Decision ID: 12c5f84b-a935-422b-9ce1-1dfbb5f086be
Year: 2012
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

den können. Die Argumentation der Vorinstanz, weshalb trotz dieses eindeutigen Sachverhalts
davon auszugehen sei, dass eine Auftragsbestätigung an die Beklagte erfolgt sei, sei willkürlich.
Für eine Zustellung der Auftragsbestätigung liege kein Beweis vor, weshalb gemäss Art. 8 ZGB
zwingend vom Fehlen einer solchen Auftragsbestätigung und somit auch vom Fehlen eines
nachträglich vereinbarten höheren Werklohns auszugehen sei. Die Beklagte habe einer derarti-
gen Werkvertragsänderung nie zugestimmt. Sie habe bis zum Erhalt der Endabrechnung keine
Kenntnis von der von der Klägerin einseitig beschlossenen Erhöhung des Werklohns gehabt
und somit auch keine Möglichkeit gehabt, sich dagegen zur Wehr zu setzen bzw. entsprechen-
de Rügen vorzubringen. Ebensowenig habe sie eine förmliche Rügepflicht nach Erhalt der End-
abrechnung gehabt. Indem sie nicht den gesamten Rechnungsbetrag bezahlt habe, habe sie
die Höhe der Forderung bestritten. Ihre Bezahlung von CHF 35'000.00 habe der definitiven Re-
gelung der Sache gedient und könne nicht als Anerkennung der von der Klägerin geltend ge-
machten Forderung qualifiziert werden. Die von der Vorinstanz vorgenommene rechtliche Wür-
digung und Feststellung des Sachverhalts verletze somit die geltende Rechtsordnung, insbe-
sondere Art. 8 ZGB, schwer und sei willkürlich.
Betreffend die Rechnungen Nr. 1016 und 1109 sei mündlich ein Rabatt von 5 % abgemacht
worden. Ein diesbezüglicher Beweis sei der Beklagten jedoch nicht möglich. Selbst wenn davon
auszugehen sei, dass die von der Klägerin gestellten Forderungen von insgesamt CHF 436.15
zu bezahlen seien, so habe die Beklagte mit dem von ihr zuviel geleisteten Betrag betreffend
die Rechnung Nr. 1106 (mindestens CHF 1'600.00) auch diese Forderungen mehr als begli-
chen, so dass der Klägerin keinerlei Forderungen mehr gegenüber der Beklagten zustünden.
Die Vorinstanz habe die Klage folglich zu Unrecht gutgeheissen. Entsprechend sei die Be-
schwerde gutzuheissen und die Klage abzuweisen.
C. Mit Eingabe vom 04.10.2012 beantragte die Beschwerdegegnerin sinngemäss die Abwei-
sung der Beschwerde und reichte nochmals die bereits im erstinstanzlichen Verfahren akten-
kundigen Beweisurkunden ein.
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D. Mit Verfügung vom 05.10.2012 wurde der Schriftenwechsel geschlossen und der Fall dem
Präsidium zum Entscheid aufgrund der Akten überwiesen.

Erwägungen
1. Nicht berufungsfähige erstinstanzliche Entscheide sind gemäss Art. 319 lit. a ZPO mit
Beschwerde anfechtbar. In vermögensrechtlichen Angelegenheiten ist die Berufung nur zuläs-
sig, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens
CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Im vorliegenden Fall beträgt der Streitwert
CHF 4'139.85, weshalb die Streitwertgrenze nicht erreicht ist und gegen den angefochtenen
Entscheid lediglich das Rechtsmittel der Beschwerde gegeben ist. Gemäss Art. 321 Abs. 1 ZPO
ist die Beschwerde innert 30 Tagen seit der Zustellung des begründeten Entscheids oder seit
der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und begründet bei der
Rechtsmittelinstanz einzureichen. Der motivierte Entscheid des Bezirksgerichtsvizepräsidenten
wurde der Beschwerdeführerin am 19.06.2012 zugestellt. Die Beschwerdefrist ist vom 15.07.
bis zum 15.08.2012 stillgestanden (Art. 145 Abs. 1 lit. b ZPO), weshalb die am 17.08.2012 der
Schweizerischen Post übergebene Beschwerde rechtzeitig erfolgt ist. Der Kostenvorschuss von
CHF 550.00 wurde fristgerecht bezahlt und auch die übrigen Formalien sind erfüllt, weshalb auf
die Beschwerde einzutreten ist. Zuständig für die Beurteilung der Beschwerde ist gemäss § 5
Abs. 1 lit. b EG ZPO das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts.
2. Gemäss Art. 8 ZGB hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhan-
densein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Die Klägerin hat
eine Forderung aus Werkvertrag erhoben, weshalb sie die Höhe des geforderten Werklohns zu
beweisen hat, sofern die Werklohnforderung von der Beklagten bestritten wird. Indem die Be-
klagte nicht den gesamten Betrag von CHF 38'703.70 gemäss Rechnung Nr. 1106 bezahlte,
sondern eine Bezahlung von CHF 35'000.00 an die Klägerin machte, brachte sie konkludent
zum Ausdruck, dass sie nicht den gesamten Rechnungsbetrag akzeptierte, sondern den über
CHF 35'000.00 liegenden Betrag bestritt. Folglich hat die Klägerin zu beweisen, dass ein höhe-
rer Werklohn vereinbart oder aus anderen Gründen geschuldet ist. Betreffend die Rechnung
Nr. 1106 sind von der Beklagten der Werklohn für die Arbeiten gemäss Offerte vom 26.07.2010,
für die Auftragserweiterungen in Höhe von CHF 12'970.00 exkl. MWST und für zusätzliche Ar-
beiten (Küchentüre und Oberschrank) in Höhe von CHF 1'200.00 exkl. MWST anerkannt, was
einen Gesamtbetrag von CHF 33'400.35 inkl. MWST ergibt. Hingegen hat die Beklagte aus-
drücklich bestritten, die Auftragsbestätigung vom 19.08.2010, welche weitere, in der ursprüngli-
chen Offerte nicht enthaltene Posten enthielt, erhalten zu haben. Eine Pflicht des Vertragspart-
ners, auf eine von der ursprünglichen Offerte abweichende Auftragsbestätigung zu reagieren,
besteht selbstredend nur dann, wenn die Auftragsbestätigung dem Adressaten zugegangen ist.
Eine nicht zugestellte Auftragsbestätigung ist eine einseitige Willensäusserung, welche gegen-
über dem Adressaten keinerlei Rechtswirkungen zeitigt. Die Auftragsbestätigung vom
19.08.2010 besagt für sich allein bloss, dass die Klägerin eine entsprechende Bestätigung, ad-
ressiert an die Beklagte, verfasst hat. Als Beweismittel ist dieses Schriftstück nur dann von Be-
deutung, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Auftragsbestätigung vom 19.08.2010 der
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Beklagten zugegangen ist. Diesen Beweis hat jedoch die Klägerin nicht erbringen können. Die
Vorinstanz hat einen strikten Beweis für diese relevanten Tatsache als nicht notwendig erach-
tet, sondern sich begnügt festzustellen, es sei davon auszugehen, dass die Auftragsbestätigung
vom 19.08.2010 tatsächlich versandt worden sei. Dies stellt eine klare Verletzung von Art. 8
ZGB dar. Diese unrichtige Rechtsanwendung führte in der Folge dazu, dass die Vorinstanz den
Sachverhalt offensichtlich unrichtig feststellte. Sodann bot die Klägerin auch keinen Beweis zum
Wert der zusätzlichen Leistungen an der Küchentüre und am Oberschrank an. Die Beschwerde
erweist sich somit in diesem Punkt als begründet und die Beklagte schuldet der Klägerin für die
aus der Rechnung Nr. 1106 geforderte Rechnungsdifferenz von CHF 3'703.70 mangels Nach-
weises eines Werklohnanspruchs in dieser Höhe nichts mehr, weshalb die Klage für die ent-
sprechende Forderung abzuweisen ist.
3. Die Beweiswürdigung der Vorinstanz, dass die Beklagte keine Vereinbarung einer Ra-
battgewährung von 5% hat nachweisen können, wird von der Beklagten nicht beanstandet. Ge-
stützt auf dieses zutreffende Beweisergebnis sind die Nachrechnungen der Klägerin betreffend
die unberechtigten Rabattabzüge der Beklagten auf den Rechnungen Nr. 1016 und 1109 von
total CHF 436.15 berechtigt. Die Ansicht der Beklagten, mit der Zahlung von CHF 35'000.00
habe sie ohnehin zuviel geleistet und damit auch diese Forderungen mehr als beglichen, über-
zeugt nicht. Einerseits hat sie nicht dargetan, inwiefern der Vorderrichter diesbezüglich das
Recht unrichtig angewendet oder den Sachverhalt offensichtlich falsch festgestellt hat. Anderer-
seits ist es Sache des bezahlenden Werklohnschuldners, anzugeben, auf welche Rechnung
eine Zahlung anzurechnen sei. Die Beklagte hat nicht behauptet, anlässlich ihrer Restzahlung
vom 09.05.2012 eine entsprechende Erklärung abgegeben zu haben, dass nicht die gesamte
Zahlung an die Rechnung Nr. 1106 anzurechnen sei. Die Klägerin konnte daher nach Treu und
Glauben im Geschäftsverkehr davon ausgehen, dass die Zahlung von insgesamt
CHF 35'000.00 an die Rechnung Nr. 1106 anzurechnen sei. Die erst im Beschwerdeverfahren
erfolgte Erklärung der Beklagten, mit dieser Zahlung auch die ausstehenden CHF 436.15 begli-
chen zu haben, erweist sich mithin als verspätet. In diesem Punkt ist die Beschwerde folglich
abzuweisen.
4. Abschliessend ist über die Verlegung der Prozesskosten, bestehend aus den Gerichts-
kosten sowie der Parteientschädigung, für das vorinstanzliche Verfahren sowie das Rechtsmit-
telverfahren zu entscheiden. Massgebend für die Verteilung und Liquidation der Prozesskosten
sind die Bestimmungen der Art. 104 ff. ZPO. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozess-
kosten der unterliegenden Partei auferlegt. Hat keine Partei vollständig obsiegt, werden die
Prozesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Durch den
vorliegenden Entscheid wird das vorinstanzliche Urteil teilweise abgeändert, weshalb sich eine
Neuverteilung der Prozesskosten rechtfertigt. Die damalige Klägerin und heutige Beschwerde-
gegnerin dringt mit ihren Rechtsbegehren bloss zu rund einem Zehntel durch, weshalb ihr die
Gerichtsgebühren beider Instanzen zu je 9/10 und der damaligen Beklagten und heutigen Be-
schwerdeführerin zu je 1/10 aufzuerlegen sind. Die Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfah-
ren ist in Anwendung von § 9 Abs. 2 lit. b GebT auf CHF 550.00 festzulegen. Ferner hat die
Klägerin der Beklagten für beide Instanzen eine leicht reduzierte Parteientschädigung zu bezah-
len. Die Beklagte hat keine Honorarnote eingereicht. Ferner verlangt sie keine Zusprechung
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eines Zuschlags für die MWST auf der Honorarnote. In Nachachtung der §§ 7, 8 und 10 der
Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte ist die reduzierte Parteientschädigung auf je
CHF 1'000.00 pro Instanz festzusetzen.