Decision ID: f06b6304-1a50-4f6a-b312-07d6b74c3c98
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 16. Juni 2011 unter Hinweis auf Erbrechen, Durchfall,
Magen- und Bauchbeschwerden sowie Übelkeit zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Bis zum
Ausbruch der Krankheit Mitte Januar 2011 arbeitete die Versicherte als Chefin
Detailhandel in der Bäckerei – Konditorei B._ (IV-act. 16, 18).
A.b Der Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin FMH, diagnostizierte im
Bericht vom 27. September 2011 eine Sprue bei aerogener Glutenexposition,
Histologie: Marsh Grad III b, sowie eine gastroösophageale Refluxkrankheit. In Bezug
auf den Einsatz im Lebensmittelbereich mit Exposition von glutenhaltigen Mehlen wie in
Bäckereien, Cafés und Verkaufsstellen sei die Versicherte zeitlebens nicht mehr
einsetzbar. Weiter wurde eine eingeschränkte Belastbarkeit des rechten Ellenbogens
(kein Heben von Lasten jeglicher Art auch unter 1 kg bis Ende Oktober 2011 und
verminderte Belastungsfähigkeit des rechten Ellenbogengelenkes voraussichtlich für
ein weiteres Jahr) festgehalten (IV-act. 14). Im Sprechstundenbericht des Spitals D._
vom 7. Dezember 2011 wurde eine Epicondylitis humero-radialis am Ellenbogen rechts
diagnostiziert und eine Operation in Aussicht gestellt (IV-act. 23). Am 4. Januar 2012
wurde im Spital D._ eine Denervation des Epicondylus humeri radialis rechts
durchgeführt (vgl. Operationsbericht vom 5. Januar 2012, IV-act. 26). Dr. C._
berichtete im Verlaufsbericht vom 1. Mai 2012 von einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes und führte als neue Diagnose ein myofaciales Schmerzsyndrom
rechts auf (IV-act. 28). Am 6. August 2012 wurde die Versicherte im Schmerzzentrum
des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) aufgrund von chronifizierten Schmerzen im
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Bereich des rechten Armes und Kiefers untersucht. Im Bericht vom 10. August 2012
hielten die Ärzte das Vorliegen eines chronifizierten Schmerzsyndroms fest und
verwiesen sie zu weiteren Abklärungen an die Kollegen der Rheumatologie (IV-act. 55).
Im Verlaufsbericht vom 27. August 2012 hielt Dr. C._ fest, dass die durchgeführte
Operation und die physiotherapeutischen Massnahmen keinen wesentlichen Erfolg
gebracht hätten. Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten nicht mehr zumutbar. Eine
Tätigkeit ohne jegliche Belastung des rechten Armes (keine Überkopfarbeiten, keine
permanenten Schreibarbeiten, keine Kassentätigkeit und keine Arbeit mit beiden
Händen am Computer über einen Zeitraum von ca. 1 Stunde) sei ihr im zeitlichen
Rahmen von 4 Stunden möglich (IV-act. 32). Im Departement Innere Medizin
Rheumatologie/Rehabilitation des KSSG wurde die Versicherte am 4. und 22. Oktober
2012 untersucht. Im Bericht vom 13. November 2012 wurden wie vom
Schmerzzentrum chronifizierte überwiegend nozizeptive Schmerzen mit somatischen
und psychischen Anteilen, Chronifizierung nach Gerbershagen Stadium III und eine
Sprue diagnostiziert (IV-act. 51).
A.c Dr. med. E._, Spezialärztin für Neurologie FMH, beschrieb im Verlaufsbericht
vom 17. September 2013, dass die Versicherte aufgrund starker Muskel- und
Gelenksbeschwerden kaum im Stande sei, Alltagsgegenstände über einen längeren
Zeitraum festzuhalten, dies nur unter Inkaufnahme starker Muskel- und
Gelenkschmerzen. Es sei zu einer Akzentuierung der muskulären Beschwerden
gekommen. Vom klinischen Aspekt her handle es sich vorrangig um eine
Myositisproblematik, welche jedoch laborchemisch nicht eindeutig habe bestätigt
werden können. Diese Beschwerden würden zusätzlich zu der atypischen Multiplen
Sklerose bestehen. Aufgrund der bestehenden Zölliakie sei die bisherige Tätigkeit in
der Bäckerei nicht mehr zumutbar. Theoretisch wäre eine Teilarbeitsfähigkeit von
maximal 50% stundenweise in einer sehr leichten Tätigkeit mit Wechselhaltung ohne
differenzierte feinmotorisch-manuelle Anforderungen oder gar Gewichtsbelastungen
über 2 kg denkbar (IV-act. 74).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte bei der Gutachterstelle medaffairs in
Basel internistisch, rheumatologisch, neurologisch und psychiatrisch untersucht. Im
Gutachten vom 4. Mai 2015 wurde keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden
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diagnostizierend ein Wide Spread Pain Syndrome / Fibromyalgie, ein myofasziales
Schmerzsyndrom mit Beteiligung der Kaumuskulatur (carnio-mandibulär) rechtsbetont,
Erstdiagnose Dezember 2011, allgemein myofasziales Beschwerdebild (MRT und
Halswirbelsäule mit leichtgradigen degenerativen Veränderungen der kaudalen und
zervikalen Facettengelenke ohne weitere Pathologien), chronische
Spannungskopfschmerzen, eine analgetika-induzierte Kopfschmerzkomponente, eine
Tennisellenbogen-Operation im Januar 2012 rechts mit Status nach repetitiven
Kortison-Injektionen und Ruhigstellung, entzündungshemmender Bestrahlung
Ellenbogen rechts mit 3 Grey, ein Verdacht auf Myopathie unklarer Ätiologie,
unspezifische cerebrale Marklagerveränderungen, ein Status nach Hysterektomie 2010,
Zöliakie, Erstdiagnose April 2010, gut kontrolliert mit diätischen Massnahmen,
differentialdiagnostisch enteropathisch bedingte periphere Arthralgien sowie
aktenanamnestisch ein Status nach depressiver Episode 2012 und eigenanamnestisch
ein Status nach depressiver Episode vor ca. 10 Jahren. Aus gesamtmedizinischer Sicht
bestehe eine noch unklare Myopathie, welche neurologisch vermutet werde und in
einem spezialisierten Zentrum weiter abgeklärt werden müsste. Die Diagnose einer
atypischen Multiplen Sklerose lasse sich nicht bestätigen, weshalb die diesbezügliche
immunsupprimierende Therapie dringend überdacht werden sollte. Die
Hauptbeschwerdesymptomatik sei das Wide Spread Pain- / Fibromyalgie-Syndrom,
welches in Zusammenhang mit der neurologischen Diagnose der Myopathie beurteilt
werden müsse. Für den Fall, dass sich in der empfohlenen neurologischen Befundung
der Verdacht auf eine Myopathie nicht bestätige, könne von einem syndromalen
Beschwerdebild ausgegangen werden. Somit wäre eine Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Verkäuferin und in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als
Servicemitarbeiterin nicht eingeschränkt. Aus psychiatrischer Sicht bestünden keinerlei
Einschränkungen (IV-act. 100).
A.e Mit Vorbescheid vom 1. Juni 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Die medizinische Abklärung habe
ergeben, dass keine relevanten Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegen würden und die Versicherte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sowie in einer
anderen angepassten Tätigkeit 100% arbeitsfähig sei (IV-act. 104).
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A.f Mit Einwand vom 13. Juli 2015 beantragte die Versicherte, ihr seien die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen und es sei ihr insbesondere eine Invalidenrente
auszurichten. Aufgrund der unbestritten vorliegenden Zöliakie sei es völlig schleierhaft,
wie von einer vollen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit in der Bäckerei
ausgegangen werden könne. Eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit sei aber auch in einer
angepassten Tätigkeit nicht realisierbar. Das Gutachten, auf welches sich der
Vorbescheid stütze, erwähne an verschiedenen Stellen, dass noch weitere Abklärungen
notwendig seien. Es liege eine unklare Myopathie vor, welche in einem spezialisierten
Zentrum weiter abgeklärt werden müsse. Somit sei der Sachverhalt ungenügend
abgeklärt. Selbst beim Vorliegen einer Fibromyalgie wäre der Anspruch der
Versicherten unter Prüfung der vom Bundesgericht entwickelten Standardindikatoren
zu prüfen gewesen, für welche das Gutachten unbrauchbar sei. Zudem sei nicht von
einer Fibromyalgie sondern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer atypischen
Multiplen Sklerose auszugehen (IV-act. 111).
A.g Mit Verfügung vom 7. August 2017 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten ab. „Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne auf das vorliegende
Gutachten abgestellt werden. Sowohl bei Verdachtsdiagnosen als auch bei bisher nicht
weiter eingegrenzten respektive nicht zugeordneten Diagnosen“ fehle „zum Unter-
suchungszeitpunkt der Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass eine
Versicherungsleistung geschuldet“ sei. Weiter ändere die Aufgabe der
Überwindbarkeitsvermutung nichts an den Regeln betreffend Zumutbarkeit, namentlich
nicht am Erfordernis einer objektivierten Beurteilungsgrundlage (IV-act. 114).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 14. September 2015. Die Beschwerdeführerin beantragt, ihr seien die gesetzlichen
Leistungen zu erbringen und es sei ihr ab Januar 2012 eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
deren Lasten. Die von den Gutachtern empfohlenen Abklärungen im Hinblick auf die
unklare Myopathie sowie die Einschlusskörperchenmyositis seien für den
Rentenentscheid von ausschlaggebender Bedeutung. Eine Muskelbiopsie habe
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aufgrund der verordneten Steroidtherapie nicht durchgeführt werden können. Aus
diesem Grund sei die Steroidtherapie zwischenzeitlich abgesetzt worden, obwohl Dr.
E._ nach wie vor an der gestellten Diagnose einer atypischen Multiplen Sklerose
festhalte. Selbst wenn von einer Fibromyalgie ausgegangen würde, müsste diese nach
den vom Bundesgericht entwickelten Standardindikatoren geprüft werden. Das
medaffaires Gutachten lasse eine solche Prüfung jedoch nicht zu. Aber selbst wenn im
Begutachtungszeitpunkt von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen
würde, wäre ihr zumindest temporär bis dahin eine Rente auszurichten (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. November 2015 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Auf das medaffairs Gutachten
könne abgestellt werden. Darin seien keine Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit erhoben worden und die Verdachtsdiagnose einer Multiplen Sklerose
habe nicht bestätigt werden können. Betreffend Myopathie würden sich nur geringe
Hinweise finden. Der pathologische EMG-Befund erkläre die Beschwerden nicht und
die EMG-Untersuchung zeige auch kein typisches Bild für eine
Einschlusskörperchenmyositis. Eine abschliessende Beschwerdeantwort könne zudem
erst abgegeben werden, wenn der Bericht der Muskelbiopsie vorliege (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 26. Januar 2016 hält die Beschwerdeführerin unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 10). Zudem reichte sie einen Bericht betreffend die
Muskelbiopsie des Universitätsspitals Basel vom 18. Dezember 2015 ein (act. G 10.1).
Mit Schreiben vom 15. Februar 2016 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik. Sie hielt am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (act.
G 12).

Erwägungen
1.
1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
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oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigsten zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
1.4 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
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pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassen ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
1.5 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb).
1.6 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1). Wenn der entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde, kann das Gericht die Angelegenheit zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen.
2.
2.1 Vorab ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.2 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf das
Gutachten der medaffairs vom 4. Mai 2015. Die Gutachter kamen darin zum Schluss,
dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen sei. Die Haupt-
beschwerdesymptomatik sei das Wide Spread Pain- / Fibromyalgie-Syndrom, welches
in Zusammenhang mit der neurologischen Diagnose der Myopathie beurteilt werden
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müsse. Für den Fall, dass sich in der empfohlenen neurologischen Befundung der
Verdacht auf eine Myopathie nicht bestätige, könne von einem syndromalen
Beschwerdebild ausgegangen werden. Somit wäre eine Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Verkäuferin und in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als
Servicemitarbeiterin nicht eingeschränkt. Aus psychiatrischer Sicht bestünden keinerlei
Einschränkungen (IV-act. 100-18).
2.3 Die Beschwerdeführerin hält fest, dass die von den Gutachtern empfohlenen
Abklärungen im Hinblick auf die unklare Myopathie sowie die Einschlusskörperchen-
Myositis für den zu fällenden Rentenentscheid von ausschlaggebender Bedeutung
seien. Da keine entsprechenden Abklärungen vorgenommen worden seien, sei der
Sachverhalt zu wenig abgeklärt (act. G 1, S. 10).
2.3.1 Im Gutachten wurde festgehalten, dass die 2010 aufgetretenen
muskuloskelettalen Beschwerden, insbesondere der gelenknahen Muskulatur und der
Gelenke, primär im Zusammenhang mit der Sprue gesehen worden seien. Dies könne
durchaus zutreffen. Bei guter Kontrolle der Grunderkrankung könnten indessen keine
Beschwerden im damaligen Ausmass mehr vorliegen. Aus rheumatologischer Sicht
seien anamnestisch, klinisch und laborchemisch keine Anzeichen für eine Myositis
objektivierbar. Ein Anti-Jo1-Syndrom oder eine Einschlusskörpermyositis lägen nicht
vor. Differentialdiagnostisch bestehe aus rheumatologischer und neurologischer Sicht
eine unspezifische Myopathie, welche bisher nicht weiter eingegrenzt, respektive
zugeordnet habe werden können. Insbesondere gehe eine derartige Erkrankung
üblicherweise nicht mit invalidisierenden Muskelschmerzen einher (die aktuell daher der
Fibromyalgie zugeordnet würden), zumindest nicht zu Beginn der Erkrankung.
Insgesamt würden sich auch nur geringe Hinweise auf eine Myopathie finden, wobei
namentlich der lediglich mässig pathologische myopathische EMG-Befund die
beklagten Beschwerden nicht erklären könne. Insgesamt könne daher aktuell nicht
davon ausgegangen werden, dass die Beschwerden der Beschwerdeführerin ihre
Ursache in einer neuromuskulären Erkrankung hätten. Aus gesamtmedizinischer Sicht
bestehe eine noch unklare Myopathie, welche neurologisch vermutet werde, und in
einem spezialisierten Zentrum weiter abgeklärt werden müsste. Aktuell könne jedoch
aus rheumatologischer Sicht die Diagnose eines Wide Spread Pain Syndrom / einer
Fibromyalgie in den Vordergrund gestellt werden versus die neurologische
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Verdachtsdiagnose einer Myopathie. Für eine Fibromyalgie typisch seien Muskel- und
Gelenkschmerzen, welche nicht auf ein somatisches Korrelat zurückgeführt werden
könnten. Wie der neurologische Gutachter hätte auch Dr. E._ im September 2013
eine nur geringe periphere pathologische Spontanaktivität im EMG objektiviert und
einen neurogenen Prozess ausgeschlossen, jedoch im Rahmen einer
rheumatologischen Grunderkrankung eine Myositis vermutet. Im Weiteren sei in den
Vorakten erwähnt worden, dass die Antikörperbefunde wie SCL-70 oder Anti-Jo-1
typischerweise bei der seltenen Einschlusskörperchenmyositis vorliegen würden, was
aus rheumatologischer Sicht nicht korrekt sei. Die aufgeführten Antikörper würden sich
vielmehr bei einer Myositis und spezifisch bei einem Antisynthetase-Syndrom
(Polymyositis) finden. Diese Erkrankungen hätten vorliegend weder rheumatologisch
noch laborchemisch diagnostiziert werden können. Von einer
Einschlusskörperchenmyositis seien zudem häufiger Männer im höheren Alter
betroffen, Frauen hingegen weniger. Im Weiteren würden sich bei der
Beschwerdeführerin auch keine anderen laborchemischen Auffälligkeiten finden und
die proximale Muskulatur sei primär betroffen und nicht peripher, wie dies bei der
Einschlusskörperchenmyositis der Fall wäre (IV-act. 100-14 ff.).
2.3.2 Aus dem Bericht des Universitätsspitals Basel vom 18. Dezember 2015 geht
hervor, dass die Muskelbiopsie keine Anhaltspunkte für eine entzündliche Myopathie
geliefert habe. Es wurde einzig eine gesteigerte Neutralfetteinlagerung objektiviert und
differentialdiagnostisch eine Fettstoffwechselstörung erwähnt (act. G 10.1).
2.3.3 Obwohl die Gutachter bezüglich der Myopathie und der
Einschlusskörperchenmyositis wiederholt darauf hinwiesen, dass keine bzw. wenig
objektivierbare Anzeichen für die entsprechenden Diagnosen vorhanden waren, kamen
sie zum Schluss, dass insbesondere die noch unklare Myopathie noch weiter abgeklärt
werden müsste. Vor diesem Hintergrund hätten sich weitere Abklärungen aufgedrängt.
Mit der Durchführung einer Muskelbiopsie hat die Beschwerdeführerin selber diese
weiteren Abklärungen getätigt. Dabei konnten keine Anhaltspunkte für eine
entzündliche Myopathie festgestellt werden und es gab offenbar auch keine Anzeichen
für eine Einschlusskörperchenmyositis, da im Befund entzündliche Infiltrationen und
rimmed vacuoles verneint wurden. Somit erübrigt sich eine Rückweisung zur
Durchführung weiterer Abklärungen.
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2.4 Weiter führt die Beschwerdeführerin aus, dass sie mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit unter einer atypischen Multiplen Sklerose und nicht unter einer
Fibromyalgie leide (IV-act. 111-3) und dass die behandelnde Ärztin Dr. E._ an der
gestellten Diagnose auch weiterhin festhalte (act. G 1, S. 10).
2.4.1 Im Bericht vom 4. März 2013 hielt Dr. E._ fest, dass aufgrund eines auffälligen
cerebralen MRI-Befundes mit gliotischen, MS-verdächtigen Herden an den
Hinterhörnern der Seitenventrikel ohne Aktivitätszeichen zum Untersuchungszeitpunkt,
auf Wunsch der Beschwerdeführerin eine weiterführende MS- bzw.
differentialdiagnostische Abklärung erfolgt sei. Bereits damals wurde die Diagnose
gestellt, dass sehr wahrscheinlich eine atypische Multiple Sklerose vorliege (IV-act.
61-1 f.). Im Bericht vom 4. September 2013 hielt Dr. E._ an dieser Diagnose fest,
zumal die Beschwerdeführerin auf die entsprechende Behandlung ansprach (IV-74-6
ff.).
2.4.2 Die medaffairs Gutachter setzten sich mit dieser Diagnose auseinander und
kamen zum Schluss, dass die Verdachtsdiagnose einer Multiplen Sklerose, welche im
März 2013 gestellt worden sei und seither unter immunmodulatorischer Therapie
behandelt werde, aktuell nicht bestätigt werden könne (IV-act. 100-15). Im
neurologischen Teilgutachten wurde nachvollziehbar dargelegt, dass die Kriterien zur
Diagnose einer Multiplen Sklerose nicht erfüllt seien und dass die Indikation zu einer
immunmodulierenden Therapie mit Avonex dringend kritisch überprüft werden müsse
(IV-act. 100-44 f.). Daraus muss geschlossen werden, dass das Vorliegen einer
atypischen Multiplen Sklerose nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen ist.
2.5 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass auf das nachvollziehbare
medaffairs Gutachten im Wesentlichen abgestellt werden kann. Soweit erklärt wird, die
Beschwerdeführerin sei auch in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit in der Bäckerei
uneingeschränkt arbeitsfähig, erscheint dies allerdings zu weitgehend. So hielt bereits
RAD-Arzt Dr. F._ am 16. Dezember 2012 fest, dass wegen der diagnostizierten
Zöliakie die Beschwerdeführerin nicht mehr in Kontakt mit Mehlstaub arbeiten sollte
(IV-act. 18). Diese Einschätzung ändert jedoch im Ergebnis nichts an der Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit.
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3.
3.1 Die Beschwerdeführerin bringt des Weiteren vor, dass die Überwindbarkeit anhand
der vom Bundesgericht neu definierten Indikatoren und im Rahmen eines strukturierten
Beweisverfahrens ergebnisoffen und einzelfallgerecht geprüft werden müssten. Selbst
wenn man von einer Fibromyalgie ausgehen würde, hätte eine solche Prüfung zu
erfolgen, was die Beschwerdegegnerin aus nicht nachvollziehbaren Gründen
unterlassen habe. Das medaffairs Gutachten lasse die Prüfung dieser
Standardindikatoren nicht zu, weil sich die hierfür notwendigen Informationen aus dem
Gutachten schlichtweg nicht entnehmen lassen würden (act. G 1, S. 10 f.). Die
Beschwerdegegnerin hält demgegenüber in der Beschwerdeantwort fest, dass das
Gutachten bezüglich der neu anzuwendenden Indikatoren nicht per se seinen
Beweiswert verliere. Darin seien die Foerster‘schen Kriterien geprüft worden, welche
nicht erfüllt seien. Übertragen auf die nun massgebenden Indikatoren könne
festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin bisher keine psychiatrischen
Therapien in Anspruch genommen habe und dass weder eine psychische noch eine
körperliche Begleiterkrankung vorliegen würden. Das soziale Umfeld der
Beschwerdeführerin sei erhalten und ihr Aktivitätsniveau scheine nicht eingeschränkt
zu sein. Auch verfüge sie über viele Ressourcen. Damit halte das Gutachten auch unter
der neuen Rechtsprechung stand und es könne darauf abgestellt werden (act. G 4, S. 3
f.).
3.2 Ob die Fibromyalgie als invalidisierend zu berücksichtigen ist, ist nach der neuen
Rechtsprechung des Bundesgerichts gemäss BGE 141 V 281 zu beurteilen. Mit diesem
Entscheid hat das Bundesgericht das bisherige Regel-/Ausnahmemodell durch ein
strukturiertes, normatives Prüfungsraster ersetzt. Anhand eines Katalogs von
Indikatoren erfolgt nunmehr eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von
Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – tatsächlich erreichbaren
Leistungsvermögens (E. 3.6). Die geänderte Rechtsprechung bedeutet indes nicht,
dass während der Geltungsdauer der Rechtsprechung von BGE 130 V 352 (sog.
Überwindbarkeitspraxis) eingeholte Gutachten ihren Beweiswert per se verlieren
würden. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen
spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob das
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abschliessende Abstellen auf die vorhan¬denen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht
standhält (Entscheid des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 9C_739/2014, E.
2.2 mit Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6).
3.3 Die gutachterliche Diagnose einer Fibromyalgie (ICD-10: M79.7) wurde sorgfältig
und nachvollziehbar erhoben. Die Beschwerdeführerin macht insbesondere kraftlose,
unsichere Beine und Muskelschmerzen im ganzen Körper geltend. Zusätzlich würden
auch eine Gelenkschmerzhaftigkeit und Berührungsempfindlichkeit im unteren Rücken,
verstärkte Müdigkeit sowie verminderte Leistungsfähigkeit vorliegen (IV-act. 100-24 f.).
Die Beschwerdeführerin leide unter einem syndromalen Beschwerdebild, bei welchem
die subjektiven Beschwerden nicht auf ein strukturelles oder morphologisches Korrelat
zurückgeführt werden könnten, sondern im Rahmen der generalisierten
Schmerzempfindung zu interpretieren seien (IV-act. 100-36). In psychiatrischer Hinsicht
wurde zwar ein Status nach einer reaktiv depressiven Episode festgehalten, welche
jedoch remittiert sei. Aktuell könne keine psychiatrische Einschränkung festgehalten
werden, insbesondere bestehe keine somatoforme Schmerzstörung (IV-act. 100-15 ff.).
Somit liegt keine psychische Komorbidität vor. Die Beschwerdeführerin wurde vielmehr
als gefestigte Persönlichkeit beschrieben, welche ihrer Selbstwirksamkeit im Umgang
mit der Erkrankung grosse Bedeutung zuschreibe. In der Vergangenheit habe sie sich
nicht gescheut, in schwierigen Situationen auch psychiatrisch-psychotherapeutische
Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie habe im Umgang mit ihren aktuellen gesundheitlichen
Einschränkungen Copingstrategien erlernt und wende diese an. Sie verfüge über viele
Ressourcen in Form eines stabilen sozialen Umfelds, Hobbies und Interessen sowie
der Fähigkeit zu Selbstreflektion, Achtsamkeit und Durchhaltevermögen. Von
psychiatrischer Seite finde keine Behandlung statt. Bei der Beschwerdeführerin handle
es sich um eine aktive Frau mit vielen Ressourcen (IV-act. 100-57 f.). Weiter gab die
Beschwerdeführerin an, dass sie sozial in der Familie und mit Freunden gut
eingebunden sei und in der Partnerschaft sowie in der eigenen Familie auf Ressourcen
zurückgreifen könne (IV-act. 100-28). Weitere Ressourcen wurden im regelmässigen
Muskel- und Ausdauertraining festgehalten (IV-act. 100-17). Vor diesem Hintergrund
überzeugt die gutachterliche Einschätzung, dass die Fibromyalgie nicht invalidisierend
ist auch unter Anwendung der Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281. Die
gegenteiligen Ausführungen über einen sozialen Rückzug und einen Ressourcen-
Mangel sind unbegründet (act. G 10).
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3.4 Zusammenfassend besteht kein Anlass von der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
von der beweiskräftigen medizinischen Einschätzung des medaffairs Gutachtens
abzuweichen. Es kann davon ausgegangen werden, dass bei der Beschwerdeführerin
unter Gluten-freier Ernährung und Expositionsschutz vor Mehlstaub keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin und
in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als Servicemitarbeiterin – ausserhalb einer
Bäckerei – vorliegt. Damit ist bei der Beschwerdeführerin ab dem
Begutachtungszeitpunkt keine rentenbegründende Invalidität ausgewiesen.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt jedoch, ob die Beschwerdeführerin – wie in der Beschwerde
beantragt (vgl. act. G 1, S. 11) – allenfalls einen vorübergehenden Rentenanspruch ab
Februar 2011 hatte.
4.2 Bezüglich des Beginns einer medizinisch begründbaren Arbeitsunfähigkeit wurde
im medaffairs Gutachten auf die ab dem 31. Januar 2011 hausärztlich attestierte
100%ige Arbeitsunfähigkeit verwiesen und weiter festgehalten, dass eine retrospektive
Einschätzung nicht möglich sei (IV-act. 100-17).
4.3 In der angestammten Tätigkeit wurde der Versicherten von Dr. C._ im Bericht
vom 27. September 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 17. Oktober 2011 (recte:
17. Januar 2011; vgl. Fremdakten) attestiert. An diesem Datum begann somit das
Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG zu laufen. Ein möglicher Rentenanspruch
konnte somit frühestens im Februar 2012 entstehen, nachdem zu diesem Zeitpunkt
auch sechs Monate seit der Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1
IVG) vom 16. Juni 2011 abgelaufen waren.
4.4 Dr. G._ hielt im Arztbericht vom 30. November 2011 fest, prinzipiell erscheine bei
geeignetem Arbeitsplatzprofil eventuell eine Teilarbeitsfähigkeit möglich. Er empfehle
zunächst das postoperative Ergebnis – Epicondylitis humeri radialis Ellbogen rechts,
durchgeführt am 4. Januar 2012 (IV-act. 26) – abzuwarten, wobei aufgrund der guten
Prognose mittelfristig sicherlich mit einer vollschichtigen Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei
(IV-act. 23-2). Jedoch hielt der RAD-Arzt Dr. F._ in der Stellungnahme vom 15. Mai
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2012 einen verschlechterten Gesundheitszustand fest. Die Versicherte könne keine
Tätigkeiten ausführen, bei denen der rechte Arm belastet werden müsse. Es bestehe
weiterhin keine Eingliederungsfähigkeit (IV-act. 30). Auch die Ärzte des
Schmerzzentrums des KSSG gingen im Bericht vom 10. August 2012 von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit aus (IV-act. 55-4). Im Bericht vom 27. August 2012 hielt
Dr. C._ eine Arbeitsfähigkeit von 50% in einer adaptierten Tätigkeit erstmals wieder
für zumutbar (IV-act. 32-4). Dieser Einschätzung schloss sich auch RAD-Arzt Dr. F._
im Bericht vom 16. Oktober 2012 an (IV-act. 38). Die Eingliederungsverantwortliche
hielt im Bericht vom 27. Juni 2013 jedoch fest, dass aus gesundheitlichen Gründen
eine Eingliederung derzeit nicht möglich sei, dies obwohl die Beschwerdeführerin
absolut willig und motiviert sei (IV-act. 71-3 ff.). Die Neurologin Dr. E._ erachtete
hingegen im Bericht vom 17. September 2013 eine adaptierte Tätigkeit im Umfang von
maximal 50% stundenweise auf die Wochenarbeitszeit verteilt als möglich (IV-act.
74-4). Im Verlaufsbericht vom 3. Januar 2014 ging Dr. C._ jedoch wieder von einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes aus. Offenbar hätte die Therapie mit
Steroiden zu einer Beinschwäche seit Ende November 2013 geführt. Er verneinte eine
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (IV-act. 77). In der Stellungnahme vom 22.
April bzw. 26. Mai 2014 hielt der RAD-Arzt Dr. F._ überdies fest, dass ein nicht
eindeutig geklärter Gesundheitsschaden mit offensichtlich fluktuierenden funktionellen
Einschränkungen im muskuloskelettalen Bereich vorliege (IV-act. 93-2).
4.5 Obwohl die medaffairs Gutachter keine retrospektive Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit vornehmen konnten, kann vorliegend nicht davon ausgegangen
werden, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung zum Gutachtenszeitpunkt ohne weiteres
auf die davorliegende Zeit übernommen werden kann. Dagegen spricht einerseits, dass
die Gutachter zu dieser fraglichen Zeitspanne gerade keine Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgeben konnten und andererseits die diversen Arztberichte, worin jeweils eine
erhebliche Arbeitsunfähigkeit festgehalten wurde. Aufgrund dessen, dass nicht nur von
den behandelnden Ärzten, sondern auch von den RAD-Ärzten wenigstens eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert wurde, erscheint es vorliegend mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit als erwiesen, dass die Beschwerdeführerin ab 31.
Januar 2011 bis zum Gutachtenszeitpunkt zumindest im Umfang von 50%
arbeitsunfähig war.
5.
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5.1 Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1). Gemäss
Angaben der letzten Arbeitgeberin hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2011 ein
Einkommen von Fr. 70‘829.-- erzielt (IV-act. 16-4), was unbestritten blieb (vgl. IV-act.
103). Darauf kann abgestellt werden. Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung bis zum Jahr 2012 (Index 2011: 2‘604, 2012: 2‘630) ergibt
dies ein Valideneinkommen von Fr. 71‘536.--.
5.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht, sofern
kumulativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass die versicherte Person die ihr verbleibende Leistungsfähigkeit in zumutbarer
Weise voll ausschöpft und das Einkommen aus der Arbeitsleistung angemessen und
nicht als Soziallohn erscheint. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der
versicherten Person (nach zumutbarer Behandlung und allfälliger Eingliederung)
angesichts ihrer Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung
zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
5.3 Aufgrund der Sprue-Erkrankung und dem dadurch nötigen Expositionsschutz vor
Mehlstaub (vgl. IV-act. 100-18) war der Beschwerdeführerin die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit in einer Bäckerei mit Café nicht mehr zumutbar. Deshalb ist auf die Werte der
LSE abzustellen. Aufgrund ihrer Ausbildung im Detailhandel und ihrer Position bei der
letzten Arbeitgeberin als Chefin Detailhandel (IV-act. 16-2) sowie bei der vorletzten
Arbeitgeberin als Fachleiterin Kasse/Administration (IV-act. 86-7) ist vorliegend der
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Wert gemäss LSE 2012, TA1, 47 Detailhandel, Frauen, Kompetenzniveau 3 von Fr.
4‘887.-- heranzuziehen. Aufgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.8
Stunden ergibt sich ein Tabellenlohn von Fr. 61‘283.-- (Fr. 4‘887.-- x 12 / 40 x 41.8).
5.4 Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalls ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter
und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine
schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b
und 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
5.5 In der Stellungnahme des RAD vom 15. Mai 2012 wird festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin keine Tätigkeiten ausführen könne, bei denen der rechte Arm
belastet werden müsse, selbst Schreibarbeiten mit der rechten Hand seien derzeit
nicht ausführbar (IV-act. 30). In einer weiteren RAD-Stellungnahme vom 16. Oktober
2012 wird als ideal leidensadaptiert eine leichte Tätigkeit, das heisst eine gleichsam
einarmige Tätigkeit mit dem funktionell gesunden (vermutlich adominanten) linken Arm
mit einem Zeitpensum von ca. vier Stunden als zumutbar erachtet (IV-act. 38). Daraus
ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin selbst bei leichten Tätigkeiten noch
wesentlich eingeschränkt war, was einen Tabellenlohnabzug von mindestens 10%
rechtfertigt. Ob ein höherer Tabellenlohnabzug gerechtfertigt wäre, kann vorliegend
offen bleiben, da selbst bei einem 25%igen Abzug keine höhere Invalidenrente
resultieren würde.
5.6 Bei einer Arbeitsfähigkeit von 50% und einem Tabellenlohnabzug von 10% ergibt
dies ein Invalideneinkommen von Fr. 27‘577.-- (Fr. 61‘283 x 0.5 x 0.9). Daraus resultiert
eine Erwerbseinbusse von Fr. 43‘959.-- (Fr. 71‘536.-- – Fr. 27‘577.--) und ein
Invaliditätsgrad von gerundet 61% (Fr. 43‘959.-- / Fr. 71‘536.-- x 100). Damit hat die
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine befristete Dreiviertelsrente ab 1. Februar 2012.
5.7 Auf die rückwirkende Zusprache einer abgestuften und/oder befristeten
Invalidenrente sind die für die Rentenrevision geltenden Normen (Art. 17 ATSG i.V.m.
Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
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analog anzuwenden (BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis, BGE 109 V 125 E. 4a). Wird
rückwirkend eine derartige Rente zugesprochen, sind daher einerseits der Moment des
Rentenbeginns und andererseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a
Abs. 1 IVV festzusetzende Zeitpunkt der Rentenherabsetzung oder -aufhebung die
massgebenden zeitlichen Vergleichsgrössen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23.
November 2010, 8C_468/2010, E. 2 sowie vom 25. Mai 2010, 8C_834/2009, E. 2 mit
Hinweis). Ist aufgrund eines Gutachtens überwiegend wahrscheinlich, dass sich der
Gesundheitszustand verbessert hat, nicht aber ersichtlich, in welchem Zeitpunkt diese
Besserung stattgefunden hat, so kann es sich jedoch rechtfertigen, die Rente bereits
auf den Zeitpunkt des Gutachtens hin herabzusetzen oder aufzuheben (Urteil vom 10.
Februar 2012, 8C_670/2011, E. 5.1 mit Hinweisen). Vorliegend nahmen die Gutachter
keine retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor, dennoch ist davon
auszugehen, dass eine Verbesserung des Gesundheitszustandes und somit der
Arbeitsfähigkeit im Vergleich mit den Einschätzungen der behandelnden Ärzte und der
der RAD-Ärzte bereits vor der Begutachtung stattgefunden hat und nicht erst mit dem
Gutachten eingetreten ist. Deshalb rechtfertigt es sich in diesem Fall, die Rente bereits
auf den Zeitpunkt des Gutachtens vom 4. Mai 2015 aufzuheben, womit die
Dreiviertelsrente bis zum 31. Mai 2015 zu befristen ist.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die
Verfügung vom 7. August 2015 aufgehoben und der Beschwerdeführerin eine befristete
Dreiviertelsrente vom 1. Februar 2012 bis 31. Mai 2015 zugesprochen wird. Zur
Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Um ihren
Leistungsanspruch durchzusetzen, musste die Beschwerdeführerin das vorliegende
Gerichtsverfahren anstrengen. Dessen Ausgang entsprechend hat die unterliegende
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Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten zu tragen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
6.3 Die obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei insbesondere der
Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen ist. Vorliegend
erscheint – wie in vergleichbaren Fällen üblich – eine Parteientschädigung von Fr.
3‘500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.