Decision ID: 5ea5980d-cf25-4358-b34c-5d20889c22f1
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 1
4.
Februar 2008 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
X._
mit Wirkung ab
1.
Juli 2004
eine halbe Invalidenrente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 54
%
zu (
Urk.
7/48, 7/56/14-15). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialver
sicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 3
1.
Januar 2010 gut und wies die Sache zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurück (
Urk.
7/61
; Prozess IV.2008.00320
).
Nach getätigten
Abklärungen und Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
7/90
,
Urk.
7/94,
Urk.
7/100)
verfügte die IV-Stelle
am 3
0.
Januar 2014
die Zusprechung einer
Viertelsrente
mit Wirkung ab
1.
Februar 2014
(
Urk.
2
).
2.
Dagegen liess die Versicherte am
2
8.
Februar 2014 Beschwerde erheben und beantragen, es
sei
die Sache in Aufhebung der Verfügung vom 3
0.
Januar 2014 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, eventualiter sei ihr mindestens eine
Dreiviertelsrente
auszurichten (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der
Be
schwer
deantwort
vom
1.
April 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6)
, was der Beschwerdeführerin am
2.
April 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, d.h. eine Darstellung des vom Versicherungs
träger als relevant erachteten Sachverhal
tes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gegebenen
falls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwal
tung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; viel
mehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E.
5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde
, die Vorbringen
der Partei auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung
zu berücksichtigen (BGE 134 I 83 E. 4.1).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entschei
denden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1 f.). Gemäss der Recht
sprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtspre
chung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinweg
setzen und darauf vertrauen, dass sol
che Verfahrensmängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobenen Gerichts
verfahren behoben wür
den. Der Umstand, dass eine solche Heilungsmöglichkeit besteht, rechtfertigt es dem
nach nicht, auf die Anhörung des Betroffenen vor Erlass eines Entscheides zu verzich
ten. Denn die nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvoll
kommenen Ersatz für eine unterlassene vorgän
gige Anhörung. Abge
sehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren gehen kann, wird der be
troffenen Per
son zugemutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen.
2.
2.1
Die Verfügung vom 3
0.
Januar 2014 erging
unbestrittenermassen
ohne Begrün
dung
betreffend die Ermittlung des Invaliditätsgrades
. Auf diesen Umstan
d machte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
die IV-Stelle per Mail vom
6.
Februar 2014 aufmerksam. Er bat um eine Begründung und um Zustell
ung der Akten
(
Urk.
7/120)
. Nachdem
keine Reaktion erfolgt war, avisierte er die IV
Stelle am 2
7.
Februar 2014 erneut
(
Urk.
7/121).
Am 2
8.
Februar 2014 ver
schickte die IV-Stelle
die
gewünschten Akten (
Urk.
7/12
2
-12
3
).
Bei den Akten findet sich
- bezeichnet als Verfügungsteil 2 -
die Begründung zur Verfügung (
Urk.
7/108).
In ihrem Begleitschreiben
vom 2
8.
Februar 2014
nahm die IV-
Stelle
darauf
aber
nicht Bezug
.
Ob mit der
blosse
n
Zustellung der Akten eine
rechtsgenügliche
Kennt
nisgabe der Begründung
erfolgt war
, er
scheint fraglich, kann aber offen bleiben. Denn
der Rechtsvertreter
erhielt
die Akten zu spät. Die Zustellung erfolgte offenbar erst, nachdem der Rechtsvertre
ter angesichts des drohe
nden Fristablaufs bereits
Beschwerde erhoben hatte
(
Urk.
1)
.
D
er Beschwerdeführerin ist beizupflichten, dass sie in Anbetracht der in Bezug auf die Invaliditätsbemessung vollständig fehlenden Begründung nicht in der Lage war, den Entscheid sachbezogen und substantiiert zu bestreiten. Wie sie zutreffend ausführte (
Urk.
1 S. 7), konnte sie über die Verfügungsbegründung lediglich spekulieren. Ihr blieb auch verschlossen, weshalb die
Beschwerdegeg
nerin
ihre im
Vorbescheidverfahren
erhobenen Einwände vom 25. September 2012 (Urk. 7/94) und 2
4.
April 2013 (
Urk.
7/100) verworfen hat. Dazu hat sich die Beschwerdegegnerin auch in ihrer Vernehmlassung (
Urk.
6) nicht geäussert.
Damit leidet die
angefochtene
Verfügung
an einem schwerwiegenden
Begrün
dungsmangel
, welcher eine sorgfältige Meinungsbildung de
r
Beschwerdeführe
r
in
darüber, ob und allenfalls mit welcher Argumentation
sie
den abschlägigen Rentenentscheid anfechten soll, verunmöglichte.
Die
Beschwerdeführer
in
wurde gewissermassen auf den Gerichtsweg gezwungen, um die Entscheidungsgründe der Beschwerdegegnerin zu erfahren, was nicht im Sinne der
Verfahrensökono
mie
liegen kann und sich auch unter Berücksichtigung der Kostenpflicht des Beschwerdeverfahrens (Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung, IVG)
als stossend erweist.
2.2
Am 1
1.
M
ärz
2014 erliess die IV
-Stelle eine weitere Verfügung
. Darin entschied sie
über den Rentenanspruch vom
1.
Juli 2004 bis 3
1.
Januar 2014 sowie gleichzeitig über die Rückforderung von zu viel ausbezahlten Invalidenrenten
(
Urk.
7/125)
. Diese
r
V
erfügung
war die
Begründung, der Verfügungsteil 2, bei
gelegt
. Daraus ist ersichtlich, dass de
r
Beschwerdeführer
in
ab
1.
Juli 2004 eine
Viertelsrente
zugesprochen wird. Insofern erfolgten die beiden Verfügungen vo
m 3
0.
Januar 2014 und vom 1
1.
März
2014 auf d
enselben
Entscheidgrund
lagen
.
Die Verfügung vom 1
1.
März
2014 wurde vo
n der
Beschwerdeführer
in
wiede
rum angefochten. Im Rahmen des Verfahrens vor Sozialversicherungsgericht
(IV.2014.00417)
konnte er sich zur Sache äussern.
Die Beschwerdegegnerin beantragte die Vereinigung der beiden Verfahren
IV.2014.00247 und IV.2014.00417 (vgl.
IV.2014.00417
Urk.
6)
.
Davon
ist
jedoch
abzusehen
.
Die fehlende Begründung
stellt eine schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs dar
. Auch die Verfügung vom 1
1.
März
2014 weist erhebliche Mängel auf (vgl. dazu das
heutige
Urteil im Verfahren
IV.2014.00417), weshalb sich eine Heilung nicht rechtfertigt.
2.3
Nach dem Gesagten
ist die angefochtene Verfügung vom 3
0.
Januar 2014
in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben und zu neuem Entscheid - unter Wahrung des rechtlichen Gehörs - zurückzuw
eisen. D
a auch die Verfügung vom
1
1.
März
2014 aufzuheben ist (vgl. dazu das Urteil im Verfahren
IV.2014.00417),
empfiehlt es sich für die IV-Stelle wohl,
über d
en Rentenan
spruch ab
1.
Juli 200
4 in einer Verfügung zu entscheiden.
3.
3.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Verfahren für die unterliegende Partei kos
tenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom
Streitwert nach dem
Verfahrens
aufwand
und unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) ermessensweise auf
Fr.
500.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der unterlie
genden Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
3
.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die
Verwal-tung
zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des
damaligen
Eidg
. Versicherungsgerichts vom 1
0.
Feb
ruar 2004
U 199/02
E
. 6
mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E
.
3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E
.
3), weshalb die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine
Prozess
entschädigung
hat.
Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien ist die
P
rozessentschädi
gung
auf
Fr.
1’3
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.