Decision ID: 1ddfa2e9-2e4f-46ae-a65b-da05d4cb3a0c
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde von ihrem Rechtsvertreter im November 2013 bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen zum Bezug einer Hilflosenentschädigung angemeldet (IV-act. 36).
Ihr Ehemann und der Hausarzt Dr. med. B._ hatten im Fragebogen vom 8. Oktober
2013 angegeben (IV-act. 35), dass die Versicherte bei der Körperreinigung/Überprüfung
der Reinlichkeit nach der Notdurftverrichtung, bei der Fortbewegung in der Wohnung
sowie im Freien und bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte hilflos sei. Bei der
Körperpflege hatten sie das Kreuz zwischen "ja" und "nein" gesetzt. Sie hatten zudem
erklärt, dass die Versicherte eine dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe und eine
ständige persönliche Überwachung benötige. Es müsse ständig jemand anwesend
sein, da sie sonst schreie, Atemnot kriege und unruhig werde. Die Pflegebedürftigkeit
bestehe seit drei bis vier Jahren.
A.b Zu diesem Zeitpunkt lief bereits ein Rentenverfahren (IV 2014/260). In diesem
Zusammenhang hatte Dr. B._ der IV-Stelle am 29. Juni 2012 berichtet (IV-act. 11),
dass die Versicherte unter anderem an einer depressiven Episode Grad II, an einem
zervikoradikulären Schmerzsyndrom C6 rechts mehr als links und an einer
Fibromyalgie leide. Die Versicherte sei im Haushalt allerhöchstens zu 50 %
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arbeitsfähig. Sie müsse angetrieben werden, von selber mache sie nichts. Sie klage
über Ganzkörperschmerzen. Sie sei nicht fähig, den Haushalt selbständig zu führen.
Am 20. August 2012 hatte Dr. B._ dem Rechtsvertreter der Versicherten berichtet (IV-
act. 15-1 f.), dass die Versicherte absolut nicht imstande sei, alleine zu handeln. Wegen
Angstzuständen könne sie nicht länger als eine Stunde alleine zuhause gelassen
werden. Sie könne sich auch kaum alleine im Freien fortbewegen.
A.c Die Abklärungsperson der IV-Stelle hatte in einem Protokoll über eine
Haushaltabklärung vom 7. Februar 2013 festgehalten (IV-act. 24) dass die Versicherte
nicht aktiv am Gespräch teilgenommen habe. Die Versicherte verstehe die deutsche
Sprache nicht. Vor allem der Sohn und die beiden Schwiegertöchter hätten Auskunft
gegeben. Sie hätten angegeben, dass die Versicherte seit Jahren immer wieder über
Herzklopfen, Bauch- und Rückenschmerzen sowie Hand- und Fussschmerzen klage.
Die Versicherte habe keinerlei Antrieb mehr und mache ohne Anleitung oder
Aufforderung überhaupt nichts mehr. Sie sei völlig unfähig, selbständig
Haushaltarbeiten zu erledigen. In Abständen von ein bis zwei Wochen habe sie laute
Schreikrämpfe, während denen sie keine Kontrolle über ihren Körper habe und kaum
zu beruhigen sei. Im Anschluss an die etwa ein bis zwei Minuten dauernden Anfälle sei
sie völlig erschöpft. Nachts schlafe sie schlecht und tagsüber sei sie immer müde. Die
gesundheitlichen Probleme hätten schon 1995 begonnen. Seit etwa zehn Jahren sei
der Gesundheitszustand in etwa unverändert. Die Abklärungsperson hatte angemerkt,
dass die Versicherte, obwohl sie gemäss den Angaben des Ehemannes kein Deutsch
verstehe und weder lesen noch schreiben könne, dem Gespräch aufmerksam gefolgt
sei. Sie habe aber den Anschein erweckt, sich nicht dafür zu interessieren.
A.d Im August/September 2013 war die Versicherte interdisziplinär begutachtet
worden (Gutachten vom 27. Dezember 2013, IV-act. 42). Die Gutachter hatten als
Diagnose mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit lediglich eine intellektuelle
Minderbegabung/Grenzbegabung (ICD-10: F70.0) angegeben. Sie hatten erklärt, dass
die eigentlich am ganzen Körper angegebenen Schmerzen nicht oder nur zu einem
geringen Teil durch objektive Befunde plausibel begründbar seien. Die objektiven
Befunde vermöchten jedoch die Tätigkeit im Haushalt nicht in relevanter Weise zu
beeinträchtigen. Bei der gutachterlichen Untersuchung seien diverse
Befundinkonsistenzen und auffällige Verhalten aufgefallen, die eine suboptimale
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Anstrengungsbereitschaft, ein Vermeidungsverhalten sowie eine Aggravation und
teilweise eine nicht authentische Symptompräsentation annehmen liessen. Aus
psychiatrischer Sicht seien die Beweggründe dieses Verhaltens in der (vor dem
Hintergrund einer anzunehmenden intellektuellen Grenzbegabung) bereits sehr lange
bestehenden Somatisierungsstörung auf der Basis einer histrionischen
Persönlichkeitsstruktur zu sehen. Das gezeigte Verhalten könnte für die Versicherte ein
hilfreiches Reaktionsmuster zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse über einen sekundären
Krankheitsgewinn sein, da ihr keine kompetenteren Verhaltensmechanismen bekannt
seien. Die Akzentuierung der Symptomatik sei am ehesten so zu interpretieren, dass
die Versicherte darüber einen ihr aus subjektiver Sicht zustehenden
Versorgungsanspruch in unterbewusster, sozialkompetent eingeschränkter Art und
Weise zum Ausdruck bringe. Die fremdanamnestisch und anamnestisch beschriebenen
Defizite im Rahmen der Haushaltstätigkeit, die seit der Kindheit bzw. der Jugend
existierten, bestünden offensichtlich darin, dass die Versicherte im Rahmen ihrer
intellektuellen Einschränkungen nicht ausreichend in der Lage sei,
Arbeitsnotwendigkeiten zu erkennen und Tätigkeiten zu planen und zu strukturieren,
sondern ihr Leben lang lediglich auf Anweisung hin habe tätig werden können. Die
Gutachter waren zum Schluss gekommen, dass die Versicherte aus psychiatrischer
Sicht im Haushalt schon immer lediglich zu ca. 70 % leistungsfähig gewesen sein
dürfte. Auch die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit hatten sie auf 70 % geschätzt.
A.e In einer Stellungnahme vom 6. März 2014 führte ein Fachberater der Abteilung HE/
Sachleistungen aus (IV-act. 47), dass ein Bedarf an einer lebenspraktischen Begleitung
vorstellbar sei, da die Versicherte ohne entsprechende Aufforderung und Anleitung
nicht in der Lage sei, zu arbeiten. In den Alltagsverrichtungen sei jedoch keine
Hilfsbedürftigkeit ausgewiesen. Eine Abklärung an Ort und Stelle wäre nicht
weiterführend, weil die Angehörigen wie bereits bei der Haushaltabklärung bestätigen
würden, dass die Versicherte im Haushalt keine Leistungen mehr erbringen könne.
Psychosoziale und soziokulturelle Aspekte (Analphabetismus, niedriger Bildungsstand,
nie ausserhäuslich arbeitstätig, frühzeitige Übernahme der Haushaltsaufgaben durch
die im gleichen Haus lebenden Schwiegertöchter) sowie die somatische
Schmerzstörung (sekundärer Krankheitsgewinn) seien invaliditätsfremd und könnten
nicht berücksichtigt werden. Die Versicherte benötige Hilfe bei der Tagesstrukturierung
(5 min/Tag) und Anleitung bei den Reinigungsarbeiten (5 min/Tag). Unter
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Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht des Ehemannes resultiere kein relevanter
invaliditätsbedingter Hilfebedarf.
A.f RAD-Ärztin Dr. med. C._ notierte am 1. April 2014 (IV-act. 50), aufgrund der
detaillierten und umfassenden fachärztlichen Befunde im Gutachten könne aus
versicherungsmedizinischer Sicht bestätigt werden, dass keine relevanten somatischen
und/oder psychomentalen Funktionsstörungen bestünden, die einen Hilfebedarf bei
den alltagspraktischen Verrichtungen begründen würden. Aufgrund ihrer
Minderbegabung sei die Versicherte seit ihrer Jugend auf gewisse Anleitungen und
Strukturierungshilfen im Haushalt angewiesen. Die nach eigenen Angaben in den
letzten Jahren verstärkte Inaktivität bei der Haushaltführung müsse in Zusammenhang
mit der psychiatrisch diagnostizierten histrionischen Persönlichkeit und der
Somatisierungsstörung gewertet werden. Die Passivität und die Dekonditionierung
dürften durch soziokulturell geprägte Gewohnheiten und die innerfamiliäre
Rollenverteilung eher noch verstärkt worden sein. Hierbei handle es sich jedoch nicht
um IV-relevante gesundheitsbedingte Einschränkungen. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht könne die Stellungnahme des Fachberaters vom 6.
März 2014 bestätigt werden.
A.g Mit Verfügung vom 3. April 2014 (IV-act. 51) wies die IV-Stelle das Rentengesuch
mit der Begründung, dass die Versicherte bereits mit dem Gesundheitsschaden in die
Schweiz eingereist sei, ab.
A.h Mit Vorbescheid vom 23. April 2014 (IV-act. 53) stellte die IV-Stelle der
Versicherten die Abweisung des Gesuchs um eine Hilflosenentschädigung in Aussicht.
Zur Begründung hielt sie fest, dass die Versicherte die Alltagsverrichtungen trotz einer
Minderbegabung mehrheitlich selbständig ausführen könne. Zudem lägen keine
körperlichen Bewegungseinschränkungen vor, die einen erheblichen Hilfebedarf in den
Bereichen Notdurft, Körperpflege und Fortbewegung erklären könnten. Unter
Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht der Angehörigen bestehe auch kein Anspruch
auf eine lebenspraktische Begleitung. Dagegen liess die Versicherte am 2. Juni 2014
durch ihren Rechtsvertreter einwenden (IV-act. 59), dass sie Anspruch auf eine
Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit leichten Grades habe. Dabei stehe die
Notwendigkeit einer dauernden lebenspraktischen Begleitung im Vordergrund. Die
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Pflege gesellschaftlicher Kontakte sei der Versicherten nur dank der erheblichen Hilfe
von Dritten möglich. Wegen der Schreikrämpfe und zur Überwindung der
Unselbständigkeit benötige sie eine praktisch dauernde Überwachung. Auch zur
Körperpflege müsse sie aufgefordert werden. Sie könne nicht alleine sein, weil dann
sofort Angstgefühle aufkämen. Ob alle "Lücken" durch Familienangehörige ausgefüllt
würden oder nicht, spiele keine Rolle, weil sonst alleinstehende Personen privilegiert
würden. Die EL-Durchführungsstelle habe der Versicherten ab dem 1. Januar 2014 kein
hypothetisches Erwerbseinkommen mehr angerechnet, da sie die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit als unzumutbar erachtet habe. Daraus könne ein entsprechender
Rückschluss auf die Fähigkeit der Versicherten, ein selbständiges Leben zu führen,
gezogen werden. Der Rechtsvertreter der Versicherten merkte noch an, dass die
Versicherte gegen die ablehnende Rentenverfügung Beschwerde erhoben habe. Über
den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung sei erst nach Abschluss des
Rentenverfahrens zu entscheiden.
A.i Mit Verfügung vom 28. Juli 2014 (IV-act. 62) wies die IV-Stelle das Gesuch um eine
Hilflosenentschädigung wie angekündigt ab. Zu den Einwänden hielt sie fest, dass
medizinisch weder ein Hilfebedarf in den alltäglichen Verrichtungen noch eine
Überwachungsbedürftigkeit ausgewiesen sei. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten sei nicht
eingeschränkt. Die Versicherte sei in der Lage, die relevanten Haushaltsarbeiten für den
Zwei-Personen-Haushalt mit entsprechenden Hinweisen zu erledigen. Der Hilfebedarf
betrage weniger als zwei Stunden pro Woche. Zudem sei eine Mitwirkung des nicht
mehr voll erwerbstätigen Ehemannes im Zwei-Personen-Haushalt üblich und
angemessen. Schliesslich seien im Rahmen der Ergänzungsleistungen getroffene
Entscheide für die Beurteilung der Hilflosenentschädigung nicht massgebend.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 12. September 2014 Beschwerde erheben (act. G 1, IV 2014/407). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache
mindestens einer Hilflosenentschädigung leichten Grades mit Wirkung ab November
2013. Zudem stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Ausserdem ersuchte er das Gericht, das Verfahren bis zum
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Abschluss des Rentenverfahrens IV 2014/260 zu sistieren. Sollte diesem Gesuch nicht
entsprochen werden, sei ihm eine Frist zur weiteren Begründung der Beschwerde
anzusetzen.
B.b Das Gericht entsprach dem Sistierungsgesuch am 22. September 2014 (act. G 2).
B.c Mit Entscheid vom 21. Februar 2017 (IV 2014/260) wies das Gericht die
Beschwerde gegen die Rentenabweisungsverfügung vom 3. April 2014 ab (IV-act. 76).
Es erwog, dass die versicherungsmässigen Voraussetzungen für die Zusprache einer
IV-Rente nicht erfüllt seien. Ob die leichte Intelligenzminderung tatsächlich eine 30
%ige Arbeitsunfähigkeit im Haushalt und in einer adaptierten Tätigkeit zur Folge habe,
liess es offen. Der Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.d Am 5. Mai 2017 hob das Gericht die Sistierung des Beschwerdeverfahrens
betreffend Hilflosenentschädigung auf und eröffnete dem Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin eine Frist für die Einreichung einer Beschwerdeergänzung (act. G
3).
B.e Der Rechtsvertreter machte in seiner Beschwerdeergänzung vom 22. Juni 2017
(act. G 7) ergänzend zu den Einwendungen im Vorbescheidverfahren geltend, dass aus
dem Rentenverfahren kein zwingender Rückschluss auf die Frage, ob die
Beschwerdeführerin auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen sei, gezogen
werden könne. Gemäss Dr. B._ müsse ständig jemand bei der Beschwerdeführerin
sein, weil sie sonst schreie, Atemnot kriege und unruhig werde. Die notwendige
lebenspraktische Begleitung betrage mehr als zwei Stunden pro Woche. Es sei
offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin nicht selbständig wohnen könnte. Sie sei
nicht nur im Haushalt, sondern auch bei allen Verrichtungen und Kontakten ausserhalb
der Wohnung auf Anleitung angewiesen.
B.f Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 4. September
2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung führte sie aus, dass
die Beschwerdeführerin zwar nur beschränkt "alltagstauglich" sei, dass sie von einer
dauernden Überwachung jedoch weit entfernt sei. Sie sei ausreichend in der Lage, sich
an Regeln und Routinearbeiten anzupassen. Auch ausserberufliche Aktivitäten wie
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Reisen ins Heimatland seien ihr möglich. Einfache Arbeitsabläufe könne sie selbst
ausführen. Ferner sei sie mittelgradig selbstbehauptungsfähig. Das geltend gemachte
Schreien, die Atemnot und die Unruhe stellten lediglich einen sekundären
Krankheitsgewinn dar, mit welchem die Beschwerdeführerin ihrer intellektuellen
Minderbegabung Ausdruck gebe. Eine leichte Intelligenzminderung habe keine oder
nur eine geringfügige Verhaltensstörung zur Folge. Der psychiatrische Gutachter der
Medas Bern habe der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 70 % im Haushalt
attestiert. Sie könne den Haushalt also grösstenteils selbständig erledigen.
Zusammengefasst bestehe weder die Notwendigkeit für eine lebenspraktische
Begleitung noch eine Überwachungsbedürftigkeit.
B.g Am 5. September 2017 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 10).
B.h In seiner Replik vom 26. September 2017 machte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin ergänzend geltend (act. G 12), aus der Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin in der Lage sei, Reisen ins Heimatland zu unternehmen, könne
nicht geschlossen werden, dass sie zu ausserberuflichen Tätigkeiten in der Lage sei.
Das Schreien, die Atemnot und die Unruhe stellten nicht lediglich einen sekundären
Krankheitsgewinn dar. Wer unmotiviert schreie und Atemnot habe, würde ausserhalb
des Hauses völlig falsch eingestuft und allenfalls sogar in eine Klinik eingewiesen.
Daher sei es offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin ausserhalb der Wohnung
Begleitung und Anleitung benötige. Hinzu komme, dass ihre Orientierungsfähigkeit
stark herabgesetzt sei.
B.i Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin das Gesuch um eine
Hilflosenentschädigung abgewiesen. Streitgegenstand ist somit die Frage, ob die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung hat.
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2.
2.1 Gemäss Art. 1b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR
881.20) i.V.m. Art. 1a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10) sind namentlich natürliche Personen,
die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben oder in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit
ausüben, nach dem IVG versichert. Ausländische Staatsangehörige sind, vorbehältlich
Art. 9 Abs. 3 IVG, nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und
gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität
während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen
während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. Diese Bestimmung ist auf
mazedonische Staatsangehörige jedoch nicht anwendbar, da die Schweiz mit
Mazedonien ein Abkommen über soziale Sicherheit abgeschlossen hat. Nach Art. 4
Abs. 1 des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
Republik Mazedonien über Soziale Sicherheit vom 9. Dezember 1999 (SR
0.831.109.520.1) sind die Staatsangehörigen des einen Vertragsstaates sowie deren
Familienangehörige und Hinterlassene, vorbehältlich abweichender Bestimmungen in
diesem Abkommen, in ihren Rechten und Pflichten aus den Rechtsvorschriften des
anderen Vertragsstaates den Staatsangehörigen dieses Vertragsstaates
beziehungsweise deren Familienangehörigen und Hinterlassenen gleichgestellt. Ein
mazedonischer Staatsangehöriger hat demnach dieselben versicherungsmässigen
Voraussetzungen zu erfüllen wie ein Schweizer Bürger, damit ihm ein Anspruch auf
eine Hilflosenentschädigung der schweizerischen Invalidenversicherung zusteht.
2.2 Gemäss Art. 42 Abs. 1 IVG haben versicherte Personen mit Wohnsitz und
gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung. Da die mazedonische Beschwerdeführerin seit 1990 in der
Schweiz lebt, sind die versicherungsmässigen Voraussetzungen für den Bezug einer
Hilflosenentschädigung erfüllt.
3.
3.1 Als hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
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bedarf (Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die massgebenden alltäglichen
Lebensverrichtungen betreffen sechs Bereiche: Ankleiden/Auskleiden, Aufstehen/
Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Verrichten der Notdurft und Fortbewegung
(Rz. 8010 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung, KSIH, Version gültig ab 1. Januar 2014). Als hilflos gilt auch eine
Person, die zu Hause lebt und wegen der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit dauernd
auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen ist. Ist nur die psychische
Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit mindestens ein
Anspruch auf eine Viertelsrente gegeben sein. Ist eine Person lediglich dauernd auf
lebenspraktische Begleitung angewiesen, so liegt immer eine leichte Hilflosigkeit vor
(Art. 42 Abs. 3 IVG). Gemäss Art. 38 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) besteht ein Bedarf nach einer
lebenspraktischen Begleitung, wenn eine volljährige versicherte Person a) ohne die
Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann, b) für Verrichtungen und
Kontakte ausserhalb der Wohnung auf die Begleitung einer Drittperson angewiesen ist
oder c) ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
3.2 Gemäss Art. 42 Abs. 2 IVG ist zu unterschieden zwischen schwerer,
mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit. Die Hilflosigkeit gilt als leicht, wenn die
versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln a) in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen
ist, b) einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf, c) einer durch das
Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf, d) wegen
einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur
dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte
pflegen kann oder e) dauernd auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art.
37 Abs. 3 IVV).
3.3 Bei der Beurteilung der Hilflosigkeit einer versicherten Person ist auch deren
Schadenminderungspflicht zu berücksichtigen (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar,
3. Auflage, Zürich 2015, N 8 zu Art. 9). Bei der Schadenminderungspflicht handelt sich
um einen allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die Auswirkungen des
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Gesundheitsschadens auf die Einsatzfähigkeit durch geeignete organisatorische
Massnahmen und die Mithilfe der Familienangehörigen möglichst zu mildern (BGE 141
V 642 E. 4.3.2). Die versicherte Person ist namentlich verpflichtet, geeignete und
zumutbare Massnahmen zu treffen, um ihre Selbständigkeit zu erhalten oder
wiederherzustellen (z.B. der Behinderung angepasste Kleidung − Klettverschluss bei
Schuhen für einarmige Personen − Hilfsmittel, Hilfsvorrichtungen). Unterlasse sie dies,
so könne die entsprechende Hilfe bei der Bemessung der Hilflosigkeit nicht
berücksichtigt werden (Rz. 8085 KSIH). Die verlangte Mithilfe der Familienangehörigen
gehe zwar weiter als die ohne Gesundheitsschaden üblicherweise zu erwartende
Unterstützung, jedoch dürfe den Familienangehörigen keine unverhältnismässige
Belastung entstehen. Gehe es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, sei stets
danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde,
sofern keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären (BGE 141 V 642 E. 4.3.2;
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer und Marco Reichmuth, 3.
Auflage, Zürich 2014, N 10 zu Art. 42-42ter). Soweit die Schadenminderungspflicht
auch eine Pflicht der versicherten Person beinhalten soll, die Familienangehörigen
durch sozialen Druck dazu zu bringen, ihr bei den alltäglichen Lebensverrichtungen zu
helfen, kann der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht gefolgt werden: Das
versicherte Gut in der Hilflosenentschädigung ist die Selbständigkeit einer versicherten
Person bei den alltäglichen Lebensverrichtungen. Eine allfällige Hilfe von
Familienangehörigen vermag die Beeinträchtigung der Selbständigkeit bei den
alltäglichen Lebensverrichtungen, d.h. den versicherten Schaden nicht zu beseitigen
bzw. zu verringern, selbst wenn die versicherte Person durch die Hilfe in der Lage ist,
die alltäglichen Lebensverrichtungen zu bewältigen. Entscheidend für die Art und das
Ausmass des versicherten Schadens ist ausschliesslich die Beeinträchtigung der
Fähigkeit der versicherten Person selbst, bei den alltäglichen Lebensverrichtungen
selbständig zu sein. Den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung begründet also
bereits die Beeinträchtigung des versicherten Gutes. Demnach ist es irrelevant, in
welcher Umgebung sich die versicherte Person aufhält respektive ob und
gegebenenfalls wer der versicherten Person Hilfe leistet (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 21. November 2014, 8C_225/2014 E. 8.3.2; vgl. Entscheide des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. Dezember 2014, AHV-H 2014/1
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E. 2.5, vom 2. Dezember 2016, IV 2014/350 E. 2.2.1 und vom 18. September 2017, IV
2016/158 E. 2.3).
4.
4.1 Das Anmeldeformular ist offenbar vom Ehemann und dem Hausarzt der
Beschwerdeführerin ausgefüllt worden. Diese hatten angegeben, dass die
Beschwerdeführerin bei der Körperreinigung/Überprüfung der Reinlichkeit nach der
Notdurftverrichtung und bei der Fortbewegung in der Wohnung und im Freien sowie
bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen sei. Bei der Körperpflege (Waschen, Kämmen und Baden/Duschen) haben
sie wohl einen teilweisen Hilfebedarf geltend machen wollen, indem sie im Fragebogen
zwischen "ja" und "nein" ein Kreuz gemacht haben. Der Ehemann und der Hausarzt
haben zudem angegeben, dass die Beschwerdeführerin auf eine dauernde
medizinisch-pflegerische Hilfe und eine dauernde persönliche Überwachung
angewiesen sei. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat demgegenüber nur
geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin eine lebenspraktische Begleitung
benötige.
4.2 Die Beschwerdeführerin ist im Rahmen des Rentenverfahrens im August und
September 2013 polydisziplinär durch die Medas Bern begutachtet worden (Gutachten
vom 27. Dezember 2013). Als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben die
Gutachter nur eine intellektuelle Minderbegabung/Grenzbegabung (F70.0) angegeben.
Der psychiatrische Gutachter ist zum Schluss gekommen, dass die Fähigkeit der
Beschwerdeführerin zur Planung und Strukturierung von Aufgaben intellektuell bedingt
massiv eingeschränkt sei. Eine fachliche Kompetenz bestehe lediglich für die
einfachsten Arbeitsabläufe. Die Beschwerdeführerin sei jedoch ausreichend in der
Lage, sich an Regeln und Routinen anzupassen. Die Selbstbehauptungsfähigkeit sei
mittelgradig eingeschränkt; die Kontakt- und Gruppenfähigkeit seien prinzipiell
gegeben. Zur Selbstversorgung sei die Beschwerdeführerin nur bedingt in der Lage (IV-
act. 42-31). Bei der Würdigung dieser Angaben der Gutachter ist zu beachten, dass
viele Erwachsene, die an einer leichten Intelligenzminderung leiden, arbeiten, gute
soziale Beziehungen unterhalten und ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten können
(ICD-10: F70.-). Zudem erlangen die meisten Personen mit einer leichten
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Intelligenzminderung eine volle Unabhängigkeit in der Selbstversorgung (Karl C.
Mayer,Glossar/Psychiatrie/Psychosomatik/
Psychotherapie/Neurologie/ Neuropsychologie, Intelligenzminderung,
www.neuro24.de/
show_glossar.php?id=832, be¬sucht am 8. Dezember 2017). Die Schlussfolgerung des
psychiatrischen Gutachters, dass die Beschwerdeführerin ohne Anleitung und
Aufforderung zu keiner Tätigkeit und auch zur Selbstversorgung nur bedingt in der
Lage sei, kann also nicht aus der von ihm gestellten Diagnose einer leichten
Intelligenzminderung abgeleitet werden. Daher muss davon ausgegangen werden,
dass die vom psychiatrischen Gutachter genannten Einschränkungen hauptsächlich
auf den Angaben der Beschwerdeführerin, ihrer Familienangehörigen und des
Hausarztes basieren. Diese Angaben zu den gesundheitlichen Einschränkungen sind
daher kritisch auf ihre Plausibilität zu prüfen.
4.3 In den somatischen Teilbegutachtungen ist ein sehr demonstrativ wirkendes
Verhaltensbild der Beschwerdeführerin in dem Bemühen um die Darstellung der
Beschwerden aufgefallen (IV-act. 42-12). Der eineinhalb- oder zweiminütige
Schreianfall der Beschwerdeführerin während der neurologischen Untersuchung hat
auf den Gutachter theatralisch aufgesetzt und nicht authentisch gewirkt (IV-act. 42-12).
Aufgrund diverser Befundinkonsistenzen, des auffälligen Verhaltens der
Beschwerdeführerin, der suboptimalen Anstrengungsbereitschaft, des
Vermeidungsverhaltens und der teilweise nicht authentischen Symptompräsentation
haben die Gutachter auf eine Aggravation geschlossen (IV-act. 42-15). Gegenüber dem
psychiatrischen Gutachter hat die Beschwerdeführerin angegeben, die deutsche
Sprache überhaupt nicht zu können; sie kenne nicht einmal eine Grussformel (IV-act.
42-21). In Widerspruch dazu hat sie sich mit den Büromitarbeiterinnen der
Gutachterstelle, wenn auch nur auf einfache Weise, in der deutschen Sprache
verständigen können. Die von der Beschwerdeführerin geschilderten Ängste haben auf
den psychiatrischen Gutachter insgesamt diskrepant gewirkt (IV-act. 42-30). Bei der
psychiatrischen Begutachtung hat die Beschwerdeführerin geäussert, dass sie
überhaupt keine Zahlen kenne, dass sie die Uhr nicht lesen könne und dass sie keine
Geldwerte kenne (IV-act. 42-21). Gegenüber der neuropsychologischen Gutachterin hat
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sie dann jedoch erklärt, bis fünf zählen zu können. Zudem hat sie teilweise Angaben zur
Uhrzeit machen können und berichtet, Münzen im Wert von fünf Franken mitzunehmen,
wenn sie einkaufen gehe (IV-act. 42-22 und 42-28). Die Beschwerdeführerin ist auch
bestens in der Lage gewesen, das Alter der Enkelkinder zu benennen und eine zeitliche
Zuordnung zu leisten (IV-act. 42-13). Eine leichte Intelligenzminderung bei
Erwachsenen entspricht dem Intelligenzalter von 9 bis unter 12 Jahren (ICD-10: F70.-).
Da bereits ein durchschnittlich entwickeltes 5-jähriges Kind bis 10 zählen kann
(www.stiftungnetz.ch/Entwicklungsstand %205%20Jahre.pdf, besucht am 11.
Dezember 2017), leuchtet es nicht ein, weshalb die Beschwerdeführerin − auch wenn
sie nie eine Schule besucht hat − nur bis fünf soll zählen können. Schliesslich haben
die Gutachter auch den Verdacht geäussert, dass die fremdanamnestischen Angaben
des Ehemannes zweckgebunden gewesen seien (IV-act. 42-15). Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass aufgrund des auffälligen Verhaltens und der widersprüchlichen
Angaben der Beschwerdeführerin in der Begutachtungssituation der hochgradige
Verdacht besteht, dass die Beschwerdeführerin (und ihre Angehörigen) nicht nur die
somatischen Beschwerden, sondern auch die psychischen und geistigen Defizite
übertrieben dargestellt hat. Daher steht nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der diagnostizierten
leichten Intelligenzminderung tatsächlich auf regelmässige und erhebliche Hilfe bei den
alltäglichen Lebensverrichtungen, auf eine dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe
und/oder auf eine dauernde persönliche Überwachung angewiesen wäre. Ebenso ist
der Bedarf nach einer lebenspraktischen Begleitung nicht ausgewiesen. Das Gutachten
enthält also keine überzeugende Aussage in Bezug auf die effektiv bestehende
Fähigkeit der Beschwerdeführerin, die alltäglichen Lebensverrichtungen selbst
vorzunehmen und allein zu leben.
4.4 Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin einen allfälligen
Hilfebedarf der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich hätte ermitteln können, wenn sich
die Beschwerdeführerin insbesondere während der medizinischen Begutachtung und
der Abklärung an Ort und Stelle vollkommen authentisch verhalten und
wahrheitsgemässe An¬gaben zu ihren gesundheitlichen Einschränkungen gemacht
hätte. Dies wirft die Frage auf, ob die Beschwerdegegnerin gestützt auf den
Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) verpflichtet gewesen wäre, eine
erneute medizinische Untersuchung und/oder eine Abklärung an Ort und Stelle
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durchzuführen, nachdem sie die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG
zu einem authentischen Verhalten sowie wahrheitsgemässen Angaben angehalten
hätte. Diese Frage ist zu verneinen, denn gemäss dem psychiatrischen Gutachter ist
die Somatisierungsstörung auf der Basis einer histrionischen Persönlichkeitsstruktur
ein hilfreiches Reaktionsmuster zur Befriedigung der Bedürfnisse der
Beschwerdeführerin über einen sekundären Krankheitsgewinn, da der
Beschwerdeführerin keine kompetenteren Verhaltensmechanismen bekannt sind. Die
Akzentuierung der Symptomatik ist am Ehesten so zu interpretieren, dass die
Beschwerdeführerin darüber einen ihr aus ihrer Sicht zustehenden
Versorgungsanspruch in unterbewusster sozialkompetent eingeschränkter Art und
Weise zum Ausdruck bringt (IV-act. 42-30). Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist
die Beschwerdeführerin also gar nicht in der Lage, einer abgemahnten
Mitwirkungspflicht in der Form eines völlig authentischen Verhaltens und einer
uneingeschränkten Offenheit gegenüber einem Gutachter nachzukommen. Von einer
weiteren medizinischen Untersuchung und/oder einer Abklärung an Ort und Stelle ist
also auch nach einer Abmahnung kein überzeugenderes Ergebnis zu erwarten. Deshalb
ist in antizipierender Beweiswürdigung davon auszugehen, dass es objektiv unmöglich
ist, eine allfällige Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Also liegt eine
objektive Beweislosigkeit vor. Da die Beschwerdeführerin den Nachteil der objektiven
Beweislosigkeit zu tragen hat (vgl. BGE 117 V 261 E. 3b), hat sie keinen Anspruch auf
eine Hilflosenentschädigung.
4.5 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Gerichtsgebühr
in der Höhe von Fr. 600.-- ist der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist die Beschwerdeführerin von der Bezahlung der
Gerichtsgebühr zu befreien.
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5.2 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat auf das Einreichen einer
Kostennote verzichtet. Er hat die Beschwerdeführerin bereits im Verfahren betreffend
Rente (IV 2014/260) und betreffend unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren (IV 2015/138) vertreten. Für das Aktenstudium ist er bereits im
damaligen (vereinten) Beschwerdeverfahren entschädigt worden. Der Aufwand des
Rechtsvertreters ist im vorliegenden Verfahren daher klar unterdurchschnittlich
gewesen. Eine Entschädigung von Fr. 2'000.-- erscheint in diesem Fall als
angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit
entschädigt der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr.
1'600.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
5.3 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Parteientschädigung
verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).