Decision ID: 95f22377-acaa-53bf-9288-e8917f3db0de
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X, geboren 1978, ledig, meldete sich von seinem Wohnort Arosa herkommend per
27. Februar 2006 als Wochenaufenthalter in der Gemeinde Diepoldsau an. Dort
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bewohnt er eine gemietete 2 1⁄2-Zimmer-Wohnung (Mietzins Fr. 1'330.--/Mt. inkl.
Nebenkosten).
Im Formular "Erklärungen zum Wochenaufenthalt" (undatiert, Eingang beim Steueramt
Diepoldsau am 23. Januar 2012) führte X aus, mit der Gemeinde Arosa verbänden ihn
seine Mutter sowie Freunde und Bekannte. Er kehre daher regelmässig, einmal pro
Woche, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Arosa zurück. Er wohne dort bei der
Mutter. Der Grund seines Aufenthaltes in Diepoldsau sei seine Tätigkeit bei der A AG.
Er beabsichtige, sich bis Ende 2012 oder bis 2013 in Diepoldsau aufzuhalten.
B.- Mit Verfügung vom 15. Februar 2012 stellte das kantonale Steueramt fest, dass X
ab der Steuerperiode 2011 in Diepoldsau unbeschränkt steuerpflichtig sei. Eine gegen
diese Feststellungsverfügung am 29. Februar 2012 (Datum Poststempel) erhobene
Einsprache wurde vom kantonalen Steueramt mit Entscheid vom 15. März 2012
abgewiesen.
C.- Gegen den Einsprache-Entscheid reichte X durch seinen Vertreter am 10. April
2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission ein. Er beantragte, der
angefochtene Einsprache-Entscheid sei aufzuheben und der Rekurrent per 1. Januar
2011 als Wochenaufenthalter in Diepoldsau zu qualifizieren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
Mit Vernehmlassung vom 23. Mai 2012 beantragte die Vorinstanz die kostenfällige
Abweisung des Rekurses. Dazu nahm der Vertreter des Rekurrenten mit Eingabe vom
7. Juni 2012 Stellung. Am Rekurs wurde festgehalten und es wurden weitere
Unterlagen eingereicht.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 10. April 2012 ist rechtzeitig eingereicht
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worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Anfechtungsobjekt ist der Einsprache-Entscheid vom 15. März 2012 über die
Feststellung der subjektiven Steuerpflicht für das Steuerjahr 2011 im Kanton St. Gallen.
Dieser Vorentscheid über eine streitige Steuerpflicht ist gemäss konstanter Praxis
selbständig anfechtbar (GVP 1982 Nr. 35).
a) Die Vorinstanz führt in der Feststellungsverfügung und im Einsprache-Entscheid im
Wesentlichen aus, der Rekurrent habe das 30. Altersjahr überschritten, sei seit 2006 in
Diepoldsau als Wochenaufenthalter gemeldet und lebe in einer 2 1⁄2-Zimmerwohnung
mit eigenen Möbeln. Der Wochenaufenthalt bestehe seit mehr als fünf Jahren und
deute eindeutig auf eine verfestigte Beziehung zum Wochenaufenthaltsort hin. Die
Unterstützung und Pflege der Mutter in Arosa vermöge steuerrechtlich nicht zu
überzeugen. Diese Hilfestellung benötige die Mutter auch unter der Woche, wenn sich
der Rekurrent in Diepoldsau aufhalte. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
würden die Beziehungen zum Arbeitsort selbst dann überwiegen, wenn ledige
Steuerpflichtige wöchentlich zu den Eltern oder Geschwistern zurückkehrten. Dies sei
der Fall, wenn sie sich am Arbeitsort eine Wohnung eingerichtet hätten oder dort über
einen grösseren Freundes- oder Bekanntenkreis verfügten. Besonderes Gewicht hätten
in diesem Zusammenhang auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das Alter des
Steuerpflichtigen.
Der Rekurrent macht geltend, beim Alter und bei der Dauer der Arbeitstätigkeit in
Diepoldsau handle es sich lediglich um generelle Kriterien, welche im Einzelfall
aufgrund der konkreten Gegebenheiten dem Nachweis des Steuerpflichtigen
nachgingen. Der steuerrechtliche Wohnsitz befinde sich an demjenigen Ort, wo sich
eine Person mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhalte, resp. wo sich der
Mittelpunkt ihrer persönlichen und wirtschaftlichen Interessen befände. Abgesehen von
der beruflichen Tätigkeit habe der Rekurrent keinerlei Verbindungen oder
Bezugspunkte zu Diepoldsau und zum Rheintal. Er sei dort weder in einem Verein noch
treffe er sich ausserhalb der Arbeitszeiten mit Bekannten oder Freunden in Diepoldsau.
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Jedes Wochenende verbringe er an seinem Wohnort Arosa. Die Mehrfahrtenkarte der
SBB zeige deutlich, dass er sich jeweils freitags umgehend nach Arbeitsschluss mit
Bus und Zug nach Chur bzw. Arosa aufmache. Bis April 2011 habe er ein eigenes Auto
besessen, so dass keine Zugbillete vorhanden seien. Aufgrund seiner Krankheit habe
er das Fahrzeug verkaufen müssen. Er kehre nicht nur wegen der Pflegebedürftigkeit
seiner Mutter jedes Wochenende an seinen Wohnort zurück. Sein gesamtes Umfeld
befinde sich im Kanton Graubünden, wo er seine Kindheit und auch seine Lehrzeit
verbracht habe. Abends treffe er sich mit seiner langjährigen Freundin und/oder
Kollegen und Freunden, die alle in Chur und/oder Arosa wohnten. An den
Wochenenden erledige er den gesamten Haushalt der Mutter inklusive Waschen und
Putzen. Diese könne keine derartigen Arbeiten mehr ausführen. Die Beziehungen zur
Mutter und zur Freundin seien stärker zu gewichten als der Ort der Arbeitsstelle, die er
seit längerem aufgeben wolle. Er würde gerne ganz nach Arosa zurückkehren. Seit
beinahe zwei Jahren versuche er, eine Anstellung im Raum Arosa zu finden. Zwei
Bewerbungsschreiben lägen noch vor. Eine langwierige Krankheit verhindere zudem
eine intensive Stellensuche und mache es ihm unmöglich, täglich von Arosa zu seiner
Arbeitsstelle zu pendeln. Auch bei guter Gesundheit wäre es ihm nicht zuzumuten, den
langen Arbeitsweg täglich zurückzulegen. Aufgrund der konkreten Umstände sei daher
objektiv erstellt, dass er weder die Absicht habe, dauerhaft in Diepoldsau zu bleiben,
noch überhaupt dort Wohnsitz genommen habe. Der Umstand, dass er aufgrund seiner
Krankheit sowie der Situation auf dem Arbeitsmarkt keine Anstellung an seinem
Wohnort finde und daher die jetzige Anstellung behalten müsse, dürfe ihm nicht zum
Nachteil gereichen. Er habe den Nachweis des Wohnsitzes in Arosa erbracht und sei
daher als Wochenaufenthalter zu qualifizieren.
Dem hält die Vorinstanz in der Vernehmlassung entgegen, die eingereichten
Stellenbewerbungen und Bestätigungen von Mutter und Freundin datierten alle nach
Erlass der Feststellungsverfügung wie auch des Einsprache-Entscheids. Sie seien
deshalb nur bedingt beweistauglich. In der Einsprache sei von einer langjährigen
Freundin in Chur keine Rede gewesen, weshalb diese Begründung zumindest
fragwürdig erscheine. Es sei anzunehmen, dass der Rekurrent bei seiner Freundin in
Chur übernachte, statt jeweils spät abends noch nach Arosa zu seiner Mutter
zurückzukehren. Der Mittelpunkt der persönlichen Interessen wäre daher eher in Chur
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als in Arosa anzusiedeln. Die Verfügung der IV-Stelle Graubünden und das ärztliche
Zeugnis vermöchten den Wohnsitz Diepoldsau ebenfalls nicht zu widerlegen.
Dazu führt der Rekurrent in der Stellungnahme ergänzend aus, auch wenn die
eingereichten Beweismittel nach Erlass des Einsprache-Entscheids erstellt worden
seien, enthielten sie doch Bestätigungen für Tatbestände, die in die Vergangenheit
zurückreichten. Relevant sei der Zeitraum, welcher von den Zeugen bestätigt werde.
Seine Freundin bestätige, dass er an den Wochenenden seit Jahren nicht in Diepoldsau
weile. Er könne dafür noch weitere Zeugen präsentieren. Dass er zu Beginn des
Verfahrens noch nicht sämtliche Bestätigungen beigebracht habe, könne ihm als
zweifellos rechtsunkundiger Person nicht angelastet werden. Es werde bestritten, dass
er nach dem Besuch der Freundin nicht noch den Weg zu seiner Mutter auf sich
nehme. Die langjährigen Beschwerden der Mutter und deren Pflegebedürftigkeit hätten
zu einer innigen Beziehung geführt. Sowohl am Freitag- als auch am Samstagabend
fahre er regelmässig nach Arosa, meist zusammen mit der Freundin. In Arosa habe er
auch sonst zahlreiche Freunde. Ohne Ausnahme verbringe er jedes Wochenende an
seinem Wohnsitz Arosa.
b) Nach Art. 13 Abs. 1 StG sind natürliche Personen im Kanton St. Gallen aufgrund
persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig, wenn sie ihren
steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton haben. Eine Person hat
steuerrechtlichen Wohnsitz an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden
Verbleibens tatsächlich aufhält (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das
st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 21).
aa) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Doppelbesteuerungsverbot
(Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,
SR 101) steht die Besteuerung des Einkommens und beweglichen Vermögens
unselbständig erwerbender Personen dem Kanton zu, in welchem sich deren
Steuerdomizil befindet. Darunter ist in der Regel der zivilrechtliche Wohnsitz zu
verstehen, d.h. der Ort, an dem sich die betreffende Person mit der Absicht dauernden
Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1 des Zivilgesetzbuches, SR 210) bzw. wo der
Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen liegt (ASA 63 S. 839 E. 2a; BGE 125 I 54 E. 2). Keine
entscheidende Bedeutung kommt diesbezüglich dem polizeilichen Domizil zu: Das
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Hinterlegen der Schriften und Ausüben der politischen Rechte bilden – zusammen mit
dem übrigen Verhalten der betreffenden Person – blosse Indizien für den
steuerrechtlichen Wohnsitz (vgl. BGE 123 I 289 E. 2a). Für die Bestimmung des
Steuerdomizils ist auf die wirklichen Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse abzustellen
(BGE 108 Ia 252 E. 3; Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 21). Der
steuerrechtliche Wohnsitzbegriff umfasst zwei Elemente: Den Aufenthalt an einem Ort
und die Absicht dauernden Verbleibens (Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4.
Aufl. 2000, S. 81).
Bei einem Wechsel des steuerrechtlichen Wohnsitzes innerhalb der Schweiz besteht
die Steuerpflicht aufgrund der persönlichen Zugehörigkeit für die laufende
Steuerperiode im Kanton, in welchem der Steuerpflichtige am Ende dieser Periode
seinen Wohnsitz hat (Art. 68 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der
direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, SR 642.14). Der Wechsel von einem
alten hin zu einem neuen Wohnsitz ist dann vollzogen, wenn die Absicht des
dauernden Verbleibs am neuen Wohnort tatsächlich gelebt wird und durch diesen
Aufenthalt eine Verschiebung des Lebensmittelpunktes stattfindet (vgl. VerwGE B
2008/139 vom 19. Februar 2009, in: www.gerichte.sg.ch, E. 2.1; BGE 2P.186/2004 vom
15. Februar 2005, E. 2.3).
Hält sich eine Person abwechslungsweise an zwei oder mehr Orten in der Schweiz auf,
ist für die Ermittlung des Steuerwohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem sie stärkere
Beziehungen unterhält. Der Lebensmittelpunkt bestimmt sich nach der Gesamtheit der
objektiven, äusseren Umstände, aus denen sich die ideellen (Angehörige, Freundes-
und Bekanntenkreis) und materiellen Lebensinteressen erkennen lassen, nicht nach
bloss erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person; der steuerliche Wohnsitz ist
insofern nicht frei wählbar (vgl. BGE 132 I 29 E. 4.1; 125 I 54 E. 2; vgl. zum Ganzen M.
Arnold, Der steuerrechtliche Wohnsitz natürlicher Personen im interkantonalen
Verhältnis nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in: ASA 68 S. 449
ff.).
Das Steuerdomizil von Unselbständigerwerbenden liegt grundsätzlich am Arbeitsort, an
dem sie für längere oder unbestimmte Zeit Aufenthalt nehmen, um von dort aus der
täglichen Erwerbstätigkeit nachzugehen, ist doch der Zweck des Lebensunterhaltes
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dauernder Natur (BGE 2P.159/2006 vom 14. November 2006 E. 2.2; BGE 125 I 54
E. 2b). Der Grundsatz, dass der Arbeitsort regelmässig mit dem Wohnsitz des
Steuerpflichtigen zusammenfällt, gilt nicht ausnahmslos. Der Wohnsitz befindet sich
dann nicht am Arbeitsort, wenn der Pflichtige zu einem andern als dem Arbeitsort
stärkere Beziehungen besitzt (K. Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Teil:
Doppelbesteuerung, Band 2, § 3, I B, 1a Nr. 12 und 2b Nr. 22). Die Frage, zu welchem
der Aufenthaltsorte die stärkeren Beziehungen unterhalten werden, ist jeweils aufgrund
der Gesamtheit der Umstände des Einzelfalls zu beurteilen. Bei verheirateten Personen
mit Beziehungen zu mehreren Orten werden die persönlichen und familiären Kontakte
zum Ort, wo sich ihre Familie (Ehegatte und Kinder) aufhält, als stärker erachtet als
diejenigen zum Arbeitsort, wenn sie in nicht leitender Stellung unselbständig
erwerbstätig sind und täglich oder an den Wochenenden regelmässig an den
Familienort zurückkehren. Diese Praxis findet auch auf ledige Personen Anwendung,
zählt die Rechtsprechung doch Eltern und Geschwister ebenfalls zur Familie des
Steuerpflichtigen. Allerdings werden die Kriterien, nach denen das Bundesgericht
entscheidet, wann anstelle des Arbeitsortes der Aufenthaltsort der Familie als
Hauptsteuerdomizil anerkannt werden kann, besonders streng gehandhabt; dies folgt
aus der Erfahrung, dass die Bindung zur elterlichen Familie regelmässig lockerer ist als
jene unter Ehegatten. Bei ledigen Steuerpflichtigen ist vermehrt noch als bei
verheirateten Personen zu berücksichtigen, ob weitere als nur familiäre Beziehungen
zum einen oder anderen Orte ein Übergewicht begründen. Dadurch erhält der
Grundsatz, wonach das Steuerdomizil von Unselbständigerwerbenden am Arbeitsort
liegt, grösseres Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwöchentlich zu ihren
Eltern oder Geschwistern zurückkehren, können die Beziehungen zum Arbeitsort
überwiegen. Dies kann namentlich dann zutreffen, wenn sie sich am Arbeitsort eine
Wohnung eingerichtet haben, dort ein Konkubinatsverhältnis haben oder über einen
besonderen Freundes- und Bekanntenkreis verfügen. Besonderes Gewicht haben in
diesem Zusammenhang auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das Alter des
Steuerpflichtigen (vgl. BGE 2P.159/2006 vom 14. November 2006 E. 2.2; BGE 125 I 54
E. 2b mit Hinweisen). Die langjährige Miete einer möblierten Wohnung am Arbeitsort
und ein langandauerndes Arbeitsverhältnis beim gleichen Arbeitgeber lassen bei einer
dreissigjährigen Person auch dann darauf schliessen, dass diese ihren
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Lebensmittelpunkt an den Arbeitsort verlegt hat, wenn besonders enge Beziehungen
zum Familienort bestehen bleiben (StE 1992 B 11.1 Nr. 12).
bb) Nach der allgemeinen Beweislastregel im Steuerrecht trägt die
Veranlagungsbehörde gemäss konstanter Rechtsprechung die Beweislast für
steuerbegründende oder steuererhöhende Tatsachen, während den Steuerpflichtigen
die Beweislast für Tatsachen trifft, welche die Steuerschuld aufheben oder mindern
(GVP 1980 Nr. 6). Die Voraussetzungen der Besteuerung, wie der steuerrechtliche
Wohnsitz, der die persönliche steuerrechtliche Zugehörigkeit begründet, sind somit von
der Veranlagungsbehörde nachzuweisen (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S.
380). Dieser Hauptbeweis gilt dabei in der Regel als erbracht, wenn der von der
Steuerbehörde angenommene Wohnsitz im Kanton als sehr wahrscheinlich erscheint.
In diesem Fall bleibt es Sache des Betroffenen, den Gegenbeweis für den steuerlichen
Wohnsitz ausserhalb des Kantons zu erbringen (StE 1992 B 11.1 Nr. 11; Arnold, a.a.O.,
S. 463 f.). Für die von ihm verfochtene, hinreichend substantiierte Sachdarstellung hat
der Betroffene sodann von sich aus beweiskräftige Unterlagen einzureichen oder die
Beweismittel wenigstens unter genauer Bezeichnung anzubieten (vgl. RB-ZH 2008 Nr.
74, S. 152).
c) Es ist zu prüfen, ob die Vorinstanz den Lebensmittelpunkt und damit den
steuerrechtlichen Wohnsitz des Rekurrenten für die Steuerperiode des Jahres 2011 zu
Recht in Diepoldsau bestimmt hat. Unbestritten ist, dass der Rekurrent sowohl zu
Diepoldsau als auch zu Arosa Bezugspunkte hat. Seit 27. Februar 2006 ist er in
Diepoldsau als Wochenaufenthalter gemeldet, wo er Mieter einer 2 1⁄2-Zimmerwohnung
ist und für die A AG arbeitet. In Arosa wohnt er bei seiner Mutter. Aufgrund des bereits
mehrjährigen Aufenthalts in Diepoldsau, wo der 34-jährige Rekurrent eine unbefristete
Arbeitsstelle innehat und im Gegensatz zu Arosa über eine Wohnung verfügt, erscheint
der von der Vorinstanz in Diepoldsau angenommene Wohnsitz als sehr wahrscheinlich.
Es ist daher am Rekurrenten, den Gegenbeweis für den von ihm behaupteten
Lebensmittelpunkt ausserhalb des Kantons zu erbringen.
Unbestritten und aufgrund der eingereichten Mehrfahrtenkarten (Diepoldsau-Chur) und
Bestätigungen nachgewiesen ist, dass der Rekurrent jedes Wochenende von Freitag-
bis Sonntagabend im Kanton Graubünden verbringt. Die Mutter des Rekurrenten erklärt
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im Schreiben vom 24. März 2012, dass er an den Wochenenden jeweils nach Arosa
komme und verschiedene Hausarbeiten für sie erledige, zu denen sie wegen eines
schweren Rückenleidens nicht mehr in der Lage sei (act. 2/2). Seine Freundin bestätigt
mit Schreiben vom 25. März 2012, dass der Rekurrent sich jeweils am Freitag- und
Sonntagabend bei ihr in Chur aufhalte (act. 2/3). Aus diesen Belegen geht hervor, dass
der Rekurrent seine Freizeit am Wochenende regelmässig in Chur bzw. Arosa verbringt
und nach wie vor eine enge Beziehung zur Mutter pflegt. Es gelingt dem Rekurrenten
aber trotzdem nicht, eine stärkere Verbindung mit Arosa als mit Diepoldsau
nachzuweisen. Dafür, dass er auch unter der Woche regelmässig nach Arosa fährt, wie
in der Einsprache behauptet wurde, finden sich in den Akten keine Beweise. Beim
Verhältnis des Rekurrenten zu seiner Freundin handelt es sich sodann nicht um ein
Konkubinat. Die Freundin hat ihre eigene Wohnung in Chur, der Rekurrent übernachtet
gemäss eigenen Angaben nicht dort, sondern in der Wohnung seiner Mutter in Arosa.
Da der Rekurrent nicht mit seiner Freundin zusammenlebt, ist die bestehende
Beziehung nicht derart eng, dass ihr bei der Bestimmung des Steuerdomizils grösseres
Gewicht beizumessen wäre. Der Umstand, dass der Rekurrent offenbar einen Teil
seiner Wochenenden in Chur (vgl. act. 2/3) verbringt, verdeutlicht weiter, dass er nicht
speziell mit Arosa, sondern mehr mit dem Raum Chur verbunden ist (vgl. BGE 125 I 54
E. 3b). Das Vorliegen eines besonders engen Freundes- und Bekanntenkreises wie
auch über die Familie hinausgehende gesellschaftliche Beziehungen in Arosa, wie
beispielsweise die aktive Mitgliedschaft in ortsansässigen Vereinen, sind nicht
hinreichend dargetan. Der Hausarzt befindet sich ebenfalls nicht in Arosa, sondern in
Diepoldsau (act. 2/6).
Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, fallen im vorliegenden Fall das Alter, die lange
Aufenthaltsdauer sowie das lang andauernde und unbefristete Arbeitsverhältnis des
Rekurrenten besonders ins Gewicht. Das Bundesgericht geht davon aus, dass die
Beziehungen zum Familienort auf Kosten derjenigen zum Arbeitsort zurücktreten, je
älter eine Person ist und je länger der Aufenthalt am Arbeitsort andauert. Der Rekurrent
wohnt und arbeitet bereits seit Februar 2006 in Diepoldsau. Er hat somit sein
Elternhaus seit mehr als fünf Jahren verlassen. Zudem war er in der massgebenden
Steuerperiode 33 Jahre alt. In Diepoldsau verfügt er über eine wesentlich geräumigere
und komfortablere Wohnmöglichkeit als in Arosa, wo er in einem Zimmer in der
Wohnung der Mutter nächtigt. Dies ist ein weiteres starkes Indiz, welches für einen
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Lebensmittelpunkt in Diepoldsau spricht. Ausserdem kann auch angenommen werden,
dass der Rekurrent durch den langen Aufenthalt in Diepoldsau und die langjährige
Tätigkeit bei der A AG dort einen Bekanntenkreis aufgebaut hat, entstehen doch
erfahrungsgemäss persönliche und gesellschaftliche Beziehungen am Arbeitsort auf
natürliche Weise, wenn man sich dort die meiste Zeit aufhält (vgl. P. Locher, Einführung
in das interkantonale Steuerrecht, 3. Aufl. 2009, S. 29). Unter diesen Umständen kann
nicht mehr von einem vorübergehenden Aufenthalt in Diepoldsau die Rede sein, und es
kann davon ausgegangen werden, dass sich der Lebensmittelpunkt des Rekurrenten
nach Diepoldsau verschoben hat. Die Tatsache, dass der Rekurrent seine Freizeit
regelmässig in Chur bzw. Arosa verbringt, seine Freundin in Chur wohnt und er nach
wie vor auch eine enge Beziehung zu seiner gesundheitlich angeschlagenen Mutter
pflegt, steht dieser Folgerung nicht entgegen. Ebenso ist nicht entscheidend, dass der
Rekurrent in naher Zukunft beabsichtigt, eine neue Arbeitsstelle im Kanton Graubünden
anzutreten und seine Wohnung in Diepoldsau aufzugeben. Aufgrund des unbefristeten
Miet- und Arbeitsverhältnisses, wobei letzteres seit mehr als fünf Jahren andauert, ist
davon auszugehen, dass der Aufenthalt nicht von Anfang an für eine beschränkte
Dauer eingegangen worden ist. Solange er die unbefristete Arbeitsstelle in Diepoldsau
hat, befindet sich hier sein Lebensmittelpunkt. Im Fragebogen zum Wochenaufenthalt
gab er zudem im Januar 2012 noch an, er werde bis Ende 2012 oder auch noch im
Jahr 2013 in Diepoldsau bleiben (act. 6/I-4). Die zwei eingereichten Bewerbungen
datieren sodann aus dem Jahr 2012 (act. 2/7 + 8). Dafür, dass der Rekurrent bereits im
vergangenen Jahr eine neue Stelle ausserhalb des Kantons St. Gallen gesucht hat,
fehlt jeglicher Beweis. Nicht entscheidend ist schliesslich, dass der Rekurrent aus
gesundheitlichen Gründen nicht täglich nach Arosa zurückkehren kann. Als er vor
seiner Erkrankung im Frühjahr 2011 noch im Besitz eines Fahrzeugs war, tat er dies
auch nicht. Aufenthalt und Absicht dauernden Verbleibens in Diepoldsau sind damit
gegeben.
d) In Anbetracht der konkreten Umstände kann somit eine engere Beziehung zum
Arbeitsort in Diepoldsau als zum Familienort in Arosa angenommen werden. Die
persönlichen Beziehungen zum Kanton Graubünden sind nicht unbedeutend, jedoch
besteht keine stärkere persönliche Verbindung als mit Diepoldsau.
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Zusammenfassend steht damit fest, dass sich der Lebensmittelpunkt und damit der
steuerrechtliche Wohnsitz des Rekurrenten für das Jahr 2011 in Diepoldsau befunden
und die Vorinstanz die Steuerpflicht in Diepoldsau zu Recht bejaht hat. Der Rekurs ist
daher abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Rekurrenten
zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist zu verrechnen.