Decision ID: 0cd2e438-eb90-45cf-8521-63e712866b82
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 23.08.2010 Art. 8 ATSG, Art. 16 ATSG, Art. 28 f. IVG. Invaliditätsbemessung. Art. 43 ATSG. Sachverhaltsabklärung/Untersuchungspflicht: Stirbt die versicherte Person, bevor eine unumgängliche medizinische Abklärung ihrer Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit erfolgen kann, so tragen die in das Verfahren eintretenden Erben den Nachteil der Beweislosigkeit, d.h. es besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. August 2010, IV 2008/502).
Entscheid Versicherungsgericht, 23.08.2010
Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und
Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl
Entscheid vom 23. August 2010
in Sachen
Erben des A._ sel.,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 19. Dezember 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an. Dr. med.
B._ berichtete der IV-Stelle am 25. Februar 2008, der Versicherte leide an einem
zervikospondylogenen Schmerzsyndrom rechts (erhebliche Osteochondrosen,
Spondylosen HWS, breitbasige Diskusprotrusion und Foraminaleinengung C6/7 rechts)
und an einem Impingement-Syndrom bei SLAP-Läsion Schulter rechts (St. n.
subacromialem Debridement 1. September 2007). Bei seiner Arbeit im Fensterbau sei
der Versicherte vom 25. September 2006 bis zum 19. August 2007 zu 50% arbeitsfähig
gewesen. Seit dem 20. August 2007 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die
Arbeit beinhalte vor allem Schleifarbeit mit der rechten Hand bzw. mit dem rechten
Arm. Das sei aufgrund der Schmerzen und der Funktionsbeeinträchtigung nicht mehr
möglich. Die C._ gab der IV-Stelle am 2. April 2008 an, die Arbeit des Versicherten
habe aus dem Verputzen von Holz, aus dem Zwischenschliff und aus dem Spritzen
(Lackieren) bestanden. Im Jahr 2005 habe der Versicherte Fr. 52'654.55 verdient.
Gemäss den Einträgen im individuellen Beitragskonto des Versicherten hatte der
Bruttolohn (immer beim selben Arbeitgeber) im Jahr 2004 Fr. 53'382.-, im Jahr 2003 Fr.
42'248.-, im Jahr 2002 Fr. 52'761.-, im Jahr 2001 Fr. 51'942.- und im Jahr 2000 Fr.
49'504.- betragen.
B.
Dr. med. D._ von der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen
berichtete der IV-Stelle am 21. April 2008, es bestehe ein St. n. Schulterarthroskopie
mit subacromialem Debridement rechts im September 2007. Ausserdem leide der
Versicherte an einem zervikospondylogenen Schmerzsyndrom rechtsbetont, bei
Uncarthrose C6/7 und negativer Facettengelenksinfiltration im Februar 2008. Der
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Versicherte klage über Schmerzen im Bereich der rechten Schulter, des rechten
Schulterblatts und der rechten Hand. Die HWS-Beweglichkeit sei eingeschränkt, der
Sperling-Test sei negativ gewesen und es bestehe eine Hypaesthesie im Bereich des
Oberarms lateral rechts. Eine rechtsseitige Belastung sei nicht möglich. Für eine feine
manuelle Arbeit ohne grosse Belastung sei der Versicherte vollzeitlich einsetzbar,
wobei die Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt sei. Danach gefragt, ob die attestierte
Arbeitsfähigkeit ganztags mit reduzierter Leistung oder in Teilzeit mit voller Leistung
realisierbar sei, unterstrich Dr. med. D._ die erste Antwort. Dr. med. E._ vom RAD
empfahl am 23. Mai 2008 die Einholung eines Verlaufsberichts der Orthopädie, da nun
doch keine neurochirurgische Operation stattfinde. Da kein orthopädischer Bericht
erstattet werden konnte, empfahl Dr. med. E._ eine orthopädische RAD-
Untersuchung. Am 7. August 2008 wurde der Versicherte vom RAD für diese
Untersuchung aufgeboten. Der Sohn des Versicherten teilte am 13. August 2008 mit,
sein Vater sei am 8. Juni 2008 gestorben.
C.
Dr. med. B._ berichtete der IV-Stelle am 22. August 2008, der Versicherte sei zu
100% arbeitsunfähig geblieben. Der Tod sei auf einen plötzlichen Herzstillstand
zurückzuführen gewesen. Dr. med. E._ hielt am 29. August 2008 fest, von Seiten des
Herzens hätten im Vorfeld keine Funktionsausfälle und damit auch keine
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit bestanden. Die Hals-Nacken-Schulterschmerzen
hätten nicht mehr orthopädisch begutachtet werden können. Die behandelnden
Orthopäden hätten keine Funktionsausfälle mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
beschrieben und sie hätten auch nicht zur Arbeitsfähigkeit Stellung genommen. Für die
Arbeit beim letzten Arbeitgeber sei ab 25. September 2006 von einer Arbeitsunfähigkeit
von 50% und ab August 2007 von 100% auszugehen. Gestützt auf die Einschätzung
des Neurochirurgen sei davon auszugehen, dass das Schulterleiden nur qualitativ
eingeschränkt habe. Die Leistungseinschränkung in einer adaptierten Erwerbstätigkeit
habe 30% betragen. Adaptiert wäre eine Tätigkeit gewesen, die keine fixierte
Kopfhaltung, keine Kraftauswirkung auf die obere Extremität, keine Überkopfarbeit und
keine Akkordarbeit beinhaltet hätte, die leicht gewesen wäre und vermehrte Pausen
zugelassen hätte. Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen von Fr. 55'208.- mit
einem zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 38'646.- und ermittelte so einen
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Invaliditätsgrad von 30%. Mit einem Vorbescheid vom 23. September 2008 teilte sie
der Witwe des Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Rentenbegehren
abzuweisen. Am 3. November 2008 eröffnete sie der Witwe die Abweisungsverfügung.
D.
Die Erbengemeinschaft des Versicherten liess am 3. Dezember 2008 Beschwerde
erheben. Ihr Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer Rente basierend auf einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50%. Zur Begründung machte er geltend, der
Hausarzt habe den Versicherten auch für eine leichte Tätigkeit als voll arbeitsunfähig
beurteilt. Der RAD habe sich auf die Einschätzung der Neurochirurgen gestützt und für
eine adaptierte Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 0% angenommen. In einer
adaptierten Tätigkeit hätte der Versicherte aber weniger als an seinem letzten
Arbeitsplatz verdient. Ausserdem hätten ein Teilzeit- und ein Leidensabzug
berücksichtigt werden müssen. In der Beschwerdeergänzung vom 28. April 2009
machte der Rechtsvertreter der Erbengemeinschaft geltend, es bestehe kein
nachvollziehbarer Grund für die Abweichung von der Arbeitsfähigkeitsschätzung des
Hausarztes. Verschiedene Ärzte seien von einer erheblichen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen. Der Arzt des RAD habe eine ergänzende Begutachtung für notwendig
gehalten. Deshalb könne nicht per se auf die Einzelmeinung des Neurochirurgen
abgestellt werden. Selbst bei einer Arbeitsunfähigkeit von 30% bestünde ein Anspruch
auf eine Viertels-, wenn nicht sogar auf eine halbe Rente.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 7. August 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte
aus, der Oberarzt der Neurochirurgie habe eine adaptierte Tätigkeit in Vollzeit ohne
verminderte Leistungsfähigkeit als zumutbar betrachtet. Der Arzt des RAD sei aus
Vorsicht von einer Arbeitsunfähigkeit von 30% statt von 0% ausgegangen. Damit sei
der Leidensabzug vollständig abgegolten. Ein zusätzlicher Abzug sei nicht
gerechtfertigt. Es sei statistisch nicht erweisen, dass leichte Hilfsarbeiten schlechter
entlöhnt würden. Der Lohn des Versicherten habe nie den Durchschnittslohn der
Ungelernten erreicht. Der Invaliditätsgrad betrage somit nur 30%.
F.
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Der Rechtsvertreter der Erbengemeinschaft des Versicherten liess die ihm eingeräumte
Nachfrist zur Replik unbenützt verstreichen.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren
Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und der
Invalidenkarriere voraus. Ohne die Beeinträchtigung orthopädischer Art wäre der
Versicherte weiterhin an seinem Arbeitsplatz bei der C._ tätig gewesen. Nach dem
Eintritt dieser Gesundheitsbeeinträchtigung hat der Versicherte nicht mehr gearbeitet.
Es wäre ihm aber möglich und zumutbar gewesen, eine körperlich adaptierte Hilfsarbeit
auszuüben. Das Valideneinkommen bestimmt sich demnach nach dem Lohn, den der
Versicherte erzielt hätte, wenn er weiterhin uneingeschränkt an seinem Arbeitsplatz bei
der C._ hätte tätig sein können. Das zumutbare Invalideneinkommen hängt nicht nur
von der Invalidenkarriere, sondern auch von der in einer adaptierten Tätigkeit
bestehenden Arbeitsfähigkeit ab. Zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten liegt eine Reihe
von medizinischen Einschätzungen vor. Dabei ist zu beachten, dass sich nicht alle
diese Einschätzungen auf eine adaptierte Erwerbstätigkeit beziehen. Der Hausarzt Dr.
med. B._ hat sich sowohl in seinem ersten Bericht an die Beschwerdegegnerin vom
25. Februar 2008 als auch in seinem zweiten Bericht vom 22. August 2008 nur auf die
bisherige, d.h. auf eine nicht-adaptierte Erwerbstätigkeit bezogen. Seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung (100% arbeitsunfähig) ist deshalb für die Ermittlung des
zumutbaren Invalideneinkommens nicht relevant. Arbeitsfähigkeitsschätzungen, die
sich auf eine adaptierte Erwerbstätigkeit bezogen haben, sind nur von Dr. med. D._,
Neurochirurg am Kantonsspital St. Gallen, und von Dr. med. E._ vom RAD
abgegeben worden. Dr. med. D._ hat am 21. April 2008 keine klaren Angaben
gemacht. Er hat zwar angegeben, eine adaptierte Tätigkeit sei dem Versicherten
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vollzeitlich zumutbar. Aber gleichzeitig hat er darauf hingewiesen, dass die
Besserungsfähigkeit bei einer anterioren Spondylodese nicht mehr als 80% betrage,
und er hat die im Fragebogen vorgedruckte Frage, ob der Versicherte die attestierte
Arbeitsfähigkeit ganztags mit reduzierter Leistung realisieren könne, unterstrichen. Es
fehlt also eine klare Aussage von Dr. med. D._ über die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten in einer adaptierten Erwerbstätigkeit. Hinzu kommt, dass es sich um die
Angaben eines behandelnden Arztes handelt, der aufgrund des entsprechenden
Auftragsverhältnisses zum Versicherten zumindest den Anschein der Befangenheit
erweckt, so dass seine Aussage für sich allein praxisgemäss nicht ausreicht, um die
Arbeitsfähigkeit mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen. Dr. med. E._ vom RAD hat die Angaben von Dr. med.
D._ also zu Recht als nicht überzeugend qualifiziert und deshalb eine orthopädische
Begutachtung vorgesehen. Diese Begutachtung hat nicht mehr stattfinden können. Dr.
med. E._ hat versucht, anhand der ihm vorliegenden medizinischen Akten jene
Erkenntnis über die Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu erlangen, die er von der
orthopädischen Begutachtung erwartet hatte. Würden die vorhandenen medizinischen
Akten ausreichen, um den Arbeitsfähigkeitsgrad des Versicherten in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, so wäre die orthopädische Abklärung überflüssig
gewesen. Das war sie aber offenkundig nicht, was sich auch darin zeigt, dass Dr. med.
E._ in seiner Stellungnahme vom 29. August 2008 nicht einmal versucht hat, seine
Einschätzung (30% arbeitsunfähig) zu begründen. Daraus folgt, dass die von Dr. med.
E._ vorgenommene aktenmässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten
in einer adaptierten Erwerbstätigkeit nur mit einer gewissen Plausibilität, aber nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit richtig ist. Erst die orthopädische Begutachtung
hätte die überwiegend wahrscheinlich richtige Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit geliefert. Das bedeutet, dass der massgebende
Sachverhalt, nämlich das zumutbare Invalideneinkommen und damit der
Invaliditätsgrad, nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ermittelt werden kann, weil keine orthopädische Begutachtung mehr möglich ist und
weil die vorhandenen medizinischen Akten die Begutachtung nicht ersetzen können. Es
liegt also ein Zustand der Beweislosigkeit in Bezug auf die leistungsrelevante Invalidität
des verstorbenen Versicherten vor. Da die Erben des Versicherten aus der Behauptung
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einer Invalidität von mindestens 40% einen Leistungsanspruch ableiten, tragen sie den
Nachteil der Beweislosigkeit. Die Beschwerdegegnerin hat also im Ergebnis zu Recht
einen Rentenanspruch verneint.
2.
Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG (vor dem 1. Januar 2008 Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG)
entsteht der Rentenanspruch, wenn die versicherte Person während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen
ist und weiterhin eine Invalidität von mindestens 40% besteht. Gemäss den Angaben
des Hausarztes Dr. med. B._ ist der Versicherte an seinem Arbeitsplatz bei der C._
ab dem 25. September 2006 durchgehend zu 50% und ab 20. August 2007
durchgehend zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Diese Einschätzung ist von den
anderen Ärzten nicht in Frage gestellt worden. Würde sich der in Art. 28 Abs. 1 lit. c
IVG verwendete Begriff der Invalidität auf die Situation am letzten Arbeitsplatz
beziehen, wäre im September 2007 eine vorläufige, aus der behinderungsbedingten
Lohneinbusse am letzten Arbeitsplatz resultierende, rentenbegründende Invalidität
eingetreten, denn der Versicherte wäre ja über September 2007 hinaus in einem
rentenbegründenden Ausmass arbeitsunfähig geblieben. Weist eine versicherte Person
eine berufliche Qualifikation auf, steht ihr in der Regel keine behinderungsadaptierte,
der bisherigen qualitativ gleichwertige Arbeitsmöglichkeit zur Verfügung. So kann
beispielsweise ein Maurerpolier, der wegen Knieproblemen seinen Beruf nicht mehr
oder nur noch sehr eingeschränkt ausüben kann, nicht einfach als technischer
Kaufmann tätig sein. Er benötigt dazu eine Umschulung. Für die Zeit zwischen dem
Ende des Wartejahres und dem Beginn der beruflichen Eingliederung der beruflich
qualifizierten versicherten Person (bzw. dem Beginn der Ausrichtung eines
Wartezeittaggeldes) besteht ein Anspruch auf eine "vorläufige" Invalidenrente, die sich
auf einen "vorläufigen" Invaliditätsgrad stützt und die dann entweder spätestens mit
dem Abschluss der beruflichen Eingliederung endet oder durch eine "definitive" Rente
abgelöst wird. Viele rückwirkende Rentenzusprachen bestehen aus einer ersten Phase
der Ausrichtung einer "vorläufigen" Rente und der anschliessenden Phase der
Ausrichtung einer "definitiven" Rente. Das alles gilt nicht für Hilfsarbeiter. Diese können
nämlich definitionsgemäss ohne berufliche Eingliederung
– mit Ausnahme der Arbeitsvermittlung und einer allfälligen kurzen Einarbeitung – jede
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andere und damit auch eine behinderungsadaptierte Hilfsarbeit ausüben. Die IV-
spezifische Schadenminderungspflicht (wie sie beispielsweise auch in Art. 6 Satz 2
ATSG oder in Art. 16 ATSG mit dem Begriff der "zumutbaren" Tätigkeit zum Ausdruck
kommt) verlangt von ihnen, dass sie eine adaptierte Hilfsarbeit ausüben. Ist ein
Hilfsarbeiter, der an seinem bisherigen Arbeitsplatz arbeitsunfähig ist, nach dem Ablauf
des Wartejahres nicht an einem adaptierten Arbeitsplatz tätig, ist er also nicht
"vorläufig" invalid, sondern arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit kann aber natürlich keinen
Anspruch auf eine ("vorläufige") Invalidenrente begründen. Das gilt auch in jenen Fällen,
in denen ein über das Ende des Wartejahres hinaus bestehender Arbeitsvertrag mit
dem bisherigen Arbeitgeber besteht oder in denen mit dem Ende des Wartejahres noch
nicht feststeht, ob die Arbeitsfähigkeit an der bisherigen Arbeitsstelle allenfalls mittels
einer medizinischen Eingliederung wiedererlangt werden kann. Auch diese Umstände
bilden kein von der Invalidenversicherung mittels einer Rente zu deckendes
versichertes Risiko, selbst wenn eine über das Ende des Wartejahres hinaus
anhaltende behinderungsbedingte Arbeitsunfähigkeit am bisherigen (Hilfs-) Arbeitsplatz
vorliegt. Bezogen auf den vorliegend zu beurteilenden Fall bedeutet das, dass auch
kein Anspruch auf eine "vorläufige" Invalidenrente besteht, denn es wäre dem
Versicherten möglich und zumutbar gewesen, spätestens auf den Ablauf des
Wartejahres per 1. September 2007 eine neue, behinderungsadaptierte Hilfsarbeit
aufzunehmen. Auch für eine solche hypothetische Arbeitsstelle muss dann gelten, dass
der Nachweis einer rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit bzw. einer "vorläufigen"
Invalidität objektiv nicht geführt werden kann, so dass der Nachteil der Beweislosigkeit
beim Versicherten bzw. dessen Erben liegt.
3.
Gemäss diesen Ausführungen besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente, so dass
die Beschwerde abzuweisen ist. Die unterliegenden Erben des Versicherten haben
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung; das entsprechende Begehren ist
abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst
sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Das Beschwerdeverfahren
hat einen unterdurchschnittlichen Aufwand verursacht. Deshalb erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 400.- als angemessen. Diese Gebühr ist durch den
bis
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Kostenvorschuss von Fr. 600.- gedeckt. Die Differenz von Fr. 200.- ist den Erben des
Versicherten zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG