Decision ID: 63077167-3a1d-4d15-a3cd-620e1db078cf
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X bestellte am 12. Juli 2017 beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt
Kontrollschilder für zwei Motorfahrzeuge (Wechselschilder). Daraufhin erhielt er vom
Strassenverkehrsamt einen Bezugsschein, womit er auf der Poststelle A gegen Abgabe
der alten Kontrollschilder die neuen abholen konnte, was er auch tat. Am 13. November
2017 erliess das Strassenverkehrsamt eine Verfügung, womit sie anordnete, dass X
aufgrund des Ausstands von Gebühren die Kontrollschilder und die entsprechenden
Fahrzeugausweise entzogen würden. Für die Entzugsverfügung stellte es ihm eine
Gebühr von Fr. 100.– in Rechnung. Gleichzeitig hielt es fest, dass die Kontrollschilder
nicht abgegeben werden müssten, wenn der ausstehende Betrag und die Gebühr der
Verfügung innert Frist bezahlt würden. Der Verfügung legte es eine Rechnung über den
Betrag von Fr. 145.– bei.
B.- X beglich daraufhin die Gebühr für das Schilderpaar in der Höhe von Fr. 45.– und
erhob gegen die Verfügung vom 13. November 2017 Einsprache beim

Strassenverkehrsamt. Dieses erklärte in den Erwägungen des Einspracheentscheids,
nach Zahlung der Fr. 45.– werde auf die Einziehung der Fahrzeugausweise und der
Kontrollschilder verzichtet. Gleichzeitig bestand es aber auf der Begleichung der
Verfügungsgebühr in der Höhe von Fr. 100.–. Zur Begründung führte es an, dass es
dem Einsprecher am 25. Juli 2017 eine Rechnung, am 12. September 2017 eine
Zahlungsaufforderung und am 10. Oktober 2017 eine Mahnung mit Androhung einer
kostenpflichtigen Entzugsverfügung zugestellt habe. Im Rechtsspruch verfügte es die
Abweisung der Einsprache und hielt fest, die Gebühr von Fr. 100.– sei korrekt in
Rechnung gestellt worden.
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C.- Gegen den Einspracheentscheid vom 24. November 2017 erhob X am 6. Dezember
2017 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte die Aufhebung des
Einspracheentscheids sowie der Verfügung vom 13. November 2017, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Er erklärte, weder die Rechnung noch die
Zahlungsaufforderung oder die Mahnung erhalten zu haben. Die Vorinstanz liess sich
mit Eingabe vom 17. Januar 2018 vernehmen. Sie betonte nochmals, dass der
eingeleitete Kontrollschildereinzug mit der Zahlung der Grundforderung aufgehoben
worden sei, die Gebühr von Fr. 100.– aber zur Zahlung fällig bleibe.
Auf die Vorbringen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Rekurs richtet
sich hauptsächlich gegen eine Gebühr nach Ziffer 235.00 des Verkehrsgebührentarifs
(sGS 718.1, abgekürzt: VGT). Möchte der Adressat eine Verfügung über
Strassenverkehrsgebühren nach VGT anfechten, hat er zunächst Einsprache beim
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt zu erheben, wenn er die Hauptsache nicht
anficht (Art. 27 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Strassenverkehrsabgaben [sGS
711.70, abgekürzt: SVAG]). Vorliegend ist ein Einspracheverfahren vor dem
Strassenverkehrsamt durchgeführt worden. Die Verwaltungsrekurskommission ist zum
Sachentscheid im Rekursverfahren zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist
gegeben. Der Rekurs vom 6. Dezember 2017 ist rechtzeitig eingereicht worden und
erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41
lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Vorinstanz wies die Einsprache mit Entscheid vom 24. November 2017 ab. Dies,
obwohl sie in den Erwägungen festhielt, dass auf die Einziehung der Kontrollschilder
verzichtet werde. In der Vernehmlassung vom 17. Januar 2018 erklärte sie nochmals,
der eingeleitete Kontrollschilderentzug sei mit der Zahlung der Grundforderung
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aufgehoben worden, die Gebühr bleibe aber zur Zahlung fällig. Daraus ergibt sich, dass
die Vorinstanz in materieller Hinsicht nicht mehr an ihrer Entzugsverfügung festhält,
sondern lediglich noch auf der Bezahlung der Verfügungsgebühr von Fr. 100.– besteht.
Im Rekursverfahren ist somit nur zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die
Entzugsverfügung vom 13. November 2017 gegeben waren und die Vorinstanz dafür zu
Recht eine Gebühr von Fr. 100.– erhoben hatte.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 4 lit. b des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) kann der Fahrzeugausweis auf angemessene Dauer entzogen werden, solange
die Verkehrssteuern oder -gebühren für Fahrzeuge desselben Halters nicht entrichtet
sind. Dieser fakultative Entzugsgrund dient der (indirekten) Durchsetzung der Erfüllung
von Abgabepflichten (Philippe Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2015, Art. 16 N 36 ff.) und wird in Art. 106 Abs. 2 lit. c der Verordnung
über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51,
abgekürzt: VZV) wiederholt. Gemäss Art. 106 Abs. 3 VZV sind mit dem
Fahrzeugausweis immer auch die Kontrollschilder zu entziehen. Die Entzugsbehörde
hat dem Halter vor dem Entzug von Fahrzeugausweis und Kontrollschildern
Gelegenheit zu geben, sich mündlich oder schriftlich zu äussern (Art. 108 Abs. 1 VZV).
Die Vorinstanz behauptet, dem Rekurrenten am 25. Juli 2017 eine Rechnung, am
12. September 2017 eine Zahlungsaufforderung und am 10. Oktober 2017 eine
Mahnung mit Androhung einer kostenpflichtigen Entzugsverfügung sowie der
Gelegenheit zur Stellungnahme zugestellt zu haben. Der Rekurrent hingegen erklärt,
weder die Rechnung noch die Zahlungsaufforderung oder die Mahnung erhalten zu
haben. Erst die Entzugsverfügung sei ihm zugestellt worden.
b) Gemäss der allgemeinen, auch im Prozessrecht geltenden Beweislastregel hat, wo
das Gesetz es nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten
Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet (Art. 8 ZGB). Die Beweislosigkeit
wirkt sich in der Regel zu Ungunsten derjenigen Person aus, die aus dem unbewiesen
gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (Urteil des Bundesgerichts
2C_704/2014 vom 10. Februar 2015 E. 3.4). Der Beweis für den Empfang der Mahnung
vom 10. Oktober 2017, worin dem Rekurrenten der Erlass einer kostenpflichtigen
Entzugsverfügung angedroht und die Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden
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sein soll, obliegt dementsprechend der Vorinstanz. Dieser Nachweis kann nach der
Praxis des Bundesgerichts gestützt auf die gesamten Umstände erbracht werden. Die
Postaufgabe beweist aber nicht zwingend, dass der Betroffene den Brief auch
empfangen hat, denn ein Fehler der Postzustellung liegt nicht derart ausserhalb jeder
Wahrscheinlichkeit, dass mit dieser Möglichkeit nicht gerechnet werden müsste (vgl.
BGE 105 III 43).
Die Vorinstanz hat die Mahnung vom 10. Oktober 2017 nicht eingeschrieben versandt.
Sie kann weder deren Versand noch deren Zustellung beweisen. Sie erbringt auch
keine sonstigen Nachweise für eine erfolgreiche Zustellung. Der Rekurrent bestreitet
die Zustellung. Zwar mutet etwas merkwürdig an, dass er behauptet, gleich drei nicht
eingeschriebene Sendungen der Vorinstanz an seine Adresse nicht erhalten zu haben.
Letztlich gilt aber aufgrund der Beweislosigkeit, dass die Mahnung mit Fristansetzung
zur Stellungnahme dem Rekurrenten nicht zugestellt worden und er folglich nicht in der
Lage war, vor Erlass der Entzugsverfügung seinen Anspruch auf rechtliches Gehör
wahrzunehmen. Im Einspracheverfahren vor der
Vorinstanz konnte er sich dann allerdings äussern und machte geltend, weder die
Rechnung, Zahlungsaufforderung noch die Mahnung erhalten zu haben und die
ausstehende Gebühr von Fr. 45.– für die Kontrollschilder umgehend nach Erhalt der
Entzugsverfügung beglichen zu haben. Den Eingang der Zahlung bestätigte die
Vorinstanz bereits im Einspracheentscheid vom 24. November 2017. Mit der Bezahlung
der Gebühr für die Kontrollschilder fiel die Voraussetzung für den Entzug der
Kontrollschilder und der Fahrzeugausweise gemäss Art. 106 Abs. 2 lit. c VZV und damit
auch für den Erlass einer gebührenpflichtigen Entzugsverfügung dahin. Der
vorinstanzliche Einspracheentscheid ist somit zufolge Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör unrechtmässig und aufzuheben.
3.- Die amtlichen Kosten werden nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 95 Abs.
1 VRP). Da der Rekurrent obsiegt, sind die amtlichen Kosten dem Staat aufzuerlegen.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.– erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.– ist dem
Rekurrenten zurückzuerstatten.
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4.- Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes
nicht geboten. Es handelt sich weder in rechtlicher noch in tatsächlicher Hinsicht um
eine komplexe Streitsache. Es hätte genügt, wenn der Rekurrent selbst geltend
gemacht hätte, die Mahnung mit Fristansetzung für eine Stellungnahme nicht erhalten
und nach Zustellung der Entzugsverfügung die Kosten für die Kontrollschilder
umgehend bezahlt zu haben. Im Übrigen ging es um eine Gebühr von lediglich Fr.
100.–, weshalb der Streitsache bereits aus diesem Grund keine erhebliche Bedeutung
zukommen konnte. Schliesslich stellten sich auch keine grundsätzlichen Fragen, die
nur von einem Rechtskundigen hätten vorgetragen werden können und der
gerichtlichen Klärung bedurft hätten. Dementsprechend ist keine ausseramtliche
Entschädigung zuzusprechen.