Decision ID: 5546c4ce-450e-44bf-993b-1e0b75d21e94
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 3. Februar 2020 erstattete Rechtsanwalt A. namens der B. Inc., mit Sitz
in den USA, bei der Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln/SZ Strafanzeige ge-
gen die Verantwortlichen der C. AG in Y./SZ, und der D. GmbH in W. (D)
wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung (Art. 292 StGB) und
stellte Strafantrag wegen unlauterer Wettbewerbshandlungen (Art. 3 Abs. 1
lit. e UWG i.V.m. Art. 23 Abs. 1 UWG; Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 3.1.01).
Den Verantwortlichen der C. AG wird in der Strafanzeige zusammengefasst
vorgeworfen, gemeinsam mit den Verantwortlichen der D. GmbH in der Zeit
vom 12. Dezember 2019 bis 17. Januar 2020 wiederholt Plüschtiere und
Plüschtier-Schlüsselanhänger der D. GmbH in der bzw. in die Schweiz unter
der Bezeichnung «[...]» angeboten, verkauft sowie ausgeliefert zu haben,
nachdem das Handelsgericht des Kantons Aargau mit Verfügung
HUS.2019.149/ts vom 12. Dezember 2019 festgestellt — und mit Entscheid
vom 20. Januar 2020 bestätigt — habe, dass der Verkauf von Plüschtieren
der D. GmbH mit ähnlichen Eigenschaften wie jene der B. Inc. und unter
Übernahme der durch die B. Inc verwendeten Bezeichnung «[...]» als unlau-
ter im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. e UWG zu qualifizieren sei. Die Verantwort-
lichen der C. AG und der D. GmbH werden ferner beschuldigt, mehrfach ge-
gen die genannte Verfügung bzw. den genannten Entscheid des Handelsge-
richts des Kantons Aargau verstossen zu haben, welche den Organen der
C. AG und der D. GmbH unter Androhung von Art. 292 StGB verboten habe,
in der Schweiz im geschäftlichen Verkehr die in der vorgenannten Verfügung
bezeichneten bzw. abgebildeten Plüschtiere und Plüschtier-Schlüsselanhä-
nger unter der Bezeichnung «[...]» anzubieten, zu bewerben, in Verkehr zu
bringen oder verkaufen zu lassen.
B. Mit Schreiben vom 25. Februar 2020 ersuchte die Staatsanwaltschaft Höfe
Einsiedeln die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten/AG um Prüfung des Ge-
richtsstandes mit der Begründung, dass die erste aktenkundige Zustellung
eines «[...]»-Plüschtiers in der Schweiz gemäss einer Online-Bestellung vom
26. November 2019 am 23. Januar 2020 an eine nicht näher bekannte Ad-
resse in U./AG erfolgt sei. Eine gerichtsstandsbegründende Mittäterschaft
der Verantwortlichen der C. AG sei gestützt auf die Akten zu verneinen, al-
lenfalls sei eine Teilnahme im Sinne von Art. 24 ff. StGB zu prüfen (Verfah-
rensakten Kt. SZ, Urk. 13.1.01). Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten
verneinte mit Schreiben vom 16. April 2020 ihre Zuständigkeit und hielt unter
anderem fest, als Tatort habe der Sitz der C. AG in Y./SZ zu gelten, weshalb
die Zuständigkeit im Kanton Schwyz liege. Unabhängig davon könne zum
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jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden, welche strafrechtliche Beteiligungs-
/oder Teilnahmeform zwischen den beiden involvierten Unternehmen zur An-
wendung gelange; insbesondere könne eine Mittäterschaft nicht per se aus-
geschlossen werden. Es obliege dem Kanton Schwyz, die entsprechenden
Hintergründe und Verantwortlichkeiten zu ermitteln (Verfahrensakten Kt. SZ,
Urk. 13.1.03).
C. Die Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln teilte der strafantragsstellenden B.
Inc. mit Schreiben vom 8. Mai 2020 mit, zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei
davon auszugehen, dass eine gerichtsstandbegründende (Mit-)Täterschaft
der Verantwortlichen der C. AG zu verneinen sei, weshalb sie für die Verfol-
gung und Beurteilung der mit Strafantrag vom 3. Februar 2020 geltend ge-
machten Straftaten örtlich nicht zuständig sei. Zudem hätten Vorabklärungen
im Zusammenhang mit der Feststellung der Zuständigkeit den Verdacht er-
geben, dass der Verkauf und Versand von «D.-Plüschtieren» in Bezug auf
den Wettbewerbsstandort Schweiz durch die E. GmbH bzw. durch die F. AG,
beide mit Geschäftsdomizil in V./SG, erfolge. Die B. Inc. wurde daher von
der Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln aufgefordert, unter anderem mitzu-
teilen, ob der Strafantrag vom 3. Februar 2020 auf die E. GmbH ausgedehnt
werden solle (Verfahrensakten Kt. SZ, Urk.9.1.01).
D. Die B. Inc. liess der Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln am 20. Mai 2020
mitteilen, dass das Verfahren wegen unlauteren Wettbewerbs im Sinne von
Art. 23 Abs. 1 i.V.m. Art. 3 lit. e UWG auf die Verantwortlichen der E. GmbH
und der F. AG auszudehnen sei, da diese im Rahmen der Bewerbung ihrer
Angebote auf Messen – insbesondere der «G.-Messe» in S./ZH vom [...] bis
[...] – die streitgegenständlichen Plüschtiere offensichtlich als «[...]» ver-
markten würden. Zudem wurde daran festgehalten, dass ein dringender Tat-
verdacht auch gegen die Verantwortlichen der C. AG wegen Widerhandlung
gegen Art. 3 Abs. 1 lit. e UWG vorliege (Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 3.1.03).
E. Mit Schreiben vom 3. Juni 2020 wandte sich die Staatsanwaltschaft Höfe
Einsiedeln an das Untersuchungsamt Gossau/SG und ersuchte um Über-
nahme der Verfahren in Sachen C. AG, D. GmbH, E. GmbH und F. AG. Es
bestünden Anhaltspunkte dafür, dass der Vertrieb und Versand der im On-
lineshop «www.D.shop.ch» erhältlichen Produkte in der Schweiz, konkret in
V./SG, durchgeführt werde. Bei der F. AG, welche nebst anderem Gesell-
schafterin der E. GmbH sei, handle es sich um ein Grosshandels- und Lo-
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gistikunternehmen (Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 13.0.01). Das Untersu-
chungsamt Gossau lehnte das Ersuchen am 1. Juli 2020 ab und hielt unter
anderem fest, dass eine Mittäterschaft der C. AG nicht per se ausgeschlos-
sen werden könne und dass im Zusammenhang mit der Ausstellung von
«[...]»-Plüschtieren anlässlich der «G.»-Messe allenfalls S./ZH als Ort der
Tatbegehung in Frage komme (Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 13.0.02).
F. Am 26. August 2020 befragte die Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln den
Geschäftsführer der C. AG, H., im Gerichtsstandsverfahren als Auskunfts-
person. Gegenstand der Befragung war die Ermittlung einer allfälligen Mittä-
terschaft der C. AG (Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 16.0.00, Beigezogene Ak-
ten).
G. Mit Schreiben vom 9. September 2020 ersuchte die Staatsanwaltschaft Höfe
Einsiedeln die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten um Übernahme des Ver-
fahrens nunmehr in der Sache D. GmbH, E. GmbH und F. AG. Zur Begrün-
dung wurde ausgeführt, dass von U./AG als zuständigkeitsbegründenden Er-
folgsort auszugehen sei und aufgrund der durch die D. GmbH im Verfahren
vor dem Handelsgericht des Kantons Aargau eingeräumten Kooperation mit
der E. GmbH bzw. der mit dieser eng verflochtenen F. AG gemeinsam mit
der Prüfung eines möglichen strafbaren Verhaltens der Verantwortlichen der
D. GmbH auch mögliche Beteiligungsformen der Verantwortlichen der E.
GmbH bzw. der F. AG zu untersuchen seien (Verfahrensakten Kt. SZ,
Urk. 13.003).
H. Mit Verfügung vom 13. November 2020 stellte die Staatsanwaltschaft Höfe
Einsiedeln das gegen die Verantwortlichen der C. AG geführte Verfahren
SUH 2020 261 SA mangels Vorliegen eines Anfangsverdachts gestützt auf
Art. 319 Abs. 1 lit. a und b StPO ein (Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 0.00.00).
I. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten lehnte das Ersuchen der Staatsan-
waltschaft Höfe Einsiedeln um Verfahrensübernahme (vgl. supra lit. G) mit
Schreiben vom 23. November 2020 ab. Bei der Frage der Zuständigkeit sei
auf die letzte tatbestandsmässige Handlung abzustellen, und aus den Akten
ergebe sich, dass die letzte Auslieferung eines «[...]»-Plüschtiers in S./ZH
erfolgt sei. Ausserdem sei mit der Einvernahme vom 26. August 2020 die
erste Verfolgungshandlung getätigt worden, weshalb die Zuständigkeit im
Kanton Schwyz liege (Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 13.04.04).
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J. Mit Schreiben vom 27. November 2020 und 3. Februar 2021 ersuchte die
Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
um Übernahme des Verfahrens in Sachen D. GmbH, E. GmbH und F. AG.
Dies mit der Begründung, dass der Verantwortliche der D. GmbH und evtl.
der E. GmbH an der «G.»-Messe in S./ZH vom [...] bis [...] «[...]»-Plüschtiere
ausgestellt habe. Dabei handle es sich um die mutmasslich deliktische Tä-
tigkeit, weshalb S./ZH der Tatort sei. Ausserdem sei aktenkundig, dass die
letzte Auslieferung eines «[...]»-Plüschtiers an eine nicht näher bekannte Ad-
resse in S./ZH erfolgt sei (Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 13.0.05 und Urk.
13.0.07). Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat lehnte die Verfahrensüber-
nahme mit Schreiben vom 21. Januar und 11. Februar 2021 ab, da der Be-
gehungsort am Firmensitz der E. GmbH bzw. der F. AG in V./SG liege (Ver-
fahrensakten Kt. SZ, Urk. 13.0.06 und Urk. 13.0.08).
K. Im Rahmen des abschliessenden Meinungsaustausches zwischen den Kan-
tonen Schwyz, Zürich, St. Gallen und Aargau bestreiten diese ihre jeweiligen
Zuständigkeiten, zuletzt der Kanton Aargau mit Schreiben vom 7. Juli 2021
(Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 13.0.09, Urk. 13.0.10 Urk. 13.0.11, Urk.
13.0.12, Urk. 13.0.13 und Urk. 13.0.14).
L. Mit Gesuch vom 14. Juli 2021 gelangt die Oberstaatsanwältin des Kantons
Schwyz an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantragt,
es seien die Strafbehörden des Kantons Zürich, eventualiter die Strafbehör-
den des Kantons St. Gallen, subenventualiter die Strafbehörden des Kan-
tons Aargau für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die den Veranwortli-
chen der D. GmbH, E. GmbH und F. AG zur Last gelegten Straftaten zu
verfolgen und zu beurteilen (act. 1 S. 2). Die Kantone St. Gallen und Aargau
lehnen je ihre Zuständigkeit mit Eingaben vom 19. und 20. Juli 2021 ab und
beantragen, es sei der Kanton Zürich für berechtigt und verpflichtet zu erklä-
ren, das Verfahren zu führen (act. 3 und 4). Auch der Kanton Zürich lehnt
seine Zuständigkeit ab und beantragt mit Eingabe vom 22. Juli 2021, es
seien die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Schwyz eventualiter dieje-
nigen des Kantons St. Gallen zur Verfolgung und Beurteilung der den Ver-
antwortlichen der D. GmbH, der E. GmbH und der F. AG für zuständig zu
erklären (act. 5). Die Gesuchsantworten wurden dem Kanton Schwyz am
23. Juli 2021 zur Kenntnis zugestellt (act. 6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen eingegangen.
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi-
schen den involvierten Kantonen und zuständigen Behörden, Frist und Form,
vgl. Art. 39 ff. StPO und Art. 396 Abs. 1 StPO p.a.) sind vorliegend erfüllt und
geben zu keinen Bemerkungen Anlass.
2.
2.1 Für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat sind die Behörden des Or-
tes zuständig, an dem die Tat verübt worden ist. Liegt nur der Ort, an dem
der Erfolg der Straftat eingetreten ist, in der Schweiz, so sind die Behörden
dieses Ortes zuständig (Art. 31 Abs. 1 StPO). Der Ausführungsort geht als
primärer Gerichtsstand allen anderen Gerichtsständen vor (BAUMGARTNER,
Die Zuständigkeit im Strafverfahren, 2014, S. 58 m.w.H.; SCHWERI/BÄNZI-
GER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen, 2. Aufl.
2004, S. 24) und befindet sich dort, wo der Täter gehandelt hat (BGE 86 IV
222 E. 1). Der Erfolgsort ist bei der Bestimmung des Gerichtsstands gegen-
über dem Ausführungsort subsidiär und gilt nur dann, wenn es sich um ein
Erfolgsdelikt oder ein konkretes Gefährdungsdelikt handelt, der Ort des Er-
folgseintritts bzw. der geschaffenen Gefahr bekannt ist und in der Schweiz
liegt (vgl. Art. 31 Abs. 1 Satz 2 StPO; BGE 86 IV 222 E. 1; TPF 2017 170
E. 2.3.2; SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 61, 75 und 95 ff.).
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Straftat werden von den gleichen
Behörden verfolgt und beurteilt wie die Täterin oder der Täter (Art. 33 Abs. 1
StPO). Ist eine Straftat von mehreren Mittäterinnen oder Mittätern verübt
worden, so sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfol-
gungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 33 Abs. 2 StPO).
2.2 Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen Ver-
dachtslage. Massgeblich ist nicht, was dem Beschuldigten letztlich nachge-
wiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der Unter-
suchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als haltlos
oder sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichtsstand bestimmt sich also nicht
nach dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was ihm vorge-
worfen wird, das heisst, was aufgrund der Aktenlage überhaupt in Frage
kommt. Es gilt der Grundsatz in dubio pro duriore, wonach im Zweifelsfall auf
den für den Beschuldigten ungünstigeren Sachverhalt abzustellen bzw. das
schwerere Delikt anzunehmen ist (vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts
BG.2014.10 vom 10. Juni 2014 E. 2.1).
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2.3 Geht in einem Kanton eine Strafanzeige bzw. ein Strafantrag ein, so hat die
betroffene Strafverfolgungsbehörde von Amtes wegen zu prüfen, ob nach
den Gerichtsstandsbestimmungen die örtliche Zuständigkeit ihres Kantons
gegeben ist. Damit diese Prüfung zuverlässig erfolgen kann, muss die frag-
liche Behörde alle für die Festlegung des Gerichtsstandes wesentlichen Tat-
sachen erforschen und alle dazu notwendigen Erhebungen durchführen (Be-
schluss des Bundesstrafgerichts BG.2016.22 vom 25. August 2016 E. 2.2
m.w.H.). Solange die Frage der Zuständigkeit offen oder streitig ist, bleibt
jeder Kanton verpflichtet, die sein Gebiet betreffenden Tatsachen so weit ab-
zuklären, als es der Entscheid über den Gerichtsstand erfordert. Diese ers-
ten Ermittlungshandlungen haben für sich allein keine zuständigkeitsbegrün-
dende Wirkung, denn es wäre unbillig, jene Behörden, welche Abklärungen
für die Ermittlung des Gerichtsstandes vornehmen, allein deswegen schon
zu verpflichten, nachher auch das ganze Verfahren durchzuführen (vgl. Be-
schlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2019.2 vom 8. Mai 2019 E. 4.1;
BG.2016.22 vom 25. August 2016 E. 2.5; BAUMGARTNER, a.a.O., S. 174 f.;
SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 560; vgl. auch Ziff. 8 der Empfehlungen der
Schweizerischen Staatsanwälte-Konferenz [SSK] zur Bestimmung der örtli-
chen Zuständigkeit [Gerichtsstandsempfehlungen]).
3.
3.1 Den Beschuldigten wird unlauterer Wettbewerb im Sinne von Art. 3 Abs. 1
lit. e UWG i.V.m. Art. 23 UWG sowie mit Bezug auf die Verantwortlichen der
D. GmbH Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung im Sinne von
Art. 292 StGB vorgeworfen (act. 1 S. 1). Während Art. 292 StGB eine Be-
strafung mit Busse vorsieht, werden Widerhandlungen gegen Art. 3 Abs. 1
lit. e UWG mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft
(Art. 23 Abs. 1 UWG). Für die Bestimmung des Gerichtsstandes ist mithin
die Widerhandlung gegen das UWG im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. e i.V.m.
Art. 23 UWG als das mit schwerer Strafe bedrohte Delikt relevant.
3.2
3.2.1 Dem Strafantrag vom 3. Februar 2020 sowie dessen Ergänzung vom
20. Mai 2020 und den entsprechenden Beilagen ist – wie eingangs ausge-
führt – zu entnehmen, dass in der Zeit vom 13. Dezember 2019 bis 17. Ja-
nuar 2020 wiederholt «[...]» benannte Plüschtiere mit grossem Kopf und
grossen Augen der D. GmbH mit Sitz in Deutschland über die Online-Shops
«D.-shop.de» und «amazon.de» in der bzw. in die Schweiz angeboten, ver-
kauft sowie ausgeliefert worden seien. Dies nachdem das Handelsgericht
des Kantons Aargau zunächst superprovisorisch mit Verfügung
http://links.weblaw.ch/BSTGER-BG.2016.22 http://links.weblaw.ch/BSTGER-BG.2016.22
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HSU.2019.149/ts vom 12. Dezember 2019 festgestellt habe, dass der beab-
sichtigte Verkauf von Plüschtieren und Plüschtier-Schlüsselanhängern mit
ähnlichen Eigenschaften wie jene der B. Inc., insbesondere den auffallend
grossen Augen, unter Übernahme der exakt gleichen von der B. Inc. verwen-
deten Bezeichnung «[...]» als anlehnendes und überdies unnötiges Verhal-
ten und somit als unlauter im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. e UWG zu qualifi-
zieren sei. Dass im genannten Zeitraum die Verantwortlichen der D. GmbH
Plüschtiere mit der Bezeichnung «[...]» auch über den Online-Shop «D.-
shop.ch» angeboten hätten, liess sich nicht nachwiesen (vgl. Entscheid des
Handelsgerichts des Kantons Aargau HSU.2020.9/ts/fn vom 4. Mai 2020
E. 7.4.4; Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 3.1.02).
Vom [...] bis [...] sollen zudem von der F. AG bzw. der E. GmbH anlässlich
der Design-Messe «G.» auf dem Messegelände der I. Messe in S./ZH «[...]»-
Plüschtiere der D. GmbH ausgestellt und somit angepriesen bzw. vermarktet
worden sein (Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 3.1.03, Beilage 2). Die Ermittlun-
gen der Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln dazu ergaben, dass der Verkauf
und Versand von D.-Plüschtieren in der Schweiz durch die E. GmbH bzw.
durch die F. AG, beide vertreten durch J. und K., mit Geschäftsdomizil in
V./SG erfolge. Die E. GmbH trete als Vertreiberin der Marke «D.» und Be-
treiberin des Online-shops D.-shop.ch auf und biete in ihrem Onlineshop
nebst anderem Plüschtiere der Produktlinie «[...]» mit charakteristischen Ei-
genschaften wie auffallend grossen Augen an. Gemäss den auf der Website
D.-shop.ch vorhanden Informationen erfolge die Lieferung der Artikel mit der
Schweizerischen Post. Zudem bestehe die Möglichkeit, die Bestellung in
V./SG zu Bürozeiten abzuholen. Zwar lasse sich aus diesen Informationen
nicht ohne Weiteres schliessen, dass durch die E. GmbH und die F. AG auch
Plüschtiere mit der Bezeichnung «[...]»-Plüschtiere vertrieben worden seien,
doch sei anhand der Akten erstellt, dass K. als Vertreter der genannten Ge-
sellschaften vom [...] bis [...] an der «G.»-Messe in S./ZH Plüschtiere mit
den bezeichneten Eigenschaften, insbesondere den auffallend grossen Au-
gen, unter der Bezeichnung «[...]» ausgestellt habe (vgl. Verfahrensakten
Kt. SZ, Urk. 13.0.09 S. 4 f.).
3.2.2 Unlauter im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. e UWG handelt, wer sich, seine Wa-
ren, Werke, Leistungen oder deren Preise in unrichtiger, irreführender, un-
nötig herabsetzender oder anlehnender Weise mit anderen, ihren Waren,
Werken, Leistungen oder deren Preisen vergleicht oder in entsprechender
Weise Dritte im Wettbewerb begünstigt. Darunter fallen Verhaltensweisen,
mit denen sich Mitbewerber unnötig an die Leistungen eines Dritten anleh-
nen oder dessen Ruf ausbeuten, eine Verwechslungsgefahr schaffen oder
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ein Produkt nachahmen. Unter «Anlehnung» wird in erster Linie das Verhal-
ten verstanden, das eigene Produkt oder die eigene Leistung eines Mitbe-
werbers in Verbringung zu bringen, um den Bekanntheitsgrad des letzteren
auszunutzen, wodurch das verglichene Produkt oder die verglichene Leis-
tung sozusagen zum Vehikel für die eigene Leistung wird (SCHMID, Basler
Kommentar, 2013, N 89, 97 f. zu Art. 3 Abs. 1 lit. e UWG).
Das UWG bezweckt, den lauteren und unverfälschten Wettbewerb im Inte-
resse aller Beteiligten zu gewährleisten (Art. 1 UWG). Unlauter und wider-
rechtlich ist jedes gegen Treu und Glauben verstossende Verhalten oder Ge-
schäftsgebaren, welches das Verhältnis zwischen Mitbewerbern oder zwi-
schen Anbietern und Abnehmern beeinflusst (Art. 2 UWG) oder zu beeinflus-
sen geeignet ist (BGE 120 II 76 E. 3a m.H.). Obwohl kein Wettbewerbsver-
hältnis vorausgesetzt wird, sind nur Verhaltensweisen untersagt, welche als
Wettbewerbshandlungen zu qualifizieren sind, d.h. Handlungen, welche ob-
jektiv auf eine Beeinflussung der Wettbewerbsverhältnisse angelegt sind und
nicht in einem völlig anderen Zusammenhang erfolgen. Wettbewerbsrele-
vant sind allein Handlungen, die den Erfolg gewinnstrebiger Unternehmen
im Kampf um Abnehmer verbessern oder mindern, deren Marktanteile ver-
grössern oder verringern sollen oder dazu objektiv geeignet sind. Massge-
bend ist die wirtschaftliche Relevanz im Sinne einer abstrakten Eignung zur
Wettbewerbsbeeinflussung, wobei die objektive Eignung genügt und unbe-
achtlich ist, ob subjektiv ein Wille zu wirtschaftlicher Tätigkeit gegeben ist
(BGE 120 II 76 E. 3a; Urteile des Bundesgerichts 6B_887/2016,
6B_888/2016, 6B_891/2016 vom 6. Oktober 2016 E. 5.1; 6B_188/2013 vom
4. Juli 2013 E. 6.3). Strafrechtlich sind unrichtige Angaben im Sinne von
Art. 3 UWG in Verbindung mit Art. 23 UWG abstrakte Gefährdungsdelikte,
da die abstrakte Eignung zur Wettbewerbsbeeinflussung genügt; ein Erfolg
ist mithin nicht geschuldet (Urteil des Bundesgerichts 6B_887/2016,
6B_888/2016, 6B_891/2016 vom 6. Oktober 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf
SCHAFFNER/SPITZ, Handkommentar SHK, 2010, N. 18 zu Art. 23 UWG; vgl.
auch KILIAS/GILLIÉRON, Basler Kommentar, 2013, N. 4 zu Art. 27 UWG;
BAUMGARTNER, a.a.O., S. 147).
3.2.3 Soweit den Verantwortlichen der D. GmbH vorgeworfen wird, sie hätten in
der Zeit vom 12. Dezember 2019 bis 17. Januar 2020 ihre Plüschtiere als
«[...]»-Plüschtiere über die Online-Shops «D.-shop.de» und «amazon.de» in
der bzw. in die Schweiz angeboten, ist nach dem aktuellen Ermittlungsstand
davon auszugehen, dass gerichtsstandsrelevanten Handlungen am Sitz der
D. GmbH bzw. in Deutschland vorgenommen worden sind. Bei der Wider-
handlung gegen Art. 3 Abs. 1 lit. e UWG i.V.m. Art. 23 UWG handelt es sich
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wie erwähnt um ein abstraktes Gefährdungsdelikt, weshalb ein örtlicher An-
knüpfungspunkt über den Erfolgsort im Sinne von Art. 31 Abs. 1 Satz 2 StPO
entfällt (vgl. supra E. 2.1). Zwar hatte das Bundesstrafgericht mit Beschluss
BB.2012.51 vom 21. März 2013 in einem Falle, da Fax-Schreiben mit unlau-
terer Werbung vom Ausland gezielt an in der Schweiz domizilierte Kunden
verschickt bzw. in der Schweiz zur Kenntnis genommen worden waren, unter
Bezugnahme auf BGE 125 IV 177 einen Erfolgsort in der Schweiz im Sinne
von Art. 8 Abs. 1 StGB angenommen (a.a.O. E. 2.3). Im vom Bundesstraf-
gericht zitierten BGE 125 IV 177 führte das Bundesgericht (allerdings mit
Bezug auf Ehrverletzungsdelikte) aus, die Kenntnisnahme der Äusserung er-
scheine bei an persönlich adressierten Personen in der Schweiz, welche die
Äusserung in der Schweiz zur Kenntnis genommen hätten, als ausreichen-
der Anknüpfungspunkt für die schweizerische Gerichtsbarkeit und sei als
«Erfolg» im Sinne von Art. 7 Abs. 1 aStGB (heute Art. 8 Abs. 1 StGB) zu
qualifizieren. Es gäbe in diesen Fällen von persönlich adressierten Briefen
aus dem Ausland an individuell bestimmte Adressaten in der Schweiz – an-
ders als allenfalls bei Äusserungen in ausländischen Zeitungen und Zeit-
schriften sowie in ausländischen Massenmedien allgemein – keinen sachli-
chen Grund, die schweizerische Gerichtsbarkeit gemäss Art. 7 Abs. 1 StGB
zu verneinen (a.a.O. E. 3b). Vorliegend wurden die «[...]»-Plüschtiere von
der in Deutschland ansässigen D. GmbH über allgemein zugängliche Inter-
netseiten angeboten, eine gezielte Anpreisung der Plüschtiere an einzelne
Adressaten in der Schweiz erfolgte jedoch – soweit ersichtlich – nicht. Ein
ausreichender Anknüpfungspunkt für die Bejahung der schweizerischen Ge-
richtsbarkeit mit Bezug auf die den Verantwortlichen der D. GmbH vorgewor-
fene Anpreisung von «[...]»-Plüschtieren über die Onlineshops «D.-shop.de»
und «amazon.de» besteht daher nicht. Damit ist auch gesagt, dass für die
Bestimmung des Gerichtsstands unerheblich ist, wann die «[...]»-Plüschtiere
bestellt und wohin diese geliefert worden sind.
Soweit jedoch den Verantwortlichen der E. GmbH und der F. AG, beide mit
Sitz in V./SG, vorgeworfen wird, sie hätten an der «G.»-Messe in S./ZH vom
[...] bis [...] Plüschtiere der D. GmbH als «[...]»-Plüschtiere ausgestellt bzw.
angepriesen und vermarktet und sich damit der Widerhandlung von Art. 3
Abs. 1 lit. e UWG strafbar gemacht, ergibt sich gestützt auf Art. 31 Abs. 1
StPO die Zuständigkeit am Handlungsort, mithin im Kanton Zürich. Eine all-
fällige Teilnahme durch die D. GmbH wäre ebenfalls im Kanton Zürich ge-
stützt auf Art. 33 Abs. 1 StPO zu verfolgen und zu beurteilen.
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Der Kanton Zürich wendet gegen seine Zuständigkeit jedoch ein, der Kanton
Schwyz habe seine Zuständigkeit durch den Erlass der Einstellungsverfü-
gung vom 13. November 2020 konkludent anerkannt (act. 5). Dazu ist nach-
folgend näher einzugehen.
3.2.4 Die Beschwerdekammer kann (wie die beteiligten Staatsanwaltschaften un-
tereinander auch) einen andern als den in den Art. 31 – 37 StPO vorgesehe-
nen Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tätig-
keit oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person es erfor-
dern oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3 StPO). Ein solches
Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand soll indes die Ausnahme blei-
ben. Die Überlegungen, welche den gesetzlichen Gerichtsstand als un-
zweckmässig erscheinen lassen, müssen sich gebieterisch aufdrängen; die
Anforderungen, um vom gesetzlichen Gerichtsstand abzuweichen, sind ent-
sprechend hoch anzusetzen. Überdies kann ein Kanton entgegen dem ge-
setzlichen Gerichtsstand nur für zuständig erklärt werden resp. sich selber
als zuständig erklären, wenn dort tatsächlich ein örtlicher Anknüpfungspunkt
besteht (TPF 2018 38 E. 3.1; TPF 2012 66 E. 3.1 S. 67 f.; TPF 2011 178
E. 3.1 S. 180 f.). Ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand ist u. a.
möglich, sofern ein Kanton das Verfahren durch bestimmte Prozesshandlun-
gen konkludent übernommen hat. Eine konkludente Anerkennung liegt u.a.
beim Erlass eines Strafbefehls, einer Nichtanhandnahmeverfügung (Art. 310
Abs. 1 StPO) oder einer Einstellungsverfügung (Art. 319 StPO) vor (Be-
schlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2015.49 vom 4. April 2019 E. 2.1;
BAUMGARTNER, a.a.O., S. 386 f.).
Während die Einvernahme des Geschäftsführers der C. AG als Auskunfts-
person vom 23. August 2020 durch die Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln
noch als Bemühungen zur Abklärungen des Gerichtsstands gewertet werden
kann (vgl. supra E. 2.3), ohne dass bereits von einer konkludenten Anerken-
nung des Gerichtsstands durch den Kanton Schwyz auszugehen ist, ist dies
mit dem Erlass der Einstellungsverfügung vom 13. November 2020 betref-
fend Verfahren gegen die Verantwortlichen der C. AG nicht mehr der Fall
(Verfahrensakten Kt. SZ, Urk. 0.0.00). Vielmehr ist mit Erlass der besagten
Verfügung von einer konkludenten Anerkennung des Gerichtsstands durch
den Gesuchsteller auszugehen. Nachdem sowohl der Sitz der C. AG wie
auch der Wohnsitz des verantwortlichen Geschäftsführers zum Zeitpunkt der
Strafanzeige im Kanton Schwyz lagen (vgl. Anzeige vom 3. Februar 2020,
S. 8), ist auch der örtliche Anknüpfungspunkt zum Kanton Schwyz ohne Wei-
teres gegeben. Es liegt somit ein Gerichtsstand gemäss konkludenter Aner-
kennung des Gesuchstellers vor.
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4. Nach dem Gesagten ist das Gesuch des Kantons Schwyz abzuweisen, und
es sind die Strafbehörden des Kantons Schwyz für berechtigt und verpflichtet
zu erklären, die den jeweils verantwortlichen Organen der D. GmbH, der E.
GmbH und der F. AG zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beur-
teilen.
5. Es ist keine Gerichtsgebühr zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO).
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