Decision ID: eb05ab9b-239f-467a-8516-dc70763130e1
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
Der 1966 geborene R._ erlitt am 29. Januar 2000 einen Autounfall, bei welchem er
sich insbesondere Rippenfrakturen und Prellungen zuzog. Am 4. September 2001 glitt
er beim Einsteigen in einen Bus aus und zog sich eine Rippenfraktur sowie thorakale
Schmerzen zu. Am 30. Juli 2003 ergab sich beim Heben eines Tisches ein
Verhebetrauma. Vom 18. bis 20. Januar 2005 musste der Versicherte wegen eines
Verkehrsunfalls als angegurteter Beifahrer hospitalisiert werden (vgl. "Fremdakten", act.
G 11.2). Am 23. August 2005 meldete sich der Versicherte zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung an. Dr. med. A._ diagnostizierte im Bericht vom 18. Februar
2006 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Protrusion L4/5, ein
Panvertebralschmerzsyndrom, rezidivierende Schwindelattacken sowie eine plötzlich
auftretende Sehbehinderung rechts. Daneben vermerkte er ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine depressive Stimmung, eine chronische Sinusitis maxillaris und
eine Schmerzverarbeitungsstörung. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit liege eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % vor. Eine Abklärung der Arbeitsfähigkeit sei erforderlich (IV-
act. 28). Nach Durchführung einer MEDAS-Begutachtung (IV-act. 41) stellte die IV-
Stelle des Kantons St. Gallen dem Rechtsvertreter des Versicherten mit Vorbescheid
vom 12. Februar 2007 die Rentenablehnung in Aussicht (IV-act. 46). Nach Eingang der
Stellungnahme des Rechtsvertreters (IV-act. 49) verfügte die IV-Stelle am 20. März
2007 im Sinn des Vorbescheids (IV-act. 50).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller, Teufen, für den
Versicherten mit Eingabe vom 7. Mai 2007 Beschwerde mit den Anträgen, die
Verfügung sei aufzuheben, und dem Beschwerdeführer sei mindestens eine halbe IV-
Rente mit Wirkung ab Juli 2004 zuzusprechen. Der Entscheid sei aufzuheben infolge
Nichtbehandlung des Antrags auf unentgeltliche Verbeiständung im
Anhörungsverfahren. Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung sei auch für dieses
Verfahren zu bewilligen. Zur Begründung führte der Rechtsvertreter unter anderem aus,
im rheumatologischen Teilgutachten der MEDAS (IV-act. 41-27/32) werde auf eine
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abschliessende Würdigung des neurologischen Fachgutachters verwiesen. Ein solches
Fachgutachten sei von der MEDAS gar nicht erstellt worden. Das MEDAS-Gutachten
diskutiere weder die Schlussfolgerungen im Austrittsbericht der Klinik Valens noch den
Bericht über die CT der LWS vom 5. Juli 2004 (CT-Bericht; IV-act. 28-10/14). Ebenso
fehle das Antwortschreiben des Universitätsspitals Zürich auf die schriftlichen Anfragen
der B._ Versicherung vom 3. August und 8. September 2004. Auch das vom
Beschwerdeführer im Juli 2003 erlittene Überhebetrauma thematisiere die MEDAS
nicht. Sie gehe auch nicht auf die im CT-Bericht festgestellte Nervenwurzelreizung auf
der Höhe L5 ein. Weiter mangle es an aktuellen Verlaufsberichten des Hausarztes. Es
erscheine deshalb unumgänglich, eine neue spezialärztliche Abklärung der HWS- und
LWS-Problematik vorzunehmen. Die MEDAS habe es zudem unterlassen,
Röntgenbilder anfertigen zu lassen, obwohl sich die Rückenbeschwerden des
Beschwerdeführers seit dem CT-Bericht verschlimmert hätten. Die Untersuchungen der
MEDAS seien zeitlich zu kurz ausgefallen, um eine umfassende Beurteilung zuzulassen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 7. August 2007 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung legte sie unter
anderem dar, der Beschwerdeführer rüge zu Recht, dass sein Antrag bezüglich der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Vorbescheidsverfahren nicht behandelt
worden sei. Sie werde dies noch nachholen. Es sei ausreichend gewesen, den
neurologischen Status anlässlich der internistischen Untersuchung durch die MEDAS
zu erheben. Aufgrund der nicht gegebenen erheblichen Befunde im Bereich des
Rückens habe die MEDAS dem Beschwerdeführer zu Recht in einer körperlich leichten
bis mittelschweren Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert. Das vom
Beschwerdeführer erwähnte "Überhebetrauma" werde im MEDAS-Gutachten
angeführt. Dieses habe beim Beschwerdeführer offensichtlich keine bleibende
Rückenschädigung verursacht. Aufgrund der nicht pathologischen Ergebnisse der
klinischen Untersuchung habe die MEDAS auch keine neuen Röntgenbilder anfertigen
müssen. Weil zudem keine Hinweise vorliegen würden, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der MEDAS-Untersuchung
verschlechtert habe, könne auf die Einholung weiterer medizinischer Berichte verzichtet
werden. Weil der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei,
habe er keinen Anspruch auf eine IV-Rente.
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B.c Am 15. August 2007 bewilligte der Gerichtspräsident die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das vorliegende Verfahren.
B.d Mit Replik vom 18. Oktober 2007 bestätigte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seinen Standpunkt. Den Antrag betreffend unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Anhörungsverfahren zog er zurück (act. G 18). Die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine IV-Rente hat. Nach der ab
1. Januar 2004 in Kraft stehenden Fassung von Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Die Invalidität des Beschwerdeführers ist unbestrittenermassen
nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu bemessen. Grundlage
der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist nach
der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
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medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweis; RKUV 2000, 214).
1.2 Im Austrittsbericht vom 21. März 2003 diagnostizierten die Ärzte der Klinik Valens
beim Beschwerdeführer ein linksbetontes Panvertebralsyndrom bei
Wirbelsäulenfehlform und -haltung, muskulärer Dysbalance, Dekonditionierung und
degenerativen Veränderungen der HWS. Die Arbeitsfähigkeit schätzten sie auf 50 % für
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten. In zwei bis drei Monaten könne die
Arbeitsfähigkeit gestaffelt auf 100% erhöht werden (IV-act. 28-13/14). Von Seiten des
Universitätsspitals Zürich wurde im Bericht vom 17. März 2004 zusätzlich zu den
vorerwähnten Diagnosen der Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstörung
geäussert. Aus rheumatologischer Sicht sei der Beschwerdeführer für eine leichte bis
mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit voll arbeitsfähig (IV-act. 28-11/14). Eine
Abklärung in der MEDAS Basel ergab gemäss Gutachten vom 13. Dezember 2006
keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit wurden ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom links (äusserst
geringes organisches Korrelat, Haltungsinsuffizienz und Dekonditionierung,
ausgeprägte Symptomausweitung bei Schmerzverarbeitungsstörung), eine
rezidivierende Cephalaea, eine Sehstörung und mögliche zervikovertebrale
Funktionsstörung sowie Schwankschwindel, ein Schulterschmerz rechts und eine
Verhaltensauffälligkeit bei andernorts klassifizierten Erkrankungen
(Lumbovertebralsyndrom) diagnostiziert. Die Gutachter hielten unter anderem fest,
insgesamt imponiere eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen dem Ausmass der
subjektiv geäusserten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden. Eine
depressive Störung könne durch die psychiatrische Untersuchung nicht objektiviert
werden. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Service-Angestellter, welche als
körperlich leichte bis intermittierend mittelschwer belastende Tätigkeit einzuschätzen
sei, bestehe sowohl aus somatischer wie auch aus psychiatrischer Sicht eine voll
zumutbare Arbeitsfähigkeit. Für sämtliche körperlich leicht bis mittelschwer belastende
Tätigkeiten in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen und ohne Dauerbelastung
oder repetitive Belastung des rechten Armes achsenfern oder im Überkopfbereich
bestehe eine voll zumutbare Arbeitsfähigkeit. Auf Korrektur der Haltungsdefizite
zielende Therapien könnten zu einer Linderung der Beschwerden führen. Allerdings
stehe die Schmerzverarbeitungsstörung beim Exploranden derart im Vordergrund, dass
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diesbezügliche Bemühungen erst nach einer Verbesserung der Coping-Strategien
sinnvoll erscheinen würden. Berufliche Massnahmen seien nicht indiziert. Bei
entsprechender Willensanstrengung könne die gutachterlich objektivierte
Arbeitsfähigkeit auch verwertet werden (IV-act. 41 S. 12f).
2.
2.1 Zum Einwand des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers, die doch sehr kurzen
Untersuchungen bei der MEDAS könnten kaum dem Anspruch auf eine umfassende
Beurteilung gerecht werden (act. G 1 S. 8), ist vorweg festzuhalten, dass es für den
Aussagegehalt eines Arztberichtes zumindest bei somatischen Gesundheitsstörungen
nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommen kann. Massgeblich ist vielmehr, ob
der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 24. Mai 2006 i/S R. [I 954/05], Erw. 3.2.1). Ob
dies der Fall ist, ist nachfolgend zu prüfen.
2.2 PD Dr. med. C._, Medizinisch Radiologisches Institut, fand gemäss Beurteilung
vom 5. Juli 2004 gestützt auf eine Computertomographie (CT) der LWS vom 2. Juli
2004 eine leichte mediolateral rechtsseitige Protrusion der Zwischenwirbelscheibe L
4/5 rechts mit minimer Tangierung der Nervenwurzel L5 rechts im Recessus lateralis.
Als Nebenbefund führte er eine leichte Spondylarthrose auf dieser Segmentshöhe
sowie eine Bogenschlussanomalie S1 auf (IV-act. 28-10/14). Der rheumatologische
Fachgutachter der MEDAS hielt in diesem Zusammenhang fest, Anhaltspunkte für eine
Kompression bestünden klinisch nicht und hätten auch in dem vom Hausarzt
veranlassten CT nicht in hinreichender Signifikanz nachgewiesen werden können.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers verneinten die MEDAS-Gutachter ein
organisches Korrelat im Bereich der LWS nicht gänzlich, sondern bezeichneten es als
äusserst gering (IV-act. 41 S. 9 oben).
Das Ereignis vom 30. Juli 2003 beschrieb der Beschwerdeführer dahingehend, dass er
einen schweren Tisch gehoben habe, was zu starken lumbalen Rückenschmerzen
geführt habe (IV-act. 41 S. 7). Hinsichtlich dieses "Überhebtraumas" berichteten die
Ärzte des Universitätsspitals Zürich, Rheumaklinik und Institut für Physikalische
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Medizin, am 28. April 2004, im Vordergrund stehe die Durchführung einer aktiven, die
Rumpfmuskulatur stabilisierenden Physiotherapie. Es sei kein bleibender Nachteil zu
erwarten. Für eine leichte bis mittelschwere Arbeit mit Wechselbelastung bestehe keine
Arbeitsunfähigkeit. Der Patient sei arbeitslos (Bericht enthalten in act. G 11.2).
Bezüglich der vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers als fehlend erwähnten
Antwortschreiben zu den Anfragen der B._ Versicherungen betreffend
Arbeitsunfähigkeit vom 3. August und 8. September 2004 (enthalten in act. G 11.2) ist
festzuhalten, dass die Ärzte des Universitätsspitals sich bereits im vorerwähnten
Bericht vom 28. April 2004 klar zur Arbeitsfähigkeit geäussert hatten. Von der
Einholung weiterer Berichte war damit kein anderes Resultat zu erwarten. Ein Anlass für
die Anfertigung neuer Röntgenbilder war insofern nicht gegeben, als die klinischen
Untersuchungen durch die MEDAS keine auffälligen pathologischen Befunde ergeben
hatten. Der MEDAS-Rheumatologe hatte festgehalten, die klinische Untersuchung habe
einen zunächst adäquat auftretenden Beschwerdeführer gezeigt mit unauffälligen freien
Bewegungsmustern, der jedoch auf Nachfrage hin sofort eine allgemeine
Beeinträchtigung seines körperlichen Wohlbefindens beklagt habe. Im Verlauf der
Untersuchung hätten sich zunehmend symptomverdeutlichende Tendenzen und ein
Schmerzgebaren ergeben, das bei Nachweis multipler nichtorganischer Zeichen und
Inkonsistenzen, wie bereits vom Universitätsspital diagnostiziert, den Verdacht auf eine
namhafte Schmerzverarbeitungsstörung in den Vordergrund habe treten lassen (IV-act.
41 S. 9). Der Beschwerdeführer macht nicht geltend, dass sich sein
Gesundheitszustand seit der MEDAS-Begutachtung verschlechtert habe;
diesbezügliche Anhaltspunkte sind auch aus den Akten nicht ersichtlich.
2.3 Die MEDAS-Begutachtung umfasste eine internistische, rheumatologische und
psychiatrische Untersuchung (IV-act. 41 S. 1). Der rheumatologische Gutachter verwies
jedoch hinsichtlich der geklagten Kopfschmerzen und Schwindelattacken zudem auf
ein neurologisches Fachgutachten (IV-act. 41-10/32, 41-27/32), welches aber nicht
erstellt worden war. Nachdem der RAD-Arzt D._ das Gutachten vorerst als in sich
widerspruchsfrei, konsistent und nachvollziehbar erachtet hatte (IV-act. 42), legte er in
der Stellungnahme vom 23. Mai 2007 dar, es sei, da es sich (bei den Kopfschmerzen
und Schwindelattacken) um ein Leiden ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit handle,
davon auszugehen, dass die beteiligten Fachgutachter von einer zusätzlichen
neurologischen Abklärung medizinisch begründet und damit bewusst abgesehen
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hätten. Dies sei mit einer Rückfrage bei den Gutachtern noch zu klären (IV-act. 60). PD
Dr. med. E._, welcher das MEDAS-Gutachten unterzeichnet hatte, legte im Schreiben
vom 20. Juli 2007 dar, nachdem der Explorand am 18. Januar 2005 einen
Verkehrsunfall mit Kopfkontusion und anamnestisch Commotio cerebri erlitten habe,
sei der begutachtende Rheumatologe davon ausgegangen, dass auch ein
neurologisches Fachgutachten erstellt werde. Bei den vom Exploranden angegebenen
Kopfschmerzen handle es sich nicht um primäre Kopfschmerzen, sondern um vom
Nacken in den Kopf ausstrahlende Spannungskopfschmerzen. Der Explorand sei in der
rheumatologischen Untersuchung nur eingeschränkt untersuchbar gewesen. Da für
den Rheumatologen eine segmentale Funktionsstörung der oberen HWS, welche die
vom Exploranden angegeben Symptome hätte erklären können, möglich erschienen
sei, sei auf eine neurologische Begutachtung verzichtet worden. Bezüglich des vom
Exploranden angegebenen Schwindels und der begleitenden Übelkeit sei darauf
hinzuweisen, dass diese zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Service-Angestellter führen würden. Es sei durchaus möglich,
dass die regelmässige Medikation mit Tramal wesentlich zu Schwindel- und
Übelkeitsproblematik beitrage (UV-act. 62).
Im Austrittsbericht der Klinik Valens aus dem Jahr 2003 war festgehalten worden, in
der neurologischen Untersuchung habe der Patient eine nicht dermatombezogene
Dysästhesie auf Berührung rechtsseitig im Bereich des Halses und des Nackens
beschrieben; ansonsten hätten unauffällige Befunde bestanden (IV-act. 28-13/14). Auf
diesen Bericht kann insofern nicht mehr unbesehen verwiesen werden, als sich
zwischenzeitlich der Auto-Unfall vom 18. Januar 2005 mit Körper- und Kopfanprall
ereignet hatte. Die Erhebung des neurologischen Status anlässlich der internistischen
Untersuchung durch den MEDAS-Gutachter ergab zwar keine motorischen Defizite. Es
wurde ausschliesslich ein Sensibilitätsdefizit im rechten Nacken- und Schulterbereich
sowie im gesamten rechten Oberarm (nicht dermatomgebunden) festgestellt (IV-act. 41
S. 8). Hingegen erachtete der am MEDAS-Gutachten beteiligte Rheumatologe wie
erwähnt eine segmentale Funktionsstörung der oberen HWS und auch ein
Zusammenhang der rechtsseitigen Kopfschmerzen mit dem stattgehabten Trauma als
möglich. Die abschliessende Würdigung wollte er deshalb einem Neurologen
übertragen (IV-act. 41 S. 10). Mit Blick auf diese Umstände hätte anlässlich der
MEDAS-Begutachtung nicht auf ein neurologisches Konsilium verzichtet werden
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dürfen. Auch die nachträglichen Ausführungen des MEDAS-Gutachters vom 20. Juli
2007 vermögen einen Verzicht auf die neurologische Untersuchung nicht ausreichend
zu erklären. Die neurologische Abklärung wird die Beschwerdegegnerin daher bei
einem entsprechenden Spezialarzt noch zu veranlassen haben. Wieweit dabei neue
bildgebende Untersuchungen nötig sind, wird vom Gutachter zu entscheiden sein. In
der Folge wird der RAD erneut eine medizinische Gesamtwürdigung vorzunehmen
haben.
3.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragte in der Begründung des
Einwandes gegen den Vorbescheid (IV-act. 49) die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung. In diesem Verfahren stellte er diesen Antrag erneut, zog ihn
jedoch zurück, nachdem die Beschwerdegegnerin die Behandlung des Antrags
zugesichert hatte (act. G 18). In diesem Umfang ist das Verfahren als gegenstandslos
geworden abzuschreiben.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
Verfügung vom 20. März 2007 teilweise gutzuheissen und die Angelegenheit zur
Vornahme der ergänzenden medizinischen Abklärungen und zu neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig
(Art. 69 Abs. 1 IVG). Unter Berücksichtigung des Verfahrensaufwandes wird die der
unterliegenden Beschwerdegegnerin zu auferlegende Gerichtsgebühr auf Fr. 600.--
festgesetzt. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten. Der Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang Anspruch
auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, diese auf pauschal
Fr. 3'500.-- (einschliesslich Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzulegen. Die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird dadurch gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG