Decision ID: 3f8f02c6-d6f0-5368-a0f2-aa336fc96522
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die X._ AG in Liquidation ist seit dem 19. August 2015 im Han-
delsregister des Kantons (...) eingetragen (bis Januar 2016 unter dem Na-
men ...). Die Gesellschaft bezweckt unter anderem das "Veröffentlichen
von Finanzinformationen über anerkannte lnformationsdienstleistungsun-
ternehmen".
A.b C._ (im Folgenden: Beschwerdeführer) ist Inhaber der
C._ GmbH. Er schloss am 29. Januar 2016 mit der X._ AG
einen "Arbeitsvertrag als SRO Verantwortlicher" und einen "Beratungsver-
trag" ab. Gemäss letzterem umfasste sein Aufgabenbereich hauptsächlich
die Unternehmensbewertung und Due Diligence mit anschliessender Kurs-
meldung an ausserbörsliche Handelsplätze (Sekundärmarkt) für in- und
ausländische Unternehmen.
A.c Mit superprovisorischer Verfügung vom 2. November 2017 setzte die
Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA (im Folgenden: Vorinstanz
oder FINMA) F._ und G._, von der K._ AG, Zürich,
als Untersuchungsbeauftragte unter anderem bei der X._ AG ein.
Die Vorinstanz ordnete unter anderem die Sperrung sämtlicher Kontover-
bindungen und Depots der X._ AG an und wies die X._ AG
an, jegliche finanzmarktrechtlich bewilligungspflichtige Tätigkeit sowie die
entsprechende Werbung zu unterlassen.
A.d Am 17. November 2017 wurde C._ von den Untersuchungsbe-
auftragten befragt.
A.e Die Untersuchungsbeauftragten reichten am 22. November 2017 ei-
nen ersten Zwischenbericht ein.
A.f Mit provisorischer Verfügung vom 21. Dezember 2017 bestätigte die
Vorinstanz die superprovisorisch verfügten Massnahmen vom 2. Novem-
ber 2017 unter anderem gegen die X._ AG.
A.g Die Untersuchungsbeauftragten unterbreiteten der Vorinstanz ihren
Schlussbericht vom 4. Mai 2018 (im Folgenden: UB-Bericht). Die
Vorinstanz stellte den Parteien den UB-Bericht am 9. Mai 2018 zur Stel-
lungnahme zu. Gleichzeitig zeigte sie C._ die Eröffnung eines ein-
greifenden Verwaltungsverfahrens an.
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A.h C._ äusserte sich mit Stellungnahme vom 5. Juni 2018 zum
UB-Bericht vom 4. Mai 2018 und reichte mit Eingabe vom 25. Juni 2018
eine ergänzende Stellungnahme mit den von der Vorinstanz angeforderten
Unterlagen ein.
A.i Die X._ AG äusserte sich mit Stellungnahme vom 29. Juni 2018
zum UB-Bericht vom 4. Mai 2018.
B.
Mit Verfügung vom 29. August 2018 stellte die Vorinstanz fest, dass
B._, A._, C._ sowie die X._ AG zusammen
mit ausländischen Briefkastenfirmen gruppenweise ohne Bewilligung ge-
werbsmässig den Effektenhandel betrieben und damit aufsichtsrechtliche
Bestimmungen (Börsengesetz) schwer verletzt hätten (Dispositiv-Ziffer 4).
Die Vorinstanz untersagte C._ die Ausübung jeglicher finanzmarkt-
rechtlich bewilligungspflichtigen Tätigkeit unter jeglicher Bezeichnung
selbst oder über Dritte sowie die entsprechende Werbung in irgendeiner
Form. Sie wies ihn insbesondere an, den gewerbsmässigen Effektenhan-
del sowie die entsprechende Werbung ohne Bewilligung in irgendeiner
Form zu unterlassen (Dispositiv-Ziffer 6). Auch machte sie ihn für den Fall
der Widerhandlung gegen die Unterlassungsanweisung auf Art. 48 FIN-
MAG und die darin vorgesehene Strafdrohung (Dispositiv-Ziffer 7) sowie
auf Art. 44 FINMAG aufmerksam, welcher für eine bewilligungspflichtige
Tätigkeit nach den Finanzmarktgesetzen ohne entsprechende Bewilligung
eine Strafe vorsieht (Dispositiv-Ziffer 7). Ferner ordnete die Vorinstanz die
Veröffentlichung von Ziffern 6 und 7 des Dispositivs betreffend C._
für die Dauer von 3 Jahren nach Eintritt der Rechtskraft auf ihrer Internet-
seite an (Dispositiv-Ziffer 8).
Die Verfügung enthält verschiedene weitere Feststellungen und Anordnun-
gen, die nicht C._ betreffen.
Weiter auferlegte die Vorinstanz die bis zum Erlass der Verfügung angefal-
lenen Kosten der eingesetzten Untersuchungsbeauftragten von
Fr. 124'653.85 im Umfang von Fr. 64'000.– der X._ AG, B._,
A._ sowie C._ in solidarischer Haftung (Dispositiv-Ziffer 24).
Schliesslich auferlegte die Vorinstanz die Verfahrenskosten im Betrag von
Fr. 83'000.– im Umfang von Fr. 44'000.– der X._ AG, B._,
A._ sowie C._ in solidarischer Haftung (Dispositiv-Ziffer 25).
B-5736/2018
Seite 4
Zur Begründung legt die Vorinstanz dar, das Geschäftsmodell der
X._ AG und der mit ihr verbundenen Personen scheine darauf aus-
gerichtet gewesen zu sein, das erstmalige Angebot von Penny-Stock Ak-
tien auf dem Primärmarkt zu überhöhten Preisen zu fördern und zu unter-
stützen. Die verfügbaren Dokumente liessen darauf schliessen, dass die
Y._ Ltd., vertreten durch A._, und die X._ AG über
die eigenen Depots Aktien der Z._ AG (im Folgenden: Z._-
Aktien) vom Gründer der Gesellschaft, D._, übernommen und diese
anschliessend mit Hilfe von Vermittlern der Q._ Broker an einen
breiten Kreis von privaten Anlegern verkauft hätten. C._ habe es
A._ ermöglicht, als "Berater" bei der X._ AG einzusteigen
und in Zusammenarbeit mit B._ deren Marktauftritt und Organisa-
tion mitzugestalten. C._ seinerseits habe über sein Beratungsun-
ternehmen Unternehmensbewertungen erstellt, welche den Beteiligten als
willkommene Rechtfertigung für überhöhte Kursmeldungen durch die
X._ AG gedient hätten. Er habe darüber hinaus weitere Aufgaben
übernommen und damit die Geschäftsstrategie der X._ AG mass-
geblich mitbeeinflusst, womit ihm bis zu seinem Rücktritt eine faktische Or-
ganstellung zuerkannt werden müsse. Seinen Kontrollpflichten sei er aber
nicht nachgekommen. A._ und die Y._ Ltd. hätten im Zu-
sammenhang mit dem Verkauf von Z._-Aktien in den Räumlichkei-
ten der X._ AG Mitarbeiter beschäftigt, welche das gesamte Ver-
tragswesen erledigt und damit zumindest zeitweise faktisch eine Zweignie-
derlassung betrieben hätten. Die Y._ Ltd. und A._ hätten die
X._ AG für die erbrachten Dienstleistungen entschädigt und deren
Tätigkeit finanziert. Insgesamt sei von einer überwiegenden Tätigkeit der
X._ AG sowie der mit ihr verbundenen Gesellschaften und Perso-
nen im Finanzbereich und im Ergebnis mit Blick auf die umfangreichen Ver-
käufe von Z._-Aktien von einer unterstellungspflichtigen Emissions-
haustätigkeit auszugehen. Diese Tätigkeit sei gewerbsmässig erfolgt.
Ohne die Mitwirkung von C._ beim „Going Public" der Z._
AG wäre es seinem Sohn A._ kaum gelungen, innert weniger Mo-
nate Aktien im vermeintlichen Gegenwert von 10 Mio. EUR an Privatanle-
ger zu veräussern. Die Beteiligung von C._ sei deshalb als schwere
Verletzung von aufsichtsrechtlichen Bestimmungen zu qualifizieren, auch
wenn seine Rolle im Vergleich zu A._ insgesamt als weniger be-
deutend einzustufen sei.
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Seite 5
C.
Gegen diese Verfügung erhebt C._ (im Folgenden: Beschwerde-
führer) mit Eingabe vom 3. Oktober 2018 Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht. Er stellt die folgenden Anträge:
1. Es seien die Dispositiv-Ziffern 4, 6, 7, 8, 24 und 25 der Verfügung der FINMA
vom 29. August 2018 in Bezug auf den Beschwerdeführer aufzuheben;
2. Eventualiter sei Ziffer 8 des Dispositivs der Verfügung der FINMA vom
29. August 2018 betreffend den Beschwerdeführer aufzuheben und es seien
die in Ziffern 24 und 25 der Verfügung der FINMA vom 29. August 2018 dem
Beschwerdeführer auferlegten Kosten angemessen zu reduzieren.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zu Lasten
der Beschwerdegegnerin.
Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe als externer Berater einzig
die Funktion als GwG-Verantwortlicher bei der X._ AG innegehabt
und sei weder als Mitarbeiter noch als formelles oder faktisches Organ bei
der X._ AG tätig gewesen. In der Anfangsphase habe er insbeson-
dere im Rahmen einer Strategieberatung die Geschäftsstrategie stark be-
einflusst, darüber hinaus aber nie hinsichtlich eines Geschäftsmodells, das
den umfangreichen Verkauf von Aktien durch die X._ AG miterfasst
hätte, beraten. Er habe keinen Einfluss auf die Entscheidungen von
A._ und B._, in Verbindung mit ausländischen Gesellschaf-
ten umfangreich Aktien zu verkaufen, gehabt. Die Vorinstanz habe die
Rolle und Kenntnisse des Beschwerdeführers hinsichtlich der unterstel-
lungspflichtigen Tätigkeiten der X._ AG irrig gewichtet. Aufgrund ei-
ner Gesamtwürdigung des Vorgehens und der lauteren Absichten des Be-
schwerdeführers sei es nicht gerechtfertigt, eine gegen ihn gerichtete Un-
terlassungsanweisung zu veröffentlichen, so denn überhaupt eine solche
zu erlassen sei. Eine Veröffentlichung der Unterlassungsanweisung würde
einen schweren, nicht wiedergutzumachenden Nachteil für sein berufliches
Fortkommen darstellen, die in keinem Verhältnis zu einer möglichen Be-
einträchtigung der Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte, mithin des Publi-
kums und von Anlegern, stünde. Die Veröffentlichung sei daher offensicht-
lich unverhältnismässig. Sodann seien ihm weder Kosten des vorinstanzli-
chen Verfahrens noch des Untersuchungsverfahrens aufzuerlegen. Even-
tualiter sei der auf ihn entfallende Teil der Kosten entsprechend der Bedeu-
tung seines Beitrags an eine unterstellungspflichtige Tätigkeit angemessen
zu reduzieren.
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Seite 6
D.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 18. Dezember 2018,
die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
Bei den Geschäftsaktivitäten der X._ AG und ihren Geschäftspart-
nern handle es sich nicht um seriöse Geschäfte, sondern um professionell
organisierte Verkäufe von erstmals angebotenen Aktien mit geringem
Nennwert zu stark überhöhten Preisen. Das Geschäftsmodell der
X._ AG – die Meldung von "Kursen", die Auslieferung von Aktien,
der Support für Anleger und weitere Dienstleistungen im Hinblick auf das
erstmalige öffentliche Angebot von Aktien an das Publikum ("Going Public")
– habe einen wesentlichen Teil der vor- und nachgelagerten Verkaufsbe-
mühungen abgedeckt, um gutgläubige Anleger telefonisch zum Erwerb
derartiger Aktien zu bewegen. Für die formelle Übernahme und den Ver-
kauf der Aktien seien von den Verantwortlichen gezielt ausländische Brief-
kastenfirmen wie die Y._ Ltd. dazwischengeschaltet worden, um
eine Unterstellungspflicht in der Schweiz zu umgehen und gegenüber den
Anlegern die wahren wirtschaftlich Berechtigten zu verschleiern. Der Be-
schwerdeführer habe hierbei eine relevante Rolle wahrgenommen.
E.
Mit Replik vom 1. März 2019 hält der Beschwerdeführer vollumfänglich an
seinen Anträgen und seiner Begründung fest. Er bestreitet sämtliche von
der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 18. Dezember 2018 aufge-
stellten Behauptungen.
F.
Die Vorinstanz äussert sich mit Duplik vom 2. April 2019 und hält vollum-
fänglich an ihren bisherigen Ausführungen und an den in ihrer Vernehm-
lassung vom 18. Dezember 2018 gestellten Anträgen fest.
G.
Der Beschwerdeführer bestreitet mit Stellungnahme vom 18. April 2019
sämtliche Vorbringen der Vorinstanz in deren Duplik.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Der Entscheid der Vorinstanz vom 29. August 2018 stellt eine Verfü-
gung im Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De-
zember 1968 (VwVG, SR 172.021) dar. Das Bundesverwaltungsgericht ist
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gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) Beschwerdeinstanz gegen Verfügungen gemäss Art. 5
VwVG, die unter anderem von den Anstalten und Betrieben des Bundes
erlassen werden (Art. 33 Bst. e VGG). Darunter fällt die vorliegende, von
der Vorinstanz erlassene Verfügung (Art. 54 Abs. 1 des Finanzmarktauf-
sichtsgesetzes vom 22. Juni 2007 [FINMAG, SR 956.1]). Das Bundesver-
waltungsgericht ist damit zur Behandlung der Beschwerde gegen die vor-
instanzliche Verfügung zuständig.
1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men, ist durch die ihn selbst betreffenden Feststellungen und Anordnungen
im Dispositiv der angefochtenen Verfügung besonders berührt und hat als
Verfügungsadressat insoweit ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung oder Änderung (Art. 48 Abs. 1 VwVG; BGE 136 II 304 E. 2.3.1;
Urteile des BGer 2C_894/2014 vom 18. Februar 2016 E. 3; 2C_1055/2014
vom 2. Oktober 2015 E. 4.3 und 2C_324/2009 vom 9. November 2009
E. 4.2; anders die Urteile des BGer 2C_303/2016 vom 24. November 2016
E. 2.5.1; 2C_305/2016 vom 24. November 2016 E. 2.1; 2C_352/2016 vom
9. Dezember 2016 E. 1.2.3 und 2C_571/2018 vom 30. April 2019 E. 1.2.3).
Er ist somit zur Beschwerdeführung legitimiert.
1.3 Die Beschwerde ist im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht wor-
den und die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 50 Abs. 1,
Art. 52 Abs. 1 und Art. 44 ff. VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Ändert sich das anwendbare Recht während eines hängigen Verwaltungs-
verfahrens, so sind bei Fehlen ausdrücklicher Übergangsbestimmungen
die in diesem Zusammenhang von der Rechtsprechung entwickelten Prin-
zipien heranzuziehen. Die Beurteilung der Frage, welches Recht bei einer
derartigen Änderung Anwendung findet, richtet sich nach dem Grundsatz,
dass in materieller Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die
bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führen-
den Tatbestandes Geltung haben (BGE 126 III 431 E. 2a und 2b; PIERRE
TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 4. Aufl. 2014, § 24 Rz. 18 ff.; RENÉ WIEDERKEHR/PAUL RICHLI, Praxis
des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band I, 2012, Rz. 777 f., S. 256).
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Der im vorliegenden Verfahren zu beurteilende Sachverhalt hat sich im We-
sentlichen zwischen dem Jahr 2016 und dem 2. November 2017, dem Zeit-
punkt der Einsetzung der Untersuchungsbeauftragten, ereignet. Damit sind
grundsätzlich die in jenem Zeitraum geltenden Rechtssätze anwendbar
(vgl. Urteil des BVGer B-8363/2007 vom 18. Dezember 2008 E. 3.2), näm-
lich insbesondere das FINMAG und das Börsen- und Effektenhandelsge-
setz vom 24. März 1995 (aBEHG; in Kraft bis zum 31. Dezember 2019).
Per 1. Januar 2016 wurde das BEHG zum Grossteil in das neue Finanz-
marktinfrastrukturgesetz vom 19. Juni 2015 (FinfraG, SR 958.1) überführt.
Die verbleibenden Bestimmungen zu den Effektenhändlern (neu als Wert-
papierhäuser bezeichnet), deren Hauptkategorie die sogenannten Kun-
denhändler bilden, wurden im Finanzinstitutsgesetz vom 15. Juni 2018 (FI-
NIG, SR 954.1; in Kraft seit 1. Januar 2020) geregelt und das BEHG voll-
ständig aufgehoben (vgl. Botschaft vom 4. November 2015 zum Finanz-
dienstleistungsgesetz [FIDLEG] und zum Finanzinstitutsgesetz [FINIG] [im
Folgenden: Botschaft FIDLEG/FINIG], BBl 2015 8901, 9032 und 9043).
Auch die Börsenverordnung vom 2. Dezember 1996 (aBEHV) wurde per
1. Januar 2020 aufgehoben (AS 2019 4633, 4674) und durch die Finanzin-
stitutsverordnung vom 6. November 2019 (FINIV, SR 954.11) ersetzt. Die
"Effektenhändler" werden neu als "Wertpapierhäuser" bezeichnet.
In der Botschaft FIDLEG/FINIG wies der Bundesrat auch darauf hin, dass
die in Art. 3 Abs. 2 und 3 aBEHV geregelten Effektenhändlerkategorien des
"Emissionshauses" und des "Derivathauses" in der Praxis keine eigenstän-
dige Bedeutung erlangt hätten. Ihre gesetzlich umschriebenen Tätigkeits-
felder würden von Banken oder Kundenhändlern wahrgenommen. Es
rechtfertige sich daher nicht, für sie einen eigenen Bewilligungsstatus auf-
rechtzuerhalten. Ihre Tätigkeiten würden vielmehr den Banken und Wert-
papierhäusern vorbehalten (Botschaft FIDLEG/FINIG, BBl 2015 8901,
9032).
Die in der vorliegend angefochtenen Verfügung der Vorinstanz beschriebe-
nen Tätigkeiten der X._ AG sowie der mit ihr verbundenen Gesell-
schaften sind indessen noch nach dem aBEHG und der aBEHV zu würdi-
gen, weshalb im vorliegenden Entscheid noch die in jenen Erlassen veran-
kerte Terminologie verwendet wird.
3.
Als Aufsichtsbehörde über den Finanzmarkt trifft die Vorinstanz die zum
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Seite 9
Vollzug des Finanzmarktrechts notwendigen Verfügungen und überwacht
die Einhaltung der gesetzlichen und reglementarischen Vorschriften. Erhält
die Vorinstanz von Verstössen gegen die Gesetze des Finanzmarktrechts
oder von sonstigen Missständen Kenntnis, sorgt sie für deren Beseitigung
und für die Wiederherstellung des ordnungsgemässen Zustands
(Art. 31 FINMAG). Bei der Wahl des geeigneten Mittels hat die Vorinstanz
im Rahmen der allgemeinen Verfassungs- und Verwaltungsgrundsätze
(Willkürverbot, Rechtsgleichheits- und Verhältnismässigkeitsgebot, Treu
und Glauben) in erster Linie den Hauptzwecken der finanzmarktrechtlichen
Gesetzgebung, dem Schutz der Gläubiger beziehungsweise Anleger einer-
seits und der Lauterkeit des Kapitalmarkts andererseits, Rechnung zu tra-
gen (Anleger- und Funktionsschutz). Die Frage, wie sie ihre Aufsichtsfunk-
tion im Einzelnen erfüllt, ist weitgehend ihrem "technischen Ermessen" an-
heimgestellt (vgl. BGE 135 II 356 E. 3.1 m.w.H.).
Da die Vorinstanz allgemein über die Einhaltung der gesetzlichen Vor-
schriften zu wachen hat, ist die ihr übertragene Aufsicht nicht auf die ihr
bereits unterstellten Betriebe beschränkt. Zu ihrem Aufgabenbereich ge-
hört auch die Abklärung der finanzmarktrechtlichen Bewilligungspflicht und
die Ermittlung von Finanzintermediären, die in Verletzung gesetzlicher
Bestimmungen tätig sind. Sie ist daher berechtigt, die in den Finanzmarkt-
gesetzen vorgesehenen Mittel auch gegenüber Instituten und Personen
einzusetzen, deren Unterstellungs- oder Bewilligungspflicht umstritten ist.
Liegen hinreichend konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass eine bewilli-
gungspflichtige Geschäftstätigkeit ausgeübt werden könnte, ist die Vor-
instanz befugt und verpflichtet, die zur Abklärung erforderlichen Informati-
onen einzuholen und die nötigen Anordnungen zu treffen. Diese können
bis zum Verbot der betreffenden Tätigkeit sowie zur Auflösung und Liqui-
dation eines Unternehmens reichen (Art. 37 Abs. 3 FINMAG; vgl. BGE 135
II 356 E. 3.1 und BGE 132 II 382 E. 4.2, je m.w.H.).
4.
Die Vorinstanz erhebt in der angefochtenen Verfügung den Vorwurf, der
Beschwerdeführer sei Teil einer Gruppe (im Folgenden: A._-
Gruppe) gewesen, bestehend aus A._, dem Beschwerdeführer und
B._ sowie der X._ AG und mehreren mit A._ in Ver-
bindung gebrachten Offshore-Gesellschaften, die ohne Bewilligung ge-
werbsmässig Effektenhandel betrieben und damit das Börsengesetz
schwer verletzt habe. Das Geschäftsmodell dieser Gruppe sei darauf aus-
gerichtet gewesen, das erstmalige Angebot von Penny-Stock Aktien auf
dem Primärmarkt zu überhöhten Preisen zu fördern und zu unterstützen.
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Die X._ AG sei offiziell auf die Bewertung von Unternehmen spezi-
alisiert gewesen, habe aber ihren Kunden für ein sogenanntes "Going
Public" ein ganzes Paket von Dienstleistungen angeboten, welches neben
administrativen Arbeiten beispielsweise auch die Erstellung von Börsen-
prospekten oder die Übernahme von Treuhanddienstleistungen beinhaltet
habe. Die erste Pilotkundin der X._ AG sei die Z._ AG ge-
wesen. Deren Gründer, D._, habe Z._-Aktien für einen sym-
bolischen Preis an A._ beziehungsweise dessen Y._ Ltd.
verkauft. Die Aktien seien auf Depots der Y._ Ltd. und der
X._ AG bei zwei ausländischen Finanzinstituten eingebucht und
dann mit Hilfe von Telefonvermittlern an eine Vielzahl von Anlegern ver-
kauft worden. Von November 2016 bis circa Februar 2017 seien die
Y._ Ltd. gegenüber Anlegern als Vertragspartnerin und Q._
Broker als Vermittlerin aufgetreten; von März 2017 bis September 2017
habe die Q._ (Dubai) die Rolle der Vertragspartnerin übernommen.
Gemäss den Angaben eines Anlegers gegenüber der FINMA hätten die
Verkäufer der Q._ Broker damit geworben, dass die Z._ AG
noch im Jahr 2017 an die Börse gehen würde. Die Z._ AG habe
Ende 2016 einen Emissionsprospekt publiziert und die (Neu-) Ausgabe von
4.9 Millionen Inhaberaktien zu Fr. 2.10 je Aktie zur Finanzierung ihrer Ge-
schäftsaktivitäten angekündigt, obwohl keine Kapitalerhöhung stattgefun-
den habe und folglich keine (neuen) Aktien zur Zeichnung hätten angebo-
ten werden können. Gegenüber Investoren sei dennoch suggeriert worden,
die Gelder aus den Aktienverkäufen würden hauptsächlich in die Gesell-
schaft investiert. Ab November 2016 bis September 2017 hätten die
Y._ Ltd. und die Q._ (Dubai) gestützt auf diese Vertriebs-
struktur innert Jahresfrist von mehreren hundert Anlegern Gelder von zu-
sammengerechnet 10.16 Mio. EUR für Z._-Aktien entgegenge-
nommen. Der von der X._ AG gemeldete Aktienkurs für Z._-
Aktien sei in diesem Zeitraum um 300% auf über Fr. 6.– je Aktie angestie-
gen, was sämtlichen Beteiligten bekannt gewesen sei, aber in keiner Weise
den Geschäftsgang der Gesellschaft widerspiegelt habe. Im Ergebnis
handle es sich um ein erstmaliges Angebot von (bestehenden) Effekten
unter dem Deckmantel einer Eigenemission. Diverse Anleger hätten
Z._-Aktien mit der versprochenen Aussicht auf einen baldigen Bör-
sengang erworben, der indessen nicht bevorstehe. Mangels Investitionen
in die Emittentin könnte der Anlegerschaden im zweistelligen Millionenbe-
reich liegen. Die Verwendung der Gelder aus den Z._-Aktienver-
käufen sei unklar, da ein Grossteil davon auf Treuhandkonten der
Y._ Ltd. und der Q._ (Dubai) im Ausland übertragen worden
sei.
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Seite 11
Der Beschwerdeführer habe im Juni 2016 eine Unternehmensbewertung
der Z._ AG erstellt und einen (Kapital-) Wert der Gesellschaft von
21.58 Mio. Fr. (Fr. 2.15 je Aktie) ermittelt. A._ und die Y._
Ltd. hätten im Zusammenhang mit dem Verkauf von Z._-Aktien in
den Räumlichkeiten der X._ AG Mitarbeiter beschäftigt, die das ge-
samte Vertragswesen erledigt und damit zumindest zeitweise faktisch eine
Zweigniederlassung der Y._ Ltd. betrieben hätten. Die X._
AG habe die Kundenbetreuung übernommen und während einer gewissen
Zeit selbst Aktienzertifikate der Z._ AG an Anleger ausgeliefert. Die
arbeitsteilige Vorgehensweise, die personellen und wirtschaftlichen Ver-
flechtungen zwischen der X._ AG, der Y._ Ltd. (später
Q._ [Dubai]), A._, dem Beschwerdeführer sowie B._
seien erstellt. Angesichts der umfangreichen Verkäufe von Z._-Ak-
tien sei von einer unterstellungspflichtigen gewerbsmässig erfolgten Emis-
sionshaustätigkeit der X._ AG sowie der mit ihr verbundenen Ge-
sellschaften und Personen auszugehen.
Der Beschwerdeführer habe eine faktische Organstellung bei der
X._ AG innegehabt. Er habe nicht lediglich eine beratende Funktion
auf Mandatsbasis ohne Mitspracherechte gehabt, vielmehr sei er als "Com-
pliance Officer" der X._ AG geführt und mit entsprechenden Hand-
lungs- und Vertretungsbefugnissen versehen gewesen und habe die Ge-
schäftsstrategie der X._ AG massgeblich mitbeeinflusst, insbeson-
dere in der Anfangsphase. Als Ideengeber und Compliance Officer habe er
dafür gesorgt, dass sein Sohn bei der X._ AG einsteigen und diese
für den illegalen Vertrieb von Aktien unter dem Deckmantel einer anerkann-
ten SRO habe nutzen können. Der Beschwerdeführer habe mit der
Z._ AG die erste Pilotkundin an die X._ AG vermittelt, unter
anderem am Businessplan der X._ AG mitgearbeitet und das Ge-
schäftsmodell um die sogenannte "Vorbereitungsphase", welche Machbar-
keitsstudien und Unternehmensbewertungen umfassten und von deren Er-
stellung er profitiert habe, erweitert. Er habe bei der X._ AG Com-
pliance-Aufgaben übernommen, am Businessplan mitgearbeitet und Un-
ternehmensbewertungen als Grundlage für "Kursmeldungen" erstellt. Zu-
dem habe er eine Praktikantin der X._ AG betreut und regelmässig
an Sitzungen des Verwaltungsrats teilgenommen. Entgegen seinen Aus-
führungen habe er damit die Geschäftsstrategie der X._ AG mass-
geblich mitbeeinflusst, womit ihm bis zu seinem Rücktritt eine faktische Or-
ganstellung zuerkannt werden müsse. Seinen Kontrollpflichten sei er in-
dessen nicht nachgekommen
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Seite 12
Der Beschwerdeführer bestreitet, dass er bei der X._ AG eine fak-
tische Organstellung eingenommen habe und dass er Aktien verkauft
habe. Zu Unrecht gehe die Vorinstanz davon aus, dass er als "Ideengeber"
der X._ AG gewirkt habe oder Teil der Organisation der X._
AG gewesen sei. Er sei lediglich auf Mandatsbasis tätig gewesen. Seine
Funktion habe sich auf jene des GwG-Verantwortlichen und Erbringers von
Beratungsdienstleitungen beschränkt. Die Bezeichnung "Compliance
Officer" sei gegenüber der Allgemeinheit nie verwendet worden. Er habe
bei der X._ AG weder über Entscheidungskompetenzen verfügt
noch die Willensbildung der Gesellschaft mitbestimmt. Die operativen Ent-
scheide seien B._ und seinem Sohn A._ überlassen gewe-
sen. Er habe zwar gewusst, dass der Eigentümer der Z._ AG,
D._, die Aktien zu einem grossen Teil an die Y._ Ltd. über-
tragen habe, nicht aber, dass die restlichen Aktien unter Zuhilfenahme aus-
ländischer Gesellschaften unkontrolliert verkauft worden seien. Erst im
Frühling 2017 habe er erfahren, dass Z._-Aktien durch internatio-
nale Vermittler Anlegern in grösserem Stil telefonisch zum Kauf empfohlen
worden seien. Vor allem A._ und gegebenenfalls B._ und
L._ hätten den Aktienvertrieb von Z._-Aktien entwickelt und
betreut. Er habe sich deshalb sofort mit Schreiben vom 15. April 2017 an
den Verwaltungsrat der Z._ AG gewandt und aufgrund der aus sei-
ner Sicht wirtschaftlich nicht gerechtfertigten Kurssteigerung der
Z._-Aktie eine Neubewertung des Unternehmens sowie einen Ver-
kaufsstopp von zusätzlichen Aktien der Z._ AG empfohlen und auch
an den vereinbarten Pilotversuch mit einer geringen Anzahl von Aktien er-
innert. Was letzteren angehe, hätten er und D._ mit E-Mail vom 20.
Juli 2016 eine in ihrer Ausgestaltung nicht dem Finanzmarktrecht unter-
stellte Platzierung von Z._-Aktien bei einigen wenigen Anlegern be-
sprochen. Gemäss den damaligen Informationen seines Sohnes hätten die
Konditionen von Marketingberatern im sog. Private-Equity-Umfeld bei rund
50% gelegen. Der Beschwerdeführer sei stets davon ausgegangen, dass
das Geld aus den Verkäufen in das Unternehmen investiert werde. Auch
sei er davon überzeugt gewesen, dass am Anfang nur als Test einige we-
nige Anleger angesprochen würden. Dagegen sei er nicht von einem mas-
senweisen Verkauf und einer dubiosen Absicht dahinter ausgegangen. Er
habe volles Vertrauen in seinen Sohn gehabt und sei daran interessiert
gewesen, die Z._ AG so rasch wie möglich an die Börse begleiten
zu dürfen. Mit einem minimalen Einstieg von 2 Millionen Aktien und der
Abgabe von zuerst 20% der Titel zu Fr. 2.– pro Stück hätten gesamthaft
Fr. 800'000.– den Anlegern zum Kauf angeboten werden sollen, bei einem
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Seite 13
durchschnittlichen Verkauf von Fr. 20'000.– pro Anleger wären dies 40 po-
tentielle Investoren gewesen. Genau diese Menge sei in der Planung zwi-
schen allen Beteiligten als sogenannter "Versuchstopf" vereinbart worden.
4.1 Wer als Effektenhändler tätig werden will, bedarf einer Bewilligung der
FINMA (Art. 10 Abs. 1 aBEHG i.V.m. Art. 17 ff. aBEHV). Effektenhändler im
Sinne des Gesetzes sind Eigenhändler, Emissionshäuser und Derivathäu-
ser, sofern sie hauptsächlich im Finanzbereich tätig sind (Art. 2 Abs. 1
aBEHV). Bei Emissionshäusern handelt es sich um Effektenhändler, die
gewerbsmässig Effekten, die von Drittpersonen ausgegeben worden sind,
fest oder in Kommission übernehmen und öffentlich auf dem Primärmarkt
anbieten (Art. 3 Abs. 2 aBEHV). Als Primärmarkt wird, in Abgrenzung zum
Sekundärmarkt, der Markt bezeichnet, in dem Effekten erstmals begeben
(emittiert) werden ("Emissionsmarkt"; BGE 136 II 43 E. 4.1; JEAN BAPTISTE
ZUFFEREY, in: Amstutz et al. [Hrsg.], Code des obligations II - Commentaire
romand, 2. Aufl. 2017, vor Art. 1156 N. 4; CHRISTIAN BOVET/ANNE HÉRITIER
LACHAT, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XV: Finanz-
marktaufsicht, 2016, S. 95 f.; Urteil des BGer 2C_1068/2017,
2C_1070/2017 vom 9. Oktober 2018 E. 2.3.1). Während somit auf dem
Primärmarkt neu emittierte Wertpapiere bei Anlegern platziert werden, fin-
det der anschliessende börsliche und ausserbörsliche Handel dieser Pa-
piere auf dem Sekundärmarkt statt (ANSGAR SCHOTT/PETER SESTER, in:
Sester/Brändli/Bartholet/Schiltknecht [Hrsg.], Finanzmarktaufsicht und Fi-
nanzmarktinfrastrukturen, 2018, § 22 Rz. 15).
4.2 Als bewilligungspflichtiges Emissionshaus gilt ein Akteur zum Vornhe-
rein nur, wenn er hauptsächlich im Finanzbereich tätig ist (Art. 2 Abs. 1
aBEHV). Seine geschäftlichen Aktivitäten im Finanzbereich müssen ge-
genüber allfälligen anderen Zwecken (industrieller oder gewerblicher Na-
tur) aufgrund der Würdigung aller Umstände deutlich überwiegen (BGE
136 II 43 E. 4.1; ZUFFEREY, a.a.O., vor Art. 1156 N. 23; PHILIPPE A. HU-
BER/PETER HSU, in: Basler Kommentar zum Börsengesetz, 2. Aufl. 2011,
Art. 2 Bst. d N. 25 ff.; BOVET/HÉRITIER LACHAT, a.a.O., S. 96 f.). Gewerbs-
mässig handelt, wer das Effektenhandelsgeschäft wirtschaftlich selbstän-
dig und unabhängig betreibt. Die Aktivität muss darauf ausgerichtet sein,
aus ihr regelmässige Erträge zu erzielen (BGE 136 II 43 E. 4.1; FINMA-
Rundschreiben 2008/5 Effektenhändler vom 20. November 2008 [im Fol-
genden: FINMA-RS 2008/5] Rz. 11 ff.; HUBER/HSU, a.a.O., Art. 2 Bst. d
N. 22), wobei die Realisation dieses Ziels nicht ausschlaggebend ist
(BOVET/HÉRITIER LACHAT, a.a.O., S. 98). Das Angebot ist öffentlich, wenn
B-5736/2018
Seite 14
es sich an unbestimmt viele Personen richtet (d.h. insbesondere durch In-
serate, Prospekte, Rundschreiben oder elektronische Medien verbreitet
wird, FINMA-RS 2008/5 Rz. 14 f.). Auch die Einschaltung eines professio-
nellen Vermittlers ist als öffentliche Werbung zu qualifizieren (Urteile des
BVGer B-1645/2007 vom 17. Januar 2008 E. 4.1.1 und B-4409/2008 vom
27. Januar 2010 E. 7.4).
4.3 Eine bewilligungspflichtige Aktivität kann praxisgemäss auch im Rah-
men einer Gruppe ausgeübt werden (vgl. BGE 136 II 43 E. 4.3.1 m.w.H.;
BENJAMIN BLOCH/HANS CASPAR VON DER CRONE, Begriff der Gruppe in Fäl-
len unbewilligter Effektenhändlertätigkeit, SZW 2010, S. 161 ff.; OLIVIER
HARI, Proportionnalité et surveillance consolidée: le cas de la mise en liqui-
dation par la FINMA de sociétés - membres d'un groupe - déployant sans
droit des activités soumises à autorisation, GesKR 2010, S. 88 ff.). Die Be-
willigungspflicht und die finanzmarktrechtliche Aufsicht sollen nicht dadurch
umgangen werden können, dass jedes einzelne Unternehmen bezie-
hungsweise die dahinterstehenden Personen für sich allein nicht alle Vo-
raussetzungen für die Unterstellungspflicht erfüllen, im Ergebnis aber
gemeinsam dennoch eine bewilligungspflichtige Tätigkeit ausüben. Der
Schutz des Marktes, des Finanzsystems und der Anleger rechtfertigt in
solchen Fällen trotz formaljuristischer Trennung der Strukturen finanz-
marktrechtlich eine einheitliche (wirtschaftliche) Betrachtungsweise, falls
zwischen den einzelnen Personen und/oder Gesellschaften enge wirt-
schaftliche (finanzielle/geschäftliche), organisatorische oder personelle
Verflechtungen bestehen und vernünftigerweise einzig eine Gesamtbe-
trachtung den faktischen Gegebenheiten und der Zielsetzung der Finanz-
marktaufsicht gerecht wird. Das Erfassen von bewilligungslos tätigen Inter-
mediären im Rahmen einer Gruppe mit den entsprechenden aufsichts-
rechtlichen Konsequenzen soll verhindern, dass Akteure, die in Umgehung
der finanzmarktrechtlichen Auflagen handeln, besser gestellt sind als die-
jenigen, die sich gesetzeskonform der Aufsicht der staatlichen Behörden
unterwerfen (vgl. BGE 136 II 43 E. 4.3.3). Ein gruppenweises Vorgehen
liegt nach der Rechtsprechung insbesondere dann vor, wenn die Be-
teiligten gegen Aussen als Einheit auftreten oder aufgrund der Umstände
davon auszugehen ist, dass koordiniert – ausdrücklich oder stillschwei-
gend – eine gemeinsame Aktivität im aufsichtsrechtlichen Sinn ausgeübt
wird (vgl. Urteil des BGer 2C_89/2010 vom 10. Februar 2011 E. 3.2;
BGE 136 II 43 E. 4.3, je m.w.H.). Ein blosses Parallelverhalten genügt nicht
für die Annahme, es werde gruppenweise gehandelt. Umgekehrt ist nicht
vorausgesetzt, dass eine gemeinsame Umgehungsabsicht besteht, da die
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_898%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-II-43%3Ade&number_of_ranks=0#page43 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_898%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-II-43%3Ade&number_of_ranks=0#page43 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_898%2F2010&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-II-43%3Ade&number_of_ranks=0#page43
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von der Gruppe ausgehende Gefahr nicht von den Intentionen der einzel-
nen Gruppenmitglieder abhängt (vgl. Urteil des BGer 2C_898/2010 vom
29. Juni 2011 E. 2.2 m.w.H.).
4.4 Das Bundesgericht und das Bundesverwaltungsgericht hatten schon
verschiedentlich Fälle zu beurteilen, in denen derartige Gruppen die Aktien
einer oder mehrerer der Gruppengesellschaften öffentlich angeboten ha-
ben. Typischerweise verfolgten die Gesellschaften, deren Aktien platziert
wurden, keine reale Geschäftstätigkeit, sondern ihr einziger Zweck be-
stand darin, dass ihre Aktien ein Verkaufsobjekt darstellten, das durch an-
dere Gruppengesellschaften veräussert werden konnte. Die vorgängigen,
gruppeninternen Erwerbsgeschäfte bezüglich dieser Aktien hatten keine
reale, wirtschaftliche Bedeutung, sondern erschienen vielmehr als Vorbe-
reitungshandlung im Hinblick auf das spätere öffentliche Angebot der Ak-
tien an gutgläubige Dritte, insbesondere etwa, um durch hohe "Markt-
preise" eine objektiv nicht vorhandene Werthaltigkeit vorzuspiegeln. Dem-
entsprechend wurden der anschliessende Verkauf an Dritte jeweils als Pri-
märmarktgeschäft und die Geschäftstätigkeit der Gruppe, soweit sie im
Wesentlichen aus derartigen Platzierungen bestand, als bewilligungspflich-
tige Emissionshaustätigkeit qualifiziert (BGE 136 II 43 E. 6.3; BGE 135 II
356 E. 4.3; Urteil 2C_898/2010 E. 2.3; Urteile des BVGer B-6250/2016,
B-1592/2017 vom 17. Dezember 2019 E. 4.3.6.2 [zur Publikation vorgese-
hen]; B-5657/2016 vom 5. Juni 2018 E. 5.1.2; B-8227/2007 vom 20. März
2009 E. 4.7; B-3776/2009 vom 7. Oktober 2010 E. 5.2 und B-7861/2008
vom 24. September 2009 E. 6.3).
4.5 Aus den Akten ergibt sich Folgendes:
4.5.1 Zwar waren weder der Beschwerdeführer noch sein Sohn,
A._, je formal Organe der X._ AG. A._ war jedoch
wirtschaftlich Berechtigter der U._ Ltd., Südafrika, der gemäss Ak-
tienregister vom 20. Juli 2017 zu jenem Zeitpunkt rund 49% der X._
AG gehörten. Der Beschwerdeführer seinerseits unterzeichnete am 29. Ja-
nuar 2016 einen "Arbeitsvertrag als SRO-Verantwortlicher" mit der
X._ AG sowie einen "Beratungsvertrag", gemäss welchem er als
externer Mitarbeiter auf Honorar-/Stundenbasis Unternehmensbewertun-
gen für die X._ AG vornehmen sollte. Nach den Aussagen der
X._ AG gegenüber den Untersuchungsbeauftragten agierten
A._ und der Beschwerdeführer in der Zeit von Januar 2016 bis Ja-
nuar 2017 als effektive Geschäftsführer der X._ AG. Allerdings stell-
ten die Untersuchungsbeauftragten verschiedene E-Mails fest, aus denen
B-5736/2018
Seite 16
hervorgeht, dass A._ auch nach dieser Zeit den Mitarbeiterinnen
der X._ AG Anweisungen im Zusammenhang mit der vorliegend re-
levanten Tätigkeit der X._ AG erteilte.
4.5.2 Die Z._ AG ist seit dem 24. September 2013 im Handelsre-
gister des Kantons (...) eingetragen und bezweckt die "Erbringung von (Be-
ratungs- und Management-) Dienstleistungen im Gesundheitswesen".
D._, der Gründer und damalige Alleinaktionär der Z._ AG,
vereinbarte mit der Y._ Ltd., Gibraltar, an der A._ wirtschaft-
lich berechtigt war, am 4. April 2016, dass D._ der Y._ Ltd.
2.5 Millionen der insgesamt 10 Millionen Inhaberaktien der Z._ AG
zum Nennwert von Fr. 0.01 pro Aktie übertrage und die Y._ Ltd. sich
als Gegenleistung zur Erbringung verschiedener Dienstleistungen zuguns-
ten der Z._ AG verpflichte, wobei die Y._ Ltd. sich dazu auch
geeigneter Dritter, insbesondere der X._ AG, bedienen könne. Un-
ter anderem waren folgende Dienstleistungen vereinbart: Optimierung der
Website und des Marktauftritts der Z._ AG, Sicherstellung vorbörs-
licher Kursmeldungen durch die X._ AG, Erstellung von Marketing-
unterlagen, Organisation von Roadshows und Investorentreffen, Überprü-
fung von Geldein- und ausgängen durch die X._ AG, Erstellung ei-
nes Bewertungsgutachtens und Verbriefung der Aktien. Weiter verpflich-
tete sich die Y._ Ltd. dazu, D._ 30% des Kaufpreises aus
dem Verkauf der ersten 500'000 dieser Aktien zu überweisen.
Im Juni 2016 erstellte der Beschwerdeführer eine Unternehmensbewer-
tung der Z._ AG, welche dieser einen Unternehmenswert von
21.58 Mio. Fr. beziehungsweise Fr. 2.15 pro Aktie attestierte. A._
überarbeitete den Webauftritt der Z._ AG, wobei auch ein Emissi-
onsprospekt aufgeschaltet wurde.
In der Folge beauftragte A._ die Q._ Broker, Dublin, mit der
Platzierung der Aktien. Wer wirtschaftlich hinter der Q._ Broker
stand, konnten die Untersuchungsbeauftragten nicht feststellen, doch fan-
den sie auf der Dropbox der X._ AG verschiedene Anleitungen für
Verkaufsgespräche der Vermittler von Q._ Broker.
Mit dem "Treuhand-Dienstleistungsvertrag" vom 22./24. August 2016 ver-
einbarten die X._ AG und D._, dass D._ seine
Z._-Aktien selbst oder via Marketingexperten veräussern werde
B-5736/2018
Seite 17
und die X._ AG mit der Zahlungsabwicklung und sonstigen Abwick-
lungsmassnahmen und der Überwachung zustande gekommener Aktien-
kaufverträge und Verträge mit den Marketingexperten beauftragt werde.
D._ verpflichtete sich zur Vergütung allfälliger (Bank-)Spesen; ein
Honorar der X._ AG für ihre Dienstleistungen war jedoch ausdrück-
lich nicht vorgesehen. Andererseits fanden die Untersuchungsbeauftragten
eine Abrechnungsliste bezüglich des Verkaufs von Z._-Aktien im
Zeitraum vom 27. Oktober 2016 bis 17. Februar 2017, aus der die Namen
der Anleger sowie die Zahl und der Stückpreis der von ihnen erworbenen
Z._-Aktien hervorgeht. Aus dieser Abrechnung geht auch hervor,
dass D._ von den Verkäufen bis Ende 2016 jeweils 15% sowie der
Beschwerdeführer und die X._ AG zusammen 10% erhielten. Ab
Januar 2017 betrug der Anteil von D._ 10% und derjenige des Be-
schwerdeführers und der X._ AG zusammen 5%. Der Anteil des
Beschwerdeführers und der X._ AG wurde offenbar hälftig geteilt,
so dass gemäss dieser Abrechnungsliste von den in jenem Zeitraum aus
dem Verkauf von Z._-Aktien erwirtschafteten Bruttoeinnahmen von
Fr. 2'689'533.08 ein Betrag von Fr. 94'567.16 an den Beschwerdeführer
floss.
Am 12. Januar 2017 schlossen die X._ AG und die Y._ Ltd.
einen "Treuhand-Dienstleistungsvertrag", mit welchem die Y._ Ltd.
die X._ AG mit der Verwaltung und Auslieferung der Z._-Ak-
tien und der Begleitung der Korrespondenz und der Kommunikation mit
sämtlichen Banken, Treuhändern, Anwälten, Aktionären und sonstigen
Dienstleistern durch die X._ AG sowie der Überprüfung sämtlicher
Aktienkaufverträge auf Vollständigkeit beauftragte, wobei ihr Aufwand mit
einer Pauschale von Fr. 2'500.– pro Monat sowie Fr. 100.– pro Aktienaus-
lieferung entschädigt werden sollte. Mit "Dienstleistungsvertrag" vom 13.
Februar 2017 zwischen den gleichen Parteien verpflichtete sich die
X._ AG, verschiedene Leistungen in Bezug auf die Organisation ei-
nes Investorenanlasses für die Z._ AG zu erbringen.
Weiter fanden die Untersuchungsbeauftragten einen Vertrag zwischen der
X._ AG und der R._ Bank, Deutschland, vom 10. Februar
2017. Gegenstand dieses Vertrags war die Übertragung von bis zu
1.500.000 Aktien der Z._ AG an rund 90 Investoren. In diesem Ver-
trag wird ausgeführt, die X._ AG sei Aktionärin der Z._ AG
und habe die in Frage stehenden Aktien an Investoren veräussert. Einen
Monat vorher hatte die R._ Bank eine Vertragsbeziehung mit der
B-5736/2018
Seite 18
Y._ Ltd. zum gleiche Zweck abgelehnt, weil sie bei ihren KYC-Re-
cherchen die Unterlassungsanweisung der Vorinstanz gegenüber
A._ gefunden hatte. Bei jener Anfrage hatte die Y._ Ltd. an-
gegeben, Eigentümerin der zu übertragenden Aktien zu sein.
Aktenkundig ist im Weiteren ein Vertrag zwischen der X._ AG und
der Q._ Broker vom 13. Juni 2017 über die "Kontribution und Ver-
arbeitung von Kursdaten der Z._ AG über anerkannte Marktdaten-
systeme", worin die X._ AG sich verpflichtete, wöchentlich die ge-
lieferten Kursdaten der Q._ Broker in die "Verarbeitung von Kurs-
daten über anerkannte Marktdatensysteme (VKM)" aufzunehmen. Die von
der X._ AG wöchentlich publizierten Kurse der Z._-Aktien
stiegen im Zeitraum November 2016 bis September 2017 auf über Fr. 6.–
je Aktie an. Verkauft wurden die Aktien dann zu einem Preis von umgerech-
net Fr. 3.– bis 4.–.
Gemäss den Feststellungen der Untersuchungsbeauftragten erstellen die
Mitarbeiter der X._ AG aufgrund einer elektronischen Vorgabe An-
legerverträge zwischen den von der Q._ Broker geworbenen Inves-
toren und der Y._ Ltd. beziehungsweise der Q._ (Dubai) als
Verkäuferinnen und unterzeichneten diese namens der jeweiligen Verkäu-
ferin. Nach der Unterzeichnung durch die jeweiligen Investoren und die
Überweisung des Kaufpreises auf ein Treuhandkonto eines deutschen
Rechtsanwalts lieferte die X._ AG die Aktienzertifikate der
Z._ AG an die Investoren aus. Im Zeitraum November 2016 bis
September 2017 überwiesen so mehrere hundert Anleger insgesamt 10.16
Mio. EUR auf die Konten der Y._ Ltd. beziehungsweise der
Q._ (Dubai).
4.6 Wie dargelegt, wird nach der Rechtsprechung insbesondere in Fällen
von illegalem Effektenhandel ein gruppenweises Vorgehen typischerweise
dann bejaht, wenn aufgrund der Umstände davon auszugehen ist, dass die
Beteiligten koordiniert – ausdrücklich oder stillschweigend – eine gemein-
same Aktivität im aufsichtsrechtlichen Sinn ausgeübt haben (vgl. E. 4.3
hiervor). Im vorliegenden Fall sind insbesondere wegen der bestimmenden
Rolle von A._ bei der Y._ Ltd. und der X._ AG sowie
wegen der Backoffice-Tätigkeiten der Mitarbeitenden der X._ AG,
die sie nicht nur für und im Namen der X._ AG, sondern auch im
Namen der Z._ AG, der Y._ Ltd., der Q._ (Dubai) so-
B-5736/2018
Seite 19
wie der Q._ Broker erbrachten, die für eine Gruppe im aufsichts-
rechtlichen Sinn typischen engen wirtschaftlichen, organisatorischen oder
personellen Verflechtungen zu bejahen.
Formal gesehen handelte es sich im vorliegenden Fall zwar um einen Ver-
kauf von bereits drei Jahre vorher gezeichneten Aktien auf dem Sekundär-
markt. Indessen wurde durch die von der X._ AG publizierten Kurse
eine objektiv nicht vorhandene Werthaltigkeit der Aktien vorgespiegelt, was
es der Y._ Ltd. beziehungsweise der Q._ Broker ermög-
lichte, die Aktien zu Phantasiepreisen an gutgläubige Dritte zu verkaufen.
Diese Art der Platzierung ist nach der dargelegten Rechtsprechung als
Platzierung auf dem Primärmarkt einzustufen (vgl. E. 4.4 hiervor).
Weiter wurde mit der Q._ Broker eine professionelle Vermittlerin
eingesetzt, welche durch cold calls eine unbestimmte Anzahl von potenti-
ellen Anlegern kontaktierte. Praxisgemäss ist diese Art der Werbung als
öffentliches Angebot zu qualifizieren (vgl. E. 4.2 hiervor).
Die Einnahmen der gesamten Gruppe aus der Platzierung der Z._-
Aktien im Zeitraum November 2016 bis September 2017 betrugen insge-
samt 10.16 Mio. EUR. Ob die Y._ Ltd., die Q._ (Dubai) oder
die Q._ Broker auch aus anderen Tätigkeiten als aus dem Verkauf
von Effekten Einnahmen erzielten, konnten die Untersuchungsbeauftrag-
ten nicht feststellen, da diese Gesellschaften Sitz im Ausland haben und
nicht in die Untersuchung einbezogen werden konnten, doch hat der Be-
schwerdeführer dies auch gar nicht geltend gemacht. Nach den Feststel-
lungen der Untersuchungsbeauftragten betrugen die monatlichen Gesamt-
einnahmen der X._ AG rund Fr. 30'000.– bis Fr. 40'000.–. Darin ent-
halten war einerseits die Entschädigung der Y._ Ltd. beziehungs-
weise der Q._ (Dubai) für die Backoffice-Tätigkeit der X._
AG von anfänglich Fr. 2'500.–, die aufgrund des grossen Arbeitsaufwands
später erhöht wurde, sowie vor allem die Gebühren, welche die X._
AG von der Q._ Broker und verschiedenen anderen Kunden für die
wöchentlichen Kurspublikationen einnahm. All diese Einnahmen stammten
somit aus Tätigkeiten, welche nach dem Gesagten als Unterstützungstä-
tigkeiten im Gesamtkontext des Verkaufs von Aktien einzustufen sind. Alle
diese juristischen Personen der A._-Gruppe waren somit haupt-
sächlich im Finanzbereich tätig und ihre Aktivität war darauf ausgerichtet,
regelmässige Erträge zu erzielen. Die in Frage stehende Platzierung von
Aktien durch die A._-Gruppe erfolgte somit gewerbsmässig.
B-5736/2018
Seite 20
4.7 Im Sinne eines Zwischenfazits ist somit festzuhalten, dass die
Vorinstanz zutreffend davon ausgegangen ist, dass die A._ -
Gruppe ohne Bewilligung eine bewilligungspflichtige Emissionshaustätig-
keit ausgeübt hat. Zur prüfen ist indessen in der Folge, ob die Vorinstanz
den Beschwerdeführer zu Recht dieser Gruppe zugeordnet hat.
4.8 Laut dem "Arbeitsvertrag als SRO Verantwortlicher" sollte der Be-
schwerdeführer als Kontrollorgan in die X._ AG eintreten und die
vorgegebenen Richtlinien intern und extern überprüfen und einhalten. Der
Beschwerdeführer wurde in der Folge von den Mitarbeitern der X._
AG "Compliance Officer" bezeichnet, wie das Protokoll der Verwaltungs-
ratssitzung vom 15. Februar 2017 und der Internetauftritt zeigt. Auch der
Beschwerdeführer selbst bezeichnete sich in Schreiben der X._ AG
als "Compliance Officer", wie aus verschiedenen von ihm zwischen Okto-
ber 2016 und Juni 2017 unterzeichneten Schreiben, insbesondere auch
gegenüber Banken und der Vorinstanz, hervorgeht.
In seiner Aufstellung vom 13. Juni 2017 verrechnete der Beschwerdeführer
der X._ AG gestützt auf den Mandatsvertrag 115 Beratertage für
den Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis 30. Juni 2017, unter anderem für die
Definition der Aufbau- und Ablauforganisation sowie die strategische und
operative Planung im Businessplan, die Konzeption von Grund auf und
ohne Angaben und Unterlagen seitens der X._ AG, für die Definition
des Marktauftritts, für interne Arbeiten sowie für die Teilnahme an Sitzun-
gen, Bankenbesuche und die Strategieabstimmung.
Anlässlich der Einvernahme durch die Kantonspolizei Zürich am (...) De-
zember 2016 gab der Beschwerdeführer an, nicht A._ sei der "geis-
tige Vater" der X._ AG gewesen, sondern es sei "ein brainstorming
zwischen Vater und Sohn" gewesen. Für die operative Umsetzung dieser
Idee hätten B._ als Verwaltungsrat und er selbst als Compliance,
als assoziiertes Unternehmen, die Verantwortung getragen.
Die verantwortungsvolle Stellung des Beschwerdeführers innerhalb der
X._ AG und seine Nähe zu diesem Unternehmen ergibt sich weiter
daraus, dass er anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung
vom 23. März 2016 als Vorsitzender im Namen des Verwaltungsrats die
Sitzung leitete, an welcher der Präsident und Delegierte des Verwaltungs-
rats sowie die Mitglieder des Verwaltungsrats gewählt wurden, und dass er
der X._ AG während mehreren Monaten ein Bank-Konto seiner Ein-
zelunternehmung zur Abwicklung ihrer Geschäftstätigkeit zur Verfügung
B-5736/2018
Seite 21
stellte, wobei er die Verfügungsmacht über das Konto und damit über die
darauf ein- und ausgehenden Gelder der X._ AG behielt.
4.9 Ob der Beschwerdeführer faktisch und damit auch rechtlich als Organ
der X._ AG anzusehen war, kann indessen letztlich offenbleiben, da
er nicht nur aufgrund einer allfälligen faktischen Organstellung bei der
X._ AG, sondern auch aus anderen Gründen als wesentlicher Ak-
teur der Gruppe anzusehen ist:
4.10 Relevant in diesem Zusammenhang erscheint insbesondere die Kor-
respondenz zwischen dem Beschwerdeführer und D._. Die
X._ AG hatte D._ mit Schreiben vom 19. Juli 2016 drei ver-
schiedene Offerten für die Vermittlung von "Marketingprofis" für die Platzie-
rung seiner Aktienanteile unterbreitet. Gemäss dem Wortlaut dieser Offerte
war bei Option "1. Expressmarketing" folgende Regelung vorgesehen:
- "Übernahme der Kosten durch die Marketingfirma:
- Firmenmutationen
- Gestaltung der Webseite
- Dematerialisierung der Globalurkunde
- Vermittlung von Investoren
Mit der Übernahme der Kosten von ca. CHF 30'000.00 muss ein privates Ak-
tienpaket von mind. 2 Millionen Aktien zur freien Platzierung durch das Mar-
ketingbüro zur Verfügung gestellt werden. Die Marketingkosten betragen in
diesem Fall 70% pro Aktie. Die Massnahmen werden in den nächsten 14 Ta-
gen umgesetzt."
Mit E-Mail vom 20. Juli 2016 an D._ bezog sich der Beschwerde-
führer auf diese Offerten und führte aus:
"Ich war heute praktisch den ganzen Morgen mit A._ zu diesem Thema
zusammen. Nach langen Beratungsgesprächen sind wir uns als Deine Partner
einig, welche Variante wir favorisieren würden. Der Entscheid jedoch liegt
ganz allein bei Dir. Unsere Wahl fiel auf die Variante 1 Expressmarketing. Dies
obwohl uns auf den ersten Blick die 70% Marge für den Verkauf als sehr hoch
erscheint. Wir rechneten bekanntlich mit 50% in unserem Geschäftsmodell.
Dies unabhängig eines bestimmten Kunden. Warum wir diese Variante wäh-
len, liegt einerseits an der Qualität des Verkäufers oder besser dessen Ver-
netzung und Mannschaft. A._ brauchte lange, um ihn von der
Z._ AG und uns zu überzeugen. Auch haben diese Verkäufer einen
sehr guten Namen im internationalen Umfeld. Man kennt sich eben. Darum
ein so hoher Preis. Mit dem minimalen Einstieg von 2 Mio. Aktien werden in
einem ersten Paket 20% der Aktien zu diesen Konditionen abgegeben. Diese
werden preislich auf den gewünschten untersten Preis von CHF 2.00 pro Aktie
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Seite 22
fixiert. Somit verbleiben netto CHF 1.2 Mio. bei Dir. Wir würden uns mit unse-
ren 20% auch gern an diesem Paket beteiligen. Dies als Solidaritätsakt und
auch aus Überzeugung."
Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass diese Korrespondenz be-
legt, dass der Beschwerdeführer bereits im Juli 2016, vor Beginn der Plat-
zierungen, konkret wusste, dass mindestens 2 Millionen der Z._-
Aktien zu einem Preis von Fr. 2.– oder mehr pro Aktie verkauft werden soll-
ten und dass dabei professionelle (Telefon-) Verkäufer zum Einsatz kom-
men würden, die rund 70% der Bruttoerlöse aus den Aktienverkäufen ab-
schöpfen würden. Die E-Mail des Beschwerdeführers indiziert weiter, dass
er sich in diesem Zeitpunkt als wirtschaftlich mitberechtigt an den 2 Millio-
nen Aktien der Z._ AG, entsprechend einem Anteil von 20% am Ak-
tienkapital, ansah, die D._ gestützt auf den Vertrag vom 4. April
2016 der Y._ Ltd. veräussert hatte.
4.11 Weiter fanden die Untersuchungsbeauftragten Abrechnungslisten be-
züglich des Verkaufs von Z._-Aktien im Zeitraum vom 20. Novem-
ber 2016 bis 19. Dezember 2016 sowie vom 27. Oktober 2016 bis 17. Feb-
ruar 2017, aus denen die Namen der Anleger sowie die Zahl und der Stück-
preis der von ihnen erworbenen Z._-Aktien hervorgeht. Aus diesen
Abrechnungen geht hervor, dass die Marketingkosten bis Ende 2016 75%
des Bruttoverkaufsertrags betrugen. Bezüglich der Verteilung des Nettoer-
löses geht aus der einen dieser Abrechnungen hervor, dass D._
von den Verkäufen bis Ende 2016 jeweils 15% sowie der Beschwerdefüh-
rer und die X._ AG zusammen 10% erhielten. Ab Januar 2017 be-
trug der Anteil von D._ 10% und derjenige des Beschwerdeführers
und der X._ AG zusammen 5%, was auf Marketingkosten von 85%
in dieser Phase hindeutet. Der Anteil des Beschwerdeführers und der
X._ AG wurde offenbar hälftig geteilt, so dass gemäss dieser Ab-
rechnungsliste von den im Zeitraum vom 27. Oktober 2016 bis 17. Februar
2017 aus dem Verkauf von Z._-Aktien erwirtschafteten Bruttoein-
nahmen von Fr. 2'689'533.08 ein Betrag von Fr. 94'567.16 an den Be-
schwerdeführer floss.
4.12 Aktenkundig ist zum anderen eine E-Mail von A._ vom 1. März
2017 zuhanden des Beschwerdeführers und D._, in welcher er aus-
führte:
"Zu der Abrechnung nehme ich wie folgt Stellung:
B-5736/2018
Seite 23
D._: Gemäss Deiner Abrechnung vom Sonntag, 27.02.2017 bekommst
Du noch einen Restbetrag von CHF 263'668.37. Ich akzeptiere die Abrech-
nung. Bitte sende mir den entsprechenden Vertrag zu für die Auszahlung. Die
restlichen 49'055 Aktien kannst Du nach Erhalt des Guthabens übertragen.
C._: Gemäss dem Gespräch mit Dir, willst Du 25% von dem, was der
D._ bekommt. Du hast aber nicht 500'000 Aktien eingelegt, sondern
250'000 Aktien. Also der Betrag von D._ geteilt durch 2. Korrigier mich,
wenn ich einen Denkfehler mache. Davon 25% = 166'489.80. Bereits erhalten:
50'156.65. Restbetrag: 116'333.15. Die restlichen 20'439 (25%) Aktien kannst
Du nach Erhalt des Guthabens übertragen. Bitte sende mir den entsprechen-
den Vertrag zur Auszahlung."
Diese E-Mail zeigt, dass der Beschwerdeführer im internen Verhältnis als
Eigentümer eines Teils der verkauften Z._-Aktien angesehen und
ihm bei der Verteilung der darauf entfallende Anteil am Nettoerlös zugeteilt
wurde. Wann, von wem und zu welchem Preis der Beschwerdeführer diese
Z._-Aktien erworben hatte, ergibt sich aus den Akten nicht und wird
von ihm auch nicht erklärt.
4.13 Aus diesen E-Mails und Abrechnungen ergibt sich somit, dass der Be-
schwerdeführer bei der Anbahnung und Durchführung der Verkäufe der
Z._-Aktien die wesentliche Kontaktperson zwischen der X._
AG und A._ einerseits und D._ andererseits war, sowie,
dass er bei der internen Verteilung der Nettoerlöse einen erheblichen Anteil
erhielt. Sowohl der Vergleich des im internen Verhältnis vorgängig bezahl-
ten Preises von Fr. 0.01 pro Aktie mit den durch die X._ AG publi-
zierten Kursen und den gestützt darauf von gutgläubigen Dritten bezahlten
Preisen wie auch die bezahlten Verkaufsprovisionen von 70%, 75%, und
ab Januar 2017 offenbar sogar 85%, zeigen klar, dass ein eklatantes Miss-
verhältnis zwischen den erzielten Verkaufspreisen und dem inneren Wert
der Z._-Aktien bestand. Gemäss der Rechtsprechung des Bundes-
gerichts und des Bundesverwaltungsgerichts ist darin eines der entschei-
denden Tatbestandsmerkmale zu sehen, welche zu einer Qualifikation der-
artiger Verkäufe von Aktien als Platzierung auf dem Primärmarkt führen
(vgl. E. 4.4. hiervor).
Aus den dargelegten Belegen ergibt sich somit eindeutig, dass der Be-
schwerdeführer – entgegen seiner eigenen Behauptungen – von diesen
entscheidenden Sachverhaltsumständen nicht nur von Anfang an Kenntnis
hatte, sondern dass er die in Frage stehenden Verkaufsaktivitäten aktiv
mitinitiierte und am Gewinn aus dem Verkauf der Z._-Aktien in nicht
unerheblichem Ausmass partizipierte.
B-5736/2018
Seite 24
4.14 Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz davon aus-
gegangen ist, der Beschwerdeführer sei Teil der A._-Gruppe, die
ohne Bewilligung gewerbsmässig eine Emissionshaustätigkeit ausgeübt
und damit das Börsengesetz schwer verletzt habe.
5.
Der Beschwerdeführer rügt weiter die ihn betreffende Veröffentlichung der
Unterlassungsanweisung (Ziff. 6 und 7 des Dispositivs) für die Dauer von
3 Jahren nach Eintritt der Rechtskraft auf der Internetseite der Vorinstanz.
Er macht geltend, er habe sich keine schwere Verletzung aufsichtsrechtli-
cher Bestimmungen zu Schulden kommen lassen, weshalb die Mass-
nahme absolut unverhältnismässig sei. Er sei 62 Jahre alt und geniesse
einen hervorragenden Ruf. Er sei weder vorbestraft, noch weise er Betrei-
bungsregistereinträge auf. Er habe weder eine finanzmarktrechtliche Aus-
bildung noch sei er mit finanzmarktrechtlich unterstellungspflichtigen Tätig-
keiten in Berührung gekommen, ausgenommen mit Fragen der Geldwä-
schereiprävention. Seine Involvierung mit der erfolgten Beratung der
X._ AG in finanzmarktnahen Tätigkeiten sei die bisher einzige in
seinem Leben gewesen und werde es auch bleiben. Bereits das vorlie-
gende Verfahren habe auf ihn eine äussert abschreckende Wirkung. Der
gute Ruf sei für ihn sein Ein und Alles. Die Publikation würde einen schwe-
ren, nicht wiedergutzumachenden Nachteil für sein berufliches Fortkom-
men darstellen, die in keinem Verhältnis zu einer möglichen Beeinträchti-
gung der Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte, mithin des Publikums und
von Anlegern, stünde. Daher sei sie offensichtlich unverhältnismässig.
Die Vorinstanz legt ihrerseits dar, der Beschwerdeführer habe insbeson-
dere in der Anfangsphase bei der X._ AG eine wichtige Rolle über-
nommen und als Ideengeber und Compliance Officer dafür gesorgt, dass
sein Sohn bei der X._ AG habe einsteigen und diese für den illega-
len Vertrieb von Aktien unter dem Deckmantel einer anerkannten SRO
habe nutzen können. Der Beschwerdeführer habe die Geschäftsstrategie
der X._ AG massgeblich mitbeeinflusst, womit ihm bis zu seinem
Rücktritt eine faktische Organstellung zuerkannt werden müsse. Seinen
Kontrollpflichten sei er indessen nicht nachgekommen. Auch wenn der Be-
schwerdeführer nicht selbst ins operative Geschäft involviert gewesen sein
wolle, so habe er von den Aktivitäten und der Rolle der X._ AG bei
der Vertragsabwicklung von Z._-Aktien Kenntnis gehabt, welche er
jedoch nie überprüft habe und wogegen er auch nie eingeschritten sei. Die
B-5736/2018
Seite 25
Unternehmensbewertungen hätten den Beteiligten als willkommene Recht-
fertigung für überhöhte Kursmeldungen gedient; ohne die Mitwirkung des
Beschwerdeführers beim "Going Public" der Z._ AG wäre es sei-
nem Sohn A._ denn auch kaum gelungen, innert weniger Monate
Aktien im vermeintlichen Gegenwert von über 10 Mio. EUR an Privatanle-
ger zu veräussern. Es handle sich um eine kontinuierliche beziehungs-
weise wiederholte Verletzung finanzmarktrechtlicher Pflichten in erhebli-
chem Umfang. Die Beteiligung des Beschwerdeführers im dargestellten
Umfang sei als schwere Verletzung von aufsichtsrechtlichen Bestimmun-
gen zu qualifizieren, auch wenn seine Rolle im Vergleich zu A._ ins-
gesamt als weniger bedeutend einzustufen sei.
5.1 Das Verbot der Ausübung einer bewilligungspflichtigen Tätigkeit ohne
Bewilligung und der entsprechenden Werbung gilt bereits von Gesetzes
wegen. Soweit die Vorinstanz gegenüber dem Beschwerdeführer eine ent-
sprechende Unterlassungsanweisung verfügt hat, wird ihm lediglich in Er-
innerung gerufen, was bereits von Gesetzes wegen gilt. Gemäss ständiger
Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts
handelt es sich daher dabei nicht um eine eigenständige Massnahme, son-
dern lediglich um eine Warnung beziehungsweise Ermahnung. Das Bun-
desgericht erachtet eine derartige Unterlassungsanweisung gegenüber na-
türlichen Personen oder gegenüber den verantwortlichen Organen einer
juristischen Person, bezüglich derer rechtskräftig festgestellt worden ist,
dass sie unbewilligt einer nach einem Finanzmarktgesetz bewilligungs-
pflichten Tätigkeit nachgegangen ist, als reine "Reflexwirkung" dieser ille-
galen Aktivität (BGE 135 II 356 E. 5.1 m.H.). Die Anforderungen an die An-
ordnung eines derartigen Verbots sind daher gering (Urteile des BVGer
B-2723/2011 vom 24. April 2012 E. 7; B-2311/2010 vom 22. Oktober 2010
E. 5.3).
5.2 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz die entsprechende Unterlas-
sungsanweisung indessen – offensichtlich versehentlich – unpräzise for-
muliert, indem sie den Beschwerdeführer unter anderem angewiesen hat,
"jegliche finanzmarktrechtlich bewilligungspflichtige Tätigkeit unter jegli-
cher Bezeichnung selbst oder über Dritte sowie die entsprechende Wer-
bung in irgendeiner Form zu unterlassen...", ohne dabei zu präzisieren,
dass damit nur eine ohne Bewilligung erfolgende Ausübung bewilligungs-
pflichtiger Tätigkeiten gemeint ist. Diese Formulierung ist daher zu korrigie-
ren (vgl. Urteil des BGer 2C_92/2019 vom 31. Januar 2020 E. 6.1 [zur Pub-
likation vorgesehen]).
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Seite 26
5.3 In Anwendung von Art. 34 Abs. 1 FINMAG kann die Vorinstanz ihre
Endverfügung nach Eintritt der Rechtskraft unter Angabe von Personenda-
ten in elektronischer oder gedruckter Form veröffentlichen, wenn eine
schwere Verletzung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen vorliegt. Die Ver-
öffentlichung ist in der Verfügung selber anzuordnen (Art. 34 Abs. 2 FIN-
MAG). Die Veröffentlichung gemäss Art. 34 FINMAG ist eine verwaltungs-
rechtliche Sanktion und bezweckt als solche eine abschreckende und ge-
neralpräventive Wirkung. Sie stellt einen wesentlichen Eingriff in die Per-
sönlichkeitsrechte der Betroffenen dar. Eine derartige verwaltungsrechtli-
che Massnahme setzt eine Verletzung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen
von einer gewissen Schwere voraus und muss im Einzelfall verhältnismäs-
sig sein. Eine einmalige, punktuelle und untergeordnete Verletzung finanz-
marktrechtlicher Pflichten genügt hierfür nicht (Urteile des BGer
2C_671/2014 vom 18. Dezember 2014 E. 3.3.2; 2C_122/2014 vom 19. Juli
2014 E. 6.1; 2C_30/2011 vom 12. Januar 2012 E. 5.2.1 sowie
2C_929/2010 vom 13. April 2011 E. 5.2.1). Die Regelungszwecke des Fi-
nanzmarktgesetzes – die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Finanz-
märkte (Funktionsschutz) einerseits und die Gewährleistung des Schutzes
der Gläubiger, der Anleger und der Versicherten andererseits (Individual-
schutz) – müssen die Sanktion rechtfertigen und die dem Betroffenen dar-
aus entstehenden Nachteile in seinem wirtschaftlichen Fortkommen mit
Blick auf die Schwere der aufsichtsrechtlichen Verletzung überwiegen (Ur-
teile des BGer 2C_860/2017 vom 5. März 2018 E. 8.2; 2C_894/2014
E. 8.1, m.w.H.).
5.4 Der weitaus häufigste Anwendungsfall in der Praxis ist die Publikation
rechtskräftig verfügter Unterlassungsanweisungen gegenüber Personen,
welche ohne Bewilligung eine bewilligungspflichtige Tätigkeit ausgeübt ha-
ben (URS ZULAUF/DAVID WYSS/ KATHRIN TANNER/MICHEL KÄHR/CLAUDIA M.
FRITSCHE/PATRIC EYMANN/ FRITZ AMMANN, Finanzmarktenforcement,
2. Aufl. 2014, S. 234). Dabei wird nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung bei einer unerlaubten Vornahme einer bewilligungspflichtigen Tätig-
keit regelmässig bereits schon von der Sache her von einer gewissen
Schwere der Verletzung ausgegangen, die zum Schutz des Publikums eine
Veröffentlichung grundsätzlich rechtfertigt, sofern eine Wiederholungsge-
fahr nicht ausgeschlossen werden kann (Urteile des BGer 2C_92/2019
E. 6.1, 2C_30/2011 E. 5.2.2 und 2C_122/2014 E. 6.1). Die Umstände des
Einzelfalles, wie etwa eine bloss untergeordnete Implikation oder beson-
dere Umstände, die darauf hinweisen, dass es künftig zu keiner weiteren
Verletzung finanzmarktrechtlicher Pflichten kommen wird ("tätige Reue")
sind in Anwendung des Opportunitätsprinzips und der Verhältnismässigkeit
B-5736/2018
Seite 27
zu berücksichtigen und könnten einer Publikation allenfalls entgegenste-
hen (vgl. Urteile des BGer 2C_92/2019 vom E. 6.1; 2C_359/2012 vom
1. November 2012 E. 3.2; 2C_71/2011 vom 26. Januar 2012 E. 5.3;
2C_543/2011 vom 12. Januar 2012 E. 5.2 und 2C_929/2010 E. 5.2.1; Urteil
des BVGer B-5657/2016 E. 8.2; PETER CH. HSU/RASHID BAHAR/DANIEL
FLÜHMANN, in: Watter/Bahar [Hrsg.], Basler Kommentar zum Finanzmarkt-
aufsichtsgesetz, 3. Aufl. 2019, Art. 34 N. 14b).
5.5 Vorliegend ist, wie dargelegt, die Feststellung der Vorinstanz, dem Be-
schwerdeführer sei eine wesentliche individuelle Mitverantwortung an der
unbewilligten Tätigkeit der A._-Gruppe vorzuwerfen, nicht zu bean-
standen (vgl. E. 4 hiervor). Die wesentliche Mitverantwortung an einer un-
erlaubten Vornahme einer bewilligungspflichtigen Tätigkeit ist praxisge-
mäss als schwere Verletzung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen einzustu-
fen.
5.6 Wie die Untersuchungsbeauftragten feststellten, nahm die A._-
Gruppe allein durch den Verkauf der Z._-Aktien an mehrere hundert
Anleger insgesamt 10.16 Mio. EUR ein. In welchem Ausmass der Be-
schwerdeführer persönlich von diesen Aktivitäten profitiert hat, bevor die
Gruppentätigkeit durch die Vorinstanz unterbunden wurde, ist nicht ab-
schliessend erstellt. Ob die Beträge von Fr. 166'489.80 und Fr. 94'567.16,
die sich aus dem bereits dargelegten E-Mail von A._ vom 1. März
2017 beziehungsweise aus der Abrechnung für den Zeitraum vom 27. Ok-
tober 2016 bis 17. Februar 2017 ergeben, kumulativ zu verstehen sind, ist
nicht restlos klar. Aktenkundig ist weiter, dass A._ im Zeitraum vom
21. Dezember 2017 bis 30. Juli 2018 unter dem Transaktionstext "Verkauf
Z._-Aktien" insgesamt EUR 135'000.– auf das Konto des Be-
schwerdeführers bei der O._ Bank überwies, doch bestreitet der
Beschwerdeführer, dass es sich dabei um seinen Anteil an den Erlösen aus
Verkäufen von Z._-Aktien an Dritte gehandelt habe. Mit der Summe
der Bruttoeinnahmen der A._-Gruppe durch den Verkauf der
Z._-Aktien von insgesamt 10.16 Mio. EUR korreliert indessen ein
entsprechender Vermögensschaden der betroffenen Anleger, welche die
Aktien der Z._ AG kauften, die, wie spätestens der zwischenzeitlich
eröffnete summarische Konkurs zeigt, nicht werthaltig waren. Bei der Frage
des persönlichen Verschuldens des Beschwerdeführers ist insofern nicht
nur sein eigener Gewinn, sondern auch der sehr viel grössere Schaden für
diese Anleger zu berücksichtigen. Angesichts der beruflichen Qualifikation
des Beschwerdeführers kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen,
dass er sich des eklatanten Missverhältnisses zwischen dem wahren Wert
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Seite 28
der Aktien und dem verlangten und erzielten Verkaufspreis bewusst war
und daher für ihn vorhersehbar war, dass eine grosse Zahl von Anlegern in
erheblichem Umfang geschädigt werden würde. Die Verkäufe der
Z._-Aktie fanden im Zeitraum vom November 2016 bis zum Sep-
tember 2017 statt. Es handelte sich damit nicht um eine einmalige, punk-
tuelle und untergeordnete Verletzung finanzmarktrechtlicher Pflichten.
Hinzu kommt, dass die Vorinstanz bereits im Jahr 2015 gegenüber
A._ eine Unterlassungsanweisung veröffentlicht hatte und er offen-
bar im Februar 2017 wegen Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug
verurteilt wurde. Sein Vater, der Beschwerdeführer, hätte daher jeden An-
lass gehabt, in Bezug auf eine mögliche Illegalität der in Frage stehenden
Verkaufsaktivitäten besonders sensibilisiert zu sein.
5.7 Zwar wiegt das Verschulden des Beschwerdeführers nicht so schwer
wie dasjenige von A._, der als der Hauptverantwortliche der
A._-Gruppe anzusehen ist. Die Vorinstanz hat dies berücksichtigt,
indem sie die Dauer der Publikation der Unterlassungsanweisung gegen-
über dem Beschwerdeführer auf ihrer Webseite auf drei Jahre begrenzt
und damit eine kürzere Dauer als bei A._ vorgesehen, womit sie
der im Vergleich zu A._ insgesamt weniger bedeutenden Rolle des
Beschwerdeführers angemessen Rechnung getragen hat.
Von einer bloss untergeordneten Implikation des Beschwerdeführers kann
indessen, wie dargelegt, keine Rede sein. Auch liegen keine besonderen
Umstände im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ("tätige
Reue") vor, die darauf hinweisen würden, dass es künftig zu keiner weite-
ren Verletzung finanzmarktrechtlicher Pflichten kommen wird.
5.8 Angesichts der dargelegten Umstände überwiegt das öffentliche Inte-
resse an einem effektiven Schutz potentieller zukünftiger Anleger die pri-
vaten Interessen des Beschwerdeführers klar. Die verfügte Publikations-
dauer von drei Jahren nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils
erscheint nicht als unverhältnismässig lang und ist daher nicht zu bean-
standen.
6.
Der Beschwerdeführer beantragt schliesslich, die angefochtene Verfügung
sei auch insofern aufzuheben, als die Vorinstanz ihm den auf die
A._-Gruppe entfallenden Anteil der Kosten der Untersuchungsbe-
auftragten und deren Verfahrenskostenanteil solidarisch mitauferlegt hat
(Ziffern 24 und 25).
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Seite 29
Zu den Kosten der Untersuchungsbeauftragten führt die Vorinstanz in der
angefochtenen Verfügung aus, die bis zum Erlass der Verfügung angefal-
lenen Gesamtkosten der eingesetzten Untersuchungsbeauftragten von
Fr. 124'653.85 seien angesichts der vorgefundenen Verhältnisse sowie der
Komplexität der Beteiligungs- und Organisationsstrukturen verhältnismäs-
sig. Aufgrund der beurteilten Sachverhalte, welche teils nicht sämtlichen
Parteien zugerechnet werden könnten, rechtfertige es sich, soweit möglich
eine entsprechende Kostenausscheidung vorzunehmen. Dementspre-
chend entfielen Fr. 64'000.– auf die A._-Gruppe, bestehend aus der
X._ AG, B._, A._ und dem Beschwerdeführer, je in
solidarischer Haftung. Auch die Verfahrenskosten seien entsprechend auf-
zuteilen, so dass Fr. 44'000.– auf die A._-Gruppe entfielen.
6.1 Die Kosten eines von der Vorinstanz eingesetzten Untersuchungsbe-
auftragten tragen grundsätzlich die Beaufsichtigten (Art. 36 Abs. 4 FIN-
MAG), und zwar auch dann, wenn sich der Anfangsverdacht der FINMA als
unbegründet herausstellen sollte (BGE 132 II 382 E. 5; Urteil des BGer
2A.573/2003 vom 30. Juli 2004 E. 2.5). Diese Kostenregelung folgt dem
Störer- beziehungsweise Verursacherprinzip (Art. 15 Abs. 1 FINMAG) und
findet auch auf Finanzintermediäre Anwendung, die in Verletzung finanz-
marktrechtlicher Bestimmungen bewilligungslos tätig waren (BGE 137 II
284 E. 4.2.2).
Die Vorinstanz erhebt zudem Gebühren für Aufsichtsverfahren im Einzelfall
und für Dienstleistungen (Art. 15 Abs. 1 Satz 1 FINMAG). Gebührenpflich-
tig ist auch hier, wer eine Verfügung veranlasst (Art. 5 Abs. 1 Bst. a der
Verordnung vom 15. Oktober 2008 über die Erhebung von Gebühren und
Abgaben durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht [FINMA-Gebüh-
ren- und Abgabenverordnung, FINMA-GebV, SR 956.122]).
Die solidarische Auferlegung der Untersuchungskosten an die juristischen
und natürlichen Personen, denen eine wesentliche Mitverantwortung an
der unbewilligten Tätigkeit zukommt, entspricht ständiger Praxis des Bun-
desgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil des BGer
2C_91/2010 vom 10. Februar 2011 E. 4.6.2; Urteile des BVGer
B‐6749/2014 vom 17. Februar 2016 E. 4.1.3 und B‐3100/2013 vom
30. Juni 2015 E. 8.7 m.w.H.). Dasselbe gilt für die Verfahrenskosten
(vgl. Urteile des BVGer B-3902/2013 vom 12. August 2014 E. 6.1 f.;
B-2943/2013 vom 6. März 2014 E. 6; B-7095/2013 vom 6. August 2014
E. 8.2; B-6584/2013 vom 18. Januar 2016 E. 4.2). Von der solidarischen
Kostenverteilung kann dann abgewichen werden, wenn eine Partei nur
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Seite 30
eine geringe Rolle im Verfahren gespielt hat (Urteil des BVGer
B-6749/2014 E. 4.1.3). Die interne Aufteilung ist eine Frage des Regresses
(BGE 135 II 356 E. 6.2.1).
6.2 Da nach dem Gesagten dem Beschwerdeführer eine wesentliche Mit-
verantwortung für die unbewilligte Emissionshaustätigkeit der A._-
Gruppe vorzuwerfen ist, ist die solidarische Auferlegung der für das En-
forcementverfahren gegen die A._-Gruppe entstandenen Verfah-
rens- und Untersuchungskosten nicht zu beanstanden.
6.3 Betragsmässig hat der Beschwerdeführer die auferlegten Kosten nicht
gerügt.
6.4 Die Beschwerde erweist sich demnach auch in diesem Punkt als unbe-
gründet.
7.
Insgesamt erweist sich die Beschwerde somit im Wesentlichen als unbe-
gründet. Zu korrigieren ist die angefochtene Verfügung lediglich insofern,
als die Unterlassungsanweisung in Dispositiv Ziffer 6 dahingehend zu prä-
zisieren ist, dass damit nur eine ohne Bewilligung erfolgende Ausübung
bewilligungspflichtiger Tätigkeiten gemeint ist. Soweit weitergehend, ist die
Beschwerde abzuweisen.
8.
Bei diesem Verfahrensausgang gilt der Beschwerdeführer als teilweise ob-
siegend, weshalb ihm entsprechend reduzierte Verfahrenskosten aufzuer-
legen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Vorinstanzen werden keine Verfahrens-
kosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
9.
Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei
von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwach-
sene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64
Abs. 1 VwVG; Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Die Parteientschädigung umfasst die Kosten der Vertre-
tung sowie allfällige weitere notwendige Auslagen der Partei (Art. 8 VGKE).
Im vorliegenden Fall ist die teilweise Gutheissung indessen auf einen
Grund zurückzuführen, den der Beschwerdeführer selbst weder erkannt
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Seite 31
noch gerügt hat, weshalb auch nicht gesagt werden könnte, dass ihm dies-
bezüglich notwendige und verhältnismässig hohe Kosten entstanden sind.
Es rechtfertigt sich daher nicht, ihm Parteikostenersatz zuzusprechen.