Decision ID: 125653ec-9393-4c89-8681-45bb47cf65a7
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1975 geborene
X._
, Mutter eines Sohnes (Jahrgang 1998) und seit Sommer 2004 geschieden (Urk. 10/1
)
,
absolvierte
eine
kaufmän
nische Berufslehre bei
den
Z._
(Fähigkeitszeugnis
vom 7. Juli 1995, Urk. 10/9/3)
und arbeitete anschliessend während
rund zweiein
halb
Jahren
als Kundenberaterin bei der
A._
. Nach
entsprechenden Weiterbildungen
war sie
insbesondere
im Fitness
- und Gesundheits
bereich
er
werbs
tätig (Lebenslauf, Urk. 10/9/1-2
;
Auszug aus dem Individuellen Konto [
IK
],
Urk.
10/
15
).
Am
14. Juni 2011
trat sie
bei der
B._
eine Vollzeitstelle an
(Urk. 10/18/1-7),
welche ihr am 30. Juli 2012 infolge Nichteinhaltens der vertraglich festgelegten Arbeitszeiten und vieler
Krank
heitsfälle
gekündigt wurde (Urk. 10/18/8).
Daraufhin meldete sich
die Versi
cherte
am
3. Oktober 2012 (Urk. 10/10) unter Hinweis auf seit der Kindheit be
stehende psychische Probleme zum Bezug von Leistungen der Invalidenversi
cherung an.
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tä
tigte erwerblich-berufliche und medizinische Abklärungen,
wobei
sie
eine
psy
chiatrisch
e
B
egutacht
ung
(Gutachten vom 25. Februar 2013, Urk. 10/32) und eine
Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt
veranlasste
(Bericht vom 14. Oktober 2013, Urk. 10/59). Nach durch
laufenem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 10/46, Urk. 10/48, Urk. 10/51) verneinte sie mit Verfügung vom 20. August 2014 (Urk. 2) einen
Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente
.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 18. September 2014 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 20. August 2014 und die
Zusprache
einer ganzen
Invalidenr
ente. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie
um
Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege im Sinne der Be
freiung von den Gerichtskosten (S. 2 Ziff. 4)
.
Die IV-Stelle schloss in ihrer
Be
schwerdeantwort
vom 24. Oktober 2014 (Urk. 9) auf Abweisung der Be
schwerde, was der Beschwerdeführerin am 28. Oktober 2014 (Urk. 11) zur Kenntnis gebracht wurde.
Daraufhin reichte sie mit
Eingabe vom 13. November 2014 (Urk. 12)
einen
weiteren Arztbericht
(Urk. 13)
zu den Akten
, wozu sich die IV-Stelle am 8. Dezember 2014 (Urk. 16) vernehmen liess.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer
Gesundheits
schaden
führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Drei
viertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Praxisgemäss
darf d
as Gericht Gutachten externer Spezialärzte, welche von Versi
cherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, vollen Beweiswert zuer
ke
nnen
, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise s
prechen (BGE
137 V 210 E.
1.3.4
,
135 V 465 E. 4.4
,
125 V 351 E.
3b/
bb
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
setzte den Beginn der
einjährigen
Wartezeit
auf den
17. August 2012
fest und hielt dafür, dass am 25. Februar 2013 (Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung) in der angestammten Tätigkeit bereits wieder eine Arbeitsfähigkeit von 70 % vorgelegen habe. Demzufolge seien die
grundle
genden Voraussetzungen für einen Rentenanspruch nicht erfüllt
(Wartejahr)
, woran
der Bericht
des behandelnden Psychiaters vom 12. November 2014
nichts zu ändern
vermöge
, da
es sich um eine andere Beurteilung des gleichen Sach
verhalt
e
s
handle
(Urk. 2, Urk. 9, Urk. 16).
2.2
Demgegenüber stellte sich
die Beschwerde
führ
erin
unter
Hinweis
auf
die Einschät
zung
ihres aktuell behandelnden Psychiaters (Bericht
vom 12. November 2014
,
Urk. 13) auf den Standpunkt
, sie sei aufgrund ihrer ge
sundheitlichen Beschwerden weder in der angestammten noch in einer ange
passten Tätigkeit in der Lage, ein rentenausschli
essendes Einkommen zu erzie
len
. Aufgrund ihrer psychischen Einschränkungen sei sie gegenwärtig auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig, wobei
aufgrund des langjährigen Ver
lauf
e
s und der komplexen Symptomatik auch nicht mit kurzfristigen Verände
rungen zu rechnen sei
(
Urk. 1, Urk. 12
).
3
.
3
.1
Die ambulant behandelnden Ärzte
der
C._
stellten
im
Bericht
vom 1. November 2012
an die
Beschwerdegegnerin
folgende
Diagnosen
mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk. 10/16
S. 1 Ziff. 1.1)
:
k
ombinierte Persönlichkeitsstörung mit akzentuierten depressiven,
selbst
unsicheren
, ängstlich-vermeidenden, narzisstischen und impulsiven Zügen (ICD-10
F
61.0)
a
namnestisch
Bulimia
nervosa
(ICD-10 F50.2)
Herauslösen aus dem
Elternhaus in der Kindheit (Pflegefamilie; ICD-10 Z61.1)
Probleme mit Bezug auf vermuteten sexuellen Missbrauch eines Kindes durch eine Person innerhalb des engeren Familienkreises (ICD-10 Z61.4)
Die Ärzte
berichteten
von einem Cannabiskonsum
seit dem Alter von 20 Jahren (jeden zweiten Tag zwischen fünf und sechs Joints, vor allem wenn sie nicht schlafen könne; S.
3 unten) und vermerkten,
seit der Wiedervorstellung a
m
17. August 2012
(nach zwei Therapieabbrüchen im Mai 2010 und November 2011, S. 3) erfolge eine stützende Gesprächstherapie mit Konsultationen alle zwei Wochen. Eine medikamentöse Therapie mit Psychopharmaka werde von der Beschwerdeführerin abgelehnt
(S. 4 Ziff. 1.5).
Bei der Arbeit manifestierten sich Einschränkungen der
Kritik
-
sowie
der
Durchhalte- und Ausdauerfähigkeit; die Beschwerdeführerin fühle sich schnell abgewiesen, gemobbt, sexuell beläs
tigt, als minderwertig behandelt usw. Phasenweise habe sie Mühe, ihre Anliegen adäquat zu vertreten, sei dissoziiert und weise eine eingeschränkte Fähigkeit zur Anpassung
an Regeln und Routinen auf.
Für
die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Bauarbeiterin
bestehe
seit 17. August 2012 bis auf weiteres
eine Arbeitsunfä
higkeit
von 100 %. Mit der
Wiedera
ufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden (S. 4 f. Ziff. 1.6, 1.7 und 1.9).
3
.
2
Der von der Beschwerdegegnerin bestellte Gutachter
Dr. med.
D._
, Fach
arzt für
Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
in seiner Expertise
vom 25. Februar 2013
folgende
Diagnosen
(Urk. 10/32
S. 13 Ziff. 5.1 und 5.2
)
:
mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit:
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, narziss
ti
schen und
impulsiven Zügen (ICD-10 F61)
ohne
Ei
nfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
schädliche
r
Gebra
uch von Cannabis (ICD-19 F12.1)
anamnestisch
Bulimia
nervosa
(ICD-10 F50.2)
In seiner Beurteilung (S. 13
ff. Ziff. 6) führte
der Sachverständige
aus, die eige
nen Untersuchungsergebnisse stünden weitestgehend im Einklang mit den
Ausführungen im Bericht der
C._
vom 1. November 201
2.
Selbstunsichere, narzisstische und emotional instabile (impulsive) Persönlichkeitszüge seien deutlich erkennbar, wogegen aktuell keine relevanten depressiven Symptome
auszumachen seien (S. 14). Es bestünden Schwierigkeiten im interpersonellen Kontakt und Störungen der Emotionsregulation mit Mangel an Zuverlässigkeit, Anpassungs- und Teamfähigkeit sowie niedriger Frustrationstoleranz.
Im zuletzt ausgeübten Beruf als selbständige
Fitness-Lehrerin bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70 % (S. 15 Ziff. 6.2).
In therapeutischer Hinsicht sei – so Dr.
D._
– eine teilstationäre psychiat
rische Behandlung, besser
noch
eine mehrwöchige stationäre Therapie in einer für Persönlichkeitsstörun
gen spezialisierten Einrichtung
zu empfehlen. Abhängig von Therapieerfolg und den persönlichen Lebensumständen respek
tive den psychosozialen Belastungen (drohender Wohnungsverlust, finanzielle Schulden, Rechtsstreit mit ehemaligem Arbeitgeber, Arbeitslosigkeit), welche bei der hier vorliegenden psychiatrischen Problematik eine nicht unerhebliche Rolle spielten, vermöge die Beschwerdeführerin die chronische psychiatrische Störung mehr oder weniger gut zu kompensieren. Der Cannabis
konsum
sei weder Folge noch Ursache des p
sychischen Leidens (S. 16 Ziff.
6.5 und 6.7).
3
.
3
Anlässlich eines am 1. April 2014
zuhanden
der Helsana
Versicherungen AG
durchgeführten
ambulante
n
Assessment
s
in der
E._
wurden
folgende
Diagnosen
erhoben
(
Bericht vom 19. März [richtig: April] 2014,
Urk. 10/55/
9
):
e
motional instabile Persönlichkeitsstörung,
Borderline
-T
yp (ICD-10 F60.31)
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (
ICD-10
F33.10)
Schädlicher Gebrauch von Cannabis (
ICD-10
F12.10)
Status nach Anorexia
nervosa
(
ICD-10
F50.0)
Die Ärzte
befanden, aktuell imponierten Schwierigkeiten in der Anpassungsfähig
keit, der Zuverlässigkeit, der Teamfähigkeit und im interperso
nellen Kontakt sowie eine Störung der Emotionsregulation und eine niedrige Frustrationstoleranz. Der
aktuelle Arbeitseinsatz könne nicht als Arbeitsfähig
keit gewertet werden. Die Beschwerdeführerin begebe sich
im Sinne einer
Ex
positionstherapie
unregelmässig für einige Stunden (
anamnestischen
Angaben
zufolge
täglich zirka vier Stunden, vgl. S. 6 unten
) in
s
Fitnessstudio, um sich wieder daran zu gewöhnen, unter anderen Menschen zu sein.
Eine
Entlöhnung
erhalte sie dafür nicht.
Ihre Belastbarkeit sei grundsätzlich schwankend, nerv
lich sei es ein „
up
and
down“. Zum aktuellen Zeitpunkt scheine aus psychiatri
scher Sicht auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit gegeben zu sein.
Die Ärzte der
E._
gingen
p
rognostisch
davon aus,
mittelfristig
sei
auch
bei kontinuierlicher und engmaschiger Therapie
keine deutliche Besserung der psychiatrischen Symptomatik zu erwarten.
Selbst hinsichtlich einer angepassten Tätigkeit sei nicht mit einer wesentlichen Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen, d
a
letztere insbesondere durch interpersonelle Schwierigkeiten und (mangelnde) Anpassungsfähigkeit eingeschränkt sei, welche vornehmlich durch die Persönlichkeitsstörung bedingt seien.
Falls es langfristig zu einer
Wiederer
langung der Arbeitsfähigkeit kommen sollte, sei generell sicherlich eine
in wohlwollender und ruhiger Arbeitsatmosphäre zu verrichtende Tätigkeit mit klar strukturierten und überschaubaren Aufgaben anzustreben, welche regel
mässige Pausen erlaube und nach Möglichkeit weder Zeitdruck noch Schicht- oder Wochenendarbeit mit sich bringe
. Dabei werde es als sinnvoll erachtet, entsprechend dem Wunsch der Beschwerdeführerin eine Arbeit mit Menschen und/oder im Bereich Sport anzustreben
(S. 11).
3
.
4
Der ab 27. Januar 2014
behandelnde m
ed. prakt.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
berichtete am
24. April 2014
(Urk. 10/55/13-15)
, er
stimme
der Diagnosestellung von Dr.
D._
zu
und
gehe
ebenfalls davon aus, dass keine Depression
vorhanden sei. Es handle
sich
lediglich
um eine depressive Verstimmung
(S. 1 f. Ziff. 2).
Nicht beipflichten könne er jedoch der
gutachterli
chen Einschätzung, wonach
die Beschwerdeführerin
in der Tätigkeit
als
Fit
nesstrainerin
über
eine Arbeitsfähigkeit von 70 %
verfüge
. D
eren
Leistungsfä
higkeit variiere derzeit völlig umgebungsabhängig und könne angesichts der Schwankungen nicht beziffert werden. Langfristig gesehen könne aber die Ar
beitsfähigkeit bei entsprechender Umgebung sicher gesteigert werden. Aufgrund ihrer Diagnose sei die Beschwerdeführerin eigentlich in jedem Beruf
nur soweit arbeitsfähig, wie sie
von
ihrer
Umgebung ertragen werde und sie diese ertrage. Zurzeit
sei sie
in einem „F
it u
.
Dance Swiss Studio“ in einem geschützten Um
feld
(
zweite
r
Arbeitsmarkt
) beschäftigt
, um ihre soziale
n
Kompetenzen wieder zu trainieren.
3
.
5
Nach Einsicht in
den Bericht der
E._
vom 19. April 2014 und den Be
richt von med. prakt.
F._
vom 24. April 2014 führte Dr.
D._
am
15. Juni 2014 (Urk. 10/
58)
aus,
eine an die von ihm diagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, narzisstischen und impulsiven Zü
gen (ICD-10 F61) besser angepasste Tätigkeit als diejenige als selbständige Fit
ness-Lehrerin lasse sich nicht benennen.
Gravierende depressive Symptome habe er bei der Exploration vom 25. Februar 2013 nicht erkennen können. Die
klinisch intakten kognitiven Funktionen, das gepflegte äussere Erscheinungs
bild, die gute affektive Schwingungsfähigkeit, der erhaltene Antrieb und die fehlenden sozialen Rückzugstendenzen sprächen eindeutig gegen eine relevante depressive Störung. Die in der
E._
durchgeführten Testungen (Hamil
ton-Depressionsskala, Beck-Depressions-Inventar) seien aus
versicherungsmedi
zinischer
Sicht als problematisch anzu
seh
en und sollten keinesfalls dazu dienen, das Ausmass einer allfälligen Depression und damit der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
festzulegen.
Die
in seinem Gutachten vom 25. Februar 2013 angegebene Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit habe medizinisch-theoretischen
Charakter und orientiere sich an objektivierbaren Funktionseinschränkungen. Es werde nicht berücksichtigt, inwieweit die Beschwerdeführerin von ihrer (Arbeits-)Umgebung ertragen werde oder sie diese ertrage. Diesen Umständen könnten auch motiva
tionale Probleme, eigene Präferenzen und ähnliche IV-fremde Faktoren zu
grunde liegen.
Insgesamt ergäben sich durch die beiden nachträglich einge
reichten Berichte keine neuen Aspekte,
welche eine Abänderung
seiner
eigenen Untersuchungsergebnisse begründeten.
3
.
6
In
dem von der Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren
eingereichten
Bericht vom 12. November 2014
(Urk. 13) bestätigte
der
ab 14. August 2014 ambulant behandelnde Dr. med.
G._
, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psy
chotherapie,
die diagnostische Einschätzung der
E._
, wobei er
hinsicht
lich der Essstörung von einer atypischen Anorexia (ICD-10 F50.1)
ausging
. Zu
sätzlich diagnostizierte er eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), eine soziale Phobie (ICD-10 F40.1) und eine sp
ezifische Phobie (ICD-10 F40.2
;
S. 2)
.
Er erklärte, i
n Übereinstimmung mit der
E._
sei gegenwär
tig auf dem ersten Arbeitsmarkt
nicht von einer Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Aufgrund des langjährigen
Verlaufes und der komplexen Symptomatik sei nicht mit kurzfristigen Veränderungen zu rechnen. Angesichts des Alters der Be
schwerdeführerin und ihres ausgeprägten Wunsches, im Fitness-Bereich tätig zu sein, seien Wiedereingliederungsmassnahmen zur Erlangung einer
Teilarbeitsfä
higkeit
zu empfehlen (S. 3).
4.
4.1
Vorwegzuschicken ist, dass das
psychiatrische
Gutachten
von Dr.
D._
den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer
medizinischen Entscheidungsgrundlage
(
E. 1.
4
) entspricht
.
Es ist für die streitigen Belange umfassend, beruht
auf einer
fachärztlichen Untersuchung
und erging unter Be
rücksichtigung der
geklagten Beschwerden
wie auch
der relevanten
Vorakten
.
Zudem leuchtet
es
in der Beurteilung der medizinischen Verhältnisse ein und die darin ge
zogenen Schlussfolgerungen sind
plausibel
.
Der Sachverständige
ging in diagnostischer Hinsicht
– im Einklang mit der übrigen medizinischen Aktenlage –
von einer Persönlichkeitsstörung aus
und benannte mit den
Schwierigkeiten im interpersonellen Kontakt und
den
Störungen der
Emotions
regulation
mit Mangel an Zuverlässigkeit, Anpassungs- und Teamfähigkeit so
wie niedriger Frustrationstoleranz
Einschränkungen im beruflichen
Leistungs
spektrum
, welche auch von den Ärzte
n
der
E._
(E. 3.
3
)
postuliert
wur
den und sich nicht
entscheidend
von
den
im Bericht der
C._
(
E. 3.
1
)
aufge
führten Beeinträchtigungen
unterscheiden.
Dr.
D._
gelangte nachvoll
ziehbar zum Schluss, dass der Beschwerdeführerin eine
diesen Einschränkungen
angepasste
Berufst
ätigkeit
wie
(selbständige) Fitness-Lehrerin (in einem Pensum von 70 %)
zumutbar ist. Die gegenteilige Einschätzung, wonach auf dem freien Arbeitsmarkt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit bestehen s
oll, vermag
hingegen
nicht zu überzeugen, fehlt doch jegliche Begründung dafür, weshalb die Be
schwerdeführerin
mit der
notwendigen Willensanstrengung –
und allenfalls mit psychiatrischer
Unterstützung
– in einer beruflichen Tätigkeit, welche den frag
lichen Defiziten Rechnung trägt, nicht einsatzfähig sein soll.
Dass das negative Leistungsbild der Ausübung
einer
Tätigkeit im Fitness- und Gesundheitsbereich entgegenstünde, ergibt sich nicht aus den Akten und wurde auch von der Be
schwerdeführerin nicht
substantiiert
vorgebracht
. Insofern ist nicht zu bean
standen, dass Dr.
D._
eine solche Tätigkeit als angepasst einstufte. Dies gilt umso mehr, als sich auch die Fachärzte der
E._
(E. 3.3
)
und Dr.
G._
(
E. 3.6
; vgl. auch
die
im Gutachten von Dr.
D._
[Urk. 10/32/7]
zitierte
Einschätzung von
Dr. med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
welcher die besten beruflichen Möglichkeiten in einer Tätigkeit als Sport-Coach erblickte
)
für eine
Berufst
ätigkeit in dieser angestammten Branche aussprachen.
4.2
D
ie Stellungnahme
von Dr.
G._
vom 12. November 2014 (E.
3.6
)
vermag
das Gutachten von Dr.
D._
nicht in Zweifel zu ziehen.
Zunächst
fällt in Be
zug auf die Einschätzung von Dr.
G._
ins Gewicht, dass
er die Beschwerde
führerin erst seit 14. August 2014 behandelt und er sich deshalb kaum über den massgebenden Beurteilungszeitraum
(
BGE
134 V 392 E.
6, 132 V 215 E.
3.1.1,
129 V 167 E.
1) bis zum
Erlass der
angefochtenen
Verfügung
vom 20. August 2014 (Urk. 2)
auszusprechen vermag, zumal nicht ersichtlich ist, dass ihm die relevanten medizinischen
Vorakten
–
namentlich
das psychiatrische Gutachten von Dr.
D._
– vorgelegen hätten. Sodann verzichtete er in seinen kurz gehaltenen Ausführungen darauf, seine Einschätzung
und insbesondere die Verneinung einer Einsatzfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt
anhand von objektiven Befunden nachvollziehbar zu begründen, sodass unklar bleibt, in
wieweit diese auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin beruht. Hinsichtlich der Persönlichkeitsstörung berichtete er, bislang einzig emotional-instabile Anteile beobachtet zu haben, ohne indes darzu
tun
, dass sich dadurch in Bezug auf das berufliche Leistungsspektrum weitergehende als die vom Dr.
D._
beschriebenen Defizite e
rgä
ben.
Sodann ging
Dr.
G._
– in Abweichung zur Einschätzung von Dr.
D._
(E. 3.2 und E. 3.5
)
und dem vormals
behandelnden Facharzt med.
prakt.
F._
(E. 3.4
)
, welche
übereinstimmend
eine relevante depressive Erkrankung verneint
hatt
en –
mit den Ärz
ten der
E._
(E. 3.3
)
von einer rezidivierenden de
pressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), aus
. Dies
bezüglich ist
festzuhalten, dass praxisgemäss
einer depressiven Störung grund
sätzlich nur dann invalid
isierende Wirkung zuzuschreiben ist
, wenn eine konse
quente Depressionstherapie mit Ausschöpfung der therapeutischen und medi
kamentösen Behandlungsmöglichkeiten befolgt wird, deren Scheitern das Lei
den als resistent ausweist (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_892/2015 vom 22.
Januar 2016 E.
2)
. Davon kann hier nicht die Rede sein, da die Beschwer
deführerin eine medikamentöse Therapie ablehnt und keine intensive psychiat
risch-psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nimmt.
Vor diesem Hin
tergrund
kann offenbleiben, ob tatsächlich eine depressive Symptomatik ausge
wiesen ist.
Soweit Dr.
G._
in diagnostischer Hinsicht zusätzlich von einer posttraumati
schen Belastungsstörung, einer sozialen Phobie
(Vermeidung von Menschen
mengen)
und einer spezifischen Phobie
(Angst
vor Insekten und Ungeziefer)
ausging, steht dies im Widerspruch zu den Einschätzungen der übrigen mit der Beschwerdeführerin befassten Fachärzte, welche einhellig keinen Anlass für eine solche Diagnosestellung sahen.
Davon abgesehen ist nicht ersichtlich, dass da
raus
eine Beeinträchtigung des beruflichen Leistungsvermögens resultierte.
4.3
Zusammengefasst sind den Akten keine objektiven Gesichtspunkte zu entneh
men, welche den Beweiswert der Expertise von Dr.
D._
zu erschüttern vermögen und auf eine
höh
ergradige
als die gutachterlich
attestierte Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit schliessen lassen. Insofern ist davon auszugehen
, dass
in der angestammten Tätigkeit
(zumindest) ab Februar 2013
eine Arbeitsfähig
keit
von
jedenfalls
70 %
bestand
.
D
amit
scheitert ein Anspruch auf eine Invali
denrente
bereits am Erfordernis
des bestandenen Wartejahres, mithin
einer
ein
jährigen
Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich
mindes
tens
40 %
ohne we
sentlichen Unterbruch
(E. 1.3
).
Dementsprechend
erweist sich die einen Rentenanspruch verneinende Verfü
gung vom
20. August 2014 (Urk. 2)
als rechtens, was zur Abweisung der Be
schwerde führt.
5
.
5
.1
Gemäss Art.
69 Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen in Abweichung von Art.
61
lit
.
a ATSG kostenpflichtig, wo
bei die Kosten nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt werden.
5
.2
Da
vorliegend
die Voraussetzungen gemäss §
16 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt sind (vgl. Urk. 7-8), ist der Be
schwerdeführerin antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltlich
e Prozessführung zu bewilligen.
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewie
sen, wonach sie zur Nachzahlung der ihr erlassenen Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die auf Fr. 700.--
festzusetzen
den
Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zu
folge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.