Decision ID: f3cfb6d2-c012-460b-9cf1-9af79bd60245
Year: 2006
Language: de
Court: GR_KG
Chamber: GR_KG_999
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

hat sich ergeben:
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A. Eine Strafuntersuchung der O. hat ergeben, dass die S. AG, M., zahlreiche Schals aus feinen Tierhaaren der im Anhang I vom 3. März 1973 über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (SR 0.453) aufgeführten Tibet Antilope („Shahtoosh“) erwarb und weiterverkaufte. Ein Teil dieser Schals wurde von X. geliefert und ohne Zollanmeldung bzw. unter unrichtiger Deklaration in die Schweiz eingeführt.
Am 2. September 2004 nahm die Zollkreisdirektion Schaffhausen gegen X. ein Schlussprotokoll auf und legte ihr darin eine Widerhandlung gegen das Zollgesetz vom 1. Oktober 1925 (ZG; SR. 631.0), gegen das Tierschutzgesetz vom 9. März 1978 (TSchG; SR 455), gegen das Tierseuchengesetz vom 1. Juli 1966 (TSG; SR 916.40) sowie gegen die Verordnung vom 22. Juni 1994 über die Mehrwertsteuer (MWSTV; AS 1994 1464) und das Bundesgesetz vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer (MWSTG; SR 641.20) zur Last.
Mit Strafbescheid vom 29. Juli 2005 auferlegte die O. der Beschuldigten wegen Zollübertretung, Widerhandlungen gegen die MWSTV und das TSchG eine Busse von Fr. 20'000.-- sowie eine Spruchgebühr von Fr. 1'500.-.
Mit Eingabe vom 21. September 2005 erhob X. dagegen Einsprache mit dem Begehren um Reduktion der Busse auf Fr. 13'000.--.
B. Am 27. Oktober 2005 erliess die O. eine Strafverfügung und erkannte wie folgt:
„1. X. wird zu einer Busse von Fr. 20'000.00 verurteilt.
2. An Verfahrenskosten werden der Beschuldigten auferlegt: - eine Spruchgebühr von Fr. 800.00 - eine Schreibgebühr von Fr. 70.00 - die Verfahrenskosten gemäss Strafbescheid, Fr. 1'500.00 Fr. 2'370.00 Geschuldeter Gesamtbetrag Fr. 22'370.00
3. Die Beschuldigte kann innert 10 Tagen seit der Eröffnung dieser Verfügung bei der O., schriftlich die Beurteilung durch das Strafgericht verlangen.
(...)
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Der Fristenlauf beginnt mit der Eröffnung an das Zustelldomizil in der Schweiz.
Schriftliche Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist der Behörde eingereicht oder zu deren Handen der schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 21 Abs. 1 VwVG).
4. Die Zollkreisdirektion Schaffhausen wird mit dem Vollzug beauftragt.
5. (Mitteilung).“
Mit einem vom 7. November 2005 datierten, am selben Tag der deutschen Post übergebenen und vorab per Fax an die O. gesandten Schreiben verlangte der Rechtsvertreter von X. die Beurteilung durch das Strafgericht.
C. Mit Übermittlungsschreiben vom 25. Januar 2006 überwies die O. die Akten – in Sachen der X. und der Mitbeteiligten Y. und Z. sowie der S. AG, die mit Bezug auf die gegen sie ergangene Straf- bzw. Einziehungsverfügung ebenfalls gerichtliche Beurteilung verlangt hatten – an die Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden und stellte zuhanden des Gerichts die folgenden Anträge:
„1. Auf die Begehren um gerichtliche Beurteilung i.S. Y., Z. und X. sei nicht einzutreten.
2. Es seien den Angeschuldigten die Gerichtskosten aufzuerlegen.
3. Die Firma S. AG sei zur Bezahlung einer Ersatzforderung im Umfang der erzielten Bruttogewinne (vom Gericht unter Berücksichtigung der Verjährung zu bestimmen) zu verpflichten.
4. Es sei festzustellen, dass die mit Entscheid vom 27. Oktober 2005 verfügte Einziehung von 38 Shahtoosh-Schals in Rechtskraft erwachsen ist.
5. Es seien der S. AG die Verfahrenskosten der Verwaltung von Fr. 2'080.-- sowie die Gerichtskosten aufzuerlegen.“
D. Am 31. Januar 2006 liess die Staatsanwaltschaft Graubünden das Überweisungsschreiben der O. samt Akten dem Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden zukommen.
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Die Beschuldigte machte in ihrer Stellungnahme vom 8. März 2006 geltend, dass die zehntägige Frist hinsichtlich des Begehrens um gerichtliche Beurteilung entgegen der Auffassung der O. eingehalten worden sei, da zur Fristwahrung im gerichtlichen Verkehr die Übermittlung per Telefax weltweit zulässig und anerkannt sei.
Die O. hielt in ihrer Vernehmlassung vom 23. März 2006 an ihren Anträgen fest.
Auf die Ausführungen der O. und der Beschuldigten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :
1. Die Zuständigkeit der Gerichte des Kantons Graubünden zur Behandlung der vorliegenden Verwaltungsstrafsache ergibt sich nach den zutreffenden Ausführungen der O. aus Art. 22 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0) in Verbindung mit Art. 346 Abs. 1, Art. 349 und Art. 350 Ziff. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR 311.0), da die zu beurteilenden Widerhandlungen im Wesentlichen im Kanton Graubünden ausgeführt (Einfuhr der meisten Schals beim Zollamt A., Inbesitznahme der Schals in M.) und die zolldienstliche Untersuchung im Kanton Graubünden (Durchsuchung bei der S. AG in M.) eingeleitet wurde. Innerkantonal ergibt sich die Zuständigkeit aus Art. 46 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Strafrechtspflege (StPO; BR 350.000), wonach dem Kantonsgerichtsausschuss die gerichtliche Beurteilung von Widerhandlungen gegen fiskalische oder andere Bundesgesetze obliegt.
2.a. Gemäss Art. 75 Abs. 1 VStrR prüft das Gericht, ob ein rechtzeitig eingereichtes Begehren um gerichtliche Beurteilung vorliegt. Art. 72 Abs. 1 und 2 VStrR bestimmen, dass das Begehren um gerichtliche Beurteilung innert zehn Tagen seit Eröffnung der Strafverfügung schriftlich bei der Verwaltung, welche die Strafverfügung getroffen hat, einzureichen ist. Die Frist beginnt gemäss Art. 31 Abs. 1 VStrR in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) an dem auf die Mitteilung folgenden Tag zu laufen. Schriftliche Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist der Behörde eingereicht oder zu deren Handen der
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schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 21 Abs. 1 VwVG).