Decision ID: 502c3f12-3fbd-4879-82fe-23b164367216
Year: 2012
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Verletzung der Untersuchungsmaxime. Die IV-Stelle habe den Sachverhalt in
vorliegender Angelegenheit ungenügend abgeklärt. Es sei die entscheidende
Frage nicht gestellt worden, welches die in Frage kommenden konkreten
Verweistätigkeiten seien. Da die IV-Stelle im Gutachten nicht die Frage gestellt
habe, welche konkrete berufliche Tätigkeit die Beigeladene ausüben könne,
habe sie den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Weiter machte die
Beschwerdeführerin eine Verletzung der Schadenminderungspflicht geltend.
Diese sei im vorliegenden Fall aufgrund der ungenügenden Therapie nicht
erfüllt worden. Dies sei aber nicht der Beigeladenen zuzurechnen, sondern den
behandelnden Ärzten. Gemäss dem interdisziplinären Gutachten von Dr. med.
... vom 17. Mai 2011 bestehe keine Einschränkung der Eingliederungsfähigkeit
und es empfehle sich eine entsprechende antientzündliche Behandlung mit
einem Basismedikament und einer zusätzlichen Steroidbehandlung. Die
Prognose sei aktuell noch nicht genau abschätzbar, da bisher noch keine
adäquate systematische antientzündliche Basisbehandlung durchgeführt
worden sei. Daher sei die Beigeladene untertherapiert und dieses ärztliche
Versagen habe dazu geführt, dass der Invaliditätsgrad gar nicht genau habe
festgestellt werden können. Daher sei der Schadenminderungspflicht nicht
Genüge getan. Ferner rügte die Beschwerdeführerin, es habe eine Berentung
trotz unterbliebener Eingliederungsmassnahme stattgefunden, womit der
Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ verletzt worden sei. Es gebe in
vorliegender Sache keine Hinweise auf eine fehlende Eingliederungsfähigkeit.
Trotzdem habe die IV-Stelle keine Eingliederungsmassnahmen geprüft und
durchgeführt, womit sie zu schnell zur Berentung geschritten sei. Daher sei der
Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ verletzt worden. Aus ihrer Sicht sollte die
Beigeladene in eine leichte Bürotätigkeit umgeschult werden, da der Beruf der
Gouvernante für sie offensichtlich ungeeignet sei.
6. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Januar 2011 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Streitgegenstand
dieses Verfahrens sei nur die IV-Rente. Die beruflichen Massnahmen seien
bereits per 23. September 2011 rechtskräftig verfügt worden. Diese Verfügung
sei nicht angefochten worden. Sie können somit nicht Gegenstand dieses
Verfahrens sein. Die IV-Stelle machte geltend, die Beigeladene entziehe oder
widersetze sich nicht der von der Klinik ... vorgeschlagenen Behandlung.
Insofern könne von einer Verletzung der Schadenminderungspflicht der
Beigeladenen keine Rede sein. Dies insbesondere deshalb, weil die
Beschwerdeführerin selbst anerkenne, dass die bisherige ungenügende
Therapie nicht der Beigeladenen, sondern den behandelnden Ärzten
zuzurechnen sei. Die erstmalige Beurteilung bezüglich des Effekts der von der
Klinik ... empfohlenen Therapie solle ein halbes Jahr nach Therapiebeginn
erfolgen. Es sei davon auszugehen, dass die Therapie bis zum Erlass der
Verfügung (9. November 2011) noch nicht wesentlich habe gesteigert werden
können. Es sei demnach nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle im relevanten
Zeitraum vom 1. Februar 2010 (Rentenbeginn) bis 9. November 2011 davon
ausgehe, dass die Beigeladene sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit als
Gouvernante als auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig
gewesen sei. Eine Rentenrevision sei per 1. Juni 2012 geplant, womit die Rente
innerhalb sehr kurzer Zeit überprüft werde. Die IV-Stelle führte aus, sie habe
den Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ nicht missachtet. Sie habe berufliche
Massnahmen vorgängig geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass die
Beigeladene angemessen eingegliedert sei. Somit seien berufliche
Massnahmen nicht notwendig gewesen. Bei der Tätigkeit als Gouvernante
handle es sich durchaus um eine behinderungsgeeignete Tätigkeit. Weil ihr
Invalideneinkommen relativ hoch sei, seien berufliche Massnahmen nicht
geeignet, ihre Erwerbstätigkeit entscheidend zu steigern.
7. In ihrer Vernehmlassung vom 31. Januar 2012 beantragte die Beigeladene die
Abweisung der Beschwerde. Sie machte geltend, dass das Gutachten der Klinik
... vom 17. Mai 2011 nachvollziehbar und plausibel sei. Es bestehe nicht nur
auf klinischen und bildgebenden Befunden, sondern berücksichtige auch die
EFL. Es sei eine breite Palette verschiedener Tätigkeiten geprüft und beurteilt
worden, womit die Gutachter zum Schluss kommen durften, dass die
Beigeladene in sämtlichen in Frage kommenden Arbeitsbereichen zu 50 %
eingeschränkt sei. Bezüglich der Rüge der Nichterfüllung der
Schadenminderungspflicht brachte sie vor, dass Dr. med. ... in ihrem Gutachten
festhielt, dass sie schon seit mehreren Jahren an den diagnostizierten
Beschwerden, welche therapiefraktär seien, leide. Mit einer systemischen
antientzündlichen medikamentösen Behandlung sei eine Beschwerdelinderung
zu erwarten. Ob die Beschwerden dank dieser Behandlung nachlassen würden,
würde sich dann in einigen Monaten zeigen. Im Rahmen einer späteren
Revision könne dann die Rente angepasst werden, falls die Therapie
erfolgreich verlaufen sei und sich die Arbeitsfähigkeit gesteigert habe. Demnach
habe die IV-Stelle zu Recht die Rente ohne weiteres Zuwarten verfügt. Die
Beigeladene brachte vor, dass betreffend berufliche Massnahmen auf die
Beschwerde nicht einzutreten sei, weil die Verfügung vom 23. September 2011
nicht angefochten worden sei. Im Übrigen fügte sie hinzu, dass die IV-Stelle
gemäss geltender Praxis nicht verpflichtet sei, ihrem Fragekatalog an die
Gutachterstelle jeweils einen detaillierten Arbeitsplatzbeschreib der bisherigen
Arbeitsstelle und einen Beschrieb der Verweisungstätigkeiten mitzuliefern.
Sollte die Beschwerde aus diesem Grund gutgeheissen werden, würde dies
einer Praxisänderung gleichkommen.
8. Mit Schreiben vom 7. Februar 2012 verzichtete die Beschwerdeführerin auf eine
Replik. Eine Stellungnahme zu der gegenseitigen Vernehmlassung wurde
weder von der Beschwerdegegnerin noch von der Beigeladenen eingereicht.
9. Mit Verfügung vom 15. Februar 2012 ersetzte die IV-Stelle diejenige Verfügung
vom 9. November 2011. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit der
gleichen Begründung am 16. Februar 2012 wiederum Beschwerde beim
Verwaltungsgericht (Beschwerdeverfahren S 12 32). In der Vernehmlassung
vom 29. Februar 2012 verwies die Beschwerdegegnerin auf ihre
Vernehmlassung vom 17. Januar 2012, weil sich in diesem Verfahren die
identischen rechtlichen Fragen wie im Beschwerdeverfahren S 11 161 stellen.
Die Beigeladene antwortete am 29. Februar 2012 ebenfalls mit derselben
Vernehmlassung wie am 31. Januar 2012.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie auf den
angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 6 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100) kann die zuständige Behörde im Interesse einer zweckmässigen
Erledigung die Verfahren bei getrennt eingereichten Eingaben zum gleichen
Gegenstand vereinen. Voraussetzung für eine Verfahrensvereinigung ist, dass
den Eingaben derselbe Sachverhalt zugrunde liegt und sich die gleichen
Rechtsfragen stellen (vgl. BGE 128 V 124 E. 1; VGU R 10 33 vom 12. Oktober
2010 E. 1 und R 05 27/28 vom 20. Mai 2005 E. 1). Dies trifft vorliegend
offensichtlich zu, weshalb es sich rechtfertigt, die zwei Beschwerdeverfahren (S
11 161 und S 12 32) zu vereinigen und mit einem einzigen Urteil zu erledigen.
2. Anfechtungsobjekte in diesem Verfahren sind demnach die Verfügungen vom 9.
November 2011 bzw. 15. Februar 2012. Streitig und zu prüfen ist, ob der
Beigeladenen zu Recht per 1. Februar 2010 eine halbe IV-Rente zugesprochen
wurde. Die beruflichen Massnahmen wurden per 23. September 2011
rechtskräftig verfügt. Diese Verfügung wurde von der Beschwerdeführerin nicht
angefochten und somit können sie nicht Gegenstand dieses Verfahrens sein.
3. Die Beschwerdeführerin rügte, die IV-Stelle habe die Untersuchungsmaxime
verletzt, weil sie den Sachverhalt in vorliegender Angelegenheit ungenügend
abgeklärt habe. Es sei die entscheidende Frage nicht gestellt worden, welches
die in Frage kommenden konkreten Verweistätigkeiten seien bzw. welche
konkrete berufliche Tätigkeiten die Beigeladene ausüben könne.
a) Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
andauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 4
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Der
Anspruch auf eine Invalidenrente entsteht nach Ablauf eines Jahres, sofern
ohne wesentlichen Unterbruch eine Arbeitsfähigkeit von durchschnittlich
mindestens 40 % vorgelegen hat und anschliessend eine rentenbegründete
Erwerbsunfähigkeit vorliegt (Art. 28 Abs. 1 IVG). Bei erwerbstätigen
Versicherten erfolgt die Ermittlung der Invalidität in der Regel nach der Methode
des Einkommensvergleiches (Art. 16 ATSG, Art. 28 Abs. 2 IVG). Bei dieser
Methode wird das gegenwärtige trotz Behinderung noch zumutbare
Erwerbseinkommen mit jenem ohne Behinderung verglichen, wobei die daraus
resultierende Differenz in Prozenten den IV-Grad ergibt. Ist ein Versicherter
hiernach mindestens 40 % invalid, so hat er Anspruch auf eine Viertelsrente,
bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente und ab 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für
die Festsetzung des Invaliditätsgrades kommt es primär auf die wirtschaftliche
Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an (BGE
132 V 395 E. 2.1; PVG 2005 Nr. 11). Ohne zuverlässige und beweistaugliche
Bestimmung der graduellen Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte – als
Beurteilungsgrundlage – ist eine seriöse Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit (IV-
Grad) aber zum Voraus nicht möglich (BGE 125 V 261 E. 4, 122 V 160 f. E. 1c).
b) Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ein Arzt, eine
Ärztin und allenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe der
Ärzte und Ärztinnen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
(Befunderhebung, Diagnosestellung) und anzugeben, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die
ärztlichen Auskünfte bilden eine wichtige Grundlage für die von der Verwaltung
oder dem Gericht zu beantwortende Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person zugemutet werden können (vgl. SVR 2008 IV Nr. 40 S. 133
E. 3.2).
c) Für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob dieses die
dem Gutachter gestellten Fragen umfassend beantwortet, auf allseitigen
Untersuchungen beruht und auch die von der begutachteten Person geklagten
Beschwerden berücksichtigt, ob es in Kenntnis der Vorakten erstellt wurde und
sich mit diesen auseinandersetzt, ob es in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in deren Beurteilung einleuchtet, und ob der Gutachter
oder die Gutachterin ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründen, so
dass sie für die Verwaltung und das Gericht überprüfbar sind (BGE 125 V 351
E. 3b; U. Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl., Zürich
2010, S. 252; U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Rz 32 zu Art.
44).
d) Die IV-Stelle stellte bei ihrer Einschätzung bezüglich der Arbeitsfähigkeit der
Beigeladenen insbesondere auf das interdisziplinäre Gutachten der Klinik ...
von Dr. med. ..., Fachärztin FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, vom
17. Mai 2011 ab. Darin wurde mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine bisher
nicht klassifizierbare seronegative Spondarthropathie diagnostiziert. Die
Beigeladene leidet an Arthralgien der Fingergelenke und Handgelenke auf
beiden Seiten sowie kleinen Usuren am Processus styloideus radii und ulnae
rechts, leichte Aufweitung des SSL-Gelenkspaltes rechts und ausgedehnte
Geröllzysten im Os triquetrum rechts. Zudem leidet sie an einem
symptomatischen deutlichen Fersensporn rechts und einem Plantarfasziitis
links sowie chronische Enthesiopathie mit Verkalkungen in Projektion auf die
Achillessehne an der Insertion beidseits. Weiter wurde eine Periarthropathia
humeroscapularis tendinopathica rechtsbetont mit Status nach offener
Acromioplastik und AC-Gelenksresektion rechts wegen
Impingementsymptomatik 2005 sowie die Diagnose ICD-10 M13.9 (Arthritis,
nicht näher bezeichnet) festgehalten. Schliesslich wurde eine Enthesiopathie
der Epikondylen beidseits entsprechend einer Epikondylitis humeri radialis und
ulnaris beidseits trotz Status nach Denervations-Operation nach Wilhelm und
Dekompression des Nervus radialis wegen Supinatorsyndrom rechts am 13.
August und links am 30. September 2009 festgestellt. Die Beigeladene wurde
auch einem EFL-Test unterzogen, welcher genaue Rückschlüsse gab, welche
arbeitsbezogene Funktionen in welcher Form ausgeübt werden können.
Aufgrund der Diagnose und der EFL wurde festgestellt, dass die bisher
ausgeübte Tätigkeit als Gouvernante weiterhin halbtags, also zu 50 % ausgeübt
werden könne. Dabei müssten spezielle Einschränkungen eingehalten werden,
wie z.B. das Hantieren und Tragen von Gewichten bis 5 kg dürfe nur selten
erfolgen. Gewichte darüber müssten von Arbeitskollegen übernommen werden.
Seit Januar 2009 bestehe voraussichtlich eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % in
der angelernten Tätigkeit. Bezüglich einer adaptierten Tätigkeit sei die
Beigeladene weiterhin für eine sehr leichte wechselbelastende Tätigkeit zu 50
% arbeitsfähig. Infolge der erheblichen Verschlechterung der Funktionsfähigkeit
bei längerdauernder Belastung sei insbesondere bei Kumulation verschiedener
Belastungsfaktoren wie z.B. der Hantierung und Tragen von Gewichten bis 5
kg, der Handkoordination und der Handkraft betreffend eine Reduktion der
zeitlichen Arbeitsbelastung notwendig. Eine solche adaptierte Tätigkeit sei nur
noch im Rahmen von 50 % zumutbar. Gemäss Gutachten bestehe bei der
beruflichen Wiedereingliederung keine Einschränkung der
Eingliederungsfähigkeit. Sie sei sofort in eine 50%ige Arbeitstätigkeit
umzusetzen. Ein halbes Jahr nach Beginn der systemischen antientzündlichen
Behandlung mit einem Basismedikament und einer zusätzlichen
Steroidbehandlung solle erneut untersucht werden, ob eine Steigerung der
Leistungsfähigkeit und insbesondere der Arbeitsfähigkeit erreicht worden sei.
Die Prognose sei aktuell aber noch nicht genau abschätzbar, da bisher noch
keine adäquate systematische antientzündliche Basisbehandlung durchgeführt
worden sei.
e) Im Gutachten von Dr. med. ... wurden die Vorgeschichte der Beigeladenen, die
Akten der vorbehandelnden Ärzte und ihre eigenen sehr umfangreichen
Untersuchungen inklusive EFL berücksichtigt. Das Ergebnis scheint dem
Gericht schlüssig und nachvollziehbar. Die Rüge der Beschwerdeführerin, es
sei der Sachverhalt nicht genügend abgeklärt worden und es sei die Frage der
konkreten ausführbaren Verweistätigkeiten nicht gestellt worden, ist nicht
stichhaltig. Das Gutachten beantwortet die Frage der adaptierten Tätigkeiten
und damit die Frage der möglichen Verweistätigkeiten, indem beschrieben wird,
wie diese sein sollen. Diesbezüglich wurde in verschiedenen Tests (bezüglich
typische Büroarbeiten, Haus- und Zimmerkontrollen, Mithilfe bei der
Zimmerreinigung und in der Wäscherei sowie bei Pflanzenpflege und
Innendekoration) festgestellt, dass die gezeigte Leistungsfähigkeit aktuell bei
einer sehr leichten, wechselbelastenden Arbeit halbtags liege. Infolge
erheblicher Verschlechterung der Funktionsfähigkeit bei länger dauernder
Belastung sei insbesondere bei Kumulation verschiedener Belastungsfaktoren
wie z.B. das Hantieren und Tragen von Gewichten bis 5 kg und die
Handkoordination/Handkraft eine wesentliche Reduktion der zeitlichen
Arbeitsbelastung pro Tag in Form einer Reduktion der Arbeitspräsenz
erforderlich. Bei der Frage nach einer adaptierten Tätigkeit ist es notwendig,
dass eine Beschreibung erfolgt, wie und in welchem Umfang eine solche
Verweistätigkeit erfolgen kann. Diese Beschreibung wurde im Gutachten denn
auch gemacht. Eine detaillierte Aufzählung von möglichen Berufsbildern ist
nicht notwendig, sondern es genügt eine Beschreibung der Art und Weise der
adaptierten Tätigkeiten. Im Gutachten wurde genau umschrieben, wie häufig
gewisse Aktivitäten - wie Heben von Gewichten - ausgeführt werden dürfen und
wie hoch die maximale Belastung in Kilogramm sein darf. Diesbezüglich kann
auf die Aussagen im Gutachten verwiesen werden. Tatsache ist, dass die
Beigeladene für sämtliche Tätigkeiten, welche den Einschränkungen gemäss
Gutachten genügen, zu maximal 50 % arbeitsfähig ist. Dies gilt sowohl für eine
adaptierte Tätigkeit als auch für die bisherige Tätigkeit als Gouvernante. Es
kann somit festgehalten werden, dass die IV-Stelle den Sachverhalt genügend
abgeklärt hat und die Untersuchungsmaxime nicht verletzt wurde.
4. a) Die Beschwerdeführerin machte eine Verletzung der Schadenminderungspflicht
geltend. Diese sei im vorliegenden Fall aufgrund der ungenügenden Therapie
nicht erfüllt worden. Dies sei aber nicht der Beigeladenen zuzurechnen,
sondern den behandelnden Ärzten. Schon mit dieser Aussage sagt die
Beschwerdeführerin aus, dass die Schadenminderungspflicht nicht durch die
Beigeladene verletzt wurde. Gemäss Art. 7 Abs. 1 IVG muss die versicherte
Person alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der
Arbeitsunfähigkeit zu verringern und den Eintritt einer Invalidität zu verhindern.
Zudem muss sie gemäss Art. 7 Abs. 2 IVG an allen zumutbaren Massnahmen,
die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung
ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten
Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen. Darunter fallen gemäss lit. d
medizinische Behandlungen. Die Beigeladene widersetzt sich oder entzieht sich
nicht der vorgeschlagenen Behandlung, womit sie die
Schadenminderungspflicht gar nicht verletzen kann.
b) Es stellt sich nun aber noch die Frage, ob die IV-Stelle über die Rente bereits
verfügen durfte, wenn Dr. med. ... eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit nach
der Therapie in Aussicht stellte. Die Untersuchung in der Klinik ... fand am 17.
Mai 2011 statt. Gemäss Gutachten könne ein allfällig positiver Therapieeffekt
erst ein halbes Jahr nach Beginn der Therapie festgestellt werden. Es kann also
davon ausgegangen werden, dass die von der Klinik empfohlene Therapie die
Leistungsfähigkeit respektive die Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen im hier
relevanten Zeitraum bis 9. November 2011 (Zeitpunkt des Verfügungserlasses)
von vorneherein noch nicht wesentlich steigern konnte. Es ist somit nicht zu
beanstanden, dass die IV-Stelle im hier relevanten Zeitraum vom 1. Februar
2010 (Rentenbeginn) bis 9. November 2011 sowohl in der angestammten
Tätigkeit als auch in einer adaptierten Tätigkeit von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit ausging. Wie die Arbeitsfähigkeit nach vorgenommener
Therapie zu beurteilen ist, ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens, weil nach
ständiger Rechtsprechung das Sozialversicherungsgericht die
Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel nach dem
Sachverhalt beurteilt, der zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war (BGE
121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Anzumerken bleibt, dass die IV-Stelle eine
baldige Revision der Rente per 1. Juni 2012 in Aussicht gestellt hat, um eine
allfällige Verbesserung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der
Beigeladenen abzuklären.
5. Schliesslich rügte die Beschwerdeführerin eine Verletzung des Grundsatzes
„Eingliederung vor Rente“. Die IV-Stelle habe eine Berentung trotz
unterbliebener Eingliederungsmassnahme ausgesprochen. Die
Eingliederungsmassnahmen wurden durch die IV-Stelle geprüft und als nicht
notwendig erachtet, da die Beigeladene angemessen eingegliedert sei. Am 23.
September 2011 wurde diesbezüglich eine Verfügung erlassen, welche nicht
angefochten wurde. Wie in Erwägung 2 festgestellt, wird auf diese Rüge nicht
eingetreten, weil sie nicht Streitgegenstand dieses Verfahrens ist.
6. Zusammengefasst ergibt sich, dass die Verfügungen vom 9. November 2011
bzw. 15. Februar 2012 von der IV-Stelle rechtmässig erlassen wurden und die
Beschwerde vollumfänglich abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten wird.
7. a) Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung von
Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) - bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.--
bis Fr. 1'000.-- festzulegen. Vorliegend erscheint ein Kostenansatz von Fr. 700.-
- angemessen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
b) Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Beschwerdegegnerin als
Versicherungsträgerin hat e contrario somit keinen Anspruch auf
Parteientschädigung. Die Beigeladene hat, da sie obsiegt und anwaltlich
vertreten ist, Anspruch auf Parteientschädigung durch die unterliegende
Beschwerdeführerin (Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Art. 61 N
115; Zünd/Pfiffner Rauber (Hrsg.), Kommentar zum Gesetz über das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Aufl., Zürich 2009, S. 162
und 337 mit Hinweisen; Art. 78 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die eingereichte Honorarnote
über Fr. 1‘671.25 (inkl. MWST) erscheint angemessen.