Decision ID: f009c709-80f5-5658-bef1-4f326ce1a3fe
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist geschieden und lebt in A. Zufolge Erwerbsunfähigkeit bezieht er eine volle
Invalidenrente (IV-Rente) sowie zwei Erwerbsausfallrenten von privaten Versicherungen.
In der Steuererklärung für die Staats- und Gemeindesteuern 2009 deklarierte X
Nebenerwerbseinkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 833.--, eine IV-
Rente von Fr. 22'548.--, Erwerbsausfallrenten von Fr. 12'000.-- (Schweizerische
Mobiliar Lebensversicherungs-Gesellschaft AG, nachfolgend: Mobiliar) und Fr. 6'000.--
(40 Prozent der Jahresrente von Fr. 15'000.-- der Zürich Versicherungsgesellschaft AG,
nachfolgend: Zürich-Versicherung) sowie Einkünfte aus Wertschriften und Guthaben
von Fr. 8'557.--. Das deklarierte steuerbare Einkommen betrug Fr. 43'700.--. Das
kantonale Steueramt unterwarf die Erwerbsausfallrente der Zürich-Versicherung von Fr.
15'000.-- in vollem Umfang der Besteuerung und veranlagte X für die direkte
Bundessteuer 2009 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 53'000.--.
B.- Mit Schreiben vom 22. Juni 2010 erhob X Einsprache gegen die Veranlagung. Er
beantragt, die Rente der Zürich-Versicherung sei wie bis anhin lediglich mit Fr. 6'000.--,
was 40 Prozent entspreche, zu besteuern. Nach Vornahme weiterer Abklärungen wies
das kantonale Steueramt die Einsprache mit Entscheid vom 29. September 2010 ab.
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C.- Gegen den Einsprache-Entscheid reichte X mit Eingabe seines Vertreters vom 26.
Oktober 2010 Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission ein mit dem Antrag,
der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und das steuerbare Einkommen auf Fr.
44'000.-- festzusetzen, im Eventualfall sei die Streitsache im Sinn der Erwägungen an
die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit
Vernehmlassung vom 3. Februar 2011 beantragte die Vorinstanz die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdebeteiligte liess sich nicht vernehmen.
Der Beschwerdeführer nahm zur Vernehmlassung der Vorinstanz mit Eingabe vom 28.
Juni 2011 Stellung.
Auf die von den Parteien zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen und
die Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 26. Oktober 2010 ist
rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz
über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.- In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer das Vorgehen der Vorinstanz,
welche von ihm die Herausgabe der Versicherungspolice verlangt habe.
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe über sämtliche
notwendigen Informationen zur Versicherung verfügt. Sie habe gewusst, dass die
Police bei der Zürich-Versicherung per 31. Dezember 2009 einen Rückkaufswert von
Fr. 59'388.-- aufgewiesen habe. Zudem habe sie über die Bestätigung der Zürich-
Versicherung vom 13. Januar 2010 verfügt, wonach im Jahr 2009 Renten bei
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Erwerbsunfähigkeit von Fr. 15'000.-- ausbezahlt worden seien. Die Vorinstanz habe
daher gewusst, dass die Police einerseits kapitalbildenden Charakter habe, andrerseits
eine Rentenversicherung für den Fall der Erwerbsunfähigkeit enthalte. Aus der
Tatsache, dass der Rückkaufswert der erwähnten Police als Vermögen habe versteuert
werden müssen, sei klar gewesen, dass es sich um eine Säule 3b-Police handle, bei
welcher der Versicherungsnehmer die Prämien selbst finanzieren müsse. Es sei daher
reine Schikane, von ihm die Einreichung der Police zu verlangen. Hinzu komme, dass
die Police zumindest in Kopie längst in Besitz der Vorinstanz sein müsse, nachdem er
seit Jahren erwerbsunfähig sei und die erwähnte Rente erhalte. Schliesslich sei die
Rente bereits einmal Gegenstand eines Verfahrens vor Verwaltungsrekurskommission
gewesen.
b) Der Steuerpflichtige muss alles tun, um eine vollständige und richtige Veranlagung
zu ermöglichen. Er muss auf Verlangen der Veranlagungsbehörde insbesondere
mündlich oder schriftlich Auskunft erteilen, Geschäftsbücher, Belege und weitere
Bescheinigungen sowie Urkunden über den Geschäftsverkehr vorlegen (Art. 126 Abs. 1
und 2 DBG). Ziel der Mitwirkungspflicht ist die Feststellung der für eine vollständige
und richtige Veranlagung notwendigen Tatsachen. Das Gesetz überbindet dem
Steuerpflichtigen die Pflicht alles zu tun, damit die Veranlagungsbehörde den für die
gesetzmässige Veranlagung massgebenden Sachverhalt feststellen kann. Die
Mitwirkungspflicht besteht ungeachtet der Verteilung der objektiven Beweislast. Nach
dem Verhältnismässigkeitsgrundsatz müssen die geforderten Mitwirkungshandlungen
geeignet, notwendig und zumutbar sein (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 11 ff. zu Art. 126 DBG).
c) Gemäss verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung ist die steuerrechtliche
Qualifikation einer Versicherungsleistung u.a. gestützt auf die Auslegung der
Versicherungspolice sowie der allgemeinen Vertragsbedingungen zu ermitteln (SGE
2008 Nr. 4, Entscheid vom 13. März 2008, zu finden unter www.gerichte.sg.ch). Die
Vorinstanz war daher ohne Weiteres berechtigt, vom Beschwerdeführer die
Herausgabe der Versicherungspolice zu verlangen. Auch ist nicht ersichtlich, inwiefern
die Herausgabe der Police unzumutbar sein könnte.
3.- In materieller Hinsicht ist umstritten, wie die Rente der Zürich-Versicherung in der
Höhe von Fr. 15'000.-- zu besteuern ist.
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a) Der Rekurrent bringt vor, die Rente für Erwerbsunfähigkeit aus der gemischten
Versicherung sei seit Jahren lediglich zu 40 Prozent besteuert worden. Eine
Gesetzesänderung habe es in der Zwischenzeit nicht gegeben. Es sei daher
schleierhaft und willkürlich, diese Rente plötzlich zu 100 Prozent zu besteuern. Die
Wegleitung führe nach wie vor aus, dass Renten aus kapitalbildenden Versicherungen
(Säule 3b) zu 40 Prozent zu besteuern seien. Nur Renten aus reinen
Risikoversicherungen seien zu 100 Prozent steuerbar. Um eine solche handle es sich
jedoch nicht, es liege eine gemischte Versicherung mit hauptsächlich kapitalbildendem
Charakter vor. Solche Versicherungen gehörten nach dem klaren Wortlaut des
Gesetzes und der Wegleitung zu den privaten kapitalbildenden Versicherungen. Die
Vorinstanz habe gegen das Gesetz und die eigene Wegleitung verstossen.
b) Der Einkommenssteuer unterliegen alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte
(Art. 16 Abs. 1 DBG). Nach dem Prinzip der Gesamtreineinkommenssteuer werden
grundsätzlich alle Vermögenswerte, die dem Steuerpflichtigen während eines
bestimmten Zeitabschnitts zufliessen, gesamthaft als Einkommen besteuert. So
unterliegen neben regelmässig wiederkehrenden Einkünften auch einmalige Zugänge,
neben Bareinkünften auch Naturaleinkünfte der Einkommensbesteuerung. Nach der
gesetzlichen Umschreibung gilt grundsätzlich jeder Wertzufluss unabhängig von Art
und Quelle als steuerbares Einkommen, sofern das Steuergesetz nicht selber eine
Ausnahme von der Steuerpflicht vorsieht. Steuerbar sind alle Einkünfte aus Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, aus Einrichtungen der beruflichen Vorsorge
und aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge, mit Einschluss der
Kapitalabfindungen und Rückzahlungen von Einlagen, Prämien und Beiträgen (Art. 22
Abs. 1 DBG). Leibrenten sowie Einkünfte aus Verpfründung sind zu 40 Prozent
steuerbar (Art. 22 Abs. 3 DBG). Nach Art. 23 lit. b DBG sind einmalige oder
wiederkehrende Zahlungen bei Tod sowie für bleibende körperliche oder
gesundheitliche Nachteile steuerbar. Diese Bestimmung umfasst periodisch
ausgerichtete Entschädigungen, die Dritte der steuerpflichtigen Person als Ersatz für
den Verlust oder die dauernde Verminderung der Erwerbsfähigkeit bezahlen (P. Locher,
Kommentar zum DBG, Band I, Therwil/Basel 2001, N 27 zu Art. 23 DBG).
Personenversicherungen können als Schadens- oder Summenversicherungen
ausgestaltet sein. Sie decken Gefahren oder Tatbestände ab, denen der Versicherte als
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Person ausgesetzt ist. Sie lassen sich in Lebens-, Unfall- und Krankenversicherungen
unterteilen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 78 zu Art. 22 DBG). Bei den
Lebensversicherungen wird zwischen rückkaufsfähigen und nicht rückkaufsfähigen
Versicherungen unterschieden. Ist ungewiss, ob die Versicherung während der
Vertragslaufzeit eine Leistung erbringen muss, handelt es sich um eine nicht
rückkaufsfähige Versicherung. Ist dagegen sicher, dass der Versicherer eine Leistung
aus dem Vertrag erbringen muss, handelt es sich um eine rückkaufsfähige
Versicherung. Bei dieser Art der Versicherungen wird mit einem in der Prämie
enthaltenen Sparanteil ein Kapital für den Erlebensfall gebildet. Im Gegensatz dazu
stehen nicht kapitalbildende Risikoversicherungen, die nicht rückkaufsfähig sind. Die
Lebensversicherung knüpft den Versicherungsfall in der Regel an die Dauer des
menschlichen Lebens. Der Versicherer verspricht dem Versicherungsnehmer gegen
Prämienzahlung Versicherungsschutz für den Fall des Todes oder des Erreichens eines
bestimmten Alters. Es lassen sich deshalb Todesfall-, Erlebensfall- und gemischte
Versicherungen unterscheiden. Bei der lebenslänglichen Todesfallversicherung muss
der Versicherer die vereinbarte Leistung erbringen, wenn die versicherte Person stirbt.
Dieses Ereignis tritt mit Sicherheit ein, weshalb eine rückkaufsfähige Versicherung
vorliegt. Regelmässig wird hingegen eine zum Voraus begrenzte Versicherungsdauer
vereinbart (sog. temporäre Todesfallversicherung). Der Versicherer hat zu leisten,
sofern der Tod während der Versicherungsdauer eintritt. Tritt das versicherte Ereignis
nicht ein, ist der Versicherer bei Beendigung der Versicherungsdauer von der
Leistungspflicht befreit. Die temporäre Todesfallversicherung hat primär eine
Risikofunktion. Bei der Erlebensfallversicherung hat der Versicherer hingegen nur zu
leisten, wenn der Versicherte einen bestimmten Termin erlebt. Es handelt sich um eine
reine nicht rückkaufsfähige Risikoversicherung. Bei der gemischten
Lebensversicherung liegt eine Kombination von Todes- und Erlebensfallversicherung
vor. Der Versicherer hat auf jeden Fall eine Leistung zu erbringen, sei es, wenn der
Versicherte stirbt, oder sei es, dass er einen bestimmten Termin erlebt; in beiden Fällen
hat der Versicherer die vereinbarte Summe zu bezahlen. Die gemischte Versicherung
hat Risiko- und Sparfunktion, sie ist rückkaufsfähig (U.R. Behnisch, Zur steuerlichen
Behandlung des Rückkaufs und der Prämienrückgewähr, ASA 74 S. 99 f.; Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 75 ff. zu Art. 22 DBG). Der Vermögensanfall aus einer
rückkaufsfähigen privaten Kapitalversicherung ist steuerfrei (Art. 24 lit. b DBG).
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Als Leibrente wird eine periodisch wiederkehrende, in der Regel gleich bleibende und
auf das Leben einer oder mehrerer Personen gestellte Leistung verstanden
(BGE 135 II 186 und 131 I 415, je mit Hinweisen). Der Leibrentenbegriff ist zivilrechtlich
zu verstehen. Es geht um einen Vertrag, der zwischen dem Rentengläubiger (allenfalls
einer Drittperson) einerseits und dem Rentenschuldner andrerseits unabhängig von
anderen Beziehungen und Verhältnissen zwischen den Parteien abgeschlossen wird
(vgl. Art. 516 ff. des Obligationenrechts, SR 220; BGE 120 III 121). Eine Leibrente im
Sinn von Art. 22 Abs. 3 DBG liegt gemäss Lehre und Rechtsprechung deshalb nur
dann vor, wenn der Rentenschuldner eine Gegenleistung entweder vom
Rentengläubiger direkt oder über eine Drittperson, die dem Rentengläubiger die
Leibrente schenken wollte, erhält. Die Leibrente enthält damit eine
Kapitalrückzahlungskomponente (Richner/Frei/ Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 54 ff. zu
Art. 22 DBG). Da solche Rentenversicherungen vom Steuerpflichtigen oder seinen
Angehörigen in der Regel ausschliesslich selbst finanziert wurden, werden sie lediglich
zu 40 Prozent besteuert (BGE 131 I 416; Jungo/Maute, Lebensversicherungen und
Steuern, Muri/Bern 2003, S. 66).
Eine weitere Unterart der Personenversicherungen stellen die privaten Unfall- und
Krankenversicherungen dar. Die private Unfallversicherung knüpft ihre
Versicherungsleistung an einen Unfall des Versicherten an; bei der privaten
Krankenversicherung sind gesundheitliche Störungen versichert, die nicht durch einen
Unfall verursacht wurden (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 87 f.). Bei
Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, welche die Risiken Krankheit und/oder Invalidität
abdecken, handelt es sich regelmässig um reine Risikoversicherungen. Deren Renten
sind als wiederkehrende Leistungen nach Art. 23 lit. b DBG zu qualifizieren und zu 100
Prozent steuerbar. Es handelt sich dabei nicht um Leibrenten (Jungo/Maute, a.a.O., S.
67 und S. 90 f.; Maute/Steiner/ Rufener/Lang, Steuern und Versicherungen, 3. Aufl.
2010, S. 286; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 105 und 107 zu Art. 22 DBG). In
diesem Fall hat der Rentengläubiger die Rente zwar mit seinen Prämien mitfinanziert,
doch hat es sich dabei bloss um Risikoprämien gehandelt, die zu keiner Kapitalbildung
geführt haben. Sie sind so konzipiert, dass die vereinnahmten Prämien zur Deckung
der Versicherungsleistungen ausreichen. Der Anteil der Versicherungsleistung, der
durch den Versicherungsnehmer selbst finanziert wurde, ist klein. Diese
Versicherungen verfügen daher nicht über einen Rückkaufswert. Im Gegensatz zur
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gemischten Versicherung muss der Versicherer bei der reinen Risikoversicherung nur
dann Leistungen erbringen, wenn sich das versicherte Risiko während der
Vertragsdauer verwirklicht (Maute/Steiner/Rufener/Lang, a.a.O., S. 286 f.). Der
Rentengläubiger hat seine Prämien nicht ausschliesslich für den Erwerb der Rente
aufgewendet, sondern in erster Linie für die Risikoabdeckung. Die ausbezahlte Rente
enthält keine Kapitalrückzahlungskomponente, die eine reduzierte Besteuerung
rechtfertigen würde (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 58 zu Art. 22 DBG).
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung kann als selbständige Versicherung oder als
Ergänzungsversicherung zu einer nicht rückkaufsfähigen oder auch rückkaufsfähigen
Kapitalversicherung abgeschlossen werden. Sehr häufig kommt sie in Kombination mit
einer Lebensversicherung als Zusatzversicherung für die Prämienbefreiung bei
Krankheit oder Unfall zur Anwendung. Dies bedeutet, dass der Versicherungsnehmer,
sofern er auch Prämienzahler ist, infolge einer Krankheit oder eines Unfalls nach der
vereinbarten Wartefrist die Prämien nicht mehr bezahlen muss. Der
Versicherungsschutz bleibt jedoch erhalten. Insbesondere bei rückkaufsfähigen
Lebensversicherungen, finanziert mit periodischen Prämien, bei denen sehr hohe
Sparbeiträge bezahlt werden, stellt diese Versicherung einen erheblichen Schutz für
den Versicherungsnehmer dar, damit er auch bei Krankheit oder Unfall sein Sparziel im
Alter erreichen kann. Die Prämienbefreiung ist somit eine
Erwerbsunfähigkeitsversicherung in der Höhe der geschuldeten Jahresprämie (Jungo/
Maute, a.a.O., S. 90 f.).
c) In dem vom Beschwerdeführer eingereichten Leistungsblatt vom 28. Juni 2006
werden die Versicherungsleistungen der Police der Zürich-Versicherung aufgezählt
(act. 2/7). Die ursprüngliche Police sowie die dazu gehörigen allgemeinen
Versicherungsbedingungen und einschlägigen Zusatzbedingungen wurden nicht
eingereicht. Unter dem Titel "Bei Erwerbsunfähigkeit" wird eine Rente von Fr. 15'000.--
pro Jahr (zufolge Krankheit oder Unfall bei einer Wartefrist von 360 Tagen) aufgeführt.
Diese Versicherung dauert gemäss Vertrag bis 31. Oktober 2014. Im nächsten
Abschnitt "Kapitalbildende Versicherungen" werden drei gemischte Versicherungen, je
auf das Leben des Beschwerdeführers mit unterschiedlichen Kapitalleistungen (Fr.
1'850.--, Fr. 21'602.-- und Fr. 50'000.--) aufgezählt. Die einzelnen Summen sind
entweder beim Ablauf der Versicherung am 31. Oktober 2014 an den
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Beschwerdeführer oder, falls der Beschwerdeführer diesen Zeitpunkt nicht erleben
sollte, bei dessen Tod an die von ihm genannten begünstigten Personen auszuzahlen.
Die vom Beschwerdeführer bei der Zürich-Versicherung abgeschlossene Versicherung
Police deckt damit in zwei Teilen voneinander zu unterscheidende Risiken ab. Den
Hauptbestandteil der Versicherung bilden die drei gemischten Lebensversicherungen,
welche die Risiken Tod und Alter abdecken. Im Todes- oder Erlebensfall, spätestens
am 31. Oktober 2014, besteht Anspruch auf Auszahlung der genannten
Kapitalleistungen. Beim anderen Teil der Versicherung, der gemäss Leistungsblatt nicht
unter die "Kapitalbildenden Versicherungen" fällt, sondern als Zusatzversicherung zu
diesen gilt, handelt es sich um eine ergänzende Versicherung, die das Risiko der
Erwerbsunfähigkeit abdeckt. Bei Eintritt des versicherten Risikos "Erwerbsunfähigkeit
infolge Krankheit oder Unfall" besteht nach einer Wartefrist von einem Jahr Anspruch
auf eine Rentenleistung von Fr. 15'000.-- pro Jahr und auf Prämienbefreiung. Vor
einigen Jahren wurde der Beschwerdeführer erwerbsunfähig, womit das versicherte
Risiko eintrat. Seither bzw. seit Ablauf der Wartefrist von einem Jahr erhält er von der
Zürich-Versicherung eine jährliche Rente von Fr. 15'000.--. Diese
Erwerbsunfähigkeitsrente stellt eine ausserhalb der gemischten Lebensversicherungen
stehende Leistung einer privaten Unfall- bzw. Krankenversicherung und damit eine
reine Risikoversicherung dar. Sie enthält keinen kapitalbildenden Anteil und weist
keinen Rückkaufswert auf, sie wird im Vertrag explizit als Zusatzversicherung
bezeichnet und die Prämie dafür separat ausgewiesen. Wäre der Beschwerdeführer bis
31. Oktober 2014 nicht erwerbsunfähig geworden, wäre die Versicherung ohne jegliche
Leistungspflicht erloschen. Es liegt daher keine Leibrente aus einer kapitalbildenden
Versicherung der Säule 3b vor, was die Zürich-Versicherung im Schreiben vom 31.
August 2010 ausdrücklich bestätigt hat (act. 7/II.f). Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers teilt die Erwerbsunfähigkeitsrente in steuerlicher Hinsicht nicht das
Schicksal der kapitalbildenden Lebensversicherungen, auch dann nicht, wenn sie in
derselben Versicherungspolice enthalten ist. Renten derartiger Risikoversicherungen
sind zu 100 Prozent steuerbar, sind sie doch als wiederkehrende Zahlungen für
bleibende körperliche Nachteile zu qualifizieren (vgl. StE B 26.12 Nr. 7). Die Rente der
Zürich-Versicherung ist gleich zu behandeln wie jene der Mobiliar, von welcher der
Beschwerdeführer jährlich Fr. 12'000.-- erhält und diese vollumfänglich versteuert.
Nichts anderes ergibt sich sodann aus der Wegleitung zur Steuererklärung 2009.
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"Renten aus reinen Risikoversicherungen (u.a. Erwerbsausfallversicherungen)" sind
gemäss Ziff. 3.2 der Wegleitung zu 100 Prozent steuerbar.
Der Beschwerdeführer hat in der Police auch das Risiko der Prämienzahlung bei
Erwerbsunfähigkeit versichert. Seit Eintritt der Erwerbsunfähigkeit muss er die jährlich
anfallende Prämie in der Höhe von Fr. 3'399.90 nicht mehr bezahlen. Ob diese Leistung
eine zu versteuernde wiederkehrende Zahlung für bleibende körperliche oder
gesundheitliche Nachteile im Sinn von Art. 23 lit. b DBG darstellt, ist umstritten (vgl.
Maute/Steiner/Rufener/Lang, a.a.O., S. 289). Soweit ersichtlich existiert dazu keine
Gerichtspraxis. Da die Vorinstanz diese Leistung nicht besteuert hat, kann diese Frage
offen gelassen werden.
d) Eine unzulässige Praxisänderung und damit ein Verstoss gegen den Grundsatz von
Treu und Glauben, wie vom Beschwerdeführer gerügt wird, liegen ebenfalls nicht vor.
Das in Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) verankerte Gebot
der rechtsgleichen Behandlung ist sowohl bei der Rechtsetzung als auch bei der
Rechtsanwendung zu beachten. Eine rechtsanwendende Behörde verletzt den
Gleichheitssatz, wenn sie zwei gleiche tatsächliche Situationen ohne sachlichen Grund
unterschiedlich beurteilt. Das Gleichheitsprinzip und der Grundsatz der
Rechtsgleichheit verlangen, dass an einer Praxis festgehalten wird. Sie stehen einer
Praxisänderung jedoch nicht entgegen, sofern diese auf ernsthaften und sachlichen
Gründen beruht, damit eine grundsätzliche Änderung erfolgt und das Interesse an der
richtigen Rechtsanwendung gegenüber demjenigen an der Rechtssicherheit überwiegt.
Die Praxisänderung darf sodann keinen Verstoss gegen Treu und Glauben darstellen
(vgl. zum Ganzen Häfelin/ Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl.
2010, N 495 ff.). Die Bundesverfassung statuiert den Grundsatz von Treu und Glauben
einerseits als Regel für das Verhalten von Staat und Privaten in Art. 5 Abs. 3 BV und
andererseits in Art. 9 BV als grundrechtlichen Anspruch der Privaten gegenüber dem
Staat auf Schutz des berechtigten Vertrauens. Der Grundsatz des Vertrauensschutzes
bedeutet, dass Private Anspruch darauf haben, in ihrem berechtigten Vertrauen in
behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden geschützt zu werden. Vertrauensschutz kann in der Regel nur
geltend machen, wer gestützt auf sein Vertrauen eine Disposition getätigt hat, die ohne
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Nachteil nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Dem Vertrauensschutz darf
dabei kein überwiegendes öffentliches Interesse entgegenstehen (Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., N 660 ff.).
In der Streitsache ist weder nachgewiesen, dass die Vorinstanz in der Vergangenheit
bei der Besteuerung gemischter Lebensversicherungen in Kombination mit
Erwerbsunfähigkeitsversicherungen einer eigentlichen gesetzeswidrigen Praxis
verfallen wäre, noch dargetan, dass der Beschwerdeführer gestützt auf eine solche
Praxis die fragliche Versicherung abgeschlossen hätte. Eine Verletzung des
Vertrauensprinzips liegt daher nicht vor. Die Verwaltungsrekurskommission hat sich
sodann in materieller Hinsicht noch nie mit der Frage der Steuerbarkeit der
Rentenleistung auseinandergesetzt. Die Verfahren des Beschwerdeführers betreffend
Staats- und Gemeindesteuern sowie direkte Bundessteuer 2006 wurden zufolge
Widerrufs der Einsprache-Entscheide als gegenstandslos abgeschrieben (VRKE I/
1-2008/144 + 145 vom 15. Oktober 2008).
Die Tatsache, dass die Rente in früheren Jahren offenbar lediglich zu 40 Prozent
besteuert worden ist, steht einer Besteuerung ebenfalls nicht entgegen. Die in einer
früheren Steuerperiode getroffenen Verfügungen entfalten grundsätzlich keine
Rechtskraft für spätere Veranlagungen. Vielmehr kann die Steuerbehörde im Rahmen
jeder Neuveranlagung eines Steuerpflichtigen sowohl die tatsächliche als auch die
rechtliche Ausgangslage vollumfänglich überprüfen und, soweit erforderlich,
abweichend würdigen. In Rechtskraft erwächst jeweils nur die einzelne Veranlagung,
die als befristeter Verwaltungsakt ausschliesslich für die betreffende Steuerperiode
Rechtswirkungen entfaltet. Die späteren Veranlagungen sind daher jederzeit einer
erneuten umfassenden Überprüfung zugänglich. Es liegt im Wesen der periodischen
Veranlagung, dass die Steuerbehörde die Möglichkeit erhält, jeweils eine neue
Beurteilung vorzunehmen und auch allfällige frühere Fehlentscheidungen zu korrigieren
bzw. nicht mehr zu wiederholen; darin liegt kein widersprüchliches Verhalten, sondern
es ist Ausprägung der Gesetzmässigkeit im Steuerrecht. Der Grundsatz von Treu und
Glauben findet zwar im öffentlichen Recht und insbesondere auch im Steuerrecht
Anwendung. Allerdings ist seine Tragweite im Steuerrecht, das vom Grundsatz der
Gesetzmässigkeit der Besteuerung beherrscht ist, geringer als in anderen
Rechtsgebieten (Urteil des Bundesgerichts vom 1. Juli 2011, publiziert in StE 2011 A.
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21.14 Nr. 22; VerwGE B 2009/203 vom 11. Mai 2010 E. 2b, in: www.gerichte.sg.ch mit
Hinweisen auf Lehre und bundesgerichtliche Rechtsprechung).
e) Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Beschwerdeführer die Kosten des
Verfahrens zu bezahlen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist
angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu
verrechnen.