Decision ID: 5b74376f-bc53-4846-8da6-c3429f84767d
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978, ist Mutter dreier in den Jahren 2001, 2004 und 2008 geborener Kinder. Sie arbeitete seit dem
1.
Februar 2000 bei der
Firma Y._
als Verkäuferin, wobei sie diese Erwerbstätigkeit zuletzt zu rund 50
%
ausübte und sich daneben ihren Aufgaben als Hausfrau und Mutter widmete (
Urk.
8/13/5,
Urk.
8/18,
Urk.
8/80/3). Am 1
3.
September 2009 kam es am Wohnort der Versicherten zu einer kleinen Auseinandersetzung
zwischen ihrer Tochter und dem Sohn eines Nachbarn, in deren Rahmen der Knabe dem Mädchen Gras ins T-Shirt warf. Dies nahm der Ehemann der Ver
si
cherten zum Anlass, den Nachbarsjungen zumindest verbal zurechtzu
weisen. In der Folg
e begaben sich der Vater, der 16-jährige
Bruder
sowie der Onkel des Knaben
zur Wohnung der Familie
X._
, betraten diese ohne anzuklopfen oder die Türklingel zu betätigen,
gingen
ins Schlafzimmer zum Ehemann der Versicherten und drängten ihn in die Ecke. In der Nähe des Fensters packte ihn einer der Eindringlinge von hinten, legte ihm den rechten Arm um den Hals und würgte ihn, so dass dieser Atemprobleme bekam und einen Urinabgang hatte. Gleichzeitig schlug er mit der anderen Faust auf ihn ein.
Ausserdem
wurde der Ehemann von einem der
weiteren
Täter
von vorne um den Ober
kör
per festgehalten und mit den Fäusten geschlagen. In der Folge drängten die bei
den Schläger den Ehemann gegen den offenstehenden Fenster
flügel, wobei dieser aus den Scharnieren fiel, und versuchten ihn mit dem Oberkörper durch das Fenster zu stossen, wogegen sich der Ehemann durch Festhalten am Heiz
körper zu wehren versuchte. Schliesslich hing der Ehemann mit dem Oberkörper ausserhalb des Fensters, wobei er vom einen Angreifer am Unterkörper und vom anderen am Oberkörper festgehalten wurde. Der Vater des vom Ehemann zu Recht gewiesenen Nachbarsjungen drohte drei Mal damit, den Ehemann umzu
bringen. Die sich ebenfalls in der Wohnung befindende Ver
sicherte konnte schliesslich im Nebenzimmer die Polizei anrufen, worauf die Angreifer vom Ehemann abliessen und die Wohnung verliessen. Der Ehemann erlitt bei diesem Angriff eine Prellung und Quetschung an den Ellbogen, am Brustbein und im Nacken, einen Bruch des Zeigefingers rechts sowie Kontusionen am Schädel (vgl. Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winter
thur
/
Unterland vom 1
0.
April 2013,
Urk.
3/2).
Wegen den Folgen dieses Vor
falles meldete sich
X._
am 1
0.
November 2010 bei der Invaliden
versicherung zum
Leistungs
bezug
an (
Urk.
8/13). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, holte den Arbeitgeberbericht von
der Firma Y._
vom 25. November 2010 (Urk.
8/18) sowie
d
ie
Arztbericht
e
von
Dr.
med. Z._
, Spezialarzt FMH für Innere Medizin
, vom
1.
Dezember 2010 (Eingangsdatum,
Urk.
8/19),
und von
Dr.
med.
A._
,
F
achärztin FMH für Psychiatrie und
Psy
chotherapie
,
vom
2
0.
Dezember 2010 (
Urk.
8/24)
ein.
Ausserdem zog sie die Akten der
Generali
Versicherungen bei (
Urk.
8/22/1-33), insbesondere das psy
chiatrische Gutachten von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vo
m 3
0.
November 2010
(Urk. 8/22/3-17).
Sodann liess die IV-Stelle das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
C._
,
F
achärztin FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie
, vom 1
7.
März 2011 erstellen (
Urk.
8/30).
Am 1
9.
April 2011 teilte die IV-Stelle
X._
mit, die Abklärungen hätten ergeben, dass ihre Erwerbsfähigkeit mit der Durchführung einer engmaschigen fachärztlich-psychiatrischen Therapie (
Behandlungsfre
quenz
mindestens wöchentlich) mit Optimierung der
Psycho
pharmakatherapie
wesentlich verbessert werden könne. Die Versicherte werde deshalb im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht aufgefordert, diese Mass
nahmen umzusetzen. Dabei sei die
Hospitalisation
auf einer
Psychotherapie
station
einer psychiatri
schen Klinik zur Durchbrechung des
Chronifizierungs
prozesses
dringend indi
ziert. Falls die Versicherte die Massnahme nicht durch
führe, würde der Renten
anspruch so beurteilt, als sei sie durchgeführt worden (
Urk.
8/31).
Am 3
0.
Juni 2011 teilte die Versicherte durch Rechtsanwalt Peter Fertig mit, sie werde ent
weder im medizinischen Zentrum
E._
oder in der
psychiatrischen
Tagesklinik
I._
die Behandlung aufn
ehmen (
Urk.
8/47). In der Folge liess sie sich im
medizi
nischen Zentrum
E._
behandeln
und die IV-Stelle holte dessen Bericht
vom 1
2.
Januar 2012 (Eingangsdatum)
ein (
Urk.
8/57).
Am
6.
Juni 2012 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt von
X._
durch (vgl. Abklärungsbericht vom 1
2.
Juni 2012,
Urk.
8/80).
Am 10.
Oktober 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es sei ein weiteres psychiatrisches Gutachten notwendig, welches bei
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, durchgeführt werde (
Urk.
8/82).
X._
machte mit Einwand vom 2
5.
Oktober 2012 gel
tend, es sei ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich
,
an dieser Begut
achtung mitzu
wirken, da der Begutachtungsort zu weit von ihrem Wohnort entfernt sei (Urk.
8/84). In der Folge unterbreitete die IV-Stelle diesen Einwand ihrem Rechtsdienst, welcher in seiner Stellungnahme vom
3.
April 20
1
3 zum Ergebnis gelangte, es könne grundsätzlich auf die Einholung eines weiteren psychiatri
schen Gutachtens verzichtet werden, da sich aus den vorhandenen Unterlag
en ergebe, dass die Versicherte
nicht unter einem invalidisierenden
Gesundheits
schaden
leide (
Urk.
8/91/8-10). Mit Vorbescheid vom 1
2.
April 2013 stellte die IV-Stelle
X._
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/93), wogegen diese am 2
1.
Mai 2013
durch Rechtsanwältin Britta Keller
Einwand erheben liess (
Urk.
8/97).
Mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2013 wies die IV-Stelle
ohne Berücksichtigung des Einwandes - den Renten
anspruch ab (
Urk.
8/98).
Gegen diese Verfügung liess
X._
am 2
1.
Juni 2013 Beschwerde erheben
(
Urk.
8/104/3-13). Die IV-Stelle hob in der Folge mit Verfügung vom 2
0.
August 2013 die angefochtene Verfügung vom 2
2.
Mai 2013 wiedererwägungsweise auf, da sie entgegen ihrer ursprünglichen Ansicht davon ausgehen müsse, dass der Einwand gegen den Vorbescheid rechtzeitig erhoben
worden
und dieser s
omit
zu berücksichtigen sei
(
Urk.
8/107), worauf das hiesige Gericht den Prozess mit Verfügung vom 2
8.
August 2013 als gegenstandslos geworden abschrieb (Urk.
8/
110). Die IV-Stelle prüfte den Ein
wand der Versicherten und wies den Leistungsanspruch mit Verfügung vom
5.
November 2013 erneut ab (Urk.
2
).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch Rechtsanwältin Keller am
3.
Dezember 2013 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
„1.
Die Beschwerdegegnerin
(richtig: Beschwerdeführerin)
sei erneut medizi
nisch zu begutachten, bevor ein Leistungsentscheid getroffen wird.
2.
Eventualiter sei der Beschwerdeführerin eine ganze Invalidenrente zuzu
spre
chen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl.
MwSt
zu Lasten der
Beschwerde
gegnerin
.“
Die Beschwerdegegnerin ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
Januar 2014 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin am 27. Januar 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
des
ge
setzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
ein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
tei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgr
ad von mindestens 70 Prozent An
spruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG; bis 31. Dezember 2007: Art. 28
Abs. 1 IVG).
1
.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbei
tsunfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt
(ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Gemäss dem Arztbericht des Hausarztes
Dr.
Z._
(
Urk.
8/19) besteht bei der Beschwerde
führerin eine Depression seit dem 1
4.
Septe
mber 2009, wel
che auf den tätlichen Übergriff auf ihren Ehemann vom 1
3.
September 2009 zurückzuführen sei.
Die Beschwerdeführerin weine während der ganzen Kon
sultation, berichte von Ängsten und Schlaflosigkeit. Sie werde psychiatrisch durch
Dr.
A._
behandelt und nehme Medikamente ein. Weil die Schläger im gleichen Haus wohnten, hätten sie den Wohnort wechseln müssen. Auch die Kinder seien stark verändert. Die Beschwerdeführerin habe das Gefühl, man habe ihr alles zerstört
,
und sehe keine Zukunftsperspektiven mehr. Der Haushalt werde zum Teil von ihr und von den Eltern und zum Teil vom Ehemann erle
digt. Ein Arbeitsversuch sei gescheitert. Die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
4.
September 2009 zu 100 % arbeitsunfähig.
Die Haushaltsarbeiten könne sie nur reduziert vollbringen.
2.2
Laut dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
B._
vom 3
0.
November 2010 (Urk. 8/22/3-17) liegt bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische
Belas
tungsstörung
(ICD-10 F43.1) vor.
Ihre Arbeitsfähigkeit
werde durch
Denk
blo
ckaden
, Aufmerksamkeits- und Konzentrations
störungen, Antriebs
armut, Ermü
dbarkeit,
passives Verhalten,
innere Unruhe, Anspannung,
Ver
sagenserleben
und Ängste beeinträchtigt. Sowohl
in der
angestammten wie auch in sämtlichen
Verweisungs
tätigkeiten
betrage die Arbeitsunfähigk
eit aktuell 100
%. Die Prog
nose sei nicht schlecht, da posttraumatische Belastungs
störungen in der Regel auch unbe
handelt degressiv verlaufen würden, wenn nicht andere Faktoren, welche bei der Beschwerdeführerin eventuell vorlägen, der Genesung im Wege
stehen würden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit
könne nur ein stationärer
Reha
bi
litationsaufenthalt
zu einer Besserung des Zustandes führen, da dann einige den Verlauf ungünstig beeinflussende Faktoren wie die übertriebene Rücksicht
nahme und Fürsorglichkeit ihrer näheren Umgebung wegfallen würden und die Beschwerdeführerin in eine Tagesstruktur einge
bunden wäre und intensiv behandelt werden könnte.
Nach einer solchen Behandlung sei durchaus wieder mit einer vollen Arbeitsfähigkeit zu rechnen.
2.3
Gemäss dem Bericht der Psychiaterin
Dr.
A._
vom 2
0.
Dezember 2010 (
Urk.
8/24) besteht bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische
Belas
tungsstörung
(ICD-10 F43.1) bei Verdacht auf ängstliche Persönlichkeit.
Die Beschwerdeführerin leide unter Ängsten und Flashbacks in Folge des Ereignis
ses vom 1
3.
September 200
9.
Sie könne das Haus fast
nicht mehr verlassen und
nicht zu einer Arbeit gehen. Die
Beschwerdeführerin sei vom 13.
September bis zum
9.
November 2009 zu 100
%
, vom 1
0.
November 2009 bis zum 3
1.
März 2010 zu 50
%
und ab dem
1.
April 2010 wiederum zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Prognose sei viel schlechter als erwartet, es komme immer wieder zu Rückfällen
, die Ängste und Flashbacks n
ä
hmen zu. Die Beschwerdeführerin habe Angst vor Rache
. Es sei sobald als möglich eine stationäre Behandlung durchzuführen.
2.4
Laut dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
C._
vom 1
7.
März 2011 (Urk. 8/30)
besteht bei der Beschwerdeführerin eine schwere,
chronifizierte
posttraumatische
Belastungs
störung
(ICD-10 F43.1) mit
komorbid
schwerer depressiver Episode (ICD-10 F32.2), Agora- und Soziophobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01/F40.1),
somatoformer
Schmerzkomponente (ICD-10 F45.4) sowie
low
close
Benzo
diazepinabusus
(ICD-10 F13.25). Die akute Symptomatik
liege seit dem Trauma vom September 2009 vor.
Die schwere psychiatrische Störung führe seit dem 1
3.
September 2009 zu einer gesicherten vollständigen Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft, lediglich unterbrochen durch eine attestierte (aber wohl nicht umgesetzte) Arbeitsfähigkeit von 50
%
vom 10. November 2009 bis zum 3
1.
März 201
0.
Generell müsse aufgrund der psychiatrischen Polymorbidität für Tätigkeiten in der freien Wirtschaft von einer anhaltenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Eine ange
passte Tätigkeit könne nicht definiert werden und auch ein geschützter Rahmen könne der Beschwerdeführerin nur in sehr geringem Zeitumfang zuge
mutet werden. Weder die bisherige
zweiwöchentliche
Therapiefrequenz noch die
psycho
pharmakologische
Behandlung schienen aber adäquat. Es
sei
eine sta
tionäre Behandlung in einer psychiatrischen Klinik angezeigt. Es gelte, den
Chroni
fizierungsprozess
zu durchbrechen. Das wohlwo
llend umsorgende
Famili
en
system
, das sich auch heute noch zentral mit dem traumatischen Ereignis beschäftige und gleichzeitig die Symptomatik der Beschwerdeführerin durch die Bestätigung ihrer Hilflosigkeit mit Entlastung und grenzenlose
m
Ver
ständnis unterhalte, dürfte entscheiden
d
zur
Chronifizierung
beigetragen haben. Zudem werde die depressive Symptomatik durch die tägliche Konfrontation mit den Unzulänglichkeiten im häuslichen Bereich sowohl als Mutter als auch als Ehe
frau unterhalten.
Die Prognose hänge damit einerseits von einer Intensivierung des psychotherapeutischen Prozesses und der
psychopharma
kologischen
Opti
mierung, andererseits aber auch von der Distanzierung von der Familie und damit der dringen
d
notwendigen psychia
trischen Hospitalisierung ab.
Für die Beschwerdeführerin sei dieser Schritt allerdings unvorstellbar, da sie fälschli
cherweise der Meinung sei, die Familie auf diese Art erst recht im Stich zu lassen
(
Urk.
8/30)
.
2.5
Gemäss dem Bericht des medizinischen Zentrums
E._
(
Urk.
8/57) beste
hen bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F.43.1)
sowie eine Medikamen
tenabhängigkeit (ICD-10 F13.2) seit Sep
tember 200
9.
Die Prognose sei unsicher. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Arbeitsfähigkeit zu 80
%
eingeschränkt. Ab Frühsommer 201
2
könne mit der Erhöhung der Einsatzfähigkeit auf 50
%
gerechnet werden.
2.6
Im Haushaltabklärungsbericht vom 1
2.
Juni 2012 (
Urk.
8/80) wird festgehalten,
die Beschwerdeführerin
klage
über häufige Kopfschmerzen und Müdigkeit wegen der Medikamente. Sie habe Probleme wegen des damaligen Überfalls, welche sie in der Seele schmerzten. Auch die Tatsache, dass die Arbeitgeberin ihr bereits nach dreimonatiger Arbeitsabstinenz gekündigt habe, sei für die Beschwerdeführerin unglaublich verletzend gewesen. Von den Medikamenten helfe ihr einzig
Temesta
, die anderen hätten nichts genützt. Ein neues Rezept ihrer Ärztin habe sie nicht eingelöst, wenn sie innerliche Schmerzen habe, esse sie etwas Scharfes wie z.B. eine
Peperoncini
, was ihr helfe.
Einen
Klinik
auf
enthalt
könne sie sich nicht vorstellen, da sie nicht von der Familie weg wolle.
Der tägliche Besuch der Gesprächstherapie im Oktober und November 2011 sei ihr gar nicht gut bekommen. Es hätten nur alle über ihre schlechten Erfahrun
gen gesprochen
, und es sei ihr dadurch
noch schlechter gegangen. Sie gehe jetzt nur noch alle 2-3 Wochen zu
Dr.
F._
und zu
Dr.
A._
. Die Beschwer
deführerin schlafe schlecht. Morgens stehe sie auf und schicke die Kinder zur Schule. Danach tue sie nichts. Sie schlafe auch nicht, sondern tue einfach nichts. Ihre Mutter komme jeden Tag um ca. 11.00 Uhr, um den Haus
halt zu machen und für die Kinder zu kochen. Der Ehemann gehe morgens sehr früh zur Arbeit und komme entsprechend bereits zwischen 13.00 Uhr und 13.30
Uhr
wieder nach Hause. Er kümmere sich dann ebenfalls um Haushalt und Kin
der. Die Beschwerdeführerin versuche nachmittags einen Spaziergang zu machen und sie sei auch schon mit der kleinen Tochter zum Spielplatz vor dem Haus gegangen. Die öffentlichen Verkehrsmittel könne sie wegen ihren Ängsten nicht benutzen.
Die Beschwerdeführerin habe angegeben, bei guter Gesundheit wäre sie weiterhin zu 50
%
erwerbstätig. Sie sei zuhause alleine für alles zuständig gewesen, da ihr Ehemann so viel gearbeitet habe. Die
Abklärungs
person
der Beschwerdegegnerin hielt fest, es sei für sie vor Ort nicht nachvoll
ziehbar gewesen, warum die Beschwerdeführerin
keinerlei Arbeiten im Haushalt ausführen könne, da sie körperlich nicht eingeschränkt sei. Sie werde aufgrund ihrer psychischen Probleme von ihrer Umgebung mit grosser Rück
sichtnahme und Fürsorglichkeit behandelt und habe keinerlei Verantwort
lichkeiten mehr wahrzunehmen. Alle Arbeiten würden ihr abgenommen. Nach Ansicht der Abklärungsperson könnte die Beschwerdeführerin ihren Haushalt zu 100
%
erledigen, wenn sich dieses innerfamiliäre System nicht etabliert hätte und gar nicht mehr in Frage gestellt würde. Soweit eine Einschränkung aus psychiatri
scher Sicht anerkannt werde, sei von folgenden Zahlen auszugehen:
Haushalt: Anteil 2
%
, Einschränkung 0
%
; Ernährung: Anteil 30
%
, Ein
schränkung 50
%
; Wohnungspflege: Anteil 15
%
, Einschränkung 50
%
; Einkauf und weitere Besorgungen: Anteil 10
%
, Einschränkung 20
%
; Wäsche und Kleiderpflege: Anteil 20
%
, Einschränkung 20
%
; Betreuung von Kindern und anderen Fami
lienangehörigen: Anteil 20
%
, Einschränkung 70
%
; Verschiede
nes:
Anteil 3
%
; Einschränkung: 0
%
. Gesamthaft ergäbe dies im Haushalt ein
e
Ein
schränkung von 42,5
%
.
2.7.
2.7.1
Laut Stellungnahme von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychother
apie, vom Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD) der
Beschwerde
gegnerin
vom 3
1.
März 2011 (
Urk.
8/91/5) erfüllt das Gutachten von Dr.
C._
die relevanten Kriterien, weshalb darauf abgestellt werden k
önne
.
Es sei der Beschwerdeführerin aber in Anlehnung an das Gutachten im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht die Auflage zu machen, eine engmaschige psy
chiatrische Therapie mit Optimierung der Psychopharmakotherapie durchzu
führen. Die
Hospitalisation
in einer psychiatrischen Klinik sei dringend indiziert, liege aber im Ermessensspielraum des behandelnden Psychiaters.
2.7.2
Am
5.
Juli 2011 (
Urk.
8/91/5) führte
RAD-Arzt
Dr.
G._
aus, die
Beschwer
de
gegnerin
könne der Beschwerdeführerin nicht vorschreiben, bei wel
cher Institution sie die Behandlung durchführe. Es sollte aber sichergestellt wer
den,
dass nach einer achtwöchigen Behandlung im medizinischen Zentrum
E._
die engmaschige Therapie inkl. Medikamenteneinnahme fortge
setzt werde.
2.7.3
Am 1
3.
Februar 2012 (
Urk.
8/91/6-7) hielt
en
Dr.
G._
und RAD-Ärztin Dr.
med.
H._
, FMH Arbeitsmedizin & Allgemeinmedizin,
fest, der Arztbericht des medizinischen Zentrums
E._
sei nicht plausibel
,
und es sei ihm nicht zu entnehmen, in welcher Dosierung die Medikamente ver
ordnet worden seien.
Die Schadenminderungspflicht könne erst als erfüllt betrachtet werden, wenn die Auflagen ein Jahr durchgeführt worden seien. Zur Überprüfung der Ein
haltung der Schadenminderungspflicht sei deshalb eine weitere psychiatrische Begutachtung durchzuführen.
3.
3.1
Der Beschwerdeführerin wird sowohl von den behandelnden Ärzten als auch von den psychiatrischen
Gutachtern
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit be
schei
nigt. Die Ärzte waren sich ausserdem auch darin einig, dass der Gesund
heitszu
stand der Beschwerdeführerin grundsätzlich
besserungsfähig ist, eine Änderung des Zustandes aber nur durch eine intensive psychotherapeutische und
psycho
pharmakologische
Behandlung erreicht werden kann. Es ergibt sich sodann aus den Akten, dass eine stationäre Behandlung in einer psychiatrischen Klinik erforderlich
gewesen wäre
bzw. immer noch ist
, insbesondere weil die
Krank
heitsüberzeugung
der Beschwerdeführerin durch das sie grenzenlos stützende, verständnisvolle Familiensystem massiv gefestigt wird.
Die
Be
schwerdegegnerin
hat in Umsetzung dieser ärztlichen Einschätzungen - vor allem des von ihr ver
anlassten psychiatri
schen Gutachtens von Dr.
C._
-
die Beschwerdeführe
rin in Auferlegung ihrer Schadenminderungspflicht dazu angehalten, eine eng
maschige Therapie durchzuführen und sie darauf hinge
wiesen, dass eine
Hospitalisation
in einer psychiatrischen Klinik dringend indiziert sei (
Urk.
8/31). Eine stationäre Therapie wurde jedoch nicht durch
geführt, sondern die Beschwer
deführerin begnügte sich damit, während zwei Monaten die
Gesprächs
gruppe
beim medizinischen Zentrum
E._
zu besuchen
,
und danach
wurde die
Therapie wieder
in deutlich geringerer
Frequenz durchge
führt.
Ebenso wenig ist ersichtlich, dass der Beschwerde
führerin Psychophar
maka verschrieben worden sind und sie diese konsequent eingenommen hat.
Dementsp
rechend gelangte
n
die
RAD-
Ä
rzt
e
Dr.
G._
und
Dr.
H._
in der Stellungnahme vom 1
3.
Februar 2012 (
Urk.
8/91/6-7) zum Ergebnis
, es sei zu überprüfen, inwiefern die Beschwerdeführerin ihrer
Schaden
minder
ungs
pflicht
nachgekommen sei und sich der Gesundheitszustand
und die damit ver
bundene Arbeitsfähigkeit seit der Begutachtung durch Dr.
C._
verändert
hätten
.
3.2
Obwohl mithin keine ärztliche Einschätzung vorhanden ist, welche der Beschwer
deführerin eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bescheinigt,
die
RAD-
Ä
rzt
e
Dr.
G._
und
Dr.
H._
zum Ergebnis gelangt
sind
, es sei eine weitere psychiatrische Begutachtung notwendig und die
Beschwerde
geg
nerin
vorerst auch eine solche bei
Dr.
D._
anordnete,
sah
sie
schliesslich von einer erneuten Begutachtung ab
und stellte sich auf den Standpunkt, es liege bei der Beschwerdeführerin überhaupt kein invalidisierender
Gesundheitsscha
den
vor.
Eine posttraumatische Belastungsstörung könne nämlich nur invalidi
sierende Wirkung aufweisen, wenn sie nach einem traumatischen Ereignis von ausser
gewöhnlicher Schwere auftrete, wie beispielsweise nach einer Vergewalti
gung oder mehrmonatiger Lagerhaft, nicht aber nach einem Verkehrsunfall. Tatsächlich kann das Ereignis entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht mit ein
er Vergewaltigung gleichgesetzt
werden, welche einen direkten und schweren Eingriff in die körperliche und sexuelle Integrität des Opf
ers bedeutet
, ist doch die Beschwerdeführerin
selber beim Angriff völlig unbehelligt geblieben
und konnte
sie
ungehindert die Polizei anrufen
. Auch der von ihr miterlebte Angriff gegen ihren Ehemann weist für sich alleine noch keine aus
sergewöhnliche Schwere auf, zog dieser doch keine bleibenden körperlichen Schäden nach sich
,
und
es bestand
auch keine Todesgefahr für den Ehemann. Immerhin kommt dem Übergriff aber deshalb besondere Qualität zu, weil er in der Wohnung der Beschwerdeführerin statt
fand und damit an jenem Ort, wel
cher einem üblicherweise das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit verleiht und wo man am wenigsten mit einem solchen
Angriff rechnet, zumal am früh
en Abend um 17.30 Uhr. Es kommt h
inzu, dass der Angriff nicht durch unbekannte
K
riminelle
bzw. Schläger
erfolgte, sondern durch
einen
Nachbarn aus dem gleichen Haus, welc
her sich aufgrund einer absoluten
Lappalie veran
lasst sah, Rache gegen den Ehemann der Beschwerdeführerin auszuüben.
3.3
Nachdem von allen beteiligten Ärzten eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden ist und auch
die RAD-Ä
rzt
e
Dr.
G._
und
Dr.
H._
nichts gegen diese Diagnose
einge
wendet haben
, kann das Vorliegen einer
relevanten psychischen Erkrankung
nicht ohne weitere Abklärungen verneint werden. Es
stellt sich
jedoch
die Frage, warum bei der Beschwerdeführerin nicht
der von den Ärzten
prognostizierte Verlauf, wonach sich der Gesundheitszustand
längst hätte bessern müssen
, ein
getreten ist und wie weit
dafür
psychosozi
ale Gründe verantwortlich sind. Die offensichtlich indizierte stationäre psychiatrische Be
handlung ist ausserdem nicht durch
geführt worden
,
und auch die ambulante Therapie fand nur während zwei Monaten
in intensiver Form statt. D
er Bericht des medi
zinischen Zentrums
E._
(
Urk.
8/5
7
) beant
worte
t
die Fragen der Beschwerdegegnerin nach
dem
Verlauf der Therapie (Urk.
8/5
7
) ungenügend.
Es ist deshalb der Ansicht der RAD-Ärzte
Dr.
G._
und
Dr.
H._
zu folgen, wonach die Prognose unsicher ist und die
Schaden
minderungspflicht
erst als erfüllt betrachtet werden kann, wenn die Auflagen ein Jahr lang durchgeführt wurden.
Ausserdem hat sich das Gutachten auch zur Einschränkung im Haushalt zu äussern.
Dement
sprechend wird die
Beschwerde
gegnerin
ein neues psychiatrisches Gutachten zu diesen Fragen und zum Verlauf des Gesundheits
zustandes sowie der damit ver
bundenen Arbeitsfähig
keit der Beschwerde
führerin seit dem Guta
chten von
Dr.
C._
vom 17.
März 2011 einzuholen haben.
4.
Zusammenfassend erweisen sich die vorliegenden Abklärungen für die abschlies
sende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit de
r
Beschwerdeführer
in
als unge
nügend. D
ie angefochte
ne Verfügung vom
5.
November 2013 (Urk. 2) ist deshalb aufzu
he
ben und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit diese
neu über
den Rentenanspruch
verfüge.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des
Eidg
. Versicherungsgerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57
Erw
. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5
.3
Nach
§ 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von
Fr.
1
‘
6
00.--
(inkl. Mehrwert
steuer und Barauslagen) als angemessen.