Decision ID: 4d11dc39-fd20-453f-99a6-889e01227705
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend fahrlässige Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Jugendgerichtes des Bezirkes Horgen vom 2. Oktober 2013 (DJ130002)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 13. Juni 2013
(Urk. 40) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB,
− der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125
Abs. 1 und 2 StGB,
− der Störung des öffentlichen Verkehrs im Sinne von Art. 237 Ziff. 1
StGB,
− der mehrfachen Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286
StGB,
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 Bst. c und d,
− der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 2 i.V.m.
- Art. 26 Abs. 1 SVG (Sorgfaltspflicht) - Art. 31 Abs. 1 SVG (Nichtbeherrschen des Fahrzeuges) - Art. 32 Abs. 1 SVG sowie Art. 4 VRV (Nichtanpassen der Geschwindigkeit) - Art. 90 Abs. 4 Bst. b, c und d SVG, sowie
− des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von
Art. 91 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 und Abs. 2 Bst. a und d VRV
− der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von
Art. 94 Abs. 1 Bst. a und b SVG,
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− des mehrfachen Lenkens eines Motorfahrzeuges ohne Berechtigung
im Sinne von Art. 95 Abs. 1 Bst. a SVG.
2. Es wird eine Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG angeordnet.
3. Die Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG wird mit einer ambulan-
ten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG verbunden.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit 11 Monaten Freiheitsentzug, wovon 4 Ta-
ge durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie einer Geldstrafe von 5
Tagessätzen à Fr. 30.–.
5. Der Vollzug des Freiheitsentzugs wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2
Jahre festgesetzt.
6. Der Antrag auf Widerruf der mit Strafbefehl vom 21. März 2012 ausgefällten,
teilbedingten Busse wird abgewiesen.
7. Die mit Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 29. März 2012 beschlag-
nahmten Kleider (act. HD 7/1) werden dem Beschuldigten nach Rechtskraft
des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben.
8. Der mit Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 29. März 2012 beschlag-
nahmte Personenwagen Audi Quattro RS4, ZH ..., Halter B._ (act. HD
7/2), wird dem Privatkläger 1 nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlan-
gen herausgegeben. Wird der Wagen nicht innert 30 Tagen nach Rechts-
kraft dieses Urteils herausverlangt, so wird er der Jugendanwaltschaft
Limmattal/Albis zur gutscheinenden Verwertung überlassen.
9. Der Privatkläger 1 wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
10. a) Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die Schaden-
ersatzpflicht gegenüber der Privatklägerin 2 in Höhe von Fr. 5‘570.85
zuzüglich 5 % Zins ab 1. Januar 2013 anerkennt.
b) Der Beschuldigte wird dem Grundsatz nach verpflichtet, der Privatklägerin
2 für sämtlichen weiteren Schaden, der im Zusammenhang mit dem einge-
klagten Ereignis vom 25. März 2012 steht, Schadenersatz zu leisten. Im Üb-
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rigen wird die Privatklägerin 2 auf den Weg des ordentlichen Zivilprozesses
verwiesen.
c) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 Fr. 20‘000.– zu-
züglich 5 % Zins ab 25. März 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
11. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die Schadener-
satzpflicht gegenüber dem Privatkläger 3 im Grundsatz anerkennt. Die
Schadenersatzansprüche werden im Quantitativ auf den Zivilweg verwiesen.
12. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1‘000.–.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen derjenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen
Verbeiständung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten aufer-
legt, aber im Fr. 300.– übersteigenden Betrag abgeschrieben.
14. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen und Barauslagen
als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit
Fr. 24‘377.20 (inklusive 8% MwSt) entschädigt.
Vorbehalten bleibt eine Rückforderung nach Art. 135 Abs. 4 StPO.
15. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Bemühungen und Barauslagen
als unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin 2 aus der Gerichtskasse mit
Fr. 6‘736.60 (inklusive 8% MwSt) entschädigt.
Vorbehalten bleibt eine Rückforderung nach Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135
Abs. 4 StPO.
16. Rechtsanwalt lic. iur. Z._ wird für seine Bemühungen und Barauslagen
als unentgeltlicher Vertreter des Privatklägers 3 aus der Gerichtskasse mit
Fr. 3‘336.65 (inklusive 8% MwSt) entschädigt.
Vorbehalten bleibt eine Rückforderung nach Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135
Abs. 4 StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 106 S. 1)
1. Es sei in Abänderung von Ziffer 2 und 3 des Dispositivs des Urteils des
Jugendgerichts Horgen vom 2. Oktober 2013 beim Berufungskläger anstelle
einer Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG ausschliesslich eine
ambulante Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG anzuordnen.
2. Es sei in Abänderung von Ziffer 4 des Dispositivs des Urteils des Ju-
gendgerichts Horgen vom 2. Oktober 2013 der Berufungskläger mit einer
Freiheitsstrafe von maximal 6 Monaten Freiheitsentzug, wovon 4 Tage durch
Untersuchungshaft erstanden sind, sowie einer Geldstrafe von 5 Tagessät-
zen à Fr. 30.– zu bestrafen.
b) Des Vertreters der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich:
(Urk. 107 S. 1)
1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Die vom Jugendgericht Horgen im Urteil vom 2. Oktober 2013 ange-
ordnete Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG sei zu bestätigen.
3. Der Beschuldigte sei mit 11 Monaten Freiheitsentzug und einer Geld-
strafe von 5 Tagessätzen à Fr.30.– zu bestrafen.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Der Beschuldigte A._ wurde mit Urteil des Jugendgerichts des Bezirks
Horgen vom 2. Oktober 2013 der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117
StGB, der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1
und 2 StGB, der Störung des öffentlichen Verkehrs im Sinne von Art. 237 Ziff. 1
StGB, der mehrfachen Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286
StGB, der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG, der mehrfachen groben Verletzung
der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 26
Abs. 1 SVG, Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 4 VRV sowie Art. 90
Abs. 4 lit. b, c und d SVG, des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im
Sinne von Art. 91 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a und
d VRV, der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von Art.
94 Abs. 1 lit. a und b SVG sowie des mehrfachen Lenkens eines Motorfahrzeuges
ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG schuldig gesprochen
und mit 11 Monaten Freiheitsentzug, unter Anrechnung von 4 Tagen Untersu-
chungshaft, sowie mit einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft.
Der Vollzug des Freiheitsentzugs wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 2
Jahre festgesetzt. Weiter wurde eine Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1
JStG angeordnet und mit einer ambulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG
verbunden. Hingegen wurde der Antrag auf Widerruf der mit Strafbefehl vom 21.
März 2012 teilbedingt ausgefällten Busse abgewiesen. Sodann wurde die Her-
ausgabe der von der Jugendanwaltschaft beschlagnahmten Kleider an den Be-
schuldigten und die Herausgabe des beschlagnahmten Personenwagens Audi
Quattro RS4 an den Privatkläger 1 angeordnet. Ferner wurde der Privatkläger 1
mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
In Bezug auf das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 2 wurde davon Vor-
merk genommen, dass der Beschuldigte die Schadenersatzpflicht in der Höhe
von Fr. 5'570.85 zuzüglich 5% Zins ab 1. Januar 2013 anerkannt hatte. Für sämt-
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lichen weiteren im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 25. März 2012 stehen-
den Schaden wurde der Beschuldigte dem Grundsatz nach verpflichtet, der Pri-
vatklägerin 2 Schadenersatz zu leisten, und diese im Übrigen auf den Weg des
ordentlichen Zivilprozesses verwiesen. Bezüglich des Genugtuungsbegehrens der
Privatklägerin 2 wurde der Beschuldigte verpflichtet, dieser eine Genugtuung von
Fr. 20'000.– zuzüglich 5% Zins seit dem 25. März 2012 zu bezahlen. Im Mehrbe-
trag wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen. Hinsichtlich des Schadener-
satzbegehrens des Privatklägers 3 wurde davon Vormerk genommen, dass der
Beschuldigte die Schadenersatzpflicht diesem gegenüber im Grundsatz aner-
kannt hatte. Zur Feststellung der Höhe der Schadenersatzansprüche wurde der
Privatkläger 3 auf den Zivilweg verwiesen. Schliesslich wurden dem Beschuldig-
ten die Verfahrenskosten, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung
und der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerschaft, auferlegt, jedoch
im Fr. 300.– übersteigenden Betrag abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung sowie diejenigen der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklä-
gerin 2 und des Privatklägers 3 wurden unter Vorbehalt des Rückforderungs-
rechts auf die Gerichtskasse genommen (Urk. HD 87 S. 40 ff.).
2. Gegen dieses gleichentags mündlich eröffnete Urteil meldete der Verteidiger
des Beschuldigten mit Eingabe vom 14. Oktober 2013 (Eingang: 15. Oktober
2013; Urk. HD 81) innert Frist Berufung an. Das vollständig begründete Urteil
wurde von ihm am 9. Januar 2014 entgegengenommen (Urk. HD 85/1). Mit Ein-
gabe vom 21. Januar 2014 (Eingang: 22. Januar 2014; Urk. HD 89) reichte er sei-
ne schriftliche Berufungserklärung fristgerecht ein. Beweisanträge wurden keine
gestellt.
3. Mit Präsidialverfügung vom 29. Januar 2014 wurde den Privatklägern und
der Anklagebehörde Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum An-
trag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt (Urk. HD 92). Am 18. Februar
2014 (Urk. HD 96) reichte der Verteidiger das vom Beschuldigten ausgefüllte Da-
tenerfassungsblatt (Urk. HD 97) ein. Mit Schreiben vom 25. Februar 2014 teilte
der Rechtsvertreter des Privatklägers 3 dem Gericht mit, dass dieser keine An-
schlussberufung erheben wolle (Urk. HD 98). Demgegenüber liessen sich die üb-
rigen Privatkläger sowie die Anklagebehörde nicht vernehmen.
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4. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde der nicht erschienene Beschul-
digte auf Antrag der Verteidigung von der Teilnahme dispensiert (Prot. II S. 5).
II. Prozessuales
1. Der am tt.mm.1994 geborene Beschuldigte beging die Taten gemäss HD
und ND1-4 am 24. bzw. 25. März 2012 und diejenige gemäss ND5 am 6. März
2013 (Urk. HD 40 S. 2 ff.), mithin erstere vor und letztere nach Vollendung seines
18. Altersjahres. Das jugendstrafrechtliche Verfahren bleibt anwendbar, wenn es
gegen den Jugendlichen eingeleitet wurde, bevor die nach Vollendung des 18. Al-
tersjahres begangene Tat bekannt wurde (Art. 3 Abs. 2 Satz 4 JStG). Das vorlie-
gende Verfahren wurde unmittelbar nach dem Verkehrsunfall vom 25. März 2012
eröffnet (Urk. HD 1/1), womit das jugendstrafrechtliche Verfahren gemäss JStPO
anwendbar ist.
2. Im Rahmen seiner Berufungserklärung liess der Beschuldigte einerseits den
Antrag stellen, es sei in Abänderung der Dispositivziffern 2 und 3 des erstinstanz-
lichen Urteils anstelle einer Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG in
Verbindung mit einer ambulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG aus-
schliesslich eine ambulante Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG anzuordnen.
Andererseits sei er in Abänderung von Dispositivziffer 4 des erstinstanzlichen Ur-
teils mit einem Freiheitsentzug von maximal 6 Monaten, wovon 4 Tage durch Un-
tersuchungshaft erstanden seien, und mit einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu
Fr. 30.– zu bestrafen (Urk. HD 89 S. 2). An diesen Anträgen wurde auch anläss-
lich der Berufungsverhandlung festgehalten (Urk. HD 106 S. 1; Prot. II S. 3).
Gemäss Art. 3 Abs. 1 JStPO in Verbindung mit Art. 402 StPO hat die Berufung im
Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochte-
nen Urteils wird somit im Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die
von der Berufung nicht erfassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (BSK JStPO-
Bürgin/Biaggi, Art. 40 N 4). Nicht angefochten wurden vorliegend die Dispositivzif-
fern 1 (Schuldspruch), 3 teilweise (ambulante Behandlung nach Art. 14 Abs. 1
JStG), 4 teilweise (Bestrafung mit einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen à Fr. 30.–),
5 (Strafvollzug), 6 (Abweisung des Antrags auf Widerruf der Vorstrafe), 7 und 8
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(Entscheid über beschlagnahmte Gegenstände), 9 – 11 (Entscheid über Zivilan-
sprüche) sowie 12 – 16 (Kosten- und Entschädigungsregelung). Diese Punkte des
erstinstanzlichen Urteils sind somit in Rechtskraft erwachsen, was mittels Be-
schluss festzustellen ist.
3. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten unter anderem der mehrfachen gro-
ben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 i.V.m. Art. 26 Abs.
1 SVG (Sorgfaltspflicht), Art. 31 Abs. 1 SVG (Nichtbeherrschen des Fahrzeugs),
Art. 32 Abs. 1 SVG sowie Art. 4 VRV (Nichtanpassen der Geschwindigkeit) und
Art. 90 Abs. 4 lit. b, c und d SVG schuldig gesprochen (Urk. 87 S. 41). Art. 90
SVG wurde indes nach den inkriminierten Handlungen einer Revision unterzogen,
die per 1. Januar 2013 in Kraft getreten ist. Aufgrund des Rückwirkungsverbots
und des Grundsatzes der lex mitior (Art. 2 Abs. 1 und 2 StGB) hätte die Verurtei-
lung nicht gestützt auf Art. 90 Abs. 2 SVG, sondern gestützt auf aArt. 90 Ziff. 2
SVG erfolgen müssen. Da die Verurteilung des Beschuldigten in diesem Punkt in
Rechtskraft erwachen ist, ist es dem Berufungsgericht verwehrt, das Urteil der
Vorinstanz entsprechend zu korrigieren. Das Versehen fällt indes faktisch nicht
ins Gewicht, da die beiden Fassungen inhaltlich übereinstimmen. Daneben ist
auch die sich auf Art. 90 Abs. 4 lit. b, c und d SVG stützende Verurteilung des Be-
schuldigten in Rechtskraft erwachsen. Diese Bestimmung ist aber ebenfalls erst
per 1. Januar 2013 und somit nach den inkriminierten Handlungen in Kraft getre-
ten und führt in Verbindung mit Art. 90 Abs. 3 SVG zu einer deutlich höheren
Strafandrohung für sog. Raserdelikte. Aufgrund des Rückwirkungsverbots und
des Grundsatzes der lex mitior hätte die Vorinstanz den Beschuldigten nicht ge-
stützt auf diese Bestimmung verurteilen dürfen. Auch daran lässt sich im heutigen
Zeitpunkt nichts mehr ändern. Wie im Rahmen der Strafzumessung unter Erwä-
gung IV. 3.2 aufzuzeigen sein wird, wirkt sich dieses Versehen der Vorinstanz bei
der konkreten Strafzumessung aber nicht zu Lasten des Beschuldigten aus. Dass
die Vorinstanz den Beschuldigten hinsichtlich der Entwendung des Fahrzeugs
zum Gebrauch gestützt auf den ebenfalls per 1. Januar 2013 in Kraft getretenen
Art. 94 Abs. 1 lit. a und b SVG und nicht gestützt auf aArt. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG
verurteilte und diese Verurteilung ebenfalls in Rechtskraft erwachsen ist, weshalb
die Berufungsinstanz daran gebunden ist, fällt nicht ins Gewicht, da beide Best-
immungen die gleiche Strafandrohung enthalten.
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4. Bei der am 25. März 2012 begangenen Hinderung einer Amtshandlung
(ND2) war im Zeitpunkt, in dem das erstinstanzliche Urteil erlassen wurde, die
Verfolgungsverjährung bereits eingetreten (Art. 36 Abs. 1 lit. c JStG i.V.m.
Art. 286 Abs. 1 StGB). Die dennoch erfolgte, in Rechtskraft erwachsene und des-
halb auch für die Berufungsinstanz verbindliche Verurteilung des Beschuldigten
wirkt sich aber, wie unter Erwägung IV. 3.1 darzulegen sein wird, auf die Strafhö-
he nicht aus.
5. Auf die Argumente der Verteidigung ist im Rahmen der nachstehenden Er-
wägungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder
tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen;
vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichts-
punkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1 mit Hinweisen; Urteile 6B_526/2009
vom 2. September 2009 E. 3.2 sowie 6B_678/2009 vom 3. November 2009
E. 5.2).
III. Schutzmassnahmen
1. Sind gleichzeitig vor und nach Vollendung des 18. Altersjahres begangene
Straftaten zu beurteilen und bedarf der Täter einer Massnahme, so kann diejenige
Massnahme nach dem StGB oder nach dem JStG angeordnet werden, die nach
den Umständen erforderlich ist (Art. 3 Abs. 2 Satz 3 JStG). Gemäss Art. 10 JStG
ordnet die urteilende Behörde die nach den Umständen erforderlichen Schutz-
massnahmen an, wenn der Jugendliche eine mit Strafe bedrohte Tat begangen
hat und die Abklärung ergibt, dass er einer besonderen erzieherischen Betreuung
oder therapeutischen Behandlung bedarf. Zu den Sanktionsmöglichkeiten des Ju-
gendstrafrechts sowie zu den Voraussetzungen einer Schutzmassnahme hat sich
bereits die Vorinstanz ausführlich und zutreffend geäussert, weshalb vorab auf die
entsprechenden Ausführungen verwiesen werden kann (Art. 3 Abs. 1 JStPO
i.V.m. Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. HD 87 S. 9 ff.). Voraussetzungen für die Anord-
nung einer Schutzmassnahme sind demnach – neben der Anlasstat – die Erfor-
derlichkeit und die Verhältnismässigkeit der Massnahme sowie deren Geeignet-
heit, die notwendige erzieherische Betreuung und bzw. oder therapeutische Be-
handlung des Jugendlichen sicherzustellen. Zudem wird auch die Massnahmefä-
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higkeit des Täters vorausgesetzt. Was diese Voraussetzung anbelangt, geht das
Gesetz jedoch davon aus, dass die Massnahmefähigkeit bei Jugendlichen grund-
sätzlich gegeben ist. Dies hat zur Folge, dass bei Vorliegen der Massnahmebe-
dürftigkeit grundsätzlich eine Schutzmassnahme auszusprechen ist (BSK JStG-
Gürber/Hug/Schläfli, 3. Aufl., Basel 2013, Vor Art. 1 N 15).
Leidet der Jugendliche unter psychischen Störungen, ist er in seiner Persönlich-
keitsentwicklung beeinträchtigt oder ist er von Suchtstoffen oder in anderer Weise
abhängig, so kann die urteilende Behörde anordnen, dass er ambulant behandelt
wird (Art. 14 Abs. 1 JStG). Die ambulante Behandlung kann mit der Aufsicht nach
Art. 12 JStG, der persönlichen Betreuung nach Art. 13 JStG oder der Unterbrin-
gung in einer Erziehungseinrichtung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG verbunden
werden (Art. 14 Abs. 2 JStG). Kann die notwendige Erziehung und Behandlung
des Jugendlichen nicht anders sichergestellt werden, so ordnet die urteilende Be-
hörde die Unterbringung an. Diese erfolgt namentlich bei Privatpersonen oder in
Erziehungs- oder Behandlungseinrichtungen, die in der Lage sind, die erforderli-
che erzieherische oder therapeutische Hilfe zu leisten (Art. 15 Abs. 1 JStG).
2. Die Vorinstanz ordnete eine Unterbringung des Beschuldigten im Sinne von
Art. 15 Abs. 1 JStG sowie eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14
Abs. 1 JStG an. Dabei stützte sie sich insbesondere auf den Indikationsbericht
der Jugendanwaltschaft vom 6. September 2012 (Urk. HD 17/2), das psychiat-
risch-psychologische Gutachten des Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie
der Universität Zürich, Kinder- und Jugendforensik, vom 23. Juli 2012 (Urk.
HD 22/2), den Abklärungsbericht der Durchgangsstation Winterthur vom 30. Juli
2012 (Urk. HD 18/5), den Abbruchbericht des Rehabilitationszentrums Lutzenberg
vom 8. Oktober 2012 (Urk. HD 20/2), den Überprüfungsbericht der Jugendanwalt-
schaft vom 30. August 2013 (Urk. HD 55), die Massnahmeplanung des Mass-
nahmenzentrums Kalchrain vom 26. August 2013 (Urk. HD 56), den Zwischenbe-
richt des Massnahmenzentrums Kalchrain vom 9. September 2013 (Urk. HD 60)
sowie die Ausführungen des Beschuldigten an der Hauptverhandlung vom 2. Ok-
tober 2013 (Urk. HD 71). Die erwähnten Berichte, Gutachten und Aussagen sind
im vorinstanzlichen Urteil zusammengefasst dargestellt, weshalb vorliegend da-
rauf verwiesen werden kann (Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk.
HD 87 S. 13 ff.).
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Die Vorinstanz begründete die von ihr angeordneten Massnahmen damit, dass
aufgrund der schlüssigen und übereinstimmenden Feststellungen in den erwähn-
ten Gutachten und Berichten ausser Frage stehe, dass die Massnahmebedürftig-
keit des Beschuldigten gemäss Art. 10 JStG gegeben sei. Der Beschuldigte sei in
seiner Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigt, leide an einer Cannabisabhän-
gigkeit und konsumiere auch harte Drogen, wenn er Zugang zu ihnen erhalte. Es
beständen grosse erzieherische Defizite, die auszugleichen die Eltern ausser
Stande seien. Dem Beschuldigten gelinge es nicht, sein Leben eigenverantwort-
lich zu führen oder seine Freizeit sinnvoll zu nutzen. In Freiheit bewege er sich in
Kreisen delinquenter Jugendlicher. Er übertrete Gesetze und andere soziale Re-
geln und halte sich nicht an Vereinbarungen. Die Abklärungen zeigten ein instabi-
les soziales Umfeld mit mangelhaften Beeinflussungs- und Kontrollmöglichkeiten
von Seiten des Vaters, der nicht in der Lage sei, Grenzen zu setzen. Der Vater
leide offenbar selber unter psychischen Belastungen sowie finanziellen Proble-
men, die es ihm erschwerten, sich dem erhöhten Bedarf des Beschuldigten zu
widmen. Unter diesen Umständen brächte die Rückkehr des Beschuldigten in ein
durch Strukturarmut, Verfügbarkeit von Suchtmitteln und deviante Gleichaltrige
geprägtes Umfeld eine hohe Rückfallgefahr mit sich, weshalb eine ambulante
Massnahme alleine zum Scheitern verurteilt wäre. Langfristige, nachhaltige Bes-
serung sei nur zu erwarten, wenn dem Beschuldigten ein streng strukturiertes
Umfeld zusammen mit einer deliktorientierten Therapie geboten werde. Nur so
könne der Beschuldigte Abstinenz und Regeltreue lernen. Aufgrund seiner Per-
sönlichkeit sei davon auszugehen, dass er das Potential habe, diese Ziele zu er-
reichen. Er müsse aber daran gehindert werden, den therapeutischen und erzie-
herischen Bemühungen auszuweichen, solange er deren Notwendigkeit nicht ein-
sehe. Der Zustand des Beschuldigten erfordere daher sowohl eine Unterbringung
im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG als auch eine ambulante Behandlung im Sinne
von Art. 14 Abs. 1 JStG. Mache der Beschuldigte Fortschritte, so seien Lockerun-
gen angezeigt und im Rahmen einer Unterbringung nach Art. 15 Abs. 1 JStG oh-
ne Weiteres möglich. Diese beiden Massnahmen seien vorliegend nicht bloss ge-
eignet, die notwendige erzieherische und therapeutische Behandlung des Be-
schuldigten sicherzustellen; vielmehr seien sie aufgrund der beim Beschuldigten
bestehenden Störung der Persönlichkeitsentwicklung, der Cannabisabhängigkeit
sowie der damit verbundenen Rückfallwahrscheinlichkeit vor allem für Betäu-
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bungsmitteldelikte auch notwendig für eine positive Entwicklung des Beschuldig-
ten. In Anbetracht der Schwere der Delikte vom 25. März 2012, die in unzweifel-
haftem Zusammenhang mit den Persönlichkeitsdefiziten und der Suchtmittelab-
hängigkeit des Beschuldigten ständen, sei auch die Verhältnismässigkeit einer
Massnahme nach Art. 15 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 JStG ohne Weiteres gegeben
(Urk. HD 87 S. 18 f.).
3. Auch die Verteidigung beantragt die Anordnung einer Schutzmassnahme,
allerdings lediglich in Form einer ambulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1
JStG, deren Anordnung im vorinstanzlichen Urteil denn auch von ihr nicht ange-
fochten wurde. Zur Begründung, weshalb eine ambulante Behandlung im ange-
ordneten Sinne genüge, bringt sie vor, dass beim Beschuldigten keine psychische
Störung diagnostiziert worden sei, sondern eine Abhängigkeit von Cannabis, ein
schädlicher Gebrauch multipler psychotroper Substanzen sowie eine erzieheri-
sche Fehlentwicklung festgestellt worden seien. Mit einer ambulanten Behandlung
ohne die Anordnung einer Unterbringung könne der Rückfallgefahr beim Beschul-
digten, welche nur in Bezug auf Betäubungsmitteldelikte bestehe und sich darauf
beschränke, dass der Beschuldigte Cannabis konsumieren und hinsichtlich seiner
Zukunft passiv bleiben könnte, angemessen Rechnung getragen werden, zumal
der Beschuldigte keine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Die Platzierung des
Beschuldigten in der Institution Lutzenberg habe aufgrund seines Fehlverhaltens
abgebrochen werden müssen. Auch habe der Beschuldigte seit seiner Platzierung
in der Institution Kalchrain fast mehr Zeit "auf Kurve" als innerhalb der Institution
verbracht. Er habe immer wieder klar signalisiert, dass er den vorgesehenen
Massnahmenplan ablehne und aus dieser Institution entlassen werden wolle. Die
Institution Kalchrain biete ihm aus seiner Sicht ausser Repressionen keine kon-
struktive Option für die Gestaltung der Zukunft. Der Beschuldigte sei bereit, sich
bezüglich der Suchtproblematik ambulant behandeln zu lassen und beispielswei-
se von einem Wohnheim aus seine Lehre weiterzuführen bzw. abzuschliessen.
Durch die stetige Verweigerung der Zusammenarbeit mit den Institutionen habe
der Beschuldigte klar signalisiert, dass er bezüglich einer Unterbringung nicht
massnahmewillig sei. Dies zeige deutlich, dass für ihn eine andere Lösung als ei-
ne Unterbringung gefunden werden müsse, nämlich eine ambulante Behandlung,
gegenüber welcher er positiv eingestellt sei. Auch die Tatsache, dass der Be-
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schuldigte bereits mehrfach aus der Institution Kalchrain entwichen sei, beweise,
dass das bisherige Setting falsch gewesen bzw. gescheitert sei (Urk. HD 75
S. 5 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte der Verteidiger zudem vor,
dass der Zwischenbericht des Massnahmenzentrums Kalchrain vom 8. Mai 2014
(vgl. Urk. HD 105) erneut bestätige, dass der Beschuldigte nicht massnahmewillig
sei. Der Bericht gehe nun sogar so weit, dass ihm auch die Massnahmefähigkeit
abgesprochen werde. Die Unterbringung nach Art. 15 JStG sei gescheitert und es
müssten Alternativen gefunden werden. Dass es keinen vernünftigen alternativen
Massnahmenplan gebe, könne nicht dem Beschuldigten angelastet werden. Zwei
Jahre nach dem Unfall vom 25. März 2012 stelle sich zudem die berechtigte Fra-
ge nach der Verhältnismässigkeit der Schutzmassnahme (Urk. HD 106 S. 4 ff.).
4. Die Vorinstanz hat mit plausibler Begründung, der vollumfänglich gefolgt und
auf die verwiesen werden kann, gestützt auf die übereinstimmende Meinung di-
verser Fachpersonen dargelegt, weshalb für den Beschuldigten nicht nur eine
ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG, sondern auch eine Un-
terbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG anzuordnen ist.
Dass die Situation sich seit dem Erlass des erstinstanzlichen Urteils insofern ver-
ändert hat, als die ambulante Behandlung des Beschuldigten gemäss Zwischen-
bericht vom 31. März 2014 aufgrund mangelnder Fortschritte sistiert wurde (Urk.
HD 102/2) und dieser seit Erlass des erstinstanzlichen Urteils weitere drei Male
aus dem Massnahmenzentrum Kalchrain entwichen ist (Urk. HD 105 S. 3), führt
zu keinem anderen Ergebnis. Die neuen Entweichungen stellen zwar ein weiteres
klares Anzeichen dafür dar, dass es dem Beschuldigten mit Bezug auf die Unter-
bringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG jedenfalls phasenweise an der Mass-
nahmewilligkeit mangelt. Bereits im Zwischenbericht vom 9. September 2013 war
auf die ablehnende Einstellung des Beschuldigten der Unterbringung gegenüber
hingewiesen worden (Urk. HD 59 S. 1 ff.). Dies ergibt sich aber auch aus den An-
gaben im Bericht über die Eintritts-Standortsitzung, die am 7. Januar 2014 aus
Anlass des per 17. Oktober 2013 erfolgten Wechsels des Beschuldigten von der
Suchtgruppe in die Aufnahmegruppe des Massnahmenzentrums Kalchrain statt-
fand. Darin wurde festgehalten, dass beim Beschuldigten die Einsicht und Motiva-
tion für die Massnahme fehle. Er wolle diese nicht durchziehen und versuche mit
rechtlichen Mitteln, sie abzubrechen. Dies sei auch die Hauptursache für seine
- 15 -
(damals) sechs Entweichungen (Urk. HD 102/3 S. 1). Wie sich aus Wortlaut und
Zweck von Art. 15 Abs. 1 JStG ergibt, ist für die Anordnung einer Unterbringung
die Massnahmewilligkeit des Jugendlichen indes nicht vorausgesetzt.
Dass der Beschuldigte sich bei der ambulanten Behandlung im Sinne von Art. 14
Abs. 1 JStG derart unkooperativ zeigte, dass diese inzwischen sistiert wurde, ist
in einem direkten Zusammenhang mit dessen ablehnender Haltung gegenüber
der Unterbringung zu sehen. Der Umstand, dass er die Anordnung der ambulan-
ten Massnahme durch die Vorinstanz nicht anfechten liess, lässt nämlich darauf
schliessen, dass er sich bei der bisherigen Behandlung vor allem unkooperativ
verhielt, weil er darauf hoffte, so der weiteren Unterbringung entgehen zu können.
Die inzwischen acht Entweichungen aus dem Massnahmenzentrum Kalchrain und
ein Fehlen der Massnahmewilligkeit mit Bezug auf die Unterbringung im Sinne
von Art. 15 Abs. 1 JStG lassen ferner nicht darauf schliessen, dass es beim Be-
schuldigten an der für die Anordnung erforderlichen Massnahmefähigkeit mangelt.
Obwohl der Beschuldigte von Anfang an offen seinen Unwillen gegen die Unter-
bringung manifestierte, konnte er in deren Rahmen phasenweise zu einer Zu-
sammenarbeit im Sinne von Gesprächen, Unterstützung bezüglich der Lehrstelle
oder Arbeit in der internen Holzwerkstatt motiviert werden (Urk. HD 22/2 S. 40),
weshalb im psychiatrisch-psychologischen Gutachten vom 23. Juli 2012 trotz der
genannten Umstände eine Unterbringung gemäss Art. 15 Abs. 1 JStG empfohlen
wurde (Urk. HD 22/2 S. 34). Weiter ist dem Zwischenbericht des Massnahmen-
zentrums Kalchrain vom 9. September 2013 zu entnehmen, dass der Beschuldig-
te trotz weitgehend fehlender Motivation und diverser Regelverstösse (mehrfa-
ches Entweichen, wiederholter Drogenkonsum; Urk. HD 60 S. 1 ff.) gelernt habe,
Hilfe sowie Kritik anzunehmen (Urk. HD 60 S. 4). Zudem habe er sich mit seiner
Suchtproblematik auseinandergesetzt und damit begonnen, Problemeinsicht in
Bezug auf sein Suchtverhalten zu entwickeln (Urk. HD 60 S. 5). Der bisherige
Verlauf der Massnahme zeige, dass der Beschuldigte während seiner Anwesen-
heit auf der Suchtgruppe seine Ziele mit einer professionellen Unterstützung er-
reichen könne. Daher werde seitens des Massnahmenzentrums Kalchrain eine
Weiterführung der Massnahme empfohlen (Urk. HD 60 S. 6). Auch dem genann-
ten Bericht der Eintritts-Standortsitzung sind positive Ansätze zu entnehmen, ver-
lief doch der erste Monat in der Aufnahmegruppe sehr gut, auch wenn es an-
- 16 -
schliessend zu Stimmungsschwankungen und Rückschlägen kam (Urk. HD 102/3
S. 1). Dies wird bestätigt durch den Bericht über die Standortbestimmung vom 20.
Januar 2014 (Urk. HD 102/4). Insbesondere positiv vermerkt wurden für diese
Phase die vielen unauffälligen Urinproben (Urk. HD 102/3 S. 1; Urk. HD 102/4 S.
1). Im neuesten Zwischenbericht des Massnahmenzentrums Kalchrain vom 8. Mai
2014 wird festgehalten, dass die Abstinenzkontrollen seit Oktober 2013 nur ein
Mal ein negatives Resultat ergaben (Urk.HD 105 S. 5).
Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. HD 75 S. 5 ff.; Urk. HD 106 S. 4 ff.)
kann unter diesen Umständen weder von einem Scheitern des bisherigen Set-
tings noch von fehlender Massnahmefähigkeit die Rede sein. Die von der Vertei-
digung angeführte – singuläre – Anmerkung im Zwischenbericht des Massnah-
menzentrums Kalchrain vom 8. Mai 2014 beruht denn auch offensichtlich auf ei-
nem redaktionellen Versehen. Im Abschnitt vor dieser Anmerkung wird nämlich
gerade festgehalten, der bisherige Verlauf der Massnahme zeige, dass der Be-
schuldigte seine Ziele mit einer professionellen Unterstützung erreichen könne,
und die Weiterführung der Massnahme empfohlen (Urk. HD 105 S. 7). Auch aus
dem gesamten übrigen Bericht ergeben sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass
die Massnahmefähigkeit zu verneinen wäre.
Dass die Verhältnismässigkeit der vom Beschuldigten und der Verteidigung abge-
lehnten Massnahme im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG gegeben ist, folgt einerseits
aus dem psychiatrisch-psychologischen Gutachten vom 23. Juli 2012. Darin wird
zur Legalprognose festgehalten, eine Rückfallgefahr bestehe beim Beschuldigten
aufgrund der nach wie vor vorhandenen psychopathologischen Auffälligkeiten
(dissoziale Symptome in Form von Bereitschaft, Normen zu überschreiten, Reiz-
barkeit auf Konfrontation mit Defiziten und Fehlbarkeiten, oppositionelles Verhal-
ten, Anspruchshaltung sowie emotionale Instabilität), aufgrund der Abhängigkeit
von Cannabis und des schädlichen Gebrauchs multipler psychotroper Substan-
zen. Des Weiteren würden die beeinträchtigte Persönlichkeitsentwicklung und die
erzieherische Fehlentwicklung weitere Straftaten begünstigen. Ohne jegliche
Massnahmen seien mit hoher Wahrscheinlichkeit Betäubungsmitteldelikte zu er-
warten. Ferner seien jugendtypische Straftaten zu erwarten, die mit unmittelbarer
Bedürfnisbefriedigung und mit Emotionsregulation im Verbund mit Gleichaltrigen
in Zusammenhang stünden (Urk. 22/2 S. 38). Dass diese Einschätzung heute je-
- 17 -
denfalls weitgehend unverändert ihre Gültigkeit hat, ergibt sich aus dem Zwi-
schenbericht des Massnahmenzentrums Kalchrain vom 31. März 2014, aus dem
hervorgeht, dass der behandelnde Psychotherapeut, abhängig von der jeweiligen
allgemeinen Verfassung und Situation bzw. dem Drogenkonsum des Beschuldig-
ten, von einer bis zu mittelgradigen Rückfallgefahr ausgeht (Urk. HD 102/2 S. 2;
ferner Urk. HD 105 S. 7). Soweit die Verteidigung geltend macht, eine Rückfallge-
fahr bestünde nur hinsichtlich Betäubungsmitteldelikten (Urk. HD 75 S. 5 f.; Urk.
HD 106 S. 4 ff.), ist dies mit den vorherigen Darlegungen widerlegt. Andererseits
ist eine Unterbringung gerade dann angezeigt, wenn der Beschuldigte vor den
sich auftürmenden Schwierigkeiten nur noch wegläuft oder wenn er sich in einer
Subkultur (z.B. Drogenszene) etabliert hat und Distanz zu diesem Milieu herge-
stellt werden muss (BSK JStG-Gürber/Hug/Schläfli, Art. 15 N 3), was vorliegend
zweifelsohne der Fall ist.
Die bisherige Massnahme im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG ist daher trotz aller
Schwierigkeiten weiterzuführen in der Erwartung, dass der Beschuldigte in naher
Zukunft zu einer engeren Zusammenarbeit mit den Fachpersonen des Massnah-
menzentrums Kalchrain motiviert werden kann und sich weitere Therapieerfolge
einstellen werden, zumal sich seine Hoffnung, sich dieser Massnahme durch
Entweichungen und unkooperatives Verhalten entziehen zu können, mit diesem
Entscheid nicht erfüllt. Folglich ist die von der Vorinstanz neben der ambulanten
Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG angeordnete Unterbringung des
Beschuldigten im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG zu bestätigen.
IV. Sanktion
1. Hat der Jugendliche schuldhaft gehandelt, so verhängt die urteilende Behör-
de zusätzlich zu einer Schutzmassnahme eine Strafe (Art. 11 Abs. 1 JStG).
Schuldhaft handeln kann der Jugendliche, der fähig ist, das Unrecht seiner Tat
einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln (Art. 11 Abs. 2 JStG).
Der Beschuldigte hat, wie von der Vorinstanz in zutreffender Weise festgestellt
(Urk. 87 S. 19 f.) wurde, bei sämtlichen von ihm begangenen Delikten tatbe-
standsmässig, rechtswidrig und schuldhaft gehandelt, auch wenn dem psychiat-
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risch-psychologischen Gutachten vom 23. Juli 2012 zufolge die Schuldfähigkeit
des Beschuldigten in der letzten Phase der letzten Autofahrt in mittlerem Grade
vermindert war (Urk. HD 22/2 S. 32). Damit ist vorliegend auch eine Strafe auszu-
fällen.
2. Sind gleichzeitig vor und nach Vollendung des 18. Altersjahres begangene
Straftaten zu beurteilen, so ist hinsichtlich der Strafen nur das StGB anwendbar
(Art. 3 Abs. 2 Satz 1 JStG). Jedoch würde diese Regelung allein offenkundig zu
unbilligen Ergebnissen führen, hinge doch das Strafmass massgeblich davon ab,
ob (zumindest) eine im Erwachsenenalter begangene Straftat vor Abschluss des
Jugendstrafverfahrens bekannt wird. Korrigierend ist deshalb bei der konkreten
Strafzumessung Art. 49 Abs. 3 StGB zu berücksichtigen: Bei der Bildung einer
Gesamtstrafe dürfen vor dem 18. Altersjahr begangene Straftaten nicht stärker ins
Gewicht fallen, als wenn sie für sich allein, das heisst nach Jugendstrafrecht beur-
teilt worden wären (Riedo, Jugendstrafrecht und Jugendstrafprozessrecht, Basel
2013, N 520; Aebersold, Schweizerisches Jugendstrafrecht, Bern 2007, S. 99).
Diese scheinbar klare Regelung bereitet in der praktischen Anwendung diverse
Schwierigkeiten. Eine Gesamtstrafe soll mehr sein als die Summe mehrerer Ein-
zelstrafen. Deren Bemessung setzt aber einheitliche Kriterien voraus, die in den
hier interessierenden Konstellationen gerade fehlen: Das Jugendstrafrecht orien-
tiert sich primär an der Täterpersönlichkeit, das Erwachsenenstrafrecht an der
Schwere der Straftat. Wer eine Gesamtstrafe ausfällen muss, hat sich letztlich
zwischen diesen zwei Prinzipien zu entscheiden. Anderenfalls resultiert, was zu
vermeiden wäre: Die Kombination zweier separater Sanktionen, die einander in
der Zielrichtung latent widersprechen. Was für den Jugendlichen unter spezial-
präventiven Gesichtspunkten sinnvoll ist, wird allenfalls durch eine ergänzende
Strafe nach StGB gleich wieder zunichte gemacht (Riedo, a.a.O., N 521).
Im vorliegenden Fall stellt sich jedoch das Problem, dass die vom Beschuldigten
vor und nach Vollendung des 18. Altersjahres begangenen Straftaten nicht
gleichartig sind, wie dies eigentlich bei der Bildung einer Gesamtstrafe verlangt
wird (BSK StGB I-Ackermann, Art. 49 N 193). So ist – wie nachfolgend zu zeigen
sein wird – für die vom Beschuldigten vor Vollendung des 18. Altersjahres ausge-
führten Straftaten (mit Ausnahme der am 25. März 2012 begangenen Hinderung
einer Amtshandlung, dazu nachfolgend) eine Freiheitsstrafe auszusprechen, wäh-
- 19 -
rend die von ihm am 6. März 2013 begangene Hinderung einer Amtshandlung
zwingend mit einer Geldstrafe zu bestrafen ist (resp. war). Damit wäre in solchen
Fallkonstellationen die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 3 StGB an sich zu vernei-
nen, was jedoch zum unbilligen Ergebnis führen würde, dass ein Jugendlicher,
welcher beinahe sämtliche Straftaten vor Vollendung des 18. Altersjahres began-
gen hat, dafür mit der vollen Härte des Erwachsenenstrafrechts sanktioniert wür-
de. Insbesondere wäre es stossend, dass die genannte Bestimmung dann wiede-
rum anwendbar wäre, wenn der Beschuldigte nach Vollendung des 18. Altersjah-
res eine mit Freiheitsstrafe bedrohte Straftat anstatt der bloss mit Geldstrafe be-
drohten Hinderung einer Amtshandlung begangen hätte, da die schwerere, mit
Freiheitsstrafe bedrohte Straftat wieder gleichartig wie die vor Vollendung des 18.
Altersjahres begangenen Straftaten wäre und somit eine Gesamtstrafe im Sinne
von Art. 49 Abs. 3 StGB gebildet werden könnte. Soweit ersichtlich haben sich
Lehre und Rechtsprechung bisher nicht zu dieser gesetzlichen Unstimmigkeit ge-
äussert. Das Problem kann aber grundsätzlich auf zwei Arten gelöst werden:
Entweder man setzt bereits für die Anwendbarkeit von Art. 3 Abs. 2 Satz 1 JStG
voraus, dass die vor und nach Vollendung des 18. Altersjahres begangenen Straf-
taten gleichartig sein müssen und verhindert so einen späteren Widerspruch zu
Art. 49 Abs. 3 StGB, oder man wendet Art. 49 Abs. 3 StGB auch dann an, wenn
die vor und nach Vollendung des 18. Altersjahres begangenen Straftaten nicht
gleichartig sind. Gegen erstere Lösung spricht insbesondere der Umstand, dass
es sich bei Art. 3 Abs. 2 Satz 1 JStG um eine Kollisionsnorm handelt, welche in
keinem Bezug zur Frage nach der Bildung einer Gesamtstrafe steht, sondern le-
diglich den persönlichen Geltungsbereich des JStG bzw. des StGB regelt. Zudem
wäre bei einer solchen Auslegung von Art. 3 Abs. 2 Satz 1 JStG in Fällen wie dem
vorliegenden für die vor und nach dem 18. Altersjahr begangenen Straftaten je-
weils separat eine Strafe nach JStG und eine nach StGB auszusprechen, was es
jedoch gemäss der vorstehenden Ausführungen gerade zu vermeiden gilt. Des-
wegen ist der zweite Lösungsvorschlag vorzuziehen und Art. 49 Abs. 3 StGB
auch bei fehlender Gleichartigkeit der vor und nach Vollendung des 18. Altersjah-
res begangenen Straftaten anzuwenden. So bezeichnen denn auch die Materia-
lien die genannte Bestimmung als eine wichtige ergänzende Strafzumessungsre-
gel, welche sicherstellen soll, dass Jugendliche, welche vor dem vollendeten 18.
Altersjahr schwere und danach bloss noch leichte Delikte begangen haben, durch
- 20 -
die Regelung in Art. 3 Abs. 2 JStG nicht unangemessen hart getroffen werden
(Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches und des Militär-
strafgesetzes sowie zu einem Bundesgesetz über das Jugendstrafrecht vom 21.
September 1998, BBl 1999 1979 ff. Ziff. 421.3). Dies hat zur Folge, dass die von
der Vorinstanz für die vom Beschuldigten am 6. März 2013 begangene Hinderung
einer Amtshandlung ausgesprochene Geldstrafe, welche in Rechtskraft erwach-
sen ist, in die vorliegende Strafzumessung miteinzubeziehen ist.
Weiter stellt sich vorliegend (und generell) die Frage nach der Vergleichbarkeit ju-
gendstrafrechtlicher Sanktionen mit solchen des Erwachsenenstrafrechts. Auch
dazu äussert sich die Literatur nicht, sondern überlässt deren Beantwortung dem
Ermessen der Gerichte (Stratenwerth/Wohlers, Handkommentar Schweizerisches
Strafgesetzbuch, 3. Aufl., Bern 2013, Art. 49 N 4; Trechsel/Affolter-Eijsten, in
Trechsel/Pieth [Hrsg.], StGB PK, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 49 N 25).
Die Vorinstanz sprach für die vom Beschuldigten vor Vollendung des 18. Lebens-
jahres begangene fahrlässige Tötung (Art. 117 StGB), fahrlässige schwere Kör-
perverletzung (Art. 125 Abs. 1 und 2 StGB), Störung des öffentlichen Verkehrs
(Art. 237 Ziff. 1 StGB), mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel-
gesetz (Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG) und mehrfache grobe Verkehrsregelver-
letzung (Art. 90 Abs. 2 SVG), das mehrfache Fahren in fahrunfähigem Zustand
(Art. 91 Abs. 2 SVG), die Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch
(Art. 94 Abs. 1 lit. a und b SVG) und das mehrfache Lenken eines Motorfahrzeu-
ges ohne Berechtigung (Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG) einen Freiheitsentzug gemäss
Art. 25 JStG von 11 Monaten aus (Urk. 87 S. 29). Da jedoch – wie oben dargelegt
– der Beschuldigte ausschliesslich nach dem StGB zu bestrafen ist, wäre für die
genannten Delikte nicht ein Freiheitsentzug im Sinne von Art. 25 JStG, sondern
eine Freiheitsstrafe nach Art. 40 StGB auszusprechen. Zwar unterscheiden sich
beide Sanktionen in Bezug auf den Vollzugsort (Art. 27 Abs. 2 JStG; Art. 76
StGB), im Übrigen sind sie jedoch durchaus miteinander vergleichbar, zumal so-
wohl der Freiheitsentzug wie auch die Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr in Halbge-
fangenschaft verbüsst werden können (Art. 27 Abs. 1 JStG; Art. 77b StGB). Dem-
gegenüber konnte die vom Beschuldigten am 6. März 2013 begangene Hinderung
einer Amtshandlung nicht mit Freiheitsstrafe bestraft werden (Art. 286 Abs. 1
StGB), so dass dafür zwingend eine zusätzliche Geldstrafe auszufällen war.
- 21 -
Schliesslich ist noch die Frage zu beantworten, auf welche Weise Art. 49 Abs. 3
StGB bei der Aussprechung einer Strafe nach dem StGB für einen Täter, der ei-
nen Teil seiner strafbaren Handlungen noch als Jugendlicher begangen hat, zu
berücksichtigen ist. Dazu wird in der Literatur vorgeschlagen, die Bemessung der
Strafe für die vor dem 18. Altersjahr begangenen Taten nach den Regeln des
JStG durchzuführen (BSK JStG-Gürber/Hug/Schläfli, Art. 3 N 14). Wie jedoch er-
wähnt, gilt es die jeweils verschiedenen Prinzipien, welche einerseits das Jugend-
strafrecht und andererseits das Erwachsenenstrafrecht verfolgt, nicht miteinander
zu vermischen. Da vorliegend Sanktionen nach dem StGB auszusprechen sind,
empfiehlt es sich, auch deren Bemessung grundsätzlich nach den Regeln des
Erwachsenenstrafrechts durchzuführen. Allerdings ist das Jugendstrafrecht inso-
fern im Sinne von Art. 49 Abs. 3 StGB zu berücksichtigen, als der Strafrahmen für
die auszusprechende Freiheitsstrafe auf ein Jahr zu beschränken ist, wie dies in
Art. 25 Abs. 1 JStG beim Freiheitsentzug der Fall ist, nachdem die Voraussetzun-
gen von Abs. 2 dieser Bestimmung vorliegend nicht erfüllt sind.
3. Bei der Bemessung der Strafe ist vom gesetzlichen Strafrahmen auszuge-
hen. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, sei es durch Wiederholung derselben strafba-
ren Handlung, sei es durch Begehung verschiedener strafbarer Handlungen, so
verurteilt ihn das Gericht zur Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie ange-
messen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr
als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafe
gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Im vorliegenden Fall ist indes – wie vorstehend
dargelegt – zudem zu berücksichtigen, dass das Höchstmass der Freiheitsstrafe
dem Höchstmass des Freiheitsentzugs nach Art. 25 Abs. 1 JStG zu entsprechen
hat (Art. 49 Abs. 3 StGB).
3.1. Dass die Vorinstanz die am 25. März 2012 anlässlich der Polizeikontrolle
begangene Hinderung einer Amtshandlung (ND 2) angesichts der "Kann"-
Vorschrift (vgl. Art. 22 ff. JStG) nicht separat bestrafte (Urk. HD 87 S. 23), ist nicht
zu beanstanden und darüber hinaus auch nicht in Frage zu stellen, weil die Ver-
folgungsverjährung bei dieser Straftat im Zeitpunkt, in dem das erstinstanzliche
Urteil erging, bereits eingetreten war (dazu vorne unter Erwägung II. 4.), weshalb
keine Verurteilung hätte erfolgen dürfen. Von den weiteren Tatbeständen, deren
- 22 -
Begehung der Beschuldigte im vorinstanzlichen Urteil – inzwischen rechtskräftig –
schuldig gesprochen wurde, weist die Widerhandlung gegen Art. 90 Abs. 2 SVG
in Verbindung mit Art. 90 Abs. 4 lit. b, c und d SVG mit Freiheitsstrafe von einem
bis zu vier Jahren die höchste Strafandrohung auf.
3.2. Strafschärfend fallen im vorliegenden Fall die Deliktsmehrheit sowie die
mehrfache Tatbegehung in Bezug auf die vom Beschuldigten begangenen Delikte
der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, der groben Verkehrsre-
gelverletzung, des Fahrens in fahrunfähigem Zustand, des Lenkens eines Motor-
fahrzeuges ohne Berechtigung und der (hier nach dem oben Dargelegten zu be-
rücksichtigenden) Hinderung einer Amtshandlung ins Gewicht. Strafmildernd ist
hinsichtlich der Delikte, die der Beschuldigte am 25. März 2012 vom Zeitpunkt an,
als er in die Polizeikontrolle geriet, beging, gestützt auf das psychiatrisch-
psychologische Gutachten vom 23. Juli 2012 von einer in mittlerem Ausmass
verminderten Schuldfähigkeit auszugehen (Urk. 22/2 S. 32). Der nach unten offe-
ne Strafrahmen würde sich daher, klammert man die zusätzlich verwirkte, bereits
rechtskräftig verhängte Geldstrafe aus, grundsätzlich auf bis zu sechs Jahren
Freiheitsstrafe erstrecken. Da jedoch zu berücksichtigen ist, dass der Beschuldig-
te sämtliche mit Freiheitsstrafe zu sanktionierenden Straftaten vor der Vollendung
seines 18. Altersjahres begangen hat, reduziert sich der obere Strafrahmen der
Freiheitsstrafe auf ein Jahr. Damit wirkt sich der Umstand, dass der Beschuldigte
von der Vorinstanz zu Unrecht gestützt auf Art. 90 Abs. 4 lit. b, c und d SVG an-
statt gestützt auf aArt. 90 Ziff. 2 SVG schuldig gesprochen wurde und dieser
Schuldspruch, da er in Rechtskraft erwachsen ist, von der Berufungsinstanz nicht
geändert werden kann, bei der konkreten Strafzumessung nicht aus.
4. Innerhalb des vorerwähnten Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschul-
den des Täters zu bemessen, wobei dessen Vorleben und persönliche Verhält-
nisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichtigen
sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verlet-
zung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des
Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie
weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Für die Zumes-
sung der Strafe ist zwischen der Tat- und der Täterkomponente zu unterscheiden.
- 23 -
Bei der Tatkomponente ist als Ausgangspunkt die objektive Schwere des Delikts
festzulegen und zu bewerten. Dabei ist anhand des Ausmasses des Erfolgs sowie
auf Grund der Art und Weise des Vorgehens zu beurteilen, wie stark das straf-
rechtlich geschützte Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Ebenfalls von Bedeu-
tung sind die kriminelle Energie, der Tatbeitrag bei Tatausführung durch mehrere
Täter sowie ein allfälliger Versuch. Hinsichtlich des subjektiven Verschuldens sind
insbesondere das Motiv, die Beweggründe, die Willensrichtung sowie das Mass
an Entscheidungsfreiheit des Täters zu beurteilen. Die Täterkomponente umfasst
sodann die persönlichen Verhältnisse, das Vorleben, insbesondere frühere Stra-
fen oder Wohlverhalten, und das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren,
insbesondere gezeigte Reue und Einsicht, oder ein abgelegtes Geständnis (Hug,
OFK-StGB, Art. 47 N 5 ff.).
5.1. Der Beschuldigte überschritt die signalisierte Höchstgeschwindigkeit am 25.
März 2012 im Zeitraum von 1.30 Uhr bis ca. 7.00 Uhr mehrfach massivst. Im Vor-
dergrund stehen im vorliegenden Verfahren aber die Geschwindigkeitsüberschrei-
tung während der Fahrt ab dem Zeitpunkt, in dem der Beschuldigte mit dem von
ihm gelenkten Fahrzeug in die Polizeikontrolle geriet, und die weiteren Delikte,
welche der Beschuldigte während dieser Fahrt beging, und die nicht getrennt von
der Geschwindigkeitsüberschreitung beurteilt werden können, mithin die fahrläs-
sige Tötung, die fahrlässige schwere Körperverletzung, die Störung des öffentli-
chen Verkehrs, das Führen eines Motorfahrzeugs ohne Berechtigung sowie in
fahrunfähigem Zustand und die weiteren während dieser Fahrt begangenen SVG-
Verstösse.
Zum objektiven Verschulden ist hinsichtlich dieser Delikte festzuhalten, dass
durch das inkriminierte Verhalten des Beschuldigten das Leben einer jungen Frau
ausgelöscht, dasjenige eines jungen Mannes in eine unmittelbare Todesgefahr
und grosses Leid über eine Vielzahl von Personen gebracht wurde. Zudem ge-
fährdete der Beschuldigte mit seiner halsbrecherischen Fahrt, die er ohne nen-
nenswerte Fahrpraxis und in fahrunfähigem Zustand unternahm, Leib und Leben
weiterer Personen nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret und unmittelbar. Zwar
darf, wie auch die Vorinstanz festgehalten hat (Urk. HD 87 S. 27), nicht überse-
hen werden, dass die Mitfahrer des Beschuldigten alle wussten, dass der Be-
schuldigte nicht über den erforderlichen Führerausweis verfügte, weshalb sich für
- 24 -
sie zudem die Frage stellen musste, ob er nennenswerte Fahrpraxis aufwies. Die
Mitfahrer auf der Rückbank wussten darüber hinaus, dass sie sich nicht angegur-
tet einer erhöhten Gefahr aussetzten. Dass die Vorinstanz zum Schluss kam, be-
züglich der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung wiege das
objektive Verschulden des Beschuldigten schwer (Urk. HD 87 S. 24 f.), ist aber
dennoch nicht zu beanstanden. Das Gleiche gilt auch für die übrigen unter diesem
Titel zu beurteilenden Delikte.
Zum subjektiven Tatverschulden ist festzuhalten, dass das Motiv des Beschuldig-
ten ab dem Zeitpunkt, in dem er mit dem von ihm gelenkten Fahrzeug in die Poli-
zeikontrolle geriet, im Versuch lag, sich einer strafrechtlichen Verfolgung zu ent-
ziehen (vgl. Urk. HD 3/4 S. 5). Die Kontrolle hätte mit Sicherheit zu einem straf-
rechtlichen Verfahren geführt, da der Beschuldigte ein entwendetes Fahrzeug
lenkte, sich in fahrunfähigem Zustand befand, nicht über den erforderlichen Füh-
rerausweis verfügte und sich im von ihm geführten Fahrzeug mehr Personen auf-
hielten als zugelassen waren, die überdies teilweise nicht angegurtet waren. Das
Motiv für sich genommen vermag das Verschulden nicht im geringsten zu redu-
zieren. Die Tat zeugt auch unter Berücksichtigung des jugendlichen Alters des
Beschuldigten und seiner gutachterlich konstatierten Einschränkung des Reife-
grades (Urk. HD 22/2 S. 32) von einer Verantwortungslosigkeit, die ihresgleichen
sucht, aber auch von massloser Selbstüberschätzung, wobei Letzteres dem Be-
schuldigten bewusst war oder zumindest sein musste, hatte er doch wenige Mo-
nate zuvor ohne Fahrpraxis und Führerausweis bereits mit einem ebenfalls ent-
wendeten und wesentlich einfacher zu handhabenden Motorroller einen Sach-
schaden verursacht (Urk. HD 78/4 S. 2). Hinzu kommt, dass die Frontscheibe des
Tatfahrzeugs gemäss den eigenen Aussagen des Beschuldigten zu Beginn des
Fluchtversuchs durch einen Leuchtstab der Polizei stark beschädigt und die Sicht
für den Beschuldigten dadurch deutlich eingeschränkt worden war (Urk. HD 3/3 S.
2 f.; Urk. HD 3/6 S. 4), und dass der Beschuldigte sich in fahrunfähigem Zustand
befand, was die Gefährlichkeit der Flucht noch zusätzlich steigerte. Darüber hin-
aus setzte sich der Beschuldigte gemäss seinen – später etwas relativierten –
Aussagen über die Aufforderung einer der Mitfahrerinnen, er solle anzuhalten,
hinweg (Urk. HD 3/3 S. 3, vgl. auch Urk. HD 3/4 S. 6; Urk. 3/6 S. 5 und S. 9). Die
Vorinstanz hat gestützt auf das psychiatrisch-psychologische Gutachten vom 23.
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Juli 2012 zu Recht darauf hingewiesen, dass zwar eine gewisse Gruppendynamik
im Spiel war, der Beschuldigte sich dieser aber ohne Weiteres hätte entziehen
können (Urk. HD 87 S. 24; Urk. HD 22/2 S. 29). Zudem war er selber einer der
beiden Initianten, die diese Gruppendynamik mit der Entwendung des Fahrzeugs
wenige Stunden zuvor überhaupt in Gang gesetzt hatten. Dass im Fahrzeug auf-
grund der drohenden Polizeikontrolle Panik ausbrach und beim Beschuldigten ein
eigentlicher Ausnahmezustand ausgelöst wurde, wird im psychiatrisch-
psychologischen Gutachten vom 23. Juli 2012 dadurch in nachvollziehbarer und
plausibler Weise berücksichtigt, dass für die Zeit nach der Polizeikontrolle von ei-
ner in mittlerem Masse eingeschränkten Schuldfähigkeit ausgegangen wird (Urk.
HD 22/2 S. 32). Auch unter Berücksichtigung dieser Einschränkung der Schuldfä-
higkeit wiegt das subjektive Verschulden des Beschuldigten aber erheblich (vgl.
dazu BGE 136 IV 55 E. 5.6).
5.2. Unter Berücksichtigung des in objektiver Hinsicht schweren und in subjektiver
Hinsicht erheblichen Verschuldens des Beschuldigten erweist sich eine Einsatz-
strafe von sieben Monaten als angemessen.
5.3. Für das im Rahmen der Täterkomponente zu berücksichtigende Vorleben
und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf die zutreffenden
Angaben im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. HD 87 S. 27 f.). Im
Zeitpunkt der Begehung der hier zu beurteilenden Delikte wies der Beschuldigte
eine hinsichtlich dieser Delikte nicht einschlägige, kleine Vorstrafe auf (Strafbefehl
vom 29. August 2011, Bestrafung mit einer Busse von Fr. 100.–; vgl. Urk. HD 17/1
S. 4), die nicht strafzumessungsrelevant ist. Deutlich straferhöhend fällt hingegen
die – teilweise einschlägige – Delinquenz während noch nicht rechtskräftig abge-
schlossenem Strafverfahren (Strafuntersuchung betreffend Entwendung zum Ge-
brauch etc., Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis 2011/1077, Urk. HD 78/1; Straf-
untersuchung betreffend Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Ju-
gendanwaltschaft Limmattal/Albis 2011/1320, Urk. HD 78/2; Strafuntersuchung
betreffend Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Jugendanwalt-
schaft Limmattal/Albis 2012/424, Urk. HD 78/3; alle drei Verfahren erledigt mit
Strafbefehl vom 21. März 2012, Urk. HD 78/10, der indes, dem Beschuldigten
eingeschrieben zugestellt, von diesem bis zum 25. März 2012 nicht entgegenge-
nommen worden war: Urk. HD 78/11/2) ins Gewicht, die von einer Geringschät-
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zung der schweizerischen Rechtsordnung zeugt. Dagegen sind das vollumfängli-
che Geständnis des Beschuldigten und seine Kooperation während des Strafver-
fahrens strafmindernd zu veranschlagen, wenngleich der Beschuldigte die von
ihm begangenen Delikte teilweise erst zugab, als er mit entsprechenden Beweis-
mitteln konfrontiert wurde (Urk. HD 3/3 S. 11 ff.), und nicht übersehen werden
darf, dass ihm angesichts der erdrückenden Beweislage wenig anderes übrig
blieb, als zu kooperieren. Beim Nachtatverhalten kann dem Beschuldigten mit der
Vorinstanz ein echtes Bedauern mit Bezug auf die tragischen Folgen seines Fehl-
verhaltens attestiert werden (Urk. HD 87 S. 28). Hingegen gibt sein renitentes
Verhalten im Zusammenhang mit der Unterbringung zu erheblichen Bedenken
Anlass. Der Beschuldigte verschliesst sich, wie die erneuten Entweichungen seit
dem Erlass des erstinstanzlichen Urteils mit aller Deutlichkeit zeigen, offensicht-
lich weiterhin davor, diese als Chance zu nutzen, seinem Leben eine positive
Wende zu geben und namentlich auch von der in diesem Rahmen gebotenen
Möglichkeit, eine Berufsausbildung abzuschliessen, Gebrauch zu machen.
Insgesamt betrachtet halten sich die unter dem Titel Täterkomponente zu berück-
sichtigenden straferhöhenden und strafmindernden Faktoren in etwa die Waage,
weshalb es für den Deliktskomplex, der während der Fahrt vom 25. März 2012 ab
dem Zeitpunkt, in dem der Beschuldigte mit dem von ihm gelenkten Fahrzeug in
die Polizeikontrolle geriet, verwirklicht wurde, bei einer Einsatzstrafe von sieben
Monaten zu bleiben hat.
5.4. Diese Strafe ist für die weiteren mit Freiheitsstrafe zu ahndenden Delikte un-
ter Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen.
Zum objektiven Verschulden in Bezug auf die diversen vom Beschuldigten be-
gangenen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz in der Zeitspan-
ne vor der Polizeikontrolle ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit seinen äus-
serst verantwortungs- und rücksichtslosen Fahrten, bei denen er, obwohl über
keine nennenswerte Fahrpraxis verfügend und weitgehend ortsunkundig, mit dem
von ihm gelenkten Fahrzeug Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h erreichte,
nicht nur die körperliche Unversehrtheit seiner Mitfahrer, sondern auch diejenige
einer unbekannten Anzahl weiterer Verkehrsteilnehmer massivst gefährdete.
Dass er dafür ein Fahrzeug entwendete, welches sein Vater von einem Kollegen
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ausgeliehen erhalten hatte, und dieses, aber auch andere Güter einer hohen Be-
schädigungsgefahr aussetze, zeugt von einer Geringschätzung des Eigentums
und Besitzes anderer. Subjektiv ist hinsichtlich all dieser Delikte von einer direkt-
vorsätzlichen Tatbegehung auszugehen. Der Beschuldigte beging diese Taten,
wie im psychiatrisch-psychologischen Gutachten vom 23. Juli 2012 plausibel auf-
gezeigt wird, ohne Not, einzig aus eigennützigen Motiven. Es liegt auf der Hand,
dass er es genoss, als Fahrer im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen (vgl.
Urk. HD 3/4 S. 4) und durch das deliktische Verhalten sein Bedürfnis nach
Selbstwertsteigerung ("cooler Typ"), Bewunderung und Anerkennung (abenteuer-
lustiger, waghalsiger Kumpan), Selbstkompetenz ("ich habe Kontrolle, ich kann
etwas, habe Mut, ziehe etwas durch, was andere nicht tun") und Lust (Spannung,
Erlebnis, Gas geben, schnell fahren) unmittelbar befriedigt wurde (Urk. 22/2 S.
29). Auch die Delinquenz als solche, das bewusste sich Hinwegsetzen über Ge-
setze, welches mit der Entwendung des Tatfahrzeugs seinen Anfang nahm, gab
ihm einen entsprechenden "Kick". Auf die Bemessung des subjektiven Verschul-
dens wirkt sich die im psychiatrisch-psychologischen Gutachten vom 23. Juli 2012
konstatierte in mittlerem Masse verminderte Schuldfähigkeit nur hinsichtlich der
Delinquenz ab dem Zeitraum, in dem der Beschuldigte in die Polizeikontrolle ge-
riet, aus, weshalb diese für den hier zu beurteilenden Deliktskomplex unbeachtlich
ist. Mag bei der Entwendung des Fahrzeugs noch von einem erheblichen objekti-
ven und subjektiven Tatverschulden auszugehen sein, ist dieses jedenfalls hin-
sichtlich der Geschwindigkeitsexzesse in fahrunfähigem Zustand und ohne im
Besitz des erforderlichen Führerscheins zu sein als schwer einzustufen.
5.5. Was die mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz an-
geht, kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den, welche in diesem Zusammenhang das objektive und subjektive Verschulden,
gemessen an der Bandbreite möglicher Verstösse gegen dieses Gesetz, in zutref-
fender Weise als nicht mehr leicht einstufte (Urk. HD 87 S. 27).
5.6. Nach Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Verschuldenskompo-
nenten sämtlicher mit Freiheitsstrafe bedrohter Delikte und in Anbetracht dessen,
dass die Strafschärfungsgründe der Deliktsmehrheit und der teilweise mehrfachen
Tatbegehung straferhöhend zu veranschlagen sind (BGE 116 IV 302 E. 2a), ist
die oben erwähnte Einsatzstrafe um vier Monate auf insgesamt elf Monate zu er-
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höhen. Der Einbezug der Täterkomponente, für die vollumfänglich auf die Ausfüh-
rungen unter Erwägung IV. 5.3 verwiesen werden kann, wirkt sich auch hier zu-
messungsneutral aus.
5.7. Die zusätzliche Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten erweist
sich auch unter Berücksichtigung der von der Vorinstanz für die am 6. März 2013
begangene Hinderung einer Amtshandlung ausgesprochenen Geldstrafe von 5
Tagessätzen zu Fr. 30.– als angemessen.
6. Zusammenfassend wäre der Beschuldigte demnach zudem mit einer Frei-
heitsstrafe von elf Monaten zu bestrafen. Die Vorinstanz wählte, wie dargelegt, als
freiheitsentziehende Sanktion entgegen Art. 3 Abs. 2 Satz 1 JStG Freiheitsentzug
im Sinne von Art. 25 JStG, während im Erwachsenenstrafrecht nur die Freiheits-
strafe vorgesehen ist (Art. 40 StGB). Aufgrund des Umstandes, dass ein Frei-
heitsentzug im Sinne des JStG wegen des Vollzugs in einer Einrichtung für Ju-
gendliche (Art. 27 Abs. 2 JStG) milder ist als eine Freiheitsstrafe im Sinne des
StGB, welche in einer Strafanstalt zu vollziehen ist (Art. 76 Abs. 1 StGB), kann in-
des mit Blick auf das Verbot der reformatio in peius (Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m.
Art. 391 Abs. 2 StPO) keine Freiheitsstrafe ausgesprochen werden. Der von der
Vorinstanz ausgefällte Freiheitsentzug von elf Monaten, woran diese mit zutref-
fender Begründung, worauf verwiesen werden kann (Urk. HD 87 S. 29), 4 Tage
Untersuchungshaft anrechnete, ist daher zu bestätigen.
V. Kosten- und Entschädigungsregelung
1. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv ist in Rechtskraft
erwachsen, weshalb darauf nicht mehr einzugehen ist.
2. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien auch im Bereich des Jugend-
strafrechts die Kosten nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 44
Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 428 Abs. 1 und 2 StPO). Im vorliegenden Verfahren un-
terliegt der Beschuldigte mit sämtlichen Anträgen, weshalb ihm die Kosten vollum-
fänglich aufzuerlegen wären. Jedoch können im jugendstrafrechtlichen Verfahren
Forderungen aus den Verfahrenskosten von der Strafbehörde gestundet oder un-
ter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Per-
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son herabgesetzt oder erlassen werden (Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 425
StPO). Unter Berücksichtigung dessen, dass der Beschuldigte lediglich einen
Lehrlingslohn erzielt, sind ihm die Kosten des vorliegenden Verfahrens zwar voll-
umfänglich aufzuerlegen, im Fr. 500.– übersteigenden Umfang jedoch abzu-
schreiben.
3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt von Art. 44
Abs. 2 JStPO in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).