Decision ID: 4484d727-9821-51f4-89e2-e6a01d757d1b
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, GN Rechtsanwälte,
St. Leonhard-Strasse 20, Postfach 728, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenerhöhung (Wiedererwägung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 19. April 1999 (Datum Posteingang IV-Stelle) zum Bezug
von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Der behandelnde Dr. med. B._, Allg. Medizin FMH,
berichtete am 25. April 1999, die Versicherte leide an einem Makroprolactinom (aktuell
persistierende leichte Hyperprolactinaemie), einem depressiven Zustandsbild sowie an
einem cervico- und thorakovertebralen Schmerzsyndrom bei Fehlhaltung und Fehlform
der Wirbelsäule und segmentaler Dysfunktion der oberen HWS sowie der mittleren
BWS. Die psychologische Betreuung habe sich bis anhin als wenig wirkungsvoll
erwiesen. Die medikamentöse antidepressive Behandlung habe wegen
Medikamentennebenwirkungen nie in adäquater Dosis über genügend lange Zeit
durchgeführt werden können. Für die angestammte Tätigkeit als Textilangestellte
bescheinigte Dr. B._ eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 6). Mit Verfügungen vom
12. April 2000 sprach die IV-Stelle der Versicherten für die Dauer vom 1. Juli bis
31. Oktober 1998 eine Viertelsrente (IV-act. 44) und ab 1. November 1998
eine halbe Rente zu (IV-act. 46).
A.b Im ärztlichen Zeugnis vom 15. Januar 2001 führte Dr. B._ aus, seit August 2000
habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten erheblich verschlechtert, so dass
sie seit 29. August 2000 mit kurzen Ausnahmen zu 100% arbeitsunfähig sei (IV-act. 49).
Im von der IV-Stelle eingeholten Verlaufsbericht vom 11. Februar 2001 gab Dr. B._
an, der somatische Zustand habe sich nicht wesentlich verändert. Entscheidend
verschlechtert habe sich der psychische Zustand mit medikamentös und
psychotherapeutisch nicht beeinflussbarer Depression. Die Versicherte habe auf
Antidepressiva schlecht angesprochen und es seien diverse Nebenwirkungen bis
Medikamentenunverträglichkeiten aufgetreten. Es bestehe ein ungenügender affektiver
Rapport, der die Erkrankung einer Psychotherapie zugänglich machen würde
(deswegen sei eine Behandlung in der sozial-psychiatrischen Beratungsstelle C._
fehlgeschlagen). Seit 4. Dezember 2000 bestehe bis auf weiteres eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 51). Am 1. Juni 2001 verfügte die IV-Stelle die Zusprache
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einer ganzen Rente ab 1. Januar 2001 (IV-act. 57). Der Anspruch auf eine ganze Rente
wurde in der Folge nach von Amtes wegen durchgeführten Revisionen am
19. September 2002 (IV-act. 60) und 5. Juli 2005 (IV-act. 65) bestätigt.
A.c Im Rahmen eines neuerlichen von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens
gab die Versicherte am 16. Juli 2010 an, ihr Gesundheitszustand sei gleich geblieben
(IV-act. 66). Dr. B._ bestätigte im Verlaufsbericht vom 2. August 2010 einen
stationären Gesundheitszustand (IV-act. 69). Auf Nachfrage der IV-Stelle nahm er
ergänzende Ausführungen zum psychischen Leiden und dessen Behandlung vor
(Schreiben vom 3. September 2010, IV-act. 75). RAD-Arzt Dr. med. D._, Facharzt für
Innere Medizin FMH, empfahl in der Stellungnahme vom 20. September 2010 die
Vornahme einer monodisziplinären psychiatrischen RAD-Untersuchung. Da sich die
Versicherte offenbar nie in fachpsychiatrischer Behandlung befunden habe, existiere
seit ihrer Erstanmeldung im Jahr 1999 kein einziges Dokument, das eine von einem
Psychiater formulierte, ICD-konforme Diagnose enthalte. Somit sei nicht
auszuschliessen, dass sich die bisher einzig vom Hausarzt und damit von einem Nicht-
Spezialisten gestellte psychiatrische Diagnose als offensichtlich unrichtig erweise (IV-
act. 76). Am 12. Oktober 2010 wurde die Versicherte vom RAD-Arzt Dr. med. E._,
u.a. Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Im
Untersuchungsbericht vom 29. November 2010 diagnostizierte dieser mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01) und eine
generalisierte Angststörung mit multiplen Phobien einschliesslich sozial-phobischer
Züge (ICD-10: F41.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe u.a. eine
Dysthymia (ICD-10: F34.1). Ein eigenständig abzugrenzendes depressives Störungsbild
nach ICD-10: F32 und F33 liege aktuell nicht vor, könne aber zu einem früheren
Zeitraum (1998 bis 2002) nicht sicher ausgeschlossen werden. Die psychiatrische
Berentungsdiagnose "Depression" sei bei allen Rentenzusprachen unzutreffend
gewesen und sei in den nachfolgenden Rentenrevisionen nie überprüft worden. Für die
angestammte Tätigkeit, die einer leidensangepassten entspreche, bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 50% (IV-act. 82). RAD-Arzt Dr. D._ bezeichnete den
Untersuchungsbericht als umfassend und widerspruchsfrei. Es sei zu klären, ob die
"Bedingungen" für eine Wiedererwägung erfüllt seien (Stellungnahme vom
13. Dezember 2010, IV-act. 83).
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A.d Unter Einbezug des RAD sowie des Rechtsdienstes gelangte die IV-Stelle zur
Auffassung, die per 1. Januar 2001 erfolgte Erhöhung auf eine ganze Rente sei
zweifellos unrichtig gewesen (ELAR-Notiz vom 4. Januar 2011, IV-act. 84). Die
Versicherte wurde am 24. Januar 2011 von der Eingliederungsberatung über die
Rentenreduktion und die Möglichkeit beruflicher Massnahmen informiert. Im
Schlussbericht vom 25. Januar 2011 hielt die Eingliederungsberaterin fest, da aktuell
eine subjektive Arbeitsunfähigkeit bestehe, welche die Versicherte jedoch mit Hilfe
einer psychiatrischen Therapie überwinden wolle, würden berufliche Massnahmen
(erst) Sinn machen, wenn geeignete Bewältigungsstrategien entwickelt seien (IV-
act. 88). Am 26. Januar 2011 wurde der Versicherten der Abschluss der
Arbeitsvermittlung mitgeteilt (IV-act. 90). Mit Vorbescheid vom 20. August 2012 stellte
die IV-Stelle der Versicherten die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung
vom "17. Mai 2001" (richtig: 1. Juni 2001) in Aussicht (IV-act. 95). Am 15. Oktober 2012
verfügte die IV-Stelle die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom
"17. Mai 2001" und setzte die bisherige ganze Rente mit Wirkung ab dem ersten Tag
des zweiten der Zustellung der neuen Verfügung folgenden Monats auf eine halbe
Rente herab (IV-act. 97).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 15. Oktober 2012 richtet sich die Beschwerde vom
13. November 2012. Die Beschwerdeführerin beantragt darin sinngemäss deren Auf
hebung (act. G 1). Mit der Beschwerde reicht sie u.a. eine Bestätigung hinsichtlich der
im Psychiatrie-Zentrum F._ vom 16. März 2011 bis 18. September 2012
stattgefundenen Behandlung ein (ärztliche Bestätigung vom 30. Oktober 2012, act.
G 1.2). In der ergänzenden Begründung vom 29. April 2013 beantragt sie unter Kosten-
und Entschädigungsfolge, es sei ihr rückwirkend ab 1. Dezember 2012 wieder eine
ganze Rente auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, die angefochtene Verfügung beruhe auf einem unvollständig
abgeklärten Sachverhalt. Der RAD-Untersuchungsbericht sei veraltet und überholt.
Gestützt auf den Bericht vom behandelnden G._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 7. April 2013 (act. G 17.1) sei von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Aus diesem Bericht ergebe sich ferner ein
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massgebender, bislang nicht berücksichtigter Aspekt (Schuldgefühle der
Beschwerdeführerin gegenüber ihrem Sohn; act. G 17).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 18. Juli 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Es bestehe kein Anlass für weitere Abklärungen, da
sich gegenüber dem Zeitpunkt des RAD-Untersuchs keine markante Veränderung des
Gesundheitszustands ergeben habe (act. G 21). Mit der Beschwerdeantwort reicht die
Beschwerdegegnerin eine Stellungnahme des Fachbereichs vom 9. Juli 2013 ein (act.
G 21.1), worin auf die RAD-Stellungnahme gleichen Datums verwiesen wird (vgl. hierzu
IV-act. 125).
B.c Unter Verweis auf den Bericht des behandelnden Psychiaters vom 10. September
2013 (act. G 25.1) hält die Beschwerdeführerin in der Replik vom 16. Oktober 2013
unverändert an den gestellten Anträgen fest.
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 27).
B.e Mit Schreiben vom 4. Juli 2014 stellte die Verfahrensleitung der
Beschwerdeführerin in Aussicht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Sache zur weiteren medizinischen Abklärung und anschliessender Neuverfügung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 28). Am 11. Juli 2014 teilt die
Beschwerdeführerin mit, sie wolle an der Beschwerde festhalten (act. G 29).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
der wiedererwägungsweise verfügten Rentenherabsetzung. Dabei ist vorab die Frage
zu beantworten, ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der Verfügung vom
1. Juni 2001 erfüllt sind.
1.1 Die IV-Stelle kann nach Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) auf formell rechtskräftige
Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre
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Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die Wiedererwägung dient der Korrektur
einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung
im Sinn der Würdigung des Sachverhalts. Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit
ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch oder
unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche
Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn
der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt,
deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die
Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen
(Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung,
Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im
Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die
Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein
vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein
einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - denkbar (Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_368/2012, E. 2.2).
1.2 Ausgangspunkt für die revisionsweise Rentenerhöhung bildete in medizinischer
Hinsicht das ärztliche Zeugnis von Dr. B._ vom 15. Januar 2001, worin er auf einen
seit August 2000 sich erheblich verschlechternden Gesundheitszustand und die darauf
zurückzuführende vollständige Arbeitsunfähigkeit hinwies (IV-act. 49). Die
Beschwerdegegnerin holte daraufhin einen Arztbericht bei Dr. B._ ein. Darin
diagnostizierte Dr. B._ ein Makroprolactinom, eine therapieresistente Depression und
diverse somatische Beschwerden (thorako-vertebrales Schmerzsyndrom,
Helicobakterinfekt des Magens). Der somatische Zustand habe sich nicht wesentlich
verändert. Entscheidend verschlechtert habe sich der psychische Zustand mit
medikamentös und psychotherapeutisch nicht beeinflussbarer Depression. Obschon
die Prolactinwerte unter Dostinex-Behandlung knapp über der Norm bzw. im
Normbereich lägen, bestehe eine ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit mit
fliessendem Übergang in eine therapieresistente Depression. Die Beschwerdeführerin
habe schlecht auf Antidepressiva angesprochen und es seien diverse Nebenwirkungen
bis Medikamentenunverträglichkeit aufgetreten. Es bestehe ein ungenügender
affektiver Rapport, der die Erkrankung einer Psychotherapie zugänglich machen würde.
Deswegen sei eine Behandlung in der sozial-psychiatrischen Beratungsstelle
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fehlgeschlagen. Die Stimmung der Beschwerdeführerin sei "ausgeprägt" melancholisch
(IV-act. 51).
1.3 Die Rentenerhöhung beruhte damit in medizinischer Hinsicht einzig auf den
Einschätzungen des Hausarztes. Dieser hat sich nicht näher mit der Frage
auseinandergesetzt, welche Ressourcen der Beschwerdeführerin trotz ihres Leidens
und der eingetretenen Verschlechterung noch geblieben sind. Des Weiteren ist weder
von Dr. B._ dargetan noch aus den Akten ersichtlich, aus welchen Gründen die
Beschwerdeführerin nach der festgestellten Verschlechterung des
Gesundheitszustands nunmehr für jegliche Tätigkeit über keine Leistungsfähigkeit mehr
verfügt, und die spärliche Aktenlage erweckt den Eindruck, dass bei der Bejahung einer
vollständigen Leistungsfähigkeit wesentlich auf die Einschätzung der
Beschwerdeführerin abgestellt wurde. Allein aus der beschriebenen Müdigkeit und
Abgeschlagenheit sowie den Schwierigkeiten bei der psychotherapeutischen
Behandlung lässt sich jedenfalls keine vollständige Erwerbsunfähigkeit folgern, zumal
eine die hausärztliche Betrachtungsweise stützende fachpsychiatrische Stellung fehlte.
Die Einschätzung der gesundheitlichen Verschlechterung durch Dr. B._ genügt damit
nicht den Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Unterlagen (BGE 125 V 352
E. 3a). Mit dem Erlass der auf ungenügenden Grundlagen beruhenden
Rentenverfügung vom 1. Juni 2001 (IV-act. 57) hat die Beschwerdegegnerin den
Untersuchungsgrundsatz klar verletzt. Die Verfügung vom 1. Juni 2001 ist daher
zweifellos unrichtig (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. April 2009, 9C_1014/2008,
E. 3.2.5), was von der Beschwerdeführerin im Übrigen nicht bestritten wird (vgl. act.
G 17 und G 25).
2.
Zu beurteilen gilt es weiter die Frage, ob der medizinische Sachverhalt eine rechts
genügliche Beurteilung des Gesundheitszustands für den Rentenanspruch ex nunc im
Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom 2. Juli
2007, 9C_215/2007, E. 6.1 mit Hinweis) erlaubt. In medizinischer Hinsicht lag der
angefochtenen Verfügung der monodisziplinäre (psychiatrische) RAD-
Untersuchungsbericht vom 29. November 2010 zugrunde (IV-act. 82). Die
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Beschwerdeführerin hält diese medizinische Grundlage für nicht beweiskräftig (act.
G 17 und G 25).
2.1 Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden
berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, wenn
die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenhänge einleuchtet und
die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Den diesen
Anforderungen genügenden Berichten des RAD kommt ebenfalls Beweiswert zu (Urteil
des Bundesgerichts vom 21. Februar 2011, 9C_8/2011, E. 4.1.2 mit Hinweisen). Nach
der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder
im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu
entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge
Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende
Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 135 V 465).
2.2 Zunächst ist festzustellen, dass RAD-Arzt Dr. E._ hinsichtlich der Beschwerden
im Nacken-/Schulterbereich links einen orthopädischen Abklärungsbedarf erkannte
("sollte eine orthopädische Abklärung und Stellungnahme zur adaptierten
Arbeitsfähigkeit in Erwägung gezogen werden", IV-act. 82-14). Aus den weiteren Akten
ergibt sich keine nachvollziehbare Begründung, weshalb trotz des Hinweises des RAD-
Arztes auf eine orthopädische Abklärung verzichtet wurde, weshalb die medizinische
Situation nicht als umfassend abgeklärt angesehen werden kann und die Durchführung
einer orthopädischen Untersuchung angezeigt ist.
2.3 Was den Untersuchungsbericht von RAD-Arzt Dr. E._ anbelangt, so fällt die
Vagheit der darin vorgenommenen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung auf.
2.3.1 Dabei fällt ins Gewicht, dass RAD-Arzt Dr. E._ seine Beurteilung um die
"Massgabe" ergänzte, "dass eine konsequente Behandlung aufgenommen wird" (IV-
act. 82-14). Mangels näherer Begründung bleibt unklar, ob die von RAD-Arzt erwähnte
"Massgabe" einer psychiatrisch-medikamentösen Behandlung notwendige
Voraussetzung für das Erreichen einer "mindestens" 50%igen Arbeitsfähigkeit ist und
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seine Einschätzung deshalb lediglich prognostisch unter Berücksichtigung einer
erfolgreichen psychiatrisch-medikamentösen Behandlung steht. Die Vorwegnahme
einer - bei erfolgreicher Behandlung - günstigen Entwicklung des Gesundheitszustands
vermag keine aussagekräftige Arbeitsfähigkeitsbeurteilung zu begründen.
2.3.2 Hinzu kommt, dass Dr. E._ die Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte
sowie eine leidensangepasste Tätigkeit auf "mindestens" 50% schätzte (IV-act. 82-14).
Mit dieser Antwort brachte er zum Ausdruck, dass sich die Arbeitsfähigkeit in der
Bandbreite zwischen 50 bis 100% bewegt. Angesichts dieser arbiträr anmutenden
Aussage bleibt unklar, wie hoch die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin letztlich
geschätzt wird.
2.3.3 Angesichts dieser Unsicherheiten stellt der im Verfügungszeitpunkt vom
15. Oktober 2012 rund 2 Jahre zurückliegende RAD-Untersuchungsbericht vom 29.
November 2010 keine zweifelsfreie psychiatrische Einschätzung dar.
2.4 Insgesamt fehlt es damit an einer umfassenden medizinischen Abklärung der
Beschwerdeführerin, weshalb die Sache zur Vornahme einer versicherungsexternen
bidisziplinären (orthopädisch-psychiatrischen) Begutachtung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
3.
3.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
15. Oktober 2012 aufzuheben. Die Sache ist zur bidisziplinären (orthopädisch-
psychiatrischen) Begutachtung und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bis
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bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
3.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote
verzichtet. Der Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht