Decision ID: 83ae3901-ab3b-4d6e-9277-36f2aa0324b2
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war seit 14. April 2011 bei der B._ GmbH St angestellt und dadurch bei
der Suva obligatorisch unfallversichert, als er am 6. Mai 2011 einen Arbeitsunfall erlitt
(UV-act. 22). Er sei auf einer Baustelle von der 2. oder 3. Sprosse der Leiter und
anschliessend wegen eines fehlenden Geländers vom 1. Stock ins Erdgeschoss
gestürzt, wo er auf einem Marmorboden aufgeschlagen habe (UV-act. 46). Die Suva
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Taggelder und Behandlungskosten; UV-act. 26).
A.b Der Versicherte war vom 6. bis 9. Mai 2011 im Spital C._ hospitalisiert. Gemäss
Austrittsbericht vom 6. Juni 2011, erlitt er beim Unfall eine Fraktur eines
Handwurzelknochens der rechten Hand (Os triquetrum; Chip Fraktur), eine Fraktur 7./8.
Rippe ventral links, eine Rissquetschwunde am Kinn sowie schwere Kontusionen der
linken Hand. Bezüglich der linken Hand sei primär keine Fraktur gesehen worden, bei
Beschwerdepersistenz werde eine vorzeitige Wiedervorstellung empfohlen (UV-act. 24).
Dr. med. D._, Fachärztin für Chirurgie FMH, berichtete am 21. Juli 2011, dass die
rechte Hand praktisch beschwerdefrei sei bei nur noch leicht eingesschränkter
Dorsalextension. Links würden persistierende Beschwerden über der Capitatumfraktur
und zusätzlich eine Gefühlsstörung des Kleinfingers, Streckprobleme ohne Schmerzen
im PIP und ulnopalmare Handgelenksschmerzen vorliegen (UV-act. 33). Gemäss
Beurteilung der Radiologie im Silberturm vom 30. September 2011 war die Capitatum
Fraktur konsolidiert mit mittelgradiger Fehlform und dorsal prominenter Knochennase,
leichtgradiger relativer Dorsalfehlstellung der Metacarpale III-Basis auf dem distal
deformierten Capitatum, mittelgradiger carpo-metacarpal Arthrose III, kleiner
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Verkalkung/Verknöcherung radialseitig am Os capitatum gegen das Trapezoideum und
ansonsten normalem CT und 3D-CT des linken Handgelenks (UV-act. 53). Im
Arztbericht vom 7. Oktober 2011 diagnostizierte Dr. med. E._, Spezialärztin für
Neurologie FMH, linksbetonte Handschmerzen/unsystematische Gefühlsstörung der
linken oberen Extremität. Von den Handgelenken her sei die Symptomatik nicht zu
erklären. Es werde die Durchführung eines MR cervikal/cerebral empfohlen (UV-act.
51). Im Bericht der Klinik F._ vom 22. Dezember 2011 wurde zudem eine
Streckfehlhaltung der Halswirbelsäule, eine mehrsegmentäre leichtgradige Spondylose,
eine uncarthrotisch bedingte leichtgradige foraminale Enge C3/4 links, eine neural nicht
kompromittierende breitbasige Discusprotrusion C3/4 sowie C5/6 festgehalten (UV-act.
78). Am 23. Dezember 2011 wurde der Versicherte am linken Handgelenk operiert
(Arthrodese Hamatum / Metacarpale III; UV-act. 78).
A.c Im Arztbericht vom 4. Juli 2012 diagnostizierte Dr. med. G._, Facharzt für
Neurologie, ein CRPS (complex regional pain syndrome, Morbus Sudeck,
Algodystrophie) der linken oberen Extremität nach Sturz am 6. Mai 2011 sowie eine
mässige medio-linkslaterale Diskushernie C3/4 mit linksforaminaler Enge und
Kompression der Wurzel C4 links. Er gehe davon aus, dass sich das schwre CRPS
aufgrund der leider erst spät diagnostizierten Capitatumfraktur links entwickelt und
retrospektiv höchstwahrscheinlich bereits zum Zeitpunkt der ersten neurologischen
Untersuchung im Oktober 2011 in schwächerer Form vorgelegen und sich dann nach
der handchirurgischen Intervention Ende 2011 massiv verstärkt habe. Der Versicherte
sei bis auf weiteres 100% arbeitsunfähig (UV-act. 144).
A.d Der Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie FMH hielt im Bericht vom 7.
September 2012 fest, die erste Erwähnung von Schulter-/Nackenbeschwerden fänden
sich im Bericht der Neurologin Dr. E._ vom 7. Oktober 2011, also fünf Monate nach
dem Unfallereignis. Bildgebend seien lediglich degenerative Veränderungen im Bereich
der Halswirbelsäule dargestellt worden, jedoch keine strukturellen unfallbedingten
Schäden. Somit liege es nur im Bereich des Möglichen, dass die von dem Patienten
geklagten Nackenbeschwerden als unfallkausal angesehen werden könnten, jedoch sei
dies bei den nachgewiesenen mehrsegmentären degenerativen Veränderungen nicht
überwiegend wahrscheinlich. Weiter spreche auch die Latenz des Auftretens der
Beschwerden gegen eine Unfallkausalität (UV-act. 170).
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A.e Vom 25. September bis 30. Oktober 2012 wurde eine Rehabilitation in der
Rehaklinik Bellikon durchgeführt. Im Austrittsbericht vom 31. Oktober 2012 wurde
festgehalten, dass bei erheblicher Symptomausweitung keine relevante Verbesserung
der Belastbarkeit habe erreicht werden können. Eine leichte bis mittelschwere Arbeit
sei dem Versicherten ganztags zumutbar, ohne häufig wiederholten Krafteinsatz, häufig
wiederholte Handgelenksbewegungen, häufige Zwangshaltungen sowie Vibrationen
und Schläge in Bezug auf die linke Hand, weiter auch ohne häufige Zwangshaltungen
im Nackenbereich sowie ohne Vibrationsbelastung und Schläge in Bezug auf die
Wirbelsäule (UV-act. 187).
A.f Im Bericht des Departements interdisziplinäre medizinische Dienste am
Kantonsspital St. Gallen (KSSG) vom 26. Februar 2013 wurde festgehalten, dass beim
Versicherten chronifizierte Schmerzen bei CRPS im Bereich des linken Armes
bestünden. Klinisch sei der Eindruck einer depressiven Symptomatik entstanden und
vom Versicherten auch bestätigt worden (UV-act. 224).
A.g Im Bericht der Klinik I._ vom 3. Juni 2013 hielten die Ärzte fest, dass der
Verdacht auf eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion bei CRPS nach
Unfallereignis am 6. Mai 2011 bestehe. Daneben zeige sich auch eine chronische
Schmerzsymptomatik mit vegetativen Begleitsymptomen (UV-act. 254).
A.h Im Bericht vom 5. Juni 2013 führte Dr. G._ aus, es erscheine im Moment als sehr
unwahrscheinlich, dass das Schmerzsyndrom an der linken Hand sich innerhalb einer
auch nur grob abschätzbaren Zeit soweit zurückbilden werde, dass für manuelle
Tätigkeiten wieder eine Arbeitsfähigkeit von annähernd 100% erreicht werden könne
(UV-act. 249).
A.i Am 13. August 2013 erfolgte die kreisärztliche Abschlussuntersuchung durch med.
pract. J._, Fachärztin für Chirurgie FMH. Objektiv zeige sich das CRPS weitgehend
zurückgebildet, klinisch bestünden endgradige Bewegungseinschränkungen des linken
Handgelenkes sowie eine Kraftminderung. Die berufliche Tätigkeit als Bauarbeiter sei
nicht zumutbar. Eine leichte bis mittelschwere Arbeit bei ganztägiger Arbeitszeit sei
jedoch nicht zumutbar. Bezüglich der linken Hand sollten kein häufig wiederholter
Krafteinsatz, keine häufig wiederholten Handgelenksbewegungen, keine häufigen
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Zwangshaltungen des Handgelenkes erfolgen, des Weiteren keine Vibrationen und
Schläge. Bezüglich der Beschwerden in der Halswirbelsäule, welche jedoch nicht als
unfallkausal zu betrachten seien, solle auf eine häufige Zwangshaltung im
Nackenbereich verzichtet werden, ausserdem müssten Vibrationsbelastungen und
Schläge vermieden werden. Der Integritätsschaden sei dauerhaft und erheblich und
werde auf 5% geschätzt (UV-act. 278 f.).
A.j Mit Verfügung vom 18. September 2013 wurde dem Versicherten bei einer
Integritätseinbusse von 5% eine Integritätsentschädigung von Fr. 6‘300.--
zugesprochen. In einer angepassten Tätigkeit betrage die unfallbedingte
Erwerbseinbusse lediglich 5.76% weshalb keine Rente zugesprochen werden könne
(UV-act. 293).
A.k Mit Einsprache vom 21. Oktober 2013 beantragte der Versicherte die Aufhebung
der Verfügung vom 18. September 2013 und die Zusprache einer Invalidenrente. Bei
den Einschränkungen in einer adaptierten Tätigkeit könne nicht von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Es komme nur eine leichte Tätigkeit in Frage,
welche sich auch einhändig erledigen lasse. Das hypothetische Invalideneinkommen
müsse deshalb stark gesenkt werden. Die Integritätsentschädigung werde nicht
beanstandet (UV-act. 304). Mit Schreiben vom 28. März 2014 beantragte er zudem die
Einholung eines Gutachtens zur Beantwortung der Frage, inwieweit ihm Arbeiten in
einer angepassten Tätigkeit zuzumuten seien (UV-act. 324).
A.l Mit Einspracheentscheid vom 7. April 2014 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten ab. Beim Ereignis vom 6. Mai 2011 handle es sich nach der
Rechtsprechung um einen mittelschweren Unfall mit Tendenz zu den leichten Unfällen.
Der Unfall habe sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen abgespielt,
auch sei er nicht besonders eindrücklich gewesen. Erfahrungsgemäss seien die
Verletzungen des Versicherten weder aufgrund ihrer Schwere noch wegen ihrer
besonderen Art geeignet gewesen, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen.
Intensive unfallbedingte körperliche Dauerschmerzen seien nicht nachgewiesen. Der
adäquate Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Störungen des
Versicherten und dem Unfallereignis sei zu verneinen. Die vorgeschlagenen
zumutbaren Arbeitsplätze würden alle den unfallbedingten Einschränkungen
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angemessen Rechnung tragen. Es handle sich durchwegs um Tätigkeiten, welche
beidhändiges Arbeiten nicht oder nur bedingt erfordern würden. An der Berechnung
des Invaliditätsgrades könne somit festgehalten werden (UV-act. 326).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 19. Mai
2014. Der Beschwerdeführer beantragt unter Kosten- und Entschädigungsfolge dessen
Aufhebung. Ihm seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Eventualiter sei das
Verfahren zu weiteren Abklärungen und zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Dabei stützt sich der Beschwerdeführer insbesondere auf den Bericht
von Dr. med. K._, Facharzt für Rheumatologie und innere Medizin FMH vom 22. Mai
2014, in welchem dieser einen hochgradigen Verdacht auf ein aktives CRPS Hand/
Unterarm links diagnostizierte und in einer angepassten Tätigkeit eine 70%ige
Arbeitsunfähigkeit attestierte (act. G 1.12). Auch die Bemessung der
Integritätsentschädigung mit nur 5% erweise sich als falsch (act. G 1). Mit
Beschwerdeergänzung vom 30. Juni 2014 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht
der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie am KSSG vom 19.
Juni 2014 und einen Bericht der Klinik für Psychosomatik (Schmerzsprechstunde) am
KSSG vom 16. Juni 2014 ein (act. G 5).
B.b Am 2. Juli 2014 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 6).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 2. September 2014 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Aufgrund der
übereinstimmenden medizinischen Berichte der Rehabilitationsklinik Bellikon, des
KSSG, von Dr. G._ und der Kreisärztin sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt, dass seit Ende Oktober 2012 kein CRPS an der linken oberen Extremität mehr
bestanden habe. Die neu eingereichten Berichte des Beschwerdeführers würden
bestenfalls darauf hindeuten, dass das CRPS im Mai 2014 wieder aufgeflackert sein
könnte, was einem Rückfall entsprechen würde und nicht Gegenstand des
vorliegenden Prozesses sei (act. G 8).
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B.d Mit Replik vom 5. Januar 2015 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest. Das Unfallereignis müsse als besonders eindrücklich eingestuft
werden. Vorliegend sei von einem mittelschweren Unfall auszugehen und der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und dem psychischen Anteil an der Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit sei klar zu bejahen. Zudem bestehe das CRPS seit Februar
2012 und sei auch aktuell noch aktiv, es sei zu keinem Zeitpunkt ausgeheilt gewesen
(act. G 17).
B.e In der Duplik vom 5. Februar 2015 hält auch die Beschwerdegegnerin unverändert
an der Beschwerdeantwort fest (act. G 20).

Erwägungen
1.
1.1 Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde bildet der
Einspracheentscheid vom 7. April 2014 (UV-act. 326), dem die Verfügung vom 18.
September 2013 (UV-act. 293) zugrunde liegt. Darin prüfte die Beschwerdegegnerin
den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente und eine
Integritätsentschädigung. Die Beschwerdegegnerin ermittelte eine unfallbedingte
Erwerbseinbusse von 5.76%. Die psychogenen Störungen würden nicht in einem
adäquatkausalen Zusammenhang mit dem Unfall stehen, weshalb diesbezügliche
Leistungen entfallen würden.
1.2 Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die mangels Anfechtung
bereits mit Verfügung vom 18. September 2013 in Rechtskraft erwachsene Festlegung
der Integritätsentschädigung. Diese wurde in der Einsprache vom 21. Oktober 2013
explizit nicht beanstandet (UV-act. 304, S. 4). Somit ist vorliegend einzig der Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu prüfen. Auf die Frage der
Integritätsentschädigung kann nicht eingetreten werden.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
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Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursache im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und
dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V
177 E. 3.1 f.).
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
2.3 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1). Wenn der entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde, kann das Gericht die Angelegenheit zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich insbesondere auf die medizinischen Berichte
der Rehaklinik Bellikon, des KSSG, sowie von Dr. G._ und der Kreisärztin, wonach
nach dem Austritt des Beschwerdeführers aus der Rehaklinik Bellikon kein CRPS mehr
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bestanden habe (act. G 8, E. 5.2). Der Beschwerdeführer hält dagegen, dass ein aktives
CRPS vorliege, es sei unklar, wie es zur Aussage der Rehaklinik Bellikon gekommen sei
(act. G 1, S. 3).
3.2 Im Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 31. Oktober 2012 diagnostizierten
die Ärzte in Bezug auf den Unfall vom 6. Mai 2011 eine schwere Kontusion der linken
Hand mit erst verspätet diagnostizierter, intraartikulärer Os Capitatum-Fraktur und eine
leichte Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10: F43.21). Folgende
Probleme bei Austritt wurden festgehalten: 1. Erhebliche Symptomausweitung; 2.
Dauerschmerzen linke Hand-Arm-Schultergürtel-Nacken, belastungsverstärkt; 3.
Regrediente Hypersudation der linken Hand (sonst keine CRPS-Zeichen mehr); 4.
Distal-betonte, globale Schwäche der linken oberen Extremität; Hypästhesie der
gesamten linken oberen Extremität mit Ausbreitung bis an den Nacken und den oberen
linken Hemithorax; 5. Häufige, bis drei Tage anhaltende, von okzipital ausgehende
Kopfschmerzen (bilateral) mit Schwindel, Nebel-Sehen, Lichtempfindlichkeit und
Übelkeit bis zum Erbrechen; 6. Postprandiale Abdominalschmerzen, ausstrahlend in
den Rücken; umgekehrt lumbale Rückenschmerzen mit gürtelförmiger Ausstrahlung
nach ventral. Bei Eintritt habe der Beschwerdeführer massive Schmerzen in der ganzen
linken Hand und durch den ganzen linken Arm über die Schulter bis zum Nacken und
zum Okziput angegeben. An CRPS-Symptomen seien auf Befragung noch eine
belastungsabhängige Schwellung, zeitweilige Koloritveränderungen und eine
Hypersudation der linken Hand angegeben worden, dazu die ausgeprägte Schwäche.
In der Eintrittsuntersuchung habe die linke Hand bis auf eine minim vermehrte
Behaarung keine CRPS-verdächtigen Veränderungen gezeigt. Unter der Therapie habe
sich dann doch eine deutliche Hypersudation an der linken Hand manifestiert, das
CRPS sei also noch nicht ganz abgeklungen gewesen. Nach einer nochmaligen
peroralen Kortikosteroid-Behandlung über drei Wochen habe sich die Hypersudation
deutlich verringert. Das Ausmass der angegebenen Schmerzen, die diffuse
Ausdehnung auf die gesamte linke obere Extremität, den oberen linken Hemithorax und
den Nacken, die diffuse Hypästhesie im schmerzhaften Gebiet und das Ausmass des
gezeigten Kraftdefizits liessen sich bei inzwischen weitgehend abgeklungenem CRPS
nicht respektive nicht mehr organisch erklären. Entsprechend den früheren
neurologischen Untersuchungen sei das aktuelle Beschwerdebild nicht auf eine
spezifische Läsion einer zervikalen Nervenwurzel oder eines Armnerven links
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zurückzuführen. Aufgrund der erheblichen Symptomausweitung seien die Resultate der
physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren körperlichen
Belastbarkeit nicht verwertbar. Das Ausmass der demonstrierten physischen
Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der
klinischen Untersuchung nicht erklären. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich
wesentlich auf medizinisch-theoretische Überlegungen, unter Berücksichtigung der
Beobachtungen bei den Leistungstests und im Behandlungsprogramm. Die
festgestellte psychische Störung begründe aktuell keine arbeitsrelevante
Leistungsminderung. Die Tätigkeit als Bauarbeiter sei nicht zumutbar, da bei der
schweren Arbeit die volle Belastbarkeit beider Hände und Arme erforderlich sei. Leichte
bis mittelschwere Arbeiten seien ganztags zumutbar. Dabei sei die linke Hand
eingeschränkt, häufig wiederholter Krafteinsatz, häufig wiederholte
Handgelenksbewegungen, häufige Zwangshaltungen des Handgelenks dürften nicht
vorkommen und Vibrationen und Schläge in Bezug auf die linke Hand seien zu
vermeiden. Bezüglich der Halswirbelsäule seien keine häufigen Zwangshaltungen im
Nackenbereich einzunehmen und Vibrationsbelastungen und Schläge in Bezug auf die
Wirbelsäule seien zu vermeiden (UV-act. 187).
3.3 Die Kreisärztin med. pract. J._ hielt im Bericht zur ärztlichen
Abschlussuntersuchung vom 13. August 2013 fest, dass weiterhin der Schulter/
Nacken- und Armschmerz links im Vordergrund stehe. Objektiv zeige sich das CRPS
weitgehend zurückgebildet und klinisch bestünden endgradige
Bewegungseinschränkungen des linken Handgelenkes sowie Kraftminderung. Auch
nach der aktuellen Untersuchung könne auf die Zumutbarkeitsbeurteilung der
Rehaklinik Bellikon abgestellt werden (UV-act. 279-6).
3.4 Dr. K._ diagnostizierte im Bericht vom 22. Mai 2014 den hochgradigen Verdacht
auf ein aktives CRPS Hand/Unterarm links. Für eine fragliche psychische
Schmerzverarbeitungsstörung würden in der aktuellen klinischen Untersuchung
keinerlei Hinweise vorliegen. Bezüglich des Berichts der Rehaklinik Bellikon führte Dr.
K._ aus, dass das CRPS ohne klare Hinweise als „in Abheilung“ beschrieben worden
sei. Zu dieser Aussage seien aber keine weiteren Untersuchungen durchgeführt
worden. Es sei gänzlich unklar, wie es zu dieser Aussage gekommen sei. Klinisch
könnten klare Hinweise für ein CRPS gefunden werden: Deutliches vermehrtes
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Schwitzen der Handflächen links, deutlicher Farbunterschied im Sinne eines kapillaren
Durchblutungsunterschiedes linksgegenüber rechts, aktuell links mit Rötung und
Überwärmung. Es sei unverständlich, wieso von einem CRPS in Abheilung gesprochen
werde. Sämtliche Befunde, auch die der Schmerzklinik, würden für ein seit der
Operation aktives CRPS der linken Hand sprechen, welches bisher nie adäquat
behandelt worden sei. Für eine angepasste Tätigkeit (sitzend, wechselbelastend, ohne
Arbeiten mit der linken Hand [auch Tastaturarbeiten am Computer seien somit
ausgeschlossen]) bestehe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.12).
3.5 Im Bericht der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des
KSSG vom 19. Juni 2014 hielten die Ärzte fest, beim Beschwerdeführer fänden sich in
jedem Fall noch Zeichen eines aktiven CRPS, auch wenn häufig vorkommende
Merkmale wie die verstärkte Behaarung und Schwellung inzwischen fehlten. Die nicht
durch andere Ursachen erklärbaren Schmerzen, die Hyperhydration und Hautrötung
sowie das Sensibilitätsdefizit würden allerdings eindeutig dafür sprechen. Die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit lasse sich aus dieser Momentaufnahme nur schwer
erheben. Funktionell seien sicher Tätigkeiten ohne Belastungen mit Einsatz der Hand,
wie Arbeiten am PC möglich. Auf Nachfrage gebe der Patient allerdings an, dass dies
nur wenige Minuten beschwerdearm möglich sei und anschliessend starke Schmerzen
einsetzen würden. Diesbezüglich sei er sicher nicht arbeitsfähig (act. G 5.14). Im
Bericht des Departements Innere Medizin, Klinik für Psychosomatik am KSSG, vom 16.
Juni 2014 diagnostizierten die Ärzte eine depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig
ausgeprägt vor dem Hintergrund eines Verdachts auf ein aktives CRPS im Bereich der
Hand und des Unterarms links. Zur Arbeitsfähigkeit äusserten sich die Ärzte jedoch
nicht (act. G 5.15).
3.6 Damit liegen einerseits jüngere ärztliche Berichte vor, die sich detailliert mit dem
Beschwerdebild des CRPS auseinandersetzen und mit seiner Ausprägung beim
Beschwerdeführer. Dagegen stellt die Beurteilung von med. pract. J._ bezüglich des
CRPS zwar regrediente Verhältnisse fest, gleich wohl handelt es sich dabei im
Wesentlichen um eine Prognose hinsichtlich der zu erwartenden Abheilung. Diese
kreisärztliche Prognose erfolgte rund ein Jahr vor der Beurteilung von Dr. K._ sowie
der Ärzte der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des KSSG.
Von daher erscheint es doch ohne weiteres möglich, dass sich das CRPS in der Folge
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nicht so entwickelt hat, wie das die Kreisärztin angenommen hatte. Liegen ernst zu
nehmende Anhaltspunkte für eine solche nicht der Prognose entsprechende
Entwicklung vor, kann es nicht angehen, dass die Suva diese ignoriert und weiterhin
die kreisärztliche Begutachtung für allein massgeblich erachtet. Vielmehr hat sie zu
prüfen, wie sich der prognostizierte Verlauf tatsächlich abgespielt hat. Dies hat sie
vorliegend nicht getan und wird es darum nachzuholen haben. Das heisst sie wird ein
einschlägiges Gutachten bei einem externen Schmerzspezialisten oder Neurologen zur
Frage des Vorliegens und Verlaufs eines CRPS beim Beschwerdeführer in Auftrag zu
geben und über einen allfälligen Rentenanspruch gegenüber der Beschwerdegegnerin
neu zu verfügen haben.
3.7 Insgesamt ist vorliegend der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt,
weshalb die Einholung eines medizinischen Gutachtens notwendig erscheint.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde der
Einspracheentscheid vom 7. April 2014 aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden
Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE
132 V 215 E. 6.2). Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz
der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt
und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1‘000.-- bis Fr. 12‘000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4‘000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Damit erübrigt sich die
Festsetzung eines Honorars im Rahmen der bewilligten unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung.
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