Decision ID: 404be4fd-e918-4779-9233-3930c7de111e
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Q. GmbH mit Sitz in X. ist seit dem 27. Februar 2009 im Handelsregister des
Kantons St. Gallen eingetragen. Ihr Hauptzweck besteht im Wesentlichen im Betrieb
eines Bodenlegergeschäfts sowie dem Import und Export von Waren aller Art. Einziger
Gesellschafter und Geschäftsführer ist A.Y. Im Rechnungsabschluss per 31. Dezember
2013 wies sie einen Gewinn von CHF 6‘820.85 aus.
B. Im Rahmen der Steuerveranlagungen 2012 bis 2014 forderte das kantonale
Steueramt die Q. GmbH auf, die Steuererklärungen – insbesondere auch für das Jahr
2013 – mit verschiedenen Unterlagen (bspw. Detailkontenblätter) und Kontoauszügen
zu ergänzen. Die Q. GmbH reichte in der Folge zwar eine handschriftlich ausgefüllte
Tabelle „Kassenblatt/Abrechnungsblatt“ sowie zwei Kontoauszüge ein; die weiteren
angeforderten Unterlagen blieb sie jedoch - trotz weiterer Aufforderungen - schuldig.
Mit Schreiben vom 3. März 2016 wurde die Q. GmbH deshalb darüber informiert, dass
bei Ausbleiben der bereits mehrmals angeforderten Buchhaltungs-Detailkontenblätter
mit einer Veranlagung nach Ermessen gerechnet werden müsse. Nachdem keine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
weiteren Unterlagen eingegangen waren, veranlagte die Steuerbehörde die Q. GmbH
für das Jahr 2013 mit Verfügungen vom 19. April 2016 ermessensweise mit einem
steuerbaren Reingewinn von CHF 103‘620, ohne steuerbares Kapital. Zur Begründung
führte die Steuerbehörde aus, es seien Umsätze im Umfang von CHF 86‘574 nicht
erfasst worden. Zudem sei ein Zuschlag nach Ermessen von 20 Prozent der
deklarierten Umsätze und der Mindestsatz beim Privatanteil des Fahrzeugs von
CHF 1‘800 hinzuzurechnen. Schliesslich sei eine Steuerrückstellung für das Jahr 2013
von CHF 21‘248 zu berücksichtigen. Auf die dagegen erhobene Einsprache trat das
kantonale Steueramt mit Entscheid vom 3. Juni 2016 nicht ein. Dagegen erhob die
Q. GmbH Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission, welche mit
Entscheid vom 25. April 2017 die Rechtsmittel guthiess, den Einspracheentscheid vom
3. Juni 2016 aufhob und die Angelegenheit zu neuem Entscheid über die Einsprachen
an die Vorinstanz zurückwies.
C. Das kantonale Steueramt (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 25. April 2017 mit Eingabe vom
22. Mai 2017 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und der Einspracheentscheid vom 3. Juni
2016 sei zu bestätigen. Mit Vernehmlassung vom 1. Juni 2017 schloss die Vorinstanz
auf Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid. Sowohl die Q. GmbH (Beschwerdegegnerin) als auch die
Eidgenössische Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte) liessen sich zur Beschwerde
nicht vernehmen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit
wesentlichen, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Da die steuerrechtlichen Vorschriften des Bundes und der Kantone zur
Ermessensveranlagung vereinheitlicht sind, erledigte die Vorinstanz den Rekurs
betreffend die Kantonssteuer einerseits und die Beschwerde betreffend die direkte
Bundessteuer anderseits zu Recht im gleichen Entscheid, aber mit getrennten
Dispositivziffern; unter diesen Umständen durfte auch der Beschwerdeführer die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerden in einer gemeinsamen Rechtsschrift erheben (BGE 135 II 260, E. 1.3).
Ebenso ist es zulässig, dass das Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen
Urteil entscheidet (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 2C_440 und 441/2014 vom 10.
Oktober 2014, E. 1.2).
2. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 229 in Verbindung
mit Art. 196 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2
der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 145
des Gesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Der Beschwerdeführer
ist zur Beschwerde legitimiert, und die Eingabe vom 22. Mai 2017 entspricht zeitlich,
formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 229 in Verbindung mit Art.
194 Abs. 1 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP; Art. 145 in
Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 und 2 DBG). Auf die Beschwerden ist somit einzutreten.
3.
3.1. Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zu den tatbeständlichen und
rechtlichen Voraussetzungen einer Ermessensveranlagung sind korrekt, weshalb -
anstelle von Wiederholungen - darauf verwiesen werden kann (vgl. E. 3a des
angefochtenen Entscheids). Allerdings führt nicht jede Ungewissheit im Sachverhalt zu
einer Einschätzung nach pflichtgemässem Ermessen. Die pflichtgemässe Schätzung
kann sich grundsätzlich nur auf das Quantitative beziehen. Nur ausnahmsweise, wenn
jegliche Anhaltspunkte fehlen, muss eine Ermessenseinschätzung auch ohne konkrete
Anhaltspunkte zulässig sein. Das ist etwa dann der Fall, wenn eine formell mangelhafte
Buchhaltung derart unzuverlässig ist, dass sie als Ganzes abgelehnt werden muss.
Unter dieser Voraussetzung wird in Praxis und Doktrin auch eine so genannte
Vollschätzung, beispielsweise aufgrund von Erfahrungszahlen, als zulässig erachtet.
Ansonsten dürfen nur jene Einkommensbestandteile ermessensweise eingeschätzt
werden, die im Rahmen des Veranlagungsverfahrens ungewiss geblieben sind (BGer
2C_554/2013, 2C_555/2013 vom 30. Januar 2014 E. 2.3 mit Hinweisen).
3.2. Eine Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen kann der Steuerpflichtige nur
wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache ist zu begründen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
muss allfällige Beweismittel nennen (Art. 180 Abs. 2 StG und Art. 132 Abs. 3 DBG). Die
Erfordernisse der Begründung und der Nennung der Beweismittel stellen bei
Einsprachen, die gegen eine Ermessenseinschätzung erhoben werden,
Prozessvoraussetzungen dar, bei deren Fehlen auf die Einsprache nicht eingetreten
wird. Die Ermessensveranlagung hat aber keine pönale Funktion. Sie ist ausschliesslich
die Folge davon, dass hinsichtlich des Sachverhalts noch durchgeführter Untersuchung
– aus welchen Gründen auch immer – ein Bereich von Ungewissheit verbleibt. Die
Ermessensveranlagung setzt nach der Rechtsprechung weder Verschulden noch
Nachlässigkeit seitens des Steuerpflichtigen voraus und kommt auch zum Zug, wenn
der Steuerpflichtige beispielsweise infolge höherer Gewalt nicht in der Lage ist, die
Geschäftsbücher vorzuweisen (BGer 2C_554/2013, 2C_555/2013 vom 30. Januar 2014
E. 2.5).
4.
4.1. Vorliegend rechnete die Steuerbehörde nach Durchführung der Untersuchung der
Steuerpflichtigen ermessensweise einen Zuschlag von 20 Prozent der deklarierten
Umsätze auf mit der Begründung, die von dieser eingereichte Jahresrechnung sei
handelsrechtlich nicht korrekt erstellt worden. Sie könne daher keine verlässliche
Grundlage zur Beurteilung für die Steuerveranlagung dar. Ferner ging der
Steuerkommissär aufgrund der eingereichten Bankkontoauszüge davon aus, dass im
massgebenden Steuerjahr Umsätze im Umfang von CHF 86‘574 nicht erfasst wurden.
Schliesslich nahm er für den Privatanteil des Fahrzeugs eine Aufrechnung von
CHF 1‘800 vor (vgl. act. 6/8/I/11). Mit diesem Vorgehen hat die Veranlagungsbehörde
gestützt auf die Jahresrechnung und anhand der eingereichten Unterlagen den
handelsrechtlichen Gewinn- und Kapitalausweis unter steuerrechtlichen
Gesichtspunkten korrigiert. Sie hat mithin die Jahresrechnung 2013 nicht als
vollumfänglich untauglich zurückgewiesen, sondern vielmehr in Teilen darauf abgestellt
und die genannten Werte berichtigt. Lediglich die Höhe der deklarierten Umsätze
wurde von ihr geschätzt. Der Entscheid über die Aufrechnungen der nicht deklarierten
Umsätze und des Privatanteils des Fahrzeugs unterlag dagegen keiner Schätzung,
sondern einer Aufrechnung. Unter diesen Umständen kann von einer umfassenden
Ermessenseinschätzung oder gar Vollschätzung keine Rede mehr sein (vgl. BGer
2C_554/2013, 2C_555/2013 vom 30. Januar 2014 E. 3.3), was der Beschwerdeführer in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Beschwerde im Übrigen bereits selbst festgestellt hat (vgl. act. 1 Ziff. 1 zweiter
Absatz). Auch die Vorinstanz scheint davon ausgegangen zu sein, indem sie feststellte,
dass zu dem im Jahresabschluss 2013 der Beschwerdegegnerin angegebenen Erlös
von CHF 148‘369 die nicht verbuchten Umsätze gemäss den Kontoauszügen in der
Höhe von CHF 86‘574 – zuzüglich einer noch nicht berücksichtigten Vergütung in der
Höhe von CHF 2‘162.55 abzüglich Mehrwertsteuer – sowie der Privatanteil des
Fahrzeugs in der Höhe von CHF 1‘800 hinzuzurechnen seien, und zwar unter
Berücksichtigung des im Jahresabschluss 2013 angegebenen Aufwands von
insgesamt CHF 141‘549 (vgl. E. 4b des angefochtenen Entscheids).
4.2. Gegen die von der Ermessenseinschätzung nicht betroffenen Teile der
Veranlagung wiederum war die Einsprache zulässig und es kommen diesbezüglich die
Art. 180 Abs. 1 StG bzw. Art. 132 Abs. 1 DBG zur Anwendung. Dementsprechend ist
die Einsprache innert 30 Tagen nach Zustellung bei der Veranlagungsbehörde
schriftlich zu erheben, wobei diese an keine Form gebunden ist. Insbesondere muss sie
keinen Antrag enthalten. Erforderlich ist einzig, dass aus der schriftlichen Eingabe der
Einsprachewille ausdrücklich oder zumindest sinngemäss hervorgeht (vgl.
2C_554/2013, 2C_555/2013 vom 30. Januar 2014 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Mit
Schreiben vom 20. Mai 2016 erhob die Beschwerdegegnerin „Einspruch und Rekurs
für das Jahr 2013 und 2014“ mit der Begründung, als Einmannbetrieb keinen
steuerbaren Reingewinn von CHF 103‘000 zu haben (vgl. act. 6/8/II/00). Der im
eingangs skizzierten Sinne verlangte Einsprachewille der Beschwerdegegnerin geht aus
der Eingabe genügend klar hervor, weshalb der Beschwerdeführer in Bezug auf die
nicht der Ermessensveranlagung unterworfenen Steuerfaktoren auf die Einsprache
hätte eintreten müssen.
4.3. Fraglich ist, ob hinsichtlich der ermessensweise festgesetzten Teile der
Veranlagung eine gültige Einsprache vorliegt. Dies daher, weil eine Steuerpflichtige -
wie erwähnt - eine Ermessensveranlagung nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit
anfechten kann, und weil die Begründung der Einsprache Prozessvoraussetzung ist
(vgl. E. 3.2).
4.3.1. Die Vorinstanz ist zur Auffassung gelangt, die Beschwerdegegnerin habe mit
ihrer Einsprache vom 20. Mai 2016 sinngemäss geltend gemacht, die ermessensweise
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorgenommene Schätzung des Reingewinns im 2013 sei offensichtlich unrichtig. Sie
hiess daher denn auch die Rechtsmittel gut. Zur Begründung der offensichtliche
Unrichtigkeit der ermessensweisen Schätzung führte sie im Wesentlichen aus, es
würden gar keine hinreichenden Anhaltspunkte für den Schluss vorliegen, dass die
Beschwerdegegnerin im massgeblichen Steuerjahr nebst den bereits
hinzugerechneten, nicht deklarierten Umsätzen noch weitere Einnahmen in der Höhe
von knapp CHF 30‘000 erzielt hätte. Insbesondere lägen keine Steuermeldungen vor,
die Rückschlüsse auf Einnahmen zulassen würden, welche nicht auf die beiden
Bankkonti geflossen sein könnten. Die ermessensweise vorgenommene Schätzung
habe daher pönalen Charakter, was nicht angehe. Der Geschäftsführer der
Beschwerdegegnerin habe im Übrigen mit den bereits ausgewiesenen und den
hinzugerechneten nicht deklarierten Umsätzen seinen Lebensunterhalt bereits
bestreiten können. Auf jeden Fall erscheine es nicht plausibel, dass sich der steuerbare
Gewinn im Jahr 2013 im Vergleich zu den Steuerjahren 2009 bis 2012 gar vervielfacht
haben solle (vgl. E. 4a zweiter Absatz des angefochtenen Entscheids). Der
Beschwerdeführer macht dagegen geltend, die Beschwerdegegnerin habe mit der
Einsprache sinngemäss die Aufhebung der ermessensweisen Aufrechnung beantragt.
Sie mache nicht geltend, die Höhe der ermessensweisen Aufrechnung sei willkürlich
hoch. Zudem fehle es an einer genügenden Begründung: Die Beschwerdegegnerin
habe sich auf die pauschale Behauptung beschränkt, ein Einmannbetrieb könne keinen
Reingewinn von CHF 103‘000 erzielen. Es fehle überdies ein Antrag über die Höhe der
„korrekten“ Ermessensaufrechnung sowie ein Beweismittelangebot. Im vergleichbar
gelagerten Nachsteuerverfahren betreffend die Steuerperiode 2012 sei festgestellt
worden, dass die dort vorgenommenen Ermessensveranlagungen zu tief ausgefallen
seien. Es sei unter anderem ein nicht verbuchter Barumsatz im Umfang von
CHF 12‘000 nachgewiesen und nachbesteuert worden. Die Beschwerdegegnerin habe
damit nachweislich wesentliche Barzahlungen entgegengenommen. Es müsse davon
ausgegangen werden, dass bereits im Jahr 2012 weitere nicht verbuchte
Bareinnahmen bestanden haben. Ebenso bestünde keine Garantie, dass nicht noch
weiteren Konten mit unverbuchten Umsätzen bestehen würden.
4.3.2. Der Unrichtigkeitsbeweis kann auf zwei Arten erbracht werden. Einerseits kann
durch das Beibringen von Beweismitteln die bisher vorhandene Ungewissheit
bezüglich des Sachverhalts beseitigt und auf diese Weise die zuverlässige Ermittlung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Steuerfaktoren ermöglicht werden. Ein solcher Fall liegt hier nicht vor, weil Grund
für die teilweise Ermessensveranlagung die mangelhafte Kassenbuchführung der
Beschwerdegegnerin war und sich eine solche Mangelhaftigkeit der Natur der Sache
nach nicht nachträglich korrigieren lässt. Andererseits ist es aber auch möglich
darzutun, dass eine angefochtene Ermessensveranlagung offensichtlich übersetzt ist.
Der Sache nach geht es diesfalls um qualitativ schwerwiegende Fehler, welche die
streitige Schätzung im Ergebnis als willkürlich erscheinen lassen. Die
Einsprachebehörde bzw. das zuständige Gericht dürfen sich bei solchen
Konstellationen nicht auf eine summarische, oberflächliche Überprüfung beschränken.
Vielmehr ist eine angefochtene Ermessensveranlagung mit der gleichen Gründlichkeit
wie jede andere, „normale“ Veranlagung zu überprüfen. Aufzuheben oder anzupassen
ist sie aber nur dann, wenn sie sich als grob unrichtig erweist. Bei einer Schätzung ist
dies unter anderem dann der Fall, wenn die Veranlagungsbehörde dabei methodisch
unzutreffend vorgegangen ist (BGer 2C_90/2017, 2C_91/2017 vom 16. Oktober 2017
E. 2.1 und 2.2). Der Steuerpflichtige hat den Nachweis der offensichtlichen
Unrichtigkeit dadurch zu erbringen, dass er innerhalb der Rechtsmittelfrist die
versäumten Verfahrenspflichten erfüllt, eine zur Beseitigung der Ungewissheit über die
tatsächlichen Verhältnisse erforderliche substanzielle Sachdarstellung gibt und hierfür
notwendige Beweismittel beibringt oder zumindest anbietet. Andernfalls gilt der
Nachweis ohne weiteres als gescheitert mit der Folge, dass die
Ermessenseinschätzung als solche bestehen bleibt und einzig ihrer Höhe nach der
Prüfung auf offensichtliche Unrichtigkeit unterliegt (vgl. Entscheid des
Verwaltungsgerichts Zürich SB.2002.00115 vom 21. Mai 2003 E. 4a, in: StE B 92.3
Nr. 13).
4.3.3. Die Beschwerdegegnerin legte in ihrer Eingabe vom 20. Mai 2016 in keiner Weise
dar, weshalb die angefochtene Veranlagung offensichtlich übersetzt sein sollte,
sondern begnügte sich mit dem pauschalen Einwand, einem Einmannbetrieb sei es gar
nicht möglich, einen Reingewinn in der Höhe von CHF 103‘000 zu erwirtschaften. Die
damalige Eingabe vermochte daher den oben skizzierten Anforderungen an eine
Einsprache gegen eine Ermessensveranlagung offensichtlich nicht zu genügen.
Obgleich sie den Nachweis der Unrichtigkeit der Ermessenseinschätzung nicht
geleistet hat, bleibt indes – entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Ansicht –
die Höhe der getroffenen Schätzung auf deren offensichtliche Unrichtigkeit hin zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
prüfen. Denn die Rechtsmittelinstanz ist auch ohne entsprechende Rüge gehalten, die
Ermessensveranlagung auf formelle Mängel hin zu überprüfen (Looser/Fenners,
Besonderheiten bei der Anfechtung der Ermessenveranlagung, Festgabe Prof. Dr.
Ulrich Cavelti, St. Gallen 2012, S. 183). In den Veranlagungsverfügungen vom 19. April
2016 führte der Beschwerdeführer denn auch nicht aus, weshalb er zu der bereits
vorgenommenen Aufrechnung aufgrund nicht verbuchter Umsätze zusätzlich noch
einen weiteren Zuschlag nach Ermessen aufgerechnet hat, und weshalb die Höhe
dieses Zuschlags 20 Prozent beträgt. Dass sich die Veranlagungsbehörde bei der
pauschalen prozentualen Aufrechnung auf das Vorjahr abgestützt hat, geht daraus
nicht hervor; es wird einzig darauf hingewiesen, dass - wie im Vorjahr - grösste Zweifel
an der Handelsrechtskonformität der Jahresrechnung 2013 bestehen würden (vgl.
act. 6/8/I/11). Ob eine Auseinandersetzung mit der Bruttogewinnmarge stattfand,
indem die Veranlagungsbehörde die Umsätze mit den Material- und Herstellungskosten
entweder der vorangehenden Jahre der Beschwerdegegnerin oder derselben bzw.
zumindest ihr nahestehender Branchen verglichen hat, ist ebenfalls nicht ersichtlich.
Indem der Beschwerdeführer nicht darlegte, weshalb er von einer pauschalen
Hinzurechnung von 20 Prozent ausging, war es der Beschwerdegegnerin auch nicht
möglich, die Ermessenseinschätzung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten und
rechtsgenüglich darzutun, dass und weshalb sie offensichtlich unrichtig ist. Unter
diesen Umständen wurde das der Beschwerdegegnerin zustehende Recht zur
Einsprache verletzt; zugleich liegt darin eine formelle Rechtsverweigerung im Sinn von
Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101; vgl. auch BGer 2C_554/2013,
2C_555/2013 vom 30. Januar 2014 E. 4.3). In seiner im vorinstanzlichen Verfahren
eingereichten Vernehmlassung vom 11. Juli 2016 führte der Beschwerdeführer
diesbezüglich aus, es sei - analog im Vorjahr [2012] - ein Zuschlag nach Ermessen von
20 Prozent aufgerechnet worden (act. 6/7 S. 2 und 4). Die Vorinstanz hielt dazu im
angefochtenen Entscheid fest, der pauschale Verweis auf die Veranlagung des
Vorjahres sei bereits daher nicht stichhaltig, weil in jenem Jahr eine Aufrechnung von
lediglich CHF 9‘500 vorgenommen worden sei, woraus ein Jahresgewinn von knapp
CHF 20‘000 (und nicht wie nun im Steuerjahr 2013 von CHF 103‘600] resultiert habe.
Der Beschwerdeführer bestreitet diese vorinstanzliche Feststellung nicht substanziell,
sondern weist lediglich darauf hin, dass für das Jahr 2012 unter anderem auch ein
nicht verbuchter Barumsatz im Umfang von CHF 12‘000 nachbesteuert worden sei. Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Nachsteuerverfügungen für das
Jahr 2012 vermögen indes den Nachweis, dass bereits im Jahr 2012 eine pauschale
Aufrechnung von 20 Prozent stattgefunden hat, auf die nun auch im streitbezogenen
Steuerjahr 2013 ohne weiteres abgestellt werden dürfe, nicht belegen. Im Übrigen fällt
auf, dass der Beschwerdegegnerin bezüglich der herangezogenen, pauschalen
Aufrechnung im 2012 zwar die Möglichkeit einer Stellungnahme bis 25. April 2016
eingeräumt wurde, die Nachsteuerverfügungen 2012 jedoch vom 20. April 2016
datieren und mithin bereits vor Ablauf der Frist zur Stellungnahme ergingen - und daher
denn auch gleichentags wie die streitbezogenen Veranlagungsverfügungen für das
Jahr 2013 vom 19. April 2016 - versandt wurden (vgl. act. 3/I, act. 6/8/I/12).
4.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Veranlagungsbehörde mit der pauschalen
Hinzurechnung von 20 Prozent der deklarierten Umsätze methodisch unzutreffend
vorgegangen ist, weshalb sich die von ihr getroffene Schätzung demnach als grob
unrichtig erweist. Die Vorinstanz hat daher den Einspracheentscheid vom 3. Juni 2016
zu Recht aufgehoben und die Angelegenheit - unter Berücksichtigung der
ausgewiesenen nicht verbuchten Umsätze in der Höhe von CHF 86‘574 (zuzüglich
einer noch nicht berücksichtigen Vergütung von CHF 2‘162.65) sowie des Privatanteils
des Fahrzeugs in der Höhe von CHF 1‘800 - zu neuem Entscheid über die Einsprachen
und zur Ermittlung des steuerbaren Gewinns an den Beschwerdeführer
zurückgewiesen. Die Beschwerden betreffend Kantonssteuer und direkte
Bundessteuer aufgrund des Rechnungsabschlusses 2013 sind dementsprechend unter
Bestätigung des angefochtenen Entscheides abzuweisen.
5. (...).