Decision ID: 8699ebde-36c7-4043-b7c2-518feeee7435
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Roos, Postgasse 5, Postfach,
9620 Lichtensteig,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Dezember 2006 (IV-act. 4) zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an und beantragte Umschulung und Rente. Sie leide an
multipler Sklerose (MS), Kraftlosigkeit, Schwäche der Beine und Arme, permanenter
Müdigkeit und Konzentrationsproblemen.
A.b Dr.med. B._, Fachärztin FMH für Neurologie, bestätigte im Arztbericht vom
22. Dezember 2006 (IV-act. 18) eine Multiple Sklerose mit schubförmigem Verlauf,
residueller sensibler Querschnittsymptomatik und partieller Visuseinschränkung nach
Retrobulbärneuritis links seit Mai 2003 bzw. Februar 2006. Die Versicherte sei von
24. März bis 9. Mai 2006 voll und seit 22. Mai 2006 bis auf weiteres zu 50% in ihrer
Arbeitsfähigkeit als Leiterin der Sterilpflege des Spital C._ eingeschränkt. Die
bisherige Tätigkeit sei ihr mit Mühe und häufigen Absenzen zu maximal 50% zumutbar,
mittelfristig aber sicher nicht mehr. Leichte Arbeit, z.B. mehr im Sitzen, ohne Heben
von Lasten, sei der Versicherten wahrscheinlich zu 50-75% zumutbar. Dr.med. D._,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, bezeichnete die angestammte Tätigkeit im
Arztbericht vom 28. Januar 2007 (IV-act. 29-3 f.) als nicht mehr zumutbar. Eine
Tätigkeit mit wenig Tragen von Gewichten und ruhiger Umgebung ohne Stress
situationen wäre der Versicherten etwa für vier Stunden täglich zumutbar.
A.c Die Z._ gab im Arbeitgeberbericht vom 30. Januar 2007 (IV-act. 32) an, die
Versicherte habe vom 1. November 2001 bis 28. Februar 2003 vollzeitlich als
Operationspflegefachfrau bei ihr gearbeitet und ein Monatseinkommen von Fr. 7'084.--
erzielt. Im Arbeitgeberbericht des Spital C._ vom 1. Februar 2007 (IV-act. 31) wurde
festgehalten, die Versicherte sei dipl. Pflegefachfrau, seit 19. Mai 2003 angestellt und
bis zum Eintritt des Gesundheitsschadens als Hauptverantwortliche der
Zentralsterilisation tätig gewesen. Sie habe diese Aufgabe abgeben müssen und
arbeite wieder als Pflegefachfrau (ohne Pikett, Spät- und Nachtdienst).
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A.d Dr.phil. E._, akademischer Psychologe und dipl. Psychoanalytiker, gab am
9. Februar 2007 (IV-act. 35-2) an, die Versicherte seit 28. April 2006 zu behandeln.
Nach seiner Einschätzung handle es sich um einen Aggravationsfall. Nach der
Diagnose der Multiplen Sklerose habe die Versicherte den "Weg" der Krankheit und
Invalidität gewählt, statt ihre gesunden Ressourcen zu nutzen.
A.e Im Rahmen beruflicher Massnahmen wurde der Versicherten am 11. September
2007 vom 1. August bis 31. Oktober 2007 eine Abklärungszeit beim Spital C._
bewilligt. Dabei sollten verschiedene Varianten von Präsenz und Arbeitsinhalt
ausprobiert werden (vgl. IV-act. 53, 55). Für diesen Zeitraum wurde ihr ein Taggeld
zugesprochen (IV-act. 59). Am 5. Dezember 2007 (IV-act. 65) wurde eine Verlängerung
der Massnahme bis 2. Dezember 2007 verfügt. Gleichentags wurde für die Zeit vom
3. Dezember 2007 bis 29. Februar 2008 eine Abklärung bei der F._ AG verfügt (IV-
act. 67; vgl. auch IV-act. 60). Auch in jenem Zeitraum bestand ein Taggeld-Anspruch
(IV-act. 75, 76). Da im Spital C._ kein geeigneter Einsatzbereich gefunden wurde,
wurde der Arbeitsvertrag per Ende Februar 2008 aufgelöst. Offenbar wegen eines
erneuten MS-Schubs reduzierte sich der Arbeitseinsatz bei der F._ zudem im Februar
2008 auf 30% (vgl. IV-act. 77). Unter dem Titel Umschulung sprach die IV der
Versicherten am 18. März 2008 (IV-act. 83) eine praktische Ausbildung bei der F._
vom 1. März bis 31. August 2008 zu (samt Taggeld, vgl. Verfügung vom 28. März 2008,
IV-act. 86).
A.f Am 29. Februar 2008 (IV-act. 81) hatte Dr.med. G._, Facharzt FMH für
Neurologie, in einem Arztbericht darauf hingewiesen, dass aktuell eine
Hinterstrangsymptomatik und eine ausgeprägte Fatigue-Symptomatik beständen. Seit
Behandlungsbeginn bei ihm im September 2007 sei die Versicherte als Büroangestellte
zu 50% arbeitsfähig. Neben der Fatigue-Symptomatik bestehe eine leichte
neurokognitive Beeinträchtigung und raschere Erschöpfbarkeit und Ermüdbarkeit, auch
mit Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit und Konzentration. Auf Überweisung von Dr.
G._ nahm die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) eine
neuropsychologische Untersuchung der Versicherten vor. Im Bericht vom 10. Juni 2008
(IV-act. 95-3 ff.) werden leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörungen
genannt. Aufgrund der geringen psychischen Belastbarkeit und der Fatigue-
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Symptomatik erscheine eine Tätigkeit von drei bis vier Stunden bei reduzierter Leistung
möglich. Die Arbeitsfähigkeit schätze man aktuell auf 30%.
A.g Am 24. Juni 2008 (IV-act. 91) gewährte die IV-Stelle der Versicherten
Kostengutsprache für Computerkurse. Am 6. August 2008 (IV-act. 97) hielt der
Berufsberater fest, je nach Befindlichkeit und Arbeit schwanke die Leistungsfähigkeit
der Versicherten zwischen 30% und 50%. Mit Mitteilung vom 18. August 2008 wurden
die beruflichen Massnahmen abgeschlossen (IV-act. 99).
A.h Per 1. Januar 2009 wurde die Versicherte vom Wohn- und Pflegeheim H._ im
Stundenlohn mit Pensum von 10-30% als Krankenschwester angestellt (IV-act. 114).
A.i Dr. G._ berichtete am 8. Januar 2009 (IV-act. 116) von einem progredienten
Krankheitsprozess der Multiplen Sklerose, mit Progredienz sei Juli 2008 mit weiterhin
bestehender Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
A.j Die IV-Stelle erfuhr am 25. Februar 2009 (IV-act. 122), dass die
Beschwerdeführerin vom Wohn- und Pflegeheim H._ am 17. Februar 2009 die
Kündigung erhalten hatte. Nach Angabe des Heims stiess die Versicherte mit drei
Stunden Pflege an ihre Grenzen. Sie fühle sich nur mit diplomierter Pflegefachfrau im
Hintergrund sicher; dies könne jedoch im kleinen Heim nicht gewährleistet werden.
A.k Am 20. März 2009 (IV-act. 125) erstattete der IV-interne Regionale Ärztliche Dienst
(RAD) einen Bericht über Untersuchungen vom 25. und 26. Februar 2009. Dr.med.
I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter medizinischer
Gutachter (SIM), erwähnte Anpassungsprobleme bei Veränderung der
Lebensumstände infolge der Erkrankung an Multipler Sklerose sowie, ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit, eine akzentuierte Persönlichkeit mit selbstunsicherängstlichen,
zwanghaften und perfektionistischen Zügen. Dr.med. J._, Fachärztin für Neurologie
und Psychiatrie, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH,
zertifizierte Gutachterin (SIM), nannte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die
Diagnose der Multiplen Sklerose mit schubförmiger Verlaufsform. Aktuelle funktionelle
Beeinträchtigungen seien verstärkte Ermüdbarkeit, leichte bis mittelschwere kognitive
Funktionsstörungen und diskrete Sensibilitätsstörungen nach zervikaler Querschnitts
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myelitis, diskrete Zeichen einer residuellen linksseitigen zentralnervösen motorischen
Störung und leichte Harn- und Stuhlinkontinenz. Interdisziplinär äusserten die beiden
Ärzte die Ansicht, dass die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Operationspflegefachfrau aufgehoben sei. Die neurologische Grunderkrankung bedinge
in Kombination mit der Anpassungsstörung und der inadäquaten
Krankheitsverarbeitung auch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen und
psychischen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit in einer leidensangepassten
Tätigkeit. Man erachte eine Arbeitsfähigkeit von insgesamt 60% für realisierbar. Die
Wiedereingliederung sollte nach einer vorwiegend psychotherapeutischen
Rehabilitationsmassnahme gestuft erfolgen, beginnend mit 30%.
A.l Auf Anfrage der IV-Stelle berichtete Dr.med. K._, Facharzt FMH für Herzleiden
und Innere Medizin, am 29. April 2009 (IV-act. 131), er habe echokardiologisch eine
mittelschwere Mitralklappeninsuffizienz bei Prolaps des hinteren Mitralklappensegels
festgestellt. Müdigkeit und Gliederschmerzen seien in erster Linie auf die Multiple
Sklerose zurückzuführen. Die Arbeitsfähigkeit beurteile der Hausarzt. Seitens des RAD
wurde am 27. Juli 2009 (IV-act. 135) sinngemäss festgehalten, auf das Ergebnis des
RAD-Gutachtens könne weiterhin abgestellt werden.
A.m Am 14. August 2009 ging der IV-Stelle ein Rahmen-Arbeitsvertrag zwischen der
Frauenzentrale des Kantons St. Gallen und der Versicherten vom 20. Juli 2009 (IV-
act. 136) zu. Dieser bezog sich auf näher zu vereinbarende Einsätze der Versicherten
im hauswirtschaftlichen Bereich.
A.n Mit Vorbescheid vom 25. Januar 2010 (IV-act. 143) teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, sie sehe die Zusprache einer Dreiviertelsrente bei einem
Invaliditätsgrad von 64% ab 1. März 2007 vor. Trotz Einwands von Rechtsanwalt lic.iur.
Reto Joos vom 25. Februar 2010 (IV-act. 147), in dem dieser die Zusprache einer
ganzen IV-Rente beantragte, hielt die IV-Stelle am vorgesehenen Invaliditätsgrad fest.
Am 3. September 2010 sprach sie von 1. März bis 31. Juli 2007 (IV-act. 156; 157) sowie
ab 1. September 2008 eine Dreiviertelsrente zu (Sistierung der Rente vom 1. August
2007 bis 31. August 2008; IV-act. 157-4).
B.
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B.a Gegen die Verfügungen vom 3. September 2010 richtet sich die Beschwerde des
Rechtsvertreters der Versicherten vom 29. September 2010 (act. G 1). Er beantragt
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen die Aufhebung der Verfügungen und die
Zusprache einer ganzen Rente, eventualiter die Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin zwecks weiterer Abklärungen betreffend die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin. Im RAD-Gutachten werde ohne nähere Begründung von einer
Arbeitsfähigkeit von 60% ausgegangen, obwohl die bisherigen Arztberichte von
verschiedenen Fachmedizinern der Beschwerdeführerin über Jahre hinweg eine
Arbeitsfähigkeit von maximal 30-50% attestiert hätten. Indem die Beschwerdegegnerin
die Widersprüche zwischen den medizinischen Unterlagen nicht genauer untersucht
habe und auf die Einwendungen der Beschwerdeführerin nicht eingegangen sei, habe
sie das rechtliche Gehör verletzt. Die involvierten Fachleute hätten die
Beschwerdeführerin sehr intensiv und teilweise über eine sehr lange Zeit untersucht. Es
handle sich bei diesen Fachleuten auch nicht um irgendwelche Hausärzte, die der
Beschwerdeführerin eine Gefälligkeit hätten erweisen wollen. Der psychologische
Untersuchungsbericht von Dr.phil. L._ (Klinik für Neurologie, KSSG) werde vom RAD
gerade mal mit drei Sätzen kommentiert. Dies, obwohl Dr. L._ über grosse Erfahrung
mit MS-Patienten und über die entsprechenden Test- und
Untersuchungsmöglichkeiten verfüge. Der RAD habe keinen einzigen Test
durchgeführt. Gemäss den im Recht liegenden Unterlagen bestehe bei der
Beschwerdeführerin momentan eine Arbeitsfähigkeit von 30%. Diese könnte
möglicherweise minimal gesteigert werden, liege aber maximal bei 40%. Das
Valideneinkommen belaufe sich per 2007 auf Fr. 97'188.80. Beim Invalideneinkommen
sei eine Basis von Fr. 4'000.-- bei vollem Pensum als absolut obere Limite zu
betrachten. Angemessen erscheine zudem ein Leidensabzug von 25%. Der
Invaliditätsgrad belaufe sich mithin auf über 80%. Im Übrigen liess die
Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einreichen (act. G 1.2),
das am 15. November 2010 (act. G 8) ergänzt wurde.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2010 (act. G 11) beantragt die Be
schwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie macht sinngemäss geltend, die
Begutachtung durch den RAD und dessen Arbeitsfähigkeitsschätzung seien nicht zu
beanstanden. Das bereits im Einwand bemängelte Valideneinkommen sei in der
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Verfügung schon angepasst worden. Der gewährte Leidensabzug von 10% sei ange
messen.
B.c Die Beschwerdeführerin lässt in der Replik vom 13. Dezember 2010 (act. G 17) an
ihren Anträgen festhalten. Erneut wurde das Gutachten des RAD kritisiert. Auch der IV-
Berufsberater habe festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsunfähigkeit
(richtig: Arbeitsfähigkeit) auf 30% einschätze. Aus seiner Formulierung gehe hervor,
dass nicht nur die Beschwerdeführerin, sondern auch Fachpersonen die
Arbeitsfähigkeit auf diese Höhe schätzten. Auf weitere Ausführungen wird, sofern

entscheidwesentlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 7. Januar 2011 (act. G 19) auf eine
weitere Stellungnahme.
B.e Die Beschwerdeführerin liess am 10. Januar 2011 (act. G 20) mitteilen, dass die
Rechtsschutzversicherung ab 10. Dezember 2010 Kostengutsprache für das Verfahren
gewährt habe. Sie liess um unentgeltliche Rechtsverbeiständung vom 4. Februar bis
9. Dezember 2010 ersuchen.
Erwägungen:
1.
Angefochten sind Verfügungen, die nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 ergangen sind. Grundsätzlich sind für die Zeit bis 31. Dezember 2007 die damals
geltenden Bestimmungen und ab 1. Januar 2008 die neuen Normen der 5. IV-Revision
anzuwenden (BGE 132 V 215 E. 3.1.1; vgl. auch Urteil 8C_520/2010 vom 9. Juli 2010,
E. 2). Die 5. IV-Revision hat (wie auch die am 1. Januar 2012 in Kraft getretene IV-
Revision 6a) hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
gebracht. Neu normiert wurde demgegenüber der Zeitpunkt des Rentenbeginns, der,
sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind (Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]), gemäss Art. 29
Abs. 1 IVG frühestens 6 Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2009&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=%22124+V+94%22+antizipierte+Beweisw%FCrdigung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-V-215%3Ade&number_of_ranks=0#page215
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rechts (ATSG; SR 830.1) entsteht. Da ein allfälliger Rentenanspruch im vorliegenden
Fall auf einen Zeitpunkt vor dem 1. Januar 2008 festzusetzen wäre (die zur Invalidität
führende Arbeitsunfähigkeit trat im Jahr 2006 ein und die IV-Anmeldung erfolgte im
Dezember 2006), wirkt sich diese Neuerung auf den hier zu prüfenden Fall jedoch nicht
aus (vgl. Urteil 8C_373/08 des Bundesgerichts vom 28. August 2008, E. 2.1 mit Hin
weis).
2.
Strittig ist der Rentenanspruch, der primär zu prüfen ist. Die Beschwerdegegnerin hat
eine Dreiviertelsrente zugesprochen, die Beschwerdeführerin verlangt eine ganze
Rente. Zum Streitgegenstand gehört aber, weil der Einkommensvergleich zur
Bemessung des Invaliditätsgrads nach Art. 16 ATSG erst nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen ist,
notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung eine allfällige Pflicht der Be
schwerdeführerin zu medizinischen und/oder beruflichen Massnahmen korrekt in
Anspruch genommen hat.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.2 Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, wenn die versicherte Person u.a.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente besteht, wenn die versicherte Person mindestens zu 70% und auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
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3.3 Gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG nimmt der Versicherungsträger die notwendigen
Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Um den
Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist der Versicherungsträger und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
gerichtliche Verfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben
die Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
3.4 Art. 8 der Schweizerischen Bundesverfassung (BV; SR 101) und Art. 6 Ziff. 1 der
Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101)
geben keinen formellen Anspruch auf versicherungsexterne Begutachtung, wenn
Leistungsansprüche streitig sind. Erachtet das Sozialversicherungsgericht die
rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer
Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen abschliessen.
In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (RKUV 1997
U 281 E. 1a S. 281f.).
3.5 Die Beschwerdeführerin lässt das RAD-Gutachten bemängeln und die Ansicht
äussern, die teilweise langjährig behandelnden Fachärzte seien besser in der Lage, ihre
Arbeitsfähigkeit objektiv einzuschätzen. In formeller Hinsicht nennt ihr Rechtsvertreter
keine Ausstandsgründe gegen die RAD-Ärzte. Solche sind denn auch nicht ersichtlich.
Der Rechtsvertreter bemängelt in allgemeiner Weise, die Rolle des RAD sei nicht
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hinterfragt worden; dieser stehe der IV sehr nahe und vertrete deren Interessen.
Diesbezüglich ist auf die konstante höchstrichterliche Praxis zu verweisen, wonach der
Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) mit jenem von externen medizinischen
Sachverständigengutachten vergleichbar ist, sofern sie den genannten, von der
Rechtsprechung umschriebenen Anforderungen genügen (vgl. m.w.H. BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Soweit die Beschwerdeführerin vorbringen lässt, ihre behandelnden
Fachärzte könnten ihren Gesundheitszustand aufgrund der teils langjährigen
Behandlungsdauer besser einschätzen, ist dies nicht geeignet, eine Vermutung für die
Richtigkeit oder höhere Überzeugungskraft jener Beurteilungen gegenüber derjenigen
des RAD aufzustellen. Im Rahmen der Beweiswürdigung ist der Verschiedenheit von
Behandlungsauftrag einerseits und Begutachtungsauftrag andererseits Rechnung zu
tragen (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteile 9C_801/2007 vom 7. Februar 2008, E. 3.2.2;
8C_286/2007 vom 3. Januar 2008, E. 4; 9C_133/2010 vom 7. April 2010, E. 2.2). Eine
durch behandelnde Ärzte erstellte abweichende Zumutbarkeitsschätzung vermag für
sich allein das Ergebnis der fachärztlichen Expertise nicht umzustossen, ohne dass
zusätzliche, den Beweiswert des Gutachtens beeinträchtigende Gründe hinzutreten. Zu
denken ist etwa an Fälle, in denen sich eine klärende Ergänzung des medizinischen
Dossiers (oder auch direkt eine abweichende Beurteilung) aufdrängt, weil die
behandelnden Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (m.w.H. Urteil 8C_784/2011 vom 15.
Dezember 2011, E. 3.2). Solche Aspekte benennt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin nicht konkret. Nachfolgend ist zu prüfen, wie es sich damit verhält.
4.
4.1 Die zentrale Diagnose in sämtlichen medizinischen Berichten ist die Multiple
Sklerose. Damit in Zusammenhang steht die unbestrittenermassen erhebliche Ein
schränkung durch verstärkte Müdigkeit sowie Reduktion der Konzentrations- und
Gedächtnisleistung.
4.1.1 In der Grunderkrankung der Multiplen Sklerose kam es im Februar 2006 zu
einer (nach Frühjahr 2003 zweiten) schubartigen Verschlechterung; ein weiterer Schub
im Januar 2008 ist fraglich (vgl. IV-act. 87-1; 125-21; keine Erwähnung mehr im Bericht
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von Dr. G._ vom 8. Januar 2009, IV-act. 116-1). Während Dr. B._ am 24. August
2007 (IV-act. 123-7 f.) nicht von einer Progredienz ausgegangen war und lediglich
Restsymptome (vermehrte körperliche Erschöpfbarkeit, Fatigue und residuelle sensible
Ausfälle) anerkannt hatte, bezeichnete Dr. G._ die Problematik am 29. Februar 2008
(IV-act. 81-2) ohne nähere Begründung als progredient. Am 8. Januar 2009 (IV-
act. 116-3) erwähnt er unter Bezugnahme auf ein MRI (wohl) vom 7. Januar 2009 neu
aufgetretene zerebrale und zervikale Herde, womit er die Progredienz erklärte. Die
begutachtende Neurologin Dr. J._ hat diese Entwicklung im Rahmen ihrer
Untersuchung vom 26. Februar 2009 berücksichtigt. Sie hat auch den Bericht und das
MRI vom 7. Januar 2009 eingesehen und die radioneurologischen Auffälligkeiten nach
wie vor als diskret beurteilt (IV-act. 125-20; 125-18). Sie wies auf eine bisher eher milde
Verlaufsform der Krankheit hin, was sie u.a. mit der weitestgehenden Rückbildung der
in den akuten Schubereignissen ausgeprägten neurologischen Reiz- und
Ausfallerscheinungen begründete. So fand sie auch bei der von ihr durchgeführten
Untersuchung nur noch diskrete pathologische Befunde hinsichtlich Motorik,
Sensibilität und Vegetativum; sie nannte einen asymmetrischen Reflexstatus,
verminderte Ausdauerbelastbarkeit bei schwerer körperlicher Anstrengung wie
Bergsteigen und Skifahren, nach kaudal zunehmende Pallhypästhesie und leichte Urin-
und Stuhlinkontinenz. Die übrigen Akten widersprechen dieser Feststellung nicht;
erhebliche anhaltende pathologische Befunde im erwähnten Sinn nennen auch die be
handelnden Ärzte nicht.
4.1.2 Somit erscheint die Arbeitsfähigkeit zentral durch die Fatigue-Symptomatik
und die reduzierte Konzentrations- und Gedächtnisleistung beeinträchtigt. Diese
Problematik schränkt die Beschwerdeführerin auch subjektiv am stärksten ein (vgl.
etwa letzter Absatz auf S. 21 des RAD-Gutachtens, IV-act. 125-21). Dr. J._ anerkennt
abnorme Müdigkeit und neurokognitive Einschränkungen grundsätzlich als schwerste
Beeinträchtigung von Patienten mit Multipler Sklerose im privaten und beruflichen
Alltag, weist aber darauf hin, dass das Ausmass der Beeinträchtigung in der Regel mit
der Schwere des Krankheitsverlaufs (Anzahl, Frequenz und Schweregrad der
Krankheitsschübe) und der Ausprägung und Verteilung zerebraler Entmarkungsherde
korreliere. Die Diskrepanz zwischen den weniger stark ausgeprägten objektivierbaren
klinisch-neurologischen bzw. neuroradiologischen Befunden und der starken
subjektiven Beeinträchtigung konnte sie aus neurologischer Sicht nicht hinreichend
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erklären. In ideal adaptierter Tätigkeit (körperlich leicht bis mittelschwer mit möglichst
wechselnden Körperpositionen, keine rein sitzende Bürotätigkeit mit vorwiegender
Bildschirmarbeit und hohen Anforderungen an Konzentration, Möglichkeit zu frei
wählbaren Pausen, keine Schicht- und Nachtdienste) hielt sie eine Arbeitsfähigkeit von
60% für realisierbar. Der behandelnde Neurologe Dr. G._ nennt keine Aspekte, die
diese Einschätzung als zu optimistisch erscheinen lassen. Insbesondere nimmt er nicht
Stellung zur erwähnten Diskrepanz zwischen dem eher leichten objektivierbaren
Krankheitsbild und der subjektiv von der Beschwerdeführerin erlebten erheblichen
Einschränkung. Er äussert sich auch nicht zur von Dr. J._ festgehaltenen
weitestgehenden Rückbildung der Reiz- und Ausfallerscheinungen. Die von ihm im
Bericht vom 8. Januar 2009 (IV-act.116-2) erwähnten Sensibilitätsstörungen im Bereich
der Hände, Füsse und distalen Unterschenkel konnte Dr. J._ nicht feststellen (vgl.
Ziff. 3.2 auf S. 20 des RAD-Gutachtens). Im Weiteren beeinträchtigt die von Dr. G._
erwähnte Stuhlinkontinenz (Antwort auf Frage 2 in IV-act. 116-3), die Dr. J._ als
lediglich leicht bezeichnete und der sie keine wesentliche Alltagsbeeinträchtigung
zubilligte, die Arbeitsfähigkeit nachvollziehbarerweise höchstens qualitativ
(Verfügbarkeit einer Toilette), nicht jedoch zusätzlich quantitativ. Insgesamt liefern die
Akten somit keine konkreten Anhaltspunkte, die auf fehlende Zuverlässigkeit der
Einschätzung von Dr. J._ schliessen lassen würden.
4.2
4.2.1 Der begutachtende Psychiater Dr. I._ verneinte inhaltliche oder formale
Einschränkungen (kein Zwangsdenken, keine Denkverlangsamung, keine Verworren
heit). Die Stimmung der Beschwerdeführerin erlebte er als unzufrieden, mit sich
hadernd, gelegentlich in einen kurzen traurigen, hintergründig auch trotzig und leicht
wütend wirkenden Unterton umschlagend. Der Antrieb sei allenfalls leicht reduziert,
nicht jedoch gehemmt. Hirnorganische Leistungseinbussen konnte Dr. I._ ebenso
wenig feststellen wie vorzeitige Ermüdungserscheinungen (IV-act. 125-7 f.). Im
Weiteren verneinte der Gutachter das Vorliegen einer organisch gefärbten Depression
und einer klar abgrenzbaren depressiven, also psychogenen Depression. Eine
Persönlichkeitsstörung eruierte er nicht, wohl aber eine charakterliche Akzentuierung
mit leistungsbezogenem Selbstwerterleben auf dem Hintergrund von teils zwanghaft-
perfektionistischen, aber auch selbstunsicher-ängstlichen Zügen. Vor diesem
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Hintergrund bezeichnete er die psychische Belastbarkeit als eingeschränkt. Für
geeignet hielt er lediglich noch Tätigkeiten ohne Zeitdruck, ohne besondere
Führungsverantwortung, mit der Möglichkeit, das Arbeitstempo variieren und
gegebenenfalls mit kurzen individuellen Pausen selbst steuern zu können, ohne
Nachtdienst und in einem überschaubaren Arbeitsbereich. Beginnend bei 30% hielt der
Gutachter eine Steigerung des Pensums auf 75% für zumutbar (IV-act. 125-10).
4.2.2 In Behandlung war die Beschwerdeführerin insbesondere im Jahr 2006
beim Psychologen Dr.phil. E._; dessen knappe Ausführungen vom 9. Februar 2007
(IV-act. 35) liefern für die vorliegend vorzunehmende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
jedoch keine tauglichen Hinweise.
4.2.3 Der Rechtsvertreter erachtet hingegen den Bericht über die Untersuchung
der Beschwerdeführerin von neuropsychologischer Seite der Klinik für Neurologie des
KSSG vom 10. Juni 2008 (IV-act. 95-3 ff.) als relevant. Darin werden Selbstangaben der
Beschwerdeführerin ausführlich wiedergegeben. Aus den Testergebnissen schlossen
die Neuropsychologinnen auf leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörungen.
Als im Vordergrund stehend nannten sie eine starke psychische Belastung der Be
schwerdeführerin. Zur psychischen Situation hat sich jedoch Dr. I._ differenziert
geäussert und begründet, weshalb er keine Diagnosen nennen konnte, die eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von über 25% rechtfertigen würden. Bidisziplinär
wiesen die RAD-Gutachter darauf hin, dass die seitens der Neuropsychologinnen
festgestellte Beeinträchtigung des kognitiven Leistungsprofils von diesen nicht
eindeutig der Multiplen Sklerose oder einer depressiven Erkrankung habe zugeordnet
werden können und anlässlich der eigenen Begutachtungen die seinerzeit vermutete
mittelschwere depressive Episode nicht vorgelegen habe. Die seitens der
Neuropsychologinnen im Juni 2008 attestierte erhebliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 70% erscheint insgesamt nicht als plausibel begründet.
4.3 Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass auf die bidisziplinäre
Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 60% unter idealen Bedingungen gemäss RAD-
Gutachten abgestellt werden kann.
5.
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5.1 Die Invaliditätsbemessung ist vorliegend unbestrittenermassen anhand der
allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) vorzunehmen. Dazu
ist das Einkommen, dass die versicherte Person ohne Gesundheitsschaden
hypothetisch erzielen könnte, in Beziehung zu setzen zum Einkommen, dass sie nach
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und der allenfalls angezeigten beruflichen Massnahmen erzielen könnte.
5.2 Unbestrittenermassen ist vorliegend als Valideneinkommen jener Verdienst
relevant, den die Beschwerdeführerin als Operationsschwester erzielen könnte. In der
Klinik M._ erzielte sie im Jahr 2002 ein Einkommen von Fr. 91'683.-- (IV-act. 13;
32-2). Bereits im Frühjahr 2003 kam es zur Erstsymptomatik der MS-Erkrankung (vgl.
S. 13 des RAD-Gutachtens, IV-act. 125-13) und schliesslich zum Wechsel in die ge
eignetere, geringfügig schlechter bezahlte Tätigkeit als Leiterin der Zentralsterilisation
des Spitals C._. Entsprechend ist zur Bemessung des Valideneinkommens vom im
Jahr 2002 als Operationsschwester erzielten Lohn von Fr. 91'683.-- auszugehen.
Angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2010 (Verfügungserlass; Index Frauen
2002: 2296; 2010: 2579) ergibt sich ein Betrag von gerundet Fr. 102'984.--.
5.3 In der beschriebenen optimal leidensangepassten Tätigkeit kann die
Beschwerdeführerin nicht mehr auf ihr angestammtes Fachwissen zurückgreifen. Sie
ist nicht mehr in der Lage, eigentliche Berufskenntnisse umzusetzen. Mit der Arbeit als
Krankenschwester, die sie im Jahr 2009 aus eigenem Antrieb im Wohn- und
Pflegeheim H._ fand und aufnahm, war sie überfordert, was die RAD-Gutachter für
plausibel hielten (vgl. etwa S. 23 des Gutachtens, IV-act. 125-23). Unter diesen
Umständen ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nur noch geeignete
Hilfsarbeiten verrichten könnte. Entsprechend ist für die Bemessung des
Invalideneinkommens auf das statistische Durchschnittseinkommen für
Hilfsarbeiterinnen gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) im Jahr
2010 abzustellen. Dieses belief sich bei vollem Pensum auf Fr. 52'790.-- (Tabelle TA1)
bzw. beim Pensum von 60% auf Fr. 31'674.--. Die Beschwerdegegnerin hat einen
Abzug vom Tabellenlohn (vgl. BGE 124 V 323 bzw. 134 V 327) von 10% gewährt.
Berücksichtigt man einen Abzug in dieser Höhe, beläuft sich das massgebende
Invalideneinkommen auf Fr. 28'507.--.
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5.4 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 102'984.-- und einem Invalideneinkommen
von Fr. 28'507.-- beläuft sich der Invaliditätsgrad auf 72.3%. Da somit Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente besteht, kann offen bleiben, ob der Abzug vom Tabellenlohn
von lediglich 10% den Umständen vollumfänglich Rechnung trägt, was die
Beschwerdeführerin bestreiten lässt.
6.
Die Beschwerdegegnerin hat berufliche Eingliederungsmassnahmen im Lauf der Zeit
wiederholt geprüft und auch gewährt. Trotz unbestritten guter Motivation und
Eigeninitiative der Beschwerdeführerin konnte damit kein rentensenkendes Einkommen
erreicht werden. Der Abschluss der beruflichen Massnahmen ist unter diesen
Umständen nicht zu beanstanden. Auch von weiteren medizinischen Massnahmen ist
nach Lage der Akten keine Erhöhung der relevanten Arbeitsfähigkeit zu erwarten.
7.
Der Zeitpunkt des Rentenbeginns wurde von der Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung auf 1. März 2007 festgelegt und ist unbestritten geblieben.
Im RAD-Gutachten wurde der Eintritt der das Wartejahr auslösenden Arbeitsunfähigkeit
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG bzw. Art. 29 Abs. 1 IVG in der bis Ende 2007 gültig gewesenen
Fassung) auf Februar 2006, den Zeitpunkt des zweiten MS-Schubs, festgelegt (S. 23
des Gutachtens; IV-act. 125-23). Davon wich die IV-Stelle mit dem Hinweis ab, dem
Fragebogen für Arbeitgeber sei zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin ab
22. März 2006 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei (IV-act. 140-1). Dies
trifft zu (vgl. IV-act. 31-2). Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin in der IV-
Anmeldung war sie erst ab 24. März 2006 krankgeschrieben (IV-act. 4-5), was mit den
Angaben von Dr. B._ vom 22. Dezember 2006 (IV-act. 18-1) und von Dr. D._ vom
28. Januar 2007 (IV-act. 29-1) übereinstimmt. Entsprechend ist nicht zu beanstanden,
dass die Beschwerdegegnerin den Beginn des Wartejahres auf März 2006 und den
Rentenbeginn auf 1. März 2007 festlegte.
8.
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8.1 Die Beschwerde ist unter Aufhebung der angefochtenen Verfügungen vom
3. September 2010 gutzuheissen. Die Beschwerdeführerin hat gemäss den
vorstehenden Erwägungen ab 1. März 2007 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
Die Beschwerdegegnerin hat den Rentenanspruch wegen des IV-Taggeldbezugs vom
1. August 2007 bis 31. August 2008 sistiert, was unbestritten geblieben und nicht zu
beanstanden ist (vgl. Art. 43 Abs. 2 IVG). Der Anspruch auf eine ganze Rente lebt per
1. September 2008 wieder auf
8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt, sodass ihr als nicht von
der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten befreiter selbstständiger öffentlich-
rechtlicher Anstalt die Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist.
8.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehr
wertsteuer).
8.4 Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung für den Zeitraum bis 9. Dezember
2010 wird bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP