Decision ID: a2cf35dd-59d0-472c-a7d7-93d743ed6437
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ hatte ab dem 2. April 1990 bei der D._ als Maschinist / Blecharbeiter
gearbeitet (IV-act. 12). Aufgrund dieses Arbeitsverhältnisses war er bei der
Personalvorsorgestiftung B._ im Rahmen der beruflichen Vorsorge versichert (Art. 1
des Reglements der Personalvorsorgestiftung B._, act. G 1.14). Das Arbeitsverhältnis
wurde am 31. Januar 2005 durch D._ auf den 30. April 2005 aus gesundheitlichen
Gründen, namentlich aufgrund andauernder 50%-iger Arbeitsunfähigkeit, aufgelöst
(act. G 1.15, G 7).
A.b Ab dem 2. Mai 2005 war A._ beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
zur Stellensuche im Pensum von 100% angemeldet (IV-act. 26, 48) und bezog ab dem
9. Mai 2005 (bis zum 15. März 2007) Leistungen der Arbeitslosenversicherung. In dieser
Zeit war er bei der Stiftung C im Rahmen der beruflichen Vorsorge gegen die Risiken
Tod und Invalidität versichert (act. G 8.1).
A.c Nachdem A._ vom 3. Juli bis am 31. Oktober 2006 erstmalig befristet mit einem
Vollpensum bei der E._ AG gearbeitet hatte (act G 1.1 und 1.2), war er ab dem 30.
Mai 2007 erneut mit einem 100%-Pensum bei vorgenannter Arbeitgeberin angestellt
(act. G 1.3). Per 1. September 2007 wurde das befristete in ein unbefristetes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsverhältnis mit einem Pensum zu 60% umgewandelt. Ab diesem Zeitpunkt war
A._ bei der Personalvorsorgestiftung E._ AG angeschlossen (act. 1.4). Am 25.
August 2008 kündigte die E._ AG das Arbeitsverhältnis mit A._ per 31. Oktober
2008 (act. G 1.5).
B.
B.a Nach einer Operation zwecks Behandlung der Dupuytren'schen Kontraktur in der
linken Hand am 21. Oktober 2003 war A._ von seinem Hausarzt Dr. med. F._ mit
Bericht vom 13. Dezember 2004 bis am 18. Januar 2004 eine 100%-ige und ab dem
19. Januar 2004 bis auf weiteres eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Es
bestünden persistierende Beschwerden wegen des Morbus Dupuytren (IV-act. 13-3 f.).
Am 3. Dezember 2004 hatte sich A._ zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet und berufliche Massnahmen beantragt (IV-act. 1, 6).
B.b Mit Verfügung vom 6. Oktober 2005 hatte die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen abgewiesen. Die angestammte Tätigkeit sei A._ nur noch im
Rahmen von 50% zumutbar. In einer der Einschränkung angepassten Tätigkeit bestehe
jedoch eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit. A._ werde vom RAV bei der Stellensuche
unterstützt. Berufliche Massnahmen der Invalidenversicherung seien somit nicht
notwendig, da durch solche keine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit
erreicht werden könne. Es sei A._ zumutbar, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in
einer entsprechenden Tätigkeit ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu
erzielen (IV-act. 32). Die gegen die Verfügung vom 6. Oktober 2005 erhobene
Einsprache vom 7. November bzw. 14. Dezember 2005 (IV-act. 33, 37) war am 6. März
2006 rechtskräftig abgewiesen worden (IV-act. 40).
B.c Im Februar 2007 meldete sich A._ unter Hinweis auf Hand- und Fussleiden
beidseits erneut bei der IV-Stelle zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 44). Mit
interdisziplinärer Untersuchung des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 23.
Januar / 27. Februar 2008 wurde ihm per September 2007 für die angestammte
Tätigkeit eine 100%-ige und für eine angepasste Tätigkeit eine 40%-ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (IV-act. 68-13 f.). Die Einschätzung erfolgte aufgrund
Dupuytren’scher Kontrakturen beider Hände mit Funktionseinbusse sowie Morbus
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ledderhose im Bereich Strahl II und III beider Füsse (IV-act. 68-11). Diese
Einschätzung wurde mit Verlaufsuntersuchung des RAD vom 4. Februar 2009 bestätigt
(IV-act. 93).
B.d Gestützt auf diese Beurteilungen verfügte die IV-Stelle am 24. März und 7. Mai
2010 bei einem Invaliditätsgrad von 47% eine Viertels-Invalidenrente ab dem 1.
September 2008 (IV-act. 132, 139). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 3. Juli 2012 dahingehend gut, dass
A._ ab dem 1. September 2007 eine halbe Invalidenrente zugesprochen wurde (IV-
act. 173). Mit rechtskräftigem Urteil vom 30. November 2012 sprach ihm das
Bundesgericht eine Viertels-Invalidenrente ab dem 1. September 2007 zu (IV-act. 180).
C.
C.a Mit Klage vom 15. September 2011 beantragte A._ beim Obergericht G._, die
Personalvorsorgestiftung der E._ AG sei zu verpflichten, ihm aus dem
Vorsorgeverhältnis ab 1. September 2008 eine BVG-Invalidenrente auszurichten. Die
Personalvorsorgestiftung der D._ wurde vom Obergericht G._ beigeladen. Das
Obergericht wies die Klage am 21. August 2013 im Wesentlichen mit der Begründung
ab, dass sich eine rechtserhebliche Arbeitsunfähigkeit von A._ mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit bereits zu einer Zeit manifestiert habe, als er noch nicht bei der
Personalvorsorgestiftung der E._ AG berufsvorsorgeversichert war. Die
Personalvorsorgestiftung der E._ AG sei nicht leistungspflichtig, da der zeitliche
Zusammenhang zwischen Eintritt der Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität durch die
Einsätze bei der E._ AG nicht unterbrochen worden sei (act. G 1.7). Gegen das Urteil
wurde kein Rechtsmittel erhoben.
C.b Am 18. November 2013 gelangte der Rechtsvertreter von A._ an die Stiftung
Auffangeinrichtung C._ und beantragte, dass diese aufgrund des Invaliditätseintritts
während der Arbeitslosigkeit A._s die gesetzlichen Leistungen zu erbringen habe
(act. G 1.8). Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG lehnte den Antrag ab mit der
Begründung, die zur Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit habe am 20. Oktober 2003
begonnen. Da zu diesem Zeitpunkt keine Taggelder der Arbeitslosenversicherung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausbezahlt worden seien, habe bei ihr für A._ kein Versicherungsschutz bestanden
(act. G 1.9).
D.
D.a Mit Klageschrift vom 16. Dezember 2014 gelangt A._ (nachfolgend: Kläger) an
das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen und beantragt, die
Personalvorsorgestiftung B._ (nachfolgend: Beklagte 1) oder die Stiftung C._
(nachfolgend: Beklagte 2) sei zu verpflichten, ihm eine BVG-Invalidenrente rückwirkend
ab 1. September 2007 gestützt auf den Invaliditätsgrad der Invalidenversicherung
gemäss den gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen auszurichten und auf
den Invalidenleistungen einen Verzugszins von 5% ab Klageeinleitung zu bezahlen. Zur
Begründung brachte sein Rechtsvertreter, Fürsprecher Marco Büchel, Uzwil, vor, dass
der Beginn des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt
habe, vor dem 3. Juli 2006 gelegen habe. Der Kläger leide seit Jahren an
Dupuytren'schen Kontrakturen. In den Jahren 1997 und 2003 seien operative Eingriffe
erfolgt. Nach der Operation an der linken Hand im Jahr 2003 sei der Kläger bis zum 16.
Januar 2004 zu 100%, danach bis zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 30. April
2005 50% arbeitsunfähig gewesen. Die Kündigung sei erfolgt, weil der Kläger kaum
noch etwas heben oder mit der Hand habe zusammenhalten können. Der
Gesundheitszustand habe sich seit der Operation im Oktober 2003, eventuell auch
früher rentenwirksam verschlechtert. Dem Kläger sei es danach aufgrund der
gesundheitlichen Problematik nicht mehr gelungen, sich in den allgemeinen
Arbeitsmarkt zu 100% einzugliedern. Es hätten keine stabilen gesundheitlichen
Bedingungen vorgelegen, um nachhaltig ein gefestigtes und rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen erzielen zu können. Eventualiter sei die Beklagte 2
leistungspflichtig (act. G 1).
D.b Mit Klageantwort vom 3. März 2015 beantragt die Beklagte 1 die Abweisung der
Klage im sie betreffenden Ausmass, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten
des Klägers. Zur Begründung führt sie aus, dass eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes frühestens im Mai 2006 eingetreten sei. Bis zu diesem
Zeitpunkt habe noch eine volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
bestanden. Davon sei auch die IV-Stelle ausgegangen. Aufgrund der Rechtsprechung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zur massgebenden Arbeitsunfähigkeit resp. zum Unterbruch der zeitlichen Konnexität
bei voller Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit sei die BVG-relevante
Arbeitsunfähigkeit frühestens im September 2007, jedenfalls aber sicher nicht vor Mai
2006 eingetreten (act. G 7).
D.c Am 3. März 2015 ersucht die Beklagte 2 um Abweisung der Klage im sie
betreffenden Umfang. Sie schliesse sich den Anträgen des Klägers, soweit diese gegen
die Beklagte 1 gerichtet seien, an. Weiter führt die Beklagte 2 aus, dass – sollte das
angerufene Gericht dem Begehren des Klägers gegen die Beklagte 2 stattgeben – sie
lediglich zur Ausrichtung eines Verzugszinses in der Höhe des BVG-Zinses zu
verpflichten sei (act. G 8).
D.d Der Kläger verzichtet auf eine Replik (act. G 14).

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beklagte 1, eventualiter die Beklagte 2, dem Kläger
eine BVG-Invalidenrente auszurichten hat.
1.1 Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 lit. a des Bundesgesetzes
über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40)
Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40% invalid sind und
bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert
waren. Nach Art. 23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse
daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht
notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der
Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der
Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus
dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetretene Arbeitsunfähigkeit geschuldete
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn
sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert.
Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft keinen
Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E.
5). Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20% beträgt und sich auf
das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich
in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an
Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit
entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch
gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des Eintritts der
berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch
nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Juni 2013, 9C_91/2013, 9C_110/2013, E. 4.1.2). Art. 23 BVG
kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeeinrichtungen
gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte
versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt
und ihr später eine Rente der Invalidenversicherung zugesprochen wird. Der Anspruch
auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der
neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im
Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte (BGE 130 V
275 E. 4.1).
1.2 Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer
beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung
des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes
erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und
zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt
ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende
Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt
hat. Der zeitliche Zusammenhang setzt voraus, dass die versicherte Person nach
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig geworden
ist. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen
prognostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die
versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit
veranlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten
Umständen zählen auch die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden
Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass eine versicherte Person über längere Zeit
hinweg als voll vermittlungsfähige Stellensuchende Taggelder der
Arbeitslosenversicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche
Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Mit Bezug auf
die Dauer der den zeitlichen Konnex unterbrechenden Arbeitsfähigkeit kann die Regel
von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
als Richtschnur gelten. Nach dieser Bestimmung ist eine anspruchsbeeinflussende
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen, wenn sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird. Eine mindestens drei Monate andauernde volle Arbeitsfähigkeit,
gestützt auf welche eine dauerhafte Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit als objektiv
wahrscheinlich erscheint, stellt daher ein gewichtiges Indiz für eine Unterbrechung des
zeitlichen Zusammenhangs dar. Hierbei genügt eine volle Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit, sofern diese bezogen auf die angestammte Tätigkeit die
Erzielung eines rentenausschliessenden Einkommens erlaubt (vgl. BGE 134 V 20 E. 3.2,
E. 3.2.1 und E. 5.3).
2.
2.1 Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der
Invalidenversicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich,
dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in
der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V
106 E. 3c). Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der
gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt
der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des
Invaliditätsgrads) gebunden, soweit die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtung
aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar
erscheint (BGE 126 V 309 E. 1). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen
freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe,
welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2).
2.2 Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren (Art. 73ter IVV) einbezogen und ihr die Rentenverfügung
formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2010, 9C_81/2010,
E. 3.1). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren
nach dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zu.
Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die
invalidenversicherungsrechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrads (grundsätzlich,
masslich und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich. Stellt die
Vorsorgeeinrichtung jedoch auf die invalidenversicherungsrechtliche
Betrachtungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen,
soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend
war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der
Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen
eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbemessung der
Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.3 Aufgrund der im Recht liegenden Akten waren weder die Beklagte 1 noch die
Beklagte 2 am IV-Verfahren beteiligt (vgl. u.a. IV-act. 32, 40, 129, 132). Sowohl die
Beklagte 1 als auch die Beklagte 2 stellen jedoch in ihren Rechtsschriften bzw.
Verweisen auf andere Rechtsschriften (act. G 7 f.) auf die
invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab, weshalb auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen und Bemessungen des Invaliditätsgrads des Klägers
durch die Invalidenversicherung grundsätzlich abgestellt werden kann, soweit sie
aufgrund der medizinischen Aktenlage nachvollziehbar und nicht offensichtlich
unhaltbar sind. In Bezug auf die Frage, wann eine berufsvorsorgerechtlich relevante
Arbeitsunfähigkeit eingetreten ist (vgl. dazu vorstehend E. 1.1), ist frei zu befinden. Die
IV-Stelle hatte sich bei ihrem Entscheid dazu nicht zu äussern.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1 Der Kläger war seit dem Jahr 1990 bis Ende April 2005 bei der Beklagten 1 für die
Risiken Tod und Invalidität versichert (IV-act. 11 f.). Nach Art. 5 Abs. 1 des Reglements
der Beklagten 1 (act. G 1.14) liegt Invalidität vor, wenn die versicherte Person im Sinne
der IV invalid ist oder durch ärztlichen Befund objektiv nachweisbar ganz oder teilweise
ihren Beruf oder eine andere ihrer sozialen Stellung, ihren Kenntnissen und Fähigkeiten
angemessene Erwerbstätigkeit nicht mehr ausüben kann. Bei einer Teilinvalidität von
weniger als 25% besteht kein Anspruch auf Leistungen. Eine Teilinvalidität von
mindestens 25% aber weniger als 60% gibt gemäss Art. 5 Abs. 2 des Reglements
entsprechend dem Invaliditätsgrad Anspruch auf die für Vollinvalidität festgesetzten
Leistungen. Ein Invaliditätsgrad von mindestens 60% aber weniger als 70% gibt
Anspruch auf 75% der für Vollinvalidität festgesetzten Leistungen; ein solcher von 70%
und mehr gibt Anspruch auf die für Vollinvalidität festgesetzten Leistungen. Sofern im
Invaliditätsfall ein Anspruch auf Leistungen gemäss BVG besteht, entspricht der
Invaliditätsgrad mindestens dem von der IV festgestellten Invaliditätsgrad (Art. 5 Abs.
2).
3.2 Aus den IV-Akten bzw. den medizinischen Berichten geht hervor, dass der Kläger
seit der Operation an der linken Hand im Oktober 2003 (IV-act. 13-20) in der
angestammten Tätigkeit als Maschinist / Blecharbeiter nur noch zu 50% arbeitsfähig ist
(IV-act. 32). Gemäss IV-Akten wurde der Invaliditätsgrad des Klägers in dieser Zeit und
damit noch während des Versicherungsschutzes bei der Beklagten 1 und zumindest
noch einige Zeit darüber hinaus bei einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in angepasster
Tätigkeit und einem Tabellenlohnabzug von 15% per Oktober 2005 auf 24% bemessen
(IV-act. 26). Die vorgenannte reglementarische Hürde von 25%, welche zu einer Rente
berechtigt hätte, wurde vorerst nicht überschritten, womit ein zufolge Invalidität
eingetretener Anspruch während des bestehenden Versicherungsverhältnisses
zwischen dem Kläger und der Beklagten 1 nicht entstanden ist.
3.3 Nicht strittig ist, dass der enge sachliche Zusammenhang zwischen der
Arbeitsunfähigkeit des Klägers und der später eingetretenen Invalidität in Bezug auf die
Beklagte 1 gegeben ist. Der Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit ist ohne Zweifel nach der Operation im Oktober 2003 und
damit während des Versicherungsschutzes bei der Beklagten 1 eingetreten. Strittig und
zu prüfen ist, ob der in E. 1.2 beschriebene zeitliche Konnex durch allfällige – nach
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beendigung des Versicherungsverhältnisses bei der Beklagten 1 – Wiedererlangung
der Arbeitsfähigkeit und Erzielung eines rentenausschliessenden Einkommens
unterbrochen worden ist, womit die Beklagte 1 nicht mehr leistungspflichtig wäre.
4.
4.1 Nach dem Ausscheiden aus dem Versicherungsverhältnis bei der Beklagten 1 per
Ende April 2005 war der Kläger beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) in
St. Gallen für ein Pensum von 100% angemeldet und bezog bis Mitte März 2007
Taggelder der Arbeitslosenversicherung (IV-act. 25, act. G 8.1). In dieser Zeit, vom 3.
Juli bis 31. Oktober 2006, arbeitete er in einem Vollzeitpensum auf Stundenbasis bei
der E._ AG (act. G 1.1). Das tatsächlich erzielte Einkommen (Arbeitslosen-Taggelder
sowie Einkünfte aus unselbständigem Erwerb) betrug im Jahr 2006 Fr. 59‘072.-- (IV-
act. 113), dies entspricht rund 13% Erwerbseinbusse im Vergleich zum Einkommen,
das der Kläger in den Jahren 2006 und 2007 bei D._ (rund Fr. 67‘700.--; IV-act.
173-10) erzielt hätte. Für die rund viermonatige Tätigkeit bei der E._ AG von Juli bis
Oktober 2006 erzielte der Kläger gemäss Auszug aus dem individuellen Konto Fr.
18‘787.-- (IV-act. 97-2), monatlich damit ca. Fr. 4‘797.--. Der Monatslohn bei D._
hätte in den Jahren 2006 und 2007 rund Fr. 5‘640.-- (Fr. 67‘700.-- : 12) betragen, was
einer Einbusse von ca. 15% entspricht. Damit erzielte der Kläger im Jahr 2006 bei
voller Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bei der E._ AG während knapp vier
Monaten ein bezogen auf die angestammte Tätigkeit rentenausschliessendes
Einkommen. Die Kündigung auf Ende Oktober 2006 erfolgte aus wirtschaftlich-
strukturellen und nicht aus Gründen, die auf eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit des
Klägers hindeuten (act. G 1.2). Für eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit im
Vollpensum zur Zufriedenheit der Arbeitgeberin spricht auch der Umstand, dass
dieselbe Arbeitgeberin den Kläger im Jahr 2007 nochmals 100% angestellt hat (act. G
1.3). Gestützt auf diese Ausführungen erschien eine dauerhafte Wiedererlangung der
Erwerbsfähigkeit objektiv betrachtet wahrscheinlich.
4.2 Auch die Arztberichte, welche kurz vor und nach Erlass der leistungsabweisenden
Verfügung vom 6. Oktober 2005 (IV-act. 32) im Recht sind, lassen den
rechtsgenüglichen Schluss einer anderen Einschätzung nicht zu. Dr. med. H._, FMH
Handchirurgie und Chirurgie, erhebt im Bericht vom 26. September 2006 keinen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
pathologischen Befund, der eine Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen könnte (IV-act.
57-21 f.). Diese Einschätzung äusserte sie bereits mit Schreiben vom 14. September
2005, selbst wenn sie zu jenem Zeitpunkt bereits von Zeichen von Rezidiven der
Grunderkrankung Morbus Dupuytren berichtet (IV-act. 27). Sie war sich der Gefahren
bei dieser Krankheit bewusst, hat die Arbeitsfähigkeitseinschätzung des Klägers in
adaptierter Tätigkeit aber am 26. September 2006 auch bei Rezidiven der
Grunderkrankung und im Wissen um den Verdacht einer Morbus Ledderhose nicht
anders abgegeben. Die Prognose einer dauerhaften vollen Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit war aus Sicht von Dr. H._ dementsprechend nicht als
ungünstig zu qualifizieren, auch wenn – wie sich später gezeigt hat – die volle
Arbeitsfähigkeit nicht aufrecht erhalten werden konnte. Auch der Befund einer
beginnenden Morbus Ledderhose im Februar 2007 (IV-act. 57-10) lässt nicht auf eine
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit im Jahr 2006, zumindest nicht bis Ende Oktober,
schliessen. Die mit Bericht der Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie vom 12. Juli 2006 bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von
50% (IV-act. 57-13, 57-22) bezieht sich auf die angestammte Tätigkeit und vermag an
der vorstehenden Einschätzung damit nichts zu ändern.
4.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass durch die mehrere Monate dauernde
volle Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit und Erzielung eines
rentenausschliessenden Einkommens in diesem Zeitraum der zeitliche Konnex
zwischen der während der Versicherungsdeckung bei der Beklagten 1 eingetretenen
Arbeitsunfähigkeit und der später eingetretenen Invalidität unterbrochen worden ist. Die
Klage gegen die Beklagte 1 ist damit abzuweisen.
5.
5.1 Der Kläger war – wie erwähnt – von Mai 2005 bis Mitte März 2007 bei der
Beklagten 2 nach Art. 2 Abs. 3, Art. 10 Abs. 2 lit. d und Art. 60 Abs. 2 lit. e BVG
versichert. Gemäss Art. 14 lit. a der Allgemeinen Bestimmungen des vorliegend zur
Anwendung gelangenden Reglements 2005 der Beklagten 2 besteht ein Anspruch auf
Invalidenleistungen, wenn solche gemäss Vorsorgeplan versichert sind und die
versicherte Person im Sinne der IV zu mindestens 40% invalid ist und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, bei der Stiftung versichert
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
war. Die Invalidenrenten sind vom Invaliditätsgrad abhängig. Ein Invaliditätsgrad von
70% und mehr ergibt einen Anspruch auf die volle Rente; mindestens 60%, aber
weniger als 70% ergibt Anspruch auf eine Dreiviertelrente; mindestens 50%, aber
weniger als 60% ergibt Anspruch auf eine halbe Rente; mindestens 40%, aber weniger
als 50% ergibt Anspruch auf eine Viertelrente; weniger als 40% begründet keinen
Anspruch (Art. 16 Abs. 2 der Allgemeinen Bestimmungen des Reglements 2005 der
Beklagten 2).
5.2 Gemäss Abklärungen des RAD der IV-Stelle hat sich die Verschlechterung des
Gesundheitszustands des Klägers zwischen Mai 2006 und Februar 2008 manifestiert,
wobei eine genaue Festlegung des Zeitpunkts nicht ganz einfach sei (IV-act. 68-13).
Dem Kläger wird letztlich von der IV-Stelle eine in angepasster Tätigkeit 60%-ige
Arbeitsfähigkeit und ein Invaliditätsgrad von 47% (ohne Tabellenlohnabzug) bescheinigt
und der Beginn des Wartejahrs nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG per September 2007
festgesetzt, womit ein Anspruch auf eine Viertelrsente ab 1. September 2008 verfügt
wurde (IV-act. 129). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 3. Juli 2012 unter anderem
dahingehend gut, dass dem Kläger ab dem 1. September 2007, und nicht ab dem 1.
September 2008, eine Invalidenrente zugesprochen und der Beginn des Wartejahrs auf
September 2006 festgesetzt wurde (IV-act. 173-7). Mit Entscheid des Bundesgerichts
vom 20. November 2012 wurden der Invaliditätsgrad von 47% (ohne
Tabellenlohnabzug) sowie eine Viertelsrente der IV zugunsten des Klägers ab 1.
September 2007 rechtskräftig bestätigt (IV-act. 180). Gestützt auf die Abklärungen der
IV-Stelle ist unabhängig von der Anwendbarkeit des Wartejahrs in der vorliegenden
Konstellation erstellt, dass der Kläger ab September 2007 nicht mehr in der Lage war,
bei einer um 40% reduzierten Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit und einem
Invaliditätsgrad von 47% ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen.
5.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die per 1. September 2007 zur Invalidität führende
Arbeitsunfähigkeit des Klägers in angepasster Tätigkeit während des
Versicherungsschutzes bei der Beklagten 2 im Sinne von Art. 23 BVG bzw. von Art. 14
lit. a der Allgemeinen Bestimmungen des Reglements 2005 der Beklagten 2 eingetreten
ist. Vor Juni 2006 ist keine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in adaptierter
Tätigkeit belegt. Der Beginn der schleichenden Verschlechterung des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gesundheitszustands insbesondere aufgrund der Dupuytren’schen Kontrakturen, aber
auch wegen der mit der Grunderkrankung verwandten Morbus Ledderhose wird – wie
erwähnt – auf frühestens Mai 2006 datiert. Diese Einschätzung ist nachvollziehbar, eine
Progredienz der Krankheit ist aufgrund des Beschwerdebildes und der Befunde
zumindest nicht auszuschliessen (IV-act. 68-13). Von Juli bis Oktober 2006 konnte der
Kläger ohne Leistungseinbusse (noch) 100% in angepasster Tätigkeit arbeiten (vgl.
vorstehende E. 4.1 f.). Eine relevante Verschlechterung ist dementsprechend erst
später eingetreten. Per 1. September 2007 wird dem Kläger gestützt auf eine 60%-ige
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Beschäftigung ein Invaliditätsgrad von 47% bescheinigt.
Aufgrund der schleichenden Progredienz der Krankheit ist auch von einer bis 1.
September 2007 auf 40% steigenden Arbeitsunfähigkeit des Klägers in adaptierter
Tätigkeit auszugehen. Im Februar 2007 meldete sich der Kläger erneut bei der IV an (IV-
act. 44). Bei einer persönlichen Vorsprache bei der IV-Stelle hielt er am 8. März 2007
fest, dass es ihm schlechter gehe, er könne beide Hände kaum mehr gebrauchen und
habe nun auch solche Probleme mit einem Fuss (IV-act. 49). Bereits kurz zuvor hatte
Dr. med. I._ ihn an die Schmerzambulanz der Klinik J._ überwiesen, wo die
Behandlung im Februar 2007 begann (vgl. seinen Bericht vom 8. Mai 2007, IV-act. 55,
57-10 f.). Der dort behandelnde Dr. med. K._ hatte im Bericht vom 21. Februar 2007
erwähnt, der Kläger habe sich mit der Fragestellung einer erweiterten Schmerztherapie
vorgestellt. Der Arzt hatte festgehalten, aus seiner Sicht sei der Kläger auf nicht
absehbare Zeit nicht wieder in den allgemeinen Arbeitsmarkt einzugliedern (IV-act.
57-7). Am 12. März 2007 nahm der Kläger sodann eine Behandlung am
Psychiatrischen Zentrum L._ auf (IV-act. 58-2). Bei dieser Aktenlage kann es als
überwiegend wahrscheinlich betrachtet werden, dass die Verschlechterung, die
spätestens per 1. September 2007 zu einer Arbeitsunfähigkeit von 40% in adaptierten
Tätigkeiten führte, sich zwischen November 2006 und Mitte März 2007 manifestierte.
5.4 An dieser Einschätzung vermag auch die weitere dreimonatige 100%-ige
Arbeitstätigkeit des Klägers vom 30. Mai bis 29. August 2007 bei der E._ AG (act. G
1.3) nichts zu ändern. Der zeitliche Konnex ist in diesem Fall nicht unterbrochen,
nachdem der Kläger gestützt auf die vorstehenden Ausführungen bereits im Zeitraum
November 2006 bis Mitte März 2007 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt
war und er das Pensum mit Wirkung ab dem 1. September 2007 auf 60% reduzierte.
Die Reduktion des Arbeitspensums um 40% deutet darauf hin, dass sich der Kläger –
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wie es auch die IV-Stelle einschätzt – spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in der
Lage sah, Vollzeit zu arbeiten, wobei sich die relevante Verschlechterung des
Gesundheitszustands und damit der Arbeitsfähigkeit schon früher manifestiert haben
müssen (vgl. E. 5.3). Damit ist die Beklagte 2 zu verpflichten, entsprechende
Invalidenleistungen bei einem Invaliditätsgrad von 47% ab 1. September 2007 zu
erbringen.
5.5 Die Beklagte 2 hat gegenüber dem Kläger auf die Einrede der Verjährung
verzichtet, soweit die Verjährung bis am 21. November 2013 nicht bereits eingetreten
ist (act. G 1.12). Im Verfahren hat die Beklagte 2 keine Verjährungseinrede für allfällig
am 21. November 2013 bereits verjährte Rentenbetreffnisse erhoben.
Dementsprechend entfällt eine diesbezügliche Prüfung, da bei vorliegender
Konstellation die Verjährung nicht von Amtes wegen zu erfolgen hat (HÄFELIN /
MÜLLER / UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, 2016, N 775).
6.
6.1 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Klage gegen die Beklagte 1 abzuweisen
und gegen die Beklagte 2 gutzuheissen ist.
6.2 Da sich der Rentenanspruch aufgrund der Aktenlage nicht genau beziffern lässt
und das Klagebegehren nicht auf einen bestimmten Betrag lautet, ist die Klage gegen
die Beklagte 2 in dem Sinne gutzuheissen, dass die Leistungspflicht der Beklagten 2,
der Invaliditätsgrad und der Rentenbeginn ab 1. September 2007 festzustellen, die
genaue ziffernmässige Berechnung der einzelnen Rentenbetreffnisse hingegen der
leistungspflichten Vorsorgeeinrichtung zu überlassen ist (BGE 129 V 450).
7.
7.1 Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art.
105 Abs. 1 des Obligationenrechts (OR; SR 220) anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4).
Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der
gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5%, sofern das Reglement der
Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7.2 Die vorliegend zur Anwendung gelangenden Allgemeinen Bestimmungen des
Reglements 2014 der Beklagten 2 (Fassung gültig ab 1. Januar 2014) legt in Art. 34 den
von der Stiftung geschuldeten Verzugszins auf die Höhe des BVG-Zinses fest. Weitere
Regelungen zum Verzug enthält das Reglement nicht, so dass Art. 105 Abs. 1 OR zur
Anwendung gelangt, wonach auf Invalidenleistungen vom Tag der Anhebung der
Betreibung oder der gerichtlichen Klage an Verzugszinsen geschuldet sind (BGE 119 V
131 E. 4c). Dem Kläger sind folglich für die bis zur Klageerhebung am 16. Dezember
2014 (act. G 1) fällig gewordenen Rentenbetreffnisse ab diesem Zeitpunkt und für die
weiteren Rentenleistungen ab deren jeweiligem Fälligkeitsdatum Verzugszinsen von
1.75% zuzusprechen (Art. 12 lit. h der Verordnung über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen und Invalidenvorsorge [BVV 2; SR 831.441.1]).
8.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Hingegen hat der Kläger
bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten durch
die Beklagte 2 nach richterlichem Ermessen (Art. 98 f. des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Dem eher unterdurchschnittlichen
Aufwand entsprechend (es ist lediglich ein einfacher Schriftenwechsel erfolgt) und
gestützt auf die Praxis, dass das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75) in BVG-Prozessen regelmässig eine Pauschale zwischen Fr. 2'500.-- und
Fr. 4'500.-- zuspricht, erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Die obsiegende Beklagte 1 hat
rechtsprechungsgemäss keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zulasten des
Klägers (BGE 126 V 150 f. E. 4.b).