Decision ID: cb919c0b-db63-497c-9365-1180a0d47945
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Die A._ AG ist Eigentümerin der Grundstücke 1 und 2, K._-strasse 06_ und 07_,
Grundbuch G._. Das Grundstück 1 ist mit einem Einfamilienhaus (EFH) und das
Grundstück 2 mit einem Gewerbegebäude überbaut. Ein am 6. April 2010 von der
Grundeigentümerin eingereichtes Baugesuch (Neubau Betriebsgebäude) lehnte die
Baubewilligungskommission G._ mit Beschluss vom 24. September 2010 ab; im
Rechtsmittelverfahren wurde der abschlägige Beschluss bestätigt (VerwGE B 2012/239
vom 16. April 2014). Am 16. Juni 2015 reichte die A._ AG ein neues Baugesuch für
den Neubau eines Wohnhauses mit 6 Wohneinheiten sowie einer Tiefgarage auf den
Grundstücken 1 und 2 ein. Das Projekt sieht zwei Untergeschosse, zwei Vollgeschosse
sowie ein Attikageschoss vor. Im zweiten Untergeschoss sollen neben Technik- und
Abstellräumen eine Lagerfläche von 105.7 m platziert werden, welche dem Betrieb der
A._ AG dient. Auf dem Niveau des Erdgeschosses, das gegen Südwesten unter
Terrain liegt, ist die Tiefgarage mit 11 Plätzen vorgesehen. Die Erschliessung erfolgt
über die K._-strasse sowie über eine Strasse zu den Grundstücken, welche über die
angrenzenden Grundstücke 3 und 4 verläuft.
b. Während der öffentlichen Auflage des Baugesuchs erhoben die B._ AG sowie die
Erbengemeinschaft C._, bestehend aus D._, E._, und F._, allesamt vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. M. Möhr, St. Gallen, am 1. Juli 2015 Einsprache gegen das Projekt.
Die Baubewilligungskommission hiess die Einsprache mit Beschluss vom 29. April
2016 (act. G 8/8/1) teilweise gut und erteilte die Baubewilligung unter Bedingungen und
Auflagen. Dagegen erhoben die B._ AG und die Erbengemeinschaft C._ am 26. Mai
2016 Rekurs (act. G 8/1, 8/3). Nachdem eine vorläufige Beurteilung eine Begründetheit
des Rekurses in Bezug auf die Überschreitung der zulässigen Ausnützung um 6.24 m
und die fehlende Grenzabstandsverpflichtung ergeben und die A._ AG der
Baubehörde ein entsprechendes Korrekturgesuch eingereicht hatte, bewilligte letztere
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das Korrekturgesuch mit Beschluss vom 9. Dezember 2016 (act. G 8/15 f.). Nach
Durchführung eines Augenscheins am 21. Februar 2017 (act. G 8/22-24) hiess das
Baudepartement des Kantons St. Gallen den Rekurs mit Entscheid vom 24. Januar
2018 im Sinn der Erwägungen gut, soweit es darauf eintrat, und hob den Beschluss
vom 29. April 2016 auf (act. G 2/1).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt lic. oec. HSG Thomas Frey, St. Gallen,
für die A._ AG mit Eingabe vom 15. Februar 2018 Beschwerde mit dem
Rechtsbegehren, der Entscheid sei aufzuheben und der Beschluss vom 29. April 2016
zu bestätigen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegner
(act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 12. März 2018 bestätigte und begründete
der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin das gestellte Rechtsbegehren (act. G 5).
b. In der Vernehmlassung vom 6. April 2018 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid und
äusserte sich ergänzend zur Beschwerde (act. G 7). Die Beschwerdebeteiligte
verzichtete auf eine Vernehmlassung (act. G 10). In der Vernehmlassung vom 25. April
2018 beantragte Rechtsanwalt Möhr für die Beschwerdegegner Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne (act. G 11).
c. In der Stellungnahme vom 31. Mai 2018 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seinen Standpunkt (act. G 15).
d. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
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Nach Art. 173 des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1; PBG), in Kraft seit
1. Oktober 2017, werden bei Vollzugsbeginn des PBG hängige
Baubewilligungsverfahren grundsätzlich nach jenem Recht beurteilt, das im Zeitpunkt
des erstinstanzlichen Entscheids der Baubewilligungsbehörde Gültigkeit hatte. Der
Entscheid der Baubehörde datiert vom 29. April 2016, weshalb vorliegend noch das
Baugesetz (BauG, sGS 731.1) in der bis 30. September 2017 gültig gewesenen
Fassung zur Anwendung kommt, soweit das PBG für die Baugesuchstellerin nicht
günstiger ist (Art. 173 Abs. 2 PBG).
2.
2.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Beschwerdegegner hätten die von
ihnen behauptete mangelhafte Erschliessung im Einspracheverfahren nicht geltend
gemacht. Insoweit hätten sie am Einspracheverfahren nicht teilgenommen. Die
Teilnahme am Rechtsmittelverfahren setze jedoch die Beteiligung am vorinstanzlichen
Verfahren voraus (Hinweis auf VerwGE B 2011/106 vom 20. März 2012 E. 3.1, VerwGE
B 2011/151 vom 20. März 2012 E. 1.2.2, und VerwGE B 2012/20 vom 23. August 2016
E. 1.2; www.gerichte.sg.ch). Im Rechtsmittelverfahren (Rekurs) könnten die
Verfahrensgegenstände nicht ausgedehnt werden. Daher hätte im Rekursverfahren auf
die erst anlässlich des Rekursaugenscheins geäusserten Einwände betreffend
mangelhafte Erschliessung zufolge Verspätung gar nicht eingetreten werden dürfen.
Soweit im Rekursverfahren neue Begehren geltend gemacht werden könnten, habe
dies im Rahmen der Rekurseingabe abschliessend zu erfolgen. Eine grundsätzlich
mögliche Änderung des Antrages sei nur innerhalb der Rekursfrist bzw. der zur
Antragstellung angesetzten Nachfrist zulässig (Hinweis auf GVP 2015 Nr. 67 E. 3).
Gleiches gelte für Sachverhaltsdarstellung und Begründung des Rekurses (BGer
1C_643/2015 vom 3. August 2016 E. 2.2.2). Beides setze aber voraus, dass die
Thematik (hier: ungenügende Erschliessung) bereits Thema des erstinstanzlichen
Verfahrens gewesen sei. Nach Ablauf der Rekursfrist könne der Sachverhalt nur noch
ergänzt werden, wenn die Voraussetzungen für eine nachträgliche Eingabe erfüllt seien.
Letzteres sei konkret nicht der Fall, da den Beschwerdegegnern die örtliche Situation
um die Erschliessung hinlänglich bekannt gewesen sei. Weshalb die Beurteilung im
Rekursverfahren trotz fehlender Rüge erfolgt sei, werde nicht begründet. Der blosse
Hinweis, die Sachverhaltsermittlung sei erst mit dem durchgeführten Augenschein
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abgeschlossen, genüge nicht. In dieser Unterlassung liege eine Verweigerung des
rechtlichen Gehörs zufolge ungenügender Begründung des angefochtenen Entscheids.
Ebenso nicht geäussert habe sich die Vorinstanz zum Vorbringen der
Beschwerdeführerin, wonach durch das verspätete Vorbringen der ungenügenden
Erschliessung das Gebot von Treu und Glauben verletzt worden sei (act. G 8/29 Ziff.
1.4). Loyales und vertrauenswürdiges Verhalten im Rechtsverkehr beinhalte auch, dass
Einwände und Rügen im frühestmöglichen Zeitpunkt vorzutragen seien; dies vor allem
dann, wenn sie wie vorliegend zum vornherein bekannt seien (act. G 5 S. 4-9).
2.2.
2.2.1. Eine Überprüfung des Sachverhalts erfolgt im Rekursverfahren nur, wenn die
Beteiligten eine unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts
beanstanden. Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts hat der Rekurrent darzutun, in
welchen Punkten die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz unrichtig sein soll, und er
hat auch anzugeben, mit welchen zusätzlichen Beweismitteln seine Darstellung belegt
werden kann oder aus welchen Gründen die Beweiswürdigung der Vorinstanz seiner
Ansicht nach fehlgeht. Mit diesen Rügen legen die Beteiligten den Streitgegenstand
des Rechtsmittelverfahrens im Grundsatz verbindlich fest (VerwGE B 2011/151, a.a.O.,
E. 1.2.2 mit Hinweis auf Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 633 mit Hinweisen). Die Sachverhaltsdarstellung hat im
Rekursverfahren grundsätzlich im Rahmen der Rekurseingabe zu erfolgen. Einwände
sind jedoch spätestens anlässlich des die Sachverhaltsermittlung grundsätzlich
abschliessenden Rekursaugenscheins vorzubringen (vgl. BGer 1C_643/2015 vom
3. August 2016, E. 2.2.3 f.). Nach Ablauf der Rekursfrist oder einer allfälligen
Rekursergänzungsfrist kann der Sachverhalt von den Beteiligten nur noch ergänzt
werden, wenn die Voraussetzungen für eine nachträgliche Eingabe gegeben sind
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 610).
2.2.2. Dem vom Beschwerdeführer angeführten VerwGE B 2011/151 lag als
Sachverhalt zugrunde, dass im Beschwerdeverfahren betreffend eine Baubewilligung
erstmals die strassenmässige Erschliessung des Baugrundstücks beanstandet wurde,
obwohl der dortige Beschwerdeführer bereits im Rekursverfahren anwaltlich vertreten
und zudem ein Rekursaugenschein durchgeführt worden war, an welchem die
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strassenmässige Erschliessung überhaupt kein Thema bildete. Im VerwGE B 2015/20
vom 23. August 2016 trug der dortige Beschwerdeführer mit seinen im
Beschwerdeverfahren erstmals vorgebrachten Rügen nicht lediglich neue rechtliche
Argumente im Rahmen des Streitgegenstandes vor (vgl. VerwGE B 2015/32 vom
19. Juli 2016 E. 5.2). Vielmehr änderte er das tatsächliche Fundament des Verfahrens
insofern, als er neue Bauhinderungsgründe/Einwände geltend machte, welche sich
nicht auf den im Rekursverfahren ermittelten Sachverhalt bzw. das dort abgehandelte
Tatsachenfundament bezogen (VerwGE B 2015/20 E. 1.2, www.gerichte.sg.ch).
Die Entscheide B 2011/151 und B 2015/20 betreffen mithin die Frage der im
Verwaltungsgerichtsverfahren erstmals vorgebrachten Bauhinderungsgründe.
Demgegenüber weicht der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt insofern von
denjenigen der vorerwähnten Entscheide ab, als die Beschwerdegegner erstmals
anlässlich des Augenscheins im vorinstanzlichen Rekursverfahren eine nicht
hinreichende Erschliessung (fehlende rechtliche Sicherstellung) rügten (act. G 8/22) und
sie diesen Einwand in ihrer Stellungnahme zum Augenscheinprotokoll vom 23. März
2017 wiederholten (act. G 8/25). Im Rekursverfahren sind neue Begehren zulässig (Art.
46 Abs. 3 VRP). Konkret handelt es sich bei der bemängelten Erschliessung - bei
unverändertem sachlichen Kontext, da sich bereits der Beschluss vom 29. April 2016
(act. G 8/8/1) zur Frage der Erschliessung geäussert hatte - um einen zusätzlichen
Einwand rechtlicher Natur und damit nicht um eine (verspätete) Ergänzung des
Sachverhalts im erwähnten Sinn. Mit den am Rekursaugenschein erstmals
vorgebrachten Rügen trugen die Beschwerdegegner somit lediglich neue rechtliche
Argumente im Rahmen des Streitgegenstandes vor. Der von ihnen geltend gemachte
Bauhinderungsgrund bezog sich auf den im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren
ermittelten Sachverhalt bzw. das dort abgehandelte Tatsachenfundament.
Entsprechend lässt sich daraus für das Rekursverfahren kein Eintretenshindernis
ableiten.
2.2.3. Bezüglich des Vorbringens der Beschwerdeführerin betreffend mangelhafte
Begründung des angefochtenen Entscheids und daraus resultierende
Gehörsverletzung (act. G 5 S. 8) ist festzuhalten, dass nach der Rechtsprechung die
Begründung dem Betroffenen gegebenenfalls eine sachgerechte Anfechtung des
Entscheids ermöglichen muss (BGE 133 III 439 E. 3.3; BGE 129 I 232 E. 3.2). Dies ist
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möglich, wenn sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die
Tragweite des Entscheids ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten
liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich
die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). Diese
Voraussetzungen erfüllt der angefochtene Entscheid mit den ausführlichen
Darlegungen in E. 1.2 ohne weiteres. Ein Begründungsmangel ist daher nicht
ersichtlich.
2.2.4. Zu prüfen bleibt die Rüge der Beschwerdeführerin, dass durch das verspätete
Vorbringen der ungenügenden Erschliessung das Gebot von Treu und Glauben verletzt
worden sei (act. G 8/29 Ziff. 1.4). Nach der Rechtsprechung verstösst es beispielsweise
gegen Treu und Glauben, einen Gehörsmangel erst im Rechtsmittelverfahren
vorzubringen, wenn der Mangel schon vorher hätte festgestellt und gerügt werden
können (VerwGE B 2014/48 E. 2.1.2, B 2015/100 E. 3; www.gerichte.sg.ch). Die
Beschwerdegegner waren für das ganze Rekursverfahren durch einen Fachanwalt Bau-
und Immobilienrecht vertreten, der an sich in der Lage gewesen wäre, den Einwand der
mangelnden Erschliessung bereits in der Rekursschrift zu thematisieren. Der Umstand,
dass er dies - aus welchen Gründen auch immer - erst anlässlich des
Rekursaugenscheins gemacht hat, mag stossend sein, lässt sich dennoch nicht ohne
Weiteres als Verstoss gegen Treu und Glauben interpretieren: Aus dem blossen
Nachschieben von (allenfalls vergessen gegangenen oder bewusst unterbliebenen)
Einwänden allein resultiert jedenfalls noch keine Treuwidrigkeit.
2.3. Es bestand daher im Rekursverfahren kein zureichender Anlass, die nachträglich
vorgebrachten Einwände aus formellen Gründen nicht zu berücksichtigen, weshalb die
Vorinstanz sie im vorinstanzlichen Verfahren zu Recht in die materielle Prüfung
miteinbezog. Die weitere Frage, ob die Einwände in materieller Hinsicht begründet sind
oder nicht, ist nachstehend in E. 5 zu prüfen.
3. Die Beschwerdeführer beantragen einen Augenschein (act. G 5 S. 9). Der
Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die
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entscheidende Instanz. Er dient dem besseren Verständnis des Sachverhalts. Ob ein
Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der urteilenden
Instanz. Unbestrittene Tatsachen brauchen nicht durch einen Augenschein überprüft zu
werden, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interessen geboten ist
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 966). Die tatsächlichen Verhältnisse zeigen sich vorliegend
zum einen im Protokoll zum Rekursaugenschein und den entsprechenden Bildern (act.
G 8/22, 8/24). Sie ergeben sich zum anderen aus den massgebenden Plänen und den
übrigen Verfahrensakten sowie aus dem Geoportal. Auf einen Augenschein ist daher zu
verzichten, zumal die materiellen Gegebenheiten - wie nachstehend aufzuzeigen ist -
sich gestützt auf die erwähnten Datenquellen beurteilen lassen.
4. Vorliegend blieb die Feststellung im angefochtenen Entscheid betreffend die mit der
Bewilligung des Korrekturgesuchs (Beschluss vom 9. Dezember 2016; act. G 8/15 f.)
eingetretene teilweise Gegenstandslosigkeit des Rekurses (act. G 2 S. 6-8)
unbestritten. Hierdurch ergab sich eine Projektänderung in Bezug auf die im
Rekursverfahren noch beanstandete Überschreitung der Ausnützung und eine
Verfügung der erweiterten Grenzabstandsverpflichtung als öffentlich-rechtliche
Eigentumsbeschränkung. Hiervon ist nachstehend auszugehen. Im Weiteren
auszugehen ist von den Feststellungen des Verwaltungsgerichts im Entscheid
B 2012/239 vom 16. April 2014 (E. 4) betreffend Zonenfremdheit des
Produktionsbetriebes der Beschwerdeführerin in der Wohnzone sowie von der in
diesem Zusammenhang stehenden (im vorliegenden Verfahren unbestritten
gebliebenen; vgl. act. G 11) Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass das Bauvorhaben
im Rahmen der Bestandes- und Erweiterungsgarantie (Art. 77 BauG)
bewilligungsfähig ist und zugelassen werden kann (act. G 2 S. 8-10) bzw. es eine
angemessene Erweiterung eines zonenfremden Betriebs zur Folge hat. Ebenfalls nicht
beanstandet wurde im vorliegenden Verfahren die einlässlich und überzeugend
begründete Feststellung im vorinstanzlichen Entscheid, dass für die Bestimmung des
Niveaupunktes (zur Festlegung der Gebäudehöhe; vgl. Art. 60 Abs. 1 BauG) auf das
gestaltete Terrain abgestellt werden dürfe (act. G 2 S. 12-14). Streitig und zu prüfen ist
demgegenüber die Frage der zureichenden Erschliessung (nachstehende E. 5).
5.
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5.1. Nach Art. 22 Abs. 2 lit. b des Raumplanungsgesetzes (SR 700, RPG) dürfen
Baubewilligungen nur erteilt werden, wenn das Land im Sinn von Art. 19 Abs. 1 RPG
(und Art. 49 Abs. 2 lit. a und b BauG) erschlossen ist. Nach Art. 63 Abs. 2 des
Strassengesetzes (StrG, sGS 732.1) werden Zufahrten bewilligt, wenn weder die
Strasse beeinträchtigt noch der Verkehr gefährdet wird. Eine Zufahrt ist als hinreichend
zu betrachten, wenn sie tatsächlich so beschaffen ist, dass sie bau- und
verkehrstechnisch der bestehenden und geplanten Überbauung und Nutzung genügt,
den zu erwartenden Fahrzeugen und Fussgängern sicheren Weg bietet und von den
öffentlichen Diensten wie Feuerwehr, Sanität, Kehrichtabfuhr und Schneeräumung
ungehindert benützt werden kann und - wenn sie über fremdes Grundeigentum führt -
rechtlich gesichert ist. Nicht unbedingt erforderlich ist, dass Kreuzungsmanöver
zwischen Motorfahrzeugen auf der ganzen Strecke möglich sind. Unter Umständen
genügen zweckmässig angeordnete Kreuzungsstellen. Zur hinreichenden Zufahrt
gehört auch das Verbindungsstück von der öffentlich zugänglichen Strasse zum
Baugrundstück (VerwGE B 2013/70 vom 8. Juli 2014 E. 2, mit Hinweis auf B. Heer, St.
Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 508ff. und Rz. 513f.; GVP 1988 Nr.
97 E. 2a mit Hinweisen). Stets ist das gesamte Gebiet, welches von einer Strasse
erschlossen wird, zu berücksichtigen. Im Hinblick auf den planerischen Zweck ist eine
Zufahrt nur dann als genügend zu betrachten, wenn sie auf die Baumöglichkeiten der
geltenden Zonenordnung abgestimmt ist (VerwGE B 2014/18 vom 24. März 2015 E. 3.1
m.H.; www.gerichte.sg.ch).
Für die Beurteilung der technischen Anforderungen an eine hinreichende Zufahrt sind
grundsätzlich die Normen der Vereinigung Schweizerischer Strassenfachleute (VSS)
massgebend, wobei ihre Anwendung im Einzelfall dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit entsprechen muss und sie nicht ungeachtet der konkreten
Verhältnisse zugrunde gelegt werden dürfen (VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar 2017,
E. 11.1; VerwGE B 2011/110 vom 20. März 2012, E. 4, www.gerichte.sg.ch; GVP 1990
Nr. 99). Nach der VSS-Norm SN 640 045 "Projektierung, Grundlagen; Strassentyp
Erschliessungsstrassen" vom April 1992, Ziff. 5 Abs. 1, werden die
Sicherheitsanforderungen an Erschliessungsstrassen allgemein durch geringe
Verkehrsmengen und niedrige Geschwindigkeiten angestrebt, weshalb der
Ausbaustandard generell niedrig anzusetzen ist. Der Erschliessungsstrassentyp
"Zufahrtsweg" wiederum dient der Erschliessung von bis zu 30 Wohneinheiten. Er ist
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auf den Grundbegegnungsfall "PW/Fahrrad bei stark reduzierter Geschwindigkeit" und
eine durchschnittliche stündliche Verkehrsbelastung von maximal 50 Fahrzeugen
ausgerichtet. Für Zufahrtswege im dargelegten Sinn genügt ein einziger Fahrstreifen.
Sie müssen in der Regel keinen Wendeplatz aufweisen und nicht durchgehend
befahrbar sein. Es handelt sich um Fusswege, die zum gelegentlichen Befahren mit
Motorfahrzeugen vorgesehen und entsprechend befestigt sind. Für die seltenen
Begegnungsfälle zwischen Motorfahrzeugen können angrenzende Bankettflächen und
Vorplätze einbezogen werden (VSS-Norm a.a.O., Ziff. 8 Abs. 6). Gemäss VSS-Norm SN
640 201 "Geometrisches Normalprofil" vom Oktober 1992 beträgt das für einen
Personenwagen erforderliche horizontale Lichtraumprofil 2 bis 2.1 m bei
Geschwindigkeiten von 0 bis 40 km/h, für einen Lastwagen bzw. ein
landwirtschaftliches Fahrzeug beträgt das horizontale Lichtraumprofil bei den
erwähnten Geschwindigkeiten 2.7 bis 2.8 m und dasjenige eines Fahrradlenkers 0.9 bis
1.1 m. Bei stark reduzierter Geschwindigkeit (bis 30 km/h) ist beim
Grundbegegnungsfall PW/Fahrrad eine Strassenbreite von mindestens 3.4 m (keine
Steigungen) und beim Begegnungsfall PW/PW eine Breite von mindestens 4.4 m
erforderlich (vgl. VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar 2017 E. 11.1). Die VSS-Normen
enthalten keine bindenden Anweisungen für jeden Einzelfall (im Sinn einer gesetzlichen
Norm). Vielmehr sind sie für die Würdigung der konkreten Verhältnisse als Hilfsmittel
heranzuziehen und zu berücksichtigen (vgl. VerwGE B 2015/14, a.a.O., E. 11.1 erster
Absatz am Schluss sowie E. 11.3 f.).
5.2. Vorliegend soll die Erschliessung des auf den Grundstücken 1 und 2 geplanten
Wohnhauses über die K._-strasse sowie über den Notweg auf den Grundstücken 3
und 4 erfolgen. Daneben besteht als fussläufige Nebenerschliessung ein schmaler
Fussweg, welcher auf der Ostseite von der Waldrainstrasse zu den Baugrundstücken
führt. Gemäss dem - nach Erlass des RPG ergangenen - Rekursentscheid des
Regierungsrats vom 25. April 1984 wurde zugunsten der Baugrundstücke 1 und 2 und
zulasten der Grundstücke 3 und 4 ein Notwegrecht von 3 m Breite eingeräumt. Im
damaligen Entscheid wurde unter anderem ausgeführt, zur Benützung seines
Wohnhauses habe O.B. Anspruch auf eine Wegverbindung, welche mit
Motorfahrzeugen befahren werden könne. Die Erstellung der Wegverbindung zur
Schlatterstrasse als auch zur K._-strasse wäre mit einem unverhältnismässigen
Kostenaufwand verbunden, weshalb sich die Einräumung eines Notwegs geradezu
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aufdränge. Dies umso mehr, als nach der Darstellung des Sachverständigen am
Augenschein auch bei einer Wegbreite von lediglich 3 m die Zufahrt mit schweren
Transportfahrzeugen gewährleistet bliebe, weil die Fahrzeuge auf den Grundstücken
der Rekursgegner (heutige Beschwerdeführerin) gewendet werden könnten (vgl. act. G
8/21 Beilage S. 5-7).
5.3. Im angefochtenen Entscheid legte die Vorinstanz dar, über den Notweg würden
das bestehende EFH auf dem Grundstück 1 und der Betrieb der Beschwerdeführerin
erschlossen. Mit den geplanten zusätzlichen 6 Wohneinheiten würden künftig
insgesamt zwar nur 7 Wohneinheiten erschlossen. Der durch den Betrieb der
Beschwerdeführerin verursachte Verkehr sei indessen ebenfalls zu berücksichtigen.
Der Notweg betrage vom Ende der K._-strasse bis zur Grundstücksgrenze mehr als
80 m. Damit ergebe sich, dass die für eine hinreichende Erschliessung erforderliche
Fahrbahnbreite nicht unter das Minimum von 3.4 m festgelegt werden könne. Mit dem
Notwegrecht sei nur eine Fahrbahnbreite von 3 m rechtlich sichergestellt. Ausserdem
seien auf der Länge des Notwegs keine Ausweichmöglichkeiten auf Bankette oder
Vorplätze rechtlich sichergestellt, so dass für das Kreuzen von Motorfahrzeugen die
erforderlichen Flächen fehlen würden. Es ergebe sich somit, dass die strassenmässige
Erschliessung des Baugrundstücks nicht hinreichend rechtlich sichergestellt sei (act. G
2 S. 11 f.).
Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Zufahrt auf dem 3 m breiten Notweg verlaufe
überwiegend gerade und übersichtlich. Warteräume seien beidseits vorhanden. Selbst
wenn die gemäss VSS-Norm verlangte Mindestbreite von 3.4 m nicht erreicht werde,
sei die Erschliessung für sieben Wohneinheiten und den Betrieb der
Beschwerdeführerin zureichend. Für die Vorinstanz habe kein Anlass bestanden, in den
Ermessensbereich der Beschwerdebeteiligten einzugreifen. Letztlich sei der
Autonomiebereich der Beschwerdebeteiligten durch den angefochtenen Entscheid
verletzt worden (act. G 5).
5.4. Von keiner Seite in Frage gestellt wurde vorliegend die Verkehrssicherheit des
Zufahrtswegs in der aktuell bestehenden Situation sowie die zusätzlich zum Notweg
bestehende fussläufige Nebenerschliessung für Fussgänger (vorstehende E. 5.2). Wenn
der Vertreter der Beschwerdeführerin anlässlich des Rekursaugenscheins festhielt,
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dass für die Baustellenerschliessung eine Zufahrt über ihre eigenen Grundstücke
geplant sei (act. G 8/22 S. 1 f.), so stellt dies für sich allein keinen Grund dar, die
Erschliessung über den Notweg (nach Beendigung der Bauarbeiten) in Frage zu stellen,
zumal die Bauerschliessung oftmals mit der späteren strassenmässigen Erschliessung
örtlich nicht übereinstimmt. Die weitere Frage, ob eine Erschliessung auch über die
eigenen Grundstücke der Beschwerdeführerin realisierbar wäre (vgl. act. G 11 S. 5),
stellt sich im vorliegenden Verfahren nicht, zumal das Projekt auf der Erschliessung
über den Notweg basiert.
Der aus dem Jahre 1984 stammende Beschluss des Regierungsrats (act. G 8/21, S. 10,
Dispositiv-Ziffer 1) regelt - ausser der räumlichen Lage - das Notwegrecht nicht näher,
so dass von einer ungemessenen Dienstbarkeit auszugehen ist. Wird das berechtigte
Grundstück dem (Wohn-)Zweck entsprechend weiter überbaut, ist die dadurch
bewirkte Steigerung der Inanspruchnahme der belasteten Grundstücke an sich zulässig
(vgl. BGer 5A_361/2017 vom 1. März 2018, E. 4.3.3). Der Entscheid der
Beschwerdebeteiligten vom 29. April 2016 setzt sich mit der Frage der Erschliessung
nicht detailliert auseinander. Es wird lediglich festgehalten, dass das Notwegrecht von
3 m Breite eine in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht genügende Erschliessung
darstelle (act. G 8/1, E. 4). Mit einer Breite von 3 m ist ein Befahren des gerade
verlaufenden Notwegs (vgl. dazu Bilder in act. G 8/24 [Standorte 30-34] sowie
Orthofoto in www.geoportal.ch) zwar auch mit Lastwagen (öffentliche Dienste und
Zubringer mit einer maximalen Fahrzeugbreite 2.5 m) grundsätzlich möglich. Eine
Wendemöglichkeit besteht am Ende des Wegs. Indes ist zu beachten, dass aus dem
streitigen Bauvorhaben mit 6 Wohneinheiten - ausgehend von 24 zusätzlichen Fahrten
(6 x 2 Hin- und 6 x 2 Rückfahrten) pro Tag - ein relevanter Mehrverkehr im Vergleich zur
heutigen Situation resultieren dürfte. Die gegebene Breite schliesst ein Kreuzen von
zwei PW's oder von PW mit LKW aus, und das Notwegrecht räumt keine Möglichkeit
ein, auf die belasteten, im Eigentum der Beschwerdegegner stehenden Grundstücke
Nr. 5259 und 5260 auszuweichen. Eine (faktische) Inanspruchnahme solcher
Ausweichmöglichkeiten hätte die Überschreitung des Notwegrechts zur Folge.
Hinsichtlich der rund 80 m langen Zufahrt ist eine zureichende Erschliessung auch
insofern nicht gegeben, als sich aus den Situationsplänen und insbesondere der
Fotodokumentation des Rekursaugenscheins (act. G 8/24) ergibt, dass ab der K._-
strasse bis zum Baugrundstück kein direkter Sichtkontakt besteht. Von den
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befestigten, als Ausweichstellen in Betracht kommenden Flächen auf den Parzellen
Nrn. 5259 und 5260 wäre zwar ein solcher Sichtkontakt gegeben; jedoch fehlt es wie
dargelegt an der Berechtigung, diese Flächen zu befahren. Die vorinstanzliche
Verneinung der zureichenden Erschliessung lässt sich vor dem konkreten Hintergrund
nicht beanstanden.
6.
6.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Rekursentscheids vom 24. Januar 2018 abzuweisen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend gehen die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zulasten der
Beschwerdeführerin (Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr
von CHF 3'500 (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
geleistete Kostenvorschuss (CHF 4'500) ist anzurechnen; der verbleibende Betrag
(CHF 1'000) ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
6.2. Bei diesem Verfahrensausgang entfällt ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf
ausseramtliche Entschädigung. Vorinstanz und Beschwerdebeteiligte haben ebenfalls
keinen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung
mit Art. 98bis VRP; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 829); beide stellten auch keinen Antrag.
Hingegen haben die Beschwerdegegner Anspruch auf Entschädigung für das
Beschwerdeverfahren. Das Verwaltungsgericht spricht bei Fehlen einer Kostennote
praxisgemäss Pauschalentschädigungen nach Ermessen gemäss Art. 6 und Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung zu (sGS 963.75, HonO). Mit Blick auf vergleichbare
Verfahren und unter Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse ist vorliegend eine
Entschädigung der obsiegenden Beschwerdegegner mit CHF 3‘000 zuzüglich 4%
Barauslagen (= CHF 120) angemessen. Die Mehrwertsteuer wird dazu gerechnet
(Art. 29 HonO).