Decision ID: 573c76a1-8e64-44e9-9a54-a4f2c9753db3
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._ AG,
Beschwerdeführerin,
gegen
Amt für Wirtschaft und Arbeit, Rechtsdienst, Davidstrasse 35, 9001 St. Gallen,
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Beschwerdegegner,
betreffend
Kurzarbeitsentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a Die A._ AG meldete am 20. März 2012 (Datum Postaufgabe) Kurzarbeit für den
Gesamtbetrieb vom 1. April 2012 bis zum 30. Juni 2012 an. Als Begründung gab sie
Umsatzeinbussen auf Grund einer 5-monatigen Strassenbaustelle vor dem Geschäft an
(act. G 4.1/A3).
A.b Mit Verfügung vom 26. März 2012 erhob das Amt für Arbeit Einspruch gegen die
Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung. Begründet wurde die ablehnende Haltung
im Wesentlichen damit, dass es sich bei den Bauarbeiten um vorhersehbare Betriebs
unterbrechungen handle, die zum normalen Betriebsrisiko gehörten (act. G 4.1/A1).
A.c Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 30. März 2012 wurde mit
Entscheid vom 5. April 2012 abgewiesen. Sanierungsarbeiten an Durchgangsstrassen
und insbesondere stark befahrenen Hauptstrassen wie in der Innenstadt von X._
träten wiederholt und regelmässig auf. Allfällige damit zusammenhängende
Arbeitsausfälle infolge erschwerter oder unterbrochener Zufahrt zu einem
Verkaufsgeschäft seien im Sinn der Rechtsprechung voraussehbar bzw. kalkulierbar
und gehörten somit zum normalen Betriebsrisiko (act. G 4.1/A4 und A5).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 25. April
2012 (Datum Postaufgabe) mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen
Entscheids und Gutheissung des Gesuchs um Kurzarbeitsentschädigung. Eventualiter
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sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an den Beschwerde
gegner zurückzuweisen. Infolge Erneuerungsarbeiten in X._ sei die Zufahrt zu den
Verkaufslokalitäten der Beschwerdeführerin vom 5. März 2012 bis Juli 2012
eingeschränkt und zeitweise gesperrt. Dies habe einen erheblichen Nachfragerückgang
zur Folge, was die Arbeitnehmenden zu verkürzter Arbeit mit entsprechenden
Erwerbsausfällen zwinge. Die Arbeitsausfälle auf Grund der Erneuerungsarbeiten an der
Y._strasse könnten nicht als erfahrungsgemäss regelmässig und wiederholt
auftretend angesehen werden (act. G 1.1).
B.b Mit Eingabe vom 11. Juni 2012 beantragt die Verwaltung unter Verweis auf den
Einspracheentscheid vom 5. April 2012 Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Die
Beschwerdeführerin nahm keine weitere Stellung zu den eingereichten Akten (act. G 5).

Erwägungen:
1.
1.1 Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung besteht, wenn der Arbeitsausfall an
rechenbar sowie voraussichtlich vorübergehend ist und erwartet werden darf, dass
durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art. 31 Abs. 1 lit. b und d
AVIG). Ein Arbeitsausfall ist u.a. anrechenbar, wenn er auf wirtschaftliche Gründe
zurückzuführen und unvermeidbar ist (Art. 32 Abs. 1 lit. a AVIG). Ein auf wirtschaftliche
Gründe zurückzuführender und an sich grundsätzlich anrechenbarer Arbeitsausfall gilt
jedoch dann nicht als anrechenbar, wenn er durch betriebsorganisatorische
Massnahmen wie Reinigungs-, Reparatur- oder Unterhaltsarbeiten sowie andere
übliche und wiederkehrende Betriebsunterbrechungen oder durch Umstände
verursacht wird, die zum normalen Betriebsrisiko des Arbeitgebers gehören (Art. 33
Abs. 1 lit. a AVIG). Ebenfalls nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er
branchen-, berufs- oder betriebsüblich ist oder durch saisonale
Beschäftigungsschwankungen verursacht wird (Art. 33 Abs. 1 lit. b AVIG). Damit will
das Gesetz vor allem regelmässig wiederkehrende Arbeitsausfälle von der
Kurzarbeitsentschädigung ausschliessen.
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1.2 Mit dem normalen Betriebsrisiko im Sinn von Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG sind die
"gewöhnlichen" Arbeitsausfälle gemeint, mithin jene Ausfälle, die erfahrungsgemäss
regelmässig und wiederholt auftreten, demzufolge vorhersehbar und in verschiedener
Weise kalkulatorisch erfassbar sind. Was in diesem Sinn als normal gelten soll, darf
nach der Rechtsprechung nicht nach einem für alle Unternehmensarten allgemein
gültigen Massstab bemessen werden, sondern ist in jedem Einzelfall auf Grund der mit
der spezifischen Unternehmertätigkeit verbundenen besonderen Verhältnisse zu
bestimmen (BGE 119 V 500 E. 1 mit Hinweisen). Dabei kommt dem Gesichtspunkt der
Vorhersehbarkeit massgebende Bedeutung zu. So gehören Arbeitsausfälle, die jeden
Arbeitgeber treffen können, zum normalen Betriebsrisiko. Lediglich wenn sie
ausserordentlicher oder aussergewöhnlicher Natur sind, sind sie anrechenbar und
damit entschädigungsberechtigt (Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Bd. Soziale Sicherheit, 2. Aufl. Basel
2007, Rz 483 ff.).
1.3 Laut Art. 32 Abs. 3 AVIG regelt der Bundesrat für Härtefälle die Anrechenbarkeit
von Arbeitsausfällen, die auf behördliche Massnahmen, auf wetterbedingte
Kundenausfälle oder auf andere, vom Arbeitgeber nicht zu vertretende Umstände
zurückzuführen sind. Nach Art. 51 Abs. 1 AVIV sind Arbeitsausfälle anrechenbar, die
auf behördliche Massnahmen oder andere nicht vom Arbeitgeber zu vertretende
Umstände zurückzuführen sind, wenn der Arbeitgeber sie nicht durch geeignete,
wirtschaftlich tragbare Massnahmen vermeiden oder keinen Dritten für den Schaden
haftbar machen kann. Der Bundesrat hat in Art. 51 Abs. 2 AVIV einen nicht
abschliessend aufgezählten Katalog (vgl. BGE 128 V 308 E. 4) solcher Arbeitsausfälle
aufgestellt und insbesondere Elementarschadensereignisse, längerdauernde
Energieunterbrüche, Transportbeschränkungen oder Sperrung von Zufahrtswegen
aufgeführt (Nussbaumer, a.a.O., Rz 479).
1.4 An die Annahme eines Härtefalls sind hohe Anforderungen zu stellen. Die Nicht
befreiung muss ein hohes Opfer erfordern, sodass die Gutheissung des Gesuchs als
dringend, billig und geradezu geboten erscheint. Zudem ist vom Arbeitgeber der
Nachweis oder die Glaubhaftmachung einer qualifiziert ungünstigen Geschäftslage zu
verlangen (ARV 1985 N 10 S. 40 E. 4.2). Gemäss Nussbaumer regelt die
Härtefallklausel zum einen Sachverhalte, die nicht unmittelbar auf wirtschaftliche
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Gründe zurückzuführen sind, jedoch die wirtschaftliche Tätigkeit erschweren oder
verunmöglichen (z.B. Elementarschadenereignisse). Zum andern erfasst sie mit
wetterbedingten Kundenausfällen auch einen Sachverhalt, der grundsätzlich betriebs-
und branchenüblich ist, aus Härtefallgründen ausnahmsweise von der
Kurzarbeitsentschädigung übernommen werden soll, wenn sie nach Dauer und Umfang
ausserordentlich sind. Allen Tatbeständen ist gemeinsam, dass es sich um
aussergewöhnliche Umstände handelt, die über das hinausgehen, was zum normalen
Betriebsrisiko gehört, welches keinen anrechenbaren Arbeitsausfall begründet. Der
Bundesrat kann für die Härtefälle längere Karenzfristen vorsehen und bestimmen, dass
der Arbeitsausfall nur bei vollständiger Einstellung oder erheblicher Einschränkung des
Betriebs anrechenbar ist (Art. 32 Abs. 3 zweiter Satz AVIG). Von dieser Befugnis hat er
lediglich für die wetterbedingten Kundenausfälle Gebrauch gemacht (vgl. Art. 51a AVIV;
Nussbaumer, a.a.O., Rz 480).
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin betreibt in X._ an der Y._strasse ein Geschäft für
Haushaltsartikel sowie ein Sportgeschäft. Zur Begründung ihres Gesuchs um
Kurzarbeitsentschädigung bringt sie im Wesentlichen vor, dass in der Zeit von März bis
Juli 2012 an der Y._strasse Bauarbeiten durchgeführt würden, die sie mehr als
andere Unternehmen betreffe. Dazu reicht sie einen kurzen Beschrieb der Bauarbeiten
ein. Demnach wurde der Stadtkern, namentlich die Y._- und die Z._strasse, im
Zeitraum vom 5. März 2012 bis 14. Juni 2012 erneuert. Dabei wurden die Leitungen der
Stadtwerke umfassend saniert und der Strassenkörper neu aufgeteilt. Zudem wurde
der Strassenraum mit diversen Gestaltungselementen versehen. Am 14. und 15. Juli
2012 wurde sodann der Deckbelag an der Y._strasse, sowie an der Z._strasse
eingebaut. Während der Bauzeit war die Y._strasse nur von Ost nach West
befahrbar. Der West-Ost-Verkehr wurde über Quartierstrassen umgeleitet (act. G 1.5).
Die Beschwerdeführerin macht weder geltend noch ist ersichtlich, dass der geplante
Bauablauf in sachlicher oder zeitlicher Hinsicht nicht eingehalten worden wäre. Es ist
demzufolge darauf abzustellen.
2.2 Die beiden Ladengeschäfte der Beschwerdeführerin an der Y._strasse befinden
sich am westlichen Ende der Y._strasse in unmittelbarer Nähe zum W._kreisel.
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Letzterer bildete nicht Teil der Sanierungsarbeiten und war folglich während der
gesamten Bauzeit normal befahrbar (vgl. act. G 1.5). Weiter war der Zugang zum
Stadtkern - und damit zu den Ladengeschäften der Beschwerdeführerin - gemäss
Baubeschrieb während der gesamten Erneuerungsarbeiten (zu Fuss) erreichbar (act.
G 1.5). Indessen ist mit der Beschwerdeführerin festzustellen, dass die Zufahrt zum
Parkplatz der Beschwerdeführerin (4 eingezeichnete Parkfelder, wobei unbekannt ist,
ob diese für die exklusive Nutzung durch die Kundschaft der Beschwerdeführerin zur
Verfügung stehen) während der Bauarbeiten zumindest teilweise nicht gewährleistet
war (vgl. www.maps.google und www.internettv.ch [Beitrag Fürstenland-TV "Einblick in
X._ Grossbaustelle" vom 12. April 2012]). Weiter geht aus dem Baubeschrieb hervor,
dass sich im Umkreis von rund 60 bis 70 Meter Gehdistanz drei öffentliche Parkplätze
mit zahlreichen Parkfeldern befinden. Die nächste Bushaltestelle an der Z._strasse
befindet sich ca. 150 Meter Gehdistanz von den Ladenlokalen der Beschwerdeführerin
entfernt (vgl. act. G 1.5 und www.maps.google).
2.3 Bei diesen Gegebenheiten ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin nicht
ausserordentlich schwer von den Bauarbeiten betroffen war. Vielmehr war sie nach der
dargestellten Sachlage einzig dadurch beeinträchtigt, dass die vier Parkfelder bei den
Ladenlokalen nicht durchgehend benützbar waren. Immerhin erscheint eine Zufahrt via
V._strasse nicht ausgeschlossen. Dabei ist davon auszugehen, dass es auch ohne
Bauarbeiten immer wieder Kundschaft gibt, die dort keine leeren Parkfelder vorfindet
und deshalb auf die genannten Standorte ausweichen muss. Keine grössere
Beeinträchtigung des Geschäftsgangs der Beschwerdeführerin dürfte zudem aus den
allfälligen Lärmimmissionen resultiert haben, ist doch das Geschäft der
Beschwerdeführerin - anders als etwa bei einem Strassencafé - nicht als besonders
lärmsensibel einzustufen. Entsprechendes wird denn von der Beschwerdeführerin auch
gar nicht behauptet. Im Weiteren dauerten die gesamten Bauarbeiten mit gut drei
Monaten bzw. gut vier Monaten inklusive Einbau Deckbelag nicht übermässig lange,
wobei zudem davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin - wie sie selber
einräumt (vgl. Beschwerde, Ziff. III./1. [act. G 1.1]) - nicht während der gesamten Zeit
betroffen war. Schliesslich ist auch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
dargetan, dass die bis Beschwerdeerhebung bekannten Umsatzeinbussen einzig auf
die Baustelle zurückzuführen sind. Wie die Beschwerdeführerin selber einräumt, findet
das Sportgeschäft hauptsächlich im Winter statt. So begründet sie den
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Umsatzeinbruch im Vorjahr mit den schlechten Schneeverhältnissen. Wie sich aus dem
"Umsatzblatt" zur Anmeldung ergibt, war zudem der durchschnittliche Umsatz in den
Sommermonaten auch in den beiden Vorjahren (2010 und 2011) deutlich schwächer als
in den Wintermonaten, wo die Geschäfte jeweils gegen Jahresende (Weihnachten),
aber auch noch im Januar deutlich anzogen (act. G 4.1/A3). Ob und um wieviel der
Umsatz im Frühjahr und Sommer 2012 auf Grund der Baustelle (zusätzlich)
abgenommen hat, lässt sich auf Grund des bis Beschwerdeerhebung vorhandenen
Zahlenmaterials nicht abschliessend beurteilen, wenn auch eine zusätzliche Abnahme
plausibel erscheint (vgl. act. G 1.6). Nachdem aber - wie dargelegt - auf Grund der
gesamten Umstände nicht von einer ausserordentlichen Belastung im Sinn der
Rechtsprechung ausgegangen werden kann, erübrigen sich weitere Abklärungen
bezüglich Umsatzentwicklung. Zusammenfassend sind die von der
Beschwerdeführerin vorgefundenen Verhältnisse als normale Bauarbeiten einzustufen,
wie sie in Innenstadtgebieten zwangsläufig gelegentlich vorkommen. Es liegt mithin
kein Härtefall im Sinn von Art. 32 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 2 AVIV
vor, weshalb der Arbeitsausfall nicht ausnahmsweise durch die
Arbeitslosenversicherung übernommen werden kann.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP