Decision ID: 64d70bc6-aa66-55c4-8f73-a850d783cd11
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1966 geborene
X._
, diplomierter Krankenpfleger, meldete sich am 18. August 2000 unter Hinweis auf ein Schleudertrauma, Nacken- und Rücken
schmerzen, Schwindel und Schlafstörungen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen, zog mehrfach die Akten des Unfallversicherers bei und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 10.
Januar 2003 (Urk. 8
/
38+
47
) mit Wirkung ab 1.
November 2000 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu.
Mit Mitteilungen vom 22. November 2005 (Urk. 8/
59)
bestätigte d
ie IV-Stelle den Anspruch des Versicherten auf eine ganze Invalidenrente
.
1.2
Mit im November 2008 unterzeichnetem Revisionsfragebogen machte der Versi
cherte eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend (Urk. 8/62). Die IV-Stelle holte diverse Arztb
erichte ein und veranlasste ein
psychiatrisches Gut
achten, welches am 8. Mai 2009 durch
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattet wurde (Urk. 8/76).
Mit Mitteilung vom 8. Juni 2010 bestätigte die IV-Stelle wiederum einen unveränderten Rentenanspruch (Urk. 8/79).
1.3
Im Rahmen der im Juli 2015
eingeleiteten Revision (Urk. 8/81
) tätigte die IV-Stelle erneut Abklärungen in medizinischer un
d erwerblicher Hinsicht und ver
anlasste eine psychiatrische und eine orthop
ädische Untersuchung beim regio
na
len ärztlich
en
Dienst (RAD;
Urk. 8
/94+
95).
Mit Verfügung
vom 26.
September 2016
hob die IV-Stelle die Invalidenrente auf
(Urk. 8/122)
.
Die dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 8/
129/3-16) wurde mit Urteil des hiesigen Sozialversicherungs
gericht
s
vom 28. Dezember 2017 gutgeheissen und festgestellt, dass der Versi
cherte weiterhin Anspruch a
uf eine ganze Invalidenrente habe, da aufgrund des langjährigen Rentenbezuges vor Aufhebung der Rente Eingliederungsmassnah
men zu prüfen seien
(Urk. 8/146
: Prozess IV.2016.01196
).
Infolgedessen bot die IV-Stelle dem Versicherten Unterstützung bei der Wied
er
eingliederung an (Urk. 8/167+173). Mit Verfügun
g vom 11. Februar 2019 schloss sie
die Eingliederungsmassnahmen ab (Urk. 8/179)
. Nachdem
die IV-Stelle
erneut diverse Arztberichte eingeholt hatte,
hob
sie
nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 8/191; 8/198) die bisherige Invalidenrente des
Versicherten
mit Verfügung vom 6. Januar 2020
auf
das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf
(Urk. 8/215 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
5. Februar 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
6. Januar 2020
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine ganze Invalidenrente, zuzuspre
chen. Eventuell sei die Sache zur polydisziplinären Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In formeller Hinsicht ersuchte der Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
10. März 2020
(Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerd
eführer
am
18. März 2020
zur Kenntnis gebracht
(Urk. 12
).
Mit Eingabe vom 2
1. April 2020 (Urk. 13) legte die
Rechtsvertreter
in
des Beschwerdeführers
ihre
gleichentags datierte Honorar
note ins Recht (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung
hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, im Rahmen des während den durchgeführten Eingliederungsmassnahmen gewährten Assessments sei festgestellt worden, dass kein Eingliederungspotential ausgewiesen sei. In der Folge sei dem Beschwerdeführer ein Belastbarkeitstraining angeboten worden. Dieser habe sich jedoch gesundheitlich nicht in der Lage gesehen, an einer solchen Massnahme teilzunehmen. Aus seiner Sicht würden ihn die täglichen zwei Stunden Anfangspensum überfordern. Da Eingliederungsmass
nahmen als nicht zielführend erachtet worden seien, seien diese abgeschlossen worden. Aus medizinischer Sicht sei nicht plausibel, weshalb die Eingliederungs
massnahmen nicht möglich sein sollen. Der Beschwerdeführer sei für eine ange
passte Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig
(S. 2 oben)
.
Der medizinische Sachverhalt sei genügend abgeklärt und eine medizinische Begutachtung erscheine nicht angezeigt (S. 2 unten). Gestützt auf einen errechneten Invaliditätsgrad von 7 % sei kein Rentenanspruch mehr ausgewiesen (S. 2 Mitte).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1)
, gestützt auf die psychiatrische RAD-Beurteilung durch med.
pract
.
Z._
, welche
ohnehin aus verschiedenen - im Einzelnen genannten - Gründen mangelhaft sei, könne mitnichten das mit BGE 141 V 281 eingeführte strukturierte Beweisver
fahren durchgeführt werden. Eine Gesamtbetrachtung in Berücksichtigung der Wechselwirkung der verschiedenen beim Beschwerdeführer vorliegenden Störun
gen fehle gänzlich (S. 10 oben).
Eine solche Gesamtbetrachtung sei auch in den späteren RAD-Stellungnahmen aus dem Jahr 2019 nicht erfolgt
. Der Beschwer
deführer sei nicht persönlich untersucht worden und der RAD setze sich mit den Berichten der behandelnden Ä
rzte
gar nicht oder nur ungenügend auseinander
(S. 18 f.)
.
Gestützt auf die umfassenden und einleuchtend begründeten Berichte der behandelnden Ärzte sei nach wie vor eine Polymorbidität ausgewiesen, mit welcher sich der RAD nicht auseinandergesetzt habe. Ein Anspruch auf eine ganze Rente sei daher gestützt auf die Bericht
e der behandelnden Ärzte und den
Aus
trittsbericht der Klinik
A._
erstellt (S. 18 ff.).
Eventuell sei die Sache zur umfas
senden medizinischen Untersuchung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 20
Ziff. 18). Des Weiteren bestritt der Beschwerdeführer den durchgeführten Einkommensvergleich (S. 20 f. Ziff. 19).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
der medizinische Sachverhalt genügend abgeklärt wurde und
sich
gestützt darauf
eine revisionsrelevante Veränderung der tatsäch
lichen Verhältnisse ergeben
hat.
3.
3.1
Die
Rentenzusprache
erfolgte gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten der Rheuma- und Rehabilitationsklinik
B._
vom 4. Juli 2002 (Urk. 8/32; vgl. auch Urk. 8/36/1). Die durchgeführten radiologischen Untersuchungen hätten altersentsprechend normale Befunde der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule gezeigt und auch in einer Beckenübersichtsaufnahme seien normale ossäre Ver
hältnisse zur Darstellung gekommen (S. 44 f.). Rheumatologisch finde sich ein zervikal und lumbal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom. Es bestehe ein Beschwerdebild, das durch die objektiv feststellbaren neurologischen, rheumato
logischen und internistischen Befunde nicht begründbar sei. Daher handle es sich um ein chronifiziertes und zum grossen Teil auch psychisch fixiertes Schmerzsyn
drom. Wie der neuropsychologischen Beurteilung zu entnehmen sei, liege eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor (S. 45 f.).
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen (S. 42):
-
Status nach Autounfall am 2. Mai 1998 mit
-
anamnestisch HWS-Distorsion
-
chronifiziertem
ten
domyotischem
zervikal- und lumbal
betontem panvertebralem Schmerzsyndrom
-
mä
ssiggradigen kognitiven Minderleistungen
-
reaktiver depressiver Entwicklung mit Angstkomponenten
-
posttraumatischem somatoformem Schmerzsyndrom und in der Folge erheblicher Einschränkung der psychophysischen Leistungsfähigkeit
-
Verdacht auf metabolisches Syndrom bei Hyperlipidämie und arterieller Hypertonie
-
Adipositas
-
Schädlicher Gebrauch von Nikotin
Aus somatischer Sicht liege keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor. Es resultiere aber eine faktische 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
in sowohl bisheriger wie auch angepasster Tätigkeit aufgrund der erheblichen Einschränkung der
psychophysischen
Leis
tungsfähigkeit bei stark chronifizierter Schmerzproblematik
im Sinne einer somatoformen Schmerzstörung (S. 46 oben, S. 56 Mitte
).
3.2
3.2.1
Im Rahmen der Rentenr
evision von
November 2008 wurden
diverse Arztberichte eingeholt
, aus welchen insbesondere eine neu diagnostizierte koronare Herz
krankheit
hervorgeht. Nach Beurteilung der Ärzte des Kantonsspitals
C._
vom 18. Dezember 2008 hat
diese
eine
Auswirkung auf die zumutbare Arbeitsfä
higkeit (vgl. Urk. 8/66/2 Ziff. 1.1)
.
E
ine Arbeitsfähigkeit
- aus kardiologischer Sicht - wird
als pr
inzipiell möglich erachtet
, allenfalls sogar in der bisherigen Tätigkeit als Krankenpfleger (Stellungnahme vom 26. März 2009 von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Kardiologie, Chefarzt Kardiologie Klinik
A._
, Urk. 8/68/2)
.
Nach Einschätzung vom 10. Dezember 2008 (Urk. 8/65/1-5) des
damaligen Haus
a
rztes
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, sei aufgrund der bereits bekannten Diagnosen (
vgl. Ziff. 1.1) keine Arbeitstät
igkeit mehr zumutbar (Ziff. 1.6 f.).
3.2.2
Sodann veranlasste die Beschwerdegegnerin
eine psychiatrische Begutachtung
, welche
durch
Dr.
Y._
durchgeführt
wurde
(Gutachten vom 8. Mai 2010, Urk. 8/76).
Dr.
Y._
nannte folgende Diagnosen (S. 12):
-
chronische Depression schweren Grades (ICD-10 F32.2)
-
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
narzis
s
tische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8)
-
koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie,
Panver
tebralsyndrom
nach Autounfall mit Schleudertrauma 1998, Schlafapnoe
syndrom
Dr.
Y._
führte aus, im Anschluss an den Unfall im Jahr 1998 habe sich aufgrund der posttraumatischen körperlichen Beschwerden wie Nackenschmer
zen
und Schwindel, der
verminderten psychischen Belastbarkeit wegen der Persönlichkeitsstörung, der zunehmenden Depression mit starkem somatischem Syndrom, der konsekutiven somatoformen Schmerzstörung und den sozialen und beruflichen Komplikationen eine immer stärkere pathologische Symptomatik ent
wickelt. Die seit
Jahren
durchgeführten psychiatrischen Behandlungen seien erfolglos geblieben. Inzwischen seien
eine koronare Herzkrankheit,
ein
Diabetes mellitus und ein Schlafapnoesyndrom hinzugekommen, was seine Ängste ver
stärkt und den psychischen Zustand des Beschwerdeführers noch verschlechtert habe.
Der Beschwerdeführer habe, bezeichnend für die narzisstische Störung, auf depressive Art völlig resigniert und sich gehen lassen. Typisch für die schwere chronische Depression seien der psychovegetative Stresszustand und die psycho
somatischen Schmerzen sowie die vegetativen Stressbeschwer
den. Im klinischen Eindruck impo
nier
t
e
n
die extreme Antriebslosigkeit und Verlangsamung, die feh
lende
Belastbarkeit, die Ermüdung, die affektive Monotonie, die Motivationslo
sigkeit und die Regressionstendenzen (S. 12 f.).
Die Arbeitsunfähigkeit betrage generell für sämtliche Tätigkeiten weiterhin 100 % (S. 14 Ziff. 6).
4.
4.1
Anlässlich der im Juli 2015 eingeleiteten Rentenrevision finden sich in den Akten
diverse B
erichte
der behandelnden Ärzte.
Bei den kardiologischen Verlaufskontrollen
bei
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Kardiologie,
vom November 2013,
vom
November 2014 und
vom
Mai 2015 habe sich klinisch jeweils ein unauffälliger Herz- und Lungenbefund gefunden
bei jeweils verminderter Leistungsfähigkeit in der
Fahrradergometrie
(Urk. 8/84/6-11
; vgl. auch Bericht vom 24. November
2015, Urk. 8/88
).
4.2
Hausärztin
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, kon
statierte einen stationären Gesundheitszustand bei den bereits bekannten Diag
nosen (Bericht vom 11. September 2015, Urk. 8/84/1-5 Ziff. 1.1 f.). Sie legte unter anderem die Beurteilung zum MRI der Wirbelsäule vom 25. April 2012 bei, aus welcher eine leichte Bandscheibendegeneration C5/C6 und C6/C7 mit kleinen,
nicht
neurokompressiven
medianen Diskushernien, Residuen eines Morbus Scheuermann von Th7 bis Th11
sowie
eine geringgradige, nicht aktivierte Spon
dylarthrose L4/L5 und L5/S1 hervorgeh
en
(vgl. Urk. 8/84/13).
4.3
Am 24. Mai 2016 erfolgte
eine psychiatrische Untersuchung beim RAD.
Aus dem
entsprechenden Bericht
vom 19. Juli 2016
(Urk. 8/94) von med.
pract
.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
geht hervor
, die Untersuchung sei geprägt gewesen von einer Sedativa-Wirkung (morgens Temesta 1 mg, am Vorabend zwei Temesta), die im Laufe der zweistündigen Untersuchung a
llmäh
lich nachgelassen habe. Der
hohe Benzodiazepin-Laborwert unterstreiche den Medikamentenabusus. Bei nachlassender Sedativa-Wirkung hätten sich keine eindeutigen depressiven Symptome, insbesondere kein Antriebsmangel, keine Freudlosigkeit und keine erhöhte Ermüdbarkeit gezeigt. Der Beschwerdeführer habe zwar subjektiv Schmerzen angegeben, allerdings hätten sich keine äusser
lich erkennbaren Schmerzreaktionen gezeigt. Es seien keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festzustellen (S. 4 f. Ziff. 9).
Das Gutachten von
Dr.
Y._
sei versicherungsmedizinisch kaum verwertbar. Im objektiven Befund sei nicht von einer zu erwartenden Benzodiazepin-Wirkung differenziert worden, obwohl der Gutachter um die drei bis vier Tabletten Temesta pro Tag gewusst habe. Die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung sei nicht
näher begründet worden und es würden sich kein
e
Hinweis
e
auf die ICD-10-Kriterien finden. Ebenso bleibe unklar, wieso eine schwere St
örung der Persönlichkeit
vorliege oder eventuell nur akzentuierte Persönlichkeitszüge (S. 5 Ziff. 10).
Aus versicherungsmedizi
nischer Sicht stehe der Sedativa
-Missbrauch (welcher im Gutachten von
Dr.
Y._
vernachlässigt worden sei) im Vordergrund. Unter Sedativa habe der Beschwerdeführer anfangs depressionsähnliche Symptome (Antriebsmangel, geringe affektive Schwingungsfähigkeit) gezeigt.
D
ie
Wirkung der Morgenmedikation
scheine
im Laufe der Untersuchung nachge
lassen
zu haben
und der Beschwerdeführer habe einen zunehmenden Antrieb, eine bessere Schwingungsfähigkeit und keine erhöhte Ermüdbarkeit gezeigt (S. 5 f. Ziff. 11).
Eine somatoforme Schmerzstörung sei nicht erkennbar. Der Beschwerdeführer habe zwar Schmerzen angegeben, es hätten sich aber keine mimischen, gestischen oder vegetativen Schmerzäusserungen gezeigt. Gegen eine Schmerzstörung spre
che auch der Laborbefund (Schmerzmittel Paracetamol unter der Nachweisgrenze, auch Opiate negativ).
Für eine Persönlichkeitsstörung fänden sich keine Anzeichen. Der Beschwerde
führer könne seit seinem 16. Lebensjahr eine konstante Ehe führen und sei bis zum Autounfall ununterbrochen berufstätig gewesen. Eine schwere Störung der Persönlichkeit liege also nicht vor (S. 6 oben).
P
sychiatrische Einschränkung
en
sei
en
nicht erkennbar und der Beschwerdeführer sei sowohl in der bisherigen wie auch einer angepassten Tätigkeit 100 % arbeits
fähig (S. 6 Mitte).
4.4
Ebenfalls am 24. Mai 2016
erfolgte
eine orthopädische RAD-Untersuchung (Bericht vom 19. Juli 2016, Urk. 8/95).
Bei der Anamnese und Untersuchung seien die Schmerzangaben des Beschwerdeführers vage und diffus geblieben. Objektive Hinweise für nennenswerte Schmerzen hätten nicht erhoben werden können.
Es habe sich eine minimale Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule (HWS) gefunden, welche in der Spontanbeweglichkeit jedoch nicht zu beobachten gewesen sei. Dies korrespondiere gut zum radiologischen Normalbefund im MRI vom 25.
April 2012 (vgl. vorstehend E. 4.1) und zum Fehlen von Schmerzmitteln im Serum. Aus medizinischer Sicht seien bei beginnender Degeneration der HWS vermehr
t
den Nacken und Schultergürtel belastende Tätigkeiten nicht mehr im vollen Umfang zumutbar. Tätigkeiten ohne dauerhafte Überkopfarbeiten, ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg und ohne körperliche Zwangshaltungen seien aus medizinischer Sicht zumutbar (S. 8 Mitte).
Die bisherige Tätigkeit als Krankenpfleger in der Altenpflege sei seit November 2000 nicht mehr zumutbar. In einer leidensangepassten, wechselbelastenden Tätigkeit sei seit dem 24. Mai 2016 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen (S. 8 unten).
4.5
Mit Schreiben vom 20. September 2017 nahm med.
pract
.
G._
Stellung zur aktuellen Situation des Beschwerdeführers und gab insbesondere an, der Beschwerdeführer habe auf ihren Vorschlag hin die bisherige frustrane psychiat
rische Betreuung gewechselt.
Er
werde nun in der
i
ntegrierten Psychiatrie
H._
betreut. Aus hausärztlich
er Sicht sei schwer abzugrenzen
, welche körperlichen und psychischen Probleme überwiegen würden. Insbesondere seien die psychischen Probleme und Schmerzphänomene unverändert zu den Beschwerden der letzten sieben Jahre
fortbestehend
(Urk. 8/140).
4.6
Dr.
F._
berichtete am 28. Februar 2019 (Urk. 8/184), der Gesundheitszu
stand des Beschwerdeführers sei stationär bei
bekannter
koronarer 1-Gefässer
krankung (Ziff. 1.1 f.). Auf dem Fahrradrampenprotokoll leiste er im Wesentli
chen unverändert maximal 57 Watt entsprechend 29 % des Solls. Bezüglich psychopathologischem Befund sei eine psychiatrische Beurteilung sinnvoll (Ziff. 1.3). Aus kardiologischer Sicht sei der Beschwerdeführer lediglich für leichte körperliche Tätigkeiten arbeitsfähig. Es dürfte jedoch eine zusätzliche Verminde
rung der Leistungsfähigkeit wegen des psychischen Zustandes bestehen (Ziff. 2.2).
4.7
Im Bericht vom
25. März 2019 (Urk. 8/185) hielt med.
pract
.
G._
eine
Ver
schlechterung fest (Ziff. 1.1
) und stellte folgende Diagnosen (Ziff. 1.2):
-
Double Depression Dysthymie (ICD-10 F34.1), gegenwärtig mittelschwere depressive Episode bei rezidivierender depressiver Störung
-
andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.80)
-
chronischer Gebrauch von Benzodiazepinen
4.
8
Seit Januar 2017 befindet sich der Beschwerdeführer in ambulanter Behandlung i
n der
H._
(Bericht vom 2. April 2019, Urk. 8/188
/1-4
Ziff. 1.1).
Der Beschwerde
führer sei teilweise leicht psychomotorisch unruhig, ein Rapport sei gut herstell
bar. Aufmerksamkeit und Konzentration seien leichtgradig eingeschränkt, eben
falls leichte Gedächtnisstörungen. Formalgedanklich grübelnd, im Antwort
verhalten deutlich umständlich, aber gut führbar. Seit Jahren würden passive Todes
wünsche bestehen. In der Grundstimmung schwer deprimiert wirkend bei reduzierter Schwingungsfähigkeit, deutlicher Antriebsmangel, leichte Affekt
verfla
chung. Die Einschlafstörungen würden aktuell mit 3 mg Temesta behandelt (Ziff. 2.4).
Es wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (Ziff. 2.5):
-
schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2) mit Verdacht auf
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
-
andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.8
0
)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2)
Die bisherige oder eine angepasste Arbeitstätigkeit sei nicht zumutbar; eine Eingliederung im geschützten Arbeitsmarkt sei nicht realistisch (Ziff. 4.1 f.).
4.9
RAD-Ärztin
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, machte in ihrer Stellungnahme vom 16. August 2019 geltend (Urk. 8/190/4-8), die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom sei aufgrund der nicht erfüllten ICD-10-Kriterien
in F62.80 (S. 7)
nicht nachvollziehbar
, was sie nachfolgend Punkt für Punkt darlegte (S. 8)
.
Als Fazit vermerkte sie, der Abbruch der Eingliederungsmassnahmen sei medizi
nisch nicht plausibel. Und da viele Hinweise für Aggravation bestünden, könne nicht schlüssig beurteilt werden, ob überhaupt jemals ein IV-relevanter Gesund
heitsschaden bestanden habe.
In der
psychiatrischen
RAD-Untersuchung vom 19. Juli (richtig: 24. Mai) 2016 sei
jedoch
keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wor
den. Die Arbeitsfähigkeit angepasst
sei
weiterhin 100 % (S. 8 Mitte).
4.10
Vom 4. September bis 8. Oktober 2019 befand sich der Beschwerdeführer statio
när in der Klinik
A._
(Austrittsbericht vom 11. November 2019, Urk. 8/204; vgl. auch Kurzaustrittsbericht vom 8. Oktober 2019, Urk. 8/201).
Der Beschwerdefüh
rer werde zugewiesen bei Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Schlafstörung, massi
vem muskulärem Abbau mit Haltungszerfall, Immobilität bei Depression, chroni
schen Schmerzen und chronischem Konsum sedierender Medikamente im Rah
men der Depression. Der Beschwerdeführer sei fast ganztags in der Wohnung im Bett und schildere diffuse somatische Symptome ohne klinisches Korrelat mit wiederholten Notfallkonsultationen. Aktuell befinde er sich in einer Überforde
rungssituation zu Hause mit seiner kranken Ehefrau, welche unter Epilepsie leide. Er traue sich kaum mehr aus dem Haus zu gehen aus Angst, ihr könne etwas zustossen. Er fühle sich nutzlos und habe Schuldgefühle gegenüber seinen Kindern. Zudem liege seine Mutter im Sterben, was ihm auch sehr zu schaffen mache. Dazu leide er unter Existenzängsten aufgrund seiner finanziellen Situation (S. 2 oben).
Im Verlauf der Behandlung habe eine leichte Stabilisierung des psychischen Zustandsbildes
erzielt werden können
,
was sich durch
eine Reduktion der Reiz
barkeit sowie eine leichte Abnahme der inneren Unruhe
abbildete
(S. 4 unten).
Folgende Diagnosen wurden gestellt (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Benzodiazepin-Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2)
4.1
1
RAD-Ärztin
Dr.
I._
hielt am 3. Dezember 2019 fest,
im
Bericht der Klinik
A._
(vorstehend E. 4.10)
würde
n
kein
e neuen medizinischen Fakten vorgebracht
, weshalb weiterhin an der bisherigen Einschätzung
(E. 4.9)
festzuhalten sei (Urk. 8/214/4).
5.
5.1
Gestützt auf die aktuelle Aktenlage lässt sich der Gesundheitszustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht abschliessend beurteilen
, wie nach
folgend aufzuzeigen sein wird:
Die RAD-Untersuchungen lagen im Verfügungszeitpunkt fast vier Jahre zurück
, sodass sich
Dr.
I._
in ihrer Aktenbeurteilung noch immer auf Befunde oder Umstände
bezieht
, welche anlässlich der RAD-Untersuchung im Mai 2016 erho
ben wurden (vgl. vorstehend E. 4.9). Zwischenzeitlich liegen jedoch in psychiat
rischer Hinsicht diverse Berichte vor, welche
nicht ausschliessen lassen, dass nach wie vor
von psychosozialen Umständen klar zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte (fachärztlich diagnostizierte) psychische Störung
en
vorliegen könnten
(vgl. vorstehend E. 4.8)
. D
ie behandelnde Hausär
ztin (vgl. vor
stehend E. 4.5 + 4.7
) wie auch der behandelnde Kardiologe
(vgl. vorstehend
E. 4.6
) wiesen
ebenfalls
auf einen auffälligen psychischen Gesundheitszustand
hin.
Vergleichszeitpunkt bildet vorliegend die Mitteilung vom 8. Juni 2010, da anlässlich der im November 2008 eingeleiteten Rentenrevision eine materielle Prüfung des Rentenanspruches mit Einholung diverser Arztberichte sowie insbe
sondere eines psychiatrischen Gutachtens erfolgt ist (vgl. vorstehend E. 1.3 sowie E. 3.2).
Bereits damals wurde die koronare Herzkrankheit diagnostiziert und fest
gehalten, dass diese Auswirkung auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit habe, wobei genauere Angaben dazu fehlen. Daran wurde aus kardiologischer Sicht aktuell fest
gehalten (vgl. vorstehend E. 4.6
), was jedoch in der RAD-Beurteilung keine Berücksichtigung
fand. Diese erfolgte aus somatischer Sicht auch lediglich im orthopädischen Fachgebiet (vgl. vorstehend E. 4.
4
).
Die bisherige
Rentenzusprache
basierte
insbesondere
auf den mit
polydisziplinä
re
m
Gutachten
vom 4. Juli 2002 (vorstehend E. 3.1) sowie psychiatrischem
Gut
achten
vom 8. Mai 2010
(vorstehend E. 3.2.2)
festgestellten gesundheitlichen Einschränkungen
. Beim Beschwerdeführer sind zwischenzeitlich
jedoch
neue soma
tische Erkrankungen hinzugetreten
und es stehen noch immer verschiedene psy
chiatrische Diagnosen im Raum. Insbesondere wird von den behandelnden Ärzten nach wie vor eine
mittelgradige bis
schwere depress
ive Symptomatik diagnosti
ziert, w
obei
durchaus
auch
Hinweise auf das Vorliegen
von invaliditäts
fremden psych
osozialen Umständen bestehen. Allerdings ist in dieser Hinsicht darauf hin
zuweisen, dass (weiterhin) eine verselbständigte (
fachärztlich diagnos
tizierte) psy
chische Störung,
welche invalidenversicherungsrechtlich von Belang ist
, auch
vorliegen kann
,
wenn ihr eine psychosoziale Komponente zugrunde liegt (v
gl. zum Ganzen BGE 127 V 294 E.
5a).
Ferner hat gemäss der Rechtsprechung d
es Bundesgerichts für sämtliche
psychi
schen Leiden
unabhängig von der diagnostischen Einordnung in der Regel eine umfassende Prüfung anhand der Standardind
ikatoren zu erfolgen (BGE 143 V
418 intern: aus IV192300). Eine
Indikatorenprüfung
erwe
ist sich jedoch gestützt auf die
vorliegenden Bericht
e
als nicht möglich.
Schlüssige ärztliche Ausführun
gen,
die eine (rechtsgenüglich)
zuverlässige Beurteilung der Arbeits
fähigkeit anhand des anwendbaren
Indikatorenkatalog
e
s
erlaubten, sind nicht aktenkun
dig.
5.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.3
Aufgrund der
in Erwägung 4
dargelegten gesundhei
tlichen Problematik
des Beschwerdeführers sowie der allenfalls bestehenden Wechselwirkung zwischen den somatisch und den psychisch bedingten Einschränkungen einer zumutbaren Verweistätigkeit sind vorliegend weitere medizinische Abklärungen angezeigt.
Die Sache ist daher in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
vom 6. Januar 2020 (Urk. 2)
an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese
in Form eines poly
disziplinären
Gutachtens
zum Gesundheitszustand und zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers
eine rechtsgenügende medizinische Beurteilung einhole, welche sich in psychiatrischer Hinsicht in Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum strukturierten Beweisverfahren (BGE 143 V 418) insbesondere a
uch zu den massgebenden Standard
indikatoren zu äussern haben wird.
Zu thematisieren wird auch die Frage der Veränderung des Gesundheitszustandes seit 2010 sein.
Hernach wird die
Beschwerdegegnerin
neu über das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers
zu entscheiden haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde
bzw. der Eventualantrag
gutzuheissen
.
6.
6.1
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend erweist sich der Antrag auf Gewäh
rung der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. Urk. 1 S. 2) als gegenstandlos.
6.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.3
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
In Anwendung obiger Kriterien
sowie unter Berücksichtigung der Honorarnote vom 21. April 2020
(
Urk.
14)
ist die Parteientschädigung vorliegend auf Fr.
2'322.40
(inkl.
Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.