Decision ID: c10bfa23-42ac-57b1-92aa-5912ad54305e
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
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A. X._ ist seit dem Jahr 2002 im Besitz des Führerausweises für die Kategorie B, seit
2009 für die Fahrzeugkategorien C und C1E sowie seit 2013 für die Kategorien D und
DE. Im Administrativmassnahmenregister ist sie nicht verzeichnet. Am 4. März 2017,
Fasnachtssamstag in L._, um 17.55 Uhr erlitt sie als Fussgängerin beim Überqueren
der Hauptstrasse einen Unfall mit einem Personenwagen und kam mit leichten
Verletzungen davon. Bei diesem Vorfall wurde bei X._ ein Atemalkoholtest
durchgeführt, welcher einen Wert von 1,23mg/l ergab. Die Auswertung der
angeordneten Blutprobe von X._ durch das Institut für Rechtsmedizin vom
Kantonsspital St. Gallen im forensisch-toxikologischen Gutachten vom 17. März 2017
ergab für den Zeitpunkt der Blutentnahme um 20.30 Uhr eine Blutalkoholkonzentration
von mindestens 2,40 und maximal 2,66 Gewichtspromille. Nach Rückrechnung gemäss
den ASTRA (Bundesamt für Strassen)-Weisungen errechnete das Institut eine minimale
Blutalkoholkonzentration von 2,65 bzw. maximale Blutalkoholkonzentration von 3,38
Gewichtspromille. Gestützt auf dieses Gutachten ging das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen vom Verdacht auf ein Alkoholproblem aus und
ordnete mit Verfügung vom 6. Juli 2017 eine verkehrsmedizinische Untersuchung an.
Den dagegen erhobenen Rekurs wies die Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid
vom 4. Januar 2018 (Versand am 8. Januar 2018) ab. Sie erwog, dass die Zweifel an
der Fahreignung von X._ berechtigt seien und damit die Anordnung der
verkehrsmedizinischen Untersuchung rechtens sei.
B. Gegen diesen Entscheid erhob X._ (Beschwerdeführerin) am 19. Januar 2018 durch
ihren Rechtsvertreter Beschwerde. Sie beantragte, dass der Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission vom 4. Januar 2018 aufzuheben und darauf zu
verzichten sei, sie verkehrsmedizinisch untersuchen zu lassen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
Die Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) beantragte in der Vernehmlassung vom
5. Februar 2018 die Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die
Erwägungen des angefochtenen Entscheids. Das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt (Beschwerdegegner) verzichtete am 9. Februar 2018 auf eine
Vernehmlassung.
Am 27. Februar 2018 reichte der Rechtsvertreter Laborresultate einer freiwilligen
Blutprobe von X._ vom 26. Februar 2018 ein.
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Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 19.
Januar 2018 rechtzeitig erhoben und erfüllt formal wie inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Vorab ist der Antrag der Beschwerdeführerin auf eine öffentliche Verhandlung zu
prüfen. Da mit dem Entzug des Führerausweises zu Warnzwecken nach einer
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften ein Entscheid über die
Stichhaltigkeit einer strafrechtlichen Anklage im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK)
in Frage steht (vgl. BGE 133 II 331 E. 4.2, 121 II 22), hat die Beschwerdeführerin
Anspruch darauf, dass im kantonalen Verfahren eine öffentliche Verhandlung
durchgeführt wird (BGer 6A.47/2000 vom 23. Januar 2001 E. 1b mit Hinweis auf BGE
121 II 219 E. 2b). Im mehrinstanzlichen Verfahren muss mindestens einmal vor einem
Gericht mit voller Kognition eine öffentliche Verhandlung stattfinden, sofern die
Parteien nicht ausdrücklich oder stillschweigend darauf verzichten (6P.95/2006 und 6S.
173/2006 vom 8. August 2006 E. 2.2.2 mit Hinweis auf BGE 125 II 417 E. 4f. und 123 I
87 E. 2b/c). Im Administrativverfahren nach dem Strassenverkehrsgesetz wird die
mündliche und öffentliche Verhandlung vor der Verwaltungsrekurskommission
durchgeführt. Wird der Anspruch in jenem Verfahren nicht geltend gemacht, ist er
verwirkt (GVP 2015 Nr. 63, VerwGE B 2016/63 vom 28. September 2017 E. 2, B
2016/199 vom 20. Dezember 2016 E. 2, www.gerichte.sg.ch). Die Beschwerdeführerin
beantragte vor der Verwaltungsrekurskommission mit der Rekurseingabe vom 20. Juli
2017 keine mündliche Verhandlung. Damit hat sie im vorliegenden
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Beschwerdeverfahren keinen Anspruch mehr darauf, dass die Angelegenheit vor einem
Gericht mündlich verhandelt wird. Der Antrag ist deshalb abzuweisen.
3. Die Beschwerdeführerin bestreitet den von der Vorinstanz festgestellten und
aktenmässig belegten Sachverhalt und die vom Institut für Rechtsmedizin vom
Kantonsspital St. Gallen im forensisch-toxikologischen Gutachten vom 17. März 2017
erhobene Blutalkoholkonzentration nicht. Umstritten ist, ob bei den gemessenen
Werten eine verkehrsmedizinische Untersuchung zur Abklärung der Fahreignung der
Beschwerdeführerin anzuordnen ist und die Vorinstanz damit den Rekurs zu Recht
abgewiesen hat.
3.1. Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, dass die Blutalkoholkonzentration der
Beschwerdeführerin im Ereigniszeitpunkt mindestens 2,65 und maximal 3,38
Gewichtspromille betragen habe, was einen Mittelwert von 3,015 Gewichtspromille
ergebe. Eine nicht alkoholgewöhnte Person sei kaum in der Lage, eine solch hohe
Blutalkoholkonzentration zu erreichen. Die letale Dosis für ungewohnt Trinkende liege
etwa bei 3 bis 4 Gewichtspromille. Es erscheine gerechtfertigt, ab einem
Blutakoholwert von 3 Gewichtspromille einen dringenden Verdacht auf fehlende
Fahreignung anzunehmen und zwar auch dann, wenn die betroffene Person nicht am
motorisierten Strassenverkehr teilgenommen habe. Wer sich mit einer solch hohen
Alkoholisierung nur schon auf den Beinen halten und sogar von der Fasnacht zu Fuss
nach Hause gehen könne, sei verkehrsmedizinisch zu untersuchen.
3.2. Dagegen wendet die Beschwerdeführerin ein, dass Art. 15d Abs. 1 lit a und b SVG
ausser Betracht fallen würden, da sie nicht gefahren sei. Im Unfallzeitpunkt sei sie
aufgrund des übermässigen Alkoholkonsums äusserst stark beeinträchtigt gewesen.
Sie habe einen „Filmriss“ erlitten und sei in ihrer Handlungskontrolle entsprechend
eingeschränkt gewesen. Dies zeige, dass sie solche Alkoholmengen nicht gewohnt sei.
Auch müssten die Ausführungen betreffend die tödliche Alkoholdosis ins rechte Licht
gerückt werden. Bei Personen, die regelmässig Alkohol trinken würden, liege der Wert
deutlich höher bei über 5 Gewichtspromille. Im Strafrecht werde als Faustregel ab zwei
Gewichtspromille von einer verminderten und ab drei Promille von aufgehobener
Schuldfähigkeit ausgegangen. Wäre die letale Dosis tatsächlich schon bei drei
Gewichtspromille erreicht, müsste die Schuldunfähigkeitsgrenze deutlich tiefer
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angesetzt werden. Die Vorinstanz habe auch den ausgezeichneten automobilistischen
Leumund ausser Acht gelassen. Richtigerweise habe die Beschwerdegegnerin
aufgrund des guten Leumunds auch keinen vorsorglichen Entzug angeordnet. Diese
schätze anscheinend das Risiko, dass sie sich betrunken ans Steuer setzen würde für
so gering ein, dass sie ihr den Führerausweis belassen habe. Die angeführten
Bundesgerichtsurteile, denen die Anordnung von verkehrsmedizinischen
Untersuchungen wegen Alkoholkonsums ohne Zusammenhang mit der Teilnahme am
Strassenverkehr zugrunde liegen würde, würden verdeutlichen, dass die Vorinstanz
Bundesrecht verletze, indem sie die Anordnung zur verkehrsmedizinischen
Untersuchung schütze.
4.
4.1. Nach Art. 14 Abs. 2 lit. c des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG) verfügt
über die Fahreignung, wer frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt. Fahreignung setzt unter anderem die erforderliche
körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von
Motorfahrzeugen voraus (Art. 14 Abs. 2 lit. b SVG). Gemäss Art. 16 Abs. 1 SVG sind
Ausweise zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen
zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen. Einer Person wird der Führerausweis auf
unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung
ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG). Trunksucht wird nach der Praxis des
Bundesgerichts bejaht, wenn der Fahrzeugführer regelmässig so viel Alkohol
konsumiert, dass seine Fahrfähigkeit vermindert wird und er keine Gewähr bietet, den
Alkoholkonsum zu kontrollieren und ihn ausreichend vom Strassenverkehr zu trennen,
so dass die Gefahr naheliegt, dass er im akuten Rauschzustand am motorisierten
Strassenverkehr teilnimmt (BGE 129 II 82 E, 4.1, 127 II 122 E. 3c). Bestehen Zweifel an
der Fahreignung wird der Betroffene gestützt auf Art. 15d Abs. 1 SVG einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen.
4.2. Die Beschwerdeführerin wurde in stark alkoholisiertem Zustand als Fussgängerin
auf dem Nachhauseweg von der Fasnacht Opfer eines Verkehrsunfalls, bei welchem
sie sich zwar keine gravierenden Verletzungen zuzog, die Untersuchungen jedoch
ergaben, dass sie in diesem Zeitpunkt eine Blutalkoholkonzentration von minimal 2,65
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bzw. maximale 3,38 aufwies. Eine Trunkenfahrt bildet keine notwendige Voraussetzung
für die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung. Art. 15d Abs. 1 SVG
führt bloss exemplarisch und damit in nicht abschliessender Weise die einzelnen
Tatbestände auf, welche Zweifel an der Fahreignung begründen (BGer 1C_445/2012
vom 26. April 2013 E. 3.2). Liegt kein Sondertatbestand im Sinn von lit. a bis e von
Art. 15d Abs. 1 SVG vor, kann die Fahreignungsabklärung auch gestützt auf die in
dieser Bestimmung enthaltene Generalklausel angeordnet werden (P. Weissenberger,
Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 2015,
Rz. 24 zu Art. 15d SVG). Die Fahreignungsabklärung setzt somit nicht voraus, dass
eine Angetrunkenheit oder ein anderer, die Fahreignung beeinträchtigender Umstand
im Zusammenhang mit der Teilnahme am Strassenverkehr festgestellt wurde. Daraus
folgt, dass eine Fahreignungsabklärung auch gestützt auf Informationen erfolgen kann,
die eine Alkoholauffälligkeit ausserhalb des Strassenverkehrs belegen. Gleichwohl darf
nicht gänzlich auf einen Konnex zwischen der Alkoholisierung und der Teilnahme am
motorisierten Strassenverkehr verzichtet werden. In diesem Sinn muss Anlass zur
begründeten Annahme bestehen, dass der Betreffende nicht in der Lage ist, seinen
Alkoholkonsum von der Verkehrsteilnahme zu trennen (P. Weissenberger, a.a.O.,
Art. 15d SVG N. 30 f.). Bei Verdacht auf eine Alkohol- oder
Betäubungsmittelabhängigkeit darf nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine
verkehrsmedizinische Abklärung angeordnet werden, sofern konkrete Anhaltspunkte
vorliegen, die ernsthafte Zweifel an der Fahreignung des Betroffenen wecken (BGer
1C_384/2017 vom 7. März 2018 E. 2.2, 1C_446/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2).
4.3. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist bei einer Person, die mit einer
Blutalkoholkonzentration von 2,5 und mehr Gewichtspromille (wobei nicht auf den
Minimalwert abgestellt werden muss, sondern der Mittelwert berücksichtigt werden
kann) ein Motorfahrzeug gelenkt hat, eine medizinische Fahreignungsuntersuchung
anzuordnen, auch wenn sie während der letzten fünf Jahre vor der aktuellen
Trunkenheitsfahrt keine einschlägige Widerhandlung begangen hat. Gemäss
Bundesgericht verfügt, wer eine derart hohe Blutalkoholkonzentration aufweist, über
eine so grosse Alkoholtoleranz, dass in aller Regel auf eine Alkoholabhängigkeit
geschlossen werden muss (BGer 1C_144/2017 vom 2. Juni 2017 E. 2.2, BGE 129 II 82
E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 126 II 185). Das Bundesgericht hat in folgenden Fällen eine
Fahreignungsabklärung bei Vorfällen ausserhalb des Strassenverkehrs verneint
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(teilweise zusammengefasst in BGer 1C_13/2017 vom 19. Mai 2017 E. 3.3): Bei einer
stark alkoholisierten Person (Blutalkoholwert von 1.99 Promille) mit einem ungetrübten
fahrerischen Leumund, die aufgrund eines Ehestreits in einem Restaurant vorläufig
festgenommen wurde, bei der aber weder der Verdacht bestand, dass sie aufgrund
ihrer privaten und beruflichen Probleme gewohnheitsmässig Alkohol konsumiere, noch
dass sie Trinken und Fahren nicht zuverlässig trennen könne (BGer 1C_256/2011 vom
22. September 2011 E. 2.5); bei einer Person, die aufgrund des Genusses von Alkohol
und/oder einer leichten psychischen Störung in einen Zustand geriet, in dem sie
öffentliches Ärgernis erregte, bei der aber Indizien fehlten, wonach sie öfters viel
Alkohol trinken und in diesem Zustand am motorisierten Strassenverkehr teilnehmen
würde (BGer 1C_356/2011 vom 17. Januar 2012 E. 4); bei einer angetrunkenen, zu
Hause auf dem Sofa vorgefundenen Person, die zwar sowohl Alkohol als auch
Hormontabletten konsumiert hatte, bei der aber weder Anzeichen dafür bestanden,
dass sie ihre Wechseljahrbeschwerden regelmässig mit einem solchen Mischkonsum
zu behandeln pflegte, noch dass sie sich in diesem Zustand ans Steuer setzen würde
(BGer 1C_748/2013 vom 16. Januar 2014 E. 4); bei einer Person mit Atemalkohol von
2,27 Gewichtspromille, welche auf dem Trottoir stürzte und sich den Fuss brach,
jedoch durch zuvor vorgenommene Messungen der Blutwerte nachweisen konnte,
dass die Alkoholmarker im Referenzbereich liegen und damit von einem isolierten
Ereignis ausgegangen wurde (BGer 1C_144/2017 vom 2. Juni 2017 E. 3.4).
Demgegenüber befand das Bundesgericht die Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Abklärung als korrekt: Bei einer Person, die in der Wohnung ihres Vaters randaliert
hatte, und bei der nicht feststand, ob sie ihre Alkoholsucht überwunden hatte und
psychisch ausreichend stabil war, um zuverlässig Gewähr zu bieten, sich nicht im
fahrunfähigen Zustand ans Steuer zu setzen (BGer 1C_660/2015 vom 14. Juni 2016 E.
2.3); bei einer stark alkoholisierten Person (Blutalkoholwert von 2,12 bis 2,34
Gewichtspromille), die wahrscheinlich im alkoholisierten Zustand nach Hause fuhr und
ihr Auto beschädigte, bereits früher einmal unter nicht unerheblichem Alkoholeinfluss
ein E-Bike gelenkt hatte und stürzte und die Angaben der Ehefrau und Mutter auf eine
beachtliche Alkoholgewöhnung hindeuteten, womit konkrete Anzeichen vorliegen
würden, dass keine Gewähr mehr geboten sei, dass die Person den Konsum von
Alkohol und die Teilnahme am Strassenverkehr ausreichend trennen könne (BGer
1C_13/2017 vom 19. Mai 2017 E. 3.4); bei einer alkoholisierten Person, die im
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Nachbarsgarten einen Gegenstand gegen das Haus warf, ansonsten aber über einen
ungetrübten automobilistischen Leumund verfügte, sei fraglich, ob die Indizien für
Zweifel an der Fahreignung ausreichen würden; allerdings bestanden nach Fahren in
angetrunkenem Zustand (Blutalkoholwert von 1,32 Gewichtspromille) konkrete
Anzeichen, dass die Person den Konsum von Alkohol und die Teilnahme am
Strassenverkehr nicht ausreichend trennen könne (1C_384/2017 vom 7. März 2018 E.
2.3 und 2.4).
4.4. Im vorliegenden Fall ist zugunsten der Beschwerdeführerin zu würdigen, dass
diese über einen ungetrübten automobilistischen Leumund verfügt. Die
Beschwerdeführerin behauptet, dass sie sich nicht mehr wirklich an den Unfallhergang
erinnern könne. Sie habe wegen der starken Alkoholeinwirkungen unverhofft die
Fahrbahn betreten und das Auto nicht oder nicht rechtzeitig erkannt. Gemäss dem Arzt
sei der Substanzeinfluss stark bemerkbar gewesen. Diese Angaben werden jedoch
nicht durch das vorliegende Protokoll der ärztlichen Untersuchung im Spital O._ vom
4. März 2017 gestützt. Grundsätzlich wären bei der stark alkoholisierten
Beschwerdeführerin folgende mit dem Alkoholkonsum einhergehende negative
Begleiterscheinungen zu erwarten gewesen: So treten bei der alkoholisierten Person
Koordinationsschwierigkeiten auf, welche mit zunehmendem Konsum in
Gleichgewichtsstörungen übergehen können. Mit steigendem Alkoholpegel leidet auch
das sprachliche Ausdrucksvermögen. Dies äussert sich in einer verwaschenen oder gar
lallenden Sprechweise. Ab 2,0 Gewichtspromille sind ausgeprägte Gleichgewichts-,
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen zu erwarten und ein Reaktionsvermögen ist
kaum noch vorhanden. Weist – wie im vorliegenden Fall – eine Person im Zeitpunkt der
Blutentnahme bei einem Alkoholpegel von 2,53 Promille keine solchen
alkoholtypischen Beeinträchtigungen auf, lässt dies auf eine gewisse Gewöhnung
schliessen. Eine solche Gewöhnung wiederum kann als Indiz für eine Alkoholsucht
verstanden werden. Dem Protokoll der ärztlichen Untersuchung vom 4. März 2017 um
20.30 Uhr ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nicht erbrechen musste,
zeitlich und örtlich orientiert war, die Stimmung ruhig, das Befinden unauffällig, das
Bewusstsein klar und nicht benommen oder verwirrt, die Sprache deutlich, wenn auch
langsam, aber weder lallend noch verwaschen, der Denkablauf nur leicht verlangsamt,
der gerade Gang sicher bis unsicher, der Finger-Finger/Nase-Versuch sicher, jedoch
das Verhalten schwerfällig, die Pupillen stark erweitert bzw. die Reaktion verzögert. Die
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Beschwerdeführerin gab als Trinkbeginn 12 Uhr und als Trinkende 14 Uhr an, wobei
der untersuchende Arzt angab, dass das Trinkende fraglich sei. Ansonsten hätte die
Beschwerdeführerin innerhalb zwei Stunden 2,65 bis 3.38 Gewichtspromille erreicht.
Der vorliegend massgebende Mittelwert der Blutalkoholkonzentration beträgt
unbestrittenermassen 3,015 Gewichtspromille (vgl. P. Weissenberger, a.a.O., Rz. 60 zu
Art. 15d SVG).
4.5. Wenn bei einer Alkoholisierung von 2 Gewichtspromille und mehr bei der
betroffenen Person keine deutlichen alkoholursächlichen, üblicherweise von
polizeilicher und ärztlicher Seite feststellbaren Verhaltensauffälligkeiten bestehen, muss
von einer ausgeprägten Alkohol-Gewöhnung ausgegangen werden. Eine solche
Gewöhnung kann nur durch einen vermehrten Konsum von Alkohol erreicht werden.
Anders ausgedrückt, wird eine nicht alkoholgewöhnte Person kaum in der Lage sein,
eine Blutalkoholkonzentration von 2 Gewichtspromille zu erreichen, da aufgrund der
alkoholtoxischen Wirkung bereits vorher Übelkeit, Bewusstseinstrübung oder
Erbrechen einsetzen. Der Nachweis einer hohen Blutalkoholkonzentration sowie
gleichzeitig fehlende alkoholursächliche Ausfallerscheinungen sind demzufolge durch
ein ungewöhnliches bzw. abnormes Trinkverhalten der betroffenen Person zu erklären
(vgl. B. Liniger, Verkehrsmedizin: Fahreignungsbegutachtung und Auflagen, in:
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2004, S. 92 f., vgl. BGer 1C_31/2017 vom
19. Mai 2017 E. 3.4). Bereits eine Blutalkoholkonzentration von 1,3 Gewichtspromille ist
nicht mehr mit dem in gesellschaftlichen Rahmen üblichen Alkoholkonsum vereinbar
(J. Brenner-Hartmann, Einfluss auf die Fahreignung. Chronischer Einfluss, in: Madea/
Musshoff/Berghaus [Hrsg.], Verkehrsmedizin, Köln 2012, S. 471). Zur Beantwortung der
Frage, welche Promillegrenze für den "Verdacht Alkoholabhängigkeit" angesetzt
werden muss, wurde eine Arbeitsgruppe der Schweizerischen Gesellschaft für
Rechtsmedizin vom ASTRA beauftragt. Diese kam zum Schluss, dass der
Verdachtsgrund einer bestehenden verkehrsrelevanten Alkoholproblematik schon bei
einem Promillewert von 1,6 anzusetzen sei (vgl. Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG, welcher per
1. Juli 2014 in Kraft trat). Aus verkehrsmedizinischer Sicht bestehe kein Zweifel an der
Notwendigkeit einer Herabsetzung des Grenzwertes zur Durchführung einer
verkehrsmedizinischen Abklärung auf 2 Gewichtspromille. Es wurde eine Tabelle mit
Indikatoren herausgearbeitet, bei welchen auch in Fällen unterhalb von 1,6
Gewichtspromille und zwischen 1,6 und 1,99 Gewichtspromille eine
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verkehrsmedizinische Abklärung angezeigt ist. Unter anderem ist eine solche
notwendig, wenn zwischen 1,6 und 1,99 Gewichtspromille Alkoholisierungszeichen
fehlen (M. Haag-Dawoud, Fahreignungsbegutachtung: Indikation und Fragestellung
aus verkehrsmedizinischer Sicht, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2009, S. 28
ff.). Grundsätzlich gelten diese Grenzwerte für Personen, welche erstmalig durch
Fahren in angetrunkenem Zustand auffielen. Fraglich ist jedoch, ob ab einem
bestimmten Blutalkoholwert der Verdacht auf fehlender Fahreignung auch bei einem
Vorfall ausserhalb des Strassenverkehrs unwiderlegbar besteht. P. Weissenberger
schlägt vor, dass die Anordnung einer Fahreignungsuntersuchung allenfalls ab einem
Wert von 2,5 Gewichtspromille bejaht werden könnte (a.a.O., Rz. 34 zu Art. 15d SVG).
Auch das Bundesgericht kann in diesem Sinne verstanden werden, wenn es in seinem
Urteil 1C_144/2017 vom 2. Juni 2017 in E. 3.4 ausführt, dass bei dem von ihm
festgelegten Grenzwert von 2,5 Gewichtspromille in jedem Fall eine
Fahreignungsabklärung angezeigt sei.
4.6. Im Unterschied zu den in E. 4.3 aufgezählten Bundesgerichtsurteilen, in welchen
eine verkehrsmedizinische Abklärung für nicht notwendig befunden wurde, weist die
Beschwerdeführerin eine erheblich höhere Blutalkoholkonzentration auf. Sie übertrifft
den vom Bundesgericht genannten Grenzwert von 2,5 Gewichtspromille selbst noch im
Zeitpunkt der Blutentnahme bzw. beim minimalen Wert der Blutalkoholkonzentration.
Unter Berücksichtigung der in E. 4.4 und 4.5 gemachten Ausführungen muss bei der
Beschwerdeführerin aufgrund der hohen Blutalkoholkonzentration und den eher
wenigen Ausfallerscheinungen infolge des Alkoholkonsums von einer beachtlichen
Alkoholgewöhnung und damit einer regelmässigen Aufnahme an grösseren Mengen
von Alkohol ausgegangen werden. Damit ist auch ausgeschlossen, dass es sich beim
Vorfall vom 4. März 2017 um ein isoliertes Ereignis handelt. An diesem Ergebnis
vermag auch der von der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereichte
Bluttest vom 26. Februar 2018 nichts zu ändern. Einerseits sind im
Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht gemäss Art. 61 Abs. 3 VRP keine neuen
Begehren zulässig. Das bedeutet, dass das Verwaltungsgericht Tatsachen
grundsätzlich nicht mehr berücksichtigt, die nach Abschluss des Rekursverfahrens
eingetreten sind („echte Noven“, Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 642). Andererseits vermag ein solcher Bluttest allein nicht
die aufgrund des Vorfalls vom 4.März 2017 zu bestehenden Zweifel an der Fahreignung
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auszuräumen. Bei der angeordneten verkehrsmedizinischen Untersuchung wird zwar
ebenfalls eine Laboranalyse des Blutes vorgenommen, für eine aussagekräftige
Beurteilung der Fahreignung sind daneben aber auch ein ausführliches
Untersuchungsgespräch, eine körperliche Untersuchung, weitere Laboranalysen sowie
Einholen von Fremdauskünften notwendig (Seeger/Steindl, Fahreignung bei
Alkoholproblematik, in: InFo Neurologie & Psychiatrie 2012, Vol. 10, Nr. 5, S. 8).
Überdies ist immerhin der MCV-Wert erhöht und weist – zumindest aus medizinisch
laienhafter Sicht – auf eine mögliche Alkoholproblematik hin. Allerdings ist ein klinischer
Parameter nicht pathognomonisch für eine Alkoholerkrankung. Dafür wäre – wie
erwähnt – eine ganzheitliche, umfangreichere medizinische Abklärung nötig. Wie
bereits die Vorinstanz in E. 2c zu Recht ausführte, vermag auch der am 7. September
2017 durchgeführte periodische medizinische Kontrolluntersuch, welchem sich die
Beschwerdeführerin als Inhaberin des Führerausweises der Kategorien C und D nach
Art. 27 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen und
Fahrzeugen zum Strassenverkehr (Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51, VZV)
alle fünf Jahre unterziehen muss, die verkehrsmedizinische Untersuchung aus den im
vorinstanzlichen Entscheid genannten Gründen nicht zu ersetzen. Auch aus der
Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin den
Führerausausweis nicht vorsorglich entzog, kann die Beschwerdeführerin nichts zu
ihren Gunsten ableiten. Das Belassen des Führerausweises während der
Eignungsabklärung kann bei Sachverhalten ohne Zusammenhang mit der Teilnahme
am Strassenverkehr in Betracht kommen (P. Weissenberger, a.a.O., Rz. 13 zu Art. 15d
SVG). Es bleibt das Indiz eines ungewöhnliches bzw. abnormes Trinkverhalten, da bei
der vorliegend erreichten Blutalkoholkonzentration von mindestens 2,65
Gewichtspromille von einer Alkoholgewöhnung ausgegangen werden muss.
Infolgedessen und mit Blick auf das öffentliche Interesse an einem sicheren
Strassenverkehr erweist sich die angeordnete verkehrsmedizinische Untersuchung als
verhältnismässig.
5. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
1‘500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Die Kosten werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 1'500
verrechnet.
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Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu entschädigen (Art.
98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).