Decision ID: 9fcc73a4-33d4-479a-b925-cf7729ceb457
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 01.12.2011 Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG. Arbeitgeberähnliche Stellung. Trotz bis zur Löschung der Gesellschaft bestehendem Eintrag als Liquidatorin besteht vorliegend nach überwiegender Wahrscheinlichkeit auf Grund der Kündigung des Franchisevertrags, sämtlicher Mitarbeiterverträge und des bisherigen Mietobjekts sowie mit Blick auf die gesundheitliche Situation keine Gefahr einer rechtsmissbräuchlichen Umgehung der Vorschriften zur Arbeitslosenentschädigung (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. Dezember 2011, AVI 2011/9). Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg-Haltinner, Versicherungsrichterin Marie Löhrer, a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiberin Jeannine Bodmer Entscheid vom 1. Dezember 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführerin, gegen Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, betreffend Arbeitslosenentschädigung (arbeitgeberähnliche Stellung) Sachverhalt:
A.
A.a A._ stellte per 25. Mai 2010 Antrag auf Arbeitslosenentschädigung (act.
G 3.1/32). Zuvor war sie bei der B._ GmbH, als Geschäftsführerin angestellt gewesen
und hatte als solche im Franchiseverhältnis ein C._ Studio geführt. (act. G 3.1/7). Im
Handelsregister war sie seit 7. August 2008 für die B._ GmbH als Geschäftsführerin
mit Einzelunterschrift, Gesellschafterin und alleinige Besitzerin des Stammkapitals
eingetragen (act. G 3.1/39). Vom 11. September 2009 bis 28. Februar 2010 war sie
wegen psychischer Beschwerden zu 50% arbeitsunfähig (act. G 3.1/8, G 3.1/10,
G 3.1/15, G 3.1/22, G 3.1/25). Aus diesem Grund hatte sie das Arbeitsverhältnis mit der
B._ GmbH per 31. Januar 2010 gekündigt (act. G 3.1/11).
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A.b Mit Vereinbarung vom 26. April 2010 übertrug die Versicherte ihren
Franchisevertrag mit der D._ AG rückwirkend per 1. Februar 2010 auf die E._
GmbH als neue Franchisenehmerin (act. G 3.1/27). Am 25. Mai 2010 beschloss die
B._ GmbH die Auflösung der Gesellschaft, und am 26. Mai 2010 wurde die
Versicherte als Liquidatorin im Handelsregister eingetragen (act. G 3.1/39).
A.c Am 18. Juni 2010 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse der Versicherten in
Aussicht, die Anspruchsberechtigung wegen arbeitgeberähnlicher Stellung im Betrieb
zu verneinen (act. G 3.1/46). Mit Arbeitsvertrag vom 23. Juni 2010 erhielt die
Versicherte eine Anstellung ab 1. August 2010 als Assistenz der Geschäftsleitung der
F._ AG (act. G 3.1/48). In der Stellungnahme an die Arbeitslosenkasse vom 29. Juni
2010 machte sie geltend, dass das C._ Studio für Frauen per 1. Februar 2010 an die
neue Lizenznehmerin abgetreten worden sei. Im Zuge der Verkaufsverhandlungen und
der Regelungen des ordentlichen Studiobetriebs ohne Betriebsunterbruch hätten die
Beteiligten beschlossen, dass die neuen Lizenznehmerinnen für den weiteren
Geschäftsbetrieb eine neue GmbH gründen sollten. Per Studioübernahme vom 1.
Februar 2010 seien sämtliche administrativen Formalitäten wie Auflösung der
Arbeitsverträge, Abtretung des Lizenz- und des Mietvertrags sowie der G._ Verträge
erledigt worden. Sodann habe sich die Versicherte prioritär auf die Stabilisierung ihres
Gesundheitszustands konzentrieren und ihre Stellensuche aktivieren müssen. Per 1.
April 2010 habe sie schliesslich wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100% erreicht. Am 25.
Mai 2010 sei die GmbH aufgelöst worden und nach Durchführung des dreimaligen
Schuldenrufs sowie nach Ablauf der gesetzlichen Sperrfrist von einem Jahr nach
Publikation des dritten Schuldenrufs sei die Rechtseinheit gelöscht worden. Nachdem
sie am 23. Juni 2010 auch einen Arbeitsvertrag für eine 100%-Stelle unterzeichnet
habe, habe sie den Tatbeweis der definitiven Geschäftsaufgabe erbracht (act.
G 3.1/53).
A.d Mit Verfügung vom 23. Juli 2010 verneinte die Arbeitslosenkasse die
Anspruchsberechtigung ab Antragstellung, weil die Versicherte immer noch als
Gesellschafterin, Geschäftsführerin und Liquidatorin der B._ GmbH im
Handelsregister eingetragen sei. Damit habe sie auch nach dem Liquidationsbeschluss
bis zur Eintragung der Löschung im Handelsregister eine arbeitgeberähnliche Stellung
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inne, womit sie von Gesetzes wegen keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
habe (act. G 3.1/55).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtete sich die Einsprache vom 6. September 2010 mit
den Anträgen auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Genehmigung des
Antrags auf Arbeitslosenentschädigung ab Antragstellung. Die Begründung der
Versicherten deckt sich weitgehend mit derjenigen in der Stellungnahme vom 29. Juni
2010 (act. G 3.1/59).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2010 wies die Kantonale
Arbeitslosenkasse die Einsprache ab. Sie begründete dies mit der auf Grund der
arbeitgeberähnlichen Stellung weiterhin beibehaltenen Dispositionsfreiheit der
Versicherten. Hätte sie die Unternehmung nicht weiterzuführen gedacht, hätte sie eine
dritte Person mit der Liquidation beauftragen müssen (act. G 3.1/60).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 31. Januar
2011. Die Beschwerdeführerin beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Entscheids und die Rückweisung der Streitsache zur Prüfung der
Anspruchsvoraussetzungen ab 25. Mai 2010 an die zuständige Stelle. Im Weiteren sei
die Legitimation zur Behandlung der angefochtenen Streitsache durch den
Rechtsdienst der Kantonalen Arbeitslosenkasse auf allfällige Befangenheit zu
überprüfen, nachdem die Beschwerdeführerin selber vom 1. November 2003 bis 31.
Januar 2009 als Beraterin für arbeitsmarktliche Massnahmen beim Amt für Arbeit
(Regionales Arbeitsvermittlungszentrum [RAV] Oberuzwil) in der gleichen Organisation
tätig gewesen sei. Zur Begründung machte sie zusätzlich zur bereits vorgebrachten
geltend, dass die arbeitsvertraglichen Bestimmungen der neuen Arbeitsstelle
verlangten, dass Neben- und Freizeitbeschäftigungen die Leistungsfähigkeit der
Mitarbeitenden nicht beeinträchtigen dürften und deren Ausübung nur gestattet sei,
wenn dadurch die Treuepflicht gegenüber der Firma nicht verletzt werde. Sowohl
deshalb als auch zur Stabilisierung ihres Gesundheitszustands habe bei ihr
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offensichtlich keinerlei Absicht bestanden, während des GmbH-Löschungsverfahrens
weiterhin eine aktive Geschäftstätigkeit auszuüben (act. G 1).
C.b Mit Schreiben vom 18. März 2011 beantragte die Beschwerdegegnerin unter
Hinweis auf den Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3).
C.c Auf einen zweiten Schriftenwechsel wurde verzichtet (act. G 5).

Erwägungen:
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist die Frage der Anspruchsberechtigung der
Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung ab 25. Mai 2010. Im Weiteren hat
die Beschwerdeführerin die Frage aufgeworfen, ob der Einspracheentscheid vom 22.
Dezember 2010 wegen Befangenheit der Beschwerdegegnerin ungültig sei.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin nennt als Befangenheitsgrund die Tatsache, dass sie
früher als Beraterin für arbeitsmarktliche Massnahmen beim RAV Oberuzwil tätig
gewesen sei, welches wie der Rechtsdienst der Kantonalen Arbeitslosenkasse dem
Amt für Arbeit angehöre.
2.1.1 Nach Art. 36 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) treten Personen, die Entscheidungen über
Rechte und Pflichten zu treffen oder vorzubereiten haben, in den Ausstand, wenn sie in
der Sache ein persönliches Interesse haben oder aus anderen Gründen in der Sache
befangen sein können. Diese Norm stimmt mit der Generalklausel von Art. 10 Abs. 1
lit. d des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) überein,
weshalb die zum VwVG ergangene Rechtsprechung auch bei der Anwendung von
Art. 36 Abs. 1 ATSG zu berücksichtigen ist. Eine Befangenheit ist zu bejahen, wenn
Tatsachen vorliegen, die das Misstrauen in die Unbefangenheit und damit in die
Unparteilichkeit einer von Art. 36 Abs. 1 ATSG erfassten Person objektiv rechtfertigen.
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Auf das subjektive Empfinden der Partei, welche die Befangenheit behauptet, kommt
es dabei ebenso wenig an wie darauf, ob tatsächlich eine Befangenheit besteht. Es
genügt, dass der Anschein einer solchen durch objektive Umstände und vernünftige
Gründe glaubhaft dargetan erscheint. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung
gilt dabei für verwaltungsinterne Verfahren nicht der gleich strenge Massstab wie für
unabhängige richterliche Behörden. Im Interesse einer beförderlichen Rechtspflege
sind Ablehnungs- und Ausstandsbegehren gegen nicht richterliche Justizpersonen
bzw. Personen, die an einem Verwaltungsentscheid in irgendeiner Form beratend oder
instruierend mitwirken, nicht leichthin gutzuheissen (vgl. Urteile des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 5. Dezember 2006, I 478/04, E. 2.2. und vom 30. August 2006,
U 302/05, E. 6.3; Urteil des Bundesgerichts vom 24. März 2009, 2C_732/08, E. 2.2.1).
2.2 Das Amt für Arbeit (AfA) des Kantons St. Gallen beschäftigt rund 300
Mitarbeitende. Dazu zählen die Mitarbeitenden der sechs Regionalen
Arbeitsvermittlungszentren (RAV), der öffentlichen Arbeitslosenkasse und der
kantonalen Amtsstelle (http://www.afa.sg.ch/home/portrait.html). Allein die Tatsache,
dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Tätigkeit für die GmbH wie auch die
Mitarbeitenden des die Einspracheentscheide erlassenden Rechtsdienstes zum selben
kantonalen Amt gehören und die Beschwerdeführerin allenfalls während ihrer
mehrjährigen Tätigkeit ab und zu hinsichtlich bestimmter Aufgaben Kontakt zum
Rechtsdienst hatte, rechtfertigt keineswegs den Anschein einer Befangenheit. Dies
zumal die Beschwerdeführerin weder geltend machte, die Rechtsdienstmitarbeiterin,
welche den Einspracheentscheid verfasst hatte, persönlich zu kennen, noch sonstige
Gründe vorbringt, weshalb der gesamte Rechtsdienst ihr gegenüber befangen sein
sollte. Objektive Hinweise, die den Anschein einer Befangenheit der betreffenden
Rechtsdienstmitarbeiterin begründen würden, finden sich somit nicht. Demnach
erweist sich die Rüge als unbegründet.
3.
3.1 Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG haben Personen, die in ihrer Eigenschaft als
Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten
betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers
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bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie ihre mitarbeitenden
Ehegatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. In BGE 123 V 234 ff. hat
das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht entschieden, dass Art. 31 Abs. 3
lit. c AVIG, obwohl dem Wortlaut nach nur auf Kurzarbeitsfälle zugeschnitten, unter
bestimmten Voraussetzungen auch im Bereich der Arbeitslosenentschädigung nach
Art. 8ff. AVIG anwendbar sei. Die betreffende Bestimmung diene der Vermeidung von
Missbräuchen (Selbstausstellung von für Kurzarbeitsentschädigung notwendigen
Bescheinigungen, Gefälligkeitsbescheinigungen, Unkontrollierbarkeit des tatsächlichen
Arbeitsausfalls, Mitbestimmung oder Mitverantwortung bei der Einführung von
Kurzarbeit u.ä. vor allem bei Arbeitnehmern mit Gesellschafts- oder sonstiger
Kapitalbeteiligung in Leitungsfunktion des Betriebes). Weiter führte das Eidgenössische
Versicherungsgericht aus, Kurzarbeit könne nicht allein in einer Reduktion der
täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Arbeitszeit, sondern auch darin bestehen,
dass ein Betrieb (bei fortbestehendem Arbeitsverhältnis) für eine gewisse Zeit
vollständig stillgelegt werde (100%ige Kurzarbeit; Gerhard Gerhards, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Bd. 1, Bern 1988, S. 383f., N 21 der
Vorbemerkungen zu Art. 31 - 41). In einem solchen Fall sei eine Arbeitnehmerin oder
ein Arbeitnehmer mit arbeitgeberähnlicher Stellung nicht anspruchsberechtigt. Werde
das Arbeitsverhältnis jedoch gekündigt, liege Ganzarbeitslosigkeit vor, und es bestehe
unter den Voraussetzungen von Art. 8ff. AVIG grundsätzlich Anspruch auf
Entschädigung. Dabei könne nicht von einer Gesetzesumgehung gesprochen werden,
wenn der Betrieb geschlossen werde, das Ausscheiden der betreffenden Person mithin
definitiv sei. Entsprechendes gelte für den Fall, dass das Unternehmen zwar weiter
bestehe, die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer aber mit der Kündigung endgültig
auch jene Eigenschaft verliere, derentwegen sie oder er bei Kurzarbeit auf Grund von
Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG vom Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung ausgenommen
wäre. Eine grundsätzlich andere Situation liege jedoch dann vor, wenn die
Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer nach der Entlassung die arbeitgeberähnliche
Stellung im Betrieb beibehalte und dadurch die Entscheidungen des Arbeitgebers
weiterhin bestimmen oder massgeblich beeinflussen könne (ARV 2002 Nr. 28 S. 184 f.
E. 2/3a; BGE 123 V 238f. mit Hinweisen).
3.2 Das geforderte Ausscheiden aus dem Betrieb muss anhand eindeutiger Kriterien
gemessen werden können (ARV 2003 S. 242 E. 4; ARV 2007 Nr. 6 S. 118 E. 4.2). Die
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Rechtsprechung hat einerseits wiederholt darauf abgestellt, ob der Eintrag der
betreffenden Person im Handelsregister gelöscht worden ist (ARV 2002 Nr. 28 S. 185
E. 3c mit Hinweisen; ARV 2007 Nr. 6 S. 118 E. 4.2). Als weiteres Kriterium für den
Austritt aus der Firma wird der Konkurs genannt. Indessen sei zu beachten, dass
Gesellschaftsorgane während der Liquidation ihre gesetzlichen und statutarischen
Befugnisse beibehielten, soweit sie zur Durchführung der Liquidation erforderlich seien
und dem Liquidationszweck nicht entgegenstünden. Dazu könne auch die
Weiterführung des Geschäfts bis zu dessen Verkauf oder Auflösung gehören (AHI 1994
S. 37 E. 6c mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Lehre). Danach haben
arbeitgeberähnliche Personen, die als Liquidatoren eingesetzt werden, in der Regel
während der Liquidation keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (ARV 2002
Nr. 28 S. 183 ff.; ARV 2007 Nr. 6 S. 118 E. 4.2).
3.3 Zeitliche Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis im Beschwerdeverfahren
bildet der Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids (BGE 129 V 365, E.1; BGE
132 V 220, E. 3.1.1.). Vorliegend ist somit der Sachverhalt zu beurteilen, wie er sich bis
zum Zeitpunkt des Einspracheentscheids vom 22. Dezember 2010 entwickelt hat.
4.
4.1 Im konkret zu beurteilenden Fall ist die Beschwerdeführerin als Geschäftsführerin
der B._ GmbH arbeitslosenrechtlich als Arbeitnehmerin zu betrachten. Sodann steht
fest, dass sie seit 7. August 2008 als Gesellschafterin und Geschäftsführerin der B._
GmbH bzw. ab 26. Mai 2010 zusätzlich als Liquidatorin im Handelsregister eingetragen
war (act. G 3.1/39). Hätte die Beschwerdeführerin in dieser Zeit ein Gesuch um
Kurzarbeitsentschädigung eingereicht, so wäre dieses auf Grund von Art. 31 Abs. 3 lit.
c AVIG abgelehnt worden. Vorliegend geht es jedoch um ein Gesuch um
Arbeitslosenentschädigung. Die oben dargelegte Rechtsprechung bejaht eine analoge
Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG, falls eine Umgehung dieser Norm vorliegt.
Die arbeitgeberähnliche Stellung von Arbeitnehmern schliesst mithin nicht stets und
schlechthin den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung aus. Die Grenzziehung stellt
insbesondere darauf ab, ob ein "Betrieb geschlossen" wird (Anspruch bejaht) oder aber
nur "für eine gewisse Zeit vollständig stillgelegt" wird (kein Anspruch; vgl. BGE 123 V
238 E. 7b/bb). In einer Reihe von Entscheidungen liess das Eidgenössische
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Versicherungsgericht den Liquidationsbeschluss respektive die Herbeiführung des
Konkurses in Kombination mit weiteren Umständen wie der Kündigung des
Geschäftslokals und der Arbeitsverträge als Beleg für den Willen, den Betrieb nicht
mehr weiterführen zu wollen, genügen (Urteile vom 6. Juni 2002, C 264/01, E. 2d und
vom 19. Februar 2003, C 248/02, E. 2.5).
4.2 Vorliegend wurden die Aktivitäten der B._ GmbH unbestrittenermassen per
1. Februar 2010 eingestellt (act. G 1, G 3.1/27). Die GmbH kündigte allen
Mitarbeiterinnen inklusive der Geschäftsführerin (act. G 3.1/9, G 3.1/11, G 3.1/28), der
Anschlussvertrag mit der H._ Sammelstiftung BVG, und die Versicherungsverträge
mit der I._ betreffend Betriebsversicherung, Unfallversicherung gemäss UVG sowie
Kollektiv-Krankentaggelversicherung wurden auf diesen Zeitpunkt hin aufgelöst (act.
G 3.1/58, G 3.1/51). Auch die Mieträumlichkeiten samt Innenausbau des C._ Studios
wurden per 1. Februar 2010 auf die E._ GmbH übertragen (act. G 3.1/19), zu welcher
die Beschwerdeführerin in gesellschaftlicher Hinsicht keine Verbindung hatte. Die E._
GmbH übernahm ausserdem gemäss Vereinbarung vom 26. April 2010 den
Franchisevertrag für das C._ Studio rückwirkend auf 1. Februar 2010 (act. G 3.1/27).
Somit fehlte es zur Weiterführung des ehemaligen C._ Studios nicht nur an den
Räumlichkeiten samt Fitnessgeräten und Apparaturen, sondern auch an einer
rechtlichen Grundlage. Eine weitere Aktivität im Rahmen eines eigenen Unternehmens,
etwa als Beraterin in Sachen Fitness und Ernährung, fiel sodann für die
Beschwerdeführerin auf Grund der gesundheitlichen Beschwerden und
Überforderungstendenzen ausser Betracht (vgl. psychiatrisches Gutachten von
Dr. med. J._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 10. März 2010 [act. 3.1/25]).
Am 18. Mai 2010 leitete die Beschwerdeführerin das Verfahren betreffend Auflösung
und Löschung der B._ GmbH ein, und am 25. Mai 2010 beschloss die
Gesellschafterversammlung die Auflösung und Liquidation der Gesellschaft (act.
G 3.1/29, G 3.1/39). In der Folge fanden am 4., 7. und 8. Juni 2010 die drei für eine
Löschung der GmbH im Handelsregister erforderlichen Liquidations-Schuldenrufe
(Art. 826 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 742 und Art. 745 f. des Obligationenrechts [OR;
SR 220] und Art. 83 in Verbindung mit Art. 65 der Handelsregisterverordnung, SR
221.411) statt (act. G 3.1/39).
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4.3 Angesichts der tatsächlichen Verhältnisse (Fehlen von Räumlichkeiten sowie eines
Dienstleistungserbringungskonzepts) und der in die Wege geleiteten anstehenden
Löschung der Gesellschaft im Handelsregister konnte in der vorangehenden
Zeitspanne somit kaum mehr etwas Relevantes geschehen. Insbesondere war es unter
den gegebenen Umständen nicht vorstellbar, dass die Beschwerdeführerin sich wieder
in der GmbH hätte einstellen und ein Einkommen erzielen können (ARV 2007 Nr. 6 S.
118 E. 4.3). Auch in der "Weihnachtspost" vom Dezember 2009, worin sie ihre
Kundschaft über den anstehenden Leitungswechsel des C._ Studios informierte,
legte sie offen dar, sich aus dem Studio zurückziehen und einen neuen Weg
einschlagen zu wollen (act. G 3.1/12). Auf 1. Februar 2010 stellte sie die Aktivitäten
ihres Unternehmens ein, kündigte die damit zusammenhängenden Verträge und
übertrug das C._ Studio samt Franchiseverhältnis auf die E._ GmbH. Ihre
gesundheitliche Situation stand der Weiterführung eines eigenen Unternehmens
ebenfalls entgegen. Damit bestand ab dem Zeitpunkt des Beschlusses der
Gesellschafterversammlung zur Auflösung der B._ GbmH, am 25. Mai 2010, trotz
selbständiger Durchführung der Liquidation weder ein Missbrauchsrisiko noch die
Gefahr einer Umgehung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG. Die Beschwerdegegnerin hat
somit den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung zu
Unrecht unter Berufung auf deren arbeitgeberähnliche Stellung abgelehnt (vgl. ARV
2007 Nr. 6 S. 118 E. 4.3). Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie die übrigen Anspruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 Abs.
1 AVIG prüfen und über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Arbeitslosenentschädigung ab 25. Mai 2010 erneut befinden kann.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und
der Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2010 aufzuheben. Die Streitsache ist zur
Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen der Beschwerdeführerin ab dem 25.
Mai 2010 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP