Decision ID: 90f229f5-e32a-5cee-8689-ca8120bb1069
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ D.R., geb. 1976, ist Staatsangehöriger von Mazedonien. Er gelangte 1983 im
Rahmen des Familiennachzugs zu seinen im Kanton St. Gallen wohnhaften Eltern. 1997
wurde ihm die Niederlassung erteilt. Zwischen 2002 und 2009 wurde er wiederholt
straffällig. Unter anderem wurde er am 6. November 2006 wegen mehrfachen
Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie grober Verletzung von
Verkehrsregeln zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, wobei der Vollzug der
Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben wurde. Mit
Verfügung vom 20. April 2009 widerrief das Ausländeramt die
Niederlassungsbewilligung und wies D.R. an, die Schweiz am Tag der Beendigung der
ambulanten Massnahme zu verlassen. Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob
D.R. Rekurs, der vom Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom 23. Juni
2009 abgewiesen wurde. Das Verwaltungsgericht wies eine von D.R. erhobene
Beschwerde mit Urteil vom 3. Dezember 2009 ab. Das Urteil erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
B./ Das Ausländeramt teilte D.R. am 2. Februar 2010 mit, er sei gemäss Art. 66 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20, abgekürzt
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AuG) verpflichtet, den Aufenthalt in der Schweiz aufzugeben und wegzureisen. Dazu
werde ihm eine Frist bis 29. März 2010 eingeräumt.
Mit Verfügung vom 12. Februar 2010 erliess das Bundesamt für Migration gegen D.R.
ein Einreiseverbot ab 30. März 2010 bis 29. März 2016. Einer Beschwerde gegen diese
Massnahme entzog es die aufschiebende Wirkung.
Am 17. Februar 2010 teilte das Ausländeramt D.R. mit, nach Abklärungen mit dem
Justizvollzug Zürich werde im Hinblick auf die jährliche Überprüfung der ambulanten
Massnahme ein aktueller Therapiebericht eingeholt. Die Massnahme habe bis anhin
noch nicht abgeschlossen werden können. Daher sei die am 2. Februar 2010
angesetzte Ausreisefrist hinfällig. Über den Zeitpunkt der Wegweisung aus der Schweiz
werde nach Einsicht in den Therapiebericht entschieden. Das Bundesamt für Migration
bezeichnete die Einreisesperre am 22. Februar 2010 als gegenstandslos.
Am 11. März 2010 erstattete der Justizvollzug
Zürich einen Kurzbericht über die ambulante Massnahme.
Mit Verfügung vom 29. März 2010 ordnete das Ausländeramt den vorzeitigen
Wegweisungsvollzug an und verpflichtete D.R., die Schweiz bis 30. Mai 2010 zu
verlassen.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 6. April 2010 erhob D.R. Rekurs mit dem
Antrag, die Verfügung des Ausländeramts vom 29. März 2010 sei aufzuheben und es
sei zum heutigen Zeitpunkt von der Wegweisung aus der Schweiz abzusehen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Mit Entscheid vom 10. Mai 2010 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den
Rekurs ab und ordnete an, D.R. habe die Schweiz bis 30. Juni 2010 zu verlassen. Als
ordentliches Rechtsmittel gab es die Beschwerde an den Präsidenten des
Verwaltungsgerichts an.
D./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 17. Mai 2010 erhob D.R. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht. In seiner Beschwerdeergänzung vom 2. Juni 2010 beantragte
er, die Verfügung des Ausländeramts vom 29. März 2010 bzw. der Rekursentscheid
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des Sicherheits- und Justizdepartements vom 10. Mai 2010 seien aufzuheben und es
sei zum heutigen Zeitpunkt von einer Wegweisung aus der Schweiz abzusehen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der Beschwerdeführer macht geltend, zur
Behandlung der Beschwerde sei nicht der Verwaltungsgerichtspräsident zuständig,
sondern das Verwaltungsgericht. Weiter führt er aus, das Ausländeramt habe in seiner
Verfügung vom 20. April 2009 die Ausreiseverpflichtung mit der Beendigung der
Massnahme verknüpft, weshalb es lediglich um die Feststellung gehe, ob zum
aktuellen Zeitpunkt die Massnahme beendet sei oder nicht. Allein der Bewährungs-
und Vollzugsdienst des Justizvollzugs Zürich sei zum Entscheid über die Beendigung
oder Fortsetzung der Massnahme befugt. Daher sei dieser anzuhalten, die ihm
obliegende Überprüfung vorzunehmen und seine Entscheidung dem Ausländeramt
mitzuteilen. Auf die weiteren Vorbringen wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
Am 3. Juni 2010 reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht ein.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 4. Juni 2010 die Abweisung
der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Zu prüfen ist zunächst, ob der Verwaltungsgerichtspräsident oder das
Verwaltungsgericht zur Behandlung der Beschwerde zuständig sind.
1.1. Nach Art. 44 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1,
abgekürzt VRP) sind vorsorgliche Massnahmen und Vollstreckungsmassnahmen,
eingeschlossen die Androhung des Vollstreckungszwangs, bei der in der Hauptsache
zuständigen Rekursinstanz anfechtbar. Art. 44 Abs. 3 VRP bestimmt, dass Entscheide
der Departemente über Vollstreckungsmassnahmen endgültig sind.
Nach Art. 60 Abs. 1 lit. b VRP beurteilt der Präsident des Verwaltungsgerichts
Beschwerden gegen vorsorgliche Massnahmen und gegen
Vollstreckungsmassnahmen, eingeschlossen die Androhung des
Vollstreckungszwangs, der Regierung und der Departemente, wenn die Hauptsache
beim Verwaltungsgericht anfechtbar ist.
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1.2. Ob der Entscheid der Vorinstanz eine Verfügung im Sinn von Art. 44 Abs. 1 bzw.
Art. 60 Abs. 1 lit. b VRP oder ein Entscheid im Sinn von Art. 44 Abs. 3 VRP ist, spielt
vorliegend keine Rolle. Die Vorinstanz stützte die Anfechtbarkeit ihres Entscheids auf
Art. 86 Abs. 2 des Bundesgerichtsgesetzes (SR 173.110, abgekürzt BGG). Darin ist der
Grundsatz verankert, dass die Kantone als Vorinstanzen des Bundesgerichts obere
Gerichte einsetzen. Dies bedeutet aber nicht zwingend, dass auch Entscheide über
Vollstreckungsmassnahmen richterlich überprüft werden müssen.
Nur wenn ein Departement selber erstinstanzlich vorsorgliche Massnahmen oder
Vollstreckungsmassnahmen trifft, steht nach Art. 60 Abs. 1 lit. b VRP die Beschwerde
an den Präsidenten des Verwaltungsgerichts offen. Gegen Rekursentscheide über
Vollstreckungsmassnahmen ist aber die Beschwerde nach Art. 44 Abs. 3 VRP im
Grundsatz nicht zulässig.
1.3. Zu prüfen bleibt, ob aufgrund der Rechtsweggarantie Anspruch auf Zugang zu
einem Richter besteht. Nach Art. 29a der Schweizerischen Bundesverfassung (SR 101)
bzw. Art. 77 Abs. 1 der Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1) hat jede Person
bei Rechtsstreitigkeiten Anspruch auf Beurteilung durch eine richterliche Behörde,
wobei das Gesetz Ausnahmen vorsehen kann.
Das st. gallische Gesetzesrecht sieht wie erwähnt keine generelle Überprüfung von
Vollstreckungsentscheiden durch den Richter vor. Auch aufgrund des Bundesrechts
gelten Vollstreckungsakte im Grundsatz nicht als Entscheide im Sinn von Art. 82 BGG.
Es kann kein schutzwürdiges Interesse daran bestehen, dass eine staatliche
Anordnung, welche bloss einen rechtskräftigen Entscheid vollstreckt, erneut
angefochten werden kann (vgl. Seiler/von Werdt/Güngerich, Bundesgerichtsgesetz,
Bern 2007, Rz. 31 zu Art. 82 BGG mit Hinweis auf BGE 119 Ib 499). Nur wenn der
Vollstreckungsakt eine vom zu vollstreckenden Entscheid nicht abgedeckte oder neue
Rechtsbeeinträchtigung oder Verpflichtung enthält, ist eine Anfechtung zulässig;
ebenso wenn ein besonders schwerer Grundrechtseingriff geltend gemacht wird oder
die zu vollstreckende Entscheidung nichtig ist (vgl. Niggli/Uebersax/Wiprächtiger,
Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, Rz. 10 zu Art. 82 BGG mit Hinweis auf BGE 129 I
412).
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