Decision ID: c365fe43-86d9-4871-90a6-c6e772d8ac34
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972,
hat eine Ausbildung zum Dekorations
gestalter absolviert und war von Dezember 2001 bis September 2018 bei d
er Z._ AG
als Werbetechniker angestellt (Urk. 8/14/2-3, 8/16, 8/18 und 8/23). Nach erfolgter Früherfassung (
Urk.
8/3, 8/7) meldete er sich am
1.
Juni 2018 unter Hinweis auf diverse körperliche Beschwerden und
eine depressive Störung
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/9). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte nebst den Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
8/10, 8/25) insbesondere einen Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
8/14), einen Arbeit
geberbericht (
Urk.
8/18) sowie Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
8/19 f., 8/26). Am 1
3.
November 2018
und 2
3.
April 2019
erteilte sie Kostengutsprache für Arbeitsvermittlung Plus (
Urk.
8/36, 8/48)
, wobei der Versicherte ab dem
1.
Mai 2019 einen Arbeitsversuch unternahm (
Urk.
8/47). Mit Mitteilung vom
5.
November 2019 brach die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen
rückwirkend per 1
1.
Oktober 2019
ab, da sich der Versicherte nicht mehr in der Lage gefühlt habe, weiterhin am Arbeitsversuch teilzunehmen (U
rk.
8/70).
Im Rahmen der Prüfung des Rentenanspruchs holte sie daraufhin zunächst weitere Arztberichte (
Urk.
8/69, 8/79) sowie Akten des Krankentaggeldversiche
rers ein (
Urk.
8/73). Danach gab sie bei der
A._
AG ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (
Urk.
8/86), welches am 1
1.
Dezember 2020 erstattet wurde (
A._
-Gutachten,
Urk.
8/90). Nachdem die Gutachter am 2
0.
Januar 2021 zu Rückfragen Stellung genommen hatten (
Urk.
8/91 f.), stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom
8.
März 2021 die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht (
Urk.
8/94). Dagegen erhob jener am 2
1.
März 2021 Einwand (
Urk.
8/99), worauf die IV-Stelle am 1
2.
Mai 2021 wie angekündigt verfüg
t
e (
Urk.
2 =
Urk.
8/103).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
0.
Juni 2021 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei ab Oktober 2019 eine
Dreivierte
l
srente
eventualiter eine halbe Rente
der Invali
denversicherung zuzusprechen. Zudem ersuchte er um Gewährung der unentgelt
lichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 17. August 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
,
die Sache zur weiteren Abklärung und insbesondere zur Vornahme einer
rechtsgenüglichen
Prüfung der Standardindi
katoren an sie zurückzuweisen (
Urk.
7). Mit Stellungnahme vom 1. September 2021 erklärte sich der Beschwerdeführer mit diesem Antrag nicht einverstanden
,
da seines Erachtens der Sachverhalt
rechtsgenüglich
festgestellt sei
(
Urk.
10), worauf die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 24. September 2021 auf das Einreichen einer Stellungnahme verzichtete (
Urk.
13). Darüber wurde der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
9.
September 2021 in Kenntnis gesetzt (
Urk.
14). Mit Eingabe vom
2.
Februar 2022 (
Urk.
15) reichte er eine Unter
stützungsbestätigung der Sozialen Dienste der Stadt Zürich vom 25. Januar 2022 zu den Akten (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstel
len, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei,
das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht
alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betreffende Beweiserhebung erfolgt alsdann
vor der – anschliessend reformato
risch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien
) unbenommen, eine Sache zurückzu
weisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. Septem
ber 2020 E. 2.1)
.
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
Mai 2021 hielt die Beschwerdegegnerin zusammengefasst fest, es bestehe Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn der Gesundheitszustand (richtig: Gesundheitsschaden) schwer, nicht mehr behandel
bar und langandauernd sei. Diese Kriterien seien vorliegend nicht erfüllt. In Bezug auf den erhobenen Einwand sei anzumerken, dass der Beschwerdeführer über mehrere Jahre gearbeitet und seine Leistung erbracht habe. Ungefähr im Jahr 2017 sei es zu Konflikten am Arbeitsplatz gekommen und das Verhältnis sei von gegenseitigem Misstrauen geprägt gewesen, weshalb im September 2018 auch die Kündigung ausgesprochen worden sei. Im
A._
-Gutachten sei ein geregelter Tagesablauf beschrieben worden; Ressourcen seien bei einem aktiven sozialen Umfeld vorhanden. Der Beschwerdeführer sei bis 2017 nie in psychiatrischer Behandlung gewesen. Seither nehme er ambulante Therapiesitzungen wahr. Eine
(teil)stationäre Behandlung sei nicht durchgeführt worden. Zudem seien alle Psychopharmaka abgelehnt worden. Es könne daher nicht von einer erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigung gesprochen werden (
Urk.
2).
I
m
Verfahren
beantragte sie,
die Sache sei zur weiteren Abklärung insbesondere zur Vornahme einer
rechtsgenüglichen
Prüfung der Standardindikatoren an sie zurückzuweisen (
Urk.
7).
2.2
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber in seiner Beschwerdeschrift vom 10. Juni 2021 im Wesentlichen geltend, die Gutachter hätten einen Gesundheits
schaden festgestellt, der die Arbeitsfähigkeit mittel- und langfristig einschränke. Im psychiatrischen Teilgutachten sei dargelegt worden, wie sich dieser Gesund
heitsschaden in den letzten Jahren verstärkt nachteilig auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe. Demgemäss liege auch ein deutlicher sozialer Rückzug mit Beziehungsabbrüchen vor. Er befinde sich zudem in psychiatrischer Behandlung seit sich die neuerlichen Auswirkungen der psychischen Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit bemerkbar gemacht hätten. Es könne ihm weder angelastet werden noch deute
es
auf einen fehlenden Leidensdruck hin, dass bisher von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten keine (teil)stationäre Behandlung vorge
sehen und auch die Einnahme von Psychopharmaka nicht für notwendig erachtet worden sei
en
. Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit liege seit Oktober 2018 ein Invaliditätsgrad von 60 respektive 50 % vor, falls von
der Schwankungen
berücksichtigenden Durchschnittsberechnung ausgegangen werde.
Ab Oktober 2019
nach Ablauf des Wartejahrs, der sechsmonatigen Wartefrist sowie nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen
bestehe dementsprechend Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
1 S. 5 f.).
Zum Antrag der Beschwerdegegnerin auf Rückweisung der Angelegenheit zur weiteren Abklärung brachte er vor, der Sachverhalt sei durch die
A._
-Begutachtung
rechtsgenüglich
und vollständig erfasst worden. Der Versiche
rungsträger habe kein Recht, eine
second
opinion
einzuholen. Die IV
Stelle habe im Weiteren die Standardindikatoren bereits geprüft. Die
hiefür
erforderlichen Grundlagen würden im Gutachten bereits genannt, sodass das Gericht diese Prüfung problemlos vornehmen könne (
Urk.
10).
3.
3.1
Hausärztin
Dr.
med. B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
attestierte dem Beschwerdeführer ab dem 2
9.
Dezember 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
für die angestammte Tätigkeit als Werbetech
niker (Urk.
8/1/12-14, 8/10/13).
Dies sei
gemäss Bericht vom 2
8.
März 2018
zu
Handen
der Krankentaggeldversicherung
durch ein Erschöpfungssyndrom (ICD-10 R53) bei Hashimoto-Thyreoiditis (ICD-10 E06.3) sowie Reizreaktionen bei Raumluftbelastung
begründet
.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine chronische Sehnenentzündung, grenzwertig erhöhten Blutdruck, die
Stentversorgung
sowie eine
Laktoseunverträglichkeit
(
Urk.
8/10/11). Tätigkeiten, bei denen der Beschwerdeführer keinen toxischen Dämpfen ausgesetzt sei, seien ausführbar (
Urk.
8/10/13).
Auch
laut
B
ericht vom 1
6.
Juli 2018
erachtete
Dr.
B._
die angestammte Tätigkeit aufgrund der Reizreaktionen für nicht mehr zumutbar. Von ihrer Seite sei letztmals bis zum 31. Mai 2018 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden. Eine angepasste Tätigkeit sei zu Beginn mit diesem Pensum zumutbar
,
mit anschliessender Erhöhung (
Urk.
8/19/2-5).
3.2
Die seit Mai 2018 behandelnde Hausärztin
Dr.
med. C._
, Praktische Ärztin,
ging in ihrem Bericht vom
4.
September 2018 (Eingangsdatum) von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
als Offset-Drucker
aus.
Dies sei durch die subjektiv empfundene Dyspnoe, Unwohlsein und Depression sowie Arthralgien begründet.
Zudem erwähnte sie einen
Cannabisabusus
sowie eine
Epicondylitis
rechts. Sie wies auf ein angespanntes Arbeitsverhältnis und die Unmöglichkeit eines internen Wechsels hin.
Die Prognose zur Eingliederung sei bei einem Wechsel des Arbeitsplatzes
gut
. Sie habe den Beschwerdeführer auf die Option eine
r
stationären psychiatrischen Behandlung angesprochen
(
Urk.
8/26/2-5).
3.3
Seit April 2018 stand der Beschwerdeführer in Behandlung bei
Dr.
med.
D._, E._
, Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie
.
Mit Bericht vom
4.
November 2019 (Eingangsdatum) diagnostizierte
sie
eine mittelgradige depres
sive Episode (ICD-10 F32.1), wobei die Symptomatik ab Sommer 2018 zugenom
men habe und zurzeit deutlich remittiert sei.
Für die bisherige Tätigkeit schätze sie die Arbeitsfähigkeit
bei Optimierung des körperlichen
Zustan
des
auf fünf bis sechs Stunden pro Tag. Die Wiedereingliederung in eine angepasste Tätigkeit sei aus psychiatrischer Sicht mit einer Leistungsfähigkeit von 60 bis 70
%
möglich. Diese sollte regelmässige Arbeitszeiten, einen strukturierten Aufgaben
bereich und keine Führungsposition umfassen (
Urk.
8/69/1).
3.4
Nachdem die beruflichen Eingliederungsmassnahmen am
5.
November 2019 abgebrochen worden waren (vgl.
Urk.
8/70), berichtete
Dr.
C._
am 2
4.
Februar 2020
erneut
über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers.
Die bisherige Tätigkeit sei ihm aufgrund von Gelenk- und Muskelbeschwerden bei körperlich anspruchsvoller Arbeit, Reizdarmsyndrom sowie schneller Überforderung durch soziale Kontakte am Arbeitsplatz nicht mehr zumutbar. F
ür eine leidensadap
tierte, leichtere
Tätigkeit sei demgegenüber von einer ungefähr 50%igen Arbeits
fähigkeit auszugehen
(
Urk.
8/79/3
-5).
3.5
3.5
.1
Dem
polydisziplinären
A._
-Gutachten
vom 1
1.
Dezember 2020
in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie und Psychiatrie (Urk. 8/90/5)
sind folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (Urk. 8/90/9):
-
psychische und Verhaltensstörung durch Cannabis mit zunehmender Wesensveränderung (ICD-10 F12.71)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden und
anankastischen
(zwanghaften) Anteilen (ICD-10 F61).
Demgegenüber wurde im Wesentlichen bezüglich folgender Diagnosen ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verneint (
Urk.
8/90/9 f.):
-
koronare Herzkrankheit (ICD-10 I25.19)
-
Arteriosklerose der
Carotiden
(ICD-10 I65.2)
-
Autoimmun-Thyreoiditis, Erstdiagnose 2016 (ICD-10 E06.3)
-
Verdacht auf IBS-D (
Overlap
mit funktioneller
Dispepsie
vom
PDS-Typ), Gastroenterologie Spital F._
02/2020 (ICD-10 K58.1)
-
Status nach
subacromialem
Impingement
(ICD-10 M75.4) bei Bursitis linke Schulter
-
Status nach
E
picondylitis
humeri
ulnaris
rechts (ICD-10 M77.0)
-
anamnestisch mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1); Differen
tialdiagnose: Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
-
anamnestisch Somatisierungsstörung.
Im
internistischen Teilgutachten
hielt
Dr.
med. G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
namentlich fest, die klinischen und lungenfunktio
nellen Befunde ergäben keine Hinweise auf eine gesteigerte bronchiale Reagibilität oder eine bestehende lungenfunktionelle Einschränkung im Sinne einer COPD. Eine koronare Herzerkrankung sei im Oktober 2016
interventionell
mit einem Stent versorgt worden; die jährlich durchgeführten kardiologischen Kontrollen zeigten ein gutes Resultat. Limitierende kardiale Einbussen seien seitens des
Beschwerdeführers auch anlässlich der Begutachtung nicht geltend gemacht worden. Die 2016 erstdiagnostizierte
Autoimmunthyreopathie
sei unter Substitutionstherapie in
euthyreoter
Stoffwechsellage.
Sonographisch
finde sich kein auffälliger Befund.
Bezüglich der seit Jahren bestehenden Reizdarmsympto
matik habe der Beschwerdeführer angegeben, diese
lasse
sich unter diätetischen Massnahmen derzeit gut beherrschen (
Urk.
8/90/54). Sowohl aktuell als auch retrospektiv bestehe aus allgemein-internistischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/90/57).
Dr.
med. H._
, Facharzt für Chirurgie, gelangte aus orthopädischer Sicht zur Auffassung, in der aktuellen Untersuchungssituation
hätten sich keine Einschränkungen in Bezug auf grob- oder feinmotorische Bewegungen, das Heben und Tragen von Lasten mit Gewichtslimit, sitzende, stehende oder wech
selbelastende Körperpositionen, Arbeiten in Zwangshaltungen oder Tätigkeiten in Kälte-, Feuchtigkeits- oder Nässeexposition ergeben (
Urk.
8/90/80). Weder für die angestammte noch für leidensangepasste Tätigkeiten bestehe eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit; auch rückwirkend hätten keine länger andauernden Arbeitsunfähigkeiten vorgelegen (
Urk.
8/90/83 f.).
Dr.
med. I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
äusserte sich in ihrer Teilexpertise dahingehend,
beim Beschwerdeführer sei seit sicher 30 Jahren ein ununterbrochener Cannabiskonsum vorhanden. Anlässlich der Untersuchung hätten sich eine deutlich gesteigerte Aggressivität, eine Ungeduld, eine Tendenz zu paranoidem Erleben sowie eine leichte Affektinkon
tinenz und ein leicht distanzlose
s
und enthemmtes Verhalten finden lassen.
Zunehmend bestehe auch ein sozialer Rückzug
. Der Beschwerdeführer sei eigent
lich darauf bedacht, alles zu kontrollieren, exakt und genau zu arbeiten, keine Fehler zu machen. Jetzt erscheine er aber zunehmend nachlässig, unkontrolliert und leicht enthemmt. Die Diagnose einer psychischen und Verhaltensstörung durch Cannabis sei daher gesichert (
Urk.
8/90/108).
Des Weiteren fänden sich deutliche Anhaltspunkte für eine übermässige Kränkbarkeit seit dem Schulalter mit aggressiven Reaktionen auf subjektiv als Provokationen wahrgenommene Verhaltensweisen Dritter. Aktuell liessen sich deutliche Persönlichkeitsauffällig
keiten explorieren in Form von manipulativem Beziehungsverhalten, Problemen bei der Selbsteinschätzung und dem Selbstbild, einer Bindungsstörung sowie einer Störung der Impulskontrolle. Der Beschwerdeführer zeige zudem ein fixiertes, unflexibles und einseitiges Denk- und Verhaltensmuster, was sich vor allem in zwischenmenschlichen Kontakten als hinderlich erweise.
Darüber hinaus habe
er
ein grundlegendes Problem, eigene Bedürfnisse zu erkennen und adäquat zu befriedigen. Anforderungen des Alltags, der Gesellschaft und des Arbeits
platzes
würden dadurch zu einer Last, die nur mit viel Energieaufwand bewältigt werden könne. Es bestehe eine geringe persönliche Festigung und der Selbstwert sei stark an Leistungen gebunden. Die allgemeinen Kriterien einer spezifischen Persönlichkeitsstörung seien erfüllt.
Vorherrschend sei eine übermässige Gewissenhaftigkeit, eine Angst, Fehler zu machen verbunden mit übermässigem Kontrollieren, ein Bestehe
n
auf eigenen Ordnungs- und Sauberkeitsregeln, welche als unumstössliche Norm angesehen würden, eine Unfähigkeit zu geniessen, ein Perfektionismus sowie eine übermässige Leistungsbezogenheit. Diese Charakter
eigenschaften entsprächen einer
anankastischen
(zwanghaften) Persönlichkeits
störung. Diese führe an Arbeitsplätzen dazu, dass der Beschwerdeführer anfänglich herausragende Leistungen erbringe, sich dann aber erschöpfe. Zusätz
lich seien deutliche paranoide Eigenschaften festzustellen in Form einer übermässigen Kränkbarkeit, einer Neigung zu Groll gegen Dritte, einem zuneh
menden Misstrauen und einer deutlich überhöhten Selbstdarstellung (
Urk.
8/90/109).
Aus psychiatrischer Sicht könne der Beschwerdeführer in der bisherigen und in angepasster Tätigkeit vier bis sechs Stunden pro Tag anwesend sein, wobei bedingt durch übermässiges Kontrollieren und Perfektionismus eine Leistungseinschränkung von ungefähr 20
%
bestehe. Die Arbeitsfähigkeit betrage demnach 40 bis 60
%
(
Urk.
8/90/115 f.).
Im interdisziplinären Konsens erachteten die Gutachter
die von
psychiatrischer S
eite
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 40-60
%
in der angestammten und in einer Verweistätigkeit
für massgebend.
Dieser komme seit Oktober 2018 Geltung zu, wobei aus pragmatischer Betrachtung auf den Mittelwert von 50
%
abzustellen sei. Aktuell werde empfohlen, eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit anzuerkennen und über die folgenden zwölf Monate eine Steigerung der Arbeits
fähigkeit von 40 auf 60
%
zu bewerkstelligen (Urk. 8/90/12).
3.5
.2
Auf die Fragen der IV-Stelle zur Abhängigkeitserkrankung vom
6.
Januar 2021 (
Urk.
8/91)
äusserten sich die Gutachter
mit ergänzender Stellungnahme vom 2
0.
Januar 2021
insbesondere zur Möglichkeit einer Entzugsbehandlung.
Es sei fraglich, ob eine Abstinenz möglich sei und falls ja, mit wieviel Aufwand eine Entzugsbehandlung verbunden und wie die Langzeitprognose wäre. Ein Versuch sei dem Beschwerdeführer zumutbar, wobei eine sechsmonatige Abstinenz probiert werden sollte, unter Beachtung des Problems einer Suchtverlagerung. Vorerst sollte eine integrierte ambulante Behandlung erfolgen mit dem primären Ziel einer Verhaltensänderung; der Cannabisentzug sollte Teil dieser Behandlung sein.
Der Effekt des Cannabis auf die Persönlichkeit und das Verhalten sei nur nach Entzug abschätzbar.
Um die Arbeitsfähigkeit anhaltend zu verbessern, müssten neben einem Entzug auch die Selbstregulation, das Verhalten und die
Grundüberzeugungen psychotherapeutisch angegangen werden. Ziel aller thera
peutischen Bemühungen sollte es sein, je nach Arbeitsstelle eine Restarbeits
fähigkeit von etwa 40 bis 60 % zu erhalten (
Urk.
8/92/1 f.).
4.
Die
A._
-Gutachter attestierten w
eder von internistischer noch von orthopä
discher Seite
eine Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
8/90/12, 8/90/56 f. und 8/90/83 f.)
.
Auf der Grundlage der von ihnen in Kenntnis der
Vorakten
und jeweils nach eingehender Befragung des Beschwerdeführers erhobenen
im Wesentlichen unauffälligen
objektiven Befunde (vgl.
Urk.
8/90/49-51, 8/90/73-78)
kann diese Beurteilung ohne Weiteres
schlüssig
nachvollzogen werden.
So fanden sich insbesondere weder lungenfunktionelle Einschränkungen noch limitierende kardiale Einbussen (
Urk.
8/90/57).
Im Rahmen der orthopädischen Untersuchung fiel namentlich die Beweglichkeitsprüfung der Wirbelsäule, Extremitäten und Gelenke unauffällig aus (vgl.
Urk.
8/90/74-78).
Die somatischen Teilexpertisen erfüllen mithin sämtliche von der Rechtsprechung gestellten Anforderungen (vgl. vorstehende E. 1.5); konkrete Indizien gegen
ihre
Zuverlässigkeit
liegen nicht vor,
weshalb
ihnen
volle Beweiskraft zukommt
(vgl.
BGE 135 V 465 E. 4.4;
Urteil des Bundesgerichts 8C_528/2021 vom
3.
Mai 2022 E. 4.2.1 mit Hinweisen)
.
Gegenteiliges wurde denn auch beschwerdeweise nicht vorgebracht.
5.
5.1
S
trittig und zu prüfen bleibt, ob gestützt auf das psychiatrische Teilgutachten von
Dr.
I._
eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist.
Während der Beschwerdeführer dies bejaht (vgl.
Urk.
1 S. 5 f.
,
Urk.
10
), vertr
at
die Beschwer
degegnerin
namentlich unter Hinweis auf
vorhandene
Ressourcen und
nicht ausgeschöpfte therapeutische
Möglichkeiten
zunächst
den Standpunkt,
es liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor (vgl.
Urk.
2 S. 2,
Urk.
8/93/6).
Im laufenden Beschwerdeverfahren beantragte sie sodann die Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen (
Urk.
7).
5.2
5.2.1
Wie bereits festgehalten (vgl. vorstehende E. 4), ist auf ein nach
Art.
44 ATSG eingeholtes Gutachten abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen
.
Ein psychiatrisches Gutachten muss dem Rechtsanwender eine Beurteilung des Nachweises einer funktionellen Leistungs
einschränkung erlauben. Gefordert sind vorab Angaben zur Schwere des Leidens
und zu dessen Folgen für die Leistungsfähigkeit, die nach Massgabe der in BGE 141 V 281 definierten Standardindikatoren abzuhandeln beziehungsweise dementsprechend auch formal zu strukturieren sind.
Grundsätzlich soll für sämtliche psychischen Leiden ein
indikatorengeleitetes
Beweisverfahren Anwen
dung finden (vgl. BGE 143 V 409
E. 4.5.3 und 143 V 418 E. 7.1).
In diesem Zusammenhang sind an die vorliegend im Dezember 2020 erstattete Expertise höhere Anforderungen zu stellen, als an nach altem Verfahrensstandard einge
holte Gutachten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_681/2020 vom 2
3.
Juli 2021 E. 5.2.2).
5.2.2
Dr.
I._
führte
unter
der Bezeichnung
«Medizinische und versiche
rungsmedizinische Beurteilung»
zwar
jeweils bei den einzelnen Untertiteln
Fragestellungen auf,
welche
auf
die massgeblichen I
ndikatoren Bezug nehmen
(
Urk.
8/90/111-114
[
Ziff.
7.1-7.4]
)
.
Diese wurden allerdings insgesamt
nur unzureichend
beantwortet
, unterliess sie doch in der Gesamtwürdigung (Urk. 8/90/114) jegliche Bezugnahme
auf die als
aufbauend oder hemmend
erachteten
Ressourcen
.
Es fehlt
zu
de
m an schlüssigen A
ussagen
zum
Behand
lungs
- und Eingliederungserfolg beziehungsweise zur diesbezüglichen Resistenz.
In diesem Zusammenhang ist unklar,
ob die bisherigen Behandlungen
(Therapie
sitzungen alle zwei bis drei Wochen, Ablehnung jeglicher Psychopharmaka [vgl.
Urk.
8/69/2, 8/90/101])
angesichts der diagnostizierten psychischen
Störungen
angemessen waren
und inwiefern daraus Rückschlüsse auf den rechtsprechungs
gemäss ebenfalls zu berücksichtigenden tatsächlichen Leidensdruck gezogen werden können.
Das Ablehnen einer medikamentösen Behandlung wie auch das nicht Weiterverfolgen de
r
mit der
Behandlerin
diskutierten stationären
Hospita
lisation
liess die Gutachterin gänzlich ausser Acht.
Es finden sich zudem wider
sprüchliche Ausführungen zu
r Frage, ob die Arbeitsfähigkeit durch medizinische Massnahmen relevant verbessert werden kann. Während dies im psychiatrischen Teilgutachten noch bejaht worden war (
Urk.
8/90/116),
wurde in der ergänzenden Stellungnahme vom 2
0.
Januar 2021
festgehalten, Ziel aller therapeutischen Bemühungen sollte die Erhaltung einer 40- bis 60%igen Arbeitsfähigkeit sein (
Urk.
8/92/2)
.
Zum anderen
können dem psychiatrischen Teilgutachten keine Ausführungen
zum Indikator
Komorbiditäten entnommen werden. Erforderlich wäre
jedoch
eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen der im Vordergrund stehenden Persönlichkeitsstörung zu sämtlichen begleitenden (psychiatrischen und somatischen) Störungen mit Krankheitswert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3)
, worunter hier die Verhaltensstörung aufgrund des Substanzgebrauchs fällt
.
Hervorzuheben ist darüber hinaus, dass die Sachverständigen substantiiert darzulegen haben, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die
erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrische Sachverständige hat darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person (E. 4.3; vgl. auch BGE 148 V 49 E. 6.2.1 mit Hinweis
).
Dr.
I._
legte zwar grundsätzlich nachvollziehbar dar, weshalb die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers um etwa 20
%
verringert ist, indem sie auf dessen (persönlichkeitsbedingten) Perfek
tionismus
sowie übermässiges Kontrollieren hinwies.
Weshalb
darüber hinaus
die maximale
tägliche
Präsenzzeit
aufgrund der erhobenen Befunde
sowohl in der zuletzt ausgeübten als auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit auf vier bis sechs Stunden limitiert sein soll,
erschliesst sich demgegenüber
unter Berücksichtigung der geordneten Tagesstruktur
,
dem als intakt erlebten persönlichen Umfeld mit Kollegen und Eltern
und dem im Alltag gelebten Aktivitätsniveau
mit Spazieren, Einkaufen,
intensiven
Reinigungsarbeiten wie auch Beschäftigung mit Elektronik, elektronischer Musik und Programmieren
(vgl.
Urk.
8/90/47 f., 8/90/71
, 8/90/101
) nicht
ohne Weiteres
,
zumal
die Gutachterin
in diesem Zusammenhang
eine
Auseinandersetzung mit dem
massgebenden Indikator «Konsistenz»
gänzlich vermissten lässt
.
Im Übrigen
ist die Umschreibung des Belastungsprofils sehr knapp ausgefallen. Abgesehen vom bereits erwähnten, um rund 20
%
erhöhten Zeitbedarf
,
wurde die Zuteilung eines «eigenen Bereichs» für erforderlich
erachtet
(
Urk.
8/90/115)
.
Worauf sich diese Formulierung im Einzelnen bezieht, beispiels
weise auf einen spezifischen Aufgabenbereich, lässt sich
mangels Präzisierungen
nicht eruieren.
Aus all diesen Gründen lässt sich das funktionelle Leistungsvermögen des Beschwerdeführers auf Basis des psychiatrischen Teilgutachtens nicht mit dem
erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit be
stimmen
.
Auch die übrige Aktenlage wie namentlich der Bericht von
Dr.
D._
(
Urk.
8/69)
erweist sich
in dieser Hinsicht nicht
als
aussagekräftig
,
denn sie verfügt einerseits nicht über eine psychiatrische Qualifikation und objektivierte andererseits
die von ihr attestierte Arbeitsunfähigkeit auch nicht mittels Standardindikatoren
.
5.3
Nach dem Gesagten liegen
konkrete
Indizien vor, die gegen die Zuverlässigkeit des
psychiatrischen Teilg
utachtens sprechen, weshalb diesem
in Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
kein Beweiswert zukommt.
In Anbetracht der ungenügenden Sachverhaltsabklärung
und des geltenden Untersuchungs
grundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG)
wird die Beschwerdegegnerin
ergänzende
medizinische Abklärungen betreffend den ps
ychischen Gesundheitszustand des
Beschwer
deführers
unter Berücksichtigung der massgeblichen Indikatoren (BGE 141 V
281)
vorzunehmen
haben.
In Betracht zu ziehen ist dabei auch eine ergän
zende neuropsychologische Abklärung, welche
die Gutachter
zur Einschätzung der kognitiven Leistungsfähigkeit
zwar für
notwendig erachteten,
aber
dennoch
nicht veranlassten
(vgl.
Urk.
8/90/9, 8/90/111 und 8/92/2).
Da beschwerdeweise an den anderen Teilen des
A._
-Gutachtens keine spezifische Kritik geübt und auch keine Veränderung des somatischen Gesundheitszustandes
seit der Begut
achtung
behauptet wurde, ist mit Blick auf die gegebene Aktenlage vorderhand lediglich eine erneut
e
psychiatrische Begutachtung anzuordnen. Allfällige Weiterungen hinsichtlich
zusätzlicher
Fachrichtungen, namentlich im Hinblick auf einen neuerlichen interdisziplinären Austausch, bleiben bei fachärztlich begründetem Bedarf vorbehalten.
F
estzuhalten
ist demnach
, dass sich gestützt auf das psychiatrische
A._
-Teilg
utachten die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht zuverlässig beur
teilen lässt. Diesbezüglich erweist sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt.
Entgegen der Ansicht kann daher betreffend die Aktener
gänzung nicht von
der Einholung
e
iner unzulässigen
second
opinion
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_57/2019 vom
7.
März 2019 E. 3.2)
gesprochen werden.
Vor diesem Hintergrund
ist die angefochtene Verfügung vom
1
2.
Mai 2021 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache ist
wie von
der Beschwerdegegnerin
beantragt
an die
se
zurückzuweisen, damit
sie
nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den Leistungsanspruch neu verfüge.
7.
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Das Gesuch des Beschwerdeführers
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2) erweist sich bei diesem Verfahrensausgang als gegenstandslos.