Decision ID: 7a21050b-ded9-527b-bfc9-613a34d21427
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Schweizerische Ausgleichskasse SAK, Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100,
1211 Genève 2,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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freiwillige Altersrente (Ausschluss)
Sachverhalt:
A.
A.a Die im Jahr 1961 geborene Schweizerbürgerin H._ stellte am 14. Juli 1992 ein
Gesuch für den Beitritt zur freiwilligen Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung für Auslandschweizer (nachfolgend: freiwillige Versicherung; act.
G 3.1/1). Am 8. September 1992 wurde ihr die Aufnahme in die freiwillige Versicherung
per 1. September 1992 mitgeteilt (act. G 3.1/2).
A.b Mit Schreiben vom 30. Oktober 2003 wurde die Versicherte durch die
Schweizerische Ausgleichskasse (nachfolgend: SAK) gemahnt, den per 30. Juni 2003
ausstehenden Beitrag von Fr. 1’203.-- zu begleichen (act. G 3.1/21). Die Versicherte
zahlte per 29. Dezember 2003 einen Betrag von Fr. 1’627.35 ein, womit Ende 2003
gemäss Kontostandsmeldung der SAK keine Beiträge mehr offen waren (vgl.
act. G 3.1/24).
A.c Mit Schreiben vom 14. Oktober 2004 wurde die Versicherte gemahnt, den per
30. Juni 2004 ausstehenden Beitrag von Fr. 424.35 zu begleichen (act. G 3.1/24). Eine
weitere – per Einschreiben gesandte – Mahnung erfolgte am 12. Januar 2005 (act.
G 3.1/25). Eine Einzahlung der Versicherten im Umfang von Fr. 848.70 erfolgte per
29. März 2005 (vgl. act. G 3.1/26).
A.d Mit Schreiben vom 13. Juli 2005 wurde die Versicherte gemahnt, die per 31. März
2005 fälligen Quartalsbeiträge von Fr. 212.15 zu entrichten; beigelegt war eine
Kontostandsmeldung, wonach das Guthaben der SAK per 13. Juli 2005 Fr. 848.70
betrug (act. G 3.1/26). Am 14. Februar 2006 mahnte die SAK die Versicherte, den per
30. September 2005 fälligen Betrag von Fr. 636.50 zu bezahlen; beigelegt war ein
Kontoauszug über die Periode vom 1. Januar 2005 bis 14. Februar 2006, wonach das
Guthaben der SAK per 14. Februar 2006 immer noch Fr. 848.70 betrug (act. G 3.1/27).
A.e Mit eingeschriebenem Brief vom 21. Juni 2006 nahm die SAK Bezug auf die
Mahnung vom 14. Februar 2006 und räumte eine letzte Frist von 30 Tagen ein zur
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Bezahlung der ausstehenden Beiträge; gemäss beigelegtem Kontoauszug betrug der
Ausstand unverändert Fr. 848.70 (act. G 3.1/29). Die Versicherte nahm am 27.
Dezember 2006 eine Beitragszahlung von Fr. 848.70 vor; die SAK rechnete die Zahlung
an das Beitragsjahr 2005 an (act. G 1.14 und 3.1/32).
A.f Die SAK forderte die Versicherte mit Mahnung vom 29. März 2007 (act. G 3.1/32)
sowie Schreiben vom 10. April 2007 auf, ausstehende Beiträge im Umfang von
Fr. 848.70 zu entrichten; beigelegt war ein Kontoauszug für die Periode vom 1. Januar
2005 bis 10. April 2007, wonach das Guthaben der SAK per 10. April 2007 Fr. 848.70
betrug (act. G 1.8). Mit zweiter – eingeschriebener – Mahnung vom 25. Juni 2007
räumte die SAK der Versicherten eine letzte Frist zur Bezahlung der offenen Beiträge
ein. Für den Säumnisfall wurde der Ausschluss aus der freiwilligen Versicherung
angedroht; beigelegt war ein Kontoauszug für die Periode vom 1. Januar 2006 bis
25. Juni 2007, wonach das Guthaben der SAK per 25. Juni 2007 Fr. 848.70 betrug (act.
G 1.10 f.).
A.g Am 28. Januar 2008 verfügte die SAK den Ausschluss der Versicherten aus der
freiwilligen Versicherung wegen ausstehender, nicht innert Frist bezahlter Beiträge (act.
G 3.1/33).
B.
B.a Dagegen erhob H._ am 29. Februar 2008 Einsprache. Sie machte geltend, sie
habe während 20 Jahren Beiträge bezahlt. Den letzten Beitrag habe sie am
27. Dezember 2006 einbezahlt. Sie sei Ende November 2006 mit ihrer Familie aus
Kolumbien zurück in die Schweiz gereist. Vom 1. Januar bis 31. Mai 2007 habe die
Kantonale Arbeitslosenkasse St. Gallen die AHV/IV/EO-Beiträge bezahlt. Ab 1. Juni
2007 habe sie eine Stelle gefunden und bezahle seither die AHV/IV/EO-Beiträge auf
ihrem Lohn. Da sie trotz vieler Versuche telefonisch nie habe abklären können, ob sie
einen Beitrag an die freiwillige Versicherung für 2007 bezahlen solle oder nicht, habe
sie sich bei der Ausgleichskasse St. Gallen erkundigt. Sie habe dabei die Auskunft
erhalten, dass dies nicht nötig sei, weil sie zurzeit in der Schweiz arbeite und die
obligatorischen Beiträge bezahle. Aus diesem Grund habe sie für das Jahr 2007 den
Beitrag an die freiwillige Versicherung nicht einbezahlt (act. G 3.1/34).
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B.b Mit Entscheid vom 19. Mai 2008 wies die SAK die Einsprache ab. Die letzte
Beitragszahlung stamme vom 29. Dezember 2006 und sei dem Jahr 2005
gutgeschrieben worden. Die Einsprecherin habe somit freiwillige Versicherungszeiten
von 1992 bis 2005 erworben. Zahlungen für das Jahr 2006 seien hingegen nicht belegt.
Der Einspracheentscheid wurde der Versicherten nicht eingeschrieben zugestellt (act.
G 3.1/35).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 19. Mai 2008 richtet sich die Beschwerde
vom 26. Juni 2008 (Datum Postaufgabe 27. Juni 2008). Die Beschwerdeführerin
beantragt darin sinngemäss dessen Aufhebung. Sie bringt vor, den Beitrag für das Jahr
2005 am 19. März 2005 und denjenigen für das 2006 am 27. Dezember 2006
einbezahlt zu haben. Für das Jahr 2007 habe sie keine Beiträge an die freiwillige
Versicherung bezahlt, da sie von der Ausgleichskasse St. Gallen orientiert worden sei,
dass sie aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit in der Schweiz Beiträge an die obligatorische
Versicherung entrichte (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 7. August 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeabweisung (act. G 3). Die gesetzlich vorgeschriebene Mahnprozedur
vor dem Ausschluss aus der freiwilligen Versicherung sei mit den Schreiben vom
14. Februar und 21. Juni 2006 korrekt durchgeführt worden. Der Empfang dieser
Dokumente werde von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt. Dem
Kontoauszug könne entnommen werden, dass im Jahr 2004 keine Beitragszahlung
erfolgt sei. Die bei der SAK am 29. März 2005 verbuchte Zahlung sei deshalb dem Jahr
2004 gutgeschrieben worden. Die Zahlung vom 29. Dezember 2006 sei dem Jahr 2005
gutgeschrieben worden mit der Folge, dass am 31. Dezember 2007 ein
Beitragsausstand per 31. Dezember 2006 im Umfang von Fr. 848.70 vorhanden
gewesen sei. Diese Lücke für das Jahr 2006 habe zum Ausschluss geführt (act. G 3).
C.c Die Beschwerdeführerin macht in der Replik vom 28. September 2008 geltend, es
seien mehrere der von der SAK versandten Dokumente nie bei ihr angekommen.
Aufgrund der prekären Situation (bürgerkriegsähnliche Zustände) habe sie in
Kolumbien wiederholt umziehen müssen. Auch nach der Rückkehr in die Schweiz habe
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sie mehrmals die Adresse gewechselt. Sie beantragt die Gewährung einer
nachträglichen Einzahlungsmöglichkeit des für das Jahr 2006 fehlenden Beitrags (act.
G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Vorliegend ist die Frage strittig, ob die SAK die Beschwerdeführerin infolge
Beitragsausstands für das Jahr 2006 zu Recht aus der freiwilligen Versicherung
ausgeschlossen hat.
1.1 Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) in der ab 1. Juni 2002 geltenden
Fassung bestimmt, dass Schweizer Bürger und Staatsangehörige der Mitgliedstaaten
der Europäischen Gemeinschaft oder der Europäischen Freihandelsassoziation, die
nicht in einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaft oder der Europäischen
Freihandelsassoziation leben, der freiwilligen Versicherung beitreten können, falls sie
unmittelbar vorher während mindestens fünf aufeinanderfolgenden Jahren
obligatorisch versichert waren. Gemäss Art. 2 Abs. 3 AHVG werden Versicherte, die die
nötigen Auskünfte nicht erteilen oder ihre Beiträge nicht fristgerecht bezahlen, aus der
freiwilligen Versicherung ausgeschlossen.
1.2 Art. 13 der Verordnung über die freiwillige Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (VFV; SR 831.111) regelt die Voraussetzungen des
Ausschlusses. Gemäss Art. 13 Abs. 1 VFV (in der bis Ende 2007 geltenden Fassung)
werden Versicherte aus der freiwilligen Versicherung ausgeschlossen, wenn sie ihren
Jahresbeitrag bis zum 31. Dezember des folgenden Kalenderjahres nicht vollständig
bezahlen. Vor Ablauf dieser Frist stellt die Ausgleichskasse den Versicherten eine
eingeschriebene Mahnung mit Androhung des Ausschlusses zu. Wird auch die
Nachfrist nicht eingehalten, so hat die Ausgleichskasse eine letzte Zahlungsfrist
anzusetzen und auf die Folgen der Nichtzahlung aufmerksam zu machen. Die
Androhung kann mit der zweiten Mahnung erfolgen (Art. 13 Abs. 2 in Verbindung mit
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Art. 17 Abs. 2 VFV). Der Ausschluss tritt nicht ein, wenn die versicherte Person die
Beiträge infolge höherer Gewalt nicht rechtzeitig entrichten kann oder die Überweisung
der Beiträge in die Schweiz unmöglich ist (Art. 13 Abs. 4 VFV).
2.
2.1 Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung stellt der Ausschluss aus der
freiwilligen Versicherung einen äusserst schwerwiegenden Eingriff in die Rechtsstellung
der betroffenen Person dar (BGE 117 V 103 f. E. 2c; vgl. auch Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. September 2006, H 149/05, E. 3.3.2). Es ist
deshalb unabdingbar, dass die vom Ausschluss bedrohten Versicherten genau wissen,
welche Beiträge sie zu bezahlen haben und bis zu welchem Datum diese Beiträge bei
der SAK einzugehen haben, damit ein Ausschluss abgewendet werden kann (vgl. Urteil
des EVG vom 28. April 2005 i.S. S., H 224/04, E. 4.3).
2.2 In sämtlichen an die Beschwerdeführerin gesandten Mahnschreiben wird nicht
ausdrücklich dargelegt, welche Jahresbeiträge ab welchem Zeitpunkt ausstehend sind.
Die Schreiben der Beschwerdegegnerin ordnen die ausstehenden Beiträge keinem
Beitragsjahr zu. Insbesondere wurde die Beschwerdeführerin nicht fassbar darüber in
Kenntnis gesetzt, dass ausstehende Beiträge für das Jahr 2004 bestehen. Ferner
wurde die Beschwerdeführerin vor dem Ausschluss nicht darüber aufgeklärt, dass die
im Jahr 2005 und 2006 bezahlten Beiträge an die Jahre 2004 und 2005 angerechnet
wurden, mithin ein Beitragsausstand für das Jahr 2006 bestand. Daran vermögen auch
die den Mahnschreiben jeweils beigelegten Kontostandsmeldungen nichts zu ändern.
Denn auch sie äusserten sich nicht dazu, dass die im Jahr 2005 und 2006 bezahlten
Beiträge an die Jahre 2004 und 2005 angerechnet wurden. Es geht aus ihnen auch
nicht klar hervor, welche Jahresbeiträge ab welchem Zeitpunkt ausstehend sind. Vor
diesem Hintergrund wurde die Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin nicht
ausreichend darüber in Kenntnis gesetzt, welcher Jahresbeitrag noch offen ist. Mithin
mangelt es an rechtskonformen Mahnungen. Die Beschwerdeführerin durfte mangels
anderslautender Erklärungen seitens der Beschwerdegegnerin aufgrund der in den
Jahren 2005 und 2006 vorgenommenen Zahlungen davon ausgehen, dass damit die
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entsprechenden Beitragsjahre bezahlt wurden, mithin aus ihrer Sicht für diese Jahre
kein Ausstand mehr vorlag.
2.3 Vor diesem Hintergrund erscheinen die Darlegungen der Beschwerdeführerin
glaubhaft, dass für sie nicht erkennbar gewesen sei, der zuletzt geltend gemachte
Ausstand rühre eigentlich von der unterbliebenen Beitragsentrichtung für das Jahr
2004 her und der Beitrag für das Jahr 2006 sei wegen Anrechnung der entsprechenden
Einzahlungen an das vorangegangene Jahr noch offen. Weiter ist zugunsten der
Beschwerdeführerin die belegte Zahlungsbereitschaft zu berücksichtigen und dass sie
– wenn auch teilweise erst infolge von Mahnungen – ihre Beiträge grundsätzlich
entrichtete (vgl. Urteil des EVG vom 7. September 2006, H 149/05, E. 3.3.4). Aufgrund
der unterlassenen eingehenden Angaben zu den Beitragsausständen und der somit
nicht rechtskonform vorgenommenen Mahnungen (vgl. hierzu vorstehende E. 2.1) war
nach dem Gesagten der Ausschluss der Beschwerdeführerin aus der freiwilligen
Versicherung unzulässig. Die Beschwerde ist gutzuheissen, indem der
Beschwerdeführerin eine Nachfrist zur Bezahlung des für das Jahr 2006 ausstehenden
Beitrages zu setzen ist, verbunden mit der Androhung des Ausschlusses, falls dieser
Aufforderung nicht fristgerecht nachgekommen werde. Dazu ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht