Decision ID: e146dc8d-7682-4717-a83e-405c0824f5f5
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984, meldete sich am 5. September 2016 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Opfikon-Glattbrugg zur Arbeits
vermittlung an (Urk. 8/
529
) und beantragte
am 15. Dezember 2016
die Aus
richtung
von Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. September 2016
, wobei er angab, zuletzt
unter anderem vom 1. Januar
bis zum 31. August 2016
beim
Verein Y._
tätig gewesen zu sein (
Urk.
8/
520-523
).
In der F
olge wurden
dem Versicherten Taggelder der Arbeitslosen
versicher
ung ausbezahlt (vgl
.
Urk.
2 S. 1
). Per
1
1.
Oktober 2018 wurde der Ver
sicherte ausgesteuert (
Urk.
8/234
).
).
Nach einer internen Revisi
on vom 2
9.
April 2019 (
Urk.
8/231-232
) forderte
die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich den Versicherten
m
it Verfügung vom 21. April 2020 (Urk. 8/
88-
91
)
zur Rückerstattung d
er
für die Zeit vom 10. Oktober 2016 bis zum 12. September 2018 zu viel ausbezahlten Arbeitslosen
entschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 130'066.70
auf
und entzog einer allfälligen Einsprache die aufschiebende Wirkung. Die vom Versicherten dagege
n
am 18. Mai 2020
erhobene Einsprache (Urk. 8/
55-56
) wies die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich mit Entscheid vom 22. September 2020 (Urk. 8/
10-17
= Urk. 2) ab und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
2.
Der Versicherte erhob am 22. Oktober 2020 Beschwerde gegen den Einsprache
entscheid vom 22. September 2020 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzu
heben. Eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu
weisen. Zudem stellte der Versicherte den prozessualen Antrag, es sei dem Beschwerdeverfahren die aufschiebende Wirkung zu erteilen und das Beschwer
deverfahren sei zu sistieren, bis die Kantonale Steuerverwaltung Zürich die neue Veranlagung der Jahre 2016, 2017 und 2018 vorgenommen habe (Urk. 1 S. 2 f. Ziff. 1, 4-6). Die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich beantragte mit Beschwer
deantwort vom 15. Dezember 2020 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde, was dem
Beschwerdeführer
am 22. Dezember 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10). Mit Replik vom 3. Februar 2021 (Urk. 12) hielt der
Beschwerdeführer
an seinen materiellen und prozessualen Anträgen fest. Mit Duplik vom 4. März 2021 (Urk. 16) beantragte die
Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zudem seien die Anträge um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Sistierung des Beschwerdeverfahrens abzuweisen.
Mit Verfügung vom 8. April 2021 (Urk. 18) stellte das hiesige Gericht die auf
schiebende Wirkung der Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 22. September 2020 wieder her und wies das Gesuch um Sistierung des Ver
fahrens ab. Mit Triplik vom 21. April 2021 (Urk. 19) hielt der
Beschwerdeführer
an seinen materiellen A
nträgen fest, worüber die
Beschwerdegegnerin
am 29. April 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 21). Mit Eingaben vom 5. August 2021 (Urk. 23) und 17. November 2021 (Urk. 25) reichte der
Beschwerdeführer
weitere Unterlagen ein (Urk. 24/15; Urk. 26/16), die der
Beschwerdegegnerin
am 21. November 2021 zur Stellungnahme zugestellt wurden (Urk. 27). Mit Eingabe vom 7. Dezember 2021 (Urk. 28)
hielt die
Beschwerdegegnerin
an der Abweisung der B
eschwerde fest.
Darüber wurde der
Beschwerdeführer
am 9. Dez
ember 2021 in Kenntnis gesetzt (Urk. 30).
Mit Verfügung vom 1
3.
Juni 2022 (
Urk.
32) wurde die Beschwerdegegnerin auf
gefordert, sich zur Frage der Verwirkung zu äussern. Dem kam diese mit Eingabe vom 2
9.
Juni 2022 (
Urk.
33) nach, worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2022 (
Urk.
34) in Kenntnis gesetzt wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 9 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
gelten - soweit das Gesetz nichts
anderes
vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zwei
jährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 Abs. 2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG).
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosen
entschädigung besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche Anspruchsvoraus
setzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
1.2
Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach Art. 8 Abs. 1 lit. e in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 AVIG ist grundsätzlich einzig die Ausübung einer beitrags
pflichtigen Beschäftigung während der geforderten Dauer von zwölf Beitrags
monaten. Diese Tätigkeit muss genügend überprüfbar sein. Dem Nachweis tat
sächlicher Lohnzahlung kommt dabei nach dem Gesagten nicht der Sinn einer selbständigen Anspruchsvoraussetzung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in kritischen Fällen unter Umständen ausschlaggebenden Indizes für die Aus
übung einer beitragspflichtigen Beschäftigung. Soweit eine solche Beschäftigung nachgewiesen, der exakte ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben ist, hat eine Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (Urteil des Bundesgerichts 8C_472/2019 vom 20. November 2019 E. 4.1 mit Hinweis auf BGE 131 V 444 E. 3.2.3).
1.3
Nach der Rechtsprechung ist die Ausübung einer an sich beitragspflichtigen Beschäftigung nur Beitragszeiten bildend, wenn und soweit
hiefür
effektiv ein Lohn ausbezahlt wird. Mit dem Erfordernis des Nachweises effektiver Lohn
zahlung sollen und können Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und arbeitnehmenden Personen verhindert werden. Als Be
weis für den tatsächlichen Lohnfluss genügen Belege über entsprechende Zahlungen auf ein auf den Namen der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers lautendes Post- oder Bankkonto. Bei behaupteter Barauszahlung fallen Lohn
quittungen und Auskünfte von ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (allenfalls in Form von Zeugenaussagen) in Betracht. Höchstens Indizien für tat
sächliche Lohnzahlung bilden Arbeitgeberbescheinigungen, von der Arbeit
nehmerin oder vom Arbeitnehmer unterzeichnete Lohnabrechnungen und Steuererklärungen sowie Eintragungen im individuellen Konto (BGE 131 V 444 E. 1.2).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
stellte sich
im angefochtenen Einspracheentscheid (Urk. 2) im W
esentlichen auf den Standpunkt
,
dass der Lohnfluss für die An
stellung des
Beschwerdeführer
s beim
Verein Y._
vom 1. Januar bis zum 31. August 2016 nicht nachgewiesen sei
. Es seien zwar Barlohnquittungen aktenkundig, jedoch bestünden erhebliche Zweifel daran, ob
überhaupt
Barlohnzahlungen respektive im geltend gemachten Umfang erfolgt seien. Der
Beschwerdeführer
habe den Nachweis des tatsächlichen Lohnflusses nicht erbringen können, weshalb sein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ohne Berücksichtigung seiner Tätigkeit beim
Verein Y._
zu beurteilen sei (S. 3 ff.).
Daran hielt die
Beschwerdegegnerin
in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 7)
und Duplik (Urk. 16)
im Wesentlichen fest.
2.2
Der
Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Stand
punkt (Urk. 1),
dass er nachweislich für den
Verein Y._
gearbeitet und sein Gehalt in Form von Barzahlungen erhalten habe. Die entsprechenden Barlohnquittungen habe er nach der Kündigung bei der An
meldung beim RAV für die Entrichtung von Arbeitslosengeldern auch ein
gereicht. Ohne das Gehalt in tatsächlicher und angemeldeter Höhe hätte er den Lebensunterhalt seiner fünfköpfigen Familie nicht bestreiten können. Ausserdem sei
die Rückforderung bereits verwirkt (S. 8 ff. Ziff. III).
Er habe es versäumt, die Steuererklärungen der Jahre 2016-2018 einzureichen, habe dies jedoch jetzt nachgeholt, weshalb die zu erwartende Einschätzung der Steuerbehörde zu berücksichtigen sei (S. 7
Ziff.
12-14).
Daran hielt der
Beschwerdeführer
in seiner Replik (Urk. 12) und Triplik (Urk. 19) im Wesentlichen fest.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht vom Beschwerdeführer die für die Zeit vom 10. Oktober 2016 bis zum 12. September 2018 zu viel ausbezahlte Arbeitslosenentschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 130'066.70 zurückgefordert hat und dabei insbesondere, ob der Beschwerde
führer den Nachweis des tatsächlichen Lohnflusses für eine
Tätigkeit
beim
Verein Y._
vom 1. Januar bis zum 31. August 2016 zu erbringen vermochte.
3.
3.1
Nach Angaben des Beschwerdeführers sei ihm jeweils der Lohn für seine Tätigkeit beim
Verein Y._
in bar ausbezahlt worden (vgl. vorstehend E. 2.2).
Zum Nachweis des in der massgebenden Zeit bezogenen Lohnes legte der Beschwerdeführer verschiedene Dokumente ins Recht.
3.2
G
emäss Arbeitsvertrag vom 22. Dezember 2015
war der Beschwerdeführer ab dem 1. Januar 2016
beim
Verein Y._
als Leiter Direktion und Finanz
abteilung in einem 100 %-
Pensum
angestellt
, wobei ein monatlicher Bruttolohn von Fr. 12'480.-- vereinbart wurde (Urk. 8/
191-192
). Die Arbeitgeberin kündigte das Arbeitsverhältnis am 30. Juni 2016 per 31. August 2016 aus strukturellen und wirtschaftlichen Gründen (Urk. 8/
190
).
Gemäss
Arbeitgeberbescheinigung des Vereins
Y._
vom 15. Dezember 2016
sei
der Beschwerdeführer vom 1. Januar bis zum 31. August 2016 angestellt
gewesen
und
habe
dabei einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 12'480.-- beziehungsweise von Fr. 99'840.-- für die gesamte Dauer erzielt (Urk. 8/
193-194
).
Gemäss
Lohnabrechnungen
seien
dem Beschwerdeführer bei einem Bruttolohn von Fr. 12'480.-- für den Monat Januar 2016 Fr. 10'718.15, für den Monat Februar 2016 Fr. 10'699.35 und für die Monate März bis August 2016
jeweils
Fr. 10'723.35 in bar ausbezahlt
worden
(Urk. 8/61 = Urk. 8/232 = Urk. 8/248).
Die auf den
vom Beschwerdeführer unterzeichneten
Barlohn
quittungen für die Monate Januar bis August 2016 aufgeführten ausbezahlten Löhne entsprechen den Beträgen der Lohnabrechnungen (Urk. 8/
182-189
).
3.3
Anlässlich des von der
Beschwerdegegner
in
im Rahmen ihrer Abklärungen
am
7.
Februar 2017 veranlassten Zusammenzuges der individuellen
Beitragskonti
(
Urk.
8/389)
wurde
ein vom 2
2.
Februar 2017 datierender IK-Auszug erstellt, in dem die geltend gemachte Tätigkeit beim
Verein Y._
jedoch
nicht aufgeführt war (vgl.
Urk.
8/382).
Am
6.
Mai 2019 bestellte die Beschwerdegegnerin erneut einen IK-Auszug (
Urk.
8/228).
Auch im
daraufhin
am 1
7.
Mai 2019 erstellten IK-Auszug ist
das geltend gemachte Einkommen nicht erfasst (vgl.
Urk.
8/212).
3.
4
Am
6.
Mai 2019 veranlasst die
Beschwerdegegner
in
den Beizug der Steuer
erklärungen des Beschwerdeführers der Jahre 2016 bis 2018 sowie des Vorsorge
ausweises (
Urk.
8/227-226). Für das Jahr 2016 hatte der Beschwerdeführer keine Steuererklärung eingereicht, weshalb sein steuerbares Einkommen auf
Fr.
10'000.-- festgesetzt wurde (vgl.
Urk.
8/217).
Der per 3
1.
August 2016 gültige,
jedoch erst
am 1
6.
März 2020 erstellte Vorsorgeausweis (
Urk.
8/160-161) bezieht sich auf den Zeitraum vom
1.
Januar bis 3
1.
August 2016 und nennt einen Jahreslohn von
Fr.
99'840.--.
3.
5
Nach Erlass der Verfügung vom 2
1.
April 2020 (
Urk.
8/88-91) ergingen folgende Akten.
3.
5
.1
Mit Schreiben vom 15. Mai 2020 bestätigte der Präsident des Vorstands des Vereins
Y._
,
Herrn
Z._
, dass der Beschwerdeführer vom 1. Januar bis zum 31. August 2016 bei ihnen für ein Projekt, das zum Wachstum ihrer Gemeinde hätte beitragen sollen, gearbeitet habe. Da es Differenzen mit den Sponsoren gegeben habe, sei das Projekt nicht zustande gekommen, weshalb das Arbeitsverhältnis mit dem Beschwerdeführer habe aufgelöst werden müssen. Die Lohnzahlungen an den Beschwerdeführer seien jeweils in bar erfolgt. Der Beschwerdeführer
habe
sie im Februar 2020 da
rauf aufmerksam gemacht, dass sein Lohn nicht bei der SVA Zürich, Ausgleichs
kasse, deklariert worden sei. Dies sei natürlich umgehend erledigt worden (Urk. 8/
83
). Diesem Schreiben war die Nachtragsrechnung der SVA Zürich, Aus
gleichskasse, vom 7. Mai 2020 für die Lohnbeiträge der Zeitperiode Januar bis Dezember 2016 beigelegt (Urk. 8/
85
).
3.
5
.2
I
m
dementsprechend korrigierten
Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) des Beschwerdeführers vom 11. Mai 2020
wurde festgehalten
, dass der Beschwerdeführer von Januar bis August 2016 beim
Verein Y._
ein Einkommen von Fr. 99'840.-- erzielt hat (Urk. 8/
59
).
3.
5
.3
Mit Schreiben vom 17. Mai 2020 bestätigten
A._
und
B._
,
gemäss eigenen Angaben
von Anfang 2013 bis Ende 2017 beim
Verein Y._
ehrenamtlich
tätig
und für die Ehepaare in der Kirchgemeinde zuständig
gewesen
zu sein
,
und
dass der Beschwerdeführer vom 1. Jan
uar bis zum 31. August 2016 beim Verein
gearbeitet habe und ihm der Lohn in der Höhe von zirka Fr. 10'720.-- jeweils Ende Monat in bar ausbezahlt worden sei (Urk. 8/
80
).
3.
5
.4
Der Erfolgsrechnung vom
8.
November 2017 (
Urk.
8/42-43) ist für das Jahr 2016 ein Lohnaufwand von lediglich
Fr.
30'000.-- zu entnehmen. Die Lohndeklaration für das Jahr 2016, unterschrieben am 2
1.
Juni 2017 (
Urk.
8/22-23), nennt lediglich
C._
als Mitarbeiter, bei einer Lohnsumme von
Fr.
30'000.--. Eine weitere Lohndeklaration für das Jahr 2016 wurde am 3
1.
Januar 2017 maschinell datiert und handschriftlich unterzeichnet. Darin wird der Beschwerdeführer als Mitarbeiter genannt, mit einer Lohnsumme von
Fr.
99'840.-- (
Urk.
8/20-21). Diese Lohndeklaration wurde jedoch erst am 1
8.
Februar 2020 bei der SVA eingereicht (vgl.
Urk.
8/18).
3.
6
Im Beschwerdeverfahren ergingen die folgenden Unterlagen:
Der Verfügung des kantonalen Steueramtes des Kantons Zürich
vom 11. August 2021
betreffend das Nachsteuerverfahren lässt sich entnehmen, dass beim Beschwerdeführer für das Jahr 2016 ein steuerbares Einkommen
von Fr. 87'700.-
für den Kanton Zürich beziehungswei
se von Fr. 88'600.-- auf Bundesebene
be
rücksichtigt wurde. Der Beschwerdeführer wurde sodann verpflichtet, Staats- und Gemeindesteuern in der Höhe von Fr. 18'475.40 sowie Direkte Bundessteuer
n
in der Höhe von Fr. 1'388.80
nachzubezahlen (Urk. 26/16).
Dem Steueramt wurde
der
Lohnausweis für den Beschwerdeführer eingereicht, welcher vom 1
4.
März 2017 datiert und einen Bruttolohn von
Fr.
99
'840.-- nennt (
Urk.
24/15/6
; vgl. vorstehend E. 3.
5
.4
).
4.
4.1
Aus den vorgenannten Akten ergeben sich
erhebliche
Ungereimtheiten. So lagen bis zum Erlass der Verfügung vom 2
1.
April 2020 ein Arbeitsvertrag, Lohn
abrechnungen und Lohnquittungen des Barlohnbezuges vor (vgl. vorstehend E. 3.1-3.
4
). Der geltend gemachte Betrag wurde jedoch zeitnah weder den Steuer
behörden noch der Ausgleichkasse gemeldet, so dass ein tatsächlicher Bezug nicht
genügend belegt ist
.
Der Beschwerdeführer hat sich
im Verfahren der Arbeits
losenversicherung
entgegenhalten zu lassen, dass er
gegenüber
den Steuer
behörden keinen Lohn deklariert hat.
Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass
der Beschwerdeführer im massgeblichen Zeitraum über ein Konto bei der
D._
verfügte, auf welches ihm von der Firma
E._
GmbH
«Akontozahlungen» überwiesen wurden (vgl.
Urk.
8/
517-519). Es wäre dem Beschwerdeführer
- der
gemäss Arbeitsvertrag unter anderem als Leiter Finanzen
für den Verein
tätig gewesen
war
-
somit möglich gewesen,
den
angeblich beim Verein bezogenen
Lohn auf dieses Konto
aus
zahlen
zu lassen
.
4.2
Erst nach Erlass der Verfügung vom 2
1.
April 2020 erfolgten ein Schreiben des Vorstandes des Vereins und die Nachmeldung der nicht abgerechneten Beiträge
bei der Ausgleichskasse
(vgl. vorstehend E. 3.
5
.1-2), weshalb der Beschwerde
führer aus diese
n Handlungen nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Ins
besondere wurde in der zeitnah
im Jahr 2017
eingereichten Lohndeklaration für das Jahr 2016 zunächst einzig
C._
mit einer Lohnsumme von
Fr.
30'000.-- genannt. Die Lohndeklaration für den Beschwerdeführer wurde erst drei Jahre später, nämlich am 1
8.
Februar 2020, eingereicht
(vgl. vorstehend E. 3.5
.4)
, was ebenfalls Zweifel an einem tatsächlich in den Monaten Januar bis August 2016 erfolgten Lohnbezug weckt. Dies gilt auch für die N
achmeldung beim
S
teueramt
: Aus dem Umstand, dass der
Beschwerdeführer
für das Jahr 2016 keine Steuererklärung eingereicht hat, in der Folge im April 2018 eine Ein
schätzung nach Ermessen erfolgt ist und der
Beschwerdeführer
erst im Rahmen eines im November 2020 - nach Erlass des Einspracheentscheides vom 2
2.
September 2020 - eingeleiteten Nachsteuerverfahrens seinen Lohn deklariert hat (vgl. Urk. 26/16; vorstehend E. 3.
6
), lässt sich hinsichtlich des Lohnflusses nichts zu seinen Gunsten ableiten, sind doch Steuerakten für sich allein nicht geeignet, einen Lohnfluss zu belegen, da sie eine Selbstdeklaration der betroffenen Person darstellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts C 289/06 vom 10. Mai 2007 E. 3). Hierzu ist anzufügen, dass dem Steueramt eine Lohn
deklaration vom 1
4.
März 2017 mit einem Bruttolohn von
Fr.
99'840.-- ein
gereicht wurde (vgl. vorstehend E. 3.
6
), obwohl eine Erfolgsrechnung vom
8.
November 2017 bei den Akten liegt, die für das Jahr 2016 lediglich einen Lohnaufwand von
Fr.
30'000.-- ausweist (vgl. vorstehend E. 3.
5
.4).
Dieser Wider
spruch wie auch die dargelegten, in den Akten abgebildeten Unstimmigkeiten bleiben ungelöst, woran auch die beantragte Zeugenbefragung nichts zu ändern vermag
.
Davon kann in antizipierter Beweiswürdigung abgesehen werden.
Das
Schreiben vom 17. Mai 2020
von
A._
und
B._
(vgl. vorstehend E. 3.
5
.3) erging sodann
erst
nach Erlass der Ver
fügung vom 2
1.
April 2020, was seinen Beweiswert in Frage stellt. Dass ehren
amtliche Mitglieder den genauen Lohnbetrag, der dem Beschwerdeführer aus
bezahlt worden sein soll, kennen, ist zudem nicht glaubhaft.
4.3
Aus den weiteren eingereichten Unterlagen (
Urk.
3/2-8;
Urk.
13/9-13) vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Die eingereichten An
gaben zur Vereinstätigkeit (Fotos, Projektnotizen, Buchungsmail; vgl.
Urk.
13/9-13) reichen nicht aus, um von einer beitragspflichtigen Beschäftigung auszu
gehen.
I
nsgesamt sind unter Würdigung aller Umstände ein Lohnfluss und eine beitrags
pflichtige Beschäftigung in den Monaten Januar bis August 2016 nicht über
wiegend wahrscheinlich erstellt. Die Neuberechnung des Taggeldanspruchs
und die daraus resultierende Rückforderung
erfolgte deshalb zu Recht.
5.
5.1
Laut Art. 95 Abs. 1 AVIG richtet sich die Rückforderung ausser in den Fällen nach Art. 55 und Art. 59c
bis
Abs. 4 AVIG nach Art. 25 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG). Gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist mass
gebend (Art. 25 Abs. 2 ATSG in der bis 31. Dezember 2020 geltenden Fassung).
5.2
Bei den genannten Fristen handelt es sich um Verwirkungsfristen, die immer und von Amtes wegen zu berücksichtigen sind (BGE 133 V 579 E. 4.1). Unter der Wendung «nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat», ist der Zeitpunkt zu verstehen, in dem die Verwaltung bei Beachtung der ihr zu
mutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen, oder mit andern Worten, in welchem sich der Ver
sicherungsträger hätte Rechenschaft geben müssen über Grundsatz,
Ausmass
und Adressat des Rückforderungsanspruchs (Urteil des Bundesgerichts 9C_559/2017 vom 17. Oktober 2017 E. 2). Beruht die
unrechtmässige
Leistungsausrichtung auf einem Fehler der Verwaltung, wird die einjährige relative Verwirkungsfrist
ge
mäss
Art. 25 Abs. 2 erster Satz ATSG nicht durch das erstmalige unrichtige Handeln der Amtsstelle ausgelöst. Vielmehr ist auf jenen Tag abzustellen, an dem das Durchführungsorgan später - beispielsweise anlässlich einer Rechnungs
kontrolle oder aufgrund eines zusätzlichen Indizes - unter Anwendung der ihm zumutbaren Aufmerksamkeit seinen Fehler hätte erkennen müssen (BGE 146 V 217 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_521/2020 vom 31. Oktober 2020 E. 6.3.2).
5.3
Die Beschwerdegegnerin nahm am 2
9.
April 2019 eine interne Kontrolle vor (
Urk.
8/231-232), anlässlich derer sie erkannte, dass ein Rückforderungsanspruch bestehen könnte. Es kann diesbezüglich auf die Stellungnahme der Beschwerde
gegnerin vom 2
9.
Juni 2020 verwiesen werden (
Urk.
33). Die Rückforderungs
verfügung erging am 2
0.
April 2020 und somit rechtzeitig. Der angefochtene Ent
scheid ist auch unter diesem Blickwinkel rechtens.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.