Decision ID: 1453a366-7d8a-4077-8165-1e07ff9ccba4
Year: 2009
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
A.
A bezieht seit Dezember 1998 wirtschaftliche Hilfe in der Stadt Zürich. Am 1. November 2007 meldete ihn das zuständige Quartierteam zur Teilnahme an einer sogenannten Basisbeschäftigung zur Arbeitsintegration an, dessen Ziel es ist, in vier Wochen die Möglichkeit der Teilnehmenden im Arbeitsmarkt abzuklären. Mit als "Auflage und Verwarnung" bezeichnetem Schreiben vom 19. November 2007 an A hielt das Quartierteam fest, dass dieser an der Abklärungsmassnahme "Basisbeschäftigung" bis anhin nicht teilgenommen habe. Sie forderte ihn förmlich auf, ab 26. November 2007 bis 21. Dezember 2007 an der Basisbeschäftigung teilzunehmen und bei daran anschliessenden Massnahmen der Arbeitsintegration zu kooperieren; im Säumnisfall werde eine Kürzung bzw. Einstellung der Sozialhilfe geprüft. A begann am 26. November 2007 mit seinem Einsatz im Programm, brach diesen jedoch am 5. Dezember 2007 ab. Auf briefliche Intervention des Quartierteams vom 10. Dezember 2007 hin versuchte A mit Schreiben vom 19. Dezember 2007 den Abbruch mit schlechten Erfahrungen im begonnenen Programm zu rechtfertigen. Mit Antwortschreiben vom 23. Januar 2008 hielt das Quartierteam fest, ein sofortiger Vermittlungsversuch im ersten Arbeitsmarkt (vor Absolvierung der Basisbeschäftigung) komme nicht in Betracht. Er werde daher aufgefordert, die Basisbeschäftigung zu 100 % vom 4. bis 29. Februar 2008 zu absolvieren und sich hieraus ergebende Empfehlungen zu befolgen; falls er dieser Auflage nicht nachkomme, werde eine Kürzung bzw. Einstellung der Sozialhilfe geprüft. Mit Schreiben vom 1. Februar 2008, adressiert an das städtische Sozialamt "zur Weiterleitung an die zuständigen Stellen", beantragte A, die bezüglich Teilnahme an der Basisbeschäftigung erfolgte Auflage und Verwarnung aufzuheben. Zur Begründung legte er dar, dass und weshalb es seines Erachtens in seiner Situation sinnvoller wäre, sich durch aktive Suche um eine Stelle zu bemühen, statt am Beschäftigungsprogramm teilzunehmen.
B.
Mit Beschluss vom 14. Februar 2008 kürzte die Einzelfallkommission der Sozialbehörde der Stadt Zürich die Unterstützungsleistungen für A ab Juni 2008 während vorerst vier Monaten um monatlich Fr. 144.-, wogegen dieser am 20. März 2008 Einsprache erhob. Mit Beschluss vom 24. April 2008 hob die Einzelfallkommission den Beschluss vom 14. Februar 2008 auf und ersetzte ihn durch folgende Anordnungen: Die Unterstützungsleistungen würden ab Mai 2008 während vorerst 2 Monaten um 15 % des Grundbedarfs (um monatlich Fr. 144.-) gekürzt, bis A näher bezeichnete Gegenleistungen (Teilnahme an der Basisbeschäftigung der Stadt Zürich oder Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstätigkeit im Umfang von 100 Stellenprozent) erbringe (1). Falls die umschriebenen Voraussetzungen für eine Kürzung im Juni 2008 immer noch gegeben seien, habe A unverzüglich die Arbeit in einem Teillohnbetrieb der Sozialen Einrichtungen und Betrieben des Sozialdepartements mit einem Anstellungspensum von mindestens 50 % aufzunehmen (2). Verweigere er auch die Teilnahme im Teillohnbetrieb, so würde in seinem Unterstützungsbudget ab dem folgenden Monat ein monatlich erzielbares Einkommen von Fr. 800.- angerechnet, was alsdann mit einem neuen förmlichen Entscheid der Einzelfallkommission festgehalten werde (4). Auch gegen diesen Beschluss erhob A am 28. Mai 2008 Einsprache.
Die Einspracheinstanz und Geschäftsprüfungskommission (hernach: Einspracheinstanz) entschied hierüber am 22. Juli 2008. Sie wies die Einsprache vom 20. März 2008 gegen den Beschluss vom 14. Februar 2008 sowie diejenige vom 28. Mai 2008 gegen den Beschluss vom 24. April 2008 ab, soweit sie darauf eintrat. Dagegen erhob A am 5. September 2009 Rekurs.
C.
Unter Hinweis darauf, dass er bis heute der Aufforderung im Entscheid vom 24. April 2008 zur Teilnahme an der Basisbeschäftigung oder zur Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstätigkeit nicht nachgekommen sei, forderte das Quartierzentrum A am 4. Juni 2008 auf, unverzüglich am 11. Juni 2008 die Arbeit im Teillohnbetrieb "Wald- und Naturpflege" aufzunehmen. A lehnte dies mit Schreiben vom 10. Juni 2008 ab. Hierauf beschloss die Einzelfallkommission am 19. Juni 2008, die Unterstützungsleistungen würden ab Juli 2008 während vorerst 4 Monaten um monatlich Fr. 800.- (durch Kürzung des Grundbedarfs für den Lebensunterhalt bzw. Anrechnung eines hypothetischen Einkommens in diesem Umfang) herabgesetzt, bis A näher umschriebene Gegenleistungen (Teilnahme im zugewiesenen Teillohnnebenbetrieb oder Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstätigkeit im Umfang von 100 Stellenprozent) erbringe.
Die dagegen am 25. Juli 2008 erhobene Einsprache wies die Einspracheinstanz am 4. November 2008 ab. Dagegen erhob A am 17. Dezember 2008 Rekurs.
D.
Das Quartierteam meldete A am 11. September 2008 erneut für die Basisbeschäftigung an. Am 17. September 2008 wurde er zur Teilnahme förmlich aufgefordert und verwarnt, wogegen er sich mit Schreiben vom 3. Oktober 2008 zur Wehr setzte. Am 14. Oktober 2008 wurde ihm eine letzte Frist bis 22. Oktober 2008 angesetzt, um sich beim Quartierteam zu melden, damit ein Vorstellungstermin bei einem Einsatzort vereinbart werden könne, ansonsten die laufende Kürzung ab November 2008 weitergeführt bzw. die Einstellung der Sozialhilfe geprüft werde.
Die Einzelfallkommission beschloss am 23. Oktober 2008, die Unterstützungsleistungen für A würden ab November 2008 vorerst für weitere 4 Monate um monatlich Fr. 800.- (durch Kürzung des Grundbedarfs für den Lebensunterhalt bzw. Anrechnung eines hypothetischen Einkommens in diesem Umfang) herabgesetzt, bis er die erwarteten Gegenleistungen erbringe. Die dagegen am 30. November 2008 erhobene Einsprache wies die Einspracheinstanz am 3. Februar 2009 ab. Dagegen erhob A am 13. März 2009 Rekurs.
II.
Der Bezirksrat Zürich hiess die Rekurse vom 5. September 2008 und 13. März 2009 gegen die Einspracheentscheide vom 22. Juli 2008, 4. November 2008 und 3. Februar 2009 in zwei separaten Beschlüssen vom 2. und vom 23. April 2009 gut. Er hob die vorinstanzlichen Beschlüsse auf und wies die Sozialbehörde der Stadt Zürich an, die ungerechtfertigten Kürzungen von je Fr. 144.- der Monate Mai und Juni 2008 sowie von je Fr. 800.- der Monate Juli 2008 bis Februar 2009 nachzuzahlen.
III.
Dagegen gelangte die Stadt Zürich am 6. Mai 2009 an das Verwaltungsgericht, dem sie beantragte, die Rekursentscheide des Bezirksrats vom 2. und vom 23. April 2009 aufzuheben und die Einspracheentscheide vom 22. Juli 2008, vom 4. November 2008 sowie vom 3. Februar 2009 zu bestätigen.
Das Verwaltungsgericht vereinigte die Beschwerdeverfahren VB.2009.00262, VB.2009.00268 und VB.2009.00269.
Der Bezirksrat ersuchte am 18. Mai 2009 unter Verzicht auf weitere Ausführungen um Abweisung der Beschwerden. Den nämlichen Antrag stellte A mit Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2009.
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden gemäss § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19c Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerden einzutreten. Deren Beurteilung fällt aufgrund des Streitwertes in die Zuständigkeit des Einzelrichters (§ 38 Abs. 2 VRG).
2.
Wer für seinen Lebensunterhalt und den seiner Familienangehörigen nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann, hat nach § 14 des Sozialhilfegesetzes vom 14. Juni 1981 (SHG) Anspruch auf wirtschaftliche Hilfe. Diese soll das soziale Existenzminimum gewährleisten, das neben den üblichen Aufwendungen für den Lebensunterhalt auch individuelle Bedürfnisse angemessen berücksichtigt. Grundlage für die Bemessung bilden gemäss § 17 der Verordnung zum Sozialhilfegesetz vom 21. Oktober 1981 (SHV) die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien, bis 30. April 2009 in der Fassung vom Dezember 2004, ab 1. Mai 2009 in der Fassung vom April 2005 mit den Ergänzungen 12/05 und 12/07), wobei begründete Abweichungen im Einzelfall vorbehalten bleiben.
Die wirtschaftliche Hilfe darf mit Auflagen und Weisungen verbunden werden, die sich auf die richtige Verwendung der Beiträge beziehen oder geeignet sind, die Lage des Hilfeempfängers zu verbessern (§ 21 SHG). Insbesondere kann die wirtschaftliche Hilfe mit der Weisung verbunden werden, eine zumutbare Arbeit aufzunehmen oder an einem Arbeitsintegrationsprogramm mit zumutbarer Beschäftigung teilzunehmen (§ 23 lit. d SHV; RB 2004 Nr. 54; VGr, 19. Januar 2006, VB.2005.00354, E. 2.4, www.vgrzh.ch). Auflagen und Weisungen im Sinn von § 21 SHG, die auf eine Verbesserung der Lage des Hilfeempfängers (mithin auf dessen Integration) abzielen, sind nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung anfechtbare Anordnungen (RB 1998 Nr. 34; RB 2001 Nr. 51; vgl. auch Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 19 N. 22). Nicht anfechtbar sind hingegen Auflagen betreffend die Mitwirkung des Gesuchstellers bzw. Sozialhilfeempfängers bei der Abklärung seiner finanziellen Verhältnisse (RB 1998 Nr. 35).
Die Sozialhilfeleistungen sind angemessen zu
kürzen
, wenn der Hilfesuchende gegen Anordnungen, Auflagen und Weisungen der Fürsorgebehörde verstösst, keine oder falsche Auskunft über seine Verhältnisse gibt oder die Einsichtnahme in seine Unterlagen verweigert. Er muss vorgängig schriftlich auf die Möglichkeit der Leistungskürzung hingewiesen worden sein (§ 24 Abs. 1 lit. a Ziff. 1–3 und lit. b SHG). Vom grundsätzlichen Rechtsanspruch auf Sozialhilfeleistungen kann ausnahmsweise und unter Berücksichtigung von Art. 12 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) abgewichen werden. Die Leistungen sind ganz oder teilweise
einzustellen
, wenn der Hilfesuchende eine ihm zumutbare Arbeit oder die Geltendmachung eines Ersatzeinkommens verweigert, ihm die Leistungen deswegen gekürzt worden sind und ihm schriftlich und unter Androhung der Leistungseinstellung eine zweite Frist zur Annahme der Arbeit bzw. zur Geltendmachung eines Ersatzeinkommens angesetzt worden ist (§ 24a Abs. 1 SHG). Das Verwaltungsgericht hat schon zur früheren Fassung des Sozialhilfegesetzes, welche die Möglichkeit einer Leistungseinstellung im Zusammenhang mit der Missachtung von Weisungen nicht ausdrücklich erwähnte, erkannt, dass sich eine Einstellung rechtfertigen könne, wenn sich der Hilfeempfänger über Anordnungen, die geeignet sind, seine Lage zu verbessern, oder die auf die Abklärung der für die Ermittlung des Bedarfs massgebenden Verhältnisse abzielen, beharrlich hinwegsetzt (RB 2004 Nr. 53; Sozialhilfe-Behördenhandbuch, hrsg. von der Abteilung Öffentliche Sozialhilfe des Sozialamts des Kantons Zürich, Ziff. 2.5.2/§ 24a SHG/S. 2, Fassung vom August 2008, mit Hinweisen, www.sozialamt.zh.ch). Nach Inkrafttreten von § 24a SHG hat es an dieser Rechsprechung festgehalten, die unter den genannten Voraussetzungen eine Leistungseinstellung auch in Fällen rechfertigen könne, welche nicht unter den Tatbestand von § 24a Abs. 1 lit. a SHG fallen (VGr, 7. Februar 2008, VB.2007.00465, E. 4.2, www.vgrzh.ch). Sodann ist es nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung zulässig, Sozialhilfeempfängern, welche in einem ihnen zumutbaren Arbeitsintegrationsprojekt nicht oder ungenügend mitwirken, ein fiktives Einkommen anzurechnen, was auf eine teilweise Leistungseinstellung hinausläuft (vgl. RB 2007 Nr. 49).
3.
3.1