Decision ID: 78a238dc-94ba-431c-8481-fe530790dceb
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt (Zusammenfassung):
A. (nachfolgend: Kläger), geboren 1953, erlitt am 29. Oktober 2007 mit seinem
Personenwagen eine Frontalkollision, nachdem ihn eine bei der B. AG (nachfolgend:
Beklagte) versicherte und vortrittsbelastete Fahrzeuglenkerin, die im Begriff gewesen
war, nach links abzubiegen, übersehen hatte. Der Kläger zog sich dabei Verletzungen
am Brustbein, am rechten Handgelenk sowie am rechten Knie zu. In seiner Klage beim
Kreisgericht K. (nachfolgend: Vorinstanz), mit welcher er die Zusprechung einer
"Teilgenugtuung bis zum Betrag von Fr. 30'000.00" verlangte, berief er sich jedoch
hauptsächlich auf ein Schädelhirntrauma sowie subsidiär auf ein HWS-
Schleudertrauma und machte geltend, dass schon kurz nach dem Unfall zahlreiche
Beschwerden, darunter Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, zwei Erinnerungslücken
sowie Merkmale einer Wesensveränderung (u.a. starke Verwirrtheit, Vergesslichkeit und
vermehrte Gereiztheit) aufgetreten seien. Vor Vorinstanz stritten sich die Parteien u.a.
darüber, ob zwischen dem Unfall vom 29. Oktober 2007 und den vorerwähnten –
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weder klinisch noch bildgebend objektivierbaren – Beschwerden ein natürlicher
Kausalzusammenhang bestehe. Die Vorinstanz verneinte das: Einerseits gäben die
Akten keinerlei Hinweise für ein stattgefundenes Schädelhirntrauma mit Eintritt des
typischen Beschwerdebildes innert der massgeblichen Latenzzeit von drei Tagen nach
dem Unfall her und andererseits werde gerade deshalb die Unfallkausalität im
zuhanden der IV-Stelle des Kantons St.Gallen erstatteten polydisziplinären Gutachten
der M. in überzeugender Weise und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verneint. Sie
verzichtete alsdann auf die Abnahme der vom Kläger für seine gegenteiligen
Behauptungen offerierten Parteibefragung (resp. Beweisaussage) und
Zeugeneinvernahmen, weil sie deren Ergiebigkeit aufgrund der konkreten Umstände als
fraglich einstufte, und weil diese die Zweifel, die sich aus den echtzeitlichen bzw.
zeitnäheren medizinischen Unterlagen ergäben, ohnehin nicht mehr zu beseitigen
vermöchten. Im Berufungsverfahren war u.a. darüber zu befinden, ob darin eine
zulässige antizipierte Beweiswürdigung oder eine Verletzung des klägerischen Rechts
auf Beweis (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 152 ZPO) zu erblicken ist.

Erwägungen (Auszug):
III.
[...]
4. Der Kläger macht vorerst geltend, die Vorinstanz habe im Zusammenhang mit
der Nichtabnahme der von ihm form- und fristgerecht angebotenen Partei- und
Zeugenaussagen sein Recht auf Beweis und damit seinen rechtlichen Gehörsanspruch
verletzt. Des Weiteren habe die Vorinstanz die medizinischen Akten teilweise nicht,
unvollständig oder falsch gewürdigt. Der Vorinstanz sei zwar zuzustimmen, dass keine
echtzeitlichen Dokumente vorlägen, die einen Kopfanprall oder das Auftreten von
typischen Beschwerden eines Schädelhirntraumas bzw. einer Schleuderverletzung
innerhalb einer Latenzzeit von 72 Stunden erwähnten, allerdings habe er
prozesskonform behauptet und jeweils durch Parteibefragung bzw. Beweisaussage
und Zeugeneinvernahmen zum Beweis verstellt, dass er (b/aa) unmittelbar nach dem
Unfall unter anderem an Kopfschmerzen sowie unter einer Nackensteifigkeit gelitten
habe, dass er (b/bb) in den ersten Tagen nach dem Unfall schlagartig völlig verwirrt,
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vergesslich und vermehrt gereizt gewesen sei, dass er (b/cc) unmittelbar nach dem
Unfall zwei Erinnerungslücken gehabt habe und dass schliesslich die erwähnten
Beschwerden echtzeitlich nicht abgefragt worden seien. Die offerierten Beweismittel
seien im vorliegenden Fall "absolut zentral", könne mit deren Hilfe doch nachgewiesen
werden, dass er bereits unmittelbar nach dem Unfall an den typischen Folgen eines
Schädelhirntraumas gelitten habe, wobei es nicht primär um die von der Vorinstanz
erwähnten Beschwerden in der Halsregion und der Halswirbelsäule, sondern um die
dargelegte Persönlichkeitsveränderung und die erlittenen Amnesien gehe. Dadurch,
dass ihm die Vorinstanz keine Gelegenheit geboten habe, die auf fehlende Abklärungen
zurückzuführenden Unvollständigkeiten in den medizinischen Akten durch anderweitige
Beweismittel zu beseitigen, habe sie ihm jegliche Möglichkeit verwehrt, zu seinen
Gunsten erfolgreich Beweis zu führen, und den Grundsatz verkannt, wonach es unter
den Beweismitteln der ZPO keine Hierarchie gebe.
a/aa) Das Recht auf Beweis – welches sich verfassungsrechtlich aus Art. 29 Abs. 2 BV
ergibt und früher aus Art. 8 ZGB abgeleitet wurde – ist in Art. 152 ZPO gesetzlich
verankert. Es verschafft der beweispflichtigen Partei einen Anspruch darauf, für
rechtserhebliche bestrittene Vorbringen zum Beweis zugelassen zu werden, wenn ihr
Beweisantrag nach Form und Inhalt den Vorschriften des anwendbaren Prozessrechts
entspricht (Art. 150 Abs. 1 i.V.m. Art. 152 Abs. 1 ZPO; vgl. BGE 143 III 65 E. 3.2; BGE
133 III 295 E. 7.1; BGE 114 II 289 E. 2.a; BGer 4A_427/2017 E. 5.1). Dieser Anspruch
schliesst eine vorweggenommene (antizipierte) Würdigung von Beweisen nicht aus.
Daran hat das Bundesgericht wie im Übrigen auch das Kantonsgericht – trotz
vereinzelter Kritik in der Lehre (exemplarisch BSK ZPO-Guyan, Art. 157 N 14) – in
ständiger Rechtsprechung festgehalten (BGE 143 III 297 E. 9.3.2; BGE 130 III 591
E. 5.4; BGE 114 II 289 E. 2.a; BGE 109 II 31 E. 3.b; BGE 4A_427/2017 E. 5.1; BGer
4A_414/2013 E. 4.3; Entscheide des Kantonsgerichts vom 10. Juni 2008 i.S. VZ.
2008.15 und vom 29. Oktober 2007 i.S. BZ.2007.50 [abrufbar unter: http://
www.gerichte.sg.ch/home/dienstleistungen/rechtsprechung/kantonsgericht.html]).
bb) Wie bereits die Begriffsbezeichnung erahnen lässt, ist der vorweggenommenen
(antizipierten) Beweiswürdigung eigen, dass bei ihr die Überzeugungskraft eines
Beweismittels nicht wie üblich erst nach dessen Abnahme, sondern schon vor dessen
Erhebung beurteilt wird (Hasenböhler, Das Beweisrecht der ZPO, N 5.70). Sie wird
http://www.gerichte.sg.ch/home/dienstleistungen/rechtsprechung/kantons�gericht.html http://www.gerichte.sg.ch/home/dienstleistungen/rechtsprechung/kantons�gericht.html
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überwiegend als unproblematisch erachtet, wenn es darum geht, aus einer Vielzahl von
(gleichartigen) Beweisanträgen, die alle dem Nachweis desselben Sachverhalts dienen
sollen, eine Selektion zu treffen (Hasenböhler, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/
Leuenberger, ZPO Komm., Art. 157 N 43; Leu, DIKE-Komm-ZPO, Art. 152 N 108;
KUKO ZPO-Schmid, Art. 157 N 17, jeweils m.w.H.). Eine damit verwandte, zweite
Erscheinungsform der antizipierten Beweiswürdigung liegt vor, wenn das Gericht
aufgrund bereits abgenommener Beweismittel zum Schluss kommt, ein zusätzliches,
an sich taugliches Beweismittel vermöge seine Überzeugung von der Wahrheit oder
Unwahrheit einer strittigen Tatsache nicht (mehr) zu erschüttern. Im Verlaufe des
Meinungsbildungsprozesses kann eine Stufe erreicht werden, bei der sich die
richterliche Überzeugung derart gefestigt hat, dass die Abnahme weiterer Beweismittel
überflüssig erscheint, wobei das Gericht gedanklich stets zu unterstellen hat, dass das
noch nicht erhobene Beweismittel das Ergebnis bestätigen würde, welches die Partei
vertritt, von der es angerufen wurde (BGE 143 III 297 E. 9.3.2; BGE 140 I 285 E. 6.3.1;
BGE 138 III 374 E. 4.3.2; BGer 4A_427/2017 E. 5.1.1; Hasenböhler, a.a.O., N 5.76 und
5.84; Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., N 9.158). Von einer antizipierten
Beweiswürdigung ist schliesslich ebenfalls die Rede, wenn das Gericht einem
beantragten Beweismittel die Tauglichkeit abspricht, die behauptete Tatsache zu
erstellen, zu deren Beweis es angerufen wurde (s. etwa BGer 4A_427/2017 E. 5.1.1;
BGer 4A_445/2016 E. 4.3;
BGer 4A_257/2008 E. 4.2). Diese dritte Erscheinungsform, bei der das Gericht losgelöst
von seiner Überzeugung hinsichtlich der Verwirklichung der damit zu erstellenden
Tatsache, also insbesondere auch bei offenem Beweisergebnis auf eine
Beweisabnahme verzichtet, gilt als legitim, wenn das offerierte Beweismittel schon von
seiner Natur her ungeeignet ist, die bestrittene Tatsache zu beweisen (sog. objektive
Untauglichkeit; Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., N 9.158; Hasenböhler, a.a.O.,
N 2.26). Dagegen wird in der Literatur – soweit nicht gar für Unzulässigkeit plädiert wird
(BSK ZPO-Guyan, Art. 152 N 7 und Art. 157 N 14; wohl auch KUKO ZPO-Schmid,
Art. 157 N 14 ff.) – erhebliche Zurückhaltung gefordert (Leuenberger/Uffer-Tobler,
a.a.O., N 9.158; Hasenböhler, a.a.O., N 2.28; Brönnimann, Berner Kommentar, N 18 ff.
zu Art. 152 ZPO; Leu, DIKE-Komm-ZPO, Art. 152 N 32) und wurde vom Bundesgericht
eine offensichtliche Untauglichkeit verlangt (BGE 124 I 208 E. 4.a; BGer 4A_544/2014
E. 3.2.1; BGer 4A_178/2014 E. 5.1; zurückhaltender nunmehr BGer 4A_427/2017
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E. 5.1.1), sofern auf ein seiner Natur nach geeignetes Beweismittel verzichtet werden
soll, weil seine Abnahme im konkreten Fall, beispielsweise wegen des sehr langen
Zeitablaufs, als nicht aussichtsreich erscheint (sog. subjektive Untauglichkeit). In
solchen Fällen reichen blosse Zweifel an der Tauglichkeit und Ergiebigkeit eines
Beweismittels demnach nicht aus, sondern ist ein Verzicht in antizipierter
Beweiswürdigung erst zulässig, wenn es geradezu ausgeschlossen erscheint, dass mit
dem betreffenden Beweismittel noch Näheres in Erfahrung gebracht werden kann. Dies
gilt zumindest insoweit, als sich das Gericht noch keine Überzeugung bilden konnte
und daher ohne Abnahme weiterer Beweismittel die Verteilung der Beweislast über den
Ausgang des Verfahrens entscheiden würde; denn wie das Bundesgericht mittlerweile
in
BGer 4A_427/2017 E. 5.1.1 präzisierend klarstellte, komme in der Praxis oftmals eine
Kombination der (zweiten und dritten) Variante(n) vor, indem einem Beweismittel mit
zweifelhafter Tauglichkeit die Eignung abgesprochen werde, eine aufgrund anderer
Beweismittel bereits gewonnene Überzeugung noch erschüttern zu können (vgl. auch
BGer 5A_708/2014 E. 2; BGer 4D_92/2010 E. 3.2). Je fraglicher also die Tauglichkeit
eines Beweismittels erscheine, desto weniger sei dieses auch geeignet, beim Gericht
Zweifel an einer bereits gewonnenen Überzeugung zu wecken und selbige wieder in
Frage zu stellen – so das Bundesgericht im erwähnten Entscheid weiter. Das erscheint
nicht zuletzt deshalb sachgerecht, weil Sicherheit immer nur in Relation zu den
ansonsten noch verfügbaren Erkenntnisquellen bestehen kann.
cc) Vorliegend bediente sich die Vorinstanz dieser zuletzt erwähnten Mischform. So
erachtete sie weder die Unfallkausalität der behaupteten persistierenden Beschwerden
als bewiesen noch deren Fehlen (und somit eine andere Ursächlichkeit) als positiv
erstellt. Mit anderen Worten ging sie diesbezüglich von Beweislosigkeit, also einem
offenen Beweisergebnis aus. Gleichzeitig lehnte sie es aber ab, die weiteren – vom
Kläger – beantragten Beweismittel abzunehmen, insbesondere Partei- und
Zeugenbefragungen durchzuführen, da sie diese in erster Linie wegen der seit dem
Unfall verstrichenen Zeit von beinahe zehn Jahren, daneben aber auch wegen der
persönlichen Nähe der angerufenen Zeugen zum Kläger als untauglich erachtete, um
damit ihre auf Basis der medizinischen Akten bereits gewonnene Überzeugung
erschüttern und den angestrebten Beweis erbringen zu können. Die Beweiswürdigung
der Vorinstanz ist daher im Folgenden jeweils unter zwei Gesichtspunkten zu prüfen:
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Einerseits hinsichtlich ihrer Einschätzung des bisherigen Beweisergebnisses und
andererseits hinsichtlich ihrer vorweggenommenen Beurteilung der Beweiskraft der
vom Kläger sonst noch offerierten Beweismittel.
b/aa) Betreffend die Kopfschmerzen und die Nackensteifigkeit, die der Behauptung
des Klägers zufolge "[u]nmittelbar nach dem Unfall auftauchten", ist unter dem auf die
gegenwärtige Beweis- und Aktenlage eingeschränkten Blickwinkel zu beachten, dass
solche Beschwerden weder im Kurzaustrittsbericht des Spitals S., wo der Kläger
unmittelbar nach dem Unfall untersucht wurde, noch im Polizeirapport, der u.a. eine
Befragung des Klägers nach der Entlassung aus dem Spital enthält, festgehalten
wurden. Letzteres mag insofern eine gewisse Relativierung erfahren, als das Protokoll
überwiegend der Rekonstruktion des Unfallhergangs diente. Doch macht es sich der
Kläger etwas gar einfach, wenn er sodann mit Hinweis darauf, dass im sehr knappen
"Kurzaustrittsbericht" zur Erstuntersuchung im Spital S. unter "Angaben der verletzten
Person, Unfallhergang und Beschwerden" nichts dokumentiert wurde, wiederholt – und
in Anlehnung an den Parteigutachter – geltend macht, Beschwerden seien damals nicht
abgefragt worden und weitergehende Untersuchungen deshalb unterblieben. Zum
einen ist nicht davon auszugehen, dass die erstbehandelnde Ärztin ohne jegliche
Äusserungen des Klägers zum Unfallhergang und zu seinen Beschwerden von sich
aus, sozusagen ins Blaue hinein, Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, des Brustbeins,
des Handgelenks rechts und des Knies rechts anfertigte sowie eine
Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes durchführte (Abdomen-Sonographie). Zum
anderen impliziert die entsprechende Behauptung mangelnder Nachfrage eben auch,
dass der Kläger der untersuchenden Ärztin ebenso wenig von sich aus von
Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit berichtete, obwohl beides in aller Regel nicht
direkt verifizierbare Beschwerdebilder sind. Dem Kläger ist jedoch darin beizupflichten,
dass die fraglichen Beschwerden im Lichte der vorne zusammengefassten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum natürlichen Kausalzusammenhang innert
einer Latenzzeit von höchstens 72 Stunden und damit nicht zwangsläufig schon zu
diesem Zeitpunkt, also noch am Unfalltag hätten auftreten müssen.
Für die Zeitspanne zwischen dem Folgetag bis knapp einem Monat nach dem Unfall
existiert – soweit aktenkundig – keine ärztliche Aufzeichnung über die weitere
Entwicklung des Gesundheitszustands. Der nächste Zwischenbericht vom damaligen
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Hausarzt des Klägers, Dr. C., datiert vom 21. November 2007 und wurde zuhanden der
SUVA ausgefertigt. Darin ist bezüglich des bisherigen Verlaufs und gegenwärtigen
Zustands des Klägers u.a. von "rezid. Kopfschmerzen + Nackensteifigkeit" die Rede.
Der Verwendung des Kürzels "rezid." (für rezidivierend), mithin der Bezeichnung beider
Beschwerden als wiederkehrend, kann nur – aber immerhin – entnommen werden,
dass der Kläger gegenüber seinem Hausarzt jedenfalls nicht angab, die
Kopfschmerzen und die Nackensteifigkeit würden erst seit Mitte resp. Ende November
2007 bestehen. Dass dahingehende Beschwerden aber bereits ab dem Unfalltag oder
kurz danach wahrgenommen worden waren, lässt sich entgegen der Auffassung des
Klägers allein daraus noch nicht ableiten. Vielmehr blieb die dem Begriff rezidivierend
vom Hausarzt konkret zugedachte Bedeutung bislang im Dunkeln. Weder
Dafürsprechendes noch Gegenteiliges ergibt sich daraus, dass der Kläger im Rahmen
der Anamnese durch Dr. D. vom 7. Februar 2008 ausführte, initial kaum Schmerzen
(erst ca. zwei Tage später eine starke Schwellung der rechten Hand mit begleitenden
diffusen Schmerzen der rechten Hand) verspürt zu haben, zumal nicht ganz klar ist, ob
sich diese Aussage nicht ausschliesslich auf die Hand bezog, da eher beiläufig im
Kontext der bisherigen Behandlungs- und Therapiemassnahmen auch noch von
begleitenden "Schulter/Nackenschmerzen und Kopfschmerzen nach dem Unfall"
berichtet wurde. Als gegen ein Auftreten innerhalb der massgeblichen Latenzzeit
sprechendes Indiz lässt sich hingegen anführen, dass der Kläger im Zuge der
fachärztlichen Erfragung zur Krankengeschichte durch E. vom 27. Mai 2008 erklärte,
initial keine Beschwerden bemerkt zu haben; Nacken-, Kopf-, Rücken- und
Gliederschmerzen hätten sich erst etwa eine Woche nach dem Unfallereignis
eingestellt. Da sich diese sieben Monate nach dem fraglichen Unfallereignis erteilte
Auskunft des Klägers zum Beginn seiner Leiden ebenso auf die Schmerzen in der
rechten Hand bezog, zu denen er rund vier Monate zuvor gegenüber Dr. D. noch
erläutert hatte, sie hätten sich ca. zwei Tage nach dem Unfall eingestellt, ist allerdings
auch bezüglich der Kopfschmerzen und der Nackensteifigkeit Vorsicht geboten und
verbietet es sich, ein Auftreten derselben erst eine Woche nach dem Unfall ohne
weiteres als erstellt zu betrachten. In den weiteren ärztlichen Berichten aus den Jahren
2008 und 2009 wurden – wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt – nur noch die
jeweils aktuellen Beschwerden des Klägers beschrieben. Gleiches gilt für das
Privatgutachten Z. Die rund viereinhalb Jahre nach dem Unfall im Rahmen der
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Begutachtung durch die M. durchgeführten Anamnesen, in welchen der Kläger
diesbezüglich doch eher widersprüchlich zitiert wird, offenbaren schliesslich, dass
mehrere Jahre nach dem Unfall erwartungsgemäss vom Kläger selbst keine
gesicherten Auskünfte über den genauen Zeitpunkt des Auftretens einzelner
Beschwerden mehr erhältlich waren.
Aus dem Gesagten erhellt, dass das Beweisergebnis betreffend das Auftreten der
Kopfschmerzen und der Nackensteifigkeit innerhalb einer Latenzzeit von 72 Stunden
völlig offen ist. Es existieren bis anhin zwar kaum Anhaltspunkte, die unmittelbar für die
Behauptung des Klägers sprechen. Umgekehrt lässt sich den Prozessakten jedoch
auch schwerlich etwas entnehmen, was eindeutig gegen das Auftreten dieser
Beschwerden innerhalb der massgeblichen Latenzzeit sprechen würde. Ferner mag es
unter zusätzlicher Berücksichtigung der zahlreichen, bei den Akten liegenden
Eigenanamnesen und des Interesses des Klägers am Prozessausgang richtig sein,
wenn die Vorinstanz davon ausging, mit einer heutigen Befragung des Klägers lasse
sich sein Gesundheitszustand im entscheidenden Zeitraum nicht mehr erstellen. Der
Kläger beantragte zu seiner diesbezüglichen Behauptung, nämlich dazu, dass
Kopfschmerzen und eine Nackensteifigkeit unmittelbar bzw. kurze Zeit nach dem Unfall
aufgetaucht seien, u.a. aber auch die Einvernahme seines damaligen Hausarztes, Dr.
C., als Zeuge. An Schranken wiederholte er diese Beweisofferte und bekräftigte sie
dadurch, dass er ergänzend ausführte, dass er im Anschluss an die Erstuntersuchung
im Spital S. in regelmässiger Behandlung (etwa in wöchentlichen Abständen) bei
seinem Hausarzt gewesen sei, wobei ihm jeweils weiterhin Schmerzmittel verschrieben
worden seien. Damit setzte sich die Vorinstanz überhaupt nicht auseinander. Ein
Grund, weshalb es ausgeschlossen erscheinen sollte (s. E.4.a/bb hiervor), dass von
einer Einvernahme von Dr. C. noch relevante Erkenntnisse erwartet werden könnten,
liegt im Lichte der bisherigen Beweislage auch nicht auf der Hand. Gewiss mag er
seinen Zwischenbericht vom 21. November 2007 zuhanden der Unfallversicherung, in
welchem im Zusammenhang mit dem bisherigen Verlauf erstmals von rezidivierenden
Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit gesprochen wird, erst knapp drei Wochen nach
der relevanten Zeit verfasst haben; in welchem Zeitpunkt die dem Bericht
zugrundeliegende(n) Untersuchung(en) stattgefunden haben, ist allerdings – wie gesagt
– unbekannt. Mit Blick auf das Austrittsprotokoll des Spitals S., welches ausdrücklich
eine Nachkontrolle beim Hausarzt vorsah, die rechtzeitig und in genügender Weise
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vorgebrachten Behauptungen des Klägers, wonach er unmittelbar nach dem Unfall an
den erwähnten Beschwerden gelitten und daraufhin in regelmässigen, etwa
wöchentlichen Abständen Dr. C. aufgesucht habe, sowie die Verwendung des Begriffs
'rezidivierend' im ersten Zwischenbericht desselben gibt es durchaus Anhaltspunkte,
die nahelegen, dass eine erste Konsultation des Hausarztes womöglich wesentlich
früher stattgefunden haben könnte als dreieinhalb Wochen nach dem Unfall. Es
erscheint daher angezeigt, Dr. C. zu den oben erwähnten bestrittenen und in
Anbetracht des unter E. 3.c/bb hiervor Ausgeführten durchaus entscheiderheblichen
Behauptungen des Klägers als Zeuge einzuvernehmen, um zu klären, worauf er seine
damalige Verlaufsschilderung stützte bzw. welche Umstände die Verwendung des
Begriffs rezidivierend rechtfertigten. Mithilfe einer allenfalls angelegten und
aufbewahrten Patientenakte des Klägers dürfte es Dr. C. u.U. auch möglich sein, dies
nach mehr als zehn Jahren zu rekonstruieren. Das unverkennbare Risiko, dass es sich
ebenso gut anders verhalten könnte und gut möglich ist, dass der ehemalige Hausarzt
keine sachdienlichen Auskünfte mehr machen kann, trägt sowohl hinsichtlich des
Verfahrensausgangs als auch hinsichtlich der Prozesskosten der Kläger (s. E. 3.b
hiervor; vgl. ferner Art. 102 Abs. 1, Art. 106 Abs. 1 und Art. 111 Abs. 1 sowie
Abs. 2 ZPO). Indem ihm die Vorinstanz – wohl mit Rücksicht darauf und im Interesse
der Prozessökonomie (Art. 124 Abs. 1 ZPO) – aber bereits von vornherein den Versuch
verwehrte, eine offenkundig bestehende Lücke in der ärztlichen Verlaufsaufzeichnung
durch die Einvernahme des ihn zu jener Zeit behandelnden Hausarztes zu schliessen,
obwohl die verschärfte bundesgerichtliche Rechtsprechung zur natürlichen Kausalität
unbestimmter Beschwerdebilder nach HWS-Schleudertraumen oder äquivalenten
Verletzungen einer lückenlosen und präzisen Dokumentation des Verlaufs im frühesten
Stadium und alsdann einer kritischen Auseinandersetzung mit derselben besondere
Bedeutung zumisst (s. E. 3.c/bb hiervor), verletzte sie sein Recht auf Beweis.
bb) Mit der geltend gemachten Wesensveränderung, mithin der Behauptung, er, der
Kläger, sei "in den ersten Tagen nach dem Unfall" "schlagartig" völlig verwirrt,
vergesslich sowie vermehrt gereizt gewesen, setzte sich die Vorinstanz nicht im
Einzelnen auseinander. Implizit behandelte sie diese aber insofern, als sie mittels
Klammerbemerkungen zum Ausdruck brachte, dass eine entsprechende Symptomatik
erst mehr als ein halbes Jahr nach dem Unfall Eingang in die medizinischen Berichte
gefunden habe. Dies ist im Ergebnis auch richtig, wobei erstmals im Bericht von E. vom
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27. Mai 2008 aktuelle Beschwerden wie Vergesslichkeit, Konzentrations- und
Auffassungsstörungen beschrieben wurden und dem Kläger aufgrund von
Auffälligkeiten im formalen Denken verbunden mit Konzentrations- und
Auffassungsstörungen – nicht aber wegen reduzierter Merkfähigkeit, die in der
Fremdbeurteilung anscheinend unbeeinträchtigt war – eine Anpassungsstörung
diagnostiziert wurde. Auch in den nachfolgenden Berichten der Dres. C. und G. sowie
von E. werden dahingehende Symptome erwähnt, allerdings ebenfalls als aktuelle und
teils nur als subjektiv wahrgenommene Beschwerden beschrieben. Somit enthalten die
Verfahrensakten nur Hinweise auf eine persönlichkeitsverändernde Entwicklung im
Verlaufe der Folgejahre, nicht aber auf eine – wie vom Kläger behauptet – schlagartig
nach dem Unfallaufgetretene Wesensveränderung. Auch was das anbelangt, ist das
Beweisergebnis daher offen und besteht bislang bloss eine Parteibehauptung. Nicht
mehr, sondern denselben Status erhalten die im Rahmen des Privatgutachtens Z.
eingeholten summarischen telefonischen Fremdanamnesen von X. und Y. (vgl. BGE
141 III 433 E. 2.6), auf die an Schranken verwiesen wurde. Folglich bedarf es weiterer
aussagekräftiger Indizien, damit die bestrittene Behauptung als erwiesen erachtet
werden kann (BGE 141 III 433 E. 2.6).
Zum Beweis der schlagartigen Wesensveränderung beantragte der Kläger die
Einvernahme von sieben Zeugen aus seinem näheren familiären oder beruflichen
Umfeld bzw. aus seinem Bekanntenkreis. Überhaupt kein gegen die Beweistauglichkeit
der offerierten Zeugeneinvernahmen sprechendes Argument – sondern eine bei der
Würdigung der Ergebnisse derselben unter den Aspekten der Motivationslage und der
Aussagezuverlässigkeit zu berücksichtigende Tatsache – stellt die persönliche Nähe
der angerufenen Zeugen zum Kläger dar, zumal sich eine (schlagartige)
Wesensveränderung ohne regelmässigen Kontakt und ohne vertrauensvolle Beziehung
schwerlich bezeugen lässt. Zumindest ungenau ist es sodann, wenn die Vorinstanz im
Weiteren davon spricht, dass selbst wenn die Zeugen die Behauptungen des Klägers
bestätigen würden, aufgrund der anderslautenden medizinischen Akten aus der Zeit
unmittelbar nach dem Unfall nicht auf medizinische Tatsachen geschlossen werden
könnte, die in diesen Akten nicht enthalten seien. Die eingereichten Akten sagen in
Bezug auf die Wesensveränderung nicht etwas Anderes aus, sondern enthalten bloss
keine Hinweise auf ein schlagartiges Auftreten der Nämlichen. So schilderte der Kläger
in den fünf Jahren nach dem Unfall gegenüber zahlreichen Ärzten wie auch Ärztinnen
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Anzeichen für eine Wesensveränderung (Vergesslichkeit, Konzentrations- und
Auffassungsstörungen) und wurde von diesen im Gespräch oder in der Untersuchung
teilweise auch als (leicht) gereizt wahrgenommen. Das positive (medizinische) Korrelat
dazu, d.h. die im Rahmen der Begutachtung durch die M. festgestellten
neuropsychologischen Defizite in Form eines leicht- bis mittelschweren dysexekutiven
Syndroms und einer Störung der Verhaltens- und Selbstregulationsfähigkeit, ist
ausserdem unbestritten. Wenn aber die Persönlichkeitsveränderung an sich feststeht
und "nur" noch streitig ist, ob sie mit dem Unfall ihren Anfang nahm, wofür jedenfalls
bislang keine Anhaltspunkte bestehen, ist auch der Umstand, dass seit dem relevanten
Zeitpunkt beinahe zehn – bzw. inzwischen mehr als elf – Jahre verstrichen sind, kein
genügender Aufhänger, um in antizipierender Beweiswürdigung auf die Einvernahme
von Personen aus dem Nahbereich des Klägers zu verzichten. Zwar werden
Erinnerungen schwächer, je länger ein Ereignis zurückliegt (sog. Verblassungstendenz),
doch verlaufen die Vergessensprozesse ungleichmässig und flacht die sog.
"Vergessenskurve" nach den ersten Tagen und Wochen nach dem Ereignis aus
(Ludewig/Baumer/Tavor, Aussagepsychologie für die Rechtspraxis, S. 30; Volbert/
Dahle, Forensisch-psychologische Diagnostik im Strafverfahren, S. 4; Bender/Nack/
Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, S. 29 f.). Entscheidend sind daher in erster
Linie nicht die Anzahl Jahre, die das Ereignis zurückliegt, sondern die Umstände der
damaligen Wahrnehmung. An aussergewöhnliche Ereignisse und an solche, von denen
sie persönlich betroffen waren, können sich Zeugen bisweilen auch nach Jahren
erinnern (Leu, DIKE-Komm-ZPO, Art. 152 N 32; Trezzini, in: Trezzini et al [Hrsg.],
Commentario pratico al Codice di diritto processuale civile svizzero [CPC], Art. 152
S. 668 m.H. auf die strafrechtliche Rechtsprechung in BGer 6P.165/2004 E. 2.4.2). So
erachtete es auch die Vorinstanz selber zu Recht nicht als ausgeschlossen, sondern als
"wenig wahrscheinlich", dass die Zeugen die Behauptung des Klägers bestätigen
könnten. Hinzu kommt, dass die Zuverlässigkeit der Erinnerung mithin von der Art des
Objektes abhängt, an welches sich die Zeugen erinnern sollen. Dabei bleiben
Erinnerungen an Personen und ihre Handlungen, insbesondere an und mit den Zeugen,
im Vergleich zu anderen Erinnerungsgegenständen am ehesten zuverlässig; anders
verhält es sich hingegen mit der Zuverlässigkeit von Aussagen über die Reihenfolge
von Ereignissen, welche im Verlaufe der Zeit besonders stark abnimmt, worauf sich bei
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der Fragestellung und anschliessenden Würdigung von Zeugenaussagen aber achten
lässt (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., S. 37).
Es erscheint daher angezeigt, den ältesten Sohn des Klägers, U., der mit seinem Vater,
soweit ersichtlich, seit der relevanten Zeit bis heute in einem gemeinsamen Haushalt
lebt(e) und von einer mutmasslich plötzlichen Wesensveränderung desselben daher
auch persönlich betroffen gewesen sein müsste, zu seinen diesbezüglichen
Wahrnehmungen zu befragen. Daneben erscheint auch eine Einvernahme von Y. und
V. als unumgänglich; entbehrlich sind hingegen die Einvernahme der restlichen
offerierten Zeugen sowie die Parteibefragung des Klägers, zumal nach dem heutigen
Kenntnisstand – und bezüglich Letzterem auch für den Kläger selbst – nicht recht
ersichtlich ist, was die fraglichen Personen zu diesem (zeitlich doch sehr eingegrenzten)
Beweisthema beitragen können sollten. Die Herren Y. und V. hingegen standen mit
dem Kläger dem Anschein nach in regem geschäftlichen Kontakt, hatten mit diesem
also in einem Bereich zu tun, in welchem sich die Auswirkungen der behaupteten
schlagartigen Wesensveränderung der Sachdarstellung des Klägers zufolge am
stärksten niederschlugen. Bei ihnen lässt sich sodann im Lichte der vorherigen
Ausführungen nicht ausschliessen, dass sie sich an einen abrupten quantitativen und/
oder qualitativen Leistungsabfall ihres langjährigen Geschäftspartners noch erinnern
können. Einer Einvernahme von Y. steht auch nicht im Wege, dass von diesem bereits
eine kurze telefonische Fremdanamnese bei den Akten liegt, in welcher er dem
Privatgutachter – nicht wie behauptet eineinhalb Jahre, sondern stattdessen – rund
zweieinhalb Jahre nach dem Unfall Auskunft über seine eigene Wahrnehmung des
(veränderten) Klägers gab. Der betreffenden Fremdanamnese kommt im vorliegenden
Verfahren, wie bereits dargelegt, bloss die Stellung einer Parteibehauptung zu; in die
Beurteilung der Aussagen von Y. ist sie dennoch kritisch miteinzubeziehen (BGer
4A_707/2016 E. 1.3). Generell muss die Würdigung sämtlicher Zeugenaussagen
aufgrund der vergangenen Zeit mit der gebotenen Zurückhaltung erfolgen. Eine bloss
pauschale Bestätigung der Prozessbehauptung des Klägers kann nicht genügen, selbst
wenn alle drei Zeugen darin übereinstimmen sollten. Vielmehr wird ein besonderes
Augenmerk auf spezifische – noch erinnerte – Situationen zu richten sein, in denen sich
allfällige Veränderungen kurz nach dem Unfall manifestierten. Die erlangten
Aussageergebnisse gilt es dann wiederum sowohl im Einzelnen als auch untereinander
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sowie mit Blick auf die Prozessbehauptungen und Prozessakten kritisch zu
hinterfragen und auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu überprüfen.
cc) Hinsichtlich der behaupteten anterograden Amnesien (Fahrt mit der Ambulanz
zum Spital und Arbeitseinsatz am nächsten Tag) fällt auf, dass der Kläger erstmals rund
neun Monate nach dem Unfall (d.h. am 22. Juli 2008) gegenüber dem Suva-Kreisarzt
angab, "kurzzeitig eine Gedächtnislücke" gehabt zu haben. Nochmals mehr als
eineinhalb Jahre später – nachdem die Suva ihre Versicherungsleistungen eingestellt
und die dagegen erhobene Einsprache abgewiesen hatte – konkretisierte er diese
Angabe im Zuge einer Befragung durch den Privatgutachter Dr. Z. vom 3. März 2010.
Dort wird er dahingehend zitiert, dass ihm für den grössten Teil der Fahrt mit der
Ambulanz die "Erinnerung vollständig (schätzungsweise 5-8 Minuten)" fehle und er sich
auch an einen Reparatureinsatz bei einem Kunden am nächsten Tag in O. genauso wie
an die Organisation des für die Fahrt dorthin notwendigen Ersatzfahrzeuges nicht mehr
erinnern könne. Soweit der Kläger die (angesichts des Zeitpunkts und der Adressaten
auffällig) späte Erwähnung – in Anlehnung an den Privatgutachter – einzig damit
begründete, dass solche Kriterien in den ersten ärztlichen Untersuchungen öfters nicht
beachtet bzw. erfragt werden, und dazu eine Parteibefragung bzw. Beweisaussage
offerierte, kann der Vorinstanz keine Gehörsverletzung oder unrichtige (antizipierte)
Beweiswürdigung vorgeworfen werden, wenn sie dieser Behauptung von vornherein
keinen Glauben schenken wollte, könnten damit doch allenfalls noch die fehlenden
Indizien in den ersten beiden ärztlichen Berichten erklärt werden, nicht aber der
Umstand, dass der Kläger E. am 27. Mai 2008 "auf Nachfragen hin" detailliert vom
Unfallereignis berichtete und dabei – trotz Erwähnung der gemeinsamen Fahrt ins
Spital – nicht einmal ansatzweise Anzeichen für eine Amnesie erwähnte. Unter den
gegebenen Umständen – und, weil fehlende Erinnerungen an Aspekte ausserhalb des
Kerngeschehens nach rund 9 bzw. 28 Monaten und erst recht nach zehn Jahren
keineswegs aussergewöhnlich sind (s. zu den Gründen: Ludewig/Baumer/Tavor, a.a.O.,
S. 28 ff., 64) – muss diese Behauptung als durch die Prozessakten widerlegt gelten und
erübrigt es sich, den Kläger hierzu zu befragen.
5.a) In Bezug auf den von der Vorinstanz verneinten Kopfanprall geht der Kläger
davon aus, dass diesem keine entscheidende Bedeutung zukomme, da auch aus einer
starken Beschleunigung des Kopfes, wie sie beim sehr heftigen Unfall stattgefunden
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habe, ein Schädelhirntrauma resultieren könne. Eventualiter für den Fall, dass die Frage
des Kopfanpralls dennoch von Relevanz sei, macht er aber auch diesbezüglich eine
Verletzung des Rechts auf Beweis und eine unrichtige (antizipierte) Beweiswürdigung
geltend. Er habe mehrfach behauptet, dass er den Kopf angeschlagen habe, und dies
gegenüber diversen Ärzten kundgetan. Die Vorinstanz habe sich weder mit dem
spinnennetzförmigen Schaden an der Frontschutzscheibe auseinandergesetzt noch ihn
zu diesem Themenkreis befragt.
b) Die vom Kläger aufgeworfene Frage, ob die Annahme eines Schädelhirntraumas
eines Kopfanpralls bedarf, ist eine medizinische und entzieht sich der
Beurteilungskompetenz des Gerichts. Sie geht aber auch an der Sache vorbei. Wie der
Kläger vor Vorinstanz selber vorbrachte, spielt es im Haftpflichtrecht grundsätzlich
keine Rolle, ob es im Rahmen des Unfalls zu einem Schädelhirntrauma oder einem
HWS-Schleudertrauma klassischer Ausprägung gekommen ist. Unerheblich ist in
diesem Zusammenhang auch, ob es sich um einen "sehr heftigen Unfall" handelte,
jedenfalls waren die geklagten Beschwerden aus biomechanischer Sicht durch die
Kollisionseinwirkung "eher erklärbar". Massgebend ist vielmehr, ob tatsächlich eine
Beeinträchtigung besteht und ob diese (zumindest auch) durch den Unfall
hervorgerufen wurde, sich also die Beschwerden nicht auch ohne Unfall in gleicher
Weise manifestiert hätten (BGer 4A_275/2013 E. 4.2.3). Auch dies ist wiederum eine
medizinische Frage, deren Beantwortung stark von den Angaben des Geschädigten
abhängt und zuverlässige Informationen zum Unfallhergang voraussetzt (s. vorne E.
3.c/bb). In diesem Kontext spielt es aber durchaus eine gewichtige Rolle, ob eine (inter-
oder polydisziplinäre) Facheinschätzung betreffend den Kausalzusammenhang auf den
richtigen tatsächlichen Grundlagen beruht, mithin einem Kopfanprall zu Recht
Rechnung trägt oder eben nicht. Diesem Unterschied ist sich wohl auch der Kläger
bewusst, basierte seine vorinstanzliche Argumentation doch grossteils auf der
Beurteilung im Privatgutachten Z., in welchem seinerseits von einem Kopfanprall
ausgegangen wird, und kritisierte er das M.-Gutachten namentlich deshalb, weil darin
Hinweise auf ein Schädelhirntrauma fälschlicherweise verneint würden.
c) Indessen vermag der Kläger auch mit seiner Eventualbegründung keine
unrichtige (vorweggenommene) Beweiswürdigung aufzuzeigen. Die Vorinstanz durfte
aus den aktenkundigen Informationen zum Unfallhergang sowie aus dem Umstand,
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dass die erstbehandelnde Ärztin im Bereich des Kopfs anders als in den Bereichen
Sternum, rechtes Knie und rechte Hand keine Anzeichen für eine Kontusion, wie
beispielsweise Prellmarken, feststellte und ihr von Seiten des Klägers offenbar auch
keine dahingehenden Hinweise zugetragen wurden, schliessen, dass ein Kopfanprall
nicht stattgefunden hatte. Ferner behauptete der Kläger nicht, dass sein behandelnder
Hausarzt, welcher in seinen Zwischenbericht vom 21. November 2007 als Erster und –
abgesehen vom Privatgutachter – Einziger auch die Diagnose einer Kopfkontusion
aufnahm, hierfür sprechende objektive Befunde erhoben hätte, weshalb jener insoweit
ausschliesslich auf die Angaben des Klägers abstellte. Diese Angaben, wobei es sich
dabei anfänglich doch eher um Mutmassungen handelte, veranlassten den Facharzt Dr.
D. am 7. Februar 2008 zur anamnestischen Feststellung, der Kläger habe "wohl" mit
dem Kopf an die Frontscheibe angeschlagen. Entgegen der (erstinstanzlichen)
Behauptung des Klägers nahm(en) Dr. D. und die Fachärztin E. ein (leichtes)
Schädelhirntrauma in der Folge aber nicht in ihre jeweiligen Diagnosekataloge auf. Dies
wohl auch deshalb, weil in den MRI-Aufnahmen vom 2. Juni 2008 keine
posttraumatischen Veränderungen nachgewiesen werden konnten. Deutlich in Bezug
auf den behaupteten Kopfaufprall am Fensterrahmen äusserte sich der Kläger erstmals
am 3. März 2010 gegenüber dem Privatgutachter Dr. Z., welcher diese Angabe
anschliessend offenbar unkritisch übernahm und ergänzend gestützt auf die ebenso
erstmaligen (Dritt-)Schilderungen zweier Amnesien und eines über Tage und etwas
schwächer über Monate andauernden Verwirrtheitszustands retrospektiv die Diagnose
einer mindestens leichten traumatischen Hirnverletzung (MTBI) stellte. Anstatt Bilder,
die zweifelsfrei eine solche Einbuchtung erkennen liessen, wurde vorliegend aber
lediglich ein qualitativ schlechter Fotoausdruck eingereicht, der ein von der Glaskante
unten links ausgehendes "spinnennetzförmiges" Schadenmuster der
Windschutzscheibe zeigt. In der biomechanischen Kurzbeurteilung vom
23. Januar 2009 wurde(n) dieser Schaden an der Frontscheibe und die Möglichkeit
eines Kopfanpralls nicht erwähnt, was jedenfalls nicht gerade dafür spricht, dass es
sich aus fachmännischer Sicht bei Ersterem um ein typisches Spurenbild eines
Kopfanpralls handelte, und Letzteres aufgrund der durch die Kollisionswirkung
resultierten Vorwärtsbewegung bei getragenem Sicherheitsgurt mit hoher
Wahrscheinlichkeit zu erwarten war. Auch aus Laienperspektive erscheint
naheliegender, dass dieser Schaden unmittelbare Folge der Frontalkollision der beiden
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Fahrzeuge war, zumal auf der linken Seite auch die Motorhaube am stärksten
eingedrückt war und das "Spinnennetz" bei einem Kopfanprall eher über dem Lenkrad
zu erwarten wäre. Bei dieser Beweislage durfte die Vorinstanz in antizipierter
Beweiswürdigung namentlich auf eine Befragung des Klägers verzichten.
6.a) Was die Einwände des Klägers gegen die antizipierte Beweiswürdigung
anbetrifft, ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Vorinstanz bezüglich der
behaupteten und bestrittenen unfallnah aufgetauchten Kopfschmerzen und
Nackensteifigkeit sowie schlagartigen Wesensveränderung auf unerlässliche
Sachverhaltserhebungen verzichtete und insoweit das Recht des Klägers auf Beweis
verletzte. [...] Da ein entsprechender Eventualantrag auf Rückweisung seitens des
Klägers vorliegt, immerhin vier Zeugen zur Klärung des Sachverhalts einzuvernehmen
sind und sich die Vorinstanz – [...] – zu einem weiteren zur Begründung der
eingeklagten Genugtuungssumme angeführten Aspekt sowie – für den Fall, dass dem
Kläger der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs gelingen sollte – zu den
übrigen Anspruchsvoraussetzungen und der Bemessung einer allfälligen Genugtuung
noch gar nicht geäussert hat, erscheint es gerechtfertigt, die Sache zur Feststellung
des Sachverhalts und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
b) [...]. Nicht Gegenstand der Rückweisung sind die beiden behaupteten
anterograden Amnesien und der angebliche Kopfanprall, da die bisherigen
Prozessakten diesbezüglich bereits einen gegenteiligen Schluss erlauben und weitere
Beweisabnahmen dazu (unergiebig, vor allem aber) überflüssig erscheinen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 02.10.2018 Art. 152 ZPO (SR 272); Art. 29 Abs. 2 BV (SR 101): Das Recht auf Beweis im Zivilprozess schliesst eine vorweggenommene (antizipierte) Würdigung von Beweisen nicht aus. Eine grundsätzlich zulässige und in der Praxis häufig vorkommende Variante der antizipierten Beweiswürdigung liegt vor, wenn einem Beweismittel mit zweifelhafter Tauglichkeit die Eignung abgesprochen wird, eine aufgrund anderer Beweismittel bereits gewonnene Überzeugung noch zu erschüttern. Verletzung des Rechts auf Beweis, wenn trotz offenem Beweisergebnis und bei bloss fraglicher Ergiebigkeit auf die Abnahme eines prozesskonform angebotenen und objektiv tauglichen Beweismittels verzichtet wird (Kantonsgericht, III. Zivilkammer, 2. Oktober 2018, BO.2017.30).
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2021-08-06T21:33:15+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen