Decision ID: 7aba5a23-1266-5640-8317-4bda1cb415fd
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Im Juli 1998 erlitten die Eheleute A._ und B._ bei einem schweren
Verkehrsunfall in Italien ein Schädel-Hirn-Trauma, das bei A._ unter anderem eine
Halbseitenlähmung links und bei B._ ein hirnorganisches Psycho-Syndrom zur Folge
hatte (vgl. EL-act. I/270–28 f.). Die IV-Stelle sprach B._ mit einer Verfügung vom 29.
Juli 1999 per 1. Juli 1999 eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100 Prozent
zu (EL-act. I/271–13 ff.). Mit zwei Verfügungen vom 27. April 2000 sprach sie A._ per
1. Juli 1999 eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 78 Prozent sowie eine
Entschädigung bei einer Hilflosigkeit mittleren Grades zu (EL-act. I/270–14 ff. und EL-
act. I/270–10 ff.). Bereits im September 1999 hatte sich B._ zum Bezug von
Ergänzungsleistungen zu seiner Invalidenrente angemeldet (EL-act. I/268–1 ff.). Dabei
hatte er unter anderem angegeben, dass er und seine Ehefrau weder in der Schweiz
noch im Ausland Grundeigentum besässen und dass sie auch keine Rentenleistungen
aus dem Ausland erhielten. Mit einer Verfügung vom 15. Juni 2000 sprach die EL-
Durchführungsstelle B._ mit Wirkung per 1. Juli 1999 eine Ergänzungsleistung zu (EL-
act. I/268–7 ff.). Bei der Anspruchsberechnung hatte sie die kantonalen
Durchschnittsprämien für die obligatorische Krankenpflegeversicherung, die
Wohnungsmiete sowie die Lebensbedarfspauschale als Ausgaben und die Renten der
Invalidenversicherung als Einnahmen berücksichtigt. Die zuständige AHV-Zweigstelle
wies in einer Notiz vom 13. Oktober 2000 darauf hin, dass am 29. September 2000
sowohl für B._ als auch für A._ eine Beistandschaft errichtet worden sei (EL-act. I/
268–5 f.).
A.a.
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Am 24. Januar 2018 teilte der Beistand des Ehepaares der EL-Durchführungsstelle
mit (EL-act. I/100), er habe von der Tochter der EL-Bezüger erfahren, dass die
Vermutung bestehe, der im Pflegeheim lebende, urteilsunfähige Ehemann erhalte „eine
Rente in C._“. Offenbar habe der Sohn damals ein entsprechendes Rentenverfahren
in die Wege geleitet. Dem Beistand des Ehepaars sei nicht bekannt, „ob diese Angaben
stimmen und wohin eine solche Rente fliesst“. Die EL-Durchführungsstelle forderte in
der Folge Belege an (EL-act. I/99). In einem Telefonat vom 6. Februar 2018 teilte der
Beistand des Ehepaars mit (vgl. elektronische Notiz zu EL-act. I/99), er werde
Unterlagen bezüglich einer Liegenschaft in C._ einreichen. Betreffend die Rente
könne er keine Nachweise einreichen. Er vermute, dass die Rente auf ein Konto in
C._ ausbezahlt werde, auf das ein Sohn des EL-Bezügers zugreifen könne. Der EL-
Bezüger sei dement und könne keine Auskunft geben; er sei „von einem Sohn aus dem
Pflegeheim geholt und nach C._ für die Unterschrift und dann wieder
zurückgebracht“ worden. Die Tochter des EL-Bezügers gab am 3. Mai 2018 telefonisch
an (EL-act. I/96), die Liegenschaft in D._ (vgl. EL-act. I/98) sei ein Bauernhof mit
einem Maximalwert von 10’000 Franken. Das Haus sei im Krieg grösstenteils zerstört
worden und nicht mehr bewohnbar. Die Liegenschaft gehöre inzwischen dem Sohn.
Die Rente belaufe sich auf etwa 200 Euro pro Monat. Der Sohn habe den EL-Bezüger
in D._ angemeldet, obwohl dieser nachweislich in der Schweiz in einem Pflegeheim
lebe. Die Beschaffung von weiteren Unterlagen werde sicherlich noch ein, zwei Monate
in Anspruch nehmen. Im Juli 2018 gingen der EL-Durchführungsstelle Unterlagen zu,
die belegten, dass der EL-Bezüger seinem Sohn eine Liegenschaft abgetreten und im
Gegenzug eine lebenslange Unterstützungsleistung durch den Sohn erhalten hatte (EL-
act. I/91). Im August 2018 teilte die C._-ische Pensions- und
Invaliditätsversicherungskasse mit (EL-act. I/87), dass der EL-Bezüger seit dem 3. Juli
1998 eine monatliche Rente erhalte, deren Betrag sich zu Beginn auf 142.97 Franken
belaufen und dann laufend erhöht habe, sodass ab April 2018 monatlich 340.84
Franken ausbezahlt worden seien. Zudem seien Jahreszuschüsse von 238.87 Franken
(1998) bis 452 Franken (2017) ausgerichtet worden. Die Auszahlungen seien auf ein
Bankkonto in C._ erfolgt. Die EL-Bezügerin erhalte keine Rentenleistungen. Mit einer
„Mitteilung“ vom 12. Oktober 2018 forderte die EL-Durchführungsstelle „zu Zwecken
der Verjährungsunterbrechung“ Ergänzungsleistungen von 72’396 Franken vom EL-
Bezüger und Ergänzungsleistungen von 41’153 Franken von der EL-Bezügerin zurück
A.b.
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(EL-act. I/78). Zur Begründung führte sie an, sie werde eine definitive Verfügung
erlassen, sobald die Abklärungen bezüglich der Liegenschaft im Ausland
abgeschlossen seien. Die Rückforderung betreffe die unter Berücksichtigung der
ausländischen Rente und eines vorläufigen Schätzwertes der Liegenschaft im Ausland
in den vergangenen sieben Jahren, also ab dem 1. November 2011, zu viel
ausgerichteten Ergänzungsleistungen. Die siebenjährige Frist für die Rückforderung
ergebe sich aus dem Art. 70 Abs. 3 StGB.
Am 12. Juni 2019 verstarb der EL-Bezüger (EL-act. I/7). Wenige Tage später ging
der EL-Durchführungsstelle ein Gutachten zur Schätzung des Immobilienmarktwertes
betreffend die im Jahr 2015 renovierte Liegenschaft im Ausland zu (EL-act. I/6). Der
Sachverständige hatte festgehalten, dass sich der hälftige – nur eine von zwei
Wohnungen und nur die halbe Landfläche betreffende – Gesamtwert der sich in einer
nahezu unbewohnten Gegend befindlichen Liegenschaft mit einer unregelmässigen
Wasserversorgung, einer unzureichenden Stromversorgung und einer schlechten
Bausubstanz auf 17’158 Euro belaufe. Mit einer die Mitteilung vom 12. Oktober 2018
„ersetzenden“ Verfügung vom 28. Juni 2019 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung rückwirkend per 1. November 2011 neu fest (EL-act. I/5). Sie hielt
fest, für die Berechnung der Ergänzungsleistung sei der Schätzwert der Liegenschaft
zu verdoppeln, weil die Schätzung nur eine von zwei Wohnungen und nur den halben
Landanteil betroffen habe. Per 2. November 2016 sei die Hälfte der Liegenschaft dem
Sohn geschenkt worden, weshalb für die Zeit ab dem 1. Dezember 2016 nur noch der
halbe Liegenschaftswert zu berücksichtigen sei. Per 2. Februar 2018 sei die andere
Hälfte an einen anderen Sohn verschenkt worden, weshalb ab jenem Zeitpunkt kein
Grundeigentum mehr zu berücksichtigen sei. Die Schenkungen seien als ein
Vermögensverzicht zu qualifizieren, weshalb entsprechende Verzichtsvermögen bei der
Anspruchsberechnung anzurechnen seien. Die unter Berücksichtigung der
ausländischen Rente, des ausländischen Grundeigentums und des
Verzichtsvermögens für die Zeit ab November 2011 neu berechnete
Ergänzungsleistung falle um 19’849 Franken (für den Ehemann) und um 19’150
Franken (für die Ehefrau) tiefer aus, weshalb die entsprechenden Beträge
zurückzufordern seien.
A.c.
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Am 27. August 2019 liess die EL-Bezügerin eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 28. Juni 2019 erheben (EL-act. II/12). Ihre Beiständin beantragte, dass die
angefochtene Verfügung aufzuheben und dass von einer Rückforderung abzusehen
sei. Zur Begründung führte sie aus, die EL-Durchführungsstelle habe spätestens am 6.
Februar 2018 Kenntnis vom Bezug der ausländischen Rente und von der Existenz der
ausländischen Liegenschaft gehabt. Die entsprechende Rückforderungsverfügung sei
allerdings erst am 28. Juni 2019 und damit mehr als 16 Monate nach der
Kenntnisnahme vom Rückerstattungsgrund ergangen. Die einjährige, relative
Verwirkungsfrist des Art. 25 Abs. 2 ATSG sei folglich nicht gewahrt worden. Die
Mitteilung vom 12. Oktober 2018 habe den Lauf der Verwirkungsfrist nicht
unterbrechen können, weil der Lauf einer Verwirkungsfrist per definitionem nicht
unterbrochen werden könne. Im Übrigen sei die absolute Verwirkungsfrist auf fünf
Jahre beschränkt. Der Hinweis auf den Art. 70 Abs. 3 StGB sei nicht nachvollziehbar.
Im Oktober 2019 wurde die EL-Durchführungsstelle vom Konkursamt darüber
informiert, dass über die ausgeschlagene Erbschaft des im Juni 2019 verstorbenen EL-
Bezügers der Konkurs eröffnet worden sei (EL-act. II/10). Daraufhin eröffnete die EL-
Durchführungsstelle ihre Verfügung vom 28. Juni 2019 erneut, und zwar betreffend den
EL-Anspruch der Ehefrau an die Berufsbeiständin und betreffend den EL-Anspruch des
Ehemannes an das Konkursamt (vgl. EL-act. II/3). In der neuen Verfügung forderte sie
von der Ehefrau zusätzlich die Hälfte des in der Verfügung vom 28. Juni 2019 vom
Ehemann zurückgeforderten Betrages der Ergänzungsleistung für jene Zeit zurück, in
der sie den Ehegatten eine gemeinsame Ergänzungsleistung ausgerichtet hatte, sodass
sich die gesamte Rückforderung nun auf 28’002.50 Franken belief (EL-act. V/17). Am
11. Dezember 2019 liess die Ehefrau auch gegen diese Verfügung eine Einsprache
erheben (EL-act. V/16). Mit einem Entscheid vom 4. März 2020 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache gegen die Verfügung vom 13. November 2019 ab;
das Einspracheverfahren betreffend die Verfügung vom 28. Juni 2019 schrieb sie ab
(EL-act. V/9). Zur Begründung führte sie an, die Verfügung vom 13. November 2019
habe jene vom 28. Juni 2019 ersetzt, weshalb das Einspracheverfahren betreffend die
Verfügung vom 28. Juni 2019 gegenstandslos geworden sei. Mit der Mitteilung vom 12.
Oktober 2018 sei die Verwirkungsfrist der Rückforderung gewahrt worden, denn wenn
im IV-Verfahren ein Vorbescheid genüge, um die Verwirkungsfrist zu wahren, müsse im
EL-Verfahren eine Mitteilung ausreichend zur Wahrung der Verwirkungsfrist sein. Den
A.d.
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B.

Erwägungen
1.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 4. März 2020 enthält bei genauer
Betrachtung zwei voneinander unabhängige Entscheide, nämlich einerseits die
Abweisung der Einsprache gegen die Verfügung vom 13. November 2019 und
andererseits die Abschreibung des Einspracheverfahrens betreffend die Verfügung vom
28. Juni 2019. Die gemeinsame Eröffnung dieser beiden Entscheide hat nicht zur Folge
gehabt, dass die beiden Streitgegenstände „verschmolzen“ wären. Der
Beschwerdeführerin hat es frei gestanden, beide oder auch nur einen dieser
Entscheide anzufechten. Die Beschwerde vom 1. April 2020 richtet sich ausschliesslich
gegen den materiellen Einspracheentscheid betreffend die Verfügung vom 13.
November 2019, was bedeutet, dass der Abschreibungsbeschluss betreffend die
Einsprache gegen die Verfügung vom 13. November 2019 zufolge einer
Gegenstandslosigkeit des Einspracheverfahrens nach dem Widerruf der Verfügung
Eheleuten seien die Rentenzahlung im Ausland und die Existenz der ausländischen
Liegenschaft sehr wohl bekannt gewesen, weshalb „mit grosser Wahrscheinlichkeit“
davon auszugehen sei, dass sie gegenüber der EL-Durchführungsstelle „Informationen
zurückgehalten“ hätten. Damit hätten sie sich strafbar gemacht, weshalb die längere,
strafrechtliche Verwirkungsfrist zur Anwendung komme.
Am 1. April 2020 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 4. März 2020 erheben (act. G
1). Ihre Beiständin beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides und das Absehen von einer Rückforderung. Zur Begründung
führte sie aus, die Mitteilung vom 12. Oktober 2018 habe die Verwirkungsfrist der
Rückforderung nicht wahren können, denn diese könne nicht mit einem Vorbescheid in
einem IV-Verfahren verglichen werden. Die Beschwerdeführerin habe im Übrigen
keinen strafrechtlichen Tatbestand erfüllt.
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 6. Mai 2020 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
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vom 28. Juni 2019 lite pendente im Sinne des Art. 53 Abs. 3 ATSG unangefochten in
formelle Rechtskraft erwachsen und damit verbindlich geworden ist. Den Inhalt dieses
Beschwerdeverfahrens bildet folglich ausschliesslich die Frage nach der
Rechtmässigkeit des die Verfügung vom 13. November 2019 betreffenden Teils des
angefochtenen Einspracheentscheides, weshalb der Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens jenem des am 13. November 2019 (respektive ursprünglich am
28. Juni 2019) abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss.
2.
Die Verfügung vom 13. November 2019 ist – wie bereits jene vom 28. Juni 2019 –
eine „kombinierte“ Verfügung gewesen, denn sie hat einerseits die materielle,
rückwirkende Korrektur der Ergänzungsleistung und andererseits die aus dieser
materiellen Korrektur resultierende Vollzugsanordnung, nämlich die Rückforderung von
zu viel ausbezahlten Ergänzungsleistungen, beinhaltet. Man könnte sich, der
bundesgerichtlichen Auffassung folgend, auf den Standpunkt stellen, dass die
materielle Korrektur lediglich eine verfahrensrechtliche „Vorbereitungshandlung“ sei,
die die eigentliche rechtsgestaltende Anordnung, nämlich die Rückforderung von zu
viel bezogenen Ergänzungsleistungen, erlaube (vgl. etwa BGE 105 V 163 E. 6 S. 171).
Dem ist entgegen zu halten, dass die materielle rückwirkende Korrektur auf eine neue
(korrigierte) Festsetzung des materiellen Leistungsanspruchs abzielt, und zwar in aller
Regel nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft. Dabei wird der
massgebende Sachverhalt für den entsprechenden Zeitraum (erneut) unter den
relevanten gesetzlichen Tatbestand subsumiert. Bei einer Wiedererwägung einer
ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung im Sinne des Art. 53 Abs. 2 ATSG
wird beispielsweise nochmals umfassend neu geprüft, ob alle
Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind und wie hoch der Anspruch unter
Berücksichtigung sämtlicher Berechnungspositionen ausfallen muss. Dieser
Rechtsanwendungs- respektive Subsumtionsvorgang entspricht seinem Wesen nach
einer erstmaligen Leistungszusprache, weshalb er ebenso „eigenständig“
verfügungsfähig sein muss wie eine erstmalige Leistungszusprache. Weil eine solche
rückwirkende Korrekturverfügung in aller Regel nicht nur einen abgeschlossenen
Zeitraum in der Vergangenheit, sondern auch den Anspruch für die Zukunft betrifft,
beschränkt sich ihr Daseinszweck augenscheinlich nicht allein darauf, nur eine
verfahrensrechtliche Voraussetzung für eine Rückforderung zu schaffen. Sie wird
vielmehr auch die materiell-rechtliche Grundlage für die weitere Leistungsausrichtung
in der Zukunft und gegebenenfalls auch für eine spätere Revisionsverfügung im Sinne
des Art. 17 Abs. 2 ATSG bilden, was zeigt, dass eine solche rückwirkende materielle
2.1.
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Korrekturverfügung in Bezug auf den materiellen Leistungsanspruch an die Stelle einer
früheren (z.B. wiedererwägungsweise aufgehobenen) Verfügung tritt. Eine
Wiedererwägungsverfügung (Art. 53 Abs. 2 ATSG), eine sogenannt prozessuale Revi
sionsverfügung (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder eine rückwirkende Revisionsverfügung (Art.
17 Abs. 2 ATSG) ist folglich ebenso eine „eigenständige“ materielle Verfügung wie eine
leistungszusprechende Verfügung. Das gilt auch, wenn eine Verfügung ihrem Wortlaut
nach nur eine Rückforderung anordnet, denn jede Rückforderung setzt eine vorgängige
materielle Korrektur voraus. Die Frage, um was für eine Korrektur es sich handelt, muss
in einem solchen Fall durch eine („lückenfüllende“) Auslegung der
Rückforderungsverfügung ermittelt werden. Hier kommt entweder eine
Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) oder aber eine rückwirkende Revision (Art. 17
Abs. 2 ATSG) in Frage. Eine rückwirkende Revision würde allerdings eine relevante
Sachverhaltsveränderung voraussetzen, die hier nicht eingetreten ist, da die Eheleute
das Grundeigentum im Ausland bereits bei der ursprünglichen Leistungszusprache
besessen haben und da ihnen die ausländische Rente für einen bis in die Zeit vor der
ursprünglichen Leistungszusprache zurückreichenden Zeitraum zugesprochen worden
ist. Also muss die Rückforderung auf eine Wiedererwägung der ursprünglichen
leistungszusprechenden Verfügung zurückzuführen sein.
Man könnte auch den Standpunkt vertreten, dass die Rückforderung als reine
Vollzugshandlung nicht für sich allein verfügungsfähig sei. Nach der Rechtsprechung
des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen (vgl. etwa das Urteil EL 2020/6 vom
30. Juni 2021, E. 3) fehlt es zwar in Bezug auf Vollzugshandlungen grundsätzlich an
einem „Verfügungsinteresse“ im Sinne des Art. 49 Abs. 1 ATSG, weil sich eine
„gewöhnliche“ Vollzugshandlung direkt aus der materiellen Verfügung ergibt und weil
es deshalb keine Rechtfertigung für eine „nachdoppelnde“ Vollzugsverfügung gibt,
deren Dispositiv sich allein auf die „Umsetzung“ des bereits Verfügten in die Realität
beschränken würde. Das gilt aber natürlich dann nicht, wenn sich die Vollzugshandlung
wegen einer Besonderheit des Vollzugs nicht direkt aus der materiellen Verfügung
ergibt, wie es insbesondere bei einer Rückforderung gestützt auf den Art. 25 Abs. 1
Satz 1 ATSG der Fall ist, weil der normale Vollzug einer (wiedererwägungsweisen)
Zusprache von Ergänzungsleistungen in einer Auszahlung dieser Ergänzungsleistungen
bestünde. Eine solche Abweichung vom normalen Vollzug muss nach der erwähnten
Rechtsprechung des Versicherungsgerichtes in einer Verfügung angeordnet werden,
damit die betroffene Person die Möglichkeit hat, diese Abweichung einer gerichtlichen
Beurteilung zuzuführen. Im hier zu beurteilenden Fall hat eine solche Besonderheit
vorgelegen, denn die wiedererwägungsweise erfolgte materielle Korrektur der
ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung vom 15. Juni 2000 hat eine
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/14
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3.
Rückforderung von Ergänzungsleistungen zur Folge gehabt. Diese hat in einer
separaten Vollzugs- respektive Rückforderungsverfügung eröffnet werden müssen. Der
Umstand, dass die Beschwerdegegnerin sowohl die rückwirkende materielle Korrektur
als auch den entsprechenden Vollzug – die Rückforderung von Ergänzungsleistungen –
in ein und derselben Verfügung eröffnet hat, hat daran nichts geändert. Die Verfügung
vom 13. November 2019 enthält also zwei Entscheide, nämlich einerseits die
wiedererwägungsweise erfolgte materielle Korrektur und andererseits die
Rückforderung von zu viel ausbezahlten Ergänzungsleistungen. Der
Beschwerdeführerin hat es frei gestanden, bezüglich beider oder nur eines dieser
Gegenstände eine Einsprache zu erheben. In ihrer Einsprache vom 11. Dezember 2019
hat sie ausschliesslich geltend gemacht, die Rückforderung sei verwirkt. Sie hat sich
mit keinem Wort gegen die materielle rückwirkende Korrektur der Ergänzungsleistung
gewendet und sie hat nur das Absehen von einer Rückforderung beantragt. Die
Einsprache muss (wie übrigens auch jene vom 27. August 2019 gegen die Verfügung
vom 28. Juni 2019) als sich allein gegen die Rückforderungsverfügung richtend
ausgelegt werden. Das bedeutet, dass die rückwirkende materielle
Wiedererwägungsverfügung vom 13. November 2019 unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsen und damit verbindlich geworden ist. In diesem
Beschwerdeverfahren ist folglich nicht zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die
Ergänzungsleistung rückwirkend korrekt neu festgesetzt hat. Das Beschwerdeverfahren
muss sich also allein auf die Frage nach der Rechtmässigkeit der Rückforderung (und
dabei insbesondere auf die Frage nach einer allfälligen ganzen oder teilweisen
Verwirkung derselben) beschränken.
Laut dem Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten. Gestützt auf die unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsene
und damit verbindlich gewordene Wiedererwägungsverfügung vom 13. November
2019 steht fest, dass die Beschwerdeführerin mehr Ergänzungsleistungen bezogen hat,
als ihr zugestanden hatten. Diese unrechtmässig bezogenen Ergänzungsleistungen hat
sie grundsätzlich zurückzuerstatten.
3.1.
Ein Rückforderungsanspruch eines Sozialversicherungsträgers erlischt nach der
für dieses Beschwerdeverfahren massgebenden, bis zum 31. Dezember 2020 gültigen
Fassung des Art. 25 Abs. 2 ATSG ein Jahr, nachdem der Versicherungsträger Kenntnis
davon erhalten hat, spätestens fünf Jahre seit der Auszahlung der einzelnen Leistung
oder, wenn sich der Rückforderungsanspruch aus einer strafbaren Handlung herleitet,
für die das Strafrecht eine längere Verwirkungsfrist vorsieht, mit dem Ablauf einer Frist,
3.2.
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die so lange ist wie die strafrechtliche Verjährungsfrist. Der Art. 25 Abs. 2 ATSG
unterscheidet also zwischen zwei Verwirkungsfristen, nämlich zwischen einer
sogenannten relativen Verwirkungsfrist von einem Jahr und einer sogenannten
absoluten Verwirkungsfrist von fünf Jahren (oder mehr, wenn eine strafrechtliche
Verwirkungsfrist zur Anwendung kommt).
Bezüglich der relativen, einjährigen Verwirkungsfrist stellt sich zunächst die Frage,
wann diese Verwirkungsfrist zu laufen beginnt. Hat eine versicherte Person gestützt auf
eine formell rechtskräftige und damit verbindliche, materiell-rechtlich aber unrichtige
Verfügung zu hohe Leistungen bezogen, besteht zunächst ein materieller
Korrekturbedarf. Die falsche Verfügung muss mittels einer rückwirkenden Revision (Art.
17 Abs. 1 ATSG), einer sogenannt prozessualen Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder
einer Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) sowohl für die Vergangenheit als auch für
die Zukunft korrigiert werden. Erst die rückwirkende Korrektur lässt die Rückforderung
entstehen. Schon in dem Zeitpunkt, in dem der Versicherungsträger den
Korrekturbedarf hinsichtlich einer formell rechtskräftigen Verfügung erkennt, muss er
also regelmässig davon ausgehen, dass er später eine Rückforderungsverfügung wird
erlassen müssen. Damit kann er aber noch keine sichere Kenntnis von der
Rückforderung haben, weil diese Rückforderung noch gar nicht existiert. Folglich hat er
erst dann eine sichere Kenntnis von der Rückforderung, wenn die diese auslösende
Korrekturverfügung verbindlich geworden ist. Bis zu diesem Zeitpunkt muss der
Versicherungsträger nur mit der Möglichkeit einer Rückforderung rechnen. Vor diesem
Hintergrund stellt sich die Frage, ob die einjährige, relative Verwirkungsfrist bereits mit
der Kenntnis vom Korrekturbedarf oder erst mit der Kenntnis der Rückforderung zu
laufen beginnt. Der Wortlaut des Art. 25 Abs. 2 ATSG, wonach die relative, einjährige
Frist zu laufen beginnt, sobald der Versicherungsträger „davon“ Kenntnis erhalten hat,
erlaubt die Beantwortung dieser Frage nicht, denn er ist zweideutig. Das
Pronomialadverb „davon“ kann sich nämlich entweder auf die Rückforderung oder auf
den Korrekturbedarf einer formell rechtskräftigen Leistungsverfügung beziehen. Den
Materialien lässt sich zu dieser Frage nichts entnehmen. Der Art. 25 Abs. 2 ATSG
entspricht hinsichtlich der relativen Verwirkungsfrist einer früheren Bestimmung im
AHVG, die ihrerseits wohl als Verordnungsbestimmung konzipiert gewesen ist (sodass
keine Materialien zugänglich sind), bei den parlamentarischen Diskussionen dann aber
diskussionslos ins Gesetz übernommen worden ist. Das Bundesgericht ist in
konstanter Rechtsprechung davon ausgegangen, dass die Kenntnisnahme von der
Korrekturmöglichkeit des unrechtmässigen Leistungsbezuges massgebend sei. In
Abweichung vom in diesem Punkt klaren Wortlaut des Art. 25 Abs. 2 ATSG hat es
zudem die Auffassung vertreten, ausschlaggebend sei nicht der Zeitpunkt der
3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/14
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tatsächlichen Kenntnisnahme, sondern vielmehr jener, in dem der Versicherungsträger
bei Beachtung der zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass ihm bei
der Leistungsfestsetzung ein Fehler unterlaufen sei (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
4. Aufl. 2020, Art. 25 N 81 ff.). Also soll das Kennenmüssen der Korrekturmöglichkeit
massgebend sein. In neueren, nicht als Leitentscheide publizierten Urteilen hat das
Bundesgericht allerdings – seiner eigenen Rechtsprechung widersprechend –
ausgeführt, die relative einjährige Verwirkungsfrist beginne erst mit der sicheren
Kenntnis des Versicherungsträgers vom Rückforderungsanspruch und folglich erst mit
dem Eintritt der formellen Rechtskraft der (die Rückforderung erst entstehen lassenden)
Korrekturverfügung zu laufen (vgl. etwa die Urteile des Bundesgerichtes 8C_642/2014
vom 23. März 2015 und 8C_460/2014 vom 19. Dezember 2014). Zum Widerspruch zur
eigenen (früheren) Rechtsprechung hat sich das Bundesgericht dabei nicht geäussert.
Allerdings sind die vom Bundesgericht definierten Voraussetzungen für eine
Praxisänderung erfüllt gewesen, denn die Praxisänderung kann nur auf eine bessere
Erkenntnis des massgebenden Rechts zurückgeführt werden. Eine
Rückforderungsverfügung darf nämlich offenkundig nicht ergehen, bevor die
Korrekturverfügung formell rechtskräftig geworden ist, weil der Versicherungsträger
ansonsten eine vom Bundesgericht zu Recht verpönte Rechtsanwendung „auf Vorrat“
betreiben würde, denn bei einer Aufhebung der Korrekturverfügung würde ja der
Rückforderungsverfügung die Grundlage entzogen, sodass diese ebenfalls
rechtswidrig wäre. Der frühestmögliche Zeitpunkt, in dem eine
Rückforderungsverfügung erlassen werden kann, ist also der Tag, an dem die der
Rückforderung zugrunde liegende Korrekturverfügung formell rechtskräftig wird.
Selbstverständlich kann die relative einjährige Verwirkungsfrist ebenfalls frühestens an
diesem Tag zu laufen beginnen. Andernfalls könnte sie nämlich verstreichen, bevor der
Versicherungsträger sie durch eine Rückforderungsverfügung wahren könnte, was
offensichtlich nicht der Sinn des Art. 25 Abs. 2 ATSG sein kann. Da der
Versicherungsträger an dem Tag, an dem die Korrekturverfügung formell rechtskräftig
wird, definitiv Kenntnis von allen Einzelheiten des Rückforderungsanspruchs hat, sind
in diesem Zeitpunkt auch die Voraussetzungen des Art. 25 Abs. 2 ATSG für die
Auslösung der einjährigen Verwirkungsfrist erfüllt: Der Versicherungsträger hat Kenntnis
vom Rückforderungsanspruch. Damit ist auch die Frage beantwortet, worauf sich das
„Kenntnis Haben“ des Art. 25 Abs. 2 ATSG bezieht. Zudem steht fest, dass die alte
Praxis des „Kennenmüssens“ nicht richtig sein kann. Dieser Interpretation folgend ist
die Rückforderungsverfügung vom 13. November 2019 nicht zu spät respektive erst
nach dem Ablauf der einjährigen, relativen Verwirkungsfrist ergangen, da die
Korrekturverfügung damals noch nicht einmal formell rechtskräftig gewesen ist.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/14
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Selbst wenn die relative, einjährige Verwirkungsfrist nach der „alten“
bundesgerichtlichen Auffassung beurteilt werden müsste, wäre sie gewahrt worden.
Die Rückforderungsverfügung ist zwar tatsächlich erst mehr als ein Jahr nach der
Entdeckung des Korrekturbedarfs ergangen, weil die Beschwerdegegnerin im Februar
2018 von der ausländischen Rente und von der Liegenschaft im Ausland Kenntnis
erhalten, aber erst im Juni 2019 respektive im November 2019 eine entsprechende
Verfügung erlassen hat. Sie hatte allerdings bereits im Oktober 2018 die Rückforderung
mit einer „Mitteilung“ geltend gemacht. Wenn nach der bundesgerichtlichen
Auffassung im IV-Verfahren ein Vorbescheid fristwahrend ist (BGE 119 V 431), dann
muss im EL-Verfahren eine „förmliche“ Mitteilung ebenso fristwahrend sein. Würde
man sich auf den Standpunkt stellen, dass eine Verwirkungsfrist in jedem Fall nur mit
einer Verfügung gewahrt werden könne, wären die EL-Durchführungsstellen wohl
(zumindest bis zum Inkrafttreten der neuen Regelung, laut der die relative Frist nun drei
Jahre beträgt) regelmässig gezwungen, vor dem Abschluss der – oft aufwendigen und
komplexen – Sachverhaltsabklärung Rückforderungsverfügungen „auf Vorrat“ zu
erlassen, nur um die Verwirkungsfrist ja nicht zu verpassen, was rechtsstaatlich
bedenklich wäre und namentlich dann, wenn eine solche Verfügung rechtskräftig
würde, kaum zu lösende (Korrektur-) Probleme schaffen könnte. Auch vor diesem
Hintergrund erweist sich die in der E. 3.2 dargestellte Rechtsprechungsänderung als
begrüssenswert.
3.4.
Die absolute Verwirkungsfrist dauert in aller Regel fünf Jahre. Eine längere absolute
Verwirkungsfrist kommt nur in Frage, wenn die unrechtmässige Leistungserbringung
auf eine Straftat zurückzuführen ist, für die das Strafrecht eine längere Verwirkungsfrist
vorsieht. Die Beschwerdegegnerin hat sich auf den Standpunkt gestellt, die
Beschwerdeführerin habe den objektiven und den subjektiven Tatbestand des Art. 31
Abs. 1 lit. b ELG erfüllt. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden, denn hier steht
nicht ein unrechtmässiger Bezug eines Beitrags (vgl. Art. 17 f. ELG), sondern ein
unrechtmässiger Bezug einer Leistung zur Diskussion. Zu prüfen ist deshalb, ob der
Tatbestand des Art. 31 Abs. 1 lit. a ELG erfüllt gewesen ist. Das ist bezüglich des
objektiven Tatbestandes der Fall gewesen, denn die Angaben der Beschwerdeführerin
respektive ihrer Beistände gegenüber der Beschwerdegegnerin sind unvollständig
gewesen, weil die Beschwerdeführerin und ihre Beistände weder auf die Existenz des
Grundeigentums im Ausland noch auf die Rentenzahlungen im Ausland hingewiesen
haben, und weil diese Unvollständigkeit der Angaben zur Auszahlung von zu hohen
Ergänzungsleistungen geführt hat. In subjektiver Hinsicht ist zu beachten, dass der Art.
31 Abs. 1 lit. a ELG die fahrlässige Begehung nicht unter Strafe stellt, weshalb in
Anwendung des Art. 12 Abs. 1 StGB nur die vorsätzliche respektive
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eventualvorsätzliche Begehung strafbar sein kann. Der Auffassung der
Beschwerdegegnerin, der subjektive Tatbestand sei erfüllt, beruht auf einer blossen
Sachverhaltsbehauptung, denn die Beschwerdegegnerin hat diesbezüglich keinerlei
Abklärungen getätigt. Sie hat nicht einmal die IV-Akten der Beschwerdeführerin
beigezogen, obwohl aus den EL-Akten hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin beim
Unfall im Juli 1998, der zur Ausrichtung einer Rente und einer Hilflosenentschädigung
der Invalidenversicherung geführt hat, ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat
und ab September 2000 verbeiständet gewesen ist, was auf eine erhebliche geistige
Beeinträchtigung hindeutet. Da es nicht die Aufgabe des Versicherungsgerichtes sein
kann, ein Versäumnis der Beschwerdegegnerin bei der Erfüllung ihrer ureigensten
Aufgabe – der Sachverhaltsabklärung – zu beheben, ist der angefochtene
Einspracheentscheid wegen der Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1
ATSG) in Bezug auf den subjektiven Tatbestand des Art. 31 Abs. 1 lit. a ELG
aufzuheben und die Sache ist zur Vervollständigung der Sachverhaltsabklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird bei den weiteren Abklärungen zu
beachten haben, dass nicht nur das Verhalten der Beschwerdeführerin oder des
Ehemannes im massgebenden Zeitpunkt, sondern auch das Verhalten des zum
massgebenden Zeitpunkt zuständigen Beistandes relevant sein kann, da der Art. 31
Abs. 1 lit. a ELG auch eine Begehung zugunsten einer Drittperson unter
Strafandrohung stellt. Die Beschwerdegegnerin wird unter anderem auch abzuklären
haben, wann die ausländische Rente beantragt respektive zugesprochen worden ist,
wer den Ehemann der Beschwerdeführerin in jenem Verfahren vertreten hat und wer
damals der Beistand der Beschwerdeführerin und des Ehemannes gewesen ist.
Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass der Art. 25 Abs. 2 ATSG die längere
absolute (strafrechtliche) Verwirkungsfrist nicht nur für jene Fälle vorsieht, in denen die
rückerstattungspflichtige Person selbst eine Straftat begangen hat, denn die
Ausdehnung der Verwirkungsfrist ist keine (zusätzliche) „Bestrafung“, sondern allein
darauf zurückzuführen, dass eine Rückforderung, die im Zusammenhang mit einer
Straftat steht, nicht verwirken soll, solange die Frist für die Verfolgungsverjährung der
Straftat noch nicht verstrichen ist.
Da die Rückforderung unabhängig vom Ergebnis der noch zu tätigenden
Sachverhaltsabklärungen jedenfalls für die fünf letzten Jahre nicht verwirkt sein kann,
sind die im entsprechenden Zeitraum von November 2013 bis und mit Oktober 2018
unrechtmässig bezogenen Ergänzungsleistungen „definitiv“ zurückzuerstatten.
Diesbezüglich ist die Beschwerde folglich im Sinne eines Teilentscheides abzuweisen,
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