Decision ID: 4c53d19e-abda-4573-9b47-857a8c1fbe34
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- das Bayerische Staatsministerium der Justiz gestützt auf den Haftbefehl des Amtsgerichts Augsburg vom 1. April 2022 die Schweiz um Auslieferung des deutschen Staatsangehörigen A. wegen Privatwohnungseinbruchs in  mit Sachbeschädigung ersuchte (act. 5.1); die deutschen Behörden dabei insbesondere darauf hinwiesen, dass die Staatsanwaltschaft  zeitgleich ein Rechtshilfeersuchen um Durchsuchung der Wohnung von A. an die Staatsanwaltschaft Schaffhausen gestellt hätten, weshalb um  Ausführung gebeten wurde;
- das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») mit Schreiben vom 28. Ap-
ril 2022 einen Auslieferungshaftbefehl gegen A. erliess und gleichentags die Staatsanwaltschaft Schaffhausen damit beauftragte, A. möglichst zeitgleich mit der Durchführung der Hausdurchsuchung festzunehmen und in  zu versetzen (act. 5.2);
- der Auslieferungshaftbefehl vom 28. April 2022 A. am 21. Mai 2022 anläss-
lich dessen Einvernahme durch die Schaffhauser Polizei ausgehändigt wurde (act. 5.4 S. 4);
- mutmasslich davon auszugehen ist, dass sich A. seit dem 21. Mai 2022 in
provisorischer Auslieferungshaft befindet;
- A. im Rahmen der polizeilichen Einvernahme vom 24. Mai 2022 die Durch-
führung des ordentlichen Auslieferungsverfahrens beantragte (act. 5.5);
- A. ferner mit Eingabe vom 25. Mai 2022 gegen den Auslieferungshaftbefehl
vom 28. April 2022 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts  erhob und sinngemäss dessen Aufhebung beantragt (act. 1);
- die Beschwerdekammer das BJ am 27. Mai 2022 zur Einreichung der Ver-
fahrensakten aufforderte (act. 4); das BJ dieser Aufforderung mit Schreiben vom 27. Mai 2022 nachkam (act. 5);
- auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet wird (Art. 57 Abs. 3
VwVG).
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland primär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1), die hierzu ergangenen Zusatzprotokolle vom 17. März 1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12) und 10. November 2010 (ZPIII EAUe; SR 0.353.13) sowie der Vertrag vom 13. November 1969 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland über die Ergänzung des EAUe und die Erleichterung seiner Anwendung (ZV EAUe; SR 0.353.913.61) massgebend sind;
- überdies das Übereinkommen vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des
Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener  [SDÜ]; CELEX-Nr. 42000A0922(02); Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19-62; Text nicht publiziert in der SR, jedoch  auf der Website der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter « zu den bilateralen Abkommen», 8.1 Anhang A; https://www..ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html) i.V.m. dem Beschluss des Rates 2007/533/JI vom 12. Juni 2007 über die , den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems der zweiten Generation (SIS II), namentlich Art. 26-31 (CELEX-Nr. 32007D0533; Abl. L 205 vom 7. August 2007, S. 63-84; abrufbar unter «Rechtssammlung zu den bilateralen Abkommen», 8.4 Weiterentwicklungen des ), sowie diejenigen Bestimmungen des Übereinkommens vom 27. September 1996 über die Auslieferung zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-Auslieferungsübereinkommen; CELEX-Nr. 41996A1023(02); Abl. C 313 vom 23. Oktober 1996, S. 12-23) anwendbar sind, welche gemäss dem Beschluss des Rates 2003/169/JI vom 27.  2003 (CELEX-Nr. 32003D0169; Abl. L 67 vom 12. März 2003, S. 25 f.; abrufbar unter «Rechtssammlung zu den bilateralen Abkommen», 8.2  B) eine Weiterentwicklung des Schengen-Besitzstands darstellen;
- die zwischen den Vertragsparteien geltenden weitergehenden Bestimmun-
gen aufgrund bilateraler oder multilateraler Abkommen unberührt bleiben (Art. 59 Abs. 2 SDÜ; Art. 1 Abs. 2 EU-Auslieferungsübereinkommen);
- soweit die staatsvertraglichen Bestimmungen gewisse Fragen nicht ab-
schliessend regeln, auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung findet (Art. 22 EAUe), namentlich das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige  vom 24. Februar 1982 (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11);
https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html
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das innerstaatliche Recht nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur  gelangt, wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1); die Wahrung der Menschenrechte vorbehalten bleibt (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2016 65 E. 1.2; 2008 24 E. 1.1);
- die verfolgte Person gegen den Auslieferungshaftbefehl des BJ innert zehn
Tagen ab der schriftlichen Eröffnung Beschwerde bei der  des Bundesstrafgerichts führen kann, wobei für die  die Art. 379-397 StPO sinngemäss gelten (Art. 48 Abs. 2 i.V.m. Art. 47 IRSG);
- die vorliegende Beschwerde vom verfolgten Beschwerdeführer frist- und
formgerecht erhoben worden ist, weshalb darauf einzutreten ist;
- die Verhaftung des Verfolgten während des ganzen Auslieferungsverfahren
die Regel bildet (BGE 136 IV 20 E. 2.2; 130 II 306 E. 2.2);
- eine Aufhebung des Auslieferungshaftbefehls sich nur ausnahmsweise und
unter strengen Voraussetzungen rechtfertigt, wenn der Verfolgte sich voraussichtlich der Auslieferung nicht entzieht und die Strafuntersuchung nicht gefährdet (Art. 47 Abs. 1 lit. a IRSG), wenn er den sogenannten  erbringen und ohne Verzug nachweisen kann, dass er zur Zeit der Tat nicht am Tatort war (Art. 47 Abs. 1 lit. b IRSG), wenn er nicht  ist oder andere Gründe vorliegen, welche eine weniger  Massnahme rechtfertigen (Art. 47 Abs. 2 IRSG), oder wenn sich die Auslieferung als offensichtlich unzulässig erweist (Art. 51 Abs. 1 IRSG);
- ein Auslieferungsersuchen offensichtlich unzulässig sein kann, wenn ohne
jeden Zweifel und ohne weitere Abklärungen ein Ausschlussgrund vorliegt (vgl. BGE 111 IV 108 E. 3a);
- im Übrigen die Vorbringen gegen die Auslieferung als solche oder gegen die
Begründetheit des Auslieferungsbegehrens nicht im vorliegenden , sondern im eigentlichen Auslieferungsverfahren zu  sind (vgl. MOREILLON /DUPUIS/MAZOU, La pratique judiciaire du Tribunal pénal fédéral, in Journal des Tribunaux 2009 IV 111 Nr. 190 und 2008 IV 66 Nr. 322 je m.w.H. auf die Rechtsprechung);
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- die ausnahmsweise zu gewährende Haftentlassung an strengere  gebunden ist als der Verzicht auf die gewöhnliche  in einem Strafverfahren oder die Entlassung aus einer solchen (vgl. BGE 130 II 306 E. 2.2 und 2.3; 111 IV 108 E. 2; Entscheid des  RH.2015.14 vom 9. Juli 2015, E. 4.1);
- soweit der Beschwerdeführer vorbringt, es seien keine Beweise aufgeführt
worden, die ihn mit der ihm zur Last gelegten Straftat in Verbindung bringen würden, verkennt, dass solche Einwendungen im Verfahren betreffend  nicht zu hören sind; Schuld- und Tatfragen im Rahmen eines Auslieferungsverfahrens grundsätzlich ohnehin nicht geprüft werden (vgl. BGE 133 IV 76 E. 2.2; 118 Ib 121 E. 5c);
- der Beschwerdeführer ferner das Vorliegen von Fluchtgefahr bestreitet, da
er über einen festen Wohnsitz und Arbeit in der Schweiz verfüge und zudem seinen deutschen Anwalt beauftragt habe, die Staatsanwaltschaft Augsburg zu kontaktieren;
- die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Verneinung von Fluchtgefahr
überaus restriktiv ist und der Erfüllung der staatsvertraglichen  im Vergleich zu den Interessen des Verfolgten ausserordentlich grosses Gewicht beimisst;
- das Bundesgericht die Fluchtgefahr bei drohenden hohen Freiheitsstrafen in
der Regel sogar dann bejaht, wenn der Betroffene über eine  und familiäre Bindungen in der Schweiz verfügt (BGE 136 IV 20 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8G.45/2001 vom 15. August 2001 E. 3a);
- um Fluchtgefahr ausreichend zu bannen, Ersatzmassnahmen für Ausliefe-
rungshaft wie Abgabe der Reisedokumente, Schriftensperre, Meldepflicht und Electronic Monitoring angesichts der einfachen Möglichkeit, sich ins Ausland abzusetzen, nach konstanter Rechtsprechung nur in Kombination mit einer sehr substantiellen Sicherheitsleistung als überhaupt geeignet  werden (Entscheide des Bundesstrafgerichts RH.2020.10 vom 23. September 2020 E. 4.2; RH.2020.9 vom 11. September 2020 E. 5.2; RH.2020.5 vom 12. August 2020 E. 6.4; jeweils m.w.H.);
- dem Beschwerdeführer gemäss Ausführungen der deutschen Behörden im
Falle einer Auslieferung und Verurteilung in Deutschland aufgrund seiner Vorstrafen eine hohe Freiheitsstrafe drohe (act. 5.1);
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- das deutsche Strafgesetzbuch den (einfachen)  mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft (§ 244 Abs. 1 Ziff. 1 dStGB); die qualifizierte Begehung entsprechend höher bestraft wird (vgl. § 244 Abs. 1 Ziff. 2-3 dStGB);
- es sich beim jungen Beschwerdeführer (24 Jahre) um einen ausländischen
Staatsangehörigen handelt, der – abgesehen von geltend gemachten  mit dem Herzrhythmus und der angegebenen Einnahme von  – soweit ersichtlich bei guter Gesundheit ist;
- er eigenen Angaben zufolge zwar in der Schweiz über einen festen Wohnsitz
verfügt und einer Arbeit nachgeht; darüber hinaus Angaben, welche  auf seine Beziehung zur Schweiz zuliessen, fehlen;
- seine Familie, namentlich seine Eltern, offenbar nicht in der Schweiz leben
(vgl. Einvernahme vom 24. Mai 2022, act. 5.5 S. 3);
- vor dem Hintergrund, dass dem Beschwerdeführer bei seiner Auslieferung
und einer allfälligen Verurteilung in Deutschland – wie dargelegt – eine hohe Freiheitsstrafe droht und eine besonders enge Bindung zur Schweiz nicht ersichtlich ist, von einer beträchtlichen Fluchtgefahr auszugehen ist;
- der aktuellen Fluchtgefahr auch nicht durch mildere Ersatzmassnahmen wie
Schriftensperre und Meldepflicht oder eine allfällige (nicht angebotene)  begegnet werden kann;
- damit das Vorliegen der vom Beschwerdeführer in Abrede gestellten Kollu-
sionsgefahr nicht zu prüfen ist;
- sich die Beschwerde somit als offensichtlich unbegründet erweist und ohne
Durchführung eines Schriftenwechsels abzuweisen ist (Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario);
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG);
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.-- festzusetzen ist (Art. 63 Abs. 5 VwVG und
Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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