Decision ID: 32176ee9-ff3b-4c70-add0-f705334a8f03
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 03.08.2011 Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG; Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV: Kündigung wegen mehrfach gerügtem Verhalten. Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit nicht gerechtfertigt, da sich der Arbeitnehmer stark um Besserung seines Verhaltens bemühte und somit kein vorsätzliches oder eventualvorsätzliches Herbeiführen einer Kündigung nachgewiesen werden konnte (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. August 2011, AVI 2010/102). Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Marie Löhrer, a.o. Gerichtsschreiber David Zünd Entscheid vom 3. August 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführer, gegen UNIA Arbeitslosenkasse, Grabenstrasse 5, 7002 Chur, Beschwerdegegnerin, betreffend Einstellung in der Anspruchsberechtigung (selbstverschuldete Arbeitslosigkeit) Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 8. April 2010 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) zur Arbeitsvermittlung ab 1. Mai 2010 an (act. G 3.1), nachdem die Arbeitgeberin
ihm am 7. Dezember 2010 per 30. April 2010 gekündigt hatte (act. G 3.2). Im Rahmen
einer von der Unia Arbeitslosenkasse durchgeführten Abklärung zum Kündigungsgrund
gab die Arbeitgeberin an, dass sie "mit Verhalten und Arbeitseinstellung von Herrn
A._ nicht einverstanden" gewesen sei. Eine Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten
verneinte sie. Sie reichte ein Protokoll des am 20. August 2007 durchgeführten und
protokollierten Kritikgesprächs und eine schriftliche Verwarnung vom 2. Juni 2009 ein
(act. G 3.3).
In einer Stellungnahme zum Kündigungsgrund bzw. zum Vorhalt einer durch Verhalten
und Arbeitseinstellung selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit führte der Versicherte aus,
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dass sein Verhalten sowohl in beruflicher wie auch in sozialer Hinsicht tadellos
gewesen sei. Er habe sich gegenüber seiner Arbeitgeberin äusserst loyal verhalten und
vom 1. Juli 2009 bis am 31. Dezember 2009 freiwillig auf 10% seines Gehaltes
verzichtet. Zudem habe er an einem Teamführungs- und Konfliktmanagementkurs
teilgenommen, um seine Kompetenzen zu verbessern und den haltlosen Vorwürfen
seiner Arbeitgeberin entgegenzuwirken. Dabei habe er sogar die Kurskosten selber
übernommen. Der wahre Grund für die Kündigung sei darin zu sehen, dass er sich für
die Teilnahme an den Passionsspielen verpflichtet habe und sich hierfür die Haare
sowie einen Bart habe wachsen lassen. Weiter führte der Versicherte aus, dass er noch
im Zwischenzeugnis vom 9. Juli 2008 als "freundlicher und hilfsbereiter Mitarbeiter, der
teamfähig ist und sich seiner Aufgabe verpflichtet fühlt" beschrieben worden sei. Der
Versicherte bestritt zudem die Aussagen der ehemaligen Arbeitgeberin zu seinem
Verhalten und seiner Arbeitseinstellung, weshalb Aussage gegen Aussage stehe. Dies
genüge nicht, um ein schuldhaftes Verhalten nachzuweisen. Eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung sei deshalb nicht gerechtfertigt (act. G 3.4).
A.b Mit Verfügung vom 14. Juli 2010 stellte die Unia Arbeitslosenkasse den
Versicherten wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 3. Mai 2010 für 25 Tage in
der Anspruchsberechtigung ein (act. G3.5). Zur Begründung wurde angeführt, der
Versicherte habe das Protokoll des Kritikgesprächs vom 20. August 2007, die
Verwarnung vom 2. Juni 2009 sowie die Vereinbarung zur Freistellung vom 7.
Dezember 2009 unterzeichnet und nicht gegen die Vorwürfe interveniert, womit
anzunehmen sei, dass die in diesen Dokumenten gemachten Ausführungen der
Wahrheit entsprechen würden und die Kündigung somit selbstverschuldet sei. Bei der
Bemessung der Anzahl Einstelltage sei bereits berücksichtigt worden, dass sich der
Versicherte zu einem Weiterbildungskurs angemeldet und freiwillig auf 10% seines
Lohnes zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation seiner Arbeitgeberin verzichtet
habe (act. G 3.5).
A.c Am 9. September 2010 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom
14. Juli 2010 mit dem Antrag, die Verfügung und die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung für 25 Tage ab dem 3. Mai 2010 seien aufzuheben, eventualiter
seien die verfügten Einstelltage angemessen zu reduzieren. Zur Begründung verwies er
auf die Stellungnahme vom 2. Juli 2010 und führte ergänzend aus, dass er gegen das
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ihm von seiner ehemaligen Arbeitgeberin ausgestellte Schlusszeugnis gerichtlich
vorgehe. Zudem wies er auf die beigelegte Referenzauskunft vom ehemaligen direkten
Vorgesetzten hin, welche sein in jeglicher Hinsicht tadelloses Verhalten beweise. Die
ehemalige Arbeitgeberin habe bloss ein Kritikgespräch mit ihm initiiert, weil er sich
erlaubt habe, eine Lohnerhöhung zu fordern. Der Vorwurf der mangelnden Loyalität
gegenüber seiner Arbeitgeberin sei aufgekommen, weil er sich konzernintern für eine
Vertriebsposition im Ausland beworben habe. Dass er nicht gegen die Vorwürfe des
ehemaligen Arbeitgebers vorgegangen sei, sei damit zu erklären, dass er bei einer
schriftlichen Intervention sogleich mit der Entlassung hätte rechnen müssen. Mündlich
habe er seinen Standpunkt zu den Vorwürfen jedoch geäussert. Weiter habe er mit
seinen Unterschriften unter den in der Verfügung genannten Dokumenten lediglich
deren Erhalt und nicht deren Richtigkeit bestätigt. Falls den Anträgen in der Einsprache
nicht gefolgt werden könne, so seien die Anmeldung zum erwähnten Teamführungs-
und Konfliktmanagementkurs sowie der freiwillige Lohnverzicht zumindest angemessen
zu berücksichtigen und die Anzahl der Einstelltage zu reduzieren (act. G 3.6).
A.d Im Einspracheentscheid vom 30. September 2010 wies die Unia Arbeitslosenkasse
die Einsprache ab und bestätigte die Verfügung vom 14. Juli 2010. Entscheidend sei,
dass der Versicherte gegen die Vorwürfe in den erwähnten Schreiben nichts
unternommen habe. Dies lasse sich nicht durch die Angst vor einer fristlosen
Kündigung rechtfertigen, da er im Falle einer ungerechtfertigten fristlosen Kündigung
gerichtlich hätte gegen die Arbeitgeberin vorgehen können. Der Versicherte habe sich
bloss für den Teamführungs- und Konfliktmanagementkurs angemeldet, diesen jedoch
nicht besucht. Die Anmeldung sowie der geltend gemachte Lohnverzicht seien zudem
bei der Bemessung der Einstelltage bereits berücksichtigt worden (act. G 3.7).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte am 30. Oktober 2010 Beschwerde.
Er beantragt, der Einspracheentscheid der Unia Arbeitslosenkasse vom 30. September
2010 sei aufzuheben, und hält überdies an den Anträgen aus seiner Einsprache vom
9. September 2010 fest. Bezugnehmend auf die Begründung des
Einspracheentscheids vom 30. September 2010 bekräftigt und belegt der
Beschwerdeführer mit der Kursbestätigung und der Rechnung des Berufs- und
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Weiterbildungszentrums B._, sich nicht bloss für den Kurs "Teamführung und
Konfliktmanagement" angemeldet – wie im Einspracheentscheid angenommen –
sondern diesen auch besucht und selber bezahlt zu haben. Zudem sei er nicht aus
Angst vor einer ungerechtfertigten fristlosen Kündigung, sondern aus Angst vor einer
sofortigen ordentlichen Kündigung bloss mündlich gegen die Vorwürfe der ehemaligen
Arbeitgeberin vorgegangen, womit er dazu beigetragen habe, dass das
Arbeitsverhältnis nicht bereits früher aufgelöst worden sei (act. G 1)
B.b Mit Eingabe vom 6. Dezember 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie führt hierzu an, der Beschwerdeführer habe der
Aussage, dass er sich nie gegen die Vorwürfe der ehemaligen Arbeitgeberin gewehrt
habe, in seiner Einsprache vom 9. September 2010 zugestimmt, mit der Begründung,
dass er bei einer schriftlichen Intervention mit seiner sofortigen Entlassung hätte
rechnen müssen (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 6. Januar 2011 bekräftigt der Beschwerdeführer, bereits in der
Einsprache vom 9. September 2010 festgehalten zu haben, dass er gegen die Vorwürfe
der Beschwerdegegnerin interveniert habe, dies jedoch nur mündlich, da er eine
Eskalation der Situation unter allen Umständen habe vermeiden wollen. Weiter habe er
auch in der Beschwerde vom 30. Oktober 2010 nochmals detailliert erläutert, wieso er
vorliegend auf eine schriftliche Intervention verzichtet und sich nur mündlich gegen die
haltlosen Vorwürfe seiner ehemaligen Arbeitgeberin gewehrt habe (act. G 5).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung
arbeitsvertraglicher Pflichten, dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des
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Arbeitsverhältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]). Zu den arbeitsvertraglichen Verpflichtungen eines Arbeitnehmers gehört es,
die allgemeinen Anordnungen des Arbeitgebers und die ihm erteilten besonderen
Weisungen nach Treu und Glauben zu befolgen (Art. 321d Abs. 2 des Schweizerischen
Obligationenrechts [OR; SR 220]).
1.2 Am 17. Oktober 1991 ist für die Schweiz das Übereinkommen Nr. 168 der
Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung und den
Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend Übereinkommen; SR
0.822.726.8) in Kraft getreten. Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens können
Leistungen verweigert, entzogen, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden, wenn die
zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer
Entlassung beigetragen hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und
klar ist, ist sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht damit allfällig widersprechendem
Landesrecht vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung setzt somit voraus, dass die versicherte Person vorsätzlich zu
ihrer Entlassung beigetragen hat (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 26.
April 2006, C 6/06, E. 1.1 und C 11/06, E. 1, je mit Hinweisen auf BGE 124 V 236 E.
3b). Im Sozialversicherungsrecht handelt vorsätzlich, wer eine Tat mit Wissen und
Willen begeht, oder mindestens im Sinn des Eventualvorsatzes in Kauf nimmt
(Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998,
S. 52). Eine zumindest eventualvorsätzliche Herbeiführung der Arbeitslosigkeit liegt
beispielsweise dann vor, wenn die versicherte Person auf Grund einer Verwarnung
weiss, dass ein bestimmtes Verhalten vom Arbeitgeber nicht – oder nicht mehr –
toleriert und zu einer Kündigung führen wird, sie aber dennoch die ihr nach den
persönlichen Umständen und Verhältnissen zumutbare Anstrengung zu einer Änderung
des beanstandeten Verhaltens nicht aufbringt (vgl. BVR 1999 S. 379 E. 5c). Hat eine
versicherte Person nur grob fahrlässig zur Kündigung durch den Arbeitgeber
beigetragen, ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 20 lit. b des
Übereinkommens nicht zulässig.
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1.3 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach hat die
Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser
Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in der
Mitwirkungspflicht der Parteien (BGE 115 V 133 mit Hinweisen).
1.4 Beim Einstellungsgrund nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV genügt der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nicht, sondern das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten muss klar
feststehen (vgl. Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Rz 829 mit Hinweisen).
Bei Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vermögen blosse
Behauptungen des Arbeitgebers den Nachweis für ein schuldhaftes Verhalten der
versicherten Person nicht zu erbringen, wenn sie von dieser bestritten werden und
nicht durch andere Beweise oder Indizien bestätigt erscheinen (BGE 112 V 245 E. 1 mit
Hinweisen; ARV 1993/94 Nr. 26 S. 183 f. E. 2a; Nussbaumer, a.a.O., Rz 831 mit
Hinweisen).
2.
Vorliegend strittig und zu beurteilen ist die Frage, ob der Beschwerdeführer durch ein
vorwerfbares Verhalten und/oder eine ihm vorzuwerfende Arbeitseinstellung vorsätzlich
zu seiner Entlassung beigetragen hat bzw. eine solche Entlassung zumindest in Kauf
genommen hat. Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass die Vorwürfe der
ehemaligen Arbeitgeberin an den Beschwerdeführer bezüglich dessen Verhalten und
Arbeitseinstellung (dokumentiert im Protokoll des Kritikgesprächs vom 20. August 2007
sowie in der Verwarnung vom 2. Juni 2009) wahr sind, weil sich der Beschwerdeführer
nicht dagegen gewehrt habe. Somit sei seine Arbeitslosigkeit selbstverschuldet und er
deshalb in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Der Beschwerdeführer streitet die
Vorhalte seiner ehemaligen Arbeitgeberin vehement ab. Er habe sich zudem durchaus
gewehrt, jedoch nur mündlich, da er befürchtet habe, ein schriftliches Bestreiten der
Vorwürfe würde eine sofortige ordentliche Kündigung zur Folge haben.
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2.1 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann nicht davon ausgegangen
werden, dass die Vorwürfe berechtigt waren, bloss weil der Beschwerdeführer nicht
schriftlich gegen die Vorwürfe seiner ehemaligen Arbeitgeberin vorgegangen ist. Die
Argumentation des Beschwerdeführers, er habe sich aus Angst vor einer sofortigen
ordentlichen Kündigung nicht schriftlich gegen die Vorwürfe der ehemaligen
Arbeitgeberin gewehrt, erscheint durchaus plausibel. Hätte sich der Beschwerdeführer
nämlich schriftlich gewehrt, so hätte dies seine Situation möglicherweise zusätzlich
verschlechtert.
2.2 Mit der Unterschrift auf der Verwarnung vom 2. Juni 2009 und der Vereinbarung zur
Freistellung vom 7. Dezember 2009 hat der Beschwerdeführer im Weiteren
ausdrücklich bloss deren Erhalt bestätigt. Beim Protokoll des Kritikgesprächs kann
ebenfalls nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer mit seiner
Unterschrift das Zutreffen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestätigte. Dies müsste
explizit so vermerkt sein. Vielmehr ist dies als Bestätigung der Durchführung des
Kritikgesprächs, dessen Inhalts und der Anwesenheit des Beschwerdeführers zu
betrachten. Dass es sich um eine blosse Wiedergabe des Gesprächs handelt, folgt nur
schon aus der Bezeichnung als "Protokoll des Kritikgesprächs". Es kann demzufolge
aus der Unterzeichnung der drei angesprochenen Dokumente nicht der Schluss
gezogen werden, dass das dem Beschwerdeführer vorgeworfene Verhalten und die
bemängelte Arbeitseinstellung der Wirklichkeit entsprechen.
2.3 Am 9. Juli 2008 wurde dem Beschwerdeführer auf seinen Wunsch hin ein
Zwischenzeugnis ausgestellt. Darin wird festgehalten: "Wir kennen Herr A._ als
freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiter, der teamfähig ist und sich seiner Aufgabe
verpflichtet fühlt." Dieses Zwischenzeugnis gibt Anlass zu Zweifeln an den Vorwürfen,
welche die ehemalige Arbeitgeberin gegenüber dem Beschwerdeführer erhebt. Keine
Zweifel lässt das Zwischenzeugnis jedoch an der guten Qualität der Arbeit des
Beschwerdeführers.
2.4 Der Beschwerdeführer erachtet die Teilnahme an den Passionsspielen und die
damit zusammenhängende Tatsache, dass er sich dafür die Haare und einen Bart
wachsen lassen musste, als wahren Kündigungsgrund. Dies erscheint insoweit
zweifelhaft, als der Beschwerdeführer ein erstes Mal am 20. August 2007 wegen seines
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Verhaltens gerügt wurde und die Passionsspiele erst viel später begannen. Dennoch
bedeutet dies nicht, dass die Vorwürfe der ehemaligen Arbeitgeberin der Wahrheit
entsprechen und ein Vorsatz oder Eventualvorsatz des Beschwerdeführers bezüglich
Kündigung nachgewiesen wäre.
2.5 Die Beschwerdegegnerin hat es unterlassen, den Sachverhalt detailliert abzuklären.
Insbesondere bleibt unklar, welches Verhalten und welche Arbeitseinstellung nach der
Verwarnung vom 2. Juni 2009 zur Kündigung geführt haben, umso mehr als die
Arbeitgeberin selbst bestätigt, dass der Beschwerdeführer keine arbeitsvertraglichen
Pflichten verletzt hat.
3.
Gegen eine (eventual-) vorsätzliche Herbeiführung der Kündigung spricht auch das
dokumentierte Verhalten des Beschwerdeführers.
3.1 So weist der Umstand, dass der Beschwerdeführer wegen der schlechten
wirtschaftlichen Lage am 3. Juli 2009 auf 10% seines Lohnes verzichtete, darauf hin,
dass er seine Arbeitsstelle nicht verlieren wollte und auch Zugeständnisse machte, um
dies zu verhindern.
3.2 Der offenbar freiwillige und auf eigene Initiative erfolgte Besuch des
Weiterbildungskurses "Teamführung und Konfliktmanagement", welchen der
Beschwerdeführer auch noch selbst bezahlt hat, zeigt, dass er sich bemühte,
Arbeitslosigkeit zu verhindern. Wieso er diesen Kurs freiwillig und auf eigene Kosten
hätte besuchen sollen, wenn er vorsätzlich seine Kündigung hätte herbeiführen wollen,
erscheint nicht plausibel.
3.3 Weiter zeigt der Kursbesuch jedoch auch, dass der Beschwerdeführer offenbar an
seinem Verhalten arbeiten wollte. Er war bemüht und berichtete seinen Vorgesetzten
per Email detailliert vom Kursbesuch. Während des Kurses habe er Erkenntnisse über
seinen persönlichen Führungsstil, der nach Blake / Mouton als 9.1 Stil stark auf-
gabenorientiert oder anders gesagt als autoritär einzustufen sei (Fremdbild und
Eigenbewertung), gewonnen. Der Beschwerdeführer wollte seinen Führungsstil deshalb
anpassen und einen stärkeren Fokus auf Mitarbeiterorientierung legen (act G 3.4).
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Dass er bemüht war, sein eigenes Verhalten, welches gemäss seiner ehemaligen
Arbeitgeberin nicht zu einer Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten geführt hat, zu
verbessern, deutet darauf hin, dass es zwar gewisse Reibungspunkte im
zwischenmenschlichen Umgang zwischen dem Beschwerdeführer, seinen
Vorgesetzten, Mit-arbeitern und Kunden gegeben hat, er dies aber nicht wollte – somit
Vorsatz zu verneinen ist – und er auch nicht eventualvorsätzlich handelte. Hätte er
nämlich eventualvorsätzlich seine Kündigung herbeigeführt, dann hätte er nicht
versucht, sein Verhalten zu ändern, sondern die Kritik seiner Vorgesetzten einfach
ignoriert. Der Beschwerdeführer hat die ihm nach seinen persönlichen Umständen und
Verhältnissen zumutbaren Anstrengungen zu einer Änderung des beanstandeten
Verhaltens durchaus aufgebracht.
3.4 Vorsatz beziehungsweise Eventualvorsatz müssen klar bewiesen sein, damit eine
selbstverschuldete Arbeitslosigkeit gegeben ist. Dies ist im vorliegenden Fall nicht
erfolgt. Die obigen Erwägungen legen im Gegenteil den Schluss nahe, dass der
Beschwerdeführer seine Kündigung weder vorsätzlich noch eventualvorsätzlich herbei
geführt hat. Der Beschwerdeführer ist somit zu Unrecht in seiner
Anspruchsberechtigung eingestellt worden.
4.
Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und der Einspracheentscheid vom 30.
September 2010 ist aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP