Decision ID: a7910dfd-413c-47f7-8606-bd806b65f8bb
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 22.12.2015 Art. 61 lit. g ATSG; Bestätigung der zugesprochenen Parteientschädigung von pauschal Fr. 8‘000.--- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) nach Kenntnisnahme des konkret ausgewiesenen zeitlichen Aufwands (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Dezember 2015, UV 2015/65).Entscheid vom 22. Dezember 2015 BesetzungEinzelrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Della BatlinerGeschäftsnr.UV 2015/65ParteienA._,Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Kehl, Poststrasse 22,Postfach 118, 9410 Heiden,gegenSchweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358, 6002 Luzern,Beschwerdegegnerin,GegenstandParteientschädigungSachverhalt
A.
A.a A._ war seit 8. Januar 2007 bei der B._ AG als Produktionsmitarbeiterin
angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen
versichert. Am 7. März 2008 erlitt sie bei der Autobahnausfahrt in C._ einen
Autounfall mit Heckauffahrkollision und anschliessender Kollision auf der Fahrerseite
(Suva-act. 1, 9). Die Suva erbrachte für die Folgen dieses Unfalls
Versicherungsleistungen. Mit Verfügung vom 17. Februar 2011 (Suva-act. 351) stellte
die Suva die Versicherungsleistungen mangels adäquater Unfallfolgen auf den
28. Februar 2011 ein und verneinte den Anspruch auf eine Invalidenrente und/oder
Integritätsentschädigung. Die dagegen erhobene Einsprache vom 28. März 2011
(Suva-act. 352) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2011 ab
(act. G 1.2 im Verfahren UV 2011/96).
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A.b Die gegen diesen Einspracheentscheid erhobene Beschwerde vom
25. November 2011 hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen – nach
Einholung eines Gerichtsgutachtens beim Universitätsspital Basel (polydisziplinäres
Gutachten vom 15. Oktober 2014; act. G 68 im Verfahren UV 2011/96) – mit Entscheid
vom 24. März 2015 dahingehend gut, dass es den Einspracheentscheid vom
20. Oktober 2011 aufhob und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. März 2011
eine Invalidenrente gestützt auf eine Invaliditätsgrad von 20%, sowie eine
Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 10% zusprach.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen sprach der Beschwerdeführerin
zudem eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 8‘000.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu.
B.
Mit Urteil vom 13. Oktober 2015 (8C_354/2015, 8C_362/2015) hiess das Bundesgericht
die gegen den kantonalen Entscheid von der Suva erhobene Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten teilweise gut und wies die Sache zur weiteren Abklärung

im Sinne der Erwägungen und zu neuer Verfügung an die Suva zurück. Zur
Neuverlegung der Parteientschädigung des kantonalen Beschwerdeverfahrens wies
das Bundesgericht die Sache an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
zurück.
C.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ersuchte den Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 30. Oktober 2015 um eine detaillierte
Kostennote, welche dieser am 13. November 2015 einreichte. Die Suva liess sich am
1. Dezember 2015 hierzu vernehmen.
Erwägungen
1.
1.1 Als Begründung für die Rückweisung zur Neuverlegung der Parteientschädigung
hielt das Bundesgericht fest, die kantonale Bemessung der Parteientschädigung
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verletze das Willkürverbot. Indem das kantonale Gericht einfach vom
Durchschnittswert von Fr. 4‘000.-- ausgegangen sei und diesen Wert „angesichts des
sehr umfangreichen Verfahrens“ ohne Einholung einer Kostennote und ohne eine
eingehendere, mit Blick auf die konkreten Verhältnisse differenzierende Begründung
einfach verdoppelt habe, habe sie in unhaltbarer Weise diejenigen Faktoren ignoriert,
welche nicht für einen Mehraufwand, sondern im Gegenteil für eine Reduktion des
angemessenen Aufwands gesprochen hätten. Eine derart massive Erhöhung des
üblicherweise mittleren Honorars bei durchschnittlich aufwändigen Fällen um 100%
hätte gemäss Bundesgericht zumindest einer näheren Begründung bedurft. Dabei falle
nicht nur ins Gewicht, dass derselbe Rechtsanwalt die Versicherte bereits im
Einspracheverfahren vertreten, sondern auch im gleichzeitig parallel vor kantonalem
Gericht hängigem invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren die in medizinischer
Hinsicht gleich gelagerten Interessen der Versicherten verteidigt habe.
Zusammenfassend sei die vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
zugesprochene Honorarpauschale von Fr. 8‘000.-- sowohl hinsichtlich der Begründung
als auch in Bezug auf das Ergebnis offensichtlich unhaltbar, womit die zugesprochene
Parteientschädigung vor dem Willkürverbot nicht standhalte. Das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen habe unter Berücksichtigung des Gesagten über die Höhe der
Parteientschädigung neu zu befinden.
1.2 Die vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen auf das Urteil des
Bundesgerichts hin bei Rechtsanwalt lic.iur. Simon Kehl eingeholte detaillierte
Kostennote weist im UVG-Beschwerdeverfahren einen Stundenaufwand von
gesamthaft 53 1⁄4 Stunden auf. Im UVG-Einspracheverfahren hielt Rechtsanwalt Kehl
einen Aufwand von fast 12 Stunden, im IV-Einwand- und Beschwerdeverfahren einen
solchen von rund 39 Stunden fest.
1.3 Die Suva macht mit Stellungnahme vom 1. Dezember 2015 nebst den
bundesgerichtlich gerügten Punkten zusätzlich geltend, die ausschliesslich für das
kantonale UVG-Verfahren geltend gemachten 53 Stunden ständen in einem klaren
Missverhältnis zu den Aufwendungen von insgesamt 39 Stunden für das IV- Einwand-
und Beschwerdeverfahren. Als weitere Reduktionsgründe seien zu berücksichtigen,
dass die Beschwerdeführerin im Prozess UV 2011/96 bezüglich den psychischen bzw.
psychisch nicht objektivierbaren Beschwerden unterlegen sei, dass das Bundesgericht
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den kantonalen Entscheid in Bezug auf die HWS-Problematik zu Lasten der
Beschwerdeführerin korrigiert und Ziffer 1 des Rechtsspruchs des kantonalen
Entscheids aufgehoben habe. Die Parteientschädigung sei bei max. Fr. 4‘000.--
festzusetzen.
2.
2.1 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festgesetzt und unabhängig
vom Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Bei der Festsetzung der
Parteientschädigung wird in der Praxis insbesondere dem geltend gemachten und
ausgewiesenen (bzw. vom Gericht festgesetzten) zeitlichen Aufwand der
Beschwerdeführung Rechnung getragen (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2015, N 209 zu Art. 61).
2.2 In der vorliegenden Angelegenheit konnte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin bei der Bearbeitung der Beschwerde nur beschränkt von seinen
Vorarbeiten im Einspracheverfahren profitieren. Die 22 Seiten umfassende Beschwerde
deckt sich inhaltlich nicht mit der nicht einmal viereinhalbseitigen Einsprache vom
28. März 2011 (Suva-act. 352). So bemängelte der Rechtsvertreter im
Einspracheverfahren noch die unzureichende Begründung der Verfügung, was eine
fundierte Einsprache sicherlich stark erschwerte. Im Beschwerdeverfahren setzte er
sich vertieft mit der Begründung des Einspracheentscheids vom 20. Oktober 2011
auseinander. Ein über das Einspracheverfahren hinausgehender Aufwand erscheint klar
ausgewiesen und Umstände für eine Reduktion des angemessenen Aufwands sind
nicht ersichtlich.
2.3 Ähnlich verhält es sich mit den offenbar in medizinischer Hinsicht gleich
gelagerten Interessen im parallel vor Versicherungsgericht hängigem
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren: In rechtlicher Hinsicht hat sich der
Rechtsvertreter hier insbesondere mit (der Rechtmässigkeit) der Observation der
Beschwerdeführerin, aber auch mit der Eingliederung befasst. Im UVG-
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Beschwerdeverfahren standen demgegenüber insbesondere Kausalitätsfragen, die
Adäquanzprüfung und deren Zeitpunkt im Vordergrund. Nach einem doppelten
Schriftenwechsel wurden das invalidenversicherungs- und
unfallversicherungsrechtliche Verfahren vereinigt und es war zunächst die Einholung
eines Gerichtsgutachtens für beide Angelegenheiten vorgesehen. Auf diesen Beschluss
kam das Versicherungsgericht zurück und sistierte das IV-Verfahren bis zur
rechtskräftigen Erledigung der unfallversicherungsrechtlichen Angelegenheit, so dass
sich der grösste zeitliche Aufwand im Rahmen der Begutachtung (z.B. Stellungnahme
zum Wechsel der Gutachterstelle, mehrmalige Prüfung des Fragenkatalogs)
nachvollziehbarerweise im UVG-Beschwerdeverfahren niederschlug. Von einem klaren
Missverhältnis zwischen dem Aufwand im IV- und im UVG-Beschwerdeverfahren kann
angesichts dieses Verfahrensablaufs nicht die Rede sein.
2.4 Gegen den vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin veranschlagten hohen
zeitlichen Aufwand im Beschwerdeverfahren bzw. zu den geltend gemachten einzelnen
Positionen bringt die Beschwerdegegnerin keine konkreten Rügen vor. Soweit die
Beschwerdegegnerin als weiteren Reduktionsgrund ein teilweises Unterliegen der
Beschwerdeführerin berücksichtigt haben will ist zum Einen festzuhalten, dass das
Bundesgericht für das kantonale Verfahren keine Neuverlegung der Parteikosten
aufgrund des Verfahrensausgangs verlangte und die Rückweisung an das
Versicherungsgericht einzig dazu erfolgt ist, um über die Höhe der Parteientschädigung
neu zu befinden. Zum Anderen war der Sachverhalt von der Beschwerdegegnerin
gemäss den bundesgerichtlichen Erwägungen nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2015, 8C_354/2015, 8C_362/2015,
E. 7.1), so dass die vollumfängliche Aufhebung des Einspracheentscheids vom
20. Oktober 2011 durch das Bundesgericht bestätigt wurde. Praxisgemäss gilt die
Rückweisung zu weiteren Abklärungen als volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Im
Übrigen anerkannte die Beschwerdegegnerin im bundesgerichtlichen Verfahren
zumindest die Statikstörung der LWS und das ISG-Syndrom als überwiegend
wahrscheinliche natürlich kausale organische Unfallfolgen.
3.
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Zusammenfassend erweist sich die in Kenntnis dieses komplizierten Verfahrensablaufs
zugesprochene pauschale Parteientschädigung mitnichten als willkürlich, was die
nachträglich vom beschwerdeführerischen Rechtsvertreter eingereichte Auflistung des
Zeitaufwands eindrücklich belegt. Die vom Versicherungsgericht bemessene und
bundesgerichtlich als willkürlich beurteilte Pauschalentschädigung bewegt sich sodann
klarerweise im Rahmen der in der Verwaltungsrechtspflege vor Versicherungsgericht
geltenden Honorarpauschale von Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75). Vor diesem
Hintergrund ist die im Entscheid vom 24. März 2015 gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG
zugesprochene Parteientschädigung von pauschal Fr. 8'000.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) nach Kenntnisnahme des konkret ausgewiesenen
zeitlichen Aufwands zu bestätigen.