Decision ID: 4d90e68c-7bd8-56cc-9187-ca167da89580
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im August 2013 bei der EL-Durchführungsstelle des Kantons
St. Gallen zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu ihrer Viertelsrente der
Invalidenversicherung an (EL-act. 422, 421-2 ff.). Dem Anmeldeformular lag unter
anderem ein Schreiben der Pensionskasse vom 30. Juli 2013 bei (EL-act. 421-16), laut
dem die Pensionskasse für die zu viel bezahlte Zusatzrente einen
Rückforderungsanspruch von Fr. 59'904.-- hatte. Ihr war beim Verrechnungsantrag,
den sie der IV-Stelle gestellt hatte, ein Fehler unterlaufen; sie hatte nur Fr. 4'942.50
angemeldet. Die Pensionskasse hatte ausgeführt, grundsätzlich müsste der
A.a.
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Differenzbetrag von Fr. 47'150.-- jetzt zurückbezahlt werden; sie sei aber bereit, über
die Möglichkeiten eines zeitlichen Entgegenkommens zu sprechen. Gegebenenfalls
könnte die Forderung mit den künftigen Renten verrechnet werden; dies würde
bedeuten, dass der Versicherten in den nächsten ca. 25 Monaten keine Rente mehr
ausbezahlt würde. Auf Rückfrage hin reichte die Versicherte am 12. Dezember 2013
weitere Unterlagen ein (EL-act. 402). Darunter befand sich auch ein Schreiben der
Pensionskasse vom 4. November 2013 (EL-act. 402-42). Die Pensionskasse hatte die
Versicherte darüber informiert, dass sie sich veranlasst sehe, jetzt mit der Tilgung des
Rückforderungsanspruchs von Fr. 47'100.-- durch die Kürzung der laufenden Rente zu
beginnen. Als Rückzahlungszeitraum würden fünf Jahre, d.h. von November 2013 bis
Oktober 2018, als angemessen erachtet. Das ergebe einen monatlichen Abzug von Fr.
785.-- für 60 Monate, wobei auf die Berechnung von Zinsen verzichtet werde.
Mit Verfügung vom 25. März 2014 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten rückwirkend ab 1. April 2005 Ergänzungsleistungen zu (Verfügung vom
25. März 2014, EL-act. 339). Mit Verfügung vom 1. Mai 2015 setzte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistungen rückwirkend ab dem 1. Juli 2014 neu
fest, da die Versicherte im Juni 2014 geheiratet hatte (EL-act. 314, 325). Die EL-
Durchführungsstelle berücksichtigte in der Anspruchsberechnung neu lediglich noch
die gekürzte BVG-Rente von Fr. 8'521.-- pro Jahr.
A.b.
Am 19. Februar 2018 teilte die Versicherte der EL-Durchführungsstelle mit, dass
ihr Ehemann seit dem 10. Februar 2018 nicht mehr im gemeinsamen Haushalt lebe (EL-
act. 167). Er habe sich für immer ins Ausland abgesetzt. Der Ehemann der Versicherten
war im April 2017 zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden (EL-act.
190-3 ff.).
A.c.
Am 27. März 2018 setzte die Rechtsvertreterin die EL-Durchführungsstelle darüber
in Kenntnis, dass sie von der Versicherten mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt
worden sei (EL-act. 157).
A.d.
Am 28. April 2018 leitete die EL-Durchführungsstelle eine periodische Überprüfung
der Ergänzungsleistungen ein (EL-act. 154).
A.e.
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Mit Entscheid vom 7. Mai 2018 übertrug das Familiengericht der Versicherten die
alleinige elterliche Sorge für den Sohn (EL-act. 151). Zudem wurde der Ehemann zur
Bezahlung von Unterhaltsleistungen für seinen Sohn und die Versicherte verpflichtet.
A.f.
Am 27. Februar 2019 teilte die Rechtsvertreterin der Versicherten der EL-Durch
führungsstelle unter anderem mit, dass es der Versicherten aufgrund des momentanen
Gesundheitszustandes und eines notwendigen Aufenthalts in einer
Rehabilitationsanstalt nicht möglich sei, selbst für ihren Sohn zu sorgen (EL-act. 117-3
f.). Die Versicherte habe sich deshalb gezwungen gesehen, ihren Sohn am 17. Februar
2019 im Kindergarten abzumelden und vorübergehend in die Betreuung zu Verwandten
in B._ zu geben.
A.g.
Mit Verfügung vom 25. März 2019 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen aufgrund der Ergebnisse der periodischen Überprüfung
rückwirkend ab 1. Januar 2017 neu fest (EL-act. 103). Der Sohn der Versicherten wurde
ab dem 1. März 2019 nicht mehr in der Anspruchsberechnung berücksichtigt. Für den
Zeitraum 1. Januar 2017 bis 31. März 2019 resultierte eine Nachzahlung von Fr.
12'380.--.
A.h.
Am 1. April 2019 informierte die Rechtsvertreterin die EL-Durchführungsstelle
darüber, dass die Versicherte aufgrund von gesundheitlichen Problemen am 29. April
2019 voraussichtlich für zwei Monate in eine Klinik eintreten werde (EL-act. 100). Am 3.
Mai 2019 teilte die Rechtsvertreterin der EL-Durchführungsstelle mit, dass die
Versicherte die Betreuung ihres Sohnes nach dem Klinikaufenthalt wieder selber
übernehmen werde (EL-act. 98). Am 9. Juli 2019 informierte die Rechtsvertreterin die
EL-Durchführungsstelle darüber, dass die Versicherte am 22. Juni 2019 aus der Klinik
ausgetreten sei (EL-act. 96). Die Klinik C._ hatte in ihrem Kurzaustrittsbericht vom 21.
Juni 2019 als Diagnosen eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren mit/bei Complex-regional Pain-Syndrom, Status nach
Laminektomie bei Th 4/5 und Hemilaminektomie bei Th 3-7 (2007), ADHS, Migräne mit
Aura und anamnestisch: Glaukom, angegeben (EL-act. 95). Bei den Angaben zum
Verlauf hatten die Ärzte ausserdem angegeben, dass es infolge der anhaltenden
Schmerzen zu einer depressiven Entwicklung gekommen sei, die in einer mittelgradig
ausgeprägten depressiven Episode gemündet habe. Insgesamt sei es zu einer
A.i.
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erfreulichen Stabilisierung des psychischen Zustandsbildes gekommen. Trotz einer
leichten Verbesserung auf der Symptomebene sei die Versicherte auf der
Funktionsebene weiterhin eingeschränkt. Die erzielten Fortschritte seien noch fragil und
die Versicherte sei weiterhin reduziert belastbar.
Am 16. Juli 2019 setzte die Rechtsvertreterin der Versicherten die EL-Durchfüh
rungsstelle darüber in Kenntnis, dass der Sohn der Versicherten Anfang August 2019
wieder zurück in die Schweiz kommen werde (EL-act. 93). Sie teilte ausserdem mit,
dass sich die BVG-Rente per Ende 2018 verändert habe. Konkret sei die Kürzung
aufgrund von Vorauszahlungen im Jahr 2013 hinfällig geworden. Die Rente habe sich in
den Monaten November 2018 und Dezember 2018 auf Fr. 1'810.10 belaufen; seit
Januar 2019 betrage sie Fr. 1'815.30.
A.j.
Am 14. August 2019 bat die EL-Durchführungsstelle die Rechtsvertreterin der
Versicherten darum, zur Prüfung des Auslandaufenthalts das Hin- und Rückflugticket
der Versicherten sowie das Rückflugticket des Sohnes einzureichen (EL-act. 89).
A.k.
Am 12. September 2019 orientierte die Rechtsvertreterin der Versicherten die EL-
Durchführungsstelle darüber, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten trotz
des stationären Aufenthalts nicht merklich verbessert habe, weshalb sich die
Versicherte gezwungen sehe, ihren Sohn ab Ende September 2019 nochmals in die
Obhut zu Verwandten in B._ zu geben (EL-act. 88). Den beiliegenden Unterlagen war
zu entnehmen, dass der Sohn am 4. August 2019 in die Schweiz zurückgekehrt war
(EL-act. 88-4 f.).
A.l.
Mit Verfügung vom 3. Oktober 2019 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen rückwirkend ab 1. November 2018 herab und forderte von der
Versicherten für den Zeitraum 1. November 2018 bis 31. Oktober 2019 einen Betrag
von Fr. 9'840.-- zurück (EL-act. 78). Neu war der Versicherten eine BVG-Rente von Fr.
17'941.-- (ab 1. November 2018) resp. von Fr. 18'004.-- pro Jahr (ab 1. Januar 2019)
statt von bisher Fr. 8'521.-- pro Jahr angerechnet worden. Zudem war die Tochter
D._ ab dem 1. November 2018 wieder in die Berechnung genommen worden. Ab
dem 1. August 2019 war der Sohn wieder in die Berechnung eingeschlossen und ab 1.
Oktober 2019 wieder aus der Berechnung herausgenommen worden.
A.m.
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Am 9. Dezember 2019 liess die Versicherte ein Gesuch um Erlass der am 3.
Oktober 2019 verfügten Rückforderung stellen (EL-act. 73). Ihre Rechtsvertreterin
machte geltend, die Versicherte habe keine Meldung der Pensionskasse erhalten, dass
die Rückzahlung per Ende Oktober 2018 abgeschlossen gewesen sei. Damit sei es an
ihr gewesen zu bemerken, dass sie nun höheren Zahlungen erhalten habe. Aufgrund
ihres angeschlagenen gesundheitlichen Zustandes habe die Versicherte die Erhöhung
der Zahlungen der Pensionskasse schlicht nicht bemerkt. Daher habe sie die
Ergänzungsleistungen, welche weiterhin auf der Basis der tieferen Rente der
Pensionskasse berechnet worden seien, im guten Glauben bezogen. Auch die
Ergänzungsleistungen, welche auf ihren Sohn ausgefallen seien, habe die Versicherte
im guten Glauben bezogen, da sie weiterhin für ihren Sohn finanziell aufgekommen und
daher nicht von einer Kürzung ausgegangen sei. Die Versicherte habe aufgrund der
neuen Berechnungsgrundlagen (weiterhin) Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Damit
stehe ausser Frage, dass die Rückzahlung von Fr. 9'840.-- für sie eine grosse Härte
darstellen würde. Dem Erlassgesuch lagen die Rentenabrechnungen der
Pensionskasse der Jahre 2018 und 2019 bei (EL-act. 73-11 f.).
A.n.
Der Abteilungsleiter Leistungen der Pensionskasse teilte dem zuständigen EL-
Sachbearbeiter am 14. Januar 2020 per E-Mail mit, dass es sich bei der
Rentenerhöhung nicht um eine Erhöhung im eigentlichen Sinne gehandelt habe (EL-
act. 66). Die Pensionskasse habe bei der Nachzahlung der eidgenössischen IV-Rente
irrtümlicherweise nicht den vollen ihr zustehenden Betrag verrechnet. Deshalb habe sie
der Versicherten in einem Schreiben mitgeteilt, dass die Pensionskasse ihre IV-Rente
während den nächsten 60 Monaten kürzen werde. Am 31. Oktober 2018 sei die
Verrechnung abgeschlossen gewesen und der Versicherten sei im November 2018 eine
neue Rentenabrechnung zugestellt worden. Ausserdem habe die Versicherte Anfang
Februar 2019 die Rentenbestätigung für das Jahr 2018 erhalten, auf welcher ein
höherer Betrag ausgewiesen gewesen sei als in den Jahren zuvor.
A.o.
Mit Verfügung vom 14. Januar 2020 wies die EL-Durchführungsstelle das Erlass
gesuch ab (EL-act. 65). Zur Begründung hielt sie fest, ihre Abklärungen hätten ergeben,
dass die Pensionskasse die Versicherte auf dem Postweg über die Kürzung der Rente
informiert habe. Der Versicherten sei mitgeteilt worden, dass sie während 60 Monaten
eine gekürzte Rente erhalten werde. Im November 2018, nach Abschluss der
A.p.
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Rentenkürzungen, sei die Versicherte wiederum schriftlich von der Pensionskasse über
den zu jenem Zeitpunkt neuen Rentenbetrag informiert worden. Weiter sei der
Versicherten im Februar 2019 eine Rentenbestätigung für das Jahr 2018 zugesandt
worden, auf der die Änderung der Rente im Vergleich zu den Vorjahren ersichtlich
gewesen sei. Die zu viel ausgerichteten Ergänzungsleistungen seien deshalb nicht
gutgläubig empfangen worden. Da für einen Erlass die beiden Voraussetzungen des
guten Glaubens und der grossen Härte kumulativ erfüllt werden müssten, erübrige sich
damit die Prüfung, ob die Rückzahlung eine grosse Härte bedeuten würde.
Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 19. Februar 2020 Einsprache
erheben (EL-act. 60). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der Verfügung
vom 14. Januar 2020 und den Erlass der Rückzahlung der zu viel bezogenen
Ergänzungsleistungen gemäss der Verfügung vom 3. Oktober 2019. In der
Einsprachebegründung vom 23. März 2020 machte sie, ergänzend zu den
Ausführungen im Erlassgesuch, geltend, dass die Versicherte gesundheitlich stark
angeschlagen gewesen sei und sich in einem schlechten psychischen
Allgemeinzustand befunden habe. Sie sei bereits bei der Erledigung der
Haushaltsarbeit schnell überfordert. Infolge ihres Gesundheitszustandes sei die
Versicherte sogar nicht mehr in der Lage gewesen, alleine für ihren Sohn zu sorgen,
weshalb sie ihn in die Obhut seiner Grosseltern in B._ habe geben müssen. Die
Versicherte habe den höheren Rentenbetrag wegen ihres schlechten
Gesundheitszustandes schlicht nicht bemerkt. Sie habe ihre Finanzen nicht
regelmässig überprüft. Die ihr von der Pensionskasse zugeschickten
Rentenabrechnungen habe sie auch nicht verstanden, zumal es sich um sehr viele
unübersichtlich aneinandergereihte Zahlen gehandelt habe. Es wäre der Versicherten
schon bei voller Gesundheit schwergefallen, die unkommentierte Auflistung zu
verstehen bzw. zu begreifen, dass eine entsprechende Meldung an die EL-
Durchführungsstelle notwendig gewesen wäre. Infolge des angeschlagenen
psychischen Gesundheitszustandes und ihrer Rechtsunkenntnis könne ihr Verhalten
höchstens als leicht fahrlässig qualifiziert werden. Von einer groben Nachlässigkeit
könne keine Rede sein. Folglich sei der Bezug der zu hohen Ergänzungsleistungen
infolge der Neuberechnung der Rente der Pensionskasse unter den gegebenen
Umständen entschuldbar und die Versicherte habe stets in gutem Glauben gehandelt.
A.q.
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Im Übrigen sei höchst fraglich, ob überhaupt eine Verletzung der Meldepflicht vorliege;
denn der EL-Durchführungsstelle hätten die Berechnung der Pensionskasse aus dem
Jahr 2013 sowie die verrechnungsweise Kürzung von November 2013 bis Oktober
2018 bei der erstmaligen Berechnung des EL-Anspruchs vorgelegen. Der EL-
Durchführungsstelle sei also bekannt gewesen, dass die Verrechnung bis Oktober 2018
dauern werde.
Mit Entscheid vom 4. September 2020 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 42). Zur Begründung hielt sie fest, der Umstand, dass per 31.
Oktober 2018 die verrechnungsweise erfolgte Kürzung der laufenden BVG-Rente
geendet habe und der Versicherten ab November 2018 wieder die ungekürzte BVG-
Rente ausgerichtet worden sei, habe grundsätzlich eine relevante Änderung der
wirtschaftlichen Verhältnisse dargestellt und sei deshalb meldepflichtig gewesen.
Nachdem die Versicherte gegenüber der EL-Durchführungsstelle seit Mitte März 2018
durch die jetzige Rechtsvertreterin vertreten worden sei, hätte die Meldung durch die
Rechtsvertreterin erfolgen müssen. Über die Wiederausrichtung der ungekürzten Rente
ab 1. November 2018 sei die EL-Durchführungsstelle erst mit Schreiben vom 16. Juli
2019 informiert worden. Von der erfahrenen Rechtsanwältin mit guten Kenntnissen im
Rechtsgebiet der EL habe erwartet werden dürfen, dass sie bei der Übernahme des
Mandats die einzelnen Berechnungspositionen der EL-Berechnung anhand der hierfür
massgeblichen Unterlagen genau überprüfe, zumal die Versicherte in jener Zeitperiode
in administrativen Angelegenheiten wegen psychosozialer Belastungen offensichtlich
überfordert gewesen sei, was die Übernahme des Mandates und die nachfolgenden
Eingaben der Rechtsvertreterin deutlich aufzeigten. In diesem Zusammenhang hätten
ihr die von der Pensionskasse zugestellten Schreiben vom 30. Juli und 3. November
2013 auffallen müssen, welche die Grundlage für die Höhe der zu jener Zeit
angerechneten BVG-Rente gebildet hätten. Hätte die Rechtsvertreterin jene Schreiben
durchgelesen, hätte sie realisiert, dass der Versicherten die BVG-Rente seit 1.
November 2013 wegen der Verrechnung einer Rückforderung der Pensionskasse mit
der laufenden BVG-Rente bis 31. Oktober 2018 im gekürzten Betrag ausgerichtet
worden sei. Bei zumutbarer Aufmerksamkeit hätte die Rechtsvertreterin daher
erkennen müssen, dass der Versicherten ab 1. November 2018 wegen der Beendigung
der Verrechnung wieder die ungekürzte BVG-Rente ausgerichtet werden würde und
A.r.
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B.
dieser Umstand zu einer Anpassung der EL-Berechnung habe führen müssen. Unter
diesen Umständen sei betreffend die Zeitperiode von November 2018 bis zur
verspäteten Meldung am 15. Juli 2019 von einer der Versicherten anzulastenden grob
fahrlässigen Meldepflichtverletzung ihrer Rechtsvertreterin auszugehen, was den guten
Glauben ausschliesse. Der Umstand, dass der EL-Durchführungsstelle die Schreiben
der Pensionskasse über die zeitlich befristete Ausrichtung der verrechnungsweise
gekürzten BVG-Rente ebenfalls vorgelegen hätten und dadurch der EL-
Durchführungsstelle der Zeitpunkt der Wiederausrichtung der ungekürzten BVG-Rente
hätte bekannt sein sollen, vermöge die fehlende Gutgläubigkeit der Versicherten
angesichts der grobfahrlässigen Meldepflichtverletzung nicht wiederherzustellen.
Dagegen liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 5. Oktober
2020 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung
des Einspracheentscheides und den Erlass der Rückzahlung der zu viel bezogenen
Ergänzungsleistungen gemäss der Verfügung vom 3. Oktober 2019. Ausserdem stellte
sie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren.
Zur Begründung machte die Rechtsvertreterin − ergänzend zu den im
Einspracheverfahren vorgebrachten Argumenten − geltend, dass die EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) selbst Kenntnis darüber
gehabt habe, dass sich die BVG-Rente wieder erhöht habe. Die Beschwerdeführerin
sei gesundheitlich stark angeschlagen und in einem schlechten psychischen
Allgemeinzustand. Sie sei derart überfordert mit ihrem Leben, dass sie sich gezwungen
gesehen habe, ihren Sohn vorübergehend und bis auf Weiteres in die Obhut von
Verwandten nach B._ zu geben. Die Beschwerdeführerin habe den höheren Betrag
der Pensionskasse nicht bemerkt bzw. nicht erkennen können, dass dieser bei der
Berechnung der Ergänzungsleistungen nicht berücksichtigt worden sei. Die
Rückzahlung würde für die Beschwerdeführerin eine grosse Härte darstellen. Damit
seien die Voraussetzungen für den Erlass der Rückzahlung der zu viel bezogenen
Ergänzungsleistungen gegeben. Am 16. November 2020 machte die Rechtsvertreterin
ergänzend geltend (act. G 5), die Beschwerdegegnerin habe der Beschwerdeführerin
selbst den guten Glauben für den Zeitraum 1. November 2018 bis 16. Juli 2019 nicht
abgesprochen. Da die Meldepflicht nicht verletzt worden sei, liege auch keine
B.a.
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grobfahrlässige Nachlässigkeit von ihr (der Rechtsvertreterin) bzw. der
Beschwerdeführerin vor, weshalb die Voraussetzungen des Erlasses der
Rückerstattung von Vornherein erfüllt seien. Selbst wenn das Gericht wider Erwarten
von einer Verletzung der Meldepflicht ausgehen sollte, sei diese nicht grobfahrlässig,
sondern (wenn überhaupt) allenfalls leicht fahrlässig erfolgt. Der Rechtsvertretung sei
es bei der Übernahme eines Mandats gerade nicht zuzumuten, die einzelnen
Berechnungspositionen der EL-Berechnung und sämtliche Aktenstücke (vorliegend
über 2'000 Seiten) genauestens auf mögliche zukünftige Änderungen zu überprüfen.
Vielmehr sei bei der Übernahme des Mandats eine summarische Überprüfung
vorzunehmen. Eine solche habe sie (die Rechtsvertreterin) im Zeitpunkt der Übernahme
des Mandats im März 2018 vorgenommen und festgestellt, dass die Positionen zu
diesem Zeitpunkt soweit korrekt gewesen seien. Damit sei sie (die Rechtsvertreterin)
ihrer Sorgfaltspflicht hinreichend nachgekommen. Dies gelte auch für den weiteren
Verlauf des Verfahrens, zumal die Rentenabrechnung der Pensionskasse vom
November 2018 der Beschwerdeführerin direkt zugestellt worden sei. Sie selbst habe
erst im Juli 2019 Kenntnis davon erlangt und der Beschwerdegegnerin die Änderung
umgehend mitgeteilt. Der Beschwerdegegnerin hätten die exakt gleichen Unterlagen
vorgelegen wie der Beschwerdeführerin und der Rechtsvertreterin. Es gehe nicht an,
dass die Beschwerdegegnerin ihre eigenen Versäumnisse auf derart dreiste Art und
Weise auf die Rechtsvertreterin abzuwälzen versuche. Das gelte umso mehr, als ein
derart umfassendes Aktenstudium, wie es die Beschwerdegegnerin voraussetze, zu
horrenden Anwaltskosten führen würde, welche die ohnehin bedürftige
Beschwerdeführerin unmöglich hätte bezahlen können. Die Beschwerdeführerin habe
die Ergänzungsleistungen, welche auf ihren Sohn entfallen seien, ebenfalls in gutem
Glauben bezogen, da sie auch nach seiner erneuten Ausreise nach B._ immer noch
finanziell für ihn aufgekommen sei. Zusammenfassend sei die Beschwerdeführerin im
Zeitraum 1. November 2018 bis 15. Juli 2019 eindeutig gutgläubig gewesen. Da die
Beschwerdeführerin weiterhin Ergänzungsleistungen beziehe und daher bedürftig sei,
habe sie auch die Erlassvoraussetzung der grossen Härte erfüllt. Die Rückzahlung der
zu viel bezogenen Ergänzungsleistungen für diesen Zeitraum sei ihr somit zu erlassen.
Mit Bezug auf den Zeitraum vom 16. Juli 2019 bis 31. Oktober 2019 hielt die
Rechtsvertreterin fest, dass zum schlechten psychischen Allgemeinzustand im Jahr
2019 beträchtliche somatische Diagnosen hinzugekommen seien. Die
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Erwägungen
1.
Beschwerdegegnerin habe selber festgehalten, dass die Beschwerdeführerin wegen
psychosozialer Belastungen in administrativen Angelegenheiten überfordert gewesen
sei. Die Beschwerdeführerin sei daher auch in Bezug auf die zu viel ausbezahlten
Ergänzungsleistungen für den Zeitraum ab dem 16. Juli 2019 weiterhin gutgläubig
gewesen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 3. Dezember 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid.
B.b.
Am 8. Dezember 2020 teilte die verfahrensleitende Richterin der Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin mit, dass dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht mangels
Prozessarmut nicht entsprochen werden könne (act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der Verfügung vom 3. Oktober 2019 für den
Zeitraum 1. November 2018 bis 31. Oktober 2019 Ergänzungsleistungen in der Höhe
von Fr. 9'840.-- zurückgefordert. Diese Verfügung ist unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsen und damit verbindlich geworden. Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin hat am 9. Dezember 2019 ein Gesuch um Erlass dieser
Rückforderung gestellt. Gemäss Art. 4 Abs. 4 Satz 2 der Verordnung über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV, SR 830.11) ist das
Erlassgesuch spätestens 30 Tage nach Eintritt der Rechtskraft der
Rückforderungsverfügung einzureichen. Die Verfügung vom 3. Oktober 2019 ist der
Rechtsvertreterin gemäss eigenen Angaben am 9. Oktober 2019 zugestellt worden. Die
Rückforderungsverfügung ist somit am 9. November 2019 in Rechtskraft erwachsen.
Die Beschwerdeführerin hat das Erlassgesuch folglich rechtzeitig gestellt.
1.1.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 Satz 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Diese Rückerstattungspflicht der versicherten Personen korreliert mit der
Rückforderungspflicht der Sozialversicherungsträger, die Ausfluss des
Legalitätsprinzips (Art. 5 Abs. 1 der Bundesverfassung, BV, SR 101) und des
Gleichbehandlungsgebotes (Art. 8 Abs. 1 BV) ist. In Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG ist eine
1.2.
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Ausnahme vom Grundsatz der Rückerstattungspflicht unrechtmässig bezogener
Leistungen vorgesehen: Unrechtmässig bezogene Leistungen müssen dann nicht
zurückerstattet werden, wenn sie in gutem Glauben empfangen worden sind und eine
grosse Härte vorliegt. Sind diese beiden Voraussetzungen kumulativ erfüllt, wird eine
versicherte Person von der Verpflichtung befreit, eine Leistung, auf die sie von
Gesetzes wegen keinen Anspruch gehabt hätte, die also gesetzeswidrig ist,
zurückzuerstatten. Die versicherte Person wird dadurch besser gestellt als alle anderen
Versicherten, die "lediglich" die gesetzlich vorgesehenen Leistungen erhalten haben.
Für die Beurteilung der Frage, ob die Leistungen gutgläubig bezogen worden sind, ist
deshalb ein strenger Massstab anzuwenden (zum Ganzen vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. April 2015, EL 2013/61 E. 2.1).
Der gute Glaube entfällt von vornherein, wenn der Leistungsbezüger um die
Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs gewusst hat, d.h. „bösgläubig“ gewesen ist.
Ein gutgläubiger Bezug ist auch dann zu verneinen, wenn die versicherte Person bei
gebührender Sorgfalt um die Unrechtmässigkeit der Leistungen hätte wissen müssen.
Die erforderliche Sorgfalt beurteilt sich dabei nach einem objektiven Massstab, wobei
aber das der versicherten Person in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare
(Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden
darf. Hat die versicherte Person um die Unrechtmässigkeit der Leistungen nicht
gewusst und auch nicht darum wissen müssen, fehlt der gute Glaube, wenn die zu
Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine grobe Melde- oder
Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist (zum Ganzen siehe BGE 138 V 218 E. 4
mit Hinweisen). Von einer groben Verletzung der Auskunfts- und Meldepflicht ist
auszugehen, wenn der Leistungsbezüger nicht das Mindestmass an Aufmerksamkeit
aufgewendet hat, welches von einem verständigen Menschen in der gleichen Lage und
unter den gleichen Umständen verlangt werden muss (Urteil des Bundesgerichts vom
26. November 2006, 8C_759/2008 E. 3.5). Schliesslich lässt auch die Verletzung der
zumutbaren Kontroll- und Hinweispflicht keinen Erlass einer Rückforderung zu. Die
versicherte Person hat in einem solchen Fall nämlich nur deshalb nicht um die
Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs gewusst, weil sie die Anspruchsberechnung
pflichtwidrig nicht sorgfältig auf deren Richtigkeit geprüft hat. Mit einem Erlass der
Rückforderung würde sie also für die Verletzung der entsprechenden Sorgfaltspflicht
„belohnt“, was nicht der Sinn und Zweck des Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG sein kann.
Der gute Glaube ist somit zu verneinen, wenn die versicherte Person, die
unrechtmässige Ergänzungsleistungen bezogen hat, das EL-Berechnungsblatt nicht
oder – im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren − nicht sorgfältig genug
kontrolliert und deshalb einen darin enthaltenen gravierenden, für sie erkennbaren
Fehler nicht gemeldet hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_53/2014 vom 20. August 2014
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St.Galler Gerichte
E. 4.2.1; zum Ganzen siehe Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 31. Januar 2018, EL 2016/47 E. 1.2). Das Verhalten und die Kenntnisse des
Vertreters sind der versicherten Person anzurechnen (Urteil des Bundesgerichts vom
10. März 2008, 9C_594/2007 E. 5.2 mit Hinweisen).
Der Grund für die Rückforderung liegt zum einen in der Anrechnung der
ungekürzten BVG-Rente ab 1. November 2018 und zum anderen darin, dass bei der
Berechnung des EL-Anspruchs für die Zeit vom 1. August 2019 bis 30. September
2019 der Umstand berücksichtigt worden ist, dass der Sohn der Beschwerdeführerin
(vorübergehend) wieder zu Hause gelebt hat. Die Beschwerdegegnerin hat den Sohn
für diesen Zeitraum wieder in die Anspruchsberechnung eingeschlossen, weil aus der
Globalrechnung (mit dem Kind) eine höhere Ergänzungsleistung resultiert hat.
Nachfolgend ist somit der gute Glaube hinsichtlich der Erhöhung der BVG-Rente per 1.
November 2018 sowie hinsichtlich des Wiedereinbezugs des Sohnes in der EL-
Berechnung ab August 2019 zu prüfen.
1.3.
Der Beschwerdeführerin ist ab November 2018 wieder die ungekürzte BVG-Rente
ausbezahlt worden. Die Pensionskasse hatte ihr in der Zeit von November 2013 bis
Oktober 2018 lediglich eine gekürzte Rente ausbezahlt, um eine offene Rückforderung
zu tilgen (siehe Schreiben der Pensionskasse vom 4. November 2013, EL-act. 57-2).
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin erst am 16.
Juli 2019 darüber informiert, dass sich die BVG-Rente per 1. November 2018 verändert
hat. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat zunächst geltend gemacht, es
liege gar keine Verletzung der Meldepflicht vor, da der Beschwerdegegnerin die
Schreiben der Pensionskasse vom 30. Juli 2013 und 4. November 2013 bereits bei der
erstmaligen Berechnung des EL-Anspruchs vorgelegen hätten. Tatsächlich hat die
Beschwerdeführerin die vorerwähnten Schreiben der Pensionskasse im Rahmen ihrer
EL-Anmeldung im Jahr 2013 der Beschwerdegegnerin eingereicht. Die
Beschwerdegegnerin ist also bereits im Jahr 2013 darüber informiert gewesen, dass
der Beschwerdeführerin von November 2013 bis Oktober 2018 eine gekürzte BVG-
Rente und ab November 2018 wieder die ungekürzte BVG-Rente ausgerichtet würde.
Zwar ist die vorübergehende Rentenkürzung unter dem Vorbehalt, dass die
Beschwerdeführerin die Rückforderung nicht doch noch (zumindest teilweise) mittels
einer einmaligen Zahlung tilgen würde, angekündigt worden. Dass die
Beschwerdeführerin die offene Rückforderung nach Erhalt des Schreibens vom 4.
November 2013 nicht mittels einer einmaligen Zahlung (teilweise) beglichen hat, ist
jedoch ohne weiteres daraus ersichtlich gewesen, dass die Rentenleistungen in den
folgenden Jahren tatsächlich um den von der Pensionskasse angekündigten Betrag
1.4.
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gekürzt worden sind. Die Beschwerdeführerin ist ihrer Melde- respektive
Auskunftspflicht also bereits im Rahmen der EL-Anmeldung im Jahr 2013
nachgekommen. Der Beschwerdegegnerin wäre es also zumutbar gewesen, gestützt
auf die eingereichten Schreiben der Pensionskasse im EL-Dossier der
Beschwerdeführerin einen Vormerk für den November 2018 zu setzen, um die von der
Pensionskasse ab 1. November 2018 ausgerichteten Rentenleistungen zu überprüfen.
Die Beschwerdegegnerin hat argumentiert, dass die Rechtsvertreterin bei der
Übernahme des Mandats die einzelnen Berechnungspositionen der EL-Berechnung
anhand der hierfür massgeblichen Unterlagen genau hätte überprüfen müssen, zumal
die Beschwerdeführerin in jener Zeitperiode in administrativen Angelegenheiten wegen
psychosozialen Belastungen offensichtlich überfordert gewesen sei. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat hiergegen eingewendet, dass es der
Rechtsvertretung bei der Übernahme eines Mandates nicht zuzumuten sei, die
einzelnen Berechnungspositionen der EL-Berechnung und sämtliche Aktenstücke
genauestens auf mögliche zukünftige Änderungen zu überprüfen. Vielmehr sei bei der
Übernahme des Mandats eine summarische Überprüfung der EL-Berechnung
vorzunehmen. Eine solche summarische Prüfung habe sie im Zeitpunkt der Übernahme
des Mandats im März 2018 vorgenommen und festgestellt, dass die Positionen zu
diesem Zeitpunkt soweit korrekt gewesen seien. Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin hätte bei der Mandatsübernahme die gesamten EL-Akten ab der
Anmeldung im Jahr 2013 sorgfältig studieren müssen, um zu bemerken, dass es sich
bei der laufenden BVG-Rente um eine gekürzte Leistung handelte; auf den jährlichen
Rentenbescheinigungen war die Kürzung nämlich nicht ausgewiesen (siehe z.B. EL-
act. 157-4). Der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ist also insoweit
beizupflichten, dass eine solche umfassende Prüfung aller Akten der
vorausgegangenen Jahre bei der Mandatsübernahme den Rahmen ihres Mandats
gesprengt hätte.
1.5.
Zu prüfen bleibt eine mögliche Verletzung der Kontroll- und Hinweispflicht. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat erklärt, dass die Rentenabrechnung der
Pensionskasse vom November 2018 der Beschwerdeführerin direkt zugestellt worden
sei. Die Beschwerdeführerin habe die Rentenabrechnung nicht verstanden, zumal es
sich um sehr viele unübersichtlich aneinandergereihte Zahlen gehandelt habe. Den
höheren Rentenbetrag habe sie aufgrund ihrer damaligen schlechten gesundheitlichen
Verfassung schlicht nicht bemerkt bzw. sie habe nicht erkennen können, dass die
Erhöhung bei der Berechnung der Ergänzungsleistungen nicht berücksichtigt worden
sei. Die Rechtsvertreterin übersieht, dass die Kontroll- und Hinweispflicht nicht der
1.6.
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Beschwerdeführerin, sondern ihr als Rechtsvertreterin oblegen hat: Nachdem die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin im März 2018 das
Vertretungsverhältnis angezeigt hatte, ist die gesamte EL-Korrespondenz über die
Rechtsvertreterin gelaufen. Das bedeutet, dass auch alle EL-Verfügungen ab März
2018 inklusive der entsprechenden Berechnungsblätter nicht der Beschwerdeführerin,
sondern ihrer Rechtsvertreterin zugestellt worden sind (siehe z.B. EL-act. 131). Daraus
ergibt sich, dass es die Aufgabe der Rechtsvertreterin gewesen ist, die ihr zugestellten
Berechnungsblätter zu kontrollieren und allfällige Unstimmigkeiten der
Beschwerdegegnerin zu melden. Das Überwachen der laufenden Entwicklung des EL-
relevanten Sachverhalts hat den Umfang des Mandats nicht gesprengt. Ihrer Kontroll-
und Hinweispflicht hätte die Rechtsvertreterin nur nachkommen können, indem sie
dafür gesorgt hätte, dass ihr die Beschwerdeführerin sämtliche Post, die für die EL
relevant sein könnte, zur Kenntnis gebracht hätte. Dazu hätte auch die
Rentenabrechnung der Pensionskasse vom November 2018 gehört. Hätte der
Rechtsvertreterin die Rentenabrechnung vom November 2018 vorgelegen und hätte sie
diese kurz überflogen, wäre ihr aufgefallen, dass der Beschwerdeführerin ab November
2018 ein höherer Rentenbetrag ausbezahlt worden ist. Da die Rechtsvertreterin in
diesem Zeitpunkt noch keine EL-Revisionsverfügung erhalten hatte, hätte sie die
Beschwerdegegnerin unverzüglich darauf aufmerksam machen müssen, dass die EL-
Anspruchsberechnung anzupassen sei. Demnach hat die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin mit Bezug auf die Erhöhung der BVG-Rente ab November 2018
die ihr obliegende Kontroll- und Hinweispflicht verletzt. Hinsichtlich des durch die
Nichtanrechnung der ungekürzten BVG-Rente erfolgten unrechtmässigen Bezugs von
Ergänzungsleistungen ist der gute Glaube daher zu verneinen.
Mit Bezug auf den guten Glauben hinsichtlich der wegen der Rückkehr des Sohnes
in die Obhut der Beschwerdeführerin in den Monaten August und September 2019 zu
viel bezogenen Ergänzungsleistungen ist folgendes festzuhalten: Die Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin bereits am 16. Juli 2019
gemeldet, dass der Sohn Anfang August 2019 wieder in die Schweiz zurückkehren
werde (EL-act. 93). Da der von der Beschwerdegegnerin eingeforderte Beleg für die
Rückkehr des Sohnes erst im September 2019 bei der Beschwerdegegnerin
eingegangen ist, hat sie die Ergänzungsleistungen erst im Oktober 2019 (rückwirkend
ab August 2019) angepasst. Zwar liegt keine Meldepflichtverletzung vor. Die
Rechtsvertreterin hat jedoch gewusst, dass die Ergänzungsleistungen wegen der
Rückkehr des Sohnes noch angepasst werden würden: Erstens hätte sie sonst keine
Meldung gemacht und zweitens waren die Ergänzungsleistungen bereits im März 2019
wegen des Wegzuges des Sohnes angepasst worden. Der gute Glaube entfällt somit
1.7.
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