Decision ID: 41a2fcb9-5ba7-5d18-b7aa-0545c8784383
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte oder Beschwerdeführerin), Mutter von zwei Kindern
(geboren 19_ und 19_), arbeitete als Produktionsmitarbeiterin bei der Firma B._
AG. Mit Schreiben vom 25. September 2007 kündigte die Arbeitgeberin das
Arbeitsverhältnis per 30. November 2007. Ab dem 28. September 2007 war die
Versicherte krankheitsbedingt zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 1, 7-8 ff., 25-1 f. und
52-2, 4 und 6). In Behandlung war sie bei Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, sowie u.a. in der Klinik Y._ (8. bis 27. Oktober 2007) und im
Psychiatrie Zentrum W._ (9. November bis 11. Dezember 2007; IV-act. 8 f., 21-5 ff.,
23).
A.b Im Mai 2008 meldete sich die Versicherte zum Bezug von Leistungen bei der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). In den Arztberichten vom 7. August und 12.
November 2008 bescheinigte Dr. C._ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit wegen
schwerer posttraumatischer Belastungsstörung nach fristloser Kündigung der
langjährigen Arbeitsstelle im September 2007 und schwerer chronischer depressiver
Phase (IV-act. 17, 26). Mit Verfügung vom 20. August 2009 wurde der Versicherten
rückwirkend ab 1. September 2008 eine ganze IV-Rente sowie für die beiden Kinder
eine Kinderrente zugesprochen (IV-act. 39).
A.c Im März 2011 wurde die erste amtliche Rentenrevision eingeleitet. In den
Arztberichten vom 14. März und 13. Juli 2011 ging Dr. C._ wegen einer chronischen
schweren Depression mit körperlich massiven Beschwerden von einer vollen
Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten aus (IV-act. 43, 46). Im Arztbericht vom 6. August
2011 erklärte Dr. med. D._, Facharzt für Allgemein- und Tropenmedizin FMH, dass
die Versicherte an psychischen Beschwerden mit Ängsten, Panik und Depression leide.
Im Weiteren berichtete der Arzt von chronischen Rückenschmerzen, hauptsächlich im
Nackengebiet, zeitweise auch im Kreuz, und von wiederholten Krisen mit
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Bauchschmerzen sowie Wechsel von Durchfall und Verstopfung. Er ging davon aus,
dass die körperlichen Beschwerden hauptsächlich Ausdruck der psychischen
Problematik seien (IV-act. 47).
A.d Am 7. November 2011 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von Dr. med.
E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FHM, Chefarzt Klinik X._,
begutachtet (IV-act. 49 bis 51). Im Gutachten vom 17. November 2011 diagnostizierte
der Facharzt insbesondere eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome. Er ging von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen sowie
anderen adaptierten Tätigkeiten aus (IV-act. 52). In der Stellungnahme vom 13. Februar
2012 erklärte die RAD-Ärztin Dr. med. F._, dass das Gutachten von Dr. E._
umfassend, kohärent, schlüssig und medizinisch nachvollziehbar sei, weshalb darauf
abgestellt werden könne (IV-act. 53).
A.e Am 30. April 2012 erteilte die IV-Stelle einen Auftrag zur Überwachung der
Versicherten (IV-act. 57 f.). Gemäss Überwachungsbericht vom 28. Juni 2012 wurde
die Versicherte im Zeitraum vom 3. Mai bis 21. Juni 2012 an fünf Tagen observiert (IV-
act. 62).
A.f Vom 7. bis 10. Oktober 2012 war die Versicherte im Spital W._ sowie vom 25. bis
27. Februar 2013 im Spital V._ und anschliessend bis am 28. Februar 2013 in der
psychiatrischen Klinik in T._ hospitalisiert (IV-act. 92, 97, 105-8 ff.).
A.g Die IV-Stelle beauftragte med. pract. G._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, mit einer weiteren Begutachtung der Versicherten. Diese fand am
2./3. März 2013 statt. Im Gutachten vom 21. Mai 2013 diagnostizierte die Fachärztin
insbesondere eine rezidivierende depressive Störung und schätzte die
Arbeitsunfähigkeit auf höchstens 30 bis 40% ein. Geeignet seien Tätigkeiten, die keine
hohen Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz sowie die emotionale
Belastbarkeit stellten (IV-act. 113).
A.h Im Arztbericht vom 10. April 2013 diagnostizierte Dr. med. H._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, insbesondere eine rezivierende depressive
Störung gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (IV-act. 99). Dr.
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med. I._, Innere Medizin FMH, schätzte im Arztbericht vom 10. April 2013 die
Arbeitsunfähigkeit auf 100%. Er erachtete lediglich eine Arbeit im geschützten Umfeld
ohne Zeit- und Leistungsdruck im Umfang von initial ein bis zwei Stunden pro Tag als
möglich (IV-act. 105-1 bis 5).
A.i In der Stellungnahme vom 24. Juni 2013 erklärte RAD-Arzt Dr. med. J._, dass die
ursprüngliche Beurteilung durch den Facharzt Dr. C._ korrekt gewesen sei.
Spätestens ab Juni 2012 könne jedoch keine psychische Störung mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit mehr angenommen werden. Er erachtete die Versicherte nach
kurzer Angewöhnungszeit in jeder ihr bildungsgemäss zumutbaren Tätigkeit als voll
arbeitsfähig (IV-act. 115).
A.j Mit Vorbescheid vom 6. August 2013 wurde der Versicherten die Aufhebung der
Rente auf Ende des nach Zustellung der Verfügung folgenden Monats mitgeteilt.
Begründet wurde dies mit dem verbesserten Gesundheitszustand. So liege keine
Depression, sondern nur noch eine Dysthymie vor, welche jedoch keine
Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermöge (IV-act. 117).
A.k Mit Eingabe vom 16. und Ergänzung vom 30. September 2013 erhob die
Rechtsvertreterin der Versicherten, Rechtsanwältin Evelyne Angehrn, M.A. in Law, St.
Gallen, Einwand gegen den Vorbescheid (IV-act. 123, 126). Angeführt wurde, dass die
Versicherte im August 2013 erneut im Kantonsspital St. Gallen hospitalisiert gewesen
sei und eine weitere Behandlung in der Klinik Za._ abgeklärt werde. Zum Nachweis
der andauernden depressiven Störung wurden vorgelegt der Arztbericht vom 19.
August 2013 von Dr. med. K._, Klinik für Neurologie, Kantonsspital St. Gallen (IV-act.
123-9 f.) sowie der Arztbericht vom 23. September 2013 von Dr. H._ (IV-act. 126-4).
A.l In der Stellungnahme vom 10. Dezember 2013 erklärte die RAD Ärztin Dr. med.
L._, dass die Arztberichte des Kantonsspitals St. Gallen vom 25. Oktober 2013 von
Dr. med. M._, Facharzt für Neurologie, Oberarzt, und vom 4. November 2013 von Dr.
med. N._ und Prof. Dr. O._, Facharzt für Neurologie und leitender Arzt, keine neuen
Erkenntnisse lieferten (IV-act. 129 f.). Zum empfohlenen stationären Aufenthalt in einer
psychosomatisch orientierten Klink erklärte die RAD-Ärztin, dass die Versicherte dies
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bereits anlässlich der Begutachtung durch med. pract. G._ am 2./3. März 2013
abgelehnt habe.
A.m Mit Verfügung vom 12. Dezember 2013 hob die IV-Stelle die Rente auf Ende des
folgenden Monats auf und entzog einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung die
aufschiebende Wirkung (IV-act. 131).
B.
B.a Die Versicherte liess am 29. Januar 2014 durch ihre Rechtsvertreterin Beschwerde
erheben (act. G 1). Folgende Rechtsbegehren wurden gestellt: 1. Es sei die Verfügung
der IV-Stelle vom 12. Dezember 2013 aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin
weiterhin eine ganze Rente zu gewähren; 2. Eventualiter sei die Verfügung der IV-Stelle
vom 12. Dezember 2013 aufzuheben und es sei die IV-Stelle anzuweisen, den
Gesundheitszustand umfassend abzuklären und gestützt auf diese Abklärungen neu zu
entscheiden; 3. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. 4. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Im Weiteren wurde die unentgeltliche
Rechtspflege- und Rechtsverbeiständung beantragt (act. G 1.2). Zur Begründung
wurde insbesondere angeführt, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit der Rentenzusprechung im Jahr 2009 nicht verbessert habe,
was durch verschiedene Arztberichte belegt sei.
B.b Mit Schreiben vom 31. Januar 2014 bewilligte die Verfahrensleitung das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. G 3).
B.c In der Beschwerdeergänzung vom 22. Mai 2014 (act. G 8) legte die
Beschwerdeführerin den Bericht der Rehaklinik P._ vom 28. Februar 2014 von Dr.
med. Q._, Chefarzt, und Dr. med. R._, leitender Arzt, Facharzt für Neurologie FMH
(act. G 8.1), den Arztbericht vom 8. Mai 2014 von Dr. med. S._, Facharzt für
Allgemeinmedizin FMH (act. G 8.2), und den Arztbericht vom 20. Mai 2014 von der
Fachärztin Dr. H._ und von T._ Psychologe, ins Recht (act. G 8.3).
B.d In der Beschwerdeantwort vom 4. August 2014 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 12). Zur Begründung
wurde insbesondere angeführt, dass die Beschwerdeführerin für eine
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leidensangepasste Tätigkeit voll arbeitsfähig sei, denn die geltend gemachten
Beeinträchtigungen seien mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar.
B.e In der Replik vom 29. September 2014 hielt die Beschwerdeführerin unverändert
an ihren Rechtsbegehren fest (act. G 17). Zum Beweis der fortdauernden
Behandlungsbedürftigkeit und vollen Arbeitsunfähigkeit wurde der Arztbericht vom 23.
September 2014 von Dr. E._, Chefarzt der Klinik X._, eingereicht (act. G 17.1).
B.f In der Duplik vom 3. November 2014 hielt die Beschwerdegegnerin unverändert an
ihren Anträgen gemäss Beschwerdeantwort vom 4. August 2014 fest (act. G 19).
B.g Mit Eingabe vom 3. Juli 2015 teilte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
mit, dass auf Anordnung des Amtsarztes Dr. med. Aa._, die Beschwerdeführerin am
9. Juni 2015 wegen einer psychischen Störung und Selbstgefährdung fürsorgerisch
untergebracht worden sei (act. G 21, G 21.1).
B.h Mit Präsidialentscheid vom 10. September 2015 wurde das Gesuch der
Beschwerdeführerin um Wiedererstellung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde abgewiesen (act. G 26).
B.i Mit Beschluss vom 14. September 2015 verfügte die Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Z._ die Verlängerung der fürsorgerischen
Unterbringung der Beschwerdeführerin in der Klinik St. Pirminsberg in Pfäfers (act. G
27.1, G 29, G 29.1).
B.j Mit Eingabe vom 21. Oktober 2015 reichte die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin den Arztbericht vom 8. Oktober 2015 von med. pract. Ba._,
Oberarzt, und med. pract. Ca._, leitender Arzt, Klinik St. Pirminsberg, ein (act. G 30,
G 30.1). Die Fachärzte diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, eine posttraumatische
Belastungsstörung, kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen und eine
Hypothyreose, nicht näher bezeichnet. Sie gingen von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit seit mindestens zwei Jahren aus. Selbst bei einer gewissen
Besserung durch die Behandlung, müsse von einer fortbestehenden Arbeitsunfähigkeit
für die nächsten Jahre ausgegangen werden.
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B.k Am 21. Oktober 2015 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin bei der
IV-Stelle einen vorsorglichen Antrag auf eine ganze Invalidenrente ein (act. G 30.2).
B.l Mit Eingabe vom 11. November 2015 nahm die Beschwerdegegnerin Stellung zum
vorsorglichen Antrag der Beschwerdeführerin vom 21. Oktober 2015 sowie zum
Arztbericht vom 8. Oktober 2015. Sie stufte die ärztlichen Befunde für das vorliegende
Verfahren als nicht relevant ein. Zudem seien die Ausführungen der Fachärzte nicht
überzeugend bzw. nicht geeignet das Gutachten von med. pract. G._ vom 21. Mai
2013 zu entkräften (act. G 32).
B.m Mit Eingabe vom 21. Juni 2016 reichte die Beschwerdegegnerin neue
Untersuchungsberichte ein, welche wegen des neuen Leistungsgesuches vom 21.
Oktober 2015 eingeholt worden seien (act. G 34). Die Eingabe umfasst das
psychiatrische Teil-Gutachten vom 14. Juni 2016 von Dr. med. Da._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, den neurologischen Bericht vom 2. Juni 2016 von Dr.
phil. Ea._, Psychologe, sowie die beiden Arztberichte vom 7. April 2015 von med.
pract. Fa._ und med. pract. Ca._ sowie von med. pract. Ba._, Klinik St.
Pirminsberg (act. G 34.1, G 34.2).
B.n Mit Eingabe vom 30. August 2016 nahm die Beschwerdeführerin Stellung zur
Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 21. Juni 2016 (act. G 36). Beigelegt war der
ärztliche Bericht von Dr. med. Ga._, Oberarzt, Psychiatriezentrum Ha._, vom 19.
August 2016 (act. G 36.1).
B.o Mit Entscheid vom 30. November 2016 (IV 2014/60) hiess das
Versicherungsgericht die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung
vom 12. Dezember 2013 gut. Eine wesentliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes sei nicht im erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Mangels Vorliegen eines Revisionsgrundes sei die
Rente zu Unrecht aufgehoben worden.
C.
C.a Die Beschwerdegegnerin focht den Entscheid des Versicherungsgerichts beim
Bundesgericht an und verlangte dessen Aufhebung.
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C.b Mit Urteil vom 15. Mai 2017 (8C_95/2017) hiess das Bundesgericht die
Beschwerde teilweise gut, hob den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 30.
November 2016 auf und wies die Sache zur Neuentscheidung zurück. Gerügt wurde
insbesondere, dass bei unklarer Aktenlage aufgrund widersprüchlicher Gutachten nicht
das Gutachten aus dem Jahr 2011 von Dr. E._ als alleinige Entscheidungsgrundlage
hätte herangezogen werden dürfen, sondern das Versicherungsgericht gehalten
gewesen wäre, ein psychiatrisches Gerichtsgutachten einzuholen (E. 4.2). Im Weiteren
wurde ausgeführt, dass für die richterliche Beurteilung eines Falles grundsätzlich die
tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses der angefochtenen
Verwaltungsverfügung massgebend seien. Tatsachen, die sich erst später verwirklicht
hätten, seien jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in
engem Sachzusammenhang stünden und geeignet seien, die Beurteilung im Zeitpunkt
des Verfügungserlasses zu beeinflussen (E. 5.1). Das von der IV-Stelle in Auftrag
gegebene psychiatrische Gutachten von Dr. Da._ vom 14. Juni 2016 und die
neuropsychologische Beurteilung von Dr. phil. Ea._ vom 2. Juni 2016 hätten - in
freier Beweiswürdigung - in die Entscheidfindung einbezogen werden müssen, da
diese auch den Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses betreffen
würden. Die beiden Expertisen sowie das Gutachten von med. pract. G._ seien daher
vom Versicherungsgericht auf ihre Verwertbarkeit im Licht des EMGR-Urteils Vukota-
Bojic gegen die Schweiz (61838/10) vom 18. Oktober 2016 sowie in Hinblick darauf zu
prüfen, ob damit den Anforderungen gemäss BGE 141 V 281 genügt werde. Im
Weiteren sei zu entscheiden, ob eine medizinisch begründbare Selbstlimitierung im
Sinne von Ausschlussgründen gemäss BGE 141 V 281 E. 2.2 vorliege.
C.c Zur Umsetzung dieser bundesgerichtlichen Auflagen eröffnete das
Versicherungsgericht am 30. Mai 2017 ein neues Verfahren (IV 2017/215), welches
vorliegend zu entscheiden ist.
C.d Mit Eingabe vom 29. September 2017 liess die Beschwerdeführerin den
Zirkularbeschluss der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Z._ einreichen (act. G
II 1). Gemäss diesem Beschluss wurde eine Vertretungsbeistandschaft in den
Bereichen Wohnen, soziales Wohl, Administration sowie Einkommens- und
Vermögensverwaltung eingerichtet, denn die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer
psychischen Erkrankung nicht in der Lage, ihre erforderlichen Angelegenheiten selbst
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zu erledigen und die Unterstützung durch Familienangehörige könne nicht im
erforderlichen Ausmass erbracht bzw. gewährleistet werden (act. G II 1.1).

Erwägungen
1.
1.1 Streitgegenstand bildet die Frage der Zulässigkeit der revisionsweisen
Renteneinstellung per Ende Januar 2014 (IV-act. 131). Strittig ist dabei insbesondere,
ob sich der Gesundheitszustand und damit der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin
seit der Rentenzusprache verändert haben. Folglich ist anhand des im
Verfügungszeitpunkt aktuellen Sachverhalts unter Beachtung der bundesgerichtlichen
Vorgaben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017, E. 5.4) eine
Invaliditätsbemessung vorzunehmen.
2.
2.1
2.1.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.1.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
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2.1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.4 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn)
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass
persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E.
3b/aa). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). Der
Abzug ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 126 V 80 E.
5b/bb-cc; 134 V 322 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 2009,
9C_368/2009, E. 2.1; zum Ganzen auch Urteil des Bundesgerichts vom 23. Dezember
2014, 9C_630/2014, E. 2.1 mit weiteren Verweisen).
2.2
2.2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so
wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend
erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung
der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu
beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes revidierbar (BGE 134 V 131 E. 3, BGE 130 V 343 E.
3.5, vgl. Art. 87 Abs. 1 und 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV, SR
831.201]). Dagegen stellt die unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im
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Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit
keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Februar 2012, 9C_932/2011, E. 2.4).
2.2.2 Die Feststellung einer revisionsbegründenden Veränderung erfolgt durch die
Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen Zustands. Gegenstand des
Beweises ist somit das Vorhandensein einer entscheidungserheblichen Differenz in den
den medizinischen Unterlagen zu entnehmenden Tatsachen. Die Feststellung des
aktuellen gesundheitlichen Befunds und seiner funktionellen Auswirkungen ist zwar
Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur
entscheidungserheblich, soweit sie tatsächlich einen Unterschied zum früheren
Zustand wiedergibt. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten
Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das
Beweisthema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts - bezieht. (vgl. dazu Urteile
des Bundesgerichts vom 25. Juli 2013, 8C_441/2012, E. 6.1.2, und vom 29. August
2011, 9C_418/2010, E. 4.2).
2.2.3 Die Frage, ob eine erhebliche, d.h. mit Bezug auf den Invaliditätsgrad
rentenwirksame Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist, beurteilt sich
folglich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten, der
versicherten Person eröffneten rechtskräftigen Verfügung vorlag, die auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht, mit demjenigen zur Zeit der
streitigen Revisionsverfügung (BGE 133 V 108 E. 5.4).
2.3 Vorliegend ist somit der Sachverhalt im Zeitpunkt der rentenzusprechenden
Verfügung vom 20. August 2009 mit demjenigen im Zeitpunkt der streitigen
Revisionsverfügung vom 12. Dezember 2013 im Sinne der bereits erwähnten
bundesgerichtlichen Vorgaben zu vergleichen.
3.
3.1 Der Rentenzusprechung ab 1. September 2008 mit Verfügung vom 20. August
2009 (IV-act. 39) basierend auf einem Einkommensvergleich (vgl. IV-act. 29 f.) lagen
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nebst den Berichten der Klinik Y._ vom 24. Januar 2008 (IV-act 21), des Spitals
W._ vom 2. November 2007 (act. G 12.2-8 f.) und des Psychiatriezentrums W._
vom 1. Oktober 2007, 13. November 2007 und 17. Januar 2008 (IV-act. 23 bis 25) die
Berichte des Facharztes für Psychologie und Psychotherapie Dr. C._ vom 7. August
und 12. November 2008 zugrunde (IV-act. 17, 26). Im Bericht vom 7. August 2008
diagnostizierte Dr. C._ eine schwere posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:
F43.1) nach fristloser Kündigung der langjährigen Arbeitsstelle im September 2007
sowie eine schwere chronische depressive Phase (ICD-10: F33.2). Er ging von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit aus. Die RAD-Ärztin Dr. F._ bestätigte in der
Stellungnahme vom 6. Februar 2009 sowohl die gestellten Diagnosen als auch die
Einschätzung der vollen Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten (IV-act. 28). In der
Stellungnahme vom 24. Juni 2013 erklärte RAD-Arzt Dr. J._, dass die Beurteilung
durch Dr. C._ vom 7. August 2008 nicht falsch gewesen sei (IV-act. 115).
3.2 Obwohl die Rentenzusprache insbesondere basierend auf den Berichten des
behandelnden Arztes Dr. C._ erfolgte und kein Gutachten durch die
Beschwerdegegnerin eingeholt wurde, ist die Beurteilung der materiellen
Anspruchsvoraussetzungen vertretbar. Die Rentenzusprache erfolgte deshalb
rechtmässig. Daher kommt vorliegend eine Rentenaufhebung nur gestützt auf Art. 17
Abs. 1 ATSG zufolge einer Verbesserung des Gesundheitszustandes in Frage (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2010, 9C_587/2010, E. 3.3.1; BGE 125 V
383 E. 3).
4.
Im Rahmen der im März 2011 eingeleiteten Rentenrevision wurden von der
Beschwerdegegnerin verschiedene Arztberichte und ein Gutachten eingeholt.
4.1 Im Verlaufsbericht vom 14. März 2011 erklärte Dr. C._, dass bei der
Beschwerdeführerin ein labiler Verlauf mit schweren depressiven Einbrüchen mit
Suizidalität vorliege. Sie sei nicht zugänglich und „normale“ Gespräche seien kaum
möglich. Zur Bewältigung des Alltages benötige sie Psychotherapien sowie
Medikamente. Er ging von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit mit schlechter Prognose
aus (IV-act. 43). Im ergänzenden Bericht vom 13. Juli 2011 erklärte der Dr. C._, dass
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ein labiler Verlauf mit schweren depressiven Einbrüchen vorliege. Es gebe oft suizidale
Absichten. Durch die Depression habe sich auch eine Essstörung entwickelt (IV-act.
46).
4.2 Im Verlaufsbericht vom 6. August 2011 diagnostizierte Dr. D._ insbesondere eine
Angst- und Panikkrankheit mit depressiver Verstimmung, ein chronisches
Schmerzsyndrom der Wirbelsäule und ein Colon irritable, wobei die psychischen
Beschwerden mit Ängsten, Panik und Depression im Vordergrund ständen. Die
körperlichen Beschwerden seien hauptsächlich Ausdruck der psychischen
Problematik. Der Arzt ging von einer chronifizierten Situation mit schlechter Prognose
aus (IV-act. 47).
4.3 In der Stellungnahme vom 20. September 2011 erklärte die RAD-Ärztin Dr. F._,
dass es keine Hinweise auf ein suboptimales Leistungsverhalten bzw. auf relevante
Inkonsistenzen gebe (IV-act. 48).
4.4 Am 7. November 2011 untersuchte und begutachtete der Psychiater Dr. E._ im
Auftrag der Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin. Im Gutachten vom 17.
November 2011 (IV-act. 52) stellte der Facharzt die Diagnosen schwere depressive
Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2), Verdacht auf andauernde
Persönlichkeitsänderung im Rahmen der anhaltenden schweren depressiven
Symptomatik (ICD-10: F62.1), DD: anhaltende Akzentuierung der emotional-instabilen
Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1). Der Gutachter erklärte, dass bei der
Beschwerdeführerin gravierende Einschränkungen der psychokognitiven Funktionen
objektiv feststellbar seien. Sie brauche (unbewusst) ihre Opferrolle als Schutz vor
unerträglichen Scham- und Schuldgefühlen, was sie gesprächstherapeutisch kaum
zugänglich mache, sodass auch intensivere therapeutische Massnahmen inklusive
stationärer Behandlung keine nachhaltige Stabilisierung ihres psychischen Zustandes
und damit verbunden der Arbeitsfähigkeit bringen würden. Die Lebensqualität lasse
sich unter regelmässigen ambulanten therapeutischen Massnahmen auf niedrigem
Niveau stabilisieren. Aufgrund der Einschränkungen des Konzentrationsvermögens,
des Gedankenflusses, der psychischen Belastbarkeit und geistigen Flexibilität, der
Antriebsstörungen und Störungen der Psychomotorik ging der Gutachter von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen sowie anderen adaptierten Tätigkeiten
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aus. Lediglich im geschützten Rahmen sei eine vierstündige Arbeit möglich. Eine
vollständige oder Teilremission der depressiven Störung sei in der näheren Zukunft
nicht zu erwarten, weshalb nicht mit der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit selbst
unter intensiveren therapeutischen Massnahmen gerechnet werden könne. Im Weiteren
erklärte der Gutachter, dass sich seine Einschätzung zur Diagnose und Arbeitsfähigkeit
absolut mit derjenigen von Dr. C._ decke.
4.5 In der Stellungnahme vom 13. Februar 2012 beurteilte die RAD-Ärztin Dr. F._ das
Gutachten von Dr. E._ als umfassend, kohärent und schlüssig sowie medizinisch
nachvollziehbar, weshalb darauf abgestellt werden könne (IV-act. 53).
4.6 Festzuhalten ist, dass sowohl Dr. C._ in seinen Arztberichten als auch Dr. E._
im IV-Gutachten nachvollziehbar und überzeugend darlegt haben, dass zum Zeitpunkt
der Berichterstattungen die Beschwerdeführerin an einer schweren depressiven
Erkrankung litt und deswegen zu 100% arbeitsunfähig war.
5.
Die Beschwerdegegnerin erteilte trotz dieser fachärztlichen Einschätzungen am 30.
April 2012 den Auftrag zur Überwachung der Beschwerdeführerin an die Ia._ GmbH,
(IV-act. 54, 57 f.). Der Überwachungsbericht stammt vom 28. Juni 2012 (IV-act. 62).
5.1 Gemäss dem Überwachungsbericht wurde die Beschwerdeführerin im Zeitraum
vom 3. Mai bis 21. Juni 2012 observiert (IV-act. 62). Sie hielt sich an den
Observationstagen entweder zu Hause auf bzw. verliess das Haus nicht (3. und 7. Mai
2012) oder war zu Fuss oder mit dem städtischen Bus unterwegs und erledigte
Einkäufe. So kaufte sie am 9. Mai 2012 alleine Lebensmittel im Quartierladen ein. Am
10. Mai 2012 fuhr sie mit dem städtischen Bus ins Stadtzentrum, um dort in den
Apotheken Amavita und Löwen, im Denner Top Discount sowie im McDonald-
Restaurant (Take-away) Einkäufe zu tätigen. Am 21. Juni 2012 wurde die
alleinerziehende Beschwerdeführerin observiert, als sie sich in Begleitung einer Frau
und eines Kindes zum Ort des traditionellen St. Galler Kinderfestes begab und dort ihre
beiden schulpflichtigen Söhne traf. Auf dem Festgelände hielt sie sich teils alleine und
teils in Begleitung ihrer Söhne auf. Zudem hatte sie Kontakt zu drei ihr offenbar
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bekannten Frauen mit ihren Kindern. Nach Verlassen des Anlasses kehrte sie direkt
wieder nach Hause zurück. Mit Bericht vom 10. Juli 2012 nahm der RAD-Arzt Dr. J._
Stellung zum Observationsbericht (IV-act 63). Für diesen zeigte die Beschwerdeführerin
am Kinderfest vom 21. Juni 2012 ein genügend hohes Aktivitätsniveau für eine
zuverlässige Einschätzung. Die Beschwerdeführerin habe am Kinderfest nicht wie
erwartet einen dysphorischen, missgestimmten, schwer depressiven und inaktiven
Eindruck gemacht, sondern sei durchwegs fröhlich, aufgestellt und selbstvergessen
gewesen, weshalb nicht vom Vorliegen einer schweren Depression auszugehen sei. Dr.
J._ empfahl, med. pract. G._ mit einer weiteren Begutachtung der
Beschwerdeführerin zu beauftragen. In Nachachtung dieser Empfehlung beauftragte
die Beschwerdegegnerin med. pract. G._ mit der Begutachtung der
Beschwerdeführerin, welche am 2. und 3. Mai 2013 stattfand. Das Gutachten, welches
unter Berücksichtigung des Observationsmaterials erstellt worden war, stammt vom
21. Mai 2013 (IV-act. 113).
5.2 Im Urteil vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017, E. 3 wies das Bundesgericht das
Versicherungsgericht an, die Verwertbarkeit der von der Beschwerdegegnerin
eingeholten Gutachten im Licht des EMGR-Urteils Vukota-Bojic gegen die Schweiz
(61838/10) vom 18. Oktober 2016 zu prüfen. Zur Verwertbarkeit von
Observationsergebnissen führte das Bundesgericht im Urteil vom 9. November 2017,
9C_328/2017, E. 4.1 aus, dass es im Bereich der Invalidenversicherung an einer
ausreichenden gesetzlichen Grundlage fehle, welche die Observation klar und detailliert
regle, weshalb solche Handlungen Art. 8 EMRK bzw. den einen im Wesentlichen
gleichen Gehalt aufweisenden Art. 13 BV verletzen würden. Zur Verwertbarkeit des im
Rahmen der widerrechtlichen Observation gewon¬nenen Materials erklärte das
Bundesgericht, dass sich diese allein nach schweizerischem Recht richte. Die
Verwertbarkeit der Observationsergebnisse (und damit auch der gestützt darauf
ergangenen weiteren Beweise) sei grundsätzlich zulässig, es sei denn, bei einer
Abwägung der tangierten öffentlichen und privaten Interessen würden diese
überwiegen. Eine gegen Art. 8 EMRK verstossende Videoaufnahme sei verwertbar,
solange Handlungen des "Beschuldigten" aufgezeichnet würden, die er aus eigenem
Antrieb und ohne äussere Beeinflussung gemacht habe, und ihm keine Falle gestellt
worden sei. Von einem absoluten Verwertungsverbot sei zumindest dann auszugehen,
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wenn es um Beweismaterial gehe, das im nicht öffentlichen frei einsehbaren Raum
zusammengetragen worden sei (E. 4.2).
5.3 Gestützt auf die in Erwägung 5.2 dargelegte höchstrichterliche Rechtsprechung ist
festzustellen, dass die im Mai bis Juni 2012 durchgeführte Observation der
Beschwerdeführerin unzulässig war, das heisst in Verletzung von Art. 8 EMRK bzw. Art.
13 BV erfolgt ist. Zu prüfen bleibt jedoch, ob die Voraussetzungen für eine
beweismässige Verwertung der Ergebnisse erfüllt sind. Das Videomaterial ist, da es die
Beschwerdeführerin ausschliesslich im öffentlichen Raum zeigt, verwertbar und durfte
folglich der Gutachterin zur Verfügung gestellt und von ihr auch im Gutachten
gewürdigt werden. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass nach vier
Observationstagen (3., 7., 9. und 10. Mai 2012), an denen kein die psychischen Leiden
widerlegendes Verhalten hatte beobachtet werden können, sechs Wochen später ein
fünfter Observationstermin gezielt auf den Tag des nur alle drei Jahre stattfindenden
städtischen Kinderfests gelegt wurde, obwohl das Kinderfest ein "Pflichttermin" für
Eltern schulpflichtiger Kinder ist und dieser Tag folglich auch nicht den Alltag der
Beschwerdeführerin zu repräsentieren vermag.
6.
Nachfolgend ist das Gutachten von med. pract. G._ vom 21. Mai 2013 (IV-act. 113)
unter Beachtung der bundesgerichtlichen Vorgaben auf dessen Beweiswert hin zu
prüfen.
6.1 Mit BGE 141 V 281 wurden die Voraussetzungen, unter denen anhaltende
somatoforme Schmerzstörungen (ICD-10: F45.4) und vergleichbare psychosomatische
Leiden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermögen, teilweise geändert,
mit der Absicht, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen unter
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits zu beurteilen (BGE 141 V 281 E.
3.6). Gemäss der jüngsten höchstrichterlichen Rechtsprechung sind das strukturierte
Beweisverfahren und die indikatorenorientierte Prüfung auch auf Depressionen
anwendbar (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_841/2016
und 8C_130/2017). So ist neu bei leichten bis mittelschweren depressiven Störungen,
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wie bei jeder geltend gemachten gesundheitsbedingten Erwerbsunfähigkeit, im
Einzelfall (einzig) danach zu fragen, ob und wie sich die Krankheit leistungslimitierend
auswirkt, wobei eine leistungs-, insbesondere rentenbegründende Invalidität jedenfalls
eine psychiatrische, lege artis gestellte Diagnose voraussetzt (BGE 141 V 281, E. 2).
Entscheidend sei - unabhängig von der diagnostischen Einordnung eines Leidens -, ob
es gelinge, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich
relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person
die materielle Beweislast zu tragen habe (BGE 141 V 281, E. 3.7.2; 8C_841/2016, E.
4.5.2). Entscheidend sei daher nicht die Schwere einer Erkrankung, sondern seien die
funktionellen Auswirkungen einer Störung bzw. deren Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit, zumal sie in beruflicher Hinsicht unterschiedliche Folgen haben könne
(8C_130/2017, E. 5.2.2). Bei dieser Folgenabschätzung stehe die Diagnose nicht mehr
im Zentrum, sondern sie sei Ausgangspunkt zur Beurteilung der Frage, ob ein
Gesundheitsschaden im Sinne der klassifizierenden Merkmale überhaupt vorliege. Die
ärztliche Arbeitsunfähigkeitsschätzung könne, zumindest ohne einlässliche Befassung
mit den spezifischen normativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, den
rechtlich geforderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2
ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-
psychiatrischen Sachverständigen abhänge (fehlende Reliabilität in der ärztlichen
Folgenabschätzung; vgl. BGE 141 V 281 E. 5.1 f.). Sowohl die medizinischen
Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung hätten sich bei ihrer
Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die
Gutachter im Idealfall gemäss den entsprechend formulierten Fragestellungen (BGE
141 V 281 E. 5.2; 8C_130/2017, E. 6). Da psychische Leiden wie auch somatoforme/
funktionelle Störungen wegen ihres Mangels an objektivierbarem Substrat dem
direkten Beweis einer anspruchsbegründenden Arbeitsunfähigkeit nicht zugänglich
seien, sei dieser Beweis indirekt mittels Indikatoren zu führen. Die im Regelfall
beachtlichen Standardindikatoren legte das Bundesgericht im BGE 141 V 281, E. 4.1.3,
4.3 und 4.4 fest. Je nach Krankheitsbild bedürfe es allenfalls gewisser Anpassungen
hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren (vgl. 8C_841/2016). Aus Gründen der
Verhältnismässigkeit könne dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen
werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet sei. Die Frage der
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Notwendigkeit in diesem Sinne beurteile sich nach dem konkreten Beweisbedarf (vgl.
8C_841/2016, E. 4.5.3; 8C_130/2017, E. 7.1).
6.2 Med. pract. G._ diagnostizierte im Gutachten vom 21. Mai 2013 (IV-act. 113)
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis allenfalls zeitweise
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.0/F33.1) im Sinne einer deutlichen
Teilremission einer früher festgestellten schweren depressiven Episode, eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit histrionischen und emotional instabilen Anteilen (ICD-10:
Z73.1). Die Arbeitsunfähigkeit schätzte sie auf höchstens 30 bis 40% spätestens ab
Gutachtertermin vermutlich jedoch schon seit November 2011. Geeignet seien
Tätigkeiten, die keine hohen Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz
und keine hohen Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit stellen würden.
6.2.1 Dass aktuell keine schwere depressive Episode mehr vorliege, würden die
zahlreichen Aktivitäten der Beschwerdeführerin (Ferien im Ausland, Coiffeur-Besuche
und Besuch von sozialen Ereignissen) belegen. Als Indiz für die guten kognitiven
Fähigkeiten nannte die Fachärztin den Besitz und Gebrauch eines Touch-screen-
Handys. Dass sich die Beschwerdeführerin am Nachmittag des ersten
Untersuchungstages bei der IV-Stelle über ihr Verhalten beschwert hatte, wertete die
Gutachterin als ein Indiz, dass keine vollständige Hilflosigkeit bestehe. Das
Observationsmaterial zeige verschiedene soziale Aktivitäten. Diese passten nicht zu
dem zu erwartenden Verhalten im Rahmen einer schweren depressiven Episode bzw.
entsprächen nicht dem vom behandelnden Psychiater beschriebenen sehr niedrigen
Aktivitätsniveau. Anhand des Observationsmaterials lasse sich das Vorliegen einer
schweren depressiven Symptomatik nicht mehr bestätigen.
6.2.2 Zur diagnostischen Einschätzung von Dr. E._ im psychiatrischen Gutachten
vom 17. November 2011 führte med. pract. G._ aus, dass sich eine schwere
depressive Episode vor dem Hintergrund des beschriebenen psychischen Befunds
nicht ganz nachvollziehen lasse (IV-act. 113-23) bzw. nicht nachvollziehen lasse (IV-act.
113-29). Zur Verdachtsdiagnose einer anhaltenden Persönlichkeitsänderung bzw. einer
anhaltenden Akzentuierung der emotional-instabilen Persönlichkeitszüge erklärte sie,
dass die erforderlichen Kriterien nach ICD-10: F62 nicht erfüllt seien. Zum Beleg
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verwies sie auf verschiedene im Rahmen der Observation beobachtete soziale
Aktivitäten, die nicht einem bei der Beschwerdeführerin zu erwartenden Verhalten im
Rahmen einer schweren depressiven Episode passen bzw. nicht dem vom Psychiater
beschriebenen sehr niedrigen Aktivitätsniveau entsprechen würden. Anhand des zur
Verfügung gestellten Observationsmaterials lasse sich die schwere depressive
Symptomatik nicht mehr bestätigen (IV-act. 113-23/29 f.).
6.2.3 Zur Konsistenz des Verhaltens der Beschwerdeführerin bzw. zum Vorliegen einer
Aggravation führte die Fachärztin aus, dass bei ihr aufgrund des Verhaltens der
Beschwerdeführerin der Eindruck des Kontrollbedürfnisses und der mangelnden
Kooperation entstanden sei. So habe die Beschwerdeführerin die gestellten Fragen zur
sozialen Anamnese meist nur kurz und/oder vage beantwortet. Während der
Untersuchung habe sie keine Anzeichen in Mimik, Gestik oder Verhalten beobachten
können, welche auf eine aktuelle Schmerzsymptomatik hingedeutet hätten. Die
Gutachterin beschrieb die Beschwerdeführerin einerseits als vital und energisch und
andererseits als missmutig und punktuell etwas gereizt. Der Antrieb und die
Psychomotorik seien über weite Strecken unauffällig, punktuell jedoch etwas
angespannt gewesen. Müdigkeit oder rasche Erschöpfung habe sie nicht beobachten
können. Med. pract. G._ stufte daher die Beschwerdeschilderungen als inkonsistent
und widersprüchlich ein.
6.3 Zum Gutachten von med. pract. G._ ist in formeller Hinsicht festzustellen, dass
dieses korrekt strukturiert ist und die wesentlichen Aspekte wie Aufführung der
Aktenlage, Anamnese, Befund, Diagnose und Arbeitsfähigkeitseinschätzung beinhaltet.
Kritisch zu sehen ist, dass bezüglich der Aussagen der Beschwerdeführerin nicht
ersichtlich ist, wann bzw. in welchem Zusammenhang eine Aussage gemacht wurde,
musste doch die Untersuchung am ersten Tag wegen eines Konfliktes bzw. wegen
geltend gemachter fehlender Kooperation abgebrochen und am nächsten Tag
fortgesetzt werden. Im Weiteren ist festzustellen, dass im Gutachten zwar die
Arztberichte und das IV-Gutachten von Dr. E._, nicht jedoch die verschiedenen
Stellungnahmen der RAD-Ärzte gewürdigt wurden. Zudem enthält das Gutachten keine
Fremdanamnese, obwohl die Gutachterin kritisierte, dass die Beschwerdeführerin die
Fragen zur sozialen Anamnese nur kurz und vage beantwortet hatte. Gemäss
Bundesgericht vermag jedoch vorliegend die fehlende Fremdanamnese und die
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fehlende Würdigung der RAD-Stellungnahmen den Beweiswert des Gutachtens nicht
entscheidend einzuschränken (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2017,
8C_95/2017, E. 5.4.2).
6.4 Die von der Gutachterin genannten Indizien für das Nichtvorliegen einer
Depression im bisherigen Ausmass wie die Ferien im Ausland, die Coiffeur-Besuche
und der Besuch von sozialen Ereignissen vermögen alleinig nicht zu überzeugen, denn
es handelt sich bei den genannten Anlässen um einmalige bzw. seltene Ereignisse,
welche weder typisch noch prägend sind für den Alltag der Beschwerdeführerin. So
besucht die Beschwerdeführerin den Coiffeur lediglich ein- bis zweimal pro Jahr, die
genannten Ferien beschränkten sich einmalig auf eine Woche geschenkte Ferien in
Kroatien, wobei sie dort gesundheitsbedingt zweimal das Spital aufsuchte. Die
gesellschaftlichen Aktivitäten machen nur wenige Anlässe pro Jahr aus und umfassen
lediglich "Pflicht-Termine“ wie die Elternabende an der Schule, das städtische
Kinderfest und einen Familienanlass. Nicht wirklich überzeugend ist, dass eine
Depression ausgeschlossen werden kann, wenn eine alleinerziehende Mutter ohne
Begleitung Lebensmittel im Quartierladen einkauft und die Einkaufstasche selber trägt.
Der (kurze) Gebrauch eines Touch-screen-Handys zum Telefonieren ist gleichfalls kein
Indiz für das Nichtvorliegen einer depressiven Störung bzw. einer Arbeitsunfähigkeit.
Med. pract. G._ ging (auch) aufgrund der von der Psychiaterin Dr. H._
durchgeführten Behandlung und des Medikamentenspiegels eher von leichten bis
allenfalls mittelgradig depressiven Episoden aus, obwohl gemäss fachärztlicher
Literatur darauf geachtet werden muss, dass Patienten nicht fälschlicherweise der
Non-Compliance beschuldigt werden, denn die Plasmakonzentration der
Antidepressiva könne zwischen einzelnen Patienten erheblich variieren (vgl. EDITH-
HOLSBOER-TRACHSLER ET. AL, Die Akutbehandlung depressiver Episoden, Die
somatische Behandlung der unipolaren depressiven Störungen: Update 2016, Teil 1,
Richtlinien, Swiss Medical Forum 2016, 16(35), S. 716-724; abrufbar unter:
www.sgad.ch/ wordpress/wp-content/uploads/2016/08/Die-Akutbehandlung-
depressiver-Episoden_20160831.pdf).
6.5 Gestützt auf die Erklärung von med. pract. G._, dass während der aktuellen
Untersuchungen bei der Explorandin keine Denkverlangsamung, keinerlei Störungen
der Aufmerksamkeit oder der Konzentration, keine dissoziativen Phänomene, keine
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Antriebsstörungen, keinerlei Erschöpfung, keine Affektstarre sowie keine Hilflosigkeit
habe festgestellt werden können, muss trotz der zuvor geäusserten Vorbehalte (vgl.
Erwägungen 6.3 und 6.4) in Anbetracht der höchstrichterlichen Aussage: "Weiter legte
die Expertin in Bezug auf die verbesserte Arbeitsfähigkeit schlüssig dar, dass kein
schweres depressives Geschehen, sondern gegenwärtig eine leichte bis allenfalls
zeitweise mittelgradige depressive Episode in Sinne einer deutlichen Teilremission
einer früher gestellten schweren depressiven Episode vorliege, die die Arbeitsfähigkeit
höchstens um 30 bis 40% einschränke.", davon ausgegangen werden, dass das
Gutachten von med. pract. G._ die Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten
auch inhaltlich erfüllt und daher auf die erhobenen Befunde und Diagnosen abzustellen
ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017, E. 5.4.2). Aus den
zuvor genannten Gründen ist auch auf die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit durch
med. pract. G._ abzustellen, obwohl sie diese nicht ausführlich erläuterte (bspw.
Bedarf an vermehrten Pausen oder normale Arbeitszeit jedoch mit reduzierter
Leistung), jedoch die noch in Frage kommenden Tätigkeiten insofern eingrenzte, als
diese keine hohen Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz und an die
emotionale Belastbarkeit stellen sollten.
6.6 An der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vermag auch die
abweichende Beurteilung durch den RAD-Arzt Dr. J._ vom 24. Juni 2013 (IV-act. 115)
nichts zu ändern, zumal diese nicht auf einer persönlichen Untersuchung der
Beschwerdeführerin beruht und zwischenzeitlich eine höchstrichterliche
Rechtsprechungsänderung hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeitsermittlung bei
depressiven Leiden erfolgte (vgl. Erwägung 6.2).
6.7 Auch die späteren, abweichenden Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit durch die
behandelnden Ärzte vermögen, da diese ohne detaillierte und nachvollziehbare
Begründung von einer 100%igen und damit von einer gänzlichen Arbeitsunfähigkeit für
alle Tätigkeiten ausgingen, zumindest bezogen auf den Rentenprüfungszeitpunkt vom
12. Dezember 2013 nicht im erforderlichen Mass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu überzeugen.
7.
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Im Folgenden sind die weiteren Arzt-/Klinikberichte, welche nach Erlass der
angefochtenen Verfügung erstellt worden sind, auf relevante Erkenntnisse zum
Verfügungszeitpunkt hin zu prüfen. Dazu gehören insbesondere das psychiatrische
Gutachten von Dr. Da._ und der neuropsychologische Bericht von Dr. phil. Ea._
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017, E. 5.3, 5.4.3) sowie der
Klinikbericht vom 8. Oktober 2015 von den Psychiatern med. pract. Ba._ und med.
pract. Ca._.
7.1
7.1.1 Im Gutachten vom 14. Juni 2016 (act. G 34.1), welches auf einer Untersuchung
der Beschwerdeführerin vom 5. April 2016 beruht, führt Dr. Da._ aus, dass die
Beschwerdeführerin weiterhin in psychiatrischer Behandlung und tagsüber in einer
Tagesklinik sei. Sie habe ihren eigenständigen Haushalt aufgegeben und lebe sehr
zurückgezogen mit ihren Kindern bei den Eltern. Besucht werde sie von der Spitex
morgens um 7:00 Uhr und abends um 17:00 Uhr. Gemäss Dr. Da._ war die
Grundstimmung während der Untersuchung depressiv und die affektive
Modulationsfähigkeit eingeschränkt. Es hätten sich ausgeprägte
Merkfähigkeitsstörungen gezeigt. Der Facharzt bemängelt, dass die persönliche
Geschichte nur teilweise nachvollziehbar zum Ausdruck gebracht worden und die
Beschwerdeschilderung überhaupt nicht ausführlich erfolgt sei (act. G 34.1-74 f.). Da
es verschiedene Hinweise auf Diskrepanzen und Widersprüche gebe, sei es ihm nicht
möglich, eine Diagnose zu stellen. Er wolle damit nicht sagen, dass die
Beschwerdeführerin gesund sei. Mit ihrem Verhalten verunmögliche sie aber eine
eindeutige diagnostische Einordnung sowie eine zuverlässige Beurteilung der
Leistungsfähigkeit (act. G 34.1-79). Zuverlässige Angaben seien erst möglich, wenn die
Beschwerdeführerin über ihre Traumatisierungen spreche bzw. sprechen könne (act. G
34.1-84 f./88). Zum Beginn und zeitlichen Verlauf der Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit führte Dr. Da._ aus, dass zuverlässige Angaben gleichfalls nicht
möglich seien.
7.1.2 Festzustellen ist, dass das Gutachten keine relevanten Informationen oder
Erkenntnisse weder zur gesundheitlichen Situation noch zur Arbeitsfähigkeit zum
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Zeitpunkt der Rentenaufhebungsverfügung enthält (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 30. November 2016, E. 4.2 und 4.3).
7.2
7.2.1 In Ergänzung zum psychiatrischen Gutachten von Dr. Da._ fand am 2. Juni
2016 eine neuropsychologische Untersuchung der Beschwerdeführerin durch Dr. phil.
Ea._ statt. Gemäss den Ausführungen im Bericht vom 2. Juni 2016 (act. G 34.2)
wurden insbesondere die Aufmerksamkeit und die Reaktionszeit getestet (act. G 34.2-4
ff.). Der Psychologe erklärte, dass bei den Validierungstests zahlreiche Auffälligkeiten
festgestellt worden seien, die auf ein suboptimales Leistungsverhalten hinwiesen.
Aufgrund der Diskrepanzen zwischen den Testleistungen und den bekannten Mustern
von Hirnleistungen und Hirnleistungsstörungen sei deshalb mit sehr hoher
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die erbrachten Leistungen nicht mit dem
eigentlichen Leistungspotential übereinstimmten.
7.2.2 Festzustellen ist, dass der Bericht die Frage, inwieweit das in den Reaktionstests
festgestellte suboptimale Leistungsverhalten Rückschlüsse auf das Vorliegen bzw.
Nichtvorliegen eines depressiven Leidens zulässt, nicht beantwortet. Die
durchgeführten Tests dienten primär dem Erkennen von Hirnleistungsstörungen.
Soweit aus den Akten ersichtlich, wurden jedoch nie Hirnleistungsstörungen als
ursächlich für die Arbeitsunfähigkeit genannt. Zur Einschätzung im Bericht, ob eine
psychische Störung (Schizophrenie, Psychose/Halluzinationen, etc.) vorliegt, ist ein
Vorbehalt anzubringen, denn bei Dr. Ea._ handelt es sich um einen Psychologen (Dr.
phil.) und nicht um einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Anzumerken ist,
dass weder Dr. phil. Ea._ noch Dr. Da._ die Aussage der Beschwerdeführerin, es
habe sexuelle Übergriffe durch Eltern und den Exmann gegeben und diese Ereignisse
gingen ihr immer wieder durch den Kopf, vertieft abgeklärt oder gewürdigt haben. So
lassen sich denn auch aus diesem Bericht keine relevanten Informationen oder
Erkenntnisse zur gesundheitlichen Situation und Arbeitsfähigkeit - wie sich diese zum
Zeitpunkt der Rentenaufhebungsverfügung präsentierte - gewinnen.
7.3
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7.3.1 Ab dem 9. Juni 2015 erfolgte wegen einer psychischen Störung und
Selbstgefährdung eine fürsorgerische Unterbringung der Beschwerdeführerin (act. G
21, G 21.1). Im September 2015 wurde die Massnahme durch die KESB verlängert (act.
G 27.1, G 29, G 29.1). Gemäss dem Klinikbericht vom 8. Oktober 2015 der Fachärzte
med. pract. Ba._ und med. pract. Ca._ leidet die Beschwerdeführerin insbesondere
an einer rezidivierenden depressiven Störung und einer posttraumatischen
Belastungsstörung. Gemäss der fachärztlichen Einschätzung besteht eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit seit mindestens zwei Jahren (act. G 30.1).
7.3.2 Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die Klinikärzte vermag bezogen auf
den Zeitraum der fürsorgerischen Unterbringung und danach zu überzeugen, jedoch
nicht hinsichtlich des Zeitpunktes des Erlasses der rentenaufhebenden Verfügung am
12. Dezember 2013, da im Klinikbericht einerseits Erläuterungen zu dieser
rückwirkenden Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit um fast zwei Jahre fehlen und
andererseits auch keine Differenzierung bzw. Konkretisierung hinsichtlich des
Tätigkeitsspektrums - für welche die 100%ige Arbeitsunfähigkeit Geltung beansprucht
- erfolgte.
7.4 Festzuhalten ist, dass weder die Berichte von Dr. Da._ und Dr. phil. Ea._ noch
der Klinikbericht von med. pract. Ba._ und med. pract. Ca._ relevante
Informationen und Erkenntnisse zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des Erlasses der strittigen Verfügung enthalten.
8.
8.1 Bei dieser Ausgangslage ist auf die Diagnosen und die
Arbeitsunfähigkeitseinschätzung von med. pract. G._ im Gutachten vom 21. März
2013 abzustellen. Da keine Anhaltspunkte vorliegen, welche das Abstellen auf einen
der beiden Maximalwerte (Arbeitsunfähigkeit zwischen 30% und 40%) gebietet, ist es
gerechtfertigt, vom Mittelwert auszugehen. Folglich ist bezogen auf den Zeitpunkt der
rentenaufhebenden Verfügung vom 12. Dezember 2013 von einer Arbeitsunfähigkeit
von 35% auszugehen. Damit ist im Folgenden der Invaliditätsgrad auf der Basis einer
Arbeitsfähigkeit von 65% für eine leidensadaptierte Tätigkeiten zu bemessen.
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8.2 Die Beschwerdeführerin erzielte im Jahr 2007 gemäss IK-Auszug ein Einkommen
von Fr. 50'612.- (IV-act. 6). Gemäss den Tabellenlöhnen der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik des Jahres 2006 betrug das durchschnittlich erzielte
Einkommen einer Hilfsarbeiterin (TA 1, Sektor Produktion, Frauen, Anforderungsniveau
4) angepasst auf die betriebliche Normalarbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche Fr.
50'878.- (Fr. 4'067.- pro Monat x 12 Monate / 40 Std. pro Woche x 41.7 Std. pro
Woche). Angepasst an die Nominallohnentwicklung der Frauen (1.5%; vgl. Bundesamt
für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der
Reallöhne, 1976-2016, Tabelle T 39) beträgt das Invalideneinkommen im Jahr 2007 Fr.
51'641.-. Da die Einkommen in etwa übereinstimmen, rechtfertigt es sich, einen
Prozentvergleich vorzunehmen.
8.3 Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob ein Tabellenlohnabzug gerechtfertigt ist (vgl.
Erwägung 2.1.4). Aus dem Gutachten von med. pract. G._ ergibt sich, dass die an
einem depressiven Leiden erkrankte Beschwerdeführerin selbst bei einfachen
Tätigkeiten eingeschränkt ist, kommen doch nur solche in Frage, die keine hohen
Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz sowie an die emotionale
Belastbarkeit stellen (vgl. IV-act. 113). Derartige einschränkende Faktoren wirken sich
in der Regel lohnsenkend aus. Ein Tabellenlohnabzug von 15% erscheint infolgedessen
als angemessen.
8.4 Mittels Prozentvergleich resultiert damit bei einer 65%igen Restarbeitsfähigkeit
unter der Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 15% ein Invaliditätsgrad von
45% ([1 - {0.65 x 0.85}] x 100). Die Beschwerdeführerin hat somit Anspruch auf eine
Viertelsrente. Anzumerken ist, dass selbst bei einen Tabellenlohnabzug von 10% der
gleiche Rentenanspruch resultieren würde.
8.5 Hinsichtlich des Zeitpunktes der Rentenreduktion von der bisher ausgerichteten
ganzen Rente auf neu eine Viertelsrente ist auf den in der Verfügung vom 12. Dezember
2013 genannten Zeitpunkt "auf Ende des folgenden Monats" abzustellen. Folglich hat
die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Viertelsrente ab dem 1. Februar 2014.
9.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
9.1 Die vom Bundesgericht verlangte bundesrechtskonforme Würdigung führt nach
dem Gesagten dazu, dass die im ursprünglichen Verfahren IV 2014/60 erhobene
Beschwerde teilweise gutzuheissen ist. Die angefochtene Verfügung vom 12.
Dezember 2013 ist aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine Viertelsrente ab dem
1. Februar 2014 zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenleistungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
9.2 Das kantonale Beschwerdeverfahren IV 2014/60 war kostenpflichtig. Die Kosten
sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.- bis Fr. 1'000.- festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr.
600.- erscheint als angemessen. Dem Ausgang des jetzigen Verfahrens IV 2017/215
entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl.
betreffend Überklagung Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
19. Dezember 2011, IV 2009/459, E. 5.2 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar
2008, 9C_466/2007, E. 5 mit Hinweisen). Somit hat die Beschwerdegegnerin die
gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen.
9.3 Für das vorliegende Verfahren (IV 2017/215) werden rechtssprechungsgemäss
keine Gerichtsgebühren erhoben.
9.4 Bei jetzigen Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung und
dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine Parteientschädigung für die
beiden Verfahren IV 2014/60 und IV 2017/215 von insgesamt Fr. 4'000.- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer). Das am 31. Januar 2014 bewilligte Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist damit
gegenstandslos geworden.