Decision ID: 327d6851-96a0-4c99-84f2-224106fca3af
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 197
7,
ist Mutter von zwei Kindern (Jahrgang 1996 und 2004;
Urk.
11/7/3). Sie
hat keine berufliche Ausbildung absolviert und war bisher nicht erwerbstätig (
Urk.
11/7/6). Unter Hinweis auf eine Depression und Schmer
zen meldete sich die Versicherte am 2
6.
Juli 2017 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/2,
Urk.
11/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte bei der
MEDAS Y._
ein psychiatrisch-
orthopädisches
Gut
achten ein
(
Urk.
11/21
), das am
3.
April 2018
erstattet wurde
(
Urk.
11/29)
.
Am 2
4.
Mai 2018
liess die IV-Stelle
sodann ein
e
Haushaltsabklärung
durchführ
en
(
Urk.
11/32). Mit Vorbescheid vom 2
1.
Juni 2018 stellte die IV-Stelle der Versi
cherten die Abweisung ihres Leist
ungsbegehrens in Aussicht (Urk.
11/35). Nach
dem die Versicherte dage
gen Einwand erhoben hatte (Urk.
11/36,
Urk.
11/40,
ver
neinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 25.
September 2018 wie angekündigt
einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente
(
Urk.
11/36 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Milosav Milovanovic, Zürich, am 2
3.
Oktober 2018 Beschwerde und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zwecks
rechtsgenüglicher
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In formeller Hinsicht stellte die Versicherte ein Gesuch um un
entgeltliche
Prozessführung
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
November 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 2
2.
November 2018 zur Kenntnis ge
bracht wurde.
Gleichzeitig
wurde ihr die unentgeltliche
Prozessführung
gewährt (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts;
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen ei
nander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verfügung vom 2
5.
September 2018 da
hingehend, dass die Beschwerdeführerin vom 3
1.
August 2016 bis am 3
0.
Juni 2017 in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Danach sei ihr eine angepasste Tätigkeit zu 70
%
zumutbar
gewesen
(
Urk.
2 S. 1). Die Beschwer
deführerin sei noch nie einem Erwer
b nachgegangen, eine Haushaltsab
klärung habe jedoch ergeben, dass sie bei guter Gesundheit zu 50
%
erwerbstätig und zu 50
%
im Haushalt tätig wäre. Ein mit dieser
Pensumsaufteilung
durchgeführter Einkommensvergleich ergebe
für den Zeitraum
bis zur
Gesetzesänderung
(richtig: Verordnungsänderung)
per
1.
Januar 2018 einen Invaliditätsgrad von 0
%
und für
die Zeit danach
einen solchen
von 15
%. Es bestehe daher kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (
Urk.
2 S. 2 f.).
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin vor, sie leide an psychischen und so
matischen Beschwerden und befinde sich in andauernder Behandlung bei Fach
ärzten und in Spitälern.
Auf das
Y._
-Gutachten
könne nicht abges
tellt werden (
Urk.
1 S.
3)
,
umso mehr als d
ie neurologischen und rheumatologischen Be
sch
w
erden nich
t abgeklärt worden
seien
.
Aus den Berichten der behandelnden Ärzte gehe hervor, dass sie an Wirbelschmerzen, an einer mittelgradigen depres
siven Episode, an einem
Fibromyalgiesyndrom
sowie an weiteren Krankheiten leide und deshalb im Erwerbsleben erheblich eingeschränkt sei
(
Urk.
1 S.
5
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht gestützt auf das
bidisziplinäre
Y._
-
Gutachten vom 3. April 2018 verneint
hat
.
3.
3.1
In seinem
Bericht vom 1
1.
September 2017 stellte
Z._
, Arzt für Allge
meinmedizin (A), die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
11/12/1):
-
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
-
Status nach
Sequestrektomie
/
Nukleotomie
LWK 3/4 links
-
Status nach mikrochirurgischer Diskektomie HWK 5/6
-
chronisches
myofasziales
zervikale
s Sch
m
erzsyndrom mit überlappender
Mig
räne
-
unspezifische Polyarthralgie beider Hände
Z._
führte aus, die Beschwer
deführerin sei Hausfrau, weswegen von ihm
keine Arbeitsun
fähigkeit bescheinigt werde
. Aufgrund ihrer m
ultiplen Diagnosen und Symptome
sei ihre Leistungsfähigkeit vermindert, es sei jedoch aufgrund der bisher fehlenden Arbeitstätigkeit nicht möglich zu beurteilen, in welchem Um
fang und mit welchem Belastungsprofil eine angepasste Tätigkeit möglich wäre (
Urk.
11/12/2 f.).
3.2
In ih
rem Bericht vom
5.
Oktober 2017
stellten die Fachpersonen des
A._
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1
;
Urk.
11/13/6
).
Die Beschwer
deführerin sei für sämtliche Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig,
für
wie lange sei nicht vorhersehbar. Die Prognose sei aufgrund der fortgeschrittenen
Chroni
fizierung
negativ (
Urk.
11/13/
8)
.
3.3
Im psychiatrisch-
orthopädischen
Y._
-
Gutachten
vom
3.
April 2018
erhoben
Dr.
med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be
wegungsapparates, als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine nicht näher bezeichnete psychische Störung (ICD-10 F99) sowie folgende Diag
nosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
11/29/7):
-
pseudoradikuläres
Lumbalsyndrom links bei Status nach
Sequesterekto
mie
/
Nukleotomie
LWK 3/4 von links am 3
1.
August 2016
-
Zervikobrachialgie
beidseits ohne
radikul
äre
Reizung, Status nach
anterio
rer
Diskektomie und
Spondylodese
HWK 5/6 am
9.
Januar 2017
-
anamnestisch substituierter Vitamin B-Mangel
-
Senk-Spreizfuss beidseits
Die Gutachter
führten aus, bei der Beschwerdeführerin lägen mannigfaltige psy
chische Beschwerden vor, die sich nicht un
ter einem spezifischen Syndrom o
der eine eindeutige Diagnose subsumieren liessen. Zu erwähnen seien: intermittie
rend auftretende Suizidgedanken, Schreckhaftigkeit, psychosomatisch und soma
toform anmutende Beschwerden, abnorme Gewohnheiten und Störungen der Im
pulskontrolle, kognitive Beeinträchtigungen, phobisch anmutende Ängste, Man
gel
an Initiative und Motivation sowie
Kraftlosigkeit. Der beschriebene Be
schwerde- und Symptomkomplex sei sehr wahrscheinlich auf die meist negativ verlaufene Biografie zurückzuführen, so dass auch neurotische Komponenten wahrscheinlich seien. In ihrer Summe besässen die genannten Beeinträchtigun
gen Krankheitswert, sie würden definitiv eine Abnahme der Stres
stoleranz und der Ressourcen sowie
reduzierte Coping-Strategien bedeuten. Die psychiatrische Problematik lasse auf eine Abnahme der Leistungsfähigkeit um 30
%
schliessen, was einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
entspreche. Dies gelte sowohl für die bish
e
rige Tätigkeit als Hausfrau als
auch für jede andere Tätigkeit (
Urk.
11/29/7).
Im Rahmen der orthopädisch-
traumatologischen
Untersuchung hätten die von der Beschwerdeführerin angegebenen diffusen Schmerzen im Nacken, in beiden Schultern, in den Fingerendgelenken, im Bereich der Lendenwirbelsäule und in beiden Kniegelenken nur zu einem geringen Teil verifiziert werden können. Die diagnostischen Kriterien für eine Fibromyalgie seien nicht erfüllt. Sämtliche
Wad
dell-Zeichen
als Hinweise für eine nicht organische Pathologie seien erfüllt. Die angegebenen
Hypästhesien
im gesamten linken Bein entsprächen keinem
Derma
tom
. Die angegebenen aktuellen Schmerzen im linken Bein seien
pseudoradikulär
. Aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht ergebe sich daraus eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich mittelschwere Tätigkeiten mit Zwangshaltun
gen der Lendenwirbelsäule. Da die bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin
als Hausfrau einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne Zwangshal
tung der Lendenwirbelsäule entspreche, ergäben sich daraus keine Einschränkun
gen der Arbeitsfähigkeit. Zusammenfassend
sei festzustellen, dass für di
e
Frage der
Arbeitsfähigkeit lediglich die psychiatrische Diagnose relevant sei. Somit be
trage die Arbeitsfäh
igkeit
bidisziplinär
70
%
(Urk.
11/29/8).
Zum
Belastungsprofil im
bidisziplinären
Konsens
erläuterten
die Gutachter, dass Tätigkeiten mit hohem Stresspegel zu vermeiden seien. Die Ausdauer und
die
Fähigkeit
,
unter Zeitdruck zu arbeiten
,
seien reduziert. Es müsse auf einen ange
messenen Leistungs- und Zeitdruck geachtet werden. Unter Umständen bestehe ein erhö
hter Regenerations- und
vermehrter Pausenbedarf. Tätigkeiten mit grös
seren Menschenansammlungen oder mit entsprechendem Lärm seien eher unge
eignet. Körperlich geeignet seien leichte bis gelegentlich leicht bis mittelschwere Tätigkeiten ohne Zwangshaltun
gen der Lendenwirbelsäule (Urk.
11/29/8).
Die Gutachter legten weiter dar, dass aus orthopädischer Sicht
aufgrund der ope
rativen Eingriffe an der Lenden- und der Halswirbelsäule
vom 3
1.
August 2016 bis Ende Juni 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten nach
vollziehbar sei. Ab Juli 2017 sei wieder lediglich die psychiatrische Problematik relevant gewesen, wobei davon auszugehen sei, dass diese praktisch immer vor
gelegen habe und sich die Arbeitsfähigkeit innerhalb der letzten Jahre in einer ähnlichen Grössenordnung bewegt habe (
Urk.
11/29/9).
3.4
In ihrer Stellungnahme
vom 2
0.
September 2018 (
Urk.
3/2)
zum psychiatrischen Teil des
Y._
-Gutachtens
führten
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie
,
und
Dr.
phil.
klin
. p
sych.
E._
, klinischer Psychologe und Supervisor, vom
A._
,
aus, es seien die folgenden, klar abgrenzbaren psychischen Störungen vorhanden:
-
r
ez
idivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) mit/bei schweren depressiven Episoden in der Vergangenheit
-
s
pezifische isolierte Phobie (ICD-10 F40.2), Differentialdiagnose zwanghafte Störung
-
Status nach Suizidversuch
Trittico
-Intoxikation (6.3 g) im 12/16 (ICD-10 X61)
-
Status nach sexuellem Missbrauch (ICD-10 Z61.4/4)
Zur Arbeitsfähigkeit erläuterten die behandelnden Fachpersonen, die Beschwer
deführerin sei subjektiv zu 100
%
arbeitsunfähig, auch in einer angepassten Tä
tigkeit und im Haushalt. Hinsichtlich des positiven Leistungsbildes seien der Be
schwerdeführerin Spaziergänge von maximal 30 Minuten, etwa 30 Minuten Sit
zen und maximal 1
5 Minuten Stehen zumutbar. Das n
egative Leistungsbild er
laube keine schweren Arbeiten, nur langsames Treppenlaufen, kein schnelles oder starkes
Kopfdrehen mehr seit der Halswirbelsäulen-Operation, kein Bücken oder Knien, nur kurzes Kauern, nur leichte Mithilfe im Haushalt und keine Überkopf-Arbeiten. Die Beschwerdeführerin
sei aufgrund der Schmerzen in der Haushalts
führung deutlich eingeschränkt und stets auf die Hilfe der Familienmitglieder an
gewiesen. Sie sei zwar motiviert, eine Arbeit zu finden, es könnten ihr aufgrund der Rückenschmerzen jedoch keine körperlich schwere
n Arbeiten zugemutet wer
den. Die Beschwerdeführerin
würde gerne in ein
em Restaurant arbeiten
,
es sei ab
er unklar, inwiefern sie die körperliche Belastung als auch die kognitiven An
forderungen der Arbeit beurteilen könne. Aufgrund der depressiven Störung be
stünden Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit (auch Gedankenabreissen) so
wie Antriebsschwierigkeiten. Zudem sei die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Erfahrungen äusserst misstrauisch und vorsichtig gegenüber anderen Menschen, die psychische Belastbarkeit sei deutlich verringert. Sie
sei
aufgrund der psychi
schen Einschränkungen wahrscheinlich deutlich langsamer als andere und es könnten gehäuft Fehler auftrete
n. Aus diesen Gründen
werde
die Beschwerdefüh
rerin auch in einer leichten angepassten Tätigkeit als
zur Zeit
100
%
arbeitsun
fähig beurteil
t
. Insgesamt sei das Gutachten sehr selektiv in der Störungserfas
sung und nicht objektiv, dazu sehr undifferenziert in der Diagnose
stellung und daher falsch (Urk.
3/2 S.4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin beruft sich für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin hauptsächlich auf das orthopädisch-psychiatrische Gutach
ten vom
3.
April 2018
(
Urk.
11/29)
.
Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, dass eine polydisziplinäre Begutachtung mit Einbezug der Fachrichtungen Neu
rologie und Rheumatologie hätte durchgeführt werden müssen (
Urk.
1 S. 4).
Im BGE 139 V 349 (E. 3.3) hielt das Bundesgericht fest, dass die Gutachterstelle abschliessend darüber entscheidet, welche Fachdisziplinen im Einzelfall zu be
gutachten sind.
Grundsätzlich seien zwar die von der IV-Stelle gewählten Fach
disziplinen für die Gutachterstelle bindend, insbesondere wenn die Auswahl spe
zifisch versicherungsrechtlich oder -medizinisch begründet sei. Jedoch sei die Bindung nicht absolut. Die beauftragten Sachverständigen seien letztverantwort
lich einerseits für die fachliche Güte und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten Entscheidungsgrundlage, andererseits aber auch für eine wirtschaftliche Abklärung. Es müsse den Gutachtern freistehen, die von der IV-Stelle bzw. dem RAD (oder im
Beschwerdefall durch ein Gericht) bezeichneten Disziplinen gegen
über der Auftraggeberin zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die Vorgaben nicht einsichtig seien (BGE 139 V 349 E. 3.3).
Vorliegend teilte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin
am
1
5.
No
vember 2015 mit, dass eine
bidisziplinäre
medizinische Untersuchung in den Fachgebieten Psychiatrie und Rheumatologie vorgesehen sei (
Urk.
11/16), woge
gen die Beschwerdeführerin keine Einwendungen vorbrachte. In der Folge wurde der Auftrag zur B
egutachtung an die MEDAS Y._
vergeben (
Urk.
11/17)
, welche der Beschwerdegegnerin mitteilte, dass aufgrund der aufgeführten Diag
nosen ein orthopädisches und nicht ein rheumatologisches Gutachten durchge
führt werden sollte (
Urk.
11/19). Mit Schreiben vom 11.
Dezember 2017 teilte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die vorgesehenen Gutachter und ihre Fachrichtungen, mithin auch den Wechsel
von einer rheumatologischen zu einer orthopädischen Begutachtung,
mit (
Urk.
11/21). Die Beschwerdeführerin wendete dagegen
innert der angesetzten Frist
nichts ein. Die Auswahl der Gut
achter samt Fachrichtungen erfolgte somit gesetzmässig und im Konsens der Par
teien.
Auf
eine
rheumatologische
Begutacht
ung
konnte
verzicht
et werden
,
nach
dem eine solche von der Gutachtensstelle - im Gegensatz zu einer orthopädischen Begutachtung - nicht als sinnvoll erachtet wurde. Abgesehen davon
bilden (chro
nische) Schmerzen des Bewegungsapparates Gegenstand sowohl der Rheumato
logie als auch der Orthopädie (
Urteil des Bundesgerichts 9C_320/2015 vom 2
5.
August 2015 E. 3.3.3
).
Auch für die Notwendigkeit eines neurologischen Gut
achtens bestehen vorliegend keine Anhaltspunkte,
da
sich die von der Beschwer
deführerin angeführten neurologischen
Ausfälle (
Urk.
1 S.
3
)
aus keinem ärztli
chen Bericht
ergeben
.
4.2
Im Weiteren kritisierte
die
Beschwerdeführer
in,
dass der psychiatrische Gutachter sich nicht ernsthaft mit dem Fall befasst, sondern nur ein kurzes Gespräch mit der Beschwerdeführerin geführt habe (
Urk.
1 S. 4). Gemäss bundesgerichtlicher Praxis ist indes von vornherein nicht die Dauer der jeweiligen Untersuchung mas
sgebend, sondern in erster Linie vielmehr, ob die darauf basierenden ärztlichen Folgerungen inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_848/2012 vom 1
6.
April 2013 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
4.3
Das Gutachten basiert auf umfassenden psychiatrischen und
orthopädisch-trau
matologischen
Untersuchungen und wurde in detaillierter Kenntnis sowohl der
Vorakten
als auch der von den Gutachtern zusätzlich eingeholten Akten erstellt
(
Urk.
11/29/3 ff.). Die Beschwerdeführerin konnte gegenüber den einzelnen Sach
verständigen ihre aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils - soweit fach
spezifisch erforderlich - eing
eh
e
nd befragt. Namentlich anlässlich der psychiat
r
ischen Exploration konnte sie sich ausführlich zu diversen Themen
bereichen wie ihrem Tagesablauf und den familiären Verhältnissen äussern (
Urk.
11/29/21,
Urk.
11/29/23). Die geklagten Leiden fanden sodann im Rahmen der Feststellung der Diagnosen Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und erläutert wurden (
Urk.
11/29/7 f.,
Urk.
11/29/26,
Urk.
11/29/40 f.).
Dabei wurde auch zu den Standardindikatoren Stellung genommen (
Urk.
11/29/10 ff.,
Urk.
11/29/28 ff.). Ebenfalls erfolgte eine Auseinandersetzung mit vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen (
Urk.
11/29/30,
Urk.
11/29/43). Gesamthaft erfüllt das
bidisziplinäre
Gutachten somit die formellen Kriterien für eine beweiswerte medizinische Expertise (vgl. vorstehende E. 1.4).
4.4
In somatischer Hinsicht wurden keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit
(in der letzten Tätigkeit)
aufgeführ
t (Urk. 11/29/7).
Das
pseudoradikuläre
Lumbalsyndrom links
sowie die
Zervikobrachialgie
beidseits ohne
radikuläre
Rei
zung
schränken die Beschwerdeführerin laut
Dr.
C._
in der bisherigen Tätigkeit als Hausfrau
nicht ein
, da es sich dabei um eine körperlich leichte bis höchstens mitte
l
schwere Tätigkeit handle.
Einschränkungen bestünden jedoch für
körperlich mittelschwere Tätigkeiten mit Zwangshaltungen der Lendenwirbelsäule
(
Urk.
11/29/42).
Diese Einschätzung w
ird von der Beschwerdeführerin
in Frage gestellt
(
Urk.
1 S. 3).
Dr.
C._
führte im orthopädisch-
traumatologischen
Gutachten aus, die von der Beschwerdeführerin angegebenen diffusen Beschwerden hätten nur zu einem ge
ringen Teil verifiziert werden können. So sei
en sowohl
die Hals
- als auch die Lenden
wirb
elsäule frei beweglich und ohne
Hinweise auf eine Reizung
der
Ner
venwurzeln. Auch im MRI vom 2
3.
November 2017 hätten sich
bezüglich der Halswirbelsäule und de
r
Druck- und Klopfschmerzangaben über den Facettenge
lenken LWK 1/2 beidseits keine passenden Korrelate ergeben. Die Druck
schmerzangabe über den Facettengelenken LWK 4/5 werde durch Facettenge
l
e
nksarthrosen auf dieser Höhe erklärt. Die Schulter-, Ellenbogen- und Kniege
lenke seien frei beweglich, die angegebenen Schmerzen könnten nicht nachvoll
zogen werden. Auch die Röntgenaufnahmen der Hände und der Knie seien un
auffällig, insbesondere hätten sich keine Anhaltspunkte für degenerative
o
der rheumatisch-entzündliche
Veränderungen ergeben
(
Urk.
11/29/42).
Etwas
Ande
res
ergibt sich auch aus den Berichten der behandelnden Ärzte nicht.
So konnten die Ärzte der Klinik für Neurochirurgie des
F._
im MRI vom 2
3.
November 2017 ebenfalls keine zu den klinischen Angaben und Befun
den passende Korrelate feststellen
(
Urk.
11/29/70)
. Ferner führte
auch
die behan
delnde Rheumatologin
Dr.
G._
aus, die Beschwerdeführerin gebe
Druck- und Klopfschmerzen an fast der gesamten Wirbelsäule sowie
an verschiedenen Gelen
ken an, die Beweglichkeit sei jedoch bis auf die Lendenwirbelsäule nicht einge
schränkt.
Sodann bestünden keine objektivierbaren
Synovitiden
oder laborche
mische Hinweise auf eine entzündliche Systemkrankheit
(Urk. 11/29/74 f.).
D
as Vorliegen einer
von
Dr.
G._
und anamnestisch auch von den Ärzten des
F._
diagnostizierte
n
Fibromyalgie
schloss
Dr.
C._
mangels
Erfüllung
der überprüften diagnostischen
Fibromyalgie
kriterien
aus (
Urk.
11/29/42)
.
Auf diese Kriterien wurde von
Dr.
G._
kein Bezug genommen, sie hielt lediglich fest, dass die Symptomatik bei bekanntem
Fibromyalgiesyndrom
zu beurteilen
sei (Urk.
11/29/75). Damit lässt sich die Feststellung der Gutachterin nicht in Zweifel ziehen.
Ohnehin besteht zwischen ärztlich gestellter Diagnose und Arbeitsunfä
higkeit keine unmittelbare Korrelation (BGE 140 V 193 E. 3.1 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2018 vom 2
0.
Dezember 2018 E. 6.4). Massgebend sind vielmehr die konkreten funktionellen Auswirkungen auf das Leistungsver
mögen der betroffenen Person (Urteil des Bundesgerichts 9C_570/2018 vom 1
8.
Februar 2019 E. 3.2.1; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 9C_851/2018 vom 2
3.
Mai 2019 E. 4.1.4).
D
er Beschwerdeführerin
wurde jedoch
in
keinem der
(von ihr vorgelegten und von de
n Gutachter
n e
ingeholten) Berichte eine längerdauernde
Arbeits
un
fähigkeit aus somatischer Sicht attestiert
(vgl.
Urk.
11/12
,
Urk.
11/29/64 ff.)
.
D
ie Einschätzung der Gutachterin
überzeugt
so
dann auch im Hinblick auf die festgestellten Inkonsistenzen. So habe die Be
schwerdeführerin sich ganz unbehindert verhalten
und bewegt
und auch bei
der
Schilderung ihrer schwersten Schmerzen freundlich gelächelt. Trotz der Angabe von stärksten Schmerzen
im Bereich des Nackens und der Lendenwirbelsäule
nehme sie offensichtlich ihre Schmerzmedikamente nicht ein. Die Beschwerde
schilderung sei äusserst vage mit teilweise in sich widersprüchlichen Angaben
.
A
lle
Waddell
-Zeichen als Hinweise auf eine nicht organische Pathologie seien ebenfalls positiv gewesen
. Eine konsistente Einschränkung in verschiedenen Le
bensbereichen sei ebenso wenig festzustellen gewesen wie ein besonderer Schwe
regrad des Leidens
(
Urk.
11/29/42
f.
).
Damit ist die Einschätzung des somatischen
Gesundheitszustandes
und der Leis
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch die orthopädisch-
traum
a
tologische
Gutachterin nachvollziehbar
.
Einschränkungen bezüglich der Tätigkeit
im Haus
haltsbereich
sind nicht ersichtlich. Die diesbezüglichen Einwendungen der Be
schwerdeführerin sind unbegründet.
4.5
4.5
.1
Hinsichtlich des psychischen
Gesundheitszustandes diagnostizierte der psychiat
rische Gutachter
Dr.
B._
eine
nicht näher bezeichnete psychische Störung (ICD-10 F99).
Die
s wurde von der
Beschwerdeführerin
bemängelt unter Hinweis
auf die Stellungnahme des
A._
vom 2
0.
September 2018
,
in der
festgehalten wurde, dass die Symptome der Beschwerdeführerin nicht «keiner Störung zuzuordnen» seien, sondern nahtlos als klare ICD-10 Störungen zu erfassen seien (
Urk.
3/2 S. 7). Die behandelnden Fachpersonen verkennen da
bei, dass der Gutachter das Vorliegen einer psychischen Störung mit Krankheits
wert im Sinne der ICD-10 Klassifikation bejahte (
Urk.
11/29/
7
)
. Der psychiatrische Gutachter begründete zudem die «selten gebrauchte Kategorie» einer «nicht näher bezeichnete
n
psychischen Störung» nachvollziehbar damit
, dass sich die mannig
faltigen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin und die erhobenen Symp
tome nicht unter einer spezifischen psychiatrischen Diagnose zusammenfassen liessen
und
es wenig Sinn
mache
, einzelne Syndrome aufzulisten oder den Ver
such zu unternehmen, Symptomgruppen zu einzelnen Syndromen zusammenzu
fassen. Das psychiatrische Grundbild w
e
rde dadurch nicht abgebildet
(vgl.
Urk.
11/29/2
7
)
.
Abgesehen davon ist
nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens entscheidend,
sondern die
zugrunde liegenden
psychiatri
schen Befunde (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.3 mit Hinweisen
; Urteil des Bundesge
richts 8C_782/2012 vom 2
2.
Oktober 2013 E. 4.3.3
)
.
Im Übrigen kann d
ie
psychi
atrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen
und dem
begutachtenden Psychiater
bleibt
praktisch immer ein gewisser Spiel
raum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorge
gangen ist (Urteil
des Bundesgerichts 8C_629/2017 vom 2
8.
November 2017
E. 4.3 mit Hinweis auf
8C_839/2013 vom 1
3.
März 2014 E. 4.2.2.1
). Vorliegend hat der psychiatrische Gutachter die Beschwerden und Symptome der Beschwerde
führerin im Rahmen der Begutachtung aufgenommen und bei seiner Diagnose
stellung berücksichtigt.
Insbesondere schilderte der Gutachter auch nachvollzieh
bar, weswegen er die von den behandelnden Fachpersonen gestellte Diagnose einer
Depression nicht habe stellen können (
Urk.
11/29/27)
,
so dass die Diagno
sestellung einer «nicht näher bezeichneten ps
ychischen Störung» (ICD-10 F99)
nicht zu beanstanden ist.
4.5
.2
Was die Be
urteilung
der Einschränkungen aufgrund der nicht näher bezeichneten psychischen Störung anbelangt, so bezifferte
Dr.
B._
die
Einschränkung
der Leistungsfähigkeit in der Tätigkeit
im Haushaltsbereich
wie auch in allen anderen Tätigkeiten mit 30
%
, da die verminderte psychomentale Ausdauer und Belast
barkeit für jed
e
Art von Tätigkeit relevant sei
en
(
Urk.
11/29/27).
Dr.
B._
nahm bei dieser Beurteilung Bezug auf die Standardindikatoren der Rechtsprechung. Zunächst hielt er zum Indikator «Gesundheitsschädigung» fest, es bestünden keine Hinweise auf eine Aggravation, jedoch auf eine Verdeutli
chungstendenz.
Insgesa
mt seien die relevanten Befunde
unterschiedlich ausge
prägt, maximal jedoch mittelgradig. In Bezug auf den Faktor des «Behandlungs- und Eingliederungserfolg
s
»
wies
Dr.
B._
darauf hin, dass die Beschwerdeführe
rin sich in regelmässiger psychotherapeutischer Behandlung befinde, wovon sie auch zu profitieren scheine. Die psychiatrische Problematik lasse sich dadurch im Verlauf durchaus noch verbessern (
Urk.
11/29/28).
Die Medikamentenspiegel lä
gen
zwar leic
ht unter dem Referenzwert
, dabei sei jedoch zu berücksichtigen, dass erst wenige Tage vor der Begutachtung eine medikamentöse Umstellung stattge
funden habe. Eine medikamentöse Compliance könne daher angenommen wer
den. Die medikamentöse Behandlung dürfte im vorliegenden Fall jedoch ohnehin nicht im Vordergrund stehen (
Urk.
11/29/28). Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass eine Therapieresistenz nicht nachgewiesen ist, Eingliederungsversuche haben bisher keine stattgefunden
.
Laut
Dr.
B._
entfalle die
Kategorie
«
Komorbiditäten
»
aufgrund der mannigfal
tigen Symptomatik des psychiatrische
n Krankheitsbildes
, was einleuchtet
. Bezüg
lich des Indikators der
«
Persönlichkeit
»
der Beschwerdeführerin führt
e
Dr.
B._
aus, die Beschwerdeführerin verfüge über gute Ressourcen in den Komplexen Re
alitätsprüfung, Urteilsbildung, Beziehungsfähigkeit, Kontaktgestaltung und Inter
aktionskompetenz, sowie Selbstwertregulation, Regressionsfähigkeit und Intenti
onalität. Ebenfalls verfüge sie über Bewältigungserfahrungen. Zwar sei der An
trieb wechselhaft, sie sei aber durchaus in der Lage, Willenskräfte zu mobilisieren. Ein Rückzug aus dem sozialen Bereich liege nicht vor, das unmittelbare soziale Umfeld sei intakt. Die Kontakte zur Nachbarin und zu den Kindern sowie die Anbindung an eine Frauengruppe sei
en
als eine interpersonelle Ressource anzu
sehen.
Zum beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz merkte
Dr.
B._
an, es
bestünde keine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenni
veaus
. Es lägen Diskrepanzen zwischen den Bereichen Haushalt und Führungs- und Kontrollfunktionen auf der einen Seite und der Benutzung von Verkehrsmit
teln, der Tagesgestaltung und der Wahrnehmung von Pflichten auf der anderen Seite
vor
. Die Diskrepanz sei angesichts des Gesamtbildes nicht nachvollziehbar.
4.5
.3
Angesichts dieser verschiedenen Fa
ktoren ist eine gewisse Einschränkung
der Leistungsfähigkeit plausibel und deren Bezifferung auf 30
%
durch
Dr.
B._
ist nicht zu beanstanden
. Soweit demgegenüber die Fachpersonen des
H._
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestierten
(
Urk.
3/2)
, ist anzumerken, dass
sich
diese nicht mit den massgeblichen Standardindikatoren auseinanders
etzten und ihre Beurteilung daher nicht geeignet ist, die fundierte Einschätzung des Gutachters in Zweifel zu ziehen. Ferner beziehen sich die be
handelnden Fachpersonen auf eine gewünschte Tätigkeit der Beschwerdeführerin im Gastgewerbe, was vorliegend nicht massgeblich sein kann
.
5.
5.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen.
D
ie Be
schwerdegegnerin
stützte sich
bei ihrer Einschätzung
auf den Haushaltsabklä
rungsbericht
vom 2
4.
Mai 2018 (
Urk.
11/32)
.
Die Abklärung wurde
von einer qualifizierten Person durchgeführt, welche Kenntnis von den örtlichen und räum
lichen Verhältnissen sowie den sich aus den medizinischen Diagnosen ergeben
den Beeinträchtigungen und Behinderungen hatte. Im Weiteren fiel der Bericht
hinreichend
detailliert und plausibel begründet aus, wobei auch die Angaben der
Beschwerdeführerin
Berücksichtigung fanden. Grundsätzlich kommt dem Bericht damit Beweiswert zu
(Urteil des Bundesgerichts 8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1
).
G
emäss Beurteilung der Beschwerdegegnerin
wäre
die Beschwerdeführe
rin im Gesundheitsfall zu 50
%
erwerbstätig un
d zu 50
%
im Haushalt tätig
. Dies blieb unbestritten (vgl.
Urk.
1) und ist in Anbetracht der konkreten Umstände nicht zu beanstanden.
Auch wenn die Beschwerdeführerin
bisher nie arbeitstätig war, sondern die beiden Kinder betreute,
wäre sie mit Blick auf die
Ende 2020
auslaufenden Unterhaltsbeiträge
ihres geschiedenen Ehemannes
aus finanziellen Gründen auf die Auf
nahme einer zumindest teilweisen Erwerbstätigkeit
angewie
sen
(
Urk.
11/32/3)
. Da
der Sohn inzwischen volljährig
ist
und die Tochter zum Zeitpunkt der Abklärung 14 Jahre alt war
, sprechen auch keine Betreuungspflich
ten gegen diese Annahme
.
Es ist
somit davon auszugehen, dass die Beschwerde
führerin im Gesundheitsfall zu 50
%
erwerbstätig wäre
.
Für den Haushalt
sbereich
wurde eine Einschränkung von 0
%
ermittelt (
Urk.
11/32/8). Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, dass sie nicht im Stande sei, ihren Haushalt zu führen
(
Urk.
1 S. 3)
, dies wird auch im Bericht des
A._
erwähnt
(
Urk.
3/2 S. 2)
. Da jedoch
diese Ein
schätzung durch
keine Begründung
untermauert wird
,
vermag sie das Ergebnis des beweiswertigen Haushaltsabklärungsberichts
nicht zu erschüttern und
es
kann auf diesen
abgestellt werden
.
Aber selbst wenn man - gestützt auf das
Y._
-Gutachten - von einer 30%igen Einschränkung im Haushaltsbereich aus
ginge, bestünde kein Anspruch auf eine Rente, wie die folgenden Ausführungen zeigen.
5.2
Am 1. Januar 2018 sind die geänderten Bestimmungen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 1. Dezember 2017 in Kraft getreten. Mit dieser Änderung wurde für die Festlegung des Invaliditätsgrades von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) in Art. 27
bis
Ab
satz 2–4 IVV ein neues Berechnungsmodell eingeführt.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefoc
htene Verfügung ist am 2
5.
September 2018
und somit nach Inkraft
treten der Verordnungsänderung ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Verordnungsbestimmungen am 1. Januar 2018 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2017 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeit
punkt auf die revidierten Verordnungsbestimmungen abzustellen (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
5.3
Bei Versicherten, die
nur zum Teil erwerbstätig sind
, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit
und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung
in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146; vgl.
Art.
27 und 27
bis
IVV in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Auf
gabenbereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbe
reich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich pra
xisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvalidi
täten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstäti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Be
zug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäfti
gungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invali
ditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
D
ie Beschwerdeführerin
hat
keine berufliche Ausbildung absolviert und
ist
bisher
noch nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen (Urk.11/32/2). Unter diesen Um
ständen ist sowohl das
Valideneinkommen
als auch das Invalideneinkommen
an
hand des Tabellenlohnes für Hilfsarbeitertätigkeiten zu ermitteln.
Damit kann eine
Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen
vorgenommen werden
(vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_295/2017 vom 27.
September 2017 E. 6.5)
.
Unter Berück
sichtigung der Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu 50
%
im Erwerbs- und zu 50
%
im Aufgabenbereich tätig, resultiert bei einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
nach der alten Berechnungsmethode bis zum 3
1.
Dezember 2017 ein Teilinvali
ditätsgrad von
0
%
im Erwerbsbereich.
In Anwendung der neuen Berechnungs
methode ab 1. Januar 2018 ist
das
Valideneinkommen
auf
ein 100%-Pensum
hochzurechnen
.
Dementsprechend
resultiert für die neue Berechnungsmethode ein
e Einschränkung
von 30
%
, woraus
sich
gewichtet auf ein 50%-Pensum ein
Teili
nvaliditätsgrad von 15
%
ergibt. Ein leidensbedingter Abzug ist vorliegend nicht angezeigt, da der leidensbedingten Einschränkung der Leistungsfähigkeit bereits in der Arbeitsfähigkeitseinschätzung Rechnung getragen wurde.
Der Gesamtinvaliditätsgrad beläuft sich in Anwendung der gemischten Methode nach altem Recht auf 0
%
(0
%
im Erwerbsbereich + 0
%
im Aufgabenbereich
)
beziehungsweise auf 15
%
bei Annahme einer 30%igen Einschränkung im Haus
halt (0
%
im Erwerbsbereich + 15
%
im Aufgabenbereich)
. Nach neuem Recht ergibt sich ein Gesamtinvaliditätsgrad von 15
%
(15
%
im Erwerbsbereich + 0
%
im Aufgabenbereich)
beziehungsweise von 30
%
bei
Annahme einer 30%igen Einschränkung im Haushalt (
15
%
im Erwerbsbereich + 15
%
im Aufgabenbe
reich)
.
Damit liegt
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
vor
, die Beschwer
degegnerin hat den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin mithin zu Recht verneint. Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
6
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Sie sind der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge der ihr gewährten unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
12) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin ist auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
) hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichts
kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.