Decision ID: 8b9afbc7-2840-4481-a595-f4db90723aae
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene
X._
, welche eine Lehre als Dentalassistentin absol
viert und zuletzt als Abteilungsleiterin bei
der Genossenschaft
Y._
gearbeitet hatte,
meldete sich am 1
3.
Juli 2006
(Eingangsdatum gemäss Aktenverzeichnis)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leis
tungs
bezug
an
(
Urk.
10/4
; vgl. Arbeitgeberbescheini
g
ung vom 1
1.
Dezember 2006,
Urk.
10/14
). Nach Vornahme erwerblicher und medizinischer Abklärun
gen, in deren Rahmen unter anderem ein
p
sychiatrisches Gutachten bei der
Z._
(Gutachten vom 31.
Mai
2007,
Urk.
10/24) einge
holt wurde, auferlegte die IV-Stelle
X._
,
sich einer re
gelmässigen fach
ärzt
lich-psychiatrischen Behandlung zu unterziehen (Auferle
gung der
Schaden
minderungspflicht
vom 1
2.
Dezember 2007,
Urk.
10/28)
,
und sprach ihr mit Ver
fügung vom 1
7.
März 2008 mit Wirkung ab
1.
Januar
2006 eine ganze Inva
lidenrente zu (
Urk.
10/44, Verfügungsteil 2,
Urk.
10/38).
Ein im Januar 2009 eingeleitetes Revisio
nsverfahren (Fragebogen vom 16.
Janu
ar
/1
0.
Februar 2009,
Urk.
10/45) schloss die IV-Stelle, nachdem
X._
am 2
7.
August 2009 von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst der IV-Stelle untersucht worden war (Bericht vom
10. September
2009,
Urk.
10/50), mit Mittei
lung vom 1
7.
September 2009 mit der Feststellung eines unveränderte
n
Invali
ditätsgrades
ab (
Urk.
10/52).
1.2
Im April 2012 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein (Schreiben
vom 2
4.
April
2012,
Urk.
10/56). Sie gab dabei bei
Dr.
med.
B._
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten in Auftrag (Mit
tei
lung vom 2
9.
April 2013,
Urk.
10/65), welches am
8.
Juli 2013 erstattet wurde (
Urk.
10/68).
Am 1
2.
Juni 2014 auferlegte die IV-Stelle
X._
,
eine inten
sivierte psychiatrisch/psychotherapeutische Behandlung in einem auf
Per
sön
lich
keitsstörungen
spezialisierten Therapieprogramm
(
d
ialektisch-
b
ehavio
rale
The
ra
pie, DBT)
mit einer etwa dreimonatigen stationären Behandlung durchzu
führen und bis am 1
0.
Juli 2014 mitzuteilen, in welcher Klinik sie diese Mass
nahme durchführen werde (
Urk.
10/72).
Mit
Vorbescheid vom 1
7.
Juli
2014
stellt
e die IV-Stelle
in Aussicht, die ganze Invalidenrente
von
X._
auf eine
Dreiviertelsrente
he
rabzusetzen (
Urk.
10/77). Am 4.
August
2014 teilte
X._
der IV-Stelle mit, dass sie am 1
2.
August 2014 einen Termin in der Klinik
C._
habe
,
um das weitere Vorgehen zu besprechen
,
(
Urk.
10/
80)
und am 1
3.
August 2014 setzte sie die IV-Stelle darüber in Kenntnis, dass sie in die
Kli
nik
C._
eintreten könne, sobald ein Platz frei sei (
Urk.
10/81).
Am 1
8.
September 2014
trat
X._
in die Klinik
C._
ein, worüber die IV-
Stelle in Kenntnis gesetzt wurde (Telefonnotiz
vom 2
4.
Oktober 2014
,
Urk.
10/89).
Mit Verfügung vom 1
1.
November 2014 setzte die IV—Stelle die ganze Rente von
X._
per
1.
Dezember 2014 auf eine
Dreiviertelsrente
herab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vo
m 1
7.
November 2014 Beschwerde und beantragte, es sei erst nach der Berichterstattung durch die
Klinik
C._
über ihren Ren
tenanspruch zu entscheiden, eventualiter sei die Rente erst per
1.
Januar 2015 auf eine
Dreiviertelsrente
herabzusetzen (
Urk.
1). Da
X._
mit ihrer Be
schwerde die angefochtene Verfügung nicht einreichte, wurde ihr mit Verfü
gung vom
1.
Dezemb
er 2014 Frist angesetzt, um den angefochtenen Entscheid einzureichen (
Urk.
3). Dieser Aufforderung kam sie innert Frist nach (
Urk.
2 und
Urk.
5). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Januar 2015
,
die Beschwerde sei
insoweit teilweise gutzuheissen, dass die Herabsetzung der
ganzen auf eine
Dreiviertel
s
rente
erst
per
1.
Januar 2015
zu erfolgen habe
(
Urk.
9). Mit Verfügung vom 2
8.
Januar 2015 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und der Beschwerdeführerin Frist zur Er
stattung einer Replik angesetzt (
Urk.
11). Die Beschwerdeführerin reichte innert Frist keine Stellungnahme ein, was der Beschwerdegegnerin am 1
1.
März 2015 mit
geteilt wurde (
Urk.
13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die ganze Rente der Beschwerdeführerin auf eine
Dreiviertelsrente
herabgesetzt hat.
2.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
,
wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Ge
sundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
sprache
ent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E.
1 mit Hin
weisen).
Wird
bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f
der Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV) und die entspre
chende Mitteilung hin keine
Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den
Vergleichs
zeitpunkt
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfü
gung gleichzustellen (Urteile
des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September
2010 E. 2.2 und 9C_586/2010
vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
Gemäss
Art.
88a
Abs.
1 IVV ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Die hierzu not
wendige Prognose unterliegt dabei dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
mit Hinweisen).
3.
3.1
3.1.
1
Bei der ursprünglichen, mit Verfügung vom 1
7.
März 2008
(
Urk.
10/44)
erfolg
t
en
Zusprache
einer ganzen Rente stützte sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf das Gutachten
von Dr. med. Dipl.-Psych.
D._
,
L
eitender Arzt der
Z._
,
vom 3
1.
Mai 2007 (vgl.
Fest
stellungsblatt
,
Urk.
10/27). Diese
r
hielt
als Diagnose eine kombinierte
Persön
lichkeitsstörung
mit para
noi
den, emotional instabilen und vermeidenden Zügen (ICD-10 F61.0)
fest
. Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine ausgeprägte Stö
rung der Persönl
ichkeitsstruk
tur, die sich zurz
eit mit zahlreichen Symptomen ausdrücke und sich massiv
auf die Arbeitsfähigkeit auswir
k
e
.
Er
schätzte die Beschwerdeführerin
als
zu
100
%
arbeitsunfähig
ein
. Es
sei
jedoch durchaus
denkbar, durch die Intensivierung der psychotherapeutischen Begleitung eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
im Ver
kauf oder als Dentalassistentin
auf
min
destens 50
%
zu erreiche
n
. Die Sympto
matik der Beschwerdeführerin stelle kei
nen unveränderbaren Dauerzustand dar. Es sei
auch
vorstellbar
, dass nach einer erfolgreichen Therapie die Arbeitsfähig
keit zu 100
%
wiederhergestellt werden könne (
Urk.
10
/24)
.
3.1.2
Bei dem mit Mitteilung
vom
1
7.
September 2009
(
Urk.
10/52) abgeschlossenen Revisionsverfahren stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die Einschätzung ihrer
RAD-Ärztin
Dr.
A._
(vgl.
Feststellungsblatt,
Urk.
10/51),
welche
mit Unter
suchungsbericht vom
10. September
2009 eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F.20.0)
diagnostizierte und eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit festhielt. Dr.
A._
erachtete w
eiter
e
Abklärungen und die Auferlegung
einer
Schadenmin
derungs
pflicht
als
nicht notwendig (
Urk.
10/5
0
).
3.2
Im aktuellen Revisionsverfahren
hielt
Dr.
B._
mit
Gutachten vom
8.
Juli 2013
als Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
fest:
Borderline
-Persönl
ichkeitsstörung (ICD-10 F60.31),
ab Adoleszenz mit
Erregungszuständen mit Analgesie und emotionaler Regulation über Schmerzreize und Zwänge
Dissoziation und
psychosenahen
Symptomen
(Gefühl von
Gedanken
entzug
)
Beziehungsstörung und so
zialphobischem Verhalten
Hinweisen auf ADHS
k
omplexe
p
osttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), Beginn un
klar mit
bildlichen Intrusionen
i
ntrusiven akustischen, haptischen und olfaktorischen Illusionen
Hyperarousal
und Schreckhaftigkeit
Pani
kattacken
Agoraphobie (ICD-10 F40.00), wahrscheinlich ab 2007 mit
eingeschränkter Mobilität, Vermeidung von Menschenmengen und
Enge
situationen
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei eine atypische Anorexia
ner
vosa
(ICD-10 F50.1), Beginn unklar (BMI 16,6).
Medizinisch
-theoretisch könne die Arbeitsfähigkeit durch die gestellten Diagno
sen
Borderline
-Persönlichkeitsstörung,
p
osttraumatische Belastungsstörung und Agoraphobie leicht bis erheblich oder vollständig eingeschränkt sein. Da die Beschwerdeführerin aber keine Bemühungen in Richtung einer Arbeitstätigkeit unternehme und kein Leidensdruck spürbar sei, lasse sich das Ausmass der Ein
schränkung nur theoretisch abschätzen.
Es
sei zu berücksichtigen, dass
sie
bis 2004 vollschic
htig arbeitsfähig gewesen sei und
eine Lehre gut abgeschlos
sen und sich auch beruflich hochgearbeitet habe. Seit September 2012 sei
zu
dem
durch den diesmal definitiven Bruch mit dem gewalttätigen Ehemann fak
tisch eine Entlastung eingetreten.
Man dürfe erwarten, dass diese Entlastung sich
auch positiv auf der Symptomebene auswirke. Die Beschwerdeführerin lebe zwar
auf die Familie zurückgezogen, sie fühle sich in ihrer jetzigen
Wohnsitua
tion
aber relativ wohl und erreiche ein relativ hohes Aktivitätsniveau im Alltag.
Sowohl in der gelernten Tätigkeit als Dentalassistentin wie auch als Abteilungs
leiterin in einem Warenhaus bestehe
aktuell keine Arbeitsfähigkeit
. Die zwischenmenschlichen Anforderungen seien hier zu hoch bzw. die psychische Be
lastbarkeit der Beschwerdeführerin sei ungenügend. In Verweistätigkeiten, bei
spielsweise
körperlich
leichte Arbeit in der industriellen Fertigung, im Logis
tik-Bereich, etc. sollte sei
t
dem
1.
Januar 2013
ein
Pensum von
50
%
zumut
bar sein. Zu beachten seien dabei die agora- und sozialphobischen Einschrän
kung
en (Sonnenbrille zulässig, kein intensiver zwischenmenschlicher Kontakt, keine
weite
Anreise mit
dem
öffentlichen
Verkehr).
M
it dem Auszug des Ehemannes sei offenbar eine erhebliche Entlastung einge
treten. Die Beschwerdeführerin beschreibe keinen Leidensdruck und fühle sich in ihrer Situation weitgehend wohl
.
Sie sehe sich selber nicht als krank an. In
sofern gehe er insgesamt von einem in Folge der Trennung, das heisst ab dem
1.
Januar 2013, gebesserten Gesundheitszustand aus. Medizinisch-theoretisch liege die Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten seit dem
1.
Januar 2013 bei 50
%
.
Die drei gestellten
Diagnosen seien grundsätzlich
behandelbar. Indiziert wären eine ambulant-psychiatrische Therapie sowie ein dreimonatiger stationärer Auf
enthalt mit Absolvieren eines DBT-Programms zur Behandlung der
Borderline
störung
. Motivation und Behandlungsbereitschaft vorausgesetzt, könne durch eine entsprechende Therapie innerhalb eines Jahres wieder eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
erreicht werden (
Urk.
10
/68).
3.
3
Dr.
med.
E._
, Obera
rzt, und
lic
. phil.
F._
, P
s
ychologin, von der
Klinik
C._
hielten mit Bericht an die Beschwerdegegnerin als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine
p
osttraumatische
Belastungs
störung
(ICD-10 F43.1) fest. Es bestünden deutliche Einschränkungen der psy
chi
schen Belastbarkeit, der Stressresistenz und
der
Frustrationstoleranz. Des
W
eiteren reagiere die Beschwerdeführerin auf Belastungen mit somatischer
Symptoma
tik (ausgeprägte Magenschmerzen,
Nackenverspannungen). Neu
ro
psy
chologisch habe eine Impulskontrollschwäche sowie eine verminderte
In
for
ma
tionsaufnahme
festgestellt werden können. Eine Wiederaufn
a
hme der
Ar
beits
tätigkeit
sei denkbar. Das Ausmass der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sollte
sukzessive in Absprache mit der Beschwerdeführerin gesteigert werden (
Urk.
10/96).
4.
Die Beschwerdegegnerin ging in der
angefochtenen Verfügung vom 11.
Novem
ber 2014
(
Urk.
2)
davon aus, dass die Beschwerdeführerin in einer
behinde
rungs
angepassten
Tätigkeit wieder zu 50
%
arbeitsfähig ist. Sie stützte sich dabei auf das Gutachten von
Dr.
B._
vom
8.
Juli 2013 (E. 3.2
; vgl.
Fest
stellungsblatt
,
Urk.
10/76, und
die
Stellungnahme
des Rechtsdienstes
vom 1
3.
Februar 2014,
Urk.
10/78
).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Sozialversicherung einge
holten Gutachten ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien
gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
). Vorliegend bestehen keine
Indizien
, welche gegen die Beweistauglichkeit des Gutachtens
von
Dr.
B._
vom
8.
Juli 2013 (
Urk.
10
/68
) sprechen würden. Vielmehr erfüllt das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Anforderungen, welche an be
weistaugliche medizinische Gutachten gestellt werden: Das Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf eingehenden fachärztlichen Unter
suchungen und
berücksic
htigt die geklagten Beschwerden
(vgl. BGE 125 V 351 E. 3a; E.
2.3).
Insbesondere legt
Dr.
B._
schlüssig dar,
dass
sich seit der Trennung der Beschwerdefüh
rerin vom Ehemann der Leidensdruck und
das Funktionsniveau gebesse
rt
ha
ben
, weshalb auch von einer höheren Arbeits
fähig
keit auszugehen sei
(
Urk.
10
/68/19
-
20)
.
Ein Vergleich mit dem früheren Gutachten von Dr.
D._
vom 31. Mai 2007 weist dies nachdrücklich aus: Der
Gutachter Dr.
D._
hält noch einen zunehmenden sozialen Rückzug in eine Phantasiewelt mit paranoiden Symptomen fest (Urk.
10/24 S.
11), die Beschwer
deführerin berichtete ihm von fehlendem Nachtschlaf und einem Tagesablauf, der geprägt war von stundenweise Schlafen, Musik hören und nur wenigen, jeweils unvollendeten Haushaltsarbeiten. Ferner führte die Beschwerdeführerin aus, nur manchmal spazieren zu gehen, sich nur in der Wohnung sicher zu fühlen und sogar den Balkon zu meiden (Urk. 10/24 S. 6-7). Demgegenüber berichtete die Beschwerdeführerin anlässlich der Exploration durch Dr.
B._
, dass sie morgens jeweils mit dem Hund spazieren gehe, dafür sowie für kleinere Einkäufe auch selber kurze Strecken Auto fahre, viel zeichne oder male, ein Nachtessen für drei Personen mit frischem Gemüse, Salat und Fleisch koche, sich um den Abwasch und die Küche kümmere, TV schaue und
Computergames
spiele. Früher habe sie noch gehäkelt, jetzt nicht mehr (Urk. 10/68/20). Ferner nahm sie wieder Kontakt auf mit ihrer Herkunftsfamilie und hat offensichtlich einen guten Kontakt zu ihrem Cousin und ihrer Tochter (Urk. 10/68/5).
Die Beschwerdeführerin bringt denn auch nichts Konkretes gegen die Beurtei
lung von
Dr.
B._
vor, macht sie im Wesentlichen doch
lediglich
geltend, dass die Beschwerdegegnerin die Einschätzung der
Fachpersonen
der Klinik
C._
nicht berücksichtigt habe
, obwohl die Beschwerdegegnerin sie zu ei
nem
Klinikaufenthalt aufgefordert habe
(
Urk.
1)
.
Hierbei verkennt die Be
schwerde
führerin, dass die Beschwerdegegnerin sie nicht zur Überprüfung der Einschätz
ung von
Dr.
B._
zu einem Klinikaufenthalt angehalten hat, son
dern um eine weitere Verbesserung der Arbeitsfähigkeit anzustreben
(
Urk.
10/72)
,
zumal sie nach eigenen Angaben nicht (mehr) in fachärztlicher Behandlung stand.
Dr.
B._
hielt in seinem Gutachten nämlich – wie ausgeführt (E. 3.2) – fest, dass unter der entsprechenden Therapie und bei entsprechender Mo
tivation und Behandlungsbereitschaft der Beschwerdeführer
in
innerhalb eines Jahres eine 80%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne.
Ob die Arbeitsfä
higkeit der
Beschwerdeführerin tatsächlich weiter gesteigert werden konnte bzw. kann, wird
die Beschwerdegegnerin in einem neuen Revisionsverfahren überprüfen (
Urk.
9
Ziff.
3).
Da sich das Gutachten von Dr.
B._
hinsichtlich der gesundheitlichen Verbesserung und Therapiemöglichkeiten
als
beweis
tauglich
erweist, ist dieses Vorgehen in keiner W
ei
se zu beanstanden.
Im Übrigen gehen a
us dem Bericht der Fachpersonen der Klinik
C._
an die Beschwerdegegnerin keine Angaben hervor, welche auf eine weitergehende Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit als die von
Dr.
B._
attestierte schliessen liess
en
. So hielten sie zwar fest, dass eine deutliche Einschränkung in der psy
chi
schen Belastbarkeit, der Stressresistenz und
der
Frustrationstoleranz bestehe und die Beschwerdeführerin auf Belas
tun
gen mit somatischer Symptomatik reagiere und n
europsychologisch
eine Impulskontrollschwäche sowie eine ver
min
derte Informationsaufnahme habe festgestellt werden können
(
E. 3.
3).
Diese
Einschränkungen wurden von Dr.
B._
jedoch ebenfalls berücksichtigt. So atte
stierte er der Beschwerdeführerin
sowohl
für die gelernte Tätigkeit als
Den
talassistentin
wie auch für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Abteilungsleiterin in einem Warenhaus aufgrund der zwischenmenschlichen Anforderungen bz
w. der psychischen Belastung
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Lediglich für Tätig
keiten, welche nicht nur körperlich leicht sind, sondern auch den agora- und
sozialphobischen Einschränkungen der
geklagten
Beschwerden Rechnung tragen,
at
testierte er eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (
E. 3.2
).
Die Fachpersonen der Klinik
C._
bestätigten zudem, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin
wesentlich gebessert hat (Urk.
10/96/2).
Darüber hinaus
konnten
sie
die von
Dr.
B._
gestellten Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
,
emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31) und Agoraphobie (ICD-10 F40)
,
nicht mehr bestätigen
(
Urk.
10/96/8)
.
Nach dem Gesagten erweist es sich als rechtens, dass die Beschwerdegegnerin davon ausgegangen ist, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführe
rin
wesentlich
g
e
bessert hat und sie
in einer angepassten Tätigkeit
wieder zu 50
%
arbeitsfähig ist.
5
.
5.1
Zur Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlich bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist ein Einkommensvergleich vorzunehmen.
Nachdem
Dr.
B._
der Beschwerdeführerin ab
1.
Januar
2013 eine 50%ige Arbeits
fähigkeit attestierte
(E.
3.2)
, ist diese
rentenwirksam
ab dem
1.
April 2013
(vgl. E. 2) zu berücksichtigen.
Massgebend
für den Einkommensvergleich
sind somit die im Jahr 2013 erzielbaren Einkommen.
5.2
5.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des früh
est
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensent
wicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden
wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
5.2.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der
angefochtenen Verfügung vom 11.
Novem
ber 2014 davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2013 ohne
Gesund
heitsschaden
ein Einkommen von Fr. 74‘285.10 pro Jahr hätte
erzielen können
. Sie berechnete diesen Wert gestützt auf das Einkommen, welches die Be
schwer
deführerin bei ihrer Tätigkeit als Abteilungsleiterin bei der Genossen
schaft
Y._
,
wo sie bis
am 3
1.
August 2005
angestellt
gewesen war, erzielt hatte
(
Urk.
2,
vgl.
auch Einkommensvergleich,
Urk.
10/75
;
Urk.
10/14/1
). Die Beschwerdegegnerin
liess dabei ausser
A
cht, dass das A
rbeitsverhältnis von
der Genossenschaft
Y._
aufgrund der Auflösung des Standortes
(Filiale
G._
)
gekündigt
wurde
(
Urk.
10/14
/1
).
D
ie Beschwerdeführerin
hätte daher
auch ohne
Gesundheits
schaden
diese
Tätigkeit nicht
fortsetzen können
und erkrankte
in Folge
der Kündi
gung
. Wie nachfolgend zu zeigen ist
, führt eine Berechnung des
Validen
ein
kommens
gestützt auf den Tabellenlohn der
Schweizerischen
Lohnstrukturer
hebung
des Bundesamtes für Statistik (
LSE
)
jedoch zu keinem anderen
Gesamt
e
rgebnis. Gemäss der LSE 2012 Tabelle TA1_b
(S. 32
-33
)
er
zielten Frauen im Detailhandel, welche de
m
obersten, oberen und mittleren Ka
der angehör
t
en, im Jahr
2012 im Median ein Einkommen von Fr. 5‘714.--. Die
ses Einkommen ent
sprach
bei einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit
im Detailhandel
im Jahr 2013 von 41,8 Stunden (vgl. Betriebsübliche Arbeits
ze
it nach Wirtschafts
ab
teilungen [NOGA 2008]
, in Stunden pro Woche, Detail
handel)
und in Anpass
ung an die Nominallohnentwicklung (vgl.
Schweizeri
scher Lohnindex: Index und Veränderung auf der Basis 2010 = 100
[NOGA08]
, Tabelle T1.2.10, G) im Jahr 20
13
einem
Einkommen von Fr. 72‘211.70 (12 x
Fr. 5‘714.-- x
12 : 40 x 41,8 : 102,7 x 103,5).
5.3
5.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na
mentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit auf
genommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne
der
LSE heran
gezogen werden (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E.
3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
5.3.2
Gemäss der
LSE-
Tabelle TA1
(S. 34-35)
erzielten Frauen, welche einfache Tätig
keiten körperlicher oder handwerklicher Art ausüben, im Jahr 2012 im Median
ein Einkommen von
Fr. 4‘112.--.
In Anbetracht der betriebsüblichen wöchentli
chen Arbeitszeit im Jahr 201
3
für alle Sektoren von 41,
7
Stunden (vgl. Statistik betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stun
den pro Woche des Bundesamtes für Statistik, Total) und in Anpassung an die Nominallohnentwicklung
(
vgl.
Schweizerischer Lohnindex: Index und Verän
derung auf der Basis 2010 = 100
[NOGA08], Tabelle T1.2.10
,
Total)
ergibt dies für das Jahr 201
3
ein Jahreseinkommen von Fr.
51‘743.70
(Fr.
4‘112
-- x 12 : 40 x 41,
7
:
102
x
102,6
) für ein 100%-Pensum und Fr.
25‘871.85
für ein
5
0%-Pensum.
5.3.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Aus
wirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allge
meinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Be
tracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
5.3.4
Die Beschwerdegegnerin nahm
trotz der
noch von Dr.
B._
festgehaltenen
agora- und sozialphobischen Ein
schränkungen
der Beschwerdeführerin
(
Notwen
dig
keit
,
dass
Sonnenbrille zuläs
sig, kein intensiver zwischenmenschlicher Kon
takt, keine weite Anreise mit dem
öffentlichen Verkehr
) keinen Abzug vom Tabellenlohn vor. Da die Beschwer
deführerin eine Ausbildung habe absolvieren können und bewiesen habe, dass sie über Ressourcen verfüge, um als Ab
tei
lungsleiterin tätig zu sein, werde die Minderung des Lohnes durch das ent
sprechende Anforderungs
-
bzw.
Kompe
tenzniveau
abgedeckt
(
Urk.
2 und
Urk.
10/75/2). Es kann offen bleiben, ob auf
grund der Einschränkungen
der Beschwerdeführerin
nicht doch ein Abzug vom Tabellenlohn in Höhe von 10
%
gerechtfertigt ist, hat die Beschwerdeführerin doch so oder anders Ansp
ruch auf eine
Dreiviertelsrente
. Ohne Abzug vom
Ta
bellenlohn
resultiert minimal, das heisst bei der Berechnung des
Validenein
kommens
gestützt auf den
Tabellen
lohn
, ein
Invaliditätsgrad
(gerundet)
von
64
%
([
Fr. 72‘211.70
-
Fr. 25‘871.85
] :
Fr. 72‘
211.70)
und mit
einem
Abzug
vom
Ta
bellenlohn
und der Berechnung des
Valideneinkommens
gestützt auf das Ein
kommen bei der Genossenschaft
Y._
ein Invaliditätsgrad von maximal
(auf
gerundet) 69
%
([
Fr. 74‘285.10 -
Fr. 25‘871.85
x 0,9
] : Fr. 74‘285.10)
.
6.
Nach dem Gesagten erweist es sich als rechtens, dass die Beschwerdegegnerin die ganze Rente der Beschwerdeführerin auf eine
Dreiviertelsrente
herabgesetzt hat. Wie die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde zutreffend geltend macht
(
Urk.
1) und von der Beschwerdegegneri
n mit Beschwerdeantwort vom 26.
Janu
ar 2015
anerkannt
wird
(
Urk.
9), hat die Herabsetzung jedoch gestützt auf
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV nicht per
1.
Dezember 2014, sondern per
1.
Januar 2015 zu erfolgen. Die Beschwerde ist in dem Sinne teilweise gutzuheissen.
7.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
ist abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend ist die Kostenpauschale auf Fr.
600.-- festzusetzen. Die Kosten sind zu
fünf
Sechstel
n
der lediglich betref
fend Ze
itpunkt der Rentenherabsetzung obsiegenden Beschwerdeführerin und zu einem Sechstel der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen
.