Decision ID: d9eaff84-391d-4e23-95a6-0a4b4e472596
Year: 2022
Language: de
Court: AG_VB
Chamber: AG_VB_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
Mit Verfügung vom 25. November 2020 wurde A. von der Steu-
erkommission Q. für das Jahr 2019 zu einem steuerbaren Einkommen von
CHF 69'700.00 veranlagt. In Abweichung von der Selbstdeklaration wurden
unter anderem anstelle der geltend gemachten Liegenschafts-
unterhaltskosten von CHF 126'171.00 lediglich CHF 20'639.00 zum Abzug
zugelassen.
2.
Gegen die Verfügung vom 25. November 2020 erhob A. mit Schreiben vom
6. Dezember 2020 Einsprache. Die Steuerkommission Q. ging von den
folgenden sinngemäss gestellten Begehren aus:
- "Die deklarierten Fahrkosten seien gemäss Selbstdeklaration zum Abzug
zuzulassen.
- Die deklarierten Liegenschaftsunterhaltskosten für das EIB Steuerelement
sei zu berücksichtigen.
- Die deklarierten Liegenschaftsunterhaltskosten für die Sitzplatzverglasung
seien zum Abzug zuzulassen."
3.
Mit Entscheid vom 18. März 2021 reduzierte die Steuerkommission Q. in
teilweiser Gutheissung der Einsprache das steuerbare Einkommen um
CHF 2'035.00 auf CHF 67'730.00. Für die Sitzplatzverglasung wurde kein
Abzug gewährt.
4.
Den Einspracheentscheid vom 18. März 2021 (Zustellung am 23. April
2021) hat A. mit rechtzeitigem Rekurs vom 21. Mai 2021 (Postaufgabe
gleichentags) an das Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Steuern,
weiterziehen lassen. Er stellt die folgenden Begehren:
"1. Hauptantrag: In Gutheissung des Rekurses sei das steuerbare Einkom-
men auf CHF 0.00 zu reduzieren.
2. Eventualantrag: In Gutheissung des Rekurses sei das steuerbare Ein-
kommen um CHF 46'200.00 auf CHF 21'530.00 zu reduzieren.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates."
5.
Das Steueramt der Stadt Q. und das Kantonale Steueramt beantragen die
Abweisung des Rekurses.
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6.
Die Vertreterin von A. hat eine Replik erstattet.
7.
Die Sektion Grundstückschätzungen des Kantonalen Steueramtes hat am
21. Juni 2022 auf Ersuchen des Spezialverwaltungsgerichts eine Stellung-
nahme eingereicht. Mit Schreiben vom 4. Juli 2022 hat die Vertreterin von
A. dem Antrag der Sektion Grundstückschätzungen zugestimmt.
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Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2019.
Massgebend für die Beurteilung sind das Steuergesetz vom 15. Dezember
1998 (StG) und die Verordnung zum Steuergesetz vom 11. September
2000 (StGV).
2.
Bei Liegenschaften im Privatvermögen können die Unterhaltskosten, die
Kosten der Instandstellung von neu erworbenen Liegenschaften, die Ver-
sicherungsprämien und die Kosten der Verwaltung durch Dritte abgezogen
werden (§ 39 Abs. 2 Satz 1 StG). Als Kosten für den Unterhalt von Liegen-
schaften gelten bloss die werterhaltenden Aufwendungen (§ 24 Abs. 1
StGV).
3
3.1.
Der Rekurrent ist Eigentümer der Liegenschaft am Y-Weg 7 in Q.. Diese
verfügte über einen überdachten Sitzplatz. Die Überdachung bestand aus
einer Holzkonstruktion mit Glasdach. Diese wurde in unveränderter Grösse
durch eine Aluminiumkonstruktion mit Glasdach ersetzt. Zusätzlich wurden
die Wände verglast. Dadurch entstanden Kosten von total CHF 94'859.00.
Die Vertreterin des Rekurrenten stellt den Hauptantrag, es seien sämtliche
Kosten, welche im Zusammenhang mit dem Ersatz der bestehenden Sitz-
platzkonstruktion sowie der Verglasung entstanden seien, zum Abzug zu-
zulassen; eventualiter seien zumindest die Kosten für den Ersatz der be-
stehenden Konstruktion von CHF 43'200.00 als Unterhaltskosten zum Ab-
zug zuzulassen.
3.2.
Das Steueramt der Stadt Q. beantragt die Abweisung des Rekurses
(Vernehmlassung vom 14. Juni 2021).
3.3.
Die Sektion Grundschätzungen des Kantonalen Steueramtes beantragt, es
seien 2/3 von CHF 43'200.00, d.h. CHF 28'800.00 als Liegenschaftsunter-
halt zum Abzug zuzulassen (Stellungnahme vom 21. Juni 2022). Die Ver-
treterin des Rekurrenten stimmt diesem Antrag mit Schreiben vom 4. Juli
2022 zu.
3.4.
Das Steueramt der Stadt Q. ist im Rekursverfahren nicht Partei. Vielmehr
vertritt das Kantonale Steueramt die fiskalischen Interessen vor dem
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Spezialverwaltungsgericht. Es sind daher nur die Anträge des Rekurrenten
und des Kantonalen Steueramtes relevant (SGE vom 23. Juni 2022
[3-RV.2021.63]).
3.5.
Im Umfang von CHF 28'800.00 liegen somit übereinstimmende Anträge
vor.
3.6.
Verwaltungsgericht und Spezialverwaltungsgericht betrachten es in lang-
jähriger, konstanter Praxis auch vor dem Hintergrund der Offizialmaxime
als zulässig, übereinstimmenden Anträgen der Beteiligten zur Erledigung
des Verfahrens stattzugeben, sofern sich diese – nach einer summarischen
Prüfung – als gesetzmässig erweisen und allfällige Zugeständnisse der Be-
teiligten innerhalb des Spielraumes bleiben, den das Gesetz ohnehin ge-
währt (VGE vom 20. Februar 2004 [BE.2003.00301]; SGE vom 23. Juni
2022 [3-RV.2021.63]). Das ist vorliegend der Fall. Es sind daher zusätzlich
CHF 28'800.00.00 als Liegenschaftsunterhalt zum Abzug zuzulassen.
4.
Das steuerbare Einkommen von CHF 67'730.00 ist somit um
CHF 28'800.00 auf CHF 38'930.00 herabzusetzen.
5.
5.1.
Mit der Zustimmung zur von der Sektion Grundstückschätzungen des Kan-
tonalen Steueramtes beantragten teilweisen Gutheissung des Rekurses
hat die Vertreterin des Rekurrenten den Rekurs im darüber hinaus gehen-
den Umfang sinngemäss zurückgezogen. Da gemäss der Praxis des Spe-
zialverwaltungsgerichts der teilweise Rückzug eines Begehrens die teil-
weise Kostenfreiheit zur Folge hat und der Rekurrent im Umfang des Ob-
siegens nicht kostenpflichtig wird (§ 189 Abs. 1 StG), sind die Kosten des
Rekursverfahrens vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen
(SGE vom 23. Juni 2022 [3-RV.2021.17]).
5.2.
5.2.1.
Dem Rekurrenten ist für die Vertretung im Rekursverfahren eine Parteikos-
tenentschädigung auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG). Dabei ist der teilweise
Rückzug des Rekurses als Unterliegen zu behandeln (SGE vom 20. Sep-
tember 2018 [3-RV.2017.35]) und besteht kein Anspruch auf eine
Parteikostenentschädigung. Diese ist nur im Umfang des Obsiegens
zuzusprechen. Gemessen an seinem Hauptantrag obsiegt der Rekurrent
zu ca. 60 %.
5.2.2.
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Die Kostennote der Vertreterin beläuft sich auf CHF 1'500.00. Dies ist bei
einem Streitwert von CHF 9'247.00 und einem Obsiegen von ca. 60 % an-
gemessen. Es ist in dieser Höhe eine Parteikostenentschädigung zuzu-
sprechen.
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