Decision ID: 5f6be82e-7325-4bb8-be98-4d077d8c964c
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Schändung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 24. Oktober 2017 (DG170164)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 21. Juni 2017
(Urk. 22) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 52 S. 71 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 36 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute ein
Tag durch Haft erstanden ist.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 27 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Umfang von 9 Monaten wird die Strafe vollzogen.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 7'500.– zuzüglich 5% Zins
ab 24. September 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 900.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. 1'100.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 545.– Auslagen Untersuchung
Fr. 2'185.60 Gutachten/Expertisen etc.
Fr. 10'665.– amtliche Verteidigung
Fr. 12'885.– unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin
6. Rechtsanwalt lic. iur. C._ wird für seine Aufwendung als amtlicher Verteidiger des Be-
schuldigten mit Fr. 10'665.– (inkl. Barauslagen und 8% MwSt.) aus der Gerichtskasse ent-
schädigt.
7. Rechtsanwältin lic. iur. D._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche Rechtsbei-
ständin der Privatklägerin mit Fr. 12'885.– (inkl. Barauslagen und 8% MwSt.) aus der Ge-
richtskasse entschädigt.
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8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (inklusive diejenigen der
amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin) werden
dem Beschuldigten auferlegt.
9. (Mitteilung)
10. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 53 S. 2; Urk. 68 S. 2 f.)
1. Es seien Dispositivziffern 1 bis 4 des Urteils der Vorinstanz vom 24. Oktober
2017 aufzuheben.
2. Der Berufungskläger sei vom Vorwurf der Schändung im Sinne von Art. 191
StGB vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen, eventualiter seien
sie auf den Zivilweg zu verweisen.
4. Dem Berufungskläger sei im Falle eines Freispruches eine Entschädigung
für die erstandene Untersuchungshaft in der Höhe von Fr. 200.– (1 Tag
à Fr. 200.–) zu gewähren sowie eine Genugtuung in der Höhe von
Fr. 5'000.– zuzusprechen.
5. In Abänderung von Dispositivziffer 8 seien die Kosten für die Untersuchung
und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privatkläge-
rin auf die Staatskasse zu nehmen.
6.1 Eventualiter, für den Fall, dass der Berufungskläger der Schändung gemäss
Dispositivziffer 1 des Urteils der Vorinstanz schuldig gesprochen werden
sollte, sei unter Abänderung von Dispositivziffer 2 der Berufungskläger mit
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einer bedingten Geldstrafe von höchstens 100 Tagessätzen à Fr. 50.– zu
bestrafen und Dispositivziffer 3 ersatzlos zu streichen.
6.2 Subeventualiter, für den Fall, dass der Berufungskläger der Schändung ge-
mäss Dispositivziffer 1 des Urteils der Vorinstanz schuldig gesprochen wer-
den sollte, sei unter Abänderung von Dispositivziffer 2 der Berufungskläger
mit einer Freiheitsstrafe von höchstens 24 Monaten zu bestrafen, wovon
1 Tag durch Haft erstanden wäre.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei in diesem Falle vollumfänglich aufzu-
schieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (Berufungsverfahren) zu Las-
ten (zzgl. gesetzlicher MwSt.) der Staatskasse.
8. Insbesondere sei der Berufungskläger für die Aufwendungen für die beiden
Gutachten (theoretische Berechnung der Blutalkoholkonzentration) in der
Höhe von Fr. 2'400.– sowie für die Aufwendungen seiner erbetenen Vertei-
digung in der Höhe von mindestens Fr. 13'980.50 durch die Staatskasse zu
entschädigen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 58 schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermeidung
unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen
Entscheid verwiesen werden (Urk. 52 S. 3 ff.).
2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 24. Oktober 2017 wurde der Be-
schuldigte A._ wegen Schändung im Sinne von Art. 191 StGB schuldig ge-
sprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, unter Anrechnung von ei-
nem Tag Haft bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von
27 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt. Im Um-
fang von neun Monaten wurde die Freiheitsstrafe für vollziehbar erklärt. Der Be-
schuldigte wurde verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 7'500.–
zuzüglich Zins zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren
abgewiesen. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens,
einschliesslich der Kosten für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche
Vertretung der Privatklägerin, wurden dem Beschuldigten auferlegt (Urk. 52
S. 71 f.).
3. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichts Zürich meldete der Beschuldigte vor
Schranken (Prot. I S. 33) und mit Eingabe vom 27. Oktober 2017 die Berufung an
(Urk. 43). Am 21. Dezember 2017 liess der Beschuldigte durch seine Verteidigerin
die Berufungserklärung einreichen. Beweisanträge für das Berufungsverfahren
stellte er keine (Urk. 53). In der Folge wurde der Privatklägerin und der Staatsan-
waltschaft mit Verfügung vom 16. Januar 2018 Frist angesetzt, um zu erklären, ob
sie Anschlussberufung erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung beantra-
gen. Der Privatklägerin wurde in der gleichen Verfügung zudem Frist angesetzt,
um Erklärungen betreffend Auswahl der Mitglieder des Gerichts und der über-
setzenden Person abzugeben (Urk. 56). Innert Frist teilte die Staatsanwaltschaft
mit, sie verzichte auf eine Anschlussberufung und beantrage die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 58). Die Privatklägerin teilte fristgerecht mit, dass sie
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sowohl auf Anschlussberufung wie auch auf Anträge betreffend Auswahl der Mit-
glieder des Gerichts und der übersetzenden Person verzichte (Urk. 59).
4. Am 5. Juli 2018 fand die Hauptverhandlung in Anwesenheit des Beschuldigten,
seiner Verteidigerin sowie der Vertreterin der Privatklägerin statt. Im Anschluss an
die Hauptverhandlung wurde das Beweisverfahren wieder aufgenommen
(Prot. S. 4 ff.). Mit Verfügung vom 20. August 2018 wurde die rechtshilfeweise
Zeugeneinvernahme von E._ angeordnet und den Parteien Frist angesetzt,
um Ergänzungsfragen an die Zeugin zu stellen (Urk. 71). Innert Frist wurden kei-
ne Zusatzfragen gestellt. Am 28. November 2018 fand die Zeugeneinvernahme
von E._ statt (Urk. 81; Urk. 87). Nachdem sich die Parteien anlässlich der
Hauptverhandlung vom 5. Juli 2018 damit einverstanden erklärten, das weitere
Verfahren schriftlich zu führen und auf eine öffentliche Urteilsverkündung verzich-
teten (Prot. S. 11), wurde den Parteien mit Verfügung vom 22. Januar 2019 Frist
angesetzt, um zur Zeugeneinvernahme von E._ Stellung zu nehmen (Urk.
94). Innert Frist reichte der Beschuldigte seine Stellungnahme ein (Urk. 107).
Ebenfalls fristgerecht verzichteten die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin
auf eine Stellungnahme (Urk. 101; Urk. 104).
5. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 5. Juli 2018 stellte der Beschuldigte den
Beweisantrag, die von ihm eingeholten Gutachten über die theoretische Berech-
nung der Blutalkoholkonzentration der Privatklägerin und des Beschuldigten
(Urk. 69/1; Urk. 69/2) zu den Akten zu nehmen, eventualiter seien entsprechende
Gutachten durch das Gericht einzuholen (Urk. 68 S. 3). Der Beschuldigte reichte
die von ihm eingeholten Gutachten ein und diese wurden zu den Akten genom-
men. Damit ist über diesen Beweisantrag nicht mehr zu entscheiden.
6. Mit seinen Berufungsanträgen ficht der Beschuldigte Dispositiv Ziffern 1 bis 4
und 8 des vorinstanzlichen Urteils an und beantragt im Hauptantrag die Freispre-
chung vom Vorwurf der Schändung. Nicht angefochten sind Dispositiv Ziffern 5
bis 7 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 24. Oktober 2017 und damit in
Rechtskraft erwachsen. Davon ist vorab Vormerk zu nehmen (Art. 404 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 402 StPO).
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II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
1.1 Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vorgeworfen (Urk. 22), er habe
am 24. September 2016 (recte: 23. September 2016) eine spontane Party in sei-
ner Wohnung an der F._-strasse ..., ... Zürich, veranstaltet. An dieser Party
hätten nebst dem Beschuldigten dessen Freundin G._, die Privatklägerin,
E._, H._ und I._ teilgenommen. Der Beschuldigte habe an jenem
Abend eineinhalb bis zwei Liter Bier, ungefähr 33 cl Wodka und andere Alkoholika
getrunken. Auch die Privatklägerin habe Bier, Wodka und ein Glas eines anderen,
nicht mehr bestimmbaren alkoholischen Getränks zu sich genommen. In den frü-
hen Morgenstunden des 25. September 2016 (recte: 24. September 2016) sei die
Privatklägerin sehr stark angetrunken und ihrer Sinne nicht mehr mächtig gewe-
sen. Die Privatklägerin habe sich in diesem Zustand auf dem Sofa des Beschul-
digten befunden. Dort habe der Beschuldigte der Privatklägerin die Hose und Un-
terhose ausgezogen und vaginalen Geschlechtsverkehr vollzogen. Die Privatklä-
gerin habe den Geschlechtsverkehr nicht gewollt, sei aber wegen ihrer starken
Alkoholisierung nicht mehr in der Lage gewesen, sich zu widersetzen und ihren
Willen nach aussen kundzutun. Die Privatklägerin habe sich in einem tiefschlaf-
ähnlichen Zustand befunden. Dies habe der Beschuldigte erkennen können, da
sie vor und während des Geschlechtsaktes die Augen geschlossen gehabt habe.
Zudem habe der Beschuldigte gewusst, dass die Privatklägerin viel Alkohol ge-
trunken hatte.
1.2 Der Beschuldigte macht geltend, es liege eine Verletzung des Anklageprinzips
vor, weil die Anklageschrift als Tatzeitpunkt "in den frühen Stunden" und nicht
einmal einen Zeitrahmen nennt. Dies sei zu unpräzise (Urk. 68 S. 8).
Gemäss dem Anklagegrundsatz darf eine Straftat nur dann gerichtlich beurteilt
werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines
genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage erhoben
hat (Art. 9 Abs. 1 StPO). Die Anklageschrift bezeichnet möglichst kurz, aber ge-
nau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von
Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung (Art. 325 Abs. 1 lit. f. StPO).
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Funktion des Anklagegrundsatzes ist es somit, das Thema des Strafprozesses
klar zu umschreiben und sicherzustellen, dass die beschuldigte Person weiss,
was ihr vorgeworfen wird, damit sie sich verteidigen kann.
Vorliegend wirft die Anklage dem Beschuldigten vor, er habe in den frühen Stun-
den des 25. September 2016 (recte: 24. September 2016) die Privatklägerin ge-
schändet. Damit grenzt die Anklage den Tatzeitpunkt auf einige wenige Stunden
ein. Eine genauere Zeitangabe war nicht möglich, zumal sich die Privatklägerin
aufgrund der von ihr geltend gemachten Widerstandsunfähigkeit nicht an den ge-
nauen Zeitpunkt erinnern kann. Der in der Anklageschrift erwähnte Tatzeitpunkt
ist genügend bestimmt und es liegt keine Verletzung des Anklageprinzips vor.
Die Frage der Widerstandsunfähigkeit der Privatklägerin wird im Rahmen der
Sachverhaltsdarstellung zu klären sein. Kommt hinzu, dass der Beschuldigte im
Rahmen des Untersuchungsverfahrens über die Vorwürfe informiert wurde und er
dazu auch hätte Stellung beziehen können. Zudem sind keine Anhaltspunkte er-
sichtlich, dass sich der Beschuldigte nicht hätte genügend gegen den erhobenen
Vorwurf verteidigen können, war er doch bereits in einem frühen Stadium des
Strafverfahrens verteidigt. Der Anklagevorwurf ist somit genügend klar umschrie-
ben.
1.3 Der Beschuldigte bestätigte im Rahmen der Untersuchung wie auch anläss-
lich der Hauptverhandlung, dass es zwischen ihm und der Privatklägerin an der
vorerwähnten Hausparty in der besagten Nacht vom 23./24. September 2016 zum
Geschlechtsverkehr gekommen sei, er bestreitet jedoch, dass die Privatklägerin
sich hierbei in einem tiefschlafähnlichen Zustand befunden habe. Vielmehr sei
diese wach gewesen und habe freiwillig und aktiv beim Geschlechtsverkehr mit-
gemacht (Urk. 4 S. 2; Urk. 11/1 S. 2, 5 f., 8; Prot. I S. 12 ff., insb. S. 17 ff.). Der
Sachverhalt ist folglich zu erstellen.
2. Beweismittel und deren Verwertbarkeit
2.1 Die Anklagebehörde stützt sich zum Beweis des von ihr behaupteten Sach-
verhalts im Wesentlichen auf die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 4; Urk. 11/1;
Urk. 11/6; Prot. I S. 12 ff.), die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 2; Urk. 11/2), der
Zeugin G._ (Urk. 6, Urk. 11/3) sowie der Zeugen H._ (Urk. 11/4) und
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I._ (Urk. 11/5). Weiter liegen als schriftliche Beweismittel der Chatverlauf
zwischen der Privatklägerin und E._ vom 24. bis 29. September 2016
(Urk. 15/2), das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 14. Oktober 2016
zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin (Urk. 13/5) und der Kurzbericht
der Frauenberatung Sexuelle Gewalt von J._ vom 14. Februar 2017
(Urk. 15/3) bei den Akten. Zum Kurzbericht von J._ ist festzuhalten, dass
dieser nichts für die Erstellung des Sachverhalts beizutragen vermag.
Als weitere Beweismittel dienen die vom Beschuldigten eingereichten Gutachten
betreffend die theoretische Berechnung der Blutalkoholkonzentration der Privat-
klägerin und des Beschuldigten (Urk. 69/1; Urk. 69/2) sowie die Zeugeneinver-
nahme von E._ (Urk. 92).
2.2 Der Beschuldigte macht die Unverwertbarkeit seiner polizeilichen Einvernah-
me vom 27. September 2016 geltend, da ein Fall notwendiger Verteidigung vorge-
legen habe (Urk. 68 S. 18).
Der Beschuldigte wurde am 27. September 2016 polizeilich, ohne Beisein eines
Verteidigers, befragt (Urk. 4). Erst die staatsanwaltschaftliche Einvernahme des
Beschuldigten vom 25. Januar 2017 erfolgte im Beisein seines amtlichen Vertei-
digers (Urk. 11/1). Es stellt sich die Frage, ab welchem Zeitpunkt eine Verteidi-
gung erkennbar notwendig und somit aufgrund von Art. 131 StPO sicherzustellen
gewesen wäre.
Ein Beschuldigter muss verteidigt werden, wenn ihm eine Freiheitsstrafe von
mehr als einem Jahr, eine freiheitsentziehende Massnahme oder eine Landes-
verweisung droht (Art. 130 lit. b StPO). Massgebend ist dabei nicht die abstrakte
Strafdrohung der anwendbaren Strafnorm, sondern die konkret drohende Strafe
(RUCKSTUHL, BSK-StPO I, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 130 N 18).
Liegt ein Fall notwendiger Verteidigung vor, so achtet die Verfahrensleitung da-
rauf, dass unverzüglich eine Verteidigung bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO).
Sind die Voraussetzungen notwendiger Verteidigung bei Einleitung des Vorver-
fahrens erfüllt, so ist gemäss Art. 131 Abs. 2 StPO die notwendige Verteidigung
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nach der ersten Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft, jedenfalls aber vor
Eröffnung der Untersuchung, sicherzustellen. Führt die Staatsanwaltschaft bereits
Beweiserhebungen (etwa Einvernahmen) durch, so folgt daraus, dass die Unter-
suchung bereits eröffnet ist, andernfalls die Staatsanwaltschaft gar keine Beweis-
erhebung vornehmen kann (RUCKSTUHL, a.a.O., Art. 131 N 4). Wurden in Fällen,
in denen die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben,
bevor eine Verteidigung bestellt worden ist, so ist die Beweiserhebung nur gültig,
wenn die beschuldigte Person auf ihre Wiederholung verzichtet (Art. 131 Abs. 3
StPO).
In den Akten findet sich keine formelle Verfügung betreffend die Eröffnung der
Strafuntersuchung im Sinne von Art. 309 Abs. 3 StPO. Jedoch erteilte die Staats-
anwaltschaft der Stadtpolizei Zürich am 26. September 2016 vorerst einen provi-
sorischen Vorführungsbefehl sowie einen provisorischen Hausdurchsuchungsbe-
fehl (Urk. 1 S. 4; Urk. 21/1). Formgerechte Dokumente wurden nachgereicht
(Urk. 19/1; Urk. 17/1). Damit wurde die Strafuntersuchung gemäss Art. 309 Abs. 1
lit. b StPO von Gesetzes wegen eröffnet.
Die polizeiliche Einvernahme des Beschuldigten vom 27. September 2016 fand
somit nach Eröffnung der Untersuchung und ohne Beisein eines Verteidigers
statt. Damit das Beweisverwertungsverbot nach Art. 131 Abs. 3 StPO vorliegend
zum Tragen kommt, müsste im Zeitpunkt der Einvernahme bereits ein Fall
notwendiger Verteidigung nach Art. 130 StPO vorgelegen haben. Anlässlich der
polizeilichen Einvernahme vom 27. September 2016 stand der Vorwurf der
Schändung im Raum, die der Beschuldigte bereits damals bestritt. Für die einver-
nehmenden Polizisten dürfte die dem Beschuldigten konkret drohende Strafe nur
schwierig abzuschätzen sein. Dies auch deshalb, weil der Tatbestand der Schän-
dung mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren zu ahnden ist und
somit keine Mindeststrafe vorsieht. Es bestand bei der polizeilichen Einvernahme
daher noch keine Erkennbarkeit für die Sicherstellung einer notwendigen Ver-
teidigung. Das Verwertungsverbot gemäss Art. 131 Abs. 3 StPO greift nicht und
die Einvernahme vom 27. September 2016 ist vollumfänglich als Beweismittel
verwertbar.
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3. Aussagen des Beschuldigten
3.1 Die Vorinstanz fasste die Aussagen des Beschuldigten in der polizeilichen
Einvernahme vom 27. September 2016 wie folgt zusammen (Urk. 4): Der Be-
schuldigte bestreite, eine Schändung begangen zu haben (Urk. 4 S. 2). Die
Hausparty in der Nacht vom 23./24. September 2016 sei wie folgt abgelaufen:
Zunächst sei er zusammen mit seiner Freundin G._ auswärts essen gegan-
gen. Dann seien sie wieder zu ihm nach Hause gegangen, von wo aus G._
zwei Kolleginnen abholen gegangen sei. Im Laufe des Abends seien noch zwei
Kollegen von ihm zur Hausparty dazugestossen, die dann wieder gegangen sei-
en. Dann seien nur noch G._ und deren Kolleginnen, die Privatklägerin und
E._, bei ihm zu Hause gewesen. Später habe sich E._ verabschiedet
und seine Freundin G._ sei bald ins Bett gegangen (Urk. 4 S. 3). Er und die
Privatklägerin hätten noch etwas zur Musik getanzt und seien in der Folge auf
dem Sofa gelandet. Dort habe er mit der Privatklägerin getrunken und gespro-
chen. Er könne nicht mehr genau sagen, ob die Privatklägerin damals wach oder
schlafend gewesen sei. Er sei sich auch nicht sicher, ob er die Ereignisse jener
Nacht geträumt oder wirklich erlebt habe. Er habe jedenfalls zu keinem Zeitpunkt
das Gefühl gehabt, dass die Privatklägerin den Verkehr mit ihm nicht gewollt ha-
be. Es sei aber schwierig, seinen Eindruck vom Zustand der Privatklägerin zu be-
schreiben. Er sei der Meinung, dass die Privatklägerin nicht alle Zärtlichkeiten hät-
te mitmachen können, wenn sie nicht in der Lage gewesen wäre, ihren diesbe-
züglichen Willen kundzutun. Auf Nachfrage erklärte der Beschuldigte, dass er un-
ter den erwähnten Zärtlichkeiten das Streicheln, sich Anfassen, gegenseitiges
Küssen und Ausziehen der Kleider sowie den Geschlechtsakt verstehe. Er sei
sich ziemlich sicher, dass die Privatklägerin das alles mitgemacht habe. Der Ge-
schlechtsakt habe mit dem Auftauchen seiner Freundin G._ geendet (Urk. 4
S. 2). Zum Samenerguss sei es nicht, beziehungsweise ziemlich sicher nicht ge-
kommen (Urk. 4 S. 3). Am nächsten Morgen, dem 24. September 2016, habe er
gehört, wie sich die Privatklägerin bei seiner Freundin G._ entschuldigt und
erklärt habe, dass sie auf den Zug müsse, um ans Oktoberfest in München zu ge-
langen (Urk. 4 S. 4).
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Der Beschuldigte erklärte, dass ihm leid tue, was passiert sei, denn er und
G._ seien ein Paar. Er sei wegen des Alkoholkonsums nicht mehr ganz Herr
seiner Sinne gewesen. Er habe bei jener Hausparty viel Alkohol getrunken, unter
anderem ein paar Flaschen Bier, Wein, hochprozentigen Likör, Wodka und weite-
res. Er habe die Privatklägerin am besagten Freitagabend, dem 23. September
2016, kennengelernt (Urk. 4 S. 2 f.).
3.2 Zu den Aussagen des Beschuldigten in der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 25. Januar 2017 führte die Vorinstanz an (Urk. 11/1), der Beschuldig-
te erkläre erneut, dass bei der Hausparty viel Alkohol getrunken worden sei. Die
Stimmung sei immer lockerer geworden und die Privatklägerin und er seien sich
beim Tanzen näher gekommen. Ungefähr um 24.00 Uhr sei seine Freundin
G._ müde geworden und schlafen gegangen. Dann seien noch
zwei Kollegen von ihm, H._ und I._, die Privatklägerin und E._, in
der Wohnung gewesen. Er und die Privatklägerin hätten dann Lieblichkeiten aus-
getauscht, sich intim berührt und geküsst. Das Ganze sei so weit gegangen, dass
die Kollegen des Beschuldigten, H._ und I._, irgendwann die Wohnung
verlassen hätten. Auch E._ habe dann die Wohnung verlassen. Anschlies-
send habe er eine Decke geholt und sei zum Sofa gegangen, wo die Privatkläge-
rin gesessen oder geschlafen habe. Er habe sie gestreichelt und mit ihr gespro-
chen. In der Folge sei die Privatklägerin aufgewacht. Er und die Privatklägerin
hätten sich wieder geküsst und intim angefasst. Sie hätten sich nach einer Weile
gegenseitig ausgezogen, wobei er nicht mehr wisse, wer von beiden damit ange-
fangen habe. Die Privatklägerin habe irgendwann seinen Penis in den Mund ge-
nommen und mit ihm Oralverkehr gemacht. Er sei dabei nicht auf ihr gewesen
und habe sie dazu auch nicht gezwungen (Urk. 11/1 S. 2). Auf Nachfrage präzi-
sierte der Beschuldigte, dass er beim Oralverkehr sitzend auf dem Sofa gewesen
sei, wobei sich die Privatklägerin seitlich oder kniend neben ihm auf dem Sofa be-
funden habe (Urk. 11/1 S. 8). Kurze Zeit später hätten sie miteinander Sex gehabt
(Urk. 11/1 S. 2). Ebenfalls auf Nachfrage ergänzte der Beschuldigte, dass die Pri-
vatklägerin Andeutungen gemacht, ihn zu sich hingezogen und die Beine breit-
gemacht habe (Urk. 11/1 S. 8). Dann sei seine Freundin G._ ins Wohnzim-
mer gekommen, habe geschrien und gesagt: "A._, was machst du da". Er sei
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daraufhin aufgestanden, zu G._ gegangen, habe sich bei ihr entschuldigt und
sei dann ins Schlafzimmer gegangen und habe die Tür einen Spalt offengelassen,
sodass er noch gehört habe, wie sich G._ mit der Privatklägerin unterhalten
habe. Anschliessend sei er eingeschlafen. Am nächsten Morgen habe er wiede-
rum eine Konversation zwischen der Privatklägerin und G._ gehört, wonach
die Privatklägerin gesagt habe, sie müsse den Zug Richtung München nehmen
(Urk. 11/1 S. 3). Auf Nachfrage erklärte der Beschuldigte, dass die Privatklägerin
dabei nicht bestürzt oder verstört geklungen habe und sich bei G._ irgendwie
entschuldigt habe. Er habe nur die Worte "Zug" und "Munich" verstanden (Urk.
11/1 S. 7).
Auf Nachfrage bestätigte der Beschuldigte erneut, die Privatklägerin am Abend
des 23. September 2016 kennengelernt zu haben. Sie habe den Partygästen ihre
Tattoos auf den Armen, unter anderem ein Tattoo mit einem Tintenfisch-Motiv,
gezeigt. Ansonsten seien die Gesprächsthemen eher allgemeiner Natur gewesen.
Der Beschuldigte gab des Weiteren auf Befragen an, drei bis vier Halbliterdosen
Bier, ungefähr 33 cl Wodka und ungefähr vier bis fünf Shots getrunken zu haben
(Urk. 11/1 S. 3). Die Privatklägerin habe weniger Alkohol als er, aber mehr
als E._ – welche aber weniger als der Beschuldigte getrunken habe – ge-
trunken (Urk. 11/1 S. 4).
Auf die Frage, wie sich der Beschuldigte und die Privatklägerin am 24. September
2016 nähergekommen seien, führte der Beschuldigte aus, dass die Privatklägerin
wegen des Alkoholkonsums lasziv getanzt habe und sie sich so näher gekommen
seien. Da sie dies schon im Blickfeld seiner Freundin, G._, gemacht hätten,
sei er davon ausgegangen, dass das für diese auch "ok" sei (Urk. 11/1 S. 4). Die
Privatklägerin sei, als die Zärtlichkeiten begonnen hätten, aufgeheitert gewesen
und mehrheitlich gestanden. Sie habe laut gesprochen und sei glücklich sowie bei
Bewusstsein gewesen. Hin und wieder sei die Privatklägerin auf den Balkon rau-
chen gegangen (Urk. 11/1 S. 5). Auf die Frage, wo der Beschuldigte die Privatklä-
gerin angefasst habe, gab der Beschuldigte an, dass die Privatklägerin mit ihrem
Gesäss an seinem Glied gerieben habe. Sie habe mit ihren Händen sein Gesäss
angefasst und seine Brust gestreichelt. Er habe auch ihr Gesäss angefasst und
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ihren Rücken gestreichelt. Er könne sich nicht erinnern, ihre Brüste angefasst zu
haben. Sie hätten sich im Gesicht gestreichelt und beim Tanzen an den Händen
gehalten (Urk. 11/1 S. 5). Auf die Frage, wo die anderen Partygäste gewesen sei-
en, als der Beschuldigte mit der Privatklägerin "zärtlich" geworden sei, führte der
Beschuldigte aus, dass H._ und I._ mehrheitlich im Wohnzimmer und
zwischenzeitlich an der Tankstelle gewesen seien. G._ sei um Mitternacht
schlafen gegangen und zuvor mehrheitlich im Wohnzimmer gewesen. E._
sei ebenfalls die meiste Zeit im Wohnzimmer gewesen. Auf den Alkoholkonsum
der Privatklägerin angesprochen, erklärte der Beschuldigte, er könne nicht mehr
sagen, ob die Privatklägerin sich noch unter Kontrolle gehabt habe. Aus seiner
Sicht habe sie sich unter Kontrolle gehabt, da sie nie gelegen, sondern immer ge-
standen sei. Dazu befragt, wie sein Zustand gewesen sei, gab er an, er habe sich
jedenfalls immer beherrschen können (Urk. 11/1 S. 5). Darauf angesprochen,
dass gemäss den Ausführungen der Privatklägerin diese während des Ge-
schlechtsverkehrs mit dem Beschuldigten erst aufgewacht sei, führte der Be-
schuldigte aus, dass die Privatklägerin aus seiner Sicht nicht geschlafen habe,
denn sie habe ihn gepackt, gestöhnt und öfters die Augen offen gehabt (Urk. 11/1
S. 6).
Des Weiteren erklärte der Beschuldigte, dass er wegen seines Alkoholkonsums
nicht realisiert habe, dass er durch sein Tun seine Freundin G._ verletze. Auf
Nachfrage erklärte der Beschuldigte erneut, dass er "eigentlich immer noch ziem-
lich sicher" sei, dass die Privatklägerin aus eigenen Stücken mit ihm Geschlechts-
verkehr habe haben wollen, denn es sei schon den ganzen Abend etwas zwi-
schen ihnen gelaufen und sie sei wach gewesen, habe ihn geküsst und ihm die
Hosen ausgezogen (Urk. 11/1 S. 6).
Der Beschuldigte erklärte, dass beim erwähnten Ereignis seine sowie die Hosen
der Privatklägerin ausgezogen und das Oberteil vielleicht bis zur Hälfte nach oben
gezogen gewesen seien, er sich aber nicht erinnere, die Privatklägerin am Ober-
körper ganz ausgezogen zu haben (Urk. 11/1 S. 7).
3.3 Zu den anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung zu Protokoll ge-
gebenen Aussagen des Beschuldigten erwog die Vorinstanz (Prot. S. 12 ff.), der
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Beschuldigte erkläre, sich noch bruchstückhaft an den Abend vom 23. September
erinnern zu können. Erneut schilderte der Beschuldigte, mit seiner Freundin es-
sen gegangen zu sein und dass sie danach je zwei Kollegen resp. Kolleginnen
eingeladen hätten. Sie hätten an dem Abend Bier, hochprozentigen Alkohol – eine
Wodka-Flasche und eine Maraschino-Flasche – und Rosé getrunken (Prot. I
S. 12). Er selbst sei an dem Abend stark alkoholisiert gewesen, entsprechend sei
es für ihn schwer einzuschätzen, wer ebenfalls stark alkoholisiert gewesen sei.
Ihm sei zwar nicht schwindlig gewesen, aber er sei doch so stark alkoholisiert ge-
wesen, dass er sich nicht mehr an alles erinnern könne (Prot. I S. 13). Auf
den Alkoholkonsum der Privatklägerin angesprochen, erklärte der Beschuldigte,
dass es für ihn schwierig einzuschätzen gewesen sei, ob diese Person, welche er
erst gerade an diesem Abend kennen gelernt habe, sehr stark betrunken oder ob
dies für sie normal gewesen sei. Aus seiner Sicht sei die Privatklägerin sehr gut
gelaunt, angeheitert und nicht in einem Zustand gewesen, in welchem er Beden-
ken gehabt hätte, dass es ihr nicht gut gehe.
Auf Vorhalt der Aussagen der Zeugen H._ und I._, aus welchen sich
ergibt, dass die Privatklägerin an dem Abend stark angetrunken gewesen sei, er-
klärte der Beschuldigte, dass die Privatklägerin sich nicht so verhalten habe, dass
es für ihn unnormal gewesen sei. Dies sei seine Wahrnehmung gewesen, in sei-
nem Zustand, soweit er sich erinnern könne (Prot. I S. 14).
Gefragt, wie es weiter gegangen sei, erklärte der Beschuldigte, dass sie jeweils
entweder am Küchentisch gesessen hätten oder auf den Balkon raus gegangen
seien oder sich in der Stube aufgehalten hätten. Dort sei er auf jeden Fall am
Tanzen gewesen und habe auch mit der Privatklägerin und sie mit ihm getanzt. Er
glaube, er sei zu diesem Zeitpunkt nicht alleine gewesen, die Kollegin E._
oder seine Freundin, G._, seien da dabei gewesen. Seine Kollegen seien ir-
gendwann gegangen, er wisse nicht, ob diese das gesehen hätten oder nicht. Da-
rauf angesprochen, dass die Zeugen H._ und I._ ausgesagt hätten, nur
die Privatklägerin habe alleine getanzt und sie hätten den Beschuldigten nicht
tanzen sehen, erklärte dieser, nicht mehr zu wissen, welche Personen ihn gese-
hen hätten, als er mit der Privatklägerin getanzt habe. Er könne auch nicht genau
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sagen, wie lange seine Freundin dabei gewesen sei (Prot. I S. 15). G._ habe
gesagt, dass sie müde sei und schlafen gehe, er sei dann später noch ins Schlaf-
zimmer gegangen, um ihr eine gute Nacht zu wünschen. Als nächstes seien seine
Kollegen gegangen. Eine genaue Uhrzeit könne er nicht sagen, jedoch sei dies
sicher später gewesen, als seine Freundin schlafen gegangen sei. Danach seien
noch er, die Privatklägerin und E._ dort gewesen (Prot. I S. 16). Er könne
sich weiter noch erinnern, dass er der Privatklägerin näher gekommen sei, dass
sie irgendwann auf dem Sofa gewesen sei und er ihr eine Decke gebracht habe.
Ob sie auf dem Sofa wach, halbwach oder schlafend gewesen sei, wisse er nicht.
Auf jeden Fall sei er eine Decke holen gegangen. Anschliessend habe er sie ir-
gendwie wach bringen müssen und dann hätten sie Zärtlichkeiten ausgetauscht.
So habe dann alles mit dem Geschlechtsverkehr angefangen. Darauf angespro-
chen, dass er im Vorverfahren ausgeführt habe, dass sie sich nähergekommen
seien, erklärte der Beschuldigte, dass dies nicht erst auf dem Sofa passiert sei,
sondern auch schon vorher irgendwo in dieser Wohnung. Auf dem Sofa sei es
dann noch intimer geworden. Vorher, als sie sich näher gekommen seien, sei dies
im Stehen gewesen. Seiner Meinung nach sei dies im Wohnzimmer erfolgt, aber
er könne dies nicht zu 100% sagen. Sie hätten sich geküsst und an intimen Stel-
len berührt (Prot. I S. 17). Ob dies jemand gesehen habe, könne er nicht mit Si-
cherheit sagen. Vielleicht seien seine Kollegen zu diesem Zeitpunkt auf dem Bal-
kon am Rauchen gewesen, es gebe noch weitere Räumlichkeiten in dieser Woh-
nung und er könne dies nicht genau sagen. Er könne sich an die Situation danach
auf dem Sofa noch bruchstückhaft erinnern, dass sie sich geküsst hätten und die
Privatklägerin in diesem Zustand nicht schlafend gewesen sei. Deshalb müsse
diese wach gewesen sein. Sie hätten sich gegenseitig die Kleider ausgezogen, "in
irgendeiner Form zu einem bestimmten Grad". Und die Privatklägerin habe mit
ihm jedenfalls Oralsex gehabt. Auf die Frage, weshalb er den Oralsex bei der Po-
lizei noch nicht geschildert habe, bei der Staatsanwaltschaft dann aber schon, er-
klärte der Beschuldigte, dass es möglich sei, dass er sich dort noch nicht habe
daran erinnern können oder er es nicht als relevant angeschaut habe (Prot. I
S. 18). Es sei kurz nach der Verhaftung gewesen und es sei ihm vieles durch den
Kopf gegangen. Weshalb er es nicht gesagt habe, könne er nicht begründen. Auf
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die Frage nach dem Zustand der Privatklägerin, als sie auf dem Sofa gewesen
und Zärtlichkeiten ausgetauscht hätten, erklärte der Beschuldigte, dass die Pri-
vatklägerin nicht passiv, sondern "auf der aktiven Seite" gewesen sei. Er habe sie
nicht in irgendeiner Art zwingen oder "auflupfen" müssen. Sie habe sich vielmehr
von alleine bewegt, habe ihre Hand benutzt und keinerlei Anzeichen gezeigt, dass
sie ein Blackout gehabt hätte oder nicht bei sich gewesen sei; "sie ist eigentlich
bei Bewusstsein gewesen und sie war sich bewusst, was sie mit mir macht" (Prot.
I S. 19). Darauf angesprochen, dass bei seinen Aussagen bei Polizei und Staats-
anwaltschaft auffalle, dass sie viele Relativierungen enthielten, erklärte der Be-
schuldigte, dass dies gewesen sei, weil er stark alkoholisiert gewesen sei und er
dies darum aus seiner Sicht sage. Dies sei seine Wahrnehmung zu jenem Zeit-
punkt gewesen. Darauf angesprochen, dass er heute aussage, er könne sich
bruchstückhaft erinnern, weil er alkoholisiert gewesen sei, bei der Staatsanwalt-
schaft hingegen ausgesagt habe, er habe sich immer kontrollieren können und sei
nicht so stark alkoholisiert gewesen, erklärte der Beschuldigte, dass er sich so
habe beherrschen können, dass er den Geschlechtsverkehr habe vollziehen kön-
nen. Mit "bruchstückhafte Erinnerungen" meine er, dass er sich nicht an alle De-
tails jenes Abends erinnern könne, an die intimen Handlungen könne er sich aber
teilweise gut erinnern (Prot. I S. 20). Die Privatklägerin sei aktiv dabei gewesen,
als es zum Geschlechtsverkehr gekommen sei, sie habe auch bei seinen Kleidern
die Knöpfe aufgemacht und sie sei aufrecht gewesen (Prot. I S. 21).
Auf die Darstellung der Privatklägerin, dass diese erst während des Geschlechts-
verkehrs aufgewacht sei, angesprochen, führte der Beschuldigte aus, sich dies
nicht erklären zu können, dass diese erst dann mitbekommen habe, was passiert
sei. Er könne deshalb dazu keine Begründung liefern. Auf entsprechende Frage
hin verneinte er, ein Präservativ benutzt zu haben (Prot. I S. 21). Danach gefragt,
wie es weitergegangen sei, erklärte der Befragte, dass er sich gut erinnern könne,
dass seine Freundin ins Wohnzimmer gekommen sei und geschrien habe. Sie
hätten dann aufgehört und er sei relativ schnell in sein Schlafzimmer ins Bett ge-
gangen. Er habe die Türe offen gelassen und gehört, wie seine Freundin mit der
Privatklägerin gesprochen habe. Diesbezüglich sei er sich eigentlich sicher. Was
geredet worden sei, habe er nicht im Detail gehört. Darauf angesprochen, dass
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die Privatklägerin nichts davon gesagt habe, noch mit der Freundin des Beschul-
digten gesprochen zu haben, erklärte dieser, nicht genau zu wissen, ob das Ge-
spräch dann oder erst am späteren Morgen stattgefunden habe (Prot. I S. 22).
3.4 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 5. Juli 2018 führte der Beschuldigte
aus, er sei mit seiner Freundin am 23. September 2016 auswärts Essen gegan-
gen und sie hätten sich spontan für eine Home-Party entschieden. Die einge-
ladenen Freunde seien zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr gekommen und hätten
Alkohol mitgebracht. Sie hätten getrunken, Musik gehört und geredet. Seine
Freundin sei zu einem späteren Zeitpunkt schlafen gegangen, seine Kollegen
seien auch wieder gegangen. Die eine Kollegin der Privatklägerin sei dann auch
gegangen. Die Privatklägerin und er hätten später Geschlechtsverkehr gehabt.
Seine Freundin sei ins Wohnzimmer gekommen und habe gefragt, was er da ma-
che. Dies habe sie mit einem lauten Aufschrei gesagt. Er sei sofort ins Schlaf-
zimmer gegangen und sei dann eingeschlafen. Zum Geschlechtsverkehr mit der
Privatklägerin sei es gekommen, weil er sich zu ihr hingezogen gefühlt habe. Im
Laufe des Abends seien sie sich näher gekommen. Später in der Nacht seien sie
auf dem Sofa gewesen und hätten mit Zärtlichkeiten weitergemacht. Dann sei es
zum Geschlechtsverkehr gekommen (Urk. 67 S. 5).
Zu seinem Alkoholkonsum führte der Beschuldigte aus, er habe sicher Bier, sicher
Wodka und Maraschino getrunken. Er habe sicher mehr als zwei Gläser Wodka
getrunken, wisse allerdings nicht mehr wieviel. Wieviel Bier und Maraschino er
getrunken habe, wisse er nicht mehr. Er sei stark alkoholisiert gewesen, habe sich
immer beherrschen können, habe kein Blackout gehabt und habe sich auch nicht
übergeben müssen (Urk. 67 S. 5 f.).
Die Privatklägerin habe sicher nicht nur Bier getrunken, sondern auch Hoch-
prozentiges. Er – der Beschuldigte – wisse jedoch nicht wieviel und was genau.
Die Privatklägerin sei bei Bewusstsein gewesen. Sie sei nicht in einem schlechten
Zustand gewesen, so dass er sich hätte Sorgen machen müssen. Beim Ge-
schlechtsverkehr sei sie wach und bei Sinnen gewesen. Auf Nachfrage bestätigte
der Beschuldigte, es sei zuerst noch zu Oralverkehr gekommen. Er wisse nur
noch, dass es dazu gekommen sei. Die einzelnen Schritte dazu könne er heute
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nicht mehr nennen. Sie hätten sich geküsst und ausgezogen und dann sei es zum
Oralverkehr gekommen (Urk. 67 S. 6 ff.).
4. Aussagen der Privatklägerin
4.1 Die Aussagen der Privatklägerin anlässlich der polizeilichen Einvernahme
vom 26. September 2016 führte die Vorinstanz wie folgt an (Urk. 2): die Privat-
klägerin erkläre, dass sie am Abend des 23. September 2016 um 22.00 Uhr von
G._ und E._ am Bahnhof K._ abgeholt worden sei und sie auf dem
Weg zur Wohnung des Beschuldigten noch Alkohol gekauft hätten. Den Beschul-
digten habe sie in dessen Wohnung das erste Mal gesehen. In der Wohnung hät-
ten die Hausparty-Gäste Alkohol getrunken, wobei dann auch sie selbst betrun-
ken geworden sei. Man habe miteinander gesprochen und getanzt. Sie sei auch
auf den Balkon gegangen, um eine Zigarette zu rauchen. Ansonsten könne sie
sich an nichts anderes mehr erinnern. Sie sei eingeschlafen und alles sei schwarz
(Urk. 2 S. 2). Auf Nachfrage erklärte die Privatklägerin, dass sie sich nicht mehr
genau an die letzten Ereignisse zu erinnern vermöge, bevor sie das Bewusstsein
verloren habe. Sie wisse nur noch, dass sie getanzt, mit dem Handy Fotos ge-
macht, geraucht und geredet habe. Sie sei glücklich gewesen und habe nicht
mehr getrunken als sonst, beziehungsweise als die anderen Partygäste. Deshalb
sei sie erstaunt, dass sie einfach das Bewusstsein verloren habe – sie schlafe
normalerweise nicht einfach ein (Urk. 2 S. 3). Sie habe an diesem Abend ein
Halbliter-Bier und circa fünf Wodka-Shots sowie weitere alkoholische Getränke zu
sich genommen (Urk. 2 S. 2).
Die Privatklägerin führte des Weiteren auf Befragen hin aus, dass sie auf dem So-
fa im Wohnzimmer aufgewacht sei, weil der Beschuldigte mit ihr Sex gehabt ha-
be. Sie habe auf dem Sofa gelegen und der Beschuldigte sei auf ihr gewesen.
Der Beschuldigte habe ihr die Hosen und Unterhosen ausgezogen, am Oberkör-
per sei sie hingegen normal bekleidet gewesen. Daran, durch den Beschuldigten
ausgezogen worden zu sein, könne sie sich nicht mehr erinnern (Urk. 2 S. 3). Der
Beschuldigte sei nicht nackt gewesen, doch sie könne sich nicht erinnern, was er
getragen habe (Urk. 2 S. 6). Sie könne sich erinnern, dass der Beschuldigte sie
auf dem Sofa geküsst habe und in sie penetriert sei. Sie sei sich nicht sicher, ob
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der Beschuldigte zum Zeitpunkt ihres Erwachens schon in sie eingedrungen ge-
wesen sei. Sie könne sich auch nicht erinnern, wo er seine Arme gehabt habe;
"ich lag nur da und er hatte Sex mit mir." Er sei vaginal eingedrungen, doch sie
habe nicht reagiert, denn sie sei im Halbschlaf gewesen. Deshalb habe sie gar
nicht realisiert, dass das Geschehen falsch gewesen sei. Die Privatklägerin gab
des Weiteren an, dass der Beschuldigte beim Geschlechtsverkehr einmal abge-
rutscht und sodann wieder in sie eingedrungen sei. Es sei beim Beschuldigten
nicht zum Samenerguss gekommen (Urk. 2 S. 4) und er habe kein Kondom be-
nutzt (Urk. 2 S. 5). Der Geschlechtsakt habe geendet, als G._ in den Raum
gekommen sei und geschrien habe. Zu jenem Zeitpunkt habe der Beschuldigte
noch immer den Geschlechtsakt an ihr vollzogen. Was daraufhin der Beschuldigte
zu G._ gesagt habe und was daraufhin passiert sei, wisse sie nicht mehr
(Urk. 2 S. 4 f.). G._ habe den Beschuldigten ins Schlafzimmer geschleppt.
Am nächsten Morgen habe sie (die Privatklägerin) ihren Wecker nicht gehört,
G._ habe sie um 07.00 Uhr geweckt (Urk. 2 S. 6).
Sie habe bezüglich des Vorfalles mit dem Beschuldigten zunächst nicht gewusst,
wie sie reagieren solle. Sie habe nicht gewusst, ob sie zur Polizei gehen sollte
und habe mit niemandem reden können. Eine Freundin aus Dänemark habe ihr
geraten, zur Polizei zu gehen und dann sei sie mit ihrer Gotte, Frau L._, zur
Polizei gegangen. Sie habe auf Google zudem erfahren, dass man sich nach sol-
chen Vorfällen nicht duschen soll. Deshalb sei sie bei dieser polizeilichen Einver-
nahme ungeduscht erschienen (Urk. 2 S. 6). Auf die Frage, wie sie sich nach dem
Erwachen gefühlt habe, erklärte die Privatklägerin, dass sie sich nicht verkatert
vorgekommen sei, aber verwirrt gewesen sei und nur daran gedacht habe, dass
ihre Kollegin auf sie warte, um ans Oktoberfest gehen zu können (Urk. 2 S. 7).
Die Frage, ob die Privatklägerin dem Beschuldigten gegenüber am
23./24. September 2016 sexuelle Andeutungen gemacht habe, verneinte sie.
Das sei nicht in Frage gekommen, denn der Beschuldigte sei der Freund ihrer
Freundin, G._ (Urk. 2 S. 5). Zudem gab sie bekannt, dass sie an jenem Frei-
tagmorgen, dem 23. September 2016, die Menstruation bekommen und deshalb
einen Tampon benutzt habe. Nach dem besagten Vorfall mit dem Beschuldigten
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habe sie gemerkt, dass der Tampon nicht mehr vorhanden gewesen sei und sie
wisse nicht, ob der Beschuldigte ihn rausgenommen oder hochgestossen habe.
Weiter erklärte die Privatklägerin, dass E._ ihr gesagt habe, dass sie um
03.30 Uhr die Wohnung verlassen habe und sie (die Privatklägerin) nicht habe
wecken können, da sie zu tief geschlafen habe (Urk. 2 S. 6). Nach dem Vorgefal-
lenen habe sie keinen Kontakt mehr zum Beschuldigten gehabt. Der Freundin des
Beschuldigten, G._, habe sie am nächsten Tag geschrieben, was passiert
sei. Am Tag darauf habe G._ ihr geantwortet und sie hätten sich darauf ge-
einigt, dass sie sich heute – am Tag der Befragung – sehen würden. Sie hätten
sich am Morgen um 10.00 Uhr getroffen (Urk. 2 S. 5). G._ sei nicht über-
rascht gewesen und habe ihr gesagt, dass sie nicht wütend auf sie (die Privatklä-
gerin) und auf ihrer Seite sei (Urk. 2 S. 6).
Die Privatklägerin erklärte auf Nachfrage, sie habe sich geschämt, dass sie den
Beschuldigten nicht gestoppt habe. Sie habe es zunächst einfach vergessen wol-
len und im ersten Moment nicht realisiert, dass die Situation ernst war. Sie fühle
sich auch bezüglich G._, der Freundin des Beschuldigten, schlecht. Sie
schäme sich nach wie vor (Urk. 2 S. 6 f.).
Bezüglich des Beschuldigten gab die Privatklägerin an, dass dieser beim Kennen-
lernen am Freitagabend ein netter Typ und sehr gastfreundlich gewesen sei.
G._ sei aber vom späteren Verhalten des Beschuldigten nicht überrascht
gewesen: Sie habe gesagt, sie wolle diesen schon seit Längerem zum Psycholo-
gen schicken. Er habe schon Ex-Freundinnen zum Geschlechtsverkehr gedrängt.
G._ habe zudem eingewilligt, dass er auch mit anderen Personen Ge-
schlechtsverkehr haben dürfe (Urk. 2 S. 7 f.).
4.2 Die Aussagen der Privatklägerin anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 17. Februar 2017 fasste die Vorinstanz wie folgt zusammen
(Urk. 11/2): die Privatklägerin sei am fraglichen Abend von ihren zwei Freundin-
nen, G._ und E._, am Bahnhof K._ abgeholt worden. Sie hätten die
Absicht gehabt, ein paar Drinks zu nehmen und später in den Ausgang zu gehen.
Sie seien ein paar Biere kaufen und dann in die Wohnung des Beschuldigten ge-
gangen. Dort hätten sie sich bei der Hausparty betrunken. Sie hätten es gemütlich
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gehabt und auch getanzt. Ab einem gewissen Punkt könne sie sich nicht mehr er-
innern, was passiert sei. Es sei ihr schwarz geworden und sie sei eingeschlafen
und erst dadurch wieder aufgewacht, als der Beschuldigte im Wohnzimmer mit ihr
Geschlechtsverkehr gehabt habe. Sie sei sich in dieser Situation selbst nicht im
Klaren gewesen, was eigentlich passiert sei, denn sie sei noch benebelt gewesen,
da sie zuvor geschlafen hätte. Dann sei G._ – welche zuvor im Schlafzimmer
geschlafen habe – ins Wohnzimmer gekommen und habe den Geschlechtsakt
gesehen. G._ sei mit dem Beschuldigten sehr böse geworden und habe ihn
ins Schlafzimmer mitgenommen. Sie, die Privatklägerin, sei wieder eingeschlafen.
Um 07.00 Uhr morgens habe G._ sie geweckt und ihr gesagt, dass ihr Tele-
fon einige Male geläutet habe. Sie habe zu jenem Zeitpunkt nur daran gedacht,
dass sie verspätet sei und am Hauptbahnhof hätte sein sollen. Auf dem Weg zum
Hauptbahnhof habe sie dann versucht, den Abend zu rekonstruieren. Sie habe
währenddessen versucht, die wartende Freundin am Hauptbahnhof, M._,
sowie E._ zu erreichen. Letztere habe ihr mittels SMS mitgeteilt, dass sie
sehr betrunken gewesen seien und sie (die Privatklägerin) auf dem Balkon erbro-
chen hätte. Dann seien sie (die Privatklägerin) und G._ schlafen gegangen.
Es sei E._ gemäss deren Angaben nicht gelungen, sie zu wecken, woraufhin
diese dann am frühen Morgen des 24. September 2016 die Wohnung des Be-
schuldigten verlassen habe (Urk. 11/2 S. 4 f.).
Am Hauptbahnhof habe die Privatklägerin M._ getroffen und sie seien um
09.00 Uhr mit dem Bus nach München gefahren. Im Bus sei dann Ruhe einge-
kehrt und sie habe über den Abend nachgedacht. Sie habe M._ erzählt, dass
sie mit jemandem Sex gehabt, das aber nicht gewollt habe. Sie hätten das kurz
besprochen, doch dann hinter sich gelassen. Am Sonntagvormittag sei sie wieder
nach Hause gekommen, habe geschlafen und sei am Nachmittag wieder nüchtern
gewesen. Dann habe eine Freundin aus Dänemark namens N._ sie angeru-
fen, welcher sie erzählt habe, zu glauben, dass sie vergewaltigt worden sei.
N._ habe das sehr ernst genommen und ihr geraten, so schnell als möglich
zur Polizei zu gehen oder dies mit einer erwachsenen Person zu besprechen. Sie
habe dann ihrer Gotte in O._ und G._ geschrieben. Am Montagmorgen
habe sie sich mit G._ getroffen und die Sache mit ihr besprochen. G._
- 23 -
habe ihr sofort gesagt, dass sie ihr nicht böse sei. Die Privatklägerin habe
G._ erzählt, dass sie mit dem Geschlechtsverkehr nicht einverstanden ge-
wesen sei, nun sehr traurig sei und einige Fragen habe. G._ habe gedacht,
dass die Privatklägerin dies gewollt habe, als sie jedoch erkannt habe, was das
für die Privatklägerin bedeute, sei auch sie sehr traurig gewesen und habe die
ganze Situation mit der Privatklägerin besprochen. G._ habe gesagt, dass es
sie nicht überrasche, dass der Beschuldigte eine Grenze überschritten habe.
G._ habe eine Abmachung mit dem Beschuldigten, dass dieser auch mit an-
deren Frauen Affären haben dürfe, weil sie ihn sexuell nicht befriedigen könne.
G._ habe erklärt, dass der Beschuldigte eine Tendenz habe, Grenzen zu
überschreiten, und sie sich schon überlegt habe, ob der Beschuldigte psychologi-
sche Hilfe benötige. G._ habe ihr auch gesagt, dass die Privatklägerin bei
Bedürfnis zur Polizei gehen solle, da dies eventuell ein "wake-up call" für den Be-
schuldigten wäre. Die Privatklägerin sei sehr erleichtert gewesen, dies zu erfah-
ren, da G._ ja zuerst gedacht habe, dass die Privatklägerin dies gewollt ha-
be. Weiter erzählte die Privatklägerin, dass sie nach jenem Gespräch mit
G._, aber noch in deren Anwesenheit, ihre Gotte am P._ getroffen habe.
Sie seien sich schon mehr oder weniger einig gewesen, an diesem Tag zur Poli-
zei zu gehen. G._ habe dann ihrerseits einige Vorschläge gemacht, wo die
Privatklägerin sonst noch Hilfe holen könne, "Migrationscenter und so". G._
habe sich dann verabschiedet und sie (die Privatklägerin) sei zusammen mit ihrer
Gotte zur Polizei gegangen. Da die Privatklägerin mit ihrer Gotte Dänisch gespro-
chen habe, sei sie nicht sicher, ob G._ verstanden habe, dass sie zur Polizei
gehen würden (Urk. 11/2 S. 6 f.).
Auf weiteres Befragen führte die Privatklägerin aus, dass sie am Samstagmorgen,
dem 24. September 2016, auf dem Weg zum Hauptbahnhof zum ersten Mal ge-
merkt habe, dass etwas mit dem Beschuldigten vorgefallen sei, was sie nicht ge-
wollt habe. Sie habe sich dabei durcheinander gefühlt und sei noch betrunken
gewesen. Trotzdem sei sie zu jenem Zeitpunkt darauf fokussiert gewesen, mit
M._ nach München zu fahren. Auf dem Oktoberfest sei sie dann in guter
Stimmung gewesen (Urk. 11/2 S. 7 f.).
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Auf weiteres Befragen bestätigte die Privatklägerin, dass sie ein Bier à 0.5 Liter,
circa fünf Wodka-Shots und andere alkoholische Getränke zu sich genommen
habe, wobei sie von Letzteren nicht viel, ungefähr ein Glas, getrunken habe. Sie
habe sich mit dem Beschuldigten auf Englisch unterhalten. Des Weiteren führte
die Privatklägerin auf Befragen aus, dass sie mit E._ getanzt habe. Sie habe
nicht mit dem Beschuldigten getanzt. Sie glaube nicht, dass dieser getanzt habe,
er habe vielmehr mit einem anderen Mann gesprochen (Urk. 11/2 S. 10). Sie ha-
be keine Erinnerung daran, dass sie dem Beschuldigten beim Tanzen näher ge-
kommen sei. Das Letzte, an das sie sich erinnern könne, sei, dass sie Musik ge-
hört und getanzt hätten und dass sie es lustig gehabt hätten. Sie habe es an der
besagten Hausparty vor allem mit E._ lustig gehabt und viel Zeit verbracht,
Fotos gemacht und Filme mit dem Handy gedreht. Sie habe keine Erinnerung da-
ran, lasziv getanzt zu haben.
Auf Vorhalt der Aussagen des Beschuldigten, wonach die Privatklägerin und der
Beschuldigte sich in die Augen geblickt, sich geküsst und an intimen Stellen ge-
genseitig berührt hätten, führte die Privatklägerin aus, dass sie hierin sich selbst
nicht erkennen könne; "das ist gar nicht mein Verhalten, meine Art." Weiter wies
die Privatklägerin darauf hin, dass dies ja der Freund ihrer Freundin, G._,
sei. Sie habe auch keine Erinnerung, dass sie ihr Gesäss am Penis des Beschul-
digten gerieben habe (Urk. 11/2 S. 11 f.). Die Privatklägerin verneinte auch die
Aussage von G._, sie habe den Beschuldigten "angemacht" – dies sei auch
überhaupt nicht das gewesen, was G._ ihr am Montagmorgen, als sie sich
trafen, gesagt habe. Danach gefragt, was die Privatklägerin damit meine, ein
"Blackout" gehabt zu haben, erklärte diese, dass es einen Zeitraum an diesem
Abend gebe, an den sie sich an gar nichts erinnern könne. Von einem Augenblick
auf den andern. Sie sei dann eingeschlafen. Die Erinnerung sei bis heute nicht
zurückgekommen. Sie habe auch keine Erinnerung daran, Oralverkehr beim Be-
schuldigten praktiziert zu haben. Die Privatklägerin bestätigte, dass der Beschul-
digte, als sie in der Nacht vom 23. auf den 24. September 2016 aufgewacht sei,
sein Glied in ihr gehabt habe (Urk. 11/2 S. 12). Sie habe gar nicht darauf reagiert,
sie sei so betrunken und durcheinander gewesen. Sie sei sich nicht sicher gewe-
sen, was er ihr in diesem Moment angetan habe und was genau passiert sei. Sie
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habe zwar realisiert, dass jemand an ihr den Geschlechtsverkehr vollzogen habe,
doch sie habe erst, als G._ in das Zimmer gekommen sei und den Beschul-
digten weggerissen habe, das Geschehen realisiert. Es habe sich um wenige Mi-
nuten gehandelt, vielleicht weniger als eine Minute. Sie habe, als sie es realisiert
hatte, nichts gemacht. G._ habe den Beschuldigten weggerissen und sie sei
wieder eingeschlafen. Sie könne sich nicht daran erinnern, dass sie dem Be-
schuldigten während des Geschlechtsverkehrs in die Augen geschaut oder ge-
stöhnt habe, sie könne dazu nichts sagen. Sie wisse es nicht (Urk. 11/2 S. 12 f.).
Auf Vorhalt einer Nachricht von G._, in welcher diese unter anderem schrieb,
dass die Privatklägerin beim Geschlechtsverkehr wach gewesen sei, gestöhnt
und den Beschuldigten verführt habe, gab die Privatklägerin an, dass dies dem
widerspreche, was G._ ihr anlässlich des Treffens am Montagmorgen gesagt
habe. Sie vermute, dass die Erklärung des Beschuldigten G._ dazu gebracht
habe, ihre Meinung zu ändern. So habe G._ "it turns out" geschrieben; für
die Privatklägerin heisse dies, dass G._ mit dem Beschuldigten gesprochen
habe. Die Erklärung des Beschuldigten habe sie wohl dazu gebracht, ihre Mei-
nung zu ändern, da sie ihn beschützen wolle (Urk. 11/2 S. 13 f.).
Auf Nachfrage bestätigte die Privatklägerin, nach dem Oktoberfest die Unter-
hosen nicht gewechselt und nicht geduscht zu haben, weil sie auf Google einen
entsprechenden Ratschlag gelesen habe (Urk. 11/2 S. 14). Weiter erklärte die
Privatklägerin auf entsprechende Frage, nicht zu wissen, wann sie sich an dem
Abend auf das Sofa gelegt habe. Sie habe bereits geschlafen, als sich G._
zu Bett begeben habe (Urk. 11/2 S. 16).
Auf ergänzendes Befragen erklärte die Privatklägerin, dass sie, als sie aufge-
wacht sei, im Zweifel gewesen sei, ob der Mann auf ihr der Beschuldigte gewesen
sei. Der Mann habe sie geküsst. Er habe ihr die Hosen und Unterhosen ausge-
zogen und sie sei von der Taille her ganz nackt gewesen. Als sie aufgewacht sei,
habe sie die Hosen bei den Knien gehabt und der Mann habe sie ihr dann ganz
ausgezogen. Als er ihr die Hosen ausgezogen habe, habe er vor ihr gestanden
und sie sei auf dem Sofa gelegen. Nachdem er ihr die Hosen ausgezogen habe,
habe er die "Vergewaltigung" fortgesetzt und sei in sie eingedrungen. Während
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der Penetration habe sie selber nichts gemacht. Sie sei in einem Zustand ge-
wesen, in dem sie eigentlich immer noch geschlafen habe. Sie könne sich nicht
erinnern, welche Gedanken ihr durch den Kopf gegangen seien. Wenige Sekun-
den später sei G._ in das Zimmer gekommen. Auf die Frage, weshalb sie
sich erst bei der staatsanwaltschaftlichen Befragung an das erinnern könne, er-
klärte die Privatklägerin, dass dies daran liege, dass sie erneut befragt worden sei
und ihr dies deshalb erneut in den Sinn gekommen sei und sie dem mehr Auf-
merksamkeit geschenkt habe (Urk. 11/2 S. 17 f.).
5. Aussagen von G._
5.1 Die Aussagen von G._ anlässlich der polizeilichen Befragung als Aus-
kunftsperson vom 28. Oktober 2016 (Urk. 6) führte die Vorinstanz wie folgt an:
G._ habe ausführt, dass sie am Abend des 23. September 2016 zunächst al-
leine beim Beschuldigten zu Hause gewesen sei. Der Beschuldigte habe ihr ge-
sagt, dass er Leute zu einer Hausparty eingeladen habe. Deshalb sei
G._ ihre beiden Kolleginnen, mit denen sie ursprünglich abgemacht hatte,
die Privatklägerin und E._, am Bahnhof K._ abholen gegangen (Urk. 6
S. 1 f.). Dann habe in der Wohnung des Beschuldigten eine Party stattgefunden.
An dieser hätten insgesamt drei Frauen und drei Männer teilgenommen. Während
der Party hätten zunächst fünf Personen zwölf Flaschen Bier getrunken (Urk. 6
S. 2). Es sei auch Wein und Schnaps getrunken worden. Sie hätten die Alkoholika
auch gemischt und alles durcheinander getrunken. Der Beschuldigte und die Pri-
vatklägerin seien, wie auch sie selbst, ziemlich alkoholisiert gewesen. Darum sei
dann die Befragte auch vor den anderen ins Bett gegangen, sie habe nicht mehr
trinken wollen. Sie sei betrunken und schläfrig gewesen (Urk. 6 S. 3).
Die Privatklägerin habe den Beschuldigten schon während der Party angemacht
und dieser habe sich darüber gefreut. Die Privatklägerin habe den Beschuldigten
angetanzt, das heisse, sie habe beim Tanzen gezielt darauf geschaut, den Be-
schuldigten am Körper zu berühren. Sie (die Befragte) habe schon, als sie dies
beobachtet habe, gedacht, dass es zwischen der Privatklägerin und dem Be-
schuldigten noch zum Geschlechtsverkehr kommen könnte. Sie sei jedoch zu
müde gewesen, um sich darüber Gedanken zu machen (Urk. 6 S. 3).
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Sie sei als Erste ungefähr um Mitternacht schlafen gegangen. Sie sei in das Zim-
mer des Beschuldigten gegangen und habe sich in sein Bett gelegt. Schlussend-
lich hätten nur sie, der Beschuldigte und die Privatklägerin in der Wohnung des
Beschuldigten übernachtet. Die Privatklägerin und der Beschuldigte hätten auf
dem Sofa im Wohnzimmer übernachtet. Um circa 02.00 Uhr sei die Befragte er-
wacht und auf die Toilette gegangen. Dann sei sie ins Wohnzimmer gegangen, da
sie von dort Stimmen gehört habe. Sie habe dann gesehen, wie der Beschuldigte
mit der Privatklägerin Sex gehabt hätte. Beide seien nackt gewesen. Bereits vom
Flur aus habe sie im Spiegel den Geschlechtsverkehr beobachten können. Sie sei
dann in das Wohnzimmer gegangen, wo sich dies abgespielt habe. Sie glaube,
dass lediglich die Füsse der Privatklägerin und des Beschuldigten mit einer Decke
zugedeckt gewesen seien. Sie habe den Eindruck gehabt, dass sowohl der Be-
schuldigte als auch die Privatklägerin ziemlich alkoholisiert gewesen seien. Die
Privatklägerin habe sich in keiner Weise zur Wehr gesetzt und es habe nicht so
ausgesehen, als wäre der Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen geschehen. Sie
sei auf dem Rücken gelegen und ihre Arme seien seitlich auf dem Sofa gelegen.
Sie habe keine Abwehrbewegungen gemacht und auch nicht geschrien. Die Pri-
vatklägerin habe während des Geschlechtsverkehrs gestöhnt, aber nichts gesagt
(Urk. 6 S. 2). Vor dem Betreten des Wohnzimmers habe sie schon gerufen
"A._ bist Du da?". Dann habe sie das Wohnzimmer betreten und das Ge-
schehene gesehen. Der Beschuldigte habe von der Privatklägerin abgelassen
und sei aufgestanden, habe sich die Unterhose angezogen und begonnen sich
bei ihr zu entschuldigen. Sie sei dann mit ihm ins Schlafzimmer gegangen und
habe eigentlich die Wohnung verlassen wollen, doch es habe keine Zugverbin-
dung mehr gegeben. Sie seien deshalb dann in das Bett des Beschuldigten ge-
gangen, wo sich dieser erneut entschuldigt habe. Sie habe noch gesehen, wie die
Privatklägerin auf die Toilette gegangen sei. Um 06.00 Uhr sei sie dann vom We-
cker der Privatklägerin geweckt worden, den diese aufgrund ihrer Trunkenheit
nicht gehört habe. Sie habe an jenem Morgen (24. September 2016) bemerkt,
dass die Privatklägerin noch immer benebelt gewesen sei. Die Privatklägerin ha-
be ans Oktoberfest gehen wollen, aber den Bus verpasst. Die Befragte habe ver-
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sucht, die Privatklägerin aufzuwecken, aber das sei nicht gegangen. Über den
Vorfall mit dem Beschuldigten hätten sie nicht diskutiert (Urk. 6 S. 3).
Erst am nächsten Montag habe die Befragte die Privatklägerin getroffen, welche
ihr gesagt habe, dass sie die Vergewaltigung zur Anzeige bringen werde (Urk. 6
S. 3). Sie (die Befragte) habe zuerst erwartet, dass sich die Privatklägerin ent-
schuldigen werde, da es nicht so ausgesehen habe, als ob sie vergewaltigt wer-
de. Sie sei schockiert gewesen, als sie erfahren habe, dass die Privatklägerin den
Beschuldigten anzeigen wolle. Sie habe nach dem Treffen am Montag mit dem
Beschuldigten telefoniert und ihm von dem Vorhaben der Privatklägerin erzählt.
Dieser habe ihr gesagt, dass die Privatklägerin mit dem Geschlechtsverkehr ein-
verstanden gewesen sei. Daraufhin habe sie der Privatklägerin eine SMS ge-
schickt, dass sich diese die Anzeigeerstattung nochmals überlegen solle und es
für sie nicht wie eine Vergewaltigung ausgesehen habe (Urk. 6 S. 4).
5.2 Die staatsanwaltschaftliche Zeugeneinvernahme vom 18. April 2017
(act. 11/3) fasste die Vorinstanz wie folgt zusammen: G._ habe erklärt, mit
dem Beschuldigten über den Vorfall ein bisschen, das heisst pro Woche ungefähr
zehn Minuten, gesprochen zu haben. Mit der Privatklägerin habe sie über den
Vorfall nur einmal nach deren Rückkehr vom Oktoberfest gesprochen (Urk. 11/3
S. 2 f.).
Am Abend und in der Nacht vom 23./24. September 2016 habe der Beschuldigte
zwei Kollegen und sie selbst zwei Kolleginnen eingeladen. Die Freunde des Be-
schuldigten seien früher gekommen und sie habe gegen 22.00 Uhr die Privatklä-
gerin und eine Kollegin aus Polen, E._, am Bahnhof K._ abgeholt. Auf
dem Weg zur Wohnung des Beschuldigten hätten sie Alkohol eingekauft. Einige
Freunde seien später gekommen, aber das wisse sie nicht, da sie schon einge-
schlafen gewesen sei. Sie hätten an der Hausparty alle ziemlich viel getrunken.
Bevor sie schlafen gegangen sei, hätten sie zwei Flaschen Wein, sechs Bier und
Wodka-Shots getrunken. Sie hätten getanzt und seien später auf dem Sofa ge-
sessen. Ihrer Meinung nach sei die Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten
aufdringlich gewesen und habe ihn angemacht. Sie habe aber nicht reagiert, weil
sie nicht gewollt habe, dass die Party kaputtgehe. Sie sei als Erste schlafen ge-
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gangen, aber bevor sie schlafen gegangen sei, habe sie gesehen, wie die Privat-
klägerin den Beschuldigten angefasst und immer mit ihm getanzt habe. Sie (die
Befragte) habe schlafen wollen, weshalb dies für sie nicht so wichtig gewesen sei
(Urk. 11/3 S. 4).
Später in der Nacht sei sie aufgewacht und circa zehn Minuten auf der Toilette
gewesen, wo sie gehört habe, wie "sie" (die Privatklägerin) laute Geräusche ge-
macht habe. Das seien Geräusche gewesen, die man beim Sex mache. Es habe
nicht so getönt, als ob die Privatklägerin das nicht gewollt habe. Diese habe nicht
"Nein lass mich" oder so etwas geschrien, sondern sie habe eher Spass daran
gehabt habe. Es nerve die Befragte, dass sie darüber sprechen müsse. Vom Kor-
ridor aus habe sie, gespiegelt in einem Fenster, den Geschlechtsverkehr des Be-
schuldigten mit der Privatklägerin auf dem Sofa gesehen. Eine Vergewaltigung
stelle sie sich ganz anders vor. Die Privatklägerin habe unter dem Beschuldigten
gelegen und habe sich nicht gewehrt und den Beschuldigten auch nicht weg-
geschoben. Sie sei dann ins Wohnzimmer gegangen, und beide seien plötzlich
aufgestanden. "Sie" habe noch eine Weile gelegen und sei dann aufs WC gegan-
gen. Nur der Beschuldigte sei sofort aufgestanden und mit ihr (der Befragten) ins
Schlafzimmer gegangen, wo sie ihn angeschrien habe (Urk. 11/3 S. 4).
Auf Nachfrage präzisierte die Befragte, dass sie bereits im Wohnzimmer den Be-
schuldigten anzuschreien begonnen habe und die Privatklägerin sich aufgesetzt
und sie und den Beschuldigten angeschaut habe. Die Privatklägerin habe be-
stimmt eine Bluse angehabt. Was der Beschuldigte angehabt habe, wisse sie
nicht mehr. Sie habe sich nicht darauf geachtet. Sowohl die Privatklägerin als
auch der Beschuldigte hätten rote Augen gehabt. Die Privatklägerin sei nicht so
betrunken gewesen, dass sie sich nicht mehr hätte bewegen können. Sie sei nicht
völlig betrunken gewesen (Urk. 11/3 S. 9). Weiter führte G._ aus, sie selbst
habe eigentlich die Wohnung verlassen und zu ihrer Arbeitgeberfamilie fahren
wollen, aber das sei nicht möglich gewesen. Sie habe sich dann beruhigt und sei
mit dem Beschuldigten ins Zimmer gegangen. Die Privatklägerin habe den Be-
schuldigten und sie noch gefragt, ob sie vor ihrer Abreise mit dem Bus bei ihnen
schlafen könne oder ob sie am Bahnhof schlafen müsse. Sie und der Beschuldig-
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te hätten ihr daraufhin gesagt, sie dürfe bei ihnen schlafen. Später seien sie ein-
geschlafen (Urk. 11/3 S. 5).
Später habe sie der Wecker der Privatklägerin, die im Wohnzimmer geschlafen
habe, geweckt. Sie habe den Wecker der Privatklägerin ausschalten wollen, doch
das sei nicht möglich gewesen, weil sie den Zugangscode zu deren Handy nicht
gehabt habe. Sie habe dann das Fenster geöffnet in der Hoffnung, dass die Kälte
die Privatklägerin wecken und diese dann schnell gehen würde. Ein paar Mal ha-
be eine Freundin der Privatklägerin angerufen, doch auch davon sei diese nicht
aufgewacht. Erst circa 40–60 Minuten später sei die Privatklägerin aufgewacht
und verspätet gewesen. Sie habe sich bei ihr tausend Mal mit den Worten "I'm
sorry" entschuldigt und sei aus der Wohnung gegangen (Urk. 11/3 S. 5). Auf
Nachfrage erklärte G._, dass die Privatklägerin an jenem Morgen nicht gut
ausgesehen habe und sich mit den Fingern gekämmt habe. Sie habe sich nicht
wie das Opfer einer Vergewaltigung verhalten (Urk. 11/3 S. 10).
Am Wochenende sei die Privatklägerin dann nicht da gewesen. Danach hätten sie
sich im McDonald's getroffen und circa 45–60 Minuten miteinander gesprochen.
Die Privatklägerin habe ihr gesagt, dass sie den Beschuldigten wegen Vergewal-
tigung anzeigen wolle, woraufhin die Befragte schockiert gewesen sei und der
Privatklägerin nicht geglaubt habe. Sie hätten beide viel gesprochen. Sie habe
sich selbst die Situation erleichtern wollen und gesagt, dass der Beschuldigte doof
oder so sei, habe aber nie gesagt, dass sie die Anzeige befürworte. Vielleicht ha-
be sie auch etwas gesagt, was die Privatklägerin falsch verstanden habe, weil sie
damals noch auf den Beschuldigten böse gewesen sei (Urk. 11/3 S. 5). Auf Er-
gänzungsfrage erklärte G._, dass es möglich sei, dass sie gesagt habe, der
Beschuldigte sei ein Dummkopf und habe sie betrogen und wenn sie wolle, solle
die Privatklägerin ihn anzeigen. Die Privatklägerin habe gesehen, dass sich die
Befragte nicht freundlich gegenüber dem Beschuldigten verhalten habe – sie ha-
be das ganze Wochenende nach der Party mit dem Beschuldigten gestritten und
sei ihm gegenüber daher nicht freundlich eingestellt gewesen. Sie könne sich
aber nicht daran erinnern, ob sie die Worte "wake-up call" verwendet habe. Sie
glaube, sie habe der Privatklägerin auch geholfen, einer Beratungsstelle für Frau-
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en anzurufen, weil sie (die Befragte) besser Deutsch spreche. Sie sei dann ge-
gangen, als die Patentante der Privatklägerin eingetroffen sei. Sie habe später am
selben Tag der Privatklägerin noch eine WhatsApp-Nachricht gesendet (Urk. 11/3
S. 11 f.).
G._ bestätigte, dass sie nicht gesehen habe, dass der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin an intimen Stellen angefasst habe, die Privatklägerin ihn aber beim
Tanzen eine Sekunde an der Hose, an der Stelle wo sein Penis in der Hose ist,
angefasst habe. Sie habe sich darüber nicht sehr geärgert, da sie gedacht habe,
dass dies ein Zufall gewesen sei (Urk. 11/3 S. 6). Es könne schon sein, dass die
Privatklägerin den Verkehr mit dem Beschuldigten eigentlich nicht gewollt und sie
das aufgrund ihrer Trunkenheit gemacht habe. Sie habe dies jedoch freiwillig ge-
macht. Sie sei noch lange Zeit nach dem Vorfall mit dem Beschuldigten in der
Wohnung geblieben und habe nicht gesagt, dass sie vergewaltigt oder geschän-
det worden sei. Sie glaube der Privatklägerin, dass diese den Geschlechtsverkehr
mit dem Beschuldigten, den sie erst bei der Party kennengelernt habe, nicht ge-
plant habe. Doch sie habe, als sie in der Nacht auf der Toilette gewesen sei, kein
Wort wie "nein" oder "lass mich" gehört (Urk. 11/3 S. 7).
Bezüglich des Alkoholkonsums der Privatklägerin gab G._ an, dass man ha-
be sehen können, dass diese betrunken gewesen sei, jedoch nicht, dass sie sehr
stark betrunken gewesen sei. Die Privatklägerin habe normal geredet und gelacht
und sich gefreut und ständig Selfies mit ihrem Handy gemacht (Urk. 11/3 S. 8).
Auf weitere Nachfrage bestätigte G._, dass die Privatklägerin zu Beginn der
Hausparty scherzhaft gesagt habe, dass sie noch einen Schweizer als Freund su-
che. Sie habe dies in einer WhatsApp an die Privatklägerin nochmals erwähnt,
weil sie nicht finde, dass der Beschuldigte zu 100% für das, was vorgefallen sei,
schuld sei (Urk. 11/3 S. 9 f.).
6. Aussagen von H._
Gemäss Vorinstanz hat H._ in der staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinver-
nahme vom 20. April 2017 (Urk. 11/4) ausgesagt, der Beschuldigte sei ein lang-
jähriger guter Kollege von ihm. Zur Privatklägerin stehe er in keiner Beziehung. Er
sei nicht lange an jener Party des 23. September 2016 gewesen (Urk. 11/4 S. 2).
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Er sei nur kurz um 22.00 oder 23.00 Uhr vorbei gegangen, um allen "hallo" zu sa-
gen. Er habe mit dem Beschuldigten über die Arbeit gesprochen, denn die ande-
ren Partygäste hätten nicht Deutsch gesprochen. Er habe sich an den Esstisch
gesetzt und dann sei noch ein anderer Kollege angekommen. Es sei Musik gelau-
fen. Die Privatklägerin habe die ganze Zeit über ihr neu gestochenes Tattoo ge-
sprochen. Er selbst habe aber hauptsächlich mit dem Beschuldigten und mit dem
später dazu gestossenen I._ gesprochen. Letzterer und er seien später in die
Stadt gegangen (Urk. 11/4 S. 3). Er habe die Party ungefähr um 00.00 Uhr zu-
sammen mit I._ verlassen (Urk. 11/4 S. 4).
Auf weiteres Befragen führte der Zeuge aus, dass die anderen Partygäste am
Tisch und auf dem Sofa gesessen seien und geredet hätten. Die Privatklägerin
habe ein bisschen alleine für sich getanzt. Er selbst habe sich ein bisschen be-
wegt, aber nicht getanzt. Ausser der Privatklägerin habe niemand richtig getanzt.
Zu seinem Alkoholkonsum erklärte der Zeuge, dass er an jenem Abend haupt-
sächlich Bier getrunken habe (Urk. 11/4 S. 4). Die Privatklägerin habe hingegen
kein Bier getrunken, sondern eher die Alkoholika, die auf dem Tisch gestanden
seien. Er könne nicht sagen, was das für Getränke gewesen seien. Die Privatklä-
gerin sei eher extrovertiert gewesen. Sie sei vielleicht etwas betrunken gewesen
und habe auf ihn einen glücklichen Eindruck gemacht (Urk. 11/4 S. 5).
7. Aussagen von I._
Die Aussagen von I._ in der staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinvernahme
vom 20. April 2017 (Urk. 11/5) führte die Vorinstanz wie folgt an: I._ habe
gesagt, der Beschuldigte sei ein Kollege von ihm und er die Privatklägerin an der
besagten Hausparty zum ersten Mal gesehen habe. Er sei als letzter am 23. Sep-
tember 2016 bei der Hausparty erschienen (Urk. 11/5 S. 2). An der Party hätten
sie getrunken und sich unterhalten. Er habe Bier getrunken, die Anderen Drinks,
Wodka und Mischgetränke (Urk. 11/5 S. 3). Er habe hauptsächlich mit dem Be-
schuldigten und H._ gesprochen (Urk. 11/5 S. 4). Die Privatklägerin sei mas-
siv angetrunken gewesen (Urk. 11/5 S. 2). Dies habe er unter anderem daraus
geschlossen, dass sie für sich alleine getanzt und beim Tanzen die Arme in die
Höhe gehalten habe. Sie habe Party gemacht, viel "gelabert" und ohne Grund ge-
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lacht und sei extrovertiert gewesen. Sie habe schon, als er in der Wohnung aufge-
taucht sei, einen Drink in der Hand gehalten. Er habe gesehen, dass sich die Pri-
vatklägerin zwei Mal nachgefüllt habe. Den Beschuldigten habe er nicht tanzen
gesehen (Urk. 11/5 S. 4). Er habe noch vor 00.30 Uhr die Wohnung des Beschul-
digten verlassen. Als er die Wohnung verlassen habe, sei die Privatklägerin nach
wie vor betrunken gewesen, aber nicht so stark, dass die Ambulanz hätte gerufen
werden müssen. Der Beschuldigte sei hingegen nur leicht beschwipst gewesen,
doch bei ihm sei das schwer zu beurteilen. Der Beschuldigte sei eine Person, die
eher nicht Frauen anspreche (Urk. 11/5 S. 5). Er sei sich nicht sicher, ob
G._, als er die Wohnung verlassen habe, bereits schlafen gegangen sei. Sie
habe einen Gruss in die Runde geschickt, wonach sie sich ein bisschen zurück-
ziehen werde und ab da habe er sie nicht mehr gesehen (Urk. 11/5 S. 6).
8. Aussagen von E._
E._ wurde am 28. November 2018 auf dem Rechtshilfeweg als Zeugin ein-
vernommen. Dabei gab sie zu Protokoll, sie habe in der fraglichen Nacht mit der
Privatklägerin und G._ abgemacht, in die Stadt (Zürich) zu gehen. Sie habe
zuerst G._ getroffen, dann hätten sie die Privatklägerin am Bahnhof abgeholt
und seien in die Wohnung des Beschuldigten gegangen. Sie seien dort zu viert
gewesen und hätten Wein und Bier getrunken. Sie hätten eine Weile in der Woh-
nung bleiben und dann in die Stadt gehen wollen. Die Befragte habe an diesem
Tag erst in der Wohnung des Beschuldigten Alkohol getrunken. Sie glaube auch
nicht, dass die Privatklägerin vorher Alkohol getrunken habe, sei sich aber nicht
zu 100 % sicher. Man habe der Privatklägerin nicht angemerkt, dass die getrun-
ken hätte. Die Befragte wisse nicht, wieviel Alkohol sie in dieser Wohnung getrun-
ken habe, mit Sicherheit zu viel und das habe sie plötzlich gemerkt. Als sie fest-
gestellt habe, dass es ihr nicht gut gehe, habe sie aufgehört zu trinken. Sie glau-
be, die Privatklägerin habe mehr als sie getrunken; sie könne jedoch nicht sagen
wieviel. Die Privatklägerin sei stärker betrunken gewesen als sie, darum glaube
sie, diese habe mehr getrunken. Am nächsten Tag habe sie sich an alles erinnert
und sie sei im Stande gewesen, nach Hause zu gehen; die Privatklägerin nicht.
Die Privatklägerin habe vorgehabt, am nächsten Tag nach München zu fahren
und habe bei G._ in dieser Wohnung übernachten dürfen. Sie glaube, sie
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hätten Bier und Wein getrunken. Später habe der Beschuldigte ihnen komische
Alkohole angeboten. Sie könne sich nicht erinnern, ob sie Wodka oder Scotch ge-
trunken hätten. Sie habe sich betrunken gefühlt. Die Privatklägerin sei zu 100 %
betrunken gewesen. Sie habe undeutlich gesprochen und die Befragte habe sich
nicht mit ihr verständigen können. Die Privatklägerin habe nicht verstanden, was
sie zu ihr gesagt habe und sie habe nicht verstanden, was die Privatklägerin ge-
sagt habe. Die Privatklägerin sei stark betrunken gewesen. In ihrer Anwesenheit
habe die Privatklägerin nicht erbrochen. Nach 3.00 Uhr in der Nacht sei die Pri-
vatklägerin auf dem Sofa eingeschlafen. Das sei im gleichen Zimmer gewesen, in
dem sie gewesen seien. Es sei das Zimmer gewesen, das mit der Küche verbun-
den gewesen sei. Sie hätten eher nicht getanzt. Sie könne sich nicht erinnern,
aber die Privatklägerin und der Beschuldigte hätten eher nicht getanzt. In Anwe-
senheit der Befragten habe die Privatklägerin den Beschuldigten sicher nicht ge-
küsst. Als sie mit der Privatklägerin im Badezimmer gewesen sei, habe diese ihr
gesagt, der Beschuldigte habe sie geküsst. Die Privatklägerin sei darüber sehr
überrascht gewesen, da die Freundin des Beschuldigten anwesend gewesen sei.
Die Befragte habe keine Küsse oder andere Annäherungen gesehen. Um 3.00
Uhr oder nach 3.00 Uhr seien zwei Kollegen zum Beschuldigten gekommen. Die-
se müssten um ca. 3.30 Uhr gegangen sein. Als sie um 3.40 Uhr gegangen sei,
seien die beiden nicht mehr da gewesen. Die Kollegen seien vielleicht auch früher
gekommen. Sie könne sich nur noch vage erinnern. Die Befragte könne sich da-
ran erinnern, dass G._ um ca. 1.00 Uhr eingeschlafen sei und der Beschul-
digte sie ins Schlafzimmer gebracht habe. Sie seien dann zu dritt (die Befragte,
die Privatklägerin und der Beschuldigte) im Partyzimmer verblieben, hätten Alko-
hol getrunken, Musik gehört und draussen Zigaretten geraucht. Nach Mitternacht
sei der Beschuldigte schon betrunken gewesen, wie stark könne sie nicht sagen.
Man habe ihm dies angemerkt. Sie hätten sich weiter unterhalten bis nach Mitter-
nacht. Als sie gegangen sei, habe die Privatklägerin geschlafen und der Beschul-
digte habe fast geschlafen. Sie habe versucht, die Privatklägerin zu wecken, um
ihr zu sagen, dass sie gehe. Dies sei ihr nicht gelungen. Sie habe die Privatkläge-
rin geschüttelt und habe ihren Namen gerufen. Sie habe darauf nicht reagiert und
habe weiter geschlafen. Am nächsten Tag habe die Privatklägerin ihr eine SMS
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ge schrieben, wonach sie den Bus nach München verpasst habe und sich verge-
waltigt fühle, weil sie Geschlechtsverkehr ohne ihr Einverständnis gehabt habe.
Die Privatklägerin habe ihr weiter mitgeteilt, dass sie erwacht sei, als der Be-
schuldigte sie entkleiden wollte. Sie sei bewusstlos gewesen und habe sich nicht
wehren können. Es habe den Eindruck gemacht, dass ihr das bewusst wurde, sie
aber nicht sagen konnte, um welche Zeit dies geschah. In dieser Nacht habe die
Privatklägerin sie angerufen. Die Befragte habe das Telefon auf lautlos gestellt
gehabt und es daher nicht abgenommen. Sie habe die Privatklägerin gefragt, ob
der Telefonanruf vor oder nach dem Vorfall gewesen sei und weshalb sie sie an-
gerufen habe. Die Privatklägerin habe es ihr nicht sagen können (Urk. 92).
9. Chat zwischen E._ und der Privatklägerin
Im Folgenden wird auszugsweise der Chat zwischen der Privatklägerin (PKin) und
E._ (E._) wiedergegeben (Urk. 15/2):
" [24. September 2016]
PKin: What happened yesterday? What time did you go??? I had sex with someone,
and feel raped [weinendes Smiley] They woke me up at 7, and I was way too
late to catch my bus. Worst day ever [08.26]
E._: What the hell??!! I left before 4, G._ was sleeping, you were sleeping,
I was trying to wake you up but couldn't, I was not feeling good, I was drunk as
fuck [08.31]
E._: And on my way back and fell down and ripped my trousers.. :p [08.31]
PKin: Omg [08.31]
PKin: I don't remember anything [08.31]
[...]
PKin: Yeah I remember having sec with him und G._ coming in the living room
very mad of course [08.32]
PKin: Sex [08.32]
PKin: I feel terrible [08.32]
PKin: I missed the bus this morning [08.33]
PKin: And I'm on my period, so of course I didn't want to have sex [08.33]
[...]
E._: And G._ saw it?? [08.35]
PKin: But I remember this [08.35]
- 36 -
PKin: Yes she came in the living room [08.35]
PKin: And I couldn't say anything [08.36]
PKin: I just passed out [08.36]
[...]
E._: What did G._ say [08.38]
PKin: Nothing. She woke me up at 7, and said she tried to wake me up earlier to
catch my bus, but I didn't wake up. So when I woke up she helped me find my
stuff so I could go [08.40]
[...]
[25. September 2016]
[...]
PKin: No I don't blame you at all. It's my own fault you know. I'm not sure what hap-
pened, because I don't remember anything [weinendes Smiley] [02.40]
[...]
E._: But you don't remember if they were fighting when she found out? [17.02]
PKin: No I only remember her being mad, and I'm passing out again before leaving at
7 [17.03]
[...]
E._: Maybe you should tell her [17.11]
E._: That he basically forced you [17.11]
E._: Or at least used the fact that you were drunk [17.12]
PKin: But I didn't do anything to stop it, that's what's killing me, I feel really guilty
[17.12]
[...]
PKin: I just talked to my close friend about it. She said I should go to the police
[17.53]
[...]
E._: I was leaving around 3:40, and at that time he was the only one there [19.16]
E._: And also, you said G._ was mad when she saw you [19.16]
[...]
E._: Two other guys left earlier, I think they were supposed to go somewhere later
but I'm not sure [19.17]
PKin: There were two other? I only remember the Turk [19.18]
E._: Later one other came [19.18]
E._: And I don't know, he was asking me what I want to do and when my train is
and he was talking something to me but I don't remember well [19.19]
E._: And then the Turk and this other one left somewhere [19.19]
PKin: I can't remember anything from before that [19.19]
[...]
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PKin: And I just lay down to sleep too? [19.21]
PKin: That's so weird [19.22]
E._: Yep, on the couch [19.22]
E._: And I wanted to wake you up but couldn't [19.22]
[...]
PKin: Ah I'm so confuse. What will I honestly get out of reporting him? It won't make
me forget it, I'm never gonna see him again anyway. Should I ruin his life be-
cause of this? [23.23]
[...]
[26. September 2016]
[...]
PKin: G._ supported me [11.48]
E._: Did she? Wow that's nice [12.14]
PKin: But now she just wrote me a shit text about how I wanted it and stuff, because
she clearly spoke to him [13.11]
[...]
E._: I'm trying to get all of this together but it doesn't make much sense [wütendes
Smiley] all I can say is when I was leaving you were passed out completely so
if he did it right after I left then you couldn't be awake. But he was falling asleep
too so I don't know. Anyways, you would know if you did it willingly so come on,
you can't be wrong.. [16.20]
[...]
[27. September 2016]
[...]
E._: Seriously, I had to delete all the photos and stuff cause now when I look at him
I'm so grossed out [13.00]
PKin: Yeah I know. I'm just much more sad today [13.00]
PKin: You have photos of him? You actually shouldn't delete them [13.01]
E._: What should I do with them? I actually have one with you kissing him on the
cheek so I don't know if it's good [13.01]
PKin: Omg really? [weinende Smileys] [13.02]
PKin: Yeah I don't know then [13.02]
PKin: Fuck man that's not good [13.02]
E._: Yep, but it wasn't anything serious, it was just for lols so so wouldn't be worried
about it [13.03]
E._: Just because of that it doesn't mean you wanted to have sex with him, come on
[Smiley] [13.03]
PKin: No I know. But still... [13.03]
E._: It's nothing [13.05]
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PKin: But he might have thought that I liked him [13.05]
E._: that's his fucking problem then [13.06]
PKin: I still can't remember anything [13.07]
[...]"
9. Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin
Gemäss Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin vom
14. Oktober 2016 (Urk. 13/5) konnten bei der forensisch-gynäkologischen Unter-
suchung vom 26. September 2016 keine Verletzungen oder auffälligen Sekret-
antragungen im Genital- und Analbereich festgestellt werden. Allerdings müssten
bei einer Frau im geschlechtsreifen Alter auch bei einem unfreiwilligen, vaginalen
Geschlechtsverkehr nicht zwingend Verletzungen resultieren. Die festgestellten
Blutergüsse am linken Oberarm (ca. 8 cm x 2 cm) und am linken Unterschenkel
(ca. 5 cm x 2 cm) sind aufgrund ihrer Erscheinung zeitlich wenigstens etwa 3⁄4 Tag
alt und damit mit dem angegebenen Entstehungszeitraum vereinbar.
10. Berechnungen der Blutalkoholkonzentrationen
Anlässlich der Hauptverhandlung vom 5. Juli 2018 reichte die Verteidigerin des
Beschuldigten zwei selbst eingeholte Gutachten zur Berechnung der Blutalkohol-
konzentration der Privatklägerin und des Beschuldigten ein (Urk. 69/1; Urk. 69/2).
Betreffend die Privatklägerin kommt der Gutachter zum Schluss, die Privat-
klägerin sei eine an Alkohol gewohnte Person, weil sie am Tag des Ereignisses
am Oktoberfest 2,5 Liter Bier getrunken habe. Gemäss Angaben der Befragten,
sei das Opfer nie weggetreten oder bewusstlos gewesen; insbesondere habe
man nicht die Ambulanz rufen müssen. Die Resultate der theoretischen Berech-
nungen würden gegen die Angaben der Privatklägerin sprechen, wonach sie sich
nicht mehr habe wehren können. Hingegen würden die Resultate für die Richtig-
keit der Erklärungen des Beschuldigten sprechen, wonach die Privatklägerin aktiv
mitgemacht habe und nicht weggetreten gewesen sei (Urk. 69/1). Zum Beschul-
digten hält der Gutachter fest, dass dieser keine exakten Angaben zur Trinkmen-
ge machen könne. Erst in der Einvernahme, welche vier Monate nach dem Vorfall
erfolgt sei, würden sich genauere Angaben zur Trinkmenge finden. Die Resultate
- 39 -
theoretischer Blutalkoholkonzentrationen seien unter diesen Umständen nur als
grobe Richtwerte verstehen. Insbesondere sei es seines Erachtens kaum mög-
lich, dass der Beschuldigte 330 ml Wodka getrunken habe. Diese Menge sei zu
hoch, weil bei dieser Trinkmenge gegen Ende der Anflutungsphase mit dem Auf-
treten von Symptomen einer schweren Alkoholvergiftung gerechnet werden müs-
se. Dass sich der Beschuldigte an den Geschlechtsakt erinnern und den Beischlaf
noch habe vollziehen können, sich allerdings betrunken gefühlt habe, spreche
gegen das Vorliegen einer maximalen BAK gemäss der Resultate-Tabelle. Zu-
sammenfassend könne festgehalten werden, dass die theoretische Berechnung
der BAK des Beschuldigten für die Richtigkeit seiner Angabe, sich betrunken ge-
fühlt zu haben spricht. Die angegebene Menge von 330 ml Wodka sei jedoch zu
hoch und kaum wahrscheinlich. Die Angaben zum Trinkverhalten und die Resulta-
te der theoretischen Berechnungen würden aus forensisch-toxikologischer Sicht
auf eine verminderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten deuten (Urk. 69/2).
III. Aussage- und Beweiswürdigung
1. Betreffend die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung kann vollumfäng-
lich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 52
S. 6 ff.).
2. Glaubwürdigkeit
2.1 Was die generelle Glaubwürdigkeit des Beschuldigten anbelangt, ist zu be-
rücksichtigen, dass der Beschuldigte – direkt in das vorliegende Strafverfahren in-
volviert und an seinem Ausgang naturgemäss am meisten interessiert – versucht
sein könnte, sich durch seine Aussagen in einem möglichst günstigen Licht er-
scheinen zu lassen. Entsprechend sind seine Aussagen mit der gebotenen Zu-
rückhaltung zu würdigen. Dies darf jedoch nicht zur Folge haben, dass der gene-
relle Schluss gezogen wird, die Aussagen des Beschuldigten seien deshalb stets
mit grosser oder grösster Zurückhaltung zu würdigen. Dies liefe auf eine rechts-
staatlich unhaltbare Benachteiligung des Beschuldigten hinaus, indem zumindest
der Anschein oder Eindruck erweckt würde, man glaube ihm von vornherein we-
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niger als etwa einem Belastungszeugen. Die besondere Motivationslage ist den-
noch insofern von Belang, als der Beschuldigte bei einzelnen Sachverhaltsberei-
chen ein zusätzliches und offenkundiges Interesse haben kann, nicht die Wahr-
heit zu sagen, was bei einem blossen Zeugen in der Regel nicht der Fall ist.
2.2 Die Privatklägerin machte ihre Aussagen unter Strafandrohung (Art. 303–305
StGB), was zu keiner erhöhten Glaubwürdigkeit führt. Sie hat den Beschuldigten
erst während der Hausparty am 23./24. September 2016 kennengelernt und un-
terhielt zum Beschuldigten keine Beziehung. Zudem verlangt die Privatklägerin
eine Genugtuung. Sie hat daher am vorliegenden Verfahren ein finanzielles Inte-
resse. Alleine aus diesem Umstand, der bei sehr vielen Privatklägern vorliegt, ist
jedoch nicht auf eine herabgesetzte Glaubwürdigkeit zu schliessen. Mit der Vor-
instanz ist anzumerken, dass es zwar grundsätzlich eher ungewöhnlich erscheint,
dass die Privatklägerin nach der angeblichen Schändung am nächsten Tag ans
Oktoberfest nach München reiste und dort weiter Alkohol konsumierte (act. 11/2
S. 15). Daraus allerdings Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Person der Privat-
klägerin zu begründen und festzustellen, dass sich so kein Opfer eines Sexual-
delikts verhalte, geht nicht an. So darf ein solches Verhalten nicht – und schon
gar nicht zum Nachteil der Privatklägerin – gewertet werden. Mutmassungen über
dieses Verhalten sind ebenfalls keine anzustellen. Entsprechend kann aus die-
sem Verhalten nicht auf die Persönlichkeit oder die Glaubwürdigkeit der Privat-
klägerin geschlossen werden. Massgebliches Kriterium bildet aber ohnehin die
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
2.3 G._, H._ und I._ wurden bei der Staatsanwaltschaft unter der
Strafandrohung von Art. 307 StGB einvernommen, was ihnen jedoch keine erhöh-
te Glaubwürdigkeit verleiht. G._ ist die Freundin des Beschuldigten. H._
und I._ sind beide gute Kollegen des Beschuldigten. Alle haben allenfalls ein
Interesse daran, den Beschuldigten in einem guten Licht erscheinen zu lassen.
Dies schadet ihrer Glaubwürdigkeit nicht ohne Weiteres. Massgeblich ist auch bei
ihnen ohnehin die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
2.4 E._ wurde unter Hinweis auf die strafrechtlichen Folgen einer falschen
Aussage als Zeugin einvernommen. Dies verleiht ihr ebenfalls keine erhöhte
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Glaubwürdigkeit. E._ ist eine Kollegin der Privatklägerin und von G._.
Seit dem Vorfall hatte sie jedoch nur noch Kontakt zur Privatklägerin. Sie hat al-
lenfalls ein Interesse daran, die Aussagen der Privatklägerin zu stützen. Dies
schadet ihrer Glaubwürdigkeit nicht ohne Weiteres. Massgeblich ist die Glaubhaf-
tigkeit ihrer Aussagen.
3. Aussagen des Beschuldigten
3.1 Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte den groben
Ablauf des Abends in seinen Aussagen gleichlautend schildert. Er und die Privat-
klägerin hätten zusammen getanzt, gegenseitig Zärtlichkeiten ausgetauscht, sich
gegenseitig geküsst und ausgezogen. Es sei zum vaginalen Geschlechtsverkehr
gekommen. Letzterer habe damit geendet, dass seine Freundin, G._, im
Wohnzimmer aufgetaucht sei (Urk. 4 S. 2; Urk. 11/1 S. 2; Prot. I S. 15 ff.).
Der Beschuldigte wurde erstmals am 27. September 2016 durch die Polizei ein-
vernommen. Diese Einvernahme erfolgte für den Beschuldigten nicht überra-
schend. Am 26. September 2016 trafen sich die Privatklägerin und G._ zu
einem rund einstündigen Gespräch. Dabei teilte die Privatklägerin G._ mit,
dass sie die Vergewaltigung zur Anzeige bringen werde. Nach diesem Gespräch
hat G._ mit dem Beschuldigten telefoniert und ihm vom Vorhaben der Privat-
klägerin erzählt (Urk. 6 S. 4). Dem Beschuldigten blieb genügend Zeit, sich Ge-
danken zu seinen anstehenden Aussagen zu machen.
3.2 Die Aussagen des Beschuldigten weisen Widersprüche auf, was gegen die
Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten spricht. So führte er zunächst
aus, dass zuerst seine beiden Kollegen die Hausparty verlassen hätten. Später
habe sich E._ verabschiedet und seine Freundin sei bald ins Bett gegangen
(Urk. 4 S. 3). Demgegenüber ist gemäss seiner staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme zunächst seine Freundin schlafen gegangen und anschliessend hätten
seine beiden Kollegen und später dann E._ die Wohnung verlassen (Urk.
11/1 S. 2).
Bei der Polizei machte der Beschuldigte geltend, nachdem alle anderen ge-
gangen seien, hätten er und die Privatklägerin noch etwas zur Musik getanzt und
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seien in der Folge auf dem Sofa gelandet. Dort habe er mit der Privatklägerin ge-
trunken und gesprochen. Er könne nicht mehr genau sagen, ob die Privatklägerin
damals wach gewesen oder geschlafen habe (Urk. 4 S. 2). Gegenüber dem
Staatsanwalt führte er im Widerspruch dazu aus, er und die Privatklägerin hätten
Zärtlichkeiten ausgetauscht, sich intim berührt und geküsst, nachdem seine
Freundin schlafen gegangen sei und seine Kollegen und E._ noch anwesend
waren (Urk. 11/1 S. 2). Wiederum im Widerspruch dazu fügte der Beschuldigte
an, er habe schon im Blickfeld seiner Freundin lasziv mit der Privatklägerin ge-
tanzt und sie seien sich näher gekommen (Urk. 11/1 S. 4). Anlässlich der vo-
rinstanzlichen Hauptverhandlung führte der Beschuldigte dann aus, er könne nicht
mit Sicherheit sagen, ob jemand die ausgetauschten Zärtlichkeiten beobachtet
habe (Prot. I S. 15 ff.).
Erst in seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme führte der Beschuldigte aus,
dass es vor dem Geschlechtsverkehr noch zu Oralverkehr gekommen sei
(Urk. 11/1 S. 2). Auf diesen Umstand angesprochen meinte der Beschuldigte,
dass es möglich sei, dass er sich dort noch nicht habe daran erinnern können
oder er es nicht als relevant angeschaut habe (Prot. I S. 18). In der Berufungsver-
handlung wurde der Beschuldigte aufgefordert zu erzählen, was in dieser Nacht
alles passierte. Dabei erwähnte er den Oralverkehr nicht (Urk. 67 S. 5). Erst auf
explizite Frage antwortete er, er könne nicht mehr die einzelnen Schritte nennen,
wie es zum Oralverkehr gekommen sei. Er wisse nur noch, dass es dazu gekom-
men sei (Urk. 67 S. 9).
In seiner polizeilichen Einvernahme schildert der Beschuldigte, er habe nicht das
Gefühl gehabt, dass die Privatklägerin den Geschlechtsverkehr mit ihm nicht ge-
wollt habe (Urk. 4 S. 2). Im Gegensatz dazu führte der Beschuldigte bei der
Staatsanwaltschaft aus, die Privatklägerin habe Andeutungen gemacht, ihn zu
sich hingezogen und die Beine breit gemacht (Urk. 11/1 S. 8).
Bei der Polizei schildert der Beschuldigte, er habe am nächsten Morgen ein Ge-
spräch zwischen seiner Freundin und der Privatklägerin gehört, wonach sich die
Privatklägerin bei seiner Freundin entschuldigt und ihr erklärt habe, sie müsse auf
den Zug nach München ans Oktoberfest (Urk. 4 S. 4). Demgegenüber schildert
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der Beschuldigte bei der Staatsanwaltschaft zwei Unterhaltungen zwischen seiner
Freundin und der Privatklägerin. Eine nachdem die Freundin den Geschlechtsver-
kehr zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten entdeckte und eine am
nächsten Morgen (Urk. 11/1 S. 3).
3.3 Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte mit jeder
Einvernahme den Part der Privatklägerin steigend aktiv darstellt. Der Beschuldigte
führte zunächst aus, sie hätten zusammen gesprochen, getrunken, getanzt und
dann habe das Eine das Andere ergeben. So habe es mit gegenseitigem Strei-
cheln, sich anfassen, gegenseitigem Küssen und Ausziehen der Kleider begon-
nen und schliesslich mit dem Geschlechtsakt geendet (Urk. 4 S. 2). Im Rahmen
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme wird die Schilderung der Zärtlichkeiten
detaillierter, so hätten sie Zärtlichkeiten ausgetauscht, sich intim berührt und ge-
küsst. Die Rolle der Privatklägerin wird sodann offensiver umschrieben. So habe
diese mit ihrem Gesäss an seinem Glied gerieben. Sie habe mit ihren Händen
sein Gesäss umfasst und seine Brust gestreichelt (Urk. 11/1 S. 5). Ebenfalls erst
im Rahmen der zweiten Einvernahme führt der Beschuldigte aus, dass die Privat-
klägerin an ihm den Oralverkehr ausgeführt habe. Die Privatklägerin habe ihn ak-
tiv zu sich hingezogen und die Beine breit gemacht (Urk. 11/1 S. 2 und 8). Die
Privatklägerin habe sich unter Kontrolle gehabt, da sie nie gelegen, sondern im-
mer gestanden sei. Während des Geschlechtsverkehrs habe die Privatklägerin
ihn gepackt, gestöhnt und öfters die Augen offen gehabt (Urk. 11/1 S. 5 f.). Zu-
dem habe sich G._ nach dem Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin un-
terhalten (Urk. 11/1 S. 3). An der Hauptverhandlung vor Vorinstanz ergänzte er,
die Privatklägerin habe an seinen Kleidern die Knöpfe geöffnet (Prot. I S. 21). Zu-
dem seien sie sich nicht erst auf dem Sofa näher gekommen, sondern bereits
vorher irgendwo in der Wohnung. Sie sei immer gestanden. Danach auf dem Sofa
hätten sie sich geküsst und die Privatklägerin habe nicht geschlafen. Sie hätten
sich gegenseitig die Kleider ausgezogen und hätten dann Oralsex gehabt. Die
Privatklägerin sei nicht passiv, sondern auf der aktiven Seite gewesen. Sie habe
sich von alleine bewegt, habe ihre Hand benutzt und keinerlei Anzeichen eines
Blackout gezeigt. Sie sei eigentlich bei Bewusstsein gewesen und sei sich be-
wusst gewesen, was sie mit ihm mache (Prot. I S. 17 ff.). Durch dieses Aussage-
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verhalten des Beschuldigten entsteht der Eindruck, dass der Beschuldigte die
Notwendigkeit erkannt hat, den aktiven Part der Privatklägerin verstärkt zu beto-
nen. Dass der aktive Part der Privatklägerin mit jeder Einvernahme gesteigert
wird, spricht gegen die subjektive Wahrheit. Vielmehr wäre zu erwarten gewesen,
dass die Erinnerung des Beschuldigten immer mehr verblasst, je weiter man sich
zeitlich vom Vorfall entfernt.
3.4 Auffallend am Aussageverhalten des Beschuldigten ist, dass viele seiner
Schilderungen, insbesondere betreffend die für den vorliegenden Fall zentrale
Frage, inwiefern die Privatklägerin aufgrund ihrer Trunkenheit überhaupt ihren
Willen zum intimen Verkehr mit ihm äussern konnte und wann die Privatklägerin
wach war, unsicher und unklar erfolgten und sich in seinen Aussagen viele Relati-
vierungen finden. In der polizeilichen Einvernahme gab er zögernd an, dass es
schwierig zu sagen sei. Aus dem Umstand, dass die Privatklägerin die Zärtlich-
keiten mitmachte, schloss er, dass sie auch in der Lage gewesen wäre, diese ab-
zulehnen. Er sei ziemlich sicher, dass die Privatklägerin mitgemacht habe. Er
könne nicht genau sagen, ob die Privatklägerin auf dem Sofa wach gewesen sei
oder geschlafen habe (Urk. 4 S. 2). Auch in der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme räumte der Beschuldigte ein, dass er nicht sagen könne, ob sich die
Privatklägerin noch unter Kontrolle hatte oder nicht. Aus dem Umstand, dass sie
aber nie gelegen, sondern immer gestanden sei, schliesse er, dass sie sich unter
Kontrolle gehabt habe. Sie sei glücklich und bei Bewusstsein gewesen (Urk. 11/1
S. 5). Erneut sagte der Beschuldigte vor der Staatsanwaltschaft aus, dass die Pri-
vatklägerin auf dem Sofa, als er zu ihr kam, gesessen oder geschlafen habe und
er sich "ziemlich" sicher sei, dass sie die Zärtlichkeiten erwiderte (Urk. 11 S. 2 und
6). Nachdem er mit ihr gesprochen und sie gestreichelt habe, sei sie aufgewacht
(Urk. 11 S. 2). Auch vor Vorinstanz machte der Beschuldigte viele seiner Aus-
sagen sehr zurückhaltend und verwendete Floskeln wie "meiner Meinung nach",
"soweit ich mich erinnern kann" und "ich meine". Auch betreffend den Zustand der
Privatklägerin, bevor es zum Akt kam, erklärte der Beschuldigte, nicht zu wissen,
ob die Privatklägerin wach, halb wach oder schlafend gewesen sei – er habe sie
irgendwie "wachbringen" müssen. Damit es zum Akt habe kommen können, habe
sie irgendwie zu sich kommen müssen. "Dort" sei sie schon bei sich gewesen
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(Prot. I S. 17). Auf seine Relativierungen angesprochen erklärte der Beschuldigte,
dass dies sei, weil er stark alkoholisiert gewesen sei und er dies deshalb aus sei-
ner Sicht sage. Nachdem sich der Beschuldigte immerhin so weit beherrschen
konnte, um den Geschlechtsverkehr zu vollziehen, führte er vor Vorinstanz aus, er
könne sich nur bruchstückhaft an den Abend erinnern. Indessen könne er sich an
die intimen Handlungen teilweise noch gut erinnern (Prot. I S. 20). Nachdem sich
der Beschuldigte an die intimen Handlungen zumindest teilweise noch gut erin-
nern kann, erstaunt es doch sehr, dass er zum Zustand der Privatklägerin im
Zeitpunkt der intimen Handlungen keine klareren Angaben machen kann. Immer-
hin kann sich der Beschuldigte auch zweifelsfrei daran erinnern, dass er kein Prä-
servativ benutzt hat (Prot. I S. 21).
3.5 Beim Aussageverhalten des Beschuldigten fällt auf, dass keine Selbstbe-
lastungen oder kritisches Hinterfragen seiner Handlungen erfolgen. Im Gegenteil
scheint es fast so, als wolle er die Privatklägerin für die sexuellen Handlungen
verantwortlich machen, führte er doch aus, die Privatklägerin sei eigentlich bei
Bewusstsein gewesen und sei sich bewusst gewesen, was sie mit ihm mache
(Prot. I S. 19). Dies spricht gegen die subjektive Wahrheit.
3.6 Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass die Äusserungen des Be-
schuldigten, wie es vom Austauschen der Zärtlichkeiten zum Geschlechtsverkehr
kam, sehr detailarm sind und es ihnen an einer emotionalen Einbettung resp.
Wertung fehlt. Namentlich fehlen Schilderungen zu seiner Gefühlslage wie bei-
spielsweise, dass er aufgrund des Verhaltens der Privatklägerin erregt gewesen
wäre, dass ihn das offensive Verhalten verwundert habe oder ähnliche Schilde-
rungen, welche auf einen realen Erlebnishintergrund schliessen liessen. Vielmehr
beschränkte sich der Beschuldigte darauf, im Rahmen der Schilderung des ei-
gentlichen Geschlechtsakts darzutun, dass die Privatklägerin gestöhnt habe und
er sich an die einzelnen Schritte nicht erinnern möge – und auch dies erklärte er
erst auf explizite Nachfrage (Urk. 11/1 S. 6 und 8). Betreffend die Mimik der Pri-
vatklägerin und deren Verhalten während des Geschlechtsverkehrs fehlt es gänz-
lich an spontanen Schilderungen. Diesbezüglich beschränkte sich der Beschuldig-
te auf die knappe Aussage, dass sie öfters die Augen offen gehabt habe
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(Urk. 11/1 S. 6). Auch die Schilderung, dass diese nicht passiv, sondern aktiv ge-
wesen sei, erfolgte erst auf explizites Nachfragen (Prot. I S. 19) und lässt an wei-
tergehenden Ausführungen, woraus sich dieser aktive Part im konkreten ergibt,
vermissen. Diese Detailarmut zum intimen Verkehr mit der Privatklägerin ist inso-
fern schwer nachzuvollziehen, als sich der Beschuldigte eher präzise an Ereignis-
se kurz nach dem Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin zu erinnern ver-
mochte. So war er in der Lage, die Worte von G._ zu zitieren ("A._, was
machst du da") und über das Detail zu berichten, dass er nach dem Vorfall im
Schlafzimmer die Tür einen Spalt offengelassen hatte und eine Unterhaltung zwi-
schen der Privatklägerin und G._ gehört habe (Urk. 11/1 S. 2). Unter diesen
Umständen wäre es naheliegend gewesen, dass sich der Beschuldigte auch an
die einzelnen Schritte bis zum Geschlechtsverkehr und beispielsweise die Mimik
oder Gestik der Privatklägerin detaillierter und spontaner hätte erinnern mögen,
zumal er selber ausführt, sich an die intimen Handlungen teilweise noch gut erin-
nern zu können.
Die einzige Äusserung des Beschuldigten, in welcher er Gefühle äussert, erfolgt
im Zusammenhang mit seiner Freundin. Er erklärte, dass es ihm leid tue, was
passiert sei, denn er und G._ seien ein Paar. Eigentlich handelt es sich hier-
bei mehr um Selbstmitleid, weil ihm offenbar bewusst ist, dass er seine Beziehung
zu seiner Freundin möglicherweise aufs Spiel setzte. Gleich anschliessend ver-
sucht er sein Handeln zu rechtfertigen, indem er angibt, wegen des Alkoholkon-
sums nicht mehr ganz Herr seiner Sinne gewesen zu sein (Urk. 4 S. 2 f.). Dies al-
les spricht gegen die subjektive Wahrheit.
3.7 Beim Aussageverhalten des Beschuldigten fällt auch auf, dass er bei Vorhal-
ten von Aussagen anderer seine eigenen Aussagen anpasst. So sagte der Be-
schuldigte, die Privatklägerin und G._ hätten nach dem Geschlechtsverkehr
noch miteinander gesprochen. Darauf angesprochen, dass sich dies nicht mit der
Schilderung der Privatklägerin decke, relativierte er, dass er nicht genau wisse, ob
das Gespräch noch an jenem Abend oder erst am Morgen danach stattgefunden
habe (Prot. I S. 22). Bei der Staatsanwaltschaft führte der Beschuldigte aus, die
Zärtlichkeiten zwischen ihm und der Privatklägerin seien soweit gegangen, dass
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seine beiden Kollegen die Wohnung irgendwann verlassen hätten (Urk. 11/1 S.
2). Darauf angesprochen, dass die beiden Kollegen ausgesagt hätten, die Privat-
klägerin habe für sich alleine getanzt und sie hätten ihn nicht tanzen sehen, er-
klärte dieser, nicht mehr zu wissen, welche Personen ihn gesehen hätten, als er
mit der Privatklägerin getanzt habe (Prot. I S. 15).
4. Aussagen der Privatklägerin
4.1 Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin kei-
ne wesentlichen Widersprüche aufweisen. Sie erzählte konstant, dass sie an der
Hausparty am 23./24. September 2016 viel getrunken habe, sich ab einem gewis-
sen Zeitpunkt an nichts mehr erinnern könne, eingeschlafen und alles schwarz
geworden sei (Urk. 2 S. 2 ff.; Urk. 11/2 S. 4). Sie sei erst wieder für kurze Zeit
aufgewacht, als der Beschuldigte in sie eingedrungen sei und den Geschlechts-
verkehr mit ihr vollzogen habe (Urk. 2 S. 4; Urk. 11/2 S. 4 f.). Die Antworten auf
die Fragen bei der polizeilichen Einvernahme fielen eher knapp und insgesamt
wenig spontan aus (Urk. 2 S. 1 ff.), und die Privatklägerin kann kaum Angaben zu
den Geschehnissen des fraglichen Abends machen. Indessen stimmt dieses Aus-
sageverhalten mit ihrer Schilderung, erhebliche Mengen Alkohol konsumiert, ein-
geschlafen und sich ab da nicht mehr an die Ereignisse erinnern zu können und
nur noch einmal kurz aufgewacht zu sein, überein. Es ist einer solchen Situation
inhärent, dass sich bei den Personen bei solchen Erlebnissen nur noch wenige,
fragmentarische Erinnerungen finden. Auch ist zu berücksichtigen, dass das Er-
eignis zu diesem Zeitpunkt nur kurze Zeit zurücklag und die Privatklägerin den
Vorfall noch nicht eingeordnet und verarbeitet hatte. Dazu passt denn auch, dass
sich die Privatklägerin im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Befragung wieder
erinnern konnte, wie der Beschuldigte ihr die Hosen ausgezogen hat (Urk. 11/2
S. 17). Gerade bei derart traumatisierenden Erlebnissen kommt es vor, dass den
betroffenen Personen im Rahmen der Verarbeitung des Vorgefallenen weitere
Details in den Sinn kommen oder durch entsprechende Befragung Trigger gesetzt
werden, welche weitere Erinnerungen hervorrufen. Die Schilderung steht denn
auch nicht im Widerspruch zu den bisherigen Schilderungen der Privatklägerin,
sondern stellt lediglich eine Erweiterung dar, welche sich nahtlos in die bisher
gemachte Darstellung der Privatklägerin einfügt und zeigt, dass die Privatklägerin
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versucht ist, möglichst genau auszusagen und auch spätere, ihr in den Sinn
kommende Details nicht zu verschweigen. Bereits schon in der ersten Aussage
zeigte sich, dass die Privatklägerin bemüht war, auf Nachfrage Details zu schil-
dern, so beispielsweise, dass der Beschuldigte einmal mit dem Penis abgerutscht
und danach wieder in sie eingedrungen sei (Urk. 2 S. 4). Auch die auf Nachfragen
erfolgten Aussagen fügen sich nahtlos in die Schilderungen der Privatklägerin ein.
Insgesamt wirken die Schilderungen der Privatklägerin nachvollziehbar, ergeben
ein Ganzes und wirken homogen. Dies alles spricht für die Glaubhaftigkeit der
Aussagen der Privatklägerin.
4.2 Realitätskriterien in den Aussagen der Privatklägerin finden sich in den ge-
schilderten eigenen Gefühlen. So führte sie aus, sie habe sich geschämt, dass sie
den Beschuldigten nicht gestoppt habe. Sie habe es zunächst einfach vergessen
wollen und im ersten Moment nicht realisiert, dass die Situation ernst war. Sie füh-
le sich auch bezüglich G._ schlecht und schäme sich nach wie vor (Urk. 2 S.
6 f.). In der Schilderung des Kerngeschehens finden sich jedoch keine Gefühlsbe-
schreibungen der Privatklägerin. Dazu macht die Privatklägerin geltend, dass sie
in dieser Situation nicht in der Lage gewesen sei, die Situation zu bewerten, und
sie nicht wirklich realisiert habe, dass es falsch gewesen sei, was passierte, bzw.
dass sie durcheinander gewesen sei (Urk. 2 S. 4; Urk. 11/2 S. 4 und 13), was
aufgrund ihrer starken Alkoholisierung und des Umstandes, dass sie gerade auf-
gewacht war beziehungsweise geltend machte, noch im Halbschlaf resp. benebelt
gewesen zu sein (Urk. 2 S. 4; Urk. 11/2 S. 4), im Einklang steht
und nachvollziehbar ist. Die Privatklägerin betont denn auch konstant die passive
Rolle, welche sie im Moment des Aufwachens beim Geschlechtsverkehr mit dem
Beschuldigten eingenommen hatte. So führt die Privatklägerin aus, sie sei auf-
gewacht, weil er Sex mit ihr gehabt habe. Sie könne sich erinnern, dass er sie ge-
küsst habe und seinen Penis in sie gesteckt habe. Sie könne sich nicht erinnern,
wo seine Arme gewesen seien. Sie sei nur dagelegen und er habe Sex mit ihr ge-
habt. Sie habe darauf nicht reagiert. Sie habe gar nichts gemacht, als sie bemerkt
habe, dass der Beschuldigte den Geschlechtsverkehr an ihr vollzogen habe. Sie
habe nicht reagiert. Sie sei sich nicht sicher gewesen, was er ihr in diesem
Moment angetan habe und was genau passiert sei. Zwar habe sie realisiert, dass
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jemand an ihr den Geschlechtsverkehr vollzogen habe, doch habe sie erst, als
G._ in das Zimmer gekommen sei und den Beschuldigten weggerissen habe,
das Geschehen realisiert. Es habe sich um wenige Minuten gehandelt, vielleicht
weniger als eine Minute. Sie habe, als sie es realisiert habe, nichts gemacht.
G._ habe den Beschuldigten weggerissen und sie sei wieder eingeschlafen.
Sie sei in einem Zustand gewesen, in dem sie eigentlich immer noch geschlafen
habe. Sie könne sich nicht erinnern, welche Gedanken ihr durch den Kopf gegan-
gen seien (Urk. 2 S. 3 ff.; Urk. 11/2 S. 12 f.). Diese Schilderungen passen somit
zu dem von der Privatklägerin geschilderten Zustand, sich noch im Halbschlaf be-
funden zu haben. Gemäss Angaben der Privatklägerin hat sie erst am nächsten
Tag realisiert, dass die Situation für sie nicht in Ordnung gewesen sei. Somit ist
auch nachvollziehbar, dass die Privatklägerin nicht ausführt, bereits im Zeitpunkt
des Geschlechtsverkehrs schockiert gewesen zu sein.
4.3 Aus den obigen Erwägungen ergibt sich auch, dass die Privatklägerin ihre
Aussagen mit einer gewissen Zurückhaltung macht, ohne den Beschuldigten
übermässig zu belasten. So dramatisiert die Privatklägerin die Situation auch
nicht übermässig. Sie spricht nie davon, dass der Beschuldigte grobe Gewalt ge-
gen sie angewendet oder es zu weitergehenden sexuellen Handlungen gekom-
men sei.
4.4 Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin spricht auch, dass sie
das eigene Handeln selbstkritisch hinterfragt. Dies zeigt sich darin, dass sie wie-
derholt ausführte, sich für das Vorgefallene zu schämen und sich auch gegenüber
der Freundin des Beschuldigten schlecht zu fühlen (Urk. 2 S. 6 f.). Dies lässt er-
kennen, dass die Privatklägerin auch bei sich die Schuld für das Vorgefallene
sucht und es ihr peinlich ist, dass es so weit kam.
4.5 Die Privatklägerin zeichnet nicht generell ein negatives Bild des Beschuldig-
ten. So schilderte sie den Beschuldigten als netten und gastfreundlichen Typ
(Urk. 2 S. 7). Das spricht für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
4.6 Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass die Aussagen der Privatkläge-
rin zu ihrem weiteren Verhalten nach dem Vorfall logisch und lebensnah erschei-
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nen. Gemäss der Privatklägerin sei ihr erst am nächsten Morgen, als sie über die
Situation nachgedacht habe, klar geworden, dass das, was passiert sei, für sie
nicht in Ordnung gewesen sei und sie dies nicht gewollt habe (Urk. 2 S. 6;
Urk. 11/2 S. 7). Bevor die Privatklägerin den Beschuldigten anzeigte, suchte
sie noch das Gespräch mit ihren Freundinnen M._ und am Sonntag – nach
ihrer Rückkehr aus München – mit ihrer Freundin N._ aus Dänemark
(Urk. 11/2 S. 5 ff.). Ebenso versuchte sie das Vorgefallene zu rekonstruieren, was
sich einerseits aus dem SMS-Verkehr mit E._ (Urk. 11/2 S. 4 f.; vgl. auch
Urk. 15/2) und andererseits daraus ergibt, dass sie am Montag nach dem Vorfall
das Gespräch mit G._ suchte. Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass die
Privatklägerin nach dem geltend gemachten Vorfall verwirrt war und nach einer
helfenden Bezugsperson suchte. Dies spricht für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussa-
ge, dass das Geschehene mit dem Beschuldigten ohne ihren Willen erfolgt war.
Auch, dass sie sich auf Google informierte, wie sie in einem solchen Fall vorzu-
gehen hat, namentlich dass sie die Kleidung nicht wechseln und nicht duschen
sollte (Urk. 2 S. 6; Urk. 11/2 S. 14), zeigt, dass sie sich mit dem Vorgefallenen
auseinandersetzte, ehrlich schockiert darüber war und versuchte, sich der Situati-
on angemessen zu verhalten. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Privatklägerin den
Geschlechtsverkehr tatsächlich nicht wollte resp. dieser ohne ihren Willen statt-
fand, ist ihre Schilderung, an dem Tag ihre Menstruation bekommen und einen
Tampon benutzt zu haben, nach dem Vorfall aber nicht gewusst zu haben, wo
dieser sei und ob allenfalls der Beschuldigte diesen während dem Geschlechts-
verkehr hochgeschoben habe (Urk. 2 S. 6). Dass der Privatklägerin dieser Aspekt
in den Sinn kommt, lässt den Eindruck entstehen, dass sie sich allenfalls selbst
mit der Frage auseinandergesetzt hat, ob sie gewisse Zeichen an den Beschul-
digten, Sex zu wollen, gesendet hat und dass sie zum Schluss kommt, dass dies
schon aufgrund dieses Umstandes nicht der Fall sein konnte, da sie aufgrund ih-
rer Menstruation keinen Sex haben wollte. Ein solches differenziertes Hinterfra-
gen des eigenen Verhaltens zeigt sich auch in ihrer Schilderung, dass für sie nicht
in Frage gekommen wäre, sexuelle Andeutungen gegenüber dem Beschuldigten
zu machen, da dieser der Freund ihrer Freundin sei (Urk. 2 S. 5). Auch zeigte sie
sich ehrlich überrascht und ungläubig, als man ihr ihre angeblichen Annäherun-
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gen gegenüber dem Beschuldigten, welche dieser seinerseits schilderte, vorhielt,
weil sie sich in diesem Verhalten nicht erkannte und der Beschuldigte der Freund
von G._ ist.
4.7 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass auch die konstante Schilderung vom
Gespräch mit G._ am Montagmorgen nach dem Vorfall, als sie diese beim
McDonald's beim P._ getroffen hat für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der
Privatklägerin spricht. Die Privatklägerin erklärte G._, mit dem Geschlechts-
verkehr nicht einverstanden gewesen zu sein (Urk. 2 S. 5 f.; Urk. 11/2 S. 6). De-
tails, wie der Umstand, dass G._, welche die Freundin des Beschuldigten ist
und daher aus Sicht der Privatklägerin wohl von Anbeginn Grund gehabt haben
dürfte, den Beschuldigten zu schützen, ihr zuredete und ihr gar zur Anzeige ge-
gen den Beschuldigten mit den Worten, dies sei ein "wake-up call" geraten habe
(Urk. 11/2 S. 7), wirken authentisch und lebensnah. Ebenso, dass die Privatkläge-
rin Details weiss, wie dass der Beschuldigte von seiner Freundin offenbar die Er-
laubnis hatte, mit anderen Frauen Sex zu haben (Urk. 2 S. 8; Urk. 11/2 S. 6), und
dass G._ anscheinend gesagt haben soll, sich selbst überlegt zu haben, ob
der Beschuldigte psychologische Hilfe benötige (Urk. 11/2 S. 7), zeigt, dass die
beiden Frauen scheinbar ein sehr offenes Gespräch geführt haben. Auch die
Schilderung, sich aufgrund der Äusserungen von G._ erleichtert gefühlt zu
haben (Urk. 11/2 S. 6), erscheint als nachvollziehbare emotionale Reaktion. So
wurde der Privatklägerin in diesem Moment klar, dass die Freundin des Beschul-
digten, bei welcher es sich auch um ihre eigene Freundin handelte, die Gescheh-
nisse verstand und der Privatklägerin für das Vorgefallene nicht böse war. Es
würde denn auch einiges an erzählerischem Geschick benötigen, um solche Wor-
te und Details zu erfinden und es würde einiges an Dreistigkeit abverlangen, ein
solches Gespräch zu erfinden.
5. Aussagen von G._
5.1 G._ wurde erstmals am 28. Oktober 2016 durch die Polizei als Aus-
kunftsperson befragt, mithin mehr als einen Monat nach dem Vorfall. Zu diesem
Zeitpunkt kannte G._ bereits die Standpunkte des Beschuldigten und der
Privatklägerin. G._ traf die Privatklägerin noch bevor diese ihre Strafanzeige
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deponierte zu einem Gespräch. Anschliessend unterhielt sich die Zeugin wö-
chentlich mit dem Beschuldigten über den Vorfall. Auch nach den staatsanwaltli-
chen Einvernahmen informierte der Beschuldigte die Zeugin darüber, was die Pri-
vatklägerin und was er selbst aussagte (Urk. 11/3 S. 3). Mithin war G._ zwei
Monate vor ihrer Einvernahme als Zeugin über sämtliche Standpunkte des Be-
schuldigten und der Privatklägerin informiert.
5.2 G._ führte konstant aus, dass es im Laufe des Abends eine Annäherung
zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten gegeben habe. Sie habe be-
obachtet, wie die Privatklägerin den Beschuldigten angetanzt und diesen gezielt
am Körper berührt habe (Urk. 6 S. 3; Urk. 11/3 S. 6). Am frühen Morgen des 24.
September 2016 sei sie (G._) auf die Toilette gegangen. Von dort aus habe
sie den Geschlechtsverkehr zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten
gehört und sei dann ins Wohnzimmer gegangen (Urk. 6 S. 2; Urk. 11/3 S. 4). In
ihren Aussagen schilderte G._ auch Details, die auf selbst Erlebtes schlies-
sen lassen. So führte G._ aus, den Geschlechtsverkehr bereits vom Flur aus
in der Spiegelung eines Fensters beobachtet zu haben. Zudem seien lediglich die
Füsse des Beschuldigten und der Privatklägerin mit einer Decke bedeckt gewe-
sen (Urk. 6 S. 2; Urk. 11/3 S. 4).
5.3 Die Schilderungen von G._ enthalten aber auch zahlreiche Widersprüche
im Kerngeschehen. G._ führte in ihrer polizeilichen Einvernahme aus, dass
sie von der Toilette ins Wohnzimmer gegangen sei, da sie von dort Stimmen ge-
hört habe (Urk. 6 S. 2). Bei der Staatsanwaltschaft führte sie im Widerspruch dazu
aus, sie habe auf der Toilette gehört, wie die Privatklägerin laute Geräusche ge-
macht habe. Das seien Geräusche gewesen, die man beim Sex mache (Urk. 11/3
S. 4).
Bei der Polizei schildert G._, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin
nackt gewesen seien (Urk. 6 S. 2). Demgegenüber habe die Privatklägerin ge-
mäss Aussage bei der Staatsanwaltschaft bestimmt eine Bluse angehabt. Was
der Beschuldigte angehabt habe, wisse sie nicht mehr. Sie habe nicht darauf ge-
achtet (Urk. 11/3 S. 9).
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G._ schildert zunächst, dass der Beschuldigte, nachdem sie das Wohnzim-
mer betreten habe, von der Privatklägerin abgelassen habe, aufgestanden sei,
sich die Unterhose angezogen und begonnen habe, sich bei ihr zu entschuldigen.
Dann sei sie mit ihm ins Schlafzimmer gegangen und habe eigentlich die Woh-
nung verlassen wollen. Da es keine Zugsverbindungen mehr gegeben habe, sei-
en sie zu Bett gegangen (Urk. 6 S. 3). In der späteren Einvernahme äussert sich
G._ demgegenüber, dass als sie ins Wohnzimmer gegangen sei, plötzlich
beide aufgestanden seien, um dann wiederum im Widerspruch dazu anzufügen,
die Privatklägerin sei noch eine Weile gelegen. Nur der Beschuldigte sei sofort
aufgestanden und mit ihr ins Schlafzimmer gegangen, wo sie ihn angeschrien ha-
be (Urk. 11/3 S. 4). Auf Nachfrage präzisierte G._ wiederum entgegen ihrer
früheren Aussage, sie habe den Beschuldigten bereits im Wohnzimmer anzu-
schreien begonnen und nicht erst im Schlafzimmer. Ebenfalls habe sich die Pri-
vatklägerin aufgesetzt und die Zeugin und den Beschuldigten angeschaut (Urk.
11/3 S. 9). Damit bleibt nun allerdings völlig unklar, ob die Privatklägerin aufge-
standen, liegen geblieben oder sich aufgesetzt hat. Festzuhalten ist auch, dass
G._ bei der Polizei nie ausführte, den Beschuldigten angeschrien zu haben
und dies erstmals in ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme so äusserte.
Ebenfalls erst bei der Staatsanwaltschaft erwähnt G._, die Privatklägerin ha-
be sie und den Beschuldigten noch gefragt, ob sie vor ihrer Abreise mit dem Bus
bei ihnen schlafen könne, was beide bejaht hätten (Urk. 11/3 S. 5). Ein solches
Gespräch schilderte sie bei der polizeilichen Einvernahme nicht.
Widersprüchlich sagte G._ auch zum Toilettengang der Privatklägerin aus.
So macht sie zunächst geltend, sie habe gesehen wie die Privatklägerin auf die
Toilette gegangen sei (Urk. 6 S. 3). Hingegen will sie später lediglich gehört ha-
ben, wie die Privatklägerin zur Toilette ging (Urk. 11/3 S. 13).
5.4 In den Aussagen von G._ finden sich zahlreiche Schilderungen von Ge-
fühlen. So führte sie an, dass sie sich nicht sehr darüber geärgert habe, gesehen
zu haben, wie die Privatklägerin dem Beschuldigten an den Schritt gefasst habe,
sie aber als Freundin solche Sachen bemerke (Urk. 11/3 S. 6). Es habe sie offen-
bar nicht gross gestört, dass sie beobachtet habe, als die Privatklägerin sich an
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den Beschuldigten "rangemacht" habe. Zudem sei sie zu müde gewesen, sich
dazu Gedanken zu machen (Urk. 6 S. 3). Bereits zu der Zeit, als sie die Annähe-
rungen beobachtet habe, habe sie gedacht, dass es zwischen der Privatklägerin
und dem Beschuldigten zu Geschlechtsverkehr kommen könnte (Urk. 6 S. 3).
Dessen ungeachtet ging sie dann schlafen. Als sie dann den Beschuldigten und
die Privatklägerin beim Sex gesehen habe, sei sie wütend geworden und habe
den Beschuldigten angeschrien.
Einerseits stellt die Schilderung von eigenen Gefühlen ein Realitätskriterium dar.
Andererseits lassen sich – wie bereits die Vorinstanz ausführte – die von G._
geschilderten Gefühle nicht in Einklang bringen. Zunächst scheint es sie nicht be-
sonders gestört zu haben, als sie beobachtete, wie sich die Privatklägerin an den
Beschuldigten "ranmachte". Und obwohl sie dachte, es könne zwischen den Bei-
den noch zu Geschlechtsverkehr kommen, ging sie schlafen. Dieses Verhalten
würde auch mit der Abmachung zwischen dem Beschuldigten und G._ korre-
lieren, dass er neben G._ noch weitere Sexualkontakte haben darf. Hinge-
gen passt dann nicht dazu, dass G._, als sie die Privatklägerin und den Be-
schuldigten beim Geschlechtsverkehr sah, wütend wurde, den Beschuldigten an-
schrie und sich sogar nach Hause begeben wollte.
5.5 In den Schilderungen von G._ findet sich eine Steigerung des Verhaltens
der Privatklägerin. In der ersten Befragung bei der Polizei schilderte G._,
dass sie Stimmen gehört habe und deshalb ins Wohnzimmer gegangen sei
(Urk. 6 S. 2). Der Beschuldigte habe – als sie diesen und die Privatklägerin beim
Geschlechtsverkehr ertappte – von der Privatklägerin abgelassen, sei aufgestan-
den, habe seine Unterhose angezogen und sich bei ihr zu entschuldigen begon-
nen. Zum Verhalten der Privatklägerin äusserte sich die Befragte hier nicht (Urk. 6
S. 3). Vielmehr äussert sie, dass sich die Privatklägerin nicht irgendwie zur Wehr
gesetzt habe. Es habe also nicht so ausgesehen, als wäre es gegen ihren Willen
geschehen. Die Privatklägerin sei auf dem Rücken gelegen und ihre Arme seien
seitlich auf dem Sofa gelegen. Sie habe keine Abwehrbewegung gemacht, nichts.
Sie habe auch nicht geschrien (Urk. 6 S. 2). Demgegenüber äussert die Zeugin
bei der Staatsanwaltschaft, sie sei sieben bis zehn Minuten auf dem WC gewesen
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und habe laute Geräusche gehört. Das seien Geräusche gewesen, die man beim
Sex mache (Urk. 11/3 S. 4 und 7). Es habe für sie nicht so ausgesehen, als ob die
Privatklägerin den Geschlechtsverkehr nicht gewollte hätte. Sie habe nicht ge-
schrien. Sie habe eher Spass daran gehabt (Urk. 11/3 S. 4 und 7). Die Privatklä-
gerin habe sich aufgesetzt und den Beschuldigten und sie angesehen (Urk. 11/3
S. 9). Zudem habe sie die Zeugin und den Beschuldigten noch gefragt, ob sie bei
ihnen schlafen dürfe (Urk. 11/3 S. 5).
Von der ersten zur zweiten Einvernahme erfolgt somit eine deutliche Steigerung
in der Darstellung des Beobachteten bzw. Gehörten. Der aktive Part der Privat-
klägerin wird grösser. Dieses Aussageverhalten von G._ ist damit erklärbar,
dass die Privatklägerin ihr gegenüber zu Beginn immer von Vergewaltigung
sprach und die Zeugin damit den Eindruck, der Geschlechtsverkehr geschehe
gegen den Willen der Privatklägerin zu negieren versucht. Erst später stand der
Vorwurf der Schändung zur Diskussion und es musste daher die Widerstandsun-
fähigkeit der Privatklägerin negiert werden, indem sie als möglichst aktiv darge-
stellt wird. Auf jeden Fall spricht dieses Aussageverhalten gegen die subjektive
Wahrheit.
5.6 Interessant ist das Aussageverhalten von G._ zum Treffen mit der Privat-
klägerin am Montagmorgen. In der polizeilichen Befragung erscheinen die Aussa-
gen von G._ sehr vage und kurz gehalten. Sie beschränkte sich darauf, zu
schildern, dass die Privatklägerin ihr gesagt habe, den Beschuldigten wegen Ver-
gewaltigung anzeigen zu wollen und dass sie selbst schockiert gewesen sei und
ihr gesagt habe, dass sie (die Privatklägerin) den Beschuldigten angemacht und
es nicht wie eine Vergewaltigung ausgesehen habe (Urk. 6 S. 3 f.). Aufgrund die-
ser Schilderungen entsteht der Eindruck, G._ sei von Anbeginn an klar ge-
gen eine Anzeige gewesen und habe dies der Privatklägerin auch so kommuni-
ziert. Bei der staatsanwaltschaftlichen Befragung stellt sich die Situation hingegen
deutlich anders dar. So gestand G._ hier ein, gegenüber der Privatklägerin
geäussert zu haben, dass es sein könne, dass sie gesagt habe, dass der Be-
schuldigte doof sei, aber sie habe nie gesagt, eine Anzeige zu befürworten
(Urk. 11/3 S. 5). Erst auf Ergänzungsfrage räumte G._ ein, dass es möglich
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sei, dass sie gesagt habe, dass der Beschuldigte ein Dummkopf sei und sie be-
trogen habe und dass, wenn die Privatklägerin dies wolle, diese ihn anzeigen sol-
le. G._ gestand dann auch ein, beim Gespräch mit der Privatklägerin gegen-
über dem Beschuldigten nicht wohlgesinnt gewesen zu sein, da sie das ganze
Wochenende über mit ihm gestritten habe (Urk. 11/3 S. 11). Sodann gestand sie
gar noch ein, der Privatklägerin bei einem Telefonat mit der Frauenberatungsstel-
le geholfen zu haben, da die Privatklägerin nicht gut Deutsch spreche. Durch die-
ses sehr zögerliche Aussageverhalten und die diversen Einräumungen, welche
erst auf explizite Ergänzungsfragen erfolgten, zeigt, dass G._ versucht, Par-
tei für den Beschuldigten zu ergreifen und es ihr schwer fällt, einzugestehen, dass
sie die Privatklägerin anfänglich in deren Ansinnen, den Beschuldigten anzuzei-
gen, gar noch unterstützte.
6. Aussagen von H._ und I._
6.1 Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass H._ insgesamt glaubhaft
aussagte. Er gab an, er sei verhältnismässig kurz an der Party gewesen und habe
sich hauptsächlich mit dem Beschuldigten unterhalten. Seine Beobachtungen zur
Privatklägerin, wonach diese eher extrovertiert gewesen sei, stützte er auf den
Vergleich mit der aus seiner Sicht introvertierten E._ (Urk. 11/4 S. 5). Seine
diesbezüglichen Aussagen sind differenziert und nachvollziehbar. Dasselbe gilt
für seine Aussage, dass die Privatklägerin auf ihn einen glücklichen Eindruck ge-
macht habe und diese alleine für sich ein bisschen getanzt habe. Für die Glaub-
haftigkeit dieser Aussage spricht unter anderem, dass der Zeuge auch seine ei-
genen Gedanken, die er hatte, als er die Privatklägerin in diesem Zustand beo-
bachtete, schilderte. Er habe gedacht, dass die Privatklägerin vielleicht noch nicht
so ihre Grenzen kenne, weil sie noch jung sei (Urk. 11/4 S. 5).
6.2 Der Zeuge I._ sagte ebenfalls insgesamt glaubhaft aus. Seine Aussage,
wonach die Privatklägerin "massiv angetrunken" gewesen sei, stützte er unter an-
derem auf seine Beobachtung, dass sie alleine für sich getanzt habe, dabei die
Arme in die Höhe gehalten und viel "rumgelabert" habe. Die Privatklägerin habe
zudem bereits als er ankam einen Drink in der Hand gehabt (Urk. 11/5 S. 2
und 4). Diese Aussagen wirken logisch, nachvollziehbar und glaubhaft.
- 57 -
7. Aussagen von E._
Die Aussagen von E._ erfolgten mehr als zwei Jahre nach dem Vorfall. Sie
sind in sich stimmig und nachvollziehbar. Zudem stimmen sie mit ihren Äusserun-
gen im Chat mit der Privatklägerin überein, welcher wenige Stunden nach dem
Vorfall begann, als die Erinnerungen von E._ noch frisch waren. Auch wenn
sich E._ im Chat als "drunk as fuck" bezeichnete, ergibt sich aus ihren Schil-
derungen nicht, dass sie selbst alkoholbedingte Erinnerungslücken hatte. Entge-
gen der Ansicht der Verteidigung muss daher von einem ernsthaften Weckver-
such von E._ ausgegangen werden, bevor sie die Wohnung des Beschuldig-
ten verliess. Es gibt keine Hinweise, dass die Aussagen von E._ nicht glaub-
haft sein sollten.
8. Gutachten
Aus dem Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatkläger kann weder
für noch gegen die Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten etwas ab-
geleitet werden.
9. BAK-Gutachten
Das Gutachten über die Privatklägerin ist nicht nachvollziehbar. So zieht der Gut-
achter aus der Tatsache, dass die Privatklägerin am Abend/frühen Morgen der
Hausparty aufgrund von Alkoholkonsum ein Black-out gehabt hat und anschlies-
send während eines Tages am Oktoberfest 2,5 Liter Bier getrunken hat, dass die
Privatklägerin alkoholgewohnt ist. Wann eine Person alkoholgewohnt ist, definiert
er nicht. Trotzdem schliesst er dann aus der Alkoholgewöhnung, dass die theore-
tischen Berechnungen die Angaben der Befragten, wonach die Privatklägerin we-
der bewusstlos noch weggetreten sein soll, stützen würden. Dabei wird ebenfalls
ausgeblendet, dass insbesondere I._ die Privatklägerin als massiv angetrun-
ken und E._ sie als stark betrunken beschrieben. Und zwar so, dass die Pri-
vatklägerin nicht verstanden habe, was zu ihr gesagt worden sei und man nicht
verstanden habe, was die Privatklägerin gesagt habe. Wie der Gutachter die von
ihm aufgeführten Resultate der theoretischen Berechnungen errechnet hat und
welche Parameter er wie berücksichtigt hat, ergibt sich aus dem Gutachten nicht.
Selbst unter der Annahme, dass die Privatklägerin nicht weggetreten sein soll, ist
- 58 -
erstaunlich, dass der Gutachter schlussfolgert, die Erklärungen des Beschuldig-
ten, wonach die Privatklägerin aktiv beim Geschlechtsverkehr mitgemacht habe,
seien richtig.
Aus dem Gutachten über den Beschuldigten ergibt sich für das vorliegende Urteil
kein Erkenntnisgewinn. Nachdem der Gutachter feststellt, dass die Angaben des
Beschuldigten zu seiner Trinkmenge nicht stimmen können, kann auch die dem
Beschuldigten im Gutachten attestierte verminderte Schuldfähigkeit nicht als ge-
geben erachtet werden. Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle auch zu er-
wähnen, dass der Beschuldigte selber aussagte, er sei zwar durch den Alkohol
beeinträchtigt gewesen und könne sich nicht an alle Details des Abends erinnern
(Prot. I S. 13), er habe sich aber kontrollieren/beherrschen können, habe kein
Blackout gehabt oder sich übergeben müssen, ihm sei nicht schwindlig gewesen
und er könne sich insbesondere an die intimen Handlungen mit der Privatklägerin
teilweise gut erinnern (Urk. 11/1 S. 5; Prot. I S. 13 und 20; Urk. 67 S. 6). Er sei nur
insofern nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen, als dass er nicht mehr gewusst
habe, dass er seine Freundin mit seinem Verhalten verletze. Er sei aber soweit
unter Kontrolle gewesen, dass er gewusst habe, dass er Geschlechtsverkehr mit
der Kollegin seiner Freundin habe (Urk. 11/1 S. 6). Dies spricht klar dagegen,
dass der Alkoholkonsum des Beschuldigten in der fraglichen Nacht zu einer ver-
minderten Schuldfähigkeit des Beschuldigten geführt hätte.
10. Würdigung der Beweismittel
10.1 Aus dem Chatverkehr zwischen der Privatklägerin und E._ ergibt sich,
dass sich die Privatklägerin nicht mehr an die Ereignisse der vergangenen Nacht
erinnern konnte und daher sowohl bei E._ wie auch bei G._ Antworten
darauf suchte. Die Privatklägerin äussert darin ihre Schuldgefühle und ist mit der
Situation sichtlich überfordert. Zudem war sie schockiert darüber, mit dem Be-
schuldigten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Ihre spontanen und offenen
Äusserungen gegenüber E._ sind konstant zu ihren nachfolgenden Aussa-
gen gegenüber der Polizei und denjenigen der Staatsanwaltschaft. Sie zeigen
auch, dass die Privatklägerin den Beschuldigten nicht leichtfertig angezeigt hat,
sondern mit diversen Personen das Gespräch suchte und erst als G._ sie in
ihrem Vorhaben unterstützte, ihre Anzeige deponierte.
- 59 -
Auch die von E._ im Chat und als Zeugin gemachten Schilderungen, wonach
sich die Privatklägerin aufgrund ihres Alkoholkonsums zum Schlafen auf das Sofa
gelegt hat und als E._ um ca. 03.40 Uhr die Wohnung verliess, vollständig
das Bewusstsein verloren hatte und nicht geweckt werden konnte, stützen die
Aussagen der Privatklägerin.
Aus dem Chat zwischen E._ und der Privatklägerin ergibt sich auch, dass
E._ offenbar ein Foto hatte, auf welchem die Privatklägerin dem Beschuldig-
ten einen Kuss auf die Wange gab. Die Privatklägerin konnte sich nicht an das
Foto erinnern, teilte E._ jedoch mit, sie dürfe die gemachten Fotos nicht lö-
schen. Gemäss E._ handelte es sich bei dem Foto um nichts Ernstes. Das
Foto sei aus Spass/als Gag gemacht worden (just for lols: laughing out loud). Als
Zeugin erwähnt E._, die Privatklägerin habe ihr gesagt, der Beschuldigte ha-
be ihr einen Kuss gegeben und sie sei überrascht gewesen. Annäherungen oder
Küsse, die darüber hinaus gegangen seien, hat E._ nicht beobachtet. Ein
Kuss der Privatklägerin auf die Wange des Beschuldigten bzw. ein Kuss des Be-
schuldigten wird von keinem der weiteren Befragten geschildert; auch nicht vom
Beschuldigten oder von G._, die als einzige Zärtlichkeiten zwischen der Pri-
vatklägerin und dem Beschuldigten schildern. Insofern scheint keiner der an der
Wohnungsparty Anwesenden das Foto mit dem Kuss als etwas anderes als
Spass interpretiert zu haben. Im Übrigen kann aus diesem Kuss auf die Wange,
der zudem einige Zeit vor dem Vorfall geschah, auch nichts, was für die Erstel-
lung des Sachverhaltes relevant wäre, abgeleitet werden.
10.2 Gemäss den glaubhaften Aussagen von H._ und I._ haben sie sich
hauptsächlich mit dem Beschuldigten unterhalten. Die Privatklägerin habe für sich
alleine getanzt. Ausser der Privatklägerin habe niemand richtig getanzt. Insbe-
sondere I._ hat den Beschuldigten nicht tanzen gesehen. Zudem sei die Pri-
vatklägerin vielleicht etwas betrunken gewesen. Gemäss I._ ist die Privatklä-
gerin massiv angetrunken gewesen. Als er die Wohnung verlassen habe, sei die
Privatklägerin immer noch betrunken gewesen, allerdings nicht so stark, dass die
Ambulanz hätte gerufen werden müssen. Im Gegensatz dazu schilderte der Be-
schuldigte, der Austausch von Zärtlichkeiten, das intime Berühren und das Küs-
- 60 -
sen zwischen ihm und der Privatklägerin sei so weit gegangen, dass H._ und
I._ die Wohnung verlassen hätten. Mit anderen Worten müssten gemäss der
Aussage des Beschuldigten H._ und I._ den Austausch der Zärtlichkei-
ten zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin mitbekommen haben und
die Wohnung aus diesem Grund verlassen haben. Nachdem sowohl H._ wie
auch I._ diesbezüglich gerade etwas anderes schildern, nämlich, dass sie
sich mit dem Beschuldigten unterhalten hätten und die Privatklägerin für sich al-
leine getanzt hätte, erweist sich die Aussage des Beschuldigten diesbezüglich als
unglaubhaft. Gleich verhält es sich mit den Aussagen von G._. Nachdem
diese sich zu Bett begeben hat, bevor H._ und I._ die Wohnung des
Beschuldigten verliessen, und diese Beiden keine Zärtlichkeiten zwischen der Pri-
vatklägerin und dem Beschuldigten beobachten konnten, erweisen sich auch die
Aussagen von G._, wonach sie beobachtet haben will, dass die Privatkläge-
rin den Beschuldigten gezielt angetanzt habe, als unglaubhaft. Die Aussagen von
H._ und I._ stützen somit bezüglich Alkoholkonsum und Anmachen des
Beschuldigten die Aussagen der Privatklägerin. E._, die als letzte die Woh-
nung des Beschuldigten um ca. 3.40 Uhr verliess, beobachtete ebenfalls keine
Annäherungen zwischen der Privatkägerin und dem Beschuldigten (mit der Aus-
nahme eines Kusses). Gemäss ihr war die Privatklägerin stark betrunken. Somit
stützen auch ihre Aussagen bezüglich Alkoholkonsum und Anmachen die Aussa-
gen der Privatklägerin.
10.3 Dass die Privatklägerin ziemlich alkoholisiert gewesen ist, wird auch durch
die Angaben von G._ bestätigt, welche aussagte, die Privatklägerin sei sogar
noch am Morgen weder durch deren Weckfunktion auf dem Mobiltelefon, noch die
Anrufe von E._ oder durch die Kälte, welche durch ein geöffnetes Fenster in
das Zimmer strömte, wach geworden (Urk. 6 S. 3; Urk. 11/3 S. 5). Dazwischen
fand der Geschlechtsverkehr zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin
statt. Den Zustand der Privatklägerin schildert G._ in der polizeilichen Ein-
vernahme wie folgt: Die Privatklägerin habe sich in keiner Weise zur Wehr gesetzt
und es habe nicht so ausgesehen, als wäre der Geschlechtsverkehr gegen ihren
Willen geschehen. Sie sei auf dem Rücken gelegen und ihre Arme seien seitlich
auf dem Sofa gelegen. Sie habe keine Abwehrbewegung gemacht und auch nicht
- 61 -
geschrien. Der Beschuldigte sei dann aufgestanden und sei mit ihr ins Schlaf-
zimmer gegangen. Den Schluss, dass es nicht so ausgesehen habe, als wäre der
Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Privatklägerin gewesen, zieht G._
wohl daraus, dass sich die Privatklägerin nicht gewehrt und nicht geschrien habe.
Auf jedem Fall liefert sie keine anderen Gründe für ihre Schlussfolgerung. Die
obige Schilderung des Verhaltens der Privatklägerin bzw. des sich nicht Bewe-
gens korreliert mit den Aussagen der Privatklägerin. Dass G._ später eine
aktivere Version der Privatklägerin zu Protokoll gibt, was wie erwähnt unglaubhaft
erscheint, ändert daran nichts. Die Aussagen des Beschuldigten zum Zustand der
Privatklägerin während des Geschlechtsverkehrs und ihren Handlungen sind wie
bereits ausgeführt vage, unsicher, zurückhaltend, relativierend und widersprüch-
lich und enthalten Steigerungen. Insgesamt kann demzufolge nicht auf seine Aus-
sagen abgestellt werden, auch wenn diese teilweise mit den Schilderungen von
G._ in deren staatsanwaltschaftlicher Einvernahme übereinstimmen. Da je-
doch auch die Aussagen von G._ viele Anzeichen für eine nicht wahrheits-
gemässe Aussage enthalten, vermögen diese die Aussagen des Beschuldigten
nicht zu stützen. Kommt hinzu, dass E._, bevor sie die Wohnung verliess,
was sich zwischen dem Verlassen der Wohnung von H._ und I._ und
dem inkriminierten Vorfall abgespielt haben muss, versuchte die Privatklägerin zu
wecken, um mit dieser zusammen die Wohnung verlassen zu können, was ihr je-
doch nicht gelang.
10.4 Wie bereits festgehalten, sind die Aussagen von G._ zum Gespräch mit
der Privatklägerin vom Montagmorgen widersprüchlich. Die letztendlich von
G._ erfolgten Zugaben in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme korrelie-
ren mit den diesbezüglichen Aussagen der Privatklägerin, was wiederum die
Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin stützt.
10.5 Die Verteidigung macht geltend, E._ habe als Zeugin ausgesagt, die
Privatklägerin habe mit G._ abgemacht, sie könne bei ihr schlafen. Daraus
ergebe sich, dass sich die Privatklägerin bewusst auf das Sofa gelegt habe, um
dort zu übernachten bzw. dort zu schlafen. Weil die Privatklägerin einen bewuss-
ten Entscheid habe treffen können, sei sie nicht derart stark alkoholisiert gewe-
- 62 -
sen. Dabei blendet die Verteidigung aus, dass die Privatklägerin, G._ und
E._ gemäss den glaubhaften Aussagen der Privatklägerin und von E._
die Absicht hatten, in der Wohnung des Beschuldigten ein paar Drinks zu nehmen
und später in den Ausgang zu gehen (Urk. 11/2 S. 4; Urk. 92 S. 2).
Weiter macht die Verteidigung geltend, dass die Privatklägerin gemäss den Aus-
sagen von E._ sie um ca. 4.30 Uhr zweimal versucht habe, anzurufen. Wäre
die Privatklägerin so alkoholisiert gewesen, hätte sie dies nicht tun können. Ge-
mäss den glaubhaften Aussagen von E._ hat diese die Privatklägerin auf die
Anrufe angesprochen. Die Privatklägerin habe ihr weder sagen können, ob die
Anrufe vor oder nach dem Vorfall gewesen seien noch weshalb sie angerufen ha-
be (Urk. 92 S. 3). Unter diesen Umständen kann aus den Anrufen nichts abgelei-
tet werden, zumal nicht einmal feststeht, wer das Mobiltelefon der Privatklägerin
bedient hat, weil E._ die Anrufe nicht entgegennahm, da ihr Mobiltelefon auf
lautlos gestellt war.
Die Verteidigung führt aus, dass der Beschuldigte, als E._ die Wohnung des
Beschuldigten verlassen habe, stark betrunken gewesen sei, weil diese aussagte,
der Beschuldigte sei nach Mitternacht bereits betrunken gewesen und als sie ge-
gangen sei, sei er beinahe eingeschlafen. Aus den Aussagen von E._ ergibt
sich, dass sie nicht wusste, wie stark der Beschuldigte nach Mitternacht betrun-
ken gewesen ist. Als sie dann gegangen sei, sei der Beschuldigte beinahe einge-
schlafen. Die Schlussfolgerung, wonach der Beschuldigte beinahe eingeschlafen
ist, weil er stark betrunken gewesen ist, findet in den Akten keine Stütze. Einer-
seits war es bereits ca. 3.40 Uhr und der Beschuldigte hätte auch einfach müde
sein können. Andererseits sind die Angaben des Beschuldigten zu seinem Alko-
holkonsum widersprüchlich und können gemäss dem eingereichten Gutachten
nicht stimmen.
E._ sagt aus, der Beschuldigte habe G._ ins Bett getragen. Alle ande-
ren sagen nichts davon. Wie G._ ins Schlafzimmer gelangte, ist vorliegend
nicht relevant. Selbst wenn die Aussagen von E._ in diesem Punkt wider-
sprüchlich sein sollten, betrifft er nicht das Kerngeschehen.
- 63 -
Die Verteidigung sieht einen Widerspruch in den Aussagen von E._ und der
Privatklägerin darin, dass E._ ausgeführt habe, die Privatklägerin habe nicht
erbrochen. Demgegenüber habe die Privatklägerin erzählt, sie habe auf dem Bal-
kon erbrochen. Hätte die Privatklägerin erbrochen, wäre ihre Blutalkoholkonzent-
ration noch tiefer gewesen. Dass die Privatklägerin erzählt hat, sie habe auf dem
Balkon erbrochen entspricht nicht den Tatsachen. Die Privatklägerin führte ledig-
lich aus, E._ habe ihr mittels SMS/Chat mitgeteilt, sie habe auf dem Balkon
erbrochen (Urk. 11/2 S. 5). Damit steht fest, dass die Privatklägerin keine eigene
Erinnerung daran hatte, erbrochen zu haben. Zudem ergeben sich aus dem Chat
keine Hinweise, dass E._ der Privatklägerin etwas Derartiges mitgeteilt hätte.
Es ist daher auf die glaubhaften Aussagen von E._ abzustellen, wonach die
Privatklägerin nicht erbrochen hat.
10.6 Ein Motiv, weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten ungerechtfertigt be-
lasten sollte, ist nicht ersichtlich. Zwar wurde der Beschuldigte von seiner Freun-
din beim Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin überrascht und die Freundin
des Beschuldigten war deswegen zunächst offenbar (auch) wütend auf die Privat-
klägerin. Sie habe dann aber der Privatklägerin gleich zu Beginn ihres Treffens
gesagt, dass sie nicht böse auf sie sei. Als die Privatklägerin G._ erzählte,
dass sie mit dem Sex nicht einverstanden gewesen sei, sei G._ zudem trau-
rig geworden und habe die Situation mit ihr besprochen (Urk. 11/1 S. 6). Weiter
führten der Beschuldigte und G._ zumindest damals eine offene Beziehung
(Urk. 11/1 S. 4; Urk. 11/2 S. 6 f.), was auch die Privatklägerin anlässlich ihres
Treffens erfahren hat. Ein Motiv, den Beschuldigten zu Unrecht in ein Strafverfah-
ren zu verwickeln, nur um die Freundin des Beschuldigten von ihrer Geschichte
zu überzeugen und ihr eigenes Gewissen reinzuwaschen, bestand demnach
nicht.
Sodann erhellt aus dem Chatverkehr, dass die Privatklägerin gar noch zögerte
den Beschuldigten anzuzeigen, da sie sein Leben nicht unnötigerweise erschwe-
ren wollte. Sie erzählte E._, dass sie eigentlich die ganze Sache ruhen las-
sen wollte, allerdings nicht aufhören konnte, darüber nachzudenken. Sie schrieb
weiter, dass sie Angst habe zur Polizei zu gehen (Urk. 15/2 Beilage 19 und 25).
- 64 -
Dieser Chat-Verkehr zeigt, dass die Privatklägerin sich nicht leichtfertig für eine
Anzeige entschieden hat und ihr die ganze Sache schwer fiel. Aus demselben
Chatverkehr geht sodann hervor, dass sie E._ dazu angehalten hat, die Fo-
tos – auch wenn diese allenfalls ein schlechtes Licht auf sie werfen sollten – nicht
zu löschen (Urk. 15/2 Beilage 44 f.). Dies spricht klar gegen ein Motiv der Privat-
klägerin, den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten. Demgegenüber hatte
G._ als Freundin des Beschuldigten ein Motiv diesen zu unterstützen.
11. In einer Gesamtwürdigung ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklä-
gerin einerseits selbst sehr glaubhaft sind und viele Realitätskriterien aufweisen.
Zudem wird die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin gestützt durch
die Aussagen von H._, I._ und mehrheitlich auch durch G._. Auch
der Chat-Verkehr zwischen der Privatklägerin und E._ und die Aussagen von
E._ stützen die Aussagen der Privatklägerin. Damit wird die Hypothese, die
Aussagen der Privatklägerin seien nicht wahr bereits widerlegt. Darüber hinaus
enthalten die Aussagen des Beschuldigten Ungereimtheiten, indem er sich selbst
in Widersprüche verwickelt, Übersteigerungen im Verhalten der Privatklägerin
schildert oder seine Aussagen durch die glaubhaften Aussagen der Zeugen wi-
derlegt werden. Es besteht somit kein Zweifel daran, dass sich der Vorfall so zu-
getragen hat, wie ihn die Privatklägerin schildert. Unter diesen Umständen ist
nicht von Belang, welches der genaue Tatzeitpunkt war, da die Beweiswürdigung
ergibt, dass sich die Privatklägerin im Tatzeitpunkt in einem alkoholbedingten
Tiefschlaf befand. Der Sachverhalt der Anklage ist damit erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
Den Tatbestand der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB erfüllt, wer eine ur-
teilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zu-
standes zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen
Handlung missbraucht.
Widerstandsunfähig im Sinne von Art. 191 StGB ist, wer nicht imstande ist, sich
gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu wehren. Die Bestimmung schützt somit
- 65 -
Personen, die einen zur Abwehr ausreichenden Willen zum Widerstand gegen
sexuelle Übergriffe nicht oder nicht sinnvoll bilden, äussern oder betätigen kön-
nen. Dabei genügt, dass das Opfer nur vorübergehend zum Widerstand unfähig
ist. Die Gründe für die Widerstandsunfähigkeit können dauernder oder vorüber-
gehender, chronischer oder situationsbedingter Natur sein, also ebenso in schwe-
ren psychischen Defekten wie in einer hochgradigen Intoxikation durch Alkohol
oder Drogen, in körperlicher Invalidität wie in einer Fesselung, in der besonderen
Lage der Frau in einem gynäkologischen Stuhl, oder auch in einer Summierung
von Schläfrigkeit, Alkoholisierung und einem Irrtum über die Identität des für den
Ehemann gehaltenen Sexualpartners liegen. Erforderlich ist, dass die Wider-
standsfähigkeit gänzlich aufgehoben und nicht nur in irgendeinem Grad beein-
trächtigt oder eingeschränkt ist. Bei blosser – beispielsweise alkoholbedingter –
Herabsetzung der Hemmschwelle ist keine Widerstandsunfähigkeit gegeben
(BGE 133 IV 49 E. 7.2). Widerstandsunfähigkeit wird namentlich bejaht, wenn es
dem Opfer unmöglich ist, den Angriff auf seine geschlechtliche Integrität abzu-
wehren, weil er von ihm nicht wahrgenommen wird (BGE 133 IV 49 E. 7.4; Urteil
des Bundesgerichts 6B_140/2007 vom 30. Juli 2007 E. 5.2). Das zunächst tief
schlafende Opfer bleibt nach der Rechtsprechung zum Widerstand unfähig, wenn
es nach Beginn des sexuellen Übergriffs zwar erwacht, sich danach aber aus kör-
perlichen Gründen nicht zur Wehr setzen kann (Urteil des Bundesgerichts
6S.217/2002 vom 3. April 2003 E. 4).
Das Gesetz bezeichnet die Tathandlung der Schändung als Missbrauch. Ein sol-
cher liegt vor, wenn die Widerstands- oder Urteilsunfähigkeit des Opfers die Tat
ermöglicht und der Täter sich dies bewusst zunutze macht (Urteil des Bundesge-
richts 6S.359/2002 vom 7. August 2003 E. 4.2). Das Merkmal des Missbrauchs
soll sicherstellen, dass nicht jeder sexuelle Umgang mit Menschen, die wider-
stands- oder urteilsunfähig sind, pönalisiert wird. Strafbar ist nur, wer die Wider-
stands- oder Urteilsunfähigkeit eines Menschen zu sexuellen Handlungen aus-
nützt und ihn damit als Sexualobjekt missbraucht (Urteil des Bundesgerichts
6S.448/2004 vom 3. Oktober 2005 E. 1.3).
- 66 -
Unbestrittenermassen kam es zwischen dem Beschuldigten und der Privatkläge-
rin zum Geschlechtsverkehr. Es gilt daher zu klären, ob die Privatklägerin zum
Widerstand unfähig war. Aufgrund der glaubhaften Aussagen der Privatklägerin
und von E._ ergibt sich, dass die Privatklägerin so stark betrunken war, dass
sie ein fragmentarisches Blackout erlitt und schliesslich eingeschlafen ist. Kurze
Zeit vor dem Geschlechtsverkehr gelang es E._ nicht, die Privatklägerin zu
wecken. Am Morgen danach war die Privatklägerin immer noch benebelt bzw. be-
trunken und hörte weder die diversen Anrufe auf ihrem Mobiltelefon noch konnte
sie von G._ während fast einer Stunde geweckt werden. Zwischen diesen
Weckversuchen fand die inkriminierte Handlung statt. Gemäss den glaubhaften
Aussagen der Privatklägerin erwachte diese, weil jemand Geschlechtsverkehr mit
ihr hatte. Beim Erwachen der Privatklägerin
– welches allerdings nur sehr kurz andauerte – war der Beschuldigte bereits in die
Privatklägerin eingedrungen und der Geschlechtsverkehr damit bereits vollzogen,
dauerte aber auch über deren Erwachen hinweg noch an. Gestützt auf diese
Feststellungen ist von einer Widerstandsunfähigkeit im Sinne von Art. 191 StGB
auszugehen, da sich die Privatklägerin alkoholbedingt in einem Tiefschlaf befand,
die sexuellen Handlungen erst bemerkte, als der Beschuldigte mit ihr Ge-
schlechtsverkehr hatte und sich gegen diesen nicht zur Wehr setzen konnte.
Bleibt zu klären, ob die Privatklägerin in gültiger Weise in den Geschlechtsverkehr
mit dem Beschuldigten eingewilligt hat. Dazu führte der Beschuldigte aus, die Pri-
vatklägerin habe ihn vorgängig mit Absicht intim berührt oder sich in sonst einer
Weise intim genähert. Zudem sei es vor dem eigentlichen Geschlechtsakt zu ge-
genseitigen Zärtlichkeiten, Küssen, gegenseitigem Ausziehen der Kleider und
Oralverkehr gekommen. Die Privatklägerin habe auch Andeutungen gemacht, den
Beschuldigten zu sich hingezogen und die Beine breit gemacht. Alle diese Hand-
lungen der Privatklägerin konnten sachverhaltsmässig nicht erstellt werden. Ein-
zig ein Kuss auf die Wange des Beschuldigten konnte erstellt werden, obwohl
sich die Privatklägerin wohl aufgrund ihres Alkoholkonsums nicht mehr daran er-
innern kann. Dieser Kuss, der offenbar auf einer Fotografie festgehalten wurde
und zu einem Zeitpunkt erfolgte, als sich noch weitere Personen in der Wohnung
des Beschuldigten befanden – mithin zeitlich vor der versuchten Weckaktion
- 67 -
durch E._ erfolgten – und somit keinen Zusammenhang mit den späteren
Geschehnissen auf dem Sofa hatten, kann nicht als Einwilligung in einen späteren
Geschlechtsverkehr angesehen werden. Im Zeitpunkt, als der Beschuldigte den
Geschlechtsakt mit der Privatklägerin initiierte, befand sich die Privatklägerin in
einem Schlafzustand und die Privatklägerin war selbstredend nicht mehr in der
Lage, ihren Willen betreffend Einwilligung in den Geschlechtsverkehr zu bilden,
geschweige denn ihre Einwilligung zu geben.
In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand der Schändung, dass der Täter in
Kenntnis der Widerstandsunfähigkeit handelt. Diese Wendung bringt zum Aus-
druck, dass der Täter die Widerstandsunfähigkeit des Opfers wahrgenommen ha-
ben muss. Strafbar ist auch der Eventualvorsatz. Eventualvorsätzlich handelt, wer
zumindest ernsthaft für möglich hält, dass das Opfer aufgrund seines physischen
oder psychischen Zustandes nicht in der Lage ist, sich gegen das sexuelle An-
sinnen zur Wehr zu setzen, und es trotzdem zu sexuellen Handlungen bestimmt
(Urteil des Bundesgerichts 6S.359/2002 vom 7. August 2003 E. 5.2). Vorliegend
war sowohl für I._ als auch für E._ ersichtlich, dass die Privatklägerin
massiv alkoholisiert war. Dies hielt auch der Beschuldigte für möglich, konnte er
doch nicht mehr sagen, ob sich die Privatklägerin noch unter Kontrolle hatte und
damit noch willensbildungsfähig ist. Zudem führte er selber aus, dass die Privat-
klägerin geschlafen habe, als er sich zu ihr auf das Sofa setzte. Der Beschuldigte,
welcher gemäss eigenen Aussagen nicht so stark alkoholisiert war und sich im-
mer kontrollieren konnte bzw. sich so beherrschen konnte, dass er den Ge-
schlechtsverkehr vollziehen konnte bzw. sich an die intimen Handlungen teilweise
gut erinnern konnte, hätte daher den Zustand der Privatklägerin ebenfalls erken-
nen können, weshalb davon auszugehen ist, dass er nicht direktvorsätzlich, son-
dern nur eventualvorsätzlich handelte.
Der Beschuldigte hat sich somit der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB straf-
bar gemacht. Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind nicht ersicht-
lich.
V. Sanktion
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1. Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) gemäss der Änderung vom
19. Juni 2015 in Kraft getreten (AS 2016 1249). Der Beschuldigte hat die zu beur-
teilende Straftat vor dem Inkrafttreten des geänderten Rechts verübt. Nach Art. 2
Abs. 1 StGB wird nach den geänderten Bestimmungen nur beurteilt, wer nach
dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen ein Verbrechen oder ein Verge-
hen verübt hat. Nach Art. 2 Abs. 2 StGB ist indes das geänderte Recht auch auf
Taten anwendbar, die vor dem Inkrafttreten verübt worden sind, wenn das geän-
derte Recht für den Täter milder ist. Ob das geänderte Recht das mildere Recht
ist, hat das Gericht nach der konkreten Methode zu ermitteln (OFK/StGB-
Donatsch, 20. Aufl., Zürich 2018, Art. 2 N 10).
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von
36 Monaten bestraft. Die Verteidigung beantragte in der Berufungserklärung ei-
nen Freispruch von Schuld und Strafe (Urk. 53). Wie sich aus den nachstehenden
Erwägungen ergibt, kommt vorliegend eine Freiheitsstrafe von mehr als einem
Jahr in Betracht. In diesem Bereich (überjährige Freiheitsstrafen) hat sich im neu-
en Recht nichts geändert (vgl. Art. 34 und 40 StGB) bzw. erweist sich dieses nicht
als milder, weshalb vorliegend für die Strafzumessung das alte Recht anwendbar
bleibt.
2. Strafrahmen
2.1 Die Vorinstanz ging bei ihrer Strafzumessung unter Verweis auf eine Kom-
mentarstelle von MAIER von einer Mindeststrafe von einem Jahr aus, da es zum
Vollzug des Beischlafs gekommen sei (Urk. 52 S. 63). Dieselbe Ansicht wird auch
von TRECHSEL/BERTOSSA vertreten (Praxiskommentar StGB-TRECHSEL/BERTOSSA,
2018, Art. 191 N 8). In der Rechtsprechung konnte sich diese Meinung hingegen
nicht durchsetzen. Aufgrund des klaren Gesetzeswortlauts ist – unabhängig da-
von in welcher Tatbestandsvariante die Schändung erfüllt wurde – von einem
Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe von bis zu
360 Tagessätzen auszugehen (Art. 191 StGB; Art. 34 aStGB). Der Umstand, dass
die Schändung in der Tatbestandsvariante des Beischlafs erfüllt wurde, ist inner-
- 69 -
halb des ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen, zumal auch keine Straf-
schärfungs- oder Strafmilderungsgründe ersichtlich sind.
2.2 Zur Theorie der Strafzumessung hat die Vorinstanz das Notwendige ausge-
führt, darauf kann verwiesen werden (Urk. 52 S. 63).
3. Tatkomponenten
3.1 Zur objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte an
der alkoholisierten und schlafenden Privatklägerin den vaginalen Geschlechts-
verkehr vollzog. Dabei nutzte er die Widerstandsunfähigkeit der Privatklägerin
schamlos aus und verletzte die Intimsphäre der Privatklägerin in gravierender Art
und Weise. Dem Beschuldigten kann zwar nicht vorgehalten werden, er habe
planmässig gehandelt, dennoch nutzte er die sich ihm bietende Gelegenheit ohne
zu zögern aus. Der Übergriff dürfte nicht allzu lange gedauert haben, fand jedoch
erst mit dem Dazukommen von G._ ein abruptes Ende. Es kann mit Fug da-
von ausgegangen werden, dass der Beschuldigte sein deliktisches Verhalten
noch fortgeführt hätte, wäre G._ in jenem Moment nicht hinzugekommen,
was sich erschwerend auswirkt. Der Vollzug des Geschlechtsverkehrs ist als er-
heblicher Eingriff in die sexuelle Integrität der Privatklägerin zu qualifizieren und
damit als massiver Eingriff in deren physische und psychische Integrität. Was die
Intensität der Handlungen des Beschuldigten anbelangt, so ist der vom Beschul-
digten vollzogene vaginale Geschlechtsverkehr als eine sexuelle Handlung von
viel grösserer Intensität zu werten, als etwa anderweitiges intimes Berühren, das
sich auf die Körperoberfläche beschränkt. Vergleicht man das Verhalten des Be-
schuldigten mit allen denkbaren Fällen für eine Schändung in der Tatbestandsva-
riante des Beischlafs, so bewegt er sich dennoch im unteren Bereich. Es sind
zahlreiche, wesentlich schwerwiegendere Verhaltensweisen denkbar. Der Be-
schuldigte übte beispielsweise keinerlei Gewalt aus oder legte eine brutale Ver-
haltensweise an den Tag. Bei der Privatklägerin konnten keinerlei Verletzungen
im Intimbereich festgestellt und auch sie selber beschrieb kein solches Verhalten
des Beschuldigten. Zu Ungunsten des Beschuldigten wirkt sich aus, dass er zum
Vollzug des Geschlechtsverkehrs auf die Verwendung eines Kondoms verzichtete
(Prot. I S. 21), womit er die Privatklägerin dem Risiko einer Schwangerschaft wie
- 70 -
auch der Übertragung von Geschlechtskrankheiten aussetzte. Mit der Vorinstanz
ist die objektive Tatschwere als nicht mehr leicht zu qualifizieren (vgl. Urk. 52
S. 64).
3.2 Der Beschuldigte handelte nicht mit direktem Vorsatz, sondern eventualvor-
sätzlich. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte derart alkoholisiert
war, dass er seine Handlungen nicht mehr kontrollieren konnte, zumal er dies sel-
ber so ausführte. Obwohl deshalb eine Verminderung der Schuldfähigkeit klar zu
verneinen ist, kann nicht völlig von der Hand gewiesen werden, dass der Alkohol-
konsum eine enthemmende Wirkung auf den Beschuldigten hatte, was sich ver-
schuldensmindernd auszuwirken hat. Es liegen auch keinerlei Anhaltspunkte da-
für vor, dass der Beschuldigte den Trunkenheitszustand der Privatklägerin ab-
sichtlich herbeigeführt oder diese zu übermässigem Trinken animiert hätte. Auch
wenn die Tat grundsätzlich spontan erfolgte, so ist doch darauf hinzuweisen,
dass der Beschuldigte gezielt, erst nachdem G._ eingeschlafen und E._
gegangen waren, zur Tat schritt. Der Beschuldigte handelte aus rein egoistischen
Motiven und zur Lustbefriedigung.
3.3 Aufgrund des Gesagten ist entgegen der Vorinstanz davon auszugehen, dass
die subjektive Tatschwere die objektive Tatschwere deutlich zu relativieren ver-
mag. Die Einsatzstrafe ist auf 24 Monate festzusetzen.
4. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz die notwendigen theoretischen Erwä-
gungen gemacht. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 52 S. 65 f.).
4.1 Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen kann auf die Unter-
suchungsakten, die Befragung durch die Vorinstanz sowie die Befragung in der
Berufungsverhandlung verwiesen werden (Urk. 11/6 S. 4; Prot. I S. 9 ff.; Urk. 67
S. 1 ff.). Zusammenfassend ist Folgendes festzuhalten: Der am tt. Dezember
1987 geborene Beschuldigte wuchs zusammen mit seinem Bruder in der Ge-
meinde Q._ auf. Der Beschuldigte hat einen zwei Jahre älteren Bruder und
einen zehn Jahre älteren Halbbruder. Seine Eltern sind noch immer verheiratet.
Zu ihnen hat der Beschuldigte ein sehr gutes Verhältnis. In Q._ hat er die
Schule besucht. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte der Beschuldigte
- 71 -
das Gymnasium an der Neuen Schule Zürich. Danach studierte er an der Univer-
sität Zürich Betriebswirtschaftslehre. Das Studium schloss er im Jahr 2015 mit
dem Master in Business Administration ab. Zur Zeit arbeitet der Beschuldigte in
einem Vollzeitpensum bei der Firma R._ AG, wo er in der Managementbera-
tung, hauptsächlich in der Prozesstransformation für Finanzdienstleistungen, tätig
ist. Sein Jahreseinkommen beträgt Fr. 90'000.– netto zuzüglich Bonus. Zudem
hat er ein Vermögen von insgesamt Fr. 230'000.–, welches sich aus liquiden und
illiquiden Vermögensteilen zusammensetzt. Der illiquide Teil ist ein Familienhäus-
chen in Frankreich.
Der Beschuldigte ist nach wie vor mit G._ in einer Beziehung und wohnt
auch mit dieser zusammen. Sie sind verlobt, eine Hochzeit war geplant, ist jedoch
wegen privater Umstände auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. In seiner
Freizeit treibt der Beschuldigte gerne Sport, reist und liest gerne. Nach seinen Zu-
kunftsplänen gefragt erklärte der Beschuldigte, auf jeden Fall eine Familie grün-
den zu wollen. Sodann wolle er Sprachen und neue Sportarten lernen und in be-
ruflicher Hinsicht über kurz oder lang eine Führungsposition einnehmen.
Aus dem Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergibt
sich nichts, was bei der Strafzumessung in massgeblicher Weise zu beachten wä-
re. Auch ist keine erhöhte Strafempfindlichkeit erkennbar.
4.2 Der Beschuldigte weist keine Vorstrafe auf (Urk. 55), was strafzumessungs-
neutral zu werten ist.
4.3 Sodann ist der Beschuldigte weder geständig, noch kann er Reue und Ein-
sicht für sich reklamieren, weshalb das Nachtatverhalten mit der Vorinstanz neut-
ral zu würdigen ist.
4.4 Verletzung des Beschleunigungsgebotes
Die beschuldigte Person hat einen verfassungs- und menschenrechtlichen An-
spruch darauf, dass ein gegen sie eingeleitetes Strafverfahren innert angemesse-
ner Frist zum Abschluss gebracht wird (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK).
Ausdruck davon ist das Beschleunigungsgebot gemäss Art. 5 Abs. 1 StPO. Der
- 72 -
relevante Zeitraum für die Beurteilung einer vermeidbaren Überlänge der Ver-
fahrensdauer beginnt in dem Zeitpunkt, in welchem die beschuldigte Person
Kenntnis vom Strafverfahren erhält und endet mit Rechtskraft des letztinstanz-
lichen Urteils (Wohlers, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung,
2. Aufl., Zürich 2014, Art. 5 N 6 f.). Die Unangemessenheit der Verfahrensdauer
ergibt sich aus einer Gesamtwürdigung verschiedener Kriterien, wie die Schwere
des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhalts, die dadurch notwendigen Un-
tersuchungshandlungen, das Verhalten des Beschuldigten und der Strafbehörden
sowie die Belastungen, denen der Beschuldigte ausgesetzt war (Wohlers, a.a.O.,
Art. 5 N 8 f. m.H.). Es gilt dabei zu beurteilen, ob es den Behörden aus objektiver
Sicht möglich gewesen wäre, den Fall innert wesentlich kürzerer Zeit ab-
zuschliessen, beispielsweise, weil das Verfahren über einen längeren Zeitraum
nicht behandelt wurde (Summers, in: BSK StPO, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 5 N 14;
BGE 122 IV 103 E. I. 4). Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots hat grund-
sätzlich eine Reduktion des Strafmasses bis hin zu einem Absehen der Strafe zur
Folge (BGE 117 IV 124 E. 3 und 4).
Vorliegend wurde gegen den Beschuldigten seit dem September 2016 eine Straf-
untersuchung geführt. Im September und Oktober 2016 wurden die polizeilichen
und von Januar 2017 bis Juni 2017 die staatsanwaltlichen Einvernahmen durch-
geführt. Im Juni 2017 wurde Anklage gegen den Beschuldigten erhoben. Die erst-
instanzliche Hauptverhandlung fand am 24. Oktober 2017 statt. Anlässlich der
Hauptverhandlung und mit Eingabe vom 27. Oktober 2017 meldete der Beschul-
digte die Berufung an. Im Dezember 2017 wurde den Parteien das begründete
erstinstanzliche Urteil zugestellt. Der Beschuldigte reichte noch im Dezember
2017 seine Berufungserklärung ein. Im Januar 2018 wurde den Parteien Frist zur
Erhebung einer allfälligen Anschlussberufung sowie weiterer prozessualer Erklä-
rungen angesetzt. Im März 2018 wurde zur zweitinstanzlichen Hauptverhandlung
auf den 5. Juli 2018 vorgeladen. Nach der Durchführung der Hauptverhandlung
wurde das Beweisverfahren wieder aufgenommen und E._ rechtshilfeweise
als Zeugin einvernommen. Die Zeugeneinvernahme erfolgte am 28. November
2018. Danach wurde das weitere Berufungsverfahren im Einverständnis der Par-
teien schriftlich geführt. Im Januar 2019 wurde den Parteien daher Frist ange-
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setzt, um zur Zeugeneinvernahme Stellung zu nehmen. Aufgrund dieser Chrono-
logie der behördlichen Handlungen sind keine zeitlichen Verzögerungen ersicht-
lich. Das Beschleunigungsgebot wurde nicht verletzt.
4.5 Die Täterkomponente wirkt sich auf die nach der Tatkomponente festgesetzte
Einsatzstrafe nicht aus. Der Beschuldigte ist daher mit einer Freiheitsstrafe von
24 Monaten zu bestrafen. Der Anrechnung der im vorliegenden Verfahren erstan-
denen Haft von einem Tag steht nichts entgegen.
VI. Vollzug
Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe
von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht
notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten. Die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten
Strafvollzuges sind bei einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren in objektiver Hinsicht
erfüllt. In subjektiver Hinsicht ist für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges
das Fehlen einer ungünstigen Prognose bezüglich künftiger Verbrechen oder
Vergehen vorausgesetzt. Mit anderen Worten wird die günstige Prognose vermu-
tet, doch kann diese Vermutung widerlegt werden. Bei der Prognosestellung ist es
unerlässlich ein möglichst umfassendes Bild der Täterpersönlichkeit zu zeichnen.
Zu beachten sind die Tatumstände, das Vorleben, der Leumund sowie weitere re-
levante Tatsachen, die Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aus-
sichten seiner Bewährung zulassen. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen,
dass dem Beschuldigten als vorstrafenloser Ersttäter eine günstige Prognose ge-
stellt werden kann. Die Probezeit ist auf zwei Jahre festzulegen.
VII. Zivilforderungen
Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, der Privatklägerin eine Genugtu-
ung von Fr. 7'500.– zuzüglich 5% Zins ab 24. September 2016 zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin abgewiesen
- 74 -
(Urk. 52 S. 71). Die Privatklägerin hat weder Berufung noch Anschlussberufung
erhoben.
Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen zur Anmeldung von Zivilansprüchen so-
wie zur Zusprechung einer Genugtuung treffend dargelegt, darauf kann verwiesen
werden (Urk. 52 S. 68 f.). Ebenfalls hat die Vorinstanz mit zutreffender Begrün-
dung, auf welche vollumfänglich zu verwiesen ist (Urk. 52 S. 69 f.), eine Genugtu-
ung von Fr. 7'500.– zuzüglich 5% Zins seit 24. September 2016 zugesprochen.
Diese vorinstanzlichen Erwägungen bedürfen keiner Ergänzung.
VIII. Kosten und Entschädigung
1. Der Beschuldigte obsiegt beim Strafmass zu einem Teil. Demgegenüber unter-
liegt er mit seinen weiteren Anträgen. Entsprechend rechtfertigt es sich, die Kos-
ten der Untersuchung und des vorinstanzlichen Verfahrens einschliesslich der-
jenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privat-
klägerin, dem Beschuldigten zu 5/6 aufzuerlegen und zu 1/6 auf die Gerichts-
kasse zu nehmen.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 5'000.– anzusetzen
(Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 Abs. 1 lit. b GebV
OG).
3. Unter Berücksichtigung der von Rechtsanwältin lic. iur. D._ eingereichten
Honorarnote (Urk. 106) ist dieselbe für ihre Aufwendungen im Berufungsverfahren
mit Fr. 3'800.– aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Dem Ausgang des Verfah-
rens entsprechend sind die Kosten des Berufungsverfahrens inklusive derjenigen
der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin dem Beschuldigten zu 5/6 auf-
zuerlegen und zu 1/6 auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5. Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte Anspruch auf eine reduzierte Entschä-
digung für die Kosten seiner anwaltlichen Verteidigung im Berufungsverfahren
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(Art. 436 Abs. 1 und 2 StPO). Die Verteidigerin reichte anlässlich der Berufungs-
verhandlung vom 5. Juli 2018 zwei Honorarnoten ein, wobei sie ihren bis dato
aufgelaufenen Aufwand mit knapp Fr. 14'000.– bezifferte (vgl. Urk. 69/4 und
69/5). Darüber hinaus sei der Beschuldigte für die zwei Privatgutachten zu ent-
schädigen (Urk. 68 S. 3). Hierzu gilt zu erwähnen, dass die Verteidigung die Kos-
ten pro Kopie anstatt wie üblich mit –.50 mit Fr. 1.– veranschlagte, was ent-
sprechend zu korrigieren ist. Nicht zu entschädigen ist der Beschuldigte sodann
für die Kosten im Zusammenhang mit den von ihm veranlassten und zu den Akten
gereichten Privatgutachten betreffend die theoretische Berechnung der Blutalko-
holkonzentration der Privatklägerin sowie von ihm selber. Wie gesehen konnten
diese nichts zur Erhellung des vorliegenden Falles beitragen und erwiesen sich
als obsolet. Vor dem Hintergrund, dass sich seit der Berufungsverhandlung ins-
besondere aufgrund der rechtshilfeweisen Zeugeneinvernahme von E._ pro-
zessuale Weiterungen ergeben haben, was bei der Verteidigung zu weiterem
Aufwand geführt hat (vgl. Urk. 73; Urk. 82; Urk. 96; Urk. 102; Urk. 107), ist von ei-
ner nicht reduzierten Pauschalentschädigung von Fr. 15'000.– für das gesamte
Berufungsverfahren auszugehen. Unter Berücksichtigung des Ausgangs des Be-
rufungsverfahrens ist dem Beschuldigten demnach eine reduzierte Entschädigung
in der Höhe von Fr. 2'500.– zuzusprechen.
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