Decision ID: 2b333d99-1ea3-5adb-bc32-57b1eb9b04e9
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reiste gemäss eigenen Angaben am 15. August
2019 aus Italien herkommend in die Schweiz ein und suchte hier tags da-
rauf um Asyl nach.
A.b Das SEM führte am 5. September 2019 eine Erstbefragung durch. Dort
bat der Gesuchsteller um Korrektur seines Geburtsdatums von (...) auf (...)
und reichte einen heimatlichen Geburtsschein ein. Nachfolgend setzte das
SEM nach einer am 20. September 2019 vom Institut für Rechtsmedizin
der Universität Basel durchgeführten forensischen Lebensalterseinschät-
zung, deren Ergebnisse in einem rechtsmedizinischen Gutachten datiert
vom 1. Oktober 2019 festgehalten wurden und zu dem der Beschwerde-
führer am 3. Januar 2020 eine Stellungnahme einreichte, das Geburtsda-
tum des Beschwerdeführers auf den (...) fest. Die Beschwerde gegen
diese Festlegung und der entsprechende Antrag auf Änderung des Ge-
burtsdatums im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) werden
separat behandelt.
A.c Der Beschwerdeführer wurde am 23. Januar 2020 erstmals zu seinen
Gesuchsgründen befragt. Aufgrund von Übersetzungsproblemen wurde in
dieser Anhörung mit der zugewiesenen Rechtsvertretung im Bundesasyl-
zentrum Basel vereinbart, dass der Beschwerdeführer in dieser Anhörung
nur summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt, dem erweiterten Ver-
fahren zugewiesen und eine ergänzende Anhörung durchgeführt wird. Am
28. Januar 2020 wurde der Gesuchsteller dem erweiterten Verfahren zu-
gewiesen.
A.d Nachdem ein erster Termin zur ergänzenden Anhörung am 29. Sep-
tember 2020 nicht durchgeführt werden konnte, wurde der Gesuchsteller
am 3. Februar 2021 ergänzend angehört.
B.
B.a Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, er stamme aus
einer muslimischen Familie aus Sierra Leone und habe vor seiner Ausreise
in Freetown gelebt. Er sei schwul und als seine Familie dies entdeckt habe,
habe sie ihn verstossen und dabei sei es zu gewalttätigen Übergriffen
durch seinen Bruder gekommen, der ihn mit einem Holz geschlagen und
am Arm verletzt habe. Er habe Angst seiner Familie zu begegnen, da er
weitere Übergriffe fürchte. Er habe danach während zwei Jahren bei einem
Freund namens B._ gelebt und seinen Lebensunterhalt im Wesent-
lichen von Tätigkeiten in einem kleinen Shop, der sich mit Musik und Musik-
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Downloads beschäftigte, finanziert. Während dieser Zeit habe er regelmäs-
sig wegen seiner Art, sich zu kleiden, Probleme bekommen. Er sei auch
aufgrund seiner Art, die Sprache zu verwenden, als Teil der LGBT-Commu-
nity zu erkennen, so habe ihn beispielsweise eine Freundin seiner Schwes-
ter, die selbst lesbisch sei, als homosexuell identifiziert. Er macht zudem
geltend, dass die Verfassung von Sierra Leone Schwule nicht schütze und
dass auch die Polizei Homosexuelle nicht schütze, er habe deswegen
Angst zurückzukehren, da Personen, von denen bekannt werde, dass sie
schwul sind, bestraft würden.
B.b Zu seiner Ausreise erklärte er, er habe auf einem guten Niveau Fuss-
ball gespielt und habe für ein Turnier, das in Kroatien stattgefunden habe,
ein Visum erhalten. Dort habe er sich von der Mannschaft abgesetzt und
sei über Slowenien und Italien in die Schweiz gekommen.
C. Mit Verfügung vom 29. Juli 2021 (eröffnet am 10. August 2021) stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab, verbunden mit der Anordnung der
Wegweisung aus der Schweiz und des Wegweisungsvollzuges nach Sierra
Leone. Im Rahmen seiner Entscheidbegründung erkannte das SEM die
Ausreisegründe als insgesamt unglaubhaft und begründete dies unter an-
derem damit, dass der Beschwerdeführer Fragen zu seiner Person und
seinen Lebensumständen ungenau und ausweichend beantwortet habe.
Darüber hinaus seien seine Schilderungen der Ausreise insbesondere die
Aussage, er habe in einem Fussballteam gespielt, das zu einem internati-
onalen Turnier nach Kroatien eingeladen worden sei, von wo aus er über
Slowenien und Italien in die Schweiz gekommen sei, nicht glaubhaft. Der
Vorgang bei der Entdeckung seiner Homosexualität durch seine Familie
sei als «plakativ» zu taxieren und auch die weiteren Angaben seien unsub-
stantiiert und unlogisch. Daher sei das Asylgesuch abzulehnen und die
Asylrelevanz müsse nicht geprüft werden. Den Wegweisungsvollzug qua-
lifizierte das SEM als zulässig, zumutbar und möglich. Hinsichtlich der Zu-
mutbarkeit eines allfälligen Wegweisungsvollzugs führte die Vorinstanz
aus, der Beschwerdeführer sei ein gesunder junger Mann, der über ein Be-
ziehungsnetz in Sierra Leone verfüge, da er die Probleme mit seiner Fami-
lie nicht habe glaubhaft machen können.
D.
D.a Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 9. Septem-
ber 2021 Beschwerde. In seiner Eingabe beantragte er zur Hauptsache die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl,
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eventualiter die Feststellung der Unmöglichkeit, Unzulässigkeit oder Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges und die Anordnung einer vorläufi-
gen Aufnahme in der Schweiz, subeventualiter die Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz zwecks Sachverhaltsergänzung und Neubeurteilung
durch das SEM. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege, um Befreiung von der Kostenvorschuss-
pflicht und um Bestellung eines Rechtsbeistands seiner Wahl.
D.b Im Rahmen seiner Beschwerdebegründung bekräftigte er bezüglich
des vorliegend zu beurteilenden Prozessgegenstands im Wesentlichen
seine Gesuchsvorbringen, wobei er seine bisherigen Angaben mit ver-
schiedenen Detailangaben und diversen Zusatzbeschreibungen ergänzte
(vgl. dazu die Akten). Er ging in seiner Beschwerde auf die von der Vor-
instanz ins Feld geführten Widersprüche ein und nahm zu den einzelnen
Situationen Stellung. Insbesondere hielt er daran fest, dass die wesentli-
chen Gesuchsvorbringen – insbesondere das Verstossen seitens seiner
Familie nach der Entdeckung der Homosexualität sowie die Schilderung
seiner Furcht, aufgrund seiner spezifischen Art zu sprechen und zu han-
deln, als homosexuell erkannt zu werden – der Wahrheit entsprechen und
schilderte die jeweiligen Situationen (nochmals) aus seiner Sicht. Daneben
machte er detaillierte Angaben zur Strafbarkeit der Homosexualität in
Sierra Leone, betonte, dass es trotz der Nichtdurchsetzung der gesetzli-
chen Strafnormen zu systematischen Übergriffen seitens der Polizei
komme und dass er gezwungen wäre, sich bei einer allfälligen Rückkehr
diskret zu verhalten, was für ihn aber aufgrund seiner Sozialisation und
seiner Verhaltensmuster inklusive der Sprache unmöglich wäre, so dass
ein unerträglicher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu
bejahen sei. Zudem brachte er vor, der Staat Sierra Leone biete keinen
Schutz gegen die ihm drohenden Übergriffe seitens seiner Familie oder
Dritten.
E. Am 15. September 2021 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine Un-
terstützungsbestätigung (...) ein.
F. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
10. September 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2
AsylG).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls
in der Regel – so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.4. Das vorliegende Verfahren beschränkt sich auf die Begehren bezüg-
lich des Asylverfahrens. Die Begehren bezüglich Berichtigung des Ge-
burtsdatums im ZEMIS werden unter der Geschäftsnummer (...) separat
behandelt.
1.5. Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
1.6. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1. Soweit der Beschwerdeführer die Rückweisung der Angelegenheit an
die Vorinstanz begehrt, rügt er in seiner Rechtsmitteleingabe in formeller
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Hinsicht eine Verletzung der Untersuchungs- beziehungsweise Begrün-
dungspflicht sowie des Anspruchs auf rechtliches Gehör, weil die Vorin-
stanz seine Aussagen ohne substantiierte Begründung als nicht glaubhaft
abgetan habe. Dieser Antrag wird vorab behandelt, da eine Verletzung der
Untersuchungs- beziehungsweise Begründungspflicht zur Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
zur Neubeurteilung führen könnte.
3.2. Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in Art. 26-33 VwVG konkreti-
sierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst unter anderem die Pflicht
der Behörden, die Vorbringen der Betroffenen sorgfältig und ernsthaft zu
prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen sowie die in Art. 35
Abs. 1 VwVG gesetzlich niedergelegte grundsätzliche Pflicht der Behör-
den, ihren Entscheid zu begründen (BGE 123 I 31 E. 2c). Deshalb müssen
die für den Entscheid bedeutsamen Überlegungen zumindest kurz genannt
werden (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2; Urteil des BVGer D-383/2015 vom
17. Januar 2017 E. 5.1). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein-
zelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt wird (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Eine unterlassene Würdigung zentraler Sachverhaltselemente kann hinge-
gen ebenfalls eine relevante Verletzung der Begründungspflicht darstellen.
Auch die unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Be-
schwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Der Untersuchungsgrund-
satz wird allerdings durch die allgemeine Mitwirkungspflicht der Parteien
(Art. 13 VwVG) sowie im Asylverfahren durch die besondere Mitwirkungs-
pflicht einer asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG) begleitet.
3.3. Für das erstinstanzliche Asylverfahren bedeutet dies, dass das SEM
zur richtigen und vollständigen Ermittlung und zur Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts verpflichtet ist und auch nach allen Elementen
zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchenden Person sprechen. Die
entscheidende Behörde darf sich zwar trotz des Untersuchungsgrundsat-
zes in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen einer asylsuchenden
Person zu würdigen und die von ihr angebotenen Beweise abzunehmen,
ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Nach Lehre und Praxis
besteht eine Notwendigkeit für über die Befragung hinausgehende Abklä-
rungen insbesondere dann, wenn aufgrund der Vorbringen der asylsuchen-
den Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen Beweismittel
Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraus-
sichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können. In
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Fällen vorgebrachter Homosexualität betrifft dies insbesondere die Ermitt-
lung der Praxis der Anwendung allfälliger existierender Strafnormen und
die mögliche individuelle Betroffenheit der jeweiligen Person von der An-
wendung solcher Normen (vgl. etwa das Referenzurteil des BVGer
D-6539/2018 vom 2. April 2019 [zum Irak], das Urteil des BVGer
E-4133/2020 vom 20. November 2020 [zu Uganda] oder das Urteil des
BVGer E-2109/2019 vom 28. August 2020 [zu Äthiopien]).
4.
4.1. Nach Auffassung des Gerichts hat die Vorinstanz diese Anforderungen
im vorliegenden Verfahren offensichtlich nicht erfüllt. Aus der vorinstanzli-
chen Begründung wird weder für den Beschwerdeführer noch für die über-
prüfende Gerichtsinstanz genügend klar, ob allein die vorgebrachten Er-
eignisse – insbesondere die Schwierigkeiten mit der Familie – oder auch
die Homosexualität an sich als unglaubhaft erachtet wurden. Damit wird
eine sachgerechte Anfechtung durch den Beschwerdeführer wie auch eine
entsprechende Überprüfung durch die Beschwerdeinstanz verunmöglicht
(vgl. BVGE 2007/30 E.5.6). Die Vorinstanz verzichtete sodann auf die Prü-
fung der Asylrelevanz der Vorbringen und erwähnte die Situation für Ho-
mosexuelle in Sierra Leone mit keinem Wort. Dadurch, dass die Vorinstanz
lediglich konstatierte, die vorgebrachten Ausreisegründe hielten den Anfor-
derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, fehlt ein
zentrales Element der Prüfung in Fällen vorgebrachter Homosexualität in
einem Länderkontext, in dem eine Strafnorm für homosexuelles Verhalten
existiert. Die Feststellung der Unglaubhaftigkeit der Ausreisegründe genügt
in diesen Fällen allein nicht, um die Asylrelevanz auszuschliessen (vgl.
etwa Urteil des BVGer E-4133/2020, E. 6.4), da neben der Glaubhaftigkeit
der Vorfluchtgründe in diesen Fällen, der Frage, ob die Homosexualität an
sich glaubhaft ist und in diesem Zusammenhang eine begründete Furcht
vor zukünftiger Verfolgung vorliegt, zentrale Bedeutung zukommt.
4.2. Die Homosexualität lässt sich als Verfolgungsmotiv in ständiger Recht-
sprechung des Bundesverwaltungsgerichts unter der in Art. 3 AsylG er-
wähnten „sozialen Gruppe“ erfassen (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-6539/2018, E. 7.2 m.w.H.). Im Hinblick auf die Asylrelevanz ist daher –
auch wenn die konkreten Ausreisegründe nicht glaubhaft gemacht wurden
– insbesondere zu prüfen, ob die Homosexualität glaubhaft und die Furcht
des Beschwerdeführers vor den mit einem allfälligen Outing verbundenen
Konsequenzen als eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG zu qualifizieren ist. Dabei ist zu ermitteln, ob die Art und
Weise, wie der Beschwerdeführer bei Rückkehr leben müsste, geeignet ist,
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einen unerträglichen psychischen Druck zu verursachen. Bei dieser Prü-
fung hätte sich das SEM – im Falle der Glaubhaftigkeit der Homosexualität
– im Lichte der verfügbaren Herkunftsländerinformationen dazu äussern
müssen, ob die Verheimlichung der Homosexualität in Sierra Leone ähnlich
zu beurteilen ist, wie dies das Gericht in Bezug auf den Irak im konkreten
Einzelfall im Referenzurteil D-6539/2018 (E. 8) festgehalten hat. In diesem
Urteil befand das Gericht, dass die ständige Gefahr der Denunziation oder
unfreiwilligen Entdeckung, die gesellschaftlichen Repressionen und Margi-
nalisierung, die fehlende Unterstützung des Familienverbandes sowie die
Angst vor Diskriminierung in Polizeigewahrsam oder im Strafvollzug unter
Umständen einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3
Abs. 2 AsylG verursachen kann. Ob dies der Fall ist, sei im Einzelfall zu
prüfen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgericht D-6539/2018 vom 2. April
2019 E. 8 sowie etwa Urteil des BVGer E-4133/2020 vom 20. November
2020 E. 8). Eine solche Prüfung hat das SEM vorliegend unterlassen und
die Situation für Homosexuelle in Sierra Leone mit keinem Wort erwähnt.
4.3. Da sich die Vorinstanz nicht zur Asylrelevanz äussert, gleichzeitig der
Entscheid aber nicht erkennen lässt, welche Sachverhaltselemente als
nicht glaubhaft eingestuft werden und insbesondere nicht erkennbar wird,
ob dem Beschwerdeführer seine Homosexualität geglaubt wird, ist der
Sachverhalt offensichtlich nicht in rechtsgenüglicher Weise erstellt und der
Anspruch an die Begründungspflicht verletzt. Dies gilt in derselben Weise
auch für die sehr spärlichen Ausführungen zur Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs, bei denen ebenfalls jegliche Auseinandersetzung mit
der Situation im Herkunftsland fehlt.
4.4. Die formellen Rügen erweisen sich damit als offensichtlich begründet.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, soweit die Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz beantragt wurde.
5.
5.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
5.2. Die Beschwerdeinstanz kann gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 37 VGG der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen
oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendi-
gen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen. Allerdings liegen die
Voraussetzungen für eine Parteientschädigung nicht vor, da der Beschwer-
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deführer nicht vertreten war und nicht von ersatzwürdigen Auslagen aus-
zugehen ist (Art. 8 Abs. 1 i.V.m. Art. 13 des Reglements über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar
2008 [VGKE, SR 173.320.2]).
5.3. Die mit der Beschwerdeschrift gestellten Anträge auf Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeistän-
dung sind damit gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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