Decision ID: 1a174c0d-b91e-4e7f-ba85-8589720667a4
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
am 2
8.
Dezember
1990,
leidet seit Geburt an
körperli
chen und geistigen Behinderungen ungeklärter Ätiologie
(
Urk.
7/1/7-18,
Urk.
7/1/19
). Am 2
9.
Juni 2010
reiste er zusammen mit seinen Eltern aus
Z._
in die Schweiz ein
(
Urk.
7/3/3,
Urk.
7/3/9
). Am 3. August 2010
(Eingangsdatum)
meldete ihn sein
Vater
Y._
bei der
Sozialver
si
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2
,
Urk.
7/5
)
.
Die IV-Stelle erteilte
X._
am 22. Dezember 2010 Kosten
gutsprache für die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung als Industriepraktiker
prA
in der
A._
vom
1
0.
Januar 2011 bis zum
9.
Januar 2013
(
Urk.
7/
13
) und verfügte für die Dauer dieser Massnahme
die Ausrichtung eines Taggeldes
(
Urk.
7/16,
Urk.
7/25
,
Urk.
7/58
)
.
Zudem übernahm die IV-Stelle die zusätzlichen Kosten des betreuten Wohnens in einem Wohn
heim
vom
1
2.
März 2012 bis
9.
Januar 2013 (
Urk.
7/26
,
Urk.
7/29,
Urk.
7/34
).
Nach durchgeführten Ab
klärungen stellte die IV-Stelle
X._
mit Vorbescheid vom 2
4.
September 2012
bei einem Invaliditätsgrad von 80%
die Ausrichtung einer ganzen Rente
ab
1.
Januar 2013
und die Verrechnung der Taggelder vom 1. bis 9. Januar 2013 mit dieser Rente
in Aussicht (
Urk.
7/47).
Dagegen erhob
X._
keinen
Ei
nwand, woraufhin die IV-Stelle am
4.
Januar 2013
die Ausrichtung einer ausserordent
lichen Invalidenrente im Betrag von
monatlich
Fr. 1‘170.-- mit Wirkung ab 1. Januar 2013
verfügte
(
Urk.
2/2).
2.
Hiergegen
erhob
Y._
am
4.
Februar 2013 Beschwerde und bean
tragte sinngemäss in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
vom 4. Januar 2013
sei
X._
eine 133
1/3
%
des
Mindestbetrags
der ordentlichen Vollrente
ent
spre
chende ausserordentliche Rente
zuzusprechen (Urk. 2/1).
Mit Gerichtsverfügung vom 20. Februar 2013 setzte das Gericht dem Beschwer
deführer und
Y._
Frist zur Einr
eichung einer schriftlichen
Ver
tre
tungs
vollmacht
(Urk. 2/4). Eine solche ging beim Gericht nicht ein, worauf die
ses mit Beschluss
IV.2013.00136
vom 19. März 2013 auf die Beschwerde nicht eintrat (Urk. 2/6).
Dagegen erhob
Y._
Beschwerde
beim
Bundesge
richt, welches mit Urteil 8C_338/2013 vom 12. August 2013 feststellte
, dass
der Vater des Beschwerdeführers ein eigenständiges Recht zur Geltend
machung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf Leistungen der In
validenversicherung habe, und i
n Gutheissung der Beschwerde
den Beschluss des
hiesigen Gerichts
vom 1
9.
März 2013 auf
hob und
die Sache zu neuer Ent
sch
eidung an die Vorinstanz zurück
wies
(
Urk.
1
S.
4 und
5
).
Das Gericht setzte der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 1
1.
September 2013 Frist zur Erstattung der Beschwerdeantwort (
Urk.
4).
Mit
Beschwerdeant
wort
vom
1.
Oktober 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6, unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/1-77). Am 1
1.
Oktober 2013 nahm
Y._
unaufgefordert zur Beschwerdeantwort Stellung (
Urk.
9). Die Beschwerdegegnerin erhielt
mit Mitteilung vo
m 1
7.
Oktober 2013 eine Kopie davon (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer
ab dem
1.
Januar 2013 An
spruch auf
eine
ausserordentliche Rente in Höhe von
133 1/3 % des Mindest
betrags der ordentlichen Vollrente hat.
1.2
Die Beschwerdegegnerin macht geltend, aus der Mitteilung vom 21. Januar 2013 (Urk. 7/63) gehe hervor, dass der Beschwerdeführer seine Ausbildung zum Industriepraktiker am 9. Januar 2013 abgeschlossen habe.
D
er Rentenanspruch
sei somit erst am
1. Januar 2013, nach Abschluss der be
ruf
lichen Massnahme
, entstanden
(Urk. 6).
1.3
Der Beschwerdeführer
lässt
sinngemäss
vorbringen,
dass der Beginn des Ren
ten
anspruchs (
1.
Januar 2013) nicht in Frage gestellt werde.
E
r sei seit Geburt behindert und habe bis 28. Juni 2010
in
Z._
gelebt. Das Ab
kommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäi
schen Gemein
schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügig
keit vom 21. Juni 1999 (FZA) stelle Schweizer mit
EU-Bürgern gleich.
Die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer 133 1/3 % des Mindest
betrags der ordentlichen Vollrente ent
sprechende
n
ausserordentliche
n
Rente seien er
füllt (
Urk.
2/1 und
Urk.
9).
2.
2.1
2.1.1
Gemäss Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage von Art. 8 FZA ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II („Ko
ordi
nation der Systeme der sozialen Sicherheit“) FZA in Verbindung mit Abschnitt A dieses Anhanges wenden die Vertrags
par
teien untereinander insbesondere die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Euro
päischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
(nachfol
gend Verordnung 883/2004)
und die Verordnung (EG)
Nr. 987/2009 des Euro
päischen Parlamentes und des Rates vom 16. September 2009 zur Fest
le
gung der Modalitäten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit oder gleichwertige Vor
schriften an. Die beiden genannten gemeinschaftsrechtlichen Verordnungen sind für die Schweiz durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Ge
mischten Aus
schusses vom 31. März 2012 zur Ersetzung des Anhanges II FZA über die Koor
dinierung der Systeme der sozialen Sicherheit per 1. April 2012 in Kraft getre
ten (vgl. BGE 138 V 533
E. 2.1
mit Hinweis
).
2.1.2
Das FZA und insbesondere die Verordnung 883/2004 sind in persönlicher Hin
sicht auf den Beschwerdeführer anwendbar, weil er
Familienangehöriger
eines
Wanderarbeiters
aus Z._
mit Wohnsitz in einem Mitgliedstaat
(Schweiz)
, wel
cher den Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedsstaaten untersteht oder unter
stand, ist (
Art.
2
Abs.
1 der Verordnung 883/2004)
. Auch der sachli
che Anwen
dungsbereich ist gegeben. Dieser bezieht sich gemäss
Art.
3
Abs.
1 der Verord
nung 883/2004 auf alle Rechtsvorschriften der sozialen Sicherheit, welche unter anderem Leistungen bei Invalidität (
lit
. c)
betreffen
, zu welchen auch die vorliegend strittige ausserordentliche Invalidenrente zu zählen ist (vgl. BGE 134 V 236 E. 5.2.4.2).
Gemäss
Art.
45 der Veror
dnung 883/2004
wendet
d
er zuständige Träger eines Mitgliedstaats, nach dessen Rechtsvorschriften der Erwerb, die Aufrechter
hal
tung oder das Wieder
aufleben des Leistungsanspruchs davon abhängig ist, dass Ver
sicherungs- oder Wohnzeiten zurückgelegt wurden,
soweit erforderlich,
Art.
51
Abs.
1
dieser Verordnung
entsprechend an.
Laut
Art.
51
Abs.
1 Ab
schnitt 1 der Verordnung 883/2004
berücksichtigt der zuständige Träger dieses Mitgliedstaats die nach den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats zurückgelegten Zeiten nur dann, wenn sie in einem entsprechenden System, oder, falls es ein solches nicht gibt, in dem gleichen Beruf oder gegebenenfalls in der gleichen Beschäftigung oder selbstständigen Erwerbstätigkeit zurück
ge
legt wurden
, wenn
nach den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats die Gewährung bestimmter Leistungen davon abhängig
ist
, dass die
Versicherungs
zeiten
nur in einer bestimmten Be
schäftigung oder selbstständigen Erwerbs
tätigkeit oder einem Beruf zurück
gelegt wurden, für die ein Sondersystem für beschäftigte oder selbstständig erwerbstätige Personen gilt.
D
er Träger eines Mitgliedstaats
ist
aber
nicht verpflichtet, Leistungen für Zeiten zu gewähren, die nach den für ihn geltenden Rechtsvorschriften zurückgelegt wurden und bei Eintritt des Versicherungsfalls
zu berücksichtigen sind, wenn die Dauer dieser Zeiten weniger als ein Jahr beträgt
und allein aufgrund dieser Zeiten kein
Leis
tungsanspruch
nach diesen Rechtsvorschriften erworben wurde
(
Art.
57
Abs.
1 der Verord
nung
883/2004)
.
In Anhang X zur Verordnung 883/2004 erklärt die Schweiz b
eitragsunab
hän
gige
ausserordentliche
Invalidenrenten (
Art.
39
des
Bundesgesetz
es
über die Inva
lidenversicherung,
IVG), die vor Eintritt ihrer Arbeitsunfähigkeit nicht auf
grund einer Tätigkeit als Arbeitnehmer oder Selbständige unter schw
eize
risches Recht gefallen sind, als besondere
beitragsunabhängige Geldleistungen nach Art. 70
Abs.
2
lit
. c
der
Verordnung 883/200
4.
Damit kommt Art. 7
der
Ver
ord
nung
883/2004 (Aufhebung der Wohnortklauseln) nicht zur Anwendung (
Art.
70
Abs. 3
der Verordnung 833/2004
). Sie werden ausschliesslich in dem Mitgliedstaat, in dem die betreffenden Personen wohnen, und nach dessen Rechtsvorschriften gewährt. Die Leistungen werden vom Träger des Wohnorts und zu seinen Lasten gewährt (
Art.
70
Abs. 4
der Verordnung 833/2004
). Das Diskriminierungsverbot (Art. 2 FZA) gilt –
abgesehen vom Erfordernis des Wohnsitzes
–
gleichwohl. Das heisst, der deutsche Staatsangehörige hat – so
lange er W
ohnsitz in der
S
chweiz hat
– nach denselben Regeln wie ein Schwei
zerischer Staatsangehöriger Anspruch auf eine ausserordentliche In
validenrente
(vgl. auch BGE 131 V 390
E. 7.2
, 13
4
V 236 E. 6.1, wonach die Re
gelung von
Art.
42
Abs.
1 Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
[AHVG]
i.V.m
.
Art.
39
Abs.
1
IVG
im Hinblick auf Art 3
Abs.
1 der damals
an
zuwen
denden Verordnung 1408/71
diskriminierend war).
2.2
2.2.1
Vorbehältlich Art. 9 Abs. 3 IVG haben a
us
ländische Staatsangehörige
nur
so
lange
Anspruch auf Leistungen des IVG, als
sie ihren Wohnsitz und gewöhnli
chen Aufenthalt (
Art.
13 ATSG) in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich un
unter
brochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. Für im Aus
land wohnhafte Angehörige dieser Personen werden keine Leistun
gen gewährt (
Art.
6
Abs.
2 IVG).
Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente haben
V
ersicherte, die bei
Eintritt der Invalidität
während mindestens drei Jahren Bei
träge geleistet haben, (Art. 36
Abs.
1 IVG).
Hat eine versicherte Person mit vollständiger Beitragsdauer bei Eintritt der Invalidität das 2
5.
Altersjahr noch nicht zurückgelegt, so betra
gen
ihre
(ordentliche)
Invalidenrente und allfällige Zusatzrenten min
destens 133 1/3 Prozent der Mindestansätze der zutreffenden Vollrenten (
Art.
37
Abs.
2 IVG).
2.
2
.2
Schweizer Bürger
und invalide Ausländer und Staatenlose, die als Kinder die Voraussetzungen von
Art.
9
Abs.
3 IVG erfüllt haben,
können Anspruch auf
ausserordent
liche
Invalidenr
enten
haben. Der Anspruch
von Schweizer Bürgern
richtet sich nach den Bestimmungen des AHVG
(Art. 39
Abs. 1
IVG
)
.
Gemäss
Art. 42
Abs.
1
AHVG
haben Schweizer Bürger mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt
(
Art.
13 ATSG)
in der Schweiz
Anspruch auf eine ausserordentliche Rente, die während der gleichen Zahl von Jahren versichert waren wie ihr Jahr
gang, denen aber keine ordentliche Rente zusteht, weil sie bis zur Entstehung des Rentenanspruchs nicht während eines vollen Jahres der
Bei
tragspf
licht
unter
stellt gewesen sind.
2.2.3
Die ausserordentlichen Renten entsprechen, vorbehältlich Art. 40 Abs. 2 und 3 IVG dem Mindestbetrag der zutreffenden ordentlichen Vollrente (Art. 40 Abs. 1 IVG). Gemäss Art. 3 Abs. 1 der Verordnung 13 an die Anpassung der Lohn- und Preisent
wicklung bei der AHV/IV/EO vom 21. September 2012, in Kraft seit 1. Januar 2013, beträgt der Mindestbetrag der vollen Altersrente Fr. 1‘170.--. Die ausserordentlichen Renten für Personen, die vor dem 1. Dezember des der Vollendung des 20. Altersjahres folgenden Jahres
invalid geworden
sind, ent
sprechen 133 1/3 Prozent des Mindestbeitrages der zutreffenden ordentlichen Vollrente (Art. 40 Abs. 3 IVG), mithin Fr. 1‘560.-- (Fr. 1‘170.-- x 1.33 1/3).
2.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 Bundesgesetz über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die In
validität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbs
un
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Er
werbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berück
sich
ti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.5
Gemäss
Art.
4
Abs.
2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat
(leistungsspezifischer Invaliditätseintritt)
.
Der
Eintritt der rentenbegründenden Invalidität bestimmt sich nach
Art.
8
Abs.
1 ATSG in Ver
bindung mit
Art.
28 IVG
(E. 2.
3
und E. 2.
4
)
.
Nach der Rechtsprechung des Bun
desgerichts ist für den Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität die Entstehung des Rentenanspruches entscheidend (BGE 137 V 417 E. 2.2.1 mi
t Hinweis auf ZAK 1974 S. 253).
Ein früher eingetretener Anspruch auf andere Leistungen der In
validenversicherung ist nicht konstitutiv (BGE 137 V 417 E. 2.2.3 mit Hinweis).
2.
6
Der
Rentenanspruch entsteht
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Art. 29 Abs. 1 IVG). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Art. 29 Abs. 2 IVG).
Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Art.
29
Abs.
3 IVG).
Bei Geburts- und Frühinvaliden tritt der Ver
siche
rungsfall in der Regel im Zeitpunkt der Vollendung des 1
8.
Altersjahres ein, was jedoch nur gilt, sofern diese Versicherten im besagten Zeitpunkt nicht in Eingliederung stehen
. I
n einem solchen Fall tritt die für den Rentenanspruch spezi
fische Invalidität erst nach Abschluss oder Abbruch der
Eingliederungs
mass
nahmen ein (
Randziffer 1032 des
Kreisschreiben
s über Invalid
i
tät
und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab
1.
Januar 2013
;
vgl. BGE
137 V 417 E. 2
).
3.
3.1
Mit Begründung des Wohnsitzes in der Schweiz per
2
9.
Juni 2010 war der Beschwerdeführer bei der AHV/IV obligatorisch versichert (Art. 1b IVG
i.V.m
. Art. 1a AHVG). Nachdem er
sein
20. Lebensjahr am 28. De
zember 2010 vollen
det hatte, war
er
ab
dem
1. Januar 2011 auch als Nichter
werbstätiger beitrags
pflichtig
(
Art.
2 IVG
i.V.m
. Art. 3 Abs. 1 AHVG
)
.
Der Be
schwerdeführer wurde am 3. August 2010 von seinem Vater bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
gemeldet (Urk. 7/2
,
Urk.
7/5
)
.
Sein
Rentenanspruch wäre
somit
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten entstanden (
Art.
29
Abs.
1 IVG)
.
Die
Be
schwerde
gegnerin
richtete dem Beschwerdeführer allerdings w
ährend der Dauer der
erst
malige
n
be
rufliche
n
Ausbildung
zum
Industrie
praktiker
vom 10. Januar 2011 bis 9. Jan
uar 2013 (Urk. 7/13) ein Taggeld aus (
Urk. 7/16, Urk. 7/25, Urk. 7/58
).
Damit
bestand erst ab dem
1. Januar 2013
ein Rentenanspruch
(
Art.
29
Abs.
2 und 3 IVG
). Nach Gesetz und Recht
sprechung
gilt
– bezüglich des Anspruchs auf eine Invalidenrente –
die Invalidität als a
n
diesem Tag
eingetreten.
Damit
konnte der Be
schwerde
führer zum vornherein die Mindestbeitragszeit von drei Jahren für eine ordent
liche Inval
idenrente (
Art.
36
Abs.
1 IVG)
nicht erfüllen
. Dies
unabhängig
davon, ob ihm
aufgrund des FZA bzw. der Verordnung 883/2004
allenfalls deutsche
Beitrags
zeiten
, welche Jugendjahre wären,
hätten angerechnet werden können. Der Be
schwerdeführer könnte m
aximal zwei
Be
tragsj
ahre
(2011 und 2012)
vorweisen
.
Demzufolge hat er keinen Anspruch auf eine
ordentliche
Invalidenrente.
3.2
Zu prüfen bleibt
der
Anspruch
des Beschwerdeführers
auf eine ausserordentliche Invalidenrente.
Der Beschwerdeführer
hatte
ab 2
9.
Juni 2010, mithin
vor dem
1.
Januar nach Vollendung des 2
0.
Altersjahres
(2010)
, d.h. noch vor Beginn der Beitragspflicht, Wohnsitz in der Schweiz. Damit ist er in jedem Fall während gleich vielen Jahren wie sein Jahrgang versichert und hat damit
in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen des FZA
Anspruch a
uf eine ausserordentliche Rente
wie ein
Schweizer Bürger
(
Art.
39
Abs.
1 IVG
i.V.m
.
Art.
42
Abs.
1 AHVG). Aufgrund des Dis
kriminierungsverbots (Art. 2 FZA) gilt dies
unab
hängig seiner St
aatsange
hörigkeit, solange er Wohn
sitz in der Schweiz
hat
(E.
2.1.2
).
Weil die Invalidität gemäss IVG erst am
1.
Januar 2013 eingetreten ist,
mithin als der
1990
geborene
Beschwerde
führer bereits 22 Jahre alt war,
besteht kein Anspruch auf eine aus
serordentliche Invalidenrente gemäss
Art.
40
Abs.
3 IVG (133 1/3 Prozent des Mindestbetrags der zutreffenden Vollrente)
, sondern ein
Anspruch
auf eine ausserordentliche Invalidenrente gemäss
Art.
40
Abs.
1 IVG (Mindestbetrag der zutreffenden ordentlichen Vollrente bzw. Fr. 1‘170.--
pro Monat
).
Hinweise dafür, dass sich die
erst
nach der Einreise in
die Schweiz zugesprochene, erstmalige berufliche Aus
bildung aufgrund der Invalidität des Beschwerdeführers verzögert hätte, etwa dadurch, dass
er
ein Ausbildungsjahr hätte wieder
holen müssen, sind den Akten nicht zu entnehmen. Gemäss Aus
bildungsvertrag
mit der
A._
vom 6. Dezember 2010 dauerte die Ausbildung des Beschwerdeführers vom 10. Januar 2011 bis 9. Januar 2013 (Urk. 7/9/11). Dass der Beschwerdeführer – wie von
Y._
sinngemäss behauptet (
Urk.
2/1 S. 1) – seine Aus
bildung bereits Mitte des Jahres 2012 hätte abschliessen können, geht aus den Akten nicht hervor. Aber selbst wenn der Rentenanspruch bereits Mitte des Jahres 2012 entstanden wäre,
wäre
kein An
spruch auf eine ausserordentliche Rente gemäss
Art.
40
Abs.
3 IVG
gegeben
, weil der Beschwerdefü
hrer damals bereits 21 Jahre alt
war.
Eine Dis
kriminie
rung aufgrund der Nationalität liegt nicht vor. Auch ein Schweizer mit demsel
ben Geburtsdatum sowie Rentenbeginn hätte keinen Anspruch auf eine höhere Rente.
3.3
Die angefochtene Verfügung vom
4.
Januar 2013 (
Urk.
2/2) erweist sich als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
4.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), auf Fr. 600.-- anzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.