Decision ID: 37d8cebb-5206-4b96-a869-2579a8cb9e61
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1976 geborene
X._
absolvierte von 1993 bis 1996 eine Lehre als Koch in der
Z._
. D
anach war er bei verschiedenen Arbeitgebern in der Gastronomiebranche
tätig (
Urk.
12/2; siehe auch
Urk.
12/7)
.
Am
2.
Juni 2009 hatte er eine
Arbeit
als stellvertretender Betriebsleiter / Kü
chenchef bei der
A._
aufgenommen (
Urk.
12/2 S. 3 und
Urk.
12/8 S. 11).
Im Rahmen dieses Arbeitsverh
ältnisses war er bei der
Y._
Stiftung berufsvorsorgeversichert.
Nachdem er seit 1
2.
Oktober 2009 seine Arbeit krankheitsbedingt ausgesetzt hatte (
Urk.
12/8 S. 11), wurde ihm seine Arbeitsstelle mit Wirkung per 31. Dezember 2009 gekündigt (
Urk.
1 S. 4).
Vo
m 6. Januar bis am 11. März 2010
befand er sich in teilstationärer Behand
lung
i
n der Tagesklinik des
B._
. Nach seinem Austritt wurde er im
C._
weiter behandelt (
Urk.
12/24/6-10).
Währenddessen hatte er
sich am 3. März 2010 bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an
gemeldet
(
Urk.
12/3).
I
m Rahmen von der Invalidenversicherung gewährte
r
berufliche
r
Massnahmen nahm
X._
vom 17. Mai bis am 12. November 2010 an einem Arbeitstraining im Restaurant
D._
des Vereins
E._
teil (
Urk.
12/18 und Urk. 12/25)
, wo
rauf ihm die Verwaltung – unter Hinweis darauf, dass er rentenausschliessend eingegliedert sei – mit Mitteilung vom 17. November 2010 den Abschluss der beruflichen Massnahmen bekannt gab (
Urk.
12/28). Am 13. November 2010
be
gann er eine bis 1
2.
Mai 2011 befristete Tätigkeit als Koch im
Comebackbetrieb
der Stiftung
E._
. In dieser Eigenschaft war er bei der
Hotela
Vorsorge
stiftung
berufsvorsorgeversichert (Urk.
12/25 und Urk. 12/39).
Am 4. März 2011
legte
der Versicherte
seine Arbeit aufgrund erneut aufgetretener psychischer Beschwerden nieder
und trat am 2
2.
März 2011 in die Akut-Tagesklinik der
F._
ein. Nach seiner Entlassung am 13. Mai 2011 besuchte er eine ambulante Therapie in der
G._
(
Urk.
12/36 und
Urk.
12/39).
Im
Februar 2012
ste
llte ihm die
Invalidenversicherung
die
Zusprache
einer ganzen Invalidenrent
e per
1. März 2012 in Aussicht (
Urk.
12/57
und Urk. 12/59
).
Hiergegen erhob die
Hotel
a
Vorsorgestiftung am 9. Februar 2012 vorsorglich Einwand (
Urk.
12/61), d
en sie am 19. April 2012
wieder zurückzog (
Urk.
12/72). Mit
Verfügungen
vom 10. und 24. Juli 2012 hielt die
Invalidenversicherung
an ihrer im Vorbescheid an
gekündigten
Zusprache
einer ganzen Rente mit Wirkung ab 1. März 2012 fest (
Urk.
12/76 und
Urk.
12/79).
1.2
Auf entsprechendes Gesuch des Versicherten hin lehnte sowohl die
Y._
Stiftung als auch die
Hotela
Vorsorgestiftung eine Leistungspflicht ab (
Urk.
2/7, 2/9 und 2/11-12).
2.
Mit Eingabe vom 25. Juni 2014 erhob
X._
Klage gegen die
Y._
Stiftung und die
Hotela
Vorsorgestiftung mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
„1.
Es sei die Beklagte
1 zu
verpflichten, dem Kläger
mit Wirkung ab 1. März 2012 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % von jährlich mindestens Fr. 22‘464.00 und eine Kinderrente von jährlich mindestens Fr. 4‘488.00 zu bezahlen.
2.
Die Beklagte 1 sei zu verpflichten, die nachzuzahlenden
Rentenbetreff
nisse
mit Wirkung ab Klagedatum mit 5 % zu verzinsen.
3.
Sollte Antrag 1 der Klage nicht gutgeheissen werden, so ist die Be
klagte 2 zu verpflichten, dem Kläger mit Wirkung ab dem 1. März 201
2 eine Invalidenrente basierend
auf
einem Invaliditätsgrad von 100
%
von
jährlich mindestens Fr. 17‘910.00 und eine Kinderrente von jähr
lich mindestens Fr. 3‘582.00 zu bezahlen.
4.
Die Beklagte 2 sei zu verpflichten, die nachzuzahlenden
Rentenbetreff
nisse
mit Wirkung ab Klagedatum mit 5 % zu verzinsen
.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten 1 resp. Eventualiter zu Lasten der Beklagten 2.
“
Die
Hotel
a
Vorsorgestiftung stellte mit
Klageantwort vom
9. September
2014
das nachstehende Rechtsbegehren (
Urk.
6 S. 2):
„1.
Es sei festzustellen, dass die Beklagte 2 nicht verpflichtet ist
,
dem Klä
ger mit Wirkung ab dem 1. März 2012 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % von jährlich mindestens CHF 17‘910.- und eine Kinderrente von jährlich CHF 3‘582.- zu bezahlen. Die Klage in Bezug auf die Eventualanträge 3. und 4.
und die Beklagte 2 sei abzuweisen.
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.“
Die
Y._
Stiftung schloss mit Klageantwort vom 9. September 2014 auf Abweisung der gegen sie gerichteten Klage (
Urk.
8 S. 1).
Nachdem mit Verfü
gung vom 1
5
.
September
2014 (Urk.
9
) die Akten der IV beigezogen worden waren (Urk.
12
), hielten die Parteien
replicando
(Urk.
20
) und
duplicando
(Urk.
24-25
) an ihren Rechtsbegehren fest.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 24
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen und Invalidenvorsorge
(BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er min
destens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von Art. 26 BVG gelten für den Be
ginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Art. 29 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses ange
schlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl. Art. 23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeits
unfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss Art. 28
Abs.
1
lit
. b IVG in Verbindung mit Art. 26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Ar
beitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
un
terstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Ein
tritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach Art. 23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der rele
vanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die
Ver
sicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Ver
schlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit
Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später inva
lid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetretene
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die
Vorsorgeeinrich
tung
somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des
Vorsorge
verhältnisses
der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (Art. 26
Abs.
3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.3
Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer
Vorsorgeeinrich
tungen
gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Ar
beitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der In
validenversicherung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen
Vorsorge
einrichtung
, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitneh
mer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzu
kommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Inva
lidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder ar
beitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbre
chung des zeitlichen Zusammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und In
validität in schematischer (analoger) Anwendung der Regeln von Art. 88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in je
dem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen
sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Ar
beit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
1.4
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversi
cherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der berufli
chen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund ei
ner gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die
Vorsorgeein
richtung
beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bun
desgerichts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
aArt
. 73
bis
IVV; seit 1. Juli 2006: Art. 73
ter
IVV) ein
bezogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 16. Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Be
trachtungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten las
sen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente ent
scheidend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im
Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die
In
validitätsbemessung
der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
1.5
Die Annahme einer offensichtlichen Unhaltbarkeit der Feststellungen der Invali
denversicherung ist rechtsprechungsgemäss an strenge Voraussetzungen ge
knüpft. Es bedarf einer qualifizierten Unrichtigkeit des IV-Entscheides. Dieser muss geradezu willkürlich sein. Willkür in der Rechtsanwendung liegt aber nur vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tat
sächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unum
strittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerech
tigkeitsgedanken
zuwiderläuft; dabei ist erforderlich, dass der Entscheid nicht nur in der Begründung, sondern auch im Ergebnis willkürlich ist. Willkürlich ist ein Entscheid jedoch nicht schon dann, wenn eine andere Lösung ebenfalls als
vertretbar oder gar zutreffender erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_30/2014
vom 6. Mai 2014 E. 2.3 mit Hinweis auf BGE 140 III 16 E. 2.1;
Hürzeler
, BVG und FZG – Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Inva
lidenversicherung sowie über die Frei
zügigkeit in der beruflichen Al
ters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversicherun
g, Bern 2010, Art. 23 N 14;
Hürzeler
,
Invali
di
tätsproblematiken
in der beruflichen Vorsorge, Basel 2006, S. 202 f. und Mo
ser,
Die berufsvorsorgerechtliche
Bindungswirkung von IV-Entscheiden: „Ruhe
kissen“
oder „
Prokrustesbett
“?, in: AJP 2002 S. 927).
2.
2.1
Der Kläger führte zur Klagebegründung aus,
er sei seit seiner erstmaligen Krank
schreibung am 1
2.
Oktober 2009 nie mehr richtig gesund geworden und seither in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen. So habe er
im Rahmen des Arbeitstrainings
seinen Arbeitseinsatz erst in den letzten Tagen auf 90 % steigern können. Der
nach dem Arbeitstraining
am 13. November 2013 begonnen
e Arbeitsversuch – ein direkter Einstieg in den ersten Arbeits
markt sei aufgrund seines Gesundheitszustands nicht realistisch gewesen – habe er per 4. März 2011 und
damit nach drei Monaten und 19
Tagen aus gesund
heitlichen Gründen abbrechen müssen. Angesichts des Arbeitspensums von
100 % sei
es zu einer grossen Belastungssituation gekommen, die das Auftreten ei
ner schweren Depression bedingt
h
abe
. Es könne daher nicht von einer dauer
haften Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit gesprochen werden. Folg
lich sei auch der zeitliche Kausalzusammenhang nicht unterbrochen worden,
was zu einer Leistungspflicht der Beklagten 1 führe (
Urk.
1 S. 7 ff.
und
Urk.
20 S. 2 ff.
).
2.2
Die Beklagte 1 stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
bei der befriste
ten Anstellung beim Verein
E._
handle es sich um eine Anstellung auf dem regulären Arbeitsmarkt. Der Beschäftigungsgrad habe 100 % betragen und der Lohn habe dem GAV entsprochen. Leistungseinbr
üche oder gehäufte Absen
zen habe
der Arbeitgeber nicht verzeichnet und würden auch nicht geltend ge
macht. Die IV-Stelle habe denn auch
mitgeteilt
, dass der Kläger
rentenaus
schliessend
eingegliedert sei.
Der zeitliche Zusammenhang zur Arbeitsunfähig
keit, die während der Versicherungszeit bei ihr bestanden habe, sei damit unter
brochen worden.
Zudem entfalte die IV-Verfügung gegenüber dem Kläger und der Beklagten 2 volle Bindungswirkung bezüglich des Beginns der massgeben
den Arbeitsunfähigkeit und der Höhe des Invaliditätsgrads. Sie sei zwar nicht am Verfahren der Invalidenversic
herung beteiligt gewesen, stell
e aber dennoch auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab
.
Zudem sei der Kläger, der zuerst drei Monate in einem Pensum von 50 % und dann während sechs Wochen in einem solchen von 80 % gearbeitet habe, nie in den Arbeits
prozess bei der
A._
integriert gewesen.
Die betref
fende Anstellung sei damit als Arbeitsversuch zu qualifizieren und vermöge e
ine vorbestehende Teilarbeitsunfähigkeit
jedenfalls nicht zu unterbrechen (
Urk.
8 S. 3 ff. und Urk. 24
).
2.3
Die Beklagte 2 machte schliesslich geltend,
die Krankheit d
es Klägers, welche erstmals am
1
2.
Oktober 2009 zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit geführt habe, habe während der Eingliederung angedauert und sei schliesslich ursächlich für die seit 4. März 2011 erneut bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit gewesen. Der Kläger habe in seinem Arbeitsversuch nicht über eine genügende Dauer seine volle Leistung erbracht und die dauerhafte Wiedereingliederung im Ar
beitsmarkt sei bereits nach etwas mehr als drei Monaten im
Comebackbetrieb
gescheitert. Aus diesem Grund sei der zeitliche Zusammenhang nicht unterbro
chen worden und das versicherte Ereignis sei im Oktober 2009 eingetreten. Zu diesem Zeitpunkt sei der Kläger in einem Arbeitsverhältnis mit der
A._
gestanden und bei der Beklagten 1 vorsorgeversichert ge
wesen. Es treffe sie damit keine Leistungspflicht (
Urk.
6 S. 5 und
Urk.
25 S. 4).
3.
3.1
Nachdem sie den Kläger vom 6. Januar bis am 11. März 2010 teilstationär behan
delt hatten, diagnostizierten die an der Tagesklinik des
B._
tätigen med.
pract
.
H._
, Oberärztin, und die Psychologin
I._
in ihrem bei der IV-Stelle am 17. August 2
010 eingegangenen Bericht (Urk.
12/24/6-10)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, aktuell remittiert
(ICD-10 F33.4
[S. 1]
)
. Sie führten aus, bei Austritt aus der Tagesklinik
habe
kein psychopathologischer Befund mehr vor
gelegen, der die Kriterien einer psychischen Störung noch erfüllen würde. Dies bedeute jedoch nicht, dass der Kläger keine Belastungen mehr aufweise
n
würde, die im Rahmen einer weiterführenden Therapie bearbeitet werden sollten. Dies
bezüglich anzugehende Themen seien die anstehende Scheidung der zerstritte
nen Ehepartner, der Umstand, dass die gemeinsame Tochter bei der Mutter lebe, der berufliche Wiedereinstieg ohne in das alte Muster „nur arbeiten“ zu verfal
len und die Problematik des Lügens
. Seit 1
2.
März 2010 sei der Kläger zu 40 % arbeitsfähig als Koch, wobei das Arbeitspensum auf fünf Tage in der Woche aufgeteilt werden sollte. Sofern die psychotherapeutische Begleitung sowie die gestufte, dem Befinden des Klägers angepasste Steigerung der Arbeitsfähigkeit gelinge, sei langfristig von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auf dem primären Arbeitsmarkt auszugehen (S. 2 ff.).
3.2
Im Austrittsbericht vom 14. Juni 2011 über die vom 2
2.
März bis am 13. Mai 2011 in der
F._
durchgeführte teilstationäre Be
handlung stellte
Oberärztin
a.i
.
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ihrem Bericht vom 14. Juni 2011 (
Urk.
12/36/6-9) nachstehende Diagnosen (S. 1):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
Persönlichkeitsakzentuierung mit
dependenten
und zwanghaften
Persön
lichkeitszügen
Anamnestische Hyperthyreose in der Vorgeschichte
Schlafapnoe-Syndrom
Status nach Adipositas per magna mit Magenbypass-Operation vor drei Jahren
Sie schilderte, der Kläger habe berichtet,
es sei in den letzten Wochen einiges zusammengekommen. So habe er beschlossen, die Scheidung von seiner seit drei Jahren getrennt lebenden Ehefrau einzureichen, was diese allerdings nicht wünsche. Sie setze ihn deswegen sehr unter Druck und erlaube ihm nicht, seine Tochter regelmässig zu sehen. Des Weiteren habe er vor etwa eineinhalb Jahren
unter einer depressiven Episode gelitten. Er habe damals häufig die Rechnungen nicht geöffnet und sich damit Schulden in aktuell unklarer Höhe angehäuft. Über die
E._
arbeite er als Koch. Dies sei zunächst im Rahmen einer beruflichen Wiedereingliederung durch die Invalidenversicherung unterstützt worden. Seit etwa einem halben Jahr habe er jedoch in der
E._
eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt. Diese sei auf sechs Monate befristet. Bei der Arbeit seien seit einigen Wochen zunehmend Müdigkeit, Anspannung und
Kon
zentrationsschwierigkeiten
aufgetreten. Er fühle sich dort sehr unter Druck. Seit etwa vier Woche
n bestünden Ein- und Durchschlaf
störungen mit Früherwachen. Er leide zudem unter einem verminderten Antrieb sowie Freund- und Kraftlo
sigkeit.
Diese Symptomatik kenne er bereits von der vorherigen depressiven Episode, weshalb er sich frühzeitig gemeldet habe (S.
1 f.
).
Die Therapeutinnen führten weiter aus, d
er Versicherte habe regelmässig und zuverlässig an den an
gebotenen Gruppentherapien teilgenommen. Auffällig sei dabei gewesen, dass er stets sehr bemüht gewesen sei, alles richtig zu machen und ein „
Musterpa
tient
“ zu sein. In den ärztlichen Einzelgesprächen habe sich der Kläger häufig in widersprüchlichen Aussagen – insbesondere bezüglich der aktuellen Situation mit der Tochter und des Arbeitsplatzes – verstrickt. Entgegen der ursprüngli
chen Aussage des Versicherten, wonach er anfangs Juli im
K._
eine Ar
beitsstelle antreten könne und daher zur Überbrückung das tagesklinische An
gebot nutze, habe sich herausgestellt, dass er sich bislang nicht beworben habe. Daher sei mit ihm vereinbart worden, dass die Behandlung in der
Akut-Tages
klinik
beendet werde (S. 3).
3.3
Dr.
med.
L._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
und die Psychologin
M._
stellte
n
in ihrem Bericht vom 20. Juni 2011 (
Urk.
12/36/
1-
5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (ICD-10 F33.2). Erstmaliges
behandlungsbe
dürftiges
Auftreten der Störung 2009
Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle, pa
thologisches Lügen (ICD-10 F63.8). Störung seit der Kindheit beste
hend
Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte er die nachstehenden Diag
nosen (S. 1):
Unklare Schilddrüsenerkrankung (anamnestisch angeborene Hypothy
reose) mit
massiver Gewichtszunahme und erfolgter Magen-OP.
Schild
drüsenwerte
werden durch
Dr.
med.
N._
, Klinik
O._,
überwacht und liegen zurzeit im Normbereich
Schlafapnoesyndrom
Status nach Adipositas per magna mit
Magenbypassoperation
vor drei Jahren
Sie berichtete
n
, der Kläger habe seit Sommer 2010 an einem
Arbeitsreinte
-
grations
programm
der
E._
teilgenommen. Er habe dort im Anschluss an
die Tätigkeit an einem
geschützten Arbeitsplatz eine reguläre, auf Mitte Mai befristete Anstellung erhalten.
Noch während des Trainings im
Ar
beits
-
integrationsprogramm
sei er erneut in eine schwere Depression „gekippt“. Die Anforderungen seien für ihn eine zu grosse Belastung geworden. Zuneh
mend habe er unter Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, An
s
pa
nnu
ng, Schlafstörungen, vermindertem Antrieb und Freundlosigkeit gelitten. Aufgrund der Schlafapnoe habe der
Kläger
eine ausgeprägte Angst zu ersticken entwi
ckelt, was ihn zusätzlich unter Druck gesetzt habe. Angesichts des zunehmen
den Druckes, der durch die Anforderungen der regulären Stelle und der gleich
zeitigen Vorbereitung auf den regulären Stellenmarkt entstanden sei, habe sich der Kläger Mitte März in ihrer Praxis gemeldet (S. 2).
Dr.
L._
und die Psy
chologin
M._
gab
en
weiter an, der
Kläger
sei allseits orientiert und im Be
wusstsein klar. Im Kontakt zeige er sich offen, kooperativ und dem Gespräch zugewandt. Auffassung, Konzentration und Merkfähigkeit seien ungestört. Das formale Denken sei geordnet. Das Affektspektrum des Klägers sei gekennzeich
net durch eine wiederkehrende Traurigkeit, einen sozialen Rückzug
,
Existenz
ängste
sowie eine starke Angst vor der Zukunft und
dem Ersticken. Es bestehe e
in zwanghaftes Lügengeschichten
-E
rzählen, was zu weiteren
Alltagsschwierig
keiten
führe. Wie der bisherige Verlauf zeige, könne der
Kläger
nicht mehr zu 100 % arbeiten. Eine reduzierte Arbeitsfähigkeit könne längerfristig erhalten bleiben, wenn er genügend Erholungszeit erhalte. Eine vorläufige Beschäftigung zu 50 % an einem geschützten Arbeitsplatz könne zurzeit als bestmögliche Va
riante erachtet werden (S. 2).
In Beantwortung der
von der IV-Stelle gestellten Zusatzfragen (vgl.
Urk.
12/40) hielten
Dr.
L._
und die Psychologin
M._
im am 18. August 2011 einge
gangenen Bericht
fest,
beim Kläger
bestehe zurzeit
keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Er
sei nicht belastbar genug (Urk.
12/42).
4.
4.1
Die
Beklagte 2
erhob gegen den Vorbescheid vom
Februar 2012 (Urk. 12/57
und
Urk.
12/59
)
am 9. Februar 2012 vorsorglich Einwand (
Urk.
12/61). Am 19. April 2012 zog sie diesen wieder zurück (
Urk.
12/72). Auch die rentenzusprechenden Verfügungen vom 10. und 24. Juli 2012
, in denen
die für die Parteien
in Bezug auf die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente
relevanten Punkte
effektiv
überprüft
und festgelegt
wurden,
wurden der Beklagten 2 zugestellt (Urk. 12/76 und
Urk.
12/79). Da diese im
Vorsorgereglement in Artikel 45 aus
führt, sie anerkenne grundsätzlich einen Entscheid der Organe der Invaliden
versicherung (
Urk.
7/2) und sie damit
vom
gleichen Invaliditätsbegriff wie die Invalidenversicherung
ausgeht
, sind die in der Rentenverfügung getroffenen Feststellungen für die Beklagte 2
verbindlich, sofern sie nicht offensichtlich un
haltbar sind (E.
1.
4
hievo
r
).
Die Beklagte 1 wiederum stützt sich auf das
invali
denversicherungsrechtlich
Verfügte ab und beruft sich dabei auf die grundsätz
liche Bindungswirkung (Urk. 8 S. 6).
Diesfalls
muss sich der Kläger die
invali
denversicherungsrechtliche
Betrachtungsweise entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war (E. 1.
4
hievor
). Davon ist – wie bereits ausgeführt – im vorliegenden Fall auszugehen. Entgegen
der Meinung des
Kläger
s
(
Urk.
1 S. 6) ist die Frage des Eintritts der massgeblichen Arbeitsunfähigkeit
damit
nicht frei zu überprüfen
und es besteht eine Bindungswirkung an die Feststellungen der IV-Organe
.
4.2
Vorbehalten bleibt in diesem Fall eine offensichtlich unhaltbare
Invaliditätsbe
messung
durch die Organ
e der Invalidenversicherung (E.
1.
4
hievor
), was zu prüfen bleibt.
In medizinischer Hinsicht
stellte die IV-Stelle
grundsätzlich
auf d
en
Bericht von
Dr.
L._
und der Psychologin
M._
vom 20. Juni 2011
sowie
die ergänzende Stellungahme der nämlichen
Therapeuti
n
nen
vom 18. August 2011 (bei der IV-Stelle eingegangen) ab
. RAD-Arzt
Dr.
med.
P._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie,
ging
von einer vollständigen Arbeitsun
fähigkeit
auf dem ersten Arbeits
markt
seit Januar 2010
und einer solchen von 50 % an einem geschützten Arbeitsplatz
aus
.
Vor dem Hintergrund der Mittei
lung vom 17. November 2010, worin der erfolgreiche Abschluss der beruflichen Massnahmen und die rentenausschliessende Eingliederung festgestellt wurde, und der Bestätigung de
s Vereins
E._
über den der Leistung entspre
chende Lohn wurde die Wartezeit
indes
per März 2011 – nicht mehr per Januar 2010 – eröffnet (
Urk.
12/55 S. 4 f.).
Anhaltspunkte dafür, dass diese Feststellungen der Invalidenversicherung offen
sichtlich unhaltbar sind, finden sich keine in den A
kten
.
Vielmehr
gibt der Klä
ger selbst an, bei der befristeten Stelle bei der Stiftung
E._
ha
be
es sich um eine
solche
auf dem ersten Arbeitsmarkt
gehandelt
(
Urk.
12/36/6-9 S. 1 f.). Entsprechendes geht auch aus der Anamneseerhebung durch
Dr.
L._
und die Psychologin
M._
hervor, in der eine explizite Unterscheidung zwischen der Beschäftigung an einem geschützten Arbeitsplatz bei der
E._
und der im Anschluss daran erhaltenen regulären Anstellung getroffen wird (
Urk.
12/36/1-
5 S. 2). Im Einklang damit steht, dass nach Abschluss der berufli
chen Massnahmen das berufliche Können sowie das Arbeits- und das persönli
che Verhalten des Klägers als überaus positiv bewertet wurden, von einem Leistungsgrad von 90
-
100 % bei 40 Wochenstunden ausgegang
en
und als mögliches Jahreseinkommen der
dem
L-GAV
entsprechende, ungekürzte Lohn angegeben wurde (
Urk.
12/25; vgl. auch
Urk.
12/51 [
Fr.
59‘761.-- / 13 =
Fr.
4‘597.--]). Ausserdem wird im Meldeformular zur Früherfassung
das
Ar
beitspensum
mit 100 %
bezeichnet (
Urk.
12/30 S. 1) und dem von der Stiftung
E._
ausgefüllten Arbeitgeberfragebogen über das vom 13. November 2010 bis 12. Mai 2011 dauernde Arbeitsverhältnis kann eine vom Kläger ausge
übte,
mit der
allgemeinen Arbeitszeit im Betrieb
übereinstimmende
42-Stunden-Woche
sowie
ein der Arbeitsleistung entsprechender Lohn von jährlich
Fr.
59‘761.-- entnommen werden (
Urk.
12/39).
Die IV-Stelle qualifizierte den Kläger denn auch als rentenausschliess
end eingegliedert (
Urk.
12/28)
. A
ls
Alter
nativ
möglichkeit
nebst der Anstellung im
Comebackbetrieb
der Stiftung
E._
w
u
rd
e
zudem
die Anmeldung beim Regionalen
Arbeitsvermittlungs
zentrum
(RAV)
angesehen, wobei für den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädi
gung
unter anderem
die Vermittelbarkeit des Klägers Voraussetzung ist
(vgl. Art. 8
Abs.
1
lit
. f
i.V.m
. Art. 15 des Bundesgesetzes über die obligatorische Ar
beitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung).
Eine qualifizierte Un
richtigkeit
des IV-Entscheids ist auch nicht mit Blick auf den
Hinweis
auf eine mögliche Unterstützung durch einen Job Coach oder durch die
allfällige
Ge
währung von Einarbeitungszuschüssen zu sehen
,
besonders da
die betreffenden Massnahmen zur beruflichen Eingliederung
von der Kontaktperson bei der Stiftung
E._
Q._
erstmals
ins Feld geführt wurden (Urk. 12/27 S.
3 f.
).
In diesem Zusammenhang ist zudem in Erinnerung zu rufen, dass es für eine offensichtliche Unhaltbarkeit des Entscheids der IV-Stelle nicht genügt, wenn eine andere Lösung
– so auch der Eintritt der massgeblichen Arbeitsfähigkeit zu einem früheren Zeitpunkt –
ebenfalls als vertretbar oder sogar zutreffender er
scheint.
4.3
Nach dem Gesagten ist die Eröffnung des Wartejahrs
per März 2011
und die
Zusprache
einer ganzen Rente
per
1.
März 2012
durch die IV-Stelle jedenfalls
nicht offensichtlich unhaltbar.
Der Kläger war nach dem erstmaligen Auftreten einer Arbeitsunfähigkeit während mehr als drei Monaten wieder vollumfänglich arbeitsfähig, weshalb der zeitliche Zusammenhang durchbrochen wurde.
Bei dieser Sachlage kann auf die Beiladung einer weiteren Vorsorgeeinrichtung ver
zichtet werden (vgl.
Urk.
20 S. 6).
5.
5.1
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass der Kläger
mit Wirkung ab 1. März 2012
Anspruch auf
eine
volle
Invalidenrente der Beklagten 2 und auf eine Kinderrente für seine am
8.
Juni 2005 geborene Tochter
R._
(
Urk.
12/4/2-3) hat
(vgl. Art. 49
i.V.m
. Art. 4 des Vorsorgereglements [Urk. 7/2]).
Mit Blick darauf, dass sich der Kläger in seinem Rechtsbegehren ei
nes (ziffernmässig) konkreten Antr
ags betreffend Leistungsumfang –
der Kläger gab darin einzig die von ihm
anbegehrte
Höhe einer minimalen jährlichen Rentenleistung an (Urk. 1 S. 2) – enthalten hat, bleibt die Festsetzung des
Leis
tungsanspruchs
in
masslicher
Hinsicht einstweilen der Beklagten 2 überlassen; in einem allfällig diesbezüglich sich ergebenden Streitfall stünde dem Kläger erneut der Klageweg offen (vgl. BGE 129 V 450).
Damit ist auch gesagt, dass ein Anspruch auf Invalidenleistungen gegenüber der Beklagten 1 ausser Betracht fällt.
5
.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105 Abs. 1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der ge
richtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5 %, sofern das Regle
ment der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
Dem Kläger sind folglich für die bis zur Klageerhebung am 2
5.
Juni 2014 (vgl.
Urk.
1) fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
ab diesem Zeitpunkt und für die weiteren Rentenleistungen ab deren jeweiligem Fälligkeitsdatum
– angesichts des Fehlens einer abweichenden reglementarischen Bestimmung –
Verzugszin
sen von 5
%
zuzusprechen.
6
.
6
.1
Ausgangsgemäss ist die Beklagte 2 gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu verpflichten, dem anwaltlich vertretenen Kläger eine Prozessentschädigung zu entrichten, wobei ein Betrag von
Fr. 3‘700.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) als angemessen erscheint.
6
.2
Art.
73 Abs. 2 BVG schliesst einen Anspruch der obsiegenden
Versicherungsträge
rin
auf eine Prozessentschädigung zwar nicht aus. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge gemäss BVG beziehungsweise den mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu Art. 159 Abs. 2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der
Bundesrechtspflege
(
Bundesrechts
pflegegesetz
/OG) praxisgemäss keine Parteientschädigungen zugesprochen. Es besteht kein Grund, bei der Beklagten
1
– trotz ihres Antrags
– anders zu ver
fahren (vgl. BGE 128 V 124 E. 5b, 126 V 143 E. 4a, 118 V 158 E.
7 und 117 V 349 E. 8, je mit Hinweisen).
Der
Beklagten 2
steht eine Prozessentschädigung ausgangsgemäss nicht zu.