Decision ID: 2bd8892f-c362-4c88-ae0f-b6fd65aed766
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., geboren 1987, serbische Staatsangehörige, heiratete am 29. Januar 2011 in R.,
Italien, C.Y., geboren 1984, mazedonischer und tschechischer Staatsangehöriger. Aus
der Ehe ging ein Sohn, B.Y., geboren 2011 in S., Italien, hervor, welcher neben der
serbischen und mazedonischen auch über die tschechische Staatsbürgerschaft verfügt
(Vorakten Migrationsamt A.Y. [Dossier A], S. 5, 7 f., Vorakten Migrationsamt B.Y.
[Dossier C], S. 5 f., 22 f., Beilage zu act. 9/11, act. 9/6/4).
B. Am 13. Juni 2011 reiste C.Y. in die Schweiz ein, wo ihm am 28. Juni 2011 eine bis
12. Juni 2016 gültige Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA erteilt wurde. Am 5.
September 2011 reisten A.Y. und B.Y. in die Schweiz ein, wo ihnen am 15. September
2011 eine bis 14. September 2016 resp. bis 12. Juni 2016 gültige (abgeleitete)
Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA (heute: EU/EFTA) zum Verbleib beim Ehemann resp.
bei den Eltern erteilt wurde. Am 16./30. April 2014 zog C.Y. alleine nach Mailand, Italien
(Vorakten C.Y. [Dossier B], S. 11, 30, 32, Dossier A, S. 18, Dossier C, S. 22).
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C. Wegen der Trennung von C.Y. widerrief das Migrationsamt mit Verfügung vom
30. September 2014 die Aufenthaltsbewilligungen von A.Y. und B.Y. und ordnete deren
Wegweisung unter Ansetzung einer Ausreisefrist bis 14. Dezember 2014 an (Dossier A,
S. 62-67). Dagegen rekurrierten A.Y. und B.Y. durch ihren damaligen Rechtsvertreter
am 14. Oktober 2014 beim Sicherheits- und Justizdepartement (act. 9/1). Am 20.
Januar 2015 reiste C.Y. in die Schweiz ein, wo ihm im Kanton Bern eine bis 17. März
2020 gültige Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA erteilt wurde (act. 9/9). Mit Entscheid des
Kreisgerichts St. Gallen vom 8. Dezember 2014 wurde B.Y. unter die alleinige Obhut
seiner Mutter gestellt. Seinem Vater wurde ein Besuchsrecht eingeräumt, und er wurde
zur Leistung von Kindesunterhaltsbeiträgen verpflichtet. Überdies nahm das Gericht
davon Vormerk, dass A.Y. und C.Y. seit dem 17. April 2014 getrennt leben (act. 6/4).
Mit Entscheid vom 19. Oktober 2015 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den
Rekurs vom 14. Oktober 2014 ab und wies das Migrationsamt an, A.Y. und B.Y. eine
neue Ausreisefrist anzusetzen (act. 2). Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus,
A.Y. und ihr Ehemann würden seit über eineinhalb Jahren getrennt voneinander leben
und hätten keinen intensiven Kontakt mehr. Ihr Ehemann lebe in Bern und damit nicht
in der näheren Umgebung von Frau und Kind. Konkrete Anhaltspunkte auf eine baldige
Wiederaufnahme des Zusammenlebens lägen nicht vor. Die Trennung sei nicht
vorübergehender Natur. Die Berufung auf die Ehe mit einem EU-Bürger erweise sich
daher als rechtsmissbräuchlich. Die eheliche Gemeinschaft habe in der Schweiz
weniger als drei Jahre gedauert. Ein Härtefall liege nicht vor. A.Y. lebe erst kurze Zeit in
der Schweiz. Die prägenden Kinder- und Jugendjahre habe sie in ihrem Heimatland
verbracht, wo sie auch die Schule besucht habe. Sie sei daher mit den dortigen Sitten
und Gebräuchen sowie mit der Sprache vertraut. Es könne ihr zugemutet werden, ihre
abgebrochenen Beziehungen zu ihrem Heimatland neu aufzubauen. B.Y. verfüge über
keinen selbständigen Aufenthaltsanspruch und habe als Kleinkind in
anpassungsfähigem Alter seiner obhutberechtigten Mutter ins Ausland zu folgen. Der in
der Schweiz lebende Kindsvater pflege trotz eingeräumtem Besuchsrecht keinen
Kontakt zu ihm und leiste seit der gerichtlichen Trennung keine Unterhaltsbeiträge für
seinen Sohn. Es liege weder in affektiver noch in wirtschaftlicher Hinsicht eine
besonders intensive Vater-Kind-Beziehung vor. Kontakte zwischen Vater und Kind
könnten vorliegend grenzüberschreitend durch gegenseitige Besuche oder moderne
Kommunikationsmittel aufrechterhalten werden. Die privaten Interessen an einem
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Verbleib in der Schweiz würden die öffentlichen Interessen am Widerruf der
Aufenthaltsbewilligungen nicht überwiegen.
Gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) vom 19.
Oktober 2015 erhoben A.Y. (Beschwerdeführerin 1) und B.Y. (Beschwerdeführer 2) am
3. November 2015 durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sowie die Verfügung des
Migrationsamtes vom 30. September 2014 seien unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen aufzuheben (act. 1). Am 30. November 2015 ergänzten die
Beschwerdeführer ihre Beschwerde mit einer Begründung (act. 5). Mit Vernehmlassung
vom 9. Dezember 2015 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 8).
Mit Entscheid des Regionalgerichtes Bern-Mittelland vom 22. September 2016 wurde
die Ehe der Beschwerdeführerin 1 und des Vaters des Beschwerdeführers 2
geschieden (act. 12/5 f.). Der Beschwerdeführer 2 wurde unter die gemeinsame Sorge
beider Eltern gestellt und unter der alleinigen Obhut der Beschwerdeführerin 1
belassen. Dem Vater des Beschwerdeführers 2 wurde ein Besuchsrecht eingeräumt.
Zudem wurde er zur Zahlung von Kindesunterhaltsbeiträgen verpflichtet. Der Entscheid
des Regionalgerichts Bern-Mittelland erwuchs am 8. Oktober 2016 in Rechtskraft (act.
14.2 und 16.2).
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge

und die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 3. November 2015
(act. 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 30. November
2015 (act. 5) formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
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somit grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit damit
die Aufhebung der Verfügung des Migrationsamtes vom 30. September 2014 beantragt
wird. Diese ist durch den angefochtenen Rekursentscheid ersetzt worden bzw. gilt
inhaltlich als mitangefochten (Devolutiveffekt, vgl. BGer 2C_204/2015 vom 21. Juli
2015 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 134 II 142 E. 1.4).
2. Der Widerruf bzw. das Erlöschen einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA ist im
Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der
Europäischen Gemeinschaft andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681,
FZA) nicht geregelt. Die landesrechtlichen Voraussetzungen zum Erlöschen der
Aufenthaltsbewilligung dürfen jedoch nicht so ausgestaltet sein, dass sie einen
staatsvertraglich gewährleisteten Anspruch auf Aufenthalt vereiteln (vgl. BGer
2C_52/2014 vom 23. Oktober 2014 E. 3.2 mit Hinweisen). Gemäss Art. 4 der
Verordnung über die schrittweise Einführung des freien Personenverkehrs zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Union und deren
Mitgliedstaaten sowie unter den Mitgliedstaaten der Europäischen
Freihandelsassoziation (Verordnung über die Einführung des freien Personenverkehrs;
SR 142.203, VEP) erhalten EU- und EFTA-Angehörige eine Aufenthaltsbewilligung EU/
EFTA gestützt auf Art. 33 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(Ausländergesetz; SR 142.20, AuG) und Art. 58 f. der Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (SR 142.201, VZAE). Gemäss
Art. 23 Abs. 1 VEP können Aufenthaltsbewilligungen EU/EFTA widerrufen oder nicht
verlängert werden, wenn die Vor-aussetzungen für ihre Erteilung nicht mehr erfüllt sind.
Mit Verfügung vom 30. September 2014 (Dossier A, S. 62-67) widerrief das
Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligungen EU/EFTA der Beschwerdeführer, welche
zwischenzeitlich am 14. September 2016 resp. am 12. Juni 2016 (vgl. zur
Gültigkeitsdauer Art. 6 Abs. 1 Anhang I in Verbindung mit Art. 3 Abs. 4 Anhang I FZA)
ohnehin erloschen wären (vgl. Art. 61 Abs. 1 lit. c AuG). Verfahrensgegenstand bildet
daher nurmehr die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligungen der
Beschwerdeführer, welche ihrerseits voraussetzt, dass Widerrufsgründe nach Art. 62
AuG vorliegen (vgl. Art. 33 Abs. 3 AuG e contrario).
3.
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3.1. Die Aufenthaltsbewilligung war den Beschwerdeführern gestützt auf Art. 7 lit. d
FZA in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 und 2 lit. a Anhang I FZA zum Verbleib beim
Ehegatten resp. bei den Eltern erteilt worden. Da die Ehe der Beschwerdeführerin 1 am
22. September 2016 rechtskräftig geschieden wurde (act. 12 und 14.2), kann sie als
Drittstaatsangehörige aus dem FZA keinen Anspruch auf einen weiteren Aufenthalt in
der Schweiz ableiten, was die Beschwerdeführer denn auch nicht (mehr) bestreiten.
Insbesondere hat weder sie noch der Beschwerdeführer 2 ein Verbleiberecht gemäss
Art. 4 in Verbindung mit der Verordnung (EWG) Nr. 1251/70 (Amtsblatt der
Europäischen Gemeinschaften Nr. L 142, 1970, S. 24) und der Richtlinie 75/34/EWG
(Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr. L 14, 1975, S. 10) und Art. 22 VEP.
Sodann steht dem sechseinhalbjährigen Beschwerdeführer 2 als EU-Bürger aus Art. 3
Abs. 6 FZA kein eigenständiges Aufenthaltsrecht zu, da er familienrechtlich unter der
alleinigen Obhut der Beschwerdeführerin 1 steht und erst den Kindergarten besucht,
weshalb der entsprechende Unterricht ohne Beeinträchtigung der
freizügigkeitsrechtlichen Ansprüche im Herkunftsland seiner Mutter erfolgen kann (vgl.
BGE 139 II 393 E. 3 f. mit Hinweisen). Ferner ist nicht umstritten, dass den
Beschwerdeführern gestützt auf Art. 24 Anhang I FZA in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1
VEP kein Aufenthaltsanspruch zusteht und ihre Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art.
20 VEP und Art. 30 AuG in Verbindung mit Art. 31 VZAE auch nicht ermessensweise zu
verlängern ist. Im Rahmen der in der Beschwerde vorgetragenen Kritik (act. 5, S. 3 ff.
Ziff. III/7 ff., act. 11) zu untersuchen bleibt, ob sich aus Art. 50 AuG ein Anspruch der
Beschwerdeführer auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach erfolgter
Auflösung der Ehe ergibt (vgl. BGer 2C_61/2014 vom 5. Januar 2015 E. 4.1 mit Hinweis
auf BGer 2C_886/2011 vom 28. Februar 2012 E. 4.1).
3.2. Nach Art. 50 Abs. 1 AuG besteht der Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre
gedauert hat und eine erfolgreiche Integration besteht (lit. a) oder wichtige persönliche
Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Vorliegend
ist unbestritten (act. 5, S. 3 Ziff. III/7), dass die Ehegemeinschaft weniger als drei Jahre
bestanden hat, weshalb die Beschwerdeführer zu Recht keinen Anspruch nach Art. 50
Abs. 1 lit. a AuG geltend machen. Sie behaupten aber, es sei ein nachehelicher
Härtefall gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG gegeben, da es im übergeordneten Interesse
des Beschwerdeführers 2 sei, bei beiden Eltern aufzuwachsen. Gelegentliche Kontakte
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des Beschwerdeführers 2 zu seinem Vater könnten regelmässige Besuche nicht
ersetzen. Während die Besuche des Vaters anfänglich nur unregelmässig
stattgefunden hätten, habe der Vater in der letzten Zeit seine Besuchsrechte
regelmässig wahrgenommen und ein verstärktes Interesse an einer Beziehung zu
seinem Sohn zum Ausdruck gebracht. Zudem halte er sich inzwischen an seine
Unterhaltspflichten. Der Vater wolle in der Schweiz wohnhaft bleiben und den
Beschwerdeführer 2 regelmässig sehen. Diese Beziehung zwischen Vater und Sohn sei
zu schützen und gerade auch in den frühkindlichen Jahren zu pflegen, die für die
Entwicklung des Kindes wesentlich seien. Eine Beziehung über eine grosse Distanz
und über die Landesgrenze hinweg, sei mit regelmässigen Besuchen nicht zu
vergleichen. Die Alternative habe für kleine Kinder nicht die gleiche Qualität wie
tatsächliche und regelmässige Besuche. Da die Beschwerdeführerin 1 aufgrund der
Obhutszuteilung die primäre Bezugsperson des Beschwerdeführers 2 sei, könne diese
Beziehung nicht aufgebrochen werden. Daher müsse ihnen beiden der Aufenthaltstitel
weiterhin gewährt werden, zumal sie in der Schweiz hervorragend integriert seien.
3.3. Wichtige persönliche Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG können
namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt
wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG).
Bei der Auslegung von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist entscheidend, ob die persönliche,
berufliche und familiäre Eingliederung der betroffenen ausländischen Person bei einer
Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hätte, und nicht, ob ein Leben in
der Schweiz einfacher wäre und – aus welchen Gründen auch immer – vorgezogen
würde. Ein persönlicher, nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der gesamten
Umstände eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und
Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der
abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss. Hat der Aufenthalt nur
kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft,
lässt sich der Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute
Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme bereitet (vgl. BGer
2C_154/2016 vom 3. Oktober 2016 E. 2.2 mit Hinweisen).
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Wichtige persönliche Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG können auch in
einer schützenswerten, in den Anwendungsbereich von Art. 8 der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK)
fallenden kindesrechtlichen Beziehung zu einer in der Schweiz aufenthaltsberechtigten
Person bestehen. Sie dürfen daher nicht einschränkender verstanden werden als
allfällige, sich aus Art. 8 EMRK ergebende Ansprüche auf Erteilung bzw. Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung (vgl. BGer 2C_1140/2015 vom 7. Juni 2016 E. 2.2.1 mit
Hinweisen). Art. 8 EMRK verschafft praxisgemäss keinen Anspruch auf Einreise und
Aufenthalt oder auf einen Aufenthaltstitel. Er hindert Konventionsstaaten nicht daran,
die Anwesenheit auf ihrem Staatsgebiet zu regeln und den Aufenthalt ausländischer
Personen unter Beachtung überwiegender Interessen des Familien- und Privatlebens
gegebenenfalls auch wieder zu beenden. Dennoch kann das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK
verankerte Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens berührt sein, wenn einer
ausländischen Person mit in der Schweiz aufenthaltsberechtigten Familienangehörigen
das Zusammenleben mit diesen verunmöglicht wird. Zu berücksichtigen ist jedoch
weiter, dass der Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8
Abs. 1 EMRK nicht absolut gilt, sondern rechtmässig eingeschränkt werden kann,
wenn dies gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck entspricht und zu dessen
Realisierung in einer demokratischen Gesellschaft als notwendig erscheint (Art. 8
Ziff. 2 EMRK). Die Konvention verlangt, dass die individuellen Interessen an der
Erteilung bzw. am Erhalt des Anwesenheitsrechts und der öffentlichen Interessen an
dessen Verweigerung gegeneinander abgewogen werden (vgl. Art. 8 Ziff. 2 EMRK und
BGE 142 II 35 E. 6.1 mit Hinweisen).
Das unmündige Kind teilt grundsätzlich schon aus familienrechtlichen Gründen (vgl.
Art. 25 Abs. 1 und Art. 301 Abs. 3 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210,
ZGB) das ausländerrechtliche Schicksal des sorge- bzw. obhutsberechtigten Elternteils
und hat gegebenenfalls mit diesem das Land zu verlassen, wenn der Elternteil keine
Bewilligung (mehr) hat. Ist dem Kind die Ausreise zumutbar (was grundsätzlich zu
bejahen ist, wenn es sich in einem anpassungsfähigen Alter befindet), liegt gar kein
Eingriff in das durch Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) geschützte Recht auf Familienleben
vor (vgl. BGer 2C_154/2016 vom 3. Oktober 2016 E. 3.3 mit Hinweisen). Der nicht
obhutsberechtigte ausländische Elternteil kann die familiäre Beziehung mit seinem Kind
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von vornherein nur in beschränktem Rahmen pflegen, nämlich durch Ausübung des
ihm eingeräumten Besuchsrechts. Um dieses wahrnehmen zu können, ist es in der
Regel nicht erforderlich, dass der ausländische Elternteil dauerhaft im selben Land wie
das Kind lebt und dort über ein Anwesenheitsrecht verfügt. Unter dem Gesichtspunkt
des Anspruchs auf Familienleben (Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie Art. 13 Abs. 1 BV) genügt
es grundsätzlich, wenn das Besuchsrecht im Rahmen von Kurzaufenthalten vom
Ausland her ausgeübt werden kann, wobei allenfalls dessen Modalitäten entsprechend
anzupassen sind. Ein weitergehender Anspruch kann nur dann in Betracht fallen, wenn
in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht eine besonders enge Beziehung zum Kind
besteht (so etwa bei einer geteilten Obhut bzw. einer faktisch gleichwertigen Betreuung
mit gemeinsamem Sorgerecht), diese Beziehung wegen der Distanz zum Heimatland
des Ausländers praktisch nicht aufrecht erhalten werden könnte und das bisherige
Verhalten des Ausländers in der Schweiz zu keinerlei Klagen Anlass gegeben hat (vgl.
BGer 2C_522/2015 vom 12. Mai 2016 E. 4.2 mit Hinweisen). Mit noch grösserer
Zurückhaltung ist auf eine Pflicht zu schliessen, eine Bewilligung zu erteilen, wenn nicht
der besuchsberechtigte Ausländer selber im Hinblick auf die Ausübung seines
Besuchsrechts um die Bewilligung nachsucht, sondern der obhutsberechtigte Elternteil
diese einzig zur Erleichterung der Ausübung des Besuchsrechts zwischen dem Kind
und dem anderen Elternteil erhältlich machen will; dies ist nur bei Vorliegen besonderer
Umstände möglich (vgl. BGer 2C_648/2014 vom 6. Juli 2015 E. 2.2 mit Hinweisen und
VerwGE B 2014/204 vom 22. Januar 2016 E. 2.3.2. mit Hinweisen).
Aus Art. 3 des UNO-übereinkommens über die Rechte des Kindes (SR 0.107, KRK)
ergibt sich kein direkter Leistungsanspruch auf die Erteilung einer ausländerrechtlichen
Bewilligung. Bei der vorrangigen Berücksichtigung des Kindeswohls handelt es sich
praxisgemäss um einen Leitgedanken bzw. eine Interpretationsmaxime, die bei Erlass
wie Auslegung des Gesetzes zu beachten ist. Das Bundesgericht trägt Art. 3, 9
(grundsätzlich keine Trennung gegen den Willen der Eltern) bzw. 10 KRK
(wohlwollende, humanitäre und beschleunigte Prüfung von Bewilligungsgesuchen) im
migrationsrechtlichen Zusammenhang im Rahmen der Interessenabwägung nach Art. 8
Ziff. 2 EMRK als einem Element unter anderen Rechnung. Weder aus der
Kinderrechtekonvention noch aus Art. 11 BV ergibt sich ein unmittelbarer Anspruch auf
Familienzusammenführung. Für den Umstand, dass sich aus Art. 3 KRK kein
allgemeiner Anspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ableiten lässt,
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sprechen auch Art. 9 Abs. 3 und Art. 10 Abs. 2 KRK, wonach die Vertragsstaaten das
Recht des Kindes, das von einem oder beiden Elternteilen getrennt ist, zu achten
haben, "regelmässige persönliche Beziehungen und unmittelbare Kontakte" zu beiden
Elternteilen pflegen zu können, soweit dies seinem Wohl entspricht bzw. keine
aussergewöhnlichen Umstände vorliegen; hierfür ist nicht in allen Fällen der Aufenthalt
im selben Land erforderlich; Kurzaufenthalte genügen. Wird die Trennung - wie hier -
von den Eltern selber herbeigeführt, ist nicht erforderlich, dass der Staat gestützt auf
Art. 8 EMRK bzw. Art. 3 und 10 KRK wegen eines Besuchsrechts voraussetzungslos
eine weitere Anwesenheit aller Familienmitglieder (sorge- und obhutsberechtigter
ausländischer Elternteil und ausländisches Kind) gestattet (vgl. BGer 2C_648/2014 vom
6. Juli 2015 E. 2.3 mit Hinweisen).
3.4. Die mittlerweile 29 Jahre und knapp sieben Monate alte Beschwerdeführerin 1
reiste am 5. September 2011 in die Schweiz ein und lebt somit erst kürzere Zeit hier.
Nach den unbestrittenen Angaben in Erwägung 3c/bb des angefochtenen Entscheides
(act. 2/1, S. 7), verbrachte sie ihre Kinder- und Jugendjahre in Serbien und besuchte
dort die Schule. Zudem erlernte sie dort offenbar den Beruf der Coiffeuse (vgl. Dossier
A, S. 57), bevor sie nach Italien übersiedelte. Auch wenn sie mittlerweile fliessend
Deutsch spricht, arbeitet und ihren Lebensunterhalt selbst finanziert, ist ihre
Verwurzelung noch nicht so stark, dass der weitere Aufenthalt in der Schweiz geboten
wäre. Selbst wenn eine gelungene Integration im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG
vorläge, genügt dies nicht für die Erfüllung der Vor-aussetzungen nach Art. 50 Abs. 1
lit. b AuG (vgl. BGer 2C_154/2016 vom 3. Oktober 2016 E. 3.4 mit Hinweisen). Darüber
hinaus ist nicht erkennbar und wird von den Beschwerdeführern auch nicht weiter
dargetan, inwiefern ihre persönliche, berufliche und familiäre Eingliederung bei einer
Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hätte. Ein nachehelicher Härtefall
im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG ist nach dem Gesagtem zu verneinen.
Auf Art. 8 EMRK resp. Art. 13 BV könnte sich die Beschwerdeführerin 1 nur dann
berufen, wenn sie durch ihre Ausreise vom Beschwerdeführer 2, mit welchem
zusammen sie seit der Trennung von ihrem Ehemann eine Familiengemeinschaft bildet,
getrennt wird. Der Beschwerdeführer 2 ist mittlerweile rund fünfeinhalb Jahre alt. Er
befindet sich noch in einem anpassungsfähigen Alter und hält sich, wie seine Mutter,
erst seit rund fünf Jahren und drei Monaten und damit kürzere Zeit in der Schweiz auf.
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Seine Beziehungen sind in erster Linie auf das Zusammenleben mit der
obhutsberechtigten Mutter ausgerichtet. Daran ändert nichts, dass er offenbar
eingeschult wurde und eine Kinderkrippe besucht (act. 5, S. 6 Ziff. III/19). Von einer
fortgeschrittenen Integration kann nicht ausgegangen werden (vgl. hierzu M. Spescha,
Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, Art. 50 N 8c f.). Bei einer Rückkehr mit der Mutter nach
Serbien wird die Wahrnehmung des Besuchsrechts für den Vater des
Beschwerdeführers 2 zwar erschwert, indessen nicht verunmöglicht, können die
Modalitäten des Rechts doch den entsprechenden Gegebenheiten angepasst werden
(Ferienaufenthalte, verlängerte Wochenenden usw.). Selbst auf Distanz können tägliche
Kontakte gepflegt werden (Internet, Telefon, E-Mail usw.). Die Trennung der Eltern und
der jeweilige Aufbau neuer Kernfamilien begründen in Fällen wie dem vorliegenden die
faktische Beeinträchtigung der früheren familiären Bindungen und nicht die
einwanderungsrechtliche staatliche Weigerung, dem gesichert in der Schweiz
anwesenden Vater nach der Scheidung zu erlauben, sein Besuchsrecht unmittelbarer
ausüben zu können. Hinzu kommt, dass der Vater des Beschwerdeführers 2 offenbar
erst unter dem Druck des laufenden Verfahrens seine Besuchsrechte wahrgenommen
hat und seinen Unterhaltspflichten nachgekommen ist, nachdem er dies bis zum Erlass
des angefochtenen Rekursentscheides am 19. Oktober 2015 unterlassen hatte (vgl.
demgegenüber VerwGE B 2011/271 vom 31. Mai 2012 E. 4.2.4, www.gerichte.sg.ch).
Das angeblich verstärkte Interesse des Vaters an einer Beziehung mit dem
Beschwerdeführer 2 wird von den Beschwerdeführern jedoch lediglich behauptet und
in Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht (Art. 90 AuG) nicht weiter belegt. Darüber hinaus
reist der Vater des Beschwerdeführers 2 nach Angaben der Beschwerdeführer (Dossier
A, S. 59) regelmässig zwischen EU-Ländern und seiner mazedonischen Heimat, wo er
ein Haus baut, hin und her. Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig glaubhaft, dass
der Vater des Beschwerdeführers 2, wie von den Beschwerdeführern geltend gemacht
wurde (act. 5, S. 6 Ziff. III/16), seinen Sohn in der Schweiz regelmässig sehen will oder
kann, auch wenn seine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA bis 17. März 2020 gültig ist
(act. 9/9). Soweit sich die Beschwerdeführer im Weiteren auf den
Bundesgerichtsentscheid 2C_326/2013 vom 20. November 2013 berufen, verkennen
sie, dass der Sachverhalt dieses Entscheides nicht mit dem vorliegenden vergleichbar
ist. Insbesondere bestehen vorliegend keine Anhaltpunkte dafür, dass die Grosseltern
des Beschwerdeführers 2 in der Schweiz leben würden und er zu diesen faktisch eine
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Eltern-Kind-Beziehung aufgebaut hätte (vgl. demgegenüber E. 5.1 des zitierten
Entscheides). Bei dieser Sachlage ist unter dem Gesichtspunkt des Anspruchs auf
Familienleben (Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie Art. 13 Abs. 1 BV) das Vorliegen besonderer
Umstände zu verneinen, welche im Rahmen eines nachehelichen Härtefalls für einen
weiteren Verbleib des Beschwerdeführer 2 und daraus abgeleitet – im Rahmen des
sogenannten „umgekehrten Familiennachzugs“ (vgl. hierzu BGE 135 I 143 E. 1.3.2) –
der Beschwerdeführerin 1 in der Schweiz sprechen würden.
3.5. Zu prüfen bleibt, ob sich die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligungen
aufgrund einer Interessenabwägung als verhältnismässig erweist, soweit dies bei der
Prüfung des nachehelichen Härtefalls in Erwägung 3.4 hiervor nicht bereits
vorweggenommen wurde. Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens, der
Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem
Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (vgl. Art. 5 Abs.
2 und Art. 36 Abs. 2 und 3 BV sowie Art. 96 Abs. 1 AuG und BGer 2C_780/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 2.1 mit Hinweis auf BGE 135 II 377 E. 4.3).
Anzuerkennen ist, dass sich die gesunde, alleinerziehende Beschwerdeführerin 1 in
finanzieller Hinsicht darum bemüht hat, für sich und ihren Sohn selbst zu sorgen. Sie
hat bisher keine Sozialhilfe bezogen und sich tadellos verhalten. Die berufliche
Integration der Beschwerdeführerin 1 geht aber nicht über das hinaus, was von einer
unselbständig erwerbstätigen ausländischen Person erwartet werden darf. Daneben
sind keine vertieften sozialen Beziehungen zum ausserfamiliären Bereich in der
Schweiz erstellt. Inwiefern sie durch den Sport oder durch den Kontakt mit anderen
Müttern (act. 5, S. 6 Ziff. III/20) über einen schweizerischen Bekanntenkreis verfügen
sollte oder sich allenfalls weitere Verwandte oder Bekannte von ihr in der Schweiz
aufhalten sollten, wird von den Beschwerdeführern nicht nachgewiesen (Art. 90 AuG)
und ist auch nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin 1 ist mit der Sprache und den
Lebensumständen in ihrer Heimat bestens vertraut (vgl. E. 3.4 hiervor). Überdies ist
davon auszugehen, dass sich nach wie vor Familienangehörige oder Freunde und
Bekannte dort aufhalten, weshalb sie ihrer Heimat auch sozial verbunden ist. Sodann
werden ihr die hier erworbenen Fähigkeiten, insbesondere ihre guten
Deutschkenntnisse, bei der beruflichen Wiedereingliederung im Herkunftsland von
Nutzen sein. Nach ihrem kürzeren Aufenthalt in der Schweiz ist es ihr deshalb
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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zumutbar, ins Herkunftsland zurückzukehren. Daran ändert im Übrigen der Umstand
nichts, dass die finanziellen und sozialen Möglichkeiten in Serbien nicht dieselben sind
wie in der Schweiz.
Der Beschwerdeführer 2 befindet sich noch in einem anpassungsfähigen Alter.
Weltweit ziehen viele Kinder in vergleichbarem Alter zusammen mit ihren Eltern in
fremde Länder. Umso mehr kann dem Beschwerdeführer 2 zugemutet werden, seiner
Mutter in deren Heimatland zu folgen (vgl. BGer 2C_272/2014 vom 6. Februar 2015 E.
3.3). Angesichts der günstigen Flug- und Bustarife nach Serbien steht der
grenzüberschreitenden Ausübung des Besuchsrechts seines Vaters und damit der
Pflege der Beziehung zwischen Vater und Sohn nichts im Wege, zumal sich der Vater
offenbar ohnehin häufig im benachbarten Mazedonien aufhält. Im Übrigen besteht der
Unterhaltsanspruch des Beschwerdeführers 2 gegenüber seinem Vater, zu dessen
Durchsetzung sowohl Serbien als auch die Schweiz das UNO-Übereinkommen über
die Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen im Ausland (SR 0.274.15) ratifiziert
haben, auch in der Heimat der Beschwerdeführerin 1 fort. Gesamthaft betrachtet
überwiegt das öffentliche Interesse an einer restriktiven Einwanderungspolitik die
privaten Interessen der Beschwerdeführer an einem Verbleib in der Schweiz.
3.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder das FZA noch spezifische, auf der
Ehe der Beschwerdeführerin 1 bzw. deren Auflösung beruhende wichtige persönliche
Gründe gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG den Beschwerdeführern einen
Anspruch auf weiteren Verbleib in der Schweiz verschaffen könnten. Der
vorinstanzliche Entscheid verletzt weder Art. 8 EMRK noch Art. 13 Abs. 1 BV. Die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligungen erweist sich als verhältnismässig. Die
Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
4. (...).