Decision ID: 38b9e29f-84c0-4179-b869-c8ee2d1b7a1d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1958 geborene X._
war seit dem 1. Oktober 2016 bei der
Y._ AG in Z._
und seit dem 1. Januar 2017 bei der
Y._
1
AG in A._
bei einem jeweiligen 50%-Pensum angestellt (vgl. Kader-Arbeitsverträge, Urk. 7 S. 313-318). Überdies ist die Versicherte seit Mai 2015 bei der
B._
GmbH (Unternehmens
be
ratung, Lebensberatung)
in Z._
als alleinige Gesellschafterin und Geschäfts
führerin und seit Januar 2018 als einzelzeichnungsberechtigtes Mitglied des Ver
waltungs
rates der
C._ AG
in
A._
im Handelsre
gister eingetragen (Urk. 7 S. 384 f.). Am 11. Januar 2019 meldete sie sich beim Regionalen Arbeits
vermittlungszentrum (RAV) D._
zur Arbeitsvermittlung (Urk. 7 S. 397) und beantragte am 16. Januar 2019 Arbeitslosenentschädigung ab dem 11. Januar 2019 (Urk. 7 S. 393-396 und ergänzt Urk. 7 S. 319-322
)
.
Die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (ALK) tätigte Abklärungen zur Vermitt
lungsfähigkeit (Urk. 7 S. 343 f.), forderte - unter Fristansetzung und unter An
drohung, dass im Falle der Nichteinreichung der Unterlagen innerhalb von drei Monaten nach Antrags
stellung ihre Ansprüche
erlöschten
- Belege für den Lohn
fluss (wie Lohnab
rechnungen und Bankkonto-Auszüge über die erhaltenen Lohn
zahlungen) seitens der beiden Arbeitsverhältnisse sowie ihrer Firmen-Beschäfti
gungen an (vgl. Schreiben vom 3. Juni und 16. Juli 2019, Urk. 7 S. 341 f. und Urk. 7 S. 333 f.). Nachdem die Versicherte die verlangten Unterlagen
d
er beiden Unternehmen
B._
GmbH und
C._
AG nicht innert Frist eingereicht hatte, erklärte die ALK mit Verfügung vom 7. August 2019 einen allfälligen Anspruch der Versicherten auf Arbeitslosenent
schädigung für die Monate Januar bis April 2019 als erloschen (Urk. 7 S. 284 f.). Die dagegen erhobene Einsprache vom 29. August 2019 (Urk. 7 S. 280) wies die ALK mit
Einspracheentscheid
vom 19. November 2019 ab (Urk. 7 S. 269-272). Mit Schreiben vom 21. Janu
ar 2020 forderte die ALK X._
auf, Aus
züge über Konto-Gutschriftanzeigen, welche sämtliche Lohnzahlungen der letzte
n 12 Monate der Firmen
Y._
1
AG
A._
und
Y._ AG Z._
belegten sowie Buchhaltungsunterlagen ihrer beiden Unternehmen sowie Auszüge über Konto-Gutschriftanzeigen, welche den Lohn
fluss dort belegten, bis zum 4. Februar 2020 einzureichen; dabei wurde sie wie
derum auf die Säumnisfolgen hingewiesen (Urk. 7 S. 263). Mit Eingabe vom
2. Februar 2020 reichte
X._
diverse Unterlagen ein (Urk. 7 S. 258-261
). Mit Verfügung vom 25. März 2020 verneinte die ALK einen Anspruch der Ver
sicherten auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 15. Januar 2019, da sie die erforderlichen zwölf Monate beitragspflichtige Beschäftigung nicht erfülle und kein Grund für die Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit ersichtlich sei (Urk. 7 S. 255).
X._
erhob dagegen am 7. April
2020 Einsprache (Urk. 7 S. 251, unter Beilage einer Vereinbarung mit der Arbeitgeberin
Y._
AG in Z._
vom 4. Dezember 2017 über die Lohn
zah
lungen für Dezember 2017 und Januar 2018, wonach der Lohn ausnahms
weise in Naturalien bezahlt worden sei, Urk. 7 S. 252 ff.). Daraufhin stellte ihr die ALK
Rückfragen (Schreiben vom 22. April 2020, Urk. 7 S. 248 f.), welche sie am 22. Mai
2020 beantwortete (Urk. 7 S. 179 f.). Mit Schreiben vom 27.
Mai 2020 stellte die ALK
X._
weitere Fragen und gewährte ihr eine Frist bis 26. Juni 2020 (Urk. 7 S. 176 f.). Mit E-Mail vom 30. Juni 2020 erkundigte sich die Versicherte nach dem Verfahrensstand und reichte ihre Eingabe vom 22. Mai 2020 nochmals ein (Urk. 7 S. 34). Die ALK antwortete gleichentags per E-Mail, dass innert der mit Schreiben vom 27. Mai 2020 angesetzten Frist keine Stellung
nahme einge
gangen sei, weshalb in den nächsten Tagen aufgrund der vorliegen
den Akten entschieden werde (Urk. 7 S. 34). Mit
Einspracheentscheid
vom 3. Juli 2020 wies die ALK die Einsprache vom 7. April 2020 ab (Urk. 2). Mit E-Mail vom 6. Juli 2020 machte die Versicherte geltend, seit dem Schreiben vom 22. April 2020 keine weiteren Mitteilungen der ALK erhalten zu haben und erbat um eine Nachfrist (Urk. 7 S. 25), welche die ALK nicht gewährte, weil der
Einspracheent
scheid
bereits verschickt worden sei (Urk. 7 S. 25).
1.2
Gegen diesen
Einspracheentschei
d
vom 3. Juli 2020 erhob
X._
am 4. September 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, der angefochtene
Ein
spracheentscheid
sei aufzuheben und es seien ihr ab dem 15. Januar 2019 Arbeitslosentaggelder auszuzahlen. Mit Beschwerdeantwort vom 22. September 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7 S. 1-397).
Am 15.
Dezember 2020
erstattete die Beschwerdeführerin ihre
Replik
und hielt an ihren Anträgen fest (Urk. 13, samt Beilagen: Urk. 14/1-11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Erstattung einer Duplik (Urk. 17), was der Beschwerdeführerin am 13. Januar 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 18).
Mit Verfügung vom 2. Juni 2021 wurde die Beschwerdeführerin unter Fristan
setzung aufgefordert, zum Nachweis eines tatsächlichen Lohnflusses unver
fälschte Auszahlungsbelege über sämtliche Lohnzahlungen der letzten 12 Monate der
Y._
AG Z._
und der
Y._
1
AG
A._
auf ein auf ihren Namen lautendes Post- oder Bankkonto einzureichen und überdies zur Beurteilung der Vermittlungsfähigkeit die Buchhaltungs
unter
lagen wie Jahresabschlüsse etc. sowie Auszüge über Konto-Gutschriftanzeigen,
welche den Lohnfluss dort belegten, der
B._
GmbH und der
C._
AG seit ihrem Bestehen bis heute einzureichen (Urk
. 20).
Mit Eingabe vom 19. August 2021 reichte die Beschwerdeführerin die verlangten Unterlagen ein (Urk. 23-24/1-12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, die Be
schwerdeführerin habe innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist für die Beitrags
zeit vom 15. Januar 2017 bis 14. Januar 2019 nicht während mindestens 12 Mo
na
ten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt. In dieser Zeit könne sie
vom 15. Januar bis 30. November 2017 nur eine Beitragszeit von 10.560 Mona
t
en vorweisen. Ab Dezember 2017 sei
en
sowohl der Bestand der Arbeitsver
hältnisse mit den beiden Arbeitgeberinnen
Y._
AG Z._
und
Y._
1 AG
A._
als auch ein tatsächlicher Lohnbezug (weder in
Geldform
noch in Naturalien) als wesentliches Indiz für den Beweis einer ausgeübten Arbeitnehmertätigkeit nicht gegeben, weshalb die weitere Zeit nicht als Beitragszeit anzurechnen sei
(Urk. 2 und Urk. 6).
1
.2
Die Beschwerdeführerin macht gegenüber geltend, dass beide rechtsgültigen und unbefristeten Arbeitsverträge mit den beiden Arbeitgeberinnen in ungekündigtem Zustand gewesen seien und folglich auch nach November 2017 offene Lohnfor
derungen bestanden hätten, welche sie durchaus zeitnah bereits ab Januar 2018 eingefordert habe. Sie sei vom 29. Dezember 2017 bis 31. Mai 2018 aufgrund eines Burnouts zu 100 % arbeitsunfähig gewesen und habe danach ihre Arbeits
leistung wieder angeboten. Mangels verabredeter Krankentaggeldversicherung wären die Arbeitgeberinnen aber für rund zwei Monate lohnfortzahlungspflichtig gewesen. Entsprechend habe sie ihre Lohnansprüche von Dezember 2017 bis Ende
Februar 2018 (zuzüglich 13. Monatslohn 2017, Ferienlohn und Spesen) im arbeit
s
gerichtlichen Verfahren eingeklagt und schliesslich auch eine Betreibung einge
leitet, welche aber mangels Aktiven eingestellt worden sei (Urk. 1 und Urk. 13).
1.3
Streitig ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 15. Januar 201
9.
Dazu müsste sie unter anderem
trotz Selbständigkeit ver
mittlungsfähig
gewesen
sein (vgl. nachfolgend E.
2
) und
in den vorangegan
genen zwei Jahren (Rahmenfrist) während mindestens zwölf Monaten eine bei
trags
pflichtige Beschäftigung ausgeübt haben oder von der Erfüllung der Bei
tragszeit befreit sein (
vgl. nachfolgend E.
3
). Zu prüfen ist insbesondere, ob das
Arbeitsverhältnis mit de
r
Y._
AG auch über den November
2017 hinaus gedauert hat
(vgl. nachfolgend E. 4)
.
2.
2.1
Vermittlungsunfähigkeit liegt unter anderem vor, wenn die versicherte Person nicht bereit oder in der Lage ist, eine Arbeitnehmertätigkeit auszuüben, weil sie eine selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen hat oder aufzunehmen gedenkt, sofern sie dadurch nicht mehr als Arbeitnehmerin oder Arbeit
nehmer vermittelt
werden kann beziehungsweise ihre Arbeitskraft in die
ser Eigenschaft nicht so ein
setzen kann oder will, wie es eine Arbeitgeberin oder ein Arbeitgeber nor
ma
lerweise verlangt. Versicherte, die im Hin
blick auf anderweitige Verpflichtungen oder besondere per
sönliche Ums
tände lediglich während gewisser Tages
oder Wochenstun
den sich erwerblich betätigen wollen, können nur sehr bedingt als vermittlungsfähig anerkannt werden. Denn sind einer versicherten Person bei der Auswahl des Arbeitsplatzes so enge Grenzen gesetzt, dass das Finden einer Stelle sehr ungewiss ist, muss Vermittlungsunfähigkeit angenommen wer
den (BGE 120 V 385 E. 3a mit Hinweisen; ARV 2003 Nr. 14 S. 129 E. 2.1).
2
.2
Gemäss Einträgen im Handelsregister ist die Beschwerdeführerin seit Mai 2015 bei der
B._
GmbH (Unternehmensberatung, Lebensberatung) als alleinige Gesellschafterin und Geschäftsführerin und seit
Januar 2018 als einzelzeichnungsberechtigtes Mitglied des Verwaltungsrates
der
C._
AG
im Handelsregister eingetragen (www.zefix.ch).
Am 21. Mai 2019 kam das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) im Rahmen einer vorläufigen Einschätzung zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin trotz ihres Wirkens bei den beiden vorgenannten Firmen vermittlungsfähig sei (Urk. 7 S. 343 f.)
2
.3
Hinsichtlich der Vermittlungsfähigkeit
ist nur massgebend
, ob die
Beschwerde
führerin
seit der Anmeldung zum Leistungsbezug im Januar 2019 vermitt
lungs
fähig war. Die Beschwerdeführerin reichte nebst den Jahresrechnungen 2017-201
9
der beiden Unternehmen
B._
GmbH (Urk. 24/1
6-8
) und der
C._
AG (Urk. 24/3-5) auch jeweilige Bestätigungen der zu
ständigen
Treuhandstelle E._
AG vom
30. Juli 2021 ein, wonach die Beschwerdeführerin von 2018 bis zu ihrem Ausscheiden bei der
C._
AG Ende 2019 (Urk. 24/1
, vgl. www.zefix.ch
) beziehungsweise bis Ende 2020 bei der
B._
GmbH (
Urk. 24/2) keinen Lohn bezogen habe. Gestützt auf die Bestätigungen des Treuhänders ist -
auch
in Überein
stim
mung mit der damals vorläufigen Einschätzung des AWA (vgl. Urk. 7 S. 343 f.) -
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei den beiden vorgenannten Firmen nur nebenbei wirkte und entsprechend auch keinen Lohn dafür erhielt, weshalb
die Voraussetzung der Vermittlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu bejahen
ist
.
3
.
3
.1
3
.1.1
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosen
ent
schädigung besteht darin, dass die ver
si
cherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1
lit
. e
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung,
AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der Rahmenfrist nach Art. 9 Abs. 3 AVIG während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung unter dem Ge
sichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach
Art.
8
Abs.
1
lit
. e in Verbindung mit
Art.
13
Abs.
1 AVIG ist grundsätzlich einzig die Ausübung einer beitragspflich
tigen Beschäftigung während der geforderten Dauer von zwölf Beitragsmonaten. Diese Tätigkeit muss genügend überprüfbar sein. Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung kommt dabei nach dem Gesagten nicht der Sinn einer selbständigen Anspruchsvoraussetzung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in kritischen Fällen unter Umständen ausschlaggebenden Indizes für die Ausübung einer bei
tragspflichtigen Beschäftigung. Soweit eine solche Beschäftigung nachgewiesen, der exakte ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben ist, hat eine Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (Urteil des Bundesgerichts 8C_75/2013 vom 2
5.
Juni 2013 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 131 V 444 E. 3.2.3).
3
.1.2
Nach der Rechtsprechung ist die Ausübung einer an sich beitragspflichtigen Be
schäftigung nur Beitragszeiten bildend, wenn und soweit
hiefür
effektiv ein Lohn ausbezahlt wird. Mit dem Erfordernis des Nachweises effektiver Lohnzahlung sollen und können Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhindert werden. Als Beweis für den tatsäch
lichen Lohnfluss genügen Belege über entsprechende Zahlungen auf ein auf den Namen des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin lautendes Post- oder Bank
konto. Bei behaupteter Barauszahlung fallen Lohnquittungen und Auskünfte von ehemaligen Mitarbeitern (allenfalls in Form von Zeugenaussagen) in Betracht. Höchstens Indizien für tatsächliche Lohnzahlung bilden Arbeitgeberbe
scheini
gungen, vom Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin unterzeichnete Lohnabrech
nun
gen und Steuererklärungen sowie Eintragungen im individuellen Konto (BGE 131 V 444 E. 1.2 mit Hinweisen).
3
.2
A
ls
Beitragszeit angerechnet werden auch Zeiten, in denen der Versicherte zwar in einem Arbeitsverhältnis steht, aber wegen Krankheit (Art. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) oder Unfalls (Art. 4 ATSG) keinen Lohn erhält und daher keine Beiträge bezahlt (Art. 13 Abs. 2
lit
. c AVIG).
3
.3
Anhaltspunkte für eine Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit nach Art. 14 AVIG sind in den Akten nicht ersichtlich und wurden von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht.
3
.4
Zur Dauer der Arbeitsverhältnisse mit der
Y._
(1) AG Z._
und
A._
finden sich in den Akten folgende Angaben:
3
.4
.1
Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 16. Januar 2019 (
Urk. 7 S. 393-396
und ergänzt Urk. 7 S. 319-322
) gab die Beschwerdeführerin
an, dass die am
1. Oktober 2016
beziehungsweise am 1. Januar 2017 beginnenden Arbeitsver
hält
nisse weiter andauerten.
3
.4
.2
Den beiden fast identisch lautenden Kader-Arbeitsverträgen mit der
Y._
(1) AG Z._
und
A._
(Urk. 7 S. 313-318) sind folgende Verab
re
dungen zu entnehmen: der Stellenantrit
t war am 1. Oktober 2016 (Z._
) respektive 1. Januar 2017 (
A._
), die Beschwerdeführerin war jeweils im 50 %-Pen
sum beschäftigt und erzielte je ein Brutto-Gehalt von Fr. 11‘700.-- zuzüglich 13. Monatslohn sowie eine Spesenentschädigung von Fr. 300.--. Die Kündi
gungs
frist beträgt drei Monate und es gilt die gesetzliche Lohnfortzahlungspflicht ohne verabredeter Krankentaggeldversicherung.
3
.4
.3
Im Rahmen des
Einspracheverfahrens
reichte die Beschwerdeführerin die Verab
redung mit der
Y._
AG Z._
vom 4. Dezember 2017 ein (Urk. 7 S. 252 f.), wonach ihr aufgrund der aktuell finanziell angespannten Situation der Lohn für Dezember 2017 und Januar 2018 von Fr. 24'000.-- in Naturalien gemäss beigefügter Aufstellung entrichtet werde.
3
.4
.4
In den Unterlagen finden sich zwar Hinweise auf eine am 31. Dezember 2017 durch die Beschwerdeführerin per E-Mail in Empfang genommene Kündigung des Arbeitsverhältnisses seitens der
Y._
AG
Z._
(Urk. 13 S. 3, Urk. 14/2 und Urk. 14/3 S. 2). Die Beschwerdeführerin hielt aber zuhanden der Arbeitgeberin (Urk. 14/2) als auch zuhanden der Schlichtungsbehörde in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten (Urk. 14/3) fest, dass sie aufgrund ihrer seit 29. Dezember 2019 bestehenden vollständigen
krankheitsbedingten Arbeitsun
fähigkeit (
vgl. entsprechende Arbeitsunfähigkeitszeugnisse, insbesondere Urk. 7 S. 380) davon ausgehe, dass die Kündigung gemäss Art. 336c des Obligationen
rechts (OR) nichtig gewesen sei.
3
.4
.5
Trotz zahlreichen Bemühungen konnte die Beschwerdeführerin von ihren Arbeit
geberinnen keine Arbeitgeberbescheinigungen erhältlich machen (Urk. 7 S. 392,
Urk. 7 S. 328-323). Erst das Konkursamt Zug, welches das Konkursverfahren gegen
die Konkursmasse
F._
AG - ehemals
Y._
1 AG
A._
- verwaltete, reichte die Arbeitgeberbescheinigung vom 24. Juni
2019 ein, nachdem diese das Arbeitsverhältnis mit der Beschwerdeführerin per 31. Januar 2019 aufgelöst hatte (Urk. 7 S. 336 f.).
3
.4
.6
Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 25. Juli 2019 (Urk. 7 S. 232 f.) fest, dass beide Arbei
tsverhältnisse mit der
Y._
(1) AG ungekündigt seien und weiterhin beständen. Die Anstellung mit
A._
sei erst durch den Konkursverwalter per 31. Januar 2019 gekündigt worden.
3
.5
Zur Überprüfung eines tatsächlichen Lohnflusses reichte die Beschwerdeführerin e
ntsprechend der
verfügungsweisen
Aufforderung (vgl. Verfügung vom 2. Juni 2021, Urk. 20)
auf ihren Namen lautende Post- und Bankkonto-Auszüge über den Zeitraum von Januar 2016 bis August 2019 ein (Urk. 24/9-12). Aus diesen nun unverfälschten Auszahlungsbelegen ergeben sich sämtliche Netto-Lohnzah
lun
gen der
Y._
AG Z._
und der
Y._
1 AG
A._
von Oktober 2016 beziehungsweise ab Januar 2017 bis und mit November 2017
.
Damit ist ein tatsächlicher Lohnfluss nachgewiesen, weshalb
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt
ist, dass die Beschwerdeführerin innerhalb der massgebenden Rahmenfrist für die Beitragszeit
vom 15. Januar 2017 bis
zumindest Ende November 2017
bei den beiden Arbeitgeberinnen eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat.
4
.
4
.1
Nachdem nun
innerhalb der relevanten zweijährigen Rahmenfrist vor dem 15. Januar 2019 für die Zeit vom 15. Januar 2017 bis Ende November 2017 für 10.560 Monate eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgewiesen ist (vgl. vor
stehend E.
3.5
), ist nun zu prüfen, ob
die
Arbeitsverhältnisse mit der
Y._
(1) AG auch über den November 2017 hinaus gedauert
haben
.
4.2
Woraus die Beschwerdegegnerin schliesst, dass die beiden Arbeitsverhältnisse der Beschwerdeführerin mit der
Y._
(1) AG Z._
und
A._
per Ende November 2017 geendet haben sollen, ist nicht erkennbar. Massgebend ist das Ausüben einer beitragspflichtigen Beschäftigung und nicht di
e Erfüllung der Beitragspflicht, welche jeweils durch den Arbeitgeber zu erfolgen hat
(vgl. Barbara Kupfer Bucher,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG
,
4
. Auf
lage
, Zürich/Basel/Genf 2019, S. 46
).
Deshalb kann aus dem Umstand, dass die Arbeitgeberinnen die Beiträge für das Jahr 2017 offensichtlich nicht korrekt abgerechnet haben (vgl. IK-Auszug, Urk. 7 S. 246)
,
nichts zu Ungunsten der Be
schwer
deführerin abgeleitet werden. Bereits in der Anmeldung zum Leistungs
bezug gab die Beschwerdeführerin an, dass sie weiterhin in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis stehe (vgl.
Urk. 7 S. 393-396 und ergänzt Urk. 7 S. 319-322
, jeweils Ziffer 15).
Auch eine Kündigung findet sich nicht in den Akten; lediglich ein Hinweis auf eine am 31. Dezember 2017 per E-Mail erhaltene Kündigung, welche aber während einer seit dem 29. Dezember 2019 laufenden krankheits
bedingten
Sperrfrist
(vgl. Arbeitsunfähigkeitszeugnisse, insbesondere Urk. 7 S. 380)
gemäss A
rt. 336c des
OR
nichtig gewesen wäre.
Zudem ging auch da
s Konkursamt G._
, welches für das Konkursverfahren gegen die Konkursmasse
F._
AG - ehemals
Y._
1 AG
A._
-
zuständig war,
von einem fortbeste
henden Arbeitsverhältnis aus
und
löste
dieses schliesslich e
rst per 31. Januar 2019 auf
(vgl. nachgereichte Arbeitgeber
beschei
nigung vom 24. Juni 2019, Urk. 7 S. 336 f.).
4.3
Aus den Akten ergibt sich sodann, dass die Beschwerdeführerin, welche ab dem 29. Dezember 2017 zu 100 % arbeitsunfähig war, bereits im Januar und Februar 2018 ihre offenen Lohnforderungen mittels Schreiben - auch mit Unterstützung der
syna
- gegenüber der Arbeitgeberin geltend machte (vgl. Urk. 14/1-2) und anschliessend einen arbeitsgerichtlichen Prozess einleitete (Urk. 14/3-6)
und auch ein Betreibungsv
erfahren gegen die H._
- ehemals
Y._
AG Z._
- ein
leitete
(Urk. 14/9-11)
.
Klageweise
verlangte sie den ihr für Dezember 2017 bis Februar 2018 zustehenden Lohn zuzüglich 13. Monats
lohn für das Jahr 2017, Ferienlohn und Spesen. Auch wenn diese Klage den im
Einspracheverfahren
neu vorgebrachten Ausführungen der Beschwerdeführerin, wonach sie den Lohn für Dezember 2017 und Januar 2018 gemäss der einge
reichten Vereinbarung vom 4. Dezember 2017 in Naturalien im Wert von Fr. 24'000.-- (2 x Lohn von Fr. 11'700.--
+ Spesen von Fr. 300.--) erhalten haben soll (vgl. Urk. 7 S. 251-253), widerspricht und aufgrund der Umstände zu vermu
ten ist, dass sie
damit
im
Nachgang
zur abschlägigen Verfügung
vom 25. März 2020
einen Lohnfluss zu konstruieren versuchte, ist von einem über Ende Novem
ber 2017 hinaus bestehenden Arbeitsverhältnis auszugehen. Da vertraglich keine Krankentaggeldversicherung verabredet wurde (vgl. Arbeitsverträge, Urk. 7 S. 313-318), besteht ein Lohnfortzahlungsanspruch gemäss Zürcher Skala von rund zwei Monaten, das heisst bis Ende Februar 2018, was auch so eingeklagt wurde. Nachdem
die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit ab Juni 2018 wiedererlangt hatte, bot sie der Arbeitgeberin ihre Arbeitsleistung auch wieder an. Da
gemäss
Art. 13 Abs. 2
lit
. c AVIG explizit Zeiten
anzurechnen sind
, da Versicherte zwar in einem Arbeitsverhältnis stehen, aber wegen Krankheit keinen Lohn erhalten (vgl
. E.
3.2
), sind
die Monate Dezember 2017 und Januar 2018, da sogar noch ein gesetzlicher Lohnfortzahlungsanspruch trotz Krankheit besteht (gemäss Art. 324
a
OR), als Beitragszeit zu
anzurechnen
.
4.4
Daraus folgt, dass die
Beschwerdeführer
in
die
Beitragszeit
im Sinne v
on Art. 8 Abs. 1
lit
. e in Verbindung mit
Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt.
5.
5.1
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde
gutzuheissen
und festzustellen, dass
die
Beschwerdeführer
in
ab dem 15.
Januar
2019 Anspruch auf Arbeitslosenent
schä
digung hat
(vgl. aber Urk. 7 S. 284 f. und S. 269 ff.)
, sofern die übrigen An
spruchsvoraussetzungen erfüllt sind.
5.2
Nach Art. 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat
die
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist beim
praxisgemässen
Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüg
lich
Mehr
wert
steuer) auf Fr. 2‘4
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen
.