Decision ID: 5dffd2f4-14de-4314-8ca0-0fed959d399e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968,
war seit Januar 2014 bei der
Y._
in
Z._
in der Reinigung angestellt und über diese bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am
4.
Februar 2016 ver
letzte sie sich bei einem Sturz am rechten Ellenbogen (
Urk.
7/39/3
Ziff.
1-6 und 9).
Die Arbeitgeberin kündigte das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten am 3
0.
Januar 2017 schriftlich per 3
1.
März 2017 (
Urk.
7/27/9).
Mit Verfügung vom 2
3.
Februar 2017 (
Urk.
7/39/124-125) stellte die Suva die
nach dem Ereignis vom
4.
Februar 2016
erbrachten Versicherungsleistungen per 3
0.
September 2016 ein.
Die Versicherte meldete sich am 2
4.
Februar 2017 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/13). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche
Abklärungen
(
Urk.
7/3-4,
Urk.
7/34
,
Urk.
7/46
)
und zog Akten des Unfallversicherers (
Urk.
7/39) und des Krankentag
geldversicherers
(
Urk.
7/26-27,
Urk.
7/29-33,
Urk.
7/43-45)
zum Verfahren bei.
Mit Verfügung vom
5.
März 2018 (
Urk.
7/57) verneinte die IV-Stelle einen Ren
tenanspruch.
1.2
Die Versicherte meldete sich am 1
5.
April 2019
unter Hinweis auf zusätzliche Kniebeschwerden
erneut bei der IV-Stelle an (
Urk.
7/58
Ziff.
6.1
).
Am
1
2.
August 2019 (
Urk.
7/65)
stellte die IV-Stelle
ein Nichteintreten
in Aussicht
. Die Versi
cherte brachte dagegen Einw
ä
nde (
Urk.
7/67,
Urk.
7/71) vor.
Am 1
0.
Februar 2020 (
Urk.
7/75 =
Urk.
2) teilte
die IV-Stelle der Versicherten mit
, dass auf das neue Leistungsbegehren nicht eingetreten werde.
2.
Die Versicherte erhob am
4.
März 2020 Beschwerde gegen die
Verfügung
von
10.
Februar 2020
(
Urk.
2)
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Sache zur Abklärung des Rentenanspruches an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Mai 2020 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
4.
Mai 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.3
Gemäss Art. 87 Abs. 2 IVV muss mit einem Revisionsgesuch und gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV mit einer Neuanmeldung glaubhaft gemacht werden, dass sich der Invaliditätsgrad anspruchsrelevant verändert hat. Der versicherten Person kommt
ausnahmsweise eine Beweisführungslast zu (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Die
Ein
tretensvoraussetzung
des Glaubhaftmachens soll verhindern, dass sich die Ver
waltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, mithin keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1). Dies gilt auch für eine erneute Anmeldung nach einer vorangegangenen, aber befristeten
Rentenzusprache
(BGE 133 V 263 E. 6.1; siehe auch Frey/
Mosimann
/Bollinger [Hrsg.], AHVG/IVG Kommentar, 2018,
Mosi
mann
, N 20 zu Art. 17 ATSG).
Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungs
abweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Per
son zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Ren
tenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht all
seitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2).
Ist die Änderung nicht glaubhaft gemacht, wird auf das Revisionsgesuch oder die erneute Anmeldung nicht eingetreten (BGE 133 V 64 E. 5.2.5). Dabei wird die Verwaltung unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn d
ie Verwaltung gestützt auf Art. 87 Abs.
3 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neu
anmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte
im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest,
bei der
Prüfung einer Neuanmeldung sei massgeblich,
ob sich
die berufliche oder medi
zinische Situation wesentlich verändert habe. Eine solche Veränderung sei nicht festgestellt worden (S. 1).
Die Beschwerdegegnerin
habe die medizinischen Unterlagen
ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vorgelegt
.
Die geltend gemachten
Kniebeschwerden
seien demnach
aktenkundig
gewesen
.
Eine erhebli
che Änderung der bisherigen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ergebe sich dar
aus aber nicht
(S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1)
, die heute bestehenden Kniebeschwerden seien im früheren Verfahren nicht Gegenstand der Prüfung gewesen. In keinem
der
damaligen
ärztlichen Bericht
e
fänden sich Hinweise auf Kniebeschwerden (S. 4
Ziff.
5). Im Bericht vom 7.
Feb
ruar 2019 werde auf die vorbestehende und bereits bekannte chronische
Epikon
dylitis
rech
ts eingegangen. In Bericht vom 2
7.
Februar 2019
sei
nun aber
die Diagnose einer
Varuspangonarthrose
links gestellt
worden
. Die geklagten Knie
beschwerden würden damit hinreichend erklärt
. Gemäss einem weiteren Bericht vom 1
9.
Februar 2020 sei die körperliche Arbeit als Putzfrau nicht mehr durch
führbar
(S. 4
Ziff.
6).
2.3
Die Beschwerdegegnerin
stellte
in der
Vernehmlassung vom 1
1.
Mai 2020
ergän
zend
fest
, in der Stellungnahme des RAD vom 2
1.
Juni 2019 seien Kniebes
chwer
den berücksichtigt worden und es sei
eine neue Diagnose festgestellt worden. Die Veränderung des Gesundheitszustandes müsse jedoch anspruchserheblich sein. Dies sei vorliegend nicht der Fall, da
sich
an
der bisherigen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit keine Änderung ergebe (
Urk.
6 S. 1 f.).
2.4
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auf die
erneute A
nmeldung der Beschwerdeführerin vom 1
5.
April 2019
zu Recht nicht eingetreten ist und ob neu gegebenenfalls ein Rentenanspruch besteht.
3.
3.1
Die
Beschwerdeführerin
verletzte sich
am
4.
Februar 2016 bei einem Sturz am rechten Ellenbogen (
Urk.
7/39/3
Ziff.
2, 4, 6 und 9).
PD
Dr.
med. A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
nannte
im Bericht vom 2
2.
April 2016 (
Urk.
7/39/32-33)
nach der
Konsultation vom 2
1.
April 2016
als
Diagnose
eine
traumatische Strecksehnenpartialruptur
Epikondylus
radialis
Ellenbogen rechts
nach Sturz vom
4.
Februar 201
6.
PD
Dr.
A._
führte zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin sei
am 4.
Februar 2016
ausgerutscht und auf den rechten flektierten Ellenbogen gestürzt, mit einschiessendem Schmerz. Sie habe bis heute gearbeitet. Es bestünden persis
tierende, belastungsabhängige starke Ellenbogenschmerzen rechts im Bereich des
Epicondylus
. In Ruhe bestünden mässige Schmerzen (
S. 1).
3.2
Dr.
med.
B._
nannte im Arztzeugnis vom
6.
Oktober 2016
(
Urk.
7/39/35)
als Diagnose
eine
traumati
sche Strecksehnenpartialruptur
Epikondylus
radialis
Ellenbogen rechts (
Ziff.
5)
und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem
1.
September 2016 (
Ziff.
8).
3.3
Ein a
m 1
2.
Januar 2017
erstelltes
MRI des Ellenbogens nativ rechts
(
Urk.
7/31/7 =
Urk.
7/39/60)
ergab
vermutlich einen
Status nach leichtgradiger Zerrung im Ursprungsberei
ch des
ulnaren
Kollateralbandes
ohne abgrenzbaren Riss
und
eine leichtgradige
Epikondylitis
radialis
. Eine Degeneration im E
llenbogengelenk wurde verneint.
3.4
PD
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabili
tation,
Chefarzt,
D._
, nannte im Bericht vom
2.
März 2017 (
Urk.
7/43/1-2) als Diagnose (S. 1):
Epicondylitis
humeroradialis
rechts, dominant (Erstmanifestation Februar 2016)
-
anamnestisch Sturz mit Ellenbogenkontusion rechts vom
4.
Februar 2016
-
aktenanamnestisch Signalalterationen im
intratendinösen
Bereich der Handgelenks- und Fingerextensoren, vereinbar mit einer Partialruptur, etwas unregelmässige
dorso
-radiale
Plica
(nativ MRI Ellenbogen rechts)
PD
Dr.
C._
führte zur Anamnese aus,
e
s bestünden Dauerschmerzen radial
betont im Ellenbogen. Zudem sei es in letzter Zeit zu einer Schmerzausweitung in den rechten Oberarm gekommen. Die Beschwerden
exazerbierten
bei jeglicher Bewegung und
Belastung (S. 1 unten).
Es bestehe eine leichte Schwellung über dem
Epicondylus
lateralis
.
Sonogra
phisch
sei
eine
Tendinopathie
der
Extensorensehnen
zu
bestätigen
. PD
Dr.
C._
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2).
3.5
Der Krankentaggeldversicherer veranlasste eine Untersuchung der Beschwerde
führerin im
E._
, die am 1
8.
Mai 2017 erfolgte (
Urk.
7/45 S. 1).
PD
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabi
litation und für Rheumatologie, führte
im Gutachten
vom
4.
September 2017 (
Urk.
7/45) aus, die Beschwerdeführerin habe berichtet, dass sie im Februar 2016 ventral breit auf den rechten Arm gestürzt sei
. Es seien sofort Schmerzen aufge
treten. Nach zwei Wochen habe si
e die Arbeit wiederaufgenommen, wobei ihr Sohn bei den Reinigungsarbeiten
mitgeholfen
habe
(S. 6 oben).
Die Beschwerde
führerin
habe Dauerschmerzen beschrieben
, die tags und nachts bestünden
(S. 6 unten).
A
rbeitsbezogene
Beschwerden
habe
sie
nicht genau benennen können
. Die Reinigung von
Nasszellen
und Staubsaugen
hätten ihr
aber
etwas mehr
Beschwerden
bereitet
(S. 7 oben).
PD
Dr.
F._
nannte
folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 1
Ziff.
1):
chronischer unspezifischer Ellenbogenschmerz rechts
-
fremddiagnost
isch: traumatische Strecksehne
n
-
Partialruptur am
Epi
condylus
radialis
rechts nach Sturz auf den Ellenbogen am
4.
Februar 2016
-
aktuell nicht auf eine spezifische Struktur zurückzuführende Schmerz- und Funktionsstörung
-
psychosoziale Belastungsfaktoren, Therapieresistenz
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er
ein dysfunkti
onales Krankheitsverhalten (S. 1
Ziff.
1).
Die Beschwerdeführerin sei mit einem Pensum von zirka 80
%
in der Reinigung tätig gewesen. Im Februar 2016 sei sie auf d
en rechten Ellenbogen gestürzt, wobei der Verletzungsmechanismus nicht ganz plausibel geworden sei.
Die Beschwer
den seien als Partialruptur im Bereich der
Extensorensehnen
am
Epicondylus
lateralis
interpretiert worden.
Sie
seien mittels Physiotherapie,
Bot
ulinus
-Infiltra
tionen sowie
Corticosteroid
-Infiltrationen am
Epicondylus
behandelt worden, ohne dass die
Massnahmen eine wesentliche Verbesserung gebracht hätten. Auf
grund der initialen Therapieresistenz sei die Beschwerdeführerin nach zirka vier Monaten erstmals zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben worden
, was in der Folge konsequent weitergeführt worden sei
.
Im Rahmen eines rheumatologischen Kon
siliums
in der
D._
im März 2017 sei eine eher unspezifische
Epicondylopathie
radialis
beschrieben worden
. Eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
sei bestätigt worden
(S. 2
Ziff.
2 oben).
Die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Untersuchung im
E._
eher unspezi
fische Schmerzen im rechten Ellenbogen ohne eindeutige Lokalisation angege
ben. Dabei habe
sie Schmerzen
im obersten Bereich
auf der Schmerzskala
mit geringer Besserung durch Medikamente beschr
i
eben (S. 2
Ziff.
2 Mitte).
In unbe
obachtetem
Zustand habe
sie
Bewegungen zwar umständlich, beim Abschluss der Untersuchung aber recht flüssig ausgeführt.
Die deutlich reduzierten Ergebnisse
bei der Testung der Kraft
seien nicht konsistent und
stünden im Kontrast
zu der weitgehend symmetrischen
Trophik
im
Bereich der oberen Extremitäten. Eine Dif
ferenz der Temperatur habe nicht verifiziert werden können.
Im Bereich des rechten Ellenbogens bestehe
ein weitgehend unspezifisches Beschwerdebild, wobei nicht auszuschliessen sei, dass das Verhalten
der Beschwerdeführerin
in anderen Situationen differiere. Die fehlenden Atrophien und
eine fehlende Einschränkung
der Beweglichkeit sprächen zumindest gegen eine schwerwiegende Funktionsstörung. Aufgrund gewisser Inkonsistenzen im Verhalten und in der klinischen Untersuchung sei auch nicht von einer
schwer
wiegenden Schmerzstörung auszugehen. Dies umso mehr, als die Beschwerdefüh
rerin psychisch ausgeglichen gewesen sei. In diesem Sinne lasse sich für die angestammte Tätigkeit
keine volle
Arbeitsunfähigkeit begründen. Unter Bezug auf die postulierten strukturellen Veränderungen seien gewisse Einschränkungen
jedoch
nicht auszuschliessen. Dies begründe einen abgestuften Einstieg in die
berufliche Tätigkeit
(S. 2
Ziff.
2 unten).
Die fehlende Wirkung der durchgeführten medizinischen und therapeutischen Massnahmen dürfte auf nicht organische Ursachen zurückzuführen sein (S. 3
Ziff.
3).
Bei der angestammten Tätigkeit handle es sich um eine leichte bis
knapp mittel
schwere Tätigkeit. Die
Beschwerdeführerin
könne sich
die Arbeit
weitgehe
nd selb
ständig einteilen
,
auch
wenn die Reinigung in einem gewissen zeitlichen Rahmen erledigt werden müsse. Nachvollziehbar sei, dass
sie
in der Anfangsphase keine volle Leistung habe erbringen könne
n
und sie deshalb von aussen unterstützt worden sei.
Eine solche wechselbelastende Tätigkeit mit gewissen Erschwernissen, vor allem beim Reinigen der Nasszellen, sei ganztags zumutbar. Medizinisch-the
oretisch werde dabei von einer Leistungsminderung von 20
%
entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
ausgegangen.
Eine leichte Tätigkeit, die das Hantieren von Gewichten bis
1
0 kg beinhalte, sei ganztags zumutbar. Zu vermeiden seien
dabei
repetitiv-monotone Arbeiten mit der rechten
oberen
Extremität mit gleichzeitigem Kraftaufwand. Ungünstig seien sodann Arbeiten, welche eine hohe Präzision mit gleichzeitigem Kraftaufwand der rechten Hand beinhalteten (S. 3
Ziff.
4.1 und 4.2).
Es werde die Wiederauf
nahme
der
angestammten Tätigkeit
mit einem Pensum von 50
%
empfohlen mit stufenweiser Steigerung des Pensums über drei Monate bis zu einer ganztätigen Präsenz bei einer Leistungsminderung von 20
%
entsprechend einer Arbeitsfä
higkeit von 80
%
. Für eine angepasste Tätigkeit
werde für den Einstieg ebenfalls ein Pensum vom 50
%
empfohlen.
Das Pensum könne
i
nnerhalb von drei Mona
ten auf eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
gesteigert werde
n
, ohne Leistungsmin
derung (S. 3
Ziff.
4.3). Medizinich-therapeutische Massnahmen dürften auch in Zukunft
höchstens unterstützend wirken. Diese würden
die Arbeitsfähigkeit aber nicht beeinflussen (S. 4
Ziff.
4.4).
3.6
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie, RAD, führte
in der
Stellung
nahme vo
m 1
3.
Februar 2018 (
Urk.
7/56 S. 2 f.) aus, gemäss dem Gutachten von
Dr.
F._
vom
4.
September 2017
bestünden
als
Diagnose
mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit chronische unspezifische Schmerzen am rechten Ellenbogen. Als Diagnose ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit bestehe ein dysfunktionales Krankheitsverhalten (S. 2 Mitte).
In der bisherigen Tätigkeit als Putzfrau bestehe gemäss Aktenlage seit dem 14.
Juni 2016 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Als Belas
tungsprofil
kämen
leichte (angepasste) Tätigkeiten
in Frage
ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten von mehr als 5 kg, ohne Arbeiten in Armvorhal
teposition und ohne Überkopfarbeiten. Solche Tätigkeiten seien medizinisch-the
oretisch zu 100
%
zumutbar. In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit jeher eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
(S. 2 unten).
3.
7
Mit Verfügung vom
5.
März 2018 verneinte die Beschwerdegegnerin bei einem Invaliditätsgrad von 20
%
einen Rent
enanspruch (
Urk.
7/57 S. 1 f.).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin reichte mit der
erneuten Anmeldung
vom 1
5.
April 2019 einen Bericht
von
Dr.
med.
H._
,
D._
,
v
om
7.
Februar 2019 (
Urk.
7/62/1-2) ein.
Dr.
H._
nannte als
Diagnose
eine
chronische
Epicondylitis
radialis
rechts bei einem Status nach
einem
Sturz auf den rechen Arm am
4.
Februar 201
6.
Über ein MRI des rechten Ellenbogens vom
1.
Februar 2019 wurde ausgeführt,
es
bestehe ein
e
tendinopathisch
veränderte, verdickte
Extensorengruppe
am
Epico
n
dylus
humeri
radialis
, jedo
ch ohne Anzeichen einer Partial
ruptur. Im Vergleich zu den Vorbildern bestehe ein
regredienter
Befund. Am
Capitulum
bestünden unveränderte Knorpelläsionen. Die Seitenbänder seien intakt. Radiologisch könne eine Ruptur der
Extensorengruppe
ausgeschlossen werden, bei ersichtlicher
Tendinopathie
. Bildgebend bestehe aber ein
regredient
er
Befund. Klinisch bestün
den unveränderte Zeichen für eine
Epicondylitis
humeri
radialis
. Aus schulter
chirurgischer Sicht könne der Patientin k
eine
Operation angeboten werden (S. 1 unten).
4.2
Dr.
med.
I._
, Assistenzärztin, und
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara
tes, Oberarzt,
K._
,
nannten
im Bericht vom 27.
Februar 2019 (
Urk.
7/62/3-4)
als
Diagnose
eine
Varuspangonarthrose
links.
Sie
führten aus, die Beschwerdeführerin ha
be über seit zirka sechs Monate
n
bestehende belastungs
abhängige Schmerzen medial im linken Knie berichtet. Ruhe- oder Nachtschmer
zen bestünden nicht. Die Einnahme von
Tilur
führe
zur
Besserung der Schmerzsymptomatik. Sie benötige das Mittel zweimal täglich.
Eine weiterfüh
rende Therapie bestehe bislang nicht.
Zum Befund wurde ausgeführt
, eine
retropatelläre
Beschwerdesymptomatik bestehe nicht
. Hingegen bestehe eine deutliche
Druckdolenz
am medialen Gelenk
spalt und der
Varusstress
medial sei leicht schmerzhaft. Eine vermehrte
mediola
terale
Aufklappbarkeit bestehe nicht. Die Röntgenbilder vom 1
1.
Februar 2019 hätten degenerative Veränderungen in allen drei Kniegelenkskompartimenten ergeben, medial betont, ohne vollständigen Kollaps der Gleitlager (S. 1 unten).
Es liege eine symptomatische
Varuspangonarthrose
links vor,
welch
e die geklag
ten Beschwerden hinreichend erkläre. Primär werde das Ausschöpfen von kon
servativen Therapiemassnahmen empfohlen. Unter anderem werde eine gezielte Physiotherapie
empfohlen
, speziell für den Muskelaufbau sowie zwecks Stabili
sation und
Patellazentrierung
(S. 2).
4.3
Dr.
med. L._
, RAD, führte in der Stellungnahme vom 2
1.
Juni 2019 (Urk.
7/64 S. 2) aus, im Bericht vom
7.
Februar 2019 werde die bereits bekannte chronische
Epicondylitis
radialis
rechts beschrieben. Im Bericht der Ärzte der
K._
vom 2
7.
Februar 2019 werde die Diagnose einer degenerativ bedingten symptomatischen
Varuspangonarthrose
links gestellt. Die Therapieop
tionen
seien als nicht ausgeschöpft beurteilt worden.
Das in der
Stellungnahme des RAD vom 1
3.
Februar 2018
beschriebene Belas
tungsprofil
sei dahingehend zu erweitern, dass keine repetitiven Arbeiten in kniender beziehungsweise kauernder Po
sition erfolgen sollten. Des Weiteren seien Arbeiten auf
Leitern zu vermeiden. Bei Weiterführung der konservativen Therapien bestehe aktuell keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Eine ganztags umsetzbare Tätigkeit könne bezüglich der Leistungsfähigkeit durch vermehrte Pausen eingeschränkt sein. Die Einschränkung der Leistungsfähigkeit umfasse zirka 10 %. Das vor
g
e
le
gte Attest beziehe sich auf die bisherige Tätigkeit als Reinigungskraft. Für diese Tätigkeit bestehe gemäss der Stellungnahme des RAD vom 1
3.
Februar 2018
(ohnehin)
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
4.4
Die Beschwerdeführerin reichte im vorliegenden Verfahren einen Bericht von
Dr.
med.
M._
, Assistenzarzt, und
Dr.
J._
,
K._
,
vom 1
9.
Februar 2020 (
Urk.
3) ein.
Dr.
J._
und
Dr.
M._
nannten als Hauptdiagnose
eine
medial betonte
Pan
gonarthrose
links mit/bei Status nach Kniegelenksinfiltration mittels Lokal
anästhetikum und
Ropivacain
November 2019 (S. 1 Mitte).
Sie
führten zur Anam
nese aus, die Kniegelenksbeschwerden seien
zweieinhalb bis drei Wochen
nach
einer
Kniegelenksinfiltration im November 2019 zu 80 bis 90
%
verschwunden
gewesen
. Unter Belastung und Bewegung seien die Beschwerden jedoch wieder unverändert zu
m
präinfitrativen
Zustand
aufgetreten
. Die Beschwerdeführerin benötige täglich
Tilur
retard
.
Sie beschreibe auch Ruheschmerzen.
Gemäss einem
Röntgenbild vom 1
9.
Februar 2020
bestehe eine medial betonte
Pangonarthrose
mit ei
ner Gelenksspaltverschmälerung,
osteophytären
Anbauten und
subchondraler
Sklerosierung
. Lateralseitig und
retropatellär
bestünden eben
falls Anzeichen einer beginnenden Gonarthrose (S. 1 unten).
Es bestehe ein alltäglicher erhöhter Leidensdruck. Aufgrund der schmerzhaften Gonarthrose sei eine körperliche Arbeit wie Putzen nicht mehr zumutbar. Das Ansprechen auf die Kniegelenksinfiltration deute auf eine fokale Beschwer
deproblematik hin. Die konservativen Therapieoptionen seien ausgeschöpft (S. 2).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin klagt seit
einem Sturz vom
4.
Februar 2016
über
Beschwerden am rechten Elle
n
bogen.
Dr.
F._
attestierte
im Gutachten vom
4.
September 2017
für die angestammte
Tätigkeit
aufgrund der Beschwerden
eine
reduzierte
A
rbeitsfähigkeit von 80
%
.
Für eine körperlich leichte, angepasste Tätigkeit attestierte er eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(vorstehend E. 3.5.3).
RAD-Arzt
Dr.
G._
attestierte für die angestammte Tätigkeit als Putzfrau dagegen eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(E. 3.6).
Die Ärzte der
K._
nannten
in den
neu eingereichten
Berichten vom 2
7.
Februar 2019 und
vom
1
9.
Februar 2020
zudem
als
Diagnose
eine
medial betonte
Pangonarthrose
links (E. 4.2 und 4.4
hiervor
).
5.2
Die Ärzte der
K._
kamen im
Bericht vom 1
9.
Februar 2020
zur Ein
schätzung
, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit in der Reini
gung nicht mehr zugemutet werden
könne (E. 4.
4.
hiervor)
.
Bei dieser Tätigkeit handelt
es sich zumindest um eine mittelschwere Tätigkeit.
Es leuchtet ein, dass die
zusätzlichen
Beschwerden am linken Kniegelenk
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
in der Reinigung
haben können.
Dr.
G._
attestierte in der Stellungnahme vom 1
3.
Februar 2018 für die ange
stammte Tätigkeit seit dem 1
4.
Juni 2016 zwar eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(E. 3.6). RAD-Ärztin
Dr.
L._
bezog sich in
ihrer
Stellungnahme vom 21.
Juni 2019 auf
die
frühere Einschätzung des RAD.
Die Beschwerdegegnerin
wich
in der Verfügung vom
5.
März 2018 jedoch von der Beurteilung ihres RAD
ab
und
stellte
auf eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
in der angestammten
Tätigkeit ab, wobei sie entsprechend der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
einen Invali
ditätsgrad von 20
%
ermittelte
(
Urk.
7/57).
Nachdem die Beschwerdegegnerin
bei der letztmaligen Beurteilung der Verhältnisse
von
der Einschätzung
ihres RAD
abgewichen ist, vermag nicht zu überzeugen, wenn sie sich
nun
auf das vom RAD aufgestellte Belastungsprofil berufen will.
Zudem ist
gemäss den
Angaben der Ärzte der
K._
von einer massgeblichen
gesundheitlichen
Ver
schlechterung auszugehen, nachdem diese die angestammte Tätigkeit anders als
noch
Dr.
F._
als
nicht mehr zumutbar erachten.
Die Beschwerdeführerin hat mit den
neueren
Berichten der Ärzte der
K._
eine gesundheitliche Verschlechterung
glaubhaft dargelegt
.
Bei dieser Aus
gangslage ist
namentlich die Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung
der bekannten Beschwerden am rechten Ellenbogen und der Kniebeschwerden
umfassend abzuklären.
Die Beurteilung durch RAD-Ärztin
Dr.
L._
, wonach für eine angepasste Tätigkeit von einer Einschränkung von zirka 10
%
auszugehen sei (vorstehend E. 4.3), beruht nicht auf einer persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin und
genügt für eine a
bschliessende Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit nicht.
5.3
Zusammenfassend ist die Beschwerdegegnerin
auf
die
erneute Anmeldung
der Beschwerdeführerin
vom 1
5.
April 2019
zu Unrecht nicht eingetreten.
Die
Aus
wirkungen der Beschw
erden am rechten Elle
nbogen und
die
Folgen der
Varu
spangonarthrose
am linken Knie
auf die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin sind
von der Beschwerdegegnerin daher ergänzend
abzuklären. Anschliessend hat sie erneut
zu verfügen
. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
6
00.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die anwaltlich
vertretene Beschwerdeführerin
ist vorliegend
bei einem praxisge
mässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) mit
Fr.
2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.