Decision ID: cb89a0f0-fbdd-56c9-9726-8e474780e571
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals im Mai 2012 zum Bezug von Ergänzungsleistungen
zur Altersrente der AHV an (EL-act. 175). Am 13. August 2012 gab sie auf eine
Rückfrage der EL-Durchführungsstelle an, dass sie bis 1966 in B._ gewohnt und auf
dem Landwirtschaftsbetrieb ihrer Mutter ohne Lohn und ohne Beiträge an eine
Altersrente gearbeitet habe; sie beziehe keine Leistungen einer ausländischen
Versicherung. Gleichentags verneinte die EL-Durchführungsstelle mit einer Verfügung
den Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL-act. 171). Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft. Am 6. Dezember 2013 meldete sich die Versicherte
erneut zum Leistungsbezug an (EL-act. 148). Mit einer Verfügung vom 2. Januar 2014
sprach ihr die EL-Durchführungsstelle rückwirkend ab dem 1. Dezember 2013
Ergänzungsleistungen nach dem Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG, SR 831.30, im Folgenden: ordentliche
Ergänzungsleistungen) zu (EL-act. 143). Sie wies die Versicherte darin auf die
Meldepflicht und die möglichen Rechtsfolgen bei deren Verletzung hin. Mit einer
Verfügung vom 29. Dezember 2014 sprach sie der Versicherten ab 1. November 2014
infolge Anrechnung eines erhöhten Mietzinsanteils zudem ausserordentliche
Ergänzungsleistungen nach dem kantonalen Ergänzungsleistungsgesetz (sGS 351.5,
im Folgenden: ausserordentliche Ergänzungsleistungen) zu (EL-act. 124).
A.a.
Im Fragebogen zur periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistungen gab die
Versicherte am 17. Januar 2017 an, dass sie bis 1966 in B._ gewohnt habe und dass
sie keine Leistungen einer ausländischen Sozialversicherung beziehe (EL-act. 109, vgl.
auch das undatierte Schreiben der Versicherten, EL-act. 107; darin teilte sie mit, dass
sie in B._ geboren sei und auf dem Bauernhof ihrer Mutter mitgearbeitet habe;
Renteneinzahlungen für Bauern habe es damals noch nicht gegeben). Die EL-
Durchführungsstelle stellte bei der Prüfung der von der Versicherten eingereichten
Unterlagen unter anderem fest, dass der Mietzins per 1. Februar 2016 gesenkt worden
war (vgl. Feststellungsblatt vom 7. April 2017, EL-act. 104). Mit einer Verfügung vom
A.b.
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11. April 2017 passte sie die ausserordentlichen Ergänzungsleistungen rückwirkend per
1. Februar 2016 und die ordentlichen Ergänzungsleistungen rückwirkend per 1. Januar
2017 an (EL-act. 103). Sie machte die Versicherte explizit auf die Kontroll- und
Meldepflicht aufmerksam und wies darauf hin, dass sämtliche Änderungen der
wirtschaftlichen und/oder persönlichen Situation umgehend gemeldet werden müssten
(Mietzins-/Vermögensanpassungen, Rentenänderungen, etc.). Am 18. Juli 2018
meldete die Versicherte, dass sich ihr Vermögen reduziert habe (EL-act. 87). Sie reichte
Bankkontoauszüge von zwei Konti ein. Aus einem Bankkontoauszug betreffend den
Monat Juni 2018 waren zwei Gutschriften einer Fremdbank mit den Mitteilungen
"Pension" im Betrag von Euro 85.33 ersichtlich. Die EL-Durchführungsstelle bat am
13. August 2018 um die Einreichung von Saldoausweisen von zwei weiteren Konti (EL-
act. 86). Am 12. September 2018 teilte sie der Versicherten mit, die Anpassungen
hätten keinen Einfluss auf die Höhe der Ergänzungsleistungen (EL-act. 83).
Am 20. September 2018 reichte die Versicherte bei der AHV-Zweigstelle eine
Bescheinigung der Pensionsversicherungsanstalt der Landesstelle C._ vom Januar
2017 betreffend eine Invaliditätspension in der Höhe von Euro 83.49 ein (EL-act. 80).
Die EL-Durchführungsstelle bat die Versicherte am 25. Oktober 2018 um die Angabe,
seit wann sie die Rente aus B._ beziehe, und um die Einreichung von
entsprechenden Unterlagen (EL-act. 79). Die Versicherte teilte am 4. November 2018
mit (EL-act. 78), das Geld aus der Rente sei bis im Jahr 2017 in B._ geblieben. Sie
habe damit ihre Enkelin unterstützt, die studiert habe. Im Mai 2018 habe ihre Enkelin
das Studium beendet, weshalb sie (die Versicherte) nun das Geld erhalte. Im
Nachhinein sei sie sich bewusst, dass sie dies hätte melden müssen. Sie legte
Unterlagen der letzten zehn Jahre zur B._-ischen Rente bei. Die EL-
Durchführungsstelle nahm eine Neuberechnung der Ergänzungsleistungen vor (vgl. die
Berechnungsblätter, EL-act. 63-72). Mit einer Verfügung vom 13. November 2018
forderte sie zu Unrecht bezogene Leistungen in der Höhe von Fr. 14'197.-- zurück (EL-
act. 73). Die Versicherte teilte am 18. November 2018 mit (EL-act. 62), sie habe gar
nicht gewusst, dass sie eine Rente aus B._ "gut" habe, erst ihre Schwägerin habe sie
darauf aufmerksam gemacht. Sie habe gedacht, dass sie diese Rente nicht
"versteuern" müsse, weil das Geld im Ausland geblieben sei und sie nicht davon
profitiert habe. Sie wisse nicht, woher sie das Geld für die Rückzahlung nehmen sollte.
A.c.
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Die EL-Durchführungsstelle teilte der Versicherten am 26. November 2018 mit (EL-
act. 61), sie werde das Erlassgesuch vom 18. November 2018 behandeln, sobald die
Rückforderungsverfügung in Rechtskraft erwachsen sei. Am 2. Dezember 2018 erhob
die Versicherte eine Einsprache gegen die Verfügung vom 13. November 2018 (EL-
act. 59). Mit einem Entscheid vom 14. Juni 2019 hiess die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache teilweise gut und reduzierte die Rückforderung auf Fr. 6'513.-- (EL-act. 44).
Die Reduktion der Rückforderung lag im Wesentlichen darin begründet, dass bei der
Berechnung der Rückforderung von Fr. 14'197.-- die bisherige Berücksichtigung des
erhöhten Mietzinsanteils ab Januar 2015 "untergegangen" war (vgl. Stellungnahme
Fachbereich vom 11. April 2019, EL-act. 48). Die Versicherte wandte sich am 20. Juni
2019 an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (EL-act. 34). Sie teilte mit,
dass sie am Existenzminimum lebe und die Fr. 6'513.-- nicht zurückzahlen könne. Das
Versicherungsgericht bat die Versicherte am 27. Juni 2019 mitzuteilen, ob sie eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid habe erheben wollen; mit der Eingabe
vom 20. Juni 2019 habe sie eigentlich ein Erlassgesuch gestellt, welches der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen hätte eingereicht werden müssen
(EL-act. 35). Da sich die Versicherte innert Frist nicht vernehmen liess, überwies das
Versicherungsgericht die Eingabe der Versicherten am 8. August 2019
zuständigkeitshalber der EL-Durchführungsstelle (EL-act. 33). Der Einspracheentscheid
vom 14. Juni 2019 erwuchs damit unangefochten in Rechtskraft.
Mit einer Verfügung vom 9. September 2019 wies die EL-Durchführungsstelle das
Erlassgesuch ab (EL-act. 32). Zur Begründung führte sie an, dass zu viel bezogene
Ergänzungsleistungen zurückzuerstatten seien. Seien die Leistungen im guten Glauben
bezogen worden und bedeute die Rückzahlung der Schuld für den Betroffenen eine
grosse Härte, könne die Rückforderung erlassen werden. Die Versicherte sei im
Erlassgesuch nur auf die Voraussetzung der grossen Härte eingegangen. Der gute
Glaube sei ihr abzusprechen, da sie die Deklarations- und Meldepflicht verletzt habe.
Die Unterstützung der Enkelin "weise keinen guten Glauben auf", denn aus den der
Versicherten jeweils zugestellten Berechnungen der Ergänzungsleistungen sei klar
ersichtlich gewesen, dass ausländische Rentenleistungen "Teil der Berechnung" seien.
A.d.
Die Versicherte teilte am 18. September 2019 im Wesentlichen mit (EL-act. 20),
dass ihr im Monat lediglich Fr. 2'623.30 zur Verfügung stünden. Sie wisse nicht, wie sie
A.e.
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B.

Erwägungen
1.
Unrechtmässig bezogene Leistungen, das heisst Leistungen, auf die nach der
massgebenden materiellen Rechtslage an sich kein Anspruch bestanden hat und die
sich – in aller Regel nach einer Korrektur einer früheren Verfügung – nicht auf eine
verfügungsmässige Grundlage stützen können, sind gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des
die Rückzahlung, auch in Raten, begleichen sollte. Die EL-Durchführungsstelle bat die
Versicherte am 24. September 2019 mitzuteilen, ob sie mit dem Schreiben vom
18. September 2019 eine Einsprache gegen die Verfügung vom 9. September 2019
habe erheben wollen (EL-act. 18). Am 4. Oktober 2019 bestätige die Versicherte dies
(EL-act. 14). Mit einem Entscheid vom 5. Dezember 2019 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache ab (EL-act. 8). Zur Begründung führte sie an, aus
den Akten sei ein Rentenbezug aus B._ nicht ansatzweise ersichtlich gewesen. Auch
habe die Versicherte den Bezug einer ausländischen Rente mehrfach verneint. Aus den
Berechnungsblättern hätte die Versicherte erkennen müssen, dass diese Leistungen
einnahmenseitig nicht aufgeführt worden seien. Kognitive und andere gesundheitliche
Einschränkungen lägen bei der Versicherten nicht vor. Da eine Verletzung der
Deklarations- und Meldepflicht sowie der Kontrollpflicht vorliege, sei das Erlassgesuch
zu Recht abgewiesen worden.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 9. Dezember 2019
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 5. Dezember 2019 (act. G 1).
Sie beantragte sinngemäss den Erlass der Rückforderung in der Höhe von Fr. 6'513.--.
Sie brachte vor, dass sie zurzeit eine Rente von weniger als Fr. 2'600.-- pro Monat
erhalte. Sie sei der Meinung gewesen, dass sie Geld, das sie nicht besitze, auch nicht
"versteuern" müsse.
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
24. Dezember 2019 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung verwies
sie auf die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid.
B.b.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 4).B.c.
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Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) zurückzuerstatten. Zielt die (vorgängige) Korrektur einer früheren formell
rechtskräftigen Verfügung mittels einer (rückwirkenden) Revision im Sinne von Art. 17
ATSG, einer sogenannt prozessualen Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG oder einer
Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG auf eine Herstellung eines der materiellen
Sach- und Rechtslage entsprechenden verfügungsmässigen Zustandes ab, bezweckt
die Rückforderung von unrechtmässig bezogenen Leistungen die Herstellung eines
wirtschaftlich rechtmässigen Zustandes. Der betroffenen Person sollen nach der
Rückerstattung der unrechtmässig bezogenen Leistungen "nur" jene Leistungen
verbleiben, auf die sie angesichts der massgebenden Sach- und Rechtslage einen
Anspruch gehabt hat. Dadurch wird dem Legalitätsprinzip (Art. 5 Abs. 1 der
Bundesverfassung, BV, SR 101) und dem Gleichbehandlungsgebot (Art. 8 Abs. 1 BV)
zum Durchbruch verholfen. Die in Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG vorgesehene Möglichkeit
des Erlasses einer Rückforderung hebelt die für das Sozialversicherungsrecht
elementare Verwirklichung des Legalitätsprinzips und des Gleichbehandlungsgebotes
im Einzelfall aus, denn der Erlass hat zur Folge, dass die betroffene Person nicht "nur"
jene Leistungen, auf die jede andere Person in derselben Lage von Gesetzes wegen
einen Anspruch gehabt hätte, sondern darüber hinaus auch noch die unrechtmässig
bezogenen Leistungen behalten kann. Diese Durchbrechung des Grundsatzes, wonach
unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten sind, lässt sich nur mit dem
Schutz eines berechtigten Vertrauens der leistungsbeziehenden Person in die
(vermeintliche) Rechtmässigkeit der bezogenen Leistungen rechtfertigen. Ein solches
berechtigtes Vertrauen liegt nach dem Wortlaut von Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG vor,
wenn die versicherte Person die unrechtmässig bezogenen Leistungen gutgläubig
entgegen genommen hat, das heisst wenn sie effektiv nicht um die Unrechtmässigkeit
der Leistungen gewusst hat und wenn sie bei Aufwendung der gebotenen Sorgfalt
auch nicht um die Unrechtmässigkeit der Leistungen hätte wissen müssen. Da
angesichts der grossen Bedeutung der grundsätzlichen Rückerstattungspflicht für das
Sozialversicherungsrecht bei der Prüfung der Erlassvoraussetzungen ein strenger
Massstab anzulegen ist, scheidet ein Erlass einer Rückforderung aber – über den allzu
engen Wortlaut des Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG hinausgehend – auch aus, wenn die
versicherte Person den unrechtmässigen Leistungsbezug durch eine grobe
Sorgfaltspflichtverletzung, namentlich durch eine Verletzung der Auskunfts- oder
Meldepflicht oder durch eine Verletzung der gesetzlich nicht geregelten sogenannten
Kontroll- und Hinweispflicht, mitverursacht hat. Die erforderliche Sorgfalt beurteilt sich
dabei nach einem objektiven Massstab, wobei aber das der versicherten Person in
ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand,
Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden darf (BGE 138 V 218, E. 4, m.w.H.).
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2.
Bei der Prüfung, ob eine Rückforderung zu erlassen ist, ist relevant, welcher Grund zur
Rückforderung geführt hat, denn erst wenn der Grund für die Korrektur eines
Berechnungselementes bekannt ist, kann geprüft werden, ob die versicherte Person
diesbezüglich gutgläubig gewesen ist. Die beim Erlass der Korrekturverfügung vom
13. November 2018 "untergegangene" bisherige Berücksichtigung des erhöhten
Mietzinsanteils ab Januar 2015, die eine Rückforderung von ausserordentlichen
Ergänzungsleistungen zur Folge gehabt hätte, hat die Beschwerdegegnerin mit dem
Einspracheentscheid vom 14. Juni 2019 korrigiert. Die formell rechtskräftige und
verbindliche Rückforderung hat damit ausschliesslich die ordentlichen
Ergänzungsleistungen betroffen. Ein Vergleich der Berechnungsblätter zum
Einspracheentscheid vom 14. Juni 2019 bzw. zur Korrekturverfügung vom
13. November 2018 mit jenen zu den ursprünglichen, korrigierten Verfügungen zeigt,
dass die Korrektur die Positionen Renten und Vermögenserträge als Einnahmen
betroffen hat: Die Beschwerdegegnerin hat rückwirkend ab Dezember 2013 die Rente
aus B._ sowie (für bestimmte Zeiträume) tiefere Vermögenserträge berücksichtigt. Da
die Korrektur beim Vermögensertrag zu einem tieferen Rückforderungsbetrag geführt
hat, sich also zu Gunsten der Beschwerdeführerin ausgewirkt hat, ist der Grund für die
Rückforderung ausschliesslich die Berücksichtigung der Rente aus B._ gewesen (vgl.
auch die Stellungnahme des Fachbereichs, EL-act. 10).
3.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin in Bezug auf die ursprünglich
nicht berücksichtigte Rente aus B._ gutgläubig gewesen ist. Die Beschwerdeführerin
hat im Rahmen der Prüfung des ersten Leistungsgesuchs am 13. August 2012
angegeben, dass sie bis 1966 in B._ gewohnt und gearbeitet habe, dass sie aber
damals keine Beiträge an eine Altersrente entrichtet habe und aktuell keine Leistungen
einer ausländischen Versicherung beziehe. Diese Angaben hat sie anlässlich der
periodischen Überprüfung des Anspruchs auf Ergänzungsleistungen am 17. Januar
2017 bestätigt. Erst im September 2018 hat die Beschwerdeführerin den Bezug einer
B._-ischen Rente gemeldet. Die Unterlagen der Pensionsversicherungsanstalt der
Landesstelle C._ belegen (EL-act. 78), dass die Beschwerdeführerin ab mindestens
dem Jahr 2010 eine Invaliditätspension bezogen hat. Die Beschwerdeführerin hat
vorgebracht, sie habe gar nicht gewusst, dass sie eine Rente aus B._ "gut" habe,
erst ihre Schwägerin habe sie darauf aufmerksam gemacht. Dies könnte darauf
schliessen lassen, dass sie im Zeitpunkt der Anmeldung zum Leistungsbezug noch gar
keine B._-ische Rente bezogen hätte, sondern diese erst später, im Rahmen einer
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rückwirkenden Zusprache erhalten hätte. Die Unterlagen der
Pensionsversicherungsanstalt der Landesstelle C._ belegen jedoch klar, dass sie
diese Rente seit mindestens dem Jahr 2010 bezogen hat. Die Beschwerdeführerin hat
somit bereits bei der erstmaligen Anmeldung am 13. August 2012 (und bei der
periodischen Überprüfung im Jahr 2017) falsche Angaben gemacht. Möglicherweise ist
die Beschwerdeführerin damals irrtümlich davon ausgegangen, dass nur eine
ausländische Altersrente relevant sei, weshalb der Bezug einer Invaliditätspension nicht
anzugeben sei. Die Frage der Beschwerdegegnerin ist aber offen formuliert gewesen
("Beziehen Sie eine ausländische Versicherungsleistung [Rente, Pension, usw.]?", EL-
act. 170), weshalb die Beschwerdeführerin bei einer allfällig bestandenen Unklarheit
hätte nachfragen müssen, ob damit auch eine Invaliditätspension gemeint sei. Die
Beschwerdeführerin hat weiter vorgebracht, dass das Geld im Ausland geblieben sei;
sie habe damit ihre Enkelin, die studiert habe, unterstützt. Sie sei der Meinung
gewesen, dass sie Geld, das sie nicht besitze, auch nicht "versteuern", also der
Beschwerdegegnerin angeben müsse. Auch diesbezüglich hätte sie bei der
Beschwerdegegnerin nachfragen müssen, ob mit "Beziehen" ein rechtlicher Anspruch
auf oder nur ein tatsächlicher Bezug einer ausländischen Versicherungsleistung
gemeint sei. Bei der Aufwendung der gebotenen Sorgfalt hätte die Beschwerdeführerin
also bereits bei der Anmeldung erkennen müssen, dass die Rente aus B._ eine
anrechenbare Einnahme darstellte. Auch bei der Kontrolle der mit jeder Verfügung
zugestellten Berechnungsblätter hätte der Beschwerdeführerin klar werden müssen,
dass ausländische Renten eine Einnahmenposition darstellen und demzufolge
meldepflichtig sind. Die Meldung des Bezugs der Rente aus B._ im September 2018
ist damit verspätet gewesen; die Beschwerdeführerin hätte die Rente aus B._ bereits
bei der Anmeldung im Dezember 2013 respektive im Rahmen des ersten
Leistungsgesuchs im August 2012 angeben müssen. Da durch einfaches Nachfragen
bei der Beschwerdegegnerin eine Klärung der Rechtslage möglich gewesen wäre, hat
die Beschwerdeführerin ihre Auskunftspflicht (Art. 28 Abs. 2 ATSG) in grober Weise
verletzt. Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen
Gründen nicht in der Lage gewesen wäre, die gebotene Sorgfalt wahrzunehmen, liegen
nicht vor; aus den Akten ergibt sich einzig, dass die Beschwerdeführerin an
Rückenbeschwerden leidet (EL-act. 106). Ein guter Glaube ist damit zu verneinen. Ob
die Voraussetzung der grossen Härte gegeben wäre, kann offenbleiben, da die beiden
Erlassvoraussetzungen kumulativ erfüllt sein müssen. Die Beschwerdegegnerin hat das
Erlassgesuch damit zu Recht abgewiesen.
4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a aATSG in der bis 31. Dezember
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2020 gültig gewesenen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 83 ATSG noch
anwendbaren Fassung).