Decision ID: 18bfa6cb-a150-4bf4-894a-6b75c5f4daf7
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Geldwäscherei etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 18. Mai 2021 (GG210014)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 25. März 2021
(Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 41 S. 22 f.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB, − der Gehilfenschaft zur Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 in
Verbindung mit Art. 25 StGB sowie − des Überlassens eines Motorfahrzeugs an einen Führer ohne erforder-
lichen Ausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 80.00, wovon 1 Tagessatz als durch Haft geleistet gilt.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt.
4. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids werden die folgenden, einzig
als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände, dem Beschuldigten her-
ausgegeben:
− Plastikmäppli mit Bankunterlagen, Asservatennummer A012'224'861; − Kreditkarte B._, Mastercard, Nr. 1, Asservatennummer
A012'226'130; − Kreditkarte B._, American Express, Nr. 2, Asservatennummer
A012'226'141.
Dem Beschuldigten wird eine Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft
des vorliegenden Entscheids angesetzt, um die herauszugebenden Gegen-
stände selbst (oder durch eine bevollmächtigte Person) unter Vorlage dieses
Urteils und eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung,
bei der nachgenannten Lagerbehörde abzuholen. Nicht fristgemäss abge-
holte Gegenstände werden durch die Lagerbehörde vernichtet. Die Lager-
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behörde wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu vollziehen
und zu dokumentieren.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'200.00 Gebühr für das Vorverfahren
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
7. [Mitteilungen]
8. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung:
(Urk. 43 S. 3)
1. Ziffer 2 des Urteils sei aufzuheben und neu wie folgt zu fassen:
2.1. Auf eine Bestrafung wegen Geldwäscherei bzw. Gehilfenschaften
hiezu sei zu verzichten.
2.2. Der Beschuldigte sei betreffend SVG-Übertretung mit einer Busse
von CHF 400.00 zu bestrafen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 7.7% MWST).
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis
(Urk. 47, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
1. Verfahrensgang
1.1. Das Bezirksgericht Horgen, Einzelgericht, sprach den Beschuldigten mit
Urteil vom 18. Mai 2021 anklagegemäss der Geldwäscherei im Sinne von
Art. 305bis Ziff. 1 StGB, der Gehilfenschaft zur Geldwäscherei im Sinne von
Art. 305bis Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 25 StGB und des Überlassens eines Mo-
torfahrzeuges an einen Führer ohne erforderlichen Ausweis im Sinne von Art. 95
Abs. 1 lit. e SVG schuldig. Es bestrafte den Beschuldigten mit einer bedingten
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 80.–, unter Anrechnung eines Tagessatzes
als durch Haft geleistet und unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren
(Urk. 41). Die Verteidigung meldete mit Eingabe vom 28. Mai 2021 fristgerecht
Berufung an (Urk. 36 f.) und reichte mit Eingabe vom 13. September 2021 fristge-
recht die Berufungserklärung ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 43 und 40/2).
1.2. Mit Präsidialverfügung vom 15. September 2021 wurde der Staatsanwalt-
schaft Limmattal / Albis (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) eine Kopie der Beru-
fungserklärung zugestellt und ihr Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erhe-
ben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Weiter wurde dem
Beschuldigten Frist angesetzt, um das ausgefüllte Formular "Datenerfassungs-
blatt" samt erforderlicher Unterlagen einzureichen (Urk. 45). Mit Eingabe vom
30. September 2021 beantragte die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils (Urk. 47). Der Beschuldigte kam der Aufforderung zur Einrei-
chung der Unterlagen mit Eingabe vom 6. Oktober 2021 nach (Urk. 49 und
50/1-6) und reichte das Formular mit Eingabe vom 15. Oktober 2021 ein (51/1-2).
Mit letzterer Eingabe beantragte der Beschuldigte zudem die Durchführung des
schriftlichen Verfahrens. Die Staatsanwaltschaft erklärte sich mit E-Mail vom
29. Oktober 2021 damit einverstanden (Urk. 52).
1.3. Nachdem mit Präsidialverfügung vom 29. Oktober 2021 das schriftliche
Verfahren angeordnet worden war (Urk. 53), liess der Beschuldigte mit Eingabe
vom 22. November 2021 fristgerecht die Berufungsbegründung einreichen
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(Urk. 55). Mit Präsidialverfügung vom 24. November 2021 wurden die Doppel der
Berufungsbegründung der Staatsanwaltschaft zur Erstattung der Berufungsant-
wort und der Vorinstanz zur freigestellten Vernehmlassung zugestellt (Urk. 56).
Mit Stempelverfügung vom 29. November 2021 verzichtete die Vorinstanz auf
Vernehmlassung (Urk. 58). Die Staatsanwaltschaft erstattete mit gleichentags er-
gangener Eingabe die Berufungsantwort (Urk. 59). Nach Zustellung der Beru-
fungsantwort an den Beschuldigten mittels Präsidialverfügung vom 1. Dezember
2021 (Urk. 60) liess sich dieser innert Frist nicht vernehmen.
2. Umfang der Berufung
2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.2. Der Beschuldigte ficht einzig die Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils des Bezirks-
gerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 18. Mai 2021 an. Er beantragt, auf eine Be-
strafung wegen Geldwäscherei bzw. Gehilfenschaft hierzu sei zu verzichten, und
bezüglich der Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes sei eine Busse von
Fr. 400.– auszufällen (Urk. 43). Fraglich ist, ob bei der Geltendmachung eines
Strafbefreiungsgrundes der Schuldspruch auch zu überprüfen ist. Gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung muss das Gericht, wenn es einen Anwendungs-
fall von Strafbefreiung (Art. 52 bis 54 StGB) als gegeben erachtet, im Hauptver-
fahren zuerst prüfen, ob und inwiefern der eingeklagte Sachverhalt erstellt ist und
einen Straftatbestand erfüllt. Gegebenenfalls ist die beschuldigte Person schuldig
zu sprechen, und es ist in einem zweiten Schritt im Rahmen der Prüfung der
Sanktion von einer Bestrafung abzusehen (BGE 139 IV 220 E. 3.4.5). Nachdem
die bundesgerichtliche Rechtsprechung die Frage der Sachverhaltserstellung und
der Tatbestandsmässigkeit somit von der Frage der Sanktionierung bzw. Strafbe-
freiung trennt, ist eine Überprüfung der Tatbestandsmässigkeit nicht angebracht
und die Frage der Strafbefreiung – entsprechend dem Antrag des Beschuldigten –
im Rahmen der Sanktion zu prüfen (vgl. ebenso für viele: OGer ZH SB200210-O
vom 13. November 2020, E. I.2; SB210253-O vom 23. August 2021, E. III.1.).
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Damit ist der Schuldspruch der Vorinstanz (Dispositiv-Ziffer 1) ebenso in Rechts-
kraft erwachsen, wie die Dispositiv-Ziffern 4 (Herausgabe beschlagnahmte Ge-
genstände), 5 und 6 (Kostendispositiv), was mittels Beschluss festzuhalten ist.
3. Sanktion
3.1. Strafbefreiung
3.1.1. Der Beschuldigte wurde von der Vorinstanz unter anderem der Geldwä-
scherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB und der Gehilfenschaft zur Geldwä-
scherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 25 StGB rechtskräftig
schuldig gesprochen. Dem Schuldspruch liegt folgender Sachverhalt zu Grunde:
Der Beschuldigte stellte im Zeitraum vom 12. September 2017 bis 21. September
2018 dem Mitbeschuldigten C._ (separates Verfahren) sein Kreditkartenkon-
to zur Verfügung und ermöglichte diesem den Zugang dazu, indem er dem Mitbe-
schuldigten seine Kreditkartendaten und zeitweise auch seine Kreditkarte samt
PIN-Code überliess. Der Mitbeschuldigte, welcher als Arbeitnehmer der geschä-
digten D._ GmbH in der Abteilung "Chargeback" tätig war, führte auf dem
Konto des Beschuldigten zulasten der Geschädigten ungerechtfertigte Gutschrif-
ten von gesamthaft Fr. 22'997.95 aus. Zudem hob der Beschuldigte mindestens
Fr. 2'000.– von den unberechtigten Gutschriften von diesem Konto in bar ab und
übergab es dem Mitbeschuldigten (vgl. Urk. 28 S. 2-4).
3.1.2. Wie die Vorinstanz bereits zutreffend subsumiert hat (Urk. 41 S. 10, vgl.
auch Urteil des Bundesgerichts 6B_51/2021 vom 11. Juni 2021 E. 2), ist der An-
trag auf Strafbefreiung nach aArt. 53 StGB in der zum Zeitpunkt der strafbaren
Handlungen geltenden Fassung zu prüfen (vgl. Art. 2 StGB). Gemäss dieser Be-
stimmung sieht die zuständige Behörde von einer Strafverfolgung, einer Überwei-
sung an das Gericht oder einer Bestrafung ab, wenn der Täter den Schaden ge-
deckt oder alle zumutbaren Anstrengungen unternommen hat, um das von ihm
bewirkte Unrecht auszugleichen und darüber hinaus kumulativ (a) die Vorausset-
zungen für die bedingte Strafe (Art. 42 StGB) erfüllt und (b) das Interesse der Öf-
fentlichkeit und des Geschädigten an der Strafverfolgung gering sind.
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3.1.3. Unstrittig und von der Geschädigten bestätigt ist, dass sie an der weiteren
Strafverfolgung des Beschuldigten kein Interesse hat (Urk. D1/16/4), zumal dieser
mit ihr eine Rückzahlungsvereinbarung in erheblichem Umfang geschlossen hat
und die Rückzahlungen auch regelmässig leistet (vgl. Urk. D1/16/3 und 32). Der
Beschuldigte erfüllt – mit der Vorinstanz (Urk. 41 S. 11) – deshalb auch die Vor-
aussetzung, alle zumutbaren Anstrengungen zum Ausgleich des von ihm bewirk-
ten Unrechts vorgenommen zu haben. Die Voraussetzung, dass ohne Strafbefrei-
ung eine bedingte Strafe auszufällen wäre, ist ebenfalls ohne Weiteres erfüllt.
3.1.4. Fraglich ist hingegen, ob ein erhebliches öffentliches Interesse an der
Strafverfolgung gegeben ist. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich bei
Straftaten wie der Geldwäscherei, welche sich nicht ausschliesslich gegen Indivi-
dualinteressen richten, das öffentliche Strafverfolgungsinteresse in erster Linie
danach bestimmt, ob es mit der Erbringung der Wiedergutmachung sein Bewen-
den haben soll, oder ob sich unter Gesichtspunkten des Schuldausgleichs und
der Prävention weitere strafrechtliche Reaktionen aufdrängen (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_51/2021 vom 11. Juni 2021 E. 2; BGE 135 IV 12 E. 3.4). Der Straftat-
bestand der Geldwäscherei schützt dabei in erster Linie die Rechtspflege in der
Durchsetzung des staatlichen Einziehungsanspruchs bzw. das öffentliche Interes-
se an einem reibungslosen Funktionieren der Rechtspflege (BGE 145 IV 335
E 3.1).
3.1.5. Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, bereits aus dem Umstand,
dass der Straftatbestand der Geldwäscherei nicht nur das Privatvermögen der
Geschädigten, sondern in erster Linie, wie vorgenannt, den staatlichen Einzie-
hungsanspruch schütze, ergebe sich ein erhebliches öffentliches Interesse. Zu-
dem erscheine das Vorgehen, dass Gelder von einem Mitarbeitenden eines Fi-
nanzdienstleisters auf ein Drittkonto übertragen bzw. gutgeschrieben und sodann
in bar bezogen würden, ein durchaus geeignetes Vorgehen zu sein, um den sog.
"paper trail" zu verwischen. Da dieses Vorgehen relativ einfach zu bewerkstelligen
sei, bestehe aus generalpräventiver Sicht ein beachtliches Strafverfolgungsinte-
resse.
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3.1.6. Die Verteidigung bringt im Berufungsverfahren vor, der Beschuldigte aner-
kenne durchaus, dass mit dem geschützten Rechtsgut des Tatbestandes der
Geldwäscherei ein öffentliches Interesse betroffen sei. Doch seien vorliegend
nicht primär generalpräventive Überlegungen angezeigt. Unter Zitierung des Bun-
desgerichtsentscheids BGE 118 IV 350 führt die Verteidigung aus, generalpräven-
tiven Überlegungen sei immer zumindest in dem Sinne Rechnung zu tragen, dass
die Strafe geeignet sein müsse, die Allgemeinheit zu veranlassen, sich an die
Strafrechtsnormen zu halten. Die Bestrafung des Beschuldigten wäre aber nicht
oder jedenfalls kaum geeignet, um gleichartige Delikte zu verhindern, da der Be-
schuldigte geglaubt habe, dem Mitbeschuldigten einen Freundschaftsdienst zu
erweisen. Der Beschuldigte habe nicht im Entferntesten daran gedacht, dass er
sich mit seinem Dienst der Geldwäscherei schuldig machen könnte. Er hätte ge-
wiss zwar vorsichtiger sein sollen, allerdings handle es sich nicht um ein typisches
Geldwäscherei-Delikt. Der Beschuldigte sei zudem nicht der einzige gewesen, der
vom Mitbeschuldigten missbraucht worden sei, sondern auch die weiteren Mitbe-
schuldigten E._ und F._ (separate Verfahren). Alle drei Beschuldigten
seien gleichermassen vertrauensselig und hilfsbereit gewesen und hätten es an
der notwendigen Vorsicht leider fehlen lassen. Der vorliegende Fall sollte damit
nicht zu einer Bestrafung führen, sondern eher Anlass dazu sein, auch gegenüber
einem vermeintlichen Freund misstrauisch zu sein und nicht mehr an das Gute in
den Mitmenschen zu glauben. Dass dies aber keine positive Denkweise wäre,
bedürfe keiner weiteren Begründung. Im Ergebnis liege ein sehr geringes öffentli-
ches Interesse vor (Urk. 55 S. 6 ff.).
3.1.7. Der Verteidigung ist zuzustimmen, dass die freundschaftliche Loyalität des
Beschuldigten vom Mitbeschuldigten C._ missbraucht worden ist. Es erhellt
auch aus dem erstellten Sachverhalt, dass der Beschuldigte nicht aus egoisti-
schen Motiven die Tathandlungen vornahm, sondern sich aufgrund der freund-
schaftlichen Beziehung zum Mitbeschuldigten in ein Dilemma hineinmanövrierte.
Allerdings war der Beschuldigte nicht einfach gutgläubig, schliesslich sah er auf
den Abrechnungen die Belastungen aus den Wettspielen des Mitbeschuldigten
sowie die entsprechenden Gutschriften. Er wusste erstelltermassen, dass der
Mitbeschuldigte mit den Gutschriften seine Arbeitnehmerin schädigte (vgl. Urk. 41
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S. 8; Urk. D1/12/1 S. 7). Gleichwohl liess er weder das Kartenkonto sperren noch
zeigte er der Geschädigten auf, dass ihr Arbeitnehmer, der Mitbeschuldigte, sich
an ihr bereicherte. Er wollte sich die Situation nicht eingestehen und hoffte, dass
der Mitbeschuldigte dies wieder geradebiegen würde (vgl. Urk. D1/12/1 [Chataus-
zug]; Urk. D1/10/1, F/A 65), obwohl der Mitbeschuldigte weiterhin Belastungen
und Gutschriften vornahm. Entgegen der Verteidigung handelt es sich bei der
Barauszahlung von Geldern über ein Drittkonto zudem um eine typische Tathand-
lung der Geldwäscherei. Und der dritte Kontoinhaber ist dann erzwungenermas-
sen, sofern er von den Tathandlungen Kenntnis hat, der typische Gehilfe.
3.1.8. Nun hat der Beschuldigte zwar bemerkt, dass diese Gutschriften nicht rech-
tens sind, hat aber gemäss Verteidigung nicht im Entferntesten daran gedacht,
dass er sich mit der freundschaftlichen Loyalität zum Mitbeschuldigten selber
auch der Geldwäscherei bzw. Gehilfenschaft strafbar machen könnte. Und er war
nicht der Einzige, der dem Mitbeschuldigten half. Dies zeigt gerade auf, dass der
Allgemeinheit zu verdeutlichen ist, dass von einem Kontoinhaber ominöse und
(zumindest potentiell) illegale Geldverschiebungen auf seinem Konto nicht ver-
heimlicht werden dürfen, sondern angezeigt bzw. gemeldet werden müssen. Es
erscheint von erheblichem öffentlichen Interesse, die Allgemeinheit für die Gefah-
ren der potentiellen Mithilfe bei Geldwäschereihandlungen zu sensibilisieren. Aus
diesen Gründen kann von einer Bestrafung des Beschuldigten nicht abgesehen
werden.
3.2. Strafzumessung
3.2.1. Die ordentlichen Strafrahmen der Tatbestände der Geldwäscherei im Sinne
von Art. 305bis Ziff. 1 StGB und des Überlassen eines Motorfahrzeuges an einen
Führer ohne erforderlichen Ausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG betra-
gen jeweils bis zu 180 Tagessätze Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei
Jahren. Mit der Vorinstanz (Urk. 41 S. 14) ist die Geldwäscherei trotz der identi-
schen Strafandrohung als das schwerere Delikt zu qualifizieren, weshalb für das
Festsetzen der Einsatzstrafe von diesem auszugehen ist. Aussergewöhnliche
Umstände, welche zum Verlassen des ordentlichen Strafrahmens führen könnten,
liegen nicht vor. Die Ausfällung einer Busse für das Strassenverkehrsdelikt, wie
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es der Beschuldigte (ohne weitere Begründung) beantragt (Urk. 43 S. 3), ist nicht
möglich, da Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG ein Vergehen im Sinne von Art. 10 Abs. 3
StGB und nicht eine Übertretung im Sinne von Art. 103 StGB ist.
3.2.2. Betreffend die Strafzumessungs- und Asperationsgrundsätze ist vollum-
fänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 41
S. 13 ff.). Da einzig der Beschuldigte appelliert hat, gilt das Verschlechterungs-
verbot (Art. 391 Abs. 2 StPO). Er kann deshalb von vornherein maximal zu einer
bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen mit einer Probezeit von 3 Jahren verur-
teilt werden. Die am 1. Januar 2018 in Kraft getretene Revision des Sanktionen-
rechts hat darauf keine Auswirkungen.
3.2.3. Bezüglich der Geldwäscherei ist festzuhalten, dass der Beschuldigte im
Zeitraum vom 12. September 2017 bis zum 21. September 2018 mindestens
Fr. 2'000.– von den auf sein Konto unrechtmässig getätigten Gutschriften abge-
hoben und in bar an C._ übergeben hat. Hierbei handelt es sich im Rahmen
aller vorstellbaren Geldwäschereihandlungen um ein erstens simples Vorgehen
und zweitens um einen eher geringen Deliktsbetrag. Dem Vorgehen liegt keine
erhebliche kriminelle Energie zu Grunde. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschul-
digten eventualvorsätzliches Handeln vorzuwerfen, da er in Kauf nahm, dass die
übergebenen Gelder unrechtmässig der Geschädigten entzogen und auf sein
Konto überwiesen wurden. Damit einhergehend nahm er auch die Erschwerung
bzw. Vereitelung der Nachverfolgung und Einziehung der Gelder in Kauf. Der Be-
weggrund des Beschuldigten war in erster Linie die freundschaftliche Loyalität zu
C._ und sein Handeln war folglich nicht egoistisch motiviert. Er wollte
C._, einen Freundschaftsdienst erweisen und handelte nachvollziehbar aus
einer gewissen Dilemma-Situation heraus. Das Verschulden des Beschuldigten ist
innerhalb des ordentlichen Strafrahmens mit der Vorinstanz als leicht einzustufen.
In Anbetracht der Tatumstände erscheint eine Einsatzstrafe von 40 Tagessätzen
Geldstrafe als angemessen.
3.2.4. Betreffend die Gehilfenschaft zur Geldwäscherei ist zu berücksichtigen,
dass der Mitbeschuldigte C._ über das Konto des Beschuldigten insgesamt
Fr. 22'997.95 erlangte und in diesem Umfang finanziell bessergestellt wurde, ob-
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wohl er darauf keinen Anspruch hatte. Hierbei handelt es sich um eine nicht mehr
geringe Deliktssumme. Wiederum ist aber von keiner erheblichen kriminellen
Energie auszugehen. Nur C._ hat zudem von der Tathandlung des Beschul-
digten profitiert. Und das Vorgehen des Beschuldigten, sein Konto und die erfor-
derlichen Kontodaten zur Verfügung zu stellen, erweist sich im Verhältnis zum
tatbestandsmässigen Handeln des Mitbeschuldigten als geringer und simpler Tat-
beitrag. Von der Vorinstanz unberücksichtigt blieb hingegen der erhebliche Tat-
zeitraum von einem Jahr, in welchem der Beschuldigte den Mitbeschuldigten in
der Nutzung des Kreditkartenkontos gewähren liess. Ergänzend zu berücksichti-
gen ist zudem der strafmindernde Faktor der Gehilfenschaft (vgl. Art. 25 StGB). In
subjektiver Hinsicht ist anzumerken, dass dem Beschuldigten die exakte Höhe der
Deliktsumme nicht bewusst war. Er nahm diese aber in Kauf, da er die Summe
hätte errechnen können, wenn er die Kreditkartenabrechnungen jeweils kontrol-
liert hätte. Der Mitbeschuldigte C._ brachte den Beschuldigten in ein Dilem-
ma, worauf der Beschuldigte sich für die freundschaftliche Loyalität zum Mitbe-
schuldigten und gegen eine Sperrung der Karte und/oder eine Aufklärung der Ge-
schädigten entschied. Folglich war sein Handeln nicht finanziell oder egoistisch
motiviert. Das Verschulden des Beschuldigten ist nach dem Gesagten als leicht
einzustufen. Eine Erhöhung der Einsatzstrafe um 10 Tagessätze Geldstrafe er-
scheint damit als angemessen.
3.2.5. Schliesslich überliess der Beschuldigte seinem Freund G._ das Motor-
rad Yamaha MT09A auf dem Vorplatz der H._ AG, obwohl G._ nicht
über den erforderlichen Führerausweis verfügte (vgl. Urk. 28 S. 4). Mit der Vo-
rinstanz (Urk. 41 S. 16) ist zu berücksichtigen, dass G._ das Motorrad nicht
auf einer dicht befahrenen öffentlichen Strasse benutzte, sondern auf einem Pri-
vatplatz, der für einen unbestimmten Benutzerkreis offenstand. Die Motorradtour
fiel zudem kurz aus, nachdem G._ mit dem Motorrad infolge ungenügender
Beherrschung kurzerhand in ein Bachbett fiel. Aus der Fotodokumentation und
dem Rapport der Kantonspolizei Schwyz ist ersichtlich, dass es sich um ein stei-
les Gefälle in das Bachbett handelte, das Bachbett mitunter ca. drei Meter tiefer-
gelegen war (Urk. D3/2 und D3/3 S. 4). Zudem ist festzuhalten, dass G._ da-
bei ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma mit multiplen Gesichtsfrakturen erlitt
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(Urk. D3/1 S. 2). Das Handeln des Beschuldigten zeigte somit doch erhebliche
Folgen, welche durch den Straftatbestand gerade möglichst verhindert werden
sollen. Bei der subjektiven Tatschwere ist das eventualvorsätzliche Handeln des
Beschuldigten verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Er ging leichtfertig da-
von aus, dass es sich um ein Privatgrundstück handelte und dieses nicht dem
Strassenverkehrsgesetz unterstehe (act. D1/10/5 F/A 49 f.). Zudem tat der Be-
schuldigte auch hier einem Freund einen Gefallen, welcher darum gebeten hatte,
eine kurze Probefahrt mit dem Motorrad des Beschuldigten machen zu dürfen.
Die subjektive Tatschwere vermag deshalb die objektive Tatschwere zu relativie-
ren. Das Verschulden des Beschuldigten ist innerhalb des ordentlichen Strafrah-
mens wiederum als leicht einzustufen. Unter Anbetracht aller Tatumstände er-
scheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe um 10 Tagessätze Geldstrafe als ange-
messen.
3.2.6. Der Beschuldigte wurde 1994 in Zürich ... geboren und wuchs dort zusam-
men mit zwei Schwestern bei den Eltern auf. Er ging dort zur Schule und absol-
vierte das 10. Schuljahr sowie eine zweijährige Lehre als Detailhandelsassistent
im I._ in J._. Aktuell arbeitet er bei K._ als Sachbearbeiter im Ver-
kauf und wohnt mit seiner Freundin zusammen in einer 3.5-Zimmerwohnung
(Prot. I S. 5 ff.).
3.2.7. Der Beschuldigte ist bezüglich des Vergehens gegen das Strassenver-
kehrsgesetz einschlägig vorbestraft. Allerdings datiert der entsprechende Strafbe-
fehl vom 1. November 2013 und liegt zeitlich schon weit zurück (Urk. 42). Die
Vorstrafe ist damit nur leicht straferhöhend zu werten. Zum Nachtatverhalten ist
festzuhalten, dass der Beschuldigte zwar nur eingeschränkt geständig war, aber
mit der Rückzahlungsvereinbarung gegenüber der Geschädigten Reue und Ein-
sicht zeigte. Dieses Nachtatverhalten ist insgesamt leicht strafmindernd zu be-
rücksichtigen. Die Strafminderung infolge des Nachtatverhaltens kompensiert die
Straferhöhung wegen der Vorstrafe, weshalb die Gesamtstrafe nach Berücksich-
tigung der Täterkomponente unverändert auf 60 Tagessätze Geldstrafe festzuset-
zen ist.
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3.2.8. Zu den rechtlichen Voraussetzungen der Festlegung der Tagessatzhöhe ist
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 41 S. 18).
Die Vorinstanz hat basierend auf einem Nettoeinkommen von Fr. 4'117.– pro Mo-
nat, zuzüglich 13. Monatslohn und zuzüglich einem Bonus von Fr. 600.– bei gu-
tem Geschäftsumsatz, sowie unter Berücksichtigung von Krankenkassenkosten
von monatlich Fr. 457.– den Tagessatz auf Fr. 80.– festgelegt (Urk. 41 S. 18).
Diese Tagessatzbemessung erscheint angemessen und die finanziellen Verhält-
nisse des Beschuldigten haben sich seither nicht verändert (vgl. Urk. 50/2-4). Der
Tagessatz ist deshalb auf Fr. 80.– festzusetzen.
3.3. Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von
60 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 80.– zu bestrafen; dies unter Anrechnung eines
Tages erstandener Haft (vgl. Urk. D1/23/2–3). Die Geldstrafe ist bereits infolge
des vorgenannten Verschlechterungsverbots ohne Weiteres aufzuschieben. Die
Probezeit ist infolge der einschlägigen Vorstrafe bezüglich des Strassenverkehrs-
delikts auf drei Jahre festzusetzen.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– zu veranschla-
gen. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Nachdem der Beschuldigte mit seiner Be-
rufung vollumfänglich unterliegt, sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens
aufzuerlegen.