Decision ID: 66dba722-6dfe-4852-bc67-81dbdb30f1cc
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1955, meldete sich am 2
9.
Mai 2012 unter Hinweis auf eine depressive Episode und eine Panikstörung, bestehend seit August 2011, bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2
Ziff.
6.2-3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, stellte mit Vorbe
scheid vom 3
1.
Juli 2012 in Aussicht, einen Leistungsanspruch zu verneinen (
Urk.
7/16), wogegen der Versicherte am 3
1.
August 2012 (
Urk.
7/17) und 3
1.
Oktober 2012 (
Urk.
7/25) Einwände erhob, worauf die IV-Stelle ein psychi
atrisches Gutachten einholte, das am 2
1.
Mai 2013 erstattet wurde (
Urk.
7/37). Dazu nahm der Versicherte am 1
1.
Oktober 2013 Stellung (
Urk.
7/45).
Mit Verfügung vom
5.
Februar 2014 verneinte die IV-Stelle einen
Leistungs
an
spruch
(
Urk.
7/51 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
1.
Februar 2014 Beschwerde gegen die Verfügung vom
5.
Februar 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3
1.
März 2014 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
7.
April 2014 wurde - antragsgemäss (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
4) - die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt (
Urk.
8).
Am 1
0.
März 2015 (
Urk.
10) und
8.
Mai 2015 (
Urk.
12) reichte der Beschwerde
führer weitere Unterlagen (
Urk.
11,
Urk.
13) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
D
ie Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens
setzt vorab
grund
sätzlich eine fachärztliche, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten
Klas
sifikationssystems
abgestützte Diagnose voraus
(BGE 136 V 279 E. 3.1.2, 130 V 396 E. 6.2.2).
1.3
E
ine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit
ist nicht
ohne weiteres gleich
bedeutend mit
dem Vorliegen einer Invalidität
. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und
in ihrem Ausmass bestimmt sein
. Entscheidend ist die nach einem weit gehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern dem Versicherten trotz seines Leidens die Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit auf dem ihm nach seinen Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE
127 V 394 E. 4c
).
1.4
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art.
8
des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs
, ZGB
) hat die versicherte Person die invalidisierenden Folgen der gesundheitli
chen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen
Leis
tungsanspruch
. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt: Vermutet wird Validität, nicht Invalidität.
An diesem Nachweis kann es unter mehreren Aspekten mangeln: Die Ein
schränkung ist nicht gesundheitlich, sondern sozial/soziokulturell bedingt (1); die gesundheitliche Einschränkung ist nicht evident, wiegt nicht schwer, sodass sie überwindbar und der versicherten Person die Verrichtung einer adaptierten Tätigkeit dennoch zumutbar ist (2); die Einschränkung ist medizinisch angeh- oder gar heilbar (3); die Einschränkung ist nur vorübergehender Natur, sei es, weil sie von selbst oder nach einer medizinischen Behandlung abklingt (4). Die entsprechenden Elemente (gesundheitlicher Charakter, Evidenz und Erheblich
keit, Unheilbarkeit und Dauerhaftigkeit der Beeinträchtigung) sind stets - auch
ausserhalb
der unklaren Beschwerdebilder - nachzuweisen, damit ein Anspruch auf eine Dauerleistung der Invalidenversicherung geltend gemacht werden kann (BGE 139 V 547 E. 8.1).
1.5
Eine diagnostizierte rezidivierende depressive Störung als solche stellt keinen psychischen Gesundheitszustand dar, der eine Arbeitsunfähigkeit dauerhaft zu begründen vermag (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_506/2014 vom 10.
Novem
ber 2014 E. 4.2).
E
ine leichte depressive Episode mit somatischen Symptomen ist
gemässs
der Rechtsprechung
grundsätzlich nicht geeignet, eine leistungsspezifische Invali
dität zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 1
0.
November 2014 E. 4.2). Leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis gelten zudem grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom
4.
März 2014
E. 3.6.1 mit Hin
weisen). Bei mittelschweren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1) verneint das Bundesgericht
regelmässig
deren invalidisierende Wirkung (
Urteil des Bundes
gerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E.
4.2 mit Hinweisen).
Leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen depressiver Natur gelten
zudem
grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(Urteil des Bundesge
richts 8C_68/2013 vom 1
4.
Mai 2013 E. 3.5 mit Hinweisen). Dies hat auch dann Geltung, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivieren
den depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_195/2014 vom 1
2.
Juni 2014 E. 4.4 mit Hinweisen).
1.6
Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen
,
werden gemäss ICD-10 im Abschnitt Z kodiert. Dabei handelt es sich um Fälle, in denen Sachverhalte als „Diagnosen" oder „Probleme" angegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A bis Y klassifizierbar sind (Urteile des Bundes
gerichts 9C_13/2012 vom 2
0.
August 2012 E. 2, 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.1, 8C_302/2011 vom 2
0.
September 2011 E. 2.3). Sie fallen nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens.
Akzentuierte Persönlichkeitsanteile mit Selbstwertproblematik stellen keine psy
chische Erkrankung nach den diagnostischen Kriterien dar, etwa im Sinne einer Persönlichkeitsstörung. Diese Belastungen sind vielmehr den akzentuierten Persönlichkeitszügen zuzuordnen und fallen als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 1
0.
November 2014 E. 4.2 mit Hinweis auf SVR 2008 IV Nr.
15 S.
43, I
514/06 E. 2.2.2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers werde überwiegend durch psychosoziale Faktoren bestimmt, welche nicht zu berücksichtigen seien. Die diagnostizierte leichte bis höchstens mittelgradige depressive Episode entspreche einem vorübergehenden Leiden, welches keine Arbeitsunfähigkeit bewirke, und
die diagnostizierte Agoraphobie mit Panikstörung sei im Sinne der massgeben
den Rechtsprechung überwindbar.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), er sei aufgrund einer psychischen Erkrankung seit mindestens September 2011 in der Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt (S. 1). Der psychiatrische Gutachter habe aufgrund der Diagnosen die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätig
keit mit 40
%
und in einer angepassten Tätigkeit mit 50
%
veranschlagt (S. 1 f.
Ziff.
1). Die von der Beschwerdegegnerin genannten psychosozialen
Belas
tungs
faktoren
hätten allenfalls bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle gespielt, seien aber nicht für die Arbeitsunfähigkeit verantwortlich
; seit
Behandlungsbe
ginn
im September 2011 sei
er durchgehend zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen und seit der Begutachtung im Mai 2013 zu 40
%
; es
treffe nicht zu, dass die Agoraphobie mit Panikstörung überwindbar sei. Die Beurteilung seitens der Beschwerdegegnerin sei nicht durch einen Facharzt vorgenommen worden; zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei auf das eingeholte Gutachten abzustellen
(S.
2
Ziff.
3)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit der ärztlich attestierten und der ver
sicherungsrelevanten Arbeitsfähigkeit verhält und worauf diesbezüglich abzu
stellen ist.
3.
3.1
Med.
pract
.
Z._
, Assistenzärztin, und
Dr.
med.
A._
, Ober
arzt,
Psychiatriezentrum
B._
,
führten im Bericht vom 2
8.
Juni 2012 (
Urk.
7/13)
aus, der Beschwerdeführer werde
von ihnen seit dem
8.
September 2011 ambulant behandelt (
Ziff.
1.2).
Sie stellten folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Panikstörung bei Agoraphobie (ICD-10 F40.
0
1)
Anamnestisch führten sie aus,
der Beschwerdeführer sei im Immobilienbereich tätig gewesen; dabei sei es schon vor neun Jahren zu geschäftlichen Schwierig
keiten mit Verlusten von mehreren Millionen Euro gekommen
.
Bei Eintritt habe der Patient berichtet, dass sich seine Stimmung innerhalb der letzten zwei Monate sehr verschlechtert habe; er mache
sich grosse Sorgen, wie es weiterge
hen solle, nachdem er Privatkonkurs habe anmelden müssen und ein
Pfän
dungs
verfahren
anstehe. Er habe Existenzängste und seine Bekannten dürften nichts von seiner Situation wissen. Verbunden mit dem sozialen Abstieg sei es auch zu einer sozialen Isolation gekommen. Wenn er früheren Geschäftspart
nern begegne
,
habe er panikartige Anfälle und das Gefühl, sich verstecken zu müssen (
Ziff.
1.4).
Unter anderem führten
die Ärzte
aus, sie gingen von einer günstigen Prognose aus. Familiär bestünden keine Vorbelastungen, die depressive Episode sei als eine Art Belastungsreaktion auf die psychosozialen Umstände (Privatkonkurs, sozialer Abstieg) entstanden. Der Patient sei allerdings aufgrund der depressiven Symptomatik noch wenig motiviert für die Wiederaufnahme einer Arbeit (
Ziff.
1.4 am Ende).
Seit dem
8.
September
2011
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 %
als Immo
bilienmakler (
Ziff.
1.6).
Sie würden von einer Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit frühestens nach zirka einem Jahr ausgehen. Bei erfolgreich
verlaufender psychiatrisch-psycho
therapeutischer
Behandlung bestehe aus ihrer Sicht keine verminderte Leis
tungsfähigkeit. In frühestens zehn bis zwölf Monaten könnte anhand einer behinderungsangepassten Tätigkeit (vier Stunden pro Tag in einem weniger kompetitiven Umfeld) eine Reintegration des Patienten in den ersten Arbeits
markt versucht werden (
Ziff.
1.7).
Die baldige Teilnahme an der Tagesklinik sowie die Optimierung der
antidepres
siven
Medikation könnten zu einer Verminderung der Einschränkungen beitra
gen.
Bei unveränderter sozialer Situation sei die Auswirkung dieser Massnah
men auf die Arbeitsfähigkeit noch nicht vorhersehbar. Unter Umständen könnte eine Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt bei vollem Arbeitspensum schon früher als nach einem Jahr erreicht werden (
Ziff.
1.8).
Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im Umfang von 100
%
könne ab Juli 2013 gerechnet werden (
Ziff.
1.9).
3.2
Im Bericht vom
1
1.
Juli 2012 (
Urk.
7/11)
nannten
med.
pract
.
Z._
und
Dr.
A._
die gleichen Diagnosen und machten weitestgehend mit denen im Bericht vom 2
0.
Juni 2012 (vorstehend E. 3.1) übereinstimmende Angaben.
3.3
Med.
pract
.
Z._
und
Dr.
med.
C._
, Oberarzt, beantworteten mit Bericht vom 1
6.
Oktober 2012 (
Urk.
7/24)
ihnen von der Beschwerdegegnerin unterbreitete Fragen und führten unter anderem aus, die in den Vorberichten genannten Diagnosen seien noch zutreffend (S. 1
Ziff.
2).
Auf die Frage hin, ob eine verselbständigte psychische Erkrankung vorliege oder sich das Beschwerdebild einzig in Beeinträchtigungen zeige, die von psy
chosozialen Faktoren herrührten, führten sie aus, es liege ein Krankheitsbild vor, dessen Ursache unter anderem in der jahrelangen beruflichen Belastung des Patienten begründet sei; er leide schon seit zirka sieben Jahren unter einer kör
perlichen und geistigen Erschöpfung. Der soziale Abstieg habe zu einer Zunahme der depressiven Symptomatik geführt (S. 1
Ziff.
3). Es lasse sich beim Krankheitsbild einer Depression immer von einem multifaktoriellen Geschehen ausgehen, wobei stets auch psychosoziale Faktoren sowohl krankheitsauslösend
wie krankheitserhaltend wirkten (S. 2 oben).
Es lasse sich von einer mittelschweren depressiven Episode ausgehen, grob for
malkursorisch seien leichte kognitive Störungen festzustellen. Zudem lasse sich von einer Panikstörung bei Agoraphobie ausgehen. Der Patient sei
compliant
punkto Konsultationen sowie die Psychopharmakotherapie (S. 2).
3.4
Am 2
1.
Mai 2013 erstattete med.
pract
.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/37).
Der Gutachter nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 9
Ziff.
4):
leicht bis höchstens mittelgradig depressive Störung (ICD-10 F32.0/1)
Agoraphobie mit Panikattacken (ICD-10 F40.01)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
9
Ziff.
4) nannte er
akzentuierte Persönlichkeitszüge (narzisstisch; ICD-10 Z73.1)
.
Im Rahmen seiner Beurteilung führte der Gutachter unter anderem aus, nach einer Geschäftsaufgabe und anschliessendem Neubeginn im Jahr 2006 habe sich die berufliche Situation immer beschwerlicher gestaltet; schliesslich habe
d
er
Beschwerdeführer
Rechnungen nicht mehr bezahlen können, was zu Betreibun
gen, Pfändungen, Wohnungsverlust und schliesslich Fürsorgeabhängigkeit geführt habe. 2011 habe er sich in psychiatrische Behandlung begeben; unter Medikation und durch die Entlastung nach dem Ausscheiden aus dem Arbeits
prozess sei es langsam wieder zu einer Verbesserung des Befindens gekommen (S. 9
Ziff.
5). Im Vordergrund stünden heute beim Versicherten
e
ine starke all
gemeine Verunsicherung und eine Angst vor erneuter Überforderung. Belast
barkeit und Frustrationstoleranz ersch
ie
nen vermindert
(S. 10 oben)
.
Die Depression scheine momentan nicht mehr im Vordergrund zu stehen, die Stimmung sei nur noch wenig gedrückt. Einschränkender dürfte die allgemeine Verunsicherung sein. Die Frage bleibe, ob und in welchem A
usmass vom Versi
cherten erwartet werden
dürfe, dass er seine Verunsicherung und Ängste
will
lent
lich
überwinden könne.
Sicher seien noch gewisse Ressourcen vorhanden. Insbesondere besitze der Versicherte ein gutes soziales Umfeld, das ihn stütze. Von einem sozialen Rückzug, der einen Grossteil der Belange seines Lebens betreffe, könne nicht die Rede sein. Ein allfälliger primärer Krankheitsgewinn
sei - aus näher dargelegten Gründen - nicht ausgeschlossen. Therapeutisch schienen sicher noch nicht alle Optionen ausgeschöpft (S. 10).
Zusammenfassend könne gesagt werden, dass vom Versicherten wenigstens noch eine Teilarbeitsfähigkeit erwartet werden dürfe; sinnvoll wäre ein schritt
weiser Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess (S. 10 unten).
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, insbesondere aufgrund der gros
sen allgemeinen Verunsicherung des Versicherten könne
in
eine
r
Tätigkeit mit einem hohen Mass an Verantwortung, starkem emotionellen oder zeitlichen Druck
und hohem Publikumskontakt aktuell von
einer
Arbeitsfähigkeit von höchstens 40
%
ausgegangen werden (S. 11
Ziff.
1).
In einer - näher umschriebenen - angepassten Tätigkeit könnte aktuell mit einer Arbeitsfähigkeit von zirka 50
%
gerechnet werden (S. 11
Ziff.
2).
3.5
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
beantwortete
in ihrem
Bericht vom 3
0.
September 2013 (
Urk.
7/44)
ihr von der Beschwerdegegnerin unterbreitete Fragen und führte aus, aus ihrer Sicht lägen folgende Diagnosen vor (S. 1
Ziff.
1):
leichte bis mittelgradige depressive Störung, im Verlauf fluktuierend (ICD-10 F32.0/1)
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
ausgeprägt narzisstischen und ängst
lich-vermeidenden Anteilen (ICD-10 Z73.1)
Damit stimme
sie
mit den Diagnosen des Gutachters grundsätzlich überein, sehe aber eine Erweiterung der akzentuierten Persönlichkeitsanteile; des
weitere
n
bestehe aus ihrer Sicht überwiegend eine mittelgradig depressive Störung, die eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
begründe (S. 1).
In der angestammten Tätigkeit als Immobilienmakler bestehe aus ihrer Sicht keine Arbeitsfähigkeit mehr
, was sie mit der mittelschweren depressiven Stö
rung begründete, deren Bewältigung durch die ausgeprägt ängstlich-vermeiden
den Anteile erschwert werde
(S. 1 f.
Ziff.
2).
Für eine angepasste Tätigkeit liege aktuell eine Arbeitsfähigkeit von maximal 2 Stunden pro Tag vor, was sie als Arbeitsversuch deklarieren würde (S. 2
Ziff.
3).
3.6
Zu den Ausführungen von
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.5) nahm der
Gutachter
auf Aufforderung der Beschwerdegegnerin am
1
1.
Dezember 2013
Stellung
(
Urk.
7/49):
Er wies darauf hin, dass sie wohl die Diagnostik innerhalb des Gutachtens bestätige, aber insbesondere betreffend d
i
e Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit differierender Meinung sei. Sie begründe ihre Beurteilung hauptsächlich mit psychodynamischen Überlegungen und der subjektiven
Wahrnehmung des Versicherten bezüglich seiner Leistungsfähigkeit, mache dabei aber keine neuen relevanten Aspekte geltend (S. 1).
Die
subjektive
Überzeugung des Versicherten, sich kaum mehr fähig zu fühlen, regelmässig
einer Tätigkeit nach
zu
gehen
,
könne
zumindest zu einem Teil auf ein
Vermeidungsverhalten
zurückgeführt
werden
; es dürfe aber - aus näher dar
gelegten Gründen - erwartet werden
,
dieses
zumindest partiell
zu überwinden (S. 1 unten).
3.7
Laut Zwischenbericht vom 1
8.
Februar 2015 (
Urk.
11) absolvierte der Beschwer
deführer vom
6.
Oktober 2014 bis
5.
April 2015 ein Integrationsprogramm der Stiftung Chance
, dies mit einem Pensum von 2 Stunden an 2 Tagen pro Woche (S. 1) und einer (wohl diesbezüglichen) Präsenzquote von 75-89
%
(S. 2 Mitte).
In einem ärztlichen Zeugnis vom
1.
April 2015 zuhanden der kantonalen
Sicher
heitsdirektion
wurde unter anderem eine mühsam erarbeitete leichte Ver
besserung von Gesundheitszustand und Leistungsfähigkeit berichtet und aus
geführt, der Beschwerdeführer habe den Arbeitseinsatz von anfänglich 2 x 1 Stunde bis zu 2 x 3 Stunden in der Woche steigern können (
Urk.
13).
4.
4.1
In diagnostischer Hinsicht stimmen die Berteilungen durch den Gutachter (vor
stehend E. 3.4) und durch die behandelnde Psychiaterin (vorstehend E. 3.5) weitgehend überein; sie unterscheiden sich jedoch bezüglich der von ihnen postulierten Arbeitsunfähigkeit.
Eine anspruchsrelevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit kann allerdings nur angenommen werden, wenn sie durch einen Gesundheitsschaden bewirkt wird, der
in einer anerkannten Diagnose seinen Niederschlag findet (vorstehend E. 1.2) und
seinerseits anspruchs
relevant (invalidisierend) ist (vorstehend E. 1.
4
), wobei aus der gestellten Diagnose umgekehrt nicht unbesehen eine relevante Arbeitsunfähigkeit folgt (vorstehend E. 1.3).
4.2
Im Hinblick auf ihre Eignung, eine relevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen, scheiden die von der behandelnden Psychiaterin mit der ICD-10-Kodierung Z73.1 diagnostizierten akzentuierten Persönlichkeitszüge kl
arerweise aus (vor
stehend E. 1.6
); vom Gutachter wurden sie denn auch entsprechend zugeordnet.
4.3
Sodann wurde eine leicht
e
bis höchstens mittelgradig depressive Störung (Gut
achter) beziehungsweise eine leichte bis mittelgradige Störung mit fluktuieren
dem Verlauf (behandelnde Psychiaterin) diagnostiziert.
Beeinträchtigungen depressiver Art de
r
genannten - und auch noch eine
r
höhe
ren
-
Intensität
werden vom Bundesgericht regelmässig als nicht invalidisiere
nd eingestuft (vorstehend E. 1.5
), wovon somit auch vorliegend auszugehen ist. Dies
e
Beurteilung (und die ihr zugrundeliegende Praxis) findet ihre Bestätigung namentlich darin, dass von behandelnder Seite,
wenn auch mitunter mit vorsich
tiger Zurückhaltung, eine positive Prognose gestellt wurde (vorstehend E. 3.1, E. 3.3), mithin von der Behandelbarkeit der Störung ausgegangen wurde.
Vor diesem Hintergrund liesse sich eine allfällige anspruchsrelevante Arbeitsun
fähigkeit nicht mit der diagnostizierten depressiven Störung begründen.
4.4
Wie es sich mit der Eignung der ebenfalls diagnostizierten Agoraphobie (ICD-10 F40.01), als einzige verbleibende Diagnose eine relevante Arbeitsunfähigkeit zu bewirken, verhält, kann offen bleiben: Im psychiatrischen Gutachten wurde zur Begründung der postulierten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht darauf Bezug genommen, und auch die behandelnde Psychiaterin erwähnte sie ledig
lich als erschwerendes Element beim Umgang mit der ihres Erachtens massge
benden Depression.
4.5
Die behandelnde Psychiaterin begründete die von ihr attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit ausdrücklich mit der diagnostizierten Depression. Darauf ist nicht mehr näher einzugehen, nachdem feststeht, dass
sich daraus
keine
an
spruchsrelevante
Arbeitsunfähigkeit
ableiten lässt
(vorstehend E. 4.3).
Der Gutachter begründete die von ihm attestierte Einschränkung von 60
%
in der angestammten Tätigkeit und 50
%
in angepasster Tätigkeit nicht
mit Be
zugnahme auf eine der von ihm gestellten Diagnosen
; dies wäre
insofern
auch eher schwierig gewesen
, als er die Depression
als
aktuell mehr im Hintergrund stehend verortete und die Agoraphobie nicht weiter thematisierte. Vielmehr be
gründete der Gutachter die postulierte Arbeitsunfähigkeit damit, die „allgemeine Verunsicherung“ des Versicherten dürfte sich einschränkend auswirken.
Damit fehlt es diesbezüglich an der Basis-Voraussetzung für einen
anspruchsbe
gründenden
Gesundheitsschaden und eine allfällige damit begründete Arbeits
unfähigkeit, nämlich
an einer (
beidem zugrunde liegende
n) eigentlichen
Diag
nose (vorstehend E. 1.2).
4.6
Ausgehend v
on den
Element
en (gesundheitlicher Charakter, Evidenz und Erheb
lichkeit, Unheilbarkeit, Dauerhaftigkeit
), die für die Eignung einer Beeinträchti
gung, sich invalidisierend auszuwirken, nachgewiesen sein müssen (vorstehend E. 1.4), fehlt es vorliegend an einem anspruchsrelevanten Gesundheitsschaden.
Zwar ist dem Beschwerdeführer darin zuzustimmen, dass es in seinem Fall nicht entscheidend ist, dass Wendungen in seinen Lebensumständen die Beeinträchti
gung der Leistungsfähigkeit ausgelöst haben; sein Leiden (wie in der angefoch
tenen Verfügung) auf missliche psychosoziale Umstände zu reduzieren und mit ihnen gleichzusetzen, geht nicht an. Jedoch gehören die diagnostizierten psy
chischen Beeinträchtigungen zu denen, die einer Behandlung zugänglich und von zeitlich begrenzter Dauer sind. Damit scheitert der Nachweis der invalidi
sierenden Wirkung bereits an zwei fehlenden Elementen. Dementsprechend be
steht keine Veranlassung, das Element der Evidenz und Erheblichkeit näher zu untersuchen, womit auch offen bleiben kann, inwiefern die im Bereich der Schmerzleiden entwickelten Kriterien dafür heranzuziehen wären.
4.7
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass
es aus den genannten Gründen am Nachweis eines invalidisierenden Gesundheitsschadens fehlt.
Dies schliesst einen Rentenanspruch aus, womit die angefochtene Verfügung, die einen solchen verneint, zu bestätigen ist.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
li
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
(
GSVGer
).