Decision ID: 94174d89-b78e-5836-bc79-851214e4a4b3
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Die B._ GmbH war Zeit ihres Bestehens, d.h. von der Eintragung am 20. Juli
2009 bis zur amtlichen Löschung am 16. März 2015, bei der Ausgleichskasse Schreiner
als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen. Ebenfalls während dieses
Zeitraums war C._ als alleiniger Gesellschafter und - zusammen mit D._ - als
Geschäftsführer der GmbH im Handelsregister eingetragen. Am 17. Juni 2014 wurde
über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet und am 12. März 2015 wieder geschlossen
(online-Handelsregisterauszug, abgerufen am 3. Februar 2017).
A.b Mit Verfügung vom 21. Juli 2015 machte die Ausgleichskasse gegenüber C._
Schadenersatz in Höhe von Fr. 124'143.65 für entgangene bundesrechtliche
Sozialversicherungsbeiträge geltend (act. G 1.3). Die dagegen erhobene Einsprache
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vom 16. August 2015 - er (C._) sei nur ein Arbeiter ohne Befugnisse gewesen; die
Einsicht in die Bücher sei ihm immer wieder verweigert worden - wies die
Ausgleichskasse mit Entscheid vom 1. Oktober 2015 ab. Aus der formellen
Organstellung und daraus anzurechnenden Kenntnissen seien dem Einsprecher
verstärkte Kontrollpflichten erwachsen. Die Einsicht in die Bücher sei jedem
Gesellschafter zu gewähren und sei nötigenfalls gerichtlich durchsetzbar. Könne ein
Organ seinen zwingenden Pflichten nicht nachkommen, habe es umgehend seine
Demission zu erklären (act. G 1.2).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 5.
November 2015 mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 1. Oktober 2015. Der Beschwerdeführer sei in Wahrheit ein
ganz normaler Schreiner gewesen, der in Bezug auf die Geschäftsführung nichts zu
sagen gehabt habe. Wie sehr er von D._ übertölpelt worden sei, ergebe sich daraus,
dass das Konkursamt des Kantons St. Gallen seine Lohnforderung in der ersten Klasse
anerkannt habe. Auf diese Privilegierung habe nur der Arbeitnehmer Anspruch, der
dem Weisungsrecht des Arbeitgebers unterstehe. Dabei komme es nicht auf den
Handelsregistereintrag, sondern auf die tatsächliche Stellung des Arbeitnehmers an.
Der vorliegende Fall sei nicht mit jenem vergleichbar, in welchem ein Strohmann die
Gefahr zwar realisiere, aber trotzdem nicht die nötigen Schlüsse ziehe. Der
Beschwerdeführer habe die Tragweite seines Handelns überhaupt nicht erkannt und
mit seinen beschränkten geistigen Fähigkeiten auch nicht erkennen können. Es fehle
ihm damit die Schuldfähigkeit. Das Konkursamt E._ habe sodann nur gegen D._
Strafanzeige wegen "krasser Misswirtschaft" erhoben. Gelange das Untersuchungsamt
F._ zur Auffassung, dass den Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seiner
Organstellung bei der B._ GmbH keinerlei Verschulden treffe, fehle dem
Schadenersatzbegehren jede Grundlage (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2015 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer sei als voll geschäftsfähig
anzusehen. Als langjähriger Berufsmann und Schreinermonteur könne er wohl kein
übertölpelter, völlig blauäugiger, in seinen geistigen Fähigkeiten beschränkter Mensch
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sein. Gerade das mehrfache Begehren um Einsicht in die Bücher zeige, dass er guten
Grund zur Annahme ungetreuer Geschäftsführung durch den anderen Geschäftsführer
gehabt habe. Der Beschwerdeführer habe auch die sich aus dem Mandatsvertrag
ergebenden Rechte zur Mandatsniederlegung nicht genutzt. Nach geltender
Rechtsprechung hätte er zur Vermeidung der Mithaftung zwingend als Organ
demissionieren müssen. Das jahrelange, widerrechtliche Unterlassen der
Kontrollfunktion stelle ein qualifiziertes Verschulden im Sinn der groben Fahrlässigkeit
des Art. 52 Abs. 1 AHVG dar (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 29. April 2016 macht der Beschwerdeführer nochmals geltend, als
willenloses Werkzeug des faktischen Firmeninhabers und Geschäftsführers D._
missbraucht worden zu sein. Die Qualifikation eines in seinen geistigen Fähigkeiten
beschränkten Menschen, der unter fehlender Kompetenz und Urteilsfähigkeit keine
Risikokenntnis gehabt habe, treffe beim Beschwerdeführer leider zu. Wer vom
eigentlichen Chef missbraucht und mit einer Funktion versehen werde, für die ihm die
nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten vollends abgingen, dürfe doch nicht gleich
verantwortlich gemacht werden, wie der versierte Geschäftsmann, der nachlässig
handle und seine Aufgaben in Missachtung der ihm obliegenden Pflichten nicht
wahrnehme. Fundamental juristische Begriffe wie Widerrechtlichkeit und
Schuldfähigkeit gälten in allen Rechtsbereichen gleich. Grobfahrlässiges Handeln
könne man nur dem unterstellen, der im Wissen um das, was er tun müsste, nicht
getan habe, was von ihm verlangt werde (act. G 11). Die Beschwerdegegnerin
verzichtet auf eine Duplik.
B.d Auf entsprechende Nachfrage des Gerichts substantiiert die Beschwerdegegnerin
den geltend gemachten Schaden mit Eingabe vom 22. Juni 2016 auf Fr. 124'143.65
inklusive Verwaltungskosten, wobei es sich ausschliesslich um bundesrechtliche
Beiträge handle (act. G 14). Am 5. August 2016 reicht sie zusätzlich einen
Kontokorrentauszug per 22. April 2015 ein (act. G 16). Der Beschwerdeführer verzichtet
auf eine Stellungnahme.

Erwägungen
1.
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Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen (Art. 52
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG;
SR 831.10). Nach ständiger Rechtsprechung gilt diese Haftung entgegen dem
(früheren) Wortlaut des Gesetzes nicht nur für die Arbeitgeber, sondern auch für die
Organe von Arbeitgebern (BGE 129 V 11, 126 V 237, 123 V 12 E. 5b S. 15, je mit
Hinweisen; seit 1. Januar 2012 ausdrücklich geregelt in Art. 52 Abs. 2 AHVG). Die
Arbeitgebenden sind verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Die Missachtung dieser
Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art. 52
Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine
Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben
sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches und
schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem muss
zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden ein
adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Diese Haftungsordnung gilt auch für
die Beitragsforderungen der Arbeitslosenversicherung (Art. 6 des Bundesgesetzes über
die Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [SR 837.0]). Die
Schadenersatzforderung verjährt zwei Jahre nachdem die zuständige Ausgleichskasse
vom Schaden Kenntnis erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des
Schadens (Art. 52 Abs. 3 AHVG).
2.
2.1 Vorliegend sind im Wesentlichen die Organstellung und das Verschulden des
Beschwerdeführers umstritten, während die übrigen Haftungsvoraussetzungen -
namentlich der Schadensbetrag - sowie die Rechtzeitigkeit der
Schadenersatzverfügung nicht umstritten sind.
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2.2 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, es sei ihm in tatsächlicher Hinsicht
keine Organstellung im Unternehmen zugekommen. Vielmehr sei D._ der eigentliche
Eigentümer und auch der (alleinige) Geschäftsführer der B._ GmbH gewesen. Dies
zeige sich namentlich daran, dass die Konkursverwaltung seine Lohnforderung in der
ersten Klasse kolloziert habe. Anspruch auf eine Kollozierung in der ersten Klasse habe
nur der Arbeitnehmer, der dem Weisungsrecht des Arbeitgebers unterstehe und somit
in einem Subordinationsverhältnis zum Arbeitgeber stehe. Massgebend sei, über
welche Unabhängigkeit und Selbstständigkeit der Arbeitnehmer verfüge, wie
massgeblich er an der Geschäftspolitik teilhaben könne und ob er Einsicht in die
Geschäftsunterlagen habe. Dabei komme es nicht auf den Handelsregistereintrag,
sondern auf die tatsächliche Stellung des Arbeitnehmers an. Das Konkursamt habe die
Umstände geprüft und sei zum Schluss gelangt, dass dem Beschwerdeführer de facto
nicht die Stellung zugekommen sei, welche sich aus dem Handelsregister ergebe.
Diese Ausführungen mögen in konkursrechtlicher Hinsicht zutreffen. Im vorliegenden
Verfahren kann der Beschwerdeführer daraus jedoch nichts für seinen Standpunkt
ableiten, da der Organhaftung auch - und gerade - Personen mit Entscheidbefugnissen
unterstehen, die ihnen von Gesetzes wegen zukommen (formelle Organe [MARCO
REICHMUTH, Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Rz
201]). Zu diesen gehörte der Beschwerdeführer, der als Geschäftsführer und einziger
Gesellschafter der B._ GmbH im Handelsregister eingetragen war, zweifellos.
2.3 In Bezug auf das Verschulden macht der Beschwerdeführer geltend, er könne für
den Schaden nicht verantwortlich gemacht werden, da er vom faktischen
Firmeninhaber und Geschäftsführer "übertölpelt" worden sei. Er habe die Tragweite
seines Handelns überhaupt nicht erkannt. Ihm fehle die Schuldfähigkeit, was das
Konkursamt durch die Kollokation seiner Lohnforderung in der ersten Klasse anerkannt
habe. Dieses habe auch nur gegen D._ Strafklage erhoben. Der Beschwerdeführer
sei als "einfacher Büezer" von einem Investor missbraucht worden und habe die daraus
entstehende Gefahr nicht erkannt. Er sei blauäugig davon ausgegangen, dass er keine
Pflichten habe. Er sei deshalb für die Unterlassungen des faktischen Organs nicht
haftbar, weil ihm die Urteilsfähigkeit für seine Funktion fehle. Dem ist jedoch zunächst
entgegen zu halten, dass im Bereich der Organhaftung nach Art. 52 AHVG ein
objektivierter Verschuldensmassstab gilt. Die subjektive Entschuldbarkeit bzw. die
persönliche Vorwerfbarkeit sind damit ebenso unbeachtlich wie die Gründe für die
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Annahme der Arbeitgeber- bzw. Organfunktion. Namentlich genügt die Vorsicht, die in
den eigenen Angelegenheiten angewendet wird (diligentia quam in suis), nicht (Urteil H
200/01 vom 13. November 2001 E. 3a, in: AHI 2002 S. 51; vgl. auch MARCO
REICHMUTH, a.a.O., Rz 548). Das Bundesgericht (bzw. das vormalige Eidgenössische
Versicherungsgericht) hat in konstanter Praxis ausgeführt, grobe Fahrlässigkeit sei
gegeben, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lasse, was jedem verständigen
Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte
einleuchten müssen (EVGE 1957 S. 219, 1961 S. 232, ZAK 1961 S. 448, 1972 S. 729).
Das Mass der zu verlangenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der
Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie,
welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und
muss (BGE 108 V 202 f. E. 3a; vgl. auch UELI KIESER, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zur AHV, Art. 52, Rz 35). Das bedeutet, dass der Beschwerdeführer so
hätte handeln müssen, wie ein verständiger Geschäftsführer einer überschaubaren
GmbH in gleicher Situation gehandelt hätte. Nachdem er Zeit des Bestehens seiner
Funktion, d.h. von der Eintragung der GmbH im Handelsregister im Juli 2009 bis zu
deren Konkurs im Juni 2014, nach eigenen Angaben im vorliegenden Verfahren nichts
unternommen hat, kann ohne Weiteres gesagt werden, dass er damit seiner
Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist. Wenn der Beschwerdeführer geltend macht,
er sei für die Funktion des Geschäftsführers nicht qualifiziert gewesen, so trifft ihn
gerade der Vorwurf des Übernahmeverschuldens, weil ein Organ dafür zu sorgen hat,
dass es bei der Mandatsübernahme über die für dessen Ausübung notwendigen
Kenntnisse verfügt (M. REICHMUTH, a.a.O., Rz 552, mit Hinweis auf Urteil H 186/05
vom 24. Juli 2006 E. 4). Ebenso kann sich der Beschwerdeführer als
geschäftsführender Gesellschafter nicht damit entschuldigen, dass er keinen
tatsächlichen Einfluss auf die Entscheidungen der Gesellschaft gehabt habe. Denn der
Schuldvorwurf, der einen "Strohmann" trifft, rührt gerade aus dem Umstand, sich auf
Verhältnisse eingelassen zu haben, die ihm die gesetzlich vorgeschriebene Erfüllung
dieses Amts, d.h. die ihm nach Art. 810 Abs. 2 des Obligationenrechts (OR; SR 220) in
Verbindung mit Art. 716a Abs. 1 OR obliegenden unübertragbaren Aufgaben,
verunmöglicht (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts H 87/00 vom 13.
Februar 2001 E. 3b und Urteil des Bundesgerichts 9C_66/2016 vom 10. August 2016 E.
5.5). Nachdem der Beschwerdeführer beim faktischen Firmeninhaber und Vorsitzenden
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der Geschäftsführung nach nun geltend gemachter Sachlage keinen Einblick in die
Bücher oder Auskünfte über bestehende Beitragsschulden verlangt hat (nach eigenen
Angaben in der Einsprache vom 16. August 2015 hat er zwar mehrfach nachgefragt,
aber keine Auskunft erhalten) und auch nicht als Geschäftsführer demissioniert bzw.
von seinem Kündigungsrecht gemäss Mandatsvertrag, Ziff. I.3 und IV.12 (act. G 1.8),
Gebrauch gemacht hat, hat er in grobfahrlässiger Weise gegen seine Sorgfaltspflicht
als formeller Geschäftsführer der B._ GmbH verstossen.
2.4 Mit der Beschwerdegegnerin ist sodann festzustellen, dass der Beschwerdeführer
als voll handlungs- und geschäftsfähig anzusehen ist. Handlungsfähig ist, wer mündig
und urteilsfähig ist (Art. 13 ZGB). Urteilsfähig ist, wem nicht wegen seines Kindesalters
oder infolge von Geisteskrankheit, Geistesschwäche, Trunkenheit oder ähnlichen
Zuständen die Fähigkeit mangelt, vernunftgemäss zu handeln (Art. 16 ZGB).
Handlungsunfähig sind die Personen, die nicht urteilsfähig oder die nicht mündig oder
entmündigt sind (Art. 17 ZGB). Bei erwachsenen Personen wird die Urteilsfähigkeit
vermutet (Art. 16 ZGB e contrario; vgl. auch Basler Kommentar ZGB I, 5. Aufl.,
MARGRITH BIGLER-EGGENBERGER/ROLAND FANKHAUSER, Art. 16 N 47).
Vorliegend ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im Sinn von Art. 16 ZGB
nicht urteilsfähig ist oder während seiner Zeit als Geschäftsführer der B._ GmbH
nicht war. Auch macht er nicht geltend und ist nicht ersichtlich, dass er entmündigt
oder verbeiständet ist. Die blosse Vertrauensseligkeit und Naivität oder auch Loyalität
und eine gewisse Abhängigkeit gegenüber bzw. von D._ vermögen in der
geschilderten, das normale Mass nicht übersteigenden Intensität die genannte
Vermutung jedenfalls nicht umzustossen (vgl. Basler Kommentar, ZGB I, a.a.O., Art. 16
N 12 f.). So hat auch das Bundesgericht schon entschieden, der Umstand, dass sich
ein Organ als Arbeitnehmer in einem Subordinationsverhältnis befinde, wirke sich nicht
entlastend aus (Urteil 9C_66/2016 vom 10. August 2016 E. 5.5). Weitere Abklärungen
bezüglich der Frage, ob der Beschwerdeführer die Tragweite seines Handelns erfassen
konnte, erscheinen damit nicht angezeigt. Im Übrigen ergeben sich aus den Akten
gewisse Indizien, dass der Beschwerdeführer in geschäftlichen Dingen nicht ganz so
unbedarft ist, wie er von seinem Rechtsvertreter dargestellt wird. Allein schon die
Tatsache, dass der Beschwerdeführer die Person im Unternehmen war, die nach dem
Vorsitzenden der Geschäftsführung - wenn auch mit deutlichem Abstand - das
zweitgrösste Gehalt bezogen hat (vgl. etwa Lohnmeldungen 2012, 2013 und 2014 [act.
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G 3.1/144, 264 und 412]), spricht gegen die Annahme einer Person, die praktisch
handlungsunfähig sein soll. Im Einspracheverfahren hat der Beschwerdeführer sodann
wie bereits erwähnt angegeben, die Einsicht in die Bücher sei ihm vom tatsächlichen
Geschäftsführer immer wieder verweigert worden, weshalb er die nötigen Kontrollen
über die finanzielle Lage der Firma nicht habe durchführen können (act. G 1.4). Dies
impliziert ebenfalls, dass sich der Beschwerdeführer seiner Pflichten bewusst war,
letztlich aber die Konsequenzen daraus nicht gezogen hat.
2.5 Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, ihn treffe auch deshalb kein
Verschulden, weil sich der Vorsitzende der Geschäftsführung möglicherweise wegen
"krasser Misswirtschaft" (Art. 165 StGB) strafbar gemacht habe, was noch Gegenstand
strafrechtlicher Untersuchungen sei. Indessen hilft auch diese Argumentation dem
Beschwerdeführer nicht weiter. Zwar soll und kann die strafrechtliche Beurteilung des
Verhaltens des Beschwerdeführers (allfällige Mittäterschaft, Gehilfenschaft) an dieser
Stelle nicht vorweggenommen werden. Sollten sich die Vorwürfe der strafrechtlich
relevanten Misswirtschaft gegenüber dem faktischen Geschäftsführer jedoch als
zutreffend erweisen, wäre es in schadenersatzrechtlicher Hinsicht, d.h. bei
objektivierter Verschuldensbetrachtung, gerade die Pflicht des Beschwerdeführers
gewesen, die beanstandeten Machenschaften von D._ zu Lasten der
Gesellschaftsgläubiger mittels Einblick in die Bücher und gezielter Nachfragen zu den
ausstehenden Beitrags- (und anderen) Schulden aufzudecken und zu unterbinden,
oder aber - sollte sich dies als unmöglich erweisen - als Geschäftsführer umgehend zu
demissionieren. Jedenfalls ist nicht ersichtlich und wird nicht ausgeführt, inwiefern ein
allfälliges strafbares Verhalten des faktischen Geschäftsführers gegenüber den
Gesellschaftsgläubigern den Beschwerdeführer von der korrekten Ausübung seiner
Pflichten als formelles Organ abgehalten haben soll. Selbst eine Verurteilung von D._
wegen Misswirtschaft würde somit weder zu einer verschuldensmässigen Entlastung
des Beschwerdeführers noch zu seiner Entlassung aus der Haftpflicht gegenüber
Dritten führen (vgl. Urteil 9C_66/2016 E. 5.4 2. Satz), sondern würde ihm allenfalls ein
Rückgriffsrecht auf den faktischen Geschäftsführer verleihen (vgl. auch Mandatsvertrag
Ziff. II.8 [act. G 1.8], was ihm freilich nicht viel nützen dürfte). Demgegenüber ist in
strafrechtlicher Hinsicht von einer individualisierten Verschuldensbetrachtung
auszugehen, wo die konkreten Kenntnisse und Fähigkeiten des Beschwerdeführers
berücksichtigt werden, so dass die Strafverfolgungsbehörden durchaus zu einer
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anderen (milderen) Beurteilung des Verschuldens des Beschwerdeführers gelangen
können, ohne dass sich dies in präjudizierender Weise auf das vorliegende Verfahren
auswirken würde. Der Ausgang des Strafverfahrens gegen D._ und - sofern
überhaupt eingeleitet - gegen den Beschwerdeführer selbst braucht deshalb nicht
abgewartet zu werden.
2.6 Eine kursorische Überprüfung ergibt weiter, dass der geltend gemachte und im
vorliegenden Verfahren unbestritten gebliebene Schadensbetrag von Fr. 124'143.65 für
ausstehende bundesrechtliche Sozialversicherungsbeiträge inklusive
Verwaltungskosten und Verzugszinsen ausgewiesen ist (Saldo per 22. April 2015
gemäss Kontokorrentauszug vom 9. August 2016: Fr. 141'779.05 [act. G 16.1]; davon
stellte die Beschwerdegegnerin Fr. 46'976.60 [2012], Fr. 69'594.10 [2013] und Fr.
7'572.95 [2014] für bundesrechtliche AHV/IV/EO- und AlV- Beiträge zuzüglich
Verwaltungskosten und Verzugszinsen in Rechnung [offenbar ohne Verzugszinsen
2014 von Fr. 267.35; vgl. act. G 3.1/437 ff. und act. G 16]).
2.7 Spätestens ab 2012 musste die Beschwerdegegnerin die Monatspauschalen
sowie die auszugleichenden Beiträge in der Regel mahnen und betreiben (vgl.
Kontokorrentauszug [act. G 16.1]). Damit hat die Gesellschaft gegen die in Art. 14 Abs.
1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV statuierte Beitragsablieferungspflicht
verstossen, womit die Widerrechtlichkeit als Haftungsvoraussetzung gegeben ist.
Zwischen dem schuldhaften Verhalten des Beschwerdeführers und dem
Schadenseintritt besteht sodann ein adäquater Kausalzusammenhang. Hätte der
Beschwerdeführer ordnungsgemäss für die Beitragsabrechnung und -ablieferung
gesorgt, wäre der Beschwerdegegnerin kein Schaden in der genannten Höhe
entstanden. Die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des Beschwerdeführers als
schadenersatzpflichtiges Organ sind damit erfüllt.
2.8 Schliesslich ist unbestritten, dass die Schadenersatzverfügung vom 21. Juli 2015
rechtzeitig ergangen ist, nachdem am 17. Juni 2014 der Konkurs über die B._ GmbH
eröffnet und der Beschwerdegegnerin am 24. Oktober 2014 die Kollokation ihrer
Forderung angezeigt wurden (Eingang am 27. Oktober 2014 [act. G 3.1/444]).
3.
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Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).