Decision ID: cd53cc1a-2f5c-586b-8f1a-cdb760b7f291
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
H._ meldete sich im Februar 2006 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung
an. Dr. med. A._, Innere Medizin FMH, diagnostizierte im Bericht vom 11. April 2006
gestützt auf spezialärztliche Abklärungen eine koronare und hypertensive Herzkrankheit
mit Status nach dreifacher chirurgischer Revaskularisation sowie eine Phrenicusparese
mit Dyspnoe. Vom 14. Oktober 2004 bis 1. Mai 2005 sei der Versicherte vollständig
arbeitsunfähig gewesen. Seit 2. Mai 2005 bestehe bis auf weiteres eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % (IV-act. 19). Nach Durchführung von weiteren Abklärungen
kündigte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten mit Vorbescheid vom 4.
Januar 2007 an, dass er bei einem IV-Grad von 24 % keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente habe (IV-act. 44). Nachdem die damalige Rechtsvertreterin des
Versicherten dazu im Einwand vom 1. Februar 2007 Stellung genommen hatte (IV-act.
45), verfügte die IV-Stelle am 7. Februar 2007 im Sinn des Vorbescheids (IV-act. 46).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, St. Gallen, für den
Versicherten mit Eingabe vom 2. März 2007 Beschwerde mit den Anträgen, die
Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei eine ganze Invalidenrente ab
wann rechtens zuzusprechen. In den Beschwerdeergänzungen vom 20. März und
1. Mai 2008 änderte der Rechtsvertreter die Anträge dahingehend ab, dass dem
Beschwerdeführer eine Dreiviertelsrente ab Oktober 2005 zuzusprechen sei; eventuell
sei die Angelegenheit zwecks Vornahme weiterer Abklärungen und anschliessender
Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Er legte zwei Arztberichte
ins Recht (act. G 6.1 und 6.2) und führte unter anderem aus, die von der
Beschwerdegegnerin vorgenommenen Abklärungen, insbesondere der RAD-Bericht
vom 27. Oktober 2007, würden den von der Rechtsprechung gestellten Anforderungen
nicht genügen. Der RAD-Bericht sei betreffend Hyperventilationsneigung und
Diffusionskapazität in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und der
Beurteilung der medizinischen Situation nicht einleuchtend. Die spiroergometrische
Leistungsfähigkeit werde im Rampenprotokoll mit maximal 100 Watt angegeben,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
obwohl das Protokoll nur 88 Watt ausweise. Hinzu komme, dass die Adiposität des
Beschwerdeführers bei der eingeschränkten Arbeitskapazität auf dem
Fahrradergometer im Alltag die Leistungsfähigkeit nochmals deutlich vermindere. Die
eingeschränkte Leistungsfähigkeit lasse sich mithin nicht vollumfänglich mit den
Prozentzahlen aus den Testergebnissen der Ergometrie erklären. Auch dies übersehe
der Bericht des RAD. Sodann seien die Beschwerden von Seiten des degenerativen
Gelenk- und Wirbelsäulenleidens sowie die als Zeichen der Überforderung
anzusehende Schlaflosigkeit vom RAD nicht in Betracht gezogen worden. Bereits
geringste körperliche Anstrengungen würden beim Beschwerdeführer zu Atemnot
führen. Im industriellen Sektor (ausgenommen reine Büroarbeiten) sei es gar nicht
denkbar, dass der Beschwerdeführer eine Tätigkeit ausüben könne, bei der nicht
minimalste körperliche Anstrengungen verlangt würden. Im weiteren sei nicht
erkennbar, wie die Beschwerdegegnerin beim Invalideneinkommen auf den Betrag von
Fr. 61'600.-- komme. Wenn schon auf die Lohnstrukturerhebungen abgestellt werde,
sei von einem Betrag von Fr. 58'512.-- auszugehen. Es sei jedoch die konkrete
beruflich-erwerbliche Situation des Beschwerdeführers zugrunde zu legen und damit
von dem bei der B._ erzielten Einkommen auszugehen. Ferner gehe die
Beschwerdegegnerin fälschlicherweise davon aus, dass der Beschwerdeführer im
Validenfall nur mit einem Pensum von 80 % arbeiten würde (Bestätigung der B._ vom
15. März 2007; act. G 4.1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2007 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie unter anderem aus, es lasse
sich keine wesentliche Divergenz in der Beschreibung des Gesundheitszustandes
durch den RAD-Arzt und durch die behandelnden Ärzte ausmachen. Es liege einzig
eine unterschiedliche Beurteilung der Auswirkung des Gesundheitsschadens auf die
zumutbare Arbeitsfähigkeit vor. Es sprächen keine konkreten Indizien gegen die
Zuverlässigkeit des RAD-Gutachtens. Der auf einer umfassenden Abklärung
beruhenden Einschätzung des RAD-Arztes sei grössere Überzeugungskraft
beizumessen als der divergierenden Einschätzung der behandelnden Fachärzte. Der
Invaliditätsbemessung sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer dem
Gesundheitsschaden angepassten Tätigkeit zugrunde zu legen. Von zusätzlichen
medizinischen Abklärungen seien keine relevanten neuen Erkenntnisse zu erwarten,
weshalb davon abzusehen sei. Dem Beschwerdeführer stünden auf dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausgeglichenen Arbeitsmarkt auf seinem Beruf als Betriebstechniker Stellen offen, in
denen er in etwa an seinen bisherigen Verdienst anknüpfen könne. In dieser Situation
erübrige sich die Vornahme eines Einkommensvergleichs, da eine Invalidität eine reale
Arbeitsunfähigkeit voraussetze.
B.c Auf Antrag des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers (act. G 17) sistierte das
Versicherungsgericht das Verfahren am 24. August 2007 bis zum Vorliegen eines vom
Rechtsvertreter in Auftrag gegebenen Gutachtens (act. G 18). Am 30. Oktober 2007
gab die B._ im Zusammenhang mit einem Akteneinsichtsgesuch unter anderem
bekannt, dass der Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis auf den 31. Dezember 2007
gekündigt habe (act. G 19). Am 9. April 2008 reichte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ein Gutachten von Prof. Dr. med. F._, Inselspital,
Universitätsspital Bern, vom 15. März 2008 ein (act. G 22). Nach Aufhebung der
Sistierung (act. G 23) reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Replik
vom 18. August 2008 ein, worin er seine Anträge und Ausführungen bestätigte (act. G
28). Mit Eingabe vom 25. August 2008 hielt auch die Beschwerdegegnerin an ihrem
Standpunkt fest (act. G 30).
B.d Dr. med. C._, Innere Medizin, Pneumologie FMH, beantwortete eine Anfrage des
Versicherungsgerichts vom 4. September 2008 (act. G 32) mit Schreiben vom 15.
September 2008 (act. G 33). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 34). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers äusserte sich
mit Schreiben vom 18. November 2008 (act. G 40).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine IV-Rente hat. Nach der von
1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 in Kraft gewesenen Fassung von Art. 28 Abs. 1
IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu
60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine Viertelsrente. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 16 ATSG
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens
ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist
nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352
Erw. 3a mit Hinweis; RKUV 2000, 214). Auch den Berichten versicherungsinterner
Ärztinnen und Ärzte kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden,
sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125
V 353 f. Erw. 3b/ee mit Hinweis). Art. 8 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK geben keinen
formellen Anspruch auf versicherungsexterne Begutachtung, wenn Leistungsansprüche
streitig sind. Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen
tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als
schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung
eines Gerichtsgutachtens - abschliessen. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (RKUV 1997, 281 Erw. 1a).
1.2 Im Nachgang zu einem operativen Eingriff im Universitätsspital Zürich hielt sich der
Beschwerdeführer im November/Dezember 2004 im Rehabilitationszentrum D._ auf
(IV-act. 32). Dr. C._ stellte im Bericht vom 4. März 2005 die Diagnosen einer
Anstrengungsdyspnoe infolge Phrenicusparese seit dreifacher koronarer
Revaskularisationsoperation am 1. November 2004, einer arteriellen Hypertonie, einer
Hyperurikämie, eines Status nach Tabakabusus und einer Adipositas (IV-act. 19-8/10).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dr. A._ bescheinigte am 11. April 2006 die Zumutbarkeit von Tätigkeiten ohne
körperliche Belastungen im Rahmen von 50 % (IV-act. 19-4/10). Eine internistische
RAD-Untersuchung vom 19. Oktober 2006 ergab gemäss Bericht von Dr. E._,
Facharzt für Innere Medizin/Pneumologie/Arbeits- und Sozialmedizin, die Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eines Zwerchfellhochstandes und leichter
restriktiver Ventilationsstörung, einer koronaren Gefässerkrankung sowie einer
arteriellen Hypertonie. Nach der Operation im November 2004 sei beim
Beschwerdeführer erstmals eine Zwerchfelllähmung aufgefallen. Er verspüre seither
Dyspnoe bei körperlicher Belastung. Von Seiten des Herzens bestünden keine
Beschwerden mehr. Bei der Untersuchung sei eine Hyperventilationsstörung
aufgefallen, welche durch Ablenkung allerdings zu überwinden gewesen sei. Die
Kooperation bei der Lungenfunktionsprüfung sowie bei der Spiroergometrie müsse als
schlecht bezeichnet werden. Warum der Beschwerdeführer nur 100 Watt habe leisten
können bei Leistungen von 140 bzw. 150 Watt in den Messungen vom Dezember 2004
und Januar 2005, könne abschliessend von ihm (Dr. E._) nicht beantwortet werden.
Die aktuell erbrachte Leistung entspreche einer körperlichen Dauerbelastbarkeit für
leichte bis mittelschwere Arbeiten. Für die angestammte Tätigkeit als Mitarbeiter in
einem kunststoffverarbeitenden Betrieb bestehe durch die pulmonale Erkrankung eine
Einschränkung von etwa 30 %. Für leidensangepasste Tätigkeiten ohne Notwendigkeit,
grössere Höhendifferenzen zu überwinden, und ohne Heben und Tragen von Lasten
über 5 kg über weitere Distanzen hinweg sollte volle Arbeitsfähigkeit bestehen (IV-act.
34-6/14).
In seiner Stellungnahme vom 20. März 2007 legte Dr. C._ unter anderem dar, der
RAD-Bericht sei umfassend, und die durchgeführten Untersuchungen würden für die
Beurteilung ausreichen. Es fehle allerdings der Bezug auf eine aktuelle
Röntgenaufnahme des Thorax; es werde auf eine Aufnahme vom 7. Januar 2005
verwiesen. Die geklagten Beschwerden würden im RAD-Bericht berücksichtigt. Die
Vorakten würden erwähnt und gewürdigt. Hinsichtlich des Hinweises im RAD-Bericht
auf schlechte Mitarbeit sowohl bei der Durchführung der Lungenfunktionsprüfung wie
der Spiroergometrie sei festzustellen, dass seine (Dr. C._s) Untersuchung am 18.
Februar 2005 bereits eine Einschränkung der Ventilationsreserve ergeben habe, ohne
dass damals ein Kooperationsmangel aufgefallen sei. Die durchaus dokumentierte
Hyperventilationsneigung anlässlich der Spiroergometrie könne nicht zwangsläufig
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem Kooperationsmangel zugeordnet werden. Die spiroergometrische
Leistungsfähigkeit werde mit maximal 100 Watt angegeben, das Protokoll weise aber
nur 88 Watt aus, was die in Prozent zum Sollwert geleistete Arbeit weiter reduziere. Er
(Dr. C._) schätze die Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit aufgrund der
ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen auf mindestens 40 %. Der Beschwerdeführer
scheine ihm lediglich noch für körperlich nicht belastende Arbeiten in Wechsellage
arbeitsfähig zu sein (act. G 6.1). Dr. A._ hielt am 27. März 2007 fest, seines Erachtens
sei der RAD-Bericht für die streitigen Belange umfassend. Allenfalls seien noch die
Beschwerden von Seiten des degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenleidens in
Betracht zu ziehen. Zusätzlich einzugehen sei auf die Schlaflosigkeit, die sehr wohl als
Zeichen der Überforderung interpretiert werden könne. In Anbetracht der Tatsache,
dass er den Beschwerdeführer seit über zwei Jahrzehnten ärztlich betreue, falle es ihm
schwer, an eine mangelnde Kooperation bei der Lungenfunktionsprüfung zu glauben.
Hier müssten anderweitige Ursachen für die unbefriedigenden Werte gesucht werden
(act. G 6.2). In der Stellungnahme vom 25. Mai 2007 bestätigte der RAD-Arzt Dr. E._
seinen Standpunkt im Ergebnis. Er hielt unter anderem fest, die Maximalleistung in der
Spiroergometrie habe effektiv bei 88 Watt und nicht, wie im RAD-Bericht irrtümlich
angegeben, bei 100 Watt gelegen. Die Gesamtbeurteilung der kardiopulmonalen
Leistungsfähigkeit bleibe aber von dieser Korrektur unberührt. Eine Schlaflosigkeit
sowie degenerative Veränderungen am Bewegungsapparat seien von den
behandelnden Ärzten in den Berichten weder aufgeführt noch seien entsprechende
Behandlungsmassnahmen beschrieben worden. Auch die ausserberuflichen Aktivitäten
des Beschwerdeführers würden nicht den Schluss zulassen, dass er für körperliche
Belastungen nicht geeignet sei. Mit entsprechender Anpassung der
Arbeitsplatzgegebenheiten sehe er keinen Grund, warum nicht volle Arbeitsfähigkeit
erreicht werden könne (IV-act. 61).
Prof. Dr. med. F._, Klinik für Herz- und Gefässchirurgie am Inselspital Bern, führte im
Bericht vom 15. März 2008 zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers
unter anderem aus, die Frage der Auswirkung der gesundheitlichen Beschwerden auf
die Arbeitsfähigkeit müsse letztlich durch spezialisierte internistische Kollegen
beantwortet werden. Eine wesentliche Auswirkung auf die reduzierte Arbeitsfähigkeit
scheine nebst der Phrenicusparese auch das Übergewicht zu haben. Ein operativer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eingriff (Raffung des schlaffen Zwerchfells) sei beim Beschwerdeführer wegen der
Risiken nicht weiter verfolgt worden (act. G 22.2).
2.
2.1 Die B._ gab im Fragebogen am 29. März 2006 an, seit 1. Januar 2002 sei der
Beschwerdeführer auf eigenen Wunsch teilzeitlich (80 %) tätig gewesen (IV-act.
18-2/3). Die Beschwerdegegnerin vermerkte in der Telefonnotiz vom 8. Juni 2006, der
Beschwerdeführer habe mitgeteilt, dass er das Arbeitspensum im Jahr 2002 aus
persönlichen Gründen reduziert habe. Zum Zeitpunkt der Arbeitszeitreduktion habe er
noch keine gesundheitlichen Beschwerden gehabt (IV-act. 20). Gegenüber dem RAD
legte der Beschwerdeführer anlässlich der Untersuchung vom 19. Oktober 2006 dar,
vor drei bis vier Jahren habe er die Idee gehabt, langsam in den Ruhestand zu gehen,
und sein Arbeitspensum auf 80 % reduziert, um das Haus zu renovieren. Diese Pläne
seien jedoch nicht geglückt, da er die entsprechenden Arbeiten nicht habe ausführen
können (IV-act. 34-3/14). Anlass für den operativen Eingriff am Universitätsspital Zürich
bildeten eine im Oktober 2004 aufgetretene starke Dyspnoe sowie ein thorakales
Druckgefühl (vgl. UV-act. 34-1/14). Am 15. März 2007 bestätigte die Arbeitgeberin
gegenüber dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, das Arbeitspensum des
Beschwerdeführers sei im Jahr 2001 grundsätzlich auf Initiative der Arbeitgeberin
reduziert worden. Die Reduktion von 100 auf 80 % sei im Rahmen von internen
Reorganisationsmassnahmen und im Einverständnis mit dem Beschwerdeführer
erfolgt. Die Notwendigkeit einer Wieder-Aufstockung auf 100% habe sich aus
betrieblicher Sicht bis heute nicht ergeben (act. G 4.1; IV-act. 57).
Die Pensumreduktion auf 80 % erfolgte somit nach Lage der dargelegten Akten -
unbestrittenermassen (act. G 6 S. 10) - aus Gründen, welche mit der Gesundheit des
Beschwerdeführers nicht in Zusammenhang stehen, d.h. zum einen aus persönlichen
Gründen des Beschwerdeführers (geplante Hausrenovation) und zum anderen aus
betrieblichen Überlegungen der Arbeitgeberin. Der Beschwerdeführer lässt jedoch
geltend machen, es sei davon auszugehen, dass er als gesunde Person sein Pensum
spätestens gegen Ende 2004 auf 100 % erhöht hätte. Dafür spreche der Umstand,
dass er stets zu 100 % gearbeitet habe (act. G 6 S. 10). Mit Blick auf die konkreten
Umstände erscheint es sachgerecht, den Beschwerdeführer bei der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Invaliditätsbemessung als vollumfänglich Erwerbstätigen einzustufen, zumal im
hypothetischen Gesundheitsfall nicht überwiegend wahrscheinlich von einer
dauerhaften invaliditäts- und betriebsunabhängigen Pensumreduktion ausgegangen
werden könnte.
2.2 Es liegen unterschiedliche Beurteilungen der zumutbaren Arbeitsfähigkeit vor; dies
allerdings nur bezogen auf die vom Beschwerdeführer bis Ende 2007 ausgeübte
Tätigkeit bei der B._ mit täglich mehrmalig erforderlichem Treppensteigen. Während
Dr. A._ am 11. April 2006 die Zumutbarkeit von Tätigkeiten ohne körperliche
Belastungen im Rahmen von 50 % bestätigte (IV-act. 19-4/10), hielt er im Nachgang
zur RAD-Begutachtung am 27. März 2007 fest, der Beschwerdeführer sei in Anbetracht
der doch deutlichen Einschränkung seiner kardiopulmonalen Funktionen in seinem
jetzigen beruflichen Umfeld zu mindestens 40% arbeitsunfähig. Bei Tätigkeiten ohne
nennenswerte körperliche Beanspruchung wäre der Beschwerdeführer arbeitsfähig.
Allerdings würde sich angesichts seines Alters und seiner beruflichen Laufbahn die
Frage stellen, ob dies nicht eine völlig theoretische Überlegung sei (act. G 6.2). Der
RAD-Arzt Dr. E._ hatte für die angestammte Tätigkeit bei der B._ eine durch die
pulmonale Erkrankung begründete Einschränkung von etwa 30 % bestätigt. Für
leidensangepasste Tätigkeiten ohne Notwendigkeit, grössere Höhendifferenzen zu
überwinden, und ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg über weitere Distanzen
hinweg erachtete er eine volle Arbeitsfähigkeit als gegeben (IV-act. 34-6/14). Dr. C._
schätzte demgegenüber die Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit auf
mindestens 40 %. Der Beschwerdeführer scheine ihm lediglich noch für körperlich
nicht belastende Arbeiten in Wechsellage arbeitsfähig zu sein (act. G 6.1). Auf
ergänzende Nachfrage bestätigte Dr. C._ im Bericht vom 15. September 2008, dass
in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Notwendigkeit,
Höhenunterschiede zu überwinden, volle Arbeitsfähigkeit bestanden habe (act. G 33).
Vorweg ist zu dem von Dr. A._ im Schreiben vom 20. März 2007 erstmals erwähnten
degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenleiden sowie der Schlaflosigkeit festzuhalten,
dass diese Leiden in den anderen Arztberichten nicht aufgeführt und auch vom
Beschwerdeführer selbst nicht als Einschränkung geltend gemacht wurden. Gegenüber
dem RAD-Arzt hatte er einzig angegeben, dass keine rheumatischen Erkrankungen und
keine Arthrosen vorlägen und im Bereich der Wirbelsäule lediglich die in seinem Alter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
üblichen Beschwerden bestünden (IV-act. 34-2/14; IV-act. 61). Eine entsprechende
Behandlungsbedürftigkeit ist denn auch nicht aktenkundig. Weitere diesbezügliche
Abklärungen drängen sich somit nicht auf. Unbestritten ist demgegenüber, dass im
RAD-Gutachten unzutreffend von einer Maximalleistung in der Spiroergometrie von 100
Watt ausgegangen wurde, obschon im entsprechenden Protokoll ein Wert von 88 Watt
vermerkt worden war (IV-act. 34, act. G 6.1). Der RAD-Arzt Dr. E._ macht jedoch
geltend, dass dieser Irrtum keinen Einfluss auf die Beurteilung der kardiopulmonalen
Leistungsfähigkeit habe (IV-act. 61). Hinsichtlich des Hinweises des RAD-Arztes
betreffend schlechte Kooperation (IV-act. 34-6/14) ist festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer anlässlich des Reha-Aufenthalts in D._ beim Eintritt ebenfalls eine
(relativ tiefe) Leistung auf dem Fahrrad von 101 Watt erbracht hatte, diese bis zum
Austritt jedoch auf 140 Watt hatte gesteigert werden können (IV-act. 32-3/12). Die
verhältnismässig geringe Leistung anlässlich der RAD-Begutachtung hängt somit unter
Umständen auch mit dem Trainingszustand bzw. dem zwischenzeitlich möglicherweise
weggefallenen Trainingseffekt zusammen. Sodann hielt Dr. C._ fest, seine
Untersuchung am 18. Februar 2005 habe bereits eine Einschränkung der
Ventilationsreserve ergeben, ohne dass damals ein Kooperationsmangel aufgefallen
sei. Die durchaus dokumentierte Hyperventilationsneigung anlässlich der
Spiroergometrie könne nicht zwangsläufig einem Kooperationsmangel zugeordnet
werden. Die alleinige Betrachtung der Lungenfunktionskurven lasse eine schlechte
Kooperation nicht erkennen. Es sei zudem darauf hinzuweisen, dass die
Übergewichtigkeit des Patienten im Alltag die Leistungsfähigkeit nochmals deutlich
vermindere, sich also die Leistungsschwäche im Alltag nicht vollumfänglich mit den
Prozentzahlen aus den Testergebnissen der Ergometrie erklären lasse (act. G 6.1). Dr.
A._ schloss eine mangelnde Kooperation bei der Lungenfunktionsprüfung eher aus
und erachtete anderweitige (nicht näher bezeichnete) Ursachen für die
unbefriedigenden Messwerte gegeben (act. G 6.2). Eine mangelnde Kooperation kann
vor diesem Hintergrund nicht als überwiegend wahrscheinlich belegt gelten.
Die vom Beschwerdeführer bis Ende 2007 ausgeübte Tätigkeit bei der B._ war nach
Lage der Akten wechselbelastend (sitzend, stehend und gehend je mit mittlerer
Häufigkeit) und leicht (Gewichte bewegen bis 5 kg mit mittlerer Häufigkeit und über
5 kg nie bzw. selten), wobei das Treppensteigen mit mittlerer Häufigkeit vermerkt
wurde (IV-act. 24). Der Beschwerdeführer erklärte in diesem Zusammenhang, während
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seines siebenstündigen Arbeitstags habe er etwa fünf- bis sechsmal eine
Höhendifferenz von 4 Metern über eine Wendeltreppe überwinden müssen; oben
angekommen, habe er pausieren müssen, um Luft zu holen. Zum jetzigen Leiden
befragt, führte der Beschwerdeführer aus, im Vordergrund stehe eindeutig die
"Atemnot"; nach zwei bis drei Minuten Ruhe fühle er sich aber wieder "putznormal" (IV-
act. 34-3/14). Der Umstand des Treppensteigens und des gelegentlichen Tragens von
Lasten über 5 kg über längere Strecken bildete Anlass für den begutachtenden RAD-
Arzt, die Arbeitsfähigkeit für diese Tätigkeit als um 30% eingeschränkt zu taxieren. Für
Tätigkeiten, welche diese Anforderungen nicht stellen, bescheinigte er
dementsprechend eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Zu beachten ist dabei, dass
der (auf dem Ergometer gemessenen) körperlichen Leistungsfähigkeit bei einer leichten
adaptierten Tätigkeit - d.h. ohne Notwendigkeit, grössere Höhenunterschiede zu
überwinden und ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg über längere Distanzen
- keine zentrale Rolle mehr zukommt. Auch die von den behandelnden Ärzten als
zusätzlich einschränkend aufgeführte Übergewichtigkeit dürfte sich bei einer solchen
Tätigkeit nicht entscheidend auswirken. Dr. C._ und soweit ersichtlich auch Dr. A._
bescheinigten denn auch eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer dem
Gesundheitszustand angepassten Tätigkeit. Der RAD-Bericht erscheint somit - im
Ergebnis - schlüssig begründet und nachvollziehbar. Konkret sind die Verhältnisse bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung (7. Februar 2007) zu prüfen (BGE 121 V 362
Erw. 1b). Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass sich die gesundheitlichen Verhältnisse
beim Beschwerdeführer im Nachgang zum RAD-Gutachten und zum angefochtenen
Entscheid verschlechtert haben. Sollte sich später eine Verschlechterung ergeben
haben, bestünde die Möglichkeit, bei der Beschwerdegegnerin allenfalls ein
entsprechendes Gesuch um Neuprüfung der Angelegenheit einzureichen.
2.3 Der Beschwerdeführer lässt geltend machen, die bei ihm bestehenden
gesundheitlichen Einschränkungen seien derart, dass die Einsatzmöglichkeiten auf
einem fiktiven Arbeitsmarkt als realitätsfremd zu betrachten seien (act. G 40). Bei der
verwertbaren Restarbeitsfähigkeit darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten
ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer zumutbaren Tätigkeit dort nicht
gesprochen werden, wo diese nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum vornherein als
ausgeschlossen erscheint. Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen
Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der
Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet einen Arbeitsmarkt, der von seiner
Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl
bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie
auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 3. Dezember 2003 i/S E.H, mit Hinweisen [I 349/01]). Nach
der Rechtsprechung darf z.B. auf eine medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit
von 50% nicht abgestellt werden, wenn sie praktisch nicht ausgenützt werden kann.
Besteht nämlich die 50%ige Arbeitsfähigkeit nur für eine Arbeit ohne ständiges
Bücken, Heben oder Tragen schwerer Lasten, ist es beispielsweise einem Maurer nicht
möglich, in seinem angestammten Beruf tätig zu sein. Auch kann von einem immer als
Maurer tätig gewesenen Versicherten in einem gewissen Alter vernünftigerweise nicht
verlangt werden, auf eine andere Tätigkeit umzusteigen. Ebenso kann nicht auf eine
Restarbeitsfähigkeit von 25% abgestellt werden, wenn diese praktisch nicht verwertbar
ist (A. Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. A., S. 115 und 116,
mit Hinweisen; zur Frage der sozialpraktischen Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit vgl.
auch Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 12. Oktober 2004 i/S D. [I
299/04], Erw. 4.3.1 mit Hinweisen). Beim Beschwerdeführer liegt eine medizinisch-
theoretische Arbeitsfähigkeit von 100% für eine seinem Gesundheitsschaden
angepasste Tätigkeit vor. Es erscheint zumutbar, dass der im Zeitpunkt des
Einsprache-Entscheids 60jährige Beschwerdeführer, welcher zuvor eine qualifizierte
Arbeit in einem Industriebetrieb ausübte, nunmehr eine seinem Gesundheitsschaden
angepasste, im übrigen jedoch mit der früheren vergleichbare Tätigkeit verrichtet. Allein
das Alter und die lange Betriebszugehörigkeit stellen keine Gründe dar, von einer
anderen Annahme auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2007 i/S
S. [I 304/06] Erw. 4.2).
3.
Der Beschwerdeführer kündigte seine Arbeitsstelle auf Ende 2007 (vgl. act. G 19). Mit
der Beschwerdegegnerin ist festzuhalten, dass ihm auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt auf dem erlernten und langjährig ausgeübten Beruf Stellen offenstehen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bei denen er ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könnte. Dies umso mehr,
als die Tätigkeiten, bei welchen der Beschwerdeführer eingeschränkt ist
(Höhenunterschiede überwinden; grössere Gewichte heben), nicht zwingend zur
angestammten Arbeit eines Betriebstechnikers gehören und damit nicht
berufsspezifisch sind. Da eine Invalidität im Sinn von Art. 8 ATSG eine
Arbeitsunfähigkeit voraussetzt und eine solche konkret nicht ausgewiesen ist, erübrigt
sich die Vornahme eines Einkommensvergleichs (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. Dezember 2004 i/S S.N.-D. [IV
2004/65] Erw. 3i mit Hinweis auf ZAK 1983 S. 446 Erw. 1a; ZAK 1985 S. 224 Erw. 2b).
Eine Invalidität kann wegen der fehlenden Arbeitsunfähigkeit nicht als belegt gelten. Die
Beschwerdegegnerin lehnte unter diesen Umständen den Rentenanspruch zu Recht
ab.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung der
Verfügung vom 7. Februar 2007 abzuweisen. Der vollumfänglich unterliegende
Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten zu tragen. Diese bemessen sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG