Decision ID: 87ad462c-861c-5b01-9532-7287db6b8d8b
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1962 geborene X._, welcher in seinem Heimatland fünf Jahre lang die Primarschule besucht und keine Berufsausbildung absolviert
hatte, reiste 1979 als Saisonarbeiter in die Schweiz ein und war ab 1991 als Maschinenein
richter in einem Vollzeitarbeitspensum angestellt. Am 15. Juli 2010 (Eingangs
datum) meldete er sich
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, unter Hinweis auf einen am 11. Mai 2009 erlittenen Herzinfarkt, auf Kreislauf- und Kniebeschwerden sowie auf eine depressive Symptomatik zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 6/1-2). Die IV-Stelle tätigte beruflich-erwerbliche sowie medizinische
Abklärungen und veranlasste eine polydisziplinäre Untersuchung des Versicherten bei der Abklärungsstelle Y._ (Urk. 6/18). Das Gutachten wurde am 29. März 2011 erstattet (Urk. 6/32). Nach durchgeführtem Vorbe
scheidverfahren (Vorbescheid vom 5. Juli 2011 [Urk. 6/42]; Einwand vom 26. Juli 2011 [Urk. 6/45] mit ergänzender Begründung vom 25. August 2011 [Urk. 6/51]) wurde das Leistungsbegehren des Versicherten mit Verfügung vom 6. Oktober 2011 (Urk. 6/59) abgewiesen. Die dagegen erhobene Beschwerde an das hiesige Gericht (Verfahren Nr. IV.2011.01169) vom 3. November 2011 (Urk. 6/64) zog der Versicherte am 10. April 2013 wieder zurück (Urk. 6/89/3; vgl. auch die Abschrei
bungsverfügung des hiesigen Gerichts vom 15. April 2013
[Urk. 6/89/1-2]), nach
dem er mit Unterstützung der IV-Stelle per 1. Juni 2012 eine Stelle als Prothe
senhersteller hatte antreten können (Urk. 6/88/6) und in dieser Funktion per 1. Januar 2013 in einem 80 %-Pensum fest angestellt worden war (Urk. 6/88/10).
1.2
Am 6. Dezember 2016 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der
IV-Stelle unter Hinweis auf einen am 16. Juli 2016 erlittenen zweiten Myokard
infarkt sowie auf die bereits bekannten Beschwerden erneut zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (Urk. 6/92). Er legte seiner Neuanmeldung einen Bericht von Dr. med. Z._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Dezember 2016 (Urk. 6/93) sowie die Akten der Kranken
taggeldversicherung (Urk. 6/94) bei. Die IV-Stelle tätigte in der Folge beruflich-erwerbliche und medizinische Abklärungen. Am 16. Januar 2017 teilte sie dem Versicherten mit, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen zur Zeit nicht mög
lich seien (Urk. 6/104). Am 19. April 2016 wurde beim Versicherten zu Hause eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vorge
nommen (vgl. den Abklärungsbericht vom 20. April 2017 (Urk. 6/107). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 3. Mai 2017 [Urk. 6/110]; Einwand vom 17. Mai 2017 [Urk. 6/111] mit Ergänzung vom 22. Juni 2017 [Urk. 6/115]) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versi
cherten mit Verfügung vom 26. Juli 2017 ab (Urk. 2 [= Urk. 6/118]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 14. September 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm ab dem 1. Juli 2017 eine Rente der Invalidenversicherung auszurichten; eventuell seien ihm berufliche Massnahmen zu gewähren. Subeventuell sei die Sache zur Durchführung weiterer Abklärungen, insbesondere zur psychiatrischen und kar
diologischen Begutachtung, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 27. Oktober 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 2. November 2017 angezeigt wurde (Urk. 7). Am 7. November 2017 (Urk. 8), am 6. Dezember 2017 (Urk. 10, inkl. Beilage vom 23.
November 2017 [Urk. 11]) sowie am 30. April 2018 (Urk. 13, inkl. Beilagen [Urk. 14/1-3]) reichte
der Beschwerdeführer weitere Eingaben ein.

Das Gerichtzieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali
ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(
ATSG
)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän
derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zu
nächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
1.2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Ge
burts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatri
sche Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2;
143 V 409
E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in ei
nem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funk
tionel
len Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls ge
wisser Anpas
sungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärun
gen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtser
heblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben –
unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits
–
das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
be
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsren
te und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 26. Juli 2017 (Urk. 2), bei der aktuellen Arbeitsstelle übe der Beschwerdeführer keine angepasste Tätigkeit aus, da er dort erheblichem Leistungsdruck ausgesetzt sei. Unter Berücksichtigung, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätig
keit zu 90 % arbeitsfähig sei und dort, unter Berücksichtigung eines lohnmin
dernden Faktors von 10 %, ein Invalideneinkommen von Fr. 54'312.45 erzielen könne, resultiere bei einem Vergleich mit dem Valideneinkommen von Fr. 79'604.90 ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 32 %.
2.2
Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift vom 14. September 2017 (Urk. 1) im Wesentlichen vor, das Valideneinkommen sei zu tief bemessen. Bei der Bemessung des Invalideneinkommens sei nicht von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Ein wohlwollendes Arbeitsklima liege bereits bei der jetzigen Arbeitgeberin vor, womit dieser Arbeitsplatz leidensange
passt sei. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei auf die Einschätzung von Dr. Z._ abzustellen. Faktisch bestehe gemäss dem Arbeitgeber des Beschwer
deführers derzeit aber bloss eine Leistungsfähigkeit von 25 %. Ein Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung, allenfalls auf eine Dreiviertelrente, sei daher zu bejahen. In der Eingabe vom 7. November 2017 (Urk. 8) machte der Beschwerdeführer zudem geltend, von ihm könne im Rahmen der Schadenmin
derungspflicht nicht erwartet werden, eine Psychopharmako-Therapie durchzu
führen. Mit Eingabe vom 6. Dezember 2017 (Urk. 10) legte er das im Auftrag der Krankentaggeldversicherung erstellte Gutachten von Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 23. November 2017
(Urk. 11) auf und forderte, es sei auf deren Einschätzung, wonach für die Tätigkeit als Prothesenhersteller eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, abzustellen. Mit Eingabe vom 30. April 2018 (Urk. 13) informierte der Beschwerdeführer darüber, dass sein aktueller Arbeitgeber eine Änderungskündigung erlassen habe und das Arbeitspensum per 1. August 2018 auf 40 % reduziert worden sei. Dieses Pensum entspreche seinem tatsächlichen Leistungsvermögen, was auch den beigelegten Berichten der Dres. B._ und C._ zu entnehmen sei (vgl. Urk. 14/1-3).
3.
Für die Beurteilung, ob eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszu
standes des Beschwerdeführers seit der rentenabweisenden Verfügung vom 6. Oktober 2011 (Urk.
6/59)
eingetreten ist (E. 1.1), dient das jener zugrunde lie
gende Gutachten des Y._ vom 29. März 2011 (Urk. 6/32) als zeitliche Vergleichs
basis.
Das Gutachten basierte auf internistischen, psychiatrischen und orthopädischen Untersuchungen (Urk. 6/32/1). Als Dia
gnosen mit Auswirkun
g auf die Arbeitsfä
higkeit wurden aufgeführt (Urk. 6/32/18):
-
Chronische Knieschmerzen links (ICD-10 M79.66/Z98.8)
-
Stat
us nach Kniedistorsion am 27.2.
2008
-
Status nach arthroskopischer me
dialer Teilmeniskektomie am 19.3.2008 (Dr. D._
)
-
radiologisch unauffälliger Befund postoperativ (MRI 30.06.2008)
-
radiologisch kein Hinweis für Inst
abilität (Stressaufnahmen 17.8.
2010)
-
kein Ansprechen auf intraartikuläre Infiltration am 22.10.2010 (
E._
)
-
symmetrisch frei bewegliche, praktisch reizlose Kniegelenke ohne Hin
weis für Instabilität oder Meniskusläsion
Als
Diagnosen ohne
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
nannten die Gutachter (Urk. 6/32/18 f.):
-
Leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0)
-
Panikstörung
(ICD-10
F41.0)
-
Chronische Beschwerden im Bereich der adominanten linken Schulter (ICO-10 M75.0)
-
symmetrisch frei bewegliche Schultergelenke ohne Hinweis für Impin
gement oder Läsion von Rotatorenman
schette, Labrum, Akromioklavi
kul
argelenk oder langer Bizepssehne
-
Koronare 2-Gefässerkrankung (ICD-10 I
25.1)
-
S
tatus nach Stent-I
mplantation 05/2009
-
normale linksventrikuläre Funktion (kardiologisc
he Untersuchung 10.11.2010, Dr. F._
)
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren
-
metabolisches Syndrom
-
fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (ca. 30 py) (ICD-10 F17.1)
-
Beginnendes metabolisches Syndrom
-
arterielle Hypertonie (ICD-10 110)
-
Dyslipidäm
ie
(ICD-10
E78.2)
-
unter medikamentöser Behandlung kompensiert
-
Übergewicht (BMI 29 kg/m
2
) (ICD-10 E66.0)
-
diabetische Stoffwechsellage (HbA1c 6,6%)
Die Gutachter führten in der Gesamtbeurteilung aus,
aus polydisziplinärer Sicht
sei der Beschwerdeführer in
eine
r
körperlich leichte
n
bis intermittierend mittel
schwere
n
, wechselbelastende
n
Tätigkeit zu 100
% arbeits- und leistungsfähig. Die früher ausgeübte Tätig
keit in der Kunststofffabrik sei
ihm nicht mehr zumutbar.
Aus psychiatrischer Sicht
seien
eine generalisierte Angststörung, eine Panikstö
rung und eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert
worden. Letzteres könne
bestätigt werden, wobei die depressive Symptomatik
nur leichtgradig aus
geprägt sei. Auch die Panikstörung sei
nic
ht stark ausgeprägt. Es bestünden
keine Panik
attacken. Die Arbeitsfähigkeit sei
von der
behandelnden Psychiaterin, Dr. Z._
mit 0-50
% angegeben
worden.
Aufgrund der
erhobenen Befunde könne
jedoch versicherungsmedizinisch keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit aus psychiatrischer Sicht begründet werden
(Urk. 6/32/20)
.
4
.
Den medizinischen
Akten
lässt sich
nicht entnehmen,
dass
seit dem zweiten Herz
infarkt
eine
längerdauernde
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus kardiologi
scher Sicht
bestehen würde
. Im Austrittsbericht des
G._
vom 21. Juli 2016 (Urk. 6/94/3) wurde dem Beschwerdeführer keine Arbeitsunfähigkeit
aus kardiologischer Sicht attestiert; bei seiner Argumentation
berief sich
der Beschwerdeführer
im Wesentlichen lediglich
auf die psychiatrische Beurteilung von Dr.
Z._
(vgl. Urk. 1; vgl. auch Urk. 8). Diese hielt in ihrem Bericht
vom 6. Januar 2016 (richtig: 2017) fest, es lägen gute Ergebnisse der somatischen Untersuchungen vor (Urk. 6/101/4), womit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus kardiologischer Sicht mehr gerechtfertigt ist
.
Auch d
ie Krankentaggeldversicherung ging nicht von einer massgebenden Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht aus, denn sie veranlasste einzig eine psychiatrische Begutachtung des Beschwerdeführers
bei Dr. med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (Urk. 11; vgl. auch die Eingabe des Beschwerdeführers vom 6. Dezember 2017 [Urk. 10]). Im Gutachten vom 23. November 2017 zitierte Dr.
A._
einen neuen Arztbericht des
G._
vom 26. April 2017. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurde darin
ebenfalls nicht erwähnt. Es wurde bloss festgehalten, der Beschwerdeführer sei bei hohem Lei
densdruck und fehlender Belastbarkeit stationär aufgenommen worden (vom 22. bis 26. April 2017). Man beurteile die Symptomatik im Rahmen einer stabilen Angina pectoris (Urk. 11 S. 5). Wenn der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 30. April 2018 (Urk. 13) auf die Beurteilung des behandelnden Hausarztes Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, verweist, ändert dies nichts. Dr.
B._
hatte dem Beschwerdeführer in seinem Bericht vom 12. Dezember 2016 ab dem 1. Dezember 2016 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert und festgehalten, die weitere Arbeitsunfähigkeit werde massgebend durch die behandelnde Psychiaterin attestiert (Urk. 6/96/6-7)
, womit
auch er
der Meinung war,
die Arbeitsfähigkeit werde
im Wesentlichen
durch psychische Fak
toren bestimmt. Auf seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit kann daher nicht abgestellt werden. Seit der rentenabweisenden Verfügung vom 6. Oktober 2011 (Urk. 6/59) liegt somit aus somatischer Sicht unverändert eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit in einer körperlich leichten bis intermittierend mittel
schweren, wechselbelastenden Tätigkeit vor (vgl. das Gutachten des
Y._
vom 29. März 2011
[E. 3
]).
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, ob seit der rentenabweisenden Verfügung vom 6. Oktober 2011 aus psychiatrischer Sicht eine wesentliche Veränderung eingetreten ist.
5.2
5.2.1
Dr. Z._ stellte in ihrem Bericht vom 6. Januar 2017 (Urk. 6/101/2; vgl. auch ihre Berichte vom 5. Dezember 2016 [Urk. 6/93] sowie vom 5. Januar 2017 an die Krankentaggeldversicherung [Urk. 6/101/11-16]) aus psychiatrischer Sicht die folgenden Diagnosen:
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), mittel- bis schwergradige Ausprägung
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1), derzeit mittelgradig
-
Anhaltende Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41)
Sie hielt sodann fest, der Beschwerdeführer habe im Jahr 2012 die Wiedereinglie
derung im Bereich der Implantat-Herstellung geschafft. Er habe aber unter Selbst
zweifeln gelitten und Angst davor gehabt, nicht zu genügen. Er habe ein Arbeits
pensum von 80 % erreicht und dieses bis im Juni 2016 ohne Krankheitsausfälle, jedoch unter erhöhtem intrapsychischem Stress, einhalten können. Seit dem zwei
ten Myokardinfarkt am 16. Juli 2016 habe sich sein Gesundheitszustand vor allem bezüglich der psychischen Erkrankung (Angst-, Panikstörung, Depression, körperbezogene Ängste, Zunahme von Körpersymptomen) deutlich verschlech
tert. Er habe die Arbeit ab dem 1. November 2016 wieder zu 50 % aufgenommen. Am 19. Dezember 2016 sei ihm dann aber von ihr (Dr. Z._) eine vollumfäng
liche Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, da er wegen verstärkter Angst- und Körpersymptome wiederholt die Notfallstation aufgesucht habe, sich dort gereizt, ungeduldig und unzufrieden verhalten habe, sich nicht habe beruhigen können und die somatischen Abklärungen als ungenügend empfunden habe. Der Arbeit
geber habe mitgeteilt, dass der Beschwerdeführer nach der Wiederaufnahme der Arbeit sichtbar unter Angst- und Stresssymptomen gelitten habe, dass die Quali
tät seiner Arbeit aber weiterhin gut gewesen sei (wenig Fehler). Die Quantität sei reduziert gewesen, was aber nicht zähle; der Beschwerdeführer sei motiviert und pflichtbewusst. Es bestehe keine Gefahr der Kündigung. Die schwere Erkrankung der Ehefrau ängstige den Beschwerdeführer ebenfalls, sodass bei Zustandsver
schlechterungen der Ehefrau und Hospitalisationen jeweils eine Zunahme von Angst und Stress beim Beschwerdeführer wahrnehmbar sei. Der Beschwerdefüh
rer führe die Tätigkeiten am Arbeitsplatz wechselbelastend aus, je nach den Kör
perbeschwerden, was in Ordnung sei (Urk. 6/101/3).
Dr. Z._ hielt sodann fest, trotz guter Ergebnisse der somatischen Untersu
chungen bleibe eine unkorrigierbare Interpretation der Körpersymptome als Anzeichen einer lebensbedrohlichen Erkrankung («den dritten Herzinfarkt über
lebe ich nicht mehr»). Er habe auch Angst um seine Ehefrau, welche an Krebs erkrankt sei, und um seine (jüngere) Tochter, welche an Epilepsie leide. Sodann habe er Angst vor anderen Menschen, nicht ernst genommen, ausgelacht, ausge
grenzt und kritisiert zu werden (Urk. 6/101/4). Der Beschwerdeführer habe unter dem hohen innerpsychischen Stress aufgrund seiner Krankheit einen zweiten Herzinfarkt erlitten. Dies zeige ihm jetzt auf, in welchem Teufelskreis er stecke. Wenn er sich mehr anstrenge, werde er krank. Er sei überzeugt, dass es ihn umbringe, wenn er weiterarbeite. Ebenso unkorrigierbar sei er im Rahmen seiner Angsterkrankung von der Schädlichkeit der Pharmakotherapie überzeugt, wes
halb eine angemessene Psycho- und Pharmakotherapie nicht etabliert werden könne. Er habe bereits negative Erfahrungen mit Antidepressiva gemacht (erheb
liche Nebenwirkungen (Urk. 6/101/6). Seit dem 3. Januar 2017 bestehe probe
weise eine 50%ige Arbeitsfähigkeit, welche vermutlich aber nicht stabil aufrecht
erhalten werden könne (Urk. 6/101/7 f.).
5.2.2
Gemäss dem Haushaltsabklärungsbericht vom 20. April 2017 (Urk. 6/107) schil
derte der Beschwerdeführer, er habe seine Tätigkeit in der Implantat-Herstellung im Juni 2012 mit 100 % aufgenommen, dann aber auf 80 % reduziert, da die Schichtarbeit für ihn zu belastend gewesen sei. Dieses Pensum habe er bis zum zweiten Herzinfarkt leisten können. Er habe gesundheitsbedingt keine Krank
heitstage zu verzeichnen gehabt und diese Arbeit immer sehr gerne ausgeübt. Von seinem zweiten Herzinfarkt habe er sich bis heute nicht erholen können. Seine Leistung bei der Arbeit betrage bloss circa 20-25 %, obwohl er im Januar 2017 wieder mit einem Arbeitspensum von 50 % eingestiegen sei. Bei guter Gesundheit würde er ein Arbeitspensum von 100 % bekleiden.
5.2.3
Dr. A._ hielt in ihrem psychiatrischen Gutachten vom 23. November 2017 zuhanden der Krankentaggeldversicherung die folgenden Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 11 S. 13):
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.00)
-
Somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. A._ die folgenden (Urk. 11 S. 13):
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedative und Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F13.24)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyn
drom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.24)
Dr. A._ erhob den folgenden Befund (Psychostatus): Der Beschwerdeführer sei allseits orientiert und bewusstseinsklar. Während des Explorationsgespräches hätten keine Störungen der Konzentration oder der Auffassung festgestellt wer
den können. Hinweise für Störungen der Merkfähigkeit oder des Gedächtnisses gebe es nicht. Formalgedanklich sei er klar und kohärent und nicht verlangsamt. Es gebe keine Hinweise für das Vorliegen einer psychotischen Symptomatik wie Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Es bestünden Befürchtungen in der Art, erneut einen Herzinfarkt zu erleiden und daran zu versterben. Diese Befürchtung trete mehrmals täglich auf. Zwangsgedanken oder -handlungen könnten keine exploriert werden. Affektiv sei der Beschwerdeführer leichtgradig niedergestimmt bei durchgängig erhaltener Schwingungsfähigkeit. Der Rapport sei gut herstellbar. Psychomotorisch sei er leicht angespannt. Es bestünden keine Hinweise für selbstverletzendes Verhalten. Es bestehe keine akute Eigen- oder Fremdgefährdung (Urk. 11 S. 12). Auf der Hamilton Depressionsskala erreiche der Beschwerdeführer 14 Punkte. Dieser Wert weise auf eine vergleichsweise leicht
gradige psychische Belastung hin, wobei jedoch auch subjektive Beschwerden berücksichtigt worden seien (Urk. 11 S. 13).
Seinen Tagesablauf schilderte der Beschwerdeführer Dr. A._ gegenüber wie folgt: Habe er Frühschicht, stehe er um 06.00 Uhr auf, mache seine Körperpflege, trinke einen Kaffee und esse ein gutes Frühstück. Um 07.00 Uhr besteige er den Zug. Sein Arbeitspensum betrage vier Stunden pro Tag. Nach der Arbeit fahre er nach Hause. Oft müsse er aufgrund von Atemnot und Stressgefühlen auf dem Nachhauseweg eine Pause einschalten. Zu Hause angekommen müsse er sich für rund eine Stunde hinlegen. Dies entspanne ihn, und in dieser Zeit gehe es ihm gut. Nach dieser Pause nehme er mit seiner Frau das Mittagessen ein. Am Nach
mittag erledigten er und seine Frau gemeinsam den Haushalt und er nehme Ter
mine wahr. Abends würden sie gemeinsam kochen und essen. Danach gehe er in der Wohnung hin und her. Je nachdem, wann er müde sei, gehe er zu Bett, dies könne zwischen 21.00 und 24.00 Uhr sein. Hobbies habe er keine ausser Spazie
ren. Er schaue fern oder höre Radio, wenn ihn etwas interessiere. Er arbeite nicht gerne am PC und benutze diesen nur am Arbeitsplatz. Er fahre Auto, jedoch nur in seiner Wohngegend. Den Arbeitsweg bewältige er mit dem Zug. Administrative Aufgaben erledige seine Frau (Urk. 11 S. 11 f.).
In der zusammenfassenden Beurteilung hielt Dr. A._ fest, der Vorschlag der behandelnden Ärztin, eine Medikation mit Lyrica zu installieren, sei durchaus sinnvoll. Es stünden auch andere Medikamente zur Behandlung einer Angststö
rung zur Verfügung. Dennoch könne dem Beschwerdeführer aus gutachterlicher Sicht keine Schadenminderungspflicht auferlegt werden. Der mögliche Nutzen stehe verschiedenen Nachteilen gegenüber. Aufgrund von kardialen Nebenwir
kungen sei beim Beschwerdeführer Vorsicht geboten. Beim Krankheitsbild des Beschwerdeführers handle es sich um ein langjähriges und chronifiziertes Zustandsbild, welches sowohl psychotherapeutisch als auch psychopharmakolo
gisch nur schwer zu beeinflussen sei. Die regelmässige und langfristige Einnahme von Benzodiazepinen (Temesta) sei nicht zu empfehlen. Es bestehe die Gefahr einer Abhängigkeit, zudem seien Benzodiazepine in der Behandlung von Angst- und Panikstörungen höchstens als Notfallmedikation indiziert. Trotz der langjäh
rigen Einnahme von Temesta habe der Beschwerdeführer die vergleichsweise niedrige Tagesdosis jedoch nicht gesteigert (Urk. 11 S. 14-17).
Dr. A._ gelangte zum Schluss, es sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % anzunehmen. Im Bereich Haushalt bestehe keine relevante Einschränkung (Urk. 11 S. 17).
5.3
5.3.1
Dr.
A._
konnte
anlässlich ihrer Untersuchung vom 10. November 2017, pas
send zum von ihr erhobenen Psychostatus,
lediglich eine leichtgradige depressive Symptomatik feststellen (E.
5.2.3
), ebenso wie bereits die Gutachter des
Y._
im
Erstanmeldungsverfahren (E. 3
). Sodann wurde unverändert eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) diagnostiziert, welche eine generalisierte Angststörung
, welche von Dr. H._ zusätzlich gestellt wurde,
als weitere Hauptdiagnose
aber
aus
schliesst (vgl. Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifikation psychi
scher Störungen, ICD-10 Kapitel V, Klinisch-diagnostische Leitlinien, Dil
ling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], 10. Aufl., Bern 2015, Ziff. 41.1 S. 199).
In Abwei
chung vom Gutachten des Y._ stellte Dr. A._ die Diagnose einer
somatofor
me
n
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass sich die Gutachter des Y._ mit der von Dr. Z._ bereits im Bericht vom 24. September 2010 (Urk. 6/14/3) gestellten Diagnose einer anhaltenden Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Anteilen (ICD-10 F45.42) auseinandergesetzt und diesbezüglich festge
halten hatten, eine zusätzliche Schmerzstörung könne nicht diagnostiziert wer
den; im Rahmen der psychischen Störungen sei eine Somatisierung mit subjektiv verstärkten Schmerzen möglich (Urk. 6/32/12).
5.3.2
Unabhängig von der klassifikatorischen Einordnung einer Krankheit resultiert aus einer Diagnose allein – mit oder ohne diagnoseinhärenten Bezug zum Schwere
grad – allerdings noch keine verlässliche Aussage über das Ausmass der mit dem Gesundheitsschaden korrelierenden funktionellen Leistungseinbusse bei psychi
schen Störungen (BGE 143 V 418 E. 6).
Die psychischen Leiden sind einem struk
turierten Beweisverfahren zu unterziehen, wobei es je nach Krankheitsbild allen
falls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedarf. Die Abklärungen enden stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 1.2.2; vgl. auch das Urteil des Bun
desgerichts 8C 409/2017 vom 21. März 2018 E. 4.3).
5.3.3
Die Beurteilung von Dr. H._ ist somit einer Prüfung zu unterziehen. Hierbei ist zunächst darauf hinzuweisen, dass gemäss ihrem Gutachten keine ausgeprägte Schmerzstörung vorliegen kann. Zum einen leidet der Beschwerdeführer nicht unter permanenten Schmerzen; wenn er sich beispielsweise nach der Arbeit zu Hause für rund eine Stunde hinlegt, geht es ihm gemäss eigener Angabe gut (Urk. 11 S. 11). Zum anderen stehen nicht die Schmerzen als solche im Vorder
grund, sondern die durch die Schmerzen ausgelösten Befürchtungen, wieder einen Herzinfarkt zu erleiden (vgl. Urk. 11 S. 10 f.). Wenn Dr. A._ ausführt, es bestünden Befürchtungen, erneut einen Herzinfarkt zu erleiden und daran zu versterben, wobei diese Befürchtungen mehrmals täglich aufträten (Urk. 11 S. 12), lässt sich damit auch keine ausgeprägte Panikstörung begründen. Befürch
tungen erreichen nicht die Qualität von eigentlichen Angstattacken. Bereits die Gutachter des Y._ gelangten zum Schluss, es bestünden keine Panikattacken, weshalb sie die Panikstörung bei den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einordneten (Urk. 6/32/21). Kommt hinzu, dass auch die
depres
sive Symptomatik
von Dr. A._ als bloss
leichtgradig
ausgeprägt qualifiziert wurde.
Der vom Beschwerdeführer gegenüber Dr. A._ geschilderte Tagesablauf (E. 5.2.3) deutet sodann auf genügende persönliche Ressourcen hin. Das Aktivi
tätsniveau ist insgesamt kaum eingeschränkt, gab der Beschwerdeführer doch sel
ber an, sein Antrieb sei vorhanden; er gehe von Montag bis Freitag arbeiten, erledige gemeinsam mit seiner Ehefrau den Haushalt und gehe einkaufen. Ab und zu gehe er alleine oder mit einem Kollegen spazieren. Er lasse seine Frau jedoch nicht gerne alleine zu Hause (Urk. 11 S. 11). Dass sich das soziale Netz verkleinert hat, mag zutreffen. Dies ist aber nicht als limitierender Faktor im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit zu werten, denn ein ausgeprägter Rückzug ist nicht erkennbar: Es bestehen nach wie vor eine sehr gute Beziehung zur Ehefrau, ein sehr guter Kontakt zu den beiden Töchtern und ein guter Kontakt zu den fünf noch lebenden Geschwistern (Urk. 11 S. 8). Darüber hinaus verfügt der Beschwer
deführer über Kollegen, mit denen er spazieren geht (Urk. 11 S. 11).
Angesichts des kaum eingeschränkten Aktivitätsniveaus ist der insgesamt bloss leicht ausgeprägten psychischen Symptomatik keine
ressour
cenhemmende Wir
kung beizumessen. Es fehlt auch an einer rechtlich bedeutsamen Komorbidität der somatoformen Schmerzstörung.
5.4
5.4.1
Was die Beurteilung der
behandelnde
n
Ärztin Dr.
Z._
anbelangt, so ist darauf hinzuweisen, dass sich die von ihr gestellten Diagnosen seit dem Erstanmeldungs
verfahren nicht verändert haben
(vgl. Urk.
6/14/3, Urk. 6/49/1 und E. 3.2.1
)
. Sie ging bereits damals, das heisst nach dem ersten Herzinfarkt vom 11. Mai 2009,
von einer Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Bereich von 0 bis 50 %
aus
: Im Bericht vom 24. September 2010 hielt sie fest, es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit; möglicherweise könne der Beschwerdeführer in sechs bis zwölf Monaten in eine angepasste Tätigkeit zu circa 50 % reintegriert werden (Urk. 6/14/7). In ihrer Stellungnahme vom 24. August 2011 erachtete sie eine angepasste Tätigkeit (noch immer) als nicht zumutbar (Urk. 6/49/4).
Sie beschrieb sodann
ähnliche Befunde wie
heute, wobei bereits damals die Angst des Beschwerdeführers vor einem erneuten Herzinfarkt im Vordergrund gestanden haben soll
(Urk. 6/14/5).
Obwohl Dr. Z._ in ihrer Stellungnahme vom 24. August 2011 die Einschätzung der Y._-Gutachter in Frage stellte (Urk. 6/50), wurde letztere schliesslich bestätigt: Der Beschwerdeführer trat per 1. Juni 2012 eine neue Arbeitsstelle an (vgl. den Arbeitgeberfragebogen vom 16. Dezember 2016 [Urk. 6/98]) und war in der Lage, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kommen zu erzielen, weshalb er die Beschwerde gegen die rentenablehnende Ver
fügung der Beschwerdegegnerin vom 6. Oktober 2011 beim hiesigen Gericht am 10.
April 2013
wieder zurückzog.
Es lässt sich sodann nicht nachvollziehen, worauf
Dr.
Z._
in
ihrem Bericht vom 6. Januar 2017
hinauswill, wenn sie angibt, der Beschwerdeführer habe unter dem hohen innerpsychischen Stress aufgrund seiner Krankheit einen zwei
ten Herz
infarkt erlitten (Urk. 6/101/6)
. Dass der zweite Herzinfarkt durch psychi
schen Stress ausgelöst worden sein soll,
stellt eine Mutmassung dar, steht doch
der jahrelange Nikotinabusus
als Risikofaktor im Vordergrund.
In der Such
tmit
telanamnese von Dr. A._
gab der Beschwerdeführer an, er konsumiere aktuell Tabak in Form von 5-6 Zigaretten pro Tag. Seit dem Jahr 2016 gelinge es ihm, diese Menge nicht zu überschreiten. Bis zum Jahr 2016 (den zweiten Herzinfarkt erlitt der Beschwerdeführer am 16. Juli 2016) habe er «ohne Grenzen, bis 2 Päck
chen pro Tag» geraucht (Urk. 11 S. 10; vgl. dazu auch die passende Angabe der Ehefrau des Beschwerdeführers in Urk. 6/94/6).
Dass der Beschwerdeführer nach Antritt der neuen Stelle als Prothesen-Hersteller unter hohem innerpsychischem Stress gelitten haben soll, lässt sich im Übrigen nicht einmal den eigenen Aussa
gen des Beschwerdeführers anlässlich der Haushaltsabklärung vom 19. April 2016 entnehmen. Der Beschwerdeführer gab an, er habe das Arbeitspensum bis zum zweiten Herzinfarkt leisten können. Er habe gesundheitsbedingt keine Krankheitstage zu verzeichnen gehabt und diese Arbeit immer sehr gerne ausge
übt (E. 5.2.2).
Wenn Dr. Z._ nach dem zweiten Herzinfarkt praktisch wieder dieselbe Ein
schätzung vornimmt wie nach dem ersten Herzinfarkt, liegt lediglich
eine andere Beurteilun
g eines unveränderten Sachver
haltes
vor.
In diesem Zusammenhang ist auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351
E.
3b/cc).
5.4.2
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (Urk. 2) handelt es sich bei der Tätigkeit als Prothesenhersteller um eine angepasste Tätigkeit, welche wechsel
belastend und in einem wohlwollenden Arbeitsklima ausgeübt werden kann. Dies belegen insbesondere die Ausführungen des Arbeitgebers gegenüber der behan
delnden Psychiaterin (Urk. 6/101/3 f.) und auch die eigenen Angaben des Beschwerdeführers (E. 5.2.2).
5.5
Nach dem Gesagten ist
auch
aus psychiatrischer Sicht keine wesentliche Verän
derung der tatsächlichen Verhältnisse seit der rentenabweisenden Verfügung vom
6. Oktober 2011
festzustellen.
6.
Mangels Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse sind keine weiteren Abklä
rungen vorzunehmen. Auch erübrigt sich ein neuer Einkommensvergleich.
Die Beschwerde erweist sich
als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
7
.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 7
00.-- fe
stzulegen und ausgangsgemäss vom
Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).