Decision ID: f3134b94-7559-5145-a966-1a005265dd20
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X (Mutter) und Y (Vater) sind die unverheirateten Eltern von Z (Sohn). Y beantragte
am 29. August 2016 die gemeinsame elterliche Sorge für seinen Sohn. Am 12.
September 2016 ersuchte er um Einsetzung eines Beistandes, der dafür zu sorgen
habe, dass er sich mit seinem Sohn in einem Raum ohne die Mutter aufhalten könne.
Mit Verfügung vom 10. Mai 2017 erteilte die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
(abgekürzt: KESB) den Eltern die gemeinsame elterliche Sorge (Dispositivziffer 1 des
Rechtsspruchs), ordnete begleitete Besuche an, (Ziffer 2), wies die Eltern an, an
Mediationssitzungen teilzunehmen (Ziffer 3), wies den Vater an, die ihn behandelnde
Psychotherapeutin gegenüber der KESB und dem Beistand von der ärztlichen
Schweigepflicht zu entbinden (Ziffer 4), errichtete für Z eine Beistandschaft gemäss Art.
308 Abs. 1 und 2 ZGB (Ziffer 5), ernannte B zum Beistand (Ziffer 6) und definierte
dessen Aufträge (Ziffer 7a bis l). Den Antrag des Vaters auf Begleitung der Besuche
durch die Grossmutter mütterlicherseits wies sie ab (Ziffer 8). Sie beauftragte das
zuständige Sozialamt und die Eltern mit der Kostenregelung. Die Ziffern 2, 5, 6, 7a-h
und 7k-l wurden für sofort vollstreckbar erklärt (Ziffer 11) und einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen.
B.- Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 14. Juni 2017 erhob X bei der
Verwaltungsrekurskommission Beschwerde gegen die Verfügung der KESB. Sie
beantragte, die Ziffern 2 und 3 seien dahingehend abzuändern, dass die Kosten für die
begleiteten Besuche und die Mediationssitzungen dem Vater aufzuerlegen seien. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um superprovisorische Sistierung der
Dispositivziffern 1, 2, 3, 5, 6, 7a und 7d-j bis zum Ergebnis des Vaterschaftstests, um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung für die Ziffern 2, 5, 6, 7a-h und 7k-l
sowie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die Gerichtsleitung sah in der Folge von einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
superprovisorischen Anordnung ab. Mit Eingabe vom 6. Juli 2017 ersuchte Y ebenfalls
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
Mit Verfügungen vom 2. August und 12. September 2017 wurde der Mutter und dem
Vater die unentgeltliche Rechtspflege samt unentgeltlicher Rechtsverbeiständung
gewährt. Am 25. August 2017 wies die Gerichtsleitung das Gesuch um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab, wobei die Kosten bei der
Hauptsache belassen wurden (Proz. Nr. ZV-2017/100).
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. September 2017 beantragte der Vater die
Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz
stellte in der Vernehmlassung vom 15. September 2017 den Antrag, die Beschwerde
sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die Mutter reichte am 18. Dezember
2017, der Vater am 30. Januar 2018 weitere Stellungnahmen ein. Auf die von den
Beteiligten gemachten Ausführungen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission beurteilt Beschwerden gegen Verfügungen der Kindes-
und Erwachsenenschutzbehörde. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben.
Die Beschwerde vom 14. Juni 2017 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 450 Abs. 2 Ziff.
1 und 450b Abs. 1 ZGB; Art. 27 des Einführungsgesetzes zum Kindes- und
Erwachsenenschutzrecht, sGS 912.5, abgekürzt: EG-KES; Art. 41 , Art. 48 und Art. 50
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
b) Die Mutter macht im Wesentlichen geltend, die begleiteten Besuche erschienen
aufgrund der psychischen Erkrankung des Vaters zur Abwendung einer Gefährdung
des Kindeswohls als indiziert. Dieser leide unter einer mittelschweren depressiven
Symptomatik. Es könne daher nicht sein, dass die Kosten den Eltern zur Hälfte
auferlegt würden. Auch aktuell komme es im Rahmen der Ausübung der begleiteten
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Besuche immer wieder zu Problemen. Die Mediation sei ebenfalls aufgrund des
Verhaltens des Vaters, der gegenüber der Mutter handgreiflich geworden sei,
notwendig. Vor diesem Hintergrund sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Mutter die
Kosten für die begleiteten Besuche und die Mediation zusammen mit dem Sozialamt
regeln sollte.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, sie habe bezüglich der Kosten für die begleiteten
Besuche und die Mediation keinen Entscheid über deren Verlegung gefällt. Diese
Kosten gehörten zum Kindesunterhalt und seien von den Eltern, subsidiär vom
Sozialamt, zu tragen. Die Formulierung in den Ziffern 2 und 3 des Dispositivs sei
lediglich ein Hinweis, dass die Eltern mit dem Sozialamt zu klären hätten, ob die Kosten
durch sie oder das Sozialamt zu tragen seien. Die Zuständigkeit für die Regelung in
strittigen Unterhaltsangelegenheiten liege beim Zivilgericht.
Der Vater bringt zur Hauptsache vor, die Vorinstanz habe die Kosten für das begleitete
Besuchsrecht und die Elternmediation in der angefochtenen Verfügung nicht geregelt.
Sie habe ihre Zuständigkeit an das Sozialamt und die Eltern delegiert. Es fehle damit an
einem Anfechtungsobjekt. Zudem sei die Anordnung begleiteter Besuche erfolgt, da es
den Eltern nicht gelinge, den persönlichen Verkehr selbständig zu regeln. Ursache sei
insbesondere der grosse Widerstand der Mutter gewesen, Z mit seinem Vater alleine zu
lassen.
c) Der Streitgegenstand bezeichnet denjenigen Teil des Anfechtungsobjekts, den die
beschwerdeführende Partei von der Rechtsmittelinstanz überprüfen lassen will (Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 579 ff.).
Streitgegenstand kann grundsätzlich nur sein, was bereits Gegenstand im
erstinstanzlichen Verfahren war. Der Streitgegenstand kann damit nicht über das
Anfechtungsobjekt hinausgehen. Dies bedingt jedoch, dass die Behörde auf eine
Anordnung tatsächlich verzichten durfte (vgl. BGE 136 II 462 f. E. 4.2).
Angefochten ist vorliegend eine Verfügung der Vorinstanz, in welcher diese gestützt auf
Art. 307 ZGB als Kindesschutzmassnahmen ein begleitetes Besuchsrecht für den Vater
und die Teilnahme an Mediationssitzungen für die Eltern angeordnet hat. Im Dispositiv
hielt die Vorinstanz fest, dass das zuständige Sozialamt und die Eltern mit der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kostenregelung beauftragt würden. Die Vorinstanz sah zudem vor, dass die fraglichen
Dispositivziffern nach Eintritt der Rechtskraft der Wohnsitzgemeinde der
Beschwerdeführerin zugestellt würden. Eine eigentliche Kostenregelung für die
Kindesschutzmassnahmen hat sie mit diesem "Auftrag", der genau genommen eine
Überweisung an die ihrer Ansicht nach zuständige Stelle darstellt, jedoch nicht
getroffen.
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, die Vorinstanz hätte selber eine
Kostenregelung für diese Massnahmen treffen müssen, und zwar vollumfänglich
zulasten des Vaters. Hat die Vorinstanz jedoch zu Recht auf eine Regelung verzichtet,
zielt die von der Beschwerdeführerin geführte Rüge der Kostentragung auf einen
Streitgegenstand ausserhalb des Anfechtungsobjekts ab, was unzulässig wäre. Hat die
Vor-instanz demgegenüber zu Unrecht auf eine Kostenregelung verzichtet, wäre die
Beschwerde gutzuheissen und eine Kostenregelung wäre durch die Vorinstanz oder
direkt durch die Verwaltungsrekurskommission zu treffen.
d) Nach Art. 276 Abs. 1 und 2 ZGB haben die Eltern für den Unterhalt des Kindes
aufzukommen, wozu ausdrücklich auch Kosten von Kindesschutzmassnahmen
gehören. Die Aufteilung unter den Eltern erfolgt nach Massgabe der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit (Art. 285 Abs. 1 ZGB). Das (kantonale) öffentliche Recht bestimmt,
unter Vorbehalt der Unterstützungspflicht der Verwandten, wer die Kosten des
Unterhalts zu tragen hat, wenn weder die Eltern noch das Kind sie bestreiten können
(Art. 293 Abs. 1 ZGB). In diesem Sinne haben im Kanton St. Gallen subsidiär zum Kind
beziehungsweise zu den Eltern grundsätzlich die Gemeinden die Kosten für
Kindesschutzmassnahmen zu tragen. Art. 2 Abs. 2 des Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1,
abgekürzt: SHG) sieht vor, dass Sozialhilfe geleistet wird, wenn keine Hilfeleistung
durch unterstützungspflichtige Verwandte oder andere Dritte gewährt wird oder diese
nicht rechtzeitig verfügbar ist. Zuständigkeit, Unterstützungswohnsitz und Verfahren
richten sich gestützt auf Art. 3 Abs. 2 SHG nach dem Bundesgesetz über die
Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (SR 851.1, abgekürzt: ZUG). Soweit
das Gemeinwesen für den Unterhalt eines Kindes aufkommt, geht der
Unterhaltsanspruch mit allen Rechten auf das Gemeinwesen über (Art. 289 Abs. 2
ZGB). Das Gemeinwesen subrogiert damit in den Unterstützungsanspruch des
berechtigten Kindes. Der Eintritt des Gemeinwesens in die Rechte des Kindes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gegenüber den Eltern hat den Charakter einer Legalzession. Zu den Rechten, die im
Sinne von Art. 289 Abs. 2 ZGB auf das Gemeinwesen übergehen, zählt unter anderem
das Klagerecht des Kindes gegen Vater und Mutter oder gegen beide auf
Unterhaltsleistung, Anweisungen an den Schuldner und Sicherstellung. Würde das
Gemeinwesen von dem Klagerecht Gebrauch machen, würde es einen
Unterhaltsanspruch des Kindes geltend machen, der trotz Zession eine auf Zivilrecht
beruhende Forderung bleibt. An der rechtlichen Natur des Anspruchs ändert sich
nichts. Dieser gründet nach wie vor im Zivilrecht und ist in entsprechender Form, mithin
durch Klage und nicht durch hoheitliche Verfügung, geltend zu machen. Das
Gemeinwesen tritt im Zusammenhang mit geleisteten Kosten für
Kindesschutzmassnahmen nicht als Inhaber der öffentlichen Gewalt, sondern als
gewöhnlicher Gläubiger auf, ohne jegliche Verfügungsbefugnis (vgl. zum Ganzen Urteil
des Bundesgerichts [BGer] 8D_4/2013 vom 19. März 2016 E. 5.3 mit Hinweisen; VRKE
III-2007/2 vom 4. April 2008 E. 3d/bb, unter. www.gerichte.sg.ch; Ch. Häfeli, Kosten für
begleitete Besuchstage von unmündigen Kinder mit ihren nicht obhutsberechtigten
Elternteil, ZVW 2001, S. 198 ff.).
e) Die Vorinstanz hat vorliegend Kindesschutzmassnahmen (begleitetes Besuchsrecht,
Elternmediation) angeordnet, die Regelung der Finanzierung aber der zuständigen
Gemeinde überlassen. Eine eigentliche Kostenregelung traf sie damit nicht. Sie tat mit
dem Hinweis, dass das zuständige Sozialamt und die Eltern mit der Kostenregelung
beauftragt würden, lediglich kund, dass die Kosten primär von den Eltern und subsidiär
von der für die Sozialhilfe zuständigen Gemeinde zu tragen seien. Aus diesem Grund
war auch vorgesehen, das Dispositiv nach Rechtskraft der zuständigen
Gemeindeverwaltung zuzustellen. Diese wird zu prüfen haben, ob die Eltern
leistungsfähig genug sind, um für die Kosten der Kindesschutzmassnahme
aufzukommen. Ist dies der Fall, so müssen sich die Eltern über die Aufteilung der
Kosten einigen. Kommt aber, was vorliegend angesichts der konkreten finanziellen
Verhältnisse wahrscheinlicher ist, die Gemeinde anstelle der Eltern für die Kosten auf,
wird sie in den Unterstützungsanspruch des Kindes subrogieren. Inwieweit die Eltern
für die von der Gemeinde getragenen Kosten dereinst belangt werden können, wird –
sofern keine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann – letztlich auf dem
Zivilweg zu lösen sein. Die Gemeinde kann über diese Kosten und deren Abwälzung
nicht hoheitlich verfügen. Insofern kann auch die Vorinstanz als anordnende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kindesschutzbehörde nicht gehalten sein, in ihrer Verfügung eine entsprechende
Anordnung zu treffen. Sofern sie es als notwendig erachtet, das Grundsätzliche zur
Finanzierung festzuhalten (primäre Kostenpflicht der Eltern und subsidiäre Tragung der
Kosten durch die Gemeinde), so ist sie daran zu erinnern, dass in ein
Verfügungsdispositiv nur Eingang finden soll, was sich nicht von Gesetzes wegen
ohnehin ergibt und zudem vollstreckbar sein muss. Hinweise als solche gehören daher
nicht ins Dispositiv, sondern allenfalls in die Erwägungen.
Dass sich die Vorinstanz zur Finanzierung inhaltlich nicht äusserte und die weitere
Regelung der zuständigen Gemeinde überliess, ist nach dem Gesagten nicht zu
beanstanden. Das Anfechtungsobjekt (die angefochtene Verfügung der Vorinstanz)
umfasst demnach die weitere Regelung der Finanzierung der Massnahme zu Recht
nicht. Wenn sich die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren gegen eine
allfällige und nicht näher spezifizierte „Kostenauflage“ durch ihre Wohnsitzgemeinde
dennoch zu wehren versucht, bezieht sie sich auf einen Punkt, der nicht Thema der
angefochtenen Verfügung war und es auch nicht sein konnte. Ihre Ausführungen zielen
auf einen Streitgegenstand ausserhalb des Anfechtungsobjekts, was nicht zulässig ist.
Aus diesen Gründen ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.- a) Nach Art. 11 lit. a EG-KES und Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener
Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Es gilt der Grundsatz der Kostenverlegung nach Massgabe des Obsiegens
und Unterliegens. Die Beschwerdeführerin unterliegt mit ihrem Begehren, weshalb ihr
die amtlichen Kosten aufzuerlegen sind. Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr
von Fr. 1'000.– (inklusive der Gebühr für die Verfügung zur aufschiebenden Wirkung
vom 25. August 2017, vgl. Art. 7 Ziff. 112 und 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Auf die Erhebung der Kosten ist zufolge unentgeltlicher Rechtspflege
einstweilen zu verzichten. Verbessern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der
Beschwerdeführerin, so ist sie zur Nachzahlung verpflichtet (Art. 99 Abs. 2 VRP und
Art. 123 der Zivilprozessordnung, SR 272, abgekürzt: ZPO).
b) Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung mit
Verfügung der Gerichtsleitung vom 12. Dezember 2017 bewilligt und Rechtsanwalt
lic.iur. Adrian Fiechter, Widnau, als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt. Der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Das Honorar
in der Verwaltungsrechtspflege wird grundsätzlich als Pauschale bemessen; vor der
Verwaltungsrekurskommission beträgt es zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.– (Art.
22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS
963.75, abgekürzt: HonO). Das Honorar wird nach den besonderen Umständen,
namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und
den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, festgesetzt (Art. 19 HonO und Art. 31
Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70, abgekürzt: AnwG). In einer
Gesamtbetrachtung wird dabei auf den Gehalt der Sache, auf die dem Anwalt
auferlegte Verantwortung und auf die von ihm dafür in gebotener Weise aufgewendete
Zeit abgestellt. Das Ausmass des konkreten Aufwands ist nicht entscheidend, sondern
lediglich ein Indiz für die Honorarbemessung. Das Honorar wird bei unentgeltlicher
Prozessführung oder amtlicher Verteidigung um einen Fünftel herabgesetzt (Art. 31
Abs. 2 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Angesichts des auf die Zuständigkeit zur
Regelung der Kosten der Kindesschutzmassnahmen beschränkten Prozessthemas
erscheint eine pauschale, um ein Fünftel gekürzte Entschädigung von Fr. 2'000.– als
angemessen. Hinzu kommen die Barauslagen von Fr. 80.– (4% von Fr. 2'000.–) und die
Mehrwertsteuer von Fr. 166.40 (8% von Fr. 2'080.–; Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO).
Der unentgeltliche Rechtsvertreter ist vom Staat entsprechend mit insgesamt Fr.
2'246.40 zu entschädigen. Verbessern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der
Beschwerdeführerin, so ist sie zur Nachzahlung verpflichtet (Art. 99 Abs. 2 VRP und
Art. 123 ZPO).
Der obsiegende Beschwerdebeteiligte hat Anspruch auf eine volle ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP). In der vom Rechtsvertreter des
Beschwerdebeteiligten eingereichten Kostennote vom 8. September 2017 wird ein
Aufwand von 17 Stunden ausgewiesen. Der Aufwand für die zusätzliche Stellungnahme
vom 30. Januar 2018 ist darin noch nicht enthalten. Bereits der in der Kostennote
geltend gemachte Aufwand erscheint jedoch angesichts des wie erwähnt
eingeschränkten Prozessthemas als zu hoch. Zu beachten ist ferner, dass für das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege keine Notwendigkeit für eine anwaltliche
Unterstützung besteht, weshalb der damit zusammenhängende Aufwand von rund vier
Stunden nicht zu entschädigen ist. Insgesamt erscheint eine (volle) Entschädigung von
Fr. 2'808.– (Honorar Fr. 2'500.–, Barauslagen pauschal Fr. 100.–, 8% Mehrwertsteuer
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fr. 208.–; vgl. Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO) als angemessen. Der um einen
Fünftel des Honorars gekürzte Anspruch des unentgeltlichen Rechtsvertreters des
Beschwerdebeteiligten, Rechtsanwalt lic.iur. Gabriel Bawidamann, St. Gallen,
gegenüber dem Staat beträgt somit Fr. 2'246.40 (Honorar Fr. 2'000.–, Barauslagen
pauschal Fr. 80.–, 8% Mehrwertsteuer Fr. 166.40). Im Ausmass der Entschädigung (Fr.
2'246.40) geht die Forderung auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten an den Staat über
(Art. 11 HonO).
Entscheid auf dem Zirkulationsweg (Art. 58 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 3 VRP und
Art. 8 des Reglements über den Geschäftsgang der Verwaltungsrekurskommission,
sGS 941.223):
1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
2. Die amtlichen Kosten von Fr. 1'000.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt; auf
die Erhebung der Kosten wird zufolge unentgeltlicher Rechtspflege einstweilen
verzichtet.
3. Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt lic.iur.
Adrian
Fiechter, Widnau, wird aus der Gerichtskasse mit Fr. 2'246.40 entschädigt.
4. Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdebeteiligten für die ausseramtlichen
Kosten
mit Fr. 2'808.– zu entschädigen.
Der Anspruch des unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdebeteiligten,
Rechtsanwalt lic.iur. Gabriel Bawidamann, St. Gallen, gegenüber dem Staat beträgt
Fr. 2'246.40. Im Ausmass der Entschädigung geht die Forderung auf Ersatz der
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausseramtlichen Kosten an den Staat über.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 20.07.2018 Art. 307 ff. in Verbindung mit Art. 276 ZGB (SR 210). Kosten der Kindesschutzmassnahmen. Die Eltern haben für den Unterhalt des Kindes aufzukommen, wozu ausdrücklich auch Kosten von Kindesschutzmassnahmen gehören. Der Unterhaltsanspruch gründet im Zivilrecht und ist durch Klage und nicht durch hoheitliche Verfügung festzusetzen. Entsprechend ist eine Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde bei Uneinigkeit der Eltern in Bezug auf die Kostentragung der Kindesschutzmassnahme nicht befugt, diese Kosten den Eltern aufzuerlegen (Verwaltungsrekurskommission, Abteilung V, 20. Juli 2018, V-2017/136).
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
2021-09-19T05:23:43+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen