Decision ID: 8e1206b4-2b73-40c7-a339-91a68aafd74e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
und
avanex Versicherungen AG, Versicherungsrecht, Postfach, 8081 Zürich
Beschwerdeführerin,
gegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Bachmann, Schwanenplatz 4, 6004 Luzern,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ ist seit September 2000 als Taxi-Chauffeur für die B._ (nachfolgend:
Arbeitgeberin), tätig und in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen die Folgen von
Unfällen versichert. Am 22. Juli 2005 erlitt er während Ferien im Ausland bei einem
Treppensturz eine Verletzung der linken Schulter (Suva-act. 3.5/1, 3.5/4, 3.5/9). Wegen
persistierender Schmerzen konsultierte er erstmals am 17. August 2005 seinen
Hausarzt Dr. med. C._ der eine Röntgenuntersuchung veranlasste und
Physiotherapie verordnete. Danach hätten sich die Beschwerden zurückgebildet (Suva-
act. 3.5/4). Für die Behandlungen sei die Helsana Versicherungen AG aufgekommen
(Suva-act. 3.5/3).
A.b Am 3. Juli 2009 meldete die Arbeitgeberin der Suva den Treppensturz vom 22.
Juli 2005 (Suva-act. 3.5/1). Nach Vornahme von Abklärungen bezüglich der Höhe des
vor dem Unfall bezogenen Lohns sowie der geleisteten Arbeitsstunden (Suva-
act. 3.5/12-15) lehnte die Suva die Ausrichtung von Versicherungsleistungen für den
Nichtberufsunfall vom 22. Juli 2005 mit Verfügung vom 24. September 2009 ab. Dies
begründete sie damit, dass der Versicherte die notwendige Arbeitszeit von mindestens
acht Stunden pro Woche nicht erreicht habe, weshalb für das Ereignis keine
Versicherungsdeckung bestehe (Suva-act. 3.5/16).
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gegen diese Verfügung erhoben der Versicherte sowie seine Krankenkasse, die avanex
Versicherungen AG (nachfolgend: avanex), am 26. Oktober 2009 bzw. 28. September
2009 Einsprache (Suva-act. 3.5/20, 3.5/17, 3.5/21). Mit Entscheid vom 9. Juni 2010
wies die Suva die beiden Einsprachen ab (Suva-act. 3.5/26).
C.
C.a Am 6. bzw. 12. Juli 2010 erhoben die avanex (UV 2010/54 act. G 1) und der
Versicherte (UV 2010/55 act. G 1), Letzterer vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
Robert Baumann, St. Gallen, gegen den Einspracheentscheid vom 9. Juni 2010
Beschwerde mit den jeweiligen sinngemässen Anträgen, der Einspracheentscheid vom
9. Juni 2010 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für die
Folgen des Unfalls vom 22. Juli 2005 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer
Abklärungen bezüglich des Umfangs der Arbeitszeit des Versicherten zurückzuweisen.
Zur Begründung stellten sowohl der Beschwerdeführer als auch die
Beschwerdeführerin verschiedene Berechnungen auf, welche jeweils eine wöchentliche
Arbeitszeit von mindestens acht Stunden pro Wochen aufzeigen sollten.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 9. August 2010 beantragte die durch Rechtsanwalt
lic. iur. R. Bachmann, Luzern, vertretene Beschwerdegegnerin die Abweisung der
beiden Beschwerden und die Bestätigung ihres Einspracheentscheids vom 9. Juni
2010 (UV 2010/55 act. G 3).
C.c Mit Replik vom 6. (UV 2010/54 act. G 6) bzw. 23. September 2010 (UV 2010/55
act. G 7) sowie Duplik vom 1. Oktober 2010 (UV 2010/55 act. G 9) hielten die Parteien
an ihren Rechtsbegehren fest.
C.d Mit Schreiben vom 7. Januar 2011 ersuchte das Versicherungsgericht die
Arbeitgeberin um Auskunft über die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden des
Beschwerdeführers in der Zeit von Juli 2004 bis und mit Juni 2005 sowie um Zustellung
des mit dem Beschwerdeführer abgeschlossenen Arbeitsvertrags (act. G 11). Die
Arbeitgeberin führte mit Schreiben vom 27. Januar 2011 aus, dass sie keine
Aufzeichnungen über die strittige Arbeitsstundenanzahl mehr besitze und zwischen ihr
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und dem Beschwerdeführer auch kein schriftlicher Arbeitsvertrag bestehe, da er nur
unregelmässig teilzeitlich bei ihr arbeite. In der Beilage reichte sie dem Gericht jedoch
eine Zusammenstellung der Lohnbezüge des Beschwerdeführers aus den
Buchhaltungsunterlagen unter Angabe der ungefähren Stundenleistungen ein (act.
G 12).
C.e Die Parteien nahmen mit Schreiben vom 7. und 9. Februar 2011 (act. G 14-16) zu
den Ausführungen der Arbeitgeberin Stellung.
C.f Auf die weiteren Begründungen und Ausführungen in den einzelnen

Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Beide Beschwerden richten sich gegen denselben Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin. Beiden Verfahren liegt derselbe Sachverhalt zu Grunde, es
stellen sich dieselben Rechtsfragen und die Vorbringen der beiden Beschwerdeführer
sind im Wesentlichen gleich. Daher rechtfertigt es sich, die Verfahren zu vereinigen und
in einem einzigen Urteil zu erledigen (vgl. BGE 128 V 126 E. 1 und 128 V 192 E. 1, je mit
Hinweisen).
1.2 Unbestritten ist, dass das Ereignis vom 22. Juli 2005, bei welchem der
Beschwerdeführer auf Grund eines Treppensturzes eine Kontusion der linken Schulter
erlitt, als Nichtberufsunfall zu betrachten ist. Streitig ist hingegen, ob er im Rahmen der
für die B._ ausgeübten Tätigkeit auch für solche Nichtberufsunfälle bei der
Beschwerdegegnerin versichert war oder nicht.
2.
2.1 Nach Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) beginnt die Versicherungsdeckung der obligatorischen Unfallversicherung
an dem Tag, an dem der Arbeitnehmer auf Grund seiner Anstellung die Arbeit antritt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
oder hätte antreten sollen, in jedem Fall aber im Zeitpunkt, da er sich auf den Weg zur
Arbeit begibt. Sie endet mit dem 30. Tag nach dem Tag, an dem der Anspruch auf
mindestens den halben Lohn aufhört (Abs. 2). Nach Art. 8 Abs. 2 UVG i.V.m. Art. 7 Abs.
2 UVG und Art. 13 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) sind
teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer nicht gegen Nichtberufsunfälle versichert, sofern ihre
wöchentliche Arbeitszeit bei einem Arbeitgeber nicht mindestens acht Stunden (bis
31. Dezember 1999: 12 Stunden) beträgt. Für Teilzeitbeschäftigte, welche diese
Mindestdauer nicht erreichen, gelten auch Unfälle auf dem Arbeitsweg als Berufsunfälle
(Art. 7 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 13 UVV).
2.2 Wie das Arbeitspensum von Teilzeitbeschäftigten, die unregelmässig arbeiten, zu
bemessen ist, musste das Bundesgericht (bis 31. Dezember 2006 Eidgenössisches
Versicherungsgericht, EVG) bisher nicht entscheiden. In Frage kommen nach
Rechtsprechung und Lehre eine wochenweise Betrachtung sowie die alternative
Durchschnittsmethode (EVG-Urteil vom 19. Juli 2005 i/S T. [U 165/04] E. 2). Bei
Ersterer sind Teilzeitbeschäftigte jede einzelne Woche, in der sie mindestens acht
Stunden (bis 31. Dezember 1999: 12 Stunden) arbeiten, für Nichtberufsunfälle
versichert und begründen in den übrigen Wochen keine Nichtberufsunfallversicherung.
Bei Letzterer ist für Nichtberufsunfälle versichert, wer entweder über den Zeitraum von
drei Monaten im Durchschnitt aller Wochen, in denen er überhaupt gearbeitet hat,
mindestens acht Stunden (bis 31. Dezember 1999: 12 Stunden) beschäftigt war, oder
in der Mehrzahl aller Wochen, in denen gearbeitet wurde, ein Wochenpensum von
mindestens acht Stunden (bis 31. Dezember 1999: 12 Stunden) erreicht hat (BGE 126 V
353E. 3 S. 355 mit Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts vom 6. September 2010 i/S S.
[8C_868/2009] E. 2.1). Welche Methode den Vorzug verdient, wurde bisher
offengelassen, da die Versicherungsdeckung der höchstrichterlich beurteilten Fälle
jeweils auf Grund der Beweislage in beiden Fällen zu verneinen war (Urteil des
Bundesgerichts vom 6. September 2010, a.a.O., EVG-Urteil vom 19. Juli 2005, a.a.O.).
2.3 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Die
Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht haben von
sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
zu sorgen. Dabei sind rechtserheblich alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt,
ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. Der
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=U+165%2F04&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-V-353%3Ade&number_of_ranks=0#page353 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=U+165%2F04&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-V-353%3Ade&number_of_ranks=0#page353
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Untersuchungsgrundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in
den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit
Hinweisen). Die Mitwirkungspflicht bildet eine gewisse Ergänzung und Einschränkung
des Untersuchungsgrundsatzes, darf aber nicht zu dessen Aufhebung führen. Die
Mitwirkungspflicht bedeutet: Die Person, die aus einem Begehren gegenüber dem
Sozialversicherungsträger Rechte ableitet oder zur Auskunft verpflichtet ist, hat bei der
Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Besondere Bedeutung hat die
Mitwirkungspflicht dann, wenn der Sachverhalt ohne Mitwirkung der betroffenen
Person gar nicht (weiter) abgeklärt werden kann (Th. Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 443 ff.). Der Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus.
Wenn es sich jedoch als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen, greift die Beweisregel
Platz, dass die Parteien eine Beweislast insofern tragen, als im Fall der Beweislosigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b, 115 V 142 E. 8a).
Angewendet auf den konkreten Fall heisst dies, dass die Beweislast hinsichtlich des
Vorliegens eines Versicherungsschutzes im Zeitpunkt des Unfallereignisses vom 22.
Juli 2005 beim Beschwerdeführer und der Beschwerdeführerin liegt. Das Gericht darf
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen
überzeugt ist. Es hat seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes
vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die
blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen
nicht (BGE 117 V 360 E. 4a mit Hinweisen).
3.
3.1 Den Akten lassen sich keine klaren Angaben zur Höhe der geleisteten
Arbeitsstunden entnehmen. Insbesondere liegt ein schriftlicher Arbeitsvertrag, aus dem
sich entsprechende Anhaltspunkte ergeben könnten, nicht vor (vgl. act. G 12). Der
Beschwerdeführer erklärte am 18. September 2000 während eines Gesprächs mit
einem Suva-Mitarbeiter infolge eines Unfalls aus dem Jahr 1996, dass er seit dem 12.
September 2000 probeweise als Taxichauffeur arbeite, dies auf Grund von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Darmproblemen jedoch nur zu 50%. Einen festen Arbeitsvertrag habe er noch keinen
und seinen Verdienst könne man momentan noch nicht genau berechnen. Er erhalte
einfach 50% der täglichen Einnahmen, die er aus den Taxifahrten herausholen könne
(Suva-act. 3.6/43). Gemäss Auskunft der Arbeitgeberin vom 3. August 2010 kann das
Arbeitspensum in einem Arbeitsvertrag nur ungefähr fixiert werden. Da der
Beschwerdeführer während seiner Taxifahrertätigkeit nicht auf Funk gewesen sei,
könne nichts über seine Arbeitsstunden gesagt werden bzw. hätten diese nicht
erhoben werden können. Ausserdem sei er nach Umsatz ausbezahlt worden (Suva-act.
G 3.4). Auch in ihrer Stellungnahme vom 27. Januar 2011 verneinte die Arbeitgeberin,
über Aufstellungen zu verfügen, welche Auskunft über die Arbeits- und Ruhezeiten des
Beschwerdeführers geben könnten (act. G 12). Demzufolge kann nicht auf die Angaben
im Formular über die Unfallmeldung vom 3. Juli 2009 abgestellt werden, wo ein
vertraglicher Beschäftigungsgrad von 30% sowie eine Arbeitszeit von 12 Stunden pro
Woche vermerkt sind (Suva-act. 3.5/1).
3.2 Gemäss dem AHV-Beitragsblatt der Arbeitgeberin wurde dem Beschwerdeführer
für den gesamten Monat Juli 2005 kein Lohn ausbezahlt (Suva-act. 3.5/13). Dies deckt
sich mit den durch den Beschwerdeführer eingereichten Lohnabrechnungen, da eine
solche für besagten Monat ebenfalls fehlt (vgl. UV 2010/55 act. G 1.4). Somit steht fest
und wird auch nicht bestritten, dass der Beschwerdeführer in der Woche vor dem
Unfallereignis nicht arbeitete, weshalb die für den Versicherungsschutz für
Nichtberufsunfälle erforderliche Mindestarbeitszeit bei Anwendung der wochenweisen
Bemessungsmethode offensichtlich nicht erfüllt ist.
3.3 In Bezug auf die alternative Durchschnittsmethode gehen die Beschwerdeführer
mit Verweis auf das AHV-Beitragsblatt 2005 und die Lohnabrechnungen der Monate
Januar bis und mit Juni 2005 davon aus, dass der Beschwerdeführer mindestens 8
Stunden pro Woche gearbeitet habe. Wie die Arbeitgeberin der Beschwerdegegnerin
bereits am Telefon vom 23. September 2009 mitteilte und am 3. August 2010 schriftlich
bestätigte, verfügte sie jedoch über keine Stundenliste 2005. Zudem könne auch nichts
zu seinen Arbeitsstunden gesagt werden, da der Beschwerdeführer nicht auf Funk
gewesen sei (UV 2010/55 act. G 3.4). Daraus folgt, dass die auf den
Lohnabrechnungen des Beschwerdeführers sowie auf dem AHV-Beitragsblatt 2005
aufgelisteten Angaben über geleistete Arbeitszeiten in Tagen bzw. deren Bruchteile,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht auf tatsächlichen und direkten zeitlichen Erfassungen basieren, sondern davon
auszugehen ist, dass sie abhängig von anderen Parametern automatisch in die
Abrechnungen aufgenommen wurden. Folglich kann weder auf die Zeitangaben in den
Lohnabrechnungen, noch die damit übereinstimmenden Angaben im AHV-Beitragsblatt
2005 abgestellt werden.
3.4 Die Arbeitgeberin versuchte sodann auf Grund einer Zusammenstellung der
Lohnbezüge im konkreten Zeitraum die ungefähren Stundenleistungen
aufzuschlüsseln. Für den Monat April 2005 resultierte damit bei einem AHV-Lohn von
Fr. 441.90 eine ungefähre Stundenzahl von 21, für Mai 2005 bei einem Lohn von Fr.
491.50 eine solche von 23 und für die beiden Arbeitswochen im Juni 2005 bei einem
AHV-pflichtigen Lohn von Fr. 149.30 eine von 7 (act. G 12.1). Damit beruhen die
berechneten Stunden zwar ebenfalls nicht auf konkreten Aufzeichnungen, es ist jedoch
davon auszugehen, dass sie in Ableitung des AHV-Lohns, der nach Umsatz
ausgerichtet wurde, auf Erfahrungswerten und somit vorliegend auf einem ungefähren
Stundenlohn für Fahrt- und Wartezeiten von Fr. 21.-- beruhen. Unter Anwendung der
Durchschnittsmethode ergibt sich folglich über den Zeitraum von drei Monaten im
Durchschnitt aller Wochen, in denen der Beschwerdeführer überhaupt gearbeitet hat
(vgl. in Bezug auf die zu berücksichtigenden Wochen die in den Lohnabrechnungen der
Monate April, Mai und Juni 2005 erfassten Arbeitstage, act. G 1.4), offensichtlich keine
Beschäftigungsdauer von mindestens 8 Wochenstunden. Im Weiteren fehlt es an
Angaben zur genauen Verteilung dieser Wochenstunden und damit an einem Nachweis
dafür, dass der Beschwerdeführer in der Mehrzahl aller Wochen, in denen er arbeitete,
ein Wochenpensum von mindestens acht Stunden erreicht hätte. Schliesslich ist auch
der Einwand des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers hinsichtlich der
Berücksichtigung sogenannter Kindertouren obsolet, nachdem gemäss den
Lohnabrechnungen in den Monaten April bis Juni 2005 gar keine solchen angefallen
sind.
3.5 Zwar sagt allein der Abschluss einer Unfallzusatzversicherung bei der
Krankenkasse noch nichts darüber aus, ob eine Unfalldeckung beim Arbeitgeber
besteht oder nicht. Gerade falls der Beschwerdeführer davon ausging, dass er als
Taxichauffeur zu 50% weiterarbeiten würde, wie er es gegenüber der Suva zu Beginn
seiner Taxifahrertätigkeit im Jahr 2000 angab, wäre der Abschluss einer solchen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Versicherung obsolet gewesen. Auf Grund anderweitiger gesundheitlicher Probleme,
wegen welchen er sich auch bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug angemeldet hatte
(Suva-act. 3.6/43), schien er sich aber seiner unsicheren Deckung im Bereich der
Unfallversicherung bewusst gewesen zu sein, weshalb er die Police abgeschlossen
haben dürfte. Im Weiteren lassen sowohl die Anzahl der gefahrenen Touren als auch
die Tachometerangaben laut den Lohnabrechnungen (act G 1.4) ebenfalls den Schluss
zu, dass der Beschwerdeführer deutlich unter acht Stunden pro Woche gearbeitet hat.
3.6 Zusammenfassend ist bei dieser Sachlage nicht nachzuweisen, dass der
Beschwerdeführer im massgebenden Zeitraum vor dem Unfallereignis vom 22. Juli
2005 mindestens 8 Stunden pro Woche gearbeitet hat, weshalb die
Beschwerdegegnerin den Versicherungsschutz für den erlittenen Nichtberufsunfall zu
Recht verneint hat.
4.
Auf Grund dieser Erwägungen sind die Beschwerden gegen den Einspracheentscheid
vom 9. Juni 2010 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP