Decision ID: f80cc63c-11c6-45b1-b64f-5a0521f98420
Year: 2008
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhaltsdarstellung sei in den strittigen Punkten selektiv und
unvollständig. So werde verschwiegen, dass er weiterhin Interesse an der
Arbeitsstelle gehabt habe und dies dem potentiellen Arbeitgeber auch
mitgeteilt habe.
11. Mit Entscheid vom 9. Oktober 2007 wies das KIGA die Einsprache ab. Es
machte zur Hauptsache geltend, dass die Stelle zumutbar gewesen sei und
der Einsprecher sie hätte annehmen müssen. Dies sei selbst dann der Fall,
wenn für das Arbeitsverhältnis eine Mindestvertragsdauer vorgesehen
gewesen sei. Gegen eine übermässig lange Vertragsbindung sei jedermann
selbstverständlich bereits von Gesetzes wegen geschützt. Der Einsprecher
habe sich im Bewusstsein darüber, dass dem möglichen Arbeitgeber ein
länger dauerndes Vertragsverhältnis wichtig gewesen sei, gegen genau diese
länger dauernde vertragliche Bindung gewehrt und somit in Kauf genommen,
dass das Arbeitsverhältnis nicht zustande kam.
12. Dagegen erhob der Versicherte am 26. Oktober 2007 (Poststempel) frist- und
formgerecht Beschwerde an das Verwaltungsgericht mit dem Antrag, es seien
der Einspracheentscheid und die zugrunde liegende Verfügung aufzuheben.
Eventualiter sei die Einstellung in der Anspruchsberechtigung angemessen
zu reduzieren. Zur Begründung macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen
geltend, dass er anlässlich der ersten telefonischen Kontaktaufnahme mit der
Personalverantwortlichen des möglichen Arbeitgebers völlig überrumpelt
gewesen sei. Es handle sich um ein Missverständnis. Er habe weder gesagt
noch sagen wollen, dass er nicht an einer langjährigen Zusammenarbeit
interessiert sei.
13. Mit Stellungnahme vom 7. November 2007 beantragt das KIGA die
Abweisung der Beschwerde mit der Begründung, der Beschwerdeführer habe
mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass das Arbeitsverhältnis nicht zustande
gekommen sei, weil eine mehrjährige Vertragsbindung erwünscht gewesen
sei. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz verlange aber von einer
versicherten Person, dass sie ihre Arbeitslosigkeit schnellstmöglich durch
Annahme einer unselbständigen Dauerstelle beende. Diese Möglichkeit habe
der Beschwerdeführer gehabt. Dass ein möglicher Arbeitgeber Interesse an
einer länger dauernden Zusammenarbeit habe, sei weder ungewöhnlich noch
unzulässig. Es wäre die Pflicht des Versicherten gewesen,
unmissverständlich sein Interesse an dieser Stelle zu bekunden, was er
unterlassen habe.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird soweit erforderlich
in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bilden der
Einspracheentscheid vom 9. Oktober 2007 bzw. die diesem zugrunde
liegende Verfügung vom 5. September 2007. Nachfolgend gilt es zu prüfen,
ob der Versicherte zu Recht für 37 Tage in der Anspruchsberechtigung
eingestellt worden ist.
2. Gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(Arbeitslosenversicherungsgesetz, AVIG; SR 837.0) hat der Versicherte, der
Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des
zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare zu unternehmen, um
Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist er
verpflichtet, sich selbständig um Arbeit zu bemühen, nötigenfalls auch
ausserhalb seines bisherigen Berufes. Er muss seine Bemühungen
nachweisen können. Diese Pflicht ist Ausdruck des im
Sozialversicherungsrecht geltenden Grundsatzes der
Schadensminderungspflicht (ARV 1980 Nr. 44).
Der Versicherte ist ausdrücklich verpflichtet, eine vermittelte, zumutbare Stelle
unverzüglich anzunehmen (Art. 17 Abs. 3 sowie Art. 16 Abs. 1 AVIG). Art. 16
AVIG legt fest, wann eine Arbeit zumutbar ist. Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d
AVIG ist ein Versicherter in seiner Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn
er die Weisungen der zuständigen Amtstelle nicht befolgt, namentlich eine ihm
zugewiesene zumutbare Arbeit nicht annimmt. Erweist sich eine offene, vom
zuständigen Arbeitsamt vermittelte Arbeitsstelle als dem Versicherten in
seiner individuellen Situation zumutbar, so ist er gesetzlich verpflichtet, diese
Stelle anzunehmen und damit im Sinne der Schadensminderungspflicht seine
Arbeitslosigkeit zu beenden.
3. Im vorliegenden Fall ist zunächst zu untersuchen, ob das
Nichtzustandekommen der Anstellung dem Beschwerdeführer zur Last gelegt
werden kann. Dabei ist sein Verhalten im Einzelfall zu beurteilen. Vorliegend
stimmen die Aussagen des möglichen Arbeitgebers und des
Beschwerdeführers anfänglich weitgehend überein. Der Grund für das
Nichtzustandekommen des Arbeitsverhältnisses war, dass der
Beschwerdeführer nicht an einer längerfristigen Anstellung interessiert war.
Der potentielle Arbeitgeber hat in seiner Rückmeldung dargelegt, der
Versicherte sei nicht an einer “längerfristigen Anstellung“ interessiert. Der
Versicherte selbst schrieb in seiner Rückmeldung, es sei deshalb nicht zur
Anstellung gekommen, weil eine “mehrjährige Vertragsbindung erwünscht“
gewesen sei. Im Absageschreiben an den Versicherten teilte der mögliche
Arbeitgeber mit, der Versicherte habe erklärt, er sei nicht “langfristig“
interessiert an der Stelle. Auch auf dem Formular “Nachweis der persönlichen
Arbeitsbemühungen“ vom Juli 2007 schrieb der Versicherte, dass Grund für
die Nichtanstellung die “mehrjährige Vertragsbindung“ gewesen sei. Erst in
seiner Vernehmlassung vom 25. August 2007 machte der Versicherte
geltend, er habe der Personalverantwortlichen des potentiellen Arbeitgebers
telefonisch sein Interesse und den Willen an der Stelle sowie ein
wünschenswert langfristiges Arbeitsverhältnis bestätigt. In seiner Einsprache
und in der Beschwerde wechselt der Beschwerdeführer die Argumentation
erneut und erklärt, es handle sich um ein Missverständnis. Er habe weder
gesagt noch sagen wollen, dass er nicht an einer langjährigen
Zusammenarbeit interessiert sei. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer
seine Darstellungen im Laufe der Zeit wechselte bzw. den Vorfall nun als
Missverständnis dartut, legt den Verdacht nahe, dass diese neuen
Sachdarstellungen bewusst oder unbewusst von nachträglichen
Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst waren.
Hier kann auf die Beweismaxime hingewiesen werden, gemäss welcher die
so genannte spontane “Aussage der ersten Stunde“ in der Regel
zuverlässiger ist als spätere, beeinflusste Darlegungen (vgl. BGE 121 V 47).
So betrachtet, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass der Versicherte das Zustandekommen der Anstellung durch sein
Verhalten vereitelt hat. Gründe, welche die Stelle als unzumutbar erscheinen
lassen, wurden vom Beschwerdeführer nicht angeführt und sind auch nicht
ersichtlich. Das Nichtzustandekommen des Arbeitsverhältnisses gereicht dem
Versicherten daher zum Verschulden und die Vorinstanz hat deshalb gestützt
auf Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG zu Recht eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung verfügt.
4. Zu prüfen bleibt, ob der angefochtene Entscheid auch hinsichtlich der Dauer
der Einstellung in der Anspruchsberechtigung rechtmässig ist. Gemäss Art.
30 Abs. 3 AVIG bemisst sich diese Dauer nach dem Grad des Verschuldens
und beträgt je nach Einstellungsgrund höchstens 60 Tage. Art. 45 Abs. 2 der
Verordnung vom 31. August 1983 über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(Arbeitslosenversicherungsverordnung, AVIV; SR 837.02) konkretisiert
diesen unbestimmten Rechtsbegriff mit der Unterscheidung dreier
Verschuldenskategorien. Die Dauer der Einstellung beträgt bei leichtem
Verschulden 1 bis 15 Tage, bei mittelschwerem Verschulden 16 bis 30 Tage
und bei schwerem Verschulden 31 bis 60 Tage. Ein schweres Verschulden
liegt grundsätzlich dann vor, wenn die versicherte Person ohne
entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat (Art. 45 Abs. 3
AVIV). Zur Ermittlung des Verschuldensgrades können die gemäss des
Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) für die
Strafzumessung angeführten Kriterien analog herangezogen werden (vgl.
Spühler, Grundriss des Arbeitslosenversicherungsrechts, Bern 1985, S. 50).
Dem Verwaltungsgericht ist bei der Beurteilung der Einstellungsdauer jedoch
Zurückhaltung geboten, da den Verfügungsinstanzen hierbei ein grosser
Ermessensspielraum zukommt (VGU S 04 144).
5. Da aufgrund der in E. 3 gemachten Ausführungen kein Entschuldigungsgrund
für den Beschwerdeführer bestand, die zumutbare Stelle abzulehnen, greift
die Vermutung von Art. 45 Abs. 3 AVIV, wonach von einem schweren
Verschulden des Beschwerdeführers auszugehen ist, weshalb er zwischen 31
und 60 Tagen in der Anspruchsberechtigung einzustellen ist (Art. 45 Abs. 2
lit. c AVIV). Die Einstellungsdauer von 37 Tagen liegt im unteren Bereich des
schweren Verschuldens. Diese Einstufung ist nicht zu beanstanden, dies auch
angesichts der bereits erfolgten zwei Einstellungen für 12 und drei Tage
infolge ungenügender Arbeitsbemühungen. Zudem sind keine
verschuldensmindernden Umstände ersichtlich, welche die Vermutung des
schweren Verschuldens umstürzen könnten. Daher erscheint dem Gericht die
Einstellungsdauer von 37 Tagen unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände
als zu Recht verfügt und ist somit nicht zu beanstanden.
6. Zusammenfassend ist der angefochtene Entscheid sowohl in seinem Bestand
als auch in seiner Höhe rechtens und haltbar, weshalb die Beschwerde
abzuweisen ist.
7. Gemäss Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist das
kantonale Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen - ausser bei
leichtsinniger oder mutwilliger Prozessführung - kostenlos, weshalb
vorliegend keine Kosten erhoben werden.