Decision ID: 1e840eab-34ec-456e-8787-d3429d369c2f
Year: 2018
Language: de
Court: VS_BZG
Chamber: VS_BZG_999
Canton: VS
Region: Région lémanique
Law Area: 

in Sachen
X _, Gesuchsteller, vertreten durch Rechtsanwalt M_,
gegen
Y_, Straf- und Massnahmenvollzugsrichter bzw. Zwangsmassnahmenrichter,
Gesuchsgegner
(Ausstand Art. 56 lit. b StPO)
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Verfahren
A. Das Kantonsgerichts Wallis fällte am 20. September 2012, folgendes Urteil (P1 11
64), welches nach Abweisung der Beschwerde durch das Bundesgericht in Rechtskraft
erwuchs (Bundesgerichtsurteil 6B_678/2012 vom 30. April 2013):
1. Das Verfahren wegen versuchter sexueller Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 22 Abs. 1 und
Art. 187 Ziff. 1 StGB und versuchter sexueller Nötigung im Sinne von Art. 22 Abs. 1 und Art. 189 Abs. 1
StGB in Bezug auf A _, B _ (Fall 3 der Anschuldigungsverfügung), C _
und D _ (Fall 4), sowie wegen sexueller Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1
StGB und sexueller Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in Bezug auf E _, F
_ (Fall 4) und G _ (Fall 9) wird infolge eingetretener Verjährung eingestellt.
2. Das Verfahren wegen sexueller Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB von H _ (Fall 31 lit.
c) wird mangels Strafantrags eingestellt.
3. X _ wird vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1
StGB und der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB in Bezug auf I _ und J
_ (Fall 8) und K _ (Fall 9) freigesprochen.
4. X _ wird vom Vorwurf der versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 22
Abs. 1 und Art. 187 Ziff. 1 StGB und der versuchten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 22 Abs. 1
und Art. 189 Abs. 1 StGB in Bezug auf L _, N _, O _, P _, Q
_, R _, S _, T _, U _ und V _ (Fall 9), W
_ (Fälle 11, 19 und 23), Z _ (Fälle 17 und 22), nicht näher bestimmten Kindern im
Kinderdorf „AA _“ in BB _ (Fall 26), CC _ (Fall 27) sowie DD
_ und EE _ (Fall 29) freigesprochen.
5. X _ wird der mehrfachen versuchten und der mehrfachen vollendeten sexuellen Handlungen
mit Kindern im Sinne von Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 187 Ziff. 1 StGB und Art. 187 Ziff. 1 StGB, der mehr-
fachen versuchten und der mehrfachen vollendeten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 22 Abs. 1
i.V.m. Art. 189 Abs. 1 StGB und Art. 189 Abs. 1 StGB, der mehrfachen versuchten Vergewaltigung im
Sinne von Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 190 Abs. 1 StGB, der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1
StGB, der qualifizierten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 3 StGB, der einfachen Körperver-
letzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB und der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB schuldig er-
kannt.
6. X _ wird zu einer Freiheitsstrafe von 11 Jahren und 8 Monaten verurteilt. Die Untersuchungs-
bzw. Sicherheitshaft bis zum vorzeitigen Strafvollzug am 5. August 2011 wird angerechnet.
7. Für X _ wird im Sinne von Art. 59 Abs. 3 StGB eine stationäre therapeutische Massnahme in
einer geschlossenen Einrichtung oder in einer Strafanstalt nach Art. 76 Abs. 2 StGB, sofern die nötige
therapeutische Behandlung durch Fachpersonal gewährleistet ist, angeordnet (Art. 59 Abs. 2 StGB).
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Deren Vollzug geht dem Vollzug der Freiheitsstrafe vor, wobei X _ bis zum Übertritt in eine
geeignete Einrichtung im Strafvollzug verbleibt.
8. X _ bezahlt:
- FF _ eine Genugtuung von Fr. 7'500.--,
- GG _ eine Genugtuung von Fr. 7'500.-- sowie Schadenersatz von Fr. 5'280.-- nebst Zins
zu 5 % seit dem 30. Juni 2006,
- H _ eine Genugtuung von Fr. 50'000.--.
Alle übrigen Zivilbegehren werden auf den Zivilweg verwiesen.
(...)
B. Die Dienststelle für Straf- und Massnahmenvollzug, Amt für Sanktionen und Be-
gleitmassnahmen stellte am 4. November 2016 beim Straf- und Massnahmenvollzugs-
gericht ein Gesuch hinsichtlich der Fortsetzung der stationären therapeutischen Mass-
nahme (S. 2 ff., P2 16 929).
Der Straf- und Massnahmenvollzugsrichter Y_ teilte X _ am 8. No-
vember 2016 mit, dass er für den Entscheid im Sinne von Art. 62d i.V.m. Art. 59 Abs. 3
StPO über die Fortsetzung der stationären therapeutischen Massnahme ein neues fo-
rensisches psychiatrisches Gutachten als dringend indiziert erachte (S. 112 ff., P2 16
929). Dr. HH _ erstellte daraufhin ein Gutachten, datiert vom 27. Juli 2017 (S.
170 ff., P2 16 929) und beantwortete die Ergänzungsfragen des Amts für Sanktionen
und Begleitmassnahmen vom 24. August 2017 und von X _ vom
14. September 2017 (S. 253 ff., P2 16 929).
C. Das Bundesgericht erkannte mit Urteil 6B_1432/2017 vom 15. Januar 2018, dass
die Inhaftierung von X _ seit dem 20. September 2017 (mangels gültigen
Hafttitels infolge Ablauf der Fünfjahresfrist nach Art. 59 Abs. 4 StGB per 19. September
2017) formell unrechtmässig sei und die Sache zur Neuregelung der Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen an die Vorinstanz sowie zur Prüfung der Anordnung von Sicher-
heitshaft an das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Wallis zurückgewiesen wer-
de (vgl. S. 355 ff., P2 16 929). Zwangsmassnahmenrichter Y_ ordnete mit
Verfügung 18. Januar 2018 Sicherheitshaft an, welche unangefochten in Rechtskraft
erwuchs (P2 18 40).
D. Das Amt für Sanktionen und Begleitmassnahmen beantragte im Hinblick auf den
Abschluss des Verfahrens P2 16 929 mit Schreiben vom 15. Dezember 2017 die
Aufhebung der stationären therapeutischen Massnahme gemäss Art. 62c Abs. 1 StGB
und die Anordnung einer Verwahrung im Sinne von Art. 62c Abs. 4 StGB (S. 320 f., P2
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16 929). Die Kommission zur Beurteilung der Gemeingefährlichkeit stellte am
21. Februar 2018 gleichlautende Anträge (S. 399 f., P2 16 929).
E. Das Straf- und Massnahmenvollzugsgericht setzte mit Verfügung vom 22. Februar
2018 für Dienstag, den 20. März 2018 um 13.30 Uhr eine Verhandlung an, anlässlich
welcher über die „stationäre therapeutische Massnahme (Art. 59 bis 62d StGB)“ ver-
handelt werde (S. 402, P2 16 929). Der Gesuchsteller rügte mit Schreiben vom
25. Februar 2018, dass der Straf- und Massnahmenvollzugsrichter beabsichtige als
Einzelrichter zu amten; es müsse zwingend ein Kollegialgericht tagen (S. 404, P2 16
929). Das von X _ am 2. März 2018 daraufhin gestellte Ausstandsgesuch
gegen den Straf- und Massnahmenvollzugsrichter Y_, wies das Kantonsge-
richt Wallis mit Verfügung vom 22. März 2018 ab (P3 18 44; S. 428, ff. P2 16 929).
F. Das Straf- und Massnahmenvollzugsgericht verschob mit Verfügung vom 7. März
2018 die Verhandlung auf Dienstag, den 10. April 2018 um 13.30 Uhr (S. 420, P2 16
929). Mit Verfügung vom 23. März 2018 teilte es zudem mit, dass es am Dienstag, den
10. April 2018 in der Zusammensetzung mit Richter Y_ als Präsident, Richter
II _ und Richter JJ _ als Kollegialbehörde tagen werde (S. 443, P2
16 929). Besagte Verhandlung fand am 10. April 2018 statt (S. 447 f., P2 16 929).
G. Richter Y_ verfügte am 12. April 2018 in seiner Funktion als Zwangs-
massnahmenrichter die Verlängerung der Sicherheitshaft (P2 18 326), welcher Ent-
scheid X _ mit Beschwerde vom 14. April 2018 beim Kantonsgericht Wallis
anfocht (P3 18 101).
X _ (hiernach Gesuchsteller) stellte zudem gleichentags am 14. April 2018
ein weiteres Ausstandsgesuch gegen Richter Y_ und beantragte die Wieder-
holung der Hauptverhandlung vom 10. April 2018 im Hauptverfahren P2 16 929. Rich-
ter Y_ übermittelte das Ausstandsgesuch mit einer Stellungnahme dem Kan-
tonsgericht Wallis und beantragte die vollumfängliche sowie kostenpflichtige Abwei-
sung des Ausstandsgesuchs, insoweit überhaupt darauf einzutreten sei. Mit Schreiben
vom 17. April 2018 replizierte der Gesuchsteller (S. 6, P3 18 99).
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Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeinstanz entscheidet gemäss Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO über ein
Ausstandsgesuch betreffend die Staatsanwaltschaft, die Übertretungsstrafbehörde
oder die erstinstanzlichen Gerichte, wenn ein Ausstandsgrund nach Art. 56 lit. a bzw. f
StPO geltend gemacht wird oder sich die betreffende Person einem Ausstandsgesuch,
das sich auf Art. 56 lit. b - e StPO abstützt, widersetzt. Beschwerdeinstanz ist ein Rich-
ter des Kantonsgerichts (Art. 13 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen
Strafprozessordnung vom 11. Februar 2009 [EGStPO; SGS/VS 312.0] und Art. 35
Abs. 3 lit. a des Gesetzes über die Rechtspflege vom 11. Februar 2009 [RPflG;
SGS/VS 173.1]).
Der Gesuchsteller stützt das Ausstandsgesuch gegen Richter Y_ auf Art. 58
Abs. 1 i.V.m. Art. 56 lit. b StPO, womit die Beschwerdeinstanz zuständig ist. Ausge-
hend von den Ausführungen im Ausstandsgesuch vom 14. April 2018 und der Be-
schwerde vom 14. April 2018 gegen den Entscheid über die Verlängerung der Sicher-
heitshaft bezieht sich das Ausstandsbegehren auf beide Verfahren (Hauptverfahren P2
16 929 und Verlängerung Sicherheitshaft P2 18 326).
1.2 Das Ausstandsgesuch muss unmittelbar, sprich ohne Verzug, nach Kenntnisnah-
me eines Ausstandgrundes eingereicht werden, da ansonsten der Anspruch verwirkt
und ein Verstoss gegen Treu und Glauben vorliegt (Art. 58 Abs. 1 StPO; BGE 140 I
271 E. 8.4.3, 138 I 1 E. 2.2, 136 I 207 E. 3.4, 134 I 20 E. 4.3.1; Bundesgerichtsurteile
1B_27/2018 vom 29. März 2018 E. 1.6, 1B_512/2017 vom 30. Januar 2018 E. 3; Kel-
ler, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-
zessordnung [StPO], 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014, N. 3 zu Art. 58 StPO; Boog, Basler
Kommentar, 2. A., N. 7 zu Art. 58 StPO). Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben
und dem Verbot des Rechtsmissbrauchs ist es namentlich nicht zulässig, formelle Rü-
gen, die in einem früheren Prozessstadium hätten geltend gemacht werden können,
bei ungünstigem Ausgang erst später vorzubringen (BGE 135 III 334 E. 2.2; Bundesge-
richtsurteile 1B_473/2016 vom 13. März 2017 E. 3, 6B_358/2016 vom 23. Februar
2017 E. 2.1).
1.2.1 Der Gesuchsteller stellte im Zusammenhang mit der Verlängerung der Sicher-
heitshaft ein Ausstandsgesuch gegen Richter Y_ gestützt auf Art. 58 Abs. 1
i.V.m. Art. 56 lit. b StPO und begründet dieses damit, dass nicht dieselbe Person als
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Zwangsmassnahmenrichter sowie Straf- und Massnahmenvollzugsrichter in der
Hauptsache amten könne. Diese Personalunion verletze Art. 229 Abs. 1 StPO analog
i.V.m. Art. 6 EMRK und Art. 30 BV. Vor dem Entscheid in der Hauptsache könne ein
Mitglied des Sachgerichts nicht als Haftrichter amten, sondern nur ein unabhängiges
Zwangsmassnahmengericht. Anders sei dies, wenn der Sachrichter bereits ein Urteil
gefällt habe, dann amte er auch als Haftrichter, weil keine Vorbefassung in der Haupt-
sache mehr drohe (Art. 231 StPO analog).
1.2.2 Der mit einer stationären Behandlung verbundene Freiheitsentzug beträgt in der
Regel höchstens fünf Jahre (Art. 59 Abs. 4 StGB). Bei gegebenen Voraussetzungen
kann die stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 Abs. 4 StGB verlängert
werden. Liegen die Voraussetzungen nicht mehr vor, so ist die Massnahme vorab zu
beenden und danach zu entscheiden, ob die Reststrafe zu vollziehen (Art. 62c Abs. 2
StGB), eine andere Massnahme (Art. 62c Abs. 3 StGB) oder gegebenenfalls gar die
nachträgliche Verwahrung (Art. 62c Abs. 4 i.V.m. Art. 64 Abs. 1 StGB) anzuordnen ist
(BGE 141 IV 49 E. 2.5 f.). Die Frage, ob eine stationäre therapeutische Behandlung
aussichtslos ist, keinen Erfolg mehr verspricht und daher einzustellen ist, fällt mit dem
Erreichen der fünfjährigen Höchstfrist der Massnahme nicht als gegenstandslos dahin;
der Betroffene hat an der Beantwortung dieser Frage nach wie vor ein rechtlich ge-
schütztes Interesse (BGE 141 IV 49 E. 3.2). Das zuständige Gericht kann erst dann
über die Anordnung einer neuen Massnahme befinden, wenn die Aufhebung der stati-
onären therapeutischen Massnahme entschieden worden ist (BGE 141 IV 49 E. 2.5).
Der Entscheid ergeht in einem selbständigen Nachverfahren gemäss Art. 363 ff. StPO.
Der Betroffene kann zwischenzeitlich, sofern die Voraussetzungen gegeben sind, in
analoger Anwendung von Art. 221 und 229 StPO in Sicherheitshaft genommen werden
(BGE 142 IV 105 E. 5.5, 141 IV 49 E. 2.6, 139 IV 175 E. 1.1 f., 137 IV 333 E. 2).
Vorliegend ist Richter Y_ als Straf- und Massnahmenvollzugsrichter im
Hauptverfahren P2 16 929 seit November 2016 dafür zuständig über den Fortgang
bzw. die Aufhebung der stationären therapeutischen Massnahmen zu befinden (Art. 59
Abs. 4 bzw. Art. 62d i.V.m. Art. 62c Abs. 1 StGB) sowie über eine allfällige Verwahrung
oder den Vollzug der Reststrafe zu entscheiden (Art. 62c Abs. 2 bzw. Abs. 4 i.V.m.
Art. 64 StGB). In seiner Funktion als Zwangsmassnahmenrichter ordnete Y_
bereits am 18. Januar 2018 Sicherheitshaft bis zum Entscheid im Hauptverfahren bzw.
für längstens vier Monate bis zum 18. April 2018 an, welche Verfügung unangefochten
in Rechtskraft erwuchs (P2 18 40). Der Gesuchsteller rügte weder in der vorgängigen
Stellungnahme vom 17. Januar 2018, noch zu einem späteren Zeitpunkt die Personal-
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union zwischen dem Straf- und Massnahmenvollzugsrichter und dem Zwangsmass-
nahmenrichter. Insofern der Gesuchsteller nun hinsichtlich der Verlängerung der Si-
cherheitshaft die Personalunion kritisiert, während er dies bei der Anordnung der Si-
cherheitshaft nicht monierte, wird diese Rüge als verspätet erachtet und widerspricht
dem Grundsatz von Treu und Glauben.
Der diesbezügliche Einwand des Gesuchstellers in der Replik vom 17. April 2018, das
Zwangsmassnahmengericht habe aufgrund der bundesrechtlichen Vorgaben inhaltlich
beim Entscheid vom 18. Januar 2018 keinen Spielraum gehabt, weshalb er nicht op-
poniert habe, aber heute bestehe ein Ermessen des Zwangsmassnahmengericht, ist
nicht stichhaltig. Vorab erkannte das Bundesgericht im Urteil 6B_1432/2017 vom
15. Januar 2018 lediglich, die Sache werde „zur Prüfung der Anordnung von Sicher-
heitshaft an das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Wallis zurückgewiesen“.
Damit stand dem Zwangsmassnahmengericht sehr wohl ein Ermessen zu und es hatte
die Voraussetzungen für die Anordnung der Sicherheitshaft frei zu prüfen. Zweitens
wäre der Vorwurf der Personalunion selbst dann, wenn das Zwangsmassnahmen-
gericht keinen Spielraum gehabt hätte, bereits zu diesem früheren Zeitpunkt vorzubrin-
gen gewesen. Denn sofern der Vorwurf der Personalunion zwischen Straf- und Mass-
nahmenvollzugsrichter und Zwangsmassnahmenrichter konsequent vertreten werden
will, kann es keine Rolle spielen, ob das Gericht nun mit Ermessen entscheidet oder
nicht.
Das Zwangsmassnahmengericht räumte dem Gesuchsteller zudem mit Verfügung vom
11. April 2018 die Möglichkeit ein, zum Gesuch um Verlängerung der Sicherheitshaft
Stellung zu nehmen (P2 18 326). Da der Richter, welcher die Instruktion führt in der
Regel auch den später Entscheid trifft (vgl. Art. 61 StPO; 20 Abs. 2 des Organisations-
reglements der Walliser Gerichte vom 21. Dezember 2010 [ORG; SGS/VS 173.100]),
musste dem Gesuchsteller bewusst sein, dass Richter Y_ auch den Ent-
scheid über die Verlängerung der Sicherheitshaft fällen wird. In seiner Stellungnahme
vom 11. April 2018 brachte der Gesuchsteller jedoch nicht vor, der Zwangsmassnah-
menrichter dürfe nicht gleichzeitig auch noch als Straf- und Massnahmenvollzugsrich-
ter amten.
1.3 Nach dem Dargelegten hatte der Gesuchsteller bereits früher die Möglichkeit, die
Personalunion des Zwangsmassnahmenrichters und Straf- und Massnahmenvollzugs-
richters zu rügen. Es ist daher unzulässig, diesen formellen Einwand, den er bereits in
einem früheren Prozessstadium hätten geltend machen können, bei ungünstigem Aus-
gang des Entscheids über die Verlängerung der Sicherheitshaft zu rügen. Weitere
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Gründe, welche den Ausstand von Richter Y_ zu rechtfertigen vermöchten,
bringt der Gesuchsteller nicht vor. Demnach ist auf das Ausstandsgesuch nicht einzu-
treten.
2. Selbst wenn auf das Ausstandsgesuch einzutreten wäre, müsste dieses entspre-
chend den nachfolgenden Erwägungen abgewiesen werden.
2.1 Art. 56 StPO zählt verschiedene Gründe auf, die zum Ausstand von in einer Straf-
behörde tätigen Personen führen. Diese Bestimmung konkretisiert die Verfassungsbe-
stimmung von Art. 30 Abs. 1 BV (SR 101) sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK (SR 0.101). Da-
nach hat jede Person Anspruch darauf, dass ihre Sache von einem unparteiischen, un-
voreingenommenen und unbefangenen Richter ohne Einwirken sachfremder Umstän-
de entschieden wird. Die Garantie des verfassungsmässigen Richters soll zu der für
einen korrekten und regelkonformen Prozess erforderlichen Offenheit des Verfahrens
im Einzelfall beitragen und damit ein gerechtes Urteil ermöglichen. Da die Ausstands-
regelung in einem Spannungsverhältnis zum Anspruch auf den gesetzlichen Richter
(Art. 30 Abs. 1 BV) steht, muss sie eine Ausnahme bleiben, soll die Zuständigkeitsord-
nung nicht ausgehöhlt werden. Die Garantie des verfassungsmässigen Richters wird
verletzt, wenn bei objektiver Betrachtung Gegebenheiten vorliegen, die den Anschein
der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen.
Solche Umstände können entweder in einem bestimmten Verhalten der betreffenden
Gerichtsperson oder in gewissen äusseren Gegebenheiten funktioneller und organisa-
torischer Natur begründet sein (vgl. BGE 142 I 172 E. 3, 141 IV 178 E. 3.2.1, 137 I 227
E. 2.1; Bundesgerichtsurteil 1B_79/2017 vom 21. September 2017 E. 4 mit Hinweisen).
Nach Art. 56 StPO tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person insbesondere dann in
den Ausstand, wenn sie in einer anderen Stellung, insbesondere als Mitglied einer Be-
hörde, in der gleichen Sache tätig war (lit. b) oder aus anderen Gründen, insbesondere
wegen Freundschaft oder Feindschaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand, be-
fangen sein könnte (lit. f). Voraussetzung nach Art. 56 lit. b StPO ist, dass die gleiche
Person in der gleichen Sache (gleiche Parteien, Sachverhalt und Rechtsfragen) in
einem früheren Verfahren eine funktionell andere Stellung einnahm. Massgeblich für
die Annahme einer ausstandsbegründenden Vorbefassung ist, ob die beiden Behör-
den, in denen jemand in der gleichen Sache tätig war, in aufeinanderfolgenden und
organisatorisch getrennten Funktionen gehandelt haben (Bundesgerichtsurteil
1B_93/2017 vom 18. Mai 2017 E. 2.3.1, 1B_348/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3,
1B_291/2015 vom 20. Oktober 2015 E. 3.3). Ist eine Gerichtsperson in derselben Stel-
lung mit der gleichen Sache mehrfach befasst, liegt kein Fall der Vorbefassung gemäss
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Art. 56 lit. b StPO vor. Eine Mehrfachbefassung in diesem Sinn kann aber im Rahmen
des Auffangtatbestands von Art. 56 lit. f StPO relevant werden (Bundesgerichtsurteil
1B_27/2016, 1B_45/2016 vom 4. Juli 2016 E. 4.3).
2.2 Das Straf- und Massnahmenvollzugsgericht ist im Kanton Wallis zuständig, über
die Aufhebung von Massnamen im Sinne von Art. 62c Abs. 1 i.V.m. Art. 62d StGB in
einem selbständigen nachträglichen Entscheid gemäss Art. 363 Abs. 3 StPO zu befin-
den (Art. 363 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 9 Abs. 1 und Art. 10 Abs. 1 lit. a des kantonalen
Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Strafgesetzbuch vom 12. Mai 2017
[EGStGB; SGS/VS 311.1]; vgl. die Übergansbestimmungen zum neuen EGStGB: Das
Gesetz findet auf die bei seinem Inkrafttreten hängigen Strafsachen und Verfahren
Anwendung; Art. 5 Abs. 1 lit. d aEGStGB; vgl. Botschaft vom 2. Dezember 2015 zum
Einführungsgesetz zum Strafgesetzbuch, S. 12). Zudem hat es auch darüber zu ent-
scheiden, ob die Reststrafe zu vollziehen (Art. 62 Abs. 2 StGB), eine andere Mass-
nahme (Art. 62c Abs. 3 StGB) oder gegebenenfalls gar die nachträgliche Verwahrung
(Art. 62c Abs. 4 i.V.m. Art. 64 Abs. 1 StGB) anzuordnen ist (vgl. Art. 363 Abs. 1 StPO
i.V.m. Art. 9 Abs. 1 und Art. 10 Abs. 1 lit. a EGStGB; vgl. BGE 141 IV 49 E. 2.5 f.). Das
Straf- und Massnahmenvollzugsgericht fällt demnach alle „administrativen“ (Art. 363
Abs. 3 StPO) und „richterlichen“ (Art. 363 Abs. 1 StPO) nachträglichen Entscheide
gemäss Art. 363 ff. StPO, mit Ausnahme derer, die das kantonale Recht oder das
Bundesrecht einem anderen Gericht zuweisen. Der nachträgliche Entscheid nach
Art. 363 ff. OR ergeht in der Form eines Beschlusses oder einer Verfügung, denn es
besteht bereits ein rechtskräftiges Strafurteil, das durch die nachträgliche richterliche
Entscheidung lediglich modifiziert wird (BGE 141 IV 396 E. 3 f., 4.2).
Das Zwangsmassnahmengericht ordnet die Sicherheitshaft bis zum selbständigen
nachträglichen Entscheid gemäss Art. 363 StPO an (Art. 10 Abs. 1 EGStPO; vgl. BGE
142 IV 105 E. 5.5, 141 IV 49 E. 2.6, 137 IV 333 E. 2). Die kantonale Gerichtsorganisa-
tion sieht vor, dass das Zwangsmassnahmengericht und das Straf- und Massnahmen-
vollzugsgericht in einer einzigen Verwaltungsstruktur vereint sind und dass der gleiche
Magistrat beide Funktionen ausüben kann (Art. 12 Abs. 4 RPflG). Im Kanton Wallis
sind das Straf- und Massnahmenvollzugsgericht sowie das Zwangsmassnahmenge-
richt demnach personell und organisatorisch identisch (vgl. Bundesgerichtsurteil
6B_1432/2017 Vom 15. Januar 2018 E. 1.6). Die gesetzliche Ausgestaltung als eine
einzige Verwaltungsstruktur und die Möglichkeit, dass der gleiche Magistrat als
Zwangsmassnahmenrichter und Straf- und Massnahmenvollzugsrichter amtet, spre-
chen dafür, dass er dies auch in Personalunion in der gleichen Sache tun kann.
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2.2.1 Auf Ebene des Bundesrechts existieren keine Gesetzesbestimmungen, welche
die Personalunion zwischen Zwangsmassnahmengericht und Straf- und Massnahmen-
vollzugsgericht in einem entsprechenden Fall verbieten. Art. 18 Abs. 2 StPO hält ledig-
lich fest, dass Mitglieder des Zwangsmassnahmengerichts im gleichen Fall nicht als
Sachrichter tätig sein können. Die ratio legis von Art. 18 Abs. 2 StPO ergibt sich auch
aus der Konzeption der Art. 129 ff. StPO: So lange kein materielles Urteil in der Sache
(Schuld- oder Freispruch) getroffen wurde, soll derjenige Richter, welcher das Sachur-
teil zu treffen hat, nicht gleichzeitig über die Anordnung bzw. Verlängerung der Unter-
suchungs- oder Sicherheitshaft befinden. Nachher „bedarf es des Zwangsmassnah-
mengerichts nicht, denn in diesem Zeitpunkt besteht die Gefahr nicht mehr, der Ent-
scheid über die Sicherheitshaft könnte den Anschein von Befangenheit erwecken“ (vgl.
Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl
1085 1234 f.).
Bei Entscheiden im selbständigen Nachverfahren gemäss Art. 363 ff. StPO befasst
sich nicht der „Sachrichter“ im Sinne von Art. 18 Abs. 2 StPO mit der erstmaligen mate-
riell-rechtlichen Beurteilung der Tatvorwürfe, sondern ein Gericht hat sich im Nachgang
an ein in Rechtskraft erwachsenes Strafurteil hauptsächlich in Bezug auf die Mass-
nahme oder den Vollzug der Strafe nochmals mit der Sache zu befassen. In den Ver-
fahren gemäss Art. 363 ff. StPO geht es mithin um die nachträgliche Abänderung oder
Ergänzung der Sanktionsfolgen von rechtskräftigen Strafurteilen. Das ursprüngliche
Verfahren wird fortgesetzt und es soll einer späteren Entwicklung Rechnung getragen
werden (BGE 141 IV 396 E. 3.1). Damit ist die Situation auch nicht mit der vom
Gesuchsteller dargelegten vergleichbar, in welcher ein Sachrichter, bevor er das erst-
instanzlichen Urteil fällt, als Haftrichter amtet. Der nachträgliche selbständige Ent-
scheid gemäss Art. 363 ff. StPO über die Aufhebung einer stationären therapeutischen
Massnahme bzw. über den Vollzug der Reststrafe oder die Anordnung einer Verwah-
rung (Art. 62c Abs. 1, 2 und Abs. 4 StGB) entspricht vielmehr dem Entscheid des
Sachrichters, welcher nach dem erstinstanzlichen Urteil Sicherheitshaft anordnet oder
jenem der Verfahrensleitung im Berufungsverfahren (Art. 231 Abs. 1 und Art. 232 Abs.
1 StPO; vgl. vergleichbarer Fall unter dem alten Prozessrecht BGE 128 I 184). Zustän-
dig ist für den selbständigen nachträglichen Entscheid das Gericht, welches das erstin-
stanzliche Urteil gefällt hat oder eine andere durch Bundesrecht oder kantonales Recht
hierfür zuständig erklärte Instanz (Art. 363 Abs. 1 und Abs. 3 StPO; BGE 139 IV 175
E. 1.1; Bundesgerichtsurteil 1B_270/2017 vom 28. Juli 2017 E. 1.2; Schwarzenegger,
in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung [StPO], 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014, N. 5 zu Art. 363 StPO). Letztlich dient
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die Sicherheitshaft bis zum selbständigen nachträglichen Entscheid über die Aufhe-
bung einer stationären therapeutischen Massnahme (Art. 62c Abs. 1 StGB i.V.m. Art.
363 Abs. 3 StPO) mit anschliessender Beurteilung, ob die Reststrafe zu vollziehen (Art.
62c Abs. 2 StGB), eine andere Massnahme (Art. 62c Abs. 3 StGB) oder gegebenen-
falls gar die nachträgliche Verwahrung (Art. 62c Abs. 4 i.V.m. Art. 64 Abs. 1 StGB und
Art. 363 Abs. 1 StPO) anzuordnen ist, ebenfalls der Sicherung des Straf- oder Mass-
nahmenvollzugs (vgl. Art. 231 Abs. 1 lit. a StPO).
2.2.2 Art. 56 lit. b StPO verbietet die Gerichtstätigkeit derselben Person „in einer ande-
ren Stellung“ und „in der gleichen Sache“. Wenn ein Straf- und Massnahmenvollzugs-
richter gleichzeitig als Zwangsmassnahmenrichter tätig wird, amtet er in der gleichen
organisatorischen Einheit (Art. 12 Abs. 4 RPflG; Bundesgerichtsurteil 6B_1432/2017
vom 15. Januar 2018 E. 1.6) und nicht in aufeinanderfolgenden Funktionen. Das Ver-
fahren vor dem Zwangsmassnahmenrichter verläuft in der Regel parallel zum Haupt-
verfahren, weshalb es sich hierbei nicht um eine unter- oder übergeordnete Funktion
zum Straf- und Massnahmenvollzugsrichter handelt. Damit liegt keine „anderen Stel-
lung“ im Sinne von Art. 56 lit. b StPO vor, wenn der Straf- und Massnahmenvollzugs-
richter gleichzeitig als Zwangsmassnahmenrichter amtet (vgl. Bundesgerichtsurteil
1B_93/2017 vom 18. Mai 2017 E. 2.3.1, 1B_348/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3,
1B_291/2015 vom 20. Oktober 2015 E. 3.3).
2.2.3 Fraglich ist zudem, ob das Zwangsmassnahmengericht „ in der gleichen Sache“
tätig wird, wenn es parallel zum selbständigen Nachverfahren gemäss Art. 363 ff. StPO
zwecks Überprüfung von stationären therapeutischen Massnahmen (Art. 59 Abs. 4
oder Art. 62d i.V.m. Art. 62c Abs. 1 StGB) in analoger Anwendung von Art. 229-233
i.V.m. Art. 221 und Art. 220 Abs. 2 StPO Sicherheitshaft anordnet (vgl. 142 IV 105
E. 5.5, 141 IV 49 E. 2.6, 139 IV 175 E. 1.1 f., 137 IV 333 E. 2). Massgebendes Kriteri-
um für die Beurteilung dieser Frage ist, ob das Verfahren in Bezug auf den konkreten
Sachverhalt und die konkret zu entscheidenden Rechtsfragen trotz der Vorbefassung
offen erscheint und nicht der Anschein der Vorbestimmtheit erweckt wird (BGE 117 Ia
182 E. 3, 116 Ia 34 E. 3a). Ob dies zutrifft, hängt auch davon ab, welche Fragen der
Zwangsmassnahmenrichter zu entscheiden hat und welche Aspekte später beim Ent-
scheid im Hauptverfahren vor dem Straf- und Massnahmenvollzugsgericht zu beurtei-
len sind.
Der Zwangsmassnahmenrichter hat bei der Anordnung von Sicherheitshaft während
dem selbständigen nachträglichen Verfahren zwecks Überprüfung einer stationären
therapeutischen Massnahme abzuklären, ob die Voraussetzungen für die Anordnung
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bzw. Verlängerung der Haft erfüllt sind. Die Prüfung des dringenden Tatverdachts ent-
fällt, da bereits eine rechtskräftige Verurteilung vorliegt. Hingegen bedarf es einer hin-
reichender Wahrscheinlichkeit, dass das Verfahren zu einer Massnahme führt und es
wird ein besonderer Haftgrund vorausgesetzt (BGE 137 IV 333 E. 2.3.1). Demgegen-
über geht es beim selbständigen Nachverfahren darum zu prüfen, ob die Massnahme
im Hinblick auf die psychische Störung wirksam ist und der Gefahr weiterer damit zu-
sammenhängender Verbrechen und Vergehen begegnet werden kann (Art. 59 Abs. 4
StGB) oder ob die Massnahme wegen Erfolgs- und Aussichtslosigkeit aufzuheben ist
(Art. 62d i.V.m. Art. 62c Abs. 1 lit. a StGB). Obwohl beide Entscheide teils auf ähnli-
chen Sachverhaltselementen beruhen, steht bei der Beurteilung der Sicherheitshaft die
Frage des Haftgrundes im Zentrum und bei der Überprüfung der Massnahme die Wirk-
samkeit und Erforderlichkeit ebendieser.
Das Zwangsmassnahmengericht setzte sich vorliegend im Zusammenhang mit der
Anordnung und der Verlängerung der Sicherheitshaft eingehend mit dem Haftgrund der
Wiederholungs- oder Fortsetzungsgefahr, namentlich mit der Rückfallgefahr, ausei-
nander und bejahte diese. Die Wahrscheinlichkeit, dass „das Verfahren zu einer Mass-
nahme führt“ nahm es mit Hinweis auf Erwägung 1.7 des Bundesgerichtsurteils
6B_1432/2017 vom 15. Januar 2018 ohne nähere Begründung an. Insoweit der
Zwangsmassnahmenrichter sich nicht näher mit der Beurteilung der Massnahme aus-
einandergesetzt und diesbezüglich nicht bereits Stellung bezogen hat, kann im Hinblick
auf das Hauptverfahren P2 16 929 vor dem Straf- und Massnahmenvollzugsgericht
auch keine diskutable Vorbefassung ausgemacht werden. Es kann nicht gesagt wer-
den, das Verfahren, in dem der selbständige nachträgliche Entscheid getroffen wird,
sei wegen des Umstandes, dass der Straf- und Massnahmenvollzugsrichter in der be-
treffenden Angelegenheit bereits als Zwangsmassnahmenrichter tätig war, nicht mehr
offen und es werde der Anschein der Vorbestimmtheit erweckt. Daraus ergibt sich,
dass die Personalunion von Straf- und Massnahmenvollzugsrichter und Zwangsmass-
nahmenrichter im selbständigen Nachverfahren gemäss Art. 363 ff. StPO grundsätzlich
mit Bundes- und Verfassungsrecht vereinbar ist.
2.3 Zusammengefasst wird das Ausstandsbegehren als verspätet erachtet, weil der
gleiche Richter bereits in der Vergangenheit bei der Anordnung der Sicherheitshaft als
Zwangsmassnahmenrichter (P2 18 40) amtete, während er gleichzeitig als Straf- und
Massnahmenvollzugsrichter im selbständigen Nachverfahren (Art. 363 ff. StPO) die
Instruktion führte (P2 16 929). Überdies wäre selbst bei rechtzeitigem Gesuch kein
Ausstandsgrund auszumachen, da der Straf- und Massnahmenvollzugrichter und der
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Zwangsmassnahmenrichter nicht in aufeinanderfolgenden Funktionen (nicht „in einer
anderen Stellung“) und nicht „in der gleichen Sache“ im Sinne von Art. 56 lit. b StPO
tätig sind. Weitere Gründe für die Annahme des Auffangtatbestands gemäss Art. 56 lit.
f StPO macht der Gesuchsteller nicht geltend. Der Straf- und Massnahmenvollzugs-
richter kann demzufolge in Personalunion als Zwangsmassnahmenrichter über die Si-
cherheitshaft bis zum selbständigen nachträglichen Entscheid über die Fortführung
bzw. Aufhebung einer stationären therapeutischen Massnahme (Art. 59 Abs. 4 bzw.
Art. 62c Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 363 Abs. 3 StPO) – mit anschliessender Beurteilung,
ob die Reststrafe zu vollziehen (Art. 62c Abs. 2 StGB), eine andere Massnahme (Art.
62c Abs. 3 StGB) oder gegebenenfalls gar die nachträgliche Verwahrung (Art. 62c Abs.
4 i.V.m. Art. 64 Abs. 1 StGB und Art. 363 Abs. 1 StPO) anzuordnen ist – entscheiden
(analog Art. 231 Abs. 1 lit. a StPO). Damit ist das Ausstandsgesuch abzuweisen, so-
weit darauf einzutreten ist.
3.
3.1 Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Gesuchsteller unterliegt mit
seinen Rechtsbegehren. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten des vorlie-
genden Verfahrens dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 59 Abs. 4 StPO).
3.2 Gemäss Art. 13 Abs. 1 des Gesetzes betreffend den Tarif der Kosten und Ent-
schädigungen vor Gerichts- oder Verwaltungsbehörden vom 11. Februar 2009 (GTar;
SGS/VS 173.8) wird die Gerichtsgebühr aufgrund des Umfangs und der Schwierigkeit
des Falls, der Art der Prozessführung der Parteien sowie ihrer finanziellen Situation
festgesetzt. Für das Beschwerdeverfahren vor einem Richter des Kantonsgerichts be-
trägt die Gebühr Fr. 90.-- bis Fr. 2‘400.-- (Art. 22 lit. g GTar analog). Im konkreten Fall
rechtfertigt es sich, die Gerichtsgebühr in Berücksichtigung der vorgenannten Kriterien
und im Hinblick darauf, dass das Ausstandsgesuch im Zusammenhang mit weiteren
Rechtsfragen zu beurteilen war, auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 424 Abs. 2 StPO und
Art. 11 GTar). Die Gerichtsgebühr ist dem Gesuchsteller aufzuerlegen.
3.3 Der amtliche Verteidiger wird vom Staat Wallis entschädigt (Art. 135 i.V.m. Art. 426
Abs. 1 StPO; Art. 11 Abs. 1 des Gesetzes über die unentgeltliche Rechtspflege vom
11. Februar 2009 [GUR; SGS/VS 177.7]) entsprechend dem Anwaltstarif des Kantons,
in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Bei der Festlegung
der Parteientschädigung werden die Natur und Bedeutung des Falls, die Schwierigkeit,
der Umfang, die vom Rechtsbeistand nützlich aufgewandte Zeit und die finanzielle
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Situation der Partei berücksichtigt (Art. 27 Abs. 1 GTar), wobei sich die Entschädigung
im Rahmen von Fr. 300.-- und Fr. 2'200.-- bewegt (Art. 36 GTar).
Aufgrund des erforderlichen Zeitaufwands – das Ausstandsgesuch umfasst lediglich
zwei Seiten – und unter Berücksichtigung der zulässigen Reduktion des Honorars des
amtlichen Verteidigers gemäss Art. 30 Abs. 1 GTar von 30 % rechtfertigt es sich, die
reduzierte Parteientschädigung auf Fr. 300.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) festzusetzen
und dem Staat Wallis aufzuerlegen, dies mit der Rückerstattungspflicht durch den
Gesuchsteller an den Kanton Wallis, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse
erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO; Lieber, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.],
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014,
N. 19 ff. zu Art. 135 StPO; vgl. ferner Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO sowie Domeisen,
Basler Kommentar, 2. A., N. 14 zu Art. 426 StPO).
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