Decision ID: 82f63d64-a042-50b8-8e75-ebe6a69c8f13
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit den Schreiben vom (Datum) sowie vom (Datum) richtete die spanische
Steuerbehörde, die Agencia Tributaria (nachfolgend: AT), gestützt auf
Art. 25bis des Abkommens vom 26. April 1966 zwischen der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft und Spanien zur Vermeidung der Doppelbesteu-
erung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen
(DBA CH-ES; SR 0.672.933.21) drei Amtshilfeersuchen an die Eidgenös-
sische Steuerverwaltung (nachfolgend: ESTV oder Vor-
instanz).
Als betroffene Person nannte die AT A._ (nachfolgend: betroffene
Person). Die Amtshilfeersuchen betreffen gemäss der AT den Zeitraum
vom 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2016. Als Informationsinhaberinnen
wurden die H._ SA (nachfolgend: Bank 1) und die I._ SA
(nachfolgend: Bank 2) genannt.
Die AT führte im Wesentlichen aus, dass die spanischen Behörden eine
Untersuchung über die einkommenssteuerrechtlichen Verhältnisse der be-
troffenen Person durchführen würden. Die betroffene Person unterliege ei-
ner speziellen Steuerregelung für zugezogene Personen («impatriates»).
Das Einkommen der betroffenen Person würde fast ausschliesslich aus
Einkünften aus der J._ SL (nachfolgend: Gesellschaft oder Zwi-
schengesellschaft) generiert. Im Laufe des Steuerverfahrens sei festge-
stellt worden, dass die Gesellschaft lediglich als Zwischengesellschaft für
den Bezug der persönlichen Einkünfte der betroffenen Person verwendet
würde und die spezielle Steuerregelung für zugezogene Personen für die
betroffene Person möglicherweise nicht mehr anwendbar wäre. Die be-
troffene Person sei überdies an der B._ Inc. (nachfolgend: be-
schwerdeberechtigte Person 1) und der G._ SL beteiligt. Seit dem
Jahr 2014 sei die beschwerdeberechtigte Person 1 alleinige Inhaberin der
G._ SL. Die AT ersucht um Informationen betreffend die durch die
betroffene Person und die beschwerdeberechtigte Person 1 gehaltenen
Bankkonten bei der Bank 1 und der Bank 2.
B.
Die ESTV erliess am 19. Februar 2020 und 24. Februar 2020 gestützt auf
Art. 8 i.V.m. Art. 10 des Bundegesetzes vom 28. September 2012 über die
internationale Amtshilfe in Steuersachen (StAhiG; SR 651.1) eine Editions-
verfügung gegenüber der Bank 1 und am 19. Februar 2020 gegenüber der
Bank 2.
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Seite 3
Die Bank 1 und die Bank 2 übermittelten die verlangten Informationen in-
nert Frist.
C.
Die betroffene Person wurde von der Bank 1 am 24. Februar 2020 über
das Amtshilfeverfahren und die beschwerdeberechtigte Person 1 wurde
am 26. Februar 2020 informiert. Am 5. März 2020 benachrichtigte die
Bank 1 die C._ S.A. (nachfolgend: beschwerdeberechtigte Person
2) über das Amtshilfeverfahren.
D.
Die Bank 2 informierte die betroffene Person am 3. März 2020 über das
Amtshilfeverfahren.
E.
Die D._ Ltd. (nachfolgend: beschwerdeberechtigte Person 3), die
E._ Ltd. (nachfolgend: beschwerdeberechtigte Person 4) und die
F._ Ltd. (nachfolgend: beschwerdeberechtigte Person 5) wurden,
gestützt auf Art. 14 Abs. 5 StAhiG durch Veröffentlichung im Bundesblatt,
am 7. April 2020 über das Amtshilfeersuchen informiert.
F.
Mit Schreiben vom 27. Februar 2020 ersuchte die Rechtsvertreterin der
betroffenen Person und der beschwerdeberechtigten Person 1 um Akten-
einsicht, welche die ESTV mit dem Schreiben vom 6. April 2020 gewährte.
G.
Am 22. Juli 2020 erliess die ESTV gegenüber der betroffenen Person und
den beschwerdeberechtigten Personen 1-5 eine Schlussverfügung. Mit der
Schlussverfügung kam die ESTV zum Ergebnis, dass das Ersuchen der AT
die entsprechenden Anforderungen erfülle.
H.
Mit den drei Beschwerden vom 21. August 2020 beantragen die betroffene
Person (nachfolgend auch: Beschwerdeführerin 1) und die beschwerdebe-
rechtigten Personen 1-5 (nachfolgend auch: Beschwerdeführerinnen 2-6)
sowie mit ihrem Eventualantrag die G._ SL (nachfolgend auch: Be-
schwerdeführerin 7; nachfolgend zusammen auch: Beschwerdeführende),
dass die Schlussverfügung aufzuheben und der AT keine Amtshilfe zu leis-
ten sei.
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Seite 4
Die Beschwerdeführerin 7 beantragt überdies mit ihrem Hauptantrag die
Feststellung der Nichtigkeit der Schlussverfügung und die Nichtleistung der
Amtshilfe.
Eventualiter beantragen die Beschwerdeführerinnen 2-7, dass die sie be-
treffenden Informationen und Unterlagen zu schwärzen bzw. auszuson-
dern seien.
Subeventualiter beantragen die Beschwerdeführerinnen 1-6 und sinnge-
mäss die Beschwerdeführerin 7, dass diejenigen Informationen und Unter-
lagen, welche nicht relevante Jahre betreffen, zu schwärzen bzw. auszu-
sondern seien.
Dies habe unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Bundes
zu erfolgen.
I.
Die Vorinstanz beantragt mit den Vernehmlassungen vom 26. Oktober
2020, die Beschwerden seien kostenpflichtig abzuweisen.
J.
Am 25. November 2020 und am 14. Januar 2021 reichten die Beschwer-
deführenden eine Stellungnahme ein.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 27. November 2021 vereinigte das Bundes-
verwaltungsgericht infolge übereinstimmenden Anträgen der Parteien die
drei Verfahren A-4192/2020, A-4194/2020 und A-4196/2020.
Auf die Parteivorbringen und die eingereichten Akten wird nachfolgend in-
soweit eingegangen, als sie für das vorliegende Urteil entscheidwesentlich
sind.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegen Amtshilfeersuchen der spanischen
Steuerbehörde vom 6. Februar 2020 sowie vom 7. Februar 2020 gestützt
auf Art. 25bis DBA CH-ES zugrunde. Das Verfahren richtet sich nach dem
StAhiG (vgl. Art. 24 StAhiG e contrario). Vorbehalten bleiben abweichende
Bestimmungen des im vorliegenden Fall anwendbaren DBA CH-ES
(vgl. Art. 1 Abs. 2 StAhiG). Gemäss Art. 19 Abs. 5 StAhiG gelten die Be-
stimmungen über die Bundesrechtspflege, soweit das StAhiG keine abwei-
chenden Bestimmungen enthält.
1.2 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG; SR 173.32) beurteilt dieses die Beschwer-
den gegen die Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021). Zu den
beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehören
Schlussverfügungen der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe
und der Amtshilfe im Rahmen des DBA CH-ES (vgl. Art. 32 VGG e contra-
rio; Art. 19 Abs. 1 StAhiG). Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsge-
richts zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden (nachfolgend Be-
schwerde) ist somit gegeben.
Die Beschwerdeführenden erfüllen als Adressaten der angefochtenen
Schlussverfügung bzw. als Personen, deren Daten übermittelt werden sol-
len, die Voraussetzungen der Beschwerdelegitimation (Art. 48 Abs. 1
VwVG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 StAhiG). Die Beschwerde wurde überdies form-
und fristgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 19 Abs. 5 StAhiG).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die beschwerdeführende Partei darf neben der
Verletzung von Bundesrecht und der unrichtigen oder unvollständigen
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts auch die Unangemes-
senheit rügen (Art. 49 Bst. a-c VwVG).
2.
Im Folgenden ist auf die einschlägigen rechtlichen Grundlagen für die Leis-
tung von Amtshilfe, insbesondere an Spanien, einzugehen.
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Seite 6
2.1
2.1.1 Staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steu-
ersachen gegenüber Spanien ist Art. 25bis DBA CH-ES sowie Ziff. IV des
dazugehörigen Protokolls vom 29. Juni 2009 in den geltenden Fassungen
gemäss Art. 9 bzw. Art. 10-12 des Änderungsprotokolls vom 27. Juli 2011,
von der Bundesversammlung genehmigt am 15. Juni 2012, in Kraft seit
24. August 2013, und im Fall von Einkommens- und Vermögenssteuern
Anwendung findend auf die Steuerjahre seit 1. Januar 2010 (Art. 13 Abs. 2
Bst. [iii] des Änderungsprotokolls, AS 2013 2365 2375 f.; BBl 2011 9153).
Gemäss Art. 25bis Abs.1 DBA CH-ES tauschen die zuständigen Behörden
der Vertragsstaaten diejenigen Informationen aus, die zur Durchführung
des Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaat-
lichen Rechts über Steuern jeder Art und Bezeichnung, die für Rechnung
der Vertragsstaaten, ihrer politischen Unterabteilungen oder lokalen Kör-
perschaften erhoben werden, voraussichtlich erheblich sind, soweit die die-
sem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen wider-
spricht. Der Informationsaustausch ist dabei durch die Art. 1 und 2 DBA
CH-ES nicht eingeschränkt.
2.1.2 Die Amtshilfeverpflichtung ist dabei nicht auf erst nach dem Datum
des Inkrafttretens der Amtshilfebestimmung eines Abkommens eingetre-
tene Tatsachen beschränkt. Namentlich Kontoeröffnungsunterlagen, sons-
tige Vereinbarungen und «Know your costumer»-Dokumente, welche das
Verhältnis zwischen einer Bank und dem Kunden während dessen Dauer
regeln bzw. betreffen, sind deshalb – bei Erfüllung der weiteren Vorausset-
zungen und fortbestehendem Verhältnis – auch dann zu übermitteln, wenn
sie vor dem Inkrafttreten der anwendbaren Amtshilfeklausel erstellt wurden
(Urteil des BVGer A-381/2018 vom 21. November 2018 E. 8.1.2; vgl. auch
ROHNER/KELLER, Rückwirkung bei der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen, in: Der Schweizer Treuhänder [ST] 2014, S. 808 ff., S. 812). Dabei
sind jedoch diejenigen Stellen zu schwärzen, deren Erheblichkeit für die
Steuerjahre im zeitlichen Anwendungsbereich der Amtshilfeklausel un-
wahrscheinlich sind (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer A-778/2017 vom
5. Juli 2017 E. 9.2.1).
2.1.3 Art. 25bis Abs. 3 DBA-ES enthält bestimmte Beschränkungen der
Pflicht zur Leistung von Amtshilfe. Der ersuchte Vertragsstaat ist gemäss
dieser Vorschrift nicht verpflichtet, von den Gesetzen und der Verwaltungs-
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Seite 7
praxis des einen oder anderen Vertragsstaates abzuweichen (Bst. a), In-
formationen zu erteilen, welche nach den Gesetzen oder im üblichen Ver-
waltungsverfahren eines der beiden Vertragsstaaten nicht beschafft wer-
den können (Bst. b), oder Informationen zu übermitteln, «die ein
Handels-, Geschäfts-, Industrie-, Gewerbe- oder Berufsgeheimnis oder ein
Geschäftsverfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre
public widerspräche» (Bst. c). Freilich statuiert die Art. 25bis Abs. 3 DBA-ES
vorgehende Vorschrift von Art. 25bis Abs. 5 DBA-ES ihrerseits Einschrän-
kungen der in ersterer Bestimmung vorgesehenen Beschränkungen der
Amtshilfeverpflichtung (Urteil des BVGer A-3791/2017 vom 5. Januar 2018
E. 4).
2.2
2.2.1 In Bezug auf die Information über das laufende Amtshilfeverfahren
wird zwischen den formell betroffenen Personen unterschieden, nämlich
jenen, über die im Amtshilfeersuchen Informationen verlangt werden bzw.
deren Steuerpflicht im ersuchenden Staat geprüft werden soll (Art. 3 Bst. a
StAhiG), und weiteren Personen, die sonst (materiell) betroffen sind. Wäh-
rend bis anhin die fehlende Information Ersterer über das Amtshilfeverfah-
ren insbesondere dann zur Nichtigkeit der angefochtenen Schlussverfü-
gung führte, wenn diese gar nicht vom Amtshilfeverfahren Kenntnis erlang-
ten, wurde in Bezug auf Letztere keine Nichtigkeit angenommen (Urteile
des BVGer A-6859/2019 vom 2. Dezember 2020 E. 2.7.1 und A-2981/2019
vom 1. September 2020 E. 2.1.5).
Das Bundesgericht hat sich kürzlich mit der Frage der Wahrung des recht-
lichen Gehörs von Drittbetroffenen und deren Informationsrechte bzw. Par-
teistellung im Amtshilfeverfahren und der Frage der Nichtigkeit auseinan-
dergesetzt. Es hat hierbei festgestellt, dass die Frage, wem im Sinne von
Art. 14 Abs. 2 StAhiG von Amtes wegen die Parteistellung eingeräumt wer-
den muss, eine Wertung verlange (suppose en principe une part d'appréci-
ation). Aus diesem Grund dürfe eine falsche Entscheidung der Vorinstanz
(über die Frage der Information von Drittbetroffenen) nicht die Nichtigkeit
der angefochtenen Schlussverfügung zur Folge haben (BGE 146 I 172
E. 7.6).
2.2.2 Gemäss jüngster bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist nicht von
einer allgemeinen Informationspflicht gegenüber sämtlichen vom Amtshil-
feersuchen betroffenen Drittpersonen, über die Informationen aufgrund der
voraussichtlichen Erheblichkeit für die Veranlagung der im ersuchenden
Staat steuerpflichtigen Person übermittelt werden sollen, auszugehen. Die
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Seite 8
ESTV hat nur diejenigen Personen über das Amtshilfeverfahren in Kennt-
nis zu setzen, deren Legitimation im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StAhiG auf-
grund der Akten evident ist (insofern sei die in BGE 143 II 506 E. 5.1 ge-
machte Aussage, wonach einer nach Art. 19 Abs. 2 StAhiG i.V.m. Art. 48
VwVG beschwerdeberechtigten Person namentlich das Recht auf Informa-
tion nach Art. 14 Abs. 2 StAhiG zustehe, zu präzisieren; Urteile des BGer
2C_376/2019 vom 13. Juli 2020 E. 7 und 2C_687/2019 vom 13. Juli 2020
E. 6.2). Grundsätzlich seien die Dritten nämlich durch das Spezialitätsprin-
zip vor der Verwendung ihrer Informationen durch den ersuchenden Staat
geschützt (vgl. zum Ganzen Urteile des BGer 2C_376/2019 vom 13. Juli
2020 E. 7.1, insb. E. 7.1.3 sowie 2C_687/2019 vom 13. Juli 2020 E. 6.1
und Urteil des BVGer A-6859/2019 vom 2. Dezember 2020 E. 2.7.2).
2.3
2.3.1 Das Verbot der Beweisausforschung ist Ausdruck des Verhältnismäs-
sigkeitsgrundsatzes. Es sollen soweit als möglich relevante Informationen
ausgetauscht werden können, ohne dass ein Vertragsstaat «fishing expe-
ditions» eines anderen Staates unterstützen oder Informationen liefern
muss, deren Relevanz unwahrscheinlich ist (BGE 144 II 206 E. 4.2 sowie
statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.1 mit
Hinweisen).
2.3.2 Ziff. IV Abs. 3 des Protokolls zu Art. 25bis DBA CH-ES hält dement-
sprechend fest, dass der Zweck der Verweisung auf Informationen, die vo-
raussichtlich erheblich sind, darin besteht, einen möglichst weit gehenden
Informationsaustausch in Steuerbelangen zu gewährleisten, ohne den Ver-
tragsstaaten zu erlauben, «fishing expeditions» zu betreiben oder um In-
formationen zu ersuchen, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbe-
lange einer bestimmten steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist.
Abs. 2 sieht zwar wichtige verfahrenstechnische Voraussetzungen für die
Vermeidung von «fishing expeditions» vor; seine Bst. a-e sind jedoch nicht
so auszulegen, dass sie einen wirksamen Informationsaustausch behin-
dern.
2.3.3 Weiter besteht nach Ziff. IV Abs. 2 des Protokolls zu Art. 25bis DBA
CH-ES Einvernehmen darüber, dass die Steuerbehörden des ersuchenden
Staates bei der Stellung eines Amtshilfebegehrens nach 25bis DBA CH-ES
den Steuerbehörden des ersuchten Staates die nachstehenden Angaben
zu liefern haben:
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a) die Identität der in eine Überprüfung oder Untersuchung einbezogenen
Person;
b) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden;
c) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hin-
sichtlich der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen vom
ersuchten Staat zu erhalten wünscht;
d) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden;
e) soweit bekannt, den Namen und die Adresse des mutmasslichen Inha-
bers der verlangten Informationen.
2.3.4 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine dort steuerpflichtige Person korrekt zu be-
steuern. Ob eine Information in diesem Sinne erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend beurteilen. Die Rolle des er-
suchten Staates beschränkt sich dabei darauf, zu überprüfen, ob die vom
ersuchenden Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im
Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie mög-
licherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (sog. Plausibilitätskontrolle; zum Ganzen statt vieler BGE 144 II 29
E. 4.2.2, BGE 142 II 161 E. 2.1.1 je mit weiteren Hinweisen sowie Urteil
des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hinwei-
sen). Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der
Begründung, die verlangten Informationen seien nicht notwendig, nur ver-
weigern, wenn ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und
der im ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich
erscheint (vgl. statt vieler BGE 143 II 185 E. 3.3.2, BGE 141 II 436 E. 4.4.3
mit weiteren Hinweisen und Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli
2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. zum Kriterium der voraussicht-
lichen Erheblichkeit auch Art. 26 Abs. 1 des Musterabkommens der Orga-
nisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung [im Folgen-
den: OECD-MA] zur Vermeidung der Doppelbesteuerung von Einkommen
und Vermögen). In letzterem Sinne ist auch Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu ver-
stehen, wonach Informationen, welche voraussichtlich nicht erheblich sind,
nicht übermittelt werden dürfen (statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018
vom 28. Juli 2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Art. 4 Abs. 3
StAhiG). Keine Rolle spielt dagegen, wenn sich nach der Beschaffung der
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Seite 10
Informationen herausstellt, dass diese nicht relevant sind (BGE 143 II 185
E. 3.3.2 mit Hinweisen, zit. in Urteil des BGer 2C_615/2018 vom 26. März
2019 E. 3.2).
2.3.5 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist demnach
erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit
besteht, dass sich die angefragten Angaben als in diesem Sinn erheblich
erweisen werden. Die voraussichtliche Erheblichkeit von geforderten Un-
terlagen oder Auskünften muss sich bereits aus dem Amtshilfegesuch er-
geben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2 und Urteil des BVGer A-5146/2018
vom 28. Juli 2020 E. 5.2.3, je mit Hinweisen). Soweit die Behörden des
ersuchenden Staates verpflichtet sind, den massgeblichen Sachverhalt
darzulegen, kann von ihnen nicht erwartet werden, dass sie dies bereits
lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn und Zweck
der Amtshilfe nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Informationen und
Unterlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln ge-
bliebene Punkte erst noch geklärt werden. Daher ist gemäss Rechtspre-
chung von der ersuchenden Behörde nicht der strikte Beweis des Sachver-
halts zu verlangen, doch muss sie hinreichende Verdachtsmomente für
dessen Vorliegen dartun (statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom
28. Juli 2020 E. 5.2.3 mit Hinweisen).
2.3.6 Informationen können im abkommensrechtlichen Sinne nur dann als
voraussichtlich erheblich qualifiziert werden, wenn sie (unter anderem oder
ausschliesslich) Personen betreffen, deren unbeschränkte oder be-
schränkte Steuerpflicht im ersuchenden Staat während der massgebenden
Zeitspanne wahrscheinlich ist. Dafür genügt bereits, dass der ersuchende
Staat Anhaltspunkte nennt, die eine beschränkte oder unbeschränkte Steu-
erpflicht der betroffenen Person in diesem Staat begründen könnten
(vgl. Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.4 mit Hinweis).
2.4 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind sämtliche von den
Informationsinhaberinnen erhaltenen Bankunterlagen grundsätzlich zu den
erbetenen Informationen zu zählen. Die Verwendung des Ausdrucks "held
by" in einem Amtshilfeersuchen impliziert nicht, dass das Ersuchen sich auf
die direkt gehaltenen Bankkonten beschränken würde. Insbesondere nicht,
wenn die ersuchende Behörde ausdrücklich betont, dass sie Informationen
über die von ihr identifizierten Bankkonten anfordere und ausdrücklich da-
rauf hinweist, dass ihr Ersuchen nicht auf diese Konten beschränkt sind
(Urteil des BGer 2C_1037/2019 vom 27. August 2020 E. 5.3.1 ff. sowie Ur-
teil des BVGer A-4426/2019 vom 28. Oktober 2020 E. 4.6.3).
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Seite 11
Selbst die Details zu den Konten, an welchen die betroffene Person ge-
mäss den edierten Unterlagen (nur) wirtschaftlich berechtigt ist, die sie sel-
ber aber nicht direkt hält, sind nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung als erfragt zu betrachten (zum Begriff «held by» vgl. Urteil des BGer
2C_1037/2019 vom 27. August 2020 E. 5.3.1 ff.).
2.5
2.5.1 Ein wichtiges Element in der internationalen Behördenzusammenar-
beit bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmiss-
brauch oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit den in Art. 7
StAhiG genannten Konstellationen – prinzipiell kein Anlass besteht, an
Sachverhaltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln
(sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip; BGE 144 II 206 E. 4.4, 143 II 224
E. 6.3, 142 II 218 E. 3.3, 142 II 161 E. 2.1.3 f.; Urteil des BGer 2C_646/2017
vom 9. April 2018 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen; Urteil des BVGer A-
3095/2018 vom 29. Mai 2019 E. 2.5). Auf diesem Vertrauen gründet letzt-
lich das ganze Amtshilfeverfahren. Dementsprechend ist die ESTV an die
Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als diese
nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort ent-
kräftet werden kann (BGE 142 II 218 E. 3.1, 139 II 451 E. 2.2.1; Urteile des
BVGer A-3773/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.6 und A-381/2018 vom
21. November 2018 E. 4.2). Gleiches gilt für die vom ersuchenden Staat
abgegebenen Erklärungen. Werden diese sofort entkräftet, kann der er-
suchte Staat ihnen nicht mehr vertrauen (vgl. Urteil des BVGer
A-4228/2018 vom 26. August 2019 E. 8). Folglich ist die Wahrung des
Grundsatzes erst bei konkreten Anhaltspunkten auf eine zweckwidrige Ver-
wendung im ersuchenden Staat zu überprüfen (vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2;
Urteil des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 E. 7.3; BVGE 2018 III/1 E.
2.9.1; Urteile des BVGer A-769/2017 vom 23. April 2019 E. 2.4.1 sowie A-
3716/2015 vom 16. Februar 2016 E. 3.5). Es liegt dabei an der betroffenen
Person, den Sachverhalt mittels Urkunden klarerweise und entscheidend
zu widerlegen (vgl. BGE 139 II 451 E. 2.3.3; Urteile des BVGer A-769/2017
vom 23. April 2019 E. 2.4.2 und A-381/2018 vom 21. November 2018
E. 4.2).
2.5.2 Das völkerrechtliche Vertrauensprinzip spielt ebenfalls eine Rolle in
Bezug auf das Spezialitätsprinzip (dazu auch E. 2.6). Gestützt auf das Ver-
trauensprinzip kann grundsätzlich als selbstverständlich vorausgesetzt
werden, dass der Spezialitätsgrundsatz durch Staaten eingehalten wird,
die mit der Schweiz durch einen Amts- oder Rechtshilfevertrag verbunden
sind (vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2 und 4.3.1, 115 Ib 373 E. 8, 107 Ib 264
A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020
Seite 12
E. 4b). Folglich ist die Wahrung des Grundsatzes erst bei konkreten An-
haltspunkten auf eine zweckwidrige Verwendung im ersuchenden Staat zu
überprüfen bzw. eine entsprechende Zusicherung einzuholen (vgl. BGE
128 II 407 E. 3.2; Urteil des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 E. 7.3;
BVGE 2018 III/1 E. 2.9.1).
2.6
2.6.1 Nach dem in Ziff. IV Abs. 1 des Protokolls zu Art. 25bis DBA CH-ES
erwähnten Subsidiaritätsprinzip (vgl. dazu und zur vergleichbaren Rege-
lung in Art. 6 Abs. 2 Bst. g StAhiG statt vieler Urteil des BVGer A-2725/2019
vom 25. Februar 2020 E. 2.6.1 mit Hinweisen) besteht Einvernehmen dar-
über, dass der ersuchende Vertragsstaat ein Begehren um Austausch von
Informationen erst dann stellt, wenn er zur Beschaffung der Informationen
alle in seinem innerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehenen üblichen
Mittel ausgeschöpft hat, sofern dies nicht mit unverhältnismässigen
Schwierigkeiten verbunden ist.
2.6.2 Aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips (E. 2.5.1) besteht
rechtsprechungsgemäss kein Anlass, an einer von der ersuchenden Be-
hörde abgegebenen Erklärung der Ausschöpfung aller üblichen innerstaat-
lichen Mittel zu zweifeln, es sei denn, es liege ein gegen die Einhaltung des
Subsidiaritätsprinzips sprechendes sowie ein ernsthafter Zweifel an der
Richtigkeit der Erklärung begründendes konkretes Element vor (vgl. BGE
144 II 206 E. 3.3.2; Urteile des BVGer A-3703/2019 vom 23. April 2020
E. 2.4.2 und E. 2.7.1, A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.6.2,
A-4025/2016 vom 2. Mai 2017 E. 3.2.4).
3.
3.1
Im vorliegenden Fall wurden die Beschwerdeführerin 1 sowie die Be-
schwerdeführerinnen 2-6 über das vorliegende Amtshilfeverfahren
(vgl. Sachverhalt Bst. C ff.) informiert und die Schlussverfügung wurde
ihnen eröffnet (vgl. Sachverhalt Bst. G). Weitere Drittpersonen wurden von
der Vorinstanz nicht informiert. Die Beschwerdeführerin 7 beantragt des-
halb, es sei die Nichtigkeit der Schlussverfügung festzustellen. Die Be-
schwerdeführerin 7 begründet dies damit, dass sie zu Unrecht nicht über
das Amtshilfeverfahren informiert worden und das rechtliche Gehör verletzt
worden sei.
3.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Dritte nur dann über
das Amtshilfeverfahren zu informieren, wenn es «evident» ist, dass ihnen
A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020
Seite 13
Parteistellung zukommt, was im Prinzip nicht der Fall ist (s. Urteil des BGer
2C_1037/2019 vom 27. August 2020 E. 6.2). Entsprechend ist nicht zu
beanstanden, dass die Vorinstanz die Beschwerdeführerin 7 über das
vorliegende Amtshilfeverfahren nicht informiert hat (vgl. hierzu ausführlich
BGE 146 I 172 E. 7.4 ff.), denn allein der Umstand, dass sie in den zur
Übermittlung vorgesehenen Unterlagen erwähnt ist, führt nach dieser
höchstrichterlichen Rechtsprechung nicht zu einer Benachrichtigungs-
pflicht über das Verfahren; die Beschwerdeführerin 7 trägt denn auch nicht
substantiiert vor, inwiefern sie «evidenterweise» genügend betroffen
gewesen ist und entsprechend hätte informiert werden müssen. Entgegen
der Auffassung der Beschwerdeführerin 7 ist sie auch nicht als formell
betroffene Person anzusehen (vgl. hierzu E. 2.2.1), weshalb sie auch
deswegen nicht zu benachrichtigen gewesen ist. Im vorliegenden Fall ist
dementsprechend eine Verletzung des rechtlichen Gehörs der
Beschwerdeführerin 7 nicht ersichtlich und ihr Antrag auf Feststellung der
Nichtigkeit der angefochtenen Schlussverfügung ist abzuweisen.
Weitere Gründe für eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sind nicht
gegeben. Insbesondere ist die von den Beschwerdeführenden insgesamt
geltend gemachte allfällige Verletzung ihres rechtlichen Gehörs in anderen
Amtshilfeverfahren der Vorinstanz – da ausserhalb des Streitgegenstands
liegend – nicht im Rahmen des vorliegenden Verfahrens zu prüfen.
3.3
3.3.1 Die Beschwerdeführenden machen sodann im Wesentlichen geltend,
dass eine «fishing expedition» vorliege und die voraussichtliche Erheblich-
keit der ersuchten Informationen fehle.
3.3.2 Vorwegzunehmen ist, dass die Ersuchen der AT konkrete Fragen be-
inhalten, die sich auf eine identifizierte Person im Rahmen einer im ersu-
chenden Staat laufenden Untersuchung beziehen (vgl. hierzu E. 2.3.2 f.).
Somit erfüllen die vorliegend zu beurteilenden Amtshilfeersuchen der AT
die formellen Voraussetzungen gemäss Ziff. IV Abs. 2 des Protokolls zu
Art. 25bis DBA CH-ES. Die Ersuchen erweisen sich damit als hinreichend
konkret, weshalb im vorliegenden Fall keine «fishing expedition» gegeben
ist.
Die Argumente der Beschwerdeführenden, es handle sich im vorliegenden
Fall um eine unzulässige «fishing expedition», überzeugen somit nicht.
A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020
Seite 14
3.3.3 Es ist grundsätzlich Sache des ersuchenden Staats zu bestimmen,
welche Informationen für die Besteuerung voraussichtlich erheblich sind
(vgl. E. 2.3.4 f.). Die AT möchte mit den Ersuchen insbesondere die Recht-
mässigkeit des privilegierten Steuerregimes der betroffenen Person unter-
suchen («impatriates»). Denn die AT hegt die Vermutung, dass die be-
troffene Person persönliches Einkommen über die Zwischengesellschaft
(«intermediary company») vereinnahmt hat und das privilegierte Steuerre-
gime somit nicht mehr anwendbar wäre («the mentioned scheme for im-
patriates is not applicable»). Die von der AT im Zusammenhang mit der
Besteuerung der betroffenen Person ersuchten Informationen betreffend
die durch jene sowie die durch die beschwerdeberechtigte Person 1, an
welcher die betroffene Person beteiligt ist («owner»), gehaltenen Bankkon-
ten («account opening forms, together with Know Your Costumer [KYC]
and Client Due Diligence [COD]», «bank statements» und «credit/debit
cards linked to the accounts», s. auch Sachverhalt Bst. A) erscheinen damit
vorliegend als geeignet, die Einkommensbesteuerung und damit die Steu-
ersituation der betroffenen Person in Spanien zu beeinflussen («intermedi-
ary company for the collection of personal income [...] means that the men-
tioned scheme for impatriates is not applicable»). Die in den Ersuchen ge-
nannten Sachverhalte hängen überdies mit den verlangten Informationen
sowie den ersuchten Dokumenten rechtsgenügend zusammen. Die er-
suchten Informationen sind demnach dazu geeignet, im ausländischen
Verfahren gegen die betroffene Person verwendet zu werden. Damit ist in
casu – in Übereinstimmung mit den Erwägungen in der Schlussverfügung
der Vorinstanz – die voraussichtliche Erheblichkeit von grundsätzlich sämt-
lichen Informationen gegeben (s. aber E. 3.7.4).
Entsprechend misslingt es den Beschwerdeführenden mit den unsubstan-
tiierten Behauptungen («es fehle an der voraussichtlichen Erheblichkeit der
Informationen») aufzuzeigen, dass ein Zusammenhang zwischen den ver-
langten Informationen und der in Spanien durchgeführten Untersuchung
wenig wahrscheinlich erscheint. Ebenso vermögen die Beschwerdeführen-
den mit ihren Argumenten (es liege eine «Verletzung des Vertrauensprin-
zips» sowie «ein irreführender Sachverhalt» vor und es würden «keine In-
formationen angefragt» [betreffend die Zwischengesellschaft]) nicht sub-
stantiiert die Erklärungen der AT sofort zu entkräften (s. E. 2.5.1). Deshalb
besteht aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips gerade kein An-
lass (s. E. 2.5.1), an der Richtigkeit der Ausführungen und Erklärungen der
ersuchenden Behörde zu zweifeln.
A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020
Seite 15
3.4 Sodann besteht im vorliegenden Verfahren mit Blick auf das völker-
rechtliche Vertrauensprinzip (s. E. 2.5.1) kein Anlass, an der in den Ersu-
chen enthaltenen Erklärungen, dass alle in Spanien verfügbaren Mittel zur
Informationsbeschaffung genutzt wurden («We consider the internal
sources of information have been exhausted in this case» und «it has ex-
hausted all regular sources of information available under its domestic tax
procedure»), zu zweifeln. Die Beschwerdeführenden haben nämlich keine
konkreten Anhaltspunkte für eine fehlende Ausschöpfung aller üblichen, in
Spanien den Steuerbehörden zur Verfügung stehenden Mittel der Informa-
tionsbeschaffung dargetan und vermögen keine ernsthaften Zweifel an der
Richtigkeit der erwähnten, im Ersuchen abgegebenen Erklärung der AT zu
wecken (vgl. E. 2.6.2). Von der Vermutung, dass der ersuchende Staat sei-
nen vertraglichen Verpflichtungen nachkam und die üblichen der Steuer-
behörden zur Verfügung stehenden Mittel – wie zugesichert – ausge-
schöpft hat, ist vorliegend angesichts der von den Beschwerdeführenden
vorgebrachten Argumente sowie Behauptungen (es liege eine «Verletzung
des Subsidiaritätsprinzips» vor, «da nur die betroffene Person aufgefordert
worden sei Unterlagen im Steuerverfahren einzureichen») nicht abzurü-
cken.
Damit kann in den Vorbringen der Beschwerdeführenden kein rechtsgenü-
gender Grund erblickt werden, wonach die im Zusammenhang mit dem Er-
suchen von der ESTV beabsichtigte Amtshilfe gestützt auf das Subsidiari-
tätsprinzip zu verweigern wäre.
3.5 Die Beschwerdeführenden machen geltend, es liege eine unzulässige
spontane Amtshilfe vor, denn die AT habe nicht nach der Kontoverbindung
gefragt, an denen die betroffene Person und die beschwerdeberechtigte
Person 1 wirtschaftlich berechtigt seien, sondern nur nach Konten die von
der betroffenen Person direkt gehalten würden.
3.5.1 Die AT hat umfassende Auskünfte über sämtliche Bankverbindungen
erbeten, zu welchen die betroffene Person und die beschwerdeberechtigte
Person 1 in Verbindung stehen («all accounts held by» und «not limited to
account»; vgl. zu dieser Konstellation das Urteil des BGer 2C_1037/2019
vom 27. August 2020 E. 5.3). Damit gehören in casu in Übereinstimmung
mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung grundsätzlich sämtliche von
den Informationsinhaberinnen erhaltenen Bankunterlagen zu den erbete-
nen Informationen (s. auch Urteil des BVGer A-4426/2019 vom 28. Oktober
2020 E. 4.6.3). Selbst die Details zu den Konten, an welchen die betroffene
Person oder die beschwerdeberechtigte Person 1 gemäss den edierten
A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020
Seite 16
Unterlagen (nur) wirtschaftlich berechtigt sind, die sie selber aber nicht di-
rekt halten, müssen – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden
– rechtsprechungsgemäss als erfragt betrachtet werden (zum Begriff «held
by» vgl. Urteil des BGer 2C_1037/2019 vom 27. August 2020 E. 5.3.1 ff.).
Damit kann den Vorbringen der Beschwerdeführenden, es liege eine unzu-
lässige spontane Amtshilfe vor, nicht gefolgt werden.
3.6 Die Beschwerdeführerinnen 2-7 bringen weiter vor, dass durch die von
der ESTV vorgesehene Übermittlung überwiegende Interessen der Be-
schwerdeführerinnen 2-7 verletzen würden und rügen sinngemäss eine
Verletzung von Geheimnissen im Sinne von Art. 25bis Abs. 3 Bst. c DBA CH-
ES.
3.6.1 Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang auch, dass Art. 25bis
Abs. 3 DBA-ES der Vorschrift von Art. 26 Abs. 3 Bst. c OECD-MA nachge-
bildet ist und jedenfalls nach dem offiziellen Kommentar zum OECD-MA
finanzielle Informationen (unter Einschluss von Büchern und Aufzeichnun-
gen) ihrer Natur nach kein Handels-, Geschäfts- oder sonstiges Geheimnis
im Sinne der letzteren Bestimmung darstellen (siehe dazu Urteil des BVGer
A-171/2017, A-172/2017 und A-173/2017 vom 5. Juli 2017 E. 9.6.3, mit
weiteren Hinweisen, sowie Urteil des BVGer A-3791/2017 vom 5. Januar
2018 E. 10.2).
3.6.2 Die vorliegend zu übermittelnden Informationen bestehen aus Kon-
toauszügen sowie Bankunterlagen und beschränken sich im Wesentlichen
auf finanzielle Informationen der soeben in E. 3.6.1 genannten Art. Inwie-
fern die Übermittlung der fraglichen Informationen einen Eingriff in die Ge-
schäftssphäre der Beschwerdeführerinnen 2-7 zur Folge haben könnte
(oder ein Geschäftsgeheimnis verletzen könnte; s. E. 2.1.3), kann das Bun-
desverwaltungsgericht nicht nachvollziehen und Entsprechendes wird von
der Beschwerdeführerinnen 2-7 auch nicht substantiiert dargelegt.
Die sinngemässe Rüge, die von der ESTV beabsichtigte Amtshilfeleistung
verstosse gegen Art. 25bis Abs. 3 Bst. c DBA-ES und sei «unverhältnismäs-
sig» bzw. die die Beschwerdeführerinnen 2-7 betreffenden Informationen
seien daher «auszusondern», ist nach dem in E. 3.6.1 f. Gesagten und
angesichts der voraussichtlichen Erheblichkeit dieser Informationen unbe-
gründet.
3.6.3 Immerhin sind die in den Bankunterlagen stehenden Beschwerde-
führerinnen 2-7 durch das Spezialitätsprinzip geschützt, welches auch eine
A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020
Seite 17
persönliche Dimension aufweist (Urteile des BGer 2C_537/2019 vom
13. Juli 2020 E. 3.4.3 und 3.5, 2C_376/2019 vom 13. Juli 2020 E. 7.1.3).
Der Spezialitätsvorbehalt ist in Art. 25bis Abs. 2 DBA CH-ES enthalten.
Nachdem aber international wie national unterschiedliche Auffassungen
darüber bestehen, wie weit dieser Spezialitätsvorbehalt reicht und
insbesondere, ob ihm eine persönliche Dimension zukommt, ist es
angezeigt, dass die ESTV die AT anlässlich der Übermittlung der ersuchten
Informationen über den Umfang der Verwendungsbeschränkung informiert
(Urteile des BGer 2C_537/2019 vom 13. Juli 2020 E. 3.7 2. Absatz,
2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.7). Die ESTV wird Ziff. 3 des
Dispositivs der angefochtenen Verfügung entsprechend zu präzisieren
haben.
3.7
3.7.1 Die Beschwerdeführenden beantragen sodann, bestimmte Angaben
in den zur Übermittlung vorgesehenen Informationen seien zu schwärzen,
namentlich die Informationen, welche nicht relevante Jahre betreffen. Die
Beschwerdeführenden bezeichnen verschiedene Beilagen, im Wesentli-
chen «account opening forms» und «copies of bank statements», welche
ihrer Ansicht nach entsprechend zu schwärzen seien. Als Begründung wird
im Wesentlichen herangezogen, dass die Angaben Rückschlüsse auf das
Kontoeröffnungsdatum erlauben oder sich auf Jahre ausserhalb des ange-
fragten Zeitraums beziehen und nicht erfragte Informationen zu «Grundbe-
sitz» beinhalten könnten.
3.7.2 Gemäss den vorliegenden spanischen Amtshilfeersuchen werden
Bankinformationen für den Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis 31. Dezember
2016 verlangt («account opening forms», «Know your Costumer», «Client
Due Diligence», «bank statements»). Vom Ersuchen ebenfalls umfasst
sind rechtsprechungsgemäss grundsätzlich Unterlagen, etwa Kontoeröff-
nungsunterlagen, die für die vorliegende Konstellation zwar vor dem Zeit-
raum 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2016 entstanden sind, aber für die-
sen Zeitraum «weiterwirken». Für die Besteuerung der betroffenen Person
im ersuchten Zeitraum hingegen ist die Angabe des Zeitpunkts der Konto-
eröffnung unerheblich, sofern dieser vorliegend vor dem 1. Januar 2015
liegt (s. hierzu Urteil des BVGer A-625/2018 vom 12. November 2018
E. 6.3.5.3).
3.7.3 Aus diesem Grund hat die Vorinstanz unter anderem die entspre-
chenden Datumsangaben in den zur Übermittlung vorgesehenen Doku-
A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020
Seite 18
menten geschwärzt. Die Beschwerdeführenden bringen indes im Wesent-
lichen vor, dass die Vorinstanz diese Schwärzungen der Datumsangaben
nicht vollständig bzw. nicht konsequent vorgenommen habe. Insbesondere
die Datumsangaben in der «Apostille» (Beilage 2, Nr. 8 der Apostille) sowie
in den «Form W-8BEN» (Beilage 1, 3-7) sowie bei «den Gebühren» («Frais
rel.fisc. 2014», Beilage 13, Transaktion vom 30.04.15 sowie Beilage 16,
Transaktion vom 30.04.2015) seien übersehen worden. Die Beschwerde-
führenden beantragen deren entsprechende Schwärzung und verlangen
ebenfalls die Schwärzung von Sätzen, aus denen im Kontext Informationen
zu nicht ersuchten Jahren ausgetauscht werden («already a (...) client»
[Beilage 2, Client profile, S. 2], «Vorhersage der Einkünfte für die Jahre
2017 bis 2025» [Beilage 10, Statement of Assets, S. 5/12], «2eme Divi-
dende reçu en Mai» [Beilage 2, Client Profile, S. 4] sowie «die Angabe zur
Laufzeit der Obligation» bis «2020» [Beilage 12, zwei Transaktionen vom
«27.10.16» sowie eine Transaktion vom «28.11.16»]). In ihrer Vernehmlas-
sung schliesst sich die Vorinstanz diesen Schwärzungsanträgen insoweit
an, als die Datumsangabe 2014 in den zur Übermittlung vorgesehenen
«Form W-8BEN»-Dokumenten (bei Beilagen 3-6) sowie der Satzteil «2eme
Dividende reçu en Mai» sowie der Satzausschnitt «Vorhersagen der Ein-
künfte für die Jahre 2017 bis 2025» fälschlicherweise nicht geschwärzt
worden seien. Die Datumsangaben in der «Apostille» und «die Angabe der
Laufzeit der Obligation» sowie die Datumsangaben bei den «Gebühren»
und die Formulierung «already a (...) client» möchte die Vorinstanz aller-
dings nicht geschwärzt wissen.
3.7.4 In Übereinstimmung mit den Beschwerdeführenden und entgegen
den Ausführungen der Vorinstanz muss festgehalten werden, dass das,
was für die Datumsangaben in den «Form W-8BEN»-Dokumenten gilt,
auch für jene in der «Apostille» und in den übrigen genannten, zu übermit-
telnden Dokumenten zu gelten hat. Denn es sind jeweils gleicherweise die-
jenigen Stellen zu schwärzen, deren Erheblichkeit für die Steuerjahre im
zeitlichen Anwendungsbereich der Amtshilfeklausel unwahrscheinlich sind
(vgl. hierzu E. 2.1.2 und Urteil des BVGer A-625/2018 und A-3455/2018
vom 12. November 2018 E. 6.3.5.1).
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insoweit (sehr marginal) gutzu-
heissen, als die vom Ersuchen zeitlich nicht erfassten (nicht «weiterwirken-
den») Datumsangaben bzw. die genannten Kontexte, welche Rück-
schlüsse auf vom Ersuchen nicht umfasste Jahre zulassen, in den zur
Übermittlung vorgesehenen Beilagen vollständig zu schwärzen sind. Im
Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020
Seite 19
3.7.5 Ebenfalls geschwärzt werden sollen nach Ansicht der Beschwerde-
führenden generell «ISIN- und Valorennummern». Diesbezüglich und be-
züglich der weiteren Schwärzungsanträge der Beschwerdeführenden in
Zusammenhang mit dem «Grundbesitz» und des «Beneficial Owner» kann
allerdings ihren Ausführungen nicht gefolgt werden, sind diese Informatio-
nen doch gerade Teil der ausdrücklich erfragten – und voraussichtlich er-
heblichen – Informationen («account opening forms», «Know your Costu-
mer», «Client Due Diligence», «bank statements»).
4.
4.1 Die Verfahrenskosten sind unter Berücksichtigung des leicht reduzier-
ten Verfahrensaufwandes zufolge der Verfahrensvereinigung auf insge-
samt CHF 12’500.- festzusetzen (vgl. Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Be-
schwerde ist in äusserst marginalem Umfang gutzuheissen (E. 3.7.4), im
Übrigen aber abzuweisen. Diese Geringfügigkeit des Obsiegens ist bei der
Kostenveranlagung nicht zu berücksichtigen. Ausgangsgemäss haben die
Beschwerdeführenden die Verfahrenskosten vollumfänglich zu tragen (vgl.
Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die einbezahlten Kostenvorschüsse (total CHF
15'000.-) sind zur Bezahlung dieser Kosten zu verwenden und der Mehr-
betrag von CHF 2'500.- ist zurückzuerstatten.
4.2 Eine Parteientschädigung ist entsprechend (E. 4.1) nicht zuzusprechen
(vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario
sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE).
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h BGG innerhalb von 10 Tagen nur dann
mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-
gericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätz-
licher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handeln sollte
(Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.
Das Dispositiv befindet sich auf der folgenden Seite.
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Seite 20