Decision ID: b955bf7e-5513-4a38-aa13-a740168e4446
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976,
ist bei der
Z._
AG angestellt und in dieser Funktion bei der
Schweizerischen
Mobiliar
Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Mobiliar) gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Mit Bagatell
unfall-Meldung vom 24. September 2018 machte er geltend, er habe am 19. Sep
tember 2018 während dem Tennisspielen eine falsche Bewegung
(Misstritt)
mit dem linken Bein gemacht, wodurch sein Knie nach links
überdehnt
und ein star
ker Schmerz verursacht
worden sei
(Urk. 7/UM
; vgl. auch ausgefüllter Fragebogen vom 1. Oktober 2018, Urk. 7/
00
3 Ziff. 1
).
Mit Schreiben vom 16. Oktober 2018 teilte die Mobiliar dem Versicherten mit
, die unfallbedingten Beschwerden würden bis zum 16. Oktober 2018 übernommen. Ein Anspruch auf Versicherungsleistungen ab dem 17. Oktober 2018 werde jedoch abgelehnt (Urk. 7/
017-0
16).
An der Leistungseinstellung hielt die Mobiliar mit Verfügung vom 20. November 2018 fest (Urk. 7/
0
32
-030
). Die dagegen erho
bene Einsprache vom 28. Dezember 2018 (Urk. 7/
0
51
-048
) wies die Mobiliar mit Entscheid vom
5. März 2019 ab (Urk. 2 = 7/
0
81
-073
).
2.
Der Versicherte erhob am 1. April 20
19
Beschwerde gegen den
Einsprache
ent
scheid
vom 5. März 2019 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten (Urk. 1 S. 2 oben).
Mit Beschwer
deantwort vom 16. April 2019 beantragte die Mobiliar die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Am 27. Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer die Replik ein und hielt am bisherigen Antrag fest (Urk. 9). Dasselbe gilt für die
am
5.
Juni 2019 der Post übergebene
Duplik vom 16. April 2019 (Urk. 13), welche dem Beschwerdeführer am 11. Juni 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch bei folgenden Körper
schädi
gungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu
führen sind: Knochenbrüche (
lit
. a); Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Menis
kusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d),
Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 202).
1.2
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermu
tung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vor
wiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. Sep
tember 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss
BGE 146 V 51
ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Ver
sicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versi
cherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallversiche
rers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beurteilen
den Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche
Ein
schätzungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
–
nach
zuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärun
gen erübrigen (E. 8.6).
1.3
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hi
nweis auf BGE 125 V 351 E. 3b
/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzune
hmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2;
135 V 465 E. 4.4
und E. 4.7
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
davon aus (Urk. 2)
, gestützt auf die Beurteilung des beratenden Arztes
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie sowie Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates, habe das Ereignis vom 19. September 2018 vorübergehende Beschwerden nach sich gezogen, aber keine richtungsgebende und dauerhafte Verschlimmerung des Vorzustandes. Spätestens drei Wochen nach dem Ereignis sei wieder vom Status quo sine auszugehen. Der vorwiegend horizontale Meniskusriss sei biomechanisch nicht durch ein Überdehnen des Kniegelenkes zu erklären, sondern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dege
nerativ bedingt und vorbestehend. Es fänden sich keine Begleitverletzungen, wie sie für eine unfallbedingte Entstehung vorauszusetzen wären
(S. 6
lit
. b).
Isolierte Meniskusverletzungen würden heute nur noch beim sogenannten wuchtigen Drehsturz diskutiert, bei dem das gebeugte und rotierte Kniegelenk bei fixiertem Unterschenkel/Fuss plötzlich passiv in die Streckung gezwungen werde, so dass die
physiologische Schlussrotation nicht mehr ablaufen könne (S. 7 Ziff. 4.2.e). Axial stauchende Einwirkungen, wie vorliegend, seien jedoch kaum geeignet, eine Meniskusläsion hervorzurufen (S. 8
lit
. g).
Somit sei gestützt auf die Akten
beurteilung von
Dr.
A._
der erforderliche Gegenbeweis erbracht, dass der Meniskusschaden überwiegend wahrscheinlich auf Degeneration zurückzuführen sei (Beschwerdeantwort, Urk. 6 S. 3
lit
. B).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdef
ührer auf den Standpunkt
, gestützt auf die Beurteilung vom 23. Februar 2019 von
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Chirurgie,
entspreche die Morphologie der Meniskusläsion zwar zumindest teilweise einem degenerativ bedingten Vorschaden. Entgegen der Beurteilung von
Dr.
A._
liege beim Beschwerdeführer allerdings keine isolierte Meniskus
läsion vor, da eine Zerrung des medialen Seitenbandes sowie ein bildgebend nachgewiesenes
bone
bruise
am medialen Rand des
Tibiaplateaus
vorhanden sei
en
. Durch die Kniedistorsion vom 19. September 2018 sei es überwiegend wahrscheinlich zu einer komprimierenden Rotations-Scherbewegung gekommen
, was
eine Meniskusläsion begünstige.
Der Nachweis einer vorwiegend degenerativ bedingten Meniskusläsion mittels Begründung von
Dr.
A._
sei nicht genü
gend erbracht worden (Urk. 1 S. 4 f. Ziff. 3).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht ab 17. Oktober 2018 zu Recht verneinte zufolge Vorliegens einer unfallähnlichen Kö
r
perschädigung, welche vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurück
zuführen ist.
3.
3.1
Gestützt auf das am 24. September 2018 durchgeführte MRI des linken Kniege
lenkes wurde gemäss dem gleichentags erstellten Bericht folgender Befund erho
ben (Urk. 7/M2):
-
Der mediale Meniskus sei horizontal bis auf die Gelenkskapsel gespalten mit einem kleinen über die
Tibiakante
nach kaudal lokalisierten
Flap
posteromedial
.
-
Zerrung des MCL.
-
Kleiner
bone
bruise
im medialen Rand des
Tibiaplateau
s
.
-
Kleinvolumiger
Kniegelenkserguss.
-
Leichtgradige Chondropathie Grad II retropatellar zentral im Firstbereich.
-
15 mm grosses Ganglion
interkondylär
posterior
und extraartikuläre Ganglien im Ansatzbereich des medialen Gastrocnemius und dorsal der
Femurmetaphyse
(kein Krankheitswert).
3.2
Aufgrund anhaltender Schmerzen und
eines
Schwellungszustand
s
am linken Knie wurde der Beschwerdeführer bei
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, vorstellig. Diese
r
diagnostizierte einen medialen Meniskusriss links und erachtete eine arthroskopische Meniskussanierung als indiziert. Er wies darauf hin, dass das vordere Kreuzband im MRI eher leicht ausgedünnt sei und sich die Knorpel
situation sehr schön darstelle
(
Eintrag Krankengeschichte vom 5. Oktober 2018, Urk.
7/M3)
.
3.3
Am 10. Oktober 2018 nahm der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin, Dr.
A._
Stellung (Urk.
7/M4
).
Er
hielt fest, die komplexe Rissbildung des medialen Meniskus am linken Kniegelenk, die Zerrung des MCL, der kleine
bone
bruise
am
Tibiaplateau
sowie das
interkondyläre
Ganglion seien als Vorzustände einzustufen (Ziff. 2).
Die Frage, ob die gesundheitlichen Störungen im Sinne einer Allein- oder Teilursache auf das Ereignis vom 19. September 2018 zurückgingen, beantwortete
Dr.
A._
mit «ja, überwiegend wahrscheinlich» (Ziff. 3).
Der Status quo sine sei drei Wochen nach dem
besagten
Ereignis erreicht (Ziff. 4). Dr.
A._
fügte schliesslich an, die beim Beschwerdeführer vorliegende Riss
form als im
W
esentlichen horizontaler Riss könne biomechanisch nicht du
r
ch das Überdehnen des Kniegelenkes verursacht worden sein.
Eine solche
Rissform
sei in aller Regel degenerativ bedingt und vorbestehend (Ziff. 8).
3.4
Nach Vorliegen des Operationsberichts vom 18. Oktober 2018 von
Dr.
C._
(Urk. 7/M6) sowie der während der Operation angefertigten Bilder (Urk. 7/M5) nahm
Dr.
A._
am
14. November 2018
erneut Stellung (Urk.
7/M7
): Der Ope
rationsbericht sowie die dazugehörigen Bilder würden die degenerative Genese der Meniskusläsion belegen. Es würden sich keinerlei Begleitverletzungen finden, die eine Unfallkausalität wahrscheinlich machen liessen (Ziff. 2).
3.5
Auf Nachfrage des Beschwerdeführers erklärte
Dr.
C._
am 12. Dezember 2018 (Urk. 7/
0
41; vgl. auch die gestellten Fragen, Urk. 7/
0
43), die Beschwerden des Beschwerdeführers am linken Kniegelenk inklusive d
ie
durchgeführte Operation stünden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem Distor
s
ionstrauma vom 19. September 201
8.
Bis zu diesem Ereignis sei der Beschwerdeführer absolut beschwerdefrei gewesen (Ziff. 1). Unfallfremde Fakto
ren würden keine Rolle spielen (Ziff. 2). Während der Operation - die ohne das Unfallereignis nicht hätte durchgeführt werden müssen (Ziff. 4) - habe festgestellt werden können, dass
im Gelenk überhaupt keine Spuren degenerativer Verände
rungen vorhanden gewesen seien (Ziff. 5).
3.6
Am 13. Februar 2019 erstattete
Dr.
A._
ein Aktengutachten (Urk. 7/M8).
Er erläuterte, dass eine isolierte traumatische Schädigung eines altersentsprechend strukturierten Meni
s
kus zu den absoluten Ausnahmen gehöre und nur noch beim sogenannten wuchtigen Drehsturz
diskutiert werde
, bei dem das gebeugte und rotierte Kniegelenk bei fixiertem Unterschenkel/Fuss plötzlich passiv in die Streckung gezwungen w
e
rd
e
, so dass die physiologische Schlussrotation nicht mehr ablaufen könne (S. 3 oben). Hierzu bedürfe es eines unüberwindlichen äusseren Bewegungshemmnisses mit brüsker und wuchtig ablaufender, erzwunge
ner Kniestreckung, wobei es nicht ausreichend sei, wenn der Fuss nur durch das Körpergewicht und/oder eine unfallverhütende Schuhsohle am Boden hafte (beispielsweise Stoppschritt beim Sport). Bei dieser Fallgruppe sei biome
chanisch zu begründen, dass der Meniskus der Gelenkbewegung nicht habe fol
gen können, zwischen den Gelenkkörpern eingeklemmt worden und unter Stress geraten sei, ohne dass makroskopisch objektivierbare Verletzungszeichen am Kapsel-Bandapparat hervortreten müssten (S. 3 Mitte).
Eine schicksalshafte Meniskusdiskontinuität entstehe schleichend und von
der versicherten Person unbeme
r
k
t. Sie könne sich bei ganz normalen altersphysio
logischen Bewegungs- und Belastungsabfolgen erstmals - durch Verlagerung der Meniskusanteile - symptomatisch bemerkbar machen
. In vielen Fällen, wie im vorliegenden auch, lasse sich schon aus der mitgeteilten Einwirkung erkennen, dass eine unfallbedingte Meniskusschädigung nicht in Betracht komme
(S. 3 unten).
3.7
Während des
Einspracheverfahrens
wurde
Dr.
B._
vom Beschwerdeführer beauftragt, zum Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 19. Septem
ber 2018 und den Kniebeschwerden links Stellung zu nehmen. Seiner Beurteilung vom 23. Januar (richtig: Februar) 2019
ist F
olgendes zu entnehmen (Urk. 7/
0
70
064
):
Der beim Beschwerdeführer bildgebend und intraoperativ festgestellte Riss im medialen Meniskus sei horizontal verlaufen. Der Meniskus sei bis auf die Gelenk
kapsel gespalten gewesen mit einem kleinen, über die
Tibiakante
nach kaudal lokalisierten
Flap
posteromedial
. Diese Morphologie der Meniskusläsion entspre
che mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest teilweise einem degenera
tiv bedingten Vorschaden
(S. 6 f.)
. Wie
Dr.
A._
in seinem Gutachten festge
stellt habe, sei eine unfallbedingte Meniskusläsion dann möglich, wenn physio
logische Bewegungs- und Belastungsgrenzen überschritten würden. Diese biome
chanische Belastung könne jedoch bei einer
Kniedistorsion beim Tennis
spiel sehr wohl auftreten. Im vorliegenden Fall sei denn auch eine Läsion der schützenden Strukturen wie des Kapsel-Bandapparates, das heisst eine Zerrung des medialen Seitenbandes nachgewiesen worden. Als weiterer Hinweis auf ein erhebliches Knietrauma zeige sich in der Bildgebung ein
bone
bruise
im medialen Rand des
Tibiaplateaus
, also im Bereich des lädierten Meniskus. Daher handle es sich vor
liegend nicht um eine isolierte Meniskusläsion
(S. 7 oben).
Durch die Kniedistorsion vom 19. September 2018 sei es überwiegend wahr
scheinlich zu einer komprimierenden Rotations-Scherbewegung gekommen, was eine Meniskusläsion begünstige. Somit sei es durch das besagte Ereignis mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung eines degenerativ bedingten Vorzustandes am medialen Meniskus des linken Knies gekommen (S. 7 Mitte).
3.
8
Mit Schreiben vom
9. Mai 2019
führte
Dr.
C._
aus, eine Zerrung des medialen Seitenbandes Grad I-II mache üblicherweise mindestens drei bis vier Monate Beschwerden. Die
gestützt auf das
MRI von ihm beschriebene leichte Ausdünnung des vorderen Kreuzbandes
(vorstehend E. 3.2)
habe sich intraoperativ bei der direkten Visualisierung und Palpation als nicht richtig gezeigt, weshalb von einem intakten vorderen Kreuzband ausgegangen werden dürfe.
Im Übrigen sei es sehr gut möglich, dass sich bei einem traumatischen Meniskus
riss innerhalb von mehreren Wochen ein Ganglion bilde.
Die intraoperativen, hervorragenden Knorpelverhältnisse würden ganz klar nicht für ein degeneratives Geschehen, sondern für eine frische, traumatische Menis
kusrissbildung sprechen (
Urk. 10
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging vorliegend davon aus, dass gestützt auf die Beur
teilung von
Dr.
A._
das Ereignis vom 19. September 2018 nicht geeignet gewesen sei, den beim Beschwerdeführer festgestellten Meniskusschaden zu bewirken. Die übrigen Befunde wie die Zerrung des Seitenbandes sowie der leichte Gelenkserguss seien wieder abgeklungen, wonach wenige Wochen nach dem besagten Ereignis - spätestens am 16. Oktober 2018 - vom Status quo
sine
auszugehen sei (vorstehend E. 2.1 sowie Urk. 2 S. 5 f. Ziff. 4.1
lit
. a).
In der Beschwerdeantwort macht
e
die Beschwerdegegnerin geltend, es sei bisher unbestritten gewesen, dass kein eigentlicher Unfall im Rechtssinne vorliege
. Strei
tig sei
einzig das Vorliegen einer Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG beziehungsweise des Gegenbeweises
(Urk. 6 S. 3
lit
. B).
4.2
4.2.1
Das Bundesgericht hielt in BGE 146 V 51 fest
, dass der Unfallversicherer nach Meldung einer Listenverletzung die genauen Begleitumstände abzuklären hat. Ist die Listenverletzung auf ein U
nfallereignis im Sinne von Art.
4 ATSG zurückzu
führen, so ist der Unfallversicherer solange leistungspflichtig, bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und ausschliesslich auf unf
allfremden Ursachen beruht
. Sind hingegen nicht sämtliche Kriteri
en des Unfallbegriffs nach Art.
4 ATSG erfüllt, so wird der Unfallversicherer für
eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs.
2 UVG in der seit
1.
Januar 2017 geltenden Fassung grundsätzlich leistungspflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Verletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist.
4.2
.2
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 100 E. 2d mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 176 f.) bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Fak
tor
Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1, Nr. U 510 S. 275, Nr. U 523 S. 541 E. 3.1).
4.2.3
Der Beschwerdeführer gab in der Unfallmeldung vom 24. September 2018 (Urk. 7/UM S. 2 oben) sowie dem am 1. Oktober 2018 ausgefüllten Fragebogen (Urk. 7/003 Ziff. 1) weitgehend identische Angaben zum Hergang des Ereignisses vom 19. September 2018
an
: Er habe beim Tennisspielen mit seinem linken Bein eine falsche Bewegung (Misstritt) gemacht, wodurch sein Knie nach links
über
dehnt und ein starker Schmerz ausgelöst w
o
rde
n sei
. Entgegen der Darstellung der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6 S. 2 unten)
berichtete der Beschwerdeführer nicht erst im Verlaufe des Abklärungsverfahrens, sondern bereits anlässlich der Unfall
meldung vom 24. September 201
8
- und somit «in erster Stunde» - über einen ereigneten
Misstritt
.
Ob diesem besagten Misstritt, welcher offenbar zu einer «
Überd
ehnung»
(
Urk.
7/003
Ziff.
1)
oder
«Verd
rehung
»
des linken Knies (vgl.
Urk. 7/M1 Ziff. 2
,
Urk.
7/M2
) geführt hat, eine
nach bundesgerichtlicher Recht
sprechung
erforderliche
Programmwidrigkeit
im normalen Bewegungs
ablauf
(vorliegend
im Tennisspiel)
zu
kommt (vgl. Urteil des Bundesgerichts U
398/06 vom 21. November 2006 E. 3.2.2),
lässt sich aufgrund d
es
ungenügend abgeklär
ten Ereignishergangs sowie der Begleitumstände nicht feststellen.
Aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes wäre die Beschwerdegegnerin gehalt
en gewesen, die Geschehensabläufe genauer zu erfragen. Überdies hat der Beschwerde
führer auf
grund der Ausführungen in der Verfügung vom 20. November 2018 (Urk. 7/032-030) sowie im
Einspracheentscheid
vom 5. März 2019 (Urk. 2) bisher nicht davon ausgehen müssen, dass der Unfallbegriff gemäss Art. 4 ATSG allenfalls strittig ist, sprach die Beschwerdegegnerin doch
stets
vom «Unfall» sowie von den «unfall
bedingten Beschwerden»
.
4.3
Vorliegend ist unbestritten, dass aufgrund des vorhandenen Meniskusschadens, der erstmals mit MRI vom 24. September 2018 festgestellt wurde
(vgl. vorstehend E. 3.1)
, eine Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2
lit
. c UVG vorliegt. Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht ab dem 17. Oktober 2018 jedoch mit der Begründung, gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
A._
sei der Gegenbeweis erbracht, dass der Meniskusschaden überwiegend wahrscheinlich auf Degeneration zurückzuführen sei.
Dr.
A._
setzte sich im Gegensatz zu
Dr.
C._
und
Dr.
B._
ausführ
lich mit den biomechanischen Vorgängen
, welche zu isolierten Meniskusschäden führen können,
auseinander,
und legte dar, welche Unfallhergänge nicht geeignet sind, ebensolche zu bewirken
. Ohne
jedoch
näher auf den konkreten Ereignisher
gang einzugehen - welcher nach aktueller Aktenlage
ohnehin
zu wenig abgeklärt wurde (vgl. vorstehend E. 4.2
.3
)
-
stufte
Dr.
A._
die «mitgeteilte Einwirkung»
als
derart ein, dass eine unfallbedingte Meniskusschädigung nicht in Betracht falle und
diese
dementsprechend rein degenerativ
bedingt sei
(vgl. vorstehend E. 3.6)
.
Dies ist aufgrund der fehlenden Umschreibung der konkreten Umstände respektive der aus ärztlicher Sicht nicht erfolgten Bezugnahme der lehrbuchartig geschilderten Theorie zum Meniskusriss hin zum konkreten Unfallhergang beim Beschwerdeführer nicht nachvollziehbar. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, als dass die Ausführungen von Dr.
B._
und
Dr.
C._
zumindest geringe
Zweifel an der versicherungsärztlichen Beurteilung von
Dr.
A._
zu wecken vermögen
(vgl. vorstehend E. 1.3)
.
Zwar anerkannte auch
Dr.
B._
, dass der vorliegende Meniskusschaden «zumindest teilweise» einem degenerativ
bedingten Vorschaden entspreche, ent
gegen der Beurteilung von
Dr.
A._
jedoch beim Tennisspiel sehr wohl phy
siologische Bewegungs- und Belastungsgrenzen überschritten werden könnten
, die Schäden wie die vorliegenden aus
zu
lösen
vermöchten
. Überdies ist gemäss
Dr.
B._
nicht von einem isoli
erten Meniskusschaden auszugehen, da mit der festgestellten Zerrung des medialen Seitenbandes eine Läsion des schützenden Kapsel-Bandapparates nachgewiesen sei
und das bildgebend dokumentierte
bone
bruise
im Bereich des lädierten Meniskus am medialen Rand des
Tibiaplateaus
auf ein Knietrauma hinweise
(vgl. vorstehend E. 3.7).
Diese divergierenden medi
zinischen Expertenansichten
ka
nn das Gericht nicht beurteilen.
Daran vermag auch die Einschätzung von
Dr.
C._
nichts zu ändern, zumal seine
Argumen
tation
,
wonach der Beschwerdeführer
bis zum
19. September 2018
beschwerdefrei gewesen sei und die Beschwerden daher
auf das besagte E
reignis zurückz
uführen seien (vgl. vorstehend E. 3.5
), letztlic
h der unzulässigen Beweisregel «
post
hoc ergo
propter
hoc»
entspricht
, wesha
lb darauf nicht abzustellen ist.
Immerhin aber hielt Dr.
C._
, welcher anlässlich der Erstvorstellung des Beschwerdeführers vom 5. Oktober 2018 von einer am 18. September 2018 stattgehabten Kniedis
torsion ausgegangen war (Urk. 7/M3), im Nachgang zum Eingriff vom 18. Okto
ber 2018 fest, er habe intraoperativ einwandfreie Knorpelverhältnisse angetroffen (Urk. 7/M6) und im Gelenk keinerlei Anzeichen von degenerativen Spuren fest
stellen können (vorstehend E. 3.5). Auch habe sich die von ihm gestützt auf die Bildgebung initial angenommene Ausdünnung des vorderen Kreuzbandes bei der direkten Visualisierung und Palpation nicht bestätigen lassen, weshalb dieses als intakt anzusehen sei (vorstehend E. 3.8), und die Ausbildung eines Meniskus
ganglions sei «sehr gut» im Rahmen einer traumatischen Rissbildung zu interpre
tieren. Hierdurch wird die dem angefochtenen Entscheid zu Grunde liegende ver
sicherungsärztliche Einschätzung des Dr.
A._
ebenfalls in Frage gestellt.
Dementsprechend ist
die Sache zur ergänzenden ärztlichen
Beurteilung
im Sinne eines
Akteno
bergutachtens an die Besch
werdegegnerin zurückzuweisen
.
Vor Ein
holung der ärztlichen Beurteilung hat die Beschwerdegegnerin beim Beschwer
deführer den Ereignishergang vom 19. September 2018
näher
zu erfragen und die daraus resultierenden Erkenntnisse zusammen mit den gesamten Akten dem zu beauftragenden
Facha
rzt zuzustellen.
4.4
Nach dem Gesagten ist der
Einspracheentscheid
vom 5. März 2019 aufzuheben und die Sache ist zur ergänzenden unabhängigen
medizinischen
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gut
zuheissen.
5.
Nach
§
34
Abs.
1
Gesetz über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als voll
ständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
In Anwendung obiger Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegend auf Fr. 1'600.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.