Decision ID: 2e9507f7-c89c-58a5-90b5-6e6ca2902870
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden reichten am 5. Februar 2015 bei der Gemeinde Vechigen
ein Baugesuch ein für die Erweiterung des Fütterungsplatzes (Fressplatz) im bestehenden
Landwirtschaftsbetrieb auf der Parzelle Vechigen Gbbl. Nr. Z._ (A._ 172,
3068 Utzigen). Das Baugrundstück liegt in der Landwirtschaftszone. Gegen das
Bauvorhaben gingen keine Einsprachen ein. Mit Amtsbericht vom 13. März 2015
beantragte das Amt für Wasser und Abfall (AWA) die Erteilung der
Gewässerschutzbewilligung, mit Verfügung vom 17. Februar 2015 stellte das Amt für
Gemeinden und Raumordnung (AGR) die Zonenkonformität des Bauvorhabens fest. Mit
Gesamtbauentscheid vom 21. April 2015 erteilte die Gemeinde die Bewilligung.
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2. Gegen diesen Entscheid führen die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 18. Mai
2015 bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) Beschwerde.
Sie beantragen, die amtlichen Kosten seien in angemessener Weise zu reduzieren. Sie
machen insbesondere geltend, dass bei den Kostenpunkten "Ausnahmen und
Nebenbewilligungen" sowie "Weitere Kosten" das Kostendeckungsprinzip nicht gewahrt
sei. Die Gebühren seien unverhältnismässig hoch.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. In ihrer Stellungnahme vom 22. Juni
2015 beantragt die Gemeinde die Abweisung der Beschwerde. Das Rechtsamt stellte den
Beschwerdeführenden unter anderem das Tarifblatt der Gemeinde sowie die Rechnungen
für die Veröffentlichung des Baugesuchs zu und gab ihnen Gelegenheit,
Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen. In ihren Schlussbemerkungen teilten
die Beschwerdeführenden mit, sie würden an ihrer Beschwerde festhalten. Sie machen
insbesondere geltend, die erhobene Gebühr betrage mehr als 28 Prozent der Bausumme.
Sie sei nicht verhältnismässig. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen und Streitgegenstand
a) Der Entscheid der Gemeinde ist ein Gesamtentscheid im Sinne von Art. 9 KoG2, die
Verfügung des AGR eine weitere Verfügung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 Bst. b KoG. Diese
sind gestützt auf Art. 11 Abs. 1 KoG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 KoG mit
Baubeschwerde nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 bei der BVE anfechtbar. Die BVE ist somit zur
Beurteilung der Beschwerde zuständig.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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b) Die Beschwerdeführenden sind als Baugesuchsteller grundsätzlich
beschwerdelegitimiert (Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Soweit ihnen
die Verfahrenskosten auferlegt wurden, sind sie durch den angefochtenen Entscheid
besonders berührt. Sie haben deshalb ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des
Entscheids und sind daher befugt, Beschwerde zu führen (Art. 65 Abs. 1 VRPG4).
c) Umstritten sind einzig die Verfahrenskosten. Die Anfechtung der Kostenregelung
hindert den Eintritt der Rechtskraft für die übrigen, unbestrittenen Teile des
Gesamtentscheids nicht.5 Abgesehen von der Kostenregelung ist der Gesamtentscheid
daher rechtskräftig geworden. Die Beschwerdeführenden haben daher kein
Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung ihres Gesuchs um Entzug der aufschiebenden
Wirkung. Im Übrigen kann auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde
eingetreten werden.
2. Grundsätzliches zu den Gebühren eines Gesamtentscheids
a) Im Verwaltungsverfahren setzt die Behörde allfällige Verfahrenskosten in der
Verfügung fest (Art. 107 Abs. 1 VRPG). Laut Art. 12 KoG stellen die beteiligten Fachstellen
und Behörden ihre Gebührenrechnungen der Leitbehörde zu. Diese setzt sämtliche
Verfahrenskosten im Gesamtentscheid fest. Weder das VRPG noch das KoG regeln, ob
Verfahrenskosten erhoben werden und wer diese zu tragen hat. Dies ergibt sich aus den
jeweiligen Sacherlassen.6
Bei der Gebühr für die Erteilung einer Bewilligung handelt es sich um eine
Verwaltungsgebühr. Sie ist geschuldet, wenn jemand durch sein Verhalten eine
Amtshandlung veranlasst oder verursacht.7 Gemäss dem Erfordernis der gesetzlichen
Grundlage (Legalitätsprinzip) im Abgaberecht bedürfen öffentliche Abgaben einer
formellgesetzlichen Grundlage, welche sie in den Grundzügen umschreibt (Art. 127 Abs. 1
4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 5 Vgl. dazu Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40-41 N. 8 Bst. d 6 betreffend VRPG: Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 107 N. 1 7 vgl. Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 57 N. 23, Häfelin/Müller/, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, N. 2627 f.
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BV8). Delegiert der Gesetzgeber die Kompetenz zur Festlegung einer Abgabe an eine
nachgeordnete Behörde, so muss er zumindest den Kreis der Abgabepflichtigen, den
Gegenstand und die Bemessungsgrundlagen der Abgabe selber festlegen (Art. 164 Abs. 1
Bst. d BV und Art. 69 Abs. 4 Bst. b KV9). Die Rechtsprechung hat die Vorgaben für die
Abgabenbemessung bei gewissen Arten von Kausalabgaben gelockert, bei denen die
Höhe der Abgabe durch überprüfbare verfassungsrechtliche Prinzipien (Kostendeckungs-
und Äquivalenzprinzip) begrenzt wird und nicht allein der Gesetzesvorbehalt diese
Schutzfunktion erfüllt. Der Umfang des Legalitätsprinzips ist demnach je nach der Art der
Abgabe zu differenzieren. Das Prinzip darf weder seines Gehalts entleert noch in einer
Weise überspannt werden, dass es mit der Rechtswirklichkeit und dem Erfordernis der
Praktikabilität in einen unlösbaren Widerspruch gerät.10
b) Gemäss Art. 52 Abs. 1 BewD11 tragen die Baugesuchstellenden die amtlichen Kosten
des Baubewilligungsverfahrens. Diese Verfahrenskosten bestehen aus den Gebühren und
den Auslagen, welche die Gemeinde für ihre Tätigkeit im Baubewilligungsverfahren
erheben kann (Art. 51 Abs. 1 BewD). Auslagen sind namentlich Kosten für Post-, Telefon-
und Telegrafengebühren und Insertionskosten (Art. 51 Abs. 2 BewD). Die Gemeinde hat
gestützt auf Art. 69 Abs. 4 Bst. a BauG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 3 BewD sowohl ein
Gebührenreglement (nachfolgend: GebR12) als auch eine Gebührentarif-Verordnung13
erlassen. Die Gebühren werden grundsätzlich nach Aufwand oder pauschaliert bemessen
(Art. 3 GebR). Mit der Gebühr nach Aufwand wird der Personal- und Infrastrukturaufwand
abgegolten (Art. 4 Abs. 1 GebR). Sie wird nach der Art der Dienstleistung unterteilt in
Aufwandgebühr I für normale Verwaltungstätigkeit und in Aufwandgebühr II für
Verwaltungstätigkeit, die eine besondere fachliche Qualifikation erfordert (Art. 4 Abs. 2
GebR). Gemäss der Gebührentarif-Verordnung beträgt die Aufwandgebühr I Fr. 75.00 pro
Stunde und die Aufwandgebühr II Fr. 100.00 pro Stunde. Die Gebühren nach Aufwand
werden nach dem Zeitaufwand berechnet, der für die konkrete Dienstleistung erforderlich
ist. Der Zeitaufwand ergibt sich aus den Rapporten (Art. 4 Abs. 3 GebR). Mit der
pauschaliert bemessenen Gebühr wird eine Dienstleistung unabhängig vom verursachten
Aufwand abgegolten (Art. 5 Abs. 1 GebR). In den Art. 27 ff. GebR sind die
8 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 9 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 10 BGE 135 I 130 E. 7.2 (= Pra 99/2010 Nr. 1), 132 II 371 E. 2.1; BVR 2001 S. 539 E. 3a, je mit Hinweisen 11 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 12 Gebührenreglement der Einwohnergemeinde Vechigen vom 3. Dezember 2005 (GebR) 13 Gebührentarif (Verordnung) der Einwohnergemeinde Vechigen vom 11. Oktober 2005, Vorakten der Gemeinde, p. 18
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gebührenpflichtigen Tatbestände für das Bauwesen geregelt. Bemessungsgrundlage für
die Baubewilligungsgebühren ist nach diesen Artikeln in erster Linie der Zeitaufwand;
teilweise ist für einzelne Verfahrenshandlungen eine Pauschalgebühr vorgesehen (so z.B.
in Art. 29 Abs. 2 GebR).
c) Für die Gebührenerhebung auf kantonaler Ebene gelten die kantonalen
Bestimmungen. Wer Leistungen der kantonalen Behörden und der kantonalen Verwaltung
verursacht oder in Anspruch nimmt, hat laut Art. 66 FLG14 dafür grundsätzlich Gebühren zu
entrichten. Die Tarife werden in Verordnungen des Regierungsrates und in Dekreten des
Grossen Rates festgelegt (Art. 68 Abs. 1 FLG). Die Gebühren sollen alle Kosten decken,
die dem Kanton durch die betreffende Leistung entstehen (Art. 69 Abs. 1 FLG). Wenn eine
Kosten deckende Gebühr in einem offensichtlichen Missverhältnis zum objektiven Wert der
Leistung steht, wird die Gebühr im Tarif höchstens mit dem objektiven Wert der Leistung
festgesetzt (Art. 69 Abs. 2 FLG). Die Tarife enthalten Pauschalgebühren (Art. 69 Abs. 4
Satz 1 FLG). Das heisst, dass die in der GebV15 und ihren Anhängen festgelegten
Gebühren den für die Dienstleistungen normalerweise anfallenden Verwaltungsaufwand
wie Personal-, Raum-, Material-, Geräte- und Maschinenkosten sowie Post- und
Telefongebühren umfassen (Art. 10 GebV). Die Kosten für besondere zusätzliche
Leistungen wie Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzlich verrechnet
werden (Art. 69 Abs. 4 Satz 2 FLG und Art. 11 GebV). Die in der GebV und ihren
Anhängen aufgeführten Dienstleistungen sind gebührenpflichtig (Art. 2 Abs. 1 GebV). Die
Gebühren werden grundsätzlich nach Taxpunkten festgesetzt, wobei der Wert des
Taxpunktes einen Franken beträgt (Art. 4 GebV). Sie bemessen sich bei Rahmentarifen
nach dem gesamten Aufwand, der Bedeutung des Geschäfts für die Gebührenpflichtigen
und deren Interesse an der Verrichtung sowie der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der
Gebührenpflichtigen (Art. 7 GebV).
Für die Gebühr des AGR ist Anhang IV A Ziffer 2.14 der GebV anwendbar. Danach erhebt
das AGR unter anderem für die Stellungnahme oder den Entscheid über die
Zonenkonformität in der Landwirtschaftszone eine Gebühr von Fr. 50.00 bis Fr. 1'000.00.
Die Gebühr des AWA für den Amtsbericht betreffend den Gewässerschutz16 stützt sich auf
14 Gesetz vom 26. März 2002 über die Steuerung von Finanzen und Leistungen (FLG; BSG 620.0) 15 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 16 Amtsbericht des Amtes für Wasser und Abfall vom 13. März 2015, Vorakten der Gemeinde, p. 14
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Art. 26 KGSchG17. Danach werden für Bewilligungen, Kontrollen und besondere
Dienstleistungen nach dem kantonalen Gewässerschutzgesetz Gebühren erhoben. Die
Höhe der Gebühr richtet sich im Zuständigkeitsbereich des AWA nach den Bestimmungen
der GebV. Der Gebührenrahmen für Gewässerschutzbewilligungen beträgt gemäss
Anhang VIII Ziff. 3.7 Fr. 120.00 bis Fr. 4'590.00.
d) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Verfahrenskosten würden dem
Kostendeckungs- und dem Äquivalenzprinzip widersprechen. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung haben diese beiden Prinzipien gewissermassen die Funktion eines
Surrogats für eine ungenügende gesetzliche Grundlage. Ist die Einhaltung dieser
Prinzipien überprüfbar, so genügt auch eine formell-gesetzliche Grundlage, die die sonst
geltenden Mindestanforderungen nicht erfüllt. Umgekehrt ist demnach die Überprüfung
einer gesetzlich festgelegten Abgabe auf Einhaltung des Kostendeckungs- und des
Äquivalenzprinzips entbehrlich, soweit die formell-gesetzliche Grundlage hinreichend
bestimmt ist und sofern der Gesetzgeber im Rahmen seiner Zuständigkeit handelt und das
Gesetz nicht seinerseits verfassungswidrig ist.18
Die Gemeinde verfügt über eine genügende formell-gesetzliche Grundlage für die
Erhebung von Baubewilligungsgebühren. Das GebR nennt den Gegenstand der Abgabe,
den Kreis der Abgabenpflichtigen und die Bemessungsgrundsätze. Dasselbe gilt für das
kantonale Recht. Als Ersatz für eine nicht genügend bestimmte gesetzliche Grundlage sind
deshalb das Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip im vorliegenden Fall
grundsätzlich entbehrlich.
3. Prüfung der Kosten für das Bewilligungsverfahren
a) Gemäss dem Gesamtbauentscheid vom 21. April 2015 (Ziffer 3.2) betragen die
Verfahrenskosten insgesamt Fr. 2'023.85. Sie setzten sich zusammen aus den Positionen
„Baubewilligungsverfahren‟ (Fr. 490.00), „Baubewilligung‟ (Fr. 200.00), „Ausnahmen und
Nebenbewilligungen‟ (Fr. 495.00), „Weitere Kosten (Publikation, div. Fachberichte, etc.)‟
(Fr. 818.85) und „Verschiedene Kosten‟ (Fr. 20.00). Die Beschwerdeführenden rügen
insbesondere die Positionen „Ausnahmen und Nebenbewilligungen‟ sowie „Weitere
17 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG, BSG 821.0) 18 BGE 121 I 230 E. 3e
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Kosten‟. Unter diese Positionen würden die Kosten für die Verfügung des AGR von
Fr. 150.00, für den Amtsbericht des AWA von Fr. 345.00, für die Leitverfügung und für die
Publikation fallen. Für das Verfassen der Leitverfügung könnten lediglich Kosten von
Fr. 100.00 erhoben werden. Die Addition dieser drei Beträge entspreche einem
Zwischentotal von Fr. 595.00. Das Zwischentotal der Positionen „Ausnahmen und
Nebenbewilligungen‟ sowie „Weitere Kosten‟ im angefochtenen Entscheid betrage
dagegen Fr. 1'313.85. Dies entspreche einer Differenz von Fr. 718.85, die sich nicht mit
den Kosten für die amtliche Publikation erklären lasse. Im Übrigen seien auch die Kosten
für das Baubewilligungsverfahren mit Fr. 490.00 zu hoch bemessen, da das Vorhaben
weder komplex gewesen sei noch einen grossen Aufwand bei der Gemeinde verursacht
habe.
b) Die Gemeinde führt in ihrer Stellungnahme vom 22. Juni 2015 unter anderem aus,
die erhobenen Gebühren deckten einzig den Arbeitsaufwand der Bauverwaltung für die
Durchführung des Baubewilligungsverfahrens und die Erteilung der Baubewilligung. Bei
Bauvorhaben mit geringeren Baukosten entstünden deshalb im Vergleich zu den
Gesamtkosten eher hohe Verfahrenskosten, da die einzelnen Verfahrensschritte auch bei
kleineren Bauvorhaben durchgeführt werden müssten. Dadurch würde sichergestellt, dass
Dienstleistungen der Verwaltung, welche einem Einzelbedürfnis dienten,
verursachergerecht verrechnet und nicht der Allgemeinheit auferlegt würden.
Die Stellungnahme der Gemeinde enthält eine detaillierte Aufstellung der erhobenen
Kosten (Kostenzusammenstellung). Es sind folgende Positionen aufgeführt:
1. Kosten Baubewilligungsverfahren Fr. 490.00 - Vorläufige formelle Prüfung des Baugesuches - Formelle und materielle Prüfung des Baugesuches - Aufforderung zur Behebung einfacher Mängel - Erstellen der Leitverfügung - Einholen von Amts- und Fachberichten/Nebenbewilligungen - Aufwendungen der Gemeinde für die Publikationen
2. Kosten Baubewilligung Fr. 200.00 - Verfassen des Gesamtbauentscheides
3. Fremdkosten für Nebenbewilligungen, Amts- und Fachberichte Fr. 495.00 - Amtsbericht AWA (Gewässerschutz) - Verfügung AGR (Zonenkonformität)
4. Weitere Drittkosten Fr. 818.85 - Kosten für die Publikationen (gemäss Rechnungsbelegen)
5. Verschiedene Kosten Fr. 20.00 - Telefonspesen, Kopien, Porti, etc.
Total amtliche Kosten Baubewilligungsverfahren Fr. 2'023.85
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c) Gemäss der Kostenzusammenstellung der Gemeinde fallen unter die im
angefochtenen Gesamtbauentscheid in Ziffer 3.2 aufgeführte Position „Ausnahmen und
Nebenbewilligungen‟ (total ausmachend Fr. 495.00) die Kosten für die Verfügung des AGR
(Fr. 150.00) und für den Amtsbericht des AWA (Fr. 345.00). Von dem gehen auch die
Beschwerdeführenden aus. Die entsprechenden Rechnungsbelege befinden sich in den
Vorakten.19 Die für die Verfügung des AGR verlangte Gebühr von Fr. 150.00 bewegt sich
am unteren Rahmen des für Verfügungen über die Zonenkonformität in der
Landwirtschaftszone gemäss Gebührenverordnung Zulässigen (Fr. 50.00 bis Fr. 1'000.00
bzw. 50 bis 1000 Taxpunkte). Auch die Gebühr für den Amtsbericht des AWA von
Fr. 345.00 liegt im unteren Bereich des für Gewässerschutzbewilligungen gemäss
Gebührenverordnung anwendbaren Gebührenrahmens (Fr. 120.00 bis Fr. 4'590.00 bzw.
120 bis 4590 Taxpunkte). Die Höhe dieser Gebühren ist daher angemessen und gibt zu
keiner Beanstandung Anlass.
d) Nicht zu bemängeln ist auch die Position „Baubewilligungsverfahren‟, welche in der
Kostenzusammenstellung unter dem Titel „Kosten Baubewilligungsverfahren‟ (Fr. 490.00)
geführt wird. Die unter diesem Titel aufgeführten Kostenpunkte „Vorläufige formelle
Prüfung des Baugesuches‟ (Art. 27 Abs. 1 GebR), „Formelle und materielle Prüfung des
Baugesuches‟ (Art. 28 Abs. 1 GebR), „Aufforderung zur Behebung einfacher Mängel‟
(Art. 27 Abs. 3 GebR), „Erstellen der Leitverfügung‟ (Art. 29 Abs. 1 GebR), „Einholen vom
Amts- und Fachberichten/Nebenbewilligungen‟ (Art. 29 Abs. 2 GebR) und „Aufwendungen
der Gemeinde für die Publikationen‟ (Art. 29 Abs. 3 GebR) haben eine genügende
gesetzliche Grundlage. Der rapportierte Zeitaufwand sowie die für einzelne Aufwendungen
pauschaliert erhobenen Gebühren (Einholen vom Amts- und
Fachberichten/Nebenbewilligungen und Aufwendungen der Gemeinde für die
Publikationen) können aufgrund des Tarifblattes20 nachvollzogen werden. Es sind keinerlei
Anhaltspunkte ersichtlich, dass der rapportierte Aufwand für die Position
„Baubewilligungsverfahren‟ überhöht ist. Insgesamt erscheint er angemessen und gibt zu
keiner Kritik Anlass. Auch die übrigen Positionen „Baubewilligung‟ von Fr. 200.00 (Art. 29
Abs. 6 GebR) und „Verschiedene Kosten‟ (Auslagen) von Fr. 20.00 (Art. 1 Abs. 2 GebR)
stützen sich auf eine hinreichende Gesetzesgrundlage und sind aufgrund des Tarifblattes
nachvollziehbar, angemessen und nicht zu beanstanden.
19 Vgl. Rechnungen des AGR und des AWA, Vorakten der Gemeinde, p. 20 f. 20 Vgl. Tarifblatt, Vorakten der Gemeinde, p. 12
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e) Soweit die Beschwerdeführenden die im angefochtenen Gesamtbauentscheid in
Ziffer 3.2 aufgeführte Position „Weitere Kosten (Publikation, div. Fachberichte, etc.)‟ von
Fr. 818.85 rügen, scheinen sie davon auszugehen, dass von dieser Position neben den
Kosten für die Publikation noch andere Kosten erfasst werden. Dies ist aber nicht der Fall.
Die Gemeinde hat das Baugesuch sowohl im Anzeiger der Region Bern als auch im
Amtsblatt des Kantons Bern veröffentlicht. Die Kosten hierfür belaufen sich auf Fr. 818.85
(Fr. 96.00 für Publikation im Amtsblatt und Fr. 722.85 für zweimalige Publikation im
Anzeiger); diese können aufgrund der Rechnungen in den Vorakten nachvollzogen
werden.21
Die Beschwerdeführenden sind der Ansicht, dass die Veröffentlichung des Baugesuchs
nicht nötig gewesen sei, da die marginale Erweiterung des Fütterungsplatzes keine
Einwirkungen auf die Nachbarschaft bzw. die Allgemeinheit habe. Gemäss Art. 26 Abs. 1
BewD macht die Baubewilligungsbehörde das Baugesuch durch Veröffentlichung bekannt.
Auf eine Bekanntmachung kann nur verzichtet werden, wenn Auswirkungen auf die
Nachbarschaft oder die Allgemeinheit ausgeschlossen sind. Das ordentliche
Baubewilligungsverfahren ist die Regel, das kleine Baubewilligungsverfahren die
Ausnahme. Im Zweifelsfall gilt der Grundsatz der grösseren Publizität.22 Das Baugesuch ist
in jedem Fall zu veröffentlichen, wenn der Kreis der betroffenen Personen und
Organisationen nicht eindeutig bestimmt werden kann, die Gesetzgebung eine
Veröffentlichung vorsieht oder wesentliche öffentlichen Interessen berührt werden (Art. 27
Abs. 5 BewD). Es ist nicht zu beanstanden, dass die Gemeinde das Baugesuch publiziert
hat, ergibt sich doch aus dem Verzeichnis der Fachstellen und erforderlichen
Nebenbewilligungen des AGR23, dass positive Entscheide über Zonenkonformität gemäss
Art. 25 Abs. 2 RPG und Art. 84 Abs. 1 BauG im Amtsblatt publiziert werden müssen
(Art. 12 und 12b NHG24). Die Kosten für die amtliche Publikation stellen Auslagen im Sinne
von Art. 51 Abs. 2 BewD dar. Diese sind von den Beschwerdeführenden als
Gesuchstellende zu tragen (Art. 29 Abs. 3 GebR „Zusätzlich Kosten der
Publikationsorgane‟; Art. 52 Abs. 1 BewD).
21 Vgl. Rechnungen für Amtsblatt des Kantons Bern und für Anzeiger der Region Bern, Vorakten der Gemeinde, p. 22 f. 22 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35–35c N. 7, mit weiteren Hinweisen 23 Verzeichnis nach Art. 22 Baubewilligungsdekret bzw. der erforderlichen Nebenbewilligungen und einzubeziehende Fachstellen bei Leitverfahren nach KoG (Verzeichnis der Fachstellen und erforderlichen Nebenbewilligungen), einsehbar unter <http://www.jgk.be.ch>, Rubrik Baubewilligungen, Baubewilligungsverfahren 24 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451)
http://www.jgk.be.ch
10
f) Zu prüfen bleibt, ob die Verfahrenskosten insgesamt verhältnismässig sind oder ob
es sich im konkreten Fall rechtfertigt, von einer vollen Kostenüberwälzung an die
Baugesuchstellenden abzusehen (vgl. Art. 52 Abs. 2 BewD). Es trifft zwar zu, dass die
Verfahrenskosten von Fr. 2'023.85 angesichts des kleineren Bauvorhabens mit Baukosten
von lediglich Fr. 7'000.00 als relativ hoch erscheinen. Sie machen fast 29 Prozent der im
Baugesuch angegebenen Baukosten aus. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Höhe der
Baukosten nur bedingt relevant ist für die Bemessung der Bewilligungsgebühren; weder
das kommunale noch das kantonale Gebührenrecht berücksichtigen die Baukosten als
Bemessungsgrundlage. Massgeblich auf kommunaler Ebene ist hauptsächlich der
Aufwand für die Prüfung des Gesuchs. Die Baukosten sagen wenig über den Aufwand der
Behörden im Bewilligungsverfahren aus, verursacht doch bereits das Ausstellen einer
einfachen Baubewilligung einen gewissen Grundaufwand, der abzugelten ist. Die Praxis
zeigt auch, dass kleinere Vorhaben häufig verhältnismässig mehr Aufwand verursachen
können als grössere, insbesondere weil letztere in der Regel professionell vorbereitet
werden.25 Zu berücksichtigen ist weiter, dass es sich um ein koordiniertes Verfahren
handelt, dass neben der Baubewilligung auch eine Gewässerschutzbewilligung sowie die
Zustimmung zum Bauen ausserhalb der Bauzone und die damit verbundenen
Publikationskosten umfasst. Das Vorhaben der Beschwerdeführenden musste von
mehreren Behörden geprüft werden, was zu höherem Aufwand führte. Zudem haben die
kantonalen Behörden ihre Gebühren im Bereich des unteren Rahmens festgesetzt und
damit auch der Bedeutung des Geschäfts angemessen Rechnung getragen. Unter diesen
Umständen stehen die Verfahrenskosten von Fr. 2'023.85 nicht in einem offensichtlichen
Missverhältnis zum objektiven Wert der Leistung. Sie sind deshalb im vorliegenden Fall
verhältnismässig und es sind keine Gründe ersichtlich, die einen Verzicht auf die volle
Kostenüberwälzung an die Beschwerdeführenden rechtfertigen würden. Die Beschwerde
erweist sich somit als unbegründet.
5. Kosten
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen vorliegend einzig aus einer
Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Diese wird festgesetzt auf Fr. 600.00 (Art. 103
Abs. 2 VRPG, Art. 19 Abs. 1 GebV).
25 Vgl. BGer 2P.286/2006 vom 27. Februar 2007 E. 4.4
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Laut Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Die Beschwerdeführenden dringen mit ihren Rügen nicht durch. Sie gelten daher
als unterliegend und haben die Verfahrenskosten zu tragen.
b) Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG in Verbindung mit
Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG).