Decision ID: c94b9888-5523-5178-be3b-3e43d6e15f57
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie aus B._, Jaffna-Distrikt (Nordprovinz) – suchte am 30. De-
zember 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Er machte im Wesentlichen
geltend, er habe sich nach Abschluss der Schule im Jahr 1997 ins Vanni-
Gebiet begeben, wo er an verschiedenen Orten gelebt habe. Dabei habe
er für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zunächst in einer Garage
und später in einer Märtyrergedenkstätte gearbeitet. Im Jahr 2000 sei er
vom Vanni-Gebiet nach Jaffna zurückgekehrt und habe dort in einem La-
den gearbeitet. Als er einmal Geld des Geschäftsinhabers habe auf die
Bank bringen wollen und er bei einem Militärcamp vorbeigegangen sei,
hätten ihn Soldaten angehalten, ins Camp mitgenommen, dort während
vier Stunden festgehalten und geschlagen. Er wisse nicht, weshalb er von
den Soldaten Schläge erhalten habe. Die Soldaten hätten aber damals die
Personen, die am Camp vorbeigegangen seien, üblicherweise geschlagen.
Aus Angst habe ihn danach seine Familie nach C._ geschickt, wo
er sich in den Jahren 2001 bis 2014 – mit einem längeren Unterbruch, als
er Ende 2010 nach D._/Jaffna zurückgekehrt und mit seiner Frau
die Ehe eingegangen sei – immer aufgehalten habe und dort einer Arbeit
nachgegangen sei. In C._ habe er regelmässig Spendengelder an
LTTE-Leute entrichtet. Drei Tage nach seiner ersten Rückkehr aus
C._ respektive im September 2010 sei er von Spionen des Militärs
gerufen und zu seiner langjährigen Landesabwesenheit befragt worden. Er
habe seine zehnjährige Abwesenheit so begründet, dass er aus Armut be-
ziehungsweise aus familiären Gründen ausgereist sei. Danach sei er nicht
weiter behelligt worden. Nach seiner zweiten Rückkehr aus C._ im
Frühjahr 2014 sei er von den sri-lankischen Behörden erneut aufgrund sei-
nes langjährigen Auslandaufenthalts befragt, indessen nicht weiter behel-
ligt worden, nachdem er erklärt habe, zwecks finanzieller Versorgung sei-
ner Familie im Ausland gearbeitet zu haben. Im selben Jahr habe ihn eine
unbekannte Person mit einem Messer attackiert und an der linken Schulter
verletzt. Er habe sich in der Folge im Spital verarzten lassen, jedoch auf
Anraten seiner Familie auf eine Anzeige bei der Polizei verzichtet. Zwi-
schen diesem Vorfall und seiner Ausreise im Dezember 2015 sei er zwi-
schen dem Wohnort seiner Mutter und demjenigen seiner Ehefrau hin- und
hergependelt.
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B.
Mit Verfügung vom 25. Oktober 2017 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Eine
am 27. November 2017 gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde
lehnte das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6759/2017 vom 24. Sep-
tember 2020 ab.
C.
C.a Am 12. Mai 2021 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-
vertreter eine als "Neues Asylgesuch; Mitteilung an kantonale Behörden;
sofortiger Vollzugsstopp" bezeichnete Eingabe ein, welche das SEM als
Mehrfachgesuch im Sinne der Bestimmungen von Art. 111c AsylG
(SR 142.31) entgegennahm.
Darin machte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen
geltend, die Menschenrechtslage in Sri Lanka habe sich seit dem Urteil des
BVGer D-6759/2017 vom 24. September 2020 dermassen fundamental
verschlechtert, dass in Bezug auf eine begründete Furcht vor einer asylre-
levanten Verfolgung mittlerweile von einem Paradigmenwechsel gespro-
chen werden müsse. Dies gehe sowohl aus dem von ihm selbst verfassten
Länderbericht zu Sri Lanka in der Fassung vom 4. April 2021 als auch aus
einem Bericht des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte (OH-
CHR) vom 9. Februar 2021 hervor. In Letzterem würden die politischen und
menschenrechtlichen Entwicklungen in Sri Lanka der letzten Jahre als be-
deutend und lageverändernd eingestuft und die Mitgliedstaaten der UNO
(darunter auch die Schweiz) aufgefordert, ihre Asylpraxis in Bezug auf Sri
Lanka zu überprüfen.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Lageveränderung in Sri Lanka und ins-
besondere des Ausbaus des Prevention of Terrorism Act (PTA) vom
12. März 2021 sei sein Mandant aufgrund seiner LTTE-Helfertätigkeit akut
von einer bis zu zwei Jahre dauernden Rehabilitationshaft bedroht.
Aufgrund der in den Berichten aufgezeigten Entwicklungen und seines
Hochrisikoprofils habe zwingend eine neue Prüfung seines Gefährdungs-
profils zu erfolgen. Als massgebliche Risikofaktoren seien seine eigenen
sowie seine familiären Verbindungen zu den LTTE und seine Zugehörigkeit
zur sozialen Gruppe der "Rückkehrer" zu betrachten, welche nach langer
Landesabwesenheit aus einem im Sinne des tamilischen Separatismus als
radikal geltenden Gebiet oder Land nach Sri Lanka zurückkehren würden.
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Mit der kürzlich erfolgten Erweiterung des PTA vom 12. März 2021 bestehe
bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka deswegen die Gefahr einer umgehen-
den Verhaftung wegen Verdachts auf eine extremistische Gesinnung.
Zusammenfassend ergebe sich, dass er angesichts der aktuellen Entwick-
lungen in Sri Lanka, seines Hochrisikoprofils und seines langjährigen Auf-
enthalts in der Schweiz zum heutigen Zeitpunkt bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt wäre,
weshalb ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewäh-
ren sei. Eventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm die vorläufige Auf-
nahme in der Schweiz zu gewähren.
C.b Mit Eingabe vom 19. Mai 2021 beantragte der Rechtsvertreter den
Ausstand des für die Behandlung des Mehrfachgesuchs zuständigen Sek-
tionschefs E._ und seiner gesamten Sektion wegen Befangenheit.
D.
Mit Verfügung vom 9. Juni 2021 – eröffnet am 17. Juni 2021 – wies das
SEM den Antrag auf Anhörung des Beschwerdeführers ab, trat auf das
Mehrfachgesuch sowie auf das Ausstandsbegehren gegen Sektionschef
E._ und dessen Mitarbeitende nicht ein, verfügte die Wegweisung
des Beschwerdeführers aus der Schweiz unter Einschluss des Wegwei-
sungsvollzugs und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–.
E.
Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechts-
vertreters vom 24. Juni 2021 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er bean-
tragte, die Verfügung des SEM vom 9. Juni 2021 sei aufzuheben und die
Sache zur korrekten Behandlung als neues Asylgesuch an das SEM zu-
rückzuweisen [2]. Eventuell sei die Verfügung wegen Verletzung der Be-
gründungspflicht und unvollständiger sowie unrichtiger Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen [3]. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben, seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu ge-
währen [4]. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben und die Unzulässigkeit
oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen [5]. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, das Bundesverwaltungsgericht
habe nach dem Eingang der vorliegenden Beschwerde unverzüglich dar-
zulegen, welche Gerichtspersonen mit der Behandlung der vorliegenden
Sache betraut würden. Gleichzeitig habe das Gericht bekanntzugeben, wie
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diese Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Falls in diese Auswahl
eingegriffen worden sei, habe das Gericht die objektiven Kriterien für deren
Auswahl bekanntzugeben. Dazu sei ihm Einsicht in die Datei der Software
des Bundesverwaltungsgerichts zu gewähren, mit welcher diese Auswahl
nach Eingang der Beschwerde kreiert worden sei und es sei offenzulegen,
wer diese Auswahl getroffen habe [1].
F.
Mit Schreiben vom 25. Juni 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der vorliegenden Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die fristge-
recht und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG;
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist unter Vor-
behalt der nachstehenden Ausführungen in E. 5.5 einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
Prüfungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet ent-
sprechend dem Hauptantrag [2] die Frage, ob das SEM gemäss Art. 111c
Abs. 1 Satz 1 AsylG zu Recht auf das Mehrfachgesuch vom 12. Mai 2021
nicht eingetreten ist. Das Bundesverwaltungsgericht enthält sich, sofern sie
den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig erachtet, einer selbstän-
digen materiellen Prüfung; es hebt die angefochtene Verfügung auf und
weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl.
BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.). Die Frage der Wegweisung und des Vollzugs
der Wegweisung ist jedoch materiell zu prüfen.
5.
5.1 Der Antrag auf Bekanntgabe des Spruchkörpers wird mit Erlass des
vorliegenden Urteils gegenstandslos.
5.2 Die Spruchkörperzusammensetzung wurde von einer Mitarbeiterin der
Abteilung IV am 25. Juni 2021 mit Hilfe eines EDV-basierten Zuteilungs-
systems generiert; Eingriffe in das Spruchkörpergenerierungssystem wur-
den nicht vorgenommen.
5.3 Gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG haben die Partei oder ihr Vertreter An-
spruch darauf, in ihrer Sache folgende Akten einzusehen: Eingaben von
Parteien und Vernehmlassungen von Behörden (Bst. a), alle als Beweis-
mittel dienenden Aktenstücke (Bst. b) und Niederschriften eröffneter Verfü-
gungen (Bst. c). Die Software, mit welcher das Bundesverwaltungsgericht
den Spruchkörper bestimmt, welcher die bei ihm eingereichten Rechtsmit-
tel beurteilt, ist als solche keine das konkrete Verfahren betreffende Akte,
in die Einsicht gewährt werden könnte. Der im Rechtsbegehren [1] mitent-
haltene Antrag, es sei Einsicht in die Datei der Software zu gewähren, mit
der die Bestimmung des Spruchkörpers vorgenommen worden sei, ist da-
her abzuweisen.
5.4 In der Beschwerde wird beantragt, es sei eine Nachfrist zur Beschwer-
deverbesserung anzusetzen, falls das Bundesverwaltungsgericht "wider
Erwarten" die Rechtmässigkeit des Nichteintretensentscheids des SEM
vom 9. Juni 2021 auf das Mehrfachgesuch bejahen sollte (vgl. Beschwerde
S. 3, Ziff. 3). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Be-
schwerde vom 24. Juni 2021 in Bezug auf den Prüfungsgegenstand des
vorliegen Verfahrens eine hinlängliche Begründung enthält (vgl. E. 6). Im
Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Regelung von Art. 52 Abs. 2
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VwVG bezweckt, eine aus Versehen oder mangels Rechtskenntnissen be-
gangene Unterlassung beheben zu können (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
Rz. 2.236). Solches kann in Bezug auf die Person des Rechtsvertreters im
vorliegenden Beschwerdeverfahren, der als Anwalt seit Jahrzehnten ins-
besondere auf dem Gebiet des Asyls tätig ist, nicht angenommen werden.
Der Antrag ist daher abzuweisen.
5.5 Die angefochtene Verfügung enthält keine Regelung in Bezug auf die
Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. Wie erwähnt bildet Gegen-
stand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens mithin einzig die Frage, ob
das SEM auf das Mehrfachgesuch zu Recht nicht eingetreten ist oder nicht
(vgl. E. 4 hiervor). Auf das Eventualbegehren, es die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl
zu gewähren [4], ist demnach nicht einzutreten.
6.
6.1 Zur Begründung des Rechtsbegehrens [2] wird geltend gemacht, das
SEM sei zu Unrecht auf sein Mehrfachgesuch nicht eingetreten, weshalb
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur korrekten Be-
handlung als neues Asylgesuch an das SEM zurückzuweisen sei. Das
Asylgesuch vom 12. Mai 2021 sei ausführlich und detailliert begründet wor-
den. Das SEM habe sich in seinem Entscheid vom 9. Juni 2021 materiell
mit den darin geschilderten Gründen auseinandergesetzt (vgl. a.a.O.
S. 5 f., IV/ Ziff. 2), weshalb es sich bei der vorliegend angefochtenen Ver-
fügung um eine materielle Abweisung des Asylgesuchs vom 12. Mai 2021
handle, welche innert der gesetzlichen Frist von 30 Tagen bei der zustän-
digen Rechtsmittelinstanz anfechtbar sei. Trotz dieser materiellen Ausei-
nandersetzung bezeichne das SEM den Entscheid vom 9. Juni 2021 als
"Nichteintretensentscheid" und habe eine Beschwerdefrist von fünf Arbeits-
tagen angesetzt. Dies offensichtlich einzig in der Absicht, die ordentliche
Beschwerdefrist unrechtmässig zu verkürzen. Um auch diese unzutref-
fende Frist vorsorglich zu wahren, werde innert dieser Frist die vorliegende
Beschwerde eingereicht. Da es sich bei der Verfügung vom 9. Juni 2021
indessen um einen materiellen Entscheid handle und die hierfür vorgese-
hene 30-tägige Beschwerdefrist erst am 19. Juli 2021 ablaufe, werde die
vollständige und inhaltlich begründete Beschwerde erst auf dieses Datum
hin folgen.
6.2 Zum Einwand, das SEM sei faktisch auf das Mehrfachgesuch vom
12. Mai 2021 eingetreten, ist Folgendes festzuhalten: Das SEM stellte in
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seinem Entscheid vom 9. Juni 2021 zunächst fest, dass es sich hinsichtlich
des individuellen Gefährdungsprofils des Beschwerdeführers gestützt auf
die von ihm geltend gemachten Risikofaktoren – namentlich seine eigenen
und seine familiären Verbindungen zu den LTTE sowie seine Zugehörigkeit
zur Gruppe der "Rückkehrer" um Sachverhaltselemente beziehungsweise
Vorbringen handle, die im bisherigen ordentlichen Asylverfahren bereits
rechtskräftig beurteilt worden seien und deshalb nicht mehr Gegenstand
des vorliegenden Mehrfachgesuchs sein könnten. Darüber hinaus hielt das
SEM fest, die im Gesuch namhaft geltend gemachten innenpolitischen Ent-
wicklungen hätten, wie vom Gericht bereits im Urteil D- 6759/2017 vom
24. September 2020 E. 10.3 festgestellt, keinen konkreten beziehungs-
weise individuellen Bezug zu seiner Person aufgewiesen. Eine hinrei-
chende Subsumption im Einzelfall, welche Voraussetzung für die individu-
elle Prüfung einer Verfolgungsfurcht wäre, sei auch im Mehrfachgesuch
vom 12. Mai 2021 nicht vorgenommen worden. Tatsächlich reicht es nicht
aus, pauschal auf politische Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit o-
der mögliche Zukunftsszenarien zu verweisen, um hieraus eine konkrete
Verfolgungsgefahr für eine bestimmte Person ableiten zu können. Es ist
demnach festzustellen, dass das Mehrfachgesuch keine genügend sub-
stanziierte Begründung für das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers
enthält und darin lediglich auf das – bereits im vorangegangenen Verfahren
beurteilten – Risikoprofil des Beschwerdeführers verwiesen wird, ohne
dass ein hinreichend persönlicher Bezug zwischen seiner Person und der
aktuellen politischen Entwicklung in seiner Heimat hergestellt wird. Inso-
fern hat sich die Vorinstanz nicht materiell mit den Vorbringen auseinan-
dergesetzt, sondern dargelegt, weshalb sie die im Mehrfachgesuch als neu
und rechtserheblich bezeichneten Sachverhaltselemente als nicht genü-
gend substanziiert respektive auf die Person des Beschwerdeführers indi-
vidualisiert erachtete, um auf dessen Gesuch eintreten zu müssen. Nach
diesen Erwägungen ist die gewählte Erledigungsform nicht zu beanstan-
den, zumal die Vorinstanz auf unbegründete Mehrfachgesuche gemäss
Art. 111c AsylG nicht eintreten muss (vgl. BVGE 2014/39 E. 7).
6.2 Hinsichtlich des in der Beschwerde formulierten Eventualantrags, die
angefochtene Verfügung sei wegen Verletzung der Begründungspflicht und
unvollständiger sowie unrichtiger Abklärung des rechtserheblichen Sach-
verhalts aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen [3],
ist festzuhalten, dass aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich ist, inwieweit
die Vorinstanz ihre Begründungspflicht verletzt beziehungsweise eine un-
vollständige oder unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
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vorgenommen haben sollte. Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung hinrei-
chend darlegt, weshalb sie das Mehrfachgesuch für unzureichend begrün-
det hält (vgl. auch E. 6.2 hiervor). Die angefochtene Verfügung enthält auch
– im angemessenen Rahmen der Begründung eines Nichteintretensent-
scheids, in welchem gerade keine materielle Prüfung stattfinden soll – eine
Darstellung des Sachverhalts, die genügend ist, um nachvollziehen zu kön-
nen, weshalb das SEM die neu geltend gemachten Vorbringen des Be-
schwerdeführers als nicht genügend individualisiert auf seine Person be-
zogen erachtete, als dass es auf das Gesuch hätte eintreten müssen. Allein
aus dem Umstand, dass das SEM die im Gesuch neu geltend gemachten
Sachvorbringen nicht so beurteilt wie vom Beschwerdeführer gewünscht,
lässt sich weder auf eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung noch auf eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs, namentlich der Begründungspflicht,
schliessen. Das Eventualbegehren [3] ist somit ebenfalls abzuweisen.
6.3 Demnach hat das SEM in zutreffender Weise das Erfordernis einer
ausreichenden Begründung im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG als nicht
erfüllt erachtet und ist zu Recht in Anwendung von Art. 13 Abs. 2 VwVG auf
das Mehrfachgesuch nicht eingetreten. Die Beschwerde ist demzufolge
hinsichtlich des Hauptbegehrens [2] und des Eventualantrags [3] abzuwei-
sen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der
Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.
7.2 Bezüglich der Prüfung allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse
kann auf die Erwägungen im Urteil des BVGer D-6759/2017 vom 24. Sep-
tember 2020 verwiesen werden. Darin wurde einlässlich dargelegt, wes-
halb der Vollzug der Wegweisung in Bezug auf den Beschwerdeführer
nach Sri Lanka zulässig, zumutbar und möglich ist (E. 12). An dieser Ein-
schätzung vermögen auch die politischen Entwicklungen in Sri Lanka seit
dem Urteil D-6759/2017 respektive die diesbezüglichen Ausführungen im
Mehrfachgesuch vom 12. Mai 2021 nichts zu ändern. Im Übrigen ist auf die
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (S. 6 f.) zu verweisen.
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7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM den Wegweisungsvoll-
zug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. Die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83
Abs. 1–4 AIG). Das in der Beschwerde formulierte Eventualbegehren, es
sei die Unzulässigkeit oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
festzustellen [5], ist abzuweisen.
8.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes-
recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie voll-
ständig festgestellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen,
soweit auf diese einzutreten ist.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten von Fr. 1500.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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