Decision ID: b213c4fa-6c5b-4591-b3a8-0f720d4ea725
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1985, meldete sich erstmals am 31. August 2007 (Ein
gangsdatum) unter Hinweis auf Rücken- und Beinschmerzen bei der Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
2/
2/
11/4). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche sowie medizinische Abklärungen und holte das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
Y._
,
Facharzt für
Psy
chiatrie und Psychotherapie FMH, vom 10. April 2008 ein (Urk.
2/
2/
11/29). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheide vom 30. Juni und 1. Juli 2008, Urk.
2/
2/
11/33 und Urk.
2/
2/
11/35) verneinte die IV-Stelle mit Verfügun
gen vom 12. und 15. September 2008 (Urk.
2/
2/
11/36 und Urk.
2
/
2/
11/37) sowohl einen Anspruch auf eine Invalidenrente als auch auf berufliche Massnah
men.
Am 1. Dezember 2010 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle unter Hinweis auf Beschwerden im rechten Bein und im Rücken zum Leistungsbezug an (Urk.
2/
2/
11/39). Die IV-Stelle tätigte wiederum erwerbliche und medizinische Abklärungen und holte das polydisziplinäre Gutachten des
Z._
GmbH vom 24. Oktober 2011 ein (Urk.
2/
2/
11/57). Nach Erlass des Vorbescheids vom 8. November 2011 (Urk.
2/
2/
11/60) erhob die Versicherte am 3. Februar 2012 Einwand (Urk.
2/
2/
11/67), woraufhin die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen tätigte und das polydisziplinäre Gutachten der
A._ GmbH
vom 27. November 2013 einholte (Urk.
2/
2/
11/90 und Urk.
2/
2/
11/91). Nach einer Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt am 17. Juni 2014 (Haushaltsabklärungs
bericht vom 29. September 2014, Urk.
2/
2/
11/95) wies die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 29. September 2014 das Leistungsbegehren ab (Urk.
2/
2/
2).
Die hier
gegen am
29. Oktober 2014
erhobene
Beschwerde (
Urk.
2/
2/1) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 24. März 2016 ab (
Verfahrensnr
. IV.2014.01147; Urk.
2/
2/20), wogegen die Versicherte am
2
9.
April 2016 am
Bundesgericht Beschwerde erhob
(
Urk.
2/2/22)
.
1.2
Mit Urteil 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 hiess das Bundesgericht die Beschwerde teilweise gut, hob den Entscheid des hiesigen Gerichts auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung zurück (Urk.
2/
1).
Das hiesige Gericht holte daraufhin das Gutachten von
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie FMH,
vom
2.
März 2017 ein
(Urk.
2/11
)
ein
, worin der Gutachter konstatierte, Arbeitsfähigkeit sei nicht gegeben, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit 2010 nicht mehr. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 27. März 2017 auf eine Stellungnahme zum Gutachten (Urk. 2/16).
Mit Urteil IV.2016.00809 vom 2
7.
Juni 2017 hiess das hiesige Gericht die Beschwerde gut,
hob die Verfügung vom 2
9.
September 2014 auf und stellte fest, dass die Beschwerdeführerin ab dem
1.
Dezember 2011 Anspruch auf eine ganze Rente habe (
Urk.
2/
18).
2
.
Die hiergegen von der Beschwerdegegnerin erhobene Beschwerde vom 1
4.
Sep
tember 2017 (
Urk.
2/
20) hiess das Bundesgericht mit Urteil 9C_638/2017 vom 1
3.
November 2017 gut, hob den Entscheid des hiesigen Gerichts auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung zurück (
Urk.
2/21
=Urk. 1
).
Das hiesige Gericht holte daraufhin das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie vom
7.
September 2018 ein (
Urk.
10
und
Urk.
11/1-12
)
, worin die Gutachterin eine andauernde vollständige Arbeitsunfähigkeit seit spätestens 1. Dezember 2011 attestierte
. Die Beschwerde
führerin nahm hierzu am 2
9.
Oktober 2018 Stellung (
Urk.
15), die Beschwerde
gegnerin verzichtete
auch dieses Mal
auf eine Stellungnahme
zum gerichtlich eingeholten Gutachten
(
Urk.
16), worüber die Parteien am
3.
Dezember 2018 jeweils in Kenntnis gesetzt wurden (
Urk.
17).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesgericht erwog in seinem Urteil vom 1
3.
November 2017 im Wesentli
chen, dass eine weitere psychiatrische Begutachtung einzuholen und danach eine
Indikatorenprüfung
nach BGE 141 V 281 durchzuführen sei (
Urk.
1 E. 2.3.4).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.4
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa).
3.
Im Gutachten von
Dr.
C._
werden die bis zur Begutachtung der Beschwerdeführerin aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (Urk.
11/1/5 ff.)
weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.1
Dr.
C._
hielt folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit fest (
Urk.
11/1/41):
-
Sonstige, nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung, in diesem Fall im Sinne einer unreifen
Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.8)
-
Umschriebene Entwicklungsstörung s
chulischer Fertigkeiten (ICD-10 F10.81)
-
Verdacht auf Intelligenzminderung (ICD-10 F79)
-
Komplexe posttraumatische Belastungsstör
ung/andauernde Persönlich
keitsv
eränderung nach
psychischer Erkrankung (ICD-10
F62.1)
-
Rezidivierende depressive Störung, aktuell eher leichte depressive Episode (ICD-
10
F33.0)
-
Gemisch
te dissoziative Störung (ICD-10
F44.7)
-
Chronische Schmerzstöru
ng mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte
Dr.
C._
einen Status nach Benzodiazepin- und Schmerzmittelabusus (ICD-10 F11.20, F13.20;
Urk.
11/1/46).
Dr.
C._
konstatierte (
Urk.
11/1/53 f.), dass die Beschwerdeführerin a
uf
grund
ihrer
Einschränkungen nur mit Unterstützung ihrer Familie (Ehemann, Schwägerin und inzwischen auch teilweise der Töchter) in der Lage
sei,
ihr Leben zu meistern. An zahlreiche Dinge des tä
glichen Lebens mü
ss
e
sie
erinnert werden und es sei
fraglich, ob sie überhaupt in der Lage wäre
,
sich in Bezug
auf Haus
haltsführung, Ernährung und administrative Belange
selbs
tändig zu behaupten.
Es bestünden
praktisch keine Aktivitäten oder Beziehungen ausserhalb
der Pri
mä
rfamilie und des Therapeutennetzes.
Aufgrund der Einschränkungen sei
eine Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsm
arkt nicht gegeben. Dies beziehe
sich in besonderer Weise auf die offensichtlich zu beurteilende Tätigkeit als Verkäuferin, wo neben intellektuellen Fähigkeiten auch ein gewisses Durchhaltevermögen und insbesonde
re auch soziale Kompetenzen gefordert wären. Es seien aber auch keine Verweistätig
keiten denkbar, die
die
Beschwerdeführerin
aufgrund des minimalen Funktionsniveaus überhaupt ausüben könnte. Aus
gutachterlicher Sich
t
bestünden
die Einschränkungen teilweise bereits seit Kindheit und Jugend. Da die
Beschwerdeführerin
aber nie über längere Zeit und mit einem höheren Pe
nsum gearbeitet zu haben scheine
und gleichzeitig immer von ihrer grossen Famili
e unterstützt worden sei (später dann vom Ehemann), seien
diese Ein
schränkungen bis zum ersten Rentenantrag 2007 nie aktenkundig geworden. Zu
einer ersten Eskalation scheine
es nach der Kaiserschnittgeburt der ersten Tochter im November 2006 gekommen zu sein, dann im Weiteren Symptome einerseits bei gleichzeitiger Zunahme der Belastung und dem Druck ihre Rolle als Ehefrau, dann auch noch Hausfrau und Mutter ausüben zu m
üssen. Von 2008 bis 2010 scheine
es dann noch einmal den Versuch gegeben zu haben zu arbeiten, weil
die Beschwerdeführerin
dies mit aller Macht
gewollt habe
. Anhaltend scheine
aber nie eine Arbeitsfähigkeit bestanden zu haben. Der erste
IV-Antrag von August 2007 sei
abgelehnt
worden
, obwohl bereits hier bei genauerer Exploration Leis
tungseinschränkungen schon evident gewesen wären und die Einschätzung des Gutachters damals aus heutiger Sicht schlicht und ergreifend zu oberflächlic
h und auch zweckoptimistisch gewesen sei
.
Klare Hinweise auf eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ergäben sich ab dem 1. Dezember
2011 und zwar aus dem Bericht des Hausarztes an d
ie
Swica
Versi
cherung vom 2
3.
Mai 201
2.
Er beschreibe darin
, dass es zu einer dramatischen Verschlechterung sowohl der somatischen, als auch der psychischen Situation gekommen sei und die
Beschwerdeführerin
seit dem
1.
Dezember
2011 zu 100
%
arbeitsunfäh
ig sei. Spätestens ab dem 1
2.
A
pril
2
012 wer
d
e
die
Beschwerdefüh
rerin
mit Beginn der Behandlung bei der Psychiaterin auch von dieser als 100
%
arbeitsunfähig aus psychischen Gründen beurteilt. Damit schein
e
eine Arbeit
sunfähigkeit mindestens ab dem
1.
Dezember
2011 ausgewiesen. Wie bereits mehrfach ausgeführt
, sei
aber auch schon vorher von einer eingeschränk
t
en, wenn nicht gar aufgehobenen
Arbeitsfähigkeit
auszugehen. In den Unterla
gen fä
nden sich weitere indirekte Angaben über eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab Dezember 201
0.
Im IV-Bericht der Orthopädie de
r Klinik
D._
, vom
8.
Februar 2011 we
rd
e
nämlich erwähnt, dass der Hausarzt der
Beschwerdeführerin
diese seitdem krankgeschrieben haben. Diese Krankschrei
bung des Hausarztes über eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab Dezember 2010 liege
aller
dings nicht im Original vor. Im Dezember
2010
sei
aber der zweite Antrag auf Leistungen seitens der IV gestellt
worden. Möglicherweise handle
es sich hier auch um eine Verwechslung. Aus Sicht der Referentin k
ö
nn
e
aus dem Vorangegangen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, geschlussfol
gert werden, dass die
Beschwerdeführerin
spätestens ab dem
1.
Dezember
2011 durchgängig bis heute zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei
.
4.
4.1
Die Gutachterin
Dr.
C._
ist Fachärztin für Psychiatrie/Psychotherapie und ist
somit in
ihrem
Fachgebiet zur Beurteilung des Gesundheitszustan
des und der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführe
rin
befähigt.
Sie
berücksichtigte sodann die geklagten
Beschwerden (
Urk.
11/
1/31 f
.) und
das
Verhalten de
r Beschwerde
führerin, erstellte ihr
Gutachten in Kenntnis der
Vorakten
(
Urk.
11/1/5 ff.)
,
erhob eine ausführliche Anamnese (
Urk.
11/1/26 ff.) und holte zusätzlich fremdanam
nestische Angaben der behandelnden Psychiaterin sowie des Ehemannes und der Schwester der Beschwerdeführerin ein (
Urk.
11/1/39 ff)
.
Sowohl die gestellten Diagnosen als auch die Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit werden im Gut
achten ausführlich begründet und sind nachvollziehbar
(
Urk.
11/1/41 ff.;
Urk.
11/1/51 ff.)
.
Des Weiteren begründete
Dr.
C._
ausführlich, warum ihre Diagnosen von denjenigen der Vorgutachter abweichen (
Urk.
11/1/49) und setzte sich ausführlich mit den
vorhandenen Berichten bzw. psychiatrischen Vor
gutachten auseinander (
Urk.
11/1/55 ff.
; vgl. auch
Urk.
11/1/51
).
Damit erfüllt das Gutachten die bundesgerichtlichen Anforderungen an ein medizinisches Gut
achten (vorstehend
E.
2.4
) vollumfänglich
, so dass für die
Entscheidfindung
grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
4.2
4.2.1
Dr.
C._
hat
die massgebenden Stan
dardindikatoren (vorstehend E. 2.3
) in ihre
Beurteilung einbezogen
und ausführlich begründet
. So hat sie
sich ein
lässlich mit den diagnoserelevanten Befunden
und deren Ausprägung auseinan
dergesetzt (
Urk.
11/1/34 ff.;
Urk.
11/1/41 ff.
)
. Bezüglich
des Behandlungserfolgs
führte sie aus, dass es aus aktueller Sicht keine weiteren therapeutischen Optionen gebe, die massgeblich und in einer relevanten Weise zu einer Verbesserung der Symptomatik beitragen könnten (
Urk.
11/1/55). Zusammengefasst hielt sie zum Komplex Gesundheitsschädigung fest, dass bereits seit Kindheit und Jugend psy
chiatrische Komorbiditäten bestünden und die psychiatrische Störung schwer und therapeutisch nicht mehr
angehbar
sei. Die diagnoserelevanten Befunde seien
derart stark ausgeprägt, dass trotz mehrjähriger adäquater psychiat
risch/psychotherapeutischer Behandlung nur minimale Erfolge hätten erreicht werden können. An eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt sei nicht zu denken (
Urk.
11/1/68).
4.2.2
Dr.
C._
konstatierte bezüglich Persönlichkei
t, dass einer der Hauptfak
toren
der limitierten Funktionalität der Beschwerdeführerin in der postulierten Persönlichkeitsstörung liege. Es bestehe eine unreife Persönlichkeit, die verbun
den sei mit mangelnder Frustrationstoleranz, affektiver Labilität, Bindungsstö
rungen und einer sehr abhängigen Beziehungsgestaltung.
Sie habe aber auch eine gewisse kindlich-naive Grundstruktur, aufgrund derer sie über viele Jahre versucht habe, trotz ihrer Schwierigkeiten ein gewisses Leis
tungsniveau aufrechtzuerhalten, einen Teil zum Lebensunterhalt der Familie bei
zutragen und eine gute Ehefrau und Mutter zu sein. Dadurch sei sie immer wieder an ihre Leistungsgrenzen gestossen, was sich in der sehr wechselhaften Berufs
anamnese mit zahlreichen kurzen Anstellungen zeige. Dieser Ehrgeiz und gewisse Stolz habe sicherlich über lange Zeit noch ein Restleistungsvermögen aufrecht
erhalten, was dann irgendwann einmal nicht mehr
kompensierbar
gewesen sei (
Urk.
11/1/68 f.).
Diesen Ausführungen von
Dr.
C._
in Bezug auf den Komplex «Persönlichkeit»
ist nichts mehr hinzuzufügen.
4.2.3
Zur Konsistenz und Symptomvalidierung äusserte sich
Dr.
C._
ausführ
lich und zeigte auf
(
Urk.
11/1/37 ff.)
, dass die geschilderten Beschw
erden in aller Regel sowohl
dem objektiven Befund, den Beobachtungen im Rahmen der Explo
ration und auch den fremdanamnesti
schen Angaben entspr
echen:
Die Beschwer
deführerin
nehme die therapeutischen Angebote seit vielen Jahren wahr, was ein Hinweis auf einen hohen Leidensdruck und die Compliance darstelle
. Die postu
lierten dissoziativen Zustände seien auch unbeobachtet im Wartezimmer aufge
treten und das hinkende Gangbild habe auch auf dem Weg zur Bushaltestelle beobachtet werden können. Die Beschwerdeführerin verfüge ausserhalb des engs
ten Familienkreises weder über Sozialkontakte noch gehe sie irgendwelchen Aktivitäten nach - die Einschränkung des Aktivitätsniveaus ziehe sich al
so durch alle vergleichbaren Le
bensbereiche (
vgl
hierzu Tagesablauf,
Urk.
11/1/33). Auf
grund der hohen Konsistenz der geklagten Beschwerden und der erhobenen Befunde und Beobachtungen sei ausserdem anzumerken, dass - falls die Beschwerdeführerin dies simulieren würde - ein ausgesprochen hohes Intelligenz
niveau angenommen werden müsste, um die Vielfalt der Symptome und Ein
schränkungen konsistent über einen so langen Zeitraum präsentieren und auch konsistent beschreiben zu können. Dies sei aufgrund des tiefen Bildungsniveaus
und des anzunehmenden eher tieferen Intelligenzniveaus absolut unwahrschein
lich.
Dr.
C._
wies des W
eiteren darauf hin, dass die niedrigen Serumspiegel der verordneten Medikamente nicht wirklich erklärbar seien
, obwohl die Beschwerdeführerin angebe, diese in der verordneten Art und Weise einzuneh
men. Zu diskutieren wäre allenfalls, ob sie eine Fast-
Metabolizerin
mit einem sehr raschen Medikamentenabbau
sei (vgl. hierzu auch
Urk.
11/1/33 f.). Die Glaubhaf
tigkeit der Beschwerdeführerin allein aufgrund dieser Laborbefunde grundsätz
lich in Frage zu stellen, sei aber aufgrund der gesamten Ausgangslage und Kon
sistenz der Aussagen unangemessen.
4.2.4
Die Bestimmung der Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
11/1/51 ff.)
durch
Dr.
C._
ist zudem so erfolgt, dass sie sich gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) ergibt.
Entsprechend
lassen sich d
ie funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen (BGE 144 V 50 E. 3.4).
4.3
Bezüglich des Beginns
der Arbeitsunfähigkeit legte
Dr.
C._
ausführlich dar, dass sich klare Hinweise auf eine durchgängige Arbeitsunfähigkeit ab dem
1.
Dezember 2011 ergeben hätten - aus ihrer Sicht sei aber auch schon vorher von einer eingeschränkten, wenn nicht gar aufgehobenen Arbeitsfähigkeit aus
zugehen (
Urk.
11/1/53 f.).
Demnach ist unter Berücksichtigung der Beurteilung von
Dr.
C._
, als auch insbesondere des
Z._
-Gutachtens vom 2
4.
Oktober 2011 (
Urk.
2/2/11/57/25), in welchem eine volle Arbeitsfähigkeit
in der angestammten als auch
in einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit attestierte wurde
sowie Urteil des Bundesgerichts
9C_638/2017 vom 1
3.
November 2017 E. 2.3.1
,
(
Urk.
1
)
,
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdefüh
rerin ab dem
1.
Dezember 2011 vollumfänglich in ihrer Arbeitsfähigkeit einge
schränkt ist.
4.4
In
Gutheissung
der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung aufzuheben, und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab dem
1.
Dezember 2012 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG).
5
.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Be
schwerdeverfahren vor dem kanto
na
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei
gerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vo
m Streitwert unter Berücksichti
gung des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 1‘000.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwieri
gkeit des Pro
zesses auf Fr. 3‘65
0.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.