Decision ID: 174bf266-cec6-54eb-9b3a-2bf816b6483d
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 2014 zum Bezug von Ergänzungsleistungen an
(EL-act. 20). Er gab an, er lebe zusammen mit seinem Vater und dessen Partnerin in
einer Wohnung, die im Eigentum seines Vaters stehe und deren Mietwert amtlich auf
26’910 Franken (bzw. 28’110 Franken inkl. Parkplatz) geschätzt worden sei. Seine
Eltern lebten seit September 2013 gerichtlich getrennt. Seine Mutter beziehe eine
Rente der Invalidenversicherung und eine Ergänzungsleistung. Sie lebe in einem Heim.
Er selbst sei zwar volljährig und habe bereits eine erste berufliche Ausbildung
abgeschlossen. Nach dem Abschluss eines Praktikums Ende August 2014 habe er nun
aber am 1. September 2014 ein vollzeitliches Studium an einer Fachhochschule
begonnen. Er erhalte eine Kinderrente zur Invalidenrente seiner Mutter. Sein Vater
könne ihn finanziell nicht unterstützen, denn seine Schwester absolviere ebenfalls ein
Studium, habe aber bereits das 25. Altersjahr vollendet, erhalte deshalb keine Renten-
und Ergänzungsleistungen mehr und sei folglich vollständig auf die Unterstützung des
Vaters angewiesen. Aus diesem Grund könne er auch nicht unentgeltlich beim Vater
wohnen. Er bezahle ihm monatlich 780 Franken für die Miete seines Anteils an der
Wohnung. Die Schwester wohne unter der Woche bei ihrem Freund und müsse dem
Vater deshalb keinen Mietzins bezahlen. Ende des Jahres 2013 habe er über ein
Sparguthaben von insgesamt 46’403 Franken verfügt. Am 31. August 2014 habe sich
sein Sparguthaben bloss noch auf 42’599 Franken belaufen. Sein Vater erhalte keine
Familienzulagen mehr, weil er seit kurzem selbständig erwerbstätig sei.
A.b Ein Sachbearbeiter der EL-Durchführungsstelle notierte (EL-act. 14), für die
Ermittlung der Wohnkosten sei vom amtlichen Schätzwert auszugehen. Der Anteil für
die Garage dürfe aber nicht berücksichtigt werden. Im Gegenzug sei die
Nebenkostenpauschale zum Mietwert zu addieren. Das Ergebnis sei durch drei zu
teilen, da die Liegenschaft vom EL-Ansprecher, dessen Vater und der Partnerin des
Vaters bewohnt werde. Weil der Sachbearbeiter die gesamten Wohnkosten aber nicht
durch drei, sondern durch vier teilte, resultierte statt eines monatlichen Mietzinses von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
794 Franken ein solcher von 595 Franken. Der Sachbearbeiter führte weiter aus, die
Mutter sei nicht in der Lage, Unterhaltszahlungen zu leisten. Der Vater müsse der
Mutter gemäss einem Kreisgerichtsurteil betreffend Eheschutzmassnahmen monatlich
2’000 Franken Unterhalt bezahlen. Deshalb sei auch der Vater nicht in der Lage, den
EL-Ansprecher finanziell zu unterstützen. Allerdings lasse sich den Unterlagen des
Kreisgerichts entnehmen, dass bei der Unterhaltsberechnung Wohnkosten von 1’700
Franken berücksichtigt worden seien. Darin sei ein Anteil von einem Drittel (also 567
Franken) für den EL-Ansprecher enthalten. Da der EL-Ansprecher dem Vater einen
Mietzins bezahle, erwiesen sich die Wohnkosten in der Unterhaltsberechnung als zu
hoch. Der Vater könne den EL-Ansprecher also mit 567 Franken unterstützen. Dieser
Betrag sei als familienrechtliche Unterhaltsleistung bei der EL-Anspruchsberechnung
zu berücksichtigen. Für das Jahr 2014 schulde der EL-Ansprecher keine
Nichterwerbstätigenbeiträge an die AHV/IV/EO. Für das Jahr 2015 müsse eine „GF-NE“
erstellt werden. Das Sparguthaben habe am 31. Dezember 2014 nur noch 34’206
Franken betragen. Die massgebenden Sparzinsen seien mit einer Zinsformel zu
berechnen. Bei der Anspruchsberechnung seien Ausbildungszulagen von 250 Franken
pro Monat beziehungsweise von 3’000 Franken pro Jahr zu berücksichtigen. Mit einer
Verfügung vom 18. März 2015 sprach die EL-Durchführungsstelle dem EL-Ansprecher
ab dem 1. September 2014 eine monatliche Ergänzungsleistung von 424 Franken und
ab dem 1. Januar 2015 eine solche von 492 Franken zu (EL-act. 10).
A.c Am 8. April 2015 erhob der EL-Bezüger eine Einsprache gegen die Verfügung vom
18. März 2015 (EL-act. 6). Er beantragte die Neuberechnung der Ergänzungsleistung
unter Berücksichtigung der Lebensbedarfspauschale für Alleinstehende, ohne
Berücksichtigung von Unterstützungsleistungen des Vaters, ohne Anrechnung von
Familienzulagen und unter Berücksichtigung eines Eigenmietwertes von 28’110
Franken. Zur Begründung führte er aus, er sei kein Kind mehr, sondern volljährig und
selbständig. Folglich müsse die Lebensbedarfspauschale für einen Alleinstehenden
und nicht jene für ein Kind berücksichtigt werden. Sein Vater sei nicht in der Lage, ihn
zu unterstützen. Als Selbständigerwerbender erhalte der Vater keine Familienzulagen.
Mit einem Entscheid vom 16. Juni 2015 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 1). Zur Begründung führte sie aus, wenn ein EL-Bezüger in einer
häuslichen Gemeinschaft lebe, müsse gemäss der Wegleitung über die
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV die Lebensbedarfspauschale für ein Kind
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angerechnet werden, auch wenn der EL-Bezüger bereits volljährig sei. Die
Garagenmiete könne bei der Anspruchsberechnung nicht berücksichtigt werden. Da
der EL-Bezüger für seinen Mietanteil aufkomme, müsse sein Vater ihn mit dem
entsprechenden, frei werdenden Anteil der gesamten Wohnkosten unterstützen.
Alternativ dürften keine Mietausgaben berücksichtigt werden. Auch
Selbständigerwerbende hätten einen Anspruch auf Familienzulagen.
B.
B.a Am 9. Juli 2015 (Postaufgabe) erhob der EL-Bezüger (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 16. Juni
2015 (act. G 1). Er beantragte die Neuberechnung der Ergänzungsleistung unter
Berücksichtigung der Lebensbedarfspauschale für Alleinstehende, ohne
Berücksichtigung von Unterstützungsleistungen des Vaters, ohne Anrechnung von
Familienzulagen und unter Berücksichtigung eines Mietzinsanteils von 10’730 Franken.
Zur Begründung führte er aus, er lebe bei seinem Vater, der nicht rentenberechtigt sei
und keine Zusatzrente erhalte. Die Ergänzungsleistung müsse also gesondert
berechnet werden, was bedeute, dass die Lebensbedarfspauschale für einen
Alleinstehenden berücksichtigt werden müsse. Da er seine Erstausbildung
abgeschlossen habe, sei sein Vater ohnehin nicht mehr unterstützungspflichtig. Als
selbständig Erwerbender werde sein Vater einen erheblichen Teil der
Ausbildungszulage selbst finanzieren müssen. Effektiv werde er wohl nur 90 Franken
pro Monat erhalten. Die Kosten für die Garage dürften nicht abgezogen werden, denn
er, der Beschwerdeführer, nutze diese Garage hauptsächlich.
B.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 10. August 2015 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung
verwies sie auf die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid. Ergänzend
führte sie aus, massgebend für die Lebensbedarfspauschale sei nicht die Volljährigkeit
des Beschwerdeführers, sondern vielmehr der Umstand, dass er in einer häuslichen
Gemeinschaft mit seinem Vater wohne.
B.c Der Beschwerdeführer hielt am 1. September 2015 an seinen Anträgen fest (act. G
5). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 7). Die Mutter des
Beschwerdeführers liess sich nicht vernehmen (act. G 9 f.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.d Am 18. Juli 2016 teilte der Vater des Beschwerdeführers mit, dass er nicht als
selbständig Erwerbender qualifiziert worden sei und folglich nachträglich wieder als
unselbständig Erwerbender Ausbildungszulagen erhalten habe (act. G 11). Daraufhin
forderte das Versicherungsgericht die Beschwerdegegnerin auf, die Akten betreffend
die Familienzulagen einzureichen (act. G 12). Diese antwortete am 9. August 2016 (act.
G 13), sie habe das Begehren um Familienzulagen mit einer Verfügung vom 7.
September 2015 abgewiesen, da der Vater des Beschwerdeführers nicht als
selbständig Erwerbender qualifiziert worden sei. Da der Arbeitgeber des Vaters seinen
Sitz im Kanton Zürich habe, sei der Kanton Zürich für die Ausrichtung der
Familienzulagen zuständig. Entsprechende Akten könne die Beschwerdegegnerin
natürlich nicht einreichen. Am 15. August 2016 forderte das Versicherungsgericht die
Ausgleichskasse des Kantons Zürich auf, die Verfügung betreffend die Familienzulagen
für den Beschwerdeführer einzureichen (act. G 15). Diese liess dem Gericht die
verlangte Verfügung am 25. August 2016 zugehen (act. G 16). Laut jener Verfügung
hatte der Vater des Beschwerdeführers rückwirkend ab dem 1. September 2014
Ausbildungszulagen von 250 Franken pro Monat erhalten (act. G 16.1).
B.e Am 19. Oktober 2016 forderte das Versicherungsgericht die Beschwerdegegnerin
auf, die Verfügung betreffend die Zusprache einer Kinderrente für den
Beschwerdeführer einzureichen (act. G 18). Dieser Aufforderung kam die
Beschwerdegegnerin am 3. November 2016 nach. Dem Beschwerdeführer war mit
einer Verfügung vom 20. Mai 1999 mit Wirkung ab dem 1. Februar 1998 eine
Kinderrente zur Invalidenrente seiner Mutter zugesprochen worden (act. G 21.2). Laut
einer Verfügung vom 12. September 2014 belief sich diese Kinderrente ab dem 1.
September 2014 auf 551 Franken pro Monat (act. G 21.1).

Erwägungen
1.
Das Einspracheverfahren, das mit dem angefochtenen Einspracheentscheid
abgeschlossen worden ist, hat die Überprüfung einer Verfügung zum Gegenstand
gehabt, mit der dem Beschwerdeführer erstmalig eine Ergänzungsleistung
zugesprochen worden war. Im Einspracheverfahren hat die verfügungsweise mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wirkung ab dem 1. September 2014 zugesprochene Ergänzungsleistung also
umfassend – das heisst hinsichtlich sämtlicher Anspruchsvoraussetzungen und
Berechnungspositionen – auf ihre Rechtmässigkeit überprüft werden müssen. Da das
nun hängige Beschwerdeverfahren die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides zum Gegenstand hat, muss der Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens zwingend jenem des Einspracheverfahrens entsprechen. Das
bedeutet, dass sämtliche Anspruchsvoraussetzungen und Berechnungspositionen zu
überprüfen sind.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer erhält zwar eine Kinderrente der Invalidenversicherung
ausbezahlt, hat aber dessen ungeachtet keinen eigenen Rentenanspruch gegenüber
der Invalidenversicherung. Gemäss dem Art. 35 Abs. 1 IVG haben nämlich nicht die
Kinder selbst, sondern vielmehr die Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente
zusteht, für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der AHV
beanspruchen könnte (vgl. Art. 25 Abs. 4 und 5 AHVG), einen Anspruch auf eine
Kinderrente. Die Kinderrente ist also (wie die frühere Zusatzrente für den Ehegatten)
nichts anderes als ein Zuschlag zur Invalidenrente. Es handelt sich dabei folglich nicht
um einen eigenständigen Rentenanspruch. Das hat seinen Grund darin, dass die
Invalidenrente idealerweise den Existenzbedarf des Rentenbezügers decken soll (vgl.
Art. 112 Abs. 1 lit. b BV), der natürlich höher ist, wenn der Rentenbezüger
Unterhaltspflichten gegenüber minderjährigen oder sich noch in einer erstmaligen
beruflichen Ausbildung befindlichen Kindern erfüllen muss. Ungeachtet der direkten
Auszahlung der Kinderrente an den Beschwerdeführer handelt es sich beim
Kinderrentenanspruch also um einen Anspruch, der der Mutter des Beschwerdeführers
zusteht. Die sogenannte Drittauszahlung des Kinderrentenzuschlags zur Invalidenrente
direkt an den Beschwerdeführer hat ihren Grund darin, dass dieser nicht mehr mit
seiner Mutter in häuslicher Gemeinschaft lebt. Mangels eines eigenen
Rentenanspruchs erfüllt der Beschwerdeführer die Voraussetzungen des Art. 4 ELG für
den Bezug einer Ergänzungsleistung nicht. Er kann also keinen eigenen EL-Anspruch
haben.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Der Art. 9 Abs. 2 ELG sieht aber vor, dass die Ausgaben und Einnahmen von
Kindern, die einen Anspruch (eines Elternteils) auf eine Kinderrente begründen, mit
jenen des Rentenbezügers zusammengerechnet werden. Ein allfälliger
Ausgabenüberschuss eines Kindes hat also zur Folge, dass der Rentenbezüger eine
entsprechend höhere Ergänzungsleistung erhält. Lebt das Kind nicht im Haushalt des
Rentenbezügers, muss sein Anteil an der Ergänzungsleistung gemäss dem Art. 7 Abs.
1 lit. c ELV gesondert berechnet werden. Das hat seinen Grund darin, dass einzelne
Ausgaben- oder Einnahmenpositionen des Kindes in einem solchen Fall durch die
Verhältnisse des Elternteils, bei dem das Kind tatsächlich lebt, bestimmt sein können
(vgl. RALPH JÖHL/PATRICIA USINGER, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016,
Rz. 48, mit Hinweisen). Dadurch entsteht allerdings kein eigener
Ergänzungsleistungsanspruch des Kindes. Auch in einem solchen Fall steht die
Ergänzungsleistung dem Elternteil zu, der auch den Anspruch auf die Kinderrente hat.
Obwohl hier also der Anteil der Ergänzungsleistung für den Beschwerdeführer
gesondert zu berechnen ist, weil dieser nicht bei seiner – in einem Heim lebenden –
Mutter wohnt, hat der Beschwerdeführer keinen eigenen
Ergänzungsleistungsanspruch.
3.
3.1 Die Frage, ob für den Lebensbedarf des Beschwerdeführers die Pauschale für
einen Alleinstehenden oder jene für ein Kind zu berücksichtigen ist, setzt eine
umfassende Interpretation des Art. 10 ELG voraus. Der Wortlaut des Art. 10 Abs. 1 lit. a
Ziff. 3 ELG scheint zwar klar zu sein, wenn berücksichtigt wird, dass der Begriff
„Kinder“ all jene Personen bezeichnet, die einen Anspruch eines Elternteils auf eine
Kinderrente begründen können (vgl. Art. 35 IVG i.V.m. Art. 25 AHVG, insb. Art. 25 Abs.
5 AHVG). Die Wendung „Kinder, die einen Anspruch auf eine Kinderrente begründen“
wird auch im Art. 9 Abs. 2 ELG verwendet; die beiden Bestimmungen müssen sich von
ihrem Wortlaut her also auf denselben Personenkreis beziehen. Auch ein vermeintlich
klarer Wortlaut muss aber nicht zwingend den wahren Willen des Gesetzgebers
wiedergeben. Den Materialien zum ELG lässt sich nämlich entnehmen, dass der
Gesetzgeber sich zwar von wirtschaftlichen Gründen hat leiten lassen, als er
hinsichtlich der massgebenden Pauschalen zwischen Alleinstehenden, Ehepaaren und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kindern differenziert hat, denn er hat auf die damaligen Ansätze bei der Fürsorge und
damit indirekt auf die Erfahrungstatsache verwiesen, wonach die
Lebenshaltungskosten pro Kopf umso niedriger sind, je mehr Personen in einer
häuslichen Gemeinschaft leben (vgl. BBl 1964 II 491 f.; die damaligen
Einkommensgrenzen entsprechen den heutigen Lebensbedarfspauschalen, wie sich
der Botschaft zur 3. ELG-Revision entnehmen lässt; vgl. BBl 1997 I 1213). Dabei hat er
aber offensichtlich nur „klassische“ Familienverhältnisse vor Augen gehabt. Er hat also
nicht an den Fall gedacht, dass ein Kind, das einen Anspruch eines Elternteils auf eine
Kinderrente begründet, nicht in häuslicher Gemeinschaft mit dem Rentenbezüger,
sondern alleine lebt. Der Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 ELG könnte also eine (unechte)
Gesetzeslücke enthalten: Die darin enthaltene Regelung könnte versehentlich auch
Fälle betreffen, für die der Gesetzgeber eine davon abweichende Regelung aufgestellt
hätte, wenn er daran gedacht hätte.
3.2 Die Kinderrente der Invalidenversicherung, bei der es sich um einen Zuschlag zur
Invalidenrente handelt, soll es dem Rentenbezüger ermöglichen, trotz einer ganzen
oder teilweisen Invalidität seinen Unterhaltspflichten gegenüber seinen Kindern
nachzukommen. Der Teil der Ergänzungsleistung, der sich auf einen allfälligen
Ausgabenüberschuss eines Kindes bezieht, das einen Anspruch des Rentenbezügers
auf eine Kinderrente begründet, kann keinen anderen Zweck als die Kinderrente selbst
verfolgen, denn bei der Ergänzungsleistung handelt es sich, wie ihr Name bereits sagt,
um nichts anderes als um einen Aufschlag zu den Rentenleistungen der
Invalidenversicherung. Die Kinderrente bezweckt aber keine Existenzsicherung des
Kindes, denn dafür fällt sie augenscheinlich viel zu tief aus. Zudem bleibt sie sowohl
vom Erreichen der Volljährigkeit des Kindes (sofern dieses sich noch in der ersten
beruflichen Ausbildung befindet) als auch von einem allfälligen Auszug des Kindes aus
der Wohnung des Rentenbezügers unberührt. Die Kinderrente wird also betraglich
nicht an eine Invalidenrente angepasst, wenn das Kind alleine lebt. Weshalb es sich bei
dem Teil der Ergänzungsleistung des Rentenbezügers, der sich auf das Kind bezieht,
anders verhalten sollte, lässt sich systematisch nicht erklären. Wenn sich die
Kinderrente nicht in eine „Erwachsenenrente“ verwandelt, kann sich auch die „Kinder-
Ergänzungsleistung“ nicht in eine „Erwachsenen-Ergänzungsleistung“ verwandeln, es
sei denn, der Gesetzgeber hätte mit der „Kinder-Ergänzungsleistung“ nachweislich
einen anderen Zweck als mit der Kinderrente verfolgt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.3 Damit stellt sich die Frage, ob der EL-Gesetzgeber – wie der IV-Gesetzgeber –
„nur“ die Erfüllung der Unterhaltspflichten des Rentenbezügers gegenüber dessen
Kindern oder aber – anders als der IV-Gesetzgeber – die Existenzsicherung der Kinder
des Rentenbezügers bezweckt hat. Fest steht, dass das ELG die Existenzsicherung
jener Personen bezweckt, die einen eigenen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung
haben. Das schliesst es zwar nicht aus, dass das ELG auch noch für weitere Personen
eine Existenzsicherung bezwecken könnte. Tatsächlich hat der Gesetzgeber im
Rahmen der 3. ELG-Revision – systemwidrig – auch für geschiedene oder getrennt
lebende Ehegatten ohne einen eigenen Rentenanspruch eine existenzsichernde
Ergänzungsleistung eingeführt, indem er ihnen einen eigenen Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung eingeräumt hat (vgl. BBl 1997 I 1211). Dabei hat es sich um eine
bewusste Ausdehnung des Kreises der Anspruchsberechtigten gehandelt, denn mit
dem System des Ergänzungsleistungsrechtes hatte sich ein solcher Anspruch nicht
begründen lassen; entsprechende Versuche der Verwaltung waren davor vom
Bundesgericht wiederholt als gesetzwidrig qualifiziert worden (vgl. etwa BGE 122 V
300). Während der Gesetzgeber also den Kreis der Anspruchsberechtigten –
systemwidrig – auf geschiedene oder getrennt lebende Ehegatten ausgedehnt hat, hat
er bewusst davon abgesehen, auch für jene Personen einen eigenen Anspruch zu
schaffen, die einen Anspruch eines Elternteils auf eine Kinderrente begründen. Selbst
die gesondert berechnete Ergänzungsleistung für eine Person, die einen Anspruch des
Rentenbezügers auf eine Kinderrente begründet, kann folglich „nur“ die Erfüllung der
Unterhaltspflicht des Rentenbezügers gegenüber seinem Kind bezwecken. Die diese
Unterhaltspflicht abdeckende Ergänzungsleistung kann natürlich nicht höher ausfallen
als die – zivilrechtliche – Unterhaltspflicht selbst. Wird die Unterhaltspflicht mit
Geldleistungen erfüllt, kann (nur) der Betrag, der zivilrechtlich geschuldet ist, beim
Unterhaltspflichtigen als Ausgabe berücksichtigt werden (Art. 10 Abs. 3 lit. e ELG).
Auch wenn die Unterhaltspflicht in natura erfüllt wird, werden nur die Ausgaben
berücksichtigt, die unbedingt notwendig respektive zivilrechtlich zumutbar sind (vgl.
Art. 277 Abs. 2 ZGB), wobei sich dies ergänzungsleistungsrechtlich auf das
beschränkt, was in einer häuslichen Gemeinschaft des Rentenbezügers und des
unterstützungsberechtigten Kindes gesamthaft an Ausgaben anfällt. Zivilrechtlich wäre
ein höherer Unterhaltsbeitrag nur geschuldet, wenn eine häusliche Gemeinschaft
zwischen dem Unterhaltspflichtigen und dem Unterhaltsberechtigten nicht möglich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wäre und wenn der Unterhaltspflichtige finanziell in der Lage wäre, einen Unterhalt –
nun in Geld – zu bezahlen, der dem Unterhaltsberechtigten ein eigenständiges Leben
ermöglichen würde. Bei einem Ergänzungsleistungsbezüger kann eine solche
weitergehende Unterhaltsleistung nicht zumutbar sein, weil der Bezug einer
Ergänzungsleistung eine Bedürftigkeit im Sinne des ELG voraussetzt, die ihrerseits die
Möglichkeit, mehr als nur den minimalsten Unterhaltsbeitrag zu leisten, ausschliesst.
Folglich kann für eine Person, die einen Anspruch eines Elternteils auf eine Kinderrente
begründet, nie eine andere als die Kinderpauschale im Sinne des Art. 10 Abs. 1 lit. a
Ziff. 3 ELG in Frage kommen. Bezüglich der Lebensbedarfspauschale ist der
angefochtene Einspracheentscheid also rechtmässig.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer hat angegeben, dass er für seinen Anteil an der Wohnung
des Vaters monatlich 780 Franken bezahle. Dieser Betrag – 9’360 Franken pro Jahr –
liegt unter dem Maximalbetrag von 13’200 Franken pro Jahr (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1
ELG) und kann deshalb grundsätzlich vollumfänglich berücksichtigt werden. Die
Beschwerdegegnerin hat diesen Mietzins auf seine Angemessenheit überprüft, indem
sie ihn mit einem Drittel des Eigenmietwertes der Wohnung verglichen hat. Dabei hat
sie verkannt, dass nicht der amtliche Schätzwert, sondern vielmehr der Marktmietwert
massgebend ist, der erfahrungsgemäss regelmässig höher als der amtliche Schätzwert
ist. Bei ihrer Berechnung hat sie sich ausserdem verrechnet. Statt eines Drittels hat sie
nur einen Viertel des amtlichen Schätzwertes mit dem vom Beschwerdeführer
angegebenen Mietzins verglichen. Der Vergleichswert ist deshalb tiefer als der
angegebene Mietzins ausgefallen, weshalb die Beschwerdegegnerin angenommen hat,
der angegebene Mietzins sei übersetzt. Addiert man aber den Steuerwert der Wohnung
und die Nebenkostenpauschale von 1’680 Franken pro Jahr (Art. 16a ELV) und teilt
man dieses Ergebnis durch drei, resultiert ein Mietanteil von 9’530 Franken pro Jahr.
Der angegebene Mietzins ist also nicht höher, sondern tiefer als ein Drittel des
amtlichen Schätzwertes. Weil der Marktmietwert erfahrungsgemäss mindestens so
hoch wie der amtliche Schätzwert ist, kann der angegebene Mietzins also nicht
übersetzt sein, ausser der Beschwerdeführer würde nur einen kleinen Anteil der
Wohnung nutzen, wofür allerdings keine Hinweise vorliegen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2 Nun stellt sich aber die Frage, ob der Vater des Beschwerdeführers nicht aufgrund
einer zivilrechtlichen Unterhaltspflicht (vgl. Art. 277 Abs. 2 ZGB) verpflichtet wäre,
diesen unentgeltlich in seiner Eigentumswohnung wohnen zu lassen. Eine solche
zivilrechtliche Unterhaltspflicht besteht allerdings nur bis zum Abschluss einer
angemessenen Ausbildung. Im konkreten Einzelfall orientiert sie sich insbesondere an
den getroffenen Absprachen, an der Zumutbarkeit und am tatsächlichen
Ausbildungsgang (vgl. etwa BSK ZGB I-BREITSCHMIED, Art. 277 N 8 ff.). Wenn das
Kind bereits einmal ins regelmässige, ordentliche Erwerbsleben eingetreten war, dürfte
eine weitere Ausbildung in der Regel eher als eine vom Berufstätigen selbst zu
finanzierende Weiterbildung oder als ein Berufswechsel zu qualifizieren sein (BSK ZGB
I-BREITSCHMIED, Art. 277 N 12, mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer hat eine
Berufslehre zum Elektroinstallateur abgeschlossen und die Berufsmatura erlangt (vgl.
EL-act. 26–4). Danach hat er ein Jahr befristet gearbeitet (EL-act. 17–22), bevor er ein
Fachhochschulstudium im Fachbereich Elektrotechnik begonnen hat (EL-act. 17–16).
Später hat er angegeben, er habe das Zwischenjahr nur „wegen dem Militär
einschieben“ müssen (EL-act. 17–8). Gesamthaft betrachtet hat der Beschwerdeführer
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von Beginn weg einen Abschluss im Bereich
Elektrotechnik angestrebt, wobei der Abschluss der Berufslehre, das Erlangen der
Matura und die Absolvierung der Rekrutenschule in einem Zwischenjahr als sinnvolle
Teilschritte hin zu diesem Ziel qualifiziert werden können. Das aktuelle Studium ist
deshalb nicht als eine Zweit- sondern als zur Erstausbildung gehörend zu qualifizieren.
Folglich ist der Vater grundsätzlich zivilrechtlich zu Unterhaltsleistungen verpflichtet.
Allerdings hat auch die Schwester des Beschwerdeführers ihre Erstausbildung offenbar
noch nicht beendet, sodass der Vater möglicherweise auch ihr gegenüber noch
weiterhin zivilrechtlich unterhaltspflichtig sein könnte. Zu prüfen ist, ob diese
Unterhaltspflicht jener gegenüber dem Beschwerdeführer vorgeht. Der
Unterhaltsberechnung zum Urteil des Kreisgerichtes betreffend
Eheschutzmassnahmen ist zu entnehmen, dass der Vater des Beschwerdeführers unter
Berücksichtigung der Unterhaltszahlungen von 2’000 Franken pro Monat an die Mutter
des Beschwerdeführers über keine freien finanziellen Mittel verfügt, mit denen er den
Beschwerdeführer oder dessen Schwester unterstützen könnte. In der
Unterhaltsberechnung sind bei den Auslagen des Vaters aber die gesamten Kosten für
dessen Eigentumswohnung berücksichtigt worden. Der Vater ist finanziell also in der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Lage, mit seiner Partnerin in der Eigentumswohnung zu leben, ohne einen Mieter bei
sich wohnen lassen zu müssen, der einen Mietzins bezahlt und damit einen Teil der
Kosten der Wohnung deckt. Folglich kann der Vater seiner Unterhaltspflicht gegenüber
dem Beschwerdeführer in natura nachkommen, indem er diesen unentgeltlich bei sich
wohnen lässt. Der Beschwerdeführer hat nun aber eingewandt, er müsse seinem Vater
trotzdem einen Mietzins bezahlen, damit dieser dann der Schwester einen
entsprechenden Unterhalt bezahlen könne. Das würde aber bedeuten, dass der Vater,
der nicht in der Lage ist, einem seiner beiden Kinder einen finanziellen
Unterhaltsbeitrag zu leisten, dem Beschwerdeführer die an sich mögliche Erfüllung der
Unterhaltspflicht in natura vorenthalten würde, nur um die Schwester finanziell
unterstützen zu können. Der Beschwerdeführer müsste also auf seinen
Naturalunterhaltsanspruch verzichten, um indirekt seiner Schwester einen finanziellen
Unterhaltsbeitrag zu leisten. Ein solches Konstrukt wäre abwegig und realitätsfremd.
Wenn der Beschwerdeführer keinen EL-Anspruch hätte und folglich nicht die
Allgemeinheit, sondern er selbst – aus eigenen Mitteln – den Mietzins bezahlen müsste,
würde der Vater ihn wohl kaum dazu verpflichten, nur um dann der Schwester einen
Unterhaltsbeitrag bezahlen zu können. Würde nämlich der Beschwerdeführer nicht
beim Vater leben, würde dieser wohl kaum in eine günstigere Wohnung umziehen oder
einen Teil der Wohnung an einen Dritten vermieten, nur um dann mit der
entsprechenden Kostenersparnis beziehungsweise Mieteinnahme – ausschliesslich –
die Schwester des Beschwerdeführers finanziell zu unterstützen. Zusammenfassend
steht die vom Beschwerdeführer behauptete Unterhaltszahlung des Vaters an die
Schwester also nur deshalb zur Diskussion, weil der Beschwerdeführer beim Vater lebt
und weil die Allgemeinheit mit Ergänzungsleistungen für einen entsprechenden
Mietzins aufkommen würde. Die Ergänzungsleistung ist aber nicht dazu da,
Unterhaltspflichten gegenüber nicht anspruchsberechtigten Personen zu finanzieren,
worauf jedoch das vom Beschwerdeführer behauptete Konstrukt letztlich hinauslaufen
würde. Folglich muss bei der Berechnung des EL-Anspruchs davon ausgegangen
werden, dass der Vater seiner Unterhaltspflicht seinen beiden Kindern gegenüber auf
die am nächsten liegende Weise nachkommt, indem er den Beschwerdeführer
unentgeltlich bei sich wohnen lässt. Bei der Anspruchsberechnung darf deshalb keine
Mietausgabe berücksichtigt werden. Der angefochtene Einspracheentscheid, in dem
eine – betraglich falsche – Mietausgabe und eine – aus nicht nachvollziehbaren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gründen betraglich davon abweichende – Unterhaltsleistung des Vaters als Einnahme
berücksichtigt worden sind, erweist sich folglich in diesem Punkt als rechtswidrig.
5.
5.1 Laut dem Art. 10 Abs. 3 lit. d ELG ist ein Pauschalbeitrag für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung als Ausgabe zu berücksichtigen. Dieser wird jeweils jährlich
für die jeweiligen Prämienregionen festgesetzt. Für junge Erwachsene in der
Prämienregion 2 des Kantons St. Gallen hat er sich im Jahr 2014 auf 3’948 Franken (AS
2013 3554) und im Jahr 2015 auf 4’176 Franken (AS 2014 3572) belaufen.
5.2 Da der Beschwerdeführer bis Ende August 2014 ein Praktikum absolviert hat, sind
in der Zeit von Januar bis und mit August 2014 bereits Arbeitnehmerbeiträge an die
AHV, an die IV und an die EO geleistet worden. Bei einer Beitragszeit von weniger als
neun Monaten im Kalenderjahr 2014 hat der Beschwerdeführer beitragsrechtlich nicht
als dauernd voll erwerbstätige Person im Sinne des Art. 28bis AHVV qualifiziert werden
können. Seine Arbeitnehmerbeiträge haben aber den Mindestbeitrag im Sinne des Art.
28 AHVV erreicht, weshalb er keine Nichterwerbstätigenbeiträge mehr geschuldet hat.
Für die Zeit ab September 2014 sind folglich keine Sozialversicherungsbeiträge im
Sinne des Art. 10 Abs. 3 lit. c ELG anzurechnen. Für das Jahr 2015 hat der
Beschwerdeführer aber Nichterwerbstätigenbeiträge geschuldet, denn er hat
vollzeitlich studiert und folglich weder Arbeitnehmerbeiträge noch Beiträge als
Selbständigerwerbender leisten können. Für die Zeit ab Januar 2015 hätte die
Beschwerdegegnerin folglich Nichterwerbstätigenbeiträge anrechnen müssen. Da sie
dies nicht getan hat, erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid auch in
diesem Punkt als rechtswidrig. Da die Verfügung betreffend die
Nichterwerbstätigenbeiträge für das Jahr 2015 nicht bei den Akten liegt, kann der
entsprechende Betrag nicht in die Anspruchsberechnung eingesetzt werden. Die
Beschwerdegegnerin wird den entsprechenden Betrag ermitteln und in ihrer
Anspruchsberechnung für die Zeit ab dem 1. Januar 2015 berücksichtigen.
5.3 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kann die Miete für den
Garagenparkplatz nicht als Ausgabe berücksichtigt werden, denn die
Ausgabenposition „Wohnkosten“ (Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG) bezieht sich nur auf die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kosten, die für die Befriedigung des existenziellen Wohnbedürfnisses notwendig sind,
wozu die Kosten für Parkplätze nicht gezählt werden können (vgl. JÖHL/USINGER,
a.a.O., Rz. 63, mit Hinweisen).
5.4 Gemäss den Akten fallen keine weiteren Ausgaben in Betracht, die bei der
Anspruchsberechnung berücksichtigt werden müssten.
6.
6.1 Zur Deckung seiner Ausgaben hat dem Beschwerdeführer zunächst die
Kinderrente zur Verfügung gestanden, die sich im Jahr 2014 auf 551 Franken pro
Monat respektive auf 6’612 Franken pro Jahr und im Jahr 2015 auf 553 Franken pro
Monat beziehungsweise auf 6’636 Franken pro Jahr belaufen hat.
6.2 Das Sparvermögen des Beschwerdeführers hat sich am 31. Dezember 2013 auf
46’404 Franken belaufen. Am 31. August 2014 hat es noch 42’599 Franken betragen.
Am 31. Dezember 2014 hat der Beschwerdeführer noch über ein Sparvermögen von
34’206 Franken verfügt. Unter Berücksichtigung des Freibetrages von 15’000 Franken
(Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG) ist folglich für die Zeit ab September 2014 ein Vermögen von
27’599 Franken und für die Zeit ab Januar 2015 ein solches von 19’206 Franken
anzurechnen. Von diesen Beträgen ist je ein Fünfzehntel als fiktiver Vermögensverzehr
als Einnahme anzurechnen. Das sind 1’839 Franken für die Zeit ab September 2014
und 1’280 Franken für die Zeit ab Januar 2015.
6.3 Zudem müssen die Vermögenserträge als Einnahmen angerechnet werden (Art. 11
Abs. 1 lit. b ELG). Die Beschwerdegegnerin hat diese anhand einer Zinsformel
berechnet, obwohl es möglich gewesen wäre, die effektiven Zinsen zu ermitteln.
Folglich liegt eine Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) vor. Auch
diesbezüglich wird die Beschwerdegegnerin noch weitere Abklärungen vorzunehmen
und den effektiv erzielten Zinsertrag in die Anspruchsberechnung einzusetzen haben.
6.4 Laut dem Art. 11 Abs. 1 lit. f ELG sind auch Familienzulagen als Einnahmen
anzurechnen, wobei damit allerdings nur die Familienzulagen gemeint sein können, die
der Anspruchsberechtigte selbst erhält. Dem Beschwerdeführer selbst haben keine
Familienzulagen zugestanden; gemäss der Verfügung der Familienausgleichskasse des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kantons Zürich vom 8. März 2016 hat sein Vater aber ab dem 1. September 2014
Ausbildungszulagen von 250 Franken pro Monat respektive von 3’000 Franken pro
Jahr für den Beschwerdeführer erhalten. Die Familienzulagen bezwecken die „teilweise
Ausgleichung“ der finanziellen Belastung durch Kinder (Art. 2 FamZG) und stehen
folglich den Eltern zu. Gemäss dem Art. 9 Abs. 2 FamZG können mündige Kinder, die
einen Anspruch eines Elternteils auf eine Ausbildungszulage begründen, mit einem
begründeten Gesuch die direkte Auszahlung der Zulage an sich selbst verlangen. Diese
Abweichung von der allgemeinen Regel des Art. 20 Abs. 1 ATSG betreffend die
Drittauszahlung von Leistungen soll augenscheinlich sicherstellen, dass die
Familienzulagen zweckkonform, das heisst zur Erfüllung der Unterhaltspflicht
verwendet werden. Der Vater des Beschwerdeführers muss die Familienzulagen, die
ihm ausgerichtet werden, also für die Erfüllung seiner Unterhaltspflicht gegenüber dem
Beschwerdeführer verwenden. Der Beschwerdeführer könnte sogar die
Direktauszahlung der Ausbildungszulagen an sich verlangen, weil er die
Voraussetzungen des Art. 9 Abs. 2 FamZG erfüllt. Die Zulagen von 3’000 Franken pro
Jahr sind folglich als familienrechtliche Unterhaltsbeiträge im Sinne des Art. 11 Abs. 1
lit. h ELG bei der EL-Anspruchsberechnung zu berücksichtigen. Diesbezüglich erweist
sich der angefochtene Einspracheentscheid als rechtmässig.
6.5 Den Akten lassen sich keine Hinweise auf weitere Einnahmen entnehmen, die bei
der EL-Anspruchsberechnung berücksichtigt werden müssten.
7.
Zusammenfassend kann weder das Ausgaben- noch das Einnahmentotal beziffert
werden, weil sich der massgebende Sachverhalt sowohl bezüglich der anerkannten
Ausgaben als auch bezüglich der anrechenbaren Einnahmen als ungenügend abgeklärt
erweist. Die Sache muss deshalb an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden,
damit diese die Sachverhaltsabklärung vervollständigt. Sie wird die massgebenden
Nichterwerbstätigenbeiträge für das Jahr 2015 und die Vermögenserträge (Sparzinsen)
zu ermitteln haben. Anschliessend wird sie neu über den Ergänzungsleistungsanspruch
ab dem 1. September 2014 verfügen.
8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gerichtskosten sind gemäss dem Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.