Decision ID: 5e85e080-3f9c-53b0-ae68-b05cd474c42d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, meldete
sich
am
2.
März 2007
mit Hinweis auf ein Erschöpfungssyndrom und auf eine Depression
(Urk.
7/13
Ziff.
7.2
)
bei der Inva
lidenversicherung zum
Bezug einer Rente an (
Urk.
7/13 Ziff. 7.8)
. Die damals zuständige
IV-Stelle Nidwalden
liess
die Versicherte psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 1
7.
Juli 2008;
Urk.
7/75) und
sprach
ihr n
ach Erlass
eines
Vor
bescheids (Urk.
7/18
)
mit
den
in Rechtskraft erwachsenen
Verfügungen vom
3.
März und
8.
Mai 2009 (
Urk.
7/94,
Urk.
7/99-103) für die Zeit vom
1.
November 2006 bis 3
1.
Januar 2007 bei einem Invaliditätsgrad von 65
%
eine
Dreiviertels
rente
, für die Zeit vom
1.
Februar bis
3
1.
August 2007 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente
und ab
1.
September
200
7
bei einem
Invaliditäts
grad
von 50
%
eine halbe Rente zu.
1.2
Im Rahmen einer von Amtes wegen durchgeführten Rentenrevision
teilte
die Versicherte der nunmehr zuständigen Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, im Revisionsfragebogen vom 1
0.
Februar 2014 (Urk. 7/131/1
3)
mit
, dass sie gegenwärtig im Umfang eines Arbeitspensums von 10
%
einer Erwerbstätigkeit nachgehe (
Ziff.
4.2)
,
und
dass sie dieses Arbeitspensum
wegen einer seit November 2013
bestehenden schweren Depres
sion nicht erhöhen könne (
Ziff.
3.4). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(
Urk.
7/139,
Urk.
7/141 und
Urk.
7/150)
stellte die IV
Stelle mit Verfü
gung 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
7/163 =
Urk.
2) fest, dass die Beschwerdeführerin bei einem unveränderten Invaliditätsgrad von 50
%
weiterhin Anspruch auf ein halbe Rente habe und wies ihr Gesuch um Erhöhung der Rente ab.
2.
2.1
Am
2
0.
Februar 2015
erhob
die
Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
2.
Januar 2015
(Urk. 2)
und beantragte, diese sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr eine ganze Rente auszurichten (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
April 2014 (
Urk.
6) beantragte die IV
Stelle, die
Sache
sei in teilweiser Gutheissung der Beschwerde zu ergänzen
der medizinischer
Sachverhalts
abklärung
an sie
zurückzuweisen (S. 2).
2.2
Mit Verfügung
vom 1
2.
Mai 2015 (
Urk.
8) erwog das hiesige Gericht
unter Beru
fung auf BGE 137 V 314
, es sei nicht auszuschliessen, dass die Sache mit dem Endentscheid zu weiterer Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen werden
könnte, dass
bei einer Rückweisung zu erweiterter Sachverhaltsabklärung
das Ergebnis einer solchen Abklärung nicht voraus
sehbar sei,
weshalb es
der Beschwerdeführerin die Gelegenheit ein
räumte
, sich zur Möglichkeit einer Rückweisung der Sache und einer möglichen anschlies
senden Abänderung der angefochtenen Verfügung zu ihrem Nachteil (
refor
matio
in
peius
) zu äussern oder die Beschwerde zurückzuziehen.
2.3
Mit Eingabe vom 1
7.
Juni 2015 (
Urk.
9) hielt die Beschwerdeführerin an ihrem beschwerdeweise gestellten
Rechtsbegehren fest,
allenfalls sei anstelle der beantragten Rückweisung - aus näher dargelegten Gründen - ein
Gerichtsgut
achten
einzuholen
,
worauf d
ie
Beschwerde
gegnerin
mit Eingabe vom 1
3.
Juli 2015 (
Urk.
11)
auf eine weitere Stellungnahme verzichtete. Mit Eingabe vom 2
6.
August 2015 (
Urk.
16) reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren
Arzt
bericht
ein (
Urk.
17), worauf die Beschwerdegegnerin am 1
0.
September 2015 auf eine Stellungnahme dazu verzichtete (
Urk.
19). Eine Kopie dieser Eingabe wurde der Beschwerdeführerin am 2
2.
September 2015 (
Urk.
20) zugestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend
objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer
Gesundheits
schaden
führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.
5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mensvergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durch
geführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung, IVV
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechts
kräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärzt
lichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be
schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolge
rungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
2) davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin seit der letzten rechtskräftigen Invaliditätsbemessung nicht verändert habe, und dass weiterhin ein Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf eine halbe Rente bei einem unveränderten Invaliditätsgrad von 50
%
ausgewiesen sei.
Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
April 2014 (
Urk.
6) räumte die IV-Stelle eine
glaubhaft gemachte Veränderung des Gesundheitszustands
ein, weshalb sie eine Rückweisung zur Vornahme weiterer Abklärungen beantragte.
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt gegen
die angefochtene Verfügung
vor, dass
s
ich die Beschwerdegegnerin mit
ihren
Einwendungen vom 18.
August 2014
nicht in rechtsgenügender Weise auseinandergesetzt habe
(
Urk.
1 S. 5)
. Damit sei sie der ihr obliegenden
Begrün
dungspflicht
nicht in genügender Weise nachgekommen und habe
ihren
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
Zur Vermeidung unnötiger Verzöge
rungen sei jedoch im Sinne einer Heilung des Mangels ein Entscheid des ange
rufenen Gerichts in der Sache vorzuziehen (Urk. 1 S. 6).
Den medizinischen Akten sei zu entnehmen, dass sie im Vergleich zum Gesund
heitszustand im Jahre 2009, als sie lediglich unter einer leichten depressiven Störung gelitten habe, gegenwärtig unter einer schweren Depression leide. Ihr Gesundheitszu
stand habe sich im massgebenden Zeitraum seit dem Jahre 2009 daher erheblich verschlechtert (
Urk.
1 S. 8)
, weshalb neu
ein Anspruch auf eine
ganze Rente ausgewiesen
sei
(
Urk.
1 S. 9
, vgl. auch Urk. 16-17
).
Falls das Gericht zusätzliche Abklärungen für nötig erachte, sei - aus näher dar
gelegten Gründen - keine Rückweisung vorzunehmen, sondern ein
Gerichts
gut
achten
einzuholen (
Urk.
9).
3.
3.1
Vorweg zu prüfen ist die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Verlet
zung des rechtlichen Gehörs (Urk. 1 S. 5 f.).
3.2
Die Parteien haben nach
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
und
Art.
42 Satz 1 ATSG Anspruch auf rechtliches Gehör; sie müssen nicht angehört wer
den vor Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind (
Art.
42 Satz 2 ATSG; BGE 134 V 97 E. 2.8.1).
3.3
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist von Amtes wegen zu überprüfen (Art. 29 Abs. 2 BV; Urteil des Bundesgerichts H 4/05 vom 19. April 2005 E. 2). Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen
Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbs
t zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkre
ten Fall für den Ausgang der mate
ri
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, d.h. die Be
hörde zu einer Än
de
rung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390; 127 V 431 E. 3d/
aa
S. 437). Vorbehalten sind
recht
sprechungs
gemäss
diejeni
gen Fälle, in denen diese Verletzung nicht be
sonders schwer wiegt und dadurch ge
heilt wird, dass die betroffene Person die Möglich
keit erhält, sich vor einer Be
schwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sach
verhalt als auch die Rechtslage
frei überprüfen kann. Die Heilung eines - allfälligen - Mangels soll aber die Aus
nahme bleiben (BGE 125 V 368 E. 4c/
aa
, 124 V 183 E. 4a).
3.4
Wesentlicher Bestandteil des verfassungsrechtlichen Gehörsanspruchs ist die
Be
gründungspflicht
. Sie soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachli
chen Mo
tiven leiten lässt, und es den Betroffenen ermöglichen, die Verfügung gege
benenfalls sachgerecht anzufechten. Die Begründungspflicht bedeutet nicht, dass
sich die Behörde mit jedem einzelnen Vorbringen und jedem einzelnen Akten
stück ausdrücklich auseinandersetzen muss. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt insbesondere, dass die rechtserheblichen Vorbringen der Par
teien ange
hört und berücksichtigt werden (BGE 124 I 241 E. 2). Die Begründung muss kurz
die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich die Verfügung stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich die Ver
fügung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander
setzt und jedes ein
zelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Es genügt, wenn die Verfügung gege
benenfalls sachgerecht angefo
chten werden kann (BGE 130 II 530 E. 4.3, 129 I
232 E
.
3.2,
124 V 180 E
.
1a; Urteil des Bundesgerichts
8C_511/2007
vom 22. November 2007 E
. 4.2.2).
3.5
Laut Art. 57a Abs. 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorge
sehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die He
rabsetzung einer bisher ge
währten Leistung mittels Vorbescheid mit (Satz 1). Ge
mäss Art. 73
bis
Abs. 1 IVV sind Gegenstand des Vorbescheids nach Artikel 57a IVG Fragen, die in den Aufgabenbereich der IV-Stellen nach Art. 57 Abs. 1
lit
. c-f IVG fallen. Dazu gehören
die Abklärung der versicherungsmässigen Vo
raussetzungen
(Art. 57 Abs. 1
lit
. c IVG) und
die Bemessung der Invalidität
(Art. 57 Abs. 1
lit
. f IVG). Das
Vorbescheidverfahren
gemäss den in den
Ratsde
batten
übereinstimmend zum Ausdruck gebrachten gesetzgeberischen Intentio
nen hat zum Zweck, eine unkomplizierte und
media
tionsähnliche
Diskussion des Sachverhalts zu ermöglichen, um dadurch die Akzeptanz des Entscheids bei
den versicherten Personen zu verbessern (vgl. Hans-Jakob
Mosimann
,
Vorbe
scheid
verfahren
statt
Einspracheverfahren
in der IV, SZS 2006 S. 277 ff.). Das
Vorbescheidverfahren
dient auch der Ausübung des rechtlichen Gehörs, geht aber über den verfassungsrechtlichen
Mindestan
spruch
(Art. 29 Abs. 2 BV) hin
aus, indem es Gelegenheit gibt, sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vor
gesehenen Endentscheid zu äussern, wohingegen nach dem verfassungs
recht
li
chen Mindestanspruch kein Anspruch besteht, zur vorgesehenen Erledi
gung Stellung zu nehmen (BGE 134 V 97 E. 2.8.1 und 125 V 401 E. 3e).
3.6
Mit Erlass des Vorbescheids vom
2
3.
Mai 2014
(
Urk. 7/
139
) räumte die
Be
schwer
degegnerin
der
Beschwerdeführer
in
die Gelegenheit ein, zur vorgesehe
nen wiedererwägungsweisen Aufhebung der Rente vor Verfügungserlass Stel
lung zu nehmen. Von diesem Recht machte
die
Beschwerdeführer
in
am
2
3.
Juni 2014
(
Urk. 7/
141
)
und am 1
8.
August 2014 (
Urk.
7/150)
Gebrauch
. Sie
machte dabei geltend, dass
der aktuelle Sachverhalt mit demjenigen im Jahre 2009 zu vergleichen sei (
Urk.
7/150 S. 3), und dass
sich
ihr Gesundheitszustand
im
Ver
gleichszeitraum
insofern erheblich verschlechtert habe, als sie zu Beginn dessel
ben an
einer leichten
und am Ende desselben an einer schweren Depression gelitten habe (
Urk.
7/150 S. 4).
3.7
I
n der angefochtenen Verfügung vom
22
.
Januar 2015
(
Urk.
2) nahm die Beschwerdegegnerin zu den
vo
n der
Beschwerdefü
hrer
in
im
Vorbescheidver
fahren
ge
äusserten Einwendungen folgendermassen Stellung (S.
2):
„
Unsere Abklärungen habe
n
ergeben, dass sich der Gesundheitszustand Ihrer Mandantin seit unserer letzten Beurteilung im April 2010 nicht massgeblich verändert hat. Eine IV-relevante Verschlechterung ist nicht ausgewiesen. Der Invaliditätsgrad von 50% begründet weiterhin den Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (...) Nach wie vor handelt es sich um dieselbe Erkrankung mit denselben Befunden und Funktionseinschränkungen im ähnlichen Ausmass. Ein Betätigungsvergleich wird nicht vorgenommen, die Verfügung vom 0
8.
Mai 2009 ist rechtskräftig, am damaligen Einkommensvergleich wird festgehalten. Aufgrund der eindeutigen Sach- und Rechtslage ist ein anderer Entscheid nicht möglich.“
3.8
Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin, welche in der angefochte
nen Verfügung einerseits die
in Rechtskraft erwachsene ursprüngli
che Rentenverfügung vom
8.
Mai 2009 und anderseits eine „letzte Beurteilung im April 2010“ erwähnte, davon ausging, dass die letzte rechtskräftige materi
elle Invaliditätsbemessung bei Erlass der Verfügung vom
8.
Mai 2009 beziehungsweise im Monat April 2009 erfolgte.
Aus den übr
igen Erwägungen der Verfügung ist daher zu schliessen
, dass es
bei
der
Erwähnung des Jahres „
2010
“
um einen Verschrieb handelt
e
.
Auf Grund des übrigen Inhalts der Ver
fügung ist jedoch davon auszugehen dass damit das Jahr 2009 beziehungsweise der Monat April im Jahre 2009 gemeint war.
3.9
In Würdigung der gesamten Umstände ist
daher davon auszugehen
, dass sich
die Beschwerd
egegn
erin mit den Vorbringen der
Beschwerde
führerin
, wonach sich
ihr
Gesundheitszustand seit der Zusprechung der Invali
denrente
erheblich verschlechtert
habe
,
in genügender Weise auseinander
setzte
. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist darin nicht zu erblicken. Die
Begrün
dungspflicht
verlangt
denn auch
nicht, dass sich die Behörde mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzt (BGE 129 I 232 E
.
3.2, 126 I
97 E. 2b, 124 V 180 E
.
1a; Urteil des
Bundesgerichts
B
61/00
vom 26. September 2001 E
. 3b).
4.
Nach Erlass der ursprünglichen Rentenverfügung
en
vom
3.
März
(Urk. 7/
100
)
und
8.
Mai 2009 (
Urk.
7/101-103)
, womit
der
Beschwerdeführer
in
vom 1.
November 2006 bis 3
1.
Januar 2007 eine
Dreiviertelsrente
, vom
1.
Februar bis 3
1.
August 2007 eine ganze Rente und
für die Zeit
ab
1.
September 2007
bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Rente zugesprochen wurde,
klärte die
Be
schwerdegegnerin den Sachver
halt anlässlich d
es
im
Februar 2014
(vgl. Urk.
7/131/1-3
) von Amtes wegen eingeleiteten
Rentenrevi
sionsverfahrens
in materi
eller Hin
sicht
neu ab
und stellte mit
Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
2) einen unveränderten Invaliditätsgrad und einen gleichbleibenden Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine halbe Rente fest.
In zeitlicher Hinsicht ist daher die Entwick
lung des
anspruchs
relevanten
Sachver
halts im
Vergleichszeit
raum
seit Erlass der
Verfügungen vom
3.
März beziehungsweise
8.
Mai 2009
(Urk. 7/100 und
Urk.
7/101-103)
bis zum Erlass der ange
fochtenen Verfügung vom 22. Januar
2015
(Urk. 2) zu prüfen.
5.
5.1
Bei Erlass der
Verfügungen
vom
3.
März beziehungsweise
8.
Mai 2009
stützte sich die
Be
schwerdegegnerin
zur Hauptsache auf
das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
Y._
vom 1
7.
Juli 2008 (
Urk.
7/75; vgl.
Urk.
7/91/5).
5.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnosti
zierte mit Bericht vom 1
2.
September 2007 (
Urk.
7/39) eine depressive Episode schweren Grades (S. 1). Infolge der psychiatrischen Behandlung mit Einzelgesprächen und antidepressiver Medikation sei es der Beschwerdeführerin gelungen, sich neu zu orientieren und beruflich vermehrt tätig zu sein. Aus psy
chiatrischer Sicht bestehe seit Anfang September 2007 eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
(S. 2).
5.3
Med.
pract
.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie
,
Medizinisches Zentrum
B._
, diagnostizierte in ihrem zusammen mit einem klinischen Psychologen und einer Psychologin verfassten Bericht vom 1
3.
Februar 2008 (
Urk.
7/52/1-3) eine schwere depressive Episode (S. 1) und erwähnte, dass sich die Beschwerdeführerin von einer psychiatrischen Behandlung eine besserer Work-Life-Balance erhoffe. Sie habe sich während der Behandlung hauptsächlich zu Hause mit der Herausgabe eines Buches über ihr Burn-out
befasst. Dabei habe nach Angabe der Beschwerdeführerin eine
Leis
tungs
- und Belastungsfähigkeit von höchstens 50
%
bestanden. Als
Grafikde
signerin
sei sie jedoch schon vor Behandlungsbeginn im Umfang v
on 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Denn sie habe
weder telefonieren,
Kunden
a
k
quirieren noch malen
können
.
A
m 2
2.
Januar 2008 habe
sie
die Therapie abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt habe auf Grund einer mittelgradigen bis schweren Depres
sion eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden (S. 2).
5.4
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Gutachten
vom
1
7.
Juli 2008 (
Urk.
7/75)
die folgenden Diagnosen (S. 6):
Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen Typ (Differenzial
diagnose: kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zusätzlich unreifen Zügen,
Dysthymie
) mit:
Problemen in der primären Bezugsgruppe
Familienanamnese mit Hinweis auf Gewalt
leichte depressive Störung bei:
Status nach schwerer depressiver Episode
Der Gutachter führte aus, dass bei der Beschwerdeführerin neben der Depression eine schwere Beziehungsstörung bestehe, die sich bis weit in die Jugend zurückverfolgen lasse. Die Rastlosigkeit und die häufigen Stellenwechsel der Beschwerdeführerin seien darauf zurückzuführen. Da sie Nähe, Kritik und Ver
bindlichkeit schlecht toleriere, handle es sich um eine Störung von
Krankheits
wert
. Die diagnostische Zuordnung sei
indes
nicht abschliessend möglich; am Ehesten handle es sich um eine mitteleschwere Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ. Eine Überforderung mit den Verhältnissen am Arbeitsmarkt, ein geschäftlicher Misserfolg
sowie der drohende
Verlust der Selbstständigkeit hätten bei der Beschwerdeführerin zu einer Depression geführt
(S. 8)
. Die Depression sei gegenwärtig nur leicht ausgeprägt.
Seit September 2007 bestehe in
der bisher ausgeübten selbstständigen Erwerbstätigkeit sowie in
behinde
rungsangepassten
Tätigkeiten mit der Möglichkeit selbstständig mit möglichst fr
eier Zeiteinteilung zu arbeiten
(S. 9) eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 8).
6.
6.1
Bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
2) stellte sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin folgendermassen dar:
6.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte mit Bericht vom 2
3.
Januar 2014 (
Urk.
7/129) die folgenden Diagnosen (S. 3):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ
chronifiziertes
rechts
subscapuläres
und tieflumbales Schmerzsyndrom mit/bei:
idiopathische
r
Skoliose
ausgeprägter
myofaszialer
Schmerzausweitung
neuropathischem
Schmerzanteil
Er führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit ungefähr zehn Jahren an einer rezidivierenden depressiven Störung
leide, und dass es
zu Beginn des Monats
November 2013 zu einer deutlichen Verschlechterung
ihres
Zustandsbildes gekommen sei.
Sie
leide an einer tief in der Persönlichkeit verankerten, anam
nestisch in
ihrer
Lebensgeschichte
zurückverfolgbaren
, ausgeprägten Störung in der Regulation zwischenmenschlicher Beziehungen (S. 1). Die durch
dieses
psy
chische Leiden verursachten dysfunktionalen Verhaltensmuster wiesen bei der Beschwerdeführerin eine starke Veränderungsresistenz auf und seien nicht zu überwinden. Auf Grund der Generalisierung der Verhaltensmuster auf den gesamten Kontext sozialer Beziehungen sowie auf Grund einer zusätzliche
n
Koppelung neutraler Stimuli an die Schemaauslöser
sei
der Beschwerdeführerin die Ausübung
behinderungsangepasster
Tätigkeit
en
nicht zuzumuten (S. 3).
6.3
Die Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes der Beschwerdegegnerin (RAD),
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Arbeitsmedizin, erwähnte in ihrer Stellungnahme vom
9.
April 2014
(Urk. 7/137/3), dass
Dr.
C._
am 2
3.
Januar 2014
eine gegenwärtig schwere Episode
eine
r
rez
idivierenden depressiven Störung,
eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ und ein
chronifiziertes
Schmerzsyndrom mit
myofaszialer
Schmerzausweitung festgestellt habe, und führte aus, dass auf Grund der Akten eine invaliditätsrelevante Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes nicht ausgewiesen sei. Die Beschwerdeführerin leide gegenwärtig im Vergleich zu dem im Jahre 2007
festgestellten Befund
nach wie vor
unter
derselben Erkrankung
, unter
denselben Befunden und
unter
in ähnlichem Ausmass
wie im Jahre 2007 festgestellten
Funktionseinschrän
kungen
.
6.4
Mit Schreiben vom 1
9.
August 2015 (
Urk.
17) wies
Dr.
C._
die Beschwerde
führerin der Privatklinik
F._
, zur stationären psychiatrischen Behandlung zu und erwähnte, dass sich ihr Gesundheitszustand seit mehreren Wochen nochmals deutlich verschlechtert habe. Die Beschwerdeführerin leide unter einer ausgeprägten gedrückten Stimmung, unter Energie- und
Motiva
tionslosigkeit
sowie unter einer starken psychophysischen Erschöpfung. Der Beschwerdeführerin sei es nicht mehr möglich gewesen, soziale Kontakte zu pflegen und ihrer selbstständigen Tätigkeit nachzugehen (S. 1).
7.
7.1
Den obenerwähnten Akten zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bei Erlass der Verfügungen vom
3.
März und
8.
Mai 2009 lässt sich entnehmen, dass
Dr.
Z._
am 1
2.
September 2007 eine depressive Episode schweren Gra
des diagnostizierte und eine Arbeitsunfähigkeit ab September 2007 von 60 % feststellte (vorstehend E.
5.2
). Damit übereinstimmend stellte med.
pract
.
A._
in ihrem Bericht vom 1
3.
Februar 2008 eine mittelgradige bis schwere depressive Episode
fest
und
ging davon aus, dass
am 2
2.
Januar 2008 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden
habe (vorstehend E.
5.3
). Demgegen
über stellte
Dr.
Y._
in
s
einem Gutachten 1
7.
Juli 2008
die Diagnosen
eine
r
Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen Typ
und lediglich noch eine
r
leichte
n
depressive
n
Störung
und ging davon aus, das ab
September 2007 in
der bisherigen selbstständigen Erwerbstätigkeit sowie in
behinderungsangepassten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestanden habe (vorstehend E.
5.4
).
7.2
Die nachvollziehbare Beurteilung durch
Dr.
Y._
, welcher
als
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie über eine für die Beurteilung des vorliegend
en
psychischen Leidens angezeigte fachärztli
che Spezialisierung verfügt, beleuchtet den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht umfassend und vermag die erwähnten (vorstehend E.
1.7
) Anforderungen, wel
che an ein Administrativgutachten gestellt werden, zu erfüllen. Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin in den Ver
fügungen vom
3.
März und
8.
Mai 2009 davon ausging, dass ab
1.
September in der bisherigen selbstständigen Erwerbstätigkeit sowie in
behinderungsange
passten
Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestanden habe.
8.
8.1
Eine
Würdigung der Akten bei
Erlass der angefochtenen Verfügung vom 22.
Januar 2015
ergibt, dass
Dr.
C._
in seinem
Bericht vom 2
3.
Januar 2014
(vorstehend E.
6.2
) und in seiner Stellungnahme vom 1
9.
August 2015 (vorste
hend E.
6.4
)
davon ausging, dass die Beschwerdeführerin unter einer
emotional instabile
n
Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ
sowie unter einer schwe
ren Episode einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung
leide,
weshalb
selbst in behinderungsangepassten Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bestehe
. Demgegenüber ging die RAD-Ärztin
Dr.
D._
in ihrer Stellung
nahme vom
9.
April 2014
auf Grund der Akten davon aus, dass die Beschwer
deführerin im Vergleich zum Gesundheitszustand bei Erlass der ursprünglichen Verfügungen weiterhin unter einer grundsätzlich unveränderten
Gesundheitsbe
einträchtigung
leide, weshalb
eine
invaliditäts
relevante
Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht ausgewiesen sei
(vorstehend E.
6.3
).
8.2
In Bezug auf die Beurteilung durch
Dr.
D._
vom
9.
April 2014
(vorste
hend
E. 6.3
) gilt es zu berücksichtigen, dass diese
als
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Arbeitsmedizin
nicht über eine für
die Beurteilung des vor
liegend im Streite stehenden psychischen Leidens angezeigte
fachmedizinische Spezialisierung als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie verfügt
e
, weshalb auf ihre Beurteilung daher schon aus diesem Grunde nicht abgestellt werden
kann
. Des Weiteren gilt es
bei der Beurteilung der Stellungnahme von
Dr.
D._
vom
9.
April 2014
zu
beachten
, dass Berichten
versiche
rungs
in
terner
medizinischer Fachpersonen
rechtspre
chungsgemäss
zwar Beweiswert zukommt, dass diesen Berichten indes nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 des ATSG vom Ver
siche
rungsträger in Auftrag gegebenen ext
ernen Gutachten zu
erkannt wird, und dass
bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stellungen ergän
zende Abklärungen vor
zunehmen
sind
(BGE 135 V 471 E. 4.6).
8
.3
In Bezug auf die Beurteilung durch
Dr.
C._
vom 2
3.
Januar 2014
(vorstehend E.
6.2
) fällt auf, dass dieser einerseits erwähnte, dass die Beschwerdeführerin seit ungefähr zehn Jahren an einer rezidivierenden depressiven Störung leide, und dass er andererseits davon ausging
,
dass die durch das psychische Leiden der Beschwerdeführerin verursachten dysfunktionalen Verhaltensmuster den gesamten Kontext sozialer Beziehungen beträfen, eine starke
Veränderungs
re
sistenz
aufwiesen und nicht überwindbar seien, weshalb der Beschwerdeführerin selbst die Ausübung behinderungsangepasste
r
Tätigkeiten nicht zuzumuten sei.
Dieser
Beurteilung durch
Dr.
C._
lässt sich
indes k
eine
nachvollziehbare Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin entnehmen.
Insbeson
dere lässt es sich, da in
seine
r
Beurteilung Angaben zur Veränderung des psy
chischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin seit dem Jahre 2008
fehlen
,
nicht
zweifelsfrei ausschliessen, dass es sich bei seiner Beurteilung im Vergleich zu derjenige
n
von
Dr.
Y._
vom
1
7.
Juli 2008
lediglich um eine abweichende Beurteilung eines grundsätzlich unveränderten Gesundheits
zu
standes gehandelt
hätte
.
Des Weiteren gilt es
hinsichtlich der
Beurteilung durch
Dr.
C._
, welcher die Beschwerdeführerin seit Oktober 2010 regelmässig psychiatrisch-psychothera
peutisch behandelte (
Urk.
7/129 S. 1),
die Erfahrungstatsache zu
beachten
, wonach Hausärztinnen und Hausärzte sowie behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_203/2015 vom 1
4.
April 2015 E. 3.2 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 4A_526/2014 vom 1
7.
Dezember 2014 E. 2.4).
Aus diesen Gründen kann auf
die Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen durch
Dr.
C._
vom 2
3.
Januar 2014 und vo
m 1
9.
August 2015 (vorstehend E. 6.4
) nicht abschlies
send abgestellt werden. Seine Beurteilungen sind jedoch immerhin geeignet,
Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der Beurteilung durch
Dr.
D._
zu erwecken
. Demzufolge kann daher auch auf die Beurteilung durch
Dr.
D._
nicht abgestellt werden.
8.4
Auf Grund der unvollständigen medizinischen Aktenlage lässt sich somit
die Frage nach einer Veränderung des
Gesunheitszustandes
sowie n
a
ch
de
m
Umfang der hypothetischen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der bis
her ausgeübten selbstständigen Erwerbstätigkeit sowie in zumut
baren
behinde
rungsangepassten
Tätigkeiten zum Zeitpunkt bei Erlass der angefochtenen Ver
fügung vom 22.
Januar 2015 (
Urk.
2) nicht mit der notwendigen Klarheit und insbesondere nicht mit dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit ermessen.
9.
9.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss der Rechtsprechung ist eine Rückweisung an die IV-Stelle möglich, wenn sie in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist, oder wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergän
zung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 mit Hinweisen).
9.2
Vorliegend ist die Frage nach dem Umfang der hypothetischen Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin in der bisherigen selbstständigen Erwerbstätigkeit und in zumutbaren
behinderungsange
passten
Tätigkeiten
zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
2)
bisher
im Wesentlichen
ungeklärt geblieben, weshalb die Sache an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen ist, damit sie den Sachverhalt diesbezüglich ergänzend abkläre. Die
Beschwerde
gegnerin
wird dabei sinnvollerweise eine psychiatrische und eventuell zusätz
lich eine neurologische und
/oder eine
rheumatologische Begutachtung der Be
schwerdeführerin veranlassen und anschliessend über deren Rentenan
spruch neu verfügen.
Da die IV-Stelle den rechtserheblichen Sachverhalt - angesichts des blossen Vor
liegens eines Berichts des behandelnden Arztes und einer wenig überzeu
genden Einschätzung einer RAD-Ärztin (vgl. E. 6.2-6.3) - im Wesentlichen vollständig ungeklärt liess, fällt das Einholen eines Gerichtsgutachtens trotz der von der Beschwerdeführerin geäusserten Kritik (vgl.
Urk.
9) nicht in Betracht. Ausserdem könnte die IV-Stelle bei Einholen eines Gerichtsgutachtens und all
fälligen Rückzug der Beschwerde eine Revision einleiten, womit die genannten Nachteile einer Rückweisung ebenfalls in Frage gestellt werden.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
daher
gutzuheissen.
10.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kan
tonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die
Kosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichti
gung des gesetz
li
chen Rahmens (Fr. 20
0.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr.
7
00.-- fest
zusetzen
und
aus
gangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
11.
11.1
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer grundsätzlich Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Für unnötigen oder geringfügigen Aufwand einer Partei wird keine
Partei
ent
schä
digung
(§ 8 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Ent
schädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer
) zugesprochen.
11
.2
Dem
Tätigkeitsnachweis von Rechtsan
wältin
Silvia Bucher
,
Zürich
, vom 2
8
.
Juli
2015
(
Urk.
14)
ist zu entnehmen, dass diese einen zeitlichen Aufwand
von
18.6
Stunden sowie
eine Kleinspesenpauschale von insgesamt
Fr.
122.75
(ohne Mehrwert
steuer) geltend machte. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand und
insbesondere derje
nige für das
Verfassen der Beschwerde von insgesamt 8.6 Stunden und d
erjenige für das Verfassen der Replik von insgesamt sieben Stunden
erweist sich
unter
Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
indes
nicht als angemessen.
In
Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache
und der Schwierigkeit des Prozesses
erscheint vielmehr
ein gekürzter zeitlicher Aufwand von
insgesamt
höchstens
14.4
Stunden als gerechtfertigt.
Ausgangsgemäss
hat die
Beschwerdeführer
in
daher
Anspruch auf
eine
Pro
zessent
schädigung
, welche bei einem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 2
2
0.-- (zuzüglich Mehr
wertsteuer) auf Fr.
3
‘500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen ist.