Decision ID: d9a3cf73-c7ce-5503-bc45-800e7e81d62a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein syrischer Staatsangehöriger kurdischer
Ethnie, verliess sein Heimatland nach eigenen Angaben circa im (...) 2015
und gelangte am 19. Oktober 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags um
Asyl nachsuchte. Am 12. November 2015 wurde er zu seiner Person, zum
Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung
zur Person [BzP]). Am 22. Mai 2017 wurde er eingehend zu den Asylgrün-
den angehört.
A.b Dabei machte er im Wesentlichen folgendes geltend: Er sei in
B._ (Arabisch: C._), Distrikt D._, Provinz E._
geboren und aufgewachsen. Die Schule habe er bis zur (...) Klasse res-
pektive bis (...) besucht. Daneben habe er ab (...) während der Schulferien
als (...) gearbeitet. Im Jahre 2009 beziehungsweise 2010 sei er verhaftet
und während circa (...) Monaten inhaftiert worden, weil die Behörden ihm
vorgeworfen hätten, für die Partiya Karkerên Kurdistanê (PKK) zu arbeiten
und an Demonstrationen teilzunehmen. (...) 2011 sei er in den Militärdienst
eingerückt. Nach der 45-tägigen Grundausbildung habe er bis (...) 2015
ununterbrochen Dienst geleistet. Er habe der (...) angehört, welche für die
(...) zuständig gewesen sei. Daneben habe er auch (...) geleistet. Er habe
den Rang eines normalen Soldaten bekleidet. Ein Offizier habe ihm gegen
Bezahlung bei der Flucht geholfen, indem er ihn für eine (...) nach
F._ eingeteilt habe, von wo aus er (der Beschwerdeführer) in die
Türkei weitergereist sei. Geflüchtet sei er aus Angst vor dem Regime, we-
gen fehlender Freiheit und mangelnder Zukunftsaussichten sowie weil er
jederzeit hätte sterben können und auch nicht habe Zivilisten töten wollen.
Nach seiner Ausreise sei eine Aufforderung ergangen, wonach er als De-
serteur sofort getötet werden könne.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe des vorinstanzlichen Ver-
fahrens unter anderem seinen syrischen Militärausweis (im Original und in
Kopie), vier Fotos aus seiner Militärdienstzeit und eine nach eigenen An-
gaben gefälschte Personalienbestätigung durch den Dorfvorsteher als Be-
weismittel ein.
B.
Mit Verfügung des SEM vom 6. Januar 2016 wurde das zuvor eingeleitete
Dublin-Verfahren beendet und das nationale Asyl- und Wegweisungsver-
fahren aufgenommen.
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C.
Mit Schreiben vom 17. Mai 2018 ersuchte der Beschwerdeführer das SEM
um Auskunft über den Verfahrensstand. Das SEM antwortete mit Schrei-
ben vom 22. Mai 2018.
D.
Mit Verfügung vom 31. Juli 2018 – eröffnet nach einer zweiten Zustellung
am 31. August 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle
die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte
die Wegweisung aus der Schweiz. Deren Vollzug schob es hingegen in-
folge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
E.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seines
ursprünglichen Rechtsvertreters vom 3. September 2018 beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei ihm Einsicht im sämt-
liche Asylakten zu gewähren, insbesondere in das BzP- und Anhörungs-
protokoll des Asylverfahrens. Nach Gewährung der Akteneinsicht durch
das SEM sei eine Nachfrist zur Vervollständigung der Beschwerdebegrün-
dung beziehungsweise eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergän-
zung anzusetzen. Sodann sei die angefochtene Verfügung aufzuheben
und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung
zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben,
seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und er als Flücht-
ling anzuerkennen. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten.
F.
Mit Verfügung vom 12. September 2018 stellte der Instruktionsrichter des
Bundesverwaltungsgerichts fest, dass das SEM seine Akten mit Begleit-
schreiben vom 4. September 2018 an den ursprünglichen Rechtsvertreter
gesandt habe, weshalb das Akteneinsichtsgesuch als gegenstandslos ge-
worden zu betrachten sei. Dem Beschwerdeführer gab er Gelegenheit, in-
nert der noch bis 1. Oktober 2018 laufenden Beschwerdefrist eine Be-
schwerdeergänzung einzureichen. Gleichzeitig wurde dieser aufgefordert,
innert der gleichen Frist eine Fürsorgebestätigung einzureichen. Der Ent-
scheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
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Seite 4
G.
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2018 liess der Beschwerdeführer dem Gericht
seine Beschwerdeergänzung und die eingeforderte Fürsorgebestätigung
zukommen. Im Fliesstext der Beschwerdeergänzung beantragte er in Er-
gänzung zu seinen Beschwerdeanträgen, es sei für den Fall, dass er nicht
als Flüchtling anerkannt werde, die Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zugs festzustellen (vgl. Beschwerdeergänzung Ziff. 34).
H.
Der Instruktionsrichter hiess mit Verfügung vom 3. Oktober 2018 das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt
einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse gut. Gleich-
zeitig wurde das SEM eingeladen, bis zum 18. Oktober 2018 eine Ver-
nehmlassung einzureichen.
I.
Das SEM liess sich am 17. Oktober 2018 zur Beschwerde und zur Be-
schwerdeergänzung vernehmen. Die Vernehmlassung wurde dem Be-
schwerdeführer am 23. Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht.
J.
Mit Eingabe vom 13. Februar 2019 liess der Beschwerdeführer mittels des
rubrizierten Rechtsvertreters folgende Beweismittel, je mit deutscher Über-
setzung, und inklusive DHL-Verpackungen zukommen:
- Bestätigung über eine Blutspende vom (...) 2010
- Einberufungsbefehl vom (...) 2011
- Bestätigung der Rekrutierung vom (...) 2011
- Bestätigung des Empfangs von Materialien (undatiert)
- Benachrichtigung für die Erst- und Endprüfung (undatiert)
- Zivilkleid-Karte für Rekruten (undatiert)
- Schulbestätigung vom (...) 2011
K.
Der Instruktionsrichter erteilte der Vorinstanz mit Verfügung vom 22. Feb-
ruar 2019 Gelegenheit, bis zum 11. März 2019 eine Vernehmlassung zur
Eingabe vom 13. Februar 2019 und den neuen Beweismitteln einzu-
reichen.
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Seite 5
L.
Die Vernehmlassung des SEM erging innert erstreckter Frist am 22. März
2019.
M.
Mit Verfügung vom 29. März 2019 wurde der Beschwerdeführer eingela-
den, bis zum 15. April 2019 eine Stellungnahme zur Vernehmlassung des
SEM einzureichen.
N.
Der Beschwerdeführer nahm innert mehrfach erstreckter Frist mit Eingabe
vom 10. Mai 2019 Stellung zur Vernehmlassung des SEM. Der Eingabe
lagen zwei Vollmachten und zwei Substitutionsvollmachten betreffend Ein-
sicht in die Asylverfahrensakten zweier Kollegen bei (vgl. E. 4).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m.
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – vorbe-
hältlich der nachfolgenden Erwägung 3 – einzutreten.
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Seite 6
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Nach konstanter Praxis sind die Bedingungen für einen Verzicht auf den
Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglich-
keit) alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Wegwei-
sungsvollzug als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesen-
heit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen der vorläufigen Aufnahme
zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Nachdem die Vorinstanz gestützt auf
Art. 83 Abs. 4 AIG zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die
vorläufige Aufnahme angeordnet hat, ist auf das im Fliesstext der Be-
schwerdeergänzung gestellte Rechtsbegehren, es sei für den Fall, dass
der Beschwerdeführer nicht als Flüchtling anerkannt werde, die Unzuläs-
sigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen (vgl. Bst. G und Beschwer-
deergänzung Ziff. 34), nicht einzutreten.
4.
Die vorinstanzlichen Akten zweier Kollegen des Beschwerdeführers,
G._ (N [...]) und H._ (N [...]), wurden antragsgemäss beige-
zogen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Anspruchs auf rechtli-
ches Gehörs und der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts. Diese Verletzungen hätten gleichzeitig
eine Verletzung des Willkürverbots zur Folge. Diese Rügen sind vorab zu
prüfen, da sie zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen
könnten.
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
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Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
5.3 In der Beschwerdeergänzung wird zunächst eine Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör und der Pflicht zur vollständigen und richti-
gen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt, da es das SEM
unterlassen habe, die eingereichten Beweismittel rechtsgenüglich zu wür-
digen. Insbesondere habe das SEM in Bezug auf den im Original einge-
reichten Militärausweis auf die Durchführung einer Dokumentenanalyse
verzichtet, welche zwingend hätte stattfinden müssen. Hinsichtlich der ein-
gereichten Fotos verweise das SEM auf das Zeitalter der Digitalisierung
und dass die Fotos deshalb einen geringeren Beweiswert hätten, ohne je-
doch den genauen Zusammenhang zu erklären.
Das SEM begründete in seiner Verfügung, worauf seine Zweifel an der Be-
weiskraft der eingereichten Beweismittel (Personalienbestätigung des
Dorfvorstehers, Fotos und Militärausweis) beruhen. Auch wenn die ent-
sprechenden Ausführungen eher knapp ausgefallen sind, zeigt sich insge-
samt, dass eine genügende Auseinandersetzung mit den eingereichten Fo-
tos und Dokumenten erfolgt ist. Hinsichtlich des Militärausweises ist fest-
zuhalten, dass das SEM nicht verpflichtet ist, eine Dokumentenanalyse
vorzunehmen, wenn es davon ausgeht, dass die beigebrachten Beweis-
mittel leicht käuflich sind, und daher selbst die Feststellung der Echtheit
keine Aussagekraft hätte. In Bezug auf die Fotos ist nicht ersichtlich, inwie-
weit die Ausführungen des SEM unklar wären. Der entsprechende Ein-
wand des Beschwerdeführers erweist sich als haltlos. Soweit der Be-
schwerdeführer schliesslich vorbringt, die Vorinstanz habe die eingereich-
ten Beweismittel nicht beziehungsweise nicht rechtsgenüglich gewürdigt,
beschlägt dies die rechtliche Würdigung des Sachverhalts und ist keine
Frage des rechtlichen Gehörs oder der Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts. Die Rüge erweist sich damit als unbegründet.
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5.4 Des Weiteren sieht der Beschwerdeführer seinen Anspruch auf rechtli-
ches Gehör auch deshalb verletzt, weil das SEM in der angefochtenen Ver-
fügung nicht erwähnt habe, dass er anlässlich seiner Inhaftierung geschla-
gen und gefoltert worden sei.
Dem ist entgegenzuhalten, dass die Vorinstanz die geltend gemachte In-
haftierung im Sachverhalt aufnahm und sich damit auch in den Erwägun-
gen auseinandersetzte, womit es hinreichend differenziert aufzeigte, von
welchen Überlegungen es sich leiten liess. Da es bereits aufgrund von ver-
schiedenen Ungereimtheiten (sinngemäss) zum Schluss kam, die geltend
gemachte Inhaftierung sei unglaubhaft, bestand keine Veranlassung, sich
darüber hinaus mit den Vorbringen der Schläge und der Folter zu befassen.
Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung des SEM
nicht teilt, ist keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör.
5.5 Ferner wird implizit eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge-
hör gerügt, indem das SEM den Beschwerdeführer im Zusammenhang mit
den eingereichten Fotos aus der Militärdienstzeit anlässlich der Anhörung
auf allfällige Widersprüche hätte ansprechen und ihm hätte Gelegenheit
gewähren müssen, solche zu beseitigen. Der Beschwerdeführer verkennt
hierbei, dass die Vorinstanz bei ihrer Argumentation nicht gehalten ist, zu
jedem Widerspruch im Detail eine Stellungnahme einzuholen.
5.6 Sodann habe das SEM seine Abklärungspflicht verletzt, indem es nicht
untersucht habe, ob der Beschwerdeführer nicht bereits aufgrund seiner
illegalen Ausreise aus Syrien die Flüchtlingseigenschaft erfülle und des-
halb vorläufig aufzunehmen sei.
Das SEM kam in seiner Verfügung zum Schluss, dass die Vorbringen des
Beschwerdeführers unglaubhaft respektive nicht asylrelevant seien. Es er-
übrigte sich aus seiner Sicht zu Recht eine Auseinandersetzung mit der
illegalen Ausreise aus Syrien als subjektivem Nachfluchtgrund, zumal
diese praxisgemäss keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten kann,
sofern keine Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG und keine be-
sondere individuelle Vorbelastung vorliegen (vgl. etwa Urteile des BVGer
D-4666/2019 vom 26. November 2019 E. 7.5; E-3692/2016 vom 13. Okto-
ber 2017 E. 4.7; E-5587/2017 und E-5790/2017 vom 5. Dezember 2017
E. 6.4; vgl. auch nachfolgend E. 8.7). Die Rüge geht somit fehl.
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5.7 Der Standpunkt, das SEM habe es zu Unrecht unterlassen, die Vor-
bringen des Beschwerdeführers zur Desertion auf ihre Asylrelevanz zu prü-
fen, kann nicht nachvollzogen worden. Nach der gesetzlichen Konzeption
ist die asylsuchende Person verpflichtet, die Flüchtlingseigenschaft nach-
zuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen (vgl. Art. 7 Abs. 1 AsylG).
Gelingt es jedoch nicht, auch nur die herabgesetzten Beweisanforderun-
gen der Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaft zu erfüllen, ist die
Vorinstanz nicht gehalten, die Vorbringen zusätzlich auf ihre Asylrelevanz
zu prüfen.
5.8 Schliesslich wird vorgebracht, das SEM hätte zwingend eine weitere
Anhörung durchführen müssen. Nachdem sich die formellen Rügen alle-
samt als unbegründet erweisen, ist festzuhalten, dass der Sachverhalt hin-
reichend erstellt und abgeklärt ist. Auch aus dem Protokoll ergeben sich
keine Hinweise für eine mangelhafte Anhörung. Das Anhörungsprotokoll
kann demnach dem vorliegenden Entscheid zu Grunde gelegt werden.
5.9 Nach dem Gesagten erweist sich auch der Vorwurf, das SEM habe
durch die formellen Fehler das Willkürverbot (Art. 9 BV) verletzt, als unbe-
gründet.
5.10 Zusammenfassend vermag der Beschwerdeführer somit mit den for-
mellen Rügen nicht durchzudringen und der Antrag auf Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz ist demzufolge abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Seite 10
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Das SEM führte in seiner Verfügung aus, es sei dem Beschwerdeführer
nicht gelungen, die Desertion aus der syrischen Armee glaubhaft zu ma-
chen. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, weshalb er als Untergebener
einem ranghohen Vorgesetzten seine Fluchtabsichten hätte offenbaren
sollen und dieser zur Verwirklichung derselben auch noch hätte Hand bie-
ten sollen. Auch in Berücksichtigung des Umstands, dass Korruption der
syrischen Armee nicht fremd sein dürfte, sei nicht davon auszugehen, dass
sich ein ranghoher Offizier gegen Bezahlung und zur Problemlösung als
Fluchthelfer betätigen würde. Die Aushebung und die medizinischen Tests
habe er (der Beschwerdeführer) oberflächlich und ohne Substanz geschil-
dert. Desgleichen sei die Schilderung der geltend gemachten militärischen
Grundausbildung ausgefallen. Er habe auch nicht beziehungsweise nur
ungefähr angeben können, wann er sein Dienstbüchlein erhalten habe. Die
eingereichten Fotos hätten im Zeitalter der Digitalisierung einen sehr ge-
ringen Beweiswert. Er habe sich überdies zum Zeitpunkt der Entstehung
und zu den Umständen des Erhalts der Aufnahmen vage und widersprüch-
lich geäussert. Er sei zudem ausserstande gewesen, zweifelsfrei das Ori-
ginal und die Kopie der eingereichten militärischen Identitätskarte zu be-
zeichnen. Die Identitätskarte weise keinerlei fälschungssicheren Merkmale
auf. Zudem sei allgemein bekannt, dass in Syrien praktisch jegliche Art von
Dokumenten käuflich erworben werden könne. So könne auf der Webseite
des Verteidigungsministeriums die Vorlage für ein militärisches Aufgebot
abgerufen und ausgedruckt werden. Als entsprechend gering sei die Be-
weiskraft solcher Dokumente einzustufen. Angesichts der Unglaubhaf-
tigkeit seiner Angaben könne auf eine eingehende Würdigung der einge-
reichten Dokumente verzichtet werden. Insgesamt sei es ihm nicht gelun-
gen, die geltend gemachte Dienstzeit in der syrischen Armee glaubhaft zu
machen. Hinsichtlich der geltend gemachten Inhaftierung im Jahre 2009
beziehungsweise 2010 sei unwahrscheinlich, dass die über zehn Jahre zu-
rückliegenden (...) noch Kundgebungen zeitigen sollten, zumal die dama-
ligen Teilnehmer – abgesehen von den Anführern – weitgehend amnestiert
seien und keine asylbeachtlichen Massnahmen mehr zu gewärtigen hät-
ten. Bezeichnend in diesem Zusammenhang sei, dass er die Manifestatio-
nen von "manchmal" auf "eigentlich jeden (...)" korrigiert habe. Er habe
nicht angeben können, ob er 2009 oder 2010 verhaftet worden sei; es sei
aber zwischen dem (...) Monat gewesen, was insofern erstaune, als dies
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Seite 11
ein halbes Jahr nach der angeblichen Demonstration gewesen wäre. Er
habe sich auch hinsichtlich der Orte seiner geltend gemachten Inhaftierung
widersprochen. Schliesslich mute es seltsam an, dass sich die Leute aus
der (...) als Vertreter der (...) hätten ausgeben sollen.
7.2 In der Beschwerde wird eine Verletzung von Art. 7 AsylG gerügt. Der
Beschwerdeführer habe glaubhaft vorgebracht, dass er aus dem aktiven
Militärdienst geflohen sei. Zu seinem Status als gesuchter Regierungsgeg-
ner und abgewiesener Asylgesuchsteller komme jener des Deserteurs
hinzu. Er sei im Besitze des Militärausweises, da er sich zum Zeitpunkt
seiner Flucht im Dienste der syrischen Armee befunden habe. Spätestens
bei seiner Einreise würde er aufgrund seiner Desertion verhaftet. Er werde
von der syrischen Regierung asylrelevant verfolgt.
7.3 In der Beschwerdeergänzung wird daran festgehalten, dass der Be-
schwerdeführer seine Desertion aus der syrischen Armee habe glaubhaft
machen können. Er habe glaubhaft ausgeführt, weshalb der Offizier ihm
zur Flucht verholfen habe. Dieser habe genügend Bestechungsgelder er-
halten. Relevanter sei aber, dass dieser mit seiner Beihilfe habe verhindern
wollen, dass Personen, welche aus dem Militärdienst hätten desertieren
wollen, nicht zur anderen Seite übergehen und gegen die syrische Armee
kämpfen. Zu beachten sei auch, dass die militärische Abteilung des Be-
schwerdeführers nicht für den Kriegseinsatz ausgebildet worden sei. Die
Rekruten hätten zwar ihre Waffen auseinandernehmen und wieder zusam-
menbauen können, auf die Kriegssituation seien sie jedoch nicht vorberei-
tet worden. Er habe jederzeit damit rechnen müssen, in den Krieg ziehen
zu müssen und habe deshalb seine Chance ergreifen und aus dem Dienst
desertieren müssen. Im Übrigen habe er auf das Verhalten des Offiziers –
einer Drittperson – keinen Einfluss. Seine Schilderungen der militärischen
Grundausbildung und der medizinischen Untersuchungen seien sehr aus-
führlich ausgefallen. Zudem müsse beachtet werden, dass diese Phase
seiner jahrelangen militärischen Karriere bereits mehrere Jahre zurück-
liege. Da der Erhalt des Militärdienstbüchleins bereits mehrere Jahre zu-
rückliege, könne ihm nicht vorgeworfen werden, er habe nur vage und un-
substantiierte Ausführungen gemacht. Hinsichtlich der Fotos habe er
glaubhaft ausgeführt, dass diese anlässlich der (...) aufgenommen worden
seien. Darauf sei er eindeutig in syrischer Militäruniform zu sehen. Es sei
ihm in seinem Dienst nicht möglich gewesen, sich offen vor allen anderen
Militärpersonen fotografieren zu lassen. Er habe diesbezüglich keine wi-
dersprüchlichen Ausführungen getätigt. Den Militärausweis betreffend
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habe er glaubhaft dargelegt, dass er nur deshalb im Besitz dieses Auswei-
ses gewesen sei, weil er sich mitten in seinem Militärdienst befunden habe.
Ansonsten wäre er im Besitz seiner Identitätskarte und seines Militärdienst-
büchleins gewesen. Sodann habe er glaubhaft ausgeführt, dass von der
syrischen Regierung eine Aufforderung veröffentlicht worden sei, wonach
man ihn auffinden und nötigenfalls töten müsse. Zudem werde ihm vorge-
worfen, an Demonstrationen teilgenommen und die PKK unterstützt zu ha-
ben, weshalb er für mehrere Monate inhaftiert worden sei. Anlässlich der
Inhaftierung sei er mehrfach geschlagen und gefoltert worden. Es sei da-
von auszugehen, dass er bei den syrischen Behörden als politischer Op-
positioneller registriert sei. Bereits einfache Teilnehmer regimefeindlicher
Demonstrationen seien einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Es sei offen-
sichtlich, dass er als kurdischer Oppositioneller, welcher ebenfalls als De-
serteur betrachtet werde, als Regimegegner identifiziert worden sei. Die
Sanktionen, wie sie seit Beginn der Aufstände in Syrien im Frühjahr 2011
verhängt und ausgeführt würden, seien nicht gemeinrechtlich, sondern po-
litisch begründet. Schliesslich habe er – als Deserteur – mit seiner illegalen
Ausreise gegen spezifische Ausreisebestimmungen verstossen, und es
werde ihm deshalb eine regierungsfeindliche Haltung vorgeworfen.
7.4 In seiner Vernehmlassung vom 17. Oktober 2018 verwies das SEM auf
die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung, an denen es vollumfäng-
lich festhielt.
7.5 In der Eingabe vom 13. Februar 2019 liess der Beschwerdeführer aus-
führen, den neu eingereichten Beweisurkunden sehe man an, dass sie äl-
teren Datums seien. Hätten er beziehungsweise seine Familie Beweisur-
kunden erworben, welche nicht echt seien, würde es sich dabei um neuere
Dokumente handeln. Dabei würde niemand den Aufwand auf sich nehmen,
um die fraglichen Papiere künstlich altern zu lassen. Sie müssten deshalb
als echt angesehen werden. Man könne jedenfalls ausschliessen, dass sie
eben erst erstellt worden seien. Im Gegenteil seien sie vor sieben oder acht
Jahren erstellt worden. Damals habe allerdings kein Grund bestanden,
diese käuflich zu erwerben, zumal es sich um Dokumente handle, die ei-
nem Militärdienstpflichtigen von Amtes wegen ausgehändigt würden. Die
Urkunden seien auf Vermittlung von Familienangehörigen aus dem Irak in
die Schweiz geschickt worden.
7.6 Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 22. März 2019 fest, ge-
mäss dem Prüfungsbericht vom 19. März 2019 habe für die vorliegenden
Dokumente keine abschliessende Echtheitsbeurteilung vorgenommen
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werden können. Es hielt sodann daran fest, dass die Aussagen des Be-
schwerdeführers zu seinem geltend gemachten Militärdienst sehr ober-
flächlich ausgefallen seien. Auch wenn nicht auszuschliessen sei, dass er
allenfalls im (...) 2011 in den Militärdienst einberufen worden sei, so habe
er weder glaubhaft machen können, dass er rund vier Jahre im Militärdienst
gewesen sei, noch, dass er aus diesem desertiert sei. Vielmehr sei wahr-
scheinlich, dass er zu einem früheren Zeitpunkt oder nach seiner militäri-
schen Grundausbildung ordnungsgemäss entlassen worden sei. Die ein-
gereichten militärischen Dokumente würden sich auch lediglich auf den
Zeitraum der geltend gemachten Rekrutierung beziehen und würden keine
Rückschlüsse auf die Dauer des Militärdienstes zulassen. Auch sei nicht
einsehbar, weshalb der Beschwerdeführer diese Dokumente nicht bereits
im ordentlichen Verfahren eingereicht habe, sondern erst drei Jahre und
vier Monate nach seiner Gesuchstellung beziehungsweise ein halbes Jahr
nach der Fällung des Asylentscheides.
7.7 In der Stellungnahme vom 10. Mai 2019 wird auf die Akten zweier Kol-
legen des Beschwerdeführers verwiesen (vgl. vorstehend E. 4).
G._ habe von 2011 bis zu seiner Desertion vier Jahre und vier Mo-
nate Militärdienst geleistet. H._ sei ebenfalls im Jahre 2011 in den
Militärdienst eingerückt und desertiert, weil dies auf Dauer die einzige Mög-
lichkeit gewesen sei, nicht getötet zu werden und nicht töten zu müssen.
Die Akten dieser beiden Kollegen würden zeigen, dass es eine Tatsache
sei, dass diejenigen Rekruten, die im Jahr 2011 eingerückt seien, nicht
mehr aus dem Militärdienst entlassen worden seien. Die einzige Möglich-
keit, dem Militärdienst zu entkommen, habe in der Desertion gelegen. In
den Asylfällen dieser beiden Kollegen sei dieser Umstand vom SEM nicht
bestritten worden. Es scheine damit anerkannt zu haben, dass es nach
dem Jahr 2011 keine ordentliche Entlassung mehr aus dem Militärdienst
mehr gegeben habe. Es sei demnach unwahrscheinlich, dass er (der Be-
schwerdeführer) ordentlich aus dem Militärdienst entlassen worden sei. Im
Weiteren übersehe das SEM, dass er seinen militärischen Ausweis zu den
Akten gegeben habe, was nur möglich gewesen sei, weil er ihn noch nicht
gegen seine zivile Identitätskarte getauscht habe. Die zivile Identitätskarte
werde erst am Ende des Militärdienstes und nach Rückgabe des militäri-
schen Ausweises ausgehändigt. Er habe mit den neuen Beweisurkunden
und den Fotos den Beweis dafür erbracht, dass er im Jahr 2011 ordnungs-
gemäss in den Militärdienst eingerückt sei. Die neuen Beweisurkunden
habe er nicht auf seiner Flucht mitnehmen können, weshalb sie in seiner
Heimat geblieben seien. Erst jetzt seien sie von Familienangehörigen in
den Irak gebracht und von dort in die Schweiz geschickt worden. Diese
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Reise habe eine grosse Gefahr für die Familienangehörigen dargestellt. Er
habe sie nicht fahrlässig in Gefahr bringen wollen und deshalb gewartet,
bis er keine andere Wahl mehr gehabt habe. Zudem habe es einige Zeit
gedauert, bis die Familienangehörigen die fraglichen Beweisurkunden ge-
funden hätten. Er habe versuchen müssen, die Beweisurkunden und deren
Versteck aus der Ferne zu beschreiben. Dass sie lange Zeit versteckt ge-
wesen seien, zeige sich an ihrem Zustand. Es spreche deshalb alles für
deren Echtheit. Wäre er ordnungsgemäss aus dem Militärdienst entlassen
worden, würden sich nicht alle Beweisurkunden in seinem Besitz befinden.
Folglich müsse er aus dem Militärdienst desertiert sein.
8.
8.1 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungsgericht
nicht an die Begründung der Vorinstanz gebunden ist (Art. 62 Abs. 4
VwVG); es kann die Beschwerde auch aus anderen Überlegungen als je-
nen der Vorinstanz abweisen (sog. Motivsubstitution; vgl. MADELEINE
CAMPRUBI in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG, Kommentar zum Bun-
desgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Auflage 2019, N 16 zu
Art. 62 VwVG; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1136).
8.2 Gleichzeitig ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Vorbringen des
Beschwerdeführers in der angefochtenen Verfügung im Grundsatz mit aus-
führlicher und überzeugender Begründung als unglaubhaft beziehungs-
weise als nicht asylrelevant qualifiziert hat. Diesbezüglich kann vorab auf
die zutreffende Argumentation in der angefochtenen Verfügung verwiesen
werden. In Ergänzung und Präzisierung dazu ist Folgendes festzustellen:
8.3 Hinsichtlich der geltend gemachten Haft im Jahre 2009 oder 2010
führte das SEM in der angefochtenen Verfügung aus, eine asylrechtlich
relevante Verfolgung sei grundsätzlich nur dann gegeben, wenn eine Per-
son auf Grund ihrer oppositionellen Haltung konkreten staatlichen Verfol-
gungsmassnahmen ausgesetzt sei. In der Folge kam es aufgrund verschie-
dener Ungereimtheiten in den Aussagen des Beschwerdeführers zum
Schluss, das Vorbringen halte den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Damit behandelte es die geltend
gemachte Haft zwar formell unter dem Aspekt von Art. 3 AsylG, erachtete
das Vorbringen jedoch sinngemäss als unglaubhaft im Sinne von
Art. 7 AsylG. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der überzeu-
genden Begründung des SEM an (vgl. dazu E. 7.1), mit welcher sich der
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Beschwerdeführer nicht ansatzweise inhaltlich auseinandersetzte. Ledig-
lich mit dem pauschalen Festhalten an seinen Vorbringen in der Anhörung
und der Folgerung, es sei davon auszugehen, er sei bei den syrischen Be-
hörden als politischer Oppositioneller registriert, vermag er nicht darzutun,
dass ihm seitens der syrischen Regierung Demonstrationsteilnahmen und
die Unterstützung der PKK vorgeworfen worden seien und er deshalb wäh-
rend mehreren Monaten in Haft gewesen sei.
8.4 Was die Leistung von Militärdienst anbelangt, wirken viele Aussagen
des Beschwerdeführers auch unter Berücksichtigung der vergangenen
Zeitdauer oberflächlich und pauschal. So lässt etwa seine Antwort auf die
Frage, ob es ein besonderes Erlebnis während des Militärdienstes gebe,
an das er sich erinnere, nicht überzeugend darauf schliessen, dass er das
Geschilderte tatsächlich selber erlebt habe: "Ja, es gab viele Tage, die nicht
schön waren. Wir wurden oft angegriffen. Viele Raketen wurden in unserer
Nähe abgeworfen, ich meinte in die Nähe unserer Einheit. Die Flugzeuge
haben dort bombardiert. Sie haben I._ und J._ bombardiert.
Sie haben Fassbomben geworfen und es war sehr nahe zu unserer Einheit.
Das war's" (vgl. Akten SEM A19/22 F86). Sodann bestehen trotz gewisser
Zeichen einer natürlichen Alterung Zweifel an der Echtheit der mit der Ein-
gabe vom 13. Februar 2019 eingereichten Beweismittel. So erstaunt etwa,
dass diese Dokumente nicht bereits in einem früheren Verfahrensstadium
eingereicht wurden. Selbst wenn es zu gefährlich gewesen wäre, diese frü-
her in den Irak zu bringen, wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschwer-
deführer sie zumindest erwähnt und seine Familienangehörigen aufgefor-
dert hätte, ihm Kopien dieser Unterlagen auf elektronischem Weg zukom-
men zu lassen. Die eingereichten Fotos, auf denen der Beschwerdeführer
in syrischer Militäruniform abgebildet ist, stellen angesichts deren Manipu-
lierbarkeit höchstens ein Indiz für eine mögliche Diensttätigkeit dar. Zudem
stellte die Vorinstanz zu Recht einen Widerspruch fest, indem der Be-
schwerdeführer auf die Frage, wie er zu diesen Fotos gekommen sei, zu-
nächst ausführte: "Mein Freund hat die Fotos aufgenommen. Er hatte das
auf seiner Speicherkarte gehabt. Nachdem ich flüchtete, schickte er mir
das", welche Antwort nicht in Einklang zu bringen ist mit der darauffolgen-
den Aussage: "Als ich von dort abgehauen bin, befanden sich diese Bilder
auf meinem Mobile" (vgl. Akten SEM A19/22 F60 f.). Auf Beschwerde-
ebene wird kein Versuch unternommen, die offensichtliche Ungereimtheit
aufzulösen, sondern lediglich an der Widerspruchsfreiheit der Aussagen
festgehalten. Gleichzeitig ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Aus-
führungen des Beschwerdeführers zu seiner Rekrutierung, zu den medizi-
nischen Tests und seiner Militärdienstzeit teilweise einen gewissen Grad
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an Substanz und Detailliertheit aufweisen, sodass trotz der erwähnten
Zweifel nicht ausgeschlossen erscheint, dass der Beschwerdeführer tat-
sächlich in den syrischen Militärdienst eingezogen wurde.
8.5 Hinsichtlich der vorgebrachten Desertion weist der Beschwerdeführer
grundsätzlich zu Recht darauf hin, dass er im Besitz seiner (zivilen) Identi-
tätskarte und seines Militärdienstbüchleins wäre, sofern er aus dem Mili-
tärdienst entlassen worden wäre. Ob der von ihm vorgelegte Militärausweis
echt ist oder nicht, wurde vom SEM – wie vorstehend ausgeführt (vgl.
E. 5.3) – zu Recht nicht abgeklärt und könnte aufgrund der fehlenden Si-
cherheitsmerkmale auch nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Dieses
Dokument kann deshalb für sich allein nicht als Beleg für eine Desertion
aus dem Militärdienst dienen. Ob der Beschwerdeführer tatsächlich aus
dem Militärdienst desertiert ist, kann jedoch vor dem Hintergrund der nach-
folgenden Erwägung 8.6 offenbleiben. Demzufolge erübrigt es sich, auf das
Vorbringen, nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges sei niemand mehr aus
der syrischen Armee entlassen worden, und auf die beigezogenen Akten
seiner beiden Kollegen näher einzugehen. Dennoch ist anzumerken, dass
kaum zu überzeugen vermag, dass ein Offizier das Risiko auf sich genom-
men habe, dem Beschwerdeführer bei der Desertion zu helfen, um damit
ein Überlaufen zur anderen Seite zu verhindern. Der Beschwerdeführer
gab nämlich zu Protokoll, ab F._ auf sich selbst gestellt gewesen zu
sein, womit ihm alle Wege offen gestanden hätten (vgl. Akten SEM A19/22
F94). Gleichzeitig ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer
überhaupt der Hilfe durch einen Offizier bedurfte, um desertieren zu kön-
nen, zumal es ihm möglich gewesen sei, nach K._ zu fahren und
dort das Bestechungsgeld, das sein Vater geschickt habe, abzuholen (vgl.
Akten SEM A19/22 F128). Schliesslich überrascht, dass sich der Be-
schwerdeführer erst auf entsprechende Nachfrage und überdies nur sehr
vage zur nach seiner Desertion angeblich veröffentlichten Aufforderung
äusserte, wonach er überall sofort getötet werden könne (vgl. Akten SEM
A19/22 F165 ff.).
8.6 Selbst wenn der eingereichte Militärausweis authentisch und der Be-
schwerdeführer aus dem Militärdienst desertiert sein sollte, wäre in diesem
Umstand allein keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu erkennen. Dazu ist
auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu verweisen,
wonach eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion für sich allein ge-
nommen die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen vermag, sondern
nur von Relevanz ist, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3
Abs. 1 AsylG verbunden ist, mithin die betroffene Person aus den in dieser
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Norm genannten Gründen wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder De-
sertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die ernsthaften Nachteilen ge-
mäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.9). Ferner
hielt das Gericht fest, dass die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte seit
dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tatsächliche oder ver-
meintliche Regimegegner mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit
vorgehen. Personen, die sich dem Dienst in der staatlichen syrischen Ar-
mee entzogen haben – etwa, weil sie sich den Aufständischen anschlies-
sen wollten oder in der gegebenen Bürgerkriegssituation als Staatsfeinde
und als potentielle gegnerische Kombattanten aufgefasst werden –, sind
seit dem Jahr 2011 in grosser Zahl nicht nur von Inhaftierung, sondern auch
von Folter und aussergerichtlicher Hinrichtung betroffen (a.a.O., E. 6.7.2
m.w.H.).
Aus den in der Folge ergangenen nicht publizierten Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts geht hervor, dass bei Wehrdienstverweigerung im sy-
rischen Kontext nur dann eine asylrelevante Strafe zu befürchten ist, wenn
zusätzliche exponierende Faktoren gegeben sind. Hingegen ist nicht da-
von auszugehen, dass herkömmlichen Wehrdienstverweigerern oder De-
serteuren, das heisst solchen, die nicht zusätzlich politisch exponiert sind,
mit genügender Wahrscheinlichkeit eine die Schwelle der Asylrelevanz er-
reichende Strafe droht (vgl. u.a. Urteile E-5262/2018 vom 19. Dezember
2018, E. 6.1, E-3366/2018 vom 4. Juni 2019 E. 6.3.1).
Im vorliegenden Fall besteht keine Konstellation besonderer Exponiertheit.
Die geltend gemachte Inhaftierung hat sich als unglaubhaft erwiesen. Ins-
gesamt ist den Akten nichts zu entnehmen, wonach der Beschwerdeführer
die besondere Aufmerksamkeit der syrischen Regierungsbehörden erregt
und von diesen als Gegner des Regimes identifiziert worden sein könnte.
Insbesondere gab der Beschwerdeführer in der BzP zu Protokoll, dass er
nie politisch aktiv gewesen sei und auch im Militärdienst keine Probleme
gehabt habe (vgl. Akten SEM A3/12 Ziff. 7.01). Demnach ist selbst im Falle
einer Desertion nicht davon auszugehen, dass er deswegen bei einer
Rückkehr in seine Heimat eine politisch motivierte Bestrafung und Behand-
lung zu gewärtigen hätte, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommen würde.
8.7 Der Beschwerdeführer war nach dem Gesagten im Zeitpunkt seiner
Ausreise keiner Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt.
Demnach führt eine illegale Ausreise aus Syrien nicht zur Annahme einer
begründeten Furcht, bei einer Rückkehr in das Heimatland mit beachtlicher
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Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt
zu werden (vgl. dazu vorstehend E. 5.6).
8.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Asylgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrele-
vante Verfolgung oder eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begrün-
den. Eine Verletzung von Art. 7 AsylG durch die Vorinstanz ist nicht ersicht-
lich. An dieser Einschätzung vermögen auch die weiteren Ausführungen in
den Rechtsschriften nichts zu ändern, weshalb darauf nicht mehr näher
einzugehen ist. Demnach hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
9.
Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Be-
schwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthalts-
bewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9).
10.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes-
recht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach
abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Vorliegend wurde in-
des der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 3. Oktober 2018 gutgeheissen. Es sind
daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen, zumal keine Hinweise dafür
vorliegen, dass der Beschwerdeführer nicht mehr bedürftig wäre.
(Dispositiv nächste Seite)
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