Decision ID: 43e73d56-f8e5-4a50-a5aa-219d642560db
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Alex R. Le Soldat, Stadelhoferstrasse 40,
8001 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Neuanmeldung)
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Sachverhalt:
A.
A.a M._ meldete sich am 9. Februar 2000 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (Berufsberatung, Arbeitsvermittlung) an (act. G 4.1/2). Zu diesem
Zeitpunkt stand er noch in einem Arbeitsverhältnis zur A._ arbeitete jedoch seit dem
24. März 1999 nicht mehr (act. G 4.1/6). Am 29. Februar 2000 diagnostizierte der
Hausarzt des Versicherten, Dr. B._, Allgemeine Medizin FMH, ein
Panvertebralsyndrom rechtsbetont bei Status nach Diskushernienoperation am 18. Mai
1999 und attestierte dem Versicherten ab dem 24. März 1999 für seine Tätigkeit als
Bodenleger eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 4.1/7.1 - 7.2). Gestützt auf ein
multidisziplinäres Gutachten des Medizinischen Zentrums Bad Ragaz vom 18. Mai
2001, das dem Versicherten für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten eine volle
Arbeitsfähigkeit attestierte (act. G 4.1/16.22), und dem Bericht des Berufsberaters vom
8. September 2000 (act. G 4.1/10) wies die IV-Stelle des Kantons St. Gallen den
Anspruch auf Rentenleistungen mit Verfügung vom 27. September 2001 ab (act. G
4.1/27).
A.b Auf ein weiteres Rentengesuch vom 16. Juni 2003 trat die IV-Stelle mangels
erheblicher Änderung des Gesundheitszustandes mit Verfügung vom 4. Februar 2004
nicht ein (act. G 4.1/28 und 43).
A.c Mit Anmeldung vom 4. März 2004 stellte der Versicherte erneut ein Rentengesuch
(act. G 4.1/44). Das Arbeitsverhältnis war inzwischen von der Arbeitgeberin per Ende
April 2001 aufgelöst worden (act. G 4.1/48/4). Mit Arztbericht vom 15. März 2004
diagnostizierte Dr. B._ neu eine depressive Entwicklung bei im Übrigen
unverändertem Zustand (act. G 4.1/52.1 - 2). Am 16. April 2004 bescheinigte Dr. C._,
Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, dem Versicherten eine um 60 %
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, wobei auch andere als die angestammte Tätigkeit
"nicht opportun" seien (act. G 4.1/53.3 und 6). Daraufhin wurde bei Dr. D._, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, eine weitere Begutachtung in Auftrag
gegeben. Dr. D._ kam zum Schluss, es liege keine Befundsänderung seit dem letzten
Gutachten vom Mai 2001 (Konsilium Medizinisches Zentrum Bad Ragaz) vor. Er
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erachtete den Exploranden aus psychiatrischer Sicht als zu 100 % arbeitsfähig (act. G
4.1/58.3 - 4).
Ein bei der Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen zur Abklärung eines
organischen Schmerzsyndroms (Wurzelreiz L5 rechts nach BSV-OP und periradikulärer
Narbenbildung) in Auftrag gegebenes Gutachten vom 10. Oktober 2005 hielt als
Diagnose ein lumbovertebrogenes Schmerzsyndrom bei rechtsseitiger
Beinschmerzsymptomatik, Osteochondrosen L4/5, Status nach
Diskushernienoperation L4/5 und Status nach Facettengelenksinfiltration L4/5 fest. Ein
radikuläres Geschehen wurde "eher" verneint. Zur Arbeitsfähigkeit wurde im Gutachten
ausgeführt, die bisherige Tätigkeit als Unterlagsbodenleger sei dem Versicherten nicht
mehr zumutbar. Eine leichte, rückenadaptierte Tätigkeit wäre dem Versicherten
dagegen grundsätzlich zumutbar, wobei die Realisierbarkeit unwahrscheinlich sei (act.
G 4.1/75).
Mit rheumatologischem Gutachten vom 21. April 2006 diagnostizierte schliesslich der
RAD Ostschweiz ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom rechts, bei
ausgeprägter Symptomausweitung mit inadäquatem Schmerzverhalten,
mässiggradiger Osteochondrose L4/5, leichter Osteochondrose L5/S1, und Status
nach Diskushernienoperation. Die objektiv zu erhebenden Befunde seien identisch mit
den Befunden anlässlich der somatischen Begutachtung am Medizinischen Zentrum
Bad Ragaz vom Mai 2001. Ebenso bestünden weder Hinweise für eine Fibromyalgie
noch für eine Verschlechterung des psychischen Zustandes. Insgesamt sei der
Gesundheitszustand im Vergleich zum Vorgutachten unverändert. Es gebe keine
objektivierbare pathologisch-anatomische Grundlage für die geschilderte Symptomatik
und die angegebenen Funktionseinschränkungen. In der angestammten Tätigkeit
betrage die Arbeitsfähigkeit unbestrittenermassen 0 % ab 1999 bis auf weiteres. In
einer leichten bis mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % (act. G 4.1/86.5 -7).
Mit Verfügung vom 3. Mai 2006 wies die IV-Stelle St. Gallen das Leistungsbegehren
erneut ab. Dabei ging sie von einem Invaliditätsgrad von 14 % aus (act. G 4.1/90).
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A.d Mit Einsprache vom 31. Mai 2006 wurde im Wesentlichen vorgebracht, laut Bericht
Dr. C._ vom 16. April 2006 (richtig: 2004) bestehe durch die psychiatrischen Faktoren
(Auffassung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Zielgerichtetheit, Flexibilität und Effizienz
des Denkens) eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 60 %. Dr. med. E._, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, beschreibe in seinem Bericht vom 29. Mai 2006 eine
Verschlechterung des psychischen Zustandes. Dr. E._ rate zudem, den Versicherten
stationär in der Klinik Wil zu betreuen, um die Depressivität aufzufangen, da eine
ambulante Betreuung immer schwieriger werde (act. G 4.1/91 -92). Zudem bestätigte
Dr. B._ am 26. Mai 2006 eine massive psychische Verschlechterung mit Vorliegen
einer depressiven Episode mit akuter exogener Reaktion (act. G 4.1/93).
Gestützt auf diese Berichte ging nunmehr auch der RAD von einer massiven
Verschlechterung des psychischen Zustandes aus. Es sei ab Anfang Mai 2006 aus
psychiatrischen Gründen von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % in allen Tätigkeiten
auszugehen. Der RAD-Arzt schlägt sodann das Einholen eines Arztzeugnisses der
Klinik Wil vor. In ihrem Austrittsbericht vom 4. Juli 2006 diagnostizierte die
Psychiatrische Klinik Wil eine mittelgradige depressive Episode (F32.1), einen Verdacht
auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) sowie ein
lumbovertebrogenes Schmerzsyndrom. Es wurde ihm eine Arbeitsfähigkeit von 0 %
attestiert (act. G 4.1/101.3 - 6).
Nachdem die Klinik Wil den angeforderten Arztbericht trotz mehrmaliger Aufforderung
nicht eingereicht hatte, holte die IV-Stelle stattdessen beim nachbehandelnden
Psychiater Dr. E._ einen Verlaufsbericht ein. Dieser führte am 15. Dezember 2006
aus, der Gesundheitszustand habe sich (seit 20. August 2004) verschlechtert. Es liege
eine depressive Episode mittleren Grades vor. Dem Versicherten seien keine
Tätigkeiten mehr zumutbar. Er befinde sich zur Zeit in einer Schmerzabklärung in der
Schmerzklinik Nottwil (act. G 4.1/106).
Mit Entscheid vom 15. März 2007 wies die IV-Stelle die Einsprache ab. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, die von der Klinik Wil attestierte
vollständige Arbeitsunfähigkeit sei nicht ausgewiesen und von therapeutischen
Überlegungen beeinflusst. Zudem seien die von der Klinik Wil diagnostizierte
mittelgradige depressive Episode mit Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung
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sowie das lumbovertebrogene Schmerzsyndrom in der Regel nicht invalidisierend, es
sei denn, wenn zusätzlich eine psychische Komorbidität vorliege. Dies sei beim
Einsprecher nicht der Fall. Ebenfalls könne nicht auf den Verlaufsbericht Dr. E._
abgestellt werden, der die gleichen Diagnosen stelle wie die KPK Wil. Ausserdem sei
die geltend gemachte Verschlechterung einzig mit den subjektiven Angaben des
Einsprechers begründet worden. Es sei davon auszugehen, dass sowohl der
Austrittsbericht Wil als auch der Bericht E._ lediglich den seit Jahren unveränderten
psychischen Zustand pessimistischer beurteilten als das Gutachten D._. Nur
letzteres setze sich kritisch mit der aggravatorisch präsentierten Symptomatik
auseinander (act. G 4.1/113).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 27. April
2007 mit dem Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid vom 15. März 2007 sei
aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei eine volle Rente auszurichten. Ausserdem
sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Zur
Begründung wird geltend gemacht, dass sich der psychische Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers seit dem Gutachten D._ verschlechtert habe, habe doch der
Beschwerdeführer vom 6. bis 28. Juni 2006 in der Psychiatrischen Klinik Wil
hospitalisiert werden müssen. Die Beschwerdegegnerin mache es sich zu einfach,
wenn sie den Austrittsbericht Wil und den Verlaufsbericht E._ für unbeachtlich erkläre
und stattdessen auf das ältere Gutachten D._ abstelle. Selbst der RAD gehe von
einer massiven Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes aus. Wenn
die Beschwerdegegnerin davon ausgehe, die genannten Arztberichte seien zu wenig
detailliert, hätten weitere Abklärungen getätigt werden müssen.
Im Übrigen handle es sich bei den Klinikärzten und Dr. E._ um erfahrene Fachärzte,
die den Beschwerdeführer während längerer Zeit betreut hätten, wohingegen das
Gutachten D._ auf einer einmaligen Exploration beruhe. Entgegen der Auffassung
des Einspracheentscheids sei auf die übereinstimmende Diagnose der Klinik Wil und
von Dr. E._ abzustellen, wofür auch die eindeutige Stellungnahme des RAD spreche.
Beim Beschwerdeführer liege damit eine somatoforme Schmerzstörung vor, zu der
eine anhaltende Depression im fachpsychiatrischen Sinn hinzukomme (act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 8. Mai 2007 beantragt die Verwaltung unter Verweis
auf den Einspracheentscheid vom 15. März 2007 Abweisung der Beschwerde (act. G
4).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 6. Juli 2007 wurde dem Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung entsprochen (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer aus somatischen Gründen nicht
mehr in seiner angestammten schweren Tätigkeit als Bodenleger arbeiten kann.
Umstritten ist dagegen der Grad der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bei der
Ausübung einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit in psychischer Hinsicht.
Diesbezüglich wurde der Beschwerdeführer mit Gutachten vom 20. August 2004 von
Dr. D._ untersucht. Gegen dieses Gutachten bringt der Beschwerdeführer keine
Rügen vor, macht jedoch geltend, das Gutachten sei nicht mehr aktuell. Sein
psychischer Gesundheitszustand habe sich seit dieser Begutachtung bis zum Vorliegen
des Einspracheentscheids vom 15. März 2007 massiv verschlechtert. Die
Beschwerdegegnerin stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, eine
Verschlechterung habe nicht stattgefunden. Vielmehr beschrieben der Austrittsbericht
Wil und der Bericht E._ lediglich den seit Jahren bestehenden Zustand
pessimistischer. Ausserdem seien die von den psychiatrischen Fachpersonen
getroffenen Diagnosen rechtsprechungsgemäss nicht geeignet, eine Invalidität zu
bewirken. Wie es sich damit verhält, ist nachfolgend zu prüfen.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
des streitigen Entscheids vom 15. März 2007 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist
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(BGE 121 V 366 E. 1b), sind auf den angefochtenen Einspracheentscheiddie bis zum
31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
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medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.
3.1 In seinem Gutachten vom 20. August 2004 ging Dr. D._ davon aus, dass aus
psychiatrischer Sicht keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorliege. Als Diagnose
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit führte er eine unveränderte somatoforme
(Schmerz-)Störung (F45) auf (act. G 58.3). Mit Zeugnis vom 26. Mai 2006 bestätigte Dr.
B._, dass er den Beschwerdeführer seit 8. Mai 2006 wegen einer massiven
psychischen Verschlechterung mit depressiver Episode und akuter exogener Reaktion
behandelt und ihn zur weiteren Beurteilung und Behandlung an Dr. E._ überwiesen
habe (act. G 4.1/93). Dieser bestätigte am 29. Mai 2006, dass es "in den letzten
Wochen" zu einer Verschlechterung gekommen sei und dass er eine stationäre
Behandlung der Depressivität in der KPK Wil für indiziert halte (act. G 4.1/92). Die Klinik
Wil wiederum diagnostizierte in ihrem Austrittsbericht vom 4. Juli 2006 unter anderem
eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) und den Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (F45.4). Immerhin beschrieb sie den Beschwerdeführer
als im Affekt nur noch leichtgradig deprimiert und klagsam. Ausserdem beschrieb sie
eine deutliche Verbesserung der Schlafstörungen sowie - im Gegensatz zum
Eintrittsstatus - keine akute Suizidalität mehr (act. G 4.1/101.3 - 6). In ihrem
nachträglich eingereichten Arztbericht vom 26. März 2007 führte sie zudem aus, die
kurze Krisenintervention (vom 6. - 28. Juni 2006) habe zu einer Entschärfung der
häuslichen Konflikte sowie zu einer psychischen Stabilisierung geführt. Der
Beschwerdeführer werde jedoch auf Grund seiner jahrelangen Schmerzproblematik
wohl immer wieder depressive Beschwerden haben und deswegen kurze
Kriseninterventionen benötigen. Im Gegensatz zu ihrem Austrittsbericht vom 4. Juli
2006 bescheinigte sie dem Beschwerdeführer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit nur
noch für die Zeit des Klinikaufenthaltes, also vom 6. - 28. Juni 2006, und hielt eine
ergänzende medizinische Abklärung für wünschenswert (act. G 4.1/116).
Auf Grund dieser Ausführungen handelte es sich beim Klinikaufenthalt vom Juni 2006
um eine erstmalige Krisenintervention, nach deren Durchführung der Beschwerdeführer
wieder in die Obhut des behandelnden Psychiaters, Dr. E._, zur ambulanten
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Betreuung übergeben wurde. Wenn auch im zeitlichen Ablauf plausibel erscheint, dass
der Beschwerdeführer nach Erhalt der ablehnenden Verfügung vom 3. Mai 2006
psychisch dekompensierte, was eine stationäre Intervention nötig machte, und wenn
auch die Klinik Wil von der Möglichkeit erneuter Rückfälle ausgeht, ist nach
vorliegender Aktenlage doch keine dauerhafte Verschlechterung des psychischen
Zustandes ab Mai 2006 dargetan. Vielmehr konnte der Beschwerdeführer in
gebessertem Zustand aus der Klinik entlassen werden. In ihrem späteren Arztzeugnis
vom 26. März 2007 relativierte die Klinik Wil zudem ihre Angaben über die
Auswirkungen der depressiven Episode auf die Arbeitsfähigkeit, indem sie diese nicht
mehr als dauerhaft einschränkend beschrieb. Auch indem sie eine weitere Abklärung
für wünschenswert hielt, brachte sie zum Ausdruck, dass der Austrittsbericht vom 4.
Juli 2006 noch nicht zwingend den Schlussstand der Entwicklung darstellte und dass
sie eine nachträgliche Änderung des Gesundheitszustands für möglich hielt (vgl. act. G
4.1/116). Dass (noch) nicht von einer dauerhaften Verschlechterung des psychischen
Zustandes auszugehen ist, ergibt sich im Übrigen auch aus der Diagnose einer
depressiven Episode (F32), die auch von Dr. E._ in seinem Verlaufsbericht im
Dezember 2006 (dem letzten echtzeitlichen Dokument) verwendet wurde (act. G
4.1/106).
3.2 Die seit der jetzt zu beurteilenden Wiederanmeldung von verschiedenen Ärzten
beschriebene depressive Entwicklung kann nicht ohne Weiteres ausgeklammert
werden. Obwohl Dr. B._ und Dr. C._ bereits in ihren Arztberichten vom 15. März
2004 bzw. vom 16. April 2004 eine depressive Entwicklung diagnostizierten (act. G
4.1/52.1 und 53.1), und deswegen von der Beschwerdegegnerin eine psychiatrische
Begutachtung angeordnet wurde, ging Dr. D._ mit keinem Wort auf eine mögliche
depressive Problematik ein. Insofern erscheint dieses Gutachten schon zum damaligen
Zeitpunkt nicht vollständig. Ausserdem war es im (massgebenden) Zeitpunkt des
Erlasses des Einspracheentscheids bereits gut zweieinhalb Jahre alt. Es konnte somit
eine allfällige spätere Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands noch
gar nicht berücksichtigen. Wenn auch - wie vorstehend dargelegt - auf Grund der
vorliegenden Aktenlage eine dauerhafte invalidisierende Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustands nicht ausgewiesen ist, kann eine solche auch nicht
ausgeschlossen werden. So konnte der Beschwerdeführer nach der Krisenintervention
in der KPK Wil zwar wieder in die ambulante Behandlung Dr. E._ entlassen werden,
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war aber noch keineswegs beschwerdefrei. Vielmehr stellte die Klinik Wil in ihrem
Austrittsbericht vom 4. Juli 2006 die Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode (F321). Dr. E._ berichtete schliesslich am 15. Dezember 2006 über einen
gegenüber dem Gutachten D._ vom 20. August 2004 verschlechterten
Gesundheitszustand und eine Änderung der Diagnose, wobei er jene der Klinik Wil
(depressive Episode mittleren Grades) übernahm. In Bezug auf eine seit dem
Klinikaustritt erfolgte Entwicklung hielt er jedoch lediglich fest, der Beschwerdeführer
leide seit Herbst 2006 unter Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und zunehmenden
Schmerzen. Ausserdem wies er darauf hin, dass zum Berichtszeitpunkt eine
Schmerzabklärung in der Schmerzklinik Nottwil stattgefunden habe (act. G 4.1/106).
3.3 Nach dem Gesagten erscheint es nicht sachgerecht, für die Beurteilung des
Gesundheitszustands zum Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids auf den
Stand vom August 2004 zurückzugehen und auf das Gutachten D._ abzustellen. In
Übereinstimmung mit dem Beschwerdeführer (vgl. Beschwerde, S. 9, Ziff. 20) ist
deshalb ein aktuelles psychiatrisches Gutachten einzuholen.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids teilweise gutzuheissen und die Streitsache zur Einholung eines
aktuellen psychiatrischen Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gemäss den Schlussbestimmungen des IVG zur Änderung vom 16. Dezember
2005, in Kraft seit 1. Juli 2006, gilt für die vor dem 1. Juli 2006 bei der IV-Stelle
hängigen Einspracheverfahren das bisherige Recht (lit. b der Schlussbestimmungen).
Somit gelangt Art. 69 Abs. 1 IVG zur Kostenpflicht von Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen im kantonalen Gerichtsverfahren
nicht zur Anwendung. Gerichtskosten sind somit keine zu erheben.
4.3 Die Rückweisung zur weiteren Sachverhaltsabklärung ist nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung in Bezug auf den Anspruch auf eine
Parteientschädigung als vollumfängliches Obsiegen zu betrachten (vgl. etwa ZAK 1987
S. 266 E. 5a). Der Beschwerdeführer hat somit Anspruch auf einen ungekürzten Ersatz
bis
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der Kosten der Rechtsvertretung. Die Parteientschädigung bemisst sich nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g
ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht
nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--.
Vorliegend ist die Parteientschädigung - wie in gleichartigen Fällen üblich - auf Fr.
3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Damit erübrigt sich die
Festsetzung einer Entschädigung aus unentgeltlicher Prozessführung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG