Decision ID: ffd74ddd-92be-4fa1-ae0d-377a2c2e628e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969,
war mit einem Pensum von 30
%
als Arztsekre
tärin und
daneben
als Bäuerin im eigenen Familienbetrieb
und im Haushalt tätig
(Urk. 6/3/4
und
6/10).
Am 2
8.
Januar 2010 stürzte sie auf einer steilen Treppe und klemmte sich die
linke
H
and bei einer Falltür ein (Urk.
6/13/89).
Die ÖKK als zuständiger Unfallversicherer übernahm die Heilbehandlungskosten und richtete der V
ersicherten
bis zum 2
3.
März 2011
Taggelder aus (Urk.
6/13/82
und
6/12/36-38
).
Ab
dem
6.
April
2011 bezog die Versicherte Leistungen des kol
lektiven Krankentaggeldversicherers (
Urk.
6/12/1 ff.)
.
1.2
Am
16
.
März 2012
meldete sich die Ver
sicherte wegen chronischen Rücken
schmerzen und einer Depression
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
6
/
3
). Diese
zog die Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
6/12) und des Unfallversicherers (
Urk.
6/13) bei. Überdies tätigte sie weitere erwerbliche
(Urk.
6/10
und
6/16
) und
medizini
sche Abklärungen
(Urk. 6
/
14-15
)
.
Wie mit Vorbescheid vom 1
2.
Juni 2012
in Aussicht gestellt (
Urk.
6/18-19), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
4.
August 2012 einen Anspruch auf Versicherungsleistungen (
Urk.
6/20).
1.3
Vom
1.
Januar 2013 bis zum 3
0.
April 2015 arbeitete die Versicherte mit einem Pensum von rund 30
%
als Arztsekretärin für die
Y._
(Urk. 6/24/7).
Ab dem
1.
Juli 2015 war
sie
mit einem Pensum von 40
%
als Be
treuerin
ohne Fachausbildung
bei der
Z._
angestellt (
Urk.
6/28/1
und 6/78/3
).
Am 1
6.
Juli 2015 stürzte die Versicherte beim Velofahren und erlitt eine Verdrehung/Verstauchung des linken Handgelenks sowie Prellungen an der lin
ken Schulter und am linken Knie (
Urk.
6/70/6).
Sie bezog darauf Unfallversiche
rungsleistungen
der Suva (Urk. 6/70/9), welche
mit Verfügung vom 2
6.
Januar 2016 per 1
1.
September 2015 eingestellt
wurden
, da der Status quo sine zu diesem Zeitpunkt erreicht gewesen sei (Urk. 6/70/114-115
; vgl. auch Urk.
6/70/135-150
).
Die von der Versicherten da
gegen erhobene Einsprache (Urk.
6/70/126)
wies die Suva
mit Entscheid vo
m 2
7.
Mai 2016 ab (Urk.
6/70/135).
1.4
Im
Februar 2016
hatte
sich die Versicherte erneut
bei der IV-Stelle
zum Leis
tungsbezug an
gemeldet
und
g
eltend
gemacht
, sie leide
unter Beschwerden am Rücken, an der linken Hand und an der Psyche
(vgl. Urk.
6/24
).
In der Folge reichte sie aufforderungsgemäss Unterlagen ein, um eine Änderung der tatsäch
lichen Verhältnisse glaubhaft zu machen (
Urk.
6/27-32).
Die IV-Stelle
zog die Akten
der Suva
betreffend den Unfall vom 1
6.
Juli 2015
bei (
Urk.
6/70) und
klärte die
erwerblichen (
Urk.
6/31
, 6/36
, 6/76 und 6/78
) und
die
medizinischen
(Urk.
6/35, 6/37, 6/41-58
,
6/69
, 6/71, 6/73 und 6/75)
Verhältnisse sowie die be
einträchtigte Arbeitsfä
higkeit in Beruf, Mithilfe
im
landwirtschaftlichen Betrieb und Haushalt ab (
Urk.
6/88). Mit schriftlicher Mitteilung vom
4.
August 2017 er
teilte die IV-Stelle der Versicherten
, welche seit dem
1.
Oktober 2016 für zwei Wochens
tunden als A
ufgabenhilfe und sechs Wochens
tunden als Klassenassis
tenz angestellt war (
Urk.
6/76),
Kostengutsprache für eine Umschulung zur
Klas
senassistenz (
Urk.
6/81).
Am 11. September 2017 erklärte die IV-Stelle die beruf
lichen Massnahmen als demnächst erfolgreich abgeschlossen (
Urk.
6/89).
Sie
holte einen
weiteren Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
med. A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
6.
November 2017 ein
(
Urk.
6/91)
und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 1
5.
Februar 2018 die Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht (
Urk.
6/95). Dagegen erhob
die Versicherte
Einwand (Urk.
6/101). Mit
Verfügung vom
11
. M
ai 2018
verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
(Urk. 2 = Urk. 6/103)
.
2.
Gegen die
Verfügung vom
11. Mai 2018
erhob die Versicherte
mit Eingabe vom
4.
Juni 2018
Beschwerde und beantragte
sinngemäss, die angefochtene Verfü
gung sei
aufzuheben
und es sei ihr eine Invalidenrente zuzusprechen (Urk. 1)
.
Zusammen mit der Beschwerdeschrift reichte sie ein Schreiben des Psychiaters
Dr.
A._
vom 2
2.
Mai 2018 ein (
Urk.
3/5).
Die
IV-Stelle
schloss am 1
6.
Juli 2018 auf
Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
5). Mit Verfügung vom 18.
Juli 2018 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und der Beschwerdeführerin eine Frist von 30 Tagen
zur Einreichung einer Replik angesetzt (
Urk.
7). Der Beschwerde
gegnerin wurde mit Verfügung vom 2
0.
September 2018 davon Kenntnis gege
ben, dass innert Frist keine Replik eingegangen sei (
Urk.
9).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise - bei Versicherten, die vor der Be
einträchtigung ihrer Gesundheit nicht erwerbstätig waren - die Unmöglichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgeset
zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invali
dität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Artikel 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbe
reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. Danach wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs
tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin als zu 40
%
er
werbstätig, zu 22
%
im Haushalt und zu 38
%
im landwirtschaftlichen Betrieb tätig. Im Erwerbsbereich ermittelte die Beschwerdegegnerin eine Einschränkung von 25
,
62
%
, da die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in der Tätigkeit als Klassenassistenz zu 30
%
eingeschränkt sei. Im Haushaltsbereich bestehe eine Einschränkung von 15,9
%
und bei der Mithilfe im landwirtschaftlichen Betrieb sei die Beschwerdeführerin zu 52
%
eingeschränkt. Daraus resultiere ein Invali
ditätsgrad von 30,01
%
, welcher keinen Anspruch auf Rentenleistungen zu be
gründen vermöge (
Urk.
2).
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend,
es treffe nicht zu, dass sie in der Tätigkeit als Klassenassistenz zu 70
%
arbeitsfähig sei. Vielmehr sei
gestützt auf die Ausführungen ihres behandelnden Psychiaters
Dr.
A._
von
einem zumutbaren
25%
-Pensum
als Klassenassistenz
mit einer 30%igen Leis
tungsminderung
auszugehen (Urk. 1
und 6/101/1
; vgl.
Urk.
3/5
).
In der Beschwerdeantwort vom 1
6.
Juli 2016 vertrat die Beschwerdegegnerin neu die Auffassung, im Erwerbsbereich bestehe gar keine Einschränkung, da das strukturierte Beweisverfahren ergebe, dass aus versicherungsrechtlicher Sicht kein invalidisierendes psychisches Leiden vorliege. Die Befunde seien nicht stark ausgeprägt. Es handle sich nicht um eine schwere psychische Erkrankung. Aus
serdem verfüge die Beschwerdeführerin über eine gute Ausbildung und erfahre grosse Unterstützung ihrer Familie. Es lägen Ressourcen vor, welche die Arbeits
fähigkeit positiv beeinflussten. Auch ein sozialer Rückzug habe nicht stattgefun
den (
Urk.
5).
3.
3.1
Die
Beschwerdegegnerin
ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
Februar 2016
(
Urk.
6/24
) materiell eingetreten. Es ist daher zu untersuchen, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeitraum zwischen der Verfügung vom
2
4.
August 2012
, mit welcher (unter anderem) ein Anspruch auf eine Invalidenrente verneint worden war (
Urk.
6
/
20
), und der an
gefochtenen Verfügung vom
11. Mai 2018
(
Urk.
2) insoweit verschlechtert hat, dass nunmehr ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.
3.2
Die Verfügung vom
2
4.
August 2012 beruhte
im Wesentlichen
auf d
en
Bericht
en des
die Beschwerdeführerin bereits damals
behandelnden Psychiaters
Dr.
A._
vom 2
5.
April 2012 (
Urk.
6
/14)
,
des Hausarztes
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin
,
vom 1
0.
Mai 2012
(
Urk.
6/15/6-9
) und
einer
ergänzenden Stellung
n
ahme des Regionalen Är
ztlichen Dienstes (RAD) vom 11.
Juni 2012 (
Urk.
6/17/3
; vgl. das
Festst
ellungsbla
tt für den Beschluss vom
12.
Juni 2012,
Urk.
6/17
).
Als psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hatte
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 2
5.
April 2012
eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig abgeklungene mittelschwere Episode (ICD-10: F33.21
),
gegen
wärtig noch leicht (ICD-10: F33.11)
aufgeführt
(Urk.
6
/14/3).
Der Hausarzt
Dr.
B._
hatte
die folgenden
- gekürzt wiedergegebenen -
Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
(Urk. 6/15/6):
Chronisches
thorako-lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
Status nach
Laminektomie
BWK5 und Resektion eines spinalen
Meninge
oms
(05.04.2006)
Status nach
arthroskopischer
LBS-Tenotomie und Weichteil-
Tenodese
mit AC-Resektion und
Débridement
bei Unterflächenläsion der
Supraspinatus
sehne
links (13.01.2011)
Schmerzverarbeitungsstörung bei rezidivierender postoperativer Anpass
ungsstörung mit jeweils depressiver Reaktion
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig abgeklungen
Der RAD vertrat darauf die Auffassung, es liege eine Schmerzverarbeitungsstö
rung, ein ätiologisch-
pathogenetisch
unklares
syndromales
Zustandsbild ohne nachweisbare Grundlage, vor.
Es seien den
medizinischen Akten
keine objekti
vierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, welche aus versicherungsmedi
zinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen könnten.
Anhalts
punkte
für eine vom Schmerzerleben losgelöste, eigenständige, erhebliche psy
chiatrische Komorbidität
o
der sonstige schwere Funktionsein
schränkungen
seien nicht vorhanden
(
Urk.
6/17/3).
3.3
Die Beschwerdegegnerin schloss sich verfügungsweise der Beurteilung des RAD
vollumfänglich
an (
Urk.
6/20).
4.
4.1
Am
7.
Januar 2014 wurde
aufgrund einer am
1.
August 2013 erlittenen Distor
sion
ein MRI des linken oberen Sprunggelenkes durchgeführt.
Es wurden
teils
regrediente
posttraumatische Veränderungen sowie teils stationäre Veränderun
gen im Sinne einer chronischen Mehrbelastung
festgestellt (Urk.
6/44).
4.2
Eine
Arthro
-MRI-Untersuchung der linken Schulter am
3.
Februar 2015 zeigte eine kleine interstitielle Partialruptur am Ansatz der
Supraspinatusse
hne
und am Ansatz der
Subscap
u
l
a
r
issehne
sowie
einzelne oberfl
ächliche Knorpel
def
ekte am
Glenoid
(
Urk.
6/70/66).
4.3
Nach de
m Sturz vom 1
6.
Juli 2015 diagnostizierte
Dr.
med. C._
, Facharzt für Orthopädie und Handchirurgie,
Leitender Arzt an der
D._
,
im Bericht vom
7.
September 2015
eine ausgeprägte Handgelenksdistorsion mit par
tieller TFC-Läsion und partieller SL-Läsion sowie kleinem SL-Ganglion
Handge
lenk links und eine ältere knöcherne Aussprengung der dorsalen Radiuslippe links (
Urk.
6/53
/1
; vgl. auch
Urk.
6/35/6
).
Die mitgebrachten MRI-Aufnahmen vom 1
9.
August 2015 zeigten eine Strukturveränderung im Bereich des
fovealen
An
satzes des TFC am
Ulnakopf
, eine partielle SL-Läsion im zentralen Anteil und zudem ein kleines freies Knochen-
Ossikelchen
der
palmaren
Lippe am distalen Radius
sowie
nebenbefundlich
ein kleines SL-Ganglion
im
scapholunären
Über
gang (Urk.
6/53/1-2; vgl.
Urk.
6/70/58-59).
Dr.
C._
bescheinigte
der Beschwerdeführerin
eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit
seit der Konsultation am
2.
September 2015
(
Urk.
6/28/4-5
,
6/35/6
und 6/52/2
) und
beurteilte
eine Rekonvaleszenz innert 6 bis 10 Monaten als angemes
sen (
Urk.
6/
28/13-14
).
4.
4
Eine
erneute
Arthro
-MRI-Untersuchung der linken Schulter am
8.
September 2015 ergab keine neue Läsion der
Rotatorenmanschette
und vorbestehend eine kleine interstitielle Partialruptur am Ansatz der
Supraspinatussehne
. Überdies
er
sahen die Radiologen
ein
en
etwas vernarbte
n
Ansatz der
Subscapularissehne
, ge
ringe oberflächliche Knorpeldefekte am
Glenoid
und eine Bursitis
s
ubacromia
lis
/
subdeltoidea
(Urk.
6/70/50).
4.5
Vom
4.
bis zum 1
4.
Dezember 2015
hielt sich
die
Beschwerdeführerin
zur statio
nären Behandlung
im
E._
auf
,
da
sie sich einer mikrochirurgischen Dekompression L4/5 beidseits mit
Sequestronukleotomie
von links
und einer
Neurolyse
der L5-W
urzeln beidseits
unterziehen musste (Urk.
6/28/10-14 und 6/32/1-2)
. Es zeigte sich darauf
ein
sehr
gutes Behandlungsergebnis (
Urk.
6/49)
.
4.6
Am 2
3.
Dezember 2015 suchte die
Beschwerdeführerin
die Schmerzsprechstunde des
E._
auf.
Seit
der Operation vom
4.
Dezember 2015
habe sich die chronische
Lumboischialgie
deutlich
gebessert; die Ischialgien seien gänzlich verschwunden und es bestünden
nur
noch leichte belastungsabhängige lumbale Schmerzen. Aktuell im Vordergrund stünden die Schmerzen im Bereich der mitt
leren und unteren Brustwirbelsäule sowie auch Schmerzen im Bereich der linken Schulter (
Urk.
6
/4
1/1). Es wurde
n ihr
eine intensivierte Physiotherapie mit dem Ziel einer Rumpfstabilisierung
und eine Reduktion der Schmerzmedikation
emp
fohlen
(
Urk.
6/41
/2
).
4.
7
Der Psychiater
Dr.
A._
hielt in einem Bericht vom 2
2.
März 2016 fest, er
be
handle
die
Beschwerdeführerin
seit dem 15. September 2011 ambulant. Er diag
nostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig noch leicht bis mittel (ICD-10: F33.11)
,
und akzentuierte (ängstlich-abhängige) Persönlichkeits
züge bei belastenden Erfahrungen in
der
Kindheit und Jugendzeit (
Urk.
6/37/1).
Die Beschwerdeführerin habe d
as anfänglich gut verträglich
Dulexetin
nach dem Absetzen Ende 2013
und
einer erneuten Verschlechterung nicht mehr toleriert
. Es
habe zu innerer Unruhe und vermehrten Schlafstörungen geführt.
Fluoxetin
morgens und
Trittico
zur Nacht hätten einen ungenügenden Effekt gezeigt. Seit Sommer 2015 gebe es
eine
Teilresponse mit
Venlafaxin
und
Trittico
(
Urk.
6/37/2).
In den Jahren 2011 bis 2015 hätten nie ein gutes Befinden und
nie
eine volle Arbeitsfähigkeit vorgelegen. Das Beschwerdebild sei eine Mischung aus hartnä
ckigen Schmerzen an den körperlichen Schwachstellen Rücken/Schulter und in den letzten zwei Jahren zunehmend
Händen
, links mehr als rechts,
sowie
einer anhaltenden Depressivität. Es bestehe eine schwere Beeinträchtigung im Alltag
als Haus- und Familienfrau, ausgeprägt als Bäuerin und Arztsekretärin. Seit De
zember 2014/Januar 2015 sei das Schreiben als Arztsekretärin im
Y._
wegen der Handschmerzen nicht mehr möglich. Nur mit Anstrengung, Schmerzen und rascher Ermüdung
mit
viel Erholungsbedarf sei das Arbeiten im Haus stundenweise möglich. Körperlich anstrengende Tätigkeiten im Gar
t
en und in der Landwirtschaft
seien
wegen der Schmerzeskalation nicht mehr
möglich
.
Die
Beschwerdeführerin
habe sich eine neue Teilzeitarbeitsstelle als Aktivierungs
therapeutin im
Z._
gesucht
.
Sie sei dort jedoch rasch überfordert und durch den Sturz mit erneut verschlechterter Handverletzung links ab August 2015 vollständig arbeitsunfähig gewesen. Anschliessend seien die Rü
ckensymptome eskaliert und hätten zum operativen Eingriff vom
4.
Dezember 2015 geführt (Urk. 6/37/2).
Nach dem erfolgreichen Eingriff mit rasch rückläufigen Schmerzen
sei
die Psyche etwas besser. Es bestünden weiter Schlafstörungen (frühes Erwachen), Zukunfts
ängste, eine Antriebsstörung, rasche E
rmüdbarkeit und
Anhedonie
(Urk.
6/37/2).
Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Arztsekretärin seit Januar 2015 bleibe wegen
der
Hand- und Rückenprobleme vollständig bestehen. Als Hausfrau und Bäuerin bestehe seit September 2015 eine 90%ige Arbeitsunfähigkeit; es werde auf lange Sicht eine ca. 60%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verbleiben, da eine Bäuerin zupacken können müsse (
Urk.
6/37/3-4).
4.8
Nach einer ersten
Konsultation
am 2
8.
April 2016 (
Urk.
6/48/1) und einer
darauf
hin durchgeführten
Spect
-
CT-
Untersuchung
d
i
agnostizierte
Dr.
med. F._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Fusschirurgie, am 2
5.
Mai 2016
eine aktivierte beginnende Arthrose im TMT 2-Gelenk links und einen Reiz
zustand des Os
tibiale
externum
links. Die aktivierten Veränderungen über dem
Fussrist
und dem Os
tibiale
externum
korrelierten klinisch nicht exakt mit der Angabe der spontanen Schmerzen. Dennoch habe er gezielte Infiltrationen mit
Bupicacain
/
Diprophos
durchgeführt (
Urk.
6/47).
4.9
Das gute Ansprechen auf die durchgeführten Infiltrationen wertete
Dr.
F._
am
9.
Juni 2016 als Bestätigung des Ursprungs der Beschwerden. Längerfristig werde eine Operation kaum zu umgehen sein (
Urk.
6/69/11).
Am 1
5.
September 2016
fand
eine weitere Infiltration
statt
(
Urk.
6/69/13).
4.10
In einem Bericht vom 2
4.
November 2016 erklärte der Psychiater
Dr.
A._
, soma
tische gesundheitliche Einschränkungen liessen sich nicht strikt vom psychiatri
schen Anteil abgrenzen, da die
Beschwerdeführerin
auf somatische Probleme mit einer deutlichen Verschlechterung des psychischen Zustandes reagiere. Gegen
wärtig sei die rezidivierende depressive Störung leicht bis mittel fluktuierend (
Urk.
6/73/4).
Die Beschwerdeführerin verfolge konsequent das Ziel eines beruflichen Wieder
einstiegs mit dem neuen Tätigkeitsgebiet Schulassistenz. Mit dem Teilzeitpensum von sechs bis acht Lektionen und zusätzlich zwei bis drei Stunden Aufgabenhilfe habe sie bereits im September und vor allem jetzt im November die Grenze ihrer Belastbarkeit erreicht
. Sie reagiere mit starker Müdigkeit, vermehrten «extremen» Kopfschmerzen, Schlaf- und Ruhebedarf am Nachmittag und einer erhöhten In
fektanfälligkeit
(
Urk.
6/73/4).
Aktuell zeige sich bezüglich Depressivität ein leichtes bis zeitweise mittleres Zu
standsbild:
Anhedonie
, rasche Ermüdbarkeit, Antriebsmangel, Arbeit in
der
Schule und vor allem auch im Haushalt
sei
nur mit Anstrengung möglich. Der Ehemann habe im Mai einen Arbeitsunfall mit Sehnenriss im Schulterbereich und mehrmonatiger Arbeitsunfähigkeit erlitten. Im Landwirtschaftsbetrieb habe man zur Überbrückung externe Betriebshelfer beigezogen. Kaum gehe es dem Ehe
mann wieder besser, sei die Tochter (im ersten Lehrjahr) wieder neu erkrankt und benötige viel Präsenz und Zuspruch (
Urk.
6/73/4).
Die Schulung in der
G._
sei zwar spannend und vielseitig, verlange aber zusätzlich zu den Lehrveranstaltungen ungefähr gleichviel Zeitaufwand für Hausaufgaben, schriftliche Arbeiten und Vorbereitung von Präsentationen. Die
sen Teil ihres aktuellen Pensums absolviere die Beschwerdeführerin gerne, alles zusammen
sei jedoch
zu viel (
Urk.
6/73/4).
Zum psychopathologischen Befunde
vermerkte
Dr.
A._
, die Beschwerdeführerin überspiele und dissimuliere ihre Nöte eher mit einem Lächeln, sie gebe sich betont positiv
und
somatisiere
die Überlastung eher. Sie sei nicht weinerlich und im Affekt nicht stark niedergestimmt. Es gebe jedoch deutliche Zeichen von vermin
derter Lebensfreude, sie habe Mühe mit längeren Aufmerksamkeits
spannen, ein vermindertes Selbstvertrauen, negative Gefühle bezüglich der Zukunft und Schamgefühle wegen ihrer verminderten Belastbarkeit und
geringen
Leistungsfä
higkeit im Haushalt und weiter (wegen somatischen Einschränkungen) verun
möglichter tatkräftiger Mitarbeit im Stall, auf dem Hof und auf dem Feld (
Urk.
6/73/4).
Funktionell fielen psychiatrisch vor allem die verminderte Belastbarkeit, die Stressintoleranz, die rasche Ermüdbarkeit und die leicht verminderte Kognition (Aufmerksamkeitsspanne verkürzt), die rasche Ermüdbarkeit und die Antriebsre
duktion ins Gewicht (
Urk.
6/73/4).
Als
Kauffrau/Sekretärin könne die Beschwerdeführerin
maximal 30 Minuten pro Tag für den Hausgebrauch und die Mithilfe im Landwirtschaftsbetrieb arbeiten (Urk. 6/73/5).
Als Hausfrau bestehe eine reduzierte Leistungsfähigkeit und es sei nur ein dosier
ter Einsatz für leichtere Arbeiten (Kochen, Waschen, leichtere Putzarbeiten) ca. 2-3 Stunden pro Tag zumutbar. Bei der Gartenarbeit und bei der Arbeit als Bäu
erin im Stall, auf dem Hof und auf dem Feld betrage die Arbeitsfähigkeit praktisch null (
Urk.
6/73/5).
Die Leistungsfähigkeit sei um 20-40
%
gemindert (
Urk.
6/73/5).
Gegenwärtig sei die Beschwerdeführerin mit der Weiterbildung und dem Einstieg als Schulassistenz mit durchschnittlich zwei Stunden pro Tag gut unterwegs; eine Mehrbelastung sei derzeit nicht möglich (
Urk.
6/73/6).
4.11
Diese Arbeitsfähigkeitsbeurteilung wiederholte
Dr.
A._
in seinem Bericht vom
6. November 2017 (
Urk.
6/91/5
-6)
, ebenso die Angaben bezüglich aktueller De
pressivität und psychopathologischem Befund (
Urk.
6/91/4-5)
.
Neu wurde ver
merkt, die Beschwerdeführerin sei im Gespräch rasch den Tränen nahe (
Urk.
6/91/5).
Im Oktober 2017 habe die Beschwerdeführerin mit einem Unterrichtsblock von drei Tagen und einem Tag Anfang November wieder ihre Weiterbildung an der
G._
begonnen. Die sieben Stunden Unterricht pro Tag und der zeitrau
bende Arbeitsweg überforderten die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin. Sie sei danach jeweils «am Boden» und benötige viel Liegen/Ruhe/Schonung. Sie wolle das Ganze aber unbedingt durchziehen. Es stünden noch sechs Unterrichtstage, selbständige Arbeiten für Hausaufgaben und die Schlussarbeit an (
Urk.
6/91/4).
Die Psyche sei sehr abhängig von der Schmerzsituation. Diese wiederum sei ab
hängig von einem Tageslauf mit genügend Ruhepausen, insbesondere 30-60 Mi
nuten Liegezeit am Mittag. Der Nach
t
schlaf sei mit medikamentöser Unterstüt
zung ordentlich
(
Urk.
6/91/4)
.
4.12
Dipl.-med.
H._
, Fachärztin für Innere Medizin/Prävention und Ge
sundheitswesen, vom RAD gelangte darauf zum Schluss, in der bisherigen Tätig
keit als Arztsekretärin/Bäuerin bestehe seit dem 1
6.
Juli 2015 eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit (
Urk.
6/94/10). S
pätestens zehn Monate nach dem Unfallereignis (vom 1
6.
Juli 2015) sei aus chirurgischer Sicht wieder eine angepasste Tätigkeit möglich gewesen. Es bestehe seit
Mai 2016
aus rein psychiatrischer Sicht zwar eine 20-40%ige Arbeitsunfähigkeit
; unter Hinweis auf zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren erachtete sie
aus
versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht leichte wechselbelastende Tätigkeiten
jedoch zu 100
%
für
zumutbar
. Es könne von einer 30%igen Leistungsminderung ausgegangen werden
(
Urk.
6/94/10-11
).
5
.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass der angefocht
enen Verfügung auf die Stellung
nahme
n
der RAD-Ärztin
dipl.
med.
H._
(
Urk.
6/94
/
10-11
; vgl. Urk.
2
und 5
).
5
.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversi
cherung nach
Art.
6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Ver
sicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbe
reich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (
Art.
59
Abs.
2
bis
IVG). Nach
Art.
49 IVV
beurteilen die RAD die me
dizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fac
h
kompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (
Abs.
1). Die RAD können Versicherte be
i Bedarf selber ärztlich unters
uche
n. Sie halten die Unter
suchungs
ergebnisse schriftlich fest (
Abs.
2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 3
1.
Oktober 2014 E. 3.5 m
it Hinweis auf BGE 135 V 254 E.
3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzuf
assen und zu würdigen, wozu na
m
entlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder
die andere Ansicht ab
zu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 3
1.
Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese)
abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerun
gen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bun
desgerichts 8C_971/2012 vom 1
1.
Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach
Art.
49
Abs.
2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztlic
hes Gutachten (BGE 134 V 231 E.
5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings
kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom
3.
Ok
tober 2014 E. 4.2 mit
Hinweisen auf BGE 139 V 225 E.
5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
5
.3
Bei den
Stellungnahme
n der RAD-Ärztin
dipl.
med.
H._
handelt es sich um reine Aktenbeurteilung
en
, da
dipl.
med.
H._
die Beschwerdeführerin nie un
tersuchte.
Ihre
Einschätzung vermag daher die praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1) von vornherein nicht zu erfüllen.
D
ipl. med.
H._
verfügt auch über keine fachärztliche Eignung in den Bereichen Orthopädie, Chirurgie sowie Psychiatrie und Psychotherapie
, wel
che hier besonders interessieren
.
Ihre Beurteilung, die Beschwerdeführerin
sei
seit dem 1
6.
Juli 2015 als
Arzt
-
sek
retärin
und Bäuerin zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
6/94/10), liess
dipl.
med.
H._
unbegründet. Diese Einschätzung erscheint in Anbetracht der vorhandenen medizinischen Unterlagen
auch
nicht
nachvollziehbar, da
d
ie Verletzung vom 1
6.
Juli 2015 das Handgelenk der
adominanten
linken Hand betroffen
hatte
(
Urk.
6/53/1).
Auch die
bereits bekannte Schulterproblematik war auf die linke Seite beschränkt (
Urk.
6/70/66 und 6/70/50)
und die Fussbeschwerden links sind
aktuell
mittels Infiltrationen behandelbar (Urk.
6/69/11-13)
.
Es fehlt auch eine plausible Begründung
von
d
ipl.
med.
H._
, weshalb aus somatischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit
seit Mai 2016
wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestehen soll
. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass sich den Akten nicht entnehmen lässt,
ob die von
Dr.
C._
am
2.
September 2015
prognostizierte Rekonvaleszenz
in Bezug auf die anlässlich des Sturzes vom 1
6.
Juli 2015 zugezogene Handverletzung
innert sechs bis zehn Monaten
(
Urk.
6/28/13
)
tatsächlich eingetreten ist.
Der Umstand allein, dass keine Unter
suchung durch
Dr.
C._
mehr stattgefunden hat
(Urk.
6/94/7), lässt
– entge
gen der offenbar von
dipl.
med.
H._
vertretenen Ansicht (
Urk.
6/94/7) –
we
der auf eine vollständige Genesung noch auf eine entsprechende Arbeitsfähigkeit schliessen.
Ebenso wenig
lassen sich Erkenntnisse daraus gewinnen, das der Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Physikalische Me
dizin und Rehabilitation,
die Beschwerdeführerin
–
in Kenntnis der medizinischen Vorgeschichte und
ohne Durchführung einer Untersuchung –
bereits im Januar 2016 aus
(lediglich)
unfallkausaler Sicht
als
nicht eingeschränkt beurteilt
hatt
e
(Urk.
6/94/8
; vgl. Urk.
6/70/110-115
).
Mit Bezug auf die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands und der da
mit einhergehenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit erkannte
dipl.
med.
H._
zwar zutreffend, dass
Dr.
A._
in seinen Berichten vom
2
4.
November 2016
und vom
6.
November 2017
zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren erwähnt hatte
(Urk.
6/94/7
, vgl.
Urk.
6/73/4 und 6/91/4
)
.
Dr.
A._
beschrieb in
dessen
stets
auch psychische Beschwerden, die er
in sämtlichen Berichte
n
mit entsprechenden Befunden untermauerte (
Urk.
6/37/2, 6/73/4 und 6/91/4-5).
Es
überzeugt
daher nicht
ohne Weiteres
, dass
dipl.
med.
H._
die vom behan
delnden Psychiater
Dr.
A._
angeführten Gründe für die Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit
aus
versicherungs
–medizinischer Sicht
als nicht relevant wertete (
Urk.
6/94/8). Es wurde sodann zu Recht eingewandt, dass
Dr.
A._
eine 20-40%ige Leistungsminderung nicht – wie von
dipl.
med.
H._
angenommen (
Urk.
6/94/10 und 6/94/11) – für ein 100%-Pensum, sondern für ein von ihm als zumutbar erachtetes Teilzeitpensum von rund 25
%
attestiert hatte
(
Urk.
3/5, 6/73/4 und 6/91/5)
. Weshalb
dipl.
med.
H._
der Beschwerdeführerin schliess
lich eine 30%ige Leistungsminderung zugestand, obwohl sie die mittelgradige depressive Symptomatik aus versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht als unbeachtlich beurteilt hatte, blieb unbegründet (Urk. 6/94/11).
Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass auf die Beurteilung der RAD-Ärztin
dipl.
med.
H._
nicht abgestellt werden kann,
da sie nicht schlüssig erscheint und Zweifel erweckt
.
Eine
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung aus polydis
ziplinärer Sicht, welche sämtlichen Leiden, insbesondere auch den – offenbar operationsbedürftigen – Fussbeschwerden (Urk. 6/47 und 6/99/11) Rechnung trägt
, liegt
nicht vor
und wir
d
dementsprechend noch einzuholen sein
.
Dabei wird auch zu berücksichtigen sein, dass
sich eine
im Neuanmeldungsver
fahren
eingeholte ärztliche Einschätzung -
gleich wie im Revisionsverfahren (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_322/2018
vom 12.
Dezember 2018 E. 2.3) - darüber auszusprechen hat,
inwiefern im Vergleich zur früheren Beurteilung eine effektive Veränderung des Gesundheitszustands eingetreten ist
.
5
.4
Der Forderung der Beschwerdeführerin, es sei für die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
aus psychiatrischer Sicht auf die Einschätzung ihres Behandlers
Dr.
A._
abzu
stellen, kann nicht entsprochen werden,
ungeachtet
der Erfahrungstatsache,
dass behandelnde Ärzte
und Fachärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtli
che Ver
trauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc
; vgl. auch
das Urteil des Bundesge
richts 8C_143/2019 vom 2
1.
August 2019 E. 4.4.1 mit
Hinweisen
).
Aus der Beur
teilung
Dr.
A._
s
geht
klar
hervor, dass dieser nicht nur psychische, sondern auch p
h
y
sische Einschränkungen berücksichtigte. Letzteres war nicht korrekt.
Eine
schlüssig
bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
, welche im Regelfall
mittels einer
Indikatorenprüfung
verifiziert werden müsste
, liegt somit nicht vor. Es kann deshalb offenbleiben, ob die in der Beschwerdeantwort vom 1
6.
Juli 2016 skizzierte
Indikatorenprüfung
(
Urk.
5) zu überzeugen vermöchte.
Sie steht weiteren Abklärungen zum psychischen Gesundheitszustand und den damit einhergehenden Einschränkungen jedenfalls nicht entgegen.
Zu bemerken ist
ferner
, dass
der behandelnde Psychiater auf die Wechselwirkung zwischen den Schmerzen und dem psychischen Gesundheitszustand
hinwies (Urk.
6/37/2, 6/73/4),
so dass
die Beschwerdegegnerin
nicht
umhin kommen
wird, das Beschwerdebild interdisziplinär abzuklären.
5
.5
Aus dem Gesagten folgt, dass über das strittige Leistungsbegehren nicht ohne zusätzliche medizinische Abklärungen entschieden werden kann. Da die erfor
derlichen Weiterungen grundsätzlicher Natur sind, wird
die Beschwerdegegnerin sie vorzu
n
ehmen haben. Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung der notwendig
en Abklärungen und zu neuer Ent
scheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
§
26 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
In diesem Sinne ist
die Beschwerde gut
zuheissen.
6
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens-aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen.