Decision ID: 7149362a-a3cf-5ac6-995f-143948458e30
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 02.12.2011 Art. 16 Abs. 2 lit. d, Art. 30 Abs. 3 AVIG. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen Nichtbewerbung auf eine zugewiesene Stelle erfolgte zu Recht, obgleich deren Frist während den Ferien ablief. Die Zumutbarkeit der Stelle bezüglich Rücksicht auf die Fähigkeiten und die bisherige Tätigkeit wird bejaht (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. Dezember 2011, AVI 2011/2). Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 8C_66/2012. Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichter Martin Rutishauser, a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiberin Jeannine Bodmer Entscheid vom 2. Dezember 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführer, gegen RAV Oberuzwil, Wiesentalstrasse 22, Postfach, 9242 Oberuzwil, Beschwerdegegner, vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen, betreffend Einstellung in der Anspruchsberechtigung (zumutbare Arbeit) Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 25. November 2009 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) St. Gallen zur Arbeitsvermittlung und zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung an (act. G 3.1/A8 und 3.1/A10). Mit Formular vom 9. Juli
2010 meldete der Versicherte dem RAV, dass er vom 19. bis 23. Juli 2010 Ferien
machen werde (act. G 3.1/A40). Am 20. Juli 2010 wurde ihm vom RAV eine Stelle als
"Sozialpädagoge" zugewiesen. Er wurde aufgefordert, sich für diese Stelle bis zum 23.
Juli 2010 bei der Anstalt B._ (nachfolgend: Arbeitgeberin) zu bewerben (act. G 3.1/
A41).
A.b Am 26. August 2010 hielt der Versicherte im RAV-Formular "Ergebnis der
Zuweisung" fest, dass er sich nicht beworben habe. Einerseits habe der zeitliche
Rahmen nicht eingehalten werden können, da er in den Ferien gewesen sei,
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andererseits habe er sich vor seiner letzten Stelle bei derselben Arbeitgeberin
beworben und dort geschnuppert. Noch in der Schnupperzeit habe er abgesagt, da er
den Insassen kein Verständnis (Gewalt- und Sexualdelikte) habe entgegenbringen
können. Eine wertschätzende Begleitung sei für ihn nicht möglich (act. G 3.1/A45).
A.c Mit Schreiben vom 12. Oktober 2010 forderte das RAV den Versicherten auf, zur
Ablehnung der Stelle bzw. zur Vereitelung der Anstellung Stellung zu nehmen. Sofern
keine Stellungnahme eingehe, werde gestützt auf die vorhandenen Akten entschieden.
Dabei müsse er mit einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung für 31 Tage ab dem
26. Juli 2010 rechnen (act. G 3.1/A51).
A.d Mit Stellungnahme vom 13. Oktober 2010 führte der Versicherte aus, dass in
Ergänzung zu seinem Schreiben vom 26. August 2010 zwischen "zumutbarer Stelle"
und "fachlicher Voraussetzung" unterschieden werden müsse. Um empathisch fördern
zu können sei Verständnis bzw. Wertschätzung unabdingbar. Unter Zugrundelegung
obiger Ausführungen besitze er nicht die fachlichen Voraussetzungen, um die ihm
zugewiesene Stelle fachlich korrekt auszufüllen. Wie seinen Unterlagen zu entnehmen
sei, lägen seine Fähigkeiten in einem anderen sozialpädagogischen Arbeitsfeld (act.
G 3.1/A53).
A.e Das RAV verfügte am 27. Oktober 2010, dass der Versicherte ab 26. Juli 2010 für
27 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt werde. Durch seine Nichtbewerbung
habe er die Chance auf eine Festanstellung und somit auf Beendigung seiner
Arbeitslosigkeit im Voraus vereitelt. Unter Berücksichtigung des bereits im Vorfeld
stattgefundenen Kontakts mit der potentiellen Arbeitgeberin bestehe zwar ein gewisses
Verständnis für sein Verhalten, dennoch sei es nicht gerechtfertigt. Entgegen seiner
Bestreitung bringe dieser sehr wohl die fachlichen Qualifikationen für diese Stelle mit,
schliesslich sei auch der Umgang mit dieser speziellen Personengruppe erlernbar.
Angesichts aller Umstände werde ihm ein mittelschweres Verschulden angelastet (act.
G 3.1/A56).
B.
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B.a Dagegen erhob der Versicherte am 18. November 2010 Einsprache mit dem Antrag
auf Aufhebung und Ausrichtung der eingestellten Taggelder samt Zins gemäss dem
aktuellen Verzugszinssatz des kantonalen Steueramts St. Gallen. Er wies darauf hin,
dass die Stellenbewerbung auf den 23. Juli 2010 hätte erfolgen müssen, als er noch in
den Ferien gewesen sei. Daher sei die Anweisung zur Bewerbung unzulässig gewesen.
Für eine Interpretation, dass die Bewerbung nach den kontrollfreien Tagen erfolgen
müsse, gebe es keine gesetzliche Grundlage. Zudem habe er seine Ausbildung im
Behindertenbereich absolviert, wo er auch später gute Zeugnisse erhalten habe. Um
eine professionelle Arbeit leisten zu können sei Empathie bzw. Wertschätzung
gegenüber der Klientel, unabdingbar, auch wenn es sich dabei um Sexual- und
Gewalttäter handle. Ohne diese Voraussetzung seien unüberbrückbare Konflikte mit
den Straffälligen und eine anstehende Kündigung wegen fehlender Eignung
vorprogrammiert. Die zugewiesene Stelle nehme weder Rücksicht auf seine
Fähigkeiten, noch auf seine bisherige Tätigkeit, weshalb sie unzumutbar sei.
Schliesslich habe auch sein RAV-Berater seine Rückmeldung vom 26. August 2010 als
logisch und gerechtfertigt eingestuft (act. G 3.1/A59).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 7. Dezember 2010 wies das RAV die Einsprache ab.
In der Begründung hielt es fest, dass zwar tatsächlich keine ausreichende Frist zur
Bewerbung gewährt worden sei, der Versicherte die Bewerbung aber auch noch
umgehend nach seinem Urlaub hätte vornehmen können. Ansonsten hätte er sich bei
seinem Personalberater erkundigen müssen, wie weiter zu verfahren sei. Es sei jedoch
nicht tolerierbar, dass er eigenmächtig entschieden habe, auf eine Zuweisung nicht zu
reagieren. Ausserdem sei er ja vom Arbeitgeber bereits einmal zu einer Schnupperlehre
eingeladen worden, weshalb trotz seiner einseitigen Erfahrungen im
Behindertenbereich nicht ausgeschlossen worden sei, dass er dieser Aufgabe gerecht
werde. Im Übrigen habe der Personalberater gemäss eigenen Angaben lediglich
gemeint, dass er aus der Sicht des Versicherten dessen Entscheidung nachvollziehen
könne, nicht aber, dass sie gerechtfertigt sei (act. G 3.1/A64).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 4. Januar
2011, worin der Beschwerdeführer um Aufhebung der Einstellung und Nachzahlung der
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Taggelder, erhöht um den aktuellen Verzugszinssatz des kantonalen Steueramts
St. Gallen ersuchte. Zur Begründung brachte er die gleichen Argumente wie in der
Einsprache vom 18. November 2010 vor. Zusätzlich beanstandete er eine Verletzung
der Gewaltenteilung, da dieselbe Person sowohl die Verfügung als auch den
Einspracheentscheid erlassen habe.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2011 beantragte der
Beschwerdegegner mit Verweis auf den Einspracheentscheid die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3).
C.c Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 3.1/5).
C.d Am 5. Oktober 2011 ersuchte die Präsidentin des Versicherungsgerichts die
Arbeitgeberin um Auskunft bezüglich der Anforderungen an die Stelle als Sozialarbeiter
oder Sozialpädagoge unter Beilage einer aktuellen Stellenausschreibung. Ausserdem
erkundigte sie sich über noch vorhandene Unterlagen zur Bewerbung des
Beschwerdeführers im Jahr 2007 bzw., ob sich jemand an die Schnupperzeit des
Beschwerdeführers erinnern könne (act. G 6, G 6.1). Mit Schreiben vom 13. Oktober
2011 führte die Arbeitgeberin aus, dass sich die fachlichen Anforderungen an besagte
Stellensuchende in den letzten Jahren wenig verändert hätten, die Absagebriefe für ca.
ein Jahr aufbewahrt und die Bewerbungsunterlagen an die Bewerbenden
zurückgesandt oder vernichtet würden. Leider könne sich niemand mehr an die
Schnupperzeit des Beschwerdeführers erinnern. Was die Arbeit mit Eingewiesenen
betreffe, sei es eine Grundvoraussetzung, neben den fachlichen Kenntnissen in der
Sozialpädagogik eine persönliche vorurteilslose Haltung gegenüber den Betreuten zu
haben (act. G 7).
C.e Der Beschwerdeführer nahm mit Schreiben vom 15. November 2011 dazu Stellung.
Er betonte erneut, dass er nicht über eine vorurteilslose Haltung gegenüber einem Teil
der Eingewiesenen verfüge, weshalb eine Bewerbung für diese Stelle eine reine
Alibiübung bedeutet hätte (act. G 9).

Erwägungen:
1.
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1.1 In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, dass der angefochtene
Einspracheentscheid von der gleichen Person erlassen worden sei, welche bereits die
ablehnende Verfügung vom 27. Oktober 2010 erlassen habe (act. G 1).
1.2 Das Sozialversicherungsrecht selbst sieht in Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] das
Einspracheverfahren vor, um den Versicherten die Möglichkeit zu geben, sich zu einer
behördlich erlassenen Verfügung zu äussern und der verfügenden Behörde
Gelegenheit zu bieten, ihre Entscheidung zu überarbeiten. Dass die verfügende und
überprüfende Behörde bzw. Person dieselbe ist, macht das Wesen des
Einspracheverfahrens aus. Im Sinn einer Abweichung von dieser typischen
Einspracheordnung lassen Art. 100 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) den
Kantonen die Möglichkeit, anstelle der verfügenden Behörde oder Person die
kantonalen Amtsstellen als zuständig zum Erlass des Einspracheentscheids zu
bestimmen. Der Kanton St. Gallen hat von dieser Befugnis keinen Gebrauch gemacht.
Vorliegend hat dieselbe RAV-Mitarbeiterin sowohl die Verfügung erlassen (act. G 3.1/
A56) als auch den angefochtenen Einspracheentscheid unterschrieben (act. G 3.1/A64),
was der vom Bundesgesetzgeber und der vom kantonalen Gesetzgeber vorgesehenen
Ordnung entspricht.
2.
Am 1. April 2011 sind die Änderungen des AVIG in Kraft getreten (4. AVIG-Revision, AS
2011 1167 ff.). Da vorliegend eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung ab 26. Juli
2010 streitig ist, ist die Angelegenheit gestützt auf die allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln, wonach in zeitlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze
massgebend sind, die bei Verwirklichung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts
galten, auf Grund der alten (bis 31. März 2011 gültigen) Normen zu prüfen (vgl. BGE
130 V 445 E. 1 S. 446 f. mit Hinweis).
3.
3.1 Materiell streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zu Recht für 27 Tage
in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist.
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3.2 Die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, muss nach
Art. 17 Abs. 1 AVIG mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamts alles Zumutbare
unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie
verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes.
Sie muss zur Schadenminderung grundsätzlich jede zumutbare Arbeit unverzüglich
annehmen (Art. 16 Abs. 1 und 2 AVIG). Nach Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG ist eine
versicherte Person sodann in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie die
Kontrollvorschriften oder die Weisungen des Arbeitsamts nicht befolgt, namentlich eine
ihr zugewiesene zumutbare Arbeit nicht annimmt. Dieser Einstellungstatbestand ist
auch dann erfüllt, wenn sie die Arbeit zwar nicht ausdrücklich ablehnt, es aber durch ihr
Verhalten in Kauf nimmt, dass die Stelle anderweitig besetzt wird. Arbeitslose
Versicherte haben bei den Verhandlungen mit einem künftigen Arbeitgeber klar und
eindeutig die Bereitschaft zu einem Vertragsabschluss zu bekunden, um die
Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht zu gefährden (BGE 122 V 38 E. 3b). Eine
Ablehnung einer zumutbaren Arbeit liegt zudem vor, wenn die versicherte Person trotz
der Zuweisung einer Stelle durch das RAV dieser aus Nachlässigkeit nicht oder nicht
rechtzeitig nachkommt (ARV 1986 Nr. 5 S. 22 f. E. 1a).
3.3 Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung dient dazu, die
Schadenminderungspflicht der Versicherten durchzusetzen (BGE 126 V 130 E. 1). Sie
hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche die
Versicherten hätten vermeiden oder vermindern können. Ein Selbstverschulden der
versicherten Person liegt vor, wenn und soweit der Eintritt oder das Andauern der
Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach
den persönlichen Umständen und Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der
versicherten Person liegt, für das die Versicherung die Haftung nicht übernimmt (Urteil
des Bundesgerichts vom 8. Januar 2007, C 30/06, E. 3.2 mit Hinweisen). In
beweisrechtlicher Hinsicht muss der Einstellungstatbestand mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erfüllt sein (Urteil des EVG vom 11. Juni 2001, C 213/00, E. 1 mit Hinweis auf: ARV
1993/94 Nr. 31 S. 225 E. 3a).
4.
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Es steht fest und ist unbestritten, dass die Bewerbungsfrist (Bewerbung bis 23. Juli
2010) in der Zuweisung des Beschwerdegegners auf Grund der kontrollfreien
Bezugstage des Beschwerdeführers zu kurz bemessen war. Dennoch hätte der
Beschwerdeführer nach dem Bezug der kontrollfreien Tage, d.h. am 26. Juli 2010, der
Aufforderung zur Bewerbung nachkommen oder sich zumindest beim Personalberater
oder direkt bei der Arbeitgeberin erkundigen müssen, ob eine Bewerbung zeitlich noch
möglich und sinnvoll sei. Indem er dies unterliess, hat er seine
Schadenminderungspflicht verletzt. Er hat im Sinn der Rechtsprechung die Annahme
einer zumutbaren Stelle vereitelt, indem er sich gar nicht erst dafür beworben hat.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer stellt sich sodann auf den Standpunkt, die ihm zugewiesene
Arbeit sei ihm nicht zumutbar gewesen, weil er seine Ausbildung im
Behindertenbereich absolviert und bislang dort gute Zeugnisse erhalten habe. Da die
zugewiesene Stelle eine Arbeit mit Straftätern beinhalte, welche sich durch Sexual- und
Gewaltdelikte strafbar gemacht hätten, sei sie für ihn unzumutbar. Ihm fehle die
Fähigkeit mit Straftätern umzugehen, da er ihnen weder Verständnis, Wertschätzung
noch Empathie entgegenbringen könne. Ohne diese Voraussetzungen seien Konflikte
jedoch vorprogrammiert.
5.2 Gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG ist eine Arbeit dann unzumutbar, wenn sie nicht
angemessen auf die Fähigkeiten oder auf die bisherige Tätigkeit der versicherten
Person Rücksicht nimmt. Die gesetzliche Forderung nach angemessener
Rücksichtnahme auf die Fähigkeiten zielt auch darauf hin, dass die versicherte Person
in der Lage sein muss, die angebotene Arbeit sachgerecht ausführen zu können, weil
sich Arbeitgebende andernfalls getäuscht sehen und das Arbeitsverhältnis wieder
auflösen könnten. Die Arbeit darf das Fähigkeits- und Fertigkeitsniveau der
versicherten Person unterbeanspruchen, sie darf sie aber nicht überfordern. Ein hohes
Fähigkeitsniveau erweitert die Möglichkeiten der Vermittlung von zumutbarer Arbeit
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 6. Februar 2004, C 130/03,
E. 2.3 mit Hinweis auf: Gerhard Gerhards, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, N 15b zu Art. 16). Sowohl bezüglich der
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konkreten Fähigkeiten als auch hinsichtlich der an die Ausbildung und die
Berufserfahrung zu stellenden Erfordernisse gilt grundsätzlich, dass im
Bewerbungsverfahren zu prüfen ist, ob die betreffende Person die Anforderungen für
die zugewiesene Stelle erfüllt, oder ob sie sie unter- oder überschreitet (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Februar 2004, a.a.O., E. 2.4). Die geforderte Rücksichtnahme
auf die bisherige Tätigkeit soll schliesslich verhindern, dass die versicherte Person ihre
bereits vorhandenen beruflichen Qualifikationen verliert, weil ihr eine ausserberufliche
Arbeit zugewiesen wird. Besonders bedeutsam ist dies bei hoch qualifizierten
Berufsleuten (Gerhards, a.a.O., N 18 zu Art. 16) sowie in Berufen mit schnell
änderndem Fachwissen (Urteil des EVG vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.3).
5.3 Auch wenn aus den Akten ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer seine
Ausbildung mit besonderer Gewichtung auf der Betreuung von Menschen mit einer
Behinderung abschloss (vgl. act. G 3.1/A15) und seither mit Ausnahme von kurzen
Einsätzen als Betreuer von Asylbewerbern und als Sozialpädagoge in einer Klinik für
Jugendliche mit psychiatrischen Störungen überwiegend im Behindertenbereich tätig
war (vgl. act. G 3.1/A14) und somit keine Erfahrung bei der Arbeit mit Straftätern hat, ist
er von der Annahme einer solchen Stelle aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher
Sicht nicht befreit. Vielmehr hat er alles daran zu setzen, die Stelle trotzdem zu
bekommen und gegenüber dem Arbeitgeber, der gewillt ist, einen Stellensuchenden
trotz fehlender Erfahrung einzustellen, seine Bereitschaft zur Annahme der Stelle zu
zeigen. Zudem hat er den Entscheid des potentiellen Arbeitgebers abzuwarten und ihn
nicht vorwegzunehmen, mit dem Einwand, er sei für diese Stelle nicht geeignet. Der
Beschwerdeführer hat gemäss seinen Unterlagen die Ausbildung zum dipl.
Sozialpädagogen HFS abgeschlossen, welche eine wissenschaftlich fundierte und
praxisbezogene Grundkompetenz für die Bearbeitung der Aufgaben im
sozialpädagogischen Arbeitsfeld gewährleisten möchte und sich auf eine ganzheitliche
und interdisziplinäre Sicht der sozialen Prozesse stützt. Neben allgemeinen
sozialpädagogischen Themen findet sich auf der Ausbildungsbestätigung auch ein
Themenblock "Sozialpädagogische Arbeitsfelder im Nichtbehindertenbereich" (vgl. act.
G 3.1/A15). Daraus folgt, dass der Beschwerdeführer ganzheitlich geschult worden ist,
weshalb die ihm zugewiesene Stelle auch nicht als ausserberufliche Arbeit betrachtet
werden kann. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer bereits vor seiner letzten
Anstellung offenbar bei der Arbeitgeberin anlässlich von Schnuppertagen Einsicht in
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die Tätigkeit nehmen konnte, zeigt ebenfalls - wie der Beschwerdegegner zu Recht
ausführte -, dass ihn die Arbeitgeberin auf Grund seiner Fähigkeitsausweise und der
bisherigen Tätigkeiten als den Aufgaben gewachsen sah. Schliesslich hat auch die
Rückfrage bei der Arbeitgeberin keine Anhaltspunkte ergeben, dass der
Beschwerdeführer für die Stelle ungeeignet wäre. Lediglich seine persönliche
Abneigung gegen diese Art von Arbeit bzw. das Arbeitsumfeld, genügen als
Rechtfertigungsgrund für die Nichtbewerbung nicht. Es müsste in objektiver Hinsicht
nachgewiesen sein, dass der Beschwerdeführer für die zugewiesene Stelle ungeeignet
gewesen wäre. Daran fehlt es; jedenfalls lässt sich aus der Antwort des
Massnahmenzentrums B._ vom 13. Oktober 2011 keine objektive Nichteignung des
Beschwerdeführers ableiten.
5.4 Schliesslich vermag der Beschwerdeführer auch mit der Argumentation, sein
Personalberater habe seine Rückmeldung und Stellungnahme vom 26. August bzw. 13.
Oktober 2010 als gerechtfertigt beurteilt, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
Einerseits weist der zuständige Berater eine solche Aussage vehement zurück (act.
G 3.1/A60), andererseits ist auch dem Besprechungsprotokoll vom 27. August 2010 zu
entnehmen, dass dieser die unterlassene Bewerbung zuerst "informell" durch den
Rechtsdienst prüfen lassen und, falls notwendig, eine reguläre Meldung erstellen werde
(act. G 3.1/A44). Hätte er demgegenüber zum Verhalten des Beschwerdeführers
Zustimmung signalisiert, hätte er kaum selbst eine Meldung verfasst.
5.5 Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer durch sein Verhalten
seine Schadenminderungspflicht verletzt hat. Er hat im Sinn der Rechtsprechung die
Annahme einer zumutbaren Stelle vereitelt, indem er sich gar nicht erst dafür beworben
hat. Damit ist die Einstellung in der Anspruchsberechtigung grundsätzlich zu Recht
erfolgt.
6.
6.1 Zu prüfen bleibt, ob die vom Beschwerdegegner verhängten 27 Einstelltage
angemessen sind.
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6.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Rechtsprechungsgemäss (BGE 122 V 38
E. 3b) ist bei der Bemessung der Einstellungsdauer wegen nicht genügender
Bewerbung für eine Anstellung der gleiche Verschuldensmassstab anzulegen wie im
Fall der Ablehnung einer nach Art. 16 Abs. 1 AVIG zumutbaren Arbeit. In dieser Hinsicht
sieht Art. 45 Abs. 4 AVIV vor, dass die Ablehnung einer zumutbaren Arbeit - und somit
auch das Nichtbewerben auf eine konkrete Stelle - grundsätzlich ein schweres
Verschulden darstellt. Die Rechtsprechung hat jedoch entschieden, dass im konkreten
Fall Gründe vorliegen können, die das schwere Verschulden als leichter erscheinen
lassen (BGE 130 V 130 E. 3.4.3), wobei hinsichtlich der subjektiven Situation der
betroffenen Person etwa gesundheitliche Probleme, auf der objektiven Seite etwa die
Befristung einer Stelle berücksichtigt wurde (vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Januar 2007, C 30/06, E. 6.1).
6.3 Der Beschwerdegegner hat bei der Bemessung der Einstelltage den besonderen
Umständen der strittigen Stelle Rechnung getragen, indem er das Verschulden von
einem schweren auf ein mittelschweres herabstufte (act. G 3.1/A64). Vorliegend sind
keine Gründe ersichtlich in den Ermessensbereich der Verwaltung einzugreifen.
7.
Im Sinn der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP