Decision ID: 520b4006-c59f-4ed9-b4ba-7ecc33cbb2ac
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kurt Steiner, Sonnenstrasse 5, Postfach 536,
9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 17. Oktober 2000 zum Bezug von Rentenleistungen der
Invalidenversicherung an (act. G 5.1/1). Dr. med. B._, Fachärztin FMH für
Allgemeinmedizin, diagnostizierte im Arztbericht vom 4. November 2000: ein Rezidiv
eines Liposarkoms des rechten Oberschenkels, einen Status nach erster
Tumorresektion am 19. März 1999, einen Status nach Resektion eines grossen
Rezidivs am 15. Dezember 1999, einen Status nach perkutaner Radiotherapie der
Tumorrezidivregion vom Februar bis April 2000 und eine zunehmende Einschränkung
der Mobilität des rechten Beins. Die Versicherte sei für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
seit 19. März 1999 bis auf Weiteres zu 100% arbeitsunfähig (act. G 5.1/7.3 ff.). Der sie
behandelnde Prof. Dr. med. C._ bescheinigte der Versicherten seit Dezember 1999
auch für adaptierte Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit; es sei nicht
anzunehmen, dass die Arbeitsfähigkeit bei dieser Krankheit und Prognose gesteigert
werden könne (act. G 5.1/9-4). Mit Verfügung vom 11. Juli 2001 sprach die IV-Stelle
der Versicherten mit Wirkung ab 1. Dezember 2000 bei einem Invaliditätsgrad von
100% eine ganze Rente zu (act. G 5.1/15).
A.b Anlässlich des von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens gab die Ver
sicherte am 18. Mai 2006 im Fragebogen für Revision der Invalidenrente an, ihr
Gesundheitszustand sei gleich geblieben (act. G 5.1/18.1). Am 9./10. Oktober 2006
wurde sie von den Ärzten der AEH Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene
AG rheumatologisch-orthopädisch untersucht. Die Experten diagnostizierten ein
chronisches Schmerzsyndrom mit Generalisierungstendenz, ein Liposarkom
Oberschenkel rechts, eine Funktionsstörung des rechten Kniegelenks nach
traumatischer Patellafraktur rechts 09/01 mit posttraumatischer Fehlstellung, ein
Zerviko- und Lumbovertebralsyndrom, ein unspezifisches Weichteilschmerzsyndrom
der rechten oberen Extremität, einen Verdacht auf eine depressive Entwicklung, einen
Diabetes mellitus Typ 2, eine arterielle Hypertonie sowie einen Status nach bilateralen
Lungenembolien, postoperativ 1999. Verglichen mit der Situation des Jahres 1999 sei
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bezüglich der Tumorerkrankung eine anhaltende Remission festgestellt worden, die
grundsätzlich eine berufliche Wiedereingliederung ermögliche. Die Kraftverminderung
des rechten Oberschenkels und die chronischen Schmerzen im Beckengürtel rechts/
Oberschenkel rechts seien als Residualzustand zu werten. Neu hinzugetreten sei die
Funktionsstörung des rechten Kniegelenks bei Status nach traumatischer, konservativ
behandelter Patellafraktur 2001, die berücksichtigt werden müsse. Auch das sich
generalisierende Schmerzsyndrom mit lumbovertebralen und zervikovertebralen
Beschwerden sowie Weichteilschmerzen im Bereich des rechten Armes habe 1999
noch nicht bestanden, ebenso die psychischen Veränderungen. Diesbezüglich
bestünden jedoch keine objektiven Befunde am Bewegungsapparat, die einen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit hätten (act. G 5.1/35).
A.c Auf Grund seiner Begutachtung vom 30. Januar 2007 kam Dr. med. D._,
Facharzt FMH für Psychiatrie/Psychotherapie, im Gutachten vom 27. Februar 2007
(Datum Posteingang IV-Stelle) zum Schluss, dass auf Grund der anamnestischen
Angaben, der vorhandenen Akten sowie aktuellen Untersuchungsbefunde aus
psychiatrischer Sicht keine arbeitsbezogen relevante Diagnose habe festgestellt
werden können (act. G 5.1/39). Nach einer interdisziplinären Konsensbesprechung
beurteilten die Experten der AEH und Dr. D._ am 6. März 2007 die Versicherte in der
angestammten Tätigkeit als Montagemitarbeiterin zu 100% arbeitsunfähig. Für eine
adaptierte, körperlich sehr leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit mit ergonomischer
Einrichtung des Sitzarbeitsplatzes (ergonomischer Arbeitsstuhl) sei sie ganztags
arbeitsfähig mit einem vermehrten Pausenbedarf von zwei Stunden (act. G 5.1/42).
A.d Nachdem Eingliederungsbemühungen der IV gescheitert waren (act. G 5.1/48),
stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2. November 2007 in
Aussicht, dass infolge gesundheitlicher Verbesserung kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad mehr resultiere und die laufende Rente eingestellt werde (act.
G 5.1/53). Dem dagegen von Rechtsanwalt Dr. iur. Kurt Steiner, St. Gallen, für die
Versicherte erhobenen Einwand (act. G 5.1/54) wurde mit Verfügung vom 29. Januar
2008 nicht entsprochen. Vielmehr stellte die IV-Stelle die Rentenleistungen bei einem
Invaliditätsgrad von 35% auf Ende des der Zustellung folgenden Monats entsprechend
dem Vorbescheid ein und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende
Wirkung (act. G 5.1/59) .
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A.e Die gegen die Verfügung vom 29. Januar 2008 gerichtete Beschwerde (act.
G 5.1/67) hiess das Versicherungsgericht mit Urteil vom 13. November 2009 in dem
Sinn teilweise gut, als es die Verfügung vom 29. Januar 2008 aufhob und die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückwies, damit sie ein interdisziplinäres Verlaufsgutachten
einhole. Es befand die Gutachten des AEH und von Dr. D._ auf Grund beachtlicher
Mängel als nicht beweistauglich. Angesichts gewisser Anhaltspunkte, welche auf eine
Verbesserung des Gesundheitszustands seit der ursprünglichen Rentenverfügung vom
11. Juli 2001 bis zum 29. Januar 2008 schliessen liessen, seien weitere Abklärungen
jedoch angebracht (act. G 5.1/96).
A.f Zwischenzeitlich wurde der Versicherten am 16. Februar 2009 ein
meningotheliomatöses Konvexitätsmeningeom (WHO Grad I) rechts frontoparietal
durch Kraniotomie rechts frontal entfernt. Nach Hospitalisation vom 10. Februar bis 3.
März 2009 wurde sie in gutem Allgemeinzustand zur Rehabilitation in die Klinik Valens
entlassen (act. G 5.1/93)
A.g Am 4. August 2010 wurde die Versicherte im Ärztlichen Begutachtungsinstitut
GmbH (ABI) Basel untersucht und begutachtet. Die begutachtenden Ärzte
diagnostizierten im Gutachten vom 6. September 2010 aus polydisziplinärer Sicht mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit chronische Beschwerden an der rechten unteren
Extremität (ICD-10 M79.60/Z98.8), bei Status nach Resektion eines myxoiden
Liposarkoms am Oberschenkel am 19. März 1999, nach Rezidivresektion am 15.
Dezember 1999, nach perkutaner Radiotherapie im Bereich der Tumorrezidivregion
vom 22. Februar bis 1. April 2000, mit anamnestischem Ausschluss von Rezidiven im
Rahmen jährlicher Nachkontrollen (letztmals im Januar 2010), und Status nach
konservativ behandelter Patellafraktur 2001, in Fehlstellung konsolidiert, und mit
klinisch klaren Zeichen der Femoropatel-lararthrose sowie ein chronisches
panvertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Ausfälle (ICD-10 M54.80). Sie stellten
gestützt darauf eine vollschichtig realisierbare 70%ige Arbeits- respektive
Leistungsfähigkeit für sämtliche körperlich leichten, adaptierten Tätigkeiten fest. Diese
habe mit Sicherheit ab dem 21. November 2006 bestanden, für die Zeit davor, d.h.
nach dem am 19. März 1999 erfolgten Eingriff, sei eine Arbeitsunfähigkeitsschätzung
schwierig vorzunehmen (act. G 5.1/103). Der RAD-Arzt Dr. med. E._ erachtete
gestützt auf die Akten eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit per November 2006 als
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zu spät angesetzt. Vielmehr könne auf Grund des objektiven medizinischen
Sachverhalts davon ausgegangen werden, dass die Arbeitsunfähigkeit von 100% in
adaptierter Tätigkeit im Zeitraum von Dezember 1999 bis allerspätestens Januar 2003
angesetzt werden müsse. Daher gelte ab Januar 2003 die vom ABI festgelegte
Arbeitsfähigkeit von 70% (act. G 5.1/105-3).
A.h Mit Vorbescheid vom 10. Dezember 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
sie beabsichtige die Rente auf Ende des der Zustellung folgenden Monats einzustellen
(act. G 5.1/111). Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte am 31. Januar 2011
Einwand erheben (act. G 5.1/112). Mit Verfügung vom 2. Februar 2011 leistete die IV-
Stelle dem Einwand keine Folge und stellte die Rente bei einem Invaliditätsgrad von
30% ab Ende des der Verfügungs-Zustellung folgenden Monats ein (act. G 5.1/113).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Rechtsvertreters vom
7. März 2011, worin er unter deren Aufhebung die weitere Ausrichtung einer
Invalidenrente gemäss der Verfügung vom 11. Juli 2001 anbegehrt. Eventualiter seien
nach Aufhebung der angefochtenen Einstellungsverfügung zusätzliche ärztliche
Begutachtungen insbesondere bezüglich des chronischen Schmerzbildes einzuholen

und in die Erwägungen betreffend allfälliger Rentenrevision einzubeziehen, unter
Entschädigungsfolge. Zur Begründung brachte er vor, dass das ABI-Gutachten das
Schmerzsyndrom nur am Rande erwähnt und nicht eigenständig abgeklärt habe.
Zudem seien erneut nur alte Röntgenbilder beigezogen worden. Weshalb auf das
Anfertigen von neuen Röntgenbildern verzichtet worden sei, könne nicht nachvollzogen
werden. Daher sei die Sachverhaltsfeststellung unvollständig. Auch bezüglich der
psychiatrischen Abklärungen sei nicht ersichtlich, welche eigentlichen Untersuchungen
durchgeführt worden seien. Insgesamt müsse das ABI-Gutachten als widersprüchlich
taxiert werden, da insbesondere nicht nachvollziehbar sei, wie aus psychiatrischer
Sicht eine Somatisierungstendenz rundweg verneint werden könne, wenn doch gerade
seitens des Orthopäden festgestellt worden sei, dass sich die Schmerzzustände
klinisch und radiologisch nicht vollständig begründen liessen. Ausserdem sei bei der
Invaliditätsbemessung unberücksichtigt geblieben, dass die Beschwerdeführerin
mittlerweile 53-jährig sei und auf dem hiesigen Arbeitsmarkt keine verwertbare
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Ausbildung vorweisen könne. Hinzu kämen sprachliche Probleme, und es würde ihr an
praktischer Arbeitserfahrung fehlen. Daher sei es schlicht illusorisch, dass sie jemals
wieder eine Anstellung finden dürfte. Schliesslich sei nicht nachvollziehbar, weshalb bei
der Invaliditätsgradbemessung ein Leidensabzug fehle (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. Mai 2011 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie begründete dies damit, dass das Gutachten sämtliche
Anforderungen erfülle und nachvollziehbar sei. Auch sei ein Röntgenbild allein nicht
massgebend zur Festlegung der Arbeitsunfähigkeit, dafür sei der klinische Befund weit
bedeutender. Eine erneute Röntgenuntersuchung würde keine neuen Erkenntnisse
bringen. Zudem werde das fortgeschrittene Alter in der Rechtsprechung lediglich dann
als invaliditätsfremder Faktor bei der Invaliditätsgradbemessung anerkannt, wenn eine
versicherte Person mindestens 60 Jahre alt sei. Da die Beschwerdeführerin dieses Alter
noch lange nicht erreicht habe, sei ein fehlender Zugang zum Arbeitsmarkt
diesbezüglich nicht ausgewiesen. Ausserdem seien für die in Frage kommenden
Hilfsarbeitertätigkeiten keine Voraussetzungen gegeben, welche beim
Invalideneinkommen einen Abzug rechtfertigen würden (act. G 5).
B.c In der Replik vom 13. September 2011 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest (act. G 13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung
einer Duplik (act. G 15).
Erwägungen:
1.
Bezüglich der anwendbaren Bestimmungen, der Voraussetzungen für eine
Rentenrevision und der Bemessungsgrundsätze kann auf die Erwägungen 1 - 3 des
Urteils des Versicherungsgerichts vom 13. November 2009 verwiesen werden.
Umstritten ist, ob nun der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt ist.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung vom 2.
Februar 2011 (act. G 5.1/113) auf das Gutachtensergebnis des ABI vom 6. September
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2010. Darin hielt die psychiatrische Gutachterin Dr. med. F._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, als Untersuchungsbefunde im Wesentlichen eine
adäquate Beschwerdeschilderung sowie uneingeschränkte Rapportfähigkeit,
Wahrnehmung, Auffassung, Konzentration und Aufmerksamkeit fest. Die Affektlage sei
vermehrt klagsam, subdepressiv, krankheitsbetont und vermindert schwingungsfähig.
Es bestehe jedoch kein Hinweis für Impulskontrollstörung, und es seien auch kein
erhöhter Angstaffekt oder eine Suizidalität nachweisbar. Gestützt darauf kam sie zum
Schluss, dass in psychischer Hinsicht eine Affektlabilität im Vordergrund stehe. Als
Folgen der körperlichen Erkrankung berichte die Beschwerdeführerin über vegetative
Symptome und eine morgendliche Niedergeschlagenheit, die sich nach Durchführung
körperlicher Aktivitäten bessere. Die sonstige psychische Vorgeschichte sei leer; eine
psychiatrische Behandlung oder Psychotherapie habe nie stattgefunden. Im
psychischen Befund falle eine gewisse Affektlabilität mit subdepressiver
Affektauslenkung und Krankheitsfixierung auf. Sonstige psychopathologische
Auffälligkeiten seien nicht nachweisbar. Eine psychiatrische Morbidität im Sinn einer
affektiven Erkrankung könne nicht festgestellt werden. Auch fehlten Elemente einer
Somatisierungs- oder einer Persönlichkeitsstörung. Eine Arbeitsunfähigkeit werde
durch die beschriebene Affektlabilität nicht ausgelöst. Bezugnehmend auf das
Gutachten von Dr. D._ vom 8. Januar 2007 hielt sie fest, mit diesem Vorgutachten
bestünde im Wesentlichen Übereinstimmung, auch wenn eine gewisse Affektlabilität im
Befund "jetzt neu" festgestellt werden könne. Diese erreiche jedoch nicht das Ausmass
einer psychiatrischen Erkrankung (act. G 5.1/103-12). Diese Ausführungen erscheinen
nachvollziehbar. Die Gutachterin setzte sich mit den vorhandenen Vorakten
auseinander und nahm eine schlüssige Beurteilung vor.
2.2 Bezüglich des vom Rechtsvertreter aufgeführten Mangels fehlender
testpsychologischer Untersuchungen ist festzuhalten, dass solche zwar ergänzend
durchgeführt werden können, entscheidend jedoch v.a. die klinische Untersuchung in
Kenntnis der Anamnese ist (vgl. Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für
Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, SÄZ 2004; 85,
S. 1048). Es liegt in der Freiheit der psychiatrischen Experten zu entscheiden, wie sie -
in Kenntnis der Aktenlage - ihre Abklärungen hinsichtlich der konkret zu
begutachtenden Person durchführen möchten, um ein qualitativ zufriedenstellendes,
widerspruchfreies und in sich überzeugendes Gutachtensergebnis sicherstellen zu
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können. Nachdem die Psychiaterin in Kenntnis der Vorakten und gestützt auf eine
ausführliche Anamneseerhebung ihre Beurteilung nachvollziehbar darlegte, kann der
Rüge der Unterlassung von zusätzlich möglichen psychologischen Tests vorliegend
nicht gefolgt werden.
2.3 Laut Dr. med. G._, FMH Orthopädische Chirurgie, beklagte die
Beschwerdeführerin wechselhafte, den gesamten Körper betreffende Schmerzen. Im
Vordergrund stünden Beschwerden an Knie und Oberschenkel der rechten Seite,
welche nach der Resektion des Liposarkoms 1999 begonnen hätten. Bei der
Untersuchung der Wirbelsäule habe sich in sämtlichen Abschnitten eine zum Teil
massiv verminderte Beweglichkeit bei erheblicher Gegenspannung gezeigt. Unter
Ablenkung sei allerdings eine beidseits völlig freie, aktive Kopfrotation bis in die
beidseitige Endposition gelungen. An den oberen und unteren Extremitäten liege eine
freie Beweglichkeit mit guter Kraftentfaltung mit Ausnahme des rechten Kniegelenks
vor, an welchem die Flexion auf 90° limitiert sei und deutliche Zeichen einer
femoropatellären Arthrose vorlägen. Bei grossem Defekt im Quadrizepsbereich bestehe
hier eine entsprechende Kraftminderung. Auf neurologischer Ebene zeigten sich keine
Hinweise für das Vorliegen einer Pathologie im Bereich des peripheren Nervensystems.
So könnten eine spinale Kompressionsproblematik oder die Läsion eines grösseren
peripheren Nerv klinisch weitestgehend ausgeschlossen werden. Auf radiologischer
Ebene zeige sich eine in Fehlstellung konsolidierte Patellafraktur rechts.
Zusammenfassend befand er, dass sich die von der Beschwerdeführerin geäusserten
äusserst diffusen Beschwerden durch die klinischen und radiologischen Befunde
"keinesfalls vollständig" begründen liessen. Mit Sicherheit sei seitens des Knies und
Oberschenkels rechts von einer funktionellen Einschränkung und Schmerzhaftigkeit
auszugehen. Jedoch seien die deutlichen Inkonsistenzen sowie die fehlende Besserung
trotz mittlerweile langdauernder körperlicher Schonung und Arbeitskarenz in keiner
Weise nachvollziehbar. Es bestünden insgesamt massive Hinweise für eine Ausweitung
der Schmerzproblematik. Als adaptierte Tätigkeit definierte der orthopädische
Gutachter jede körperlich sehr leichte Tätigkeit in überwiegend sitzender Position,
wobei eine Arbeitsfähigkeit von 70% bei ganztägigem Pensum mit um 30%
verminderter Leistung auf Grund eines erhöhten Pausenbedarfs bestehe. Die
Beschwerdeführerin müsse während etwa 15 Minuten stündlich die Möglichkeit haben,
ein Lockerungs- und Entspannungsprogramm für die Muskulatur von Stamm und
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Extremitäten durchzuführen. Das Heben und Tragen von Lasten über fünf Kilo sollte
dabei vermieden werden. In Anbetracht der erhobenen Befunde sollte bei einer derart
angepassten Tätigkeit im Vergleich zum jetzigen Alltagsleben kaum eine wesentliche
Schmerzprovokation entstehen, so dass diese auch zumutbar sei. Nach der
Gesamtbeurteilung durch multidisziplinären Konsensus des orthopädischen und des
internistisch/allgemeinmedizinischen Gutachters sowie der psychiatrischen Gutachterin
wurde eine 70%ige Arbeitsfähigkeit adaptiert bestätigt. Für die Diskrepanz zwischen
dieser Beurteilung und der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin machten die
Experten in erster Linie IV-fremde Faktoren wie fehlende Sprachkenntnisse, fehlende
berufliche Ausbildung, den schwierigen Arbeitsmarkt sowie einen wahrscheinlich
vorhandenen sekundären Krankheitsgewinn verantwortlich. Bezugnehmend auf frühere
ärztliche Einschätzungen befanden sie die 100%ige Arbeitsunfähigkeit durch die
frühere Hausärztin Dr. B._ vom 4. November 1999 für nachvollziehbar. Dass gemäss
dem Bericht des neuen Hausarztes Dr. med. H._, FMH Innere Medizin, vom 27. Juni
2006 ein unveränderter Gesundheitszustand vorliege, könne auf Grund fehlender
objektivierbarer Befunde nicht kommentiert werden. Die Gutachter gingen von einer
Verbesserung des Gesundheitszustands zwischen 1999 und 2006 aus. Die
Einschätzung der behandelnden Ärztin der Radioonkologie des Universitätsspitals
Zürich vom 2. Juli 2008 (act. G 5.1/77), wonach seit 2000 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine mindestens 60%ige Arbeitsfähigkeit bestanden habe, führten
sie auf die schwierige Rolle der behandelnden Ärzte zurück, welche naturgemäss
bemüht seien, ihre Patienten zu beschützen. Rein vom ursprünglichen Tumor her
bestehe sicherlich keinerlei Einschränkung mehr, sondern nur von den funktionellen
Folgen am Bewegungsapparat, die gutachterlich evaluiert worden seien (act.
G 5.1/103).
2.4 Hinsichtlich des vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erhobenen
Vorwurfs fehlender neuer Röntgenbilder kann auf die Leitlinien der Schweizerischen
Gesellschaft für Rheumatologie (SGR) zur Begutachtung rheumatologischer
Krankheiten und Unfallfolgen verwiesen werden, wonach zwar in der Regel
Untersuchungen der zur Diskussion stehenden Regionen wiederholt werden, falls die
zur Verfügung stehenden Bilder älter als sechs Monate sind. Bei stabilem
Beschwerdebild und gemäss Akten unverändertem klinischem Befund sind jedoch
auch ältere konventionelle Aufnahmen ausreichend (vgl. SÄZ 2007; 88, S. 738). Dr.
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G._ erklärte, es werde in Anbetracht des klinisch objektiv seitens des rechten
Kniegelenks weitestgehend klaren, ansonsten aber äusserst diffusen und nicht
nachvollziehbaren Befundes auf die Anfertigung neuer Bilddokumente verzichtet (act.
G 5.1/103-18). Im AEH-Gutachten wurde noch moniert, dass die Beschwerdeführerin
trotz Nachfrage keine Röntgenaufnahmen zugestellt habe, weshalb zum Ausmass
allfälliger degenerativer Veränderungen keine Stellung genommen werden könne (act.
G 5.35-5). Klinisch äussere sich der Verdacht auf eine Retropatellararthrose. Dieser
Verdacht hat sich bei der orthopädischen Untersuchung durch Dr. G._ offenbar klar
erhärtet. Von daher mag der Verzicht auf neue Bilder gerechtfertigt sein. Allerdings
mutet es doch seltsam an, wenn Dr. G._ behauptet, die diffusen Beschwerden
würden sich nicht nur klinisch, sondern auch in Anbetracht der "radiologischen
Befunde" nicht vollständig begründen lassen. Immerhin hat Dr. G._ ausführlich
dargelegt, aus welchen Gründen er zu seiner Beurteilung gelangt ist. Insoweit darf
davon ausgegangen werden, dass er neue Röntgenbilder angeordnet hätte, wenn
daraus weitere Kenntnisse zu erhoffen gewesen wären. Immerhin fanden hinsichtlich
des Oberschenkels und Knies rechts jährliche Kontrollen mit MRI statt (vgl. act.
G 5.1/103-13).
2.5 Des Weiteren ist auch der Rüge, es sei nicht weiter Bezug auf das
Schmerzsyndrom genommen bzw. dieses sei nicht weiteren Abklärungen unterworfen
worden, nicht zu folgen. So hielt Dr. F._ explizit fest, dass Elemente einer
Somatisierungsstörung fehlten (vgl. act. G 5.1/103-12), was zeigt, dass sie diese
tatsächlich prüfte.
2.6 Insgesamt ist die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung des ABI-Gutachtens somit als
nachvollziehbar und ausreichend schlüssig zu qualifizieren, weshalb nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 70%
adaptiert ausgegangen werden kann.
3.
Ausgehend von einer 70%igen Restarbeitsfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen zu prüfen.
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3.1 Mit der Beschwerdegegnerin ist davon auszugehen, dass das Valideneinkommen
mangels repräsentativer Grundlage (vgl. act. G 5.1/2-2) nicht gestützt auf das von der
Beschwerdeführerin während vier Monaten erzielte Einkommen ermittelt werden kann.
Es ist daher auf derselben Grundlage wie das Invalideneinkommen zu erheben. Sind
Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen,
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung
des Abzugs vom Tabellenlohn gemäss BGE 126 V 75 (SVR 2008 IV Nr. 2, I 697/05
E. 5.4). Beim Invalideneinkommen ist in Form eines entsprechenden Abzugs der Tat
sache Rechnung zu tragen, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und
Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa) und je nach Ausprägung die versicherte Person
deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg verwerten kann (BGE
126 V 80 E. 5b/aa). Dabei ist der Abzug unter Würdigung der Umstände im Einzelfall
nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er darf 25% nicht
übersteigen (BGE 134 V 327 E. 5.2).
3.2 Die Beschwerdegegnerin bejahte zunächst einen 15%igen Abzug (vgl. act. G
5.1/481), verneinte aber schliesslich jeden Abzug vom Tabellenlohn, was vorliegend
nicht gerechtfertigt erscheint. Immerhin steht der Beschwerdeführerin nur noch ein
Markt für körperlich leichte bzw. sehr leichte Hilfsarbeitertätigkeiten offen, wobei
zusätzliche Einschränkungen bestehen (lediglich sitzende Tätigkeiten, die stündlich
während 15 Minuten für Muskellockerungsübungen unterbrochen werden müssen, kein
Heben/Tragen von mehr als 5kg, act. G 5.1/103-18, 5.1/103-21). Mit Jahrgang 1958 ist
die Beschwerdeführerin im Arbeitsmarkt für leichte Hilfsarbeit zwar noch vermittelbar,
ohne dass sie wegen ihres Alters lohnmässig Konzessionen machen müsste. Auch die
fehlenden Dienstjahre bzw. die geltend gemachte Abwesenheit vom Arbeitsmarkt
sowie die fehlenden Sprachkenntnisse dürften sich im Anforderungsniveau 4 wenig
auswirken. Hingegen ist weiter zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin auf
Grund ihrer Tumorerkrankung mit möglichen Rezidiven einerseits und ihrer sichtbaren
Behinderung mit daraus resultierendem sehr häufigen Pausenbedarf andererseits mit
weiteren Nachteilen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt rechnen muss. Insgesamt
erscheint daher ein Tabellenlohnabzug von 15% den Umständen angemessen. Bei
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einem Abzug von 15% resultiert unter Berücksichtigung der 70%igen
Restarbeitsfähigkeit ein Invaliditätsgrad von 40.5% ([1 - {0.7 x 0.85}] x 100) und damit
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
4.
Gemäss Art. 88 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) erfolgt eine Herabsetzung der Renten frühestens vom ersten Tag des
zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an. Daher kann die Frage,
wann genau die massgebliche Verbesserung des Gesundheitszustands eingetreten ist
- ob gemäss ABI-Gutachten spätestens ab 21. November 2006 (vgl. act. G 5.1/103-19)
oder nach Dr. E._ sogar spätestens im Januar 2003 (vgl. act. G 5.1/105-3) -
vorliegend offen bleiben. Wie das Bundesgericht mehrfach bestätigte, dauert der mit
der revisionsweise verfügten Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente oder
Hilflosenentschädigung verbundene Entzug der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde bei Rückweisung der Sache an die Verwaltung auch für den Zeitraum
dieses Abklärungsverfahrens bis zum Erlass der neuen Verwaltungsverfügung an (BGE
129 V 370, Urteil des Bundesgerichts vom 11. November 2010, 8C_451/10, E. 4.2.5).
Somit bleibt als Zeitpunkt der Rentenherabsetzung derjenige bestehen, welcher durch
die Verfügung vom 29. Januar 2008 (act. G 5.1/59; beim Rechtsvertreter eingegangen
am 31. Januar 2008, vgl. act. G 5.1/67-3) und damit per Ende Februar 2008 ausgelöst
worden ist.
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
2. Februar 2011 aufzuheben und der Anspruch der Beschwerdeführerin ab 1. März
2008 auf eine Viertelsrente herabzusetzen. Die Sache ist zur Festsetzung der
Rentenhöhe und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
bis
bis
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erscheint als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die
Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP