Decision ID: 5abcf2b0-dc1c-5b85-b6f8-345ea356063e
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) arbeitete seit 1. März 1994 als Chauffeur
(Kategorie B) für die B._ AG (nachfolgend: Arbeitgeberin; IV-act. 20, 93-3). Daneben
war er jeweils wenige Stunden pro Monat als C._ tätig (IV-act. 107, 111f., 116ff.). Ab
dem 30. Mai 2013 war der Versicherte körperlich bedingt arbeitsunfähig (100 % bis
01.09.2013, 30 % bis 25.09.2013, 50 % bis 27.10.2013 und 100 % ab 19.11.2013; IV-
act. 21-2f.).
A.a.
Am 19. Dezember 2013 meldete sich der Versicherte zum Bezug von Leistungen
(Berufliche Integration/Rente) der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 10).
A.b.
Im Arztbericht vom 6. Januar 2014 diagnostizierte Dr. med. D._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FHM, eine Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10:
F41.0) bei rezidivierender Erschöpfungsdepression (ICD-10: F48.0) aufgrund
mangelnder Unterstützung am Arbeitsplatz (ICD-10: Z56; IV-act. 13). Dr. med. E._,
Facharzt für Innere Medizin FMH, erhob im Arztbericht vom 24. März 2014 mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine linksseitige Glutealgie und Hüftschmerzen
seit 03/2010, Diskushernien L5/S1 rechts, L1/2 und L2/3 seit 09/2013 sowie
rezidivierende Leistenschmerzen links nach Leistenhernienoperation links am 31. Mai
2013. Hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Getränkechauffeur bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit, denn der Versicherte könne keine Lasten über 10 kg
heben (IV-act. 31). Im Arztbericht vom 6. November 2014 berichtete Dr. med. F._
vom Muskelzentrum des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: KSSG) über eine
Plexusneuritis. Diese bewirke eine Schwäche der Arm-, Hand- und Fingerextension
A.c.
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und hauptsächlich eine schmerzbedingte Einschränkung der Kraft. Aufgrund des
ausgeprägten Schmerzsyndroms sowie der körperlichen Belastung des Patienten als
Arbeiter in einer Brauerei bestehe eine mindestens 50%ige Einschränkung der
Arbeitstätigkeit (gemeint wohl: Arbeitsfähigkeit) seit Mai 2014. Eine Erhöhung im Verlauf
sei gegebenenfalls möglich (IV-act. 47, vgl. IV-act. 48-4ff./15f.).
Mit Schreiben vom 6. Mai 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Gesuches um berufliche Massnahmen mit (IV-act. 71, zur früheren
Mitteilung vom 27. Oktober 2014, wonach keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien, vgl. IV-act. 46). Auf Verlangen des
Versicherten (IV-act. 72) erliess die IV-Stelle am 27. Mai 2015 eine beschwerdefähige
Verfügung (IV-act. 73). Am 31. Mai 2015 endete das Arbeitsverhältnis des Versicherten
bei der Arbeitgeberin (IV-act. 93-3). Am 25. Juni 2015 erhob der Versicherte, vertreten
durch Rechtsanwältin lic. iur. Amanda Guyot, St. Gallen, Beschwerde gegen die
Verfügung vom 27. Mai 2015 (IV-act. 85).
A.d.
Mit Vorbescheid vom 1. Juli 2015 stellte die IV-Stelle bei einem ermittelten IV-Grad
von 13 % die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 82). Dagegen erhob
die Rechtsvertreterin des Versicherten am 31. August 2015 Einwand und beantragte
die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen, insbesondere mindestens einer
Dreiviertelsrente seit 23. Dezember 2014, sowie die Einholung eines polydisziplinären
Gutachtens (IV-act. 96).
A.e.
In der Beschwerdeantwort vom 21. September 2015 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde vom 25. Juni 2015 betreffend berufliche Massnahmen/
Arbeitsvermittlung (IV-act. 98). Am 6. Oktober 2015 zog die Rechtsvertreterin des
Versicherten die Beschwerde zurück, worauf das Gerichtsverfahren vor dem
Versicherungsgericht St. Gallen (IV 2015/194) mit Verfügung vom 12. Oktober 2015
abgeschrieben wurde (IV-act. 101).
A.f.
Im Verlaufsbericht vom 6. November 2015 berichtete Dr. E._ über einen
verschlechterten Gesundheitszustand des Versicherten. Er diagnostizierte mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit insbesondere eine Neuritis des Plexus brachialis
rechts, am ehesten des Fasciculus posterior, ein Morton-Neurinom links II.
A.g.
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Interdigitalraum, ein Impingement-Syndrom Schulter beidseits, eine Angst- und
Verarbeitungsstörung, eine Depression, eine Lumboischialgie rechts mit
intermittierender Nervenwurzelreizung S1 links sowie Leistenschmerzen links (IV-act.
108). Am 25. November 2015 beschrieb Psychiater Dr. D._ ebenfalls einen
verschlechterten Gesundheitszustand. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizierte er schwere depressive Symptome ohne psychotische Symptome
(ICD-10: F32.2), eine Agoraphobie mit Ausweitung auf andere Situationen =
beginnende generalisierte Angststörung (ICD-10: F40.8) sowie eine
Persönlichkeitsänderung mit paranoiden und passiv-aggressiven Zügen nach
langdauernder Schmerzanamnese (somatisch begründet) und chronifizierter
Verbitterung (ICD-10: F62.8). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führte er aus, dass dem
Versicherten weder die angestammte Tätigkeit noch andere Tätigkeiten zumutbar
seien. Die Leistungsfähigkeit sei "schätzungsweise 3⁄4 (75 %)" vermindert (IV-act. 105).
Im Arztbericht vom 14. Juni 2016 diagnostizierte PD Dr. med. G._, Facharzt für
orthopädische Chirurgie FMH, insbesondere ein Morton Neurom links Interdigitalraum
II, eine leichte Bursitis trochanterica links, ein chronisches neuropathisches
Schmerzsyndrom bei abgelaufener Neuritis des Plexus brachialis rechts, eine
Lumboischialgie rechts mit intermittierender Nervenwurzelreizung S1 links bei LWS-
Degeneration und Diskushernie. Im Weiteren erklärte er, dass die angestammte
Tätigkeit dem Versicherten nicht mehr zumutbar sei. Leichte wechselbelastende
Tätigkeiten mit einer Gewichtslimite von 5 kg sollten über vier Stunden pro Tag
durchgeführt werden können (IV-act. 150). Im Arztbericht vom 27. Juni 2016 ging Dr.
D._ von einem verbesserten Gesundheitszustand mit noch mittelschwerer
depressiver Störung (ICD-10: F32.1) und ansonsten unveränderten Diagnosen aus.
Zumutbar sei dem Versicherten ein stundenweiser Einsatz (schätzungsweise zwei bis
drei Stunden pro Tag) als Übersetzer, für Büroarbeit und Kontrolltätigkeiten (IV-act.
151).
Die IV-Stelle erachtete eine polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten als
angezeigt (IV-act. 152f.). Auf Einwand gegen den vorgesehenen Fragenkatalog (IV-
act. 156-1 ff.) verfügte die IV-Stelle am 5. Oktober 2016, am Fragenkatalog gemäss IV-
Rundschreiben Nr. 339 werde festgehalten (IV-act. 159). Dagegen erhob die
Rechtsvertreterin des Versicherten Beschwerde (IV-act. 160). Diese zog sie jedoch
A.h.
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nach Erhalt der Beschwerdeantwort, in der ein Nichteintreten beantragt worden war
(IV-act. 165), zurück (IV-act. 167-3), worauf das Verfahren vor dem
Versicherungsgericht St. Gallen (IV 2016/366) mit Verfügung vom 19. Dezember 2016
abgeschrieben wurde (IV-act. 168).
Am 24. März 2017 reichte die Rechtsvertreterin weitere Arztzeugnisse von Dr. E._
ein. Gemäss diesen war der Versicherte ab dem 17. September 2015 durchgehend bis
einstweilen Ende April 2017 in einer leidensadaptierten Tätigkeit (keine Lasten grösser
als 10 kg heben, keine Belastung von Arm/Schulter rechts) zu 20 % arbeitsfähig (IV-
act. 181).
A.i.
Mit der polydisziplinären Begutachtung wurde die Estimed AG, Zug (nachfolgend:
Medas), beauftragt (IV-act. 170ff.). Das polydisziplinäre Gutachten stammt vom 29.
Juni 2017 (IV-act. 183). Die Begutachtungen fanden am 6. März 2017
(Neuropsychologie durch lic. phil. H._, Fachpsychologin für Neuropsychologie und
Psychotherapie FSP), am 31. März 2017 (Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
durch Dr. med. I._, Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie, fallführender
Gutachter), am 5. April 2017 (Psychiatrie durch Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH), am 19. Mai 2017 (Neurologie durch Prof. Dr. med. K._,
Facharzt für Neurologie) und am 22. Mai 2017 (Allgemeine Innere Medizin durch Dr.
med. L._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin) statt. Dr. I._ diagnostizierte mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Impingementsyndrom rechte Schulter, eine
Neuritis des Plexus brachialis rechts, eine Lumboischialgie rechts mit intermittierender
Nervenwurzelreizung S1 links sowie eine Osteochondrose L5/S1. Im Weiteren führte er
aus, dass am Untersuchungstag der Verlust der groben Kraft des rechten Arms und die
eingeschränkte schmerzhafte Beweglichkeit hätten bestätigt werden können. Bezogen
auf die angestammte Tätigkeit sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
In einer Verweistätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit aus orthopädisch chirurgischer
Sicht 100 % (IV-act. 183-30f.). Dr. L._ erhob aus internistischer Sicht keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 183-32/69). Im
neurologischen Gutachten diagnostizierte Dr. K._ mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit einen Zustand nach Armplexus-Neuritis rechts mit chronisch
neuropathischem Schmerzsyndrom und Hypästhesie am rechten Unterarm radialseitig
sowie Faszikulationen und Tremor am rechten Ober- und Unterarm. Er erachtete die
A.j.
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angestammte Tätigkeit als Chauffeur zu 50 % und diejenige als C._ zu 100 %
ausführbar. Zur Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit führte er aus, dass das Heben
von leichten Lasten (< 5 kg) uneingeschränkt durchführbar sei (IV-act. 183-33/82). In
neuropsychologischer Hinsicht erhob lic. phil. H._ bis mittelschwere
Leistungsauffälligkeiten bei den Aufmerksamkeitsfunktionen sowie den mnestischen
und exekutiven Funktionen. Sie ging aus neuropsychologischer Sicht in Bezug auf eine
leidensangepasste Tätigkeit von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit aus (IV-act.
183-34/90). Dr. J._ diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode ohne
somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10) und eine Panikstörung mit Agoraphobie
(ICD-10: F40.01), anamnestisch seit ca. 1995 bestehend. Als Verweistätigkeit nannte er
die angestammte Tätigkeit als C._. Diesbezüglich betrage die Leistungs- bzw.
Arbeitsfähigkeit 70 % (IV-act. 183-34f./104/107f.). In interdisziplinärer Hinsicht gingen
die Gutachter in der angestammten Tätigkeit von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 %
und in einer Verweistätigkeit von 30 % ab dem 30. Mai 2015 aus (IV-act. 183-39/49).
Zur Zumutbarkeit von Eingliederungsmassnahmen aus medizinscher Sicht wurde
erklärt, dass solche mit Hinblick auf die psychiatrischen und neuropsychologischen
Erkrankungen mit Vorsicht betrieben werden sollten (IV-act. 183-46).
In der Stellungnahme vom 1. September 2017 erklärte die RAD-Ärztin, dass auf
das Gutachten abgestellt werden könne, da dieses plausibel und nachvollziehbar sei
(IV-act. 184).
A.k.
Am 28. November 2017 erläuterte Dr. I._ auf Anfrage der IV-Stelle (IV-act. 185)
das Gutachten wie folgt: Die Adaptionskriterien aus somatischer Sicht bestünden aus
einer wechselbelastenden Tätigkeit zugunsten einer sitzenden Tätigkeit. Vorwiegend im
Gehen, auf unebenem Grund ausgeübte Tätigkeiten sollten unterbleiben. Ebenso
sollten Zwangshaltungen (Bücken, Überkopfarbeiten, Kauern, Knien) vermieden
werden oder nur in einem geringen, überschaubaren Umfang ausgeübt werden. Das
Heben und Tragen von Lasten sollte auf ein Gewichtslimit von 5 kg beschränkt sein
(körperfern/körpernah). Repetitive Tätigkeiten sollten unterbleiben. Aus diesem Grund
erachte man die vom Versicherten ausgeübte Tätigkeit als C._ als ideale Tätigkeit (IV-
act. 188).
A.l.
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St.Galler Gerichte
B.
C.
Mit Vorbescheid vom 14. Dezember 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
bei einem ermittelten IV-Grad von 21 % die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht
(IV-act. 191).
A.m.
Mit Schreiben vom 17. Januar 2018 bat die Rechtsvertreterin um Auskunft, ob eine
Überwachung des Versicherten durchgeführt worden sei und wieso er seit 2015 keine
Dolmetscheraufträge mehr seitens der IV-Stelle erhalte (IV-act. 192). Eine
Überwachung wurde von der IV-Stelle mit Schreiben vom 29. Januar 2018 verneint
(ebenso im Schreiben vom 12. Februar 2018, IV-act. 195). Zu den ausgebliebenen
Gutachteraufträgen wurde ausgeführt, dass die diesbezügliche Anfrage nicht
abschliessend für die gesamte IV-Stelle beantwortet werden könne. Es könnten
verschiedene ausschlaggebende Punkte angenommen werden (Bedarf usw.). Zudem
müsse bei laufenden IV-Gesuchen eine Befangenheit angenommen werden (IV-act.
193).
A.n.
Am 1. Februar 2018 mit ergänzender Begründung vom 16. Februar 2018 erhob die
Rechtsvertreterin des Versicherten gegen den Vorbescheid Einwand. Verlangt wurde
die Gewährung der gesetzlichen Leistungen, insbesondere einer (gemäss Eingabe vom
16. Februar 2018) ganzen Rente seit 1. Juni 2014 sowie von
Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 194, 196).
B.a.
Am 8. März 2018 nahm RAD-Ärztin Dr. med. M._ zu den medizinischen
Argumenten des Einwandes Stellung (IV-act. 197).
B.b.
Am 10. April 2018 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs (IV-
act. 198).
B.c.
Gegen die Verfügung vom 10. April 2018 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 24. April 2018. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung, die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente seit 1. Juni 2014 und die Gewährung von
beruflichen Massnahmen. Eventualiter seien durch das Gericht weitere medizinische
Abklärungen zu tätigen, wobei Ergänzungsfragen an die Gutachter zu stellen seien.
C.a.
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Subeventualiter sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G 1). Zur
Begründung lässt der Beschwerdeführer im Wesentlichen vorbringen, dass wegen
Widersprüchen nicht vollumfänglich auf das Medas-Gutachten abgestellt werden
könne. Es sei deshalb von der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des behandelnden
Psychiaters von 30 % auszugehen. Ferner sei beim Invalideneinkommen ein Teilzeit-
und Leidensabzug vom Tabellenlohn von 25 % zu berücksichtigen. Für die
verbleibende Restarbeitsfähigkeit seien Eingliederungsmassnahmen zu gewähren,
denn längerfristig sei eine Unterstützung durch Familienmitglieder nicht mehr möglich
(act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 4. Juni 2018
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Zum
Anfechtungsgegenstand wird erklärt, dass dieser einzig einen allfälligen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers betreffe. Auf den Antrag bezüglich beruflicher
Massnahmen sei nicht einzutreten, da mit Verfügung vom 27. Mai 2015 ein solcher
Anspruch rechtskräftig abgewiesen worden sei. Hinsichtlich des medizinischen
Sachverhalts wird geltend gemacht, dass dieser mit dem Gutachten und der RAD-
Stellungnahme vom 8. März 2018 umfassend abgeklärt worden sei. Die von den
Gutachtern aus psychischen Gründen attestierte 30%ige Arbeitsunfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit sei bei der letztlich massgebenden juristischen Betrachtung
nicht ausgewiesen. In der Verfügung werde zu Recht ausgeführt, weshalb die
Ausprägung der diagnoserelevanten Symptome und Befunde bei der diagnostizierten
Panikstörung nicht erheblich und eine invalidisierende Auswirkung nicht plausibel sei.
Der nicht im therapeutischen Bereich liegende Blutserumspiegel der dem
Beschwerdeführer verordneten Psychopharmaka spreche gegen einen erheblichen
Leidensdruck auch bezüglich einer mittelgradigen Depression. Beim Beschwerdeführer
lägen keine Behandlungsresistenz und keine erhebliche körperliche Komorbidität vor.
Er sei in einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig (act. G4).
C.b.
Mit Schreiben vom 8. Juni 2018 verzichtete der Beschwerdeführer auf die
Einreichung einer Replik (act. G 6). Der Schriftenwechsel wurde daraufhin für
abgeschlossen erklärt (act. G 7).
C.c.
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Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer beantragt im Hauptbegehren die Gewährung von beruflichen
Massnahmen sowie die Zusprache einer ganzen Invalidenrente seit 1. Juni 2014.
2.
Nachfolgend ist zuerst der Anspruch auf berufliche Massnahmen zu prüfen.
Hinsichtlich des Anfechtungsgegenstands ist zu beachten, dass im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich lediglich
Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen sind, zu denen die zuständige
Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung
genommen hat. Insoweit bestimmt vorliegend die Verfügung vom 10. April 2018 den
beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. An einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung fehlt es, wenn
und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1). Über berufliche
Massnahmen kann im Beschwerdeverfahren allerdings grundsätzlich auch dann
entschieden werden, wenn sich der durch die angefochtene Verfügung definierte
Streitgegenstand lediglich auf den Rentenanspruch bezieht. Denn im
Sozialversicherungsrecht gilt der allgemeine Grundsatz "Eingliederung vor Rente" (vgl.
etwa Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2020, Vorbemerkungen
N 86 ff.). Ergeht eine Rentenverfügung in Verletzung dieses Grundsatzes, ist sie
rechtswidrig (vgl. dazu auch Art. 28 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Deshalb muss im Beschwerdeverfahren eine
solche Verfügung aufgehoben und die Verwaltung verpflichtet werden können, die
Eingliederung abzuschliessen. Anders verhält es sich jedoch, wenn die IV-Stelle bereits
zu einem früheren Zeitpunkt rechtskräftig über die beruflichen Massnahmen
entschieden hat. In diesem Fall kann der Anspruch auf berufliche Massnahmen im
Beschwerdeverfahren grundsätzlich nicht erneut überprüft werden. Eine Ausnahme
besteht dann, wenn sich bei der Prüfung des Rentenanspruchs ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad ergibt. Diesfalls besteht allenfalls wiederum eine
Eingliederungspflicht der Verwaltung, weshalb ein allfälliger Anspruch auf berufliche
Massnahmen erneut zu beurteilen wäre (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 7. August 2018, IV 2017/145, E. 1.1 f.).
2.1.
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3.
Nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente.
Über die Gewährung von beruflichen Massnahmen befand die
Beschwerdegegnerin bereits in der Verfügung vom 27. Mai 2015 (IV-act. 73). Die
Rechtsvertreterin erhob zwar gegen die Verfügung Beschwerde (IV-act. 85), zog diese
jedoch nach Vorliegen der Beschwerdeantwort am 6. Oktober 2015 zurück, worauf das
Gerichtsverfahren (IV 2015/194) mit Verfügung vom 12. Oktober 2015 abgeschrieben
wurde (IV-act. 101). Infolgedessen erwuchs die Verfügung vom 27. Mai 2015 in
Rechtskraft. Aus dem Einwand vom 1./16. Februar 2018 gegen den
leistungsablehnenden Rentenvorbescheid wie auch aus der Beschwerdeschrift vom
24. April 2018 gegen die leistungsablehnende Rentenverfügung vom 10. April 2018
geht nicht hervor, weshalb sich eine neue Beurteilung der Situation (bspw. ein
erheblich veränderter Gesundheitszustand mit erheblichen Auswirkungen auf die
Arbeitsunfähigkeit) aufdrängen würde. Sollte aufgrund der nachfolgenden
Invaliditätsbemessung bei rentenbegründendem Invaliditätsgrad jedoch (im Sinn des
Grundsatzes Eingliederung vor Rente) eine Eingliederungspflicht seitens der
Beschwerdegegnerin im Raum stehen, ist darauf zurückzukommen (vgl. nachstehende
E. 8.7).
2.2.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c).
3.1.
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), jedoch
frühestens im Monat der auf die Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (Art. 29 Abs. 1
IVG). Die Rente wird vom Beginn des Monats ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch
entsteht (Abs. 3).
3.2.
Art. 8 Abs. 1 ATSG umschreibt Invalidität als voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und nach zumutbarer
3.3.
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Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem
in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG). Nach
Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist.
3.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen, 115 V 133 E. 2).
3.5.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 141 V 9 E. 6.3.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen). Im Sinne einer
Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 125 V 351 E. 3b/bb).
3.6.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
3.7.
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4.
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
Sowohl die Beschwerdegegnerin als auch der Beschwerdeführer gehen davon
aus, dass das Medas-Gutachten die Anforderungen der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung an den Beweiswert von medizinischen Gutachten und Berichten (vgl.
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a) grundsätzlich zu erfüllen vermag. Beide
Parteien gehen sodann vom Vorliegen körperlich bedingter Einschränkungen – wie sie
im Medas-Gutachten erhoben worden sind (IV-act. 183-38, 188) – aus. Nicht mehr
zumutbar ist dem Beschwerdeführer das Heben von Lasten schwerer als 5 kg.
Möglichst zu vermeiden sind Zwangshaltungen (Bücken, Überkopfarbeiten, Kauern,
Knien) und repetitive Tätigkeiten (vgl. Stellungnahme des RAD vom 1. September 2017,
IV-act. 184-2). Wegen der körperlichen Leiden ist dem Beschwerdeführer
unbestrittenermassen die angestammte Tätigkeit als Chauffeur in der
Getränkeauslieferung nicht mehr zumutbar (vgl. IV-act. 183-39). Bei den psychischen
Leiden wurde von den Parteien die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode
ohne somatisches Syndrom (ICD-10: 32.10) nicht in Frage gestellt (IV-act. 184, 190-3,
act. G 1, G 4). Unterschiedliche Einschätzungen bestehen dagegen hinsichtlich des
Vorliegens einer Panikstörung, einer Persönlichkeitsänderung sowie der Auswirkungen
der psychischen Leiden auf die Arbeitsfähigkeit. Während im Medas-Gutachten vom
29. Juni 2017 von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
ausgegangen wird (IV-act. 183-39/89f./107f.), beruft sich der Beschwerdeführer auf
eine 30%ige (IV-act. 196-4/7, act. G 1-15) und die Beschwerdegegnerin auf eine volle
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit (IV-act. 198-2ff., act. G 4-3). Der
Beschwerdeführer führt zur Begründung insbesondere aus, dass nicht auf das
Gutachten abgestellt werden könne, denn es weise Widersprüche auf. So würden sich
die neuropsychologischen Befunde nicht nur auf die angestammte, sondern auch auf
leidensadaptierte Tätigkeiten auswirken. Zudem dürfe von den Dolmetschereinsätzen
4.1.
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5.
Zunächst ist auf die Auswirkungen der psychischen Leiden auf die Arbeitsfähigkeit
einzugehen.
nicht auf anderweitige Tätigkeiten geschlossen werden. Ausserdem seien die
eingeschränkte Sehkraft sowie die Funktionseinschränkungen der rechten Hand und
des rechten Arms nicht (ausreichend) berücksichtigt worden (vgl. act. G 1-9ff.). Die
Beschwerdegegnerin begründet die angenommene volle Arbeitsfähigkeit insbesondere
damit, dass betreffend das depressive Leiden die Therapiemöglichkeiten nicht
ausgeschöpft seien bzw. die Therapieresistenz noch nicht erstellt sei, denn der
anlässlich der Begutachtung gemessene Antidepressiva-Serumspiegel sei unter dem
therapeutischen Referenzbereich gelegen. Im Weiteren sei nicht erstellt, dass sich die
gutachterlich erhobene Panikstörung mit Agoraphobie auf die Arbeitsfähigkeit
auswirke, habe doch der Beschwerdeführer jahrelang ohne krankheitsbedingte Ausfälle
einer Erwerbstätigkeit nachgehen können. Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
habe die Augenverletzung bzw. die Sehkraftminderung, da diese nur gering sei (IV-act.
198-2ff., act. G 4-3).
Zu prüfen ist daher, inwieweit der Beschwerdeführer trotz der geltend gemachten
psychischen und körperlichen Leiden in einer leidensangepassten Tätigkeit arbeitsfähig
ist. Obwohl von den Gutachtern als leidensangepasste Tätigkeit mehrmals die
bisherige Nebenerwerbstätigkeit als C._ angeführt wird, sind nachfolgend auch
andere leidensangepasste Tätigkeiten in Betracht zu ziehen. Denn Gründe, weshalb
dem Beschwerdeführer nur die Dolmetscherarbeit, nicht jedoch andere seinen
gesundheitlichen Einschränkungen Rechnung tragende Tätigkeiten zumutbar sein
sollen, werden weder von den Gutachtern noch vom Beschwerdeführer geltend
gemacht und sind denn auch nicht ersichtlich.
4.2.
Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann nur relevant sein, wenn sie Folge
einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist (vgl.
Entscheid des Bundesgerichts vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017; BGE 130 V 396). Da die
diagnostische Einordnung einer psychischen Störung allein das objektiv bestehende
tatsächliche Leistungsvermögen nicht festlegt, sind die funktionellen Folgen der
Gesundheitsschädigung qualitativ zu erfassen und quantitativ einzuschätzen (vgl. BGE
141 V 281 E. 3.1, 143 V 418 E. 4.1.2). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1f.) sind grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem jeweiligen
Beweisbedarf) sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten
Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Für die Beurteilung des
5.1.
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funktionellen Leistungsvermögens sind gemäss BGE 141 V 281 also in der Regel
diverse Standardindikatoren beachtlich. Diese hat das Bundesgericht wie folgt
systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie "funktioneller Schweregrad" mit den
Komplexen "Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
und Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz;
Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur,
grundlegende psychische Funktionen) und "sozialer Kontext" sowie Kategorie
"Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens) mit den Faktoren gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck.
Das der angefochtenen Verfügung vom 10. April 2018 (IV-act. 198)
zugrundeliegende Medas-Gutachten vom 29. Juni 2017 (IV-act. 183) wurde vor dem in
BGE 143 V 418 publizierten Entscheid vom 30. November 2017 erstellt, welcher die
Anwendbarkeit des strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 auf
sämtliche psychischen Erkrankungen ausdehnte. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung verlieren vor BGE 141 V 281 (bzw. vor BGE 143 V 418) erstattete
medizinische (psychiatrische) Gutachten ihren Beweiswert nicht per se. Vielmehr ist in
jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die Sachverständigengutachten, gegebenenfalls im
Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten, eine schlüssige Beurteilung im Licht der
massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (vgl. BGE 141 V 281 E. 8; vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Mai 2017, 8C_842/2016).
5.2.
Der psychiatrische Gutachter Dr. J._ hat sich – wenn auch (da noch) in
Unkenntnis der heute geltenden bundesgerichtlichen Terminologie sinngemäss – mit
dem funktionellen Schweregrad der Beeinträchtigung auseinandergesetzt.
5.3.
Im Gutachten erhob Dr. J._ die Gesundheitsschädigungen und deren
Ausprägungen (IV-act. 183-101ff.; vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1). Gestützt u.a. auf die
Aktenlage, eine ausführliche Anamnese, die Blutuntersuchung, die durchgeführte
Testdiagnostik sowie die am 6. April 2014 eingeholten telefonischen Auskünfte von Dr.
D._ (fremdanamnestische Angaben) stellte er die Diagnosen mittelgradige depressive
Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10) sowie eine Panikstörung mit
Agoraphobie (ICD-10: F40.01), anamnestisch seit ca. 1995 bestehend. Im Weiteren
erklärte er, wieso er nicht wie der behandelnde Psychiater Dr. D._ auch von einer
andauernden Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F62.1) ausgehe; für diese Diagnose
seien die Kriterien nicht erfüllt (IV-act. 183-107). In Anbetracht der Aktenlage und der
fachärztlich erhobenen Befunde ist die diagnostische Beurteilung von Dr. J._ als
5.3.1.
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nachvollziehbar und schlüssig einzustufen. So befasste sich der Gutachter ausführlich
mit den Angaben des Beschwerdeführers, aber er berücksichtigte auch den mit den
Schilderungen nur teilweise in Einklang zu bringenden Gesamteindruck, den er vom
Beschwerdeführer in der Untersuchung erlangt hatte. Zudem berücksichtigte er in den
Akten festgehaltene Feststellungen von Dritten wie etwa die seitens eines Mitarbeiters
der IV-Stelle festgehaltenen Beobachtungen während Übersetzerdiensten für die IV-
Stelle (IV-act. 183-107). Ferner befasste er sich mit erkannten Widersprüchlichkeiten in
den Beurteilungen von Dr. D._. Der RAD hat in der Stellungnahme vom 1. September
2017 keine Einwände oder Vorbehalte gegen die Diagnostik im Medas-Gutachten
angebracht (IV-act. 184). Solche sind auch sonst nicht ersichtlich. Dementsprechend
ist auf die gutachterlich erhobenen Befunde und Diagnosen abzustellen, zumal die
Gutachter auch keine Hinweise auf Aggravation oder Simulation fanden (IV-act. 183-42;
zur Verdeutlichungstendenz vgl. jedoch das psychiatrische Teilgutachten, IV-
act. 183-104 unten).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit zeigte Dr. J._ ebenfalls nachvollziehbar und
schlüssig auf, welche Faktoren bzw. Störungen beim Beschwerdeführer aus
psychischer Sicht leistungslimitierend sind. So setzte er sich mit den depressiven
Symptomen auseinander (Erhebung des Psychostatus nach AMDP, Psychometrik:
Hamilton Depression Scale und Beck Depression Inventory). Anschliessend beurteilte
er die Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit auch unter Einbezug der
neuropsychologischen Testung durch lic. phil. H._. Diese ergab bis mittelschwere
Leistungsauffälligkeiten bei den Aufmerksamkeitsfunktionen sowie den mnestischen
und exekutiven Funktionen (vgl. IV-act. 183-86ff.). Dr. J._ wie auch lic. phil. H._
legten offen, weshalb sie aus psychiatrischer bzw. neuropsychologischer Sicht von
einer Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers von
30 % seit dem 30. Mai 2015 ausgehen (IV-act. 183-89ff./107f.) und nicht der
Einschätzung des behandelnden Psychiaters Dr. D._, welcher nach wiederholt
divergierenden Angaben (vgl. dazu etwa die Zusammenstellung im psychiatrischen
Gutachten, IV-act. 183-106) zuletzt von einer Arbeitsfähigkeit von ca. 2 bis 3 Stunden
pro Tag ausgeht (vgl. IV-act. 151), gefolgt sind.
5.3.2.
Hinsichtlich der von der Beschwerdegegnerin vorgebrachten Argumente zur
fehlenden Therapieresistenz (IV-act. 198-2) ist festzuhalten, dass das Bundesgericht in
BGE 143 V 409 seine Rechtsprechung, wonach depressive Störungen leicht- bis
mittelgradiger Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen,
wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind, aufgegeben hat (vgl. insbesondere
E. 4.5). Diesem Kriterium kommt für sich betrachtet folglich keine überragende
5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/22
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Bedeutung mehr zu. Im vorliegenden Fall ist überdies festzuhalten, dass sich der
Beschwerdeführer einer fachärztlichen psychiatrischen Behandlung unterzog (vgl. IV-
act. 183-45f.). Die durchgeführte fachärztliche Behandlung scheint aufgrund der
vorliegenden Arztberichte zweckmässig und angemessen gewesen zu sein. Sie ist als
ein Indiz für das Vorliegen einer versicherungsrechtlich relevanten psychischen Störung
zu werten (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2). Der anlässlich der Begutachtung erhobene
Medikamentenspiegel zeigte Werte für Escitalopram und Trazodon, welche unterhalb
der Referenzbereiche lagen (IV-act. 183-103/105). Die Beschwerdegegnerin stufte dies
als Indiz für das Nichtvorliegen einer versicherungsrechtlich relevanten Erkrankung ein
(IV-act. 198-2, act. G 4-3). Diese pauschale Einschätzung geht zu weit. Gemäss der
fachärztlichen Literatur muss darauf geachtet werden, dass Patienten nicht
fälschlicherweise der Non-Compliance beschuldigt werden, denn die
Plasmakonzentration der Antidepressiva könne zwischen einzelnen Patienten erheblich
variieren (vgl. Edith-Holsboer-Trachsler et. al., Die Akutbehandlung depressiver
Episoden, Die somatische Behandlung der unipolaren depressiven Störungen: Update
2016, Teil 1, Richtlinien, Swiss Medical Forum 2016, 16(35), S. 716-724; abrufbar unter:
www.sgad.ch/wordpress/wp-content/uploads/2016/08/Die-Akutbehandlung-
depressiver-Episoden_20160831.pdf). Vorliegend kann jedenfalls gestützt auf den –
lediglich einmalig erhobenen – Medikamentenspiegel eine versicherungsrechtlich
relevante Erkrankung nicht ausgeschlossen werden.
Die Beschwerdegegnerin geht ausserdem davon aus, dass die diagnostizierte
Panikstörung mit Agoraphobie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat (IV-act.
198-2). Gemäss den Ausführungen im psychiatrischem Teilgutachten wirken sich die
Panikattacken insbesondere auf mit der angestammten Tätigkeit als Chauffeur in der
Getränkeauslieferung vergleichbare Tätigkeiten aus. Dass die Panikstörung generell
leistungsmindernd wäre, wird dagegen nicht geltend gemacht. Die im
neuropsychologischen und im psychiatrischen Teilgutachten attestierte Minderung der
Leistungs- bzw. Arbeitsfähigkeit um 30 % ist gemäss den Gutachtern nicht eine Folge
der diagnostizierten Panikstörung, sondern insbesondere bedingt durch die kognitiven
Leistungsauffälligkeiten im Aufmerksamkeitsbereich, beim Lernen und
Frischgedächtnis sowie bei der geistigen Umstellfähigkeit und Flexibilität (vgl. IV-act.
183-87ff./107f.). Dass die erhobenen Leistungsauffälligkeiten wohl auch durch
schwankende Anstrengungsbereitschaft gefördert wurden, hat die Neuropsychologin
im Übrigen ausreichend gewürdigt, indem sie dem Beschwerdeführer etwa für die
Tätigkeit als Übersetzer keine Unzumutbarkeit, sondern lediglich eine relativ geringe
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30 % attestiert hat (vgl. IV-act. 183-90).
5.5.
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6.
Nachfolgend ist auf die Auswirkungen der körperlichen Leiden auf die Arbeitsfähigkeit
und die diesbezüglichen Rügen des Beschwerdeführers einzugehen.
Die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht von
70 % ab dem 30. Mai 2015 vermag in Anbetracht der im neuropsychologischen und im
psychiatrischen Gutachten erhobenen Befunde und Diagnosen zu überzeugen. So
berücksichtigt das Gutachten die geklagten Beschwerden und die vorhandenen
medizinischen Akten. Insbesondere erscheint die gegenüber dem behandelnden
Psychiater abweichende Beurteilung des psychiatrischen Gutachters (welcher auch
eine Persönlichkeitsänderung und eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte) mit Blick
auf die erhobenen Befunde als nachvollziehbar (vgl. Stellungnahme des RAD vom
8. März 2018, IV-act. 197-3). Das Gutachten hat in ausreichendem Masse die nach
neuer Rechtsprechung für sämtliche psychiatrischen Diagnosen erforderlichen
Indikatoren des strukturierten Beweisverfahrens berücksichtigt. So fand unter anderem
eine Auseinandersetzung mit den persönlichen Ressourcen, der Konsistenz der
Befunde wie auch der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereichen statt (IV-act. 183-43/45/47f.). Für eine abweichende
rechtliche Beurteilung hinsichtlich der invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz der
psychiatrischen Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bleibt
somit kein Raum. Überdies liegen keine fachärztlichen Arztberichte vor, welche
ernsthafte Zweifel am psychiatrischen Teilgutachten zu begründen vermögen.
5.6.
Im Medas-Gutachten vom 29. Juni 2017 (IV-act. 183) und in der Erläuterung vom
28. November 2017 (IV-act. 188) werden die bei einer leidensangepassten Tätigkeit zu
beachtenden Adaptionskriterien genannt (vgl. Erwägung 4.1). Hinsichtlich der Relevanz
dieser Kriterien besteht grundsätzliche Einigkeit unter den Parteien.
6.1.
Gemäss Aktenlage beträgt die Sehschärfe des Beschwerdeführers auf dem
rechten Auge zumindest 0.6 und auf dem linken Auge 1.0 (vgl. IV-act. 196-9/17/20).
Damit erfüllt er die medizinischen Mindestanforderungen an die Sehschäfte bei den
Führerausweis-Kategorien A und B (besseres Auge: 0.5, schlechteres Auge: 0.2 oder
bei einäugigem Sehen: 0.6) und auch bei den Führerausweis-Kategorien C und D
(besseres Auge: 0.8, schlechteres Auge: 0.5; vgl. Anhang 1 der Verordnung über die
Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr
[Verkehrszulassungsverordnung, VZV; SR 741.51]). Da auch anderweitige
Beeinträchtigungen des Sehvermögens aus den Akten nicht ersichtlich sind, ist nicht
6.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/22
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7.
Die Arbeits-/Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers stellt sich somit wie folgt dar: In
der angestammten Tätigkeit als Chauffeur in der Getränkeauslieferung ist der
Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsfähig. In einer – wie im Medas-Gutachten
definierten – leidensangepassten Tätigkeit, wozu auch die bisherige
Nebenerwerbstätigkeit als C._ zählt, besteht psychiatrisch und neuropsychologisch
bedingt eine 70%ige Arbeitsfähigkeit ab dem 30. Mai 2015 (IV-act. 183-39, 190-2). Der
Beginn dieses Attests wird im Gutachten nicht erklärt; möglicherweise liessen sich die
Gutachter von der auf diesen Zeitpunkt hin erfolgten formellen Auflösung des letzten
Arbeitsverhältnisses leiten. Für die vorangehende Zeitspanne vom 1. Juni 2014
(frühester Rentenanspruch aufgrund der IV-Anmeldung vom 19. Dezember 2013 [IV-
act.10; Art. 29 Abs. 1 IVG; vgl. auch nachfolgende Erwägung 8.8]) bis 29. Mai 2015
finden sich im Medas-Gutachten keine Aussagen zur Arbeitsfähigkeit. Auch die in
von einer erheblichen Sehminderung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen
(vgl. Stellungnahme des RAD vom 8. März 2018, IV-act. 197-2, 198-3).
Zur weiteren Rüge des Beschwerdeführers, dass eine angemessene
Berücksichtigung der Funktionseinschränkungen der rechten Hand nicht erfolgt sei, ist
festzustellen, dass im orthopädischen Teilgutachten den Einschränkungen der rechten
Hand bzw. des rechten Arms Rechnung getragen wurde. So wurde das zumutbare
Heben und Tragen von Lasten auf 5 kg (körperfern/körpernah) beschränkt (IV-act.
183-31ff., 188). Zum vorgetragenen Argument, der Beschwerdeführer habe anlässlich
der Begutachtung einen Kugelschreiber aufgrund des Zitterns kaum halten können
(act. G 1-12f.), ist anzufügen, dass dem Beschwerdeführer hingegen der Einsatz eines
Schlüssels mit der rechten Hand gelang (IV-act. 183-28f.). Zudem ist aufgrund der
bisherigen Erwerbstätigkeiten (Chauffeur in der Getränkeauslieferung, C._) davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer zumindest kurze handschriftliche Notizen
erstellen kann. Überdies werden in der heutigen Arbeitswelt Texte, Notizen,
Arbeitsfortschritte etc. immer häufiger nicht mehr handschriftlich, sondern mittels
Computertastaturen und elektronischen Datenerfassungsgeräten erfasst. Im Übrigen
bestehen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus Tätigkeiten (wie
beispielsweise Überwachungs- und Qualitätssicherungsarbeiten etc.), die keinen
erheblichen Einsatz beider Arme bzw. Hände erforderlich machen. Insgesamt dürfte es
selbst bei Berücksichtigung der durch die rechte Hand bzw. den rechten Arm
bedingten Einschränkungen noch ausreichend Verweistätigkeiten für den
Beschwerdeführer geben (vgl. auch die Stellungnahme des RAD vom 8. März 2018, IV-
act. 197-3).
6.3.
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diesem Zeitraum erstellten Arztberichte von Dr. D._ vom 13. März und 3. Dezember
2014 (IV-act. 28-1ff., 50-1ff.) sowie von Dr. E._ vom 24. März und 21. November
2014 (IV-act. 31-1ff., 48-1ff.) enthalten zumindest keine quantitativen Angaben zur
Arbeitsfähigkeit adaptiert. Lediglich der RAD hat sich im Rahmen der
Eingliederungsprüfung am 8. Dezember 2014 zur Arbeitsfähigkeit adaptiert geäussert,
wobei er seine diesbezügliche Einschätzung von 50 % jedoch nicht begründet hat (IV-
act. 52). Der Beschwerdeführer war jedoch auch während dieser Zeitspanne fähig,
Dolmetscheraufträge wahrzunehmen (vgl. IV-act. 112-8ff.). Da aus den Akten kein
plausibler Verlauf in Sinne einer Verbesserung per Ende Mai 2015 ersichtlich ist,
rechtfertigt es sich, durchgehend von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit adaptiert
auszugehen. Eine höhere Arbeitsunfähigkeit für die Zeit zwischen dem 1. Juni 2014 und
Ende Mai 2015 bleibt beweislos. Von weiteren medizinischen Abklärungen, wie dies
der Beschwerdeführer in den Eventualanträgen 2 und 3 der Beschwerde vom 24. April
2018 fordert (act. G 1-2), sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in
antizipierender Beweiswürdigung zu verzichten ist.
8.
Nachfolgend ist der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1).
8.1.
Beim Valideneinkommen stellte die Beschwerdegegnerin auf das erzielte
Einkommen des Beschwerdeführers als Chauffeur in der Getränkeauslieferung und
C._ im Jahr 2012 von Fr. 74'796.- ab, rechnete dieses auf das Jahr 2014 hoch und
ermittelte damit ein Einkommen von Fr. 75'922.- (vgl. IV-act. 189, 198-2).
Korrekterweise hätte beim Einkommen als Chauffeur in der Getränkeauslieferung von
den Angaben im Arbeitgeberfragebogen vom 15. Januar 2015 (IV-act. 20-3)
ausgegangen werden müssen. So betrug das Einkommen des Beschwerdeführers im
Jahr 2013 Fr. 74'580.-. Nominallohnbereinigt beträgt damit das Einkommen im Jahr
2014 Fr. 75'052.- (Fr. 74'580 / 126.5 x 127.3; vgl. Nominallohnindex 1993-2019, Tabelle
NOGA02, Total, Männer, Bundesamt für Statistik). Hinsichtlich der Dolmetschertätigkeit
ist festzustellen, dass das Einkommen jährlich schwankte, weshalb auf den
8.2.
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Durchschnittslohn der Jahre 2009 bis 2013 abzustellen ist (2009: Fr. 587.-; 2010:
Fr. 1'945.-; 2011: Fr. 735.-; 2012: Fr. 945.-; 2013: Fr. 1'125.-; vgl. IV-act. 15-1, 16-8).
Hochgerechnet auf das Jahr 2014 beträgt der Durchschnittslohn Fr. 1'092.- (Fr. 610.-
[Fr. 587.- / 122.5 x 127.3]; Fr. 2'006.- [Fr. 1'945.- / 123.4 x 127.3]; Fr. 752.- [Fr. 735.- /
124.5 x 127.3]; Fr. 959.- [Fr. 945.- / 125.5 x 127.3]; Fr. 1'132.- [Fr. 1'125.- / 126.5 x
127.3]). Folglich ist von einen Valideneinkommen von Fr. 76'144.- (Fr. 75'052.- +
Fr. 1'092.-) auszugehen.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht, sofern
kumulativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass die versicherte Person die ihr verbleibende Leistungsfähigkeit in zumutbarer
Weise voll ausschöpft und das Einkommen angemessen ist und nicht als Soziallohn
erscheint. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben,
namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine
oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist
auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person (nach zumutbarer
Behandlung und allfälliger Eingliederung) angesichts ihrer Ausbildung und ihrer
physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss
werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss LSE herangezogen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
8.3.
Da kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben ist, ist das Abstellen der
Beschwerdegegnerin auf den Tabellenlohn gemäss LSE 2014, TA1, Kompetenzniveau
1, Total, Männer, von Fr. 66'453.- nicht zu beanstanden.
8.4.
Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalls ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter
und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25 % festzusetzen ist. Eine
schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b,
129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Die
Beschwerdegegnerin gewährte einen Tabellenlohnabzug von 10 % (IV-act. 189, 198-2),
der Beschwerdeführer dagegen verlangt einen solchen von 25 % (act. G 1-15). In
Anbetracht der qualitativen Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit (siehe
Erwägung 6.1) und des fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers (Jahrgang
1965) kann ein lohnwirksamer Nachteil nicht ausgeschlossen werden. Vorliegend
erscheint – auch im Vergleich zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung (eine faktische
Einhändigkeit oder Beschränkung der dominanten Hand als Zudienhand rechtfertige
8.5.
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9.
einen Tabellenlohnabzug von 20 bis 25 %; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Juni
2018, 9C_363/2017, E. 4.3 mit Hinweisen; von faktischer Einhändigkeit ist vorliegend
nicht auszugehen) – ein Tabellenlohnabzug von 10 % als angemessen.
Bei einer Arbeitsfähigkeit von 70 % und einem Tabellenlohnabzug von 10 %
resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 41'865.- (Fr. 66'453.- x 0.7 x 0.9). Dies ergibt
eine Erwerbseinbusse von Fr. 34'279.- (Fr. 76'144.- - Fr. 41'865.-). Der Invaliditätsgrad
beträgt somit 45 % (Fr. 34'279.- / Fr. 76'144.-). Dieser berechtigt zum Bezug einer
Viertelsrente. Selbst bei Gewährung eines Tabellenlohnabzugs von 15 % würde kein
höherer Rentenanspruch (IV-Grad: 48 %) resultieren.
8.6.
Da ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert, stellt sich wiederum die
Frage nach der Eingliederungspflicht der IV (vgl. vorstehende E. 2.2). Diese ist
vorliegend zu verneinen, da keine beruflichen Massnahmen erkennbar sind, die das
Invalideneinkommen relevant erhöhen würden, und eine eigentliche Umschulung auch
mit Blick auf das Alter und die Art der Berufstätigkeit des Beschwerdeführers in der
Schweiz zu aufwändig und daher nicht mehr verhältnismässig ist. Auch vor dem
Hintergrund der Art der Beeinträchtigung (psychischer Natur kombiniert mit
körperlichen Einschränkungen) erscheinen Eingliederungsmassnahmen nicht
erfolgversprechend.
8.7.
Die für die Erfüllung des Wartejahrs am 1. Juni 2014 nötige durchschnittliche
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% wird durch die Arztberichte von Dr. E._ vom
24. März 2014 (IV-act. 31-1ff.) und von Dr. F._ vom 6. November 2014 (IV-act. 47)
belegt. Die Ärzte attestieren dem Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit ab
dem 30. Mai 2013 im Schnitt eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40 %. Der
Beschwerdeführer meldete sich am 19. Dezember 2013 zum Leistungsbezug an (IV-
act. 10). In Nachachtung von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG (vgl.
Erwägung 3.1 und 3.2) entsteht der Rentenanspruch am 1. Juni 2014.
8.8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung vom 10. April 2018 aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab
1. Juni 2014 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der
Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
9.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-
9.2.
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