Decision ID: 9d8e45cc-a849-4943-8664-be15a87dacf2
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y., geboren 1963, von Kosovo, verfügte von 1988 bis 1990 über Bewilligungen
zum Saisonaufenthalt im Kanton X. (Vorakten, nachfolgend Dossier). Im Jahre 1990
heiratete er zweimal im heutigen Kosovo, am 1. Februar 1990 A.Y. und am 10. Oktober
1990 B.Y. Am 12. April 1991 kam dort K.Y. zur Welt, das Kind von X.Y. und A.Y. Am
18. Juli 1991 reiste X.Y. im Rahmen eines Familiennachzugs zu seiner Ehefrau B.Y. in
den Kanton A. und erhielt eine entsprechende Aufenthaltsbewilligung. Am 13. Oktober
1992 kam das gemeinsame Kind M.Y. des Ehepaares X.Y. und B.Y. zur Welt. Das
Bezirksgericht des Kantons A. schied die Ehe von B.Y. und X.Y. mit Entscheid vom
19. November 1996 und stellte die gemeinsame Tochter unter die Obhut der Mutter.
Danach verlängerte die Fremdenpolizei des Kantons A. die Aufenthaltsbewilligung von
X.Y. nicht mehr. Der Regierungsrat des Kantons A. trat am 31. März 1999 auf die
Beschwerde von X.Y. gegen die entsprechende Verfügung nicht ein. Anfang 1999
verliess X.Y. die Schweiz, kehrte aber im Mai 1999 wieder zurück und blieb im Land.
Am 3. Juli 2001 wurde er von der Kantonspolizei A. angehalten; die kantonale
Fremdenpolizei wies ihn mit Verfügung vom 4. Juli 2001 aus der Schweiz weg und das
heutige Staatssekretariat für Migration (SEM) verfügte am 4. Juli 2001 eine bis 19. Juli
2003 gültige Einreisesperre. Am 20. Juli 2001 wurde X.Y. ausgeschafft. Im Oktober
2004 reiste er erneut ohne gültiges Visum in die Schweiz ein, hielt sich bis zu seiner
Verhaftung am 4. Mai 2005 ohne Bewilligung hier auf und ging zeitweise ohne die
erforderliche Bewilligung einer Erwerbstätigkeit nach. Das Migrationsamt Z. wies ihn
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mit Verfügung vom 6. Mai 2005 aus der Schweiz weg und beauftragte die
Kantonspolizei mit dem sofortigen Vollzug der Wegweisung. Das heutige SEM verfügte
eine bis 22. Mai 2008 gültige Einreisesperre. In der Folge musste X.Y. erneut in den
Kosovo ausgeschafft werden. Am 6. Juli 2006 schied das Bezirksgericht in Q. (Kosovo)
die Ehe von X.Y. und A.Y. Die elterliche Sorge für das Kind K.Y., geboren am 12. April
1991, wurde dem Vater übertragen.
B. Am 18. Dezember 2006 heiratete X.Y. erneut im Kosovo, dieses Mal C.Y. von
Österreich. Das heutige SEM hob die gegen X.Y. verfügte Einreisesperre aufgrund
seiner Heirat wiedererwägungsweise auf. Am 10. Mai 2008 reiste X.Y. im Rahmen eines
Familiennachzugs zu seiner in der Schweiz niedergelassenen Ehefrau. Am 16. Mai
2008 erhielt er eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA, gültig bis 9. Mai 2013. Mit
Verfügung vom 15. Dezember 2009 stellte das heutige Migrationsamt fest, dass die
Aufenthaltsbewilligung von X.Y. erloschen sei, da er sich während mehr als sechs
Monaten im Kosovo aufgehalten habe. Nachdem seine Ehefrau ein neues Gesuch um
Familiennachzug gestellt hatte, erhielt X.Y. am 5. Mai 2010 eine neue
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA, gültig bis 4. Mai 2015. Das Kreisgericht X. schied die
Ehe von X.Y. und C.Y. mit Urteil vom 27. Juni 2013.
C. Während seiner Aufenthalte hier wurde X.Y. mehrfach strafrechtlich verurteilt
beziehungsweise gebüsst, meistens wegen Verkehrsdelikten oder Delikten im Bereich
des Ausländerrechts, aber auch etwa wegen mehrfacher fahrlässiger Unzucht mit
einem Kind sowie verbotenem Erwerb/Tragen einer Schusswaffe und Unterlassung der
Buchführung (vgl. Dossier, S. 55 ff.).
D. Das Migrationsamt verlängerte die Aufenthaltsbewilligung von X.Y. mit Verfügung
vom 18. Mai 2015 nicht mehr. Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den von
X.Y. gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 2. Juni 2015 erhobenen Rekurs mit
Entscheid vom 1. Juni 2016 ab und lud das Migrationsamt ein, eine neue Frist zur
Ausreise anzusetzen.
E. X.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 3. Juni 2016 versandten
Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch seine
Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 20. Juni 2016 und Ergänzung vom 16. August 2016
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Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und das
Migrationsamt anzuweisen, die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zu
verlängern.

Mit Vernehmlassung vom 19. August 2016 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Nachdem der Beschwerdeführer seine Wohnung an der E.-strasse 00 in X. anfangs
2017 verlassen hatte, war sein Aufenthaltsort vorübergehend unbekannt. Am 29. März
2017 zeigte das Migrationsamt seinen Zuzug in R. an. Die zusätzlichen Akten wurden
den Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis gebracht.
Auf die Begründung des angefochtenen Entscheides und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seines Rechtsbegehrens sowie die Akten wird,
soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 20. Juni 2016 unter
Berücksichtigung des Fristenlaufs am Wochenende rechtzeitig erhoben (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP, Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 142 Abs. 3 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272) und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 16. August 2016 formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist somit
einzutreten.
2. Der Widerruf beziehungsweise das Erlöschen einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA
ist im Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der
Europäischen Gemeinschaft anderseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA)
nicht geregelt. Deshalb ist diesbezüglich das Landesrecht massgebend. Die
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landesrechtlichen Voraussetzungen zum Erlöschen der Aufenthaltsbewilligung dürfen
aber nicht derart ausgestaltet sein, dass sie einen staatsvertraglich gewährleisteten
Anspruch auf Aufenthalt vereiteln (BGer 2C_52/2014 vom 23. Oktober 2014 E. 3.2 mit
weiteren Hinweisen). Gemäss Art. 4 der Verordnung über die schrittweise Einführung
des freien Personenverkehrs zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
der Europäischen Union und deren Mitgliedstaaten sowie unter den Mitgliedstaaten der
Europäischen Freihandelsassoziation (Verordnung über die Einführung des freien
Personenverkehrs; SR 142.203, VEP) erhalten EU- und EFTA-Angehörige eine
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA gestützt auf Art. 33 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz; SR 142.20, AuG) und Art. 58 f. der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007
(SR 142.201, VZAE). Gemäss Art. 23 Abs. 1 VEP können Aufenthaltsbewilligungen EU/
EFTA widerrufen oder nicht verlängert werden, wenn die Voraussetzungen für ihre
Erteilung nicht mehr erfüllt sind.
2.1. Die Aufenthaltsbewilligung war dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 7 lit. d FZA
in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 und 2 lit. a Anhang I FZA zum Verbleib bei seiner
Ehegattin erteilt worden. Da die Ehe des Beschwerdeführers am 27. Juni 2013
geschieden wurde und diese Scheidung rechtskräftig wurde, kann er als
Drittstaatsangehöriger aus dem FZA keinen Anspruch auf einen weiteren Aufenthalt in
der Schweiz ableiten. Zu untersuchen bleibt, ob sich aus Art. 50 AuG ein Anspruch des
Beschwerdeführers auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach erfolgter
Auflösung der Ehe ergibt (BGer 2C_61/2014 vom 5. Januar 2015 E. 4.1 mit Hinweis auf
BGer 2C_886/2011 vom 28. Februar 2012 E. 4.1).
2.2. Nach Art. 50 Abs. 1 AuG besteht der Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 und 43 AuG weiter, wenn die Ehegemeinschaft
mindestens drei Jahre gedauert hat und eine erfolgreiche Integration besteht (lit. a)
oder wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich
machen (lit. b). Der Anspruch steht auch geschiedenen Ehepartnern von EU-Bürgern zu
(BGer 2C_213/2012 vom 13. März 2012 E. 2.2.2).
2.2.1. Vorliegend ist unbestritten, dass die Ehegemeinschaft drei Jahre gedauert hat,
weshalb sich die Frage stellt, ob der Beschwerdeführer sich erfolgreich integriert hat.
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Die erfolgreiche Integration liegt laut Art. 77 Abs. 4 VZAE vor, wenn die Ausländerin
oder der Ausländer namentlich die rechtsstaatliche Ordnung und die Werte der
Bundesverfassung respektiert (lit. a) und den Willen zur Teilnahme am Wirtschaftsleben
und zum Erwerb der am Wohnort gesprochenen Landessprache bekundet (lit. b). Und
auch nach Art. 4 der Verordnung über die Integration von Ausländerinnen und
Ausländern (SR 142.205, VIntA) zeigt sich der Beitrag der Ausländerinnen und
Ausländer zu ihrer Integration namentlich in der Respektierung der rechtsstaatlichen
Ordnung und der Werte der Bundesverfassung (lit. a), im Erlernen der am Wohnort
gesprochenen Landessprache (lit. b), in der Auseinandersetzung mit den
Lebensbedingungen in der Schweiz (lit. c) sowie im Willen zur Teilnahme am
Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (lit. d). Diese Kriterien sind nicht
abschliessend. Bei einer ausländischen Person, die in der Schweiz beruflich integriert
ist und eine feste Anstellung hat, finanziell unabhängig ist und sich korrekt verhält und
die örtliche Sprache beherrscht, bedarf es aber ernsthafter besonderer Umstände, um
eine erfolgreiche Integration zu verneinen. Ist eine gewisse finanzielle Selbständigkeit
gesichert, lassen einzelne Unterbrüche und kurze Zeiten der Arbeitslosigkeit eine
Integration nicht als gescheitert erscheinen. Das Fehlen besonders enger sozialer
Bindungen schliesst für sich alleine eine erfolgreiche Integration nicht aus, auch das
Fehlen von Vereinsmitgliedschaften nicht. Die Sprachkenntnisse sind am
sozioprofessionellen Umfeld zu messen; genügt es für dieses, kann der Grad der
Sprachbeherrschung dem Betroffenen nicht entgegengehalten werden. Keine
erfolgreiche Integration liegt hingegen vor, wenn eine Person kein Erwerbseinkommen
erwirtschaften kann, welches ihren Konsum zu decken vermag, und sie während einer
substantiellen Zeitdauer von Sozialleistungen abhängig war und sich diese Situation
nicht hinreichend verbessert. Ein Indiz gegen eine erfolgreiche Integration ist der
Umstand, dass das gesellschaftliche Leben einer ausländischen Person primär mit den
Angehörigen derselben Nationalität gepflegt wird (BGer 2C_853/2015 vom 5. April
2016 E. 5.1.1, 2C_748/2014 vom 12. Januar 2015 E. 3.2 je mit weiteren Hinweisen).
2.2.1.1. In Bezug auf den Respekt der rechtsstaatlichen Ordnung führt die Vorinstanz
aus, dass das Verhalten des Beschwerdeführers in der Schweiz keineswegs korrekt
gewesen sei und die Häufigkeit seiner Verfehlungen negativ ins Gewicht falle,
wenngleich jedes der von ihm begangenen Delikte für sich alleine nicht besonders
gravierend erscheine (act. 2 S. 11). Der Beschwerdeführer bekunde Mühe, sich an die
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schweizerische Rechtsordnung zu halten. Der Beschwerdeführer liess dazu vorbringen,
dass es zwar richtig sei, dass er in der Vergangenheit wiederholt straffällig geworden
sei, dass allerdings zu beachten sei, dass keine dieser Verurteilungen zur
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung berechtige (act. 5 S. 4).
Die vielen Delikte wecken Zweifel an der erfolgreichen Integration des
Beschwerdeführers. Er bekundet tatsächlich Mühe damit, sich an die Schweizerische
Rechtsordnung zu halten. Während seiner Aufenthalte in der Schweiz musste er
regelmässig strafrechtlich belangt werden. Er wurde nicht nur im Strassenverkehr
auffällig, sondern auch wegen mehrfacher fahrlässiger Unzucht mit einem Kind,
Fälschung von Ausweisen und verbotenem Erwerb einer Schusswaffe (1995) sowie im
Zusammenhang mit der Ausübung von Erwerbstätigkeiten wegen Unterlassung der
Buchführung (2012), Widerhandlung gegen das Bundesgesetz zum Schutz vor
Passivrauchen (2014) und vorsätzlicher Beschäftigung von Ausländerinnen und
Ausländern ohne Bewilligung (2014) bestraft. Auch wenn ein erheblicher Teil der
Straftaten nicht als besonders gravierend erscheinen mögen, zeugen sie doch von
einer gewissen Unbelehrbarkeit und einem unzureichenden Bewusstsein für die
Bedeutung der Einhaltung insbesondere der strafrechtlichen Grenzen für das
gesellschaftliche Zusammenleben.
2.2.1.2. In Bezug auf die wirtschaftliche Integration und Unabhängigkeit bringt die
Vorinstanz vor, dass der Beschwerdeführer am 10. Mai 2008 in die Schweiz eingereist
sei und als Gerüstbauer gearbeitet habe (act. 2 S. 8 ff.). Im Oktober 2008 habe er diese
Stelle aber bereits wieder verloren. In der Folge sei er in den Kosovo gereist und auf
dem Rückweg in Serbien festgenommen und vom Gemeindegericht Z. (Serbien) am
26. Januar 2009 wegen unerlaubter Überschreitung der Staatsgrenze und des
Versuchs des Menschenschmuggels zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden.
Nach dem Verbüssen der Gefängnisstrafe sei er am 26. Juni 2009 wieder in die
Schweiz eingereist und habe am 1. Juli 2009 eine Stelle als Gerüstbauhelfer
angetreten. Laut Lohnabrechnung vom März 2011 habe er monatlich CHF 3‘336.40
netto verdient. Trotzdem habe sich das Ehepaar verschuldet. Längere Zeit hätten sie
keine Miete bezahlt, so dass ihnen die Wohnung gekündigt worden sei. Sie seien
schliesslich aus der Wohnung ausgewiesen worden. Am 8. Februar 2011 habe sich der
Beschwerdeführer selbständig gemacht. Die Firma, die er mit seiner Schwester
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gegründet habe, sei am 15. Mai 2012 bereits wieder Konkurs gegangen. Die
Buchführung habe er unterlassen. Auch privat sei er den finanziellen Verpflichtungen
nicht vollumfänglich nachgekommen. Die Sozialen Dienste hätten in der Zeit vom
7. Oktober 2010 bis 1. Oktober 2013 Verlustscheine für Gesundheitskosten in Höhe
von CHF 17‘141.45 übernehmen müssen. Ausserdem seien gemäss
Betreibungsregisterauszug vom 30. September 2013 gegen den Beschwerdeführer
Verlustscheine im Betrag von CHF 56‘842.20 vorgelegen. Am 31. Oktober 2012 sei der
Familie ein weiterer Mietvertrag wegen Nichtbezahlen der Miete gekündigt worden. Die
Mietausstände hätten sich auf CHF 13‘210 belaufen. Erneut sei man nicht ausgezogen.
Am 1. September 2013 habe sich der damals geschiedene Beschwerdeführer
selbständig gemacht und begonnen, ohne Wirtepatent eine Bar in G. zu führen. Er
habe von Anfang an nicht mit den Behörden zusammengearbeitet, Angestellte nicht
angemeldet und keine Quellensteuerabrechnungen eingereicht. Seine gegenüber den
Behörden bekanntgegebene Postadresse sei ab ungefähr August 2014 nicht mehr
gültig gewesen. Am 17. Oktober 2013 habe der Beschwerdeführer unverschuldet einen
Unfall erlitten. Seither klage er über Rückenschmerzen (Diskushernie). Gemäss
ärztlicher Einschätzung vom 14. Januar 2014 sei der erlittene Unfall aber nicht geeignet
gewesen, eine Diskushernie zu verursachen. Die Rückenschmerzen seien deshalb mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf den Unfall zurückzuführen. Ein
unfallbedingter Dauerschaden liege nicht vor. Am 3. Februar 2014 seien gegen den
Beschwerdeführer bereits 45 offene Verlustscheine im Gesamtbetrag von
CHF 62‘251.80 vorgelegen. Er habe weder seine offenen Steuern noch seine
Krankenkassenprämien bezahlt. Im Mai 2014 habe er in seiner Bar albanische
Staatsangehörige ohne Arbeitsbewilligungen angestellt. Im August 2014 habe er den
Barbetrieb aufgegeben. Am 26. August 2014 sei die Verschuldung erneut angestiegen,
auf CHF 88‘615.75. Am 20. März 2015 habe der Beschwerdeführer eine 50-
Prozent Arbeitsstelle als Fahrer/Baustellenaufsicht bei einer Gerüstbaufirma
angetreten. Am 20. Februar 2015 seien gegen ihn offene Verlustscheine im Betrag von
CHF 91‘923.55 vorgelegen. Der Beschwerdeführer sei somit beruflich nicht integriert.
Dies sei nicht Folge des Unfalls, sondern seines Geschäftsgebarens.
Der Beschwerdeführer bestreitet diese Vorbringen nicht im Detail, sondern lässt
allgemein ausführen, dass obschon er sich in der Vergangenheit nicht immer wohl
verhalten habe, er mittlerweile über eine feste Stelle verfüge und ein Teil der Schulden
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entstanden sei, nachdem er infolge eines Unfalles vorübergehend vollumfänglich
arbeitsunfähig gewesen sei (act. 1 S. 3). Er sei nach wie vor zu 50 Prozent
arbeitsunfähig (act. 5 S. 4). Am 2. Mai 2016 sei ihm eine Ausbildung zum Taxi-
Chauffeur finanziert worden. Damit sei erstellt, dass er aufgrund des Unfallereignisses
im Jahre 2013 nach wie vor teilweise arbeitsunfähig sei und alles daran setze, sich
wieder in den Arbeitsprozess integrieren zu können. Er komme seinen finanziellen
Verpflichtungen durchaus nach (act. 5 S. 5).
Aus einem Arztzeugnis geht hervor, dass der Beschwerdeführer am 27. Juni 2016 noch
zu 50 Prozent arbeitsunfähig geschrieben war und dies „auf Weiteres“ (act. 6.1).
Offenbar erfolgte eine IV-Anmeldung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen (SVA), ansonsten es nicht zu Frühinterventionsmassnahmen gekommen
wäre. Wie diese Frühinterventionsmassnahmen verlaufen sind, ist unklar. Unklar ist vor
allem, ob sich der Beschwerdeführer an die im Rahmen der Zielvereinbarung
getroffenen Abreden gehalten hat, ob er die Taxiprüfung bestanden hat und ob die
berufliche Eingliederung nach dem 31. Dezember 2016 gelungen ist (act. 6.2 S. 1). Es
wäre am Beschwerdeführer gelegen, dies in den Rechtsmittelverfahren darzulegen.
Dass dies unterlassen wurde, lässt darauf schliessen, dass diese
Frühinterventionsmassnahmen gescheitert sind. Darauf deutet auch die
Mutationsmeldung vom 29. März 2017 hin, wonach der Beschwerdeführer in der „W.
Bar“ in R. – mithin nicht als Taxichauffeur – tätig ist (act. 15.2). Es muss deshalb sowie
aufgrund der unwidersprochen gebliebenen, detaillierten Vorbringen der Vorinstanz
geschlossen werden, dass die wirtschaftliche Integration nicht gelungen ist, das heisst
der Beschwerdeführer sich finanziell nicht über Wasser halten kann und selbständige
Unternehmungen unter anderem daran scheitern, dass er nicht gewillt ist, die
hierzulande für Unternehmungen geltenden Regeln einzuhalten, entweder aus
Unkenntnis und ohne belegtes Bestreben, sich kundig zu machen, oder sogar aus
bewusster Missachtung der in Bezug auf das Wirtschaftsleben geltenden Regeln.
2.2.1.3. Ausführungen zur sozialen Integration, zu Sprache und weiterem
Bildungserwerb finden sich keine substantiellen. Die Vorinstanz führt einzig aus, dass
der Beschwerdeführer in sozialer Hinsicht nicht gut integriert sei (act. 2 S. 14). Woraus
dies geschlossen wird, ist unklar. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die soziale
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und sprachliche Integration sowie der weitere Bildungserwerb sich im normalen
Rahmen bewegen.
2.2.1.4. Berücksichtigt man nun die Gesamtumstände, so muss darauf geschlossen
werden, dass vor allem die Integration in Bezug auf die hiesige Rechtsordnung, aber
auch in finanzieller beziehungsweise wirtschaftlicher Hinsicht gescheitert ist, einerseits
aufgrund der diversen Delikte, anderseits aufgrund der erfolglosen wirtschaftlichen
Integrationsbemühungen, die teilweise auch ein Desinteresse an den hiesigen Regeln
des Wirtschaftslebens aufzeigen. Ein Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung
basierend auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG ist daher zu verneinen. Daran ändert nichts, dass
ein Teil der Verschuldung des Beschwerdeführers mit dem unverschuldeten Unfall und
der darauf folgenden (teilweisen) Arbeitsunfähigkeit zusammenhängen mag, hat doch
der Beschwerdeführer selbst bekundet, dass ihm eine Erwerbstätigkeit seit dem Unfall
nicht unmöglich ist beziehungsweise wäre, indem er eine Ausbildung zum Taxi-
Chauffeur in Angriff genommen hat.
2.2.2. Der Beschwerdeführer macht keinen nachehelichen Härtefall gemäss Art. 50
Abs. 1 lit. b AuG geltend. Ein solcher ist auch nicht ersichtlich.
2.2.3. Damit ist ein Anspruch auf die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu
verneinen.
2.3. Zu prüfen bleibt, ob sich die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung
aufgrund einer Interessenabwägung als unverhältnismässig erweist, wie dies vom
Beschwerdeführer vorgebracht wird (act. 5 S. 5 f.). Dabei sind namentlich die Schwere
des Verschuldens, der Grad der Integration beziehungsweise die Dauer der bisherigen
Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu
berücksichtigen (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 2 und 3 BV und Art. 96 AuG; BGer
2C_780/2013 vom 2. Mai 2014 E. 2.1 mit Hinweis auf BGE 135 II 377 E. 4.3; VerwGE B
2015/284 vom 20. Dezember 2016 E. 3.5.).
Der Beschwerdeführer lässt dazu vorbringen, dass die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung unverhältnismässig sei, da seine gesamte Kernfamilie in der
Schweiz lebe und er aufgrund seines Unfalles im Jahre 2013 teilweise arbeitsunfähig
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und auf die Unterstützung der Sozialversicherungsanstalt zur Wiederintegration im
Arbeitsprozess angewiesen sei (act. 5 f.). Eine Rückkehr in seine Heimat würde ihn von
seiner Familie reissen und dazu führen, dass er keine adäquate Behandlung seiner
Unfallbeschwerden mehr erhalten würde und auch die Ausbildung zum Taxi-Chauffeur
abbrechen müsste. Er wäre sodann ganz auf sich alleine gestellte und nicht in der
Lage, sich wirtschaftlich in seiner Heimat zu integrieren. Die Vorinstanz führt dazu aus,
dass der Beschwerdeführer erstmals im Alter von rund 28.5 Jahren, im Jahre 1991,
eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz erhalten habe (vgl. act. 2 S. 13 f.). Seine
prägenden Kinder- und Jugendjahre und seine Schulzeit habe er damit in seinem
Heimatland verbracht. Daher sei er mit den Sitten und Gebräuchen dort vertraut. Er
habe wiederholt in seinem Heimatland geheiratet. Obwohl der Beschuldigte schon
mehrere Jahre hier gelebt habe, sei er weder sozial noch beruflich gut in der Schweiz
integriert. Selbst wenn er im Heimatland über kein Beziehungsnetz verfügen sollte,
könne es ihm zugemutet werden, dorthin erneut zurückzukehren und neue soziale
Kontakte aufzubauen. Dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Kosovo
gegenüber der Schweiz ungünstiger seien, ändere daran nichts.
Bei Ausländern, bei welchen die Bedingungen für die Erteilung der Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung wegfallen, besteht ein öffentliches Interesse, dass sie die
Schweiz wieder verlassen (VerwGE B 2012/105 vom 13. November 2012 E. 7). Dieses
Interesse überwiegt vorliegend das persönliche Interesse des Beschwerdeführers an
einem Verbleib in der Schweiz, lebte dieser doch vor seiner Einreise in die Schweiz
während mehr als 25 Jahren in seinem Heimatland und ist damit mit der dortigen
Sprache und Kultur bestens vertraut. So richtig integriert hat er sich in der Schweiz
nicht, wie aus den vorangehenden Ausführungen ersichtlich ist. Trotz der von der
Sozialversicherungsanstalt finanzierten Ausbildung zum Taxichauffeur, die er bis
21. Dezember 2016 hätte abschliessen müssen, ist der Beschwerdeführer nicht in
diesem Beruf tätig. Auch nach der Kinder- und Jugendzeit hielt sich der
Beschwerdeführer regelmässig im Kosovo auf (vgl. die diversen Ausschaffungen sowie
das Erlöschen der Aufenthaltsbewilligung infolge eines Aufenthalts im Kosovo von
mehr als sechs Monaten). Wenn der Beschwerdeführer ausführt, dass sich seine
Kernfamilie in der Schweiz befinde, so ist unklar, worauf er sich beruft. Denn seine
Ehen sind geschieden und seine Kinder sind allesamt volljährig. Die Trennung von
geschiedenen Ehefrauen und volljährigen Kindern macht ein Verlassen der Schweiz bei
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entsprechendem öffentlichem Interesse jedoch nicht unverhältnismässig. Und obschon
die medizinischen Verhältnisse im Kosovo nicht dieselben sind wie in der Schweiz, ist
doch eine Behandlung von Rückenschmerzen Teil der medizinischen
Grundversorgung, die auch im Kosovo gewährleistet ist. Es liegt damit nichts vor, was
die Rückkehr des Beschwerdeführers in den Kosovo unverhältnismässig erscheinen
lässt, vor allem nicht im Vergleich zum öffentlichen Interesse der Schweiz an dessen
Rückkehr.
Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung ist damit nicht unverhältnismässig.
2.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder das FZA noch spezifische Gründe
gemäss Art. 50 AuG dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf weiteren Verbleib in
der Schweiz verschaffen können. Der vorinstanzliche Entscheid verletzt keine
Rechtsnormen und die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich als
verhältnismässig. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
3. (...).