Decision ID: f9a8e457-10e3-4ddf-b8ab-23d99304cf63
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Urkundenfälschung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 23. Mai 2017 (DG170028)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 1. März 2017
(Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 41 S. 25 ff.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1
Abs. 1 sowie Abs. 2 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 13 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die im Verfahren vor dem Bezirksgericht Bülach beigezogenen Testamente vom
20. August 2003 sowie vom 25. September 1990 (act. 9/4 und act. 9/7) werden
nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles dem Bezirksgericht Bülach in das Ver-
fahren EL130316 zurückgegeben.
5. Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland
vom 28. November 2016 beschlagnahmten Gegenstände verbleiben in den Akten:
a) Kopie Testament von B._ vom 25.09.1982 (1/1), A007'959'789
b) Kopie Testament von A._ vom 20.08.2003 (1/2), A007'950'789
c) Vorladung der Kantonspolizei Aargau an A._ vom 27.03.2014 (2/1),
A007'950'790
d) Kopie Darlehensvertrag vom 19.09.1982 (2/2), A007'950'790
e) Brief an "C._" von D._, datiert vom 27.01.2007 (2/3), A007'950'790
f) Notizzettel quadratisch (2/4), A007'950'790
g) Brief an E._, datiert von Natale 2006 (2/5), A007'950'790
h) 4-seitiges Schreiben von A._ (2/6), A007'950'790
i) Kopie Brief an E._, Vordruck mit Schleife (2/7), A007'950'790
j) Brief an E._, Vordruck, "Gastronomo..." (2/8), A007'950'790
k) Brief an "F._", 1 seitig (2/9), A007'950'790
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l) Fax an E._ vom 16.01.2008, 11.14 Uhr(2/10), A007'950'790
m) Fax an E._ vom 16.01.2008, 11.09 Uhr (2/11), A007'950'790
n) Brief an "F._", 2. Seite mit div. Notizen (2/12), A007'950'790
o) Kopie Testament vom 25.09.1990 (3), A007'950'803
q) Kopie Testament von A._ vom 20.08.2003 (10/4/2), A007'950'814
r) Kopie Testamemt von B._ vom 20.08.2003 (10/4/3), A007'950'814
s) Kopie Testament von B._ vom 25.09.990 (10/4/4), A007'950'814
t) Muster für ein Testament (10/4/5), A007'950'814
u) Kopie Brief in Italienischer Sprache, datiert vom Dez. 2005 (5), A007'950'825
6. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. November
2016 beschlagnahmte Testament von A._ vom 20.08.2003 (act. 10/4/1;
A007'950'814), wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils
herausgegeben.
7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin G._
aus dem in der Anklage vom 1. März 2017 eingeklagten Ereignis dem Grundsatze
nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des
Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen.
8. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 6'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 3'045.– Auslagen Vorverfahren (Schriftgutachten)
Fr. 479.– Zeugenentschädigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten auferlegt.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Verfahren ei-
ne Prozessentschädigung von Fr. 24'000.– zuzüglich Mehrwertsteuer zu bezahlen.
11. (Mitteilung)
12. (Rechtsmittel).
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Berufungsanträge:
a) Der erbetenen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 61 S. 2)
1. A._ sei vollumfänglich freizusprechen.
2. Die Zivilklage sei abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.
3. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens seien auf die
Staatskasse zu nehmen.
4. A._ sei für die ihm im Zusammenhang mit dem Strafverfahren entstan-
denen Kosten zu entschädigen.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 51 schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Vertreterin der Privatklägerin G._:
(Urk. 63 S. 1)
1. Die Berufung sei abzuweisen und das erstinstanzliche Urteil vom 23.05.2017
sei vollumfänglich zu bestätigen.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerle-
gen.
3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin gemäss eingereich-
ter Honorarnote für das Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung zu
bezahlen.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Mit Urteil der Vorinstanz vom 23. Mai 2017 wurde der Beschuldigte
A._ der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 sowie Abs. 2
StGB schuldig gesprochen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Mona-
ten unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahre bestraft. Sodann wurde festge-
stellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin G._ aus dem
Sachverhalt gemäss Anklage dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist, wo-
bei zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches auf
den Zivilweg verwiesen wurde. Ferner traf die Vorinstanz verschiedene Anordnun-
gen betreffend beigezogene und beschlagnahmte Urkunden (Urk. 41 S. 25 f.).
1.2. Gegen das Urteil liess der Beschuldigte durch seinen erbetenen Verteidiger
mit Schreiben vom 24. Mai 2017 innert der gesetzlichen Frist Berufung anmelden
(Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 36). Die Berufungserklärung vom 31. August 2017
ging nach Zustellung des begründeten erstinstanzlich Urteils am 11. August 2017
fristgerecht bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 40 und
Urk. 44). Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland erklärte, die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils zu beantragen (Urk. 51). Die Privatklägerin liess
ebenfalls einen Bestätigungsantrag betreffend das vorinstanzliche Urteil stellen
(Urk. 63 S. 1).
1.3. Am 12. Februar 2018 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der
Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur.
X._, sowie Rechtsanwältin lic. iur. Y._ in Begleitung der Privatklägerin
erschienen sind (Prot. II S. 3). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die
Urteilsberatung vom 13. Februar 2018 (Prot. II S. 12 ff.).
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2. Umfang der Berufung
2.1. Aufgrund der Berufungserklärung des Beschuldigten sind die Dispositiv-
Ziffern 1 (Schuldspruch), 2 und 3 (Strafe und Vollzugsregelung), 7 (Schaden-
ersatzregelung) und 8 bis 10 (Kosten- und Entschädigungsfolgen) angefochten
und daher im Rahmen der Berufung zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.2. Die Ziffern 4 bis 6 des Dispositivs der Vorinstanz sind in Rechtskraft er-
wachsen, was vorab mittels Beschlusses festzustellen ist.
3. Beweisantrag
Die Vertreterin der Privatklägerin beanstandete an der Berufungsverhandlung, die
Einreichung der Beweismittel ebenso wie die Stellung des Beweisantrages durch
die Verteidigung seien verspätet erfolgt (Prot. II S. 6). Die Verteidigung des Be-
schuldigten führte zu Beginn des Beweisverfahrens auf entsprechende Nachfrage
der Verfahrensleitung aus, ihre Beweisanträge im Rahmen ihres Plädoyers zu
stellen und weitere Beweismittel einzureichen, mit welchem Vorgehen sich die
Verfahrensleitung einverstanden erklärte (Prot. II S. 5). Nachdem auch die Ver-
treterin der Privatklägerin dagegen nicht opponierte, sind sowohl der von der Ver-
teidigung nachfolgend im Rahmen seines Plädoyers gestellte Beweisantrag, als
auch die Einreichung weiterer Beweismittel (Urk. 62/1-5) rechtzeitig erfolgt. Der
genannte Beweisantrag, wonach die Zeugin H._ anzuhören sei (Urk. 61
N 72), wird in den nachfolgenden Erwägungen zum Schuldpunkt abgehandelt
(vgl. unten Ziff. III).
4. Anklageprinzip
4.1. Die Verteidigung kritisiert auch an der Berufungsverhandlung, der in der
Anklageschrift erhobene Vorwurf sei in zeitlicher Hinsicht derart ungenügend,
dass diese Verletzung des Anklageprinzips alleine zum Freispruch führen müsse
(Urk. 33/1 N 16; Urk. 61 N 23 f.).
4.2. Der in Art. 9 StPO statuierte Anklagegrundsatz stellt ein tragendes Element
eines rechtsstaatlichen Strafprozesses dar. Er verlangt einerseits eine personelle
Trennung der Ankläger- und Richterrolle, anderseits wird aus ihm gefolgert, dass
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der Gegenstand des Gerichtsverfahrens von der Anklage zu bestimmen und fixie-
ren ist. Deshalb sind in der Anklageschrift die Person des Beschuldigten und die
ihm zur Last gelegten Delikte so präzis zu umschreiben, dass die erhobenen
Vorwürfe im objektiven und subjektiven Bereich sowie in zeitlicher Hinsicht hin-
reichend konkretisiert werden (SCHMID, Handbuch des schweizerischen Straf-
prozesses, Zürich/St. Gallen 2013, N 205 ff., mit Hinweisen; BGE 120 IV 353 f.).
Entsprechende Verfahrensgarantien gelten auch gemäss Art. 32 Abs. 2 BV (An-
spruch auf rechtliches Gehör) und Art. 6 Abs. 3 lit. a EMRK (der Beschuldigte hat
in allen Einzelheiten über Art und Grund der gegen ihn erhobenen Beschuldigung
unterrichtet zu werden, SCHMID, a.a.O., N 205 und N 209; VILLIGER, Handbuch
der Europäischen Menschenrechtskonvention [EMRK], 2. Auflage, Zürich 1999,
N 504 ff., insb. N 505; BGE 120 IV 354).
Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO hat die Anklageschrift neben den formellen Anga-
ben (lit. a-e) sowie den angeblich verletzten Gesetzesbestimmungen (lit. g) "mög-
lichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit
Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung" (lit. f) zu
bezeichnen. Der Detaillierungsgrad richtet sich nach der Bedeutung sowie Kom-
plexität des konkreten Falls (zum Ganzen: SCHMID, a.a.O., N 1267). Aus dieser
Umgrenzungs- und Informationsfunktion der Anklage folgt, dass aus ihr der kon-
krete Tatvorwurf ersichtlich sein muss. Ungenauigkeiten in den Orts-, Zeit- oder
Personenangaben sowie hinsichtlich des Deliktsguts bzw. des Deliktsbetrags be-
einträchtigen dieses Erfordernis grundsätzlich nicht und führen nicht zur Unbe-
achtlichkeit der Anklage bzw. zum Freispruch (SCHMID, a.a.O., N 1268). Ob die
zeitliche Umschreibung ausreicht, ist nicht abstrakt, sondern zusammen mit dem
übrigen Inhalt der Anklage zu beurteilen (BGer Urteil 1P.636/2006 vom 14. De-
zember 2006 E. 2.8 m.w.H.).
4.3. Wird ein vermeintliches Falsifikat erst lange Zeit nach dessen Herstellung
an der Öffentlichkeit verwendet oder als solches erkannt, ist es nahezu unmög-
lich, einen präzisen Herstellungszeitpunkt zu bestimmen, erst recht, wenn wie hier
vorgeworfen, die Kopie einer gefälschten Urkunde benutzt wurde. In der Anklage-
schrift wird in erster Linie das Datum der Urkunde als möglicher Zeitpunkt der
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Fälschung genannt. Da sich mangels näherer Informationen und Abklärungsmög-
lichkeiten aber nicht ausschliessen lässt, dass eine Fälschung nicht am Tag ihrer
Datierung, sondern in einem anderen Zeitpunkt erstellt wurde, gibt die Anklage-
behörde hier alternativ den Zeitraum zwischen Datierung des Testaments und
Todestag der Erblasserin bzw. Einreichung beim Gericht als mögliche Zeit-
spannen an, in welchen die vermeintliche Fälschung erfolgt sein könnte. Dieser
Zeitraum erstreckt sich zugegebenermassen über eine lange Dauer von ca. zehn
Jahren. Wenn diese alternativen Angaben auch wenig präzise ausfallen, kann
nicht davon die Rede sein, dass die Anklage ihre Umgrenzungs- und/oder Infor-
mationsfunktion nicht mehr zu erfüllen vermöchte. So wurde eine allfällige Fäl-
schungshandlung des Beschuldigten erst mit der Einreichung des betreffenden
Testaments publik und strafrechtlich relevant. Der Zeitpunkt der Einreichung ist
jedoch präzise in der Anklageschrift festgehalten. Insgesamt lässt sich aus der
vorliegenden Anklage problemlos ersehen, was dem Beschuldigten konkret vor-
geworfen wird. Es war ihm gestützt auf die Informationen ohne Weiteres möglich,
sich effektiv zu verteidigen. Insofern liegt keine Verletzung des Anklageprinzips
vor.
5. Verwertbarkeit der Beweismittel
5.1. Die Verteidigung macht auch an der Berufungsverhandlung ebenso wie be-
reits im vorinstanzlichen Verfahren geltend, dass alle im Vorverfahren durchge-
führten Einvernahmen des Beschuldigten wegen Verletzung von Art. 158 Abs. 1
lit. a StPO zum Nachteil des Beschuldigten unverwertbar seien (Urk. 33/1 N 24 ff.;
Urk. 61 N 27 ff.).
5.2. Die in Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO statuierte Pflicht zur Orientierung des Be-
schuldigten über den Gegenstand des Verfahrens bedeutet nicht, dass gleich zu
Beginn der ersten Einvernahme der Stand des Vorverfahrens, insbesondere die
gesamte Beweissituation, eröffnet werden müsste. Je nach Stand der Untersu-
chung und der jeweiligen Einvernahmesituation ist der Beschuldigte aber während
der ersten Einvernahme – ansonsten im Verlaufe des Vorverfahrens – mit den
gegen ihn sprechenden Verdachtsgründen zu konfrontieren, damit er Gelegenheit
zur Stellungnahme erhält (GODENZI, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.],
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Kommentar StPO, 2. Auflage Zürich et. al. 2014, Art. 158 N 22). Insofern steht es
bis zu einem gewissen Grad auch im Ermessen der Verfahrensleitung darüber zu
entscheiden, zu welchem Zeitpunkt in der Einvernahme der Beschuldigte über
belastende Aussagen informiert wird und er Gelegenheit erhält, sich dazu zu
äussern.
5.3. Zunächst ist zu erwähnen, dass im Zeitpunkt der ersten polizeilichen Ein-
vernahme des Beschuldigten am 3. Dezember 2014 zwar die Strafanzeige der
Privatklägerin vorlag, die Situation sich für die Untersuchungsbehörden jedoch als
unklar präsentierte. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die Anklagebehörde
den Parteien einen knappen Monat nach dieser Befragung mit Schreiben vom
5. Januar 2015 kundtat, die Strafuntersuchung einstellen zu wollen (Urk. 15/1).
Die erste Befragung des Beschuldigten vom 3. Dezember 2014 wurde mit dem
Hinweis eröffnet, dass gegen ihn ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung
eingeleitet worden sei. Gleich die erste Frage zur Sache betraf sodann die Her-
kunft des Testaments vom 20. August 2003 und im weiteren Verlauf der Befra-
gung wurden dem Beschuldigten sukzessive explizit Verdachtsmomente zur Stel-
lungnahme vorgehalten. Nachdem die gemäss Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO bei Be-
ginn der ersten Befragung erforderliche Information des Beschuldigten jedenfalls
dann nicht umfassend zu sein braucht, wenn die Details im Verlauf der Befragung
ohnehin erläutert werden und zumal die Beweissituation noch völlig offen war, ist
dieses Vorgehen nicht zu beanstanden. Ferner ist der einvernehmenden Behörde
trotz der grundsätzlichen Informationspflicht gemäss Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO,
wie erwähnt, ein gewisser Spielraum bei der Entscheidung, wann sie dem Be-
schuldigten welche Einzelheiten preisgeben will, zuzugestehen. Andernfalls könn-
te durch die vorzeitige Bekanntgabe aller belastenden Elemente die Ermittlung
des Sachverhaltes erschwert, wenn nicht vereitelt werden. Die Untersuchungsbe-
hörde befand sich im Zeitpunkt der ersten Einvernahme durchaus in einer solchen
Situation. Indem der Beschuldigte dennoch einleitend allgemein über den gegen
ihn bestehenden Verdacht orientiert wurde und er in der gleichen Befragung zügig
über die damals vorhandenen Verdachtsmomente in Kenntnis gesetzt wurde,
kann von einer Verletzung von Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO keine Rede sein.
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5.4. Der Auffassung der Verteidigung, wonach alle (weiteren) Einvernahmen
des Beschuldigten unverwertbar seien, ist sodann entgegen zu halten, dass nach
der ausreichenden Aufklärung in der ersten Befragung in sämtlichen seiner fol-
genden Einvernahmen kein einleitender Hinweis gemäss Art. 158 Abs. 1 lit. a
StPO mehr zwingend war. Ferner ist zu sagen, dass die erste Befragung des Be-
schuldigten durch die Anklagebehörde in unmittelbarem Anschluss an eine Ein-
vernahme der Privatklägerin als Auskunftsperson stattfand (Urk. 5/2; Urk. 6/1). Im
Kontext dieser vorangegangenen Befragung, an welcher der Beschuldigte teil-
nahm und in Verbindung mit dem erneuten Hinweis, dass gegen ihn ein Vorver-
fahren wegen Urkundenfälschung eingeleitet worden sei (Urk. 5/2 S. 1) war klar,
was Gegenstand des gegen ihn geführten Verfahrens war.
5.5. Gegen die Verwertbarkeit der Aussagen des Beschuldigten – wie im Übri-
gen auch der Aussagen der weiteren einvernommenen Personen sowie der übri-
gen Beweismittel – spricht somit nichts.
II. Ausgangslage und Anklagevorwurf
1. Ausgangslage
1.1. Im angefochtenen Entscheid wird zutreffend dargelegt, dass dem vor-
liegenden Strafverfahren eine erbrechtliche Streitigkeit zwischen zwei der gesetz-
lichen Erben der am tt.mm.2013 verstorbenen B'._ (fortan Erblasserin), näm-
lich deren Ehemann A._, dem Beschuldigten, und deren Tochter G._,
der Privatklägerin, zu Grunde liegt. Umstritten ist insbesondere, ob es tatsächlich
die Erblasserin war, welche das dem Bezirksgericht Bülach am 10. März 2014
vom Beschuldigten zur Eröffnung eingereichte Testament vom 20. August 2003
verfasst hatte. Die Privatklägerin erstattete gestützt auf eine von ihr in diesem Zu-
sammenhang in Auftrag gegebene Privatexpertise am 14. Oktober 2014 bei der
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland eine Strafanzeige gegen den Beschul-
digten wegen Urkundenfälschung. Nach Durchführung der Untersuchung wurde
am 1. März 2017 bei der Vorinstanz Anklage gegen ihn erhoben (Urk. 20; Urk. 41
S. 5).
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2. Anklagevorwurf
In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorgeworfen, das
von ihm beim Bezirksgericht Bülach eingereichte Testament der Erblasserin vom
20. August 2003 gefälscht zu haben. Dafür habe er ein älteres Testament seiner
Ehefrau, nämlich dasjenige vom 25. September 1990, in welchem sie ihn zum
Alleinerben berufen habe, abgepaust. Er habe dessen Inhalt mit Ausnahme der
Klausel betreffend Einsetzung eines Willensvollstreckers vollständig übernommen
und das Testament neu eben auf den 20. August 2003 datiert. Dieses solcher-
massen erstellte Testament habe er nach dem Tod der Erblasserin zur gericht-
lichen Eröffnung eingereicht. Das Ganze habe er gemacht, um anderen Testa-
menten, in welchen er nicht in gleichem Mass begünstigt worden wäre, zuvor zu
kommen sowie um die Privatklägerin zur Wahrung ihrer Pflichtteilsansprüche in
die Klägerrolle zu zwingen (Urk. 20 S. 2 f.).
III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Urkundenfälschung
Die Vorinstanz hat die Tatbestandselemente der Urkundenfälschung im Sinn von
Art. 251 StGB zutreffend dargelegt. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vor-
ab auf diese Erwägungen verwiesen werden (Urk. 41 S. 15 f., Art. 82 Abs. 4
StGB). Im Rahmen der nachfolgenden Ausführungen sind an Ort und Stelle einige
Präzisierungen und Ergänzungen anzubringen.
2. Objektiver Tatbestand
2.1. Unbestritten und belegt sind die in Abschnitt 3 und 4 des Anklage-
sachverhaltes dargelegten Ausführungen zum nach dem Tod der Erblasserin
durchgeführten und mit Urteil vom 10. März 2014 abgeschlossenen Testaments-
eröffnungsverfahren am Bezirksgericht Bülach.
2.2. Der Beschuldigte bestreitet auch nicht, dass das Testament vom
20. August 2003 durch Abpausen erstellt wurde. Er behauptet jedoch, es sei sei-
ne Ehefrau selbst gewesen, welche des Öfteren auf diese Weise Schriftstücke er-
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stellt habe und auch bei der Erstellung dieses Testaments so vorgegangen sei.
Gegen den in der Anklageschrift formulierten Vorwurf, dass er der wahre Urheber
dieses Dokuments sei, hat sich der Beschuldigte stets verwahrt (Urk. 5/1 S. 2 und
S. 3; Urk. 5/2 S. 5; Urk. 5/4 S. 2; Urk. 5/5 S. 9). Auch an der Berufungsverhand-
lung stellt der Beschuldigte in Abrede, der Urheber der Paus-, bzw. Durch-
schlagskopie zu sein (Urk. 60 S. 8 ff.; Urk. 61 S. 5 ff.). Es ist daher zu prüfen, ob
der entsprechende Nachweis geführt werden kann.
2.3. Die Vorinstanz hat die für die Beweiswürdigung zur Sachverhaltserstellung
geltenden Grundsätze zutreffend dargestellt, weshalb auf die entsprechenden
Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 41 S. 8). Demgemäss ist ein Schuld-
spruch nur zulässig, wenn das Strafgericht anhand der ihm bekannten Beweis-
mittel und Indizien zur Überzeugung gelangt, der Sachverhalt habe sich wie an-
geklagt verwirklicht. Verbleiben dagegen erhebliche Zweifel, ist ein Freispruch
auszufällen.
2.4. Im angefochtenen Entscheid werden die Ergebnisse des im Vorverfahren
durch die Anklagebehörde in Auftrag gegebenen Schriftgutachtens sowie der von
der Privatklägerin veranlassten Privatexpertise der I._ AG sowie die Aus-
sagen der Privatklägerin, des Beschuldigten sowie der Zeugen E._, dem
Sohn der Privatklägerin, J._, dem vormaligen Rechtsvertreter der Beklagten
und H._, der zweiten Tochter des Beschuldigten und Schwester der Privat-
klägerin, zusammengefasst wiedergegeben (Urk. 41 S. 9 ff.).
2.5. Den weiteren Überlegungen ist vorauszuschicken, dass im Urteil des Be-
zirksgerichts Bülach vom 10. März 2014 betreffend Testamentseröffnung festge-
halten worden war, dass unklar sei, ob es sich bei dem eingereichten Testament
vom 20. August 2003 um das Original oder bloss um eine Durchschlagskopie
handle (Urk. 9/3). Bereits in seiner ersten polizeilichen Befragung vom 3. Dezem-
ber 2014, in welcher ihm, wie erwähnt, bereits mitgeteilt worden war, dass ein
Strafverfahren wegen Urkundenfälschung gegen ihn eingeleitet worden sei, er-
klärte der Beschuldigte, es sei seine Frau gewesen, die das fragliche Testament
geschrieben habe; sie habe dazu einen Durchschlag verwendet (Urk. 5/1 S. 1;
vgl. auch Urk. 5/2 S. 2 f.; Urk. 5/5 S. 9). Immer wenn sie etwas Wichtiges ge-
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schrieben habe, habe sie mit Kohlepapier einen Durchschlag gemacht (Urk. 5/1
S. 2). Während diese Aussage noch so verstanden werden konnte, dass die Erb-
lasserin bei der Abfassung von wichtigen handschriftlichen Schriftstücken jeweils
sofort per Kohlepapier Kopien zu erstellen pflegte, ergab sich aus der Antwort des
Beschuldigten auf den unmittelbar folgenden Hinweis des Polizeibeamten, dass
die Deckungsgleichheit des Testaments vom 20. August 2003 mit dem Testament
vom 25. September 1990 auffällig sei, ein anderes Bild: Der Beschuldigte erklärte
dazu nämlich, dass die Deckungsgleichheit deshalb bestehe, weil seine Frau
eben mit Durchschlag gearbeitet habe. Der Unterschied zwischen den beiden
Testamenten habe darin bestanden, das sie beim zweiten keinen Willensvoll-
strecker mehr aufgeführt hätten (Urk. 5/1 S. 2). Mit dieser Darstellung machte der
Beschuldigte offenbar geltend, die Erblasserin selbst habe für die Erstellung des
Testaments vom 20. August 2003 ein Exemplar ihres Testaments vom 25. Sep-
tember 1990 genommen, dieses mit einem Kohlepapier unterlegt, sei mit ihrem
Stift dem Text des alten Testaments, einschliesslich der Unterschrift, nachge-
fahren, habe es schliesslich neu datiert und so ein "neues" Testament produziert.
Auch an der Berufungsverhandlung wurde von der Verteidigung diesbezüglich er-
neut vorgebracht, es handle sich beim Testament nicht um eine Fälschung und es
sei keineswegs auszuschliessen, dass B._ das neue Testament selber im
Pausverfahren hergestellt habe. Dies werde auch durch die Zeugenaussage von
H._ bestätigt, wobei diese von der Vorinstanz komplett ignoriert worden sei,
weshalb eventualiter – sollte das Gericht daran zweifeln, dass die Erblasserin ihr
Testament dergestalt erstellt habe – beantragt werde, H._ als Zeugin anzu-
hören (Urk. 61 N 70 ff.). Zwar ist es zutreffend, dass H._, die zweite Tochter
des Beschuldigten, solche Gewohnheiten ihrer Mutter bestätigte (Urk. 7/2 S. 7;
Urk. 34/1). Allerdings ist festzuhalten, dass selbst wenn die Erblasserin tatsäch-
lich nach wie vor die Gewohnheit gehabt haben sollte, mittels Kohlepapier Durch-
schläge von selbst verfassten Urkunden zu erstellen, das Vorgehen, dem in frühe-
ren Dokumenten selbst geschriebenen Text nachzufahren und mittels Kohlepa-
pier durchzupausen, als äusserst umständlich bezeichnet werden darf. In den Ak-
ten befinden sich einige von der Erblasserin handschriftlich verfasste Dokumente,
welche offenbar aus dem Zeitraum zwischen 1982 und 2011 stammen
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(Urk. 10/4/2/3+5+7+9+10-12; Urk. 10/4/5; Urk. 11/2 Beilagen), wobei es sich nota
bene offensichtlich bei keiner einzigen um eine Durchschlagskopie handelt. Das
Schriftbild dieser Unterlagen lässt schliessen, dass es sich bei der Erblasserin
auch noch im Jahr 2011 um eine durchaus geübte Schreiberin mit einer flüssigen
Handschrift handelte (Urk. 11/2, 9. Blatt der Beilagen; vgl. auch Urk. 11/6 S. 8).
Vor diesem Hintergrund und nachdem auch ihr Testament in ihrer Muttersprache
verfasst war, bestand gar kein Anlass für ein solch mühseliges Vorgehen wie dem
Durchpausen, was auch die Vorinstanz zu Recht festhält (Urk. 41 S. 13 f.). Hinzu
kommt, dass es nicht den geringsten Grund gab bzw. schlechthin widersinnig ge-
wesen wäre, sogar die eigene Unterschrift auf diese Weise zu "nachzuzeichnen".
5.6. Mit den Ergebnissen des Gutachtens des Forensischen Instituts Zürich
(fortan FOR) vom 22. April 2016 setzt sich der angefochtene Entscheid aus-
führlich auseinander (Urk. 41 S. 13), worauf vorab verwiesen werden kann
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Folgende Erörterungen des Gutachtens sind besonders zu
betonen: Einerseits wird mit überzeugender Argumentation gefolgert, die Befunde
würden ausserordentlich stark dafür sprechen, dass das strittige Testament im
Pausverfahren hergestellt worden sei, wobei der obere Teil des Testamentes vom
25. September 1990 als Vorlage gedient habe (Urk. 11/6 S. 11). Der Pausvorgang
wäre im Übrigen eine mögliche Erklärung dafür, dass es kein brauchbares eigen-
händiges Original des Testaments vom 20. August 2003 geben kann; beim
Abpausen mittels Kohlepapier würde dieses nämlich in einer den Text nachge-
zeichneten Kopie des Testaments vom 25. September 1990 bestehen. Dass das
Testament abgepaust wurde, wird vom Beschuldigten wie erwähnt nicht in Abrede
gestellt, behauptet er doch einfach, die Erblasserin sei die Urheberin gewesen.
5.7. Auch die Verteidigung führt dazu an der Berufungsverhandlung aus, dass
Gutachten des FOR käme zum Schluss, dass die Untersuchungsergebnisse aus-
serordentlich stark für das Pausverfahren sprechen würden, betreffend die Urhe-
berschaft des Beschuldigten sei das Gutachten hingegen weit weniger klar. Dass
die Ergebnisse des Gutachtens "dafür sprechen", entspreche der zweit untersten
bzw. nur der dritthöchsten Kategorie der Wahrscheinlichkeiten im Gutachten, was
ein mässig starker Beweiswert für die Urheberschaft des Beschuldigen sei
- 15 -
(Urk. 61 N 76 ff.). Weiter machte die Verteidigung geltend, das Gutachten habe
die Urheberschaft der Erblasserin selbst forensisch schlicht nicht geprüft und
reichte dazu ergänzend ein italienisches Gutachten von Frau Dr. K._ samt
Übersetzung sowie eine gutachterliche Stellungnahme von L._ ins Recht
(Urk. 62/1-2; Urk. 62/5).
5.8. Bevor nachfolgend weiter auf die Ergebnisse des FOR betreffend die
Urheberschaft eingegangen wird, ist vorab zu den eingereichten Parteigutachten
was folgt festzuhalten: Wie auch die Verteidigung ausführt, kommt Dr. K._ in
ihrem Gutachten zum Schluss, dass das Testament von 2003 durchaus von der
Erblasserin hergestellt worden sein könne, was dadurch bekräftigt werde, dass
die handschriftlich angebrachten Zahlen im Datum Merkmale ihrer Handschrift
aufweisen würden (Urk. 62/2 S. 28). Die Aussagekraft dieser Schlussfolgerung
von Dr. K._ ist als sehr beschränkt anzusehen und vorliegend zwar als Indiz
zu würdigen, mit der Vertreterin der Privatklägerin (Prot. II S. 7) aber in keiner
Weise geeignet, die unabhängige Einschätzung des FOR Zürich in Frage zu stel-
len.
5.9. Herr L._ äusserte sich in seiner Stellungnahme zur Methodik des Gut-
achten des FOR zunächst dahingehend, dass im Rahmen der zugrunde gelegten
theoretischen Einstellungen des Gutachters und auf Basis der von ihm erhobenen
Befunde das Gutachten im Allgemeinen sowie die dahinter erkennbaren Unter-
suchungsschritte, Gedankenfolgen usw. genügend professionell und methodisch
sauber scheinen würden. Sodann hielt Herr L._ fest, dass er keine Möglich-
keit sowie keine Aufgabe gehabt habe, sich mit kompletten Untersuchungsmateri-
alien (Schriftstücke, Ausgangsinformationen usw.) unmittelbar auseinanderzuset-
zen, er dürfe auch nicht die in der Untersuchungsstelle geltenden fachlichen Re-
gelungen/Normen diskutieren, weshalb seine Auslegungen nur zusätzlich bzw.
unverbindlich erfolgen würden (Urk. 62/5 S. 5 Mitte). In seinen weiteren zusätzli-
chen bzw. unverbindlichen Auslegungen führte der Gutachter schliesslich aus,
dass es sich sowohl bei der Erblasserin als auch beim Beschuldigten "hochwahr-
scheinlich um nicht schreibgewandte Personen" handle. Darüber hinaus seien die
beiden möglichen Verfasser zur Zeit der abgegebenen Datierung des X-
- 16 -
Testamentes in hohem Alter bzw. nicht unbedingt gesundheitlich fit und schreib-
motorisch sicher gewesen (Urk. 62/5 S. 5 f.). Aus diesen zitierten Ausführungen
erhellt zunächst, dass Herr L._ bei der Erhebung seiner grafischen Befunde
kein Vergleichsmaterial zur Verfügung hatte. Sodann basieren seine Ausführun-
gen offenbar auf unzutreffenden Annahmen betreffend Alter und Gesundheitszu-
stand der möglichen Urheber des Testamentes, weshalb auch die von Herrn
L._ ins Recht gereichte Stellungnahme die – wie sogleich zu zeigen sein wird
– schlüssigen Ergebnisse des FOR nicht zu erschüttern vermag.
5.10. Gemäss Gutachter des FOR Zürich wirke die Handschrift auf dem strittigen
Dokument vielerorts verlangsamt und unsicher; mitunter sei die Strichführung un-
terbrochen und der Strich neu angesetzt worden (Urk. 11/6 S. 8). Für eine solche
im Gutachten beschriebene unsichere und verlangsamte Schriftführung und das
wiederholte Ab- und Wiederansetzen des Stiftes gäbe es keinen Grund, wenn die
Erblasserin selber dieses Dokument in der vom Beschuldigten behaupteten Wei-
se mittels Kohlepapier ab dem früheren Testament erstellt hätte. Wer seiner eige-
nen Schrift folgt, um sich an eine frühere Vorlage zu halten, aber ohne eine ab-
solut identische Kopie erstellen zu wollen, kann unbefangen und ähnlich flüssig
schreiben, wie wenn er das Dokument ohne die eigene Vorlage verfassen würde.
Eine Person jedoch, die – sozusagen gegen die eigene Hand – versucht, einer
fremden Schrift zu folgen und diese möglichst genau zu imitieren, ist gezwungen,
dies langsam und vorsichtig zu tun und den Stift bisweilen mitten im Schreibfluss
neu anzusetzen, um nicht zu weit vom Original abzuweichen. Wie dies auch die
Vertreterin der Privatklägerin erkannte (Urk. 63 S. 9), wird gemäss Gutachten die
Möglichkeit, dass das strittige Testament durch eine natürliche Schreibbewegung
aus der Hand der Erblasserin entstanden ist, weitestgehend ausgeschlossen
(Urk. 11/6 S. 10). Der Gutachter sieht denn auch im langsamen Bewegungsfluss,
der unsicheren Bewegungsführung und der teigigen Strichbeschaffenheit klare
Abweichungen zwischen dem Text des strittigen Testaments und anderen
authentischen Vergleichsschriften der Erblasserin (Urk. 11/6 S. 11). Diese Art der
Abweichungen indiziert ebenfalls stark, dass es nicht die Erblasserin war, welche
ihr früheres Testament abpauste. Dass auch der Gutachter zu diesem Ergebnis
kam, zeigt seine Antwort auf die Ergänzungsfrage der damaligen Verteidigerin
- 17 -
des Beschuldigten, Rechtsanwältin X1._, in welcher er auf seine Beantwor-
tung der Gutachtensfragen 4 und 5 verweist (Urk. 11/6 S. 18). Schliesslich stellte
der Gutachter fest, dass trotz der dem Abpausen geschuldeten Ähnlichkeit der
Schriftbilder nebst dem Datum auch verschiedene weitere Schriftzeichen im Text
des Testaments vom 20. August 2003 von der abgepausten Vorlage abweichen
(Urk. 11/6 S. 11 f.). Ferner konstatierte er unter Illustration der einzelnen Beispiele
nachvollziehbar, dass eine nicht unerhebliche Anzahl dieser festgestellten Abwei-
chungen übereinstimmende Merkmale mit Vergleichsschriften des Beschuldigten
aufweisen würden. Betroffen davon sind einzelne Buchstaben, Zeichen und die
abweichende Datierung (Urk. 11/6 S. 13 f.). Im Ergebnis folgert der Gutachter
schlüssig, die Ergebnisse der schriftvergleichenden Untersuchung würden dafür
sprechen, dass die im Pausverfahren gefertigten Schriftzüge auf dem strittigen
Testament vom 20. August 2003 durch den Beschuldigten erstellt worden seien
(Urk. 11/6 S. 17). Wenn die Verteidigung in diesen Zusammenhang wie erwähnt
rügt, dass die Ergebnisse der schriftvergleichenden Untersuchungen der zweit un-
tersten bzw. nur der dritthöchsten Kategorie der Wahrscheinlichkeiten im Gutach-
ten entsprechen würden und der Beweiswert für die Urheberschaft des Beschul-
digten nicht ausserordentlich stark sei (Urk. 61 S. 23), so ist dem ent-
gegenzuhalten, dass die zitierten Befunde – gemäss der verbalen Skala des Gut-
achters – unter der Hypothese (Beschuldigter als Urheber der Pauskopie) den-
noch plausibler sind als unter der Alternativhypothese (Urk. 11/6 S. 7).
5.11. Die vom Gutachter dargestellten Übereinstimmungen der im Testaments-
text festgestellten Abweichungen mit dem Schriftbild des Beschuldigten unter-
streichen sodann, dass es nicht die Erblasserin war, welche ihr früheres Testa-
ment abpauste. Hätte sie dies tatsächlich selbst getan, wäre gar nicht zu solchen
Abweichungen gekommen und hätte sie allfällig doch erfolgte Abweichungen mit
Sicherheit nicht ausgerechnet in der Schrift ihres Ehemannes abgefasst. Aufgrund
der nachvollziehbaren und plausiblen gutachterlichen Einschätzung und nachdem
es ohnehin keinen Grund für die Erblasserin gab, ein eigenes früheres Testament
einschliesslich Unterschrift geradezu imitieren zu wollen, ist als erstellt zu betrach-
ten, dass es nicht die Erblasserin, sondern der Beschuldigte war, der das beim
Bezirksgericht Bülach eingereichten Testaments vom 20. August 2003 durch Ab-
- 18 -
pausen verfasste. Dementsprechend ist auch die beantragte Einvernahme der
Zeugin H._ obsolet, weshalb der entsprechende Beweisantrag der Verteidi-
gung abzuweisen ist.
5.12. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht
auf Ungereimtheiten der Angaben des Beschuldigten zum Auffinden bzw. zum
Fundort des Testaments vom 20. August 2003 hinweist (Urk. 41 S. 14). Seine
entsprechenden Angaben fallen widersprüchlich und konstruiert aus. So gab der
Beschuldigte beispielsweise an der Befragung im Rahmen der Berufungsver-
handlung zu Protokoll, er habe das Testament vom 20. August 2003 zwischen der
Mauer eines Safes und den Ordnern von der Buchhaltung im Keller gefunden, als
er etwas gesucht habe (Urk. 60 S. 8), wobei er diese Version des Auffindens noch
in der Untersuchung sowohl betreffend das Testament 1990 als auch hinsichtlich
des Testamentes vom 20. August 2003 zu Protokoll gab (Urk. 5/2 S. 3 und S. 4).
In Bezug auf das Testament von 1990 gab der Beschuldigte zunächst an, die Ko-
pie dieses Testaments gefunden zu haben, um dann im weiteren Verlauf der Ein-
vernahme auszuführen, er habe das Original gefunden (Urk. 5/2 S.3 und S. 5),
auf welche Widersprüchlichkeiten auch die Vertreterin der Privatklägerin hinge-
wiesen hat (Urk. 63 S. 15). Zudem besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen
der Darstellung, die Erblasserin sei eine sehr genaue, wenn nicht pingelige oder
perfektionistische Person gewesen (Urk. 7/2 S. 9; Urk. 60 S. 10) und der Behaup-
tung des Beschuldigten, eine solche Person habe ein Testament im Keller zwi-
schen dem Cheminéerohr und der Wand versteckt, wo er es aufgefunden habe
(Urk. 5/5 S. 11; Urk. 60 S. 8).
5.13. Aufgrund dieser gesamten Erwägungen können die Abschnitte 1 und 2 des
Anklagesachverhalts können ebenfalls als erstellt gelten.
5.14. Nachdem es sich bei einem Testament – selbst wenn schliesslich eine Ko-
pie verwendet wird – zweifellos um eine Urkunde im Sinn von Art. 110 Abs. 4
StGB handelt (Urk. 41 S. 16; vgl. auch BGer Urteil 6B_637/2017 vom 29. Juni
2017), steht fest, dass der Beschuldigte den objektiven Tatbestand des Fälschens
einer Urkunde gemäss Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB erfüllt hat.
- 19 -
6. Subjektiver Tatbestand
6.1. Der subjektive Tatbestand von Art. 251 Ziff. 1 StGB erfordert Vorsatz hin-
sichtlich aller objektiven Tatbestandsmerkmale. Dass es sich bei einem Testa-
ment um ein Dokument handelt, welches nach dem Tod einer Person Rechts-
wirkungen entfaltet, ist allgemein bekannt. Gerade dem Beschuldigten, der selbst
eine eigene letztwillige Verfügung aufgesetzt hatte und ferner Testamente der
Erblasserin italienischen und schweizerischen Behörden einreichte, war dies ohne
Weiteres bewusst. Sodann ist der Vorinstanz darin beizupflichten, dass die Fäl-
schungshandlung mittels Abpausen eines älteren Testaments gar nicht anders als
bewusst und gewollt erfolgt sein kann.
6.2. Zur Erfüllung des Tatbestandes der Urkundenfälschung ist in subjektiver
Hinsicht ferner erforderlich, dass der Täter in der Absicht handelt, jemanden am
Vermögen oder an anderen Rechten zu schädigen oder sich einen anderen un-
rechtmässigen Vorteil zu verschaffen.
6.3. Dem Beschuldigten ist klar die Absicht zu unterstellen, mittels Einreichung
und Eröffnung des gefälschten Testaments die Ausstellung einer Bescheinigung
des Bezirksgerichts Bülach zu erreichen, die ihn als Alleinerben der Erblasserin
auswies. Nachdem es schliesslich tatsächlich das vom Beschuldigten eingereich-
te Testament war, welches vom Gericht als das massgebliche eröffnet wurde,
liegt ohne Weiteres ein unrechtmässiger Vorteil vor, und zwar ungeachtet der
Frage, ob die Fälschung der Urkunde und deren Verwendung überhaupt notwen-
dig gewesen wäre, um das gleiche Ziel zu erreichen oder ob auch andere – legale
– Möglichkeiten zur Erreichung desselben Ziels zur Verfügung standen. Gemäss
der in der Lehre zwar kritisierten Praxis des Bundesgerichts, welcher zu folgen ist,
ist nämlich auch derjenige strafbar, der mit einer gefälschten Urkunde einen
rechtmässigen Anspruch durchsetzen will (BGer Urteil 6B_116/2017 vom 9. Juni
2017 E. 2.2.3; BGE 128 IV 265 E. 2.2; TRECHSEL/ERNI, Schweizerisches Strafge-
setzbuch, Praxiskommentar, 3. Auflage, Art. 251 N 16 m.w.H.). Einen unrecht-
mässigen Vorteil erblickt das Bundesgericht somit bereits im Fälschen der Urkun-
de alleine, worauf auch die Vertreterin der Privatklägerin hingewiesen hat (Urk. 63
S. 18 f.; Prot. II S. 8). Ob eine Urkundenfälschung für den Beschuldigten in der
- 20 -
damaligen Situation überhaupt sinnvoll oder notwendig war, beschlägt im Übrigen
nicht so sehr den subjektiven Tatbestand, als das Motiv des Beschuldigten (vgl.
dazu nachfolgend).
6.4. Die Verteidigung wendet sinngemäss auch im Berufungsverfahren wie be-
reits vor Vorinstanz gegen ein Motiv des Beschuldigten ein, dass dieser keinen
Grund gehabt habe, ein Testament zu fälschen und auf das Jahr 2003 zu datie-
ren, zumal das unbestrittenermassen echte Testament der Erblasserin von 1990
ihn bereits als Alleinerben ausgewiesen habe. Dieses Testament von 1990 habe
er im September 2013 nach dem Tod seiner Ehefrau einem Notar in Italien ein-
gereicht (Urk. 33/1 N 43 f.; Urk. 61 N 16). Der italienische Notar habe hierauf die
beiden Töchter darüber informiert, wodurch die Privatklägerin überhaupt erst in
den Besitz des Testaments gekommen sei, worauf sie dieses im Oktober 2013
am Bezirksgericht Bülach eingereicht habe. Der Beschuldigte selbst habe im De-
zember 2013 das erst dannzumal aufgefundene, von der Erblasserin versteckte
Testament von 2003 beim gleichen Gericht eingereicht (Urk. 33/1 N 18 f.).
6.5. Was den Beschuldigten letztlich bewogen haben könnte, im Dezember
2013 das gefälschte Testament, das ihn als Alleinerben der Erblasserin auswies,
einzureichen, obwohl bereits ein echtes, ihn ebenfalls als Alleinerben ausweisen-
des Testament und sonst kein weiteres Testament eingereicht war, lässt sich
nicht abschliessend beurteilen. Dies liegt einerseits daran, dass die Familie
A._B._G._ tief entzweit ist. Die Äusserungen der Privatklägerin und
ihres Sohnes einerseits und diejenigen des Beschuldigten und der zweiten Toch-
ter H._ andererseits widersprachen sich hinsichtlich des möglichen Vorhan-
denseins weiterer Testamente bzw. hinsichtlich Äusserungen der Erblasserin, ihre
Töchter und allenfalls auch ihre Enkel begünstigt zu haben, diametral (Urk. 6/1
S. 5; Urk. 7/2 S. 4; Urk. 7/3 S. 3 f.; Urk. 5/5 S. 3). Die Privatklägerin gab als Zeu-
gin im Rahmen der Einvernahme vom 9. Juni 2015 an, sie habe ein Testament
aus dem Jahr 1996 und ein solches von Anfang 2003 gesehen, worin ihre
Schwester, sie selbst und der Enkel begünstigt worden seien. Sodann führte sie
aus, ihre Mutter habe immer wieder neue Testamente gemacht, so wenn sie oder
ihre Schwester geheiratet hätten und wenn Enkel auf die Welt gekommen seien,
- 21 -
wobei sie jeweils die Enkel begünstigt habe (Urk. 6/1 S. 5 und S. 7). Ihr Sohn
E._– der Enkel der Erblasserin – gab anlässlich seiner Zeugeneinvernahme
vom 20. Juni 2016 an, seine Grossmutter habe ihm ca. im Jahr 2010 ein von ihr
verfasstes Testament gezeigt, worin sein Name, derjenige von seinem Cousin
M._, seiner Mutter und seiner Tante gestanden sei. Besonders sei aufgefal-
len, dass hinten eine Zahl draufgestanden sei. Eine Acht, wobei er sie gefragt ha-
be, was es mit dieser Zahl auf sich habe. Seine Grossmutter habe gesagt, dass
sie nach Ereignissen in ihrem Leben (Geburt, Heirat etc.) jedes Mal ein neues
Testament verfasst habe. Und dann habe sie irgendwann angefangen, diese Tes-
tamente durchzunummerieren (Urk. 7/3 S. 4 f.), wobei sich gerade diese Aussa-
gen des Enkels E._ mit der auch vom Beschuldigten beschriebenen Akribie
der Erblasserin in Einklang bringen lassen. Der Beschuldigte hingegen hat das
Vorhandensein weiterer Testamente stets bestritten. Er erwähnte zwar einmal ein
Testament von 1996 (Urk. 5/5 S. 3), was allerdings ein der zuvor gestellten Frage
geschuldeter Versprecher gewesen sein dürfte. H._ gab als Zeugin befragt
zunächst an, sie kenne nur ein Testament ihrer Mutter, wobei sie dann auf ent-
sprechende Nachfrage ausführte, sie habe die beiden Testamente von 1990 und
2003 gesehen (Urk. 7/2 S. 4). Der frühere Rechtsvertreter der Privatklägerin er-
wähnte, anlässlich eines Treffens mit dem Beschuldigten und seinem Rechtsver-
treter zwar einen Stapel von Testamenten gesehen zu haben, wobei in sämtlichen
Exemplaren der Beschuldigte als Alleinerbe vorgesehen gewesen sei (Urk. 7/1
S. 5). Nach dem Gesagten bestehen – entgegen der Verteidigung (Urk. 61 N 16)
– durchaus Anhaltspunkte, dass mehrere Testamente der Erblasserin existierten
bzw. zumindest Thema waren und dies dem Beschuldigten auch bewusst war.
Entsprechend hätte der Beschuldigte auch ein Motiv gehabt, indem er mit Erstel-
lung eines weiteren bzw. später datierten Testamentes sichergehen wollte, wei-
terhin als Alleinerbe zu gelten. Sodann wäre auch denkbar, dass er sich bei der
Nachlassabwicklung nicht durch einen Willensvollstrecker eingeschränkt sehen
wollte. Durchaus plausibel erscheint im übrigen auch die von der Vertreterin auf-
geworfene These, wonach der Beschuldigte als Vorlage nur das Testament von
1990 zur Verfügung hatte (Urk. 63 S. 22).
- 22 -
6.6. Letztlich lässt sich jedoch aufgrund der vorhandenen Aussagen nicht zu-
verlässig erstellen, ob die Erblasserin nach 1990 weitere Testamente erstellte
bzw. solche tatsächlich gültig vorhanden waren. Zudem lässt sich nicht erfassen,
was sich innerhalb der Familie und auch innerhalb der Ehe des Beschuldigten
und der Erblasserin, welche in den letzten Jahren allem Anschein nach von der
schweren Erkrankung der Erblasserin geprägt war, alles abspielte. Inwiefern in
diesem Rahmen Äusserungen über erbrechtliche Aspekte gefallen sind, allenfalls
weitere Testamente, welchen der Beschuldigte mit seiner Fälschung vorgreifen
wollte, erstellt und solche allenfalls wieder vernichtet wurden, kann und muss
offen gelassen werden. Tatsache ist jedenfalls, dass ein privates Testament prob-
lemlos durch die Erblasserin selbst vernichtet oder durch eine neue letztwillige
Verfügung, selbst eine blosse eigenhändige schriftliche Erklärung, die gesetzliche
Erbfolge solle anzuwenden sein, aufgehoben werden kann. Keine in einem Tes-
tament bedachte Person kann sich sicher sein, dass in der Zeit bis zum Tod der
Testatorin nicht noch eine Veränderung vorgenommen wird – auch der Beschul-
digte und die Privatklägerin nicht. Nicht aktenkundig ist ferner, ob und inwieweit
der Beschuldigte über das von der Privatklägerin – offenbar entgegen einer ur-
sprünglich gehegten Absicht, die Abwicklung der Erbschaftsangelegenheit ge-
stützt auf einen entsprechenden Staatsvertrag allein in Italien durchzuführen zu
wollen (Urk. 7/1 S. 4) –, in der Schweiz eingeleitete Testamentseröffnungsverfah-
ren und das dort eingereichte Testament orientiert war. Zum Einwand der Vertei-
digung, der Beschuldigte sei aktenkundig stets bereit gewesen, den Töchtern ih-
ren Pflichtteil auszurichten (Urk. 33/1 N 37 f.; Urk. 61 N 12), ist relativierend zu
bemerken, dass der Beschuldigte trotz solcher Zugeständnisse unerbittlich auf
Ausstellung eines Erbscheines an sich alleine beharrte (Urk. 6/2/6 S. 2 Ziff. 4).
Angesichts der gegebenen Situation und seiner Haltung dürfte dem Beschuldigten
ein (weiteres) aktuelleres Dokument, welches seine Alleinerbenstellung bestätig-
te, jedenfalls durchaus nützlich erschienen sein.
6.7. Insgesamt ist, ohne dass erhebliche Zweifel verbleiben würden, zu schlies-
sen, dass der Beschuldigte das Testament der Erblasserin vom 20. August 2003
gefälscht und durch Einreichen desselben beim Bezirksgericht Bülach erreicht
hat, dass dieses als letzter Wille der Erblasserin eröffnet wurde. Insofern ist der
- 23 -
Sachverhalt mit den gemachten Präzisierungen im Sinne der Anklage als erstellt
und der Tatbestand der Urkundenfälschung auch in subjektiver Hinsicht als erfüllt
zu betrachten. Der Beschuldigte ist entsprechend für schuldig zu befinden.
III. Sanktion
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz sprach im angefochtenen Urteil eine Freiheitsstrafe von
13 Monaten bedingt, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, aus. Die An-
klagebehörde beantragt die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 51).
Die Verteidigung äusserte sich infolge ihres beantragten Freispruchs nicht zur
Sanktion (vgl. Urk. 61).
1.2. Am 1. Januar 2018 sind revidierte Bestimmungen des allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches, das neue Sanktionenrecht, in Kraft getreten. Gemäss
Art. 2 StGB wird ein Straftäter grundsätzlich nach demjenigen Recht beurteilt, das
bei Begehung der Tat in Kraft war. Jedoch ist eine zwischen der Tatbegehung
und der gerichtlichen Beurteilung in Kraft getretene Revision zu berücksichtigen,
wenn das neue Recht das mildere ist. Unter Beurteilung ist die Fällung eines
Sachurteils zu verstehen, selbst wenn es sich nicht um das erste handelt, weil es
beispielsweise im Berufungsverfahren ergeht (TRECHSEL/VEST, StGB Praxiskom-
mentar, 3. Auflage, Art. 2 N 7). Im Folgenden ist diesen Grundsätzen Rechnung
zu tragen.
2. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
2.1. Vorbemerkung
2.1.1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt umrissen, die relevanten Straf-
zumessungsregeln in ihrem Entscheid aufgeführt und ebenso zutreffend fest-
gehalten, dass zwischen Tat- und Täterkomponente zu unterscheiden ist (vgl.
Urk. 41 S. 17 f.), worauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO).
- 24 -
2.2. Tatkomponente
2.2.1. Mit Bezug auf die objektive Tatkomponente ist vorauszuschicken, dass al-
lein der Steuerwert des vom Beschuldigten und seiner Ehefrau versteuerten Ver-
mögens sich per Ende 2012 auf Fr. 4'222'000.– belief, wobei der Beschuldigte im
Januar 2014 im Rahmen einer Selbstanzeige an das Kantonale Steueramt unter
anderem mehrere hunderttausend Franken Bargeld, mehrere hunderttausend
Euro Bankguthaben in Italien und ein zusätzliches Ferienhaus in Sardinien
(Urk. 6/2/1), insgesamt mindestens Fr. 2'535'000.– nachdeklarierte (Urk. 6/2/3).
Aufgrund dessen versteuerte er Ende 2016 ein höheres Vermögen von
Fr. 5'113'000.– (Urk. 16/4). Das Inventar in der Erbschaftsverwaltung über den
Nachlass der Erblasserin ergab ein Nachlassvermögen von netto Fr. 3'636'130.37
(Urk. 31/2). Ganz grundsätzlich ist somit davon auszugehen, dass für den Be-
schuldigten wie auch für die Privatklägerin erhebliche geldwerte Vor- und Nach-
teile auf dem Spiel standen und es dem Beschuldigten letztlich darum ging, diese
Ansprüche und allenfalls die uneingeschränkten Handlungsmöglichkeiten bei der
Abwicklung der Nachlassangelegenheit abzusichern, wohl aber auch darum, sich
eine möglichst günstige Position für gerichtliche Streitigkeiten oder aussergericht-
liche Verhandlungen zu verschaffen. Zumal, wie vorher dargelegt, zwar Anhalts-
punkte dafür bestehen, jedoch offen ist, ob ausser dem Testament vom
25. September 1990 weitere – aktuellere und noch gültige – Testamente der Erb-
lasserin existieren, muss zu Gunsten des Beschuldigten aber davon ausgegan-
gen werden, dass sich sein Vorgehen letztlich als Nullsummenspiel erwies und
als einigermassen unbedarft zu taxieren ist. Mehr als die bereits im Testament
vom 25. September 1990 erfolgte Einsetzung als Alleinerbe konnte er mit der Ein-
reichung seiner Fälschung nämlich nicht erreichen. Zudem war auch mit dem ge-
fälschten Testament nicht zu verhindern, dass – jedenfalls soweit Schweizer Erb-
recht zur Anwendung zu kommen hat – Pflichtteilsansprüche der Nachkommen zu
wahren sein würden. Insofern bestand für den Beschuldigte keine ernsthafte Aus-
sicht, tatsächlich alleine in den Genuss des gesamten Nachlasses der Erblasserin
zu kommen. Immerhin schreckte er nicht davor zurück, das gefälschte Testament
bei einer gerichtlichen Behörde einzureichen. Insgesamt ist das objektive Tatver-
schulden aber noch als eher leicht einzustufen. Die hypothetische Einsatzstrafe
- 25 -
wäre bei diesen Vorgaben im mittleren Bereich des unteren Drittels des Straf-
rahmens bei 9 bis 10 Monaten bzw. 270 bis 300 Tagessätzen anzusiedeln.
2.2.2. Was die subjektive Tatkomponente anbelangt, ist in teilweiser Relativierung
der unter dem Titel der objektiven Tatkomponente erfolgten Erwägungen der Vor-
instanz festzuhalten, dass sich aus gerade dargelegten Gründen letztlich nicht
beurteilen lässt, ob der Beschuldigte sich mit der Urkundenfälschung tatsächlich
über einen anderslautenden Willen der Erblasserin hinwegsetzte, konnten doch
entsprechende letztwillige Verfügungen bis heute nicht gefunden werden. Dass
der Beschuldigte letztlich aus finanziellen Beweggründen mit dem gefälschten
Testament eine Urkunde erstellte, welcher nicht nur im Behördenverkehr, sondern
auch innerhalb der Familie ein grosses Gewicht zukommt, ist aber dennoch als
äusserst egoistisch zu werten. Besonders verwerflich ist die Fälschung eines Tes-
taments und deren Verwendung auch deswegen, weil sie im Wissen erfolgt, dass
der Erblasserin als vermeintlicher Urheberin keine Richtigstellung mehr möglich
ist. Dass der Beschuldigte im Gedanken an den Tod einer derart nahestehenden
Person wie seiner Ehefrau oder allenfalls gar nach deren Tod zur Fälschung
schritt, obwohl seine Erbenstellung bereits bei Beachtung der gesetzlichen Erb-
folge unbestritten war und er sich angesichts seiner guten finanziellen Verhält-
nisse keine Sorgen um sein Auskommen zu machen brauchte, zeugt letztlich von
einiger krimineller Energie. Handkehrum ist zu seinen Gunsten festzuhalten, dass
er sich unter den gegebenen Umständen keinen allzu grossen zusätzlichen Ver-
mögensvorteil erhoffen konnte. Anhaltspunkte, dass die Schuldfähigkeit des Be-
schuldigten beeinträchtigt sein könnte, liegen bislang nicht vor. Das subjektive
Tatverschulden des Beschuldigten ist unter diesen Umständen als erheblich zu
qualifizieren.
2.2.3. Unter Berücksichtigung beider Tatkomponenten wiegt das Verschulden des
Beschuldigten nicht mehr leicht. Dementsprechend rechtfertigt es sich, eine Ein-
satzstrafe im oberen Bereich des unteren Drittels des Strafrahmens bei 12 Mona-
ten bzw. 360 Tagessätzen festzulegen.
- 26 -
2.3. Täterkomponente
2.3.1. Was den Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
anbelangt, ist in teilweiser Ergänzung des angefochtenen Entscheides (Urk. 23
S. 22) das Folgende auszuführen: Der heute 77-jährige Beschuldigte stammt aus
Italien. Seine beiden Töchter wurden 1968 und 1972 geboren; von jeder Tochter
hat der Beschuldigte einen Enkel. Er heiratete seine ebenfalls aus Italien stam-
mende Ehefrau, die Mutter der beiden Töchter, bereits in den sechziger Jahren
und lebte bis zu ihrem Tod 2013 mit ihr zusammen. Die letzten Jahre der Ehe
waren augenscheinlich stark durch die Krebserkrankung seiner Ehefrau im Jahr
2007 geprägt. Der heute pensionierte Beschuldigte war früher Wirt. Auf seine sehr
guten Vermögensverhältnisse wurde bereits hingewiesen; ebenso darauf, dass
ein Teil der ehelichen Vermögenswerte gegenüber den Schweizer Steuerbehör-
den erst 2014 deklariert wurden. Aus den Steuerunterlagen geht hervor, dass der
Beschuldigte in den Jahren 2014 bis 2016 nach wie vor ein Einkommen von rund
Fr. 200'000.– jährlich versteuerte. Er hat mit gesundheitlichen Problemen, einer
Herzkrankheit, chronischer Niereninsuffizienz und verengten Halsschlagadern zu
kämpfen und musste sich deswegen schon einer Operation unterziehen. Vorstra-
fen hat der Beschuldigte keine aufzuweisen (Urk. 7/1 S. 3; Urk. 16/1+4; Urk. 33/1
S. 6). An der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte ergänzend zu Proto-
koll, er sei damals im April 1958 zunächst alleine mit ca. Fr. 30.– und danach mit
seiner Ehefrau in die Schweiz gekommen und habe immer im Gastgewerbe und
drei Jahre auf einer Bank gearbeitet. Er habe mehrere Restaurants geführt, das
letzte während 25 Jahren, wobei es sich um das Restaurant N._ an der ...-
Strasse handle (Urk. 60 S. 2 ff.). Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich aus
der Lebensgeschichte des Beschuldigten nichts ergibt, was für die Strafzumes-
sung relevant wäre. Nachdem der Beschuldigte auf entsprechende Nachfrage an
der Berufungsverhandlung angab, dass es ihm gesundheitlich gut gehe (Urk. 60
S. 2), steht auch eine erhöhte Strafempfindlichkeit nicht mehr zur Diskussion.
2.3.2. Der Vorinstanz ist sodann darin zuzustimmen, dass sich der Beschuldigte
im bisherigen Strafverfahren nicht durch eine besondere Kooperation, Geständ-
nisbereitschaft oder Einsichtigkeit auszeichnete und sein Nachtatverhalten daher
- 27 -
keine Strafreduktion zulässt. Nachdem es viele Gründe für das Bestreiten der Tat
geben kann, ist aber ebenfalls auf eine Straferhöhung zu verzichten.
2.3.3. Im Resultat führt die Beurteilung der Täterkomponente weder zu einer
Erhöhung noch zu einer Senkung der nach der Beurteilung der Tatkomponente
bemessenen hypothetischen Einsatzstrafe. Der Beschuldigte ist damit mit einer
Freiheitsstrafe von 12 Monaten bzw. 360 Tagessätzen zu bestrafen.
3. Strafart
3.1. Eine Strafe von 360 Tagessätzen oder 12 Monaten konnte vor der aktu-
ellen Revision des Sanktionenrechts sowohl als Geldstrafe als auch als Freiheits-
strafe ausgefällt werden (Art. 34 und Art. 40 aStGB). Gemäss den neuen Ge-
setzesbestimmungen ist dagegen nur noch eine Freiheitsstrafe denkbar (Art. 34
und Art. 40 StGB), welche im Vergleich mit der Geldstrafe die härtere Sanktion
darstellt. Unter diesem Gesichtspunkt erweist sich das alte Recht als das mildere,
weshalb es bei dessen Anwendung bleibt.
3.2. Was die Wahl der Sanktionsart anbelangt, ist auf die inzwischen gefestigte
bundesgerichtliche Praxis zu verweisen, wonach die Geldstrafe nach der Konzep-
tion des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches die Hauptsanktion darstellt und
Freiheitsstrafen nur verhängt werden sollen, wenn der Staat keine anderen Mittel
hat, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Bei alternativ zur Verfügung ste-
henden Sanktionen ist mithin grundsätzlich diejenige zu wählen, welche weniger
stark in die persönliche Freiheit eines Beschuldigten eingreift, ihn mit anderen
Worten weniger hart trifft. Da die Geldstrafe gegenüber der Freiheitsstrafe, wie
bereits erwähnt, die weniger eingriffsintensive Sanktion und daher milder ist, ist
ihr der Vorzug zu geben (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2).
3.3. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb gegenüber dem Beschuldigten die-
ses Primat der Geldstrafe durchbrochen werden und er statt mit einer Geldstrafe
mit einer Freiheitsstrafe sanktioniert werden sollte. Folglich ist es angemessen,
ihn mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu bestrafen.
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4. Höhe des Tagessatzes
4.1. Ausgangspunkt für die Bemessung des Tagessatzes bildet das Einkom-
men, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst (Art. 34 Abs. 2 StGB;
BGE 134 IV 60 E. 6.1). An der Berufungsverhandlung aktualisierte der Beschul-
digte, ihm würden monatlich Fr. 9'100.– Pachtzins aus der Liegenschaft an der
...-Strasse zufliessen, wobei zusätzlich noch Einnahmen aus der Vermietung der
sich in diesem Haus befindlichen Einzel- und Doppelzimmer für Studenten hinzu-
kommen würden (Urk. 60 S. 6). Gestützt auf diese Angaben und ausgehend vom
2016 versteuerten Jahreseinkommen des Beschuldigten von Fr. 200'800.–, in
welchem bereits Steuerabzüge berücksichtigt sind, ist davon auszugehen, dass
dem Beschuldigten täglich ein Betrag von Fr. 550.– zufliesst.
4.2. Davon ist abzuziehen, was gesetzlich geschuldet ist, so die laufenden
Steuern, aber auch Beiträge an die obligatorische Kranken- und Unfallversiche-
rung, die hier in einem gewissen Masse bereits in die Berechnung des steuer-
baren Einkommens eingeflossen sein dürften. Angesichts der Steuerdaten 2016
(Urk. 16/4), welche wohlgemerkt auf einem Vermögen vor einer erbrechtlichen
Auseinandersetzung basieren, ist gemäss dem im Internet abrufbaren Steuer-
rechner von einer Steuerbelastung des Beschuldigten von jährlich rund
Fr. 58'000.– auszugehen. Weitere zu berücksichtigende Abzüge ergeben sich
weder aus den Akten noch der persönlichen Befragung an der Berufungsverhand-
lung (vgl. Urk. 60).
4.3. Ferner nennt das Gesetz das Vermögen des Beschuldigten als für die Be-
messung des Tagessatzes relevantes Kriterium (Art. 34 Abs. 2 StGB). Gemeint ist
die Substanz des Vermögens, da dessen Ertrag bereits Einkommen darstellt.
Gemäss Bundesgericht ist das Vermögen bei der Bemessung des Tagessatzes
nur (subsidiär) zu berücksichtigen, wenn besondere Vermögensverhältnisse ei-
nem vergleichsweise geringen Einkommen gegenüberstehen (BGE 134 IV 60
E. 6.2). Der Beschuldigte verfügt, wie erwähnt, über ein recht hohes Einkommen.
Aus den vorhandenen Steuerdaten ist zudem ersichtlich, dass das versteuerte
Vermögen mit Ausnahme des seiner Selbstanzeige geschuldeten Anstiegs 2014
über Jahre hinweg unverändert blieb, woraus zu schliessen ist, dass es nicht für
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die Lebensführung angezehrt wird. Unter diesen Umständen rechtfertigt sich eine
Erhöhung des Tagessatzes aufgrund des hohen Vermögens des Beschuldigten
nicht.
4.4. Gestützt auf diese Überlegungen erweist sich ein Tagessatz von Fr. 350.–
als angemessen.
5. Ergebnis
Im Ergebnis ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu
Fr. 350.– zu bestrafen.
IV. Vollzug
Die Vorinstanz äusserte sich zutreffend zu den Voraussetzungen, unter welchen
eine Strafe bedingt ausgesprochen werden kann (Urk. 41 S. 20). Die gleichen
Überlegungen gelten bei Ausfällung einer Geldstrafe statt einer Freiheitsstrafe.
Dass dem Beschuldigten der Strafaufschub unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren gewährt wird (Urk. 41 S. 20 f.), ist auch unter der neuen Prämisse an-
gemessen. Demzufolge ist der Vollzug der Geldstrafe aufzuschieben und die Pro-
bezeit auf 2 Jahre anzusetzen.
V. Zivilforderung
1. Vorbemerkung
1.1. Die Vorinstanz äusserte sich nur kurz zum Antrag der Privatklägerin um
Zusprechung von Schadenersatz (Urk. 41 S. 22). Sie verweist zunächst zutref-
fend auf die in Art. 41 OR statuierten Voraussetzungen für die Gutheissung eines
solchen Anspruchs. Unter Hinweis darauf, dass die Privatklägerin ihren Schaden
nicht habe beziffern können, die haftungsbegründenden Tatsachen aufgrund des
erstellten Anklagesachverhalts aber offensichtlich vorlägen, entschied sie sich da-
für, im Sinne des Antrags der Privatklägerin festzustellen, dass der Beschuldigte
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ihr aus dem in der Anklage eingeklagten Ereignis dem Grundsatz nach schaden-
ersatzpflichtig sei.
2. Voraussetzungen
Gemäss Art. 122 Abs. 1 StPO kann im Strafverfahren adhäsionsweise ein zivil-
rechtlicher Anspruch aus der Straftat geltend gemacht werden. Diese Möglichkeit
ist somit Ansprüchen vorbehalten, welche aus dem im Strafprozess beurteilten
Delikt entstanden. Mit anderen Worten ist erforderlich, dass es sich bei der Straf-
tat um das schädigende Ereignis handelt, welches zum Schaden führte. Nebst
Schaden und schädigender Handlung ist gemäss Art. 41 OR das Bestehen eines
Kausalzusammenhanges zwischen beidem notwendig.
3. Parteistandpunkte
3.1. Die Vertreterin der Privatklägerin sah im erstinstanzlichen Verfahren davon
ab, deren Zivilansprüche oder Teile davon zu beziffern. Zur Begründung erörterte
sie vor erster Instanz ebenso wie im Berufungsverfahren, dem Beschuldigten sei
es, da er nach wie vor die Stellung eines Alleinerben geniesse, bisher gelungen,
den Wert der Liegenschaft mittels mutmasslichen Gefälligkeitsgutachten weit un-
ter dem Wert zu halten. Dies schmälere sowohl den Anspruch der Privatklägerin
als gesetzliche Erbin als auch ihren Pflichtteilsanspruch. Ausserdem seien der
Privatklägerin grosse Unkosten in Zusammenhang mit der Anfechtung des Tes-
taments entstanden (Urk. 30 S. 15). Um als Tochter der Erblasserin ihren Pflicht-
teilsanspruch nicht zu verlieren, sei die Privatklägerin gezwungen gewesen, innert
eines Jahres Klage einzuleiten (Urk. 30 S. 14; Urk. 63 S. 25).
3.2. Der Beschuldigte verlangte vor erster Instanz, auf die Zivilklage sei gar
nicht einzutreten, weil die allgemeinen Prozessvoraussetzungen nicht erfüllt sei-
en, habe doch die Privatklägerin in Italien einen Zivilprozess in Erbschaftssachen
gegen den Beschuldigten erhoben. In jenem Verfahren gehe es um erbrechtliche
Ansprüche der Privatklägerin (Urk. 33/2 S. 1). An der Berufungsverhandlung liess
der Beschuldigte ergänzend geltend machen, in der Strafanzeige vom Oktober
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2014 habe sich die Privatklägerin noch nicht als solche konstituiert, die Konstituie-
rung sei erst im Mai 2015 – mithin zu spät – erfolgt (Urk. 61 S.28 f.).
4. Erwägungen
4.1. Entgegen der Verteidigung und mit der Vertreterin der Privatklägerin
(Urk. 63 S. 25) konstituierte sich die Privatklägerin mit Einreichung der Straf-
anzeige vom 14. Oktober 2014 sowohl als Strafklägerin, als auch als Zivilklägerin,
und dies bevor Anhängigmachung des Zivilprozesses am 9. Dezember 2014,
weshalb kein Prozesshindernis besteht. Die Vorinstanz stellte zu Recht fest, dass
die Privatklägerin sich offensichtlich bereits im Strafprozess als Privatklägerin
konstituiert hatte, bevor sie den von den Parteien erwähnten Zivilprozess in Italien
einleitete. Da es dort ausserdem um die erbrechtlichen Ansprüche zu gehen
scheint, wie dies auch anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigt wurde
(Prot. II S. 5), ist mit Bezug auf die Schadenersatzfrage keine anderweitige
Rechtshängigkeit erkennbar. Ein Nichteintreten auf die bzw. eine Abweisung der
Klage wegen des in Italien hängigen Prozesses kommt daher nicht in Betracht.
4.2. In materieller Hinsicht ist zu bemerken, dass sich aus der Begründung der
Privatklägerin die für einen Schaden ihrerseits erforderliche Kausalität des straf-
baren Verhaltens des Beschuldigten nicht ansatzweise ersehen lässt. Der Be-
schuldigte befände sich angesichts der heute bekannten Umstände nämlich auch
ohne die ihm vorgeworfene Testamentsfälschung in der Stellung des Alleinerben
und die Privatklägerin sich in der genau gleichen Situation wie jetzt. Insofern ist
auch ein spezifisch durch die strafbare Handlung entstandener Schaden nicht
ansatzweise dargetan. Würde die vom Beschuldigten begangene Testaments-
fälschung weggedacht, wäre das echte Testament vom 25. September 1990 zum
Zug gekommen, was dieselben Konsequenzen wie das gefälschte Testament ge-
habt hätte. Soweit also überhaupt von einem Schaden der Privatklägerin ge-
sprochen werden kann, wäre ein solcher auch ohne die strafbare Handlung des
Beschuldigten eingetreten. Davon, dass im heutigen Zeitpunkt mit genügender
Klarheit vom Vorliegen des erforderlichen Kausalzusammenhangs und damit von
allen haftungsbegründenden Tatsachen ausgegangen werden kann, kann daher
keine Rede sein. Ferner sind bislang keine Belege für eine innert Jahresfrist ein-
- 32 -
gereichte kostenverursachende Anfechtung des gefälschten Testaments durch
die Privatklägerin vorhanden. Unter all diesen Umständen sind die Voraussetzun-
gen für einen Entscheid über den Grundsatz der Haftpflicht im Sinne von Art. 126
Abs. 3 StPO, der das Zivilgericht in der betreffenden Teilfrage binden würde, nicht
gegeben. Angesichts dessen und der unzureichenden Begründung und Beziffe-
rung des Zivilanspruchs ist die Privatklägerin somit umfassend auf den Weg des
Zivilprozesses zu verweisen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren
1.1. Angesichts des Ergebnisses des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kos-
tenfestsetzung zu bestätigen (Art. 428 Abs. 3 StPO). Sodann ist zu sagen, dass
die Änderungen hinsichtlich Bestrafung und Regelung des Zivilanspruchs keine
Anpassung der Kostenauflage an den Beschuldigten rechtfertigen. Insbesondere
nahm der Zivilpunkt im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Prozess nicht derart
viel Raum ein, dass sich eine Kostenauflage an die Privatklägerin im Sinne von
Art. 427 Abs. 1 lit. c StPO rechtfertigen würde. Entsprechend dem Antrag der Ver-
treterin der Privatklägerin (Urk. 63 S. 26) ist auch das vorinstanzliche Entschädi-
gungsdispositiv zu bestätigen.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2.3. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte insofern überwiegend,
als er schuldig gesprochen wird. Mit seinen übrigen Anträgen obsiegt er insoweit,
als die Zivilklage der Privatklägerin gänzlich auf den Zivilweg zu verweisen und
die Strafhöhe herabzusetzen ist, wobei letzteres zur Folge hat, dass die Strafe als
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Geldstrafe ausgesprochen werden kann. Die Privatklägerin unterliegt hinsichtlich
ihres Antrages betreffend Zivilpunkt. Die Verfahrenskosten sind vor diesem Hin-
tergrund zu 9/10 dem Beschuldigten und zu 1/10 der Privatklägerin aufzuerlegen.
2.4. Nach Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO hat die Privatklägerschaft gegenüber der
beschuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige
Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt. Bei der Entscheidung, ob eine
Parteientschädigung geschuldet ist, wird gemäss der zitierten Bestimmung auf
den zivilprozessualen Grundsatz des Obsiegens abgestellt. Die Privatklägerschaft
obsiegt, wenn die beschuldigte Person verurteilt wird oder wenn sie im Zivilpunkt
durchdringt (EYMANN, Die Parteientschädigung an die Privatklägerschaft im Straf-
prozess, forumpoenale 5/2013, S. 314). Hinsichtlich der Anspruchsvoraussetzung
des Obsiegens ist dabei zwischen Aufwendungen zum Strafpunkt einerseits und
zum Zivilpunkt andererseits zu unterscheiden. Wenn die Privatkläger hinsichtlich
des Strafpunktes obsiegen, sind die damit zusammenhängenden Anwaltskosten
oder anderweitigen Auslagen zu entschädigen. Gegenteiliges gilt aber klarerweise
für jene Aufwendungen, welche einzig den Zivilpunkt betreffen, sofern die Zivil-
forderungen der Privatkläger auf den Zivilweg verwiesen werden. Denn für den
Fall, dass die Zivilansprüche vollumfänglich auf den Zivilrechtsweg verwiesen
werden, rechtfertigt es sich nicht, der Privatklägerschaft eine Entschädigung für
ihre Aufwendungen betreffend den Zivilpunkt zuzusprechen und es ist vielmehr
die beschuldigte Person hinsichtlich ihrer Aufwendungen zum Zivilpunkt ent-
schädigungsberechtigt (WEHRENBERG/FRANK, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.],
BSK StPO II, 2. Auflage, Basel 2014, Art. 433 N 10 ff.).
2.5. Nachdem der Beschuldigte vorliegend zu verurteilen ist, obsiegt die Privat-
klägerin hinsichtlich des Strafpunktes, weshalb die damit zusammenhängenden
Anwaltskosten und Auslagen zu entschädigen sind. Da die Privatklägerin mit ih-
ren Zivilanspruch vollumfänglich auf den Zivilweg zu verweisen ist, sind ihre
diesbezüglichen Aufwendungen, welche einzig den Zivilpunkt betreffen, in einem
Zivilverfahren geltend zu machen.
2.6. Sodann gilt auch hier, dass der Beschuldigte, soweit er obsiegt, gemäss
Art. 432 Abs. 1 StPO gegenüber der Privatklägerschaft Anspruch auf ange-
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messene Entschädigung für die durch die Anträge zum Zivilpunkt verursachten
Aufwendungen hat. Damit ist – infolge des Verweises auf den Zivilrechtsweg –
der Beschuldigte hinsichtlich seiner Aufwendungen zum Zivilpunkt entschädi-
gungsberechtigt. Im Lichte einer interessengemässen Gewichtung der Anträge
zum Zivil- und Strafpunkt rechtfertigt es sich vorliegend, der Privatklägerin eine
um 1/4 reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen.
2.7. Die Vertreterin der Privatklägerin hat mit ihrem Plädoyer ihre Honorarnote
(Urk. 64) samt Mandatsvereinbarung (Urk. 65) eingereicht. In der genannten Ho-
norarnote hat sie für ihren Aufwand im Berufungsverfahren vom 24. Mai 2017 bis
am 19. Dezember 2017 einen Aufwand von Fr. 1'007.95 (inkl. 8% MwSt.) und ab
16. Januar 2018 bis am 6. Februar 2018 einen Aufwand von Fr. 10'209.10 (inkl.
7,7% MwSt.) geltend gemacht, was einer Forderung von insgesamt Fr. 11'217.05
(inkl. MwSt.) entspricht (Urk. 64). Der geltend gemachte Aufwand ist sowohl aus-
gewiesen wie auch angemessen und demzufolge zu entschädigen. Weiter ist ein
Zuschlag für die Berufungsverhandlung vom 12. Februar 2018, das Studium des
Urteils sowie eine Nachbesprechung mit der Privatklägerin im Umfang von
6 Stunden zu entschädigen, was einer Forderung von Fr. 2'261.70 (6h à Fr. 350.–
= Fr. 2'100.– + 7,7% MwSt.) entspricht. Insgesamt ist damit für den Aufwand im
Berufungsverfahren von einer Forderung von total Fr. 13'478.75 auszugehen, wo-
von der Privatklägerin eine um einen 1/4 reduzierte Prozessentschädigung in der
Höhe von Fr. 10'109.05 zuzusprechen ist.
2.8. Folglich ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin für das Be-
rufungsverfahren eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 10'109.05 zu be-
zahlen.
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