Decision ID: 8481fe7f-fb40-57e2-96cb-e8b64cb7aa51
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 6. Dezember 2021 ersuchten die Beschwerdeführenden im Bundesas-
ylzentrum in Bern (BAZ) um Asyl.
B.
Im Rahmen der Personalienaufnahme (PA) vom 9. Dezember 2021 erklär-
ten die Beschwerdeführenden, zur Einreichung von Identitätsdokumenten
aufgefordert, ihre Identitätskarten (Tazkiras) im Original am Flughafen ab-
gegeben zu haben. Der Beschwerdeführer habe ferner nie einen persönli-
chen Reisepass besessen, während sich derjenige der Beschwerdeführe-
rin in Afghanistan befinde.
C.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac)
ergab, dass die Beschwerdeführenden am 25. August 2021 bereits in Po-
len ein Asylgesuch gestellt hatten.
D.
Im persönlichen Gespräch vom 22. Dezember 2021 orientierte das SEM
die Beschwerdeführenden über die mögliche Zuständigkeit der polnischen
Behörden für ihr Asylverfahren. Auf Nachfrage zu Gründen gegen eine
Rückkehr nach Polen erklärte der Beschwerdeführer, das Verhalten der
polnischen Bevölkerung sei unangenehm beziehungsweise unanständig
gewesen und ihnen sei geraten worden, ihre Unterkunft aus Sicherheits-
gründen nicht zu verlassen, weshalb die Beschwerdeführerin viel geweint
habe. Konkret sei aber nichts vorgefallen. Sie seien vom polnischen Ge-
heimdienst zur Identifizierung von Flüchtlingen kontaktiert worden, hätten
jedoch nicht helfen können. Die Beschwerdeführerin brachte ergänzend
vor, als «politische Leute» in Gefahr zu sein. Zum Gesundheitszustand be-
fragt erklärte der Beschwerdeführer, es gehe ihm nach den Erlebnissen in
Polen nun wieder gut. Die Beschwerdeführerin bemängelte die aufgrund
des ausstehenden Asylentscheids der polnischen Behörde fehlende medi-
zinische Versorgung diverser Beschwerden (beispielsweise Hand- und
Zahnschmerzen). Ferner wolle sie ihr noch ungeborenes Kind weder in Po-
len aufziehen «noch durch einen dortigen Aufenthalt schädigen».
E.
Der Beschwerdeführer reichte der Vorinstanz am 28. Dezember 2021 sei-
nen Lebenslauf ein.
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F.
Das Ersuchen der Vorinstanz vom 27. Dezember 2021 an die polnischen
Behörden zur Übernahme der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 18
Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 (Dublin-III-VO) wurde von Polen
aufgrund des ihnen am 9. Dezember 2021 erteilten internationalen Schut-
zes (Flüchtlingsstatus) am 7. Januar 2022 abgelehnt.
G.
Mit Schreiben vom 7. Januar 2022 teilte die Vorinstanz den Beschwerde-
führenden mit, dass sie von Polen infolge ihres dortigen Asylgesuches vom
25. August 2021 zwischenzeitlich als Flüchtlinge anerkannt worden seien
und deshalb die Dublin-III-Verordnung nicht anwendbar sei. Gleichzeitig
wurde ihnen zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid und zur Weg-
weisung nach Polen das rechtliche Gehör gewährt.
H.
Am 10. Januar 2022 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz zwei
ärztliche Kurzberichte vom 28. Dezember 2021 (Schluckbeschwerden) und
5. Januar 2022 (Gastritis) des BAZ Bern zu den Akten.
I.
Am 13. Januar 2022 ersuchte die Vorinstanz die polnischen Behörden ge-
stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Dritt-
staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) schriftlich um
Rückübernahme der Beschwerdeführenden, woraufhin die polnischen Be-
hörden diesem Gesuch am 17. Januar 2022 zustimmten.
J.
Der Beschwerdeführer reichte der Vorinstanz mit Schreiben vom 24. Ja-
nuar 2022 bei der Vorinstanz einen weiteren ärztlichen Kurzbericht des
BAZ Bern vom 19. Januar 2022 (Bestätigung Gastritis) ein.
K.
Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur Rückübernahme durch die polni-
schen Behörden brachte der damalige Rechtsvertreter der Beschwerde-
führenden innert erstreckter Frist mit Schreiben vom 27. Januar 2022 im
Wesentlichen namens seiner Mandanten vor, eine Rückkehr nach Polen
sei für die Beschwerdeführenden unerträglich, da sie von der polnischen
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Gesellschaft nicht akzeptiert würden. Es sei ihnen als (in Afghanistan) po-
litisch exponierte Personen Hass und Misstrauen entgegengebracht und
die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihres Kopftuches oft diskriminiert wor-
den. In solch einer Umgebung würden sie kein Kind grossziehen wollen.
Aus Angst vor möglichen Gefahren in ihrer Unterkunft bleibend, habe es
sich in Polen wie im Gefängnis angefühlt, was für die Beschwerdeführerin
und das ungeborene Kind schädlich sei. Beide Beschwerdeführenden wür-
den als gesundheitlich angeschlagene Personen medizinische Betreuung
benötigen, welche ihnen in Polen verwehrt worden sei.
L.
Die Vorinstanz holte betreffend Schwangerschaft der Beschwerdeführerin
den medizinischen Verlaufsbericht des Inselspitals Bern vom 22. Februar
2022 ein, woraus ein errechneter Geburtstermin vom 22. Juli 2022 hervor-
geht.
M.
Das SEM stellte den Beschwerdeführenden am 24. Februar 2022 den Ent-
scheidentwurf zu, worin es beabsichtigte, auf das Asylgesuch in Anwen-
dung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31; Rückkehrmöglichkeit in
einen sicheren Drittstaat) nicht einzutreten und die Beschwerdeführenden
nach Polen wegzuweisen. Hierzu wurde ihnen das rechtliche Gehör ge-
währt.
N.
In ihrer Stellungnahme vom 23. Februar 2022 brachten die Beschwerde-
führenden ihre Enttäuschung über die Wegweisung nach Polen zum Aus-
druck und verwiesen zur Begründung auf das Dublingespräch vom 22. De-
zember 2021 sowie auf die Ausführungen im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs vom 27. Januar 2022.
O.
Mit gleichentags eröffnetem Entscheid vom 25. Februar 2022 trat die Vor-
instanz auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, wies sie
aus der Schweiz weg und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt
der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, unter der Androhung, ansons-
ten würden sie in Haft genommen und unter Zwang nach Polen zurückge-
führt. Gleichzeitig beauftragte die Vorinstanz den zuständigen Kanton mit
dem Vollzug der Wegweisung und händigte den Beschwerdeführenden die
gemäss Aktenverzeichnis editionspflichtigen Akten aus.
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P.
Mit Eingabe vom 3. März 2022 ihres per 26. Februar 2022 neu mandatier-
ten Rechtsvertreters erhoben die Beschwerdeführenden gegen den Ent-
scheid vom 25. Februar 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde. Sie beantragten die Aufhebung des vorinstanzlichen Ent-
scheids, die Rückweisung zur materiellen Beurteilung der Sache an die
Vorinstanz und deren Anweisung zum Selbsteintritt [recte: Anweisung der
Vorinstanz. Auf die Asylgesuche einzutreten] sowie die Feststellung der
Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit der Wegweisung nach
Polen. In prozessualer Hinsicht beantragten sie die Ansetzung einer Nach-
frist zur Einreichung weiterer medizinischer Akten, die Anerkennung der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie die Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung mit Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Vor-
instanz.
Q.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht am 3. März 2022 in elektro-
nischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 und 4 AsylG).
R.
Mit Eingabe vom 8. März 2022 legten die Beschwerdeführenden Beweis-
mittel zu ihren Asylgründen ins Recht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 6
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
4.
4.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs.1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (BVGE 2017 VI/5 E. 3.1
und 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
4.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das SEM
eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbezüg-
lich volle Kognition zukommt.
4.3 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung
zu (vgl. Art. 42 AsylG und Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz hat
diese korrekterweise nicht entzogen. Auf den diesbezüglichen Antrag (...)
ist daher nicht einzutreten.
5.
5.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG tritt die Behörde auf ein Asylge-
such in der Regel nicht ein, wenn Asylsuchende in einen sicheren Drittstaat
nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich
vorher aufgehalten haben. Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen
nach seinen Feststellungen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne
von Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 (in Kraft seit dem
1. Januar 2008) wurden sämtliche Länder der Europäischen Union (EU)
und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) als sichere Drittstaa-
ten im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet.
5.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass es sich bei Polen als EU-Staat um einen sicheren Drittstaat im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handle und sie hielt im Weiteren fest,
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die Beschwerdeführenden hätten von den polnischen Behörden internatio-
nalen Schutzstatus (Flüchtlingsstatus vom 9. Dezember 2021) erlangt. Zu-
dem habe Polen am 17. Januar 2022 die Rückübernahme der Beschwer-
deführenden zugesichert. Zwar bestünden aufgrund ihrer Anerkennung als
Flüchtlinge in Polen Anzeichen dafür, dass die Beschwerdeführenden die
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfüllen würden. In diesem Zu-
sammenhang würde aber einem Feststellungsbegehren im Sinne von
Art. 25 Abs. 2 VwVG in der Schweiz nur dann entsprochen, wenn die Be-
schwerdeführenden ein schutzwürdiges Interesse zur Feststellung ihrer
Flüchtlingseigenschaft nachweisen würden. Dieser Nachweis könne aber
aufgrund der bereits in einem Drittstaat festgestellten Flüchtlingseigen-
schaft und der Gewährung von Schutz vor Verfolgung nicht gelingen. Die
Beschwerdeführenden könnten nach Polen zurückkehren, ohne eine
Rückschiebung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips zu befürch-
ten.
5.3 In der Beschwerde wurde hauptsächlich vorgebracht, die Beschwerde-
führenden seien in Polen aus Angst vor den sich dort aufhaltenden Taliban
und IS-Mitgliedern meistens in ihrer Unterkunft geblieben und sie seien von
der polnischen Bevölkerung beschimpft wie auch diskriminiert worden. Die
Beschwerdeführenden würden zudem an verschiedenen psychischen
Problemen leiden und Zugang zu angemessener medizinischer Versor-
gung benötigen. Die Beschwerdeführerin sei schwanger, leide an Schlaf-
störungen und müsse weinen, um sich zu beruhigen. Der Beschwerdefüh-
rer werde wegen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) be-
handelt. Sie hätten die gesundheitlichen Probleme erst auf Beschwerde-
ebene eingebracht, weil es für sie nicht einfach sei, über psychische Prob-
leme zu reden. Die Lebensumstände beziehungsweise der Zugang zu me-
dizinischer Behandlung in Polen stelle zwar keinen Verstoss gegen Art. 3
EMRK dar, die schweizerische Behörde wäre aber unter Berücksichtigung
der Gesamtumstände aus humanitären Gründen gehalten gewesen, vom
Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-Vo Gebrauch zu machen
und hätte sich für die Behandlung der Asylgesuche der Beschwerdeführen-
den für zuständig erklären müssen. Es könne aufgrund der politischen
Lage zwischen Europa und Russland ein dritter Weltkrieg bevorstehen, wo-
bei das angrenzende Polen bereits von Flüchtlingen überflutet werde, so-
dass die Beschwerdeführenden nicht auch noch dorthin wegzuweisen
seien (...).
Zur Stützung dieser Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden haupt-
sächlich ein Arztrezept für den Beschwerdeführer vom 23. Februar 2022
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für ein Medikament namens Trittico (50mg) von C._, D._,
sowie ein polnisches Hinweisschreiben vom 7. Januar 2022 betreffend
«take back»-Modalitäten (in Bezug auf die Schwiegermutter des Be-
schwerdeführers, E._) ein.
6.
6.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden am 25. Au-
gust 2021 in Polen sowie am 6. Dezember 2021 in der Schweiz Asylgesu-
che einreichten und die Schweiz am 27. Dezember 2021 – in offensichtli-
cher Unkenntnis des zwischenzeitlich von Polen am 9. Dezember 2021 er-
teilten internationalen Schutzstatus (...) – die polnischen Behörden um
Übernahme der Beschwerdeführenden im Sinne der Dublin-III-Vo er-
suchte. Infolgedessen lehnte Polen das Übernahmeersuchen vom 27. De-
zember 2021 ab (...), hingegen stimmte es dem darauffolgenden Rück-
übernahmeersuchen am 17. Januar 2022 zu ([...]; Drittstaaten-Wegwei-
sungsverfahren). Diese Fakten wurden in der Beschwerde nicht in Abrede
gestellt.
Weiter stellte die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend
fest, dass der Bundesrat Polen als sicheren Drittstaat bezeichnet hat. Das
Land ist unter anderem Signatarstaat der FK und es bestehen weder ob-
jektive Anhaltspunkte noch substanzielle Hinweise für eine drohende Rück-
schiebung in den Heimatstaat unter Verletzung des Refoulement-Verbots,
was von den Beschwerdeführenden nicht in Abrede gestellt wird.
Aufgrund dessen, dass den Beschwerdeführenden von den polnischen Be-
hörden am 9. Dezember 2021 der Flüchtlingsstatus gewährt und ihrer
Rückübernahme am 17. Januar 2022 zugestimmt wurde, verneinte die
Vorinstanz alsdann zutreffend ein schutzwürdiges Interesse der Beschwer-
deführenden an einer (erneuten) Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
durch die schweizerischen Behörden. Gegenteiliges, was diese Feststel-
lungen umzustossen vermöchte, wurde in der Beschwerde nicht vorge-
bracht. Aus den genannten Gründen sind die Voraussetzungen für einen
Nichteintretensentscheid (Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG) erfüllt. Insofern die
Beschwerdeführenden in der Beschwerde angesichts der geltend gemach-
ten schwierigen Lebensumstände in Polen einen Selbsteintritt in Sinne von
Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-Vo aus humanitären Gründen beantragen, ist man-
gels Anwendbarkeit der Bestimmungen der Dublin-III-Vo nicht darauf ein-
zutreten. Die gerügten Lebensumstände in Polen und die dortigen Mög-
lichkeiten einer medizinischen (Weiter-) Behandlung sind nachfolgend bei
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der Prüfung allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse zu berücksichtig-
ten. Ebenso unbehelflich sind die Beweismittel zu den Asylgründen.
6.2 Die Vorinstanz ist somit zu Recht auf die Asylgesuche der Beschwer-
deführenden nicht eingetreten.
7.
Gemäss Art 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es auf ein Asylgesuch nicht eintritt. Vorliegend kommt
mangels eines Anspruchs auf eine Aufenthaltsbewilligung die Regelfolge
zur Anwendung. Die Vorinstanz hat die Wegweisung demnach zu Recht
angeordnet.
8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Vermu-
tung, dass sie ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten. Gestützt
auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegwei-
sung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt
der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen.
Damit dies gelingt, hat sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen,
dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Einzelfall
das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren
oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden res-
pektive dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von individuellen
Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine exis-
tenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer
E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
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Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.
9.1 Nachdem die Beschwerdeführenden in Polen subsidiären Schutz ge-
niessen, besteht kein Anlass zur Annahme, es drohe ihnen eine Verletzung
des in Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) verankerten Grundsatzes der
Nichtrückschiebung. Polen ist Signatarstaat der EMRK und des Überein-
kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105). Zudem gibt es keine hinreichenden Anhaltspunkte, dass Polen
insoweit seine aus diesen Konventionen entstehenden völkerrechtlichen
Verpflichtungen nicht einhalten würde. Auch die Beschwerdeführenden
machten keinen Verstoss Polens gegen die völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen geltend (...).
Aufgrund der Akten liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass
die Beschwerdeführenden für den Fall einer Ausschaffung nach Polen dort
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Das SEM wies in
der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Vollzug zu-
lässig sei, weil die Beschwerdeführenden im Drittstaat Polen Schutz vor
Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden würden und das
Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates
nicht zu prüfen sei. Die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs wird von
den Beschwerdeführenden denn auch nicht in Abrede gestellt.
9.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs zu Recht bejaht. Zur Vermeidung von Wieder-
holungen kann auf vorstehende Erwägungen E. 5.2 beziehungsweise die
zutreffenden Erwägungen der angefochtenen Verfügung verwiesen wer-
den (vi-Entscheid, Erwägung III, Ziffer 2). In der Beschwerde wurde dem
inhaltlich nichts entgegengehalten. Die Beschwerdeführenden können sich
alsdann weder von der aktuellen politischen Lage Russlands noch von der
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behaupteten Vielzahl an Asylgesuchen Polens etwas zu ihren Gunsten ab-
leiten. Was die von ihnen geschilderte fehlende Unterstützung der polni-
schen Behörden betrifft (beispielsweise keinen Arzttermin erhalten zu ha-
ben, [...]), führte das SEM ferner zu Recht aus, sie hätten Polen während
des laufenden Asylverfahrens beziehungsweise bereits vor dem positiven
Asylentscheid verlassen. Bei einer Rückkehr steht ihnen aufgrund ihres
anerkannten Flüchtlingsstatus unter anderem der Zugang zu Unterstüt-
zungsleistungen des polnischen Staates sowie zur Gesundheitsvorsorge
offen. An der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vermögen auch die
auf Beschwerdeebene vorgebrachte Notwendigkeit einer lückenlose psy-
chologische Weiterbehandlung der Beschwerdeführenden aufgrund der
Behandelbarkeit in Polen wie auch die mit der Beschwerde eingereichten
Beweismittel (Arztrezept für ein Medikament; Informationsblatt zu «take
back»-Modalitäten Polens) nichts zu ändern. Der gesundheitlichen Situa-
tion der Beschwerdeführenden, insbesondere auch hinsichtlich allfälliger
suizidaler Tendenzen (...), ist bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitä-
ten angemessen Rechnung zu tragen.
9.3 Nach dem Gesagten ist es den Beschwerdeführenden nicht gelungen,
die Regelvermutungen umzustossen und erweist sich der Wegweisungs-
vollzug als zulässig und zumutbar.
9.4 Da die polnischen Behörden ihrer Rückübernahme zugestimmt haben,
ist der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen.
10.
Zusammenfassend hat das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Polen
zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung
der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Mit Ergehen des vorliegenden Urteils wird das Gesuch um Verzicht
auf das Erheben eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
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12.2 Die Beschwerde erschien im Zeitpunkt der Einreichung als aussichts-
los, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung unabhängig vom Vorliegen einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit
abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens
sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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