Decision ID: 2f07323d-ff8f-4303-9af0-5788d3f62e40
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
ist bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, Ausgleichskasse,
als Nichterwerbstätige erfasst und bezog als solche bei der
kantonalen
Familienausgleichskasse Familienzulagen für ihre beiden Kinder
Y._
, geb
o
ren
Oktober 2002
,
und
Z._
,
geboren
März 200
5.
Nachdem die Familienausgleichkasse im August 2012 davon Kenntnis erlangt hatte, dass
der
Ehegatte
und
Vater der Kinder
im
März
2011 eine
Erwerbstätigkeit
aufgenommen hatte
und die Kinder seit Oktober 2011 in
A._
wohnten
(Urk.
6/18),
verneinte die Familienausgleichskasse mit Verfü
gungen vom 17. Dezember 2012 rückwirkend einen Anspruch
von
X._
auf Familienzulagen ab
1.
März 2011 (Urk. 6/9) und
forderte
die
für die
Zeit von
1.
März 2011 bis
Ende
August 2012
bereits
ausgerichteten Zulagen
im Gesamtbetrag von Fr. 7‘200.--
zurück (Urk. 6/10)
.
Eine
da
gegen
erhobene Ein
sprache vom 24.
Januar 2013
(Urk.
6/8) wies die Familienausgleichskasse mit
Einspracheentscheid
vom
1
5.
Februar 2013 ab
(
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
hierorts mit Eingabe vom 11.
März 20
13 Beschwerde mit den sinngemässen Anträgen um Aufhebung des angefochtenen Entscheides sowie Weiterausrichtung der Familienzulagen, auch für die
in
A._
wohnhaften
Kinder
aus
erster Ehe (Anträge 1 bis 3);
in verfahrens
rechtlicher Hinsicht beantragte sie die Gewährung der
unentgeltliche
n
Rechts
pflege
im Sinne der Befreiung von den
Verfahrens
kosten
(
vgl.
Urk.
1 S. 1).
Die Familienausgleichskasse beantragte mit
Vernehmlassung vom 3. Mai 2013 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin am 27. Mai 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfü
gung - Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den
be
schwer
deweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung,
wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a, 119
Ib
33 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
A
nfechtungsgegen
stand im vorliegenden Verfahren
bildet der
Einspracheent
scheid
vom 15.
Februar 2013 (Urk.
2),
mit welchem
die Beschwerdegegnerin
die Rechtmässigkeit der Verfügungen vom 1
7.
Dezember 2012
ge
prüft
beziehungs
weise
den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Familienzulagen für die
Kinder
Y._
und
Z._
sowie die Rückforderung
beurteilt hat. Soweit die Beschwerdeführerin
im vorliegenden Prozess
nunmehr
auch die
Zusprache
von Familienzulagen für ihre
– nicht näher
bezeichneten - in
A._
lebenden Kinder aus erster Ehe beantragt, bildete der diesbezügliche Anspruch
weder Geg
enstand der Verfügungen vom 17.
Dezember 2012 noch des
angefochtenen Entscheides
vom
15. Februar 2013
, weshalb insoweit mangels
Anfechtungsge
genstandes
auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
2.
2.1
Familienzulagen s
ind einmalige oder periodische Geld
l
eistungen, die ausgerich
tet werden, um die finanzielle Belastung durch ein oder mehrere Kinder teil
weise
auszugleichen (Art. 2 des Bundesgesetzes über die Familienzulagen,
FamZG
). Sie
umfassen die Kinder- und die Ausbildungszulagen (Art. 3 Abs. 1
FamZG
) und be
tragen mindestens Fr. 200.-- (
Kinder
zulage) bzw. Fr. 250.-- pro Monat (
Aus
bildungszulage
; Art. 5 Abs. 1 und 2
FamZG
). Für das gleiche Kind wird nur eine Zulage derselben Art ausgerichtet; vorbehalten bleibt die
Diffe
renzzahlung
nach Art. 7 Abs. 2 (Art. 6
FamZG
).
2.2
Für im Ausland wohnhafte Kinder regelt der Bundesrat
die Voraussetzungen für den Anspruch auf Familienzulagen. Deren Höhe richtet sich nach der Kaufkraft im Wohnsitzstaat
(
Art.
4
Abs.
3
FamZG
).
F
ür Kinder mit Wohnsitz im Ausland
werden
die Fami
li
en
zulagen nur ausgerichtet, sofern zwischenstaatli
che V
erein
barungen das vor
schreiben
(Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über die Familienzu
lagen
,
FamZV
)
.
2.3
Haben mehrere Personen für das gleiche Kind An
spruch auf Familienzulagen nach eidgenössischem oder kantonale
m
Recht, be
steht
der Anspruch gemäss der in Art. 7 Abs. 1
FamZG
geregelten Reihenfolge.
Nach
Art.
7
Abs.
1
lit
. a
FamZG
steht der Anspruch in erster Linie der erwerbstätigen Person zu.
2.4
D
ie als Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer in der AHV obligatorisch versi
cherten Personen, die von einem diesem Gesetz
unterstellten Arbeitgeber beschäftigt werden,
haben
Anspruch auf Familienzulagen. Die Leistungen rich
ten sich nach der Familienzulagenordnung des Kantons gemäss Artikel 12
Absatz
2.
Der Anspruch entsteht und erlischt mit dem Lohnanspruch. Der Bun
desrat regelt den Anspruch nach dem Erlöschen des Lohnanspruchs
(
Art.
13
Abs.
1
FamZG
).
2.5
In der AHV obligatorisch versicherte Personen, die bei der AHV als
nicht
er
werbs
t
ätige
Personen erfasst sind, gelten als Nichterwerbstätige. Sie ha
ben Anspruch auf Familienzulagen
nach den Artikeln 3 und 5.
Art.
7 Abs. 2 (
Differenz
zu
lage
) ist nicht anwendbar. Zuständig ist der Wohnsitzkanton (Art. 19 Abs. 1
FamZG
).
2.
6
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (
Art.
25
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung
(
Art.
25
Abs.
2 Satz 1 ATSG).
3
.
3
.1
In tatsächlicher Hinsicht ist a
us den Akten ersichtlich, dass
die Beschwer
deführe
rin
seit
(
mindestens
)
dem Jahr
2009 Familienzulagen
für
Nicht
erwerbs
tätige
bezog
(Urk.
6/50).
F
erner
steht fest
und
wird
namentlich
von der Beschwerdeführerin nicht
bestritten
, dass
ihr
Ehegatte
am 2
6.
März 2011 eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit als Taxifahrer bei der
B._
AG
aufnahm
und
in der Folge
im Jahr 2011 einen AHV-pfli
chtigen Gesamtverdienst von Fr.
26
‘
396.95 und im Jahr 2012 einen solchen von Fr. 10‘271.40 erzielte
(vgl.
Urk.
6
/5
2
S. 2
).
Weiter ist aus
den Akten
ersichtlich
,
dass
gemäss Angaben des Sozialzentrums
C._
vom 1
4.
August 2012
so
wie des Vaters der Kin
der
vom 2
5.
September 2012
die Kinder
per 8.
Oktober 2011 nach
A._
abgemeldet wurden
,
wo sie
nun
(bei ihren Grosseltern)
leben
(Urk.
6/18).
Die
s
wird von der Beschwerdeführerin nicht grundsätzlich in Frage gestellt, sie bringt
zur
Hauptsache
vor, sie
habe
ihre Kinder
in der Schweiz „temporär“ abgemeldet und
aus
dem Kindergarten
beziehungsweise
aus
der Schule genom
men
,
um
– frei von schulischen Verpflichtungen -
mit diesen
nach
A._
reisen zu können, wo sie sich
um
ihre
erkrankte Schwiegermutter
kümmere
und ihre Kinder aus erster Ehe
besuche
. Da sie nach wie vor nicht erwerbstätig sei, habe sie weiterhin Anspruch auf die Zulage
n
für Nichterwerbstätige, welche sie anstelle der Zulag
en ihres Ehegatten beanspruche
(vgl. Urk.
1
; vgl. auch Ein
sprache
Urk.
6/8).
Dass die Kinder
– entgegen obigen Auskünften –
im hier massgeblichen Beurteilungszeitraum
bis zum Ergehen des angefochtenen
Ein
spracheentscheides
(wieder)
in der Schweiz
dauerhaft
wohn
haft und
angemeldet
seien
beziehungsweise
wieder
zur Schule gehen
, bringt
die Beschwerdeführerin
nicht vor.
Ebenfalls stellt sie (zu Recht) nicht in
Frage, dass mit
A._
keine z
wischenstaatliche Vereinbarung besteht, welche die Ausrichtung von Zulagen vorschreiben würde.
3
.2
Da der
Vater der Kinder
im
März
2011
eine Erwerbstätigkeit aufnahm (und dabei
mehr als
das Mindesteinkommen nach
Art.
13
Abs.
3
FamZG
erzi
e
lte
; vgl.
Urk.
6/52
)
,
hat die
Familienausgleichskasse
zu
Recht
ausgeführt, dass
die Beschwerdeführerin
ab diesem Zeitpunkt
kein
en
Anspruch mehr auf
Familien
z
ulagen
als Nichterwerbstätige hatte
. Denn
mit der Erwerbsaufnahme
ents
tand
der
Lohnanspruch
und somit auch
der
Anspruch
des Ehegatten
auf
Familienzu
lagen
(
Art.
13
Abs.
1
FamZG
)
,
womit
er
(als erwerbstätige Person)
aufgrund von
Art.
7
Abs.
1
lit
. a
FamZG
erst
anspruchsberechtigt
war.
Insbesondere konnte die
Beschwerdeführerin
die Zulagen auch nicht anstelle ihres Ehegatten beziehen
, besteht doch
nach dem Willen des Gesetzgebers kein Wahlrecht mehrerer
anspruchsberechtigter Personen
, wer von ihnen die Zulage beziehen wi
ll.
N
ach der Rechtsprechung
ist davon
selbst
mit Blick darauf
auszugehen
,
dass
in Fällen
(
wie dem vor
l
i
e
genden
)
,
in denen sich der Anspruch der erstanspr
echend
en Person nachträglich als nachrangig erweist, unter Umständen der
zweitanspre
ch
enden
Person Nachzahlungen erbracht werden müssen, während die
erstan
sprechende
Person
grundsätzlich zur Rückzahlung der unrechtmässig bezo
genen Leistung verpflichtet ist
(vgl. zum
g
anzen
BGE 139 V 429
E
. 4.2
).
Erwarb
aber
der Ehegatte
mit der
Erwerbsaufnahme
einen vorrangigen Anspruch auf Familienzulagen
infolge Erwerbstätigkeit
,
h
atte
die Beschwerde
führerin
ab
diesem
Zeitpunkt
keinen
Anspruch auf Zulage
n
für
Nichterwerbstä
tige
mehr
.
Dies
gilt unabhängig
davon
, ob der Ehegatte seinen Anspruch
bereits
geltend gemacht hatte
(
und ihm daher
schon
Zulagen
ausbezahlt wurden
)
,
gelangte doch
Art.
7
Abs.
1
FamZG
schon
im Zeitpunkt
zur Anwendung
, als
der
Lohnanspruch entstand
;
alsdann können Zulagen gegebenenfalls auch während fünf Jahren rückwirkend ausgerichtet werden
(
Art.
1
FamZG
in Verbindung mit
Art.
24 ATSG;
vgl. wiederum
BGE 139 V 429
E. 4.2)
.
V
orli
e
gend
gilt dies
unge
achtet
der Frage
,
inwieweit
der Ehegatte
mit
B
lick auf
die
am 1
1.
März 2012 eingetretene Erkrankung
beziehungsweise
die Beendigung des Arbeitsverhält
nisses
per
Ende
August 2012
(vgl.
für
beides
Urk.
6/52)
auch im Jahr 2012 noch einen
(
vorrangigen
)
Anspruch
auf Zulagen hatte. Denn
infolge
Abmeldung
und Wegzugs
der Kinder nach
A._
im Oktober 2011
sowie
mangels einer
staatsvertraglichen Vereinbarung
mit
A._
,
welche
die Ausrichtung von Familienzulagen vorschreiben würde
(vgl. E.
2.2
hievor
)
,
konnte
ab
diesem Zeit
punkt
ohnehin
k
ein Zulagena
nspruch
m
ehr
bestehen
, solange die Kinder nicht wieder in der Schweiz
Wohnsitz hatten
.
3.3
Somit
h
at die Verwaltung mit Verfügung
vom
1
7.
Dezember 2012
zu Recht einen
Anspruch der Beschwerdeführerin
auf Familienzulagen
für die Kinder
Y._
und
Z._
rückwirkend
ab März 2011
verneint
und
die
bis
und mit
August 2012
zu Unrecht
ausgerichteten
Zulagen
von der Beschwerdeführe
rin
zurückgefordert.
N
achdem
die
Familienausgleichskasse
erst im August 2012 von den
anspruchserheblichen
Änderungen in den
tatsächlichen
Verhältnissen
erfuhr
(
und davon
mangels entsprechender Mitteilung durch die Beschwerde
führerin
nicht früher
Kenntnis
haben
musste, zumal die Beschwerdeführerin
noch
a
m 1.
März
2012 angegeben hatte, weder Vater noch Mutter
der Kinder
seien erwerbstätig und
die Kinder
lebten im gemeinsamen Haushalt; vgl.
Antragsformular zur Verlängerung der Familienzulagen für 2012,
Urk.
6/28)
,
hat
die
Familienausgleichskasse die
zu Unrecht bezogenen
Zulagen
mit Verfü
gung vom
1
7.
Dezember 2012
alsdann
auch recht
zei
ti
g
(
innert der
Frist von
Art.
25
Abs.
2 Satz 1 ATSG)
zurückgefordert, weshalb diese zurückzuerstatten sind.
3.
4
Die Rückforderungsverfügung ist
einzig
insoweit abzuändern, als
die zurück
zuer
stattende
n
Zulage
n
für den Monat März
2011
in
betraglicher
Hin
sicht
zu reduzieren
sind
. Denn
ang
e
sichts der Erwerbsaufnahme
des Vaters erst
am 26.
März 2011 (
v
gl.
Urk.
6/52)
hatte
dies
er einen
Lohnanspruch und somit
vorrangi
gen Zulagena
nspruch
auch
erst
ab diesem
Zeit
punkt
.
Dementsprechend
hat die
Beschwerdeführerin
–
denn
nur insoweit bestand eine
Anspruchsk
on
kurrenz
-
für den Monat März 2011 nur Fr. 67
.
--
(5
x
Fr.
6.70 x 2; vgl. Weg
leitung zum Bundesgesetz über die Familienzulagen,
FamZWL
,
Rz
. 511 ff
.
)
und
somit insgesamt nur Fr.
6‘8
67
.--
z
urückzuerstatten
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
4
.
Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe geltend macht,
die ausbezahlten Zulagen
seien bereits
aufgebraucht und sie
sei
„
in Not
“
(
Urk.
1 S. 2)
,
ist sie darauf hinzuweisen, dass ein allfälliges
Gesuch um Erlass der Rückforderung
spätestens 30 Tage nach Eintritt der Rechtskraft der Rückforderungsverfügung bei
der
Familienausgleichskasse
geltend zu machen wäre
(
Art.
4 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV)
.
5
.
Da das Verfahren kostenlos ist, erweis
t
sich das Gesuch um Gewährung der unent
geltlichen
Prozessführung
als gegenstand
s
los.
Das Gericht
erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung
der Beschwerde wird
, soweit auf sie
eingetreten wird
,
der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
15. Februar 2013
dahingehend abgeändert, dass die Beschwerdeführerin verpflichtet wird, der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Familienausgleichskasse, zu Unrecht bezogene Familienzulagen im Gesamtbetrag von
Fr.
6‘8
67
.-- zurückzuerstatten.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Familienausgleichskasse
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.