Decision ID: 3e13544b-f496-5bfc-a14a-6f1613404bb7
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 196
1
geborene
X._
,
Mutter zweier
Kinder
(Jahrgang 1983 und 1989),
ohne Berufsausbildung, reiste im
März
19
82
in die
Schweiz ein und arbei
tete
zuletzt vom 1. Januar 2003 bis am 2
7.
Juli 2018
in einem 66%-Pensum
als
Reinigerin
im
Y._
in
Z._
(
Urk.
7/1 und
Urk.
7/13)
.
Am 2
1.
Dezember 2018 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf Rücken-, Bein- und Armbeschwerden rechts bei der Sozialversiche
rungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1).
Zur Abklä
rung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse zog die IV-Stelle zunächst
die Akten des Krankenta
ggeldversicherers Helsana (Urk.
7/2
-3
)
sowie einen Aus
zug aus dem individuellen Konto bei (Urk. 7/6) und holte einen Arbeitge
ber
be
richt ein (Urk. 7/13). In der Folge
hol
te die IV-Stelle die
neuen
Akten
der Helsana
(
Urk.
7/16)
mit den von dieser
in Auftrag gegeben
en
Gutachten
des Rheuma
tologen
Dr.
med.
A._
vom 24.
Januar 2019
(
Urk.
7/16/45-59)
und des Neurologen und Verhaltensneurologen
Dr.
med. B._
vom 12.
Febru
ar 2019
ein
(Urk.
7/16
/29-44
).
Mit Mitteilung
vom 19.
Juni 2019 informierte die IV-Stelle die Versicherte, dass sie
gemäss
Abklärungen in einer angepassten Tätigkeit zu 100
% arbeits
fähig sei und deshalb das RAV
als Stellenvermittlung
zuständig sei (
Urk.
7/17). Am 2
4.
Juni 2019 reichte die Pensionskasse BVK das von ihr in Auftrag gegebene vertrauensärztliche Gutachten von
Dr.
med. C._
, Allgemeinmedizin, vom 1
8.
Dezember 2018 zu den Akten
(Urk.
7/19-20). Mit Vorbescheid vom 2
4.
Juli 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ablehnung des Leistungsgesuchs in Aussicht (Urk. 7/23). Dagegen erhob die Ver
sicherte am
6.
August
2019 Einwand (
Urk.
7/24) und reichte mit Schreiben vom 2
7.
August 2019 diverse Arztberichte ein
(Urk. 7/
27-30)
. Mit Verfügung vom
2
7.
Dezember 2019
verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte
a
m
28. Januar 2020
Beschwerde und beantragte,
dass
ihr
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung seit Juli 2019
aufgrund ihrer vollen Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit
eine Invalide
nrente
zu
zu
sprechen sei
(
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom
26. Februar 2020
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6
), was der Beschwerdeführerin am
4. März 2020
zu
r Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten, wird soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozia
lversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
ge
ben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und
Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfol
ge
rungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
ka
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, seit
Juli
2018 sei die Be
schwer
deführerin in ihrer b
isherigen Tätigkeit als Reinigu
n
g
smitarbeite
rin zu 100
%
arbeitsunfähig. Seit Juli 2019 sei sie jedoch in einer leichten, angepassten, wechselbelastenden Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig.
Die Bemessung der Invalidität
nach der gemischten Methode
ergebe einen
I
nvaliditätsgrad
von 7
%
,
weshalb
kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
bestehe
(Urk.
2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt,
die Knie
gelenksinfiltration und Meniskusausglättung der linken Seite seien für den 3
0.
Juli 2019 im ambulanten Setting geplant und umgesetzt worden. Diese
r Ein
griff sei
in der
Verfügung vom 2
7.
Dezember 2019 ungenügend bis gar nicht berücksichtigt worden, abgesehen
von
dem einen
Teilsatz
, dass die Kniegelenks
arthroskopie keine
Auswirkung
auf die bisherige Stellungnahme bezüglich der
Arbeitsfähigkeit
habe. In der besagten Zeit habe
aber
eine 100%-
ige
Arbeits
unfähigkeit
bestanden. Die Beschwerdegegnerin mute ihr per Juli 2019 eine 100%-
ige
Arbeitsfähigkeit in
angepasster
Tätigkeit zu, welche allein schon auf
grund der ambulanten Behandlung während
jener
Zeit zu verneinen gewesen sei. Die weiterbestehende Arbeitsunfähigkeit sei durch diverse ärztliche Zeugnisse
sowie
durch Zahlungen der
Krankentagge
ldver
s
ic
h
e
r
u
ng belegt.
Eine
weitere Sprechstunde habe am 2
8.
Januar 2020 in der Kniechirurgie des
D._
statt
gefunden. Demnach
dauere
die durch Kniebeschwerden
bedingte Ei
nschränkung immer noch an (Urk.
2).
3.
3.1
Dr.
C._
erhob in
ihr
em
vertrauensärztlichen
Gutachten zuhanden der BVK vom 1
8.
Dezember 2018 folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Urk.
7/19/12)
:
-
Chronische Lumbago mit/bei (ICD-10: M54.5)
-
Chondrose
L3/4
-
Erosiver
Osteochondrose
L4/5 und L5/S1
Modic
2
-
Media
l
er
Bandscheibenprotrusion
L4/5
-
S
p
ondylarthr
o
se
lumbos
acral
-
St. n. Nervenwurzelinfiltration L5 rechts ohne Besserung 10/2018
-
St. n. Facettengelenksinfiltration L4/5 und L5/S1
bds
. 11/2018
-
Chronisches Schmerzsyndrom
Arm
rechts (ICD-10: R52.2)
-
V
erdacht auf neuropathisches Sch
m
e
rzsyndrom, DD: CRPS rechter Arm seit
Fibroadenom
e
ntfernung
Mamma /
Axilla
rechts 03/2013
-
06/2017 Normale Neurographie und normales EMG des rechten Armes
-
Anhaltende Nackenschmerzen mit/bei (ICD-10: M54.82):
-
Muskulärem Hartspann der Nacken-/ Schultermuskulatur rechtsbetont
-
Fortg
eschrittene
Bandscheibendegenrationen mit
Osteochondrosen
und beidseitigen
Unkovertebralarthrosen
C5/C6 und C7/C8, sowie mässigen
For
a
minalstenosen
C5/C6 linksbetont und C6/C7 rechts
-
Verdacht
auf
somatoforme Sch
m
e
rzstörung (ICD-10: F45.4)
Bei der Beschwerdeführe
rin bestehe ein chronisches Sch
m
e
rzsyndrom im Bereich des Rückens, des Nackens und des rechten Armes. Klinisch und bildgebend fän
den sich aktuell keine H
inweise für eine
radikuläre
Sch
m
e
rzpro
b
lematik. Radio
logisch
zeigten
sich
degenerative
V
eränderungen im Berei
ch der HWS und LWS.
Klinisch
best
ehe eine
deutlich
muskulär
bedingte Sch
m
e
rzkomponente, welche ther
apeutisch behandelt werden könn
e. Die elektrodia
g
no
stischen Untersu
chung
en bzw.
die
Neurographien im Bereic
h der rechten oberen
Extremität
seien
un
auffällig
gewesen. Der Verdacht
eines CR
PS sei
geäussert wor
den. Die
Beschwer
deführerin
sei sehr auf ihre
Schmerzen
fixiert und es
werde
eine
ausgeprägte
Sch
o
nhaltung eingenommen.
Klinisch
liege
eine Inkonsistenz der Unter
su
chu
n
gs
befu
n
d
e
vor
.
Das
Ausmass der
geklagten
Beschwerden
könne
durch
die
vorlie
gen
den
Befunde nicht erklärt werden. Es stelle sich der
Verdacht auf eine somato
forme Sch
merzstörung.
Es werde
eine
rheumatologische
Abklärung sowie eine
Evaluation
der
funktionellen
Leistungsfähigkeit empfohlen. Aufgrund der
vor
liegenden
Befunde fänden sich keine Hinweise für eine Berufsunfähigke
it (
Urk.
7/
19/
11-12
).
3.2
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom 27. Dezember 2019 im Wesentlich
en
auf
das
vom Krankentaggeldversicherer
in Auftrag gegebene
bidisziplinäre
Gutachten ab. Die neurologische Untersuchung erfolgte am 24.
Januar 2019
am Morgen durch
Dr.
B._
(
Expertise vom 1
2.
Febru
ar 2019,
Urk.
7/16/29-
44
)
. Die rheumatologische Untersuchung fand
gleichentags
am Nachmittag d
urch
Dr.
A._
statt
(
Expertise vom
2
4.
Januar 2019, Urk. 7/16/
45-74
). Darin werden die bis
zur Begutachtung
der Beschwerdeführerin
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (
Urk.
7/16/30-31
und
Urk.
7
/
16
/
45-46 und
Urk.
7/16/50
), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwä
gungen aber darauf Bezug genommen
3.
3
Dr.
B._
diagnostizierte ein chronisch diffuses Schmerzsyndrom und eine schwere arterielle Hypertonie (
Urk.
7/16/38). Er erläuterte zusammenfassend,
die Befragung und
die
klinisch
e
neurologische Untersuch
ung
hätten keine Hinweise auf eine Schädigung des peripheren oder zentralen Nervensystems ergeben, die geeignet wäre, die Symptome der
Beschwerdeführerin zu erklären. Aus neuro
logischer Sicht bestehe, bezogen auf die Erklärbarkeit der
Beschwerden
aus dieser Fachrichtung, keine Einschränkung in der bisherigen Tätigkeit.
Auch in
einer
angepassten
Tätigkeit
sei die Beschwerdeführerin voll
a
rbeitsfähig.
Interdisziplinär hielt der neurologische Teilgutachter fest,
die Be
schwerdeführerin
klage
über chronische Schmerzen, die nur gering mit den klinischen Befunden
korrelier
en
würden
. Beiden Gutachtern sei eine ausserordentliche
,
passive
Bewäl
tigung
der Beschwerden auf
gefallen
(keinerlei Tätigkeit im Haushalt möglich, was aus den
klinischen
Befunden nicht abzuleiten sei). Die Beschwerdeführerin werde von der
Familie behütet und umsorgt. Basierend auf die ausgeprägten
degene
ra
tiven
Veränderungen der Wirbelsäule
sei
eine
mittelschwere
bis schwere körper
liche
Beschäftigung
nicht
mehr zulässig. Es gelte aber zu
betonen
, dass die
aktuellen
Beschwerden
wahrscheinlich
nicht oder nu
r
zu einem Tei
l
durch die
erhobenen
Befunde erklärt werden könnten. Bei
höchstwahrscheinlich
ähnlich
degenerativen
Veränderungen
sei die Beschwerdeführerin vor einem Jahr arbeits
fähig gewesen. Der subjektive
Verlust
der beruflichen
Leistungs
-
und der
Arbeits
fähigkeit
im Haushalt lasse sich daher somatisch nicht erklären und schüre die
Vermutung
, dass nicht-somatische Faktoren eine prominente
Rolle
in der
e
igen-
und familiären Fr
e
mdeinschätzung ihrer
Leistungsfähigkeit spielten
. Eine leich
te
r
e
körperliche Tätigkeit sei gestützt auf die Ergebnisse der
neurologischen
und rheu
matologischen Abklärung uneingeschränkt möglich. Dies schliesse die Haushalts
a
rb
eiten unter Berü
c
k
sichtigung
der
körperlichen
Belastungsgrenze
ein
. Die letzte Tätigkeit in der Reinigung
sei
nicht mehr zumutbar (ausgehend von einer mittel
schweren Tätigkeit – ein Arbeitsplatzprofil liege aber nicht vor). Ungünstig seien vor allem die bei der Reinigung nötigen häufigen Rotationsbewegungen und das Bücken
. Nicht zumutbar seien repetitives Heben von Lasten über 7.5 bis 10 kg Lendenwirbelsäulenhöhe (vereinzelt möglich
) und
über 5 kg Brusthöhe (vereinzelt möglich).
Sodann sollten h
äufige
Rotationen
mit dem Oberkö
r
pe
r sowie Arbeiten über Kopfhöhe
ver
m
i
e
den
wer
den
(vereinzelt möglich)
.
Auch
seien Tätigkeiten
mit Sicherun
g
sfunktionen anderer Personen (
Leitern
) zu vermeiden. Wechsel
be
lastend
e
Tätigkeiten
sitzend
, gehend oder
stehend
könnten ohne zeitliche Ein
schränkung
ausgeführt
werden
. Es werde der Beschwerdeführerin regelmässiges Krafttraining zum Muskelaufbau empfohlen und allenfalls eine psychologische Begleitung zur Verbess
e
rung des Umgangs mit den Schmerzen. Im praktischen Alltag (unbegleitet) sei die Umsetzung wegen der passiv ausgerichteten Krank
heitsbewältigung unwahrscheinlich. Von weiteren Schmerzinterventionen oder operativen Eingriffen am Rücken werde abgeraten
(
Urk.
7/16/4
1
-4
4
).
3.4
Dr.
A._
nannte in seinem Gutachten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zervikale und lumbale degenerative
Veränderung
en
(
Osteochon
d
r
o
sen
L4/5, L5/S1, C5/6 und C6/7): IDC 10: M42.12, M42.16 mit einem mög
lichen vertebralen Schmerzsyndrom.
Unter den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er folgende fest (
Urk.
7/16/51
):
-
Genera
lisiertes Schmerzsyndrom im Ber
e
i
ch beider unteren Extremitäten, rechter Arm, panvertebrale Schmerzen
-
Soma
tisch nicht abschliessend zuordenbar
-
Unter möglicher Mitbeteiligung
der genannten
Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Status nach Exzision von 2
Fibroadenomen
Mamma rechts 2016
Im Einzelnen führte er aus,
eine
Schultersteife könne mit Sicherheit ausge
schlos
sen werden, eine
Impingementsymptomatik
sei möglich (aufgrund der
Unter
suchungsbefunde
weder nachweis- noch ausschliessbar). Auch für die
beklagten
massiven
Rücken-
und Beinschmerzen fände
sich aus
rheumatologischer
Sicht
keine
Pathologie
. Die vertebrale
Beweglichkeit
sei wechselnd
spontan durchaus gu
t, aufgefordert jeweils von Sch
m
e
rzmimik
begleitet
, unbeobachtet aber recht
frei
. Auch das Sitzen
erfolge
im Rahmen der einstündigen Anamneseerhe
b
ung eigentlich
unauffällig
. Die inkonstanten,
schwierig
fassbaren
Befunde
, die diffuse Schmerzausbreitung, das fehlende
Ansprechen
auf therapeutische Massnahmen und nicht zuletzt
auch
die komplette Beschwerdepersistenz
trotz
Aufgabe der
Be
rufstätigkeit
schlössen
eine relevante entzündlich-rheumatische oder internis
ti
sche
Erkrankung
bestmöglich aus
(Urk. 7/16/52)
.
3.5
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, hielt in seiner Stellungnahme vom 2
0.
Juni 2019 für den RAD fest, es könne der Beurteilung des vorliegenden
bidisziplinären
Gutachtens vom 1
2.
Februar 2019
gefolgt werden, die formalen Aspekte seien erfüllt. Die vorbestehenden Berichte
hätten vorgelegen
und seien gewürdigt worden
. Auf
die Klagen der Beschwerdeführerin sei eingegangen worden und die in den veranlassten Untersuchungen erhobenen Befunde seien nachvollziehbar dargestellt worden und die d
a
raus gezogenen Schlussfolge
rung
en, insbesondere bezogen auf die Arbeitsfähigkeit könnten als plausibel betitelt werden (
Urk.
7/22/3)
Am
4.
Juli 2019 ergänzte er, das zusätzlich angeforderte Gutachten der BVK von
Dr.
C._
vom 1
8.
Dezember 2018
stimme inhaltlich und bezüglich der Einschät
zung der Arbeitsfähigkeiten in bisheriger sowie in einer angepassten Tätigkeit bei ungefähr gleichen Diagnosen
überein
. Daher könne die vorherige Stellungnahme als
abschliessend
angesehen
werden (
Urk.
7/22/4)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Begründung der angefochtenen Ver
fügung auf das durch die Krankentaggeldversicherung eingeholte
bidisziplinäre
Gutachten
vom 3
1.
Januar bzw. 1
2.
Februar 2019 (E. 3.
2
-3.
4
) sowie auf die Beurteilung des RAD (E. 3.
5
) ab, wonach seit dem 3
0.
Juli 2018 in bisheriger Tätigkeit eine volle
Arbeitsunfähigkeit und in angepasster Tätigkeit mit Belas
tungsprofil eine volle Arbeitsfähigkeit besteht.
4.2
Das eingeholte
bidisziplinäre
Gutachten
beruht auf für die streitigen Belange
umfassenden fachärztlichen Untersuchungen und wurde in Kenntnis der Vorak
te
n (Anamnese) verfasst
(Urk.
7/16/30-31
und Urk.
7
/
16
/
45-46 und Urk.
7/16/50
)
. Die vorhandenen Arztberichte wurden sorgfältig gewürdigt (
Urk.
7
/3
8
-4
1
und
Urk.
7/51-52
). Die Gutachter haben detaillierte Befunde und hieraus begründete
Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diese
n sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin ausführlich auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Das Gutachten erfüllt daher die
rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an beweiskräftige ärzt
liche Entscheidungsgrundlagen (E. 1.
4
)
.
4.3
In der neurologischen wie auch in der rheumatologischen Begutachtung f
iel eine
ausserord
e
n
tlich
passive Bewältigung der Beschwerden auf (
Urk.
7/16/42)
.
Der neurologische Teilgutachter berichtete ausführlich über die von der Beschwer
de
führerin geklagten Beschwerden (
Urk.
7/16/32-33) und überprüfte diese in seiner klinischen Untersuchung
(
Urk.
7/
16/
36-
38
)
, wobei ihm
besonders zu Beginn ein hoher Leidensdruck aufgefallen
sei
, der jedoch nicht unverändert bis ans Ende angedauert habe. Mit der Zeit sei die ernste und wenig modulierte Mimik und Gestik einer etwas gelockerten Haltung verbunden mit kurzen Episoden von Lächeln gewichen.
Die
Haltung
der Beschwerdeführerin
, ihre Angaben, der mündliche Ausdruck, die spontanen und evozierten Bewegung
en hätten jedoch nie simuliert
gewirkt (
Urk.
7/16/40).
Schliesslich begründete er
nachvollziehbar, weshalb er keinen Anhalt für eine
Schädigung des peripheren oder zentralen Nervensystems finden konnte.
Er konnte weder
die Befunde und Angaben in der Region der rechten Brust
durch klinische
Hinweise auf eine neuropathische Ursache erklären
,
noch konnte er
die Erfüllung der Budapest
-
Kriterien am rechten Arm feststellen (
Urk.
7/16/41).
Auch der rheumatologische Teilgutachter befasste sich mit den geklagten Beschwerden (
Urk.
7/16/46-47) und überprüfte diese
(Urk.
7/16/49-51). Dabei hielt er fest, e
s dominiere ein schmerzbetontes Ver
halten
. Sodann z
eigte er Widersprüche zwischen
den Angaben der Beschwerde
führerin und dem von ihm festgestellten Gesundheitszustand anlässlich der Be
gutachtung auf.
Er führte
aus
,
g
ezielt untersucht habe sich beispielsweise eine steife Halswirbelsäulenbeweglichkeit gezeigt, im Gespräch habe die Beschwer
deführerin den Kopf jedoch praktisch unauffällig
bewegen können
. Ebenso habe sich spontan eine funktionell fast unauffällige Schulterbeweglichkeit (
Ent
- und Bekleiden des Mantels) gezeigt, gezielt untersuch
t
seien die Untersuchungs
be
funde schwierig verwertbar gewesen und ähnlich der Halswirbelsäule inkonstant
. So kam er nachvollziehbar zum Schluss, dass die objektivierbaren Befunde am Bewegungsapparat unter Berücksichtigung des «invalidisierenden» Schmerz
masses gering
erschienen
(Urk. 7/16/52).
Die im Gutachten beschriebenen Fest
stellungen sind schlüssig und überzeugend.
4.4
Was die Arbeitsfähigkeit betrifft, gelangte
der
RAD-Arzt gestützt auf die Ein
schätzungen
der Gutachter sowie nach Würdigung des von der Pensionskasse in Auftrag
ge
gebe
n
e
n
vertrauensärztliche
n
Gutachten
s
(E. 3.1)
zum überzeugenden Schluss, dass ab
3
0.
Juli 2018 in bisheriger Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit und in angepasster Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit nach Belastungsprofil besteht
(E. 3.2-3.4)
. Somit ist die Beschwerdeführerin auch
im Haushalt voll arbeitsfähig
(E. 3.3)
. Darauf ist abzustellen, zumal
das
bidisziplinäre
Gutachten überzeugt und
in Übereinstimmung mit den Vorberichten
verfasst wurde.
An dieser Stelle
ist
anzumerken,
dass sich
aufgrund der Verdachtsäusserung einer somatoformen Schmerzstörung durch
Dr.
C._
im vertrauensärztlichen Gutach
ten vom 1
8.
Dezember 2018
(
E. 3.1
)
keine
vertieften
psychiatrischen Abklärungen aufdrängen, zumal es sich bei
Dr.
C._
um eine
Allgemeinmediziner
in
handelt
und von der Beschwerdeführerin beschwerdeweise keine psychischen Einschrän
kungen geltend gemacht wurden
.
Hinzu kommt, dass sie weder bei den behan
delnden Ärzten noch bei den Gutachtern über mögliche
seelische
oder psychoso
ziale
Konflikt
e berichtete und in der Begutachtung das Vorliegen von psychoso
zialen Belastungsfaktoren sogar verneinte (
Urk.
7/16/48).
4.5
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machte, sie sei
nach der Begutachtung
aufgrund der
in diversen Sprechstundenberichten
diagnostizierten Gonarthro
se beidseits mit degenerativer Meniskusläsion
vollständig arbeitsunfähig
(
Urk.
1 S.
2
ff.)
,
ist darauf hinzuweisen,
dass die
besagten
Berichte
(
Urk.
7/28-30)
dem RAD-Arzt,
welcher über die konkret notwendige fachliche Qualifikation verfügt
,
zur Beurteilung vorgelegt wurden. In seiner Stellungnahme vom 1
5.
Oktober 20
19 hielt er fest, dass die Berichte nichts an der letzten Einschätzung der Arbeits
fähigkeit oder der letzten RAD-Stellungnahme
zu
ändern
vermochten
(Urk.
7/32/3).
Dieser Einschätzung kann gefolgt werden,
da
die Knieschmerzen bei
der
Beschwerdeführerin
nicht
im
Vordergrund
zu
stehen
scheinen
. W
eder in der neurologischen noch in der rheumatologischen
Begutachtung im Januar 2019
klagte sie
über Knieschmerzen
. Sie
berichtete ledigli
ch
über Schmerzen in den Beinen.
Im Widerspruch dazu gab
sie in der Sp
rechstunde im
F._
an
, dass das linke Knie seit Anfang 2019 beschwerdeführend sei
(
Urk.
7/16/32-33 und Urk.
7/16/46/47 vgl. auch
Urk.
7/28/1). Hinzu kommt, dass
bei der Kniearthros
kopie links vom 3
0.
Juli 2019 keine akute
Rissbildung im Ber
e
i
ch des
Hinter
horns
/Corpus wie im MRI beschrieben festgestellt
wurde
, weshalb lediglich eine Infiltration stattfand (
Urk.
7/28/6),
was höchsten
s
zu einer
kurzen
vorüberge
hen
den Arbeitsunfähigkeit geführt haben
kann
.
Sodann
äussern
sich
d
ie behandeln
den Ärzte
in
keinem der
eingereichten
Berichte
zu
einer
allfälligen
Arbeitsun
fähigkeit
, selbst der Hausarzt bezieht
keine Stellung zu einer dauerhaften Arbeits
unfähigkeit
.
Demnach
erscheint es nicht überwiegend w
ahrscheinlich, dass den Knieschmerzen
rund drei Monate
nach der Begutachtung ein invalidisierender Charakter zukommt, zumal der rheumatologische Teilgutachter die Knie unter
suchte und die Beschwerdeführerin
damals
lediglich im rechten Knie Schmerzen angab (
Urk.
7/16/50).
4.6
Demnach liegt
bei der Beschwerdeführerin
ab 3
0.
Juli 2018 in bisheriger Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit und in angepasster Tätigkeit eine volle Arbeits
fähigkeit nach Belastungsprofil
vor (E.
3.3
).
5
.
Die von der IV-Stelle für die Invaliditätsbemessung verwendeten Bemessungs
faktoren werden weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht beanstandet. Es besteht angesichts der vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auch kein Anlass für eine nähere Prüfung von Amtes wegen.
Demnach sind
die Voraussetzungen für eine Invalidenrente nicht
erfüllt (E. 1.2)
und erweist sich die
angefochtene Verfügung als rechtens. Die Beschwerde ist abzuweisen
.
6
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1bis IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.