Decision ID: 74c1adbf-0385-49b8-82dc-b34d615efe05
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1961 geborene
X._
arbeitete zuletzt vom 1. März 2004 bis 30. April 2006 bei der
Y._
AG als Lagermitarbeiter und Hilfsmon
teur, wobei die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis «aufgrund monatelanger, krankheits
bedingter Absenz» (ab 16. September 2005 dauernd mindestens 50%ige Arbeits
unfähigkeit) aufgelöst hatte (
Urk.
6/16). Nebenher war er ab November 2004 an einem Tag pro Woche bei der
Z._
AG als Verkäufer tätig (
Urk.
6/8/5;
Urk.
6/11).
Der Versicherte meldete sich am 24. Mai 2006 unter Hinweis auf ein «generali
siertes Schmerzsyndrom» (Lendenwirbelsäule [LWS], Rippen, Kopf) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/8). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab, zog die Akten der «Zürich» Versiche
rungs
gesellschaft bei (
Urk.
6/19) und
liess den Versicherten vom
Begut
achtungsinstitut
A._ GmbH
abklären (Gutachten vom 20.
Mai 2008;
Urk.
6/44
).
Am 16. Dezember 2008 verfügte die IV-Stelle die Abwei
sung des Renten
begehrens (
Urk.
6/6
7
).
Mit Urteil vom 29. September 2010 (Prozess Nr. IV.2009.00047;
Urk.
6/8
3
) hob das hiesige Gericht die Verfügung der IV-Stelle auf und wies die Sache an diese zurück, damit sie nach ergänzenden Abklärungen über den An
spruch des Ver
sicherten neu verfüge. Die IV-Stelle liess den Versicherten wiederum poly
disziplinär begutachten (Expertise des
Begutachtungszentrums B._
vom 29. Mai 2012;
Urk.
6/10
9
, und Ergänzung vom 15. März 2013,
Urk.
6/13
8
). Am 6. Juni 2013 auferlegte sie ihm unter Hin
weis auf seine Schadenminderungspflicht eine Opiatabstinenz für mindestens sechs Monate (
Urk.
6/1
41
), sah davon mit Schreiben vom 18. März 2014 je
doch wieder ab
(
Urk.
6/1
53
). Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
6/15
6
und
Urk.
6/1
61
)
holte sie erneut ein polydisziplinäres Gutachten ein (Expertise des
Zentrums C._
vom 23. März 2015;
Urk.
6/
221
) und wies das Leistungsbegehren nach Eingang der Stel
lungnahme des Versicherten
zum Gut
achten (
Urk.
6/22
7
) mit Verfügung vom 2. Dezember 2016 (Urk. 6/
262
) ab. Das hiesige Gericht wies die dagegen erhobene Beschwerde vom 1
7.
Januar 2017 (Urk. 6/
266/3-20
) mit Urteil vom 2
6.
Juni 2017 (Prozess Nr. IV.2017.00054; U
rk.
6/
270
) ab. Das Bundesgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde vom
1
2.
September 2017
(
Urk.
6/
271/2-18
) mit Urteil 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 (
Urk.
6/
282
) ab.
1.2
Der Versicherte meldete sich am
5.
April 2019
unter Hinweis auf
diverse Beschwerden (so etwa
eine
depressive Störung,
eine
somatoforme S
törung und
ein
lumbovertebrales
Syndrom)
erneut
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/
294
). Die IV-Stelle tätigte
wiederum
medizinische Ab
klärungen und
wies das Leistungsbegehren n
ach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
vgl. etwa
Urk.
6/300,
Urk.
6/305,
Urk.
6/315
und Urk. 6/351
)
mit Ver
fügung vom
2
7.
Juli
2021
(Urk. 2) ab.
2.
Da
gegen erhob der Versicherte am
3
1.
August
2021
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
die Vorinstanz
sei
zu verpflichten, ihm die gesetzlich geschuldeten Leistungen auszurichten, ins
besondere eine Invalidenrente. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen zur Vornahme der
rechtsgenüglichen
Abklärungen, insbesondere eines externen medizinischen Gutachtens.
Am
2
8.
September 2021
(Urk.
5
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen
,
was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
2
9.
September 2021
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit
Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art
. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die
angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
2
7.
Juli 2021
(Urk. 2) damit, dass
keine wesentlichen neuen
Sach
verhalte ausgewiesen würden. Aus psychiatrischer und somatischer Sicht liege eine unveränderte Situation vor. Im Vordergrund des Beschwerdebildes ständen nach wie vor die vom
Beschwerdeführer
beklagten Schmerzen.
Somit
verändere sich auch nichts am Belastungsprofil, das bereits mit der Verfügung vom
2.
Dezember 2016 festgestellt worden sei. Es bestehe weiterhin eine 100%ige Erwerbsfähigkeit für leichte körperliche Tätigkeiten.
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
auf den Standpunkt (Urk. 1),
es lägen
sowohl aus somatischer als auch psychiatrischer Sicht neue
Diagnosen und Befunde vor. Bereits deshalb könne der Leistungsanspruch nicht ohne externes Gutachten verneint werden. Auf die Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) könne - aus näher dargelegten Gründen - nicht abgestellt werden (S.
4
-
8). Es liege ein veränderter Sachverhalt vor, welcher den Rentenanspruch berühre, ebenso klare Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes
. Eine Aggravation liege nicht mehr vor, ebenso wenig eine
Opioid
abhängigkeit
. Ein Revisionsgrund sei damit offensichtlich gegeben
(S. 9-
11
).
Die
Beschwerdegegnerin
verkenne ihre Pflichten im Rahmen eines Neuanmeldungs
verfahrens. Mit teilweise nicht fachkundigen und jedenfalls selektiven Über
legungen hätten die RAD-Ärzte sich zwar zu den neuen medizinischen Berichten geäussert, eine umfassende rechtliche Prüfung, insbesondere unter Berück
sichtigung der veränderten Rechtsprechung zu Schmerzstörungen, Depressionen und Suchtgeschehen
,
sei jedoch nicht erfolgt. Dieses Vorgehen sei bundesrechts
widrig (S
. 12). Das Gutachten aus dem Jahr 2015
habe eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 50
%
ergeben. Davon müsste unter Berücksichtigung dieses Gutachtens heute ausgegangen werden. Sollte das Gutachten nicht mehr als genügende Grundlage für die heutige Diskussion der Standardindikatoren dienen, so ergebe sich aus
dem Bericht des
Zentrums
T
._
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Die Stellungnahme des RAD bilde hingegen keine ausreichende medizinische Grundlage für eine rechtliche
Indikatoren
prüfung
(
S. 12-
16
).
3.
Vergleichszeitpunkt für eine für die Neuanmeldung relevante Veränderung des Gesundheitszustands bildet die
vom Bundesgericht mit Urteil 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 (
Urk.
6/282) beziehungsweise vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 2
6.
Juni 2017 (Prozess Nr. IV.2017.00054; Urk. 6/270) bestätigte
Verfügung der Beschwerdegegnerin
vom 2. Dezember 2016 (Urk. 6/262)
, mit welcher sie das Gesuch um Ausrichtung einer Invaliden
rente vom 24. Mai 2006 (
Urk.
6/8) abwies.
Zu prüfen ist, ob sich die medizinische Situation seither revisionsrelevant ver
schlechtert hat.
4
.
Die Verfügung im Vergleichszeitpunkt stützte sich unter anderem auf das Gut
achten des
Zentrums C._
vom
23. März 2015 (Urk. 6
/2
21
/1-178). Dr. med.
D._
, Fach
arzt für Innere Medizin FMH, med.
pract
.
E._
, Fachärz
tin für Chirurgie FMH, Dr. med.
F._
, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin FMH, Dr. med.
G._
, Facharzt für Neurologie FMH sowie Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie FMH, Dr. sc. hum.
H._
, Dip
lompsychologin, und
lic
. phil.
I._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, führten darin folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit auf (S. 152):
-
d
epressive Störung mittelgradiger Ausprägung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
-
p
sychische und Verhaltungsstörungen durch psychotrope Substanzen, Stö
rungen durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom gegenwärtig ständiger Sub
stanzgebrauch (ICD-10 F11.25) im Sinne einer iatrogenen Abhängig
keit
Zudem stellten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 152 f.):
-
m
etabolisches Syndrom
-
arterielle Hypertonie
-
Adipositas Grad I nach WHO
-
Hyperlipidämie
-
Verdacht auf beginnende
Glucoseintoleranz
-
Diabetes
insipidus
-
c
hronifiziertes
Panvertebralsyndrom
bei/mit
-
foraminaler
grössenregredienter
Diskushernie L4/L5 links (MRI 15. November 2012)
-
altersnormalem MRI HWS und obere BWS 17. November 2011
-
Blockwirbelbildung C2/C3
-
ohne
radikuläre
Symptomatik
-
diffusen Missempfindungen und Sensibilitätsstörungen im Bereich der oberen und unteren Extremitäten ohne organisches Korrelat
-
massiver Selbstlimitierung
-
nicht indizierter Opiattherapie
-
l
eichtes
myofasziales
Schultergürtelsyndrom rechts bei/mit
-
leichter muskulärer
Dysbalance
-
schmerzhaften
Ansatztendinosen
ventral
-
c
hronische Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch
-
c
hronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp
-
Differentialdiagnose diffuse Kopfschmerzen im Rahmen einer somatofor
men Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54)
-
c
hronische Insomnie bei aktenkundig schwerem obstruktivem Schlafap
noe-Syndrom mit initial AHI 37.1/h (
Polysomnographie
am 24. Mai 2013)
-
unter CPAP-Therapie Normalisierung des AHI (30. Juni 2014)
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
l
atente Hypothyreose
-
unter Substitution normales TSH
Ergänzend hielten die Gutachter fest, dass die chirurgisch-allgemeinmedizini
sche Untersuchung das Bild eines 53-jährigen
Beschwerdeführers
mit einem meta
bo
lischen Syndrom ergeben habe. In den Laboruntersuchungen habe sich eine
Hyperlipidämie
gezeigt und das HbA1c sei im oberen Normbereich. Bei bekann
tem Aneurysma der Aorta
ascendens
sei die
Hyperlipidämie
dringend zu thera
pieren, um das kardiovaskuläre Risiko zu senken und ein Fortschrei
ten der Erkrankung zu verhindern. Aus demselben Grund sei das HbA1c re
gelmässig zu kontrollieren und bei Bedarf eine antidiabetische Behandlung einzuleiten. Diese Befunde würden jedoch keine langandauernde Arbeitsun
fähigkeit begründen. Die Spirometrie zeige keine Hinweise auf eine obstruk
tive oder restriktive Ventilationsstörung trotz ungenügender Compliance (S. 160).
Aus rheumatologischer Sicht hätten die im Gutachten des
Zentrums C._
vom 29. Mai 2012 wiedergegebenen Beurteilungen betreffend den Bewegungsapparat auf
grund des zwischenzeitlichen Verlaufes und der aktuellen Untersuchungsbe
funde im Wesentlichen Gültigkeit. Es würden sich auch bei der aktuellen Untersuchung Zeichen für eine erhebliche Selbstlimitierung zeigen. Die seg
mentalen passiven Bewegungstests na
ch
manualtherapeutischen
/
osteo
pathischen
Untersuchungs
techniken und das spontane Bewe
gungsverhalten seien weitgehend unauffällig, so dass hier massive Inkonsis
tenzen vorlägen. Aus rheuma-orthopädischer Sicht sei eine Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sowie in einer leich
ten bis mittelschweren Verweistätigkeit mit analogem Belastungsprofil voll
schichtig ganztags zu
mutbar. Was das
myofasziale
Schultergürtel-Syndrom rechts betreffe, so seien auch hier erhebliche Inkonsistenzen anzugeben: Obwohl bereits im ersten aktenmässig dokumentierten Bericht der damaligen Hausärztin der Verdacht auf Symptomausweitung festgehalten und in späteren fachärztli
chen Berichten immer wieder bestätigt worden sei, habe der Beschwerdefüh
rer eine intensive Zuwendung erhalten. Er scheine sich vor jeglicher Selbst
verantwortung dispensiert zu haben. Weitere am Bewegungsapparat appli
zierte therapeutische Massnahmen seien kontraindiziert und würden ihn nur weiterhin in seiner subjektiven Krankenwahrnehmung bestätigen. Was das Problem des Opiatentzugs betreffe, so sei ein solcher - und zwar erfolgreich durchgeführt - unabdingbar notwendig, vor jeglichen weiteren anderen Massnahmen (S. 161).
Bei der neurologischen Exploration bestehe eine chronische Kopfschmerz
erkrankung. Aufgrund der diffusen Angaben und Vagheit der berichteten Symptomatik sei die Zuordnung der Kopfschmerzsymptomatik schwierig. Über
wiegend wahrscheinlich handle es sich um chronische Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch und zusätzlich einem chronischen Kopf
schmerz vom Spannungstyp. Die apparative Zusatzdiagnostik habe keinen Anhalt für eine Polyneuropathie oder eine rechtsseitige N.
ulnaris
- bezie
hungsweise N.
medianus
-Neuropathie oder für chronisch-neurogene Verän
derungen im Kennmuskel L4 links ergeben (S. 161 f.).
Bei der neuropsychologischen Untersuchung hätten die Befunde auf ein Aggra
vationsverhalten des Beschwerdeführers schliessen lassen. Daher könnten die Ergebnisse der Leistungstests nicht inhaltlich ausgewertet wer
den und lieferten wegen mangelnder Mitarbeit keine verwertbaren neuropsy
chologischen Befunde. Aus neuropsychologischer Sicht könne keine Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen werden (S. 162).
Bei der psychiatrischen Exploration hätten im objektiven psychopathologi
schen Befund Auffälligkeiten bestanden, die auf eine mindestens mittelgradig aus
geprägte depressive Störung schliessen
liessen
. Insgesamt wirke der Be
schwerde
führer nicht schmerzgequält. Es
lägen
eine Verarmung, Starrheit, Insuffizienz der Affekte vor. Hilf- und Hoffnungslosigkeit seien spürbar. Der Antrieb und das psychomotorische Verhalten seien reduziert. Gestik und Mi
mik seien angemessen und würden die depressive Stimmung
affektsynthym
unterstreichen. Die Spontan
e
ität und Eigeninitiative seien reduziert. Die sozi
ale Teilnahme sei im privaten Bereich nicht eingeschränkt. Die Exploration des Tagesprofils weise auf ein reduziertes Aktivitätsniveau hin. Die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Flexibilität/Umstellungsfähigkeit, die Durchhaltefähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Drit
ten/Selbstbehauptungsfähigkeit und die Fähigkeit zu ausserberuflichen Akti
vitäten seien mittelgradig eingeschränkt. Es müsse von einer ausgesproche
nen Selbstlimitierung und Aggravation ausgegangen werden. Nichts
destotrotz würden sich klare Hinweise auf eine mindestens mittelgradige an
haltende depressive Störung objektivieren lassen. Inwieweit die depressive Symptomatik zusätzlich durch die Opiatabhängigkeit getriggert werde, müsse nach einem Opiatentzug erneut beurteilt werden. Es sei von einer chroni
schen Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) auszugehen. Die Ausprägung der Störung sei beim Beschwerdeführer im Vergleich zu ähn
lichen Störungsbildern als objektiv mittelschwer einzu
stufen. Es könne von einer verminderten tatsächlichen Überwindbarkeit der subjektiv erlebten Defizite aus
gegangen werden. Die Kardinalsymptome einer Depression seien erfüllt. Gemäss dem ICD-10 sei diagnostisch von einer de
pressiven Störung gegenwärtig mittel
gradiger Ausprägung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) auszugehen. Im Weiteren liege eine psychische Verhaltensstörung durch psychotrope Substanzen, Störung durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom mit gegenwärtigem ständigem Substanzgebrauch (ICD-10 F11.25) im Sinne einer iatrogene
n Abhängigkeit vor (S. 162 f.).
Die Arbeitsfähigkeit für bestimmte Berufe, wie das Führen und Bedienen von Maschinen und eine aktive Teilnahme im Strassenverkehr, sei nicht gegeben. Aus psychiatrischer Sicht könne eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit attestiert werden (S. 163).
Es werde dringend im Rahmen einer Schadenminderungspflicht empfohlen, eine stationäre Entgiftungsbehandlung von Opiaten durchzuführen. Die psy
chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei gemäss den aktuellen Leitli
nien zur Behandlung von unipolaren Depressionen zu intensivieren, darüber hinaus die medikamentöse Behandlung anzupassen, gegebenenfalls durch eine Augmen
tation mit einem zweiten Antidepressivum oder Lithium oder einem Schild
drüsenhormon (S. 165). Der Gesundheitszustand sei aus psychi
atrischer Sicht seit 2008 konstant, wobei es den üblichen Verlauf mit schlechten Phasen und vorübergehend 100%iger Arbeitsunfähigkeit zu be
obachten gebe (S. 166).
Zusammenfassend sei der Beschwerdeführer für die angestammte Tätigkeit sowie für sämtliche dem Leiden optimal angepasste körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zu 50 % arbeitsfähig (S. 164). Das aktuell ermit
telte Belastbarkeits
profil gelte bezüglich der somatischen Befunde seit jeher. Seit Beginn der Erkrankung sei in sämtlichen Berichten darauf hingewiesen worden, dass keine objektivierbaren Befunde beständen, die eine langandau
ernde Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Ebenso sei von Beginn weg auf ein Aggravationsverhalten hingewiesen worden. Dieses habe sich auch bei der aktuellen Begutachtung gezeigt und in der neuropsychologischen Un
tersuchung bestätigt werden können. Aus psychiatrischer Sicht bestehe seit mindestens 2008 eine mittelgradige depressive Störung. Seit 2008 könne aus psychiatrischer Sicht aufgrund der mittelgradigen depressiven Episode von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % und von 100 % während den
Hospitalisa
tionen
ausgegangen werden. Die Schwere der depressiven Symptomatik vor 2008 könne retrospektiv anhand der Akten nicht beurteilt und die Arbeitsfä
higkeit nicht mit der notwendigen Objektivität fest
gelegt werden (S. 163 f.).
Zur Frage der gesundheitlichen Veränderung führten die Gutachter aus, aus somatischer Sicht sei es insofern zu einer Verschlechterung gekommen, als sich zunehmend bei der klinischen Untersuchung demonstrative Komponen
ten zeigten. Aus psychiatrischer Sicht bestehe seit mindestens 2008 eine mittel
gradige depressive Störung. Der Gesundheitszustand sei seither konstant mit dem üblichen Verlauf mit schlechten Phasen und vorüberge
hender 100%iger Arbeits
unfähigkeit zu beobachten gewesen (S. 166).
5.
Die angefochtene Verfügung stützte sich unter anderem auf folgende Berichte:
5.1
Die behandelnden Fachärzte des Sanatoriums
J._
, wo der
Beschwerde
führer
sich vom
5.
Februar bis
6.
März 2019 in stationär-psychiatrischer Behandlung befand, hielten in ihrem Austrittsbericht vom 13. März 2019 (
Urk.
6/
298
/1-3)
zu Händen des
Medizinischen Zentrums K._
folgende Hauptdiagnose fest:
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome
(F33.2)
Zudem stellten sie folgende Nebendiagnosen:
-
s
onstige somatoforme Störungen
(F45.8)
-
Diabetes mellitus, Typ 2:
m
it sonstigen näher bezeichneten Komplikationen: nicht als entgleist bezeichnet
-
Hypo
t
hyreose, nicht näher bezeichnet
-
unter
Eltroxin
Substitution
-
i
diopa
thische Gicht: Knöchel und Fu
ss
(
Fu
ss
w
urzel, Mittelfu
ss
, Zehen, Sprung
gele
nk, sonstige Gelenke des Fu
ss
es)
Dazu führten sie aus,
es handle sich um einen freiwilligen Eintritt auf Zuweisung der ambulanten Behandler aufgrund von zunehmender depressiver Symptomatik. Es werde von Angstzuständen, innerer Unruhe, Nervosität bei chronischen Schmerzen und aktuell zunehmenden suizidalen Ideationen im Zuweisungs
schreiben berichtet (S. 1). Der
Beschwerdeführer
habe
w
ä
hrend des gesamten Auf
enthalts von starken Rücken-, Nacken
-
und Knieschmerzen
berichtet
. Trotz dieser Einschränkungen
habe er
am multimodalen Therapieprogramm teil
genommen
und sich dort motiviert und engagiert
gezeigt
. Wiederholt
hätten
jedoch Gespräche und Therapie aufgrund der belastenden Schmerzen abgebrochen werden
müssen
. Es
hätten
sich insbesondere ein starker Aufmerksamkeitsfokus auf das Schmerzleiden, Rückzugs- und Vermeidungsverhalten sowie eine starke
externale
Kontrollattribution
hinsichtlich der Schmerzsymptomatik und der da
mit verbundenen depressiven Symptome
gezeigt
. Insgesamt
habe
sich
der
Beschwerdeführer
unzufrieden und enttäuscht über den stationären Aufenthalt
gezeigt
. Er habe sich mehr Gesprächsangebote erh
offt, gleichwohl schien er die i
n den Einzelsitzungen be
sprochenen eigenen Einflussspiel
räume gegenwärtig nur bedingt nutzen zu können.
Es werde
deshalb eine Eval
uation einer psycho
somatischen Langzeittherapie und deren motivationalen Anforderungen an den Patienten
empfohlen
und
es sei
über das Angebot einer psychiatrischen Spitex auf
geklärt worden
. Im Austrittgespräch
habe
er von selbst- und fremd
gefährdenden Ideationen
berichtet
, diese kenne er schon lange und er und seine Familie
könnten damit umgehen
.
Z
um Zeitpunkt des Austritts
hätten sie
keine akute Gefährdung
gesehen und der
Beschwerdeführer
sei in u
nverändertem Zu
stand in sein angestamm
t
es Umfeld
entlassen worden
(S. 2).
5.2
RAD-Ärztin
L._
, F
achärztin
orthopädische
Chirurgie und Traumatologie, hielt in ihrer Stellungnahme vom
8.
Mai 2019
(
Urk.
6/307/4-5) fest,
der Austritts
bericht des Sanatoriums
J._
vom 1
3.
März 20
19 enth
a
lt
e
zwar die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störu
ng, gegenwärtig schwere Episode
, es
werde
jedoch kein psychopathologischer Befund mitgeteilt. Die Diagnose
sei
so
mit nicht belegt. Zur psychischen Symptomatik enth
a
lt
e
der Bericht ausschliesslich die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers
. Im Vordergrund der Behandlung
habe
der Umgang mit den
von ihm
beklagten Schmerzen
gestan
den
. Die Schmerzmedikation
sei
im Verlauf der stationären Behandlung ange
passt
worden
. Aus versicherungsmedizinischer Sicht
sei
die neue Diagnose einer schweren depressiven Episode anhand des Berichts des Sanatoriums
J._
nicht nachvollziehbar.
Zum somatischen Sachverhalt
habe
Dr.
med.
M._
, Spezialarzt FMH für Chirurgie, Wirbelsäulenleiden, Schleudertrauma und ortho
pädische Traumatologie,
am 2
6.
September 20
18
berichtet (vgl. Urk. 6/298/7-8)
, seit 2016 habe sich neu eine beginnende Gonarthrose beidseits gezeigt. Befunde zum Funktionszustand der Kniegelenke
habe
er nicht mit
ge
teilt. Die
Klinik N._
habe
hierzu
am
1
3.
Juni 2018
dokumentiert (vgl. U
rk.
6/298/9-11): am linken Knie keine Schmerzprovokation, rechts Patella-Andruckschmerzen und Schmerzen bei
Varus
- und
Valgusstress
, leichte Schwellung rechts, gegenüber links minimal verminderte Beugung bei beidseits im Normbereich liegender Beweglichkeit (links 135°/rechts 140°, Norm: 120-150°). Das Gangbild
werde
als normal ohne Hinken beschrieben. Es
sei
eine Infiltration durchgeführt und Physiotherapie empfohlen
worden
. Im Bericht der
Rehaklinik O._
vom
6.
April 2018
(vgl.
Urk.
6/298/15-16) werde
zwar die neue Diagnose PHS links mitgeteilt, jedoch
enthalte
der Bericht keine Angaben zum Funktionszustand der Schulter. Ebenso
seien
keine Angaben zur Funktion der LWS bei im MRI nach
gewiesenen Diskushernien L4/5 und L5/S1 enthalten. Der Bericht
schlage
wie schon in der Vergangenheit mehrfach andere
Är
zte/Gutachter einen Opiat-Entzug sowie ein regelmässiges Heimübungsprogramm als Fortführung der
Therapie vor. Das schwere Schlafapnoe-Syndrom
werde
dem Bericht des
Stadtspitals
P._
vom 1
8.
Juli 20
17 zufolge
(vgl.
Urk.
6/298/20-21)
erfolgreich mittels CPAP behandelt. Es
ergebe
sich daraus keine Auswirkung auf die A
rbeitsfähigkeit
.
W
esentliche neue medizinische Sachverhalte
seien
damit
nicht ausgewiesen. Im Vordergrund des Beschwerdebilds
ständen
weiterhin die beklagten Schmerzen. Neue Funktionsminderungen im Bewegungsapparat w
ü
rden nicht beschrieben.
Es könne
am Belastungsprofil
körperlich leichte Tätigkeiten fest
gehalten werden.
5.3
Dr.
med.
MSc
ETH
Q._
, Facharzt FMH für Neurologie, Psychiatrie und Psychother
apie von der Neuropsychiatrie R._
,
hielt in seinem Untersuchungs
bericht vom 2
6.
März 2020 (
Urk.
6/340/4-17) folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
kognitive Defizite im Rahmen der schweren depressiven Episode
(F33.2)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung in Behandlung
(F45.3)
Dazu führte er aus,
es fänden sich
attentionale
, exekutive und mnestische Defizite, jedoch ohne Hinweis auf eine neurokognitive Störung im engeren Sinn wie eine Demenzerkrankung. Aufgrund des Leistungsprofils, der Symptom
validierung und des EEGs sei von kognitiven Defiziten im Rahmen der schweren Depression mit zusätzlich Verdeutlichungstendenz auszugehen. Im psychopatho
logischen Befund wies er auf eine schwankende Konzentrations- und Anstrengungsbereitschaft hin (S.
1-
2). Die neuropsychologische Untersuchung
habe
sich aufgrund einer Einengung auf die Schmerzsymptomatik sowie einer verminderten Belastbarkeit deutlich erschwert
gezeigt
. Vor diesem Hintergrund
habe
lediglich ein unvollständiges und teilweise inkonsistentes Profil erhoben werden
können
. Die Befunde in den einzelnen Funktionsbereichen könn
t
en folgendermassen umschrieben werden: Die erhobenen Befunde im Bereich der Aufmerksamkeitsaktivierung (
A
l
ertness
)
seien
als nicht authentisch zu beurteilen. Die übrigen Aufmerksa
m
keitsfunktionen
seien
vor diesem Hintergrund sowie der verminderten Belastbarkeit nicht mehr erhoben
worden
. Im Bereich der mnestischen Funktionen
hätten
sich betreffend der visuell-räumlichen Gedächt
nisleistungen altersentsprechende Befunde
gezeigt
. Die Leistungen im Bereich des verba
l
en Gedächtnisses
hätten
sich teilweise reduziert
gezeigt
. Bei unauffälliger primärer Wi
e
dergabe einer Wortliste
sei
der Lernzuwachs im Verlauf aus
ge
blieben
und es
habe
insge
s
amt eine deutlich reduzierte Le
rn
summe objektiviert werden
können
. Der verzögerte freie Abruf sowie das verzögerte freie Wieder
erkennen
hätten
sich leicht reduziert
gezeigt
. Im Bereich der Exekutivfunktionen
habe
sich die
figurale Ideenproduktion leicht vermindert
gezeigt
. Eine Aufgabe zur verbalen Ideenproduktion
habe
aufgrund einer Blockade sowie Schwierig
keiten aufgrund der
Fremdsprachigkeit
keine validen Befunde
geliefert
. Im Rah
men eines Beschwerdevalidierungsverfahrens
habe
ein auffälliges Fehler
verhalten objektiviert werden
können. Im Bereich des verbal
en Gedächtnisses
habe
sich im Rahmen eines eingebetteten Beschwerdevalidierungsmasses eben
falls ein auffälliges Resultat
gefunden
. Vor dem Hintergrund des beschriebenen Profi
ls könne
davon ausgegangen werden, dass das gezeigte Testverha
lten nicht dem tatsächlichen Lei
stungsniveau des
Beschwerdeführers entspreche
. Es
habe
sich eine schwankende und teilweise ungenügende Anstrengungsbereitschaft
gezeigt
, welche möglicherweise durch ein Schonverhalten im Zusammenhang mit der Depr
essions- und Schmerzsymptomatik,
möglicherweise aber auch im Zusammenhang mit einer Verdeutlichungstendenz erklärt werden
könne
. Über Art und Ausmass authentischer kognitiver Funktionseinbussen könn
t
e
n
aufgrund des vorliegenden Test-Profils keine Aussagen
gemacht werden (S. 7).
5.
4
Die behandelnden Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
K._
stellten
in ihrem Bericht vom
7.
Januar 2021
(
Urk.
6/
346/7
-10)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3):
-
r
ezidivierende depressive Episode, gegenwärtig schwer ohne psychotische Symptome
-
c
hronifiziertes
panvertebrales Syndrom m
it
/b
ei
-
St
atus nach
lumboradikulä
rem
Schmerzsyndrom L4 links September
2005
-
Diskushern
ie L4/5 li
nks
mit Nervenwurzelkompression li
nks
, mittelgrosse mediane Diskushernie L3/4 (LWS-CT 2
0.
Mai 20
05, LWS-MRT 2
4.
März 20
07)
-
Status nach
CT-gezielter
Nervenwurzel-Infiltration L4 links
am 15.
September
2005
-
Status nach Predni
son-Stoss-
Therapie
5.
bis 1
0.
Januar
2006
-
l
ei
chte thorakale Kyphose
-
Diagnose
Dr.
M._
:
Spondylarthrose
Th8-Th11
bei f
reien
Foramina
intervertebralia
Zudem führten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 3):
-
Adipositas (BMI=30)
-
Diabetes
insipidus
familiaris
Dazu hielten sie
fest,
der Beschwerdeführer
sei seit dem 1
3.
September 2005 bis heute auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig, dies auch auf längere Sicht. Er sei einmal im Monat in psychiatrischer Behandlung und viermal im Monat in psychotherapeutischen Einzelgesprächen (S. 2).
Auf Grund des
chronifizierten
Verlaufs, des Alters des
Beschwerdeführer
s
sowie der einge
schränkten kognitiven Fähigkeit
en (kognitive Flexibilität, Aufn
ahmef
ä
higkeit, Konzentration) fall
e
die Prognose f
ür
den Wiedereinstieg in d
ie Berufstätigkeit negativ aus (S. 3). Die Arbeitsfähigkeit für den Haushalt sei zu 50
%
einge
schränkt (S. 4).
5.
5
RAD-Arzt
S._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seiner Stellungnahme vom
4.
Juni 2021 (
Urk.
6/352/6) aus, im Austrittsbericht des Sanatorium
s
J._
(E. 5.1 hiervor)
wie auch in den
Bericht
en
des M
edizinischen Zentrums
K._
vom 2
2.
April 2020
(
Urk.
6/335/5-8) und 7.
Januar 2021
(E. 5.4 hiervor)
werde
weiterhin am Vorliegen einer schwer aus
geprägten Depression festgehalten.
Bereits im
Bericht des Medizinischen Zentrums
K._
vom 2
8.
März
2007
(
Urk.
6/59)
werde
von
«
Schwere psycho
metrisch bestätigte Depression und
deutliches Misstrauen verhi
nderten grössere Veränderungen»
gesprochen
.
In den folgenden Jahren
seien
weitere Berichte des M
edizinischen Zentrums
T._
/
K._
mit einer als schwer ausgeprägt beurteilten Depression ein
getroffen
. In keinem der drei folgenden MEDAS Gut
achten
habe
eine schwer ausgeprägte Depression nachgewiesen oder bestätigt werden
können
, unter Hinweis auf
den
Nachweis von Aggravation in der ne
uropsychologischen Untersuchung
. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit lieg
e
eine andere Beurteilung desselben medizinischen Sachverhalts vor. Aus psychiatrischer Sicht
könne an der RAD-
Stellungnahme vom
8.
Mai
2019
(E. 5.2 hiervor)
festhalten
werden.
5.6
RAD-Arzt
Dr.
med.
U._
, Facharzt für Chirurgie, hielt in seiner Stellungnahme vom 20.
Juli 2021
(
Urk.
6/
3
52
/7-10) fest,
ge
m
äss
Bericht des Medizinischen Zent
rums
T._
vom 1
4.
Januar 2021 (
Urk.
6/350) habe die letzte Konsultation am
7.
April 2020 stattgefunden. Unter der Kategorie «neue anamnestische Diagnosen ab 2
4.
März 2015» werde Folgendes erwähnt
(S. 7-8)
:
-
l
umbovertebrales
Syndrom:
-
es würden
die radiologischen Befunde eines LWS-CT
vom 2
0.
Mai
2005, eines LWS-MRT
vom 2
4.
März
2007, eines LWS-MRT
vom 1
5.
November
2012 sowie eines MRT LWS
vom
1.
Juli
2019 aufgezählt; in
wieweit das Funktionsniveau des Beschwerdeführers
durch die Befunde eingeschränkt
werde
,
sei
nicht ersichtlich
-
c
ervicocephales
Syndrom:
-
auch hier wü
rden neben der nicht relevanten - da vor de
m
2
4.
März
2015 gestellten und somit nicht als neu anzusehenden - Diag
nose von Dr.
V._
vom
1
7.
Juni 2006
(
Urk.
6/15/5-7)
wieder radiologische Befunde (MRI HWS
vom 1
7.
November
2011, MRI HWS vom 1
4.
Dezember
2016) aufgezählt, die nichts über das klinische Bild aussagen
würden
-
Schulterschmerzen beidseits
-
a
uch hier ein
sonographischer
Befund vom 3
0.
September
2016 sowie die Diagnose vom 2
9.
April
2019
-
k
eine Angabe zur funktionellen Beeinträchtigung
-
Thoraxwandschmerzen
-
e
in negativer kardiologischer Befund vom
7.
Mai
2019, der die Schmerzen nicht zu erklären
vermöge
-
Zustand nach Rippenkontusion vor 20 Jahren: auch diese Diagnose
könne
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Erklärung der anamnestischen Diagnose erbringen
-
«
spondylarthrotische
Veränderungen der Segmente Th8-11 bei freien
Foramina
intervertebralis
(Diagnose
Dr.
W._
vom
08.06.2006)
»
: auch diese Diagnose
sei somit keine «
neue anamnestische Diagnose
»
und in
diesem Zusammenhang irrelevant
-
Knieschmerzen beidseits (neu)
-
es werde
ein radiologischer Befund eines MRI Knie rechts vom 1
3.
Juni
2017 erwähnt
-
es
werde
eine Diagnose aus der Arztpraxis Wangen vom
2
9.
April
2019 aufgezählt
-
w
eiterhin eine Diagnose der
Klinik N._
vom 1
3.
Juni
2018, unter
mauert durch ein MRI vom
Juni
2017
-
es werde
gleichzeitig eine Diagnostik (
Punktat
) und Therapie (Infiltration) vom 1
3.
Juni
2018 in der
Klinik N._
beschrieben
-
i
diopathische Gicht (neu)
-
d
ie Diagnose
sei
augenscheinlich im Sanatorium
J._
(Psychiatrische Klinik) am
5.
März
2019 gestellt
worden
-
Erstdiagnose am 2
3.
September
2017 im Spital
XA._
_
-
Schmerzen Finger unklarer Genese (ohne weitere Angaben)
-
Diabetes mellitus
Typ II
-
d
ie Diagnose
sei
augenscheinlich aus einem Bericht des Sanatorium
s
J._
(Psychiatrische
Klinik) übernommen
worden
(
5.
März
2019)
-
auch we
rd
e
die Verdachtsdiagnose einer diabetischen Polyneuropathie des Spital
s
XA._
_
vom 1
0.
Juli
2019 gestellt (dieser Verdacht hätte innerhalb der letzten zwei Jahre
be
- oder entkräftet werden können bei entsprechender Relevanz)
-
s
chweres obstru
ktives Schlafapnoe
-S
yndrom (neu)
-
d
ie Diagnose
sei
augenscheinlich aus einem Bericht des Reha-Zentrum
s
XB._
_
vom 2
2.
Dezember
2015 übernommen
worden
-
es werde
eine
«
erfolgreiche CPAP-Therapie seit 06.2013 (
Spital
P._
,
18.07.2017)
»
erwähnt
-
somit hand
l
e
es sich nicht um eine
«
neue
»
Diagnose ab dem 2
4.
März
2015
-
a
uch
entfalle
die Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit, wenn die Therapie als
«
e
rfolgreich
»
bezeichnet
werde
Es
gelte
hierbei zu bedenken, dass
«
anamnestische Diagnosen
»
Diagnosen
seien
, die normalerweise aus der Befragung des Patient
en oder der Aktenlage erfasst wü
rden, nicht anhand einer entsprechenden U
ntersuchung, dann wäre es eine «gesicherte Diagnose»
(S. 7)
.
Dann werde im Bericht aus Sicht verschiedener Fachärzte die Verbesserung/Verschlechterung der Beschwerden ab dem 2
4.
März 2015 berichtet, wobei bezüglich der Aussage des Facharztes für Chirurgie aus versicherungsmedizinischer Sicht keine Relevanz bestehe, da hier keine fachärzt
liche objektive Befunderhebung erfolgt sei. Auch aus anästhesiologischer Sicht würden keinerlei verwertbare Aussagen bezüglich einer etwaigen Funktions
einschränkung getroffen. Aus dem Beschrieb des Tagesablaufs könne keine Ver
schlechterung festgestellt werden (S. 8-9). Beim Vergleich der ‘neuen EMG Beurteilung’ vom 2
1.
April 2020 mit dem polydisziplinären Gutachten
vom 2
3.
März 2015 sei keine Verschlechterung mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit zu sehen, da das Wurzelreizsyndrom als
«mä
ssig ausgeprägt
»
beschrieben werde (S. 9).
Auch in den anderen - näher aufgeführten - Arztberichten sei
somatischer
seits
keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der letzten Stellung
nahme des RAD vom
8.
Mai 2019 festzustellen (S. 10).
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der
leistungs
abweisenden Verfügung vom
2
7.
Juli 2021
auf die Stellungnahmen ihre
r
RAD-
Ärzte
L._
,
S._
und
Dr.
U._
vom 8. Mai 2019,
4.
Juni 2021
und 2
0.
Juli 2021 (E. 5.2
und E
.
5.
5
-5.
6
hiervor)
.
6
.2
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungs
fähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Ver
waltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu ent
scheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Aus dem Grundsatz der
Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regel
mässig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fach
personen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Auf
grund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auf
trags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patien
ten aussagen, wird im Streitfall eine
direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte aber kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
6.3
6.3.1
Die Gutachter des
Zentrums C._
hielten in ihrer Expertise fest, dass von Beginn weg auf ein Aggravationsverhalten des
Beschwerdeführer
s hingewiesen worden sei und dass sich dieses auch bei der aktuellen Begutachtung gezeigt habe und in der neuropsychologischen Un
tersuchung habe bestätigt werden können
(
Urk.
6/221/163-164)
.
Auch das hiesige Gericht setzte sich im
Urteil
vom 2
6.
Juni 2017 (Prozess Nr.
IV.2017.00054; Urk. 6/270)
mit den diversen den Akten zu ent
nehmenden erheblichen Inkonsistenzen und dem diskrepanten Verhalten des
Beschwerdeführer
s auseinander
, ebenso das Bundesgericht in seinem
Urteil 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 (
Urk.
6/282)
. Die im vorliegenden Verfahren massgebenden Unterlagen weisen
auf eine weiterhin bestehende
erhebliche Selbstlimitierung
hin. So ist dem Untersuchungsbericht von
Dr.
Q._
(E. 5.3 hiervor)
ein auffälliges Fehlerverhalten im B
eschwerdevalidierungsverfahren so
wie im Rahmen eines eingebetteten Beschwerdevalidierungsmasses im
Bereich des verbalen Gedächtnisses ein auffälliges Resultat
zu entnehmen. Daraus schloss
Dr.
Q._
, dass das gezeigte Testverhalten nicht dem tatsächlichen Leistungs
niveau
des Beschwerdeführers entsprach
.
Nachdem weder die behandelnden Fachärzte des Sanatoriums
J._
noch des Medizinischen Zentrums
K._
sich mit dieser Problematik auseinandersetzten, ist nicht zu beanstanden, dass die RAD-Ärzte in deren Berichte
n
keine Verschlechterung des psychischen Gesund
heitszustandes des Beschwerdeführers zu erkennen vermochten, sondern auf eine
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen
medizinischen Sachverhalts schlossen.
Soweit der
Beschwerdeführer
geltend machte (
Urk.
1 S. 6
-7
), aus den Berichten der behandelnden Fachpersonen wür
den sich gegenüber den Befunden im Gutachten des
Zentrums C._
weitaus gravierendere Befunde ergeben, kann daraus nicht auf eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes geschlossen werden,
vermochten doch bereits im Vergleichsz
eitpunkt
die Gutachter nur weniger gravierende Befunde zu erheben als die Behandler. Entsprechend
gingen die behandelnden Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
K._
- anders als die Gutachter des
Zentrums C._
-
bereits im Vergleichs
zeitpunkt von einer schweren depressiven Störung und einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit in jeglicher Tätigkeit aus (vgl. Urk.
6/271/20-22)
. Auch im vor
liegenden Verfahren
diagnostizieren
sie
eine schwere depressive Störung sowie eine seit dem 13. September 2005 ununterbrochen bestehende 100%ige Arbeits
unfähigkeit
auch in einer angepassten Tätigkeit
(
vgl. etwa E. 5.4 hiervor)
, woraus auf einen
unveränderten psychischen Zustand zu schliessen ist
.
Bei unverändertem Gesundheitszustand erübrigen sich Ausführungen zur Frage, wie sich die
aus
den Arztberichten ersichtlichen Befunde auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirken.
Aus den medizinischen Unterlagen ergeben sich somit keine Zweifel an
der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
Feststellungen der RAD-Ärzte in Bezug auf die psychischen Beschwerden des
Beschwerdeführer
s.
Insbesondere ist auf ihre Ausführungen nicht alleine schon deshalb nicht abzustellen, weil sich RAD-Ärztin
L._
nicht nur zur somatischen, sondern auch zur psychischen Situation geäussert hat (vgl.
Urk.
1 S. 6), nahm doch mit RAD-Arzt
S._
auch ein
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Stellung zu den
geltend gemachten
psychischen
Beeinträchtigungen
.
Soweit der Beschwerdeführer bezüglich der
Opioidabhängigkeit
auf eine revisionsrelevant veränderte medizinische Situation hinwies
(
Urk.
1 S. 10-11)
, ist
im Übrigen
festzuhalten, dass sich
aus
den Akten keine Hinweise auf eine statt
gehabte
Opioidentzugsbehandlung
ergeben.
Vielmehr ist ihnen
wiederholt zu ent
nehmen, dass ein
Opioidentzug
kaum möglich sei (vgl. etwa
Urk.
6/147/4),
wes
halb die Beschwerdegegnerin
von
ihre
r
diesbezüglich
zunächst
auferlegte
n
Schadenminderungspflicht
wieder absah (
Urk.
6/153). Entsprechend ist auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne entsprechende Behandlung selbständig einen Entzug hätte
durchführen können, ohne dass
sich Hinweise darauf in den
Unterlagen
wieder
gefunden hätte
n
.
Soweit der Beschwerdeführer
angab
, es liege keine
Opioidabhängigkeit
mehr vor, ist dies nicht glaubhaft.
So nimmt
er
gemäss dem Bericht des Medizinischen Zentrums
K._
vom
7.
Januar
2021 (
Urk.
6/346/7-10) denn auch - wie schon im Ver
gleichszeitpunkt (vgl.
Urk.
6/221/128) - regelmässig
Targin
ein (S. 3).
D
ie behandelnden Fachpersonen berichteten
zwar
, der
Beschwerdeführer
nehme keine Drogen und betreibe keinen Medikamentenmissbrauch (S. 2),
doch kann sich dies offensichtlich nicht auf die
Opioidabhängigkeit
bezogen haben. Denn dasselbe
berichteten sie bereits im Vergleichszeitpunkt (
vgl.
Urk.
6/167/5), in wel
chem ein Abhängigkeitssyndrom unbestritten ausgewiesen war.
Auch dies
bezüglich ist damit entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführer
s kein Revisionsgrund gegeben.
Ein erfolgreicher Entzug würde sodann eine Verbesserung der Gesundheitssituation bedeuten und keine Verschlechterung.
Bei unverändertem psychische
m
Zustand
und insbesondere weiterhin
vor
hande
nen
Anhaltspunkten für eine
Aggravation
erübrigt es sich
überdies
- ent
gegen der Ansicht des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 9-1
7
)
-
,
erneut
ein strukturier
tes Beweisverfahren mit Prüfung der jeweiligen
Standardindikatoren durchzuführen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_603/2019 vom 2
2.
November 2019 E. 6.2)
. Viel
mehr ist an den Ausführungen des Bundesgerichts im Urteil
8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 (
Urk.
6/282)
beziehungsweise des
hiesige
n
Gericht
s
im
Urteil vom 2
6.
Juni 2017 (Prozess Nr. IV.2017.00054; Urk. 6/270)
festzuhalten und weiterhin von einer aus psychischer Sicht 100%igen Arbeits
fähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszugehen.
6.3.2
RAD-Ärztin
L._
(E. 5.2)
und
insbesondere RAD-Arzt
Dr.
U._
(E. 5.6)
setzten sich eingehend mit den somatischen Beschwerden
auseinander
und legten
schlüssig
dar, dass
den diesbezüglichen Berichten der behandelnden Ärzte
keine revisionsrelevante Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers zu entnehmen ist.
So wird denn
auch
im Bericht des Medizinischen Zentrum
s
T._
vom 1
4.
Januar 2021
(Urk. 6/350) in den «neue
anamnestische
D
iagnosen ab 24.03.
2015» auf etliche Abklärungen
ver
wiesen, welche lange vor dem Vergleichszeitpunkt stattgefunden haben und im vorliegenden Verfahren nicht massgebend sind.
Dr.
U._
wies zudem darauf hin, dass die in den Berichten wiedergegebenen Befunde nichts über das klinische Bild aussagen und Angaben zur funktionellen Beeinträchtigung der geltend gemachten Beschwerden oftmals fehlten.
Ebenso wies er darauf hin, dass «anamnestische Diagnosen» in der Regel
Diagnosen
sind
,
die nicht anhand einer entsprechenden Untersuchung, sondern
aus der Befragung des Patient
en oder der Aktenlage erfasst werden. Mit Blick auf das seit Jahren gezeigte Aggravations
verhalten
wären
jedoch
lediglich
gestützt auf eine
Befragung
des
Beschwerde
führer
s
gestellte Diagnosen mit Zurückhaltung zu würdigen.
Selbst die ortho
pädischen Fachärzte des
Medizinischen Zentrum
s
T._
gingen
im erwähnten Bericht vom
1
4.
Januar 2021
zudem
nicht davon aus, dass
d
ie
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers für leichte
bis mittelschwere
Tätigkeiten
relevant
eingeschränkt ist
(
Urk.
6/350/10).
Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte, um an der Fachkompetenz der RAD-Ärzte für die Beurteilung der geltend gemachten Kniebeschwerden zu zweifeln. Auch ist den Akten nicht zu entnehmen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit durch die -
wohlgemerkt
von den psychiatrischen Fachpersonen des Sanatoriums
J._
diagnostizierte
und in der Folge soweit ersichtlich nicht weiter behandelte
-
idiopathische
Gicht eingeschränkt wäre.
Inwiefern aus
den Abklärungen zum Schlafapnoe-
Syndrom auf einen verschlechterten Gesundheitszustand ge
sc
hlossen werden sollte (vgl.
Urk.
1 S. 7), ist zudem nicht ersichtlich, zeigte
n
sich doch dabei ein unkomplizierter Verlauf und eine ausgezeichnete Therapie
adhärenz (
Urk.
6/298/20-21 und 6/340/2-3).
Dass die RAD-Ärzte
somatischerseits
keine
revisionsrelevante
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
seit dem Vergleichszeitpunkt festzustellen vermochten, ist
demnach
gestützt auf die
Aktenlage nachvollziehbar und es bestehen keine Zweifel an
der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
ihrer Ausführungen.
6.4
Zusammenfassend verletzte die
Beschwerdegegnerin
- e
ntgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 4-6)
-
mit der Berücksichtigung
der beweiskräftigen RAD-
Stellungnahmen den Unt
ersuchungsgrundsatz nicht,
vielmehr ist auf diese abzustellen. Auf die
vom
Beschwerdeführer
eventualiter beantragte externe medizinische Begutachtung ist entsprechend in antizipier
ter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
zu ver
zichten.
Eine sich auf die Arbeitsfähigkeit in einer
den Be
schwerden
angepassten Tätigkeit auswirkende
revisionsrelevante
Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes seit dem Vergleichszeitpunkt ist
nach dem Gesagten
nicht erstellt.
Es besteht weiterhin kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversiche
rung, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig
.
D
ie Gerichtskosten
sind
gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr.
800
.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.