Decision ID: 728a9b87-eee4-424b-bdbd-a2ea81661724
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») am 25. April 2022 einen Aus-
lieferungshaftbefehl gegen den rumänischen Staatsangehörigen A. erliess
(act. 1.2);
- A., vertreten durch Rechtsanwalt Constantin Sperneac-Wolfer, mit Be-
schwerde vom 28. April 2022 (vorab per Fax; Ankunft an Grenzstelle im Be-
stimmungsland und Übergabe an Inlandsortierung 30. April 2022; Postein-
gang 2. Mai 2022) an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ge-
langt und beantragt, es sei der Auslieferungshaftbefehl aufzuheben und er
sei vorsorglich, bis zur Beendigung des Verfahrens vorläufig freizulassen
(act. 1);
- RA Sperneac-Wolfer mit E-Mail und Fax vom 2. Mai 2022 ein Zustellungs-
domizil in der Schweiz mitteilte (act. 2, 2.1);
- die Beschwerdekammer mit Schreiben vom 4. Mai 2022 (vorab per Fax) RA
Sperneac-Wolfer ersuchte, die Bezeichnung des Zustellungsdomizils in der
Schweiz schriftlich mit (Original-)Unterschrift baldmöglichst bzw. spätestens
bis zum 10. Mai 2022 einzureichen, mit dem Hinweis, dass ohne gültige Be-
zeichnung eines Zustellungsdomizils in der Schweiz Verfügungen und Ent-
scheide auf dem diplomatischen/konsularischen bzw. staatsvertraglich ver-
einbarten Weg zuzustellen sind (act. 3);
- das BJ mit Schreiben vom 5. Mai 2022 der Beschwerdekammer ein an «Tri-
bunalul Penal Federal» gerichtetes handschriftliches Schreiben vom 27. Ap-
ril 2022 (Datierung Umschlag; Poststempel: 2. Mai 2022) von A. persönlich
zuständigkeitshalber weiterleitete (act. 4, 4.1, 4.2);
- am 9. Mai 2022 die von RA Sperneac-Wolfer unterzeichnete Bezeichnung
des Zustellungsdomizils in der Schweiz bei der Beschwerdekammer einging
(act. 5, 5.1);
- die Beschwerdekammer mit Schreiben vom 9. Mai 2022 RA Sperneac-Wol-
fer einlud, dem Gericht bis zum 16. Mai 2022 mitzuteilen, was A. mit seiner
handschriftlichen Eingabe vom 27. April 2022 dem Gericht mitzuteilen beab-
sichtigte, mit der Androhung, dass bei unbenutztem Fristablauf die Eingabe
unbeachtet bleibt (act. 6);
- innert Frist und bis heute keine weiteren Eingaben in der Sache festgestellt
werden konnten.
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- die verfolgte Person gegen den Auslieferungshaftbefehl des BJ innert zehn
Tagen ab der schriftlichen Eröffnung Beschwerde bei der Beschwerdekam-
mer des Bundesstrafgerichts führen kann, wobei für das Beschwerdeverfah-
ren die Art. 379–397 StPO sinngemäss gelten (Art. 48 Abs. 2 i.V.m. Art. 47
IRSG);
- im Übrigen die allgemeinen Bestimmungen des IRSG und des VwVG gelten
(vgl. Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG);
- Eingaben in einer der vier Amtssprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch,
Rätoromanisch für rätoromanisch Sprechende) zu verfassen sind (vgl.
Art. 33a VwVG; vgl. auch zuletzt u.a. Entscheid des Bundesstrafgerichts
RH.2021.11 vom 13. September 2021);
- die handschriftliche Eingabe des Beschwerdeführers vom 27. April 2022 in
keiner der vier Amtssprachen verfasst ist;
- innert angesetzter Nachfrist keine Überarbeitung der Eingabe einging (vgl.
Art. 110 Abs. 4 StPO, Art. 385 Abs. 2 StPO; siehe auch Art. 52 Abs. 2 VwVG);
- die handschriftliche Eingabe des Beschwerdeführers vom 27. April 2022 da-
mit androhungsgemäss unbeachtet bleibt;
- die Verhaftung der verfolgten Person während des ganzen Auslieferungsver-
fahrens die Regel bildet (BGE 136 IV 20 E. 2.2 S. 23; 130 II 306 E. 2.2
S. 309);
- eine Aufhebung des Auslieferungshaftbefehls sowie eine Haftentlassung
sich nur ausnahmsweise rechtfertigen, wenn der Verfolgte sich voraussicht-
lich der Auslieferung nicht entzieht und die Strafuntersuchung nicht gefähr-
det (Art. 47 Abs. 1 lit. a IRSG), wenn er den sogenannten Alibibeweis erbrin-
gen und ohne Verzug nachweisen kann, dass er zur Zeit der Tat nicht am
Tatort war (Art. 47 Abs. 1 lit. b IRSG), wenn er nicht hafterstehungsfähig ist
oder andere Gründe vorliegen, welche eine weniger einschneidende Mass-
nahme rechtfertigen (Art. 47 Abs. 2 IRSG), oder wenn sich die Auslieferung
als offensichtlich unzulässig erweist (Art. 51 Abs. 1 IRSG);
- ein Auslieferungsersuchen offensichtlich unzulässig sein kann, wenn ohne
jeden Zweifel und ohne weitere Abklärungen ein Ausschlussgrund vorliegt
(vgl. BGE 111 IV 108 E. 3a);
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- im Übrigen die Vorbringen gegen die Auslieferung als solche oder gegen die
Begründetheit des Auslieferungsbegehrens nicht im vorliegenden Beschwer-
deverfahren, sondern im eigentlichen Auslieferungsverfahren zu prüfen sind
(vgl. zuletzt u.a. Entscheid des Bundesstrafgerichts RH.2021.12 vom 7. Ok-
tober 2021 E. 3 mit Hinweis);
- das Vorbringen des Beschwerdeführers, dass das alleinige sachlich und ört-
lich zuständige Gericht in Deutschland den portugiesischen Auslieferungs-
befehl nicht umgesetzt habe, nicht erlaubt, ohne jeden Zweifel und ohne wei-
tere Abklärungen anzunehmen, es liege ein Ausschlussgrund vor;
- ein von den deutschen Behörden getroffener Entscheid, den Beschwerde-
führer nicht an Portugal auszuliefern, für die schweizerischen Behörden nicht
bindend ist; die schweizerischen Behörden Auslieferungsersuchen aufgrund
eigener Sachverhaltsfeststellung und Rechtsanwendung zu beurteilen ha-
ben (TPF 2015 68 E. 8.1; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2016.300
vom 28. Dezember 2016 E. 6.2; RH.2016.11 vom 26. September 2016
E. 4.3);
- der Beschwerdeführer somit keine stichhaltigen Gründe geltend macht, wes-
halb sich die vorliegend verfügte Auslieferungshaft als unzulässig oder als
unverhältnismässig erweisen würde;
- den vorliegenden Akten auch sonst keine solchen Gründe entnommen wer-
den können, weshalb sich die Beschwerde als offensichtlich unbegründet
erweist und ohne Durchführung eines Schriftenwechsels abzuweisen ist (vgl.
Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario; siehe auch Art. 57 Abs. 1 VwVG);
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG);
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 200.-- festzusetzen ist (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG
i.Vm. Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStKR);
- der vorliegende Entscheid den Parteien schriftlich durch eingeschriebene
Postsendung mitzuteilen ist (vgl. Art. 379 StPO i.V.m. Art. 85 Abs. 1 StPO;
siehe auch Art. 34 Abs. 1 VwVG);
- Mitteilungen an Parteien, die einen Rechtsbeistand bestellt haben, rechts-
gültig an diesen zugestellt werden (Art. 379 StPO i.V.m. Art. 87 Abs. 3 StPO;
siehe auch Art. 11 Abs. 3 VwVG);
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- Parteien und Rechtsbeistände mit Wohnsitz, gewöhnlichem Aufenthaltsort
oder Sitz im Ausland grundsätzlich ein Zustellungsdomizil in der Schweiz zu
bezeichnen haben (Art. 379 StPO i.V.m. Art. 87 Abs. 2 StPO; siehe auch
Art. 9 IRSV);
- der Vertreter des Beschwerdeführers ein Zustellungsdomizil in der Schweiz
bezeichnet hat;
- folglich der vorliegende Entscheid an das bezeichnete Zustellungsdomizil
zuzustellen ist;
- der Vertreter des Beschwerdeführers darauf aufmerksam zu machen ist,
dass nach schweizerischem Recht die Einreichung von Eingaben, die der
Schriftform bedürfen, per Fax und gewöhnlicher E-Mail weder rechtsgültig
noch fristwahrend ist (vgl. BGE 142 V 152 E. 4.6 mit Hinweisen);
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