Decision ID: e20b2a0e-6c18-5c10-ab42-24e451f9c50c
Year: 2020
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Mit Veranlagung vom 17. Juli 2017 setzte die kantonale Steuerverwaltung im Zusammen-
hang mit der Überführung von im Eigentum von A. _ stehenden Liegenschaften im
Steuerjahr 2013 den Liquidationsgewinn für die direkte Bundessteuer auf Fr. 2‘717‘900.--
fest. Dagegen erhoben die Steuerpflichtigen am 17. August 2017 Beschwerde beim
Obergericht des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Mit Urteil vom 23. Oktober 2018
entschied dieses wie folgt:
„1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde von A. _ wird der angefochtene
Einspracheentscheid vom 17. Juli 2017 mitsamt zugrundeliegender Verfügung vom
17. November 2016 aufgehoben und die Sache bezüglich der Höhe des
Liquidationsgewinns bei der Liegenschaft in B. _ zur ergänzenden Abklärung
und Neuentscheidung an die Steuerverwaltung zurückgewiesen. Anschliessend ist
über die Liquidationsgewinnabrechnung neu zu verfügen. (...)“
B. Am 15. August 2019 reichten A. _ beim Obergericht des Kantons Appenzell
Ausserrhoden das vorliegende Erläuterungsgesuch mit eingangs aufgeführtem
Rechtsbegehren ein (act. 1). Die Steuerverwaltung liess sich am 3. September 2019 dazu
vernehmen, ohne konkret Antrag zu stellen (act. 3). Mit Replik vom 30. Oktober 2019
hielten die Gesuchsteller an ihren Anträgen fest (act. 6). Die Vorinstanz verzichtete auf die
Einreichung einer Duplik.
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Erwägungen
1. Art. 28 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 9. September 2002 (VRPG;
bGS 143.1), der die Berichtigung und Erläuterung regelt, sieht in Absatz 2 folgendes vor:
Ist der Rechtsspruch einer Verfügung oder eines Entscheides unklar oder enthält er
Widersprüche, so wird er von der Behörde, die ihn gefällt hat, von Amtes wegen oder auf
Gesuch einer Partei erläutert. Da sich das Erläuterungsgesuch auf einen Entscheid des
Obergerichts des Kantons Appenzell Ausserrhoden vom 23. Oktober 2018 bezieht, ist
dieses zur Behandlung des Gesuchs grundsätzlich zuständig. Im Übrigen ist das Erläute-
rungsgesuch im Prinzip an keine Frist gebunden (BGE 139 III 379 E. 2.1). Immerhin wird
im Rahmen einer Rückweisung verlangt, dass noch kein (neuer) Entscheid der Vorinstanz
ergangen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4G_1/2009 vom 5. Mai 2009 E. 1.2), doch ist
dies hier offensichtlich nicht der Fall.
2. a) Laut der Rechtsprechung bezwecken Erläuterung und Berichtigung nicht die materi-
elle Überprüfung eines Entscheids, sondern dessen Klarstellung beziehungsweise die
Korrektur offensichtlicher Versehen. Ein solches liegt vor, wenn aus der Lektüre des
Textes eines gerichtlichen Entscheids eindeutig hervorgeht, dass das, was das
Gericht aussprechen oder anordnen wollte, nicht übereinstimmt mit dem, was es
tatsächlich ausgesprochen oder angeordnet hat (Urteil des Bundesgerichts
6B_727/2012 vom 11. März 2013 E. 4.2.1). Es muss sich mit andern Worten um
einen Fehler im Ausdruck und nicht in der Willensbildung des Gerichts handeln. Eine
Entscheidung, die so gewollt war, wie sie ausgesprochen wurde, die aber auf einer
irrtümlichen Sachverhaltsfeststellung oder auf einem Rechtsfehler beruht, kann nicht
berichtigt werden.
b) Die Erläuterung oder Berichtigung dient dazu, möglichst formlos Abhilfe zu schaffen,
wenn die Entscheidformel (Dispositiv) unklar, unvollständig, zweideutig oder in sich
widersprüchlich ist. Sie erlaubt insbesondere, Fehler oder Auslassungen bei der
Ausformulierung des Dispositivs zu korrigieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts
4G_2/2013 vom 3. Februar 2014 E. 1). Indessen ist das Erläuterungsverfahren nicht
dazu da, eine inhaltliche Wiedererwägung des gefällten Entscheids zu erwirken (vgl.
z.B. Urteil des Bundesgerichts 5G_4/2014 vom 26. Juni 2014 E. 2).
c) Eine Unklarheit liegt vor, wenn die Parteien oder die mit dem Vollzug (bzw. nach
Rückweisung mit der weiteren Abklärung) betrauten Gerichte oder Behörden den
Entscheid tatsächlich subjektiv anders verstehen als es die Meinung des urteilenden
Gerichtes war. Es kommt insofern nicht darauf an, ob der Entscheid klar und voll-
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ständig gedacht und gewollt war. Die blosse Behauptung, die Formulierung einer
Entscheidung sei für eine Partei unverständlich, genügt indessen nicht zur Begrün-
dung eines Erläuterungsanspruchs. Vielmehr hat die um Erläuterung ersuchende
Partei substantiiert darzulegen, weshalb und inwiefern der fragliche Entscheid für sie
unklar ist. Sie hat das Klarstellungsbedürfnis plausibel zu machen. Der Erläute-
rungsbedarf ist vom Gericht – von offensichtlich unklaren Entscheiden abgesehen –
nur mit Zurückhaltung zu bejahen (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts 9G_1/2007
vom 27. März 2007 E. 2 mit Verweisen).
3. a) Die Gesuchsteller verweisen bezüglich Darlegung ihres Erläuterungsbedarfs auf das
Fazit in E. 2.4 in den beiden Urteilen betreffend Kantons- und Gemeindesteuer bzw.
direkte Bundessteuer, wo folgendes festgehalten werde: „Erweist sich der Ver-
kehrswert der Liegenschaft C. _ (B. _ ) von Fr. 2‘740‘000.-- als korrekt,
resultiert aus der Privatentnahme genannter Liegenschaft kein steuerbarer
Liquidationsgewinn.“ Weiter werde im Dispositiv (Ziff. 1) bezüglich Höhe des
Liquidationsgewinns bei der Liegenschaft B. _ zur ergänzenden Abklärung und
zum Neuentscheid an die Steuerverwaltung zurückgewiesen. Aufgrund dieser zwei
Auszüge würden sie zum Schluss gelangen, dass ein steuerbarer Liquidationsgewinn
nur noch durch einen höheren Verkehrswert der Liegenschaft C. _ von über
CHF 2‘740‘000.-- entstehen könne. Derweil habe sich im Austausch mit der
Vorinstanz aber ergeben, dass diese die Dispositive so verstehe, sie dürfe den
gesamten Liquidationsgewinn erneut prüfen.
b) Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass die Gesuchsteller letztlich nicht aufzeigen,
inwiefern die von ihnen im fraglichen Urteil zitierte Erwägung in Verbindung mit dem
Dispositiv unklar ist. Im Gegenteil ist aus ihren Ausführungen zu schliessen, dass für
sie an sich klar ist, dass das Obergericht des Kantons Appenzell Ausserrhoden mit
der betreffenden Erwägung zum Ausdruck gebracht habe, es müsse lediglich der
Verkehrswert der Liegenschaft C. _ neu geprüft werden. Die Tatsache, dass
die Vorinstanz dem Urteilsspruch offenbar ein anderes Verständnis entgegenbringt,
begründet keinen Erläuterungsbedarf der Gesuchsteller (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9G_1/2007 vom 27. März 2007 E. 3 mit Verweisen). Die Vorinstanz
ihrerseits stellt sich ablehnend gegenüber einer Erläuterung. Zufolge nicht
nachgewiesenen Klarstellungsbedürfnisses seitens der Gesuchsteller ist auf das
Erläuterungsgesuch damit nicht einzutreten.
4. In Anwendung von Art. 22 Abs. 4 VRPG wird auf die Erhebung von Gerichtskosten verzich-
tet. Parteientschädigungen sind keine geschuldet.
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