Decision ID: 7ae17147-039f-506a-a6f8-9cb34f9d96fb
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
N._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a N._ meldete sich am 3. Oktober 2006 zum Bezug von Rentenleistungen an. Er
führte darin aus, er leide seit November 2003 an Beschwerden in der rechten Schulter,
in den Muskeln, Gelenken und im Rücken sowie an psychischen Beschwerden (act.
G 9.1). Der behandelnde Dr. med. A._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
diagnostizierte im Arztbericht vom 25. November 2006 mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten ein chronifiziertes Schmerzsyndrom, Polyarthralgien,
Polymyalgien, einen Status nach Arthroskopie des rechten Schultergelenks mit
Bursektomie, Acromioplastik und subtotaler AC-Gelenksresektion rechts. In der
angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter (vgl. zur beruflichen Tätigkeit act. G 9.10)
bestehe seit 17. Oktober 2005 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Andere Tätigkeiten
seien ihm nicht zumutbar, da jede Tätigkeit zu einer Schmerzintensivierung führe (act.
G 9.15.1 ff.). Am 30. Dezember 2006 berichtete die behandelnde Dr. med. B._,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, dass der Versicherte an einem
anhaltenden, seit Jahren progredienten Schmerzsyndrom leide. Aufgrund der
anhaltenden Schmerzen sei es zu einer mittelgradigen depressiven Episode mit
somatischem Syndrom gekommen. Er sei vom Hausarzt seit 17. Oktober 2005 in der
angestammten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig geschrieben. Andere Tätigkeiten seien
ihm ebenfalls nicht zumutbar; Dr. B._ hielt eine ergänzende medizinische Abklärung
für angezeigt (act. G 9.16.1 ff.).
A.b Vom 19. Februar bis 10. März 2007 befand sich der Versicherte in stationärer
Behandlung in der Reha-Klinik Walenstadtberg. Dr. med. C._, Leitende Ärztin
Neurologie, bescheinigte ihm im Austrittsbericht vom 9. März 2007 aufgrund der
Bizepssehnenruptur eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für schwere Arbeiten. Für leichte
Arbeiten hielt sie ihn für vollständig arbeitsfähig (act. G 9.28.2 ff.).
A.c Der behandelnde Dr. A._ überwies den Versicherten zur medizinischen
Untersuchung an Dr. med. D._, Facharzt FMH für Physikalische Medizin und
Rehabilitation. Dieser hielt im Bericht vom 23. April 2007 fest, dass an
rheumatologischen Befunden lediglich eine Periarthropathia humeroscapularis rechts
bei Status nach Dekompression und Bizepssehnenruptur bestehe. Ferner liege noch
eine leichte Bewegungseinschränkung mit schmerzhaftem Bogen und Druckschmerzen
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vor. Im Übrigen bestehe eine leichte S-Skoliose, aber mit einer recht guten
Beweglichkeit der Wirbelsäule. Namentlich an der Halswirbelsäule habe der Versicherte
starke Schmerzen, allerdings keinerlei Muskelverspannungen. Gesamthaft gesehen
liege eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geklagten Beschwerden und den
erhobenen Befunden vor. Es handle sich um eine somatoforme Schmerzstörung auf
dem Boden eines unglücklichen psychosozialen Hintergrundes, die mit
Behandlungsmassnahmen aus dem somatischen Bereich nicht beeinflusst werden
könnte. Wichtig sei, dass der Versicherte nicht immer inaktiver werde. Aus
rheumatologischer Sicht sei die Behinderung wegen der Schulterbeschwerden nicht
sehr gross, so dass es von Vorteil wäre, wenn der Versicherte eine körperlich wenig
belastende Tätigkeit finden könnte (act. G 9.28.10 ff.).
A.d Am 27. Juni 2007 wurde der Versicherte durch den Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) Ostschweiz interdisziplinär (rheumatologisch und psychiatrisch) untersucht. Der
rheumatologische Experte diagnostizierte im Bericht vom 19. Juli 2007 mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit: ein generalisiertes Schmerzsyndrom des Bewegungsapparates
(ICD-10: F45.4) und eine chronische Periarthropathia humeroscapularis rechts (ICD-10:
M75.1). Es habe keine organische Ursache für das generalisierte Schmerzsyndrom am
Bewegungsapparat gefunden werden können. Organisch fassbar sei ein mögliches
persistierendes Impingement mit eingeschränkter Abduktion. Die psychiatrische
Expertin diagnostizierte eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
und eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten
(ICD-10: F43.25). Eine schwere oder auch mittelschwere depressive Episode hätte
aktuell ausgeschlossen werden können. Die gezeigten Symptome seien allenfalls als
leicht zu bezeichnen und würden nicht die Kriterien für eine leichte depressive Episode
erfüllen. Von Seiten der somatoformen Schmerzstörung seien die ICD-Kriterien erfüllt.
Im Hinblick auf die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung geforderten
Zusatzkriterien sei zum einen keine schwerwiegende psychiatrische Erkrankung als
Komorbidität vorhanden, zum anderen seien die geforderten Zusatzkriterien nicht in
ausreichender Schwere und Intensität erhebbar, um eine Willensanspannung verneinen
zu können. Somit sei aus versicherungsmedizinisch psychiatrischer Sicht eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der oben genannten Diagnosen nicht
vorhanden. Interdisziplinär beurteilten die Experten den Versicherten für die
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angestammte Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig, für leidensadaptierte Tätigkeiten zu
100% arbeitsfähig (act. G 9.30).
A.e Gestützt auf die durchgeführten medizinischen Untersuchungen stellte die IV-Stelle
dem Versicherten im Vorbescheid vom 27. Juli 2007 bei einem Invaliditätsgrad von 4%
die Ablehnung eines Rentenanspruchs in Aussicht (act. G 9.36).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 17. September 2007 Einwand und beantragte
eine nochmalige Überprüfung des Invaliditätsgrades. Er sei mit der Beurteilung des
RAD nicht einverstanden. Seine psychischen Beschwerden seien dermassen
gravierend, dass er sich seit dem 15. August 2007 in psychiatrischer Behandlung in der
Klinik befinde. Er müsse voraussichtlich zwischen 3 und 6 Monaten in der Klinik bleiben
(act. G 9.40).
B.b Der behandelnde Dr. med. E._, Leitender Arzt der Psychiatrischen Klinik, stellte
im Bericht vom 26. November 2007 folgende seit ca. 2003 bestehende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Mehrfachbelastung (Migration, Arbeitslosigkeit)
unter dem Bild einer Anpassungsstörung, bei längerer depressiver Reaktion (ICD-10:
F43.21); eine Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0); eine anhaltend somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4); DD: eine mittelgradig depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11); Störungen durch Sedativa oder Hypnotika,
Abhängigkeitssyndrom: gegenwärtig abstinent aber in beschützender Umgebung
(ICD-10: F13.21). Der Versicherte sei seit dem 10. Oktober 2005 in der angestammten
Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Leidensadaptierte Tätigkeiten seien ihm zu Beginn
2 bis 3 Stunden, später 4 bis 5 Stunden pro Tag zumutbar (act. G 9.44).
B.c Der RAD-Arzt Dr. med. F._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt in der Stellungnahme vom 9. Januar 2008 fest, dass aus den Unterlagen der
Psychiatrischen Klinik keine Veränderung des Gesundheitszustandes hervorgehe.
Nachdem der Bericht vom 26. November 2007 zum Teil widersprüchliche Aussagen
enthalte und invaliditätsfremde Faktoren in die Beurteilung miteinbeziehe, sei am 8. und
9. Januar 2008 eine telefonische Fachdiskussion erfolgt. Aus diesen Telefonaten seien
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keine neuen medizinischen Sachverhalte hervorgegangen. Insbesondere habe geklärt
werden können, dass es zwar im therapeutischen stationären Setting auf grosse
Schwierigkeiten stosse, den Versicherten auch nur zu einfachen Hilfsarbeiten z.B. in
der Küche, zu bewegen und diese von ihm in erster Linie durch Schmerzen und
"Krankheit" verweigert würden. Diese Unfähigkeit sei aber medizinisch nicht objektiv
begründbar, sondern lediglich durch ein psychodynamisches Erklärungsmodell
verstehbar. Aus psychiatrischer Sicht sei aber weder die Symptomatik der
diagnostizierten Depression noch eine in Erwägung gezogene Persönlichkeitsänderung
so ausgeprägt, dass dadurch eine Arbeitsunfähigkeit in einer dem körperlichen Leiden
adaptierten Tätigkeit gerechtfertigt wäre. Nach der Entlassung aus der Psychiatrischen
Klinik sei weiterhin von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten
auszugehen (act. G 9.45).
B.d Mit Verfügung vom 9. Januar 2008 lehnte die IV-Stelle einen Rentenanspruch ab.
Zum erhobenen Einwand hielt sie fest, dass keine neuen medizinischen Fakten
vorhanden seien, insbesondere liege keine Änderung des Gesundheitszustandes vor.
Es bestehe nach wie vor eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer der Behinderung
angepassten Tätigkeit (act. G 9.46).
C.
C.a Am 11. Februar 2008 erhob der Beschwerdeführer gegen die Verfügung vom
9. Januar 2008 Beschwerde. Er beantragt darin deren Aufhebung und eine
Neuberechnung des Invaliditätsgrades. Die Psychiatrische Klinik habe er am 18. Januar
2008 verlassen können. Diese habe einen ausführlichen Austrittsbericht zugesichert.
Der Beschwerdeführer ersucht daher um eine Nachfrist für eine
Begründungsergänzung (act. G 1).
C.b Innert gewährter Nachfrist reichte der Beschwerdeführer am 28. März 2008
zusammen mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege eine
Beschwerdeergänzung ein. Unter Hinweis auf den mitgesandten Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik vom 17. Januar 2008 (act. G 5.1) macht er geltend, es sei ihm
nicht möglich, in der freien Wirtschaft zu arbeiten. Seine depressiven Beschwerden
würden die Aufnahme einer Tätigkeit verunmöglichen. Seit dem Austritt aus der
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Psychiatrischen Klinik sei er in psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. med. G._,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (act. G 5). Im Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik wurde die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf ca. 5 bis
10% geschätzt, da er mit vielen Pausen einfache Arbeiten im Haushalt verrichten
könne (act. G 5.1).
C.c Am 22. April 2008 reichte der Beschwerdeführer ein Arztzeugnis von Dr. G._ ein.
Darin berichtet diese, es sei trotz regelmässigen psychotherapeutischen Gesprächen in
der Muttersprache des Beschwerdeführers zu keiner deutlichen Besserung des
depressiven Zustandes gekommen. Die Ärztin diagnostizierte eine mittelgradige
depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.11), eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) bei Persönlichkeitsänderung bei
chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.8). Beim Beschwerdeführer bestehe auch
eine massive psychosoziale Dekompensation bei dauernder Arbeitsunfähigkeit und
Ablehnung der IV-Berentung. Er sei aktuell aufgrund psychiatrischer Symptomatik 70%
arbeitsunfähig. Sein Zustand habe sich nach der Entlassung aus der Psychiatrischen
Klinik noch destabilisiert. Aus psychiatrischer Sicht sei er zu 70% arbeitsunfähig (act.
G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 14. Mai 2008
die Beschwerdeabweisung. Gestützt auf die aussagekräftige interdisziplinäre RAD-
Beurteilung vom 19. Juli 2007 sei die Rentenablehnung zu Recht erfolgt. In
Übereinstimmung mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung habe der RAD den
beiden festgestellten Diagnosen der somatoformen Schmerzstörung und der
Anpassungsstörung keine invalidisierende Wirkung zugesprochen, weil beim
Beschwerdeführer darüber hinaus keine psychische Komorbidität von erheblicher
Schwere, Ausprägung und Dauer vorliege. In der RAD-Beurteilung würden einzig
ätiologisch-pathogenetisch unerklärliche syndromale Leidenszustände beschrieben,
denen infolge der fehlenden Objektivierbarkeit jedoch keine invalidisierende Wirkung
zukomme. Die Berichte der Psychiatrischen Klinik, die sich mit der RAD-Beurteilung
gar nicht auseinandergesetzt hätten, würden daran keine Zweifel entstehen lassen.
Was das nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 9. Januar 2008 eingereichte
Arztzeugnis von Dr. G._ vom 19. April 2008 anbelange, so könne dieses im
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vorliegenden Verfahren keine Berücksichtigung finden, da lediglich die tatsächlichen
Verhältnisse bis zum Verfügungszeitpunkt massgebend seien (act. G 9).
C.e Der Beschwerdeführer macht in der Replik vom 12. Juni 2008 geltend, es sei nicht
nachvollziehbar, dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit zwischen den behandelnden und den RAD-Ärzten derart unterschiedlich
seien. Er rügt weiter die Auffassung der Beschwerdegegnerin, dass seine
gesundheitlichen Beschwerden keine psychische Komorbidität aufweisen würden. Das
Arztzeugnis von Dr. G._ beziehe sich auf seinen Aufenthalt in der Klinik und sei
deshalb im vorliegenden Verfahren miteinzubeziehen (act. G 12).
C.f Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Rentenleistungen.
2.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
9. Januar 2008 ergangen (act. G 9.46), wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor
dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
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damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 geltenden Bestimmungen wiedergegeben.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in
Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant
gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei
Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten,
abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv
bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur
soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die
Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-
praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 50 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens
zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine
Viertelsrente.
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2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Das
Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen,
ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruchs gestatten. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über
die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende
Klarheit besteht. Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes
wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei
umfassender, sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132
V 400 E. 4.1) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei überwiegend
wahrscheinlich (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen) und es könnten weitere
Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im
Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes und des Anspruchs auf rechtliches Gehör (SVR 2001 IV
Nr. 10 S. 28 E. 4b mit Hinweisen).
2.4 Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
oder internen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 ff. E. 3b/bb und 3b/ee).
2.5 Rechtsprechungsgemäss können somatoforme Schmerzzustände oder
Schmerzverarbeitungsstörungen unter gewissen Umständen eine Arbeitsunfähigkeit
verursachen. Sie fallen unter die Kategorie der psychischen Leiden, für die
grundsätzlich ein psychiatrisches Gutachten erforderlich ist, wenn es darum geht, über
die durch sie bewirkte Arbeitsunfähigkeit zu befinden (AHI 2000 S. 159 E. 4b mit
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Hinweisen). Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet indes auch eine
diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine
Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung
oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind.
Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant
behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil
die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen
notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet
sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung
einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer.
Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Verlauf einer an sich
missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent
durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem
therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 131
V 50 E 1.2). Je mehr diese Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die
entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die
Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 51
E. 1.2).
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom
9. Januar 2008 im Wesentlichen auf die interdisziplinäre RAD-Beurteilung vom 19. Juli
2007 (act. G 9.30). Diese stellt ein im Verwaltungsverfahren von versicherungsinternen
Experten eingeholtes Gutachten dar. Gestützt auf die davon abweichenden
Einschätzungen der behandelnden Ärzte und Ärztinnen stellt sich der
Beschwerdeführer auf den Standpunkt, die Beurteilung durch den RAD sei nicht
nachvollziehbar (act. G 12).
3.2 Im Hinblick auf die Würdigung des RAD-Gutachtens fällt ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen interdisziplinären Abklärungen, mithin auf allseitigen Untersuchungen
beruht und damit für die streitigen Belange umfassend ist. Die Vorakten wurden
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verwertet und die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden berücksichtigt und
gewürdigt. Das RAD-Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein, dies
insbesondere auch durch die Auseinandersetzung mit früheren, teilweise
divergierenden ärztlichen Beurteilungen. Vor diesem Hintergrund vermögen auch die
darin enthaltenen Schlussfolgerungen, namentlich die Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit bzw. deren invalidisierender Wirkung - entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers - zu überzeugen. Es erfüllt alle praxisgemäss erforderlichen
Kriterien für beweiskräftige Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a), so dass
grundsätzlich darauf abzustellen ist. Dies umso mehr als es mit der Beurteilung von
Dr. D._ vom 23. April 2007 (act. G 9.28.10 ff.) und dem Austrittsbericht der Reha-
Klinik Walenstadtberg vom 9. März 2007 übereinstimmt (volle Arbeitsfähigkeit für
leichte Tätigkeiten; act. G 9.28.2 ff.).
3.3 Auch der Beschwerdeführer vermag keine konkreten Mängel am RAD-Gutachten
oder der Gutachtenserstellung zu benennen. Ebenso ist die fachärztliche Qualifikation
der Gutachter unbestritten geblieben. Seine Kritik an der gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitseinschätzung stützt der Beschwerdeführer auf das Argument, dass die
übrigen behandelnden medizinischen Fachpersonen eine höhere Arbeitsunfähigkeit
attestiert hätten. Deren Einschätzungen vermögen jedoch die gutachterliche
Beurteilung nicht in Zweifel zu ziehen. Was die - im RAD-Gutachten berücksichtigten -
Berichte von Dr. A._ vom 25. November 2006 (act. G 9.15.1 ff.) und von Dr. B._
vom 30. Dezember 2006 (act. G 9.16) anbelangt, so ist darauf hinzuweisen, dass diese
vor dem Gutachten erstellt wurden und sich die RAD-Gutachter mit den abweichenden
Einschätzungen begründet auseinandergesetzt haben (act. G 9.30.6 und G 9.30.12). In
den Berichten der Psychiatrischen Klinik vom 26. November 2007 (act. G 9.44) und
vom 17. Januar 2008 (act. G 5.1) wird keine Stellung zum RAD-Gutachten genommen.
Die darin erhobenen Befunde entsprechen denjenigen des psychiatrischen Gutachtens.
Ferner scheinen sich die Ärzte der Psychiatrischen Klinik bei der Beurteilung der dem
Beschwerdeführer verbliebenen Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen auf dessen Angaben
abgestellt zu haben (vgl. act. G 5.1 S. 5: Der Beschwerdeführer könne sich derzeit nicht
vorstellen zu arbeiten. Bei der Konfrontation mit der Arbeitsfähigkeit falle er in
Regression und Opposition, da eine bedingte Arbeitsfähigkeit für ihn unvorstellbar sei).
Vor diesem Hintergrund vermag deren abweichende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
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mit 5 bis 10% die gutachterliche Beurteilung nicht zu erschüttern. Wesentlich ist aber
vor allem, dass das RAD-Gutachten als schlüssig und beweistauglich zu bezeichnen
ist. Es bestehen keine ernsthaften Zweifel an der Vollständigkeit und Richtigkeit der
gestützt auf das RAD-Gutachten getroffenen Tatsachenfeststellungen. Ein Anlass für
weitere Abklärungen besteht nicht.
3.4 Die von den Parteien umstrittene Frage, ob die von Dr. G._ im Arztzeugnis vom
19. April 2008 vorgenommene Beurteilung und attestierte Arbeitsunfähigkeit von 70%
die Verhältnisse vor Erlass der angefochtenen Verfügung (9. Januar 2008, act. G 9.46)
beschlagen und im vorliegenden Beschwerdeverfahren miteinzubeziehen sind, kann
offen gelassen werden. Denn aus dem lediglich kurz begründeten Arztzeugnis der
behandelnden Psychiaterin, das sich mit dem RAD-Gutachten nicht auseinandersetzt,
ergeben sich keine fassbaren Anhaltspunkte gegen die Beurteilung der RAD-Gutachter.
3.5 Gestützt auf das RAD-Gutachten und der darin für leidensadaptierte Tätigkeiten
geschätzten Arbeitsfähigkeit von 100% hat die Beschwerdegegnerin bei einem
Invaliditätsgrad von gerundet 4% zu Recht einen Rentenanspruch des
Beschwerdeführers abgelehnt. Der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkommensvergleich wurde vom Beschwerdeführer nicht bestritten.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Dem Beschwerdeführer
wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 19. Mai 2008 bewilligt (act. G 10). Wenn die
wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers es gestatten, kann er jedoch zur
Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m.
Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
4.2 Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr. 600.-- aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1 IVG). Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist
er von der Bezahlung zu befreien.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
bis
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