Decision ID: 20619321-b121-4df6-9f85-2787a99f0327
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war am 24. September 1989 als Beifahrerin in
eine Auffahrkollision verwickelt und erlitt ein Schleudertrauma. Es entwickelte sich ein
traumatisches Cervikovertebralsyndrom bei Status nach Schleudertrauma der
Halswirbelsäule (UV-act. 1 ff.). In der Folge erbrachte die Elvia, Schweizerische
Versicherungs-Gesellschaft Zürich (nachfolgend: Elvia), die Leistungen nach dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG). Die Taggelder wurden entsprechend
der von Dr. med. B._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, bescheinigten
Arbeitsunfähigkeit bis am 5. Juni 1990 entrichtet (UV-act. 6).
A.b Mit ärztlichem Zwischenbericht UVG vom 20. Februar 1992 meldete Dr. B._,
dass die Versicherte infolge starker Schmerzen die Arbeit wieder habe aussetzen
müssen. Er bescheinigte vom 22. Januar bis 19. Februar 1992 eine 100%-ige, danach
bis auf weiteres eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 13).
A.c Am 26. Februar 1992 verunfallte die Versicherte mit ihrem Auto erneut, indem
dieses – seitlich frontal – mit einem anderen Personenwagen kollidierte. Dabei erlitt sie
ein traumatisches Cervikovertebralsyndrom und eine Kontusion beider Schultern. Dr.
B._ bescheinigte ab 27. Februar 1992 bis auf weiteres eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 14). In der Folge erbrachte die Elvia erneut die Leistungen
gemäss UVG. Ab 25. Mai 1992 attestierte Dr. B._ eine 75%-ige (UV-act. 17 f.), ab 16.
August 1993 bei Zunahme der Beschwerden wieder eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit
(UV-act. 19).
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A.d Laut Gutachten der Klinik SVK für neurologische Rehabilitation, Leukerbad
(nachfolgend: SVK), vom 29. Juni 1995 diagnostizierten die involvierten Ärzte der
Neuropsychologie und Neurologie einen Status nach einem zweimaligen indirekten
Distorsionstrauma der Halswirbelsäule mit einem chronifizierten zerviko-zephalen und
zerviko-brachialen Schmerzsyndrom sowie rezidivierenden tendomyotischen
Beschwerden bei allgemeiner muskulärer Insuffizienz, leichten kognitiven
Teilleistungsstörungen und unfallbedingten Exazerbationen einer vorbestehenden bis
zu den beiden Unfällen voll kompensierten neurotischen Entwicklung mit depressiven
und narzisstischen Anteilen (Diagnose ZMB Basel; UV-act. 22-29).
A.e Mit Verfügung vom 13. September 1995 sprach die Elvia der Versicherten eine
Integritätsentschädigung von 35% zu (UV-act. 75). Am 25. Oktober 1995 verfügte die
Elvia eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 60% ab 1. Oktober
1995 (UV-act. 78). Beide Verfügungen erwuchsen in Rechtskraft. Nachdem die
Versicherte mit Schreiben vom 3. und 26. Juli 1996 ein Revisions-, eventualiter
Wiedererwägungsbegehren gestellt hatte (UV-act. 80 ff.), verfügte die Elvia am 30.
Oktober 1996 im Sinne einer Wiedererwägung eine Invalidenrente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 75% ab 1. Oktober 1995 (UV-act. 84). Auch diese Verfügung
erwuchs in Rechtskraft.
B.
B.a Anlässlich der periodischen Prüfung einer allfälligen Rentenrevision veranlasste die
Rechtsnachfolgerin der Elvia, die Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
(nachfolgend: Allianz), im Frühling 2014 eine polydisziplinäre Begutachtung bei der
SMAB AG (Swiss Medical Assessment- and Business-Center AG; nachfolgend SMAB;
UV-act. 104 ff.). Das Gutachten erging am 14. Juli 2014 (UV-act. 39). Als unfallrelevante
Diagnose führten die Gutachter ein panvertebrales Schmerzsyndrom bei Status nach
HWS-Distorsionstraumata 1989 und 1992 ohne echtzeitnahe Neuropathologie und
ohne bleibende Unfallfolgen auf. Im Übrigen erwähnten die Gutachter als Vorzustand
eine Osteochondrose C4/5, aktuell röntgenologisch mehrsegmentale cervicale
Osteochondrosen, Spondylosen und Unkovertebralarthrosen sowie als weitere
Diagnosen einen mässig ausgeprägten und teilfixierten Rundrücken und Hartspann der
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paravertebralen Rückenstreckmuskulatur und eine (anamnestische) Migräne (UV-act.
39-13).
B.b Gestützt auf das SMAB-Gutachten, welches der Versicherten in adaptierter
Tätigkeit eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit seit Mitte/Ende 1992 bescheinigte (UV-act.
39-15), stellte die Allianz mit Verfügung vom 6. Januar 2015 die laufende Rente per
Ende Januar 2015 ein (UV-act. 122).
C.
Am 9. Februar 2015 liess die Versicherte durch Rechtsanwältin R. Schmid, St. Gallen,
gegen die Verfügung vom 6. Januar 2015 Einsprache erheben (UV-act. 126). Am 17.
März 2015 reichte die Rechtsvertreterin eine weitere Eingabe ein (UV-act. 129). Am 9.
November 2015 wies die Allianz die Einsprache ab (UV-act. 130).
D.
D.a Gegen den Einsprachentscheid der Allianz (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 10. Dezember 2015 durch
ihre Rechtsvertreterin unter Entschädigungsfolge Beschwerde erheben mit den
Rechtsbegehren: 1. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 9.
November 2015 sei aufzuheben; 2. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 6.
Januar 2015 sei aufzuheben; 3. Es sei der Beschwerdeführerin weiterhin eine ganze
Rente der Unfallversicherung auszurichten (act. G 1).
D.b In der Beschwerdeantwort vom 1. Februar 2016 beantragte die
Beschwerdegegnerin unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne (act. G 3).
D.c In der Replik vom 3. März 2016 hielt die Beschwerdeführerin unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 5). Im Nachgang zur Replik reichte sie am 10. März 2016
zudem eine weitere Eingabe samt Beilage ein (act. G 7). Auch die Beschwerdegegnerin
hielt mit Duplik vom 30. März 2016 unverändert an ihren Anträgen und deren
Begründungen fest (act. G 9).
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D.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die aufgrund der 1. UVG-Revision geänderten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der
dazugehörenden Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft
getreten. Nachdem vorliegend Bestimmungen zur Anwendung gelangen, die mit der
Revision keine Änderung erfahren haben, erübrigt sich eine intertemporalrechtliche
Beurteilung.
2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist, ob die Einstellung der
Rente rechtmässig war.
2.1 Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10% invalid (Art.
8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG).
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
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geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Eine Veränderung der gesundheitlichen
Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in
seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat
(Urteil des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2). Dagegen stellt die
bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein
genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Oktober 2013, 8C_211/2013, E. 2.2). Im Bereich der
obligatorischen Unfallversicherung ist die erforderliche Erheblichkeit der
Sachverhaltsänderung gegeben, wenn sich der Invaliditätsgrad um 5% verändert (BGE
140 V 87 E. 4.3).
2.3 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige
Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos
unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die
erstgenannte Voraussetzung meint, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn
weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügung möglich, also einzig dieser Schluss
denkbar ist. Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn
eine Leistungszusprechung aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener
Rechtsregeln erfolgt war oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig
angewandt wurden (BGE 140 V 79 E. 3.1). Anders verhält es sich, wenn der
Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren
Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung
einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen
(Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung,
Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im
Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die
Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein
vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein
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einziger Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar (BGE 138 V
328 E. 3.3).
2.4 Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen
und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3.a).
3.
Die Frage der wesentlichen Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen beurteilt sich
durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenverfügung bestanden hat (bzw. der letzten rechtskräftigen Verfügung, welche
auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht), mit demjenigen zur Zeit der
streitigen Revisionsverfügung (BGE 134 V 132 f. E. 3). Die letzte rechtskräftige
Verfügung datiert vom 30. Oktober 1996 (UV-act. 84), die streitige Revisionsverfügung
wurde am 6. Januar 2015 erlassen (UV-act. 122). Zu prüfen ist damit, ob eine in E. 2.2
beschriebene wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen zwischen
Oktober 1996 und Januar 2015 vorliegt, womit ein Revisionsgrund nach Art. 17 ATSG
gegeben wäre.
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3.1 Die Rechtsvorgängerin der Beschwerdegegnerin, die Elvia, stützte sich bei der
ursprünglichen Rentenzusprache insbesondere auf das von C._, dipl. Psychologe,
Leiter Neuropsychologie, und Dr. D._, Chefarzt, FMH Neurologie, anlässlich des
stationären Aufenthalts der Beschwerdeführerin (vom 30. März bis 20. April 1995) in der
Klinik SVK erstellte Gutachten vom 29. Juni 1995 (UV-act. 22). Die gestellten
Diagnosen sind unter vorstehender lit. A.d aufgeführt. Die schmerzbedingte
Einschränkung der HWS-Beweglichkeit könne objektiviert werden, wobei die
Röntgenbilder der HWS eher leichtgradige, sicher zum Teil vorbestehende
degenerative Veränderungen zeigen würden (UV-act. 22-34). Der Befund der SPECT-
Untersuchung des Cerebrums sei ein weiterer Hinweis einer vorliegenden organischen
Störung (UV-act. 22-35). Ebenso könnten testpsychologisch die von der Patientin
angegebenen kognitiven Teilleistungsstörungen verifiziert werden. Die
Hauptstörungsbilder würden im Bereich der visuell-räumlichen Wahrnehmungsleistung
sowie in der reduzierten Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit liegen (UV-act.
22-34). Vorbestehende Faktoren hätten die Entstehung der aktuellen Beschwerden
massgeblich begünstigt und den Heilungsverlauf beeinflusst. Zu den vorbestehenden
Faktoren würden die aus dem Aktenstudium eruierbaren Zervikalgien,
Schulterbeschwerden und Lumbalgien, die wahrscheinlich vorbestehenden leichten
degenerativen Veränderungen der HWS (C4/5 Osteochondrose), die Migräneanfälle
und die durch den Psychiater diagnostizierte neurotische Entwicklung mit depressiven
und narzisstischen Anteilen, die bis zu den beiden Unfällen voll kompensiert gewesen
sei, zählen (UV-act. 22-35). Ein Kausalzusammenhang zwischen den aktuellen
Beschwerden und den beiden Unfallereignissen sei wahrscheinlich, im Sinne einer
richtungsgebenden Verschlimmerung des Vorzustands. Der protrahierte Verlauf der
Unfallfolgen sei mit einer Chronifizierung der Beschwerden sowie mit der vermutlich
psycho-pathologischen Verarbeitung der Unfallereignisse zu begründen (UV-act.
22-35). Vor allem aus klinisch-neurologischer Sicht sei ein Wiedereinstieg in den
angestammten Beruf als Krankenpflegerin zum aktuellen Zeitpunkt nicht zu empfehlen.
Von einem Wiedereinstieg als Pflegeleiterin mit 60 Untergebenen sei aufgrund der
klinisch-psychologischen und testpsychologischen Ergebnisse derzeit dringend
abzuraten. Ohne therapeutische Massnahmen (verhaltenstherapeutische Behandlung
und/oder wissenschaftlich begründete Schmerztherapie) sei die Beschwerdeführerin
aktuell arbeitsunfähig. Eventuell könnte es mit den vorgeschlagenen Massnahmen
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gelingen, die Patientin wieder sukzessive, über Monate bis Jahre, wenigstens teilweise
in den Arbeitsprozess zu integrieren. Wahrscheinlich würden ihr aber kaum mehr
schwere körperliche Tätigkeiten zumutbar sein (UV-act. 22-38 ff.). Die physische
Arbeitsfähigkeit werde auf ca. 50% geschätzt (UV-act. 22-31).
3.2 Die im SMAB-Gutachten vom 14. Juli 2014 gestellten Diagnosen sind unter
vorstehender lit. B.a aufgeführt. Die Beschwerdeführerin leide seit ihrem 17. Lebensjahr
an muskuloskelettalen Beschwerden. Neurologische Ausfälle seien nie vorhanden
gewesen. 1989 sei im Rahmen einer Heckauffahrkollision eine HWS-Distorsion mit
protrahierter Heilung aufgetreten. Organisch-strukturelle Verletzungen hätten aber auch
nach dem Unfall 1992 nicht vorgelegen. Der orthopädische Gutachter habe bei seinen
Untersuchungen eine weitgehend freie Beweglichkeit der HWS gefunden. Auch die
Rumpfbeweglichkeit sei weitgehend frei. In der Region des Schultergürtels und der
oberen Extremitäten sowie im Bereich des Beckengürtels und der unteren Extremitäten
seien keine gravierenden funktionellen Beeinträchtigungen feststellbar. Eine früher
beschriebene Haltungsinsuffizienz der Wirbelsäule könne aktuell nicht mehr gesehen
werden. Die psychiatrische Exploration habe anamnestisch eine depressive Störung in
den Jahren 1996 bis 1999 ergeben, seit 1999 finde keine psychiatrische oder
psychotherapeutische Behandlung mehr statt. Nach den zwei Unfällen habe die
Beschwerdeführerin ein auf Schonung ausgerichtetes maladaptives Verhaltensmuster
entwickelt. Eine wesentliche psychiatrische Komorbidität könne aber nicht festgestellt
werden (UV-act. 39-14). Die subjektiven Beschwerden könnten nicht objektiviert
werden. Für die angegeben Beschwerden im muskulären Bereich würden keine
strukturellen Läsionen vorliegen. Auch liege kein organisch nachweisbarer
Funktionsausfall vor. Das aktuell geltend gemachte Beschwerdebild stehe nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem kausalen Zusammenhang zu den Unfällen
der Jahre 1989 und 1992 (UV-act. 39-16 f.). Auf der neurologischen Ebene sei das
Belastungsprofil nicht eingeschränkt; aus psychiatrischer Sicht sollten Arbeiten in
engen Räumen gemieden werden, da offenbar eine gewisse Platzangst bestehe. Aus
orthopädischer Sicht seien altersassoziierte leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
zumutbar. Längerfristige Arbeiten mit den HWS-Bereich und den Rücken belastenden
Zwangshaltungen wie vornüber geneigt stehend, kniend, hockend, kauernd,
einhergehend mit repetitiven Bewegungsanforderungen seien zu meiden.
Bildschirmarbeiten seien aber zumutbar. Das Heben, Tragen und Bewegen von Lasten
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sei mit zehn Kilogramm limitiert. Die Arbeit in der bisherigen Tätigkeit im praktischen
Pflegedienst an Patienten sei aus orthopädischer Sicht nicht sinnvoll, somit bestehe
hier eine Arbeitsfähigkeit von 0%. Als reine Pflegedienstleisterin, ausschliesslich mit
administrativen Tätigkeiten beschäftigt, bestehe aber eine uneingeschränkte 100%-ige
Arbeitsfähigkeit, rückblickend spätestens seit Mitte/Ende 1992, ein halbes Jahr nach
dem letzten Ereignis am 26. Februar 1992. Dies gelte für sämtliche Tätigkeiten, die dem
erwähnten Belastungsprofil entsprechen würden (UV-act. 39-14 f.).
3.3 Zu Recht nicht bestritten wird der Beweiswert des SMAB-Gutachtens vom 14. Juli
2014. Dieses entspricht den aktuellen praxisgemässen Anforderungen einer Expertise
vollumfänglich. Streitig ist der von der Beschwerdegegnerin daraus gezogene Schluss,
dass damit eine erhebliche Verbesserung des Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin ausgewiesen sei.
3.4 Das SMAB-Gutachten äussert sich mehrfach in Bezug auf eine allfällige
Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin seit der
ursprünglichen Rentenzusprache. In Bezug auf das somatische Beschwerdebild wird
ausdrücklich festgehalten, dass gegenüber dem Gutachten des Zentrums für
medizinische Begutachtung (nachfolgend: ZMB) und dem SVK-Gutachten keine
Veränderung vorliege (UV-act. 39-18). Bezüglich der psychischen Beeinträchtigungen
wird eine in den Jahren 1996 bis 1999 aktenkundige depressive Störung beschrieben
(UV-act. 39-45). Die 1994/1995 beschriebene depressive Symptomatik habe die
Kriterien einer schweren depressiven Episode nicht erfüllt. Im weiteren Verlauf habe
sich die Beschwerdeführerin stabilisiert, eine Bearbeitung der zu Grunde liegenden
Selbstwertproblematik habe aber nicht stattgefunden. Die Beschwerdeführerin sei aus
dem Teufelskreis von Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls durch Leistung und
Anstrengung bei gleichzeitigen Insuffizienzgefühlen durch das maladaptive und auf
Schonung ausgerichtete Verhalten sowie durch das Schmerzsyndrom nicht
entkommen und habe keine adäquate Bewältigungsstrategien entwickelt. Trotzdem sei
es nicht zu einer rezidivierenden depressiven Störung im Verlauf gekommen (UV-act.
39-18). Gestützt auf diese Ausführungen ist in Bezug auf die bereits in den Gutachten
der SVK und ZMB der Beurteilung zu Grunde gelegte konversionsneurotische
Verarbeitung der Unfallfolgen bzw. die depressiven Elemente, die auf somatischer
Ebene ausgetragen werden (UV-act. 22-14, 33), gemäss SMAB-Gutachten keine
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relevante Verbesserung eingetreten. Die Selbstwertproblematik besteht nach wie vor
und bei der beschriebenen depressiven Störung in den Jahren 1996 bis 1999 handelt
es sich um eine vorübergehende Verschlechterung der Gesundheit. Insgesamt führen
die SMAB-Gutachter denn auch zusammenfassend aus, dass es sich um einen seit der
ursprünglichen Rentenzusprache im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand
handle, wobei lediglich dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aktuell anders
beurteilt würden (UV-act. 39-20). Damit besteht kein Grund für eine Rentenrevision
nach Art. 17 Abs. 1 ATSG (vgl. vorstehende E. 2.2).
4.
Zu prüfen bleibt, ob die ursprüngliche Verfügung in Wiedererwägung gezogen werden
durfte. Auch wenn die Voraussetzungen einer Rentenzusprache gestützt auf das
schlüssige SMAB-Gutachten aus heutiger Sicht nicht erfüllt wären, interessiert hier
einzig, ob die im Jahr 1996 erfolgte Leistungszusprache im damaligen Kontext
zweifellos unrichtig gewesen war (vgl. vorstehende E. 2.3).
4.1 Grundlage für die ursprüngliche Rentenzusprache bildete – wie erwähnt – das
neurologische und neuropsychologische SVK-Gutachten vom 29. Juni 1995. Die
Federführung zur Beurteilung der vorliegenden Verletzungen der Beschwerdeführerin
lag zum damaligen Zeitpunkt bei den neurologischen Fachärzten (vgl. dazu Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 29. März 2006, U 197/04, E. 2.2 mit Hinweisen).
Entsprechend kann dem Neurologen Dr. D._ von der SVK grundsätzlich nicht die
fachliche Eignung abgesprochen werden, die entsprechenden Beurteilungen bezüglich
Gesundheitszustand und Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, natürliche
Unfallkausalität etc. hinsichtlich des erlittenen Beschwerdebilds vorzunehmen. Es
kommt hinzu, dass nebst der neurologischen, auch eine neuropsychologische
Begutachtung durchgeführt wurde und der Beurteilung auch die übrigen medizinischen
Akten, insbesondere das von der IV-Stelle angeordnete polydisziplinäre
(orthopädische/neurologische/psychiatrische) ZMB-Gutachten, zu Grunde lagen. Damit
wurden auch die psychischen und orthopädischen Beschwerden von Fachärzten einer
externen Begutachtungsstelle beurteilt und rechtsgenüglich in der Gesamtbeurteilung
im SVK-Gutachten berücksichtigt. Insgesamt erweist sich damit auch das SVK-
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Gutachten vor dem Hintergrund der damaligen Sach- und Rechtslage als umfassend
und schlüssig und die Elvia konnte gestützt darauf zuverlässig einen
Leistungsanspruch prüfen. Weiterungen drängten sich nicht auf, womit eine klare
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nicht gegeben ist.
4.2 Zu prüfen ist ferner, ob mangels allfälliger Adäquanzprüfung durch die Elvia eine
zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfügung angenommen werden kann. Die
ursprüngliche Verfügung basierte gemäss den vorstehenden Ausführungen auf
umfassenden medizinischen Abklärungen. Entscheidend ist, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gestützt darauf zuverlässig beurteilen
liess und die Elvia mit Zusprechung von Rente und Integritätsentschädigung ihre
Leistungspflicht anerkannte. Aus dem Umstand, dass sie sich in der Verfügung zur
Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs nicht explizit äusserte, kann
nicht geschlossen werden, dass sie diese nicht geprüft hätte, war sie doch nicht
gehalten, ihre Verfügung weiter zu begründen. Vielmehr umfasst die Anerkennung der
Leistungspflicht implizit auch die dafür vorausgesetzte Bejahung der Adäquanz der
geklagten Beschwerden (Urteil des Bundesgerichts vom 24. Februar 2014,
8C_469/2013, E. 3.2). Es kann auch nicht gesagt werden, die Adäquanzbeurteilung, bei
welcher es sich um eine rechtliche Wertung handelt, sei zweifellos unrichtig gewesen.
Die Leistungszusprechung im Lichte der alten Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 359
war deshalb durchaus vertretbar.
4.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nach damaliger Sach- und Rechtslage
der Gesundheitszustand und die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zuverlässig
beurteilbar waren und die damalige Kausalitätsbeurteilung vertretbar war. Die
ursprüngliche Verfügung war nicht zweifellos unrichtig, womit die Voraussetzungen für
eine Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG nicht erfüllt sind.
5.
Nachdem die Beschwerde gutgeheissen wird, erübrigen sich Ausführungen bezüglich
Verwertbarkeit der (Rest)Arbeitsfähigkeit (act. G 1 S. 6 f. Ziff. 5 f.) und allfälliger
Ansprüche auf das Regress-Substrat (act. G 1 S. 7 ff. Ziff. 7).
6.
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6.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 9. November 2015 gutzuheissen. Die
Verfügung vom 6. Januar 2015 fiel ohne weiteres dahin, nachdem der (materielle)
Einspracheentscheid an die Stelle der angefochtenen Verfügung getreten ist (UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, 2015, Art. 52 N 60)
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Die Beschwerdeführerin hat bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, die Entschädigung – wie
in vergleichbaren Fällen üblich – auf pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzulegen.