Decision ID: 8af146d8-8e4f-4550-904a-5082b44eaca5
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im November 2004 wegen Kniebeschwerden erstmals zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (Arbeitsvermittlung) an (IV-act. 1). Er
gab an, in seinem Heimatland sechs Jahre die Primarschule besucht zu haben; einen
Beruf habe er nicht erlernt. Seit 1987 sei er als Bauarbeiter tätig. Die B._ GmbH teilte
am 6. Dezember 2004 mit (IV-act. 13), der Versicherte sei als Bauarbeiter der
Lohnklasse B beschäftigt worden. Gemäss einem Austrittsbericht der I._ vom
7. Dezember 2004 (IV-act. 16) hatte der Versicherte am 15. Oktober 2003 bei einem
Sturz eine Distorsion und eine Kontusion des linken Knies erlitten. Anschliessend hatte
ein Reizknie bei einer Varusgonarthrose und einer femoropatellären Arthrose
bestanden. Am rechten Knie hatte eine beginnende Gonarthrose vorgelegen. Der
Versicherte war als Bauarbeiter zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Die IV-Stelle wies
das Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen am 7. Februar 2005 ab (IV-
act. 27). Zur Begründung gab sie an, die bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter sei dem
Versicherten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar. In einer adaptierten
Tätigkeit bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte machte in
einer Einsprache unter anderem geltend, die Auswirkungen einer koronaren
Herzkrankheit seien nicht berücksichtigt worden. Der RAD-Arzt Dr. med. C._ befand
am 1. Juni 2005 gestützt auf einen kardiologischen Bericht vom 4. Mai 2005, die
A.a.
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Herzfunktion sei praktisch normal (IV-act. 40-4, 41). Eine dagegen eingereichte
Einsprache wurde von der IV-Stelle am 28. Juni 2005 formell rechtskräftig abgewiesen
(IV-act. 46).
Der Versicherte meldete sich im Juni 2009 erneut zum Bezug von IV-Leistungen
an (IV-act. 57). Er wies darauf hin, dass er neben den Kniebeschwerden beidseits und
neben der Herzkrankheit an Beschwerden an der linken Schulter leide. Dr. med. D._,
Spezialarzt Orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin (SGSM), erstattete am 14.
Januar 2010 ein orthopädisches Gutachten (IV-act. 104). Er gab folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an: Impingement der linken Schulter bei
hypertropher Acromioclaviculargelenksarthrose und Acromionsporn mit inkompletter
Supraspinatussehnenruptur und glenohumeraler Chondropathie, bilaterale hypertrophe
Spondylarthrosen und Ligamenta-flava-Hypertrophien L3-5 mit kleinvolumigen
Facettengelenksergüssen und breitbasige mediane sowie rezessal beidseits betonte
Diskushernie L5/S1 mit geringer Dorsalverlagerung der Nervenwurzel S1 beidseits
ohne Nervenwurzelkompression sowie bilaterale moderate Ileosakralgelenksarthrose,
bicompartimentale Gonarthrose mit fortgeschrittener Chondropathie des lateralen
Kompartiments und medialer und lateraler Meniskusläsion bei Nullachse links und St.
n. lateraler Teilmeniskektomie 05/04, bicompartimentale Gonarthrose bei reduziertem
femorotibialen Alignement und St. n. lateraler Teilmeniskektomie rechts 12/00,
Adipositas. Dr. D._ attestierte in der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiter im
Baugewerbe eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit. Er gab an, in körperlich leichten
Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend
ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei häufig inklinierte und reklinierte sowie
rotierte Körperhaltungen oder kniende Positionen eingenommen und Gegenstände
über fünf Kilogramm gehoben oder getragen werden müssten und die nicht mit
häufigen Arbeiten über der Horizontalen verbunden seien und bei denen nicht
regelmässig auf unebenem Boden sowie Treppen und Leitern gelaufen werden müsse,
bestehe bei einer vollen Stundenpräsenz eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Ob die koronare
Herzkrankheit mit St. n. Myokardinfarkt 11/97 einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
habe, könne er als Orthopäde nicht beurteilen. Nach der Durchführung eines
Vorbescheidverfahrens wies die IV-Stelle mit einer Verfügung vom 17. Juni 2010 das
Begehren um eine Invalidenrente bei einem IV-Grad von 24% ab (IV-act. 118). In
A.b.
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B.
medizinischer Hinsicht stützte sie sich auf das Gutachten von Dr. D._. Als
Valideneinkommen gab sie das zuletzt erzielte und der Teuerung angepasste
Einkommen von Fr. 53'575.-- und als Invalideneinkommen den Zentralwert des
Einkommens für einen Hilfsarbeiter gemäss der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamts für Statistik, reduziert um 20% aufgrund des Arbeitsunfähigkeitgrades
und um einen "Leidensabzug" von 10%, von Fr. 40'503.-- an. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies eine dagegen eingereichte
Beschwerde am 15. März 2012 ab (IV 2010/275, IV-act. 128). Zur Begründung führte es
im Wesentlichen an, die von Dr. D._ ermittelte Arbeitsunfähigkeit von 20% erlaube es
dem Versicherten, sich auch in einer adaptierten Tätigkeit noch zusätzlich zu schonen.
Damit könne auch allfälligen Beschwerden seitens der koronaren Herzkrankheit
begegnet werden. Die IV-Stelle habe der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens somit zu Recht einen Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% zugrunde
gelegt. Beim Valideneinkommen sei auf den Mindestlohn eines Bauarbeiters der
Lohnklasse B des am 14. April 2008 abgeschlossenen Landesmantelsvertrags
2008-2010, der gemäss einer entsprechenden Zusatzvereinbarung für das Jahr 2010
um 1% erhöht worden sei, also auf Fr. 59'194.--, abzustellen. Das Invalideneinkommen
entspreche dem statistischen Zentralwert des Einkommens für einen Hilfsarbeiter und
betrage nach einer Parallelisierung bis auf 5% zum Valideneinkommen und nach einer
Reduktion von 20% entsprechend dem Arbeitsunfähigkeitsgrad sowie einem weiteren
Abzug von 10% Fr. 44'730.--. Der IV-Grad belaufe sich damit auf 24%. Der Entscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft (zum vollständigen Sachverhalt siehe IV
2010/275).
Im Juni 2016 meldete sich der Versicherte wiederum zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 131). Er gab an, er leide an Rücken- und Kniebeschwerden.
Deshalb sei er seit Oktober 2015 bei Dr. med. E._, Facharzt FMH für Innere Medizin,
in Behandlung. Am 4. Juli 2016 gingen bei der IV-Stelle mehrere Arztberichte ein: Dr.
E._ hatte am 30. Juni 2016 berichtet, der Versicherte leide an einer hypertensiven
und koronaren Herzkrankheit, an einer Polyarthrose, an einer chronisch rezidivierenden
Lumboischialgie und an einer chronisch venösen Insuffizienz beidseits (für ausführliche
Diagnosen, teilweise unvollständig ausgedruckt, siehe IV-act. 136). Gemäss einem
B.a.
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Austrittsbericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen vom 14. Juni 2016 (IV-act. 135)
war der Versicherte am 1. und 2. Juni 2016 an der Wirbelsäule operiert worden (TLIF
L5/6 von rechts, dorsale Spondylodese L5/6, Dekompression L5/6 over the top nach
links und L4/5 links am 1. Juni 2016, Revision mit Hämatomevakuation L5/6 rechts am
2. Juni 2016). Die Fachärzte hatten eine degenerative Spondylolisthese L5/6 bei
lumbalisiertem 1. Sacralwirbel und konsekutiver Spinalkanalstenose L5/6 und eine
recessale Kompression der Radix L5 rechts mehr als links diagnostiziert. Sie hatten
festgehalten, der Versicherte leide seit mehreren Monaten unter Lumboischialgien. Eine
Facettengelenksinfiltration und eine epidurale Infiltration L5/6 hätten nur zu einer
kurzzeitigen Besserung geführt. Der Eingriff am 1. Juni 2016 sei komplikationslos
verlaufen. Am 2. Juni 2016 habe sich eine progrediente Hypästhesie im Dermatom L5
rechts sowie eine Fussheberschwäche rechts bei M3 gezeigt. Somit sei die
Notfallindikation zur Revisionsoperation gestellt worden. Am 27. Mai 2016 hatten
Fachärzte der Klinik K._ mitgeteilt (IV-act. 137), sie hätten den Versicherten am 19.
Mai 2016 präoperativ kardiologisch untersucht. Subjektiv sei der Versicherte im Alltag
beschwerdefrei gewesen, nur bei grösseren Belastungen sei es zu einer AP CCS I und
einer Dyspnoe NYHA I gekommen. Klinisch habe sich der Versicherte kardiopulmonal
kompensiert präsentiert. Echokardiographisch habe sich im Vergleich zum Vorbefund
eine stabile Situation gezeigt. Die Laufbandergometrie sei subjektiv und formal
elektrisch unauffällig verlaufen. Es habe sich eine leicht verminderte chronotrope
Kompetenz unter der Betablockertherapie gezeigt. Mit 8,2 MET's (124% Soll) habe eine
sehr gute Leistungsfähigkeit bestanden. Der Abbruch sei zum Ende des
Laufbandprotokolls wegen Schmerzen in der linken Hüfte erfolgt. Die Fachärzte hatten
eine im Oktober 2014 gestellte Diagnose einer diffusen 3-Gefässerkrankung (ohne
Intervention) aufgeführt. Am 11. April 2016 hatten Fachärzte der Klinik J._, Standort
F._, berichtet (IV-act. 138), dem Versicherten sei am 9. März 2016 bei einer
symptomatischen medial betonten Pangonarthrose des linken Kniegelenks eine
Knietotalarthroplastik implantiert worden. Der postoperative Verlauf sei regelhaft
gewesen. Der Versicherte habe eine vollständige Extension erreicht; der Verlauf zur
Erreichung einer adäquaten Flexion sei jedoch stark verzögert gewesen. Die RAD-
Ärztin Dr. med. G._ notierte am 6. Juli 2016 (IV-act. 142), gestützt auf die
vorliegenden Berichte sei ein Gesundheitsschaden ausgewiesen. Der Beginn der
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Arbeitsunfähigkeit sei unklar; mindestens seit der Knie-Operation vom 9. März 2016 sei
der Versicherte arbeitsunfähig. Aufgrund der Rückenoperation vom 1. Juni 2016 sei der
Gesundheitszustand derzeit instabil. Gleichentags teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act. 144), dass zurzeit keine beruflichen Massnahmen möglich seien.
Der Hausarzt Dr. E._ berichtete am 20. September 2016 (IV-act. 145), beim
Versicherten seien folgende Diagnosen erhoben worden: Hypertensive und koronare
Herzkrankheit (inferoposteriorer Myokardinfarkt 11/1997, Koronarangiographie 1/1998:
leichte diffuse Veränderungen, Echo 2/2009: LV-Hypertrophie, EF 50%, Koro 10/2014:
Diffuse 3-Gefässerkrankung, RCX Endast verschlossen, RIVA/RCX schwer verkalkt,
keine Intervention, kvRF: arterielle Hypertonie, Dyslipidämie, Übergewicht),
Polyarthrose (Gonarthrose links – Knie-TEP links 3/2016, Gonarthrose rechts – MRI
3/2012: Femoropatellararthrose, Chondropathie med. Kompartiment, PHS links – MRI
1/2010: Acromionsporn und hypertrophe AC-Gelenksarthrose), chronisch
rezidivierende Lumboischialgie (MRI 12/2015: Hypertrophe Spondylarthrose L4-S1,
Spinalkanalstenose L4/5, Kompression Nervenwurzel L5 rechts, ev. auch links, 5/2016:
TLIF L5/6 von rechts, dorsale Spondylodese L5/6, Dekompression L5/6 rechts over the
top nach links und L4/5 links) und chronisch venöse Insuffizienz beidseits (St. n.
Varikophlebitis linker Oberschenkel 1/2010). Er kenne den Versicherten seit dem Jahr
2010. Seither habe dieser nicht mehr gearbeitet. Eine Arbeitsunfähigkeit habe er nicht
bescheinigt. Dr. E._ reichte verschiedene Arztberichte ein: Am 30. Juni 2016 hatten
Fachärzte der Klinik J._, Standort F._, berichtet (IV-act. 145-6), der Versicherte
habe sich sechzehn Wochen nach der Operation des linken Kniegelenks bei einem
hinkfreien, kleinschrittigen Gangbild an zwei Stöcken mit einem sehr guten Ergebnis
präsentiert. Die Röntgenaufnahme habe eine unverändert gute Stellung der
Knietotalarthroplastik abgebildet. Der Versicherte habe berichtet, dass er in der
Physiotherapie gut Velofahren könne und vom Knie her schmerzfrei sei. Seit einer
Rückenoperation habe er kein Gefühl mehr an der Beinaussenseite, weshalb er an
Stöcken mobil sei. Am 31. August 2016 hatte Dr. med. H._, Oberarzt an der Klinik
J._, mitgeteilt (IV-act. 145-4), drei Monate nach der Rücken-Operation habe ein
leichtgradiges Duchenne-Hinken rechts bestanden. Das Trendelenburg-Zeichen habe
sich im Vergleich zu den Vorbefunden deutlich vermindert. Die Fussheberparese rechts
sei weiterhin bei M4/5. Die Grosszehenparese rechts habe sich deutlich auf M4/5
B.b.
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verbessert. Die RAD-Ärztin Dr. G._ notierte am 5. Oktober 2016 (IV-act. 147),
medizinisch-theoretisch bestehe bei einer geschätzten Arbeitsfähigkeit von 50% ein
Eingliederungspotential bei der Einhaltung der folgenden Adaptionskriterien: Körperlich
leichte Tätigkeit in temperierten Räumen, wechselnd sitzend und stehend, ohne
inklinierte, reklinierte oder rotierte Körperhaltungen, ohne Knien, Heben und Tragen bis
fünf Kilogramm, keine häufigen Arbeiten über der Horizontalen und kein Begehen von
unebenem Gelände und von Treppen und Leitern.
Am 28. November 2016 fand ein Assessement-Gespräch statt. Der Versicherte
gab an (IV-act. 154), eine Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit komme für ihn
nicht in Frage. Bei seinem Gesuch handle es sich um einen Rentenantrag. Die IV-Stelle
teilte dem Versicherten am 12. Dezember 2016 mit (IV-act. 157), das Begehren um
berufliche Massnahmen werde abgewiesen, da er sich aus gesundheitlichen Gründen
nicht in der Lage fühle, an Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken.
B.c.
Dr. H._ berichtete am 9. Januar 2017 (IV-act. 160), der Versicherte leide aktuell
an keinen Rückenschmerzen mehr. Das Gangbild habe sich bei einer initialen
Glutealinsuffizienz und Trendelenburg-Zeichen ebenfalls deutlich gebessert. Der
Versicherte benötige keine Stöcke mehr. Hypästhesien über den lateralen
Oberschenkel reichend persistierten. Bezüglich der Wirbelsäule seien keine weiteren
Massnahmen indiziert. Dr. E._ führte am 31. März 2017 aus (IV-act. 161), der
Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär. Trotz der Operationen am Knie und
am Rücken leide dieser an persistierenden Schmerzen. Er legte unter anderem zwei
Berichte der Klinik J._ bei. Am 21. Juli 2016 hatten die Fachärzte folgende Befunde
erhoben (IV-act. 161-9): Duchenne-Hinken rechts, positives Trendelenburg-Zeichen,
Fussheberparese M4/5 und Grosszehenheberparese L2 rechts. Am 29. November
2016 hatte Dr. H._ angegeben (IV-act. 161-5), das Gangbild des Versicherten sei
normal und der Zehenspitzen- und Fersengang sei demonstrierbar gewesen. Das
Trendelenburg-Zeichen sei nicht ersichtlich gewesen. Die diffuse Parese habe sich
komplett erholt. Es habe sich eine fragliche Grossheberparese rechts bei Digitus II
superductus gezeigt. Der Versicherte habe keine Stöcke mehr benötigt.
B.d.
Am 7. Juni 2017 erstattete Dr. H._ einen weiteren Bericht (IV-act. 163). Er führte
aus, das Gangbild sei normal; der Versicherte könne den Zehenspitzen- und
B.e.
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Fersengang problemlos demonstrieren. Der Versicherte könne auch mit beiden Beinen
auf einen umgedrehten Mülleimer steigen. Das Trendelenburg-Zeichen sei negativ. Es
zeige sich eine leichtgradige Grosszehenheberparese rechts bei Dig. II superductus;
diese sei nicht konklusiv beurteilbar. Im Vergleich zur präoperativen Situation zeige der
Versicherte eine deutliche Besserung, insbesondere die rechtsseitigen Beinschmerzen
seien komplett sistiert. Der Versicherte berichte über leichtgradige persistierende
Rückenschmerzen. Die Dysästhesien seien, insbesondere aufgrund der Sprachbarriere,
nicht konklusiv beurteilbar. Nach mehrmaligem Nachfragen zeige sich aber eine
deutliche Besserung. Mit persistierenden Restbeschwerden sei zu rechnen. Am 17. Juli
2017 gab Dr. H._ auf eine entsprechende Anfrage der IV-Stelle an (IV-act. 165), in
Bezug auf die Wirbelsäule könne er den von Dr. D._ im Gutachten vom 14. Januar
2010 gemachten Aussagen beipflichten. Seither habe sich somit nichts wesentlich und
anhaltend verändert. Zu den weiteren Gelenken könne er keine Stellung nehmen. Die
RAD-Ärztin Dr. G._ notierte am 9. August 2017 (IV-act. 166), gestützt auf die
vorliegenden Arztberichte könne eine vorübergehende Verschlechterung des
Gesundheitszustands des Versicherten bestätigt werden. Im Zeitraum vom 9. März
2016 bis mindestens zur orthopädischen Kontrolle vom 29. November 2016 habe eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Seither könne wieder auf die gutachterliche
Einschätzung (von Dr. D._) abgestellt werden.
Mit einem Vorbescheid vom 31. August 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act 168), sie sehe vor, das Begehren um eine Invalidenrente bei einem IV-Grad
von 24% abzuweisen. Zur Begründung gab sie an, der Gesundheitszustand habe sich
ab dem 9. März 2016 vorübergehend verschlechtert. Nach einer Stabilisierung habe
mindestens ab dem 29. November 2016 in adaptierten Tätigkeiten wieder eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit vorgelegen. Somit bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Beim
Valideneinkommen stützte sie sich auf das zuletzt erzielte und der
Nominallohnentwicklung bis zum Jahr 2015 angepasste Einkommen von Fr. 56'231.--
und beim Invalideneinkommen auf den statistischen Zentralwert des Einkommens für
einen Hilfsarbeiter gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik für
das Jahr 2015, reduziert um einen Abzug von 20% aufgrund der Arbeitsunfähigkeit
sowie um einen weiteren Abzug von 10%, also von Fr. 42'511.--. Der Versicherte erhob
am 19. Oktober 2017 dagegen einen Einwand (IV-act. 173). Er beantragte die
B.f.
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Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. Januar 2017; eventualiter seien weitere
medizinische Abklärungen vorzunehmen, insbesondere sei ein polydisziplinäres
Gutachten in Auftrag zu geben. Zur Begründung führte er an, der Vorbescheid stütze
sich offensichtlich auf die RAD-Stellungnahme vom 9. August 2017. Der RAD wiederum
stütze sich einzig auf die Aussagen von Dr. H._. Dieser habe jedoch ausschliesslich
die Wirbelsäule untersucht. Er (der Versicherte) leide an weiteren gesundheitlichen
Einschränkungen. Insbesondere machten ihm die starken Knieschmerzen zu schaffen.
Er leide beidseits an einer Gonarthrose. Während beim linken Knie aufgrund der
Operation im März 2016 eine Verbesserung eingetreten sei, hätten sich die Schmerzen
im rechten Knie verschlimmert. Infolge einer Periarthritis humeroscapularis verursache
das linke Schultergelenk Schmerzen und er sei in der Beweglichkeit eingeschränkt. Im
August 2017 habe er sich an der rechten Schulter operieren lassen müssen. Im
Weiteren sei neu eine koronare Dreigefässerkrankung diagnostiziert worden. Er leide
also an chronischen Rückenschmerzen, an einer sehr unangenehmen und störenden
Gefühllosigkeit in beiden Beinen, an starken Schmerzen im rechten und leichten
Schmerzen im linken Knie, an Schmerzen in beiden Schultergelenken und an
Herzproblemen. Er reichte einen provisorischen Austrittsbericht der Klinik J._ vom
30. August 2017 ein (IV-act. 173-4). Demnach war der Versicherte am 28. August 2017
einer Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion rechts unterzogen worden. Ein Facharzt
hatte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis zum 11. Oktober 2017 attestiert. Die
RAD-Ärztin Dr. G._ notierte am 13. November 2017 (IV-act. 174), gestützt auf die im
Bericht von Dr. H._ vom 7. Juni 2017 festgehaltenen Befunde lasse sich kein
wesentlicher Funktionsausfall der beiden Beine/Knie mehr begründen. Die
Schulterproblematik rechts sei anlässlich der letzten Würdigung des medizinischen
Sachverhalts nicht bekannt gewesen.
Am 12. Januar 2018 gingen bei der IV-Stelle mehrere Arztberichte ein. Gemäss
einem Bericht der Klinik J._ vom 7. Juli 2017 (IV-act. 175-2) hatte der Versicherte in
der Untersuchung vom Vortag über rechtsseitige Schulterschmerzen, bestehend seit
ca. sechs Monaten, berichtet. Der Versicherte hatte angegeben, ein Trauma sei nicht
erinnerlich. Im Februar 2017 habe der Hausarzt Dr. E._ eine subacromiale Infiltration
durchgeführt, woraufhin er (der Versicherte) ca. eine Woche beschwerdefrei gewesen
sei. Die Fachärzte hatten angegeben, die Schulterschmerzen seien in der klinischen
B.g.
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Untersuchung unklar geblieben. Am 18. Juli 2017 hatten die Fachärzte derselben Klinik
berichtet (IV-act. 175-5), ein MRI der rechten Schulter vom 13. Juli 2017 habe eine
Ruptur der Supraspinatussehne mit einer mittelschweren medialen Sehnenretraktion,
eine Ablösung der Subscapularissehne am Tuberculum minus, eine partielle Ruptur der
Infraspinatussehne und eine Bicepstendinopathie ergeben. Am 1. September 2017
hatten die Fachärzte den Austrittsbericht erstellt (IV-act. 175-11). Dieser entsprach im
Wesentlichen dem provisorischen Austrittsbericht vom 30. August 2017 (IV-act. 173-4).
Am 19. Oktober 2017 hatten die Fachärzte mitgeteilt (IV-act. 175-6), sieben Wochen
nach der Operation habe sich ein sehr erfreuliches Resultat gezeigt. Passiv habe eine
annähernd seitengleiche Beweglichkeit des rechten Schultergelenks mit einer
glenohumeralen Abduktion und Anteversion von knapp 90° bestanden. Eine aktive
Abduktion sei bereits über die Horizontale möglich gewesen. Am 12. Dezember 2017
hatten die Fachärzte angegeben (IV-act. 175-8), drei Monate nach der Operation habe
ein regelrechter Verlauf mit guter Beweglichkeit und geringen Schmerzen bestanden.
Die HWS sei frei und indolent, die Schultersilhouette sei symmetrisch und die Kraft sei
in allen Ebenen regelrecht gewesen. Im Detail hatten sie angegeben: Beweglichkeit
aktiv global: Abduktion 120°, Anteversion 130°; Innen- und Aussenrotation:
Gluteal-0-15°; passiv glenohumeral: Abduktion 70°, Anteversion 80°; Aussenrotation
15°. Die RAD-Ärztin G._ hielt am 16. Januar 2018 fest (IV-act. 176), aufgrund der
detaillierten Befunde in diesen Berichten, vor allem in jenem vom 12. Dezember 2017,
könne davon ausgegangen werden, dass kein relevanter Funktionsausfall in der
rechten Schulter mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit mehr bestehe und dass die
im Gutachten von Dr. D._ festgehaltene qualitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit wieder gelte, nämlich nur Tätigkeiten bis zur Horizontalen. Somit könne
eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ab dem 6. Juli 2017 mit einer
Arbeitsunfähigkeit ab dem 28. August 2017 bis zum 12. Dezember 2017 bestätigt
werden. Seither gelte wieder dieselbe Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
wie anlässlich der RAD-Stellungnahme vom 9. August 2017.
Mit einer Verfügung vom 12. Februar 2018 wies die IV-Stelle, entsprechend dem
Vorbescheid, das Begehren um eine Rente bei einem IV-Grad von 24% ab (IV-
act. 178). Zum Einwand hielt sie fest, sie habe weitere Abklärungen getätigt und dem
RAD zur Stellungnahme vorgelegt. Am Entscheid sei festzuhalten.
B.h.
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C.
Am 19. März 2018 erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. Februar 2018 (act. G 1). Er beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer Invalidenrente ab dem 1. Januar
2017. Eventualiter sei ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben. Ergänzend
zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren machte der Beschwerdeführer geltend,
der RAD stütze sich zur Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustands bzw. der
Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen auf das Gutachten von Dr. D._ aus dem Jahr 2010,
dies aufgrund des Verweises von Dr. H._ am 17. Juli 2017. Dr. H._ habe nie eine
konkrete Aussage zur Arbeitsfähigkeit gemacht. Selbst wenn man annähme, Dr. H._
habe auch in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten von Dr. D._ verweisen
wollen, so könnte dies auch nur in Bezug auf die Wirbelsäule geschehen sein. Zu
bemängeln wäre dann, dass die offenbar durch die Rückenoperation ausgelöste und
als sehr störend empfundene Gefühllosigkeit in den Beinen nicht berücksichtigt worden
sei. Hinzu komme, dass zwischen ihm und Dr. H._ Kommunikationsprobleme
bestanden hätten. Im Bericht vom 9. Januar 2017 habe Dr. H._ festgehalten, er (der
Beschwerdeführer) leide aktuell an keinen Rückenschmerzen. Dies treffe klar nicht zu.
Er sei seit den Rückenoperationen nie schmerzfrei gewesen. Am 7. Juni 2017 habe
Dr. H._ denn auch festgehalten, er (der Beschwerdeführer) berichte über
persistierende Rückenschmerzen; die Dysästhesien seien nicht konklusiv beurteilbar,
"insbesondere erschwert durch die Sprachbarriere". Der RAD habe eine Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit aufgrund der vorhandenen Akten vorgenommen. Dies genüge
nicht, da lediglich Behandlerberichte zur rechten Schulter und zur Wirbelsäule
vorlägen, jedoch keine Arbeitsfähigkeitsschätzung eines behandelnden Arztes. Aktuelle
Berichte zur linken Schulter und den Knien fehlten gänzlich. Die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) habe also den Gesundheitszustand nicht vollständig und die
Arbeitsfähigkeit gar nicht abgeklärt. Selbst wenn – wie die Beschwerdegegnerin
annehme – eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 80% in einer adaptierten Tätigkeit
vorliegen würde, was bestritten werde, wäre die verbliebene Restarbeitsfähigkeit
aufgrund seines fortgeschrittenen Alters sowie seinen persönlichen und beruflichen
Gegebenheiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr
nachgefragt, weshalb nicht von einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit
C.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/29
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auszugehen sei. Hinzu komme, dass eine adaptierte Tätigkeit, wie die
Beschwerdegegnerin sie vorsehe, auf dem Arbeitsmarkt praktisch nicht existiere,
schon gar nicht für einen Mann ohne Ausbildung und lediglich mittelmässigen
Deutschkenntnissen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. Mai 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, auf die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch einen RAD-Arzt könne dann nicht abgestellt
werden, wenn uneinheitliche Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit vorlägen und auf eine
ergänzende versicherungsexterne Abklärung verzichtet worden sei. Bei einer solchen
Ausgangslage sei ein Gutachten einzuholen (Urteil des Bundesgerichts vom
27. September 2016, 8C_452/2016, E. 4), was vorliegend jedoch nicht der Fall sei.
Dr. H._ und der RAD seien sich einig, dass bezüglich der Befunde der Wirbelsäule
keine wesentliche Veränderung seit der Einschätzung durch Dr. D._ erfolgt sei.
Bezüglich der weiteren geltend gemachten Leiden sei auf die RAD-Stellungnahme vom
13. November 2017 zu verweisen. Auch bezüglich der rechten Schulter habe der RAD
aufgrund der in den Berichten detailliert beschriebenen Befunde einen relevanten
Funktionsausfall mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausschliessen können.
Diesbezüglich sei darauf hinzuweisen, dass die Arbeitsfähigkeit eines Versicherten
aufgrund von objektiven Faktoren, namentlich gestützt auf sorgfältig erhobene Befunde
und festgestellte objektivierbare Funktionsausfälle, zu bestimmen sei. Geltend
gemachte Schmerzen bzw. Einschränkungen dürften nur insofern in die Beurteilung
einbezogen werden, als diese durch entsprechende Befunde hinreichend erklärbar
seien. Der Beschwerdeführer wisse seit der abweisenden Verfügung vom 7. Februar
2005 von seiner verwertbaren Restarbeitsfähigkeit. Damals sei er _ Jahre alt gewesen
und es sei ihm durchaus möglich gewesen, seine Restarbeitsfähigkeit zu verwerten.
Geeignete Tätigkeiten seien etwa leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-,
Prüf- sowie Verpackungsarbeiten sowie leichtere Arbeiten bei der Lager- und
Ersatzteilbewirtschaftung. Die geltend gemachten Sprachprobleme und die tiefe
berufliche Qualifikation seien für solche Tätigkeiten kein Hindernis, weil für Hilfsarbeiter
nur sehr beschränkte Deutschkenntnisse vorausgesetzt würden.
C.b.
Der Beschwerdeführer machte in der Replik vom 22. Juni 2018 ergänzend geltend
(act. G 6), der RAD habe lediglich von einzelnen postoperativen Berichten, die einen
C.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/29
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Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat sich im November 2004 erstmals zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (Arbeitsvermittlung) angemeldet. Mit einem
Einspracheentscheid vom 28. Juni 2005 ist das Gesuch von der Beschwerdegegnerin
formell rechtskräftig abgewiesen worden. Im Juni 2009 hat er sich wieder zum
Leistungsbezug angemeldet. Mit einer Verfügung vom 17. Juni 2010 hat die
Beschwerdegegnerin das Rentengesuch abgewiesen. Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen hat mit einem Entscheid vom 15. März 2012 die dagegen
eingereichte Beschwerde abgewiesen. Dieser Entscheid ist unangefochten in
Rechtskraft erwachsen. Im Juni 2016 hat sich der Beschwerdeführer erneut zum
Leistungsbezug angemeldet. Gemäss Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) wird eine Anmeldung, die nach einer
rechtskräftigen Leistungsverweigerung eingereicht wird, nur geprüft, wenn darin
glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. In dem der Verfügung vom 17. Juni 2010 und dem
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 15. März 2012 zugrundeliegenden
orthopädischen Gutachten vom 14. Januar 2010 (IV-act. 104) hatte Dr. D._ dem
Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit aufgrund von Beschwerden in beiden
Knien, an der Wirbelsäule und in der linken Schulter eine 80%ige Arbeitsfähigkeit mit
dem folgenden Anforderungsprofil attestiert: Körperlich leichte Tätigkeit in temperierten
Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden kann, ohne
dass dabei häufig inklinierte und reklinierte sowie rotierte Körperhaltungen oder
kniende Positionen eingenommen und Gegenstände über fünf Kilogramm gehoben
oder getragen werden müssen, die nicht mit häufigen Arbeiten über der Horizontalen
verbunden sind und bei denen nicht regelmässig auf unebenem Boden sowie Treppen
guten Heilungsverlauf bescheinigten, auf die Arbeitsfähigkeit geschlossen. Dieser habe
sämtliche Beschwerden und Einschränkungen isoliert und ohne Rücksicht auf allfällige
Wechselwirkungen betrachtet. Die effektive Arbeitsfähigkeit sei gar nie abgeklärt
worden. Die von der Beschwerdegegnerin vorgeschlagenen Tätigkeiten seien nicht
geeignet, da die Arbeitsplätze in der Regel so eingerichtet seien, dass die Arbeiten im
Stehen, seltener im Sitzen, jedoch praktisch nie abwechslungsweise sitzend und
stehend ausgeübt werden könnten.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 18. Juli 2018 auf eine Duplik (act. G 8).C.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/29
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und Leitern gelaufen werden muss. Nach der Neuanmeldung vom Juni 2016 haben der
Beschwerdegegnerin am 4. Juli 2016 verschiedene Arztberichte vorgelegen. Diesen ist
zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer am 9. März 2016 links eine
Knietotalarthroplastik implantiert worden war (Austrittsbericht des J._ vom 11. April
2016, IV-act. 138). Am 1. und 2. Juni 2016 war er an der Wirbelsäule operiert worden
(Austrittsbericht des J._ vom 14. Juni 2016, IV-act.135). Fachärzte der Klinik K._
hatten im Bericht vom 27. Mai 2016 ausserdem eine im Oktober 2014 gestellte
Diagnose einer diffusen 3-Gefässerkrankung aufgeführt (IV-act. 137). Die RAD-Ärztin
Dr. G._ hat am 6. Juli 2016 notiert (IV-act. 142), bei einem unkomplizierten Heilverlauf
der Operation am Rücken sei mit einer mindestens dreimonatigen postoperativen
Heilphase zu rechnen. Sie hat eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem Eingriff am
linken Knie am 9. März 2016 bis mindestens Anfang September 2016 attestiert. Der
Beschwerdeführer hat gestützt auf die beiden Austrittsberichte also glaubhaft gemacht,
dass sich sein Gesundheitszustand infolge der Operationen am linken Knie und an der
Wirbelsäule zumindest vorübergehend wesentlich verschlechtert hat. Wie lange dieser
Zustand angedauert hat und ob die Arbeitsfähigkeit nach Abschluss der medizinischen
Eingliederung wieder jener im Zeitpunkt der rentenabweisenden Verfügung vom
17. Juni 2010 entsprochen hat, ist im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die
Beschwerdegegnerin abzuklären gewesen. Ob die im Oktober 2014 diagnostizierte
diffuse 3-Gefässerkrankung eine Verschlechterung des Gesundheitszustands mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat glaubhaft machen können, kann unter diesen
Umständen offengelassen werden. Die Beschwerdegegnerin ist somit zu Recht auf die
Neuanmeldung des Beschwerdeführers eingetreten.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 12. Februar
2018 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad von 24%
verneint. Strittig ist somit, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente
hat.
2.1.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/29
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3.
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.3.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Zu prüfen ist somit als Erstes, ob im
massgebenden Zeitraum eine Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Hierfür ist es nicht
zwingend erforderlich, den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und die
verbliebene Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer medizinischen Begutachtung abklären zu
lassen. Sind aufgrund der in den Berichten der behandelnden Ärzte festgehaltenen
objektiven Befunde die Einschränkungen in der funktionellen Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt
und ist die gestützt darauf vom RAD attestierte Arbeitsunfähigkeit überzeugend,
besteht kein Anlass für eine medizinische Begutachtung. Der Beschwerdeführer hat
geltend gemacht, er leide an Beschwerden in beiden Knien, an der Wirbelsäule und in
beiden Schultergelenken. Zudem habe er eine Gefühllosigkeit in beiden Beinen sowie
Herzprobleme. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die vom Beschwerdeführer angeführten
Beschwerden anhand von objektiven Befunden nachgewiesen werden können, welche
Funktionsausfälle daraus resultieren und ob diese Funktionsausfälle Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit haben.
3.1.
Der Beschwerdeführer ist am 9. März 2016 am linken Knie operiert worden
(Implantation einer Knietotalarthroplastik). Im Austrittsbericht vom 11. April 2016 haben
die Fachärzte der Klinik J._, Standort F._, angegeben (IV-act. 138), der
postoperative Verlauf sei regelhaft gewesen. Der Beschwerdeführer habe eine
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/29
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vollständige Extension erreicht; der Verlauf zur Erreichung einer adäquaten Flexion sei
jedoch stark verzögert gewesen. Am 19. Mai 2016 hat der Beschwerdeführer im
Rahmen einer im Hinblick auf die Operation an der Wirbelsäule durchgeführten
kardiologischen Abklärung eine Laufband-Ergometrie absolviert und dabei eine sehr
gute Leistungsfähigkeit gezeigt (IV-act. 137-2). Der Abbruch ist zum Ende des
Laufbandprotokolls wegen Schmerzen in der linken Hüfte erfolgt. Dies weist darauf hin,
dass sich der Zustand des linken Knies bereits stark verbessert hat. Gemäss einem
Bericht der Fachärzte der Klinik J._ vom 30. Juni 2016 (IV-act. 145-6) hat sich der
Beschwerdeführer sechzehn Wochen nach der Operation mit einem sehr guten
Ergebnis präsentiert. Der Beschwerdeführer hat berichtet, dass er in der Physiotherapie
gut Velofahren könne und vom Knie her schmerzfrei sei. Seit einer Rückenoperation
habe er kein Gefühl mehr an der Beinaussenseite, weshalb er an Stöcken mobil sei. Die
Fachärzte haben festgehalten, der Beschwerdeführer zeige ein hinkfreies,
kleinschrittiges Gangbild an zwei Gehstöcken. Die Röntgenaufnahme hat zudem eine
unverändert gute Stellung der Knietotalarthroplastik abgebildet. Dem Bericht von
Dr. H._ vom 29. November 2016 (IV-act. 161-5) betreffend eine Verlaufskontrolle
nach der Operation an der Wirbelsäule ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
ein normales Gangbild gezeigt hat und den Zehenspitzen- und den Fersengang hat
demonstrieren können. Gehstöcke hat er nicht mehr benötigt. Diese Befunde hat
Dr. H._ am 7. Juni 2017 im Wesentlichen bestätigt (IV-act. 163). Zusätzlich hat
Dr. H._ angegeben, der Beschwerdeführer könne mit beiden Beinen auf einen
umgedrehten Mülleimer steigen. Zusammenfassend liegen objektive Befunde vor, die
den Beschwerdeführer nach der Knie-Operation vom 9. März 2016 in seiner
funktionellen Leistungsfähigkeit eingeschränkt haben. Aber spätestens seit dem
29. November 2016 hat er sich von den Folgen der Operation so gut erholt gehabt,
dass er wieder normal hat gehen können. Dr. D._ hatte im orthopädischen Gutachten
vom 14. Januar 2010 angegeben (IV-act. 104-5), im Barfussgang habe ein leichtes
Schonhinken links bestanden und der Zehen- und Fersengang sei beidseits nicht
möglich gewesen. Er hatte in Bezug auf das linke Knie eine bicompartimentale
Gonarthrose mit fortgeschrittener Chondropathie des lateralen Kompartiments und
medialer und lateraler Meniskusläsion bei Nullachse und St. n. lateraler
Teilmeniskektomie 05/04 und in Bezug auf das rechte Knie eine bicompartimentale
Gonarthrose bei reduziertem femorotibialen Alignement und St. n. lateraler
Teilmeniskektomie 12/00 diagnostiziert. Im Vergleich dazu hat sich der
Gesundheitszustand in Bezug auf das linke Knie durch die Operation verbessert. In
Bezug auf das rechte Knie bestehen in den medizinischen Berichten keine
Anhaltspunkte dafür, dass sich der Zustand objektiv verschlechtert hätte. Für die
Beschwerdegegnerin hat damit – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers –
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kein Anlass bestanden, diesbezüglich Abklärungen zu tätigen. Selbst wenn sich der
Zustand des rechten Knies objektiv verschlechtert hätte, würde dieser überwiegend
wahrscheinlich nach wie vor zu dem von Dr. D._ formulierten Anforderungsprofil einer
adaptierten Tätigkeit, nämlich eine körperlich leichte Tätigkeit in temperierten Räumen,
die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden kann, ohne dass dabei
häufig inklinierte und reklinierte sowie rotierte Körperhaltungen oder kniende Positionen
eingenommen und Gegenstände über fünf Kilogramm gehoben oder getragen werden
müssen und die nicht mit häufigen Arbeiten über der Horizontalen verbunden sind und
bei denen nicht regelmässig auf unebenem Boden sowie Treppen und Leitern gelaufen
werden muss, passen. Im damaligen Zeitpunkt sind die Beschwerden am linken Knie
nämlich stärker gewesen als jene am rechten Knie (IV-act. 104-4). Falls sich nun die
Beschwerden am rechten Knie tatsächlich verstärkt haben sollten, wird diesen mit den
genannten Kriterien für eine adaptierte Tätigkeit ausreichend Rechnung getragen.
Damit ist es überwiegend wahrscheinlich, dass sich der Zustand des linken Knies ab
dem 9. März 2016 verschlechtert hat; ab dem 29. November 2016 hat der Zustand
wieder mindestens jenem gemäss dem Gutachten von Dr. D._ entsprochen.
Abklärungen dazu, ob sich der Zustand des rechten Knies objektiv verschlechtert hat,
sind nicht erforderlich gewesen.
Am 1. und 2. Juni 2016 ist der Beschwerdeführer an der Wirbelsäule operiert
worden, nachdem eine Facettengelenksinfiltration und eine epidurale Infiltration L5/6
nur zu einer kurzzeitigen Besserung der damals seit mehreren Monaten bestehenden
Lumboischialgien geführt hatten (IV-act. 135). Den Berichten der Klinik J._ ist ein
positiver Heilungsverlauf zu entnehmen: Am 21. Juli 2016 haben deren Fachärzte
angegeben (IV-act. 161-9), sie hätten ein deutliches Duchenne-Hinken rechts, ein
positives Trendelenburg-Zeichen, eine Fussheberparese M4/5 und eine
Grosszehenheberparese L2 rechts beobachtet. Am 31. August 2016 hat Dr. H._
ausgeführt (IV-act. 145-4), es bestehe noch ein leichtgradiges Duchenne-Hinken
rechts. Das Trendelenburg-Zeichen sei deutlich vermindert. Die Fussheberparese
rechts liege weiterhin bei M4/5; die Grosszehenparese rechts habe sich deutlich
verbessert auf M4/5. Am 29. November 2016 hat Dr. H._ berichtet (IV-act. 161-5), der
Versicherte zeige ein normales Gangbild und er könne den Zehenspitzen- und
Fersengang demonstrieren. Das Trendelenburg-Zeichen sei nicht ersichtlich. Die
diffuse Parese habe sich komplett erholt. Es zeige sich eine fragliche
Grossheberparese rechts bei Digitus II superductus. Der Beschwerdeführer benötige
keine Stöcke mehr. Am 7. Juni 2017 hat Dr. H._ diese Angaben im Wesentlichen
bestätigt (IV-act. 163). Zusätzlich hat er angegeben, der Beschwerdeführer könne mit
beiden Beinen auf einen umgedrehten Mülleimer steigen. Im Vergleich zur
3.3.
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präoperativen Situation sei eine deutliche Besserung eingetreten. Damit steht fest,
dass der Beschwerdeführer nach den Operationen an der Wirbelsäule vom 1. und
2. Juni 2016 in seiner funktionellen Leistungsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist.
Spätestens seit dem 29. November 2016 hat er sich von den Folgen der Operationen
aber so gut erholt gehabt, dass er wieder normal hat gehen können. Dr. D._ hatte im
Gutachten vom 14. Januar 2010 angegeben, der Beschwerdeführer leide an lumbalen
Schmerzen (IV-act. 104-7). Der Beschwerdeführer hat also bereits damals an
Rückenbeschwerden gelitten. Dr. H._ hat am 17. Juli 2017 ausdrücklich festgehalten
(IV-act. 165), dass er den von Dr. D._ gemachten Aussagen in Bezug auf die
Beschwerden an der Wirbelsäule beipflichte. Damit ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die funktionelle Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers auch infolge der Operationen vom 1. und 2. Juni 2016
eingeschränkt gewesen ist, aber spätestens ab dem 29. November 2016 wieder jener
entsprochen hat, die im Gutachten von Dr. D._ beschrieben worden ist. Wenn der
Beschwerdeführer also geltend macht, er leide nach wie vor an Rückenschmerzen, ist
festzustellen, dass solche bereits im Zeitpunkt der Verfügung vom 17. Juni 2010
bestanden haben und dass sie bei der damaligen Einschätzung der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten berücksichtigt worden sind. Die vom
Beschwerdeführer vorgebrachten Gefühlsstörungen in den Beinen mögen des
Weiteren zwar unangenehm und störend sein, vermögen aber in Anbetracht des
normalen Gangbildes von Vornherein keine Arbeitsunfähigkeit zu begründen, zumal sie
nicht auf objektiven Befunden beruhen. Dr. H._ hat am 7. Juni 2017 nämlich
angegeben (IV-act. 163), die Dysästhesien seien nicht konklusiv beurteilbar gewesen.
Nach mehrmaligem Nachfragen habe sich aber eine deutliche Besserung im Vergleich
zur präoperativen Situation gezeigt. Bereits Dr. D._ hatte festgehalten (IV-act. 104-7),
die in der Untersuchung angegebene Hyposensibilität des linken Beins könne nicht
nachvollzogen werden, da im MRI proximal des Segments L5/S1 keine Tangierung der
Nervenwurzeln beschrieben worden sei. Eine rein auf den subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers beruhende Gesundheitsbeeinträchtigung ist nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt und vermag deshalb keine
Arbeitsunfähigkeit zu bewirken.
Am 28. August 2017 ist der Beschwerdeführer an der rechten Schulter operiert
worden (Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion, IV-act. 175-10). Gemäss seinen
Angaben anlässlich einer Untersuchung in der Klinik J._ vom 6. Juli 2017 (IV-
act. 175-2) hat der Beschwerdeführer damals seit rund sechs Monaten an
rechtsseitigen Schulterschmerzen gelitten. Nach einer vom Hausarzt Dr. E._ im
Februar 2017 durchgeführten subacromialen Infiltration ist der Beschwerdeführer nur
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/29
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während ca. einer Woche beschwerdefrei gewesen. In den Berichten vom 19. Oktober
2017 und vom 12. Dezember 2017 haben die Fachärzte der Klinik J._ einen positiven
Heilungsverlauf beschrieben. Am 19. Oktober 2017 haben sie angegeben (IV-
act. 175-6), die Schulter sei reizlos mit unauffälligen Narbenverhältnissen. Passiv
bestehe eine annähernd seitengleiche Beweglichkeit des rechten Schultergelenks mit
einer glenohumeralen Abduktion und Anteversion von knapp 90°. Die aktive Abduktion
sei bereits über die Horizontale möglich. Am 12. Dezember 2017 haben sie berichtet
(IV-act. 175-8), drei Monate nach der Operation bestehe ein regelrechter Verlauf mit
einer guten Beweglichkeit und geringen Schmerzen. Die HWS sei frei und indolent, die
Schultersilhouette sei symmetrisch und die Kraft sei in allen Ebenen regelrecht. Sie
haben zudem detaillierte Angaben zur Beweglichkeit der rechten Schulter gemacht. Die
RAD-Ärztin Dr. G._ hat am 16. Januar 2018 notiert (IV-act. 176), aufgrund der
detaillierten Befunde in diesen Berichten könne davon ausgegangen werden, dass kein
relevanter Funktionsausfall in der rechten Schulter mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit mehr bestehe und dass die im Gutachten von Dr. D._ festgehaltene
qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wieder gelte, nämlich nur Tätigkeiten bis
zur Horizontalen. Diese Einschätzung überzeugt, denn der Beschwerdeführer hat
bereits im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. D._ an Schulterbeschwerden
gelitten, damals aber an der linken Schulter (IV-act. 104-7). Damit ist mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sich der Zustand der
rechten Schulter spätestens seit dem 6. Juli 2017 (Datum der ersten Konsultation im
J._) verschlechtert hat und dass die funktionelle Leistungsfähigkeit ab der Operation
vom 28. August 2017 eingeschränkt gewesen ist. Aber spätestens ab dem
12. Dezember 2017 ist der Gesundheitszustand wieder soweit verbessert gewesen,
dass die funktionelle Leistungsfähigkeit wieder jener im Gutachten von Dr. D._
entsprochen hat. Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, in Bezug auf die linke
Schulter fehle ein aktueller Bericht. Er hat jedoch nicht behauptet, und es bestehen in
den medizinischen Berichten auch keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die
Beschwerden verstärkt hätten. Damit ist es nicht nötig gewesen, einen aktuellen
Bericht einzuholen.
Arbeitsfähigkeitsschätzungen von behandelnden Ärzten liegen, mit Ausnahme
einer attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit vom 30. August 2017 bis zum
11. Oktober 2017 infolge der Operation an der rechten Schulter (IV-act. 175-10), nicht
vor. Die RAD-Ärztin Dr. G._ hat dem Beschwerdeführer eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit vom 9. März 2016 bis zum 29. November 2016 und vom 28. August
2017 bis zum 12. Dezember 2017 attestiert. Sie hat angegeben, für die Zeit nach dem
29. November 2016 (bis zum 27. August 2017) und nach dem 12. Dezember 2017
3.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/29
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könne wieder auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten von Dr. D._ abgestellt
werden. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung ist angesichts der in den Arztberichten
festgehaltenen objektiven Befunde und der gestützt darauf mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit bestehenden Einschränkungen der funktionellen Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers (vgl. E. 4.2 bis 4.4) überzeugend. Dass die Schmerzen an der
rechten Schulter bereits vor dem 28. August 2017 so stark gewesen wären, dass eine
höhere Arbeitsunfähigkeit als jene gemäss dem Gutachten von Dr. D._ bestanden
hätte, wird vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht. Die Beschwerdegegnerin
hat zudem in antizipierender Beweiswürdigung davon ausgehen dürfen, dass eine
Rückfrage bei der Klinik J._ und beim Hausarzt Dr. E._ zu keinen neuen
Erkenntnissen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
adaptierten Tätigkeit geführt hätte, denn nach der Auffassung des Bundesgerichts ist
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass die behandelnden Ärzte aufgrund
ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
auszusagen pflegen und dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen
ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. etwa BGE 125 V 353,
E. 3b.cc). Damit ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt,
dass der Beschwerdeführer vom 9. März 2016 bis zum 29. November 2016 und vom
28. August 2017 bis zum 12. Dezember 2017 in adaptierten Tätigkeiten vollständig
arbeitsunfähig gewesen ist. Vom 30. November 2016 bis zum 27. August 2017 und
vom 13. Dezember 2017 bis zum 12. Februar 2018 hat seine Arbeitsfähigkeit wieder
jener gemäss dem Gutachten von Dr. D._ entsprochen. Er ist also in körperlich
leichten Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und
stehend ausgeübt werden können, ohne dass dabei häufig inklinierte und reklinierte
sowie rotierte Körperhaltungen oder kniende Positionen eingenommen und
Gegenstände über fünf Kilogramm gehoben oder getragen werden müssen und die
nicht mit häufigen Arbeiten über der Horizontalen verbunden sind und bei denen nicht
regelmässig auf unebenem Boden sowie Treppen und Leitern gelaufen werden muss,
zu 80% arbeitsfähig gewesen. Ob die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
aufgrund der Beschwerden am linken Knie und an der Wirbelsäule bereits vor dem
9. März 2016 stärker eingeschränkt gewesen ist, ist irrelevant, denn das Wartejahr
gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist mit der seit dem Jahr 2004 durchgehend
bestehenden, mindestens 80%igen Arbeitsunfähigkeit als Bauarbeiter offensichtlich
erfüllt gewesen.
Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, er leide auch an Herzproblemen.
Dazu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bereits im Zeitpunkt des Erlasses der
Verfügung vom 17. Juni 2010 an einer koronaren Herzkrankheit gelitten hat. Das
3.6.
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4.
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat im Entscheid vom 15. März 2012
festgehalten, es sei überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer durch die
koronare Herzkrankheit in einer adaptierten Tätigkeit nicht in seiner Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt sei. Im Übrigen erlaube die von Dr. D._ attestierte 20%ige
Arbeitsunfähigkeit es dem Beschwerdeführer, sich zusätzlich zu schonen; damit könne
auch allfälligen Beschwerden seitens der koronaren Herzkrankheit begegnet werden (IV
2010/275, E. 1.1.2 und 1.1.6). Nach der Verfügung vom 17. Juni 2010 ist im Oktober
2014 neu eine diffuse 3-Gefässerkrankung diagnostiziert worden (IV-act. 137). Eine
Intervention hat nicht stattgefunden. Diese Diagnose hat mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit, denn der Beschwerdeführer hat am
19. Mai 2016 im Rahmen einer kardiologischen Beurteilung eine Laufband-Ergometrie
absolviert. Die dabei demonstrierte Leistungsfähigkeit ist sehr gut gewesen (124%
Soll). Auch die Echokardiographie hat im Vergleich zum Vorbefund eine stabile
Situation gezeigt. Selbst wenn die diffuse 3-Gefässerkrankung eine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit hätte, wäre dieser durch die Möglichkeit zur zusätzlichen Schonung bei
einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit ausreichend Rechnung getragen.
Nachdem die verbliebene Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, ist zu prüfen, ob der
Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Diese Prüfung ist zeitlich
gestaffelt vorzunehmen: Der Beschwerdeführer hat sich im Juni 2016 erneut zum
Leistungsbezug angemeldet. Unter Berücksichtigung der sechsmonatigen Frist gemäss
Art. 29 Abs. 1 IVG ist der potentielle Rentenbeginn somit am 1. Dezember 2016
gewesen. Die Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten hat in diesem Zeitpunkt –
gleich wie im Zeitpunkt der Verfügung vom 17. Juni 2010 – 80% betragen. Vom
28. August 2017 bis zum 12. Dezember 2017 ist der Beschwerdeführer vollständig
arbeitsunfähig und ab dem 13. Dezember 2017 ist er wieder zu 80% arbeitsfähig
gewesen. Ein Rentenanspruch ist somit für diese Phasen einzeln zu prüfen.
Festzustellen bleibt, dass die vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 9. März 2016 bis zum
29. November 2016 in den Zeitraum vor dem potentiellen Rentenbeginn gefallen ist und
demnach zum Vornherein keinen Rentenanspruch begründen kann.
4.1.
Vom 1. Dezember 2016 bis zum 27. August 2017 hat die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers jener gemäss dem Gutachten von Dr. D._ entsprochen, d.h. sie
hat 80% betragen. Der Gesundheitszustand ist also längere Zeit stabil gewesen. Die
Bestimmung des Invaliditätsgrads erfolgt deshalb für diese Phase regulär aufgrund
4.2.
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eines Einkommensvergleichs gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG. Der
Beschwerdeführer hat keinen Beruf erlernt und ist vor dem Eintritt des
Gesundheitsschadens als ungelernter Bauarbeiter tätig gewesen (Bauarbeiter der
Lohnklasse B, IV-act. 13). Gemäss Art. 41 des Landesmantelvertrags für das
schweizerische Bauhauptgewerbe hat der Mindestlohn eines Bauarbeiters der
Lohnklasse B Zone Blau im Jahr 2016 Fr. 4'978.-- pro Monat betragen. Bei
dreizehn Monatslöhnen (vgl. IV-act. 13) ergibt dies ein Jahreseinkommen von
Fr. 64'714.--. Demgegenüber hat ein durchschnittlicher Hilfsarbeiterlohn im Jahr 2016
Fr. 66'803.-- betragen (statistischer Zentralwert des Einkommens für einen Hilfsarbeiter
gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik, vgl. Anhang 2 der IV-
Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019). Der Umstand, dass das
Einkommen Bauarbeiter B tiefer ist als das durchschnittliche Hilfsarbeitereinkommen
über alle Branchen hinweg, muss auf die Zwänge des invalidenversicherungsrechtlich
nicht massgebenden tatsächlichen Arbeitsmarkts zurückzuführen sein, denn der
Beschwerdeführer hätte überwiegend wahrscheinlich eine besser bezahlte Stelle in
irgendeiner Branche, bei der er einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn hätte erzielen
können, angenommen, wenn sich ihm die Gelegenheit dazu geboten hätte. In den
Akten finden sich zudem keine Anhaltspunkte dafür, dass er vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nur unterdurchschnittlich leistungsfähig gewesen wäre.
Damit ist von einer Erwerbsfähigkeit auszugehen, die jener eines durchschnittlichen
Hilfsarbeiters entspricht. Das Valideneinkommen entspricht somit dem statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne, also Fr. 66'803.--. In Bezug auf die Bemessung des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist massgebend, dass dem
Beschwerdeführer aufgrund der fehlenden Berufsausbildung einzig eine
Invalidenkarriere als Hilfsarbeiter offensteht. Praxisgemäss ist ebenfalls auf den
statistischen Zentralwert des Einkommens eines Hilfsarbeiters abzustellen, also auf
Fr. 66'803.--. Dieser ist entsprechend dem Arbeitsunfähigkeitsgrad um 20% zu
reduzieren. Dem Beschwerdeführer sind nur noch körperlich leichte Tätigkeiten in
temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden
können, ohne dass dabei häufig inklinierte und reklinierte sowie rotierte
Körperhaltungen oder kniende Positionen eingenommen und Gegenstände über fünf
Kilogramm gehoben oder getragen werden müssen und die nicht mit häufigen Arbeiten
über der Horizontalen verbunden sind und bei denen nicht regelmässig auf unebenem
Boden sowie Treppen und Leitern gelaufen werden muss, zumutbar. Aus der Sicht
eines betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnden Arbeitgebers ist der Wert der
Arbeitsleistung des Beschwerdeführers im Vergleich zu einem gesunden, zu 80%
beschäftigten Hilfsarbeiter vermindert, da die qualitativen Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit zu einer Einschränkung der Flexibilität, zu einer Verlangsamung bei der
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Arbeitsverrichtung und zu Behinderungen in den Betriebsabläufen führen und damit zu
höheren indirekten Lohnkosten als bei gesunden, zu 80% beschäftigten Hilfsarbeitern
führen. Diesen höheren Kosten muss ein betriebswirtschaftlich-ökonomischer
Arbeitgeber dadurch Rechnung tragen, dass er dem Beschwerdeführer einen
unterdurchschnittlichen Lohn ausrichtet. Der Beschwerdeführer kann also trotz eines
Beschäftigungsgrades von 80% nicht 80% des Zentralwerts der Hilfsarbeiterlöhne
erzielen. Geht man von einem ökonomischen Invaliditätsbegriff aus bzw. will man einen
Soziallohnanteil ausscheiden, ist bei der Ermittlung des Ausgangswerts des
Invalideneinkommens also eine Korrektur des Zentralwertes vorzunehmen:
Praxisgemäss erscheint ein Tabellenlohnabzug von 10% als angemessen. Das
Invalideneinkommen beträgt somit Fr. 48'098.-- (Fr. 66'803.-- x 0.8 x 0.9). Bei einem
Valideneinkommen von Fr. 66'803.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 48'098.--
beträgt der Invaliditätsgrad 28%. Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, die
verbliebene Arbeitsfähigkeit sei aufgrund seines Alters sowie aufgrund seiner
"persönlichen und beruflichen Gegebenheiten" nicht mehr nachgefragt und daher nicht
verwertbar. Der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt bietet jedoch
definitionsgemäss Stellen für Hilfsarbeiter jeden Alters. Inwiefern aufgrund der
"persönlichen und beruflichen Gegebenheiten" keine Verwertbarkeit vorliegen soll, hat
der Beschwerdeführer nur am Rande weiter ausgeführt, indem er seine bescheidenen
Deutschkenntnisse erwähnt hat. Sofern er damit also seine fehlenden
Sprachkenntnisse oder seine langjährige Nichterwerbstätigkeit meint, ist festzuhalten,
dass dies Faktoren sind, die zwar auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt
Hinderungsgründe sein können, um eine Arbeitsstelle zu finden. Auf dem allgemeinen
und ausgeglichenen Arbeitsmarkt gibt es jedoch auch für Personen, die nicht fliessend
Deutsch sprechen und die bereits seit längerer Zeit nicht mehr erwerbstätig gewesen
sind, einen Arbeitsplatz. Invalidenversicherungsrechtlich sind diese Faktoren – zur
Vermeidung einer Vermengung von Invalidität und Arbeitslosigkeit – daher nicht
massgebend. Der Beschwerdeführer hat des Weiteren angeführt, dass auf dem
Arbeitsmarkt keine Stelle existiere, welche die von der Beschwerdegegnerin
vorgesehenen Adaptionskriterien erfülle. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht
festgehalten (IV-act. 182, act. G 4), eine solche Tätigkeit bestehe etwa in leichteren
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten sowie
leichteren Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung, beispielsweise in der
Textil-, Lebensmittel- oder der Pharmaindustrie. Solche Arbeiten können
abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeführt werden; so kann etwa nach einem
Kontrollgang sitzend auf den nächsten Kontrollgang gewartet werden. Die verbliebene
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ist auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt also
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verwertbar. Für die Zeit vom 1. Dezember 2016 bis zum 27. August 2017 besteht somit
kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Vom 28. August 2017 bis zum 12. Dezember 2017 ist der Beschwerdeführer
vollständig arbeitsunfähig gewesen. Zu prüfen ist, ob er für diesen Zeitraum Anspruch
auf eine Invalidenrente hat.
4.3.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat im Jahr 2019
gesamtgerichtlich in Anwendung von Art. 54 des Gerichtsgesetzes (sGS 941.1) eine
neue Praxis geschaffen, wonach Versicherte, die während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen
sind und die nach Ablauf dieses Jahres weiterhin zu mindestens 40% arbeitsunfähig
sind, grundsätzlich Anspruch auf eine Rente haben, obwohl zumutbare
Eingliederungsmassnahmen, welche ihre Arbeitsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherstellen erhalten oder verbessern können, nicht
abgeschlossen sind. Es hat damit aus Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG abgeleitet, dass
mit dem Ablauf des Wartejahres (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) in jedem Fall sofort ein
Rentenanspruch entstehen muss, wenn eine versicherte Person weiterhin zu
mindestens 40% arbeitsunfähig ist, auch wenn die Invaliditätsdefinition gemäss Art. 8
Abs. 1 ATSG, auf welche Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG ausdrücklich verweist, noch nicht
erfüllt ist, weil noch eine medizinische Eingliederungsmassnahme läuft oder weil die
Sachverhaltsabklärung (im Hinblick auf eine Eingliederung oder aber auch im Hinblick
auf eine Invalidenrente) noch nicht abgeschlossen ist. Eine Invalidität liegt gemäss
Art. 8 Abs. 1 ATSG bei einer voraussichtlich bleibenden oder längeren Zeit dauernden
ganzen oder teilweisen Erwerbsunfähigkeit vor. Erwerbsunfähigkeit ist gemäss Art. 7
Abs. 1 ATSG der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt. Der in Art. 28 Abs. 1 IVG
(i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG) verwendete Begriff der Invalidität definiert also, rein
versicherungstechnisch betrachtet, einen versicherten "Schaden", der die Erfüllung
einer "Schadenminderungspflicht" bedingt, bevor ein Anspruch auf
Versicherungsleistungen entstehen kann. Diese "Schadenminderungspflicht" besteht in
der möglichen und zumutbaren medizinischen Behandlung zur möglichst
weitgehenden Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und/oder der möglichen und
zumutbaren beruflichen Eingliederung zur Überwindung der aus der (allenfalls)
verbleibenden Arbeitsunfähigkeit resultierenden Einbusse an Erwerbsmöglichkeiten.
Bei der Anwendung der Definition der Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in der
4.3.1.
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obligatorischen Unfallversicherung (UV) und der Militärversicherung (MV) erfolgt eine
klare Abgrenzung zwischen der Invalidenrentenberechtigung und der
Taggeldberechtigung. Der taggeldspezifische versicherte "Schaden" ist die
Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 ATSG, der rentenspezifische "Schaden" besteht
in der Invalidität i.S. von Art. 8 Abs. 1 ATSG. (Die Übergangsrente gemäss Art. 19
Abs. 3 UVG i.V.m. Art. 30 UVV ist keine "echte" Invalidenrente, denn ihr liegt als
"Schaden" keine Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG, sondern eine
Arbeitsunfähigkeit gemäss Art. 6 ATSG zugrunde; ihrem Wesen nach ist die
Übergangsrente also eine Sonderform des Taggeldes.) Solange eine medizinische
Eingliederung läuft und solange sich die versicherte Person einer (bei unfallversicherten
Personen i.d.R. durch die Invalidenversicherung erbrachten) beruflichen Eingliederung
unterzieht, hat diese versicherte Person entsprechend ihrer Arbeitsunfähigkeit einen
Anspruch auf ein UV-Taggeld. Erst wenn die medizinische oder die berufliche
Eingliederung abgeschlossen ist, ist die Definition der Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1
ATSG erfüllt, so dass ein Anspruch auf eine Invalidenrente der UV oder der MV
entstehen kann. Bei der Anwendung von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG kann das sogenannte
Wartejahr also – der Definition der Invalidität in Art. 8 Abs. 1 ATSG entsprechend –
nicht den Zweck haben, dass mit der Erfüllung dieses Wartejahres immer sofort ein
Invalidenrentenanspruch entstehen müsste. Ein Invalidenrentenanspruch entsteht nur
dann mit dem Ablauf des Wartejahres, wenn zum Vornherein keine medizinische und/
oder berufliche Eingliederung möglich ist, wenn die medizinische und/oder berufliche
Eingliederung im Laufe des Wartejahres hat abgeschlossen werden können oder wenn
sich bei mehr als ein Jahr dauernden medizinischen und/oder beruflichen Massnahmen
schliesslich (ex post) zeigt, dass der Versuch der Eingliederung zum Vornherein
objektiv zum Scheitern verurteilt war. Die Abteilung II des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen hat früher daraus abgeleitet, dass ein Invalidenrentenanspruch in
der Invalidenversicherung – analog zur Rechtslage in der Unfallversicherung und der
Militärversicherung – immer erst dann entstehen könne, wenn mit dem Abschluss der
eingliederungsrelevanten medizinischen Behandlung (und einer allfälligen beruflichen
Eingliederung) eine Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG verbleibe. Das kann
erfahrungsgemäss im Extremfall mehrere Jahre über die Erfüllung des Wartejahres
hinaus dauern. Da die Invalidenversicherung, anders als die Unfallversicherung oder die
Militärversicherung, kein Taggeld kennt, das während des sogenannten Wartejahres
und darüber hinaus auf der Grundlage einer Arbeitsunfähigkeit gemäss Art. 6 ATSG
ausgerichtet würde, würde es in jenen Fällen, in denen kein UV- oder MV-Taggeld
ausgerichtet wird, zu einer Leistungslücke kommen, so dass der Existenzbedarf der
betroffenen versicherten Person in dieser Phase nicht gedeckt wäre. Wohl um eine
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solche Leistungslücke zu vermeiden, hat das Gesamtgericht die einleitend dargestellte
Praxis geschaffen (vgl. dazu auch den rechtskräftigen Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. September 2019, IV 2016/328,
E. 2.2). Diese Praxis ist nun aber nicht so eng zu interpretieren, dass ein Anspruch auf
eine Invalidenrente aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit (und nicht aufgrund einer
Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG) nur entstehen kann, wenn die
Arbeitsunfähigkeit unmittelbar im Anschluss an das Wartejahr mindestens 40% beträgt.
Bei richtiger Interpretation entsteht ein Rentenanspruch vielmehr auch dann, wenn eine
versicherte Person zu einem späteren Zeitpunkt nach Ablauf des Wartejahrs zu
mindestens 40% arbeitsunfähig ist, denn die Qualität des "Schadens", die aufgrund
der Arbeitsunfähigkeit fehlende oder eingeschränkte Möglichkeit, ein
existenzsicherndes Einkommen zu erzielen, ist dieselbe. Zu klären bleibt, ob bei einem
solchen Anspruch auf eine Invalidenrente und damit bei einer sinngemässen
Anwendung von Art. 28 Abs. 2 IVG die Arbeitsunfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz
oder die Arbeitsunfähigkeit an einem der Gesundheitsbeeinträchtigung bestmöglich
angepassten Arbeitsplatz, also in einer adaptierten Tätigkeit, massgebend ist. Hätte der
Rentenanspruch in der Zeit vor und während der medizinischen Eingliederung den
Zweck, direkt an die Stelle eines vom IVG nicht vorgesehenen Taggeldes zu treten,
müsste die Antwort auf diese Frage lauten: Massgebend ist die Arbeitsunfähigkeit am
bisherigen Arbeitsplatz. Eine versicherte Person, die an ihrem bisherigen Arbeitsplatz
zu 100% arbeitsunfähig wäre, hätte also einen Anspruch auf eine ganze Rente, selbst
wenn sie an einem ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten Arbeitsplatz zu
100% arbeitsfähig wäre. Damit wäre zwar dem (taggeldspezifischen) Zweck, den
direkten Erwerbsausfall zu decken und damit die Leistungslücke in der Zeit vor und
während der medizinischen Eingliederung zu füllen, Rechnung getragen. Aber diese
Interpretation liesse sich nicht mit dem in Art. 7 Abs. 1 IVG kodifizierten Konzept der
Schadenminderungspflicht in Übereinstimmung bringen. Wenn eine an ihrem
bisherigen Arbeitsplatz zu 100% arbeitsunfähige versicherte Person objektiv in der
Lage ist, an einem der Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten Arbeitsplatz ein
Erwerbseinkommen zu erzielen, kann dieses Erwerbseinkommen bei der Festsetzung
der die Leistungslücke in der Zeit vor und während der medizinischen Eingliederung
deckenden Rente nicht ignoriert werden. Die oben gestellte Frage kann aber auch nicht
damit beantwortet werden, dass in sinngemässer Anwendung von Art. 28 Abs. 2 IVG
auf die Arbeitsunfähigkeit in einem der Gesundheitsbeeinträchtigung bestmöglich
angepassten Arbeitsplatz abzustellen sei, dass also der Arbeitsunfähigkeitsgrad in
einer adaptierten Tätigkeit dem "Invaliditätsgrad" entspreche. Das lässt sich anhand
eines Beispiels zeigen: Hätte die versicherte Person am bisherigen Arbeitsplatz vor
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dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung jährlich Fr. 100'000.-- verdient und
könnte sie an einem der Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten Arbeitsplatz bei
einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 0% nur Fr. 60'000.-- jährlich verdienen, bestünde
mangels einer Arbeitsunfähigkeit kein Anspruch auf eine Invalidenrente, obwohl sich
der durch die Gesundheitsbeeinträchtigung verursachte Verlust an Erwerbseinkommen
auf Fr. 40'000.-- jährlich belaufen würde. Damit wäre der Zweck des Rentenanspruchs
in der Zeit vor und während der medizinischen Eingliederung, nämlich die Deckung
eines durch die Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten (teilweisen) Fehlens eines
Erwerbseinkommens, nicht erfüllt. Bei der sinngemässen Anwendung von Art. 28
Abs. 2 IVG ist somit weder auf die Arbeitsunfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz noch
auf die Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit abzustellen. Dies bedeutet,
dass der Grad des in der Zeit vor und während der medizinischen Eingliederung einen
Rentenanspruch begründenden Arbeitsunfähigkeitsgrades durch eine sinngemässe
Anwendung von Art. 16 ATSG, also durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln ist.
Dabei ist als Valideneinkommen das am bisherigen Arbeitsplatz erzielbare Einkommen
und als Invalideneinkommen das an einem der Gesundheitsbeeinträchtigung
angepassten Arbeitsplatz erzielbare Einkommen zu berücksichtigen. Bestehen die
Validen- und die Invalidenkarriere in einer Tätigkeit als Hilfsarbeiter und ist das am
bisherigen Arbeitsplatz erzielbare Einkommen tiefer als ein durchschnittlicher
Hilfsarbeiterlohn, ist allerdings letzterer als Valideneinkommen einzusetzen, denn es ist
davon auszugehen, dass die versicherte Person, wenn sich ihr die Möglichkeit geboten
hätte, eine besser bezahlte Stelle angenommen hätte, bei der sie einen
durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn hätte erzielen können.
Somit ist aufgrund eines Einkommensvergleichs zu ermitteln, ob der
Beschwerdeführer für den Zeitraum vom 28. August 2017 bis zum 12. Dezember 2017
einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat, obwohl er sich in diesem Zeitraum in der
medizinischen Eingliederung nach der Operation an der rechten Schulter befunden hat.
Für den Einkommensvergleich kann auf die Ausführungen in E. 4.2 verwiesen werden:
Sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen entsprechen dem statistischem
Zentralwert des Einkommens für einen Hilfsarbeiter gemäss der Lohnstrukturerhebung
des Bundesamts für Statistik. Dieser hat im Jahr 2017 Fr. 67'102.-- betragen (vgl.
Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019). Entsprechend
der vollständigen Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ist das
Invalideneinkommen auf Fr. 0.-- zu reduzieren. Der "Invaliditätsgrad" beträgt damit
100%. Der Beschwerdeführer hat somit ab dem 1. August 2017 (vgl. Art. 29 Abs. 3 IVG)
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Ab dem 13. Dezember 2017 ist der
4.3.2.
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5.