Decision ID: 70f268d7-78c7-4779-9e51-dd8e2833c529
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1956
, ist sei
t 2016 Geschäftsführer der Y._
AG und
war
dadurch bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Mobiliar
) gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als er am 2
3.
Oktober 2019
eine Verletzung an
der linken Achillessehne
erlitt (Urk.
8/2
/
1-
2).
Mit Verfügung vom
9.
März 2020
(Urk. 8/
1/29
) lehnte
die Mobiliar
ihre Leistungspflicht ab. Die dagegen am
9.
März 2020 erhobene
Einsprache
(
Urk.
8/1/36) wies die Mobiliar
mit Ein
spracheentscheid vom 1
5.
Oktober 2020
ab (Urk.
8/
1/55
= Urk. 2).
2.
Am 1
2.
November
2020 erhob der Versicherte Beschwerde gegen den Einspra
che
entscheid vom 1
5.
Oktober 2020
(Urk. 2) und beantragte
, dieser sei aufzu
heben und es sei festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin in unfallversiche
rungsrechtlicher Hinsicht leistungspflichtig sei (
Urk.
1
S. 2
Ziff.
1 und 2).
Mit
Eingabe vom 1
1.
Dezember 2020 (
Urk.
7) reichte die Beschwerdegegnerin die Akten ein und verzichtete vorerst auf das Einreichen einer Beschwerdeantwort. Mit Replik vom
4.
Februar 2021 (
Urk.
11) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest.
Mit Duplik vom 2
0.
April 2021 (
Urk.
17) beantragte die Beschwer
degegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 2
8.
April 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistun
gen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermu
tung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwie
gend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss BGE 146 V 51 ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Versicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versicherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallversi
cherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beurtei
lenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehen
den Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweis
kräftige ärztliche Einschätzungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwie
gend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus
unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (E. 8.6).
1.3
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegrün
dende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallver
sicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rück
fällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine vel ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und
keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) damit,
dass sich dem geschilderten Ereignishergang kein ungewöhnlicher äusserer Faktor im Rechtssinne entnehmen lasse, weshalb der Unfallbegriff zu verneinen sei (S. 5).
Es sei weiter zu prüfen, ob eine unfallähnliche Körperschädigung gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG bejaht werden könne. Eine Listenverletzung liege vor. Mit Aktengutachten vom September 2020 weise
Dr.
med. Z._
darauf hin, dass beidseits im Bereich der Achillessehnen ein Vorzustand aktenkundig sei (S. 5 f.).
Der geschilderte Unfallmechanismus sei gestützt auf wissenschaftliche Literatur zur Verursachung einer Achillessehnenruptur zweifelsfrei nicht geeignet.
Bei derartigen Schäden müssten damit innere Ursachen (Degeneration) sowie lokale allgemeine Erkrankungen des Muskel-Sehnen-Systems als ursächlich in Betracht gezogen werden. Vorliegend sei insbesondere bei einer
Tendinose
und der kalzi
fizierenden Tendinopathie, wie im Bericht von
Dr.
med.
A._
vom September 2019 dokumentiert, zweifelsfrei von einer vorbestehenden Texturstörung der Achillessehne auszugehen.
Die Beurteilung von
Dr.
Z._
sei umfassend und die Schlussfolgerungen seien nachvollziehbar und klar begründet. Es sei darauf abzustellen. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass das Ursachenspektrum der beim Beschwerdeführer festgestellten Achillessehnenruptur links ausschliesslich auf Elemente zurückzuführen seien, die für Abnützung oder Erkrankung sprächen. So fehle es bereits an einem geeigneten Unfallmechanismus, welcher eine derartige Ruptur überhaupt verurs
achen könnte. Sodann seien bildgebend sowohl magnetresonanztomographisch als auch intraoperativ Befunde erhoben worden, die mit einer unfallkausalen Achillessehnenruptur nicht zu vereinbaren wären (S. 7).
Die Voraussetzungen von
Art.
6
Abs.
2 lit. f UVG seien somit nicht erfüllt (S. 8).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer geltend (
Urk.
1), die Beschwerdegegnerin habe zu Unrecht das Vorliegen eines Unfalles und auch zu Unrecht die Voraus
setzungen von
Art.
6
Abs.
2 lit. f UVG verneint. Es sei mithin davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin in unfallversicherungsrechtlicher Hinsicht leistungspflichtig sei (S. 7).
Mit Replik machte er geltend, in der Aktennotiz der Beschwerdegegnerin vom 2
5.
Februar 2020 seien nicht alle relevanten Informa
tionen enthalten. Zu ergänzen sei der rechtsrelevante Sachverhalt insofern, als er begleitet von einem heftigen Knall und stichartigen Schmerzen in der Ferse blitz
artig nach unten auf den tieferliegenden Treppentritt abgeglitten und gestolpert sei. Dank einer reflexartigen Bewegung mit dem rechten Bein habe ein Sturz verhindert werden können. Gestützt auf diesen komplettierten Unfallhergang sei erstellt, dass es sich beim Ereignis vom 2
3.
Oktober 2019 um ein Unfallereignis im Rechtssinne handle (
Urk.
11 S. 2). Diesbezüglich sei auch auf die vorliegenden Akten hinzuweisen, wonach der operierende Chirurg
Dr.
med.
B._
bereits schriftlich und aktenkundig festgestellt habe, dass die beim Beschwerdeführer vorliegende Verletzung nur durch ein Unfallereignis habe entstehen können
(S. 3)
.
2.3
Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der Verneinung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin.
3.
3.1
Dr.
med. A._
, Facharzt für Rheumatologie, nannte in seinem Bericht vom 2
2.
August 2019 (
Urk.
8/3/13) folgende Diagnosen:
-
rezidivierende Rückfussirritationen beidseits, teils rechts-, teils linksbetont
-
Enthesitis
der Achillessehnen, interkurrent leichte
Fasciitis
plantaris
, Senkspreizfusstendenz
-
sonografisch
beidseits
Subk
u
tanödem
, beidseits degenerative Vergröberungen am Sprung- und den
Intertarsalgelenken
, links minim Flüssigkeit im oberen Sprunggelenk (OSG) und vereinzelt
intertarsal
, keine
Synovitiszeichen
, Achillessehne beidseits distal etwas verdickt und inhomogen mit echoreichen streifigen und punktförmigen Einla
gerungen, rechts und fraglich auch links Inhomogenität am Ansatz, Differentialdiagnose Partialläsion der Sehne,
Haglund-Exostose
beid
seits, deutliche Bursitis
subachillea
beidseits linksbetont, übrige Sehnenverläufe
perimalleolär
unauffällig (September 2019)
-
mässige Hyperurikämie, möglicherweise symptomatisch
-
keine entzündliche humorale Aktivität, Rheumafaktoren/Anti-CCP/ANA alle negativ
-
rezidivierendes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
-
koronare Ein-Gefäss-Erkrankung
-
Übergewicht
-
rezidivierendes Gesichtsekzem,
Rhinophym
-
Status nach
Hemikolektomie
links bei Kolonkarzinom 2007
-
l
eichter Heuschnupfen
Er führte aus,
vor Jahren sei ein intermittierendes schmerzhaftes Ziehen im Bereich der Waden und Fusssohlen beidseits rechtsbetont aufgetreten, unter Magnesium sei es rückläufig gewesen. Seit Mai 2019 bestünden erneut akzentu
ierte Wadenschmerzen und interkurrente wechselhafte Schmerzen an den Fuss
sohlen, später eher an den Achillessehnen beidseits rechtsbetont (S. 1).
Physio
therapie habe bis vor einem Monat stattgefunden, aktuell sei diese pausiert. Nach anfänglicher Besserung unter intensiver Behandlung sei es in den letzten Tagen wieder zu einer Schmerzzunahme gekommen. Es sei am 1
7.
September 2019 mit Einverständnis des Beschwerdeführers
sonografisch
gezielt eine Infiltration an den Achillessehnenansatz beziehungsweise in die Bursa
subachillea
beginnend links durchgeführt worden. Je nach Verlauf und Restschmerzen könnte die Infilt
ration auch rechts Sinn machen
(S. 2).
3.2
Dr.
med. C._
, Facharzt für Radiologie, berichtete am
4.
September 2019 (
Urk.
8/3/14) über das am gleichen Tag durchgeführte Röntgen des
Calcaneus
sowie der Füsse und
nannte als Befund unter anderem beidseits einen kleinen Fersensporn, links assoziierte kleine Weichteilverkalkungen, beidseits eine mässig kräftige Weichteilverdickung über dem
Tuber
calcanei
, vereinbar mit einer chronischen
Ansatztendinopathie
der Achillessehne.
3.3
Dr.
A._
berichtete am 1
7.
September 2019 (
Urk.
8/3/15) über die gleichen
tags durchgeführte Ultraschalluntersuchung der oberen Sprunggelenke und führte aus, es bestünden beidseits ein
Subkutanödem
, beidseits degenerative Vergröberungen am Sprung- und den
Intertarsalgelenken
, links minim Flüssig
keit im OSG und vereinzelt
intertarsal
, keine
Synovitiszeichen
, Achillessehne beidseits distal etwas verdickt und inhomogen mit echoreichen streifigen und punktförmigen Einlagerungen, rechts und fraglich auch links Inhomogenität am Ansatz, Differentialdiagnose Partialläsion der Sehne,
Haglund-Exostose
beidseits, deutliche Bursitis
subachillea
beidseits linksbetont,
die
übrige
n
Sehnenverläufe
perimalleolär
seien
unauffällig.
3.4
Die Ärz
te des Kantonsspitals D._
berichteten am 2
4.
Oktober 2019 (
Urk.
8/3/1) über das Röntgen des OSG sowie den Ultraschall der linken Achilles
sehne vom gleichen Tag und führten aus, es bestehe eine hochgradige Partial
ruptur der Achillessehne, insbesondere im medialen Anteil mit
intratendinösen
Hämatomen.
Sonografisch
bestehe kein Hinweis auf eine sekundäre
Ruptur
ursache
. Bezüglich dieser Frage sollte jedoch nach Abklingen der Beschwerden eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden.
3.5
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, berichtete am 2
9.
Oktober 2019 (
Urk.
8/3/3)
über die gleichentags durchgeführte Achillessehnenrekonstruktion links mit
transossärer
Refixation
am
Calcaneus
bei der Diagnose einer ansatz
nahen, distalen, hochgradigen (90
%
) Achillessehnenruptur links
und führte aus, der Beschwerdeführer sei schon seit einiger Zeit in Behandlung wegen
Achillo
dynien
. Am Abend des 2
3.
Oktober 2019 sei er beim Treppensteigen abgerutscht und habe sich beim Sturz ein maximales Dorsalextensionstrauma des linken Fusses zugezogen, dabei habe es einen Knall gegeben und er habe Schmerzen in der Ferse und Schwierigkeiten beim Gehen gehabt.
Klinisch zeige sich eine Delle knapp über dem
Calcaneus
, hier zeige sich auch schon eine
hämatöse
Verfärbung. Die Abklärungen mittels Ultraschall hätten die Achillessehnenruptur bestätigt, zusätzlich zeige sich radiologisch noch ein dorsaler Fersensporn, ventral etwas kleiner.
3.6
In der Unfallmeldung vom
5.
November 2019 (Urk. 8/2/1-2) wurde das Ereignis vom 2
3.
Oktober 2019 wie folgt beschrieben (Ziff. 6): «Beim Materialtransport auf einer Treppe mit dem linke Fuss schlecht aufgetreten und bei der folgenden Belastung mit der Ferse eingebrochen». Die Verletzung betreffe den linken Unter
schenkel, die Achillessehne sei abgerissen (Ziff. 9).
3.7
Dr.
B._
berichtete am 2
7.
November 2019 (
Urk.
8/3/9)
und führte aus, vier Wochen postoperativ zeige sich eine strichförmige Wunde, welche reizlose verheilt sei. Es könne schon problemlos aktiv eine 90°-Dorsalextension ohne grössere Schmerzen erreicht werden. Es zeige sich ein unkomplizierter post
operativer Verlauf. Die Belastung könne nach Massgabe der Schmerzen erfolgen.
3.8
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Chirurgie und Traumatologie,
beratende Ärztin der Beschwerdegegnerin, nahm am 1
1.
Dezember 2019 Stellung (
Urk.
8/3/11) und führte aus, es bestehe beim Beschwerdeführer ein Vorzustand. Er sei seit Januar 2019 bei
Dr.
A._
in Behandlung wegen
Achillodynien
. Radiologisch zeige sich ein dorsaler Fersensporn.
Eventuell sei eine Therapie mit Kortison-Spritzen
peritendinös
erfolgt. Dann sei eine iatrogene Sehnenläsion wahrscheinlich. Es seien Berichte über die Behandlung wegen
Achillodynien
anzufordern.
3.9
Dr.
A._
berichtete am 2
1.
Januar 2020 (
Urk.
8/3/17) und führte aus,
der Beschwerdeführer habe anlässlich der Fussdistorsion links am 2
1.
(richtig: 23.)
Oktober 2019 eine Achillessehnenruptur links erlitten, welche operativ versorgt worden sei mit anschliessender Ruhigstellung im
VacoPed
-Schuh. Diesbezüglich
hätten sich die Irritationen am linken
Rückfuss
allmählich zurückgebildet. Wahr
scheinlich durch Entlastung/
Umbelastung
seien im Verlauf vermehrt Schmerzen im Bereich des Achillessehnenansatzes rechts sowie später auch am Mittelfuss links aufgetreten.
In der klinischen Verlaufskontrolle habe eine Druckdolenz und leichte Schwellung über der distalen Achillessehne rechts ohne Kontinuitäts
unterbruch bestanden. Der
Kalkaneus
und das Sprunggelenk seien reizlos. Nach der operativen
Refixation
der Achillessehnenruptur links im Oktober 2019 sei der Verlauf diesbezüglich weitgehend regelrecht mit
regredienten
Rückfussirri
tationen links. Bei demnächst geplanter Nachkontrolle mit Röntgen-Stellungs
kontrolle beim Operateur könnte bei der Gelegenheit ergänzend ein Röntgen des linken Vorfusses erfolgen, mit der Frage nach allfälligen ossären Läsionen oder ausgeprägten degenerativen Veränderungen als Schmerzursache links.
3.10
Dr.
E._
nahm am 2
9.
Januar 2020 erneut Stellung (
Urk.
8/3/18) und führte aus, es bestünden beim Beschwerdeführer Vorzustände. Die gesundheitliche Störung gehe nicht überwiegend wahrscheinlich, sondern nur möglicherweise auf das Ereignis vom Oktober 2019 zurück. Seit Mai 2019 bestünden erneut akzen
tuierte Wadenschmerzen und interkurrente wechselhafte Schmerzen an den Fuss
sohlen, später eher an den Achillessehnen beidseits rechtsbetont sowie intermit
tierende leichtere Schwellungen.
Im Röntgen vom September 2019 bestünden links assoziierte kleine Weichteilverkalkungen sowie beidseits eine mässig kräf
tige Weichteilverdickung über dem
Tuber
calcanei
, vereinbar mit einer chroni
schem
Ansatztendinopathie
der Achillessehne. Es bestehe zirka eine acht- bis zehnwöchige Arbeitsunfähigkeit, allerdings krankheitsbedingt, kein Unfall.
3.11
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, nahm am
4.
März 2020 Stellung (
Urk.
8/3/19) und führte aus, es liege eine Körperschädigung nach
Art.
6
Abs.
2 lit. f UVG vor. Diese sei vorwiegend (mehr als 50
%
) auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen. Es bestünden rezidivierende
Achillodynien
seit Januar 2019.
3.12
Dr.
Z._
erstattete am 2
7.
September 2020 ein Aktengutachten (
Urk.
8/3/42) und führte aus,
der Beschwerdeführer habe sich nach Kenntnis der zeitnahen medizi
nischen Berichte am 2
3.
Oktober 2019 beim Begehen einer Treppe eine Achilles
sehnenruptur links zugezogen. Laut Aktennotiz der Beschwerdegegnerin sei es nicht zu einem Sturz gekommen. Der Beschwerdeführer habe mit den Zehen
spitzen auf einer Stufe gestanden, beim Belasten sei der Fuss eingesackt.
In der Erstuntersuchung vom 2
4.
Oktober 2019 beschreibe der Hausarzt eine Delle am Ansatz der linken Achillessehne mit
Hämatomverfärbung
und positivem Thomp
son-Test. Die Ruptur werde im Ultraschall gesichert. Der oben dokumentierte Hergang der Aktennotiz sei nach Kenntnis der wissenschaftlichen Literatur ohne
Zweifel nicht geeignet, eine traumatische Achillessehnenruptur verursachen zu können. Der Hergang entspreche einer alltäglichen Verrichtung.
In diesem Schadenfall liege ein dokumentierter Vorzustand der linken und rechten Achillessehne zugrunde.
Der Rheumatologe
Dr.
A._
behandle den Beschwerdeführer nach Kenntnis des Berichts vom 1
7.
September 2019 bereits vor dem Ereignis wegen intermittierendem, schmerzhaftem Ziehen im Bereich der Wade und Fusssohlen beidseits. Seit Mai 2019 bestünden akzentuierte Waden
schmerzen und wechselhafte Schmerzen an den Fusssohlen und an der Achilles
sehne beidseits (S. 4).
Am 1
7.
September 2019 sei eine gezielte
Kortisoninfiltration
an den Achilles
sehnenansatz links erfolgt. Gemäss wissenschaftlicher Literatur lägen geeignete Mechanismen vor, die eine Ruptur der Achillessehne verursachen könnten, so zum Beispiel Abstossbewegungen beim Sport, ruckartiges Anschieben eines Gegenstandes, plötzliche Dorsalextension bei vorgespannter Wade beim Aufkom
men nach einem Sprung oder eine plötzliche Dorsalextension des fixierten Fusses beim Tritt in ein Erdloch oder bei einem Fall
treppabwärts
.
Eine plötzliche Kraftanstrengung sei keine Unfallursache, da die Zugfestigkeit der Sehne grösser sei als die vom Muskel aufgebrachte Kraft.
Es bedürfe der Abgren
zung des Schadens aus innerer Ursache (Degeneration) sowie der Abklärung lokaler und allgemeiner Erkrankungen des Muskel-Sehnen-Systems.
Im Falle einer Ruptur der Achillessehne wären eher knöcherne
ligamentäre
Begleitverlet
zungen des Bandapparates beziehungsweise Frakturen am OSG zu erwarten. Die im OP-Bericht beschriebene Achillessehnenruptur liege an der Kreuzungsstelle der Sehnenfasern proximal vor dem Ansatz beziehungsweise am medialen Achil
lessehnenansatz am
Calcaneus
der USG-Achse und stelle eine der Schwachstellen der Achillessehne dar.
Insbesondere bei einer
Tendinose
und der kalzifizierenden
Tendopathie
, wie sie im Bericht von
Dr.
A._
vom 1
7.
September 2019 und bildgebend beschrie
ben worden seien, sei ohne Zweifel von einer vorbestehenden Texturstörung der Achillessehne auszugehen. In diesem Zusammenhang sei vor allem auf die
Kortisoninfiltration
vom September 2019 an den linken Achillessehnenansatz hinzuweisen. Die Lokalisation entspreche exakt der Region der Achillessehnen
ruptur links vom 2
3.
Oktober 201
9.
Der wissenschaftliche Zusammenhang zwischen lokalen
Kortisoninjektionen
und spontanen Sehnenrupturen sei hinlänglich bekannt (S. 5 f.).
Zusammenfassend sei festzustellen, dass aufgrund des nicht geeigneten Hergangs des Ereignisses vom 2
3.
Oktober 2019, aufgrund des nachgewiesenen erheblichen
Vorzustandes einer
Tendinose
beziehungsweise kalzifizierender
Tendopathie
der Achillessehne links di
e Ruptur der Achillessehne links
nur möglicherweise in natürlichem Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 2
3.
Oktober 2019 stehe
. Hinsichtlich einer L
istenverletzung sei zu konstati
eren, dass eine Listenverletzung lit. f vorliege. Diese sei jedoch zu über 50
%
auf eine Abnützung zurückzuführen
(S. 6).
4.
4.1
Bei der strittigen Verletzung handelt es sich um eine
Partialruptur der Achilles
sehne links, weshalb Dr.
Z._
von einer Listendiagnose ge
mäss Art. 6 Abs. 2 UVG ausging (vgl. vorstehend E. 3.
11 und E. 3.12
). Dies ist unbestritten.
4.2
Gemäss BGE 146 V 51 hat der Unfallversicherer nach Meldung einer Listen
ver
letzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG in der seit 1. Januar 2017 geltenden Fassung die genauen Begleitumstände abzuklären. Ist somit die Listenverletzung auf ein Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG zurückzuführen, so ist der Unfall
ver
sicherer solange leistungspflichtig, bis der Unfall nicht mehr die natürliche und
adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und aus
schliess
lich auf unfallfremden Ursachen beruht. Sind hingegen nicht sämtliche Kriterien des Unfallbegriffs nach Art. 4 ATSG erfüllt, so wird der Unfallver
si
cherer für eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG grundsätzlich leistungs
pflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Verletzung vor
wiegend auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen ist (E. 9.1). Der Ent
lastungsbeweis des Unfallversicherers ist erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung beruht (E. 8.2.2.1, E. 8.6).
4.3
Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der versi
cherten Person glaubhaft zu machen. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen
des Unfallbegriffs erfüllt sind
(BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b; Urteil des Bundesgerichts 8C_358/2016 vom 28. September 2016 E. 3.4 mit Hinweisen).
4.4
Der Unfallhergang
wird in den Akten wie folgt beschrieben:
«
Beim Material
transport auf einer Treppe mit dem linken Fuss schlecht aufgetreten, bei der folgenden Belastung mit der Ferse eingebrochen» (Unfallmeldung vom
5.
November 2019; vgl. vorstehend E. 3.6).
Zur Abklärung des Unfallhergangs befragte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer telefonisch. Der Akten
notiz dazu (
Urk.
8/2/3) ist folgendes zu entnehmen: «
Es war spät abends, 21.00 Uhr, in einer Waldhütte. Zum Eingang befindet sich eine Betontreppe mit drei Stufen, zirka 20 cm hoch. Er war dabei Material (Harassen, Geschirr, Essen) vom
Haus zum Auto und retour zu transportieren, dabei musste er immer über die Betontreppe laufen. Beim dritten Mal ist er mit dem linken Fuss lediglich mit den Zehenspitzen auf die Stufe getreten, dann wollte er mit dem rechten Fuss nach
gehen beziehungsweise aufsteigen und aufgrund der Belastung (er ist mit links nicht fest genug gestanden, die Ferse befand sich in der Luft hinter der Stufe, nur die Zehenspitzen auf der Stufe) ist er nachgesackt».
4.
5
D
ie Aussagen des Beschwerdeführers zum Ereignis
hergang weisen von ihrem inhaltlichen Gehalt her keine wesentlichen Wider
sprüche auf und erscheinen als glaub
würdig. Da sodann keine gewichtigen Indizien vorliegen, die ernst
hafte Zweifel an ihrer Richtigkeit zu begründen ver
möchten, kann insoweit vorliegend darauf abgestellt werden. Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen des Beschwerdeführers zum Ereignis
hergang ist daher davon auszugehen, dass
er
anlässlich des Ereignisses vom 2
3.
Oktober 2019
mit dem linken Fuss lediglich mit den Zehenspitzen auf die Treppe kam und in der Folge aufgrund der Belastung mit der Ferse
abgesackt
ist.
4.
6
Nach der Rechtsprechung bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwir
kungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom 17. September 2020 E. 4.2 mit Hinweisen).
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein unge
wöhnlicher Faktor (Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 130 V 117 E. 2.1). Ohne besonderes Vorkomm
nis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hinweis).
4.
7
Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors ka
nn, wie erwähnt (vorstehend E. 4
.
5
), in einer unkoordinierten Bewe
gung bestehen, wobei der ungewöhnliche äussere Faktor in solchen Fällen darin liegt, dass die körperliche Bewegung durch etwas „Programmwidriges" gestört wird, was beispielsweise dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert, aus
gleitet oder an einem Gegenstand anstösst, oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 420, U 114/97 E. 2b mit Hinweisen). Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_749/2008 vom 15. Januar 2009 E. 3.2).
4.
8
Dr.
Z._
nennt in seinem Aktengutachten als eine der möglichen Ursachen für eine Achillessehnenruptur eine plötzliche Dorsalextension bei vorgespannter Wade beim Aufkommen nach einem Sprung oder eine plötzliche Dorsalextension des fixierten Fusses beim Tritt in ein Erdloch oder bei einem Fall
treppabwärts
(vgl. vorstehend E. 3.12). Wenn der B
eschwerdeführer demnach
nur mit den Zehen statt dem ganzen linken Fuss, und zusätzlich mit einer Last auf den Armen, auf der Stufe auftrat und somit mit dem linken Fuss keinen Halt hatte bezie
hungsweise in der Luft hing, als er den rechten Fuss nachzog, scheint es vorlie
gend überwiegend wahrscheinlich, dass eine plötzliche D
orsalextension
und eine entsprechende Verletzung der A
chillessehne entstehen kann
, insbesondere wenn diese bereits vorgeschädigt
war
, was unbestritten ist.
Entgegen der Beurteilung von
Dr.
Z._
handelte es sich
gerade
nicht um ein normales «Begehen der Treppe» (vgl. vorstehend E. 3.12). Zeitnah zum Unfallereignis hielt
Dr.
B._
fest, der Beschwerdeführer sei beim Treppensteigen abgerutscht und habe sich beim Sturz (der jedoch nicht stattfand) ein maximales Dorsalextensionstrauma des linken Fusses zugezogen (vgl. vorstehend E. 3.5).
Diese Angaben zum Unfallhergang wurden von
Dr.
Z._
in seinem Aktengut
achten (vgl. vorstehend E. 3.12) nicht berücksichtigt und auch nicht gewürdigt. Angesichts dieser Umstände ist offenkundig, dass der Einschätzung von Dr.
Z._
zur Unfallkausalität Zweifel anhaf
ten, womit darauf nicht abgestellt werden kann (vgl. vorstehend E. 1.5).
In Würdigung der gesamten Umstände ist vorliegend davon auszugehen, dass anlässlich des Ereignisses vom 2
3.
Oktober 2019 der normale Bewegungsablauf beim Treppengehen durch eine unkoordinierte Bewegung im Sinne eines «nicht richtig Treffens» der Treppenstufe mit dem linken Fuss gestört wurde.
Dieses
Geschehen stellt eine Programmwidrigkeit dar, welche den normalen Bewegungs
ablauf beim Treppengehen unterbro
chen hat. Demzu
folge ist der äussere Faktor in der Veränderung zwi
schen dem Körper des Be
schwerdeführers und der Aussenwelt auf Grund dieser Programmwidrigkeit als aussergewöhnlich zu qualifizieren.
4.
9
Nach Gesagtem ist der ungewöhnliche äussere Faktor als gegeben zu betrachten, weshalb es sich beim fraglichen Ereignis vom
2
3.
Oktober 2019
um einen Unfall im Sinne von
Art. 4
ATSG handelte.
Der vorliegende Fall ist daher
ausschliesslich
unter dem Blickwinkel von Art. 6 Abs. 1 UVG zu prüfen (vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 8C_649/2019 vom 4. November 2020 E. 5.3 und 8C_412/2019 vom 9. Juli 2020 E. 5.2).
Somit ist die Beschwerdegegnerin so lange für die Folgen des Unfallereignisses leistungs
pflichtig,
bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht
(vgl. vorstehend E. 1.3).
Entgegen der Ansicht des Beschwerde
führers entfällt die Prüfung einer Leistungspflicht für eine Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG.
4.
10
Demzufolge ist die Beschwerde gutzuheissen mit der Feststellung
, dass es sich beim Ereignis vom
2
3.
Oktober 2019
um einen Unfall im Sinne von
Art. 4
ATSG handelte,
für dessen F
olgen
die Beschwerdegegnerin so lange leistungspflichtig ist,
bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache
der Beschwerden
darstellt
beziehungsweise der
status
quo sine
vel
ante erreicht ist (vgl. vorstehend E. 1.3).
4.1
1
In seiner Beschwerde beantragte der
Beschwerdeführer
die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung
im Sinne von
Art.
6 EMRK
(vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
4)
. In der Replik wurde sodann ausgeführt, dass er wie beantragt durch das angerufene Gericht anlässlich einer öffentlichen Verhandlung zum Unfallereignis zu befragen sei, sollte das angerufene Gericht an seinen Angaben Zweifel hegen (
Urk.
11 S. 3).
Vorliegend sieht das Gericht von
der Durchführung
einer öffentlichen Verhandlung ab,
da
es auch ohne eine solche aufgrund der Akten zum Schluss gelangt, dass dem materiellen Rechtsbegehren des Beschwerdeführers zu entsprechen ist
(vgl. hierzu Urteil des Bundesgericht 8C_495/2020 vom
6.
Januar 2021 E. 2.2)
.
5.
Bei diese
m Ausgang des Verfahrens hat der
Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Deren Höhe ist gemäss § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht
auf den Streitwert, zu bemessen. Unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- zuzüglich Mehrwertsteuer (MWSt) ist die Partei-entschädigung auf Fr. 2'
3
00.-- inklusive Barauslagen und MWSt festzulegen.