Decision ID: 9caaf041-6c51-4b2e-bc63-94e0d59feb21
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
geboren 1974, arbeitete vom
1.
Juli 2007
bis zur per 3
1.
Ok
tober
2009 durch die Arbeitgeberin wegen Krankheit ausgesprochenen Kündigung als
Finance
Assistant
bei der
Y._
(letzter effektiver Ar
beitstag: 3
1.
Okto
ber
2008
;
Urk.
6/11
Ziff.
1-2.2
)
. A
m
9.
April 2009 erlitt er ei
nen Auffahru
nfall
(
Urk.
6/12/5-11 S.
1 unten) und
meldete sich
am
2.
April 2011
bei der Inva
liden
versicherung
wegen
Angst, Schwindel, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen,
Gleich
ge
wichtsproblemen
und Erschöpfungszuständen
zum Leistungsbezug
(
berufliche Integration, Rente
)
an
(
Urk.
6/5
Ziff.
6.2
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische Berichte (Urk. 6/12, Urk. 6/14,
Urk.
6/22), einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug; Urk. 6/10
)
und
Arbeitgeberberichte (Urk. 6/11,
Urk.
6/13)
ein
.
A
m
1
4.
Juli 2011 teilte sie dem Versicherten mit, dass keine beruflichen
Einglie
de
rungsm
assnahmen
möglich seien (
Urk.
6/17), und
mit Schreiben vom
2
5.
Okto
ber 2011
auferlegte sie dem Versicherten die Intensivierung der Psycho
therapie als Schadenminderungspflicht (
Urk.
6/25).
Nach Einholung der
Unterla
gen des Case Managements (
Urk.
6/29) erte
ilte sie
verschiedene
Kostengutspra
chen
im Hin
blick auf die berufliche Eingliederung (Belastbarkeitstraining,
Urk.
6/34;
Auf
bau
tra
ining,
Urk.
6/44,
Urk.
6/57; Arbeitsvermittlung,
Urk.
6/73;
Arbeitstraining,
Urk.
6/77;
Suche eines Einzeleinsatzplatzes
im Rahmen der Frühintervention,
Urk.
6/82).
Nach Abbruch der letzten zugesprochenen berufli
chen
Massnahme
per 2
6.
Februar 2013 (
Urk.
6/88) teilte die IV-Stelle mit Mittei
lung vom 1
0.
Mai 2013
(
Urk.
6/104)
den Abschluss der beruflichen
Eingliede
ru
ngsunterstützung
(
vgl.
Urk.
6/35,
Urk.
6/43,
Urk.
6/56,
Urk.
6/71,
Urk.
6/76,
Urk.
6/90,
Urk.
6/103
)
mit
.
Nach
Einholung eines weiteren
Arztbericht
es (
Urk.
6/108)
stellte
die IV-Stelle
mit Vorbescheid vom 2
1.
August 2013 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aus
sicht (
Urk.
6/110). Die dagegen am 1
9.
September und 2
9.
November 2013 er
hobenen Einwände (
Urk.
6/114,
Urk.
6/120-121) wies sie mit Verfügung vom
2.
De
zember 2013 ab und verneinte einen Leistungsanspruch (
Urk.
6/123 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
2.
Dezember 2013 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am
2
0.
Januar 2014 Beschwerde und beantragte de
ren
Aufhebung und die
Rück
weisung
der Sache zur Berechnung des Invaliditätsgrades und Ausrichtung eine
r Invalidenrente, eventualiter zur Durchführung weiterer Ab
klärungen
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Februar 2014, welche dem Beschwerdeführer
am
7.
April 2014
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7
), be
antragte die
Be
schwer
degegnerin
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S.
70 E. 4b.cc).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E.
1c).
1.3
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall
Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein ent
sprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Um
stände (AHI 1997 S. 43 E. 5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der Regel
auf einer persönlichen Untersuchung beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438 S.
345,
Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E.
5.3 und I 169/06 vom
8. August 2006 E.
4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352
E.
2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E.
4.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Er
krankungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)
ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die
Ar
beits
-
und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und so
zio
kulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zu
kunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund
treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen
sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
träch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrüh
ren,
bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu um
fassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar un
terscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen da
mit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit
sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo
die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Er
klä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbstständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad
seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Fol
gen
verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken
(Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinwei
sen).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
di
ger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S.
69).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann ab
zusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der
Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 116 V 182 E. 3c und d; Urteil des Bundesgerichts I 30/00 vom 1
9.
April 2000 E.
3).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob eine anspruchsbegründende Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit besteht.
3.
3.1
M
ed.
pract
.
Z._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte auf
grund seiner
versicherungs
psychiatrischen Untersuchung mit Bericht vom
1
1.
November 20
10 (
Urk.
6/12/12-20)
folgende Diagnosen (S. 8):
depressive Störung leichten bis mittleren Grades (ICD-10: F32.0/32.1)
gemischte Angststörung (ICD-10: F41.3)
posttraumatische Stresssymptomatik, ohne die Kriterien der eigenständi
gen Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erreichen
Was das Unfallereignis vom
9.
April 2009 angehe, bei welchem der Be
schwer
deführer als PW-Lenker unverschuldet eine Heckauffahrkollision mit
Halswirbel
säule
n
-Distorsion
erlitten und anschliessend vom Unfallverursacher bedroht wor
den sei, so sei von einer als überwiegend wahrscheinlich anzuneh
menden
Teil
kausalität
auszugehen (S. 8). Beim an sich differenzierten und auch moti
vierten Beschwerdeführer, welcher bereits von den beiden bisherigen Psy
cho
therapien habe profitieren können, sei - unter Annahme einer weiter füh
renden, regelmässigen psychotherapeutischen Behandlung ab Anfang 2011 - in einem Zeitraum bis Sommer 2011 durchaus mindestens eine Teilarbeitsfähigkeit zu erwarten (
S. 9
)
.
3.2
Dr.
med.
A._
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin
,
welche den Be
schwerdeführer seit dem 2
4.
Oktober 2008 behandelte (
Ziff.
1.2),
diagnostizierte
mit Bericht vom
2.
Mai 20
11 (6/12/1-4)
eine Erschöpfungsdepression seit Okto
ber
2008 (ICD-10: F32.1) sowie einen Status nach Halswirbelsäule
n
-Distorsion im April 2009 (
Ziff.
1.1).
Noch während der
attestierten Arbeitsunfähigkeit habe sich ein Autounfall ereignet mit den typischen Folgen einer Halswirbelsäule
n
-Distorsion, und der schon immer besorgte und sehr empfindliche Beschwerde
führer sei durch den Unfall in massivste Gesundheits- und Zukunftsängste ge
raten. Aktuell beklage der Beschwerdeführer anhaltende neuropsychologische Defi
zite: Konzentrationsschwäche, eingeschränkte Lernfähigkeit, Kopfschmerzen und Verspannungsschmerzen in der Halswirbelsäule
n
- und
Schultergürtelmus
kulatur
(
Ziff.
1.4).
Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit bezie
hungsweise Erhöhung der Einsatzfähigkeit sei zu rechnen (
Ziff.
1.9).
3.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
wel
cher den Beschwerdeführer seit Mai 2010 psychiatrisch behandelte (
Ziff.
1.2),
nannte mit Bericht vom
3
0.
Mai 20
11 (
Urk.
6/14)
folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
mittelgradige depressive Episode
soziale Phobie mit Panikstörung und Vermeidungsverhalten (ICD-10: F40.1) nach belastender Situation am Arbeitsplatz im Herbst 2008 und Unfall vom
9.
April 2009
Schmerzen im Bereich des Rückens, der Schulter, des Nackens und Kop
fes nach Unfall vom
9.
April 2009
posttraumatische Symptomatik mit intrusiven Erinnerungen, Albträu
men,
Hypervigilanz
und nach Unfall vom
9.
April 2009
Der Beschwerdeführer habe am Arbeitsplatz bei Auseinandersetzungen mit sei
nem Vorgesetzten Mobbing erlebt, sei ungerecht behandelt und kritisiert wor
den
.
Dadurch sei er mehr und mehr unter psychischen Druck geraten, was zu Ängsten
, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit geführt habe. Im Okto
ber 2008 sei er krankgeschrieben worden. Am
9.
April 2009 habe er unver
schuldet einen Au
to
unfall erlitten, wobei sein Auto durch den Aufprall drei bis vier Meter in Richtung vorfahrtsberechtigte Strasse geschoben worden und er vo
m
unfall
ver
ursachenden
Fahrer bedroht und beschimpft
worden
sei (
Ziff.
1.4).
Als Sachbearbeiter in der Reisebranche sei der Beschwerdeführer seit mindes
tens
9.
April 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Ziff.
1.6)
.
Mit Schreiben vom
6.
September 2011 (
Urk.
6/22) führte
Dr.
B._
aus, mit Hilfe eines intensiven Verhaltenstrainings hätten die phobischen Ängste ab
gebaut werden können, und der Beschwerdeführer könne sich nun auch alleine ausser Haus bewegen. Aufgrund des bisherigen positiven Verlaufs sei mit wei
te
ren Verbesserungen zu rechnen. Die depressive Störung habe sich unter
anti
de
pressiver
Medikation etwas gebessert. Dem Beschwerdeführer seien
Integrati
ons
massnahmen
von zwei Stunden pro Tag an mindestens vier Tagen der Wo
che zumutbar. Bei weiterem gutem Verlauf sei durch berufliche Massnahmen eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50
%
erreichbar.
3.4
Dr.
B._
diagnostizier
te mit Bericht vom
1
2.
Juli 20
13
(
Urk.
6/108) eine soziale Phobie mit Vermeidungsverhalten gemäss ICD-10: F40.1 (
Ziff.
1.1).
Nach einer weiteren psychischen Stabilisierung und erfolgreichen Bewältigung
des Rückzugsverhaltens durch ein Verhaltenstraining habe der Beschwerdefüh
rer
2012 berufliche Massnahm
en beginnen können. Während neu
n Monaten habe er
eine Eingliederungsinstitution besucht und die Präsenzzeit dort auf etwa sechs Stunden gesteigert, zuzüglich eines Arbeitsweges von zwei Stunden. Im Oktober 2012 sei es während einer einwöchigen Abwesenheit der
Betreu
ungsperson
zum Abbruch des Arbeitstrainings gekommen. Beim danach aufge
nommenen Prakti
kum sei es nach etwa zwei Monaten zu interpersonellen Schwierigkeiten mit dem
Vorgesetzten gekommen, eine Fortführung sei aber erreicht worden, bis eine zweite ähnliche Krise Ende Februar 2013 zu einem Abbruch des Praktikums ge
führt habe. Der Beschwerdeführer fühle sich vom Vorgesetzten in seinen Bedürf
nissen zu wenig ernst genommen, leide unter so
zialen Ängsten und fühle sich
durch andere rasch ausgegrenzt und entwertet
, was die innere Anspannung er
höh
en und zu Beziehungsabbrüchen führen könne
. Es bestehe ein
Rückzugs
verhalten
, und er verbringe die Tage meist ohne Struktur zu Hause (
Ziff.
1.4).
Als Sachbearbeiter in der Reisebranche bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 bis 60
%
(
Ziff.
1.6).
Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei dem Beschwerde
füh
rer seit November 2012 während sechs Stunden pro Tag möglich für Büroar
bei
ten im
Backoffice
und mit verständnisvollen Vorgesetzten. Direkte
Kunden
kon
takte
seien aufgrund der sozialen Ängste noch nicht möglich (
Ziff.
1.7).
3.5
Mit Stellungnahme vom 1
4.
August 2013
(Urk. 6/109 S. 5 f.)
führte med.
pract
.
C._
, Fach
arzt für Neurologie,
Regionalärztlicher Dienst (RAD),
aus,
dass aufgrund der Aktenlage die von
Dr.
B._
attestierte Arbeits
un
fähig
keit von 100
%
vom
9.
April 2009 bis November 2012 und von 50
%
seit November 2012 auf
grund der genannten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen
nachvollzieh
bar
sei. Fü
r eine angepasste Tätigkeit ergebe sich keine Abwei
chung
. Voraussetzung für die Ausschöpfung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
wäre eine ge
eigneter Arbeits
platz ohne erhebliche Stressbelastung, genauer ein fehlender psychischer Druck durch Kundenkontakte. Termin- und Zeitdruck sowie erheb
li
che Anforderungen an die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit. Geeignet seien einfache, repetitive Tätigkeiten, die den Fähigkeiten eines Hilfskaufmanns ent
sprächen. Bezüglich der erhöhten Kränkbarkeit sei medizinisch-theoretisch davon
auszugehen, dass dies in gewissem Masse auch als überwindbar angesehen wer
den müsse. Es be
stünden keine Persönlichkeitsstörungen, die als erheblich limi
tierend entgegen
stünden
(S. 5)
. Ein Verbesserungspotential der Arbeitsfähigkeit
liege in einer stufen
weisen Erhöhung der Belastung über zwölf Monate, be
ginnend
mit 50
%
und Fortsetzung der Behandlung. Die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht sei bei erkennbarer Eigenmotivation bezüglich einer Therapie nicht sinnvoll (
Urk.
6/109 S. 5 f.).
3.6
Mit Schreiben vom 2
5.
November 2013 (
Urk.
6/120) führte
Dr.
B._
aus, dass der Beschwerdeführer seit mehreren Jahren im Rahmen einer
Angsterkran
kung
unter einer sozialen Phobie mit Vermeidungsverhalten gemäss ICD-10: F40.1 leide. Dabei han
dle es sich um eine psychische E
rkrankung, welche sich
auch physiologisch stark auswirken könne. Der Beschwerdeführer leide in sozi
alen
Situationen unter erhöhter innerer Anspannung, hohem Puls, Schweissaus
brüchen und Nervosität. Diese vegetativen Reaktionen stünden in Verbindung mit Ängsten und der Befürchtung, sozial isoliert und ausgegrenzt zu werden. Auf
grund dieser Erkrankung komme es zu negativen Verkennungen von und Wahrnehmungsstörungen in interpersonellen Situationen, welche die affektive und vegetative Symptomatik zusätzlich verschlimmerten. Die in der Folge auf
tretenden Verhaltensstörungen im zwischenmenschlichen Bereich hätten in den letzten Jahren zu Konflikten am Arbeitsort und in der Folge krankhaftem Rück
zug geführt. Diese Symptomatik sei aufgrund der starken affektiven und vege
tativen Beteiligung nicht willentlich steuerbar. Der Beschwerdeführer könne sich
selbst dann manchmal für Tage nicht beruhigen und gerate in eine psy
chische Krise.
Diese Symptomatik beeinträchtige die Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
deutlich und wirke sich vor allem in Arbeitssituationen mit regelmässigen Kon
takten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern aus. Aufgrund dieser Störung sei seine Arbeitsfähigkeit um etwa 50
%
eingeschränkt. Die Auswirkungen dieser psychi
schen Erkrankung sei
en
so erheblich, dass sie vom Beschwerdeführer al
lein nicht
überwunden werden könn
t
e
n
. Es bedürfe zur Verbesserung der Sympto
matik wie
auch zur nachhaltigen Stabilisierung und Steigerung der Ar
beitsfähigkeit einer
psychotherapeutischen und psychiatrischen Behandlung so
wie weiterer beruf
licher
Massnahmen.
4.
4.1
Zusammenfassend ging
der behandelnde Psychiater
Dr.
B._
diagnos
tisch im Rahmen einer Angsterkrankung von einer sozialen Phobie mit
Vermei
dungsverhalten
gemäss ICD-10: F40.1
aus und schätzte die daraus resultierende
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiter in der
Reise
branche
auf
e
twa
50
%
beziehungsweise in
eine
r
behinderungsangepasste
n
Tätig
keit
auf
sechs Stunden pro Tag
für Büroarbeiten im
Backoffice
und mit verstän
d
nis
vollen Vorgesetzten
ein
.
Er hielt fest, dass d
ie Auswirkungen dieser psychi
schen Erkrankung so erheblich
seien
, dass sie vom Beschwerdeführer al
lein nich
t
überwunden werden könn
t
e
n
; zur nachhaltigen Stabilisierung und Steigerung der
Arbeitsfähigkeit bedürfe es einer psychotherapeutischen und psychiatrischen Be
handlung sowie weiterer beruflicher Massnahmen (vorste
hend E. 3.3
-3.4
, E. 3.
6
).
D
er RAD-Arzt
med.
pract
.
C._
teilte d
iese fachärztliche Einschätzung voll
umfäng
lich und hielt fest, dass aufgrund der Aktenlage eine Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
in angestammter und angepasster Tätigkeit
nachvollziehbar sei
, wo
bei
hinsichtlich der erhöhten Kränkbarkeit aus medizinisch-theoretischer Sicht in ge
wissem Masse von einer Überwindbarkeit auszugehen sei
(vorstehend E. 3.5
)
.
4.2
D
emgegenüber ging d
ie Beschwerdegegnerin
davon aus, dass kein
invali
den
ver
sicherungsrechtlich
relevanter Gesundheitsschaden
vorliege,
da
die beim Be
schwer
deführer bestehenden
psychische
n
Einschränkung
en
durch psychoso
ziale
Faktoren ausgelöst
worden seien
. Zudem sei
en
d
ie
Einschränkungen
über
wind
bar,
sodass
die angestammte Tätigkeit mit einer zumutbaren
Willensan
streng
ung
ausgeübt werden
könne
. Gestützt darauf verneinte sie einen
Leis
tungsanspruch
(
Urk.
2 S.
2
,
Urk.
6/109 S. 6,
Urk.
6/122
).
Diese Argumentation verfängt nicht
. Die Beschwerdegegnerin verkennt
, dass
mit
der diagnostizierten
sozialen Phobie mit Vermeidungsverhalten
eine eigen
stän
dige psychiatrische Diagnose nach ICD-10
vorlieg
t
und dass
von
möglich
erwei
se
verursachenden
psychosozialen
Faktoren losgelöste
psychiatrische Be
funde er
hoben wurden, welche
die Arbeitsfähigkeit einschränken und
eine
krankheits
wer
tige
Diagnose
begründen
.
Wovon die Krankheit ausgelöst oder begünstigt wurde, ist somit unerheblich, denn aufgrund der Arztberichte ist von
ein
em
fach
ärztlich festgestellte
n
Substrat
auszugehen
, welches die Arbeitsfähig
keit
wesent
lich
beeinträchtigt (vgl. vorstehend E. 1.
4
)
. D
ie Beschwerdegegnerin überschrei
tet
demnach
ihr Ermessen, wenn sie sich über
die
klaren
Einschät
zungen
ihres
RAD
hinwegsetz
t
und
die
se
nach Belieben
durch eigene Einschät
zungen
ihrer Sach
bearbeiterin
ersetzt
.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
ist
aus objektiver Sicht
auf
grund der Aktenlage
auch nicht ohne
w
eiteres
auf eine
Überwindbarkeit
der Er
werbsunfähigkeit
zu schliessen. Aus
Dr.
B._
s Schilderung
ergibt sich
vielmehr
eindrücklich, dass die beschriebenen
gesundheitlichen Einschränkun
gen
und Vorgänge
aufgrund der starken affektiven und vegetativen Beteiligung nicht
willentlich steuerbar
sind
.
4.3
Damit
ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit sie ent
weder - sofern sie den Sachverhalt als genügend abgeklärt erachtet -
ausgehend von
der Stellungnahme des RAD
und der fachärztlichen Einschätzung von
Dr.
B._
über Leistungsansprüche entscheide und ihren Entscheid
rechts
genüglich
begründe, oder - sollte sie diese
n Einschätzungen
nicht folgen
wollen
-
rechtsgenügliche
weitere Abklärungen tätige und ihren Entscheid ge
stützt da
rauf medizinisch und versicherungsrechtlich korrekt begründe.
4.4
Zusammenfassend
erweist sich die Beschwerde als begründet, weshalb die ange
fochtene Verfügung aufzuheben und die Sache im Sinne obiger Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2
).
5.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), ermessensweise auf
Fr.
600.-- an
zusetzen und
ausgangs
ge
mäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.3
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat
die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Ermangelung einer Honorarnote wird die Entschädigung gemäss
§
7 Absatz 2
der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem
Sozi
a
l
versicherungsgericht
(
GebV
SVGer
) vom Gericht festgesetzt. Vorliegend recht
fertigt sich die
Zusprache
einer Prozessentschädigung von
Fr.
1
’
8
00.-- (ein
schliess
lich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Das beschwerdeweise gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zessführung
und unentgeltliche
n
Rechtsverbeiständung
(
Urk.
1 S. 2)
erweist sich damit als gegenstandslos.