Decision ID: 8d540337-18d0-501e-8b69-d68a6142555a
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Am 16. Februar 2015 machte der Beschwerdeführer die Gemeinde Thun darauf
aufmerksam, dass der Beschwerdegegner auf Parzelle Thun Grundbuchblatt
Nr. D._, auf welchem er eine Bäckerei betreibt, einen Brotbackwagen in Form
eines grossen Lastwagenanhängers mehrmals pro Woche stationiere und während langen
Betriebszeiten mit Holz- oder Ölfeuerung betreibe. Dabei entstehe Rauch und Lärm, der
von den Anwohnern als lästig empfunden werde. Die Gemeinde Thun führte eine
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Besichtigung durch, an der auch Vertreter des beco1 anwesend waren, um die Situation in
Bezug auf Lärm und Luftreinhaltung zu beurteilen. Der Beschwerdegegner wurde
angehalten, das Heizgebläse mit einer schallisolierenden Abdeckung zu versehen und den
Kamin um einen Meter zu verlängern. Im Nachgang teilte der Beschwerdegegner der
Gemeinde mit, dass er diese Massnahmen umgesetzt habe.
2. Am 4. Juni 2015 führte das beco eine Lärmmessung und eine Beurteilung bezüglich
der Luftreinhaltung durch. Gemäss seinem Bericht vom 22. Juni 2015 stammen die
relevanten Lärmimmissionen vom Gebläse, das die Wärme vom Ofen (Öl oder Holz) zum
Backofen führt. Um 19.50 Uhr wurde bei geschlossenem Heckdeckel ein Lärmpegel von
59.50 dB(A) und bei offenem Heckdeckel ein Lärmpegel von 63.40 dB(A) ermittelt. Die
Belastungsgrenzwerte können nach der Beurteilung des beco nur mit Beachtung der
folgenden Auflagen eingehalten werden: 1. Wird der Backstuben-Anhänger bei der Bäckerei betrieben, darf das Gebläse der mobilen
Bäckerei frühestens ab 3 Uhr in der Nacht in Betrieb genommen werden.
2. Wird der Backstuben-Anhänger auswärts betrieben, muss eine Distanz von 30 m zum
nächsten lärmempfindlichen Raum (Fenster) eingehalten werden. Diese Distanz gilt für
das Betreiben der mobilen Bäckerei in einer ES II oder III.
3. Wird der Backstuben-Anhänger auswärts betrieben, darf das Gebläse der mobilen
Bäckerei frühestens ab 5 Uhr in der Nacht in Betrieb genommen werden.
4. Der Backstuben-Anhänger kann auch bei geschlossenem Heckdeckel des Gebläseraums
betrieben werden. Als Vorsorge ist dieser während der akustischen Nachtzeit, 19 - 7 Uhr,
geschlossen zu halten.
An der Adresse des Beschwerdeführers, Parzelle Thun Grundbuchblatt Nr. E._
(F._weg 43) wurde ein Lärmpegel von 39 dB(A) tagsüber und von 35 dB(A) nachts
berechnet, was gemäss dem Gutachten unter dem Grenzwert liegt.
Hinsichtlich der Luftreinhaltung kommt das beco in seinem Bericht vom 22. Juni 2015 zum
Schluss, dass der Brotbackwagen diesbezüglich korrekt betrieben und der Vorsorge
genügend Rechnung getragen wird. Mit grosser Wahrscheinlichkeit führe er am Wohnort
des Beschwerdeführers nicht zu übermässigen Geruchs- und Rauchbelästigungen.
1 beco Berner Wirtschaft der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern.
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3. Mit Verfügung vom 24. Juni 2015 ordnete die Gemeinde Thun an, dass der
Beschwerdegegner die im Fachbericht des beco vom 22. Juni 2015 verlangten Auflagen
strikte einzuhalten habe.
4. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 24. Juli 2015 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die
Feststellung, dass der Brotbackwagen auf Parzelle Nr. D._
baubewilligungspflichtig sei. Bis zum rechtskräftigen Entscheid über die Bewilligungspflicht
sei der Betrieb des Brotbackwagens einzustellen. Es sei durch eine von der BVE
beauftragte Fachstelle zu prüfen, ob die Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung
eingehalten seien. Schliesslich sei der Beschwerdegegner zu verpflichten, die
Vorsorgewerte des beco betreffend Lärmschutz beim Betrieb des Brotbackwagens
einzuhalten.
5. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde Thun beantragt in ihrer
Stellungnahme vom 21. August 2015, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei. Der Beschwerdegegner beantragt mit Beschwerdeantwort vom 23. August
2015 sinngemäss die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen
Verfügung.
Mit Verfügung vom 8. September 2015 wies das Rechtsamt das Gesuch um Anordnung
eines vorläufigen Benützungsverbots ab. Es bat den Beschwerdegegner, die Masse (Höhe,
Länge und Breite) des Brotbackwagens bekannt zu geben. Der Beschwerdegegner kam
dieser Aufforderung mit Eingabe vom 11. September 2015 nach.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG3 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Ein Anzeiger, der als Nachbar betroffen ist, kann sich im baupolizeilichen Verfahren als
Partei beteiligen4 und ist zur Beschwerde legitimiert, sofern er durch die angefochtene
Verfügung beschwert ist.
b) Die Gemeinde Thun weist in ihrer Stellungnahme vom 21. August 2015 darauf hin,
dass der Beschwerdeführer in dicht besiedeltem Gebiet in einer Distanz von über 100
Metern zum Brotbackwagen wohne; es sei daher zu prüfen, ob er unmittelbar in eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen sei.
Der Beschwerdeführer war am vorinstanzlichen Verfahren als Anzeiger beteiligt. Die
Gemeinde Thun ging davon aus, dass die Distanz zwischen dem Wohnhaus des
Beschwerdeführers und dem Brotbackwagen etwa 105 Meter beträgt.5 Misst man die
Distanz zwischen den beiden Grundstücken, beträgt die Distanz weniger als 100 Meter.
Nach der Praxis wird ein unmittelbares Betroffensein in schutzwürdigen Interessen in der
Regel angenommen, wenn die räumliche Distanz zum Immissionsobjekt unter 100 Metern
beträgt. Ist die Distanz höher, bedarf die besondere Betroffenheit einer näheren
Erörterung.6 Die Distanzregel ist insbesondere in Grenzfällen nicht starr anzuwenden.
Vorliegend stehen sowohl Lärm- als auch Geruchsimmissionen in Frage. Das beco hat in
seinem Bericht vom 22. Juni 2015 errechnet, dass der Betrieb des Brotbackwagens beim
Beschwerdeführer einen Lärmpegel von 39 dB(A) tagsüber und 35 dB(A) nachts
verursacht. Die entsprechenden Immissionen betreffen somit den Beschwerdeführer in
höherem Mass als beliebige Dritte. Hinsichtlich der Geruchs- und Rauchbelästigung geht
das beco in seinem Bericht davon aus, dass diese mit grosser Wahrscheinlichkeit für den
Beschwerdeführer nicht übermässig seien. Aufgrund der Distanz von rund 100 Metern ist
jedoch davon auszugehen, dass auch diese Immissionen für den Beschwerdeführer soweit
spürbar sind, dass er in schutzwürdigen Interessen betroffen ist. Der Beschwerdeführer ist
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 4 Art. 46 Abs. 2 Bst. a BauG. 5 Vorakten, pag. 73. 6 Vgl. René Wiederkehr, Die materielle Beschwer von Nachbarinnen und Nachbarn sowie von Immissionsbetroffenen, ZBl 2015 347 ff. S. 352 m.H. auf die bundesgerichtliche Praxis.
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somit durch die angefochtene Verfügung, mit welcher der Betrieb des Brotbackwagens auf
Parzelle Nr. D._ mit Auflagen zugelassen bleibt, beschwert und daher zur
Beschwerde legitimiert. Auf seine form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
c) Mit der angefochtenen Verfügung werden auch Anordnungen für den Betrieb des
Brotbackwagens an anderen Standorten getroffen. Die Beschwerdebegehren beziehen
sich sinngemäss nur auf den Betrieb des Brotbackwagens auf Parzelle Nr. D._.
Hinsichtlich des Auswärtsbetriebs des Brotbackwagens (Ziffern 4./2. und 4./3. des
Fachberichts Lärm- und Luftklage des beco vom 22. Juni 20157, auf welchen die
angefochtene Verfügung verweist), wäre denn auch die Legitimation zu verneinen.
2. Baubewilligungspflicht
a) Der Beschwerdeführer rügt, die Gemeinde sei zu Unrecht von der
Bewilligungsfreiheit des Brotbackwagens ausgegangen. Es handle sich nicht um eine
unbeheizte Kleinbaute nach Art. 6 Abs. 1 Bst. a BewD8, da der Brotbackwagen gewerblich
genutzt werde. Auch Art. 6 Abs. 1 Bst. o BewD sei nicht anwendbar, da der Brotbackwagen
ständig auf seinem Platz in Betrieb sei. Die Gemeinde habe die Begründungspflicht
verletzt, da sie in der angefochtenen Verfügung nicht darlege, weshalb sie von der
Bewilligungsfreiheit ausgehe.
b) Der Beschwerdeführer hatte in seiner Anzeige die Frage der Bewilligungspflicht
aufgeworfen. Die Gemeinde ging im baupolizeilichen Verfahren von der
Bewilligungsfreiheit aus und verneinte die Bewilligungspflicht implizit mit der angefochtenen
Verfügung. In einem E-Mail vom 1. Juni 2015 wies sie den Beschwerdeführer auf die
Bewilligungsfreiheit unbeheizter Kleinbauten gemäss Art. 6 Abs. 1 Bst. a BewD und auf die
einschlägige BSIG9-Weisung Nr. 7/725.1/1.1 der JGK10 und der BVE hin. Dabei bezog sie
sich allerdings, wie sie in ihrer Stellungnahme vom 21. August 2015 ausführt, auf einen
zusätzlichen Unterstand, welchen der Beschwerdeführer im vorangehenden E-Mail-
7 Vorakten, pag. 39 ff. 8 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 9 Bernische Systematische Information Gemeinden. 10 Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern.
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Verkehr erwähnt hatte.11 In Bezug auf den streitigen Brotbackwagen begründete die
Gemeinde nicht ausdrücklich, weshalb sie von der Bewilligungsfreiheit ausging.
c) Eine Verfügung muss die Tatsachen, Rechtssätze und Gründe enthalten, auf die sie
sich stützt.12 Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen den Entscheid
sachgerecht anfechten können. Deshalb muss die Behörde mindestens kurz die
Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid
stützt. Sie muss sich dabei nicht ausdrücklich mit jeder Behauptung zum Sachverhalt und
jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen. Vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken.13 Immerhin kann eine
Gehörsverletzung durch eine unterlassene oder ungenügende Begründung geheilt werden,
wenn die Begründung im Beschwerdeverfahren nachgeholt wird und dem
Beschwerdeführer dadurch kein Nachteil entsteht.14 Mit der Prüfung der Bewilligungspflicht
im vorliegenden Beschwerdeverfahren wird eine allfällige Verletzung der
Begründungspflicht durch die Gemeinde geheilt.
d) Die Gemeinde führt in ihrer Stellungnahme vom 21. August 2015 aus, der
Brotbackwagen sei mobil, also keine auf Dauer angelegte Baute nach Art. 1a BauG. Er
werde nur ein- bis zweimal pro Woche auf Parzelle Nr. D._ (G._strasse
19) betrieben. Ansonsten stehe er unbenutzt am gleichen Standort auf einem
baubewilligten Parkplatz oder werde auswärts an Märkten etc. eingesetzt.
e) Baubewilligungspflichtig sind nach Art. 1a Abs. 1 BauG alle künstlich geschaffenen
und auf Dauer angelegten Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester
Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu
beeinflussen, indem sie zum Beispiel den Raum äusserlich erheblich verändern, die
Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen. Dabei ist nicht entscheidend, ob
eine Baute fest mit dem Boden verbunden oder nur auf ihm abgestellt wird; ebenso wenig,
ob sie für den dauernden Bestand oder als nur vorübergehende Einrichtung gedacht ist.15
11 Vorakten, pag. 53-54. 12 Art. 52 Abs. 1 Bst. b des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 13 BGE 134 I 83 E. 4.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 6 ff. 14 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 11. 15 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 17.
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Auch Fahrnisbauten sind baubewilligungspflichtig, wenn damit so wichtige räumliche
Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer
vorgängigen Kontrolle besteht.16
f) Geringfügige Bauvorhaben sind nach Art. 1b Abs. 1 BauG bewilligungsfrei. Welche
Vorhaben darunter fallen, wird in Art. 6 BewD konkretisiert.17 Der streitige Brotbackwagen
wird von der Aufzählung der bewilligungsfreien Vorhaben in Art. 6 BewD nicht erfasst.
Das Vorliegen einer unbeheizten Kleinbaute nach Art. 6 Abs. 1 Bst. a BewD würde
bedingen, dass eine Grundfläche von 10 m2 und eine Höhe von 2,50 m nicht überschritten
werden. Nach den Angaben des Beschwerdegegners in seiner Eingabe vom 11.
September 2015 ist der Brotbackwagen 7 m lang, 2,36 m breit und über 3 m hoch. Sowohl
die Grundfläche als auch die Höhe übersteigen somit das Mass einer bewilligungsfreien
unbeheizten Kleinbaute nach Art. 6 Abs. 1 Bst. a BewD.
Eine kleine Nebenanlage nach Art. 6 Abs. 1 Bst. b BewD liegt nur vor, wenn ein örtlicher
oder funktioneller Bezug zu einer Hauptanlage besteht.18 Da der streitige Brotbackwagen
auch auswärts betrieben werden kann, fehlt es an einem solchen Bezug. Im Übrigen wäre
der Brotbackwagen aufgrund seiner Dimensionen und der aus seinem Betrieb
hervorgehenden Immissionen nicht als "klein" im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. b BewD zu
betrachten.19
Das Aufstellen einer Fahrnisbaute ist gemäss Art. 6 Abs. 1 Bst. m BewD während einer
Dauer von bis zu drei Monaten pro Kalenderjahr bewilligungsfrei. Vorliegend steht zwar der
Brotbackwagen nicht immer am fraglichen Ort, da er manchmal auch auswärts betrieben
wird; er wird jedoch nach einer Benützung jeweils wieder dort abgestellt. Die
Dreimonatsfrist nach Art. 6 Abs. 1 Bst. m BewD wird dadurch jeweils nicht unterbrochen.20
Die zeitliche Beschränkung nach Art. 6 Abs. 1 Bst. m BewD wird demnach nicht
eingehalten, so dass daraus keine Bewilligungsfreiheit abgeleitet werden kann. Aus
analogen Gründen kommt auch Art. 6 Abs. 1 Bst. o BewD (kleine Fahrnisbauten für
16 Vgl. BGE 119 Ib 222 E. 3a. 17 Vgl. dazu auch die BSIG-Weisung Nr. 7/725.1/1.1. 18 BSIG-Weisung Nr. 7/725.1/1.1, Ziff. 2 b). 19 Vgl. BSIG-Weisung Nr. 7/725.1/1.1, Ziff. 2 b). 20 BSIG-Weisung Nr. 7/725.1/1.1, Ziff. 2 m).
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touristische Zwecke) nicht zur Anwendung; solche Bauten dürften zudem eine Fläche von
10 m2 nicht übersteigen, was hier ebenfalls nicht zutrifft.21
Nach Art. 6 Abs. 1 Bst. n BewD ist das Aufstellen während der Nichtbetriebszeit von
einzelnen Mobilheimen, Wohnwagen oder Booten auf bestehenden Abstellflächen
bewilligungsfrei. Mit der Einschränkung auf die Nichtbetriebszeit werden dabei jedoch nur
Sachverhalte angesprochen, die keine Immissionen zeitigen. Der streitige Brotbackwagen
wird jedoch während einzelnen Tagen in der Woche zum Zweck des Brotbackens
betrieben und zeitigt dann Lärm- und Rauchimmissionen. Die Ausnahme von der
Bewilligungspflicht gemäss Art. 6 Abs. 1 Bst. n BewD ist daher auf diesen nicht anwendbar.
g) Während des Betriebs zeitigt der Brotbackwagen Umwelteinflüsse in Form von Lärm
sowie Geruchs- und Rauchentwicklung. Diese erreichen auch bei korrektem Betrieb ein
Ausmass, das nach Ansicht des beco den Erlass einschränkender Auflagen erheischt.
Aufgrund der Auswirkungen auf die Umwelt ist der Brotbackwagen nicht als Vorhaben zu
betrachten, das von gleicher oder geringerer Bedeutung ist als die in Art. 6 Abs. 1 BewD
aufgezählten. Damit entfällt auch eine Bewilligungsfreiheit unter Art. 6 Abs. 2 BewD.
Vielmehr ist aufgrund der Umwelteinflüsse davon auszugehen, dass ein Interesse der
Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle besteht. Demnach ist
gestützt auf Art. 1a Abs. 1 BauG die Baubewilligungspflicht zu bejahen.
3. Rückweisung an die Vorinstanz
a) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung ausgeführt, so setzt die
Baupolizeibehörde dem Grundeigentümer eine angemessene Frist zur Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme. Die
Wiederherstellungsverfügung wird aufgeschoben, wenn der Pflichtige innert 30 Tagen seit
ihrer Eröffnung ein Gesuch um nachträgliche Baubewilligung einreicht. Im nachträglichen
Baubewilligungsverfahren ist gegebenenfalls zu prüfen, ob das Bauvorhaben ganz oder
teilweise bewilligt werden kann (Art. 46 Abs. 2 BauG).
21 BSIG-Weisung Nr. 7/725.1/1.1, Ziff. 2 o).
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b) Da die Gemeinde von der Bewilligungsfreiheit des Bauvorhabens ausging, ist sie im
baupolizeilichen Verfahren nach Art. 1b Abs. 3 BauG vorgegangen und hat die erwähnten
Massnahmen des Wiederherstellungsverfahrens unterlassen. Das Verfahren ist daher an
die Gemeinde zurückzuweisen mit der Anweisung, dass ein Wiederherstellungsverfahren
nach Art. 46 Abs. 2 BauG zu eröffnen ist. Dem Beschwerdegegner ist dabei Gelegenheit
zur Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs einzuräumen. In einem allfälligen
Baubewilligungsverfahren ist die Einhaltung der anwendbaren Vorschriften insbesondere
hinsichtlich Lärmschutz und Geruchsimmissionen zu prüfen. Im Falle der Erteilung einer
Baubewilligung sind gegebenenfalls die maximal zulässigen Betriebstage pro Woche, die
Betriebszeiten und weitere nötige Auflagen bezüglich Lärmschutz und Luftreinhaltung zu
verfügen.
Im Rahmen des Wiederherstellungs- und gegebenenfalls des nachträglichen
Baubewilligungsverfahrens sind die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens neu zu
verlegen.
c) Soweit sich die angefochtene Verfügung auf den Betrieb des Brotbackwagens an
auswärtigen Standorten bezieht, erfolgte sie zu Recht ausserhalb eines
Baubewilligungsverfahrens. Die Anordnungen, welche sich auf den auswärtigen Betrieb
beziehen, werden im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht angefochten und auf
entsprechende Rügen wäre auch nicht einzutreten. Die entsprechenden Anordnungen
(Ziffern 4./2. und 4./3. des Fachberichts Lärm- und Luftklage des beco vom 22. Juni 201522,
auf welchen die angefochtene Verfügung verweist) werden mit dem vorliegenden
Entscheid nicht aufgehoben.
4. Zusammenfassung und Kosten
a) Nach dem Gesagten ist der Betrieb des Brotbackwagens auf der Parzelle
Nr. D._ baubewilligungspflichtig. Entsprechend ist die Beschwerde gutzuheissen.
Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben, soweit sie den Betrieb des Brotbackwagens
auf Parzelle Nr. D._ betrifft, und die Sache ist zur Fortsetzung des Verfahrens an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
22 Vorakten, pag. 39 ff.
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b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdegegner. Er hat die
Kosten des Hauptverfahrens zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt
auf eine Pauschalgebühr von Fr. 600.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 1 GebV23).
Da das Gesuch des Beschwerdeführers um Anordnung eines vorsorglichen
Benützungsverbots abgewiesen worden ist, hat der Beschwerdeführer die dabei
entstandenen Verfahrenskosten zu tragen. Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 300.–.
c) Der Beschwerdegegner hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten des
Hauptverfahrens zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der Parteivertreter des
Beschwerdeführers macht Parteikosten im Umfang von Fr. 4'917.80 (Honorar Fr. 4'500.–,
Auslagen Fr. 53.50, Mehrwertsteuer Fr. 364.30) geltend.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV24 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz.
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG25). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als
unterdurchschnittlich zu werten, da nur ein Schriftenwechsel stattfand und kein
Beweisverfahren durchgeführt wurde. Auch die Bedeutung der Streitsache und die
Schwierigkeit des Prozesses sind insgesamt als deutlich unterdurchschnittlich einzustufen.
Zu berücksichtigen ist ferner, dass der Beschwerdegegner die im Zusammenhang mit dem
Gesuch um Anordnung eines vorsorglichen Benützungsverbots entstandenen Parteikosten
nicht zu tragen hat. Für das Hauptverfahren erscheint ein Honorar von Fr. 3'000.– als
angemessen. Mit den Auslagen von Fr. 53.50 und der Mehrwertsteuer von Fr. 244.30
ergeben sich zu ersetzende Parteikosten in Höhe von Fr. 3'297.80.
23 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 24 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811). 25 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11).
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