Decision ID: 3bf5df12-a064-554e-bbed-f41764e29817
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Z._,
Beschwerdeführer,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rückerstattung von Taggeldleistungen (Zwischenverdienst)
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Z._ stellte am 2. November 2005 Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab
dem 1. Januar 2006 (act. G 7.3). Seine letzte Stelle hatte er bei der A._ AG, welche
das Arbeitsverhältnis per 31. Dezember 2005 kündigte (act. G 7.1, 2 und 9). Vom 16.
Mai 2006 bis 30. September 2006 war der Versicherte bei der B._ AG zu einem
Monatslohn von Fr. 4'100.-- angestellt (act. G 7.71). Wegen eines Unfalls am 24. Mai
2006 war der Versicherte bis zum 3. Juli 2006 zu 100% arbeitsunfähig. Vom 3. Juli bis
31. August 2006 betrug die Arbeitsfähigkeit 50% (act. G 7.60). Die Suva bezahlte das
Taggeld von Fr. 123.85 (100%) ab dem 27. Mai 2006 direkt an den Versicherten aus
(act. G 7.37).
A.b Der Personalberater des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums Heerbrugg
(RAV) hielt in seinen Protokollen zu den Beratungsgesprächen vom 8. Mai und 5. Juli
2006 fest, der Versicherte übe bei der B._ AG einen Zwischenverdienst aus. Er werde
dort eine Feststelle antreten können (act. G 7.33, 7.39). Am 5. Juli 2006 meldete das
RAV Heerbrugg den Versicherten per 31. August 2006 ab (act. G 7.40). Die kantonale
Arbeitslosenkasse zahlte dem Versicherten in den Kontrollperioden Mai bis August
2006 Kompensationsleistungen (act. G 10.2, 10.4, 10.6).
A.c Mit Verfügung vom 23. Mai 2007 stellte die kantonale Arbeitslosenkasse fest,
dass die im Zeitraum vom 16. Mai 2006 bis 31. August 2006 kontrollierten Ausfalltage
nicht durch die Arbeitslosenkasse entschädigt werden könnten, und forderte die
Rückzahlung von zuviel bezogenen Taggeldleistungen im Totalbetrag von Fr. 3'160.30
(netto). Anlässlich der Revision des Seco sei festgestellt worden, dass der Versicherte
seit 16. Mai 2006 in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis mit einem zumutbaren Lohn
stehe und ab diesem Zeitpunkt keine weiteren Leistungen hätten ausbezahlt werden
dürfen (act. G 7.94).
B.
Mit Entscheid vom 6. September 2007 wies die kantonale Arbeitslosenkasse die
dagegen erhobene Einsprache vom 1./6. Juni 2007 (act. G 7.97, 7.100) ab. Der
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Versicherte habe seit dem 16. Mai 2006 in einer finanziell zumutbaren
Vollzeitbeschäftigung bei der B._ AG gestanden, wobei er einen Monatslohn von Fr.
4'100.-- plus einen dreizehnten Monatslohn erhalte. Er hätte in diesem Zeitraum keinen
Verdienstausfall erlitten, wenn die ihm zugesicherten Stunden von seiner Arbeitgeberin
entschädigt worden wären. Da er in einem finanziell zumutbaren
Vollzeitarbeitsverhältnis gestanden habe, habe die Arbeitslosenkasse für allfällige
Verdienstausfälle nicht einzustehen. Somit sei ab diesem Zeitpunkt die Arbeitslosigkeit
des Versicherten beendet gewesen. Die vom 16. Mai 2006 bis 31. August 2006
kontrollierten Ausfalltage könnten deshalb durch die Arbeitslosenkasse nicht
entschädigt werden, weshalb die zuviel bezogenen Taggeldleistungen im Totalbetrag
von Fr. 3'160.30 (netto) zu Recht zurückgefordert worden seien (act. G 1.1).
C.
Mit Beschwerde vom 19. September 2007 beantragt der Versicherte sinngemäss die
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 6. September 2007 sowie die Aufhebung
der Rückforderung. Er sei im guten Glauben davon ausgegangen, dass die
Lohnabrechnungen der Firma B._, der SUVA und der Arbeitslosenkasse stimmen
und von der Arbeitslosenkasse kontrolliert würden. Seinerseits liege kein Fehler vor.
Ausserdem sei ihm kein finanzieller Vorteil entstanden. Er habe die korrekt ausgefüllten
Unterlagen und sämtliche Kopien der Lohnabrechnungen der Arbeitslosenkasse
geschickt (act. G 1 bis 5). Mit Beschwerdeantwort vom 31. Oktober 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Begründung entspricht jener
des Einspracheentscheids (act. G 7). Der Beschwerdeführer verzichtet auf eine Replik
(act. G 8 und 9).

Erwägungen:
1.
Nach Artikel 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig
bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Zu Unrecht bezogene Geldleistungen, die auf
einer formell rechtskräftigen Verfügung beruhen, können, unabhängig davon, ob die zur
Rückforderung Anlass gebenden Leistungen förmlich oder formlos verfügt worden
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sind, nur zurückgefordert werden, wenn entweder die für die Wiedererwägung (wegen
zweifelloser Unrichtigkeit und erheblicher Bedeutung der Berichtigung) oder die für die
prozessuale Revision (wegen vorbestandener neuer Tatsachen oder Beweismittel)
bestehenden Voraussetzungen erfüllt sind (vgl. Urteil i.S. B vom 25. Januar 2006 C
264/05 mit Hinweisen).
2.
Strittig und zu prüfen ist also, ob der Beschwerdeführer vom 16. Mai 2006 bis 31.
August 2006 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hatte bzw. ob die
Beschwerdegegnerin die ausbezahlten Leistungen zurückfordern durfte.
2.1 Als erstes zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer für den Zeitraum vom 16. Mai
bis 31. August 2006 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hatte.
2.1.1 Zu den gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen gehört u.a., dass die
versicherte Person als (ganz oder teilweise) arbeitslos gilt. Diese Voraussetzung ist
unter anderem dann nicht mehr gegeben, wenn eine zumutbare Arbeit im Sinne von
Art. 16 AVIG aufgenommen wird. Hingegen beendet eine Zwischenverdiensttätigkeit
die Arbeitslosigkeit nicht (Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Rz
149). Unzumutbar ist unter anderem eine Arbeit, die der versicherten Person einen
Lohn einbringt, der geringer ist als 70% des versicherten Verdienstes, es sei denn die
versicherte Person erhalte Kompensationszahlungen nach Artikel 24 (Art. 16. Abs. 2 lit.
i AVIG). Gemäss Art. 41a Abs. 1 AVIV besteht innerhalb der Rahmenfrist für den
Leistungsbezug ein Anspruch auf Kompensationszahlungen, wenn das Einkommen
geringer ist als die dem Versicherten zustehende Arbeitslosenentschädigung. Mit der
Aufnahme einer zumutbaren Voll- oder Teilzeitbeschäftigung im Sinne von Art. 16 AVIG
wird die Arbeitslosigkeit beendet (Urteil vom 25. Januar 2006 i.S. B 264/05 E. 2.2 mit
Hinweisen).
2.1.2 Als Zwischenverdienst gilt nach Art. 24 AVIG jedes Einkommen aus
unselbstständiger oder selbstständiger Erwerbstätigkeit, das der Arbeitslose innerhalb
einer Kontrollperiode erzielt (Abs.1). Der Versicherte hat innerhalb der Rahmenfrist für
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den Leistungsbezug Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls für Tage, an denen er
einen Zwischenverdienst erzielt. Der anzuwendende Entschädigungssatz bestimmt sich
nach Art. 22 AVIG. Als Verdienstausfall gilt die Differenz zwischen dem in der
Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst, mindestens aber dem berufs- und
ortsüblichen Ansatz für die betreffende Arbeit, und dem versicherten Verdienst (Abs. 3
Satz 1).
2.1.3 Nach der Rechtsprechung hat die versicherte Person so lange Anspruch
auf Ersatz des Verdienstausfalls nach Art. 24 Abs. 1 - 3 AVIG, als sie in der fraglichen
Kontrollperiode nicht eine zumutbare Arbeit im Sinne von Art. 16 AVIG aufnimmt.
Nimmt die versicherte Person während der streitigen Kontrollperiode eine -
insbesondere lohnmässig - zumutbare Arbeit auf, mithin eine Tätigkeit, die ihr ein
Einkommen verschafft, welches zumindest dem Betrag der Arbeitslosenentschädigung
entspricht, bleibt für die Annahme eines Zwischenverdienstes kein Raum (BGE 120 V
250 ff. E. 5c, 512 E. 8c; vgl. auch BGE 121 V 54 E. 2 und 359 E. 4b).
2.2 Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, dass der Versicherte ab dem 16. Mai
2006 in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis mit einem zumutbaren Lohn gestanden
sei. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag liegt nicht vor. Aus dem Protokoll des
Beratungsgesprächs vom 8. Mai 2006 geht hervor, dass es sich um eine Festanstellung
gehandelt hat, was auch nicht bestritten wird (act. G 7.1.33). Wie aus der
Lohnrekapitulation der B._ AG hervorgeht, erhielt der Beschwerdeführer im
September 2006 Fr. 2050.-- brutto als Anteil 13. Monatslohn ausbezahlt (act. G 7.65).
Für die Beschäftigung vom 16. Mai bis 30. September 2006 ist daher von einem
durchschnittlichen Monatlohn von jedenfalls Fr 4'441.65 (4100*13/12) auszugehen. Wie
bereits ausgeführt, ist der Lohn zumutbar, wenn die Tätigkeit der versicherten Person
ein Einkommen verschafft, welches zumindest dem Betrag der
Arbeitslosenentschädigung entspricht, also 70% des versicherten Verdienstes. Der
versicherte Verdienst des Beschwerdeführers beträgt Fr. 5'858.-- (act. G 10.1 bis 6).
Damit beträgt der zumutbare Lohn Fr. 4'100.60. Der durchschnittliche Monatslohn von
jedenfalls Fr. 4'441.65 des Beschwerdeführers liegt darüber, womit der
Beschwerdeführer ab Beginn des Arbeitsverhältnisses nicht mehr als arbeitslos gelten
konnte. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer diesen durchschnittlichen
Monatslohn nicht realisieren konnte, weil er am 24. Mai 2006 verunfallte und in der
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Folge ganz bzw. teilweise arbeitsunfähig wurde. Das Risiko Arbeitsunfähigkeit im
Rahmen eines zumutbaren Arbeitsverhältnisses geht nicht zu Lasten der
Arbeitslosenversicherung.
3.
Zu prüfen bleibt, ob ein Rückkommenstitel gegeben ist.
3.1 Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder
der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder
Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war.
Den formell rechtskräftigen Verfügungen gleichgestellt sind auch die im formlosen
Verfahren ergangenen Entscheide, soweit sie eine mit dem Ablauf der Beschwerdefrist
bei formellen Verfügungen vergleichbare Rechtsbeständigkeit erreicht haben (Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich 2003, Art. 53 N 19). Taggeldabrechnungen der
Arbeitslosenversicherung, die - wie im vorliegenden Fall - nicht in die Form einer
formellen Verfügung gekleidet werden, weisen materiell Verfügungscharakter auf (Urteil
C 7/02 vom 14. Juli 2003, E. 3.1; BGE 125 V 476 E. 1; BGE 122 V 368 E. 2 mit
Hinweisen). Für die Verwaltung ist die Rechtsbeständigkeit nach Ablauf einer
Zeitspanne eingetreten, welche der Rechtsmittelfrist bei formellen Verfügungen
entspricht. Zu einem späteren Zeitpunkt bedarf demnach das Zurückkommen auf eine
faktische Verfügung, wie vorliegend auf die Taggeldabrechnungen, eines
Rückkommenstitels in Form einer Wiedererwägung oder einer prozessualen Revision,
während vor Ablauf dieser Frist eine Rückforderung zufolge unrichtiger
Taggeldabrechnungen ohne Bindung an die Voraussetzungen für einen
Rückkommenstitel möglich ist (BGE 129 V 110; Urteil C 7/02 vom 14. Juli 2003, E. 3.2).
Die Beschwerdegegnerin nimmt die Rückforderung am 23. Mai 2007, zu welchem
Zeitpunkt die ursprünglichen Taggeldabrechnungen vom 16. August 2006, 22.
September 2006 und 6. Oktober 2006 (vgl. act. G 10) bereits rechtsbeständig sind,
aufgrund einer verwaltungsinternen Revision vor. Das Seco ist die Aufsichtsbehörde
der Beschwerdegegnerin. Bei der Revision handelt es sich also um eine rein interne
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Angelegenheit, bei der ein eventueller Irrtum entdeckt worden ist. Die Seco-Revision
kann damit nicht als neue Tatsache gewertet werden. Die Voraussetzungen einer
prozessualen Revision sind vorliegend daher nicht erfüllt.
3.2 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige
Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos
unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Zur Thematik
der Erheblichkeit der Berichtigung der zweifellos unrichtigen Leistungsausrichtung (als
Voraussetzung für eine Wiedererwägung) lässt sich nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts eine allgemein gültige betragliche Grenze nicht festlegen. Vielmehr
sind die gesamten Umstände des Einzelfalles massgebend, wozu auch die Zeitspanne
gehört, welche seit der zu Unrecht erfolgten Leistungsgewährung verstrichen ist.
Weiter ist die Höhe des unrechtmässig ausbezahlten Betrages insofern von Bedeutung,
als das Interesse der Verwaltung an der richtigen Durchführung des objektiven Rechts
in der Regel umso weniger ins Gewicht fällt, je geringer die zu Unrecht ausgerichteten
Leistungen sind (ZAK 1989 S. 518). Die Voraussetzung der Erheblichkeit der
Berichtigung dient nicht zuletzt der Verwaltungs- und Prozessökonomie, und in der
Praxis wurden Beträge von Fr. 265.20 (1981) und Fr. 568.10 (1989) schon als nicht
erheblich betrachtet (ZAK 1989 S. 518 mit Hinweisen). Als erheblich betrachtet wurden
dagegen die Beträge von Fr. 4'812.30 (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2006
C 264/05) sowie von Fr. 2'313.50 (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden vom 9. Januar 2007, S 06/98).
Dass der Verdienst des Beschwerdeführers als Zwischenverdienst angerechnet worden
ist, obwohl es sich offensichtlich um einen zumutbaren Lohn gehandelt hatte, ist
zweifellos unrichtig. Der vorliegende Betrag der Rückforderung von unbestritten
Fr. 3'160.30 ist aufgrund der Rechtsprechung als erheblich zu betrachten. Die
Beschwerdegegnerin hat den fraglichen Betrag daher zu Recht zurück gefordert.
4.
Aufgrund obiger Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind
gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben. Dem Beschwerdeführer steht es offen,
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils innerhalb von 30 Tagen beim kantonalen
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Amt für Arbeit ein Gesuch um Erlass der Rückforderung zu stellen (vgl. Art. 25 Abs. 1
ATSG und Art. 4 ATSV).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG