Decision ID: f0495bbb-0225-44fa-87b1-24dd031ea5e8
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch die Sozialberatung A._,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
B._ meldete sich am 16. Oktober 1997 zum Bezug einer Ergänzungsleistung zur
ganzen Invalidenrente an. Zu diesem Zeitpunkt wohnte seine Familie noch in
Jugoslawien. Nachdem die Ehefrau in die Schweiz eingereist war, forderte die EL-
Durchführungsstelle den Versicherten auf, Angaben zu seiner Ehefrau zu machen,
damit geprüft werden könne, ob die Ehefrau auf die Erzielung eines
Erwerbseinkommens verzichte. Der Versicherte gab am 23. November 2000 an, seine
Ehefrau habe keinen Beruf erlernt. Sie sei nie erwerbstätig gewesen. Sie komme als
Kriegsflüchtling aus dem Kosovo, habe medizinische Probleme und sei bereits im
Kosovo behandlungsbedürftig gewesen. Es fehlten ihr die Sprachkenntnisse. Die EL-
Durchführungsstelle gelangte offenbar zur Überzeugung, dass die Ehefrau des
Versicherten nicht auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens verzichtete, denn die
Anspruchsberechnung wies in der Folge weiterhin nur die Renten als Einnahmen aus.
Am 26. September 2001 füllte der Versicherte ein Revisionsformular aus. Dabei gab er
an, seine Ehefrau erhalte Arbeitslosentaggelder. Ab 1. November 2001 berücksichtigte
die EL-Durchführungsstelle diese Taggelder als Einnahmen.
B.
Am 18. Februar 2002 teilte der Versicherte mit, seine Ehefrau sei inzwischen
ausgesteuert. Sie habe noch keine Arbeitsstelle gefunden. Er ersuche um eine
entsprechende Erhöhung der laufenden Ergänzungsleistung. Das zuständige RAV teilte
am 9. April 2002 mit, die Ehefrau des Versicherten sei als stellensuchend eingetragen
und sie könnte ihre Arbeitsfähigkeit aufgrund der aktuellen Arbeitsmarktsituation
verwerten. Die Vertreterin des Versicherten teilte der EL-Durchführungsstelle am 29.
April 2002 mit, die Ehefrau habe ein Arbeitseinsatzprogramm des RAV absolviert und
einen Intensivdeutschkurs besucht. Trotz intensiver Stellensuche in Zusammenarbeit
mit dem RAV habe sie aber noch keinen Erfolg gehabt. Gemäss einer Notiz der EL-
Durchführungsstelle vom 8. Mai 2002 hatte das RAV telephonisch mitgeteilt, die
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Ehefrau des Versicherten bemühe sich intensiv um eine Arbeitsstelle. Das sei jedoch in
der momentanen Situation schwierig. Man habe im Formular 'vermittelbar' angekreuzt,
weil eine Person nicht beim RAV gemeldet sei, wenn sie nicht vermittelbar sei. Die EL-
Durchführungsstelle verzichtete aufgrund der intensiven, aber erfolglosen
Arbeitsbemühungen auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
der Ehefrau des Versicherten.
C.
Die EL-Durchführungsstelle forderte am 23. Oktober 2002 Kopien der zwischen Mai
und Oktober 2002 geschriebenen Bewerbungen an. Die Vertreterin des Versicherten
reichte am 7. November 2002 die entsprechenden Belege ein. Sie führte dazu aus, die
Arbeitsbemühungen würden vom RAV überwacht. Der zuständige Sachbearbeiter des
RAV schildere die Ehefrau des Versicherten als sehr engagiert und zuverlässig. Es sei
ihr aber leider nicht möglich, sich schriftlich zu bewerben. Die aktuelle
Arbeitsmarktsituation gebe wenig Anlass zur Hoffnung, dass die Ehefrau in nächster
Zeit eine Erwerbstätigkeit finden könne. Die EL-Durchführungsstelle teilte der
Vertreterin des Versicherten am 11. November 2002 mit, dass sie zur Zeit kein
hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnen werde, weil die Ehefrau des
Versicherten sich bemühe, eine Stelle zu finden, aber aufgrund der
Arbeitsmarktsituation keinen Erfolg habe.
D.
Am 21. Mai 2004 teilte die EL-Durchführungsstelle der Vertreterin des Versicherten mit,
dass die laufende Ergänzungsleistung überprüft werden müsse, weil sich die
Arbeitsmarktsituation verbessert habe. Die Vertreterin des Versicherten gab am 28.
Juni 2004 an, die Arbeitsbemühungen der Ehefrau seien bisher vergeblich gewesen.
Vom RAV sei die Ehefrau als nicht vermittelbar taxiert worden. Gemäss einer
Aktennotiz vom 22. Juli 2004 hatte der zuständige Sachbearbeiter des RAV
telephonisch angegeben, die Ehefrau des Versicherten sei nach wie vor als
stellensuchend eingetragen. Sie bemühe sich sehr um eine Arbeitsstelle, sei aber
bisher erfolglos gewesen. Ihr habe keine Stelle zugewiesen werden können. Die EL-
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Durchführungsstelle ging weiterhin davon aus, dass nicht auf die Erzielung eines
Erwerbseinkommens verzichtet werde.
E.
Die EL-Durchführungsstelle forderte die Vertreterin des Versicherten am 7. Juli 2005
auf, die schriftlichen Arbeitsbemühungen ab August 2004 einzureichen. Diese
Unterlagen gingen am 19. September 2005 ein. Die EL-Durchführungsstelle hielt am
26. Oktober 2005 in einer Aktennotiz fest, dass der Ehefrau des Versicherten noch nie
eine Arbeitsstelle habe zugewiesen werden können. Gemäss einer Auskunft des RAV
sei die Ehefrau des Versicherten nicht vermittelbar. Das RAV würde die Frage 2 im
entsprechenden Formular nun verneinen. Bis Februar habe sich die Ehefrau des
Versicherten im Schnitt zwölfmal pro Monat beworben, ab März seien die
Bewerbungen ungenügend. Trotzdem sei weiterhin kein hypothetisches
Erwerbseinkommen anzurechnen. Die EL-Durchführungsstelle teilte dies am 27.
Oktober 2005 der Vertreterin des Versicherten mit. Sie hielt fest, dass sich die Ehefrau
des Versicherten weiterhin aktiv und gezielt, im Minimum achtmal pro Monat unter
Mithilfe des RAV bewerben müsse. Weiter kündigte sie an, dass sie zu einem späteren
Zeitpunkt erneut eine Prüfung der Frage des Einkommensverzichts vornehmen werde.
F.
Am 2. März 2006 wurde die Vertreterin des Versicherten aufgefordert, die
Arbeitsbemühungen ab September zu dokumentieren. Sie teilte der EL-
Durchführungsstelle am 21. April 2006 mit, der Stellvertreter des RAV-Sachbearbeiters
habe die aktuellsten Bemühungen nicht finden können. Sie legte die Listen für
Dezember 2005 und Januar/Februar 2006 bei. Die EL-Durchführungsstelle hielt in einer
Aktennotiz vom 1. Juni 2006 fest, die Ehefrau des Versicherten gelte als schwerst
vermittelbar. Die Arbeitsbemühungen hätten im vergangenen Jahr abgenommen. Die
Anordnung, dass mindestens acht Bewerbungen pro Monat erfolgen müssten, sei nicht
eingehalten worden. Es müsse ein aktuelles RAV-Formular einverlangt werden. Das
RAV berichtete am 27. Juni 2006, die Ehefrau des Versicherten sei seit dem 12. März
2002 als stellensuchend eingetragen. Derzeit gebe es offene Stellen in der Region. Es
legte die Listen der Arbeitsbemühungen für Mai 2005 bis Mai 2006 bei. Die EL-
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Durchführungsstelle ging gemäss einer Aktennotiz vom 20. Juli 2006 davon aus, dass
das Bewerbungsverhalten schlechter geworden sei. Es seien nur noch zeitweise
genügend Bewerbungen getätigt worden, nämlich seit November 2005 sechs bis
sieben Bewerbungen pro Monat. Es seien immer wieder dieselben Arbeitgeber
angefragt worden und die Bewerbungen seien ungezielt gewesen. Die Monate März
und April 2006 seien überhaupt nicht nachvollziehbar. Es mache den Anschein, dass
die Formulare 'Nachweis persönlicher Arbeitsbemühungen' nur zum Schein ausgefüllt
worden seien. Zudem gebe das RAV an, dass bei gutem Willen Stellen verfügbar seien.
Ab 1. September 2006 sei ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen, weil
die Arbeitsbereitschaft nicht mehr ausgewiesen sei. Das hypothetische
Erwerbseinkommen sei ausgehend von einem statistischen Durchschnittseinkommen
von Fr. 41'592.- zu ermitteln. Davon seien 20% wegen des Alters und weitere 20%
wegen der fehlenden Arbeitserfahrung in der Schweiz abzuziehen. Es verbleibe ein
hypothetisches Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 24'954.-. Die EL-Durchführungsstelle
teilte der Vertreterin des Versicherten am 21. Juli 2006 mit, dass sie ab 1. September
2006 ein hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnen werde. Die entsprechende
Anpassungsverfügung erging am 5. September 2006.
G.
Die Vertreterin des Versicherten erhob am 6. Oktober 2006 Einsprache gegen diese
Verfügung. In der Einspracheergänzung vom 20. November 2006 führte sie zur
Begründung aus, der Sachbearbeiter des RAV habe der EL-Durchführungsstelle alle
Arbeitsbemühungen lückenlos zukommen lassen. Wenn es etwas zu beanstanden
gebe, dann höchstens das mangelhaft ausgefüllte Blatt für April 2006 oder die
Tatsache, dass einige Firmen mehrmals angefragt worden seien. Es sei zu bedenken,
dass die Ehefrau des Versicherten einen psychisch kranken Mann und einen
jugendlichen Sohn zu versorgen habe und dass sie nicht über ein Fahrzeug verfüge.
Zudem seien die Chancen einer mehr als fünfzigjährigen Frau auf dem aktuellen
Arbeitsmarkt gleich Null. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die EL-
Durchführungsstelle die Arbeitsbemühungen bemängle. Die Ehefrau des Versicherten
habe nämlich die Auflagen des RAV erfüllt.
H.
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Am 29. Dezember 2006 erliess die EL-Durchführungsstelle eine Anpassungsverfügung
per 1. Januar 2007, in der ebenfalls ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
Fr. 24'954.- Berücksichtigung fand. Gegen diese Verfügung liess der Versicherte
ebenfalls Einsprache erheben.
I.
Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprachen am 16. Januar 2007 ab. Sie machte
geltend, der Versicherte sei nicht hilflos und benötige deshalb keine Pflege durch seine
Ehefrau. Das jüngste Kind sei volljährig und nicht invalid. Es müsse also nicht durch die
Mutter betreut werden. Die Arbeitsbemühungen seien ungenügend, denn es seien nicht
mindestens acht Bewerbungen pro Monat erfolgt. Ausserdem seien etliche Male
Bewerbungen an denselben Arbeitgeber gerichtet worden. Weiter habe es sich stets
um Blindbewerbungen gehandelt, d.h. die Ehefrau des Versicherten habe sich nicht auf
Stelleninserate beworben. Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass die Ehefrau des
Versicherten keine Stelle habe finden können, obwohl es gemäss der Auskunft des
RAV offene Stellen gebe. Zu dem tiefen angerechneten Einkommen könnte die Ehefrau
des Versicherten beispielsweise eine Reinigungstätigkeit ausüben oder als Küchenhilfe
arbeiten.
J.
Der Versicherte liess am 15. Februar 2007 durch seine Vertreterin Beschwerde gegen
diesen Einspracheentscheid erheben und beantragen, der EL-Anspruch sei ohne ein
hypothetisches Erwerbseinkommen zu ermitteln. Zur Begründung wurde ausgeführt,
seit der Aussteuerung durch die Arbeitslosenversicherung beschränke sich die
Unterstützung durch das RAV auf die monatliche Kontrolle der Arbeitsbemühungen.
Weitergehende Hilfen gebe es nicht. Es sei zwar bereits 2005 die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommen angedroht worden, aber das habe nicht
weitergeholfen, denn die Ehefrau des Versicherten habe nicht Deutsch gelernt und die
Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten sich nicht verbessert. In der Region seien keine
neuen Arbeitsplätze entstanden. Die Aussage des RAV-Sachbearbeiters, es seien
genügend Arbeitsstellen vorhanden, stütze sich auf eine Aktennotiz, deren Autor nicht
bekannt sei und die nicht erkennen lasse, ob sie global gemeint gewesen sei oder sich
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auf die Ehefrau des Versicherten bezogen habe. Telephonisch habe der RAV-
Sachbearbeiter der Vertreterin des Versicherten gegenüber bestätigt, dass die Ehefrau
ihr Möglichstes tue und dass es nicht an der Zahl der Bewerbungen liege, wenn noch
keine Stelle gefunden worden sei. Der Ehefrau des Versicherten wäre es nur mit
intensiver persönlicher Begleitung möglich, die geforderten schriftlichen Bewerbungen
zu machen und zu dokumentieren, da die Deutschkenntnisse rudimentär seien. Eine
solche Begleitung stehe nicht zur Verfügung. Ein Einkommen von Fr. 2000.- monatlich
wäre ausgeschlossen, da dies bei einem Stundenlohn von Fr. 25.- achtzig
Arbeitsstunden pro Monat ergeben würde. Bei Reinigungsarbeiten würde dies mehrere
Arbeitgeber bedingen. Für ein Reinigungsinstitut sei die Ehefrau des Versicherten zu
alt. Am 19. Februar 2007 reichte die Vertreterin des Versicherten einen vom RAV-
Sachbearbeiter korrigierten Fragebogen ein. Der RAV-Sachbearbeiter hatte ausgeführt,
es gebe keine offenen Stellen, weil die Ehefrau des Versicherten kein Deutsch spreche
und sehr unbeholfen wirke. Es sei sehr mühsam, für sie eine Stelle zu finden. Seit fünf
Jahren sei man nun schon erfolglos.
K.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 21. Februar 2007 die Abweisung der
Beschwerde.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 3c Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 3c Abs. 1 lit. a ELG ist ein Erwerbseinkommen,
auf dessen Erzielung verzichtet wird, als Einnahme anzurechnen. Solange die Ehefrau
des Beschwerdeführers Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezog, verzichtete sie
nicht im Sinne dieser Bestimmung auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens
(beispielsweise durch das Ablehnen einer ihr vermittelten offenen Stelle), denn
andernfalls wäre sie durch das zuständige RAV in ihrer Taggeldberechtigung eingestellt
worden. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es während des Taggeldbezuges zu einer
solcherart begründeten Einstellung in der Anspruchsberechtigung gekommen wäre. Mit
dem Ende der Taggeldberechtigung (Aussteuerung) im Januar 2002 stellte sich für die
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Beschwerdegegnerin erstmals direkt die Frage nach dem Verzicht auf die Erzielung
eines Erwerbseinkommens. Im Rahmen des damals durch das Ende der
Taggeldberechtigung der Ehefrau des Beschwerdeführers notwendig gewordenen
Revisionsverfahrens prüfte die Beschwerdegegnerin, ob es der Ehefrau des
Beschwerdeführers möglich wäre, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. In der Person
der Ehefrau liegende Gründe (insbesondere eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit)
wurden dabei nicht festgestellt. Die Beschwerdegegnerin ging deshalb davon aus,
dass die Ehefrau des Beschwerdeführers nur durch äussere Umstände daran gehindert
sein könnte, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie prüfte, ob die Ehefrau des
Beschwerdeführers in der Lage gewesen wäre, eine Arbeitsstelle zu finden, d.h. ob die
effektiv bestehende Arbeitslosigkeit hätte überwunden werden können. Nach
entsprechenden Abklärungen verneinte die Beschwerdegegnerin diese Frage. Sie ging
davon aus, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers durch ihre intensiven, aber
erfolglosen Arbeitsbemühungen den Nachweis dafür erbracht hatte, dass es für sie
keine geeignete offene Stelle gab. Damit verzichtete die Ehefrau des
Beschwerdeführers damals nicht auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens.
2.
Beim Verzicht auf Erwerbseinkommen handelt es sich, anders als beim
Vermögensverzicht, um einen Dauersachverhalt, der sich im Lauf der Zeit verändern
kann. Die potentielle Einnahmenquelle, nämlich die Arbeitskraft einer Person, besteht
weiter, so dass sich jederzeit die Möglichkeit ergeben kann, diese Arbeitskraft auch zu
verwerten, d.h. ein Erwerbseinkommen zu erzielen. Der Vermögensverzicht hingegen
bedeutet den endgültigen Verzicht auf eine Einnahmenquelle, so dass sich in der Folge
mit Ausnahme der fiktiven Verbrauchs gemäss Art. 17a ELV keine Veränderungen mehr
einstellen können. Das Weiterbestehen der Arbeitskraft als potentielle Einnahmenquelle
hat zur Folge, dass der einmal erbrachte Nachweis einer unvermeidlichen
Arbeitslosigkeit nicht dazu Anlass geben kann, ein für allemal einen Einnahmenverzicht
zu verneinen. Es besteht eine natürliche Vermutung dafür, dass der sich ständig
verändernde reale und aktuelle Arbeitsmarkt eine passende offene Stelle bietet. Diese
natürliche Vermutung muss durch Arbeitsbemühungen dauernd widerlegt werden. Es
muss also ständig nachgewiesen werden, dass die Arbeitslosigkeit nach wie vor
unvermeidbar ist. Geschieht dies nicht, muss aufgrund der natürlichen Vermutung des
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Vorhandenseins einer geeigneten offenen Stelle davon ausgegangen werden, dass die
Arbeitskraft an einer solchen Stelle verwertet werden kann. Das Fehlen des dort
erzielbaren Erwerbseinkommens stellt deshalb einen Verzicht auf anrechenbare
Einnahmen dar (vgl. das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
12. März 2007, EL 2006/38). Aus diesem Grund hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass die Ehefrau sich weiterhin intensiv um
eine Stelle bemühen müsse und dass ein Nachlassen in den Arbeitsbemühungen die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens zur Folge hätte. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb in der Folge in regelmässigen Abständen im Rahmen
von Amtes wegen eröffneter Revisionsverfahren geprüft, ob die Ehefrau des
Beschwerdeführers durch ausreichend intensive Arbeitsbemühungen die natürliche
Vermutung des Vorhandenseins einer geeigneten offenen Arbeitsstelle dauernd
widerlegt habe. Sie ist jeweils aufgrund der geleisteten Arbeitsbemühungen zum
Schluss gekommen, dass die Arbeitslosigkeit unvermeidbar sei, so dass kein Verzicht
auf ein Erwerbseinkommen vorliege.
3.
3.1 Am 2. März 2006 hat die Beschwerdegegnerin wieder ein derartiges
Revisionsverfahren (Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 25 ELV) eröffnet. Diesmal hat sich
nach ihrer Ansicht aber ergeben, dass die Arbeitsbemühungen in den
vorangegangenen Monaten sowohl qualitativ als auch quantitativ ungenügend waren,
womit die natürliche Vermutung der Verwertbarkeit der Arbeitskraft der Ehefrau des
Beschwerdeführers nicht mehr widerlegt war. Die Vertreterin des Beschwerdeführers
hat im Einspracheverfahren eingewendet, die Ehefrau könnte ihr Arbeitskraft nicht
erwerblich verwerten, weil sie den Beschwerdeführer pflegen und ihren Sohn betreuen
müsse. In der Beschwerde gegen den Einspracheentscheid ist an dieser Behauptung
ausdrücklich nicht festgehalten worden. Die Vertreterin des Beschwerdeführers hat
darauf hingewiesen, dass die Ehefrau genügend Zeit hätte, um einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Man habe nur darlegen wollen, dass die Ehefrau keine Unterstützung
ihrer Familie bei der Stellensuche erwarten könne. Zu prüfen ist somit nur, ob die
Ehefrau des Beschwerdeführers die Vermutung, dass ihre Arbeitskraft auf dem
aktuellen Arbeitsmarkt verwertbar sei, weiterhin widerlegt hat.
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3.2 Der RAV-Mitarbeiter hat nach der Beschwerdeerhebung angegeben, es seien
derzeit keine offenen Stellen verfügbar. Der Grund dafür sei, dass die Ehefrau des
Beschwerdeführers nicht Deutsch spreche und dass sie sehr unbeholfen wirke. Wären
tatsächlich überhaupt keine geeigneten offenen Stellen vorhanden, so wären die
Arbeitsbemühungen der Ehefrau des Beschwerdeführers überflüssig, weil sie objektiv
nicht erfolgreich sein könnten. Damit bestünde keine natürliche Vermutung für eine
Verwertbarkeit der Arbeitskraft, die widerlegt werden müsste. Wäre die Aussage des
RAV-Mitarbeiters so zu interpretieren, vermöchte sie nicht zu überzeugen, denn es
werden immer wieder geeignete Stellen frei, entweder weil bestehende
Arbeitsverhältnisse aufgelöst oder weil neue Stellen geschaffen werden. Der reale
Arbeitsmarkt ist gross, vielfältig und wandelt sich ständig. Die Aussage des RAV-
Mitarbeiters könnte auch so interpretiert werden, dass die Ehefrau des
Beschwerdeführers ihre Arbeitskraft nicht verwerten könne, weil sie einem Arbeitgeber
nicht zumutbar sei und nur an einem geschützten Arbeitsplatz beschäftigt werden
könne. Fehlende Deutschkenntnisse und Unbeholfenheit allein reichen dazu aber nicht
aus. Hinweise darauf, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers einem Arbeitgeber aus
anderen in ihrer Person liegenden Gründen nicht zumutbar wäre, fehlen. Die Angaben
des RAV-Mitarbeiters können somit nur so interpretiert werden, dass er die Chancen
der Ehefrau des Beschwerdeführers, eine geeignete Stelle zu finden, als sehr gering
einschätze. Der RAV-Mitarbeiter hat die Verwertbarkeit der Arbeitskraft der Ehefrau des
Beschwerdeführers also nicht generell verneint. Das zeigt sich auch darin, dass er die
Stellenvermittlung nicht als aussichtslos, sondern nur als schwierig bezeichnet hat. Es
ist also von der natürlichen Vermutung des Bestehens einer geeigneten Arbeitsstelle in
der Zeit bis Sommer 2006 auszugehen.
3.3 Zu prüfen bleibt, ob die Ehefrau des Beschwerdeführers durch ihre erfolglosen
Arbeitsbemühungen in den Monaten bis Sommer 2006 diese Vermutung widerlegt und
die Unvermeidbarkeit ihrer Arbeitslosigkeit nachgewiesen hat. Die konjunkturelle Lage
hat sich 2005/6 verbessert und die Arbeitslosenzahlen sind gesunken. Daraus kann
auch für den Markt für Hilfsarbeiten in der Wohnregion des Beschwerdeführers
geschlossen werden, dass die Ausgangslage für Arbeitsbemühungen günstiger war als
in den Jahren zuvor. In dieser hatte die Ehefrau des Beschwerdeführers keine
Veranlassung, in ihren Bemühungen nachzulassen, weil sie die allermeisten der in
Frage kommenden Arbeitgeber in der langen Zeit ihrer Arbeitslosigkeit bereits einmal
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angefragt hatte. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die
Ehefrau des Beschwerdeführers teilweise Monat für Monat dieselben Arbeitgeber
angefragt habe und dass sie sich "blind" beworben, d.h. nicht auf Stelleninserate
geantwortet habe. Auch wenn die Ehefrau des Beschwerdeführers (trotz eines vom
RAV finanzierten Intensivkurses) kein Deutsch spricht, wäre es ihr doch zumutbar
gewesen, sich bei sprachkundigen Verwandten, Bekannten oder Nachbarn Hilfe beim
Studium der Stelleninserate und auch bei der Abfassung schriftlicher Bewerbungen zu
suchen. Es wäre ihr auch zumutbar gewesen, aus demselben Kreis einen Dolmetscher
für allfällige Vorstellungsgespräche zu rekrutieren. Wenn ihr all dies nicht möglich
gewesen wäre, hätte sie aufgrund der drohenden finanziellen Notlage bei einer Kürzung
der laufenden Ergänzungsleistung (als Folge der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens) einen Anspruch auf eine betreuende Sozialhilfe (Art. 7 und 8 lit. b
des st. gallischen Sozialhilfegesetzes) geltend machen können. Diese Hilfe hätte nicht
nur das Studium der Stelleninserate und das Abfassen schriftlicher Bewerbungen,
sondern auch die Begleitung bei Vorstellungsgesprächen, allenfalls sogar eigene
Vermittlungsbemühungen der Sozialhilfe umfasst. Im übrigen war die Ehefrau des
Beschwerdeführers nach wie vor als stellensuchend beim RAV gemeldet, so dass sie
auch dort fachkundige Unterstützung bei der Bewerbung auf ausgeschriebene Stellen
hätte finden können. Nichts deutet darauf hin, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers
derartige Hilfeleistungen beansprucht und sich so wirkungsvoll um offene Stellen
beworben hätte. Zwar besteht entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
keine Veranlassung, die Ehefrau des Beschwerdeführers der Vortäuschung von
Arbeitsbemühungen zu verdächtigen. Aber es ist davon auszugehen, dass sich die
Ehefrau des Beschwerdeführers nicht intensiv genug um eine geeignete offene Stelle
beworben hat, um die natürliche Vermutung für die Existenz einer solchen Stelle zu
widerlegen. Damit hat die Ehefrau des Beschwerdeführers die Unvermeidbarkeit der
anhaltenden Arbeitslosigkeit nicht mehr nachgewiesen. Das bedeutet, dass die
Beschwerdegegnerin zu Recht einen Verzicht auf die Erzielung eines
Erwerbseinkommens angenommen und revisionsweise erstmals ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet hat.
4.
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4.1 Die Beschwerdegegnerin hat das hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau
des Beschwerdeführers ausgehend von statistischen Lohnwerten ermittelt. Sie ist von
einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von Fr. 41'592.- ausgegangen. Davon hat
sie 20% wegen altersbedingten Nachteilen und weitere 20% wegen fehlender
Arbeitserfahrung abgezogen. Zwar hat das Bundesgericht in einem Urteil vom 6.
Februar 2008 (8C_172/2007) bei einer fünfzigjährigen Frau angenommen, es bestünden
keine altersbedingten Nachteile, weil Hilfsarbeiten grundsätzlich altersunabhängig
nachgefragt würden und weil sich das Alter statistisch gesehen sogar lohnerhöhend
auswirke. Tatsächlich dürfte sich im vorliegenden Fall aber die Kombination aus
fehlender Arbeitserfahrung und fortgeschrittenem Alter doch nachteilig auf das
erzielbare Erwerbseinkommen auswirken. Ein Abzug von 40% vom statistischen
Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiterinnen ist zwar insbesondere angesichts der
Tatsache, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers gesundheitlich nicht beeinträchtigt
ist, ausserordentlich hoch und reduziert das hypothetische Erwerbseinkommen bei
einer vollzeitlichen Beschäftigung auf - unzumutbare - Fr. 11.- pro Arbeitsstunde. Da
aber aus dem bereits genannten Bundesgerichtsurteil vom 6. Februar 2008 der Schluss
gezogen werden muss, dass die von der Invalidenversicherung entwickelte Praxis zu
den zusätzlichen Abzügen vom statistischen Durchschnittseinkommen nicht analog
anwendbar ist, dass also insbesondere keine Höchstgrenze von 25% besteht, und da
das Bundesgericht offenbar den EL-Durchführungsstellen ein ausserordentlich weites
Ermessen bei der Bemessung des hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehegatten
der EL-Bezüger eingeräumt sehen will, besteht keine Veranlassung, das dem
Beschwerdeführer anzurechnende hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau über
dem von der Beschwerdegegnerin ermittelten Betrag anzusetzen. Die
Anspruchsberechnung unter Berücksichtigung eines hypothetischen
Bruttoerwerbseinkommens von Fr. 24'954.- im Jahr 2006 ist als rechtmässig zu
betrachten.
4.2 Das Verwaltungsverfahren zur revisionsweisen Überprüfung der laufenden
Ergänzungsleistung im Hinblick auf eine allfällige Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens ist unabhängig von der periodischen Revision des Sommers
2006, die mit der Verfügung vom 17. August 2006 abgeschlossen worden ist,
durchgeführt worden. Die Herabsetzungsverfügung vom 5. September 2006 trägt
deshalb ausschliesslich der erstmaligen Anrechnung eines hypothetischen
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Erwerbseinkommens Rechnung. Sie ist nicht unmittelbar nach dem Abschluss des
Verwaltungsverfahrens, sondern erst mehr als einen Monat später erlassen worden. Die
Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer zum Zeitpunkt des
Verfahrensabschlusses am 21. Juli 2006 die Herabsetzung auf den 1. September 2006
angekündigt. Der Wortlaut des Art. 25 Abs. 2 lit. c ELV definiert den Wirkungszeitpunkt
der Anpassung zwar nur nach dem Zeitpunkt, in dem die entsprechende Verfügung
erlassen wird. Dabei wird aber vorausgesetzt, dass nach dem Abschluss der
Sachverhaltsabklärungen, d.h. mit der Kenntnis der konkreten Verminderung des
Ausgabenüberschusses, sofort verfügt werde, um einen ungerechtfertigten
Leistungsbezug zu verhindern. Die von der Beschwerdegegnerin bewusst
hinausgeschobene Herabsetzung der laufenden Ergänzungsleistung des
Beschwerdeführers widerspricht also grundsätzlich dem Sinn und Zweck des Art. 25
Abs. 2 lit. c ELV. Trotzdem erweist sich die Verzögerung als rechtmässig, denn sie setzt
- in Analogie zu Art. 25 Abs. 4 ELV - den Vertrauensschutzgedanken um, indem der
Beschwerdeführer in die Lage versetzt worden ist, sich auf die erheblich verminderte
Ergänzungsleistung einzustellen. Die Beschwerdegegnerin hat allerdings eine weit
kürzere Verzögerung gewählt, als sie der Art. 25 Abs. 4 ELV für die Fälle der
erstmaligen Anrechnung des von einem EL-Bezüger selbst erzielbaren hypothetischen
Erwerbseinkommens vorsieht (sechs Monate). Auch hier ist der Beschwerdegegnerin
aber ein grosses Ermessen einzuräumen. Die per 1. September 2006 verfügte
Herabsetzung der laufenden Ergänzungsleistung auf Fr. 913.- erweist sich deshalb als
rechtmässig. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG