Decision ID: fdf0bd57-9cc1-5577-96ee-6e5ab5a6c5fa
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
O._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rudolf Keiser, Zürichstrasse 28, Postfach 3145,
6002 Luzern,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
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St.Galler Gerichte
Implenia Vorsorge, Burgfelderstrasse 211, Postfach 316, 4025 Basel,
Beigeladene,
vertreten durch Rechtsanwalt Eric Stern, LL.M., Beethovenstrasse 24, 8002 Zürich,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
O._ (Jg. 1961) meldete sich am 24. Mai 2005 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Gesuchsformular gab er u.a. an, er habe in Italien die Primarschule besucht. Er habe
keinen Beruf erlernt. Seit 1981 sei er als Bauarbeiter tätig. Dr. med. A._ berichtete der
IV-Stelle am 7. Juni 2005, der Versicherte sei seit dem 31. August 2004 bis auf weiteres
als Bauarbeiter zu 100% arbeitsunfähig. Die Diagnosen lauteten: lumboradikuläres
Restreizsyndrom L5 links, St. n. mikrochirurgischer Flavektomie und Diskektomie L4/5
links sowie extraforaminaler Zugang L4/5 links am 24. Januar 2005, Diskushernie L4/5
links, Osteochondrose, Kyphose, mediane Diskusprotrusion Th12/L1, L5/S1 (MRI
09/04) und St. n. einer periduralen Infiltration auf mehreren Höhen im lumbalen Bereich
10/2004. Der Gesundheitszustand sei stationär. Der Versicherte habe am 1. Juni 2004
einen Unfall auf der Baustelle erlitten. Dem Bericht von Dr. med. A._ lag ein
vorläufiger Austrittsbericht der Klinik Valens vom 26. April 2005 bei. Laut diesem
Bericht war der Versicherte in der bisherigen schweren Tätigkeit zu 100%
arbeitsunfähig. Für eine leichte bis mittelschwere Arbeit bestand hingegen eine volle
Arbeitsfähigkeit. Die B._ teilte der IV-Stelle am 27. Juni 2005 mit, sie beschäftige den
Versicherten als Maurer. Der Monatslohn bei voller Leistung würde Fr. 5650.- betragen.
Dr. med. C._ berichtete der IV-Stelle am 28. Juni 2005, bei der letzten Untersuchung
am 14. August 2004 habe der Versicherte keine Beschwerden mehr angegeben. Am
29. Juni 2005 stellte die Klinik Valens der IV-Stelle eine Kopie des definitiven
Austrittsberichts betreffend den Klinikaufenthalt vom 7. bis 27. April 2005 zu. Laut
diesem Bericht war die Rehabilitation nach einer Diskushernienoperation L4/5 links am
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24. Januar 2005 nötig gewesen. Postoperativ hatte der Versicherte angegeben, die
Schmerzausstrahlung in das linke Bein sei deutlich regredient, aber die
Sensibilitätsstörungen in der Form von Kribbelparaesthesien in der linken Grosszehe
und die Schmerzen lumbal persistierten. Im Austrittsbericht war weiter ausgeführt
worden, der Lasèguetest sei negativ gewesen, aber der Versicherte habe bei ca. 80°
lumbale Schmerzen mit einer typischen Ausstrahlung entlang des L5-Dermatoms
angegeben. Das sei als endgradige Reizung der Nervenwurzel L5 interpretiert worden.
Trotz des intensiven Trainingsprogramms sei es nicht zu einer wesentlichen
Verbesserung der Schmerzsymptomatik gekommen. In einer internen Notiz hielt die IV-
Stelle am 29. Juli 2005 fest, bei einem Valideneinkommen von Fr. 73'650.- und einem
zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 59'316.- resultiere ein Invaliditätsgrad von
19,25%. Da dem Versicherten auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stünden, bestehe kein Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen. Mit einer Verfügung vom 16. November 2005 verneinte
die IV-Stelle einen Anspruch auf Arbeitsvermittlungsbemühungen und mit einer
Verfügung vom 17. November 2005 wies sie das Rentengesuch ab.
B.
Der Versicherte erhob am 16. Dezember 2005 Einsprache gegen diese beiden
Verfügungen. Er machte geltend, die Operation habe nicht den gewünschten Erfolg
gehabt. Deshalb werde am 6. Februar 2006 erneut eine Operation erfolgen. Es sei ein
neuer Bandscheibenvorfall diagnostiziert worden. Die starken Schmerzen und die
eingeschränkte Bewegungsfreiheit verunmöglichten zur Zeit die Arbeitsaufnahme. Prof.
Dr. med. D._ teilte am 16. März 2006 mit, am 6. Februar 2006 sei nochmals operiert
worden (Rezidiv LDH). Nach der postoperativen Kontrolle im Mai 2006 werde er wieder
berichten. Die IV-Stelle widerrief am 30. März 2006 die Verfügungen vom 16. und 17.
November 2005. Am 31. März 2006 schrieb sie das hängige Einspracheverfahren ab.
Prof. Dr. med. D._ berichtete am 27. September 2006, es sei erneut eine
Rezidivdiskushernie auf Höhe L4/5 links aufgetreten. Eine baldige Operation sei
vorgesehen. Zur Zeit bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Dem Hausarzt
berichtete Prof. Dr. med. D._ am 16. März 2007, die Rezidivdiskushernie könne nach
drei Operationen endlich als geheilt betrachtet werden. Die jetzigen
Rückenbeschwerden seien durch die grosse Diskushernie auf der Höhe Th12/L1 zu
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erklären. Die chirurgische Behandlung sei mit einem Risiko verbunden. Deshalb gebe
es keine andere Möglichkeit, als eine Rente zu beantragen. Gegenüber der IV-Stelle
gab Prof. Dr. med. D._ am 16. April 2007 an, bis zur sicheren Abklärung der
Rückenschmerzen sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Dr. med.
A._ teilte der IV-Stelle am 23. Mai 2007 mit, dass an sich eine neue Operation
indiziert sei, dass diese Operation aber unterbleiben werde, weil der Versicherte
körperlich und seelisch traumatisiert sei. Aus dem gleichen Grund erfolge keine
Physiotherapie. Der Versicherte mache aber regelmässig die gelernten Übungen und er
nehme ausreichend Analgetika ein. Am 5. Juni 2007 werde der Versicherte zur
Schmerztherapie gehen. Dr. med. E._ vom RAD empfahl am 4. Juni 2007 eine
polydisziplinäre Begutachtung. Der Versicherte liess am 8. Oktober 2007 die vorläufige
Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente ab Juli 2005 beantragen, weil er seit Juni 2004
an einer Rückeninvalidität leide. Ein weiteres Gutachten werde nämlich nicht zu einer
anderen Beurteilung kommen. Auf alle Fälle könnten die Gutachter die
Erwerbsunfähigkeit seit Juni 2004 nicht rückwirkend aufheben. Zur Beschleunigung
des Abklärungsverfahrens beauftragte die IV-Stelle das Medizinische
Gutachtenzentrum St. Gallen mit der Abklärung.
C.
Der psychiatrische Sachverständige Dr. med. univ. F._ führte in seinem Teilgutachten
vom 12. März 2008 aus, die chronischen Wirbelsäulenbeschwerden und die in den
letzten Jahren bestehende Arbeitslosigkeit mit finanziellen Problemen hätten zu
leichten Anpassungsstörungen mit geringen Stimmungsschwankungen und
schmerzbedingten Schlafstörungen geführt. Diese Stimmungsschwankungen
erreichten aber nicht das Ausmass einer leichtgradigen depressiven Störung. Die
psychische Belastbarkeit des Versicherten sei nicht beeinträchtigt. Aus rein
psychiatrischer Sicht sei der Versicherte zu 100% arbeitsfähig. Der Orthopäde Dr. med.
G._ führte in seinem Gutachten vom 7. Februar/18. März 2008 aus, seit dem letzten
Eingriff im Oktober 2006 hätten die lumbalen Schmerzen an Intensität zugenommen.
Sie störten den Schlaf, weshalb Schlafmittel benötigt würden. Die Schmerzen
verstärkten sich beim Bücken und beim Heben und Tragen von Lasten. Der Versicherte
nehme täglich Schmerzmittel (regelmässig Dafalgan). In der Schmerzsprechstunde des
Kantonsspitals St. Gallen hätten keine weiteren Behandlungsmassnahmen angeboten
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werden können. Eine Akupunkturbehandlung an der Schulthessklinik sei nutzlos
gewesen. Dr. med. G._ gab folgende Diagnose an: Schmerzpersistenz bei St. n.
mikrochirurgischer Flavektomie und Diskektomie L4/5 links 01/05, Interlaminektomie
L4/5 und Rezidivhernienausräumung 02/06 und Resequestrektomie 10/06 mit kleiner
residueller Bandscheibenprotrusion L4/5 und geringer diskogener und spondylogener
linksforaminaler Enge ohne neurale Kompression sowie mässige Diskushernie Th12/L1
mit leichter relativer Spinalkanalstenose und mässiger Spondylarthrose L4 bis S1. In
seiner Beurteilung führte er aus, das Ausmass der lumbalen Schmerzen und der
pathologischen Untersuchungsbefunde der LWS korrelierten nicht mit dem Befund im
MRI, wo keine neurale Kompression sichtbar sei, so dass die Schmerzausstrahlung in
die linke Grosszehe und die Sensibilitätsstörungen der linken unteren Extremität
letztlich nicht vollumfänglich erklärt werden könnten. Ein Teil der Beschwerden sei
wahrscheinlich durch die radiologisch dokumentierten degenerativen Veränderungen
der unteren LWS bedingt. In einer körperlich leichten Tätigkeit in temperierten Räumen,
die abwechselnd sitzend und stehend ausgeübt werden könne, die keine regelmässig
inklinierte, reklinierte oder rotierte Körperhaltung erfordere und bei der keine
Gegenstände über 10 kg gehoben oder getragen werden müssten, sei der Versicherte
zu 90% arbeitsfähig.
D.
Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen 2008 von Fr. 75'976.- mit einem anhand
dieser Arbeitsfähigkeitsschätzung ermittelten zumutbaren Invalideneinkommen von
Fr. 48'525.-. Es resultierte ein Invaliditätsgrad von 36%. Mit einem Vorbescheid vom
16. September 2008 teilte sie dem Versicherten mit, dass sie beabsichtige, sein
Rentengesuch abzuweisen. Der Versicherte liess am 17. Oktober 2008 einwenden, er
sei zu mehr als 70% invalid. Das Invalideneinkommen von Fr. 48'000.- sei in keiner
Weise begründet und auch nicht plausibel. Die IV-Stelle habe weder DAP aufgelegt
noch Verweistätigkeiten aufgezeigt. Er ersuche um die Zustellung eines Vorbescheids
mit einer klaren Begründung vor allem des Invalideneinkommens. Mit einer Verfügung
vom 23. Oktober 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab. Die
Verfügungsbegründung enthielt eine detaillierte Erläuterung zur Ermittlung des
angerechneten zumutbaren Invalideneinkommens. Eine Kopie dieser Verfügung ging an
die Implenia Vorsorge. Diese liess am 29. Oktober 2008 darauf hinweisen, dass sie mit
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der Abweisung des Rentengesuchs einverstanden sei. Sollte der Versicherte allerdings
Einwendungen gegen die Abweisung erheben, sei ihr die Möglichkeit einzuräumen,
dazu Stellung zu nehmen.
E.
Der Versicherte liess am 25. November 2008 Beschwerde erheben und beantragen, die
Verfügung vom 23. Oktober 2008 sei aufzuheben und die Sache sei zur Neuverfügung
an die IV-Stelle zurückzuweisen; eventualiter sei eine ganze Rente zuzusprechen. Zur
Begründung liess er sinngemäss u.a. ausführen, die Sache sei zurückzuweisen, damit
die IV-Stelle ein plausibles und vollständiges Zumutbarkeitsprofil erstelle und
insbesondere auch Verweistätigkeiten aufzeige. Eventuell sei eine ganze Rente
zuzusprechen, da er das angenommene Einkommen sicher nicht mehr erzielen könne.
Bei der Verwertung der Restarbeitsfähigkeit dürfe nicht von realitätsfremden
Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 18. Februar 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, die Beschwerde sei derart unsubstantiiert, dass dazu nicht Stellung
genommen werden könne. Der Versicherte sei als Hilfsarbeiter einzustufen, dem es
ohne weiteres möglich sei, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine
leidensangepasste Tätigkeit zu finden. Die behinderungsbedingten Einschränkungen
grenzten weder das Spektrum der möglichen Tätigkeiten übermässig ein noch liessen
sie eine überproportionale Lohneinbusse erwarten. Streng genommen sei der
"Leidensabzug" von 10% gar nicht gerechtfertigt. Damit sei keine Lohneinbusse von
mindestens 40% ausgewiesen.
G.
Der Versicherte liess am 11. März 2009 einwenden, das Invalideneinkommen sei nach
wie vor weder mit Verweistätigkeiten noch mit DAP-Löhnen spezifiziert worden. Damit
seien die Anforderungen an die substantielle Begründungspflicht nicht erfüllt. Mit dem
stark eingeschränkten Zumutbarkeitsprofil könne kein Einkommen von Fr. 48'000.-
erzielt werden.
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H.
Die IV-Stelle verzichtete am 24. März 2009 auf eine materielle Stellungnahme zur
Replik.
I.
Der Versicherte liess am 13. April 2010 einen Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom
7. April 2010 einreichen. Laut diesem Bericht war er vom 30. März bis 7. April 2010
hospitalisiert gewesen. Er hatte an Rückenschmerzen gelitten, die in den linken
dorsalen Oberschenkel, in den linken ventrolateralen Unterschenkel und in die linke
Grosszehe ausgestrahlt hatten. Etwas weniger ausgeprägt hatten die
Rückenschmerzen über dieselbe Schmerzstrasse in das rechte Bein ausgestrahlt. Am
30. März 2010 waren die Schmerzen so stark geworden, dass er nicht mehr hatte
laufen können, worauf er mit Hilfe einer anderen Person das Spital aufgesucht hatte.
Bei der Untersuchung im Kantonsspital St. Gallen hatte er einen deutlichen
Reklinationsschmerz angegeben. Der Finger-Boden-Abstand hatte 20 cm betragen.
Der Zehen- und der Fersengang waren noch möglich gewesen. Die Ärzte des
Kantonsspitals St. Gallen hatten diffuse Veränderungen an der LWS und ein Failed-
back-surgery-Syndrom angegeben. Sie hatten die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit als fraglich bezeichnet, sofern keine adäquate Therapie durchgeführt werde.
J.
Am 17. Mai 2010 gab die Gerichtsleitung der Implenia Vorsorge die Gelegenheit, sich
im Beschwerdeverfahren zu äussern. Die Implenia Vorsorge liess in einer Eingabe vom
1. Juni 2010 ausführen, es handle sich nicht um ein unverständliches
Zumutbarkeitsprofil, sondern um das Ergebnis einer polydisziplinären Begutachtung,
so dass sich weitere Abklärungen erübrigten. Die Tatsache, dass sich der Versicherte
subjektiv nicht arbeitsfähig fühle, sei irrelevant.
K.
Der Versicherte liess am 28. Juni 2010 einwenden, er sei jetzt beinahe 50 Jahre alt und
er habe Zeit seines Lebens Schwerstarbeit verrichtet. Es sei medizinisch ausgewiesen,
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dass er unter einem invalidisierenden Rückenschaden leide. Er sei als Bauarbeiter
berufsunfähig. Damit seien die Leistungsansprüche gegenüber der
Invalidenversicherung und gegenüber der Pensionskasse entstanden.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren
Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und der
Invalidenkarriere voraus. Im vorliegenden Fall lässt sich die Validenkarriere leicht
bestimmen: Ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung hätte der Beschwerdeführer die
Stelle als Bauarbeiter bei der B._ behalten. Es gibt keine Indizien dafür, dass der
Beschwerdeführer bei der B._ eine Aussicht auf eine qualifiziertere Stelle oder eine
Beförderung gehabt hätte. Dasselbe gilt für einen allfälligen Wechsel in eine
qualifiziertere Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber. Das Valideneinkommen bemisst
sich also anhand des Lohnes, den der – fiktiv gesunde – Beschwerdeführer in dem für
den Einkommensvergleich massgebenden Zeitpunkt an seinem bisherigen Arbeitsplatz
bei der B._ erzielt hätte. Bei der Bestimmung der wahrscheinlichsten Variante der
zumutbaren Invalidenkarriere ist von der ärztlichen Umschreibung einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit auszugehen. Auf den bisherigen Arbeitsplatz
kann nicht abgestellt werden, da es sich um eine der Behinderung überhaupt nicht
angepasste Erwerbstätigkeit handelt und da das Arbeitsverhältnis mit der B._
gekündigt worden ist. Da der Beschwerdeführer keine andere Erwerbstätigkeit
aufgenommen hat, muss auch die Invalidenkarriere anhand einer hypothetischen
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit bestimmt werden. Der Beschwerdeführer ist
als Hilfsarbeiter zu betrachten, d.h. er benötigt keine berufliche Eingliederung, um
wieder eine behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit ausüben zu können. Auch eine für
ihn völlig neue Hilfsarbeit setzt nämlich nicht mehr als höchstens eine kurze
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Einarbeitung voraus. Keiner der Ärzte hat geltend gemacht, dass es dem
Beschwerdeführer unmöglich sei, andere als grobmotorische und nur aus dem Einsatz
der Körperkraft bestehende Hilfsarbeiten auszuführen. Es ist also davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer auch feinmotorische Hilfsarbeiten ausführen kann. Deshalb
kommt jede Art von Hilfsarbeit in Frage, wenn sie die Anforderungen an eine
behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit erfüllt. Derartige Hilfsarbeiten werden in
praktisch allen Branchen nachgefragt. Deshalb ist es nicht möglich, dem
Beschwerdeführer eine Hilfsarbeit in einer bestimmten Branche als ideale
Invalidenkarriere zuzuordnen. Das bedeutet, dass die Invalidenkarriere nicht weiter
bestimmt werden kann. Die medizinischen Einschränkungen, die beachtet werden
müssen, damit von einer der Behinderung des Beschwerdeführers angepassten
Hilfsarbeit gesprochen werden kann (keine feuchte und/oder kalte Arbeitsumgebung,
kein häufiges Einnehmen einer inklinierten, reklinierten oder rotierten Körperhaltung,
kein regelmässiges Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, kein vorwiegendes
Sitzen, Stehen oder Gehen), sind nicht so einschneidend, dass sie überhaupt nicht
erfüllt werden könnten. Der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt, der nicht nur
die offenen Arbeitsstellen, sondern alle effektiv vorhandenen Arbeitsstellen umfasst,
weist erfahrungsgemäss eine beträchtliche Zahl von Hilfsarbeiterstellen auf, die diesen
Anforderungen entsprechen. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers ist die
verbliebene Arbeitsfähigkeit also auf dem allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt durchaus verwertbar.
2.
2.1 Ausgehend von der einmal bestimmten Invalidenkarriere ist das zumutbare
Invalideneinkommen zu bemessen. Grundlage der Bemessung bildet das in dieser
Karriere bei einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit erzielbare Erwerbseinkommen.
Der Beschwerdeführer scheint davon auszugehen, dass dieses Erwerbseinkommen nur
anhand von Verweistätigkeiten ermittelt werden könne. Damit bezieht er sich
möglicherweise auf die Praxis der SUVA, die auf sogenannte DAP-Löhne abstellt. Der
höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. die bei Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A.,
N. 18 zu Art. 16 ATSG angeführten Urteile) gemäss ist im Rahmen der
Invalidenversicherung weder auf DAP-Löhne noch auf regionale Verweistätigkeiten,
sondern auf die vom Bundesamt für Statistik bei den regelmässigen
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Lohnstrukturerhebungen ermittelten Durchschnittslöhne abzustellen. Massgebend sind
die Resultate der Lohnstrukturerhebungen auf nationaler Ebene in der Tabelle TA1
(Anhang). Da der Beschwerdeführer mit einer behinderungsadaptierten Hilfsarbeit in
praktisch jeder Branche eingesetzt werden kann, ist praxisgemäss auf den
Durchschnittslohn (Zentralwert) aller Branchen abzustellen. Dieser Durchschnittslohn
beruht auf den Einkommen gesunder, zu 100% tätiger Hilfsarbeiter. Er muss deshalb
der behinderungsbedingt reduzierten Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
angepasst werden. Das geschieht einerseits durch eine Reduktion entsprechend dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad (d.h. der Grad der Restarbeitsfähigkeit wird dem
Beschäftigungsgrad gleichgesetzt) und andererseits durch die Berücksichtigung nur
indirekt behinderungsbedingter zusätzlicher Lohnnachteile (in der Verwaltungspraxis
missverständlich als "Leidensabzug" bezeichnet).
2.2 Aufgrund der Angaben von Dr. med. C._ vom 28. Juni 2005 und von Dr. med.
A._ vom 7. Juni 2005 ist das Ereignis, das die Beschwerden ausgelöst hat, am 1.
Juni 2004 eingetreten. Ab diesem Tag ist der Beschwerdeführer in seiner Tätigkeit als
Bauarbeiter zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Nach der ersten Operation am 24.
Januar 2005 und nach der anschliessenden stationären Rehabilitation hat die Klinik
Valens am 29. Mai 2005 eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte
Erwerbstätigkeit angegeben. Tatsächlich hat der Beschwerdeführer aber keine
Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit erlangt, denn bereits am 21. Juni / 25.
September 2005 hat der Operateur Prof. Dr. med. D._ einen Bedarf nach einer
Reoperation festgestellt, weil nach wie vor ausgeprägte Befunde mit Druckschmerzen
im Bereich lumbosakral festzustellen seien. Der Beschwerdeführer ist am 6. Februar
2006 erneut operiert worden. Bis dahin muss von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
auch in einer an sich adaptierten Tätigkeit ausgegangen werden. Dr. med. D._ hat am
27. September 2006 noch immer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit angegeben, ohne
allerdings die Erwerbstätigkeit zu spezifizieren, auf die er sich bezogen hat. Da er zu
diesem Zeitpunkt bereits eine zweite Reoperation geplant hat, muss davon
ausgegangen werden, dass er die vollständige Arbeitsunfähigkeit auch auf eine an sich
adaptierte Tätigkeit bezogen hat. Am 16. März 2007 hat er schliesslich dem Hausarzt
des Beschwerdeführers angegeben, dass die dritte Operation vom Oktober 2006
schliesslich zu einer Heilung der Diskushernie L4/5 geführt habe. Mit dem Abschluss
der Rekonvaleszenzphase nach dieser dritten Operation hat die Phase der
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vollständigen Arbeitsunfähigkeit in einer an sich adaptierten Erwerbstätigkeit ein Ende
gefunden, sofern die verbleibenden Beschwerden keine oder nur eine unvollständige
Arbeitsunfähigkeit in einer solchen Tätigkeit bewirkt haben. Wann die
Rekonvaleszenzphase abgeschlossen gewesen ist, lässt sich anhand der dem Gericht
vorgelegten Akten nicht ermitteln. Bis zur vollständigen oder teilweisen Erlangung der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit muss von einem zumutbaren
Invalideneinkommen von Fr. 0.- ausgegangen werden, d.h. es hat bei einem
Invaliditätsgrad von 100% ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestanden. Da
der Zeitpunkt einer allfälligen Reduktion des Arbeitsunfähigkeits- und damit auch des
Invaliditätsgrades nicht bekannt ist, muss eine Zusprache der an sich ab dem Ablauf
des Wartejahres, d.h. ab Juni 2005 geschuldeten ganzen Invalidenrente unterbleiben.
Die Beschwerdegegnerin wird diese Zusprache einer ganzen Rente nach dem
Abschluss der zusätzlichen Sachverhaltsabklärungen nachzuholen haben.
2.3 Die Beschwerdegegnerin ist gestützt auf das Gutachten G._/F._ von einem
nach der Erholung von der dritten Operation bestehenden Arbeitsfähigkeitsgrad in einer
adaptierten Hilfsarbeit von 90% ausgegangen. Dr. med. G._ hat aber nicht erklärt,
weshalb die von ihm gestellten Diagnosen eine Arbeitsfähigkeit von 90% und nicht von
100% oder von weniger als 90% begründeten. Er hat lediglich angegeben, der
Beschwerdeführer sei durch die beschriebenen Beschwerden in seiner körperlichen
Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Damit dürfte er sich auf die lumbalen Schmerzen mit
Ausstrahlung bis in die linke Grosszehe, geringer auch in das rechte Bein und auf die
Sensibilitätsstörungen bezogen haben. Allerdings fehlt eine Aussage zur objektiv
nachvollziehbaren Stärke dieser Beschwerden und zu deren Konsequenzen für den
(fiktiven) Arbeitsalltag des Beschwerdeführers. Weiter fehlt eine Erörterung des
zumutbaren Schmerzmitteleinsatzes und des damit in der Bekämpfung der genannten
Beschwerden erzielbaren Erfolges. Der Beschwerdeführer nimmt zwar ein
Schmerzmittel (Dafalgan) ein, aber dessen Erfolg bei der Schmerzbekämpfung und
damit bei der Erlangung der Arbeitsfähigkeit ist nicht bekannt. Ebenfalls unerörtert
geblieben ist die Frage, wie weit es dem Beschwerdeführer zumutbar ist, trotz der
Beschwerden zu arbeiten, d.h. mittels einer zumutbaren Willensanstrengung die
subjektiv vorhandene Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu überwinden. Hinzu kommt,
dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. G._ nicht durch die Angaben
anderer Ärzte gestützt wird. Arbeitsfähigkeitsschätzungen, die sich auf den
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Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vor der dritten Operation beziehen, sind
zum vornherein ohne Beweiswert für die Zeit nach dieser Operation, da sie sich nicht
auf einen stationären Gesundheitszustand abgestützt haben. Ausserdem dürfte es sich
dabei eher um Prognosen gehandelt haben, die durch die zwei Nachoperationen
gegenstandslos geworden sind. Die einzige ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung neben
derjenigen von Dr. med. G._, die aus der Zeit nach der dritten Operation stammt, ist
diejenige von Prof. Dr. med. D._ vom 16. April 2007. Prof. Dr. med. D._ hat eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bis zur vollständigen Abklärung
der Ursache der nach wie vor vorhandenen Beschwerden angegeben. Dabei kann es
sich zum vornherein nicht um eine verlässliche Arbeitsfähigkeitsschätzung gehandelt
haben, denn gemeint war damit nur, dass eine überzeugende
Arbeitsfähigkeitsschätzung erst nach dem Abschluss der Untersuchungen abgegeben
werden könne. Entscheidend ist aber, dass auf jeden Fall eine die Angaben von Dr.
med. G._ stützende Arbeitsfähigkeitsschätzung fehlt. All diese gegen die
Überzeugungskraft der Einschätzung von Dr. med. G._ sprechenden Umstände
haben zur Folge, dass die Arbeitsfähigkeit von 90% in einer adaptierten Hilfsarbeit
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt
ist. Das bedeutet, dass für die Zeit nach der dritten Operation kein
Einkommensvergleich möglich ist. Der Sachverhalt erweist sich somit auch in Bezug
auf die Invalidität des Beschwerdeführers nach der schliesslich doch noch
erfolgreichen Behandlung der Diskushernie L4/5 als unzureichend abgeklärt. Die Sache
ist deshalb zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit nach der dritten Operation und
gegebenenfalls zur Ermittlung des Zeitpunkts des Wechsels von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit zu einer Teilarbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Hilfsarbeit an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen und die Verfügung vom 23.
Oktober 2003 ist aufzuheben. Die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur
anschliessenden neuen Verfügung über das Rentenbegehren des Beschwerdeführers
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In Bezug auf die Verfahrenskosten ist
dieser Ausgang des Verfahrens als vollumfängliches Obsiegen des Beschwerdeführers
zu werten. Deshalb hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine
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Parteientschädigung zu bezahlen. Diese bemisst sich nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG) sowie nach
der Notwendigkeit und nach der Angemessenheit der Vertretungskosten unter
Berücksichtigung der Sach- oder Rechtslage (Art. 98 Abs. 2 VRP/SG). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat sich auf das Minimum dessen beschränkt,
was für die Vertretung des Beschwerdeführers im Beschwerdeverfahren notwendig
war. Der Vertretungsaufwand ist als weit unterdurchschnittlich zu betrachten. Dies
rechtfertigt es, die Parteientschädigung tief anzusetzen. Ein Betrag von Fr. 1800.-
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) erscheint als angemessen. Die
Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer deshalb mit Fr. 1800.- zu
entschädigen. Der Verfahrensaufwand des Gerichts ist durch den geringen
Vertretungsaufwand nicht beeinflusst worden. Er ist als durchschnittlich zu
qualifizieren. Dies rechtfertigt es praxisgemäss, die Gerichtsgebühr auf Fr. 600.-
festzusetzen (Art. 69 Abs. 1 IVG). Diese Gerichtsgebühr ist ebenfalls von der
Beschwerdegegnerin zu bezahlen, so dass der in gleicher Höhe geleistete
Kostenvorschuss dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten ist. Die Beigeladene ist als
Partei in das Verfahren eingetreten, indem sie am 1. Juni 2010 eine Stellungnahme
abgegeben und implizit die Abweisung der Beschwerde beantragt hat. Grundsätzlich
ist deshalb auch sie als unterliegende Partei zu qualifizieren, die für die
Verfahrenskosten aufzukommen hat. Das betrifft nicht nur die Parteientschädigung,
sondern auch die Gerichtsgebühr. Allerdings richtet sich der Anteil der Beigeladenen
nach dem Aufwand, den sie durch ihre Beteiligung am Verfahren als Partei ausgelöst
hat. Dieser Aufwand ist sowohl in Bezug auf den Vertretungsaufwand des
Beschwerdeführers als auch in Bezug auf den Beurteilungsaufwand des Gerichts so
unbedeutend, dass es sich rechtfertigt, auf eine Beteiligung der Beigeladenen an der
Kostentragung zu verzichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG