Decision ID: 464f1bcd-40b4-4c73-9c55-bbae5b70c474
Year: 2004
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

keinen Sinn machen. Der Sachverhalt sei deshalb besser abzuklären, was
mindestens die Rückweisung an die Vorinstanz erfordere.
b) In seiner Vernehmlassung beantragt das KIGA die Abweisung der
Beschwerde. Es lägen keine Anhaltspunkte vor, an der Glaubwürdigkeit der
Aussagen von Frau ... zu zweifeln. Sie arbeite mit Frau ... zusammen und
beziehe sich im E-Mail an das RAV ausdrücklich auf das Gespräch zwischen
Frau ... und der Versicherten. Selbst wenn man die Versicherte aufgefordert
hätte, nur den Lebenslauf einzureichen, hätte sie in einem Begleitbrief ihr
Interesse an der Stelle zum Ausdruck bringen müssen. Sie hätte bereits früher
eine mangelnde Bereitschaft gezeigt, ihre Arbeitslosigkeit zu beenden.
Ausserdem habe das KIGA auch telefonisch bei Frau ... nachgefragt. Diese
habe erklärt, sie habe im besagten Telefongespräch vom 3. Oktober die
Versicherte aufgefordert, ihre Bewerbungsunterlagen einzureichen, den
Ablauf des Telefonates habe sie dann Frau ... geschildert.
c) In einem zweiten Schriftenwechsel erhielten die Parteien Gelegenheit, ihre
Argumente zu ergänzen und zu vertiefen.
Darauf sowie auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den
Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0)
muss die Versicherte, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit
Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen,
um die Arbeitslosigkeit zu verkürzen. Sie ist insbesondere verpflichtet, Arbeit
zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Dabei
handelt es sich um die gesetzliche Umschreibung der im
Sozialversicherungsrecht geltenden Schadenverhütungs- und
Schadenminderungspflicht. Daraus folgt, dass die Versicherte gemäss Art. 17
Abs. 3 AVIG eine ihr vermittelte zumutbare Arbeit annehmen muss. Befolgt
eine Versicherte Kontrollvorschriften oder die Weisungen des Arbeitsamtes
nicht, namentlich indem sie eine ihr zugewiesene Arbeit nicht annimmt, und
verursacht sie durch dieses Verhalten schuldhaft einen Schaden, da sich ihre
Arbeitslosigkeit verlängert, so ist sie nach Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der
Anspruchsberechtigung einzustellen (Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, S. 34f.). Zweck der Einstellung ist eine
angemessene Mitbeteiligung der Versicherten am Schaden, welcher bei der
Arbeitslosenversicherung eingetreten ist. Gemäss Rechtsprechung ist dieser
Tatbestand auch dann erfüllt, wenn die Versicherte die Arbeit zwar nicht
ausdrücklich ablehnt, es aber durch ihr Verhalten in Kauf nimmt, dass die
Stelle anderweitig besetzt wird. Die Versicherte hat bei den Verhandlungen
mit dem künftigen Arbeitgeber klar und eindeutig die Bereitschaft zum
Vertragsschluss zu bekunden, um die Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht
zu gefährden (BGE 122 V 38; ARV 1984 Nr. 14 und 1982 Nr. 5). Dabei muss
das ablehnende Verhalten der versicherten Person kausal sein für das
Nichtzustandekommen des Arbeitsverhältnisses. Die Einstellung entfällt,
wenn sie die Stelle ohnehin nicht erhalten hätte (Chopard, a.a.O., S. 148).
2. a) Unbestritten ist, dass sich die Versicherte am 3. Oktober, entsprechend der
Stellenzuweisung des RAV, telefonisch bei der möglichen zukünftigen
Arbeitgeberin gemeldet hat. Daraufhin hat sie ihren Lebenslauf zusammen mit
einer Begleitnotiz mit folgendem Wortlaut eingereicht: „Beiliegend CV gemäss
Telefonat mit Frau ...“. Unklar bleibt, ob die Versicherte aufgefordert wurde,
zunächst lediglich ihren Lebenslauf einzureichen, wie sie selbst angibt, oder
ob von einer üblichen Bewerbung die Rede war. Die Versicherte behauptet
lediglich, eine derartige telefonische Auskunft erhalten zu haben. Andererseits
bleibt auch das KIGA diesbezüglich den direkten Nachweis schuldig. Es stützt
seine Ansicht auf die Auskunft von Frau ..., welche allerdings keinen direkten
Kontakt mit der Versicherten hatte und es sich damit lediglich um
Informationen aus zweiter Hand handelt. Ausserdem gibt das KIGA an, auch
direkt telefonisch bei Frau ... nachgefragt zu haben. Dabei habe diese
bestätigt, die Versicherte zur Einreichung einer Bewerbung aufgefordert zu
haben. Aufgrund des Sachverhalts kann folglich nicht schlüssig beantwortet
werden, welche Auskunft die Versicherte am Telefon wirklich erhalten hat.
b) Selbst wenn man nun aber davon ausgehen würde, dass die Aussage der
Versicherten zutrifft und sie aufgefordert wurde, zunächst nur ihren
Lebenslauf einzureichen, muss ihr Bemühen als ungenügend eingestuft
werden. Der Versicherten musste klar sein, dass sie ihr Interesse an der Stelle
völlig ungenügend zum Ausdruck bringt, wenn sie ihrem Lebenslauf lediglich
eine derartige Begleitnotiz beifügt. Es wäre zu erwarten gewesen, dass sie
mindestens einen Brief verfasst, in welchem sie auf ihren Wunsch, diese
Stelle anzutreten, unmissverständlich hinweist. Von einer erfahrenen
Arbeitnehmerin im kaufmännischen Bereich, die zusätzlich einen Kurs zum
Thema „Standort und Bewerbung“ besucht hat, kann mehr Eigeninitiative
verlangt werden. So hätte ihr auch klar sein müssen, dass sie ihrem
Lebenslauf die Arbeitszeugnisse beilegen müsste, da eine seriöse Prüfung
ihrer Fähigkeiten ansonsten nicht möglich ist. Besonders ins Gewicht fällt
zudem, dass sich die Versicherte im Anschluss an die Versendung ihres
Lebenslaufs an das Hotel ... nicht mehr bei der möglichen Arbeitgeberin
gemeldet hat. Wenn gemäss ihren Angaben vereinbart war, zunächst nur den
Lebenslauf einzusenden, um zu überprüfen, ob sie für die Stelle in Frage
komme, so hätte sie sich nach dessen Zustellung zweifellos noch erkundigen
müssen, ob sie denn nun in Betracht komme und ob weitere Unterlagen
benötigt würden. Indem sie dies unterlassen hat, hat sie klar mangelndes
Interesse an dieser Stelle an den Tag gelegt. Nicht einmal auf die Absage
vom 14. Oktober, in welcher zum Ausdruck kommt, dass ihre Bewerbung als
unvollständig und damit ungenügend empfunden worden war, hat sie reagiert.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte sie bei der möglichen Arbeitgeberin
nachhaken müssen. Die Versicherte hat bei den Verhandlungen mit der
künftigen Arbeitgeberin klar und eindeutig die Bereitschaft zum
Vertragsschluss zu bekunden, um die Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht
zu gefährden. Mit ihrem passiven und desinteressierten Verhalten hat die
Versicherte diese Pflicht nicht erfüllt, sondern das Zustandekommen eines
Arbeitsverhältnisses von vornherein verhindert.
c) Wie erörtert, muss das ablehnende Verhalten der versicherten Person kausal
sein für das Nichtzustandekommen des Arbeitsverhältnisses. Die Einstellung
entfällt, wenn sie die Stelle ohnehin nicht erhalten hätte. Die Versicherte gibt
an, dass unklar gewesen sei, ob sie den Anforderungen überhaupt
entsprochen hätte. Gesucht wurde eine „Sachbearbeiterin Personalwesen“.
Die Versicherte ist gelernte kaufmännische Angestellte, zuletzt war sie als
Hotelsekretärin und Receptionistin tätig. Somit kann nicht behauptet werden,
dass sie für diese Arbeit nicht in Frage gekommen wäre, selbst wenn sie nicht
über Erfahrungen im Bereich Personalbüro verfügt. Durch ihr unmotiviertes
und passives Auftreten hat sie sich jedoch jeglicher Chance auf die Stelle
beraubt. Deshalb muss ihr Verhalten als kausal für das
Nichtzustandekommen des Arbeitsverhältnisses betrachtet werden.
3. a) Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltage gerechtfertigt ist. Gemäss Art.
30 Abs. 3 AVIG bemisst sich die Dauer der Einstellung nach dem Grad des
Verschuldens und beträgt je nach Einstellungsgrund höchstens 60 Tage.
Nach Art. 45 Abs. 2 der Arbeitslosenversicherungsverordnung (AVIV; SR
837.02) dauert die Einstellung in der Anspruchsberechtigung 1-15 Tage bei
leichtem, 16-30 Tage bei mittelschwerem und 31-60 Tage bei schwerem
Verschulden. Die Verfügungsinstanzen haben dabei einen grossen
Ermessensspielraum; immerhin muss aber das Verschulden des Versicherten
hinlänglich nachgewiesen sein.
b) Vorliegend wurde eine Sanktion im oberen Bereich des mittelschweren
Verschuldens ausgesprochen. Die Ablehnung von vermittelter Arbeit wiegt
grundsätzlich schwer. Wie ausgeführt, hat die Versicherte sich ungenügend
um die zugewiesene Stelle bemüht und sich mit ihrem gesamten Verhalten
desinteressiert gezeigt. Die betreffende Stelle wäre zudem durchaus
zumutbar gewesen. Die Einstellungsdauer von 30 Tagen und damit die
Annahme von mittelschwerem Verschulden ist nicht zu beanstanden. Die
Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
4. Gemäss Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) und Art. 11 der kantonalen
Verordnung über das Verfahren in Sozialversicherungsstreitsachen (VVS) ist
das kantonale Beschwerdeverfahren bei Sozialversicherungsstreitigkeiten –
ausser bei leichtsinniger oder mutwilliger Prozessführung - kostenlos.