Decision ID: 9aa9aaa8-f35c-5ba9-81fe-e18a7b3d3d7b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Die Eheleute X und Y wohnen in Z. Sie betreiben als selbständig Erwerbstätige in
der Schweiz die Einzelunternehmung Q.
X und Y reichten am 24. September 2019 beim Steueramt Z die Steuererklärung 2017
ein und deklarierten Einkünfte aus der selbständigen Erwerbstätigkeit des Ehemannes
von Fr. 32'833.– . Der Steuererklärung legten sie die Jahresrechnung 2017 der Q sowie
eine Bestätigung ihres Steuerberaters hinsichtlich einer Entnahme von Liquidität aus
der P GmbH in Deutschland bei. Mit Schreiben des Steuerkommissärs vom 27. März
2020 wurden sie aufgefordert, bis am 21. April 2020 verschiedene fehlende Unterlagen
und Informationen nachzureichen. Mit zweiter Aufforderung zur Ergänzung der
Steuererklärung vom 7. Mai 2020 wurden sie unter Androhung einer
Ermessensveranlagung und allenfalls einer Busse wegen Steuerwiderhandlung
aufgefordert, bis am 22. Mai 2020 die Steuererklärung zu ergänzen. Mit E-Mail vom 25.
Mai 2020 nahmen X und Y durch ihre Vertreterin Stellung und reichten Kontoblätter der
Q ein. Mit E-Mail vom 2. Juni 2020 hielt das Kantonale Steueramt fest, die zusätzlichen
Informationen erschienen sehr abstrus und es würden sämtliche Belege zu den
verschiedenen Geschäftsvorfällen, Informationen sowie ein detaillierter Bankauszug zu
den Barbezügen und Unterlagen, welche die Schenkungen aus dem Ausland belegten,
benötigt. Es wurde wiederum darauf hingewiesen, dass ohne die Beantwortung der
offenen Fragen eine Ermessensveranlagung vorgenommen werde. Am 18. Juni 2020
nahm Y dazu Stellung. Am 20. Oktober 2020 wurden X und Y ermessensweise für die
Kantons- und Gemeindesteuern mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 192'100.–
und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 0.– und für die direkte Bundessteuer 2017
mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 190'100.– veranlagt. Die
Veranlagungsbehörde rechnete bei der selbständigen Erwerbstätigkeit des Ehemannes
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eine Abgrenzung gegenüber der P GmbH in Deutschland in der Höhe von Fr. 147'418.–
sowie die Liquiditätsentnahme aus der P GmbH in der Höhe von Fr. 17'775.– als
steuerbare Ausschüttung auf. Dagegen erhoben X und Y durch ihre Vertreterin mit
Schreiben vom 18. November 2020 Einsprache. Sie brachten vor, von den Umsätzen
würden 20% in der deutschen Unternehmung P GmbH verbleiben. Leider habe die
Marge von 20% die angefallenen Kosten in Deutschland nicht decken können, weshalb
nicht die gesamte Liquidität von 80% der Umsätze auf die Schweizer
Einzelunternehmung habe transferiert werden können. Ob diese Debitoren jemals
bezahlt würden, könne im heutigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden. Zur Verifizierung
werde die Jahresrechnung 2017 der P GmbH beigelegt. Sie beantragten, die
Ermessensveranlagung sei zu sistieren und die Veranlagung mit den auf der
Steuererklärung deklarierten Steuerfaktoren vorzunehmen. Das Kantonale Steueramt
trat am 7. Januar 2021 auf die Einsprache nicht ein mit der Begründung, vollständig
überprüfbare Informationen zu den aufgeworfenen Fragen hätten nicht vorgelegen.
Eine Ermessensveranlagung könne nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit
angefochten werden. Die Einsprache sei zu begründen und müsse allfällige
Beweismittel nennen. Die offensichtliche Unrichtigkeit habe nicht nachgewiesen
werden können.
B.- Gegen die Einspracheentscheide vom 7. Januar 2021 erhoben X und Y durch ihre
Vertreterin mit Eingabe vom 5. Februar 2021 Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Sie beantragten, den
Entscheid der Ermessensveranlagung zu sistieren und sie mit einem steuerbaren
Einkommen 2017 von Fr. 96'602.– zu veranlagen. Mit Vernehmlassung vom 1. April
2021 beantragte das Kantonale Steueramt die Abweisung des Rekurses und der
Beschwerde. X und Y erhielten Gelegenheit, dazu Stellung und in die Akten Einsicht zu
nehmen. Sie äusserten sich nicht mehr. Die Eidgenössische Steuerverwaltung
verzichtete auf eine Vernehmlassung zur Beschwerde.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
I. Prozessuales
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1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Kantons- und
Gemeindesteuern 2017 und der direkten Bundessteuer 2017. Hierbei handelt es sich
um verschiedene Steuern, welche verschiedenen Gemeinwesen zufliessen und welche
Gegenstand getrennter Veranlagungen und Verfahren sind. Dies bedeutet, dass zwei
Entscheide zu fällen sind, die in einem einzigen Dokument enthalten sein können – der
eine für die Kantons- und Gemeindesteuern und der andere für die direkte
Bundessteuer – mit getrennten Begründungen, wobei Verweisungen zulässig sind, und
eigenen Rechtssprüchen (Dispositiven) oder zumindest einem Rechtsspruch, der die
beiden Steuern ausdrücklich auseinanderhält (BGE 130 II 509 E. 8.3 = Pra 94 [2005]
Nr. 114). Dementsprechend werden der Rekurs und die Beschwerde in einem einzigen
Dokument behandelt und die Steuern im gemeinsamen Rechtsspruch
auseinandergehalten. Spätere höchstrichterliche Differenzierungen bezüglich Form und
Inhalt von Entscheiden (BGE 135 II 260 E. 1.3.1 und 142 II 293 E. 1.2) haben an der
Zulässigkeit dieser Vorgehensweise nichts geändert.
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurs- bzw. Beschwerdeerhebung ist
gegeben. Die Eingabe vom 5. Februar 2021 ist rechtzeitig eingereicht worden. Sie
erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194
Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 140 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der
Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h
Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Angefochten sind die Nichteintretensentscheide der Vorinstanz
hinsichtlich der Ermessensveranlagung der Kantons- und Gemeindesteuern 2017 und
der direkten Bundessteuer 2017. Im Rechtsmittelverfahren kann deshalb lediglich
geprüft werden, ob die Vorinstanz auf die Einsprachen zu Recht nicht eingetreten ist.
Die Veranlagung als solche kann hingegen nicht Gegenstand des
Rechtsmittelentscheids sein. Falls das Gericht zum Schluss gelangt, die Vorinstanz sei
zu Unrecht auf die Einsprachen nicht eingetreten, wäre die Angelegenheit zur
materiellen Überprüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Soweit die
Steuerpflichtigen die Veranlagungen inhaltlich beanstanden, ist deshalb nicht darauf
einzutreten.
II. Kantons- und Gemeindesteuern
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3.- Zunächst ist zu prüfen, ob die Vorinstanz die Steuerpflichtigen zu Recht für die
Kantons- und Gemeindesteuern 2017 nach Ermessen veranlagt resp. die steuerbaren
Einkünfte des Ehemannes aus selbständiger Erwerbstätigkeit ermessensweise
festgesetzt hat. Gemäss Art. 177 StG nimmt die Veranlagungsbehörde die Veranlagung
dann nach pflichtgemässem Ermessen vor, wenn Steuerfaktoren oder Steuersubstrat
mangels zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt werden können oder die
Steuerpflichtigen ihre Verfahrenspflichten trotz Mahnung nicht erfüllt haben.
Führt der Unternehmensinhaber keine ordnungsgemässe Buchhaltung, fehlt es an
entsprechenden Aufschrieben, liefert er aus irgendwelchen Gründen für seine Angaben
keine Unterlagen und Belege oder erweisen sich die vorgelegten Bücher, Unterlagen
und Belege als mangelhaft und nicht beweiskräftig, so ist die Steuerbehörde
gezwungen, aufgrund pflichtgemässer Schätzungen eine Ermessensveranlagung
durchzuführen (vgl. Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl.
2014, II. Teil N 392). Eine Ermessensveranlagung muss zwingend vorgängig angedroht
werden (Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., VII. Teil N 63).
Mit Schreiben vom 27. März und 7. Mai 2020 forderte die Vorinstanz die
Steuerpflichtigen auf, die Steuererklärung mit weiteren Unterlagen und Informationen
zu ergänzen; sie wies zudem darauf hin, dass bei nicht fristgerechter Einreichung der
Unterlagen mit einer Veranlagung nach Ermessen zu rechnen sei. Im Weiteren führte
sie aus, es falle auf, dass der Bestand der Debitoren exakt gleich hoch sei wie die
Verbindlichkeiten. Zudem habe trotz eines sehr bescheidenen Einkommens die
Reinverschuldung der Rekurrenten um Fr. 12'545.– abgenommen. Dies habe
unmöglich mit dem deklarierten Gewinn realisiert werden können. Es sei zu begründen
und zu belegen, mit welchen Mitteln die Rekurrenten den Lebensunterhalt 2017
bestritten hätten. Mit (verspäteter) E-Mail vom 25. Mai 2020 hielt die Vertreterin der
Rekurrenten fest, der Debitoren- und Kreditorenbestand seien identisch, weil nicht
sicher sei, dass die Debitoren überhaupt jemals bezahlt würden. Im Grundsatz sei es
nichts anderes, als dass die Debitoren zu 100% wertberichtigt würden. Gemäss
Aussage der Ehefrau habe die Schwiegermutter die Eheleute immer wieder mit
Bargeldbeträgen unterstützt. Hierfür gebe es keine schriftlichen Unterlagen. Die
Vorinstanz forderte die Vertreterin mit E-Mail vom 2. Juni 2020 sowie die
Steuerpflichtigen mit gleichentags versandtem Schreiben erneut auf, konkretere
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Informationen und sämtliche Belege zu den durch den Ehemann erbrachten Leistungen
zur Verfügung zu stellen. Es sei nicht glaubwürdig, dass Leistungen erbracht würden,
die nicht erhebbar schienen. Eine Umsatzerzielung unter gleichzeitiger Gegenbuchung
bei den Kreditoren, die für eine Wertberichtigung sowieso falsch wäre, liege fern
jeglicher kaufmännischer Usanz. Ohne Klärung der offenen Fragen erscheine eine
Ermessensveranlagung wahrscheinlich. Die Steuerpflichtigen hielten in Bezug auf die
Auszahlungen der Forderungen der Q im Umfang von Fr. 147'418.– (gestützt auf
Dienstleistungen des Ehemannes im Jahr 2017) fest, diese hingen von der
wirtschaftlichen Entwicklung der P GmbH in Deutschland ab, die "Gegenbuchung
Kreditor" müsse deshalb als Delkredere gesehen werden, ohne dies in der Folge mit
beweiskräftigen Unterlagen zu belegen. Insbesondere wurden diesbezüglich lediglich
nicht aussagekräftige Buchungsbelege (act. 7/I/9) sowie eine Auflistung der
Rechnungen und Kopien der "80%-Rechnungen" (vgl. act. 7/1/10) nachgereicht. Da
die Steuerpflichtigen trotz Mahnung sowie Androhung einer Busse wegen
Steuerwiderhandlung und mehrmaliger Androhung einer Ermessensveranlagung (vgl.
act. 7/I/4, 5 und 6) weder eine ordnungsgemässe Buchhaltung noch überprüfbare,
nachvollziehbare Unterlagen und Belege über den Geschäftsverlauf der Q
nachreichten, war die Vorinstanz befugt, eine Veranlagung der Einkünfte aus
selbständiger Erwerbstätigkeit 2017 nach pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen.
Mangels zuverlässiger Unterlagen konnten die Steuerfaktoren nicht einwandfrei
ermittelt werden. Dass die Vorinstanz unter diesen Umständen nicht auf die Deklaration
der Rekurrenten abstellte und die steuerbaren Einkünfte schätzungsweise festsetzte,
ist nicht zu beanstanden. Auf den Beizug der der Vorinstanz zur Verfügung
gestandenen Akten (Debitoren und Bankbelege im Umfang von 105 Seiten, vgl.
Ausführungen gemäss act. 7 und Ausführungen der Rekurrenten in act. 7/1/10 in
Bezug auf die Barbezüge) kann verzichtet werden, da die Rechtsmittel auch noch aus
einem anderen Grund abzuweisen sind. Für die weiteren Ausführungen sind diese
Unterlagen zudem nicht relevant.
4.- Umstritten ist weiter, ob die Vorinstanz zu Recht auf die Einsprache gegen die
Ermessensveranlagung betreffend Kantons- und Gemeindesteuern 2017 nicht
eingetreten ist.
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Vorab ist festzuhalten, dass im Rahmen eines Rechtsmittels gegen einen
Nichteintretensentscheid lediglich zu überprüfen ist, ob die Ermessensveranlagung
aufgrund der von der steuerpflichtigen Person in der Einsprache vorgebrachten
Begründung und Beweismittel offensichtlich unrichtig war. Massgebend ist also der
Aktenstand zum Zeitpunkt des angefochtenen Nichteintretensentscheids, weshalb die
steuerpflichtige Person vor der Rekursinstanz keine neuen Beweismittel mehr
vorbringen kann (Fenners/Looser, Besonderheiten bei der Anfechtung der
Ermessensveranlagung, in: AJP 2013, S. 42).
a) Die Rekurrenten machten in ihrer Einsprache vom 18. November 2020 geltend, dass
von den Umsätzen 20% in der deutschen Unternehmung P GmbH verbleiben würden.
Die Marge von 20% habe jedoch die angefallenen Kosten in Deutschland nicht decken
können. Deshalb habe nicht die gesamte Liquidität im Umfang von 80% der Umsätze
auf die Schweizer Einzelunternehmung transferiert werden können. Es gebe deshalb
Debitoren, die noch nicht bezahlt worden seien und der Eingang sei ungewiss. Zur
Verifizierung werde die Jahresrechnung 2017 der P GmbH beigelegt. Der Jahresverlust
2017 belaufe sich auf 38'325.94 Euro. Es sei eine Veranlagung mit den auf der
Steuererklärung deklarierten Steuerfaktoren vorzunehmen.
Die Vorinstanz brachte hingegen vor, die offensichtliche Unrichtigkeit der
Ermessenveranlagung habe nicht nachgewiesen werden können. So seien die zu den
von den Rekurrenten deklarierten Einkünften im Umfang von Fr. 32'833.– erfolgten
Aufrechnungen von Fr. 17'775.– (Liquiditätsentnahme P GmbH) und Fr. 147'418.–
(Aufrechnung der nicht schlüssig nachgewiesenen Delkredere, verbucht als Kreditor
auf der Passivseite) und somit die Veranlagung von Einkünften im Umfang von Fr.
192'176.– zu Recht erfolgt. Eine Zahlungsunfähigkeit der P GmbH scheine sehr
unwahrscheinlich. Da keine entsprechenden Nachweise einer drohenden Insolvenz der
P GmbH vorliege, entbehre das verbuchte Delkredere (in der Buchhaltung Kreditor
genannt) einer sachlichen Grundlage. Der Einsprache sei zwar ein Jahresabschluss der
P GmbH beigelegt worden, da jedoch weder ein Revisionsbericht noch eine
steueramtliche Prüfung die Richtigkeit dieses Jahresabschlusses belege, fehle diesem
die Aussagekraft. Die Erträge der Q würden mit einer einzigen Buchung erfasst.
Aufgrund welcher Geschäftsvorfälle dieses Transferkonto bebucht worden sei, sei
anhand des wiederholten, nichtssagenden Buchungstextes "Einzahlung" nicht
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erkennbar. Abschliessend sei zu erwähnen, dass es sehr unwahrscheinlich erscheine,
dass über eine längere Zeit für eine ausländische Gesellschaft Dienstleistungen
erbracht würden, obwohl diese praktisch insolvent sei und die Rechnungen sowieso
kaum bezahlen könne. Die Lebenshaltungskosten seien mit dem deklarierten
Reineinkommen und einer gleichzeitigen Verschuldensabnahme unmöglich finanzierbar
gewesen. Die geltend gemachte finanzielle Hilfe durch die Mutter des Ehemannes
scheine grundsätzlich möglich. Dass die zwischenzeitlich verstorbene Mutter ihre
gesamten Ersparnisse zu Hause aufbewahrt und die Rekurrenten daraus massiv mit
Bargeld unterstützt habe, scheine nicht ausreichend stichhaltig. Dass dazu keinerlei
Belege vorhanden seien, stelle die Begründung in Frage.
b) Gemäss Art. 180 Abs. 2 StG kann der Steuerpflichtige eine Ermessensveranlagung
nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache ist zu begründen
und muss allfällige Beweismittel nennen.
Sofern die materielle Unrichtigkeit der Ermessensveranlagung behauptet wird, muss
die steuerpflichtige Person einen betragsmässig bezifferten oder zumindest
bestimmbaren Antrag stellen. Es muss diesem entnommen werden können, inwiefern
die Steuerfaktoren abzuändern sind. Sodann muss die steuerpflichtige Person im
Rahmen der Begründung den Anfechtungsgrund der offensichtlichen Unrichtigkeit
substanziert darlegen. Verlangt ist somit eine qualifizierte Begründung, die den bisher
ungewiss gebliebenen Sachverhalt erhellt und der Steuerbehörde erlaubt, die
Ermessensveranlagung auf ihre offensichtliche Unrichtigkeit hin zu überprüfen. D.h. die
steuerpflichtige Person muss konkret aufzeigen, dass und inwiefern die
Ermessensveranlagung den tatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht.
Dementsprechend genügt es nicht, wenn sie die Einschätzung bloss in pauschaler
Weise bestreitet oder allgemein beanstandet (Fenners/Looser, a.a.O., S. 36 mit
Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung).
Die Ermessensveranlagung stellt ein Mittel zur Erreichung einer angemessenen
Veranlagung dar, wenn sich die Steuerfaktoren aufgrund fehlender bzw. mangelhafter
Unterlagen oder Auskünfte nicht genau ermitteln lassen. Der bestehende
Untersuchungsnotstand wird dabei mittels Schätzung überwunden. Diese beruht auf
Annahmen und Vermutungen, was naturgemäss eine gewisse Unschärfe mit sich
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bringt. Deshalb hat der Einsprecher die Unrichtigkeit der Veranlagung nachzuweisen,
womit es zu einer Umkehr der Beweisführungspflicht zu Lasten der steuerpflichtigen
Person kommt (Fenners/Looser, a.a.O., S. 38). Infolgedessen muss die steuerpflichtige
Person allfällige Beweismittel nennen (Art. 180 Abs. 2 Satz 2 StG). Dies bedeutet nicht,
dass die steuerpflichtige Person allfällige Beweismittel beilegen muss oder innerhalb
der Einsprachefrist einzureichen hat, aber sie muss sie zumindest offerieren (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 2C_504/2010 vom 22. November 2011 E. 2.3). Wenn die
steuerpflichtige Person allerdings die offensichtliche Unrichtigkeit einer
Ermessenseinschätzung nicht substanziert begründen oder mit anderen Beweismitteln
belegen kann, wird sie in der Regel die versäumten Mitwirkungshandlungen nachholen
müssen, um die Einsprache genügend begründen zu können (BGer 2C_579/2008 vom
29. April 2009 E. 2.1 m.w.H.).
Antrag, Begründung und Beweisangebot stellen Prozessvoraussetzungen dar, bei
deren Fehlen nach Ablauf der 30-tägigen Frist ohne vorgängige Ansetzung einer
Nachfrist auf die Einsprache nicht eingetreten wird (vgl. BGE 131 II 548 E. 2.3; 123 II
552 E. 4c; Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., VII. Teil N 76).
c) Die Rekurrenten hielten im Rahmen der Einsprache lediglich fest, es habe nicht die
gesamte Liquidität von den 80% der Umsätze auf die Schweizer Einzelunternehmung
transferiert werden können. Daher gebe es Debitoren, welche noch nicht bezahlt seien.
Im Grundsatz müsste die Marge, welche der deutschen Unternehmung zugesprochen
werde, höher als 20% sein, damit diese sämtliche anfallenden Kosten decken könne.
Die Rekurrenten stellten den Antrag, die Veranlagung sei deshalb mit den auf der
Steuererklärung deklarierten Steuerfaktoren vorzunehmen. Mit den in der
Ermessensveranlagung vom 20. Oktober 2020 festgesetzten Beträgen setzten sie sich
aber nicht im Einzelnen auseinander, weshalb dem Schreiben nicht entnommen
werden kann, inwiefern die Aufrechnung des Delkredere im Umfang von Fr. 147'418.–
und die Annahme einer steuerbaren Ausschüttung im Umfang von Fr. 17'775.–
offensichtlich unrichtig sein sollten. So führten sie lediglich aus "es gebe Debitoren,
welche noch nicht bezahlt seien". In welchem Umfang resp. in welcher Höhe wird nicht
festgehalten. Mit der in der Ermessensveranlagung erfolgten Annahme einer
steuerbaren Ausschüttung im Umfang von Fr. 17'775.– setzten sich die Rekurrenten
zudem in der Einsprache in keiner Weise auseinander. Die Rekurrenten reichten zur
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Begründung mit der Einsprache die Jahresrechnung 2017 der P GmbH, Deutschland,
ein. Wie die Vorinstanz zu Recht festhält, belegt weder ein Revisionsbericht noch eine
steueramtliche Prüfung die Richtigkeit dieses Jahresabschlusses.
Das Reineinkommen entspricht wenigstens dem Aufwand der davon lebenden
Personen, wenn nicht der Steuerpflichtige nachweist, dass der Aufwand aus
steuerfreien Einkünften oder aus Vermögen bestritten wurde (Art. 38 Abs. 2 StG).
Irgendwelche Nachweise hinsichtlich der geltend gemachten Unterstützungsleistungen
der Mutter des Ehemannes wurden von den Rekurrenten weder offeriert noch
eingereicht. Es fehlt folglich an einer genügenden Einsprachebegründung, die es der
Steuerbehörde erlaubt hätte, die Ermessensveranlagung auf ihre offensichtliche
Unrichtigkeit hin zu überprüfen. Weitere zu jenem Zeitpunkt verfügbare Beweismittel
eines selbständig Erwerbenden – wie beispielsweise Auftragsbestätigungen und damit
zusammenhängende Abrechnungen sowie aussagekräftige Kontoblätter, aus denen die
Geschäftsvorgänge der Q ersichtlich sind – die für den Nachweis der offensichtlichen
Unrichtigkeit hätten herangezogen werden können, wurden weder ein- noch
nachgereicht. Die Rekurrenten sind folglich auch den ihnen obliegenden
Mitwirkungshandlungen hinsichtlich der Beweisführung nicht nachgekommen.
Die vom Gesetz geforderte Begründung einer Einsprache gegen die
Ermessensveranlagung stellt eine Prozessvoraussetzung dar. Sie muss deshalb binnen
der Einsprachefrist erfolgen. Es hilft den Rekurrenten aus diesem Grund nicht weiter,
dass sie mit dem Rekurs dem Gericht am 5. Februar 2021 nun ein Kontoblatt 70070
(Diverse Q, Verrechnungskonto, Abschlusskonto zum 31. Dezember 2017) aus der
Buchhaltung der P in Deutschland nachreichten, auf welchem die Entnahmen, die als
Einkünfte in der Einzelunternehmung Q hätten verbucht oder als Einkünfte in der
Schweiz hätten deklariert werden müssen, ersichtlich seien. In diesem Zusammenhang
fällt vielmehr auf, dass die Rekurrenten im Rekurs – im Unterschied zur Einsprache –
beantragen, das steuerbare Einkommen 2017 auf Fr. 96'602.– festzulegen und somit
eine Aufrechnung von Fr. 17'775.– im Zusammenhang mit der Liquiditätsentnahme aus
der P GmbH Deutschland und eine solche von Fr. 45'994.– im Zusammenhang mit
nicht deklarierten Einkünften der Q vorzunehmen.
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d) Die Ermessensveranlagung erstreckte sich aufgrund mangelhafter Unterlagen der
Steuerpflichtigen auf das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit und auf
Einkünfte aus Wertschriften und Guthaben 2017. Unter diesen Umständen genügte die
am 18. November 2020 dagegen erhobene Einsprache, in der lediglich festgehalten
wurde, es habe nicht die gesamte Liquidität von den 80% der Umsätze auf die
Schweizer Einzelunternehmung transferiert werden können und es gebe Debitoren,
welche noch nicht bezahlt seien, und keine stichhaltige, nachvollziehbare Begründung
für die offensichtliche Unrichtigkeit der Ermessensveranlagung genannt werden, den
erhöhten formellen Anforderungen an die Einsprache gegen eine
Ermessensveranlagung nicht. Nachdem auch innerhalb der laufenden Einsprachefrist
keine beweiskräftigen Belege nachgereicht wurden, ist die Vorinstanz am 7. Januar
2021 zu Recht auf die Einsprache nicht eingetreten. Der Rekurs erweist sich damit als
unbegründet und ist abzuweisen.
III. Direkte Bundessteuer
5.- Art. 177 Abs. 1 StG entspricht Art. 130 Abs. 2 DBG. Diese Bestimmungen
harmonieren mit Art. 46 Abs. 3 StHG. Daraus folgt, dass die Erwägungen zu den
Kantons- und Gemeindesteuern für die direkte Bundessteuer analog massgebend sind.
Für die direkte Bundessteurer ergibt sich dasselbe Ergebnis wie bei den Kantons- und
Gemeindesteuern. Demnach erweist sich die Beschwerde ebenfalls als unbegründet.
Sie ist abzuweisen.
IV. Kosten
6.- a) Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten des Rekurs- und des
Beschwerdeverfahrens den Rekurrenten und Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95
Abs. 1 VRP, Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von je Fr. 600.–, insgesamt
Fr. 1'200.–, erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12 und Art. 144 Abs. 5 DBG). Die Kostenvorschüsse von Fr. 1'200.– sind damit zu
verrechnen.
b) Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 VRP; PK VRP/SG-
Linder, Art. 98 N 16; Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes
bis
bis
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über das Verwaltungsverfahren [SR 172.021, abgekürzt: VwVG]; Kölz/Häner/Bertschi,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013,
N 1184).