Decision ID: 668d4779-fec9-5698-8172-5f1f86cf46bc
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) M., geboren am 17. Juni 1966 in K., Kosovo, ist serbischer Staatsangehöriger. Er
wuchs in seinem Heimatland auf, wo er die Volksschule und das Gymnasium besuchte
und hernach während dreier Jahre Jura studiert hat. Eigenen Angaben zufolge hat er
keine Ausbildung abgeschlossen, war aber bei der Gemeinde K. als Sachbearbeiter
angestellt.
b) Am 6. August 2002 heiratete er an seinem Wohnort die in der Schweiz
niedergelassene Landsfrau D., die ihrerseits am 4. Mai 1952 in J., Serbien, geboren
wurde. Im Dezember 2003 stellte sie für ihren Ehemann ein Gesuch um
Familiennachzug. Diesem wurde am 20. Februar 2004 zugestimmt, worauf der
Ehemann am 23. März 2004 zum Verbleib bei seiner Frau in S. in die Schweiz einreiste,
wo ihm die Jahresaufenthaltsbewilligung erteilt wurde. Im November 2004 trat er bei
der I. Tiefbau AG, Kanton Aargau, eine Stelle als Tiefbauarbeiter an, wo er während den
nächsten Jahren arbeitete. Währenddessen war er offiziell bei seiner Frau in S. an der
S.-Strasse gemeldet. Anfang des Jahres 2007 meldete er sich in R., Kanton Zürich, als
Wochenaufenthalter an. Derzeit arbeitet er bei der M. GmbH in Zürich als
Kabelmonteur.
c) Am 19. August 2008 liess sich das Ehepaar K.-I. auf gemeinsamen Antrag vom
Kreisgericht G., Kosovo, scheiden. Dem Gericht gegenüber gab M. als Wohnort K.,
Kosovo, an. Im März 2009 beantragte er die Niederlassungsbewilligung in der Schweiz.
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Dabei gab er an, (immer noch) verheiratet zu sein. Auf Grund dieser Angaben erteilte
ihm das Ausländeramt des Kantons St. Gallen (heute Migrationsamt) am 23. März 2009
die nachgesuchte Bewilligung.
d) M. meldete sich in der Folge per 22. April 2009 von S. nach R. ab und beantragte am
13. Juli 2009 beim Migrationsamt des Kantons Zürich den Kantonswechsel. Dabei gab
er an, er sei verheiratet, sei aber ohne seine Ehegattin in den Kanton Zürich gezogen.
Nachdem zwischenzeitlich ausgekommen war, dass seine Angaben falsch waren,
forderte das Migrationsamt Zürich den Gesuchsteller am 18. Februar 2010 auf, den
Kanton Zürich unverzüglich zu verlassen. M. meldete sich darauf am 6. April 2010
wieder in S. an und gab dabei seinen Zuzug von R. per 27. März 2010 an die L.-Gasse
bei der Familie M. bekannt. Das Einwohneramt S. teilte dem Migrationsamt am 8. April
2010 mit, bei dieser Anschrift handle es sich offensichtlich um eine Briefkastenadresse.
Die 4-Zimmer-Wohnung des Ehepaars M. an der L.-Gasse werde bereits von sechs
Personen bewohnt, während M. per 26. März 2010 erneut an seiner langjährigen
(ununterbrochenen) Adresse in R. als Wochenaufenthalter angemeldet sei.
B./ Nachdem weitere Abklärungen beim Einwohneramt ergeben hatten, dass der Vater
des Beschwerdeführers seit dem Jahr 1989 und D. seit dem Jahr 1990 an der S.-
Strasse leben, gab das Migrationsamt am 17. Juni 2010 der Kantonspolizei den
Auftrag, dem zwischenzeitlich aufgekommenen Verdacht einer Scheinehe
nachzugehen. Als die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen vorlagen, stellte die
Ausländerbehörde dem Betroffenen mit Schreiben vom 1. September 2010 in Aussicht,
seine Niederlassungsbewilligung zu widerrufen, worauf sie am 18. Oktober 2010 die
entsprechende Verfügung erliess. Den Wegweisungstermin setzte sie dabei auf den
4. Januar 2011 an.
C./ Dagegen gelangte M. mit Rekurs seines Rechtsvertreters vom 2. November 2010
erfolglos an das kantonale Sicherheits- und Justizdepartement. Dieses kam am
12. Januar 2011 ebenfalls zum Schluss, dass der Rekurrent wissentlich falsche
Angaben gemacht habe und die Ehe mit seiner Exfrau nur deshalb eingegangen sei,
um die ausländerrechtlichen Zulassungsvorschriften zu umgehen.
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D./ Gegen diesen Entscheid liess M. am 27. Januar 2011 beim Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen mit dem Antrag Beschwerde erheben, der angefochtene Entscheid
sei kostenpflichtig aufzuheben, und es sei festzustellen, dass die Voraussetzungen für
einen Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung nicht gegeben seien. Eventuell sei ihm
eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu erteilen. Seine Falschangaben seien aus
Versehen passiert. Nachdem er sich im Zeitpunkt der Scheidung länger als drei Jahre
in der Schweiz aufgehalten habe, habe er ohnehin keinen Anlass gehabt,
wahrheitswidrige Angaben zu machen. Für ihn spreche sodann, dass das Gesuch um
Familiennachzug erst vierzehn Monate nach der Heirat gestellt worden sei. Falsch sei,
dass zwischen seiner Exfrau und seinem Vater eine langjährige Beziehung bestanden
habe. Die gegenteiligen Aussagen des Hauswartpaars seien nicht überprüft worden.
Falls deren Behauptungen gleichwohl zutreffen sollten, habe er davon jedenfalls keine
Kenntnis gehabt. Die Widersprüche zwischen seinen eigenen Aussagen und
denjenigen seiner Exfrau würden einzig darin gründen, dass sie im Zeitpunkt der Heirat
bereits 36 und 50 Jahre alt gewesen seien, weshalb die Hochzeitsfeierlichkeiten für sie
keine grosse Bedeutung mehr gehabt hätten. Der Beschwerdeführer kritisiert sodann,
dass die Vorinstanz lediglich Indizien für eine Scheinehe berücksichtigt habe, nicht
aber solche, die für eine normale Ehe sprechen würden. Schliesslich macht er geltend,
die bestätigte Wegweisung sei auch unverhältnismässig.
E./ Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 17. Februar 2011 unter Hinweis
auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid die kostenpflichtige Abweisung der
Beschwerde.
F./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,
soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
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Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 27. Januar 2011
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Nach Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische Ehegatten von Personen mit
Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Nach einem
ordnungsgemässen ununterbrochenen Aufenthalt von fünf Jahren haben die
nachgezogenen Ehegatten Anspruch auf Erteilung der Niederlassungsbewilligung.
Der Beschwerdeführer konnte in die Schweiz einreisen, nachdem er eine hier
niedergelassene Ausländerin geheiratet hatte und mit ihr in der Schweiz
zusammenleben wollte. Auf das erforderliche Kriterium der gemeinsamen Wohnung
wird deshalb besonderer Wert gelegt, weil das Fehlen einer Hausgemeinschaft ohne
sachliche Gründe in der Regel ein gewichtiges Indiz für eine rechtsmissbräuchliche Ehe
darstellt (Spescha in: Spescha/
Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 2. Auflage, Zürich 2009, Rz. 2 zu Art. 42 AuG). Noch
vor Ablauf der fünfjährigen Frist ersuchte der Beschwerdeführer am 4. März 2009 um
Erteilung der Niederlassungsbewilligung, wobei er wahrheitswidrig erklärte, (noch
immer) verheiratet zu sein. Das Migrationsamt erteilte ihm darauf die Bewilligung auf
den frühestmöglichen Termin.
3. Der Anspruch auf Familiennachzug erlischt, wenn er rechtsmissbräuchlich geltend
gemacht wird, namentlich um Vorschriften dieses Gesetzes und seiner
Ausführungsbestimmungen über die Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen (Art.
51 Abs. 1 AuG). Erfasst wird davon die sogenannte Scheinehe bzw.
Ausländerrechtsehe, bei der die Ehegatten von vornherein keine echte eheliche
Gemeinschaft beabsichtigen. Der Anspruch entfällt darüber hinaus auch bei
rechtsmissbräuchlicher Berufung auf eine nur noch formell und ohne Aussicht auf
Aufnahme bzw. Wiederaufnahme einer ehelichen Gemeinschaft bestehende Ehe (BGE
128 II 145 E. 2.1 f. mit Hinweisen). Als eigenes und selbständiges Niederlassungsrecht
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erlischt die einmal erteilte Niederlassungsbewilligung nicht mit der Auflösung der Ehe.
Sie kann aber widerrufen werden.
3.1. Die Niederlassungsbewilligung kann widerrufen werden, wenn der Ausländer im
Bewilligungsverfahren falsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen
verschwiegen hat (Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 lit. a AuG). Der Widerruf setzt
voraus, dass der Betroffene wissentlich falsch ausgesagt oder wesentliche Tatsachen
verschwiegen hat, in der Absicht, gestützt darauf den Aufenthalt oder die
Niederlassung bewilligt zu erhalten. Nach Art. 90 lit a AuG ist der Ausländer
verpflichtet, der Behörde über alles, was für den Bewilligungsentscheid massgebend
sein kann, wahrheitsgetreu Auskunft zu geben. Wesentlich sind dabei nicht nur
Umstände, nach denen die Fremdenpolizei ausdrücklich fragt, sondern auch solche,
von denen der Gesuchsteller wissen muss, dass sie für den Bewilligungsentscheid
relevant sind (vgl. BGE 135 II 1 E. 4.1). Das Erschleichen einer
Niederlassungsbewilligung durch falsche Angaben oder durch wissentliches
Verschweigen von Tatsachen kann schon darin liegen, dass die Angaben, auf welche
sich die Behörden bei der seinerzeitigen Bewilligungserteilung gestützt hatten oder die
bei späteren Verlängerungen der Aufenthaltsbewilligung oder bei der Erteilung der
Niederlassungsbewilligung mangels anderer Angaben immer noch als massgebend
betrachtet werden konnten, falsch oder unvollständig waren. Bei eigentlichen
Machenschaften wie dem Eingehen einer Scheinehe bedarf es keiner ausdrücklichen
Frage der Ausländerbehörde. Die Bewilligung gilt ohne weiteres als erschlichen (Zünd/
Arquint Hill, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Auflage, 2008, Rz.
8.27; BGE 2C_615/2009 vom 25. Februar 2010 E.2.2 mit Hinweisen).
3.2. Ob eine Ehe nur zum Schein geschlossen wurde, entzieht sich regelmässig dem
direkten Beweis und ist bloss durch Indizien zu erstellen. Feststellungen über das
Bestehen solcher Verdachtsgründe können äussere Gegebenheiten, aber auch innere,
psychische Vorgänge bzw. den Willen der Ehegatten betreffen (BGE 2C_820/2010 vom
5. April 2011 E. 3.1, BGE 130 II 113 E. 10.2 f. mit Hinweis). Erforderlich sind konkrete
Hinweise darauf, dass die Ehegatten nicht eine eigentliche Lebensgemeinschaft führen
wollen, sondern dass die Ehe nur aus fremdenpolizeilichen Überlegungen eingegangen
wurde bzw. weitergeführt wird. Diesbezügliche Indizien lassen sich etwa darin
erblicken, dass dem Ausländer die Wegweisung drohte, weil er ohne Heirat keine
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Aufenthaltsbewilligung erhalten hätte oder sie ihm nicht verlängert worden wäre. Als
weitere Anzeichen kommen zum Beispiel eine nur kurze Bekanntschaft vor der Heirat,
ein grosser Altersunterschied, namentlich das deutlich höhere Lebensalter der Frau, die
Zugehörigkeit des anwesenheitsberechtigten Ehegatten zu einer Randgruppe, fehlende
Verständigungsmöglichkeiten, mangelhafte Kenntnisse über die Lebensumstände des
anderen, widersprüchliche Aussagen oder Heirat gegen Bezahlung oder für die
Beschaffung von Drogen in Frage (www.bfm.admin.ch -> Themen -> rechtliche
Grundlagen -> Weisungen und Kreisschreiben -> weitere Weisungen und
Rundschreiben des BFM).
3.3. Dass die Begründung einer wirklichen Lebensgemeinschaft gewollt war, kann
umgekehrt nicht schon daraus abgeleitet werden, dass die Ehegatten während einer
gewissen Zeit zusammengelebt und intime Beziehungen unterhalten haben; ein
derartiges Verhalten kann auch nur vorgespiegelt sein, um die Behörden zu täuschen.
Eine Scheinehe liegt demgegenüber auch nicht bereits dann vor, wenn
ausländerrechtliche Motive für den Eheschluss mitentscheidend waren. Erforderlich ist
zusätzlich, dass der Wille zur Führung einer Lebensgemeinschaft - zumindest bei
einem der Ehepartner - von Anfang an nicht gegeben war (BGE 2C_615/2009 vom
25. Februar 2010 E. 2.4).
4. Für die Annahme, der Beschwerdeführer sei mit seiner vormaligen in der Schweiz
niedergelassenen Ehefrau eine Scheinehe eingegangen, spricht Folgendes:
4.1. Ins Auge springen zunächst die zahlreichen, sich diametral widersprechenden
Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Exfrau zu ihrer Hochzeit. Nach ihrer
Version waren ihr Schwager und eine ihr unbekannte Frau Trauzeugen. Sonst habe
einzig der Gemeindepräsident an der Vermählung teilgenommen. Ihre Schwiegereltern
habe sie noch nie gesehen. Auch wisse sie nicht, wie diese heissen und wo sie wohnen
würden. Sie habe ihre Schwiegereltern deshalb nicht kennen lernen wollen, weil sie
dafür keine Zeit gehabt habe. Weiter sagte sie aus, im Anschluss an die Trauung habe
weder eine Feier noch ein Essen stattgefunden. Ringe hätten sie keine ausgetauscht.
Sie hätten auch keine besondere Kleidung getragen, sie selbst lediglich Hose und ein
T-Shirt.
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Demgegenüber haben nach den Schilderungen des Beschwerdeführers an der
Vermählung zahlreiche Gäste teilgenommen, unter anderem seine Eltern, sein Bruder
und seine Schwester sowie Onkel und Tanten seiner Exfrau. Die Trauung hätten zwei
Männer bezeugt, und zwar einer seiner Nachbarn sowie ein Mitarbeiter der Gemeinde.
Bei der Vermählung hätten sie sehr wohl Ringe ausgetauscht. Die Ringe hätten sie
unabhängig voneinander gekauft, weil es eine Überraschung sein sollte. Er selbst habe
einen braunen Anzug getragen, seine Frau etwas Weisses mit Blumen. Im Anschluss
daran hätten sie ein Fest samt Hochzeitsessen organisiert.
4.2. Weiter fällt auf, dass die mittlerweile geschiedenen Eheleute kaum Interesse
aneinander gezeigt haben und über das Vorleben des anderen nur wenige Eckdaten
wussten, was sich nicht allein mit ihrer verschiedenen albanisch-serbischen Herkunft
erklären lässt. So war es dem Beschwerdeführer unbekannt, dass seine Exfrau vor ihm
schon einmal verheiratet war. Obwohl er vor seiner Einreise auf der Gemeinde als
Sachbearbeiter gearbeitet hatte, glaubte sie, er habe bis zu seiner Einreise in die
Schweiz auf dem Bauernhof seiner Eltern gearbeitet. Auch konnte sie nicht sagen, was
genau ihr Exmann während der Ehe gearbeitet hatte. Nebst dem, dass sie ihren
Lebensunterhalt getrennt finanzierten, hatten sie auch keine gemeinsamen Bekannten
und Freunde. Ebenfalls keine Ahnung hatte sie vom Freundeskreis ihres Exmannes. Er
gab an, seine Exfrau verkehre hauptsächlich mit Mitarbeitern an ihrem Arbeitsplatz.
Seinen Ausführungen zufolge haben sie während der Ehe regelmässig die Ferien
zusammen verbracht. Gemäss ihrer Aussage verreisten sie nur einmal im Jahr 2006
zusammen nach Montenegro. Obwohl er während der Woche im Kanton Zürich
wohnte, haben sie auch am Wochenende ihre Freizeit nicht zusammen verbracht. Zwar
gibt er an, sie hätten gemeinsame Spaziergänge unternommen. Wahrscheinlicher ist
aber die Aussage seiner Exfrau, wonach sie dafür gar keine Zeit gehabt habe, weil sie
am Wochenende bis Mitternacht im Gastgewerbe gearbeitet und sodann bis 11 Uhr
geschlafen habe. Anschliessend habe sie Kaffee getrunken, gegessen und sei um
15 Uhr wieder arbeiten gegangen.
4.3. Ins Gewicht fällt sodann, dass die Eheleute K.-I. nach Überzeugung des Gerichts
die meiste Zeit nicht zusammengelebt haben. Der Beschwerdeführer hat sich zwar erst
im März 2007 offiziell in R. als Wochenaufenthalter angemeldet. Er arbeitete aber
bereits seit November 2004 bei der I. Tiefbau AG in L./Aargau. Es ist deshalb
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unwahrscheinlich, dass er während den ersten beiden Ehejahren täglich von S. auf die
jeweilige Baustelle im Grossraum Zürich/Aargau pendeln konnte. Auf das Erfordernis
der gemeinsamen Wohnung nach Art. 43 Abs. 1 AuG kann aber nur verzichtet werden,
wenn für die getrennten Wohnorte wichtige Gründe vorgelegen und die
Familiengemeinschaft trotzdem weiterbestanden hätte (Art. 49 AuG). Wichtige Gründe
entstehen insbesondere durch berufliche Verpflichtungen oder durch eine
vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme (Art. 76 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201).
Der Beschwerdeführer und seine Exfrau übten während der Ehe keine qualifizierten
Tätigkeiten aus, weshalb sie auf keinen konkreten Arbeitgeber in einem bestimmten
Landesteil angewiesen waren. Als ungelernter Bauarbeiter hat der Beschwerdeführer
während der Ehe einen Stundenlohn von Fr. 22.-- bis Fr. 26.-- verdient. Ein solcher
Stundenlohn ist ohne weiteres auch ausserhalb des Grossraums Zürich bzw. in S.
erzielbar. Seine Exfrau ist als ungelernte Arbeitskraft im Gastgewerbe tätig, wobei sie
knapp Fr. 3'000.-- pro Monat erzielt hat, wofür sie auch im Raum Zürich eine Stelle
gefunden hätte. Mithin ist es unglaubwürdig, dass das Ehepaar K.-I. in verschiedenen
Landesteilen arbeiten und wohnen musste bzw. in der gleichen Gegend keine
Arbeitsstelle finden konnte, wenn sie tatsächlich hätten zusammenleben wollen. Dies
ist aber Voraussetzung von Art. 42 Abs. 1 AuG. Insbesondere der damals 40-jährige
Beschwerdeführer hätte während der fünfjährigen Ehedauer ohne weiteres eine Stelle
in der Ostschweiz finden können, wenn er wirklich mit seiner in S. niedergelassenen
Ehefrau hätte zusammenleben wollen. Der Arbeitsmarkt für Hilfskräfte in der
Baubranche ist hier durchwegs vergleichbar mit jenem im Grossraum Zürich. Auch in
der Ostschweiz arbeiten auf dem Bau zahlreiche Hilfsarbeiter aus Ex-Jugoslawien, die
der hiesigen Sprache nicht oder nur bruchstückhaft mächtig sind. Der
Beschwerdeführer und seine Exfrau haben denn auch weder behauptet noch belegt,
dass sie sich seit der Einreise des Beschwerdeführers ernsthaft um eine Anstellung in
der Nähe des Arbeitsorts des anderen Ehepartners bemüht bzw. sich dafür beworben
hätten.
4.4. Für einen getrennten Wohnsitz wäre zwar auch ein alternatives Lebensmodell als
wichtiger und nachvollziehbarer Grund denkbar, solange der Ehewille trotzdem
vorhanden ist (Spescha, a.a.O., Rz. 2 zu Art. 49 AuG). Ein glaubhaft begründetes "living
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apart together" setzt allerdings voraus, dass die getrennt lebenden Ehepartner die
wenige Zeit, die sie miteinander verbringen, bewusst gestalten und erleben und für
gemeinsame Erlebnisse sorgen. Der Beschwerdeführer und seine Exfrau konnten
anlässlich ihrer Befragungen weder konkrete bestimmte Interessen noch konkrete
gemeinsame Aktivitäten aufzeigen. Es gibt nichts, wofür sich beide interessieren. Einen
gemeinsamen Freundeskreis pflegten sie nicht und nach Ex-Jugoslawien sind sie auch
nur einmal zusammen gereist. Auf Grund der Akten muss vielmehr davon ausgegangen
werden, dass die beiden bereits während ihrer Ehe unabhängig voneinander in S. bzw.
im Raum Zürich/Aargau gelebt haben. Dies wird dadurch untermauert, dass der
Beschwerdeführer sich nach dem missglückten offiziellen Kantonswechsel
offensichtlich nur pro forma wieder in S. an der Anschrift von Bekannten
zurückgemeldet hat, tatsächlich aber an seiner langjährigen Adresse in R. wohnhaft
blieb.
4.5. Das Bild der vorgetäuschten Ehe wird sodann durch die Angaben des
Beschwerdeführers und seiner Exfrau zu seinem Vater bzw. der abgestrittenen
Bekanntschaft zwischen diesen abgerundet. Nebst dem, dass D. wahrheitswidrig
ausgesagt hat, ihren Schwiegervater noch nie gesehen zu haben und nicht zu wissen,
wo dieser wohne, stellte sich auf Grund der neuen Praxis des Einwohneramtes von S.,
auch Konkubinats- und Wohngemeinschaften-Haushalte zu erfassen, nachträglich
heraus, dass die beiden nicht nur seit vielen Jahren im gleichen Haus an der S.-Strasse
in S. wohnen, sondern sogar in der gleichen Wohnung zusammenleben. Der
Beschwerdeführer bestreitet zwar, dass seine Exfrau und sein Vater eine
Liebesbeziehung gehabt hätten. Diese Behauptung relativiert er aber selber umgehend
wieder, indem er vorbringen lässt, davon zumindest keine Kenntnis gehabt zu haben,
falls es dennoch stimmen sollte. Weiter konnte die Polizei am 21. Juli 2010 vor Ort
feststellen, dass die Namen von D. und dem Vater des Beschwerdeführers am gleichen
Briefkasten und an der gleichen Hausklingel angebracht waren. Demzufolge war es
unnötig, die Aussagen des Hauswartehepaars zu überprüfen, das gegenüber der
Polizei bestätigt hatte, dass die beiden schon lange zusammenleben würden (zur
vorweggenommenen Beweiswürdigung vgl. u.a. BGE 136 I 229 E. 5.3). Weiter
berichtete das Hausmeisterpaar der Polizei glaubhaft, dass die beiden in der Vornacht
wie jedes Jahr zusammen für einen Monat in ihre Heimat gefahren seien, wohin sie
jeweils viele Sachen bringen würden. Die Auskunftspersonen wussten überdies, dass
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sie nicht vor dem 28. August 2010 zurückkehren würden und dass D. und der Vater
des Beschwerdeführers eigentlich einen Tag früher hätten abreisen wollen, wenn nicht
noch etwas Dringendes dazwischen gekommen wäre. Tatsächlich war D. am Vortag
bei der Kantonspolizei zur Befragung betreffend Verdacht auf Scheinehe mit dem
Beschwerdeführer vorgeladen.
5. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringen lässt, ist nicht geeignet, den
Schluss der Vorinstanz zu entkräften, es liege eine Scheinehe vor.
5.1. Die Rekursinstanz hat sich entgegen seiner Behauptung nicht nur auf einen
einzelnen bzw. auf wenige Hinweise gestützt, sondern aufgrund der
Gesamtbetrachtung aller Indizien auf das Vorliegen einer Ausländerrechtsehe
geschlossen. Zudem lag es entgegen seiner Behauptung durchaus in seinem Interesse,
den Anschein einer intakten Ehe über den Scheidungszeitpunkt hinaus aufrecht zu
halten bzw. die Ausländerbehörde in diesem Punkt zu täuschen, ansonsten er nicht
ohne weiteres bereits nach fünf Jahren Aufenthalt in der Schweiz die
Niederlassungsbewilligung erhalten hätte (Art. 43 Abs. 2 AuG; Spescha, a.a.O., Rz. 9 zu
Art. 42 AuG). Der Vorteil dieser Bewilligung liegt insbesondere darin, dass sie im
Gegensatz zur blossen Aufenthaltsbewilligung grundsätzlich unbeschränkt gilt und
nicht an Bedingungen geknüpft werden darf. Selbst seine Aufenthaltsbewilligung wäre
nach der Scheidung nicht automatisch nach drei Jahren Ehe verlängert worden,
sondern erst nach ausgewiesener erfolgreicher Integration (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG).
Bei der entsprechenden Prüfung musste der Beschwerdeführer aber damit rechnen,
dass seine vorgetäuschte Ehe allenfalls auffliegen würde.
5.2. Aus dem Gesagten folgt, dass das Migrationsamt dem Beschwerdeführer keine
Niederlassungsbewilligung erteilt und seine Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert
hätte, wenn es seine effektiven familiären Verhältnisse und tatsächlichen Absichten
gekannt hätte. Insbesondere kann seinen Ausführungen nicht gefolgt werden, der
Umstand, dass seine Exfrau nach der Vermählung mehrere Monate abgewartet habe,
bis sie das Gesuch um Familiennachzug gestellt habe, spreche gegen eine
Umgehungsehe bzw. für eine Liebesheirat. Der Beweggrund für das lange Zuwarten
dürfte vielmehr darin gelegen haben, dass seine damalige Frau den Nachweis nicht
früher erbringen konnte, dass der Beschwerdeführer bzw. sie in der Lage seien, für
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seinen Lebensunterhalt in der Schweiz aufzukommen, zumal ihr dafür wie gesagt nicht
einmal Fr. 3'000.-- pro Monat zur Verfügung gestanden haben. Die weiteren
Vorbringen, der Beschwerdeführer und seine Exfrau seien vor der Vermählung länger
bekannt gewesen, sie hätten Kenntnisse von den Familienverhältnissen des andern
gehabt und sie hätten beide den Grundriss der Wohnung an der S.-Strasse zeichnen
können, sprechen ebenfalls nicht für den Beschwerdeführer bzw. nicht gegen eine
Scheinheirat. Die Erklärung dafür liegt vielmehr darin, dass D. bereits seit vielen Jahren
mit dem Vater des Beschwerdeführers zusammenlebt, regelmässig mit diesem in ihr
Heimatland gereist ist und dabei jeweils den Beschwerdeführer getroffen haben dürfte.
Die aufgezeigten Lügen und Widersprüche, sowie die unterschiedlichen Wohn- und
Arbeitsorte in verschiedenen Landesteilen sind eindeutige Indizien dafür, dass der
Beschwerdeführer die Ehe einzig zum Zweck eingegangen ist, die Vorschriften des
Ausländerrechts zu umgehen, zumal er als Staatsangehöriger von Kosovo ohne
Berufsausbildung sonst keine Möglichkeit gehabt hätte, eine Aufenthaltsbewilligung in
der Schweiz zu erlangen. Die Behauptung, er habe die 14 Jahre ältere Partnerin seines
Vaters aus Liebe geheiratet, muss unter diesen Umständen als reine
Schutzbehauptung gewertet werden.
6. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung bzw. die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung rechtfertigt sich nur, wenn die jeweils im Einzelfall
vorzunehmende Interessenabwägung die entsprechende Massnahme als
verhältnismässig erscheinen lässt. Die zuständigen Behörden berücksichtigen bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration des Ausländers (Art. 96 Abs. 1 AuG).
6.1. Der Beschwerdeführer hat keine Schulden, ist berufstätig und kommt für seinen
Lebensunterhalt selber auf. Dies allein stellt aber noch keine besondere Leistung dar,
sondern darf von einem alleinstehenden, gesunden 45-jährigen Mann erwartet werden.
Darüber hinaus ist vielmehr eine eigentliche Verwurzelung in der Schweiz nötig. Von
einer solchen kann vorliegend aber keine Rede sein. Bis zum 38. Altersjahr lebte er
ununterbrochen in seiner Heimat und hat damit die prägenden Lebensjahre im Kosovo
verbracht. In der Schweiz hält er sich erst seit dem Jahr 2004 auf, wobei sein
Aufenthalt allerdings auf der Irreführung der Ausländerbehörde beruht. Das Eingehen
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einer Scheinehe bildet sodann nicht nur einen Verstoss gegen eine zentrale
ausländerrechtliche Norm (VerwGE B 2007/127 vom 5. November E. 2.7. mit
Hinweisen, in: www.gerichte.sg.ch), sondern stellt darüber hinaus einen
Straftatbestand dar, und zwar nicht nur für seine Exfrau, sondern auch für den
Beschwerdeführer selbst (Art. 118 AuG).
6.2. Seiner Behauptung, er spreche fliessend Schweizerdeutsch, steht der Einwand
entgegen, er habe im Raum St. Gallen wegen mangelnden Deutschkenntnissen keinen
Hilfsjob finden können. Dazu kommt, dass für seine polizeiliche Befragung im Juli 2010
ein Dolmetscher beigezogen werden musste. Bei seinem geltend gemachten grossen
Bekannten- und Freundeskreis in der Schweiz dürfte es sich demnach ausschliesslich
um Landsleute handeln. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass er mit den
kulturellen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten seines Heimatlands nach wie vor
bestens vertraut ist. Dazu kommt, dass seine Mutter, einige Geschwister und
Verwandte, Freunde sowie Bekannte dort leben und er in seiner Heimat mit seinen hier
erlernten Fähigkeiten wiederum wie andere Einheimische auch am Erwerbsleben
teilhaben können wird. Dem Beschwerdeführer ist es somit zuzumuten, in seine Heimat
zurückzukehren.
7. Zusammengefasst ergibt sich, dass der formell-rechtlichen Ehe des
Beschwerdeführers von Anfang an kein Ehewille zugrunde gelegen ist und dass keine
tatsächlich gelebte Ehebeziehung bestanden hat. Die Vorinstanz hat die Ehe des
Beschwerdeführers somit zu Recht als Scheinehe bzw. den Familiennachzug als
rechtsmissbräuchlich beurteilt. Die Voraussetzungen für den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung nach Art. 62 lit. a AuG sind damit erfüllt. Nachdem erstellt
ist, dass der Beschwerdeführer und D. die Ehe nur zum Schein eingegangen sind, ist
auch der Anspruch auf eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 50 AuG
verwirkt (Art. 51 Abs. 2 AuG). Seine Rückkehr liegt unter den gegebenen Umständen im
öffentlichen Interesse und ist verhältnismässig sowie zumutbar, so dass die
Beschwerde abzuweisen ist. Nachdem die angesetzte Ausreisefrist zwischenzeitlich
abgelaufen ist, wird ihm das Migrationsamt, wie von der Vorinstanz angeordnet, eine
neue angemessene Ausreisefrist ansetzen (Art. 66 Abs. 2 AuG).
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8. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom
Beschwerdeführer zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Der Beschwerdeführer und die Vorinstanz stellen ein Kostenbegehren. Der
Beschwerdeführer ist mit seinen Anträgen unterlegen. Die Vorinstanz hat grundsätzlich
keinen Entschädigungsanspruch (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss., St. Gallen 2004, S. 176). Ausseramtliche Kosten
sind somit keine zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht