Decision ID: ceae1c42-1635-4006-920b-e030d84794b8
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X lenkte am 31. Oktober 2010 als Lernfahrer ein Kleinmotorrad mit einer nicht
berechtigten Begleitperson und wurde deshalb mit Verfügung des
Strassenverkehrsamtes vom 29. Dezember 2010 verwarnt. Am 18. Mai 2011 erwarb er
den Führerausweis der Fahrzeugkategorie A1. Seit 23. Februar 2012 ist er für die
Fahrzeugkategorie B fahrberechtigt.
B.- Wegen des Verdachts, in der Zeit von November 2011 bis Juni 2015 mehrfach
Betäubungsmittel verkauft zu haben, wurde X am 11. September 2015 von der
Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden einvernommen. Dabei gab er an, zweimal
Methylendioxymethamphetamin (MDMA) gekauft und konsumiert zu haben. Das erste
Mal im Jahr 2014 am Openair St. Gallen und das zweite Mal an einem Festival in
Offenburg (Deutschland) im Juni 2015. Er bestritt hingegen, Ecstasy, Kokain und
MDMA verkauft zu haben.
C.- Nach Eingang des Berichts der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden vom
23. September 2015 eröffnete das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons
St. Gallen am 25. November 2015 gegenüber X ein Verfahren zur Abklärung der
Fahreignung und kündigte die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung
an. Dazu nahm X mit Schreiben vom 1. Dezember 2015 Stellung. Mit
Zwischenverfügung vom 2. Dezember 2015 ordnete das Strassenverkehrsamt eine
verkehrsmedizinische Untersuchung an.
D.- Dagegen erhob X, inzwischen vertreten durch seinen Vater Y, mit Eingabe vom
15. Dezember 2015 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und ersuchte um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege. Mit Schreiben vom 18. Dezember 2015 reichte er
Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen nach und am 10. Januar 2016 nahm er
ergänzend Stellung. Mit Verfügung vom 1. März 2016 wies der Verfahrensleiter das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mangels Prozessarmut ab. Am 23. März 2016
ging nochmals eine zusätzliche Stellungnahme ein. Das Strassenverkehrsamt
verzichtete mit Schreiben vom 12. April 2016 auf eine Vernehmlassung.
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Vor der Beurteilung des Rekurses erkundigte sich die Verwaltungsrekurskommission
bei der Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden nach dem Stand des gegen X
eingeleiteten Strafverfahrens. Die Staatsanwaltschaft stellte der
Verwaltungsrekurskommission daraufhin zwei rechtskräftige Strafbefehle zu. Aus
diesen ergibt sich, dass X am 6. Februar 2012 wegen Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz (Abgabe von Kleinmengen sowie Kauf und Konsum von
Marihuana), begangen zwischen 3. November 2009 und 3. November 2011, zu einer
Busse von Fr. 300.– sowie am 27. Oktober 2015 wegen Besitzes und Konsums von
Betäubungsmitteln, begangen vom 1. Januar 2012 bis 7. Mai 2015, zu einer Busse von
Fr. 300.– und einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 30.– verurteilt
wurde. Mit Schreiben vom 17. Juni 2016 setzte die Verwaltungsrekurskommission die
Parteien über den Beizug der Strafbefehle in Kenntnis und stellte ihnen die Strafbefehle
in Kopie zu. Der Vater des Rekurrenten reichte am 19. Juni 2016 nochmals eine
Stellungnahme ein.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten und die Akten wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 15. Dezember 2015 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung des
Rekurrenten zweifelte und mit der angefochtenen Zwischenverfügung eine
verkehrsmedizinische Untersuchung anordnete.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
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Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Art. 16d SVG regelt
den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Danach werden der Lernfahr-
oder Führerausweis einer Person unter anderem dann auf unbestimmte Zeit entzogen,
wenn sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Abs. 1 lit. b), wie
beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit (vgl. Botschaft zur
Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4462 ff.,
S. 4491). Weil der Sicherungsentzug tief in den Persönlichkeitsbereich des Betroffenen
eingreift, sind in jedem Fall und von Amtes wegen die persönlichen Verhältnisse des
Betroffenen genau abzuklären. Das Ausmass der notwendigen behördlichen
Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten eingeholt
werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im
pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (Philippe Weissenberger, Kommentar
SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 16d N 4).
b) Gemäss Art. 15d Abs. 1 SVG wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung
unterzogen, wenn Zweifel an ihrer Fahreignung bestehen. In einer nicht
abschliessenden Aufzählung nennt Art. 15d Abs. 1 SVG Beispiele von Fällen, in denen
Zweifel an der Fahreignung vorliegen. Dies ist unter anderem der Fall bei Fahren unter
dem Einfluss von Betäubungsmitteln oder bei Mitführen von Betäubungsmitteln, die die
Fahrfähigkeit stark beeinträchtigen oder ein hohes Abhängigkeitspotential aufweisen
(lit. b). Die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung bei zweifelhafter
Fahreignung ist sodann in Art. 11b Abs. 1 lit. a der Verkehrszulassungsverordnung (SR
741.51, abgekürzt: VZV) ausdrücklich geregelt. Sie dient der Abklärung, ob die
medizinischen Mindestanforderungen gemäss Art. 7 Abs. 1 VZV erfüllt sind. Die
Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung der Fahreignung (im Hinblick
auf die Prüfung eines allfälligen Sicherungsentzuges) setzt konkrete Anhaltspunkte
dafür voraus, dass der fragliche Inhaber des Führerausweises mehr als jede andere
Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem Zustand ans Steuer eines Fahrzeuges
zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet (BGE 127 II 122 E. 3c, 124
II 559 E. 3d, je mit Hinweisen). Ein verkehrsmedizinisches Gutachten drängt sich immer
dann auf, wenn die konkreten Umstände hinreichend verdichtete Hinweise darauf
liefern, dass die betroffene Person von einer die Fahrfähigkeit beeinträchtigenden
Substanz abhängig sein könnte (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_282/2007 vom
13. Februar 2008 E. 2.3). Hingegen wird für die Anordnung einer verkehrsmedizinischen
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Untersuchung nicht zwingend vorausgesetzt, dass die betroffene Person unter dem
Einfluss von Betäubungsmitteln gefahren ist oder Betäubungsmittel im Fahrzeug
mitgeführt hat (BGer 1C_328/2013 vom 18. September 2013 E. 3.2 und 1C_445/2012
vom 26. April 2013 E. 3.2).
c) Drogensucht wird nach der Rechtsprechung bejaht, wenn die Abhängigkeit von der
Droge derart ist, dass der Betroffene mehr als jede andere Person der Gefahr
ausgesetzt ist, sich ans Steuer eines Fahrzeugs in einem – dauernden oder zeitweiligen
– Zustand zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Im Interesse der
Verkehrssicherheit setzt die Rechtsprechung den regelmässigen Konsum von Drogen
der Drogenabhängigkeit gleich, sofern dieser seiner Häufigkeit und Menge nach
geeignet ist, die Fahreignung zu beeinträchtigen (vgl. BGE 127 II 122 E. 3a und c mit
Hinweisen). Auf eine fehlende Fahreignung darf geschlossen werden, wenn die Person
nicht mehr in der Lage ist, Drogenkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu
trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht, dass sie im akuten
Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt (vgl. BGE 129 II 82 E. 4.1).
Der Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht mit dem medizinischen
Begriff der Drogenabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber
jedenfalls ein Drogenmissbrauch vorliegt, können demnach vom Führen eines
Motorfahrzeuges ferngehalten werden (vgl. BGer 1C_140/2007 vom 7. Januar 2008
E. 2.1; BGE 129 II 82 E. 4.1; Weissenberger, a.a.O., Art. 16d N 28).
3.- a) Gestützt auf den Bericht der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden vom
23. September 2015 erwog die Vorinstanz, der Rekurrent habe zwischen 2012 und
2015 mehrfach gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen. Insbesondere werde er
belastet, MDMA gekauft und konsumiert zu haben. Die Tatsache, dass der Rekurrent
Betäubungsmittel konsumiert habe, würde Zweifel an seiner Fahreignung begründen.
Allein dieser Umstand rechtfertige die Abklärung der Fahreignung. Der Leumund als
Motorfahrzeuglenker sei diesbezüglich nicht relevant (act. 3).
b) Der Rekurrent bestreitet nicht, im Jahr 2014 am Openair St. Gallen und im Juni 2015
an einem Festival in Offenbach (Deutschland) MDMA konsumiert zu haben. Er bringt
jedoch vor, dass dies nichts mit einem mehrmaligen Konsum oder einer
Drogenproblematik zu tun habe. Vielmehr habe es sich um zwei Einzelfälle gehandelt,
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wobei die Umgebung an den Festivals sein Handeln zufällig bestimmt habe. Er habe
den Konsum von sich aus zugegeben und seit Sommer 2015 keine Drogen mehr
konsumiert. Dies werde er auch in Zukunft nicht tun, da Drogen illegal seien und er
seine Fahrerlaubnis nicht gefährden wolle. In den vergangenen Jahren habe er die
Berufsmatura sowie die Passerelle bestanden und erfolgreich ein Wirtschaftsstudium
an der Universität St. Gallen angefangen. Sein Verhalten im Strassenverkehr sei seit
dem Erwerb seines Führerausweises im Jahr 2012 tadellos. Anzeichen für eine
Drogenabhängigkeit oder eine Suchtgefährdung seien nicht gegeben. Die Anordnung
einer verkehrsmedizinischen Untersuchung sei weder angebracht noch
verhältnismässig (act. 1, 13 und 23).
4.- a) MDMA und MDA gehören zu den Methylendioxyamphetaminen, die unter dem
Sammelbegriff Ecstasy zusammengefasst werden. Amphetamin- und Designer-
Amphetamin-Konsum führen zu einer Überschätzung der körperlichen
Leistungsfähigkeit, einem übersteigerten Selbstwertgefühl, Fehleinschätzungen
gegebener Situationen, Unruhe, Fahrigkeit, mangelnder zielgerichteter Aufmerksamkeit,
Nervosität und erhöhter Blendempfindlichkeit der Augen aufgrund erweiterter Pupillen
und Akkommodationsschwierigkeiten. Hinzu kommen häufig eine gewisse Reizbarkeit
und Aggressivität, eine nachlassende Konzentrationsfähigkeit bei Ideenflucht und somit
eine verminderte Aufmerksamkeit. Bei den festzustellenden Fahrauffälligkeiten steht in
der akuten Wirkphase die enthemmte und risikobereite Fahrweise mit unangepasst
hoher Geschwindigkeit im Vordergrund, wobei der Fahrzeuglenker das eigene
Leistungsvermögen überschätzt. In der abklingenden Phase der Amphetaminwirkung
kommt es aufgrund des körperlichen Erschöpfungszustands zu grosser Müdigkeit und
depressiven Verstimmungen und häufig zu Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit,
Realitätsverlust bis hin zu psychotischen Zuständen (Musshoff/Madea, in: Madea/
Musshoff/Berghaus [Hrsg.], Verkehrsmedizin, 2. Aufl. 2012, S. 512, 517).
b) Nach dem von der Expertengruppe Verkehrssicherheit herausgegebenen Leitfaden
"Verdachtsgründe fehlender Fahreignung" für die Administrativ-, Justiz- und
Polizeibehörden vom 26. April 2000 (www.astra.admin.ch/Dokumentation/Downloads/
Richtlinien) soll die Feststellung des blossen Konsums von Amphetaminen (inkl.
Designer-Drogen) ohne Bezug zum Strassenverkehr (z.B. Ecstasy an einer Techno-
Party) grundsätzlich keine weiteren strassenverkehrsrechtlichen Massnahmen auslösen
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(Ziff. II/4.2 des Leitfadens). Der Leitfaden ist als Richtlinie für die Verwaltungs- und
Gerichtsbehörden nicht verbindlich. Er kann aber Hinweise auf allfällige
Verhaltensweisen geben, die im Hinblick auf die Fahreignungsprüfung dienlich sein
können (BGer 1C_146/2010 vom 10. August 2010 E. 3.2.2).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung rechtfertigt ein über drei Jahre
andauernder monatlicher Ecstasy- und Speedkonsum die Anordnung eines
medizinischen Gutachtens selbst dann, wenn der Betroffene über einen ungetrübten
Leumund verfügt (BGer 1C_248/2011 vom 30. Januar 2012 und 1C_282/2007 vom 13.
Februar 2008). Ein einmalig nachgewiesener, nicht im Zusammenhang mit dem Führen
eines Motorfahrzeuges stehender Kokainkonsum genügt bei ungetrübtem Leumund
demgegenüber nicht für die Annahme, der Fahrzeugführer stelle ein besonderes Risiko
für die anderen Verkehrsteilnehmer dar (BGer 6A.72/2006 vom 7. Februar 2007). Auch
aufgrund eines einmaligen Ecstasykonsums lässt sich nicht annehmen, der Betroffene
sei drogenabhängig und vermöge Drogenkonsum und Strassenverkehr nicht
ausreichend zu trennen (BGer 6A.93/2002 vom 25. Februar 2003 E. 4.2).
c) Unbestritten ist, dass der Rekurrent im Sommer 2014 am Openair St. Gallen und im
Juni 2015 an einem Festival in Offenbach je einmal MDMA konsumierte. Der Rekurrent
gab dies anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 11. September 2015 zu
(act. 6/27) und er wurde deswegen mit Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 rechtskräftig
verurteilt (act. 20). Im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Kantonspolizei
Appenzell Ausserrhoden wurde er zudem von zwei Person belastet, im Zeitraum von
Januar 2012 bis Juni 2015 verschiedene Betäubungsmittel (MDMA, Ecstasy und
Kokain) verkauft zu haben (act. 6/15 f.). Der Rekurrent bestreitet dies (act. 6/24 f.). Dem
Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 lässt sich nicht eindeutig entnehmen, ob der
Rekurrent auch wegen des Verkaufs von Betäubungsmitteln verurteilt wurde. Denn
obschon im Sachverhalt ein Verkauf erwähnt wird und der Rekurrent – entsprechend
Art. 19 Abs. 1 lit. c des Betäubungsmittelgesetzes (SR 812.121, abgekürzt: BetmG) –
zu einer (bedingten) Geldstrafe verurteilt wurde, wird im Rechtsspruch des Strafbefehls
einzig festgehalten, der Rekurrent habe sich in Anwendung von Art. 19a Ziff. 1 BetmG
des ʺBesitzes und Konsums von Betäubungsmittelnʺ strafbar gemacht. Dazu wird im
Sachverhalt ohne nähere Würdigung ausgeführt, der Rekurrent habe den Konsum von
MDMA eingestanden, weitere Widerhandlungen gegen das BetmG jedoch trotz
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Belastungen bestritten (act. 20). Ob der Rekurrent auch Betäubungsmittel verkauft hat,
kann im vorliegenden Verfahren somit nicht abschliessend beurteilt werden. Doch auch
wenn er sich des Verkaufs von Betäubungsmitteln schuldig gemacht haben sollte,
würde dies noch keine ernsthaften Zweifel an seiner Fahreignung hervorrufen. Der
Vorwurf des Verkaufs lautet auf vergleichsweise geringfügige Mengen (ein Gramm
MDMA, zwischen 7,2 und 14,4 Gramm Ecstasy und drei Gramm Kokain über rund
zweieinhalb Jahre) und die Verkäufe hätten – wenn überhaupt – hauptsächlich
zwischen 2012 und 2014 stattgefunden, was im heutigen Zeitpunkt bereits einige Zeit
zurückliegen würde (act. 6/16). Die Vorinstanz begründet die Anordnung der
verkehrsmedizinischen Untersuchung denn auch nicht mit einem allfälligen Verkauf,
sondern ausschliesslich mit dem Konsum von Betäubungsmitteln (act. 3; E. 3 lit. a).
Diesbezüglich ist seit 2012 jedoch einzig der MDMA-Konsum des Rekurrenten im
Sommer 2014 und Juni 2015 ausgewiesen. Ein Konsum von Kokain oder anderen
ʺhartenʺ Drogen wird ihm nicht vorgeworfen und lässt sich den Akten auch nicht
entnehmen (act. 6). Der Rekurrent hat den zweimaligen Konsum von MDMA selbst
zugegeben und die Droge jeweils an einem Festival eingenommen. Die Vorfälle liegen
rund ein Jahr auseinander und standen nicht im Zusammenhang mit dem Führen eines
Motorfahrzeugs. Abgesehen von einer (vorliegend nicht relevanten) Verwarnung im Jahr
2010 für das Mitführen einer nicht berechtigten Begleitperson auf einem Kleinmotorrad
ist der automobilistische Leumund zudem ungetrübt; mit Drogen ist der Rekurrent im
Strassenverkehr noch nie aufgefallen (act. 6/18).
Die Tatsache, dass der Rekurrent im Sommer 2014 und Juni 2015 ausserhalb des
Strassenverkehrs an zwei Festivals MDMA konsumierte, rechtfertigt nicht, ihn einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung zu unterziehen (vgl. E. 4 lit. b). Daran vermag der
Umstand, dass er am 6. Januar 2012 wegen des Ankaufs, Konsums und Verkaufs von
Kleinmengen Marihuana verurteilt wurde (act. 19), nichts zu ändern. Diese
Übertretungen liegen über viereinhalb Jahre zurück (Zeitraum zwischen November
2009 und November 2011) und in den Akten befinden sich keine Hinweise, wonach der
Rekurrent nach November 2011 noch Cannabis konsumiert oder verkauft hätte.
Vielmehr lassen seine berufliche Entwicklung sowie sein ungetrübter automobilistische
Leumund vermuten, dass er seinen früheren Cannabiskonsum überwunden hat und es
sich beim zweimaligen MDMA-Konsum im Sommer 2014 und Juni 2015 um
Ausnahmesituationen an festlichen Anlässen handelte.
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d) Im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und unter Berücksichtigung des
Leitfadens der Expertengruppe Verkehrssicherheit (vgl. E. 4 lit. b) liegen damit keine
konkreten Hinweise vor, die ernsthafte Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten zu
wecken und eine verkehrsmedizinische Untersuchung zu rechtfertigen vermögen.
Namentlich sind keine verdichteten Anhaltspunkte dafür gegeben, dass er mehr als
jede andere Person der Gefahr ausgesetzt wäre, in einem Zustand ein Fahrzeug zu
lenken, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Klare Indizien, wonach er von
einer die Fahrfähigkeit beeinträchtigenden Substanz oder mehrerer Substanzen
abhängig sein könnte oder diese regelmässig und in grossen Mengen oder gar
chronisch konsumiert (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 37), bestehen nicht. Die
Voraussetzungen für die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung sind
somit nicht erfüllt. Entsprechend ist der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene
Zwischenverfügung der Vorinstanz vom 2. Dezember 2015 aufzuheben.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.– erscheint angemessen
(Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 600.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
Eine ausseramtliche Entschädigung ist mangels Antrags nicht zuzusprechen (Art. 98
VRP in Verbindung mit Art. 105 Abs. 2 ZPO).