Decision ID: 5926a117-3e75-458c-aa00-d6be99fc1bc9
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) B._, Y._, ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 001, Grund-
buch Z._. Das Grundstück liegt gemäss geltendem Zonenplan der
Gemeinde Z._ vom 25. März 1994 in der Landwirtschaftszone. Das
Grundstück ist u.a. mit dem Wohnhausteil (Vers.-Nr. 004) und der
nordwestlich daran angebauten Scheune (Vers.-Nr. 003) überbaut.
Das Wohnhaus von B._ ist mit dem Wohnhaus (Vers.-Nr. 005) von
A._, Y._, zusammengebaut, das sich auf dem angrenzenden
Grundstück Nr. 002 befindet.
b) Die beiden Wohnhausteile (Vers.-Nrn. 004 und 005) und die an-
gebaute Scheune (Vers.-Nr. 003) gelten nach der Schutzverordnung
der Gemeinde Z._ vom 27. Dezember 2013 als "Kulturobjekt Ge-
bäude Teilschutz" (KO T); zudem liegen sie innerhalb eines Ortsbild-
schutzgebiets ("Ortsbild A/geschützte Baugruppe [OSA]). Rund 50 m
westlich davon, innerhalb desselben OSA, befindet sich ein Einzel-
schutzobjekt (Kulturobjekt Gebäude [KO G]).
B.
a) Mit Baugesuch vom 14. März 2019 beantragte B._ bei der
Baukommission Z._ die Baubewilligung für eine Dach- und Fassa-
densanierung. Nach den Angaben im Baugesuchsformular und den
Planunterlagen soll sich die Sanierung von Dach und Fassaden auf
die Scheune Vers.-Nr. 003 beschränken. In der Südostfassade sollen
dort bestehende Fenster entfernt und ein neues eingebaut werden.
Die Nordostfassade soll komplett abgebrochen und anschliessend
49 cm nach aussen (Richtung Nordosten) versetzt, auf der bereits be-
stehenden Grundmauer der Scheune neu aufgebaut werden. Dement-
sprechend sollen auch die Nordwest- und die Südostfassade um je-
weils 49 cm und die darüber liegenden Traufseiten des Scheunen-
dachs um jeweils 41 cm in Richtung Nordosten verlängert werden. Be-
züglich Bauweise enthält das Baugesuchsformular die Angaben, dass
die Fassaden mit brauner Holzverkleidung erstellt und das Dach mit
roten oder braunen Tonziegeln eingedeckt werden sollen.
b) Die öffentliche Auflage erfolgte vom 6. bis 19. April 2019. Wäh-
rend der Auflagefrist erhob A._, vertreten durch lic.iur. Urs Pfister,
Rechtsanwalt, St.Gallen, öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Ein-
sprache. Er rügte, die Pläne seien unvollständig und nicht vermasst.
Es sei von den zuständigen Behörden zu klären, ob das Vorhaben mit
den Bestimmungen von Art. 24a des Bundesgesetzes über die Raum-
planung (SR 700; abgekürzt RPG) bzw. mit Art. 24c und/oder Art. 24d
RPG vereinbar sei. Im Übrigen müsse sichergestellt werden, dass
durch die geplante Erweiterung der Scheune bis an die Gemein-
destrassengrenze die schon heute enge Zufahrt zum Landwirtschafts-
betrieb passierbar bleibe. Zudem fehle zwischen den Wohnhausteilen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 33/2020), Seite 3/10
heute eine Brandschutzmauer; das Vorhaben sei deshalb so anzupas-
sen, dass wenigstens die spätere Erstellung einer Brandschutzmauer
nicht verunmöglicht werde.
c) Mit Stellungnahme zur Einsprache vom 21. Mai 2019 brachte
B._ vor, er beabsichtige lediglich die Sanierung des maroden Haus-
dachs von Vers.-Nr. 004 und des Scheunendachs von Vers.-Nr. 003
sowie eine Erneuerung der baufälligen Scheunenfassaden (Vers.-
Nr. 003). Das Vorhaben stehe somit nicht in Zusammenhang mit einer
allfälligen Brandschutzmauer.
d) Am 30. Juli 2019 erliess das Amt für Raumentwicklung und
Geoinformation (AREG) folgende Teilverfügung:
1. a) Es wird festgestellt, dass es sich beim Wohnhaus
und der angebauten Scheune Vers.-Nrn. 004 und 003 um rechtmässig erstellte, altrechtliche, nicht mehr  Bauwerke handelt.

b) Die Zustimmung zur Sanierung von Dach und  mit Anpassungen an der Nordostfassade der Scheune wird im Sinn der Erwägungen erteilt. (...)
(...)
Zur Begründung wurde ausgeführt, bei der Sanierung von Dach und
Fassade von Wohnhaus und Scheune handle es sich um ein zonen-
fremdes Vorhaben. Die geplanten Sanierungsmassnahmen führten zu
keiner massgeblichen Flächenveränderung; eine Flächenberechnung
sei deshalb nicht erforderlich. Das Bauvorhaben sei der kantonalen
Denkmalpflege (DMP) zur Stellungnahme unterbreitet worden. Die
DMP habe mit Schreiben vom 2. Mai 2019 festgestellt, dass es sich
beim Wohnhaus Vers.-Nr. 004 bloss um ein Objekt von lokaler Bedeu-
tung handle, weshalb sie bezüglich der vorgesehenen Massnahmen
auf eine Stellungnahme verzichtet habe. Zusammenfassend lägen die
geplanten baulichen Massnahmen im zulässigen Rahmen. Die
Voraussetzungen nach Art. 24c und 24d RPG in Verbindung mit
Art. 41, 42 und 43a der eidgenössischen Raumplanungsverordnung
(SR 700.1; abgekürzt RPV) seien gegeben; auch die Identität der
Baute bleibe gewahrt.
e) Mit Beschluss vom 10. Dezember 2019 wies die Baukommis-
sion Z._ die öffentlich-rechtliche und die privatrechtliche Einsprache
ab und erteilte "die Baubewilligung für die Dach- und Fassadensanie-
rung des Gebäudes Vers.-Nr. 003". Als Auflage verfügte sie dabei u.a.
folgendes:
(...)
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 33/2020), Seite 4/10
2. Mit den Bauarbeiten darf erst begonnen werden, wenn nachfolgende Auflagen erfüllt sind. (...)
2.1 Bezüglich der Fassadengestaltung ist der  rechtzeitig ein Farb- und Materialkonzept bzw. –muster zur Genehmigung einzureichen.
(...)
C.
Gegen diesen Beschluss erhob A._ durch seinen Rechtsvertreter
mit Schreiben vom 27. Dezember 2019 Rekurs beim Baudepartement
mit dem Hauptantrag, Bau- und Einspracheentscheid mit Einschluss
aller weiteren Teilbewilligungen seien unter Kostenfolge aufzuheben
und es sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Vervollständigung
der Gesuchunterlagen und zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Zur
Begründung wird geltend gemacht, der Entscheid sei unvollständig er-
öffnet worden, weil namentlich die bewilligten Pläne mit Beilagen und
die kantonalen Teilverfügungen bislang fehlten; folglich liege kein Ge-
samtentscheid vor. Zudem sei das Baugesuch auch unvollständig.
Wie sich aus der Baubewilligung ergebe, fehle das Farb- und das Ma-
terialkonzept. In der Rekursergänzung vom 31. Januar 2020 wird wei-
ter ausgeführt, dem Rekurrenten seien von der Vorinstanz zwischen-
zeitlich die Teilverfügungen der DMP vom 2. Mai 2019 und des AREG
vom 30. Juli 2019 eröffnet worden. Jene der DMP sei unvollständig,
weil sich aus der Feststellungsverfügung nicht ergebe, auf welche
Pläne sie sich beziehe. Die Teilverfügung des AREG sei mangelhaft,
weil für die Feststellung in Ziff. 1 Bst. a des Dispositivs jegliche Be-
gründung fehle. Es sei überhaupt nicht abgeklärt worden, ob es sich
bei der Scheune um eine zonenkonforme oder eine zonenfremde
Baute handle. Bei der Scheune handle es sich zudem auch um keinen
Schutzgegenstand. Ausserdem sei mit dem Bauvorhaben eine Volu-
menerweiterung der Scheune vorgesehen, was nach Art. 24d RPG
nicht zulässig sei; die Teilverfügung des AREG enthalte keine Begrün-
dung, weshalb diese Erweiterung nach aussen bewilligungsfähig sein
solle.
D.
a) Mit Stellungnahme vom 24. Februar 2020 beantragt die
Vorinstanz, der Rekurs sei abzuweisen.
b) Mit Vernehmlassung vom 27. März 2020 beantragt das AREG
ebenfalls, der Rekurs sei abzuweisen. Zur Begründung wird geltend
gemacht, die Behauptung des Rekurrenten, wonach die Feststellung
in Ziff. 1 Bst. a des Dispositivs der Teilverfügung des AREG nicht be-
gründet worden sei, treffe nicht zu. Art. 24c Abs. 3 RPG erfasse per
1. Juli 1972 vorbestandene Wohnhäuser sowie angebaute Ökonomie-
bauten; wann die Umnutzung der Ökonomiebaute erfolgt sei, sei dabei
nicht relevant. Zudem handle es sich beim Bauvorhaben im Wesentli-
chen um eine Sanierung und nicht um eine Erweiterung der Scheune.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 33/2020), Seite 5/10
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
Der Rekurrent macht geltend, die Vorinstanz habe diverse formelle
Fehler begangen, weshalb der Rekurs von vornherein geschützt wer-
den müsse.
2.1 Er beanstandet vorab, es sei ihm eine unvollständige Verfügung
eröffnet worden, weil ihm nur die Baubewilligung mit Einspracheent-
scheid vom 10. Dezember 2019 zugestellt worden sei. Die von der
Vorinstanz bewilligten zugehörigen Pläne mit Beilagen seien ihm da-
gegen nicht eröffnet worden; folglich fehle es am Gesamtentscheid.
Der Rekurrent ist somit der Ansicht, die vom Rekursgegner unterzeich-
neten Baugesuchspläne und -formulare, die Bestandteil der Baubewil-
ligung bilden, hätten ihm mit dem Baubewilligungs- und Einsprache-
entscheid miteröffnet werden müssen. Einsprecher haben zwar – ba-
sierend auf den Grundsätzen des rechtlichen Gehörs – im Rahmen
eines Baubewilligungsverfahrens grundsätzlich das Recht, während
der öffentlichen Auflage in ein Baugesuch und alle dazugehörenden
Formulare, Pläne, Berichte usw. Einsicht zu nehmen. Es ist ihnen auch
unbenommen, von diesen Unterlagen auf eigene Kosten Kopien zu
erstellen. Das hat aber nicht zur Folge, dass die Bewilligungsbehörde
ihnen zusätzlich zum Entscheid über das Baugesuch und die Einspra-
che (vgl. Art. 157 Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes [sGS 731.1;
abgekürzt PBG]) auch einen bewilligten (oder nichtbewilligten) Plan-
satz mit allen zugehörigen Unterlagen zustellen müsste. Entgegen der
Ansicht des Rekurrenten besteht dazu keine rechtliche Verpflichtung
(BDE Nr. 6/2020 vom 6. Februar 2020 Erw. 3.5).
2.2 Weiter rügt der Rekurrent, er habe die Teilverfügungen der DMP
vom 2. Mai 2019 und des AREG vom 30. Juli 2019 von der Vorinstanz
nicht erhalten; auch deshalb sei der Entscheid unvollständig eröffnet
worden. Die Begründetheit dieses Einwands bedarf keiner weiteren
Abklärung, weil dem Vertreter des Rekurrenten von der Vorinstanz
noch während der Frist zur Rekursbegründung sämtliche Vorakten zur
Einsicht- und Stellungnahme zugestellt wurden. Folglich wäre, sofern
ein Mangel bestanden hätte, dieser inzwischen geheilt worden.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 33/2020), Seite 6/10
3.
Der Rekurrent macht geltend, das Baugesuch sei unvollständig, weil
das Farb- und das Materialkonzept noch fehle, die Baubewilligung
aber trotzdem erteilt worden sei.
3.1 Dem Rekurrenten ist zuzustimmen, dass den Baugesuchsplä-
nen nicht entnommen werden kann, wie die geplante Dach- und Fas-
sadensanierung ausgeführt werden soll. Aus dem Baugesuchsformu-
lar ergibt sich einzig, dass die Fassaden mit brauner Holzverkleidung
erstellt und das Dach mit roten oder braunen Tonziegeln eingedeckt
werden sollen. Nach ständiger Rechtsprechung ist in Gebieten mit er-
höhten ästhetischen Anforderungen das Baugesuch stets einschliess-
lich der konkreten Fassaden- und Dachgestaltung sowie Farb- und
Materialwahl zu beurteilen, weil andernfalls die Einfügung der Baute
bzw. die allfällige Beeinträchtigung eines Schutzgegenstands noch
nicht abschliessend beurteilt werden kann (GVP 2010 Nr. 132;
VerwGE B 2011/122 vom 1. Mai 2012 Erw. 2.3; BDE Nr. 32/2019 vom
5. Juni 2019 Erw. 5, BDE Nr. 20/2020 vom 20. März 2020
Erw. 2.5.1 ff.). Diesen Anforderungen kam die Vorinstanz vorliegend
nicht nach: Obwohl das Baugrundstück im Ortsbildschutzgebiet (OSA)
liegt und Wohnhaus und Scheune des Rekursgegners wie auch das
Wohnhaus des Rekurrenten zusätzlich als Einzelschutzobjekte (KO T)
gelten, sah die Vorinstanz von einer gleichzeitigen Prüfung des ge-
samten Bauvorhabens ab bzw. war ihr mangels Vollständigkeit der
Baugesuchsunterlagen eine gleichzeitige Prüfung erst gar nicht mög-
lich. Allein die Angabe des Rekursgegners, die Fassaden würden mit
brauner Holzverkleidung erstellt und das Dach mit roten oder braunen
Tonziegeln eingedeckt, ist viel zu unbestimmt und reicht bei weitem
nicht aus, um die Einfügung einer Baute bzw. die allfällige Beeinträch-
tigung eines Schutzgegenstands abschliessend beurteilen zu können.
Die Vorinstanz war sich dessen wohl auch bewusst und ordnete des-
halb in Ziff. 2.1 der Auflagen zur Baubewilligung vom 10. Dezember
2019 die Nachreichung eines Farb- und Materialkonzepts vor Baube-
ginn an. Damit verwies sie – sinngemäss in Anwendung von Art. 149
PBG – die Prüfung der Fassaden- und Dachgestaltung sowie der Farb-
und Materialwahl in ein nachlaufendes Bewilligungsverfahren, was al-
lerdings in Gebieten mit erhöhten ästhetischen Anforderungen nach
dem oben Gesagten gerade unzulässig ist.
3.2 Abgesehen davon, dass auch nicht nachvollziehbar ist, wie ein
Baugesuch, dass einzig eine Dach- und Fassadensanierung zum Ge-
genstand hat, überhaupt bewilligt werden kann, wenn die konkrete Art
und Weise der geplanten Sanierung noch gar nicht feststeht, ist weiter
darauf hinzuweisen, dass angesichts der beschriebenen rechtlichen
und tatsächlichen Umstände für die Genehmigung des Farb- und Ma-
terialkonzepts die Durchführung eines nachlaufenden Bewilligungs-
verfahrens (Art. 149 PBG), eines vereinfachten Verfahrens (Art. 140 f.
PBG) oder eines Meldeverfahrens (Art. 142 f. PBG) grundsätzlich un-
zulässig ist (vgl. zum Ganzen auch Baudepartement SG, Juristische
Mitteilungen 2015/II/4 und 2015/III/2, beide noch zum zwischenzeitlich
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 33/2020), Seite 7/10
aufgehobenen Gesetz über die Raumplanung und das öffentliche Bau-
recht vom 6. Juni 1972). Vor diesem Hintergrund wird der Rekursgeg-
ner – sofern er weiter am Baugesuch festhält – dieses vervollständigen
und das Farb- und Materialkonzept der Vorinstanz nachreichen müs-
sen. Anschliessend wird das ordentliche Baubewilligungsverfahren
(Art. 139 PBG) nochmals durchzuführen sein und es werden sowohl
das AREG (vgl. dazu BDE Nr. 65/2014 vom 28. August 2014 Erw. 2.7)
als auch die Vorinstanz ihre Teilverfügung bzw. Baubewilligung –
wenn überhaupt – nur auf der Grundlage des Farb- und Materialkon-
zepts erteilen können.
3.3 Somit ergibt sich, dass der Rekurs infolge unvollständiger Beur-
teilung des Baugesuchs im Sinn der Erwägungen gutzuheissen ist und
die Baubewilligung der Vorinstanz vom 10. Dezember 2019 sowie die
Teilverfügung des AREG vom 30. Juli 2019 aufzuheben sind.
4.
Bei diesem Ergebnis bräuchte an sich nicht weiter auf die übrigen Rü-
gen eingegangen zu werden. Aus verfahrensökonomischen Gründen
rechtfertigen sich indessen zumindest die folgenden Bemerkungen.
4.1 Baugesuch und Baubewilligung sind teilweise widersprüchlich.
Während im Baugesuch vom 14. März 2019 ausdrücklich die Sanie-
rung von Dach und Fassaden der Scheune Vers.-Nr. 003 als Bauge-
suchsgegenstand definiert, das auch genauso in der Bauanzeige ver-
öffentlicht und die Baubewilligung der Vorinstanz vom 10. Dezember
2019 für die Dach- und Fassadensanierung des Gebäudes Vers.-
Nr. 003 ausgestellt wurde, scheinen Rekursgegner und AREG von ei-
nem auch das Wohnhaus Vers.-Nr. 004 mitumfassenden Bauge-
suchsgegenstand auszugehen. Der Rekursgegner teilte der
Vorinstanz mit Eingabe vom 21. Mai 2019 mit, er beabsichtige die Sa-
nierung des maroden Hausdachs von Vers.-Nr. 004 und des Scheu-
nendachs von Vers.-Nr. 003 sowie eine Erneuerung der baufälligen
Scheunenfassaden (Vers.-Nr. 003). Auch das AREG beschreibt den
Baugesuchsgegenstand in seiner Teilverfügung vom 30. Juli 2019 in
Ziff. 1a des Sachverhalts als "Sanierung des Wohnhaus- und Scheu-
nendachs sowie der Fassaden der Scheune". In Ziff. 1a des Disposi-
tivs wird in der Folge festgestellt, dass es sich beim Wohnhaus und
der angebauten Scheune Vers.-Nrn. 004 und 003 um rechtmässig er-
stellte, altrechtliche, nicht mehr zonenkonforme Bauwerke handelt und
in Ziff. 1b des Dispositivs wird die "Zustimmung zur Sanierung von
Dach und Fassade (...) erteilt". Nachdem sich Baubewilligung und
Teilverfügung zwingend auf denselben Baugesuchsgegenstand be-
ziehen müssen, wird im allenfalls nachfolgenden Baubewilligungsver-
fahren ausdrücklich klar zu stellen sein, ob sich Baubewilligung und
Teilverfügung nun nur auf die Scheune Vers.-Nr. 003 oder aber auch
auf das Dach des Wohnhauses Vers.-Nr. 004 beziehen.
4.2 Das AREG geht – wie aufgezeigt – davon aus, bei Wohnhaus
und angebauter Scheune des Rekursgegners handle es sich um alt-
rechtliche, zonenfremde Bauten, die nach Art. 24c RPG zu beurteilen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 33/2020), Seite 8/10
seien. Wie der Rekurrent zu Recht vorbringt, findet sich indessen we-
der im Sachverhalt oder in den Erwägungen der Teilverfügung des
AREG noch in den vom AREG eingereichten Vorakten irgendein Hin-
weis, wie das AREG zu diesem Schluss kommt. Sollte es sich bei dem
umstrittenen Wohnhaus mit Scheune tatsächlich um zonenfremde
Bauten handeln, wird das mittels zusätzlicher Sachverhaltserhebun-
gen zu belegen sein.
4.3 Nach Art. 24d Abs. 2 RPG kann die vollständige Zweckände-
rung von als schützenswert anerkannten Bauten und Anlagen zuge-
lassen werden, wenn diese von der zuständigen Behörde unter Schutz
gestellt worden sind (Bst. a) und ihre dauernde Erhaltung nicht anders
sichergestellt werden kann (Bst. b). Art. 24d Abs. 2 RPG lässt mithin
einzig vollständige Zweckänderungen, nicht jedoch Erweiterungen von
schutzwürdigen Bauten zu. Vorliegend soll die Scheune Vers.-Nr. 003
nach aussen vergrössert werden. Zu diesem Zweck ist vorgesehen,
die Nordostfassade abzubrechen und sie anschliessend – um 49 cm
nach Nordosten versetzt – auf der bereits bestehenden Grundmauer
der Scheune wieder auf zu bauen. Das hat zur Folge, dass auch die
Nordwest- und die Südostfassade der Scheune um jeweils 49 cm in
Richtung Nordosten verlängert werden müssen, womit das Volumen
der Scheune ganz offensichtlich nach aussen erweitert wird. Eine sol-
che Erweiterung ist gestützt auf Art. 24d Abs. 2 RPG nicht zulässig.
Sie könnte höchstens auf der Grundlage von Art. 24c Abs. 4 RPG be-
willigt werden. Nach dieser Bestimmung müssen Veränderungen am
äusseren Erscheinungsbild einer Baute aber für eine zeitgemässe
Wohnnutzung oder eine energetische Sanierung nötig
oder darauf ausgerichtet sein, die Einpassung in die Landschaft zu
verbessern. Von diesen in Art. 24c Abs. 4 RPG enthaltenen drei
Voraussetzungen für eine Erweiterung einer Baute nach aussen
kommt vorliegend von vornherein nur die Letztgenannte in Frage. Vom
AREG wird deshalb zu beurteilen sein, inwiefern das Volumen einer
Baute, die in der Schutzverordnung als Einzelschutzobjekt bestimmt
wurde, nachträglich vergrössert werden muss, um die Einpassung in
die Landschaft zu verbessern. Eine solche Beurteilung fand bislang
nicht statt, weil das AREG offenbar davon ausging, das Bauvorhaben
führe nicht zu einer Erweiterung der umstrittenen Scheune.
4.4 Der Rekurrent rügt weiter, die Teilverfügung der DMP vom
2. Mai 2019 sei unvollständig, weil sich aus der Feststellungsverfü-
gung nicht ergebe, auf welche Pläne sie sich beziehe. Entgegen der
Ansicht des Rekurrenten handelt es sich bei diesem Schreiben der
DMP jedoch um keine Teilverfügung, womit auch nicht dieselben An-
forderungskriterien, die von einer Verfügung zu erfüllen wären, zur An-
wendung gelangen. Kommt die DMP im Rahmen der Beurteilung ei-
nes Baugesuchs zum Ergebnis, dass keine Beeinträchtigung eines
Schutzgegenstands von kantonaler oder nationaler Bedeutung vor-
liegt, stellt diese Beurteilung für sich allein noch keine Teilverfügung
dar, die im Rahmen eines Gesamtentscheids zu eröffnen (gewesen)
wäre. Nach dem klaren Wortlaut von Art. 122 Abs. 3 PBG trifft letzteres
nur für die eigentliche Zustimmungsverfügung der DMP zu; nur diese
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 33/2020), Seite 9/10
ist folglich auch Teil des Gesamtentscheids der Baubewilligungsbe-
hörde (Handbuch der Rechtsabteilung des Baudepartementes zum
PBG, St.Gallen, Stand 17. Januar 2020, Bemerkungen zu Art. 122).
Die blosse Beurteilung der DMP dagegen, ein Baugesuch führe nicht
zu einer Beeinträchtigung eines Schutzgegenstands von kantonaler
oder nationaler Bedeutung, stellt lediglich eine Stellungnahme dar.
5.
5.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes unter-
scheiden sich Bauprozesse, an denen Bauherr und Baueinsprecher
mit einem direkten Interesse am Prozessausgang teilnehmen, grund-
sätzlich nicht von den Verfahren vor Zivilgerichten. Die Prozesskosten
werden deshalb in diesen Fällen jeweils in der Regel nicht dem Ge-
meinwesen, sondern den beteiligten Privaten aufgelegt (VerwGE vom
16. November 1998 i.S. E.D.). Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.–
(Nr. 20.13.01 des Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindever-
waltung, sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend
sind die amtlichen Kosten dem Rekursgegner zu überbinden.
5.2 Der vom Rekurrenten am 10. Januar 2020 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– ist zurück zu erstatten.
6.
Der Vertreter des Rekurrenten stellt ein Begehren um Ersatz der aus-
seramtlichen Kosten. Er verlangt die Zusprache einer ausseramtlichen
Entschädigung von Fr. 3'750.– für den Fall, dass kein Augenschein
durchgeführt werde, zuzüglich 4 % Barauslagen und 7,7 % Mehrwert-
steuer, weil sein Mandant nicht mehrwertsteuerpflichtig sei.
6.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
6.2 Der Rekurrent obsiegt mit seinen Anträgen. Da das Verfahren
zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot,
die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-
sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis
VRP). Der Rekurrent verlangt ausdrücklich eine Erhöhung der praxis-
gemäss vom Baudepartement zugesprochenen Honorarpauschale
von Fr. 2'750.– um Fr. 1'000.– mit der Begründung, dass der vorlie-
gende Rekurs zwei Rechtsverfahren betreffe, nämlich einerseits den
Rekurs gegen den Entscheid der Vorinstanz, soweit diese seine öf-
fentlich-rechtliche Einsprache abgewiesen und die Baubewilligung er-
teilt habe, und anderseits den Rekurs gegen den gleichzeitig ergange-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 33/2020), Seite 10/10
nen Entscheid der Vorinstanz, soweit diese seine privatrechtliche Ein-
sprache abgewiesen und die Baubewilligung erteilt habe. Entgegen
der Ansicht des Rekurrenten begründet der Umstand, dass er seinen
Rekurs nicht nur in öffentlich-rechtlicher Hinsicht, sondern darüber hin-
aus auch in privatrechtlicher Hinsicht nach Art. 684 des Schweizeri-
schen Zivilgesetzbuchs (SR 210) begründet hat, für sich allein weder
bereits einen erhöhten Aufwand noch stellt er ein zusätzliches Rekurs-
verfahren dar, das es rechtfertigte, von der Honorarpauschale abzu-
weichen. Diese Pauschale ist so bemessen, dass sie Rekursbegrün-
dungen in öffentlich- und/oder privatrechtlicher Hinsicht, zumindest so-
lange sie sich – wie vorliegend – in einem normalen Rahmen bewegen
und nur normalen Aufwand verursachen, ausreichend abdeckt. Folg-
lich ist die ausseramtliche Entschädigung in Anwendung von Art. 6 in
Verbindung mit Art. 22 der Honorarordnung (sGS 963.75) auf
Fr. 2'750.– plus 4 % Barauslagen, insgesamt also auf Fr. 2'860.– (zu-
züglich Mehrwertsteuer) festzulegen; sie ist vom Rekursgegner zu be-
zahlen.