Decision ID: 6e906900-8d9f-5c5e-a4f5-edbe332f4292
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin ist Eigentümerin der sich in der Landwirtschaftszone
befindenden Liegenschaft Brienz Grundbuchblatt Nr. C._. Im September 2016
stellte die Bauverwaltung der Gemeinde Brienz fest, dass auf diesem Grundstück ohne
Bewilligung eine rund 50 m2 grosse Vogelvoliere erstellt worden war, bestehend aus einem
Innengehege in einem knapp 14 m2 grossen Nebengebäude sowie aus zwei
Aussenvolieren mit einer Gesamtfläche von rund 35 m2. Nachdem die Beschwerdeführerin
und ihr Ehemann im November 2016 eine Stellungnahme eingereicht hatten, nahm der
Bauverwalter der Gemeinde im Januar 2017 zusammen mit einem Vertreter des AGR eine
Besichtigung der Voliere vor. Das AGR hielt anschliessend in einer Stellungnahme fest, die
Bauten seien nicht zonenkonform und eine Ausnahmebewilligung gestützt auf Art. 24 ff.
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RPG1 könne nicht in Aussicht gestellt werden. Nach Abklärungen beim Veterinärdienst des
Amtes für Landwirtschaft und Natur zur Umplatzierung der Vögel erliess die Gemeinde am
27. Juni 2017 gegenüber dem Ehemann der Beschwerdeführerin eine
Wiederherstellungsverfügung. Sie forderte ihn auf, die Volieren innert eines Jahres, d.h. bis
am 1. Juli 2018 zu beseitigen. Ende Juni 2018 stellte die Gemeinde fest, dass die Volieren
noch nicht abgebaut worden waren.
2. Mit Schreiben vom 31. Juli 2018 teilte die Gemeinde der Beschwerdeführerin mit, die
Wiederherstellungsverfügung sei fälschlicherweise nur ihrem Ehemann und nicht auch ihr
als Eigentümerin des Grundstücks eröffnet worden, und gewährte ihr das rechtliche Gehör.
Die Beschwerdeführerin, vertreten durch einen Anwalt, ersuchte um eine Fristerstreckung
und hielt fest, sie prüfe, allenfalls ein nachträgliches Baugesuch einzureichen. Die
Gemeinde gewährte eine Fristverlängerung und hielt gleichzeitig fest, die
Bewilligungsfähigkeit sei bereits abgeklärt und vom AGR verneint worden. Vorbehalten
bleibe die allfällige Bewilligungsfähigkeit einer kleineren Voliere. Dies bedinge jedoch ein
neues Baubewilligungsverfahren. Die Beschwerdeführerin reichte in der Folge kein
nachträgliches Baugesuch ein, sondern teilte der Gemeinde mit, sie und ihr Ehemann
seien bereit, den Rückbau der Anlage in die Wege zu leiten. Bei der Fristansetzung sei
aber zu berücksichtigen, dass Fremdplätze für die Vögel gefunden werden müssten.
Daraufhin fordert die Gemeinde die Beschwerdeführerin mit Wiederherstellungsverfügung
vom 26. September 2018 auf, bis am 27. Dezember 2018 die Vogelvoliere zu beseitigen
und die frei werdende Grundstücksfläche der Umgebung entsprechend zu gestalten
(Rasenfläche, Sträucher). Gleichzeitig drohte sie die Ersatzvornahme und eine Busse bei
Nichtbefolgung an.
3. Gegen diese Verfügung reichte die Beschwerdeführerin am 20. Oktober 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
erklärt darin, sie werde die angeordneten Massnahmen im Grundsatz erfüllen, beantragt
aber, es sei auf die Anordnung der Entfernung der Bodenplatten der Volieren zu verzichten
und es sei eine Fristerstreckung für den Abschluss der Wiederherstellungsarbeiten bis
Ende April 2019 zu gewähren.
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
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4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das AGR beantragt, den Antrag
betreffend Bodenplatten abzuweisen und verzichtete auf eine Stellungnahme zum Antrag
auf Fristerstreckung. Die Gemeinde teilte in ihrer Stellungnahme mit, sie halte an der Frist
zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes inklusive Umplatzierung der Tiere
fest, gewähre aber der Beschwerdeführerin die beantragte Fristerstreckung zur Entsorgung
des rückgebauten Materials bis zum 30. April 2019. Weiter wies sie darauf hin, dass der
Ehemann der Beschwerdeführerin am 23. Oktober und 5. November 2018 Vorschläge für
eine kleinere Nebenbaute eingereicht habe. Sie sei aber auf diese Voranfrage nicht
eingetreten.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG3 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den Entscheid zuständig. Die
Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Verfügung beschwert und
daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde
ist grundsätzlich einzutreten.
2. Streitgegenstand
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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a) Eine Beschwerde ist nur im Rahmen des Streitgegenstandes zulässig. Dieser wird
durch den Gegenstand der angefochtenen Verfügung und die Parteianträge bestimmt. Die
Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens einschränken, aber nicht
erweitern.4
b) Mit der angefochtenen Verfügung hat die Gemeinde die Beschwerdeführerin
aufgefordert, bis am 27. Dezember 2018 die Vogelvolieren – konkret die Gittergeflechte,
die Überdachung und die Bodenplatten – sowie einen Teil der Nebenbaute zu beseitigen
und anschliessend die nicht mehr mit Bauten belegte Grundstücksfläche der Umgebung
entsprechend mit Rasenfläche und Sträuchern zu gestalten.
Die Beschwerdeführerin hält in ihrer Beschwerde fest, sie werde die angeordneten
Massnahmen grundsätzlich umsetzen. Die Gittergeflechte und die Überdachung der
Vogelvolieren sowie die Nebenbaute würden bis Ende 2018 abgebaut. Allerdings sei die
Entsorgung des Materials innert der angesetzten Frist nicht möglich. Sie bitte daher um
eine Fristerstreckung für den Abschluss der Wiederherstellungsarbeiten bis Ende April
2019. Weiter ersucht die Beschwerdeführerin darum, bei den Vogelvolieren nur die
Gittergeflechte und die Überdachung demontieren zu müssen. Die Bodenplatten möchte
sie belassen und künftig als Untergrund für einen Gartensitzplatz und eventuell ein
Sprudelbad oder dergleichen nutzen. Sie beantragt daher eine entsprechende Anpassung
der angefochtenen Verfügung. Weiter hält die Beschwerdeführerin fest, sie plane den
Neubau einer Nebenbaute an einem besser zugänglichen und altersgerechten Standort.
Die von der Gemeinde angeordnete Beseitigung der Vogelvolieren ist somit grundsätzlich
nicht mehr umstritten. Strittig und damit Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sind
einzig noch die Entfernung der Bodenplatten der Voliere und die anschliessende
Begrünung dieses Bereichs sowie die Frist für den Abschluss der
Wiederherstellungsarbeiten.
c) Der von der Beschwerdeführerin erwähnte geplante Neubau einer Nebenbaute an
einem anderen Standort ist dagegen nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Die
Bewilligungsfähigkeit einer solchen Baute müsste in einem neuen
Baubewilligungsverfahren von der Gemeinde bzw. dem AGR beurteilt werden. Die
4 BGE 133 II 181 E. 3.3; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8
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Beschwerdeführerin hat denn auch richtigerweise diesbezüglich keinen Antrag gestellt,
sondern nur darauf hingewiesen, sie und ihr Ehemann hätten eine Voranfrage bei der
Gemeinde eingereicht.
3. Bodenplatten
a) Die Vogelvoliere ist unbestrittenermassen eine baubewilligungspflichtige Baute.
Ebenso unstrittig ist, dass dafür nie eine Baubewilligung erteilt wurde. Wird ein
Bauvorhaben ohne Baubewilligung ausgeführt, so setzt die Baupolizeibehörde eine
angemessene Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung
der Ersatzvornahme (Art. 46 Abs. 1 und 2 BauG). Die Wiederherstellungsverfügung muss
im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz
nicht verletzen. Eine Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie
geeignet ist, das angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des
rechtmässigen Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem
vernünftigen Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.5 Nach der Praxis des
Verwaltungsgerichts gilt es als unverhältnismässig, eine an sich bewilligungsfähige Baute
oder Anlage bloss wegen Fehlens der Baubewilligung (formelle Rechtswidrigkeit)
beseitigen zu lassen. In Fällen, in denen kein nachträgliches Baugesuch gestellt wird, hat
die Rechtsmittelbehörde deshalb summarisch zu prüfen, ob das Vorhaben ganz oder
wenigstens teilweise bewilligt werden könnte (Frage der materiellen Rechtswidrigkeit).6
b) Die Beschwerdeführerin hat den Rückbau der Gittergeflechte und der Überdachung
der Aussenvolieren sowie der Nebenbaute (Innengehege) bis Ende 2018 zugesichert. Sie
beantragt aber, die Bodenplatten belassen zu können und diesbezüglich auf die
Wiederherstellung zu verzichten. Die Bodenplatten möchte sie künftig für einen Sitzplatz
oder als Untergrund für ein Sprudelbad oder ähnliches nutzen.
Da die Umplatzierung der Vögel und die Entfernung der Voliere nicht mehr umstritten ist
und die Beschwerdeführerin zugesichert hat, der Wiederherstellungsanordnung
grundsätzlich bis Ende 2018 nachzukommen, kann auf eine summarischen Prüfung der
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1 6 BVR 2000 S. 416 E. 3a; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 15a mit Hinweisen
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materiellen Rechtswidrigkeit der Voliere verzichtet werden. Weil aber die
Beschwerdeführerin sinngemäss geltend macht, die Entfernung der Bodenplatten sei
unnötig, da sie einer anderen Nutzung dienen könnten, ist zu prüfen, ob der angeordnete
Rückbau der Platten allenfalls unverhältnismässig ist. Dies wäre dann der Fall, wenn die
von der Beschwerdeführerin gewünschte Nutzung als Sitzplatz und als Unterlage für ein
Sprudelbad bewilligungsfähig oder sogar bewilligungsfrei zulässig wäre.
c) Kleine Nebenanlagen wie beispielsweise auf zwei Seiten offene, ungedeckte
Gartensitzplätze und unbeheizte Schwimmbecken bis zu 15 Quadratmeter Fläche sowie
beheizte Schwimmbecken bis zu acht Kubikmeter Inhalt bedürfen grundsätzlich keiner
Baubewilligung (Art. 6 Abs. 1 Bst. b BewD7). Soll allerdings eine solche Anlage ausserhalb
der Bauzone erstellt werden und ist sie geeignet, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, ist
sie baubewilligungspflichtig (Art. 7 Abs. 1 BewD). Ausserhalb der Bauzone zieht das
Bundesrecht durch die detaillierten Regelungen zur Zonenkonformität (Art. 16 f. RPG) und
zur Ausnahmebewilligung nach den Artikeln 24 ff. RPG sowie durch die höchstrichterliche
Praxis eine enge Grenze zwischen Baubewilligungsfreiheit und Baubewilligungspflicht.
Deshalb gelten die baubewilligungsfreien Tatbestände in den Artikeln 6 und 6a BewD
ausserhalb der Bauzone nur unter Vorbehalt dieser engen bundesrechtlichen Vorgaben.
Art. 7 BewD bestätigt diesen wichtigen Grundsatz, indem er darauf hinweist, dass ein
Vorhaben baubewilligungspflichtig ist, wenn die Nutzungsordnung tangiert werden könnte.8
Da ausserhalb der Bauzone ein sehr grosses Interesse der Öffentlichkeit an einer
vorgängigen Kontrolle von baulichen Massnahmen besteht, ist auch bei geringfügigen
Vorhaben meist eine mögliche Beeinflussung der Nutzungsordnung und damit der
Baubewilligungspflicht zu bejahen.
Die von der Voliere bisher belegte Fläche ist gross; sie beträgt fast 50 m2. Eine befestigte
Bodenfläche in dieser Grösse und deren Nutzung als Sitzplatz sowie das Aufstellen eines
Badebeckens sind räumlich deutlich wahrnehmbar und in der Landwirtschaftszone
geeignet, die Zonenvorschriften zu tangieren. Die von der Beschwerdeführerin gewünschte
Nutzung der Bodenplatten ist daher als baubewilligungspflichtig zu qualifizieren und wäre
nur mit einer Baubewilligung zulässig. Die abschliessende Beurteilung, ob dafür eine
Baubewilligung erteilt werden kann, ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
7 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 8 Vortrag des Regierungsrates an den Grossen Rat betreffend das Dekret über das Baubewilligungsverfahren und das Dekret über das Normalbaureglement (Änderungen) vom 30. April 2008, S. 14
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Erforderlich wäre ein Baugesuch, das in einem separaten Verfahren zu beurteilen wäre. Im
Rahmen der vorliegend vorzunehmenden Beurteilung der Verhältnismässigkeit der
Entfernung der Platten ist aber eine summarische Prüfung der Bewilligungsfähigkeit
notwendig.
d) Da auf der Parzelle der Beschwerdeführerin kein landwirtschaftlicher Betrieb geführt
wird und ein Sitzplatz sowie ein Sprudelbad weder für die landwirtschaftliche
Bewirtschaftung noch den produzierenden Gartenbau oder für eine innere Aufstockung
notwendig sind, sind sie in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform (Art. 16 RPG). Die
Bodenplatten könnten daher nur rechtmässig als Sitzplatz bzw. für ein Sprudelbad genutzt
werden, wenn dafür eine Ausnahmebewilligung nach den Art. 24 ff. RPG erteilt werden
könnte. In Frage käme dabei höchstens eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG.
Bauten und Anlagen, die unter den Geltungsbereich von Art. 24c RPG fallen, können
erneuert, teilweise geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden (Art. 24c
Abs. 2 RPG). Nach Art. 42 RPV9 gilt eine Änderung als teilweise und eine Erweiterung als
massvoll, wenn die Identität der Baute oder Anlage einschliesslich ihrer Umgebung in den
wesentlichen Zügen gewahrt bleibt (Abs. 1). Massgeblicher Vergleichszustand für die
Beurteilung der Identität ist der Zustand, in dem sich die Baute oder Anlage im Zeitpunkt
der Zuweisung zum Nichtbaugebiet befand (Abs. 2). Ob die Identität der Baute gewahrt
bleibt, ist unter Würdigung der gesamten Umstände zu beurteilen (Abs. 3). Für
Erweiterungen sind dabei quantitative Grenzen zu beachten (Abs. 3 Bst. a und b).
Erweiterungen ausserhalb des Gebäudevolumens führen zu einer Veränderung am
äusseren Erscheinungsbild. Damit solche Veränderungen zulässig sind, müssen sie für
eine zeitgemässe Wohnnutzung oder für eine energetische Sanierung nötig oder darauf
ausgerichtet sein, die Einpassung in die Landschaft zu verbessern (Art. 24c Abs. 4 RPG).
An diese Voraussetzungen sind gemäss der bundesgerichtlichen und
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung hohe Anforderungen zu stellen.10 Beim
Tatbestand der zeitgemässen Wohnnutzung sind Änderungen am äusseren
Erscheinungsbild grundsätzlich nur zulässig, wenn sie nötig sind, um die ursprüngliche
Wohnnutzung auf einen zeitgemässen Stand zu bringen. So können beispielsweise
Raumhöhen und Belichtung von bestehenden Wohnflächen unter grösstmöglicher
Wahrung des Erscheinungsbildes den heutigen Bedürfnissen angepasst werden.
9 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1). 10 BGer 1C_247/2015 vom 14. Januar 2016, E. 4.2, BGer 1C_415/2014 vom 1.10.2015, E. 3.6; VGE 2014/322 vom 3. Mai 2016, E. 3.5 ff.
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Insgesamt sind Veränderungen am äusseren Erscheinungsbild im Sinn von Art. 24c Abs. 4
RPG bzw. Erweiterungen ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens im Sinn von
Art. 42 Abs. 3 Bst. c RPV sehr enge Grenzen gesetzt.11 Wenn nicht bereits eine
Sitzmöglichkeit besteht, kann nach der Praxis des AGR allenfalls ein Aussensitzplatz
bewilligt werden.12
e) Sowohl ein mit Bodenplatten befestigter Sitzplatz als auch ein Schwimmbecken im
Garten der Liegenschaft der Beschwerdeführerin würden zu einer Veränderung des
äusseren Erscheinungsbildes der Liegenschaft führen. Sie müssten daher, um bewilligt
werden zu können, für eine zeitgemässe Wohnnutzung notwendig sein. Dies dürfte kaum
der Fall sein. Gemäss Fotos in den Vorakten13 sind auf dem Grundstück bereits ein
Wintergarten und in der Nähe der Voliere ein Sitzplatz vorhanden. Ein weiterer grosser
Sitzplatz scheint für eine zeitgemässe Wohnnutzung nicht erforderlich. Auch ein
Schwimmbad bzw. ein Sprudelbad wird für die Wohnnutzung im üblichen zeitgemässen
Rahmen des Wohnens nicht benötigt, sondern ist eine luxuriöse Ausstattung. Aufgrund
einer summarischen Beurteilung scheint die von der Beschwerdeführerin geplante Nutzung
der Bodenplatten nicht bewilligungsfähig. Die angeordnete Entfernung der Platten ist daher
nicht unverhältnismässig. Der Antrag der Beschwerdeführerin, die
Wiederherstellungsanordnung sei anzupassen und es sei auf die Entfernung der
Bodenplatten zu verzichten, ist abzuweisen.
4. Frist
a) Die Gemeinde hat der Beschwerdeführerin zur Umsetzung der
Wiederherstellungsmassnahmen eine Frist bis 27. Dezember 2018 angesetzt. Die
Beschwerdeführerin hat in ihrer Beschwerde den Abbau der Volieren (exklusive
Bodenplatten) und die Umplatzierung der Vögel bis Ende 2018 zugesichert. Sie hält aber
fest, die Entsorgung des Materials sei aufgrund einer gesundheitlichen Einschränkung
ihres Ehemannes und angesichts der Wintermonate innert der angesetzten Frist nicht
möglich. Sie beantragt daher eine Erstreckung der Frist für den Abschluss der
11 VGE 2014/322 vom 3.5.16, E. 3.5, mit Hinweis auf die Materialien. 12 Vgl. BSIG Nr. 7/721.0/14.2 Bauen ausserhalb der Bauzone; Bewilligungspraxis bei Ausnahmegesuchen für die Erweiterung von altrechtlich bestehenden, zonenfremden Wohnbauten Artikel 24c Absatz 4 Raumplanungsgesetz (RPG), Artikel 42 Raumplanungsverordnung (RPV) vom 13. September 2017, S. 2 13 Vgl. Voraktenp. 3 und p. 6.2
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Wiederherstellungsarbeiten bis Ende April 2019. Die Gemeinde hält in ihrer Stellungnahme
vom 13. November 2018 an der angesetzten Frist zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes fest, ist aber mit einer Erstreckung der Frist zur Entsorgung des
rückgebauten Materials bis 30. April 2019 einverstanden.
b) Die von der Gemeinde angesetzte Wiederherstellungsfrist erscheint verhältnismässig
und wird von der Beschwerdeführerin grundsätzlich nicht bestritten. Die
Beschwerdeführerin hat im Gegenteil den Rückbau der Überdachung und der
Gittergeflechte der Voliere sowie die Umplatzierung der Vögel bis Ende 2018 zugesichert.
Weil aber auch noch die Bodenplatten zu entfernen sind und die angesetzte Frist während
des Beschwerdeverfahrens verstrichen ist, muss eine neue Frist angesetzt werden. Die
Gemeinde hält dazu zu Recht fest, der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann seien
bereits grosszügig bemessene Fristen angesetzt worden. Deshalb, und weil die Entfernung
der Bodenplatten nicht mit grossem Aufwand verbunden ist, würde sich die Ansetzung
einer kurzen Frist von wenigen Wochen rechtfertigen. Da aber die angeordnete
Wiederherstellung nicht nur die Entfernung der Bodenplatten umfasst, sondern auch die
Begrünung der nicht mehr mit Bauten belegten Grundstücksfläche mit Rasen und
Sträuchern, wäre eine die Ansetzung einer kurzen, in den Wintermonaten auslaufende
Frist ungeeignet und damit unverhältnismässig. Die Ansetzung einer neuen
Wiederherstellungsfrist bis Ende April 2019 erscheint daher angemessen. Innert dieser
Wiederherstellungsfrist ist nicht nur die Voliere inklusive Bodenplatten zurückzubauen,
sondern es sind auch das rückgebaute Material zu entsorgen und die frei werdende
Bodenfläche zu begrünen. Da die Wiederherstellungsfrist neu angesetzt wird, ist es nicht
erforderlich, wie von der Beschwerdeführerin beantragt, eine separate Frist zur Entsorgung
des abgebauten Materials anzuordnen. Der entsprechende Antrag der Beschwerdeführerin
ist gegenstandslos geworden.
5. Kosten
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG14).
14 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Wird ein Verfahren ohne Zutun einer Partei gegenstandslos, so sind die Verfahrenskosten
nach den abgeschätzten Prozessaussichten zu verlegen (Art. 110 Abs. 2 VRPG).
Der Antrag der Beschwerdeführerin, auf die Entfernung der Bodenplatten zu verzichten, ist
abzuweisen. Die Beschwerdeführerin unterliegt daher in diesem Punkt; ihr werden
Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.– auferlegt (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19
Abs. 1 GebV15). Das Begehren der Beschwerdeführerin, eine Fristerstreckung zur
Entsorgung des rückgebauten Materials bis Ende April 2019 zu gewähren, ist durch die
Neuansetzung der Wiederherstellungsfrist gegenstandslos geworden. Diesbezüglich wird
auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet. Parteikosten werden keine gesprochen
(Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).