Decision ID: 78804d73-a465-4b19-b3aa-633b9d1dae2b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend Versicherte) arbeitete seit dem 1. November 2020 als
Produktionsmitarbeiterin bei der B._ AG und war infolgedessen bei der Branchen
Versicherung Genossenschaft, Zürich (nachfolgend: Versicherung), gegen die Folgen
von Unfällen versichert, als sie am 16. Juni 2021 beim Bremsen ihres Fahrrads die
Balance verlor, nach vorne stürzte und sich infolgedessen an der linken Schulter
verletzte (vgl. Schadenmeldung UVG vom 21. Juni 2021, UV-act. A1).
A.a.
Am 18. Juni 2021 erfolgte die hausärztliche Erstkonsultation bei dipl. Arzt C._,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH. Im Arztzeugnis vom 25. Juni 2021
berichtete der Allgemeinmediziner gestützt auf eine radiologische Untersuchung, dass
regelgerechte Artikulationsverhältnisse und keine ossäre Läsion vorlägen. Er
veranlasste eine Ruhigstellung der verletzten Schulter und verordnete Schmerzmittel
(UV-act. M1). Auf Zuweisung des Hausarztes erfolgte am 9. August 2021 in der
Radiologie D._, Diagnosezentrum E._, eine Arthrographie vor MR sowie eine
direkte MR-Arthrographie der linken Schulter. Die Fachärzte für Radiologie, PD Dr.
med. F._ und Prof. Dr. med. G._, erhoben insbesondere eine SLAP-Läsion
(superiores Labrum von anterior nach posterior) vom Typ II (Abriss des Bizepsankers
nach kranial), eine diskrete Zerrung der langen Bizepssehne im intraartikulären
A.b.
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Segment bei geringer Signalanhebung, eine intakte Rotatorenmanschette und eine
leichte Reizung der Bursa subacromialis/subdeltoidea (geringe posttraumatische
Bursitis). Zudem beschrieben die Radiologen einen Buford-Komplex im
glenohumeralen Gelenk (UV-act. M2). Daraufhin überwies Hausarzt C._ die
Versicherte zur Behandlung an die Orthopädie H._. Im Arztbericht vom 19. August
2021 diagnostizierte Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, gestützt auf die Untersuchung der
Versicherten vom 16. August 2021 einen Status nach Schulterkontusion/-distorsion am
16. Juni 2021 mit kernspintomographischem Verdacht auf eine SLAP-Läsion der linken
Schulter. Es erfolgte eine konservative Behandlung mit Schmerzmitteln, Physiotherapie
und muskulärer Therapie (UV-act. M4). Im Arztbericht vom 20. August 2021 verwies
Hausarzt C._ hinsichtlich der Befunde und Diagnosen auf die orthopädischen
Arztberichte. Dabei ging er nicht von einer Beeinflussung durch unfallfremde
Krankheiten, Gebrechen oder Folgen früherer Unfälle aus. Ob bleibende Nachteile zu
erwarten seien, könne derzeit noch nicht gesagt werden (UV-act. M3).
Am 13. September 2021 nahm der Vertrauensarzt der Versicherung, Dr. med.
J._, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie FMH, zur Frage der Versicherung, ob
die heutigen Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall als
alleinige oder als Teilursache oder ausschliesslich auf ereignisfremde Faktoren
zurückzuführen seien, wie folgt Stellung: Die SLAP-Läsion Typ II in der MRT-
Untersuchung der linken Schulter mit Kontrastmittel habe dreieinhalb Wochen nach
dem gemeldeten Ereignis vom 16. Juni 2021 als gegebenenfalls Labrumeinriss ohne
jegliche traumatische Hinweise imponiert. Dies beziehe sich auf fehlende Hämatome
oder begleitende Sehnenaffektionen, so dass dieser Befund mit hoher
Wahrscheinlichkeit und überwiegend vorbestehender Natur gewesen sei. Ein
symptomatisch Werden nach dem Ereignis erfülle die initiale überwiegende Kausalität
eindeutig nicht, so dass der Status quo ante vel sine spätestens vier Wochen nach
dem Vorkommnis vom 16. Juni 2021 erreicht gewesen sei (UV-act. M6).
A.c.
Mit Arztbericht ebenfalls vom 13. September 2021 berichtete Dr. I._ bei
gleichbleibender Diagnosestellung wie im früheren Arztbericht vom 19. August 2021
(vgl. UV-act. M4), dass die Infiltration vorübergehend mehr Beschwerden und
Nebenwirkungen ausgelöst habe. Derzeit bestünden wieder weitgehend unveränderte
A.d.
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B.
Beschwerden am lateralen Oberarm. Eine Indikation zu einem operativen Vorgehen
bestehe nicht. Verordnet habe er weiterhin Physiotherapie und Schmerzmittel nach
Bedarf. Die nächste Kontrolle sei in der Hausarztsprechstunde vorgesehen (UV-act.
M5).
Mit Verfügung vom 23. September 2021 eröffnete die Versicherung der
Versicherten, dass sie gestützt auf die Ausführungen ihres Vertrauensarztes Dr. J._
vom 13. September 2021 die Leistungen per 21. Juli 2021 einstelle, wobei die MRI-
Kosten im Sinne von Abklärungskosten noch übernommen würden (UV-act. A3).
A.e.
Am 6. Oktober 2021 erhob die Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom
23. September 2021. Sie sei nicht damit einverstanden, dass zwischen ihren
Beschwerden und dem Unfall vom 16. Juni 2021 keine Kausalität bestehen solle. Sie
forderte eine Beurteilung durch eine unabhängige Stelle (UV-act. A6).
B.a.
Am 7. Oktober 2021 untersuchte Dr. med. K._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Orthopädie L._, die vom
Hausarzt C._ zugewiesene Versicherte. Im Arztbericht vom 12. Oktober 2021
diagnostizierte Dr. K._ einen Status nach Sturz mit Schulterkontusion und
posttraumatischer Bursitis subacromialis links. Mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit sei es beim Unfall zu einer schweren Schulterkontusion, unter
Umständen auch mit Einblutung in die Bursa subacromialis gekommen. Dies erkläre
die Beschwerden, welche unter Belastung (Arbeit) noch deutlich verstärkt seien. Acht
Wochen nach dem Unfall könne nicht mehr erwartet werden, dass noch Hämatome
vom Unfall selbst erkennbar seien. Die persistierende Bursitis lasse aber eine
stattgehabte Einblutung hier annehmen. Die MR-tomographisch gesehene
Veränderung im Bereich des Bizepsankers sei unfallunabhängig. Es liege eine
Normvariante vor, welche die ventrale Stabilität des Bizepsankers vermindert habe und
frühzeitig hier auch zur Degeneration führen könne. Bei einer traumatischen Läsion
würde er eher eine subtotale Ablösung des Bizepsankers erwarten, welche nicht
darstellbar sei. Er habe nochmals Physiotherapie verordnet und einen
Therapeutenwechsel empfohlen (UV-act. M8).
B.b.
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Die Versicherung beauftragte am 13. Oktober 2021 Dr. J._ mit einer erneuten
Aktenbeurteilung (UV-act. A7). In der noch gleichentags erstellten Beurteilung erklärte
der Vertrauensarzt, dass die beklagten Beschwerden nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in natürlichem Kausalzusammenhang zum gemeldeten Ereignis
ständen. Es bestehe bei degenerativen anterioren Schulterveränderungen nach einer
Kontusion hier mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine traumatische
Labrumverletzung. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei bei einer subacromialen
Enge mit Reizzuständen der Bursa subacromialis eine Kontusion nicht in der Lage, eine
gemäss der MRT-Untersuchung der linken Schulter superiore Labrumläsion bis nach
lateral ziehend passend zu einer SLAP-Läsion Typ II überwiegend wahrscheinlich zu
erzeugen. Da sich die klinischen Befunde nicht einmal eindeutig dieser
morphologischen Läsion zuordnen liessen, sei die natürliche Kausalität dieses
Befundes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht gegeben. Der Status quo ante
vel sine sei daher überwiegend wahrscheinlich spätestens vier Wochen nach dem
Ereignis vom 16. Juni 2021 wieder eingetreten. Das reine symptomatisch Werden
vorbestehender Befunde erfülle die natürliche Kausalität mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht. Gemäss dem MRT-Befund sei es sicher zu keiner
objektivierbaren Verschlimmerung an der linken Schulter dieser genannten Befunde
gekommen. Im Weiteren führte er aus, dass die Gesundheit der Versicherten schon vor
dem Ereignis beeinträchtig gewesen sei. Es würde sich daher um ein reines
symptomatisch Werden von in der MRT-Untersuchung der linken Schulter aufgeführten
Befunden handeln. Ergänzende spezialärztliche Untersuchungen, eine
versicherungsmedizinische Evaluation oder ein Gutachten seien nicht angezeigt (UV-
act. M7).
B.c.
Mit Einspracheentscheid vom 28. Oktober 2021 wies die Versicherung die
Einsprache vom 6. Oktober 2021 gegen die Verfügung vom 23. September 2021 ab.
Begründet wurde der Entscheid damit, dass gestützt auf die nachvollziehbare und
schlüssige medizinische Beurteilung von Dr. J._ vom 13. Oktober 2021 die
Beschwerden an der linken Schulter ab dem 22. Juli 2021 nicht mehr auf den Unfall
vom 16. Juni 2021 zurückzuführen seien (UV-act. A10).
B.d.
Am 29. Oktober 2021 untersuchte Dr. K._ die Versicherte erneut. Im Arztbericht
vom 3. November 2021 erklärte der Facharzt bei unveränderter Diagnosestellung (vgl.
B.e.
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C.
UV-act. M8), dass die Schulterfunktion seitengleich frei sei. Die Impingementtests seien
weiterhin nur angedeutet positiv. Es gebe eine Druckdolenz über dem Sulcus
bicipitalis, jedoch ohne wesentliche Schmerzverstärkung bei der isometrischen
Belastung bzw. bei den Bizepstests. Er empfahl die Belastung bzw. das
Trainingsprogramm anzupassen, so dass kein Training im schmerzhaften Bereich
erfolge. Eine Indikation für eine operative Intervention erachtete er weiterhin als nicht
gegeben, da auch schwierig einzuschätzen sei, wie stark die Versicherte durch die
Beschwerden tatsächlich eingeschränkt sei (UV-act. M9).
Gegen den Einspracheentscheid vom 28. Oktober 2021 liess die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt Laurent
Häusermann, Amparo Anwälte und Notare, St. Gallen, am 29. November 2021
Beschwerde erheben. Folgende Anträge wurden gestellt: 1. Der Einspracheentscheid
vom 28. Oktober 2021 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesondere Heilbehandlung und Taggelder.
2. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten einzuholen oder die Angelegenheit für weitere
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 3. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten der Versicherung
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt,
dass die Schulterverletzung (SLAP-Läsion Typ II) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
auf das Unfallereignis vom 16. Juni 2021 zurückzuführen sei, da es keine
wahrscheinlicheren Anhaltspunkte für eine alternative Schadensursache gebe.
Insbesondere fehle es an ausreichenden Anhaltspunkten für einen degenerativ
entstandenen Schaden. Ausserdem sei der Status quo sine vel ante noch nicht
eingetreten (act. G1).
C.a.
Am 29. November 2021 hielt Dr. K._ im Verlaufsbericht (act. G15.6) fest, dass
sich die Beschwerden nicht wie erwartet gebessert hätten. Er habe ein halbes Jahr
nach dem Unfall bei einer einfachen Impingement-Symptomatik post Trauma wieder
eine normale Schulterfunktion erwartet. Zur Beurteilung des Bizepsankers würden nun
die MRT-Untersuchungen wiederholt. Er hoffe, man könne dann besser zwischen einer
C.b.
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Normvariante und Unfallfolgen differenzieren. In Abhängigkeit der Erkenntnisse aus der
MRT-Untersuchung müsse eine operative Intervention nochmals erwogen werden.
Am 30. November 2021 wurde in der Radiologie D._ erneut eine Arthrographie
vor MR und eine direkte MR-Arthrographie der linken Schulter vorgenommen. Die
Radiologin Dr. med. M._ berichtete über eine stationäre Darstellung der SLAP-Läsion
Typ II (stationäre Darstellung des Labrumrisses superior bis posterosuperior ohne
Progredienz), eine vollständige Regredienz der Signalstörung der langen Bizepssehne
im intraartikulären Abschnitt bei Status nach Zerrung und eine weiterhin intakte
Rotatorenmanschette (act. G15.3).
C.c.
Im Verlaufsberichtseintrag vom 1. Dezember 2021 erwähnte Dr. K._ einen
Status nach Schulterkontusion mit hochgradigem Verdacht auf eine SLAP-Läsion mit
Impingement posttraumatisch links. Die wiederholte MRT-Untersuchung habe
unverändert die erhebliche Signalstörung im Bereich des Bizepsankers im Sinne einer
SLAP-Läsion bei zusätzlichem Buford-Komplex gezeigt. Unverändert sei auch die
subakromiale Kompromittierung durch ein stark hypertrophes CA-Ligament mit Bursitis
subacromialis. Die beurteilende Radiologin gehe zweifelsfrei und identisch von einer
SLAP-Läsion aus. Der Entscheid zur operativen Evaluation sei getroffen worden.
Intraoperativ werde ersichtlich sein, ob der Bizepsanker instabil sei und einer
operativen Refixation bedürfe. Dies müsse dann ganz sicher zu Lasten der
Beschwerdegegnerin gewertet werden. Zudem werde auch eine Dekompression
subakromial bei zusätzlich vorhandener Kompromittierung hier vorgenommen (act.
G15.6-3).
C.d.
Im Operations-/Austrittsbericht vom 14. Dezember 2021 berichtete Dr. K._ über
die durchgeführte Schulterarthroskopie mit SLAP-Repair und die subakromiale
Bursektomie mit Akromioplastik links (act. G15.4).
C.e.
Mit Beschwerdeantwort vom 17. Januar 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Gilles Benedick, Lugano, die vollumfängliche
Abweisung der Beschwerde vom 29. November 2021. Zur Begründung wurde
insbesondere vorgebracht, dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht
C.f.
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geeignet seien, Zweifel an der vertrauensärztlichen Beurteilung von Dr. J._ zu
wecken (act. G3).
Im Arztbericht vom 10. Februar 2022 berichtete Dr. K._, dass sich bereits
unmittelbar postoperativ eine rasche, erhebliche Besserung eingestellt habe. Das
nächste Ziel sei nun die muskuläre Stabilisation der Schulter selbst, glenohumeral (um
das Impingement-Problem dauerhaft zu lösen). Eine Wiederaufnahme der
Arbeitsbelastung sei noch nicht zumutbar. Eine nächste Beurteilung erfolge in vier
Wochen. Im Weiteren erklärte der Facharzt, dass der intraoperative Befund der
ventralen Bizepsankerläsion mit Beteiligung der Befestigung des MGHL (mittleres
glenohumerales Ligament) und auch die Verklebungen zwischen MGHL und
Subscapularis die traumatische Genese der Läsion stützen würden. Lediglich die
subacromialen Veränderungen seien unfallunabhängig (act. G11.2).
C.g.
Im Verlaufsberichtseintrag vom 7. April 2022 führte Dr. K._ aus, dass die
Physiotherapie abgeschlossen sei und die instruierten Übungen regelmässig
selbständig fortgeführt würden. Hierunter habe sich eine deutliche Besserung der
Schulterstabilität eingestellt. Diskrete Schmerzen bestünden nur noch oberhalb der
Horizontalen bei bestimmten Rotationsbewegungen sowie bei der endgradigen
Innenrotation. Er empfahl Belastungen in und über der Schulterebene möglichst auf
lange Sicht zu vermeiden. Im Weiteren hielt er fest, dass der Beschwerdeführerin von
Seiten der Arbeitgeberin gekündigt worden sei (act. G15.6-4f.).
C.h.
In der Replik vom 25. Mai 2022 hielt die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen mit Ausnahme des eventualiter einzuholenden
Gerichtsgutachtens fest (act. G11). Zur Widerlegung der Einschätzungen von Dr. J._
wurde eine Beurteilung von Dr. med. N._, Fachärztin für Chirurgie FMH, O._ AG,
vom 9. Mai 2022 eingereicht. Diese führte in der Beurteilung aus, dass das linke
Schultergelenk wie das linke Schultereckgelenk (AC-Gelenk) nicht degenerativ
verändert seien und die Rotatorenmanschette intakt sei. Die Abklärungen hätten das
Vorliegen eines sogenannten Buford-Komplexes im Sinne eines Vorzustandes am
Labrum (konkret fehle das antero-superiore Labrum in der Lokalisation eins bis drei
Uhr) und eine SLAP-Läsion Typ II in posterosuperiorer Ausdehnung gezeigt. Die SLAP-
Läsion sei überwiegend wahrscheinlich unfallkausal verursacht worden. Es liege
C.i.
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überwiegend wahrscheinlich eine durch den Unfall vom 16. Juni 2021 verursachte
richtungsgebende Verschlimmerung eines anlagebedingten Vorzustandes am linken
Labrum vor (act. G11.1).
Im Arztbericht vom 1. Juli 2022 berichtete Dr. K._ über die Untersuchung der
Versicherten vom 30. Juni 2022. Der Facharzt konnte objektiv eine sehr gute
Schulterfunktion und auch Kraft feststellen. Er forderte die Beschwerdeführerin erneut
auf, das Muskeltraining zur glenohumeralen Stabilisierung unbedingt selbstständig
fortzusetzen, da sonst die Impingementtests vor allem im unphysiologischen
Bewegungsbereich (neben der Körperebene, Retroversion) positiv bleiben würden. Eine
Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess in schulteradaptierter Belastung (unterhalb
der Schulterebene, nicht darüber) sah er als Teil der Therapie an. Seit der operativen
Intervention seien nun bereits mehr als sechs Monate vergangen, was bei derartigen
Verletzungen in der Regel ausreiche, um die Arbeitsbelastung wieder aufzunehmen
(act. G15.7).
C.j.
In der Duplik vom 16. August 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin
unverändert die Abweisung der Beschwerde (act. G15). In der Begründung verwies sie
auf den Bericht von Dr. J._ vom 16. Juli 2022 (act. G15.1; vgl. Sachverhalt C.k), worin
dieser eine krankheitsbedingte Labrumläsion feststellte. Die Beschwerdegegnerin ging
weiterhin vom Erreichen des Status quo sine spätestens vier Wochen nach dem Unfall
aus (act. G15). Zudem wurden von ihr weitere Akten eingereicht (act G15.1ff.).
C.k.
In der Eingabe vom 6. September 2022 teilte die neue Rechtsanwältin der
Beschwerdeführerin, Karin Herzog, mit, dass sie das Vertretungsmandat von
Rechtsanwalt Laurent Häusermann infolge dessen Ausscheidens aus der
Anwaltskanzlei übernommen habe. Zusätzlich zu den bereits mit der Beschwerde
gestellten Rechtsbegehren liess die Beschwerdeführerin die Verpflichtung der
Beschwerdegegnerin zur Erstattung der Kosten für die Kausalitätsbeurteilung von Dr.
N._ in der Höhe von Fr. 969.30 beantragen. Im Weiteren wurde erklärt, dass
Kausalitätsbeurteilungen von drei Fachärztinnen und -ärzten vorlägen, von welchen Dr.
K._ und Dr. N._ die Kausalität bejahten und Dr. J._ sie verneine. Geltend
gemacht wurde, dass die Beurteilungen von Dr. K._ und Dr. N._ ausreichten, so
C.l.
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Erwägungen
1.
dass zumindest geringe Zweifel an der Beurteilung von Dr. J._ beständen, weshalb
auf diese nicht abgestellt werden dürfe (act. G17, G17.1ff.).
Mit Eingabe vom 21. September 2022 nahm die Beschwerdegegnerin zur
Eingabe der Beschwerdeführerin vom 6. September 2022 Stellung. Erklärt wurde, dass
die Beurteilung von Dr. N._ keine Zweifel an der Einschätzung von Dr. J._ zu
begründen vermöge. Der Antrag, dass die Kosten für die Beurteilung von Dr. N._ der
Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin zu vergüten seien, sei abzuweisen
(act. G19).
C.m.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 28. Oktober 2021 (UV-act. A10). Streitig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch auf Versicherungsleistungen über
den 21. Juli 2021 hinaus abgelehnt hat.
1.1.
Die Beschwerdeführerin lässt in der Beschwerde vom 29. November 2021 (act.
G1), der Replik vom 25. Mai 2022 (act. G11) und der Eingabe vom 6. September 2022
(act. G17) geltend machen, dass die Beschwerden in der linken Schulter auf den Unfall
vom 16. Juni 2021 zurückzuführen seien und der Status quo sine vel ante
diesbezüglich noch nicht erreicht sei, weshalb die Beschwerdegegnerin auch über den
21. Juli 2021 hinaus leistungspflichtig für Heilbehandlung und Taggelder sei. In der
Begründung wird dazu ausgeführt, dass es zwei Hauptstreitpunkte gebe, einerseits
den Unfallhergang (vgl. nachfolgende Erwägung 3) und andererseits die Kausalität der
Beschwerden bzw. der SLAP-Läsion zum Unfall vom 16. Juni 2021 (vgl. nachfolgende
Erwägung 4). Bezüglich des von der Beschwerdegegnerin bzw. von deren
Vertrauensarzt Dr. J._ angenommenen Unfallhergangs wird beanstandet, dass nicht
auf denjenigen gemäss der Schadensmeldung UVG vom 21. Juni 2021 abgestellt
worden sei (vgl. UV-act. A1: "Die Mitarbeiterin hat beim Bremsen ihres Fahrrades die
Balance verloren, ist nach vorne gestürzt und hat sich dabei ihre linke Schulter
verletzt."). Gerügt wird, dass die Beschwerdegegnerin bzw. ihr Vertrauensarzt den
Unfallhergang mit dem Fall verglichen, bei dem eine Person mit einem Motorrad
wegrutsche. Bei einem Sturz nach vorne, wie ihn die Beschwerdeführerin erlitten hat,
würden jedoch ganz unterschiedliche Kräfte (auf den Arm und die Schulter) wirken.
Hinzu komme, dass weder die Beschwerdegegnerin noch ihr Vertrauensarzt Dr. J._
1.2.
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sie je um eine detaillierte Schilderung des Unfallhergangs gebeten hätten. Hinsichtlich
der Kausalitätsbeurteilung der Beschwerdegegnerin bzw. ihres Vertrauensarztes wird
beanstandet, dass diese, obwohl eine anatomische Anomalie vorliege (ein sogenannter
Buford-Komplex) und das Schultergelenk sowie die Rotatorenmanschette keine
degenerativen Schäden gezeigt hätten, vom Vorliegen eines degenerativen
Vorzustandes ausgegangen seien. Sowohl Dr. K._ als auch Dr. N._ würden die
Kausalität der SLAP-Läsion zum Unfall vom 16. Juni 2021 bejahen, nur Dr. J._,
welcher lediglich von einer erlittenen Prellung ausgehe, verneine diese. Da zumindest
geringe Zweifel an der Beurteilung des Vertrauensarztes der Beschwerdegegnerin
bestünden, dürfe nicht auf diese abgestellt werden. Falls nicht auf die Beurteilung von
Dr. N._ (act. G11.1), welche viele Jahre als Kreisärztin für die Suva tätig gewesen sei,
abgestellt werde, sei eine unabhängige Einschätzung einzuholen. Selbst wenn die
SLAP-Läsion wider Erwarten nicht unfallkausal sein sollte, sei der Status quo sine oder
ante wahrscheinlich nicht per 21. Juli 2021, sondern bisher noch nicht eingetreten. Dies
habe eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin über den 21. Juli 2021 hinaus zur
Folge.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Begründung des angefochtenen
Einspracheentscheids (UV-act. A10) im Wesentlichen auf die Stellungnahmen ihres
Vertrauensarztes Dr. J._ vom 13. September 2021 (UV-act. M6; vgl. Sachverhalt A.c)
und insbesondere vom 13. Oktober 2021 (UV-act. M7; vgl. Sachverhalt B.c). In der
Beschwerdeantwort wird geltend gemacht, Dr. J._ sei zum Schluss gekommen, dass
der Status quo ante vel sine spätestens vier Wochen nach dem Unfall vom 16. Juni
2021 wieder erreicht worden sei, denn eine Kontusion, wovon vorliegend auszugehen
sei, könne überwiegend wahrscheinlich keine SLAP-Läsion vom Typ II verursachen. Die
noch vorliegenden Beschwerden seien daher vorwiegend auf Abnützung oder
Erkrankung zurückzuführen (vgl. act. G3). In der Duplik wird gestützt auf die neu
eingeholte Stellungnahme von Dr. J._ vom 16. Juli 2022 (act. G15.1) erklärt, dass
wegen der anatomisch bedingten fehlenden ventralen Labrumstruktur (Buford-
Komplex) und der somit fehlenden Stabilisierung, die superiore Labrumläsion (SLAP-
Läsion) überwiegend wahrscheinlich aufgrund krankhafter instabiler Belastungen
zustande gekommen sei. Das reine symptomatisch Werden vorbestehender Befunde
erfülle die natürliche Kausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht. Der Status
quo ante vel sine sei überwiegend wahrscheinlich vier Wochen nach dem Unfall
eingetreten (vgl. act. G15). In der Eingabe vom 21. September 2022 wird erneut
ausgeführt, dass die Beurteilung von Dr. N._ nicht geeignet sei, die fachärztlichen
Begutachtungen des Vertrauensarztes der Beschwerdegegnerin in Zweifel zu ziehen
(vgl. act. G19).
1.3.
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2.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt.
2.1.
Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
2.2.
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181 E. 3; Alexandra Rumo-
Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S.
53 ff.; André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff.
zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/ Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG]).
Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht oder nicht in gleicher
Weise oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die Schädigung verantwortlich, d.h.
zumindest teilkausal ist, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann,
ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181
E. 3.1 und 117 V 376 E. 3a mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 53). Für die
Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 112 V 32 f. E. 1; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 55 und 58 f.; KOSS UVG-Nabold, N 53 und 59 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, N 65 f. und 74 zu Art. 6).
2.3.
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Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht im Grundfall einmal anerkannt, so
entfällt sie erst dann wieder, wenn der Unfall nicht (mehr) die natürliche oder adäquate
Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur noch und
ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender
Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008,
8C_101/2008, E. 2.2; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N. 58 f.). Da es sich hierbei um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast –
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim
Unfallversicherer (Urteile des Bundesgerichts vom 3. August 2022, 8C_698/2021, E 3.3,
und vom 24. August 2016, 8C_263/2016, E. 4.2; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 9. September 1999, U 355/98, E. 2, in: RKUV 2000
Nr. U 363 S. 45). Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder
überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und
sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden
Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er
unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige
Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften
Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine),
erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen). Mit dem Erreichen des
Status quo sine oder ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden
Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine vel ante noch nicht wieder erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den
Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter
auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts
vom 11. März 2014, 8C_637/2013, E. 2.3.2).
2.4.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
2.5.
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3.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin bzw. ihr Vertrauensarzt Dr. J._
bei der Leistungsanspruchsprüfung bzw. bei der Beurteilung der Kausalität der
Beschwerden zum Unfall vom 16. Juni 2022 von einem unzutreffenden Unfallhergang
ausgegangen sind.
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten oder der Expertin begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Insofern kann rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten, welche die
Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und
Ärztinnen oder von ihren Vertrauensärztinnen und -ärzten einholen, Beweiswert
beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4, 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Soll ein
Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden
werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen oder vertrauensärztlichen Feststellungen, ist eine
versicherungsexterne Begutachtung anzuordnen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 229
E. 5.2 mit Hinweis, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
Vorweg ist festzuhalten, dass es sich beim Ereignis vom 16. Juni 2021 (vgl. UV-act.
A1) unbestrittenermassen um einen Unfall im Sinne von Art. 6 Abs. 1 UVG handelt. Die
Beschwerdegegnerin anerkannte denn auch das Ereignis als Unfall und erbrachte
gesetzliche Versicherungsleistungen (vgl. UV-act. A2-2).
3.1.
Gemäss der Schadensmeldung UVG vom 21. Juni 2021 (UV-act. A1) hat die
Beschwerdeführerin am 16. Juni 2021 beim Bremsen des Fahrrads die Balance
verloren, ist nach vorne gestürzt und hat sich dabei die linke Schulter verletzt. Von
diesem Unfallhergang ging die Beschwerdegegnerin denn auch in ihrer Verfügung vom
22. September 2021 aus (vgl. UV-act. A3). Die Beschreibung des Unfallhergangs (im
3.2.
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Sinne einer Aussage der ersten Stunde) ist nachvollziehbar, plausibel und wird durch
spätere Schilderungen der Beschwerdeführerin auch nicht in Frage gestellt (vgl. UV-
act. A6, act. G1-3, G11.1-3). Für die Annahme der Beschwerdegegnerin und ihres
Vertrauensarztes, dass beim Unfall vom 16. Juni 2021 von einem seitlichen
Wegrutschen und nicht von einem Sturz nach vorne auszugehen sei (vgl. act. G15-4,
G15.1-3, G15.6-1, G17-2), gibt es keine Anhaltspunkte, und sie würde den
ursprünglichen beschwerdeführerischen Angaben in der Schadensmeldung UVG vom
21. Juni 2021 (vgl. UV-act. A1) widersprechen. Zudem ist es nicht aussergewöhnlich,
dass bei starkem Abbremsen eines Fahrrades dessen Vorderrad blockiert und das
Hinterrad sich infolgedessen vom Boden abhebt, so dass die Fahrradfahrerin bzw. der
Fahrradfahrer in Folge des hohen Schwerpunktes und der wirkenden Kräfte über den
Lenker des Fahrrades hinweg nach vorne stürzt. Bei diesem "Wegkatapultieren" lösen
sich die Hände von den Lenkergriffen und die stürzende Person wird, da die Arme
bereits in Sturzrichtung zeigen, in der Regel versuchen, den Aufprall auf dem Boden
mit den Armen abzufedern. Folglich ist bei einem Sturz nach vorne mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Arme beim Aufprall nicht seitlich an
den Körper angelegt waren. Zu den Ausführungen des Vertrauensarztes ist
anzumerken, dass es bei Motorradunfällen oft zu einem seitlichen Wegrutschen
kommt. Dies dürfte jedoch insbesondere auf den tiefen Schwerpunkt von Motorrad und
Fahrzeuglenker/in in Kombination mit Fahrfehlern (nicht angepasste Geschwindigkeit in
Kurven und falsche Bremsmanöver) zurückzuführen sein. Daraus lässt sich jedoch für
den vorliegend zu beurteilenden Fahrradunfall nichts ableiten, sind doch die auf den
Körper einwirkenden Kräfte bei einem seitlichen Wegrutschen (mit einem Motorrad)
und bei einem Sturz nach vorne (über den Lenker eines Fahrrades hinweg) nicht
vergleichbar, weil nur schon von unterschiedlichen Armpositionen (am Körper
anliegend, vom Körper abstehend) beim Bodenkontakt (Aufprall) und auch sonst von
einem gänzlich unterschiedlichen Bewegungsablauf auszugehen ist.
Nicht nachvollziehbar bzw. verständlich ist, dass die Beschwerdegegnerin den
Unfallhergang, zumal sie von den Angaben der Beschwerdeführerin in der
Schadensmeldung UVG vom 21. Juni 2021 (vgl. UV-act. A1) abwich (das nach vorne
Stürzen wurde weggelassen, vgl. UV-act. A3-1, A7-2, M6, M7-1), nicht genauer
abklärte, obschon die Beschwerdeführerin bereits in ihrer Einsprache angab, dass eine
Zeugin alles gesehen habe (vgl. UV-act. A6). Infolgedessen fehlen Angaben zum Unfall
wie Ausgangsgeschwindigkeit, Sturzweite, Endlage des Fahrrades und der
Beschwerdeführerin sowie Beschädigungen an Fahrrad und Bekleidung.
Entsprechende Informationen hätten genauere Rückschlüsse hinsichtlich der auf den
Körper der Beschwerdeführerin einwirkenden Kräfte ermöglicht. Obwohl in der
3.3.
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4.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die vorliegende medizinische Aktenlage eine Beurteilung
der Kausalität der über den Leistungseinstellungszeitpunkt (21. Juli 2021) hinaus
bestehenden Beschwerden bzw. der SLAP-Läsion zum Unfall vom 16. Juni 2021
zulässt.
Schadensmeldung UVG vom 21. Juni 2021 im Feld Verletzung das Wort "Riss"
eingetragen wurde (vgl. UV-act. 1), erfolgte nach vorliegendem Aktenstand seitens der
Beschwerdegegnerin sodann keine Nachfrage hinsichtlich der Bedeutung dieses
Eintrags.
Da die Unfallhergangsschilderung in der Schadensmeldung UVG (UV-act. A1)
nachvollziehbar und stimmig erscheint, ist darauf abzustellen. Infolgedessen ist davon
auszugehen, dass beim Sturz (Bodenaufprall) erhebliche (Scher-)Kräfte auf den linken
Arm bzw. die linke Schulter der Beschwerdeführerin eingewirkt haben müssen.
3.4.
Die Beschwerdeführerin gibt an, nach dem Unfall vom 16. Juni 2021 trotz der
Schmerzen – aus Pflichtbewusstsein (vgl. UV-act. A6) – weiterhin ihrer Arbeit
nachgegangen zu sein. Erst zwei Tage später konsultierte sie ihren Hausarzt, welcher
gestützt auf eine klinische und radiologische Untersuchung eine Ruhigstellung der
linken Schulter veranlasste und Schmerzmittel verordnete (UV-act. M1).
4.1.
Erst als die vom Hausarzt erhoffte Verbesserung der Schmerzsituation nicht
eintrat, veranlasste dieser knapp acht Wochen nach dem Unfall weitere bildgebende
Untersuchungen der linken Schulter (Arthrographie, MRT durchgeführt am 9. August
2021). Als Befund erhoben die Radiologen Dr. F._ und Dr. G._ hinsichtlich des
Schultergelenkdachs ein AC-Gelenk ohne Arthrose oder Reizzustand, keinen
Kontrastmitteldurchtritt nach subakromial/subdeltoidal, eine geringe Reizung der Bursa
subakromialis/subdeltoidea, ein leicht verdicktes coracoacromiales Ligament mit
leichter Eindellung der Bursa sowie ein Acromion Typ Bigliani I. Hinsichtlich der
Rotatorenmanschette beschrieben sie intakte Sehnen (Supraspinatussehne,
Infraspinatussehne und Teres minor-Sehne). Im Weiteren erhoben sie eine allseits gute
Muskelqualität, keine Atrophie, kein Muskelödem und normale axilläre Weichteile.
Hinsichtlich der langen Bizepssehne beschrieben sie eine geringe, eher unspezifische
Signalerhöhung im intraartikulären Segment der langen Bizepssehne in der T1-
Sequenz. Die übrigen Sequenzen beurteilten sie als normal. Insbesondere gebe es
keinen Hinweis auf eine Pully-Läsion. Die lange Bizepssehne sei im Sulcus
intertubercularis zentriert. Zum glenohumeralen Gelenk führten sie aus, dass es keine
4.2.
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fokalen Knorpelschäden glenohumeral gebe. Es liege jedoch ein Buford-Komplex vor.
Das superiore Labrum sei signalalternierend und die Signalveränderungen würden auch
nach lateral in die Labrumsubstanz, insbesondere bis nach posterior, reichen, sodass
der Befund zu einer SLAP-Läsion vom Typ II passe. Diese von den Radiologen
vorgenommene Beurteilung (SLAP-Läsion vom Typ II, diskrete Zerrung der langen
Bizepssehne im intraartikulären Segment, intakte Rotatorenmanschette, eine geringe
posttraumatische Bursitis und das Vorliegen eines Buford-Komplexes) erscheint
nachvollziehbar und wird grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Für die
Beschwerdegegnerin selbst ergaben sich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Zweifel
bezüglich ihrer Leistungspflicht. Weiter finden sich im Arztbericht der Radiologen keine
Aussagen zur Kausalität der Beschwerden bzw. der SLAP-Läsion zum Unfallereignis
vom 16. Juni 2021 (vgl. UV-act. M2).
Aus den Arztberichten von Dr. I._ vom 19. August 2021 (UV-act. M4; vgl.
Sachverhalt A.b) und 13. September 2021 (UV-act. M5; vgl. Sachverhalt A.d) ergeben
sich ebenfalls keine Erkenntnisse zur Kausalität der SLAP-Läsion zum Unfall vom 16.
Juni 2021. Der Facharzt ging von einer Schulterkontusion/-distorsion und, da die
klinische Untersuchung keine eindeutigen Symptome der kernspintomographisch
erhobenen SLAP-Läsion zeigte, lediglich von einem Verdacht hinsichtlich des
Vorliegens einer SLAP-Läsion aus.
4.3.
Im Arztbericht vom 20. August 2021 (UV-act. M3; vgl. Sachverhalt A.b)
beantwortete Hausarzt C._ die von der Beschwerdegegnerin gestellten Fragen. Er
ging offensichtlich ausschliesslich von unfallbedingten Diagnosen aus. Eine
diesbezügliche Begründung enthält der Bericht jedoch nicht. Bei den weiteren Fragen
verwies er auf die Berichte der Fachärzte (vgl. UV-act. M2, M4). Folglich hilft auch
dieser Bericht hinsichtlich der eingangs gestellten Kausalitätsfrage nicht weiter. Nicht
nachvollziehbar ist, dass die Beschwerdegegnerin zwar dem Allgemeinmediziner C._
diesen Fragebogen zustellte, nicht jedoch den Fachärzten Dr. F._ und Dr. G._
sowie Dr. I._, von denen aufgrund ihrer fachspezifischen Kenntnisse eher begründete
Aussagen zur Kausalität zu erwarten gewesen wären.
4.4.
In der Folge bat die Beschwerdegegnerin ihren Vertrauensarzt Dr. J._ um eine
Kausalitätsbeurteilung. Bei seiner Stellungnahme vom 13. September 2021 (UV-act.
M6; vgl. Sachverhalt A.c.) handelt es sich um rein aktenbasierte Aussagen. Unklar ist,
welche Akten und insbesondere welche Untersuchungsbilder Dr. J._ zur Verfügung
standen. Wie sich aus späteren Aktenstücken ergibt, dürfte er die Stellungnahme ohne
Einsichtnahme in die Arthrographie-/MRT-Bilder erstellt haben (vgl. dazu die
nachfolgenden Erwägungen 4.6 und 4.9). In medizinischer Hinsicht stellt der
4.5.
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Vertrauensarzt das Vorliegen von Beschwerden bzw. einer SLAP-Läsion nicht in Frage,
die Kausalität zum Unfall vom 16. Juni 2021 jedoch schon. Begründet wird dies damit,
dass es keine traumatischen Hinweise wie Hämatome oder begleitende
Sehnenaffektionen gebe. Eine Auseinandersetzung mit den von den Radiologen
erhobenen Befunden "geringe Reizung der Bursa subacromialis/subdeltoidea" erfolgte
dagegen nicht, obwohl es sich dabei um eine Entzündung der Schleimbeutel zwischen
dem oberen Ende des Oberarmknochens und der Schulterhöhe sowie zwischen dem
oberen Ende des Oberarmknochens und dem Delta-Muskel handelt (vgl. dazu bspw.
www.befunddolmetscher.de/bursitis-subacromialis-und-subdeltoidea; zuletzt
abgerufen 31. Oktober 2022). Ebenso erfolgte keine Würdigung des leicht verdickten
coracoacromialen Ligamentums. Zudem ist fraglich, ob aus dem Fehlen von
Hämatomen oder begleitenden Sehnenaffektionen Wochen nach dem Unfallereignis
überhaupt noch Schlüsse hinsichtlich der Kausalität der SLAP-Läsion gezogen werden
können, da sich solche Begleitverletzungen einer Kontusion/Distorsion
erfahrungsgemäss relativ rasch zurückbilden und die ersten fachärztlichen
Untersuchungen erst im August 2021 und damit knapp zwei Monate nach dem Unfall
stattfanden.
Am 13. Oktober 2021 beauftragte die Beschwerdegegnerin ihren Vertrauensarzt
Dr. J._ erneut mit einer Aktenbeurteilung. Dabei schrieb sie: "Sollten Sie die Bilder
benötigen, werden wir Ihnen diese gerne noch bestellen und nachträglich
zustellen" (vgl. UV-act. A7). Da Dr. J._ die Aktenbeurteilung (UV-act. M7; vgl.
Sachverhalt B.c) noch gleichentags erstellte, in den Akten Hinweise zur Zustellung der
Untersuchungsbilder an den Vertrauensarzt fehlen und der Bericht auch kein Akten-/
Bilderverzeichnis enthält, muss davon ausgegangen werden, dass Dr. J._ seine
Einschätzungen ohne Einsichtnahme in die Untersuchungsbilder erstellte. Damit beruht
die Beurteilung von 13. Oktober 2021 auf einer unvollständigen Aktenlage. Daran
vermag der Vermerk, "Für Beurteilung erforderliche Akten vorhanden" (vgl. UV-act.
M7-8) nichts zu ändern. Die Einschätzung von Dr. J._, dass mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine traumatische Labrumverletzung (bzw. traumatische bedingte
SLAP-Läsion) vorliege, begründete er im Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
mit degenerativen anterioren Schulterveränderungen, ohne dabei auszuführen,
aufgrund welcher Fakten er von einem degenerativen Vorzustand ausgeht. Die
vertrauensärztliche Einschätzung steht denn auch im Widerspruch zu dem von den
Radiologen erhobenen Befund eines AC-Gelenks ohne Arthrose (vgl. UV-act. M2).
Zudem geht Dr. J._ davon aus, dass eine (einfache) Kontusion nicht in der Lage sei,
eine SLAP-Läsion überwiegend wahrscheinlich zu verursachen. Dass der Arzt nur vom
Vorliegen einer (einfachen) Kontusion ausging, dürfte auf den angenommenen
4.6.
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Unfallhergang (Sturz mit seitlichem Wegrutschen) zurückzuführen sein. Diese Annahme
ist aber – wie in Erwägung 3.2 hiervor aufgezeigt – nicht korrekt. Folglich kann auf die
Aussage von Dr. J._ vorliegend nicht abgestellt werden. Schliesslich stellt sich die
Frage was mit der Aussage, es bestehe "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bei
degenerativen anterioren Schulterveränderungen nach einer Kontusion hier mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keine traumatische Labrumverletzung" (UV-act.
M7-5) beweismässig überhaupt zum Ausdruck gebracht werden sollte. Jedenfalls
erscheint sie alles andere als sorgfältig und zuverlässig. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass hinsichtlich der Stellungnahme von Dr. J._ zumindest geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der vertrauensärztlichen Beurteilung
bestehen.
Im Weiteren liegen die Arztberichte von Dr. K._ vom 12. Oktober 2021 (UV-act.
M8; vgl. Sachverhalt B.b), vom 3. November 2021 (UV-act. M9; vgl. Sachverhalt B.e),
vom 14. Dezember 2021 (Operations-/Austrittsbericht, act. G15.4; vgl. Sachverhalt C.e)
und vom 10. Februar 2022 (act. G11.2; vgl. Sachverhalt C.g) sowie der Verlaufsbericht
mit letztem Eintrag vom 7. April 2022 (act. G15.6; vgl. Sachverhalt B.e) im Recht.
Während Dr. K._ im Bericht vom 12. Oktober 2021 von einer durch den Unfall
bedingten schweren Schulterkontusion ausgegangen war und die MR-tomografisch
gesehene Veränderung im Bereich des Bizepsankers (SLAP-Läsion) dazumal noch als
überwiegend wahrscheinlich unfallunabhängig eingestuft hatte, ging er im Bericht vom
10. Februar 2022 (act. G11.2) gestützt auf die erneute bildgebende Untersuchung vom
30. November 2021 (act. G15.3; vgl. Sachverhalt C.c) und den interoperativen Befund
(ventrale Bizepsankerläsion mit Beteiligung der Befestigung des MGHL und
Verklebungen zwischen MGHL und Subscapularis; act. G15.4) von einer traumatischen
Genese der Läsion aus (act. G11.2; vgl. dazu auch die Einträge von Dr. K._ in seinem
Verlaufsbericht, act. G15.6). Diese geänderte Einschätzung von Dr. K._ hinsichtlich
der Kausalität verdeutlicht die schwierige Einschätzung der Ursächlichkeit von inneren
Verletzungen, die klinisch nicht einwandfrei erhebbar sind bzw. einen
Interpretationsspielraum bieten, obwohl sie mit Arthrographie-/MRT-
Untersuchungsbildern bestimmbar/identifizierbar sind. Die Beurteilung durch
(Fach-)Ärzte wird umso schwieriger, wenn besondere Umstände hinzukommen (wie
vorliegend die anatomische Variante eines Buford-Komplexes) und infolgedessen
aussagekräftige statistische Zahlen/Erhebungen fehlen. Vorliegend ist der
Meinungswechsel aufgrund der anlässlich der Operation gewonnen Erkenntnisse –
wohl in Kombination mit bei Patientengesprächen erhaltenen genaueren Informationen
zum Unfallhergang – nachvollziehbar.
4.7.
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Die Beschwerdeführerin reichte zum (zusätzlichen) Beweis der Kausalität der nach
wie vor bestehenden Beschwerden zum Unfall vom 16. Juni 2021 mit der Replik vom
25. Mai 2022 (act. G11) die chirurgisch-versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr.
N._ vom 9. Mai 2022 ein (vgl. act. G11.1; vgl. Sachverhalt C.i.). Diese Fachärztin war
in die Behandlung der Beschwerdeführerin nicht involviert. Sie verfügte für ihre
Stellungnahme über sämtliche relevanten Akten – inklusive der Bilder der
durchgeführten Untersuchungen (vgl. act. G11.1-1f.). In der Beurteilung ist der
Sachverhalt in kurzer Form enthalten (vgl. act. G11.1-3). Einleitend hält die Fachärztin
im Bericht fest, dass das linke Schultergelenk und auch das linke Schultereckgelenk
nicht degenerativ verändert seien und die Rotatorenmanschette intakt sei. Dies steht
im Widerspruch zur Aussage von Dr. J._, der vom Vorliegen eines degenerativen
Vorzustandes ausgeht (vgl. Erwägung 4.6 hiervor). Anschliessend erwähnt die
Fachärztin sowohl den anlagebedingten Vorzustand (Buford-Komplex) als auch die
koexistente SLAP-Läsion vom Typ II. Danach erfolgt eine Auseinandersetzung mit den
Aussagen von Dr. J._ in der Stellungnahme vom 13. Oktober 2021 (UV-act. M7). Die
Fachärztin weist darauf hin, dass beim Unfallhergang das nach vorne Stürzen von der
Beschwerdegegnerin und von ihrem Vertrauensarzt nicht berücksichtigt und
infolgedessen fälschlicherweise lediglich von einer banalen Schulterkontusion
ausgegangen worden sei (vgl. dazu auch Erwägung 4.6 hiervor). Im Weiteren erwähnt
sie, dass bei einer SLAP-Läsion eine Abgrenzung zwischen Verschleiss und
Unfallkausalität schwierig sei. Vorliegend gebe es zwei Unfallmechanismen, die in
Betracht zu ziehen seien, den Traktionsmechanismus und den
Kompressionsmechanismus. Dabei handle es sich um Unfallmechanismen, die durch
ihre indirekte Krafteinwirkung zu einer SLAP-Läsion führen würden, ohne dass es dabei
zu zusätzlichen Weichteilläsionen bzw. Blutergüssen komme. Vorliegend seien jedoch
weder MR-tomographisch noch intraoperativ degenerative Veränderungen am Labrum
dokumentiert; weder eine Ausfransung noch eine Abnützung des kranialen
Labrumrandes. Die sechs Monate nach dem Unfall erfolgte Arthroskopie zeige
Verklebungen zwischen dem mittleren glenohumeralen Ligament und dem
Subscapularis, was ein Hinweis auf eine traumatische Krafteinwirkung sei. Ein
degenerativer Schaden weise keine Verklebungen auf. Die Fachärztin folgerte, dass die
SLAP-Läsion vom Typ II überwiegend wahrscheinlich unfallkausal verursacht worden
sei. Es liege überwiegend wahrscheinlich eine durch den Unfall vom 16. Juni 2021
verursachte richtungsgebende Verschlimmerung eines anlagebedingten Vorzustandes
am linken Labrum vor. Die Fachärztin bestätigt damit die Einschätzungen von Dr. K._
hinsichtlich der traumatischen Genese.
4.8.
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Daraufhin bat die Beschwerdegegnerin ihren Vertrauensarzt Dr. J._ um eine
erneute Stellungnahme (vgl. act. G13). Mit der Duplik vom 16. August 2022 (act. G15)
wurde eine solche vom 16. Juli 2022 eingereicht (act. G15.1; vgl. Sachverhalt C.k), und
erwähnt, dass Dr. J._ nun das gesamte Bildmaterial vorgelegen habe. Dass die
Beschwerdegegnerin bei den gegebenen sich widersprechenden medizinischen
Stellungnahmen erneut zu einer internen Beurteilung durch Dr. J._ schritt (Bericht
vom 16. August 2022, act. G15.1; vgl. Sachverhalt C.k), kann nicht nachvollzogen
werden, sind doch beim Bestehen auch nur geringer Zweifel an der Zuverlässigkeit der
ärztlichen Feststellungen versicherungsinterner Fachpersonen bzw. beratender Ärzte
und Ärztinnen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 mit
Hinweis; bestätigt in Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012,
E. 5.3; BGE 122 V 162 f. E. 1d). Inhaltlich vermag diese dritte Beurteilung die Zweifel an
den vorherigen beiden Beurteilungen nicht auszuräumen, weil Dr. J._ nach wie vor
von einem unzutreffenden Unfallgeschehen ausging. Vor diesem Hintergrund kann
auch die Relevanz der von ihm als Beweis angeführten Studie nicht beurteilt werden,
bei welcher sechs Untersuchte den gleichen Buford-Komplex wie die
Beschwerdeführerin aufgewiesen hätten. Deshalb können auch keine Folgerungen im
Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit daraus abgeleitet werden. Es bedarf
daher einer unabhängigen medizinischen Einschätzung der Situation in Form eines
externen Gutachtens.
4.9.
Wie die Beschwerdeführerin in der Beschwerde vom 29. November 2021 (act.
G1-7f.) zu Recht darauf hinweist, wäre im Falle der Verneinung der Kausalität zwischen
der SLAP-Läsion und dem Unfall vom 16. Juni 2021 noch nicht erstellt, dass der Status
quo sine oder ante – wie von der Beschwerdegegnerin vertreten und verfügt – zum
Leistungseinstellungszeitpunkt (21. Juli 2021) bereits erreicht war. In diesem Falle
bedürfte es zu dieser Frage ebenso einer unabhängigen medizinischen Einschätzung
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5.3, vom 24.
Juni 2008, 8C_326/2008, E. 3.2 und 4, vom 19. Oktober 2011, 8C_515/2011, E.4.1,
und 5. April 2007, U 413/05, E. 4.2).
4.10.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass hinsichtlich der medizinischen
Einschätzungen von Dr. J._ – entgegen den Ausführungen und Einschätzungen des
Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort (vgl. act. G3-6f.)
und der Duplik (vgl. act. G15-2ff) – zumindest geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit bestehen. Da es sich bei Dr. J._ um einen Vertrauensarzt der
Beschwerdegegnerin handelt, bedarf es rechtssprechungsgemäss einer
versicherungsexternen Klärung insbesondere der Frage der Kausalität der
4.11.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/23
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5.
Beschwerden bzw. der SLAP-Läsion zum Unfall vom 16. Juni 2021 (vgl. dazu
Erwägung 2.5 hiervor).
Nach dem Gesagten folgt, dass die Sache nicht spruchreif ist, weil nicht geklärt ist,
ob beziehungsweise inwieweit die von der Beschwerdeführerin geklagten
Gesundheitsbeeinträchtigungen an der Schulter in einem natürlichen
Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 16. Juni 2021 stehen. Auch für den
Schluss, dass der Status quo sine am 21. Juli 2022 erreicht worden sei – wie in der
Verfügung vom 23. September 2021 (UV-act. A3) explizit ausgeführt wurde –, bieten
die Akten keine hinreichende Grundlage.
5.1.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 28. Oktober 2021 (UV-act. A10) ist
somit in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen und
deshalb aufzuheben. Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
sie ein verwaltungsunabhängiges Gutachten einhole, welches nicht nur die Frage der
natürlichen Kausalität, sondern auch alle weiteren offenen medizinischen Fragen (etwa
nach der Wertigkeit der noch bestehenden Schulterbeschwerden) nachvollziehbar
beantwortet. Hernach wird die Beschwerdegegnerin über die Ansprüche der
Beschwerdeführerin ab 22. Juli 2021 neu zu verfügen haben.
5.2.
Bei Streitigkeiten über Leistungen ist das Verfahren kostenpflichtig, wenn dies im
jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist (Art. 61 lit. f ATSG). Im UVG ist eine solche
Kostenpflicht nicht vorgesehen. Das Verfahren ist deshalb kostenlos.
5.3.
Die obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung
gegenüber der Beschwerdegegnerin (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75; in der vorliegend anwendbaren,
seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30 HonO) pauschal Fr. 1'500.- bis Fr.
15'000.-. Es rechtfertigt sich, diese vorliegend ermessensweise auf pauschal Fr.
5'000.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen. Die
Entschädigung beinhaltet dabei sowohl die Aufwendungen für die Rechtsvertretung,
welche aufgrund des Aktenumfangs als unterdurchschnittlich einzustufen sind, als
auch die von der Beschwerdeführerin beantragte Rückvergütung der Auslagen für den
chirurgisch-versicherungsmedizinischen Bericht von Dr. N._ vom 9. Mai 2022. Dieser
Bericht ist für die Beurteilung des Anspruchs in dem Sinne als unerlässlich einzustufen,
denn insbesondere damit wurden zumindest geringe Zweifel an den
5.4.
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