Decision ID: b6e45755-6628-44f4-9f9d-7d76d47eebad
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975, Mutter zweier 1995 und 1997 geborene
r
Kinder, meldete sich am 28. August 2013 unter Hinweis auf
Rückenbe
schwerden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom 7. Dezember 2015 für den Monat April 2014 eine ganze Rente und für den Monat Mai 2014 eine halbe Rente sowie bei einem
Invali
ditätsgrad
von 50 %
erneut
eine halbe Rente ab 1. Januar 2015 zu (Urk. 7/66).
1.2
Nach Eingang eines
Revisions
gesuchs vom 11. November 2015 (Urk. 7/64) holte die IV-Stelle unter anderem bei Dr. med.
Y._
, Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie, ein
Gutachten ein
, das am 2
8.
September 2016 erstattet wurde (Urk. 7/103/1-16). Nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren (Urk. 7/106, Urk. 7/111/2) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. Januar 2017 die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk. 7/110 = Urk. 2).
2.
2.1
Die Versicherte erhob am 20. Februar 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom
19. Januar 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine halbe Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
März 2017 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde.
2.2
Mit Gerichtsverfügung vom 8. Mai 2017 wurde die Beschwerdegegnerin aufge
fordert, zur verfügten Renteneinstellung ergänzend Stellung zu nehmen (Urk. 12).
Dieser Aufforderung kam die Beschwerdegegnerin am 18. Mai 2017 nach und beantragte eine Rückweisung zu weiteren
medizinischen
Ab
klärungen (Urk. 15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrecht,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
-
bezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Än
derung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditäts
grad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert ha
ben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im We
sentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfä
higkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades
bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung
(Urk. 2)
da
von aus, aus medizinischer Sicht
bestehe gemäss der
aktuelle
n
orthopädische
n
Begutachtung von Dr.
Y._
sowie de
m
Arztbericht von Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
eine vollständige Arbeitsfähigkeit bezogen auf das von der Beschwerdeführerin ausgeübte 50%-Arbeitspensum, hingegen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
für schwere Tätigkeiten mit Heben und
tragen
sowie häufigem Bücken (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin beschwerdeweise (Urk. 1) gel
tend, das Gutachten von Dr.
Y._
beziehe sich nur auf die
Handbeschwer
den
und lasse die neuropsychologischen Beschwerden ausser Acht. Ferner habe die Gutachterin unbeachtet gelassen, dass sie vor Eintritt der Invalidität eine vollständige Erwerbstätigkeit inne gehabt habe und aufgrund der 50%igen Invalidität im Zeitpunkt der Begutachtung (September 2016) nur in einem 50%igen Arbeitspensum gearbeitet habe (S. 4). Der Arzt des Regiona
len Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin habe festgestellt, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit ab dem 1. November 2016 wieder von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
-
gleich angepassten
-
Tätigkeit auszugehen sei. Damit bestehe weiterhin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bei angestammter und angepasster Tätigkeit und somit ein Invaliditätsgrad von 50 % (S. 5 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob ein Revisionsgrund (vgl. vorstehend E. 1.
4
) vor
liegt, mithin ob sich, wie von der Beschwerdegegnerin ursprünglich ange
nommen, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung soweit verbessert hatte, dass kein Rentenanspruch mehr bestand.
3.
3.1
Die
Annahme einer
zuletzt festgestellten
50%igen Arbeitsunfähigkeit und Zusprache einer halben Invalidenrente erfolgte im Jahr
2015 (vgl.
Feststel
lungsblatt
vom 23. Oktober 2015, Urk. 7/63).
Dr. med.
A._
, Facharzt für Chirurgie, RAD
,
nannte in seiner Stellungnahme vom 8. Juni 2015 (Urk. 7/63/5) als Diagnosen mit dauerhaften Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit ein
lumbospondylogenes
Syndrom L4/L5, eine Disektomie L4/L5 am 8. November 20
1
3 und ein
Meningeom
links bei Status nach Exstirpation am 28. Januar 2014 (Urk. 7/63/6). Er hielt sodann fest, dass ge
stützt auf die medizinische Aktenlage zuletzt ab 3. Dezember 2014 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in bisheriger wie auch in angepasster Tätigkeit bestehe (Stellungnahme vom 4. September 2015, Urk. 7/63/6).
Gestützt da
rauf wurde mit Verfügung vom 7. Dezember 2015 (Urk. 7/62, Urk. 7/66) ein halbe Rente zugesprochen, ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % in der vor Eintritt des Gesundheitsschadens vollzeitlich ausgeübten – und als angepasst beurteilten – Tätigkeit.
Nach Eingang des Verschlechterungsgesuches der Beschwerdeführerin klärte die Beschwerdegegnerin die medizinische Situation
erneut
ab. RAD-Arzt Dr.
A._
gelangte in seiner Beurteilung vom 14. November 2016 (Urk. 7/105/5-6) zum Ergebnis, es sei mit grosser Wahrscheinlichkeit ab dem 1. November 2016 wieder von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in bisheriger, d.h. auch angepasster Tätigkeit
auszugehen
.
3.2
Der RAD-Arzt
der Beschwerdegegnerin
gelangte
damit
zur selben medizini
schen Arbeitsfähigkeitseinschätzung wie schon im Zeitpunkt der ursprüngli
chen Rentenzusprache. Es ist mithin von einer unverändert gebliebenen Ar
beitsunfähigkeit von 50 % in angepasster wie auch ang
estammter Tätigkeit auszugehen, wovon auch in der angefochtenen Verfügung ausgegangen wurde (Urk. 2 S. 2 oben).
Es besteht somit ein unveränderter medizinischer Sachverhalt.
3.3
Indes übersieht die Beschwerdegegnerin, dass d
ie Beschwerdeführerin
vor Eintritt des Gesundheitsschadens
(seit Juni 2010)
vollzeitlich gearbeitet hat
te
und
aufgrund ihrer gesundheitlichen Beschwerden ihre Tätigkeit
per 1. Mai 2015
auf ein 50%-Pensum reduzieren
musste
, mithin die Reduktion
ihres
Ar
beitspensums
nicht aus freien Stücken erfolgte
(vgl. Urk. 7/28 Ziff. 2.1, Ziff. 2.9; Urk. 7/47
)
.
Die Einstufung der Beschwerdeführerin als im
Gesund
heitsfall
zu 50 % Erwerbstätige
ist
im Lichte dieser Umstände
nicht korrekt und folglich
resultiert
auch keine Verbesserung des
Gesundheitszustand
es der Beschwerdeführerin.
Für eine Rentenaufhebung
gestützt auf Art. 17 ATSG
besteht somit kein Raum
.
Weitere Aufhebungsgründe wurden von der
Be
schwerdegegnerin
nicht geltend gemacht und sind beim vorliegenden Sach
verhalt auch nicht zu prüfen.
3.
4
Dies führt zum Schluss, dass kein Rechtstitel ersichtlich ist, welcher die Aufhe
bung der bisher zugesprochenen Rente zu begründen vermöchte. Dem
entsprechend ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der dagegen
erhobenen
Beschwerde mit der Feststellung aufzuheben, dass die Beschwer
deführerin weiterhin Anspruch auf eine halbe Rente hat.
Der Beschwerdegegnerin
bleibt
es
indes
unbenommen - wie in der Stellung
nahme vom 18. Mai 2017 beantragt (vgl. Urk. 15) – weitere
medizinische
Abklärungen zu tätigen und je nach Ergebnis
allenfalls notwendige Mass
nahmen zu ergreifen
.
4.
4.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und
ausgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
4.2
Die obsiegende und anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessenweise
auf Fr. 2‘3
00.-- (inklu
sive Auslagenersatz und Mehrwertsteuer) festzulegen und von der
Beschwer
degegnerin
zu bezahlen ist.
5.
Indem die Kosten der Beschwerdegegnerin auferlegt werden und die Beschwer
deführerin eine Prozessentschädigung erhält, wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (vgl. Urk. 1 S. 2) gegenstandslos.