Decision ID: 99fc816d-8b90-4de8-9a76-24b789cb8a94
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1971
,
arbeitete seit 1998 bei der
Y._
AG als Maschinen- und Anlageführerin (
Urk.
8/13/2),
zuletzt im Umfang von 100
%
(
Urk.
8/13/3, vgl. auch die Lohnentwicklung im Auszug aus dem individuellen Konto, Urk. 8/12),
als sie
sich am
3.
Dezember 2009
unter Hinweis auf
degenerativ bedingte
Lenden- und Nackenbeschwerden bei Arthrose und Bandscheiben
vor
fällen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
meldete
(
Urk.
8/4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
nach durchgeführten medizinischen und erwerblichen Abklärungen und Einholung eines orthop
ä
disch-psychiatrischen Gutachtens beim
Z._
(
Gutachten vom 2
1.
Februar 2011,
Urk.
8/29)
mit ergänzender Stellungnahme vom
3.
März 2011 (
Urk.
8/31)
mit Verfügung vom
1
4.
Oktober 2011
einen Rentenanspruch (
Urk.
8/60).
Mit Mitteilung vom 1
5.
Februar 20
12
wurde die Arbeitsvermittlung
nach der Durchführung
eines
Beratungsgesprächs
auf Wunsch der Versicherten abge
schlossen (
Urk.
8/72
-73
).
1.2
Am 2
2.
August 2017 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle erneut zum Leistungsbezug an und verwies bei den Angaben zur gesundheitlichen Beein
trächtigung auf
seit 2008 bestehende
Hautprobleme und die Gelenke
(
Urk.
8/77)
. Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
(
Urk.
8/81,
Urk.
8/83,
Urk.
8/88-91,
Urk.
8/94
-95,
Urk.
8/97
)
und holte bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie, ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, das am
3.
April 2019
erstattet wurde (
Urk.
8/105
-106
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/108
,
Urk.
8/113
)
, legte die IV-Stelle die neu
en
B
erichte über
den
am
5.
Juli 2019 erlittenen
Auffahru
nfall
, bei dem sich
die Ver
sicherte
eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) zugezogen hatte (
Urk.
8
/119-120),
sowie weitere eingegangene Arztbericht
e
(
Urk.
8/123/5-6,
Urk.
8/125,
Urk.
8/129/2-3,
Urk.
8/133,
Urk.
8/137,
Urk.
8/141,
Urk.
8/143)
med.
pract
.
C._
, Facharzt für Arbeitsmedizin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD;
Stellungnahme vom 2
3.
Februar 2021,
Urk.
8/146/5-6)
,
vor und verneinte schliesslich mit Verfügung vom 2
3.
April 2021 erneut einen Rentenanspruch (
Urk.
8/147 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
2
1.
Mai 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
3.
April 2021
(
Urk.
2) und b
eantragte, diese sei aufzuheben,
es sei
die medizi
nische Situation zu prüfen
und ihr
seien
die IV-Leistungen zu gewähren
. In formeller Hinsicht ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessfüh
rung
(
Urk.
1 S.
1
). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3
0.
Juni 2021
(
Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
1
4.
Juli 2021
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9
).
Am
1
4.
September
2021 fand eine Instruktionsverhandlung statt (
Urk.
10
, Proto
koll S. 3).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzu
klären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tatsächlich einge
tre
ten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab.
Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungs
pflicht auch dem Gericht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens
genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie
bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen
, insbesondere das
bidisziplinäre
Gutachten von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
vom
3.
April 2019
(
Urk.
8/105
-106
),
davon aus, dass
bei
der Beschwerdeführerin
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in der Reinigung
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe und
eine
optimal
angepasste Tätigkeit
im Umfang von
80
%
zumutbar sei (S. 1). Der gestützt auf stati
sti
sche Werte vorge
nommene Einkommensvergleich ergebe ein
en
Invaliditätsgrad von 16
%
, so dass
kein Anspruch auf eine Invalidenrente
bestehe
(S. 2 oben).
Auch aus den weiteren medizinischen Unterlagen
ergäben
sich keine neuen Aspekte (S. 2 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(
Urk.
1)
,
dass sich ihre gesundheitliche Situation seit einiger Zeit deutlich verschlechtert habe. Sie habe sich auch in psychiatrische B
ehandlung begeben müssen und
leide an Depressionen
. Ihre Diagnoseliste sei lang und sie habe der
Beschwerdegegnerin
diverse Arztberichte
geschickt (S. 1). Im August 2017 habe sie sich schliesslich
nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt bei der Invalidenversicherung angemeldet. Ihr Gesundheitszustand sei nie über längere Zeit stabil gewesen. Es gehe hier um ihre vielen Krankheiten und Symptome
,
unter denen sie leide und die ihr Alltags
leben beeinträchtigen würden. Dies trage dazu bei, dass sie eine dauerhafte Arbeits
unfähigkeit aufweise. Ihr Gesundheitszustand sei von der
Beschwerdegeg
nerin
nicht umfassen
d abgeklärt und beurteilt worden (S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob bei der Beschwerdeführerin seit Erlass der renten
ablehnenden Verfügung vom 1
4.
Oktober 2011 (
Urk.
8/60) eine anspruchs
be
grün
dende Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten ist
und ob sie Anspruch auf eine Invalidenrente hat
.
3.
3.1
Der leistungsverneinenden Verfügung vom 1
4.
Oktober 2011 (
Urk.
8/60) lag zur
Hauptsache das
orthop
ä
disch-psychiatrische Gutachten des
Z._
vom 2
1.
Februar 2011 (
Urk.
8/29) zugrunde.
3.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates
, und
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannten darin folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 22):
-
Status nach Dekompression C5-7 mit ventraler
intercorporeller
Spondy
lodese
mit
autologem
Beckenspan und ventraler Plattenosteosynthese im Januar 2010 und leichter medianer
Diskusprotrusion
C4/5 und C7/Th1 ohne neutrale Kompression
-
Spondylarthropathie
und
Spondylodiscitis
L4/5 und L5/S1 mit medianer Diskus
hernie L5/S1 ohne neurale Kompression
-
Adipositas
-
Anpassungsstöru
ng
en
mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21), bestehend seit etwa Dezember 2009
-
histrionische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.4)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 23 oben):
-
leichte
Acromioclaviculargelenksarthrose
und
subacromiale
Bursitis links
-
Schmerzen im oberen Sprunggelenk
(OSG)
rechts und links bei Senkfüssen
-
Nikotinabusus
In ihrer interdisziplinären
Zusammenfassung und Beurteilung
führten sie aus,
s
eit
fünf
Jahren
bestünden
therapieresistente Nackenschmerzen, die nach einer
Dekom
pression C5/6 und C6/7 mit ventraler
intercorporeller
Spondylodese
mit
autologem
Beckenspan C5 bis 7 und ventraler Plattenosteosynthese am 2
8.
Januar
2010 an der Klinik
F._
in
G._
zwar nachgelassen
hätten
, aber bei der Rechtshänderin weiterhin
bestünden
und in das linke Handgelenk ausstrahlen
würden
. Die körperliche Leistungsfähigkeit
sei
primär durch die lumbalen Schmerzen subjektiv eingeschränkt. Analgetika
würden
täglich gebraucht. Die immer noch durchgeführte Physiotherapie
sei
nutzlos. Die Nacken
schmerzen und das Ausmass der demonstrierten abnormen Untersu
chungs
befunde der
HWS
könn
t
en mit dem altersentsprechend normalen MRI-Befund der HWS bei durchgebauter
Spondylodese
C5 bis 7 nicht nachvollzogen werden. Auch die angegebene Kraftverminderung des linken Arms
könne
bei der klinischen Untersuchung nicht be
stätigt werden. Trotzdem bestehe
aufgrund der veränderten Wirbelsäulenstatik bei
zweietagiger
Spondylodese
für körperliche Arbeit eine leichte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Nachdem die linke Schulter bei der Begutachtung
«
schmerzbedingt
»
kaum zu untersuchen
gewesen sei
,
sei
eine MRI-Abklärung derselben vorgenommen
worden
und es
habe
sich nur eine leichte
Acromioclaviculargelenksarthrose
mit
subacromialer
Bursitis
gezeigt
, die in deutlichem Kontrast zu der demonstrierten Einschr
änkung der linken Schulter stehe
und keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
habe
. Seit
zwei
Jahren
würden
sich auch therapieresistente lumbale Schmerzen
manifes
tieren
, die sich in beide Waden fortsetzen und die körperliche Leistungsfähigkeit subjektiv deutlich limitieren
würden
. Die lumbalen Schmerzen und die patholo
gischen objektiven Befunde der Lendenwirbelsäule
(LWS)
könn
t
en teilweise auf die im MRI dokumentierte
Spondylarthropathie
respektive
Spondylodiscitis
L4/5 und L5/S1 mit medianer
Discushernie
L5/S1 zurückgeführt werden. Die bei der Untersuchung angegebene Hyposensibilität des gesamten rechten Beins
könne
bei radiologisch fehlender neuraler Kompression nicht plausibilisiert werden. Das
Ausmass der angegebenen Beschwerden und demonstrierten Einschränkungen der
LWS
kontrastiere
auch deutlich mit dem nicht sehr ausgeprägten radiolo
gischen Befund. Prognostisch ungünstig
sei
das Übergewicht, das zu einer ver
mehrten Belastung der abgenützten unteren LWS führ
e
.
Die Beschwerdeführerin
leide seit
fünf
Jahren an Schmerzen in beiden
OSG
und eine Spritzenbehandlung
sei
wirkungslos
gewesen
. Bei der körperlichen Untersuchung
falle
lediglich eine diffuse
Druckdolenz
im Bereich beider OSG auf und das MRI des rechten OSG
sei
unauffällig
gewesen
, sodass die Beschwerden nicht objektiviert werden könn
t
en
(S. 21 f.)
.
Im psychischen Zustand
liessen
sich im Zusammenhang mit der chronischen Schmerzsymptomatik und dem Verlust der Arbeit seit
Dezember
2009 Anpas
sungsstörungen
mit längerer depressiver Reaktion erheben. Dabei
handle
es sich definitionsgemäss
um einen leichten depressiven Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende
Belastungssituation. Zusätzlich
fänden
sich Hinweise für eine
histrionische
Persönlichkeitsstörung mit Dramatisierung der Beschwerdesympto
matik und
demonstrativen Hinweisen auf die Beschwerden. Auch
liessen
sich
Somatisierungstendenzen
erheben und im
B
ericht der
Rehaklinik H._
vom
1
9.
Juli
2010
sei
der Verdacht auf Fibromyalgie geäussert
worden
. Für das Vorliegen einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
fänden
sich derzeit allerdings keine
eindeutigen Hinweise. Nachdem es sich bei Anpassungsstö
rungen mit längerer depressiver
Reaktion um eine leichte psychische Störung
handle
, lieg
e
keine Beeinträchtigung
der Schmerzverarbeitung und Schmerz
bewältigung vor. Daneben
fänden
sich
Hinweise für
Somatisierungstendenzen
mit diffusen Schmerzangaben, insbesondere
an Armen und Beinen, jedoch
sei
keine psychische Komorbidität von erheblicher
Schwere, Ausprägung und Dauer anzunehmen, womit die versicherte Person
ausreichend über die notwendigen Ressourcen für den Umgang mit den Schmerzen
verfüg
e
und diese mit einer zumutbaren Willensanstrengung ausreichend
überwindbar
seien (S. 22 Mitte)
.
Bei der Beurteilung zur Arbeitsfähigkeit führten sie aus, anlässlich der gemein
samen orthopädisch-psychiatrischen Beurteilung am 1
1.
Februar 2011
sei
die Arbeitsfähigkeit gesamthaft als Produktionsmitarbeiterin
seit Dezember
2009 bei voller Stundenpräsenz wegen der Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion und
histrionischer
Persönlichkeitsstörung mit reduzierter emotionaler Belastbarkeit, Dauerbelastbarkeit und geistiger Flexibilität auf 75% (Arbeitsun
fähigkeit 25
%
) festgelegt
worden
. Vom 2
8.
Januar
2010 bis Ende April 2010
habe
im Rahmen der postoperativen Rehabilitation eine volle Arbeitsunfähigkeit (Arbeitsfähigkeit 0
%
)
bestanden
und seit
Mai
2010
könne
in bisheriger Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 65
%
(Arbeitsunfähigkeit 35
%
) ausgegangen werden, da vorwieg
end stehende Tätigkeiten mit häufigem Heben und Tragen von Lasten von 5 bis 10 kg und häufigen inklinierten und rotierten Körperhal
tungen nicht mehr vollumfänglich möglich
seien (S. 23 Mitte)
.
Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei häufig inklinierte und
reklinierte
sowie rotierte Körperhaltungen eingenommen und regelmässig Gegenstände über 5 kg gehoben oder getragen werden müssten
,
sowie Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurch
schnittliche Dauerbelastung könn
t
en gesamthaft bei voller Stundenpräsenz seit
Dezember
2009 zu 90
%
(Arbeitsunfähigkeit 10
%
) angenommen werden. Vom 2
8.
Januar
bis Ende April 2010
habe
auch in adaptierten Tätigkeiten gesamthaft bei voller Stundenpräsenz im Rahmen der postoperativen Rehabilitation eine volle Arbeitsunfähigkeit (Arbeitsfähigkeit 0%)
bestanden
. Ab
Mai
2010 besteh
e
in adaptierten Tätigkeiten bei voller Stundenpräsenz gesamthaft wieder eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
(Arbeitsunfähigkeit 10
%
, S. 23 unten f.
; vgl. auch
Urk.
8/31
).
3.
3
Gestützt auf
das
Gutachten des
Z._
und ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 90
%
in einer leidensangepassten Tätigkeit
verneinte die Beschwerdegeg
nerin
im Vergleichszeitpunkt
einen Anspruch auf eine Invalidenrente
bei einem Invaliditätsgrad von 20 % (
Urk.
8/60)
.
4.
4.1
Die medizinische Sachlage,
die
aufgrund der Neuanmeldung vom 2
2.
August 2017 (
Urk.
8/77) erneut
geprüft wurde
, stellt sich wie folgt dar:
4.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und P
sychotherapie, nannten in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
im
Gutachten vom
3.
April 2019 (
Urk.
8/105)
folgende
verkürzt wiedergegebene
n
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
64):
-
Psoriasisarthropathie
diagnostiziert
seit November 2016
-
chronisches
Zervikovertebralsyndrom
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S.
64 f.):
-
Fibromyalgie
-
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
remittiert
(ICD-10 F33.4)
-
Adipositas Grad II
-
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
-
Asthma bronchiale
-
Restless
-
legs
-Syndrom
-
Status nach OSG-Distorsion
links am 1
9.
Oktober 2018
-
Status nach
subcapitaler
Fraktur
Dig
. V Fuss rechts (Grundphalanx) nach Anpralltrauma am 1
7.
November 2017
-
Periarthropat
h
i
a
humeroscapularis
links (= PHS) mit
Impingement
-
anamnestisch Laktoseintoleranz
-
Status nach
Cholezystektomie
Hinsichtlich der funktionellen Auswirkungen der Befunde hielten die Gutachter fest, aus rheumatologischer Sicht seien die heute bestehenden Befunde und Diag
nosen berücksichtigt worden und die Arbeitsfähigkeit sei entsprechend formuliert worden. Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin im All
tag durch psychische Beschwerden
nicht
beeinträchtigt. Sie sei aus psychiat
rischer Sicht in der Lage, trotz der geklagten Beschwerden ganztags einer beruf
lichen Tätigkeit nach
zugehen (S. 65 Mitte).
Bezüglich
relevanter
Persönlichkeitsaspekte führten sie aus, dass die Beschwer
deführerin in ihrer Beschwerdeschilderung
expressiv
gewirkt habe, sie jedoch freundlich und die Kooperation gegeben
gewesen sei.
Sie
habe früher während Jahren mit guter Leistung gearbeitet, von der Persönlichkeit her sei die Arbeits
fähigkeit nicht beeinträchtigt (S. 65 unten).
Die Gutachter
erwähnten
deutliche Belastungsfaktoren wie fehlende Berufsaus
bildung, p
sychosoziale Belastungssituation mit offensichtlich gewissem Drogen
konsum der Kinder. Die Beschwerdeführerin sei belastet durch den herzkranken Mann und die angespannte finanzielle Situation. Sie könne noch einigermassen schlafen, kümmere sich um den Haushalt, wobei sie bei schwereren Arbeiten auf Unterstützung angewiesen sei. Die Beziehung
zu
den Familienmitgliedern sei gut, sie pflege soziale Kontakte, lese viel, fahre Auto und sei in der Lage
,
ohne weiteres alleine in ihre Heimat zu reisen (S. 66 oben).
E
s bestünden Inkonsistenzen dahin
gehend, dass die Beschwerdeführerin ihren Alltagsaktivitäten
nachgehe
, sich aber selbst weitgehend als arbeitsunfähig einschätze. Klinisch würden jegliche Muskel
atrophien als Hinweise auf eine relevante Schonung fehlen. Bei der psychiat
rischen Untersuchung hätten keine psychopathologischen Befunde erhoben werden können. Aus psychiatrischer Sicht könne die geltend gemachte Arbeits
unfähigkeit nicht objektiviert werden (S. 66 Mitte).
Sowohl in der Arbeit als Serviertochter als auch als Produktionsmitarbeiterin bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer Reinigungstätigkeit in Privathaus
halten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bezogen auf ein Ganztagespensum. Dies unter der Voraussetzung, dass keine offenen Hautläsionen von Seiten der Haut
psoriasis bestünden, wie dies derzeit der Fall sei. Das psychische Zustands
bild habe sich seit 2011 gebessert und ab Datum der Untersuchung bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 66 f.).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit hielten die Gutachter fest, dass dauernd schwere oder dauernd mittelschwere Arbeiten nicht mehr in Frage kommen würden. Für eine leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeit, bei welcher die Beschwerdeführerin nicht dauernd sitzen oder stehen
müsse
,
keine
Z
wangsstellungen
einnehmen
und sich
nicht dauer
nd repetitiv vornüber
beugen oder bücken mü
sse, nicht dauernd nur Überkopf
arbeiten
ausführen
müsse,
und für eine Tätigkeit
ohne Nässe- oder Kälteexposition,
mithin eine Arbeit
welche zusammengefasst rücken- und gelenkschonend sei, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
bezogen auf ein Ganztagespensum. Es sei auch in einer derart leichten Tätigkeit ein vermehrter Pausenbedarf von 20
%
zu attestieren, dies gelegent
lichen S
chmerzs
chüben
der Gelenke
trotz aufgebauter Basistherapie Rechnung zollend.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe in jeder beruflichen Tätigkeit ab Datum der Untersuchung eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 67 unten).
Zum Verlauf führte
der begutachtende Rheumatologe
aus, es bestehe seit Jahren eine ubiquitäre Ganzkörperschmerzsymptomatik. Dies entspreche der jahrelang vorbestehenden Fibromyalgie.
Vo
n
der Operation
an der HWS am 28.
Januar 2010 habe die Beschwerdeführerin profitiert, sei allerdings nie beschwerdefrei geworden. Die Symptomatik werde durch die Fibromyalgie überlagert. Im November 2016 sei die
Psoriasisarthropathie
diagnostiziert und eine Basisthe
rapie eingeleitet worden. Bezüglich der Haut habe die Beschwerdeführerin profitiert, bezüglich der Gelenke weniger. Relevant in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit seien der Status nach der HWS-Operation und die entzündliche Gelenkserkran
k
ung, die Fibromyalgie sei nicht relevant (S. 54 f.).
Zur Frage
der IV-Stelle
, ob sich der Gesundheitszustand resp. die funktionelle Leistungsfähigkeit im Vergleich zu dem
je
nigen im Jahr 2011 verändert hat, führte
der Gutachter
aus, dass im Jahr 2016 die Diagnose einer
Psoriasisarthropathie
gestellt worden sei, was Einschrän
kungen zur Folge habe (S. 50 Mitte). Bis zur
entsprechenden
Diagnosestellung
habe
das Vorgutachten aus dem Jahr 2011
Gültigkeit
. Unter Berücksichtigung dieser Diagnose mit gelegentlichen
Beschwerdes
chüben
im Bereich der Gelenke
trotz aufgebauter Basistherapie attestierte
Dr.
A._
auch in einer leichten Tätigkeit einen vermehrten Pausenbedarf von 20
%
(S. 48 unten). Schliesslich verwies der rheumatologische Gutachter
Dr.
A._
auf die erheblichen Diskrepanzen zwischen den subjektiven Angaben und den objektiv
erhebbaren
Befunden (S. 57 f.).
Aus der Sicht des Psychiaters habe sich der Gesundheitszustand seit 2011 verbes
sert.
Zur Zeit
könne keine psychiatrische Störung diagnostiziert werden, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige (
Urk.
8/106 S. 30).
4.3
Die Ärzte des Spital
s
I._
berichteten am 2
1.
Juni 2019 (
Urk.
8/116/1-2) von einem MRI des
Neurokranium
s
und der HWS und führten aus, MR-morpholo
gisch bestehe eine unauffä
llige Darstellung des
Neurokran
iums
und der basalen Hirnarterien. Im Vergleich zur Voruntersuchung von 2016 bestünden stationäre Verhältnisse entlang der HWS und keine neu aufgetretene Neurokom
pression. Es
bestünden keine Myelopathien und keine aktivierte Knoch
en
mark
spathologie (S.
2).
4.4
Am
5.
Juli 2019 berichteten die Ärzte des Spitals
I._
(
Urk.
8/120/7-8) von einer notfallmässigen Zuweisung nach einem Autoauffahrunfall und diag
nos
tizierten eine HWS-Distorsion bei
zervikokrani
alem
Beschleunigungs
trauma am
5.
Juli 201
9.
Konventionell radiologisch seien
ossäre
Läsionen im Bereich der HWS ausgeschlossen worden. Sowohl der Neuro-Status als auch das EKG seien unauffällig. Die Beschwerden seien im Rahmen eines
zervikokraniale
n
Beschleu
ni
gungs
trauma
s
zu werten (S. 1)
.
4.5
Die behandelnde
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medi
zin, berichtete am 2
7.
Oktober 2019 (
Urk.
8/125) von einem verschlechterten Gesundheit
s
zustand und gab als veränderten Befund rezidivierende akute Schübe mit akuter Arthritis (letzter Schub am 1
6.
September 2019) an (
Ziff.
1.1 und 1.3). Sie gehe
–
im Vergleich zum Bericht vom 1
6.
März 2018 (
Urk.
8/95/2)
–
von einer unveränderten Verminderung der Leistungsfähigkeit von 14
%
beziehungsweise einer Leistungsunfähigkeit von 86
%
aus (
Ziff.
2.2).
4.6
Die Ärzte der Klinik
F._
berichteten am
6.
Januar 2020 (
Urk.
8/129/2-3) über die Befundbesprechung des SPECT der HWS. Hinsichtlich der rechtsbetonten
Zervikalgien
sei am ehesten von einer
spondylogenen
Ursache bei im SPECT-CT nachgewiesener aktivierte
r
Osteochondrose
auf Höhe C7/
Th
auszugehen. Hin
weise auf eine Materiallockerung hätten sich nach
dem
Auffahrunfall nicht gefunden. Bei deutlichem Leidensdruck sei eine Facettengelenksinfiltration zu empfehlen, da eine direkte Infiltration der
Osteochondrose
nicht möglich sei.
4.7
Am
4.
März 2020 berichteten die Ärzte des Spital
s
I._
von ei
nem MRI der Brustwirbelsäule (B
W
S
) und von stationären Verhältnissen
entlang
der BWS ohne Nachweis von aktivierten
ossären
Pathologien oder Weichteilpathologien. Es best
ün
den
eine vo
rbekannte kleine Bandscheibenpa
t
h
ologie in der mittleren BWS und
eine
links betonte dorsale Spondylose auf Höhe BW7/8 ohne Neurokompres
sion und ohne Nachweis einer Spinalkanalstenose. Es bestünden keine abgrenz
bare Rippenpathologie auf Höhe der Schmerzlokalisation und keine typischen Ver
änderungen eine
r
Spondylarthropathie
(
Urk.
8/133).
4.8
Dr.
med.
K._
, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Rheumatologie, führte im Bericht vom 1
0.
Dezember 2020 (
Urk.
8/137)
unter Verweis auf ihren früheren Bericht vom 1
6.
März 2018
(
Urk.
8/88)
aus, wegen Schmerzen und krankheitsbedingten Ausfällen könne die Beschwerde
führerin, seitdem sie sie seit 2016 kenne, nicht mehr regelmässig arbeiten.
Die frühere Anstellung von 100
%
sei seit Jahren nicht realisierbar (
Ziff.
2.7). Mit Pausen sei eine Tätigkeit im Umfang von sechs bis acht Stunden pro Woche möglich (
Ziff.
4.1-2)
, dies wegen den krankheitsbedingten Ausfällen infolge
von
Schüben der Polyarthritis im Rahmen der rheumatologischen Grunderkrankung (
Ziff.
4.3-4).
4.9
Die Ärzte des Spital
s
I._
berichteten am
7.
Januar 2021 (
Urk.
8/141) von e
inem MRI der
LWS und führten aus, es bestehe ein progredientes rechts betontes
Diskusbul
ging
auf Höhe LW
4/5 mit rechts betonter Tangierung der
rezessalen
L5-Wurzeln. Zudem bestehe eine aktivier
t
e
erosive
Osteochondrose
auf dieser Etage. Stationär bestehe eine kleine mediane Diskushernie auf Etage LW5/SW
1.
Weitere Neurokompressionen würden keine bestehen (S. 1).
4.10
Dr.
med.
L._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im Bericht vom
2.
Februar 2021 (
Urk.
8/143) als psychiatrische Diagnosen eine seit
zehn
Jahren bestehende rezidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11,
Ziff.
2.5). Die Beschwerde
füh
re
rin sei im ersten Arbeitsmarkt aufgrund der komplexen somatischen Krank
hei
ten nicht mehr arbeitsfähig (
Ziff.
2.7). Es bestehe eine eingeschränkte Belast
barkeit und Beweglichkeit wegen diverser Schmerzen und eine erhöhte Erschöpf
barkeit (
Ziff.
3.4). Die bisherige Tätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar (
Ziff.
4.1). Eine angepasste Tätigkeit sei im Umfang von ein bis zwei Stunden zumutbar (
Ziff.
4.2). Die Beschwerdeführerin habe eine komplexe somatische und daraus resul
tierende depressive Störung, sodass sie im ersten Arbeitsmarkt nicht mehr integriert werden könne (
Ziff.
4.3).
4.11
Med.
pract
.
C._
, Facharzt für Arbeitsmedizin des RAD, führte in der
Aktenbeurteilung
vom 2
3.
Februar 2021 (
Urk.
8/146/5-6) aus,
aus versicherungs
medizinischer Sicht
ergäben
sich bezüglich der medizinischen Beurteilung zum Zeitpunkt des Gutachtens keine neuen medizinischen Aspekte. Somit könne an
der RAD-Stellungnahme vom 1
7.
April 2019
(Urk. 8/112/6-7)
festgehalten werden. Es
lägen
keine neuen medizinischen Befunde vor, welche einen anderen Sachverhalt zum Zeitpunkt des Gutachtens ausweisen würden. Zum weiteren Ver
lauf könne keine abschliessende Aussage gemacht werden (S. 5 f.).
5.
5.1
Das Bundesgericht geht nach ständiger Rechtsprechung davon aus, dass mit dem Eintreten auf eine erneute Anmeldung im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 IVV in analoger Weise wie bei einem Revisionsverfahren nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vor
zugehen ist (BGE 133 V 108 E. 5.2; vgl. beispielsweise Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2017 vom
1.
März 2018 E. 2; vgl. vorstehend
E. 1.
3
).
Dabei gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, insbe
sondere in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person (BGE 133 V 545 E. 7.1), Anlass zur Rentenrevision. Dazu gehört namentlich der Gesundheits
zustand. Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 1
4.
Dezember 2016 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
Auch das Hinzutreten einer neuen Diagnose stellt nicht per se einen Revisions
grund dar, weil damit das quantitative Element der (erheblichen) Gesundheitsver
schlechterung nicht zwingend ausgewiesen ist (BGE 141 V 9 E. 5.2 mit Hinwei
sen).
Massgebend
ist einzig, ob bzw. in welchem
Ausmass
–
unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie
–
den medizinischen Akten eine Verschlechterung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit im relevanten Zeitraum entnommen werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom 25. Januar 2018 E. 9 und 9C_799/2016 vom 21. März 2017 E. 5.2.1 mit weiteren Hinweisen).
5.2
Zur Beurteilung
der Frage
, ob sich die gesundheitlichen Verhältnisse
seit Oktober 2011
verändert haben, holte die Beschwerdegegnerin
bei
Dr.
A._
und
Dr.
B._
ein rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten ein.
Daraus geht hervor, dass die entzündliche Gelenkserkrankung, welche im Jahr 2016 als
Psoriasisarthritis
diag
nostisch gefasst wurde und durch die
seit 15 Jahren
vorbestehende Fibro
myalgie überlagert wird,
zusammen mit den bereits im Jahr 2011 beschriebenen HWS-Beschwerden
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt.
Anders als die
Z._
-Gutachter, welche eine Verweistätigkeit im Umfang von 90
%
als zumutbar erachteten, bescheinigten
Dr.
A._
und
Dr.
B._
eine Arbeitsfähigkeit in einer leidensange
passten Tätigkei
t
von
nurmehr
80
%
.
5.3
Mit Blick auf die genannte Rechtsprechung
(vorstehend E. 5.1)
erscheint es frag
lich, ob
es sich bei der
im Gutachten
vom
3.
April 2019
neu genannte
n
Diagnose einer
Psoriasisarthropa
t
h
ie
um eine
wesentliche und
für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung handelt.
So beschreiben die Gutachter ein seit Jahre
n
bestehendes Schmerzgeschehen
, welches nun durch schubweise auftre
tende Gelenk
s
entzündungen
teilweise objektiviert wird.
Im Zeitpunkt der Begut
achtung zeigten sich indes keine Hinweise für eine
floride
Krankheitsaktivität
, vielmehr war nach Beurteilung der
Gutachter die Fibromyalgie
weiterhin
domi
nant (
Urk.
8/105 S
.
45)
.
In diesem Sinne sind
mit de
r
Psoriariasisarthritis
und dem in diesem Zusammen
hang erhobenen entzündlichen Geschehen zwar
neue Tatsachen bekannt gewor
den
. Allerdings wird
das Schmerzgeschehen unverändert durch die Fibromyalgie beherrscht.
Die Beschwerden sind
letztlich zur Hauptsache
gleich
geblieben
, so
dass nicht von einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes
im Sinne der Rechtsprechung
gesprochen werden kann
.
Zum gleichen Schluss führt die nur leicht
zurückhaltendere
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
A._
und
Dr.
B._
von
80
%
gegenüber der früheren 90%igen Arbeitsfähigkeit.
Im W
eiteren hat auch die anlässlich des Autoauffahrunfalls vom
5.
Juli 2019 erlittene HWS-Distorsion zu keiner
anhaltenden
Veränderung geführt. So konnten nach Auskunft der behandelnden Ärzte keine
ossären
Läsionen festge
stellt werden und die Beschwerdeführerin wurde nur für wenige Tage krank
geschrieben (vgl. vorstehend E. 4.4 sowie
Urk.
8/120/2).
Auch im SPECT-CT der HWS im Dezember 2019 konnten die Ärzte keine Hinweise auf eine Material
lockerung nach dem Auffahrunfall feststellen
, sondern sahen in den rechtsbeton
ten vorbestehenden chronischen
Zervikalgien
am ehesten eine
spondylogene
Ursache bei nachgewiesener
Osteochondrose
auf Höhe C7/Th1 (vgl. vorstehend E.
4.6).
Auch hinsichtlich der BWS stellten die behandelnden Ärzte im März 2020 stationäre Verhältnisse fest (vorstehend E. 4.7). Schliesslich sprach auch die behandelnde
Dr.
K._
von seit Jahren gleichen Verhältnissen und auch
Dr.
J._
bescheinigte
eine unveränderte Leistungsfähigkeit von 14
%
(vgl. vor
stehend E. 4.5), was ebenfalls keine wesentliche Veränderung des Gesund
heitszustandes
zu belegen vermag
.
Eine
Verschlechterung
gegenüber
2011
ergibt sich auch aus psychiatrischer Sicht nicht, wie der
begutachtende Psychiater
festhielt
(
Urk.
8/106 S. 30)
.
Zwar
diagnostizierte
Dr.
L._
eine seit zehn Jahren bestehende rezidivierende Störung
, obschon sie die Behandlung erst im September 2020 aufgenommen hat
te
(
Urk.
8/143/2). Sie
erachtete die Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt auf
grund der komplexen somatischen Krankheite
n für nicht mehr arbeitsfähig. Mit de
r abweichenden Beurteilung i
m Gutachten setzte
sie sich
indes
nicht auseinan
der
(vorstehend E. 4.10)
. Unter diesen Umständen ist
ihr Bericht
von vornherein
nicht geeignet, das Gutachten zu entkräften
.
Dass eine wesentliche Veränderung allenfalls im MRI der LWS vom
7.
Januar 2021 (vgl. Bericht vom
7.
Januar 2021, vorstehend E. 4.9) erblickt werden kann,
ist
ebenfalls nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Zwar berich
teten die Ärzte des Spitals
I._
darin von einem progredienten
Diskus
bulging
auf Höhe LW4/5 mit rechts betonter Tangierung der
rezessalen
L5-Wurzel.
Jedoch war b
ereits im MRI der LWS vom
8.
Februar 2017 von einer
–
wenn auch damals noch
fraglichen
–
Reizung der Wurzel L5 die Rede
(vgl.
Urk.
8/83/22)
, so dass dieser Umstand den Gutachtern bereits bekannt war und i
n der Expertise
berücksichtigt wurde.
5.4
Soweit die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
geltend macht,
ihre gesundheit
liche Situation sei nicht hinreichend abgeklärt worden,
vermag dies vor dem Hin
tergrund der ausführlichen und umfassenden gutachterlichen Beurteilung nicht zu überzeugen. Es ist
nach dem Gesagten
nicht ersichtlich, inwiefern sich aus den Darlegungen in der Beschwerde (
Urk.
1 S.
1
f.)
oder
aus den übri
gen medizi
nischen Akten
eine andere Beurteilung ergeben soll.
Dass sich der
Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin in einer für den Anspruch erheblichen Weise verschlechtert hat
,
ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt
.
5.5
Selbst
wenn man
eine wesentliche gesundheitliche Veränderung annehmen und
einen Revisionsgrund bejahen würde, so wäre auf die
beweiskräftige
gutachter
liche Zumutbarkeitsbeurteilung abzustellen und von einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 80
%
auszugehen.
Die Beschwerdegegnerin ermittelte das
Valideneinkommen
von
Fr.
51‘885.50 im Jahr 2021
ausgehend vom Einkommen, das die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten
Teilzeitt
ätigkeit in der Reinigung
erzielt hat und die Beschwerde
gegnerin auf 100
%
hochrechnete (
Urk.
2 S. 2
,
Urk.
8/107
). Wenn das
bei der erstmaligen Rentenbemessung
bei der
Y._
AG im Jahr 2009 erzielte
Einkom
men von
Fr.
54‘275.-- herangezogen würde (
Urk.
8/13/3,
Urk.
8/60 S. 3), resul
tierte
–
unter Berücksicht
ig
ung der Nominallohnentwicklung der Frauenlöhne von 2552 (2009) auf 2719 (2017; vgl. Tabelle T39 des Bundesamtes für Statistik)
–
ein
Valideneinkommen
von
Fr.
57‘827.-- (
Fr.
54‘275.
-- :
2552 x 2719)
.
Für das Invalideneinkommen stützte sich die Beschwerdegegnerin
rechtspre
chungsgemäss
auf die
Tabellenlöhne
gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE
; BGE 139 V 592 E.
2.3
,
Urk.
8/107
)
.
Der Jahreslohn für Frauen betrug
gemäss
LSE 2016 im Kom
pe
tenzniveau 1
Fr.
4‘
36
3.-- (Tabelle TA1_tirage_skill_level). Angepasst an die Nominallohnentwicklung (
von
2709 im Jahr 2016 auf 2719 im Jahr 2017) sowie
an die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden (Tabelle
T
03.02.03.01.04.01
)
sowie
an
die zumutbare Arbeits
fähigkeit
von 80
%
resultiert ein
massgebendes
Invalideneinkommen
von
Fr.
43‘826.-- (
Fr.
4‘363.-- x
12 :
2709 x 2719 : 40 x 41.7 x 0.8). Ein Grund für einen Leidensabzug ist weder ersicht
lich noch geltend gemacht.
Aus der Gegenüberstellung des
Valideneinkommens
und des Invalidenein
kommens resultiert eine
Erwerbseinbusse
von
Fr.
14'001.--
(F
r.
57‘827
.
--
.
/.
Fr.
43‘826.--)
, was einen
rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von 24
%
ergibt.
Damit erweist sich die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung vom 2
3.
April 2021 (
Urk.
2) als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzu
legen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzu
erlegen.
6.2
Zu prüfen bleibt das Gesuch de
r
Beschwerdeführer
in
um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung für d
as vorliegende Verfahren (
Urk.
1
S. 2
Mitte
).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Der Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege ist nicht voraussetzungslos und insoweit subsidiär, als die Pflicht des Staates, der mittellosen Partei für einen nicht aussichtslosen Prozess die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, nur dann zum Tragen kommt, wenn keine Drittpersonen für die Prozessfinanzierung aufkommen. Werden die Kosten durch eine Rechtsschutzversicherung getragen, fehlt die Bedürftigkeit (Urteil des Bundesgerichts 8C_27/2016 vom
5.
April 2016 E. 3 mit Hinweisen).
6.3
Im Lichte dieser Praxis hat die Beschwerdeführerin im Rahmen der beantragten unentgeltlichen Prozessführung und der Prüfung der finanziellen Bedürftigkeit Auskunft zu geben betreffend Rechtsschutzversicherung.
Im Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit (
Urk.
5
S. 2
Ziff.
5) erklärte die Beschwerdeführerin, dass sie über eine Rechtsschutzversicherung ver
füge.
Aus den Akten geht hervor, dass sie
im Jahr 2011
bei der
Assista
Rechts
schutz versichert war (
Urk.
8/43-44,
Urk.
8/47), und
aktuell
zudem bei der
Dextra
Rechtsschutz AG versichert ist (
Urk.
8/109-110).
Im Abklärungsformular
beant
wortete
sie die Frage, aus welchem Grund die Rechtsschutzversicherung eine Kostenübernahme abgelehnt
hat
,
mit «keine Ahnung»
. Auch wurde dem Gericht – trotz entsprechender Aufforderung im besagten Formular – das Ablehnungs
schreiben der Rechtsschutzversicherung nicht eingereicht. Es bestehen daher keine Anhaltspunkte, dass die Rechtsschutzversicherung allfällige Gerichtskosten nicht decken würden.
Dementsprechend ist das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung androhungs
gemäss (vgl.
Urk.
6 S. 6
Ziff.
13) abzuweisen.