Decision ID: b3cef0ea-2740-5d43-8318-5e1c70fa8f8f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie und hinduistischen Glaubens – suchte am 6. Februar 2017 im da-
maligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in (...) um Asyl
nach. Am 8. Februar 2017 wurde er zu seiner Person, zum Reiseweg sowie
summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person,
BzP). Am 23. September 2019 hörte ihn das SEM einlässlich zu den Asyl-
gründen an (Anhörung).
B.
Anlässlich seiner Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen geltend, dass er in B._ (C._, Nordprovinz) geboren
sei und dort bis zum Jahr 1999 gelebt habe. Danach habe er an verschie-
denen Orten gewohnt. Bis zum Jahr 2010 habe er sich dann in D._
aufgehalten und anschliessend in E._ (C._, Nordprovinz)
gelebt. Er habe elf Jahre die Schule besucht und bis vor seiner Ausreise in
der Landwirtschaft gearbeitet. Zudem sei er mit einem Van im Bereich Per-
sonentransport tätig gewesen. Im (...) 2012 habe er seine Frau geheiratet,
die seit seiner Ausreise bei einer befreundeten Familie in D._ lebe.
Mit seiner Frau habe er eine Tochter und einen Sohn. Sein Vater sei [vor
mehreren Jahren] verstorben und seine Mutter lebe mit seinem älteren Bru-
der, seiner älteren und seiner jüngeren Schwester in E._. Ein wei-
terer Bruder lebe in F._.
Er habe Sri Lanka verlassen, da er Probleme mit dem Militär und dem Ge-
heimdienst des Militärs gehabt habe. Diese Behörden hätten ihn verdäch-
tigt, im Rahmen seiner Tätigkeit im Personentransport ehemaligen Mitglie-
dern der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) geholfen zu haben und
so einen Beitrag zum Wiederaufbau der LTTE zu leisten. Im Jahr 2009
habe er zum ersten Mal Probleme mit den sri-lankischen Behörden gehabt.
Er habe damals in einer Lodge in D._ gearbeitet und sei beschuldigt
worden, dort LTTE-Mitglieder beherbergt zu haben. Er sei von den Behör-
den mitgenommen und dazu befragt worden. Er und sein Chef hätten Geld
gezahlt, weshalb er freigekommen sei. Danach sei er nach Indien gegan-
gen und dort für [mehrere] Monate inhaftiert worden, weil er mit einem ge-
fälschten Pass gereist sei. Im (...) 2010 habe ihn die indische Polizei nach
Sri Lanka zurückgebracht. (...) 2014 sei er für [mehrere] Monate nach Ka-
tar gegangen, da er nach einer kommunalen Wahl im September 2013
Probleme mit der Armee und Polizei bekommen habe. In dieser Zeit habe
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man seinen Lieferwagen und Führerschein beschlagnahmt und erst nach
der Wahl wieder ausgehändigt. Seine Verwandten hätten Angst gehabt und
ihm geraten, das Land zu verlassen. Im Jahr 2015 habe man ihn nach sei-
ner Rückkehr aus Katar am Flughafen befragt und festgehalten, bevor man
ihn habe gehen lassen. Im (...) 2016 habe ein revolutionäres Fest in
C._ stattgefunden ([...]). Dort habe er mit seinem Van Fahrten un-
ternommen und Personen transportiert. Deshalb seien Angehörige des mi-
litärischen Geheimdienstes einen Tag später am Abend zu ihm nach Hause
gekommen und hätten ihn aufgefordert, am nächsten Tag im Armeecamp
zu erscheinen. Dort sei er mit seiner Frau und einem Friedensrichter ein-
getroffen und vom militärischen Geheimdienst beschuldigt worden, dass er
die LTTE bereits 2009 unterstützt habe und dies auch heute noch immer
tue. Dann habe man ihn aber wieder gehen lassen und weiter beobachtet.
So habe der militärische Geheimdienst darüber Bescheid gewusst, dass er
das "Heldenfest" am (...) 2016 im Vanni-Gebiet besucht habe. Als er einige
Tage später mit dem Motorrad nach G._ gefahren sei, hätten vier
Soldaten ihn angehalten, befragt und beschuldigt, dass er am besagten
Heldenfest teilgenommen habe. Ihm sei es gelungen zu fliehen und er
habe sofort einen Schlepper für seine Ausreise kontaktiert. Bis zu seiner
Ausreise am (...) Dezember 2016 habe er sich in D._ aufgehalten,
wobei es keine weiteren Vorfälle gegeben habe. Über Malaysia, Nepal,
Doha, Kuwait und die Türkei sei er nach Tschechien gelangt. Von dort aus
sei er mit einem Personenwagen am 6. Februar 2017 in die Schweiz ein-
gereist. Nach seiner Ausreise hätten Soldaten bei seiner Frau zwei Mal
nach ihm gesucht.
Der Beschwerdeführer reichte eine Todesurkunde seines Vaters vom
9. Mai 2010 inklusive Übersetzung, die Kopie eines undatierten Flugblattes
aus Sri Lanka betreffend eine Demonstration am 24. September 2016 so-
wie mehrere Fotos von Demonstrationen aus Sri Lanka als Beweismittel
zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 14. September 2020 – eröffnet am 16. September 2020
– stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings-
eigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz
weg und ordnete den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 15. Oktober 2020 erhob der Be-
schwerdeführer gegen den vorinstanzlichen Entscheid Beschwerde beim
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Bundesverwaltungsgericht und beantragte in materieller Hinsicht, es sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft
festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als Flüchtling
vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei er wegen Unzulässigkeit be-
ziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzu-
nehmen. Subsubeventualiter sei die Sache zur hinreichenden Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhaltes an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um die Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung einschliesslich des Verzichts auf Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sowie um die Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistandes in der Person seiner Rechtsvertreterin.
Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung und eine
Vollmacht bei.
E.
Mit Eingabe vom 16. Oktober 2020 ergänzte der Beschwerdeführer seine
Ausführungen und reichte weitere Beweismittel (Fotos des Beschwerde-
führers im Zusammenhang mit exilpolitischen Tätigkeiten und Berichter-
stattung darüber, Ausweiskopien seines Bruders) ein.
F.
Mit Schreiben vom 19. Oktober 2020 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.
G.
Mit Eingabe vom 2. Dezember 2020 ergänzte der Beschwerdeführer seine
Ausführungen und reichte eine Schilderung zu Vorkommnissen vor der
Ausreise aus seinem Heimatstaat ein.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Januar 2021 stellte der Instruktionsrichter
fest, dass die Beschwerdebegehren zwar nicht als aussichtslos zu bezeich-
nen seien, dass indessen die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers nicht
belegt sei. Der Instruktionsrichter forderte den Beschwerdeführer dement-
sprechend auf, das Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" mit
den nötigen Beweismitteln innert Frist beim Bundesverwaltungsgericht ein-
zureichen.
I.
Mit Eingabe vom 30. Januar 2021 reichte der Beschwerdeführer das aus-
gefüllte Gesuchsformular und entsprechende Belege ein.
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J.
Mit Zwischenverfügung vom 10. März 2021 stellte der Instruktionsrichter
fest, dass aufgrund des Formulars und der Belege nicht von der prozessu-
alen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen sei, weshalb die
Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
ungeachtet der Prozesschancen nicht erfüllt seien. Demnach wies er die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung (inkl. Kostenvorschussver-
zicht) und Rechtsverbeiständung ab und forderte den Beschwerdeführer
unter Androhung des Nichteintretens im Säumnisfall dazu auf, bis zum
25. März 2021 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zuguns-
ten der Gerichtskasse zu leisten.
K.
Am 22. März 2021 wurde der Kostenvorschuss vom Beschwerdeführer
fristgerecht geleistet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor,
weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
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daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 2 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel
verzichtet.
3.
3.1 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Vorinstanz habe die Bedro-
hungssituation zum Zeitpunkt der Ausreise sowie das konkrete und reale
Gefährdungsrisiko, auf dem sein Schutzanspruch beruhe, nicht im Ge-
samtkontext der Gefährdungsprofile in Sri Lanka gewürdigt, weshalb sie
den rechtserheblichen Sachverhalt nicht richtig und nicht vollständig fest-
gestellt beziehungsweise gewürdigt und die Begründungspflicht verletzt
habe, ist festzustellen, dass sich diese Rüge als unbegründet erweist.
3.2 Entgegen diesem Vorbringen hat die Vorinstanz durchaus eine Würdi-
gung des Risikoprofils des Beschwerdeführers vorgenommen. Dabei be-
rücksichtigte sie, dass Rückkehrer ohne gültige Identitätspapiere oder
nach durchlaufenen Asylverfahren bei der Ankunft in Sri Lanka erhöhten
Kontrollmassnahmen unterliegen und gegebenenfalls die Eröffnung eines
Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise droht, dies für sich genommen
aber keine asylrelevante Verfolgungsmassnahme darstelle (vgl. S. 6 der
angefochtenen Verfügung). Auf das Vorliegen einer vermeintlichen Verbin-
dung zur LTTE oder allfällige frühere Verhaftungen in diesem Zusammen-
hang musste die Vorinstanz an dieser Stelle nicht erneut eingehen, da sie
die entsprechenden Behauptungen des Beschwerdeführers zuvor als nicht
glaubhaft qualifizierte. Eine exilpolitische Tätigkeit wurde vom Beschwer-
deführer im damaligen Verfahrensstadium noch verneint (vgl. A18/26,
F157) und es geht aus den Akten nicht hervor, dass der Beschwerdeführer
sichtbare Narben aufwiese, die ihn gegenüber sri-lankischen Sicherheits-
behörden kompromittieren könnten.
Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid somit alle wesentlichen
Vorbringen berücksichtigt und diese sodann einer Würdigung unterzogen.
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In diesem Zusammenhang ist sodann festzuhalten, dass sich die verfü-
gende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung
und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf
die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken darf (BGE 143 III 65 E. 5.2).
Alleine der Umstand, dass die Vorinstanz nach Würdigung der Parteivor-
bringen respektive der aktuellen Situation in der Heimat des Beschwerde-
führers zu einem anderen Schluss als dieser kam, stellt keine Gehörsver-
letzung dar, sondern beschlägt die Frage der materiellen Würdigung. Nach
dem Gesagten besteht kein Anlass, die angefochtene Verfügung aus for-
mellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Der entsprechende Subsubeventualantrag ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Beruft sich eine Person darauf, dass durch ihre illegale Ausreise
(sog. Republikflucht) oder durch ihr Verhalten nach der Ausreise aus dem
Heimat- oder Herkunftsstaat (insbesondere durch exilpolitische Aktivitäten)
eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden sei, macht sie subjek-
tive Nachfluchtgründe geltend, welche dann begründeten Anlass zur
Furcht vor künftiger Verfolgung geben, wenn der Heimat- oder Herkunfts-
staat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit vom fraglichen Umstand erfahren
hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich rele-
vanter Weise verfolgen würde (vgl. Urteil des BVGer E-5232/2015 vom 3.
Februar 2015 E. 5.3).
Solche subjektiven Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingsei-
genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG
zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder
nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, wel-
che subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-
nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1
m.w.H.).
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Seite 8
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, dass die
Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, noch denjenigen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten würden. In der BzP habe
er angegeben, dass er von den sri-lankischen Behörden nach seiner Aus-
reise gesucht worden sei, und zudem ausgeführt, dass er seit seiner Aus-
reise noch keinen Kontakt zu seiner Ehefrau gehabt habe, womit er sinn-
gemäss dargelegt habe, nicht durch seine Frau von der behördlichen Su-
che erfahren zu haben. Gemäss seinen Angaben in der Anhörung habe er
jedoch im Zeitpunkt der BzP noch nichts davon gewusst haben können,
dass er nach seiner Ausreise von den Behörden gesucht worden sei, da er
erst am 10. Februar 2017, mithin nach der BzP, erstmals wieder Kontakt
zu seiner Frau gehabt und diese ihm davon berichtet habe, dass er durch
Soldaten gesucht worden sei. Es wäre zu erwarten, dass er konsistente
Angaben dazu machen könne, über wen er von der Verfolgung nach seiner
Ausreise erfahren habe, zumal es sich hier um zentrale Sachverhalte be-
treffend seine geltend gemachte Verfolgung handle. Dieser Widerspruch
lasse erste Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner geltend gemachten Ver-
folgung durch die sri-lankischen Behörden aufkommen. Sodann seien
seine Angaben bezüglich der Kundgebung im (...) 2016 nur sehr vage aus-
gefallen. Auch auf Nachfrage habe er keine ausführlichen Angaben ma-
chen können. Ebenso wenig sei er in der Lage gewesen, frei und ausführ-
lich vom Tag nach dieser Kundgebung zu erzählen. Erst auf konkrete Nach-
frage hin habe er weitere Angaben zu dem Vorfall gemacht, als Personen
zu ihm nach Hause gekommen seien und ihn aufgefordert hätten, im Camp
zu erscheinen. Er habe sich laut seinen Angaben mit seiner Familie be-
sprochen bevor er dann in das Camp gegangen sei. Einen Friedensrichter
habe er organisiert, ihn ins Camp zu begleiten. Auf Nachfrage hin habe er
allerdings nicht erklären können, was ein Friedensrichter sei oder tue. Es
sei wenig plausibel, dass er einen Mann angefragt habe, von dem er nicht
gewusst habe, was dieser genau mache oder wofür er dort sei. Immerhin
habe er diesen Mann persönlich abgeholt. Bezüglich seiner Angaben über
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das Camp, in welchem er habe erscheinen müssen, falle auf, dass er nur
in der Lage gewesen sei auf konkrete Nachfrage zu schildern, wie es dort
ausgesehen habe und wie der Tag abgelaufen sei. Auf offene Fragen habe
er äusserst knapp und vage geantwortet. Weiter sei nicht ersichtlich, wie
er in Erfahrung gebracht habe, dass man ihn ab diesem Tag beobachtet
habe. Hinsichtlich seiner geltend gemachten Teilnahme am (...) November
2016 falle ebenfalls auf, dass er auf offene Fragen nur äusserst knapp habe
antworten können. Auch auf weitere Nachfragen zum Ablauf dieses Tages
seien seine Angaben knapp und ohne Details geblieben. Auch seine Flucht
vor den Soldaten am (...) November 2016 sei nicht nachvollziehbar ge-
schildert worden. Es gehe aus seinen Ausführungen nicht hervor, wie er in
der Lage gewesen sei, den vier Soldaten zu entkommen. Alles was er dazu
vorgetragen habe sei, dass die Soldaten mit einem Fahrzeug, das gerade
gekommen sei, beschäftigt gewesen seien, als er die Flucht ergriffen habe.
Seine weiteren Ausführungen zu seiner Flucht seien ebenfalls wieder sehr
knapp ausgefallen. Erneut habe er nur auf konkrete Nachfragen antworten
können und sei nicht in der Lage gewesen, frei und assoziativ zu erzählen.
Aufgrund der Widersprüche, seiner teilweise vagen Aussagen und der Tat-
sache, dass er auf geschlossene Fragen nicht konkret und detailliert habe
antworten können, könne ihm nicht geglaubt werden, dass er die geschil-
derten Ereignisse im Jahr 2016 vor seiner Ausreise selbst erlebt habe. Da
es sich hierbei um die zentralen Gründe für seine Ausreise handle, könne
ihm nicht geglaubt werden, dass er vorverfolgt ausgereist sei. Ferner sei
weder nachvollziehbar noch logisch, dass er einerseits vorgetragen habe,
von den Behörden gesucht worden und andererseits mit seinem eigenen
Pass über den Flughafen aus Sri Lanka ausgereist und dabei das Risiko
staatlicher Kontrollen eigegangen zu sein. Darauf angesprochen habe er
lediglich angegeben, dass der Schlepper alles organisiert habe. Ein sol-
ches Risiko freiwillig einzugehen widerspreche in einem solchen Masse
der allgemeinen Erfahrung, dass ihm nicht geglaubt werden könne, dass
er zum Zeitpunkt seiner Ausreise vom Staat gesucht worden sei.
Ferner seien Befürchtungen, künftig staatlichen oder nichtstaatlichen Ver-
folgungsmassnahmen ausgesetzt zu seien, nur dann asylrelevant, wenn
begründeter Anlass zur Annahme bestehe, dass sich die Verfolgung mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen
werde. Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor seiner
Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu
sein. Vielmehr sei er bis Dezember 2016 in seinem Heimatstaat wohnhaft
geblieben, habe nach Kriegsende dort also noch sieben Jahre gelebt. All-
fällige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich
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kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen
vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden gera-
ten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Er habe geltend ge-
macht, dass er im Jahr 2009 verhört worden, nach einer Geldzahlung aber
freigelassen worden sei. Dies zeige nachhaltig, dass der Staat kein gestei-
gertes Verfolgungsinteresse an seiner Person gehabt habe. Ebenso habe
man ihn im Jahr 2015 nach seiner Rückkehr aus Katar am Flughafen zu-
nächst befragt und dann wieder gehen lassen, was ebenso gegen ein Ver-
folgungsinteresse des Staates an seiner Person und gegen ein erhöhtes
persönliches Risikoprofil spreche. Bezüglich seiner das Jahr 2016 betref-
fenden Vorbringen sei an dieser Stelle auf die vorherigen Erwägungen zu
verweisen. Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl
vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. Mit der Wahl von Gota-
baya Rajapaksa zum Präsidenten sowie ersten Anzeichen der Zunahme
von Überwachungsaktivitäten würden zwar Befürchtungen von mehr Ein-
schüchterungen von Minderheiten einerseits und Menschenrechtsaktivis-
ten, Journalisten, Oppositionellen und weiteren regierungskritischen Per-
sonen andererseits einhergehen. Tatsächlich habe die Überwachung der
Zivilbevölkerung seit den dschihadistisch motivierten Terroranschlägen an
Ostern 2019 und nochmals nach den Präsidentschaftswahlen zugenom-
men. Dennoch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur An-
nahme, dass ganze Volks- oder Berufsgruppen unter Präsident Gotabaya
Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Wie immer
sei das Verfolgungsrisiko im Einzelfall zu prüfen. Voraussetzung für die An-
nahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahlen vom
16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person
zu eben diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Weder habe der Be-
schwerdeführer die Präsidentschaftswahlen respektive deren Folgen als
Gefährdungselement vorgebracht, noch seien den Akten Hinweise auf eine
Verschärfung seiner persönlichen Situation aufgrund dieses Ereignisses zu
entnehmen. Die Anforderungen an die Annahme einer begründeten Verfol-
gungsfurcht seien damit nicht erfüllt. Insgesamt bestehe kein begründeter
Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde.
Die eingereichten Beweismittel seien ungeeignet, Asylgründe zu beweisen.
Die nachgereichten undatierten Fotos würden Personen auf einer De-
monstration zeigen. Es sei jedoch unklar, wer darauf zu sehen sei und um
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welche Versammlung es sich handle. Auf jeden Fall seien die Fotos unge-
eignet, die von ihm geltend gemachten Verfolgungsmassnahmen zu bele-
gen, weshalb es sich erübrige, weiter darauf einzugehen. Dies treffe
ebenso auf das eingereichte Flugblatt betreffend eine Demonstration vom
(...) 2016 zu. Er habe dieses nicht übersetzt und ohne weitere Kommentare
zu den Akten gereicht. Aus einer internen Übersetzung ergebe sich, dass
darin verschiedene politische Forderungen gestellt würden. Es liessen sich
aus dem Inhalt aber weder Rückschlüsse auf seine Person machen, noch
vermöge dieses Flugblatt die von ihm geltend gemachten Verfolgungs-
massnahmen zu belegen. Die Todesurkunde seines Vaters von (...), ge-
mäss welcher dieser eines natürlichen Todes gestorben sei, spiele für sein
Asylverfahren ebenfalls keine Rolle, da auch diese ungeeignet sei, seine
geltend gemachte Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden zu bele-
gen oder glaubhaft zu machen. Schliesslich würden sich auch aus den kon-
sultierten Akten seines Bruders keine weiteren Hinweise ergeben, dass der
Beschwerdeführer in Sri Lanka eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-
gung zu befürchten hätte.
5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer unter Wie-
derholung des Sachverhaltes dagegen vor, dass die Vorinstanz ihm zu-
nächst zu Unrecht vorgehalten habe, er habe dazu, wie er von der behörd-
lichen Suche nach seiner Ausreise erfahren habe, widersprüchliche Aus-
sagen gemacht. Auch könne der Einschätzung der Vorinstanz nicht gefolgt
werden, seine Ausführungen seien vage, ausweichend sowie teilweise wi-
dersprüchlich ausgefallen. Es sei anhand der grossen Vielzahl der Real-
kennzeichen und der sehr detaillierten und ausführlichen Schilderungen
der Vorfälle, der Gefühle, der Gedanken und der Dialoge nicht nachvoll-
ziehbar, wie die Vorinstanz zu diesem Schluss gelangt sei. Exemplarisch
sei auf die Schilderung der Vorladung zum Camp hinzuweisen, die er mehr-
mals detailliert, konsistent und präzise gemacht habe. In freier Erzählung,
habe er die Vorfälle im Jahr 2016 mit umfangreichen, konkreten Schilde-
rungen sowie mehrfacher, klar nachvollziehbarer direkter Wiedergabe von
Dialogen geschildert, insbesondere warum er nach der Kundgebung ins
Camp vorgeladen worden sei, welche Personen anwesend gewesen
seien, wie er versucht habe, das Erscheinen zu vermeiden und was er un-
ternommen habe, um seine Sicherheit bestmöglich zu wahren. Seine Schil-
derungen würden sich von Seite 9 auf 12 des Anhörungsprotokolls erstre-
cken und alle genannten Realkennzeichen in grosser Anzahl enthalten.
Später sei er aufgefordert worden, noch einmal alles Schritt für Schritt zu
schildern, was er auch getan habe. Dem Vorhalt der Vorinstanz, er habe
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sich nur vage zu der Kundgebung im (...) 2016 geäussert, sei entgegenzu-
halten, dass er die zentralen Themen der Kundgebung genannt habe, etwa
die Forderungen, dass die Ereignisse während des Krieges international
untersucht werden sollten. Es treffe zu, dass er vor allem in Bezug auf
seine persönliche Situation dargelegt habe, was für ihn bedrohlich gewe-
sen sei, und dies in ausserordentlich genauer Art und Weise. Dies sei sein
Fokus und es könne von ihm nicht verlangt werden, dass er auf die gleiche
Art und Weise denke oder argumentiere wie dies in der Schweiz üblich sei.
Ihm könne im Hinblick auf die Antworten zur Kundgebung nicht Ungenau-
igkeit vorgeworfen werden. Dem Argument der Vorinstanz, es sei unglaub-
haft, dass er mit dem eigenen Pass ausgereist sei, sei entgegenzuhalten,
dass er in der Anhörung hierzu genau erklärt habe, dass der Schlepper ihm
genaue Anweisungen gegeben habe, an welchen Schalter er gehen solle,
weshalb davon auszugehen sei, dass der entsprechende Schalterbeamte
gewillt gewesen sei, ihn passieren zu lassen. Nach seiner Ausreise sei er
mit einem anderen Pass gereist. Der Schlussfolgerung des SEM, dass Vor-
bringen dann unglaubhaft seien, wenn sie in wesentlichen Punkten der all-
gemeinen Erfahrung oder Logik des Handelns widersprechen würden, sei
in dieser Form die entsprechende Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
entgegenzuhalten. Das SEM werfe ihm auch zu Unrecht vor, er habe zu
wenig Kenntnis der Aufgaben eines Justice of the Peace (JP) gezeigt. Der
Vorschlag, diesen um Begleitung im Sinne eines Schutzes zu bitten, sei
von der gesamten Familie gekommen. Er habe einzelne Tätigkeiten des
Justice of the Peace beschrieben, aber vor allem betont, dass er sich von
dessen Ansehen Schutz erhofft habe. Dem Argument der Vorinstanz, er
habe die Präsidentschaftswahlen respektive deren Folgen nicht als Ge-
fährdungselement vorgebracht, sei entgegenzuhalten, dass er deutlich ge-
sagt habe, wovor er Angst habe, nämlich inhaftiert, gefoltert und getötet zu
werden. Dass er sich vor allem auf seine persönliche Situation bezogen
habe, könne ihm nicht angelastet werden. Weiter sei er in der Schweiz exil-
politisch tätig. So habe er namentlich an einer Demonstration in Genf teil-
genommen, wo Fotos und Videos angefertigt worden seien, auf welchen
er erkennbar sei. Er sei demnach den sri-lankischen Behörden zweifellos
bekannt. Die Vorinstanz habe sich grundsätzlich weder auf objektivierte
Kriterien noch auf bessere Argumente gestützt als jene, die er vorgetragen
habe. Auch habe sie es versäumt, die Vielzahl von Vorfällen in einen Ge-
samtkontext zu stellen und insbesondere die Bedeutung von H._
für seine Verfolgungsgeschichte zu würdigen. Er habe wiederholt, glaub-
haft und detailliert seine Befragungen, Vorladungen und die zunehmenden
Bedrohungen geschildert. In der Gesamtwürdigung sei von einer asylrele-
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vanten Vorverfolgung auszugehen, die namentlich auch aufgrund der wie-
derholten Ausreisen, der Flucht in die Schweiz und seiner exilpolitischen
Tätigkeit in der Schweiz seine Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG objektiv begründet erscheinen lasse, zumal er mehrere im
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 aufgeführte
Haupt-Risikofaktoren erfülle. Schliesslich sei die zunehmende Militarisie-
rung beziehungsweise die sich verschlechternde Lage in Sri Lanka zu be-
rücksichtigen.
5.3 In seiner Beschwerdeergänzung vom 16. Oktober 2020 bringt der Be-
schwerdeführer vor, dass er an den (...) 2017, 2018 und 2019 sowie an
einer Demonstration am (...) 2020 in Genf teilgenommen habe. Es seien
Fotos der Demonstration in tamilischen Zeitungen veröffentlicht worden,
auf welchen er zu erkennen sei. Insofern das SEM ihm in der angefochte-
nen Verfügung angelastet habe, er sei anlässlich seiner Rückkehr aus In-
dien von den sri-lankischen Behörden nicht nach seinem Bruder befragt
worden, dürfte sich dies mit Sicherheit verändert haben, da er durch die
mehrmaligen Befragungen und seine Flucht vor der bevorstehenden Ver-
haftung wesentlich stärker ins Visier der Behörden gerückt sei. Besonderes
Gewicht sei der Tatsache beizumessen, dass ihn der Überläufer
H._ gezielt verdächtige, Verbindungen zu den LTTE zu unterhalten.
In seiner Beschwerdeergänzung vom 2. Dezember 2020 legt der Be-
schwerdeführer im Wesentlichen dar, wie er den Überläufer H._
2009 in D._ kennengelernt habe und was ihm dieser für Fragen an-
lässlich seiner Vorladung ins Camp gestellt habe. Aus diesen Fragen gehe
hervor, dass H._ Informationen über seine Bewegungen besessen
habe. In den Anhörungen sei diesbezüglich seitens des SEM leider nicht
vertieft nachgefragt worden, obwohl diese Ereignisse für die Würdigung
des realen und konkreten asyl- beziehungsweise flüchtlingsrelevanten Ver-
folgungsrisikos bedeutsam seien. Die nachgereichten Schilderungen wür-
den ein konkretes, zielgerichtetes Risiko, im Falle einer Wegweisung ver-
stärkter Beobachtung, wiederholter Befragungen und Bedrohungen sowie
ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden, aufzeigen. Durch die per-
sönliche Verdächtigung der Unterstützung der LTTE durch H._, wel-
che durch seine vielen ausreisen verstärkt würden, sei er einem "real risk"
ernsthafter Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt. Da aus den Schilderun-
gen hervorgehe, dass H._ früher LTTE-Mitglied gewesen sei, sei
der Vollständigkeit halber auf die Häufigkeit von Überläufern als Informan-
ten der Regierung hinzuweisen. Zahlreiche Quellen würden belegen, dass
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ehemalige LTTE-Mitglieder zuhanden der Sicherheitsbehörden berichte-
ten. Auch bei bloss vagem Verdacht auf Verbindungen zur LTTE seien Re-
pressalien möglich. Aufgrund der wieder zunehmenden Härte des Regimes
sei dies ein massgeblicher Risikofaktor.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwer-
deführer entgegen seinen Beschwerdevorbringen nicht gelungen ist, eine
asylbeachtliche Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG glaub-
haft zu machen. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts hat das
SEM in seiner angefochtenen Verfügung nachvollziehbar aufgezeigt, an-
hand welcher Überlegungen es zur Einschätzung gelangte, die Vorbringen
des Beschwerdeführers seien weder glaubhaft noch bestehe (sonst) ob-
jektiv begründete Furcht vor Verfolgung. Diesbezüglich ist zunächst
zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf die vorinstanzlichen Ausfüh-
rungen zu verweisen, welche weder in rechtlicher noch in tatsächlicher Hin-
sicht zu beanstanden sind und denen sich das Gericht anschliesst (vgl. E.
II, S. 3 ff.).
Die Rechtsmitteleingabe stellt dem keine stichhaltigen Gründe entgegen,
die zu einer gesamthaft anderen Betrachtung und Würdigung des Sach-
verhalts führen könnten, zumal sie sich grösstenteils in Wiederholungen
des aktenkundigen Sachverhaltes und Erklärungsversuchen erschöpft,
womit sie nicht aufzeigt, inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung
Bundesrecht verletzen oder zu einer rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfest-
stellung führen soll. Dies im Wesentlichen aus den folgenden Gründen: Der
Beschwerdeführer erklärt, dass insbesondere aufgrund des Denunzianten
H._ auf Seiten der sri-lankischen Sicherheitsbehörden der Eindruck
bestehe, dass der Beschwerdeführer in Verbindung zu den LTTE stehe.
Hierzu ist anzumerken, dass gemäss den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers die Bekanntschaft zu H._ auf das Jahr 2009 zurückgehe, als
sie beide verhaftet worden seien, er diese Person aber bis zur Befragung
im Militärcamp im Jahr 2016 nicht mehr gesehen habe. Sollte der genannte
Herr H._ den Beschwerdeführer tatsächlich in der behaupteten
Weise belasten, ist nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer in der Zwi-
schenzeit sowohl nach Indien als auch nach Katar ausreisen und in der
Folge wieder nach Sri Lanka einreisen konnte, ohne dass die Behörden
auf ihn in besonderer Weise aufmerksam geworden sind. Die freie Schil-
derung der Asylgründe durch den Beschwerdeführer ist in einigen Berei-
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Seite 15
chen zwar ausführlich und umfangreich, was als Realkennzeichen zu se-
hen ist, andererseits fielen seine Antworten aber auf konkrete Rückfragen
bei den Befragungen knapp, oberflächlich und ausweichend aus. Insbe-
sondere die Schilderung des Militärcamps, in welchem er befragt worden
sei, fällt ausgesprochen vage aus und überzeugt nicht. Denn der Be-
schwerdeführer beschreibt das Militärcamp aus einer rein funktionellen Be-
trachtungsweise (Anzahl der Eingänge, Nutzung der Zelte als Schlafstätte
durch Soldaten), aber kann – selbst auf Nachfrage – kaum eigene Wahr-
nehmungen wiedergeben. Zudem sind die in den Befragungen gemachten
Aussagen teilweise widersprüchlich: So hat die Vorinstanz richtig bemerkt,
dass der Beschwerdeführer einerseits behauptet, seine Frau habe ihn dar-
über informiert, dass in seinem Heimatstaat die Behörden nach ihm such-
ten, andererseits hat er aber bereits zu einem Zeitpunkt zu dieser Suche
Angaben gemacht, zu welchem er nach seinen Aussagen noch keinen
Kontakt zu seiner Ehefrau hatte. Diesen Widerspruch kann der Beschwer-
deführer nicht plausibel ausräumen beziehungsweise widerspricht er da-
rauf angesprochen seinen früheren Aussagen respektive bestreitet diese
(...). Ausserdem fällt auf, dass der Beschwerdeführer seinen verstorbenen
Vater im Zusammenhang mit einem Zeitpunkt erwähnt, als jener bereits
verstorben war (...). Insgesamt bestehen deswegen Zweifel an den Schil-
derungen des Beschwerdeführers. Schliesslich wird anhand seiner Aussa-
gen objektiv nicht nachvollziehbar, weswegen er sich durch die Verkehrs-
kontrolle durch Militärangehörige vom (...) 2016 derart bedroht sah, dass
er die Flucht ergriff. Selbst wenn er durch die Polizei dort darauf angespro-
chen worden sein sollte, an einem oppositionellen Gedenktag teilgenom-
men zu haben, und die Militärangehörigen ihm gegenüber tätlich übergriffig
geworden sein sollten, erschliesst sich nicht, inwiefern deswegen mit einer
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung zu rechnen wäre.
Die geltend gemachten Vorkommnisse und Verfolgungssituation zum Zeit-
punkt der Ausreise erscheinen umso unglaubhafter, als der Beschwerde-
führer nach seiner Flucht nach D._ völlig unbehelligt mit seinem ei-
genen, gültigen Reisepass ausreisen konnte. Wäre der Beschwerdeführer
tatsächlich ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten, wäre anzuneh-
men, dass er am Flughaften an der Ausreise gehindert worden wäre.
6.2 Die Vorinstanz hat demnach zu Recht festgestellt, dass es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, das Bestehen einer begründeten Furcht
vor Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden im Zeitpunkt seiner Aus-
reise im November 2016 glaubhaft zu machen. Zu prüfen bleibt, ob dem
Beschwerdeführer wegen seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie im
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Seite 16
Verbund mit weiteren Faktoren bei einer Rückkehr in sein Heimatland
ernsthafte Nachteile drohen würden.
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O., E. 8.3). Zur Beur-
teilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop-List“ und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung
einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Feh-
len ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben
und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach ri-
sikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weit-
reichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe
tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen
Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu
lassen, und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die
dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet,
deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" ver-
merkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungs-
weise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen
oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte
für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch be-
tätigt hätten, sofern diese von den sri-lankischen Behörden nicht als blosse
"Mitläufer" von Massenveranstaltungen wahrgenommen werden.
Seine weitgehend problemlosen Aus- und Einreisen zeigen, dass der Be-
schwerdeführer jedenfalls bis zu seiner Rückkehr aus Katar im Jahr 2015
nicht im Fokus der Regierung gestanden haben kann. Der Beschwerdefüh-
rer weist offenbar keine Narben am Körper auf und hat sich in Sri Lanka
gemäss seinen Aussagen nur niederschwellig politisch betätigt, indem er
sich für Fahrdienste im Zusammenhang mit politischen Anlässen beauftra-
gen liess. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass er in der „Stop-List“ auf-
geführt wäre; vielmehr sprechen seine Ein-und Ausreisen dafür, dass er es
jedenfalls bis zu seiner Rückkehr aus Katar im Jahr 2015 nicht war. Die
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vom Beschwerdeführer nachher beschriebenen Vorkommnisse erscheinen
– soweit glaubhaft – als äusserst niederschwellig und ungeeignet, ihn in
den Fokus politischer Verfolgung durch seinen Heimatstaat zu setzen. Die
Tatsache, dass der tamilische Beschwerdeführer aus der Schweiz nach Sri
Lanka zurückkehrt, genügt für sich alleine nicht, eine entsprechende Furcht
vor Verfolgung objektiv begründet erscheinen zu lassen. Auf Beschwerde-
ebene macht der Beschwerdeführer neu geltend, dass er nach seiner Aus-
reise exilpolitische Aktivitäten aufgenommen habe (Teilnahme an De-
monstrationen in I._ und J._), worüber in tamilischen Zei-
tungen berichtet wurde. Der Beschwerdeführer sei zudem auf publizierten
Bildern erkennbar. Indessen ist nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwer-
deführer hierbei eine Rolle eingenommen haben soll, die über die eines
reinen «Mitläufers» hinausgeht. Entsprechend der Praxis des Bundesver-
waltungsgerichts ist davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behörden
blosse "Mitläufer" von Massenveranstaltungen als solche identifizieren
können und sie in Sri Lanka mithin nicht als Gefahr wahrgenommen wer-
den (Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, E. 8.5.4).
Unter Würdigung aller Umstände ist somit entgegen der Beschwerde an-
zunehmen, dass der Beschwerdeführer von der sri-lankischen Regierung
nicht zu jener kleinen Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen
Separatismus wieder aufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-
lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist – entgegen der von ihm vertrete-
nen Auffassung – nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im Falle
einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG drohen würden.
6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nichts vor-
gebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuwei-
sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylge-
such zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
D-5145/2020
Seite 18
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
8.2
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Hei-
mat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung
unterworfen werden.
Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Die Rückschaffung des Beschwerdeführers in
den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-
sig.
D-5145/2020
Seite 19
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts besteht kein Grund
zur Annahme, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri
Lanka konkret auf den Beschwerdeführer auswirken könnten. Die allge-
meine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvoll-
zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen und
der Beschwerdeführer weist seinerseits keine individuellen Merkmale auf,
welche eine Unzulässigkeit des Vollzugs begründen könnten. Insbeson-
dere ist, wie oben gesehen. nicht davon auszugehen, dass er auf einer
Stop- oder Watch-List eingetragen wäre. Der Vollzug der Wegweisung er-
weist sich damit als zulässig.
8.3
Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest-
gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren. In Sri Lanka herrscht weder Krieg, Bürgerkrieg noch
eine Situation allgemeiner Gewalt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der
sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegan-
gen. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist der
Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz (auch in das „Vanni-Ge-
biet“) zumutbar, wenn das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien
(insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteile des BVGer E-
1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.3.3 sowie D-3619/2016 vom 16. Okto-
ber 2017 insb. E. 9.5.9.). Anlässlich der Befragungen gab der Beschwer-
deführer zu Protokoll, während elf Jahren die Schule besucht zu haben
(vgl. A18/26, F33). Folglich verfügt er über schulische Bildung und war vor
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Seite 20
seiner Ausreise als Fahrer, in der Landwirtschaft sowie zumindest kurzzei-
tig in einem Hotelbetrieb erwerbstätig. Ferner gab er an, dass seine Fami-
lie, das heisst seine Mutter mit drei Geschwistern sowie seine Kinder, seine
Ehefrau und deren Eltern in E._ leben (...). Die Familie des Be-
schwerdeführers besitzt dort Land, das der Beschwerdeführer vor seiner
Ausreise selbst bewirtschaftete (...). Angesichts dessen ist davon auszu-
gehen, dass seine Angehörigen ihn finanziell unterstützen können und der
Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat über eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation in seinem familiären Umfeld verfügt. Nach dem
Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung damit als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Eine Rückweisung an die Vorinstanz fällt ausser Betracht.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Ver-
fahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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