten in ihrer Beschwerde zwar auch die Ansicht, dass die
Ausnahmebewilligung zur Unterschreitung der minimalen Dachneigung bei der
Gebäudeerweiterung (Anbau an das Betriebsgebäude) zu Unrecht erteilt worden sei. Sie
führten dazu jedoch aus, es könne nicht sein, dass nur mit dieser Ausnahmebewilligung die
Gebäudehöhe im Zusammenhang mit dem Grenzabstand eingehalten werde. Die Rüge
betreffend die Dachneigung wurde demnach nicht als eigenständige Rüge, sondern nur im
Zusammenhang mit der geforderten Einhaltung der Grenzabstandsvorschriften
vorgebracht. Die Befürchtung der Beschwerdeführenden, dass die Ausnahmebewilligung
für die Dachgestaltung sich auf die Bemessung des Grenzabstands auswirkt, ist jedoch
unbegründet. Dieser Zusammenhang besteht nicht. Die Beschwerdeführenden haben denn
auch mit Stellungnahme vom 11. Juni 2019 erklärt, dass mit der Projektänderung ihre
Anliegen hinsichtlich der Wahrung der Grenzabstände erfüllt seien.
b) Im Übrigen wäre die Bewilligung der Unterschreitung der vorgeschriebenen
Dachneigung auch dann nicht zu beanstanden, wenn die Rüge betreffend die Dachneigung
eigenständige Bedeutung hätte. Bei der Gebäudeerweiterung am Betriebsgebäude
müssen die Vorschriften des Gemeindebaureglements über die Dachgestaltung bei
Hauptdächern eingehalten werden, da diese die Dimensionen einer An- oder Nebenbaute
gemäss Art. 15 GBR überschreitet. In der Zone D2 sind als Dachformen für Hauptbauten
Satteldächer (eventuell mit Gehrschild, Bruch, und/oder Kreuzfirst) sowie Mansard-, Walm-
und Zeltdächer erlaubt (Art. 23 Abs. 1 GBR). Ein Pultdach auf einem Hauptbau ist in der
Zone D2 nicht erlaubt. Die Dachneigung der Hauptdachflächen darf in der Regel 25° nicht
unter- und 45° nicht überschreiten und soll allseitig gleich sein (Art. 23 Abs. 3 GBR).
Gemäss dem Plan "Grundriss / Schnitt A – A"15 beträgt die Dachneigung bei der
Gebäudeerweiterung 15°. Damit ist die Dachneigung bei der Gebäudeerweiterung geringer
als beim bestehenden Betriebsgebäude, d.h. es resultiert ein Bruch in der Dachneigung.16
Ob diesfalls die vorgeschriebene Neigung unterhalb des Bruchs unterschritten werden darf,
wird im Gemeindebaureglement nicht explizit geregelt. Angesichts der Formulierung der
Dachneigungsvorschriften, wonach die Dachneigung der Hauptdachflächen "in der Regel"
25° nicht unterschreiten und 45° nicht überschreiten darf und allseitig gleich sein "soll",
15 Plan im Mst. 1:100 vom 16. Mai 2019, von der BVE gestempelt am 21. Mai 2019 16 Vgl. auch die Pläne "Ostfassade" sowie "Westfassade", beide im Mst. 1:100 vom 16. Mai 2019, von der BVE gestempelt am 21. Mai 2019
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erscheint es jedenfalls vertretbar, dass die Gemeinde zugunsten einer besseren
Wohnhygiene eine Abweichung von den Dachgestaltungsvorschriften erlaubt hat. Der
Beschwerdegegner macht ausserdem darauf aufmerksam, dass mit der vorgesehenen
Gestaltung das Dach der Gebäudeerweiterung auf der selben Linie an das bestehende
Dach des Betriebsgebäudes ansetzt, auf der dieses links davon aufhört, so dass die
Südfassade optisch ansprechend aussieht.17 Dank der geringen Dachneigung könne die
Gebäudeerweiterung auch mit dieser Linienführung eine nützliche Grösse aufweisen.18
Unter gestalterischen Gesichtspunkten erscheint es als sinnvoll, dass für die
Gebäudeerweiterung eine Gestaltungsweise gewählt wurde, die das
Gemeindebaureglement für Pultdächer bei Anbauten vorsieht (Dachneigung 10°-18°, Art.
23 Abs. 3 GBR). Für die Bewilligung der geringen Dachneigung bestehen demnach gute
Gründe, während keine wesentlichen entgegenstehenden Interessen erkennbar sind.
c) Andere Gründe, die gegen die Erteilung der Baubewilligung für das geänderte Projekt
sprechen, werden nicht vorgebracht und sind nicht ersichtlich. Das Bauvorhaben gemäss
Projektänderung vom 20. Mai 2019 kann daher bewilligt und das Beschwerdeverfahren im
Übrigen als gegenstandslos abgeschrieben werden.
6. Kosten
a) Der Beschwerdegegner sorgt mit der Projektänderung für die Gegenstandslosigkeit
der Beschwerde. Er gilt als unterliegende Partei im Sinne von Art. 108 Abs. 1 VRPG.
Demnach hat er die Verfahrenskosten zu tragen. Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'200.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV19).
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
17 Vgl. Plan "Südfassade" im Mst. 1:100 vom 16. Mai 2019, von der BVE gestempelt am 21. Mai 2019 18 Beschwerdeantwort, S. 5 19 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2019/32 11