Decision ID: 4f05ee19-80b7-466d-b447-81461a3796f5
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter R. Marty, Alexanderstrasse 8, Postfach
528, 7002 Chur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich im September 2010 zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung an. Im Anmeldeformular hielt er unter anderem fest, er sei als
selbständig erwerbender Händler/Hausierer bzw. Scheren- und Messerschleifer tätig
gewesen. Seit Juni/Juli 2007 bestehe bei ihm eine psychische Erkrankung (IV-act. 1).
Dr. med. B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostizierte im Bericht vom 7.
Oktober 2010 eine chronische Angsterkrankung. Wegen dieser Erkrankung könne der
Versicherte seiner Tätigkeit als Hausierer nicht mehr nachgehen. Körperlich sei er nicht
eingeschränkt (IV-act. 12). Nach Einholung eines Gutachtens bei Dr. med. C._, Arzt
für Neurologie und Psychiatrie (IV-act. 26) sowie weiteren Abklärungen stellte die IV-
Stelle St. Gallen dem Versicherten mit Vorbescheid vom 12. Mai 2011 die
Rentenablehnung in Aussicht. In einer leidensadaptierten Tätigkeit bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 80%. Er könne demzufolge ohne Weiteres ein existenzsicherndes
bzw. das bisherige Erwerbseinkommen erzielen (IV-act. 35). Nach Prüfung des von
Rechtsanwalt lic. iur. Dieter R. Marty, Chur, für den Versicherten eingereichten
Einwands (IV-act. 36, 45) verfügte die IV-Stelle am 14. September 2011 im Sinne des
Vorbescheids (IV-act. 47).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Marty für den Versicherten mit
Eingabe vom 19. Oktober 2011 Einsprache (Beschwerde) mit den Rechtsbegehren, die
Verfügung sei neu zu prüfen; der IV-Grad sei mindestens auf 50% festzusetzen. Dem
Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (act. G 1). In der
Beschwerdebegründung vom 5. März 2012 wurde unter anderem festgehalten, die
Beschwerdegegnerin habe die Verfügung nicht begründet. Dem Beschwerdeführer sei
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mit keinem Wort erklärt worden, weshalb ein in Deutschland praktizierender Arzt einem
in der Schweiz mit Bewilligung praktizierendem Arzt vorzuziehen sei. Er gehe davon
aus, dass die schweizerische Praxisbewilligung Voraussetzung für die Begutachtung
von Patienten sei. Die Wahl des Gutachters sei von grosser Bedeutung, weil es sich
beim Beschwerdeführer um einen Angehörigen der Volksgruppe der Fahrenden handle.
Die Wahrnehmung der Fahrendenvolksgruppen in Deutschland und der Schweiz sei
unterschiedlich. Bei aller Objektivität lasse sich dieser Unterschied nicht beseitigen.
Schon deshalb sei die Auswahl eines deutschen Arztes zur Begutachtung eines
Fahrenden kritisch. Der Beschwerdeführer könne keiner anderen Arbeit als seiner
angestammten Tätigkeit als Hausierer bzw. Messer- und Scherenschleifer nachgehen.
Falle unter anderem auch die Fahrtüchtigkeit weg, werde der Beschwerdeführer viel
massiver eingeengt, als dies dem Gutachter habe klar werden können. Eine Arbeit (im
Pensum von 80%) gebe es in Verbindung mit der Ausbildung des Beschwerdeführers
nicht. Die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, darzulegen, in welcher
Berufsgruppe bzw. in welchem Arbeitszweig er tätig sein müsste. Somit sei völlig
unklar, mit welcher nicht existenten Arbeit er gleichviel oder mehr verdienen könnte als
mit seiner angestammten Tätigkeit. Die Beschwerdegegnerin habe sodann unerklärt im
Raum stehen lassen, weshalb sie die 50%-Arbeitsfähigkeit auf dem erlernten Beruf
nicht beachte. Sie stelle nur auf pauschalierte Sätze ab und lasse die Betroffenen über
Beweg- und Entscheidgründe im Unklaren (act. G 15).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 10. Mai 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung legte sie unter anderem dar, mit dem für
die Schweiz als gleichwertig anerkannten Facharzttitel für Psychiatrie verfüge Dr. C._
über eine hinreichende fachliche Qualifikation für die Erstellung eines psychiatrischen
Gutachtens. Dass er seine Praxis im Ausland betreibe, stelle keinen Grund dar, die
Zuverlässigkeit seines Gutachtens in Frage zu stellen. In Anbetracht der konkreten
Umstände sei dem Beschwerdeführer auch mit Blick auf die lange Dauer des
verbleibenden Erwerbslebens bis zum Erreichen des Rentenalters der Wechsel von der
selbständigen in eine unselbständige Tätigkeit zumutbar, zumal die zumutbare
Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Hilfsarbeit um 30% höher liege als die
Restarbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten selbständigen Tätigkeit als Scheren- und
Messerschleifer. Da der Beschwerdeführer nach Eintritt des Gesundheitsschadens
keine zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen habe, sei bei der Bestimmung
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des Invalideneinkommens von den Tabellenlöhnen der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) auszugehen. Aus dem individuellen Konto (IK) ergäben
sich keine Anhaltspunkte zum Einkommen als selbständiger Messer- und
Scherenschleifer. Es rechtfertige sich daher, auch hier von Tabellenlöhnen (allgemeiner
Durchschnitt nach LSE) auszugehen.
B.c Am 25. Mai 2012 bewilligte das Versicherungsgericht das Gesuch betreffend
Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. G
18).
B.d Mit Replik vom 19. September 2012 bestätigte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seine Anträge und Ausführungen (act. G 28). Die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 30).

Erwägungen:
1.
1.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen
oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der
für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Lassen sich die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in
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Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige (Art. 27 der Verordnung
über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) ein Betätigungsvergleich anzustellen
und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der
verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen.
Der grundsätzliche Unterschied des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zur
spezifischen Methode besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittelbar nach
Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchem bemessen wird. Vielmehr ist
zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung
festzustellen; sodann ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung zu
gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen eines
Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse
gleichen Umfanges zur Folge zu haben (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG; BGE 104 V 135; AHI
1998, 119; BGE 128 V 29). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer lässt rügen, dass in der angefochtenen Verfügung auf
seine Stellungnahme (Einwand) zum Vorbescheid nicht eingegangen bzw. die
Verfügung mangelhaft begründet worden sei (act. G 15 S. 2). Verfügungen sind zu
begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3
ATSG). Die grundsätzliche Pflicht einer Behörde, ihren Entscheid zu begründen, folgt
aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör. Dabei sind die Anforderungen an die
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Begründungsdichte unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls sowie der
Interessen der Betroffenen festzulegen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass
der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. In diesem
Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Je grösser der Spielraum
der Behörde (unter anderem infolge Ermessens) und je stärker der Entscheid in die
individuellen Rechte eingreift, desto höhere Anforderungen sind an dessen Begründung
zu stellen (BGE 112 Ia 107 E. 2b mit Hinweisen; BGE 118 V 58). Die Verwaltung darf
sich nicht damit begnügen, die von der betroffenen Person vorgebrachten
Einwendungen zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen; sie hat ihre Überlegungen der
betroffenen Person gegenüber auch namhaft zu machen und sich dabei ausdrücklich
mit den Einwendungen auseinander zu setzen oder zumindest die Gründe anzugeben,
weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (BGE 124 V 180 E.
2b). Ein Mangel in der Verfügungsbegründung kann unter bestimmten
Voraussetzungen im Beschwerdeverfahren geheilt werden (LVGE 1994, 219 E. 2b; ZAK
1990, 396 E. 2). Eine - nicht besonders schwerwiegende - Verletzung des rechtlichen
Gehörs kann dann als geheilt gelten, wenn der Betroffene die Möglichkeit erhält, sich
vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die
Rechtslage frei überprüfen kann. Diese Voraussetzung ist im Fall des
Versicherungsgerichts erfüllt (vgl. Art. 46 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, VRP [sGS 951.1]).
2.2 Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (IV-act. 47) im
Wesentlichen mit dem Hinweis auf die rechtlichen Grundlagen der Zusprechung von
Rentenleistungen und das Gutachten von Dr. C._, welcher auf tarifvertraglicher
Grundlage medizinische Abklärungen vorgenommen habe. Sie hielt sodann fest, dass
im Einwand keine weiteren Befunde oder Diagnosen angeführt würden, welche weitere
medizinische Abklärungen verlangen würden (IV-act. 47-2/2). Sie zeigte damit die
Überlegungen, von denen sie sich leiten liess, in zureichender Weise auf und setzte
sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten auseinander. Eine Verpflichtung, sich mit
jeder tatbeständlichen Behauptung oder jedem rechtlichen Einwand zu befassen,
besteht nicht (vgl. BGE 124 V 180 E. 1a). Ein Begründungsmangel ist somit nicht
ersichtlich. Aber selbst wenn - wie der Beschwerdeführer rügen lässt - von einer
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Verletzung der Begründungspflicht auszugehen wäre, müsste der Mangel im
vorliegenden Verfahren als geheilt gelten.
3.
3.1 Dr. D._ bescheinigte am 7. Oktober 2010 eine durch die chronische
Angstproblematik bedingte volle Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in der
angestammten Tätigkeit. Er stehe seit dem 17. Oktober 2009 bei ihm in ambulanter
Behandlung. Die Angstkrankheit bestehe seit Oktober 2008. Körperlich bestünden
keine Einschränkungen. Bei Weiterführung der Behandlung werde in ca. zwei Jahren
zumindest wieder eine Teilarbeitsfähigkeit erreicht werden können (IV-act. 12). Im
Gutachten vom 4. April 2011 diagnostizierte der Neurologe und Psychiater Dr. C._
eine Persönlichkeitsstörung mit insbesondere selbstunsicheren Anteilen sowie eine
soziale Phobie. Es würden sich Hinweise für einen sehr weitgehenden sozialen
Rückzug sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich erschliessen lassen.
Inkonsistenzen seien eher im Sinne positiver Antwortverzerrungen (Dissimulation) zu
werten. Es bestünden keine weiteren medizinischen Behandlungsmöglichkeiten,
welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Besserung der
Gesundheitsstörung führen würden. In der angestammten Arbeit als Hausierer bestehe
eine hälftige Arbeitsfähigkeit. In einer adaptierten Tätigkeit (einfache handwerkliche
Arbeiten, möglichst kein Sozialkontakt, keine Notwendigkeit zur Akquisition von
Kunden) liege eine 80%ige Arbeitsfähigkeit vor (IV-act. 26).
3.2 Der Beschwerdeführer lässt geltend machen, es sei zu Unrecht auf das
Gutachten von Dr. C._ abgestellt worden. Als in Deutschland praktizierender Arzt
verfüge er nicht über eine schweizerische Praxisbewilligung. Eine solche sei aber
Voraussetzung für die Begutachtung von Patienten (act. G 1 S. 2). Dr. C._ verfügt
unbestrittenermassen über eine Ausbildung als Arzt für Neurologie und Psychiatrie
sowie über eine entsprechende Gleichwertigkeitsanerkennung des (schweizerischen)
Bundesamtes für Gesundheit (vgl. IV-act. 26 S. 9 unten und
www.medregom.admin.ch). Als Anforderungsprofil für die Fachdisziplin Psychiatrie
werden die Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für
die Begutachtung psychischer Störungen (in: Schweizerische Ärztezeitung 2004
S. 1049f) als Standard herangezogen. Diese haben zwar nicht verbindlich-behördlichen
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Charakter, formulieren aber doch den fachlich anerkannten Standard, welcher in der
Schweiz für eine sachgerechte, rechtsgleiche psychiatrische Begutachtungspraxis in
der Sozialversicherung gelten soll. Deshalb nimmt denn auch die Rechtsprechung
darauf immer wieder Bezug. Nach Ziff. II/6 der genannten Richtlinien bildet "eine
Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie" eine der Voraussetzungen auf
Seiten des Gutachters (Urteil des Bundesgerichts vom 20. November 2007, I 142/07, E.
3.2.4). Eine Praxisbewilligung in der Schweiz ist demgegenüber nicht Voraussetzung für
die Begutachtung von Versicherten. Andernfalls könnten - auch ohne Vorliegen eines
sachlichen Grundes im Einzelfall - ausserhalb der Schweiz erstellte Gutachten, bei
welchen die begutachtende Person keine Praxisbewilligung in der Schweiz vorweisen
kann, überhaupt nicht zum Beweis herangezogen werden. Die Rechtsprechung hat es
sodann mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in
Bezug auf medizinische Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3.3 Aufgrund des Gutachtens von Dr. C._ ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit zu 50% arbeitsunfähig ist. Dies
wird von den Parteien denn auch nicht bestritten. Die Beschwerdegegnerin nahm
gestützt auf das Gutachten eine - ausschliesslich aus psychischen Gründen
eingeschränkte - 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit an. Der in
diesem Zusammenhang vorgebrachte - nicht näher ausgeführte und belegte - Einwand
des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers, wonach die Volksgruppe der Fahrenden
in der Schweiz und in Deutschland unterschiedlich wahrgenommen werde, ist nicht
geeignet, Zweifel an der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung zu begründen.
Aufgabe des medizinischen Gutachters war es ausschliesslich, die erwerblichen
Möglichkeiten des Beschwerdeführers mit Blick auf seinen psychischen
Gesundheitszustand zu eruieren und darzulegen. Der Gutachter würdigte die konkreten
Umstände objektiv und enthielt sich auch unnötiger, wertender Äusserungen zum
kulturellen Hintergrund des Beschwerdeführers. Die Annahme, der Beschwerdeführer
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sei "arbeitsscheu" (vgl. act. G 28 S. 3), klingt in keiner (auch nicht in unterschwelliger)
Form an. Die Sprache des Gutachtens lässt vielmehr eine positive Auseinandersetzung
des Gutachters mit der Situation des Beschwerdeführers erkennen. Wenn der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers sodann einen Wegfall der Fahrtüchtigkeit (als
Voraussetzung für die angestammte Tätigkeit) zur Diskussion stellt (act. G 15 S. 3
unten; G 28 S. 4 Ziff. 10), ist festzuhalten, dass sich den Akten keinerlei Anhaltspunkte
für eine eingeschränkte Fahrtüchtigkeit des Beschwerdeführers entnehmen lassen (vgl.
dazu auch IV-act. 26 S. 6 Ziff. 3.3). Weitere Anhaltspunkte, welche die einlässlich
begründete gutachterliche Einschätzung in Frage zu stellen vermöchten, werden weder
geltend gemacht noch ergeben sich solche aus den Akten. Das Vorbringen des
Beschwerdeführers, dass es eine Arbeit im Pensum von 80% "in Verbindung mit seiner
Ausbildung" nicht gebe (act. G 15 S. 4), wird nachstehend (E. 4.3, 4.4) noch zu prüfen
sein.
4.
4.1
4.1.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bezweckt der Begriff der
zumutbaren Tätigkeit im Rahmen der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG die
Bestimmung des Ausmasses der Schadenminderungspflicht. Eine versicherte Person
ist daher unter Umständen invalidenversicherungsrechtlich so zu behandeln, wie wenn
sie ihre Tätigkeit als Selbstständigerwerbende aufgibt, d.h. sie muss sich im Rahmen
der Invaliditätsbemessung jene Einkünfte anrechnen lassen, welche sie bei Aufnahme
einer leidensangepassten unselbstständigen Erwerbstätigkeit zumutbarerweise
verdienen könnte. Für die Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der zumutbaren
Tätigkeit im Allgemeinen, wie bei der Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit im
Besonderen, sind die gesamten subjektiven und objektiven Gegebenheiten des
Einzelfalles zu berücksichtigen. Im Vordergrund stehen bei den subjektiven Umständen
die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie die weiteren persönlichen Verhältnisse, wie
Alter, berufliche Stellung, Verwurzelung am Wohnort etc. Bei den objektiven
Umständen sind insbesondere der ausgeglichene Arbeitsmarkt und die noch zu
erwartende Aktivitätsdauer massgeblich (Urteil des Bundesgerichts [bis 31. Dezember
2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG] vom 5. April 2006, I 750/04, E. 5.3
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mit Hinweisen). Das Mass der zulässigen Schadenminderungslast bestimmt sich nach
Gesichtspunkten der Verhältnismässigkeit. Die Anforderungen an die
Schadenminderungspflicht sind dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der
Invalidenversicherung in Frage steht. Dies trifft insbesondere zu, wenn der Verzicht auf
schadenmindernde Vorkehren Rentenleistungen auslösen würde (Urteil des EVG vom
1. Juni 2006, I 842/05, E. 5.3.1 mit Hinweisen).
4.1.2 Wenn es darum geht, bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades das
Erwerbseinkommen zu bestimmen, das eine Person erzielen kann, die zur
Gemeinschaft der Fahrenden gehört und entsprechend der Tradition dieser
Gemeinschaft von Ort zu Ort zieht, so können die dieser Lebensweise innewohnenden
Besonderheiten nicht ausser Acht gelassen werden. Eine nomadische Lebensform
beinhaltet fortwährendes und regelmässiges Reisen von einem Ort zum anderen, was
dazu führen muss, dass die Auswahl an möglichen bezahlten Tätigkeiten drastisch
verringert wird. Unter Berücksichtigung dieser Besonderheiten ist nach der
Rechtsprechung die Bezugnahme auf die Tabellenlöhne der vom Bundesamt für
Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1) der
Situation eines Mitglieds der Gemeinschaft der Fahrenden nicht angemessen. Die
Tabellenlöhne berücksichtigen sämtliche Wirtschaftszweige, von denen die Mehrheit
eine sesshafte Lebensweise verlangt und mit der Lebensweise der Fahrenden nicht
vereinbar ist. Mit Blick auf den Schutz, der vom Bundesrecht und vom internationalen
Recht dieser Lebensform gewährt wird, ist es unzulässig, die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit als zumutbar zu erachten, welche die Sesshaftigkeit der versicherten
Person, den Bruch mit ihrer Familie sowie mit ihrer traditionellen Lebensweise
voraussetzt und einer kulturellen Entwurzelung gleichkommen würde (BGE 138 I 205 E.
6.2; Pra 2012 Nr. 117).
4.1.3 Wenn eine versicherte Person bereits als Gesunde aus invaliditätsfremden
Gründen (z.B. wegen der Zugehörigkeit zur Volksgruppe der Fahrenden) ein
unterdurchschnittliches Einkommen erzielte, so ist diesem Umstand im Rahmen der
Invaliditätsbemessung entweder überhaupt nicht oder bei beiden
Vergleichseinkommen Rechnung zu tragen (BGE 129 V 222 E. 4.4). Wird in diesem Fall
beim Invalideneinkommen die der verbliebenen Leistungsfähigkeit entsprechende
übliche Entlöhnung herangezogen, so darf das Valideneinkommen nicht nach
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Massgabe des vor Eintritt des Gesundheitsschadens effektiv erzielten Einkommens
bemessen werden. Das Valideneinkommen ist vielmehr anhand statistischer
Tabellenlöhne zu ermitteln (vgl. BGE 131 V 53 E. 5.1.2).
4.2 Der Beschwerdeführer besuchte nach seinen Angaben gegenüber Dr. C._
wegen Schulschwierigkeiten in der Primarschule eine Kleinklasse und schloss die
Schule mit 15 Jahren ab (IV-act. 26 S. 4). Er nahm hierauf - nach schon nach zwei
Monaten erfolgtem Abbruch einer Lehre als Autolackierer - eine selbständige Tätigkeit
als Hausierer bzw. fahrender Händler auf, wobei die von ihm angebotene
Dienstleistung im Schleifen von Scheren und Messern (mobile Werkstatt) bestand;
diese Tätigkeit gab er nach seinen Angaben nach sechs Monaten auf. Hierauf übte er
während zwei Jahren eine Hilfsarbeit auf dem Bau aus und war in der Folge bis drei
Jahre vor der Begutachtung als Hausierer tätig (IV-act. 26 S. 5). Dem individuellen
Konto (IK) sind für die Folgezeit vorab Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit in den
Jahren 1995 bis Oktober 1997 zu entnehmen. Für die anschliessenden drei Jahre bis
Ende 2000 wurden im IK Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit des
Beschwerdeführers eingetragen (IV-act. 9-3/3). Im Rahmen der beruflichen Abklärung
gab er am 19. Januar 2011 an, die Familienmitglieder seien als Fahrende von April bis
in den Sommer unterwegs und kehrten danach in ihr Winterlager zurück. Aktuell lebe
die Familie aber in einer Wohnung, da es unter den Fahrenden Streit gegeben habe. Es
sei aber geplant, in die Siedlung zurückzukehren. Er könne sich nicht vorstellen,
sesshaft zu werden. Er und seine Familie seien seit vielen Generationen an dieses
Leben gewöhnt. Er könne sich nicht vorstellen, dass aktuell irgendeine Tätigkeit
möglich sei. Er sehe sich nicht in der Lage, an Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen (IV-act. 18, 19). Der Beschwerdeführer gab sein aus selbständiger
Tätigkeit erzieltes Einkommen mit Fr. 4'500.-- bis Fr. 5'000.-- pro Monat an, wobei aus
dem IK wie erwähnt lediglich für die Jahre 1997 bis 2000 ein Einkommen ersichtlich ist,
welches überdies teilweise erheblich unter der vorgenannten Angabe liegt (IV-act. 9-3/3
und 26 S. 5). Für die Jahre 2001 bis 2008 wurde offenbar kein beitragspflichtiges
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit abgerechnet. Der Beschwerdeführer
war als Nichterwerbstätiger eingetragen (IV-act. 6, 9, 26). Zu klären ist angesichts der
geschilderten Verhältnisse, ob dem Beschwerdeführer die (dauerhafte) Aufgabe seiner
selbständigen Tätigkeit, in welcher er zu 50% arbeitsfähig ist, zumutbar ist und ob es
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zumutbare Tätigkeiten im Pensum von 80% gibt, die sich mit einer halbnomadischen
Lebensweise in Einklang bringen lassen.
4.3 Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung 34 Jahre alt und hatte somit noch eine erwerbliche Aktivitätsdauer von über
30 Jahren vor sich. Gegenüber dem medizinischen Gutachter gab er im April 2011 an,
er wohne mit seiner Ehefrau und den zwei Kindern seit eineinhalb Jahren in einer
Mietwohnung. Vorher habe er immer im Wohnwagen gelebt. Er habe sich an die feste
Wohnung noch nicht richtig gewöhnt (IV-act. 26 S. 4). Der Umzug in die Wohnung war
somit etwa gleichzeitig mit dem von Dr. C._ auf November 2009 gelegten Eintritt des
Gesundheitsschadens (IV-act. 26 S. 9) erfolgt. Angesichts der in E. 4.2 geschilderten
Aktenlage kann nicht davon ausgegangen werden, dass er das Leben eines Fahrenden
aufgegeben hat bzw. nunmehr dauerhaft sesshaft ist, zumal wie erwähnt eine Rückkehr
in die Fahrenden-Siedlung nach Angaben des Beschwerdeführers vom Januar 2011
geplant war (IV-act. 18). Das Bundesgericht erachtete es im Urteil vom 5. April 2006 (I
750/04, E. 5.4) als zumutbar, dass ein 34-jähriger Versicherter, der seine selbstständige
Erwerbstätigkeit als fahrender Scheren- und Messerschleifer aus invaliditätsfremden
Gründen nur in den Monaten Mai bis September ausübte, während des
Winterhalbjahres einer leidensangepassten selbstständigen oder unselbstständigen
Erwerbstätigkeit nachgehen kann, ohne dass er damit eines weiteren Teilgehalts seiner
kulturbedingten Lebensform verlustig geht. Insbesondere mit Blick auf den
zwischenzeitlich ergangenen BGE 138 I 205 lässt sich konkret nicht ausblenden, dass
der Beschwerdeführer als Fahrender aufwuchs und - soweit ersichtlich - bis zum
Eintritt der Gesundheitsschädigung meistens ein entsprechendes Leben mit
selbständiger Tätigkeit als Messer- und Scherenschleifer führte. Dies hat grundsätzlich
zur Folge, dass bezogen auf die Monate, in welchen er als Fahrender von Ort zu Ort
zieht, eine 50%-Arbeitsfähigkeit in einer selbständigen Tätigkeit zugrunde zu legen
wäre. Für die übrigen (Winter-)Monate des Jahres wäre von einer 80%-Arbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen.
4.4 Zu klären bleibt, auf welcher Grundlage die Vergleichseinkommen konkret zu
ermitteln sind. Die Heranziehung der Tabellenlöhne zur Ermittlung des
Invalideneinkommens einer der Gemeinschaft der Fahrenden angehörenden Person
führt gemäss der aktuellen Rechtsprechung indirekt zu einer wesentlichen
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Diskriminierung, soweit sie dazu beiträgt, eine Person dieser Gemeinschaft der
Mehrheit der Bevölkerung gleichzustellen (BGE 138 I 205 E. 6.2 am Schluss). Eine
Bemessung des Invalideneinkommens anhand von Tabellenlöhnen fällt damit konkret
ausser Betracht. Anderseits kann nach Lage der Akten im Fall des Beschwerdeführers
nicht davon ausgegangen werden, dass es in Anbetracht der bestehenden
psychischen Einschränkungen und seiner Lebensweise keine mit seiner Lebensweise
zu vereinbarenden zumutbaren Tätigkeiten gibt. Zu klären bleibt damit, ob und in
welchem Umfang der Beschwerdeführer in der Lage ist, die ihm verbliebene
Arbeitsfähigkeit in einer seinen psychischen Einschränkungen sowie seinen
intellektuellen und beruflichen Möglichkeiten angepassten Tätigkeit einzusetzen bzw.
erwerblich zu verwerten, die mit der Lebensweise der Fahrenden in Einklang steht.
Vorab wird hierbei zu klären sein, ob der Beschwerdeführer, wie Anfang 2011 geplant,
zu den Fahrenden zurückgekehrt ist (vgl. vorstehende E. 4.3 und IV-act. 18). Mit Blick
auf den krankheitsbedingten Rückzug von anderen Menschen (vgl. IV-act. 26 S. 3
oben) stellt sich auch die Frage, inwiefern er sich überhaupt noch dauerhaft in der
Gemeinschaft der Fahrenden aufhalten bzw. mit ihren unterwegs sein kann. Sodann
wird insbesondere auch zu prüfen sein, ob und inwieweit der Beschwerdeführer in den
Monaten, in denen er einen festen und dauerhaften Wohnsitz hat, seine
Restarbeitsfähigkeit konkret verwerten kann. Diese Abklärungen wird die
Beschwerdegegnerin noch vorzunehmen und anschliessend den Rentenanspruch
erneut zu prüfen haben.
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
14. September 2011 aufzuheben und die Sache zur Abklärung im Sinn der Erwägungen
und zur neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.--
erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der
bis
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Beschwerdeführer hat sodann Anspruch auf Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61 lit. g ATSG). Eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
erscheint angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP