Decision ID: 1419dfff-6772-4720-8797-ec293fc1a862
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 11. Oktober 2012 (DG120041)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 16. Februar
2012 (Urk. HD 29) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des versuchten qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und
Ziff. 4 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
− der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2
SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV.
2. Das Verfahren gegen †B._ wird mit separatem Beschluss erledigt.
3. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 12 Jahren Freiheitsstrafe, wovon
bis und mit heute 726 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
vom 7. Februar 2012 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut
Zürich lagernden Gegenstände:
− 1 Pullover (Asservat-Nr. ...) − 1 Herrenkopfbedeckung (Asservat-Nr. ...)
werden eingezogen und vernichtet.
5. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
vom 7. Februar 2012 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut
Zürich lagernden Gegenstände:
− 1 Herrenjacke (Asservat-Nr. ...)
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− 1 Herrengilet (Asservat-Nr. ...) − 1 Herrenhose (Asservat-Nr. ...) − 2 Shirts (Asservat-Nr. ... und ...) − Sportschuhe (Asservat-Nr. ...)
werden eingezogen und vernichtet.
6. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
vom 7. Februar 2012 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut
Zürich lagernden Gegenstände:
− 3 DNA-Spur-Wattetupfer (Asservat-Nr. ..., ... und ...) − 9 Hülsen (Asservat-Nr. ..., ..., ..., ..., ..., ..., ..., ... und ...) − 6 Schmauch-Spuren (Asservat-Nr. ..., ..., ..., ..., ... und ...) − 3 Schmauchfilter (Asservat-Nr. ..., ... und ...) − 5 Projektile (Asservat-Nr. ..., ..., ..., ... und ...) − 6 Projektilteile (Asservat-Nr. ..., ..., ..., ..., ... und ...) − 2 Patronen (Asservat-Nr. ... und ...) − Brechwerkzeug (Asservat-Nr. ...) − Beschussmaterial (Asservat-Nr. ...) − Beschussmaterial (Asservat-Nr. ...)
werden als Beweismittel bei den Akten belassen.
7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
vom 7. Februar 2012 beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse
lagernden Gegenstände:
− 1 Pistole (Asservat-Nr. ...) − 1 Pistole (Asservat-Nr. ...)
werden eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung
überlassen.
8. Der Beschuldigte A._ wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet,
dem Privatkläger C._ Schadenersatz von Fr. 4'986.60 zuzüglich 5 %
Zins ab 7. Februar 2011 zu bezahlen.
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9. Der Beschuldigte A._ wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet,
dem Privatkläger D._ Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 16. Oktober
2010 als Genugtuung zu bezahlen.
10. Der Beschuldigte A._ wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet,
dem Privatkläger C._ Fr. 10'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 16. Oktober
2010 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 8'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 884.80 Kosten Kantonspolizei
Fr. 9'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 23'862.75 Auslagen Untersuchung
Fr. 7'352.70 amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. 5'466.65 1/2 unentgeltlicher Rechtsbeistand C._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der den Beschuldigten A._ betreffenden Untersuchung und
des gerichtlichen Verfahrens sowie die Hälfte der Kosten der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung des Privatklägers C._ werden dem
Beschuldigten A._ auferlegt.
Die Kosten der zeitweiligen amtlichen Verteidigung des Beschuldigten
A._ werden auf die Staatskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 137 S. 1)
1. Die Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 11. Oktober 2012
sei aufzuheben und der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 10
Jahren zu verurteilen.
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2. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 11. Oktober
2012 zu bestätigen.
3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 136 S. 1)
Der Beschuldigte A._ sei
1. des mehrfachen Mordversuchs im Sinne von Art. 112 in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB,
2. des mehrfach qualifizierten Raubversuchs im Sinne von Art. 140 Ziff. 3
Abs. 3 und Ziff. 4 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und
3. des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2
SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV
schuldig zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren zu
bestrafen.
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Erwägungen:
I. Anklagesachverhalt
1. Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
vom 16. Februar 2012 werden dem Beschuldigten A._ mehrfacher
Mordversuch im Sinne von Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, mehrfacher
qualifizierter Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 und 4 StGB sowie Fahren in
fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 1
SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV vorgeworfen, weil er sinngemäss zusammengefasst
Folgendes getan habe:
Am 16. Oktober 2010 um 03:40 Uhr hätten die Beschuldigten †B._ und
A._ die im ersten Untergeschoss der Liegenschaft E._-Strasse ... in
Zürich gelegene Bar "F._" in der Absicht betreten, wie zuvor gemeinsam
besprochen und vereinbart, auf die dort anwesenden Gäste und das Personal
einen Raubüberfall zu verüben. Unmittelbar vor dem Betreten des Lokals hätten
sich die Beschuldigten †B._ und A._ maskiert und je eine geladene
Faustfeuerwaffe auf sich getragen: der Beschuldigte †B._ die
Selbstladepistole "Tokarev", Modell M57 (YU), Waffen-Nr. ..., und der
Beschuldigte A._ die Selbstladepistole "Astra", eine umgebaute
Schreckschusspistole mit Kaliber 6.35 mm. Die Beschuldigten †B._ und
A._ hätten gewusst, dass die von ihnen benutzten Waffen geladen und
geeignet gewesen seien, bei einem Schuss auf Menschen tödliche Verletzungen
herbeizuführen; zumindest hätten dies die Beschuldigten †B._ und A._
in Kauf genommen, und die Beschuldigten †B._ und A._ hätten
während der Verübung des Raubes ihre Waffen auch in schussbereitem Zustand
gegen die Geschädigten gerichtet. Die Waffen seien ungesichert und eine
Schussabgabe sei allein mittels Zurückziehen des am Abzugbügel befindlichen
Fingers möglich gewesen, was von den Beschuldigten †B._ und A._
während der Durchführung des Raubes auch mehrfach so getan worden sei.
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Die Beschuldigten †B._ und A._ hätten das Lokal durch die Eingangstür
betreten, wobei jeder die von ihm benutzte Faustfeuerwaffe in einer Hand
gehalten habe. Dabei sei der Beschuldigte †B._ vorausgegangen und der
Beschuldigte A._ sei ihm gefolgt. Der Beschuldigte †B._ habe den vom
Eingang her gesehen rechtsseitig gelegenen Spielraum betreten und einen
Schuss in die Decke abgegeben. Die dort am Pokertisch sitzenden Personen
seien vom Beschuldigten †B._ darauf angewiesen worden, alle ihre
Wertsachen auf den Tisch zu legen und sich an die Wand in der linken Ecke des
Raumes zu stellen. Während der Beschuldigte A._ seine geladene und
schussbereite Waffe auf die anwesenden Personen gerichtet und diese so in
Schach gehalten und von den Geschädigten Wertsachen behändigt habe, habe
der Beschuldigte †B._ im Spielraum neben sich in den Boden geschossen.
Der Privatkläger C._ habe sich darauf dem Beschuldigten †B._
genähert, welcher in der Folge mit der von ihm gehaltenen Waffe aus sehr kurzer
Distanz (unter 20 cm) einen Schuss gegen den Oberkörper des Privatklägers
C._ abgefeuert habe, wodurch der Privatkläger C._ im Oberkörper
getroffen worden sei. Dabei habe das vom Beschuldigten †B._ so
abgefeuerte Projektil den Oberkörper des Privatklägers C._ durchdrungen
und sei in einem an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand stehenden
Ledersessel rund 10 cm über dem Boden stecken geblieben. Der Privatkläger
C._ habe dadurch einen Durchschuss seines Oberkörpers mit Einschuss an
der linken Flanke im Bereich des Rückens und Ausschuss oberhalb der
Gesässmuskulatur rechts erlitten, wobei es zur Zertrümmerung eines
Wirbelfortsatzes im Bereich des 5. Lendenwirbelkörpers sowie im Bereich der
Darmbeinschaufel gekommen sei. Bei dieser Schussabgabe aus nächster Nähe
auf das sich ihm nähernde Opfer habe der Beschuldigte †B._ zumindest den
Tod des dabei getroffenen Privatklägers C._ in Kauf genommen.
Nachdem die sich im Lokal befindlichen Opfer ihre Wertsachen entsprechend der
Aufforderung des Beschuldigten †B._ auf dem Spieltisch deponiert hätten,
seien sie angewiesen worden, das Lokal durch den Eingang zu verlassen und in
die Toilette zu gehen, wo die Beschuldigten †B._ und A._ sie hätten
einschliessen wollen. Dazu hätten die Geschädigten an den dort stehenden
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Beschuldigten vorbeigehen müssen. Als der Privatkläger C._ die
Beschuldigten †B._ und A._ passiert habe, habe er den Beschuldigten
†B._ angegriffen, worauf der Beschuldigte A._ einen Schuss in
Richtung des Privatklägers C._ abgefeuert habe, welcher den Privatkläger
C._ im Bereich unterhalb des mittleren Rippenbogens getroffen habe, wobei
das Projektil vor dem Bauchfell stecken geblieben sei. In der Folge habe der
Beschuldigte †B._ erneut mit der von ihm benutzten Waffe zu schiessen
versucht, was allerdings nicht möglich gewesen sei, da die Waffe blockiert habe.
Das sei von einzelnen Geschädigten bemerkt und dazu benutzt worden, die
Beschuldigten †B._ und A._ anzugreifen, worauf der Beschuldigte
A._ weitere der von ihm insgesamt sechs abgegebenen Schüsse abgefeuert
habe, wobei er sich dabei in die hintere rechte Seite des Lokals begeben habe.
Unter anderem habe der Beschuldigte A._ einen Schuss gegen die Decke
sowie einen Schuss dicht am Kopf des Geschädigten G._ vorbei von der
rechten Seite des Barbereichs aus in Richtung des DJ-Pultes abgefeuert. Bei
diesen Schussabgaben, insbesondere bei den gegen den Privatkläger C._
und den Geschädigten G._ abgegebenen Schüssen, habe der Beschuldigte
A._ den Tod dieser beiden Geschädigten zumindest in Kauf genommen.
Die Beschuldigten †B._ und A._ hätten bei ihrer Tat mit dem
Beweggrund gehandelt, einen Raub zu begehen, um auf diese Weise Geld und
andere Vermögenswerte zu erbeuten. Dabei seien sie zur Durchführung und
Sicherung des Raubes bereit gewesen, diejenigen Personen, welche sich ihren
kriminellen Absichten in den Weg zu stellen und zu widersetzen versucht hätten,
zu töten, indem sie skrupellos von ihren Waffen Gebrauch gemacht und mehrfach
und hemmungslos auf ihre Opfer geschossen hätten. Dadurch hätten die
Beschuldigten †B._ und A._ auch ihre extreme Geringschätzung
gegenüber dem Leben von anderen Menschen zum Ausdruck gebracht.
Während die Beschuldigten †B._ und A._ ihre geladenen,
schussbereiten und ungesicherten Waffen auf die Geschädigten gerichtet hätten,
hätten sich die im Raum anwesenden Geschädigten aufgrund der dann auch
tatsächlich erfolgten Schussabgaben und auch infolge der unkontrollierbaren
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Abpraller in einer naheliegenden unmittelbaren Gefahr befunden, von durch die
Beschuldigten †B._ und A._ abgegebenen Schüssen direkt oder indirekt
getroffen und dadurch tödlich verletzt zu werden.
Schliesslich sei es den Geschädigten gelungen, die Beschuldigten †B._ und
A._ zu überwältigen und die Polizei herbeizurufen.
2. Bezüglich des Sachverhaltes unter Anklagepunkt C (Nebendossier 4)
betreffend Fahren in angetrunkenem Zustand erfolgte keine Anfechtung des vor-
instanzlichen Urteils, weshalb dieser Anklagevorwurf nicht Gegenstand des
vorliegenden Berufungsverfahrens ist (Urk. 124 S. 2).
II. Prozessgeschichte
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, erging am 11.
Oktober 2012 und wurde dem Beschuldigten A._ mündlich und schriftlich im
Dispositiv eröffnet (Prot. I S. 18). Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten des
versuchten qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und Ziff. 4 i.V.m.
Art. 22 Abs. 1 StGB, der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne
von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Fahrens in fahrunfähigen
Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG
und Art. 2 Abs. 1 VRV schuldig und bestrafte ihn mit 12 Jahren Freiheitsstrafe,
unter Anrechnung von 726 Tagen Haft. Ausserdem wurde er gemäss seiner
Anerkennung verpflichtet, den Privatklägern C._ und D._
Schadenersatz und Genugtuung zu bezahlen (Dispositivziffern 8-10 des
vorinstanzlichen Urteils; Urk. 122 S. 162). Im Weiteren wurden diverse
Kleidungsstücke und zwei Pistolen eingezogen, teilweise zur Vernichtung
freigegeben und teilweise, d.h. bezüglich der Waffen, der Lagerbehörde zur
gutscheinenden Verwendung überlassen. Diverse Asservate (u.a. DNA-Spuren,
Hülsen, Projektile, Patronen, Beschussmaterial etc.; Dispositivziffern 4-7 des
vorinstanzlichen Urteils; Urk. 122 S. 161 f.), wurden bei den Akten belassen.
2. Das Verfahren gegen den ursprünglichen Mitangeschuldigten
†B._ wurde mit separatem Beschluss vom 11. Oktober 2012 eingestellt
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(Prot. I S. 24; Urk. 92), da dieser am 9. Oktober 2012 in der Justizvollzugsanstalt
... verstorben war (Urk. 81, 86 und 87).
3. Mit Eingabe vom 12. Oktober 2012 liess der Beschuldigte A._ die
Berufung anmelden (Urk. 94). Die Staatsanwaltschaft meldete ihrerseits die
Berufung mit Eingabe vom 16. Oktober 2012 an (Urk. 97). Das vollständig
begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am 4. Februar 2013 zugestellt
(Urk. 121/2). Mit Eingabe vom 19. Februar 2013 ging innert Frist die
Berufungserklärung des Beschuldigten ein, wobei er einen Freispruch vom
Vorwurf des versuchten qualifizierten Raubs im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 i.V.m.
Art. 22 Abs. 1 StGB sowie vom Vorwurf der mehrfachen vorsätzlichen Tötung im
Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB beantragte. Der
vorinstanzliche Schuldspruch wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand wurde
nicht angefochten. Dementsprechend wurde mit beiden Berufungen auch die
Höhe des Strafmasses gemäss Ziff. 3 des vor-instanzlichen Urteils angefochten
(Urk. 124 S. 2).
4. Nicht angefochten wurde die Verpflichtung des Beschuldigten zur
Bezahlung von Schadenersatz und Genugtuung an die Privatkläger C._ und
D._ sowie die Einziehung diverser Kleidungsstücke und von zwei Pistolen,
wie auch die Anordnung, diverse Asservate bei den Akten zu belassen. Ebenso
wurde die vorinstanzliche Kostenaufstellung nicht angefochten (Dispositivziffern
4-11 des vorinstanzlichen Urteils; vgl. Urk. 124 S. 2).
5. Die Staatsanwaltschaft beantragte mit ihrer Berufung, der Beschuldigte
sei des qualifizierten Raubs im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 140
Ziff. 4 und Ziff. 3 Abs. 3 StGB sowie des mehrfachen Mordversuchs im Sinne von
Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und mit 18 Jahren
Freiheitsstrafe zu bestrafen (Urk. 123).
6. Von den Privatklägern wurde kein Rechtsmittel ergriffen.
7. Mit Eingabe vom 15. August 2013 teilte die Verteidigung mit, dass sich
die Berufung des Beschuldigten nur noch auf die Bemessung der Strafe
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beschränke. Es werde beantragt, das vorinstanzliche Urteil bezüglich der übrigen
Punkte zu bestätigen (Urk. 132).
III. Prozessuales
1. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID, StPO-Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009,
Art. 402 N 1; vgl. auch Art. 437 StPO). Entsprechend ist vorab mit Beschluss
festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom 11.
Oktober 2012 bezüglich der Dispositivziffern 1 teilweise (Schuldspruch wegen
Fahrens in fahrunfähigem Zustand), 4 und 5 (Einziehung und Vernichtung
diverser Kleidungsstücke), 6 (Belassung diverser Gegenstände bzw. Asservate
bei den Akten), 7 (Einziehung zweier Pistolen und Überlassung der Lagerbehörde
zur gutscheinenden Verwendung), 8-10 (Zivilforderungen) sowie 11
(Kostenaufstellung) rechtskräftig ist.
2. Es wurden keine Beweisanträge gestellt.
3. Im Rahmen der Berufungserklärung stellte der bis dahin erbetene
Verteidiger RA lic. iur. X._ den Antrag, er sei für das Berufungsverfahren
zum amtlichen Verteidiger zu bestellen (Urk. 124 S. 2). Diesem Antrag wurde mit
Präsidialverfügung vom 28. Februar 2013 entsprochen (Prot. II S. 2; Urk. 127).
4. Der Beschuldigte wurde am 16. Oktober 2010, 03:50 Uhr in Haft
genommen, mit Verfügung vom 18. Oktober 2010 wurde er in Untersuchungshaft
versetzt (Urk. HD 16.2 und HD 16.7). Mit Präsidialverfügung vom 26. Oktober
2012 wurde dem Beschuldigten der vorzeitige Strafantritt bewilligt (Urk. 100).
IV. Sachverhaltserstellung
1. Die Beschuldigten †B._ und A._ haben Teile des ihnen in der
Anklageschrift vorgeworfenen Sachverhalts im Zusammenhang mit dem Vorfall
vom 16. Oktober 2010 in der Bar "F._" im Rahmen der Voruntersuchung
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bestritten. Der eingeklagte Sachverhalt ist demnach zu erstellen, wobei in den
nachfolgenden Erwägungen nur insoweit auf die Aussagen der
Verfahrensbeteiligten und die Akten einzugehen ist, als dies für die
Entscheidfindung im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen A._
notwendig erscheint.
2.1. Standpunkt des Beschuldigten A._
Der Beschuldigte A._ anerkannte sowohl in der Untersuchung als auch
anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung den in der Anklageschrift
geschilderten äusseren Tatablauf, behauptete aber, vom Beschuldigten †B._
zur Tat gezwungen worden zu sein. Zudem bestritt er, auf den Privatkläger
C._ gezielt zu haben. In subjektiver Hinsicht machte er geltend, nicht
gewusst zu haben, dass die von ihm verwendete Pistole echt war. Ferner bestritt
er, einen Verletzungsvorsatz gehabt zu haben. Auch wenn der Beschuldigte
A._ seine Berufung auf das Strafmass beschränkte, hielt er an diesem
Standpunkt fest (vgl. Prot. II S. 4 und S. 10 ff.).
2.2. Standpunkt des Beschuldigten †B._
Der Beschuldigte †B._ anerkannte in der Untersuchung den objektiven
Anklagesachverhalt in weiten Teilen. Er bestritt aber, den Privatkläger C._
aus einem Abstand von unter 20 cm angeschossen zu haben. In subjektiver
Hinsicht war der Beschuldigte †B._ nicht geständig. Er bestritt einerseits,
gewusst zu haben, dass es sich bei seiner Pistole um eine echte Pistole handelte.
Anderseits machte er geltend, dass er niemanden habe verletzen, geschweige
denn töten wollen. Zwar anerkannte er die räuberische Absicht, stellte sich aber
schliesslich auf den Standpunkt, in eine Falle gelockt worden zu sein. Nach der
Darstellung des Beschuldigten †B._ habe der Beschuldigte A._ beim
Raubüberfall aus freien Stücken mitgemacht und die verwendete Pistole selber
mitgebracht.
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3. Die Vorinstanz hat ausführliche und zutreffende Ausführungen zu den
Grundsätzen und Regeln der Beweiswürdigung gemacht, worauf vollumfänglich
verwiesen werden kann (Urk. 122 S. 10 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Auch zur Glaubwürdigkeit der Beschuldigten A._ und †B._
sowie der als Zeugen befragten Personen (C._, H._, D._, G._,
I._, J._, K._ und L._) hat die Vorinstanz umfassende und
zutreffende Ausführungen gemacht, auf welche vollumfänglich verwiesen werden
kann (Urk. 122 S. 16-18). Hervorzuheben ist, dass alle Zeugen glaubhaft
angegeben haben, die beiden Beschuldigten nicht zu kennen bzw. gekannt zu
haben. Sachfremde Motive für unrichtige Beschuldigungen sind somit nicht
ersichtlich. Dabei bleibt zu beachten, dass sämtliche Zeugen als Opfer des von
den Beschuldigten verübten Raubversuches ein persönliches Interesse am
Ausgang des vorliegenden Verfahrens haben dürften, was akzentuiert für
diejenigen Privatkläger gilt, welche von den Schussabgaben durch die
Beschuldigten betroffen wurden, sei es, dass sie Verletzungen erlitten (C._),
sei es, dass sie von den Schüssen nur knapp verfehlt wurden (G._), oder sei
es, dass sie Zivilforderungen geltend machten (D._). Mit der Vorinstanz ist
jedoch davon auszugehen, dass keine Anhaltspunkte für Zweifel an der
Glaubwürdigkeit der Zeugen bestehen.
5. Die Aussagen der Beschuldigten A._ und †B._ sowie der
genannten Zeugen wurden von der Vorinstanz umfassend und zutreffend
wiedergegeben. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die
entsprechenden Ausführungen in den vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen
(Urk. 122 S. 18 - 90).
6. Aus den weiteren Beweismitteln ergibt sich das Folgende:
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6.1. Medizinische Berichte und Gutachten
6.1.1. Chemisch-toxikologisches Gutachten des Instituts für
Rechtsmedizin vom 8. Februar 2011 betreffend den Beschuldigten A._
(Urk. HD 11/3)
Gemäss chemisch-toxikologischem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin
vom 8. Februar 2011 stand der Beschuldigte A._ im Zeitpunkt des
Ereignisses mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht unter dem Einfluss von Opiat-
Drogen, Opiat-Pharmaka, Cocain, Cannabis oder Amphetaminen sowie auch
nicht unter dem Einfluss von Trinkalkohol (Urk. HD 11/3 S. 2). Dies im Gegensatz
zu seinen eigenen Aussagen anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 26.
November 2010, wo er auf Zusatzfrage seines damaligen Verteidigers ausführte,
er habe kurz bevor er und †B._ in das Restaurant ... gegangen seien, mithin
am gleichen Abend bzw. Vorabend, noch 4-5 Gramm (!) Kokain konsumiert (Urk.
HD 3/5 S. 13).
6.1.2. Chemisch-toxikologisches Gutachten des Instituts für
Rechtsmedizin vom 28. Dezember 2010 betreffend den Privatkläger
C._ (Urk. HD 12/3)
Gemäss chemisch-toxikologischem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin
vom 28. Dezember 2010 beweisen die Analysen die Anwesenheit von Morphin
und Codein im Körper des Privatklägers C._. Möglich ist, dass der
Privatkläger C._ bei der ärztlichen Notfallbehandlung Morphin oder ein
Morphin-Präparat zur Schmerzlinderung verabreicht erhielt. Es ist auch möglich,
dass sowohl eine notfallmedizinische Applikation eines morphinhaltigen Präparats
wie auch ein Eigenkonsum von Heroin und/oder Morphin vorgelegen hat. Die
Analysenergebnisse beweisen einen länger zurückliegenden Cocain-Konsum. Im
Zeitpunkt des Ereignisses hat keine Wirkung von Cocain vorgelegen. Aufgrund
des negativen Analysenergebnisses kann für den Zeitpunkt des Ereignisses eine
Wirkung für Cannabis mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen
werden. Im Weiteren befand sich im Zeitpunkt der Blutentnahme, am 16. Oktober
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2010 um 05:55 Uhr, kein Trinkalkohol im Blut. Es liegen somit für den Zeitpunkt
des Ereignisses keine Hinweise für eine Alkoholisierung vor (Urk. HD 12/3 S. 2 f.).
6.1.3. Ärztlicher Befund der Klinik für Unfallchirurgie des
Universitätsspitals Zürich betreffend den Privatkläger C._ vom 22.
November 2010 (Urk. HD 8/6)
Gemäss ärztlichem Befund der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals
Zürich vom 22. November 2010 wurde der Privatkläger C._ am 16. Oktober
2010 untersucht. Er hat drei Schusswunden erlitten: eine von oben nach unten
verlaufend im Bereich unterhalb des mittleren Rippenbogens, wobei das Projektil
vor dem Bauchfell endete, eine mit Einschuss linke Flanke im Bereich des
Rückens, das Projektil konnte nicht gefunden werden, sowie eine letzte mit
Einschuss oberhalb der Gesässmuskulatur im Bereich des Rückens rechts,
abermals war das Projektil nicht auffindbar. Gleichzeitig kam es zur
Zertrümmerung eines Wirbelfortsatzes im Bereich des 5. Lendenwirbelkörpers
sowie im Bereich der Darmbeinschaufel. Bei nur geringer Eindringtiefe der
Projektile war die Entfernung zu lebenswichtigen Organen jeweils mehr als 2 cm.
Klare Angaben zum Verletzungshergang konnte der Privatkläger C._ nicht
machen. Es musste eine umgehende Notfalloperation durchgeführt werden. Es
kam zu einer knöchernen Verletzung im Bereich des 5. Lendenwirbelkörpers
sowie der Darmbeinschaufel, beide knöchernen Verletzungen sind jedoch nicht
schwerwiegend. Ansonsten lagen hauptsächlich Weichteilverletzungen vor,
sodass keine bleibenden Schäden zu erwarten sind. Es bestand zu keinem
Zeitpunkt eine unmittelbare Lebensgefahr. Eine unmittelbare Lebensgefahr wäre
auch dann nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten gewesen, wenn keine
ärztliche Versorgung stattgefunden hätte. Bleibende körperliche Schäden sind
aufgrund des Verletzungsmusters mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit auszuschliessen. Psychische Folgeschäden sind möglich. Am
22. Oktober 2010 begab sich der Privatkläger C._ in die Weiterbehandlung
des Hausarztes, welcher die Arbeitsunfähigkeit feststellte. Üblicherweise ist mit
einer Arbeitsunfähigkeit für zwei Wochen nach Operation, das heisst bis ca. den
31. Oktober 2010 zu rechnen, worauf sich im Allgemeinen eine volle
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Arbeitsfähigkeit anschliesst. Krankhafte vorbestehende Veränderungen haben die
Folgen der Verletzungen nicht beeinflusst. Es gibt keine Hinweise auf Zustände
nach der Verletzung, mit denen üblicherweise gerechnet werden muss und die
sich erschwerend auf den Verlauf oder die Heilung auswirken (Urk. HD 8/6 S. 1
f.).
6.1.4. Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Instituts für
Rechtsmedizin der Universität Zürich betreffend den Privatkläger C._
vom 13. Dezember 2010 (Urk. HD 8/7)
Gemäss Gutachten zur körperlichen Untersuchung durch das Institut für
Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 13. Dezember 2010 hat der
Privatkläger C._ notfallmässig operiert werden müssen. In den rund
eineinhalb Stunden zwischen Ereigniszeitpunkt (03:40 Uhr) und Operationsbeginn
(05:05 Uhr) war der Privatkläger C._ stets kreislaufstabil. Nach den
Ergebnissen der Bilanzierung des Verletzungsausmasses waren keine
lebenswichtigen Organe verletzt worden. Es waren ausschliesslich Weichteil- und
Knochenverletzungen entstanden. Hiernach zu urteilen, bestand aus
rechtsmedizinischer Sicht beim Privatkläger C._ aufgrund der erlittenen
Verletzungen eine potentielle bzw. mittelbare Lebensgefahr. Durch eine
ergänzende forensische Beurteilung der klinisch per Computertomographie
angefertigten Bilder konnte neben dem Steckschuss im rechten Oberbauch ein
Durchschuss am Rücken, verlaufend von der linken Lende zum rechten Gesäss,
festgestellt werden. Morphologisch und feingeweblich waren Hinweise auf einen
relativen Nah- bzw. einen Fernschuss nachweisbar. Der Steckschuss im rechten
Oberbauch mit der Lage unmittelbar in der Nähe der Leber hätte prinzipiell bei
etwas näherer Schussdistanz oder allenfalls dünnerer Bekleidung zu einem
Eindringen in das Organ und hierdurch zu inneren Blutungen führen können.
Infolge der Knochenverletzung durch den Durchschuss am Rücken hätte ein
geringgradig zur Bauchseite hin abweichender Schusskanal zu einer Verletzung
des Rückenmarks, allenfalls mit Lähmungserscheinungen führen können.
Wiederum etwas weiter bauchseitig gelegene Schussverläufe können bei
Verletzung der Aorta (Hauptschlagader) ein rasches letales Verbluten zur Folge
- 17 -
haben. Bei Verletzung der gut vaskularisierten, in der Nähe gelegenen Niere sind
ebenfalls starke Blutungen zu erwarten.
Postoperativ war es im zu begutachtenden Fall zu keinerlei Komplikationen bei
der Wundheilung gekommen (Urk. HD 8/7 S. 5 f.).
6.2. Vorbericht und Gutachten betreffend Schusswaffen
6.2.1. Vorbericht Schusswaffen des Forensischen Instituts Zürich vom
14. November 2010 (Urk. HD 6/1)
Gemäss Vorbericht Schusswaffen des Forensischen Instituts Zürich vom 14.
November 2010 steht fest, dass der Privatkläger C._ von je einem Projektil
aus den beiden verwendeten Waffen "Tokarev M57" und "Astra" getroffen worden
ist. Beide Waffen wurden bezüglich ihres Zustandes untersucht und
anschliessend beschossen. Dabei wurde festgestellt, dass die Selbstladepistole
"Astra" im Kaliber 6.35 mm (.25 Auto) einwandfrei funktionierte, die Projektile
wegen des unprofessionellen Laufes (abgeänderte 8 mm Knall-Waffe) aber
schlecht geführt wurden, sich schon nach einer kurzen Strecke nach dem Lauf
quer stellten und in eine unstabile Flugbahn gerieten. Beim Beschuss der
Selbstladepistole "Tokarev M57" im Kaliber 7.62 x 25 Tokarev wurden diverse
Zufuhr- oder Auswurfsstörungen festgestellt (dies erklärt auch die beiden am
Tatort aufgefundenen Patronen, da auch dort vermutlich diese Störungen
auftraten und durch eine Ladebewegung behoben werden mussten) (Urk. HD 6/1
S. 3 f.).
6.2.2. Gutachten des Forensischen Instituts Zürich vom 30. Mai 2011
(Urk. HD 6/8)
Die Untersuchungsbehörde hat mit Schreiben vom 10. Dezember 2010 dem
Forensischen Institut Zürich den Auftrag zur Erstellung eines Gutachtens zu den
beiden Tatwaffen sowie zum Ereignisablauf erteilt (Urk. HD 6/2). In
zusammengefasster Form werden im Folgenden die wesentlichen Erkenntnisse
wiedergegeben, soweit sie für das vorliegende Verfahren von Relevanz sind.
- 18 -
6.2.2.1. Erkenntnisse zur Selbstladepistole "Tokarev"
Die untersuchte Selbstladepistole, Typ "Tokarev", Modell M57 (YU), Waffen-Nr.
0003, Kaliber 7.62 x 25 mm Tokarev hat eine Magazinkapazität von neun
Patronen und ein Abzugsgewicht (Single Action) von ca. 3.8 kg. Diese Waffe
weist keinen Sicherungshebel auf, sondern "nur" eine Magazinsicherung, d.h.
ohne eingesetztes Magazin kann kein Schuss abgefeuert werden (Urk. HD 6/8 S.
4). Die Gutachter haben bei der Selbstladepistole "Tokarev" folgende
Funktionsstörungen festgestellt (Urk. HD 6/8 S. 4 und 6 f.):
Bei der Ladebewegung (Zurückziehen des Verschluss-Stückes und wieder
Vorschnellen lassen) bewegte sich das Verschluss-Stück in vielen Fällen
nicht gänzlich nach vorne, d.h. der Verschluss blieb einige Millimeter offen
und nur durch einen kleinen Schlag von Hand (hinten auf den Verschluss)
konnte dieser ganz geschlossen werden. Ansonsten wäre (bei leicht
geöffnetem Verschluss) keine Schussauslösung möglich. War die Patrone
aber ordnungsgemäss ins Patronenlager eingeführt und der Verschluss
vollständig geschlossen, konnte die Patrone in jedem Fall gezündet und das
Projektil aus dem Lauf verfeuert werden.
Nach der Schussabgabe kam es in den meisten Fällen zu einer
Auswurfstörung, d.h. die Patronenhülse wurde meistens nicht ganz aus dem
Patronenlager gezogen und dies verhinderte das erneute Zuführen einer
weiteren Patrone. Diese Störung konnte nur dadurch behoben werden,
indem das Magazin entfernt wurde. Durch eine Ladebewegung konnte die
Hülse aus dem Patronenlager nun entfernt werden. In einigen Fällen fiel
(beim Entfernen des Magazins) die oberste Patrone, welche durch die
hälftige Vorwärtsbewegung des Verschlusses nach dem Schuss schon aus
den Magazinlippen geschoben worden war, zu Boden.
Einige Hülsen der vom Forensischen Institut Zürich verschossenen Patronen
wiesen am Hülsenmund einen Riss auf. Dies kann bedeuten, dass das
Patronenlager nicht vollständig angepasst ist und der Hülsenmund darum
aufgeweitet wird. Der Hülsenmund wird bei der Schussabgabe im
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Patronenlager um ca. 0.25 bis 0.3 mm aufgeweitet (ca. 0.1 mm mehr als bei
zwei Vergleichswaffen aus der Sammlung des Forensischen Instituts
Zürich). Dieses nicht angepasste Patronenlager könnte auch die vorgängig
beschriebenen Auszug- oder Auswurfstörungen bewirken.
Mit der Selbstladepistole "Tokarev" und typengleicher Munition haben die
Gutachter aus unterschiedlichen Distanzen (5 cm, 7.5 cm, 10 cm, 15 cm und 20
cm) auf vergleichbare Stoffstücke geschossen. Die Gutachter schätzen die
Schussdistanz seitlich links gegen den Privatkläger C._ auf ca. 5 cm bis
maximal 10 cm (Urk. HD 6/8 S. 11).
Im Kaliber 7.62 x 25 Tokarev wurden drei gezündete Patronenhülsen und zwei
Patronen vorgefunden. Ausser der einen Patrone im Kaliber 7.62 x 25 Tokarev -
diese lag auf der Tanzfläche im Musik-/Barbereich - wurden alle Munitionsteile in
diesem Kaliber im Spielraum gefunden. Es könnte bei den Schussabgaben des
Beschuldigten †B._ ebenfalls zu Lade- oder Zufuhrstörungen gekommen
sein. Bei der Behebung dieser Störungen dürften die beiden aufgefundenen
Patronen herausgefallen sein. Auch möglich ist, dass ein Schütze nach erfolgter
Schussabgabe eine zusätzliche (unnötige) Ladebewegung durchführt, obwohl die
Pistole automatisch nachgeladen hat. Dabei wird die bereits ins Patronenlager
zugeführte Patrone ausgeworfen. Beide Patronen weisen Lade- bzw.
Entladespuren auf, so dass feststeht, dass sie mindestens einmal in der Pistole
geladen waren (Urk. HD 6/8 S. 13 f.).
6.2.2.2. Selbstladepistole "Astra"
Bei der untersuchten Selbstladepistole "Astra", Kaliber 6.35 mm, handelt es sich
um eine umgebaute Schreckschusspistole im ursprünglichen Kaliber 8 mm Knall.
Sie hat eine Magazinkapazität von sechs Patronen und ein Abzugsgewicht
(Single Action) von ca. 4.8 bis 7 kg. Die Waffe weist einen Sicherungshebel auf.
Bei dieser Schreckschusswaffe wurde der zuvor geschlossene Lauf ausgebohrt
und eine Stahlhülse mit angedeuteten Feldern und Zügen (Innendurchmesser
ca. 6.5 mm) eingesetzt. Weil die Projektile wegen dieses etwas zu grossen
Laufdurchmessers nicht durch die Felder/Züge gepresst werden, gelangen sie
- 20 -
nach dem Verlassen des Laufes in eine instabile (taumelnde) Flugbahn oder
überschlagen sich schon nach kurzer Schussdistanz. Nach ca. 30 bis 50 cm
Schussdistanz schlagen die Projektile bereits quer ins Zielmedium ein. Durch den
etwas zu grossen Laufinnendurchmesser verlieren die Geschosse zusätzlich an
Energie, weil ein Teil des Gasdruckes neben dem Projektil durch den Lauf
verpufft. Mit der Selbstladepistole "Astra" und typengleicher Munition haben die
Gutachter aus zwei Distanzen (1 m und 2 m) gegen zwei Stoffausschnitte
geschossen. Die Gutachter schliessen aufgrund ihrer Untersuchung darauf, dass
das Projektil aus der "Astra" vor dem Eindringen in die Brust des Privatklägers
C._ vorgängig einen unbekannten Gegenstand oder ein anderes
Kleidungsstück durchschossen haben muss, wo es seinen anhaftenden
Schmauch abgestreift hatte (Urk. HD 6/8 S. 5, 8 und S. 11).
Aufgrund der aufgefundenen sechs gezündeten Patronenhülsen im Kaliber 6.35
mm (und der leeren Waffe) - alles im Musik-Bar-Bereich - schliessen die
Gutachter darauf, dass der Beschuldigte A._ mit seiner Waffe "Astra" sechs
Schüsse abgegeben hat. Die Reihenfolge der Schüsse konnte spurenkundlich
nicht ermittelt werden.
6.2.2.3. Verletzungspotential der verwendeten Waffen
Aufgrund der Erkenntnisse wurde der Privatkläger C._ durch zwei
Geschosse verletzt, und zwar aus der Pistole "Tokarev" vom Beschuldigten
†B._ (Rumpfdurchschuss) und aus der "Astra" vom Beschuldigten A._
(Einschuss in die Brust rechts) (Urk. HD 6/8 S. 15).
Für die Beurteilung, ob eine Waffe tödlich wirken kann, muss die
Verwundungsfähigkeit der verschiessbaren Munition bzw. deren Projektile
bekannt sein. Dafür ausschlaggebend sind erstrangig die getroffene Stelle und die
auf den Körper abgegebene kinetische Energie (abhängig von der
Geschossgeschwindigkeit sowie vom Geschossgewicht/-masse). Weitere
Faktoren wie Geschossmaterial, Geschossform und Geschossaufbau sind
ebenfalls mit zu berücksichtigen. Die Berechnung der Geschossenergie ergab (im
Mittel) bei der Waffe Tokarev 561 Joule. Die Berechnung der Geschossenergie
- 21 -
(E) ergab (im Mittel) bei der Waffe Astra 56 Joule. In der Schweiz wird weder von
einer massgebenden Fachstelle noch einer Waffengesetzgebung eine untere,
eventuell noch tödlich wirkende Energiegrösse angegeben. In der deutschen
Waffengesetzgebung, in welcher eine Mündungsenergie (= Energie an der
Waffenmündung) unter ca. 7.5 Joule als "relativ ungefährlich" und "nicht tödlich"
bezeichnet wurde, musste dieser untere Grenzwert aufgehoben werden, da auch
mit derart "energiearmen" Geschossen vereinzelt erhebliche Verletzungen und
sogar Todesfälle resultierten. Eine genaue Grenze kann nicht gezogen werden,
weil die im Körper getroffene Stelle (z.B. Kopf, Schlagader, Herz etc.) sowie die
Konstitution der getroffenen Person im Wesentlichen bestimmen, ob ein Projektil
tödlich wirkt oder nur verletzt. Mit den beiden untersuchten Waffen und
vergleichbarer Munition werden in jedem Fall weit grössere Mündungsenergien
erreicht als 7.5 Joule. Bei Kopf- und Rumpftreffern muss somit (mit beiden
Waffen) mit tödlichen Verletzungen gerechnet werden (Urk. HD 6/8 S. 8 f. und
14).
7. Beweiswürdigung
Die Vorinstanz hat die Beweismittel sowohl in objektiver (Urk. 122 S. 98 – 118) als
auch in subjektiver (Urk. 122 S. 118 – 127) Hinsicht einer ausführlichen,
sorgfältigen und kritischen Würdigung unterzogen, so dass sie mit
nachvollziehbarer und plausibler Begründung zum von ihr gefundenen
Beweisergebnis gelangt ist. Davon abzuweichen, besteht für das
Berufungsgericht kein Anlass. Es kann deshalb vorab auf die vorinstanzliche
Sachverhaltserstellung verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die
nachfolgenden Ausführungen sind in erster Linie als Hervorhebungen und
Ergänzungen zu verstehen:
7.1. Aufgrund der teilweise übereinstimmenden Aussagen der
Beschuldigten A._ und †B._ kann folgender chronologischer Ablauf bis
zum hier zur Diskussion stehenden Raubüberfall in der Nacht vom 15. auf den 16.
Oktober 2010 erstellt werden:
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7.1.1. Die Beschuldigten A._ und †B._ haben sich ca. eine Woche
bis zehn Tage vor dem 15. Oktober 2010 in einem Club in ... erstmals getroffen,
wobei sie aber nicht miteinander gesprochen haben wollen (Urk. HD 3/3 S. 1 f.,
Urk. HD 3/5 S. 2, Urk. HD 3/10 S. 2 [A._]; Urk. HD 3/4 S. 3, Urk. HD 3/5 S. 2
[†B._]). Der Nachweis einer gemeinsamen Entschlussfassung zum späteren
Raub zu diesem Zeitpunkt lässt sich nicht erbringen. Ein im Rahmen der
rückwirkenden Teilnehmeridentifikation für den 5. Oktober 2010 (15:44 Uhr)
festgestelltes Telefongespräch zwischen der von †B._ benützten
Mobiltelefon-Nummer 07. ... .. .. und der auf den Beschuldigten A._
registrierten Nummer 07. ... .. .. von sechs Sekunden Dauer ändert an diesem
Befund nichts (vgl. Urk. 5/1 Anhang S. 23). Am Vorabend der Tat, d.h. am 15.
Oktober 2010 gegen 21 Uhr wurde der Beschuldigte A._ von M._ (auch
genannt ... oder ...) angerufen und gefragt, ob er etwas trinken gehen möchte.
M._ hat in der Folge den Beschuldigten A._ abgeholt und sie haben
darauf gemeinsam den Beschuldigten †B._ in einem Lokal in der Gegend
des ... getroffen. Nacheinander verliessen dann M._ und der Beschuldigte
†B._ das Lokal, worauf sich der Beschuldigte A._ während ca. zwei
Stunden alleine im Lokal aufhielt. Nachdem der Beschuldigte †B._ und
M._ wieder zurückgekommen waren, blieben die drei bis ca. Mitternacht im
besagten Lokal. Danach gingen sie zur E._-Strasse, wo M._ sich von
den beiden Beschuldigten trennte. In den nun folgenden Stunden bis zur
Ausübung des heute zur Diskussion stehenden Raubüberfalls sprachen dann die
beiden Beschuldigten gemäss ihrer übereinstimmenden Darstellung das erste Mal
miteinander. Sie hielten sich in mehreren Lokalen auf, u.a. im Restaurant ... an
der E._-Strasse (Urk. HD 16/8 S. 5, Urk. HD 3/3 S. 1 ff., Urk. HD 3/5 S. 2, 5
und 10, Urk. HD 3/10 S. 2, Urk. HD 3/11 S. 6, Urk. HD 78 S. 9 [A._]; Urk. HD
3/4 S. 3, Urk. HD 3/5 S. 2, 4 und 5 [†B._]).
7.1.2. Bezüglich des Zeitpunktes, an dem der Beschuldigte A._ von der
Absicht †B._s erfuhr, einen Raubüberfall zu begehen, gehen die Angaben
der beiden Beschuldigten auseinander. Der Beschuldigte †B._ hat während
der gesamten Voruntersuchung gleichbleibend ausgesagt, dass sie vor dem
Raubüberfall während Stunden - von Mitternacht bis 03:00 Uhr - über den
- 23 -
geplanten Raubüberfall gesprochen hätten und dass er bei diesem Gespräch dem
Beschuldigten A._ angeboten habe, zu gehen. Der Beschuldigte A._ sei
zudem bereits von M._ im Voraus als Mittäter rekrutiert und informiert
worden (Urk. HD 3/4 S. 3, Urk. HD 3/5 S. 4, 6 f. und 12, Urk. HD 3/5 S. 6, Urk. HD
3/7 S. 2, Urk. HD 3/8 S. 4 f., Urk. HD 3/9 S. 3, Urk. HD 3/11 S. 5). Der
Beschuldigte A._ behauptete zusammengefasst, dass er den Beschuldigten
†B._ in der Zeit vor dem Überfall näher kennengelernt habe und sie
beabsichtigt hätten, gemeinsam Poker spielen zu gehen. Der Beschuldigte
†B._ habe ihn erst kurz vor Betreten der Bar "F._" in seine Pläne
eingeweiht (Urk. HD 16/8 S. 4 f., Urk. HD 3/3 S. 3, HD 3/8 S. 3, HD 78 S. 7). Die
diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigen A._ weisen gewisse
Widersprüche auf, so sagte er in der haftrichterlichen Einvernahme vom 18.
Oktober 2010 aus, †B._ habe ihm kurz vor betreten der Bar "F._"
gesagt, dass sie jetzt in dieser Bar einen Raubüberfall machen würden. Er habe
eine Schock gehabt, weil er das gar nicht habe machen wollen. Dann habe
jemand die Tür aufgemacht, sodann habe †B._ ihn am Arm gehalten und die
Treppe hinuntergezerrt. Er - A._ - sei vor †B._ hinuntergegangen, damit
er nicht habe abhauen können. Sie seien dann in einen Trocknungsraum gelangt,
wo †B._ ihm erzählt habe, was sie nun machen würden. Es sei dort
gewesen, wo †B._ ihn so angeschaut habe und ihm zu verstehen gegeben
habe, dass er entweder mitmachen könne oder "drunter" komme. Also sei er
mitgegangen. Er sei hinter †B._ gestanden und habe gewartet (Urk. HD 16.8
S. 5). In der polizeilichen Einvernahme vom 8. November 2010 sagte er aus, noch
draussen vor der Bar "F._" habe †B._ ihn gebeten, eine gelbe Tasche
zu tragen, wobei er nicht gewusst habe, was sich darin befand. Dann habe
†B._ ihn richtiggehend am Ärmel die Treppe hinuntergezogen. Dort seien sie
in einen Wäsche-Trocknungsraum gelangt. Er habe †B._ gefragt, was das
solle. Da erst habe dieser ihm gesagt, sie würden jetzt einen Überfall machen. Er
habe jedoch erwidert, dass er da nicht mitmachen würde, worauf der andere ihm
gesagt habe, dass er nun wisse, was beabsichtigt sei, weshalb er mitspielen
müsse. Plötzlich habe †B._ eine Waffe in der Hand gehalten und sie gegen
ihn gerichtet, weshalb A._ "höllische Angst" gehabt habe. Daraufhin habe
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†B._ ihm eine kleine Pistole übergeben und gesagt, dass es sich dabei nur
um eine Schreckschusspistole handle, was er geglaubt habe. Dann seien sie die
Treppe hinaufgegangen, wo sich der Club befand. Sie seien vor eine Tür
gestanden und der andere habe ihn immer noch am Ärmel festgehalten. Dann sei
die Tür aufgegangen und jemand sei heraus gekommen. Diesem habe †B._
sofort einen Fusstritt versetzt, wodurch der andere zu Boden gegangen sei.
†B._ sei dann mit der Waffe im Anschlag in das Lokal gestürmt. Er selber sei
hinter ihm hergegangen. Er - A._ - habe sich noch Fluchtgedanken gemacht,
jedoch habe er zu viel Angst gehabt und sei †B._ in das Lokal gefolgt (Urk.
3/3 S. 2). Diese Darstellung bestätigte er im Wesentlichen in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. November 2010, wobei er
abweichend schilderte, er sei neben oder leicht hinter †B._ die Treppe
hinuntergegangen. Ausserdem erwähnte er nicht mehr, dass er von †B._ am
Arm bzw. Ärmel festgehalten worden sei (Urk. HD 3/5 S. 7). Anlässlich der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung wiederholte der Beschuldigte A._, erst im
Trocknungsraum vom geplanten Überfall erfahren zu haben (Urk. HD 78 S. 13),
was er an der heutigen Berufungsverhandlung bestätigte (Prot. II S. 12 f.). Die
ersten beiden Aussagen des Beschuldigten A._ sind in sich widersprüchlich,
so sagte er in beiden Befragungen, er sei zunächst die Treppe hinuntergezerrt
worden, was aber bei einer erst später im Trocknungsraum erfolgten Information
über den geplanten Raubüberfall völlig unnötig gewesen wäre. Erst in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. November 2010 schilderte der
Beschuldigte A._ eine logische Abfolge des Abstiegs in den
Trocknungsraum. Das Aussageverhalten des Beschuldigten A._ erweckt den
Eindruck, dass er im Laufe der Untersuchung versucht hat, die Mitteilung des
geplanten Raubüberfalls auf einen Zeitpunkt zu verschieben, in welchem er sich
bereits im (geschlossenen) Trocknungsraum befand und damit keine
Fluchtgelegenheit mehr hatte. †B._ hat demgegenüber während der ganzen
Voruntersuchung daran festgehalten, dass sie vor dem Raubüberfall während
Stunden, d.h. von Mitternacht bis 03:00 Uhr über den geplante Raubüberfall
gesprochen hätten und dass er bei diesem Gespräch dem Beschuldigten A._
angeboten habe, zu gehen. Der Beschuldigte A._ sei zudem bereits von
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M._ im Voraus als Mittäter rekrutiert und informiert worden (Urk. HD 3/4 S. 3,
Urk. HD 3/5 S. 4, 6 f. und 12, Urk. HD 3/5 S. 6, Urk. HD 3/7 S. 2, Urk. HD 3/8 S. 4
f., Urk. HD 3/9 S. 3, Urk. HD 3/11 S. 5). Darüber, ob der Beschuldigte A._
tatsächlich schon Tage zuvor von M._ über den bevorstehenden
Raubüberfall informiert worden war, könnte einzig der in einem Gefängnis in der
Türkei inhaftierte M._ Auskunft geben. Es erscheint abgesehen davon
äusserst unwahrscheinlich, dass sich M._ selber durch eine entsprechende
Aussage dem Vorwurf einer Teilnahme am bewaffneten Raubüberfall aussetzen
würde. Diesbezügliche Weiterungen erscheinen deshalb nicht angezeigt.
Aufgrund der dargelegten Beweislage lässt sich somit nicht erstellen, dass der
Beschuldigte A._ bereits Tage zuvor über den bevorstehenden Raub
informiert war. Inwieweit ein Tatplan in den Stunden unmittelbar vor der Tat
zwischen dem Beschuldigten †B._ und dem Beschuldigten A._
besprochen wurde, lässt sich ebenfalls nicht rechtsgenügend erstellen. Vor dem
Hintergrund der Formulierung im Anklagevorwurf ("wie zuvor gemeinsam
besprochen und vereinbart") ist aufgrund der bisher dargelegten Zugaben des
Beschuldigten A._ nachgewiesen, dass dieser spätestens im
Trocknungsraum von †B._ vom bevorstehenden Raubüberfall erfahren hat
und sich entschlossen hat, daran teilzunehmen, zumal er zugab, dass sie sich
beide im Trocknungsraum mit den mitgebrachten Hauben maskiert hätten (Urk.
HD 3/5 S. 10; vgl. Urk. HD 2/5 S. 51).
7.1.3. Der Beschuldigte A._ machte geltend, im Trocknungsraum vom
Beschuldigten †B._ zur Teilnahme am Raub gezwungen worden zu sein.
Anlässlich der haftrichterlichen Einvernahme sprach A._ davon, dass
†B._ ihm zu verstehen gegeben habe, dass er es entweder mache oder
"drunter" komme (Urk. HD 16/8 S. 5). Erst im Rahmen der polizeilichen
Einvernahme vom 8. November 2010 sprach er von einer konkreten Bedrohung
seitens des Beschuldigten †B._ mit einer gegen ihn gerichteten Waffe (Urk.
HD 3/3 S. 2). An dieser Darstellung hielt der Beschuldigte A._ in der weiteren
Voruntersuchung und anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung fest (Urk.
HD 3/3 S. 5, Urk. HD 3/5 S. 8, Urk. HD 3/11 S. 4, Urk. HD 78 S. 13). Anlässlich
- 26 -
der heutigen Berufungsverhandlung machte er geltend, es habe "keine andere
Lösung" gegeben, um von dort wegzugehen. Er (gemeint †B._) habe ihm die
Waffe gezeigt. A._ führte aus, er könne nicht sagen, was passiert wäre,
wenn er gesagt hätte, er mache nicht mit und einfach gegangen wäre und machte
erst geltend, Angst gehabt zu haben, dass †B._ ihm etwas antue, nachdem
er dies vom Präsidenten gefragt worden war. Er ergänzte, †B._ habe ihm tief
in die Augen geschaut und gesagt, er müsse mitmachen (Prot. II S. 12). Die
Schilderung des Beschuldigter A._ hinsichtlich seiner behaupteten
Zwangssituation wirft Fragen auf. Zwar trifft die von der Vorinstanz gemachte
Feststellung, wonach der Beschuldigte A._ erst in der dritten Einvernahme
eine konkrete Bedrohungssituation geltend gemacht habe, nicht zu, da er bereits
in der polizeilichen Einvernahme vom 8. November 2010 eine entsprechende
Aussage zu Protokoll gab (Urk. HD 3/3 S. 2). Jedoch erscheint die Darstellung
inhaltlich weder plausibel noch situationsadäquat. Bereits der Umstand, dass der
einschlägig erfahrene †B._ spontan eine unerfahrene, zufällig ausgesuchte
und ihm unbekannte Person zur Teilnahme an einem bewaffneten Raubüberfall
gezwungen haben soll, erscheint höchst unwahrscheinlich. Denn bei einem
solchen Vorhaben ist die gegenseitige Absicherung von wesentlicher Bedeutung.
Derjenige Täter, der auf mehrere Geschädigte einwirkt und sie in Schach halten
will, muss sich darauf verlassen können, dass sein Mittäter ihm den Rücken
freihält. Es ist kaum vorstellbar, dass der Beschuldigte †B._, der bereits in
der Vergangenheit an mehreren Raubüberfällen mitgewirkt hat (vgl. Urk. HD
21/6), sich auf einen genötigten Mittäter verlässt, der jederzeit flüchten und
dadurch den Durchführungserfolg gefährden könnte, wobei er diesem Mittäter
auch noch eine Schusswaffe abgibt. Zu Recht führte die Vorinstanz aus, dass
man als Täter mit einem genötigten Partner sozusagen gleich an zwei Fronten
kämpfen würde. Nebst der Ungewissheit bezüglich des Verhaltens der Raubopfer
bestünde insbesondere bei Problemen die Gefahr, dass einem der genötigte
Partner in den Rücken fällt. Entsprechend den Aussagen der Geschädigten trat
A._ indessen zusammen mit †B._ als Team auf. A._ hat sich nicht
so verhalten, als wäre er Teilnehmer wider Willen. Spätestens nach der
Schussabgabe durch †B._ auf C._ hätte sich ein unwilliger Mittäter von
- 27 -
der weiteren Tatbegehung distanziert, zumal dies von den räumlichen
Gegebenheiten ohne Weiteres möglich erschien. Gemäss den
übereinstimmenden Aussagen der Beschuldigten A._ und †B._ haben
sie die Bar "F._" gegen 04:00 Uhr durch die Eingangstür betreten. Dabei
ging der Beschuldigte †B._ voraus und der Beschuldigte A._ folgte ihm
(Urk. HD 3/5 S. 9 und 11, Urk. HD 3/8 S. 4, Urk. HD 3/11 S. 7 [†B._]; Urk.
HD 3/3 S. 2, Urk. HD 3/5 S. 9, Urk. HD 3/8 S. 3 f., Urk. HD 3/11 S. 6, Urk. HD 78
S. 10 [A._]). Der Beschuldigte †B._ kehrte dabei dem Beschuldigten
A._ den Rücken zu, musste sich in diesem Zeitpunkt auf die Szene vor sich
im Lokal konzentrieren und konnte nicht gleichzeitig hinter sich schauen, ob der
Beschuldigte A._ ihm folgen würde. Der Beschuldigte A._ hat selbst
zugegeben, dass er, kurz bevor sie hinein seien, hätte stehen bleiben können.
Jetzt im Nachhinein, wenn man ihn frage, ob er nicht hätte hinauslaufen können,
müsse er sagen, er hätte das gekonnt, aber in dieser Situation, in der er gewesen
sei, und bei seiner Psyche, die er gehabt habe, sei es für ihn nicht möglich
gewesen, zu gehen (Urk. HD 78 S. 13 f.). Somit ist erstellt, dass beim Betreten
der Bar "F._" keine vom Beschuldigten †B._ geschaffene Zwangs- oder
Bedrohungssituation für den Beschuldigten A._ bestand. Wenn A._
nicht hätte am Überfall teilnehmen wollen, hätte er einfach umkehren können. Er
aber folgte †B._ mit der Waffe in der Hand. Hätte †B._ seinen Mittäter
zur Teilnahme gezwungen und ihm eine geladene Waffe übergeben, hätte er
niemals zugelassen, dass A._ damit hinter ihm war. Die Behauptung einer
Zwangs- und Bedrohungssituation erscheint unter den gegebenen Umständen als
geradezu abwegig.
7.2. Aus den übereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten geht hervor,
dass beide Beschuldigten maskiert und bewaffnet waren (Urk. HD 3/2 S. 2, Urk.
HD 3/4 S. 6, Urk. HD 3/5 S. 5, Urk. HD 3/8 S. 3, Urk. HD 3/11 S. 7 [†B._];
Urk. HD 3/5 S. 10, Urk. HD 3/8 S. 4, Urk. HD 3/11 S. 6, Urk. HD 8 S. 8 [A._];
Urk. HD 4/1/3 S. 3 und 5 [G._]; Urk. HD 4/2/2 S. 3 f. [H._]; Urk. HD 4/3/2
S. 3 [I._]; Urk. HD 4/6/2 S. 2 [C._]; Urk. HD 4/7/2 S. 3 [J._]; Urk.
HD 4/5/1 S. 2 [L._]; Urk. HD 4/4/2 S. 4 [D._]; Urk. HD 4/8/1 S. 6 und 8
[K._]). Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte †B._ mit der Pistole
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der Marke "Tokarev" und der Beschuldigte A._ mit der Pistole der Marke
"Astra" bewaffnet waren. Es ist bereits an dieser Stelle festzuhalten, dass die
verwendeten Pistolen echte und funktionstüchtige Schusswaffen waren (vgl. Urk.
HD 6/8 [Gutachten des Forensischen Instituts Zürich vom 30. Mai 2011]).
7.2.1. Der Beschuldigte A._ machte geltend, dass er die von ihm beim
Überfall verwendete Waffe vom Beschuldigten †B._ kurz vor der Verübung
der Raubtat erhalten habe und dass der Beschuldigte †B._ gesagt habe, es
handle sich nur um eine Schreckschuss-Pistole, mithin nicht um eine echte
Schusswaffe (Urk. HD 3/1 S. 5, Urk. HD 16/8 S. 4, Urk. HD 3/3 S. 2 und 4, Urk.
HD 3/5 S. 5, 8 und 12, Urk. HD 3/7 S. 3, Urk. HD 3/8 S. 3, Urk. HD 3/10 S. 4, Urk.
HD 3/11 S. 4 und 6, Urk. HD 78 S. 8, Prot. II S. 11). Diese Aussagen wurden vom
Beschuldigten †B._ bestritten (Urk. HD 3/2 S. 2, Urk. HD 3/4 S. 7, Urk. HD
3/5 S. 4 f., Urk. HD 3/7 S. 3). Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten
†B._ im Rahmen der Konfrontationseinvernahme vom 26. November 2010,
wonach der Beschuldigte A._ ihn an jenem Abend "nach dieser Waffe
gefragt" habe (Urk. HD 3/5 S. 8), drängt sich der Schluss auf, dass der
Beschuldigte A._ selbst über keine Schusswaffe verfügte und diese vom
Beschuldigten †B._ erhalten hat. Weitere Indizien für diesen Umstand sind
einerseits die Tatsache, dass der Beschuldigte †B._ nach eigener Zugabe
die Masken, d.h. die Helmunterziehhauben, besorgt hat (Urk. HD 3/11 S. 5) und
andererseits, dass sich im gelben Plastiksack von †B._ ein Brecheisen
befand (vgl. Urk. HD 3/5 S. 6). Schliesslich ist es naheliegend, dass der
Beschuldigte A._, der sich erst am Tattag zur Begehung des Raubüberfalls
entschloss, die zur Begehung eines bewaffneten Raubüberfalles erforderlichen
Utensilien nicht einfach so zufällig auf sich trug. Damit ist davon auszugehen,
dass der Beschuldigte †B._ dem Beschuldigten A._ die Waffe "Astra" im
Trocknungsraum übergeben hat. Dagegen erscheint es nicht plausibel, dass der
Beschuldigte †B._ dem Beschuldigten A._ auch noch gesagt haben soll,
es handle sich bei dieser Waffe lediglich um eine Schreckschusspistole. Ein
Grund für eine solche Fehlinformation seitens des Beschuldigten †B._ ist
nicht ersichtlich. Mit einer solchen falschen Angabe hätte sich †B._ nicht
zuletzt selber in Gefahr gebracht, indem A._ eine vermeintliche
- 29 -
Schreckschusspistole wohl mit wesentlich weniger Hemmungen zum Einsatz
gebracht hätte, z.B. um Warnschüsse abzugeben, als bei einer richtige Pistole.
Abgesehen davon erscheint es auch lebensfremd, dass sich A._ selber in
keiner Weise mit der Funktion und Beschaffenheit der ihm übergebenen Waffe
befasst haben soll. Er musste festgestellt haben, dass er zwar eine kleine, aber
massiv gebaute, geladene und funktionstaugliche Pistole in den Händen hielt (vgl.
asservierte Pistole "Astra"). Die Aussage von A._, wonach ihm †B._
gesagt habe, bei der ihm übergebenen Pistole handle es sich nur um eine
Schreckschusspistole, muss demzufolge als Schutzbehauptung bezeichnet
werden. Ausserdem ist aufgrund des darauffolgenden Tatablaufes erstellt, dass
beide Pistolen geladen und schussbereit waren, zumal die Beschuldigten und
insbesondere der Beschuldigte A._ nach eigenen Angaben vor den
Schussabgaben keine Manipulationen an der Waffe vornahmen (Urk. 78 S. 8).
7.2.2. Anhand der übereinstimmenden Aussagen der Beschuldigten und der
Zeugen ist ferner erstellt, dass der Beschuldigte †B._ den Spielraum betrat
und sofort einen Schuss in die Decke abgab (Urk. HD 3/4 S. 4 und 7, Urk. HD 3/5
S. 11, Urk. HD 3/8 S. 4, Urk. HD 3/9 S. 3, Urk. HD 3/11 S. 7 [†B._]; Urk. HD
3/3 S. 2 und 4, Urk. HD 3/5 S. 9, Urk. HD 3/8 S. 4, Urk. HD 3/11 S. 6, Urk. HD 78
S. 9 [A._]; Urk. HD 4/2/1 S. 2 [H._]; Urk. HD 4/6/2 S. 6 [C._]; Urk.
HD 4/7/1 S. 2, Urk. HD 4/7/2 S. 3 [J._]; Urk. HD 4/4/1 S. 2 [D._]; Urk.
HD 4/5/1 S. 3 [L._]). Dieser Schuss verursachte ein Loch in der Decke des
Spielraums, das auf den Bildern Nr. 11 und 12 der Kurzdokumentation (Urk.
HD 2/1) ersichtlich ist (vgl. auch Urk. HD 6/8 S. 13). In der Folge wurden die dort
am Pokertisch sitzenden Personen vom Beschuldigten †B._ angewiesen,
alle ihre Wertsachen auf den Tisch zu legen und sich an die Wand in der linken
Ecke des Raumes zu stellen (Urk. HD 3/8 S. 4, Urk. HD 3/11 S. 7, Urk. HD 3/3 S.
2, Urk. HD 3/5 S. 9 f., Urk. HD 3/8 S. 4, Urk. HD 3/11 S. 7, Urk. HD 78 S. 9
[A._]; Urk. HD 4/1/3 S. 4 [G._]; Urk. HD 4/2/1 S. 2 [H._]; Urk. HD
4/3/1 S. 1, Urk. HD 4/3/2 S. 4 [I._]; Urk. HD 4/4/1 S. 2, Urk. HD 4/4/2 S. 4
[D._]; Urk. HD 4/7/1 S. 2 f., Urk. HD 4/7/2 S. 3 f. [J._]; Urk. HD 4/6/1 S.
3 [C._]; Urk. HD 4/8/1 S. 6 und 9 [K._]). Derweil befand sich der
Beschuldigte A._ im Bereich zwischen der Verbindungstür zum Spielraum.
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Von dort aus richtete er die Waffe auf die anwesenden Personen und hielt diese
dadurch in Schach (Urk. HD 3/5 S. 11, Urk. HD 3/8 S. 4, Urk. HD 3/11 S. 7
[†B._]; Urk. HD 3/8 S. 4, Urk. HD 3/11 S. 6 ff., Urk. HD 78 S. 9 [A._];
Urk. HD 4/1/1 S. 3, Urk. HD 4/1/3 S. 4 [G._]; Urk. HD 4/2/1 S. 2, Urk. HD
4/2/2 S. 6 [H._]; Urk. HD 4/3/2 S. 4 [I._]; Urk. HD 4/4/2 S. 4 [D._];
Urk. HD 4/6/2 S. 3 und 4 [C._]; Urk. HD 4/7/1 S. 3 [J._]; Urk. HD 4/5/1
S. 2 ff. [L._]). Er gab †B._ Rückendeckung, unterstütze ihn, auch
nachdem er wahrgenommen hatte, dass †B._ im Lokal geschossen hatte.
Festzuhalten ist, dass keiner der Zeugen davon sprach, dass der Beschuldigte
A._ - wie er selber behauptet (Urk. HD 3/3 S. 2 f.) - vom Beschuldigten
†B._ dazu aufgefordert werden musste, seine Waffe hochzuhalten. Diese
Behauptung erscheint auch deswegen nicht überzeugend, weil der Beschuldigte
†B._ mit dem Ausrauben der Gäste beschäftigt war und diesen mit
Sicherheit nicht den Rücken zugekehrt hat, um den Beschuldigten A._ zu
kontrollieren. Gerade in dieser Phase war die Sicherungsarbeit durch A._ für
†B._ sehr wesentlich, weil sich †B._ sehr nahe bei den Opfern befand
und A._ aus Distanz die Situation unter Kontrolle hielt. Erneut zeigt sich in
diesem Zusammenhang, dass für die Behauptung A._s, er sei unter Zwang
gestanden, keinerlei Anhaltspunkte aus dem Tathergang ersichtlich sind, sagten
doch alle Zeugen klar aus, vom Beschuldigten A._ mit der Waffe in Schach
gehalten worden zu sein (Urk. HD 4/1/1 S. 2; Urk. HD 4/1/3 S. 5 f. [G._]; Urk.
HD 4/3/1 S. 3 und 4/3/2 S. 5 [I._]; Urk. HD 4/4/2 S. 4 [D._]; Urk. HD
4/7/2 S. 5 [J._]; Urk. HD 4/6/2 S. 6 [C._]).
7.2.3. In der Anklageschrift wird behauptet, dass der Beschuldigte A._
nicht nur die Geschädigten mit der Waffe in Schach hielt, sondern den
Geschädigten auch Wertsachen abgenommen habe (Urk. HD 29 S. 4). Diesen
Vorwurf bestritt A._ anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
explizit, nachdem er im Rahmen der Schlusseinvernahme vom 24. Januar 2012
keine Einwände gegen die in Anklageform vorgehaltenen
Sachverhaltsumschreibung geäussert hatte (Urk. HD 3/11 S. 7). Die
Staatsanwaltschaft stützte diesen Vorwurf einzig auf die Aussage des
Privatklägers C._, während ansonsten keiner der Zeugen einen solchen
- 31 -
Vorgang erwähnte. Die Vorinstanz hat mit überzeugender Argumentation diesen
Vorwurf als wenig wahrscheinlich erachtet und die Frage letztlich offengelassen,
ob der Beschuldigte A._ tatsächlich auch selber Wertsachen behändigt habe,
weil dies letztlich für die Beurteilung der Strafbarkeit des Beschuldigten A._
nicht weiter relevant sei (Urk. 122 S. 107 f.). Diesem Befund ist beizupflichten,
weshalb auf die entsprechenden Ausführungen in den vorinstanzlichen
Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 122 S. 107 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
7.2.4. Bezüglich der weiteren Tathandlungen des Beschuldigten †B._ in
dieser Phase des Raubüberfalles machte die Vorinstanz ausführliche
Erwägungen und kam aufgrund ihrer Beweiswürdigung zum Ergebnis, dass der
Anklagesachverhalt insofern erstellt sei, als †B._ im Spielraum einmal neben
sich in den Boden schoss und daraufhin auf den Privatkläger C._, der sich
†B._ genähert habe, aus einer sehr kurzen Distanz von unter 20 cm einen
Schuss abgab, wodurch C._ einen Durchschuss seines Oberkörpers mit
Einschuss an der Flanke im Bereich des Rückens und Ausschuss oberhalb der
Gesässmuskulatur rechts erlitt, wobei es zur Zertrümmerung eines
Wirbelfortsatzes im Bereich des 5. Lendenwirbelkörpers sowie im Bereich der
Darmschaufel kam. Aufgrund von Aussagen der Zeugen I._, G._,
L._ und J._ sei der Schuss in den Boden erst erfolgt, nachdem sich der
Privatkläger C._ ein erstes Mal dem Beschuldigten †B._ genähert habe
und von diesem zurückgestossen worden sei (Urk. HD 4/3/1 S. 1, Urk. HD 4/3/2
S. 4, Urk. HD 4/1/1 S. 3, Urk. HD 4/1/3 S. 4, Urk. HD 4/5/1 S. 2, Urk. HD 4/7/1 S.
3, Urk. HD 4/7/2 S. 4). Diese Version weicht leicht von der Umschreibung im
Anklagesachverhalt ab, wonach der Schuss in den Boden bereits vor der
Annäherung durch C._ erfolgt sei (Urk. HD 29 S. 4). Es erscheint durchaus
plausibel, dass der Beschuldigte †B._ den Schuss in den Boden als
Warnschuss für den Privatkläger C._ abgegeben hat, damit sich dieser nicht
weiter nähere. Jedoch kann die Frage, weshalb und in welchem Zeitpunkt genau
der Schuss in den Boden erfolgte, letztlich offen bleiben, weil im vorliegenden
Zusammenhang einzig wesentlich ist, dass †B._ einen Schuss gegen den
Oberkörper des Privatklägers C._ abgab, wodurch dieser getroffen wurde
und zu Boden fiel, wobei er die bereits genannten Verletzungen erlitt. Denn es
- 32 -
darf im vorliegenden Verfahren nicht aus den Augen verloren werden, dass es
ausschliesslich um die Beurteilung des Verhaltens des Beschuldigen A._
geht, bzw. auch darum, was ihm von den Handlungen †B._s allenfalls
anzurechnen ist. Hierfür ist primär massgeblich, was der Beschuldigte A._
vom Verhalten †B._s alles mitbekommen hat. Aufgrund seiner eigenen
Zugabe hat A._ gesehen, dass der Privatkläger C._ nach der
Schussabgabe durch †B._ zu Boden ging. Er selber gab in der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung zu Protokoll, dass er damals gedacht habe,
dass †B._ einen grossen Fehler gemacht habe (Urk. 78 S. 10). Nachdem er
getroffen worden war, habe sich der Privatkläger C._ gemäss eigenen
Angaben nicht mehr bewegen können, habe Schmerzen gehabt und sei zwischen
zwei und drei Minuten auf dem Boden gelegen (Urk. HD 4/6/1 S. 3, Urk. HD 4/6/2
S. 2 und 4). Dies wurde von mehreren Zeugen bestätigt (Urk. HD 4/2/2 S. 4
[H._]; Urk. HD 4/1/3 S. 4 [G._]; Urk. 4/7/1 [J._]). Somit ist erstellt,
dass der Beschuldigte A._ mitbekam, dass †B._ auf den Privatkläger
C._ schoss und dass dieser getroffen zu Boden ging und einige Minuten
liegen blieb. Festzuhalten bleibt, dass A._ trotz dieser offensichtlichen
Eskalation der Situation sich weiterhin an den folgenden Tathandlungen beteiligte,
nachdem †B._ die Situation wieder beherrschte und C._ verletzt am
Boden lag. Die ersten beiden Abschnitte des Anklagesachverhaltes sind somit
rechtsgenügend erstellt, soweit sie für die rechtliche Würdigung der
Tathandlungen des Beschuldigten A._ relevant sind.
7.2.5. Gemäss den übereinstimmenden Zeugenaussagen haben die
Geschädigten ihre Wertsachen entsprechend der Aufforderung des Beschuldigten
†B._ auf dem Spieltisch deponiert. Darauf wurden sie vom Beschuldigten
†B._ angewiesen, das Lokal durch den Eingang zu verlassen und in die
Toilette zu gehen (Urk. HD 4/1/1 S. 3 f., Urk. HD 4/1/3 S. 4 [G._]; Urk. HD
4/2/1 S. 2, Urk. HD 4/2/2 S. 4 [H._]; Urk. HD 4/3/1 S. 1 f., Urk. HD 4/3/2 S. 4
[I._]; Urk. HD 4/4/1 S. 2, Urk. HD 4/4/2 S. 5 [D._]; Urk. HD 4/5/1 S. 2;
Urk. HD 4/5/2 S. 2 und 5 [L._]; Urk. HD 4/6/1 S. 3, Urk. HD 4/6/2 S. 2
[C._]; Urk. HD 4/7/1 S. 3, Urk. HD 4/7/2 S. 4 [J._]; Urk. HD 4/8/1 S. 6
- 33 -
und 9 [K._]). Offenbar konnten einige der Anwesenden darauf flüchten (Urk.
HD 4/8/1 S. 6 und 9, Urk. HD 4/8/2 S. 3 [K._]).
7.2.6. Der angeschossene Privatkläger C._, der sich zwischenzeitlich
wieder vom Boden erhoben hatte, schilderte eindrücklich, dass er als Letzter in
Richtung WC gegangen sei und den beiden Beschuldigten die Tür vor der Nase
habe schliessen wollen, welche jedoch mit einem Keil gesichert gewesen sei. Er
habe Angst gehabt und sich die schlimmsten Sachen vorgestellt. Er habe dann
seinem Kollegen einen Wink gegeben, um ihm zu verstehen zu geben, dass sie
auf die beiden losgehen würden. Er sei darauf auf den Beschuldigten †B._
losgegangen und sie seien beide zu Boden gestürzt (Urk. HD 4/6/1 S. 3 f., Urk.
HD 4/6/2 S. 2 und 5). Es ist auf die glaubhaften Aussagen des Privatklägers
C._ abzustellen, da sie mit den Aussagen weiterer Zeugen, wonach der
Privatkläger C._ den Beschuldigten †B._ angegriffen und diesen zu
Boden gedrückt habe (Urk. HD 4/1/1 S. 4, Urk. HD 4/1/3 S. 4 [G._]; Urk. HD
4/2/1 S. 2 f., Urk. HD 4/2/2 S. 5 [H._]; Urk. HD 4/3/1 S. 2, Urk. HD 4/3/2 S. 4
[I._]; Urk. HD 4/4/2 S. 5 [D._]; Urk. HD 4/5/1 S. 2, Urk. HD 4/5/2 S. 5
[L._]; Urk. HD 4/7/2 S. 4 [J._]), ein einheitliches Bild der Geschehnisse
ergeben. Der Beschuldigte A._ sprach pauschal, aber gleichbleibend davon,
dass es zu einem Gerangel (Urk. HD 3/3 S. 3) bzw. einer „Karambolage“ (Urk. HD
3/5 S. 10 und 12) zwischen †B._ und C._ gekommen sei (Urk. HD 78
S. 10). Was genau abgegangen sei, habe er nicht genau sehen können (Urk. HD
3/5 S. 12; Urk. HD 78 S. 11). Dies lässt sich damit erklären, dass unmittelbar
darauf - wie aus den übereinstimmenden Zeugenaussagen hervorgeht - mehrere
Geschädigte dem Privatkläger C._ zu Hilfe kamen, sich auf den
Beschuldigten †B._ stürzten und Barhocker und Flaschen gegen den
Beschuldigten A._ warfen (Urk. HD 4/1/1 S. 4, Urk. HD 4/1/3 S. 4 [G._];
Urk. HD 4/2/1 S. 3, Urk. HD 4/2/2 S. 5 f. [H._]; Urk. HD 4/3/1 S. 2, Urk. HD
4/3/2 S. 4 [I._]; Urk. HD 4/4/1 S. 3, Urk. HD 4/4/2 S. 5 [D._]; Urk. HD
4/5/1 S. 2, Urk. HD 4/5/2 S. 5 [L._]; Urk. HD 4/6/1 S. 3, Urk. HD 4/6/2 S. 3
[C._]; Urk. HD 4/7/1 S. 3, Urk. HD 4/7/2 S. 4 [J._]).
- 34 -
7.3. Gemäss Anklageschrift habe der Beschuldigte A._ in dieser
Phase des Geschehens, d.h. als der Privatkläger C._ den Beschuldigten
†B._ tätlich angriff, einen Schuss in Richtung des Privatklägers C._
abgefeuert, welcher C._ im Bereich unterhalb des mittleren Rippenbogens
getroffen habe, wobei das Projektil vor dem Bauchfell stecken geblieben sei. In
der Folge habe der Beschuldigte †B._ versucht, erneut mit der von ihm
benutzten Waffe zu schiessen, was allerdings nicht möglich gewesen sei, da die
Waffe blockiert habe (Urk. 122 S. 4). Dies sei von einzelnen Geschädigten
bemerkt und dazu benutzt worden, um die beiden Beschuldigten anzugreifen,
worauf der Beschuldigte A._ weitere der von ihm insgesamt sechs
abgegebene Schüsse abgefeuert habe, wobei er sich dabei in die hintere rechte
Seite des Lokals begeben habe. Unter anderem feuerte der Beschuldigte A._
einen Schuss gegen die Decke ab, sowie einen Schuss dicht am Kopf des
Geschädigten G._ vorbei von der rechten Seite des Barbereiches aus in
Richtung des DJ-Pultes (Urk. 122 S. 5).
7.3.1. Der Beschuldigte A._ gab in der Untersuchung
zusammengefasst an, immer nach hinten gelaufen zu sein und einmal gegen die
Decke sowie einmal nach rechts und einmal nach links geschossen zu haben,
wobei er bewusst neben den Leuten vorbeigezielt bzw. nie mit der Waffe auf eine
Person gezielt und geschossen habe (Urk. HD 3/3 S. 3 ff., Urk. HD 3/5 S. 10 und
12, Urk. HD 3/10 S. 4, Urk. HD 3/11 S. 10, Urk. HD 78 S. 7, 10 und 12).
Anlässlich der Hauptverhandlung wiederholte der Beschuldigte A._ seine
bisherige Schilderung, wobei er bestätigte, dass er wild um sich gefeuert habe,
bis die Waffe ausgeschossen gewesen sei. Ferner gab er zum angeklagten
Schuss gegen den Geschädigten G._ an, dass er diesen am Anfang gar
nicht gesehen habe. Nachdem er nach rechts geschossen und die Bewegung
gemacht habe, um auf die linke Seite zu schiessen, habe er jemanden auf sich
"zu gumpen" sehen (Urk. HD 78 S. 11 f.).
7.3.2. Gemäss Gutachten des Forensischen Instituts Zürich vom 30. Mai
2011 ist erstellt, dass der Beschuldigte A._ mit der Waffe der Marke "Astra"
sechs Schüsse abgefeuert hat (Urk. HD 6/8 S. 13). Aufgrund der
- 35 -
übereinstimmenden Zeugenaussagen ergibt sich, dass der Beschuldigte A._
erstmals in dieser Phase geschossen hat, womit die sechs von ihm abgegebenen
Schüsse in dieser zweiten Phase, d.h. nachdem der Beschuldigte †B._ vom
Privatkläger C._ tätlich angegriffen worden war, abgegeben worden sein
müssen.
7.3.3. Der Privatkläger C._ führte aus, dass der Beschuldigte A._,
als er (C._) sich auf den Beschuldigten †B._ gestürzt habe, auf ihn
geschossen habe (Urk. HD 4/6/1 S. 4, Urk. HD 4/6/2 S. 5 f.). Gemäss Aussagen
des Zeugen G._ sei der Beschuldigte A._, als der Privatkläger C._
und der Beschuldigte †B._ am Boden gelegen hätten, 2 bis 3 m
zurückgegangen, habe seine Waffe gegen die Gäste gerichtet und geschossen,
wobei er klar gegen die Körper der Gäste gezielt habe. Der Beschuldigte A._
sei dann ganz nach hinten gelaufen. Er (G._) habe dann einen Stuhl
genommen und den Beschuldigten A._ zusammen mit Kollegen attackiert.
Der Beschuldigte A._ habe noch ein paar Mal geschossen. Der letzte Schuss
sei gegen ihn (G._) gegangen, gegen sein Gesicht. Der Beschuldigte
A._ habe die Waffe auf ihn gehalten und auf ihn geschossen. Er habe den
Knall gesehen, wie "es" explodiert sei. Der Beschuldigte A._ habe dann
versucht, zu flüchten, und jemand habe A._ zu Boden gebracht (Urk. HD
4/1/1 S. 3 f., Urk. HD 4/1/3 S. 4 f.). Der Zeuge H._ sagte aus, dass der
Beschuldigte A._ bei der Bar links nach dem Eingang gestanden und wild um
sich geschossen habe. Dabei habe dieser die Pistole auf die Leute gerichtet.
Nach jedem Schuss habe der Beschuldigte A._ die Schussrichtung geändert.
Er habe angefangen, vielleicht aus Angst, weil er alle Leute gesehen habe und
weil der Beschuldigte †B._ geschlagen worden sei, auf die Seite zu
schiessen. Er (H._) habe einen Stuhl genommen und mit diesem gegen den
Beschuldigten A._ geschlagen. Auf ihn habe A._ nicht direkt
geschossen, dieser habe immer auf die Seite geschossen. Der Beschuldigte
A._ habe weg bzw. raus wollen. Die anderen Leute seien hinter ihm her
gewesen und er (H._) habe mit der Kasse auf dessen Gesicht geschlagen
(Urk. HD 4/2/1 S. 1 ff., Urk. HD 4/2/2 S. 4 ff.). Der Zeuge D._ bestätigte
ebenfalls, dass der Beschuldigte A._ weiter hinten vor der Bar gewesen sei
- 36 -
und in Richtung Treppenhaus geschossen habe. Am Anfang, als er (D._)
hereingekommen und zur Bar gegangen sei, habe er gesehen, wie der
Beschuldigte A._ eher auf ihn und ein bis zwei Personen neben ihm die
Waffe gerichtet habe. Sie hätten alles geworfen, was ihnen in die Hände gefallen
sei, und der Beschuldigte A._ sei auch mehrmals getroffen worden.
Irgendwann sei dieser so getroffen worden, dass er weiter nach vorne gegangen
und Richtung Ausgang gerannt sei. Die Gäste hätten mit Stühlen auf diesen
eingeschlagen, bis er zu Boden gefallen sei (Urk. HD 4/4/1 S. 2 f., Urk. HD 4/4/2
S. 5). Der Zeuge J._ führte aus, als die Leute den Beschuldigten †B._
zu Boden gedrückt hätten, sei der Beschuldigte A._ in den hinteren Teil der
Bar geflüchtet. Von dort aus habe dieser mehrfach auf sie alle geschossen. Es
könne sein, dass der Beschuldigte A._ Angst gehabt habe, weil die Leute auf
ihn losgegangen seien. Der Beschuldigte A._ habe vorher gar nichts
gemacht, er sei die ganze Zeit hinten gewesen (Urk. HD 4/7/1 S. 4, Urk. HD 4/7/2
S. 3 ff.). Der Zeuge I._ gab an, dass der Beschuldigte A._ im
Barbereich, bei den Barhockern, gestanden habe, als er dem Beschuldigten
†B._ habe helfen wollen. Zuerst habe der Beschuldigte A._ die
angreifenden Kunden geschlagen und noch nicht geschossen. Erst als alle
Kunden mit Stühlen etc. beide Beschuldigten abgewehrt hätten, sei der
Beschuldigte A._ in Richtung Theke zurückgerannt und habe dabei
mindestens drei bis vier Mal in ihre Richtung bzw. gerade auf die Leute
geschossen. Es habe viele Leute gehabt. Der Beschuldigte A._ sei in Panik
gewesen, weil die anderen ihn beworfen hätten und der Beschuldigte †B._
am Boden gewesen sei. Der Beschuldigte A._ habe aus Panik einfach
gerade auf alle geschossen (Urk. HD 4/3/1 S. 1 f., Urk. HD 4/3/2 S. 4 ff.). Der
Zeuge L._ sagte aus, dass der Beschuldigte A._ aus dem Club habe
flüchten wollen. A._ sei aber am Ende der Bar gewesen und der Ausgang sei
versperrt gewesen. Er (L._) habe zwei Stühle und auch eine Cola-Flasche
zur Hand genommen und sie gegen den Beschuldigten A._ geworfen. Dann
habe der Beschuldigte A._ ca. drei bis vier Mal auf ihn geschossen. Der
Beschuldigte A._ habe gerade auf ihn zu geschossen, wobei er ca. 3 bis 4 m
- 37 -
vor ihm gestanden sei. Er habe ja die Stühle gegen den Beschuldigten A._
geworfen und dieser habe sich wehren wollen (Urk. HD 4/5/1 S. 2 und 4).
Die zitierten Aussagen der verschiedenen Zeugen sind nachvollziehbar und in
den wesentlichen Punkten übereinstimmend. Sie ergeben ein plausibles und
einheitliches Bild. Zudem ist nicht ersichtlich, dass die Zeugen den Beschuldigten
A._ zu Unrecht belastet hätten, dass er die Waffe auf sie gerichtet und auf
sie geschossen habe. Dies umso weniger, als ein Teil der Zeugen dem
Beschuldigten A._ sogar zugestanden hat, dass er sich habe wehren wollen
und in Panik geraten sei. Was den Privatkläger C._ betrifft, so ist durch den
ärztlichen Befund der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals Zürich vom
22. November 2010 (Urk. HD 8/6 S. 1) sowie durch das Gutachten zur
körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich
vom 13. Dezember 2010 (Urk. HD 8/7 S. 2) belegt, dass ein Projektil aus der
Waffe des Beschuldigten A._ den Privatkläger C._ im Bereich unterhalb
des mittleren Rippenbogens getroffen hat, wobei das Projektil vor dem Bauchfell
stecken blieb. Anzumerken ist, dass gemäss Gutachten des Forensischen
Instituts Zürich vom 30. Mai 2011 dieser Schuss den Privatkläger C._ traf,
nachdem das Projektil zuerst einen unbekannten Gegenstand oder ein anderes
Kleidungsstück, durchschossen hatte (Urk. HD 6/8 S. 11). Dagegen handelte es
sich nicht um einen Abpraller, da bei einem solchen das Projektil hätte deformiert
sein müssen, was nicht der Fall war.
7.3.4. Gemäss Anklageschrift versuchte der Beschuldigte †B._ in
dieser Phase erneut, mit der von ihm benutzten Waffe zu schiessen, was
allerdings nicht möglich gewesen sei, da die Waffe blockiert habe (Urk. 122 S. 4).
Die Funktionsstörung der Waffe des Beschuldigten †B._ wurde tatsächlich
von mehreren Zeugen wahrgenommen, allerdings schon zu einem früheren
Zeitpunkt (Urk. HD 4/1/3 S. 4 [G._]; Urk. HD 4/3/2 S. 5 [I._]; Urk.
HD 4/7/1 S. 3 [J._]). Keiner der Zeugen sprach jedoch davon, dass der
Beschuldigte †B._ in der zweiten Phase zu schiessen versucht habe (Urk.
HD 4/1/1 S. 4, Urk. HD 4/1/3 S. 4 [G._]; Urk. HD 4/2/1 S. 3, Urk. HD 4/2/2
S. 5 [H._]; Urk. HD 4/3/1 S. 2, Urk. HD 4/3/2 S. 4 [I._]; Urk. HD 4/4/1 S.
- 38 -
3, Urk. HD 4/4/2 S. 5 [D._]; Urk. HD 4/5/1 S. 2, Urk. HD 4/5/2 S. 5 [L._];
Urk. HD 4/6/1 S. 3, Urk. HD 4/6/2 S. 2 f. [C._]; Urk. HD 4/7/1 S. 3, Urk. HD
4/7/2 S. 5 [J._]), wobei einzuräumen ist, dass sie einen Schiessversuch ohne
Schussabgabe kaum hätten wahrnehmen können. Dies gilt auch für den
Beschuldigten A._, weshalb auch mit Bezug auf ihn davon auszugehen ist,
dass er nicht einen erneuten Versuch †B._s bemerkte, einen Schuss
abzufeuern. Die Vorinstanz kam mit zutreffender Begründung, auf die vorliegend
verwiesen werden kann (Urk. 122 S. 113), zum Schluss, dass anhand des
Beweisergebnisses nicht entschieden werden kann, ob der Beschuldigte
†B._ die Ladestörung nur deshalb zu beheben versuchte, um wieder eine
schussbereite Waffe gegen die Geschädigten zu richten, oder ob er dies tat, um
einen weiteren Schuss abzufeuern (Urk. 122 S. 113). Dieses
Sachverhaltselement in der Anklageschrift, nämlich die versuchte Schussabgabe
durch †B._, lässt sich somit nicht rechtsgenügend erstellen, was jedoch für
die Beurteilung des Verhaltens des Beschuldigten A._ aus den genannten
Gründen nicht weiter relevant ist.
7.3.5. Anhand des Spurenbildes (Einschuss in der Decke des Spielraums in
Kombination mit den Munitionsrechnungen der beiden verwendeten Kaliber)
sowie der Zeugenaussagen ist davon auszugehen, dass der Beschuldige
A._ einen Schuss in die Decke abgab. Es ist zu prüfen, ob sich der weitere
konkrete Anklagevorwurf erstellen lässt, wonach A._ unter anderem auch
einen Schuss dicht am Kopf des Geschädigten G._ vorbei von der rechten
Seite des Barbereiches aus in Richtung des DJ-Pultes abgefeuert habe (Urk. HD
29 S. 5). Für diesen Schuss dicht am Kopf des Geschädigten G._ vorbei gibt
es keinen spurenkundlichen Beweis (Urk. HD 6/8 S. 12). Die Schilderung des
Geschädigten G._, wonach er "den Knall" gesehen habe bzw. wie "es
explodiert“ sei, ist jedoch so charakteristisch und aussergewöhnlich, dass die
Beschreibung als tatsächlich erlebter Vorgang wirkt. Der Zeuge berichtete in
authentischer Weise von einem schockierenden Erlebnis, dass er nämlich den
Mündungsblitz der auf ihn gerichteten Waffe von vorne gesehen habe. Es sind
keine Gründe ersichtlich, weshalb der Geschädigte G._ den Beschuldigten
A._ zu Unrecht belasten sollte. Für die Glaubhaftigkeit der Aussage des
- 39 -
Geschädigten G._ spricht ebenfalls, dass die vom Geschädigten G._
geschilderte Schussabgabe in Richtung seines Gesichts mit der von weiteren
Zeugen bestätigten Position des Beschuldigten A._ im hinteren Barbereich,
mit der vom Geschädigten G._ angegebenen eigenen Position sowie dem
Auffinden eines Projektils der Waffe des Beschuldigten A._ in einem
Lautsprecher oberhalb des DJ-Pultes übereinstimmt (vgl. Urk. HD 6/8 S. 13). Der
diesbezügliche Sachverhalt ist demnach rechtsgenügend erstellt.
7.3.6. Aufgrund des Beweisergebnisses ist davon auszugehen, dass der
Beschuldigte A._ seine Waffe zumindest teilweise in Richtung der im Lokal
anwesenden Geschädigten hielt und dann hintereinander das Magazin leer
schoss. Aufgrund der im Bereich der Musik-Bar aufgefundenen sechs gezündeten
Patronenhülsen im Kaliber 6.35 mm schlossen die Gutachter in plausibler und
nachvollziehbarer Weise darauf, dass A._ mit seiner Waffe sechs Schüsse
abgefeuert hat. Die Reihenfolge der Schüsse konnte weder spurenkundlich noch
aufgrund anderer Beweise zweifelsfrei ermittelt werden (Urk. HD 6/8 S. 13).
Immerhin sagte der Zeuge G._ aus, es sei der letzte Schuss gewesen, der
gegen sein Gesicht gerichtet gewesen war. Für den Zeugen dürfte dies ein derart
einschneidendes Erlebnis gewesen sein, dass seine Aussage, es sei der letzte
Schuss gewesen, mithin seien nachher keine Schüsse mehr gefallen, durchaus
glaubhaft erscheint. Ansonsten lässt sich die genaue Reihenfolge der von
A._ abgegebenen Schüsse beweismässig nicht erstellen. Insbesondere lässt
sich nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob der Beschuldigte A._ zuerst in die
Decke schoss und anschliessend auf den Privatkläger C._, oder umgekehrt.
Für die rechtliche Würdigung des Sachverhaltes ist die Reihenfolge der
abgegebenen Schüsse jedoch nicht weiter relevant.
7.3.7. Aufgrund der Beweislage ist der äussere Ablauf des
Anklagesachverhaltes lit. A, soweit er die Handlungen des Beschuldigten A._
betrifft, mit den oben dargelegten Einschränkungen hinsichtlich
Schussreihenfolge, rechtsgenügend erstellt.
7.4. In der Anklageschrift wird den Beschuldigten A._ und †B._ in
subjektiver Hinsicht vorgeworfen, bei ihrer Tat mit dem Beweggrund gehandelt zu
- 40 -
haben, einen Raub zu begehen, um auf diese Weise Geld und andere
Vermögenswerte zu erbeuten. Dabei seien sie zur Durchführung und Sicherung
des Raubes bereit gewesen, diejenigen Personen, welche sich ihren kriminellen
Absichten in den Weg zu stellen und zu widersetzen versuchten, zu töten, indem
sie skrupellos von ihren Waffen Gebrauch machten und mehrfach und
hemmungslos auf ihre Opfer geschossen haben. Dadurch hätten sie auch ihre
extreme Geringschätzung gegenüber dem Leben von anderen Menschen zum
Ausdruck gebracht. Während die Beschuldigten ihre geladenen, schussbereiten
und ungesicherten Waffen auf die Geschädigten gerichtet hätten, aufgrund der
dann auch tatsächlich erfolgten Schussabgaben und auch infolge der
unkontrollierten Abpraller, hätten sich die im Raum anwesenden Geschädigten in
einer naheliegenden unmittelbaren Lebensgefahr befunden.
Ausserdem wird dem Beschuldigten A._ in subjektiver Hinsicht vorgeworfen,
er habe bei den Schussabgaben, insbesondere bei denjenigen gegen den
Privatkläger C._ und den Geschädigten G._ abgegebenen Schüssen,
den Tod von C._ und G._ zumindest in Kauf genommen.
7.4.1. Hinsichtlich der Erstellung des Sachverhaltes in subjektiver Hinsicht
hat die Vorinstanz umfassende und zutreffende Ausführungen gemacht, auf
welche vorab verwiesen werden kann (Urk. 122 S. 118-127; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Die nachfolgenden Ausführungen sind in erster Linie als Hervorhebungen und
Präzisierungen zu verstehen. Die Ausführungen in den vorinstanzlichen
Erwägungen zum Beschuldigten †B._ sind im vorliegenden Zusammenhang
jedoch nur hinsichtlich der subjektiven Aspekte der Tatbegehung durch A._
von Relevanz, zumal die inneren Vorgänge bei †B._ für die Beurteilung der
Handlungen A._s nur soweit relevant sein können, als sie für A._
wahrnehmbar bzw. ersichtlich waren.
7.4.2. Die Ausführungen der Vorinstanz zur "Vorgeschichte" erscheinen nur
insoweit wesentlich, als zutreffend festgehalten wurde, dass - wie bereits im
Zusammenhang mit dem objektiven Sachverhalt erstellt wurde - der Beschuldigte
A._ spätestens im Trocknungsraum vom bevorstehenden Raubüberfall
erfahren habe und in diesem Zeitpunkt nicht vom Beschuldigten †B._
- 41 -
bedroht wurde. Indem er in der Folge mit dem Beschuldigten †B._ die Bar
"F._" stürmte und die Aufgabe übernahm, die Raubopfer mit der Waffe in
Schach zu halten, hat der Beschuldigte A._ sich dem Tatentschluss des
Beschuldigten †B._, die Gäste in der Bar "F._" auszurauben,
angeschlossen. Aufgrund der arbeitsteiligen und koordinierten Vorgehensweise
der Beschuldigten †B._ und A._ während des Raubüberfalls ist mit der
Vorinstanz davon auszugehen, dass der Beschuldigte †B._ im
Trocknungsraum mit dem Beschuldigten A._ den groben Tatablauf
besprochen hat. Es wäre sonst kaum zu erklären, woher der Beschuldigte
A._ wusste, dass er vom Eingangstürbereich aus die Gäste mit der Waffen in
Schach zu halten hatte. Das Vorliegen einer gemeinsamen Absprache des
Vorgehens zeigt sich auch darin, dass der Beschuldigte A._ nicht komplett
unvorbereitet dem Beschuldigten †B._ folgte, sondern bewaffnet und
maskiert war. Das Betreten der Bar, wobei der Beschuldigte †B._
vorausgehen sollte, das Auffordern der Gäste, sich an die Wand zu stellen und
die Wertsachen auf den Pokertisch zu legen, das In-Schachhalten der Gäste
durch den Beschuldigten A._, die Maskierung und die Bewaffnung war im
Voraus besprochen worden. Insoweit war ein gemeinsamer Tatplan vorhanden.
Die gegenteiligen Aussagen des Beschuldigten A._, wonach er keine
Aufgabe gehabt habe, herumgestanden sei, gar nicht gewusst habe, was er
machen solle, und sie im Voraus nicht besprochen hätten, wer was mache (Urk.
HD 3/11 S. 9, Urk. HD 78 S. 7 und 14), lässt sich nicht mit dem gemeinsamen
Vorgehen vereinbaren und stehen im klaren Widerspruch dazu, dass diverse
Zeugen die Beschuldigten als Team wahrgenommen haben.
7.4.3. Wie bereits im Zusammenhang mit dem objektiven Sachverhalt
erstellt wurde, hat der Beschuldigte A._ seine Waffe vom Beschuldigten
†B._ erhalten. Bezüglich des Beschuldigten A._ ist somit davon
auszugehen, dass er die ihm zur Verfügung gestellte Waffe nicht kannte. Dass er
davon ausgegangen sein will, es handle sich um eine blosse
Schreckschusspistole, ist unglaubhaft. Mit der Vorinstanz erscheint es
lebensfremd anzunehmen, dass der Beschuldigte A._ beim Erhalt der Waffe
deren Beschaffenheit, Qualität und den Ladezustand nicht überprüft hat. Es
- 42 -
handelte sich dabei ja nicht um einen nebensächlichen, unwichtigen Gegenstand,
für welchen er keinen Bedarf gehabt hätte und welcher ihn deshalb nicht
interessiert hätte, sondern um das Haupttatmittel für einen bewaffneten Überfall.
Erstellt ist, dass A._ die Pistole von †B._ kurz vor der Raubtat erhalten
hatte. Da der Beschuldigte †B._ die Waffen besorgt hatte, wusste dieser,
dass die Waffe des Beschuldigten A._ funktionstüchtig war. Schon aus
Schutz für sich selbst und den Mittäter ist davon auszugehen, dass †B._ den
Beschuldigten A._ informierte, dass die diesem übergebene Pistole "Astra"
schiesstauglich und geladen und demnach mit entsprechender Vorsicht mit dieser
zu hantieren war. Sodann wusste A._, wie er selbst aussagte (Urk. HD 3/5
S. 8, Urk. HD 78 S. 15), dass die Waffe des Beschuldigten †B._ echt war.
Zusammenfassend ergibt sich, dass beide Beschuldigten beim Betreten der Bar
"F._" wussten, dass sie schussbereite Waffen in den Händen hielten.
Fraglich ist allerdings, ob der Beschuldigte A._ zu diesem Zeitpunkt
(Betreten der Bar "F._") mit dem Waffeneinsatz einverstanden war. Es lässt
sich nicht nachweisen, dass nach der ursprünglichen Tatvorstellung des
Beschuldigten A._ ein Waffeneinsatz im Sinne von tatsächlichen
Schussabgaben zur Durchsetzung des räuberischen Vorhabens geplant war. Der
Beschuldigte A._ dürfte von einer komplikationslosen Tatbegehung, bei
welcher der Einsatz der Waffen als Drohmittel ausreichen würde, ausgegangen
sein und sich keine Gedanken über das Verhalten bei Problemen, wie z.B.
Widerstand durch Opfer, gemacht haben. Entgegen der Auffassung der
Staatsanwaltschaft (Urk. 136 S. f.), kann dem Beschuldigten A._ nicht
nachgewiesen werden, dass er zumindest mit dem Eventualvorsatz gehandelt
hat, dass er oder sein Mittäter die Waffe auch einsetzen würde und dabei auch
Menschen getötet werden könnten. Wenn zwei Mittäter einen Raubüberfall
verüben, bei dem sie beide mit geladenen und schussbereiten Waffen bewaffnet
sind und diese auch einsetzen, indem sie die Pistolen auf ihre Opfer richten, ist
nicht zwingend von einer stillschweigenden Absprache und von der
Entschlussfassung von beiden Mittätern auszugehen, wonach mit diesen Waffen
im Fall einer entsprechenden Notwendigkeit auch auf Menschen geschossen
wird. Die Waffe wurde dem Beschuldigten A._ kurz vor dem Überfall in die
- 43 -
Hand gedrückt. Er wusste nicht, welche Situation und wie viele Personen ihn im
Lokal erwarten würden, und musste unter diesen Umständen nicht davon
ausgehen, dass mit der Waffe auch auf Menschen geschossen werden könnte.
Vielmehr ist zu seinen Gunsten anzunehmen, dass er annahm, dass die Waffen
nur zur Drohung eingesetzt werden würden.
7.4.4. Nach dem ersten von †B._ abgefeuerten Schuss in die Decke
wusste der Beschuldigte A._, dass dieser bereit war, die Schusswaffe
tatsächlich einzusetzen, wenn auch vorläufig nur für einen Warnschuss. Zu
diesem Zeitpunkt befand sich der Beschuldigte A._ bei der Verbindungstür in
unmittelbarer Nähe des Ausgangs und der Beschuldigte †B._ bei den
Gästen im Spielraum. Damit bestand für den Beschuldigten A._ die
Möglichkeit zu flüchten, insbesondere wenn er mit der Durchführung des
Raubüberfalls überhaupt nicht einverstanden gewesen wäre. Dadurch, dass er sie
nicht wahrnahm, billigte der Beschuldigte A._ den weiteren Einsatz von
Schusswaffen zu Warnzwecken im Rahmen des Raubes. Entgegen der
Auffassung der Staatsanwaltschaft (Urk. 136 S. 6) kann aufgrund der weiteren
Mitwirkung des Beschuldigten A._ aber nicht darauf geschlossen werden,
dass ein Einsatz der Schusswaffen gegen die Opfer, welcher über eine Drohung
hinausgeht, seinem Willen entsprach. In der Folge schoss der Beschuldigte
†B._ gegen den Privatkläger C._. Es kann dem Beschuldigten A._
nicht nachgewiesen werden, dass er vor dem Schuss gegen den Privatkläger
C._ damit einverstanden war, die Waffe gegen Menschen einzusetzen.
Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte †B._ den Entschluss
zur Schussabgabe gegen den Privatkläger C._ spontan aufgrund der
unerwarteten Umstände fasste, womit der Beschuldigte A._ aufgrund seiner
Vorstellung einer allein durch das Vorhalten von Schusswaffen gewährleisteten
komplikationslosen Tatbegehung nicht rechnete. Es kann somit nicht erstellt
werden, dass der Schuss †B._s auf den Privatkläger C._ vom Willen
des Beschuldigten A._ getragen war. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der
Beschuldigte A._ jedoch weiterhin bei der Verbindungstür in unmittelbarer
Nähe des Ausgangs und er wäre somit weiterhin in der Lage gewesen, die Flucht
zu ergreifen (vgl. Urk. HD 6/8 letzter Anhang [Grundrissplan]). Er blieb auch dann
- 44 -
noch am Tatort und kam seiner Aufgabe nach, nachdem †B._ im
Spielzimmer drei Schüsse abgefeuert hatte und der Privatkläger C._ am
Boden lag. Obwohl er nun wusste, dass †B._ auf C._ geschossen und
diesen getroffen hatte, führte er den Überfall weiter, was schliesslich dazu führte,
dass er selber sechs Schüsse teilweise in Richtung der Geschädigten abfeuerte.
Der Beschuldigte A._ hat zu Recht nie bestritten, gewusst zu haben, dass
ein Schuss auf einen Menschen tödliche Verletzungen herbeiführen kann.
Dagegen hat er mehrfach beteuert, dass er niemand habe verletzen wollen (Urk.
HD 3/3 S. 5, Urk. HD 3/11 S. 11, Urk. HD 78 S. 15, Prot. II S. 4). Die Leute seien
auf ihn zugestürmt und er habe Panik gehabt (Urk. HD 3/10 S. 4, Urk. HD 3/11 S.
10). Er habe nur gesehen, dass ca. vier, fünf oder sechs Leute auf ihn
"zugeseckelt" seien. Dann habe er gemerkt, dass er "drunterkomme", dass er
abgeschlagen werde. Er habe in diesem Moment nur noch raus wollen. Er sei in
dieser Situation in Panik gewesen, er habe selber nicht gewusst, was mit ihm
laufe (Urk HD 78 S. 10 f.). Bedenkt man, dass der Beschuldigte A._ gemäss
erstelltem Sachverhalt nun wild um sich schoss, zumindest teilweise in die
Richtung von Menschen, bis das Magazin leer war, ist seine Behauptung, dass er
niemand habe verletzen wollen, nicht glaubhaft. Vielmehr musste er unter diesen
Umständen mit Körpertreffern und damit mit tödlichen Verletzungen rechnen. Der
Beschuldigte A._ hat aus eigenem Entschluss seine Waffe abgefeuert,
obwohl er sich hätte ergeben können. Dass er - wie er behauptet - durch die
Schussabgaben habe kundtun wollen, dass er nicht freiwillig hier sei, ist abwegig
(vgl. Urk. 3/5 S. 10). Dagegen ist nachvollziehbar, dass der Beschuldigte A._
Panik hatte, als die Raubopfer nun auf ihn zukamen und ihm den Weg zum
Ausgang versperrten. Ab diesem Zeitpunkt war eine Flucht A._s nicht mehr
möglich. Dies zeigt auch, dass A._ bis zu dieser Phase des Gegenangriffs
durch die Raubopfer von sich aus hätte fliehen können. Dies wurde auch von
Zeugen bestätigt (Urk. 4/7/2 S. 5).
7.4.5. Es ist auch glaubhaft, dass A._ Angst hatte vor dem, was die
zuvor von ihm mit einer Waffe bedrohten Gäste mit ihm machen würden. Sodann
haben verschiedene Zeugen wahrgenommen, dass der Beschuldigte A._
Panik hatte und fliehen wollte. In seiner Bedrängnis war es nicht mehr sein Ziel,
- 45 -
mit den Schussabgaben die weitere Durchführung des Raubes oder die Beute zu
sichern, sondern sich die Angreifer vom Leib zu halten. Gemäss mehreren
Zeugenaussagen habe A._ versucht zu fliehen, jedoch sei der Fluchtweg
durch die vordringenden Raubopfer, die zum Gegenangriff übergingen,
abgeschnitten worden. Die Motivlage bei A._ ist nach der Überwältigung
†B._s durch die Raubopfer offensichtlich umgeschlagen und es ging ihm nur
noch darum, mit den abgefeuerten Schüssen die ihn angreifenden Raubopfer
abzuwehren. Die Umschreibung in der Anklageschrift, wonach der Beschuldigte
A._ seinen ersten Schuss auf den Privatkläger C._ abgefeuert habe,
nachdem dieser den Beschuldigten †B._ tätlich angegriffen hatte, kann so
nicht erstellt werden, zumal bereits dargelegt wurde, dass die Reihenfolge der
Schüsse nicht spurenkundlich oder durch andere Beweismittel nachgewiesen
werden kann, mit der erwähnten Ausnahme des letzten Schusses in Richtung des
Geschädigten G._. Ausserdem ist festzuhalten, dass nicht erstellt werden
kann, dass die Schussabgaben durch A._ gezielt erfolgten, vielmehr ist mit
der Vorinstanz davon auszugehen, dass A._ die Schüsse zumindest
teilweise in Richtung der Geschädigten abfeuerte bis das Magazin leer war, wobei
ein Schuss den Privatkläger C._ traf, ein Schuss nachweislich in die Decke
einschlug und ein Schuss nahe am Kopf von G._ vorbeiging.
7.4.6. Im Ergebnis bestehen somit keine unüberwindbaren Zweifel daran,
dass sich der Sachverhalt so ereignet hat, wie er von der Vorinstanz erstellt
worden ist. Er ist deshalb auch im Berufungsverfahren der rechtlichen Würdigung
zu Grunde zu legen.
V. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz würdigte den erstellten Sachverhalt als versuchten
qualifzierten Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und Ziff. 4 in Verbindung mit Art.
11 Abs. 1 StGB sowie als mehrfache versuchte Tötung im Sinne von Art. 111
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
- 46 -
2. Die Verteidigung beantragte mit ihrer Berufungserklärung einen
Freispruch von den Vorwürfen des versuchten qualifizierten Raubs im Sinne von
Art. 140 Ziff. 4 in Verbindung Art. 22 Abs. 1 StGB sowie vom Vorwurf der
mehrfachen vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB (Urk. 124 S. 2). Sie würdigte das Verhalten des
Beschuldigten A._ vor Vorinstanz als versuchte Nötigung und einfache
Körperverletzung. Eventualiter sei der Beschuldigte A._ der versuchten
Nötigung und der eventualvorsätzlich versuchten schweren Körperverletzung
schuldig zu sprechen (Urk. HD 85 S. 2 f.). Im Hinblick auf die
Berufungsverhandlung beschränkte die Verteidigung die Berufung jedoch auf das
Strafmass und beantragte im Übrigen eine Bestätigung des erstinstanzlichen
Urteils und damit der rechtlichen Würdigung der Vorinstanz (Urk. 132 und Urk.
137).
3. Die Staatsanwaltschaft verlangte im Berufungsverfahren eine
Qualifikation des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art.
140 Ziff. 4 und Ziff. 3 Abs. 3 StGB, weil die Beschuldigten ihre besondere
Gefährlichkeit nicht allein vorwiegend durch den Einsatz durchgeladener und
entsicherter Waffen, sondern zusätzlich mit weiteren Tatumständen, namentlich
der besonders kühnen, verwegenen und skrupellosen Art der Tatbegehung, zum
Ausdruck gebracht hätten (Urk. 123 S. 2 und Urk. 136 S. 9 f.). Ausserdem
beantragte die Staatsanwaltschaft die Qualifikation der vom Mitbeschuldigten
†B._ gegenüber dem Privatkläger C._ abgegebenen und vom Willen
des Beschuldigten A._ getragenen Schüsse als besonders skrupellose
Tötungsversuche und damit als mehrfacher Mordversuch im Sinne von Art. 112
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. Im Weiteren stellte die
Staatsanwaltschaft den Antrag, es seien die vom Beschuldigten A._ gegen
verschiedene Geschädigte abgegebenen sechs Schüsse als besonders
skrupellose Tötungsversuche und damit als mehrfachen Mordversuch im Sinne
von Art. 112 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs.1 StGB zu qualifizieren (Urk. 123
S. 2 und Urk. 136 S. 6 ff.).
- 47 -
4. Die vorinstanzlichen Erwägungen zur rechtlichen Würdigung der
Raubtat sind sowohl von den theoretischen Ausführungen als auch von der
Subsumtion her umfassend und zutreffend, weshalb vorab auf die
entsprechenden Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden
kann (Urk. 122 S. 129-133; Art. 82 Abs. 4 StPO). Nachfolgend sind in erster Linie
die Anträge der Staatsanwaltschaft zu behandeln.
4.1. Die Vorinstanz ging zutreffend von einem in Mittäterschaft begangenen
qualifizierten Raubversuch im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 4 in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 aus, weil der Beschuldigte A._ von Anfang an
eine schussbereite, dass heisst entsicherte und durchgeladene Waffe auf die
Geschädigten richtete. Damit bestand für die Geschädigten eine akute
Lebensgefahr (BGE 117 IV 425; BGE 121 IV 71 = Pr 85 [1996] Nr. 24 S. 57). Dies
war dem Beschuldigten A._ bewusst und von ihm gewollt. Somit hat sich der
Beschuldigte A._ des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1
in Verbindung mit Ziff. 4 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB strafbar gemacht.
4.2. Die von der Staatsanwaltschaft beantragte Qualifikation des Raubes
gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB ist dann gegeben, wenn der Täter durch die
Art, wie er den Raub begeht, seine besondere Gefährlichkeit offenbart.
Unzulässig ist es, die Herbeiführung einer Lebensgefahr mittels einer geladenen
und ungesicherten Schusswaffe zusätzlich als "andere besondere Gefährlichkeit"
im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB zu werten. Die Kriterien für die
Anwendung von Ziff. 3 Abs. 3 StGB sind etwa die Höhe der erhofften Beute, der
planerische und technische Aufwand, das Überwinden moralischer und
technischer Hindernisse, professionelle Vorbereitung der Tat sowie hartnäckiges,
hinterlistiges und brutales Vorgehen (BSK StGB II-NIGGLI / RIEDO, N 72 und 132
zu Art. 140 mit Verweisungen; vgl. auch BGE 116 IV 312 Erw. 2.d.aa und e sowie
Entscheid des Bundesgerichts 6B_756/2008 E. 1.4.). Es ist demnach zu prüfen,
ob - abgesehen von der Herbeiführung einer Lebensgefahr durch Bedrohung mit
einer schussbereiten Pistole - weitere ins Gewicht fallende Umstände hinzutreten,
die den Unrechts- und Schuldgehalt der Tat wesentlich erhöhen. Die
Staatsanwaltschaft machte diesbezüglich geltend, es habe eine kühne,
- 48 -
verwegene und skrupellose Vorgehensweise der Beschuldigten vorgelegen. Sie
seien maskiert in einen von zahlreichen Gästen besetzten Spielklub gestürmt und
die Opfer hätten sich an eine Wand stellen, die Hosen herunterlassen, die Hände
in die Höhe heben und nacheinander ihr Geld und die auf sich getragenen
Wertsachen auf den Spieltisch legen müssen (Urk. 136 S. 10). Diese
Vorgehensweise hätte allenfalls beim Beschuldigten †B._ zur Erfüllung von
Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB geführt, da er den Überfall geplant und vorbereitet
hatte sowie die Waffen und Hauben mitnahm. Er kannte auch die Lokalität und
konnte abschätzen, wie viele Personen betroffen sein würden. Der Beschuldigte
A._ hingegen wusste nicht, welche Situation ihn hinter der Türe erwartete
und wie viele Leute sich im Lokal befinden würden. Die Beschuldigten haben ihre
besondere Gefährlichkeit vorwiegend durch den Einsatz durchgeladener und
entsicherter Waffen zum Ausdruck gebracht. Weitere Umstände, die den
Unrechts- und Schuldgehalt der Tat wesentlich erhöhen, sind jedenfalls für den
Beschuldigten A._ nicht ersichtlich. Damit ist nicht von einem mehrfach
qualifizierten Raub auszugehen, da dies letztlich einer nicht zulässigen doppelten
Berücksichtigung derselben Tatumstände gleichkäme.
Der Beschuldigte A._ ist somit des versuchten qualifizierten Raubes im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 4 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
5. Die vorinstanzlichen Erwägungen zur rechtlichen Würdigung der
Schussabgaben durch A._ sind sowohl von den theoretischen Ausführungen
als auch von der Subsumtion her umfassend und zutreffend, weshalb vorab auf
die entsprechenden Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen
werden kann (Urk. 122 S. 134-138). Zutreffend sind insbesondere die
vorinstanzlichen Erwägungen, wonach der Schuss des Beschuldigten †B._
auf den Privatkläger C._ nicht vom Willen des Beschuldigten A._
getragen war, was bereits im Rahmen der Erstellung des Sachverhaltes dargelegt
wurde. Demnach kann die Schussabgabe des Beschuldigten †B._ gegen
den Privatkläger C._ aus tatsächlichen Gründen dem Beschuldigten A._
nicht als Mittäter angerechnet werden. Weitere Schüsse des Beschuldigten
- 49 -
†B._ gegen einen Menschen konnten nicht erstellt werden. Daher sind in der
Folge ausschliesslich die vom Beschuldigten A._ in der zweiten Phase des
Raubüberfalls abgegebenen sechs Schüsse zu behandeln.
5.1. Nach erstelltem Sachverhalt wusste der Beschuldigte A._, dass er
eine schussbereite Pistole auf sich trug. Weiter wusste er, dass ein Schuss auf
einen Menschen tödliche Verletzungen herbeiführen kann, was ohnehin zum
Allgemeinwissen eines Durchschnittsbürgers gehört. Dass der Beschuldigte
A._ durch die Situation in der Endphase des Raubüberfalles, in der sich die
Opfer des Raubüberfalles gegen die beiden Täter zur Wehr setzten und den
Beschuldigten A._ mit verschiedenen Gegenständen angriffen, in Bedrängnis
geriet und seinen Fluchtweg abgeschnitten sah, ändert nichts an dieser
Einschätzung. Gemäss erstelltem Sachverhalt befand sich der Beschuldigte
A._ bei seinen sechs Schussabgaben im hinteren Teil der Bar bzw. bewegte
sich dorthin und hat in einem geschlossenen Raum wild um sich und dabei
zumindest teilweise in Richtung der im Lokal anwesenden Geschädigten
geschossen. Das Risiko der Tatbestandsverwirklichung war - insbesondere unter
Berücksichtigung der dynamischen Situation - somit sehr gross. Daraus, dass der
Beschuldigte A._ unter diesen Umständen solange schoss, bis das Magazin
leer war, kann nur geschlossen werden, dass er den Tod der in der Bar "F._"
anwesenden Geschädigten in Kauf genommen hat, auch wenn deren Tod für den
Beschuldigten A._ eine unerwünschte Folge gewesen sein dürfte. Somit hat
der Beschuldigte A._ eventualvorsätzlich gehandelt. Im vorliegenden Fall hat
der Beschuldigte A._ durch seine Schussabgaben alles getan, was zu einer
tödlichen Verletzung hätte führen können, dennoch ist der tatbestandsmässige
Erfolg, nämlich der Tod eines Menschen, durch Zufall ausgeblieben. Damit liegen
vollendete Versuche vor.
5.2. Der Beschuldigte A._ hat den Tatbestand der eventualvorsätzlich
versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
mehrfach erfüllt.
6. Zu der von der Staatsanwaltschaft beantragten Qualifikation der Tat als
Mord hat die Vorinstanz mit einer Ausnahme, auf die nachfolgend näher
- 50 -
einzugehen ist, zutreffende Ausführungen gemacht, auf die vorab zu verweisen ist
(Urk. 122 S. 138-141). Hervorzuheben ist, dass das Gesetz jenen Täter im Fokus
hat, der sich besonders skrupellos, d.h. gemütskalt, krass und primitiv egoistisch,
ohne soziale Regungen zur Verfolgung seiner eigenen Interessen rücksichtslos
über das Leben anderer Menschen hinwegsetzt. Entscheidend ist eine
Gesamtwürdigung der äusseren und inneren Umstände der Tat. Es darf nicht
bereits dann auf Mord geschlossen werden, wenn irgendein Element der
konkreten Tat ihr eine besondere Schwere verleiht. Es ist eine Bewertung der Tat
als Ganzes vorzunehmen, um entscheiden zu können, ob diese, von allen Seiten
betrachtet, dem Täter die Charakterzüge eines Mörders gibt. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine besondere Skrupellosigkeit
entfallen, wenn die Tat durch eine schwere Konfliktsituation ausgelöst wurde
(Entscheide des Bundesgerichts 6B.158/2010 vom 1. April 2010 E. 3.2.1. und
6B.188/2009 vom 18. Juni 2009 E. 4.; BGE 120 IV 275; BGE 127 IV 10 E. 1a;
STRATENWERTH / JENNY, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Auflage,
Bern 2010, § 1 N 16 ff. und N 23 ff.; DONATSCH, Strafrecht III, 9. Auflage, Zürich /
Basel / Genf 2008, S. 8 ff.; beide mit Verweisungen auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und der Lehre
ist die Tötung zum Zweck des Raubs ein typischer Fall des Mordes, weil Habgier
ein verwerflicher Beweggrund darstellt. Für die Qualifizierung der Straftat als Mord
ist ausreichend, dass die Tötung im Rahmen der Durchführung eines
Raubüberfalles stattgefunden hat, wobei unwesentlich ist, ob der Räuber vor,
während oder unmittelbar nach der Aneignung der Beute, ohne besonderen
Grund oder aus Furcht vor einer wirklichen
oder vermuteten Gegenwehr des Opfers oder auch aus einem anderen Grund
getötet hat (Entscheide des Bundesgerichts 6B_89/2012 vom 29. Juni 2012 E.
1.4. und 6S_103/2006 vom 6. April 2006 E. 6.1.; BGE 115 IV Nr. 42 S. 187 = Pra
79 (1990) Nr. 276 E. 2). Der Beschuldigte A._ hat im Zusammenhang mit der
Durchführung eines Raubüberfalls mehrfach eine versuchte Tötung begangen.
Dabei sind Elemente der Skrupellosigkeit durchaus darin erkennbar, dass er
hemmungslos schoss, bis das Magazin der Waffe leer war, sowie dass er wahllos
und damit rücksichtslos zumindest teilweise in Richtung der Geschädigten
- 51 -
schoss. Dennoch hat die Vorinstanz zu Recht die Bewertung der Tat als Ganzes
aus folgenden Gründen nicht als Mord qualifiziert: Bei der eigentlichen
Tatbegehung, als die Geschädigten aufgefordert wurden, die Wertsachen auf den
Spieltisch zu legen, und sich C._ unbeeindruckt von der in den Händen von
†B._ gehaltenen Waffe zeigte, hatte A._ zur weiteren Durchführung des
Überfalls keine Bereitschaft an den Tag gelegt, seine Waffe abzufeuern. Dies
geschah erst nach der von ihm nicht erwarteten Eskalation der Situation, welche
vor allem †B._ verursachte mit der Schussabgabe auf C._, welche für
A._ - entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft (Urk. 136 S. 8) -
unerwartet kam. Der Beschuldigte A._ gab die Schüsse erst ab, als
†B._ unschädlich gemacht worden war und A._ sich nunmehr alleine in
die Enge getrieben sah. In dem Zeitpunkt, als mehrere Geschädigte dem
Privatkläger C._ zu Hilfe kamen, sich auf den Beschuldigten †B._
stürzten und Barhocker, Flaschen und andere Gegenstände gegen den
Beschuldigten A._ warfen, ergab sich für den Beschuldigten A._ eine
Zäsur in der Motivlage. Er wurde vom Gegenangriff der Geschädigten
überrumpelt, befand sich aufgrund des durch die Geschädigten versperrten
Fluchtwegs in Bedrängnis und hatte jegliche Kontrolle über die Lage verloren. Er
hatte vorgängig nicht geplant, die Waffe gegen Menschen einzusetzen, sondern
hat sich erst in der persönlichen Bedrängnis dazu entschieden. Dabei hat er keine
gezielten Schüsse abgefeuert. Er hatte Angst und Panik und schoss wild um sich,
um seine Haut zu retten; es ging somit insbesondere nicht darum, den Raub
fortzusetzen oder die Beute zu sichern. In dieser Situation und angesichts der
gesamten, unerwarteten Entwicklung des Tatverlaufs, sowie angesichts seiner
Motivlage kann noch nicht auf jene besondere Skrupellosigkeit beim
Beschuldigten A._ geschlossen werden, die ihm das gesamthafte Bild eines
Mörders zukommen liesse. Allerdings ist die Begründung der Vorinstanz, wonach
A._ in einer "komplexen Konfliktsituation" gehandelt habe, weshalb die
besondere Skrupellosigkeit und damit die Qualifikation als Mord entfalle (Urk. 122
S. 139 f.), im vorliegenden Fall nicht zutreffend. Das Erfordernis einer schweren
Konfliktsituation erfordert gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
typischerweise einen vorbestehenden und lange dauernden Konflikt zwischen
- 52 -
Täter und Opfer, der hier nicht gegeben ist, da der Konflikt aus der Tatsituation
heraus entstanden ist (vgl. BGE 120 IV 275; BGE 127 IV 10 E. 1a).
Nichtsdestotrotz erscheint aus den vorgenannten Gründen eine Qualifikation als
Mordversuch im vorliegenden Fall nicht zutreffend.
Auch die Berücksichtigung des Urteils des Bundesgerichts 6B_188/2009 vom
18. Juni 2009 führt zu keinem anderen Ergebnis. Im betreffenden Verfahren ging
es um einen Täter, der anlässlich einer Verhaftung durch die Polizei in einem
Internet-Café in Zürich seine Pistole zückte und wild und ungezielt um sich
schoss, mithin in einer ähnlichen Konstellation, wie im vorliegenden Fall. Der
Täter trug 100 Gramm Kokain zum Zwecke des Verkaufs auf sich und hatte eine
schussbereite Waffe bei sich. Nach dem Eintreffen der Polizei zog er seine Waffe
und lud sie durch. Er wollte um jeden Preis seine Verhaftung und Bestrafung
wegen Drogenhandels verhindern und nahm zu diesem Zwecke, um seine Flucht
zu sichern, die Tötung der anwesenden Polizeibeamten, welche ihn zu
kontrollieren beabsichtigten, sowie die Tötung der sich im Café aufhaltenden
Gäste in Kauf. Es ging ihm somit alleine darum, sich die Flucht zu sichern, um
einem gerechtfertigten polizeilichen Zugriff zwecks Verhinderung einer auf der
Hand liegenden Strafverfolgung wegen Betäubungsmittelhandels zu entgehen.
Das Bundesgericht erachtete diese Haltung als eine hemmungslose
Rücksichtslosigkeit und eine ausserordentliche Geringschätzung fremden Lebens
und damit als besonders verwerflichen Beweggrund und damit die
Skrupellosigkeit, welche eine Tötung als Mord qualifiziert, als gegeben. Der
vorliegende Fall unterscheidet sich jedoch dahingehend, dass der Beschuldigte
A._ mit massiven Verletzungen durch die aufgebrachten Raubopfer rechnen
musste, wohingegen sich der Täter im genannten früheren Fall mit einem
Waffeneinsatz der rechtmässigen polizeilichen Intervention bzw. der Verhaftung
widersetzte. Der Beschuldigte A._ hatte die Waffe nicht selber
mitgenommen, sondern sie vom Beschuldigten †B._ in die Hand gedrückt
erhalten und nicht einkalkuliert, diese überhaupt benutzen zu müssen. Wie bereits
erwähnt, stand er plötzlich mehreren Personen gegenüber, die zum Angriff
ansetzten und wusste nicht, wie weit diese gehen würden. Im Gegensatz zu einer
Verhaftung durch Polizeibeamte, musste er bei diesem - berechtigten - Angriff mit
- 53 -
einem schweren Schaden seiner Gesundheit rechnen. Für eine Flucht war es zu
spät und es ging ihm nicht darum, die Beute zu sichern. Er wollte sich einzig
gegen die Angreifer schützen, was nicht als besonders verwerflicher Beweggrund
zu qualifizieren ist.
Auch unter dem Aspekt des Anklageprinzipes, konkret wegen der Umschreibung
des Qualifikationsgrundes für Mord in der Anklageschrift, erschiene eine
Verurteilung A._s wegen versuchten Mordes als problematisch. Die
entsprechende Passage in der Anklageschrift lautet wir folgt:
"Die Beschuldigten handelten bei ihrer Tat mit dem Beweggrund, einen
Raub zu begehen, um auf diese Weise Geld und andere Vermögenswerte
zu erbeuten. Dabei waren sie zur Durchführung und Sicherung des Raubes
bereit, diejenigen Personen, welche sich ihren kriminellen Absichten in den
Weg stellen und zu widersetzen versuchten, zu töten, indem sie skrupellos
von ihren Waffen Gebrauch machten und mehrfach und hemmungslos auf
ihre Opfer schossen. Dadurch brachten die Beschuldigten auch ihre extreme
Geringschätzung gegenüber dem Leben von anderen Menschen zum
Ausdruck."
Wie bereits dargelegt wurde, lag das Motiv für die Schussabgaben bei A._
gerade nicht in der "Durchführung und Sicherung des Raubes", sondern in der
Reaktion auf den Angriff der Raubopfer auf seine Person. Die Motivlage
†B._s bei seiner Schussabgabe auf C._ lag hingegen durchaus in der
Sicherung der Fortführung des Raubes und diese Tat wäre wohl als versuchter
(Raub-)Mord zu qualifizieren. Aber diese Schussabgabe †B._s kann - wie im
Rahmen der Sachverhaltserstellung dargetan wurde - A._ nicht zugerechnet
werden.
Der Beschuldigte A._ ist somit der mehrfachen versuchten
eventualvorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art.
22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
- 54 -
VI. Strafzumessung und Vollzug
1. Die Staatsanwaltschaft beantragte - allerdings für den Fall, dass der
von ihr beantragten rechtlichen Würdigung gefolgt würde - die Bestrafung des
Beschuldigten A._ mit einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren (Urk. 136 S. 1 und
S. 11). Die Verteidigung hingegen hält eine Freiheitsstrafe von 10 Jahren für
angemessen (Urk. 137 S. 1 und S. 4 ff.).
Vorab ist festzustellen, dass die Vorinstanz die theoretischen Grundlagen der
Strafzumessung richtig wiedergegeben und den sich vorliegend ergebenden
Strafrahmen korrekt abgesteckt hat. Es kann darauf verwiesen werden (Urk. 122,
S. 141–144).
1.1. Die vom Beschuldigten A._ begangenen Straftaten, nämlich die
versuchte vorsätzliche Tötung nach Art. 111 StGB sowie der versuchte
qualifizierte Raub nach Art. 140 Abs. 1 Ziff. 1 Abs. 1 und 4 StGB, sind je mit der
gleichen Strafdrohung versehen, nämlich mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf
Jahren. Beim qualifizierten Raub wird das höchste Rechtsgut des Menschen,
nämlich sein Leben, gefährdet, bei einer Tötung wird diese Gefährdung sogar
verwirklicht. Damit ist die schwerste vom Beschuldigten A._ verübte Straftat
die versuchte vorsätzliche Tötung nach Art. 111 StGB, sodass sich ein
ordentlicher Strafrahmen von 5 bis 20 Jahren Freiheitsstrafe ergibt (Art. 40 StGB).
1.2. Eine Strafrahmenerweiterung nach oben ist vorliegend trotz
Tatmehrheit und mehrfacher Tatbegehung nicht möglich (Art. 40 StGB). Die
Strafschärfungsgründe der Tatmehrheit und mehrfachen Tatbegehung sind
innerhalb des Strafrahmens straferhöhend zu berücksichtigen. Der
Strafmilderungsgrund der versuchten Tatbegehung ist vorliegend bei beiden
Delikten gegeben. Bezüglich der Schuldfähigkeit des Beschuldigten A._ liegt
ein psychiatrisches Gutachten vom 6. Januar 2012 bei den Akten (Urk. HD 14/9).
1.2.1. Aus gutachterlicher Sicht besteht beim Beschuldigten A._ ein
Missbrauch von Kokain, der aber nicht eindeutig das Niveau einer schweren
Abhängigkeit erreicht und mit seinem Lebensstil assoziiert ist.
- 55 -
Persönlichkeitsdiagnostisch seien unreife Persönlichkeitszüge zu konstatieren,
die insgesamt aber nicht die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung rechtfertigen.
Weder über einen Missbrauch psychotroper Substanzen noch über allfällige
Persönlichkeitszüge sei aus forensisch-psychiatrischer Sicht eine Aufhebung der
Voraussetzungen der Schuldfähigkeit plausibel zu machen. Auch eine
Verminderung der Schuldfähigkeit sei über die beschriebenen Diagnosen bzw.
Auffälligkeiten (ohne Störungsniveau) nicht plausibel zu machen (Urk. HD 14/9 S.
48 f.).
1.2.2. Die gutachterlichen Schlussfolgerungen, welche auf eingehenden
Untersuchungen und einer fundierten Beurteilung des Vorlebens und der
Persönlichkeit des Beschuldigten A._ beruhen, sind nachvollziehbar. Es sind
keine Gründe ersichtlich, diesen nicht zu folgen. Damit ist nicht von einer
Verminderung der Schuldfähigkeit des Beschuldigten A._ auszugehen.
Insgesamt sind keine besonderen Umstände gegeben, die eine Erweiterung des
regulären Strafrahmens nach unten als angezeigt erscheinen lassen. Der
Strafmilderungsgrund der versuchten Tatbegehung ist innerhalb des
Strafrahmens strafmindernd zu berücksichtigen. Somit ist vorliegend der
ordentliche Strafrahmen von 5 bis 20 Jahren Freiheitsstrafe massgebend.
2. Innerhalb des Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschulden des
Täters zu bemessen, wobei das Gericht das Vorleben, die persönlichen
Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters
berücksichtigt (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird dabei nach der
Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der
Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Beschuldigten
sowie danach bestimmt, wie weit dieser nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden
(Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Begriff des Verschuldens hat sich auf den gesamten
Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat zu beziehen. Dabei ist
zwischen der Tat- und der Täterkomponente zu unterscheiden.
2.1. Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des verschuldeten Erfolges
(Deliktsbetrag, Gefährdung des geschützten Rechtsguts, das Risiko, körperliche
- 56 -
und psychische Schäden beim Opfer, Sachschaden etc.), die Art und Weise der
Herbeiführung dieses Erfolges (Mittel, kriminelle Energie, Provokation), die
Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des
Schuldigen zu beachten. Sodann sind für das Verschulden das Mass an
Entscheidungsfreiheit beim Täter sowie die sogenannte Intensität des deliktischen
Willens bedeutsam (HUG, in: Kommentar zum schweizerischen Strafgesetzbuch,
N 7 ff. zu Art. 47 StGB). Je leichter es für den Täter gewesen wäre, die Norm zu
respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie
(TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEIN, in Trechsel/Pieth (Hrsg.), StGB PK, 2. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 213; Art. 47 N 21 zu Art. 47 StGB mit weiteren Hinweisen;
Entscheide des Bundesgerichts 6S_270/2006 vom 5. September 2006 E. 6.2.1.,
6S_43/2001 vom 19. Juni 2001 E. 2. und 6S_333/2004 vom 23. Dezember 2004
E. 1.1.). Die Tatkomponente weist somit eine objektive sowie eine subjektive
Seite auf.
3. Objektives Verschulden Tötungsdelikte
3.1. Der Beschuldigte A._ hat mehrfach versuchte vorsätzliche
Tötungen begangen. Vorliegend rechtfertigt es sich aber, bei der Strafzumessung
die versuchten vorsätzlichen Tötungen gemeinsam als Hauptdelikt zu beurteilen,
um unnötige Wiederholungen zu vermeiden. Demnach beinhaltet die
Einsatzstrafe bereits die Asperation für die mehrfache Ausführung der Tat.
3.2. Durch die verletzte Strafnorm wird das höchste Rechtsgut, das
menschliche Leben, geschützt. Wer vorsätzlich einen Menschen tötet bzw. dies
zu tun versucht, lädt in jedem Falle ein schweres Verschulden auf sich. Der
Beschuldigte A._ schoss sechs Mal wild um sich und zumindest teilweise in
die Richtung mehrerer Menschen. Eine untergeordnete Rolle spielt der von der
Vorinstanz genannte Umstand, dass bei der von A._ verwendeten Pistole
von "einem geringeren Gefährdungspotential" auszugehen sei, weil ihre
Geschossenergie 56 Joule betrage und die Projektile bereits nach ca. 30 bis 50
cm Schussdistanz quer ins Zielmedium einschlagen würden (Urk. 122 S. 146 und
Verweis auf Urk. HD 6/8 S. 8 f.). Die Vorinstanz wies mit dieser Formulierung
offenbar auf den Umstand hin, dass die Geschossenergie bei der von A._
- 57 -
verwendeten Waffen wesentlich geringer ausfiel, als bei der Waffe †B._s
(vgl. Urk. 6/8 S. 8 f.). Ausschlaggebend ist jedoch, dass auch die
Geschossenergie bei der von A._ verwendeten Waffe ohne Weiteres
ausreicht, um tödliche Verletzungen zu verursachen (vgl. Urk. 6/8 S. 9). Der
Beschuldigte A._ schoss in schneller Abfolge und so lange, bis das Magazin
leergeschossen war, was von einer gewissen Hemmungslosigkeit zeugt. Dabei
erlitt der Privatkläger C._ einen Steckschuss im Bereich unterhalb des
mittleren Rippenbogens, was gemäss Bericht der Unfallchirurgie USZ zu keiner
direkten Lebensgefahr für den Privatkläger C._ führte (Urk. HD 8/5 S. 2).
Jedoch bestand aus rechtsmedizinischer Sicht immerhin eine potentielle bzw.
mittelbare Lebensgefahr (vgl. Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 13.
Dezember 2010, Urk. 8/7 S. 5). Ferner ging ein Schuss in der Nähe des Kopfes
des Geschädigten G._ vorbei. Die dabei verursachte Gefährdung war
aufgrund der engen Verhältnisse in der Bar "F._" und der kurzen Distanzen
erheblich. Der Beschuldigte A._ nahm somit gleich mehrfach in Kauf, einen
Menschen zu töten, was auf eine erhebliche kriminelle Energie schliessen lässt.
Zu Gunsten des Beschuldigten A._ ist zu berücksichtigen, dass er nicht im
Voraus geplant hatte, seine Schusswaffe zu verwenden. Er reagierte vielmehr
spontan auf eine Bedrängnis, die er allerdings durch sein vorheriges Verhalten
zusammen mit dem Beschuldigten †B._ selber verursacht hatte. In
Würdigung dieser Umstände ist mit der Vorinstanz von einem eher schweren
objektiven Verschulden des Beschuldigten A._ auszugehen.
4. Subjektives Verschulden Tötungsdelikte
In subjektiver Hinsicht wirkt sich verschuldensmindernd aus, dass der
Beschuldigte A._ eventualvorsätzlich handelte. Es ist allerdings von einer
egoistischen Motivlage auszugehen: der Beschuldigte A._ schoss, um seine
eigene Haut aus einer von ihm verschuldeten Situation zu retten, ohne Rücksicht
auf Verluste. Dennoch ist dem Beschuldigten A._ zugute zu halten, dass er
in Panik wegen des Gegenangriffs der Geschädigten geriet. Dabei ist aber zu
berücksichtigen, dass er es mit einer berechtigten Gegenwehr der Geschädigten,
die er zuvor unter vorgehaltener Waffe genötigt hatte, zu tun hatte. Als
- 58 -
Handlungsalternative wäre immer noch eine Aufgabe A._s möglich gewesen.
Das dem Beschuldigten A._ vorwerfbare subjektive Verschulden relativiert
damit das objektive Verschulden nur leicht.
5. Gesamtverschulden / Einsatzstrafe für Tötungsdelikte
Zusammenfassend ist das Gesamtverschulden unter Berücksichtigung der
dargelegten objektiven und subjektiven Tatumstände als erheblich einzustufen,
was einer hypothetischen Einsatzstrafe in der Grössenordnung von 13 Jahren
Freiheitsstrafe entspricht.
6. Versuch
6.1. Beim Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB in der Ausformung des
vormals als vollendeter Versuch bezeichneten Tathandlung, bei welcher der zur
Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt, handelt es sich um eine
Tatkomponente, die verschuldensunabhängig ist. Deshalb ist sie bei der
Gesamteinschätzung des Verschuldens nicht einzubeziehen. Sie hat sich
indessen im Sinne einer Reduzierung der (hypothetischen)
verschuldensangemessenen Strafe auszuwirken. Das Mass dieser Minderung
hängt u.a. von der Nähe des tatbestandmässigen Erfolges und von den
tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion der Strafe wird umso geringer
sein, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und wie schwerwiegender die
tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 127 IV 92 und BGE 136 IV 55; BSK
StGB - Wiprächtiger/Keller Art. 48a N 24; Mathys, SJZ 2004, 173 f.).
6.2. Die hypothetische Einsatzstrafe ist wegen der versuchten Tatbegehung
zu mindern. Vorliegend ist bezüglich der Tötungsdelikte von einem vollendeten
Versuch auszugehen. Wie bereits ausgeführt, bestand für den getroffenen
Privatkläger C._ zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Lebensgefahr. Der
Geschädigte G._ wurde gar nicht getroffen, der Schuss ging jedoch an
dessen Kopf vorbei. Wäre es zu einem Kopftreffer gekommen, wäre nach der
allgemeinen Lebenserfahrung mit schweren, wenn nicht tödlichen Verletzungen
zu rechnen gewesen. Die übrigen Geschädigten wurden ebenfalls nicht getroffen.
- 59 -
Dass es nicht zum Tod eines Menschen kam, ist aber nicht dem Zutun des
Beschuldigten A._, sondern allein dem Zufall und bezüglich des
Privatklägers C._ auch der medizinischen Versorgung (vgl. Urk. HD 8/7 S. 5)
zu verdanken. Angesichts des als recht hoch einzustufenden Risikos der
Tatbestandsverwirklichung und der tatsächlichen Folgen für den Privatkläger
C._ ist die Einsatzstrafe aufgrund der versuchten Tatbegehung um 2 Jahre
zu reduzieren.
7. Asperation aufgrund des versuchten Raubes
7.1. Beim Raub ist hinsichtlich der objektiven Tatschwere zu
berücksichtigen, dass der Beschuldigte A._ eine schussbereite Waffe zur
Bedrohung einer grösseren Anzahl von Personen einsetzte, um diese in
Mittäterschaft mit †B._ auszurauben. Es befanden sich somit zahlreiche
Geschädigte bei der Tatbegehung in einer aktuellen Lebensgefahr. Die Tat war
allerdings seitens des Beschuldigten A._ nicht lange im Voraus geplant.
Zudem war die beabsichtigte Beute nicht allzu gross. Die objektive Tatschwere
führt zu einem erheblichen Verschulden.
7.2. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte A._ mit direktem Vorsatz aus finanziellen Motiven handelte.
Dabei bestand für ihn keine finanzielle Notlage, da er durch seine Eltern finanziell
unterstützt wurde. Angesichts der Beweggründe des Beschuldigten A._ und
unter Einbezug der Vorgeschichte wird klar, dass er durch den Beschuldigten
†B._ in die ganze Geschichte hineingezogen wurde. Es war †B._, der
die Initiative zur Raubtat ergriffen hatte und die Tat vorbereitete, indem er die
Pistolen und die Maskierung mitbrachte. †B._ war der treibende Teil und
bestimmte die Lokalität und den Ablauf des Überfalls. Die Annahme der
Vorinstanz, wonach sich der Beschuldigte A._ wohl aufgrund der Erfahrung
des Beschuldigten †B._ und der angeblichen Einfachheit des Vorgehens zur
Raubbegehung "verführen" liess, erscheint plausibel. Auch der Altersunterschied
von 26 Jahren dürfte eine Rolle gespielt haben. Auch die Erkenntnisse des
psychiatrischen Gutachters, wonach A._ unreife und selbstunsichere bzw.
unselbständige Persönlichkeitszüge aufweist (Urk. HD 14/9 S. 35, 37, 39 und 48
- 60 -
f.), lassen auf eine erhebliche Beeinflussung durch †B._ schliessen.
Angesichts des Umstandes, dass der Beschuldigte A._ nicht von sich aus
den Raub plante, sondern sich †B._s Vorhaben aus den dargelegten
Gründen anschloss, wird das dem Beschuldigten A._ anrechenbare
Verschulden etwas relativiert und ist daher das subjektive Tatverschulden mit der
Vorinstanz als keinesfalls leicht zu qualifizieren.
7.3. Der (vollendete) Versuch fällt nur sehr leicht strafmindernd ins Gewicht,
da der Beschuldigte A._ und der Beschuldigte †B._ - dessen
Handlungen bezüglich des Raubes dem Beschuldigten A._ als Mittäter
anzurechnen sind - bis auf die Wegnahme alle objektiven Tatbestandsmerkmale
verwirklicht haben.
8. Im Verhältnis zu den mehrfachen Tötungsversuchen und zum
versuchten qualifizierten Raub fällt die vom Beschuldigten A._ begangene
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz nur noch sehr leicht ins
Gewicht. Im Rahmen der objektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass der
Beschuldigte A._ unter dem Einfluss von Kokain auf der Strecke ... nach ...
nachts bei aufgrund von Nebelschleier ungünstigen Sichtverhältnissen ein
Fahrzeug lenkte (Urk. ND 4 1 S. 3). Zur Fahrtzeit um 01:15 Uhr lag ein
schwaches Verkehrsaufkommen vor und bei trockener Asphaltfahrbahn waren die
Strassenverhältnisse gut (Urk. ND 4 1 S. 3). Das diesbezügliche Verschulden ist
als nicht mehr leicht einzustufen. Was die subjektive Tatschwere betrifft, hatte der
Beschuldigte A._ drei Tage vor der Fahrt zwei Linien Kokain konsumiert. Die
Vor-aussehbarkeit der unter Drogeneinfluss vorgenommenen Fahrt war damit
gegeben. Es ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Fahrt aus
Bequemlichkeit unternommen hat. Auch in subjektiver Hinsicht erweist sich das
Verschulden als nicht mehr leicht.
9. Die für das Tötungsdelikt festgesetzte Einsatzstrafe ist unter
Berücksichtigung der dargelegten Tatumstände in Anwendung von Art. 49 Abs. 1
StGB im Rahmen der Asperation angemessen im Umfang von 2 1⁄2 Jahren zu
erhöhen.
- 61 -
10. Täterkomponenten
10.1. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben des Täters, insbesondere
allfällige Vorstrafen, seine persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach
der Tat und im Strafverfahren. Bei der Beurteilung des Vorlebens fallen einerseits
früheres Wohlverhalten, anderseits Zahl, Schwere und Zeitpunkt von Vorstrafen
ins Gewicht. Unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse ist auch zu
berücksichtigen, ob der Täter Reue und Einsicht zeigt.
10.2. Bezüglich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten kann auf die zutreffenden Ausführungen in den vorinstanzlichen
Erwägungen verwiesen werden (Urk. 122 S. 19 f.). Anlässlich der
Berufungsverhandlung wurde bekannt, dass der Beschuldigte A._ in ...
aufwuchs und die Primar- und Realschule besuchte. Er begann sowohl eine
Lehre als Verkäufer als auch die Handelsschule, was er beides nicht abschloss.
Anschliessend arbeitete er als Pizzakurier, bei der Post, in der
Schokoladenproduktion und schliesslich in einem Pizzakurier-Geschäft, welches
sein Vater für ihn übernommen hatte, gab sein Geld aber für Kokain, Frauen und
Pokern aus. Aufgrund seines exzessiven Lebenswandels konnte er selbst die
Miete der eigenen Wohnung nicht mehr bezahlen und kehrte wieder in die
Wohnung der Eltern zurück. Er beabsichtigt, im Strafvollzug eine Lehre als
Reifenpraktiker zu machen. Der Beschuldigte A._ hat kein Vermögen, aber
Schulden in der Höhe von ca. Fr. 20'000.–. Er bestätigte, dass es im Strafvollzug
ein Disziplinarverfahren gegen ihn gegeben habe, weil er positiv auf Cannabis
getestet worden war (Prot. II S. 5 ff.; Urk. 137 S. 5 f.).
10.3. Der Beschuldigte A._ weist eine Vorstrafe auf: Mit Strafmandat
vom 21. Juni 2007 wurde er wegen mehrfacher grober Verletzung der
Verkehrsregeln und einfacher Verletzung der Verkehrsregeln mit einer bedingten
Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu Fr. 80.– unter Ansetzung einer Probezeit von
zwei Jahren sowie einer Busse von Fr. 800.– bestraft (Urk. HD 22/2). Dabei
handelt es sich teilweise um eine einschlägige Vorstrafe, welche leicht
straferhöhend ins Gewicht fällt.
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10.4. Bei der Strafzumessung ist auch das Nachtatverhalten zu
berücksichtigen. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im
Strafverfahren. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der
Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken strafmindernd. Das
Bundesgericht hat festgehalten, dass ein positives Nachtatverhalten zu einer
Strafreduktion im Bereich von einem Fünftel bis zu einem Drittel führen kann
(BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Ein Verzicht auf Strafminderung ist zulässig, wenn
das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter
nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar erst nach Ausfällung des
erstinstanzlichen Urteils geständig geworden ist (Entscheid des Bundesgerichts
6B_558/2011 vom 21. November 2011 E. 2.3.). Die bundesgerichtliche Praxis
zeigt, dass nur ein ausgesprochen positives Nachtatverhalten zu einer
Strafreduktion von einem Drittel führen kann. Zu einem solchen gehört ein
umfassendes Geständnis von allem Anfang an und aus eigenem Antrieb, also
nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin
oder nach Vorlage entsprechender Beweise. Ferner gehört kooperatives
Verhalten in der Untersuchung dazu, wozu gehört, dass beispielsweise aufgrund
des Verhaltens eines Beschuldigten weitere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur
Rechenschaft gezogen werden können, was ohne sein kooperatives Mitwirken
nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich gehört Einsicht ins Unrecht der Tat und
Reue dazu. Nur wenn all diese Faktoren erfüllt sind, kann eine Strafreduktion von
einem Drittel erfolgen. Fehlen einzelne Elemente, ist die Strafe entsprechend
weniger stark zu mindern.
Der Beschuldigte A._ hat von Anfang an seine Beteiligung am Raubüberfall
und seine Schussabgaben gestanden, was er aber aufgrund der Überwältigung in
flagranti und der erdrückenden Beweislage ohnehin nicht ernsthaft hätte
bestreiten können. Weiter behauptete der Beschuldigte A._ stets eine
Bedrohungs- bzw. Zwangssituation und bestritt, um die Echtheit seiner Waffe
gewusst zu haben. Damit war er - im subjektiven Sachverhalt - im relevanten
Punkt nicht geständig. Er hat seine eigene Tatbeteiligung von Anfang an stark
bagatellisiert. Dieses Aussageverhalten relativiert die Kooperationsbereitschaft
A._s erheblich. Dem Beschuldigten A._ ist dennoch ein Teilgeständnis
- 63 -
zu Gute zu halten. Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten A._ in der
Voruntersuchung, in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung und in der
Berufungsverhandlung (Urk. HD 16/8 S. 6, Urk. HD 3/3 S. 4, Urk. HD 3/6 S. 1,
Urk. HD 3/11 S. 12, Urk. HD 14/9 S. 29 und 34, Urk. HD 18/13 S. 2, Urk. HD 78 S.
17, [Entschuldigungsschreiben an Privatkläger C._], Prot. II S. 14) ist
hingegen von echter Reue auszugehen. Er schämt sich heute für sein damaliges
Verhalten. Nachdem noch im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Urteilsfällung das
Wohlverhalten des Beschuldigten A._ im Gefängnis ... als positiver Punkt zu
erwähnen war (Urk. 122 S. 152), musste zwischenzeitlich in der
Justizvollzugsanstalt ..., wo der Beschuldigte A._ gegenwärtig einsitzt, ein
Disziplinarverfahren durchgeführt werden. Der Beschuldige A._ wurde mit
Disziplinarverfügung vom 15. Juli 2013 wegen Verstosses gegen das Drogen-
und Alkoholverbot in der Vollzugseinrichtung disziplinarisch bestraft (Urk. 131/2).
Positiv zu bewerten ist hingegen, dass der Beschuldigte A._ die
Schadenersatzforderung des Privatklägers C._ und eine Genugtuung in
Höhe von Fr. 10'000.– für den Privatkläger C._ sowie von Fr. 1'000.– für den
Privatkläger D._ anerkannt hat.
10.5. Im Ergebnis führen die im Rahmen der Täterkomponente zugunsten
des Beschuldigten überwiegenden Strafminderungsgründe zu einer Reduktion
von insgesamt 1 1⁄2 Jahren.
11. Strafmass
Aufgrund aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint eine Strafe von 12
Jahren Freiheitsstrafe angemessen. An diese Freiheitsstrafe sind 1040 Tage
erstandene Untersuchungshaft und vorzeitigen Strafvollzug bis und mit heute
anzurechnen (Art. 51 StGB).
Ein bedingter oder teilbedingter Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe ist bereits
aus objektiven Gründen nicht möglich, da der Beschuldigte A._ zu einer
Freiheitsstrafe von mehr als 3 Jahren zu verurteilen ist (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43
Abs.1 StGB). Die Freiheitsstrafe ist daher zu vollziehen.
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VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die vorinstanzliche
Kostenauflage zu bestätigten (Dispositivziffer 12).
2. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach
Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO).
Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich. Ebenso
unterliegt die Staatsanwaltschaft mit ihren Anträgen. Ausgangsgemäss sind dem
Beschuldigten somit 2/3 der gesamten Kosten des Berufungsverfahrens
aufzuerlegen, zu 1/3 sind die Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO auf
die Gerichtskasse zu nehmen; entsprechend ist der amtliche Verteidiger,
Rechtsanwalt lic. iur. X._, mit Fr. 5'364.35 (inkl. 8% MwSt.) aus der
Gerichtskasse zu entschädigen. Der unentgeltlicher Vertreter des Privatklägers
C._, Rechtsanwalt lic. iur. Y._, ist sodann mit Fr. 930.95 (inkl. 8%
MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Beschuldigte hat diese
Entschädigungen zu 2/3 an den Staat zurückzuzahlen, sobald es seine
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (vgl. Art. 135 Abs. 4 StPO bzw. Art. 138
Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO).