Decision ID: a1e9e25b-9bfa-4ae3-8a51-7443b3ffa2a7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Strafbehörden des Fürstentums Liechtenstein führen eine gerichtliche
Voruntersuchung unter anderem gegen die Bank B., die Bank C., die
D. AG, E., A. sowie dessen Ehefrau F. wegen des Verdachts der Geldwä-
scherei und des Verbrechens der kriminellen Organisation nach liechten-
steinischem Recht. In diesem Zusammenhang gelangte das Fürstliche
Landgericht mit Rechtshilfeersuchen vom 21. März 2019 an die Schweiz
und ersuchte nebst anderem um Durchsuchung der Räumlichkeiten von A.
zwecks Beschlagnahme von Beweismitteln (Verfahrensakten BA, unpagi-
niert, Rechtshilfeersuchen vom 21. März 2019).
B. Am 26. März 2019 übertrug das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ»)
das Ersuchen an die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») zum Vollzug.
Mit Eintretensverfügung vom 3. April 2019 entsprach die BA dem Ersuchen
(Verfahrensakten BA, unpaginiert, Eintretensverfügung vom 3. April 2019).
Gestützt auf den Durchsuchungs- und Sicherstellungsbefehl vom 3. April
2019 fand am 4. April 2019 an der Wohnadresse von A. eine Hausdurch-
suchung statt, anlässlich welcher mehrere elektronische Geräte und Do-
kumente sichergestellt wurden (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Durchsu-
chungs- und Sicherstellungsbefehl vom 3. April 2019; Durchsuchungspro-
tokoll der Bundeskriminalpolizei vom 4. April 2019).
C. Rechtsanwalt Werner Bodenmann (nachfolgend «RA Bodenmann») teilte
der BA mit Schreiben vom 5. April 2019 mit, dass er mit der Wahrung der
Interessen von A. beauftragt worden sei und ersuchte um Akteneinsicht
(Verfahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben RA Bodenmann vom 5. April
2019). Mit Schreiben vom 9. April 2019 stellte die BA RA Bodenmann di-
verse Unterlagen des Rechtshilfeverfahrens in Kopie zu (Verfahrensakten
BA, unpaginiert, Schreiben BA vom 9. April 2019).
D. Mit ergänzendem Rechtshilfeersuchen vom 16. September 2019 ersuchte
das Fürstentum Liechtenstein um Zulassung der Teilnahme der ausländi-
schen Ermittlungsbeamten an der Triage der sichergestellten Beweismittel
(Verfahrensakten BA, unpaginiert, Rechtshilfeersuchen vom 16. September
2019). Mit Zwischenverfügung vom 20. September 2019 bewilligte die BA
die Anwesenheit von ausländischen Prozessbeteiligten beim Rechtshilfe-
vollzug nach vorgängiger Unterzeichnung einer Garantieerklärung (Verfah-
rensakten BA, unpaginiert, Zwischenverfügung vom 20. September 2019).
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Die liechtensteinischen Beamten unterzeichneten am 18. November 2019
die von der BA verlangte Garantieerklärung (Verfahrensakten BA, unpagi-
niert, Garantieerklärungen vom 18. November 2019). Die Triage der si-
chergestellten Daten und Dokumente fand am 18.-21. November 2019 im
Beisein von drei liechtensteinischen Ermittlungsbeamten statt (Verfahrens-
akten BA, unpaginiert, Bericht der Bundeskriminalpolizei vom 3. Dezember
2019).
E. Die BA gab A. am 9. Dezember 2019 die Gelegenheit, sich zur vereinfach-
ten Ausführung gemäss Art. 80c IRSG hinsichtlich der auf der CD-ROM be-
findlichen Dokumente und Daten seines Mobiltelefons zu äussern (Verfah-
rensakten BA, unpaginiert, Schreiben BA vom 9. Dezember 2019). Innert
erstreckter Frist verweigerte A. mit Schreiben vom 31. Januar 2020 seine
Zustimmung zur vereinfachten Ausführung des Ersuchens und nahm zum
Ersuchen Stellung (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben RA Bo-
denmann vom 31. Januar 2020).
F. Mit Schlussverfügung vom 4. März 2020 verfügte die BA die Herausgabe
der darin bezeichneten Unterlagen aus der Auswertung des Mobiltelefons
von A. an die ersuchende Behörde (act. 1.1).
G. Dagegen liess A. am 2. April 2020 bei der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts Beschwerde erheben und im Hauptbegehren die kostenfäl-
lige Aufhebung der Schlussverfügung beantragen (act. 1).
H. Die BA liess sich mit Eingabe vom 11. Mai 2020 zur Beschwerde verneh-
men und beantragt deren kostenfällige Abweisung, soweit darauf eingetre-
ten werden könne (act. 7). Mit Schreiben vom 24. April 2020 verzichtete
das BJ auf die Einreichung einer begründeten Stellungnahme und bean-
tragt die kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 8). A. liess sich zu
den Beschwerdeantworten mit Schreiben vom 19. Juni 2020 vernehmen
und hielt an den in der Beschwerde gestellten Begehren fest (act. 11).
Während sich die BA zur Replik von A. vom 26. Juni 2020 vernehmen liess,
verzichtete das BJ mit Schreiben vom 29. Juni 2020 auf die Einreichung ei-
ner Duplik (act. 13, 14). Die Schreiben der BA und des BJ wurden A. am
1. Juli 2020 zur Kenntnis gebracht (act. 15).
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Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug ge-
nommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen dem Fürstentum Liechtenstein und der
Schweiz sind in erster Linie das Europäische Übereinkommen über die
Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1) sowie
das Zweite Zusatzprotokoll vom 8. November 2001 zum Europäischen
Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen (SR 0.351.12; Zweites
Zusatzprotokoll) anwendbar. Zur Anwendung kommt vorliegend auch das
Übereinkommen vom 8. November 1990 über Geldwäscherei sowie Ermitt-
lung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten (Geld-
wäschereiübereinkommen, GwUe; SR 0.311.53). Überdies gelangen die
Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur
Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985
(Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom
22. September 2000, S. 19-62) zur Anwendung, wobei die zwischen den
Vertragsparteien geltenden weitergehenden Bestimmungen aufgrund bila-
teraler Abkommen unberührt bleiben (Art. 48 Abs. 2 SDÜ; Art. 26 Absätze
2 und 3 EUER; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en
matière pénale, 5. Aufl. 2019, N. 18-21, 28-40, 77, 109).
Soweit die staatsvertraglichen Bestimmungen gewisse Fragen weder aus-
drücklich noch stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landes-
recht geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (sog. Günstigkeits-
prinzip; BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212
E. 2.3; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 229), sind das Bundesgesetz vom 20. März
1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und
die dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351.11)
anwendbar (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 143 IV 91 E. 1.3; 136 IV 82
E. 3.2; 130 II 337 E. 1; vgl. auch Art. 54 StPO). Vorbehalten bleibt die Wah-
rung der Menschenrechte (BGE 139 II 65 E. 5.4 letzter Absatz; 135 IV 212
E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211 ff., 223 ff., 681 ff.).
1.2 Auf das vorliegende Beschwerdeverfahren sind zudem anwendbar die Be-
stimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021;
http://links.weblaw.ch/BGE-130-II-337 http://links.weblaw.ch/BGE-123-II-595
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Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes vom
19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [Straf-
behördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71]; BGE 139 II 404
E. 6/8.2; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 273).
2. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss sich die Beschwerde-
kammer nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf
die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken, und es genügt,
wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie
sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1; 139 IV 179 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom
16. Juli 2004 E. 5.2 m.w.H.).
3.
3.1 Die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der ausführen-
den Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird,
unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der