Decision ID: 3a49b55f-b898-4f8c-b9a9-5c699047d8dd
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1974 geborene
X._
bezog während der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom
1.
September 2011 bis 31. August 2013
Taggelder der Ar
beitslosenversicherung, ohne zu deklarieren
, dass er von September 2011 bis Februar 2013 bei der
Z._
tätig war
(vgl. Urk. 8/16 f.)
.
Nach
dem die Arbeitslosenkasse IAW im Rahmen von Massnahmen zur Be
kämpfung der Schwarzarbeit
Kenntnis
von diesem Sachverhalt erhalten hatte, forderte sie mit Verfügung vom 9. April 2015
(Urk. 8/5)
zu viel ausbezahlte
Ar
beitslosenents
chädigung
im Betrag
von Fr.
54‘857.55 zurück
. Das Amt für
Wirtschaft und Arbeit (AWA)
verfügte daraufhin am
13. Juli 2015
die Abwei
sung des vom Versicherten am
11. Mai 2015
gestellten Erlassgesuchs
Urk. 8/9 f.
)
. Dessen
hiegegen
erhobene Einsprache (Urk.
8/11
) wies es am
29. Oktober 2015
ab (Urk. 2).
2.
Gegen diesen Einspracheentscheid (Urk. 2) liess
X._
am 27.
No
-
vember
2015 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„Es sei die Verfügung vom 13. Juli 2015 aufzuheben.
Die Einzelfallgerechtigkeit b
zw.
der Gutglaubensschutz gemäss Art. 25
Abs. 1 ATSG sei zu prüfen.
Es sei dem Beschwerdeführer die Rückforderung der Arbeitslosenkasse IAW Winterthur zu erlassen.
Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegeg
nerin
.“
Das AWA schloss am 7. Januar 2016 auf Abweisung der Beschwerde (vgl.
Be
schwerdeantwort
, Urk. 7), was dem Beschwerdeführer am 11. Januar 2016 zur Kenntnis gebracht wurde
(Urk. 9)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Laut
Art.
95
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversi
cherung und die Insolvenzentschädigung (
AVIG
)
richtet sich die Rückforderung ausser in den
– hier nicht interessierenden -
Fällen nach
Art.
55 und
Art.
59c
bis
Abs.
4 AVIG nach
Art.
25
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
. Gemäss
Art.
25
Abs.
1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leistun
gen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse
Härte vorliegt.
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massge
bend (
Art.
25
Abs.
2 ATSG).
2.
2.1
Das AWA begründete die Abweisung des Gesuchs um Erlass der Rückforderung damit, dass der Beschwerdeführer die zu Unrecht ausbezahlten Leistungen der
Arbeitslosenkasse IAW
nicht gutgläubig bezogen habe (vgl. Urk. 2 S.
3 f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
a
uf den Standpunkt, der un
rechtmässige Leistungsbezug
könne ihm nicht zum Vorwurf ge
macht werden,
da er
beim Ausfüllen der Formulare für die relevanten Kontrollperioden
(
in Un
kenntnis der Rechtslage
) überzeugt davon gewesen
war
, dass sich
die
–
„
nicht unmissverständlich formulierte
“
–
Frage, ob
er
bei einem oder mehreren Arbeit
gebern gearbeitet habe
, auf die gemeldete verlorene Arbeit beziehe, worauf er jeweils nach dem „ihm möglichen und zumutbaren Verständnis korrekt“ gean
t
wortet habe
(
Urk. 1
S. 5 ff.).
Da er die Leistungen demnach in gutem Glauben empfangen habe und sich zudem angesichts seiner Einkom
mens- und
Vermö
gensverhältnisse
zu einer Rückerstattung ausserstande sehe, seien die Voraus
setzungen für den Erlass der Rückforderung erfüllt
(S. 7 f.
).
3.
3.1
Was die Frage des gutgläubigen Leistungsbezugs betrifft, liegt guter Glaube nach ständiger Rechtsprechung nicht schon bei Unkenntnis des Rechtsmangels vor. Vielmehr darf sich der Leistungsempfänger nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Folglich entfällt der gute Glaube von vornherein, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglistige oder grobfahrlässige Melde- oder
Aus
kunftspflichtverletzung
zurückzuführen ist; anderseits kann sich der
Rücker
stattungspflichtige
aber auf den guten Glauben berufen, wenn sein fehlerhaftes
Verhalten nur eine leichte Fahrlässigkeit darstellt (
BGE 138 V 218 E. 4
mit Hin
weisen).
Der Beschwerdeführer hat seine
von September 2011 bis Februar 2013
während der Dauer des Bezugs von Arbeitslosentaggeldern erzielten Erwerbseinkünfte
(
Urk.
8/17)
der Arbeitslosenkasse
IAW
damals unbestrittenermassen n
icht ge
meldet (Urk. 1).
Auf dem Formular „Angaben der versicherten Person für den Monat
...“ kreuzte er bei der Frage „Haben Sie bei einem oder mehreren Arbeit
gebern gearbeitet“ jeweils
– wahrheitswidrig
(vgl. Urk. 8/17)
–
die Antwort „Nein“ an (Urk. 8/
16). Dass er die – entgegen seiner Darstellung (Urk. 1 S.
6)
unmissverständlich formulierte – Frage in dem Sinne falsch verstanden habe, dass er meinte, sie beziehe sich auf seinen früheren Arbeitgeber, erscheint schon deshalb als unglaubhaft, weil
eine solche Frage keinen Sinn machen würde und zudem in diesem Fall nicht nach
einem oder mehreren
Arbeitgebern gefragt würde.
Zu beachten ist sodann, dass
der Beschwerdeführer, der sich ab Septem
ber 2011 bereits in der dritten Rahmenfrist für den Leistungsbezug befand,
seine Zwischenverdiensttätigkeiten in den beiden vorangehenden Rahmenfristen auf den entsprechenden Fragebögen jeweils
ordnungsgemäss
deklariert
(vgl. Urk. 2 S. 4)
und die entsprechende Frage auf dem
für jede Kontrollperiode auszufül
lenden Formular
folglich
damals durchaus richtig verstanden hatte.
Dass er beim Ausfüllen der Fragebögen
für die
Kontrollperioden September 2011 bis Februar 2013
überzeugt gewesen sei, „das Richtige zu tun und korrekt zu han
deln“ (Urk. 1 S. 6), ist damit widerlegt.
Von einem gutgläubigen Leistungsbezug kann demnach keine Rede sein
, zumal auch niemand Vorteile aus seiner eige
nen Rechtsunkenntnis ableiten kann (BGE 131 V 196 E. 5.2).
Anzumerken bleibt, dass in
Anbetracht dieser Gegebenheiten nicht erstaun
t
, dass die Nichtdeklaration des Zwischenverdiensts
(auch)
strafrechtliche Konse
quenzen für den Beschwerdeführer hatte. Dabei ging der
zuständige Staatsan
walt davon aus, dass der Beschwerdeführer
die zu Unrecht bezogenen Leistun
gen
, indem er seine Zwischenverdienstbeschäftigung
verschwieg, wissentlich und willentlich erwirk
t
e
und sich damit des Vergehens gegen das AVIG schuldig
machte
(vgl. Strafbefehl vom 11. November 2015, Urk. 8/15).
3.2
Da die beiden Erlassvoraussetzungen der Gutgläubigkeit und der grossen Härte kumulativ erfüllt sein müssen und das erstgenannte Kriterium nach dem Ge
sagten nicht erfüllt ist, kann vorliegend offen blieben, ob die Rückerstattung für den Pflichtigen eine grosse Härte bedeutet (vgl.
hiezu
Urteil des damaligen Eid
genössischen Versicherungsgerichts C 46/01 vom 24. Oktober 2001 E. 3b in
fine
). Dass das AWA an der -
fristgerecht geltend gemachten
(vgl. E. 1
;
Urk.
8/17 und
Urk.
8/5
) - Rück
forderung
festhielt (Urk. 2), ist daher
nicht zu be
anstanden.
4.
Da das vorliegend
e
Verfahren ko
s
t
enlos
ist (Art. 61 lit. a ATSG)
,
erweist
sich das
(unbegründete)
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als
von vornherein
gegenstandslos.
Insoweit das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zudem als Antrag auf unent
geltliche
Verbeiständung
zu verstehen ist, bleibt festzuhalten, dass im kantonalen Beschwerdeverfahren rechtsprechungsgemäss nur patentierte An
wältinnen und Anwälte als unentgeltliche Rechtsvertreter zugelassen sind (Ur
teil des Bundesgerichts 9C_274/2012 vom 3
0.
Mai 2012 betreffend das Urteil des hiesigen Gerichts IV.2012.00196 vom 2
1.
Februar 2012).
Y._
er
füllt diese Voraussetzung nicht, weshalb das entsprechende Gesuch abzuweisen ist.