Decision ID: 92d30c81-8c05-4ca8-aa59-6c0648a068d8
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raub etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 1. Dezember 2016 (DG160255)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 31. August 2016
(Urk. 1/141) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte B._ ist schuldig
− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, − des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, − der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, − der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. e und g WG, Art. 8 Abs. 1 WG und Art. 25 Abs. 1 WG sowie
− des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG.
2. Der Beschuldigte C._ ist schuldig
− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, − des mehrfachen Überlassens eines Motorfahrzeugs an einen Führer
ohne erforderlichen Ausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG 
− des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische  und die Insolvenzentschädigung im Sinne von Art. 105 AVIG.
Vom Vorwurf des Betrugs im Sinne von Art. 146 StGB wird der Beschuldigte
C._ freigesprochen.
3. Die Beschuldigte A._ ist schuldig der Gehilfenschaft zu Raub im Sinne
von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB.
4. Der Beschuldigte D._ ist schuldig der Gehilfenschaft zu Raub im Sinne
von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB.
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5. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit 5 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wo-
von 327 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 300
Tagessätzen zu CHF 60.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte B._ seit
dem 19. Juli 2016 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
6. Der Beschuldigte C._ wird bestraft mit 4 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wo-
von 301 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 100
Tagessätzen zu CHF 90.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte C._ seit
dem 31. August 2016 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
7. Die Beschuldigte A._ wird bestraft mit 2 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wo-
von 152 Tage durch Haft erstanden sind.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate, ab-
züglich 152 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die
Freiheitsstrafe vollzogen.
8. Der Beschuldigte D._ wird bestraft mit 4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon
179 Tage durch Haft erstanden sind.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte D._ seit
dem 22. Juli 2016 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
9. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland vom 22. Juli 2015 gegen den Beschuldigten D._ aus-
gefällten Strafe von 90 Tagessätzen zu CHF 100 wird widerrufen.
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10. Die Privatklägerin E._ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Die Beschuldigten B._, C._, A._ und D._ werden unter
solidarischer Haftbarkeit verpflichtet, der Privatklägerin F._ AG Scha-
denersatz von CHF 146'046 zu bezahlen. Im Umfang von CHF 12'157 wird
das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin F._ AG abgewiesen. Im
Umfang von CHF 5'736.90 wird die Privatklägerin F._ AG mit ihrem
Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
12. Auf die Begehren der G._ GmbH wird nicht eingetreten.
13. Die beim Beschuldigten B._ sichergestellte Barschaft in der Höhe von
CHF 5'465.85 wird nach Eintritt der Rechtskraft zur Deckung seines Anteils
an den Verfahrenskosten verwendet.
14. Die beim Beschuldigten C._ sichergestellte Barschaft in der Höhe von
CHF 784.95 und USD 100 (Asservat Nr. A008'702'645) wird nach Eintritt der
Rechtskraft zur Deckung seines Anteils an den Verfahrenskosten verwen-
det.
15. Das Guthaben, das sich auf Konto Nr. ..., lautend auf den Beschuldigten
B._, bei der Credit Suisse AG befindet, wird zur Deckung seines Anteils
an den Verfahrenskosten verwendet. Die Kontosperre wird nach Eintritt der
Rechtskraft aufgehoben und die Credit Suisse AG angewiesen, den Saldo
dieses Kontos der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu überweisen.
16. Die Guthaben, die sich auf Konto Nr. 1 und Konto Nr. 2, beide lautend auf
den Beschuldigten B._, bei der PostFinance AG befinden, werden zur
Deckung seines Anteils an den Verfahrenskosten verwendet. Die Kontosper-
ren werden nach Eintritt der Rechtskraft aufgehoben und die PostFinance
AG angewiesen, die Saldi dieser Konti der Kasse des Bezirksgerichts Zürich
zu überweisen.
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17. Das Guthaben, das sich auf Konto Nr. CH..., lautend auf den Beschuldigten
C._, bei der Raiffeisenbank ... befindet, wird zur Deckung seines Anteils
an den Verfahrenskosten verwendet. Die Kontosperre wird nach Eintritt der
Rechtskraft aufgehoben und die Raiffeisenbank ... angewiesen, den Saldo
dieses Kontos der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu überweisen.
18. Das Guthaben, das sich auf Konto Nr. CH..., lautend auf die Beschuldigte
A._, bei der UBS AG befindet, wird zur Deckung ihres Anteils an den
Verfahrenskosten verwendet. Die Kontosperre wird nach Eintritt der Rechts-
kraft aufgehoben und die UBS AG angewiesen, den Saldo dieses Kontos
der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu überweisen.
19. Die Guthaben, die sich auf Konto Nr. 1 und Konto Nr. 2, beide lautend auf
den Beschuldigten D._, bei der PostFinance AG befinden, werden zur
Deckung seines Anteils an den Verfahrenskosten verwendet. Die Kontosper-
ren werden nach Eintritt der Rechtskraft aufgehoben und die PostFinance
AG angewiesen, die Saldi dieser Konti der Kasse des Bezirksgerichts Zürich
zu überweisen.
20. Das Guthaben, das sich auf Konto Nr. ..., lautend auf den Beschuldigten
D._, bei der Credit Suisse AG befindet, wird zur Deckung seines Anteils
an den Verfahrenskosten verwendet. Die Kontosperre wird nach Eintritt der
Rechtskraft aufgehoben und die die Credit Suisse AG angewiesen, den Sal-
do dieses Kontos der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu überweisen.
21. Die Sperren folgender Konti bei der PostFinance AG werden nach Eintritt
der Rechtskraft aufgehoben:
− Konto Nr. 1, lautend auf den Beschuldigten B._ − Konto Nr. 2, lautend auf den Beschuldigten D._.
22. Die Sperre des Kontos Nr. CH... bei der Raiffeisenbank ..., lautend auf den
Beschuldigten C._, wird nach Eintritt der Rechtskraft aufgehoben.
23. Die folgenden bei der Bezirksgerichtskasse lagernden Sicherstellungen:
− A007'787'464 (Gaspistole)
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− A007'787'453 (Elektroschockgerät) − A007'809'203 (30 Schuss Schreckschussmunition) − A008'702'145 (Munition Schreckschuss-Patronen) − A008'679'729 und A008'679'627 (graues Gewebeklebeband) − A008'679'547 (Magazinboden)
werden eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft der Bezirksgerichts-
kasse zur Vernichtung überlassen.
24. Die folgenden beim Forensischen Institut Zürich lagernden Sicherstellungen:
− A008'679'592 (Zigarettenstummel) − A008'690'004 (Zigarettenstummel) − A008'690'015 (Zigarettenstummel)
werden eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft dem Forensischen
Institut Zürich zur Vernichtung überlassen.
25. Alle übrigen sichergestellten und bei der Bezirksgerichtskasse lagernden
Gegenstände der Beschuldigten B._, C._, A._ und D._
werden den jeweils daran berechtigten Beschuldigten gemäss Ziffer III 2.2.
der Anklageschrift vom 31. August 2016 (S. 15 ff.) ab Eintritt der Rechtskraft
bis spätestens 3 Monate danach auf erstes Verlangen hin herausgegeben.
Nach ungenutztem Ablauf dieser Frist werden die Sicherstellungen der La-
gerbehörde zur Vernichtung überlassen.
26. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
27. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
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Fr. 15'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 16'000.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 1'460.00 Auslagen Polizei
Fr. 2'000.00 Gutachten/Expertisen
Fr. 61'727.50 Auslagen Untersuchung
Fr. 6'876.80 Diverse Kosten
Fr. 3'000.00 Beschwerden OGZ Beschuldigte A._
Fr. 1'400.00 Beschwerde OGZ Beschuldigter D._
Fr. 43'110.90 amtliche Verteidigung RA Dr. X1._
Fr. 20'919.95 amtliche Verteidigungen (à Konto-Zahlungen RA X2._ nebst Fr. 5'419.95 aus Dossier 4) Fr. 21'605.75 amtliche Verteidigung RA X2._
Fr. 36'296.90 amtliche Verteidigung RA X3._
Fr. 43'067.90 amtliche Verteidigung RAin X4._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
28. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigungen der Beschuldigten sowie
der nachfolgend in Ziff. 28 und 29 aufgeführten Kosten für diverse Be-
schwerdeverfahren, werden den Beschuldigten in folgendem Umfang aufer-
legt:
− Beschuldigter B._: 1/3 − Beschuldigter C._: 1/3 − Beschuldigter D._: 1/6 − Beschuldigte A._: 1/6.
29. Die Kosten für folgende Beschwerdeverfahren:
− Geschäfts-Nr. UB160009; erledigt mit Beschluss des Obergerichts vom 29. Januar 2016,
− Geschäfts-Nr. UB160028; erledigt mit Beschluss des Obergerichts vom 11. März 2016 und
− Geschäfts-Nr. UB160043; erledigt mit Beschluss des Obergerichts vom 15. April 2016
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in der Höhe von insgesamt CHF 3'000 werden der Beschuldigten A._
vollumfänglich auferlegt.
30. Die Kosten für das Beschwerdeverfahren betreffend Haftentlas-
sung/Verlängerung Untersuchungshaft, Geschäfts-Nr. UB160044 (erledigt
mit Beschluss des Obergerichts vom 26. April 2016), in der Höhe von
CHF 1'400 werden dem Beschuldigten D._ vollumfänglich auferlegt.
31. Die Kosten der amtlichen Verteidiger X2._, X3._, X1._ und
X4._ werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung für die einzelnen Beschuldigten hinsichtlich der Kosten ihrer
eigenen amtlichen Verteidigung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
32. Rechtsanwalt lic. iur. X2._ wird unter Berücksichtigung der bereits er-
haltenen Akontozahlungen von CHF 15'500 für seine Aufwendungen als
amtlicher Verteidiger des Beschuldigten B._ mit CHF 21'605.75
(inkl. MWST) aus der Gerichtskasse entschädigt.
33. Rechtsanwalt lic. iur. X3._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten C._ mit CHF 36'296.90 (inkl. MWST) aus
der Gerichtskasse entschädigt.
34. Rechtsanwalt Dr. iur. X1._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger der Beschuldigten A._ mit CHF 43'110.90 (inkl. MWST) aus
der Gerichtskasse entschädigt.
35. Rechtsanwältin lic. iur. X4._ wird für ihre Aufwendungen als amtliche
Verteidigerin des Beschuldigten D._ mit CHF 43'067.90 (inkl. MWST)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
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Berufungsanträge:
1. a) Der Verteidigung des Beschuldigten 3 C._:
(Urk. 288 S. 1 und 13)
1. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositivziffer 6 des ange-
fochtenen Urteils mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu bestrafen
unter Anrechnung der bereits erstandenen Haft.
2. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren aufzuschieben.
3. Eventualiter sei der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren
zu bestrafen.
4. Der Beschuldigte sei sofort aus der Haft zu entlassen.
1. b) Der Verteidigung des Beschuldigten 2 B._:
(Urk. 250 S. 1 i.V.m. 289 S. 2 f.)
1. Es sei Ziff. 1 des angefochtenen Urteils (S. 165) aufzuheben.
2. Es sei der Beschuldigte, B._, des mehrfachen Diebstahls im Sinne
von Art. 139 Ziff. 1 StGB, der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1
Abs. 1 StGB, der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne
von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. e und g
WG, Art. 8 Abs. 1 WG, Art. 25 Abs. 1 WG und Art. 31 Abs. 1 lit. b WG
sowie des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeuges ohne Führe-
rausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG schuldig zu sprechen
und mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 50.– zu bestrafen,
unter Anrechnung der bis heute erstandenen Haft.
3. Des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB sei der Beschuldigte
freizusprechen.
4. Aufgrund der offensichtlichen Überhaft sei der Beschuldigte angemes-
sen zu entschädigen.
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5. Es sei der Beschuldigte unverzüglich aus der Haft zu entlassen.
6. Es seien dem Beschuldigten alle ihn und seinen Bruder betreffenden
Gegenstände und Unterlagen herauszugeben, welche auf Seite 21 der
Anklageschrift aufgeführt sind.
7. Es seien ihm die Kosten des Verfahrens anteilmässig aufzuerlegen,
welche nicht die Strafuntersuchung des Raubes vom 29. Oktober 2015
betreffen.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
9. Die Zivilforderung der F._ AG sei auf den Zivilweg zu verweisen.
10. Eventualantrag: Es sei der Beschuldigte B._ des Raubes, des
Diebstahls, der Hehlerei, des Vergehens gegen das Waffengesetz so-
wie des Fahrens ohne Berechtigung schuldig zu sprechen. Es sei der
Beschuldigte mit einer Gesamt-Freiheitsstrafe von 40 Monaten unter
Anrechnung der erstandenen Haft zu bestrafen.
1. c) Der Verteidigung der Beschuldigten 1 A._:
(Urk. 291 S. 2 f.)
1. Die Beschuldigte A._ sei vom Vorwurf der Gehilfenschaft zu
einem Raub i.S.v. Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 25 StGB
vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Für den unrechtmässig erlittenen Freiheitsentzug, mithin für die
erstandene Untersuchungshaft von insgesamt 152 Tagen, sei ihr eine
Genugtuung i.S.v. Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO in praxisgemässer Höhe
zuzusprechen.
3. Für den erlittenen Verdienstausfall von insgesamt 6.5 Monaten sei sie
in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO mit Fr. 30'217.50 zu
entschädigen.
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4. Die Kontosperre betr. das UBS-Konto der Beschuldigten (act. 1/97/1;
Konto-Nummer CH...) sei ohne weitere Konsequenzen aufzuheben.
5. Die Beschlagnahme der anlässlich der Hausdurchsuchung vom
25. Januar 2016 am früheren Wohnort der Beschuldigten
sichergestellten und ihr gehörenden Gegenstände (act. 1/104/7) sei
vollumfänglich aufzuheben und sämtliche Sachen seien ihr i.S.v.
Art. 267 Abs. 1 StPO auszuhändigen.
6. Gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO e contrario sowie Art. 428 Abs. 1
StPO seien sämtliche Verfahrenskosten, einschliesslich des Beru-
fungsverfahrens, A._ betreffend auf die Staatskasse zu nehmen.
Eventualanträge:
1. Die Beschuldigte A._ sei wegen Gehilfenschaft zu Raub i.S.v.
Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 25 StGB schuldig zu sprechen.
2. Sie sei dafür mit einer Freiheitsstrafe von 12, maximal 18 Monaten zu
sanktionieren.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei vollumfänglich zur Bewährung
aufzuschieben; die Probezeit sei auf 2 Jahre festzusetzen.
4. Auf die Schadenersatz-Forderung der Privatklägerin F._ AG sei
nicht einzutreten; ev. sei die Klägerin mit ihrer Forderung auf den
Zivilweg zu verweisen.
5. Das sich auf dem UBS-Konto der Beschuldigen (IBAN: CH...) per 23.
Februar 2016 befindende Guthaben von Fr. 1'516.35 sei für die
Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden.
6. Die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen Gerichtsver-
fahrens sowie des Berufungsverfahrens seien zu 1/12, höchstens aber
zu 1/6 der Beschuldigten aufzuerlegen; die Kosten der amtlichen
Verteidigung jedoch seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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7. Die Kosten der Beschwerdeverfahren gemäss Ziff. 29 des
vorinstanzlichen Erkenntnisses seien auf die Staatskasse zu nehmen.
1. d) Der Verteidigung des Beschuldigten 4 D._:
(Urk. 293 S. 1 f.)
1. In Gutheissung der Berufung sei das angefochtene Urteil des
Bezirksgerichtes Zürich vom 1. Dezember 2016 aufzuheben.
2. Herr D._ sei vollumfänglich freizusprechen.
3. Herrn D._ sei für die unschuldig erlittene Haft eine angemessene
Genugtuung im Ermessen des Gerichts aus der Staatskasse auszu-
richten.
4. Herrn D._ sei für den entgangenen Verdienstausfall nach Ermes-
sen des Gerichts zu entschädigen.
5. Die beschlagnahmten Gegenstände des Beschuldigten seien an die-
sen herauszugeben.
6. Der mit Strafbefehl vom 22. Juli 2015 gewährte bedingte Strafvollzug
sei nicht zu widerrufen.
7. Die Kosten des Vorverfahrens, des erstinstanzlichen Gerichtsverfah-
rens, der Haftverfahren sowie des vorliegenden Berufungsverfahrens
seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
Eventualanträge:
1. Herr D._ sei mit einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten zu bestra-
fen.
2. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
22. Juli 2015 ausgefällte Strafe von 90 Tagessätzen sei an die Dauer
der Überhaft anzurechnen. Der Berufungskläger sei für die darüber
hinausgehende Haft angemessen zu entschädigen.
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3. Die Kosten (inkl. der amtlichen Verteidigung) seien ausgangsgemäss
zu verteilen.
Verfahrensantrag:
Herr D._ sei aus der Haft zu entlassen.
2. Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 253 S. 2, Prot. II S. 56)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

Erwägungen:
I.
1. a) Den vier Beschuldigten wird zur Last gelegt, gemeinsam als Mittäter
einen Raubüberfall auf das Kleidergeschäft "H._" an der I._-Strasse ...
in ... Zürich geplant zu haben, worauf die Beschuldigten B._ und C._
diese Tat am 29. Oktober 2015 ausgeführt hätten. Eventualiter seien die Beschul-
digten A._ und D._ als Gehilfen ins Recht zu fassen. Im Einzelnen habe
zunächst A._ bei ihrer Arbeitstätigkeit im "H._" bemerkt, dass dort je-
weils am Donnerstagmorgen die Bargeldeinnahmen gezählt und für die wöchent-
liche Abholung bereitgemacht worden seien. Sie habe daraufhin den Gebrüdern
B._C._ den zum Betreten des Kleidergeschäfts nötigen Code mitgeteilt
und ihnen erklärt, wo sich der Tresorraum befunden habe. D._ sei in einer
guten persönlichen und deliktischen Beziehung zu B._ gestanden. Er sei als
Vermittler bzw. Drahtzieher für den Überfall zuständig gewesen, weil er aufgrund
einer früheren Tat über das nötige "Fachwissen" bezüglich Waffenbeschaffung,
Maskierung, Fluchtauto etc. verfügt und dieses weitergegeben habe. Eventuell
habe er auch nur als Gehilfe den Gebrüdern B._C._ das Wissen über
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den Zutrittscode und die örtlichen Verhältnisse beim "H._" weitergegeben,
welches er seinerseits von A._ erhalten habe. Am 29. Oktober 2015, 08.10
Uhr, hätten sodann B._ und C._ unter Verwendung des von A._
mitgeteilten Zutrittscodes das Kleidergeschäft "H._" durch den Personalein-
gang betreten und sich in den 5. Stock begeben. Dort hätten sie, je mit einer
Faustfeuerwaffe ausgerüstet, vor der Türe des zum Tresorraum führenden Büros
gewartet. Dabei hätten sie gewusst, dass die normalerweise zu dieser Uhrzeit im
5. Stock tätigen Mitarbeiter des Dekorationsteams auswärts an einer Weiterbil-
dung teilnahmen. Als die "H._"-Mitarbeiterin J._ die Bürotür geöffnet
habe, hätten die beiden Räuber mit vorgehaltener Waffe das Büro betreten. Sie
hätten J._ und deren Arbeitskollegen K._ mit Klebeband gefesselt, das
teilweise schon in Postbeutel verpackte Bargeld im Gesamtbetrag von ca.
Fr. 140'000.– behändigt und sich auf demselben Weg, wie sie zuvor gekommen
seien, vom Tatort entfernt.
b) Dem Beschuldigten B._ wird zusätzlich vorgeworfen, im Oktober /
November 2014 Diebesgut im Gesamtwert von mindestens Fr. 24'309.–, nament-
lich zahlreiche Handtaschen, bei sich zuhause versteckt zu haben (Dossier 4/1).
Ausserdem habe er im Jahre 2014 bei seiner Tätigkeit als Ladendetektiv in den
Warenhäusern "L._" bzw. "M._" unter drei Malen Kleider im Gesamtwert
von etwas mehr als Fr. 10'000.– gestohlen (Dossiers 4/2-4), ohne die erforderli-
che Bewilligung ein Elektroschockgerät und eine Schreckschusspistole samt Mu-
nition erworben (Dossier 4/5) und im November / Dezember 2014 sowie vom 6.
Juli bis zum 4. November 2015 etliche Male Autos gelenkt, ohne einen gültigen
Führerschein zu besitzen (Dossier 4/6).
c) Der Beschuldigte C._ soll ausserdem am 26. Juni bzw. 8. August
2015 je ein Auto der Marke "N._" geleast und dabei gegenüber der Leasing-
firma wahrheitswidrig angegeben haben, als fest angestellter ...pfleger monatlich
netto Fr. 4'800.– zu verdienen. Um dies zu untermauern habe er gefälschte Lohn-
abrechnungen vorgelegt. Tatsächlich habe er von Arbeitslosengeld und temporä-
ren Arbeitseinsätzen gelebt (Dossier 2). Neben dieser als Betrug eingeklagten Tat
habe C._ mehrmals seinem Bruder B._ die erwähnten Autos überlas-
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sen, obwohl er gewusst habe, dass dieser nicht im Besitz eines gültigen Führer-
ausweises gewesen sei (in Dossier 1). Ausserdem habe er sein im Zeitraum vom
14. Juli bis zum 6. Oktober 2015 mit Temporäreinsätzen erzieltes Erwerbsein-
kommen von insgesamt Fr. 11'535.70 gegenüber der öffentlichen Arbeitslosen-
kasse des Kantons Aargau verschwiegen und so im selben Umfang unrechtmäs-
sig Stempelgeld erlangt (Dossier 3).
2. a) Mit Urteil vom 1. Dezember 2016 sprach das Bezirksgericht Zürich,
9. Abteilung, B._ des Raubes (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB), des mehrfachen
Diebstahls (Art. 139 Ziff. 1 StGB), der Hehlerei (Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB), des
Vergehens gegen das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 lit. a WG) sowie des mehrfa-
chen Fahrens ohne Führerausweis (Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG) schuldig. B._
wurde zu 51⁄2 Jahren Freiheitsstrafe und zu einer unbedingt vollziehbaren Geld-
strafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 60.– verurteilt (Urk. 241 S. 165).
b) C._ wurde des Raubes (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB), des mehrfa-
chen Überlassens eines Motorfahrzeugs an einen Führer ohne Ausweis (Art. 95
Abs. 1 lit. e SVG) und des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligato-
rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (Art. 105 AVIG)
schuldig-, vom Vorwurf des Betrugs hingegen freigesprochen. Gegen ihn fällte
das Gericht sodann 41⁄2 Jahre Freiheitsstrafe und 100 Tagessätze zu Fr. 90.–
Geldstrafe aus, wobei ihm für letztere der bedingte Vollzug mit zwei Jahren Pro-
bezeit gewährt wurde.
c) A._ wurde der Gehilfenschaft zu Raub (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 in Ver-
bindung mit Art. 25 StGB) schuldig gesprochen und zu 21⁄2 Jahren Freiheitsstrafe
verurteilt, wobei der Strafvollzug im Umfang von 20 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt wurde.
d) D._ schliesslich wurde ebenfalls der Gehilfenschaft zu Raub (Art.
140 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 25 StGB) schuldig gesprochen und mit 4
Jahren Freiheitsstrafe sanktioniert. Ausserdem wurde ihm gegenüber der beding-
te Aufschub von 90 Tagessätzen zu Fr. 100.– Geldstrafe gemäss Strafbefehl der
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Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 22. Juli 2015 widerrufen und der
Vollzug dieser Strafe angeordnet.
e) Das Gericht entschied ausserdem über mehrere Zivilforderungen und ver-
fügte die Verwendung des sichergestellten Bargeldes bzw. der gesperrten Gutha-
ben zur teilweisen Kostendeckung. Sodann wurden einige Gegenstände zwecks
Vernichtung eingezogen und die Herausgabe aller übrigen Konfiskate an die je-
weils daran berechtigten Beschuldigten angeordnet. Den Beschuldigten B._
und C._ wurde je ein Drittel und der Beschuldigten A._ sowie dem Be-
schuldigten D._ je ein Sechstel der Verfahrenskosten sowie den beiden
letztgenannten Beschuldigten je die Kosten der von ihnen erfolglos angestrengten
Beschwerdeverfahren auferlegt.
3. a) Gegen dieses Urteil liessen alle vier Beschuldigten rechtzeitig die Beru-
fung anmelden (B._: Urk. 218; C._: Urk. 219; A._: Urk. 220;
D._: Urk. 222; Art. 399 Abs. 1 StPO) und sodann auch fristgerecht
(vgl. Urk. 228/2-5) die Berufungserklärungen (Art. 399 Abs. 3 StPO) einreichen.
b) Der Beschuldigte B._ ficht den vorinstanzlichen Schuldspruch nur
hinsichtlich des Raubes an und lässt für die übrigen Delikte eine Geldstrafe von
180 Tagessätzen zu Fr. 50.– beantragen. Er verlangt ferner eine Entschädigung
für die nach Anrechung der erlittenen Haft auf die Geldstrafe verbleibende Über-
haft sowie die Verweisung der Privatklägerin F._ AG auf den Zivilweg
(Urk. 250 S. 2, Urk. 289 S. 2 f.).
c) Der Beschuldigte C._ wollte im Zeitpunkt der Berufungserklärung
noch vom Vorwurf des Raubes freigesprochen werden. In der Folge zog er seine
Berufung betreffend den Schuldpunkt zurück und beschränkte sich auf die An-
fechtung des Strafmasses. Er verlangt eine Reduktion der Freiheitsstrafe auf 24
Monate und die Gewährung des bedingten Strafvollzugs mit zwei Jahren Probe-
zeit (Urk. 248 S. 2/3, Urk. 276, Urk. 288 S. 1).
d) Der Beschuldigte D._ strebt mit seiner Berufung einen Freispruch
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates an. Er ficht dem-
- 17 -
gemäss auch den Widerruf einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe, die Verpflich-
tung zur Zahlung von Schadenersatz an die F._ AG, die Einziehung seiner
Bankguthaben sowie die ihn betreffenden Kostenauflagen an. Für den Fall, dass
er doch der Gehilfenschaft zum Raub schuldig gesprochen werden sollte, lässt er
eine Reduktion des Strafmasses auf ein Jahr Freiheitsstrafe beantragen und ver-
langt die Zusprechung einer angemessenen Entschädigung für die nach Anrech-
nung der zu widerrufenden Geldstrafe verbleibende Überhaft (Urk. 247 S. 2,
Urk. 293 S. 1 f.).
e) Die Beschuldigte A._ will ebenfalls unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen zu Lasten des Staates freigesprochen werden. Demgemäss ficht sie
auch ihre Verpflichtung zur Zahlung von Schadenersatz an die F._ AG, die
Einziehung ihres Bankguthabens bei der UBS sowie die sie betreffenden Kosten-
auflagen an. Nebst der geltend gemachten Genugtuungsforderung wegen des un-
rechtmässig erlittenen Freiheitsentzugs, beantragt die Beschuldigte eine Ent-
schädigung für den erlittenen Verdienstausfall für 6.5 Monate in der Höhe von
Fr. 30'217.50. Für den Fall eines Schuldspruchs wegen Gehilfenschaft zum Raub
lässt sie eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit bedingtem Vollzug und zwei
Jahren Probezeit beantragen (Urk. 242 S. 2, Urk. 291 S. 2 f.).
f) Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl unterliess eine selbständige Appellation
und teilte dem Gericht nach entsprechender Fristansetzung (Urk. 251) mit, dass
sie auch auf eine Anschlussberufung verzichte und die Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils beantrage (Urk. 253).
g) Seitens der Privatklägerschaft wurden ebenfalls keine Rechtsmittel ergrif-
fen.
h) Der Beschuldigte D._ liess anlässlich der Berufungsverhandlung den
Beweisantrag stellen, es seien – zur Abklärung weiterer Beziehungen zwischen
den Gebrüdern B._C._ und den "H._"-Mitarbeitenden – deren Tele-
fonnummern und diejenige von O._ einzuholen und mit den Telefonverbin-
dungen der Gebrüder B._C._ abzugleichen (Urk. 293 S. 9). Diese Ab-
- 18 -
klärungen sind im Lichte der nachfolgenden Erwägungen nicht erforderlich (vgl.
Erw. IV/3c). Der Prozess erweist sich als spruchreif.
II.
Die vorinstanzlichen Schuldsprüche gegen B._ (Dispositiv-Ziffer 1) und
C._ (Ziff. 2) blieben mit Ausnahme desjenigen gegen B._ wegen Rau-
bes ebenso unangefochten wie der Freispruch des Beschuldigten C._ vom
Vorwurf des Betruges (in Ziff. 2). Gleiches gilt für die vorinstanzlichen Entschei-
dungen über die Zivilansprüche der E._ AG (Ziff. 10) und der G._ GmbH
(Ziff. 12) und über sichergestellte Gelder bzw. Guthaben, soweit die Gebrüder
B._C._ betreffend (Ziff. 13-17 sowie 21 und 22). Nicht Gegenstand der
Berufungen sind ferner die Einziehungen bzw. die Herausgabe sichergestellter
Gegenstände (Ziff. 23-25), die Kostenaufstellung (Ziff. 27) und die Festsetzung
der Honorare für die amtlichen Verteidigungen (Ziff. 32-35). In diesem Umfang ist
das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen (Art. 402 StPO), was vorab in
einem Beschluss festzustellen ist.
III.
1. a) Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten A._ rügte vor Bezirks-
gericht eine Verletzung des Anklageprinzips (Urk. 214 S. 5-7). In der Anklage-
schrift stehe, dass die Beschuldigte A._ den Raubüberfall zusammen mit den
Mitbeschuldigten geplant habe, obwohl es dafür keinerlei Anhaltspunkte, ge-
schweige denn Beweise gebe. Dementsprechend sei die Anklage auch hinsicht-
lich des Ortes und des Zeitpunkts der Tatplanung völlig unbestimmt geblieben
("zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt an einem nicht bekannten Ort",
Urk. 1/141 S. 4).
b) Auch die Verteidigung des Beschuldigten D._ beanstandete vor ers-
ter Instanz, dass die Anklageschrift den gesetzlichen Anforderungen nicht genü-
ge, indem Ort und Zeitpunkt der Tatplanung nicht einmal approximativ umschrie-
- 19 -
ben würden. Dies wäre beim Beschuldigten D._ aber zwingend erforderlich,
zumal ihm keine weitergehende Mitwirkung an der Tat angelastet werde. Die An-
klage enthalte zudem keine hinreichenden Angaben, welchen Beitrag er zur Tat-
planung geleistet haben solle. Ebenso wenig sei der eventualiter erhobene Vor-
wurf, dass der Beschuldigte die beiden mutmasslichen Haupttäter als Gehilfe un-
terstützt habe, in der Anklage genügend klar umschrieben. Diese werfe ihm nur
vor, das Wissen über Betriebsinterna des "H._", welche ihm zuvor A._
mitgeteilt habe, an die Gebrüder B._C._ weitergegeben zu haben. Um
welche Betriebsinterna es sich dabei gehandelt habe, werde nicht dargelegt (Urk.
215 S. 3-9).
2. Auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz kann hierzu vollumfäng-
lich verwiesen werden (Urk. 241 S. 28, 104, 114 und 116). Es liegt keine Verlet-
zung des Anklageprinzips vor.
IV.
1. a) Der Beschuldigte C._ zog wie erwähnt seine Berufung gegen den
Schuldpunkt auch betreffend Raub zurück, weshalb im Folgenden nur betreffend
die Beschuldigten B._, A._ und D._ zu prüfen ist, ob sich der
Sachverhalt gemäss Anklageschrift erstellen lässt. Zur Erstellung des Sachver-
halts betreffend C._ kann umfassend auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 241 S. 36 ff.). Der ihn betreffende Sachverhalt
ist gemäss Anklageschrift erstellt.
b) Die drei Beschuldigten bestreiten, in irgend einer Weise am Raubüberfall
auf das Kleidergeschäft "H._" beteiligt gewesen zu sein (B._:
Urk. 1/81/3 S. 6, Urk. 205 S. 6; A._: Urk. 1/81/10 S. 1, Urk. 1/81/19 S. 8,
Urk. 208 S. 7; D._: Urk. 209 S. 6), bzw. verweigerten überhaupt jegliche
Aussage zur Sache (D._: Urk. 1/81/12, Urk. 1/81/13, Urk. 1/81/14 S. 4 ff.,
Urk. 209 S. 6-8). Die gesamte Beweisführung muss anhand von Indizien erfolgen.
Dabei zeigt sich bei den nachstehenden Erwägungen, dass im Falle des Beschul-
digten B._, welcher den Überfall zusammen mit C._ ausgeführt haben
- 20 -
soll, das Geflecht der Indizien dichter und deren Qualität besser ist als gegenüber
den Beschuldigten A._ und D._. Festzuhalten ist vorab auch, dass trotz
eines grossen Untersuchungsaufwandes wesentliche Teile des Sachverhaltes im
Dunkeln geblieben sind. Dies gilt insbesondere für die Frage, was nach dem
Raub mit der Beute geschah und ob – falls die nun Beschuldigten die Täter waren
– namentlich zum Zweck der Beutesicherung allenfalls noch weitere Personen am
Delikt beteiligt waren. Ebenso konnten die von den Geschädigten erwähnten Tat-
waffen nicht gefunden werden.
2. a) aa) Beim Beschuldigten B._ steht als belastendes Beweiselement
die Tatsache im Vordergrund, dass auf dem Klebeband, mit dem die Geschädig-
ten J._ und K._ gefesselt worden waren, seine DNA festgestellt werden
konnte (Urk. 1/85/3 S. 2). Dem nachfolgend erstellten Gutachten des Instituts für
Rechtsmedizin (IRM) der Universität Zürich lässt sich im Einzelnen entnehmen,
dass von den sichergestellten Klebebandstücken je vier Stichproben ab der Ober-
fläche bzw. ab der Klebeseite entnommen und untersucht wurden (Urk. 187 S. 2).
Bei einer der Stichproben von der klebenden Seite des Bandes konnte ein DNA-
Mischprofil gefunden werden. Darin waren die Merkmale der DNA-Profile des Ge-
schädigten K._ und des Beschuldigten B._ in allen 16 typisierten DNA-
Systemen lückenlos nachweisbar. Das IRM berechnete, dass die Spurengeber-
schaft von B._ (neben K._) mehrere Milliarden Mal wahrscheinlicher ist
als diejenige einer unbekannten, mit B._ genetisch nicht verwandten Person
(a.a.O., S. 3/4). Aufgrund der dargelegten rechtsmedizinischen Befunde steht mit
rechtsgenügender Sicherheit fest, dass der Beschuldigte B._ das am Tatort
zurückgebliebene Fesselungsmaterial vorgängig berührt hat.
bb) B._ steht in keinem Bezug zum Kleidergeschäft "H._", der das
Vorhandensein seiner DNA am Tatort zu erklären vermöchte. Er musste einräu-
men, "keine Ahnung" zu haben, wie es dazu gekommen sein könnte (Urk. 1/81/9
S. 9). B._ brachte dazu schliesslich vor Bezirksgericht vor, dass er und sein
Bruder einige Monate vor der Tat umgezogen seien (Urk. 205 S. 8). Dies mag zu-
treffen, entlastet ihn aber in keiner Weise. Dass irgend ein Umzugshelfer das Kle-
beband samt den bereits daran haftenden DNA-Spuren mitgenommen und später
- 21 -
als Täter beim Raubüberfall verwendet haben könnte, kann im Lichte der nachfol-
gend zu erörternden übrigen Indizienlage mit Fug ausgeschlossen werden. Dies
gilt umso mehr, als die DNA von B._ auf der klebenden Seite des Fesse-
lungsmaterials gefunden wurde, wohin sie vor dessen Verwendung beim Überfall
kaum gelangen konnte. Hinzu kommt, dass hinter der Türe des Mitarbeiterein-
gangs zum "H._" der defekte Boden eines Pistolenmagazins sichergestellt
wurde (Urk. 1/1 S. 6). Auch darauf wurde eine DNA-Spur gefunden. Dabei handelt
es sich zwar um ein komplexes Mischprofil, weshalb eine verlässliche Berech-
nung des Beweiswerts dieser Spur nicht möglich war. Die Merkmale des Be-
schuldigten B._ waren aber bei der mehrfach durchgeführten Typisierung
dieses Mischprofils konstant nachweisbar, was gemäss dem Gutachten des IRM
deutlich auf seine Beteiligung an der Spurengeberschaft hinweist (Urk. 187 S. 5)
und damit ein zusätzliches Indiz für die Täterschaft von B._ bildet. Eine allfäl-
lige Dritt-Täterschaft hätte ansonsten beim Umzug der Gebrüder B._C._
ausser grauem Klebeband auch noch eine Waffe mitnehmen und später beides
beim Raubüberfall verwenden müssen. Für einen solchen Sachverhalt besteht
nicht der geringste Anhaltspunkt. Insbesondere gaben die beiden Brüder nie an,
eine Waffe zu vermissen, sondern behaupteten im Gegenteil, keine bzw. schon
seit längerer Zeit keine mehr besessen zu haben (Urk. 1/81/4 S. 5, Urk. 1/81/3
S. 11). B._ sagte aus, er verfüge über durchsichtige und dunkelbraune Kle-
bebänder zum Verpacken von Kartons (Urk. 1/81/5 S. 5). Sein Bruder C._
erklärte in der Untersuchung, dass er zwar möglicherweise Klebebänder besitze,
aber gelbe, nicht graue (Urk. 1/84/4 S. 5). Trifft demgemäss zu, dass im Haushalt
der Gebrüder B._C._ kein graues Klebeband vorhanden war, so konnte
auch keine Drittperson solches (mitsamt der DNA des Beschuldigten B._)
von dort mitnehmen. Gab es dort aber graues Klebeband, so ist offensichtlich,
dass B._ dessen Existenz verschweigt, weil er diesbezüglich etwas zu ver-
bergen hat. Schon allein aufgrund der am Tatort sichergestellten DNA-Spuren des
Beschuldigten B._ kann kaum noch bezweifelt werden, dass er einer der
beiden Männer war, die den Raubüberfall begingen.
b) Die betroffenen Mitarbeiter des "H._" waren schon aufgrund der
Maskierung der beiden Täter, die den Überfall ausgeführt hatten, und wohl auch
- 22 -
wegen des erlittenen Schrecks nicht in der Lage, diese wiederzuerkennen oder
auch nur ein einigermassen brauchbares Signalement zu liefern. J._ be-
schrieb den einen Räuber als ca. 185 cm gross, 25-40 Jahre alt, fest oder musku-
lös, mit dunklen Augen, eher ein Südländertyp, mit einer Art Uniform bekleidet
und mit einer Sturmhaube maskiert. Der zweite Täter sei ca. 180 bzw. 175-185
cm gross und von eher normaler Statur gewesen. Sonst könne sie zu diesem
nichts sagen. Die Männer hätten Leuchtwesten getragen (Urk. 1/82/1 S. 6,
Urk. 1/82/6 S. 6). K._ schilderte den einen Täter als bis zu 45 Jahre alt, gross
(vielleicht 185-190 bzw. 180-185 cm) und breitschultrig, von athletischer Statur,
mit einer dunkelblauen Cargohose, dunkeln Stiefeln und einer Art Warnweste be-
kleidet sowie mit einer schwarzen Sturmhaube maskiert (Urk. 1/82/2 S. 7,
Urk. 1/82/5 S. 6). Den zweiten Täter habe er praktisch nicht gesehen (Urk. 1/82/3
S. 9). Einer der beiden Räuber soll Schweizerdeutsch mit einem ausländischen,
möglicherweise balkanischen Akzent gesprochen haben (K._, Urk. 1/82/5
S. 6; J._: Urk. 1/82/6 S. 7). Die Geschädigten vermochten sodann die beim
Raub eingesetzten Waffen nur vage zu beschreiben (K._: Urk. 1/82/2 S. 8,
Urk. 1/82/5 S. 7/10; J._: Urk. 1/82/4 S. 8, Urk. 1/82/6 S. 7), und diese blieben
in der Folge unauffindbar. Letzteres erstaunt allerdings nicht, blieb doch den Be-
schuldigten, wenn sie die Täter waren, genügend Zeit, um die Waffen verschwin-
den zu lassen, bevor sie sechs Tage später (vgl. Urk. 1/125/2 und 1/126/2) ver-
haftet wurden. Die Verteidigung von B._ brachte zur Täteridentifikation vor,
dass J._ – als ursprüngliche Serbin – einerseits hätte erkennen müssen,
welcher balkanischen Sprache der von ihr festgestellte Akzent zuzuordnen gewe-
sen wäre. Andererseits hätten ihr auch die leuchtend blauen Augen B._s auf-
fallen müssen (Urk. 289 S. 14 f.). In Anbetracht der stressbeladenen Situation darf
von der Geschädigten nicht erwartet werden, dass sie diese Details hätte wahr-
nehmen können. Überdies konnte an der heutigen Berufungsverhandlung festge-
stellt werden, dass B._s Augenfarbe nicht derart auffallend ist. Während des
Raubüberfalls wurden zudem keine längeren Gespräche geführt, weshalb eine
Identifizierung der Muttersprache der Täter aufgrund deren Akzents nicht verlangt
werden kann. Immerhin haben beide Geschädigten festgestellt, dass die Räuber
Deutsch mit ausländischem Akzent sprachen. Insgesamt vermochten die Ge-
- 23 -
schädigten zwar B._ nicht als Täter zu identifizieren. Ihre Aussagen sind
aber auch nicht geeignet, diesen zu entlasten. Ihre übereinstimmende Schilde-
rung, dass die Räuber Leucht- bzw. Warnwesten getragen hätten, trägt im Ge-
genteil zur weiteren Sachverhaltserstellung bei.
c) Der Zeuge P._ sah nämlich zwei Männer in orangen Leuchtwesten
aus dem Hinterausgang des "H._" weg- und durch die Q._-Strasse in
Richtung R._ rennen. Einer sei ca. 175 cm gross und von breiter, eher athle-
tischer Statur gewesen, vom Typ her slawisch und Bauarbeiter, mit eher kurzem
Haar. Dieser Mann habe eine schwarze Sporttasche getragen. Der zweite Mann
sei sicher 185 cm gross und bullig, breit, aber athletisch und vom Bewegungsbild
her nicht dick gewesen. Auch er habe wie ein Slawe und wie ein Bauarbeiter aus-
gesehen (Urk. 1/83/2 S. 1/2, Urk. 1/84/57 S. 3-5). Dem Zeugen S._ fielen
sodann um ca. 08.15 Uhr zwei Männer auf, die von der Q._-Strasse kom-
mend in die V._-Gasse rannten, in ein dort parkiertes Auto stiegen und in
Richtung R._ wegfuhren. Mindestens einer habe eine schwarze Tasche ge-
tragen. Einer sei kleiner und untersetzt gewesen und habe fast eine Glatze oder
jedenfalls nur sehr kurze Haare gehabt. Dieser Mann sei ca. 35-40 Jahre alt und
ca. 170 cm gross gewesen. Dessen Gesicht sei rundlich, und er habe einen Drei-
tagebart getragen. Den zweiten Mann konnte S._ nicht bzw. nur als "schlan-
ker und grösser" (als der andere) beschreiben. Er erinnerte sich aber, dass beide
Männer eine Art Leuchtweste getragen hatten (Urk. 1/83/3 S. 1/2, Urk. 1/83/31
S. 3-6). Aufzeichnungen einer Videokamera der Bank T._ (Q._-Strasse
...) zeigen zwei Männer mit orangen Leuchtwesten, die auf dem Trottoir in Rich-
tung U._-Gasse gehen, und ca. 28 Minuten später zwei in Richtung R._
vorbeirennende Männer, von denen einer etwas Oranges in der Hand hält und der
andere eine orange Leuchtweste trägt. Die Bildqualität ist zwar so schlecht, dass
die Gesichter der beiden Männer nicht zu erkennen sind (Urk. 1/18, vgl. Urk. 1/14
und Urk. 1/16 S. 1). Aufgrund der zeitlichen und örtlichen Situation lässt sich aber
nicht bezweifeln, dass es sich bei den beiden Männern mit Leuchtwesten um die
Täter handelte, die kurz zuvor den Überfall im "H._" ausgeführt hatten.
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d) Die beiden Tatverdächtigen wurden mittels eines 3D-Laserscanners ver-
messen und die Ergebnisse hernach mit den Videoaufnahmen aus der T._
Bank verglichen. Dieser Vorgang war dadurch erschwert, dass auf den Videobil-
dern (wegen der ungenügenden Bildqualität, der Bewegungsunschärfe und der
Verzerrung durch das Glas der Eingangstüre zur Bank) die Standpositionen der
Männer mit den Leuchtwesten nicht präzise erkennbar waren. Die sog. Bipeden
(skelettartige Gestalten aus der 3D-Vermessung) von C._ und B._
konnten aber in die Videoaufnahmen eingepasst und mit den Silhouetten der Tä-
ter mit Ausnahme einer kleinen, mit unterschiedlichen Kleidern und Schuhen er-
klärbaren Differenz bei der Körpergrösse in Übereinstimmung gebracht werden.
(Urk. 1/86/6 S. 4-6). Dieses Ergebnis des 3D-Scans ist nicht von grossem Be-
weiswert, spricht aber eher für und keinesfalls gegen die Täterschaft der Gebrü-
der B._C._.
e) Gemäss den Aussagen des Zeugen S._ sah das Fluchtfahrzeug,
welches die Männer mit den Leuchtwesten in der V._-Gasse bestiegen, etwa
wie ein "N._ ..." aus, war dunkelgrau und trug ein Zürcher Kennzeichen, des-
sen Nummer sicher mit "..." begann (Urk. 1/83/3 S. 2). Ein gut dazu passendes
Auto wurde kurz vor und dann wieder kurz nach dem Tatzeitpunkt von der Video-
überwachungskamera der ... an der Ecke Q._-Strasse / W._-Strasse
gefilmt. Die Polizei legte die dabei entstandenen Bilder (vgl. Urk. 1/15) drei
N._-Händlern vor, und diese erklärten übereinstimmend, es handle sich beim
fraglichen Auto um einen "N._ ... ", Modell ... (Urk. 1/6). Bei einer genaueren
Untersuchung des Bildmaterials gelangte die Polizei sodann zum Schluss, dass
das besagte Fahrzeug vermutlich (nicht ein Zürcher, sondern) ein Aargauer Kon-
trollschild mit einer sechsstelligen Nummer trug, wobei es sich bei der vierten Zif-
fer wohl um eine "..." handelte und die beiden letzten Ziffern zwar unleserlich wa-
ren, aber erkennbar war, dass es zweimal dieselbe Zahl sein dürfte (Urk. 1/1
S. 8). Auf dieser Basis und unter Berücksichtigung von S._s Aussage, die
Autonummer habe sicher mit "..." begonnen, wurde in den Registern der Stras-
senverkehrsämter der Kantone Zürich und Aargau nach passenden Fahrzeugen
gesucht. Es ergab sich, dass im Kanton Zürich acht und im Kanton Aargau sieben
graue "N._ ..." immatrikuliert waren, deren Nummern sechsstellig waren und
- 25 -
mit "..." begannen. Halter eines dieser Fahrzeuge (AG ...) war der Beschuldigte
C._ (Urk. 1/4). Dass es sich dabei um einen blossen Zufall handelt, erscheint
als äusserst unwahrscheinlich. C._ sagte zudem aus, dass ausser ihm und
seinem Bruder B._ niemand dieses Auto benütze (Urk. 1/81/2 S. 5). Die Un-
tersuchungsergebnisse zum Fluchtfahrzeug bilden ein weiteres deutliches Indiz
zu Lasten des Beschuldigten B._.
f) Bei der Auswertung eines Mobiltelefons von B._ kamen zwei Bilder
zum Vorschein, die am tt. Oktober 2015 aus der Online-Ausgabe der Gratiszei-
tung "..." kopiert wurden und Polizeifahrzeuge vor dem Kleidergeschäft "H._"
zeigen (Urk. 1/34). Dies bildet einen weiteren, wenn auch nur schwachen An-
haltspunkt dafür, dass B._ mit dem dort erfolgten Raubüberfall etwas zu tun
hatte.
g) Die Gebrüder B._C._ besuchten am Abend des Tattages ge-
meinsam das Casino in ...(Urk. 1/51 und 1/53). BA._ sagte aus, dass
C._ unmittelbar nach dem Tatzeitpunkt, zwischen 09.00 oder 10.30 Uhr, im
Reitzentrum ... erschienen sei und ihm die Fr. 1'000.– zurückbezahlt habe, welche
er, BA._, ihm in der Nacht zuvor an die Schweizer Grenze gebracht habe
(Urk. 1/83/19 S. 7/8, Urk. 1/83/21 S. 1, Urk. 1/83/32 S. 4/5). Nachdem die Gebrü-
der B._C._ am 4. November 2015 verhaftet wurden, wurden an deren
Wohnort Fr. 1'000.– und € 2'150.– sichergestellt (Urk. 1/102/5 S. 3). B._ trug
bei der Verhaftung Fr. 2'160.– auf sich (Urk. 1/22 S. 4, vgl. auch Urk. 1/87/2). Er
sagte aus, die bei ihm sichergestellten Fr. 2'160.– habe er mit Schwarzarbeit ver-
dient (Urk. 1/81/3 S. 10). Die am Wohnort vorgefundenen Fr. 1'000.– stammten
aus derselben Quelle (Urk. 1/81/8 S. 4), und die € 2'150.– seien seine "Euro-
Reserve" und stammten von seinem Lohn (Urk. 1/81/8 S. 5). Er weigerte sich in-
dessen, die Familie zu nennen, die ihn angeblich schwarz beschäftigt hatte
(a.a.O., S. 4). B._ konnte nur temporäre Arbeitseinsätze leisten (Urk. 1/81/3
S. 2/3). Er musste überdies alles über das Existenzminimum hinausgehende Ein-
kommen dem Betreibungsamt abliefern und hatte Kreditschulden von Fr. 30'000.–
, wobei er ausserstande war, etwas zurückzuzahlen (a.a.O., S. 12). Der Beschul-
digte verfügte kurz nach dem Raubüberfall gemessen an seinen Einkommensver-
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hältnissen über relativ viel Bargeld und vermochte dies nicht überzeugend zu er-
klären. Dies bildet ein weiteres, aber nicht sehr gewichtiges Indiz für seine Täter-
schaft. Beizufügen ist an dieser Stelle, dass beim Überfall mehr als Fr. 140'000.–
erbeutet wurden (Urk. 1/1 S. 6, Urk. 1/89/16, vgl. auch Urk. 1/82/1 S. 2). Weder
bei den Gebrüdern B._C._ noch bei den beiden Mitbeschuldigten liess
sich nachweisen, dass eine dieser Personen oder alle zusammen nach dem Tat-
zeitpunkt auch nur annähernd soviel Geld besessen hätten. Den einzigen schwa-
chen Anhaltspunkt bildet diesbezüglich die Tatsache, dass die bei der Durchsu-
chung des Reitzentrums ... eingesetzten drei Geldspürhunde gemäss ihren Hun-
deführern in einem dortigen Lagerraum "Interesse zeigten". Dieser Umstand ver-
anlasste die Hundeführer zur Annahme, dass dort einmal Bargeld aufbewahrt
worden sei (Urk. 1/106/3 S. 6). Dies wiederum ist insofern interessant, als
C._ kurz nach dem Überfall das Reitzentrum ... aufsuchte, um BA._ die
erwähnten Fr. 1'000.– zu bringen, und die rückwirkend erhobenen Telekommuni-
kationsdaten den Schluss zulassen, dass auch B._ (vgl. nachstehend
Erw. IV/2h/aa) und D._ an jenem Morgen in ... waren.
h) aa) Sowohl B._ als auch C._ machten geltend, sich zur Tatzeit
an ihrem gemeinsamen Wohnort in BB._/AG aufgehalten (Urk. 1/81/2 S. 5,
Urk. 1/81/3 S. 6) und dort bis mindestens 10 Uhr geschlafen zu haben (C._:
Urk. 1/81/9 S. 4; B._: Urk. 1/81/3 S. 9, Urk. 1/81/5 S. 3, Urk. 205 S. 6).
B._ behauptete gar, die Wohnung bis am Freitag nicht mehr verlassen zu
haben (Urk. 1/81/5 S. 4). Diese Angaben erwiesen sich im Laufe der Untersu-
chung mindestens teilweise als unwahr. So wurde auf dem Mobiltelefon von
BC._ u.a. folgende WhatsApp-Nachricht ihres Freundes B._ vom 29.
Oktober 2015, 12.06 Uhr gefunden: "Jetzt hei cho. Bitzili mues schloffe" (Urk. 1/23
S. 1). Sodann befand sich das Mobiltelefon mit der Nummer 077 / 1, welches am
Wohnort der Gebrüder B._C._ sichergestellt (Urk. 1/102/9 S. 5, Ass. Nr.
A008'702'065) und von B._ als sein Gerät bezeichnet wurde (Urk. 1/81/8
S. 5), am 29. Oktober 2015 zwischen 09.51 und 10.22 Uhr zuerst in Wädenswil
und dann in ... (Urk. 1/108/23, letzte Seite). Gleiches gilt (a.a.O.) für das Telefon
mit der Nummer 077 / 2 (Ass.Nr. A008'702'861, Urk. 1/102/9 S. 11), welches
C._ zuzuordnen ist, befand sich doch darin bei der Sicherstellung des Geräts
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eine ... SIM-Karte mit einer Nummer, die zugegebenermassen C._ gehörte
(Urk. 1/112/9 S. 3, Urk. 1/81/2 S. 2). Da zur genannten Zeit Telefonverkehr zwi-
schen den beiden Geräten stattfand (Urk. 1/108/23), ist davon auszugehen, dass
sie von zwei verschiedenen Personen mitgeführt und benützt wurden. Damit
drängt sich der Schluss auf, dass sich B._ zur genannten Zeit nicht in
BB._/AG, sondern im Raum Wädenswil-... aufhielt. Dass BA._ keinen
Begleiter von C._ sah (Urk. 1/83/32 S. 4), bedeutet nicht, dass dieser allein
nach ... gekommen war. C._ suchte BA._ im Stall auf, und es kann ohne
Weiteres sein, dass er Begleiter hatte, die draussen auf ihn warteten (a.a.O.,
S. 5). Irritierend ist einzig, dass das Mobiltelefon mit der Nummer 077 / 1 an die-
sem Tag schon um 06:36 Uhr in .../ZH geortet wurde (Urk. 1/108/23), zu welcher
Zeit B._ gemäss den Aussagen seiner Freundin BC._ (Urk. 1/81/6 S. 2,
Urk. 1/81/7 S. 4) noch in BB._/AG war bzw. jedenfalls nicht am Zürichsee
sein konnte. Dies lässt sich aber zwangslos etwa damit erklären, dass an jenem
Morgen C._ mit diesem Telefon unterwegs war. Denkbar ist auch, dass
B._ seinen Wohnort schon einiges früher als angegeben verlassen hatte und
seine Freundin dies verschwieg, um ihn zu decken. Die Verteidigung von B._
bringt zutreffend vor, dass BD._ – die Mutter von BC._ – nicht staats-
anwaltschaftlich einvernommen wurde (Urk. 289 S. 17; Urk. 1/83/8). Aufgrund feh-
lender Wahrung der Teilnahme- und Konfrontationsrechte des Beschuldigten dür-
fen ihre Aussagen daher nicht zu seinen Lasten verwendet werden (Art. 147
Abs. 4 StPO). Daraus kann aber auch nichts ihn Entlastendes abgeleitet werden.
BC._ erklärte einerseits, dass B._ ihr gesagt habe, er müsse noch weg-
gehen (Urk. 1/81/7 S. 4). Dies bildet eine Belastung für B._, der bestritt, so
etwas geäussert zu haben (Urk. 1/81/5 S. 3). BC._ sagte andererseits kon-
stant aus, den Wecker erst auf 6.50 Uhr gestellt zu haben und dann um ca. 07.00
Uhr aufgestanden bzw. losgefahren zu sein (Urk. 1/81/6 S. 2 und Urk. 1/81/7
S. 4). Stellt man zugunsten des Beschuldigten B._ auf diese Aussagen von
BC._ ab, ist die Möglichkeit zu prüfen, ob er dennoch kurz nach halb acht
Uhr an der Q._-Strasse in Zürich sein konnte.
bb) Das Fahrzeug, mit dem die Täter in die Nähe des Tatortes fuhren und
welches sie hernach zur Flucht benützten, wurde um 07:30:44 Uhr erstmals von
- 28 -
der Videokamera der ... Q._-Strasse erfasst (Urk. 1/13 S. 3). Mit dem Auto
sind (gemäss einer Distanzberechnung auf www.search.ch) von BB._/AG bis
dorthin ca. 29 km zurückzulegen. Wenn B._ sich, nachdem BC._ seinen
Wohnort verlassen hatte, sofort anzog und ebenfalls auf den Weg machte, konnte
er durchaus kurz nach halb acht Uhr an der Q._-Strasse sein. Ob und, wenn
ja, bis wann C._ an jenem Morgen zuhause war, vermochte BC._ nicht
zu sagen (Urk. 1/81/7 S. 4). Die Ortung des Telefons mit der Nummer 077 / 1 in
.../ZH weist darauf hin, dass er schon früher weggefahren war. In diesem Zu-
sammenhang bleibt auch im Auge zu behalten, dass die Gebrüder
B._C._ über zwei Autos verfügten (Urk. 1/102/15). Es kann daher nicht
ausgeschlossen werden, dass die Brüder mit verschiedenen Autos unterwegs wa-
ren und sich erst in der Innenstadt trafen. Falls dem so war, lässt sich nicht eruie-
ren, wer mit welchem Auto welchen Weg gefahren ist.
cc) Zusammengefasst ergibt sich, dass sich die Alibibehauptung von
B._ und C._ zwar für den Tatzeitpunkt nicht stringent widerlegen lässt,
aber auch keine positiven Anhaltspunkte für ihre Richtigkeit vorhanden sind. Nie-
mand konnte bestätigen, dass sie zur Tatzeit in BB._/AG waren, und dies
lässt sich auch aus den Ergebnissen der Untersuchung, insbesondere der rück-
wirkenden Teilnehmeridentifikation, nicht ableiten. Dass B._, wie auch sein
Bruder, bezüglich seines Aufenthaltsorts im weiteren Verlauf des 29. Oktober
2015 nachweislich log, macht ihn jedenfalls nicht weniger tatverdächtig.
i) Bei einer gesamthaften Würdigung der Beweislage zeigt sich, dass der
dringende Tatverdacht, welcher aus den DNA-Spuren am Tatort resultiert, auf-
grund der weiteren Untersuchungsergebnisse zusätzlich erhärtet werden konnte.
Hinzu kommt, dass der Teil-Rückzug des Beschuldigten C._ faktisch ein Ge-
ständnis darstellt, was seinen Bruder weiter belastet. Damit verbleibt kein Raum
für ernsthafte Zweifel an der Täterschaft von B._.
3. a) Gegenüber den Beschuldigten A._ und D._ steht bei der Be-
weisführung die Tatsache im Vordergrund, dass A._ damals einerseits im
"H._" an der I._-Strasse ... arbeitete und anderseits die Lebenspartnerin
von D._ war (Urk. 1/81/10 S. 2, Urk. 1/81/11 S. 2/3). Dieser wiederum war
- 29 -
ein guter Kollege von B._. Man traf sich gemäss dessen Aussagen drei- bis
viermal im Monat und teilweise bis zu dreimal wöchentlich. Dabei lernten sich
auch B._ und A._ kennen (Urk. 1/81/14 S. 3/4, Prot. II S. 20).
b) Um das Kleidergeschäft "H._" vor der Ladenöffnung durch den Mit-
arbeitereingang betreten zu können, benötigten die beiden Haupttäter, bei denen
es sich, wie erstellt, um B._ und C._ handelte, einen Code. Die Be-
schuldigte A._ kannte diesen aufgrund ihrer Arbeitstätigkeit im "H._".
Sie wusste zugegebenermassen auch, wo der Tresorraum war (Urk. 1/81/11
S. 4), bestritt jedoch, mitbekommen zu haben, wann jeweils das Bargeld abge-
rechnet und abgeholt wurde (Urk. 1/81/11 S. 4, Urk. 208 S. 11). Von der Verteidi-
gung wird vorgebracht, dass der Arbeitsplatz der Beschuldigten A._ nicht im
5. Stock gewesen sei. Das Deko-Team habe sich jeweils nur kurz vor Arbeitsbe-
ginn und nach Arbeitsschluss im 5. Stock eingefunden (Urk. 291 S. 8). Aus dem
von der Beschuldigten A._ geschilderten Arbeitstagesablaufs geht indessen
hervor, dass sie bei verschiedenen Gelegenheiten im 5. Stock zugegen war. Das
Deko-Team hatte dort einen Tisch mit Stühlen sowie Schränke zur Verfügung.
Ausserdem stand im 5. Stock ein Computer, welchen das Deko-Team mitbenützte
(Urk. 1/81/10 S. 12). Bei diesen diversen Arbeiten im 5. Stock konnte sie ohne
Weiteres wahrnehmen, dass sich auf dem gleichen Stock der Tresorraum befand.
Sie stellte indessen in Abrede, ihrem Freund oder den Gebrüdern
B._C._ den Zutrittscode für den Personaleingang verraten zu haben
(Urk. 1/81/14 S. 13/20). Sie habe im Übrigen mit ihrem Freund über die Arbeit ge-
sprochen, wie man halt so darüber rede, nicht aber mit B._ und C._
(Urk. 1/81/11 S. 4). Die Beschuldigte gab an, nicht mehr zu wissen, ob sie ein
paar Tage oder schon eine Woche im Voraus erfahren habe, dass sie am 29. Ok-
tober 2015 auswärts an einem Workshop würde teilnehmen müssen (Urk. 1/81/10
S. 5). Sie sei ziemlich sicher, dass sie dies ihrem Freund gesagt habe
(Urk. 1/81/11 S. 5). Die Filialleiterin des "H._" sagte als Auskunftsperson aus,
das Dekorationsteam, zu dem die Beschuldigte gehörte (vgl. Urk. 1/81/10 S. 2),
habe am 12. Oktober 2015 die Information erhalten, dass am besagten Tag ein
Workshop stattfinde, und später die definitive Einladung bekommen (Urk. 1/84/54
S. 6). Die Beschuldigte A._ verfügte damit rechtzeitig über alle Kenntnisse,
- 30 -
welche nötig waren, um den Raubüberfall so durchzuführen, wie er dann am 29.
Oktober 2015 stattfand.
c) Im Laufe der Untersuchung wurden alle weiteren Angestellten der be-
troffenen "H._"-Filiale und das dort eingesetzte Reinigungspersonal einver-
nommen (Urk. 1/83/33-37, 1/83/39-43, 1/83/45-1/84/56, 1/54/58-73, 1/84/75-86
und 1/84/88). BE._, Detailhandels-Verkaufsberaterin bei "H._", erklärte
in ihrer Befragung, dass sie B._ zwar nicht kenne. Als sie die Vorladung er-
halten und ihrem Mann gezeigt habe, habe dieser den Namen aber erkannt. Ihr
Mann sei StV-Filialleiter im ... L._ gewesen, als B._ dort im Sicherheits-
dienst gearbeitet habe (Urk. 1/84/50 S. 2). Diese Aussage ist glaubhaft und daher
die vorinstanzliche Erwägung hierzu – entgegen den Ausführungen der Verteidi-
gung von D._ (Urk. 293 S. 7 f.) – dahingehend korrekt, dass niemand der Be-
legschaft des "H._" die Gebrüder B._C._ kannte. Ausser dieser in-
direkten Bekanntschaft ergaben sich keinerlei weiteren Anhaltspunkte für eine
Verbindung zwischen einer der Mitarbeitenden des "H._" und den Gebrüdern
B._C._. Damit ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass eine solche doch
bestanden haben könnte, liegt doch auf der Hand, dass die Beteiligten dies ver-
schweigen würden. Gerade dass BE._ die Bekanntschaft zwischen ihrem
Mann und B._ arglos offenlegte, spricht dafür, dass weder sie noch ihr Mann
etwas mit der Herausgabe von Insiderwissen zu tun hatte, weshalb sich die Ab-
klärung der damaligen Telefonverbindungen zwischen ihr bzw. ihrem Mann und
B._ nicht aufdrängt. Auch lässt sich nicht sagen, dass der Raubüberfall ohne
Unterstützung aus dem Kreise der "H._"-Belegschaft undurchführbar gewe-
sen wäre. Dass der Geldbote der Post jeweils donnerstags kam, liess sich ohne
Weiteres von aussen beobachten. Der Standort des Tresors im Bereich der Büro-
räumlichkeiten war zu vermuten, und es dürfte für interessierte Aussenstehende
nicht allzu schwierig gewesen sein, herauszufinden, dass die Büros sich im 5.
Stock befanden. Eine nicht über Insiderwissen verfügende Täterschaft konnte
zwar keine Kenntnis von der Abwesenheit des Dekorationsteams haben, musste
aber auch nicht unbedingt damit rechnen, dort um acht Uhr morgens schon auf
eine "Überzahl" von "H._"-Mitarbeitern zu stossen. Schwieriger wäre nur ge-
wesen, den Code für den Personaleingang zu erlangen. Entgegen den Ausfüh-
- 31 -
rungen der Verteidigung von B._ benutzten die Räuber nicht die während der
am frühen Morgen stattfindenden Kleideranlieferung offenstehende Laderampe
um in das Gebäude zu gelangen (Urk. 289 S. 12). Aufgrund des Fundortes der
Waffenteile beim Personaleingang haben die Täter nachweislich diesen Weg be-
nutzt und mussten daher im Besitz des Codes sein (Urk. 1/1 S. 6). Die Untersu-
chung ergab hierzu, dass bei der Schaltfläche vor dem Eingang, auf welcher der
Code eingetippt werden musste, keine Abdeckung angebracht war (Urk. 1/84/47
S. 7). Mit etwas Geduld und Geschicklichkeit hätte man also beobachten können,
welche Ziffernfolge das Personal beim Betreten des Gebäudes tippte. Zu beden-
ken ist allerdings, dass ein Kleidergeschäft – auch ein grosses wie der "H._"
– kein typisches, sondern ein eher aussergewöhnliches Objekt für einen Raub-
überfall ist. Dass die Gebrüder B._C._ von sich aus auf die Idee kamen,
gerade dieses Delikt zu begehen, und dann den doch recht grossen Aufwand be-
trieben, der ohne Hilfe eines Insiders nötig war, um die Tat vorzubereiten, er-
scheint als höchst unwahrscheinlich. Sehr viel naheliegender ist, dass sie über In-
siderwissen verfügten, und dabei drängt sich der Verdacht auf, dass dieses von
der Beschuldigten A._ stammte. Dies gilt umso mehr, als die Gebrüder
B._C._ zu Beginn der Untersuchung übereinstimmend und wahrheits-
widrig behaupteten, niemanden zu kennen, der im "H._" arbeite (Urk. 1/81/2
S. 6, Urk. 1/81/3 S. 9). B._ gab sogar an, die Beschuldigte A._ nur zwei-
oder dreimal gesehen zu haben. Sie arbeite im "BF._" (Urk. 1/81/8 S. 11).
Dies ist nicht plausibel, hatte doch insbesondere B._ regelmässig Kontakt mit
D._ (Urk. 1/81/14 S. 3, Prot. II S. 20/33). Dieser Kontakt fand – gemäss den
Aussagen von D._ (Prot. II S. 33) – häufig auch an seinem Wohnort statt.
Dies wird zudem aus den erhobenen Mobiltelefondaten ersichtlich; das Mobiltele-
fon mit der Nummer 076 / ..., das B._ bei seiner Verhaftung auf sich trug, war
im Zeitraum der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation (1. Oktober bis 4. No-
vember 2015) immerhin am 4., 11., 22., 25. und 28. Oktober 2015 in dessen un-
mittelbarer Nähe eingeloggt (Urk. 1/108/19 S. 2). Es ist demnach davon auszuge-
hen, dass sich auch B._ und A._ öfters begegneten. A._ hatte zwar
tatsächlich früher bei "BF._" gearbeitet, aber schon per tt.mm.2015 die Stelle
im "H._" angetreten (Urk. 1/81/10 S. 2). Damit liegt nahe, dass B._ im
- 32 -
Oktober 2015 von diesem Stellenwechsel wusste, aber das Warenhaus
"BF._" als Arbeitsort von A._ bezeichnete, um zu vertuschen, dass sie
die Quelle war, aus der die Gebrüder B._C._ das Wissen hatten, wel-
ches ihnen die Begehung des Raubüberfalls sehr leicht machte.
d) Im Laufe der Untersuchung wurde sodann das Mobiltelefon der Beschul-
digten A._ ausgewertet, welches nach ihren eigenen Aussagen nur von ihr
selbst benützt wurde (Urk. 1/81/10 S. 3). Dabei zeigte sich, dass sie am 8. No-
vember 2015 – wenige Tage nach der Verhaftung der Gebrüder B._C._
– verschiedene Daten gelöscht und namentlich alle Kontakte neu eröffnet bzw.
verändert hatte (Urk. 1/75 S. 6). Dasselbe war am 7. November 2015 mit dem
Mobiltelefon ihres Freundes und Mitbeschuldigten D._ geschehen (a.a.O.,
S. 4). Bei der Auswertung des Mobiltelefons mit der Nummer 077 / 1, welches
B._ zuzuordnen ist (vgl. Erw. IV/2h/aa), ergab sich zudem, dass A._
diesem am 15. Oktober 2015 zwei WhatsApp-Nachrichten geschickt hatte, die
später gelöscht wurden und nicht wiederhergestellt werden konnten (Urk. 1/31
S. 2). Ausserdem befand sich auf B._s Telefon ein Foto der Mitbeschuldigten
A._ (a.a.O. und Urk. 1/34 S. 3) und wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt
vom Telefon von BC._ (Freundin von B._) auf das Facebookprofil der
Beschuldigten A._ aufgerufen (Urk. 1/31 S. 2 und Urk. 1/33). Diese behaup-
tete ihrerseits zunächst, keine Telefonnummer von B._ zu haben (Urk.
1/81/10 S. 9). Auf den Vorhalt, dass sie aber am 15. Oktober 2015 über
WhatsApp Kontakt mit B._ gehabt hatte, erwiderte die Beschuldigte A._,
dass sie das nicht mehr wisse. Eventuell habe sie B._ mit einem Hund foto-
grafiert, ihm das Foto geschickt und dann die Nummer wieder gelöscht (a.a.O., S.
10, Urk. 1/81/11 S. 3). Zur erwähnten Löschung weiterer Daten auf ihrem Telefon
erklärte sie nur: "Kein Kommentar" (Urk. 1/81/18 S. 4). Die dargelegten Ergebnis-
se der Handyauswertungen zeigen sodann auf, dass es sehr wohl direkte Kontak-
te zwischen den Beschuldigten A._ und B._ gegeben hatte, und vermit-
teln den Anschein, dass es in diesem Zusammenhang auch etwas zu verbergen
gab (hierzu aber auch Erw. IV/5d). Erst anlässlich der heutigen Berufungsver-
handlung – mithin zwei Jahre nach der Löschung der Daten – brachte die Vertei-
digung der Beschuldigten A._ vor, dass Letztgenannte im Rahmen einer Ver-
- 33 -
tragsverlängerung mit Salt Ende Oktober 2015 ein neues iPhone 6S erhalten ha-
be. Da ihr dieses Modell zu gross gewesen sei und ihr Lebenspartner es gerne
gehabt hätte, habe er ihr sein iPhone 5S zum Tausch angeboten. Am 8. Novem-
ber 2015 hätten sie dann die SIM-Karten in den Handys ausgetauscht und sämtli-
che Daten und Verläufe gelöscht, um nicht unnötige Daten einer Drittperson auf
dem Gerät zu haben (Urk. 291 S. 15). An sich erscheint diese Erklärung plausibel;
weil sie jedoch weder von der Beschuldigten A._ noch vom Beschuldigten
D._ früher vorgebracht wurde, ist sie als Schutzbehauptung zu werten. Es
können daraus keine die Beschuldigten A._ und D._ entlastende
Schlüsse gezogen werden. Im Gegenteil lässt das Nachschieben dieser Erklärung
Zweifel daran enstehen, ob der Löschungsvorgang einzig dem Zweck der Neu-
Aufsetzung der Geräte gedient haben soll. Dies verstärkt den Verdacht, dass die
Beschuldigte A._ in den Raubüberfall beim "H._" verwickelt war.
e) Anlässlich der Hausdurchsuchung stiess die Polizei auf diverse Bankaus-
züge der Beschuldigten A._ (Urk. 1/104/11). Diesen lässt sich entnehmen,
dass sie ihrem Lebenspartner D._ am 2. November 2015 unter dem Titel
"Miete" Fr. 1'000.–, am 26. November 2015 mit demselben Zahlungsgrund
Fr. 800.– und sodann am 30. November 2015 für "Rechnungen" und "Miete" Fr.
4'000.– überwiesen hatte. Die Vorinstanz hielt vor allem diese letzte Transaktion
für ungewöhnlich und gewichtete sie demzufolge als belastendes Indiz (Urk. 241
S. 90/91). Dies ist insofern nachvollziehbar, als A._ nicht einmal vier Monate
später erklärte, davon nichts mehr zu wissen (Urk. 1/81/14 S. 19), und vor Be-
zirksgericht dann aussagte, soweit sie sich erinnere, sei das "für Rechnungen und
ganz normal" gewesen (Urk. 208 S. 8). Bei der Durchsicht der Kontoauszüge von
D._, die den Zeitraum von Januar 2015 bis Januar 2016 abdecken
(Urk. 1/95/7), zeigt sich indessen, dass A._ ihrem Freund für "Miete" jeden
Monat Beträge von zunächst Fr. 1'200.– (Januar bis April 2015) und danach Fr.
800.– überwies. Im Juni 2015 kamen mit dem Vermerk "Kredit" Fr. 1'400.– hinzu
und im November die beiden bereits erwähnten Zahlungen von Fr. 1'000.– bzw.
Fr. 4'000.– für "Miete" und "Rechnungen". Vor allem die letztere sprengte zwar
tatsächlich den üblichen Rahmen. Einen brauchbaren Hinweis auf eine Tatbeteili-
gung von A._ bildet sie aber gleichwohl nicht. Dazu bedürfte es vielmehr –
- 34 -
wie von der Verteidigung zutreffend vorgebracht (Urk. 291 S. 13) – eines nicht er-
klärbaren Zuflusses von Geld, und ein solcher war bei der Beschuldigten jeden-
falls auf dem Bankkonto nicht zu verzeichnen (und auch sonst nicht erkennbar).
Die Ausführung einer grösseren Zahlung an den Lebenspartner lässt sich im Üb-
rigen auch plausibel damit erklären, dass A._ wenige Tage zuvor zusammen
mit dem Novemberlohn auch das 13. Monatssalär erhalten hatte. Die Überwei-
sung der Fr. 4'000.– hatte sodann zur Folge, dass das Konto einen Minussaldo
aufwies, was aber auch vorher und nachher verschiedentlich vorgekommen war
(Urk. 1/97/9).
f) Zu erwähnen ist schliesslich noch, dass alle Mitarbeiter des "H._"
auch danach gefragt wurden, ob A._ sich ihnen gegenüber einmal interes-
siert gezeigt habe, Informationen über die Bereitstellung und Abholung der Bar-
geldeinnahmen zu erhalten. Alle Arbeitskolleginnen und -kollegen der Beschuldig-
ten gaben zu Protokoll, dass ihnen nie so etwas aufgefallen sei (in Urk. 1/83/33-
37, 1/83/39-43, 1/83/45-1/84/56, 1/84/58-60, 1/84/62, 1/84/64-73, 1/84/75-78,
1/84/85-86 und 1/84/88). Insoweit ergab sich zumindest keine weitere Belastung
der Beschuldigten A._. Bei einer gesamthaften Betrachtung der Indizienlage
kann aber gleichwohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit und damit
rechtsgenügend zumindest unterstellt werden, dass A._ die Quelle des In-
siderwissens gewesen sein muss, über welches die beiden Haupttäter offensicht-
lich verfügten.
4. a) Beim Beschuldigten D._ bestehen ebenfalls deutliche Anhalts-
punkte für eine Beteiligung an der Raubtat im "H._". So ergab die rückwir-
kende Erhebung von Telekommunikationsdaten, dass das bereits mehrfach er-
wähnte Telefon mit der Rufnummer 079 / 1 (vgl. Erw. IV/2h/aa) am Tatmorgen um
06.36 in .../ZH eingeloggt war, wo zusammen mit A._ auch D._ wohnte
(Urk. 1/108/23, letzte Seite). Kurz nach der Tat, zwischen 09.51 und 10.22 Uhr,
wurden sodann einerseits die Mobiltelefone 079 / 1 und 079 / 2, welche den Ge-
brüdern B._C._ gehörten, in ... benützt (a.a.O.), und zahlte C._ dort
die vorstehend erwähnten Fr. 1'000.– an BA._ zurück (Erw. IV/2g). Ander-
seits befand sich auch das Telefon von D._ (078 / ...; Urk. 1/105/5 S. 1) am
- 35 -
selben Morgen um 10.42 Uhr in ... (1/111/14 S. 3). Damit liegt der Schluss nahe,
dass sich D._ kurz vor der Tat mit einem der Gebrüder B._C._
(vermutlich C._, vgl. Ew. IV/2h/aa) und keine drei Stunden nach dem Raub
mit C._ und B._ traf. Beizufügen ist, dass dies vor allem den Verdacht
einer Mitwirkung von D._ bei der Beutesicherung begründet. Eine solche ist
aber gar nicht eingeklagt. Von eher geringem Indizienwert ist sodann die Tatsa-
che, dass D._ am Abend des 19. Oktober 2015, an welchem Tag der Zu-
gangscode für den Personaleingang des "H._" geändert wurde (Urk. 1/83/1
S. 5), dreimal mit den Gebrüdern B._C._ telefonierte. Dies gilt umso
mehr, als solche Telefonate auch sonst häufig stattfanden (Urk. 1/111/14 S. 3/4).
b) Bereits erwähnt wurde, dass nicht nur A._, sondern auch D._
wenige Tage nach der Verhaftung der Gebrüder B._C._ auf ihren Mobil-
telefonen etliche Inhalte, besonders Kontaktinformationen, löschten und letztere
neu erstellten (Urk. 1/75 S. 4/6). Auch die Verteidigung des Beschuldigten
D._ – sowie dieser selber in seiner Befragung – lieferten die vorstehend er-
läuterte Erklärung für den Löschvorgang anlässlich der heutigen Berufungsver-
handlung (Urk. 293 S. 12 f., Prot. II S. 52). Wie erwähnt, ist diese Erklärung an
sich plausibel; die sehr späte Geltendmachung lässt allerdings daran zweifeln
(vgl. Erw. IV/3d). Bei der Auswertung des Telefons von D._ konnte zudem
eine gelöschte Nachricht vom 11. November 2015 mit folgendem Wortlaut wie-
derhergestellt werden: "Lösch bitte immer den Watts App Verlauf... Immer... Will
nicht das die auch dich abfucken..." (Urk. 1/75/3, Urk. 1/76). An wen diese Auffor-
derung gerichtet war, liess sich leider nicht mehr feststellen. Die Gebrüder
B._C._ kommen als Adressaten nicht in Frage, weil sie zu diesem Zeit-
punkt bereits im Gefängnis waren, und an A._ brauchte D._ eine solche
Nachricht wohl nicht zu schicken, da sie ja mit ihm zusammenlebte. Aufgrund des
Inhalts der Nachricht und deren zeitlicher Nähe zur Verhaftung von C._ und
B._ ergibt sich aber dennoch ein starker Verdacht, dass sie dazu diente, je-
manden im Zusammenhang mit dem Raubüberfall im "H._" vor möglichen
Untersuchungshandlungen der Strafverfolgungsbehörden zu warnen. Dazu be-
stand aber für D._ nur ein Anlass, wenn er selber irgendwie mit der Sache zu
- 36 -
tun hatte. Offen bleibt dabei allerdings, ob er aktiv an der Tat beteiligt oder aber
nur Mitwisser war und (nachträglich) die Täterschaft schützen wollte.
c) Auf dem Telefon von D._ befanden sich ausserdem zwei weitere ge-
löschte Nachrichten vom 12. November 2015, die rekonstruiert werden konnten.
D._ hatte sich bei einem gewissen "BG._" in Deutschland erkundigt, ob
das Geld angekommen sei, und kurz darauf eine bejahende Antwort erhalten
(Urk. 1/76, letzte Seite). Die Verteidigung von D._ konnte indessen belegen,
dass dieser am 9. November 2015 einer Person namens BG._ € 50.– nach
Deutschland überwiesen hatte (Urk. 210/1). Demzufolge ist davon auszugehen,
dass die beiden Nachrichten vom 12. November 2015 nichts mit dem vorliegend
zu beurteilenden Delikt zu tun hatten. Gleiches gilt für die zwei Wochen Ferien,
die D._ im Dezember 2015 / Januar 2016 in Thailand verbrachte (Urk.
1/81/10 S. 4). Diese wurden nachweislich von seinem Kollegen BH._ ge-
bucht und bezahlt (Urk. 210/2-3). Entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen
(Urk. 241 S. 99) kann schliesslich auch die Tatsache, dass der Beschuldigte am
12. Januar 2016 in Süditalien und drei Tage später in Modena war und dabei je-
weils mit seiner Mastercard (vgl. Urk. 1/105/3) eine Zahlung (von € 2.20 bzw.
€ 17.50) geleistet hatte (Urk. 1/105/6), nicht als verdächtiger Umgang mit Geld
und damit als belastendes Indiz gewertet werden. Ebenso wenig darf zum Nach-
teil des Beschuldigten gewürdigt werden, dass er – seiner Verteidigungsstrategie
der konsequenten Aussageverweigerung folgend – nicht bereit war, eine Erklä-
rung für seine Italienreise abzugeben (Urk. 209 S. 7). Eine solche Reise ist im Üb-
rigen nicht sehr teuer und konnte vom Beschuldigten, der monatlich Zahlungen
der Arbeitslosenversicherung von etwas mehr als Fr. 3'000.– und zudem von sei-
ner Freundin Fr. 800.– als Beitrag an die Mietkosten erhielt, auch ohne Beutegeld
aus einem Raubüberfall bezahlt werden. Beizufügen ist an dieser Stelle, dass wie
bei A._ auch beim Beschuldigten D._ keinerlei Hinweise auf einen aus-
sergewöhnlichen und nicht erklärbaren Zufluss von Geld gefunden werden konn-
ten.
d) Dass B._ einige Tage nach seiner Verhaftung einem Kollegen
schrieb, dieser solle doch bitte D._ darüber informieren, dass er und sein
- 37 -
Bruder "leider bei Polizei" seien (in Urk. 1/125/8), lässt nicht ohne Weiteres auf
eine Tatbeteiligung von D._ schliessen. Der Grund für diese Bitte konnte
auch bloss darin liegen, dass B._ und D._ einen regen freundschaftli-
chen Kontakt pflegten und D._ deshalb erfahren sollte, weshalb B._ nun
plötzlich unerreichbar blieb. Auch das an BA._ gerichtete Ersuchen von
D._, dieser solle den Gebrüdern B._C._ zwei Taschen mit Kleidern
ins Gefängnis bringen, weil er selber das "nicht könne" (Urk. 1/83/19 S. 6), taugt
kaum als belastendes Beweiselement. Aktenkundig ist nämlich, dass D._
danach mehrmals Esswaren ins Gefängnis brachte (Urk. 1/81/17) und demnach
keine Furcht vor einem Bekanntwerden seiner Freundschaft mit den Gebrüdern
B._C._ hatte.
e) Eine empfindliche Schwachstelle bei der Sachverhaltserstellung gegen-
über dem Beschuldigten D._ liegt darin, dass wegen der Totalbestreitung al-
ler vier Beschuldigten die Entschliessungs- und Planungsphase der Raubtat völlig
im Dunkeln geblieben ist. Die Ergebnisse der Handyauswertungen und die Mobil-
funk-Randdaten erlauben den Schluss, dass er hinsichtlich des Raubüberfalls
nicht ahnungslos war, sondern zumindest gewusst haben dürfte, dass die Gebrü-
der B._C._ und wohl auch seine Freundin A._ involviert waren. Ein
solches Wissen ist aber noch keine Straftat. Konkrete Handlungen, mit denen sich
D._ an der Vorbereitung und/oder Ausführung der Tat beteiligt hätte, sind
nicht nachweisbar. Die Anklage geht einerseits davon aus, dass er seine Erfah-
rung als Räuber (Urk. 1/132/6) genutzt und entsprechendes "Fachwissen" betref-
fend Bewaffnung, Maskierung, Fluchtfahrzeug etc. in die Tatplanung eingebracht
habe. Dies erscheint durchaus als plausibel, bleibt aber eine blosse, durch keiner-
lei Beweismittel gestützte Mutmassung. Nicht anders verhält es sich letztlich aber
auch mit dem Vorwurf, D._ habe das Insiderwissen aus dem "H._" von
seiner Freundin erhalten und dann an die beiden Haupttäter weitergegeben. Als
erstellt gelten kann nach dem bereits Gesagten zwar, dass dieses Wissen von
A._ stammte (Erw. IV/3a-f), und es war vor allem D._, der mit den Ge-
brüdern B._C._ kommunizierte. Erwiesen ist aber auch, dass zwischen
A._ und B._ zumindest hie und da auch direkte Kontakte über
WhatsApp oder Facebook stattfanden (Erw. IV/3d). Dabei und anlässlich von
- 38 -
B._s Besuchen bei D._ und A._ konnten die nachmaligen Haupttä-
ter auch ohne Mitwirkung von D._ die für den Raubüberfall nötigen Insider-
kenntnisse erlangen. Der rechtsgenügende Beweis für dessen aktive Beteiligung
am Informationsfluss lässt sich trotz der dargelegten Indizien nicht erbringen. Der
Beschuldigte D._ ist nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen.
f) Damit entfällt auch der Widerruf des bedingten Vollzugs von 90 Tagessät-
zen zu Fr. 100.– Geldstrafe aus dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-
terthur / Unterland vom 22. Juli 2015 (vorinstanzliche Dispositiv-Ziffer 9).
5. a) Wie bereits erörtert wurde, kann mit rechtsgenügender Sicherheit da-
von ausgegangen werden, dass die Gebrüder B._C._ über Insiderwis-
sen aus dem "H._" verfügten und dieses nicht von einer unbekannten Dritt-
person, sondern von A._ stammte (Erw. IV/3a-f). Damit sie der Gehilfen-
schaft zum Raub schuldig gesprochen werden kann, muss indessen auch nach-
gewiesen werden, dass sie die Informationen bewusst weitergegeben und dabei
mit deren Verwendung zur Begehung eines Überfalls auf den "H._" zumin-
dest gerechnet hatte.
b) Bei dieser Beweisführung bildet wiederum die Tatsache, dass alle Be-
schuldigten jegliche Tatbeteiligung bestreiten, eine erhebliche Erschwernis. So
können im wesentlichen nur Mutmassungen darüber angestellt werden, wer den
Anstoss zur Tat gab und wie diese anschliessend vorbereitet wurde. Die Anklage
geht davon aus, dass die vier Beschuldigten aufgrund der Wahrnehmungen von
A._ über die jeweils donnerstags stattfindende Bereitstellung und Abholung
der Bareinnahmen den Raubüberfall gemeinsam geplant hatten (Urk. 1/141 S. 4
unten). Einen gewissen Anhaltspunkt für die Richtigkeit dieser Hypothese liefert
die Aussage der Zeugin BI._, der Bruder des Beschuldigten D._ habe
ihr erzählt, dass A._ darüber gesprochen habe, wieviel Geld beim "H._"
im Tresor liege. Wenn sie das laut gesagt habe, dann habe es natürlich auch ihr
Freund D._ mitbekommen (Urk. 1/83/25 S. 6). Dessen Bruder BJ._ stell-
te demgegenüber in Abrede, von A._ jemals so etwas gehört zu haben (Urk.
1/84/74 S. 4). Es liegt auf der Hand, dass eine der beiden Zeugenaussagen eine
Lüge sein muss, und beide Aussagen sind aufgrund der familiären Verbindungen
- 39 -
der Zeugen mit dem Beschuldigten D._ mit grosser Vorsicht zu würdigen. Bei
BJ._ ist zu vermuten, dass er ein erhebliches Interesse hat, seinen Bruder zu
schützen. Dessen Ex-Frau meldete sich ihrerseits von sich aus bei der Polizei.
Gemäss der dabei erstellten Aktennotiz äusserte sie sich schon am Telefon da-
hingehend, dass ihr Ex-Mann mit seiner Mitbewohnerin ein Verhältnis habe.
Wenn diese ihren Ex-Mann schützen wolle, solle man ihr sagen, dass dieser ihr,
der Anruferin, noch bis zum Sonntag vor seiner Verhaftung gesagt habe, er liebe
sie (Urk. 1/59). Der Verdacht, dass BI._ von Eifersucht dazu getrieben wur-
de, A._ und damit auch ihren Ex-Mann zu belasten, verstärkt sich noch,
wenn man ihre Aussagen als Zeugin liest. Sie klagte erneut darüber, dass ihr Ex-
Mann bis zu seiner Verhaftung von einer gemeinsamen Zukunft mit ihr gespro-
chen habe. Bis Oktober 2015 hätten sie noch intim miteinander verkehrt, und ihr
Ex-Mann habe bestritten, mit A._ liiert zu sein. Bei der Polizei habe sie sich
gemeldet, weil sie gehört habe, dass A._ möglicherweise aus der Untersu-
chungshaft entlassen werde (Urk. 1/83/25 S. 3/4). Unter diesen Umständen kann
nicht leichthin auf die Aussagen von BI._ abgestellt werden, und es liegen
keine anderen Beweismittel vor, welche die Annahme eines Informationsflusses
von A._ über D._ zu den Gebrüdern B._C._ zu stützen ver-
möchten.
c) Selbst wenn man unterstellt, dass A._ vom Geld im Tresor des
"H._" sprach, lässt sich daraus nicht zwingend ableiten, sie habe damit einen
Tipp für einen möglichen Überfall geben wollen. Im Ungewissen bleibt nämlich
auch dann, in welchem Zusammenhang sie darauf zu sprechen kam und wer da-
bei zugegen war. Durchaus denkbar ist, dass sie aufgrund einer unbedachten,
beiläufigen Äusserung dieser Art in der Folge von D._ und/oder von den Ge-
brüdern B._C._ gezielt ausgehorcht wurde, ohne selbst zu bemerken,
dass diese einen Raub begehen wollten. Eher dagegen spricht einzig der Um-
stand, dass die Haupttäter schliesslich auch den Code für den Personaleingang
des "H._" kannten. Dass A._ diesen von sich aus oder auf entspre-
chende Fragen der nachmaligen Mitbeschuldigten hin preisgab, ohne auch zu
wissen, wozu er verwendet werden sollte, erscheint als wenig wahrscheinlich.
Nicht widerlegbar ist indessen ihre Aussage, dass ihr Freund Zugang zu ihrem
- 40 -
Mobiltelefon gehabt habe und auch ihre SMS habe lesen können (Urk. 1/81/11
S. 5). Dies ist insofern von Bedeutung, als die Befragung der "H._"-
Belegschaft zumindest vereinzelte Hinweise darauf ergab, dass nach einem
Codewechsel der neue Zutrittscode unter den Mitarbeiterinnen nicht nur mündlich
oder schriftlich, sondern – wie dies A._ angab (Urk. 1/81/11 S. 5) – bisweilen
auch per SMS weitergegeben wurde (Urk. 1/84/75 S. 4, 1/84/78 S. 4). D._
hätte seine Freundin aber auch zur Arbeit begleiten und sie beim Eintippen des
Codes beobachten können.
d) Zutreffend ist, dass A._ gar nie geltend machte, dass die Täterschaft
die in Frage stehenden Informationen von ihr erschlichen habe, obwohl ihr dies –
wenn es sich denn so verhielt – eigentlich nach der Verhaftung der Gebrüder
B._C._, sicher aber nach der eigenen Festnahme bewusst werden
musste. Eine entsprechende Aussage war von ihr aber vernünftigerweise auch
gar nicht zu erwarten. Zum einen hätte sie damit zwangsläufig ihren Lebens-
partner D._ erheblich belastet. Zum andern hätte sie gleichzeitig eingeräumt,
dass das Insiderwissen der Täterschaft von ihr stammte, und wäre ein hohes Ri-
siko eingegangen, dass man ihr bezüglich ihrer diesbezüglichen Ahnungslosigkeit
im Tatzeitpunkt keinen Glauben schenken würde. Für A._ bestand unabhän-
gig von der eigenen Schuld oder Unschuld die beste Verteidigungstaktik darin,
konsequent jegliche Verbindung zwischen ihr und der Raubtat zu bestreiten. Auch
wenn sie erst im Nachhinein erkannt hatte, dass die Gebrüder B._C._
und allenfalls ihr Freund für den Überfall verantwortlich waren, gehörte dazu logi-
scherweise auch, möglichst alle Verbindungen zu den Gebrüdern
B._C._ abzustreiten und entsprechende Daten auf ihrem Mobiltelefon
(und demjenigen von D._) zu löschen.
e) Als erstellt gelten kann nach dem Gesagten zwar, dass zumindest entwe-
der D._ oder A._ die beiden Haupttäter vorsätzlich mit dem erwähnten
Insiderwissen versorgten. Dass dies beide taten, erscheint sodann bei einer ge-
samthaften Würdigung der Beweislage als die wahrscheinlichste Konstellation,
lässt sich aber nicht mit rechtsgenügender Sicherheit nachweisen. Bereits darge-
legt wurde, dass die Informationen möglicherweise ohne Mitwirkung von D._
- 41 -
direkt von A._ zu den Gebrüdern B._C._ flossen (Erw. IV/4). Es
besteht aber auch die nicht bloss ganz theoretische Möglichkeit, dass D._
und die Gebrüder B._C._ den Raub planten und A._ ohne Wissen
um deren deliktisches Vorhaben als Informationsquelle angezapft wurde. Obwohl
gegenüber A._ ebenfalls ein erheblicher Tatverdacht besteht, muss auch sie
nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freigesprochen werden.
6. Die rechtliche Würdigung der Tat als Raub erweist sich ohne Weiteres als
zutreffend. Beizufügen bleibt hinsichtlich der beim Raub verwendeten Waffen,
dass diese nicht sichergestellt werden konnten. Nicht ausgeschlossen werden
kann somit, dass es sich nicht um echte Faustfeuerwaffen, sondern lediglich um
Attrappen handelte. Der qualifizierte Tatbestand von Art. 140 Ziff. 2 StGB (Mitfüh-
ren einer Schusswaffe) gelangt deshalb nicht zur Anwendung (Donatsch/Flachs-
mann/Hug/Weder, StGB-Kommentar, 13. A., Zürich 2013, N 13 zu Art. 140). Die
Beschuldigten B._ und C._ sind je des Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
V.
1. a) Der Beschuldigte B._ hat mehrere Straftaten begangen, wobei der
Raub (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) mit einer Strafandrohung von Freiheitsstrafe
bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen am schwersten
wiegt. Für die weiteren Delikte von B._ hat die Vorinstanz eine Geldstrafe
ausgesprochen. Dabei muss es heute wegen des Verbots der reformatio in peius
bleiben (Art. 391 Abs. 2 StPO), obwohl in Anbetracht der Vorstrafen von B._
(vgl. Erw. V/3b) eine Erhöhung der Freiheitsstrafe anstelle der zusätzlichen Aus-
fällung einer Geldstrafe keineswegs unangemessen gewesen wäre. Innerhalb
dieser Deliktsgruppe ist von der Strafe für die schwerste Tat – vorliegend also für
den (mehrfachen) Diebstahl – auszugehen. Diese ist sodann wegen der weiteren
Gesetzesverstösse angemessen zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Nicht über-
schritten werden darf die erstinstanzlich festgesetzte Gesamtsanktion von
- 42 -
51⁄2 Jahren Freiheitsstrafe für den Raub und 300 Tagessätzen Geldstrafe für die
übrigen Delikte (Art. 391 Abs. 2 StPO).
b) Innerhalb des gegebenen Rahmens misst das Gericht die Strafe nach
dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt dabei dessen Vorleben und
persönliche Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf sein Leben. Das Ver-
schulden wird nach der Schwere der Rechtsgutverletzung, der Verwerflichkeit des
Handelns und den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt,
wie weit er nach den gesamten Umständen in der Lage war, rechtskonform zu
handeln (Art. 47 Abs. 1 und 2 StGB).
2. a) Beim Raubüberfall wählten die Täter mit dem "H._" ein Tatobjekt,
bei dem eine beträchtliche Beute zu holen war und keine strengen Sicherheits-
vorkehrungen überwunden werden mussten. Es handelte sich nicht um eine
spontan begangene, sondern um eine sorgfältig geplante und vorbereitete Tat.
Dazu waren insbesondere Kenntnisse über die örtlichen Gegebenheiten und ge-
wisse betriebliche Abläufe am Tatort zu beschaffen, Masken, Warnwesten, Waf-
fen und eine geeignete Tasche für die Beute zu besorgen sowie ein Fluchtfahr-
zeug bereitzustellen. Der Raub wurde sodann auch mit erheblicher Dreistigkeit in
der belebten ... ...-Stadt und in einem grossen Kleidergeschäft ausgeführt, wo die
Täter jederzeit mit dem Auftauchen von Mitarbeitern rechnen mussten. Gut vorbe-
reitet war offensichtlich auch die Beutesicherung, denn nach der Verhaftung der
Beschuldigten blieb zumindest der allergrösste Teil der Beute verschwunden. Die
Deliktssumme war mit mehr als Fr. 140'000.– schon sehr beträchtlich. Die im Tre-
sorraum arbeitenden Angestellten des "H._" wurden mit vorgehaltener Waffe
gezwungen, das Geld herauszugeben, und anschliessend mit Klebeband gefes-
selt. Sie wurden zweifellos sehr verängstigt. Zugute gehalten werden kann den
beiden Beschuldigten immerhin, dass sie die Anwendung von Gewalt auf das Nö-
tigste beschränkten und insbesondere niemandem Verletzungen zufügten. Auch
wenn die Tat sorgfältig geplant war, gingen die Täter dennoch teilweise etwas di-
lettantisch vor. Gerade das Hinterlassen von Fingerabdrücken am Tatort erwies
sich als nicht sehr geschickt. Die objektive Tatschwere ist als erheblich zu bewer-
- 43 -
ten. Die von der Vorinstanz veranschlagten Einsatzstrafe ist aufgrund des teilwei-
se dilettantischen Vorgehens auf 4 Jahre zu reduzieren.
b) In subjektiver Hinsicht sind keine Umstände ersichtlich, welche das Ver-
schulden von B._ vermindern würden. Er hatte zwar nur temporär Arbeit und
bekam zudem aufgrund einer Lohnpfändung bloss das Existenzminimum ausbe-
zahlt (Urk. 205 S. 4). Nach eigenen Angaben verrichtete er aber daneben noch
Schwarzarbeit (Urk. 1/81/3 S. 10). In einer dramatischen finanziellen Notlage
steckte der Beschuldigte also keinesfalls. Es bestehen auch keine Hinweise auf
eine gesundheitliche Störung, die zu einer Verminderung seiner Schuldfähigkeit
hätte führen können.
c) Hinsichtlich der Ladendiebstähle ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
über eine Zeitspanne von einigen Monaten hinweg Waren im Gesamtwert von ca.
Fr. 10'000.– stahl. Erschwerend wirkt sich aus, dass er die Taten während seines
Einsatzes als Ladendetektiv beging und damit eine Vertrauensposition schamlos
ausnützte. Mit der Vorinstanz ist von einem gerade noch leichten Verschulden
auszugehen. Die Diebstähle wären für sich allein betrachtet mit etwa 210 Ta-
gessätzen Geldstrafe zu ahnden.
d) Als Hehlerei wird dem Beschuldigten angelastet, Diebesgut im Gesamt-
wert von mehr als Fr. 24'000.– während eines halben Monats an seinem Wohnort
versteckt zu haben. Dabei kann zu seinen Gunsten berücksichtigt werden, dass
er zunächst nicht sicher wusste, sondern lediglich vermutete, dass die Sachen
gestohlen waren. Zwar wurde dem Beschuldigten für deren Aufbewahrung ur-
sprünglich eine "Provision" in Aussicht gestellt (Urk. 4/4/5 S. 3). Soweit ersichtlich
brachte ihm diese Tat aber letztlich keinen Profit ein. Die Vorinstanz erachtete da-
für eine Einsatzstrafe von 150 Tagessätzen als angemessen. Dem kann beige-
pflichtet werden.
e) Der Beschuldigte lenkte im November / Dezember 2014 und dann wieder
von Juli bis anfangs November 2015 etliche Male ein Auto, obwohl ihm das Stras-
senverkehrsamt schon im Jahre 2011 den in der Slowakei erworbenen Führer-
ausweis aberkannt hatte (Urk. 4/5/4). Er setzte sich ohne grosse Hemmungen
- 44 -
immer wieder zu seinem Vorteil über das Gesetz hinweg. Zu seinen Gunsten
kann immerhin berücksichtigt werden, dass er das Autofahren an sich früher ein-
mal gelernt hatte und von ihm deshalb wohl keine erhöhte Gefahr für die anderen
Strassenbenützer ausging. Damit kann insgesamt von einem gerade noch leich-
ten Verschulden ausgegangen und die Einsatzstrafe für das Fahren ohne Berech-
tigung auf 90 Tagessätze festgesetzt werden.
f) B._ kaufte in Tschechien ein Elektroschockgerät und eine Schreck-
schusspistole samt Munition, führte diese Waffen unberechtigterweise in die
Schweiz ein und bewahrte sie bei sich zuhause auf, bis sie anlässlich einer in an-
derer Sache durchgeführten Hausdurchsuchung sichergestellt wurden (Urk. 4/4/1
und 4/4/2). Der Beschuldigte trug die Waffen nicht auf sich und setzte sie auch
nirgends ein. Die vorinstanzliche Einschätzung dieses Sachverhalts als Bagatell-
delikt mit einer Einsatzstrafe von ca. 20 Tagessätzen ist nicht zu beanstanden.
g) Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips erscheint für die Dieb-
stähle, die Hehlerei und die Verstösse gegen das Strassenverkehrs- und das
Waffengesetz vor Berücksichtigung der täterbezogenen Strafzumessungsfaktoren
eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen als angemessen.
3. a) B._ wurde 1983 in ... (Slowakei) geboren. Er ist slowakischer
Staatsbürger und besitzt in der Schweiz die Aufenthaltsbewilligung B. Der Be-
schuldigte wuchs zusammen mit einem Bruder und einer Schwester bei den El-
tern in der Slowakei auf. Dort besuchte er auch acht Jahre die Grundschule und
machte eine dreijährige Lehre als Schlosser. Nach dem anschliessend absolvier-
ten neunmonatigen Militärdienst arbeitete der Beschuldigte in einer Autowerkstatt.
Nachdem er sich 2003 schon einmal als Tourist hierzulande aufgehalten (und de-
linquiert) hatte, emigrierte er 2007 in die Schweiz. Hier arbeitete er zunächst als
...pfleger und ab 2008 dann bei verschiedenen Firmen als Sicherheitsangestellter,
zuletzt bei der BK._ GmbH. Seit dem Verlust der dortigen Anstellung wegen
Diebstählen lebte der Beschuldigte von Leistungen der Arbeitslosenversicherung
und temporären Arbeitseinsätzen auf dem Bau. Daneben besserte er nach eige-
nen Angaben sein Einkommen zeitweise mit Schwarzarbeit auf. Wegen einer
Lohnpfändung blieb ihm von seinem (legalen) Einkommen indessen nur das be-
- 45 -
treibungsrechtliche Existenzminimum, welches auf ca. Fr. 2'600.– festgesetzt
wurde. Seit dem 1. Juli 2015 wohnte der Beschuldigte zusammen mit seinem
Bruder C._ in BB._/AG. Der Beschuldigte ist ledig und kinderlos. Er hat
kein Vermögen, aber ca. Fr. 30'000.– Kreditschulden. Seit dem 4. November
2015 befindet er sich ununterbrochen in Haft, aktuell zum vorzeitigen Strafvollzug
in der JVA ... (Urk. 1/81/3 S. 10 und S. 12/13, Urk. 1/81/19 S. 12-14, Urk. 4/19/4,
Urk. 205 S. 2-5, Prot. II S. 16 sowie Beizugsakten Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat, Unt. Nr. 2012/3837, Urk. 4/1). Aus dem Lebenslauf des Beschuldigten
ergeben sich insoweit keine straferhöhenden oder strafmindernden Faktoren.
b) Im Strafregister hingegen ist B._ mit vier Verurteilungen verzeichnet.
Das Strafgericht Basel-Stadt fällte gegen ihn am 9. Juni 2011 wegen Angriffs eine
bedingt vollziehbare Freiheitsstrafe von 12 Monaten aus. Am 9. August 2011 folg-
te seitens der Staatsanwaltschaft 2 Emmenbrücke/LU wegen mehrfachen Dieb-
stahls und mehrfachen Diebstahlsversuchs eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen
zu Fr. 150.–, verbunden mit Fr. 900.– Busse. Die Geldstrafe wurde zunächst be-
dingt vollziehbar ausgesprochen, später aber zum Vollzug gebracht. Die Staats-
anwaltschaft Zürich-Limmat sanktionierte den Beschuldigten am 3. Juli 2012 we-
gen mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne Berechtigung mit 80 Ta-
gessätzen zu Fr. 100.– Geldstrafe ohne Vollzugsaufschub. Wegen Betrugs er-
kannte schliesslich die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis am 24. Mai 2013 auf
eine unbedingt vollziehbare Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 50.–
(Urk. 179). Diese zum Teil ebenfalls Vermögensdelikte betreffenden Vorstrafen
und die Begehung des Raubüberfalls im "H._" während einer laufenden Stra-
funtersuchung wegen mehrfachen Diebstahls etc. wirken sich insgesamt deutlich
straferhöhend aus.
c) Beim Raub bestehen nur diese Straferhöhungs-, aber keine Strafminde-
rungsgründe. Die erstinstanzliche Erhöhung der Einsatzstrafe um ein Jahr erweist
sich damit als angemessen. Daher ist eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren auszufäl-
len. Auf diese Strafe sind bis und mit heute insgesamt 818 Tage erstandene Haft
anzurechnen (Art. 51 StGB; Urk. 1/125/2-24 und Urk. 4/17/1-12).
- 46 -
d) Bei den weiteren Delikten steht den wiederum straferhöhend in Betracht
zu ziehenden Vorstrafen als gewichtiger Strafminderungsgrund das vollumfängli-
che Geständnis des Beschuldigten gegenüber. Insgesamt resultiert hier aufgrund
der Täterkomponente eine leichte Minderung der Einsatzstrafe. Angemessen wä-
re somit eine Geldstrafe von 330 Tagessätzen. Aufgrund des Verschlechterungs-
verbots gegenüber dem allein appellierenden Beschuldigten (Art. 391 Abs. 2
StPO) muss indessen die erstinstanzliche Geldstrafe von 300 Tagessätzen bestä-
tigt werden. Der Beschuldigte hat aufgrund des heutigen Urteils noch einen länge-
ren Aufenthalt im Gefängnis vor sich. Nach der Haftentlassung muss er, sofern er
überhaupt in der Schweiz bleiben kann, aufgrund seiner Schulden (vgl. Erw. V/3a)
erneut mit einer Lohnpfändung rechnen und wird dann, auch wenn er rasch Arbeit
findet, einstweilen nicht mehr als ca. Fr. 2'600.– pro Monat zur Verfügung haben.
Bei Tätern, die nahe am oder gar unter dem Existenzminimum leben, muss das
nach den üblichen Regeln berechnete Einkommen für die Zumessung des Ta-
gessatzes um mindestens die Hälfte reduziert werden. Bei einer hohen Anzahl
von Tagessätzen, namentlich bei Strafen von mehr als 90 Tagessätzen, ist eine
zusätzliche Reduktion von 10-30 Prozent angebracht (BGE 134 IV 72 f.). Vorlie-
gend ist deshalb der Tagessatz auf Fr. 20.– festzusetzen.
e) Der bedingte oder teilbedingte Vollzug der Freiheitsstrafe ist schon auf-
grund des Strafmasses von mehr als drei Jahren ausgeschlossen (Art. 42 Abs. 1
und Art. 43 Abs. 1 StGB). Der Beschuldigte B._ wurde innerhalb der letzten
fünf Jahre vor der Begehung der heute mit einer Geldstrafe zu ahndenden Delikte
zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten verurteilt (Erw. V/3b). Der voll- oder teil-
bedingte Vollzug der Geldstrafe wäre demzufolge nur noch unter der Vor-
aussetzung besonders günstiger Umstände möglich (Art. 42 Abs. 2 StGB; StGB-
Kommentar Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, 19. A., N 3 zu Art. 43), und solche
sind offensichtlich nicht gegeben. Damit ist auch die Geldstrafe zu vollziehen.
VI.
- 47 -
1. a) Auch der Beschuldigte C._ hat mehrere Straftaten begangen, wo-
bei der Raub (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) mit einer Strafandrohung von Frei-
heitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen am
schwersten wiegt. Für die weiteren Delikte von C._ hat die Vorinstanz rich-
tigerweise eine Geldstrafe ausgesprochen (BGE 137 IV 253, E. 3.4.2, BGE 138 IV
122, E. 5.2). Bei deren Zumessung ist von der Strafe für die schwerste Tat – das
(mehrfache) Überlassen eines Motorfahrzeugs an einen nicht fahrberechtigten
Lenker (Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG) mit einem bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe rei-
chenden Strafrahmen – auszugehen. Der Verstoss gegen das Bundesgesetz über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(AVIG), der mit höchstens sechs Monaten Freiheitsstrafe oder 180 Tagessätzen
Geldstrafe geahndet werden kann, wirkt sich sodann straferhöhend aus (Art. 49
Abs. 1 StGB). Nicht überschritten werden darf die erstinstanzlich festgesetzte Ge-
samtsanktion von 41⁄2 Jahren Freiheitsstrafe für den Raub und 100 Tagessätzen
Geldstrafe für die übrigen Delikte (Art. 391 Abs. 2 StPO).
b) Innerhalb des gegebenen Rahmens misst das Gericht die Strafe nach
dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt dabei dessen Vorleben und
persönliche Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf sein Leben. Das Ver-
schulden wird nach der Schwere der Rechtsgutverletzung, der Verwerflichkeit des
Handelns und den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt,
wie weit er nach den gesamten Umständen in der Lage war, rechtskonform zu
handeln (Art. 47 Abs. 1 und 2 StGB).
2. a) Da alle Beschuldigten jegliche Beteiligung am Überfall auf den
"H._" bestreiten, lässt sich nicht ausmachen, von wem die Initiative zur Tat
ausging und ob einer der Gebrüder B._C._ mehr zur Vorbereitung des
Überfalls beitrug als der andere. Sie schritten sodann gemeinsam und, soweit er-
sichtlich, als gleichberechtigte und gleichermassen aktive Mittäter zur Tatausfüh-
rung. Die objektive Tatschwere des Raubes ist deshalb bei C._ gleich zu be-
urteilen wie bei B._ (Erw. V/2a). In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass
C._ finanziell nicht auf Rosen gebettet, sondern auf Leistungen der Arbeits-
losenversicherung angewiesen war (vgl. nachstehend Erw. VI/3a), sich aber kei-
- 48 -
neswegs in einer existenziellen Notlage befand. Auch im Übrigen sind keine Um-
stände ersichtlich, die sein Verschulden zu mindern vermöchten. Die Einsatzstra-
fe für den Raub ist wiederum auf 4 Jahre Freiheitsstrafe festzusetzen.
b) C._ überliess seinem Bruder während ca. vier Monaten immer wie-
der seine beiden Autos der Marke "N._" zum Lenken, obwohl er wusste,
dass dieser keinen gültigen Führerausweis besass. Er zeigte damit eine beträcht-
liche Respektlosigkeit gegenüber dem Gesetz. Zugunsten des Beschuldigten
kann berücksichtigt werden, dass B._ in der Slowakei einen Führerausweis
besessen hatte und somit an sich fähig war, ein Motorfahrzeug zu lenken, ohne
dass damit die anderen Verkehrsteilnehmer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt
wurden. In diesem Anklagepunkt wiegt das Verschulden von C._ insgesamt
noch leicht, weshalb eine Einsatzstrafe von 70 Tagessätzen als angemessen er-
scheint.
c) C._ verschwieg gegenüber der Arbeitslosenkasse während mehrerer
Monate immer wieder Zwischenverdienste und erlangte so unrechtmässig insge-
samt Fr. 11'535.70 Stempelgeld. Sein diesbezügliches Verschulden wiegt nicht
mehr leicht, was zu einer Einsatzstrafe von weiteren 70 Tagessätzen führt.
d) Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips resultiert als Zwischen-
ergebnis eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen.
3. a) C._ wurde 1976 in ... (Slowakei) geboren, ist slowakischer Staats-
bürger und hat in der Schweiz die Aufenthaltsbewilligung B. Er wuchs zusammen
mit seinem Bruder B._ und einer Schwester bei den Eltern auf. Der Beschul-
digte absolvierte die Volksschule und die Berufsschule als Mechaniker. Es folgten
weitere zwei Schuljahre bis zur Hochschulreife. Danach musste der Beschuldigte
eineinhalb Jahre Militärdienst leisten. Später arbeitete er in Tschechien in einem
...stall. Von dort aus wurde ihm 2007 eine Stelle als ... in der Schweiz vermittelt.
Danach betätigte er sich ca. vier bis fünf Jahre als ...pfleger. 2013 oder 2014 wur-
de ihm aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt. Der Beschuldigte konnte danach
nur noch temporär als Monteur arbeiten, bezog ergänzend Leistungen der Ar-
beitslosenversicherung und kam so auf ein Gesamteinkommen von ca. Fr.
- 49 -
4'500.–. Er ist ledig und kinderlos, hatte zu Beginn des Verfahrens Ersparnisse
von ca. € 10'000.– (in der Slowakei) und ca. Fr. 25'000.– bis 30'000.– Schulden
(Urk. 1/81/2 S. 8, Urk. 1/81/19 S. 14/15, Urk. 1/131/1, Urk. 207 S. 2-6, Urk. 255,
Prot. II S. 13 f.). Aus dem vorstehend zusammengefassten Werdegang des Be-
schuldigten ergeben sich weder straferhöhende noch strafmindernde Umstände.
b) C._ ist in der Schweiz nicht vorbestraft (Urk. 180). Eine Verurteilung
wegen Fahrzeugdiebstahls in der Slowakei liegt mehr als zwanzig Jahre zurück
(Urk. 1/81/19 S. 15, Urk. 1/131/6) und ist nicht mehr relevant.
c) Beim Raub bestehen weder Straferhöhungs- noch Strafminderungsgrün-
de. Der Teil-Rückzug der Berufung allein ist kein strafzumessungsrelevantes Ge-
ständnis, da dieser weder Reue noch Einsicht ausdrückt. Hinsichtlich der Ne-
bendelikte kann das vollumfängliche Geständnis des Beschuldigten deutlich
strafmindernd berücksichtigt werden, so dass letztlich auf 4 Jahre Freiheitsstrafe
und eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu erkennen ist. Auf die Freiheitsstrafe
sind bis und mit heute 749 Tage erstandene Haft anzurechnen (Art. 51 StGB;
Urk. 1/126/2-35).
d) Der Beschuldigte hat aufgrund des heutigen Urteils noch einen längeren
Aufenthalt im Gefängnis vor sich. Nach der Haftentlassung muss er mit einer
Wegweisung aus der Schweiz rechnen. Selbst wenn er aber hier bleiben könnte,
wäre seine berufliche und finanzielle Zukunft unsicher. Unter diesen Umständen
erscheint bei der Geldstrafe ein Tagessatz von Fr. 20.– als angemessen.
e) Der Vollzug der heute auszufällenden Freiheitsstrafe kann aufgrund der
Strafdauer von (deutlich) mehr als drei Jahren weder ganz noch teilweise aufge-
schoben werden (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB). Der Vollzug der Geld-
strafe hingegen kann unter Ansetzung der minimalen Probezeit aufgeschoben
werden, da der Beschuldigte Ersttäter ist und ihm somit eine günstige Legalprog-
nose gestellt werden kann (Art. 42 Abs. 1 StGB).
VII.
- 50 -
a) Da die Beschuldigten D._ und A._ freigesprochen werden, ist
die F._ AG mit ihrer Schadenersatzforderung ihnen gegenüber auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
b) Die BL._ Ltd. leistete aufgrund des vorliegend eingeklagten Raub-
überfalls eine Zahlung von Fr. 151'782.90 (Urk. 173/2). Sie ist damit zufolge Sub-
rogation (Art. 72 Abs. 1 VVG) in die Ansprüche der ursprünglich Geschädigten
eingetreten. Am 15. September 2016 wurde die Firma der genannten Versiche-
rungsgesellschaft geändert. Sie heisst nun F._ AG (SHAB ..., Publikations-
nummer ...). Hinsichtlich ihrer rechtzeitigen Konstituierung als Privatklägerin kann
auf die vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 241 S. 155) verwiesen werden. Sie
machte als solche eine Schadenersatzforderung von insgesamt Fr. 163'939.90
geltend (Urk. 172). Diese wurde von der Vorinstanz im Umfang des Selbstbehalts
von Fr. 12'157.–, welcher der Geschädigten belastet worden war (Urk. 173/2) ab-
gewiesen, und im weiteren Umfang von Fr. 5'736.90 (interne Personalkosten,
Umsatzverlust, Bewachungsmassnahmen) auf den Zivilweg verwiesen. Dabei
muss es schon aus prozessualen Gründen bleiben (Art. 391 Abs. 2 StPO). Zu
prüfen bleibt die Ersatzforderung von Fr. 146'046.– für das gestohlene Bargeld
(Urk. 173/1). Diese beruht offensichtlich auf einer Aufstellung, welche die Ge-
schädigte im Rahmen der Untersuchung der Staatsanwaltschaft übermittelt hatte,
wobei die Euro- und Dollarbeträge zu Kursen von Fr. 1.20 bzw. Fr. 0.95 umge-
rechnet wurden (Urk. 1/89/16, vgl. Urk. 1/89/14 S. 1). Unklar bleibt, wer dieses
Papier erstellt hat und auf welchen Grundlagen die angegebenen Ist- und Soll-
Bestände der verschiedenen Kassen beruhen. Die Anklageschrift stellt nicht auf
diese Zahlen ab, sondern nennt einen Deliktsbetrag von "ca. Fr. 140'000.–"
(Urk. 1/141 S. 6 oben). Dass mindestens so viel Geld abhandengekommen war,
wurde von keiner Seite in Zweifel gezogen. Mehr als die in der Anklage genannte
Deliktssumme kann der Privatklägerin adhäsionsweise nicht zugesprochen wer-
den. Die Beschuldigten C._ und B._ sind demnach unter solidarischer
Haftung zu verpflichten, der F._ AG Fr. 140'000.– Schadenersatz zu bezah-
len. Im Mehrbetrag von Fr. 6'046.– (und somit insgesamt im Umfang von
Fr. 11'782.90) ist die Privatklägerin gegenüber diesen Beschuldigten auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen. Zinsen wurden von der Privatklägerin nicht ge-
- 51 -
fordert und wurden ihr erstinstanzlich auch nicht zugesprochen. Dabei muss es
heute sein Bewenden haben (Art. 391 Abs. 2 StPO).
VIII.
a) Da die Beschuldigten A._ und D._ heute freigesprochen wer-
den, sind ihnen keine Kosten aufzuerlegen. Dies gilt auch für die drei Beschwer-
den von A._ (Proz. Nr. UB160009, UB160028 und UB160043) und die Be-
schwerde von D._ (Proz. Nr. UB160044) gegen die Anordnung bzw. Verlän-
gerung der Untersuchungshaft. Die gegenüber den Beschuldigten A._ und
D._ angeordneten Kontosperren sind demzufolge nach Eintritt des vorlie-
genden Urteils in Rechtskraft aufzuheben.
b) Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanz-
lichen Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung,
zu je einem Drittel den Beschuldigten B._ und C._ aufzuerlegen und im
Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Übrigen gehen diese Kosten zu
Lasten des Staates (Art. 423 und 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen
Verteidigungen von B._ und C._ sind einstweilen auf die Gerichtskasse
zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht der beiden Beschuldigten gemäss Art.
135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen von
A._ und D._ gehen zufolge Freispruchs definitiv zu Lasten des Staates
(Art. 426 Abs. 2 StPO e contrario).
c) Im Berufungsverfahren obsiegen die Beschuldigten A._ und D._
mit ihren Hauptanträgen, während die Beschuldigten B._ und C._ mit
der geringfügigen Reduktion der Freiheits- und Geldstrafen unterliegen. Der Auf-
wand in Bezug auf den Beschuldigten C._ hat sich infolge des späten
Teilrückzuges nicht vermindert. Die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens sind
demzufolge zu je einem Viertel den Beschuldigten B._ und C._ aufzuer-
legen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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IX.
1. a) Die Beschuldigte A._ befand sich im vorliegenden Verfahren wäh-
rend 152 Tagen in Untersuchungshaft (Urk. 1/128/2-45). Nachdem sie heute voll-
umfänglich freigesprochen wird, stehen ihr für die erlittene Haft eine angemesse-
ne Genugtuungszahlung des Staates und eine Entschädigung für haftbedingte
wirtschaftliche Einbussen zu (Art. 429 Abs. 1 lit. b und c StPO).
b) Die bundesgerichtliche Praxis geht davon aus, dass grundsätzlich
Fr. 200.– pro Hafttag als angemessener Ausgleich für die erlittene immaterielle
Unbill gelten können. Dieser Ansatz kann bei besonders schweren Auswirkungen
der Haft auf die körperliche oder psychische Integrität und im Falle einer haftbe-
dingten Rufschädigung erhöht werden. Bei einer lange dauernden Haft kommt
anderseits eine angemessene Reduktion in Betracht (BGE 6B_53/2013, E. 3.2).
Bei der Beschuldigten A._ sind keine besonderen Umstände auszumachen,
die nach einer Erhöhung der Genugtuung rufen würden. Ihr ist deshalb aus der
Gerichtskasse eine Genugtuungssumme von Fr. 25'000.– zuzusprechen.
c) Die Beschuldigte liess heute einen Entschädigungsanspruch von
Fr. 30'217.50 geltend machen und zu dessen Begründung ausführen, dass ihr
dieser Betrag aufgrund des Erwerbsausfalls für 6 1⁄2 Monate zustehe (Urk. 291
S. 17). Weiter begründet sie ihr Begehren nicht. Aufgrund der Verhaftung vom
25. Januar 2016 wurde ihr am 25. Februar 2016 fristlos gekündigt (Prot. II S. 25;
Urk. 1/128/2). Eine neue Stelle habe sie erst per Mitte August 2016 gefunden
(Urk. 214 S. 17 i.V.m. Prot. I S. 12). Wie erstellt, flossen die Insider-Informationen
über die Beschuldigte A._ zu den Gebrüdern B._C._ (vgl. Erw.
IV/5a). Auch wenn die Beschuldigte A._ schliesslich freigesprochen wird, hat
sie die Einleitung des Verfahrens durch die ihren Arbeitgeber schädigenden
Handlungen rechtswidrig und schuldhaft bewirkt. Dass sie das Vertrauensverhält-
nis durch die (allenfalls unbewusste) Preisgabe von Geschäftsinterna zerstörte, ist
offensichtlich. Ein wichtiger Grund, welcher eine fristlose Kündigung zulässt, wäre
wohl in dieser Situation auch ohne die Einleitung eines Strafverfahrens gegeben
gewesen. Eine Entschädigung ist daher gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO nicht
zuzusprechen (Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO).
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2. a) Der Beschuldigte D._ befand sich im vorliegenden Verfahren bis
und mit heute während 668 Tagen in Untersuchungshaft (Urk. 1/127/2-42). Nach-
dem er heute vollumfänglich freigesprochen wird, stehen ihm für die erlittene Haft
eine angemessene Genugtuungszahlung des Staates und eine Entschädigung für
haftbedingte wirtschaftliche Einbussen zu (Art. 429 Abs. 1 lit. b und c StPO).
b) Auch beim Beschuldigten D._ besteht kein Anlass, von der bundes-
gerichtlichen Praxis abzuweichen. Seine Haft dauerte allerdings sehr lange, wes-
halb in seinem Falle der Grundansatz von Fr. 200.– pro Hafttag deutlich zu redu-
zieren ist. Dem Beschuldigten ist aus der Gerichtskasse eine Genugtuungssum-
me von Fr. 70'000.– zuzusprechen.