Decision ID: c68f401a-9df3-55ab-9ae2-a5ccf5bb0d13
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 28. Februar 2000 zum Bezug von Rentenleistungen bei der
IV-Stelle an (IV-act. 1). Ihr Hausarzt Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Medizin
FMH, berichtete am 17. März 2000, die Versicherte leide an einem generalisierten
Schmerzsyndrom im Rahmen einer somatoformen Schmerzstörung bei chronischem
Panvertebralsyndrom, an einer linksseitigen, mediolateralen Diskushernie C5/C6, einem
Thoracic outlet-Syndrom links und einer Depression (IV-act. 6). Ab 11. August 1999
bescheinigte er der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 7 mit einer
Auflistung der zuvor bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten). Der IV-Arzt gelangte zum
Schluss, medizinisch sei eine Arbeitsunfähigkeit in allen Erwerbstätigkeiten
ausgewiesen (Handnotiz vom 7. Juni 2000, IV-act. 11). Darauf sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Verfügung vom 24. November 2000 mit Wirkung ab 1. Februar 2000
eine ganze Rente samt Zusatzrenten zu (IV-act. 15). Die in den Jahren 2003 und 2008
durchgeführten Revisionen führten zu einer Bestätigung des Anspruchs auf eine ganze
Rente (Mitteilung vom 20. Juni 2003, IV-act. 20, und vom 15. Juli 2008, IV-act. 30).
A.a.
Auch im Rahmen der am 22. Januar 2013 wiederum von Amtes wegen
eingeleiteten Revision gab die Versicherte an, ihr Gesundheitszustand sei unverändert
(IV-act. 34). Der behandelnde Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin FMH,
berichtete am 4. Februar 2013, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit
März 2000 nicht verändert. Die Versicherte leide an einem chronischen generalisierten
Schmerzsyndrom. Ferner äusserte er den Verdacht auf eine Colon irritabile. Es fänden
regelmässig Physiotherapien statt. Zudem erhalte die Versicherte verschiedene
Medikamente (IV-act. 37).
A.b.
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In der Stellungnahme vom 23. April 2013 führte RAD-Arzt D._, Facharzt für
Arbeitsmedizin, aus, der ursprünglichen Rentenzusprache sei kein relevanter
körperlicher Befund zugrunde gelegen. Aus medizinischer Sicht könne davon
ausgegangen werden, dass die damals berücksichtigte Arbeitsunfähigkeit überwiegend
mit einem Leiden gemäss den Schlussbestimmungen der IV-Revision 6a begründet
worden sei. Er empfahl eine polydisziplinäre (internistische, rheumatologische und
psychiatrische) Begutachtung (IV-act. 39-3).
A.c.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte im September 2013 polydisziplinär
(internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch) in der MEDAS Zentralschweiz
begutachtet. Die Experten gelangten gesamthaft zum Schluss, sie leide an einem
syndromalen Beschwerdebild (chronische Schmerzstörung), das aktuell in die
juristische Krankheitsgruppe „PÄUSBONOG“ eingeordnet werde, und das im
Gegensatz zu früher gemäss aktuell geltender Rechtsprechung (BGE 130 V 352) keine
Arbeitsunfähigkeit mehr bedinge. Die Foerster-Kriterien seien überwiegend nicht erfüllt
(Gutachten vom 19. November 2013, IV-act. 49, insbesondere S. 9 und S. 25 f.).
A.d.
Die IV-Stelle unterbreitete der Versicherten mit Schreiben vom 29. Januar 2014 ein
Angebot zum Bezug von beruflichen Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 55). Mit
Vorbescheid vom 30. Januar 2014 stellte sie der Versicherten in Aussicht, die Rente
aufzuheben (IV-act. 54). Dagegen erhob die Versicherte am 5. März 2014 Einwand und
reichte verschiedene ärztliche Berichte ein (IV-act. 59). RAD-Arzt D._ gelangte in
Würdigung der neuen Aktenlage zur Auffassung, es könne an der Beurteilung gemäss
MEDAS-Gutachten festgehalten werden (Stellungnahme vom 8. Mai 2014, IV-act. 60).
Am 13. Mai 2014 verfügte die IV-Stelle gestützt auf die Schlussbestimmungen der
Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 18. März 2011 die
Rentenaufhebung vom ersten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung
an (IV-act. 61).
A.e.
Die gegen diese Verfügung am 13. Juni 2014 erhobene Beschwerde (IV-act. 65)
hiess das Versicherungsgericht teilweise gut. Es hob die Verfügung vom 13. Mai 2014
auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurück. Insbesondere führte es aus, das MEDAS-Gutachten
enthalte keine objektive medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, sondern eine
A.f.
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von medizinischen Fachpersonen vorweggenommene (ausdrücklich und allein
rechtliche) Bewertung der Erwerbsfähigkeit auf Grund der damaligen
Überwindbarkeitspraxis der Sozialrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts. Eine
von den rechtlichen Überlegungen der damaligen Überwindbarkeitsrechtsprechung
unbeeinflusste objektive medizinische Sichtweise zur Arbeitsfähigkeit gehe daraus
nicht hervor. Es fehle insbesondere an einer umfassenden objektiven medizinischen
Einschätzung der Ressourcen der Beschwerdeführerin (Entscheid vom 2. März 2016, IV
2014/312, IV-act. 74).
Auf Empfehlung des RAD-Arztes D._ (IV-act. 86) beauftragte die IV-Stelle am 25.
Juni 2016 die MEDAS-Zentralschweiz mit einer erneuten polydisziplinären
Begutachtung der Versicherten (IV-act. 88). Daraufhin liess die Versicherte durch
Rechtsanwalt lic. iur. W. Bodenmann am 25. August 2016 bei der IV-Stelle beantragen,
es sei eine unabhängige, nicht vorbefasste Gutachterstelle mit der Begutachtung zu
beauftragen (IV-act. 94). Die IV-Stelle hielt dennoch mit Verfügung vom 31. August
2016 an der Abklärung durch die MEDAS-Zentralschweiz fest (IV-act. 95).
A.g.
Auf Grund der am 12. September 2016 gegen diese Verfügung erhobenen
Beschwerde (IV-act. 97) widerrief die IV-Stelle am 21. November 2016 die
angefochtene Verfügung (IV-act. 112). Am 19. Dezember 2016 schrieb das
Versicherungsgericht die Beschwerde infolge Gegenstandslosigkeit ab (IV-act. 120).
A.h.
Am 6. und 9. Februar sowie 18. März 2017 wurde die Versicherte durch die
Experten der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH polydisziplinär begutachtet. Im
Gutachten vom 12. Mai 2017 konnten die Ärzte keine Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit stellen. Sie attestierten der Versicherten für eine gut strukturierte
einfache Arbeitstätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit. Diese gelte seit dem MEDAS-
Gutachten vom 19. November 2013 respektive von dem darin angegebenen Datum der
Schlussbesprechung vom 25. Oktober 2013 an (IV-act. 131, insbesondere S. 27 und
29). RAD-Arzt D._ befand am 8. August 2017, es könne vollumfänglich auf das
Gutachten abgestellt werden (IV-act. 132).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 9. August 2017 stellte die IV-Stelle in Aussicht, die Rente
rückwirkend auf den 30. Juli 2014 aufzuheben (IV-act. 135). Dagegen liess die
A.j.
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B.
Versicherte am 18. September 2017 durch ihren Rechtsvertreter Einwand erheben (IV-
act. 140).
Mit Verfügung vom 12. Oktober 2017 hob die IV-Stelle die Rente der Versicherten
wie angekündigt auf (IV-act. 141). Am 18. Oktober 2017 antwortete die IV-Stelle der
Ausgleichskasse E._, dass es sich beim angegebenen Wirkungsbeginn der
Rentenaufhebung vom 30. Juli 2014 um einen Verschrieb handle und eine
Rentenzahlung über den 30. Juni 2014 hinaus nicht angezeigt sei (IV-act. 142 und 144).
A.k.
Gegen die Verfügung vom 12. Oktober 2017 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 10. November 2017. Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren
Aufhebung sowie die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zu
neuer Verfügung unter Wahrung der Gehörsansprüche der Beschwerdeführerin.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und festzustellen, dass die
Voraussetzungen für eine Rentenaufhebung per 30. Juli 2014 nicht gegeben seien. Die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die bisherigen Rentenleistungen weiterhin zu
erbringen (act. G 1). Subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die
Angelegenheit zur Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen und zu neuer
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung macht die Beschwerdeführerin geltend, die
Gutachter hätten die vom Bundesgericht aufgestellten Indikatoren nur unvollständig
und rudimentär behandelt. Es liege weiterhin keine schlüssige objektive medizinische
Einschätzung der Ressourcen der Beschwerdeführerin vor. Im psychiatrischen
Teilgutachten werde im Gegenteil das Bestehen von arbeitsplatzbezogenen
Ressourcen ausdrücklich verneint. Auf das rheumatologische Gutachten könne
ohnehin nicht abgestellt werden, weil in der Untersuchungssituation wahrnehmbare
Antipathien des Gutachters gegenüber der Beschwerdeführerin in dessen Beurteilung
eingeflossen seien und diesen als befangen erscheinen lasse. Insgesamt leide das
Gutachten an erheblichen Mängeln, die eine Verwertbarkeit ausschliessen würden (act.
G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 16. Februar 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
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Erwägungen
1.
Mit Replik vom 4. Mai 2018 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest
(act. G 7). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act.
G 9).
B.c.
In formeller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin vorab eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs geltend. Es komme in der angefochtenen Verfügung nicht auch nur
ansatzweise zum Ausdruck, dass sich die Beschwerdegegnerin mit den Einwänden der
Beschwerdeführerin befasst hätte. Dieser formelle Mangel erscheine einer Heilung
durch die Beschwerdeinstanz nicht zugänglich (act. G 1, IV. Ziff.3ff.).
1.1.
Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die grundsätzliche Pflicht einer Behörde,
ihren Entscheid zu begründen, folgt aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör. Dabei
darf sich die Verwaltung nicht damit begnügen, die von der betroffenen Person
vorgebrachten Einwendungen zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen. Die Verwaltung
hat vielmehr ihre Überlegungen auch namhaft zu machen und sich dabei ausdrücklich
mit den konkreten Einwendungen auseinander zu setzen oder zumindest die Gründe
anzugeben, weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (BGE 124
V 183 E. 2b). Der Zweck der Begründungspflicht liegt darin, dass die betroffene Person
die Verfügung sachgerecht anfechten kann (U. Kieser, Kommentar ATSG, 3. Aufl.,
Zürich 2015, Art. 49 Rz 56 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
1.2.
Vorliegend hat die Beschwerdeführerin im Einwand vom 18. September 2017 die
Beweiskraft des Gutachtens angezweifelt. Die Beschwerdegegnerin hielt in der
angefochtenen Verfügung vom 12. Oktober 2017 dazu fest, dass mit dem Einwand
keine neuen Fakten bekannt gegeben würden. Zudem verwies sie auf die
Ausführungen des RAD, welcher zum Gutachten am 8. August 2017 Stellung
genommen hatte. Darin hatte RAD-Arzt D._ ausgeführt, dass sich aus medizinischer
Sicht an der Einschätzung der vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit des vorgängigen
Gutachtens der MEDAS Zentralschweiz auch im neuen Gutachten der MEDAS
Interlaken nichts geändert habe. Die Versicherte sei erneut umfassend untersucht und
beurteilt worden, wobei keine Diagnosen mit relevanter Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit hätten bestätigt oder gestellt werden können. Die Versicherte sei
weder in einer gut strukturierten einfachen Arbeitstätigkeit noch in ihren
1.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
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2.
Alltagsaktivitäten relevant eingeschränkt. Weitere Abklärungen seien nicht erforderlich
(vgl. IV-act. 132). Damit sind zwar sowohl die Begründung in der Verfügung als auch
die RAD-Stellungnahme, auf die sie verweist, eher kurz gehalten. Es kann insgesamt
jedoch nicht von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs ausgegangen werden, da v.a.
die Beweiskraft des Gutachtens angezweifelt worden war und die Beschwerdegegnerin
dazu zu Recht auf die ärztliche Stellungnahme des RAD hingewiesen hat. Eine
sachgerechte Anfechtung der Verfügung war damit der Beschwerdeführerin möglich.
In materieller Hinsicht ist sodann festzustellen, dass es hier entgegen dem
Wortlaut der angefochtenen Verfügung vom 12. Oktober 2017 um eine
Rentenaufhebung per 1. Juli 2014 und nicht per 30. Juli 2014 geht. Mit der Verfügung
vom 13. Mai 2014 wurde die Rente nämlich per 1. Juli 2014 und nicht per 30. Juli 2014
eingestellt und einer dagegen erhobenen Beschwerde wurde die aufschiebende
Wirkung entzogen. So hob die Verfügung vom 13. Mai 2014 die Rente wörtlich "mit
dem ersten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung" auf (vgl. Art. 88
Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Streitig
und zu prüfen ist demnach, ob und inwiefern sich der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin verändert hat. Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet
immer noch der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bzw. dessen Aufhebung
gestützt auf lit. a der Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, in Kraft seit dem 1. Januar 2012 (IVG;
SR 831.20; nachfolgend Schlussbestimmungen).
2.1.
bis
Gemäss der Regelung von lit. a der genannten Schlussbestimmungen werden
Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern
ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei
Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach
Art. 7 ATSG (Erwerbsunfähigkeit) nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder
aufgehoben, auch wenn der Tatbestand von Art. 17 Abs. 1 ATSG (Revision) nicht
verwirklicht ist. Vorliegend ist zwischen den Parteien unbestritten, dass die
ursprüngliche Rentenzusprache auf Grund eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen Beschwerdebilds ohne nachweisbare organische Grundlage erfolgte (act.
G 1, Rz 7f.; act. G 3, Rz 2).
2.2.
Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 vom 3. Juni 2015 seine die
Bestimmung von Art. 7 Abs. 2 ATSG beschlagende Rechtsprechung zu den
Voraussetzungen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
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3.
vergleichbare psychosomatische Leiden eine rentenbegründende Invalidität zu
bewirken vermögen, geändert. Es hat die von ihm geschaffene
Überwindbarkeitsvermutung und den sich an den Foerster-Kriterien orientierenden
Prüfungsraster aufgegeben. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wurde durch ein
„strukturiertes“ Beweisverfahren ersetzt. Nach der neuen Rechtsprechung hat die
Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Störungen den Aspekt der funktionellen
Auswirkungen zu berücksichtigen, was sich schon in den diagnostischen
Anforderungen niederschlagen muss. Massgebend seien in Schweregrad und
Konsistenz der funktionellen Auswirkungen eingeteilte Standardindikatoren. Die
Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrads sei nur zulässig, wenn die
funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und
widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
seien (BGE 141 V 307 f. E. 6; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2015,
8C_421/2015, E. 5.2). Somit ist nachfolgend zu prüfen, ob das Gutachten der MEDAS
Interlaken vom 12. Mai 2017 eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im Sinne der Rechtsprechung zulässt.
Der rheumatologische Gutachter Dr. med. F._, Facharzt FMH Rheumatologie,
nannte als Diagnose ein seit rund 20 Jahren chronisch erlebtes, aus rheumatologischer
Sicht nicht spezifisch einordbares oder zuordbares Körpersyndrom (M97.09) mit/bei:
subjektiv ohne auslösbare/verantwortliche Ereignisse oder Noxen, objektiv ohne direkte
oder indirekte Hinweise für entzündliches oder anderweitig differenziertes Leiden aus
dem rheumatologischen Formenkreis, klinisch ohne Hinweis auf eine relevante
Osteopenie, ohne direkten oder indirekten Hinweis für eine spinale Pathologie oder
radikuläre oder zervikale neurogene Störung, ohne Waddelzeichen, jedoch mit Verweis
auf wiederholt beobachtete und beschriebene unspezifische Aspekte und zum Teil ein
theatralisches (respektive sogar an Simulation erinnerndes) willkürliches Verhalten/
Gebaren der Beschwerdeführerin. Dr. F._ befand die Beschwerdeführerin in den
früher ausgeübten Tätigkeiten als Angestellte in der Textilindustrie und/oder
Betriebsmitarbeiterin der G._-Bäckerei, wie auch in einer geeigneten/angepassten
Verweistätigkeit aus rein rheumatologischer Sicht bezogen auf den Bewegungsapparat
als voll arbeitsfähig. Weder bestünden Einschränkungen im zeitlichen Pensum noch in
der Leistungsfähigkeit (IV-act. 131-21).
3.1.
Im Rahmen der neurologischen Begutachtung hielt Dr. med. H._, Chefarzt
Neurologie des Spitalzentrums I._, fest, die Beschwerdeführerin leide seit mehr als
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
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30 Jahren an einem chronischen täglichen Schmerzsyndrom hauptsächlich mit Kopf-
und Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Schmerzen an der linken oberen und
unteren Extremität. Auf Grund der Semiologie der Schmerzen und des grundsätzlich
normalen Neurostatus bestünden zurzeit keine Anhaltspunkte für eine Krankheit oder
Arbeitsunfähigkeit. Die Beschwerdeführerin klage über eine röhrenförmige
Hypoästhesie für Berührung und Schmerzen an der ganzen linken oberen und unteren
Extremität. Diese röhrenförmige Hypoästhesie für Berührung und Schmerzen sei
neuroanatomisch schwierig zu erklären und lasse eine funktionelle Komponente
vermuten. Als Diagnose hielt er ein chronisches tägliches Schmerzsyndrom,
hauptsächlich mit Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen, Schmerzen an der linken
oberen und unteren Extremität (R52.2) sowie eine röhrenförmige Hypoästhesie für
Berührung und Schmerzen an der gesamten linken oberen und unteren Extremität, mit
sehr grosser Wahrscheinlichkeit funktionell bedingt (R20.2), fest. Einen Grund für eine
Arbeitsunfähigkeit erkannte er aus neurologischer Sicht nicht (IV-act. 131-22).
Dr. med. J._, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im
psychiatrischen Teil des Gutachtens eine chronische Schmerzstörung (F45.41), ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, Schweregrad mässig, wobei das therapeutische
Instrumentarium in vielen Optionen noch nicht genutzt sei, sowie einen Status nach
depressiver Erkrankung (F3), weitgehend remittiert. Auf Fragen hin würden bei der
Beschwerdeführerin Schmerzangaben und Schilderungen folgen, wobei der Alltag aber
nicht als von Schmerzen ge- oder zerstört beschrieben werde, soweit die
Beschwerdeführerin überhaupt bereit sei, den Alltag zu schildern. Mit den
Vorgutachtern sei von Schmerzen auszugehen, die durch somatische Befunde nicht
oder nur unzureichend begründbar seien. Sie bestünden seit langem, würden aber z.B.
das Reisen nach K._ oder Übernachtungen bei der Tochter in L._ nicht verhindern.
Im Haushalt müsse sie vieles erledigen, weil ihr Mann ebenfalls rückenkrank sei. Die
Schmerzen würden sich in mehreren anatomischen Regionen befinden. Als Auslöser
könne durchaus ein physiologischer Prozess oder eine körperliche Störung gelten, das
Ausmass sei aber durch somatische Erklärungen nicht befriedigend darstellbar. Es
gelinge nicht, einen psychischen Auslöser oder spezielle Ereignisse zu identifizieren,
die verantwortlich wären oder im Sinne einer konfliktpsychologischen Erklärung als
ursächlich angenommen werden könnten. Da die Beschwerdeführerin aber seit über 15
Jahren nicht gearbeitet habe, würden auch krankheitsunabhängige Faktoren zur
Geltung kommen. Weiter habe in den letzten 15 Jahren kein Leidensdruck bestanden,
der die Beschwerdeführerin etwa in Behandlung gebracht oder gar zu teilstationären
oder stationären Aufenthalten geführt hätte. Von einem chronischen Verlauf ohne
Remission könne insofern nicht ausgegangen werden. Intensive ambulante Therapie
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
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4.
habe bis vor wenigen Wochen nicht stattgefunden. Die aktuelle Therapie könne
ebenfalls nicht als intensiv bezeichnet werden (IV-act. 131-22f.).
Insgesamt attestierten die Gutachter der Beschwerdeführerin für eine gut
strukturierte einfache Arbeitstätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit. Auf Grund des Fehlens
von relevanten Gesundheitsstörungen und des Fehlens damit verbundener
Funktionseinschränkungen hätten sie keine Gründe, eine Arbeitsunfähigkeit zu
attestieren. Die genannte Arbeitsfähigkeit gelte seit dem MEDAS-Gutachten vom
19. November 2013 respektive von dem darin angegebenen Datum der
Schlussbesprechung vom 25. Oktober 2013 an (IV-act. 131-29).
3.4.
4.1.
Die Beschwerdeführerin bemängelt, dass im strittigen Gutachten vom 12. Mai
2017 die gemäss Rechtsprechung verlangten Indikatoren nur unvollständig und
rudimentär behandelt würden. Es liege weiterhin keine schlüssige objektive
medizinische Einschätzung ihrer Ressourcen vor (act. G 1 Ziff. 8). Diese Behauptung
mag jedoch nicht zu überzeugen. So führten die MEDAS-Gutachter hinsichtlich
Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde aus, es finde sich aus somatischer
Sicht bei der Untersuchung eine Adipositas mit einem BMI von 30kg/m und einem
erhöhten Blutdruck mit 160/110 mmHg sowie eine Tachykardie von 110/min. Der
Neurostatus sei normal. Bei der rheumatologischen Untersuchung fänden sich keine
pathologischen Befunde und die Laborwerte seien ebenfalls unauffällig. Zudem würden
die in den letzten Jahren durchgeführten psychiatrischen Behandlungen ebenfalls
gegen einen schweren Gesundheitsschaden sprechen. Psychiatrische Konsultationen
würden erst seit dem 5. Dezember 2016 wieder monatlich abgehalten, nachdem vorher
jahrelang keine Behandlung stattgefunden habe. Aus somatischer Sicht finde keine
regelmässige medizinische Behandlung statt. Gelegentliche Schmerzepisoden würden
mit "Spritzen" bei Bedarf behandelt. Rehabilitationsmassnahmen fänden keine statt,
jedoch gehe die Beschwerdeführerin momentan für Massage-Behandlungen in die
Physiotherapie. Zur Gesundheitsschädigung gaben die Gutachter an, sie fänden keine
relevanten Funktionseinschränkungen und könnten keine relevante
Gesundheitsschädigung diagnostizieren. Aus psychiatrischer Sicht sei feststellbar,
dass in Anbetracht der über 15 Jahre anhaltenden Arbeitsunfähigkeit die
Umstellungsfähigkeit eingeschränkt sein dürfte, ebenso die Durchhaltefähigkeit, auch
im Rahmen von Dekonditionierung. Weitere Funktions- und Fähigkeitsstörungen
könnten auch aus psychiatrischer Sicht nicht eruiert werden (IV-act. 131-24f.). Weiter
4.1.1.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
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sei bei der Anamneseerhebung und insbesondere bei der Schilderung des
Tagesablaufes kein relevant eingeschränktes Aktivitätsniveau erkennbar, auch wenn
die Beschwerdeführerin trotz Nachfragen wenig detailliert ihr tägliches Leben
geschildert habe. Damit hatten die Gutachter weiter nicht zu prüfen, ob
invaliditätsfremde Faktoren vorlagen, die für bestimmte Einschränkungen begünstigend
waren. In Bezug auf Ausschlussgründe wie Aggravation und ähnliche Erscheinungen
sowie deren Ausmass hielten die Gutachter fest, im interdisziplinären Konsens hätten
alle Gutachter ein auffälliges Verhalten der Beschwerdeführerin in der
Untersuchungssituation festgestellt. Dieses müsse am ehesten als bewusstseinsnahes
Aggravieren interpretiert werden. Bezüglich des Verhaltens beim rheumatologischen
Gutachter werde auf die ausführliche Schilderung im rheumatologischen Teilgutachten
verwiesen. Bei der Untersuchung beim Neurologen habe sie im Stehen plötzlich über
Schwindelgefühle geklagt und sich hinlegen wollen. Gleichzeitig habe sie sehr schnell
zu atmen begonnen und sei dann doch stehen geblieben; sie habe keine
Augenmotilitäts-Störung gezeigt, kein Nystagmus, keine Ataxie. Nach maximal zwei
Minuten sei alles wieder in Ordnung gewesen. Beim psychiatrischen Teilgutachter habe
sie beim Thema Arbeit ihre geschwollenen Hände gezeigt, um klar zu machen, dass sie
nicht arbeiten könne. Allerdings habe man keine Schwellung der Hände feststellen
können. Bei der Anamnese beim Hauptgutachter sei es bei der Befragung bezüglich
des jetzigen Leidens ebenfalls zu auffälligem Verhalten gekommen: Die
Beschwerdeführerin sei plötzlich vom Stuhl aufgestanden, habe begonnen zu seufzen
und tiefe Atemzüge zu nehmen, sie habe geklagt, keine Luft mehr zu bekommen, und
das Fenster geöffnet. Nach wenigen Minuten habe sie sich wieder hingesetzt und die
Anamnese habe bei ruhigem Sitzen weitergeführt werden können. Insgesamt hätten sie
im interdisziplinären Konsens das Verhalten der Beschwerdeführerin als teilweise wenig
authentisch beurteilt (IV-act. 131-25).
Sodann befanden die Gutachter, aus psychiatrischer Sicht werde keine gestörte
Persönlichkeit gefunden, keine grundsätzlichen Störungen in den Bereichen der
komplexen Ich-Funktionen und genügende intellektuelle Ressourcen, so dass aus
psychiatrischer Sicht einfache und strukturierte Tätigkeiten durchgeführt werden
könnten. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Familie integriert, führe zusammen mit
dem Ehemann den Haushalt, reise nach K._ und sei mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln zur Untersuchung nach M._ gereist. Auch soziale Kontakte seien
vorhanden. Nach über 15 Jahren ohne Arbeitstätigkeit zeige die Beschwerdeführerin
jedoch keine Motivation zur Veränderung: sie habe als ausdrückliches Ziel den
Wiedererhalt einer 100%-Rente (IV-act. 131-26).
4.1.2.
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Damit haben sich die Gutachter ausführlich zu sämtlichen vorliegend relevanten
Fragen der Standardindikatoren geäussert und ihre Beurteilung folglich auf deren Basis
abgestützt. Was die Aussage des Psychiaters Dr. J._ zu den arbeitsplatzbezogenen
Ressourcen betrifft, so verneinte er solche Ressourcen nicht im Sinne einer
bestehenden Leistungsfähigkeit, sondern er führte lediglich aus, dass ein Arbeitsplatz
im Sinne beispielsweise einer Teilerwerbstätigkeit oder eines für die
Beschwerdeführerin aktuell bestehenden Angebots zur Arbeitsaufnahme nicht
vorhanden sei (vgl. "Arbeitsplatzbezogene Ressourcen im Sinne eines Arbeitsplatzes
bestehen...nicht", IV-act. 131-55). Ebenfalls nicht ersichtlich ist ein Mangel bei den
Ausführungen zum Schweregrad der diagnostizierten Schmerzstörung, wie dies der
Rechtsvertreter moniert. So führte der psychiatrische Gutachter aus, dass es sich bei
der chronischen Schmerzstörung um einen mässigen Schweregrad handle (vgl.
Erwägung 3.3) und Art, Dosis und Intensität der Pharmakotherapie gering seien, wenn
man den Zeitverlauf von über zehn Jahren ansehe oder auch nur den Verlauf seit der
letzten Begutachtung. Erst aktuell, wenige Wochen vor diesem Gutachtenstermin
hätten erneute psychiatrische Kontakte stattgefunden. Von einem Scheitern einer
Therapie könne nicht ausgegangen werden, auch nicht vom Scheitern von
Rehabilitationsmassnahmen. Der Ausprägungsgrad der psychosozialen Restriktion und
Desintegration sei gering. Auch würden sich keine Bewusstseinsstörungen finden,
keine Orientierungsstörungen, keine kognitiven Störungen und kein psychosenahes
Erleben. Es bestehe keine dauerhafte deprimierte Emotionalität, möglicherweise eine
reduzierte emotionale Belastbarkeit und reduzierte Frustrationstoleranz, wobei diese
auch im Zusammenhang mit der fast 15jährigen Dekonditionierung im Rahmen des
Rentenbezuges von der Beschwerdeführerin selbst und ihres Ehemannes stehen
könne. Gleiches gelte für Antriebsstörungen. Ein Ausmass an Somatisierung bestehe,
sei jedoch letztlich krankheitsimmanent. Darüber hinaus sei eine histrionische
Komponente unverkennbar, zum Beispiel als die Beschwerdeführern "geschwollene"
Hände gezeigt habe, welche nicht als geschwollen erkennbar gewesen seien (vgl.
ausführlicher: IV-act. 131-53f.). Damit ist festzustellen, dass das Gutachten sich
ausreichend und nachvollziehbar mit den von der Rechtsprechung verlangten
Indikatoren auseinandergesetzt hat.
4.1.3.
Weiter rügt die Beschwerdeführerin, die Gutachter der MEDAS Interlaken hätten
sich nicht hinreichend mit den anderslautenden Arztberichten auseinandergesetzt. So
gehe der behandelnde Psychiater Dr. med. N._ bei ihr im Bericht vom 20. Februar
2017 (IV-act. 127) von einer rezidivierenden depressiven Störung und einem
chronischen generalisierten Schmerzsyndrom aus. Zudem habe er die Arbeitsfähigkeit
auf 50% festgelegt. Trotz dieser erheblichen Divergenzen finde im Gutachten keinerlei
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inhaltliche Auseinandersetzung damit statt. Zwar ist der Beschwerdeführerin darin
beizupflichten, dass sich der psychiatrische MEDAS-Gutachter nicht konkret zum
Arztbericht von Dr. N._ vom 20. Februar 2017 geäussert hat. Vielmehr hielten die
Gutachter im Gesamtgutachten generell fest, es fänden sich bezüglich der Aktenlage
und dem MEDAS-Gutachten von 2013 keine relevanten Differenzen zur eigenen
Beurteilung (IV-act. 131-29). Nachdem die Beschwerdeführerin allerdings auch erst
wenige Male (erstmals am 5.12.2016, letztmals am 13.02.2017 bei ein- bis zweimal pro
Monat stattfindenden Behandlungen) in psychiatrischer Behandlung bei Dr. N._ war,
und dieser v.a. von den von ihr berichteten Depressionen und Schmerzen ausging,
kann seiner Einschätzung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auch nicht gleich viel
Gewicht beigemessen werden wie der gestützt auf sämtliche Vorakten und
Verhaltenstests abgestützten psychiatrischen Begutachtung. Immerhin ist festzuhalten,
dass auch Dr. N._ die Beschwerdeführerin - entgegen ihrer eigenen subjektiven
Einschätzung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit - zu mindestens 50% arbeitsfähig
schätzte (IV-act. 127-3). Weitere relevante und vom MEDAS-Gutachten Interlaken
abweichende Arzt- und Untersuchungsberichte, zu welchen sich die Gutachter hätten
äussern müssen, sind nicht ersichtlich. Einzig die fehlende explizite
Auseinandersetzung mit dem Bericht von Dr. N._ vermag damit die Beweiskraft des
Gutachtens insgesamt nicht zu schmälern.
Schliesslich führt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin aus, es könne nicht
auf das rheumatologische Gutachten abgestellt werden, da von Antipathien des
Gutachters gegenüber der Beschwerdeführerin auszugehen sei, welche in die
Beurteilung des Teilgutachters eingeflossen seien. So habe Dr. F._ die Untersuchung
gemäss Schilderung der Beschwerdeführerin zunächst abbrechen wollen. Erst nach
längerer Diskussion sei die Untersuchung fortgesetzt worden, jedoch in angespannter
Stimmung. Zudem habe der Gutachter der Beschwerdeführerin bei der
Verabschiedung den Handschlag verweigert, was klarerweise als abschätziges
Verhalten zu qualifizieren sei. Die glaubhaften Angaben der Beschwerdeführerin seien
im rheumatologischen Teilgutachten nicht erwähnt worden. Dagegen sei auf äusserst
fragwürdige Art und Weise der falsche Eindruck erweckt worden, die
Beschwerdeführerin habe sich im Rahmen der Exploration renitent und sogar aggressiv
verhalten (act. G 1, IV. Ziff. 14f.). Im rheumatologischen Teilgutachten von Dr. F._
vom 3. Mai 2017 bemerkte der Gutachter, dass das theatralische, auch sich
mokierende Verhalten wie bei der Befragung sich speziell bei der Untersuchung des
Rückens und des Rumpfes fortgesetzt habe. Er hielt fest, dass aus unerklärlichen
Gründen bei der Untersuchung des Nacken- und Schultergürtels und bei der
Überprüfung der Haut und der Hautanhangsgebilde die Beschwerdeführerin tatsächlich
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5.
Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit resultiert keine
rentenbegründende Erwerbseinbusse, wäre doch beim zumutbaren
Invalideneinkommen auf Grund des leicht eingeschränkten Tätigkeitsspektrums
maximal ein sog. Leidensabzug von 5% begründet (vgl. zum Tabellenlohnabzug: BGE
126 V 75, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Damit kann offen bleiben, von welchem
konkreten Validen- und Invalideneinkommen auszugehen wäre. Die
Beschwerdeführerin hat somit ab 1. Juli 2014 keinen Anspruch mehr auf eine Rente.
6.
versucht habe, zumindest ansatzweise, ihm mit dem Kopf einen Kopfstoss gegen sein
Gesicht oder seine Brust auszuführen. Auch das habe sichtlich zu etwas
erschrockenem und irritierendem Auffassen der Dolmetscherin geführt. Was die
Beschwerdeführerin verbal kommuniziert habe, habe die Dolmetscherin ihm gegenüber
nicht übersetzen können oder wollen. Er wolle festhalten, dass er sich keiner
Provokation oder anderweitigen Situation bewusst sei, die ein solches Verhalten der
Beschwerdeführerin während der Untersuchung gerechtfertigt hätte (IV-act. 131-65).
Nachdem Dr. F._ unabhängig davon sämtliche Untersuchungsbefunde aus
rheumatologischer Sicht objektiv, ausführlich und nachvollziehbar aufgeführt hatte,
hielt er unter Berücksichtigung dieser Vorfälle einzig fest, dass das Interesse bei dieser
Beschwerdeführerin auf Grund der Aspekte des Gebarens und des Verhaltens während
der Expertise auch speziell der psychiatrischen Expertise gelten dürfe (IV-act. 131-67).
Eine Befangenheit auf Grund des vom Gutachter geschilderten Verhaltens, das zwar
von der Beschwerdeführerin anders nacherzählt worden war (vgl. insbesondere auch
IV-act. 140), erscheint dennoch nicht nachvollziehbar. So schien Dr. F._ zwar irritiert
über den Vorfall während der Untersuchungsphase zu sein, dass dieser aber auf den
rheumatologischen Untersuchungsverlauf oder die Ergebnisse Auswirkungen gehabt
hätte, wird weder aus dem Gutachten ersichtlich noch glaubhaft. Damit ist auch auf
das rheumatologische Teilgutachten abzustellen und das Gesamtgutachten der
MEDAS Interlaken vom 12. Mai 2017 als schlüssig, vollständig, in sich konkludent und
beweiskräftig zu beurteilen. Demzufolge ist bei der Beschwerdeführerin von einer vollen
Arbeitsfähigkeit in gut strukturierten einfachen Tätigkeiten auszugehen (vgl. IV-act.
131-29).
Damit ist die Beschwerde abzuweisen und die Rentenaufhebung per 1. Juli 2014
zu bestätigen.
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