Decision ID: 013c9744-cafe-50c1-b885-5325ba7397a2
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 17. August
2015 in die Schweiz, wo er am 24. August 2015 um Asyl ersuchte.
B.
Er wurde am 4. September 2015 zu seinen Personalien, dem Reiseweg
sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person
[BzP]). Eine eingehende Anhörung zu den Gesuchsgründen fand am
6. und 14. Dezember 2016 statt.
C.
Mit Verfügung vom 3. Februar 2017 (Eröffnung am 8. Februar 2017) lehnte
das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
D.
Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechts-
vertreters vom 10. März 2017 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er be-
antragte die Nichtigerklärung der angefochtenen Verfügung und die Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz. Eventualiter sei ihm umfassende Ak-
teneinsicht, insbesondere in die vollständige Verfügung vom 3. Februar
2017 zu gewähren, verbunden mit der Möglichkeit zur Beschwerdeergän-
zung. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und
dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. Eventualiter seien die Disposi-
tivziffern drei und vier aufzuheben und eine vorläufige Aufnahme anzuord-
nen. Zudem wurde die unverzügliche Bekanntgabe des Spruchgremiums
sowie die Bestätigung verlangt, dass dieses zufällig zusammengesetzt
worden sei.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 23. März 2017 teilte das Gericht dem Be-
schwerdeführer das Spruchgremium mit und verwies betreffend dessen
Zusammensetzung auf das Geschäftsreglement vom 17. April 2008 für das
Bundesverwaltungsgericht (VGR, SR 173.320.1). Gleichzeitig wurde der
Beschwerdeführer aufgefordert, einen Kostenvorschuss zu bezahlen so-
wie sein Akteneinsichtsgesuch zu spezifizieren und explizit anzugeben, in
welche Akten er (nochmals) Einsicht wünsche.
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Seite 3
F.
Mit Eingabe vom 7. April 2017 teilte der Beschwerdeführer dem Gericht
mit, in welche Akten er Einsicht verlange.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 19. April 2017 hiess das Gericht das Akten-
einsichtsgesuch teilweise gut und wies das SEM an, dem Beschwerdefüh-
rer Einsicht in die Aktenstücke A22 und A29 zu gewähren. Es wurde zudem
festgestellt, dass dem Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung un-
vollständig ausgehändigt wurde, da die Seite vier fehlte. Das SEM wurde
angewiesen, dem Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung vollstän-
dig auszuhändigen. Dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit geboten,
nach der Aushändigung der Akten seine Beschwerde innert dreissig Tagen
zu ergänzen.
H.
Am 26. April 2017 stellte das SEM dem Beschwerdeführer die Verfügung
vollständig zu und gewährte ihm Einsicht in die Akten A22 und A29, wo-
raufhin der Beschwerdeführer am 6. Juni 2017 seine Beschwerde ergänzte
und weitere Beweismittel ins Recht legte.
I.
Mit Vernehmlassung vom 15. Juni 2017 äusserte sich das SEM zur Be-
schwerdeschrift und -ergänzung, worauf der Beschwerdeführer am 7. Juli
2017 replizierte.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 17. August 2017 wurde dem Beschwerdefüh-
rer der Name des SEM-Mitarbeiters mit dem Kürzel „Fch“ mitgeteilt und
ihm Gelegenheit zur Stellungnahme geboten.
K.
Am 28. August 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme
ein.
L.
Die Erwägungen 3 (Möglichkeit des Teilurteils), 4 (Antrag auf Bestätigung
der zufälligen Zusammensetzung des Spruchkörpers) und 8 (fehlende Na-
mensnennung der SEM-Mitarbeitenden) bildeten Gegenstand eines Koor-
dinationsentscheides der Abteilungen IV und V.
D-1549/2017
Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Der Teilentscheid ist eine Variante des Endentscheids, mit welchem
das Verfahren nur für einen Teil der Streitgenossen abgeschlossen wird
(subjektive Klagenhäufung) oder über eines oder einige von mehreren
Rechtsbegehren abschliessend befunden wird (objektive Klagenhäufung).
Bei der objektiven Klagenhäufung handelt es sich nicht um verschiedene
materiell-rechtliche Teilfragen eines Rechtsbegehrens, sondern um ver-
schiedene Rechtsbegehren (BGE 138 V 106 E. 1.1). Auch wenn weder das
VwVG noch das VGG das Institut des Teilentscheids erwähnen bezie-
hungsweise regeln, ergibt sich aus Art. 91 Abs. 1 Bst. a BGG, dass das
D-1549/2017
Seite 5
Bundesverwaltungsgericht (als Vorinstanz des Bundesgerichts) einen Ent-
scheid fällen darf, der nur einen Teil der gestellten Begehren behandelt,
wenn diese Begehren unabhängig von den anderen beurteilt werden kön-
nen (Teilurteile des BVGer B-5202/2014 und B-7280/2014 vom 2. Oktober
2015 E. 2, A-2519/2012 vom 21. November 2013 E. 2). Rechtsbegehren
sind voneinander unabhängig, wenn diese auch Gegenstand eines eige-
nen Prozesses hätten bilden können sowie wenn ein Teil des gesamten
Prozessgegenstands abschliessend beurteilt werden kann, so dass keine
Gefahr widersprüchlicher Entscheide entsteht. Das Beschleunigungsgebot
und der Grundsatz der Prozessökonomie können dabei für einen Teilent-
scheid sprechen (vgl. Teilurteil des BVGer A-592/2016 vom 22. Juni 2017
E. 2.1). Es gibt keinen Grund, das Teilurteil nur dann zuzulassen, wenn die
Anfechtung beim Bundesgericht möglich ist, dieses Vorgehen jedoch aus-
zuschliessen, wenn der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts – wie
vorliegend – letztinstanzlich ist, zumal auch in diesen Fällen Prozessöko-
nomie und Beschleunigungsgebot für eine entsprechende Teilung spre-
chen können.
3.2 Vorliegend rechtfertigt es sich, die formellrechtlichen Rügen der man-
gelhaften Eröffnung (Rechtsbegehren 2), der mangelhaften Akteneinsicht
(Rechtsbegehren 3), sowie der Verletzung des Anspruchs auf gesetzmäs-
sige Zusammensetzung der Behörde durch fehlende Namensnennung der
SEM-Mitarbeitenden (Rechtsbegehren 4) aus prozessökonomischen
Gründen im Rahmen eines Teilurteils abzuhandeln.
Auf die weiteren verfahrensrechtlichen Rügen der Verletzung des rechtli-
chen Gehörs und der Begründungspflicht sowie der unvollständigen und
unrichtigen Feststellung des Sachverhalts (Rechtsbegehren 5, 6 und 7),
welche in engem Zusammenhang mit der materiell-rechtlichen Fragestel-
lung des Falles stehen, wird im verfahrensabschliessenden Endentscheid
einzugehen sein.
4.
4.1 Zunächst ist ausserdem nochmals auf den Antrag einzugehen, dem
Beschwerdeführer sei die zufällige Zusammensetzung des Spruchkörpers
zu bestätigen. Dazu ist der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bereits
in Ziffer 4 der Zwischenverfügung vom 23. März 2017 auf die einschlägigen
Bestimmungen des Geschäftsreglements des BVGer hingewiesen worden.
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Seite 6
4.2 Bereits im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1526/2017 vom
26. April 2017, welches dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers be-
kannt ist, wurde zu einem derartigen Antrag im Wesentlichen Folgendes
ausgeführt (vgl. E. 4.1 bis 4.3):
Art. 30 Abs. 1 BV garantiert Rechtssuchenden den Anspruch auf ein durch
Gesetz geschaffenes Gericht. Die Bestimmung erstreckt sich nach einhel-
liger Auffassung auch auf die Bildung des Spruchkörpers im Einzelfall. Ver-
boten ist demnach die gezielte Auswahl von Richterinnen und Richtern zur
Beeinflussung des Ergebnisses im Einzelfall (vgl. KIENER, Richterliche Un-
abhängigkeit, 1. Aufl. 2001, S. 310; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozes-
sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.54 m.w.H.).
Verlangt wird, dass die Auswahl des Spruchkörpers anhand objektiver Kri-
terien erfolgt (vgl. Urteil des BGer. 6P.102/2005 E. 2.2), nicht jedoch dass
die Auswahl zufällig oder automatisiert geschieht (vgl. MEYER/TSCHÜMPER-
LIN, Zusammensetzung des Spruchkörpers – Auswahl oder Automatisie-
rung, Justiz – Justice – Giustizia 2012/2, Rz. 13 ff. m.w.H.). Die Vorbestim-
mung des Spruchkörpers schliesst in diesem Sinne ein gewisses Ermes-
sen bei der Besetzung nicht aus, sofern ausreichende Kontrollmechanis-
men zur Verfügung stehen (BGE 137 I 340 E. 2.2.1).
Die Zusammensetzung der Spruchkörper am Bundesverwaltungsgericht
ist auf Gesetzesstufe nur rudimentär geregelt. Gemäss Art. 24 VGG regelt
das Bundesverwaltungsgericht die Bildung der Spruchkörper durch Regle-
ment. Gemäss der Botschaft zum identisch formulierten Art. 22 BGG dient
die generell-abstrakte Regelung von Kriterien zur Spruchkörperbesetzung
dazu, möglichen Missbräuchen vorzubeugen (vgl. Botschaft des Bundes-
rates zur Totalrevision der Bundesrechtspflege vom 28. Februar
2001, BBl 2001 4202, S. 4286).
Die durch Art. 24 VGG vorgesehene Normierung der Spruchkörperzusam-
mensetzung durch Reglement stellt demnach in Ausführung von Art. 30
Abs. 1 BV sicher, dass die einzelfallweise Zusammensetzung der Richter-
bank frei bleibt von unsachlichen Beeinflussungen oder Manipulationen ir-
gendwelcher Art (vgl. FÉRAUD, Rz. 7 zu Art. 22 BGG, in: Nig-
gli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesge-
richtsgesetz, 2. Aufl. 2011) und nur nach objektiven Kriterien erfolgt. Art. 24
VGG verlangt jedoch keine zufällige Bildung der Spruchkörper.
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Seite 7
In Ausführung von Art. 24 VGG hat das Bundesverwaltungsgericht statu-
iert, es sei Aufgabe der gemäss Art. 23 VGR jeweils zuständigen Abtei-
lungspräsidentin, die Geschäfte auf die Kammern zu verteilen (Art. 31
Abs. 1 VGR). Sodann fällt es in die Kompetenz des Kammerpräsidenten,
die Geschäfte einem Richter oder einer Richterin zur Prozessinstruktion
und Fallerledigung zuzuteilen, soweit er diese Aufgabe der Verfahrenslei-
tung nicht selber wahrnimmt (Art. 31 Abs. 2 VGR). Erst wenn feststeht,
dass das Geschäft nicht in die Kompetenz einer Einzelrichterin fällt, be-
zeichnet der Kammerpräsident das zweite und dritte Mitglied des Spruch-
körpers nach einem von den Abteilungen im Voraus festgelegten Schlüs-
sel, wobei unter anderem die Amtssprachen, der Beschäftigungsgrad der
Richter und Richterinnen und deren Belastung durch die Mitarbeit in Ge-
richtsgremien zu berücksichtigen sind (Art. 32 Abs. 1 VGR in Verbindung
mit Art. 31 Abs. 3 VGR).
Keine weitergehenden Anforderungen können sich aus dem nicht öffentlich
publizierten ZASAR ergeben. Dieses ist als gerichtsinternes, von der Ver-
waltungskommission genehmigtes Reglement (vgl. Art. 26 Abs. 2 VGR)
zwar intern verbindlich, entfaltet jedoch – analog zu verwaltungsinternen
Verordnungen (vgl. dazu MOOR/FLÜCKIGER/MARTENET, Droit Administratif,
Vol. 1, 2. Aufl. 2012, S. 420 ff.) – grundsätzlich keine Aussenwirkungen, so
dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers sich nicht darauf berufen
kann (vgl. analog HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 7. Aufl. 2016, Rz. 87).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Bestimmungen von Art. 31 VGR
und Art. 32 Abs. 1 VGR in Verbindung mit Art. 24 VGG durch die Einführung
eines EDV-gestützten Programms umgesetzt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, a.a.O., Rz. 3.54). Der sogenannte „Bandlimat“ bestimmt den
Spruchkörper für den Einzelfall unter Berücksichtigung bestimmter Krite-
rien (beispielsweise Sprache, Stellenprozente der Richter, besondere
Fachkenntnisse, ferien- oder krankheitsbedingte Abwesenheiten) grund-
sätzlich zufällig. Nur in wenigen Fällen wird in die automatische Verteilung
eingegriffen – etwa aus Gründen der Effizienz (Bündelung gleichgelagerter
Verfahren beim gleichen Spruchkörper), bei Dringlichkeit oder zur Ausglei-
chung der Arbeitslast innerhalb der Abteilungen. Der Einsatz eines compu-
tergestützten Zufallsgenerators geht über die oben erwähnten gesetzlichen
Anforderungen hinaus, und ist aus Sicht richterlicher Unabhängigkeit zwar
wünschbar, jedoch rechtlich gesehen nicht zwingend (vgl. MEYER/TSCHÜM-
PERLIN, a.a.O., Rz. 16).
D-1549/2017
Seite 8
Zusammenfassend ist festzustellen, dass zwar ein verfassungsrechtlicher
Anspruch darauf besteht, dass die Spruchkörper am Bundesverwaltungs-
gericht anhand objektiver Kriterien besetzt werden. Hingegen besteht auf-
grund der anwendbaren Rechtsgrundlagen kein Anspruch darauf, dass
die Spruchkörper zufällig zusammengesetzt werden. Bei dieser Rechts-
lage fehlt eine rechtliche Anspruchsgrundlage dafür, die Zufälligkeit der Zu-
sammensetzung des Spruchkörpers bestätigt zu erhalten. Dass verschie-
dene Instruktionsrichterinnen und Instruktionsrichter dem Rechtsvertreter
in anderen Beschwerdeverfahren vor Bundesverwaltungsgericht bestätigt
haben, der Spruchkörper sei nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden,
ist schon deshalb nicht geeignet, eine Praxis zu begründen, die allgemein-
verbindlich wäre.
4.3 Nach dem Gesagten besteht keine rechtliche Pflicht des Bundesver-
waltungsgerichts, dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in jedem
einzelnen Fall zu bestätigen, dass der Spruchkörper zufällig zusammenge-
setzt worden ist. Damit müsste nunmehr dem Rechtsvertreter klar sein,
dass ein solches „Rechtsbegehren“ unzulässig ist, und das Gericht behält
sich vor, in Zukunft auf entsprechende Anträge nicht einzutreten.
5.
5.1 In der Beschwerdeschrift wurde eingewendet, die angefochtene Verfü-
gung sei aufgrund eines schwerwiegenden Eröffnungsfehlers für nichtig zu
erklären. Es fehle Seite vier der Verfügung, weshalb sie unvollständig er-
öffnet worden sei. Auf dieser Seite befinde sich die Argumentation betref-
fend die Glaubhaftigkeit, weshalb sie einen zentralen Teil darstelle. Ohne
Kenntnis des Inhalts sei eine sachgerechte Anfechtung nicht möglich. Der
Rechtsvertreter habe nach der Mandatsübernahme um vollständige Akten-
einsicht ersucht, was das SEM mit der Begründung abgelehnt habe, der
Beschwerdeführer habe bereits Einsicht in alle entscheidwesentlichen Be-
weismittel erhalten. Bei einer unvollständig eröffneten Verfügung und wenn
das SEM trotz Einsichtsgesuch keine vollständige Akteneinsicht gewähre,
erwachse dem Beschwerdeführer ein schwerwiegender Nachteil, weshalb
die Verfügung für nichtig zu erklären sei. Sollte die Verfügung nicht für nich-
tig erklärt werden, sei dem Beschwerdeführer vollständige Akteneinsicht zu
gewähren und eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung anzu-
setzen.
Aus dem Anspruch auf rechtsgleiche Behandlung ergebe sich, dass eine
Person ein Anrecht darauf habe, nachvollziehen zu können, wer für einen
gefällten Entscheid zuständig gewesen sei. Aus dem in der angefochtenen
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Seite 9
Verfügung verwendeten Kürzel sowie der Bezeichnung „Fachreferent“ wür-
den sich keine Rückschlüsse auf die betreffende Person ziehen lassen.
Dieser Mangel sei nicht heilbar, weshalb die Verfügung nichtig sei und die
Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei.
5.2 In der Beschwerdeergänzung wurde angefügt, die mangelhafte Eröff-
nung müsse zwingend zur Kassation beziehungsweise zur Nichtigkeit der
Verfügung führen, da das SEM ansonsten ohne Konsequenzen unvollstän-
dige Verfügungen eröffnen könnte. Es könnte zudem sein, dass das SEM
die Ausführungen auf der fehlenden Seite infolge der Beschwerde ange-
passt habe. Diese Möglichkeit sei ebenfalls problematisch. Zudem würden
viele Asylsuchende keine Beschwerde einreichen und es wäre bei unvoll-
ständigen Verfügungen möglich, dass sie, ohne die Gründe zu kennen, in
ihr Heimatland zurückgeschafft würden. Aus dem vom Gericht gewählten
Vorgehen sei dem Beschwerdeführer ein Nachteil entstanden, da sich ein
grosser Zusatzaufwand ergeben habe. Es habe eine unvollständige Be-
schwerde verfasst werden müssen. Nach über zwei Monaten habe das
Dossier erneut eingehend konsultiert und die Beschwerdeergänzung erar-
beitet werden müssen. Der Fehler sei damit erst geheilt, wenn der Zusatz-
aufwand von 12 Stunden ersetzt werde.
Die Nichtnennung der SEM-Mitarbeiter, welche die Verfügung verfasst hät-
ten, stelle eine Rechtsverweigerung dar, was ebenfalls zur Kassation zu
führen habe. Andere Abteilungen der gleichen Behörden würden ihre Na-
men nennen.
5.3 In der Vernehmlassung erwiderte das SEM hinsichtlich des Antrags auf
Kassation, dass dem Bundesverwaltungsgericht volle Kognition zukomme.
Das SEM sei der Aufforderung des Gerichts, die Verfügung vollständig zu-
zustellen, nachgekommen und der Beschwerdeführer hätte sich mit der
Seite vier der Verfügung auch in der Beschwerde auseinandersetzen müs-
sen. Es bestünden keine Anzeichen, dass das SEM systematisch unvoll-
ständige Verfügungen zustelle. Vielmehr handle es sich lediglich um einen
bedauerlichen Fehler. Eine Rückweisung würde auch nicht zu einer erneu-
ten Prüfung des Gesuchs führen, worin aber gerade der Sinn einer Rück-
weisung begründet liege.
Art. 29 Abs. 1 BV begründe einen Anspruch auf eine rechtmässig zusam-
mengesetzte, zuständige und unbefangene Behörde. Dieser Anspruch
setze die Bekanntgabe der Namen der für die Behörde tätigen Personen
voraus. Die Namen der an einem Entscheid beteiligten Personen müssten
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Seite 10
jedoch nicht ausdrücklich in demselben genannt werden. Vielmehr reiche
es aus, wenn der Name der Person einer allgemein zugänglichen Quelle
entnommen werden könne. Die verantwortlichen Personen müssten somit
nicht bestimmt, sondern nur bestimmbar sein, was vorliegend mittels Kür-
zel gewährleistet sei. Da in den Empfangszentren auch Gesuchstellende
untergebracht seien, handle es sich hierbei um eine Sicherheitsmass-
nahme zugunsten der Angestellten.
5.4 In der Replik wendete der Beschwerdeführer ein, vorliegend handle es
sich um einen schwerwiegenden Eröffnungsfehler und es sei anzunehmen,
dass auch in anderen Fällen bereits unvollständige Verfügungen verschickt
worden seien, denn das SEM verfüge offenbar nicht über Kontrollmecha-
nismen. Es sei ein erheblicher Zusatzaufwand von 13 Stunden entstanden,
der bei einer korrekten Eröffnung nicht angefallen wäre. Der Grund einer
Rückweisung liege darin, das SEM zu einer korrekten Vorgehensweise zu
zwingen, ansonsten könnte das SEM jederzeit ohne Konsequenzen unvoll-
ständige Verfügungen zustellen.
Wie das SEM in der Vernehmlassung eingestanden habe, würden die Na-
men der an einem Entscheid beteiligten Personen bewusst und systema-
tisch nicht genannt. Da es das SEM auch in der Vernehmlassung unterlas-
sen habe, den zuständigen Fachreferenten zu benennen, bleibe bis heute
unklar, wer diese Person sei. Es stelle überdies eine Unwahrheit dar, dass
der Beschwerdeführer am Arbeitsort des Fachreferenten untergebracht
sei. Doch selbst wenn sie sich am selben Ort aufhalten würden, bestehe
ein Anspruch darauf, dass die beteiligten Amtspersonen im Zeitpunkt des
Entscheids bekannt seien. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
reiche es aus, wenn die Identität der Person einer allgemein zugänglichen
Publikation entnommen werden könne. Wenn jedoch weitere Nachfor-
schungen angestrengt werden müssten, verletze dies den Anspruch auf
Kenntnis der entscheidfällenden Person. Vorliegend könne weder mit dem
Kürzel noch mit der Funktionsbezeichnung die betreffende Person eruiert
werden. Dass diese amtsintern identifizierbar sei, sei unwesentlich, da der
Beschwerdeführer keinen Zugriff auf amtsinterne Daten habe. Die Begrün-
dung, bei der Unterdrückung des Namens handle es sich um eine Sicher-
heitsmassnahme sei unbeholfen, da nicht ersichtlich sei, wieso nur der
Fachreferent, nicht aber die Chefin Asylverfahren 1 gefährdet sein solle.
Die Büros der Fachreferenten seien für Gesuchstellende nicht zugänglich
und eine Identifizierung für einen Übergriff würde nicht über das Kürzel,
sondern das Gesicht erfolgen. Schliesslich habe der Fachreferent die An-
hörung durchgeführt. Ferner würden bei Urteilen stets sämtliche Mitglieder
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Seite 11
des Spruchkörpers genannt, ohne dass Fälle von Sicherheitsproblemen
bekannt seien. Würde ein solches bestehen, so wäre dem mit geeigneten
betrieblichen Massnahmen zu begegnen. Die systematische Nichtnennung
der Namen stelle eine Rechtsverweigerung dar, welche zur Nichtigkeit der
Verfügung zu führen habe.
5.5 In seiner Stellungnahme vom 28. August 2017 brachte der Beschwer-
deführer hinsichtlich der formellen Rügen vor, das Recht auf gleiche und
gerechte Behandlung, welches eine Bekanntgabe der an einem Entscheid
beteiligten Personen beinhalte, sei formeller Natur und bedürfe daher kei-
ner Begründung, ob dem Beschwerdeführer daraus ein Nachteil erwach-
sen sei. Eine Verletzung müsse zwingend zur Kassation der Verfügung füh-
ren. Ferner handle es sich nicht um den einzigen nicht heilbaren formellen
Fehler im vorliegenden Verfahren. Es spreche nicht für eine unbefangene
Beurteilung der Sache, wenn ein Instruktionsrichter zur unbedingten Ver-
meidung einer Kassation einer Verfügung fundamentale Rechtsprinzipien
missachte, schwerwiegende (unheilbare) Eröffnungsfehler zu heilen versu-
che und nun glaube, über die nachträgliche Offenlegung des Namens ei-
nes Angestellten auch einen weiteren nicht heilbaren formellen Fehler hei-
len zu können. Die offensichtliche Voreingenommenheit und ebenso abso-
lut fehlende Länderkenntnisse und Verfahrenskenntnisse des Mitarbeiten-
den des SEM mit dem Kürzel „Fch“ ergäben sich im Übrigen aus der um-
fassend dokumentierten schwerwiegenden Fehlerhaftigkeit der angefoch-
tenen Verfügung. Wer sich einer so unsorgfältigen Arbeitsweise bediene,
sei objektiv nicht in der Lage, eine Sache unbefangen und kompetent zu
beurteilen.
6.
6.1 Hinsichtlich der Rüge, die Verfügung sei aufgrund der mangelhaften
Eröffnung für nichtig zu erklären respektive die Verfügung sei aufzuheben
und die Sache zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen, ergibt sich Folgendes:
6.2 Nichtigkeit verlangt drei kumulative Voraussetzungen. Die Verfügung
muss einen besonders schweren Mangel aufweisen, dieser muss offen-
sichtlich oder zumindest leicht erkennbar sein und die Nichtigkeit darf die
Rechtssicherheit nicht ernsthaft gefährden (vgl. BGE 138 II 501 E. 3.1; Ur-
teil des BVGer D-3107/2017 vom 4. Juli 2017 E. 4.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHL-
MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1098 m.w.H.). Der
Eröffnungsfehler des SEM ist als nicht unerheblich zu erachten. Es handelt
sich dabei nicht um ein blosses kanzleitechnisches Versehen. Vielmehr
D-1549/2017
Seite 12
wurde effektiv ein blosser Entwurf einer Verfügung, welcher unvollständig
und zudem noch mit handschriftlichen Anmerkungen versehen war, unter-
schrieben, verschickt und im N-Dossier abgelegt, während der „richtige“
Entscheid nicht in die (Papier-)Akten aufgenommen wurde. Ein schwerwie-
gender Form- oder Eröffnungsfehler kann einen Nichtigkeitsgrund darstel-
len. Eine fehlende Begründung stellt jedoch keinen solchen Grund dar (vgl.
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN a.a.O. Rz. 1125), weshalb eine unvollständige
Begründung a maiore ad minus keinen Nichtigkeitsgrund darstellt. Selbst-
verständlich darf aus einer mangelhaften Eröffnung einer Verfügung der
betroffenen Partei kein Nachteil erwachsen (vgl. Art. 38 VwVG; vgl. HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN a.a.O. Rz. 1120). Aufgrund der erneuten Zustellung
der vollständigen Verfügung verbunden mit einer faktisch nochmaligen 30-
tägigen Beschwerdefrist sind dem Beschwerdeführer keine Nachteile ent-
standen. Vielmehr resultierte daraus mehr als eine Verdoppelung der or-
dentlichen Beschwerdefrist von 30 Tagen. Dem durch die mangelhafte Er-
öffnung entstanden Mehraufwand für die Beschwerdeführung ist zudem bei
der Parteientschädigung Rechnung zu tragen (vgl. E. 11.2).
6.3 Die mangelhafte Eröffnung rechtfertigt es auch nicht, die Verfügung zu
kassieren und die Sache zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Zwar ist festzuhalten, dass es sich vorliegend um keinen
geringfügigen Eröffnungsmangel handelt. Der Verfahrensmangel, der of-
fensichtlich auf einem Versehen beruht, kann aber auch nicht als derart
schwerwiegend bezeichnet werden, dass eine Heilung nach den Kriterien
der Praxis des BVGer ausgeschlossen erscheint (vgl. dazu BVGE 2014/22
und dort zitierte Rechtsprechung; ferner BVGE 2013/23 E. 6.1.3). Eine
Kassation würde vorliegend dazu führen, dass das SEM die mittlerweile
rechtmässig eröffnete Verfügung unverändert erneut – verbunden mit einer
erneuten ordentlichen Beschwerdefrist – zustellen würde, was einen unnö-
tigen prozessualen Leerlauf darstellen würde. Auch der Umstand, dass das
Bundesverwaltungsgericht im Rahmen des Asylrechts eben nicht über
volle Kognition verfügt, vermag der Heilung nicht entgegenzustehen, wenn
es wie vorliegend allein um einen Eröffnungsfehler beziehungsweise die
Akteneinsicht nach Verfahrensabschluss geht. Denn die Frage des Kogni-
tionsumfangs, welcher eine Heilung gegebenenfalls ausschliessen kann,
ist nicht abstrakt zu betrachten, sondern stets auf die konkrete Streitfrage
zu beziehen. So bleibt eine Heilung auch bei grundsätzlich eingeschränkter
Kognition möglich, sofern es sich bei den Streitpunkten – wie vorliegend –
ausschliesslich um (Rechts-)Fragen handelt, welche vom Gericht frei über-
prüft werden können (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H.). Der Mangel ist
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Seite 13
somit durch die bereits erfolgte faktische Neueröffnung, verbunden mit ei-
ner faktisch erneuten dreissigtägigen Beschwerdefrist, als geheilt zu erach-
ten.
7.
Mit Zwischenverfügung vom 19. April 2017 hiess das Bundesverwaltungs-
gericht das Gesuch um Akteneinsicht teilweise gut. Dabei wurde festgehal-
ten, dass das SEM zu Recht in das Aktenstück A25 (Dokumentenprüfung)
aufgrund überwiegender öffentlicher Interessen keine Einsicht gewährte.
Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer der wesentliche Inhalt des Do-
kuments mitgeteilt. Hinsichtlich der Aktenstücke A22 (Beweismittelum-
schlag) und A29 (Übersetzung eines Beweismittels) wurde der Anspruch
auf Einsicht gutgeheissen und das SEM angewiesen, dem Beschwerde-
führer – gemeinsam mit der Aushändigung der vollständigen Verfügung –
Einsicht in diese Aktenstücke zu gewähren. Dieser Aufforderung kam das
SEM nach, indem es dem Beschwerdeführer am 26. April 2017 in das Ak-
tenstück A22 vollumfängliche und in das Aktenstück A29 unter Abdeckung
der geheimhaltungsbedürftigen Angaben über den Übersetzer Einsicht
gab. Dem Beschwerdeführer wurde anschliessend faktisch eine erneute
Beschwerdefrist von 30 Tagen gewährt. Durch dieses Vorgehen ist der –
im Übrigen als geringfügig zu bezeichnende – Mangel als geheilt zu be-
trachten.
8.
8.1 Gemäss dem verfassungsmässigen Grundsatz von Art. 29 Abs. 1 BV
hat eine Person in einem Verwaltungsverfahren Anspruch auf gleiche und
gerechte Behandlung und somit Anspruch auf eine rechtmässig zusam-
mengesetzte, zuständige und unbefangene Behörde. Dieser Anspruch
setzt die Bekanntgabe der personellen Zusammensetzung der Behörde
voraus, da nur so die Betroffenen feststellen können, ob ihr verfassungs-
mässiger Anspruch auf richtige Besetzung der Verwaltungsbehörde bzw.
des Gerichts und eine unparteiische Beurteilung ihrer Sache gewahrt ist
(vgl. Urteile des BVGer D-2335/2013 vom 8. April 2014 E. 3.4.1,
A-4174/2007 vom 27. März 2008 E. 2.4.2; Urteil des BGer 2C_8/2010 vom
4. Oktober 2010 E. 2.2 m.w.H.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfah-
ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, S. 65 und
151).
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Der Anspruch auf Offenlegung der personellen Zusammensetzung bedeu-
tet jedoch nicht, dass die Namen der am Entscheid beteiligten Personen in
demselben ausdrücklich genannt werden müssen. Nach bundesgerichtli-
cher Praxis genügt die Bekanntgabe in irgendeiner Form, beispielsweise
in einem besonderen Schreiben. Der Anspruch auf Bekanntgabe der ent-
scheidenden Personen ist selbst dann gewahrt, wenn deren Namen dem
Betroffenen gar nicht persönlich mitgeteilt werden, diese jedoch einer all-
gemein zugänglichen Publikation wie etwa in einem amtlichen Blatt, einem
Staatskalender oder einem Rechenschaftsbericht der Behörde entnom-
men werden können (vgl. Urteil des BVGer A-4174/2007 vom 27. März
2008 m.H. auf BGE 128 V 82 E. 2b, BGE 117 Ia 322 E. 1c, BGE 115 V 257
E. 4c, BGE 114 Ia 278 E. 3b, BGE 114 V 61 E. b).
Die Bekanntgabe der Besetzung muss dabei so früh wie möglich – spätes-
tens aber im Rubrum mit dem Entscheid – erfolgen (BGE 128 V 82 E. 3b;
Urteil des BVGer A-4174/2007 vom 27. März 2008 E. 2.4.2).
8.2 Die Ansicht des SEM in der Vernehmlassung, aufgrund des Kürzels
seien die Personen bestimmbar, welche die Verfügung erarbeitet hätten,
greift zu kurz. Denn die Namen, welchen die Kürzel zuzuordnen sind, las-
sen sich nur mit Bezug auf die Chefin Asylverfahren 1 aus einer öffentlich
zugänglichen Quellen eruieren (www.staatskalender.admin.ch > Schnell-
suche „EVZ B._“ > Bereich „Asylverfahren 1“). Hinsichtlich des Kür-
zels „Fch“ erschliesst sich der Name nicht aus dem Staatskalender, son-
dern lediglich aus amtsinternen Quellen. Anders als im Verfahren D-
2335/2013 lässt sich der Name auch aus keinem anderen Aktenstück her-
leiten (vgl. die dortige Erwägung 3.4.5), zumal er im N-Dossier konsequent
anonymisiert wurde (vgl. etwa den Absender in act. A44). Eine teilweise
blosse Bestimmbarkeit aufgrund amtsinterner Quellen ermöglicht es dem
Beschwerdeführer jedoch nicht, die vollständige Zusammensetzung der
verfügenden Behörde zu eruieren. Durch seine Praxis, die Namen der Per-
sonen, welche an den Verfügungen mitwirken, nicht offenzulegen, verletzt
das SEM somit den in Erwägung 8.1 skizzierten Anspruch aus Art. 29 Abs.
1 BV (vgl. im Ergebnis übereinstimmend Urteil des BVGer D-2335/2013
vom 8. April 2014 E. 3.4.3 und 3.4.5).
8.3 Die vom SEM pauschal vorgebrachten Sicherheitsüberlegungen ver-
mögen diese Verletzung nicht zu rechtfertigen. Eine Verheimlichung der
Namen, der an einer Verfügung mitwirkenden Personen, kann sich zwar
rechtfertigen, wenn im Einzelfall konkrete Hinweise oder Ereignisse auf
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eine Gefährdung hindeuten würden. In einem solchen Fall können die pri-
vaten Interessen der SEM-Mitarbeitenden das Recht des Asylsuchenden,
die Zusammensetzung der verfügenden Behörde zu kennen, überwiegen.
Solche Anhaltspunkte sind in casu aber nicht ersichtlich und werden von
der Vorinstanz auch nicht geltend gemacht. Vielmehr wird mit der allgemei-
nen Nähe zwischen den Mitarbeitenden des SEM und den Asylsuchenden
argumentiert, woraus sich aber noch keine Gefährdung zu ergeben ver-
mag. Es wird denn auch nicht dargelegt, dass solche Übergriffe in der Ver-
gangenheit vorgekommen wären. Anzumerken ist ausserdem, dass auch
in anderen EVZ vergleichbare räumliche Gegebenheiten vorliegen, ohne
dass dort die Verheimlichung der Namen der Fachreferenten notwendig
scheint. Insgesamt ist die vom SEM ergriffene Massnahmen allein auf-
grund allgemeiner Sicherheitsüberlegungen als nicht verhältnismässig zu
qualifizieren. Hinzu kommt vorliegend, dass der Beschwerdeführer im Sep-
tember 2015 dem Kanton C._ zugewiesen wurde (vgl. act. A11) und
sich somit bereits seit Längerem nicht mehr im EVZ B._ befindet.
8.4 Der formelle Mangel der Verfügung wird allerdings dadurch etwas rela-
tiviert, dass es sich für den Beschwerdeführer beim Mitarbeiter des SEM
mit dem Kürzel „Fch“ nicht um eine vollkommen unbekannte Person oder
gar ein „Phantom“ handelt, da er diesem bereits in der Anhörung persönlich
begegnet ist. Es ist daher anzunehmen, dass sich Gründe für etwaige Ein-
wände (insbesondere für ein Ausstandsbegehren) gegen dessen Involvie-
rung in die Verfügung bereits aufgrund dieser Begegnung ergeben hätten
und somit hätten geltend gemacht werden können. Dem Beschwerdeführer
wurde zudem der Name des entsprechenden Mitarbeiters des SEM durch
das Gericht am 17. August 2017 mitgeteilt, ohne dass vom Beschwerde-
führer in der Folge substanziierte Einwände gegen die betreffende Person
geltend gemacht wurden. Der Vorwurf in der Eingabe vom 28. August 2017,
wonach sich die Voreingenommenheit des Mitarbeitenden des SEM aus
seinen mangelhaften Länder- und Verfahrenskenntnissen sowie der un-
sorgfältigen Verfahrensführung ergebe, reicht zur Bejahung der Befangen-
heit nicht aus. Prozessuale Fehler oder Fehlentscheide in der Sache füh-
ren nur ausnahmsweise zur Annahme der Befangenheit, wenn es sich um
krasse und wiederholte Irrtümer handelt, welche zugleich als schwere
Amtspflichtverletzung darstellt (BREITENMOSER / SPORI FEDAIL, in: Wald-
mann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, N 97
zu Art. 10). Wie obige Ausführungen zeigen, sind die in diesem Teilent-
scheid abgehandelten formellen Mängel weder als krass geschweige denn
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als wiederholt zu bezeichnen. Dass weitere gravierende Fehler in der Ver-
fahrensführung begangen worden seien, wird vom Beschwerdeführer le-
diglich unsubstanziiert behauptet. Ebenso wenig stellt der Umstand, dass
der Beschwerdeführer der Ansicht ist, das SEM bewerte die Lage in Sri
Lanka unzutreffend, einen solchen Grund dar. Die Frage der rechtzeitigen
Anrufung dieser Einwände kann an dieser Stelle offenbleiben (vgl. dazu
BREITENMOSER / SPORI FEDAIL, a.a.O., N 104 ff. zu Art. 10).
Analog zu Erwägung 6.3 würde eine Rückweisung der Sache zu einem
unnötigen Leerlauf führen, weshalb der Mangel als geheilt zu erachten ist.
Es ergeht jedoch der Hinweis an das SEM, dass – trotz vorliegend erfolgter
Heilung – seine derzeitige Praxis, die Namen der Sachbearbeiter systema-
tisch nicht offenzulegen, nicht rechtmässig und daher anzupassen ist.
9.
Die Beschwerdebegehren 2 und 3 (Nichtigkeit oder Rückweisung an die
Vorinstanz aufgrund eines Eröffnungsfehlers respektive mangelhafter Ak-
teneinsicht) und 4 (Rückweisung an die Vorinstanz aufgrund fehlender Na-
mensnennung) sind mithin abzuweisen.
10.
10.1 Die Abweisung der formellen Rügen hat keine Kostenfolge (vgl. nach-
folgende Begründung analog).
10.2 Angesichts der berechtigten formellen Rügen ist dem Beschwerde-
führer trotz des Umstandes, wonach er mit seinen Rechtsbegehren letztlich
nicht durchgedrungen ist, eine angemessene (reduzierte) Parteientschädi-
gung für die ihm aus der Beschwerdeführung im Rahmen der festgestellten
Verfahrensmängel erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen. Eine
Entschädigung ist auch deshalb angezeigt, da dem Beschwerdeführer auf-
grund einer mangelhaften Eröffnung keine Nachteile erwachsen dürfen.
Eine Kostennote wurde nicht zu den Akten gereicht. Der in der Beschwer-
deergänzung und der Replik angegebene Mehraufwand von 13 Stunden
aufgrund der mangelhaften Eröffnung ist weder substanziiert noch er-
scheint er aufgrund der Aktenlage als angemessen. Auf das Nachfordern
einer detaillierten Kostennote wird verzichtet, da sich der diesbezüglich
notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten hinreichend zuverläs-
sig abschätzen lässt. Unter Berücksichtigung der in Betracht zu ziehenden
Bemessungsfaktoren (Art. 8-13 VGKE) ist der entschädigungspflichtige
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Aufwand für die berechtigte Geltendmachung der formellen Rügen auf ins-
gesamt Fr. 250.– festzusetzen. Über die Entschädigungsfolge wird endgül-
tig im verfahrensabschliessenden Urteil befunden.
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