Decision ID: 9fd232f4-480c-5640-b9bd-379f8afe6523
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1960, meldete sich am 16. September 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/2). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 26. Oktober 2012 einen Rentenanspruch (Urk. 9/88). Die dagegen erhobene Be
schwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 19. März 2014 im Verfahren Nr. IV. 2012.01247 gut und wies die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurück (Urk. 9/95
).
1.2
Die IV-Stelle holte sodann ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 22. März 2016 erstattet wurde (Urk. 9/133). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk. 9/137-138, Urk. 9/143, Urk. 9/145, 9/148, Urk. 9/150) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 20. Februar 2017 einen Leistungsanspruch (Urk. 9/152
= Urk.
2)
.
2.
Der Versicherte erhob am 2
3.
März 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
0.
Februar 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1-2), eventuell sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
3). Ferner beantragte er die unent
geltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
4
,
Urk.
14-15
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Mai 2017 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
5.
Septemb
er 2017
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Diagnosen aus der Z-Kategorie (Kapitel XXI) de
r
ICD-10 Systems sind für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als
„
Diagnosen" oder
„
Probleme" ange
geben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind. Diese Belastungen fallen als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (Urteil des Bund
esgerichtes 9C_894/2015 vom 25.
April 2016 E.
5.1
mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1
mit
weiteren
Hinweisen).
Akzentuierte
Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) vermögen keinen rechtserheb
lichen Gesundheitsschaden zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 8C_558/201
5 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1). Dazu bedürfte es zumindest einer Persönlichkeitsstörung (Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.5 mit Hinweisen)
.
1.3
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art. 8 ZGB
) hat die versicherte Person die
invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Bewei
s
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nach
weis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt: Vermutet wird Validität, nicht Invalidität. An diesem Nachweis kann es unter mehreren Aspekten mangeln: Die Einschränkung ist nicht gesundheitlich, sondern sozial/soziokulturell bedingt (1); die gesundheit
liche Einschränkung ist nicht evident, wiegt nicht schwer, sodass sie über
windbar und der versicherten Person die Verrichtung einer adaptierten Tätigkeit dennoch zumutbar ist (2); die Einschränkung ist medizinisch angeh- oder gar heilbar (3); die Einschränkung ist nur vorübergehender Natur, sei es, weil sie von selbst oder nach einer medizinischen Behandlung abklingt (4). Die ent
sprechenden Elemente (gesundheitlicher Charakter, Evidenz und Erheblichkeit, Unheilbarkeit und Dauerhaftigkeit der Beeinträchtigung) sind stets - auch ausserhalb der unklaren Beschwerdebilder - nachzuweisen, damit ein Anspruch auf eine Dauerleistung der Invalidenversicherung geltend gemacht werden kann (BGE 139 V 547 E. 8.1 und E. 9.4; BGE 140 V 290 E. 3.3.1).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon
aus, den medizinischen Unterlagen sei zu entnehmen, dass keine gesund
heit
liche
Beeinträchtigung vorliege, die eine langdauernde oder anhaltende Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit habe (S. 1 unten). Eine länger dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen könne auch rückwirkend nicht bestätigt werden (S. 2 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
die ärztlichen Stellungnahmen seien sehr zu seinen Ungunsten ausgelegt word
en (S. 2 Mitte), wofür er Beispiele anführte (S. 2 f.). Ferner leide er an Herzprob
lemen (S. 2 Mitte). Schliesslich verwies er auf eine Stellungnahme der behan
delnden Psychiaterin (S. 2 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit und einem allfälligen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verhält.
3.
3.1
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 19. März 2014 (Urk. 9/95) wurde festge
hal
ten, in psychiatrischer Hinsicht lägen ausgesprochen divergente Beurtei
lungen vor (S. 9 E. 4.2), und die Sache wurde an die Beschwerdegegnerin zurück
ge
wiesen, damit sie eine aussagekräftige psychiatrische Beurteilung veranlasse (S. 10 f. E. 4.5).
3.2
In somatischer Hinsicht sei mit den Parteien davon auszugehen, dass für näher umschriebene leidensangepasste Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 9 E. 4.1). Diagnostiziert worden war eine
Läsion des medialen Meniskus bei Status nach lateraler Teilmeniskektomie April 2008 und subtotaler lateraler Meniskektomie mit Entfernung eines anterolateralen Ganglions Juni 2010 links bei reduziertem femoro-tibialen Alignement
(S. 6 f. E. 3.4.2). Aus orthopä
di
scher Sicht waren körperlich leichte Tätigkeiten
, die abwechslungsweise sitzend u
nd stehend ausgeübt werden könn
ten, nicht mit häufigem Gehen auf unebe
nem Boden, Treppen, Leitern sowie schrägen Ebenen verbunden seien, bei dene
n nicht häufig kniende Positionen eingenommen und Gegenstände über 5 kg gehoben oder getragen werden müssten
, als
seit jeher zu 100
%
zumutbar
bezeich
net worden (S. 7 E. 3.4.3).
4.
4.1
Am 22. März (richtig Juli; vgl. Urk. 9/132) 2016 erstattete Dr. med. Y._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Konsiliararzt (und ehema
liger Leiter) des Zentrums für Begutachtungen, Rehaklinik Z._, ein Gut
achten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/133/1-68).
Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten (S. 3 ff.), ein am 1. Februar 2016 erfolgtes Vorabklärungsgespräch mit Dolmetscherin (S. 23 ff.) und die im statio
nären Rahmen am 17. und 20. Mai 2016 ebenfalls mit Dolmetscherin erhobenen Befunde (S. 42 ff.).
4.2
Dr. Y._ nannte folgende Diagnosen (S. 58 Mitte):
-
keine
nachweisbare psychische Störung mit Psychopathologie von Krankheitswert (unter anderem keine Depression, keine Demenz)
-
keine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
wahrscheinlich auffällige Persönlichkeitsstruktur, mindestens im Aus
mass einer sogenannt akzentuierten Persönlichkeit (ICD-10 Z73.1)
-
Muster von nicht-authentischer Beschwerdedarstellung (betrifft vor allem
angegebene Gedächtnisdefizite), Z76.5
Es bestünden multipelste, hochgradige und eklatante Inkonsistenzen der beklag-ten Beschwerden untereinander und unter Zusammenschau von verschie
denen Befundebenen (inhaltliche Angaben, Verhalten, objektive Befunde, Hin
wiese auf Emotionalität, Angaben zum Funktionsniveau aus dem Alltag; S. 58 Mitte).
4.3
Die diagnostische Beurteilung betreffend führte Dr. Y._ aus, diese sei nur in Zusammenschau mit Aspekten der Konsistenzbeurteilung möglich und begrün
dete dies wie folgt (S. 55 ff.):
Oberflächlich besehen scheinen (...) in erster Linie schwerste, kognitive Defizite zu bestehen, die deutlich über das Ausmass hinausgehen, wie es bei selbst schwer hirnverletzten Patienten vorzufinden wäre. Dazu ist zu bemerken, dass beim Versicherten nie das Bestehen einer relevanten Hirnverletzung zur Dis
kus
sion stand. Diese angegeben, schwersten Defizite der Orientierung (zeitlich, auto
psychisch und situativ) und schwersten Erinnerungsdefizite für Inhalte des Altgedächtnisses entsprechen keinem Muster, wie es bei relevant Hirnverletzten der Fall ist und diese demonstrierten Defizite stehen auch in eklatantem Wider
spruch dazu, dass der Versicherte berichtet, in seinem Alltag einzelne Funktionen auszuüben, wo es eine prompte und allseitige Orientierungsfähigkeit braucht, so z.B. beim Steuern eines Autos - und wie er dies auch dadurch manifestierte, dass er sich implizit in den meisten Teilen der Untersuchung durchaus situa
tions
adäquat verhielt, obwohl andererseits von ihm angegeben wurde, sich nichts merken zu können und entsprechend auf Hilfe und Begleitung im Rahmen unserer Klinik (zum zeitgerechten Auffinden der Treffpunkte) angewiesen zu sein.
Diese Art der demonstrierten Schwerbesinnlichkeit und das teilweise Daneben
antworten (bei andererseits wieder erhaltener Auffassungsfähigkeit für die übersetzten Fragen) entspricht dabei viel eher naiven Vorstellung von Laien über Art und Ausprägung von geistigen Defiziten.
Es wird in diesem Zusammenhang auch auf die (als mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als nicht-authentisch beurteilte) Leistungspräsentation und Darstellung von Defiziten im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung hingewiesen.
Der Versicherte klagte ferner insbesondere über einen qualitativ nicht näher spezifizierbaren „Lärm im Kopf“, über Kopfschmerzen, Schmerzen in beiden Beinen und insbesondere auch eine aggressive, innere Spannung und eine schlechte Stimmung. Diese angegebenen Beschwerden entsprachen vom Inhalt
lich-Qualitativen her und auch in ihrer Darstellung jedoch nicht psychiatrisch typischen, syndromalen Störungsbildern, wie sie z. B. für eine relevante De
pres
sion typisch wären. Insbesondere wurde auch keine aggressive Spannung im eigentlichen Sinne festgestellt, denn der Versicherte zeigte sich - wenn es situativ erforderlich war - prompt freundlich und zeigte dann im Verhalten mindestens für kurze Sequenzen ein liebenswürdiges Verhalten im Kontakt, dies durchaus situationsadäquat.
Bei einer effektiv schweren, aggressiv hochaufgeladenen Spannung wäre dies aus psychiatrischer Sicht nicht so prompt möglich gewesen.
Auch seine emotionalen Äusserungen waren atypisch im Sinne von lautem Klagen mit hoher, teils lauter und kläglicher Stimme und verzerrten Gesichts
zügen, dies alles nicht Mustern entsprechend, wie sie bei Betroffenen mit relevant schweren Depressionen oder aggressiver Gespanntheit gewöhnlich beobachtet werden.
Insgesamt ist aus psychiatrischer Sicht festzuhalten, dass im Rahmen der Unter
suchung ein massiv abnormes Verhalten und ebenso gänzlich atypische Be
schwer
deklagen festgestellt werden mussten, einhergehend mit insgesamt selt
samen und überzeichnet wirkenden mimischen Äusserungen und ferner mit inhaltlichen Angaben, die - soweit überhaupt verwertbar - ausgesprochen diffus und ohne zureichende Kontur blieben.
Dies alles entspricht lauter Merkmalen der Beschwerdedarstellung, die viel eher einer naiven Vorstellung psychischer Gestörtheit entsprechen, die sich medi
zi
nisch ungebildete Personen über psychische Störungen bilden können. Sie ent
sprechen insbesondere auch Mustern der Schilderung angeblich eigenen Verhal
tens und eigenen Befindens, die nach aller medizinischer Erfahrung nicht auf der Schilderung von selber, real erlebten Episoden im eigenen Alltag beruhen.
Auch ein Versuch der Klassifizierung der gezeigten, emotionalen Äusserungen und der angegebenen Defizite gemäss einer Kategorisierung der Psycho
patho
logie nach AMDP gelangte zu keinen verwertbaren Aussagen (da AMDP ein Klassifizierungssystem echter Psychopathologie ist).
Insgesamt ergibt sich daraus, dass aktuell kein erkennbares Profil einer nur annähernd typischen psychischen Störung im Verhalten und in der Beschwer
de
darstellung des Versicherten abgegrenzt werden kann, so z.B. nicht eine rele
vante Depression oder auch eine annähernd typisch ausgeprägte, aggressive Spannung. Ebenfalls liess sich kein Beschwerdeprofil abgrenzen, welches nur annähernd typisch für eine somatoforme Schmerzstörung wäre.
Hinter dieser „vordergründigen Wand" von massiv inkonsistenter Beschwerde
darstellung könnten - möglicherweise - eine geringfügiger ausgeprägte, psychi
sche Missbefindlichkeit oder eine deutlich leichtere psychische Störung vor
handen sein, was jedoch angesichts des vordergründigen, massiv abnormen Verhaltens letztlich im Dunkeln bleiben muss. Ein Argument dafür wäre ja auch, dass sich der Versicherte in einer real misslichen sozialen und beziehungs
mässigen Situation befindet. Ob diese vermutete dahinterliegende Missstimmung einen eigenen Krankheitswert hätte oder eher eine sog. normalpsychologische Reaktion auf missliche Umstände darstellt, muss offenbleiben - es ist eher das Letztere der Fall.
Es ist in diesem Zusammenhang überwiegend wahrscheinlich, dass eine mög
liche, dahinter liegende, psychische Störung nicht das Ausmass erreicht, welches versicherungsmedizinisch relevant wäre (...).
Wie indirekt zu erschliessen ist, steht der Versicherte wahrscheinlich in einer familiendynamisch und psychosozial schwierigen Situation, somit in einer spannungs
geladenen Beziehungssituation mit seiner ebenfalls IV-berenteten Ehe
frau und selber in jahrelangem Streit um die Leistungen von Sozialver
sicherungen, also besteht insgesamt eine relevante, psychosoziale Problematik. Zusammen mit dem schlechten Bildungsgrad kann dies (aber nur anteilig und nachrangig) daran mitbeteiligt sein, dass der Versicherte zu solch undifferen
zierten, naiven Mustern der Beschwerdedarstellung greift, wie aktuell in den gutachterlichen Untersuchungen dokumentiert.
Auch dürfte die wohl auffällige Persönlichkeitsstruktur an der seltsamen Präsen
tationsweise mitbeteiligt sein. Es ist jedoch praktisch sicher, dass der Versicherte sich bewusst ist, dass er je nach Situation zu nicht-authentischen Mustern der Beschwerdepräsentation greift.
Hauptsächlich ist somit für diese geschilderte, abnorme Beschwerdedarstellung eine bewusstseinsnahe bis vollbewusste Steuerung der Beschwerdedarstellung verantwortlich.
4.4
Zur Persönlichkeitsstruktur führte Dr. Y._ unter anderem aus (S. 57 unten), aus näher dargelegten Gründen ergebe sich der Schluss, dass der Versicherte in einer chronifizierten Streitsituation mit Ehefrau, Stiefsohn, aber auch vielen Nachbarn und Kontaktpersonen stehe, dies verstärkt durch schlechtes Sprach
verständnis und schlechte Akkulturation. Das fortgesetzt auffällige Verhalten bei seiner Psychiaterin stelle somit eher auch ein zielgerichtetes Verhalten dar, sich fortgesetzt als krank zu präsentieren. Trotz dieser Argumente liege aber wahr
scheinlich eine gestörte Persönlichkeitsstruktur vor, nicht aber notwen
di
ger
weise im Grad einer eigentlichen Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 F60, es handle sich also (im Mindesten) um akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1).
5.
5.1
Dr. med.
A._
, Oberärztin Interdisziplinärer Notfall,
B._, führte im ambulanten Bericht vom 29. Juni 2016 (Urk. 9/135) aus, der Patient sei am 25. Juni 2016 von der im Rahmen eines Nachbarschaftsstreits herbeigerufenen Polizei hyperventilierend auf dem Sofa gefunden und mit dem Rettungsdienst eingeliefert worden (S. 1 Mitte). Sie nannte folgende, hier ge
kürzt angeführte Diagnosen (S. 1):
-
Hyperventilation nach psychosozialer Belastungssituation
-
koronare 2-Gefässerkrankung
-
Status nach akutem Koronarsyndrom Juli 2011 mit PTCA (Herz
kranzgefäss-Erweiterung) und Stent 3x einer subtotal verschlossenen rechten Kranzarterie
Nach unauffälliger Überwachung habe der Patient am Folgetag in gebessertem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden können (S. 2 Mitte).
5.2
Eine bildgebende Untersuchung des linken Kniegelenks vom 11. November 2016
ergab folgende Beurteilung (Urk. 9/144):
-
Strukturalteration und Volumenminderung von Pars intermedia und Hinterhorn des Aussenmeniskus bei Zustand nach Teilmeniskektomie, keine Hinweise auf akuten Riss am Restmeniskus beziehungsweise am Innenmeniskus
-
leichtgradiger Knorpelschaden (Grad I-II) retropatellär und femorotibial
-
keine anderweitige Kniebinnenläsion abzugrenzen
-
kleinvolumiger Erguss
5.3
Am 22. Januar 2017 nahm Dr. med. C._, Fachärztin für Psy
chiatrie und Psychotherapie, zum Gutachten von Dr.
Y._
Stellung (Urk. 9/147).
Sie führte aus, dass sie den Beschwerdeführer nunmehr seit über 7 Jahren kenne. Es sei ganz klar, dass er seine Befindlichkeit grotesk verzerrt zur Dar
stellung bringe. Die Frage sei, wie man diese Verzerrung interpretiere. Aus
näher dargelegten Gründen - insbesondere unter Hinweis auf die Novelle Mich
ael Kohlhaas von Heinrich von Kleist (S. 1 unten) - sei eine Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren (S. 1 f.), namentlich eine histrionische, die gemäss ICD-10 die Interaktion erheblich beeinträchtige (S. 3).
Bezüglich der von ihr verordneten, aber offenbar vom Beschwerdeführer nicht eingenommenen Medikamente erinnerte sie an Galen, der schon im 2. Jahrhundert nach Chr. festgehalten habe, dass die meisten Patienten lügen würden, wenn sie sagten, dass sie die Medikamente wie vom Arzt verschrieben einnähmen (S. 4).
6.
6.1
Vorweg ist festzuhalten, dass keine Hinweise auf eine relevante Veränderung in somatischer Hinsicht bestehen.
Die im Juni 2016 erfolgte Behandlung im B._ betraf einen Hyperventi
lations
anfall nach psychosozialer Belastungssituation (Nachbarschaftsstreit) und stand
nicht im Zusammenhang mit der koronaren Gefässerkrankung (vorstehend E.
5
.1). Das Herz betreffend gibt es keine medizinischen Berichte, also insbe
sondere auch keine, die im Vergleich zu den 2012 beurteilten Verhältnissen eine Verschlechterung ausweisen würden.
Der im November 2016 erneut bildgebend abgeklärte Gesundheitsschaden am linken Kniegelenk (vorstehend E. 5.2) war bereits 2012 vorhanden und ist beim Zumutbarkeitsprofil (vorstehend E. 3.2) berücksichtigt worden. Auch diesbezüglich sind keine relevanten Änderungen ausgewiesen.
6.2
Mit dem Rückweisungsurteil von 2014 wurde die Beschwerdegegnerin ange
sichts
ausgesprochen divergenter Beurteilungen in psychiatrischer Hinsicht an
ge
wie
sen, eine aussagekräftige psychiatrische Beurteilung zu veranlassen (vor
stehend E. 3.1). Diesem Auftrag ist sie mit dem Einholen des von Dr. Y._ erstatteten Gutachtens vollumfänglich nachgekommen.
6.3
Das eingeholte Gutachten überzeugt in jeder Hinsicht. Besonders hervorzuheben ist die ausgesprochene Sorgfalt in der Wahl des Vorgehens, indem zuerst in einem Vorgespräch abgeklärt wurde, ob sich die geplante stationäre Begut
ach
tung würde realisieren lassen. Dies liess sich bejahen, wobei bereits das Vor
gespräch dem Gutachter wertvolle Informationen insbesondere betreffend das eigentümliche Gebaren des Beschwerdeführers zu vermitteln vermochte.
Überzeugend ist sodann insbesondere die einlässliche Begründung, mit welcher der - ausgesprochen erfahrene - Gutachter zum Schluss gelangte, es liege hier eine
bewusstseinsnahe bis vollbewusste Steuerung der Beschwerdedarstellung
vor (vorstehend E. 4.2).
Dementsprechend ist auch die gutachterliche Feststellung nachvollziehbar und
schlüssig begründet, dass kein erkennbares Profil einer nur annähernd typi
schen
psychischen Störung im Verhalten und in der Beschwerdedarstellung des Ver
si
cherten habe abgegrenzt werden können, ebenso kein Beschwerdeprofil, welche
s nur annähernd typisch für eine somatoforme Schmerzstörung
gewesen
wäre.
Gleiches gilt für die Feststellung, d
ass
(nur)
möglicherweise eine deutlich leich
tere p
sychische Störung vorhanden sei
, was jedoch angesichts des vorder
grün
digen, massiv abnormen Verhaltens letztlich im Dunkeln bleiben m
üsse, und dass offen bleiben müsse, ob eine solche allfällig zu
vermute
nde
Missstimmung einen eigenen Krankheitswert
habe oder
eher eine normalpsychologische Reak
tion auf missliche Umstände darstell
e, jedoch (ohnehin) überwiegend wahr
scheinlich kein versicherungsmedizinisches Ausmass erreiche.
6.4
Gemäss dem Gutachten, das alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.4) erfüllt, liessen sich keine krankheitswertigen psychiatrischen Diagnosen stellen, und die diagnostizierte akzentuierte Persönlichkeit vermag rechtsprechungs
ge
mäss keinen rechtserheblichen Gesundheitsschaden zu begründen (vorstehend E. 1.2).
Daran vermag die abweichende Beurteilung durch die behandelnde Psychiaterin (vorstehend E. 5.3) nichts zu ändern. Denn es ist auf die
unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag de
r therapeutisch tätigen (Fach-)
Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170
E. 4
)
hinzuweisen, sowie auf die
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auf
trags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Sodann
fliesst in die Antwort auf die Frage der Ausprägung einer Beein
träch
tigung - insbesondere der Abgrenzung einer Persönlichkeitsstörung (F.60) von lediglich akzentuierten Persönlichkeitszügen (Z73.1) - unvermeidlicherweise ein gewisses Ermessen des Gutachters wie der behandelnden Psychiaterin ein, zu dessen Begründung der Verweis auf literarische Figuren nur bedingt geeignet sein dürfte. Schliesslich mindert die ausgesprochen saloppe Reaktion der behan
delnden Psychiaterin auf die festgestellte Medikations-Malcompliance des Be
schwerdeführers die Überzeugungskraft ihrer Ausführungen in erheblichem Mass.
6.5
Zusammenfassend bleibt es bei den Feststellungen des psychiatrischen Gut
achters, der keine anspruchsrelevante Diagnose hat stellen können. Für den vom Beschwerdeführer geltend gemachten anspruchserheblichen Sachverhalt hat sich kein Nachweis erbringen lassen, dies trotz - bei Gutachtenskosten in der Grössenordnung von Fr. 30‘000.-- (vgl. Urk. 9/132) - grösstem Aufwand.
Fehlt dieser Nachweis, so besteht kein Leistungsanspruch (vorstehend E. 1.3). Damit erweist sich die angefochtene Verfügung, mit welcher ein Leistungs
an
spruch verneint wurde, als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
7.1
Da die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsvertretung
gemäss
§
16 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) erfüllt sind (vgl.
Urk. 12-15
), ist dem Beschwerdeführer die unent
gelt
liche Prozessführung
und Rechtsvertretung
zu
bewilligen
.
7.2
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen, ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4 GSVGer.
7.3
Der unentgeltliche Rechtsvertreter hat mit Honorarnote vom 27. September 2017 (Urk. 17/1-2) einen Aufwand von 6.75 Stunden geltend gemacht, so dass er beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwert
steuer) mit Fr. 1‘603.80 (inklusive Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.